Was sie in allewege tut:
Voll Tücke steckt die Menschenbrut ..
Doch rede!
Hast mir vielleicht was Nützes abgesehn?
Geheime Kräfte, die ich blöde
Nit konnt’ erspähn?
So künde, was dir aufgefallen!
Es soll das Glück, das du verheißt,
Auf mich und dich, auf beide niederfallen.
Was trieb dich her? Was sinnt dein Geist?
Wir halten den Vertrag .. Sprich du nur dreist!
Bei Gott, schon schwillt in mir ein Wort
Und gährt und treibt in einem fort
Und sprengt mir schier die Wände.
Ich muß es kneten und ich kann’s ..
He, einen Kranz!
Und Wasser für die Hände!
Gibt’s was zu schmausen? Oder wie?
Ratefreund (zu
Hoffegut):
Nein .. Schon seit langem drängt’s mich hie,
Ein wahrhaft großes Wort zu künden,
[Pg 32]
Ein in sich selbst gefestetes,
Saftstrotzendes, gemästetes,
Um ihre Seelen zu entzünden.
.. Was tut ihr Vögelein mir leid,
Daß ihr nicht mehr, wie früher, Könige seid!
Über alles, was ist: über mich,
(auf Hoffegut deutend) über den,
Ja selbst über Zeus ... Ihr habt ältere Ahnen
Als Kronos oder die Schaar der Titanen.
Ihr wart — vor der Erde!
Das hört’ ich nie noch, beim Apoll!
Warst eben faul in der Schülerzeit!
Dir ward der Äsop nicht eingebläut!
Da steht von der Haubenlerche zu lesen,
Daß sie der erste Vogel gewesen.
Noch vor der Erde ... An einer Seuchen
Tät ihr der Vater stracks erbleichen.
Und weil’s noch keine Erde gab,
Kam er fünf Tage nicht ins Grab,
[Pg 33]
Bis daß sie ihm in ihrer Not
Den eigenen Kopfbusch als Ruhstatt bot.
— — — — — — — — — — — — — — — —
Weil ihr also vor Göttern und Erde wart,
Dünkt’s euch da nicht die rechte Art,
Ihr, als die ältesten, wäret die Herren?
Laß dir nur gleich einen Schnabel stehn!
.. Bloß wird sich Zeus dagegen sperren,
Vorm Eichelspecht ins Ausgeding zu gehn!
Daß die Vögel und nit die Götter vor Zeiten
Uns Menschen lenkten und betreuten,
Dafür sind der Exempel viel.
Erst nenn’ ich euch zu solchem Ziel
Den Hahn... Er hätt’ den ersten Platz
Als Herr der Perser aufzuweisen,
Noch vor Darius und vor Megabaz
.. Daher sie ihn den Perservogel heißen.
Drum stelzt er wie ein grimmer Schach
Und hat ein’n Spitzhut auf dem Dach!
So mächtig war er, stolz und groß,
Daß jetzt noch in der Frühe, kräht er bloß,
Ein jeder flugs zum Tagwerk zieht:
Der Häfner, Gerber und Kupferschmied,
Der Schuster, Bader und der Melber,
[Pg 34]
Der Leyerschilderdrechsler selber ..
Und auf Sandalen schreiten alle sacht
Hin durch die Nacht.
Ein’n wullenen Mantel, daß ihr’s wißt,
Hab ich durch diesen Vogel eingebüßt.
Zur Kindstauf’ hätt’ man mich gebeten.
Ich trank mir Einen an, bevor
Die andern Gäste schmausen täten ..
Und döselt’ ein ... Die Hähne krähten.
„’s ist Morgen!“ denk’ ich, eil’ ans Tor ..
Da haut mich einer hinters Ohr.
Ich fall’ .. Ich schreie mordio!
.. Mein Mantel war schon anderswo!
Der Griechen König war der Weih.
Ja. Er tät sie lehren,
Daß es am Platz und nötig sei,
Als König ihn im Staube zu verehren.
Beim Dionys, ich hab’s erlebt!
.. Ich seh’, wie einer ob mir schwebt ..
Fall’ offnen Maules aufs Gesäß ..
Da rutscht mir aus der Backenhöhle
Ein Groschen meuchlings in die Kehle ..
Ich fand’s nicht zweck- und wunschgemäß!
[Pg 35]
In Ägypten und im phönikischen Land
Das Regiment beim Kuckuck stand.
Und wenn der Kuckuck „Kuckuck!“ rief,
All Volk ins Feld zur Ernte lief.
Daher kommt wohl das Sprüchel gar:
Hinaus, zum Kuckuck, du beschnittne Schaar!?
So wohlbegründet war ihr Gubernieren,
Daß in jedwedem Königshaus,
Bei Agamemnon und bei Menelaus,
Ein Vogel auf dem Szepter saß
Und, ließ die Majestät sich schmieren,
Mit von der milden Gabe aß.
— — — — — — — — — — —
Doch am erstaunlichsten ist das:
Selbst Zeus, der itzt die Welt regiert,
Ein’ Adler auf dem Haupte führt,
Als Zeichen für sein Königtum.
Sein Töchterlein hat eine Eule;
Apoll, dem Diener, ward ein Falk zu teile ..
Wohlwohl. Sag bloß: wozu? warum?
Damit, wenn einer das Gekröse
Beim Opferfest nach altem Brauch
In seines Gottes Hand ergösse,
Der zugehörige Vogel auch,
[Pg 36]
Und zwar vor Zeus, das Opfermahl genösse.
.. Kein Mensch einst bei den Göttern schwur:
All-alle bei den Vögeln nur.
Sie nannten euch früher heilig und groß,
Itzt aber Sklaven und Tölpel bloß.
Sie werfen nach euch und schießen euch,
Als wäret ihr tollen Hunden gleich.
In jedem Tempel und Gotteshaus
Legen sie Schlingen und Netze aus,
Ruten mit Leim, Garne, Geflechte,
Drin eure Art sich fangen möchte.
Greifen, verhandeln euch in Massen.
Ihr müsset euch betasten lassen.
Und wenn es ihnen dann gefällt,
Werdet ihr nicht als schlichter Braten
Des Mittags auf den Tisch gestellt:
Sie wandeln euch zu Würzsalaten.
Sie machen euch mit Öl und Käse,
Mit Essig und mit Knöblich räse;
Mischen dazu eine fette, süße
Leckere Brühe und gießen diese
Über euch aus, siedheiß, zum Spaß,
Als wäret ihr ein stinkend Aas!
Genug, genug der trüben Mär
Brachtest du her!
Wie geht uns unsrer Väter Schmach,
Die herbe,
Das feig verscherzte Ahnenerbe,
Wie geht’s uns nach!
[Pg 37]
.. Dich aber schickt ein Dämon gut,
Ein freundlicher, uns zu befreien.
Dir wollen wir uns willig weihen
Und unsre Brut!
Sag an: Was tun? .. Das Leben ist nichts wert,
Wenn uns die Herrschaft nimmer zugehört!
Für’s erste: So erbauet euch
Ein Vogelstadtbild. Dann ummauert
Die Luft rundum, das Zwischenreich,
Mit Backsteinwällen, mächtig hoh’n,
Wie einst vor Zeiten Babylon.
Wie lang dies Riesenwerk wohl dauert?!
Und ist der Wunderbau vollend’t,
Verlangt von Zeus das Regiment!
Und wenn er nein sagt und sich wehrt,
Wird ihm der heilige Krieg erklärt.
Verboten wird den Göttern allen,
Durch euer Land gesteiften Speers zu wallen,
Die frech voreinst auf solchen Flügen
Die Semele und andere bestiegen.
Und wagen sie sich gleichwohl dran,
So hängt der Latte ein Sigillum an,
Auf daß sie’s nimmer machen kann.
Den Menschen kündet nebenher,
Daß euer Reich itzt kommen wär’.
[Pg 38]
Euch müßten sie opfern und erst hernach
Den Göttern, wie das früher geschach.
Ein’m jeden Gott wird unverweilt
Der passende Vogel zugeteilt.
Wer Aphroditen Opfer beut,
Dem Bleßhuhn Waizensamen streut.
Wer dem Poseidon Schafe schlacht’t,
Hab’ auf das Entenfutter acht.
Und wer was weiht dem Herakles,
Der Vielfraßmöve nit vergeß’
Und ihrer röschen Honigkuchen.
Will einer König Zeus versuchen
Mit einem Bock, der denke doch:
Zaunkönig steht nit minder hoch,
Ist wohl gar höher noch zu achten.
Man muß ihm eine Hodenmucke schlachten ...
Ein Muckenschlachtfest! I du mein!
Da fahr’ doch gleich der Donn’rer drein!
Werden wir aber für Götter gelten,
Da wir doch fliegen? Nicht für Kräh’n?
Nun muß ich deine Einfalt schelten!
Hast du des Hermes Flügel nie gesehn?
Er fliegt, als Gott, wie andre Götter mehr:
Goldflüglig hebt sich Nike von dem Sitze,
Und Eros fliegt.. Von Iris sagt Homer,
Sie sehe wie ein schüchtern Täubchen her.
Und schickt uns Zeus nicht die beschwingten Blitze?
[Pg 39]
Wenn sie uns aber doch verkennten
Und die Olympier wahre Götter nennten?
So sollen Spatzen ohne Zahl
Und andre Picker ihre Fluren füllen.
Die ernten alles nackt und kahl ...
Demeter mag dann ihren Hunger stillen.
Die wird sich hüten, wird sich drehn!
Und Raben sollen niedergehn,
Um ihren Ochsen, die am Pflug sich placken,
Und ihrem Vieh die Augen auszuhacken ...
Dann mag Apollo gegen bar
— Was tut er nicht um Honorar? —
Sie heilen!
Hoffegut
(schickt sich an, wegzulaufen):
Ich will nur gleich mein Rinderpaar verkeilen ...
Wenn euch jedoch für Gott und Welt
Und für Poseidon, Kronos, Leben
Ihr gläubiges Gemüte hält,
Dann sollt ihr ihnen alle Güter geben.
Wie? Nenne mir der Güter eins.
Dann sind Heuschrecken nimmer die Verderber
Des eben aufgeblühten Weins:
Sie würgt ein Fähnlein Eulen ab und Sperber.
[Pg 40]
Ameisen auch und Wespen nagen
Nimmer die süße Feige an:
Ein Drosselhaufe nimmt sie all am Kragen,
Fein säuberlich und Mann für Mann.
Wie aber soll’n wir ihnen Gold bescheren,
Darnach sie alle sich verzehren?
Dem, der die Vögel nach Gold befrägt,
Werden köstliche Gruben aufgedeckt.
Will einer um Gewinn verreisen:
Sie wern sich als Propheten weisen.
Kein Schiffer stirbt ..
Stets spricht ein seherisch Vögelein:
Fahr’ nicht, ’s gibt Sturm! Fahr’ zu, ’s bringt ein!
Ich kauf’ ein Schiff, will Seefahrt treiben.
Mag nimmermehr bei euch verbleiben.
Auch wissen die Vögel alle Plätze
Vergrabner alter Silberschätze
Und zeigen sie auf ... Drum heißt’s im Lied:
„Mein Schätzel bloß ein Vöglein sieht ..“
Flugs geb’ ich meinen Schifferkahn
Für eine wackre Schaufel dran
Und fang’ nach Geld zu graben an.
[Pg 41]
Wie machen wir aber die Menschen gesund?
Das liegt doch in der Götter Händen.
Wem’s wohl geht, der ist frisch und rund.
Wer’s übel treibt, muß übel enden.
Wie werden sie alt? Auch diese Gabe
Wohnt im Olymp. Bringt man sie gar
Als kleine Kinder schon zu Grabe?
Da hat es keinerlei Gefahr:
Die Vögel legen ihnen im Nu
Noch dreimal hundert Jahre zu.
Aus eigenem Gehalt:
Die Krähe wird fünf Menschenleben alt!
Hoffegut (gegen
die Zuschauer gewendet):
Ei ja! Die hab’ ich doch noch lieber
Zu Königen als Zeus, den Wolkenschieber!
Und ob! Wir brauchen ihnen mitnichten
Steinerne Tempel aufzurichten,
Mit güldenen Toren. Denn sie wohnen
Im Strauchwerk und in Eichenkronen.
Die Allerheiligsten und Besten
Verehrt man unter Ölbaumästen.
Man wird nicht mehr nach Delphi wallen
Und nicht mehr opfern Ammon zu Gefallen.
[Pg 42]
Nein. Aufrecht, Körner in der Hand,
Treten wir an den Beerenstand.
Wir flehn im Schatten der Oliven:
Gebt uns aus eurer Schätze Schrein!
Und kriegen gleich, um was wir riefen,
Wenn wir ein bischen Waizen streun.
O bester Greis! So wird zum Freund der Feind!
Von nun ab bleib’ ich ewig dir vereint!
Voll Stolz vertrau’ ich deiner Kunde
Und schwöre: Kämpfst du jetzt mit mir
In ehrlich-heilig-treuem Bunde
Wider der Götter Ungebühr,
Dann wird mein Szepter über Nacht
Aus dem Olymp hiehergebracht!
Wo’s Kraft braucht, da lass’ uns nur walten!
Dir bleibt der kluge Ratschlag vorbehalten.
Wohlauf! Wohlan!
Jetzt gilt’s nicht, schläfrig umzublicken
Und, winkt uns Nike, einzunicken:
Jetzt heißt es: hurtig drauf und dran!
(zu den beiden Athenern):
Doch tretet erst in meine Klause
.. ’s ist freilich Reisig bloß und Stroh im Hause ..
Wie heißt ihr denn — — wenn’s euch geruht?
Ich Ratefreund, der Hoffegut.
So seid mir beide hoch willkommen!
[Pg 43]
Ratefreund
(etwas geziert):
Wenn du uns bei der Hand genommen.
(sie gehen auf den Busch zu)
Ratefreund (sich
nochmals umwendend):
Halt halt! Mir fällt was ein:
Ihr fliegt ... Wie kommen wir da mit
Und haben keine Flügel nit?
Denk’ an jenen Bund,
So zwischen Adler und Fuchs bestund!
Er war dem Fuchsen nit gesund!
I wo! — Ich hab’ ein Wunderkraut;
Euch wachsen Flügel, wenn ihr’s kaut.
Hinein denn! (zu zwei
Theaterdienern, auf die Töpfe und
Spieße weisend):
Schafft den Krempel fort!
He! Hollahe, du! Auf ein Wort!
[Pg 44]
Führ’ du hinein die zweie
Und atze sie... Uns aber laß,
Daß unser Herz sich ihrer freue,
Die Sängerin der süßen Schreie,
Die Freundin derer vom Parnaß.
Tu ihnen doch die Liebe an,
Heiß’ aus dem Rohr das Vöglein gahn!
Auf daß auch wir uns dran erlaben!
Wenn ihr’s denn wollt, so sollt ihr’s haben.
Prokne, komm’ vor, zeig’ dich, du Meine!
(Die Nachtigall tritt auf, reich geschmückt, mit einer Flöte
und einer langschnäbligen Vogelmaske überm Kopf)
Wie schön das Vöglein ist, beim Zeus!
Wie gliederzart, wie blank und weiß!
Dürft’ ich nur zwischen ihre Beine!
Wie eine Jungfer, eine feine,
Ist sie geputzt und hergericht’t!
Am liebsten küßte ich die Kleine!
Narr! Siehst den Bratspießschnabel nicht?
[Pg 45]
So wie die Schale von dem Ei
Schält man ihn ab (hebt ihr die Maske auf)
und ist so frei (küßt sie).
(Wiedehopf, Ratefreund und Hoffegut gehen ab)