*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 78608 ***
ELEMENTE
DER
PALÄONTOLOGIE.
ELEMENTE
DER
PALÄONTOLOGIE
BEARBEITET
VON
Dr. GUSTAV STEINMANN
ORD. PROFESSOR FÜR GEOLOGIE UND MINERALOGIE AN DER UNIVERSITÄT
FREIBURG I. B.
UND
Dr. LUDWIG DÖDERLEIN
DIRECTOR DES NATURHISTORISCHEN MUSEUMS DER STADT STRASSBURG I. E.,
PRIVATDOCENT FÜR ZOOLOGIE.
MIT 1030 FIGUREN IM TEXT.
LEIPZIG
VERLAG VON WILHELM ENGELMANN
1890.
Das Recht der Uebersetzung haben sich Verfasser und Verleger vorbehalten.
HERRN
ERNST WILHELM BENECKE
IN DANKBARKEIT
GEWIDMET
VON DEN VERFASSERN.
VORWORT.
Die »Elemente der Paläontologie« waren ursprünglich als eine kurze
Zusammenfassung des Wissenswerthesten aus dem Gesammtgebiete
der Versteinerungskunde unter besonderer Berücksichtigung der
stratigraphisch wichtigen Formen geplant und sollten dem Umfange
nach ein Gegenstück zu Credner’s Elementen der Geologie bilden.
Das inzwischen erfolgte Erscheinen zweier kürzerer Lehrbücher der
Phytopaläontologie liess aber eine vorläufige Ausschaltung der Pflanzen
zweckmässig erscheinen. So konnte der verfügbare Raum für eine weitere
Ausgestaltung solcher Abtheilungen des Thierreiches verwerthet werden,
welche in Folge relativ vollständiger Überlieferung ihrer Reste eine
einheitliche, d. h. genetische Behandlung gestatten.
Das Buch bezweckt, dem Studenten aus der überwältigenden Masse des
vorhandenen Stoffes das Wichtigste und Brauchbarste in möglichst klarer
und prägnanter Form an der Hand guter Abbildungen vorzuführen. Dabei
mussten manche, wenn auch umfangreiche Abtheilungen, wie die Insekten
u. a., kurz behandelt und gewisse isolirte, zur Zeit noch unvollkommen
gekannte Gruppen, wie die Archaeocyathidae, Receptaculitidae, ganz
fortgelassen werden.
Bei den ~Wirbellosen~ wurden stammesgeschichtliche Auseinandersetzungen
nur dort eingefügt, wo das vorhandene Material direct dazu aufforderte.
Es gilt das in erster Linie von den Cephalopoden, für welche eine
grössere Anzahl von Vorarbeiten bereits vorlag. Hier führte aber
eine einheitliche Bearbeitung des Stoffes zu Ergebnissen bezüglich
des Zusammenhanges zwischen fossilen, schalentragenden und lebenden,
schalenlosen Formen, welche folgerichtiger Weise auch eine ähnliche
Behandlung der anderen Molluskenklassen erheischt hätten. Leider konnte
dieses nicht mehr geschehen, da der Druck der betreffenden Bogen
bereits vollendet war.
Bei den ~Wirbelthieren~, besonders bei den Säugethieren, konnten
die phylogenetischen Beziehungen vielfach stark in den Vordergrund
gerückt werden. Es liegt dies in der Natur des Stoffes, da bei ihrem
immerhin recht seltenen Vorkommen Säugerreste z. B. als Leitfossilien
einen sehr viel untergeordneteren Rang einnehmen wie etwa Mollusken,
während andererseits, bei der unendlichen Modulationsfähigkeit von
Gebiss und Skelet, fossile Säuger ein ungemein dankbares Material sind
für phylogenetische Betrachtungen. Eine besondere Berücksichtigung
wurde aus diesem Grunde auch den nordamerikanischen Formen zu Theil,
welche aus der deutschen Litteratur kennen zu lernen bisher nur
sehr wenig Gelegenheit geboten war. Und doch verdienen gerade diese
ein ganz besonderes Interesse, nicht nur wegen ihrer erstaunlichen
Mannigfaltigkeit und ihrer oft höchst seltsamen Gestaltung, sondern
vor allem, weil es das klassische Material ist, auf Grund dessen zum
ersten Male mit wahrhaft grossartigem Erfolge der Versuch gemacht
werden konnte, die Stammesgeschichte für eine grosse Reihe von
Säugethiergruppen zu schreiben und bis in das älteste Eocän, ja sogar
bis zu den Reptilien zurückzuverfolgen. Bleiben auch heute noch sehr
grosse Lücken in dieser Beziehung auszufüllen, so ist doch eine sichere
Basis für weitere Untersuchungen gewonnen, besonders seit durch E.
D. Cope’s bahnbrechende Arbeiten eine einheitliche Auffassung des
Säugethiergebisses ermöglicht wurde.
Für gefällige Mittheilungen und Berichtigungen, bez. Ueberlassung von
Material sind wir zahlreichen Fachgenossen zu Danke verpflichtet,
insbesondere den Herren A. Andreae, E. W. Benecke, G. Böhm, H. Credner,
W. Deecke, A. Goette, E. Haug, O. Jaeckel, W. Kilian, A. Ortmann, A.
Ulrich, W. Waagen.
Herr L. v. Sutner in München überliess uns bereitwilligst seine
systematischen Zusammenstellungen der Ammoniten, welche mit nur
untergeordneten Änderungen und den nöthigen Kürzungen verwerthet
wurden. Ein hervorragendes Verdienst hat sich Herr E. W. Benecke um das
Zustandekommen des Buches erworben, indem uns derselbe die Hilfsmittel
des Strassburger Instituts sowie seine eigenen in zuvorkommendster
Weise zur Verfügung stellte und uns jederzeit bereitwilligst mit seinem
Rathe unterstützte.
Allen genannten Herren, der Verlagsbuchhandlung und dem Herrn
Universitätszeichner Herrn K. Scharfenberger in Strassburg i. E.,
welcher mit rühmenswerther Hingebung und mit grossem Verständnis sich
der Ausführung der Zeichnungen widmete, unsern aufrichtigsten Dank!
Freiburg i. B. und Strassburg i. E., im November 1889.
G. Steinmann. L. Döderlein.
INHALT.
Seite
Einleitung 1
1. Begrenzung und Ziele der Paläontologie 1
2. Die Unvollständigkeit der paläontologischen Überlieferung 3
3. Der Erhaltungszustand der Fossilien 4
A. Thierische Fossilien S. 5. B. Pflanzliche Fossilien S. 7.
4. Das Alter und Vorkommen der Fossilien 9
5. Geologische Zeitrechnung 11
Synchronistische Tabellen 13
Systematik.
I. Thierreich 19
I. Kreis: Protozoa 19
1. Klasse: Rhizopoda oder Wurzelfüssler 19
1. Ordnung Foraminifera 20
Litteratur über Foraminiferen 20
Fam. Miliolidae S. 23. -- Saccaminidae S. 25. -- Lituolidae
S. 25. -- Textularidae S. 26. -- Lagenidae S. 27. --
Globigerinidae S. 28. -- Rotalidae S. 29. -- Fusulinidae S. 31.
-- Nummulinidae S. 32.
Anhang (Orbitulina) 38
Vorkommen und geologische Verbreitung der Foraminiferen 38
2. Ordnung Radiolaria 39
Litteratur über Radiolarien 39
I. Acantharia 41
II. Spumellaria 41
Fam. Sphaeridae S. 41. -- Discidae S. 42.
III. Nassellaria 42
Fam. Stephidae S. 43. -- Spyridae S. 43. -- Cyrtidae S. 43.
IV. Phaeodaria 44
Geologische Verbreitung der Radiolaria 44
II. Kreis: Spongia (Schwämme) 45
Litteratur über Spongien 45
1. Ordnung Tetractida 49
1. Tetractinellidae 50
2. Lithistidae 50
Fam. Tetracladina S. 52. -- Anomocladina S. 55. -- Rhizomorina
S. 57. -- Megamorina S. 58.
3. Monactinellidae 59
2. Ordnung Hexactida oder Hexactinellida 60
1. Lyssacina 62
2. Dictyonina 63
Fam. Coscinoporidae S. 63. -- Staurodermidae S. 65. --
Ventriculitidae S. 66. -- Maeandrospongidae S. 66. --
Coeloptychidae S. 68.
Geologische Verbreitung der Lithistiden und Hexactinelliden 69
3. Ordnung Calcarea (Calcispongia oder Kalkschwämme). Pharetrones 70
1. Inozoa 71
2. Sphinctozoa 72
Geologische Verbreitung der Pharetronen 73
III. Kreis: Coelenterata 73
1. Klasse: Polypomedusae (Hydromedusae) 74
Litteratur über Polypomedusae 74
Ordnung Hydroidea 74
Fam. Hydractinidae S. 75. -- Milleporidae S. 77.
Anhang: Erloschene Gruppen der Hydroidea 78
1. Graptolithidae 78
Geologische Verbreitung der Graptolithen 80
2. Stromatoporoidea 81
Ordnung Acalephae oder Lappenquallen 83
2. Klasse: Anthozoa 84
Litteratur über Anthozoa 84
A. Alcyonaria 85
Fam. Gorgonidae S. 86. -- Helioporidae S. 86.
B. Zoantharia. Madreporaria 87
Fam. Astraeidae S. 90. -- Oculinidae S. 93. -- Thamnastraeidae
S. 95. -- Fungidae S. 96. -- Poritidae S. 97.
Geologische Verbreitung der Hexacoralla 99
Ausgestorbene Gruppen der Anthozoa 100
I. Zoantharia rugosa (= Tetracoralla) 100
Fam. Cyathophyllidae S. 102. -- Zaphrentidae S. 103. --
Axophyllidae S. 104. -- Phillipsastraeidae S. 105. --
Cyathaxonidae S. 105. -- Cystiphyllidae S. 106. -- Calceolidae
S. 106.
Geologische Verbreitung der Tetracoralla 107
II. Zoantharia tabulata 108
Fam. Heliolitidae S. 108. -- Halysitidae S. 109. --
Syringoporidae S. 110. -- Favositidae S. 110. -- Chaetetidae
S. 112. -- Monticuliporidae S. 113.
Geologische Verbreitung der Tabulata 113
IV. Kreis: Vermes (Würmer) 114
Ordnung Polychaeta 114
1. Sedentaria (Tubicolae) oder Röhrenwürmer 115
Fam. Tentaculitidae S. 115.
2. Errantia (Nereidae) 116
V. Kreis: Echinodermata 117
1. Klasse: Holothurioidea (Seewalzen oder Seegurken) 118
2. Klasse: Echinoidea (Seeigel) 118
Litteratur über Echinoidea 118
I. Palechinoidea 122
II. Euechinoidea 124
I. Regulares (Radiär gebaute Seeigel) 125
Fam. Cidaridae S. 125. Salenidae S. 127. -- Diadematidae S. 128.
-- Echinidae S. 130.
II. Irregulares (zweiseitig gebaute Seeigel) 131
Fam. Echinoconidae S. 131. -- Conoclypeidae S. 132. --
Clypeastridae S. 133. -- Echinolampidae S. 134. -- Holasteridae
S. 135. -- Spatangidae S. 137.
Vorkommen und Verbreitung der Echinoidea 140
3. Klasse: Ophiuroidea 141
Litteratur über Ophiuroidea und Asteroidea 141
1. Ordnung Ophiurae 144
2. Ordnung Euryalae 145
4. Klasse: Asteroidea 146
5. Klasse: Crinoidea 149
Litteratur über Crinoidea 149
I. Ordnung Palaeocrinoidea 156
1. Unterordnung Camerata 156
Fam. Actinocrinidae S. 156. -- Melocrinidae S. 158. --
Rhodocrinidae S. 158. -- Hexacrinidae S. 159. -- Platycrinidae
S. 160. -- Calyptocrinidae S. 160.
2. Unterordnung Articulata 162
Fam. Ichthyocrinidae S. 162.
3. Unterordnung Inadunata 163
Fam. Cupressocrinidae S. 163. -- Cyathocrinidae S. 164. --
Poteriocrinidae S. 165.
II. Ordnung Neocrinoidea 166
Fam. Encrinidae S. 166. -- Eugeniacrinidae S. 169. --
Apiocrinidae S. 170. -- Bourgueticrinidae S. 171. -- Pentacrinidae
S. 171. -- Comatulidae S. 173.
Geologische Verbreitung der Crinoidea 174
6. Klasse: Cystoidea 176
Litteratur über Cystoidea 176
1. Gruppe Eucystoidea 178
2. Gruppe Cystechinoidea 180
3. Gruppe Cystasteroidea 181
4. Gruppe Cystocrinoidea 182
7. Klasse: Blastoidea 185
Litteratur über Blastoidea 185
VI. Kreis: Molluscoidea 189
1. Klasse: Bryozoa 189
Litteratur über Bryozoa 189
1. Unterordnung Cyclostomata 191
2. Unterordnung Chilostomata 194
2. Klasse: Brachiopoda 196
Litteratur über Brachiopoda 196
1. Ordnung Ecardines 204
Fam. Lingulidae S. 204. -- Obolidae S. 205. -- Discinidae S. 206.
-- Craniadae S. 206.
2. Ordnung Testicardines 207
1. Unterordnung Productacea 208
Fam. Productidae S. 208. -- Orthidae S. 211.
2. Unterordnung Spiriferacea 213
Fam. Spiriferidae S. 214. -- Atrypidae S. 217.
3. Unterordnung Terebratulacea 217
Fam. Rhynchonellidae S. 217. -- Terebratulidae S. 221. --
Stringocephalidae S. 226. -- Thecideidae S. 227.
VII. Kreis: Mollusca (Weichthiere) 228
Litteratur über Mollusca 228
1. Klasse Lamellibranchiata (= Pelecypoda, Conchifera, Acephala,
Bivalvia) 230
Litteratur über Lamellibranchiata 230
1. Ordnung Palaeoconchae 238
2. Ordnung Desmodonta 240
3. Ordnung Taxodonta 245
Fam. Arcidae S. 247. -- Nuculidae S. 248.
4. Ordnung Schizodonta (Trigonidae) 250
5. Ordnung Heterodonta 256
1. Unterordnung Conchacea 258
A. Integripalliata 259
Fam. Cyprinidae S. 259. -- Cyrenidae S. 260. -- Cardiidae S. 261.
-- Lucinidae S. 262. -- Astartidae S. 262. -- Cardinidae S. 264.
-- Unionidae S. 265. -- Crassatellidae S. 265. -- Megalodontidae
S. 266.
B. Sinupalliata 267
Fam. Veneridae S. 267. -- Tellinidae S. 268. -- Solenidae S. 269.
2. Unterordnung Chamacea 269
A. Normale Formen 272
Fam. Chamidae S. 272.
B. Inverse Formen 274
Fam. Monopleuridae S. 274. -- Caprinidae S. 274. -- Hippuritidae
(= Rudistae) S. 275.
6. Ordnung Anisomyaria = (Dysodonta) 279
1. Unterordnung Mytilacea 280
Fam. Aviculidae S. 280. -- Mytilidae S. 284.
2. Unterordnung Pectinacea 285
3. Unterordnung Ostreacea 290
Geologische Verbreitung der Lamellibranchiata 294
2. Klasse: Scaphopoda 295
3. Klasse: Gastropoda (Bauchfüssler, Schnecken) 296
Litteratur über Gastropoda 296
1. Ordnung Opisthobranchiata 306
Fam. Actaeonidae S. 306. -- Bullidae S. 307.
2. Ordnung Heteropoda 307
3. Ordnung Prosobranchiata 308
1. Unterordnung Placophora 308
2. Unterordnung Cyclobranchiata 308
3. Unterordnung Aspidobranchiata 308
Fam. Fissurellidae S. 309. -- Pleurotomariidae S. 309. --
Bellerophontidae S. 310. -- Trochidae S. 311. -- Neritidae S. 313.
4. Unterordnung Ctenobranchiata 314
A. Ptenoglossa (Federzüngler) 314
Fam. Solariidae S. 315.
B. Taenioglossa (Bandzüngler) 316
I. Holostomata 317
Fam. Turritellidae S. 317. -- Capulidae S. 318. -- Naticidae
S. 319. -- Paludinidae S. 320. -- Melanidae S. 321. --
Pseudomelanidae S. 322.
II. Siphonostomata 324
Fam. Nerineidae S. 324. -- Cerithidae S. 326. -- A. Entomostoma
S. 324. -- B. Alata S. 327. -- C. Canalifera S. 329.
C. Rachiglossa (Schmalzüngler) 330
Fam. Buccinidae S. 330. -- Volutidae S. 331. -- Olividae S. 332.
-- Fusidae S. 332. -- Muricidae S. 333.
D. Toxoglossa (Pfeilzüngler) 333
Fam. Pleurotomidae S. 333. -- Conidae S. 334.
5. Unterordnung Neurobranchiata 335
4. Ordnung Pulmonata (Lungenschnecken) 336
1. Unterordnung Basommatophora 336
Fam. Limnaeidae S. 336.
2. Unterordnung Stylommatophora 337
Fam. Helicidae S. 337.
Geologische Verbreitung der Gastropoda 340
4. Klasse: Pteropoda (Flossenfüssler) 342
Anhang: Conularida 342
5. Klasse: Cephalopoda (Kopffüssler) 344
Litteratur über Cephalopoden 344
1. Ordnung Nautiloidea 354
Fam. Endoceratidae S. 354. -- Nautilidae S. 356.
Geologische Verbreitung der Nautiloidea 371
2. Ordnung Ammonoidea 373
Abtheilung I. Goniatitidae 390
Goniatites 391
I. Anarcestinae 391
II. Mimoceratinae 394
Clymenia 397
Abtheilung II. Ammonitidae 400
A. Latisellati 401
Unterabtheilung I. Trachyostraci 402
Fam. Ceratitidae S. 402. -- Tropitidae S. 405.
Unterabtheilung II. Leiostraci 406
Fam. Arcestidae S. 406.
B. Angustisellati 409
I. Serratiformes 410
Fam. Pinacoceratidae S. 410. -- Anhang: Fam. Cladiscitidae S. 411.
II. Linguatiformes 412
Fam. Ptychitidae S. 412. -- Amaltheidae S. 413.
III. Lanceolatiformes 417
Fam. Phylloceratidae S. 418. -- Lytoceratidae S. 420. --
Aegoceratidae S. 424.
I. Abtheilung Carinati 426
Unterfam. Arietitinae S. 426. -- Harpoceratinae S. 427. --
Haploceratinae S. 430.
II. Abtheilung Annulati 432
Unterfam. Aegoceratinae S. 432. -- Cosmoceratinae S. 435. --
Stephanoceratinae S. 437. -- Perisphinctinae S. 441.
Geologische Verbreitung und Stammesgeschichte der Ammonoidea 448
3. Ordnung Belemnoidea 459
A. Phragmophora 460
Fam. Belemnitidae S. 461.
Unterfam. Aulacoceratinae S. 462. -- Belemnitinae S. 463. --
Belemnoteuthinae S. 470. -- Spirulinae S. 470. -- Sepiinae
S. 471.
B. Chondrophora 473
Geologische Verbreitung und Stammesgeschichte der Belemnoidea 474
VIII. Kreis: Arthropoda (Gliederthiere) 475
1. Klasse: Crustacea (Krebsthiere) 476
Litteratur über Crustacea 476
A. Palaeostraca 479
1. Unterordnung Trilobitae 479
Geologische Verbreitung der Trilobitae 495
2. Unterordnung Xiphosura (Schwertschwänze) 496
3. Unterordnung Gigantostraca (Riesenkrebse) 498
B. Euostraca 500
4. Unterordnung Phyllopoda 500
5. Unterordnung Leptostraca (Phyllocarida) 500
6. Unterordnung Malacostraca 502
a) Arthrostraca 502
1) Isopoda 502
2) Amphipoda 503
b) Thoracostraca 503
C. Entomostraca 507
7. Unterordnung Ostracoda (Muschelkrebse) 507
Fam. Leperditidae S. 507. -- Cypridinidae S. 508.
8. Unterordnung Cirripedia (Rankenfüssler) 509
Rückblick auf die Crustacea 510
2. Klasse: Arachnoidea 512
3. Klasse: Myriapoda (Tausendfüssler) 512
4. Klasse: Hexapoda (= Insecta) 512
IX. Kreis: Tunicata (Mantelthiere) 513
Anhang zu den Evertebraten 513
X. Kreis: Vertebrata (Wirbelthiere) 516
1. Die Wirbelsäule und ihre Anhänge 516
2. Der Schädel mit dem Visceralskelet 521
3. Das Gliedmassenskelet 524
4. Die Zähne 526
Eintheilung der Wirbelthiere 527
1. Klasse: Leptocardii 529
2. Klasse: Cyclostomi 529
3. Klasse: Pisces oder Fische 529
Litteratur über Fische 529
Hautgebilde der Fische 530
Gliedmassen der Fische 534
Wirbelsäule der Fische 537
Schädel der Fische 539
1. Unterklasse Chondropterygii 541
1. Ordnung Proselachii (Ichthyotomi) 541
Fam. Pleuracanthidae S. 541.
2. Ordnung Selachii 543
1. Unterordnung Squaloidei oder Haie 545
Fam. Hybodontidae S. 545. -- Cestraciontidae S. 546. --
Notidanidae S. 547. -- Lamnidae S. 547. -- Carchariidae S. 548.
-- Squatinidae S. 548.
2. Unterordnung Batoidei oder Rochen 549
Fam. Myliobatidae S. 549. -- Rajidae S. 550.
3. Ordnung Holocephali (Chimären oder Seekatzen) 550
Fam. Chimaeridae S. 551.
2. Unterklasse Euichthyes 551
4. Ordnung Placodermi (nebst Cephalaspidae und Pteraspidae) 551
Fam. Asterolepidae S. 552. -- Coccosteidae S. 552.
Anhang: Fam. Cephalaspidae S. 553. -- Pteraspidae S. 553.
5. Ordnung Dipnoi 553
1. Unterordnung Sirenoidea 554
Fam. Phaneropleuridae S. 554. -- Ceratodontidae S. 555.
2. Unterordnung Ctenodipterini 555
Fam. Dipteridae S. 555.
6. Ordnung Teleostomi 556
1. Unterordnung Crossopterygii 560
Fam. Holoptychiidae S. 560. -- Rhizodontidae S. 561. --
Rhombodipteridae S. 562. -- Coelacanthidae S. 562. --
Polypteridae S. 563.
2. Unterordnung Heterocerci 563
Fam. Acanthodidae S. 564. -- Palaeoniscidae S. 565. --
Platysomidae S. 567. -- Dorypteridae S. 567. -- Spatulariidae
S. 568. -- Accipenseridae S. 568.
3. Unterordnung Euganoidei 568
Fam. Stylodontidae S. 569. -- Sphaerodontidae S. 570. --
Saurodontidae S. 571. -- Rhynchodontidae S. 573. -- Lepidosteidae
S. 573. -- Pycnodontidae S. 573.
4. Unterordnung Physostomi 575
I. Amioidei 576
Fam. Pachycormidae S. 576. -- Amiidae S. 577. -- Hoplopleuridae
S. 578.
II. Clupeoidei 579
Fam. Clupeidae S. 579. -- Saurocephalidae S. 580.
5. Unterordnung Physoclysti 580
Fam. Berycidae S. 581. -- Percidae S. 581. -- Palaeorhynchidae
S. 582. -- Centriscidae S. 582.
Geologische Verbreitung der Fische 583
4.–6. Klasse: Quadrupeda 587
1. Die Wirbelsäule der Quadrupeda 587
2. Der Schädel der Quadrupeda 591
3. Gliedmassen der Quadrupeda 596
4. Hautgebilde der Quadrupeda 600
4. Klasse: Amphibia (Lurche) 601
1. Ordnung Stegocephala 602
Litteratur über Stegocephala 602
1. Unterordnung Branchiosauri 605
2. Unterordnung Sauromorphi 608
Fam. Hylonomidae S. 608. -- Nectridae S. 609. -- Aistopodidae
S. 609.
3. Unterordnung Rhachitomi 610
4. Unterordnung Embolomeri 611
5. Unterordnung Labyrinthodontia 612
2. Ordnung Urodela 614
3. Ordnung Gymnophiona 614
4. Ordnung Anura 615
Geologische Verbreitung der Amphibia 615
5. Klasse: Sauropsida 616
Litteratur über fossile Sauropsida 616
1. Ordnung Rynchocephala 619
Litteratur über Rynchocephala 619
Fam. Palaeohatteriidae S. 624. -- Sphenodontidae S. 621.
2. Ordnung Theromorpha 622
Litteratur über Theromorpha 622
1. Unterordnung Pelycosauria 623
2. Unterordnung Anomodontia 624
3. Ordnung Sauropterygia (und Placodontidae) 625
Litteratur über Sauropterygia 625
Fam. Nothosauridae S. 627. -- Plesiosauridae S. 628.
Anhang: Fam. Placodontidae S. 629.
4. Ordnung Testudinata 630
Litteratur über Testudinata 630
1. Unterordnung Atheca 634
Fam. Protostegidae S. 634.
2. Unterordnung Trionychoidea 634
Fam. Trionychidae S. 634.
3. Unterordnung Cryptodira 635
Fam. Chelydridae S. 635. -- Thalassemydae S. 635. -- Chelonidae
S. 636. -- Platychelydae S. 637. -- Emydae S. 637. --
Testudinidae S. 638.
4. Unterordnung Pleurodira 638
Fam. Pleurosternidae S. 639. -- Pelomedusidae S. 639. --
Plesiochelydae S. 639.
5. Ordnung Ichthyopterygia 640
Fam. Ichthyosauridae S. 642.
6. Ordnung Streptostylica 644
1. Unterordnung Lacertilia 644
2. Unterordnung Pythonomorpha 645
3. Unterordnung Ophidia 646
7. Ordnung Pterosauria 647
Fam. Rhamphorhynchidae S. 649. -- Pterodactylidae S. 650. --
Pteranodontidae S. 650.
8. Ordnung Crocodilia 651
Litteratur über Crocodilia 651
1. Unterordnung Parasuchia 652
Fam. Belodontidae S. 652. -- Aëtosauridae S. 653.
2. Unterordnung Eusuchia 654
Fam. Teleosauridae S. 655. -- Goniopholidae S. 656. --
Crocodilidae a. Longirostres. b. Brevirostres S. 657.
9. Ordnung Dinosauria 658
Litteratur über Dinosauria 658
1. Unterordnung Theropoda 659
Fam. Zanclodontidae S. 660. -- Megalosauridae S. 660. --
Ceratosauridae S. 660. -- Coeluridae S. 661. -- Compsognathidae
S. 661.
2. Unterordnung Sauropoda 661
Fam. Atlantosauridae S. 662. -- Morosauridae S. 663.
3. Unterordnung Orthopoda 663
A. Stegosauria 663
Fam. Scelidosauridae S. 663. -- Stegosauridae S. 664. --
Ceratopsidae 665.
B. Ornithopoda 665
Fam. Camptosauridae S. 665. -- Iguanodontidae S. 666. --
Hadrosauridae S. 667.
10. Ordnung Saurura 668
Litteratur über Saurura 668
11. Ordnung Aves 670
Litteratur über fossile Aves 670
1. Unterordnung Ratitae 671
A. Odontolcae 671
Fam. Hesperornithidae S. 671.
B. Cursores 672
Fam. Dinornithidae S. 672. -- Struthionidae S. 673.
2. Unterordnung Carinatae 673
A. Odontormae 673
Fam. Ichthyornithidae S. 673.
B. Euornithes 674
Geologische Verbreitung der Sauropsida 674
6. Klasse: Mammalia (Säugethiere) 678
Litteratur über fossile Säugethiere 678
Wirbelsäule der Säugethiere 680
Schädel der Säugethiere 681
Gliedmassen der Säugethiere 683
Gebiss der Säugethiere 687
Eintheilung der Säugethiere 694
1. Unterklasse Prototheria 696
1. Ordnung Monotremata 696
2. Ordnung Pantotheria 696
Fam. Dromatheriidae S. 697. -- Triconodontidae S. 697. --
Stylacodontidae S. 698.
3. Ordnung Multituberculata 698
Fam. Bolodontidae S. 699. -- Plagiaulacidae S. 700.
2. Unterklasse Marsupialia 700
1. Ordnung Polyprotodontia 702
Fam. Didelphidae S. 702. -- Dasyuridae S. 702. -- Myrmecobiidae
S. 703.
2. Ordnung Diprotodontia 703
Fam. Macropodidae S. 703. -- Diprotodontidae S. 703. --
Phascolomyidae S. 704. -- Phalangistidae S. 704. --
Thylacoleontidae S. 704.
3. Unterklasse Placentalia 705
a) Seesäugethiere 705
1. Ordnung Cetacea 705
Fam. Zeuglodontidae S. 706. -- Squalodontidae S. 706. --
Delphinidae S. 707. -- Ziphioidae S. 707. -- Balaenidae S. 707.
2. Ordnung Sirenia 707
b) Landsäugethiere 709
1. Gruppe Sarcotheria 709
3. Ordnung Chiroptera 709
4. Ordnung Insectivora 709
Fam. Ictopsidae S. 710.
5. Ordnung Creodonta 711
Fam. Proviverridae S. 712. -- Mesonychidae S. 713. --
Hyaenodontidae S. 714. -- Arctocyonidae S. 716. -- Miacidae
S. 716.
6. Ordnung Carnivora 716
Fam. Canidae. S. 719. -- Ursidae S. 721. -- Procyonidae S. 722.
-- Viverridae S. 722. -- Mustelidae S. 723. -- Hyaenidae S. 724.
-- Felidae S. 725.
7. Ordnung Pinnipedia 728
2. Gruppe Aganodontia 728
8. Ordnung Tillodontia 728
Fam. Esthonychidae S. 729. -- Tillotheriidae S. 730. --
Calamodontidae S. 730.
9. Ordnung Rodentia 731
1. Unterordnung Sciuromorpha 732
Fam. Sciuridae S. 733. -- Castoridae S. 733.
2. Unterordnung Hystricomorpha 733
Fam. Theridomyidae S. 734. -- Caviidae S. 734. -- Chinchillidae
S. 734.
3. Unterordnung Myomorpha 735
4. Unterordnung Lagomorpha 735
Fam. Leporidae S. 735. -- Lagomyidae S. 736.
10. Ordnung Edentata 736
1. Unterordnung Loricata 737
Fam. Glyptodontidae S. 738. -- Dasypodidae S. 739.
2. Unterordnung Gravigrada 739
Fam. Megatheriidae S. 739.
3. Gruppe Primates 741
11. Ordnung Prosimiae 742
Fam. Hyopsodidae S. 743. -- Adapidae S. 743. -- Lemuridae S. 744.
-- Tarsiidae S. 744.
12. Ordnung Simiae 745
Fam. Cynopithecidae S. 745. -- Simiidae S. 745.
4. Gruppe Ungulata 746
13. Ordnung Condylarthra 749
Fam. Periptychidae S. 750. -- Phenacodontidae S. 750. --
Meniscotheriidae S. 751.
14. Ordnung Hyracoidea 751
15. Ordnung Toxodontia 752
16. Ordnung Proboscidea 754
Fam. Dinotheriidae S. 755. -- Elephantidae S. 756.
17. Ordnung Amblypoda 762
Fam. Pantolambdidae S. 763. -- Coryphodontidae S. 763. --
Dinoceratidae S. 764.
18. Ordnung Perissodactyla 765
Fam. Hyracotheriidae S. 769. -- Tapiridae S. 771. --
Rhinocerotidae S. 772. -- Chalicotheriidae S. 776. -- Equidae
S. 778.
19. Ordnung Artiodactyla 784
Fam. Pantolestidae S. 788. -- Dichobunidae S. 789. --
Xiphodontidae S. 790. -- Anoplotheriidae S. 790. --
Anthracotheriidae S. 792. -- Suidae S. 794. -- Hippopotamidae
S. 796. -- Ruminantia S. 797. -- Oreodontidae S. 799.
-- Camelidae S. 800. -- Tragulidae S. 802. -- Cervidae S. 804.
-- Bovidae S. 808.
Geologische Verbreitung der Mammalia 814
Berichtigungen und Druckfehler 828
Register 830
Einleitung.
1. Begrenzung und Ziele der Paläontologie.
Den Gegenstand der paläontologischen Forschung bilden die Reste
abgestorbener Thiere und Pflanzen, welche sich zumeist in den
Erdschichten eingeschlossen, seltener auf der Oberfläche der
Erde finden. Man nennt diese Reste Fossilien, weniger passend
Versteinerungen oder Petrefacten.
An die Kenntniss der Fossilien knüpft sich ein doppeltes Interesse.
Rühren sie von organischen Wesen her, welche in der heutigen Schöpfung
nicht mehr vertreten sind, so erweitern sie unsere Kenntniss der
Organismen überhaupt. Aber selbst wenn sie von lebenden Thier- oder
Pflanzenformen nicht verschieden sind, dagegen an Orten gefunden
werden, wo die betreffenden Formen heute nicht mehr vorkommen, besitzen
sie für uns eine Bedeutung. Denn in diesem Falle legen sie -- bei der
bekannten Abhängigkeit der Verbreitung der Thiere und Pflanzen von
äusseren Bedingungen -- Zeugniss von irgend welchen Veränderungen ab,
die auf unserem Planeten vor sich gegangen sind. Es erhellt aus dem
Gesagten, dass die Paläontologie ein doppeltes Ziel verfolgt, ein
biologisches und ein geologisches.
Erst nachdem man begriffen hatte, dass die heutige organische Schöpfung
das Resultat einer allmählichen Entwickelung sei, ist die Bedeutung der
Paläontologie für die biologischen Wissenschaften richtig gewürdigt
worden. Wenn wir eine vollständige Kenntniss aller früheren Faunen
und Floren besässen, so läge uns der Entwickelungsgang, welchen die
organische Welt genommen, klar vor Augen. Leider wird aber durch die
Unvollständigkeit der paläontologischen Ueberlieferung die Bedeutung
der Paläontologie für die Aufhellung der Stammesgeschichte wesentlich
beeinträchtigt. Wir müssen uns damit bescheiden, innerhalb einiger,
besonders bevorzugter Abtheilungen des Thier- und Pflanzenreiches
mehr oder minder werthvolle Anhaltspunkte für die Beurtheilung
ihrer Stammesgeschichte zu gewinnen. Es wird dies besonders dadurch
ermöglicht, dass ein Zweig der Geologie, die Schichtenlehre oder
Stratigraphie, uns die Mittel an die Hand giebt, das relative Alter
der fossilen Reste festzustellen. Die verschiedenen Thier- und
Pflanzentypen sind nach einander auf der Erde erschienen und ihre
Reste finden sich deshalb in Gesteinen von verschiedenem Alter
eingeschlossen. Die Stratigraphie zeigt uns, welche Gesteine älter
und welche jünger sind, und so erfahren wir das relative Alter der
Fossilien. Da nun die zeitliche Aufeinanderfolge der Organismen auf
der ganzen Erde wesentlich die gleiche war, so werden die Fossilien
ihrerseits zur Altersbestimmung der Erdschichten verwendet, besonders
in denjenigen Fällen, wo die stratigraphische Methode allein nicht
dazu ausreicht. Somit wird die Paläontologie zur wichtigsten und
unentbehrlichsten Hilfswissenschaft der historischen Geologie. Man hat
die Fossilien passend »die Denkmünzen der Schöpfung« genannt. Denn
nicht allein fixiren sie die Zeitfolge der Ereignisse für unseren
Planeten, sondern sie geben auch wichtige Aufschlüsse über die
physischen Verhältnisse der Erde in früheren Perioden.
Der häufig sehr stark ausgeprägten Anpassungsfähigkeit der organischen
Wesen an äussere Lebensbedingungen sind bestimmte Schranken gezogen:
eine Meeresschnecke vermag nicht auf dem Lande oder im Süsswasser, ein
Waldbaum nicht unter Wasser zu existiren. Eine tropische Vegetation
setzt sich aus anderen Pflanzen zusammen, als eine polare oder eine
Steppenflora, und die reich verzierten und bunt gefärbten Schnecken der
wärmeren Meere sind den polaren Meeren fremd. In ähnlicher Weise waren
auch die Geschöpfe früherer Erdperioden von der Natur der Medien, von
der Temperatur, Meerestiefe etc. abhängig und eine fossile Fauna oder
Flora gestattet stets bis zu einer gewissen Grenze einen Rückschluss
auf die physischen Verhältnisse, welche an ihrem Wohnorte jeweils
herrschten. Das Wenige, was wir über die physische Beschaffenheit
unseres Planeten in früheren Stadien seiner Entwickelung wissen, ist
wesentlich mit Hilfe der paläontologischen Forschung ermittelt worden.
Es würde einseitig und unwissenschaftlich genannt werden müssen, wenn
man die Bedeutung der Paläontologie für die Erforschung der Geschichte
der Erde etwa geringer veranschlagen wollte, als die scheinbar
wichtigste, weil zunächst liegende Aufgabe derselben, welche eine
Erweiterung des Formenkreises der organischen Welt anstrebt.
2. Die Unvollständigkeit der paläontologischen Ueberlieferung.
Verschiedene Ursachen wirken zusammen, um die paläontologische
Ueberlieferung zu einer sehr lückenhaften zu machen. Der grössere Theil
der Erdrinde, nämlich so weit dieselbe vom Wasser bedeckt ist, wird
unserer Forschung wohl stets unzugänglich bleiben. Aber selbst gesetzt
den Fall, wir könnten die ganze Erdrinde auf ihren Gehalt an Fossilien
hin durchforschen, so würden wir doch nur ein sehr unvollständiges
Bild der organischen Gesammtentwickelung erhalten. Der Grund hierfür
liegt in der leichten Zerstörbarkeit der organisirten Gebilde. Es
lässt sich als ein allgemein giltiges Gesetz aussprechen, dass nur
die widerstandsfähigeren Theile des Thier- und Pflanzenkörpers der
Nachwelt überliefert werden können und diese auch nur dann, wenn sie
durch baldige Einbettung in Gesteinsmasse vor der Zersetzung durch
die atmosphärische Luft einigermaassen geschützt werden. Selbst die
resistentesten Theile eines Organismus, das Knochenskelet eines
Wirbelthieres oder der Holzcylinder eines Baumes, zerfallen schon
nach wenigen Jahren zu Staub, wenn sie mit der Luft in Berührung
bleiben. Das Gleiche gilt in noch viel höherem Maasse von den sog.
Weichtheilen, von dem protoplasmatischen Inhalte der Pflanzenzelle und
von allen aus Protoplasma bestehenden Theilen des Thierkörpers, selbst
wenn der Organismus gleich nach dem Absterben im Sande oder Schlamme
begraben wird. Nur ein Gestein von antiseptischen Eigenschaften, wie
es das Eis ist, vermag ein Abweichen von dieser Regel herbeizuführen
(Mammuthcadaver im sibirischen Eise). Dagegen sind die sog. Harttheile,
die aus kohlensaurem oder phosphorsaurem Kalke (seltener aus
Kieselerde) bestehenden Schalen und Skelete, oder die hornigen oder
chitinösen Gebilde der Thiere, sowie die meist aus Cellulose, seltener
aus Kieselerde aufgebauten Zellmembrane der Pflanzen im fossilen
Zustande als solche erhaltungsfähig. Weichtheile können nur Abdrücke
im Gestein zurücklassen, aber auch diese Fälle sind relativ selten
(Quallenabdrücke im lithographischen Schiefer).
Daher kommt es, dass uns von manchen Abtheilungen des Thierreichs,
z. B. von den Infusorien, Würmern etc., entweder gar keine oder nur
nichtssagende Fossilreste überliefert wurden. Aus demselben Grunde
werden uns auch die ältesten Bewohner der Erde stets unbekannt
bleiben. Denn es zweifelt heutzutage wohl kein Biologe daran, dass die
Harttheile der Thiere und Pflanzen als Schutz- oder Stützgebilde erst
im Laufe der organischen Entwickelung sich herausgebildet haben, mithin
den ältesten Organismen sicherlich fehlten.
Unter besonders ungünstigen Verhältnissen werden anscheinend sehr
schwer zerstörbare Harttheile, z. B. die kalkigen oder kieseligen
Skelete der Protozoen und Spongien, noch ehe sie ins Gestein
eingeschlossen werden können, vollständig aufgelöst. In bedeutenden
Meerestiefen besitzt das mit CO₂ beladene Wasser ein hohes
Auflösungsvermögen für Kalkcarbonat und es scheint, dass daselbst ein
ähnlicher Auflösungsprocess mit den aus amorpher Kieselerde bestehenden
Harttheilen der niederen Thiere und Pflanzen vor sich geht.
Mit manchen thierischen und den meisten pflanzlichen Harttheilen geht
vor ihrer Einbettung in das Gestein eine Zerstückelung vor sich, welche
die Deutung der fossilen Reste wesentlich erschwert. Die Skelete der
Wirbelthiere maceriren im Wasser sehr rasch und fallen in einzelne
Knochen oder Skelettheile aus einander. Letztere werden aus ihrem
Zusammenhange gelöst an verschiedenen Punkten im Gestein begraben und
häufig isolirt aufgefunden. Der gleiche Vorgang vollzieht sich in wenig
erfreulicher Regelmässigkeit bei den Pflanzen. Die Blätter, Blüthen,
Früchte werden getrennt von Stamm und Wurzeln, sehr häufig auch die
Rinde des Stammes vom Holzcylinder. Bei den Skeleten der Wirbelthiere
erleichtert die Correlation, welche zwischen der Form der einzelnen
Theile derselben häufig besteht, das Auffinden des Zusammengehörenden.
Bei den Pflanzen verschafft meist nur ein glücklicher Fund, welcher die
einzelnen Theile im Zusammenhange zeigt, völlige Gewissheit über die
Zusammengehörigkeit. Die einzelnen Theile ein und derselben Pflanze
werden deshalb häufig mit verschiedenen Namen provisorisch bezeichnet.
Schliesslich haben die in Schichtgesteinen eingeschlossenen Reste
nachträglich mannigfache Veränderungen theils chemischer, theils
mechanischer Natur erfahren und sind durch dieselben oft bis zur
Unkenntlichkeit entstellt worden. Für die richtige Deutung der
Fossilreste ist die Kenntniss dieser Vorgänge unumgänglich nöthig. Es
mag deshalb zunächst »der Erhaltungszustand der Fossilien« besprochen
werden.
3. Der Erhaltungszustand der Fossilien.
Der histiologische Unterschied, welcher zwischen Thier und Pflanze im
Allgemeinen besteht, ist nicht ohne Einfluss auf die Art und Weise der
Erhaltung beider im fossilen Zustande. Es empfiehlt sich deshalb, die
thierischen Fossilien von den pflanzlichen getrennt zu betrachten.
Bekanntlich tritt im Thierkörper der zellige Bau durch Verschmelzen
der Zellen zu Geweben sehr zurück, während in der Pflanze durch die
Ausbildung widerstandsfähiger Zellmembrane die Zellenstructur stets
deutlich ausgeprägt ist. Dieses Unterscheidungsmerkmal gilt im
Allgemeinen auch für die Fossilien.
A. Thierische Fossilien. Die fossil erhaltungsfähigen Harttheile der
Thiere bestehen in seltenen Fällen nur aus organischen Substanzen, wie
Chitin, Conchyliolin, Hornsubstanz etc., meist sind dem organischen
Gewebe mineralische Substanzen, wie Kalkcarbonat, Kalkphosphat oder
Kieselerde, eingelagert, gewöhnlich in so bedeutender Menge, dass die
organische Substanz gegen die anorganische sehr zurücktritt.
Die rein organischen Harttheile werden durch den Fossilisationsprocess
meist nur wenig verändert. Sie können nachträglich mit Mineralsubstanz,
z. B. Kalkspath, imprägnirt, oder durch allmähliche Verkohlung zu Kohle
reducirt werden (Graptolithen).
Die vorwiegend anorganischen Harttheile bestehen, abgesehen von
geringeren oder grösseren Mengen organischer Substanz, entweder
aus Kalksalzen oder aus Kieselerde oder aus fremden, vom Thiere
nicht erzeugten, sondern nur von aussen aufgenommenen Substanzen
(Sandkörnern).
Am verbreitetsten sind kalkige Hartgebilde, aus Kalkcarbonat,
Kalkphosphat, auch wohl geringen Mengen von Magnesiasalzen aufgebaut.
Sie werden hauptsächlich bei folgenden Abtheilungen des Thierreichs
gefunden:
Protozoa: Foraminifera;
Spongia: Calcispongia;
Coelenterata: Anthozoa, Hydrozoa;
Vermes: Tubicola;
Echinodermata: Echinoidea, Asteroidea, Ophiuroidea, Crinoidea;
Molluscoidea: Bryozoa, Brachiopoda;
Mollusca: Lamellibranchiata, Gastropoda, Pteropoda, Cephalopoda;
Arthropoda: Crustacea;
Vertebrata: Pisces, Amphibia, Reptilia, Aves, Mammalia.
Die amorphe, wasserhaltige Kieselerde tritt nur bei niederen Thieren
und zwar bei folgenden Abtheilungen skeletbildend auf:
Protozoa: Radiolaria;
Spongia: Silicispongia.
Verhältnissmässig selten sind »agglutinirende«, d. h. aus fremden,
durch organisches oder anorganisches Cement verkitteten Körpern
bestehende Hartgebilde:
Protozoa: Foraminifera;
Vermes: Tubicola;
Insecta: Neuroptera (Phryganidae).
Die nachträglichen Veränderungen, welche die wesentlich anorganischen
Hartgebilde durch den Fossilisationsprocess erfahren, lassen sich
eintheilen, wie folgt:
a. Die mit den Hartgebilden verbundene organische Substanz verwest
oder verkohlt. Sehr selten erhalten sich die Farben, z. B. an
fossilen Muscheln (Terebratula vulgaris).
b. Die von vornherein vorhandenen oder durch Verwesung der
organischen Substanz entstandenen Hohlräume werden von
Mineralsubstanz ausgefüllt. Dieses geschieht entweder durch
mechanisches Eindringen von Sand, Thon und dergl. oder durch
Infiltration von Minerallösungen, aus denen sich
verschiedenartige Mineralien, Calcit, Dolomit, Pyrit, Markasit,
Opal, Quarz, Siderit, Brauneisenstein etc. ausscheiden. Dieser
Vorgang allein verdient die Bezeichnung des »Versteinerns«. Eine
Folge desselben ist die Erhöhung des specifischen Gewichtes, oft
auch eine Verstärkung des Zusammenhaltes des Fossils. Die meisten
Fossilien sind auf diese Weise versteinert.
c. Die mineralischen Harttheile selbst erleiden eine Veränderung.
Im einfachsten Falle besteht die Veränderung in einer Paramorphose,
d. h. einer molecularen, aber nicht stofflichen Umlagerung der betr.
Mineralsubstanz. So geht der in Muschelschalen sehr verbreitete
Aragonit meist in Kalkspath über. Die amorphe, wasserhaltige Kieselerde
(Opal) wird in die krystalline Modification (Quarz) übergeführt.
Sehr häufig tritt aber der Fall ein, dass das in der Erdrinde
circulirende Wasser mit Hilfe der in ihm gelösten Substanzen
(Kohlensäure, alkalisch reagirende Salze etc.) die gesammte
Mineralmasse des Fossils oder einen Theil derselben auflöst und
fortführt. In Gesteinen von hinreichender Festigkeit (Kalkstein,
Sandstein etc.) bleibt dann ein Hohlraum von entsprechender Gestalt
zurück. Um die ursprüngliche Form des Fossils wieder herzustellen,
kann man die Höhlung mit einer plastischen, leicht erhärtenden Masse
(Schwefel, Gyps, Guttapercha etc.) ausgiessen, da das einschliessende
Gestein den »Abdruck« der Oberfläche, oft mit den feinsten Einzelheiten
bewahrt hat. Besass das Fossil eine innere Höhlung (z. B. eine Schnecke
oder Muschel) und war dieselbe durch den unter b beschriebenen Vorgang
mit Gesteinsmasse erfüllt, so erhalten wir einen innern Ausguss des
Fossils oder »Steinkern«.
Vielfach geht mit der Auflösung der Mineralsubstanz eines Fossils
eine Pseudomorphosenbildung Hand in Hand, indem an die Stelle des
fortgeführten Minerals ein anderes tritt. So finden wir in manchen
Gesteinen alle oder viele der ursprünglich kalkigen Fossilien
(Muscheln, Schnecken etc.) in Kieselerde umgewandelt und umgekehrt
ursprünglich kieselige Skelete als Kalkskelete vor (Kieselschwämme).
Als weitere, freilich seltenere Pseudomorphosen sind zu nennen: Pyrit,
Eisenglanz, Brauneisenstein, Baryt etc. nach Kalkspath oder Glaukonit,
Brauneisenstein nach Opal.
B. Pflanzliche Fossilien. Nur wenige Pflanzen (die sog. Kalkalgen und
Diatomeen) besitzen die Fähigkeit, ihre Zellmembrane mit anorganischen
Substanzen, Kalksalzen oder amorpher Kieselerde zu imprägniren. Man
trifft ihre Reste fossil in ähnlichen Erhaltungszuständen, wie sie von
thierischen Fossilien beschrieben wurden. Die mineralischen Hüllen
allein sind oft mannigfach verändert erhalten, der Zellinhalt ist
verschwunden.
Unter geeigneten Umständen, besonders bei Abschluss der atmosphärischen
Luft, besitzen aber auch die nur aus Cellulose gebildeten Zellmembrane
der Pflanzen eine bedeutende Widerstandsfähigkeit und die Mehrzahl
der pflanzlichen Fossilien leitet sich von Pflanzen ohne mineralische
Harttheile ab.
Wir unterscheiden drei wesentlich verschiedene Fossilisationsvorgänge:
a. Ein Pflanzenrest wird auf mechanischem oder chemischem Wege von
Mineralmasse umschlossen, ohne dass seine Verwesung auf die Dauer
verhindert werden kann. In diesem Falle bleibt nur ein Abdruck
der Pflanze im Gestein übrig. So sehen wir Blätter, Blüthen oder
Stämme von Landpflanzen durch die Absätze kalkhaltiger oder
kieselsäurehaltiger Quellen sich mit Gesteinsmasse incrustiren
und in derselben sich abformen, und ebenso hinterlassen
Meeresalgen Eindrücke im Schlamm oder Sand. Die organische
Substanz verwest vollständig und es bleibt ein Hohlraum, der sich
häufig später mit Mineralmasse füllt.
b. Ein Pflanzenrest wird frisch oder bereits theilweise verwest von
Minerallösungen durchdrungen und versteinert. Amorphe Kieselerde
(Opal) tritt sehr häufig, Kalk-, Magnesia- oder Eisencarbonat
seltener als Versteinerungsmasse von Stämmen, zuweilen auch von
zarteren Pflanzentheilen auf. Das Versteinerungsmittel erfüllt
entweder nur die Zellräume oder aber es durchdringt -- und das
ist der häufigere Fall -- auch die Zellmembranen. Im letzten
Falle entsteht eine compacte Mineralmasse, welche die
Zellmembranen vor völliger Verwesung schützt. Besonders bei der
Durchtränkung mit amorpher -- später auch wohl kryptokrystallin
werdender -- Kieselsäure bleiben oft die zartesten
Structureinzelheiten, wie die Tüpfel der Holzzellen, die
fadenförmigen Membranfortsätze der Sporen etc. erkennbar. Weniger
günstig wirkt die Durchtränkung mit Lösungen, aus denen sich
Mineralien von hohem Krystallisationsvermögen (Carbonate)
ausscheiden. Bei dieser Art der Erhaltung geht die feinere
Structur häufig verloren. Die Membransubstanz (Cellulose)
unterliegt im Laufe der Zeit meist einem langsamen
Verkohlungsprocesse, sie färbt sich braun und wird theilweise
oder ganz zu Kohle reducirt.
c. Die Verkohlung der Pflanzenreste. Während animalische Weichtheile
selbst unter Wasserabschluss sehr bald verwesen, geht mit der
Cellulose unter gleichen Bedingungen eine langsame Verkohlung vor
sich. Es lässt sich dieser Process in stagnirenden, mit
Pflanzentheilen erfüllten Wasseransammlungen, in Torfmooren und
Waldsümpfen, beobachten. Auf dem Boden derselben sammeln sich
Pflanzentheile an, die an Ort und Stelle wuchsen oder
eingeschwemmt wurden. Durch Oxydation des Kohlenstoffs und
Wasserstoffs zu Kohlensäure und Wasser, durch Bildung von
Kohlenwasserstoffen und Humussäuren entsteht eine braune, fast
homogene, moderige Masse, der Torf. Das Mikroskop zeigt uns noch
überall die pflanzlichen Elemente. Im weiteren Verlaufe dieses,
durch den Druck darüber lastender Erdschichten geförderten
Processes bilden sich Braunkohlen, Steinkohlen, Anthracit. Selbst
in der Steinkohle lassen sich noch Zellmembranen nachweisen. Die
resistenteren Holztheile behalten ihren Zusammenhang und ihre
Zellenstructur lange Zeiträume hindurch, denn wir kennen Stämme
aus den Braunkohlen der mittleren Tertiärzeit, die noch zu
Holzarbeiten verwendbar sind.
Ein analoger Process geht mit den Pflanzentheilen vor sich, welche
im Schlamm oder Sand isolirt eingebettet werden. Sie hinterlassen
eine mehr oder minder dünne Haut von Kohle, die häufig noch eine
mikroskopische Untersuchung gestattet, und das Gestein zeigt meist
beiderseits deutliche Abdrücke des betr. Pflanzenrestes. Auf die Form
und Nervatur der Blätter, die Gestalt und Vertheilung der Blattnarben
bei berindeten Stämmen ist man bei der Deutung derartiger, meist
plattgedrückter Reste in der Regel angewiesen. In Gesteinen, welche dem
Wasser eine leichte Circulation gestatten (Sandsteinen), verschwindet
die Kohlenlage leicht und es bleibt nur ein Abdruck übrig.
Mechanischen Veränderungen sind die organischen Reste sowohl vor
als nach ihrer Einbettung in die Gesteine unterworfen. Durch die
Bewegung des fliessenden oder brandenden Wassers werden namentlich
Muschel- und Schneckenschalen, Korallenstöcke etc. zertrümmert und zu
formlosen Körnern zerrollt. Der Sand der Meeresküsten besteht häufig
zum grösseren Theile aus derart gebildeten organischen Trümmern.
Nach ihrer Einbettung in die Erdschichten erleiden die Fossilien die
gleichen mechanischen Veränderungen wie jene selbst. Sie werden platt
gedrückt oder durch Auswalzung verzogen und oft vollständig deformirt.
Den compacten Kalkcylinder der Belemniten findet man in den gefalteten
Juraschiefern der Schweiz häufig in eine Anzahl weit von einander
getrennter Stücke zerrissen.
4. Das Alter und Vorkommen der Fossilien.
Seitdem das Wasser seine zerstörende Wirkung auf die Erdoberfläche
ausübt, haben sich als mechanische oder chemische Absätze aus
Quellen, Flüssen, Landseen und Meeren die Schichtgesteine gebildet.
Diese sind es, welche im Gegensatz zu den fossilfreien, weil zumeist
aus Schmelzfluss erstarrten, massigen Gesteinen, die Fossilien
einschliessen. Infolge der ununterbrochenen Veränderungen der
organischen Wesen im Laufe der Zeit führen Sedimentgesteine von
verschiedenem Alter im Allgemeinen verschiedene Fossilien. Umgekehrt
ist es aber nicht erlaubt, aus der Verschiedenheit von Fossilfunden
ohne Weiteres auf Altersunterschiede der betreffenden Gesteine zurück
zu schliessen. Denn es haben in früheren Perioden der organischen
Entwickelung, in ähnlicher Weise wie heut zu Tage, auf dem festen Lande
ganz andere Organismen gelebt wie im Wasser, in Landseen andere wie im
Meere. Man darf deshalb nur solche fossile Faunen und Floren, resp. die
Schichtgesteine, in denen sie sich finden, mit einander in directen
Vergleich stellen, welche in gleichen Medien existirt haben, isomesisch
sind, nicht solche aus verschiedenen Medien, die heteromesischen. Es
zeigt uns die räumliche Verbreitung der heutigen Thiere und Pflanzen,
dass auch innerhalb desselben Mediums (Salzwasser, Süsswasser,
Luft) unter ähnlichen oder ungleichen physikalischen Bedingungen
einschneidende provinzielle Verschiedenheiten in den Faunen und Floren
existiren, die zur Aufstellung zoo- und phytogeographischer Provinzen
Veranlassung gegeben haben. Ablagerungen aus der gleichen Provinz
nennen wir isotopische, solche aus verschiedenen heterotopische.
Endlich kommen die ungleichen physikalischen Verhältnisse, die
innerhalb einer und derselben Thier- oder Pflanzenprovinz herrschen
(die Temperaturen, Höhenlagen etc.), auch in der Verbreitung der
Organismen zum Ausdruck. Andere Thiere bewohnen das seichte Wasser,
andere die Hochsee; unsere Buchenwälder gedeihen nicht in alpinen
Höhen und manche Alpenpflanzen bemühen wir uns vergeblich im wärmeren
Tieflande zu acclimatisiren. Zur Bezeichnung solcher Verschiedenheiten
bedient man sich des Wortes Facies und versteht darunter den
Inbegriff aller derjenigen Verhältnisse, welche den Charakter eines
Schichtgesteins und der darin sich findenden organischen Reste
bedingen. So spricht man von einer Seichtwasser-, einer Tiefsee-, einer
Sand-, einer Schlamm-Facies etc.
Die Vertheilung von Meer und Festland auf der Erde war zu jeder Zeit
erheblichen Schwankungen ausgesetzt. Die Folge davon ist, dass wir
keinen Punkt auf der Erde kennen, wo zu allen Zeiten ausschliesslich
meerische oder Süsswasser-Absätze mit den jeweiligen organischen
Resten zum Absatz gekommen wären. Es wechseln vielmehr überall Absätze
aus tieferem mit solchen aus seichterem Wasser oder mit limnischen
Bildungen ab und dementsprechend auch die Faunen und Floren. Hierdurch
wird natürlich die Bestimmung der zeitlichen Aufeinanderfolge der
Organismen nicht unwesentlich erschwert. Sie kann nur auf eine
indirecte Weise geschehen, nämlich folgendermaassen:
An solchen Punkten, wo sich ein System fossilführender mariner
Sedimentschichten in möglichst wenig gestörter, am besten
horizontaler Lagerung befindet, und wo während der Bildungszeit
dieser Schichten möglichst ähnliche Verhältnisse geherrscht haben,
bestimmt man die Aufeinanderfolge der einzelnen Gesteinslagen und
ihrer Fossileinschlüsse. Aus jeder einzelnen Folge lernen wir nur ein
Bruchstück der Veränderung der marinen Thierwelt kennen, aber ein
Vergleich zahlreicher solcher Fossilfolgen von verschiedenen Stellen
der Erdoberfläche liefert uns ein mehr oder minder vollständiges Bild
der Gesammtänderung im Laufe der Zeit, wie es nachfolgendes Schema
verdeutlicht:
+---+----+----+----+----+----+----+
| I | II | III| IV | V | VI | |
+---+----+----+----+----+----+----+
|-- | -- | -- | -- | 12 | -- | 12 |
|-- | -- | -- | -- | 11 | -- | 11 |
|-- | 10 | -- | -- | 10 | -- 1 0 |
|-- | 9 | -- | -- | -- | -- | 9 |
|-- | 8 | -- | 8 | -- | -- | 8 |
|-- | -- | -- | 7 | -- | -- | 7 |
|-- | -- | -- | 6 | -- | -- | 6 |
| 5 | -- | -- | 5 | -- | -- | 5 |
| 4 | -- | -- | | -- | -- | 4 |
| 3 | -- | -- | -- | -- | 3 | 3 |
|-- | -- | 2 | -- | -- | 2 | 2 |
|-- | -- | 1 | -- | -- | -- | 1 |
+---+----+----+----+----+----+----+
Nicht alle Fossilien sind gleich brauchbar für die Altersbestimmung
der Schichtgesteine, vielmehr verdienen diejenigen, welche
mit einer ausgedehnten geographischen Verbreitung eine rasche
Formveränderlichkeit in successiven Zeiträumen verbinden, vor den
langlebigen und auf einen engen Wohnbezirk angewiesenen den Vorzug. Die
ersteren leiten oft in vorzüglicher Weise zur Auffindung gleichaltriger
Schichten und werden als »Leitfossilien« bezeichnet. Leitfossilien
können allen fossil erhaltbaren Abtheilungen des Thier- und
Pflanzenreiches angehören, doch erweisen sich die Reste freilebender
Meeresbewohner am brauchbarsten.
Der Stratigraphie fällt in Gemeinschaft mit der Paläontologie die
Aufgabe zu, diejenigen Schichtgesteine und Fossilien ausfindig zu
machen, welche gleichzeitig mit den normalen marinen, aber unter
anderen Verhältnissen entstanden sind. Für die vollständige Kenntniss
eines Fossils genügt nicht allein die Erforschung seines Verhältnisses
zu ausgestorbenen oder lebenden Formen, sondern es ist dazu die
Feststellung seines relativen Alters sowie seines Vorkommens überhaupt
nothwendig.
5. Geologische Zeitrechnung.
Nur das relative, nicht aber das absolute Alter einer
Gesteinsschicht und der darin enthaltenen Fossilien vermag die
stratigraphisch-paläontologische Forschung festzustellen. Für die
Zeitabschnitte, welche wir in der Geschichte unseres Erdkörpers
unterscheiden, können wir kein absolutes Maass, etwa nach Jahren,
angeben; dieselben sind vielmehr mit den grossen Abschnitten der
Weltgeschichte, Alterthum, Mittelalter, Neuzeit, in gleiche Linie zu
stellen, insofern sie auf localen, nur für einen Theil der Gesammtheit
bedeutungsvollen Ereignissen beruhen und einen durchaus conventionellen
Charakter tragen. Das gilt vor Allem von den vier grossen geologischen
Perioden, welche wir unterscheiden:
Känozoische Periode (Kaenozoicum) -- Neuzeit.
Mesozoische Periode (Mesozoicum) -- Mittelalter.
Paläozoische Periode (Palaeozoicum) -- Alterthum.
Azoische Periode (Azoicum) -- Vorzeit.
Jede dieser Perioden oder Aeren weicht in wesentlichen Punkten von der
andern ab, jede jüngere zeigt gegenüber der älteren einen erheblichen
Fortschritt in der Gesammtentwickelung der organischen Welt.
Aus der azoischen Periode kennen wir noch keine Spuren des organischen
Lebens.
Die paläozoische Periode zeichnet sich durch das vollständige Fehlen
der Palmen, Angiospermen, Vögel und Säugethiere, durch das Vorherrschen
der Gefässkryptogamen und der niederen Thiere incl. der Mollusken aus.
In der mesozoischen Periode herrschen Coniferen, Cycadeen, Amphibien
und Reptilien, wogegen Palmen, Angiospermen, Vögel und Säugethiere nur
wenig entwickelt sind.
Die känozoische Periode erhält ihr eigenthümliches Gepräge durch das
Dominiren der letztgenannten vier Gruppen und der Gliederthiere über
alle anderen organischen Wesen.
Innerhalb jeder dieser vier Perioden, resp. innerhalb der während
derselben gebildeten Schichtgesteine, unterscheidet man kleinere
Abschnitte als Formationen, deren gewöhnlich elf fossilführende
angenommen werden.
Känozoische Periode
Gegenwart oder Alluvium
Quartärformation oder Diluvium
Tertiärformation
Mesozoische Periode
Kreideformation
Juraformation
Triasformation
Paläozoische Periode
Permformation oder Dyas
Steinkohlenformation
Devonformation
Silurformation
Cambrische Formation (Cambrium)
Azoische Periode
Phyllitformation
Glimmerschieferformation
Gneissformation.
Die Begrenzung der Formationen und ihrer Unterabtheilungen (Stufen,
Schichten etc.) ist eine willkürliche. Was in den Gebieten, welche
der geologischen Erforschung zuerst zugänglich waren, insbesondere
Europa, später Nordamerika und Indien, einen dem Gesteinscharakter und
der Fossilführung nach zusammengehörigen Schichtencomplex zu bilden
schien, wurde als eine Formation oder Formationsabtheilung betrachtet.
Ehe man über die Gleichaltrigkeit scheinbar verschiedenartiger
Schichtcomplexe in verschiedenen Gegenden Klarheit erlangt hatte, sah
man sich gezwungen, dieselben mit verschiedenartigen Localnamen zu
belegen. Die gebräuchlichsten und wichtigsten derselben sind auf den
nachfolgenden synchronistischen Tabellen zur Darstellung gekommen. Die
durch die Klammern und Horizontalen angedeutete Gleichaltrigkeit ist
aber keineswegs eine durchweg scharf bestimmte, sondern der Natur der
Sache nach nur eine ungefähre.
+ ----------------+----------+-----------------------------------------------+
|Gegenwart } P | | |
|oder } l | | |
|Alluvium } e c | | |
+------------i ä--+----------+-----------------------------------------------+
|Quartärf. } s n | | II Glacialperiode Löss |
|oder } t | | Interglacialperiode |
|Diluvium } o- | | I Glacialperiode Pampasformation |
+===+===+===+=====+==========+=================+=============================+
| | N | | | | | |
| | e | |Ob. | | Red Crag | |
| | o | P +-----+----------+-----------------+-----------------------------+
| | g | l | |Astische | White Crag | }S f Paludinen |
| | e | i |Mitt.| Stufe | III Mediterran | }u o Schichten |
| | n | o | | | Stufe | }b r |
| | | c +-----+----------+-----------------+--------}a m-----------------+
| |(J | ä | |Pontische | | }p a Dinotherien- |
| | u | n |Unt. |Stufe | | }e t sand |
| | n | | | | | }n i Congerien Sch. |
| | g +===+=====+==========+=================+========}n o=================+
| T | t | | |Torto- | Leithakalk |Obere }}i n Sarmantische |
| e | e | M |Ob. |nische | Badener Tegel |Süss- }}n Sch. Littori- |
| r | r | i | |Stufe |II Mediterran St.|wasser }} nellenkalk |
| t | t | o +-----+--------- +----Schlier------+-------}---------------------+
| i | i | c | |Helveti- |Muschelsandstein |Obere } Cerithien Sch. |
| ä | ä | ä | |sche St. |Schio-Schichten |Meeres } M Land- |
| r | r)| n |Unt. |Langhische|I Mediterran St. | } o schneckenkalk |
| f | | | |(Mainzer) | | } l |
| o | | | |St. | | } a |
| r + ==+===+=====+==========+=================+=======} s===================+
| m | | | |Aquitani- | Cyrenen- |Untere } s |
| a | | O | Ob. |sche Stufe| mergel |Süss- } e |
| t | | l | | | |wasser } |
| i | | i +-----+----------+-----------------+-------}---------------------+
| o | E | g | | |Septarien-(Rupel-)Untere } |
| n | o | o |Mitt.|Tongeri- |Thon. Meeressand |Meeres } |
| | g | c | |sche Stufe|Sables de Font- | |
| | e | ä | | |ainebleau | |
| | n | n +-----+----------+-----------------+-----------------------------+
| | | | | |Bernstein- }N } Montmartre- |
| |(A | |Unt. |Ligurische|formation }u S }F Gyps |
| | l | | | Stufe | }m c }l |
| | t +===+=====+==========+=================}m h }y=======================+
| | t | | |Bartoni- |Bartonthon }u i }s |
| | e | |Ob. |sche |Sables moyens }l c }c |
| | r | | |Stufe |Grès de }i h }h |
| | t | E | | |Beauchamp }t t } |
| | i | o +-----+----------+-----------------}e e--------------------------+
| | ä | c | |Pariser |Pariser Grobkalk }n n |
| | r)| ä |Mitt.|Stufe |(Calcaire } |
| | | n | | | grossier) } |
| | | +-----+----------+-----------------+-----------------------------+
| | | | |Soisson- |Londonthon | |
| | | |Unt. |ische St. |Sables de Cuise |Laramie Gr. Cosina Sch. |
| | | | |(Libysche |Sables d. | ↓ ↓ |
| | | | |St.) |Bracheux | |
+---+---+---+-----+----------+-----------------+-----------------------------+
+---+--+---+-----+--------------+--------------------------------------------+
| | | | | | ↑ } ↑ |
| | | D | | | Laramie Gr. } Cosina |
| | | a | | |Baculiten-Kreide } Sch. |
| | | n | | Dordogne |Pisolithenkalk } H |
| | | i | | Stufe | Faxekalk } i Garonne |
| | | e | | |Tuffkreide von } p St. (Ga- |
| | | n | | |Mastricht } p rumnien) |
| | +===+=====+==============+==============================} u |
| | | | |Champagne |} Weisse } Belemni- } r |
| | | S | Ob. | St. |} Kreide } tellen- Oberer } i } Coe- |
| |O | e | |(Campanien) |} mit } Kreide Quader- } t } lopty- |
| |b | n +-----+--------------+} Feuer- sand- } e } chien- |
| |e | o | |Saintogne St. |} steinen stein } n } Kr. |
| |r | n | Unt.|(Santonien) |} } |
| |e | | |Cognac St. |} } Emscher } Pläner- } K Gosau |
| | | | |(Coniacien) |} } } mergel } r |
| | +===+=====+==============+================}=============} e |
| |K | | Ob. | Provence St. |} } S } Oberer } i Schichten |
| K |r | +-----+--------------+} } e } Pläner } d |
| r |e | T |Mitt.| Angoulême |} Weisse } e } } e |
| e |i | u | | St. |} Kreide } w |
| i |d | r | | (Angoumien) |} ohne } e } Mittlerer |
| d |e | o +-----+--------------+} Feuer- } n } Pläner |
| e | | n | Unt.| Loire St. |} steine } } |
| | | | | (Ligérien) |} } S |
| | + ==+=====+==============+================}=c=========================+
| F | | C | | | Kreidemergel } h |
| o | | e | Ob. | Charente St. | } i Unterer } |
| r | | n | | (Carentonien)| T } c Pläner } Chlori- |
| m | | o +-----+--------------+ o } h } tische |
| a | | m | Unt.| Rouen St. | Oberer } u t } t Unterer } Kreide |
| t | | a | | (Rotomagien) | Grün- } r i } e Quader- } |
| i | | n | | | sand } - a } n sandstein} |
| o +==+===+=====+==============+============================================+
| n | | | | |} Vraconne St. Flammenmergel |
| | | G | Ob. | Aube St. |} |
| | | a | | (Albien) | U G } S |
| |U | u +-----+--------------+ n r } (C t c |
| |n | l | Unt.| Apt St. |} t ü } a i h k Gargasmergel |
| |t | t | | |} e n } p o r a |
| |e +===+=====+==============+} r s } r n a l ===========================+
| |r | | | |} e a } o e t k } |
| |e | | Ob. | Urgon St. |} r n } -) n t } Hilsthon } Hils- |
| | | N | |(Barrême St.) |} d } e } } sand- |
| |K | e +-----+--------------+ n- } } stein |
| |r | o |Mitt.| Hauterive |} Spatan- } Hilscon- } |
| |e | c | | St. |} gen- } glomerat } } Wälder |
| |i | o | | |} kalk } } Thon |
| |d | m +-----+--------------+ |
| |e | | Unt.| Valengin St. | |
| | | | | | Aptychen-Kalk } Wälder (Hastings-)|
| | | | | Berrias St. | Wolga St. ↓ } Sandstein |
| | | | | | ↓ } (Weald) |
+---+--+---+-----+--------------+--------------------------------------------+
+---+---+--+-------------+--+--+---------------------------------------------+
| | | | | | | }D ↑ ↑ }P |
| | O | | | | |Transitorius }i K Wolga Aptychen}u |
| | b | | Tithon St. | | | Zone }p a St. Kalk }r |
| | e |O | |W | | }h l }b P |
| | r |b | |e |ζ |Cyclotus Zone }y k Virgatus Sch. }e o |
| | e |e | |i | | }a t }c } r |
| | r |r + ------------+s +--+--------------} A h ---------------- }k } t |
| | |e | |s |ε |Eudoxus Zone } }c i S Virgula St. } l |
| | J |r | Kimmeridge |e | | }a c c Pteroceras St. } a |
| | u | | St. |r |δ |Tenuilobatus }n u h. Astarten St. n |
| | r | | | |γ | Zone }- s d |
| | a +--+-------------+J +--+---------------------------------------------+
| | | | |u | | Bimammatus »Corallien« |
| | o | | |r |β | Zone Glypticus Sch. |
| | d |U | Oxford St. |a +--+---------------------------------------------+
| | e |n | | | |Transversarius Terrain |
| | r |t | | |α |Zone à chailles |
| | |e | | | |Perarmatus Zone |
| | M |r +-------------+--+--+---------------------------------------------+
| J | a |e | Kelloway | |ζ |Athleta Zone } Ornaten |
| u | l |r | St. | | |Jason Zone } Thon |
| r | m | | (Callovien) | +--+---------------- |
| a | | | |B | |Macrocephalus Zone Vilser Sch. |
| f +===+==+=============+r | +=============================================+
| o | M |O | |a | |Parkinsoni Varians Sch. } |
| r | i |b | Bath St. |u |ε | Klaus } Hauptrogen- }Gross- |
| m | t |e | (Bathonien) |n | |Sch. Sch. } stein oder }oolith |
| a | t.|r.| |e | | } Vesoul-St. } |
| t | +--+-------------+r +--+---------------------------------------------+
| i | J |M | | | |Blagdeni Zone } Coronaten } |
| o | u |i | Bayeux St. |J |δ |Humphriesianus } Sch. } |
| n | r |t | |u | |Zone } } |
| | a |t | (Bajocien) |r +--+---------------- } |
| | |l.| |a |γ |Sauzei Zone } Unter- |
| | o.| | | | |Sowerbyi Zone } oolith |
| | +----------------+ +--+---------------- } |
| | D | | | | | } |
| | o |U | | |β |Murchisonae Zone } |
| | g |n | Thouars | +--+---------------- } |
| | g |t | | |α |Opalinus Zone }Grès su- } |
| | e |e.| St. | | |Torulosus Zone }praliasique } |
| | r | | | | | |
| +===+==+ +==+==+=============================================+
| | |O | (Toarcien) | |ζ |Jurensis Zone |
| | U |b | |L +--+---------------- |
| | n |e | |i |ε |Posidonien Sch. |
| | t |r.| |a | | |
| | e + -+-------------+s +--+---------------------------------------------+
| | r |M | | |δ |Spinatus Zone Amaltheen } |
| | |i | |(S| |Margaritatus Zone Thone } G |
| | J |t | Lias St. |c +--+------------------ } r |
| | u |t | (Liasien) |h |γ | Davoëi Zone } a |
| | r |l.| |w | | Numismalis Sch. } u |
| | a +--+-------------+a +--+------------------ } e |
| | |U | |r | |Raricostatus Zone } |
| | o |n | |z |β |Oxynotus Zone } K |
| | d.|t | Sémur St. |e | |Obtusus Zone } a |
| | |e | |r +--+----------------- } l |
| | L |r |(Sinémurien) | | |Tuberculatus Zone } Gryphiten- oder } k |
| | i |e | |J |α |Bucklandi Zone } Arieten-Kalk } e |
| | a |r | |u | |Angulatus Zone } |
| | s | | |r | |Planorbis Zone } |
| | | | |a)| | |
+---+---+--+-------------+--+--+---------------------------------------------+
+---+--+----+-----------+------------+------------------------------+-------+
| | |R | }D | } O } | |
| |O |h | }a | Rhätische } b } | |
| |b |ä S | Kössener }c | oder } e } | |
| |e |t t | Schichte }h | Contorta-Sch. } r } | |
| |r |i u | }s | } e } | |
| |e |s f | }t | (Bonebed) } r } | |
| | |c e | }e | } | |
| |(a|h | }i | } | } |
| |l |e | }n | } | } |
| |p +====+===========}K ==========+--------------------------} | } |
| |i |K |Gyro- }a }Haupt- | }M } | } |
| |n |a |porellen- }l }dolo- |Stuben-Sandst. }i (B K } | } |
| T |e)|r S |Kalk }k }mit | }t u e } | } |
| r | |n t | |Semionotus- }t n u } | R } |
| i |T |i u | |Sandstein }l t p } | a } |
| a |r |s f |Lunzer Cardita- Raibler | }e e e } K | j } |
| s |i |c e | |Schilf-Sandst. }r r r) } e | m } |
| f |a |h | Sch. Sch. Sch. | }e } u | a } G |
| o |s |e | | }r } p | h } o |
| r | | | +----------------------- } e | a } n |
| m | | | { Cassianer Sch. |Grenzdolomit }U (L } r | l } d |
| a | +====+Hall-{ =================+ }n e k } | - } w |
| t | |N |stät-{ }D }Wengener | }t t o } | S } a |
| i | |o S |ter { }i }(Esino-) |Lettenkohle- }e t h } | c } n |
| o | |r t | { }p }Sch. |Sandstein }r e l } | h } a |
| n | |i u |Kalk { }l } | }e n e) } | i } - |
| | |s f | }o }Buchen- | }r - } | c } S |
|(U | |c e |Zlam- }p }steiner +=========================== | h } t |
| p | |h |bach- }o }Sch. |Dolomitische } } | t } u |
| p | |e |Sch. }r } |Region. }Oberer }M | e } f |
| e +==+=============}e ============+Nodosus-Sch. }(Haupt- }u | n } e |
| r | | M |Oberer }n } | }muschel- }s | } |
| |U | u |(Cepha- }K } |Trochiten- }kalk) }c | } |
| n |n | s |phalo-) }a }Gutten- |kalk } }h | } |
| e |t |A c |poden-) }l }steiner +--------------------------}e | } |
| w |e |l h |Kalk }k } | }Mittlere }l | } |
| |r |p e +-------------- }oder | }(Anhydritgr.) }k | } |
| s |e |i l |Unterer Reco- } +--------------------------}a -+---} |
| a | |n k |(Brachio aro- }Vir- |Schaumkalk } }l |P } |
| n |(a|e a |poden-) Sch. }gloria- |Wellen- }Unterer }k |a } |
| d |l |r l |Kalk }Kalk |Dolomit }(Wellen-) } |n } |
| s |p | k | |Muschel- }kalk } |c } |
| t |i | | |Sandstein } } |h } |
| o |n +====+========================+=========================== |e } |
| n |e |B | |Chirothe- }Oberer } |t } |
| e)| |u |Campiler } |rien- und }(Röth) }B |- } |
| |T |n s |Sch. }Werfener |Carneol- } }u |S } |
| |r |d t | }Schichten |--------------------------}n s|c } |
| |i |s e |Seisser } |Vogesen- }Mittlerer }t t|h } |
| |a |a i |Sch. }(Servino) |Sandst. }(Hauptbunt- }s e|i } |
| |s |n n | | } sdst.) }a i|c } |
| | |d | |--------------------------}n n|h } |
| | |- | | } }d |t } |
| | | | | }Unterer }- |e } |
| | | | | } } |n ↓ |
+---+--+----+------------------------+------------------------------+-------+
+---+---------------------------------+------------------------+----------+
| P | { O | {Oberer | D ↑ |
| e | { b Bellero- |Z s {-------------------+ a } |
| r | { e phonkalk |e t {Mittlerer | m } |
| m | { r |c e {-------------------+ u } |
| f | (D { e |h i {Unterer Kupfer- | d } |
| o | y { r |- n {schiefer | a } G |
| r | a { -------------------+------------------------+ } o |
| m | s) { M } | l { L r G S| S } n |
| a | P { i } F |R i { o e r a| c } d |
| t | r { t } u |o e { w d ö n| h } w |
| i | o { t } s |t g { e d d| i } a |
| o | d { l } u |h e {Lebacher r S s e s| c } n |
| n | u { e } l |- n {Sch. a t n t| h } a |
| | c { r } i | d n n o e e| t } |
| | t { e } n | e {Caseler e d n r i| e } S |
| | u { r } e | s {Sch. w - e n| n } t |
+---+--------+ s { } n ----+------------------------+--- } u |
| S | | { K { } |P S - {Ottweiler |T S } f |
| t | | K { U o { } K |r t f {Sch. |a c } e |
| e | | a { n h { } a |o e o { |l h } |
| i |Obere | l { t l { } l |d i r {Saarbrückener |c i } |
| n |(Carbon)| k { e e { } k |u n m {Sch. |h c } |
| k | | { r n { } |k k a { |i h } |
| o | | { e k { } |t o t {Waldenburger |r t } |
| h | | { r a { } |i h i {(Ostrauer) | e } |
| l | | { l { } |v l o {Sch. | n } |
| e | | { k { } |e e n { | } |
| n +========+========== { ==========+========================+==========+
| f | | (B { Kalk } |
| o | | e { von } |
| r |Untere | r { Visé } |
| m |(Sub- | g { } Culm |
| a |carbon) | k { Kalk } |
| t | | a { von } |
| i | | l { Tournay } |
| o | | k){ |
| n | | |
+---+--------+----------------------------+---Ursa Stufe------------------+
| | |Famenne } | } |
| |Ober- |oder }Cypridinen |Catskill Gruppe } |
| |Devon |Clymenien }Schiefer | } |
| | |Stufe } | -- } |
| | | | -- } |
| | |Frasne } |Chemung Gruppe } |
| D | |oder }Intumescens | } |
| e | |Goniatiten }Sch. | } |
| v | |Stufe } | } |
| o +========+============================+==================} |
| n | | {Stringocephalen | } |
| f |Mittel- |Eifeler {Kalk |Hamilton } |
| o |Devon |Stufe { | Gruppe } |
| r | | {Calceola Sch. } | } |
| m | | {(Eifeler Kalk)} (S | -- } |
| a | | { }H i | } |
| t +========+====== {{Wissenbacher }e l |Obere Heldenberg } |
| i | | {{Schiefer }r u | Gruppe } |
| o |Unter- |Coblenz {Cultrijugatus }c r | -- } |
| n |Devon |Stufe {Sch. }y |Oriskany Gruppe } |
| | | { -- }n F,| -- } |
| | | {Spiriferen } G,|Untere Helderberg } |
| | | {Sandstein } H)| Gruppe } |
| | | | ↓ } |
+---+--------+----------------------------+-------------------------------+
+----+-------+------+----------------------------------+-------------------+
| | | F₁ | | ↑ |
| | | | Ludlow St. } Oesel Gruppe | Untere Helderberg |
| S | | | -- | Gr. |
| i |Ober- | E | Wenlock St. } Gothländer Kalk | |
| l |Silur | | -- | Salina Gr. |
| u | | | Obere | -- |
| r | | | Llandovery St. | Niagara Gr. |
| f +=======+======+==================================+===================+
| o | | | Untere | |
| m | | | Llandovery St. | Cincinnati Gr. |
| a | | | -- | -- |
| t |Unter- | | Bala oder | Hudson Gr. |
| i |Silur | D | Caradoc St. | |
| o | | | -- } Ortho- | -- |
| n | | | Llandeilo St. } ceren } Vagi- | Trenton Gr. |
| | | | -- } Kalk } naten | -- |
| | | | Arenig St. } Kalk | Quebeck Gr. |
+====+=======+======+==================================+===================+
| | | | Tremadoc St. Ceratopygekalk | Calciferous Gr. |
| C | | | (Dictyonema Sch.)| -- |
| a |Ober- | C | | |
| m | | | Festiniog St. } Olenus Sch. | Potsdam Gr. |
| b | | | (Lingula flags) } | -- |
| r | | | Menevian } Paradoxides Obolus | Akadische Gr. |
| i | | | St. } Sch. Sandst. | |
| u +=======+======+==================================+===================+
| m | | | Harlech St. Eophyton | |
| |Unter- | B | Sandstein | |
| | | | | |
+----+-------+------+----------------------------------+-------------------+
Wenn eine naturgemässe und allgemein gültige Zeitrechnung nur auf die
successiven Aenderungen der organischen Welt begründet werden kann, so
muss als Einheit derjenige Zeitraum gelten, welcher erforderlich war,
um den kleinsten, für uns wahrnehmbaren Wechsel in der organischen
Gestaltung herbeizuführen. Auf dieses Princip gründet sich die
Eintheilung der Schichtgesteine in kleinste natürliche Schichtcomplexe,
in sog. Zonen. Im Gegensatze zu den kleinsten gleichzeitigen
Abänderungen einer organischen Form, die in der paläontologischen
Systematik wie auch sonst Varietäten genannt werden, verstehen wir
unter Mutation die kleinste, für uns noch erkennbare Veränderung einer
organischen Form im Laufe der Zeit.
Wie sich mehrere gleichaltrige Varietäten zu einer Art
zusammengruppiren, so umfasst eine Formenreihe eine Anzahl von
verschiedenaltrigen, successiven Mutationen, und der Zeitraum, während
dessen dieselbe Mutation unverändert existirte, ist eben die Zone.
So ist es gelungen, in genauer durchforschten Gebieten, wie Europa,
innerhalb einiger Formationen, z. B. der Juraformation, nach den
besonders häufig darin sich findenden Meeresfossilien (Ammoniten) eine
grosse Anzahl von Zonen (über 30) auszuscheiden, welche nicht allein
auf locale, sondern wahrscheinlich auf universelle Bedeutung Anspruch
erheben können. (Die Mehrzahl derselben ist auf der Tabelle p. 15
angegeben).
SYSTEMATIK.
I. Thierreich.
Man pflegt das Thierreich in eine grössere oder geringere Anzahl
von Kreisen oder Stämmen einzutheilen, welche wiederum in Klassen,
Unterklassen, Ordnungen, Unterordnungen, Familien und Gattungen zerlegt
werden. Meist unterscheidet man 10 Kreise, nämlich:
1. Protozoa oder Urthiere,
2. Spongia oder Seeschwämme,
3. Coelenterata oder Polypen,
4. Vermes oder Würmer,
5. Echinodermata oder Stachelhäuter,
6. Molluscoidea oder Weichthierähnliche,
7. Mollusca oder Weichthiere,
8. Arthropoda oder Gliederthiere,
9. Tunicata oder Mantelthiere,
10. Vertebrata oder Wirbelthiere.
Nur die Tunicata haben bisher noch keine fossilen Reste geliefert, weil
der Körper aller dahin gehörigen Formen ausschliesslich aus leicht
zerstörbaren Weichtheilen besteht.
I. Kreis: Protozoa.
Die Protozoa oder Urthiere, welche durch ihre niedrige Organisation --
das Fehlen von zelligen Organen -- von allen anderen Thieren geschieden
sind, werden in 3 Klassen eingetheilt; nur die eine derselben, die
Rhizopoda oder Wurzelfüssler, kommt fossil vor; sie allein
besitzen die Fähigkeit, eine kalkige oder kieselige Hülle zu bilden. Die
1. Klasse: Rhizopoda oder Wurzelfüssler
tragen ihren Namen wegen der Fähigkeit ihrer Sarkode, sich in
fadenförmige Fortsätze zu verlängern, die unter einander verschmelzen
und sich zertheilen, wie die Wurzeln einer Pflanze (Fig. 2). Die
Fortsätze oder Pseudopodien dienen zur Fortbewegung und zum Ergreifen
der Nahrung. Die Rhizopoden zerfallen in 3 Ordnungen, von denen nur
zwei für die Paläontologie in Betracht kommen, nämlich:
I. Foraminifera. Sarkode ohne Centralkapsel. Hülle meist kalkig.
II. Radiolaria. Sarkode mit Centralkapsel. Hülle, wenn mineralisch,
aus amorpher Kieselsäure gebildet.
1. Ordnung Foraminifera.
Litteratur über Foraminiferen.
Brady, H. B. Monograph of Carboniferous and Permian Foraminifera.
Palaeontogr. Society. 1876.
---- Report on the Foraminifera. Scient. Results of Challenger Voyage
Zoology Vol. XI 1884, woselbst ein vollständiges Literaturverzeichniss.
Carpenter, W. B. Introduction to the study of the Foraminifera. Roy.
Society 1862.
Moeller, V. v. Die Foraminiferen des russischen Kohlenkalks. Mémoir. de
l’Acad. impér. d. Sc. d. St.-Pétersbourg Bd. XXV, No. 9, XXVII, No. 5.
1878–9.
d’Orbigny, A. Foraminifères du bassin tertiaire de Vienne. Paris 1846.
[Illustration: Fig. 1. Typus Imperforata. Eine lebende Miliola mit den
nur aus der Mündung austretenden Pseudopodien.]
[Illustration: Fig. 2. Typus Perforata. Eine lebende Rotalide mit den
aus den Poren austretenden Pseudopodien.]
Der Sarkodeleib der Foraminiferen wird von einer kalkigen, seltener
agglutinirenden, d. h. aus fremden Partikelchen (Sandkörnern etc.)
zusammengekitteten, oder chitinösen Hülle oder Schale umgeben,
die entweder bis auf eine oder mehrere grössere Oeffnungen (die
sog. Mündung) vollständig geschlossen (Fig. 1) oder, abgesehen
von der Mündung, von zahlreichen feinen Canälen, den sog. Poren,
siebartig durchbrochen wird (Fig. 2). Bei den erstgenannten Formen
(Imperforata) können die Pseudopodien nur aus der Mündung, bei den
letzteren (Perforata) ausserdem auch durch die Poren austreten.
Die undurchbohrten Schalen erscheinen bei auffallendem Lichte
porcellanartig weiss, im durchfallenden hellbraun (Fig. 3 A),
die durchbohrten sind glasartig durchsichtig und zeigen feinere
oder gröbere Porencanäle (Fig. 3 B a feinperforirt; Fig. 3 C c
grobperforirt). Die agglutinirenden Schalen bestehen aus fremden,
nicht vom Thiere erzeugten, Sand- oder Kalkkörnchen, die durch ein
kieseliges, oft eisenschüssiges oder chitinöses Cement verkittet sind
(Fig. 3 D).
Bei manchen Perforata findet sich ein sog. Canalsystem. Bestimmte
Theile der Schale, z. B. die Kammerscheidewände, werden von
verzweigten, oft mit einander anastomosirenden Canälen durchzogen,
welche mit Sarkode erfüllt sind (Fig. 3 B b). Mit den Poren steht das
Canalsystem in keiner Verbindung. (Vergl. auch Fig. 22 c, f, 19 a, d.)
Als Zwischenskelet werden solche Schalentheile der Perforata
bezeichnet, welche frei von echten Poren die Schalenwände überziehen
(Fig. 3 C a) oder als Rippen, Stacheln etc. verzieren (Fig. 3 C b)
oder der Schalenwand eingekeilt sind (Fig. 22 i c). Wenn grobe,
unregelmässig angeordnete -- meist auch gewundene -- Canäle im
Zwischenskelet verlaufen (Fig. 3 C a, b; Fig. 22 i c), so spricht man
von einem Intercanalsystem.
[Illustration: Fig. 3. A undurchbohrte Schale (Miliola) im Dünnschliff.
B feinporige Schale (Rotalia) im Dünnschliff; a = Porencanäle; b
= Canalsystem. C grobporige Schale (Calcarina) im Dünnschliff;
c = Porencanäle; a und b = Zwischenskelet von groben Canälen
(Intercanalsystem) durchzogen. D agglutinirende Schale (Haplophragmium)
im Dünnschliff.]
Die Schalen der Foraminiferen bestehen entweder nur aus einer einzigen
Höhlung (Lagena, Fig. 8 A; Cornuspira, Fig. 4 A): einkammerige
Schalen, oder sie werden durch sog. Kammerscheidewände (Septa),
welche periodisch entstehen, in eine grössere oder geringere Anzahl
von Kammern getheilt (Rotalia, Fig. 3 B; Haplophragmium, Fig. 3 D):
vielkammerige Schalen. Die Scheidewände sind wie die Schalenwand
durchbohrt oder dicht, in seltenen Fällen von einem Canalsystem
durchzogen (Fig. 3 B, Fig. 19 d). Ein oder mehrere Ausschnitte oder
Löcher in der letzten Scheidewand werden als Mündung bezeichnet. Auch
alle früher gebildeten Scheidewände besitzen solche Oeffnungen; durch
dieselben steht die Sarkodemasse der einzelnen Kammern in Verbindung.
(Vergl. Fig. 3 D, Fig. 10 A a, Fig. 15 A a.)
Die Grösse der Foraminiferenschalen schwankt sehr; die meisten sind von
mikroskopischer Kleinheit: sie erreichen nur Bruchtheile von mm. In
wenigen Fällen (Alveolina, Nummulites, Orbitoides) erreichen sie die
Grösse mehrerer cm.
Die Eintheilung der Foraminiferen in Familien und Gattungen erfolgt
sowohl nach der Structur der Schale als nach der Anordnung der Kammern,
welch’ letztere eine sehr mannigfaltige: eine stabförmige, eine zwei-
oder dreizeilige, eine spirale oder kreisförmige (cyclische) sein
kann. In der nachstehenden Tabelle wurde eine Eintheilung versucht,
welche in vielen Punkten den natürlichen Verwandtschaftsverhältnissen
wenig entspricht; welche vielmehr dazu bestimmt ist, dem Anfänger
das Erkennen der wichtigsten Formen zu erleichtern. Es mag dabei
bemerkt werden, dass manche agglutinirende Formen aus der Familie
der Lituoliden wahrscheinlich z. Th. mit solchen aus der Familie
der Milioliden (Ammodiscus), z. Th. mit solchen aus der Familie der
Lageniden (Haplophragmium) in Beziehung zu bringen sind.
A. Schale stets undurchbohrt, fast immer kalkig, sehr selten
agglutinirend (Fig. 4 A-E) Miliolidae.
B. Schale stets agglutinirend, dicht oder durchbohrt. Gehäuse stets
einfach gebaut. Kammern nie alternirend 2- oder 3zeilig.
a. Kammern kugelig, dickwandig, locker an einander gereiht
(Fig. 7 A, B) Saccaminidae.
b. Kammern aufgerollt (Fig. 7 C, D) Lituolidae.
C. Schale kalkig (und dann grobporös) oder agglutinirend. Kammern in
abwechselnden Reihen, 2- oder 3zeilig (Fig. 7 E, F)
Textularidae.
D. Schale stets kalkig, fein- oder grobporös. Kammern nie in
abwechselnden Reihen.
a. Schale unsymmetrisch (Fig. 13).
α. Schale grobporös. Kammern kugelig aufgebläht (Fig. 10)
Globigerinidae.
β. Schale fein- oder grobporös. Kammern höchstens auf einer Seite
aufgebläht, auf der andern mehr oder weniger flach (Fig. 11)
Rotalidae.
b. Schale nach einer oder mehreren Ebenen symmetrisch (-- mit
Ausnahme von Polymorphina (Fig. 9) --), stets feinporös.
α. Mündung am äusseren Rande der Septalfläche (Fig. 8 C a) oder
endständig (Fig. 8 A) gelegen Lagenidae.
β. Mündung am inneren Rande der Septalfläche gelegen
(Fig. 16 B a).
1. Schale mehr oder weniger spindelförmig (Fig. 15)
Fusulinidae.
2. Schale mehr oder weniger linsenförmig (Fig. 20)
Nummulinidae.
Fam. Miliolidae.
Schale fast immer kalkig, bei auffallendem Lichte porcellanartig
weiss, bei durchfallendem bräunlich oder agglutinirend, aber stets
porenlos (Fig. 3 A). Die einfach gebauten Formen bestehen aus einer
schlauchartigen, knäuelartig aufgerollten Röhre; die complicirter
gebauten zeigen dieses Merkmal noch in dem Anfangsstadium.
Cornuspira Schltze. (Fig. 4 A). Eine einfache, ungekammerte, spiral in
einer Ebene gewundene Röhre. Mündung vom Durchmesser der Röhre. Trias
-- lebend.
C. cretacea Rss. (Fig. 4 A) häufig in der Kreide.
Miliola Schltze. (Fig. 1; Fig. 3 A; Fig. 4 B-E). Schale anfangs
ungekammert und spiral in einer Ebene gewunden (Fig. 3 A), später
wie die Fäden eines um eine Achse gewickelten Knäuels oben und unten
geknickt (Fig. 3 A; Fig. 4 E) und an den Umbiegungsstellen durch je
eine Scheidewand in Kammern getheilt. Bleiben die früheren Umgänge
sichtbar und findet die Aufrollung der Schale in einer Ebene statt,
so bezeichnet man sie als Spiroloculina (Fig. 3 A), verbreitern sich
die Kammern seitlich derart, dass sie die früheren Umgänge verhüllen
-- bei gleicher Art der Aufrollung in einer Ebene --, so entsteht die
Untergattung Biloculina (Fig. 4 B); vollzieht sich die Aufwickelung
in 3 oder 5 Ebenen (Fig. 4 C a--a--a, D a--a--a--a--a), so entsteht
Miliolina [= Triloculina (Fig. 4 C) und Quinqueloculina (Fig. 4 D, E)].
Mündung meist durch eine Platte oder einen Zahn verengt, oft siebartig
(Fig. 4 E). Trias -- lebend.
[Illustration: Fig. 4. A Cornuspira cretacea Rss. Gault.
Braunschweig. B Biloculina. C Triloculina. D Quinqueloculina; a = die
Aufrollungsebenen. E Quinqueloc. saxorum d’Orb. Mitteleocän. Paris; a =
Mündung, siebartig durchbrochen (in der Zeichnung nicht angegeben); die
Punkte bedeuten Vertiefungen der Schalenoberfläche, keine Poren.]
Die Miliolen treten häufig und meist gesellig im Tertiär und in den
heutigen Meeren auf. Verwandte Gattungen schon in der oberen Kreide
gesteinbildend (Südfrankreich, Istrien).
Bil. ringens d’Orb. }
} Tertiär und lebend häufig.
Tril. trigonula d’Orb. }
Quinqueloc. saxorum d’Orb. tritt gesteinbildend im »Miliolidenkalke«
des pariser Mitteleocäns auf.
Orbitulites Lmk. (Fig. 5). Gehäuse scheibenförmig, kreisrund, schwach
biconcav (Fig. 5 B). Die ersten Umgänge spiral, ungekammert, wie bei
Cornuspira; später tritt cyclisches Wachsthum ein. Die einfach gebauten
Orbituliten bestehen nur aus einer Lage concentrischer Kammerringe
(Fig. 5 A, k), welch’ letztere durch einfache, oder in Verticalreihen
gehäufte Mündungen mit einander und mit der Aussenwelt in Verbindung
stehen (Fig. 5 A, p). Jeder Ring wird durch radiale Scheidewände (die
weissen Flächen Fig. 5 A links) in zahlreiche Kammern abgetheilt, die
mit einander durch symmetrisch gestellte Mündungen (p’) communiciren.
Bei den complicirter gebauten Orbituliten legen sich über und unter die
Hauptkammerlage (k) noch zahlreichere Ringe aus kleineren Nebenkammern
bestehend (k’). Letztere stehen nicht unter einander, sondern nur mit
der Hauptkammerlage, und zwar durch grosse Oeffnungen in Verbindung
(rechts oben). Lias -- lebend.
[Illustration: Fig. 5. Orbitulites. A Schema. Die Vorderfläche stellt
die mit reihenförmigen Mündungen (p) versehene Aussenseite der Schale
dar; links Radialschnitt mit den Mittelkammern (k), den radialen
Scheidewänden (die weissen Flächen) und den Verbindungsröhren zwischen
den Kammern desselben Ringes (p’); oben und unten die Ringe der kleinen
Deckzellen (k’), die nur mit den Mittelkammern durch weite Oeffnungen
(rechts oben) communiciren. B Orb. praecursor Gmb. Lias. Südtirol.
Flächenansicht und Querschnitt.]
[Illustration: Fig. 6. A Alveolina Bosci Dfr. Mitteleocän (Grobkalk).
Paris; a = die Mündungsporen. B Alveolina Quoii d’Orb. Lebend.
Neu-Holland. Steinkern, die Sarkode darstellend. Die dunklen Theile
bezeichnen die Schale. d = Septalfläche mit mehreren Reihen von
kreisrunden Mündungen; a = Sarkode der äussersten, b = der inneren
Kämmerchen, dazwischen die dunklen Kalkplättchen; c = die von Sarkode
eingenommenen Längsrinnen.]
Orb. praecursor Gmb. Südalpiner Lias (Graue Kalke) (Fig. 5 B).
Ob. macropora Lmk. Dänische Stufe der obersten Kreide. Mitteleuropa.
Orb. complanata Lmk. Mitteleocän Südeuropas und des Pariser Beckens,
Miocän, Pliocän in England, lebend nur noch in den wärmeren Meeren.
Alveolina Bosc. (Fig. 6). Schale spindel- bis eiförmig, selten kugelig
oder platt, in der Richtung der Windungsachse (in die Quere) ausgedehnt
(Fig. 6 A). Umgänge spiral, die älteren durch den letzten verdeckt.
Jeder Umgang zerfällt in eine mehr oder weniger grosse Zahl (etwa bis
12) von Längs- oder Hauptkammern durch Scheidewände, welche unter den
der Achse parallel laufenden Längsriefen der Schale auftreten. Den sehr
zahlreichen, feineren Querriefen der Schalenoberfläche entsprechen
senkrecht zur Achse gestellte secundäre Scheidewände, welche die
Hauptkammern in eine gleich grosse Anzahl von schmalen röhrenförmigen
Nebenkammern zerlegen. Auf jede Nebenkammer kommt eine gesonderte
Oeffnung auf der Septalfläche (A a). Da die secundären Scheidewände
nicht ganz an das Hauptseptum heranreichen, so bleibt hinter dem
letzteren eine von Sarkode erfüllte Längsrinne (B c), welche alle
Nebenkammern mit einander in Verbindung setzt. Während die meisten
fossilen Formen den erläuterten, relativ einfachen Schalenbau zeigen,
complicirt sich derselbe bei manchen lebenden noch dadurch, dass die
Nebenkammern durch Kalkplättchen, welche der Schalenoberfläche parallel
liegen, in mehrere übereinander liegende Kämmerchen zertheilt werden (B
b). Dieser weiteren Theilung entsprechend erscheinen mehrere Reihen von
Mündungen auf der Septalfläche (B d).
Tertiär und lebend. Im unteren Eocän (Pyrenäen, Alpen, libysche und
arabische Wüste, Indien) gewisse Schichten oft ganz erfüllend (sog.
Alveolinenkalke).
A. ovulum Stache }
} Untereocän. Südeuropa. Arabien.
A. oblonga d’Orb.}
A. Bosci Dfr. (Fig. 6) Mitteleocän. Pariser Becken.
A. melo F. & M. sp. Miocän bis lebend.
A. Quoii d’Orb. Lebend.
Fam. Saccaminidae.
Kammern einzeln oder stabförmig aneinander gereiht (Fig. 7 A). Schale
dick, sandig, kieselig, mit groben verzweigten Canälen (Fig. 7 B).
Saccamina Sars (Fig. 7 A, B). Charakter der Familie.
S. Cartieri Brady (Fig. 7 A, B) 3–5 mm grosse Kammern oft in grossen Mengen
zusammengehäuft. Subcarbon. England, Schottland, Belgien.
S. sphaerica Sars. Lebend (450 Faden) Norwegische Küste.
Fam. Lituolidae.
Schale agglutinirend, dicht oder von groben Porencanälen durchbohrt
(Fig. 3 D). Kammern symmetrisch, seltener schwach unsymmetrisch spiral
eingerollt, bei späterem Wachsthum oft in gerader Linie (Fig. 7 D).
Lituola Lmk. Schale aus groben, verkitteten Sandkörnern aufgebaut, bis
1 cm gross, bischofsstabförmig. Die ersten Kammern symmetrisch spiral
eingerollt, die späteren in gerader Linie stehend. Die niedrigen
Kammern werden durch secundäre Scheidewände in kleinere Kammern
zerlegt. Mündung siebförmig. Kreide.
L. nautiloidea Lmk. häufig im Senon Nordeuropas.
Haplophragmium Reuss (Fig. 3 D, Fig. 7 D). Wie Lituola, aber ohne
Unterabtheilungen in den Kammern. Mündung meist einfach, central, oft
ausgezogen (Fig. 7 D a). Trias -- lebend. Zahlreiche Arten in Jura,
Kreide und Tertiär.
Hapl. aequale Rö. sp.; Hapl. irregulare Rö. sp. (Fig. 3 D). Untere
u. obere Kreide. Norddeutschland.
Hapl. Humboldi Rss. Oligocän (Fig. 7 D).
Hapl. latidorsatum Bern. sp. Oligocän, Miocän und lebend gemein in
grösseren Tiefen.
Ammodiscus Reuss (Fig. 7 C). Schale gar nicht oder nur unvollkommen
gekammert, eine nach Art von Cornuspira (Fig. 7 A) regelmässig spiral
oder unregelmässig knäuelartig gewundene Röhre darstellend (Fig. 7 C).
Mündung von der Weite der Schale. Carbon -- lebend.
Amm. incertus d’Orb. sp. und Amm. gordialis P. & J. sp. (Fig. 7 C)
häufig im Carbon, Zechstein, Jura etc. lebend von 50 Faden abwärts.
[Illustration: Fig. 7. A Saccamina Carteri Brad. Carbon.
Northumberland. B dieselbe, aufgebrochen, die labyrinthische
Schalenstructur zeigend. C Ammodiscus gordialis P. & J. sp. Carbon,
England. D Haplophragmium Humboldti Rss. Mitteloligocän, Sulz u. d.
Wald, Unt. Elsass. E Textularia carinata d’Orb. Miocän, Wien; a =
Mündung. F Clavulina Szabói Hantk. Unteroligocän, Ungarn; a = Mündung.]
Fam. Textularidae.
Kalkige oder agglutinirende, grobporöse Schalen. Die Kammern stehen
wechselständig in zwei oder drei Reihen um eine Längsachse, bei
weiterem Wachsthum oft einzeilig angeordnet (Fig. 7 E, F).
Textularia Dfr. (Fig. 7 E). Schale kalkig oder agglutinirend, platt,
keilförmig. Kammern zweizeilig, alternirend, meist breiter als hoch.
Mündung ein halbmondförmiger Spalt am Unterrande der der Achse des
Gehäuses zugewendeten Seite der Kammerwand (E a). Carbon -- recent,
sehr häufig in Kreide und Tertiär.
Text. globifera Ehrb. häufig in der Kreide.
Text. carinata d’Orb. (Fig. 7 E). In allen Stufen der Tertiärformation
verbreitet, lebend bei den Philippinen und im Mittelmeer.
Clavulina d’Orb. (Fig. 7 F). Schale stets agglutinirend, aus anfangs
dreizeilig geordneten, später einzeilig übereinander gestellten oft
dreikantigen Kammern sich aufbauend. Mündung endständig, in eine Spitze
ausgezogen (F a).
Cl. communis d’Orb. Eocän -- lebend.
Cl. Szabói Hantk. (Fig. 7 F). Mehrere mm gross, im ungarischen
Unteroligocän häufig (Cl. Szabói-Schichten).
Fam. Lagenidae.
Schale stets kalkig, feinporös, aus kugeligen oder abgeplatteten
Kammern aufgebaut. Letztere einzeln, oder zu mehreren aneinander
gereiht, eine stabförmige, spiral gerollte oder eine aus unregelmässig
zusammengehäuften Kammern bestehende Schale bildend. Mündung bei den
spiral gebauten Schalen an der Convexseite. Canalsystem fehlt in dieser
formenreichsten Familie.
Lagena Walk. (Fig. 8 A). Schale aus einer einzigen, meist verzierten,
kugeligen oder schwach abgeplatteten Kammer bestehend. Mündung
endständig, central, oft in eine halsartige Röhre ausgezogen. Silur --
lebend, besonders häufig im Tertiär.
Lag. semistriata Will. (Fig. 8 A). Eocän -- lebend.
Lag. laevis Mont. }
} Silur -- lebend.
Lag. sulcata W. & B. }
[Illustration: Fig. 8. A Lagena semistriata Will. Mitteloligocän.
Hermsdorf b. Berlin. B Nodosaria (Dent.) guttifera d’Orb. Miocän.
Wien. C Cristellaria rotulata Lmk. Gault. Braunschweig; a = Mündung. D
Frondicularia concinna Koch. Neocom. Hils.]
Nodosaria Lmk. (= Dentalina d’Orb.) (Fig. 8 B). Kugelige oder halsartig
verlängerte, oft sculptirte Kammern sind zu einer geraden (Nodosaria),
oder gebogenen (Dentalina), stabförmigen Schale aneinander gereiht.
Mündung endständig. Carbon -- lebend. Viele Arten in Jura, Kreide und
Tertiär.
Nod. prima d’Orb. Lias. Mitteleuropa.
Nod. raphanus L. }
} Tertiär und lebend.
Nod. (Dent.) guttifera d’Orb. (Fig. 8 B) }
Frondicularia Dfr. (Fig. 8 D). Schale abgeplattet, von linearem oder
rhombischem Umriss, aus winkelig gebrochenen, reitenden, in gerader
Linie übereinander gereihten Kammern bestehend. Mündung endständig,
central. Anfangskammer meist kugelig. Trias -- lebend.
Fr. Terquemi d’Orb. Lias. Mitteleuropa.
Fr. concinna Koch (Fig. 8 D). Neocom. Norddeutschland.
Fr. angusta Nils. (bis zu 40 Kammern). Turon und Senon. Mittel- und Nordeuropa.
Cristellaria Lmk. (Fig. 8 C). Gehäuse platt oder biconvex. Entweder nur
die ersten oder alle Kammern zu einer symmetrischen Spirale aufgerollt.
Kammerscheidewände vertieft oder leistenförmig hervortretend. Nabel
zuweilen von einer Scheibe verdeckt (Fig. 8 C). Mündung rund oder
spaltförmig an der Aussenseite der Septalfläche gelegen (Fig. 8 C a).
Lias -- lebend, eine sehr gemeine Gattung.
Cr. rotulata Lmk. (Fig. 8 C). Lias -- lebend, sehr häufig in der Kreide.
Polymorphina Will. (Fig. 9). Kammern undeutlich spiral oder zweizeilig
oder unregelmässig aneinander gehäuft. Schale kugelig oder abgeplattet.
Kammernähte meist vertieft. Mündung rund, an der Spitze des Gehäuses.
Trias -- lebend.
Pol. anceps Phil. (Fig. 9). Häufig im norddeutschen Oligocän.
[Illustration: Fig. 9. Polymorphina anceps Phil. Norddeutsches
Oligocän.]
Fam. Globigerinidae.
Schale kalkig, grobporös (Fig. 10). Kammern mehr oder weniger kugelig,
undeutlich spiral, in verschiedenen Ebenen locker aneinander gereiht.
Canalsystem fehlt.
Globigerina d’Orb. (Fig. 10). Kammern kugelig, rasch an Grösse
zunehmend, meist deutlich spiral angeordnet, grob punktirt. Mündung ein
halbmondförmiger Spalt auf der Unterseite (Fig. 10 A a).
Glob. bulloides d’Orb. (Fig. 10). Tertiär und lebend sehr häufig.
Glob. cretacea d’Orb. Häufig in der Kreide.
Glob. marginata Reuss. sp. In der Kreide häufig, lebend selten.
[Illustration: Fig. 10. Globigerina bulloides d’Orb. Miocän. Wien. A
von der Unterseite; a = Mündung. B von der Oberseite.]
Als Orbulina d’Orb. bezeichnet man kugelige, einkammerige Schalen,
welche von derselben Structur wie die Globigerinen oft kleine
Schalen der letzteren einschliessen und wahrscheinlich nur als ein
Reproductionsstadium derselben aufzufassen sind.
Der sog. Globigerinen-Schlamm, welcher in den grössten Tiefen der
Oceane (bis zu 4000 m Tiefe) vielfach angetroffen wird, besteht fast
ausschliesslich aus abgestorbenen Schalen von Globigerina, Orbulina
und Pulvinulina. Vom Jura an kennt man mehrfach Kalksteine, an deren
Zusammensetzung sich die Globigerinen in grossem oder geringem
Maassstabe betheiligen.
Fam. Rotalidae.
Die kalkige, fein- oder grobporöse Schale ist nach Art eines
Schneckenhauses gewunden und in meist zahlreiche Kammern getheilt. Auf
der einen Seite der Schale sind meist alle Umgänge sichtbar, auf der
anderen nur der letzte (Fig. 11). Canalsystem zuweilen entwickelt.
A. Schale grobporös (Fig. 2; Fig. 3 C; Fig. 11).
Truncatulina d’Orb. (Fig. 2; Fig. 11). Auf der gewölbten Oberseite
nur die Kammern des letzten Umganges (Fig. 11 A), auf der flachen
Unter- (oder Spiral-) Seite die aller Umgänge sichtbar (Fig. 11 B).
Kammerscheidewände meist vertieft. Mündung (Fig. 11 B a) spaltförmig
auf der Unterseite oder am Innenrande der letzten Scheidewand gelegen.
Carbon -- lebend.
Tr. lobatula Walk. sp. (Fig. 11). Carbon -- lebend, sehr häufig im
Tertiär.
Tr. ammonoides Reuss sp. Sehr häufig in der Kreide, tertiär und
lebend im südl. Pacific.
[Illustration: Fig. 11. Truncatulina lobatula Walk. sp. Miocän. Wien. A
von der Oberseite. B von der Unterseite; a = die spaltförmige Mündung.
C von der Seite.]
[Illustration: Fig. 12. Calcarina Spengleri Lin. sp. (= calcitrapoides
Lk.). Oberste Kreide (Danien). Mastricht.]
Calcarina d’Orb. (Fig. 3 C; Fig. 12). Wie Truncatulina, aber die
Umgänge von reichlich entwickeltem Zwischenskelet umgeben, welches der
Oberfläche ein warziges und stacheliges Aussehen verleiht (Fig. 12).
Grobe Canäle (Fig. 3 C a b) durchziehen das Zwischenskelet.
C. Spengleri Lin. sp. (Fig. 3 C; Fig. 12). Oberste Kreide, tertiär
und lebend.
B. Schale feinporös (Fig. 3 B a; Fig. 13).
Pulvinulina Will. (Fig. 13). Schale beiderseits gewölbt, aber
unsymmetrisch, feinporös, ohne Canalsystem. Mündung auf der
Septalfläche (C a); oft (Untergattung Epistomina) eine zweite,
spaltförmige, am Rande der Nabelseite gelegene (B x). Trias --
Jetztzeit.
P. caracolla Rö. sp. Oberer Jura und untere Kreide.
P. spinulifera Rss. (Fig. 13). Untere Kreide.
P. Partschii d’Orb. Lias -- lebend.
[Illustration: Fig. 13. Pulvinulina spinulifera Rss. Oberer Gault.
Folkestone, England. A Spiralseite. B Nabelseite; x = randliche
Mündungen. C Vorderansicht; a = septale Mündung.]
Rotalia Lmk. (Fig. 3 B). Von Pulvinulina durch ein wohl entwickeltes
Canalsystem unterschieden, welches in den Scheidewänden als einfacher,
gegen die Schalenoberfläche hin sich verzweigender Strang verläuft
(Fig. 3 B b). Vom Jura an, hauptsächlich im Tertiär und in den jetzigen
Meeren.
Rot. Beccari Lin. sp. Oberer Jura -- lebend.
[Illustration: Fig. 14. Amphistegina Lessoni d’Orb. (= A. Haueri
d’Orb.). Miocän (Leithakalk). Wien. A Ansicht der Unterseite. B Ansicht
der Oberseite. C Querschnitt: a = Mündung; b = Zapfen undurchbohrter
Schalenmasse.]
Amphistegina d’Orb. (Fig. 14). Schale nur schwach unsymmetrisch, aber
derart vollständig eingerollt, dass allseits nur der letzte Umgang
sichtbar bleibt. Unterseite stärker gewölbt als die Oberseite. Auf
der Oberseite (Fig. 14 B) verlaufen die einfachen Kammerscheidewände
anfangs nach vorn, dann geknickt nach hinten gebogen, auf der
Unterseite (Fig. 14 A) erscheinen sie nach dem Schalenrande zu
getheilt; sie geben dadurch zur Bildung von Secundärkammern
Veranlassung. Von der kugelförmigen Embryonalkammer gehen verkehrt
kegelförmige Zapfen, aus undurchbohrter Schalenmasse bestehend,
beiderseits in der Richtung der Aufrollungsachse bis an die Oberfläche
(Fig. 14 C b) und bilden einen centralen Knopf. Mündung (Fig. 14 C a)
in der Nähe der Mittellinie auf der Unterseite an einem Septalrande
gelegen. Subcarbon und Obere Kreide selten, häufig im Tertiär, lebend
in den tropischen Meeren.
A. minuta Brad. Subcarbon. England.
A. Fleuriansi d’Orb. Oberste Kreide (Dänische Stufe). Mastricht.
A. Lessonii d’Orb. (Fig. 14). Eocän -- lebend, sehr häufig im
miocänen Leithakalk des Wiener Beckens (= A. Haueri d’Orb.).
Fam. Fusulinidae.
Schale kalkig, fein porös[A] (Fig. 15 C), symmetrisch spiral
eingerollt; nur der letzte Umgang sichtbar. Gesammtform spindelförmig
(Fig. 15 A), cylindrisch oder fast kugelig (Fig. 15 D, E). Scheidewände
porenlos, in die Kammerwände eingekeilt, so dass sie die Oberfläche
kaum erreichen (Fig. 15 C, G). Mündung ein Spalt oder eine Reihe
von Löchern auf dem Innenrande der Septalfläche (Fig. 15 A a, G a).
Canalsystem fehlt. Auf Carbon und Perm beschränkt.
[Illustration: Fig. 15. A-C Fusulina. A F. cylindrica Fisch. Carbon,
Russland; a = Mündungsporen. B C. japonica Gümb. Carbon, Japan; Schema
k = Hauptkammern; f = gefaltetes Septum. C dieselbe im Schliff; s =
porenlose Septen, mit einander verschmolzen und in die Kammerwände
eingekeilt. D-G Schwagerina. Carbon, Japan. D Sch. princeps Ehrb. sp.
von der Seite. E dieselbe von vorn; a = Mündungsporen. F dieselbe
aufgeschnitten, die Kammern (k), die am Ende anostomosirenden Septen
und die Mündungsporen (a) zeigend. G Schw. lepida Schwag.; Schema; k
= Kammern mit den basalen Spiralreifen sp, welche die Secundärkammern
(sk) abtrennen; a = Mündungsporen.]
Fusulina Fischer (Fig. 15 A-C). Meist spindelförmig (A) oder fast
cylindrisch, selten mehr kugelig. Die Scheidewände auf der Oberfläche
der Schale durch Längsfurchen angedeutet. Nach innen zu falten sich die
Septen und bilden Nischen und Vorsprünge (B f). Dadurch dass sich die
Vorsprünge zweier benachbarten Septen berühren oder mit einander am
Grunde verschmelzen (Fig. 15 C s), werden innerhalb der Hauptkammern
(B k) unvollständig geschlossene Secundärkammern gebildet. Mündung
entweder eine centrale Spalte oder eine Reihe von runden Oeffnungen
oder beides vereint (A a).
Im Carbon und im untern Perm, besonders häufig im Carbon. Europa, Asien
und Nordamerika (Fusulinen-Kalk).
F. cylindrica Fisch. (Fig. 15 A), F. Verneuili Möll., F. japonica
Gümb. (Fig. 15 B, C),
F. ventricosa Meek.
Schwagerina Möller (Fig. 15 D-G). Meist nahezu kugelig (Fig. 15 D, E),
seltener cylindrisch oder spindelförmig. Septa einfach, nur in der
Nähe der Windungsachse gebogen und mit einander verschmelzend (Fig. 15
E). Auf dem Grunde der niedrigen Kammern (Fig. 15 G, K) erheben sich
zahlreiche, ebenso wie die Scheidewände aus undurchbohrter Kalkmasse
bestehende Reifen (Fig. 15 G sp) oder Spiralstreifen (Basalskelet),
welche die Kammern in Secundärkammern (Fig. 15 G sk) zerlegen. Doch
verschwinden die Spiralstreifen zuweilen fast gänzlich. Mündung
selten einfach, zumeist durch eine Reihe von Löchern ersetzt, welche
den Secundärkammern entsprechen (Fig. 15 G a). Meist mit Fusulina
vergesellschaftet im Carbon und in der unteren Dyas.
Schw. princeps Ehrb. sp. (Fig. 15 D-F). China und Russland.
Schw. lepida Schwag. (Fig. 15 G) China.
Fam. Nummulinidae.
Schale kalkig, feinporös, stets symmetrisch eingerollt oder bald
cyclisch werdend (Orbitoides). Mündung am Innenrande der Septalfläche
(Fig. 16 B a). Mit oder (seltener) ohne Canalsystem. Enthält die
grössten aller Foraminiferen (Nummulites und Orbitoides).
Pullenia P. & J. (Fig. 16). Schale ganz eingerollt, so dass nur der
letzte, aus wenigen Kammern bestehende Umgang sichtbar ist. Mündung ein
breiter Spalt (B a). Canalsystem und Zwischenskelet fehlen. Lebend und
fossil von der Kreide an, häufig im Neogen.
P. bulloides d’Orb. sp. (Fig. 16). Tertiär und lebend häufig.
[Illustration: Fig. 16. Pullenia bulloides d’Orb. sp. Miocän. Wien. A
von der Seite. B von vorn. a = Mündung.]
Polystomella d’Orb. (Fig. 17). Schale wie bei Pullenia eingerollt, aber
die Umgänge mit zahlreicheren Kammern. Die Mitte der Schale wird von
einer aus Zwischenskeletsubstanz gebildeten Scheibe eingenommen (Fig.
17 A). Der Steinkern (B) zeigt ein spirales, unter der Nabelscheibe am
centralen Aussenrande der Umgänge verlaufendes Canalsystem (B a), von
welchem sich Meridionalcanäle (B b) abzweigen und in den peripherischen
Theil der Septen eintreten. Die kurzen Aeste der letzteren treten
mit den Kammern des nächstfolgenden Umganges in Verbindung. Am
hinteren peripherischen Rande der Septen besitzt jede Kammer
zahlreiche, blindsackartige Ausstülpungen, deren Zwischenräume auf der
Schalenoberfläche als spiral und radial geordnete Grübchen sichtbar
werden (A). Mündung meist in eine grössere Anzahl Löcher aufgelöst.
Jura -- Gegenwart, häufig im Tertiär.
Pol. crispa Lmk. (Fig. 17). Häufig tertiär und lebend.
[Illustration: Fig. 17. A Polystomella crispa Lmk. Miocän. Wien;
von der Seite. B Steinkern von Polyst. craticulata F. & M. sp.; a =
Spiralcanal, von dem sich Meridionalcanäle mit kurzen Aesten (b) in die
Septen abzweigen.]
[Illustration: Fig. 18. Operculina cretacea Reuss. Oberste Kreide
(Danien). A von der Seite. B von vorn. a = Mündung.]
[Illustration: Fig. 19. Canalsystem von Operculina. Schale von der
Rückseite angeschnitten. k = Kammerhöhlungen. s = Kammerscheidewände.
a = Dorsalstrang. c = Spiralcanäle, die Ausläufer (d) in die Septen
senden.]
Operculina d’Orb. (Fig. 18; Fig. 19). Schale flach, mehrere mm gross.
Die wenigen Umgänge rasch anwachsend, alle äusserlich sichtbar, der
letzte sehr hoch (Fig. 18). Mündung ein Spalt am Innenrande der
Septalfläche (Fig. 18 B a). In der Medianebene befindet sich unter
dem Aussenrande der Schale ein Strang undurchbohrter Kalksubstanz
(Dorsalstrang), in welchem ein verzweigtes Canalsystem verläuft
(Fig. 19 a). Daneben zwei spirale Canäle (Fig. 19 c), von welchen
sich verästelte Gefässe in die Scheidewände verzweigen (Fig. 19 d).
Scheidewände perforirt (punktirte Fläche oben in Fig. 19), wo sie der
Schalenwand eingekeilt, aber zum Theil dicht (Fig. 19 s). Obere Kreide,
Tertiär und lebend.
Op. cretacea Rss. (Fig. 18). Oberste Kreide (Danien). Mastricht,
Südfrankreich.
Op. ammonea Leym. Eocän. Europa. Indien.
Op. complanata Bast. Miocän. Südeuropa.
Nummulites Lmk. (Fig. 20; Fig. 21). Die Nummuliten sind sehr grosse,
bis 6 cm im Durchmesser haltende, münzenförmige (daher der Name)
oder linsenförmige Foraminiferen, die sich wesentlich nur durch
ein verschiedenartiges Wachsthum von Operculina unterscheiden. Sie
zerfallen in zwei Untergattungen:
Assilina d’Orb. (Fig. 21 A-B). Umgänge niedrig und langsam anwachsend,
alle von aussen sichtbar (B). Schale fast ganz flach, nur gegen die
Mitte zu durch aufgelagerte Kalksubstanz etwas verdickt (A). Kammern
einfach, nicht seitlich verlängert (A). Pfeiler von undurchbohrter
Kalksubstanz wie bei Nummulina (Fig. 21 I pf).
Häufig im Eocän (siehe unter Nummulina).
Ass. spira d. Roiss., exponens Sow. (Fig. 21 A, B) mit kleiner Anfangskammer.
Ass. mamillata d’Arch., Leymerii d’Arch. mit grosser Anfangskammer.
Nummulina d’Orb. (Fig. 20; Fig. 21 C-L). Die Kammerhöhlungen von
Nummulina beschränken sich nicht, wie bei Assilina, auf den medianen
Theil der Schale, sondern sie greifen bis zum Centrum derselben
flügelartig über; deshalb verhüllt der letzte Umgang alle früheren
(Fig. 21 C, G). Die erste Kammer ist entweder sehr klein (nur
mikroskopisch sichtbar) oder sehr gross. Die zahlreichen, spiralen,
niedrigen, in eine grosse Zahl von Kammern abgetheilten Umgänge nehmen
nur sehr langsam oder gar nicht an Höhe zu (Fig. 20; Fig. 21 G, H).
[Illustration: Fig. 20. Eine der Länge und Quere nach aufgeschnittene
Nummulina. K = mediane Kammerlage. s = Scheidewände. c = Dorsalstrang
in die Septa (s) fortsetzend. p = Pfeiler von dichter Kalksubstanz. k =
Septum von der Fläche aus gesehen.]
Die Septalverlängerungen verlaufen auf den Seitenflächen entweder fast
gerade oder schwächer oder stärker gebogen (Fig. 21 C, sv; F, sv;
Fig. 20 s), mitunter verschmelzen sie miteinander zu einem Netzwerk
(L, sv). Durch die Schale setzen in radialer Richtung oft Pfeiler
aus undurchbohrter Zwischensubstanz (Fig. 21 I, pf; Fig. 20 p), die
zwischen (Fig. 20 p; Fig. 21 L, pf) oder auf den Septalverlängerungen
(Fig. 21 H, pf) stehen können. Auf der Oberfläche treten dieselben als
Wärzchen oder Körner hervor. Das Canalsystem wie bei Operculina, im
Rückenstrange gelegen und von dort sich in die Septen verzweigend. Die
zahlreichen Arten gruppiren sich, wie folgt:
I. Simplices. Septalverlängerungen einfach, gerade oder gewunden,
aber nicht netzartig (Fig. 21 C, F, H).
A. Ohne Pfeiler (Oberfläche nicht gekörnelt) (Fig. 21 C):
N. complanata Lk., distans Desh., planulata d’Orb., Gizehensis
Ehrb. (Fig. 21 E-G) mit kleiner Anfangskammer;
N. pristina Brad., Tchihacheffi d’Arch., striata d’Orb.,
variolaria Sow. (Fig. 21 C-D), Cuminghi Carp. mit grosser
Anfangskammer.
B. Mit Pfeilern (Oberfläche gekörnelt) (Fig. 21 H):
N. perforata d’Orb. (Fig. 21 H-I) mit kleiner Anfangskammer;
N. Lucasana Dfr. mit grosser Anfangskammer.
II. Reticulatae. Septalverlängerungen verschlungen und mit einander
netzartig verschmelzend (Fig. 21 L).
A. Ohne Pfeiler:
N. intermedia d’Arch. mit kleiner Anfangskammer;
N. Fichteli Mich. mit grosser Anfangskammer.
B. Mit Pfeilern (Fig. 21 L):
N. laevigata (Fig. 21 K-L) mit kleiner Anfangskammer;
N. Lamarcki d’Arch. mit grosser Anfangskammer.
[Illustration: Fig. 21. A-B Assilina exponens Sow. Eocän. A
Querschnitt; mk = Kammerhöhlungen. B Schale von aussen, alle Umgänge
zeigend. -- C-D Nummulina variolaria Sow. Obereocän. Paris. C Schale
von aussen, z. Th. aufgebrochen, um die inneren Umgänge zu zeigen; sv
= Septalverlängerungen, schwach gebogen. D Frontansicht. -- E-G N.
Gizehensis Ehr. Eocän. Libysche Wüste. E ein kleines Exemplar von der
Seite. F ein Stück der abgeriebenen Oberfläche, die stark gewundenen
Septalverlängerungen (sv) zeigend. G Querschnitt; mk = mediane, ks
= seitliche Kammerräume. -- H-I N. perforata E. & H. Mitteleocän.
Vicentin. H Schale z. Th. aufgebrochen, die letzten Umgänge und die
den Septen aufgesetzten Pfeiler (pf) zeigend. -- K-L N. laevigata
Lk. Mitteleocän. Paris. Schale z. Th. aufgebrochen, die genetzten
Septalverlängerungen (sv) und die Pfeiler zwischen ihnen (pf) zeigend.]
Die ältesten Nummuliten kennt man aus dem Subcarbon (N. pristina
Brad.), zweifelhafte Reste aus dem Jura. Im Eogen (Untereocän --
Unteroligocän) erreichen sie ihre Maximalentwicklung. Lebend 1
Art (N. Cuminghi Carp.). Im älteren Tertiär setzen sie mächtige
Schichtencomplexe fast ausschliesslich zusammen (Nummulitenkalke),
besonders in Südeuropa, Kl.-Asien, N.-Afrika, Indien und im S. der
Vereinigten Staaten. Im englisch-nordfranzösischen Tertiärbecken
finden sich nur wenige Arten (N. laevigata, planulata, variolaria).
Meist treten zwei nahe miteinander verwandte, aber durch die Grösse
der Anfangskammern unterschiedene Arten gepaart miteinander auf. Es
lassen sich acht Horizonte im älteren Tertiär nach dem Vorkommen von
Nummulitenpaaren unterscheiden, nämlich:
Unteroligocän } N. vasca J. & L. -- Boucheri d. l. H.
(Ligurische Stufe) }
{ N. intermedia d’Arch. -- Fichteli Mich.
Obereocän { N. complanata Lk. -- Tchihatcheffi d’Arch.
(Barton Stufe) { N. contorta Desh. -- striata d’Orb
{ Assilina
Mitteleocän { N. perforata d’Orb. -- Lucasana Dfr.
(Pariser Stufe) { N. laevigata Lk. -- Lamarcki d’Arch.
Untereocän } N. planulata d’Orb. -- elegans Sow.
(London Stufe) }
Orbitoides d’Orb. (Fig. 22; Fig. 23). Kreisrunde oder sternförmige
(Fig. 23 A-E), linsenförmige oder platte Gehäuse bis 4 cm im
Durchmesser. Nur die ersten Hauptkammern spiral, die späteren
cyklisch angeordnet. Im Querschnitte hebt sich eine mittlere
(Haupt-)Kammerschicht (Fig. 22 mk; Fig. 23 G, m) durch die Grösse der
Kammern scharf von den oberen und unteren Lagen von Secundärkammern
(Fig. 22 o; Fig. 23 G, o) ab. Die Hauptkammern erscheinen im
Längsschnitt rechteckig (Fig. 23 I, k) oder gerundet (Fig. 23 K,
k), im Querschnitt rechteckig (Fig. 23 mk) bis sichelförmig (Fig.
23 G, m). Die zahlreichen, durch radiale Scheidewände getrennten
Kammern desselben Cyklus stehen nicht miteinander, wohl aber mit den
alternirend dazu gestellten Kammern des nächstanliegenden Cyklus durch
paarige Röhren (Fig. 22 v, Fig. 23 I, v, K, v) in Verbindung. Sowohl
oberhalb als unterhalb der medianen Kammerlage verläuft ein Canalsystem
in den cyklischen Scheidewänden, welches auch die radialen Scheidewände
durchsetzt (Fig. 22 c).
[Illustration: Fig. 22. Modell von Orbitoides, in verschiedenen Ebenen
angeschnitten. Die vordere Fläche liegt in einer Radialebene. mk =
mittlere (Haupt-)Kammerreihe. v = paarige Verbindungsröhren zwischen
2 auf einander folgenden Cyklen. o = kleinere Secundärkammern. n
= auf- und absteigende Verbindungsröhren zwischen denselben. d =
Warzen der Oberfläche, die Endigungen der verkehrt conischen Pfeiler
(Zwischenskelet) mit darin verlaufendem Intercanalsystem (ic). c =
Platten von Zwischenskeletsubstanz, welche die Pfeiler mit einander
verbinden. c = Canalsystem in den cyklischen und in den radialen
Kammerscheidewänden verlaufend.]
Ueber und unter der medianen Kammerlage finden sich mehr oder
minder zahlreiche concentrische Lagen von linsenförmigen, etwas
unregelmässigen Secundärkammern (Fig. 22 o; Fig. 23 G, o, H, o), die
durch schräge, auf- und absteigende Röhren miteinander communiciren
(Fig. 22 n; Fig. 23 G, n, H, n). Diese Lagen werden von aufrechten,
verkehrt conischen Pfeilern aus undurchbohrter Kalksubstanz
(Zwischenskelet) (Fig. 22 ic) durchsetzt; in den Pfeilern verläuft ein
grobes Intercanalsystem. Auf der Oberfläche erscheinen die Pfeiler als
Warzen (Fig. 22 d; Fig. 23 C, D, E, F, d). Sie werden durch radiale
Platten aus undurchbohrter Kalksubstanz verbunden (Fig. 22 e; Fig. 23
F, e), in denen die schrägen Verbindungsröhren der Secundärkammern
verlaufen (Fig. 22 n).
[Illustration: Fig. 23. A-B Orbitoides papyracea Boub. Mitteleocän.
Kressenberg, bayer. Alpen. C O. nummulitica Gümb. Obereocän.
Ebendaher. D O. radians d’Arch. sp. Mitteleocän. Ebendaher. a =
Centraler Knopf; b = Radien. E O. stellata d’Arch. Obereocän.
Priabona, Vicentin. a = Centraler Knopf; b = Radien. F. O. papyracea
Boub. Vergrösserte Oberfläche, die Pfeilerenden (Körner) (d) und
die sie verbindenden dichten Vertikallamellen (c) zeigend. G O.
multiplicata Gümb. Eocän. Mte. Spilecco, Vicentin. Querschnitt. m
= mediane Kammern, durch horizontale Septen unterabgetheilt; o =
Secundärkammern; n = Communicationscanäle zwischen denselben. H O.
papyrocea Boub. Ausfüllung der linsenförmigen Secundärkammern (o) und
ihre Verbindungscanäle (n). I dieselbe. Längsschnitt durch die mediane
Kammerlage. k = die rechteckigen alternirend gestellten Hauptkammern; v
= die paarigen Verbindungsröhren zwischen den Kammern der benachbarten
Cyclen. K O. Mantelli Sow. Untermiocän. Cutsch. Ostindien. Längsschnitt
durch die mediane Kammerlage. Bez. wie Fig. I.]
Die zahlreichen Arten der Gattung gruppiren sich wie folgt:
A. Schale linsenförmig, kreisrund (Fig. 23 A-C):
Discocyclina. Mediankammern einfach, rechteckig im Längsschnitte
(Fig. 22 mk, Fig. 23 I, k).
Lepidocyclina. Mediankammern einfach, rundlich im Längsschnitte
(Fig. 23 K, h).
Rhipidocyclina. Mediankammern durch horizontale Septen
unterabgetheilt (Fig. 23 G, m).
B. Schale sternförmig (Fig. 23 D, E):
Asterocyclina. Ohne centralen Knopf, mit wenigen, einfachen
Radialrippen (Fig. 23 E, b).
Actinocyclina. Mit centralem Knopf (Fig. 23 D a) und zahlreichen
gegabelten oder durch Einschiebung vermehrten Rippen
(Fig. 23 D, b).
Von der obersten Kreide bis ins Miocän reichend, besonders häufig vom
Mitteleocän bis ins Unteroligocän in Gesellschaft der Nummuliten weit
verbreitet.
O. media d’Arch. Dänische Stufe der Ob.-Kreide. Mastricht.
Südfrankreich.
O. (Discoc.) papyracea Boub. (Fig. 23 A, B, F, H, I). Mitteleocän.
O. (Lepidoc.) Mantelli Sow. (Fig. 23 K). Untermiocän
(I. Mediterranstufe).
O. (Rhipidoc.) nummulitica Gümb. Obereocän -- Unteroligocän
(Fig. 23 C).
O. (Asteroc.) stellata d’Arch. sp. Ebendaselbst (Fig. 23 E).
O. (Actinoc.) radians d’Arch. sp. Ebendaselbst (Fig. 23 D).
Orbitoides selbst ist nicht lebend bekannt, wohl aber eine nahe
verwandte Form, Cycloclypeus Carp. (von platt scheibenförmiger
Gestalt), aus den tropischen Meeren.
Anhang.
Orbitulina d’Orb. Kreisrunde, bis 3 cm im Durchmesser haltende Schalen,
welche auf der einen Seite kegelförmig erhöht, auf der anderen
schüsselförmig ausgehöhlt erscheinen. Die Schalenmasse besteht aus
Kieselsäure, weshalb die Zugehörigkeit zu den Foraminiferen sehr
fraglich.
Massenhaft, oft gesteinbildend, in der Kreide. Orbitulinenschichten.
O. lenticularis Lmk. Mittlere Schichten der unteren Kreide
(Urgo-Aptien). Alpen. Südfrankreich. Spanien. Algier.
O. concava Lmk. Cenoman. Alpen. Frankreich. England.
Vorkommen und geologische Verbreitung der Foraminiferen.
Trotz der geringen Grösse ihrer Schalen kommt den Foraminiferen eine
hohe geologische Bedeutung zu, da sie zumeist in ausserordentlich
grosser Individuenzahl auftreten. So bilden die an der Oberfläche
der Weltmeere lebenden Formen, wie Globigerina, Orbulina, Pullenia,
mächtige und weit ausgedehnte Absätze in den grösseren Meerestiefen,
wo ihre abgestorbenen Gehäuse sich zusammen mit den Coccolithen und
Radiolarien zu dem sog. weissen Globigerinenschlamme zusammenhäufen.
Die meisten, namentlich die grösseren Formen, wie Operculina,
Amphistegina, Rotalia, Cristellaria etc., leben in geringen
Meerestiefen in der Nähe der Küsten und tragen dort zur Sedimentbildung
bei. Auch aus früheren Erdperioden kennen wir derartige, fast
ausschliesslich aus Foraminiferenschalen gebildete Absätze, wie
die Fusulinenkalke des Carbons und Perms, die Orbitulinenkalke der
Kreide, die Miliolidenkalke der oberen Kreide und des Tertiärs,
die Alveolinen-, Nummuliten- und Orbitoidenkalke des Eocäns und
Unteroligocäns, die Amphisteginenkalke des älteren Neogens etc.
Viele Gattungen erscheinen heute auf die wärmeren Meere beschränkt
(Operculina, Amphistegina, Orbitulites u. A.). Ein ähnliches Verhalten
zeigen die Nummuliten, Orbitoiden, Alveolinen etc. auch in der Vorzeit,
wo sie nur an den Ablagerungen aus wärmeren Meeren sich betheiligten.
Somit geben die Foraminiferen werthvolle Aufschlüsse über die Tiefen
und die Temperirung der Meere, in denen sie lebten.
Weniger gut lassen sie sich für die Altersbestimmung der Schichten
verwerthen, da die meisten derselben wenig oder gar nicht verändert
durch lange Zeiträume sich erhielten. So kennen wir zwei Lagena-Arten
aus dem Silur und den heutigen Meeren. Viele Arten von Nodosaria,
Cristellaria, Rotalia etc. gehen unverändert oder mit kaum fixirbaren
Abänderungen durch mehrere Formationen hindurch.
In silurischen und devonischen Ablagerungen konnten bisher nur
sehr spärliche Reste von Foraminiferen entdeckt werden. In der
Steinkohlenformation tritt uns die erste, aber nur zum Theil aus
ausgestorbenen Gattungen (Fusulina, Schwagerina u. a.) bestehende Fauna
entgegen. Von den ca. 30 Gattungen jener Zeit leben noch die meisten,
wie Lagena, Lituola, Textularia, Truncatulina, Amphistegina etc. In der
Trias-, noch mehr aber in der Jura- und Kreideformation gelangen die
einfach gebauten perforirten Foraminiferen (Lageniden und Rotaliden) zu
ausgedehnter Entwickelung, während die Milioliden und die complicirter
gebauten Formen noch relativ spärlich sich finden. Letztere sehen wir
erst im Tertiär, namentlich im Eocän in gigantischen und zahlreichen
Formen sich entfalten (Operculina, Nummulites, Orbitoides, Alveolina u.
a.). Nur eine geringe Anzahl von Gattungen ist überhaupt ausgestorben
(Fusulina, Orbitoides, Orbitulina) oder dem Erlöschen nahe (Nummulites).
Fußnoten:
[A] Die Poren sind gröber als die der Nummulitiden, aber nicht so grob
als die der Globigeriniden.
2. Ordnung Radiolaria.
Litteratur über Radiolarien.
Ehrenberg, C. G. Mikrogeologie 1854.
---- Abhandl. d. Berl. Akad. d. Wissensch. 1875. -- Monatsber. der
Berl. Akad. d. Wissensch. 1873.
Haeckel, E. Die Radiolarien. Berlin 1862.
---- Report on the Radiolaria. Scientif. Results of Challenger Voyage.
Zoology 1887.
Rüst, D. Palaeontographica. Bd. XXXI. 1885.
Stöhr, E. Palaeontographica. Bd. XXVI. 1878.
Die Radiolarien sind mikroskopisch kleine, selten mehrere mm grosse
Meeres-Protozoen, meist mit einem zierlichen Kieselskelet ausgerüstet.
Der Protoplasmakörper wird durch eine häutige, chitinartige Kapsel,
die sog. Centralkapsel, in zwei Theile gesondert, die als intra-
und extracapsuläre unterschieden werden. Durch Oeffnungen in der
Centralkapsel stehen beide Theile miteinander in Verbindung. Die
Oeffnungen sind entweder sehr zahlreich und fein (und dann auf die
ganze Kapsel vertheilt oder auf einen bestimmten Theil derselben
beschränkt), oder sie sind gross und wenig zahlreich (1-3). Die
extracapsuläre Partie sendet aus ihrer tieferen, der Centralkapsel
aufliegenden Schicht die sehr feinen Pseudopodien durch die äussere
Gallertschicht hindurch.
Weitaus die Mehrzahl der Radiolarien besitzt ein festes Skelet, welches
entweder aus wasserhaltiger amorpher Kieselsäure oder seltener aus
Akanthin, einer festen, organischen, in H₂SO₄ löslichen Substanz
besteht. Akanthinskelete sind aus leicht begreiflichen Gründen noch
nicht gefunden worden, während man Kieselskelete aus fast allen
Formationen kennt. Meist dürfte freilich auch die Kieselsäure aufgelöst
und zur Bildung von Kieselknollen verwendet worden sein, die uns jetzt
in der Form von Hornsteinen, Calcedonen, Feuersteinen etc. vorliegen.
An Stelle der ursprünglich amorphen Kieselsäure ist in vielen Fällen
die krystalline Modification derselben oder Brauneisenstein, zuweilen
auch Glaukonit getreten.
Die Kieselskelete sind sehr mannigfaltig gestaltet und zierlich gebaut,
aber nie innerhalb der Centralkapsel gelegen. Sie bestehen entweder
aus isolirten Nadeln oder Stäbchen, oder aus einer zusammenhängenden
Gitterschale von kugeliger, eiförmiger, mützenförmiger oder platter
Gestalt und sind oft mit Stacheln verziert (Fig. 24-29). Wenn auch eine
naturgemässe Classification nach den Skeleten allein nicht durchführbar
ist, so stehen doch in der Regel die Skeletbildungen in einer so engen
Beziehung zum Bau der Weichtheile, dass nach denselben allein eine
sichere Unterscheidung vorgenommen werden kann. Die Abgrenzung der
Familien, Gattungen und Arten erfolgt sogar fast ausschliesslich nach
dem Skelet.
Die Radiolarien sind Meeresbewohner; sie leben gesellig, zum Theil
an der Oberfläche, zum Theil in bedeutenden Meerestiefen. An
gewissen Stellen des pacifischen Oceans (zwischen den Philippinen
und Marquesas-Inseln) besteht der Meeresboden in sehr grossen Tiefen
fast ausschliesslich aus einer Anhäufung von Radiolarienschalen (sog.
Radiolarienschlamm).
Man unterscheidet folgende vier Unterordnungen der Radiolaria:
Skelet aus Akanthin bestehend. Fossil unbekannt. I. Acantharia.
{ überall gleichmässig von feinen Poren durchbrochen.
{ Gitterschale kugelig oder plattgedrückt, homaxon,
{ d. h. nach allen Richtungen oder doch oben und unten
Skelet { symmetrisch gebildet (Fig. 24-27) II. Spumellaria.
kieselig, { mit einem einzigen Felde feiner Poren am Oralpol der
Membran { Hauptachse. Gitterschale mützenförmig oder verlängert,
der { monaxon, d. h. an den beiden Polen der Längsachse
Centralkapsel { verschieden gebildet (Fig. 28 A; Fig. 29).
{ III. Nassellaria.
{ mit einer einzigen oder wenigen grösseren Oeffnungen.
{ Gitterschale sehr verschieden gestaltet, oft aus hohlen
{ Röhren bestehend. Fossil selten (Fig. 28 B).
{ IV. Phaeodaria.
Für den Paläontologen kommen fast nur die beiden Unterordnungen der
Spumellaria und Nassellaria in Betracht. Die Skelete der ersteren sind,
um krystallographisch zu reden, homomorph nach der Hauptachse, die der
letzteren hemimorph. Fossile Phaeodaria scheinen sehr selten zu sein.
Ihre Skelete sind sehr mannigfaltig, aber nichtsdestoweniger durch
gewisse Merkmale leicht kenntlich.
II. Spumellaria.
Zwei Familien sind fossil häufig:
Skelet aus einer oder mehreren concentrischen Gitterkugeln bestehend
(Fig. 24-25). Fam. Sphaeridae.
Skelet platt, scheiben- oder stabförmig mit kleiner innerer
Gitterkugel (Fig. 26-27). Fam. Discidae.
Fam. Sphaeridae.
Das Skelet besteht aus einer einfachen oder aus mehreren ineinander
geschalteten Gitterkugeln. Stacheln häufig vorhanden. Vertreter dieser
Familie kennt man schon aus paläozoischen Schichten. In Jura und Kreide
sind sie häufig, lebend in fast 100 Gattungen vertreten.
[Illustration: Fig. 24. Coenosphaera radiata Zitt. Oberes Senon.
Vordorf bei Braunschweig. Die Schale ist vorn aufgebrochen.]
Coenosphaera Ehrb. (Fig. 24). Eine einfache Gitterkugel mit runden,
aber verschieden grossen, groben Löchern. Die Schale kann mit kurzen
Dornen oder Höckerchen, aber nie mit Stacheln verziert sein. Häufig im
Jura, in der Kreide, im Tertiär und lebend.
C. gregaria Rüst. Alpiner und ausseralpiner Jura.
C. radiata Zitt. (Fig. 24) Senon. Norddeutschland.
C. Plutonis Ehrb. Miocän. Girgenti. Auch lebend. Vielleicht schon
im Jura.
Staurolonche Haeck. (Fig. 25). Skelet aus zwei ineinander
geschachtelten Gitterkugeln zusammengesetzt, die durch radiale Balken
verbunden werden. Letztere verlängern sich über die Oberfläche der
äusseren Kugeln zu langen Stacheln. Nicht selten im Jura. Lebend.
St. robusta Rüst. (Fig. 25). Im alpinen und ausseralpinen Jura.
[Illustration: Fig. 25. Staurolonche robusta Rüst. Oberer Malm
(Aptychus-Schiefer). Urschlau, Salzkammergut. Die löcherige Structur
der Schale ist zerstört.]
[Illustration: Fig. 26. Rhopalastrum nudum Rüst. Aus einem
oberjurassischen Hornstein der Schweiz.]
[Illustration: Fig. 27. Spongocyclia florealis. Stöhr sp. Miocän.
Sicilien.]
Fam. Discidae.
Skelet in der Richtung einer Achse verkürzt, daher platt
scheibenförmig. Umfang rund oder gelappt. Die Gitterschale schliesst
eine kleine Gitterkugel (Markkugel) ein. Diese ebenfalls sehr
formenreiche Familie (über 80 Gattungen) findet sich im Mesozoicum
reichlich vertreten, scheint auch schon im Silur (Spongosphaera)
existirt zu haben.
Rhopalastrum Ehrb. (Fig. 26). Skelet platt, dreistrahlig. Die drei Arme
gleich. Im Inneren des Skelets eine kleine einfache Markkugel (bei
Fossilen oft schwer sichtbar). Jura, Tertiär und lebend.
Rh. nudum Rüst (Fig. 26). Dogger und Malm. Ungarn. Serbien. Schweiz.
Rh. lagenosum Ehrb. Miocän. Sicilien. Lebend. Mittelmeer.
Spongocyclia Ehrb. (Fig. 27). Skelet platt, rund oder mit gerundeten
Ecken, aus einem schwammigen Gewebe bestehend. Stacheln oder Anhänge
fehlen. Der innere Theil des Skelets besteht aus einer kleinen
löcherigen Markkugel, die von concentrischen oder spiralen, regelmässig
gekammerten Ringen umgeben ist. Miocän und lebend.
Sp. florealis Stöhr sp. (Fig. 27). Miocän. Sicilien.
III. Nassellaria.
Das Skelet der Nassellaria besteht entweder aus einem einzelnen Ringe,
beziehungsweise aus mehreren zu einem lockeren Geflecht vereinigten
(Fig. 28 A) oder aus einer vollständigen Gitterschale, welche an einem
Ende eine (oft übergitterte) Mündung besitzt (Fig. 29 A-C).
Folgende Familien sind fossil wichtig:
Das Skelet besteht nur aus einem oder mehreren, durch Stacheln zu
einem lockeren Geflecht verbundenen Ringen (Fig. 28 A).
Fam. Stephidae.
Das Skelet { Gitterschale aus zwei gleichen seitlichen Hälften
bildet eine { zusammengesetzt, die durch einen verticalen Ring
meist gekammerte { zusammenhängen (Fig. 29 A). Fam. Spyridae.
Gitterschale { Gitterschale aus einer unten offenen, oder mehreren
(Fig. 29 A-C) { in der Richtung der Längsachse übereinander
{ gehäuften Kammern bestehend (Fig. 29 B, C).
{ Fam. Cyrtidae.
Fam. Stephidae.
Relativ selten trifft man die äusserst zarten Kieselringe dieser
Familie fossil. Ein Beispiel für das Vorkommen ist
Lithocubus (Fig. 28 A) aus den Koprolithen des Lias, welche in der
oberen Kreide von Ilsede bei Hannover auf secundärer Lagerstätte
vorkommen. Vertreter dieser Familie scheinen schon im Silur
(»Sphaerosomatites« Rothpl.) vorzukommen, falls sie nicht als
Phaeodaria (p. 44) zu deuten sind.
[Illustration: Fig. 28. A Lithocubus sp. Lias. Aus den in der Kreide
eingeschwemmten Phosphoriten von Ilsede, Hannover. B Dictyocha speculum
Ehrb. Miocän. Caltanissetta, Sicilien (p. 44).]
Fam. Spyridae.
Skelet mehr oder minder kugelig, aus zwei Hälften bestehend, die von
einem medianen Längsringe zusammengehalten werden (Fig. 29 A, l). Am
oberen Ende meist ein Gipfelstachel (Fig. 29 A, s), am unteren die
oft übergitterte und mit Stacheln bewehrte Mündung. Vertreter dieser
Familie sind bisher nur lebend und aus dem Tertiär bekannt.
Petalospyris Ehrb. (Fig. 29 A). Schale queroval, in der Mitte der
Länge nach deutlich eingeschnürt. Medianer Ring (l) mit einfachem
Gipfelstachel (s), Mündung fast von gleicher Weite wie die Schale, von
einem Ringe eingefasst, welcher mehr als fünf freie Stacheln trägt.
Miocän -- lebend.
P. corona Stöhr (Fig. 29). Miocän. Sicilien.
Fam. Cyrtidae.
Schale eiförmig oder kegelförmig, am unteren Ende mit einer freien oder
übergitterten Oeffnung, einkammerig, oder durch quere Einschnürungen
in 2, 3, 4 oder zahlreiche Kammern unvollständig abgetheilt. Diese
Familie ist die formenreichste unter den Nassellaria. Von den ungefähr
200 lebenden Gattungen findet man viele fossil im Jura, in der Kreide
und im Tertiär. Wohl die formenreichste und häufigste Gattung im
Mesozoicum ist:
Stichocapsa Haeck. (Fig. 29 B, C). Gitterschale mit mehr als drei
Einschnürungen. Die Mündung übergittert, ohne Stachelanhänge. Die
Kammern nehmen nach oben zu allmählich (B) oder plötzlich (C) an Weite
ab. In zahlreichen Arten, namentlich im Jura, auch in der Kreide,
tertiär und lebend.
[Illustration: Fig. 29. A Petalospyris corona Stöhr. Miocän.
Caltanisetta, Sicilien. s = Gipfelstachel; l = Mittelring. B
Stichocapsa decorata Rüst. Lias-Phosphorit aus der oberen Kreide von
Ilsede bei Hannover. C St. Grothi Rüst. Aus einem oberjurassischen
Hornsteine der Schweiz.]
St. devorata Rüst (Fig. 29 B). Lias. Auf secundärer Lagerstätte in
den Koprolithen der oberen Kreide von Ilsede bei Hannover. Im
oberjurassischen Jaspis der Schweiz.
St. Grothi Rüst (Fig. 29 C). Ebendaselbst. Schweiz.
IV. Phaeodaria.
Bei den Phaeodarien findet sich nicht selten eine scheinbare
Wiederholung der Skeletbildungen der Spumellaria und Nassellaria.
Meist aber unterscheiden sich die Gitterschalen durch die hohle
Beschaffenheit der Kieselbalken. Isolirte Gitterstücke der
Dictyochidae, welche leicht mit den Skeleten der Stephiden verwechselt
werden können, findet man schon im Jura, auch in der Kreide und im
Tertiär, z. B. Dictyocha speculum Ehrb. (Fig. 28 B) im Miocän Siciliens.
Geologische Verbreitung der Radiolaria.
Fossile Radiolarien sind schon aus Ablagerungen der Silurzeit
bekannt und in fast allen Formationen angetroffen worden. Weder in
ihren Formen, noch bezüglich des Auftretens lassen sich wesentliche
Verschiedenheiten gegenüber den lebenden feststellen. Wenn es
ausgestorbene Gattungen giebt, so sind sie jedenfalls bisher kaum
gefunden worden. Manche mesozoische Formen, namentlich aus der
Abtheilung der einfach gebauten Sphaeridae, dürften von lebenden
auch nicht einmal specifisch zu trennen sein. Das junge Tertiär
birgt zahlreiche, jetzt noch lebende Arten. Aus paläozoischen und
mesozoischen Formationen allein kennt man bereits etwa 80 Gattungen mit
mehreren Hundert Arten, die mit wenigen Ausnahmen den drei Familien der
Sphaeridae, Discidae und Cyrtidae angehören. Im Tertiär werden auch
andere Familien häufig.
Da die Radiolarien zu den freischwimmenden Thieren gehören, sollte
man erwarten, sie in fast allen marinen kalkigen Sedimenten
anzutreffen, zumal sie durch Aetzen mit HCl leicht aus dem Gestein
sich isoliren lassen. Allein es scheint, als ob die aus amorpher
SiO₂ bestehenden Gehäuse vielfach durch den Fossilisationsprocess
zerstört worden sind. In paläozoischen und mesozoischen Schichten
finden sie sich besonders häufig in Kieselschiefern, Hornsteinen
oder Phosphoritknollen eingeschlossen, worin man sie schon mit Hilfe
der Lupe als kleine helle Pünktchen erkennen kann. Die Kieselsäure
der Schale ist meist krystallin geworden und das Innere der Schalen
mit strahligem Quarz erfüllt. Viele paläozoische Kieselschiefer,
besonders aber die Hornsteine des Jura und der Kreide in den Alpen
und im Apennin sind ganz erfüllt mit den mehr oder weniger deutlich
erhaltenen Gitterschalen und wahrscheinlich sind solche SiO₂-reiche
Gesteine aus Radiolarienschlamm hervorgegangen, wie er sich
heutzutage nur in beträchtlichen Tiefen der Oceane bildet. Auch in
den liasischen Phosphoritknollen, welche auf secundärer Lagerstätte
im Senon am Nordrande des Harzes sich finden, sind Radiolarien
häufig und gut erhalten. An Stelle der SiO₂ der Schalen ist hier
vielfach Eisenoxydhydrat oder Glaukonit getreten. Manche jungtertiäre
Vorkommnisse (Insel Barbados, Nikobaren, Sicilien und Oran) sind
ebenfalls durch einen bemerkenswerthen Reichthum an Radiolarien
ausgezeichnet. Doch dürften diese Radiolarienmergel meist nicht in sehr
grossen Tiefen zum Absatz gekommen sein.
II. Kreis: Spongia (Schwämme).
Litteratur über Spongien.
Fossile.
Goldfuss. Petrefacta Germaniae Bd. I. 1826-33.
Hinde, G. J. Catalogue of the Fossil Sponges of the Geological
Department of the British Museum. London 1883, mit vollständigem
Litteraturverzeichniss.
Michelin. Iconographie zoophytologique. Paris 1840-47.
Quenstedt, F. A. Petrefactenkunde Deutschlands. Bd. V. Leipzig 1877-78.
Roemer, A. Die Spongitarien des Norddeutschen Kreidegebirges.
Palaeontographica Bd. XIII. 1864.
Zittel, K. A. Studien über fossile Spongien. I-III. Abh. d. k. bayer.
Akad. d. Wiss. II. Cl., Bd. XIII, 1877.
---- Beiträge zur Systematik fossiler Spongien. N. Jahrb. f. Min. 1877
p. 337, 1878 p. 561, 1879 p. 1.
Lebende.
Schmidt, O. Die Spongien des Meerbusens v. Mexico. Jena 1879-80.
Schulze, F. E. Report on the Hexactinellida. Scient. Res. of Challenger
Voyage. Zoology vol. XXI. 1887.
Zum Kreise der Spongia oder Seeschwämme gehören meist festsitzende,
selten freie, fast ausschliesslich marine, in der Regel durch ein
festes Skelet gestützte Thiere von sehr wechselnder Körperform. Von
den Protozoen unterscheiden sie sich durch den zelligen Bau ihrer
Weichtheile, von den Coelenteraten durch das Fehlen der Nesselorgane
sowie durch ihren nichtradiären, in seltenen Fällen undeutlich radiären
Bau. Mit Hilfe des durch den Schwamm circulirenden Wassers findet
die Nahrungsaufnahme statt, indem das Thier wie ein Filter fungirt.
Es besitzen deshalb alle Schwämme ein mehr oder weniger complicirtes
System von Canälen, welche den Körper (die Weichtheile und das
Skelet) durchziehen und das Wasser ein- und ausführen. Das Wasser
tritt meist durch kleine, auf der Oberfläche des Schwammes vertheilte
Poren (Oberflächenporen, Fig. 30 d) ein und wird durch gröbere, meist
verzweigte Canäle zusammen mit den Geschlechtsproducten und Excrementen
ausgeführt. Die Ausfuhrcanäle münden entweder in einen oder mehrere
grössere Hohlräume (sog. Magenhöhlen oder Centralhöhlungen, Fig. 30 b),
deren Oeffnungen Oscula (Fig. 30 a) heissen, oder sie endigen auf der
Oberfläche des Schwammes.
[Illustration: Fig. 30. Skelet eines lebenden Schwammes,
Caminus vulcani O. Schm. (Tetractinellide) aus der Adria (links
aufgeschnitten). a = oscula, die Mündungen der Centralhöhlungen (b). c
= Rindenschicht mit den kleinen Oeffnungen (Oberflächenporen d).]
Das nur selten fehlende Skelet der Schwämme wird von dem sog. Mesoderm
abgesondert; das Skelet kann kalkig, kieselig, hornig, oder hornig
und kieselig zugleich sein. In allen Fällen besteht dasselbe aus
ursprünglich isolirten, mehr oder weniger nadelförmigen Körperchen
(Skeletelementen oder Nadeln), die entweder frei in den Weichtheilen
liegen oder in Hornfasern eingebettet sind. Sie können sich mit ihren
wurzelförmig verzweigten Enden zu einem festen Skelet verhaken oder
durch Kieselcement zu einem festen Gerüst verkittet werden. Compacte
Skelete wie bei den Foraminiferen oder Korallen giebt es nicht. Die
gröberen, das eigentliche Skelet bildenden Nadeln unterscheidet man
als Skeletnadeln von den meist viel kleineren, in den Weichtheilen
gelegenen Fleischnadeln (Oberflächennadeln, wenn auf die Oberfläche
beschränkt). Die Form der Schwammnadeln ist sehr wechselvoll, wie ein
Blick auf Fig. 31 A-G zeigt. Man unterscheidet als einstrahlige oder
monakte (Fig. 31 A; Fig. 32 A, D) einfach stabförmige, gerade oder
gebogene, als dreistrahlige solche, deren drei Strahlen in einer Ebene
liegen und sich unter Winkeln von ca. 120° schneiden (Fig. 33 E), als
vierstrahlige oder tetrakte solche, deren vier Arme sich im Raume unter
Winkeln von 109° 28′ treffen (Fig. 31 E, G; Fig. 32 B, C) und als
sechsstrahlige oder hexakte solche, die aus sechs unter rechtem Winkel
in einem Punkte zusammenstossenden Armen bestehen (Fig. 34). Durch
Verkürzung oder völliges Schwinden eines oder mehrerer Strahlen, sowie
durch plattige Ausbreitung oder wurzelartige Verästelung der Arme und
Verdickung der Nadelcentren entstehen Gebilde, welche die Bezeichnung
Nadeln zum Theil nicht mehr verdienen, so z. B. die Kieselkugeln (Fig.
31 C), Kieselsterne (Fig. 31 D), Kieselscheiben (Fig. 31 F), die
wurzelig verästelten Skeletelemente der Lithistiden (Fig. 32 C), die
verbogenen, ursprünglich dreistrahligen Nadeln mancher Kalkschwämme
(Fig. 33 B-D) etc. Meist beobachtet man in den Skeletelementen der
Schwämme einen Hohlraum, den sog. Achsencanal; derselbe giebt die
Gestalt der Elemente in vereinfachter Form wieder und ist also bei den
Einstrahlern einfach, gerade oder schwach gebogen (Fig. 31 B), bei den
Dreistrahlern dreiarmig, bei den Vierstrahlern vierarmig (Fig. 32 C)
und bei den Sechsstrahlern sechsarmig (Fig. 54-56).
[Illustration: Fig. 31. Verschiedene Nadelformen (Kieselnadeln) der
Tetraxonier aus dem englischen Senon. A = gebogener, B = conischer
Einstrahler. C = Kieselkugel. D = Kugelstern. E = spiralgedrehter
Vierstrahler. F = Kieselscheibe. G = Gabelanker (gegabelter
Vierstrahler, dessen einer Arm verkürzt und einfach).]
[Illustration: Fig. 32. Verschiedene Nadelformen der Tetraxonier.
A, D = Einstrahler. B = einfacher, C = gegabelter und an den Enden
wurzelförmig verzweigter Vierstrahler.]
[Illustration: Fig. 33. Ein lebender Kalkschwamm (Leucosalenia lacunosa
Bk.) mit seinen Nadeln. E = Dreistrahler. B, C, D = gebogene Nadeln aus
dem Dreistrahler entstanden.]
[Illustration: Fig. 34. Ein Sechsstrahler von Hyalostelia Smithi Young.
Subcarbon. Schottland.]
Die Skeletelemente der Kalkschwämme bestehen aus krystallinem
Kalkspath, die der Kieselschwämme aus amorpher wasserhaltiger
Kieselsäure. Die ursprüngliche Beschaffenheit der Kieselnadeln ist
vielfach verändert: entweder ist die amorphe Kieselsäure krystallin
(und damit doppeltbrechend) geworden oder sie wurde fortgeführt und
durch Calcit ersetzt oder endlich nur fortgeführt, so dass an Stelle
der Nadeln Hohlräume sich finden.
Eine Eintheilung der Spongien nach der chemischen Beschaffenheit
des Skelets allein kann nicht als naturgemäss gelten. Sie würde
nachstehende Gruppirung ergeben:
I. Myxospongia (Gallertschwämme). Ohne festes Skelet;
II. Ceraospongia (Hornschwämme). Mit hornigem Skelet;
III. Silicispongia (Kieselschwämme). Mit kieseligem Skelet;
IV. Calcispongia (Kalkschwämme). Mit kalkigem Skelet.
Vielmehr verlangt die morphologische Zusammengehörigkeit der
Skeletelemente sowie der Bau des Weichkörpers folgende Eintheilung:
I. Tetractida. Skeletelemente kieselig, ursprünglich vierstrahlig,
drei- oder einstrahlig oder fehlend (und dann durch Hornsubstanz
ersetzt);
II. Hexactida oder Hexactinellida. Skeletelemente kieselig, fast
immer sechsstrahlig;
III. Calcarea (= Calcispongiae -- Kalkschwämme). Skeletelemente kalkig,
meist dreistrahlig, aber auch vier- oder einstrahlig.
Die für den Paläontologen gänzlich unwichtigen Myxospongiae
repräsentiren vielleicht skeletlose Hexactinelliden.
1. Ordnung Tetractida.
Hierher gehören meist dickwandige Schwämme von sehr wechselnder
Gesammtgestalt, deren Skeletelemente stets kieselig sind. Neben der
ursprünglichen, vierstrahligen Nadelform finden sich verästelte
Skeletelemente (Lithistidae), die mehr oder weniger deutlich
vierstrahlig oder unregelmässig einstrahlig erscheinen, ferner glatte
oder verzierte Einstrahler, Kieselkugeln, Kugelsterne, Kieselscheiben
etc. Meist liegen die Skeletelemente unverbunden im Körper, bei der
Abtheilung der Lithistidae verflechten sich ihre verzweigten Arme
miteinander zu einem festen, massiven Gerüste, bei den lebenden
Chaliniden liegen sie in einem Hornfasernetze und bei den sogenannten
Hornschwämmen fehlen sie meist gänzlich. Nach diesen Verschiedenheiten
der Skeletelemente zerfallen die Tetractida in folgende Unterordnungen.
1. Tetractinellidae. Skeletelemente nicht wurzelig verzweigt, frei
in der Sarkodine liegend, meist regelmässig vierstrahlig. Neben
Vierstrahlern finden sich auch Drei- und Einstrahler, Kieselkugeln und
Kieselscheiben etc. (Fig. 35 C-G).
2. Lithistidae. Skeletelemente wurzelig verzweigt, vier- (Fig. 36),
einstrahlig (Fig. 38) oder vielstrahlig (Fig. 37). Daneben auf die
Oberfläche des Skelets beschränkte einfache oder gegabelte Vierstrahler
(Fig. 35 G) mit einem stark verkürzten oder stark verlängerten Arm
(sog. Anker). Die verzweigten Enden der Arme verflechten sich mit
denjenigen der benachbarten Elemente, so dass ein festes steiniges
Kieselgerüst entsteht (Fig. 49 B).
3. Monactinellidae. Skeletelemente einstrahlig oder kugelig (Fig. 32 A,
D), oft von Hornfaser eingeschlossen. Zuweilen vierstrahlige Nadeln.
4. Ceraospongiae. Skelet aus Hornfasern bestehend. In seltenen Fällen
einstrahlige Kieselnadeln vorhanden. Fossil nicht erhalten.
1. Tetractinellidae.
Da die Skeletelemente der Tetractinelliden frei in der Sarkodine
liegen, so werden sie durch den Versteinerungsprocess meist zerstreut
und können nur in seltenen Fällen in ihrer ursprünglichen Lage zu
einander beobachtet werden. Als isolirte Gebilde trifft man sie
vielfach in schwammreichen Ablagerungen, z. B. im Kohlenkalk und in
der oberen Kreide. Die eigentlichen Skeletelemente sind fast nur
vierstrahlig (Fig. 35 E, G), jedoch erscheint oft der eine Strahl
stark verkürzt (Fig. 35 G) (sog. Anker), die drei anderen Arme
gespalten (sog. Gabelanker) oder der eine Arm schaftförmig verlängert,
zuweilen die Nadel mit spiralen Wülsten bedeckt (Fig. 35 E). In der
Rindenschicht mancher Tetractinelliden, z. B. in der der Geodinidae,
finden sich Kieselkugeln (Fig. 35 C) und Kieselsterne (Fig. 35 D), in
der der Ancorinidae Kieselscheiben (Fig. 35 F).
Selbst die Bestimmung der Familie bleibt nach solch’ unvollständigem
Material meist unsicher.
[Illustration: Fig. 35. Verschiedene Monactinelliden- und
Tetractinelliden-Elemente aus dem Senon von Horstead, Norfolk.
A = Einstrahler einer ? Tetractinellide (könnte auch eine
Monactinelliden-Nadel sein). B = conischer Einstrahler, vielleicht von
der Monactinellide Reniera. C = Kieselkugel, D = Kegelstern, vielleicht
von Geodia. E = einfacher mit Wülsten verzierter Vierstrahler,
vielleicht Geodia angehörig. F = Kieselscheibe zu ? Stelletta gehörig.
G = gegabelter Vierstrahler mit einem reducirten Arme, von einer
Tetractinellide oder Lithistide stammend.]
2. Lithistidae.
Die Skeletelemente der Lithistiden besitzen nur selten die eigentliche
Nadelform, vielmehr erscheinen sie zu wurzelförmig verästelten
Körperchen von vier- oder einstrahliger oder unregelmässiger Form
umgestaltet. Die verästelten Enden der Arme verhaken und verflechten
sich meist mit den gleichen Bildungen der Nachbarelemente derart,
dass ein festes, steinartiges, nach dem Tode des Thieres nur selten
zerfallendes Skelet entsteht (Fig. 48 B). Aus diesem Grunde besitzen
die Lithistiden unter den Tetractida die grösste Wichtigkeit für den
Paläontologen. Neben den eigentlichen Skeletelementen finden sich frei
in der Sarkodine liegend an der Oberfläche des Skelets einfache oder
gegabelte Vierstrahler (sog. Anker), wie sie bei den Tetractinelliden
die Regel sind; auch Einstrahler und gelappte Kieselscheiben kommen
vor. Diese Oberflächenkörper bilden oft eine poröse (scheinbar dichte)
Deckschicht über dem Schwammkörper.
Die Gesammtform des Lithistiden-Skelets ist grossen Schwankungen
unterworfen. Bald ist dasselbe frei, bald aufgewachsen und dann oft
mit einer stielartigen Verlängerung und zackigen Wurzel versehen.
Der Körper kann kugelig, birnförmig, cylindrisch, becherförmig,
schüsselförmig, ästig verzweigt oder ganz unregelmässig knollig sein.
Da die meisten Lithistiden im Gegensatze zu den Hexactinelliden sehr
dickwandige Schwämme sind, so zeigt sich auch meist ein complicirtes
Canalsystem entwickelt. Grössere Ausfuhröffnungen (als Mündungen
der Centralhöhlen) sind häufig vorhanden (Fig. 41 A a; Fig. 45 A
a). Zuweilen tritt ein Bündel senkrechter Röhren an die Stelle der
Centralhöhle (Fig. 49 A). Gebogene, der Oberfläche des Schwammes
nahezu parallel verlaufende (sog. concentrische) Canäle münden oft
in die Centralhöhle (Fig. 41 A c). Andere Canäle stehen mehr oder
weniger senkrecht zur Oberfläche (sog. Radialcanäle, Fig. 41 A b).
Die Grösse der Canäle wechselt sehr, oft sinken sie zu der Grösse
einfacher Einströmungsöffnungen herab und lassen sich von den Lücken
des Skeletgewebes nicht unterscheiden. Zuweilen vereinigen sich die
radialen Canäle zu Vertikalspalten, die dem Schwammkörper einen
scheinbar gesetzmässig radiären Bau verleihen (Fig. 48 A r).
Nach der Form und der Art der Verflechtung der Skeletelemente
unterscheidet man folgende vier Familien:
1. Fam. Tetracladina. Skeletelemente vierstrahlig, mit vierstrahligem
Achsencanal, mit nicht verdicktem Centrum. Die wurzelartig verzweigten
Enden benachbarter Skeletelemente verflechten sich mit einander (oft zu
knorrigen Knoten) (Fig. 36).
2. Fam. Anomocladina. Skeletelemente im Centrum verdickt, mit vier oder
mehr Armen, die zum Theil mit Achsencanälen versehen sind. Die Arme
legen sich alle oder zum Theil mit ihren plattig verbreiterten Enden an
den centralen Knopf (Fig. 37) oder an den unteren Theil der Arme der
Nachbarelemente an (Fig. 37).
3. Fam. Rhizomorina. Skeletelemente mehr oder weniger verlängert,
unregelmässig knorrig, mit einem einfachen geraden oder gebogenen
Achsencanal (Fig. 38). Die Skeletelemente verflechten sich in
unregelmässiger Weise mit ihren Aestchen und Zacken (Fig. 48 B).
4. Fam. Megamorina. Skeletelemente verlängert, sehr gross, sparsam
verästelt, mehr oder weniger glatt, mit einem einfachen Achsencanal
(Fig. 39); sie verflechten sich zu groben Faserzügen (Fig. 51 B).
[Illustration: Fig. 36. Skeletelement einer Tetracladine mit
vierstrahligem Achsencanal.]
[Illustration: Fig. 37. Zwei Skeletelemente einer Anomocladine mit
verdickten Centren. Das obere Element stützt sich mit einem, von einem
Canale durchzogenen Arme gegen das verdickte Centrum des unteren.]
[Illustration: Fig. 38. Skeletelement einer Rhizomorine mit einfachem
gebogenen Achsencanal.]
[Illustration: Fig. 39. Skeletelement einer Megamorine mit einfachem
Achsencanal.]
Die relativ geringe Zahl der heutigen Lithistiden findet sich in
mittleren Meerestiefen der wärmeren Meere, wo sie meist gesellig und
mit Hexactinelliden vergesellschaftet vorkommen. Alle vier Familien
sind noch jetzt vertreten, die Megamorina und Anomocladina jedoch nur
in wenigen Formen.
Fam. Tetracladina.
[Illustration: Fig. 40. Skeletelement einer Tetracladine mit 4
glatten, an den Enden verzweigten und verästelten, von je einem Canale
durchzogenen Armen. (Der vierte Strahl wird durch die drei anderen zum
grössten Theile verdeckt.)]
Diese Familie zeichnet sich durch deutlich vierstrahlige Skeletelemente
aus. Jeder Arm derselben besitzt einen Achsencanal (Fig. 40). An ihren
Enden sind die Arme oft gegabelt und verzweigt. Die knorrigen Enden der
benachbarten Skeletelemente haken in einander und bilden so ein mehr
oder minder solides Skelet. Isolirte oberflächliche Skeletelemente
breiten sich häufig plattig aus und bilden eine Art Deckschicht (Fig.
43 B).
Die Tetracladinen sind neben den Rhizomorinen die wichtigste Familie
der Lithistiden, beginnen im Silur, finden sich noch spärlich im Jura,
erreichen erst in der Kreide ihre hauptsächlichste Entwickelung und
finden sich lebend noch in mehreren Gattungen.
A. Arme der Skeletelemente glatt (Fig. 40).
a. Ohne Wurzel.
Aulocopium Osw. (Fig. 41). Schwammkörper kugelig, halbkugelig oder
kreisrund, ohne Anheftungsstelle, mit einer tief trichterförmigen (auf
Fig. 40 A weiss gelassenen) Centralhöhle, in welche bogenförmige, der
Oberfläche nahezu parallel verlaufende, sog. concentrische Canäle (c)
einmünden. Zahlreiche feinere Canäle (Radialcanäle) (b) verlaufen vom
unteren Ende des Schwammes bis zur Oberfläche. Die Unterseite wird von
einer scheinbar dichten Nadelschicht bedeckt. Skeletelemente deutlich
vierstrahlig, wenn gut erhalten. Der untere Theil des Schwammes ist
fast immer mit Chalcedon ausgefüllt, weshalb sich der obere, meist
verkalkte, leicht von ihm ablöst.
[Illustration: Fig. 41. Aulocopium aurantium Osw. Untersilurisches
Diluvialgeschiebe von Sadewitz bei Oels. A Vertikalschnitt des
Schwammes, die trichterförmige Centralhöhle, die weiteren,
concentrischen Canäle (c) und die feineren radialen (b) zeigend. B ein
Skeletelement mit vier glatten Armen.]
Im oberen Untersilur, selten im Obersilur, häufig als Geschiebe in
Norddeutschland.
A. aurantium Osw. (Fig. 41). Untersilurisches Geschiebe der
norddeutschen Tiefebene.
A. Gothlandicum Rö. Obersilur. Gothland. Als Geschiebe auf der
Insel Sylt.
b. Mit Wurzel.
Siphonia Park. (Fig. 43 A). Der meist kugelige, feigen- oder
birnförmige Körper verlängert sich nach unten in einen Stiel und eine
verzweigte Wurzel. Vom Scheitel erstreckt sich eine mässig weite
Centralhöhle (o) mehr oder weniger tief in den Schwammkörper hinein.
In dieselbe münden bogenförmige, der Oberfläche parallel laufende
Canäle (c). Ihre Ostien bilden senkrechte und wagerechte Reihen (o).
In der Richtung der Achse des Körpers stehen diese Canäle senkrecht
und verlaufen durch den Stiel bis zur Wurzel. Ausserdem finden sich
feinere, radial gestellte Canäle, welche auf der Oberfläche des
Schwammkörpers münden. Das Skelet besteht aus glattarmigen, selten
etwas gekörnelten Vierstrahlern, wie bei der Gattung Jerea (vgl. Fig.
42). In zahlreichen Arten in der oberen Kreide (Cenoman -- Senon) in
England, Frankreich und Deutschland.
S. tulipa Zitt. (Fig. 43 A). Cenoman.
S. pyriformis Gf. Cenoman und Turon.
S. ficus Gf. Turon und Senon.
S. Koenigi Mant. sp. Senon.
[Illustration: Fig. 42. Jerea Quenstedti Zitt. Mittelsenon
(Quadraten-Kreide). Linden bei Hannover. Ein Skeletelement mit 4
glatten, dichotom gespaltenen, an den Enden wurzelig verzweigten Armen.
Jeder Arm enthält einen Achsencanal. Der vierte Arm ist z. Th. durch
die übrigen verdeckt.]
[Illustration: Fig. 43. A Siphonia tulipa Zitt. Cenoman. Blackdown,
England. Längsschnitt durch den oberen Theil des Schwammkörpers. In
der aufgeschnittenen Centralhöhle sind die in Längs- und Querreihen
gestellten Ostien (o) der bogenförmigen Canäle (c) sichtbar. B
Ragadinia. Oberes Senon. Ahlten bei Hannover. Gelappter Vierstrahler
der Oberflächenschicht; der vierte Strahl auf ein Knöpfchen reducirt. C
Plinthosella squamosa Zitt. Obersenon. Ahlten bei Hannover. Einige in
einander verhakte, wenig verzweigte Skeletelemente mit knorrigen Armen.]
Bei der Untergattung Hallirhoa Lmk. ist der Schwammkörper lappig
zertheilt.
H. costata Lmk. und agariciformis Bennett sp. im Cenoman von England
und Nordfrankreich.
Jerea Lmk. (Fig. 42). Im Habitus der Gattung Siphonia ähnlich.
Statt der fehlenden oder nur ganz schwach entwickelten Centralröhre
ein System von groben Vertikalröhren, welche den Schwammkörper bis
zur Wurzel durchziehen und am Scheitel oder auf dem Grunde der
Centralhöhle münden. Daneben gröbere und feinere Radialcanäle. Skelet
aus glattarmigen Vierstrahlern bestehend.
Vorkommen wie bei Siphonia.
J. pyriformis Lmk. und reticulata Hinde. Cenoman.
J. Stadensis Blumb. sp. Turon und Senon.
J. Quenstedti Zitt. (Fig. 42). Senon.
Bei manchen Tetracladina bilden vierstrahlige Gabelanker eine poröse,
oft scheinbar dichte Deckschicht auf der Oberfläche des Schwammkörpers,
z. B. bei der in der oberen Kreide häufigen Gattung Turonia Mich.
Zuweilen sind die Gabelanker in gelappte Kieselscheiben umgebildet, an
denen der vierte Strahl nur noch als ein Knöpfchen erkennbar ist
(Fig. 43 B). Das ist z. B. bei mehreren lebenden Gattungen und bei der
im Senon Norddeutschlands vorkommenden Ragadinia rimosa Rö. sp. der
Fall.
B. Arme der Skeletelemente knorrig, kaum verzweigt (Fig. 43 C).
Plinthosella Zitt. (Fig. 43 C). Der unregelmässig knollige
Schwammkörper besitzt keine Centralhöhle, sondern nur gewundene Canäle.
Das Skelet besteht aus unverzweigten, fest verhakten, knorrigen
Vierstrahlern, die Oberflächenschicht aus verschieden gestalteten
Kieselscheiben. Auf das Senon beschränkt.
Pl. squamosa Zitt. (Fig. 43 C). Senon. Norddeutschland und England.
Fam. Anomocladina.
Die Anomocladina werden durch ihre im Centrum verdickten Skeletelemente
(Fig. 44) leicht kenntlich. Von dem Centrum gehen zahlreiche (meist
mehr als vier), an den Enden schwach verzweigte Strahlen aus, von
denen einige (stärkere) sich fest an die Centren der benachbarten
Skeletkörper anlegen. In denselben ist meist ein Achsencanal sichtbar.
Vertreter dieser Familie finden sich vereinzelt vom Silur bis zur
Gegenwart. Die meisten sind aus Jura und Kreide bekannt.
[Illustration: Fig. 44. Zwei Skeletelemente von Cylindrophyma. Der
verdickte Arm, welcher die beiden Elemente verbindet, gehört nur dem
einen derselben an.]
Astylospongia Röm. (Fig. 45 A-C). Schwammkörper nahezu kugelig oder
abgeplattet. Scheitel meist mit einer centralen, trichterförmigen
Centralgrube (a). Unterseite gerundet, ohne Anheftungsstelle.
Oberfläche oft mit radiären, verzweigten Furchen (B c) und den
Ostien der Radialcanäle bedeckt. Das Skelet (Fig. 45 C) besteht
aus zahlreichen, kleinen, in der Mitte stark verdickten Elementen,
deren Arme fast ganz glatt und dünn sind, die in der gewöhnlichen
Erhaltungsweise aber ziemlich dick erscheinen.
Im Unter-, namentlich aber im Obersilur Nordeuropas und der Vereinigten
Staaten in mehreren Arten.
A. praemorsa Gf. sp. (Fig. 45). Obersilur. Gothland, Tennessee,
Indiana. Als Diluvialgeschiebe in Norddeutschland häufig.
[Illustration: Fig. 45. Astylospongia praemorsa Gf. sp. Obersilurisches
Diluvialgeschiebe von Sadewitz bei Oels. A vertikaler Medianschnitt mit
der Centralgrube (a), in welche die concentrischen Canäle (c) münden;
b = Radialcanäle, welche auf der Oberfläche münden. B der Schwamm von
der Seite gesehen; c = radiäre Furchen der Oberfläche; a = wie oben. C
Skelet. Jede Verdickung ist der Mittelpunkt eines Skeletelements.]
[Illustration: Fig. 46. Cylindrophyma milleporatum Gf. sp. Oberer Malm.
Franken. a = Centralhöhle mit den in Reihen angeordneten Ostien der
bogenförmigen Canäle. b = Ostien der radialen Canäle.]
Cylindrophyma Zitt. (Fig. 44; Fig. 46). Schwammkörper mehr oder weniger
cylindrisch, einfach oder aus mehreren, an der Basis verwachsenen
Röhren bestehend. In die bis zur Basis reichende Centralröhre münden
bogenförmige, der Oberfläche fast parallel laufende concentrische
Canäle ein; ihre Ostien stehen in horizontalen Reihen (a). Auf der
Oberfläche die Oeffnungen zahlreicher radialer Canäle (b). Basis meist
mit einer Kieselhaut überzogen. Von dem verdickten, mit kleinen Zacken
besetzten Centralknoten der Skeletelemente zweigen sich zahlreiche, an
ihrer Spitze schwach verästelte Arme ab; einer derselben zeichnet sich
meist durch erhebliche Stärke und den Besitz eines Canales aus (Fig.
44). Auf der Oberfläche des Skelets finden sich verzweigte Gabelanker
(ähnlich den in Fig. 35 G dargestellten). Malm.
C. milleporatum Gf. sp. (Fig. 44; Fig. 46). Oberer Malm (W. J. E.).
Franken und Schwaben.
Fam. Rhizomorina.
Skeletelemente unregelmässig verästelt, nach einer Richtung verlängert,
mit einem einfachen oder verzweigten, aber nie deutlich vierstrahligem
Achsencanal (Fig. 47). Die Skeletelemente verflechten sich zu
einem lockeren oder festen Skelet. Oberflächennadeln nie plattig
ausgebreitet. Diese Familie kennt man erst seit der Jurazeit, aber
dort bereits in zahlreichen Gattungen. Sie ist auch in der Kreide noch
reich entwickelt und im Tertiär und in der Gegenwart noch mit vielen
Gattungen vertreten.
[Illustration: Fig. 47. Skeletelement einer Rhizomorine: Seliscothon
Mantelli Gf. sp. Mittleres Senon (Quadratenkreide). Coesfeld,
Westfalen.]
[Illustration: Fig. 48. Cnemidiastrum stellatum Gf. sp. Oberer Malm
(W. Jura δ). Heuberg, Schwaben. A ein aus Individuen zusammengesetzter
Stock; r = Radialspalten. B ein Stück der Oberfläche; r =
Radialspalten: o = Ostien. C, D Skeletelemente.]
A. Skeletelemente schwach verzweigt und wenig fest mit
einander verhakt (Fig. 48 C, D). Im Jura.
Cnemidiastrum Zitt. (Fig. 48). Der verkehrt kegelförmige,
schüsselförmige oder cylindrische Schwammkörper ist meist einfach und
mit einer trichterförmigen Centralhöhle (A) versehen. Die aus schwach
verästelten (C, D), locker mit einander verflochtenen Skeletkörperchen
bestehende Wand wird von zahlreichen, deutlich radial gestellten,
verästelten Vertikalspalten durchsetzt (A r, B r) die an der Oberfläche
des Schwammkörpers durch kurze Skeletstränge derart überbrückt werden,
dass an Stelle der einfachen Spalte eine Vertikalreihe von gerundeten
oder rechteckigen Ostien entsteht (B o). Oberfläche der Wand oft
mit einer Deckschicht überzogen. Sehr häufig im Malm (Oxford- und
Kimmeridgestufe), namentlich Schwabens und Frankens.
Cn. stellatum Gf. sp. (Fig. 48) }
Cn. striato-punctatum Gf. sp. } Mittlerer und oberer Malm.
Cn. rimulosum Gf. sp. } Schwaben, Franken.
Die nahe verwandte Gattung Hyalotragos Zitt. begreift mehr
schüsselförmige Schwammkörper, in deren weiter Centralhöhle runde
Canäle münden, die den Schwamm in senkrechter Richtung durchziehen,
und bei denen die Radialspalten feiner und weniger regelmässig
ausgeprägt sind. H. patella Gf. sp. im oberen Jura mit der vorigen
Gattung.
B. Skeletelemente stark verästelt und fest mit einander verflochten
(Fig. 49 B). Kreide, Tertiär und Gegenwart.
Jereica Zitt. (Fig. 49). Cylindrische bis kugelige, gestielte und
mit platten Wurzeln festgewachsene Körper mit schwach vertieftem
Scheitel. Auf der Scheitelfläche münden die groben Ausfuhrcanäle,
welche den Körper bogenförmig (c), im Centrum aber in senkrechter
Richtung durchziehen, als ein dickes Röhrenbündel. Die viel feineren
Einfuhrcanäle (b) stehen radial und kreuzen die bogenförmigen Canäle
nahezu rechtwinkelig. Ihre Mündungen liegen als kleine Löcher
dichtgedrängt auf der Oberfläche. Die Skeletelemente sind stark
verlängert, reichlich verästelt und zu einem festen Gerüst verflochten
(B). Im Senon Englands und Norddeutschlands.
J. punctata Gf. sp. (Fig. 49). Unteres Senon. } Norddeutschland.
J. polystoma Rö. sp. Oberes Senon. }
[Illustration: Fig. 49. Jereica punctata Gf. Unterer Senon. Sudmerberg
bei Goslar. A medianer Vertikalschnitt; c = bogenförmige Ausfuhrcanäle;
b = die viel feineren Radialcanäle. B ein Theil des Skelets, einen
Radialcanal umschliessend. Die einzelnen Skeletelemente sind stark
verästelt und fest mit einander verflochten.]
Fam. Megamorina.
Die Skeletelemente der zu dieser Familie gehörigen Schwämme besitzen
eine ähnlich verlängerte Form, wie diejenigen der Rhizomorinen; aber
dieselben sind sehr gross, nur ganz schwach verästelt und entbehren
meist der feineren Zacken und Auswüchse. Achsencanal einfach (Fig.
50), selten schwach verzweigt. Neben diesen typischen megamorinen
Elementen finden sich auch solche von rhizomorinem Aussehen.
Oberflächennadeln als Einachser oder Vierstrahler. Vom Subcarbon bis
zur Gegenwart in wenigen Gattungen bekannt. Die meisten finden sich im
Malm und in der oberen Kreide.
[Illustration: Fig. 50. Skeletelement einer Megamorine (Megalithista
foraminosa Zitt.) mit einem einfachen Achsencanal.]
[Illustration: Fig. 51. Doryderma. A Dor. dichotomum Bennett sp.
Cenoman. Wiltshire. B Skeletoberfläche von Dor. Roemeri Hinde.
Oberes Senon. Ahlten bei Hannover. Die grossen, gebogenen, glatten
Skeletelemente und die mit zahlreichen Gabelankern angefüllten Maschen
des Skeletgeflechtes zeigend.]
Doryderma Zitt. (Fig. 51). Der baumförmig verästelte, bis 0,4 m hohe
Schwammkörper besitzt cylindrische, meist dichotom sich spaltende
Aeste, welche im Inneren von einer Anzahl paralleler Röhren durchzogen
werden. Die bis 2 mm grossen, schwach verästelten Skeletelemente
verflechten sich zu einem grobmaschigen Netzwerke. Die Maschen
desselben zeigen sich an gut erhaltenen Exemplaren mit zahlreichen
langschaftigen Gabelankern angefüllt, wie ein Köcher mit Pfeilen (B).
Häufig in der oberen Kreide, vielleicht schon im Subcarbon vorhanden.
D. Dalryense Hinde. Subcarbon. England.
D. dichotomum Bennett sp. (Fig. 51 A). Cenoman. England.
D. Roemeri Hinde (Fig. 51 B). Senon. Norddeutschland, England und
Südfrankreich (Nizza). Häufig als Diluvialgeschiebe in Norddeutschland.
Ein im obersten Malm von Schwaben recht häufiger Vertreter dieser
Familie ist die Gattung Megalithista Zitt. M. foraminosa Zitt. Der
cylindrische oder becherförmige Schwammkörper besitzt eine Centralhöhle.
Seine Wand wird von gewundenen Canälen durchsetzt, die z. Th. auf der
Oberfläche, z. Th. in der Centralhöhle münden. Skeletelemente gross,
glatt, gekrümmt und verzweigt (Fig. 50).
3. Monactinellidae.
Skelet aus einachsigen, sehr selten vierstrahligen Kieselnadeln oder
Kieselkugeln bestehend, welche entweder frei in der Sarkodine liegen
oder von Hornfaser umschlossen werden. Meist zerfällt das Skelet bei
der Verwesung in seine Nadelelemente, weshalb letztere meist isolirt
gefunden werden, wie bei den Tetractinellidae, und dann selbst
generisch kaum zu deuten sind. Solche vereinzelte Nadeln kennt man
aus fast allen Formationen, z. B. aus der Kreide (Fig. 31 A, B), aus
dem Kohlenkalk etc. Die stacheligen Einstrahler der Süsswassergattung
Spongilla werden in diluvialen Süsswasserbildungen gefunden (Fig. 32 A,
D). Die lebende Gattung Cliona (oder Vioa) bohrt sich in Muschelschalen
ein. Derartige Bohrgänge kommen in fossilen Muschelschalen vielfach vor.
Als Beispiel einer Monactinellide, deren Nadeln noch in ihrem
ursprünglichen Verbande uns erhalten geblieben sind, mag die Gattung
Climacospongia Hinde (Fig. 52) erwähnt werden. Die einfach
stabförmigen, unverzierten Nadeln sind zu einem aus Längs- und
Querzügen bestehenden Gitterwerk gruppirt. Die Nadeln waren
wahrscheinlich in Hornsubstanz eingeschlossen. Silur.
Cl. radiata Hinde (Fig. 52). Obersilur. Nordamerika.
Aehnliche Formen sind aus dem Carbon und der Kreide bekannt.
Die Mehrzahl der gegenwärtig lebenden Kieselschwämme gehört den
Monactinelliden an. Sie leben in geringen Meerestiefen, wenige Formen
auch im Süsswasser.
[Illustration: Fig. 52. Climacospongia radiata Hinde. Obersilur
(Niagara Gruppe). Tennessee, Nord-Amerika. Die Nadeln sind in ihrer
ursprünglichen Lagerung erhalten.]
2. Ordnung Hexactida oder Hexactinellida.
Trotz der grossen Mannigfaltigkeit in der Gesammtform der
Hexactinelliden sind doch alle Vertreter dieser Ordnung durch
relativ dünne Wände und eine sehr lockere Structur ihres Skelets
ausgezeichnet. Hierdurch wird ein complicirtes Canalsystem, wie es
bei den dickwandigen Tetractiden häufig vorkommt, überflüssig. In die
Wand des kugeligen, cylindrischen, becher- oder schüsselförmigen oder
auch unregelmässig knolligen Kieselskelets dringen meist von aussen
und innen einfache, kurze, blind endigende -- selten perforirende --
Canäle ein, die oft in regelmässigen Reihen stehen, vielfach aber
unregelmässig vertheilt sind (Fig. 58 A; Fig. 60 A).
Das Kieselskelet der Hexactinelliden besteht aus sechsstrahligen
Nadeln, deren Arme sich meist unter rechtem Winkel in dem Mittelpunkte
der Nadel, dem sog. Kreuzungsknoten treffen (Fig. 54 k). Ein ebenfalls
sechsstrahliger, meist sehr feiner Achsencanal durchzieht die Nadel.
Diese Skeletbildungen dienen zur Stütze des lockeren Weichkörpers,
indem sie entweder frei in demselben liegen (Lyssacina, Fig. 53) oder
in mehr oder minder paralleler Stellung sich so an einander legen,
dass je ein Arm der einen Nadel mit je einem Arme der benachbarten
verschmilzt, d. h. durch ausgeschiedene Kieselsäure verkittet wird
(Dictyonina, Fig. 54). Die Achsencanäle der zu zwei verschiedenen
Sechsstrahlern gehörigen Arme verschmelzen aber nicht mit einander,
sondern bleiben getrennt (Fig. 54 s u. s’). Durch die Vereinigung der
sechsstrahligen Nadeln entsteht ein lockeres Gitterskelet mit meist
regelmässig cubischen Maschen (Fig. 56). Bei weniger regelmässiger
Aneinanderlagerung der Sechsstrahler kommt es zur Bildung eines
unregelmässigeren Gerüstes (Fig. 55), in dem sich die einzelnen
Nadeln oft nur an dem Verlauf der Achsencanäle erkennen lassen. Die
Kreuzungsknoten der Sechsstrahler können dicht (Fig. 54 k, Fig.
55) oder octaëdrisch durchbohrt (Fig. 56) sein, d. h. die sechs
Arme der Nadel werden am Kreuzungsknoten durch 12 Kieselbalken
(o) zusammengehalten, welche die Lage der Octaëderkanten besitzen,
bei Annahme der Arme als Achsen. Solche Nadeln mit durchlöchertem
Kreuzungsknoten heissen Laternennadeln.
[Illustration: Fig. 53. Ein freier Sechsstrahler von Hyalostelia Smithi
Young aus dem Subcarbon von Schottland (Lyssacine).]
[Illustration: Fig. 54. Vier mit einander verschmolzene Sechsstrahler
von Sporadopyle obliqua Gf. sp. Oxford. Franken (Dictyonine). k =
Kreuzungsknoten. s, s’ = die getrennten Achsencanäle zweier mit
einander verschmolzener Arme. Die nach vorn gerichteten Arme sind
durchschnitten gezeichnet, die nach hinten gerichteten nicht sichtbar.]
[Illustration: Fig. 55. Unregelmässiges Gittergerüst von Tremadictyon
reticulatum Gf. sp. Oxford. Streitberg, Franken.]
[Illustration: Fig. 56. Regelmässiges Gittergerüst von Becksia
Soekelandi Schlüt. Mittleres Senon. Coesfeld, Westfalen. k =
Durchbohrte Kreuzungsknoten. o = Oktaëderarme derselben.]
Die Oberfläche der Schwammwand, namentlich die äussere, wird häufig von
einer sog. Deckschicht überzogen, welche in ihrer Structur nicht mit
dem eigentlichen Skelet übereinstimmt. Dieselbe entsteht entweder durch
eine plattige Wucherung der äussersten Gerüstnadeln unter Verkümmerung
des nach aussen gerichteten Strahles oder durch Ausbildung einer mit
dem Gerüst nur locker zusammenhängenden Schicht von regelmässig oder
unregelmässig verschmolzenen, oft zierlich gedornten (Fig. 57) Nadeln,
die spinnwebartig oder als mehr oder weniger dichte Kieselhaut (Fig.
60 A) das Gerüst überzieht. An der Bildung solcher Deckschichten
betheiligen sich wohl auch die sog. Fleischnadeln, d. h. meist sehr
kleine, ursprünglich frei in der Sarkode liegende, oft sehr zierliche
Sechs- bis Einstrahler, die für die Unterscheidung der Familien bei
lebenden Hexactinelliden von grosser Wichtigkeit sind, bei den fossilen
aber nur sehr selten angetroffen werden.
[Illustration: Fig. 57. Deckschicht von Tremadictyon reticulatum Gf.
sp. Oxford. Streitberg, Franken.]
Die Hexactinelliden zerfallen in die zwei Unterordnungen:
1. Lyssacina. Nadeln meist unverbunden, selten durch plattige
Kieselmasse vereinigt. Fleischnadeln mannigfaltig.
2. Dictyonina. Nadeln zu einem festen Gerüst verschmolzen.
Fleischnadeln vorhanden oder fehlend.
1. Lyssacina.
Zu dieser Unterordnung gehört eine nicht geringe Anzahl lebender
Kieselschwämme, die meist in grossen Meerestiefen (von 100-2800 Faden)
vorkommen. Die bekanntesten unter denselben, Euplectella aspergillum
Ow. und Hyalonema Sieboldii Gray, besitzen einen Wurzelschopf aus
Kieselnadeln.
Fossile Lyssacinen kennt man vom Silur her, aber meist in mangelhafter
Erhaltung und ohne die bezeichnenden Fleischnadeln. Eine weit
verbreitete, mit Hyalonema verwandte Gattung ist:
Hyalostelia Zitt. (Fig. 53), deren sechsstrahlige Nadeln im Kohlenkalke
Grossbritanniens, Belgiens und Deutschlands gefunden werden.
H. Smithi Young sp. (Fig. 53).
2. Dictyonina.
Da die isolirten Fleischnadeln zur Unterscheidung der fossilen
Hexactinelliden bisher noch nicht verwerthet werden konnten, so muss
die Eintheilung derselben zur Zeit noch auf die Form des Skelets und
das Canalsystem gegründet werden. Die wichtigsten Familien lassen sich
folgendermaassen unterscheiden:
A. Canalsystem deutlich entwickelt. Aeussere und innere Oberfläche der
Wand mit zahlreichen kleinen Oeffnungen von Canälen, die blind
endigen oder die Wand durchbohren (Fig. 58 A).
a. Wand ungefaltet (Fig. 58 A).
1. Canäle gerade, kurz, blind endigend, transversal in die
Wand eindringend; Deckschicht, wenn als gesondertes Gebilde
entwickelt, ohne regelmässig sternförmige Nadeln;
Kreuzungsknoten dicht. (Fig. 58) Fam. Coscinoporidae.
2. Canäle unregelmässig angeordnet, die Körperwand schräg oder
in gewundenem Verlaufe durchsetzend; Deckschicht oft als
Kieselhaut mit eingeschlossenen sternförmigen Nadeln
(Fig. 60) Fam. Staurodermidae.
b. Wand gefaltet (Fig. 61); Kreuzungsknoten durchbohrt
Fam. Ventriculitidae.
B. Canalsystem fehlend oder schwach entwickelt. Canalöffnungen einzeln
und unregelmässig (Fig. 62-64).
a. Schwammkörper birnförmig oder knollig, aus verschlungenen oder
verschmolzenen Röhren gebildet, die oft von einer gemeinsamen
Kieselhaut umhüllt werden (Fig. 62; Fig. 63)
Fam. Maeandrospongidae.
b. Schwammkörper pilzförmig; der Hut desselben gefaltet (Fig. 64)
Fam. Coeloptychidae.
Die lebenden Dictyonina bewohnen durchschnittlich geringere
Meerestiefen als die Lyssacina. Die meisten werden in Tiefen von
100-1000 Faden, oft mit Lyssacinen und Lithistiden vergesellschaftet
angetroffen. Eine relativ reichliche Entwickelung zeigen gegenwärtig
die Familien der Staurodermiden und Maeandrospongiden, während
Coscinoporiden nur sehr sparsam, und Ventriculitiden und Coeloptychiden
gar nicht mehr vertreten zu sein scheinen.
Fam. Coscinoporidae.
Schwammkörper cylindrisch oder becherförmig, zuweilen verästelt. Wand
von zahlreichen, geraden, blinden Radialcanälen durchsetzt, deren
Oeffnungen oft in senkrechten und wagerechten Reihen stehen. Oberfläche
häufig vom verdichteten Skelet gebildet, oder ausserdem noch von
einer lockeren Deckschicht bedeckt, welche auch die Canalöffnungen
überkleidet (Fig. 58 B). Kreuzungsknoten dicht, selten durchbohrt.
Vom Jura an, hauptsächlich im Malm und in der Kreide. Mehrere lebende
Gattungen.
Tremadictyon Zitt. (Fig. 58 A-C). Grosse, becher- bis schüsselförmige
Schwämme. Wand auf beiden Seiten mit grossen, ovalen Ostien von blind
endigenden Canälen (A). Gittergerüst ein unregelmässiges Maschenwerk
mit plattigen Armen und dichten Kreuzungsknoten (C). Innen- und
Aussenseite der Wand mit einem dornigen Deckgespinnst (B) überzogen,
welches auch die Canalöffnungen bedeckt. Sehr häufig im Malm.
[Illustration: Fig. 58. Tremadictyon reticulatum Gf. sp. Oberes Oxford.
Streitberg, Franken. A = ein Exemplar ohne die Wurzel mit ovalen
Canalöffnungen auf beiden Seiten der Wand. B = Deckgespinnst aus
verschmolzenen dornigen Sechsstrahlern. C = Gittergerüst mit dichten
Kreuzungsknoten.]
[Illustration: Fig. 59. Sporadopyle obliqua Gf. sp. Oxford. Streitberg,
Franken. Regelmässiges Gittergerüst mit rechteckigen Maschen.]
Tr. reticulatum Gf. sp. (Fig. 58 A-C). Malm (Oxford- und
Kimmeridgestufe). Franken und Schwaben.
Verwandte Gattungen mit regelmässig rechtwinkligem Gitterskelet (Fig.
59) sind:
Craticularia Zitt. Verkehrt kegelförmig. Die Canalöffnungen stehen auf
beiden Seiten der Wand in Längs- und Querreihen. Jura und Kreide.
Cr. paradoxa Münst. sp. }
} Malm. Franken, Schwaben.
Cr. parallela Gf. sp. }
Cr. Fittoni Mant. sp. Obere Kreide. England.
Sporadopyle Zitt. Kleine becherförmige Schwämme mit zerstreut oder im
Quincunx stehenden Canalöffnungen. Jura, selten in der Kreide.
Sp. obliqua Gf. sp. (Fig. 59). Sehr häufig im Malm, namentlich in
den Oxford-Schichten in Süddeutschland und der Schweiz.
Coscinopora Gf. Grosse, becherförmige Körper mit verzweigter
Wurzel. Auf beiden Seiten der Wand sehr zahlreiche und feine, im
Quincunx stehende Canalöffnungen. Skelet sehr dicht und fest, aus
unregelmässig verschmolzenen, zum Theil dichten, zum Theil durchbohrten
Sechsstrahlern bestehend. Oberfläche des Gerüstes verdickt, ohne
besondere Deckschicht. Häufig in der oberen Kreide.
C. infundibuliformis Gf. Senon. Norddeutschland, England.
Fam. Staurodermidae.
Die Wand des meist kreiselförmigen Schwammkörpers wird von
unregelmässigen, perforirenden Canälen durchbrochen, welche von der
Innen- bis zur Aussenwand reichen. Die Kreuzungsknoten dicht oder
durchbohrt. Eine besondere Deckschicht mit vierstrahligen Nadeln (Fig.
60 b, c) meist vorhanden. Diese Familie reicht vom Jura bis in die
Gegenwart.
[Illustration: Fig. 60. Cypellia rugosa Gf. sp. Oberes Oxford.
Streitberg, Franken. a = Exemplar in halber natürlicher Grösse mit
Deckschicht. b und c = Deckschichten. ¹²⁄₁.]
Cypellia Pomel (Fig. 60 a-c). Die Aussenseite des kreisel- oder
schüsselförmigen Körpers wird von einer meist feinlöcherigen
Deckschicht überkleidet, welche die Oeffnungen der gebogenen und
perforirenden Canäle verdeckt (a). Die Deckschicht besteht aus
sternförmigen Nadeln, welche sich locker mit einander verkitten
(c) oder in einer porösen Kieselhaut liegen (b). Skeletmaschen
unregelmässig. Kreuzungsknoten unregelmässig durchbohrt. Malm.
C. rugosa Gf. sp. (Fig. 60). Mittlerer und oberer Malm. Franken,
Schwaben.
Fam. Ventriculitidae.
Schwammkörper cylindrisch, becher- oder tellerförmig. Die Wand
desselben in Längsfalten gelegt (Fig. 61 B), so dass auf der Aussen-
und Innenseite Längsrippen erscheinen. Letztere sind durch kurze
Querbrücken des Kieselgerüstes derart verbunden (Fig. 61 A), dass die
zwischen den Falten bleibenden Furchen meist in Längsreihen ovaler oder
unregelmässiger Löcher aufgelöst erscheinen. Im Grunde der Furchen
die Oeffnungen kurzer, blinder Canäle. Kreuzungsknoten oktaëdrisch
durchbohrt. Im Jura, besonders aber in der Kreide in mehreren
Gattungen. Jünger unbekannt.
Ventriculites Mant. (Fig. 61 A, B). Trichter- bis schüsselförmige,
zum Theil recht grosse Schwämme, mit weiter, bis auf den Boden des
Trichters reichender Centralhöhle und relativ dünner Wand (A). Die Wand
ist in gedrängte Längsfalten gelegt (B f, f’), die aber oft schwer zu
erkennen sind. Die Falten stehen meist auf der Aussen- (B f), oft auch
auf der Innenwand (B f’) als Längsrippen vor, werden aber häufig durch
Querbrücken verbunden, so dass die zwischen den Falten befindlichen
Längsfurchen als Längsreihen von Canalöffnungen erscheinen. Letztere
befinden sich auf dem Grunde der Furchen. Wurzel verzweigt. Die Gattung
findet sich nur in der oberen Kreide (Turon und Senon) in England,
Norddeutschland, Böhmen.
V. radiatus Mant. Turon. Schlesien, Böhmen. Senon. England.
V. infundibuliformis Woodw. sp. (Fig. 61). Senon. England,
Norddeutschland.
[Illustration: Fig. 61. A = Ventriculites infundibuliformis Woodw. sp.
Mittleres Senon. Linden bei Hannover. B = ein Querschnitt durch die
Hälfte des Bechers; c = Centralhöhle; f = Falten der Aussen-, f’ =
Falten der Innenseite. fu = Furchen der Innenseite.]
Fam. Maeandrospongidae.
Der Schwammkörper besteht aus unregelmässig getheilten und
verschlungenen, theilweise mit einander verwachsenen Röhren (oder
Blättern) und bildet knollige, birnförmige oder becherförmige
Massen, aber nie einfache Trichter oder Cylinder. Die zwischen den
verschlungenen Röhren (Fig. 62 o) frei bleibenden Höhlungen bilden
ein sog. Intercanalsystem (Fig. 62 i), während die Wandcanäle meist
vollständig fehlen oder auf die Deckschicht sich beschränken. Häufig
ist der ganze Schwamm von einer gemeinsamen Kieselhaut umgeben, die
eine oder mehrere falsche oscula besitzt. Diese Familie ist im Jura
sehr spärlich, in der oberen Kreide dagegen sehr reich und mannigfaltig
entwickelt; mehrere Gattungen kommen noch lebend vor.
Plocoscyphia Rss. (Fig. 62). Knollige, unregelmässige Massen, aus
getheilten, mässig dickwandigen, am Ende offenen Röhren bestehend. Die
Wand der Röhren mit unregelmässig vertheilten Canalöffnungen (o’).
Gemeinsame Deckschicht fehlt. Kreuzungsknoten der Sechsstrahler meist
durchbohrt. Untere und obere Kreide. Häufig.
Pl. pertusa Gein. Untere Kreide (Neocom); England. Obere Kreide
(Cenoman); Sachsen.
Pl. labrosa T. Sm. sp. (Fig. 62). Im Cenoman Nordfrankreichs und
Englands häufig.
[Illustration: Fig. 62. Plocoscyphia labrosa T. Sm. sp. Unteres
Cenoman. Folkestone, Südengland. o = die Oeffnungen der verzweigten
Röhren. i = die Höhlungen des Intercanalsystems. o’ die Oeffnungen der
Wandcanäle.]
[Illustration: Fig. 63. Becksia Soekelandi Schlüt. Mittleres
Senon (Zone der B. Soekelandi). Coesfeld, Westfalen. A = Ansicht
des Schwammkörpers; o = die Oeffnungen der radialen Röhren; f =
die wurzelartigen Fortsätze der Aussenwand. B = Skeletstück. Die
Kreuzungsknoten oktaëdrisch durchbohrt und die Arme der Nadeln mit
Zacken verziert. k = Kreuzungsknoten. o = Oktaëderarme.]
Becksia Schlüt. (Fig. 63 A, B). Die Wand des niedrig becherförmigen,
mit weiter Centralhöhle versehenen Schwammkörpers wird aus radial
gestellten Röhren gebildet, die an der Aussenseite mit einander
verwachsen sind, so dass nur einzelne grössere Oeffnungen (o), die
Mündungen der Röhren, sichtbar bleiben. Im Innern münden die Röhren in
einen Hohlring. Zwischen den Röhren ein weites Intercanalsystem (nur
von innen sichtbar). Die Aussenwand verlängert sich zu wurzelartigen
Fortsätzen (f). Gittergerüst aus zackig verzierten Nadeln mit
oktaëdrisch durchbohrten Kreuzungsknoten bestehend (B). Aussenwand
mit unregelmässigen, sehr feinen Ostien. Eine den Körper einhüllende
Kieselhaut oder besondere Deckschicht fehlt. Nur aus dem Senon bekannt.
B. Soekelandi Schlüt. (Fig. 63 A, B). Mittleres Senon (Zone der
Becksia Soekelandi). Westfalen.
Die im oberen Turon (Cuvieri-Pläner) Norddeutschlands häufige Gattung
Cystispongia (C. bursa Qu.) zeichnet sich durch eine, den ganzen
Schwamm einhüllende Kieselhaut aus. Sie ist auch lebend bekannt.
Fam. Coeloptychidae.
Die einzige Gattung dieser ausgestorbenen, bisher nur aus dem Senon
bekannten Familie ist:
Coeloptychium Gf. (Fig. 64). Der pilz- oder schirmförmige Körper
besteht aus einer verzweigten Wurzel (w), einem Stiele (st) und dem
Hute (h).
[Illustration: Fig. 64. Coeloptychium lobatum Gf. Mittleres Senon
(Zone der Becksia Soekelandi). Coesfeld, Westfalen. w = Wurzel. st
= Stiel. h = Hut. s = Hutfalte. o = Centralhöhle. m = Unterseite. n
= Seitenflächen. sb = Siebplatten. p = Canalöffnungen. (Combinirte
Figur.)]
Die Oberseite des Hutes kann nach Art einer runden Tischplatte eben,
oder mehr oder weniger tief eingesenkt (o) sein, so dass der Schwamm
einem Trichter gleicht. Die Wand des gewölbten oder plattigen Hutes
ist nach Art der Ventriculiten (p. 66, Fig. 61) in Längsfalten (s)
gelegt, die immer auf der Unterseite (m), zuweilen auch auf den
Seitenflächen (n) als freie, meist getheilte Rippen hervortreten.
Entweder erscheint der Hut scharf vom Stiele abgesetzt oder allmählich
in denselben übergehend (Fig. 64). Der Stiel selbst ist nicht gefaltet,
sondern einfach cylindrisch, hohl und meist mit mehreren horizontalen,
siebförmig durchbrochenen Kieselplatten (sb), den sog. Siebplatten
versehen. Eine poröse Deckschicht bekleidet die Oberseite (resp.
trichterförmige Innenseite) des Hutes und oft auch die Seitenflächen
(n), so dass die Falten und ihre Zwischenräume nicht direct sichtbar
werden, sondern ihr Vorhandensein nur durch die abwechselnd grob-
und feinporösen radiären Streifen der Deckschicht angedeutet wird.
Oeffnungen von Canälen finden sich nur auf der Unterseite der Falten
(p) oder auch am Stiele. Das Gittergerüst besteht aus regelmässig
verschmolzenen, meist verzierten Laternennadeln, wie bei Becksia (Fig.
63 B). Diese wahrscheinlich mit den Ventriculitiden nahe verwandte
Gattung ist bisher nur aus dem Senon bekannt geworden. Der obere Theil
der sog. Quadraten- und die Mucronaten-Kreide sind das Lager mehrerer
Arten (Coeloptychien-Kreide).
C. agaricoides Gf. Norddeutschland häufig. England selten.
C. lobatum Gf. (Fig. 64). Westfalen, Hannover.
Auch im krakauer, russischen und südfranzösischen Senon kommen
Coeloptychien vor.
Geologische Verbreitung der Lithistiden und Hexactinelliden.
Weitaus die Mehrzahl der fossilen Spongien gehört den Lithistiden
und Hexactinelliden (spec. der Gruppe der Dictyonina) an. Meist
treten dieselben zusammen und in grösseren Mengen vereinigt auf,
so dass gewisse Schichten ganz mit ihren Skeleten angefüllt sind
(Schwammschichten, Schwammfacies). Selbst wenn die äussere Form wohl
erhalten zu sein scheint, zeigt sich die ursprüngliche Kieselsubstanz
verändert oder gar fortgeführt und pseudomorphosirt. Die wasserhaltige
amorphe Kieselsäure der meisten Kieselschwämme ist in die wasserfreie
krystalline Modification umgewandelt worden; oder die Kieselsubstanz
ist vollständig aufgelöst und fortgeführt, so dass an Stelle der
Skeletelemente Hohlräume sich vorfinden. Diese letzteren wurden
dann später oft mit anderen Mineralien (Kalkspath, Brauneisenstein)
ausgefüllt. Viele Feuersteine und Chalcedone verdanken den
Kieselschwämmen (sowie den Radiolarien und Diatomeen) ihre Entstehung.
Die wasserhaltige Kieselsäure ihrer Skelete wurde im Meerwasser gelöst,
ballte sich zu Klumpen zusammen und lieferte durch Festwerden die
Feuersteine. In denselben treffen wir noch vielfach die Reste von
Kieselschwämmen an.
Aus dem paläozoischen Zeitalter kennen wir mit Sicherheit von
Lithistiden nur Vertreter der Familien der Anomocladina und
Tetracladina. Daneben treten auch Lyssacinen, aber, wie es scheint,
noch keine Dictyoninen auf. Erst seit der Jurazeit finden sich
ausgedehnte Schwammlager, an deren Zusammensetzung sich Lithistiden
und Dictyoninen betheiligen. Die wichtigsten Vorkommnisse sind aus
nachstehender Tabelle ersichtlich:
Tertiär: Miocän: Oran Lithistiden und
Dictyoninen.
Kreide: Senon: England, Nordfrankreich, Lithist. u. Dictyon.
Norddeutschland, Touraine,
Nizza, Gouv. Saratow
Turon: England, Norddeutschland, „ „
Schlesien
Cenoman: England, Nordfrankreich, „ „
Sachsen, Böhmen, Bayern
Jura: Kimmeridge: Schwaben „ „
Oxford: Franken, Schweizer Jura, „ „
Polen
Oberer
Dogger: Normandie „ „
Silur: Nordamerika, Nordeuropa Lithistiden.
3. Ordnung Calcarea (Calcispongia oder Kalkschwämme).
Zu den lebenden Kalkschwämmen gehören relativ kleine und zierliche
Formen, welche frei in der Sarkode liegende, aus Kalkspath bestehende
Nadeln besitzen. Die typische Nadelform ist der plane Dreistrahler
(Fig. 65 E), doch kommen auch vielfach zwei- oder einstrahlige, auch
vierstrahlige, gerade, oder unregelmässig gebogene Nadeln vor (Fig.
65 B-D). Die Nadeln liegen entweder einschichtig (Ascones) oder
mehrschichtig, regelmässig oder unregelmässig frei, aber stets in der
Körperwand. Da nach dem Tode des Thieres das Skelet in seine einzelnen
Nadelelemente zerfällt, so können wir fossile Kalkschwammreste wohl nur
als vereinzelte Nadeln anzutreffen erwarten.
[Illustration: Fig. 65. Leucosalenia lacunosa Bk. var. Hillieri Cart.,
ein lebender Kalkschwamm mit seinen verschiedenen Nadelformen (B-D).]
Dagegen giebt es eine mit der Kreide erlöschende Gruppe schwammartiger
Fossilien, die manche Beziehungen mit den Kalkschwämmen besitzt, die
sog.
Pharetrones.
Die Skelete der Pharetronen erreichen nur selten eine ansehnliche
Grösse (durchschnittlich einige cm). Sie bilden einfache, cylindrische
oder verkehrt kegelförmige, ästige (Fig. 68) oder knollige (Fig.
66 A) Massen von poröser Structur. Das aus zusammenhängenden,
anastomosirenden Faserzügen bestehende Skelet wird von mannigfaltig
ausgebildeten Canälen durchzogen, wie bei den lebenden Kalkschwämmen.
Die Fasern des Skelets erweisen sich meist als aus kalkigen Nadeln
zusammengesetzt, die als kleine Ein-, Zwei-, Drei- oder Vierstrahler
dicht gedrängt und unregelmässig neben und durch einander liegen.
Wahrscheinlich wurden die Nadeln durch Hornsubstanz zusammengehalten.
Die Nadeln selbst sind häufig durch den Fossilisationsprocess
undeutlich geworden, die Fasern selbst und damit auch der ganze
Schwammkörper aber meist sehr gut erhalten und fast nie verdrückt, was
von einer grossen Widerstandsfähigkeit des Skelets zeugt.
Bei der meist mangelhaften Erhaltung der Nadelelemente kann eine
Classification vorerst nur auf den Bau des Skelets basirt werden. Man
zerlegt die Pharetronen, welche in paläozoischen Ablagerungen selten,
in mesozoischen stellenweise sehr häufig, in känozoischen nicht mehr
vorkommen, in folgende zwei Gruppen:
I. Inozoa. Das schwammartige Skelet bildet eine zusammenhängende Masse
und wird von verzweigten Canälen durchzogen (Fig. 66, 67), oder wenn
die Canäle fehlen, besteht das Skelet nur aus wurmförmig gekrümmten
Fasern, die unregelmässige Räume zwischen sich lassen.
II. Sphinctozoa. Der einfache oder zusammengesetzte Schwammkörper
besteht aus einer Anzahl von ring- oder kugelförmigen Segmenten (Fig.
68). Die Aussenwand derselben wird von einfachen, meist geraden Canälen
durchbrochen, oder ist ganz dicht.
I. Inozoa.
Schwammkörper cylindrisch, trichter- bis kelchförmig, schüsselförmig,
plattig, kugelig oder knollig, einfach oder verästelt. Das stets
wurmförmige Fasergewebe wird meist von verzweigten Canälen durchzogen,
die auf der Aussenfläche (Fig. 67) oder in Centralhöhlen (Fig. 66)
münden. Eine Segmentirung ist nicht vorhanden. Devon -- Kreide.
[Illustration: Fig. 66. Stellispongia variabilis Mnstr. sp. Unterer
Alpenkeuper (Karnische Stufe). St. Cassian, Südtirol. A ein knolliger
Schwammkörper mit mehreren Centralhöhlen und den in dieselben mündenden
Canälen. B ein Schliff durch das Fasergewebe (dunkel). Die Faser
besteht aus zahlreichen, kurzen, einachsigen Kalknadeln.]
Stellispongia d’Orb. (Fig. 66). Kugelig oder unregelmässig knollig,
mit einer oder mehreren schwach vertieften Centralhöhlen, von welchen
zahlreiche verzweigte Canäle in das Fasergerüst eindringen. Die
Skeletfasern bestehen aus kleinen einachsigen oder auch aus drei- oder
vierstrahligen Nadeln (B). Häufig in Trias, Jura und Kreide.
St. variabilis Mnstr. sp. (Fig. 66). Unterer Alpenkeuper (Karnische
Stufe). Südtirol.
St. corallina From. sp. } Mittlerer und oberer Malm. Süddeutschland,
St. glomerata Qu. sp. } Schweiz.
Peronella Zitt. Cylindrisch, einfach oder buschige Massen bildend.
Eine tiefe cylindrische Centralhöhlung durchsetzt den Schwammkörper.
Canäle fehlen. Am unteren Ende oft eine runzelige, dichte Deckschicht
entwickelt. Fasergewebe locker. Die Fasern bestehen aus dreistrahligen
Nadeln, denen einstrahlige beigemischt sind. Vom Devon bis in die
Kreide. Zahlreiche Arten im Jura und in der Kreide.
P. prisca Beyr. sp. Mitteldevon. Nassau.
P. mamillifera Lmk. sp. Oberer Dogger. Normandie, England.
P. cylindrica Mnstr. sp. Mittlerer und oberer Malm. Süddeutschland,
Schweiz, England.
P. furcata Gf. sp. Cenoman. Westfalen, England.
Elasmostoma From. (Fig. 67). Blatt- oder trichterförmig. Ober- resp.
Innenseite der Wand mit einer glatten Deckschicht überzogen, in welcher
zahlreiche, unregelmässig begrenzte Oeffnungen liegen. Canäle fehlen.
Häufig in der Kreide.
E. acutimargo Rö. (Fig. 67). Neocom. Norddeutschland, Schweizer Jura.
E. consobrinum d’Orb. sp. Cenoman. England, Normandie, Westfalen.
E. subpeziza d’Orb. Oberste Kreide (Dänische Stufe). Mastricht.
[Illustration: Fig. 67. Elasmostoma acutimargo Rö. Neocom. Berklingen,
Braunschweig. Die Oberseite mit glatter Deckschicht, in welcher sich
unregelmässige Oeffnungen befinden.]
[Illustration: Fig. 68. Barroisia anastomans Mant. sp. Untere
Kreide: Aptien. Farringdon, Berkshire. A ein buschiger Stock, z. Th.
angeschnitten. B das Stück eines Zweiges, schräg angeschnitten; a
= Grenzlinien zweier Segmente in der Aussenwand; b = Centralröhre
mit einer Reihe grober Löcher in jedem Segmente; o = Oeffnung der
Centralröhre; d = Wandcanäle. C, D Nadeln.]
II. Sphinctozoa.
Skelet cylindrisch, einfach oder büschelförmig (Fig. 68), aus einer
geringeren oder grösseren Anzahl kugeliger oder flacher Segmente
aufgebaut, die sich in einer geraden Linie über einander oder auch
neben einander legen. Entweder eine einfache weite Centralhöhlung
oder innerhalb derselben noch ein hohler Centralcylinder (Fig. 68 B
b) vorhanden. Die Centralhöhle wird durch die Decken der Segmente in
eine Anzahl von Kammern zerlegt. Wände dünn, von geraden kurzen Canälen
(Fig. 68 B d) durchbrochen oder (bis auf einzelne grössere oscula)
dicht. Vom Subcarbon bis in die oberste Kreide bekannt. Weit seltener
als die Inozoa.
Barroisia Mun. Ch. (Fig. 68). Die Zweige des buschigen verästelten
Skelets cylindrisch, aus niedrigen an einander gereihten Segmenten
zusammengesetzt (B). Wände und Decken der Segmente von zahlreichen
geraden Canälen (B d) durchbohrt. Die einzelnen Segmente in der
äusseren Wand deutlich von einander geschieden (B a). In der Richtung
der Achse des Cylinders findet sich eine, oft bis auf wenige gröbere
Löcher geschlossene Centralröhre (b), welche die Segmentdecken mit
einander verbindet. Zwischen der Aussenwand und der Centralröhre
bleiben ringförmige Kammern frei. Skeletfaser aus drei- und
vierstrahligen Nadeln (C, D) zusammengesetzt. Nur in der Kreide.
B. anastomans Mant. sp. (Fig. 68). Untere Kreide: Aptien.
Nordfrankreich, England.
B. helvetica de Lor. sp. Aptien. Oestl. Frankreich, Schweiz.
Geologische Verbreitung der Pharetronen.
Einige wenige Vertreter sind aus dem Paläozoicum (Devon und Subcarbon)
bekannt geworden. In der Trias werden sie häufiger. Ein bekannter
Fundort ist St. Cassian in Südtirol, wo eine reiche Fauna in den
tiefsten Schichten der karnischen Stufe auftritt. Jura und Kreide sind
reich an Pharetronen, besonders der obere Dogger der Normandie, die
Oxford- und Kimmeridge-Stufe in Süddeutschland und der Schweiz, das
Mittelneocom im subhercynischen Hügellande, im westschweizer Jura und
in Ostfrankreich, das Aptien Englands, Frankreichs und der Schweiz,
das Cenoman in Westfalen, Nordfrankreich etc. und die dänische Stufe
in Holland (Mastricht). Aus jüngeren Schichten sind bisher keine
Pharetronen bekannt geworden.
Es scheint, als ob die Pharetronen im Allgemeinen in weniger tiefem
Wasser gelebt haben, als die Lithistiden und Hexactinelliden, doch
kommen sie auch zuweilen mit diesen zusammen, z. B. im schwäbischen
Malm, zahlreich vor.
III. Kreis: Coelenterata.
Der Körper der Coelenteraten besteht aus Zellen, welche sich zu
differenzirten Gewebsschichten vereinigen. Der Körperbau ist
stets deutlich strahlig (radiär). Ein einziger innerer Hohlraum
(Gastrovascularraum) besorgt die Verdauung und die Vertheilung
des Nahrungssaftes. Nesselorgane stets vorhanden. Fortpflanzung
ungeschlechtlich oder geschlechtlich, oft mit Generationswechsel
verknüpft. Fast ausschliesslich marine Thiere.
Eintheilung der lebenden Coelenterata.
A. Freischwimmende Thiere mit zweistrahligem Körperbau. Fossil
unbekannt. Ctenophora.
B. Geschlechtlich als freischwimmende Medusen, ungeschlechtlich
als festsitzende Polypen mit einfachem Gastrovascularraum.
Zuweilen ein horniges oder kalkiges Skelet.
Hydromedusae oder Polypomedusae.
C. Festsitzende, häufig mit einem kalkigen Skelet versehene Thiere.
Gastrovascularraum peripherisch in radiale Fächer getheilt.
Fossil häufig. (Korallenpolypen) Anthozoa.
Hieran schliessen sich zwei ausgestorbene Gruppen:
Zoantharia rugosa (oder Tetracoralla) und Zoantharia tabulata.
1. Klasse: Polypomedusae (Hydromedusae).
Litteratur über Polypomedusae.
Hall, J. Graptolites of the Quebec Group. -- Geolog. Survey of Canada.
Dec. II 1865.
Lapworth, C. Geolog. Magaz. vol. X 1873. -- Ann. & Mag. Nat. Hist. V
ser. vol. III 1879, vol. IV 1879, vol. V 1880.
Nicholson, H. A. Monograph of the British Graptolitidae 1872.
---- Monograph of the British Stromatoporoids. Palaeont. Society 1885.
Steinmann, G. Palaeontographica Bd. XXV 1877.
Von den drei Ordnungen dieser Klasse sind die Siphonophora fossil
noch nicht gefunden worden. Die Acalephae, grosse Lappenquallen ohne
Mundsaum, finden sich gelegentlich als Abdrücke; nur den zuweilen mit
chitinösen oder kalkigen Skeleten versehenen Hydroidea kommt einige
Bedeutung zu.
Ordnung Hydroidea.
Die Medusenformen dieser Ordnung besitzen einen ungelappten Schirmrand
(Unterschied von den Acalephae) und sind stets geschlechtlich. Die
Polypen weisen eine ungetheilte Magenhöhle auf und entbehren des
Magenrohrs (Unterschied von den Anthozoa). Polypen oft zu Stöcken
vereinigt, welche zuweilen mit chitinösen oder kalkigen Skeleten --
letztere ähnlich denen der Korallen oder Bryozoen -- versehen sind.
Solche Skeletbildungen finden sich nur bei den beiden Unterordnungen
der Diplomorpha und Hydrocoralliae.
Unterordnung Diplomorpha.
1. Calyptoblastea. Polypenstöckchen festsitzend, Polypen von
becherförmigen Chitinzellen umgeben. Hierher gehören von lebenden
Formen u. a. die Sertularien und Campanularien. Von fossilen dürfte
Dictyonema Hall (Fig. 69) vielleicht hierher zu stellen sein. Das korb-
oder trichterförmige Hydrosom besteht aus zahlreichen, durch feine
Querbalken verbundenen Aesten und läuft am unteren Ende in eine Spitze
aus, war also nicht festgewachsen, wie die lebenden Calyptoblastea.
Sägezahnförmige Zellen bekleiden nicht allein die freien Enden der
Aeste (wie Fig. 69 gezeichnet), sondern auch die verbundenen Theile.
Eine stabförmige Achse scheint zu fehlen (Unterschied von den
Graptolithen!). Cambrisch, Silurisch und ? Devonisch.
D. flabelliforme Eichw. Oberstes Cambrium. England, Skandinavien,
Russland (Dictyonema-Schiefer).
D. retiforme Hall. Obersilur. Nordamerika.
2. Gymnoblastea. Polypenstöckchen nur zum Theil von einer chitinösen
oder auch kalkigen Hülle bekleidet. Polypen nicht von einer
becherförmigen Zelle umgeben.
[Illustration: Fig. 69. Dictyonema. Idealisirtes Bild. Auch die unteren
Theile der Aeste sind mit Zellen besetzt und der Stock läuft nach unten
in eine freie Spitze (sicula) aus.]
[Illustration: Fig. 70. Hydractinia echinata Flem. Lebend. Nordsee.
Vergrössert. hph = das mit spitzen Warzen besetzte, von einem
Chitinskelet durchzogene Hydrophyton. hy = Ernährungspolypen oder
Hydranthen. go = Fortpflanzungspolypen oder Gonophoren.]
Fam. Hydractinidae.
Hydractinia v. Ben. (Fig. 70, Fig. 71 A-C). Die krustenförmige, meist
Schneckenschalen aufsitzende Wurzelmasse (Hydrophyton, Fig. 70 hph)
enthält ein chitinöses (H. echinata Flem.) oder kalkiges (H. calcarea
Cart.) Gerüst. Auf der Oberfläche desselben erheben sich zweierlei
freie Polypen, länger gestielte, sog. Hydranthen (Fig. 70 hy), welche
zur Aufnahme der Nahrung dienen, und kürzer gestielte, sog. Gonophoren
(Fig. 70 go), welche die Fortpflanzung besorgen.
Das Skelet besteht aus mehr oder weniger deutlich concentrischen,
chitinösen oder kalkigen Lagen (Laminae), die durch senkrecht dazu
gerichtete Pfeiler verbunden sind, so dass zwischen je zwei Laminae
ein von verticalen Pfeilern durchsetzter Interlaminarraum (Fig. 71
C a) entsteht. Die über einander folgenden Interlaminarräume sind
durch die Laminae nicht vollständig von einander abgeschlossen,
sondern stehen durch vertikale Röhren (Fig. 71 C b) mit einander in
Verbindung. Auf der mit Warzen und Höckerchen bedeckten Oberfläche des
Skelets (und auch auf den früher gebildeten Laminis) erscheinen die
Mündungen der Vertikalröhren (Zooidröhren) als kleine Löcher (Fig. 71
B b). Die Oberfläche wird noch von verzweigten Furchen (die Eindrücke
der Stolonen des Cönosarks) (Fig. 71 B d) durchzogen, den sog.
Cönosarkfurchen oder Astrorhizen. Vom Cenoman an bekannt.
H. cretacea Fisch. Cenoman.
H. incrustans Gf. sp. (Fig. 71). Pliocän. Piemont.
H. circumvestiens Wood sp. Pliocän (Crag). England.
H. echinata Flem. sp. (Fig. 70) }
} Lebend.
H. calcarea Cart. }
[Illustration: Fig. 71. Hydractinia incrustans Gf. sp. Pliocän. Asti.
A eine Colonie, eine Purpura-Schale umwachsend; st = die Stacheln
der letzteren. B ein Stück der Oberfläche, mit Wärzchen, den runden
Oeffnungen der Zooidröhren (b) und den Astrorhizen (d). C Querschnitt;
a = Interlaminarräume; b = die vertikalen Zooidröhren.]
Unterordnung Hydrocoralliae.
Polypenstöcke korallenähnlich. Skelet kalkig, ein unregelmässig poröses
Gewebe mit senkrecht zur Oberfläche gestellten Röhrchen bildend;
die Polypen können sich in letzteres zurückziehen (Fig. 72 A u. B).
Polypen zweierlei Art: grosse, mit einem Munde versehene Nährpolypen
(Gastrozooide) und kleinere, mundlose Tastpolypen (Dactylozooide).
Fam. Milleporidae.
Millepora L. (Fig. 72 A, B). Massige, ästige oder incrustirende Stöcke.
Oberfläche mit grösseren, rundlichen Oeffnungen (Gastroporen, A k) für
die Nährpolypen und zahlreicheren kleineren und unregelmässig geformten
(Dactyloporen, A c) für die Tastpolypen. Die Gastroporen setzen als
verticale, durch horizontale Böden (B t) getheilte Röhren (B k), die
Dactyloporen als wurmförmig gekrümmte Canäle (B c) in das Skelet
hinein. Beide communiciren mit einander, so dass das Skelet ganz porös
erscheint. Lebend und Tertiär.
[Illustration: Fig. 72. Millepora nodosa Esp. Lebend. A
Oberflächenansicht des Skelets; k = Gastroporen; c = Dactyloporen.
B Querschnitt des Skelets; k = Vertikalröhren (Gastroporen) mit
horizontalen Böden (t); c = wurmförmige Röhren des Skelets, mit den
Gastroporen communicirend (Dactyloporen).]
[Illustration: Fig. 73. Porosphaera globularis Phill. sp. Obere Kreide:
Oberes Senon. Rügen. A Aussenansicht; l = die weite Röhre, ursprünglich
von einem fremden Körper eingenommen, welchen die Colonie umwuchs. B
Radialschnitt; r = die radial gestellten Röhren der Gastroporen.]
Die Milleporen betheiligen sich an dem Aufbau der heutigen
Korallenriffe. Fossil selten.
M. nodosa Esp. Lebend.
Porosphaera Steinm. (Fig. 73). Kleine (bis 1 cm grosse), incrustirende,
kuchenförmige oder kugelige Stöcke, oft von einer weiten Röhre
durchzogen, an deren Stelle sich ursprünglich ein fremder,
vergänglicher Körper befand, welcher die Colonie umwuchs (A l).
Gastroporen zahlreich, radial gestellt (B r), sonst wie Millepora. Die
Oberfläche zuweilen von verzweigten Furchen bedeckt, welche von einem
oder mehreren Centren ausstrahlen (Astrorhizen).
Obere Kreide, namentlich Senon.
Por. globularis Phill. sp. (Fig. 73). Senon. Norddeutschland,
England, Frankreich.
Anhang: Erloschene Gruppen der Hydroidea.
1. Graptolithidae.
Die Graptolithen sind eine fast ganz auf die Silurformation
beschränkte, durch eine Chitinhülle ausgezeichnete Gruppe der
Hydroidea, welche die meiste Verwandtschaft mit den Calyptoblastea (p.
75) zeigt. Von den lebenden Plumulariden und Sertulariden unterscheiden
sie sich durch das Fehlen einer Wurzel oder Anwachsstelle und durch den
Besitz einer stabförmigen Achse.
Die Chitinhülle (oder Hydrosom) der Graptolithen besteht aus einer
geraden oder gebogenen, einfachen oder verästelten, soliden (vielleicht
auch hohlen) Achse und einem ungetheilten, cylindrischen Canale,
welcher die Achse begleitet, und an dessen einer Seite sich zahlreiche,
etwas schief gegen die Achse gerichtete, rechteckige, sackförmige
Zellen befinden, die mit dem Canal in ihrer ganzen Weite frei
communiciren. Meist berühren sich die Zellen so nahe, dass das Hydrosom
sägeförmig ausgeschnitten erscheint (Fig. 74 A, B, D-F), seltener
werden sie durch weitere Zwischenräume getrennt (Fig. 74 C). Zuweilen
verengt sich der äusserste Theil der Zelle und biegt sich um, oder
trägt auch Stacheln. Die meisten Graptolithen besitzen nur auf einer
Seite der Achse Zellen (= Monoprionidae, Fig. 74 A-E), solche mit zwei
Reihen von Zellen sind als zwei einzeilige aufzufassen, die mit ihrer
Rückseite an einander gewachsen sind und eine gemeinsame Achse besitzen
(= Diprionidae, Fig. 74 F, G). Der untere Theil der Achse ist zuweilen
frei von Zellen und heisst dann Stiel (Fig. 74 D). Das Embryonalende
des Hydrosoms ist meist von dolchförmiger Gestalt (sicula, Fig. 74 E).
In dem gemeinsamen Canale befand sich wahrscheinlich das Cönosark, in
den Zellen die Einzelthiere, analog wie bei den Calyptoblastea. Auch
Geschlechtszellen in der Form ovaler oder dreieckiger Anhänge sind
bekannt geworden.
Die zierlichen Skelete der Graptolithen finden sich in grossen Mengen
auf Schichtflächen der cambrischen und silurischen Formation. Das
Chitinskelet ist meist in Kohle (oder Guembelit oder Pyrit) umgewandelt
und flachgedrückt. Die
Graptoloidea Lapw.
besitzen eine sicula und für jede Zellenreihe einen eigenen Canal.
1. Gruppe Monoprionidae. Zellen einzeilig (Fig. 74 A-E).
Monograptus Gein. (Fig. 74 A, B). Hydrosom unverzweigt gerade, gebogen
oder schraubenförmig aufgerollt. Zellen gedrängt. Häufigste Gattung des
Obersilurs.
M. colonus Barr. (Fig. 74 A). England, Böhmen.
M. turriculatus Barr. (Fig. 74 B). Böhmen.
M. scanicus Tullb. Oberstes Silur Skandinaviens, als Geschiebe in
Norddeutschland.
M. ludensis Murch. sp. Wie M. scanicus; auch in England.
[Illustration: Fig. 74. A Monograptus colonus Barr. B M. turriculatus
Barr. Beide aus dem böhmischen Obersilur. C Rastrites Linnei Barr.
ebendaher. D Coenograptus gracilis Hall. Untersilur. Canada. E
Didymograptus Murchisoni Beck. Untersilur. Wales. F Diplograptus
palmeus Barr. Obersilur. Böhmen. G Phyllograptus typus Hall.
Untersilur. Canada. Querschnitt. H Retiolites venosus Hall. Untersilur.
New-York. (NB. In den Figuren A und E ist das untere Ende des Hydrosoms
nach oben gerichtet.)]
Rastrites Barr. (Fig. 74 C). Ein unverzweigtes, spiral aufgerolltes
Hydrosom mit zarter Achse und langen, durch Zwischenräume getrennten
Zellen. Obersilur.
R. Linnei Barr. (Fig. 74 C). Böhmen.
Coenograptus Hall (Fig. 74 D). Zwei Hydrosome sind mit ihren glatten
Stielen zusammengewachsen. Sicula in der Mitte, seitenständig. Die
beiden gebogenen, zellfreien Seitenäste senden mehrere mit locker sich
berührenden Zellen versehene Zweige aus. Untersilur.
C. gracilis Hall. (Fig. 74 D). Untersilur. Canada.
Didymograptus M’Coy. (Fig. 74 E). Das Hydrosom besteht aus zwei
stiellosen, mit ihren unteren Enden verwachsenen Monograpten, die
einander die Zellenseite zukehren. Dolchförmige sicula am unteren (--
in der Zeichnung oberen --) Ende. Untersilur.
D. pennatulus Hall. Canada.
D. Murchisoni Beck. sp. (Fig. 74 E). Wales, Nordfrankreich.
D. Logani Hall. Nordamerika, Victoria.
2. Gruppe Diprionidae. Zellen zu beiden Seiten der
mittelständigen Achse.
Diplograptus M’Coy (Fig. 74 F). Hydrosom linear oder oval, aus zwei
mit ihrer Rückseite der ganzen Länge nach verwachsenen Monograpten
bestehend. Zellen eng an einander geschlossen, abwechselnd zu beiden
Seiten der Achse gestellt. Unter- und Obersilur.
D. folium Gein. Untersilur. Norwegen.
D. palmeus Barr. (Fig. 74 F). Obersilur. Böhmen.
Phyllograptus Hall. (Fig. 74 G). Hydrosom aus vier, unter rechtem
Winkel von einander abstehenden, mit der Rückseite verwachsenen
blattförmigen Monograpten bestehend. Untersilur.
Ph. typus Hall. (Fig. 74 G). Canada.
Retioloidea Lapw.
Die Retioloidea unterscheiden sich von den echten Graptolithen
durch das Fehlen der sicula, durch das Auftreten nur eines Canals
bei zweizeiliger Ausbildung der Zellen und durch ein -- nur selten
fehlendes -- Maschenwerk von Chitinfasern (Fig. 74 H) in der Oberhaut
der Zellen. Entweder nur eine centrale (Glossograptidae) oder zwei in
der Mitte gelegene, meist zickzackförmig gebogene Achsen (Fig. 74 H)
vorhanden. Fast alle Vertreter gehören dem Untersilur an, nur
Retiolites Barr. (Fig. 74 H) kommt auch im Obersilur vor.
R. venosus Hall. (Fig. 74 H). Untersilur. Nordamerika.
R. Geinitzi Barr. Obersilur. Böhmen.
Geologische Verbreitung der Graptolithen.
Die Graptolithen finden sich andeutungsweise schon im Cambrium
vertreten, erreichen ihre Maximalentwickelung im Silur und erlöschen
fast gänzlich mit dem Ende dieser Formation. Die letzten treten im
Harzer Hercyn auf. Innerhalb des Silurs erscheinen sie in sechs
verschiedenen Horizonten. Die Vertheilung der oben genannten Gattungen
stellt sich folgendermaassen dar:
+-------------+------------------------------------------------------------+
| Hercyn | VII } |
+-------------+-----} -------------------------------------+
| | VI } Monograptus } } |
| Ober-Silur +-----} & Rastrites } } |
| | V } } Retiolites } |
+-------------+-----------------------} } |
| | IV } } Diplograptus |
| +---------------------------------------------} |
| | III } Coenograptus } } |
| Unter-Silur +-----------------------------} } |
| | II } } Didymograptus } |
| +-----------} Phyllograptus } }--------------+
| | I } } |
+-------------+------------------------------------------------------------+
2. Stromatoporoidea.
Als Stromatoporoidea bezeichnet man eine Gruppe ausgestorbener,
vorwiegend paläozoischer, z. Th. auch mesozoischer Cölenteraten,
die namentlich zur Silur- und Devonzeit sich an dem Aufbau der
Korallenriffe in hervorragender Weise betheiligten. Der Bau ihres
Skelets zeigt viel Uebereinstimmung mit dem der lebenden Hydractinien
(p. 75) und Milleporen (p. 77).
[Illustration: Fig. 75. A Actinostroma verrucosum Gf. sp. Mitteldevon.
Eifel. w = warzenförmige Erhöhungen. Die angeschliffene Fläche zeigt
die geradlinig netzförmige Structur des Skelets. B Clathrodictyum
striatellum d’Orb. sp. Untersilur. Borkholm, Estland. l = laminae. p =
Pfeiler. i = Interlaminarräume. Ein senkrecht zur Oberfläche geführter
Schnitt.]
Die kalkigen Polypenstöcke (coenosteum) sind meist von lagenartiger
oder knolliger, seltener baumförmiger Gestalt. Die Unterseite ist
mit einer kleinen Anwachsstelle und einer dichten Kalkhaut (Epithek)
versehen, oder der Stock überzieht krustenförmig andere Körper. Die
Oberfläche oft wellig uneben, in Folge warzenartiger Erhöhungen (Fig.
75 A w). Das Kalkskelet besteht bei den Hydractinia-ähnlichen Formen
aus dünnen, horizontalen Kalklamellen (den sog. laminae) (Fig. 75
B l), welche durch vertikale, einfache oder sich gabelnde Pfeiler
(Fig. 75 B p) gestützt werden. Zwischen je zwei laminis befindet sich
ein einheitlicher, nur von den Pfeilern durchsetzter, aber nicht
in getrennte Kammern getheilter Interlaminarraum (Fig. 75 B i).
Vertikalröhren, wie sie bei Millepora (Fig. 72 k) vorkommen, fehlen.
Bei den Millepora-ähnlichen Stromatoporoiden setzt sich das Skelet aus
unregelmässig wurmförmig gebogenen Kalkfasern zusammen (Fig. 76 B),
welche mit einander verschmelzend unregelmässig geformte Höhlungen
einschliessen, die alle mit einander communiciren (vgl. Millepora Fig.
72). Ein grober concentrischer Bau wird dadurch hervorgerufen, dass
sich das Skelet periodisch verdichtet und Lagen dichten Fasergewebes
(latilaminae, Fig. 76 A lt) durch solche lockereren (Fig. 76 A i)
getrennt werden. Vertikalröhren (Zooidröhren), durch Böden abgetheilt,
jenen von Millepora ähnlich, durchsetzen das Coenosteum.
Bei beiden Gruppen der Stromatoporoidea treten zuweilen verzweigte
Furchen oder Röhren auf, welche das Skelet in schräger Richtung
durchsetzen (Fig. 76 D c) und nach einem gemeinsamen Centrum zu
convergiren. Das sind die sog. Astrorhizal-Furchen (Fig. 76 C, D). Sie
werden durch Querscheidewände (Fig. 76 D t) abgetheilt.
[Illustration: Fig. 76. A Stromatopora concentrica Gf. Mitteldevon.
Eifel. Vertikalschnitt. lt = latilaminae. i = Interlaminarräume. B
dieselbe im Tangentialschnitt, das wurmförmige Skeletgewebe (schwarz)
zeigend. C Stromatopora? dartingtonensis Cart. Devon. Teignmouth.
Horizontalschnitt. Die verzweigten Astrorhizalfurchen, welche
von einem Centrum (c) ausstrahlen. D Stromatoporella eifeliensis
Nich. Mitteldevon. Eifel. Querschnitt. Die schräg aufsteigenden
Astrorhizalfurchen oder -canäle (c) werden durch Querscheidewände
(tabulae = t) abgetheilt.]
Nach der Verschiedenheit des Skeletgewebes theilt man die
Stromatoporoidea ein in:
A. Hydractinoide Gruppe: Horizontale (laminae) und vertikale
Skeletelemente (Radialpfeiler) deutlich unterschieden.
Actinostroma Nich. (Fig. 75 A). Die Radialpfeiler setzen ununterbrochen
durch mehrere laminae und Interlaminarräume hindurch. Im Silur selten,
im europäischen Devon häufig.
A. Schmidti Rosen. Silur. Nordeuropa.
A. clathratum Nich. }
} Mitteldevon. Eifel.
A. verrucosum Gf. sp. (Fig. 75 A). }
Clathrodictyum Nich. & Mur. (Fig. 75 B). Die Radialpfeiler erstrecken
sich ununterbrochen nur durch einen Interlaminarraum (Fig. 75 B p).
Hauptsächlich im Silur, selten im Devon.
Cl. striatellum d’Orb. sp. (Fig. 75 B). Untersilur, Esthland;
Obersilur, England.
Cl. variolare Ros. sp. Obersilur. Nordeuropa.
Cl. vesiculosum Nich. & M. Obersilur. Nordamerika.
B. Milleporoide Gruppe: Horizontale und vertikale Skeletelemente nicht
scharf von einander geschieden.
Stromatopora Gf. (Fig. 76 A, B, C). Meist in latilaminis wachsend. Mit
Zooidröhren. Silur, besonders häufig im Devon.
Str. typica Rosen. Obersilur. Nordeuropa.
Str. discoidea Lonsd. sp. Ebendaselbst.
Str. concentrica Gf. (Fig. 76 A, B), Hüpschii Barg sp. u. a.
Mitteldevon. Eifel.
Stromatoporella Nich. (Fig. 76 D). Mit der vorigen Gattung nahe
verwandt, aber nie in latilaminis wachsend. Devon.
Str. granulata Nich. Mitteldevon, Nordamerika.
Str. Eifeliensis Nich. (Fig. 76 D). Mitteldevon. Eifel.
Str. laminata Barg sp. Mitteldevon. Eifel.
Die Maximalentwickelung der Stromatoporoidea fällt in die
paläozoische Periode. In Europa und Nordamerika finden sie sich
vorzugsweise im Silur und Devon, in Belgien angeblich auch im
Subcarbon, in Indien im unteren Perm. Im obersten Malm Südeuropas
erscheinen sie von Neuem. Ueberall treten sie gesteinbildend auf und
tragen wesentlich zur Bildung der Korallenriffe bei.
Ordnung Acalephae oder Lappenquallen.
Abdrücke von medusenartigen Thieren, die zur Ordnung der Acalephae
oder auch zu der der Hydroidea gehören können, hat man bisher nur in
folgenden Formationen gefunden:
1) Im Unteren Cambrium (Eophyton-Sandstein) vom Lugnaas (Schweden) drei
Arten, von denen zwei der Abtheilung der Acraspedota, eine der der
Craspedota angehören sollen. Als Kriechspuren derselben wird das sog.
Eophyton angesehen.
2) Im Solenhofener Lithographirschiefer (Oberer Malm) in acht
Gattungen. Ein Beispiel günstiger Erhaltung ist Rhizostomites
admirandus Haeck. (Fig. 77).
3) Im Feuerstein der oberen Kreide (Senon).
[Illustration: Fig. 77. Rhizostomites admirandus Haeck. Oberer Malm.
Solenhofen. Die hell gehaltenen Theile ergänzt.]
2. Klasse: Anthozoa.
Litteratur über Anthozoa.
Duncan, M. Monograph of the British fossil Corals. Palaeontogr. Society
1865-69. 1872.
Goldfuss. Petrefacta Germaniae I, 1826-1833.
Koby. Monographie des polypiers jurassiques de la Suisse. Abh. d.
Schweizer paläont. Gesellsch. vol. VII --. 1881 -- (noch nicht
vollendet).
Michelin. Iconographie zoophytologique. Paris 1841-47.
Milne Edwards & Haime. Monographie des Polypiers foss. des terrains
paléozoiques. Archives du Muséum. vol. V 1851.
---- Monograph of the British fossil Corals. Palaeontogr. Society 1849.
1851-54.
---- Histoire naturelle des Coralliaires. Paris 1857-60.
Nicholson, H. A. On the structure and affinities of the »Tabulate
Corals«. Edinburgh & London 1879.
---- On the structure and affinities of the Genus Monticulipora.
Edinburgh & London 1881.
Quenstedt. Petrefactenkunde Deutschlands Bd. VI. Leipzig 1881.
Die Anthozoa oder Korallenthiere sind ausschliesslich marine,
festsitzende, meist zu Stöcken vereinigte Polypen-Thiere von vier-,
sechs- oder mehrstrahligem Baue. Sehr häufig dient ein horniges oder
hornig-kalkiges oder rein kalkiges Skelet zur Stütze der Weichtheile.
[Illustration: Fig. 78. Astroides calycularis Lmk. sp. Lebend.
Mittelmeer. Längsschnitt eines Einzelthieres. Das Kalkskelet (s und
cd) punktirt, die Weichtheile schraffirt, die innere Leibeshöhle
dunkel gezeichnet. s = Septen oder Sternlamellen. cd = Säulchen. o =
Magenrohr. t = Tentakel. m = Mesenterialfalten. f = Mesenterialfächer.
c = Cönosark.]
Der Körper des Polypen besitzt gewöhnlich eine cylindrische Gestalt
(Fig. 78). Derselbe ist auf der Unterseite geschlossen, während die
fast platte Oberseite mit einer centralen Oeffnung versehen ist, die
als Mund und After zugleich dient. Der Mund ist das offene Ende eines
kürzeren oder längeren Rohres (des sog. Magenrohres oder oesophagus,
Fig. 78 o), welches zu einem weiteren Hohlraume, der sog. Leibeshöhle
(oder Gastrovascularraum) führt (der dunkle Theil der Fig. 78). Diese
beiden inneren Hohlräume werden von einer äusseren Wand (Mauer,
Fig. 78 m) umschlossen; der basale Theil der Zelle heisst Fuss. Die
Wand der Leibeshöhle ist in senkrechte Falten gelegt; die Falten
(Mesenterialfalten, Fig. 78 m) ragen in die Leibeshöhle hinein und
schliessen eine gleiche Anzahl Taschen (Mesenterialfächer, Fig. 78 f)
ein, die mit der Leibeshöhle in offener Verbindung stehen und nach
oben zu sich in die Tentakel (t) fortsetzen. Die Zahl der letzteren
stimmt meist mit der der Leibesfächer überein. Man theilt die Anthozoa
in die zwei folgenden Ordnungen ein:
A. Alcyonaria (Octactinia). Körper mit acht gefiederten Tentakeln.
B. Zoantharia (Polyactinia). Körper mit sechs oder einem Multiplum von
sechs (12, 18, 24), aber nie mit acht Tentakeln.
A. Alcyonaria.
Die Thiere der Alcyonaria finden sich fast immer zu Colonien (Stöcken)
vereinigt, welche durch hornige oder kalkige Skeletbildungen verfestigt
werden. Die kalkigen Skeletbildungen werden meist durch kleine, den
Lithistiden-Nadeln (p. 51, 52) ähnliche Körperchen dargestellt, welche
isolirt in den Weichtheilen liegen oder durch eine hornige oder
kalkige Bindemasse zu festen Achsen (Fig. 79 a; Fig. 80) verkittet
werden. In seltenen Fällen (Heliopora) kommt es zur Bildung eines
homogen steinigen Skelets, wie ein solches bei den Madreporarien
(p. 87) vorhanden ist. Meist berühren sich die zu einem Stocke
vereinigten Polypen (Fig. 79 p, m) nicht direct, sondern werden
durch eine fleischige, oft von Skeletbildungen (Cönenchym) gestützte
Zwischenmasse, das sog. Cönosark (Fig. 79 c) verbunden. Verzweigte
Canäle (Fig. 79 n) durchziehen dasselbe. Zusammenhängende Skelete
dieser Abtheilung werden fossil nur gelegentlich angetroffen und zwar
meist in den jüngeren Formationen.
[Illustration: Fig. 79. Corallium rubrum Lmk. Lebend. Mittelmeer.
Ein aufgeschnittenes Stück der Edelkoralle. a = die feste, aus
verschmolzenen Kalkkörperchen bestehende Achse; um dieselbe herum
die Weichtheile. In dem, von netzförmigen Canälen (n) durchzogenen
Cönosark (c) liegen die Polypen (p, m) eingesenkt. p = der Länge, m
= der Quere nach durchschnittene Polypen mit der Leibeshöhlung und
den Mesenterialfalten (m), dem Magenrohr (o) und den 8 gefiederten
Tentakeln (t).]
α) Die Weichtheile sitzen einer kalkigen, hornigen, oder
hornig-kalkigen Achse auf (Fig. 79).
Fam. Gorgonidae.
1. Achse kalkig, ungegliedert:
Corallium (Fig. 79) Lmk. Edelkoralle. Achse ästig verzweigt, kalkig,
ungegliedert, längsgestreift. Gelegentlich fossil, von der Kreide an.
C. pallidum Mich. Miocän. Turin.
C. rubrum Lmk. (Fig. 79). Lebend. Mittelmeer.
2. Achse kalkig und hornig zugleich, gegliedert:
Moltkia Steenstr. (Fig. 80). Die jüngeren Theile der verzweigten Achse
bestehen aus einzelnen Kalkgliedern (B), die durch eine hornige, fossil
nicht erhaltbare Zwischenmasse zusammengehalten werden. Solche isolirte
Stücke zeigen körnige Längsstreifen und zahlreiche flache Gruben (B
b), an den Enden eine oder mehrere schwach concave Flächen (a), die
Abgliederungsflächen, an welchen die hornigen Zwischenglieder sich
anhefteten. Da an den älteren Theilen des Stockes sowohl die hornigen
Zwischenglieder als auch die flachen Gruben (b) durch Kalkmasse
überwuchert wurden, so erscheinen dieselben als eine ungegliederte,
verzweigte Masse (A). Obere Kreide.
M. Isis Steenstr. (Fig. 80). Oberste Kreide (Dänische Stufe).
Dänemark. Holland.
[Illustration: Fig. 80. Moltkia Isis Steenstr. Oberste Kreide
(Dänische Stufe). Faxe auf Seeland. A ein älteres Achsenstück,
scheinbar ungegliedert. B ein junges isolirtes Kalkglied mit der
Abgliederungsfläche (a), den körnigen Längsstreifen und den flachen
Gruben (b).]
[Illustration: Fig. 81. A Heliopora megastoma Rss. Unteres Senon
(Gosauschichten). Gosau, Salzkammergut. Ein Stück des Stockes. B H.
Partschi Rss. Ebendaher. Querschnitt. c = Cönenchym. k = Kelche mit den
Pseudosepten.]
β) Die Weichtheile können sich in ein steiniges, poröses Kalkskelet
zurückziehen (Fig. 81).
Fam. Helioporidae.
Das Thier sondert ein poröses Kalkskelet, vom Habitus der
Steinkorallen, ab. Die grösseren Röhren desselben enthalten kalkige
Längsscheidewände, deren Zahl nicht mit derjenigen der Tentakel
übereinstimmt. (Pseudosepten, Fig. 81 B k).
Heliopora Blv. (Fig. 81). In dem röhrigen Cönenchym (c) des Stockes
finden sich, durch relativ weite Zwischenräume getrennt, kleinere oder
grössere Kelche (k), in deren Inneres 12 oder mehr kurze Längsleisten
(sog. Pseudosepten) vorspringen. Ihre Zahl stimmt nicht mit der Zahl
der Tentakel des Thieres (8) überein. Die Röhren der Kelche sowohl als
die des Cönenchyms werden von horizontalen Böden (tabulae) erfüllt,
wie bei Heliolites (Fig. 110). Durch die Porosität des Kalkskelets
unterscheidet sich Heliopora von Heliolites. Fossil von der Kreide an.
Lebend eine Art.
H. megastoma Rss. (Fig. 81 A) } Hippuriten-Kreide (Ob. Turon, Unt.
H. Partschi Rss. (Fig. 81 B) } Senon). Salzkammergut. Provence.
H. coerulea Blv. Lebend. Indischer Ocean.
B. Zoantharia.
Von den drei Abtheilungen der lebenden Zoantharia, den Madreporaria,
Antipatharia und Actiniaria weist nur die erste kalkige, fossil
erhaltbare Skeletbildungen auf, weshalb dieselbe allein hier in
Betracht kommt. Die
Madreporaria
oder Steinkorallen (auch Hexacoralla genannt), bestehen aus einem
einzigen oder mehr oder minder zahlreichen, zu Colonien (oder Stöcken)
vereinigten Polypenthieren, die einem Skelet aus kohlensaurem Kalke
aufsitzen und sich theilweise in dasselbe zurückziehen können (Fig.
82). Das Kalkskelet oder Polypar wird vom Thiere abgesondert und giebt
die Gestalt desselben in seinen Grundzügen wieder. Indem nämlich jedes
Polypenthier an seiner Basis (dem Fussblatte) und an den Seiten Kalk
ausscheidet, entsteht eine cylindrische oder becherförmige Kalkzelle
(Einzelpolypar, Fig. 82, Fig. 83 A). Zwischen den Mesenterialfalten
der Leibeswand (p. 84, Fig. 82 f) entstehen ebenfalls kalkige
Längsscheidewände, die Sternlamellen oder Septen heissen (Fig. 82
s; Fig. 83 A s, B 1-5). Ihre Zahl, Anordnung und Grösse giebt ein
getreues Abbild des Mesenterialapparates. Die Anzahl der Septen
einer Zelle ist grossen Schwankungen unterworfen (12 bis über 100)
und nimmt mit dem Alter des Thieres zu. Die Grundzahl ist bei den
lebenden und postpaläozoischen Korallen fast durchgängig sechs (bei
der ausgestorbenen Abtheilung der Rugosa vier). Je sechs Septen (oder
ein Vielfaches dieser Zahl) ragen etwa gleich weit in die Zellhöhlung
hinein und werden zu einem Cyclus zusammengefasst. Die sechs mit »1«
bezeichneten Septen der Fig. 83 B gehören dem ersten Cyclus an, die
mit »2« bezeichneten dem zweiten, die mit »3« dem dritten und die mit
»4« und »5« bezeichneten dem vierten. Die Septen entstehen aber nicht,
wie früher angenommen wurde, genau in der Reihenfolge der Cyklen. Der
Oberrand der Septen ist glatt (Fig. 90 c), gekörnelt oder gezähnt (Fig.
85 A); auch die Seitenflächen können mit Körnerreihen besetzt sein.
[Illustration: Fig. 82. Astroides calycularis Lmk. sp. Lebend.
Mittelmeer. Längsschnitt. Das Kalkskelet (s, cd) punktirt, die
Weichtheile schraffirt gezeichnet. s = Sternlamellen oder Septen. cd =
Säulchen.]
[Illustration: Fig. 83. Parasmilia centralis Mant. sp. Obere Kreide:
Senon. England. A eine Zelle der Länge nach aufgeschnitten. B dieselbe
von oben gesehen. s und 1-5 = Septen, am Oberrand gekörnelt. c =
Säulchen.]
Oft erhebt sich in der Mitte der Zelle ein cylindrisches, compactes
(Fig. 82 cd) oder schwammiges (Fig. 83 c) Kalkgebilde, das
Säulchen (oder columella). Kleinere, um das Säulchen herumstehende
Kalkpfeilerchen heissen Pfähle (oder pali) (Fig. 91 B). Die zwischen
den Septen und im unteren vom Thiere nicht mehr bewohnten Theile der
Zelle ausgeschiedenen Kalkbildungen werden unter dem Namen Endothek
zusammengefasst. Entweder füllt sich die Zelle von unten herauf mit
dichter Kalkmasse an (Oculinidae, Fig. 89) oder es werden zwischen den
Septen in gewissen Abständen horizontale, schräge, seltener vertikale
Kalkblätter, die sog. Traversen (Fig. 84 tr) abgeschieden, welche den
nicht mehr bewohnten Theil der Zelle vom Thiere mehr oder weniger
vollkommen abschliessen. Bei der ausgestorbenen Abtheilung der Z.
tabulata (p. 108) zeichnen sich diese Böden (tabulae) durch besondere
Regelmässigkeit aus (Fig. 110 Ct, t’). Zur Stütze der getrennt von
einander entstehenden Septen dienen die sog. Synaptikel, cylindrische
oder conische Kalkstäbchen, welche durch Zusammenwachsen von seitlichen
Fortsätzen je zweier benachbarter Septen entstehen (Fig. 84 p). Eine
compacte Kalkhülle (eine sog. Wand) der einzelnen Zelle tritt meist nur
bei denjenigen Korallen auf, welche keine Synaptikel besitzen (vgl.
Tabelle p. 90). Die Aussenseite der Zellwand ist oft mit Längsrippen
(Fig. 90 B) verziert oder mit einer dichten runzeligen Kalklage, der
sog. Epithek (Fig. 85 oben) bedeckt.
Vielfach besteht der Korallenstock nur aus einer einzigen Zelle (Fig.
83; Fig. 85); in diesem Falle geschieht die Vermehrung meist durch
Eier. Gewöhnlich vereinigt sich eine grössere Anzahl Zellen zu einem
Stocke (Fig. 86 A). Bleiben die Zellen nur in ihrem unteren Theile
im Zusammenhange, so entstehen bündelförmige, buschige oder ästige
Formen (Fig. 86 A), legen sich die Zellen ihrer ganzen Länge nach an
einander (Fig. 88) oder werden sie durch eine kalkige Skeletbildung
des Cönosarks, durch das sog. Cönenchym (p. 85, Fig. 108 c) verbunden,
so entstehen massige oder knollige Stöcke. In diesen Fällen geht die
Vermehrung der Zellen durch Knospung oder Selbsttheilung vor sich.
[Illustration: Fig. 84. Cyclolites. Vertikalschliff, mehrere Septen
(t) durchschnitten zeigend. tr = Traversen zwischen den Septen. p =
Synaptikel.]
Die Zoantharia leben ausschliesslich im Meere. Sie finden sich zum
Theil in grösseren Meerestiefen (von 50-1500 Faden); doch sind das
meist die kleineren Formen, Einzelkorallen oder locker gebaute Stöcke.
Die riffbauenden Korallen beschränken sich auf die wärmeren Meere
zwischen 32° N. Br. und 29° S. Br., wo sie in nur geringer Tiefe (bis
zu 20 Faden) lebend angetroffen werden. Da die Mächtigkeit der Riffe
diesen Betrag aber häufig bedeutend übersteigt, so muss für solche
Gegenden eine allmähliche, positive Verschiebung des Meeresspiegels
angenommen werden. Die Korallenriffe der Tertiärperiode und des
Mesozoicums sind von Korallen erzeugt, welche sich von den heutigen
nicht wesentlich unterscheiden, während die Riffe der paläozoischen
Periode von den ausgestorbenen Abtheilungen der Zoantharia rugosa und
Z. tabulata aufgebaut wurden.
Die mesozoischen, tertiären und lebenden Korallen (Hexacoralla)
werden nach dem Fehlen oder Vorhandensein einer Einzelmauer, nach der
Beschaffenheit der Septa und nach der Art der Endothek in fünf Familien
eingetheilt, deren wichtigste Merkmale aus nachstehender Tabelle zu
entnehmen sind:
+-------------------+--------------+--------------+--------------+--------------+--------------+
| Familie | Einzelmauer | Cönenchym | Traversen | Synaptikel | Septa |
+===================+==============+==============+==============+==============+==============+
| | vorhanden, | vorhanden | vorhanden | vorhanden | porös oder |
| Poritidae | (porös) oder | oder fehlt | oder | | dicht |
| | fehlend | | fehlend | | |
+-------------------+--------------+--------------+--------------+--------------+--------------+
| | | | | | |
| Fungidae | fehlt | fehlt | selten | zahlreich | dicht, |
| | | | | | gezähnt |
+-------------------+--------------+--------------+--------------+--------------+--------------+
| | | | | | löcherig, |
| Thamnastraeidae | fehlt | fehlt | vorhanden | vorhanden | z. Th. dicht |
| | | | | | werdend |
+-------------------+--------------+--------------+--------------+--------------+--------------+
| | | | | | |
| Astraeidae | vorhanden, | meist | vorhanden | fehlen | dicht, meist |
| | dicht | fehlend | | | gezähnt |
+-------------------+--------------+--------------+--------------+--------------+--------------+
| | | | | | dicht, |
| Oculinidae | vorhanden, | vorhanden | selten | fehlen | meist |
| | dicht | oder fehlt | | | ganzrandig |
+-------------------+--------------+--------------+--------------+--------------+--------------+
Eintheilung der Hexacoralla.
A. Einzelmauer vorhanden, dicht, Synaptikel fehlend, Wachsthum
vorwiegend acrogen, d. h. in die Höhe. Septa der benachbarten Kelche
nicht zusammenfliessend, dicht.
1. Traversen zahlreich und stets vorhanden. Cönenchym fehlend oder von
den über die Mauer hinaus verlängerten Rippen mit dazwischen
liegenden Traversen gebildet. Oberrand der Septen meist gezähnt
Fam. Astraeidae p. 90-93.
2. Traversen selten. Kelche häufig durch compacte Kalkmasse von unten
her sich auffüllend. Cönenchym fehlend, dicht oder blasig. Oberrand
der Septen meist ganz
Fam. Oculinidae p. 93-95.
B. Einzelmauer fehlend oder porös. Wachsthum vorwiegend prolat, d. h.
seitlich, selten (Poritidae) acrogen. Synaptikel immer vorhanden, meist
zahlreich. Septa der benachbarten Kelche meist zusammenfliessend.
α) Einzelmauer fehlend. Synaptikel auf der ganzen Fläche der Septa
zerstreut.
1. Septa mehr oder weniger löcherig. Traversen vorhanden, zahlreich
Fam. Thamnastraeidae p. 95-96.
2. Septa dicht. Traversen fehlend oder äusserst selten und schwach
Fam. Fungidae p. 96-97.
β) Die Synaptikel in der Mitte des Kelches fehlend, nahe der Peripherie
zahlreich und dort ein netzförmiges Cönenchym oder poröse
Einzelmauern bildend. Septen dicht oder porös. Traversen vorhanden
oder fehlend
Fam. Poritidae p. 97-99.
Fam. Astraeidae.
Einzelkorallen oder zusammengesetzte Stöcke mit compactem Skelet.
Einzelmauern nie fehlend, dicht, wenn mit einander verschmolzen,
durch Anschleifen sichtbar werdend. Sternlamellen zahlreich, dicht,
am Oberrande meist gezähnt. Traversen vorhanden. Synaptikel fehlend.
Rippen meist wohl entwickelt. Cönenchym durch die über die Wand
hinausragenden und durch Traversen verbundenen Rippen gebildet. Von der
Trias an bis in die Gegenwart reichlich entwickelt. Maximalentwickelung
im Jura und in der Kreide.
A. Oberrand der Sternlamellen und die Rippen gezähnt. Seitenflächen
der Sternlamellen mit Rippen oder Körnerreihen, welche senkrecht zum
Oberrand stehen. Astraeinae.
α) Vermehrung durch Selbsttheilung.
Montlivaultia Lmk. (Fig. 85). Einfache, cylindrische oder
scheibenförmige Zellen mit dicker, concentrisch runzeliger Epithek;
die aber leicht abwittert. Septen sehr zahlreich und stark, tief
gezähnt. Traversen reichlich. Säulchen fehlt. Von der Trias- bis in die
Tertiärzeit, besonders häufig im Jura.
M. obliqua Mnst. Unterer Alpenkeuper (Karnische Stufe). Südtirol.
M. polymorpha Terqu. & P. Unterer Lias (α). England,
Lothringen.
M. caryophyllata Lmk. (Fig. 85). Oberer Dogger. }
} Mitteleuropa.
M. decipiens Gf. sp. Oberer Dogger. }
M. truncata Mnstr. sp. } Unterer und oberer Malm. Frankreich,
} Schweiz, Deutschland.
M. obconica Dfr. sp. }
[Illustration: Fig. 85. Montlivaultia caryophyllata Lmk. Oberer Dogger
(Grossoolith). Caen, Normandie. Von der Seite (obere Figur) und von
oben (untere Figur) gesehen.]
[Illustration: Fig. 86. Calamophyllia subdichotoma Mnstr. Unterer
Alpenkeuper (Karnische Stufe). St. Cassian, Südtirol. A Theil eines
rasenförmigen Stockes von oben. B eine in Zweitheilung begriffene Zelle
von der Seite. C Querschnitt eines Kelches, die Septen und Traversen
zeigend.]
Calamophyllia (Fig. 86 A-C). Korallenstock rasenförmig. Zellen
mehr oder minder verlängert, nur wenig mit den Seiten verwachsen.
Sternlamellen zahlreich. Wand mit kragenförmigen Absätzen und
Längsrippen (B). Traversen schräg, zahlreich (C). Säulchen fehlt. Trias
-- Kreide. Häufig.
C. subdichotoma Mnst. (Fig. 86). Alpenkeuper (Karnische Stufe).
C. radiata Lmk. sp. Oberer Dogger. Mitteleuropa.
C. flabellum Mich. Unterer und oberer Malm. Mitteleuropa.
Eine nahe verwandte Gattung Thecosmilia (trichotoma Gf., Malm)
findet sich ebenfalls häufig von der Trias bis in das Tertiär.
Leptoria E. & H. (Fig. 87). Stock massig; Kelche zu gewundenen Reihen
vereinigt, die durch die Kelchwände getrennt werden. Septa zahlreich.
Säulchen blattförmig. In Jura, Kreide und Tertiär. Diese Gattung steht
der lebenden Maeandrina Lmk. nahe.
L. Konincki Rss. (Fig. 87). Unteres Senon (Hippuritenkreide). Alpen
und Südfrankreich.
[Illustration: Fig. 87. Leptoria Konincki Rss. Oberes Turon
(Hippuritenkreide). Gosau, Salzkammergut.]
[Illustration: Fig. 88. Isastraea helianthoides Gf. sp. Oberer Malm.
Nattheim, Schwaben.]
β) Vermehrung durch Knospung. Stöcke massiv. Zellen dicht gedrängt.
Isastraea E. & H. (Fig. 88). Stock massiv. Zellen polygonal, ihrer
ganzen Länge nach eng mit einander verwachsen. Kelche tief. Säulchen
fehlt. Septa zahlreich, fein gezähnt. Unterseite mit Epithek. Trias bis
Kreide in zahlreichen Arten.
I. sinemuriensis d. From. Unterer Lias. England, Frankreich.
I. limitata Lmk. sp. Oberer Dogger. Mitteleuropa.
I. helianthoides Gf. sp. (Fig. 88) } Unterer und oberer Malm.
I. explanata Gf. sp. } Mitteleuropa.
Die vom Jura bis in die Jetztzeit ebenfalls sehr häufig vorkommende
Gattung Heliastraea E. H. unterscheidet sich durch kreisrunde, durch
Zwischenräume von einander getrennte Kelche und durch die Existenz
eines Säulchens. H. cribraria Mich. Obere Kreide. Südfrankreich.
B. Oberrand der Sternlamellen glatt. Körnerreihen auf den Seiten
derselben parallel dem Oberrande. Meist einfache Stöcke, selten ästig
oder asträoidisch. Eusmilinae.
Parasmilia (Fig. 89). Eine einfache, conische Zelle von rundem
Querschnitt; mit platter Basis aufgewachsen. Sternlamellen (s, 1-5)
zahlreich, vorstehend, mit horizontalen Körnerreihen an den Seiten.
Oberrand nicht gezähnt. Traversen spärlich. Säulchen schwammig (c).
Jura -- Tertiär.
P. centralis Mnt. sp. (Fig. 89). Senon. England. Frankreich.
Norddeutschland. Häufig verkieselt als Diluvialgeschiebe in
Norddeutschland.
Von den ästigen Formen dieser Abtheilung wäre Plocophyllia Rss.
(calyculata Rss. Oligocän. Vicentin) als häufig zu erwähnen.
[Illustration: Fig. 89. Parasmilia centralis Mnt. sp. Obere Kreide:
Senon. England. A eine Zelle der Länge nach aufgeschnitten. B eine
Zelle von oben gesehen; s, 1-5 = Septen; c = schwammige Columella.]
Fam. Oculinidae.
Mauern oft verdickt, undurchbohrt. Septen fast immer ganzrandig.
Traversen selten; statt derselben auch wohl eine compacte Endothek.
Zuweilen ein dichtes oder blasiges Cönenchym vorhanden.
A. Stöcke meist ästig. Skelet sehr compact, mit reichlichem,
oberflächlich glattem, mit den Wänden verschmolzenem Cönenchym. Zellen
cylindrisch, Zellhöhlung trichterförmig, unten sehr eng. Septa wenig
zahlreich, dicht. Synaptikel und Traversen fehlen. Vom Jura an; nicht
besonders häufig. Oculininae.
Enallohelia E. & H. (Fig. 90). Korallenstock ästig verzweigt. Die
kleinen Zellen zweizeilig, in einem äusserlich gestreiften oder
gekörnelten compacten Cönenchym gelegen. Aussenseite der Wand mit
deutlichen Rippen (B, r). Kelche kreisrund, tief trichterförmig. Septen
wenig zahlreich (c). Säulchen vorhanden, aber oft nur schwer sichtbar.
Im oberen Jura.
[Illustration: Fig. 90. Enallohelia compressa Mnstr. sp. A ein
verzweigtes Stück des Stockes. B ein kleines Stück vergrössert; r =
Rippen. C eine Zelle von oben mit zwei Cyklen von Septen. 1 = erster, 2
= zweiter Cyclus.]
E. elegans Mnstr. sp. } Unterer und oberer Malm.
E. compressa Mnstr. sp. (Fig. 90) } Mitteleuropa.
Die verwandte lebende, auch im Tertiär vorkommende Gattung Oculina
Lmk. zeichnet sich durch den Besitz von Pfählchen aus.
B. Einzelzellen mit zahlreichen, meist ganzrandigen Septen. Kelche
leer, d. h. ohne irgendwelche endothekalen Bildungen. Vom Jura an,
hauptsächlich tertiär und lebend. Turbinolinae.
Caryophyllia Stokes. Kreiselförmig; im Habitus der Gattung Parasmilia
(p. 93) ähnlich. Säulchen aus gedrehten Stäben gebildet, von einem
Pfählchenkranze umgeben. Kreide -- Lebend.
C. cylindracea Rss. Obere Kreide: Senon. Nordeuropa.
C. cyathus Sol. Lebend. Mittelmeer.
Thecocyathus E. & H. (Fig. 91). Niedrig kreiselförmige, kleine Zellen
mit zahlreichen, relativ starken und gut entwickelten Sternlamellen.
Das bündelförmige Säulchen von mehreren Pfählchenkränzen umgeben (B).
Aussenwand mit Epithek und ringförmigen Einschnürungen (A). Vom Lias
bis zur Gegenwart.
Th. mactra Gf. sp. (Fig. 91). Unterster Dogger (Torulosus-Schicht).
Frankreich, Süddeutschland.
[Illustration: Fig. 91. Thecocyathus mactra Gf. sp. Untere Grenze
des Doggers (Torulosus-Schicht). Schwaben. A eine Zelle von der
Seite gesehen. B von oben, die Sternlamellen, das Säulchen und die
zahlreichen Pfählchen zeigend.]
[Illustration: Fig. 92. Stylina Labechei E. & H. Unterer Malm:
Korallenkalk des Oxford. England. A Stück eines Stockes von oben. B
einige angewitterte Kelche von der Seite; tr = Traversen der Kelche, ex
= Traversen zwischen den Kelchen (Exothek); ep = Epithek; c = Säulchen;
r = Rippen.]
Die Gattung Trochocyathus E. & H., welche vom Jura an bis in die
Tertiärzeit in zahlreichen Arten verbreitet ist, unterscheidet sich
durch die meist verlängerte Gesammtform und die deutlichen Rippen.
Tr. conulus Mich. sp. Gault. Frankreich, England.
Tr. Magnevillianus Mich. sp. Mittl. Dogger. Frankreich, England.
Ceratotrochus E. & H. Kelch von ovalem Querschnitt. Zelle meist
gebogen. Septa und Säulchen stark. Rippen stachelig. Pfählchen fehlen.
Kreide und Tertiär.
C. Stöcke bündelförmig, ästig oder asträoidisch. Kelche meist klein,
mit wenig zahlreichen, ganzrandigen Septen. Traversen wohl entwickelt.
Zuweilen ein blasiges oder poröses Cönenchym vorhanden. Stylininae.
Stylina Lmk. (Fig. 92). Stock massig oder knollig, mit gefalteter
Epithek (B ep). Zellen durch ihre von Traversen (tr) durchsetzten
Rippen (r) (die sog. Exothek) getrennt. Kelche kreisrund oder oval,
vorstehend. Der Raum zwischen den Kelchen mit Rippen (A r) bedeckt.
Septa ganzrandig, nach der 6-, 8- oder 10-Zahl geordnet. Traversen
reichlich (tr). Säulchen griffelförmig (c). Trias -- Kreide, besonders
häufig im Jura.
St. solida M’C. sp. Mittlerer und oberer Dogger.
St. Labechei E. & H. (Fig. 92). Unterer und oberer Malm. Septen
achtzählig.
St. tubulosa Gf. sp. Unterer Malm. Septen sechszählig.
St. micrommata Qu. Oberer Malm. Septen sechszählig.
St. lobata Gf. sp. Unterer und oberer Malm. Septen zehnzählig.
Cryptocoenia d’Orb. unterscheidet sich nur durch das Fehlen des
Säulchens. Verbreitung wie Stylina. Häufig in den Korallenriffen des
Malm ist Cr. limbata Gf. sp.
Astrocoenia E. & H. und Stephanocoenia E. & H. finden sich häufig
in Jura, Kreide und Tertiär, die letztere auch noch in der Gegenwart.
Ihre Zellen sind nicht rund, sondern polygonal und direct mit ihren
Wänden verwachsen. Sie besitzen ein Säulchen und St. auch Pfählchen.
A. ramosa Sow. sp. Obere Kreide (Hippuritenkreide). Südfrankreich.
Salzkammergut.
St. pentagonalis Gf. sp. Oberer Malm. Schwaben.
Fam. Thamnastraeidae.
Einfache oder zusammengesetzte, meist flach ausgebreitete Stöcke. Die
Zellen besitzen keine seitlichen Wände -- höchstens eine horizontale
oder bei zusammengesetzten Stöcken eine gemeinschaftliche Wand. Septen
meist löcherig, mit zahlreichen Synaptikeln (p) und Traversen (tr).
Oberrand der Septen gekörnelt. In Trias, Jura und Kreide häufig, selten
tertiär und recent.
[Illustration: Fig. 93. Cyclolites. A C. undulata Lmk. Oberes Turon
(Hippuritenkreide). Gosau, Salzkammergut. Eine Zelle von oben gesehen.
B Verticalschnitt durch einige Septen von Cyclolites; t = Septen,
(die von der Seite gesehen löcherig erscheinen); tr = Traversen; p =
Synaptikel.]
Cyclolites Lmk. (Fig. 93). Eine einfache, freie Zelle mit dichter,
horizontaler, flacher Wand, die mit einer runzeligen Epithek bedeckt
ist. Oberfläche gewölbt, mit einer länglichen Centralgrube (A).
Septen ausserordentlich zahlreich, sehr dünn, löcherig, bis zum
Centrum reichend, Synaptikel aussendend, die in der Mitte verwachsen
(p). Traversen (tr) zahlreich. Kreide und Tertiär. Sehr häufig in der
Hippuritenkreide Südeuropas (Turon und Senon).
C. undulata Mich. sp. (Fig. 93) } Oberes Turon und Senon.
C. elliptica Lmk. } Südfrankreich, Salzkammergut.
Thamnastraea Lesv. (Fig. 94). Zusammengesetzte Stöcke, flach
ausgebreitet, verkehrt conisch oder pilzförmig, von einer gemeinsamen,
meist auf die Unterseite beschränkten, mit feinen Rippen versehenen
Wand (A w) umgeben. Die Einzelzellen ohne äusserlich sichtbare Mauern;
vielmehr fliessen die Septen benachbarter Zellen direct in einander.
Im Radialschliff sind die Wände durch die fächerförmige Stellung der
die Septen aufbauenden, knotigen Bälkchen (Trabekel) angedeutet (B t).
Septa zahlreich, aus mehr oder minder stark verschmolzenen knotigen
Trabekeln zusammengesetzt (t), wodurch das Septum porös erscheint (B
p). Traversen und Synaptikel wie bei Cyclolites (Fig. 93). Ein warziges
Säulchen. Eine wichtige fossile Gattung, von der Trias bis in das Eogen
verbreitet, besonders häufig in Jura und Kreide.
Th. Mettensis E. & H. Mittlerer Dogger. Lothringen, England.
Th. arachnoides Park. sp. Unterer und oberer Malm. England,
Frankreich, Schweiz, Schwaben.
Th. prolifera Beck. (Fig. 94 A). Oberer Malm. Schwaben.
Th. Lennisii A. Roe. Neocom. Harzrand, Frankreich.
Th. agaricites Gf. sp. Turon und Senon (Hippuritenkreide).
Salzkammergut, Südfrankreich.
Th. centrifuga Rss. Oligocän. Vicentin.
[Illustration: Fig. 94. A Thamnastraea prolifera Beck. Oberer Malm.
Nattheim, Schwaben. w = die mit feinen Längsrippchen bedeckte
gemeinsame Wand. B Radialschliff von Thamnastraea. Seitenansicht eines
zwei benachbarter Kelchen gemeinsamen Septums. m = die Grenze der
beiden Zellen. t = Trabekeln. p = Poren.]
Fam. Fungidae.
Einfache oder zusammengesetzte Stöcke mit ausgeprägt seitlichem
Wachsthum. Septa zahlreich, dicht, gezähnt. Einzelmauern fehlen, in
der Regel auch die Traversen. Synaptikel vorhanden. Seit der Jurazeit,
aber vorwiegend tertiär und lebend. Als Beispiel mag hervorgehoben
werden:
Cyathoseris E. &. H. Zusammengesetzte Stöcke, seitlich ausgebreitet.
Die wenig tiefen Kelche mit zahlreichen, gewundenen Septen, welche
mit denen der Nachbarkelche verschmelzen. Epithek und Säulchen fehlt.
Kreide und älteres Tertiär.
C. infundibuliformis Bl. sp. Eocän. Pariser Becken.
Fam. Poritidae.
Einfache oder zusammengesetzte Stöcke. Zellen mit löcherigen Mauern.
Septen dicht oder porös, zuweilen nur als Dornen entwickelt. Traversen
oft vorhanden. Synaptikel fast immer fehlend. Netzförmiges Cönenchym
meist vorhanden. Eine relativ jugendliche Familie, die schon im Jura
beginnt, aber erst seit der Tertiärzeit in zahlreichen Formen sich
entwickelt hat. Poritinae.
[Illustration: Fig. 95. Porites ramosa. Oligocän. Vicentin. A Stück
eines verzweigten Stockes. B Querschnitt einiger Zellen: w = poröse
Wand; c = Säulchen mit den Pfählchen.]
Porites Lmk. (Fig. 95). Stock knollig oder ästig, locker porös. Zellen
klein, dicht gedrängt, mit porösen Wänden (B w). Septen meist nur 12,
mit den Pfählchen und der columella (B c) zu einem porösen Gewebe
verwachsen. Fossil von der Kreide an. Lebend als wichtige Riffkoralle.
P. ramosa (Fig. 95). Oligocän. Vicentin.
P. incrustans Rss. Miocän. Wiener Becken.
P. solida Forsk. Lebend. Rothes Meer.
B. Stöcke meist ästig. Die Einzelpolyparien in ein poröses Cönenchym
gebettet. Von den 6 oder 12 Sternlamellen zeichnen sich zwei durch
besondere Stärke aus. Säulchen fehlt. Septa meist dicht. Madreporinae.
Madrepora L. (Fig. 96). Charakter der Familie. Meist nur wenige,
höchstens 12 Sternleisten, von denen zwei bis zur Mitte des Kelches
reichen und sich dort zu einer Scheidewand vereinigen (C s). Kelchwand
deutlich, porös (B k). Cönenchym schwammig oder porös (c). Lebend in
zahlreichen Arten. Fossil im Tertiär.
M. Solanderi Dfr. (Fig. 96). Obereocän. England, Frankreich.
M. corymbosa Lmk. Lebend. Indischer Ocean.
M. cervicornis Lmk. Lebend. Antillen.
[Illustration: Fig. 96. Madrepora Solanderi Dfr. Obereocän. Acy, Dép.
Oise. A ein Stück in natürlicher Grösse. B die etwas abgeriebene
Oberfläche vergrössert; k = Kelche, die Reste der Septen und die
durchbohrte Mauer zeigend; c = Cönenchym. C ein Kelch mit erhaltenen
Septen; s = die zwei bis zur Mitte reichenden Septen.]
[Illustration: Fig. 97. A Dendrophyllia elegans Dunc. Mitteleocän.
Bracklesham, England. Querschnitt einer Zelle. c = Säulchen; 1 = Septen
des ersten Cyclus; 4 u. 5 = die sich vereinigenden und bis zum Centrum
reichenden Septen des vierten Cyclus. B Stephanophyllia imperialis
Mich. Miocän. Lapugy, Siebenbürgen. Von oben gesehen. c = Säulchen.]
C. Einzelpolypare, oder zusammengesetzte Stöcke ohne Cönenchym.
Wandporen fein. Septa zum Theil dicht, zum Theil porös, einige seitlich
mit einander verschmelzend (Fig. 97 A 4 u. 5), zahlreich (mehr als 12).
Eupsamminae.
Stephanophyllia Mich. (Fig. 97 B). Korallenstock einfach, frei,
scheibenförmig, mit platter, radial gerippter, nackter, durchlöcherter
Wand. Oberfläche stark gewölbt, mit tiefer sechsseitiger Centralgrube,
in deren Mitte ein blattförmiges, schwammiges Säulchen (B c). Septa
zahlreich, an den Seiten mit spitzen Höckern versehen, zum Theil
porös und, mit Ausnahme der sechs Primärsepten, unter einander zu
einem Maschenwerk verschmelzend. Von der oberen Kreide bis ins Neogen
verbreitet.
St. imperialis Mich. (Fig. 97 B). } Miocän und Pliocän. Wiener
St. elegans Br. sp. } Becken und Italien.
Dendrophyllia Blv. (Fig. 97 A). Aestige oder massive, durch seitliche
Knospung sich vermehrende Stöcke, deren Aussenseite mit körnigen,
geschlängelten Rippen bedeckt ist. Mauer fein porös. Die rundlichen
oder zusammengedrückten Zellen enthalten ein schwammiges Säulchen (c)
und zahlreiche Sternlamellen. Diejenigen des ersten und zweiten Cyclus
(1 u. 2) etwa gleich lang, gegen aussen schwach verdickt. Diejenigen
des dritten (3) kurz, die des vierten (4 u. 5) mit einander sich
bogenförmig vereinigend und bis zum Centrum reichend. Tertiär und
lebend.
D. elegans Dunc. (Fig. 97 A). Mitteleocän. England.
D. amica Mich. sp. Miocän. Touraine, Piemont.
D. ramea L. sp. Lebend. Mittelmeer.
Geologische Verbreitung der Hexacoralla.
Riffbauende Korallen, namentlich aus den Familien der Astraeiden,
Oculiniden, Thamnastraeiden und Poritiden finden sich in verschiedenen
Horizonten der mesozoischen und känozoischen Formationen sehr häufig.
Die wichtigsten Vorkommnisse derselben sind in folgender Uebersicht dem
Alter nach dargestellt:
Tertiär: Pleistocän u. Pliocän: Rothes Meer, Japan
Miocän: Wiener Becken, Piemont, Touraine
Oligocän: Steyermark, Vicentin, Westindien
Eocän: Nord- und Südrand d. Alpen, N. Pyrenäen,
Pariser Becken, Vicentin,
Arabien, Libyen, Westindien
Kreide: Danien: Mastricht (Holland), Faxe (Insel Seeland)
Oberes Turon u. Senon: Südfrankreich, Venetien, Salzkammergut
(Gosau-Schichten)
Cenoman: Dép. de la Sarthe
Urgon: Nordalpen (Schrattenkalk)
Neocom: Dép. de la Hte. Marne, Krim
Jura: Tithon: Mähren, Savoyen, Apennin
Kimmeridge: Schwaben (Nattheim), Schweizer Jura
Oxford: England, Norddeutschland, Lothringen,
Badisches Oberland, Schweizer
Jura, Frankreich (sog. Corallien)
Oberer Dogger: England, Normandie, Oberes Rheinthal,
Schweizer Jura
Mittlerer Dogger: Lothringen, Schwaben
Lias: England, Luxemburg
Trias: Rhätische Stufe: Lithodendronkalke der Nord- und
Südalpen
Karnische Stufe: Dolomitalpen (St. Cassian)
Norische Stufe: Salzkammergut (Zlambach-Schichten).
Tiefsee-Korallen trifft man vereinzelt in den verschiedensten
Horizonten an.
Ausgestorbene Gruppen der Anthozoa.
Die in der mesozoischen und känozoischen Periode so formenreich
entwickelten Hexacoralla fehlen in den paläozoischen Ablagerungen
gänzlich. Ihre Stelle vertreten zwei vollständig erloschene Gruppen,
die der Zoantharia rugosa (oder Tetracoralla) und die der Z. tabulata.
I. Zoantharia rugosa (= Tetracoralla).
Einfache oder zusammengesetzte Korallenstöcke, den echten Korallen
im Habitus ähnlich. Sie besitzen niemals ein Cönenchym und ihre
Sternleisten lassen sich stets auf die Grundzahl vier (anstatt sechs
bei den echten Korallen) zurückführen, wobei ihre Anordnung entweder
eine radiäre (Fig. 98 B) oder eine zweiseitig symmetrische (Fig. 98
A) sein kann. Im ersteren Falle zeichnen sich die vier ersten Septen
durch ihre Grösse und Stärke nur wenig vor den später hinzutretenden
aus (Fig. 98 B), im anderen Falle unterscheiden sie sich von ihnen
durch viel schwächere oder stärkere Entwickelung (Fig. 98 A s, s’,
s’’, s’’). Der zweiseitig symmetrische Bau des Kelches tritt dann
besonders deutlich hervor, wenn die vier ersten Septen ungleich
entwickelt sind, wenn z. B. das eine (sog. Hauptseptum, Fig. 98 A
s) in einer Furche gelegen ist. Das gegenüberstehende Septum (Fig.
98 A s’) heisst dann Gegenseptum und die beiden seitlichen (Fig. 98
A s’’) Nebensepten. Auch diese können in Furchen gelegen sein. Die
Einschaltung weiterer Septen erfolgt nun derart, dass zunächst einige
wenige sich parallel mit dem Hauptseptum (s) stellen, dann aber die
Mehrzahl (s’’ 1-7) von den Nebensepten (s’’) an in der Richtung nach
dem Hauptseptum zu sich einschieben und dabei nicht eine radiäre,
sondern eine mit den Nebensepten nahezu parallele Stellung einnehmen,
woraus eine fiederstellige Anordnung derselben resultirt. In der
anderen Kelchhälfte (-- in welcher das Gegenseptum [s’] gelegen ist --)
beginnt die Einschiebung neuer Septen am Gegenseptum (s’) und schreitet
von dort nach den Nebensepten zu fort (s’ 1-7 s’’). Die Mehrzahl zeigt
eine radiäre, nur die zuletzt gebildeten eine den Seitensepten (s’’)
parallele Stellung. Die Fiederstellung der Septen ist bei manchen
Formen mit durchscheinender Wand auch äusserlich sichtbar (Fig. 104;
Fig. 108).
[Illustration: Fig. 98. A Kelch einer Rugose (Menophyllum) mit deutlich
zweiseitig symmetrischem Bau; s = Hauptseptum; s’ = Gegenseptum; (statt
s’ [rechts] lies s’’) s’’ = Nebensepten. Die übrigen Septen schalten
sich in der Reihenfolge der Zahlen 1-7 ein. B Kelch einer Rugose
(Lithostrotion) mit radiärem Baue, 28 nahezu gleichstark entwickelte
Septen zeigend.]
Der Kelch der Rugosa wird von einer Wand (Fig. 106 A w) eingeschlossen,
die mit einer Oberhaut (oder Epithek, Fig. 99 ep) bedeckt sein kann;
aus derselben sprossen zuweilen wurzelartige Fortsätze (Fig. 102 w).
Der von der Wand eingeschlossene Kelchraum wird entweder nur von
den Sternlamellen (oder Septen) erfüllt (Fig. 99 s’), welche leere
Interseptalräume (Fig. 99 is) zwischen sich lassen, oder es gesellt
sich noch ein centrales Säulchen hinzu (Fig. 99 c) [-- ein sog.
falsches Säulchen entsteht durch das Zusammenrollen der Septa in der
Kelchmitte --] Inexpleta. Oft aber füllen horizontale, geneigte oder
gewölbte Böden (tabulae) den centralen Theil des Kelches (unvollkommene
Böden, Fig. 103 t) oder auch den ganzen Kelch aus (vollkommene Böden)
-- Expleta. Durch eine accessorische Wand (sog. Innenwand -- Fig. 106 A
w’) wird der centrale Theil des Kelches häufig von dem peripherischen
geschieden. Ein blasiges Gewebe (Endothek) tritt entweder nur zwischen
der Aussen- und Innenwand auf (Fig. 103 e), oder dasselbe erfüllt
den ganzen Kelchraum, soweit er nicht mehr vom Thiere bewohnt wird
(Fig. 100), oder es fehlt gänzlich. Die Vermehrung der Kelche erfolgt
entweder durch Sprossung aus dem Kelche oder durch seitliche Sprossung
(Fig. 105 A).
[Illustration: Fig. 99. Rugosenkelch (Cyathaxonia) mit den Septen (s’),
den leeren Interseptalräumen (is) und der columella (c). ep = Epithek.
s = Septalfurche.]
[Illustration: Fig. 100. Rugosenkelch (Cystiphyllum vesiculosum Gf.
sp.) ganz mit Blasengewebe erfüllt.]
Es sind bis jetzt ca. 60 Gattungen der Rugosa bekannt, die nur in
paläozoischen Schichten -- mit Ausnahme der cambrischen -- angetroffen
werden. Die wichtigsten Familien unterscheiden sich nach F. Roemer
folgendermaassen:
A. Sternlamellen deutlich entwickelt (Fig. 98 B).
α) Böden und Endothek deutlich entwickelt (Fig. 103).
a) Die einzelnen Kelche des Stockes deutlich von einander getrennt
(Fig. 101; Fig. 105).
1. Säulchen fehlt (Fig. 101).
I. Ausgewachsene Kelche mit radiär angeordneten Septen (Fig.
105 B; Fig. 106 B) Cyathophyllidae.
II. Ausgewachsene Kelche mit deutlich zweiseitig angeordneten
Septen (Fig. 98 A) Zaphrentidae.
2. Mit Säulchen (Fig. 98 B) Axophyllidae.
b) Die Kelche des Stockes zusammenfliessend (Fig. 107)
Phillipsastraeidae.
β) Böden und Endothek fehlend (Fig. 99) Cyathaxonidae.
B. Sternlamellen rudimentär oder fehlend (Fig. 109).
α) Kelch rund, ohne Deckel. Kelchraum wenig tief (Fig. 100)
Cystiphyllidae.
β) Kelch meist eckig, mit Deckel. Kelchraum tief (Fig. 109)
Calceolidae.
Fam. Cyathophyllidae.
Korallenstock einfach (Fig. 102) oder zusammengesetzt (Fig. 101).
Sternlamellen deutlich radial angeordnet. Böden und Endothek vorhanden.
[Illustration: Fig. 101. Cyathophyllum helianthoides Gf. Mitteldevon.
Eifel. Ein zusammengesetzter Stock.]
[Illustration: Fig. 102. Omphyma subturbinata d’Orb. sp. Obersilur.
Insel Gothland. w = wurzelförmige Anhänge der Epithek.]
Cyathophyllum Gf. (Fig. 101). Einfache oder zusammengesetzte, oft sehr
grosse Korallenstöcke, mit zahlreichen, deutlich entwickelten, bis zur
Mitte des Kelches reichenden Septen. Der mittlere Raum des Kelches
wird von Böden, der peripherische von Endothek erfüllt (vgl. Fig.
103 -- Zaphrentis). Im Silur, Devon und in der Steinkohlenformation,
vorzüglich aber im Obersilur und Devon in zahlreichen Arten verbreitet
und dort ganze Schichtencomplexe erfüllend (Eifel).
C. articulatum Wahl. sp. Obersilur. Schweden, England.
C. helianthoides Gf. (Fig. 101) }
C. caespitosum Gf. } Mitteldevon der Eifel.
C. quadrigeminum Gf. }
Omphyma Raf. & Clif. (Fig. 102). Korallenstock einfach, kreiselförmig,
mit einer dünnen, in wurzelförmige Anhänge (w) sich verlängernden
Epithek. Böden sehr vollkommen. Septen zahlreich. Die vier primären
gleichen, in Furchen gelegen, die aber nicht alle immer deutlich
sichtbar. Obersilur Europas und Nordamerikas.
O. subturbinata d’Orb. sp. (Fig. 102) } Obersilur der Insel
O. turbinata Ed. & H. } Gothland und Englands.
Acervularia Schweiger (L. p., t. 10, Fig. 5). Korallenstock
zusammengesetzt. Vermehrung durch Kelchsprossung. Innere Wand deutlich
entwickelt oder nur angedeutet. Septen nur theilweise in den inneren
Kelchraum hineinragend. Böden schwach entwickelt. Zahlreiche Arten im
Obersilur und Devon.
A. ananas L. sp. Obersilur. Schweden, England.
A. Goldfussi d. V. & H. Oberdevon. Belgien, Deutschland.
Ptychophyllum E. & H. (L. p., p. 359, Fig. 75). Korallenstock
einfach, selten zusammengesetzt, aus einer Reihe trichterförmiger, in
einander geschachtelter Glieder bestehend. Septa zahlreich, wenig von
einander verschieden, in der Kelchmitte zu einem falschen Säulchen
zusammengedreht. Kelchrand umgeschlagen. Hauptsächlich im Silur,
seltener im Devon.
Pt. patellatum Schl. sp. Obersilur. England, Gothland. Als
Diluvialgeschiebe in Norddeutschland.
Fam. Zaphrentidae.
Korallenstock stets einfach. Sternlamellen deutlich bilateral
entwickelt (Fig. 98 A). Säulchen fehlend.
Zaphrentis Raf. & Clif. (Fig. 103; L. p., t. 39, Fig. 10). Der
einfache, meist gekrümmte Korallenstock ist kreiselförmig oder
cylindrisch. Epithek vollständig. Kelch tief, mit einer deutlichen
Septalfurche. Böden vollkommen oder nahezu vollkommen (t). Zuweilen
Endothek vorhanden (e). Septen fast bis zum Centrum reichend, nicht
gedreht, zahlreich. Vom Obersilur bis in die Steinkohlenformation;
hauptsächlich in letzterer durch zahlreiche Arten vertreten.
Z. cylindrica Mich. sp. (Fig. 103). Subcarbon. Grossbritannien,
Belgien.
Z. intermedia d. Kon. (L. p., t. 39, Fig. 10). Subcarbon. Belgien.
Die in der Steinkohlenformation weit verbreitete, auch schon im
Devon vorhandene Gattung Amplexus Sow. unterscheidet sich nur durch
schwächer entwickelte Sternlamellen von Zaphrentis. Eine häufige Art
im Subcarbon Europas und Nordamerikas ist A. coralloides Sow. (L. p.,
t. 39, Fig. 2).
[Illustration: Fig. 103. Zaphrentis cylindrica Mich. sp. Subcarbon.
Schottland. Längsschnitt, die fast vollständigen Böden (t) und die
Endothek (e) zeigend.]
Streptelasma Hall (Fig. 104; L. p., t. 3, Fig. 3). Einfache,
kreiselförmige, gekrümmte Kelche mit tiefer Höhle. Von den gegen
100 und mehr betragenden Sternlamellen rollen sich die längeren (--
die der ersten Ordnung --) zu einem falschen Säulchen zusammen. Auf
der von keiner Epithek bedeckten Aussenseite des Kelches sind die
vier Primärsepten (s, s’) und die fiedrig gestellten späteren meist
deutlich sichtbar. Böden vollkommen, dicht genähert. Im Silur und zwar
wahrscheinlich nur in der unteren Abtheilung desselben in Europa und
Nordamerika häufig.
St. Europaeum F. Rö. (Fig. 104; L. p., t. 3, Fig. 3). Im oberen
Untersilur Estlands und als Diluvialgeschiebe in Norddeutschland.
St. corniculum Hall. Im Untersilur Nordamerikas sehr häufig.
[Illustration: Fig. 104. Streptelasma europaeum F. Rö. Untersilur.
Diluvialgeschiebe. Schlesien. s = Hauptseptum. s’ = Seitenseptum.
Dazwischen fiederstellige Septen.]
Fam. Axophyllidae.
Korallenstock meist zusammengesetzt, seltener einfach. Kelche mit
Böden, Endothek und deutlich entwickeltem Säulchen. Diese Familie ist
auf die Steinkohlenformation beschränkt.
[Illustration: Fig. 105. Lithostrotion caespitosum Mart. sp. Subcarbon.
Belgien. A schwach. verkleinerte Ansicht eines Stockes. B vergrösserter
Querschnitt eines Kelches; w = Innenwand; e = Endothek; c = Säulchen.]
[Illustration: Fig. 106. A Lonsdaleia Bronni E. & H. Carbon. Russland.
Längsschnitt eines Kelches. B L. floriformis Flem. sp. Subcarbon.
Irland. Querschnitt zweier Kelche. w = Aussenwand; w’ = Innenwand; e =
Endothek; c = Säulchen.]
Lithostrotion Flem. (Fig. 105 A, B). Zusammengesetzte Korallenstöcke,
die sich durch seitliche Sprossung vermehren (A). Kelche polygonal
(wenn verwachsen) oder rund (wenn frei). Der Raum zwischen der
Aussenwand und der meist nur undeutlich entwickelten Innenwand (B
w’) mit Endothek (e), der centrale Raum mit Böden erfüllt. Säulchen
griffelförmig (c). Epithek vorhanden.
Diese Gattung gehört zu den häufigsten und bezeichnenden Formen der
Steinkohlenformation. Die wichtigsten der zahlreichen Arten sind:
L. junceum Flem. sp. } Grossbritannien, Belgien,
} Schlesien, Russland.
L. caespitosum Mart. sp. (Fig. 105 A, B) } Kelche getrennt.
L. basaltiforme Phill. sp. Europa, Australien. Kelche sich
berührend, polygonal.
Lonsdaleia M’Coy (Fig. 106 A, B). Korallenstock massig oder
bündelförmig. Kelche durchschnittlich weiter als bei Lithostrotion.
Innenwand deutlich entwickelt (B w’). Zwischen Aussen- (w) und
Innenwand (w’) Endothek (e). Septa die Aussenwand nicht erreichend.
Säulchen dick, cylindrisch, aus gedrehten Lamellen bestehend
(A c). Steinkohlenformation Belgiens, Deutschlands, Russlands,
Grossbritanniens und Australiens.
L. floriformis Flem. sp. (Fig. 106 B). Grossbritannien und
Russland.
L. rugosa M’Coy. Grossbritannien, Belgien, Deutschland.
L. Bronni E. & H. (Fig. 106 A). Russland.
Fam. Phillipsastraeidae.
Die Kelche des zusammengesetzten Stockes nicht scharf von einander
geschieden, indem die Sternlamellen der benachbarten Kelche in einander
verfliessen (Fig. 107). Auf Devon und Subcarbon beschränkt.
Phillipsastraea d’Orb. (Fig. 107). Der zusammengesetzte Korallenstock
ist massig, die Unterseite desselben mit Epithek bekleidet. Die
Oberfläche der Kelche eben, die Mitte eingesenkt. Sternlamellen
dünn, die längeren verbinden sich im Centrum des Kelches zu einem
falschen Säulchen. Böden schwach, Endothek stark entwickelt. Häufig
im Oberdevon, seltener im Mitteldevon und Subcarbon Europas und
Nordamerikas.
Ph. Hennahi Lonsd. sp. (Fig. 107). Oberes Mitteldevon und
Oberdevon. England, Harz, Schlesien, Ostalpen, Languedoc.
[Illustration: Fig. 107. Phillipsastraea Hennahi Lonsd. sp. Oberer
Devon. Ebersdorf, Schlesien. Querschnitt.]
Fam. Cyathaxonidae.
Korallenstöcke klein, einfach, frei. Böden und Endothek fehlend.
Säulchen meist vorhanden.
Cyathaxonia Mich. (Fig. 108 A). Der kleine einfache Kelch ist von einer
Epithek (ep) bekleidet. Die zahlreichen Septa (s’) meist bis zu dem
griffelförmigen Säulchen (c) reichend. Interseptalräume (is) leer,
d. h. ohne Böden oder Endothek. Eine schmale Septalfurche (s) an der
Convexseite. Steinkohlenformation.
C. cornu Mich. (Fig. 108 A). Belgien, England.
Die einzige Tetracoralle des europäischen Perm Polycoelia profunda
Germ. sp. (Zechstein Thüringens und Englands) schliesst sich an die
Cyathaxoniden an. Sie unterscheidet sich aber durch das Fehlen des
Säulchens und durch das Vorhandensein schwach entwickelter Böden.
Fam. Cystiphyllidae.
Sternlamellen und Böden fehlen. Ein endothekales Blasengewebe füllt den
ganzen Kelch aus (Fig. 108 B).
Cystiphyllum Lonsd. (Fig. 108 B). Korallenstock einfach, selten
zusammengesetzt. Sternlamellen nur in der Form radiärer Linien auf
dem Boden des Kelches angedeutet. Der Kelch mit Blasengewebe erfüllt.
Zahlreiche Arten im Obersilur und Devon.
C. siluriense Lonsd. Obersilur. England.
C. vesiculosum Gf. sp. (Fig. 108 B). Häufig im Mitteldevon der Eifel.
[Illustration: Fig. 108. A Cyathaxonia cornu Mich. Subcarbon. Belgien.
Ein aufgebrochener Kelch. s = Septalfurche; s’ = Sternlamellen;
c Säulchen; is = Interseptalräume; ep = Epithek. B Cystiphyllum
vesiculosum Gf. sp. Mitteldevon. Eifel. Ein der Länge nach
durchschnittener Kelch, das endothekale Blasengewebe und das Fehlen der
Sternlamellen, Böden und des Säulchens zeigend.]
[Illustration: Fig. 109. Calceola sandalina Lmk. Mitteldevon
(Calceola-Schichten). Eifel. Die obere Hälfte der Figur zeigt die
Innenseite des Deckels, die untere den Kelch mit den streifartigen,
fiederstelligen Sternlamellen.]
Fam. Calceolidae.
Zu dieser Familie gehören vier, im Silur und Devon gelegentlich häufig
auftretende Gattungen, welche wie die Cystiphyllen keine deutlich
entwickelten Sternlamellen und Böden, sondern nur ein Blasengewebe
besitzen. Sie sind noch besonders durch den Besitz eines kalkigen
Deckels ausgezeichnet. Die wichtigste Gattung ist:
Calceola Lmk. (Fig. 109). Ein einfacher, freier, dickwandiger,
pantoffelförmiger Kelch mit tief eingesenkter Kelchhöhlung.
Sternlamellen nur durch Linien oder Furchen angedeutet. Das
Hauptseptum in der Mitte des gewölbten (vorn Fig. 109), das Gegenseptum
-- eine Furche -- in der Mitte des flachen Theiles der Wand (hinten
Fig. 109) gelegen. Auf der gewölbten Seite wird durch das Anschleifen
die Fiederstellung der übrigen Sternlamellen sichtbar. Das Blasengewebe
im Boden des Kelches scheinbar dicht. Der flache, halbkreisförmige
Deckel besitzt auf seiner Innenseite eine mediane Leiste, welche die
Richtung vom Haupt- zum Gegenseptum andeutet, und ausserdem zahlreiche
feinere, welche je zwei gegenüberliegenden Sternlamellen entsprechen.
(Oberer Theil der Fig. 109). Devon.
C. sandalina Lmk. (Fig. 109). Leitfossil für das Mitteldevon,
speciell für die sog. Calceola-Schichten im Harz, in der Eifel, in
Westfalen, Belgien, England.
Eine ausserordentlich einfach gebaute Tetracoralle ist Petraia
radiata Mnstr., welche als Leitfossil für das deutsche Oberdevon
gelten kann. Der kreiselförmige Kelch ist mit schwach entwickelten
Sternlamellen versehen, enthält aber weder Böden, noch Endothek, noch
Säulchen.
Geologische Verbreitung der Tetracoralla.
Die Tetracoralla bauen im Verein mit den Tabulata und Stromatoporoidea
die paläozoischen Korallenriffe auf. Die ersten, noch spärlichen
Vertreter erscheinen im Untersilur, wo die Gattung Streptelasma
herrscht. Das Obersilur liefert zahlreiche Gattungen, wie
Cyathophyllum, Omphyma, Acervularia, Zaphrentis, Ptychophyllum,
Cystiphyllum etc. Im Devon sind besonders häufig: Cyathophyllum,
Acervularia, Zaphrentis, Phillipsastraea, Cystiphyllum, Calceola und
Petraia. Als bezeichnend für die Steinkohlenformation können gelten:
Lithostrotion, Lonsdaleia, Cyathaxonia; daneben finden sich häufig:
Zaphrentis und Amplexus. Die einzige permische Gattung ist Polycoelia.
Aus jüngeren Formationen sind keine Tetracoralla bekannt.
+----------------+---------------+-------+----------------------+
| | Silur | Devon | Steinkohlenformation |
| | Unter | Ober | | |
+----------------+-------+-------+-------+----------------------+
| Cyathophyllum | | † † | † † | † |
| Omphyma | | † † | | |
| Acervularia | | † † | † † | |
| Ptychophyllum | | † † | † | |
| Zaphrentis | | † | † | † † |
| Streptelasma | † † | ? | | |
| Lithostrotion | | | | † † |
| Lonsdaleia | | | | † † |
| Phillipsastraea| | | † † | † |
| Cyathaxonia | | | | † † |
| Cystiphyllum | | † | † † | |
| Calceola | | | † † | |
+----------------+-------+-------+-------+----------------------+
II. Zoantharia tabulata.
Die Zoantharia tabulata bilden stets zusammengesetzte Korallenstöcke,
die aus zahlreichen, engen, meist stark verlängerten Röhren mit
festen Wänden bestehen. Die Wände können dicht oder von entfernt
stehenden Poren durchbohrt sein (Fig. 113 a). Die Röhrenzellen berühren
sich meist in ihrer ganzen Länge (Fig. 113), zuweilen sind sie nur
locker verbunden und theilweise frei (Fig. 112), in seltenen Fällen
werden die Röhren durch eine ebenfalls röhrenartige Zwischenmasse
(Cönenchym) verbunden (Fig. 110 r’). Sternlamellen oder Septen (hier
als Pseudosepten bezeichnet) selten deutlich entwickelt -- in der
Sechs- oder Zwölfzahl (Fig. 110 r, wo fälschlich nur 10 gezeichnet) --
zuweilen nur als kurze Dornen auftretend oder gänzlich fehlend. Die
Röhren werden in der Regel durch zahlreiche, ebene oder trichterförmige
Scheidewände (tabulae) in Fächer abgetheilt (Fig. 117 C t; Fig. 112 A
tr). Diese Gruppe besitzt in den paläozoischen Formationen eine weite
Verbreitung, ist aber in mesozoischen nur noch durch vereinzelte Formen
vertreten. Die wichtigsten Familien unterscheiden sich nach F. Römer
wie folgt:
A. Röhrenzellen durch ein ebenfalls röhriges oder blasiges Cönenchym
verbunden (Fig. 110) Heliolitidae.
B. Cönenchym fehlt.
α. Röhrenzellen den benachbarten nicht ringsum fest anliegend
(Fig. 112).
I. Röhrenzellen nur auf zwei Seiten mit den angrenzenden verwachsen
(Fig. 111) Halysitidae.
II. Röhrenzellen mit den benachbarten allseitig durch kurze
Querröhren verbunden (Fig. 112) Syringoporidae.
β. Röhrenzellen ringsum den angrenzenden fest anliegend (Fig. 113).
I. Die Wände der Röhrenzellen von entfernt stehenden Poren
durchbohrt (Fig. 113) Favositidae.
II. Die Wände der Röhrenzellen dicht (Fig. 116).
a. Röhrenzellen durch Theilung sich vermehrend; die beginnende
Theilung durch zackige Vorsprünge in der Röhrenzelle
bezeichnet (Fig. 116 A l). Alle Zellen gleich
Chaetetidae.
b. Röhrenzellen durch seitliche Sprossung sich vermehrend. Meist
verschiedenartige Zellen vorhanden (Fig. 117)
Monticuliporidae.
Fam. Heliolitidae.
Der massige Korallenstock, welcher eine auffallende Aehnlichkeit mit
der lebenden Gattung Heliopora zeigt (p. 86), besteht aus weiten
Röhrenzellen (Fig. 110 r) mit 12 deutlich entwickelten Pseudosepten (A
ps) und weit abstehenden Böden (t). Das diese Röhrenzellen verbindende
Cönenchym wird aus engeren Röhrenzellen (r’) mit enger gestellten Böden
(t’) oder aus Blasengewebe gebildet. Die Wände der Röhrenzellen sind
dicht -- ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal von Heliopora (vgl.
Fig. 81).
[Illustration: Fig. 110. Heliolites porosus Gf. sp. Mitteldevon.
Eifel. A Querschnitt. B Ansicht eines Stockes. C Längsschnitt; r =
Röhrenzellen mit den Pseudosepten (fälschlich 10 anstatt 12 gezeichnet,
ps) und den Böden (t); r’ = Cönenchymzellen mit enger gestellten Böden
(t’).]
Heliolites Dana. Cönenchym aus schmalen, prismatischen Röhren
bestehend. Korallenstock massig, halbkugelig oder birnförmig. Im Silur
und Devon Europas, Nordamerikas, Chinas und Australiens.
H. megastoma M’Coy }
} Untersilur.
H. dubius Fr. Schm. }
H. interstinctus L. Obersilur. Europa, Nordamerika, China.
H. porosus Gf. sp. (Fig. 110). Mitteldevon. Deutschland, England,
Australien.
Fam. Halysitidae.
Die einzige Gattung dieser Familie ist:
Halysites Fischer (Fig. 111 A-C). Der Korallenstock besteht aus
einer Anzahl seitlich zusammengedrückter, langer Röhrenzellen (k),
welche, an den schmalen Seiten mit einander kettenförmig verwachsen,
sich zu dünnen, längsgefurchten Blättern vereinigen, welch letztere
in verschiedenen Richtungen an einander stossen (C) und freie Räume
zwischen sich lassen. Die Aussenwand ist mit einer Epithek bekleidet.
Zwischen den grösseren Röhrenzellen (k), welche von gebogenen, weit
abstehenden, oft unvollständigen Böden (t) durchsetzt werden, finden
sich jeweilen mehrere, kleinere Zwischenröhren (k’) mit ebenen, enger
gestellten Böden (t). Zwölf dornförmige Pseudosepten vorhanden oder
fehlend. Wand dicht. Auf das Silur beschränkt.
H. catenularia L. sp. (Fig. 111). Obersilur. Nordeuropa,
Nordamerika, China. Häufig als Diluvialgeschiebe in Norddeutschland.
[Illustration: Fig. 111. A-C Halysites catenularia L. sp. Obersilur.
Gothland. A Querschnitt. B Längsschnitt. C Ansicht des Stockes. k
= Röhrenzellen mit weiter abstehenden, gebogenen Böden (t). k’ =
Zwischenröhren, enger und mit dichter gestellten, ebenen Böden (t)
versehen.]
Fam. Syringoporidae.
Syringopora Gf. (Fig. 112). Korallenstock aus langen, gebogenen,
cylindrischen Röhren zusammengesetzt, die durch kurze, cylindrische
Querröhren mit einander verbunden (C) und mit einer Epithek bedeckt
sind. Im Inneren der Röhren und Querröhren finden sich gebogene,
trichterförmige Böden (tr). Die Wand der Röhren ist dicht. Eine
wechselnde Anzahl von dornförmigen Pseudosepten (A p, B ps) vorhanden.
Vom Obersilur bis in die Steinkohlenformation verbreitet.
S. bifurcata Lonsd. Obersilur. Nordeuropa. Als Diluvialgeschiebe
in Norddeutschland.
S. reticulata Gf. (Fig. 112 A, B) }
} In der Steinkohlenformation von
S. geniculata Phill. } England, Russland, Belgien etc.
S. ramulosa Gf. (Fig. 112 B) }
[Illustration: Fig. 112. A, B Syringopora reticulata Gf. Subcarbon.
England. Längsschnitt und Querschnitt. p u. ps = Pseudosepten. tr =
trichterförmige Böden. C Syringopora ramulosa Gf. Subcarbon. Schlesien.
Ansicht in natürlicher Grösse.]
Fam. Favositidae.
Meist massige, seltener verzweigte Stöcke aus prismatischen, meist eng
an einander liegenden Röhrenzellen von gleichartiger Beschaffenheit
zusammengesetzt. Die Wände derselben sind von groben, entfernt
stehenden Poren durchbohrt (Fig. 113 a). Pseudosepten durch Längsreihen
von Dornen oder Körnern angedeutet. Von den zahlreichen Gattungen sind
besonders wichtig:
Favosites Lmk. (= Calamopora Gf.) (Fig. 113; Fig. 114 A). Die
Röhrenzellen des gewöhnlich massigen Stockes sind polygonal, von
zahlreichen Horizontalböden durchsetzt und ihre Wände von entfernt
stehenden, meist in Längsreihen angeordneten Poren durchbrochen (a).
Ihre Aussenseite längsgestreift. Pseudosepten als dornige oder körnige
Längsstreifen entwickelt (Fig. 114 A). Unterseite des Stockes mit
Epithek bekleidet.
Diese häufigste Gattung der Tabulaten ist durch zahlreiche Arten im
Silur und Devon vertreten.
F. Gothlandica Lmk. } Obersilur. Nordeuropa und
F. Forbesi E. & H. (Fig. 113 A) } Nordamerika.
F. polymorpha Gf. sp. (Fig. 113). Mitteldevon. Eifel etc.
[Illustration: Fig. 113. Favosites polymorpha Gf. sp. Mitteldevon.
Eifel. a mehrere Röhrenzellen vergrössert, die Böden, die Wandporen und
die Längsstreifen auf der Aussenseite der Wand zeigend. b ein Stock in
natürlicher Grösse.]
[Illustration: Fig. 114. A Favosites Forbesi E. & H. Obersilur.
Nordamerika. Querschnitt, die dornförmigen Pseudosepten zeigend. B
Alveolites suborbicularis Lmk. Mitteldevon. Eifel. Querschnitt, die
halbmondförmigen Röhrenzellen und die Längsleisten (d) zeigend.]
Alveolites Lmk. (Fig. 114 B). Von Favosites durch die halbmondförmigen,
schief auf der Oberfläche des Stockes mündenden Röhrenzellen
(Fig. 114 B) leicht unterscheidbar. Im Inneren der Zelle eine oder mehrere
Längsleisten (Fig. 114 B d) vorhanden, die als Pseudosepten zu deuten
sind. Im Obersilur und Devon verbreitet.
A. Labechei E. & H. Obersilur. Grossbritannien, Gothland. Als
Diluvialgeschiebe in Norddeutschland.
A. suborbicularis Lmk. (Fig. 114 B). Mitteldevon. Eifel, Ostalpen.
[Illustration: Fig. 115. A Pleurodictyon problematicum Gf. Unterdevon.
Coblenz. Steinkern. s = ein fremder, wurmartiger Körper, von der
Koralle umwachsen. w = die von enge stehenden Poren durchbrochenen
Wände der Zellen. B, C Pl. stylophorum Eat. sp. Devon. Nordamerika.
B von oben gesehen. C Vertikalschnitt. t = Böden. p = Wandporen. Die
schraffirten Ringe deuten den umwachsenen fremden Körper an.]
Pleurodictyon Gf. (Fig. 115 A-C). Korallenstock flach oder halbkugelig,
aufgewachsen, mit runzeliger Epithek auf der Unterseite. Die wenig
zahlreichen Röhrenzellen kurz, trichterförmig (C), mit wenigen oder gar
keinen Böden (C t) versehen. Wandporen gedrängt (C p). Im rheinischen
Unterdevon immer als Steinkern (A) erhalten. Der hakenförmige Körper im
Centrum (s) ist ein fremder wurmartiger Rest, den die Coralle umwuchs.
Die Wände (w) erscheinen als durchbrochene Linien. Die Abdrücke der
Unterseite zeigen eine concentrische Runzelung und feine radiale
Linien. Im Devon, vielleicht schon im Silur.
Pl. problematicum Gf. (Fig. 115 A). Häufig im rheinischen,
französischen, belgischen und englischen Unterdevon, aber stets als
Steinkern.
Pl. stylophorum Eat. sp. (Fig. 115 B, C). Im Devon (Hamilton-Gruppe)
Nordamerikas.
Eine nahe verwandte Gattung ist:
Michelinia de Kon. (L. p., t. 39, Fig. 7). Dieselbe unterscheidet
sich von Pleurodictyon nur durch ihre blasenförmigen Böden und durch
sparsamere, ungleichmässig vertheilte Wandporen. Sie kommt im Devon und
Subcarbon vor.
M. cylindrica Nich. Im älteren Devon (Corniferous-Group)
Nordamerikas.
M. favosa Gf. sp. Subcarbon. Grossbritannien, Belgien, Deutschland.
Fam. Chaetetidae.
Chaetetes Fisch. (Fig. 116). Massige Stöcke. Die langen, prismatischen
Röhrenzellen fest miteinander verbunden; ihre Wände dick, undurchbohrt.
Pseudosepten fehlen. Die Vermehrung der Röhrenzellen geschieht durch
Theilung; die in der Bildung begriffenen Wände sind im Querschnitte
als vorspringende Lamellen sichtbar (A l). Böden zahlreich, eben, in
ungleichen Abständen von einander (B t). In der Steinkohlenformation
häufig, selten im Lias der Südalpen.
Ch. radians Fisch. (Fig. 116). Steinkohlenformation. Russland,
England.
[Illustration: Fig. 116. Chaetetes radians Fisch. Carbon. Moskau. A
Querschnitt einiger in Theilung begriffener Röhrenzellen; l = die neu
entstehenden Zellwände. B Längsschnitt; t = Böden. C Ansicht eines
angebrochenen Stückes.]
Fam. Monticuliporidae.
Korallenstöcke massig, meist verzweigt. Röhrenzellen durchschnittlich
sehr klein, fest an einander liegend, meist dünnwandig, oft von
verschiedener Grösse, durch Sprossung sich vermehrend. Böden zahlreich,
dünn. Pseudosepten und Wandporen fehlen. Silur -- Muschelkalk.
Die Hauptentwickelung dieser Familie fällt in das Untersilur. Die
wichtigste Gattung ist:
Monticulipora d’Orb. (Fig. 117). Korallenstock knollig, plattig oder
verästelt. Die Röhrenzellen (auch Coralliten genannt) entweder alle
gleichartig (Monotrypa) und dünnwandig, oder von zweierlei Art,
weitere, mit entfernt stehenden, und engere, mit gedrängt stehenden
Böden (c und c’); dazwischen oft sehr feine, sog. dornförmige
Coralliten (s) ohne Böden. Diplotrypa mit dünnen, Heterotrypa
(Fig. 117) mit dicken Wänden. Zahlreiche Arten im Silur, besonders
im Untersilur Nordamerikas und Russlands, seltener im Devon und
Muschelkalk.
M. (Monotrypa) pavonia d’Orb. Untersilur. Nordamerika.
M. (Monotrypa) fibroglobosa Qu. sp. Mitteldevon. Eifel.
M. (Monotrypa) Recubariensis Schaur. sp. Muschelkalk. Südtirol.
M. (Diplotrypa) petropolitana Pand. Untersilur. Nordeuropa. Als
Diluvialgeschiebe in Norddeutschland.
M. (Heterotrypa) mammulata d’Orb. (Fig. 117 A, B) } Untersilur.
M. (Heterotrypa) ramosa d’Orb. (Fig. 117 C) } Nordamerika.
[Illustration: Fig. 117. A, B M. (Heterotrypa) mammulata d’Orb.
Untersilur. Cincinnati, Ohio. A Ein Stück des Korallenstockes
verkleinert, mit warzenartigen Erhebungen auf der Oberfläche (w). B
Tangentialschnitt; c = grössere Coralliten; c’ = kleinere Coralliten;
s = dornförmige Coralliten. C M. (Heterotrypa) ramosa d’Orb.
Längsschliff. Ebendaher. w = verdickte Wände; t = Böden; c und c’
wie bei B. Die kleineren Coralliten sind fälschlich mit c statt c’
bezeichnet.]
Geologische Verbreitung der Tabulata.
Die Tabulata sind, von wenigen Ausnahmen abgesehen, auf das
Palaeozoicum beschränkt. Sie werden meist in Gesellschaft der Rugosa
angetroffen und bilden mit diesen und den Stromatoporoidea zusammen
oder auch allein Bänke und Riffe.
Dem Silur eigenthümlich sind die Halysitiden, vorwiegend in dieser
Formation verbreitet die Monticuliporiden. Die Favositiden und
Syringoporiden reichen vom Silur bis in die Steinkohlenformation. Die
Chaetetiden kommen in der Steinkohlenformation (selten auch im Jura)
vor.
+---------------+---------+---------+------------------+------------+
| | Silur | Devon | Steinkohlenform. | Mesozoicum |
+---------------+---------+---------+------------------+------------+
| Heliolites | † † | † † | | |
| Halysites | † † | | | |
| Syringopora | † † | † | † † | |
| Favosites | † † | † † | | |
| Alveolites | † † | † † | | |
| Pleurodictyon | ? | † † | | |
| Michelinia | | † | † † | |
| Chaetetes | | | † † | † |
| Monticulipora | † † | † | † | † |
+---------------+---------+---------+------------------+------------+
IV. Kreis: Vermes (Würmer).
Da feste Skeletbildungen bei den Würmern nur sehr selten vorkommen,
können wir von der Mehrzahl derselben höchstens Abdrücke des Körpers in
den Erdschichten zu finden erwarten. Verkalkte Bildungen treffen wir
nur bei der höchstentwickelten Klasse der Würmer, bei den Annelida oder
Ringelwürmern, die durch ihren langgestreckten, in zahlreiche gleiche
Segmente getheilten Körper sich von den übrigen Würmern unterscheiden.
Die Annelida zerfallen in die beiden Unterklassen der Chaetopoda oder
Borstenwürmer und Hirudinea oder Blutegel. Nur bei den ersteren, und
zwar innerhalb der Ordnung der Polychaeta, die durch den Besitz von
Stummelbeinen und einen deutlich gesonderten Kopf ausgezeichnet sind,
kommen Hartgebilde vor.
Ordnung Polychaeta.
Marine Borstenwürmer mit Stummelbeinen, Fühlern und Kiemen. Kopf meist
deutlich gesondert. Diese Ordnung theilt man ein in:
1. Sedentaria. Festsitzende, pflanzenfressende Würmer, die in häutigen
oder kalkigen Röhren stecken.
2. Errantia. Frei lebende Raubwürmer, zum Theil mit verkalkten Kiefern.
1. Sedentaria (Tubicolae) oder Röhrenwürmer.
Manche Röhrenwürmer aus der Familie der Serpulidae wohnen in kalkigen
Röhren, die sich sehr wohl zur Fossilisation eignen. Die Röhren sind
am unteren Ende geschlossen, am oberen offen. Trotz der grossen
Mannigfaltigkeit der Gestaltung sind dieselben allein doch zur
Charakterisirung der Gattungen nicht ausreichend, weshalb es sich
empfiehlt, die zahlreichen fossilen Funde mit dem Collectivnamen des
hauptsächlichsten lebenden Repräsentanten der Familie
Serpula L. (Fig. 118 A-E) zu bezeichnen. Die Röhre ist bald in ihrer
ganzen Länge von nahezu gleicher Dicke oder nach aussen nur mässig
erweitert und fast gerade oder unregelmässig eingeweideartig durch
einander geschlungen (Serpula s. str. Fig. 118 D), bald liegen
mehrere zu Bündeln gruppirt in nahezu paralleler Lage neben einander
(Galeolaria Fig. 118 B, C), oder aber die Röhre rollt sich spiral nach
Art einer Schneckenschale auf und erweitert sich stark nach aussen
(Spirorbis Daud. Fig. 118 A; Rotularia Fig. 118 E). Im Querschnitt
können die Röhren rund oder kantig erscheinen. Die Schalen sind meist
mit dem unteren Ende, oft auch ihrer ganzen Länge nach fremden Körpern
aufgewachsen, seltener frei. In paläozoischen Schichten, auch noch
in der Trias selten, in jüngeren Formationen häufig und oft geradezu
gesteinbildend.
S. (Spirorbis) omphalodes Gf. (Fig. 118 A). Häufig im Mitteldevon
der Eifel.
S. (Spirorbis) valvata Gf. Muschelkalk.
S. (Galeolaria) socialis Gf. (Fig. 118 B, C). Häufig im Jura,
besonders im mittleren und oberen Dogger. Mitteleuropa.
S. coacervata Blum. Den »Serpulit«, die oberste (brackische) Stufe
des Malms (Purbeck) in Norddeutschland und im Boulonnais fast
ausschliesslich zusammensetzend.
S. gordialis Schl. (Fig. 118 D). Gesteinbildend im oberen Cenoman
der sächsischen Schweiz (Serpulasand).
S. spirulaea Lmk. (Fig. 118 E). Oberstes Eocän und tiefstes
Oligocän. Südeuropa.
Zahlreiche lebende Arten in geringen Meerestiefen.
[Illustration: Fig. 118. Serpula. A S. (Spirorbis) omphalodes Gf.
Mitteldevon. Eifel. B, C S. (Galeolaria) socialis Gf. Oberer Dogger
(Hauptrogenstein). Elsass. C Querschnitt des Röhrenbündels. D Serpula
gordialis Schl. Ob. Cenoman. Bannewitz, Sachsen. E S. (Rotularia)
spirulaea Lam. Obereocän. Vicentin.]
Fam. Tentaculitidae.
Wahrscheinlich schliessen sich an die Serpuliden eine Gruppe
paläozoischer Fossilien an, für die wir keine lebenden
Vergleichsobjecte kennen, deren Schalen aber grosse Aehnlichkeit
mit den Röhren der Sedentaria besitzen[B]. Sie sind durch eine sehr
regelmässige, verkehrt conische Gestalt, geringe Grösse und zierliche
Querberippung ausgezeichnet. Das untere Ende der freien, nicht
festgewachsenen, runden Kalkröhre ist blasenförmig abgeschnürt (Fig.
119 B a) oder zugespitzt (Fig. 119 A), nach oben nimmt die Röhre
an Weite allmählich zu. Meist umgürten in regelmässigen Abständen
Querringe (Fig. 119 r) die Röhre. Zwischen den Ringen erscheinen
entweder ringförmige Querstreifen (A r’) oder feine Längsstreifen (B s)
oder die Schale ist glatt. Die wichtigste Gattung dieser auf Silur und
Devon beschränkten Gruppe ist:
Tentaculites Schloth. (Fig. 119). Die zierlichen, im Durchschnitt
einige mm grossen Röhren erfüllen oft ganze Schichten, namentlich an
der Grenze zwischen Silur und Devon sowohl in Europa als in Amerika
(Tentakulitenschichten).
T. ornatus Sow. (Fig. 119 A). Obersilur. Nordeuropa. Als Geschiebe
(Beyrichienkalk) in der norddeutschen Tiefebene.
T. elegans Barr. Obersilur. Böhmen, Thüringen.
T. irregularis Hall. Obersilur. Nordamerika.
T. acuarius Richt. (Fig. 119 B). Unterdevon (Hercyn).
Mitteldeutschland, Böhmen.
[Illustration: Fig. 119. A Tentaculites ornatus Sow. Obersilurisches
Geschiebe. Norddeutschland. r = die gröberen Ringe; r’ = die feineren
Querstreifen. B T. acuarius Richt. Unterdevon (Hercyn). Thüringen. r =
die Ringe; s = Längsstreifen; a = das blasenförmig abgeschnürte untere
Ende.]
2. Errantia (Nereidae).
Bei mehreren Familien dieser Unterordnung, namentlich bei den
Eunicidae und Nereidae, kommen verkalkte Kiefer vor, die zu zweien
oder in grösserer Anzahl im Rüssel befestigt sind. Besonders die
Unterkieferstücke zeichnen sich durch Verkalkungsfähigkeit aus. Die
Gestalt der Kiefer ist meist die der mehrzackigen Haifischzähne, doch
erreichen sie nie die Grösse der letzteren, sondern werden höchstens
einige mm gross (Fig. 120). Auch ihre Structur ist eine verschiedene.
Man kennt solche Kiefer schon aus paläozoischen Schichten und hat
sie früher für Fischzähne gehalten (sog. »Conodonten«). In manchen
paläozoischen Schichten finden sie sich ziemlich häufig, besitzen aber
kein besonderes Interesse. Aus den lithographischen Schiefern von
Solenhofen (oberer Malm) kennt man auch Abdrücke ganzer Thiere.
[Illustration: Fig. 120. Kieferstücke von Würmern aus der Unterordnung
der Errantia. Untersilur. A Drepanodus arenatus Pand. B Prioniodus
elegans Pand. Beide von Petersburg. C Oenonites rostratus H. Toronto.
Nord-Amerika.]
Fußnoten:
[B] Von manchen Autoren werden die Tentaculitiden auch in die Nähe
lebender Pteropoden -- Gattung Styliola -- gestellt.
V. Kreis: Echinodermata.
Die Echinodermen (oder Stachelhäuter) sind ausschliesslich marine,
freie oder festsitzende Thiere von auffallend strahligem (meist
fünfstrahligem), in Wirklichkeit aber zweiseitig-symmetrischem Baue.
Der Weichkörper enthält ein System gesetzmässig angeordneter Röhren,
das sog. Wassergefäss- oder Ambulacralsystem, dessen schlauchförmige
Endigungen (die ambulacra) meist zur Fortbewegung dienen. Ein von
der Leibeshöhle gesonderter Darm, ein Blutgefäss und Nervensystem
entwickelt. Fortpflanzung geschlechtlich. Geschlechter meist
getrennt. Die Mehrzahl der Echinodermen besitzen ein aus Kalkplatten
zusammengefügtes, fossil gut erhaltbares Hautskelet, welches die
Form und zum Theil auch die Organisation des Thieres wiedergiebt.
In dem Hautskelet finden sich grosse Oeffnungen für den Mund und
After, ferner kleinere für den Austritt der Ambulacra, Augennerven
und Geschlechtsproducte. Die Kalkskelete aller Echinodermen bestehen
aus durchsichtigem, krystallisirtem, kohlensaurem Kalk (Calcit).
Die Kalkmasse ist aber keineswegs compact, vielmehr besteht sie aus
einem zierlichen Gitterwerk von Kalkbälkchen (Fig. 121). An dieser
Gitterstructur lassen sich selbst die kleinsten Fragmente auch in
fossilem Zustande unter dem Mikroskope leicht wiedererkennen. Zur
makroskopischen Wiedererkennung hilft die späthige Structur (die
Spaltbarkeit nach dem Grundrhomboëder des Kalkspaths).
[Illustration: Fig. 121. Stück eines Querschnittes durch einen
Seeigelstachel (Arbacia nigra) ³⁵⁄₁.]
Die lebenden Echinodermen zerfallen in folgende Klassen:
A. Körper wurmförmig gestreckt, frei, ohne Arme und ohne
zusammenhängendes, kalkiges Hautskelet. In der lederartigen Haut
finden sich mikroskopisch kleine Kalkkörperchen eingestreut.
Fossil unwichtig I. Holothurioidea.
B. Körper mit festem, kalkigem, mit Stacheln bewehrtem Hautskelet,
frei. Mund auf der Unterseite.
a. Körper kugelig oder scheibenförmig, im Umriss rund, oval oder
herzförmig, ohne Arme. Die Platten des Hautskelets in meridianartig
angeordneten Reihen. Ambulacralporen auf der Ober- und Unterseite
(Fig. 123). Fossil häufig II. Echinoidea.
b. Körper plattig, meist von fünfzackigem Umriss, mit Armen, die
innere Kalkwirbel besitzen. Ambulacralporen nur auf der Unterseite.
1. Arme von einer runden Centralscheibe scharf abgesetzt (Fig.
146 A). Armwirbel ungetheilt (Fig. 145 B). Ambulacralporen nicht
in einer offenen Längsrinne (Fig. 146 E p). Fossil nicht häufig
III. Ophiuroidea.
2. Arme von der Centralscheibe nicht scharf geschieden (Fig. 152 A).
Armwirbel aus zwei Stücken zusammengesetzt. Ambulacralporen in
einer offenen Längsrinne (Fig. 150 p). Fossil nicht häufig
IV. Asteroidea.
C. Körper mit einem kelchförmigen, kalkigen Hautskelet, meist gestielt
und festsitzend. Mund auf der Oberseite (Fig. 154 o). Arme wohl
entwickelt (Fig. 152 A). Fossil häufig V. Crinoidea.
Dazu kommen noch zwei ausgestorbene Klassen:
α) Körper meist gestielt, kugelig, oft aus unregelmässig angeordneten
Kalkplatten bestehend. Arme schwach entwickelt (Fig. 177 A) oder
fehlend (Fig. 172 A). Paläozoisch VI. Cystidea.
β) Körper gestielt, knospenförmig, ohne Arme. Die Kalktafeln
regelmässig angeordnet. Oberseite mit fünf ovalen oder
lanzettlichen Ambulacralfeldern (Fig. 181 F). Paläozoisch
VII. Blastoidea.
1. Klasse: Holothurioidea (Seewalzen oder Seegurken).
In der weichen oder lederartigen Haut dieser Thiere finden sich
mikroskopisch kleine Kalkgebilde unregelmässig eingelagert, die auch
gelegentlich fossil, z. B. im Subcarbon und Jura beobachtet wurden. Sie
dürften von Chirodota- oder Synapta-ähnlichen Thieren herrühren.
2. Klasse: Echinoidea (Seeigel).
Litteratur über Echinoidea.
* Agassiz, Al. Revision of the Echini. Illustr. Catal. of the Museum
of Comparat. Zoology at Harvard College. I-III. Cambridge. 1872-4.
Litteraturverzeichniss.
Cotteau, Peron & Gauthier. Echinides fossiles de l’Algérie. Paris 1876.
Desor, E. Synopsis des Echinides fossiles. Paris et Wiesbaden 1855-59.
Echinologie helvétique. Vol. I. Période jurassique par Desor et de
Loriol 1868-72. Vol. II. Période crétacée par de Loriol 1873. Vol.
III. Période tertiaire par de Loriol 1875. Abh. d. schweizer paläont.
Gesellsch. Bd. II, III. 1875-76.
* Lovén, S. Etudes sur les Echinoidées. Svenska Vetensk. Handl. Bd. XI.
1874.
Paléontologie française, terrain jur. Echinides tom. IX, X par G.
Cotteau. Paris 1867-85.
Paléontologie française, terrain crétac. Echinides. tom. VI par A.
d’Orbigny. tom. VII par G. Cotteau. Paris 1853-55, 1862-67.
Quenstedt, F. A. Petrefactenkunde Deutschlands. Bd. III Echiniden.
Leipzig 1872-75.
Wright, Th. Monograph of the foss. Echinoderm. of the oolitic
formation. Palaeont. Society 1855-58.
---- Monogr. of the foss. Ech. of the cretaceous formation. ibid.
1864-71.
[Illustration: Fig. 122. Eine aus 20 meridionalen Reihen von
Kalkplatten bestehende Seeigelschale (Cidaris) von oben gesehen. a =
Afterlücke, polar gelegen.]
[Illustration: Fig. 123. Eine aus 15 meridionalen Reihen von
Kalkplatten bestehende Seeigelschale (Bothriocidaris), von der Seite
gesehen. a = Afterlücke, polar gelegen.]
Die Seeigel besitzen eine armlose, kugelige oder abgeplattete Schale.
Der Umriss derselben kann kreisrund (Fig. 122), oval (Fig. 139 B)
oder herzförmig (Fig. 124) sein. Die Platten, aus welchen die Schale
zusammengefügt ist, sind stets in meridionalen Reihen angeordnet (Fig.
123), deren Zahl gewöhnlich 20 beträgt, bei den meisten paläozoischen
Formen aber mehr oder weniger (80-15) betragen kann (Fig. 128 A; Fig.
123). Die in der Schale befindlichen grösseren und kleineren Oeffnungen
stehen in directer Beziehung zur Organisation des Thieres.
[Illustration: Fig. 124. Schale eines zweiseitig symmetrischen Seeigels
(Micraster), mit excentrisch gelegener Mund- (o) und Afterlücke (a).
Von der Unterseite.]
Die beiden hauptsächlichen Oeffnungen der Schale sind die Mundlücke
(o) und die Afterlücke (a), welche bei dem lebenden Thiere von einer
Haut und kleinen Kalktäfelchen zum Theil verschlossen werden, bei den
fossilen -- wegen der Vergänglichkeit dieser Gebilde -- aber beinahe
immer als einfache, mehr oder minder grosse Löcher erscheinen (Fig.
124 o, a). Bei den ausgesprochen radiär gebauten Seeigeln, den sog.
Regulares, liegen Mund- und Afterlücke in den Polen der kreisrunden
Schale (Fig. 122 a; Fig. 123 a) einander diametral gegenüber. Bei den
zweiseitig symmetrischen Formen, den sog. Irregulares, ist der After
aus seiner centralen Stellung gerückt, bisweilen auch der Mund (Fig.
124 a-o). Eine durch die Mitte der Mund- und Afterlücke gelegte Ebene
theilt dann den Körper in 2 symmetrische Hälften (Fig. 124). Die
Mundlücke bleibt stets auf der Unterseite, während die Afterlücke meist
auf die Oberseite, selten auf die Unterseite, aber stets innerhalb der
Symmetrieebene zu liegen kommt. Sie ist nach hinten gerückt, wenn nicht
polar gelegen. Die Mundlücke (Peristom) ist rund (Fig. 133 B o), oval,
eckig ausgeschnitten (Fig. 131 B o) oder 2lippig (Fig. 124 o); die
Afterlücke stets rund (Fig. 124 a) oder oval (Fig. 133 B a).
Auf der Oberseite der Schale finden sich im Centrum, oder in der Nähe
des Centrums gelegen, 10 oder 9 besonders ausgezeichnete Täfelchen,
die zusammen das sog. Scheitelschild bilden. Bei den radiären (oder
regulären) Formen umgiebt das Scheitelschild den centralen After
in der Form eines breiten Ringes (Fig. 126 A), der aus regelmässig
alternirenden grösseren und kleineren Täfelchen besteht. Zwischen
die Afterlücke und den Scheitelschildring schieben sich noch eine
grössere Anzahl sehr kleiner Plättchen (Fig. 126 A pl) ein. Da aber
das Scheitelschild leicht ausfällt, so findet sich an der fossilen
Schale an seiner Stelle häufig eine weite runde oder eckige Lücke (Fig.
132 A). Bei den zweiseitig symmetrischen Formen dagegen liegt das
Scheitelschild gewöhnlich in der Mitte der Oberseite als eine compacte
Masse (Fig. 125), oder dasselbe ist mehr oder weniger in die Länge
gezogen (Fig. 141 C) oder gar in 2 getrennte Theile zerrissen (Fig. 140
A tr-b).
[Illustration: Fig. 125. Scheitelschild von Micraster, aus 5
Augentäfelchen (o) und 4 Genitaltäfelchen (g) bestehend, von denen das
vordere rechte, durch seine Grösse und Porosität ausgezeichnete, die
Madreporenplatte (m) ist.]
Die 9 oder 10 Tafeln des Scheitelschildes zerfallen ihrer Function nach
in 2 Gruppen: 1) die Augentäfelchen (o), welche stets in der Fünfzahl
vorhanden sind, einen 3- oder 5seitigen Umriss besitzen und von je
einer (selten 2) feinen Pore zum Austritt des Augennerven durchbohrt
sind (Fig. 125 o). 2) Die Genitaltäfelchen (g), meist von unregelmässig
6eckigem Umriss und durchschnittlich grösser als die Augentäfelchen,
in der 5- oder 4-Zahl vorhanden (Fig. 125 A g); auch sie besitzen
eine (selten mehrere) meist etwas grössere Oeffnung, in welche die
Geschlechtsorgane ausmünden. Eine der Genitalplatten und zwar die
vordere rechte (Fig. 125 m) zeichnet sich vor den übrigen meist durch
besondere Grösse und stets durch eine poröse Beschaffenheit aus; sie
heisst Madreporenplatte (m). Durch die feinen Löcher derselben strömt
das Wasser in den Steincanal des Wassergefässsystems ein.
Der übrige Theil der Schale, die sog. corona, besteht aus zwei
auffällig verschiedenen Gruppen von Kalkplatten. Die einen, fast
durchgängig die kleineren und zahlreicheren, sind gelocht --
Ambulacralplatten (Fig. 126 C, J am), die anderen, grösseren und
weniger zahlreichen sind compact -- Interambulacralplatten (Fig. 126 B,
J ia). Bei den meisten Seeigeln besteht die corona aus 5 Paar Reihen
von Ambulacral- und 5 Paar Reihen von Interambulacralplatten. Je ein
paar solcher Reihen heisst ein Feld (Ambulacralfeld (Fig. 126 C),
Interambulacralfeld.
Die Ambulacralfelder beginnen stets an den Augentäfelchen des
Scheitelschildes und endigen an der Mundlücke. Innerhalb der Schale
verläuft unter der Mittellinie eines jeden Ambulacralfeldes ein
radiärer Hauptstamm des Wassergefässsystems, der durch das Porenpaar
jeder Ambulacraltafel zwei Schläuche hindurchsendet, welche sich auf
der Schale zu einem sog. Ambulacralfüsschen vereinigen. Jede Platte
wird von mindestens einem Porenpaare durchbohrt (Fig. 126 C).
[Illustration: Fig. 126. A-H Cidaris. A-C, A C. coronata Schl. sp.
Oberer Malm (Kimmeridge). Schwäbischer Jura. A von der Oberseite.
Das Scheitelschild mit den Augentäfelchen (o) und Genitaltäfelchen
(g) erhalten. a = die centrale Afterlücke; pl = die kleinen, sehr
selten erhaltenen Täfelchen, welche dieselbe umgeben. B eine
Interambulacralplatte mit einer grossen und zahlreichen kleineren
Warzen. C ein Stück des Ambulacralfeldes mit zwei Reihen schmaler,
doppelt durchbohrter Platten. D-G C. florigemma Phill. Oxford.
Schweizer Jura. D der untere Theil der Schale, von der Seite gesehen,
mit dem aus der Mundlücke hervorragenden Kauapparat (k, z). G ein
Stachel; k = Kopf, r = Kopfring, h = Hals, st = Stiel desselben. E
ein Kieferpaar von Cidaris von aussen gesehen; k und k’ = die beiden
Kieferhälften, welche den Zahn (z) einschliessen. F eine Kieferhälfte
von der Seite; z = Zahn. E und F aus dem schwäbischen Oxford. H Stachel
von C. maeandrina Ag. aus dem oberen Dogger des schweizer Jura.
Bezeichnung wie bei G. I, K Rhabdocidaris horrida Mer. sp. Mittlerer
Dogger. Schwaben. J eine Interambulacralplatte (ia) und die links daran
stossende Reihe kleiner Interambulacraltäfelchen (am) mit gejochten,
d. h. durch eine Furche verbundenen Poren. K Stück eines dornigen
Stachels.]
Jedes Ambulacralfeld besitzt 2 Reihen von Porenpaaren, sog.
Porenstreifen oder Fühlergänge. Diese letzteren laufen entweder
geradlinig (oder schwach gebogen) vom Scheitelschild zum Mund
(»einfach«) (Fig. 131 A p-p) oder sie sind blattförmig verbreitert
(»petaloid«), gegen einander gebogen, und dann meist nur auf einem
Theile der Schale deutlich (Fig. 137 A a).
Die Interambulacralfelder bestehen aus je 2 Reihen relativ grosser,
compacter Platten, die seitlich, ebenso wie diejenigen der
Ambulacralfelder, in Zickzacknähten an einander stossen (Fig. 126 B, J
ia).
Sowohl die Platten der Interambulacral- als auch diejenigen der
Ambulacralfelder sind mit kreisrunden, warzenartigen Erhöhungen
(Warzen) bedeckt, an welche sich die beweglichen Kalkstacheln (Fig.
124 G, H, K) mit Hilfe elastischer Bänder anheften. Die Warzen der
Ambulacralfelder sind meist klein und weniger zahlreich als die der
Interambulacralfelder (Fig. 126 J).
Der Grösse der Warzen entspricht zumeist die der Stacheln. Letztere
(Fig. 126 G, H) haften mit ihrem unten ausgehöhlten Ende (Kopf- k) an
den Warzen. Dann folgt ein Ring (r), hierauf häufig eine halsartige
Verlängerung (h) und schliesslich die Hauptmasse des Stachels, der
Stiel oder Körper (st). Im fossilen Zustande finden sich die Stacheln
fast immer getrennt von der Schale.
Von den innerhalb der Schale befindlichen kalkigen Skelettheilen
trifft man fossil nicht selten Stücke des Kauapparats (Fig. 126 D
k z) an. Dieser Apparat besteht aus 5 Kinnladen, die ihre Spitzen
der Mundöffnung zukehren. Jede Kinnlade (Fig. 126 E) besteht aus 3
Hauptstücken, den beiden symmetrisch gelegenen Kieferhälften (k und
k’) und einem mittleren von ihnen umschlossenen Zahne (z). Ausserdem
treten noch andere Stücke hinzu, welche dem Kiefergerüst Zusammenhalt
verleihen.
Die Mehrzahl der paläozoischen Seeigel weicht durch die wechselnde Zahl
der Plattenreihen von den jüngeren Formen wesentlich ab. Es zerfallen
die Seeigel demnach in zwei Unterklassen:
I. Palechinoidea. Schale meist aus mehr, seltener aus weniger als
20 Tafelreihen zusammengesetzt. Tafeln des Scheitelschildes
mit mehreren Poren (Fig. 127, 128). Ausschliesslich paläozoisch.
II. Euechinoidea. Schale stets aus 20 Tafelreihen bestehend. Tafeln
des Scheitelschildes fast immer einfach durchbohrt (Fig. 129-144).
Vom Devon bis zur Gegenwart.
I. Palechinoidea.
Die relativ seltenen Reste von Seeigeln der paläozoischen Formationen
gehören mit Ausnahme zweier Gattungen (Eocidaris, Hemicidaris),
zu dieser Unterklasse. Nur eine Gattung besitzt weniger als 20
Tafelreihen, alle übrigen mehr. Wir geben im Nachfolgenden einige
Beispiele.
Bothriocidaris Eichw. (Fig. 127 A-C). Die kugelige, reguläre Schale
besteht aus 5 × 2 Reihen vom Ambulacral- (am) und 5 × 1 Reihe von
Interambulacraltafeln (ia). Die Tafeln an Grösse nicht wesentlich von
einander unterschieden. am-Tafeln von je 2 Poren durchbohrt und mit
vereinzelten Warzen versehen, an denen kleine Stacheln befestigt waren.
Afteröffnung (B a) von einem Kranze dreieckiger, mit je einem Stachel
besetzter Aftertäfelchen umgeben (A a). Scheitelapparat (B) aus 10
abwechselnd grösseren und kleineren Tafeln bestehend, von denen die
grösseren doppelt durchbohrt sind. Selten im Untersilur von Esthland.
B. Pahleni Sch. (Fig. 127 A-C). Untersilur. Esthland.
[Illustration: Fig. 127. Bothriocidaris Pahleni Schm. Untersilur.
Nömmis, Esthland. A von der Seite; a = Afteröffnung; am = paarige
Ambulacralfelder mit zwei Doppelporenreihen und kleinen Stacheln; ia
= einreihige Interambulacralfelder. B Scheitelschild mit Afteröffnung
(a). C Unterseite mit der Mundöffnung (o).]
[Illustration: Fig. 128. Melonites multipora Norw. Carbon. St.
Louis, Missouri. A Körper von der Seite gesehen, mit den tiefen
Ambulacralfurchen (f). B Scheitelschild; a = After, g = Genitaltafeln,
o = Augentäfelchen (die zwei feinen Poren derselben nicht gezeichnet!),
am = Ambulacralfelder, ia = Interambulacralfelder. C ein Stück eines
Ambulacral- (am) und des daranstossenden Interambulacralfeldes (ia).]
Melonites Norw. & Ow. (Fig. 128 A-C). Der melonenförmige Körper
wird von 5 × 2 meridionalen Furchen (A f) umgürtet, in welchen die
Porenreihen der am-Felder liegen. Zwischen den beiden Furchen eines
Paares erhebt sich der undurchbohrte Theil der am-Platten in der
Form einer meridionalen Rippe. Die ia-Felder bestehen aus 7-8 Reihen
6seitiger Tafeln (A, B ia, C ia). Sie endigen auf der Oberseite an
den 8eckigen, grossen, von mehreren Poren durchbohrten Genitaltafeln
(B g). Die am-Felder (am) setzen sich aus kleineren, je mit 2 Poren
versehenen, schuppigen Täfelchen zusammen, die sich in 8-10 Reihen
ordnen. Die Täfelchen der beiden mittleren Reihen sind querverlängert
und bilden auf der Seite des Körpers die meridionalen Ambulacralrippen.
Auf der Oberseite stossen sie an 5eckige, sehr fein durchbohrte
Augentäfelchen (B o) an. Afterlücke (B a) eckig, dem Munde gegenüber,
central gelegen.
Diese Gattung findet sich im Subcarbon (Kohlenkalk) von Nordamerika,
England, Belgien und Russland.
M. multipora Norw. (Fig. 128 A-C). Subcarbon. Vereinigte Staaten.
Im Devon finden sich nicht selten isolirt die dünnen, schuppenförmigen
Platten der Gattung Lepidocentrus J. Müll., deren schmale am-Felder
nur aus zwei Tafelreihen bestehen, während die ia-Felder 5 oder 9 Reihen
von Platten aufweisen. L. Mülleri Sch. Mitteldevon. Eifel.
II. Euechinoidea.
Mit Ausnahme weniger aberranten Gattungen setzen sich die Schalen
dieser Unterklasse aus 20 Tafelreihen zusammen. Die Gesammtform
ist bei den älteren Vertretern vorwiegend radiär, bei den jüngeren
vorwiegend zweiseitig symmetrisch. Die wichtigsten Familien lassen sich
folgendermaassen unterscheiden:
A. Schale deutlich radiär. After im Centrum der Oberseite (Fig. 129)
I. Ordn. Regulares.
a. Ambulacralfelder schmal, bandförmig, stets ohne Stachelwarzen, nur
mit Körnern verziert (Fig. 129 C, J am). Scheitelschild regelmässig,
hinfällig (fossil fast nie erhalten) (Fig. 129)
1. Fam. Cidaridae.
b. Ambulacralfelder meist breit, seltener schmal, fast immer mit
Stachelwarzen (fehlen dieselben, so ist der Scheitelapparat
unregelmässig -- Salenidae).
1. Scheitelapparat durch eine compacte, überzählige Platte (Fig. 130
x) unregelmässig. After etwas aus dem Centrum gerückt (Fig. 130 a)
2. Fam. Salenidae.
2. Scheitelapparat normal.
α. Die Porenstreifen bestehen auf der Seite der Schale nur aus
einer Porenpaarreihe (Fig. 132 B p) 3. Fam. Diadematidae.
β. Die Porenstreifen bestehen auch auf der Seite der Schale aus
mehreren, gewöhnlich drei, Porenpaarreihen (Fig. 134 B)
4. Fam. Echinidae.
B. Schale deutlich zweiseitig symmetrisch. After excentrisch, zwischen
Scheitelschild und Mund in der Symmetrieebene gelegen (Fig. 135-144)
II. Ordn. Irregulares.
a. Mundlücke central. Ambulacra einfach, gerade, alle gleich. Poren
rund. Umriss kreisrund, oval oder schwach fünfeckig, niemals
herzförmig. Kiefergebiss entwickelt (Fig. 135)
5. Fam. Echinoconidae.
b. Mundlücke meist excentrisch. Ambulacra meist petaloid (blattförmig,
Fig. 137 A a), wenn gerade, liegt die Mundlücke stark excentrisch
(Fig. 140 B o; Fig. 141 B o).
1. Mundlücke central oder subcentral, nie zweilippig.
α. Mundlücke central. Kiefergebiss vorhanden.
I. Schale conisch. Umriss gerundet (Fig. 136)
6. Fam. Conoclypeidae.
II. Schale schildförmig mit gelapptem, seltener gerundet ovalem
Umriss (Fig. 137). Im Inneren der Schale Kalklamellen oder
-Pfeiler 7. Fam. Clypeastridae.
β. Mundlücke stets, wenn auch nur schwach excentrisch. Kiefergebiss
fehlt 8. Fam. Echinolampidae.
2. Mundlücke stark excentrisch, nahe an den Vorderrand gerückt, oft
zweilippig (Fig. 143 B o). Kiefergebiss fehlt.
α. Ambulacra einfach, gerade (Fig. 141) 9. Fam. Holasteridae.
β. Ambulacra petaloid (Fig. 142) 10. Fam. Spatangidae.
I. Regulares.
(Radiär gebaute Seeigel.)
1. Fam. Cidaridae.
Kugelige oder plattgedrückte Schalen von kreisrundem Umfange (Fig. 129
A) mit sehr schmalen, wellig gebogenen, gleichartigen am-Feldern, die
nur mit kleinen Körnern, nicht mit Stachelwarzen besetzt sind (Fig. 129
C). ia-Felder sehr breit, mit 2 Reihen grosser, fast stets durchbohrter
Stachelwarzen (Fig. 129 B). Scheitelschild (resp. die weite Oeffnung,
welche sich meist an seiner Stelle findet) gross, kreisrund, aus 10
regelmässig alternirenden Tafeln bestehend (Fig. 129 A o, g). Mundlücke
rund, ohne Einschnitte, ebenso gross wie das Scheitelschild. Stacheln
gross, keulenförmig oder cylindrisch (Fig. 129 G, H).
[Illustration: Fig. 129. A-H Cidaris. A-C C. coronata Schl. sp. Oberer
Malm (Kimmeridge). Schwäbischer Jura. A Schale von oben. a = After,
vom Scheitelschilde umgeben; o = Augentäfelchen; g = Genitaltäfelchen;
pl = kleinere Plättchen zwischen Scheitelschild und Afterlücke. B eine
ia-Platte mit der grossen, in der Mitte durchbohrten Stachelwarze. C
Stück eines am-Feldes mit vier Körnerreihen. D und G C. florigemma
Phill. Oxford. Schweizer Jura. D unterer Theil der Schale von der Seite
mit dem Kauapparat (k). z = Zahnspitzen. G ein Stachel. k = Kopf; r =
Kopfring; h = Hals; st = Stiel oder Körper. E ein Kieferpaar von C.
sp. aus dem schwäbischen Malm. k und k’ = Kieferhälften; z = Zahn. F
eine Kieferhälfte von der inneren Seite. H Stachel von C. maeandrina
Ag. aus dem oberen Dogger des schweizer Jura. Bezeichnung wie bei G.
I, K Rhabdocidaris horrida Mer. sp. Mittlerer Dogger. Schwaben. J eine
ia-Platte (ia) mit gejechten Poren und die daran stossende Reihe von
am-Plättchen (am). K ein Stachelstück mit Dornen und Körnern.]
Die Cidariden finden sich schon in paläozoischen Schichten (Devon und
Perm -- Eocidaris), werden in der Trias häufiger, erreichen im Jura
und in der Kreide das Maximum ihrer Entwickelung und finden sich in
abnehmender Häufigkeit im Tertiär und in den heutigen Meeren. Es giebt
etwa 12 Gattungen, von denen nur 2 fossil häufig vorkommen, nämlich:
Cidaris Kl. (Fig. 129 A-H). Mässig grosse, oben und unten abgeplattete
Schalen, mit wenig zahlreichen, grossen ia-Platten. am-Poren nicht
gejocht, d. h. je zwei zu einer Platte gehörige nicht durch eine Furche
verbunden (C).
Stacheln sehr mannigfaltig, bei verschiedenen Arten meist verschieden.
Fossil findet man die Stacheln oder einzelnen Platten der Schale am
häufigsten, ganze Schalen recht häufig, die Theile des Kiefergebisses
selten, das Scheitelschild nur ausnahmsweise im Zusammenhange. Fossil
von der Trias an, sehr häufig in Jura und Kreide, relativ selten im
Tertiär und lebend. Die lebenden Formen in den wärmeren Meeren bis zu
einer Tiefe von 250 Faden.
Wichtige Arten, deren Körper bekannt ist:
C. subsimilis Mnstr. Alpenkeuper (Cassianer Sch.). Südtirol.
C. cucumifera Ag. Mittlerer Dogger. Frankreich, Schweiz.
C. coronata Schl. sp. (Fig. 129 A-C) } Mittlerer und oberer Malm
} (hauptsächlich Oxford).
C. Blumenbachi Mnstr. } Schweiz, Frankreich, Schwaben.
C. florigemma Phill. (Fig. 129 D, G). Mittlerer und oberer Malm
(hauptsächlich Oxford). Schweiz, Frankreich, Schwaben, England.
C. pretiosa Des. Neocom (Valengien). Frankreich, Schweiz.
C. vesiculosa Gf. Cenoman. Nord- und Mitteleuropa, Algier.
C. sceptifera Mart. } Turon, Senon, Danien. England, Frankreich,
C. subvesiculosa d’Orb. } Norddeutschland, Algier.
C. clavigera Kön. Senon. England, Frankreich.
C. Forchhammeri Des. Danien. Nordfrankreich, Dänemark.
Wichtige Arten, die allein auf Stacheln begründet sind:
C. grandaeva Gf. Muschelkalk. Mitteleuropa.
C. dorsata Mnstr. }
} Alpenkeuper (Cassianer Schichten). Südtirol.
C. Roemeri Wism. }
C. psilonoti Qu. Unterer Lias (α). Norddeutschland, Schwaben,
Schweiz.
C. maeandrina Ag. (Fig. 129 H). Oberer Dogger. Schweiz,
Südfrankreich.
C. glandaria Lang. (?) Neocom. Palästina (sog. »lapis judaicus«).
C. muricata Rö. Neocom. Norddeutschland, Frankreich, Schweiz.
Rhabdocidaris Des. (Fig. 129 J, K). Die Schale grösser und höher als
bei Cidaris. Die Poren jedes Porenpaares durch eine Rinne verbunden
(gejochte Poren, Fig. 129 J, am). Stacheln sehr lang, gedornt, oft
platt am oberen Ende. Nur im Jura und in der Kreide.
Rh. horrida Mer. sp. (Fig. 129 J, K). Mittlerer Dogger.
Norddeutschland, Schwaben, Schweiz, Frankreich.
Rh. copeoides Ag. sp. Mittlerer und oberer Dogger. Unterer Malm.
Frankreich, Schweiz.
Rh. caprimontana Des. Malm, hauptsächlich Oxford. Frankreich,
Schweiz, Schwaben, Algier.
Rh. nobilis Mnstr. sp. } Mittlerer und oberer Malm. Schwaben,
Rh. maxima Mnstr. sp. } Schweiz.
Rh. Orbignyana Ag. sp. Mittlerer und (namentlich) oberer Malm.
England, Frankreich, Schweiz.
Rh. tuberosa Des. Neocom. Schweiz, Frankreich.
2. Fam. Salenidae.
Die meist kleinen Schalen der Saleniden gleichen entweder durch
ihre schmalen am-Felder (Fig. 130 B) denjenigen der Cidariden, oder
durch ihre breiteren, mit Stachelwarzen bedeckten am-Felder (Fig.
130 A) denen der Diadematiden (p. 128). Stets aber zeichnet sich das
Scheitelschild durch eine oder mehrere überzählige, annähernd centrale,
undurchbohrte Platte aus (Fig. 130 x), wodurch die Lage der Afterlücke
excentrisch wird (Fig. 130 A a, B a). Mundlücke stets mit 10, wenn auch
nur wenig tiefen Einschnitten. Die Hauptentwickelung dieser kleinen
Familie fällt in die Jura- und Kreidezeit. Wenige Formen kommen noch
tertiär und lebend (in Tiefen von 330-1200 Faden) in den wärmeren
Meeren vor.
[Illustration: Fig. 130. A Acrosalenia spinosa Ag. Oberer Dogger.
Frankreich. Schale von oben. ↕ = Symmetrieebene; a = Afterlücke;
x = centrale Platte; o = Augentäfelchen; g = Genitaltafeln; g’
= Madreporenplatte. B Salenia Prestensis Des. Aptien. Dauphiné.
Bezeichnung wie bei A.]
Salenia Gray (Fig. 130 B). Schale Cidariden-ähnlich, mit schmalen,
nur von Körnerwarzen bedeckten am-Feldern. Afteröffnung (a) durch
die centrale Platte (x) aus der Symmetrielinie (↕) nach rechts
gerückt. Madreporenplatte (g’) mit einer unregelmässigen Oeffnung und
durch dieselbe leicht kenntlich. Die Nähte zwischen den Platten des
Scheitelschildes periodisch nach beiden Seiten erweitert. Kreide,
tertiär und lebend.
S. prestensis Des. (Fig. 130 B). Aptien. England, Schweiz,
Frankreich, Algier.
S. petalifera Desm. sp. Cenoman. England, Frankreich.
S. scutigera Mnstr. sp. Cenoman, Senon. England, Frankreich,
Deutschland.
Die schon im Jura vorhandene Gattung Peltastes Ag. (P. stellulatus
Ag. sp. Untere Kreide) unterscheidet sich durch die mediane Lage der
Afterlücke.
Acrosalenia Ag. (Fig. 130 A). Die corona weist keine durchgreifenden
Unterschiede von Hemicidaris (Fig. 131, p. 128) auf. Nur das (oft
ausgefallene) Scheitelschild, in welchem eine (A x), oder mehrere
undurchbohrte überzählige Platten die Afterlücke in der Symmetrielinie
nach hinten schieben, schützt vor Verwechselungen. Mundlücke mit (10)
ziemlich tiefen Einschnitten. Stachelwarzen durchbohrt. Nähte der
Scheitelschildplatten einfach. Madreporenplatte (g’) normal. Im Jura
und in der unteren Kreide häufig.
A. spinosa Ag. (Fig. 130 A). Im Dogger, namentlich im oberen.
England, Frankreich, Schweiz.
A. hemicidaroides Wright. Oberer Dogger. Ebendaselbst.
A. angularis Ag. sp. Häufig im Malm, namentlich im oberen. England,
Norddeutschland, Frankreich, Schweiz.
A. patella Ag. sp. Neocom. Oestl. Frankreich, Schweiz.
3. Fam. Diadematidae.
Schale kugelig oder flach gedrückt, kreisrund oder 5kantig. Mundlücke
immer grösser als das normal gebildete Scheitelschild (Fig. 133 A, B).
am-Felder relativ breit (Fig. 131 a), mit Stachelwarzen besetzt. Die
am-Tafeln besitzen höchstens in der Nähe des Scheitelschildes oder
der Mundlücke, nie auf der Seite der Schale, mehr als eine Reihe von
Porenpaaren (Fig. 132 B p). Die Familie beginnt im Perm, findet ihre
Maximalentwickelung im Jura und in der Kreide und ist noch in den
heutigen Meeren mit mehreren Gattungen vertreten. Von der grossen Zahl
fossiler Gattungen sind folgende besonders wichtig:
[Illustration: Fig. 131. A-C A Hemicidaris crenularis Lmk. sp.
Oberes Oxford. Frankreich. a = am-Felder; p = Porenstreifen; ia =
ia-Felder; w = Stachelwarzen der ia-Felder, durchbohrt und gekerbt; w₁
= Stachelwarzen der am-Felder. B, C Stachelfragmente aus dem oberen
Oxford des schweizer Jura (B oberes, C unteres Ende).]
Hemicidaris (Fig. 131 A-C). Ziemlich grosse, meist gewölbte Schalen von
kreisrundem Umfange. Porenstreifen (p) der mässig breiten am-Felder
(a) meist wellig gebogen. Stachelwarzen der am-Felder nur in der Nähe
des Randes (w₁) vorhanden. Warzen in der Mitte durchbohrt und am Rande
mit Kerben (w). Stacheln lang cylindrisch (B, C), zuweilen am äusseren
Ende verdickt und abgestutzt (k). Vom Perm an bis ins Eocän bekannt,
hauptsächlich im Oberen Jura entwickelt.
H. langrunensis Cott. Oberer Dogger. England, Frankreich, Schweiz.
H. luciensis d’Orb. Oberer Dogger. England, Frankreich.
H. intermedia Flem. sp. Mittlerer und oberer Malm, besonders im
oberen Oxford. England, Norddeutschland, Frankreich, Schweiz.
H. crenularis Lmk. sp. (Fig. 131 A-C). Wie vorige Art; sehr häufig
in den nach ihr benannten »Crenularis-Schichten« des oberen Oxford in
Frankreich und im schweizer Jura.
H. stramonium Ag. Oberer Malm (Kimmeridge). Frankreich, Schweiz,
Portugal.
Bei der häufigen und sehr verbreiteten Gattung Pseudodiadema Des. sind
die am-Felder ihrer ganzen Länge nach mit Stachelwarzen bedeckt. Die
Schale stets glatt. Porenstreifen gerade. Sehr häufig im Jura und in
der Kreide; stirbt im Tertiär aus.
Ps. depressum Ag. sp. Mittlerer und oberer Dogger. England,
Frankreich.
Ps. pentagonum M’Coy sp. Mittlerer und oberer Dogger. England,
Frankreich, Schweiz.
Ps. hemisphaericum Ag. sp. (= pseudodiadema Lmk. sp.). Mittlerer und
oberer Malm. England, Frankreich, Schweiz, Norddeutschland.
Ps. mamillanum Rö. sp. Mittlerer und oberer Malm. England,
Frankreich, Schweiz, Norddeutschland.
Ps. rotulare Ag. sp. Neocom und Urgon. Frankreich, Schweiz,
Norddeutschland.
Ps. variolare Bgt. sp. Cenoman. Frankreich, Schweiz, Norddeutschland.
Cyphosoma Ag. (= Phymosoma Haime) (Fig. 132 A, B). Schale flach, mit
grosser, fünfeckiger Scheitelschildlücke (A). am-Felder (a) oft fast
so breit wie die ia-Felder (ia), aus sog. »Grossplatten« bestehend
(d. h. grossen Platten, die aus mehreren kleineren verschmolzen sind
und deshalb auch mehrere Porenpaare (B p) führen). In der Nähe des
Scheitelschildes und der Mundlücke stehen die Porenpaare in doppelten
Reihen (B p’). Warzen undurchbohrt, aber gekerbt (B m).
Sehr häufig in der Kreide, besonders in der oberen, selten im Tertiär;
eine Art noch lebend.
C. cenomanense Cott. Cenoman. Sachsen, Frankreich.
C. radiatum Sor. Turon. Sachsen, Norddeutschland, England,
Frankreich, Algier.
C. magnificum Ag. (Fig. 132 A, B). Senon. England, Frankreich,
Algier.
[Illustration: Fig. 132. Cyphosoma magnificum Ag. Unteres Senon.
Südfrankreich. A Schale von oben gesehen, mit der fünfeckigen, in der
Richtung der Symmetrielinie ausgezogenen Scheitelschildlücke. B vier
am-Grossplatten mit gekerbten, aber undurchbohrten Warzen (m) und 4-5
Porenpaaren (p), die nach dem Scheitelschild zu in 2 Reihen (p’) sich
ordnen.]
Glypticus Ag. (Fig. 133 A-C). Mittelgrosse Schalen mit sehr markirtem,
compactem Scheitelapparat (A a, o, g). am-Felder mit 2 Reihen
undurchbohrter und ungekerbter, normaler Warzen (B a). ia-Felder
nur auf der Unterseite normal bewarzt (C w); auf der Oberseite mit
verzerrten, unregelmässig gestellten Erhöhungen (C h). Nur im Dogger
und Malm.
G. hieroglyphicus Gf. sp. (Fig. 133 A-C). Oberes Oxford, zusammen
mit Hemicidaris crenularis (Glypticien). England, Frankreich, Schweiz,
Norddeutschland, Algier.
G. sulcatus Gf. sp. Kimmeridge. Süddeutschland, Schweiz, Frankreich.
[Illustration: Fig. 133. Glypticus hieroglyphicus Gf. sp.
Oberes Oxford. Frankreich. A Schale von oben; a = Afterlücke,
vom Scheitelschild (o, g) umgeben; o = Augentäfelchen; g =
Genitaltäfelchen. B von unten; o = Mundlücke mit 10 Einschnitten (e).
C 5 ia-Tafeln von der Mundlücke an; diejenigen der Unterseite mit
normalen Warzen (w), die der Oberseite mit zerrissenen Erhöhungen (h).
e = Einschnitt der Mundlücke.]
4. Fam. Echinidae.
Die meist dünnwandige Schale ist hoch oder niedergedrückt. Die
Porenstreifen der am-Felder sehr breit, da sie in ihrer ganzen
Ausdehnung aus mehreren (gewöhnlich 3) Reihen von Porenpaaren bestehen
(Fig. 134 B). Scheitelschild normal (Fig. 134 C); die Madreporenplatte
(C m) stets durch ihre Grösse und poröse Structur unterschieden. Warzen
meist undurchbohrt. Die Mehrzahl der lebenden Regulares gehört zu
dieser Familie. Mit Ausnahme einiger jurassischer und cretaceischer
Gattungen finden sich die fossilen in tertiären Schichten.
[Illustration: Fig. 134. Pedina sublaevis Ag. Oxford. Frankreich.
A Schale von der Seite. B einige am-Grossplatten mit je 3 Reihen
von Porenpaaren (die Stachelwarzen sind fälschlich undurchbohrt
gezeichnet). C Scheitelapparat mit der Madreporenplatte (m).]
Pedina Ag. (Fig. 134 A-C). Schale rund, niedrig. am-Felder nicht
sehr breit. Jede am-Grossplatte mit 3 Reihen von schräg übereinander
gestellten Porenpaaren (B). Stachelwarzen klein, ungekerbt, aber fein
durchbohrt (-- was auf Fig. 134 nicht angegeben). Im Jura, besonders
häufig im Malm.
P. sublaevis Ag. (Fig. 134 A-C). Im ganzen Malm, besonders häufig
im Oxford. Frankreich, Schweiz.
Die verwandte Gattung Stomechinus Des. besitzt eine hochgewölbte Schale
und undurchbohrte Stachelwarzen. Sie findet sich häufig im Jura,
seltener in der Kreide.
St. bigranularis Lmk. sp. Mittlerer und oberer Dogger. England,
Frankreich.
St. perlatus Desm. sp. Mittlerer und oberer Malm, besonders häufig
im oberen Oxford. England, Frankreich, Schweiz.
Die in den jetzigen Meeren weit verbreitete Gattung Echinus Rond.
(E. melo Ol., esculentus L.) kommt fossil schon im Eocän vor.
II. Irregulares.
(Zweiseitig gebaute Seeigel.)
5. Fam. Echinoconidae.
Die meist runde, seltener ovale oder schwach fünfeckige Schale
besitzt -- abgesehen von der excentrischen Lage des Afters -- ein
reguläres Gepräge (Fig. 135). Die Porenstreifen der am-Felder
verlaufen geradlinig; die Poren alle rund, nicht querverlängert (Fig.
135 C). Die Oberseite der Schale mehr oder weniger gewölbt, die
Unterseite meist flach. Warzen klein. Scheitelschild compact, klein.
Madreporenplatte grösser als die übrigen Genitaltäfelchen, von denen
das hintere oft undurchbohrt ist oder fehlt (Fig. 135 C). Mundlücke
central, rund oder etwas eckig. Afterlücke meist auf der Ober-,
seltener auf der Unterseite, gewöhnlich birnförmig (Fig. 135 B a) oder
oval. Kiefergebiss vorhanden. Diese Familie bezeichnet die Jura- und
Kreideformation. Nur eine lebende, aber keine tertiäre Art bis jetzt
bekannt.
[Illustration: Fig. 135. A-C Echinoconus Roemeri Des. Obersenon.
Lüneburg. A Schale von der Seite, B von unten. o = Mundlücke. a =
Afterlücke. C Scheitelschild. g = Genitaltafeln, deren grösste die
Madreporenplatte (m); die hintere ist undurchbohrt; o = Augentäfelchen.
D Discoidea cylindrica Lmk. sp. Cenoman Lüneburg. Inneres der Schale. s
= radiale Wände. o = Mundlücke. a = Afterlücke.]
Echinoconus Breyn. (= Galerites Lmk.) (Fig. 135 A-C). Schale hoch,
kegelförmig oder halbkugelig. Unterseite platt. Afterlücke (B a) auf
der Unterseite. Porenstreifen auf der Unterseite im Zickzack, je 3
Porenpaare in gerader Linie. In Europa nur in der Kreide, auf Cuba im ?
Eocän.
E. castanea Bgt. sp. Gault und Cenoman. England, Ostfrankreich,
Schweiz.
E. albogalerus Kl. sp. Oberes Turon und Senon. Nordeuropa, häufig.
Oft als Kieselsteinkern im norddeutschen Diluvium.
E. conicus Breyn. sp. Oberes Turon und Senon. } Nordeuropa, häufig.
} Oft als Kieselstein-
E. vulgaris Lesk. sp. Senon. } kern im Diluvium.
E. Roemeri Des. (Fig. 135 A-C). Senon. Norddeutschland.
Der sog. Galeriten-Pläner (mittleres Turon) hat seinen Namen nach
dem häufigen Vorkommen der (Echinoconen =) Galeriten erhalten.
Die Gattung Discoidea Kl. besitzt im Inneren der Schale radiale
Scheidewände (Fig. 135 D s), welche auf dem Steinkern als tiefe Furchen
sichtbar werden. Porenstreifen auch auf der Unterseite geradlinig
verlaufend. Ebenfalls auf die Kreide beschränkt.
D. subuculus Kl. Gault und (hauptsächlich) Cenoman. England,
Frankreich, Schweiz.
D. cylindrica Lmk. sp. (Fig. 135 D). Cenoman. England,
Norddeutschland, Frankreich, Schweiz, Algier.
Anhang: Unterfamilie Echinoneinae.
Im Jura und in der Kreide, sehr selten im Tertiär und in der Gegenwart
findet sich eine kleine Gruppe von Seeigeln, die durch ihre einfachen
Porenstreifen an die Echinoconidae sich anschliessen. Der Umriss ihrer
Schalen ist oval oder fünfeckig gerundet, die Mundlücke liegt mehr
oder weniger excentrisch auf der kissenförmig gewölbten Unterseite,
der After meist auf der Oberseite. Ein Kiefergebiss, wie bei den
Echinoconidae, ist nicht vorhanden. Der bekannteste Vertreter dieser
Gruppe ist:
Pyrina Desm. Schale eiförmig, oben und unten gewölbt. Afterlücke in der
Nähe des Hinterrandes. Jura-Eocän, sehr häufig in der Kreide.
P. pygaea Ag. sp. Untere Kreide, hauptsächlich Neocom. Frankreich,
Schweiz.
P. incisa Ag. Untere Kreide, hauptsächlich Neocom. Frankreich,
Schweiz, Norddeutschland.
6. Fam. Conoclypeidae.
[Illustration: Fig. 136. Conoclypeus conoideus Lesk. sp. Eocän.
Kressenberg, Bayerische Voralpen. A Schale von der Seite gesehen; a =
am-Felder; ia = ia-Felder; p = petaloide Ambulacra. B Scheitelschild
mit der grossen Madreporenplatte; o = Augentäfelchen; g =
Genitaltafeln, von denen nur 4 durchbohrt. C Unterseite; a = After-,
o = Mundlücke, von den lippenartig vorspringenden Enden der ia-Felder
(Floscelle) umgeben.]
Diese Familie enthält nur die eine ausgestorbene Gattung:
Conoclypeus Ag. (Fig. 136 A-C) (mit der Untergattung Oviclypeus Dam.)
Die hochgewölbten, meist gigantischen Schalen erinnern auffallend
an Echinoconus. Aber die Ambulacra verbreitern sich nach unten (A
p) (werden petaloid) und die Poren sind gejocht (d. h. durch eine
Furche verbunden). Die Poren der äusseren Reihe überdies spaltförmig
verbreitert. Auf der Unterseite verlaufen die Porenstreifen einfach;
die Ambulacra vertiefen sich in der Nähe der Mundlücke, so dass die
Enden der ia-Felder lippenartig vorspringen (Floscelle C o). Der
grösste Theil des Scheitelschildes (B) wird von der Madreporenplatte
eingenommen. Nur 4 Genitaltafeln (g) sind durchbohrt. Von der oberen
Kreide bis ins Miocän, sehr häufig im Eocän.
C. conoideus Lesk. sp. (Fig. 136 A-C). Mittel- und Obereocän, weit
verbreitet und häufig. Südeuropa, Nordafrika, Kleinasien.
7. Fam. Clypeastridae.
Schalen meist niedrig, schildförmig, 5seitig oder ausgebuchtet.
am-Felder sehr verschieden von den ia-Feldern (Fig. 137). Ambulacra
auf der Oberseite breit blattförmig (Fig. 137 A, Fig. 138 B),
die Unterseite nicht erreichend (Fig. 138 A). Die Tafeln des
Scheitelschildes verschmolzen; Madreporenplatte sehr gross, fast das
ganze Scheitelschild einnehmend (Fig. 137 B). Kiefergebiss kräftig
(Fig. 137 C). Diese Familie erscheint in der Kreide, erreicht ihre
Maximalentwickelung im jüngeren Tertiär und in der Gegenwart in einer
Reihe von Gattungen.
[Illustration: Fig. 137. A-D Clypeaster aegyptiacus Mich. Pliocän.
Kairo. A Schale von der Seite; a = blattförmige Ambulacra; ia = die
relativ schmalen ia-Felder. B Scheitelschild; m = Madreporenplatte
in der Form eines fünfstrahligen Sternes; o = Augenporen; g =
Genitalporen. C Kauapparat, von oben gesehen, aus 5 Kiefern bestehend;
r = gerade Trennungslinie der beiden symmetrischen vorderen Kiefer;
n = gebogene Trennungslinie des hinteren unpaaren Kiefers von dem
benachbarten hinteren paarigen; n’ = Trennungslinie der 2 Kieferhälften
des linken hinteren Kiefers; gegen die Mitte zu convergiren die Zähne.
D Unterseite der Schale mit Mundlücke (o) und Afterlücke (a).]
Clypeaster Lmk. (Fig. 137 A-D). Schalenumriss fünfseitig, gerundet und
ausgebuchtet. Oberseite flach gewölbt oder in der Mitte meist conisch
erhöht. Unterseite mit 5 Furchen (D). Tafeln des Scheitelschildes zu
einem 5strahligen Sterne verschmolzen (B), der als Madreporenplatte
(m) fungirt. Im Innern der Schale finden sich pfeilerartige
Kalkbildungen, welche von dem Boden der Schale bis zur Decke reichen.
Der massive Kauapparat zeigt eine deutlich zweiseitige, symmetrische
Ausbildung (C). Die Nahtlinie, welche die beiden vorderen paarigen
Kiefer trennt (r), ist gerade, die übrigen Trennungslinien (n) sind
gebogen. Jeder Kiefer setzt sich aus zwei keilförmigen Hälften
zusammen, die ebenfalls durch Nähte (n’) geschieden sind. Aehnliche
Kauapparate sind auch bei den verwandten Gattungen entwickelt.
Clypeaster beginnt im Eocän, findet sich häufig im Miocän und Pliocän
(in gigantischen Formen) und ist in den wärmeren Meeren in Tiefen bis
120 Faden durch mehrere Arten vertreten.
Cl. declivis Cott. Eocän. Norditalien, Schweiz, Pyrenäen.
Cl. altus Lmk. Miocän. Südeuropa, Algier.
Cl. grandiflorus Bronn. Miocän. Südfrankreich.
Cl. aegyptiacus Mich. (Fig. 137 A-D). Pliocän. Aegypten, Italien.
[Illustration: Fig. 138. A-C Scutella subrotunda Lmk. Miocän. Bordeaux.
A Schale von unten; af = Ambulacralfurchen; a = Afterlücke. B von oben.
C Vertikalschnitt, um die Kalkwucherungen im Innern (l) zu zeigen.]
Scutella Lmk. (Fig. 138 A-C). Flache, scheibenförmige Schalen
mit ausgebuchtetem Umriss. Rand scharf. Mund- und Afterlücke (o)
klein. Oberseite mit kurzen, blumenblattförmigen Ambulacren (B).
Unterseite mit verzweigten Furchen, die von der Mundlücke ausstrahlen
(Ambulacralfurchen A af). Das Innere der Schale wird, wie bei
Clypeaster, von stalactitenartigen Kalkwucherungen erfüllt (C l).
Oligocän -- Recent, vorwiegend im Miocän.
S. subrotunda Lmk. (Fig. 138 A-C). Untermiocän. Süd- und Osteuropa.
S. Faujasi Dfr. Untermiocän. Südwestfrankreich, Portugal.
8. Fam. Echinolampidae.
Schalen von ovalem oder schwach herzförmigem Umriss, flach oder mässig
gewölbt. Mundlücke immer excentrisch, aber nie nahe dem Vorderrande
gelegen. Ambulacra meist nur schwach petaloid, gewöhnlich schmal.
Afterlücke auf der Oberseite (und dann oft in einer Furche -- Fig. 139
A f) oder nahe dem Rande auf der Unterseite gelegen. Die am-Felder
vertiefen sich meist in der Nähe der Mundlücke, so dass die ia-Felder
lippenartig vorstehen (Floscelle -- Fig. 136). Vom Jura an in
zahlreichen Gattungen, von denen noch mehrere lebend vorkommen.
Echinobrissus Breyn. (Fig. 139 A, B). Mässig grosse bis kleine, ovale,
hinten abgestutzte Schalen. Mundlücke und Scheitelschild schwach
excentrisch. Afterlücke hinter dem Scheitelschilde in einer Furche
gelegen (A f). Madreporenplatte gross (B m). Die hintere Genitalplatte
(B g₁) undurchbohrt, durch die 2 benachbarten Augentäfelchen von der
Corona getrennt. Ambulacra schwach petaloid (A). Die Poren der äusseren
Reihen (B p) quer verlängert, die der inneren (p₁) rund. Sehr häufig im
Jura und in der unteren Kreide. Auch noch lebend.
[Illustration: Fig. 139. A, B Echinobrissus scutatus Lmk. sp. Oberes
Oxford. Normandie. A Schale von oben; f = Furche, in der die Afterlücke
(a) gelegen. B Scheitelschild; m = Madreporenplatte; g₁ = undurchbohrte
Genitaltafel; p = quere Poren der äusseren, p₁ = runde Poren der
inneren Reihe.]
E. Renggeri Des. Oberer Dogger (Hauptrogenstein). Schweiz, Rheinthal.
E. clunicularis Llhwyd. sp. Oberer Dogger (besonders Varians Sch.).
Schweiz, Rheinthal, Frankreich, England, Norddeutschland etc.
E. scutatus Lmk. sp. (Fig. 139 A, B). Oberes Oxford. Ebendaselbst.
E. Olfersi Ag. sp. Untere Kreide (Neocom und Urgon). Frankreich,
Schweiz, Norddeutschland.
Im Tertiär und in den Meeren der Gegenwart findet sich häufig die
Gattung Echinolampas Gray. Die Ambulacra erreichen den Schalenrand
nicht und sind unten offen. Die Schalen von bedeutender Grösse.
Afterlücke auf der Unterseite.
E. affinis Gf. sp. Eocän. Schweiz, Frankreich, Indien etc.
E. subsimilis d’Arch. Eocän. Südeuropa, Indien, Nordafrika.
E. Kleini Desm. Oberoligocän. Norddeutschland.
E. scutiformis Leske sp. Miocän. Frankreich, Schweiz.
9. Fam. Holasteridae.
Ovale oder herzförmige Schalen mit einfachen Ambulacren. Scheitelschild
mehr oder weniger in die Länge gezogen (Fig. 140 A). Mundlücke stark
excentrisch, dem Vorderrand nahe gerückt (Fig. 140 B o). Afterlücke
in der Nähe des Randes. Eine im Jura und in der Kreide häufig, im
Tertiär seltener vorkommende Familie. Lebend noch durch eine Reihe von
Gattungen (in grossen Meerestiefen) vertreten.
Collyrites Desm. (Fig. 140 A-C). Schale oval oder schwach herzförmig.
Unterseite kissenförmig gewölbt. Scheitelschild in 2 weit aus einander
liegende Gruppen von Platten getheilt (A). In der Nähe der Vorderseite
finden sich 4 Genitaltafeln und 3 Augentafeln zusammen. Von diesem
sog. Trivium (A tr, C) strahlen 3 am-Felder aus. In der Nähe des
Hinterrandes liegen die zwei übrigen Augentafeln. Von diesem Bivium (A
b) gehen die 2 anderen Ambulacralfelder ab. Zwischen Bivium und Trivium
liegen 2 lange Reihen von überzähligen Tafeln (A t). Mundlücke rund.
Auf Dogger, Malm und Untere Kreide beschränkt.
[Illustration: Fig. 140. A-C Collyrites bicordata Leske sp. Oberes
Oxford (Terrain à chailles). Fringeli, Berner Jura. A Schale von oben;
a = Afterlücke; b = Bivium; tr = Trivium; t = überzählige Tafeln des
Scheitelschildes. B von unten; o = Mundlücke. C vorderer Theil des
Scheitelschildes (Trivium) mit 4 Genitaltafeln (g), von denen die eine
die Madreporenplatte (m), und 3 Augentafeln (o).]
C. ringens Ag. sp. } Mittlerer und oberer Dogger. England,
C. ovalis Leske sp. } Frankreich, Schweiz.
C. elliptica Lmk. sp. Callovien. Frankreich, Schweiz.
C. bicordata Leske sp. (Fig. 140 A-C). Oberes Oxford. England,
Norddeutschland, Frankreich, Schweiz.
C. carinata Leske sp. Oberer Malm (Kimmeridge). Süddeutschland,
Schweiz.
C. ovulum Des. sp. Neocom. Frankreich, Schweiz, Norddeutschland.
[Illustration: Fig. 141. A-C Ananchytes ovata Leske sp. Obere Kreide
(Senon). England. A Schale von der Seite; a = Afterlücke. B von unten;
o = Mundlücke; a = Afterlücke. C Scheitelschild; m = Madreporenplatte;
o = Augentafeln; g = Genitaltafeln.]
Ananchytes Merc. (= Echinocorys) (Fig. 141 A-C). Die eiförmige,
hochgewölbte Schale ist hinten etwas ausgezogen. Scheitelschild central,
nur schwach verlängert (C), ohne überzählige Platten. Mundlücke quer (B
o). Afterlücke auf der Unterseite, nahe dem Rande gelegen (a). Poren
sehr fein. Nur in der oberen Kreide (Turon und Senon) häufig.
Die zahlreichen Varietäten werden gewöhnlich zusammengefasst unter
dem Namen:
A. ovata Leske sp. (Fig. 141 A-C) (= Echinocorys vulgaris Breyn.).
Gemein im Turon und Senon, besonders häufig im letzteren in Nord- und
Südeuropa und Nordafrika. Im Diluvium vielfach als Feuersteinkern.
Eine zweite, schon in der unteren, besonders aber in der oberen
Kreide verbreitete Gattung ist Holaster Ag. Die Schale besitzt einen
herzförmigen Umriss. Vom Scheitel erstreckt sich eine Furche bis zur
Mundlücke; in der Furche befindet sich das vordere, unpaare Ambulacrum.
H. intermedius Ag. Neocom. England, Frankreich, Schweiz,
Norddeutschland.
H. laevis Deluc. sp. Gault und Cenoman. England, Norddeutschland,
Frankreich, Schweiz.
H. subglobosus Leske sp. Cenoman. Ebendaselbst, Algier.
H. planus Mant. sp. Mittleres Turon. England, Frankreich.
10. Fam. Spatangidae.
Ausgeprägt zweiseitig symmetrische, meist herzförmige Schalen mit
2lippiger (Fig. 143 B o), seltener 5eckiger Mundlücke (Fig. 142 B o),
die dem Vorderrande genähert, und in der Nähe des Randes gelegener
Afterlücke (Fig. 142 B a). Ambulacra petaloid. 3 Arten von Ambulacren:
1 vorderes unpaares, meist in einer Furche gelegenes (Fig. 142 A),
2 vordere seitliche (Fig. 142 A v), meist länger als die 2 hinteren
seitlichen (Fig. 142 A h). Auch die seitlichen Ambulacren liegen meist
vertieft (Fig. 143 A). Bei vielen Gattungen verlaufen auf der Schale
glatte oder feingekörnelte, aber nicht mit Stachelwarzen besetzte
Bänder, sog. Fasciolen (oder semitae) (Fig. 143 B f, Fig. 144 fp, fl).
Diese Familie erscheint in der Kreide, erreicht aber erst im Tertiär
und in der Gegenwart das Maximum ihrer Entwickelung.
[Illustration: Fig. 142. A-D Toxaster complanatus L. sp. Mittelneocom.
Auxerre, Dép. de l’Yonne. A Schale von oben; v = vordere, h = hintere
Ambulacra; a = After. B von unten; o = Mundlücke; v und h wie bei A.
C Stück eines Porenstreifens des vorderen unpaaren Ambulacrums; a =
äussere, i = innere Porenreihe. D derselbe Porenstreifen von Heteraster
oblongus Deluc. sp.; a und a₁ = äussere, i = innere Porenreihen.]
A. Mundlücke fünfeckig (Fig. 142 B o). In der unteren Kreide häufig, in
jüngeren Schichten und lebend sehr selten.
Toxaster Ag. (Fig. 142 A-C) (= Echinospatangus Breyn.). Das vordere,
unpaare Ambulacrum liegt in einer Furche, die vom Scheitel bis zur
fünfeckigen Mundlücke (o) zieht. Die Porenstreifen desselben bestehen
aus einer äusseren Reihe stark querverlängerter (C a) und einer inneren
Reihe weniger stark verlängerter (C i) Poren. Die zwei vorderen
paarigen Ambulacra (A v) sind stärker gebogen, länger und breiter als
die hinteren (h). Oberseite der Schale mit sehr feinen, Unterseite mit
etwas gröberen Warzen. Der After liegt am abgestutzten Hinterrande. In
der unteren und oberen Kreide (Neocom, Gault und Cenoman), stellenweise
sehr häufig (Toxaster- oder Spatangen-Kalke des Mittelneocoms).
T. complanatus L. sp. (Fig. 142 A-C). Mittelneocom. Frankreich,
Schweiz, Norddeutschland, Algier.
T. Collegnii Sism. Aptien. Frankreich, Schweiz.
Bei der nahe verwandten Gattung Heteraster d’Orb. ist die Ungleichheit
zwischen den vorderen und hinteren paarigen Ambulacren noch grösser.
Dazu sind die Poren der äusseren Reihen des unpaaren Ambulacrums
gebogen und unter einander ungleich, bald länger (Fig. 142 D a), bald
kürzer (a₁).
H. oblongus Deluc sp. (Fig. 142 D). } Aptien. Frankreich, Schweiz,
H. Couloni Ag. sp. } Algier.
H. Tissoti P., C. & G. Gault. Algier.
B. Mundlücke zweilippig (Fig. 143 B o). Besonders häufig in der oberen
Kreide und im Tertiär.
[Illustration: Fig. 143. A-D Micraster cor anguinum Kl. sp. Senon.
Frankreich. A von oben; v = vordere, h = hintere paarige Ambulacra.
B von unten; o = Mundlücke; a = Afterlücke; f = Fasciole. C 3
Ambulacralplatten eines paarigen Ambulacrums mit je einem gejochten
Porenpaar (j). D Scheitelapparat m = Madreporenplatte; g =
Genitaltafeln; o = Augentafeln.]
Micraster Ag. (Fig. 143 A-D). Schale meist herzförmig. Alle 5 Ambulacra
liegen in Furchen. Poren des unpaaren Ambulacrums rund, die der
paarigen Ambulacra etwas querverlängert und gejocht (C j). Hintere
Ambulacra (A h) kürzer als die vorderen (v). Scheitelschild aus 9
Platten bestehend (D). Madreporenplatte bis in die Mitte reichend (D
m). Unterhalb des Afters (B a) eine (subanale) Fasciole (B f) von
ovaler Form. Warzen der Unterseite grösser als die der Oberseite.
Häufig in der oberen Kreide, selten im Tertiär.
M. breviporus. Mittleres Turon (Scaphiten-Pläner). England,
Norddeutschland, Frankreich.
M. cor testudinarium Gf. Oberstes Turon (Cuvieri-Pläner).
Ebendaselbst.
M. cor anguinum Kl. sp. (Fig. 143 A-D). Unteres Senon.
Ebendaselbst.
Nachstehende 2 Gattungen sind durch den Besitz einer fasciola
peripetala, d. h. eines glatten, die Ambulacra umfassenden Bandes
(Fig. 144 B fp) und querverlängerte Poren der paarigen Ambulacra
ausgezeichnet.
Hemiaster Des. Umriss meist oval, seltener herzförmig. Alle 5 Ambulacra
in wenig tiefen Furchen. Nur eine fasciola peripetala entwickelt.
Scheitel meist etwas nach hinten gelegen. Untere und obere Kreide,
Tertiär und Recent.
H. minimus Ag. sp. Gault. Frankreich, Schweiz.
H. bufo Brgt. sp. Cenoman. Frankreich.
H. nasutulus Sor. Oberes Turon. Frankreich, Norddeutschland.
H. prunella Lmk. sp. Senon. Limburg, Südfrankreich.
H. nux Des. Eocän. Schweiz, Vicentin.
[Illustration: Fig. 144. A-C Linthia Verneuili Des. Unteres Turon. La
Bédoule bei Marseille. A von der Seite, B von oben, C von unten. o =
Mundlücke; a = Afterlücke; v = vordere, h = hintere paarige Ambulacra;
fp = fasciola peripetala; fl = fasciola lateralis.]
Linthia Mer. (Fig. 144 A-C). Ausser einer peripetalen Fasciole (fp)
noch eine seitliche (fasciola lateralis -- B fl) vorhanden, welche den
After umkreist. Scheitel meist etwas nach vorn gerückt. Obere Kreide,
hauptsächlich tertiär, selten recent.
L. Verneuili Des. (Fig. 144 A-C). Leitend für das untere Turon.
Südfrankreich, Algier.
L. Heberti Cott. Eocän. Norditalien, Pyrenäen.
L. subglobosa Lmk. sp. Mitteleocän. Schweiz, Frankreich.
Vorkommen und Verbreitung der Echinoidea.
Die fossilen Seeigel kommen, wie die lebenden, meist gesellig
vor. Die Mehrzahl derselben findet sich in Absätzen aus geringer
Meerestiefe. So weisen beispielsweise die Korallenbildungen der
Jura-Kreidezeit einen ausserordentlichen Reichthum an Seeigel-Schalen
und -Stacheln auf, namentlich der Gattungen Cidaris, Rhabdocidaris,
Hemicidaris, Pseudodiadema, Echinobrissus, Collyrites, während für
die Seichtwasserbildungen der Tertiärperiode Conoclypeus, Clypeaster,
Scutella, Echinolampas sowie manche Spatangiden-Formen als bezeichnend
gelten können. Durchschnittlich grössere Meerestiefen scheinen die
Echinoconiden und Holasteriden der Kreidezeit bewohnt zu haben, denn
auch ihre heute noch lebenden Nachkommen sind erst durch die jüngsten
Tiefseeforschungen zu Tage gefördert worden.
Sehen wir von den wenig zahlreichen Funden von Seeigeln aus
paläozoischen und triadischen Schichten ab, so finden wir zum ersten
Male zur Jurazeit, besonders vom mittleren Dogger an aufwärts reiche
Faunen, in denen alle Familien mit Ausnahme der Conoclypeiden,
Clypeastriden und Spatangiden bereits vertreten sind. Cidariden und
Diadematiden überwiegen über alle anderen Familien. In der Kreide
treten die Spatangiden neu hinzu und die Holasteriden werden durch
zahlreiche Gattungen vertreten. Erst in der allerjüngsten Kreide
erscheinen die ersten Vertreter der Conoclypeiden und Clypeastriden.
In den tertiären Faunen herrschen die Echiniden, Clypeastriden,
Echinolampiden und Spatangiden, während alle übrigen Familien sowohl
bezüglich der Häufigkeit ihres Auftretens als auch der Mannigfaltigkeit
der Formentwickelung hinter denselben zurückstehen.
Die vertikale Verbreitung der aufgeführten Gattungen ist aus
nachstehender Tabelle ersichtlich, in welcher die ausgestorbenen Formen
durch ein † bezeichnet sind. Die Maximalentwickelung einer Gattung ist
durch einen vollen Strich angedeutet:
+--------------------+---------+------+------+------+------+------+
| |Mittlerer| | | | | |
| | und | Malm |Untere| Obere|Eogen |Neogen|
| | oberer | |Kreide|Kreide| | |
| | Dogger | | | | | |
+====================+=========+======+======+======+======+======+
| { Cidaris | .... | ---- | ---- | ---- | .... | .... |
| { † Rhabdocidaris | .... | ---- | .... | | | |
|{ Salenia | | | ---- | ---- | .... | .... |
|{ † Acrosalenia | ---- | ---- | ---- | | | |
| { † Hemicidaris | .... | ---- | .... | .... | .... | |
| { † Pseudodiadema | ---- | ---- | ---- | ---- | .... | |
| { Cyphosoma | | .... | ---- | .... | .... | |
| { † Glypticus | .... | ---- | | | | |
|{ † Pedina | .... | ---- | | | | |
|{ Echinus | | | | | .... | ---- |
| { † Echinoconus | | | .... | ---- | | |
| { † Discoidea | | | ---- | ---- | | |
|{ † Pyrina | .... | .... | ---- | ---- | .... | |
| { † Conoclypeus | | | | .... | ---- | .... |
|{ Clypeaster | | | | | .... | ---- |
|{ Scutella | | | | | .... | ---- |
| { Echinobrissus | ---- | ---- | ---- | | | |
| { Echinolampas | | | | | ---- | ---- |
|{ † Collyrites | ---- | ---- | ---- | | | |
|{ † Ananchytes | | | | ---- | | |
|{ † Holaster | | | .... | ---- | | |
| { † Toxaster | | | ---- | | | |
| { † Heteraster | | | ---- | | | |
| { † Micraster | | | | ---- | .... | .... |
| { Hemiaster | | | .... | ---- | ---- | .... |
| { Linthia | | | | .... | ---- | .... |
+--------------------+---------+------+------+------+------+------+
3. Klasse: Ophiuroidea.
Litteratur über Ophiuroidea und Asteroidea.
* Lütken, C. F. Additamenta ad historiam Ophiuridarum. Kongel. Danske
Vedenskab. Selsk. Skrifter. 5 Raekke. Bd. V 1861, Bd. VIII 1870.
* Lyman, Th. Report on the Ophiuroidea. Scientif. Results of Challenger
Voyage. Vol. V 1882.
* Müller, J., & Troschel. System der Asteriden. Braunschweig 1842.
Quenstedt, F. A. Petrefactenkunde Deutschlands. Bd. IV. Leipzig 1874-76.
Stürtz, B. Beitrag zur Kenntniss paläozoischer Seesterne.
Palaeontographica Bd. 32. 1886.
Wright, Th. Monogr. of the fossil Echinodermata from the Oolitic
formation. Bd. II. Palaeont. Soc. 1862, 1866.
Die Ophiuren oder Schlangensterne sind meist platte, deutlich
fünfstrahlige Thiere, deren schmale Arme sich scharf von einer
runden, centralen Scheibe (Fig. 146 A) absetzen. Die Verdauungs-
und Geschlechtsorgane sind auf die Scheibe beschränkt, in den Armen
verlaufen ausser Nerven nur Zweige des Blut- und Wassergefässsystems.
Die Körperhaut wird in der Regel durch Kalkplatten gestützt, welche
auf den Armen stets, auf der Scheibe nur zuweilen regelmässig gelagert
sind. In der Mitte der Unterseite der Scheibe liegt der fünfstrahlige
Mund (Fig. 145 A o), eine gesonderte Afteröffnung fehlt. Ebenfalls
auf der Unterseite und zwar symmetrisch zu beiden Seiten der auf die
Scheibe sich fortsetzenden Arme finden sich 1 oder 2 spaltförmige
Oeffnungen, also im Ganzen 10 oder 20, die sog. Bursalspalten (Fig. 145
A g; Fig. 146 J bs). Diese Oeffnungen führen -- einerlei, ob 10 oder 20
vorhanden -- zu 10 blind geschlossenen, sackförmigen Einstülpungen der
Körperwand, welche Bursae heissen und als Athmungsorgane und Leiter für
die Geschlechtsproducte dienen.
[Illustration: Fig. 145. A Unterseite der Scheibe von Ophiura laevis
Rond. sp. (Lebend. Mittelmeer) mit den Armansätzen (b); o = Mund, durch
die fünf vorspringenden Mundecken fünfstrahlig; a = Mundschilder; g
= Bursalspalten zu zwei auf jeder Seite des Armes. B Armwirbel einer
Ophiure, von den Armschildern (im Querschnitt) umschlossen; w = unterer
Wirbelcanal; r = Rückenschild; s = Seitenschild; b = Bauchschild. C
drei Armwirbel von der Seite; iv = Muskelgruben für die zwischen den
Wirbeln befindlichen Muskeln.]
[Illustration: Fig. 146. A-H Ophiocten ferrugineum Böhm. Oberer
Dogger (Ferrugineus-Sch.). Vögisheim, Breisgau. A Ansicht eines
vollständigen Stückes von der Unterseite; br = Arme. B die Scheibe
mit den inneren Armenden von unten; bl = Bursalschuppen; p =
Ambulacralporen. C das Mundskelet von unten; mw = Mundwinkel; p =
Mundpapillen (etwas ergänzt, fälschlich meist 7 statt 5 gezeichnet); me
= Mundeckstücke. Die Zahnpapillen, welche die Spitzen der me verdecken,
sind auf der Zeichnung nicht angegeben. ms = Seitenmundschilder; m =
Mundschilder (Oralplatten); b = zweite Bauchplatte des Mundskelets. D
die eingedrückte Scheibe von oben gesehen; r = Rückenplatten des Armes.
E ein Stück des Armes von unten; s = Seitenschilder; b = Bauchschilder;
p = Ambulacralporen; fs = Füsschenschuppen. F derselbe von oben; r
= Rückenschilder; s = Seitenschilder; st = Stacheln. G derselbe von
der Seite. Bezeichnung wie bei F. H Querschnitt des Armes. I Geocoma
planata Qu. sp. Oberer Malm. Kelheim, Bayern. Die Scheibe von der
Unterseite; m = Mundschilder; bl = Bursalschuppe aus der Bursalspalte
(bs) herausgedrückt; k = Körner der Scheibenhaut.]
Der äussere (vom Arme abgewandte) Rand der Bursalspalten ist nach innen
umgeschlagen und setzt in der Form einer Schuppe in die Scheibe hinein
fort (Bursalschuppe).
Durch Zusammensinken der Scheibe beim Fossilisationsprocess wird die
Bursalschuppe aus der Bursalspalte häufig nach aussen gedrückt und ist
dann als eine dem Arme anliegende Leiste sichtbar (Fig. 146 B bl).
Die Arme bestehen aus einer Reihe wirbelartiger, gelenkig verbundener,
senkrecht gestellter Kalkscheiben (Fig. 145 B, C) und den 4, jeden
Wirbel umschliessenden Armschildern des Hautskelets (Fig. 145 B r,
s, b); für die Weichtheile bleibt nur wenig Raum. Die Zwischenräume
der Wirbel werden von Muskelsubstanz ausgefüllt. In einem unteren
Einschnitt (B w) des aus 2 zusammengewachsenen, symmetrischen Hälften
bestehenden Wirbels verläuft ein Strang des radiären Nerven-, Blut- und
Wassergefässsystems bis zur Spitze des Armes. Die Armschilder gliedern
sich in unpaare obere, den Arm deckende Rückenplatten (Fig. 145 B r;
Fig. 146 H r), unpaare untere, meist flache Bauchplatten (B b, H b) und
paarige, stark gewölbte Seitenplatten (B s, H s). Die Seitenschilder
tragen kürzere oder längere, anliegende oder abstehende Stacheln,
erstere an dem Aussenrande (Fig. 146 G st, F st), letztere auf der
Seitenmitte befestigt. Zwischen den Bauch- und Seitenschildern tritt zu
jeder Seite eines Bauchschildes ein Fuss des Wassergefässsystems aus
einer runden Pore (Fig. 146 B p, E p) heraus. Die Poren sind oft von
kleinen beweglichen Kalkschuppen (Fuss- oder Tentakelschuppen (Fig. 145
A s; Fig. 146 E fs)) verdeckt.
Die Arme setzen auf der Unterseite der Scheibe bis zum Munde fort.
Die beiden innersten Wirbel sind mit den zugehörigen Seitenplatten
zum Mundskelet umgewandelt. Die wichtigsten Theile desselben sind
folgende: Die ∧-förmig von 2 benachbarten Armen her convergirenden
(10) Mundeckschilder (Fig. 146 C me) sind als die Wirbelhälften des
zweiten Armwirbels (+ den Seitenschildern der ersten), die schräg
gestellten (10) Mundseitenschilder (ms) als die Seitenschilder des
zweiten und das kleine Bauchschild am Ende der Mundwinkel (b) als das
Bauchschild des zweiten Armwirbels aufzufassen. Dazu gesellen sich noch
5 grössere, zwischen den Armen gelegene (interradiale) Mundschilder
(m) und verschiedene kleinere Stückchen. Eines der Mundschilder dient
gewöhnlich als Madreporenplatte.
Die Oberseite der Scheibe ist entweder nur von einer Haut oder
gleichzeitig von kleineren (Fig. 146 D) oder grösseren Kalkplatten
(Fig. 148 o) bekleidet, welch’ letztere z. Th. als die Fortsetzung der
Rückenplatten der Arme anzusehen sind.
Die Schlangensterne bewohnen zumeist geringe oder mässige Tiefen,
nur wenige steigen über 1000 und bis 2300 Faden hinab. Fossile Funde
gehören nicht gerade zu den Seltenheiten, aber ihr Erhaltungszustand
ist meist nicht günstig genug, um die Stachelbewehrung und die
Einzelheiten des Mundskelets festzustellen.
Eintheilung der Ophiuroidea.
A. Arme einfach, unverzweigt, nur seitlich bewegbar, nicht nach
unten einrollbar. Meist Hautschilder auf der Scheibe (Fig. 146-148).
1. Ordn. Ophiurae.
B. Arme oft verzweigt, nach unten einrollbar; Scheibe und Arme
ohne grössere Hautschilder (Fig. 149) 2. Ordn. Euryalae.
1. Ordnung Ophiurae.
Die lebenden Ophiuren theilt man neuerdings nach der Beschaffenheit des
Hautskelets in 3 Familien:
A. Arme mit deutlichen Schildern, Scheibe zuweilen nackt.
a. Die Armstacheln sitzen auf dem Aussenrande der Seitenschilder und
liegen dem Arme mehr oder weniger an (Fig. 146 F st, G st)
Fam. Ophioglyphidae.
b. Die Armstacheln sitzen auf der Fläche der Seitenschilder und stehen
in einem beträchtlichen Winkel von den Armen ab
Fam. Amphiuridae.
B. Arme und Scheibe mit weicher Haut bekleidet Fam. Ophiomyxidae.
Fossile Vertreter sind nur von der Familie der Ophioglyphidae in
einiger Häufigkeit bekannt, namentlich aus Trias, Jura und Kreide.
Vielleicht existirte die Familie schon zur Devonzeit. Als Beispiele
führen wir folgende besser studirte Gattungen an.
Ophiocten Lym. (Fig. 147 A-H). Scheibe rund oder schwach fünfseitig,
Arme lang und dünn (A). Ober- und Unterseite (mit Ausnahme des
Mundskelets) mit kleinen, fossil schwer sichtbaren Kalktäfelchen
bedeckt.
Die Bursalschuppen erscheinen meist aus den einfachen, langgestreckten
Bursalspalten (J bs) herausgedrückt (B bl, J bl). Arme lang und
schlank (A), oben gekielt (F, H), Rückenschilder dachförmig (F r, G
r, H r), breiter als die Bauchschilder (E b), welch’ letztere nicht
durch die eingeschobenen Seitenschilder (s) von einander getrennt
werden. Die schuppenförmigen, auf Bauch- und Rückenseite etwa gleich
weit übergreifenden Seitenschilder (s) mit kurzen, anliegenden,
randständigen Stacheln (F st, G st). Ambulacralporen mit (1 oder ? 2)
Füsschenschuppen (E fs). Mundschilder längs oval (C m). Mundpapillen
5-7 auf jedes Mundeckstück (C me). Zahnpapillen vorhanden. Im Jura;
lebend in Tiefen von 20-100 Faden an der südamerikanischen Ostküste.
O. ferrugineum Böhm (Fig. 147 A-H). Oberer Dogger
(Ferrugineus-Sch.). Vögisheim, Baden.
Wahrscheinlich nur wenig von Ophiocten verschieden sind einige
als Geocoma d’Orb. aus Jura und Kreide bekannte Formen, wie:
G. elegans Hell. Callovien. La Voulte, Ardèche.
G. planata Qu. sp. (Fig. 147 I). Oberer Malm. Süddeutschland.
G. libanotica Kön. sp. Senon. Libanon.
[Illustration: Fig. 147. A-H Ophiocten ferrugineum Böhm. Oberer
Dogger (Ferrugineus-Sch.). Vögisheim, Breisgau. A Ansicht eines
vollständigen Stückes von der Unterseite; br = Arme. B die Scheibe
mit den inneren Armenden von unten; dieselbe ist eingesunken, so dass
die Bursalschuppen (bl) als Leisten neben den Armen hervorragen; p
= Ambulacralporen. C das Mundskelet von unten; mw = Mundwinkel; p =
Mundpapillen; me = Mundeckstücke. Die Zahnpapillen, welche die me z.
Th. bedecken, sind nicht gezeichnet. ms = Seitenmundschilder; m =
Mundschilder (Oralplatten); b = zweite Bauchplatte des Mundskelets;
rechts ist das erste echte Armglied sichtbar. D Scheibe mit Armansatz
von oben. Durch Eindrücken der Scheibe sind über den Armen in der Mitte
eingerissene Wülste, zwischen denselben Furchen und eine centrale,
abgesetzte, dem Mundskelet entsprechende Scheibe entstanden; r =
Rückenschild. E ein Stück des Armes von unten; b = Bauchschilder;
s = Seitenschilder; p = Ambulacralporen, grösstentheils von den
Füsschenschuppen (fs) verdeckt. F ein Stück des Armes von oben; r =
Rückenschilder; s = Seitenschilder; st = Stacheln. G derselbe von
der Seite. Bezeichnung wie bei F. H Querschnitt des Armes. I Geocoma
planata Qu. sp. Oberer Malm (Unteres Tithon). Kelheim, Bayern.
Die Scheibe von der Unterseite, die Körnelung (k) zeigend; bs =
Bursalspalten; bl = die aus denselben herausgedrückten Bursalschuppen.]
[Illustration: Fig. 148. Aspidura scutellata Blum. sp. Oberer
Muschelkalk. Waschbach, Württemberg. o = Oberseite. u = Unterseite.]
Aspidura Ag. (Fig. 148). Oberseite der Scheibe mit 16 grösseren,
regelmässig angeordneten Platten belegt, einer centralen, 5 radialen
(in der Richtung der Arme liegenden) und 10 sehr grossen interradialen.
Arme kurz, sich rasch zuspitzend. Bauch- und Rückenschilder sehr klein,
Seitenschilder sehr gross, an den Seiten sich vorwölbend, mit kurzen,
anliegenden Stacheln. Mundschilder klein. Diese Gattung ist ziemlich
häufig im deutschen Muschelkalke.
A. scutellata Blum. sp. (= Ophiura loricata Gf.) (Fig. 148). Unterer
und oberer Muschelkalk.
2. Ordnung Euryalae.
Hierher gehört wahrscheinlich die Gattung Onychaster M. & W. (Fig. 149
A-D). Scheibe (A s) klein, gekörnelt. Arme unverzweigt, rund, nach
unten eingerollt, mit körnigen Schuppen belegt, auf der Innenseite mit
Stacheln besetzt. Mundskelet sehr massiv (B), aus 15 kleinen und 25
grossen Stücken zusammengesetzt. Armwirbel rundlich sechsseitig (C) mit
innerem Canal (w).
[Illustration: Fig. 149. A-D Onychaster flexilis M. & W. Subcarbon.
Crawfordsville, Indiana. A ein Exemplar mit Scheibe (s) und nach unten
zusammengeschlungenen Armen; an dem inneren Ende zweier Arme ist die
Haut entfernt, um die Wirbel (wr) zu zeigen. B Mundskelet von oben. C
Wirbel von vorn gesehen; w = Wirbelcanal.]
Als Seltenheit im Subcarbon Nordamerikas.
O. flexilis M. & W. Keokuk-Gr. Crawfordsville, Indiana.
Fossile Ophiuren sind schon vom Silur an bekannt. Die meisten
paläozoischen Formen scheinen keine Bauchplatten, dagegen getrennte
Wirbelhälften, manche die letzteren auch in alternirender Stellung
besessen zu haben, wodurch eine Annäherung an die Encrinasteria (p.
148) angedeutet wird. Im Silur Nordeuropas und Nordamerikas sowie
im Devon des rheinischen Schiefergebirges kommen sie nicht sehr
selten, aber meist ungenügend erhalten vor. Im Mesozoicum trifft
man neben Vertretern jetzt noch lebender Gattungen (Ophioceramis)
mehrere ausgestorbene, unter denen Aspidura (Trias), (?) Geocoma (Jura
-- Kreide) die wichtigsten sein dürften. Aus dem Tertiär sind nur
spärliche Reste bekannt geworden. Das Auftreten der fossilen Ophiuren
ist meist ein geselliges.
4. Klasse: Asteroidea.
Litteratur über Asteroidea siehe p. 141.
Durch ihre im Allgemeinen abgeplattete fünfstrahlige Gestalt
stehen die Seesterne (oder Asteroidea) den Schlangensternen nahe.
Die Arme, welche sich nicht immer scharf von der Scheibe abheben,
sondern auch in derselben eingeschlossen sein können (Fig. 151),
enthalten im Gegensatz zu denen der Ophiuroidea nicht nur Zweige des
Wassergefäss-, Blutgefäss- und Nervensystems, sondern auch Fortsätze
der Geschlechtsorgane und Blindsäcke des Darmes. In der Mitte der
Unterseite der Arme verläuft eine offene Ambulacralfurche vom
Munde bis zur Armspitze, auf welcher allein die Ambulacralfüsschen
austreten (Fig. 150 p). Zahlreiche Kalkplatten dienen zur Stütze des
Weichkörpers. Die grösseren, welche meist den Rand der Scheibe und
Arme begrenzen, werden Randplatten genannt, die der Oberseite (Fig.
151 B r’; Fig. 150 r’) heissen dorsale, die der Unterseite ventrale
(Fig. 150 r; Fig. 151 A r). Die Ambulacralfurche wird jederseits von 2
Reihen Platten eingefasst; die unteren kleineren, von aussen sichtbaren
heissen Adambulacralplatten (Fig. 150 ad), die inneren grösseren, nach
Entfernung der Füsschen (p) hervortretenden heissen Ambulacralplatten
(Fig. 150 a). In der Ecke zwischen den letzteren und den ventralen
Randplatten liegen noch kleine Zwischenplatten (z). In dem keilartig
sich nach innen verschmälernden Raume zwischen den Ambulacralplatten
verläuft das radiale Wassergefäss (w), welches sich zu seitlichen
Säcken (Ampullen -- amp) erweitert, von welchen sich jederseits ein
oder zwei Füsschen abzweigen (p). Der innere Wirbel eines Armes besteht
hier, statt wie bei den Ophiuren aus einem Stücke, aus 2 beweglich mit
einander verbundenen Ambulacralplatten. Der Steincanal mündet auf der
Oberseite mit einer leicht wahrnehmbaren Madreporenplatte (Fig. 151 B
m; Fig. 152 A m). Meist findet sich auf der Oberseite auch eine feine
interradiäre Afteröffnung.
[Illustration: Fig. 150. Querschnitt durch den Arm von Astropecten.
r = dorsale, r’ = ventrale Randplatte; a = Ambulacral-, ad =
Adambulacralplatte; z = Zwischenplatte; st = Randstacheln; amp
= Ampullen; p = Füsschen des Wassergefässsystems, welche in der
Ambulacralfurche hervortreten; w = radiäres Wassergefäss. Die Oberseite
ist mit kleinen, borstenförmigen Papillen besetzt.]
Fossile Seesterne sind im Allgemeinen seltene Erscheinungen, was jedoch
nicht ausschliesst, dass sie an gewissen Localitäten in zahlreichen
Exemplaren sich finden. Ihre geologische Bedeutung ist somit gering;
zudem steht der häufig mangelhafte Erhaltungszustand einem genauen
Vergleiche mit lebenden Formen hindernd im Wege.
Die lebenden Seesterne zerfallen in 2 leicht kenntliche Gruppen.
Für die eine derselben ist das Vorhandensein grosser Randplatten am
Rande der Scheibe ebenso bezeichnend, wie für die andere das Fehlen
derselben. Die letztere Gruppe scheint im fossilen Zustande sehr selten
zu sein, während Vertreter der ersteren Gruppe schon aus paläozoischen
Schichten in einiger Häufigkeit bekannt geworden sind. Von Formen, die
sich an lebende sehr enge anschliessen, heben wir hervor:
Goniaster Ag. (Fig. 151 A, B). Die Arme ragen kaum über die grosse
Scheibe hinaus. Randplatten sowohl auf der dorsalen (r’) als auf der
ventralen Seite (r) sehr gross. Die Adambulacralplatten (ad), welche
die Ambulacralfurche begrenzen, klein, vierseitig. Die Deckplatten der
Ober- und Unterseite (z) klein, polygonal. Mitten in denselben liegt
auf der Oberseite interradial die Madreporenplatte (B m). Mund von 10
dreieckigen Oralplatten (A o) umgeben. In Jura und Kreide nicht selten,
meist aber nur in isolirten Randplatten gefunden. Tertiär und lebend.
G. impressae Qu. sp. Oxford. } Schwaben.
G. jurensis Qu. sp. Kimmeridge. }
G. Parkinsoni Forb. (Fig. 151 A, B). Turon. England.
G. quinqueloba Gf. sp. Senon. Norddeutschland.
[Illustration: Fig. 151. Goniaster Parkinsoni Forb. Turon. Sussex.
A von der Unterseite. B von der Oberseite. o = die sternförmigen
Oralplatten, die den Mund umgeben; ad = Adambulacralplatten; r =
Randplatten der Oberseite; r’ = Randplatten der Unterseite; z =
Deckplatten; m = Madreporenplatte.]
[Illustration: Fig. 152. A-C Aspidosoma Tischbeinianum F. Rö.
Unterdevon (Dachschiefer). Bundenbach im Moselthale. A der verdrückte
Körper von der Dorsalseite; a = After; m = Madreporenplatte;
ap = Adambulacralplatten; rp = Randplatten. B die Schuppen der
Scheibenoberfläche. C Madreporenplatte. D A. petaloides Sim.
Unterdevon. Niederlahnstein. Die Ambulacralplatten (ap), welche die
Armfurche einfassen, stehen wechselständig.]
Die meisten paläozoischen Seesterne besitzen im Gegensatze zu den
jüngeren wechselständige Ambulacralplatten (Fig. 152 D ap). Derartige
Encrinasteria, wie man sie, um auf die für die Crinoidenarme
bezeichnende Wechselständigkeit der Platten anzuspielen, nennt, sind
namentlich im rheinischen Unterdevon als Abdrücke im Sandstein oder
verkiest in den Bundenbacher Schiefern recht häufig. Die bekannteste
Gattung ist:
Aspidosoma Gf. (Fig. 152 A-D). Die Arme überragen die fünfseitige
Scheibe. 2 oder 4 Reihen von Armtafeln sichtbar. Randplatten deutlich
(rp), gegen die Arme zu kleiner werdend. Die Adambulacralplatten
werden auf dem freien Theile der Arme allmählich grösser und gehen in
Randplatten über. Der übrige Theil der Scheibe ist mit kleinen Schuppen
getäfelt (B). Auf der Oberseite die Madreporenplatte (A m, C) und der
von kleinen Täfelchen umgebene After (A a) sichtbar. Ambulacralplatten
namentlich in der Mitte der Arme deutlich wechselständig (D ap).
Rheinisches Unterdevon.
A. Tischbeinianum F. Rö. (Fig. 152 A-C).
A. petaloides Lim. (Fig. 152 D).
In paläozoischen Schichten wiegen die Encrinasteria über die echten
Seesterne (mit correspondirenden Ambulacralplatten) vor, doch giebt
es auch schon einzelne echte Seesterne. Zu den letzteren gehören
alle mesozoischen und jüngeren Formen. In den Sandsteinhorizonten
des mitteleuropäischen Jura sind rohe Abdrücke von Seesternen local
recht häufig, eine sichere Deutung derselben ist jedoch unmöglich
(Angulaten-Sandstein -- Lias α; Murchisonen-Sandstein -- Unterer
Dogger). Im Malm werden vereinzelte Platten einer ausgestorbenen
Gattung (Sphaeraster) nicht selten gefunden. Tertiäre Vorkommnisse sind
ohne Bedeutung.
5. Klasse: Crinoidea.
Litteratur über Crinoidea.
Angelin, N. P. Iconographia Crinoideorum in Stratis Sueciae Siluricis
fossilium. Holmiae 1878.
Beyrich, E. Ueber die Crinoiden des Muschelkalks. Abh. d. Berliner
Akad. d. Wissensch. 1857.
* Carpenter, P. H. Report on the Crinoidea I. Scient. Result of
Challenger Voyage. Vol. XI. 1884.
de Koninck & le Hon. Recherches sur les Crinoides du terrain
carbonifère de la Belgique. Mém. de l’acad. roy. de Belgique 1854.
Litteraturverzeichniss bis 1854.
de Loriol, P. Monographie des Crinoides fossiles de la Suisse. Abh. d.
schweizer paläont. Gesellsch. Bd. IV, V 1877-78.
---- Paléontologie française. Terr. jurass. T. XI, Crinoides. 1882-88.
Meek & Worthen. Geological Survey of Illinois. Palaeontology. Bd.
II-VI. 1866 bis 1875.
Quenstedt, F. A. Petrefactenkunde Deutschlands. Bd. IV. Leipzig 1874-76.
Schultze, L. Monographie der Echinodermen des Eifler Kalkes. Denkschr.
d. Wiener Akad. d. Wissensch. Bd. XXVI. 1866.
Wachsmuth & Springer. Revision of the Palaeocrinoidea. Proc. of the
Acad. of Nat. Sc. of Philadelphia. 1879, 1881, 1882, 1885, 1886.
Der Körper der Crinoiden oder Seelilien haftet fast immer vermittelst
eines längeren oder kürzeren Stieles auf dem Boden und besitzt
bewegliche, meist verzweigte Arme, so dass wir 3 Theile an dem Thier zu
unterscheiden haben:
1) Den Stiel (oder die Säule) (Fig. 153 A st), eine Aufeinanderfolge
runder oder eckiger Kalkscheiben. Der Stiel wird von einem runden oder
eckigen Canal, dem sog. Centralcanal (Nahrungscanal) durchzogen (Fig.
153 D c), welcher Blutgefässe (vielleicht auch Nervenstränge) enthält.
Zuweilen sitzen an den Seitenflächen des Stieles Ranken (Fig. 170 A
r), ebenfalls aus Kalkplättchen bestehend und von je einem Aste des
Centralcanals durchzogen. Wenn sie abgefallen sind, bleibt am Stiele
eine entsprechende Narbe zurück (Fig. 170 C a, F a, H a). Das untere
Ende des Stieles ist zuweilen wurzelförmig ausgebreitet (Fig. 167 A;
Fig. 165 B). Das oberste Stielglied entwickelt sich zuweilen stärker
als die übrigen (Fig. 153 A cd) und heisst dann Centrodorsale. Bei den
stiellosen Crinoiden repräsentirt dieses Stück den einzigen Rest des
Stieles (Fig. 154 A cd, B cb).
[Illustration: Fig. 153. Apiocrinus. A A. magnificus d’Orb. Oberer
Malm. La Rochelle, Charente inférieure. Statt l (links) lies b. st =
das obere Ende des Stiels; cd = letztes Stielglied (Centrodorsale); b,
r₁, r₂ = Dorsalkapsel; b = Basalia; r₁ = erste Radialia, r₂ = zweite
Radialia, r₃ = dritte Radialia, an welche sich die Arme (br₁, br₂ etc.)
anschliessen; ir = Interradiale; p = Seitenglieder der Arme (pinnulae).
B, C A. Parkinsoni Schl. Oberer Dogger. Normandie. B Verlauf der Canäle
in den Tafeln der Dorsalkapsel; b, r₁, r₂, r₃, br₁, br₂ wie in Fig. A;
c₂ = offene Canäle der Basalia; die punktirten Linien geben den Verlauf
der verdeckten Canäle an; rc = Ringcanal. C Längsschnitt durch das
obere verdickte Stielende; cd = Centrodorsale. D ein Stielglied von A.
polycyphus Mer. mit weitem, rundem Centralcanal (c).]
2) Den Kelch, eine kelchförmige oder kugelige Kapsel, welche nach oben
auf den Stiel folgt und welche die wichtigsten Weichtheile einschliesst
(Leibeshöhle) (Fig. 153 b u. r). Nur die untere und seitliche Wand
des Kelches (Dorsalkapsel) ist für gewöhnlich sichtbar, weil die vom
Kelche sich abzweigenden Arme -- die nach dem Tode des Thieres sich
zusammenlegen -- die obere Wand oder Decke des Kelches verhüllen. Da
die Mundöffnung auf der Oberseite gelegen ist, so ist die letztere als
Ventralseite gekennzeichnet.
Der Körper der Crinoiden befindet sich somit in der umgekehrten Lage,
wie derjenige der Echinoidea, Ophiuroidea und Asteroidea. Die Wand
des Kelches besteht entweder ganz oder doch zum grössten Theile aus
fest an einander gefügten Kalkplatten, deren Zahl und Stellung zur
Unterscheidung der Familien und Gattungen in erster Linie in Betracht
kommt.
[Illustration: Fig. 154. Marsupites ornatus Sow. Obere Kreide: Senon.
England. A ein Kelch mit dem unteren Theile der Arme. B Schema der
Kelchplatten. cd = Centrodorsale; ib = Infrabasalia; pb = Parabasalia;
r = Radialia mit den Ausschnitten für die ersten Brachialia (br I); br
II = zweite Brachialia; agl = Armglieder.]
Die äusserlich sichtbare Dorsalkapsel der jüngeren Crinoiden (der
mesozoischen und känozoischen Zeit = Neocrinoidea) besteht meist aus
wenigen, regelmässig nach der Fünfzahl angeordneten Platten. Die 5
Platten desselben Kranzes sind nicht von einander verschieden. Man
bezeichnet die Platten folgendermaassen:
I. Radialia (r) heissen diejenigen, meist fünfseitigen Tafeln, welche
in der Verlängerung der Arme, d. h. radial liegen (Fig. 153 A r₁-r₃,
Fig. 154 B r). Sie berühren sich mit ihren Seitenflächen und es
schieben sich keine anderen Tafeln dazwischen. Meist wird der
Oberrand der Dorsalkapsel aus einem Kranze solcher Radialia gebildet.
Nach oben können noch mehrere derartige Stücke in gleicher
Stellung sich anschliessen (zweites [r₂], drittes [r₃] Radiale).
II. Basis heissen die 2 (oder der eine) Tafelkränze, welche zwischen dem
ersten Radiale und dem obersten Stielgliede (oder Centrodorsale)
gelegen sind. Besteht die Basis aus einem Tafelkranze, so stehen die
Platten interradial, d. h. in der Verlängerung der Zwischenräume der
Arme, und heissen schlechtweg Basalia (Fig. 153 A b); besteht die
Basis aber aus 2 Tafelkränzen, so nennt man die Tafeln des oberen
Kranzes, welche interradial liegen, Parabasalia (Fig. 154 pb),
diejenigen des unteren Kranzes, welche, wie die Radialia, radiär
stehen, Infrabasalia (Fig. 154 ib). Im ersten Falle heisst die Basis
monocyclisch, im letzteren dicyclisch. Nur in seltenen Fällen
betheiligen sich an dem Aufbau der Dorsalkapsel der Neocrinoidea
ausser der Basis und den I. Radialia noch weitere Tafeln, nämlich
II. und III. Radialia (Fig. 153 A r₂, r₃) oder kleine interradial
gestellte Täfelchen zwischen den letzteren, sog. Interradialia (Fig.
153 A ir). Als scharfes Kennzeichen für den Kelch der Neocrinoidea
kann die fünfstrahlig symmetrische Ausbildung der Dorsalkapsel
gelten, die sich in der regelmässigen Fünfzahl und der gleichen
Grösse der zu einem Tafelkranz gehörigen Platten ausspricht.
Die obere oder Ventralseite des Kelches der Neocrinoidea wird meist von
einer lederartigen Haut gebildet, welche auch mit kleinen Kalkplatten
belegt sein kann. In der Mitte der Oberseite liegt der Mund (Fig. 155
o). Von demselben zweigen sich frei zu Tage liegend 5 Ambulacralfurchen
ab, die nach den Armen (Fig. 155 br) verlaufen. Der After (a) liegt
excentrisch und zwischen den Furchen, also interradial.
[Illustration: Fig. 155. Oberseite des Kelches von Antedon (Recent).
o = Mundöffnung central, von welcher die offenen Ambulacralfurchen
(Radien) nach den Armen (br) ausstrahlen. Der After (a) liegt
excentrisch und zwischen den Radien (interradial).]
Der Kelch der Crinoidea der paläozoischen Zeit (Palaeocrinoidea)
weist einen viel complicirteren Bau auf. Selbst wenn die Dorsalkapsel
nur aus der gleichen Anzahl von Tafelkränzen besteht, wie bei der
überwiegenden Anzahl der Neocrinoidea, so sind doch die 5 Radien
niemals alle gleichartig ausgebildet, indem entweder die Basalia nicht
in normaler Zahl (z. B. 4 statt 5) vorhanden sind (Eucalyptocrinus --
Fig. 161 D b) oder eines der 5 Parabasalia anders gestaltet ist als die
übrigen 4 (Cyathocrinus -- Fig. 164 C pb), oder indem sich zwischen die
Radialia in einem Interradius (Hexacrinus -- Fig. 160 A a₁) oder in
allen (Actinocrinus -- Fig. 156) eine oder mehrere Tafeln einschieben,
die allgemein als Interradialia (ir) bezeichnet werden. Die zwischen
die I. Radialia eingeschobene sechste Platte steht in der Verlängerung
der Afteröffnung (Fig. 160 A a-a₁) und heisst erste Analplatte, die
darüber folgenden zweite, dritte Analplatte etc. (Fig. 156 D a₁-a₅).
Durch die Analplatten ist die Hinterseite des Kelches ausgezeichnet;
der betreffende Interradius heisst Analinterradius. Somit zeigen
die Palaeocrinoidea niemals eine regelmässig fünfstrahlig-radiäre
Anordnung der Kelchtafeln, sondern immer eine zweiseitig symmetrische
(unregelmässig strahlige).
Die Kelchdecke der Palaeocrinoidea zeigt in den seltenen Fällen,
wo sie beobachtet werden kann, keine wesentlichen Unterschiede
von der der Neocrinoidea (Fig. 156 C). Ein centraler Mund (o) und
Ambulacralfurchen (c), von kleinen Plättchen (c₁) bedeckt und dann
Ambulacralröhren genannt, sind vorhanden. Der After (a) liegt
excentrisch im hinteren Interradius. Aber in den meisten Fällen spannt
sich über die Kelchdecke eine aus festen Platten zusammengefügte
Ventralkapsel (Fig. 156 B), welche die Ambulacralfurchen (B c₁, C
c, c₁) und den Mund verdeckt. Diese Decke kann sich in eine lange
Afterröhre (oder Proboscis) verlängern (Fig. 156 A pr), an deren Ende
oft die Afteröffnung liegt. Die Ventralkapsel ist im Wesentlichen eine
Wiederholung der Dorsalkapsel, insofern sie sich ebenfalls aus radialen
und interradialen Platten zusammensetzt (Fig. 160 B). Eine weniger
feste, vielmehr biegsame und wahrscheinlich nur aus Interradialplatten
zusammengesetzte Ventralkapsel besitzen die Articulata. Bei einer
anderen Gruppe (den sog. Fistulata) endlich erscheint die Ventralkapsel
zurückgebildet, so dass die Kelchdecke ganz oder zum Theil zu Tage
liegt; sie sendet in diesem Falle eine sackförmige, oben geschlossene
Ausstülpung aus dem Kelche heraus, welche aber hinten, also excentrisch
liegt, und die von regelmässigen Tafeln gebildet wird, deren Ränder
durchbohrt sind (Fig. 164 B p). Dieses Organ diente wahrscheinlich zur
Respiration.
[Illustration: Fig. 156. Actinocrinus. A A. (Batocrinus) pyriformis
Shum. Carbon. Jowa. Auf der linken Hälfte sind die Arme (br)
gezeichnet, auf der rechten fortgelassen, um die Ventralkapsel
und die lang ausgezogene proboscis zu zeigen; st = Stiel. B, C A.
proboscidialis Hall. Carbon. Jowa. B ein Kelch mit aufgebrochener
Ventralkapsel; unter derselben liegen die getäfelten Ambulacralröhren
(c₁) und das gefaltete Organ (oe). Für die andern Bezeichnungen siehe
Fig. D. C Ansicht eines Kelch-Steinkernes von oben; o = Mund; c =
die vom Munde nach den Armen ausstrahlenden Ambulacralröhren als
Abdruck; c₁ = dieselben mit erhaltener Täfelung; a = After. D Schema
des hinteren Theiles der Dorsalkapsel von Actinocrinus; b = Basalia,
über denselben die Radialia r₁, r₂, r₃, die paarigen Radialia (oder
Distichalia) d₁, d₂, d₃ und die Interaxillaria id. Zwischen den
beiden Radien liegen die analen Interradialia (a und ir), unter denen
die mittlere Reihe der Analplatten (a₁-a₅) sich von den seitlichen
Interradialia (ir₁-ir₃) abhebt.]
3) Als Arme (Brachia) bezeichnet man die gegliederten Anhänge, welche
an der oberen Grenze der Dorsalkapsel sich abzweigen. Sie bestehen
aus gelenkigen oder fest verbundenen Kalkgliedern (Armglieder) und
besitzen meist feine gegliederte Anhänge, sog. Pinnulae (Fig. 165 F p).
Strenge genommen beginnen die Arme unmittelbar über dem ersten Radiale.
Wenn aber, wie das bei den meisten Palaeocrinoidea der Fall ist, die
untersten Armglieder in die Dorsalkapsel noch mit eingeschlossen sind,
so werden sie als II., III. Radiale bezeichnet (Fig. 156 D r₁-r₃). Die
in der Fortsetzung der Radialia liegenden Armglieder heissen Brachialia
(Fig. 163 I br, II br). Meist tritt aber sehr bald eine Theilung
des Armes ein; dann wird das letzte unterhalb der Theilungsstelle
befindliche Täfelchen Axillare (Fig. 156 D r₃) genannt und die durch
Theilung entstandenen Täfelchen heissen Distichalia (Fig. 156 D d₁-d₃).
Tafeln, die sich zwischen die Distichalreihen einschieben, bezeichnet
man als Interdistichalia (Fig. 156 D id).
Die Arme können einfach (Fig. 163 A) oder ein oder mehrere Male
getheilt sein (Fig. 164 A). Stehen die Armglieder in einfachen Reihen,
so spricht man von einzeiligen (Fig. 162), stehen sie abwechselnd in
2 Reihen, von zweizeiligen Armen (Fig. 165 A, F). Die vom Kelche aus
die Innen- (Ventral-) Seite der Arme durchziehende Ambulacralfurche
enthält als Ausstülpungen der Leibeshöhle Wasser- und Blutgefässe,
einen Nerven- und einen Genitalstrang. Die Furche kann von Täfelchen
bedeckt sein (Fig. 163 D ps). Die -- zuweilen fehlenden -- Armanhänge
oder Pinnulae stehen abwechselnd auf beiden Seiten des Innenrandes der
Arme (Fig. 165 F p).
Mit Ausnahme der ungestielten, geringe Tiefen bewohnenden Gattung
Comatula leben die wenigen heutigen Crinoiden in mittleren Meerestiefen
meist zwischen 80 und 1000 Faden, stellenweise in grösseren Mengen
zusammen. Ihre Zahl ist gegenüber der der fossilen gering. Zu einer
naturgemässen Classification der zahlreichen fossilen Formen ist
das Verhalten der Ventralseite in erster Linie ausschlaggebend.
Da aber dieses Merkmal nur an besonders gut erhaltenen Stücken
beobachtet werden kann, so geben wir im Folgenden einen Schlüssel
für die Bestimmung der wichtigsten Gattungen, in welchem nur solche
Merkmale zur Unterscheidung benutzt sind, die an allen nicht geradezu
fragmentären Stücken zu sehen sind.
A. Dorsalkapsel aus mehr als 21 grösseren Tafeln bestehend. Mehrere
Radialia und Interradialia, ferner Distichalia vorhanden (Fig. 157 A,
B, D).
a. Basalia und I. Radialia auf der Seite der Dorsalkapsel nicht
sichtbar, ganz oder zum grössten Theil auf der Unterseite gelegen
(Fig. 159 A if, pb, r₁).
1) Die Mitte der Unterseite tief eingesenkt, weil Basalia und I.
Radialia in das Kelchinnere hineingezogen (Fig. 161 B rb). I.
Radialkranz mit 5 Tafeln (Fig. 161) Eucalyptocrinus.
2) Mitte der Unterseite schwach eingesenkt. Basalia und I. Radialia
von unten sichtbar. I. Radialkranz mit 10 Tafeln (5 Radialia und
5 Interradialia) (Fig. 159 A r₁, ir₁, air₁) Rhipidocrinus.
b. Basalia und I. Radialia auf der Seite des Kelches sichtbar (Fig.
157 B b, r₁).
1) I. Radialkranz aus 5 Tafeln bestehend (Interradialia die Basis
nicht berührend) (Fig. 158 A r₁) Melocrinus.
2) I. Radialkranz aus 6 Tafeln bestehend, weil die erste Analtafel
auf der Basis ruht (Fig. 157 D a₁).
α) Dorsal- und Ventralkapsel starr. Basis monocyclisch. Basalia 3
(Fig. 157) Actinocrinus.
β) Dorsal- und Ventralkapsel beweglich und deshalb immer
eingedrückt. Basis dicyclisch. Parabasalia 5 (Fig. 162)
Taxocrinus.
B. Dorsalkapsel aus 21 oder weniger (meist 10, 15 oder 16) grösseren
Tafeln bestehend (Fig. 160 D; Fig. 164 C).
a. I. Radialkranz aus 6 oder mehr Tafeln zusammengesetzt (Fig. 160
D r).
1) Basis monocyclisch. 2 oder 3 Basalia. Ueber dem I. Radialkranze
mehrere kleinere Täfelchen (Fig. 160 D b) Hexacrinus.
2) Basis dicyclisch. Stets 5 Parabasalia, von denen das hintere
unpaare oben abgestutzt (Fig. 164 C pb).
α) Obere Gelenkflächen der I. Radialia hufeisenförmig ausgeschnitten
(Fig. 164 C r) Cyathocrinus.
β) Obere Gelenkflächen der I. Radialia gerade abgestutzt
Poteriocrinus.
b. I. Radialkranz aus 5 Tafeln bestehend (Fig. 163 C).
1) Kelch gestielt.
α) Basalkranz aus 3 ungleichen Tafeln bestehend. I. Radialia
hufeisenförmig ausgeschnitten Platycrinus.
β) Basal- resp. Parabasalkranz aus 5 mehr oder weniger gleichen
Tafeln bestehend oder verkümmert.
aa) Die Radialia mit einem Consolidationsapparate, d. h. breiten
ausgeschnittenen Muskelplatten, welche eine Scheibe im Inneren
des Kelches bilden (Fig. 163 B or). Arme ungetheilt
Cupressocrinus.
bb) Radialia ohne Consolidationsapparat. Arme getheilt.
I. Radialia nur von unten ganz sichtbar (Fig. 165 A r, D r)
Encrinus.
II. Radialia auf den Seitenflächen des Kelches gelegen (Fig.
154 A r).
*) Kelch sehr klein, selten von den reich verzweigten Armen
getrennt gefunden. Stielglieder fünfstrahlig (Fig. 170)
Pentacrinus.
**) Kelch mässig oder gross, fast immer von den Armen getrennt
gefunden. Stielglieder rund oder oval, nie fünfstrahlig.
†) Stielglieder rund.
§) Kelch aus 21 grossen Platten [Centrodorsale, 5
Basalia, 3 × 5 Radialia bestehend (Fig. 168)]
Apiocrinus.
§§) Kelch nur aus Radialia bestehend, von der Form einer
Gewürznelke (Fig. 167) Eugeniacrinus.
††) Stielglieder oval, tonnenförmig (Fig. 169)
Bourgueticrinus.
2) Kelch ungestielt.
α) Kelch gross. Centrodorsale, 5 Infrabasalia, 5 Parabasalia und
5 Radialia, letztere mit hufeisenförmig ausgeschnittener
Gelenkfläche (Fig. 166) Marsupites.
β) Kelch klein, vorwiegend aus dem Centrodorsale gebildet. Basis
verkümmert (Fig. 171) Antedon.
1. Ordnung Palaeocrinoidea.
Kelch selten regelmässig fünfstrahlig, meist zweiseitig symmetrisch.
I. Radialkranz meist aus 6 oder mehr Tafeln bestehend. Mund und
Ambulacralfurchen der Oberseite gewöhnlich durch eine feste oder
elastische Ventralkapsel verdeckt. Interradialia auch auf der
Ventralseite.
Diese Ordnung ist auf das paläozoische Zeitalter beschränkt. Man
unterscheidet 3 Unterordnungen, die sich folgendermaassen abgrenzen:
1. Unterordn. Camerata. Dorsalkapsel meist aus sehr zahlreichen Tafeln
bestehend, weil die unteren Armtafeln in dieselbe mit aufgenommen.
Tafeln durch Naht, nicht durch Gelenkung verbunden. Ventralkapsel
meist starr, in der Mitte oft rüsselartig ausgezogen (Fig. 157).
2. Unterordn. Articulata. Tafeln durch Gelenkung verbunden. Die ersten
Armtafeln mit in die Dorsalkapsel einbezogen. Ventralkapsel ein
biegsames Gewölbe, weshalb die Interradien meist eingedrückt
(Fig. 162).
3. Unterordn. Inadunata. Nur ein Radialkranz im Kelche, so dass die
Arme vom ersten Glied an frei sind. Dorsalkapsel meist nur aus
wenigen Tafeln (16) bestehend (Fig. 164 C). Auf der Ventralseite
meist eine mit Tafeln belegte Aussackung der Leibeshöhle
(Fig. 164 B p).
1. Unterordnung Camerata.
Zu dieser Unterordnung gehört die Mehrzahl der paläozoischen Gattungen
(gegen 70). Sie werden in 10 Familien gruppirt, von denen wir die
wichtigsten hervorheben.
Fam. Actinocrinidae (Fig. 157 A-D).
Dorsalkapsel mit monocyclischer Basis (Basalia 3, selten 4). I.
Radialkranz aus 6 Tafeln (5 I. Rad. [r₁] und 1 Analtafel [a₁])
bestehend. Die ersten Interradialien (ir₁) ruhen auf den abgeschrägten
Seiten der I. Rad. (r₁). Ventralkapsel aus zahlreichen, meist
interradialen Tafeln bestehend (A).
Actinocrinus Mill. (Fig. 157 B-D). Der kreiselförmige Kelch wird von
zahlreichen Platten gebildet, die mit radialen Erhöhungen verziert
sind (B). Ventralkapsel in eine lange Afterröhre (proboscis, A pr)
ausgezogen, welche häufig die Arme überragt. Durch wiederholte
Dichotomie der Radialia in Distichalia (D d₁-d₃) entstehen zahlreiche
(20 bis über 50) zweizeilige Arme (A br). Der Analinterradius aus
einer Reihe von Analtafeln (D a₁-a₅) und zahlreichen Interradialien
(B ir₁-ir₃) gebildet. Die Zahl der Tafeln in den übrigen Interradien
ist viel geringer. An besonders günstig erhaltenen Stücken hat man
die Beschaffenheit der Kelchdecke unter der Ventralkapsel beobachtet
(B, C). Vom centralen Munde (o) strahlen verzweigte (c), mit kleinen
Plättchen bedeckte (c₁) Ambulacralfurchen aus, die in die Arme führen.
Hinter dem Munde liegt der After (a). Im Inneren des Kelches ein
gefaltetes Organ (oe), dessen Functionen sich noch nicht mit Sicherheit
haben feststellen lassen. Stiel rund.
Actinocrinus ist eine für das Subcarbon bezeichnende Gattung. Sie
findet sich häufig in Europa und Nordamerika.
A. polydactylus Mill. Grossbritannien, Belgien.
A. triacontadactylus Mill. Grossbritannien, Belgien.
A. proboscidalis Hall. (Fig. 157 B-D). Nordamerika.
[Illustration: Fig. 157. A Act. (Batocrinus) pyriformis Shum.
Subcarbon. Burlington, Jowa. Ein zur Hälfte der Arme (br)
entkleidetes Exemplar, um die Dorsalkapsel und die in eine lange
Proboscis (pr) verlängerte Ventralkapsel zu zeigen; st = Stiel. B,
C Actinocrinus proboscidalis Hall. Subcarbon. Burlington, Jowa.
B ein Kelch mit aufgebrochener Ventralkapsel, um die Kelchdecke
mit den Ambulacralfurchen (c₁) und das gefaltete Organ (oe) zu
zeigen. C Kelchdecke (Steinkern) von oben; o = Mund; a = After; c =
Ambulacralfurchen; c₁ = dieselben mit kleinen Plättchen gedeckt. D die
Platten des hinteren Theiles der Dorsalkapsel von Actinocrinus (der
Analinterradius von 2 Radien umschlossen); b = Basalia; r₁, r₂, r₃ =
I., II., III. Radialia; d₁-d₃ = Distichalia; id = Interbrachialia;
a₁-a₅ = Analtafeln; ir = Interradialia.]
Batocrinus Cass. (Fig. 157 A) ist eine nahe verwandte, ebenfalls im
Subcarbon, aber nur in Nordamerika häufig vorkommende Gattung. Ober-
und Unterseite des Kelches von nahezu gleicher Wölbung. Zweiseitige
Symmetrie des Kelches noch deutlicher als bei Actinocrinus.
Interbrachialia fehlen stets. Subcarbon. Nordamerika.
B. pyriformis Shum. (Fig. 157 A), rotundus Yand. & Shum., discoideus
Hall. und zahlreiche andere Arten.
Fam. Melocrinidae.
Die monocyclische Basis besteht aus 3-5 Tafeln. I. Radialkranz nur aus
5 Radialia gebildet (Fig. 158 A r), die Interradialtafeln beginnen erst
über den Radialia. Analinterradius kaum vor den anderen Interradien
ausgezeichnet.
Melocrinus Gf. (Fig. 158 A, B). Kelch mehr oder weniger aufgebläht.
Basalkranz aus 4 Basalia zusammengesetzt (B). I. Radialkranz mit 5
grossen Rad. (r₁). Darüber noch 2 Radialia (r₂, r₃). Die Distichalia
lassen eine breite, oft von Interbrachialien ausgefüllte Spalte
zwischen sich (ib), oberhalb welcher die Arme sich wieder vereinigen.
Der Analinterradius zeichnet sich zuweilen durch eine grössere
Anzahl von Platten aus, meist aber zeigt die Dorsalkapsel einen fast
regelmässig fünfstrahligen Bau. Ventralkapsel fast flach oder gewölbt,
aus kleineren Platten zusammengesetzt. Afteröffnung dem Rande mehr oder
weniger genähert. Arme zweitheilig, lang, mit langen Pinnulis (p).
Stiel rund. Obersilur und Devon, sehr häufig im Mitteldevon der Eifel.
M. typus Bronn (Fig. 158 A, B). Unterdevon. Rheinisches
Schiefergebirge. Immer als Steinkern erhalten. Die Stielglieder mit
ihren scharf vorspringenden Ringen (A st) liefern die sog.
»Schraubensteine«.
M. hieroglyphicus Gf. Mitteldevon. Eifel, Belgien.
M. gibbosus Gf. Mitteldevon. Eifel.
[Illustration: Fig. 158. A Melocrinus typus Bronn. Unterdevon. Coblenz.
Die Arme oben abgeschnitten gezeichnet. st = Stiel; b = Basis; r₁-r₃ =
Radialia; ir = Interradialia; d = Distichalia; ib = Interbrachialraum;
p = pinnulae. B Basis von M. gibbosus Gf. von unten gesehen.
Mitteldevon. Eifel. c = Centralcanal; n = Nähte der Basalia.]
Fam. Rhodocrinidae (Fig. 159 A, B).
Dorsalkapsel mit dicyclischer Basis. Der I. Radialkranz enthält
5 Radialia (r) und 5 Interradialia (ir₁), welch’ letztere direct
auf den Parabasalien aufruhen. Der Analinterradius kaum durch ein
hervorstechendes Merkmal ausgezeichnet. Silur -- Subcarbon.
Der typischen Gattung Rhodocrinus steht eine im Eifeler Devon häufige
Form nahe:
Rhipidocrinus Beyr. (Fig. 159 A, B). Die Basis des breiten, niedrigen,
unten etwas eingedrückten Kelches besteht aus 5, zu einer fünfseitigen
Platte vereinigten Infrabasalien (if) und 5 trapezförmigen Parabasalien
(pb). Die fünfseitigen I. Radialia (r₁) keilen sich zwischen die
letzteren ein, werden aber durch die grossen siebenseitigen I.
Interradialia (ir₁) von einander getrennt. Die anale Interradialtafel
(air₁) ist achtseitig. Eine grössere Anzahl von Rad., Brachial. und
Interradial. vorhanden. Die Platten der Dorsalkapsel mehr oder weniger
deutlich skulptirt. Ventralkapsel nur schwach gewölbt, aus zahlreichen
kleinen, glatten Täfelchen zusammengesetzt. Die 10 Arme mit zahlreichen
Nebenästen. Stiel (B) rund; entweder alle Glieder gleich, oder
abwechselnd dicker und geknotet (g) und dünner und ungeknotet (g₁).
Centralcanal fünflappig (A c). Mitteldevon. Eifel.
Einzige Art: Rhip. crenatus Gf. sp. (Fig. 159 A, B).
[Illustration: Fig. 159. Rhipidocrinus crenatus Gf. sp. Mitteldevon.
Eifel. A Ansicht des Kelches von unten; c = Centralcanal; if =
Infrabasalia, scheinbar zu einem Stücke verschmolzen; pb = Parabasalia;
r₁ = I. Radialia und ir₁ = I. Interradialia, zusammen den ersten
Radialkranz bildend; air₁ = das anale Interradiale, durch welches die
Symmetrieebene (↕) geht. B ein Stück des Stieles, aus abwechselnd
breiteren, geknoteten (g) und schmäleren, ungeknoteten Gliedern (g’)
zusammengesetzt.]
Fam. Hexacrinidae (Fig. 160 A-D).
Die monocyclische Basis besteht aus 2 oder 3 (Fig. 160 D b) Tafeln.
I. Radialkranz aus 5 gleichen Rad. (r) und 1 Analtafel (a₁)
zusammengesetzt, durch welche die Hinterseite der Dorsalkapsel leicht
kenntlich wird. Nur im Devon und in der Steinkohlenformation.
[Illustration: Fig. 160. Hexacrinus. Mitteldevon. Eifel. A, B H.
exsculptus Gf. sp. A Kelch mit Stiel. B Ansicht der Ventralkapsel. C H.
spinosus Müll. Ein Stielstück. D zerlegte Dorsalkapsel. a = After; a₁ =
I. Analtafel; b = Basalia; r = Radialia.]
Hexacrinus Aust. (Fig. 160 A-D). Der meist verzierte Kelch zeigt
ausgesprochene zweiseitige Symmetrie durch die grosse Analtafel,
welche sich in den ersten Radialkranz einschiebt (a₁). Basis aus 3
gleichen Platten bestehend (b). Das zweite Rad. als kleine, dreieckige
Tafel über dem ersten (r). Erste Analtafel schmäler als die Rad.
Ueber derselben bis zum excentrischen After (a) noch 2 oder 3 weitere
Analtafeln. Ventralkapsel flach, aus wenigen grösseren Tafeln gebildet
(B). Die Centralplatte derselben oft mit einem starken Stachel (A).
Stiel rund. Die Glieder abwechselnd breiter (oft gedornt) und enger
(C). Ausschliesslich im Devon, besonders in Europa (Eifel) häufig.
H. anaglypticus Gf. sp. }
H. exsculptus Gf. sp. (Fig. 160 A, B). } Mitteldevon. Eifel.
H. ornatus Gf. sp. }
H. interscapularis Phill. sp. Mitteldevon. Eifel und England.
Fam. Platycrinidae (Leth. pal., t. 40, Fig. 1, 2).
Durch das Fehlen der Analtafel im I. Radialkränze erscheint der Kelch
weniger deutlich zweiseitig als bei den Hexacriniden. Allein die Basis
besteht stets aus 3 Tafeln, von welchen die eine viel schmäler ist
als die 2 anderen. Eine Anzahl Gattungen vom Silur -- Carbon, deren
wichtigste:
Platycrinus Mill. (Leth. pal. t. 40. Fig. 1, 2). Dorsalkapsel nur
aus den 3 Basalia und 5 Radialia bestehend, anscheinend regulär. Die
schmälere Basalplatte viereckig, in dem vorderen rechten Interradius
gelegen, die beiden anderen fünfeckig. Das zweite, bereits freie
Radiale ruht auf einem hufeisenförmigen, oft von einem vorspringenden
Knopfe getragenen Ausschnitte. Ventralkapsel in eine Proboscis
verlängert. Sehr häufig und in zahlreichen Arten im Subcarbon, sehr
selten im Devon. Europa und Nordamerika.
Pl. granulatus Mill. }
Pl. laevis Mill. }
Pl. ornatus McCoy. } Grossbritannien und Belgien (Kohlenkalk).
Pl. tuberculatus Mill. }
Pl. trigintadactylus Aust. }
Fam. Calyptocrinidae (Fig. 161 A-E).
Die Ventralkapsel überragt die Arme oder befindet sich in gleicher Höhe
mit denselben. Je 2 Arme zwischen leistenartigen, radialen Vorsprüngen
der Ventralkapsel gelegen. Bas. ganz, Rad. fast immer auf der
Unterseite der Dorsalkapsel gelegen. Letztere regelmässig fünfstrahlig
gebaut, abgesehen von der viertheiligen Basis. Fast ausschliesslich
silurisch. 2 Gattungen.
Eucalyptocrinus Gf. (Fig. 161 A-E). Die Unterseite der Dorsalkapsel
ist flach, die Mitte derselben meist zapfenartig in den Kelch
hinaufgezogen (B b r). 4 Bas. (b) und 5 I. Rad. (r₁) betheiligen sich
an dem Zapfen. Ueber dem ersten Radialkranze folgen noch 2 weitere,
doch fehlt r₂ oft, so dass r₃ direct auf r₁ ruht. Die sich zwischen
die Radialkränze einschiebenden grossen I. Interradialia (ir₁) meist
von gleicher Grösse, zuweilen das anale (E ir₁) tiefer eingekeilt als
die übrigen, wodurch der fünfstrahlige Bau gestört wird. Auf dem III.
Radiale stehen jederseits 2 Interdistichalia, von denen das untere
gross (A rd₁), das obere sehr niedrig (A rd₂) ist. Zwischen je 2
Distichalreihen befindet sich ein schmales, hohes Interbrachiale (id).
Etwa gleich gestaltet, aber stets durch eine Vertikalnaht getheilt
sind die 2 II. Interradialia (ir₂), welche auf ir₁ folgen. Diese II.
Interrad.-Paare bilden mit den Interbrach. zusammen auf dem Oberrande
der Dorsalkapsel 10 vorstehende Leisten, zwischen denen je ein Paar
zu den Armen führender Ambulacralfurchen (Rinnen) (D ar) sichtbar
wird. Zwischen den Leisten befinden sich die niedrigen Platten der
Distichalia (A). Die Ventralkapsel ist sehr hoch und oben abgestutzt
(A). Auf der flaschenförmigen Kapsel (der weisse innere Raum in Fig.
B) befinden sich 4 Tafelkränze. Die 10 Tafeln des I. (w₁) und IV. (w₂)
Ringes sind stark verlängert, so dass sie über die Arme hinaus reichen.
Sie bilden 10 radiale, flügelartig vorspringende, oben verdickte und
seitlich gekörnelte (k) Scheidewände, welche den Interbrach. (id) und
II. Interrad. (ir₂) unmittelbar aufruhen. Die von je 2 Scheidewänden
seitlich begrenzten Nischen dienen zur Aufnahme je eines Armpaares
(br). Die Arme sind getheilt, bestehen aus zahlreichen niedrigen
Gliedern und legen sich fest an die Nischenwände an. Die Decke der
Ventralkapsel (A d, C) wird von den oberen Flächen der 10 Nischenwände
(C z) und von 4 (oder 2, 3, 5, 6) Deckplatten (C p) gebildet, welch’
letztere die centrale Afteröffnung (a) umschliessen. Stiel rund,
Centralcanal fünflappig (D c, E c). Häufig im Obersilur, selten im
Devon.
[Illustration: Fig. 161. A-E Eucalyptocrinus rosaceus Gf. Mitteldevon.
Eifel. A Ansicht eines vollständigen Kelches, z. Th. mit den Armen
(br), welche aus den mittleren Nischen entfernt sind; d = Decke der
Ventralkapsel. B ein von hinten und vorn aufgebrochener Kelch; b
und r = zapfenartig in die Höhe gezogene Basalia und Radialia; id =
Interbrachialia; w₁ und w₂ = die Platten des ersten und zweiten Ringes
der Ventralkapsel, welche zusammen 10 radiale Nischenwände bilden; k
= Körnelung. C Ventralseite von oben; a = centrale Afteröffnung; p =
Deckplatten, welche sie einschliessen; z = die oberen, vorspringenden
Enden der 10 Platten des IV. Ringes der Ventralkapsel. D Dorsalkapsel
von oben. In der Mitte die emporgezogene Basis (b) mit dem fünflappigen
Centralcanal (c). Auf dem Oberrand der Dorsalkapsel erheben sich
5 einfache Leisten (id Fig. A), die Interbrachialia, dazwischen 5
getheilte (ir₂), die II. Interradialia. Zwischen je einer einfachen
und einer getheilten Leiste ist ein Paar Ambulacralfurchen (ar)
sichtbar, welche in die 20 Arme verlaufen. E Dorsalkapsel von unten; c
= Centralcanal des letzten Stielgliedes; r₁ = I. Radialia, r₃ = III.
Radialia (die II. R. fehlen); ir₁ = das anale Interrad., welches sich
tiefer zwischen die Rad. einkeilt, als die übrigen Interrad.]
E. caelatus Hall. sp. }
E. crassus Hall. } Obersilur. Nordamerika.
E. minor Ang. sp. }
E. regularis His. sp. } Obersilur. Insel Gotland.
E. rosaceus Gf. (Fig. 161 A-E). Mitteldevon. Eifel (häufig).
2. Unterordnung Articulata.
Fam. Ichthyocrinidae (Fig. 162).
Basis gewöhnlich klein, dicyclisch. Dorsalkapsel der Hauptsache nach
aus zahlreichen Radialia (r₁-r₄) und ihren Verzweigungen (Distichalia
-- d I, d II) gebildet. Zwischen denselben meist zahlreiche, aber
kleinere Interrad. (ir). Anzahl der Rad. selbst in den Armen desselben
Individuums wechselnd. Rad. unter einander durch Gelenkung, seitlich
durch Ligament verbunden. In Folge der gelenkigen Verbindung der
Interr. unter einander und mit den Rad. erscheinen die Interr.-Tafeln
meist eingesenkt und gegen einander verschoben. Freie Arme (br) meist
kurz, über dem Kelche zusammengekrüllt. Die Kelchplatten meist sehr
auffallend zweiseitig symmetrisch angeordnet. Pinnulae fehlen. Silur --
Carbon.
Taxocrinus Phill. (Fig. 162). Die Arme (br) überragen den Kelch nur
wenig, da sie zum grössten Theil mit in die Dorsalkapsel eingeschlossen
sind (r, d I, d II). Die Armtafeln sind breiter als hoch, unten mit
einem zahnartigen, zuweilen durch Naht getrennten Vorsprunge behufs
Gelenkung versehen (r₂-r₄). Die Axillartafeln besitzen auch oben einen
solchen (r₄). Die Interradialtafeln nehmen rasch an Grösse ab, nur ir₁
und ir₂ von erheblicher Grösse. Der Analinterradius (air) zeichnet
sich durch eine einfache Reihe grösserer Tafeln aus. a₁ sechseckig und
viel grösser als die 4 anderen fünfseitigen Parabasalia (pb). Die 3
ungleichen, niedrigen Infrabasalia (if) meist zwischen Kelch und Stiel
versteckt. Die Zwischenräume der Arme und die Oberseite mit zahlreichen
kleinen Täfelchen (t) gepflastert, die wahrscheinlich in einer
elastischen Membran gelegen waren und deshalb immer verdrückt sind.
In dem Bau der Arme documentirt sich eine augenfällige zweiseitige
Symmetrie (s-s = Symmetrieebene) durch die verschiedene Länge der
nicht correspondirenden und die gleiche Länge (bei wechselnder
Tafelzahl!) der correspondirenden Zweige. Stielglieder (st) zahlreich,
sehr niedrig, rund. Silur, Devon, besonders häufig im Subcarbon
(Nordamerikas).
T. tuberculatus Mill. sp. Obersilur. England.
T. juglandiformis Schultze (L. p., t. 27, Fig. 7). Mitteldevon.
Eifel.
T. multibrachiatus Ly. & Cass. (Fig. 162). Subcarbon. Vereinigte
Staaten von Nordamerika.
[Illustration: Fig. 162. Taxocrinus multibrachiatus Ly. & Cass.
Subcarbon. Crawfordsville, Indiana. Oben: Kelch mit Stiel (st) und den
freien Armen (br) von vorn, etwas ergänzt. Unten: zerlegter Kelch, die
in der oberen Figur nicht sichtbare Hinterseite ausgezeichnet. air =
Analinterradius; rh = rechter hinterer, lh = linker hinterer, vr =
vorderer rechter, vl = vorderer linker, vu = vorderer unpaarer Radius;
irh = rechter hinterer, ilh = linker hinterer, irv = rechter vorderer,
ilv = linker vorderer Interradius; if = Infrabasalia; pb = Parabasalia;
r₁-r₄ = Radialia; d I, d II= Distichalia erster und zweiter Ordnung; br
= Brachialia; a₁-a₅ = Analtafeln; ir₁-ir₃ = grössere Interradialtafeln;
t = kleinere Interradialtafeln; s-s = Symmetrieebene. NB. Die
Bezeichnungen rechts und links sind zu vertauschen, wenn man, wie
gebräuchlich, den Körper von hinten anstatt von vorn (wie in dieser
Figur) betrachtet.]
[Illustration: Fig. 163. Cupressocrinus abbreviatus Gf. Mitteldevon.
Eifel. A ein Exemplar mit Stiel (st) und Armen; pb = Parabasalia; r =
Radialia; I br = erste, II br = zweite Brachialia etc. B Ansicht des
Kelches ohne die Arme von oben, um die Lage des Consolidationsapparates
zu zeigen, der aus 5 Muskeltafeln (or) besteht; o = centrale Oeffnung;
a = Afteröffnung; am = Ambulacralöffnungen; mc = axiale Canäle. C Kelch
von unten mit der fünfeckigen Infrabasalplatte und dem viertheiligen
Centralcanal. D Querschnitt eines Armgliedes; p = die eingerollten
pinnulae; ps = ventrales Perisom der Armrinne; c = Dorsalcanal.]
3. Unterordnung Inadunata.
Fam. Cupressocrinidae (Fig. 163 A-D).
Eine einzige Gattung mit den Merkmalen der Familie:
Cupressocrinus Gf. (Fig. 163 A-D). Der breite, niedrige Kelch besitzt
eine dicyclische Basis. Die Infrab. zu einer kleinen, fünfseitigen,
versteckten Scheibe verwachsen (C), die Parabas. (pb) auf der
Unterseite als 5 gewölbte Platten sichtbar. Die Seitenflächen
der Dorsalkapsel werden von 5 breiten, fünfeckigen Radialia (r)
eingenommen. Dieselben werden im Inneren des Kelches durch einen sog.
»Consolidationsapparat« (B) zusammengehalten, welcher aus 5 getheilten
und gefransten, blumenblattähnlichen, radialen »Muskelplatten« (or)
besteht, die seitlich mit einander verwachsen sind, und welche als eine
Scheibe die Leibeshöhle abschliessen. In der Mitte des Apparates bleibt
eine schwach fünfeckige Oeffnung (o), die wahrscheinlich noch von
Plättchen bedeckt war. Eine ovale Oeffnung zwischen den beiden hinteren
Muskelplatten ist der After (a). Als Ambulacralöffnungen werden die 5
runden, in der Mitte je einer Muskelplatte gelegenen Löcher gedeutet
(am), während auf der Oberfläche der Radial. ein axialer Canal (mc)
austritt, der sich als Dorsalcanal (D c) in die Armglieder fortsetzt.
Die Arme sind einfach, einzeilig und bauen sich aus relativ niedrigen,
breiten, sehr massiven Armgliedern (br) auf, welche mit einer tiefen
Rinne auf der Ventralseite versehen sind (D). Die Rinne wird durch
ein ventrales Perisom (D ps) getheilt. Die mehrgliedrigen Pinnulae
(p) sind nach innen eingerollt. Die Arme bilden auf dem Kelche eine
festgeschlossene Pyramide. Der Stiel wird von einem centralen und 4
peripherischen Canälen durchzogen (C). Mehrere Arten im Mitteldevon der
Eifel.
C. abbreviatus Gf. (Fig. 163 A-D), crassus Gf., elongatus Gf.
Fam. Cyathocrinidae (Fig. 164 A-E).
Basis dicyclisch, Kelch meist kugelig. In dem Radialkranze meist eine
sechste hintere interradiale Tafel, wodurch die Dorsalkapsel zweiseitig
symmetrisch erscheint. Die Ventralseite besitzt hinten eine getäfelte
Aussackung, die nicht von der kaum entwickelten Ventralkapsel bedeckt
wird. Arme ohne Pinnulae. Radialia mit hufeisenförmigem Ausschnitt (C
r). Diese gattungsreiche Familie ist vom Silur -- Carbon verbreitet.
Die wichtigste Gattung ist:
Cyathocrinus Mill. (Fig. 164 A-E). Dorsalkapsel niedrig, becherförmig
oder fast kugelig, zweiseitig symmetrisch durch Einschiebung einer
dem hinteren Parabas. (B pb) aufruhenden ersten Interradialtafel
(Analtafel, a₁) in den Radialkranz. Infrabas. 5, Parabas. 5, davon
das hintere oben abgestutzt. Von den 5 Rad. sind die entsprechenden
symmetrisch gestaltet (C r). Arme lang, mehrfach getheilt. Pinnulae
fehlen, aber die Ambulacralfurchen mit Reihen beweglicher Platten
bedeckt. Eine geschlossene Dorsalkapsel fehlt. Die Oberseite
des Kelches wird von einer Anzahl Platten bedeckt (D), unter
denen die centrale Deckplatte (p) und die abwechselnd gestellten
Ambulacraltäfelchen (at), welche die Ambulacralfurchen (af) bedecken,
sich herausheben. Nach Entfernung der Deckplatten (E) sieht man den
Kelch von 5 interradialen sog. »Oralplatten« (op) überwölbt, die ein
fünfeckiges Loch (o) zwischen sich lassen. Die Ambulacralfurchen
(af) liegen zu Tage und im Analinterradius zeigt sich eine weite,
zwischen der Analplatte des Kelches (a₁) und der analen Oralplatte
(a₂) gelegene Oeffnung, aus welcher die Leibeshöhle sich in den hinten
gelegenen Ventralsack (B p) ausstülpt. Letzterer wird aus zahlreichen
durchbohrten oder geschlitzten Platten gebildet und erhebt sich bis
zur halben Höhe der Arme. Stiel rund (st), seine Glieder abwechselnd
schmäler und breiter. Vom Untersilur bis ins Subcarbon; in letzteres
fällt die Maximalentwickelung. Zahlreiche Arten.
C. longimanus Ang. (Fig. 164 B). } Obersilur. Insel Gotland.
C. ramosus Ang. (Fig. 164 A). }
C. geometricus Gf. (= Poteriocrinus). Mitteldevon. Eifel.
C. Jowensis Ow. & Shum. (Fig. 164 D, E). Subcarbon. Nordamerika.
[Illustration: Fig. 164. A-E Cyathocrinus. A C. ramosus Ang. Obersilur.
Gotland. Ueber der Analtafel (a₁) ist zwischen den hinteren Armen der
Ventralsack sichtbar. B C. longimanus Ang. Ebendaher. Hinterseite
des Kelches mit grösstentheils abgelösten Armen, um den Ventralsack
(p) zu zeigen. C zerlegter Kelch eines Cyathocriniden (Barycrinus
bullatus Hall. sp.); NB. br₁ und br₂ sind zu vertauschen! D, E C.
Jowensis Ow. & Shum. Subcarbon. Jowa. Kelch ohne den Ventralsack von
oben. D mit erhaltenen Deckplatten. E ohne dieselben. st = Stiel;
if = Infrabasalia; pb = Parabasalia; r = Radialia; br = Brachialia;
a = Analtafel; p = Ventralsack; af = Ambulacralfurchen; at =
Ambulacraltäfelchen; p = centrale Deckplatte; o = centrale Oeffnung; op
= Oralplatten; a₂ = anale Oralplatte.]
Fam. Poteriocrinidae (L. p., t. 40, Fig. 11).
Die zahlreichen zu dieser Familie gehörigen Gattungen zeigen im
Wesentlichen denselben Bau wie Cyathocrinus. Meist finden sich aber
im Radialkranze 3 interradiale Platten statt einer, und die Form des
Kelches ist mehr kreisel- oder scheibenförmig. Ferner sind die Rad.
oben abgestutzt statt ausgeschnitten. Die Arme tragen Pinnulae. Die
unteren Armtafeln sind durch Muskeln und Ligament verbunden. Diese
Familie ist hauptsächlich im Carbon verbreitet, findet sich aber auch
im Silur und Devon. Die Hauptgattung ist:
Poteriocrinus Mill. mit mehreren Untergattungen und vielen Arten.
Selten im Devon, sehr häufig im Carbon.
P. (Parisocrinus) curtus Müll. Mitteldevon. Eifel.
P. (Scaphiocrinus) multiplex Trtschd. (L. p., t. 40, Fig. 11).
Carbon. Moskau.
P. crassus Mill. Subcarbon. Grossbritannien, Belgien.
2. Ordnung Neocrinoidea.
Der Kelch der Neocrinoidea oder Crinoidea der Neuzeit besteht nur
aus einer festen Dorsalkapsel, eine eigentliche Ventralkapsel fehlt
fast ganz, die Kelchdecke enthält meist nur 5 sog. interradiale
Oralplatten. Spricht sich in dem Bau des Kelches der Palaeocrinoidea
eine zweiseitige Symmetrie aus -- durch die Ausbildung des
Analinterradius, durch die oft nicht nach der Fünfzahl angeordneten
Tafeln der Basis oder durch die ungleiche Entwickelung der Arme --
so zeigen die Neocrinoidea durch das fast vollständige Fehlen von
interradialen Tafeln und die gleichartige Entwickelung der Arme einen
weit regelmässigeren fünfstrahligen Bau, so dass man sie auch wohl als
Regularia den älteren Irregularia gegenüber gestellt hat. Die Arme sind
in der Regel sehr stark entwickelt, und das erste Armglied gelenkt
immer mit dem Radiale, was bei den Palaeocrinoidea selten der Fall ist.
In den Radialien und Armgliedern verlaufen stets sog. Axillarcanäle.
Von der Trias bis zur Gegenwart.
Fam. Encrinidae (Fig. 165 A-J).
Hierher gehören nur triadische Formen. Die bekannteste Gattung ist:
Encrinus Mill. (Fig. 165 A-J). Kelch niedrig, schüsselförmig, regulär
fünfseitig, aus 5 kleinen, versteckten Infrabas. (if), die einen
fünfstrahligen Stern bilden, 5 grösseren Parabasalia (pb) und 5
grossen, halb seitlich gestellten Radial. (r) aufgebaut. Ueber dem
ersten Radiale (r) folgen noch 2 weitere, einfache Tafeln (br I und
br II), die man als erste und zweite Brachialia oder als zweites und
drittes Radiale bezeichnen kann. Darüber beginnt die Armtheilung. 10
anfangs einzeilige, weiter oben zweizeilige Arme bilden mit dem relativ
kleinen Kelche zusammen die Krone, welche im geschlossenen Zustande die
Pinnulae (F p) ganz verhüllt. Die ersten Radialtafeln (r) sind dick,
oben abgestutzt und mit den zweiten Radialien (br I) durch Gelenkung
verbunden. Von oben betrachtet (C) zeigen die ersten Rad. schräge,
glatte Gelenkflächen, die je von einer tiefen Querfurche (f) und einer
mehr nach innen gelegenen Querleiste (l) der Breite nach durchzogen
sind. Nach innen zu schliessen sich an jede Tafel 2 rauhe, lippenartige
Fortsätze an, welche als Anheftungsstelle für Muskeln dienten
(Muskelplatten, m). Ausserdem findet sich noch eine Gelenkverbindung
zwischen dem dritten Rad. (br II) und den ersten paarigen eigentlichen
Armgliedern, sowie zwischen allen Armgliedern mit Ausnahme des
ersten und zweiten. Die Gelenkvorrichtung ist im Wesentlichen eine
Wiederholung der bei dem ersten Rad. besprochenen. Alle Kelchtafeln
sind durch Nähte (ohne Muskeln) mit einander verbunden. Die Armglieder
(F agl) sind stets breiter als hoch; von jedem zweigt sich eine lange,
gegliederte Pinnula (F p) ab. Ausser den weiten Ambulacralcanälen (G
a), welche auf der Ventralseite der Radial- und Armglieder verlaufen,
werden die Kelche und Armtafeln noch von einem System feinerer, sog.
Dorsalcanäle durchzogen, welche bei den Neocrinoidea regelmässig, bei
den Palaeocrinoidea selten vorhanden sind. Bei Encrinus (E) beginnen 5
offen liegende Canäle an der Grenze von Infrab. (if) und Parabas. (pb);
sie theilen sich in der Mitte jedes Parabas. dichotom (c₂), indem die
beiden Aeste in verschiedene Radialtafeln sich fortsetzen, so dass
jedes Rad. von 2 getrennten, convergirenden Canälen durchzogen wird.
Vor ihrem Austritte aus dem Rad. (C c₂) vereinigen sie sich seitlich
mit einem Ringcanale (rc). In den beiden folgenden Rad. (br I, br II)
divergiren sie (G c₂) und verzweigen sich zu je 2 Theilcanälen, die
sich kreuzen (c₃) und in die Armglieder fortsetzen.
[Illustration: Fig. 165. A-J Encrinus liliiformis Lmk. Oberer
Muschelkalk. A Kelch mit Stiel (st) und geschlossenen Armen. B
Wurzel mit dem Stielansatze. C Kelch von oben gesehen, so dass die
Gelenkflächen der Radialia mit ihrer äusseren Querfurche (f), der
Querleiste (l) und den rauhen Muskelplatten (m) sichtbar werden;
c₂ = die beiden Dorsalcanäle. D Kelch von unten. E Verlauf der
Dorsalcanäle in den Kelchtafeln. Die Grenzen der Tafeln sind durch
feine volle, die freiliegenden Canäle durch starke volle und die in
den Tafeln laufenden Canäle durch punktirte Linien angedeutet. c =
Centralcanal; c₂ = Gabelung des Interradialcanals; c₃ = Kreuzungspunkt
der Canäle im dritten Radialgliede (br II); rc = Ringcanal. F
Armende mit den pinnulae (p); agl = Armglieder. G obere Nahtfläche
des zweiten Radialgliedes (br I); a = Ambulacralcanal; c₂ = die
paarigen Dorsalcanäle. H, J zwei Stielglieder mit radialen Strahlen
und Centralcanal (c); if = Infrabasalia; pb = Parabasalia; r = erste
Radialia; br I = zweite Radialia (= erste Brachialia); br II = dritte
Radialia (= zweite Brachialia).]
Der lange Stiel (st) haftete mit einer lappigen Wurzel (B) auf
Muschelschalen etc. Die Stielglieder (Trochiten) sind rund, radial
gestreift oder gerippt (H, J) und mit rundem Centralcanal versehen (H
c). In der Nähe der Krone ordnen sie sich rosenkranzförmig (A st). Die
unteren Schichten des oberen Muschelkalks (Trochitenkalk) bestehen zum
grossen Theil aus den isolirten Stielgliedern von Encrinus.
Die Gattung findet sich in mehreren Arten in der Trias, hauptsächlich
im Muschelkalke Deutschlands, des östlichen Frankreichs, der Schweiz
und Polens.
Die weitaus häufigste Art ist: E. liliiformis Lmk. (Fig. 165 A-J).
Selten in der oberen Abtheilung des unteren, sehr häufig in der
unteren Abtheilung des oberen Muschelkalks (Trochitenkalk).
E. (Dadocrinus) gracilis v. B. Unterer Muschelkalk. Deutschland,
Südalpen (Vicentin). Oberer Muschelkalk (untere Abtheilung).
Schlesien, Polen.
Ausserdem noch 7 oder 8 verwandte Arten aus dem Muschelkalke bekannt.
[Illustration: Fig. 166. A-B Marsupites ornatus Mill. Unteres Senon.
England. A ein Kelch mit dem unteren Theile der Arme. B Schema des
Kelches; cd = Centrodorsale; ib = Infrabasalia; pb = Parabasalia; r =
Radialia; br I, br II = erste und zweite Brachialia (oder zweite und
dritte Radialia); agl = Armglieder.]
Wenn Encrinus wegen des Fehlens einer Ventralkapsel und wegen seines
regulären Baues nicht mit Unrecht zu den Neocrinoidea gestellt wird,
so deuten andere Charaktere, wie namentlich die dicyclische Basis, und
die Zweizeiligkeit der Arme -- die bei keinem anderen Vertreter der
Neocrinoidea sich wiederholen -- auf eine Verwandtschaft mit gewissen
Poteriocrinidae hin, weshalb die Gattung auch wohl von manchen Autoren
den Inadunata angeschlossen wird. Eine ähnliche Mittelstellung nimmt
auch die Gattung:
Marsupites Mant. (Fig. 166 A, B) aus der Kreide ein. Der stiellose
Kelch ist äusserst regelmässig gebaut (B), indem er sich aus einer
undurchbohrten Stiel- oder Centrodorsalplatte (c), 5 Infrabas. (if),
5 Parabas. (pb) und 5 Radial. mit hufeisenförmig ausgeschnittener
Gelenkfläche (r) zusammensetzt. Die dicyclische Basis und die
Ausschnitte der Radial. erinnern an die Cyathocrinidae. Auch sind
die Kelchtafeln dünn und mit Ausnahme der Radialia nicht von Canälen
durchzogen -- ein fremdartiger Charakter unter den Neocrinoidea. Bei
guter Erhaltung zeigen die Kelchtafeln eine feine, radiale Sculptur;
nach Ablösung der obersten Schicht wird eine ähnliche, gröbere
sichtbar. Die mehrfach verzweigten Arme relativ klein, einzeilig. Nur
in der oberen Kreide (Senon) in Nordeuropa und Indien.
M. ornatus Mill. (Fig. 166 A-B). Leitfossil für eine Zone des
unteren Senons in England, Nordfrankreich und Norddeutschland
(Marsupitenkreide).
Fam. Eugeniacrinidae (Fig. 167 A-C).
Die wenigen Gattungen dieser auf Jura und Kreide beschränkten Familie
zeichnen sich durch den Mangel einer Basis aus: der Kelch besteht nur
aus Radialien. Wichtig ist nur die Gattung:
[Illustration: Fig. 167. A-C Eugeniacrinus caryophyllatus Gf. Unterer
Malm (Oxford). Schwaben. A restaurirter Kelch mit Stiel und Wurzel,
aber ohne die Arme. B der erste Radialkranz von der Seite; c = Canal.
C der erste Radialkranz von oben. rr = radiale, irr = interradiale
Furchen; r₁ = erstes, r₂ = zweites, r₃ = drittes Radiale; br =
Ansatzstelle für die Arme.]
Eugeniacrinus Mill. (Fig. 167 A-C). Die kleinen, kurzgestielten
Kelche bestehen aus 5, fest mit einander verbundenen Radialstücken
(r₁), die zusammen die Form einer Gewürznelke besitzen (B), direct
auf dem obersten Stielgliede aufruhen und die Basis ersetzen. Der
Oberrand jeder Radialtafel besitzt einen tiefen Gelenkausschnitt, der
jederseits von vorspringenden Ecken begrenzt wird. Eine Querleiste
theilt die Gelenkfläche. Von dem Mittelpunkte der Innenseite des
Kelches strahlen 10 Furchen aus (C), von denen 5 mit Körnchen umrandete
(irr) interradial, 5 andere, einfache (rr) in der Mitte der Radial.
verlaufen. Das zweite Radiale (r₂) ist niedrig, ragt nicht über die
vorspringenden Ecken der ersten hervor und ist seitlich von denselben
eingeschlossen. Das dritte Radiale (r₃) mancher Arten ist sehr gross,
in der Mitte (an der Insertionsstelle der Arme -- br) eingeschnürt und
der obere Theil nach innen eingebogen. Die 10 kurzen, eingerollten Arme
entspringen zu je zweien an den seitlichen Einschnürungen des dritten
Radiale. Stiel aus wenigen, hohen Gliedern bestehend, kreisrund, unten
in eine Wurzel sich verbreiternd (A). Stiel und Kelchglieder findet
man stets getrennt, nur die 5 fest vereinigten ersten Radialia immer
zusammen. Häufig im Jura, namentlich im Malm, selten in der Kreide.
E. nutans Gf. } Unterer Malm (Oxford).
} Frankreich, Schweiz,
E. caryophyllatus Gf. (Fig. 167 A-E). } Süddeutschland.
Fam. Apiocrinidae (Fig. 168 A-D).
Kelch gross, aus dem verbreiterten obersten Stielgliede (Centrodorsale
cd), 5 gleich grossen Basalien (b) und mehreren Kränzen von Radialien
(r), zuweilen auch Brachialien (br) zusammengesetzt. Hin und wieder
Interradialia (i) entwickelt. Stielglieder mit einfachen radialen
Streifen (D). Stielanhänge (Cirren) fehlen. Im Jura und in der unteren
Kreide. Von den 4 Gattungen ist die wichtigste:
[Illustration: Fig. 168. A-D Apiocrinus. A A. magnificus d’Orb. Ob.
Malm. La Rochelle, Charente infér. Mit Stiel (st) und Armen. cd
= Centrodorsale; b = Basalia; r₁-r₃ = erste bis dritte Radialia;
br₁-br₂ = erste und zweite Brachialia; p = pinnulae. B Verlauf der
Canäle in den Kelchtafeln. c₂ = Theilungsstelle der offenen Canäle
der Basalia; rc = Ringcanal. C A. Parkinsoni Schl. Oberer Dogger.
Normandie. Längsschnitt des oberen Stielendes. cd = Centrodorsale; h =
ringförmige Hohlräume zwischen den einzelnen Gliedern. D Fläche eines
Stielgliedes von A. polycyphus Mer. mit radialen Streifen und dem
weiten Centralcanal (c).]
Apiocrinus Mill. (Fig. 168 A-D). An der Zusammensetzung des
birnförmigen oder kugeligen Kelches nehmen die stark verbreiterte
Centrodorsalplatte (cd), 5 fünfeckige Basalia (b) und 3 × 5 Radialia
(r), meist auch einige kleine Interradialia (i) Theil. Ueber dem 3.
Rad. (r₃) beginnen die meist mehrfach getheilten Arme (br), deren erste
3 Glieder viel breiter als die folgenden sind. Die Centrodorsalplatte
besitzt 5 erhabene, radiale Kanten (C cd), die den Nähten der Basalia
entsprechen. Die ersten Radialia (r₁) berühren sich stets mit ihren
Seitenflächen, während die zweite und dritte fast regelmässig durch
eine geringere oder grössere Anzahl von Interradialien (i) von einander
getrennt werden. Am zweiten Armgliede (br₂) beginnen die Pinnulae (p).
Der Verlauf des Canalsystems in den Kelchplatten (B) ist ähnlich wie
bei Encrinus, jedoch mit dem Unterschiede, dass das dritte Radiale
nur von 2 (statt 4) und jedes Armglied nur von 1 (statt 2) Canälen
durchzogen wird (vergl. Fig. 165 E).
Der Stiel besteht aus kreisrunden, niedrigen Stielgliedern (st) mit
weitem, rundem Centralcanale (D c) und zahlreichen radialen Streifen
auf den Gelenkflächen (D). Gegen den Kelch zu verbreitern sich die
Glieder meist beträchtlich (C) und lassen ringförmige, im Querschnitt
keilförmige Hohlräume (C h) zwischen sich. Der Stiel ohne Ranken.
Wurzel stark und reich verzweigt. Nur aus Dogger und Malm bekannt,
vielleicht noch in der unteren Kreide vorhanden. Die Stielglieder sind
häufig. Kelche seltener und meist von den Armen getrennt.
A. Parkinsoni Schl. sp. (Fig. 168 C). } Oberer Dogger (Bathonien).
A. elegans Df. sp. } England, Normandie.
A. polycyphus Des. sp. (Fig. 168 D). Oberes Oxford. } Frankreich,
A. Roissyanus d’Orb. Kimmeridge. } Schweiz.
A. magnificus d’Orb. (Fig. 168 A). Kimmeridge. Westl. Frankreich.
Fam. Bourgueticrinidae (Fig. 169 A-C).
Die jüngeren Verwandten der Apriocriniden. Kelch relativ klein, seine
Höhlung eng. Stielglieder nicht mit radialen Streifen, sondern mit
einer queren Gelenkleiste (B l) versehen. Interradialia fehlen ganz.
Wurzel nicht massiv, sondern fein verästelt. Arme 5 oder 10, nicht
verzweigt. Von den 4 Gattungen dieser Familie sind 2 auf die Kreide
beschränkt, Conocrinus (= Rhizocrinus) kommt tertiär und lebend (80-955
Faden), Bathycrinus nur lebend (ca. 1850 Faden) vor.
Bourgueticrinus d’Orb. (Fig. 169 A-C). Das oberste Stielglied, wie bei
Apiocrinus zu einem Centrodorsale (cd) verdickt. 5 Basalia (b) und 1
oder mehrere Radialkränze (r) vorhanden. Arme einfach; ihre Glieder
höher als breit. Die obersten Stielglieder (st I, st II) sind rund, die
unteren kantig (C), weil die ovalen Gelenkflächen eines jeden Gliedes
(B) mit ihrer längeren Achse senkrecht zu einander gestellt sind
(C). Die Gelenkfläche nicht gestrahlt, sondern in der Richtung ihrer
längeren Achse mit einem Querriff versehen (B l), welches in der Mitte
vom Centralcanal (c) durchbohrt wird. Stiel mit Ranken. Obere Kreide,
vielleicht auch Tertiär.
B. ellipticus Mill. (Fig. 169 A-C). Senon. England, Frankreich,
Norddeutschland.
[Illustration: Fig. 169. A-C Bourgueticrinus ellipticus Mill. Senon.
England. A Kelch mit den obersten runden Stielgliedern (st I, st II).
cd = Centrodorsale; b = Basalia; r = Radialia. B Gelenkfläche eines
unteren Stielgliedes mit dem Querriff (l) und dem Centralcanal (c). C
mehrere Glieder vom untern Theil des Stieles.]
Fam. Pentacrinidae (Fig. 170 A-N).
Stiel und Arme sehr entwickelt, letztere vielfach verzweigt; Kelch
klein, aus 5 Basalia, 5 Radialia bestehend; darüber noch 2 (selten
mehr) Kränze freier, einfacher 2. und 3. Radial. (oder Brachialia --
B br I, br II). Stiel fünfeckig oder rund. Auf den Gelenkflächen der
Glieder eine fünfblätterige Zeichnung. Stielranken in regelmässigen
Wirteln. Wurzel fehlt. Von der Trias an. Mehrere lebende Formen.
Hauptentwickelung zur Jurazeit und in der Gegenwart (24 Arten).
[Illustration: Fig. 170. A-N Pentacrinus. A P. Briareus Mill. Oberer
Lias (ε). Schwaben. r = Stielranken. B P. sp. Oberer Malm. Schwaben.
Kelch mit den obersten Stielgliedern. b = Basalia; r = erste Radialia;
br I, br II = zweite und dritte Radialia (oder erste und zweite
Brachialia). C-N Stielglieder. a = Ansatzstelle der Ranken; c =
Centralcanal; bl = Blätter der Gelenkfläche. C-E P. tuberculatus
Mill. Unterer Lias (α). C Stielstück von der Seite. t = Körner.
D Gelenkfläche. E Querschnitt eines Gliedes. F, G P. dubius Gf.
Unterer Muschelkalk. Recoaro, Vicentiner Alpen. F zwei Stielglieder
von der Seite. G Gelenkfläche. H P. basaltiformis Mill. Mittlerer
Lias. Schwaben. l = Querleisten. I-L P. subangularis Mill. Oberer
Lias (ε). Schwaben. I einige abwechselnd grössere (g) und kleinere
(g’) Stielglieder vereinigt. K Vertikalschnitt durch ein schmäleres
Hauptglied (I = g’ in Fig. I) und die zwei Bündel versteckter
Nebenglieder (II und III), von welchen jedes aus vier kleinsten
Gliedern (c), zwei breiteren (III) und einem mittleren grössten
(II) besteht. L Gelenkfläche eines schmäleren Hauptgliedes (g’ in
Fig. I) mit einem aufgelagerten kleinsten Nebengliede, welches als
fünfstrahliger Stern (c) den Centralcanal umgiebt. M, N P. Bronni.
Oberes Senon. Rügen. M Stielstück von der Seite. N Gelenkfläche von
oben.]
Pentacrinus Mill. (Fig. 170 A-N). Charakter der Familie. Die
Stielglieder an der fünfblätterigen Zeichnung, die Kronen an der
starken Armentwickelung und der reichlichen Verzweigung leicht
kenntlich. Gut erhaltene Kronen werden nur in bestimmten Schichten
und an wenigen Localitäten in grösserer Menge angetroffen, z. B.
im unteren Lias von England, im oberen Lias (Posidonienschiefer)
Süddeutschlands, in den tiefsten Lagen des oberen Doggers im östlichen
Frankreich und in Deutsch-Lothringen etc., während Stielglieder,
einzeln oder zu mehreren mit einander verbunden, fast überall in
Trias, Jura, Kreide und Tertiär häufig sind. Wegen ihrer Häufigkeit
und Formenmannigfaltigkeit gelten sie als gute Leitfossilien. Meist
sind sie fünfeckig, mit scharfen oder gerundeten Kanten (A-H, M, N);
ihre Gelenkflächen mit 5 blattförmigen Vertiefungen, deren Ränder
gekerbt (bl), die mehr (E) oder weniger (G) ausgehöhlten Seitenflächen
in gewissen Abständen mit den wirteligen Insertionsstellen für die
Ranken (a), ausserdem oft mit Körnern (C t) oder Querleisten (H l)
bedeckt. An den Wirteln sind stets 2 Stielglieder fest (durch Syzygium)
verbunden. Bei der Gruppe des liasischen P. subangularis (I-L) bemerkt
man schon äusserlich abwechselnd grössere volle (g) und schmälere,
von der Peripherie aus fünffach eingeschnittene (g’) Hauptglieder. Im
Vertikalschliff zeigt sich, dass jedes äusserlich sichtbare schmälere
Hauptglied (K I) von den benachbarten grösseren durch je ein Bündel
innerer, von aussen nicht sichtbarer, schmälerer Glieder (II und
III) getrennt wird. Jedes Zwischenbündel besteht aus einem grössten,
medianen Nebengliede (II), 2 mittleren, etwa halb so hohen (III) und 4
kleinsten (c), welche kleine, glatte Sterne um den Centralcanal bilden
(L c). Die wichtigsten Arten sind folgende (st bedeutet, dass nur
Stielglieder bekannt sind):
P. dubius Gf. (Fig. 170 F, G). Alpiner und ausseralpiner
Muschelkalk. (st)
P. tuberculatus Mill. (Fig. 170 C-E). Unterer Lias (α). Oberster
Arietenkalk. Ueberall in Centraleuropa.
P. Briareus Mill. Unterer Lias (β). England.
P. scalaris Gf. Unterer Lias (β). Süddeutschland. (st)
P. basaltiformis Mill. (Fig. 170 H). Mittlerer Lias. Centraleuropa.
(st)
P. subangularis Mill. (Fig. 170 I-L). Mittlerer und oberer Lias.
England, Schwaben etc.
P. Nicoleti Des. Oberer Dogger. Frankreich, Schweiz,
SW.-Deutschland. (st)
P. Dargnesi Terq. Oberer Dogger. Frankreich.
P. cingulatus Mnst. Unterer und oberer Malm. Mitteleuropa.
P. neocomiensis Des. Neocom. Frankreich, Schweiz. (st)
P. Bronni Hag. (Fig. 170 M, N). Senon. Nordeuropa. (st)
P. didactylus d’Orb. Eocän. Südeuropa. (st)
Die Hauptentwickelung der Gattung Pentacrinus fällt in die Jurazeit
und zwar in den Lias. Aber auch im Dogger und Malm zeigt sich kaum
eine Abnahme. Die Kreide liefert nur noch relativ wenige Formen und im
jüngeren Tertiär scheint die Gattung auszusterben. Es sind aber bis
jetzt bereits 9 Arten im atlantischen und pacifischen Ocean (80-1300
Faden) gefunden worden.
Fam. Comatulidae (Fig. 171 A-D).
Nur in der Jugend vermittelst eines Stieles festgewachsen, im Alter
frei. Im ausgewachsenen Zustande besteht der Kelch aus einem dicken,
knopfförmigen, mit Wirtelranken besetzten Centrodorsale (A k), 5 von
aussen oft nicht sichtbaren Basalia und 5 ersten Radialia, die zuweilen
ebenfalls mit dem Centrodorsale verschmelzen. Bis zu den Armen folgen
noch 2 Radialkränze (r₂ und r₃). Die Arme einfach oder getheilt, aus
keilförmigen, wechselzeiligen Gliedern bestehend (A). Kelchdecke
(D) ohne Kalktafeln. Eine lebende Gattung (Thaumatocrinus) mit ganz
unregelmässigem Kelche. Diese jüngste Familie (vom Jura an bekannt) ist
in den heutigen Meeren durch etwa 400 Arten vertreten, die sich auf
wenige Gattungen vertheilen. Die weitaus formenreichste Gattung ist:
Antedon Frém. (= Comatula Link.) (Fig. 171 A-D). Centrodorsale mit
zahlreichen Wirtelranken besetzt, deren Anheftstellen als tiefe Gruben
(A k, C) sichtbar bleiben. Basalia als kleine dreieckige Stücke (C
ir) sichtbar (Untergattung Solanocrinus) oder zwischen Centrodorsale
und den ersten Radialia (r₁) versteckt. Zuweilen auch letztere nicht
vom Centrodorsale zu trennen (A k). Das zweite Radiale (r₂) niedrig
rechteckig, in die tiefen Gelenkgruben des ersten (B) sich einfügend.
Zweite Radialia fünfeckig, je 2 (oder 4 oder mehr) Arme tragend. Vom
Malm an bekannt, nur gelegentlich häufig, aber meist ohne Arme und ohne
die 2 obersten Radialia anzutreffen. Zahlreiche lebende Arten, meist in
geringer Meerestiefe.
A. (Solanocrinus) costatus Gf. (Fig. 171 B, C). Oberer Malm
(Kimmeridge). Süddeutschland.
A. Jutieri d. Lor. (Fig. 171 A). Gleiches Niveau. Französischer Jura.
A. Retzii Lundgr. sp. Oberes Senon. Köpinge, Südschweden.
A. rosaceus Linck. (Fig. 171 D). Recent. Küsten des Mittelmeeres und
des atlantischen Oceans.
[Illustration: Fig. 171. A-D Antedon. A A. Jutieri de Lor. Oberster
Malm. Dép. du Doubs. Kelch mit Armen. k = Knopf (Centrodorsale,
Basalia und erste Radialia verschmolzen); r₂, r₃ = zweites und drittes
Radiale; p = Pinnulae. B, C/i> A. (Solanocrinus) costatus Gf. Oberster
Malm. Nattheim, Schwaben. B Kelch mit den 10 Radialfurchen und den
Gelenkflächen der ersten Radialia. C Kelch von der Seite. Centrodorsale
mit den Rankengruben. ir = der von aussen sichtbare Theil der Basalia;
r₁ = erstes Radiale. D Kelchdecke von A. rosaceus Linck. Mittelmeer. o
= Mund; a = After. Vom Munde aus verlaufen 5 offene, sich verzweigende
Ambulacralfurchen zu den Armen (br).]
Geologische Verbreitung der Crinoidea.
Die Eintheilung der Crinoiden in eine ältere Gruppe der Palaeocrinoidea
und in eine jüngere der Neocrinoidea darf nur als der Ausdruck
unserer lückenhaften Kenntniss dieser Klasse betrachtet werden. Eine
durchaus scharfe Grenze lässt sich zwischen beiden nicht ziehen,
wenn man auch in den meisten Fällen über die Zugehörigkeit einer
Gattung nicht im Zweifel bleibt. Es kann weder das Vorhandensein
einer festen Ventralkapsel noch der irreguläre Bau der Dorsalkapsel
als ein allen Palaeocrinoidea gemeinsames Merkmal gelten, denn manche
Inadunata scheinen weder das Eine noch das Andere zu besitzen, und
ein unregelmässiger Bau findet sich auch bei den Apiocrinidae und bei
der Gattung Thaumatocrinus wieder, welche Interradialia besitzen.
Bei den jüngeren Inadunata (Poteriocrinidae) macht sich die Tendenz
geltend, durch Ausmerzung der Interradialia reguläre Dorsalkapseln zu
bilden und durch Resorption der Ventraltäfelung eine Annäherung an die
Neocrinoidea anzubahnen. Andererseits treffen wir unter den letzteren
Formen an, die wegen der Zweireihigkeit der Armglieder (Encrinus),
durch die dicyclische Basis (Encrinus, Marsupites) oder wegen der
dünnen, nicht von Canälen durchzogenen Basaltafeln (Marsupites) mit
gleichem Rechte der einen wie der anderen Abtheilung angeschlossen
werden könnten. Wenn wir aus diesen und anderen aprioristischen Gründen
einen genetischen Zusammenhang zwischen den älteren und jüngeren
Formen annehmen müssen, so bedürfte es doch einer viel umfassenderen
Kenntniss des jung-paläozoischen und alt-mesozoischen Materials und vor
Allem einer genaueren Bekanntschaft mit der ventralen Kelchbedeckung
derselben, um mit Sicherheit den Ursprung der Neocrinoidea aus den
Palaeocrinoidea verfolgen zu können.
Palaeocrinoidea. Alle paläozoischen Schichten mit Ausnahme des
Cambriums und des Perms sind reich an Crinoiden, wenn auch umfangreiche
Faunen immer nur an bestimmte Localitäten gebunden erscheinen. Am
üppigsten entwickelt zeigen sich die Palaeocrinoidea zur Zeit des
Obersilurs und des Subcarbons, sowohl in Nordeuropa als in Nordamerika.
In zweiter Linie folgen das nordamerikanische Untersilur, das
rheinisch-belgische Devon und das russische Carbon.
Neocrinoidea. Diese Abtheilung ist in der Trias nur durch 2 Gattungen
vertreten, im Jura, wohin die Maximalentwickelung fällt, begegnen wir
zahlreichen Vertretern der Pentacriniden, Apiocriniden etc., die bisher
fast alle nur aus Europa bekannt geworden sind. Relativ formenarm
scheinen die Kreide und das Tertiär zu sein, was vielleicht mit dem
Umstande zusammenhängt, dass wir an Crinoiden reiche Ablagerungen
dieser Formationen noch nicht kennen. Heutzutage blühen nur noch die
Familien der Pentacriniden und Comatuliden.
Geologische Verbreitung der wichtigsten
Crinoiden-Gattungen.
+---------------+-----+-----+------+------+-----+----+------+-------+------+
| |Silur|Devon|Sub- |Carbon|Trias|Jura|Kreide|Tertiär|Lebend|
| | | |Carbon| | | | | | |
+===============+=====+=====+======+======+=====+====+======+=======+======+
|Actinocrinus | | | † | | | | | | |
|(Batocrinus) | | | | | | | | | |
|Melocrinus | † | † | | | | | | | |
|Rhipidocrinus | | † | | | | | | | |
|Hexacrinus | | † | | | | | | | |
|Platycrinus | | † | † | † | | | | | |
|Eucalyptocrinus| † | † | | | | | | | |
|Taxocrinus | † | † | † | † | | | | | |
|Cupressocrinus | | † | | | | | | | |
|Cyathocrinus | † | † | † | | | | | | |
|Poteriocrinus | | † | † | † | | | | | |
|Encrinus | | | | | † | | | | |
|Marsupites | | | | | | | † | | |
|Eugeniacrinus | | | | | | † | † | | |
|Apiocrinus | | | | | | † | ? | | |
|Bourgueticrinus| | | | | | | † | ? | |
|Pentacrinus | | | | | † | † | † | † | † |
|Antedon | | | | | | † | † | † | † |
+---------------+-----+-----+------+------+-----+----+------+-------+------+
6. Klasse: Cystoidea.
Litteratur über Cystoidea.
Barrande, J. Syst. silur. du centre de la Bohème. Vol. VIII Cystidées,
publié par W. Waagen. Prag. 1887. Litteraturverzeichniss bis 1887.
Unter dem Namen Cystoidea fasst man die Mehrzahl derjenigen fossilen
Echinodermen zusammen, welche sich nicht ohne Weiteres in eine der 4
Klassen der Echinoidea, Ophiuroidea, Asteroidea, Crinoidea einreihen
lassen, obgleich manche eine bemerkenswerthe Verwandtschaft mit
denselben aufweisen. Der Name »Beutelstrahler« bezeichnet die meist
beutelförmige Gestalt dieser Fossilien.
Der Körper (oder Kelch) der Cystoidea besitzt meist eine kugelige oder
eiförmige, seltener knospenförmige oder platte Gestalt und verlängert
sich gewöhnlich nach unten in einen gegliederten Stiel von geringer
Länge. Die Kalktafeln, welche den Kelch aufbauen, können sehr zahlreich
sein, in welchem Falle sie meist ohne Ordnung zusammengefügt erscheinen
(Fig. 172 A), oder ihre Zahl ist beschränkt, wie bei den Crinoidea,
und sie ordnen sich zu regelmässig alternirenden Kränzen (Fig. 179).
Wenn freie Anhänge (Arme) vorhanden sind, so zeichnen sie sich stets
durch grosse Einfachheit und geringe Länge aus (Fig. 178). An dem dem
Stiele, resp. der Anheftungsstelle des Kelches gegenüber liegenden
Pole zeigt sich fast immer eine centrale Oeffnung, der Mund (Fig. 172
A o). Von demselben strahlen häufig offene oder mit Plättchen belegte
Ambulacralfurchen aus, welche als Radien aufzufassen sind (Fig.
173 A af). Eine zweite, excentrisch gelegene, gewöhnlich mit einer
Klappenpyramide geschlossene Oeffnung (Fig. 172 A a) wird als After
gedeutet. Zuweilen gesellt sich noch eine dritte, kleine, seitliche
Oeffnung hinzu, welche vielleicht zum Austritt der Geschlechtsproducte
diente und Ovarialöffnung heisst (Fig. 172 A g). Die Kelchtafeln
sind selten dicht, vielmehr meist von feinen Poren durchbohrt.
Letztere stehen entweder zu zweien dicht neben einander gruppirt --
»Doppelporen« (Fig. 173 B) -- oder zu sog. »Porenrauten« vereinigt
(Fig. 172 D p). Mit diesem Namen bezeichnet man eine Gruppe von Poren,
die zu der Umrissfigur einer Raute sich vereinigen und auf zwei
benachbarte Kelchtafeln in symmetrischer Stellung sich vertheilen. Eine
Tafelnaht (c) läuft somit in der Richtung einer Diagonale des Rhombus
(p). Je zwei symmetrisch zu der Naht gestellte Poren werden durch einen
feinen Canal verbunden, der aber ebensowenig wie die Poren selbst eine
direkte Verbindung des Kelchraumes mit der Aussenwelt bildet, vielmehr
nur dem Wasser Durchtritt gestattet. Diese Porenapparate dienten
wahrscheinlich zur Respiration; sie werden als Hydrospiren bezeichnet.
[Illustration: Fig. 172. A-D Echinosphaerites aurantium His. sp.
Untersilur (Echinosphäritenkalk). Pulkowa bei Petersburg. A der
Körper von der Seite mit der vorgezogenen Anheftungsstelle (b), der
auf einer halsartigen Verlängerung (h) befindlichen Mundöffnung (o),
der durch eine Klappenpyramide geschlossenen Afteröffnung (a) und der
Ovarialöffnung (g). B Mund von oben mit getäfelten Ambulacralfurchen
(am). C Afterpyramide. D einige Kelchtafeln mit den Porenrauten (p),
deren Verbindungscanäle über die Tafelnähte (c) übergreifen.]
Die Cystoidea sind eine sehr alte Klasse der Stachelhäuter, deren
Maximalentwickelung bereits in die ältere Silurzeit fällt, und die mit
dem Ende der paläozoischen Periode verschwinden. Ihre mannigfaltigen
Beziehungen zu den genannten vier jetzt lebenden Klassen lässt folgende
provisorische Classification derselben am passendsten erscheinen:
A. Keine scharfe Grenze zwischen Ober- und Unterseite des
Kelches vorhanden. Keine deutlichen freien Arme, dagegen meist
Ambulacralfurchen oder -felder entwickelt (Fig. 173-176).
a. Platten entweder zahlreich und unregelmässig oder wenig zahlreich
und nach Art der Kelchplatten der Crinoiden in abwechselnde Kränze
geordnet (Fig. 173, 174) 1. Eucystoidea.
b. Ein Theil der Kelchplatten in meridionale Reihen geordnet (Fig.
175, 176) 2. Cystechinoidea.
B. Ober- und Unterseite des Kelches verschieden gestaltet. Häufig freie
Arme nach Art der Crinoiden entwickelt (Fig. 177-180).
a. Kelch platt, mit 5 auf einer Scheibe festgewachsenen Armen
(Fig. 177) 3. Cystasteroidea.
b. Kelch becherförmig. Freie Arme an der Grenze der Ober- und
Unterseite (Fig. 178-180) 4. Cystocrinoidea.
1. Gruppe Eucystoidea.
Von den etwa 20, zum Theil noch sehr unvollständig bekannten Gattungen
dürften folgende zur Illustration der Gruppe ausreichen.
[Illustration: Fig. 173. A-C Glyptosphaerites Leuchtenbergi Volb.
Untersilur. St. Petersburg. A Körper etwas von der Seite und von
oben gesehen. o = Mund; a = After; af = Ambulacralfurchen; f =
Facetten derselben; g = ? Ovarialöffnung; rh = rhombische Platte. B,
C vergrösserte Tafeln, um die Form und Stellung der Doppelporen zu
zeigen. NB. Die Vergrösserungszahlen von B und C sind zu vertauschen.]
Glyptosphaerites J. Müll. (Fig. 173 A-C). Der kugelige Körper haftet
an einem hohlen, gegliederten Stiel. Die Kelchtafeln sind sehr
zahlreich, meist sechs- oder siebeneckig und werden von zahlreichen
kleinen Doppelporen durchbohrt, die auf einer ovalen Erhöhung münden
(B). In der Mitte der Oberseite befindet sich der von 5 ungleichen
Klappen geschlossene Mund (o). An demselben entspringen 5 gebogene
Ambulacralfurchen, die sich über den halben Umfang der Schale ausdehnen
(af), wobei sie sich mehrere Male verzweigen und hie und da mit kleinen
Facetten (f) versehen sind. Von dem Munde entfernt liegt eine grosse
(ursprünglich wohl mit Klappenpyramide verschlossene) Afteröffnung
(a), dicht daneben eine kleinere, als Ovarialöffnung zu deutende (g).
Zwischen letzterer und dem Munde hebt sich eine drei- oder fünfeckige
poröse Platte (rh) heraus, die vielleicht die Functionen einer
Madreporenplatte versah. Im baltischen und schwedischen Untersilur,
auch als Diluvialgeschiebe in Norddeutschland.
Gl. Leuchtenbergi Volb. (Fig. 173 A-C).
Echinosphaerites Wahlb. (Fig. 174 A-D). Kugelförmig wie die vorige
Gattung. An der Basis mit einer kurzen, stielartigen Verlängerung (b),
die aus mehreren undurchbohrten Platten besteht. Die sechseckigen
Kelchplatten sind mit zahlreichen Porenrauten bedeckt (D p), derart,
dass die Tafelnähte (c) in die längere Diagonale der Raute fallen
und die Mitte der Tafeln frei bleibt. Die Porenrauten treten erst
durch Verwitterung (oder Anätzen oder Benetzung) deutlich hervor.
Die Mitte der Oberseite ist halsartig verlängert (A h). In der Mitte
des Auswuchses liegt die Mundöffnung (o), die bei guter Erhaltung
durch kleine Plättchen verdeckt wird. 2, 3 oder 4 Ambulacralfurchen,
ebenfalls durch Täfelchen bedeckt, strahlen vom Munde aus (B am) und
endigen in ganz schwach entwickelten Armen. In einiger Entfernung
vom Munde findet sich die durch eine Klappenpyramide geschlossene
Afteröffnung (A a, C); die Pyramide besteht aus 4-10 dreieckigen,
undurchbohrten Platten. Dem Munde mehr genähert, aber seitlich gelegen,
tritt eine kleine Oeffnung (A g) auf, die als Ovarialloch gedeutet
wird. Der Kelch zeigt eine ausgeprägt späthige Structur, oft wird
auch der innere Hohlraum von Calcitkrystallen in regelmässig radialer
Stellung ausgefüllt (sog. »Krystalläpfel«). Sehr häufig im baltischen
(und böhmischen) Untersilur, besonders in der oberen Abtheilung des
Vaginatenkalkes, des sog. Echinosphäritenkalkes.
[Illustration: Fig. 174. A-D Echinosphaerites aurantium His. sp.
Untersilur (Echinosphäritenkalk). Pulkowa bei St. Petersburg. A
Kelch von der Seite. b = stielartige Basis; a = Afterpyramide; g
= Ovarialöffnung; h = halsartige Verlängerung, an deren Ende die
Mundöffnung (o) steht. B die halsartige Verlängerung von oben gesehen
mit dreitheiliger, von kleinen Plättchen bedeckter Ambulacralfurche
(am), an deren Enden sich unvollständige Arme befinden. C
Klappenpyramide des Afters. D einige Kelchtafeln mit den Porenrauten
(p). c = Nähte der Tafeln.]
E. aurantium His. sp. (Fig. 174 A-D). Häufig in den Ostseeprovinzen
und Schweden. Als Diluvialgeschiebe in Norddeutschland weit verbreitet.
Im Obersilur findet sich nicht selten eine abweichend gestaltete
Gruppe von Eucystoideen, welche durch einen längeren Stiel, sowie
durch 2, 4 oder 5 breite, bis über die Kelchmitte hinabreichende
Ambulacralfelder ausgezeichnet ist. Der Kelch besteht aus einer
geringen Anzahl zu regelmässigen Kränzen angeordneter Tafeln, von
denen nur einige wenige mit Porenrauten versehen sind. Ein sehr
bekannter Repräsentant ist:
Lepadocrinus Hall. (= Pseudocrinus) (Leth. pal., t. 11, Fig. 7).
Obersilur. England und Nordamerika.
L. quadrifasciatus Pearce sp. Obersilur. England.
2. Gruppe Cystechinoidea.
Einige Gattungen zeigen enge Beziehungen zu den Seeigeln, z. B.:
Cystocidaris Zitt. (Fig. 175 A-C). Die Platten des eiförmigen,
ungestielten Körpers sind z. Th. in meridionalen Reihen (C) oder Radien
angeordnet, nach Art der Ambulacraltafeln der Seeigel. Die Platten der
4 randlichen Reihen des Ambulacrums sind von Doppelporen durchbrochen,
die der zwei mittleren dicht (C). Die Anordnung und Gestalt der
schuppenförmigen Interambulacraltafeln ist eine unregelmässige; sie
sind mit stacheltragenden Warzen besetzt. Durch die excentrische und
einem Ambulacrum genäherte Lage der Afteröffnung (B a) und durch die
ebenfalls excentrische Lage einer (vielleicht als Madreporenplatte
zu deutenden) Stelle (m) ist ein wesentlicher Unterschied von den
Palechinoidea gegeben, während die Lage des Mundes (o) und das
Vorhandensein eines Kiefergebisses für die Zurechnung zu den Seeigeln
spricht. Im Obersilur von England.
C. pomum Wyv. Th. sp. (Fig. 175 A-C). Obersilur (Lower Ludlow).
England.
[Illustration: Fig. 175. A-C Cystocidaris pomum Wyv. Th. sp. Obersilur.
Leintwardine. England. Restaurirt. A von der Seite. o = Mund mit
Kiefergebiss; m = ? Madreporenplatte. B von oben. a = After, hart an
einem Ambulacrum gelegen. C ambulacrale Plattenreihen, 2 mediane und
je 2 peripherische, und die benachbarten Interambulacralplatten mit
Stacheln.]
Eine andere Cystideen-Form
Mesites Hoffm. (Fig. 176 A-C) zeigt ebenfalls eine deutliche
Differenzirung in Ambulacral- (r) und Interambulacralfelder.
Die ersteren reichen aber nicht bis zur Mitte der Unterseite,
wo der Körper angeheftet war (s). Unter den Reihen paariger
Ambulacralplatten (C t) verläuft ein Canal (c) (Ambulacralcanal), der
nach innen ebenfalls von den Kelchtafeln abgeschlossen wird (C). Die
Interambulacralplatten sind mit Doppelporen versehen. Eine Afteröffnung
(B a) liegt interambulacral, aber dem einen Radius näher als dem
anderen. Der fünfeckige Umriss sowie der innere Plattenverschluss
der Ambulacralfurchen lässt diese Form als einen Verwandten der
Asteroidea erscheinen, während der Verschluss der Furchen durch äussere
Platten als ein Seeigelmerkmal gelten muss. Somit stellt Mesites eine
Sammelform zwischen den beiden Klassen dar, die man mit demselben
Rechte auch zu den Cystasteroidea stellen könnte. Im baltischen
Untersilur.
M. Pusireffskii Hoffm. (Fig. 176 A-C).
[Illustration: Fig. 176. A-C Mesites Pusireffskii Hoffm. Untersilur.
Russland. A von der Seite und unten gesehen. s = Anheftungsstelle; r =
Radien (Ambulacra). B von oben. a = Afterpyramide. C Querschnitt durch
ein Ambulacrum. c = Ambulacralcanal; t = Ambulacralplatten.]
[Illustration: Fig. 177. Agelacrinus Cincinnatensis F. Rö. Untersilur.
Cincinnati, Ohio. o = Mund, von 4 kleinen Tafeln verschlossen; a =
Afterpyramide; s = Saumplatten.]
3. Gruppe Cystasteroidea.
Zu dieser Gruppe kann man solche Cystideen zusammenfassen, die eine
gewisse Annäherung an die Seesterne und Schlangensterne zeigen. Ausser
der eben besprochenen Gattung Mesites möge
Agelacrinus Vanux. (Fig. 177) hier erwähnt werden. Der Körper gleicht
einem auf eine Platte aufgewachsenen See- oder Schlangensterne.
Die Platte haftet auf einem anderen Körper (z. B. einer
Brachiopoden-Schale) und wird aus zahlreichen, ohne Regel geordneten,
schuppenförmigen Platten gebildet, die am Rande kleiner werden (s
-- Saumplatten). In der Mitte der Oberseite befindet sich der von
4 kleinen Platten geschlossene Mund (o). Von demselben strahlen 5
erhabene, gebogene Arme aus. Zwei derselben biegen sich in dem durch
die grosse Analpyramide (a) bezeichneten Interradius gegen einander.
Die Arme bestehen meist aus 2 Reihen abwechselnd gestellter Platten.
Diese Form lässt sich als ein mit der Oberseite aufgewachsener Seestern
auffassen, dessen Cystideen-Charakter in dem Vorhandensein einer durch
Klappen geschlossenen Afteröffnung ausgeprägt ist. Im Silur häufig,
seltener im Devon und Carbon.
Ag. Cincinnatensis F. Rö. (Fig. 177). Untersilur (Cincinnati Gr.).
Nordamerika.
Ag. Rhenanus F. Rö. Rheinisches Unterdevon.
Ag. Kaskaskiensis Hall. Steinkohlenformation. Nordamerika.
7 Arten im böhmischen Untersilur.
4. Gruppe Cystocrinoidea.
Die hierher gestellten Formen schliessen sich z. Th. an die
Eucystoidea, z. Th. durch das Vorhandensein freier Arme an die
Palaeocrinoidea an.
Echinoencrinus (Fig. 178 A-D). An der Unterseite des eckig-eiförmigen
Kelches haftet ein kurzer, dicker Stiel (B s). Die zierliche Berippung
des Kelches erschwert die Erkennung der einzelnen Kelchtafeln, da die
Rippen oder Streifen ohne Unterbrechung über die Nähte fortlaufen.
Der Kelch besteht aus 19 Tafeln (D), von denen einige mit Porenrauten
versehen. Der Basalkranz setzt sich aus 4 Tafeln zusammen (D c).
Drei davon sind zugespitzt, die vierte (hintere) abgestutzt. Die 3
folgenden Kränze (I-III) bestehen aus je 5 Platten. Zwischen dem
ersten und zweiten Kranze liegt die Afteröffnung (a) seitlich rechts
hinten. Drei Hydrospiren (h, h’, h’’) entwickelt, deren jede auf 2
angrenzenden Tafeln liegt. Zwei (h und h’) liegen vorn symmetrisch
zu der Symmetrieebene der Basis; die dritte liegt ausserhalb der
Symmetrieebene rechts hinten, oberhalb des Afters auf je einer Tafel
des zweiten und dritten Kranzes. Die strahlige Scheitelöffnung (Mund --
C o) wird von kurzen, einzeiligen Armen umgeben (A).
[Illustration: Fig. 178. A-D Echinoencrinus. A E. granatum Volb.
Untersilur. St. Petersburg. Mit erhaltenen Armen. a = Afteröffnung. B,
C E. angulosus Pand. sp. Ebendaher. B von vorn. s = Stiel; h u. h’ =
die zwei vorderen Hydrospiren. C von oben. o = Mundöffnung; h’’ = die
dritte Hydrospire. D zerlegter Kelch. c = Basalkranz; I = erster Kranz
mit dem Hydrospirenpaar h und h’; II = zweiter Kranz, zwischen dem
ersten und zweiten liegt die Afteröffnung (a); III = dritter Kranz mit
der dritten unpaarigen Hydrospire (h’’).]
Der Kelchbau zeigt grosse Aehnlichkeit mit manchen Eucystoideen
(Lepadocrinus -- p. 180), während die frei entwickelten, einzeiligen
Arme mehr auf die Crinoideen hinweisen. Im baltischen Untersilur nicht
selten.
E. granatum Volb. (Fig. 178 A). }
} Umgegend von Petersburg.
E. angulosus Pand. sp. (Fig. 178 B, C). }
Caryocrinus Say (Fig. 179 A-C). Der Kelch ist gestielt (s) und trägt
eine wechselnde Anzahl von freien Armen (br). Es lässt sich eine
Dorsal- und Ventralkapsel nach Art der Palaeocrinoidea unterscheiden.
Die erstere besteht aus 3 alternirenden Kränzen grosser Platten. Zum
basalen Kranz (I) gehören 4 Platten, von denen je 2 gleich gross
und gleich gestaltet sind. In der Verlängerung der Naht zwischen
den beiden grösseren steht die ventrale Afteröffnung (A a). Der
zweite Kranz (II) besteht aus 6 grossen, etwas ungleichen Platten,
die mit denen des ersten und dritten alterniren. Der dritte Kranz
(III) setzt sich ebenfalls aus 6, etwas niedrigeren Tafeln zusammen.
Ueber demselben entspringt eine nicht constante Zahl (6, 9, 13) von
dünnen, peitschenförmigen Armen. Alle Tafeln der Dorsalkapsel sind mit
Hydrospiren (C) versehen. Die flache Ventralkapsel (B) ist mit etwa 24
kleinen, polygonalen Tafeln gepflastert, die sich um eine centrale (B
c) herumgruppiren. Die grosse Afteröffnung (a) liegt nahe am Rande; sie
wird von einer sechsklappigen Pyramide verschlossen. Alle Tafeln der
Ventralkapsel sind frei von Hydrospiren oder Doppelporen.
Häufig im Obersilur (Niagara-Gruppe) Nordamerikas.
Die einzige Art: C. ornatus Say (Fig. 178 A-C).
[Illustration: Fig. 179. A-C Caryocrinus ornatus Say. Obersilur.
Lockport, New-York. A Kelch mit Stiel (s) und theilweise erhaltenen
Armen (br). I = erster, II = zweiter, III = dritter Tafelkranz der
Dorsalkapsel; p = Porenrauten; i = Insertionsstellen der Arme; a =
Afteröffnung. B Ansicht der Ventralkapsel. c = centrale Scheitelplatte;
i und a wie oben. C eine Tafel des zweiten Kranzes von innen, um die
Poren der Hydrospiren (p) und ihre Verbindungscanäle (c) auf der
Innenfläche der Tafeln zu zeigen.]
Porocrinus Bill. (Fig. 180 A-C). Nur durch den Besitz von Porenrauten
ist diese Gattung von den Palaeocrinoidea, spec. Poteriocrinus
unterschieden. Wir haben 3 Reihen von Kränzen, einen infrabasalen
(ib), einen parabasalen (pb), je aus 5 Platten bestehenden, und einen
radialen (r), in welchen 2 interradiale Platten (C ir), eine grössere
und eine kleinere, etwas tiefer gestellte (in der Figur B schwarz
gezeichnete) eingeschoben sind. Die Radialia sind ausgeschnitten
wie bei Cyathocrinus (B r). An den durch die Vereinigung von 3
Nähten gebildeten Ecken finden sich 3 kleine Ergänzungstäfelchen
eingeschoben (C p). Dieselben sind mit Porenrauten bedeckt, welche auf
die Kelchtafeln übergreifen. Arme einfach, einzeilig. Untersilur in
Nordamerika und in Russland.
P. conicus Bill. (Fig. 180 A, B). Canada.
P. radiatus Beyr. (Fig. 180 C). St. Petersburg.
[Illustration: Fig. 180. A-C Porocrinus. A, B P. conicus Bill.
Untersilur. Canada. B Hinterseite des Kelches mit den 2 interradialen
Platten (ir), welche oberhalb und rechts über dem hinteren Parabasale
(pb) gelegen sind. C P. radiatus Beyr. Untersilur. St. Petersburg. Drei
Gruppen von je 3 Porenrauten. ib = Infrabasalia; pb Parabasalia; r =
Radialia; ir = Interradialia; br = Brachialia; p = Porenrauten.]
Wie bereits hervorgehoben, findet man Cystoideen nur in paläozoischen
Schichten, und zwar vorzugsweise im Silur, während im Devon und in
der Steinkohlenformation nur noch wenig zahlreiche Gattungen und
Arten dieser Klasse auftreten. Auch aus dem Cambrium kennt man eine
Anzahl von Gattungen. Als hauptsächliche Fundpunkte sind zu nennen:
Die untersilurischen Schichten der russischen Ostseeprovinzen und
des südlichen Schwedens, wo z. B. die Gattung Echinosphaerites in
den oberen Lagern des sog. Vaginaten-Kalkes geradezu gesteinbildend
vorkommt. Auch das nordamerikanische Untersilur ist reich an
Cystideen, doch sind die Gattungen fast durchgängig von den
europäischen verschieden. Das nordeuropäische (England, Schweden) und
nordamerikanische Obersilur beherbergt noch eine erhebliche Anzahl von
Gattungen, wenn auch weniger als das Untersilur. Im Devon werden sie
seltener und in der Steinkohlenformation sterben sie aus.
Die vielfachen Beziehungen, welche zwischen manchen Cystideen
einerseits und den Echinoidea, Asteroidea und Crinoidea andererseits
vorhanden sind, haben wohl mit Recht zu der Annahme geführt, dass
die gemeinsamen Stammformen der drei letztgenannten Klassen bei den
Cystideen zu suchen sind, wenn auch nicht unter denjenigen Formen
derselben, die wir aus den paläozoischen Ablagerungen kennen, da diese
jedenfalls nicht als die ältesten Vertreter der Klasse angesehen werden
dürfen.
7. Klasse: Blastoidea.
Litteratur über Blastoidea.
Etheridge, R. jun., & P. H. Carpenter. Catalogue of the Blastoidea in
the geological department of the British Museum (Natural history) etc.
London 1886. Litteraturverzeichniss bis 1886.
Eine kleine, aberrante, ausschliesslich paläozoische Gruppe von
Echinodermen trägt den Namen Knospenstrahler oder Blastoidea, da der
Körper meist die Gestalt einer kurz gestielten Knospe besitzt (Fig. 182
C). Durch das Vorhandensein eines Stieles -- wodurch die Ventralseite
nach oben gekehrt wird -- und durch den Aufbau ihres Kelches aus
wenigen (13) grösseren Platten (Fig. 182 E) reihen sie sich an die
Crinoidea und Cystoidea an, unterscheiden sich aber hinlänglich durch
andere Merkmale von beiden, und zwar von den Crinoidea durch das Fehlen
freier Arme, von den Cystoidea durch die Beschränkung der Hydrospiren
auf die Radial- und Interradialtafeln (Fig. 181 A h) und durch die
Stellung der Hydrospirenschlitze, welche stets mit den Ambulacren
parallel verlaufen (Fig. 181 A h). Von 13 Tafeln, aus welchen sich
der Kelch unabänderlich aufbaut, entfallen 3 auf die Basis, 5 auf
einen Radialkranz und 5 auf einen Interradialkranz (Fig. 182 E b, r,
ir). Die scheinbar regelmässig fünfstrahlige Anordnung wird durch
die excentrische Lage des Afters im hinteren Interradius (Fig. 181
A a) und durch die geringere Grösse der einen Basaltafel (Fig. 181
E b) gestört, welch’ letztere stets im vorderen linken Interradius
gelegen ist (vgl. Platycrinus p. 160). In den mehr oder weniger stark
ausgeschnittenen Radialtafeln und seitlich noch von den Interradialien
begrenzt, befinden sich die 5 gleichen Ambulacralfelder (Fig. 181 ps;
Fig. 182 ps), von linearer, dreieckiger oder blattförmiger Gestalt,
welche mit seitlichen Anhängen (Pinnulae) besetzt sind (Fig. 182 C p).
Der Mund liegt central auf der Oberseite an der Vereinigungsstelle
der Ambulacren (Fig. 181 A o; Fig. 182 F c). Hydrospiren sind stets
vorhanden, aber nie an den Basaltafeln; ihre schlitzförmigen Oeffnungen
oft von aussen unsichtbar. Von den ca. 20 bis jetzt bekannten
Gattungen besitzen nur wenige eine grössere vertikale und horizontale
Verbreitung, nämlich:
Codonaster McCoy (Fig. 181 A-C). Die Seiten des kleinen Kelches werden
von den verlängerten Basalia (b) und den Radialia (st) eingenommen.
Die letzteren greifen auf die abgestutzte Oberseite nur mit einem
dreieckigen Zipfel über, in welchen das Ambulacrum (ps) einschneidet,
so dass die Oberseite fast ausschliesslich aus den sog. Deltoidtafeln
(dt) und den dieselben trennenden Ambulacren (ps) eingenommen wird.
Der hinteren Deltoidtafel fehlen die Hydrospirenschlitze und die
Mundstrahlen (k), mit welchen die übrigen 4 versehen sind; dagegen
wird sie von der grossen Afteröffnung (a) durchbohrt. 8 Hydrospiren
(h) bedecken die Oberseite. Jede derselben liegt zur Hälfte auf einer
Radial- (st), zur anderen Hälfte auf einer Deltoidtafel (dt). Die
Schlitze, wechselnd in ihrer Zahl, laufen ungefähr den Ambulacren
parallel. Die 4 paarigen Deltoidtafeln werden in radiärer Richtung von
je einem glatten, undurchbohrten Kalkkeil, dem sog. Mundstrahle (k),
durchzogen, welcher an der Nahtecke zweier Radialtafeln endigt und je
zwei benachbarte Hydrospiren theilt. Am centralen Munde (o) entspringen
die 5 gleichen Ambulacra (ps), anfangs seitlich von den Deltoidtafeln
begrenzt, gegen das Ende zu in den Einschnitten der Radialia liegend.
Jeder Strahl trennt ein Paar gleich orientirter Hydrospiren von
einander. Das Ambulacrum besteht aus einer lanzettförmigen, spitz
dreieckigen Tafel, die bis auf ein schmales, in der Mitte gefurchtes
Stück (das sog. Lanzettstück) von 2 Reihen randlicher, undurchbohrter
Seitentäfelchen verhüllt wird. Im Devon und Subcarbon, vielleicht auch
im Silur. Nordamerika und Europa.
[Illustration: Fig. 181. Codonaster trilobatus McCoy. Subcarbon.
England. A Kelch von oben. o = Mund; a = After; ps = Ambulacrum;
st = Seitentafeln (Radialia); dt = Deltoidtafeln (Interradialia),
4 derselben sind mit einem Hydrospirenpaar (h) und mit kantigen,
undurchbohrten interradialen Mundstrahlen (k) versehen. B Kelch von
unten. C von der Seite. b = Basalia.]
C. trilobatus McCoy (Fig. 181). Subcarbon. England.
Wenn Codonaster durch die freiliegenden Hydrospirenschlitze noch eine
bemerkenswerthe Verwandtschaft mit den Cystoidea aufweist, so entfernt
sich die folgende Gattung weit mehr von den Cystoideen und bildet den
eigentlichen Typus der Blastoidea:
Pentatremites Say (Fig. 182 A-K). Auf einem kurzen, gegliederten
Stiele erhebt sich der knospen- oder birnförmige Kelch, welcher aus 3
ungleichen Basalia (b), 5 gleichen Radialia (r) oder Gabelstücken und
5 kleineren, schmalen Interradial- oder Deltoidtafeln (ir) besteht.
Letztere reichen bis zu dem abgestutzten Scheitel und umgrenzen die
fünfseitige, centrale Mundöffnung (F c). Die 5 gleichen Ambulacra (ps;
F α-ε) sind breit, blattförmig; sie schneiden tief in die Radialia (E
r) ein. Die Seitenränder der Gabel- und Deltoidtafeln sind abgeschrägt
(F x) und quer gerieft. Nach Entfernung der Pinnulae (C p, D), welche
aus einer Doppelreihe kleiner alternirender Tafeln zusammengesetzt
sind (D), an den Seiten des Ambulacrums stehen und sich nach der
Mitte desselben convergirend zusammenlegen (C, F α), sieht man das
Ambulacrum von einer langen, dreieckigen Platte, dem Lanzettstück (F
l), und jederseits desselben von einer Reihe backsteinartig an einander
gestellter Seitenplatten (I pl) und noch schmälerer, durchbohrter, sog.
Porenplatten (I) eingeschlossen. Das Lanzettstück besitzt eine mediane
Furche (I f) -- ursprünglich von einer Doppelreihe kleiner Plättchen
bedeckt -- und Querstreifen (F β), erscheint verwittert aber glatt (F
γ, δ). Die Pinnulae stehen auf kleinen Erhöhungen zwischen den Poren
der Aussenseitenplatten. Durch die Tafeln des Ambulacrums werden die
Hydrospiren ganz verdeckt. Unter jedem Ambulacrum liegen im Innern des
Kelches, wie Figur K zeigt, 2 Bündel hohler Kalkfalten (K bd, F bs, H),
die am unteren Ende des Ambulacrums mit den Radialia (K r), am oberen
mit den Interradialia verbunden sind, also in ähnlicher Weise, wie
bei Codonaster, nahezu senkrecht zu der Naht zwischen beiden Tafeln
gestellt sind (F ε). Die Schlitze der Hydrospirenfalten verlaufen
parallel mit dem Ambulacrum (F ε). Die Schlitze der Hydrospiren
werden durch die Lanzetttafel, die Seiten- und Aussenseitenplättchen
und durch eine lineare, unter der Lanzetttafel gelegene sog. untere
Lanzetttafel verdeckt, sie münden deshalb in einen Canal, welcher in
radialer Richtung unter den Decktafeln bis in die Nähe des Centrums
verläuft, wo dessen Mündung in geringer Entfernung vom Munde liegt.
Die 2 benachbarten Hydrospirencanäle zweier Ambulacren münden zusammen
in einer grösseren Oeffnung, Spirakel genannt (F o), die zu 5 den Mund
umgeben. Den Boden der Spirakel bilden die schaufelförmig gerundeten
Enden der Deltoidplatten. Die Seitenplatten reichen, wie an gut
erhaltenen Stücken zu sehen ist, über die Spitze der Lanzetttafel (F sp
-- die Platten sind ausgefallen) hinaus und begrenzen die Spirakel nach
aussen. Durch eine zahnförmig vorspringende Spitze der Deltoidplatte
wird die einfache Spirakelöffnung oft getheilt (F β-γ). Die hintere
Spirakelöffnung enthält zugleich die Afteröffnung und ist deshalb meist
durch etwas grösseren Durchmesser vor den vier paarigen ausgezeichnet.
Mund und Spirakel werden zuweilen mit einer Plattenbedeckung beobachtet
(G c’, o’), die als ein Homologon der Ventralkapsel der Crinoidea zu
deuten ist, während die Hydrospiren als homolog mit den Bursae der
Ophiurae angesehen werden und wahrscheinlich die doppelte Function als
Athmungsorgane und als Leitungswege für die Geschlechtsorgane erfüllten.
[Illustration: Fig. 182. A-K Pentatremites und verwandte Formen.
A Troostocrinus Reinwardtii Troost. sp. Obersilur. Tennessee. B
Pentatremitidea Eifeliensis F. Rö. sp. Mitteldevon. Eifel. C, D, I, K
Pentatremites sulcatus F. Rö. Subcarbon. Nordamerika. E, F P. Godoni
Dfr. sp. Subcarbon. Ebendaher. G, H P. conoideus Hall. Subcarbon.
Nordamerika. A-C Kelche von der Seite. b = Basalia; r = Radialia; ir =
Interradialia (Deltoidtafeln); ps = Ambulacra; p = Pinnulae. In Fig. C
bezeichnet r den vorderen, unpaaren Radius. D eine einzelne Pinnula. E
ein zerlegter Kelch. Die mittlere Radialtafel ist die vordere unpaare.
F Kelchansicht von oben. c = Mund; o = Spirakel; α-ε Ambulacra; α =
A. mit Pinnulae; β = ohne Pinnulae, das quergestreifte Lanzettstück
sichtbar; γ = das angewitterte (glatte) Lanzettstück (e) von den
kleinen Seitentafeln begrenzt; δ = Lanzettstück (l) allein und die
abgeschrägten Seitenränder der Kelchtafeln (x) sichtbar; sp = Spitze
des Lanzettstückes; ε = Lanzettstück und Seitentafeln entfernt, so
dass die Hydrospirenfalten (bs) sichtbar werden. G Scheitel mit den
erhaltenen Deckplatten der Spirakel (o’) und des Mundes (c’). H ein
Hydrospirenpaar. I Lanzettstück mit Mittelfurche (f), Querstreifung auf
der linken Hälfte und mit den Seitenplatten (pl), zwischen denen die
Poren hervortreten; ps = Spitze des Lanzettstückes. K Horizontalschnitt
durch einen Kelch, um die Lage der Hydrospiren (bd) unter dem
Lanzettstück (l) und den Seitenplatten (pl) zu zeigen.]
Pentatremites ist auf das Subcarbon Nordamerikas beschränkt.
P. Godoni Dfr. sp. (= florealis Say) (Fig. 182 E, F).
P. sulcatus Rö. (Fig. 182 C, D, I, K).
P. pyriformis Say (Leth. pal., t. 41, Fig. 6).
P. conoideus Hall. (Fig. 182 G, H).
Pentatremitidea d’Orb. (Fig. 182 B) besitzt eine verlängerte Gestalt,
von der Seite kaum sichtbare Deltoidtafeln und schmale, lineare
Ambulacren, deren Lanzettplatten durch die Seitenplättchen gänzlich
verdeckt werden (ps). Ausschliesslich devonisch. Europa und Nordamerika.
P. Eifeliensis Rö. (Fig. 182 B). Mitteldevon. Eifel.
Troostocrinus Shum. (Fig. 182 A) zeigt die erwähnten Merkmale von
Pentatremitidea noch in erhöhtem Maassstabe, ist aber ausserdem durch
seine Spirakel unterschieden, die nicht von Seitenplättchen nach
aussen hin begrenzt werden, sondern nur Schlitze in den Deltoidtafeln
darstellen. Obersilur, vielleicht auch Carbon.
Tr. Reinwardtii Troost. sp. (Fig. 182 A). Obersilur. Nordamerika.
Die Blastoidea erscheinen zuerst im Obersilur Nordamerikas
(Troostocrinus) in spärlichen Vertretern, werden im Devon durch
Pentatremitidea und einige ausschliesslich amerikanische Gattungen
repräsentirt und zeigen zur Zeit des Subcarbons ihre stärkste
Entfaltung in 14 Gattungen, die meist in Nordamerika und England
gefunden werden. Die formenreichste derselben, Pentatremites, ist
aber auf Nordamerika beschränkt. In gewissen Schichten des Subcarbons
(Chester-Gruppe, zu welcher der Pentremites-Kalkstein, der obere
Archimedes- oder Kaskaskia-Kalkstein gerechnet werden) gehört sie zu
den häufigen Fossilien, während sonst Blastoideen überhaupt nur zu den
gelegentlichen Vorkommnissen gezählt werden können.
VI. Kreis: Molluscoidea.
Man fasst 2 anscheinend sehr differente Thiergruppen, deren nahe
Verwandtschaft aber durch ihre ähnliche Entwickelung bewiesen wird,
als Molluscoidea oder Weichthierähnliche zusammen, die Bryozoa und
Brachiopoda. Sie sind durch folgende gemeinsame Merkmale ausgezeichnet:
Der Körper ist festgeheftet (sehr selten frei) und entbehrt der
Fortbewegungsorgane. Es herrscht ein zweiseitig symmetrischer Bau. In
der Nähe des Mundes befindet sich ein bewimperter Tentakelapparat,
welcher zur Nahrungszufuhr und Athmung dient. Der Weichkörper ist
-- von ganz seltenen Fällen abgesehen -- von einem einfachen oder
zweiklappigen Gehäuse umschlossen.
Die beiden Klassen unterscheiden sich leicht, wie folgt:
Einzelthiere klein, zu Colonien (Stöcken) vereinigt. Gehäuse einfach,
dünnwandig, röhren- oder sackförmig. Tentakel klein und zahlreich
(Fig. 183 t). I. Bryozoa.
Einzelthiere gross, nie zu Colonien vereinigt. Gehäuse stets zweiklappig,
dickwandig. Tentakel (sog. Mundanhänge) zu zweien, gross (Fig. 195).
II. Brachiopoda.
1. Klasse: Bryozoa.
Litteratur über Bryozoa.
Busk, G. Monograph of the fossil Polyzoa of the Crag. Palaeontogr.
Society. 1857.
---- Report on the Polyzoa. Scient. Results of Challenger Voyage. Vol.
X (Chilostomata) 1884; vol. XVII (Cyclostomata) 1886.
Haime, J. Description des Bryozoaires de la formation jurassique. Mém.
soc. géol. France. 2ᵉ sér. t. V 1854.
Hincks, Th. History of the British marine Polyzoa. 2 vol. London 1880.
d’Orbigny, A. Paléontologie française; terr. crétac. t. V 1850-51.
Quenstedt, F. A. Petrefactenkunde Deutschlands. Bd. VI. Korallen.
Leipzig 1879.
Reuss, A. E., & A. Manzoni. Die Bryozoen des östr.-ungar. Miocäns.
Denk. d. Wiener Akad. d. W. Bd. 34, 37, 38. 1874-78.
[Illustration: Fig. 183. Eine lebende Bryozoe, Bugula avicularia Lmk.
a u. b = lebende, c = eine abgestorbene Zelle; a = mit ausgestreckten
(t), b = mit eingezogenen Tentakeln (t’); o = Mund; oe = Speiserohr;
md = Magen; d = Darm; a = After; ov = Eierzelle; zw = Zellwand; av =
Avicularien.]
Die incrustirenden, knolligen oder verästelten Colonien der Bryozoa,
oder Moosthierchen können einen beträchtlichen Durchmesser (0,3
m) erreichen, aber die Grösse der Einzelthiere schwankt stets nur
innerhalb weniger mm, so dass sie oft nur mit Hülfe der Lupe deutlich
von einander unterschieden werden können. Die Körperhaut sondert eine
hornige oder kalkige Hülle, Zelle genannt, ab, in welcher das Thier
festsitzt, aus welcher es aber seine Tentakel herausstrecken kann (Fig.
183 t). Durch die feste Verbindung der Einzelzellen erhält der Stock
seinen Zusammenhalt. Die Zelle besitzt stets eine grössere, oft mit
einem Deckel verschliessbare Oeffnung (Mündung). Die Form der Zelle ist
entweder verlängert: die Zelle gleicht einer Röhre, an deren einem Ende
die runde oder eckige Mündung von ungefähr demselben Durchmesser wie
die Zelle sich befindet (Cyclostomata -- Fig. 186 B); oder die Zelle
besitzt eine ei- oder krugförmige, auch wohl polygonale Gestalt und die
Mündung ist viel enger als der Durchmesser der Zelle, von ovalem oder
halbmondförmigem Umriss und seitlich gelegen (Chilostomata -- Fig. 191
B). Am Weichkörper des Thieres unterscheidet man den endständigen Mund
(Fig. 183 o), der von 8-80 Tentakeln (t) umstellt ist. Der Mund führt
in das Speiserohr (oe), dieses in den Magen (md). Die Entleerung des
Darmes findet durch eine in der Nähe des Mundes gelegene Afteröffnung
(a) statt. Im Grunde der Zelle befinden sich die Geschlechtsorgane
(ov). Die Weiterentwickelung der Eier geht zuweilen in besonders
umgebildeten Zellen, den sog. Ovicellen (Fig. 183 ov) vor sich, welche
oberhalb der normalen Zellen stehen. Eine zweite Art veränderter Zellen
sind die sog. Avicularien, welche als vogelschnabelähnliche Anhänge
der normalen Zellen zu Greiforganen umgestaltet sind. Eine dritte Art
veränderter Zellen, die Vibracularia, tragen peitschenförmige Borsten.
Fortpflanzung theils geschlechtlich, theils ungeschlechtlich durch
Knospung oder Keime. Die durch Knospung entstandenen Zellen einer
Colonie bleiben oft durch Canäle (sog. Sprossencanäle) mit einander
in Verbindung. Die Wände der Zellen sind zuweilen von feinen Poren
durchbrochen (Fig. 191 B). In seltenen Fällen werden die abgestorbenen
Theile der Zelle von unten herauf durch Querböden abgeschlossen,
wodurch die Skelete eine täuschende Aehnlichkeit mit denen der Tabulata
(p. 108) erhalten. Viele Tabulata (z. B. die Monticuliporiden) werden
von manchen Forschern deshalb zu den Bryozoa gestellt.
Alle Bryozoen leben im Wasser; die meisten sind Meeresbewohner und
finden sich in geringen oder mässigen, z. Th. auch in bedeutenden
Tiefen. Sie sind entweder mit einem kleinen Theile ihrer Unterseite auf
Muscheln, Steinen und dergl. festgeheftet oder überziehen als Krusten
fremde Gegenstände.
Die Ordnung der Gymnolaemata, ausgezeichnet durch das Fehlen eines
Deckels der Mundöffnung und durch die ausserhalb des Tentakelkranzes
befindliche Lage des Afters, umfasst die meisten lebenden und alle
fossilen Formen. Von den 3 Unterordnungen derselben sind 2 mit festen,
meist kalkigen Skeleten versehen und diese allein kommen für die
Paläontologie in Betracht. Es sind das folgende:
Zellen verlängert, röhrig. Zellmündung endständig, weit (Fig. 184 bis
187). Skelet fast immer kalkig 1. Cyclostomata.
Zellen eiförmig oder polygonal. Zellmündung seitenständig, viel enger
als der Querschnitt der Zelle, oval oder halbmondförmig (Fig.
188-191). Skelet hornig oder kalkig 2. Chilostomata.
1. Unterordnung Cyclostomata.
Diese formenreiche, namentlich in paläozoischen und mesozoischen
Ablagerungen dominirende (ca. 1000 Arten), aber auch in der Gegenwart
noch durch etwa 100 Arten repräsentirte Unterordnung zerfällt in
zahlreiche Familien und Gattungen, deren Unterscheidung schwierig ist.
Die Aufführung einiger Vertreter wird hier genügen.
A. Paläozoische Formen.
Fenestella Lonsd. (Fig. 184 A, B). Der trichter- oder fächerförmige,
unten festgewachsene Stock ist in zahlreiche gerade oder gebogene Aeste
zertheilt, die durch Querbälkchen (B q) seitlich mit einander verbunden
sind, so dass das Skelet einem Netze gleicht (A). Die Zellöffnungen
stehen in 2 Längsreihen auf der Innenseite der Aeste (B o); die beiden
Reihen werden durch eine Körnerreihe oder Längsleiste (k) geschieden.
Die Aussenseite des Trichters (A) sowie die Querbalken (q) tragen keine
Zellmündungen. Häufig im Paläozoicum, zuweilen kleine Riffe bildend.
F. nobilis Barr. Unterdevon (Hercyn). Böhmen.
F. infundibuliformis Gf. sp. Mitteldevon. Eifel und rheinisches
Schiefergebirge.
F. multiporata M’Coy. Subcarbon. Grossbritannien.
F. retiformis Schl. (Fig. 184 A, B). Oberes Perm (Zechstein).
Mitteldeutschland, England.
[Illustration: Fig. 184. A, B Fenestella retiformis Schl. Oberes
Perm (Zechstein). Humbleton Hill, Yorkshire. A ein trichterförmiger
Stock von der Aussenseite. B ein Stück der Innenseite mit den durch
eine Körnerreihe (k) geschiedenen Doppelreihen von Zellmündungen (o)
auf den Aesten, welch letztere durch kurze, zellfreie Querbälkchen
(q) verbunden sind. l = die zwischen den Aesten und Querbalken frei
bleibenden Maschen. C Archimedes Wortheni Hall. Subcarbon. Illinois.
Der Stock besteht aus einem Blatte (bl), welches spiral um eine
aufrechte Achse (a) gewunden ist.]
Bei der nahe verwandten Gattung Archimedes Les. (Fig. 184 C) windet
sich das Blatt schraubenförmig um eine aufrechte Achse und steht fast
senkrecht von derselben ab, verästelt sich gegen aussen wie Fenestella
und trägt auf der inneren (oberen) Seite allein Zellöffnungen. Sehr
häufig im nordamerikanischen Subcarbon. Mehrere Horizonte desselben
nach dieser Gattung benannt (Archimedes-Kalkstein).
A. Wortheni Hall. (Fig. 184 C).
Acanthocladia King (Fig. 185 A-C). Kleine, platte, baumförmig
verzweigte Stöcke (A). Die eine Seite des Stockes trägt keine
Zellmündungen (B), sondern ist nur mit Streifen bedeckt, während auf
der anderen Seite zahlreiche runde Mündungen gedrängt beisammen stehen
(C a).
Häufig im Perm (Zechstein) von Mitteldeutschland und England.
A. anceps Schl. sp. (Fig. 185 A-C). Zechstein. England, Deutschland.
[Illustration: Fig. 185. Acanthocladia anceps Schl. sp. Oberes Perm
(Zechstein). Pössneck, Thüringen. A ein Stock von der Rückseite. B
ein Stück desselben, um die Streifung zu zeigen. C ein Stück von der
Vorderseite mit den Zellmündungen (a).]
B. Mesozoische und känozoische Formen.
Defrancia Bronn (Fig. 186 A). Einfache kleine Scheiben (Fig. A) oder
durch Vereinigung solcher zusammengesetzte Stöcke von unregelmässiger
Gestalt bildend. Unterseite platt, festgeheftet, ohne Zellmündungen.
Die lang cylindrischen Zellen strahlen schwach nach oben ansteigend
vom Mittelpunkte aus und verwachsen zu radialen Rippen (r), die
durch tiefe, radiale Einschnitte getrennt werden. Die Grenzen der
Zellen erscheinen auf den Seiten der Rippen als Streifen (s). Die
Zellmündungen (a) liegen auf der Peripherie der Scheibe, seltener
auch auf der Oberseite. Die äussersten Enden der Zellen sind nicht
verwachsen. Jura-Jetztzeit, sehr häufig in der Kreide.
D. diadema Gf. sp. (Fig. 186 A). Oberste Kreide (Danien). Holland,
Nordfrankreich.
Stomatopora Bronn (Fig. 186 B). Der verzweigte, kriechende Stock ist
mit der Unterseite auf fremden Körpern festgewachsen. Alle Zellen
hängen durch ihr unteres Ende mit einander zusammen, mit ihrem oberen
sind sie frei. Zellmündungen (a) rund, von der Weite der Zelle. Vom
Silur bis in die Jetztzeit, häufig in Jura und Kreide.
St. dichotoma Lmk. sp. Oberer Dogger. England, Normandie,
Lothringen, Schweiz.
St. ramea Bl. sp. (Fig. 186 B). Häufig im Senon Nordeuropas.
[Illustration: Fig. 186. A Defrancia diadema Gf. sp. Oberste Kreide
(Danien). Mastricht, Holland. Ein Stock von der Seite. a = die
Mündungen der zu radialen Rippen (r) vereinigten Zellen; s = gestreifte
Seitenflächen der Rippen. B Stomatopora ramea Bl. sp. Oberes Senon.
Meudon bei Paris. a = Zellöffnungen des kriechenden Stockes.]
[Illustration: Fig. 187. Ceriopora irregularis Mich. sp. Oberes Turon
(Hippuritenkreide). Martigues bei Marseille. A ein unregelmässig
knolliger Stock. B einige Zellmündungen.]
Ceriopora (Fig. 187 A, B). Stöcke knollig oder baumförmig verästelt,
meist aus zahlreichen, über einander gewachsenen Schichten
cylindrischer Zellen bestehend. Die Zellmündungen weit, rund oder etwas
polygonal (B), alle gleich. Sehr häufig im Mesozoicum, auch paläozoisch
und tertiär. Die zuweilen eine ansehnliche Grösse erreichenden Stöcke
setzen in manchen Horizonten förmliche Bänke zusammen, z. B. in der
Hippuritenkreide Südfrankreichs.
C. astroides Münst. sp. Unterer Alpenkeuper (Karnische Stufe).
Südtirol.
C. spongites Gf. Cenoman. Mittel- und Nordeuropa.
C. irregularis Mich. (Fig. 187 A, B). Gesteinbildend in der
Hippuritenkreide (Turon und Senon) Südfrankreichs.
Vom Jura an bis in die Jetztzeit verbreitet ist die nahestehende
Gattung Heteropora Blv. Die Zellmündungen sind von ungleicher Grösse,
die Zellen selbst im Inneren durch Querböden (tabulae) abgetheilt und
die Zellwände von Poren durchbrochen.
H. pustulosa Mich. Oberer Dogger. Normandie, Lothringen, England.
H. tuberosa Rö. sp. Neocom. Norddeutschland, Frankreich.
2. Unterordnung Chilostomata.
Die Zellen der Chilostomata sind häufig gar nicht oder nur zum Theil
verkalkt, wodurch ihre Erhaltung im fossilen Zustande beeinträchtigt
wird. Nur bei dieser Unterordnung kommen die p. 190 als Avicularien
und Vibrakel erwähnten umgebildeten Zellen vor. Auch Ovicellen finden
sich häufig, während sie bei Cyclostomen nur sehr selten auftreten.
Die Chilostomata müssen als die jüngere Abtheilung gelten, denn ihre
ältesten Vertreter werden erst im Jura, ja vielleicht sogar erst in der
Kreide gefunden. Im Tertiär und in der Jetztwelt dominiren sie über die
Cyclostomata.
A. Zellen nicht vollständig verkalkt. Vorderwand der Zellen häutig.
[Illustration: Fig. 188. Membranipora bipunctata Schafh. Oberoligocän.
Astrupp bei Osnabrück. r = die verkalkten, vorstehenden Seitenwände; o
= Zellmündungen.]
[Illustration: Fig. 189. Lepralia coccinea Johnst. Miocän. Ungarn. a =
Zellmündungen; ov = Ovicellen av = Avicularien.]
Membranipora Blv. (Fig. 188). Der Stock überzieht rindenartig andere
Körper oder ist frei und besteht aus einer Schicht horizontal neben
einander gelagerter, polygonaler, flacher Zellen. Die Seitenwände
sind verkalkt und stehen auf der Vorderseite mit einem Rande vor (r),
während die häutigen, an fossilen Stücken oft ganz verschwundenen
Vorderwände eingedrückt erscheinen. Die Zellmündung (o) liegt am oberen
Ende der Vorderwand und besitzt einen annähernd halbmondförmigen
Umriss. Ovicellen und Avicularien vorhanden oder fehlend. In
zahlreichen Arten von der unteren Kreide bis in die Gegenwart.
M. irregularis Hag. Obere Kreide. Frankreich, Norddeutschland,
Böhmen etc.
M. bipunctata Schafh. (Fig. 188). Eocän, Oligocän und Miocän.
Mitteleuropa.
M. membranacea Blv. Lebend. Europäische Meere.
B. Zellen vollständig verkalkt.
Lepralia John. (Fig. 189). Der Stock wächst incrustirend oder frei
in blätterigen Ausbreitungen. Eine, oder zwei mit der Rückseite
verwachsene Zelllagen vorhanden. Zellen ganz kalkig, eiförmig, mit
hufeisenförmiger Mündung (a). Ovicellen (ov) und Avicularien (av)
häufig vorhanden. Kreide, tertiär und lebend. Häufig im Tertiär und in
den heutigen Meeren.
L. fenestra Rss. Obereocän. Nord- und Südseite der Alpen.
L. coccinea Johnst. (Fig. 189). Jungtertiär und lebend häufig.
Lunulites Lmk. (Fig. 190 A, B). Freie, seltener festgewachsene,
oben gewölbte, unten flache oder concave, kreisrunde Stöcke, die
nur aus einer Schicht radial angeordneter, gerundet quadratischer
Zellen bestehen. Die grossen Zellmündungen (z) liegen alle auf der
Oberseite. Abwechselnd mit den normalen Zellen stehen kleine, ovale
Vibracularzellen (C v). Unterseite mit radialen Furchen (B). Kreide,
Tertiär und lebend.
L. cretacea d’Orb. (Fig. 190 A, B). Senon. Frankreich,
Norddeutschland.
L. radiata Lmk. Eocän. Pariser Becken.
L. tetragona Rss. (Fig. 190 C). Oligocän. Vicentin.
[Illustration: Fig. 190. A, B Lunulites cretacea d’Orb. Oberes Senon.
Meudon b. Paris. A ein Stock von oben. B Querschnitt desselben. C
L. tetragona Rss. Eocän. Vicentin. Ein Theil der Oberfläche mit den
Oeffnungen der normalen Zellen (z) und den kleineren Vibracularzellen
(v).]
[Illustration: Fig. 191. A, B Cellepora proteiformis Rss. Obereocän.
Vicentin. A ein Stock. B vergrösserte Oberfläche desselben, die
krugförmigen Zellen mit ihren doppelten Mündungen (a = Zellmündungen,
av = Mündungen der Avicularzellen) zeigend.]
Cellepora Fabr. (Fig. 191 A, B). Stock knollig oder ästig, ein
unregelmässiges Agglomerat krugförmiger Zellen bildend. Meist zeigt
jede Zelle 2 verschieden grosse Oeffnungen, deren eine von der normalen
Zelle (a), deren andere, kleinere (av), von einer Avicularzelle
herrührt. Zellwände oft durch Eindrücke verziert (B). Sehr häufig im
Tertiär; auch lebend.
C. proteiformis Rss. (Fig. 191). Obereocän. Vicentin.
C. conglomerata Gf. Oligocän, Miocän. Europa.
C. ramulosa Lin. Neogen und lebend. Nordeuropa.
Obgleich fossile Bryozoen fast in allen Formationen zu den häufigeren
Erscheinungen gehören, so ist doch die Systematik zur Zeit noch wenig
ausgearbeitet. Bezüglich der vertikalen Verbreitung lässt sich nur
anführen, dass die Cyclostomata offenbar die ältere, im paläozoischen
und mesozoischen Zeitalter herrschende Unterordnung, die Chilostomata
die jüngere Abtheilung ist, welche sich erst zur Kreidezeit formenreich
entwickelt und im Tertiär und in der heutigen Fauna über die ältere
Abtheilung überwiegt. Einige, zur paläozoischen Periode herrschende
Typen, wie Fenestella, Acanthocladia etc., sind als ausgestorben zu
betrachten.
Die Bryozoen der Vorzeit lebten, wie ihre heutigen Nachkommen, meist
gesellig; die zierlichen, kalkigen Stöcke finden sich in gewissen
Schichten in so grossen Mengen angehäuft, dass man nach Analogie
der Korallenriffe von Bryozoenriffen sprechen kann. Doch setzen sie
selten ein Gestein ausschliesslich, sondern meist unter gleichzeitiger
Betheiligung anorganischen Sedimentes und anderer Thierreste zusammen.
Derartige massenhafte Anhäufungen von Bryozoenstöcken finden sich z. B.
im:
Unter- und Obersilur. Nordeuropa, Nordamerika.
Subcarbon. Nordamerika.
Perm (Zechstein). Norddeutschland. England.
Mittleren Dogger (Sowerbyi-Schichten). Lothringen.
Oberen Dogger. Normandie, Lothringen.
Neocom. Norddeutschland, Schweizer Jura, Oestl. Frankreich.
Urgo-Aptien. Nordalpen, Schweizer Jura.
Cenoman. Frankreich, Norddeutschland.
Oberen Turon, Senon und Danien. Frankreich, England, Norddeutschland.
Obereocän und Unteroligocän. Nord- und Südrand der Alpen.
Mittel- und Oberoligocän. Norddeutschland.
Miocän. Süddeutschland, Oesterreich-Ungarn, Westfrankreich, Italien.
Pliocän. Italien, England.
2. Klasse: Brachiopoda.
Litteratur über Brachiopoda.
Barrande, J. Système Silurien du Centre de la Bohême. Vol. V Brachiopodes 1879.
Davidson, Th. Monograph of British fossil Brachiopoda Vol. I-VI. (Palaeontographical
Society 1850-1886). Bd. VI enthält ein vollständiges Litteraturverzeichniss
bis 1886.
Davidson-Suess. Classification der Brachiopoden. (Denkschr. d. Wiener Akad.
d. Wissensch. 1856.)
Hall, J. Palaeontology of New York. Vol. IV 1867.
Kayser, E. Die Brachiopoden des Mittel- und Oberdevon der Eifel. (Zeitschr. d.
deutsch. geol. Ges. Bd. 23, p. 491 ff. 1871.)
Paléontologie française. Terr. crétac. Vol. IV Brachiopodes par A. d’Orbigny
1848. Terr. jurass. Vol. IV Brachiopodes par E. Deslongchamps 1862 (noch nicht
vollendet).
Pictet et de Loriol. Matériaux pour la paléontologie Suisse. Fossiles de Ste. Croix.
Vol. V Brachiopodes 1872.
Quenstedt, F. A. Petrefactenkunde Deutschlands. Bd. II. Die Brachiopoden. Leipzig
1871.
Schnur, J. Die Brachiopoden der Eifel. (Palaeontographica Bd. III. 1854.)
Waagen, W. Salt Range fossils. I. Productus limestone fossils 4. (Memoirs of the
geolog. Survey of India. Palaeontologia Indica Ser. XIII. Calcutta 1882-1885.)
Die Brachiopoden sind ausschliesslich marine, in der Regel festsitzende
Thiere, die zwar niemals Colonien bilden, wie die Bryozoen, aber
gewöhnlich gesellig vorkommen. Das Thier wird von einer zweiklappigen,
kalkigen oder kalkig-hornigen Schale eingeschlossen, die sich nach
einer Mittelebene in zwei symmetrische Hälften theilen lässt (Fig. 192
s-s). Die beiden Klappen sind ungleich und werden nach ihrer Grösse
und Wölbung als grössere und kleinere, oder entsprechend ihrer Lage
zum Thier als Bauchklappe und Rückenklappe unterschieden. Man hat sich
aber gewöhnt, die Schale nicht in ihrer natürlichen Lage (liegend),
sondern aufrecht mit dem Vorderrande (Stirnrande) nach unten, dem
Hinterrande (Schlossrande) nach oben und gegen die kleinere (Rücken-)
Klappe, zu betrachten. Bei dieser Stellung wird derjenige Theil der
grösseren Klappe, welcher die kleinere überragt (Schnabel -- Fig. 192
a d f), sichtbar; die Symmetrieebene (Fig. 192 s-s) läuft von oben
nach unten durch die Mitte der beiden Klappen. Es ergeben sich dann
die Bezeichnungen: Länge = Ausdehnung von oben nach unten, Breite =
Ausdehnung von links nach rechts und Dicke = Ausdehnung von vorn nach
hinten. Der Unterrand der Schale (Vorderrand) heisst Stirnrand, der
Oberrand (Hinterrand), an welchem sich bei den schlosstragenden Formen
das Schloss befindet, Schlossrand, die seitlichen Ränder Seitenränder.
Beide Klappen stossen an einer Naht oder Commissur zusammen, deren
einzelne Theile in gleicher Weise bezeichnet werden (Stirnnaht,
Schlossnaht, Seitennähte).
[Illustration: Fig. 192. Eine Brachiopodenschale (Stringocephalus
Burtini) in der gewöhnlichen Stellung (gegen die kleinere Klappe
gesehen). Oben = hinten. Unten = vorn. Der über die vordere (kleinere)
Klappe hinausragende Schnabel der grösseren Klappe zeigt die Area (a),
das Schnabelloch (f) und das dasselbe umfassende Deltidium (d). s-s =
Symmetrielinie.]
Bei der Mehrzahl der Brachiopoden zeichnet sich die Bauchklappe vor der
Rückenklappe durch bedeutendere Grösse aus, indem der sog. Schnabel
der ersteren über den Schlossrand hinausragt (Fig. 192 a, d). Wenn
die vordere Fläche des Schnabels eben (oder concav) und durch die
sog. Schnabel- oder Arealkanten (Fig. 218 A k) von dem übrigen Theile
der Schale abgesetzt erscheint, spricht man von einer Area (Fig. 192
a). Zwischen Schnabelspitze und Schlossrand schaltet sich in der
Regel eine aus zwei Stücken bestehende dreieckige Kalkplatte ein, das
Deltidium (Fig. 192 d, d). Das Schnabelloch (Foramen -- Fig. 192 f)
wird entweder vom Deltidium umschlossen -- umfassendes Deltidium (Fig.
192), oder das Deltidium berührt das Schnabelloch nur von unten --
berührendes Deltidium (Fig. 219 B d), oder das Deltidium wird durch das
Schnabelloch in 2 getrennte Hälften getheilt -- getrenntes Deltidium
(Fig. 194 L d). Wenn die sonst vom Deltidium zum Theil geschlossene
Spalte (Deltidialspalte) von oben her durch eine einfache Kalkplatte
ganz oder theilweise verschlossen wird, so spricht man von einem
falschen oder Pseudodeltidium (Fig. 211 B ps). Area, Deltidialspalte
und Pseudodeltidium können auch in der kleinen Klappe auftreten. In
der Regel zeigen beide Klappen eine mehr oder weniger gleich starke
Wölbung. Zuweilen ist jedoch die kleinere Klappe flach oder gar
eingesenkt (Fig. 205 B), selten die grössere. Eine mittlere Einsenkung
einer Klappe wird als Sinus (Fig. 193 B s), eine entsprechende
Auftreibung in der anderen Klappe als Wulst (Fig. 193 A w) bezeichnet.
Falten nennt man wenig zahlreiche, symmetrisch zur Mittelebene
gestellte Depressionen einer Klappe und die entsprechenden Aufwölbungen
in der anderen Klappe (Fig. 217 K f’), während die zahlreichen,
feineren Fältelungen der Schale Rippen (Fig. 193 A, B) heissen.
[Illustration: Fig. 193. Rhynchonella cuboides Phill. Oberdevon.
Grund am Harz. A Schale von vorn, B von unten gesehen. Der mittleren
Einbuchtung (Sinus -- B s) der grösseren Klappe entspricht eine
Auftreibung (Wulst -- A w) in der kleineren. Die ganze Schale ist
gerippt.]
[Illustration: Fig. 194. Rhynchonella psittacea Lmk. Lebend. K
kleinere, L grössere Klappe von innen gesehen. Die zwei symmetrisch
gestellten Zähne der grösseren Klappe (z) greifen in entsprechende
Zahngruben in der Schlossplatte (p’) der kleinen Klappe ein. f =
Schnabelloch, d = Deltidium, durch das Schnabelloch getrennt, s =
Schliessmuskel-, di = Oeffnungsmuskeleindrücke der grösseren Klappe. m
= Mittelleiste, cr = Crura, s’ = Schliessmuskeleindrücke der kleineren
Klappe.]
Die beiden Klappen der Brachiopodenschale können vom Thiere mit Hülfe
von Muskeln von einander entfernt und fest geschlossen werden. Bei
den schlosslosen Formen -- Ordn. Ecardines -- sind die beiden Klappen
nicht durch eine Schalenangel, sondern nur durch Muskeln verbunden.
Das Oeffnen der Schale geschieht hier durch seitliche Verschiebung
der beiden Klappen gegen einander senkrecht zur Symmetrieebene mit
Hülfe von Oeffnungs- (Fig. 196 A s’) und Gleitmuskeln (Fig. 196 A d),
das Schliessen mit Hülfe von Schliessmuskeln (Fig. 196 A s). Bei den
schlosstragenden Formen -- Ordn. Testicardines -- ist der Oberrand der
beiden Klappen häufig verbreitert und verdickt. Auf dem Schlossrande
der grösseren Klappe erheben sich gewöhnlich 2, symmetrisch zur
Mittelebene gestellte, zahnartige Vorsprünge (Zähne -- Fig. 194 L
z), welche sich in 2 entsprechende Zahngruben der kleineren Klappe
(Fig. 194 K p’) fest einfügen und einen Vorsprung des Schlossrandes
der kleineren Klappe (Schlossfortsatz -- Fig. 198 SI) zwischen sich
nehmen, so dass eine seitliche Verschiebung der beiden Klappen
unmöglich gemacht ist. Das Oeffnen der Schale geschieht durch Klaffen
der beiden Klappen innerhalb der Symmetrieebene an der Stirn (vorn)
und an den Seiten, wobei die Zähne als Angeln wirken. Die zweiseitige
Symmetrie der Schale wird dabei nicht gestört. Die Zähne erhalten
nicht selten durch sog. Zahnplatten, senkrecht zur Schale gestellte,
vom Schlossrande nach den Wirbeln oder auch bis zur Schalenmitte
verlaufende Leisten oder Platten, eine grössere Festigkeit. Bei
starker Entwickelung der Zahnplatten (Fig. 216 B zp, C zp) können die
Zähne selbst ganz verschwinden. Die Zahngruben sind Aushöhlungen des
Schlossrandes der kleineren Klappe (Fig. 198 z’), nach unten (vorn)
zu oft durch quere, vorstehende Zahngrubenplättchen (Fig. 217 F sp)
begrenzt. Letztere können sich auch nach vorn zu Zahnplatten (Fig. 215
B zp’) verlängern.
Die inneren Merkmale der Schale werden durch Erläuterung der
Weichtheile des Thieres (Fig. 195) am besten verständlich. Das Innere
der Schale zerfällt in einen vorderen (in der Zeichnung unteren), vom
Mantel des Thieres (m) ausgekleideten, und einen hinteren (oberen)
von den Muskeln und Eingeweiden eingenommenen Theil. Im vorderen
befinden sich die 2 fleischigen, spiral aufgerollten, symmetrisch zur
Mittelebene gestellten Mundanhänge (Spiralarme -- sp), häufig durch ein
am Schlossrande der kleineren Klappe befestigtes, kalkiges Armgerüst
(ag) gestützt. Sie dienen zur Respiration und zur Herbeiführung der
Nahrung.
Die Muskeln zerfallen nach ihrer Thätigkeit in 3 Gruppen:
Schliessmuskeln (adductores), welche das Schliessen der Schale
besorgen, Oeffnungsmuskeln (Schlossmuskeln oder divaricatores), welche
das Oeffnen der Schale bewirken, und Stielmuskeln (adjustores), welche
zur Bewegung des selten fehlenden Haftorganes, des Stieles (Fig. 195
st’) dienen. Die Muskeln befestigen sich in Vertiefungen, selten auf
Erhöhungen der Innenfläche der Schale. Die Form und Stellung der
Eindrücke, welche sie daselbst hinterlassen, sind von systematischer
Wichtigkeit.
[Illustration: Fig. 195. Terebratula (Waldheinia) flavescens Val.
Lebend. Australien. Querschnitt der Schale parallel und etwas vor der
Mittelebene, um die Lage der Weichtheile zu zeigen. v = vorn; h =
hinten; s = grössere (Bauch-) Klappe; s’ = kleinere (Rücken-) Klappe;
m = Mantel, die vordere Schalenhöhlung auskleidend; sp = Spiralarme,
durch ein schleifenartiges Armgerüst (ag -- unschraffirt) gestützt; o =
Mund; x = Darm; ml = Mittelleiste in der kleinen Klappe (unschraffirt);
sf = Schlossfortsatz derselben; d, d’ = Oeffnungsmuskeln
(divaricatores); a = Schliessmuskeln (adductores); st = Stielmuskel;
st’ = Stiel, aus dem Schnabelloche der grösseren Klappe austretend.]
[Illustration: Fig. 196. A Lingula anatina Brug. Lebend.
Philippinen. Grössere Klappe von innen. st = Stiel; s = unpaarer
Oeffnungsmuskeleindruck; s’ = paarige Schliessmuskeleindrücke; d =
seitliche Gleitmuskeleindrücke; a = Stielmuskeleindrücke. B, C Schalen
fossiler Lingula-Arten, von aussen gesehen.]
Bei den mit Schloss versehenen Formen (Testicardines -- Fig. 195)
heften sich die 2 Paare von Oeffnungsmuskeln (d und d’) an einen
medianen Vorsprung des Schlossrandes der kleineren Klappe, den
Schlossfortsatz (Fig. 195 sf; Fig. 198 SI) und an die gegenüber
liegende Wand der grösseren Klappe an. Die Eindrücke des vorderen
(unteren), stärkeren Muskelpaares (d’) treten etwa in der Mitte der
grösseren Klappe als grosse, meist dreieckige und nach hinten (oben)
zugespitzte, gestreifte Felder hervor (Fig. 194 L di). Die ebenfalls
paarigen Schliessmuskeln (Fig. 195 a) hinterlassen im hinteren
(oberen) Theile der grösseren Klappe ein Paar in der Mittelebene
zusammenstossender (Fig. 194 L s), in der kleineren 2 über einander
liegende Paare kleinerer Eindrücke (Fig. 194 K s’). Die Eindrücke der
Stielmuskeln sind meist klein und schwierig zu erkennen. Das Haftorgan
selbst, der Stiel (Fig. 195 st’), tritt aus der Schnabelöffnung
(Foramen) (Fig. 192 f) hervor. Bei den frei lebenden oder mit der
Bauchklappe festgewachsenen Formen fehlt derselbe gänzlich.
Bei den schlosslosen Formen (Ecardines Fig. 196) treten ausser dem
unpaaren Eindruck des Oeffnungsmuskels (A s) und den paarigen,
medianen Eindrücken der Schliessmuskeln (s’) noch seitlich gestellte
Gleitmuskeleindrücke (d) auf. Der Stiel (sp) tritt in der Regel an der
Spitze der Schale zwischen beiden Klappen, seltener durch eine Oeffnung
in der Mitte der Bauchschale (Fig. 203 C o) hervor.
Die Gefässe des Mantels hinterlassen häufig auf der Innenfläche des
Mantels fingerförmig ausgebuchtete (Fig. 204 C g, D g) oder verzweigte
(Fig. 210 B gf, C gf; Fig. 217 J e) Eindrücke.
[Illustration: Fig. 197. Eine Brachiopode (Spirifer) mit
spiralgewundenem Armgerüst. Die Spiralkegel (sp) sind mit Hülfe der
Crura (cr) an den Schlossrand der kleineren Klappe befestigt. (Die
kleinere Klappe ist zum grössten Theile entfernt.)]
[Illustration: Fig. 198. Eine Brachiopode (Terebratella) mit
schleifenförmigem Armgerüst (a, a’), welches durch die Crura (cr) an
den Schlossrand der kleinen Klappe und durch Querbänder (q) an die
Mittelleiste derselben (s) befestigt ist. SI = Schlossfortsatz; z’ =
Zahngrube. (Die grössere Klappe ist entfernt.)]
Das Paar spiral gerollter, fleischiger Mundanhänge (Arme), welches
allen Brachiopoden eigen ist, erhält bei vielen Formen der
Testicardines durch ein kalkiges Gerüst eine grössere Festigkeit. Das
Armgerüst heftet sich stets an den Schlossrand der kleineren (Rücken-)
Klappe an (Fig. 195 ag). Im einfachsten Falle besteht dasselbe aus
2 kurzen, mehr oder minder gekrümmten Fortsätzen (Crura, Fig. 194 K
cr), die, symmetrisch zur Mittelebene angeordnet, nur wenig tief in
die Schale hinabreichen, oder aus 2 plattig verbreiterten, tiefer
hinabreichenden Kalkblättern (Cruralplatten -- Fig. 216 D cp). Bei
der ausgestorbenen Unterordnung der Spiriferacea verlängern sich die
Crura (Fig. 197 cr) jederseits in spirale Hohlkegel, deren Spitzen sich
entweder gegen die Seiten der Schale (Fig. 197 sp) oder gegen die Mitte
der kleineren Klappe zu richten (Fig. 213 B sp). Solche Spiralkegel
erfüllen den grössten Theil des Schaleninneren. Ein schleifenförmiges
Armgerüst findet sich besonders häufig bei den jüngeren Brachiopoden
(Terebratulidae) entwickelt. Die Schleife, an die Crura (Fig. 198
cr) sich anschliessend, ist kurz (Fig. 217 B, D, F) oder lang (Fig.
218 B), hängt frei in die Schalenhöhlung hinab (Fig. 214 B) oder ist
ausser durch die Crura noch durch Querbänder mit der kleinen Klappe
verbunden (Fig. 198 q) oder fast ganz an dieselbe angewachsen. Man
unterscheidet den absteigenden, der kleineren Klappe genäherten und
längeren Ast (Fig. 198 a) von dem aufsteigenden, von der kleineren
Klappe entfernteren und kürzeren (Fig. 198 a’). Eine kürzere oder
längere Mittelleiste (Medianseptum -- Fig. 198 s’), welche sich auf
der Innenseite der kleineren, zuweilen auch der grösseren Klappe vom
Schlossrande nach unten zieht, kann für manche Gattungen als ein
bezeichnendes Merkmal gelten. Bei denjenigen schlosstragenden Formen,
welchen ein eigentliches Armgerüst fehlt, hinterlassen die Spiralarme
häufig charakteristische Eindrücke auf der Innenseite beider Klappen,
so z. B. bei der Gattung Productus (Fig. 205 B-D). Die Innenseite der
kleineren Klappe zeigt ein Paar von Leisten umgebener, nierenförmiger
Eindrücke im vorderen (unteren) Theile (D n), und der Mittellinie mehr
genähert ein Paar Spiralhöcker (D sp). Zwischen letzteren und den
Spiralnäpfen der grösseren Klappe (C sp’) waren die spiral gewundenen
Enden der Arme eingeschlossen (B sp-sp’).
[Illustration: Fig. 199. Prismatische Schalenstructur von Rhynchonella
psittacea Lmk. 100/1. Die Prismen sind schräg gegen die Oberfläche
gerichtet.]
[Illustration: Fig. 200. Schalenstructur von Terebratula. a =
Oberfläche der Schale, punktirt erscheinend (durch die Oeffnung der
feinen Canäle). Schwach vergrössert. b = Querschnitt durch die Schale,
die nach aussen erweiterten Canäle zeigend. 100/1. c = Innenfläche der
Schale, die schräg gerichteten Prismen und die Oeffnungen der Canäle
zeigend. 100/1.]
Die Schale der meisten Brachiopoden besteht vorwiegend aus kohlensaurem
Kalk; bei den Ecardines überwiegt aber phosphorsaurer Kalk, mit
hornigen (Chitin-) Lagen abwechselnd, über den kohlensauren. Die zum
Theil hornigen Schalen sind an ihrem starken Firnissglanze leicht
kenntlich (Lingula, Discina p. 204, 206). Die kalkigen Schalen der
Testicardines besitzen eine sehr bezeichnende Microstructur. Es besteht
nämlich die Schale (und auch die inneren Armgerüste, Mittelleisten
etc.) aus zahlreichen feinen, schräg gegen die Oberfläche gerichteten
Kalkprismen (Fig. 199), schon mit der Lupe als solche erkennbar. Bei
fossilen, etwas angewitterten Stücken fasert die Schale leicht auf
und die Ablösungsflächen zeigen einen bezeichnenden Seidenglanz. Ist
die Prismenschicht frei von senkrecht zur Oberfläche orientirten
Canälen (Fig. 199), so heisst die Schalenstructur faserig, treten
letztere hinzu (Fig. 200 a-c), so erscheint die Schale weniger
deutlich faserig, vielmehr punktirt. Die Canäle erweitern sich meist
gegen aussen (Fig. 200 b). Die inneren Gerüstbildungen (Armgerüst,
Schlossfortsatz, Mittelleiste, Zähne, Zahnplatten etc.) werden aber
nie von Canälen durchzogen. Der Schalenstructur kommt eine nicht
geringe classificatorische Bedeutung zu, da in gewissen Familien (z.
B. Rhynchonellidae) fast ausschliesslich faserige, in anderen (z. B.
Terebratulidae) nur punktirte Schalen vorkommen.
Die lebenden Brachiopoden finden sich ausschliesslich im Meere, wo sie
gesellig leben und sich an dem steinigen Boden oder anderen festen
Gegenständen (Korallen, Muschelschalen) anheften. Man kennt über 100
lebende Arten, von denen die Hälfte in einer Tiefe von weniger als 100
Faden angetroffen wird. In Tiefen von über 500 Faden kommen nur noch
ganz wenige Arten fort, die aber zum Theil bis zu Tiefen von 2900 Faden
hinabreichen.
Als classificatorische Merkmale muss die Paläontologie vor Allem
die Art und Weise der Schalenverbindung und die Form der Armgerüste
verwerthen. Auch die Schalenstructur wird mit Vortheil benutzt. Häufig
muss man die Schalen anschleifen, um die inneren Merkmale sichtbar zu
machen.
Uebersicht der Familien.
A. Ecardines (Schlosslose Formen). Die beiden Klappen ohne
Schlossverbindung, nur durch Muskeln gegen einander verschiebbar.
Schale meist theilweise hornig (Fig. 201-204).
a. Schale aus Horn- und Kalksubstanz bestehend, glänzend.
1. Schale fast gleichklappig, verlängert-zungenförmig, ohne
Stielöffnung (Fig. 201) 1. Fam. Lingulidae.
2. Schale ungleichklappig, gerundet, oft mit Stielöffnung.
α. Schale meist dick, vorwiegend kalkig, ohne auffallende
Stielöffnung (Fig. 202) 2. Fam. Obolidae.
β. Schale dünn, hornig. Untere Klappe mit schlitzförmiger
Stielöffnung, kleiner als die Rückenklappe (Fig. 203)
3. Fam. Discinidae.
b. Schale kalkig, matt; rundlich oder vierseitig. Untere Klappe meist
aufgewachsen. Obere Klappe napfförmig, radial gerippt, grösser als
die Bauchklappe (Fig. 204) 4. Fam. Craniadae.
B. Testicardines. Die beiden Klappen durch ein Schloss mit einander
verbunden. Schlossfortsatz und kalkiges Armgerüst meist vorhanden
(Fig. 205-220). Schale rein kalkig.
a. Ein kalkiges Armgerüst fehlt. Schlossfortsatz entwickelt.
Schlosslinie stets gerade. Kleinere Klappe meist flach oder
eingesenkt (Fig. 205-210) I. Unterordn. Productacea.
1. Schale in der Regel mit hohlen Stacheln besetzt. Kleinere Klappe
stets flach oder eingesenkt. Grössere Klappe meist ohne
Schlosszähne (Fig. 205-207) 5. Fam. Productidae.
2. Schale ohne Stacheln. Kleinere Klappe gewölbt, flach oder
eingesenkt. Grössere Klappe mit 2 starken Schlosszähnen (Fig.
208-210) 6. Fam. Orthidae.
b. Ein kalkiges Armgerüst vorhanden. Schlosslinie gerade oder gebogen.
In der Regel beide Klappen gewölbt.
1. Das Armgerüst bildet 2 hohle Spiralkegel (Fig. 211-213)
II. Unterordn. Spiriferacea.
α. Die Spitzen der Spiralkegel gegen die Seiten der Schale
gerichtet (Fig. 211, 212) 7. Fam. Spiriferidae.
β. Die Spitzen der Spiralkegel gegen die Mitte der kleineren
Klappe gerichtet (Fig. 213) 8. Fam. Atrypidae.
2. Armgerüst nicht spiral aufgerollt, 2 Hörner (oder Platten) oder
eine Schleife bildend (Fig. 214-220)
III. Unterordn. Terebratulacea.
α. Armgerüst aus 2 hakenförmigen Fortsätzen oder 2 Platten
bestehend. Schnabel spitz, gekrümmt. Schale fast stets faserig
(Fig. 214-216) 9. Fam. Rhynchonellidae.
β. Armgerüst eine Schleife bildend. Schale fast immer punktirt.
Schnabel meist abgestutzt.
* Schale punktirt. Schnabel abgestutzt, durchbohrt (Fig.
217-219) 10. Fam. Terebratulidae.
** Schale faserig. Schnabel spitz; Schnabelloch unterhalb der
Spitze (Fig. 220) 11. Fam. Stringocephalidae.
*** Schale punktirt. Schnabel undurchbohrt
12. Fam. Thecideidae.
1. Ordnung Ecardines.
Die beiden Klappen der hornig-kalkigen oder kalkigen Schale werden
nur durch Muskeln und nicht durch Schlossbildungen zusammengehalten.
Armgerüst fehlt.
1. Fam. Lingulidae.
Beide Klappen nahezu gleich, zungenförmig, verlängert vierseitig oder
oval, hornig-kalkig, seitlich gegen einander mit Hülfe der Gleitmuskeln
(Fig. 201 A d) verschiebbar. Schalenoberfläche selten mit Rippen, meist
nur mit concentrischen oder radialen Streifen. Maximalentwickelung im
Silur, aber in allen Formationen verbreitet, gegen 20 Arten lebend
in geringen Tiefen der wärmeren Meere. Einzige Gattung mit einigen
Untergattungen:
Lingula Brug. (Fig. 201 A-C). Schale dünn, vorwiegend aus Hornsubstanz
gebildet, concentrisch gestreift, zuweilen radial gerippt. Der
Stiel (A st) tritt zwischen den Wirbeln der beiden Klappen aus. Auf
den Innenseiten der Klappen heben sich die Muskeleindrücke (Fig.
201 A a, s, s’, d) als schwach vertiefte Stellen hervor. Auch eine
Längsstreifung ist zuweilen bemerkbar. Wegen der wenig wechselnden
Gestalt der Schale sind die Arten aus verschiedenen Formationen
schwierig oder gar nicht unterscheidbar. Vom Cambrium an, besonders
häufig in den ältesten Formationen.
L. (Lingulella) Davisii M’C. sp. Cambrium (Lingula flags). England.
L. Lewisii Sow. Obersilur. England, Böhmen.
L. Credneri Gein. Perm. Thüringen, England. Subcarbon. England.
L. tenuissima Br. (Fig. 201 B). Häufig in der deutschen und alpinen
Trias. Spitzbergen.
L. Beanii Phill. (Fig. 201 C). Mittlerer Dogger. Mitteleuropa.
L. Krausei Dam. Häufig in den baltischen Cenomangeschieben
Norddeutschlands.
L. anatina Brug. (Fig. 201 A). Lebend. Philippinen.
[Illustration: Fig. 201. A-C Lingula. A L. anatina Brug. Lebend.
Philippinen. Grössere Klappe von innen. st = Stiel; s = unpaarer
Oeffnungsmuskeleindruck; s’ = paarige Schliessmuskeleindrücke; d
= Eindrücke der Gleitmuskeln (divaricatores); a = Eindrücke der
Stielmuskeln. B L. tenuissima Br. Unterer Keuper (Lettenkohle).
Württemberg. C L. Beanii Phill. Mittlerer Dogger. Unterelsass.]
2. Fam. Obolidae.
Die beiden Klappen etwas ungleich, oval oder kreisrund, mehr
phosphorsauren Kalk als Hornsubstanz führend. Schlossrand breit und
verdickt, mit einer Stielfurche (Fig. 202 B f, C f). Nur paläozoisch;
vom Cambrium bis zum Perm. Typische Gattung:
[Illustration: Fig. 202. A-C Obolus Apollinis Eichw. Cambrium.
St. Petersburg. A grössere Klappe von aussen. B, C dieselbe von
innen. f = Stielfurche des Schlossrandes; m = Mittelleiste; s =
Schliessmuskeleindrücke; d = Gleitmuskeleindrücke.]
Obolus Eichw. (Fig. 202 A-C). Die nagelförmige oder kreisrunde Schale
besitzt auf der Aussenseite concentrische Anwachsstreifen und feine
radiale Streifen (A). Die Innenseite der grösseren Schale (B, C) zeigt
den gestreiften und verbreiterten Schlossrand und die Stielfurche (f).
Zu beiden Seiten einer mittleren Leiste (m) liegen die Eindrücke der
paarigen vorderen (centralen) und hinteren Schliessmuskeln (s). Die
Gleitmuskeleindrücke (d) liegen seitlich. Die kleinere Klappe besitzt
einen weniger stark verbreiterten Schlossrand, eine kaum angedeutete
Mittelleiste und eine herzförmige Vertiefung in der Mitte. Cambrium und
Silur.
O. Apollinis Eichw. (Fig. 202). Im »Obolus-« oder
»Ungulitensandstein« des Cambriums der russischen Ostseeprovinzen.
O. Davidsoni Salt. Obersilur. Grossbritannien, Schweden.
3. Fam. Discinidae.
Schale dünn, hornig-kalkig, firnissglänzend, ungleichklappig,
kreisrund oder oval. Kleinere (Bauch-) Klappe mit einer runden
oder schlitzförmigen Oeffnung. Die meisten Gattungen auf das Silur
beschränkt. Discina vom Silur bis zur Gegenwart.
[Illustration: Fig. 203. A-C Discina nitida Phill. sp. Carbon.
Schottland. A, B grössere Klappe. A von oben, B von der Seite. w =
Wirbel. C kleinere Klappe mit schlitzförmiger Stielöffnung (o) von
unten.]
Discina (Fig. 203 A-C). Die beiden Klappen meist sehr ungleich. Die
(grössere) Rückenklappe mützenförmig, mit spitzem Wirbel (A w, B
w), die kleinere Unterklappe fast flach, mit einer mittleren oder
excentrischen, meist schlitzförmigen Stielöffnung (C o). Oberfläche
mit concentrisch um den Wirbel geordneten Anwachsstreifen, selten mit
Radialstreifen oder Gruben. In paläozoischen Formationen häufiger als
in den jüngeren.
D. rugata Sow. Obersilur. Grossbritannien.
D. nitida Phill. (Fig. 203). Devon, Steinkohlenformation und Perm.
Grossbritannien. Subcarbon. Nordamerika.
D. discoides Schl. sp. Unterer und oberer Muschelkalk. Nord- und
Süddeutschland.
D. papyracea Mnstr. sp. Oberer Lias (Posidonienschiefer). Nord-
und Süddeutschland.
D. lamellosa Brod. Lebend. Chilenische Küste in geringen Tiefen.
4. Fam. Craniadae.
Schale kalkig, rundlich oder viereckig, ungleichklappig, mit der
unteren Klappe festgewachsen, selten frei. Innenseite mit 4 Muskel- und
mit fingerförmigen Gefässeindrücken. In der Mitte der aufgewachsenen
Klappe ein nasenförmiger Fortsatz (Fig. 204 A rs), welcher als Stütze
der Arme dient. Vom Silur an, hauptsächlich im Mesozoicum verbreitet.
Wenige Formen noch lebend in den kühleren Meeren.
Crania Retz. (Fig. 204 A-D). Beide Klappen schüsselförmig, die untere
kleinere oft flach und fast immer mit dem Wirbel oder der ganzen Fläche
festgewachsen (A). Oberfläche häufig radial gerippt (B). Innenseite
beider Klappen mit einem breiten, meist gekörnelten Rande versehen
(r). Die Eindrücke der 2 Paare von Schliessmuskeln in beiden Klappen
deutlich (s-s’). Die vorderen, ovalen, in der Nähe der Mitte, einander
genähert, die hinteren runden, unter dem Schlossrande gelegenen, weiter
von einander entfernt. Hinter den kleineren vorderen Schliessmuskeln
der unteren (kleineren) Klappe befindet sich ein nasenförmiger, oft
nach vorn verlängerter Fortsatz, der als Haftstelle für die Armmuskeln
dient (C rs). Die entsprechende Stelle der grösseren Klappe (D)
ist vertieft. Die fingerförmigen Gefässeindrücke des Mantels (C g,
D g) meist deutlich sichtbar im vorderen Theile der Klappe. Nach
der wechselnden Gestalt und Grösse der Muskeleindrücke und Leisten
unterscheidet man mehrere Untergattungen. Vom Silur bis zur Gegenwart,
am häufigsten in der oberen Kreide.
Cr. divaricata M’Coy sp. Untersilur. Grossbritannien.
Cr. quadrata M’Coy. Subcarbon. Grossbritannien, Belgien, Nordamerika.
Cr. irregularis A. Rö. sp. Neocom. Norddeutschland.
Cr. Parisiensis Dfr. } Turon und Senon. Mittel- und
Cr. Ignabergensis Retz. (Fig. 204). } Nordeuropa.
Cr. anomala Sow. Lebend. Europäische Meere.
[Illustration: Fig. 204. A-D Crania Ignabergensis Retz. Senon.
England. A vollständige Schale, auf einer Bryozoe aufgewachsen, von
der Seite. B obere (grössere) Klappe von oben, die Radialrippen
zeigend. C kleinere (untere) Klappe von innen. r = Rand; s’ = Eindrücke
der Schliessmuskelpaare; g = fingerförmige Gefässeindrücke; rs =
nasenförmiger Vorsprung oberhalb der vorderen Schliessmuskeln gelegen,
zuweilen nach unten leistenförmig verlängert. D grössere (obere) Klappe
von innen; Bezeichnungen wie bei C.]
2. Ordnung Testicardines.
Die hierher gehörigen Formen zeichnen sich durch den Besitz eines
Schlosses aus. Im einfachsten Falle besteht dasselbe aus einem
Schlossfortsatze in der Mitte des Schlossrandes der kleineren Klappe
(Fig. 205 D f), an den die Oeffnungsmuskeln sich anheften -- Productus.
Bei den meisten Formen entwickeln sich ausserdem am Schlossrande der
grösseren Klappe 2 symmetrisch zur Mittelebene gestellte Zähne (Fig.
208 B zp’), welche den Schlossfortsatz der kleineren Klappe seitlich
fest umschliessen. Die Zähne greifen in entsprechende Vertiefungen
(Zahngruben -- Fig. 208 A) der anderen Klappe ein. Eine seitliche
Verschiebung der Klappen gegen einander ist hierdurch unmöglich
gemacht, vielmehr geschieht das Oeffnen der Schale nur durch Entfernung
der kleineren Klappe von der grösseren innerhalb der Symmetrieebene
der Schale. Diese symmetrische Stellung und Ausbildung der Zähne und
Zahngruben bezeichnet man als isodonte Bezahnung. Die Mehrzahl der
Testicardines besitzt ein wohlentwickeltes, kalkiges Armgerüst; nur den
Familien der Productidae und Orthidae fehlt dasselbe fast vollständig.
1. Unterordnung Productacea.
Ohne eigentliches Armgerüst. Schlosslinie stets gerade. Grössere Klappe
gewölbt, kleinere Klappe concav oder flach, seltener gewölbt. Schale
meist punktirt. Ausgestorben.
5. Fam. Productidae.
Schale mit Stacheln besetzt, meist frei, selten mit dem Schnabel
der grösseren Klappe oder mit den Stacheln festgewachsen. Kleinere
Klappe eingesenkt oder flach, nie convex, mit einem Schlossfortsatz
in der Mitte des Schlossrandes (Fig. 205 D f) und mit nierenförmigen
Armleisten (Fig. 205 D n). Diese Familie ist auf das paläozoische
Zeitalter beschränkt, gegen dessen Ende sie ihre Maximalentwickelung
erreicht. Die drei hierher gehörigen Gattungen unterscheiden sich wie
folgt:
a. Grössere Klappe ohne Schlosszähne und Schnabelöffnung. Area fehlend
oder kaum entwickelt (Fig. 205) Productus.
b. Grössere Klappe mit 2 Schlosszähnen und Deltidialspalte. Area
deutlich.
1. Schale überall (die Area ausgenommen) mit Stacheln bedeckt.
Schlossrand schmäler als die Schale lang (Fig. 206)
Strophalosia.
2. Schale meist nur am Arealrande der grösseren Klappe mit Stacheln.
Schlossrand breiter als die Schale lang (Fig. 207)
Chonetes.
Productus Sow. (Fig. 205 A-D). Schale in der Regel frei, mit Stacheln
besetzt (A). Grössere Klappe gewölbt, oft in der Mitte eingesenkt,
mit eingekrümmtem, undurchbohrtem Wirbel. Kleinere Klappe meist tief
eingesenkt oder flach. Area nie deutlich entwickelt. Schlossrand
meist so breit wie die Schale. Auf der Innenseite der grösseren
Klappe (C) liegen dicht unter dem Wirbel die länglichen Eindrücke (C
s’) der Schliessmuskeln (B s’), welche sich an ebenfalls längliche
Anheftstellen der kleineren Klappe ansetzen (D s, B s). Etwas
tiefer und seitwärts von ihnen finden sich in der grösseren Klappe
die rundlichen Eindrücke (C d) der Oeffnungsmuskeln (B d’), die
sich an den vorspringenden Schlossfortsatz der kleineren Klappe (D
f, B d) anheften. Alle Muskeleindrücke sind stark vertieft. Die
fleischigen Arme wurden durch ein Paar nierenförmige Armleisten
der kleineren Klappe (D n) gehalten. Ihre Spiralwindungen lagen in
napfförmigen Vertiefungen der grösseren Klappe (C sp’) und wurden durch
kleine, runde Höcker auf der kleineren Klappe (D sp) gestützt. Der
Schlossfortsatz verlängert sich nach unten in eine lange Mittelleiste
(D), welche die Muskeleindrücke, die Spiralhöcker und die Armleisten
von einander trennt. Die Schalenstructur ist punktirt. Meist ist die
ganze Oberfläche der Schale, seltener nur der Schlossrand mit langen,
hohlen und sehr zerbrechlichen Stacheln besetzt (A).
[Illustration: Fig. 205. A-D Productus. A P. longispinus Sow.
Subcarbon. England. B-D P. giganteus Mart. sp. Subcarbon. England.
B Querschnitt durch die Schale mit den reconstruirten Schliess- (s,
s’) und Oeffnungsmuskeln (d, d’). sp’ = Spiralnapf der grösseren, sp
= Spiralhöcker der kleineren Klappe. C grössere Klappe von innen.
Der Wirbel ist fortgenommen. s’ = Eindrücke der Schliessmuskeln; d =
Eindrücke der Oeffnungsmuskeln; sp’ = Spiralnäpfe. D kleinere Klappe
von innen. f = Schlossfortsatz; s = Eindrücke der Schliessmuskeln; n =
nierenförmige Eindrücke von den Armleisten umgeben; sp = Spiralhöcker.]
Die Gattung Productus beginnt im Devon und findet sich in allen marinen
Bildungen der Steinkohlenformation und des Perms über die ganze Erde in
zahlreichen und zum Theil sehr grossen Arten (Pr. giganteus bis 0,18
m breit) verbreitet. (Productus limestone [Oberes Carbon und Perm] in
Indien).
Gruppe A: Dorsati. Grössere Klappe ohne mittlere Einsenkung:
Pr. subaculeatus Murch. Mittel- und Oberdevon. Europa, Nordamerika,
Asien, Australien.
Pr. giganteus Mart. sp. (Fig. 205 B-D). Subcarbon. Ueberall.
Pr. cora d’Orb. Subcarbon. In allen Erdtheilen.
Pr. striatus Fisch. Subcarbon. Europa, Asien.
Gruppe B: Lobati. Grössere Klappe mit einer mittleren Einsenkung:
Pr. semireticulatus Mart. sp. (Leth. pal., t. 42, Fig. 8). Subcarbon
und Carbon. Ueberall.
Pr. longispinus Sow. (Fig. 205 A). }
} Subcarbon und Carbon. Ueberall.
Pr. punctatus Mart. sp. }
Pr. horridus Sow. (Leth. pal., t. 62, Fig. 10). Perm. Deutschland,
England, Nordamerika, Spitzbergen.
Strophalosia King (Fig. 206). Schale meist höher als breit, ganz mit
Stacheln bedeckt. Beide Klappen mit deutlicher Area (a-a’). Grössere
Klappe mit einer schmalen, dreieckigen, von einem Pseudodeltidium
geschlossenen Deltidialspalte (ps) und mit 2 kurzen Schlosszähnen.
Kleinere Klappe eingesenkt, mit Schlossfortsatz, Mittelleiste und
Armleisten, wie bei Productus. Vom Devon bis zum Perm, aber weit
seltener als Productus.
Str. productoides Murch. (Leth. pal., t. 35, Fig. 4). Mittel- und
Oberdevon. Russland, Deutschland, Belgien, England, China.
Str. Goldfussi Mnstr. sp. (Fig. 206). Perm (Zechstein). England,
Mitteldeutschland.
Str. lamellosa Gein. Perm (Zechstein). England, Mitteldeutschland.
Str. horrescens d. Vern. Perm. Russland, Indien.
[Illustration: Fig. 206. Strophalosia Goldfussi Mnstr. sp. Unterer
Zechstein. Gera. a = Area der kleineren, a’ = der grösseren Klappe; ps
= Pseudodeltidium, die Deltidialspalte verschliessend.]
[Illustration: Fig. 207. A-C Chonetes. A Ch. striatella Dalm.
Obersilur. England. a’ = Area der grösseren Klappe; st = Stacheln
des Arealrandes; ps = Pseudodeltidium. B, C Ch. sarcinulata Schl.
sp. Unterdevon (Spiriferensandstein). Rheinisches Schiefergebirge. B
innerer Abdruck der kleineren Klappe mit dem Eindruck der Mittelleiste
(s’) und den Eindrücken der Zahngrubenplatten (z’). C äusserer Abdruck
der grösseren Klappe, die kurzen Stacheln des Schlossrandes zeigend.]
Chonetes Fisch. (Fig. 207 A-C). Schale fast stets breiter als hoch.
Schlossrand so lang als die Schalenbreite. Stacheln auf die Arealkante
der grösseren Klappe (A st, C) beschränkt. Wirbel nicht hervorragend,
nie umgebogen. Grössere Klappe mit breiter Area (a’) und einer von
einem Pseudodeltidium (ps) geschlossenen Deltidialspalte. Im Inneren
mit 2 Zähnen und einer Mittelleiste. Kleinere Klappe mit meist schmaler
Area; ihre Deltidialspalte durch den Schlossfortsatz ausgefüllt.
Unterhalb und seitlich vom Schlossfortsatze mit 2 Zahngruben, die
durch kleine Zahngrubenplatten (B z’) gebildet werden. Mittelleiste (B
s’) und nierenförmige Armleisten wie bei Productus. Schalenverzierung
in zahlreichen, vom Wirbel ausstrahlenden, feinen Rippen bestehend.
Innenseite der Schale körnig-rauh.
Vom Silur bis zum Perm, am häufigsten und in grossen (bis 0,15 m
breiten) Formen in der Steinkohlenformation und im Perm.
Ch. striatella Dalm. sp. (Fig. 207 A). Im Obersilur Nordeuropas und
Amerikas häufig. Als Diluvialgeschiebe in Norddeutschland.
Ch. sarcinulata Schloth. sp. (Fig. 207 B, C). Im rheinisch-belgischen
Unterdevon häufig. Im gleichen Niveau in England und Südafrika. Auch in
höheren Schichten des Devons.
Ch. setigera Hall. Devon (Hamilton Gr.). Nordamerika.
Ch. papilionacea Phill. sp. Subcarbon. Grossbritannien, Belgien,
Russland.
Ch. Hardrensis Phill. (Leth. pal., t. 42, Fig. 13). Subcarbon.
Grossbritannien.
Viele Arten im Perm von Indien und Nordamerika.
6. Fam. Orthidae.
Schale ohne Stacheln, meist frei, mit deutlicher Area in jeder Klappe.
Grössere Klappe gewölbt, selten eingedrückt, kleinere gewölbt, flach
oder eingesenkt. In der grösseren Klappe stets 2 Schlosszähne, in der
kleineren ein medianer Schlossfortsatz und jederseits desselben eine
oft zahnartig vorspringende Leiste vorhanden, welche die Zahngrube
nach innen zu begrenzt. Oberfläche mit radialen Streifen oder Rippen,
selten glatt. Das Vorkommen dieser Familie beschränkt sich auf das
paläozoische Zeitalter. Vertreter derselben findet man schon in
cambrischen Schichten.
Die wichtigsten Gattungen unterscheiden sich wie folgt:
A. Schlossrand relativ kurz. Deltidialspalte offen, nicht durch
Pseudodeltidium geschlossen (Fig. 208 B dsp’). Meist beide Klappen
gewölbt (Fig. 208) Orthis.
B. Schlossrand meist sehr lang. Deltidialspalte durch Pseudodeltidium
geschlossen (Fig. 209 ps, Fig. 210 A ps). Kleinere Klappe fast immer
eingedrückt, seltener flach oder gewölbt (Fig. 209, 210)
Streptorhynchus, Strophomena, Leptaena.
[Illustration: Fig. 208. A-E Orthis. A, B O. elegantula Dalm.
Obersilur. England. A kleinere Klappe von innen. a = Area; f =
Schlossfortsatz, in der Deltidialspalte liegend. Unter dem Schlossrande
2 tiefe Zahngruben, deren innere Leisten zahnartig vorspringen. m
= Mittelleiste; s = Schliessmuskeleindrücke. B grössere Klappe von
innen. dsp’ = Deltidialspalte; zp’ = Zähne; a’, m’, s’ wie a, m, s in
Fig. A. C O. biloba Lin. sp. Obersilur. Dudley, England. a’ = Area der
grösseren Klappe. D, E O. striatula Schl. sp. D beschaltes Exemplar,
die mittlere Einsenkung der kleineren Klappe zeigend. Mitteldevon.
Eifel. E Steinkern (»Hysterolithes vulvarius«). Unterdevon. Eifel. m =
Eindruck der Mittelleiste; s = Ausfüllung der Schliessmuskeleindrücke.]
Orthis Dalm. (Fig. 208 A-E). Schale rundlich oder vierseitig,
gewöhnlich beiderseits gewölbt; kleinere Klappe oft mit mittlerer
Einsenkung (D). Schlossrand meist kürzer als die Schalenbreite.
Beide Klappen mit deutlicher Area (a, a’) und offener, dreieckiger
Deltidialspalte (B dsp’). Kleinere Klappe mit kurzem, ungetheiltem
Schlossfortsatze (A f), unterhalb des Schlossrandes mit 2 tiefen, zur
Aufnahme der Schlosszähne der grösseren Klappe (B zp’) bestimmten
Zahngruben. Die inneren Leisten der Zahngruben springen zahnartig vor;
sie dienten vielleicht zur Anheftung der Mundarme (vergl. die Crura
von Rhynchonella p. 218). Zu beiden Seiten der langen Mittelleiste
(m) sind die tiefen paarigen Schliessmuskeleindrücke (s) sichtbar. Die
grössere Klappe besitzt einen grösseren Deltidialspalt (B dsp’) und
2 starke Schlosszähne (zp’). Die Schliessmuskeleindrücke (s’) liegen
höher als in der kleineren Klappe. Schalenoberfläche fast immer radial
gestreift oder gerippt. Vom Cambrium bis ins Perm in sehr zahlreichen
Arten verbreitet, am häufigsten im Silur.
O. lenticularis Wall. sp. (Leth. pal., t. 2, Fig. 4). Cambrisch.
Nordeuropa.
O. testudinaria Dalm. Untersilur. Europa, Nordamerika.
O. redux Barr. Untersilur. Böhmen, Normandie, England.
O. lynx (Leth. pal., t. 12, Fig. 13). Unter-, seltener Obersilur.
Europa, Nordamerika.
O. calligramma Dalm. (Leth. pal., t. 4, Fig. 4). Unter- und
Obersilur. Europa, Nordamerika, China.
O. biloba L. sp. (Fig. 208 C). } Unter-, hauptsächlich
} Obersilur. Europa,
O. elegantula Dalm. (Fig. 208 A, B). } Nordamerika.
O. striatula Schl. sp. (Fig. 208 D, E). In allen Abtheilungen des
Devons. Europa, China.
Im rheinischen Unterdevon als charakteristischer Steinkern, sog.
Hysterolithes vulvarius, häufig.
O. resupinata Sow. sp. (Leth. pal., t. 43, Fig. 4). Subcarbon.
Europa.
O. Michelini Lev. sp. (Leth. pal., t. 43, Fig. 5). Subcarbon.
Europa, Nordamerika.
O. Lamarcki Fisch. sp. Carbon. Russland.
Streptorhynchus King (Fig. 209). Schale beiderseits gewölbt oder
convex-concav. Schlossrand meist so breit wie die Schale. Grössere
Klappe mit hoher Area (a’) und grossem Pseudodeltidium (ps), an dessen
innerem Rande ein Stielspalt (sp) mit dem grossen, zweitheiligen,
mehrfach gezähnten Schlossfortsatze der kleineren Klappe bleibt.
Area der letzteren schmal. Oberfläche der Schale mit radialen, meist
gekörnten Streifen bedeckt. Devon bis Perm.
Str. umbraculum Schl. sp. (Fig. 209). Devon, hauptsächlich
Mitteldevon. Eifel, Nordfrankreich, England.
Str. crenistria Phill. sp. (Leth. pal., t. 43, Fig. 6). Subcarbon.
In allen Erdtheilen.
Str. pelargonatus Schl. sp. (Leth. pal., t. 67, Fig. 12). Perm.
Deutschland, England, Indien.
[Illustration: Fig. 209. Streptorhynchus umbraculum Schl. sp.
Mitteldevon. Eifel. a’ = Area; ps = Pseudodeltidium; sp = Spalt zum
Austritt des Stieles, im Grunde den getheilten Schlossfortsatz zeigend.]
Strophomena Blv. (Fig. 210 A-C). Schale zusammengedrückt,
convex-concav, meist breiter als hoch, mit langem Schlossrande.
Meist die kleinere, selten die grössere Klappe concav. Zwischenraum
der beiden Klappen eng. Schlossrand oft mit zahlreichen feinen
Kerben. Schlossfortsatz der kleineren Klappe zweispaltig (C sf). Die
Innenseite der Klappen zeigt die tiefen, von halbkreisförmigen Leisten
umzogenen Eindrücke der Schliessmuskeln (B m, C m), die durch ein
medianes Septum (s) getheilt werden, sowie häufig die verzweigten
Gefässeindrücke (gf). Die Sculptur der Oberfläche fehlt oder besteht
in radialen Streifen oder Rippen, die oft von concentrischen
Anwachsstreifen gekreuzt werden (A). Silur -- Subcarbon.
[Illustration: Fig. 210. A-C Strophomena rhomboidalis Wilk. sp.
Obersilur. Dudley, England. A Ansicht der Schale von vorn. a =
Area; ps = Pseudodeltidium. B innere Ansicht der grösseren, C der
kleineren Klappe. a = Area; m = Eindrücke der Schliessmuskelpaare; gf
= Gefässeindrücke; s = Mittelleiste; sf = Schlossfortsatz. D Leptaena
sericea Sow. Untersilur. England. E (Leptaena) Koninckella liasina
Bouch.[C] Mittlerer Lias. Ilminster, England.]
Str. rhomboidalis Wilk. sp. (Fig. 210 A-C). Silur und Devon. Europa,
Nordamerika. Subcarbon. England.
Str. deltoidea Conr. (Leth. pal., t. 4, Fig. 8). Untersilur. Europa,
Nordamerika.
Str. euglypha His. sp. Unter- und Obersilur. Nordeuropa.
Leptaena Dalm. (Fig. 210 D, E) unterscheidet sich durch die dünne
Schale, die stark verlängerten Muskeleindrücke der kleineren und durch
die wenig scharf umschriebenen der grösseren Klappe; findet sich häufig
in paläozoischen Schichten (Silur -- Kohlenformation).
L. sericea Sow. (Fig. 210 D). Untersilur. Europa, Nordamerika.
L. transversalis Wahl. sp. (Leth. pal., t. 8, Fig. 9). Unter- und
Obersilur. Europa, Nordamerika.
L. lepis Bronn sp. (Leth. pal., t. 28, Fig. 27). Mitteldevon. Eifel,
Belgien, Spanien.
(L.) Koninckella liasina Bouch. sp. (Fig. 210 E) wurde früher zu
Leptaena gestellt. Verbreitet in den Schichten des oberen Lias
innerhalb und ausserhalb der Alpen (sog. Leptaenabett)[C].
Fußnoten:
[C] Neuerdings werden die liasischen Formen in die Nähe der triadischen
Gattung Koninckina gestellt und zu den Atrypidae gerechnet, da sie
kalkige Spiralen besitzen.
2. Unterordnung Spiriferacea.
An dem Schlossrande der kleineren Klappe ist ein spiral aufgerolltes
Kalkgerüst befestigt, von der Form zweier symmetrischer Kegel, welches
zur Stütze der spiralen Mundarme diente. Schalen meist beiderseits
gewölbt. Eine ausgestorbene, vorwiegend in paläozoischen Formationen
verbreitete Unterordnung.
7. Fam. Spiriferidae.
Schale beiderseits gewölbt mit geradem oder gebogenem Schlossrand. Das
Innere der Schale wird zum grössten Theile von 2 kalkigen, spiralen
Hohlkegeln erfüllt, deren Grundflächen gegen einander, deren Spitzen
gegen die Seiten der Schale zu gerichtet sind (Fig. 211 A; Fig. 212 B).
Die wichtigsten Gattungen dieser vom Silur bis in den Jura verbreiteten
Familie unterscheiden sich wie folgt:
a. Schlossrand meist gerade. Schnabelspitze nicht durchbohrt (Fig. 211)
Spirifer.
b. Schlossrand gebogen. Schnabelspitze durchbohrt (Fig. 212).
α. Oberfläche der Schale mit concentrischen Streifen (Fig. 212) oder
glatt. Schale faserig Athyris.
β. Oberfläche der Schale mit radialen Rippen oder Streifen, sehr
selten glatt. Schale punktirt Retzia.
[Illustration: Fig. 211. A-F Spirifer. A Sp. striatus Sow. Subcarbon.
Yorkshire, England. Die kleinere Klappe ist zum grössten Theil
fortgenommen, um die Armspirale (sp) zu zeigen, die vermittelst zweier,
durch ein Querband verbundener Stiele (cr) an dem Schlossrande der
kleineren Klappe befestigt ist. a = Area. B Sp. Mosquensis Fisch.
Carbon. Moskau. Innenansicht der grösseren Klappe. a = Area; ps =
Pseudodeltidium; zp = Zahnplatten, in welche die -- in der Zeichnung
nicht angegebenen -- Zähne sich verlängern. C Sp. cuspidatus Mart.
sp. Subcarbon. Irland. Von oben gesehen. s = grössere, s’ = kleinere
Klappe; a = Area mit ausgefallenem Pseudodeltidium (e). D Sp.
laevicosta Val. sp. Mitteldevon. Eifel. a = Area; e = Deltidialspalt. E
Sp. macropterus Gf. Unterdevon. Lahneck, Rheinisches Schiefergebirge.
Steinkern der grösseren Klappe, die hohe dreieckige Area, die mittlere
Schalendepression und den schlitzförmigen Eindruck der Mittelleiste
zeigend. F Sp. rostratus Schl. Mittlerer Lias. Cheltenham, England. a =
Area; ps = Pseudodeltidium.]
Spirifer Sow. (Fig. 211 A-F). Schale faserig oder durchbohrt
(punktirt), meist querverlängert, mit beiderseits gewölbten Klappen
(selten die kleinere Klappe fast flach). Schlossrand lang, gerade.
Area meist auf beiden Klappen, auf der grösseren breit (a), auf der
kleineren schmal; beiderseits mit dreieckiger Deltidialspalte (C e),
welche in der grösseren Klappe mehr oder weniger vollständig durch ein
Pseudodeltidium geschlossen sein kann (B ps, F ps), in der kleineren
Klappe durch den Schlossfortsatz (nicht ganz) ausgefüllt ist. Schnabel
gerade (C) oder gekrümmt (A, B, D, F), undurchbohrt. Die 2 Zähne der
grösseren Klappe verlängern sich meist in 2 starke, tief hinabreichende
Zahnplatten (B zp), zwischen denen zuweilen eine Mittelleiste auftritt.
An den Schlossrand der kleineren Klappe heften sich vermittelst zweier
Stiele (Crura A cr) die Kalkspiralen (A sp) an, welche, sich immer
mehr verjüngend, bis an die Seiten der Schale reichen. Ein Querband
verbindet die Enden der Stiele (A). Die Schale ist meist radial gerippt
(A, D, E), seltener glatt (F). Häufig zeigt die Mitte der grösseren
Klappe eine Einsenkung (E), die Mitte der kleineren dementsprechend
eine wulstförmige Erhöhung (D). Diese ausserordentlich formenreiche
Gattung ist im Paläozoicum durch mehrere Hundert, in Trias und Lias
durch einige Dutzend Arten vertreten.
Nach den Verschiedenheiten des nur selten gut sichtbaren Armgerüstes
unterscheidet man mehrere Untergattungen. Im Nachstehenden findet man
die wichtigsten Arten nach äusserlich erkennbaren Merkmalen gruppirt:
A. Schale gefaltet oder gerippt.
1. Mit gefaltetem Sinus und Wulst. Schale faserig.
Sp. disjunctus Sow. (Leth. pal., t. 35, Fig. 2). Mittel-,
hauptsächlich Oberdevon. Europa, Kleinasien, China, Australien,
Nordamerika.
Sp. striatus Mart. sp. (Fig. 211 A). Subcarbon -- Perm. Europa,
Amerika, Indien.
Sp. Mosquensis Fisch. (Fig. 211 B). Subcarbon und Carbon. Belgien,
Russland.
2. Mit glattem Sinus und Wulst.
α. Schale faserig.
Sp. macropterus Gf. (Fig. 211 E). Leitmuschel für das Unterdevon.
Rheinisches Schiefergebirge, Harz etc. (Spiriferensandstein).
Sp. speciosus Schl. sp. (Leth. pal., t. 28, Fig. 2). Unter-,
hauptsächlich Mitteldevon. Eifel, England, Belgien.
Sp. cultrijugatus F. Rö. Unterdevon und Basis des Mitteldevons
(Cultrijugatusschichten). Europa. Upper Helderberg Gr. Nordamerika.
Sp. laevicosta Val. sp. (Fig. 211 D). Unter-, hauptsächlich
Mitteldevon. Eifel, Belgien, England.
Sp. alatus Schl. (Leth. pal., t. 67, Fig. 7). Perm. Deutschland,
England, Spitzbergen, Indien.
β. Schale punktirt.
Sp. (Syringothyris) cuspidatus Mart. sp. (Fig. 211 C). Subcarbon.
Belgien, England.
Sp. (Cyrtina) heteroclytus Dfr. sp. (Leth. pal., t. 28, Fig. 4).
Unter-, namentlich Oberdevon. Eifel, Belgien, Frankreich, England.
Sp. (Spiriferina) cristatus Schl. sp. Subcarbon -- Perm.
Deutschland, England, Indien, Timor.
Sp. (Spiriferina) fragilis Schl. sp. Unterer und Oberer Muschelkalk.
Deutschland.
Sp. (Spiriferina) Walcotti Sow. Unterer und mittlerer Lias. Europa,
Südamerika.
Sp. (Spiriferina) Muensteri Dav. Alpiner Rhät. Unterer und mittlerer
Lias. Europa.
B. Schale ohne Falten und Rippen.
a. Schale gestreift.
Sp. (Cyrtia) exporrectus Wahl. sp. (Leth. pal., t. 13, Fig. 13).
Obersilur. England, Skandinavien, Böhmen.
b. Schale glatt.
α. Schale faserig.
Sp. glaber Mart. sp. (Leth. pal., t. 43, Fig. 11). Oberdevon und
häufig im Subcarbon. Europa, Nordamerika.
β. Schale punktirt.
Sp. (Spiriferina) rostratus Schl. sp. (Fig. 211 F). Unterer und
mittlerer Lias. Europa.
c. Schale mit netzförmiger Streifung und feinen Stacheln.
Sp. (Reticularia) lineatus Mart. sp. Oberdevon -- Perm. Europa,
Amerika, Indien.
Athyris M’Coy (Fig. 212 A, B). Schale faserig, mit concentrischen
Anwachsstreifen oder glatt. Schlossrand gebogen. Schnabel mit runder
Oeffnung (A f). Deltidium kaum entwickelt. Das Armgerüst (B) zeigt
einen verwickelteren Bau als bei Spirifer, indem auf die Stiele (cr)
jederseits ein kurzer erster Spiralumgang (a) folgt, von welchem sich
ein Anhang (r) abzweigt. Beide Anhänge vereinigen sich in der Mitte zu
einer Platte (p). Vielleicht schon im Silur, häufig im Devon, in der
Steinkohlenformation und im Perm, seltener in der Trias.
A. concentrica v. B. sp. (Fig. 212 A). Im Devon über die ganze Erde
verbreitet.
A. spiriferoides Hall. Devon (Hamilton Gr.). Nordamerika.
A. ambigua Phill. (Fig. 212 B). Subcarbon. England, Belgien etc.
A. subtilita Hall. Subcarbon, namentlich Carbon. Europa, Amerika.
A. Roissyi Lev. Subcarbon -- Perm. Europa, Indien.
A. oxycolpos Emmr. sp. Alpiner Rhät.
[Illustration: Fig. 212. A Athyris concentrica v. B. sp. Mitteldevon.
Eifel. f = Schnabelloch. B A. ambigua Sow. Subcarbon. England.
Die grössere Klappe ist entfernt. sp = Spiralkegel; a = erster
Spiralumgang; r = mittlere Anhänge, sich in einer Platte (p)
vereinigend; cr = Stiele.]
Retzia King. Durch punktirte und meist gerippte Schale unterschieden;
kommt in vielen Arten vom Silur bis in die Trias vor.
R. Salteri Dav. Obersilur. Nordeuropa.
R. ferita v. B. sp. (Leth. pal., t. 28, Fig. 16). Mitteldevon.
Eifel.
R. radialis Phill. Subcarbon. Russland, Belgien, Grossbritannien.
R. Mormonii Marc. Carbon. Nord- und Südamerika.
R. trigonella Schl. sp. unterer und oberer Muschelkalk. Südalpen,
Deutschland.
Uncites Dfr. mit grossem, übergebogenem Schnabel, hohem Deltidium und
radialer Schalenstreifung, ist durch eine Art vertreten. Devon.
U. gryphus Dfr. (Leth. pal., t. 32, Fig. 2) im Mitteldevon
(Stringocephalenkalk) Deutschlands häufig. Auch in England und in den
Ostalpen.
8. Fam. Atrypidae.
Schale meist mit gerundetem Schlossrand und ohne Area. Die Spiralkegel
richten ihre Grundfläche gegen die grosse, ihre Spitzen gegen die Mitte
der kleinen Klappe (Fig. 213 B). Häufig im Paläozoicum, selten in der
Trias und im Lias (Koninckella p. 213).
[Illustration: Fig. 213. A, B Atrypa reticularis L. sp. Mitteldevon.
Eifel. f = Schnabelloch. B dieselbe aus England. Junges Exemplar. Die
kleinere Klappe ist zum grössten Theile entfernt. cr = Stiele (Crura);
b = Verbindungsband der Spiralkegel (sp).]
Atrypa Dalm. (Fig. 213 A, B). Schale beiderseits gewölbt, meist
radial gerippt und mit concentrischen, oft blättrigen Anwachsstreifen
versehen, faserig. Grössere Klappe die kleinere nur wenig überragend.
Schnabel kurz, übergebogen, mit Schnabelloch (f). An den Schlossrand
der kleineren Klappe heften sich die Stiele (B cr), welche die
Spiralkegel (sp) tragen. Letztere werden durch ein gebogenes Band (B b)
verbunden. Silur und Devon.
A. reticularis L. sp. (Fig. 213). Silur und Devon. Ueberall.
A. desquamata Sow. sp. }
} Ueberall im Devon.
A. aspera Schl. sp. }
3. Unterordnung Terebratulacea.
Das gemeinsame Merkmal der Terebratulacea ist das Vorhandensein eines
einfachen, nicht spiral gewundenen Armgerüstes. Dasselbe besitzt
entweder die Form einer Schleife (Fig. 217; Fig. 218), oder besteht
nur aus 2 einfachen Stielen (Crura) (Fig. 214 K cr). Der Schlossrand
ist meist gebogen, selten gerade. Vom Silur bis zur Gegenwart. Die
Maximalentwickelung fällt in das Mesozoicum.
9. Fam. Rhynchonellidae.
Schale beiderseits gewölbt, meist faserig. Schnabel spitz, umgebogen.
Schlossrand fast immer gebogen. Radiale Berippung herrscht vor. Mehrere
paläozoische, eine paläozoisch -- lebende Gattung. Die wichtigsten
Gattungen lassen sich nach den, durch Anschleifen oder Anätzen leicht
sichtbar zu machenden Mittelleisten folgendermaassen unterscheiden:
A. Eine Mittelleiste nur in der kleineren Klappe vorhanden (Fig. 214 K m)
Rhynchonella.
B. Mittelleisten in beiden Klappen (Fig. 215 B s, s’; Fig. 216 A s’, cp).
a. Mittelleiste der grösseren Klappe kurz (Fig. 215 B s), die der
kleineren stets einfach (Fig. 215 B s’) Camarophoria.
b. Mittelleiste der grösseren Klappe lang (Fig. 216 C s), die der
kleineren meist doppelt (Fig. 216 A cp) Pentamerus.
[Illustration: Fig. 214. A-L Rhynchonella. A, B Rh. cuboides Phill.
Oberdevon. Grund im Harz. w = Wulst der kleineren, s = Sinus der
grösseren Klappe. A von vorn, B von unten gesehen. C, D Rh. cornigera
Schfh. sp. Rhät. Piesting, österreichische Alpen. C von unten, D
von vorn. E Rh. gryphitica Qu. Unterer Lias (α). Metz. F Rh. acuta
Sow. sp. Mittlerer Lias (δ). Uhrweiler, Unterelsass. G Rh. spinosa
Schl. sp. Oberer Dogger (Varians-Schichten). Pfirt, Oberelsass. H,
I Rh. varians Schl. sp. Dieselbe Schicht. Blumberg am Randen. I von
unten. K, L Rh. psittacea Lmk. Lebend. K kleinere, L grössere Klappe
von innen. p’ = Zahngrubenplatte; cr = Crura; m = Mittelleiste; s’ =
Schliessmuskeleindrücke; f = Schnabelloch (Foramen); d = Deltidium; z
= Schlosszähne; s = Eindrücke der Schliessmuskeln; di = Eindrücke der
Oeffnungsmuskeln.]
Rhynchonella Fisch. (Fig. 214 A-L). Schale meist faserig und radial
gefaltet. Schnabel der grösseren Klappe klein, umgebogen und spitz, mit
gewöhnlich kleinem, vom Deltidium (L d) umschlossenen Schnabelloch (L
f). Schlosszähne (L z) durch Zahnplatten mit der Schale verbunden. Die
Eindrücke der Schliessmuskeln (L s) der grösseren Klappe klein, die
der Oeffnungsmuskeln (L di) gross, tief herabreichend. Kleinere Klappe
mit Zahngrubenplättchen (K p’), hinter welche die Zähne der grösseren
eingreifen, und mit 2 gebogenen, stielartigen Fortsätzen (Crura --
K cr), an welche die Arme sich anheften. Eine kurze Mittelleiste (K
m) trennt die beiden Paare der Schliessmuskeleindrücke (K s’). Meist
besitzt die grössere Klappe eine mittlere Einsenkung (Sinus B s, I
s), welcher ein Wulst der kleineren Klappe entspricht (A w, F w, H
w, I w); sehr selten sind Formen mit Sinus in beiden Klappen (C). In
mehr als 500 Arten vom Silur bis zur Gegenwart, am formenreichsten
im Mesozoicum, namentlich in Jura und Kreide. Tertiär und Lebend nur
wenige Arten.
1. Schale gerippt, mit Sinus und Wulst (Fig. 214 A, B, E, H, I).
Rh. capax Conr. (Leth. pal., t. 4, Fig. 13). Untersilur. Nordamerika.
Rh. borealis Schl. sp. Ober-, selten Untersilur. Nordeuropa.
Rh. nucula Sow. sp. Obersilur. Nordeuropa. Häufig in den diluvialen
Geschieben Norddeutschlands (Beyrichienkalk).
Rh. cuneata Dalm. sp. (Leth. pal., t. 13, Fig. 9). } Obersilur.
} Europa,
Rh. Wilsoni Sow. sp. (Leth. pal., t. 13, Fig. 6). } Nordamerika.
Rh. livonica v. B. sp. (Leth. pal., t. 23, Fig. 7). Unter- und
Mitteldevon. Europa, Nordamerika.
Rh. parallelepipeda Bron. sp. (Leth. pal., t. 28, Fig. 18).
Mitteldevon. Europa, China.
Rh. pugnus Sow. sp. (Leth. pal., t. 43, Fig. 2). Mitteldevon --
Carbon. Europa, China.
Rh. cuboides Sow. sp. (Fig. 214 A, B). Oberdevon. Europa,
Nordamerika, Kleinasien.
Rh. pleurodon Phill. sp. Mitteldevon -- Carbon. Europa.
Rh. fissicostata Suess. Alpiner Rhät.
Nachstehende Arten gehören zu den häufigsten und bezeichnendsten
Vorkommnissen im Jura und in der Kreide Mitteleuropas, fehlen aber
meist in den Ablagerungen der südeuropäischen Facies:
Rh. gryphitica Qu. (Fig. 214 E). Unterer Lias (α).
Rh. rimosa v. B. sp. Mittlerer Lias (γ).
Rh. tetraëdra Sow. sp. Mittlerer Lias (δ).
Rh. concinna Sow. sp. Oberer Dogger.
Rh. varians Schl. sp. (Fig. 214 H, I). Oberer Dogger
(Varians-Schichten).
Rh. Thurmanni Voltz sp. Oxford. Besonders häufig im Terrain à
chailles.
Rh. lacunosa Schl. sp. Oberer Malm.
Rh. multiformis Rö. sp. Neocom.
Rh. depressa Sow. sp. Untere Kreide.
Rh. compressa Lmk. sp. Cenoman.
Rh. plicatilis Sow. sp. Obere Kreide.
Rh. limbata Sow. sp. Senon.
Rh. psittacea Lmk. sp. (Fig. 214 K, L). Pliocän, Quartär und Lebend.
Nordeuropa, Nordamerika.
2. Schale gerippt, mit Sinus in beiden Klappen (Fig. 214 C, D).
Rh. pedata Bronn. sp. Alpiner Keuper.
Rh. cornigera Schfh. sp. (Fig. 214 C, D). Alpiner Rhät.
3. Schale schwach gefaltet oder glatt, mit kielartigem Wulst in der
kleinen Klappe (Fig. 214 F w).
Rh. acuminata Sow. sp. (Leth. pal., t. 43, Fig. 3). Mitteldevon --
Subcarbon. Ueberall verbreitet.
Rh. acuta Sow. sp. (Fig. 214 F). Mittlerer Lias (δ). Mitteleuropa.
4. Schale gerippt, ohne Sinus und Wulst.
Rh. peregrina v. B. sp. Neocom. Westalpen, Cevennen, Apennin,
Ostkarpathen. Die grösste Art der Gattung.
5. Die Rippen der Schale mit Stacheln verziert (Fig. 214 G).
Rh. spinosa Schl. sp. (Fig. 214 G). Mittlerer Dogger -- Callovien.
Mitteleuropa.
Camarophoria King (Fig. 215 A, B). Im Habitus von Rhynchonella nicht
unterschieden (A), aber durch die stärkere Ausbildung der Mittelleisten
abweichend. An die Zähne der grösseren Klappe schliessen sich
starke Zahnplatten (B zp) an, welche sich zu einer Mittelleiste (s)
vereinigen. Die hohe Mittelleiste der kleineren Klappe (s’) seitlich
durch flügelartige Zahnplatten (zp’) mit der Schale verbunden.
Schlossfortsatz (f) stärker entwickelt als bei Rhynchonella. Die
Stiele (cr) lang und dünn. Devon -- Perm. Im Perm viel häufiger als
Rhynchonella.
[Illustration: Fig. 215. A, B Camarophoria Schlotheimi v. B. sp.
Perm (Zechstein). England. B das Schloss von innen gesehen; oben die
grössere, unten die kleinere Klappe. s = Mittelleiste, zp = Zahnplatten
der grösseren Klappe; f = Schlossfortsatz, cr = Stiele, zp’ =
Zahnplatten, s’ = Mittelleiste der kleineren Klappe.]
C. rhomboidea Phill. sp. Mitteldevon -- Carbon. Russland,
Deutschland, Belgien, England.
C. globulina Phill. Subcarbon -- Perm. Europa, Indien.
C. Schlotheimi v. B. sp. (Fig. 215). Perm. Russland, Thüringen,
England.
[Illustration: Fig. 216. A-D Pentamerus. A P. galeatus Dalm. sp.
Obersilur. England. B P. Knightii Sow. Ebendaher. In der Mitte
durchgespalten. C, D P. brevirostris Phill. Devon. England. C
Innenansicht der grösseren, D der kleineren Klappe. s = Mittelleiste
der grösseren, s’ = diejenige der kleineren Klappe; zp = Zahnplatten;
cp = Cruralplatten; zg = Zahngruben.]
Pentamerus Sow. (Fig. 216 A-D). Schale meist stark gewölbt, mit
grossem, umgebogenem und spitzem Schnabel, ohne Area und Deltidium,
häufig radial gerippt, selten glatt. Gewöhnlich ein Sinus und Wulst
vorhanden. Die Schlosszähne der grösseren Klappe werden durch starke
Zahnplatten (C zp, B zp) gestützt, die sich gegen die Schale hin zu
einer langen Mittelleiste (A s, B s, C s) vereinigen. In der Mitte der
kleineren Klappe befinden sich an die Schale angeheftet 2 getrennte --
oder eine einfache, aber aus 2 Blättern bestehende -- Mittelleisten
(s’), die sich ebenfalls in schräge Platten (sog. Cruralplatten --
cp) fortsetzen. Letztere reichen bis über die Zahngruben hinauf und
dienten an Stelle der Crura zur Anheftung der Arme. Durch die Zahn-
und Cruralplatten wird eine, nur nach unten mit der Schalenhöhlung
communicirende Kammer gebildet. Da die Mittelleisten gewöhnlich aus 2
gesonderten Blättern bestehen, so spaltet die Schale beim Zerschlagen
leicht in 2 symmetrische Hälften (B). Eine ausschliesslich silurische
und devonische Gattung.
P. Knightii Sow. (Fig. 216 B) (Leth. pal., t. 13, Fig. 3). Obersilur.
Nordeuropa, Nordamerika.
P. conchidium Dalm. sp. (Leth. pal., t. 13, Fig. 5). Obersilur.
Nordeuropa, Nordamerika.
P. galeatus Dalm. sp. (Fig. 216 A). Häufig im Obersilur Europas und
Nordamerikas; im Devon Europas, Asiens und Nordamerikas.
P. brevirostris Dav. (Fig. 216 C, D). Mitteldevon. Eifel, England.
10. Fam. Terebratulidae.
Schale von meist gerundetem, selten eckigem Umriss, punktirt. Armgerüst
eine kürzere oder längere, am Schlossrande befestigte, aber mit der
Schale der kleineren Klappe höchstens durch 2 schmale Querbrücken (Fig.
219 A q) befestigte Schleife bildend (Fig. 217 B, D, F; Fig. 218 B;
Fig. 219 A). Schlossfortsatz kurz. In der kleineren Klappe häufig eine
Mittelleiste. Schnabelspitze durchbohrt. Diese Familie beginnt schon
im paläozoischen Zeitalter, erreicht im Mesozoicum, namentlich in Jura
und Kreide, ihre stärkste Entwickelung (mehrere 100 Arten) und ist
im Tertiär und in der Jetztwelt noch durch eine geringere Anzahl von
Arten vertreten. Die Mehrzahl der lebenden Brachiopoden (ca. 60) gehört
hierher. Man unterscheidet 2 Gattungen, die wiederum in eine grosse
Zahl von Untergattungen oder Gruppen zerlegt werden.
Schlossrand meist gebogen. Schleife frei in das Schaleninnere
herabhängend (Fig. 217 B, D, F; 218 B) Terebratula.
Schlossrand meist gerade. Schleife in der Mitte der Schale durch 2
Querbrücken (Fig. 219 A q) an dieselbe befestigt
Terebratella.
Terebratula (Fig. 217; Fig. 218). Schale beiderseits gewölbt oder eine
Klappe eingedrückt, glatt oder radial berippt, zuweilen auch gefaltet.
Schnabel meist kurz und übergebogen, durchbohrt und abgestutzt.
Kleinere Klappe ohne oder mit Mittelleiste (s’). Das Armgerüst bildet
eine am Schlossrande der kleineren Klappe mit Hülfe zweier Stiele (cr)
befestigte Schleife von W-förmiger Gestalt. Dieselbe besteht aus 2
absteigenden (a) und 2 aufsteigenden Aesten (a’). Letztere vereinigen
sich unter spitzem Winkel (Fig. 217 B, D), oder werden durch eine
plattenförmige Ausbreitung (Fig. 217 F pl) oder durch ein Querband
(Fig. 218 B q) zusammengehalten. Die Crura endigen meist in spitzen
Fortsätzen (Cruralfortsätzen -- Fig. 217 D cf, F cf; Fig. 218 B cf),
die nur selten zu einem Bande verschmelzen (Fig. 217 B cf). Man
unterscheidet kurze (die Mitte der Schale nicht erreichende -- Fig. 217
B, D, F) und lange (über die Mitte hinabgehende Schleifen -- Fig. 218
B). Der Schlossfortsatz (sf) ist stets kurz. Neben der Anheftungsstelle
der Crura befindet sich jederseits eine deutliche Zahngrube (z’).
Die grössere Klappe überragt die kleinere meist nur wenig, besitzt
einen abgestutzten -- nicht spitzen, wie bei Rhynchonella -- und von
einem kleinen oder grossen Loche (f) durchbohrten Schnabel. Eine Area
wird häufig durch scharfe Kanten (sog. Arealkanten -- Fig. 218 A k)
abgetrennt. Das Deltidium befindet sich unterhalb (Fig. 218 A d) oder
auch seitlich vom Schnabelloche (Fig. 217 A d). Die 2 Schlosszähne
werden häufig durch Zahnplatten gestützt, welche als senkrechte
Scheidewände den Schnabel der grösseren Klappe durchsetzen.
[Illustration: Fig. 217. A-K Terebratula. A, B T. (Terebratulina)
gracilis Schl. Obere Kreide (Senon). Dover, England. B kleinere Klappe
von innen. C, D T. biplicata Sow. Cenoman. Warminster, England. D wie
B. E, F T. (Coenothyris) vulgaris Schl. Unterer Muschelkalk. Recoaro,
Südalpen. F wie B. G, H T. (Pygope) Aspasia Men. Lias. Sicilien. H
von unten gesehen. I T. (Pygope) diphya Col. Oberer Malm (Tithon).
Trient, Südtirol. K T. (Dictyothyris) coarctata Park. Oberer Dogger.
England. Bezeichnung der Buchstaben: Kleinere Klappe: o = Ohr; s’ =
Mittelleisten; w = Wulst; s = Sinus; f’ = Falte; l = Mittelloch; fl =
Flügel; e = Gefässeindrücke; sf = Schlossfortsatz; z’ = Zahngrube; sp =
Zahngrubenplättchen; cr = Crura; cf = Cruralfortsatz; a = absteigender,
a’ = aufsteigender Ast der Schleife; pl = Schleifenplatte. Grössere
Klappe: f = Schnabelloch (Foramen); d = Deltidium.]
[Illustration: Fig. 218. A-F Terebratula. A T. (Zeilleria) lagenalis
Schl. sp. Oberer Dogger (Cornbrash). England. B T. (Zeilleria) digona
Sow. Oberer Dogger (Great Oolit). England. Innenansicht der kleineren
Klappe. C T. (Zeilleria) numismalis Lmk. Mittlerer Lias. England.
D, E T. (Aulacothyris) impressa Br. Unteres Oxford (Impressathone).
Schwaben. E Ansicht von unten. F T. (Antiptychina) bivallata Desl.
Oberer Dogger. La Voulte, Ardèche. f = Schnabelloch; k = Arealkanten; d
= Deltidium; s’ = Mittelleiste; w = Wulst; f’ = Falte; s = Sinus; sp =
Zahngrubenplättchen; z’ = Zahngrube; cr = Crura; cf = Cruralfortsätze;
a = absteigender, a’ = aufsteigender Ast der Schleife; q = Querband.]
Die mesozoische Brachiopodenfauna erhält durch das Ueberwiegen der
Terebrateln (und der Rhynchonellen) über alle anderen Formen ihr
eigenthümliches Gepräge. Mehr als 300 Arten sind bekannt; davon
kommen nur wenige in paläozoischen Schichten (Silur -- Perm) vor, die
meisten sind auf das Mesozoicum beschränkt; auf Tertiär und Jetztzeit
kommen nur noch etwa 50. Wegen der grossen Formenmannigfaltigkeit
hat man sich zur Unterscheidung zahlreicher, zum Theil sehr gut
charakterisirter Gruppen oder Untergattungen genöthigt gesehen, deren
wichtigste wegen der hohen geologischen Bedeutung der Gattung im
Nachstehenden aufgeführt sind. Zur Unterscheidung derselben ist häufig
ein Anschleifen oder Anätzen (mit HCl) der Schale erforderlich, um
über die Länge der Schleife, oder das Fehlen oder Vorhandensein einer
Mittelleiste, ev. auch der Zahnstützen, Gewissheit zu erlangen.
A. Schalenoberfläche mit feinen radialen Streifen bedeckt. Schleife
kurz. Schlossrand gerade oder schwach gebogen. Schnabelloch gross
(Fig. 217 A, K).
a. Schale ungefaltet oder schwach gefaltet. Kleinere Klappe oft mit
ohrförmigen Ausbreitungen. Cruralfortsätze zu einem Querband
verwachsen. Jura -- Lebend. (Fig. 217 A, B -- Terebratulina.)
T. substriata Schl. Mittlerer und oberer Malm. Mitteleuropa.
T. chrysalis Schl. }
} Obere Kreide. Mittel- und Nordeuropa.
T. rigida Schl. }
T. gracilis Schl. (Fig. 217 A, B). Senon. Mittel- und Nordeuropa.
T. striatula Sow. Eocän. Europa.
T. caput serpentis L. sp. Pliocän. England. Lebend. Norwegen.
b. Schale gefaltet. Kleinere Klappe mit Mittelwulst und 2
einschliessenden Falten. Dogger -- Neocom.
(Fig. 217 K -- Dictyothyris.)
T. coarctata Park. (Fig. 217 K). Oberer Dogger. England, Frankreich.
B. Schalenoberfläche glatt oder grob gefaltet, nie fein gestreift.
a. Kleinere Klappe ohne deutliche Mittelleiste.
α. Schale beiderseits mehr oder minder regelmässig gewölbt oder
am Stirnrand gefaltet (meist mit 2 Falten in beiden Klappen).
Arealkanten undeutlich. Schnabelloch gross. Devon -- Lebend.
(Fig. 217 C, D -- Terebratula s. str. [Biplicatae].)
T. sacculus Mart. sp. Mitteldevon -- Carbon. Europa.
T. hastata Sow. (Leth. pal., t. 43, Fig. 1). Kohlenformation. Europa,
China.
T. elongata Schl. (Leth. pal., t. 62, Fig. 11). Perm (Zechstein).
Europa.
T. gregaria Suess. Alpiner Rhät. Unterer Lias in und ausserhalb der
Alpen.
T. punctata Sow. Mittlerer Lias. Mitteleuropa.
T. perovalis Sow. Unterer Dogger. Mitteleuropa.
T. maxillata Sow. }
} Oberer Dogger. Mitteleuropa.
T. intermedia Sow. }
T. Galliennei d’Orb. Oxford. Mitteleuropa.
T. insignis Schübl. }
} Mittlerer und oberer Malm. Mitteleuropa.
T. bisuffarcinata Schl. }
T. subsella Leym. Oberer Malm (Kimmeridge). Mitteleuropa.
T. praelonga Sow. Neocom. Mitteleuropa.
T. Moutoniana d’Orb. Untere Kreide (Gault). Mitteleuropa.
T. biplicata Sow. (Fig. 217 C, D). Gault und Cenoman. Mitteleuropa.
T. semiglobosa Sow. Gault -- Turon. Mitteleuropa.
T. carnea Sow. Turon und Senon. Mitteleuropa.
T. grandis Blum. Oligocän -- Pliocän. Mitteleuropa.
T. ampulla Brocc. Miocän. Mitteleuropa.
T. vitrea Born. sp. Lebend. Mittelmeer.
β. Kleinere Klappe mit tief zurückgebogenem Sinus (Fig 217 G s,
H s) oder Schale dreieckig und meist gelocht (Fig. 217 I l).
Arealkanten meist scharf. Schnabelloch meist klein. Jura und
untere Kreide. (Fig. 217 G-I -- Pygope.)
1. Schale niedrig, undurchbohrt [Nucleatae].
T. Aspasia Men. (Fig. 217 G, H). Lias. Südeuropa.
T. nucleata Schl. Mittlerer und oberer Malm. Mitteleuropa.
2. Schale dreieckig, hoch, meist von einem Loche durchbohrt (Fig.
217 I l). In der Jugend von der Form der Nucleatae, aus denen
sie durch flügelartige Verlängerung der Schale nach unten und
Verwachsen der Flügel (I fl) entstehen. [Diphyae]. Südeuropa.
T. diphya Col. (Fig. 217 I). } Bezeichnend für die tithonische Facies
} des oberen südeuropäischen Malm
T. janitor Pict. } (Diphya-Kalk); seltener im Neocom.
T. diphyoides d’Orb. Bezeichnend für die gleiche Facies der untersten
Kreide.
b. Kleinere Klappe mit deutlicher Mittelleiste (s’), die oft durch
die Schale durchschimmert.
α. Schleife die Schalenmitte nicht erreichend. Die aufsteigenden
Arme in einer Platte (Fig. 217 F pl) vereinigt. Schnabelloch
gross. Gestalt wie Terebratula. Trias
(Fig. 217 E, F -- Coenothyris.)
T. vulgaris Schl. (Fig. 217 E, F). Leitfossil für den Muschelkalk,
in den Alpen nur in der unteren Abtheilung desselben.
»Terebratula-Bänke«.
β. Schleife bis zur oder (meist) über die Schalenmitte reichend.
Die aufsteigenden Aeste durch Querband vereinigt. Arealkanten
meist scharf. (Fig. 218 -- Waldheimia.)
1. Schnabelloch sehr gross. Schale mit zahlreichen, nie mit
wenigen Falten oder glatt.
T. cardium Lmk. Oberer Dogger. England, Frankreich.
T. flavescens Val. (Fig. 195). Lebend. Australien.
2. Schnabelloch meist klein; wenn mässig gross, Schale mit wenigen
Falten.
* Schale ungefaltet oder mit correspondirenden Wülsten oder
Falten auf beiden Klappen. Silur -- Eocän, hauptsächlich Jura.
(Fig. 218 A-C -- Zeilleria [Cinctae].)
T. melonica Barr. sp. Unterdevon (Silur F). Böhmen.
T. cornuta Sow. Alpiner Rhät. Im unteren und mittleren Lias
ausserhalb der Alpen.
T. perforata Piette. Unterer Lias (α). Mitteleuropa.
T. numismalis Lmk. (Fig. 218 C). Mittlerer Lias (γ)
(Numismalismergel). Mitteleuropa.
T. ornithocephala Sow. Oberer Dogger. Mitteleuropa.
T. lagenalis Schl. (Fig. 218 A). Oberster Dogger. Mitteleuropa.
(Lagenalisschichten.)
T. digona Sow. Oberer Dogger. England, Frankreich.
T. humeralis Rö. Oberer Malm. Mitteleuropa.
T. pseudojurensis Leym. Neocom. Mitteleuropa.
** Kleinere Klappe mit langem mittleren Sinus, grössere mit
entsprechendem Wulst. Silur -- untere Kreide, hauptsächlich
Jura. (Fig. 218 D, E -- Aulacothyris.)
T. angusta Schl. Muschelkalk, besonders in den Alpen.
T. resupinata Sow. Mittlerer Lias. Mitteleuropa.
T. carinata Lmk. Mittlerer Dogger. Mitteleuropa.
T. pala Buch. Callovien. Mitteleuropa, Alpen.
T. hippopus Rö. Neocom. Mitteleuropa.
*** Kleinere Klappe mit langem und tiefem Sinus, der durch einen
Mittelwulst in 2 Falten zerlegt ist. Silur -- untere Kreide.
(Fig. 218 F -- Antiptychina.)
T. Mawii Dav. Obersilur. England.
T. bivallata Del. (Fig. 218 F). Oberer Dogger. Südfrankreich, Nord-
und Südalpen.
T. Vilsensis Opp. Alpines Callovien.
Terebratella d’Orb. (Fig. 219 A-E). Schale meist beiderseits gewölbt
oder kleinere Klappe flach. Schnabel in der Regel gross, mit meist
grossem Schnabelloch (f), hoher Area (a) und deutlichem Deltidium
(d). Schlossrand mehr oder weniger gerade. Mittelleiste (s’) stark
entwickelt, stets durch eine Querbrücke (q) mit dem absteigenden Aste
(a) der langen Schleife verbunden. Schale meist gefältelt und oft mit
concentrischen Streifen (B, C), seltener glatt (D, E). Die mannigfachen
Modificationen der Armschleife haben auch bei dieser Gattung zur
Abzweigung zahlreicher Untergattungen Veranlassung gegeben. Von weit
geringerer Wichtigkeit als Terebratula. Beginnt im Lias, ist häufig in
Jura und Kreide und wird jetzt noch durch zahlreiche lebende Formen
vertreten.
[Illustration: Fig. 219. A-E Terebratella. A, B T. Menardi Lmk.
sp. Untere Kreide (Aptien). Farringdon, England. A kleinere Klappe
von innen. z’ = Zahngruben; sl = Schlossfortsatz; cr = Crura; a =
absteigender, a’ = aufsteigender Ast der Schleife; q = Querband,
welches den absteigenden Ast (a) mit der Mittelleiste (s-s’) verbindet;
B-E f = Schnabelloch; a = Area; d = Deltidium. C T. (Megerlea)
pectunculus Schl. sp. Oberer Malm. Franken. D T. (Kingena) lima Dfr.
sp. Senon. England. E T. (Magas) pumilus Sow. Senon. England.]
A. Schale radial gerippt oder gestreift.
T. (Megerlea) pectunculus Schl. sp. (Fig. 219 C). Mittlerer und
oberer Malm. Mitteleuropa.
T. (Megerlea) loricata Schl. sp. Mittlerer und oberer Malm.
Mitteleuropa.
T. (Megerlea) truncata Gmel. sp. Lebend. Mittelmeer.
T. oblonga Sow. sp. Neocom -- Aptien. Mitteleuropa.
T. Menardi Lmk. sp. (Fig. 219 A, B). Obere Kreide. Mitteleuropa.
T. pectita Sow. sp. Cenoman. Mitteleuropa.
B. Glatte Formen.
T. (Magas) Geinitzi Schlönb. Cenoman und Turon. Mitteleuropa.
T. (Magas) pumilus Sow. (Fig. 219 E). Senon. Mitteleuropa.
T. (Kingena) lima Dfr. sp. (Fig. 219 D). Gault -- Senon.
Mitteleuropa.
11. Fam. Stringocephalidae.
Diese ausgestorbene Familie ist nur durch eine Gattung
Stringocephalus Dfr. (Fig. 220 A, B) vertreten, welche die grössten
der Terebratula-artigen Schalen enthält (bis 0,14 m im Durchmesser
haltend). -- An der nicht punktirten Schalenstructur und dem unterhalb
der Schnabelspitze gelegenen Loch (f) leicht zu erkennen. Eine grosse
Area (a) und ein das Schnabelloch umfassendes Deltidium (d) vorhanden.
Das Armgerüst ist schleifenförmig wie bei Terebratula, heftet sich mit
seinen Stielen (cr) an den Schlossrand, steigt erst über die Mitte
der Schale herunter, dann wieder ganz in die Höhe und erreicht, der
kleineren Klappe eng anliegend, nahezu den Grund der Schale (B). Vom
letzten Bogen der Schleife gehen schräg nach oben und hinten gerichtete
Fortsätze ab (st). Der stark entwickelte Schlossfortsatz (sf) reicht
fast bis zur grösseren Klappe und umfasst mit seinem gespaltenen
Ende die lange Mittelleiste (s) derselben. Auch die Mittelleiste der
kleineren Klappe (s’) ist sehr lang. Devon. Häufig ist nur eine Art
Str. Burtini Dfr. sp. (Fig. 220) im oberen Mitteldevon
(Stringocephalenkalk) Deutschlands, Belgiens, Englands und am Ural.
[Illustration: Fig. 220. A, B Stringocephalus Burtini Dfr. sp.
Mitteldevon. Paffrath b. Köln. B restaurirte Innenansicht, von der
Seite. f = Schnabelloch; d = Deltidium; a = Area; s = Mittelleiste der
grösseren, s’ = der kleineren Klappe; cr = Crura; st = Fortsätze der
Schleife; sf = gespaltener Schlossfortsatz.]
12. Fam. Thecideidae.
Zu dieser Familie gehören kleine Formen, die meist festgewachsen,
seltener frei und mit einer Durchbohrung in der grösseren Klappe
versehen sind. Der Schlossrand ist stets gerade. Das Armgerüst besitzt
Schleifenform, ist aber meist in seiner ganzen Ausdehnung mit der
kleineren Klappe verwachsen und häufig mit nach innen gerichteten
Fortsätzen versehen. Vom Perm bis zur Jetztzeit entwickelt.
Einigermaassen häufig findet sich im Mesozoicum, namentlich in der
Kreide, die Gattung
Thecidea Dfr., die an der dreieckigen Area und dem Pseudodeltidium in
der festgewachsenen grösseren Klappe leicht kenntlich ist.
Th. antiqua Gf. Unteres Oxford. Süddeutschland.
Th. papillata Schl. }Obere Kreide. Mitteleuropa.
Th. hieroglyphica Dfr. }
Th. mediterranea Risso. Lebend. Mittelmeer.
Die ausserordentliche Formenmannigfaltigkeit der fossilen Brachiopoden
(man unterscheidet über 2500 Arten) und das massenhafte Auftreten
derselben in marinen Ablagerungen aus mässig tiefem Wasser stempelt
sie zu werthvollen Leitfossilien, namentlich für die paläozoischen und
mesozoischen Formationen; doch wirkt immerhin die grosse Variabilität
innerhalb der formenreichen Gattungen, wie Productus, Rhynchonella,
Terebratula und die erstaunliche Persistenz mancher Typen, wie Lingula,
Rhynchonella, etwas hindernd. Das Dominiren der niedriger organisirten
Ecardines in den ältesten (cambrischen und silurischen) Bildungen, das
Ueberwiegen der Productacea und Spiriferacea in den paläozoischen, der
Terebratulacea in den mesozoischen Formationen und die untergeordnete
Rolle, welche die Brachiopoden in der heutigen Fauna spielen, sind sehr
bemerkenswerthe Thatsachen.
Die geologische Verbreitung der angeführten Gattungen ist aus
nachstehender Tabelle ersichtlich.
+---------+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+
| |L|O|D|C|P|S|C|O|S|S|L|S|A|R|U|A|R|C|P|T|T|S|T|
| |i|b|i|r|r|t|h|r|t|t|e|p|t|e|n|t|h|a|e|e|e|t|h|
| |n|o|s|a|o|r|o|t|r|r|p|i|h|t|c|r|y|m|n|r|r|r|e|
| |g|l|c|n|d|o|n|h|e|o|t|r|y|z|i|y|n|a|t|e|e|i|c|
| |u|u|i|i|u|p|e|i|p|p|a|i|r|i|t|p|c|r|a|b|b|n|i|
| |l|s|n|a|c|h|t|s|t|h|e|f|i|a|e|a|h|o|m|r|r|g|d|
| |a| |a| |t|a|e| |o|o|n|e|s| |s| |o|p|e|a|a|o|e|
| | | | | |u|l|s| |r|m|a|r| | | | |n|h|r|t|t|c|a|
| | | | | |s|o| | |h|e| | | | | | |e|o|u|u|e|e| |
| | | | | | |s| | |y|a| | | | | | |l|r|s|l|l|p| |
| | | | | | |i| | |n| | | | | | | |l|i| |a|l|h| |
| | | | | | |a| | |c| | | | | | | |a|a| | |a|a| |
| | | | | | | | | |h| | | | | | | | | | | | |l| |
| | | | | | | | | |u| | | | | | | | | | | | |u| |
| | | | | | | | | |s| | | | | | | | | | | | |s| |
+=========+=+=+=+=+=+=+=+=+=+=+=+=+=+=+=+=+=+=+=+=+=+=+=+
|Lebend |†| |†|†| | | | | | | | | | | | |†| | |†|†| |†|
|Tertiär |†| |†|†| | | | | | | | | | | | |†| | |†|†| |†|
+---------+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+
| | | | | | | | | | | | | | | | | |†| | |†| | | |
|Kreide |†| |†|†| | | | | | | | | | | | | | | | |†| |†|
| | | | | | | | | | | | | | | | | |†| | |†| | | |
| | | | | | | | | | | | | | | | | |†| | |†| | | |
|Jura |†| |†|†| | | | | | | |†| | | | | | | | |†| |†|
| | | | | | | | | | | | | | | | | |†| | |†| | | |
|Trias |†| |†|†| | | | | | | |†|†|†| | |†| | |†| | |†|
+---------+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+
| | | | | |†| | | | | | |†|†| | | | | | | | | | |
|Perm |†| |†|†| |†|†|†|†| | |†|†|†| | |†|†| |†| | | |
| | | | | |†| | | | | | |†|†| | | | | | | | | | |
| | | | | |†| | | | | | |†|†| | | | | | | | | | |
|Kohlen- |†| |†|†| |†|†|†|†|†|†| | |†| |†|†|†| |†| | |?|
|formation| | | | |†| | | | | | |†|†| | | | | | | | | | |
| | | | | | | | | | | | |†|†| | | | | | | | | | |
|Devon |†| |†|†|†|†|†|†|†|†|†| | |†| |†|†|†|†|†| |†| |
| | | | | | | | | | | | |†| | | | | | | | | | | |
|Silur |†|†|†|†| | |†|†| |†|†| |?|†| |†|†| |†|†| | | |
| | |†| | | | | | | | | |†| | | | | | | | | | | |
|Cambrium |†| |†| | | | |†| | | | | | | | | | | | | | | |
| | |†| | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | |
+---------+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+-+
VII. Kreis: Mollusca (Weichthiere).
Litteratur über Mollusca.
Grössere Werke, in denen fossile Lamellibranchiata, Gastropoda
und Cephalopoda gleichzeitig behandelt sind. Diejenigen, welche
Cephalopoden enthalten, sind mit † versehen.
Paläozoische Formationen.
Geinitz, H. B. Dyas. Leipzig 1861. Nachträge I, II. 1880-82.
†Geological Survey of Illinois. Vol. II-VII. 1866-1883.
†Hall, J. Palaeontology of New-York. Vol. I-V. Albany. 1847-1885.
King, W. Monograph of the Permian Fossils of England. (Palaeontogr.
Society 1849.)
†M’Coy, Fr. Systematic Description of the British Palaeozoic Fossils.
London 1851-1855. (Zweiter Theil von Sedgwick’s Synopsis of the
Classification of the British Palaeozoic Rocks.)
Sandberger, G. und F. Die Versteinerungen des rheinischen
Schichtensystems in Nassau. 1850-1856.
Mesozoische Formationen.
Alberti, F. Überblick über die Trias. Stuttgart 1864.
†Geinitz, H. B. Das Elbthalgebirge in Sachsen (Paläontograph. Bd. XXX.
1870-75).
†Laube, G. Die Fauna von St. Cassian (Denkschr. d. Wiener Akad. d. W.
Bd. XXV. 1866).
Morris & Lycett. Monograph of the Mollusca of the Great Oolite; and
Supplement. (Palaeont. Society 1850, 1854, 1863.)
†Pictet et Campiche. Description des Fossiles du terrain crétacé de
Ste. Croix. In Pictet, matériaux pour la Paléontologie Suisse. V Sér.
†Quenstedt, F. A. Der Jura. Tübingen 1858.
Stoppani, A. Paléontologie Lombarde. Vol. I, II 1858-65.
etc. etc.
Känozoische Formationen.
Deshayes, G. P. Description des coquilles fossiles des environs de
Paris. Paris 1824-37.
---- Description des animaux sans vertèbres. Paris 1860-66.
Nyst, P. H. Description des Coquilles et des Polypiers fossiles des
terr. tert. de la Belgique. Bruxelles 1843.
Philippi, R. A. Die tertiären und quartären Versteinerungen Chiles.
Leipzig 1887.
Sandberger, Fr. Die Conchylien des Mainzer Tertiärbeckens. Wiesbaden
1860-1863.
Wood, S. Monograph of the Crag Mollusca (Palaeontogr. Society 1851,
1856).
Land- und Süsswassermollusken.
Neumayr, M., und Paul, C. M. Die Congerien- und Paludinenschichten
Slavoniens (Abh. d. k. k. geol. Reichsanstalt z. Wien. Bd. VII 1875).
Sandberger, Fr. Die Land- und Süsswasser-Conchylien der Vorwelt.
Wiesbaden 1875.
White, Ch. A. A Review of the Non-marine Fossil Mollusca of North
America.
Grössere Sammelwerke.
Goldfuss. Petrefacta Germaniae. 1826-40.
†Sowerby. Mineral Conchyology. 1812-1829.
Hand- und Lehrbücher über Mollusca (und Brachiopoda).
†Bronn, H. G. Klassen und Ordnungen des Thierreiches. Bd. III 1862-66.
†Fischer, P. Manuel de Conchyliologie. Paris 1880-87.
Philippi, R. A. Handbuch der Konchyliologie und Malakozoologie. Halle
1853.
†Woodward, S. P. A Manual of the Mollusca. IIIᵗʰ edit. with Appendix by
R. Tate. London 1875.
Der weiche, ungegliederte Körper der Mollusca oder Weichthiere besitzt
einen zweiseitig symmetrischen Bau. Ein bauchständiger Muskel, der
Fuss, dient zur Fortbewegung; der grösste Theil des Körpers, besonders
das Athmungsorgan, wird von einem Hautlappen, dem Mantel, umhüllt,
welcher in der Regel eine einfache oder aus mehreren Stücken bestehende
Kalkschale absondert. Gegliederte Anhänge sind nie vorhanden. Das
Nervensystem besteht aus 3 Hauptganglienpaaren. Bei den meisten
Weichthieren befindet sich im vorderen Theile des Verdauungscanals
eine Reibplatte oder Zunge (Odontophor). Die Fortpflanzung geschieht
durchgängig auf geschlechtlichem Wege. Die Mehrzahl der Weichthiere
lebt im Wasser, nur wenige (Landschnecken) sind dem Aufenthalte auf dem
Lande angepasst. Unter den Wasserbewohnern überwiegen die marinen über
die limnischen.
Die gut erhaltbaren Reste der Mollusken sind in allen fossilführenden
Formationen häufig und liefern werthvolle Leitfossilien, zumal ihre
horizontale Verbreitung in der Regel eine sehr weite, ihre verticale
eine beschränkte ist.
Eintheilung der Mollusca.
A. Thier ohne gesonderten Kopf. Schale zweiklappig oder einfach
röhrenförmig (und dann an beiden Enden offen). Acephala.
a. Schale zweiklappig; die beiden Klappen durch ein elastisches Band
verbunden. Zunge und Kiefer fehlen.
1. Klasse: Lamellibranchiata (Blätterkiemer, Muschelthiere).
b. Schale röhrenförmig, an beiden Enden offen. Zunge und Kiefer
vorhanden.
2. Klasse: Scaphopoda (Grabfüssler).
B. Thier mit gesondertem Kopf. Schale meist einfach, spiral gewunden,
röhren- oder napfförmig. Cephalophora.
a. Kopf undeutlich vom Thiere geschieden, Mund nicht von Armen
umgeben. Fuss nicht durchbohrt.
α. Fuss einfach, in der Mitte der Bauchfläche. Schale meist
vorhanden, solid, gewöhnlich unsymmetrisch spiral gewunden.
3. Klasse: Gastropoda (Bauchfüssler, Schneckenthiere).
β. Fuss zu paarigen Flossen umgestaltet. Schale, wenn vorhanden,
dünn, zerbrechlich und meist zweiseitig symmetrisch.
4. Klasse: Pteropoda (Flossenfüssler).
b. Kopf deutlich vom Thiere geschieden, mit 8 oder 10 Armen. Fuss
trichterförmig, durchbohrt.
5. Klasse: Cephalopoda (Kopffüssler, Tintenfische).
1. Klasse: Lamellibranchiata
(= Pelecypoda, Conchifera, Acephala, Bivalvia).
Litteratur über Lamellibranchiata.
(Vergl. auch p. 228 f.)
Agassiz, L. Etudes critiques sur les Mollusques fossiles. Neufchâtel
1840-45.
Barrande, J. Système silurien du centre de la Bohême. Vol. VI:
Acéphalés. 4 Bde. Paris et Prague 1882.
Coquand, H. Monographie du genre Ostrea. Terrain crétacé. Marseille
1869.
Douvillé, H. Essai sur la Morphologie des Rudistes. (Bull. soc. géol.
France, 3ᵉ sér., t. XIV 1886, p. 389). Chamidés (ibid. t. XV 1887, p.
756).
Hall, J. Geolog. Survey of the State of New York. Palaeontology vol. V,
Part 1: Lamellibranchiata. 2 Bde 1884-85.
Hoernes, R. Die fossilen Mollusken des Wiener Tertiärbeckens (Abh. d.
k. k. geol. Reichsanstalt. Bd. IV 1870).
de Koninck. Faune du Calcaire carbonifère de la Belgique. Vᵉ partie.
1886. (Annales du Musée royal d’histoire nat. de Belgique.)
Lycett, J. A Monograph of the British Fossil Trigoniae. (Palaeontogr.
Society 1872-1879).
Moesch, C. Monographie der Pholadomyen (Abh. d. schweiz. paläont.
Gesellschaft, Bd. I, II) 1874-75.
Neumayr, M. Zur Morphologie des Bivalvenschlosses (Sitzb. d. k. k.
Akad. d. Wiss. z. Wien, Bd. 88, I. Abth. 1883).
Paléontologie française. Terr. crétacés, vol. III, IV. 1843-47.
Stoliczka, F. Memoirs of the Geological Survey of India. Palaeontologia
Indica. Cretaceous Fauna of Southern India III, ser. VI. The
Pelecypoda. Calcutta 1870-1871.
White, Ch. A. A Review of the fossil Ostreidae of North America. (IV
Annual Report of the U. S. Geolog. Survey 1882-83. Washington 1884.)
Wood. S. V. A Monograph of the Eocene Bivalves of England.
(Palaeontogr. Society 1861-71.)
Zittel, K. A. Die Bivalven der Gosaugebilde. (Denkschr. d. k. k. Akad.
d. Wiss. zu Wien Bd. XXV) 1865-66.
[Illustration: Fig. 221. A eine ungleichklappige Muschel von vorn
gesehen. Die rechte (bei dieser Stellung linke) Klappe ist grösser
und stärker gewölbt als die linke (rechte). Die Wirbel sind nach vorn
übergebogen. B eine gleichklappige Muschel von oben und hinten gesehen.
Vorn = oben, hinten = unten. Das Ligament (l) liegt hinter den nach
vorn gerückten Wirbeln. Linke Klappe links, rechte Klappe rechts.]
Die Muschelthiere unterscheiden sich durch das Fehlen des Kopfes und
der Kauwerkzeuge, sowie durch den Besitz einer zweiklappigen Kalkschale
von den höher organisirten Weichthieren. Die Schale besteht aus zwei,
links und rechts von der Mittelebene des Thieres gelegenen Theilen
oder Klappen (Fig. 221 A) (Unterschied von den Brachiopodenschalen,
deren Klappen durch die Mittelebene halbirt werden). -- Besitzen
die beiden Klappen gleiche Grösse und Wölbung, so heisst die Schale
gleichklappig (Fig. 221 B), im entgegengesetzten Falle ungleichklappig
(Fig. 221 A). Dieser Unterschied tritt am besten hervor, wenn man die
Trennungsebene der beiden Klappen (Mittelebene) in die Gesichtslinie
fallen lässt (Fig. 221). Gewöhnlich stellt man die Schale aufrecht,
mit dem zuerst gebildeten Theil, dem Wirbel (Fig. 222 w), nach oben
und betrachtet dieselbe von der Seite, so dass bei gleichklappigen
Schalen nur eine Klappe sichtbar ist (Fig. 234 A). Für diese Stellung
gelten die Bezeichnungen Länge = Ausdehnung von links nach rechts
(Fig. 222 y-y), Höhe = Ausdehnung von oben nach unten (Fig. 222 x-x)
und Dicke = Ausdehnung von vorn nach hinten (die Breite der Schale
in Fig. 221 A, B). Die Bezeichnungen Oberrand (oder Schlossrand) und
Unterrand verstehen sich von selbst. Vorderrand (Fig. 222 rechts) und
Hinterrand (Fig. 222 links) werden nach der Lage des Wirbels, welcher
gewöhnlich nach vorn gerückt und oft nach vorn eingebogen ist, und nach
der Lage des elastischen Bandes, des Ligamentes, welches ganz oder zum
grössten Theil hinter dem Wirbel gelegen ist (Fig. 221 B l; Fig. 222
l), bestimmt. Die Bezeichnungen rechte oder linke Klappe gelten für die
Betrachtung der Schale von hinten oder oben, wenn der Vorderrand nach
vorn, der Hinterrand nach hinten gerichtet ist (Fig. 221 B). Blickt man
von vorn auf die Schale, so kehren sich die Bezeichnungen um (Fig. 221
A). Da der Wirbel meist nicht in der Mitte des Oberrandes gelegen und
der Vorderrand vom Hinterrande verschieden gebildet ist, so erscheinen
die Schalen von der Seite gesehen ungleichseitig (Fig. 222) und zwar in
den meisten Fällen vorn kürzer als hinten. Ungefähre Gleichseitigkeit
kommt nur bei den Ordnungen der Taxodonta und Dysodonta vor (Fig. 240;
Fig. 227 A).
[Illustration: Fig. 222. Die linke Klappe einer Muschel von innen
gesehen. Der Vorderrand liegt rechts, der Hinterrand links. x-x =
Höhe, y-y = Länge der Schale; w = Wirbel, dem Vorderrande genähert;
l = Ligament, hinter dem Wirbel gelegen; m = vorderer, n = hinterer
Muskeleindruck; ml = Mantellinie; mb = Mantelbucht; vz = vorderer
Seitenzahn; mz₁-mz₃ = vorderer, mittlerer und hinterer Hauptzahn.]
Das elastische Band (Ligament), welches die beiden Klappen am oberen
(dorsalen oder Schloss-) Rande zusammenhält, ist in der Regel von
aussen sichtbar und dann von horniger Beschaffenheit (äusseres Ligament
-- Fig. 221 B l). Häufig rückt ein Theil desselben, seltener das
ganze Band, zwischen die Ränder der beiden Klappen und wird knorpelig
(inneres Ligament -- Fig. 228 B l). Meist liegt es in einer Grube
(Bandgrube -- Fig. 223 lg), zuweilen auf einem abgegrenzten Felde
unter den Wirbeln (Bandarea -- Fig. 240 ar). Durch die selbstthätige
Contraction des Bandes wird ein Klaffen der Schale am Unter-, Vorder-
und Hinterrande verursacht, während das Schliessen der Schale durch ein
Muskelpaar oder durch einen einfachen Muskel geschieht. Die Eindrücke
der Schliessmuskeln sind auf der Innenseite jeder Klappe sichtbar.
Meist sind 2, nahezu gleich grosse, ein vorderer (Fig. 222 m) und ein
hinterer (Fig. 222 n) Muskeleindruck vorhanden -- Dimyaria, seltener
zwei sehr ungleiche (Fig. 281 m, n) -- Heteromyaria, oder nur ein
einziger, dem Hinterrande etwas genäherter, der hintere (Fig. 223
n) -- Monomyaria. Die kleinen Eindrücke der ebenfalls meist paarigen
Fussmuskeln sind oft in der Nähe der Schliessmuskeleindrücke zu
beobachten (Fig. 255 B fn). Viel seltener bleiben die Eindrücke der
Muskeln, mit welchen der Eingeweidesack sich an der Schale festheftet,
auf derselben sichtbar. Bei manchen Formen der Nuculidae bilden sie
eine markirte Reihe, welche vom hinteren Schliessmuskel zum Wirbel
zieht (Fig. 226 B am) -- accessorische Muskeleindrücke.
[Illustration: Fig. 223. Dysodontes Schloss (linke Klappe von Ostrea
Gingensis von innen). Ein einziger Muskeleindruck, der hintere (n), dem
Hinterrande genähert, vorhanden. Mantellinie undeutlich. Am Wirbel die
dreieckige Ligamentgrube (lg). Schlosszähne fehlen gänzlich.]
[Illustration: Fig. 224. Heterodontes Schloss (Cyprina tumida Nyst.).
R = rechte, L = linke Klappe von innen. L zeigt den vorderen (m) und
hinteren (n) Muskeleindruck und die beide verbindende ganzrandige
Mantellinie. l = Ligamentgrube, vom Wirbel nach hinten sich
verlängernd. Die Hauptzähne der linken Klappe, L a, b, c, wechseln
mit den Hauptzähnen der rechten, R e, f, ab und greifen in die
entsprechenden Zahngruben, R a’, b’, c’ ein, desgl. die Hauptzähne der
rechten Klappe. Linke Klappe mit einem hinteren Seitenzahne d, in die
hintere Zahngrube der rechten d’ passend. Der hintere Seitenzahn der R
(g) greift hinter denjenigen der L (g’). Zahnformel: L 10101 / R 01010.]
Die Grenze, bis zu welcher der Mantel des Thieres mit der Schale fest
verwachsen ist, erscheint in der Regel auf der Innenseite beider
Klappen als scharf bezeichnete Linie, welche dem Schalenrande ungefähr
parallel verläuft (Mantellinie -- Fig. 222 ml). Bei den Homomyaria und
Heteromyaria verläuft die Mantellinie von einem Muskeleindruck (Fig.
224 L m) zum andern (Fig. 224 L n). Sie heisst ganzrandig bei einfach
bogenförmigem Verlaufe (Fig. 224 L -- Integripalliata), ausgebuchtet,
wenn -- am hinteren Ende -- eine Einbiegung (Mantelbucht -- Fig. 222
mb) vorhanden ist (-- Sinupalliata). Das Auftreten dieser Bucht hängt
von der Entwickelung der Kloaken- und Kiemenöffnung im Mantel zu mehr
oder minder langen Röhren, den sog. Siphonen, ab.
Behufs festerer Verbindung der beiden Klappen finden sich bei den
meisten Muscheln am oberen oder Schlossrande zahn- oder leistenartige
Vorsprünge entwickelt, sog. Zähne (Fig. 224 a-f), welche in der Regel
in entsprechende Gruben der anderen Klappe -- Zahngruben (Fig. 224
a’-f’) -- eingreifen und so eine feste Angel herstellen, die eine
seitliche Verschiebung der beiden Klappen erschwert oder unmöglich
macht. Diese Articulationseinrichtung wird als Schloss bezeichnet.
Der Ober- oder Schlossrand jeder Klappe ist zu einer Platte --
Schlossplatte -- verbreitert und verdickt (Fig. 224). Wir haben
folgende verschiedene Arten der Schlossbildung zu unterscheiden:
1. Das Schloss ist dysodont (zahnlos), d. h. es fehlen zahnartige
Vorsprünge vollständig und die Klappen articuliren nur durch Ligament
(Fig. 223).
2. Das Schloss ist heterodont. In jeder Klappe finden sich eine
beschränkte Anzahl (bis 6) leistenförmige, seltener hakenförmige
Zähne (Fig. 224 L a, b, c, d, R e, f, g), die durch Zahngruben (L e’,
f’, R a’, b’, c’, d’) von einander getrennt werden. Die Zähne der
einen Klappe greifen derart in die Gruben und zwischen die Zähne der
anderen Klappe ein, dass kein todter Raum bleibt. Man unterscheidet
die mittleren, gegen den Wirbel hin convergirenden Hauptzähne (L a,
b, c, R e, f) von den seitlichen, dem Schalenrande mehr oder weniger
parallelen Seitenzähnen (L d, R g) und bezeichnet die Zähne von vorn
nach hinten zählend; z. B. für Fig. 224 L: a = vorderer, b = mittlerer,
c = hinterer Hauptzahn, d = hinterer Seitenzahn. Die Stellung der Zähne
lässt sich durch folgende allgemeine Formel ausdrücken: L 10101 / R
01010, wobei L die linke, R die rechte Klappe, 1 den Zahn und 0 die
Zahngrube bezeichnet (die Seitenzähne sind dabei nicht berücksichtigt).
3. Das schizodonte Schloss besteht aus einem starken, meist in der
Mitte gespaltenen, mittleren Dreieckszahne der linken Klappe (Fig. 225
C mz₂), welcher von 2 ∧-förmig divergirenden Zähnen der rechten Klappe
(B mz’₁, mz’₂) umfasst wird. Letztere greifen in entsprechende Gruben
der rechten Klappe und werden ihrerseits von 2 Zähnen derselben (C
mz₁, mz₃) umschlossen. Der mittleren Grube des Dreieckzahnes (C mz₂)
entspricht aber kein Zahn in der rechten Klappe, sondern an seiner
Stelle befindet sich ein todter Raum (B). Zahnformel: L 10[(101]01 / R
01 10. Die Zähne sind meist quer gerieft.
4. Das taxodonte oder Reihenzahnschloss wird von zahlreichen, meist
senkrecht zum Schlossrande gestellten, wenig differenzirten und
schmalen Kerbzähnen gebildet, welche in beiden Klappen abwechselnd
stehen (Fig. 226 B z, z’). Die Bezahnung ist in beiden Klappen
wesentlich die gleiche, und oft stehen die Zähne zu beiden Seiten des
Wirbels symmetrisch (Fig. 240 z).
[Illustration: Fig. 225. Schizodontes Schloss (Trigonia navis Lmk.).
A Schale gegen die rechte Klappe gesehen. B Schloss der rechten, C
Schloss der linken Klappe. mz’₁, mz’₂ = die 2 Zähne der rechten Klappe;
mz₂ = Dreieckszahn, mz₁ = vorderer, mz₃ = hinterer Hauptzahn der linken
Klappe; m, m’ = vorderer Muskeleindruck. Zahnformel:
L 1010101 / R 01 10.]
[Illustration: Fig. 226. Taxodontes Schloss (Leda Deshayesi Duch.).
Linke Klappe. A von aussen; k = Kante. B von innen; l = Ligamentgrube:
z = die vorderen, z’ = die hinteren Reihenzähne; m = vorderer, n
= hinterer Muskeleindruck; b = Mantelbucht; am = accessorische
Muskeleindrücke.]
5. Isodont heisst das Schloss bei symmetrischer Stellung weniger Zähne
und Gruben in beiden Klappen. Je 2 Zähne der einen Klappe (Fig. 227 C
y’-y’) umfassen 2 Zähne der anderen (B x). Die Zähne sind haken- oder
leistenförmig. Die Zahnformel lautet: L 1001 / R 0110.
[Illustration: Fig. 227. Isodontes Schloss (Spondylus). A Schale gegen
die rechte Klappe gesehen. B Schloss der rechten, C der linken Klappe.
le, le’ = äusseres, li, li’ = inneres Ligament; a, a’ = Area; x, y’ =
Zähne; y, x’ = Zahngruben, beide symmetrisch vertheilt. Zahnformel: L
1001 / R 0110.]
[Illustration: Fig. 228. Desmodontes Schloss (Mya). A Schlossrand der
linken Klappe mit dem löffelartigen Ligamentträger. vr = Vorderrand,
hr = Hinterrand, ml = Mittelleisten desselben. B Querschnitt durch die
Wirbel beider Klappen. Links linke, rechts rechte Klappe. Das Ligament
l wird jederseits von einem Ligamentlöffel (ll, ll’) getragen.]
6. Bei dem desmodonten Schlosse greifen die Vorsprünge des
Schlossrandes beider Klappen nur selten zahnartig in einander, stehen
sich vielmehr meist gegenüber (Fig. 228 B ll, ll’) und schliessen
gewöhnlich das Ligament (l) ein. Sie dienen in erster Linie als
Träger des Ligamentes und besitzen eine löffelartige (Fig. 228 A)
oder leistenförmige Gestalt. Wenn die Ränder oder Mittelleisten des
Ligamentlöffels (Fig. 228 A vr, hr, ml) sich zu zahnartigen Leisten
entwickeln, kann ein heterodontenähnliches Schloss entstehen. Die
Zahnstellung wird aber nicht echt heterodont und die Gruben werden
nicht immer ganz von Zähnen ausgefüllt, wie die Zahnformel von Mactra
(Fig. 239 B, C) zeigt: L 01010 l / R 1 0 1 l’, wobei l und l’ die
Ligamentgruben bedeuten.
Ausser den genannten Schlosstypen finden wir, namentlich bei den
ältesten (paläozoischen) Muscheln, häufig mangelhaft ausgeprägte
Schlossbildungen, die in einer erst beginnenden Kerbung des
Schlossrandes (Fig. 229 B z) sich ausdrücken, oder bei relativ jüngeren
Formen (Heteromyaria) reducirte Schlösser, welche vom taxodonten
Schloss abgeleitet werden (Fig. 281 vz, hz). Ueberhaupt erleidet die
Bezahnung selbst bei Formen einer und derselben Gattung sehr starke
Veränderungen, die sich bis zum vollständigen Verschwinden der Zähne
bei Gattungen mit starkem Schlosse steigern können.
Als wichtig für die Unterscheidung der Gattungen und Arten sind noch
folgende äusserliche Merkmale der Schale zu nennen:
Grenzt sich vor den Wirbeln durch Kanten ein ovales Feld ab, so heisst
dasselbe Möndchen (lunula). Findet das Gleiche hinter den Wirbeln
statt, so wird dasselbe als Feldchen (Fig. 225 A fe) bezeichnet. Schild
oder area nennt man ein abgegrenztes grösseres Feld des hinteren
Theiles der Schalenseite (Fig. 225 A a) oder auch ein ebenes Feld unter
dem Wirbel (Fig. 227 B a, C a’). Dasselbe wird insbesondere Bandarea
genannt, wenn das Ligament ganz oder z. Th. auf diesem Felde liegt
(Fig. 240 ar). Die periodischen Unterbrechungen des an den Wirbeln
beginnenden Wachsthums der Schale kommen auf der Oberfläche derselben
als concentrische Streifen, Rippen oder Furchen zum Ausdruck (Fig.
226 A). Zuweilen überträgt sich diese Furchung auch wohl auf die
Schlosszähne (Trigonia, Fig. 255 C mz₂, D mz₂; Plicatula) oder auf die
Muskeleindrücke (Astarte). Neben der concentrischen Verzierung findet
sich nicht selten eine radiale in der Form von Falten, Knoten, Rippen
oder Stacheln.
Schalenstructur. Die Kalkschale der Muscheln wird äusserlich von
einer hornigen Cuticularbildung, der Oberhaut (oder sog. Epidermis)
bedeckt, die in der Regel dünn bleibt, aber bei den Süsswassermuscheln
eine beträchtliche Dicke erreichen kann, und grünlich oder bräunlich
gefärbt ist. Die Kalkschale selbst setzt sich aus einer äusseren,
prismatischen, und einer inneren, blätterigen (lamellösen) Schicht
zusammen. Die hohlen Kalkprismen der ersteren stehen in der Regel
senkrecht zur Schalenoberfläche, bei der Unterordnung der Chamacea
liegen sie aber parallel mit derselben. Die innere Schalenschicht ist
perlmutter- oder porzellanartig (aus ihr bilden sich die Perlen der
Perlmuscheln). Da dieselbe im Gegensatz zu der äusseren, meist aus
Calcit gebildeten Schicht in der Regel aus leichter löslichem Aragonit
besteht, so finden wir sie bei fossilen Muscheln häufig aufgelöst oder,
wenn erhalten, in Calcit umgewandelt.
Die Muschelthiere besitzen meist eine freie Bewegung, indem sie mit
Hilfe ihres Fusses kriechen oder frei schwimmen. Häufig heftet sich
das Thier mit Hilfe chitinartiger Fäden, des sog. Byssus, an anderen
Gegenständen fest. Ein Ausschnitt der Schale im vorderen Theile
derselben (Byssusausschnitt -- Fig. 281 a) bezeichnet die Stelle,
wo das Haftorgan austritt. Diejenigen Muscheln, welche mit einer
ganzen Klappe oder einem Theile derselben auf einer Unterlage direct
aufwachsen (Ostrea etc., Chamacea), besitzen meist eine unregelmässige
und ausnahmslos ungleichklappige Schale.
Die Mehrzahl der Muschelthiere lebt im Meere, höchstens ⅕ aller im
Süsswasser. Manche können im brackischen und Salz-Wasser oder im
süssen und Brack-Wasser zugleich fortkommen. Die Süsswasser-Muscheln
besitzen nie lebhafte Färbungen; sie sind in der heissen Zone am
grössten, formenreichsten und häufigsten. Für die marinen Formen gilt
im Allgemeinen dasselbe. Letztere leben vorzugsweise in geringen Tiefen
(von 0-35 Faden). Aus Tiefen über 200 Faden sind nur relativ wenige
bekannt geworden.
Die Zahl der lebenden Arten beträgt etwa 5000; fossile kennt man gegen
10000.
Die Classification der Muscheln gestaltet sich namentlich für die
paläozoischen Formen einigermaassen schwierig, da bei ihnen die
Schlosscharaktere noch nicht in dem Maasse differenzirt erscheinen,
wie bei den jüngeren. Ein Theil derselben muss deshalb noch zu der
provisorischen Ordnung der Palaeoconchae zusammengefasst werden.
Eintheilung der Lamellibranchiata.
A. Dünnschalige, gleichklappige Muscheln ohne Ligamentgruben. Zähne
kaum angedeutet oder fehlend (Cryptodonta). Soweit bekannt, mit 2
Muskeleindrücken und ganzrandiger Mantellinie.
I. Palaeoconchae.
B. Meist dickschalige, oft ungleichklappige Muscheln mit (selten
reducirtem) Ligament.
a. Zwei, ungefähr gleiche Muskeleindrücke vorhanden. Schloss
taxodont, schizodont, heterodont oder desmodont, zuweilen
fehlend (Isomyaria).
α. Schloss desmodont. Schale meist klaffend. Mantellinie mit
Bucht. Oft etwas ungleichklappig.
II. Desmodonta.
β. Schloss taxodont. Mantellinie meist ohne Bucht. Gleichklappig.
III. Taxodonta.
γ. Schloss schizodont. Mantellinie ohne Bucht. Gleichklappig.
IV. Schizodonta.
δ. Schloss heterodont, zuweilen atrophirt. Gleichklappig oder
ungleichklappig.
V. Heterodonta.
b. Zwei sehr ungleiche oder ein einziger Muskeleindruck. Schlosszähne
unregelmässig oder fehlend, selten isodont oder taxodont.
Mantellinie oft undeutlich (Dysodonta).
VI. Anisomyaria.
1. Ordnung Palaeoconchae.
Unter diesem Namen fasst man in äusseren Merkmalen wechselnde, sehr
dünnschalige, gleichklappige Muscheln mit gleichmässig entwickelten
Muskeleindrücken und einfacher Mantellinie zusammen, die entweder gar
keine oder sehr wenig differenzirte Schlosszahnbildungen besitzen. Sie
kommen wegen ihrer Dünnschaligkeit meist als Steinkerne vor, an denen
Mantellinie und Muskeleindrücke selten beobachtet werden können. Im
Umriss sind sie meist oval und breiter als hoch. Man vermuthet in den
Palaeoconchae -- die wegen ihrer mangelhaften Zahnentwickelung auch
Cryptodonta genannt werden -- die Stammgruppe, aus welcher sich die
übrigen 4 Ordnungen der Zweischaler ableiten. Im Paläozoicum treten sie
häufig, im Mesozoicum seltener auf und verschwinden in der Kreide. Sie
kommen nur in meerischen Sedimenten vor. Einige Gattungen enthalten
wichtige Leitfossilien, z. B.:
Cardiola Brod. (Fig. 229 A, B). Gewölbte Schalen mit geradem
Schlossrand und hervorragenden, nach vorn umgebogenen Wirbeln. Schale
mit radialen Rippen und gewellten, concentrischen Anwachsstreifen.
Das unter dem Wirbel befindliche dreieckige Feld (? Bandfeld) wird
zuweilen von Radialfurchen bedeckt, die am Schlossrande eine schwache,
gleichmässige Kerbung (B z) hervorbringen. Doch ist hier noch keine
Differenzirung in seitliche stärkere und mittlere schwächere Zahnkerben
eingetreten, wie bei den Taxodonten. Auf Silur und Devon beschränkt.
[Illustration: Fig. 229. Cardiola. A C. interrupta Sow. Obersilur.
Prag. Rechte Klappe (rechts = vorn). B C. alata Barr. Obersilur.
Böhmen. Rechte Klappe von oben, um die dreieckige Fläche unter dem
Wirbel und die Kerben (z) derselben zu zeigen. Die Spitze des Wirbels
ist abgebrochen.]
C. interrupta Sow. (Fig. 229 A, B). Obersilur. England, Frankreich,
Böhmen.
C. retrostriata v. B. sp. (Leth. pal., t. 35, Fig. 16). Oberdevon.
Belgien, Deutschland, Russland.
Die Gattung Cardiola und eine Anzahl verwandter silurischer Gattungen
mit theilweise besser differenzirten Zähnen zeigen äusserlich viel
Aehnlichkeit mit den jüngeren Gattungen Cardium und Cardita.
Posidonomya (= Posidonia) Bronn (Fig. 230). Rundliche oder
schief-ovale, fast flache Schalen mit concentrischen Anwachsstreifen
und meist geradem Schlossrand. Wirbel kaum hervorragend, ein wenig
nach vorn gerückt. Schlossrand ohne Zähne oder Gruben. Finden sich
stets gesellig und meist plattgedrückt in schieferigen oder kalkigen
Gesteinen. Die äusserlich sehr ähnliche Gattung Inoceramus (p. 283)
unterscheidet sich durch ihre viel dickere faserige Schale und den
Besitz von Ligamentgruben am Schlossrande. Die Schalen von Posidonomya
sind auch leicht mit denen der Phyllopoden-Gattung Estheria zu
verwechseln. Silur -- Jura.
P. Becheri Bronn (Fig. 230). Leitmuschel für die Culm-Facies des
Subcarbons in Europa (Deutschland, England, Spanien).
P. Bronni Gf. Leitmuschel für die sog. Posidonienschiefer des Oberen
Lias (ε) in Mitteleuropa.
P. alpina Gras. Bezeichnend für das sog. Posidonomyen-Gestein
(Klausschichten) des oberen Doggers der Alpen.
P. ornati Qu. Im Callovien Mitteleuropas und Südamerikas häufig.
[Illustration: Fig. 230. Posidonomya Becheri Bronn. Subcarbon (Culm).
Herborn, Nassau. Linke Klappe (links = vorn).]
[Illustration: Fig. 231. Monotis salinaria Schl. sp. Alpenkeuper
(Norische Stufe). Salzkammergut. Rechte Klappe. v = vorn; ho = hinteres
Ohr; w = Wirbel.]
Monotis Bronn (Fig. 231). Gleichklappige, schief ovale, schwach
gewölbte Muscheln mit wenig hervortretendem, vor der Mitte
gelegenem Wirbel. Vorderseite abgerundet. Hinter dem Wirbel ein
dreieckiges, hinten abgestutztes, flügelförmiges Ohr ohne deutlichen
Byssus-Ausschnitt (Unterschied von Pseudomonotis p. 281). Oberfläche
durch zahlreiche, vom Wirbel ausstrahlende, durch Einsetzen sich
vermehrende Rippen, feine concentrische Querstreifen und grobe Runzeln
verziert. Trias, ? Jura, wahrscheinlich schon im Devon.
M. salinaria Schl. sp. (Fig. 231). Alpiner Keuper (Norische Stufe).
Salzkammergut. Einzelne Bänke des Hallstätter Kalkes bestehen fast
ausschliesslich aus den Schalen dieser Muschel.
Daonella Mojs. (Fig. 232). Gleichklappige, nur wenig ungleichseitige
Schalen mit nahezu mittelständigem Wirbel. Vorn und hinten abgerundet,
ohne Ohren und Ausschnitt. Durch radiale, häufig bündelförmig gruppirte
Furchen gestreift. Alpiner Muschelkalk und Keuper, meist gesellig
auftretend. Spitzbergen, Nordamerika. Selten auch im ausseralpinen
Hauptmuschelkalk.
D. Moussoni Mer. sp. Norische Stufe. Südalpen.
D. Lommeli Wissm. sp. (Fig. 232). Norische Stufe (Wengener Sch.).
Südalpen, in den Nordalpen seltener. Afghanisches Turkestan.
[Illustration: Fig. 232. Daonella Lommeli Wissm. sp. Norische Stufe
(Wengener Sch.). Wengen, Südtirol. Rechte Klappe (rechts = vorn).]
Die nahe verwandte Gattung Halobia Bronn unterscheidet sich nur durch
den Besitz eines vorderen, dreieckigen, gewölbten Ohres. Norische und
karnische Stufe. Alpen, Spitzbergen, Neuseeland; gesteinbildend wie die
vorige Gattung.
H. rugosa Gm. Karnische Stufe. Nordalpen, Karpathen.
2. Ordnung Desmodonta.
Gewöhnlich dünn-, seltener dickschalige, meist etwas ungleichklappige
Muscheln, die stets hinten, zuweilen auch vorn klaffen. Der
Schalenumriss ist queroval oder seltener dreieckig, vorn abgestutzt,
nach hinten meist ausgezogen. Echte Schlosszähne fehlen. Häufig findet
sich ein löffelartiger Fortsatz am inneren Schalenrande in einer Klappe
oder in beiden entwickelt (Fig. 224), welcher als Träger des Ligamentes
dient. Die Ränder dieses Ligamentlöffels sind auch wohl zu zahnartigen
Vorsprüngen umgebildet (Fig. 239 B, C), die aber nie regelmässig
abwechseln, wie bei den Heterodonta (vgl. Mactra p. 245). Das Ligament
liegt äusserlich (Fig. 237 C l) oder z. Th. äusserlich, z. Th.
innerlich, oder ganz innerlich (Mya -- Fig. 233 B l). Bei äusserer Lage
des Ligamentes ist dasselbe meist in eine dem Schlossrande parallele
Vertiefung eingesenkt. Die Muskeleindrücke sind paarig. Die Mantellinie
zeigt durchgehends eine mehr oder minder tiefe Ausbuchtung (Fig. 236
A). Die Siphonen sind lang.
Von der Trias an mit Sicherheit bekannt, im Paläozoicum als
Paläoconchen vorhanden. Zahlreiche Gattungen in Jura, Kreide,
Tertiär und Gegenwart. Den paläozoischen Vorläufern, welche man den
Paläoconchen beizuzählen pflegt, fehlen Ligamentträger und Mantelbucht.
Ausschliesslich Bewohner des Meer- oder Brackwassers.
A. Ligament äusserlich. Schale dünn. Schlossrand ohne
Zähne oder deutlich entwickelten Ligamentlöffel.
Pholadomya Sow. (Fig. 234 A, B). Die dünnschalige, gleichklappige
Muschel zeigt einen querovalen oder fast dreiseitigen Umriss. Die
Wirbel der vorn und hinten klaffenden Schale meist stark nach
vorn gerückt und gegen einander gebogen (B). Schlossrand gerade,
zahnlos oder mit schwach entwickeltem Vorsprunge. Das Ligament liegt
äusserlich. Häufig trennen 2 von den Wirbeln nach hinten verlaufende
Kanten ein vertieftes Schildchen von der Schale ab. Oberfläche der
Schale mit concentrischen Anwachsstreifen und mit mehr oder minder
zahlreichen radialen Rippen verziert, die an den Kreuzungspunkten oft
zu Körnern oder Knoten anschwellen (A r).
[Illustration: Fig. 233. Ligamentstützen einer desmodonten Muschel
(Mya). A Oberrand der linken Klappe (rechts = vorn) mit dem nach innen
gerichteten Löffel, welcher das Ligament trägt, vr = Vorderrand, ml
= Mittelleisten, hr = Hinterrand des Löffels. B Querschnitt durch
die Wirbelgegend der beiden Klappen. ll = Ligamentlöffel der linken
Klappe; ll’ = zurückgebogener, fast ganz mit der Schale verwachsener
Ligamentträger der rechten Klappe. Zwischen beiden das Ligament (l).]
[Illustration: Fig. 234. A, B Pholadomya paucicosta Rö. Oxford (T. à
chailles). Berner Jura. A Steinkern gegen die linke Klappe gesehen, mit
Mantellinie (ml), Mantelbucht (c), dem hinteren Muskeleindruck (n) und
den radialen Rippen (r). B derselbe von oben, das Klaffen der Schale an
der Vorder- (v) und Hinterseite (h) zeigend.]
Die Pholadomyen finden sich meist gesellig, fast stets als Steinkerne
erhalten, vorwiegend in thonigen oder mergeligen Gesteinen der
Juraformation ausserordentlich häufig, mit abnehmender Häufigkeit in
der Kreide und im Tertiär. Eine einzige lebende, sehr seltene Art in
grossen Tiefen (Antillen, Atl. Ocean).
a. Formen ohne Schildchen. Dogger -- Gegenwart.
Ph. fidicula Sow. Unterer Dogger (Murchison-Sch.) -- Callovien.
Europa, Südamerika.
Ph. Murchisoni Sow. Mittlerer und oberer Dogger, }
Callovien. }
Ph. deltoidea Sow. sp. Oberer Dogger und Callovien. }
Ph. exaltata Ag. Callovien -- Kimmeridge. }
Ph. paucicosta Rö. (Fig. 234 A, B). Oxford und } Mitteleuropa.
Kimmeridge. }
Ph. multicostata Ag. Kimmeridge (Portland). }
Ph. decussata Mant. sp. Obere Kreide. }
Ph. Esmarki Nils. sp. Senon. }
Ph. Puschi Gf. Oligocän und Miocän. Mittel- und Südeuropa.
Ph. candida Sow. Recent. Antillen.
b. Formen mit Schildchen. Lias -- Miocän.
Ph. corrugata Dkr. & K. Unterer und mittlerer Lias. }
Ph. reticulata Ag. Unterer und mittlerer Dogger. }
Ph. ovulum Ag. Mittlerer Dogger -- Callovien. } Mitteleuropa.
Ph. decemcostata Rö. Oxford -- Kimmeridge. }
Ph. margaritacea Sow. sp. Eocän -- Miocän. }
Wesentlich nur durch andere Schalenverzierung sind folgende zwei
Gattungen unterschieden:
Goniomya Ag. Schale fast gleichseitig, durch ∨-förmig geknickte Rippen
verziert. Oberfläche fein gekörnelt. Lias -- Kreide.
G. litterata Sow. sp. }
} Oxford. Mitteleuropa.
G. constricta Ag. }
G. designata Gf. Senon. Norddeutschland.
Homomya Ag. (= Arcomya Ag.). Schale ungerippt, nur mit concentrischen
Anwachsstreifen. Oberfläche fein gekörnelt. Meist sehr grosse Muscheln.
Trias -- Kreide.
H. ventricosa Schl. sp. Oberer Muschelkalk. Deutschland.
H. lagenalis Schfh. Rhät. Nord- und Südalpen.
H. gibbosa Sow. sp. Oberer Dogger (»Homomyen-Mergel«), selten
mittlerer Dogger. England, Frankreich, Süddeutschland, Schweiz.
[Illustration: Fig. 235. Pleuromya peregrina d’Orb. Ob. Callovien.
Choroshowo b. Moskau. Steinkern. a = Ansicht der linken Klappe, die
Muskeleindrücke und die tiefe Mantelbucht zeigend. b = linke (unten)
und rechte (oben) Klappe von oben, um den Vorsprung und die Ausbuchtung
des Schlossrandes, zu zeigen. Rechts davon ein Querschnitt durch die
Wirbelgegend; der Schlossrand der rechten Klappe (links) greift über
den der linken (rechts) ein wenig über.]
Pleuromya Ag. (= Myacites) (Fig. 235 a, b). Schale quer verlängert,
sehr wenig ungleichklappig, ungleichseitig, meist schwächer gewölbt
als Pholadomya und Homomya (a). Schlossrand unter den weit nach vorn
gelegenen Wirbeln jederseits mit einem wagerechten kleinen Vorsprung
und dahinter gelegener Ausbuchtung (b). Der Schlossrand der linken
Klappe etwas unter den der rechten geschoben (rechts unten Fig. 235).
Band äusserlich. Oberfläche, wenn verziert, mit concentrischen Streifen
versehen. Jura und Kreide. Den hierher gerechneten triadischen Formen
fehlt die Mantelbucht, sie müssten also strenge genommen zu den
Palaeoconchae gerechnet werden.
Pl. (Myacites) musculoides Schl. sp. Sehr häufig im unteren und
oberen Muschelkalke, selten in der Lettenkohle. Deutschland.
Pl. jurassi Brgt. sp. Mittlerer Dogger. Mitteleuropa, Südamerika.
Pl. donacina Gf. sp. Dogger und Malm weit verbreitet.
Pl. peregrina d’Orb. (Fig. 235). Oberer Dogger und Callovien.
Mitteleuropa.
Gresslya Ag. (Fig. 236 A, B). Schale vorn gerundet, hinten meist
stark verschmälert. Wirbel vorn gelegen. Von Pleuromya durch die
innere Ligamentleiste der rechten Klappe (B l) unterschieden; dieselbe
hinterlässt auf dem Steinkern eine tiefe, dem Schlossrande parallele
Furche (A f). Die rechte Klappe ist stets über die linke hinauf
gerückt (B), da ihr Schlossrand über den der linken übergreift, wie
bei Pleuromya (Fig. 235). Ligament links äusserlich, rechts innerlich
gelegen. Sehr häufig im Jura.
G. gregaria Gf. sp. (Fig. 236 A, B). } Häufig im mitteleuropäischen
G. abducta Phill. sp. } Dogger.
[Illustration: Fig. 236. A, B Gresslya gregaria Gf. sp. Mittlerer
Dogger. Schwaben. A Ansicht des Schlossrandes. Steinkern. f = die
Furche, welche die Ligamentleiste auf dem Steinkern zurücklässt. r =
rechte, l = linke Klappe. B Ansicht der linken Klappe (l’) und des
überragenden Theiles der rechten (r’). l = Ligamentleiste in der
rechten Klappe. Die Muskeleindrücke (m = vorderer) und die Mantellinie
schimmern durch die dünne Schale hindurch. b = Mantelbucht.]
[Illustration: Fig. 237. A-C Panopaea. A, B P. Menardi Desh. Miocän.
Wiener Becken. A Ansicht der rechten Klappe. B beide Klappen von oben.
l = Ligament; v = vorn; h = hinten. C Schlossrand der linken Klappe von
P. Aldrovandi Men. l’ = Ligamentgrube, nach innen durch eine starke
Leiste (ml) begrenzt; zg = Grube für den Zahn der rechten Klappe; vr =
Schlosszahn (Vorderrand des Löffels).]
B. Ligament äusserlich. Schale meist dick. Ein Ligamentlöffel
oder Zähne vorhanden.
Panopaea Men. (= Glycimeris Lmk.) (Fig. 237 A-C). Schale
querverlängert, dick, hinten weit, vorn weniger klaffend. Ligament
äusserlich, aber in eine tiefe, nach innen durch eine starke
Bandleiste (Nymphe) begrenzte Grube eingesenkt. Diese Leiste entspricht
der Mittelleiste des Löffels bei Mya (Fig. 238 A ml), während der in
jeder Klappe vorhandene -- seltener fehlende -- conische Schlosszahn
(C vr) mit dem Vorderrande des Löffels von Mya (Fig. 238 A vr) zu
vergleichen ist. Das Schloss ist als ein umgebildeter Ligamentträger
aufzufassen. Wahrscheinlich schon zur Kreidezeit vorhanden, ziemlich
häufig im Tertiär. Mehrere lebende Arten.
P. Menardi Desh. (Fig. 237 A, B). Weit verbreitet im Miocän,
seltener im Pliocän Europas.
P. Norwegica Speng. sp. Pliocän. Süd- und Nordeuropa. Glacial
und Recent. Nordeuropa.
P. Aldrovandi Men. (Fig. 237 C). Lebend. Mittelmeer.
[Illustration: Fig. 238. Mya truncata L. Lebend. Nordsee. A Schlossrand
der linken Klappe, den Ligamentlöffel zeigend. vr = Vorderrand, ml
= Mittelleisten, hr = Hinterrand desselben. B Querschnitt durch die
Wirbelgegend beider Klappen, um die Lage des Ligaments (l) zwischen
dem Ligamentträger der linken (ll) und dem der rechten Klappe (ll’) zu
zeigen.]
[Illustration: Fig. 239. A-C Mactra. A M. Podolica Eichw. Neogen
(Sarmatische Stufe). Wiener Becken. B Schloss der rechten, C Schloss
der linken Klappe von Mactra sp. Lebend. vr, vr’ = »Vorderzahn«
(Vorderrand des Löffels); ml, ml’ = »Mittelzahn« (Mittelleiste des
Löffels); hr, hr’ = »Hinterzahn« (Hinterrand des Löffels).]
C. Ligament innerlich. Bandlöffel oder Zähne entwickelt.
Mya Lin. (Fig. 238). Die Form und Verzierung der Schale ähnlich wie bei
Panopaea. Ligament innerlich (B l) zwischen einem weit vorspringenden
horizontalen Löffel der linken (B ll) und einer zurückgebogenen,
der Schale anliegenden Platte der rechten (B ll’) eingeschlossen.
Vorderrand (A vr) und Hinterrand (A hr) des Löffels aufgewulstet, in
der Mitte 2 schwach markirte Leisten (A ml). Neogen, Diluvial und
Lebend.
M. truncata Lin. (Fig. 238). Pliocän. Süd- und Nordeuropa; Diluvial
und Lebend. Nordeuropa.
M. arenaria Lin. Pliocän -- Lebend. Nordeuropa.
Corbula. Schale stark ungleichklappig, concentrisch gestreift, nach
hinten ausgezogen. Linke Klappe kleiner, flacher und hinten weniger
ausgezogen als die rechte, in die rechte eingesenkt, so dass die Schale
geschlossen. Innere Bandgrube der rechten Klappe zwischen 2 Zähnen
gelegen, hinter der Bandgrube der linken folgt ein Löffel, dahinter ein
Zahn. Mantelbucht wenig tief. Lebend im Meere und an Flussmündungen.
Fossil vielleicht schon von der Trias an, häufig im Tertiär.
? C. gregaria v. Mü. sp. Muschelkalk und Lettenkohle. Deutschland.
C. Gallica Lmk. Mitteleocän. Mitteleuropa.
C. gibba Oliv. sp. (= nucleus Lmk.). Miocän -- Lebend. Europa.
Mactra Sch. (Fig. 239 A-C). Schale meist dreieckig, gleichklappig
und fast gleichseitig, hinten ein wenig klaffend. Schloss sehr
differenzirt. Vor der dreieckigen Ligamentgrube der linken Klappe
2 divergirende Zahnleisten (C vr, ml), die mit dem Vorderrande und
der Mittelleiste des Löffels von Mya verglichen werden. Sie greifen
beide zwischen die ähnlichen Leisten der rechten Klappe (B vr’, ml’)
ein, alterniren also nicht mit denselben, wie bei den ähnlichen
Schlossbildungen der Heterodonta. Der Hinterrand des Löffels (B hr, C
hr) zu einer, dem Schlossrande parallelen Leiste umgebildet. Vor dem
Löffel oft ein Seitenzahn entwickelt. Aeusseres Ligament rudimentär.
Von der Juraformation an bekannt, häufig erst im Tertiär und besonders
in der Gegenwart. Gemein an sandigen Flachküsten Europas.
M. semisulcata Desh. Mittel- und Obereocän. Pariser Becken.
M. Podolica Eich. (Fig. 239 A). Obermiocän (Sarmatische Stufe).
Osteuropa.
M. triangula Ren. Untermiocän -- Lebend. Europa.
M. stultorum Lin. Pliocän -- Lebend. Europa.
Eine durch veränderte Lebensweise sehr abweichend gestaltete Gruppe
der Desmodonta sind die Adesmacea (oder Bohrmuscheln). Schloss und
Ligament sind ihnen vollständig verloren gegangen. Zu den 2 normalen
Klappen gesellen sich oft noch weitere Kalk-(Ergänzungs-)stücke, die
mit den Schalen unter einander und mit einer von den Siphonen
erzeugten Kalkröhre zu einem Stücke verschmelzen können (Teredina).
Ihre Gestalt ist keulen- oder röhrenförmig. Sie bohren in Holz, Stein
etc. leicht kenntliche Gänge. Letztere werden fossil sehr häufig
angetroffen, namentlich in jüngeren Formationen, seltener sind die
Schalen selbst gut erhalten. Bekannte Gattungen sind Pholas L.,
Teredo L., Teredina Lmk. Marin und brackisch.
Teredina Lmk. Schale, Ergänzungsstücke und Siphoröhre zu einem am
Vorderende geschlossenen Körper verschmolzen. Eocän.
T. personata Lmk. Untereocän. Pariser Becken.
3. Ordnung Taxodonta.
Die Taxodonta oder Reihenzähnler sind gleichklappige, häufig auch
gleichseitige Muscheln von rundlichem (Fig. 240) oder verquertem
Umriss (Fig. 241). Stets 2 gleiche Muskeleindrücke (Fig. 240 m, n)
entwickelt. Mantellinie selten ausgebuchtet. Der gerade oder gebogene
Schlossrand ist mit zahlreichen, in Reihen gestellten, kerben- oder
leistenförmigen, wenig differenzirten Zähnen besetzt (Fig. 240 z). Das
Ligament liegt innerlich (Fig. 241 B l) oder äusserlich (Fig. 240 ar),
aber stets unter dem Wirbel, nicht ausschliesslich hinter dem Wirbel,
wie bei der Mehrzahl der Heterodonta. Für viele Gattungen ist das
Vorkommen eines äusseren dreieckigen Bandfeldes (Bandarea -- Fig. 240
ar) bezeichnend. Zuweilen stehen die Wirbel in der Mitte der Schale
(Fig. 240 w), häufiger sind sie etwas nach vorn gerückt (Fig. 241-243).
Die ungleichseitigen Formen werden manchen Heteromyaria (Pterinea p.
280) sehr ähnlich, unterscheiden sich aber von denselben durch den
Mangel eines Ohres und des Byssusausschnittes.
Der Anschluss an die Palaeoconchae ist durch Gattungen mit Bandfeld und
schwach entwickelten, kerbenartigen Zähnen gegeben.
Vom Silur an bis zur Gegenwart verbreitet, seit der Jurazeit besonders
häufig.
[Illustration: Fig. 240. Pectunculus pilosus Lin. Miocän. Wiener
Becken. Rechte Klappe von innen (links = vorn). m = vorderer, n =
hinterer Muskeleindruck; z = Zähne; ar = Bandarea; w = Wirbel; k =
Kerben des Schalenrandes.]
[Illustration: Fig. 241. Leda Deshayesii Duch. Mittel-Oligocän. Mainzer
Becken. Linke Klappe. A von aussen. B von innen. m = vorderer, n =
hinterer Muskeleindruck; am = accessorische Muskeleindrücke; z, z’ =
Schlosszähne; l = Ligament; b = Mantelbucht; k = Kante, vom Wirbel zum
Hinterrande verlaufend.]
Eintheilung der Taxodonta (oder Arcacea).
A. Band in der Regel äusserlich, auf einem dreieckigen, seltener linearen
Bandfelde unter den Wirbeln gelegen und die Wirbel der beiden Klappen
von einander entfernend. Umriss der Schale gerundet oder verquert
rechteckig. Schlosslinie gerade oder gebogen (Fig. 242-244).
Fam. Arcidae.
B. Band in der Regel innerlich. Aeusseres Bandfeld fehlt. Wirbel
genähert. Schalen ungleichseitig, nach hinten meist ausgezogen und
verschmälert. Schlosslinie geknickt (Fig. 245, 246).
Fam. Nuculidae.
Fam. Arcidae.
Arca Lin. (Fig. 242). Schale rundlich bis queroval. Wirbel stets aus
der Mitte gerückt. Schlossrand lang und gerade, mit zahlreichen,
senkrechten Kerbzähnen (A z). Ligament auf einer rhombischen, meist
gestreiften Bandfläche (B ba) gelegen. Schale am Unterrande etwas
klaffend. Oberfläche in der Regel mit radialen Rippen (A); wenn die
Berippung sehr stark, erscheint der Innenrand der Schale gekerbt (B k).
Vom Untersilur bis zur Gegenwart, vom Jura an recht häufig. Zahlreiche
lebende Arten in den wärmeren Meeren.
A. striata Schl. sp. Perm. Deutschland, Nordamerika.
A. elongata Sow. Mittlerer Lias. Mitteleuropa.
A. trisulcata Gf. Oxford -- Tithon. Mitteleuropa.
A. interrupta }
} Lmk. Eocän. Frankreich. England.
A. biangula }
A. Fichteli Desh. Miocän. Mitteleuropa.
A. Noae Lin. }
A. diluvii Lmk. (Fig. 242 A, B). } Miocän -- Lebend. Europa.
A. barbata Lin. }
[Illustration: Fig. 242. A, B Arca diluvii Lmk. Pliocän. Siena,
Italien. Linke Klappe. A von aussen, B von innen. ba = Bandfeld; z =
Schlosszähne; m = vorderer, n = hinterer Muskeleindruck; k = Kerben des
Schalenrandes.]
[Illustration: Fig. 243. Cucullaea fibrosa Sow. Gault. Frankreich.
Linke Klappe von innen. ba = Bandfeld; z = Mittelzähne, sz =
Seitenzähne; m = vorderer, n = hinterer Muskeleindruck, nach innen
durch eine Muskelleiste gestützt.]
Cucullaea Lmk. (Fig. 243). Von Arca durch schiefes Hervortreten
der Hinterseite und quere Stellung der seitlichen, leistenartigen
Schlosszähne (sz) unterschieden. Mittelzähne (z) und Bandfeld (ba)
wie bei Arca. Grobe Radialstreifen oder Rippen fehlen. Vom hinteren
Muskeleindruck (n) zieht sich meist eine scharfe Leiste zum Wirbel,
die auf den Steinkernen als markirte Furche erscheint. Von der
Steinkohlenformation an, häufig im Jura und in der Kreide, selten im
Tertiär und in der Gegenwart. Die älteren Formen gehören zumeist der
Untergattung Macrodon Lyc. (Wirbel ganz nach vorn gerückt) an.
C. (Macrodon) Beyrichi. Unterer Muschelkalk. Deutschland.
C. (Macrodon) Hirsonensis M. & Lyc. Oberer Dogger. England,
Frankreich, Süddeutschland, Schweiz.
C. Muensteri Ziet. Mittlerer Lias. Mitteleuropa.
C. oblonga Sow. Mittlerer Dogger. Mitteleuropa.
C. concinna Gf. Oberer Dogger. Süddeutschland.
C. Hersilia d’Orb. Oxford. Mitteleuropa.
C. Gabrielis d’Orb. Neocom. Europa, Südamerika.
C. fibrosa Sow. (Fig. 243). Gault. Frankreich, England, Schweiz.
C. glabra Sow. Obere Kreide. Europa.
C. crassatina Lmk. Eocän. Pariser Becken.
Pectunculus Lmk. (Fig. 244). Schale dick, meist gleichseitig, gerundet,
seltener etwas schief und dann nach hinten verbreitert. Wirbel (w)
schwach nach hinten gebogen. Vorderer Muskeleindruck (m) dreieckig --
gerundet, hinterer (n) trapezförmig -- gerundet, etwas kleiner als
der vordere und nach innen durch eine scharfe Leiste begrenzt. Die
gebogene Reihe der Kerbzähne (z) geht hinten etwas tiefer hinunter als
vorn. Mittelzähne klein oder verschwindend. Mantellinie nach hinten
zumeist ein wenig ausgeweitet. Bandfläche (ar) breit, ähnlich wie bei
Arca. Oberfläche mit feinen concentrischen und radialen Streifen (nicht
eigentlichen Rippen) verziert. Innenrand der Schale gekerbt (k). Von
der Kreide an, sehr häufig im Tertiär und in den heutigen Meeren.
P. sublaevis Sow. Cenoman. England, Frankreich, Sachsen, Böhmen.
P. Marotti d’Orb. Unteres Senon. Südfrankreich, Salzkammergut.
P. pulvinatus Lmk. Eocän. Frankreich, England.
P. obovatus Lmk. } Oligocän. Frankreich,
P. angusticostatus Lmk. } Belgien, Deutschland.
P. pilosus Lin. (Fig. 244). Miocän -- Lebend. Europa.
P. glycimeris Lin. Pliocän -- Lebend. Europa.
[Illustration: Fig. 244. Pectunculus pilosus Lin. Miocän. Grund
b. Wien. Rechte Klappe von innen (links = vorn). w = Wirbel; ar =
Bandfeld; z = Zähne; m = vorderer, n = hinterer Muskeleindruck; k =
Kerben des Schalenrandes.]
Fam. Nuculidae.
Nucula Lmk. (Fig. 245). Schale flach oder gewölbt, dreiseitig (nach
hinten verschmälert) oder queroval. Wirbel meist stark nach vorn
gerückt, selten fast mittelständig. Ligament innerlich, in einer
dreieckigen, schräg nach hinten gerichteten Grube unter dem Wirbel
gelegen (vgl. Leda -- Fig. 246 B l). Zähne zahlreich, kurz, eine
geknickte und durch das Ligament unterbrochene Reihe bildend (Fig. 245
A z), auf dem Steinkern eine beiderseits gekerbte Mittelleiste (C z)
hinterlassend. Oberfläche mit concentrischen Streifen (B) oder auch
(seltener) mit radialen. Innenrand der Schale glatt (A) oder gekerbt
(bei den jüngeren Arten). Accessorische Muskeleindrücke (vgl. Leda --
Fig. 246 am) bei den älteren Formen häufig vorhanden. Vom Silur an,
gemein vom Jura bis zur Gegenwart.
N. Beyrichi v. Schaur. Zechstein. Thüringen, Nordamerika.
N. strigillata Gf. Alpenkeuper (Cassianer Schichten). Dolomitalpen.
N. palmae Sow. Mittlerer Lias. Mitteleuropa.
N. Hammeri Dfr. (Fig. 245 A, B). Unterer Dogger (Opalinus-Sch.).
Mitteleuropa.
N. pectinata Sow. Gault. England, Frankreich.
N. Neckeri P. & R. (Fig. 245 C). Gault. Frankreich, Schweiz.
N. Parisiensis Desh. Mitteleocän. Pariser Becken.
N. Chastelii Nyst. Mitteloligocän. Pariser und Mainzer Becken.
N. margaritacea Lmk. Miocän -- Lebend. Europa.
[Illustration: Fig. 245. A-C Nucula. A, B N. Hammeri Dfr. Unterer
Dogger (Opalinus-Sch.). Gundershofen, Unterelsass. A linke Klappe
von innen. Die Zahnreihe (z) ist unter dem Wirbel durch eine (nicht
gezeichnete) Ligamentgrube unterbrochen. B rechte Klappe von aussen. C
N. Neckeri P. & R. Oberer Gault. Perte du Rhône. Steinkern von oben. z
= gekerbte Mittelleiste.]
[Illustration: Fig. 246. A, B Leda Deshayesii Duch. Mitteloligocän.
Mainzer Becken. Linke Klappe. A von aussen, B von innen. k = Kante, vom
Wirbel zum Hinterrande verlaufend; l = Ligamentgrube; z = vordere, z’
= hintere Zahnreihe; m = vorderer, n = hinterer Muskeleindruck; am =
accessorische Muskeleindrücke; b = schwach angedeutete Mantelbucht.]
Leda Schum. (Fig. 246). Schale nach hinten mehr oder weniger stark
ausgezogen (geschnäbelt). Oberfläche concentrisch oder schräg
gestreift, mit einer vom Wirbel zum Hinterrande verlaufenden Kante
(A). Bandgrube dreieckig, unter dem Wirbel gelegen (l). Mantellinie
mit schwacher Bucht (b) vor dem hinteren Muskeleindruck (n). Zwischen
dem Wirbel und dem vorderen Muskeleindruck (m) häufig eine Reihe
accessorischer Muskeleindrücke (B am) vorhanden. Wirbel schwach
zurückgebogen. Zahlreiche Arten vom Silur bis zur Gegenwart. Lebend
hauptsächlich in kälteren Meeren.
L. speluncaria Gein. Zechstein. Mitteldeutschland.
L. elliptica Mnstr. Alpenkeuper (Cassianer Sch.). Südtirol.
L. complanata Phill. Mittlerer Lias. Mitteleuropa.
L. claviformis Sow. Unterer Dogger (Torulosus-Sch.). Mitteleuropa.
L. Deshayesii Duch. (Fig. 246). Leitfossil für den mitteloligocänen
Septarienthon in Mitteleuropa.
L. (Yoldia) arctica Gray. Pliocän. England. Diluvial. Nordeuropa
(Yoldienthon). Lebend in den arktischen Meeren in Wasser zwischen +1°
und -2° C.
IV. Ordnung Schizodonta (Trigonidae).
Die Schalen besitzen einen bezeichnend dreieckigen, seltener mehr
ovalen Umriss. Ihre Wirbel sind gewöhnlich stark nach vorn gerückt und
etwas nach rückwärts umgebogen (Fig. 247 A); hinter denselben liegt
das kurze, äusserliche Ligament (Fig. 252 B l). Oberfläche zuweilen
glatt oder nur mit concentrischen Anwachsstreifen, meist aber trennt
eine vom Wirbel nach der unteren Ecke des Hinterrandes verlaufende
Kante (Arealkante) (Fig. 247 A k) den vorderen Theil der Schale von
dem hinteren ab. In der Regel sind beide verschieden verziert mit
concentrischen oder radialen Streifen (Fig. 249 A), Rippen (Fig. 249 B)
oder Knotenreihen (Fig. 247 A). Schloss der rechten Klappe (Fig. 247
B) aus 2 ∧-förmig vom Wirbel divergirenden Zahnleisten (mz’₁, mz’₂),
einer vorderen, kürzeren (mz’₁) und einer hinteren längeren (mz’₂)
gebildet. Zwischen dieselben greift ein plumper, meist gespaltener
Dreieckszahn der linken Klappe (Fig. 247 B mz₂), während sie selbst von
den beiden leistenförmigen, ebenfalls ∧-förmig gespreizten, seitlichen
Leistenzähnen der linken Klappe (B mz₁, mz₃) umfasst werden. Die Zähne
sind häufig im Sinne der concentrischen Berippung gekerbt (Fig. 255 C,
D). Muskeleindrücke etwas ungleich. Mantellinie einfach. Vom Silur an
bekannt, Hauptentwickelung im Mesozoicum, selten im Känozoicum.
[Illustration: Fig. 247. A-C Trigonia navis Lmk. Unterer Dogger
(Opalinus-Sch.). Württemberg. A rechte Klappe mit rückwärts gebogenem
Wirbel, Arealkante (k), Area (a) und Feldchen (fe). B Schloss der
rechten Klappe. m’ = vorderer Muskeleindruck; mz’₁ = vorderer, mz’₂ =
hinterer Leistenzahn. C Schloss der linken Klappe. mz₁ = vorderer, mz₃
= hinterer Leistenzahn, mz₂ = mittlerer, gespaltener Dreieckszahn; m =
vorderer Muskeleindruck.]
Die 3 wichtigsten Gattungen unterscheiden sich wie folgt:
A. Schale unverziert. Vorderer Muskeleindruck entfernt vom Schlosse
gelegen. Zähne nicht gekerbt (Fig. 248 A-C). Eine vordere Muskelleiste
fehlt. (Devon -- Perm.)
Schizodus.
B. Schale meist verziert. Vorderer Muskeleindruck dicht unter dem oder
am Schlosse gelegen, klein und tief (Fig. 247 m’, C m). Vorderer, oft
auch hinterer Muskeleindruck nach innen durch eine Leiste gestützt.
Zähne meist gekerbt (Fig. 247 B, C).
a. Vorderer Muskeleindruck nicht über die untere Grenze des vorderen
Schlosszahnes hinaufreichend (Fig. 249 C m, B m). Dreieckszahn
häufig ungespalten (Fig. 249 C mz₂). Zähne oft ungekerbt. Rippen
niemals in Knotenreihen aufgelöst. (Perm -- Trias.)
Myophoria.
b. Vorderer Muskeleindruck über die untere Grenze des vorderen
Schlosszahnes hinaufreichend (Fig. 247 B m’, C m). Dreieckszahn
stets gespalten. Zähne stets gekerbt (Fig. 247 B, C). Statt der
Rippen häufig schiefe Knotenreihen (Fig. 247 A). (Jura --
Gegenwart.)
Trigonia.
Schizodus King (Fig. 248 A-C). Schale dreieckig oder trapezförmig,
vorn gerundet und angeschwollen, hinten abgestutzt und verschmälert,
dünn, unverziert. Wirbel zurückgekrümmt, nach vorn gerückt oder
nahezu mittelständig. Schloss bei den jüngeren (dyadischen) Formen
typisch schizodont (B, C), bei den älteren (devonischen) einfacher,
indem der Dreieckszahn ungetheilt und die Leistenzähne nur theilweise
ausgebildet. Vorderer Muskeleindruck vom Schlosse entfernt (A m’). Vom
Devon bis ins Perm.
Sch. inflatus A. Rö. sp. } Unterdevon (Spiriferensandstein).
Sch. trapezoidalis A. Rö. sp. } Harz.
Sch. truncatus King. } Perm. Deutschland,
Sch. obscurus Sow. sp. (Fig. 248 A-C). } England, Nordamerika.
Sch. Rossicus de Ver. Perm. Russland, Nordamerika.
[Illustration: Fig. 248. Schizodus obscurus Sow. sp. Steinkern gegen
die rechte Klappe gesehen, aus dem Zechstein der Gegend von Hanau. m’
= vorderer, n’ = hinterer Muskeleindruck. B Schloss der linken Klappe.
mz₁, mz₃ = Leistenzähne; mz₂ = gespaltener, mittlerer Dreieckszahn.
C Schloss der rechten Klappe. mz’₁ = vorderer, mz’₂ = hinterer
Leistenzahn.]
[Illustration: Fig. 249. A-D Myophoria. A M. Kefersteini Mnstr. sp.
Oberer Alpenkeuper (Raibler Sch.). Raibl, Kärnten. Schale gegen die
rechte Klappe gesehen. a’ = Area; k’ = Arealkante. B M. Goldfussi v.
Alb. Ansicht der Schale gegen die linke Klappe. k = Arealkante. C
Schloss der linken, D Schloss der rechten Klappe von M. Whateleyae
v. B. sp. Oberer Alpenkeuper (Raibler Sch.). Südalpen. m = vorderer
Muskeleindruck; mz₁, mz₃ = Leistenzähne, mz₂ = ungetheilter
Dreieckszahn der linken, mz’₁, mz’₂ = Leistenzähne der rechten Klappe.]
Myophoria Bronn (Fig. 249 A-D). Schale durchschnittlich viel kleiner
als bei Trigonia, aussen glatt oder mit einer vom Wirbel nach hinten
und unten ziehenden Arealkante oder mit zahlreichen radialen oder
concentrischen Rippen bedeckt. Wirbel schwach nach vorn gebogen.
Dreieckszahn getheilt oder ungetheilt (C mz₂). Zähne glatt, selten
gestreift. Vorderer Muskeleindruck auf der Schlossplatte, aber
unterhalb des vorderen Zahnes gelegen (C m, D m’), nach innen von
einer erhabenen Leiste begrenzt, die auf dem Steinkerne als tiefe
Furche hervortritt. Die Gattung zeigt sich in Indien bereits im Perm,
in Europa charakterisirt sie die Trias innerhalb, besonders aber
ausserhalb der Alpen. Nach der Art der Berippung lassen sich mehrere,
z. Th. sehr wenig scharf begrenzte Gruppen unterscheiden.
A. Laeves. Schale glatt, ohne radiale oder concentrische Rippen.
M. ovata Gf. sp. Unterer Muschelkalk. Südalpen. Unterer, oberer
Muschelkalk und Lettenkohle. Deutschland.
M. orbicularis Gf. sp. Unterer Muschelkalk. Deutschland.
B. Carinatae. Der hintere Theil der Schale (Area -- Fig. 249 A a’)
durch eine Arealkante (k’) vom vorderen geschieden, ausserdem häufig
mit einigen radialen, aber ohne concentrische Rippen (Fig. 249 A).
M. vulgaris Schl. sp. Muschelkalk. Deutschland und Alpen.
M. laevigata Gf. sp. Unterer und oberer Muschelkalk. Deutschland.
M. pes anseris Schl. sp. Oberer Muschelkalk. Deutschland.
M. Kefersteini v. Mnst. sp. (= Raibliana) (Fig. 249 A). Oberer
Alpenkeuper (Raibler Schichten). Südalpen. Mittlerer Keuper. Franken.
C. Costatae. Arealkante und -furche sowie zahlreiche gröbere
concentrische Rippen vorhanden. (Vgl. Trigonia costata Fig. 253.)
M. elegans Gf. sp. Muschelkalk und Lettenkohle. Deutschland.
M. postera Qu. sp. Rhätische Stufe. Alpen, Deutschland, England.
D. Flabellatae. Area gesondert verziert. Zahlreiche radiale Rippen und
feine concentrische Furchen auf dem Vordertheil der Schale (Fig. 249 B).
M. costata Znkr. sp. Oberer Buntsandstein (Röth). Alpen,
Deutschland.
M. Goldfussi v. Alb. (Fig. 249 B). Oberer Muschelkalk und
Lettenkohle. Deutschland, Sardinien.
M. Whateleyae v. B. sp. (Fig. 249 C, D). Oberer Alpenkeuper (Raibler
Sch.). Südalpen.
Trigonia Brug. (Fig. 250-255).
Schale durchschnittlich viel grösser und dicker als bei Myophoria,
von wechselndem, aber stets mehr oder weniger dreieckigem Umriss.
Wirbel fast immer endständig, seltener (Fig. 254) mehr gegen die Mitte
gerückt, zurückgebogen. Oberflächenverzierung sehr mannigfaltig.
Rippen häufig in Knoten aufgelöst. Selten fehlt die vom Wirbel zur
unteren Ecke des Hinterrandes verlaufende Arealkante (Fig. 251 k),
welche die Area von dem anders verzierten vorderen Theile der Schale
abtrennt. Eine Innenkante (Fig. 251 k’) trennt die Area von dem darüber
gelegenen, meist schmalen und häufig durch mangelnde Verzierung
ausgezeichneten Feldchen (oder Schilde -- Fig. 252 fe). Häufig wird die
Area durch eine Mittelkante (Fig. 251 mk) oder Mittelfurche (Fig. 252 A
f) getheilt. Vom Feldchen trennt sich das hinter den Wirbeln gelegene,
länglich ovale Bandfeld (Fig. 252 B l) ab. Das Band selbst ist kurz
und wird durch Ligamentplatten (Fig. 252 A lp) gestützt. welche mehr
oder weniger über den Schalenrand hervorragen. In der Mitte der linken
Klappe ein grosser, gespaltener Dreieckszahn (Fig. 250 C mz₂), seitlich
2 zurücktretende, divergirende Leisten (Fig. 250 C mz₁, C mz₃). Rechte
Klappe mit 2 ∧-förmig gespreizten Leistenzähnen (Fig. 250 B mz’₁,
mz’₂). Alle Zähne im Sinne der concentrischen Schalenberippung quer
gekerbt. Vorderer Muskeleindruck klein und stark vertieft, ganz oder
z. Th. neben dem vorderen Zahne gelegen (Fig. 250 B m’, C m), in die
Schlossplatte eingesenkt und seitlich durch eine Leiste begrenzt (Fig.
255 B l’). Hinterer Muskeleindruck unterhalb des Schlosses, grösser
und flacher als der vordere, nach innen zuweilen durch eine Leiste
gestützt. Die Gattung lässt sich nicht scharf von Myophoria trennen.
Sehr häufig und in sehr mannigfaltigen Formen im Jura und in der
Kreide, seltener im Tertiär und in der Gegenwart.
[Illustration: Fig. 250. Trigonia navis Lmk. Unterer Dogger
(Opalinus-Sch.). Württemberg. A Schale gegen die rechte Klappe gesehen.
k = Arealkante; a = Area; fe = Feldchen. B Schloss der rechten
Klappe. mz’₁ = vorderer, mz’₂ = hinterer Leistenzahn; m’ = vorderer
Muskeleindruck. C Schloss der linken Klappe. mz₁, mz₃ = vorderer und
hinterer Leistenzahn; mz₂ = mittlerer Dreieckszahn; m = vorderer
Muskeleindruck.]
[Illustration: Fig. 251. Trigonia clavellata Sow. Oxford. Weymouth,
Dorsetshire. Schale gegen die linke Klappe gesehen. k = Arealkante; mk
= Mittelkante; k’ = Innenkante, darüber das schmale (dunkle) Feldchen.]
Es werden 10 Gruppen, die den Werth von Untergattungen besitzen,
unterschieden. Die wichtigsten derselben sind:
A. Scaphoidae (Fig. 250). Vorderrand fast gerade abgestutzt. Area fast
glatt. Vordertheil der Schale mit queren, Mitteltheil mit fächerförmig
von der Randkante nach unten divergirenden Knotenrippen (Fig. 250 A).
Jura, seltener Kreide. Wenige Arten.
Tr. navis Lmk. (Fig. 250 A-C). Leitfossil für die Opalinus-
(= Navis-) Schichten (Unterster Dogger) in Deutschland,
Westfrankreich und der Schweiz.
Tr. pulchella Ag. Ebendaselbst. Oberer Lias. England.
B. Clavellatae (Fig. 251). Mit concentrischen, theilweise aber bereits
am Unterrande endigenden Knotenrippen. Area durch 2 geknotete Kiele
eingeschlossen (Fig. 251 k, k’), meist auch mit Mittelkiel (mk) und
Mittelfurche, concentrisch gestreift (Fig. 251). Dogger und Malm in
zahlreichen Arten, sehr selten in der unteren Kreide.
Tr. formosa Lyc. Unterer Dogger. Mitteleuropa.
Tr. signata Ag. Mittlerer und oberer Dogger. Mitteleuropa,
Südamerika. In Schwaben in den sog. »Clavellatenschichten« des oberen
Dogger.
Tr. clavellata Sow. (Fig. 251). Oxford. England, Norddeutschland,
? Schweiz.
Tr. Bronni Ag. Oberes Oxford und unteres Kimmeridge. Frankreich,
Norddeutschland, Schweiz.
Tr. Alina Cont. Oberes Kimmeridge. England, Norddeutschland,
Frankreich, Schweiz.
Tr. ingens Lyc. Mittelneocom. England.
C. Undulatae. Allgemeine Form der Clavellatae. Rippen einfach oder
geknotet, stets scharf eingebogen oder gebrochen. Oberer Lias -- Oberer
Malm, häufig im Dogger.
Tr. litterata Ag. Oberer Lias. England. Unterer Dogger.
Süddeutschland.
Tr. Goldfussi Ag. Mittlerer Dogger (Sowerbyi-Sch.). Süddeutschland,
Schweiz, Frankreich.
Tr. undulata Fromh. Oberer Dogger. England, Süddeutschland.
Tr. geographica Ag. Oxford. England, Frankreich, Schweiz.
[Illustration: Fig. 252. A-B Trigonia quadrata Ag. Cenoman. Le
Mans, Dép. d. l. Sarthe. A Schale gegen die linke Klappe gesehen. a
= Area, durch eine Mittelfurche (f) getheilt; fe = Feldchen; lp =
Ligamentplatte. B die Schale von oben gesehen. l = Ligament; fe =
Feldchen, mit vereinzelten Knoten verziert; a = Area.]
D. Quadratae (Fig. 252). Umriss vierseitig. Rippen in Höckerreihen
aufgelöst, die von der Schale auf die Area und das Feldchen übergreifen
(Fig. 252). Area (a) wenig scharf von der Seite geschieden, durch
Mittelkante oder Mittelfurche getheilt (Fig. 252 A f). Nur in der
Kreide.
Tr. nodosa Sow. Neocom. England, Frankreich, Schweiz.
Tr. Hondoana Lea. Oberes Neocom (Urgon). Spanien, Portugal,
Columbien.
Tr. daedalea Sow. Cenoman. England, Frankreich.
Tr. quadrata Ag. (Fig. 252 A, B). Cenoman. Frankreich.
E. Costatae (Fig. 253). Schale mit einfachen, concentrischen Rippen
bedeckt, von der Area durch eine gekerbte Randkante geschieden. Area
mit radialen und feinen, concentrischen Rippen. Die Ungleichheit der
beiden Klappen durch den weiteren Zwischenraum zwischen den Rippen der
Seite und der Arealkante in der linken, den kleineren in der rechten
ausgeprägt (Fig. 253). Schliessen sich an die Myophoriae costatae (p.
252) an. Vom Lias bis in die untere Kreide, hauptsächlich im Dogger und
Malm.
Tr. infracostata Lyc. Unterer Lias. Spanien.
Tr. similis Ag. Unterer Dogger (Opalinus-Sch.). Elsass.
Tr. costata Sow. (Fig. 253). Mittlerer und oberer Dogger.
Mitteleuropa.
Tr. elongata Sow. Callovien und Oxford. Mitteleuropa.
Tr. monilifera Ag. }
} Oxford und Kimmeridge. Mitteleuropa.
Tr. papillata Ag. }
Tr. carinata Ag. Untere Kreide. Mitteleuropa.
[Illustration: Fig. 253. A-B Trigonia costata Sow. Mittlerer Dogger.
Süddeutschland. Schale gegen die linke Klappe gesehen.]
[Illustration: Fig. 254. Trigonia gibbosa Sow. Ansicht gegen die linke
Klappe. Oberer Malm (Portland Oolite). Pisbury, England.]
F. Glabrae (Fig. 254). Schale oval, oft nach hinten stark verlängert.
Wirbel vom Vorderrande entfernt. Die concentrischen, oft etwas
geknoteten Rippen setzen nicht auf die undeutlich abgetrennte Area fort
(Fig. 254). Diese Gruppe schliesst an die Myophoriae laeves und M.
carinatae an. Lias -- Untere Kreide.
Tr. Lingonensis Dum. Mittlerer Lias. England, Frankreich.
Tr. gibbosa Sow. (Fig. 254) } Oberer Malm (Portland).
Tr. Damoni de Lor. } Nordfrankreich, England.
Tr. longa Ag. Neocom. Europa, Südamerika.
Tr. excentrica Park. Cenoman. England, Frankreich.
G. Scabrae (Fig. 255). Dreiseitiger bis halbmondförmiger Umriss. Wirbel
stark hervorragend und zurückgebogen. Oberrand ausgebuchtet. Area
meist reducirt. Die geknoteten Rippen setzen oft bis auf das Feldchen
fort (Fig. 255 A fe, D fe). Nur in der Kreide.
Tr. Vectiana Lyc. Aptien. England, Frankreich, Schweiz.
Tr. caudata Ag. Neocom. England, Frankreich, Schweiz, Spanien.
Tr. ornata d’Orb. Oberes Neocom (Urgon). England, Frankreich,
Schweiz.
Tr. aliformis Park. Cenoman. England, Schweiz. Verwandte Formen in
der unteren Kreide Südamerikas.
Tr. sulcataria Lmk. Cenoman. England, Frankreich.
Tr. scabra Lmk. (Fig. 255 A-D). Turon. Frankreich.
Tr. limbata d’Orb. Unteres Senon. Frankreich.
Tr. crenulata Lmk. Cenoman. Frankreich. Viele nahestehende Formen
in der oberen Kreide.
[Illustration: Fig. 255. Trigonia scabra Lmk. Turon. Uchaux, Dép. d.
l. Vaucluse. Linke Klappe. A von aussen. a = untere Grenze der Area;
a’ = Mittelfurche der Area; fe = Feldchen. B von innen. m = vorderer
Muskeleindruck, nach innen durch eine Leiste (l’) begrenzt; n =
hinterer Muskeleindruck; fn = Fussmuskeleindruck; ml = Mantellinie; mz₁
= vorderer, mz₃ = hinterer Leistenzahn; mz₂ = mittlerer Dreieckszahn;
ik = Innenkante, der Mittelfurche der Area entsprechend. C Wirbel und
Schloss von vorn. mz₂ = Vorderseite des Dreieckszahns; mz₁ = vorderer
Leistenzahn. D Wirbel und Schloss von hinten. a = Area; fe = Feldchen;
mz₂ = Hinterseite des Dreieckszahns; mz₃ = hinterer Leistenzahn; lp =
Ligamentplatte; ak = Arealkante.]
H. Pectinatae. Radiale Rippen. Area nur undeutlich von der Schale
geschieden. Tertiär und Lebend.
Tr. pectinata Lmk. Tertiär und Lebend. Australien.
5. Ordnung Heterodonta.
Die Schalen der Heterodonta zeigen eine grosse Mannigfaltigkeit
der äusseren Gestaltung. Sie sind theils gleichklappig, theils
ungleichklappig. Das Ligament liegt meist äusserlich, selten innerlich.
Das Schloss setzt sich im normalen, d. h. nicht reducirten Zustande,
aus den abwechselnd in den beiden Klappen gestellten, unter dem
Wirbel gelegenen Hauptzähnen und den randlich gestellten Seitenzähnen
zusammen, deren Zahl in jeder Klappe stets eine geringe (0-6) ist.
Jedem Zahne in der einen Klappe entspricht eine Zahngrube in der
anderen und umgekehrt. Dabei greifen die Zähne derart in einander, dass
kein todter Raum zwischen denselben bleibt und dass zwei benachbarte
Zähne derselben Klappe stets durch einen Zahn der anderen Klappe
getrennt werden (Fig. 256 B, C). Häufig verschwinden die Seitenzähne
ganz, und auch die Hauptzähne können in seltenen Fällen vollständig
reducirt werden. Da die Ausbildung der Schlosszähne selbst bei sonst
nahestehenden Formen sehr verschieden sein kann, ja mitunter bei einer
und derselben Art, je nachdem die rechte oder linke Klappe festwächst
die Bezahnung wechselt, so lässt sich das Schloss nicht als alleiniges
Unterscheidungsmerkmal der Familien und Gattungen verwenden, sondern
es müssen neben dem allgemeinen Charakter des Schlosses noch andere
Kennzeichen zu Hilfe genommen werden. Bei der Mehrzahl der Heterodonta
gleichen sich die beiden Klappen bis auf die Bezahnung vollständig, bei
einer aberranten Abtheilung derselben, den Chamacea, entwickeln sich
dagegen die beiden Klappen sehr verschieden, indem die eine (rechte
oder linke) durch Festwachsen und Ausdehnung in die Dicke (Unterklappe)
viel grösser wird und sich anders gestaltet, als die andere, freie,
meist weniger grosse, deckelartige (Deckelklappe).
[Illustration: Fig. 256. Tellina crassa Penn. Miocän. Wiener Becken.
Eine heterodonte Muschel mit normalem Schloss. In der rechten Klappe
(B) befinden sich unter dem Wirbel 2 Hauptzähne, ein vorderer (mz’₁)
und ein hinterer (mz’₂). In die Grube zwischen beiden passt der
vordere Hauptzahn der linken Klappe (C mz₁), während der hintere
Hauptzahn der linken (C mz₂) in die Grube hinter dem hinteren Hauptzahn
(mz’₂) der rechten Klappe eingreift. Das Schloss der rechten Klappe
besitzt jederseits einen leistenförmigen, dem Schalenrande parallelen
Seitenzahn (B vz’ = vorderer, hz’ = hinterer). Der vordere (B vz’)
greift in eine Grube über dem vorderen Seitenzahne der linken Klappe
(C vz), der hintere in eine Grube unter dem hinteren Seitenzahne der
linken Klappe (C hz) ein.]
Man kennt Vertreter der Heterodonta schon vom Silur an, ihre
Hauptentwickelung erreichen sie aber erst in mesozoischen und jüngeren
Schichten. Sie kommen theils im Meerwasser, theils im Süsswasser vor.
Eintheilung der Heterodonta.
1. Conchacea. Schale im Allgemeinen gleichklappig, meist frei, in
seltenen Fällen mit einer Klappe angeheftet. Seitenzähne meist
vorhanden (Fig. 256).
A. Integripalliata. Mantellinie ohne Mantelbucht (Fig. 257).
B. Sinupalliata. Mantellinie mit einer deutlichen Bucht (Fig. 256).
2. Chamacea. Schale dick, (meist stark) ungleichklappig, stets mit einer
Klappe, festgewachsen. Ohne Seitenzähne. Hauptzähne meist sehr stark
(Fig. 269).
1. Unterordnung Conchacea.
Die Eintheilung dieser Gruppe in Sinupalliata und Integripalliata
ist keineswegs eine naturgemässe und ganz scharfe, da auch unter den
letzteren gelegentlich Formen mit schwach ausgebildeter Mantelbucht
(Cyrena) vorkommen und bei manchen Sinupalliata (Pronoë) eine Bucht
kaum angedeutet ist. Doch wird die Uebersicht über die zahlreichen
Familien durch diese Eintheilung erleichtert. Die meisten Familien der
Conchacea lassen sich nach den Merkmalen der Schale allein nicht scharf
begrenzen, da die Bezahnung sowohl als die Oberflächensculptur grossem
Wechsel unterworfen ist. Immerhin dürfte die folgende Tabelle die
Bestimmung der typischen Gattungen einigermaassen erleichtern.
A. Integripalliata. -- Mantellinie im allgemeinen ohne Bucht. Schale
meist geschlossen. Ligament nur bei den Crassatellidae innerlich.
+----------+----------+-------------+---------------+---------------------+
|Familien |Hauptzähne| Seitenzähne |Radialrippen |Sonstige Merkmale |
+==========+==========+=============+===============+=====================+
|Cyprinidae|vorhanden |vorn fehlend,|meist fehlend; | Wirbel meist |
|(Fig. 257)| 2-3 | hinten |wenn vorhanden,| stark eingerollt |
| | | vorhanden | schwach | |
+----------+----------+-------------+---------------+---------------------+
|Cyrenidae |vorhanden | vorn und | fehlen | brackisch oder |
|(Fig. 258)| 2-3 | hinten | | limnisch |
+----------+----------+-------------+---------------+---------------------+
|Cardiidae |vorhanden | vorn und | vorhanden | Wirbel mittel- |
|(Fig. 259)| 2-2, | hinten, | | ständig, |
| | selten | selten | | Schalenrand |
| |fehlend | fehlend | | meist gekerbt |
+----------+----------+-------------+---------------+---------------------+
|Lucinidae |vorhanden | vorn und |meist fehlend; | vorderer Muskel- |
| |2-2, nicht|hinten, ni- |wenn vorhanden,| eindruck meist |
| |selten |cht selten | schwach | verlängert |
| |verkümmert|verkümmert | | |
+----------+----------+-------------+---------------+---------------------+
|Astartidae|vorhanden | meist | fehlend oder | Schalenrand |
|(Fig. 260,| 2-3 | fehlend | vorhanden | meist gekerbt |
|261) | | | | |
+----------+----------+-------------+---------------+---------------------+
|Cardinidae| meist | meist stark,| fehlen | Schale meist dick; |
|(Fig. 262)| reducirt | vorn und | | accessorische |
| | | hinten | | Muskeleindrücke |
| | | | | fehlen |
+----------+----------+-------------+---------------+---------------------+
|Unionidae |vorhanden | vorhanden | selten | Wirbel abgenagt; |
|(Fig. 263)| oder | oder | vorhanden |Süsswasserbewohner; |
| |fehlend | fehlend | |accessorische Muskel-|
| | | | |eindrücke vorhanden |
+----------+----------+-------------+---------------+---------------------+
|Crassatel-|vorhanden |fehlen meist | selten | Schale dick; |
|lidae | | | vorhanden | Band innerlich |
|(Fig. 264)| | | | |
+----------+----------+-------------+---------------+---------------------+
|Megalodon-|vorhanden,| fehlen fast | fehlen | Schale sehr dick, |
|tidae | stark | immer | | oft etwas ungleich |
|(Fig. 265)| | | | klappig, höher als |
| | | | | breit; Wirbel stark |
+----------+----------+-------------+---------------+---------------------+
B. Sinupalliata. -- Mantellinie mit deutlicher Bucht. Schale häufig
klaffend. Ligament fast ausnahmslos äusserlich.
+-----------+--------------+-----------+-------------+--------------------+
|Familien | Schlosszähne | Schale | Umriss | Sonstige Merkmale |
+===========+==============+===========+=============+====================+
|Veneridae | stark; | solid, |oval, selten | Mantelbucht meist |
|(Fig. 266, | zuweilen |geschlossen| verquert | schmal; Schalenrand|
| 267) | Seitenzähne | | | häufig gekerbt |
+-----------+--------------+-----------+-------------+--------------------+
|Tellinidae | zart; |dünn, hin- | oval, hinten| Mantelbucht breit; |
|(Fig. 268) | zuweilen |ten etwas | meist | Schalenrand |
| | Seitenzähne |klaffend | ausgezogen | ungekerbt |
+-----------+--------------+-----------+-------------+--------------------+
|Solenidae |zart und |dünn, vorn |stark verqu- |Schlossrand lang und|
| |klein; ohne |und hinten |ert,scheiden-|gerade; Schalenrand |
| |Seitenzähne | klaffend | förmig | ungekerbt |
+-----------+--------------+-----------+-------------+--------------------+
A. Integripalliata.
Fam. Cyprinidae.
Schale ziemlich dick, meist gerundet, quer- oder längsoval, gewölbt.
Wirbel stark, nach vorn gebogen oder eingerollt. Schloss stark. 2-3
Hauptzähne und hinterer Seitenzahn meist vorhanden. Mantellinie
zuweilen mit schwacher Bucht. Meeresbewohner. Mit Sicherheit erst seit
der mesozoischen Zeit bekannt. Einige Gattungen ausgestorben. Von den
Veneridae nicht scharf geschieden.
[Illustration: Fig. 257. R, L Cyprina tumida Nyst. Pliocän. Antwerpen.
L linke Klappe, R Schloss der rechten Klappe von innen. a, b, c =
vorderer, mittlerer und hinterer Hauptzahn der linken Klappe in
die Zahngruben a’, b’, c’ der rechten Klappe passend; d = hinterer
Seitenzahn, d’ = die demselben entsprechende Zahngrube in der rechten
Klappe; e, f = vorderer und hinterer Hauptzahn der rechten Klappe, in
die Zahngruben e’, f’ der linken passend; g = hinterer Seitenzahn der
rechten Klappe, unter den entsprechenden Seitenzahn der linken greifend
(g’); l = Ligamentfeld; m = vorderer, n = hinterer Muskeleindruck.]
Cyprina Lmk. (Fig. 257 R, L). Schale ungleichseitig, aufgebläht,
gerundet, mit concentrischen Anwachsstreifen. Wirbel mässig stark.
Rechte Klappe mit 3 (oder 2) Hauptzähnen, von denen der mittlere (e)
conisch, der hintere (f) lang und schräg. Von den 3 Hauptzähnen der
linken Klappe ist ebenfalls der hintere (c) lang und schmal, die beiden
anderen (a, b) kurz und dick. Hinterer Seitenzahn jederseits (d und g)
kräftig. Schalenrand ungekerbt. Bei den geologisch älteren Formen ist
zuweilen eine Mantelbucht schwach angedeutet; auch liegt der Wirbel
häufig fast mittelständig und die Schale ist dünn. Jura -- Gegenwart,
am häufigsten in der Kreide.
C. trigonellaris Schl. sp. Unterer Dogger (Opalinus-Sch.).
Süddeutschland.
C. Brongniarti Rö. sp. } Oberer Malm (Kimmeridge und Portland).
C. nuculaeformis Rö. sp } Norddeutschland, Nordfrankreich, Schweiz.
C. cornuta Klöd. sp. }
C. Ligeriensis d’Orb. Cenoman. Frankreich.
C. angulata Sow. Cenoman. England.
C. rotundata Br. Oligocän. Mitteleuropa.
C. tumida Nyst. (Fig. 257). Pliocän. Nordeuropa.
C. islandica Lin. Pliocän und Pleistocän. Nord- und Südeuropa.
Lebend in den nordischen Meeren.
Fam. Cyrenidae.
Schale gerundet, oval bis dreiseitig, ungleichseitig oder fast
gleichseitig, mässig dick oder dünn, concentrisch gestreift, mit
Epidermis überzogen. 2 oder 3 Hauptzähne. Vorn und hinten Seitenzähne.
Mantellinie zuweilen mit schwacher Bucht. Leben in Teichen, Flüssen und
im Brackwasser. Von der oberen Trias an mit Sicherheit bekannt, vom
oberen Jura an häufig. Lebend hauptsächlich in wärmeren Zonen.
[Illustration: Fig. 258. A-D Cyrena rugosa Sow. sp. Oberes Kimmeridge.
Ahlem b. Hannover. A Schale gegen die rechte Klappe gesehen. B Schale
von hinten. l = Ligament. C Schloss der linken, D der rechten Klappe.
mz₁-mz₃ = Hauptzähne der linken, mz’₁-mz’₃ = der rechten Klappe; vz =
vorderer, hz = hinterer Seitenzahn der linken Klappe; die doppelten
Seitenzähne der rechten Klappe sind nicht bezeichnet; n’ = hinterer
Muskeleindruck der rechten Klappe.]
Cyrena Lmk. (Fig. 258 A-D) (= Corbicula). Mässig dickschalige Muscheln
mit 3 (oder 2) wenig gespreizten Hauptzähnen in jeder Klappe (C, D)
und einem vorderen und hinteren Seitenzahn (C vz, hz) in der linken,
je 2 Seitenzähnen in der rechten Klappe (D). Wirbel häufig angenagt.
Band äusserlich, stark (B l). Von der Trias an in brackischen und
Süsswasser-Ablagerungen, häufig im Wealden, besonders aber im Oligocän.
Lebend in Flüssen der wärmeren Klimate. In den europäischen Flüssen die
verwandte (dünnschalige) Gattung Cyclas häufig.
C. rhaetica Leps. Rhätische Stufe. Südalpen.
C. rugosa Sow. sp. (Fig. 258 A-D). Kimmeridge, Portland und Purbeck.
England, Frankreich, Norddeutschland, Schweiz.
C. Mantelli Dnkr. Purbeck und Wealden. Nordfrankreich,
Norddeutschland.
C. cuneiformis Fér. Untereocän. Pariser und Londoner Becken.
C. semistriata Desh. Oligocän. Frankreich, Belgien, Schweiz,
Süddeutschland, sehr häufig im oberoligocänen Cyrenenmergel des
Mainzer Beckens.
C. (Corbicula) Faujasi Desh. sp. Häufig im miocänen Corbiculakalk
des Mainzer Beckens.
C. (Corbicula) fluminalis Müll. sp. Pliocän und Pleistocän. Europa.
Lebend. Nordafrika und Asien.
Fam. Cardiidae.
Schale längs- oder queroval, aufgebläht, radial berippt. Wirbel
hervorragend, meist mittelständig, wodurch die Schale fast
gleichseitig. Schalenrand gekerbt. Zwei, oft gekreuzte Hauptzähne in
jeder Klappe, dazu ein vorderer und ein hinterer Seitenzahn. Seit
der Silurzeit entwickelt. Die paläozoischen Vertreter (Präcardien)
zeichnen sich durch Dünnschaligkeit und häufig durch den Besitz eines
unter dem Wirbel gelegenen Bandfeldes aus (vgl. Cardiola -- p. 238).
In mesozoischen und jüngeren Schichten sehr häufig. Zahlreiche lebende
Formen in allen Meeren.
[Illustration: Fig. 259. A-D Cardium. A C. (Protocardia) Hillanum
Sow. Cenoman. Frankreich. Schale gegen die linke Klappe gesehen. Vorn
und in der Mitte concentrisch, hinten auch radial berippt. B C. edule
Lin. Obermiocän. Gauderndorf, Wiener Becken. Schale gegen die rechte
Klappe gesehen. C, D C. cingulatum Gf. Oberoligocän. Loibersdorf,
Wiener Becken. C Schloss der linken, D der rechten Klappe. l, l’ =
Ligamentgrube; mz₁, mz₂ = Hauptzähne der linken, mz’₁, mz’₂ = der
rechten Klappe; vz, vz’ = vordere, hz, hz’ = hintere Seitenzähne.]
Cardium Lin. (Fig. 259 A-D). Meist die ganze Schalenoberfläche
radial gerippt (B), selten glatt; bei der Untergattung Protocardia
Beyr. beschränken sich die radialen Rippen auf die Hinterseite.
Die Seitenzähne der linken Klappe fassen über die der rechten. Die
Brackwasserformen der sarmatischen Stufe verlieren z. Th. die Zähne
vollständig (Adacna). Von der Trias an, sehr häufig von der Kreide bis
zur Gegenwart.
C. (Protocardia) rhaeticum Mer. Rhätische Stufe. Alpin und
ausseralpin.
C. (Protocardia) truncatum Sow. Unterer Dogger (Opalinus-Sch.).
Mitteleuropa.
C. (Protocardia) impressum Desh. Neocom. Mitteleuropa.
C. (Protocardia) Hillanum Sow. (Fig. 259 A). Cenoman. Mitteleuropa.
Nahe verwandte Formen in der oberen Kreide in Europa, Kleinasien,
Indien, Südamerika.
C. corallinum Leym. Korallenkalk der Oxford-, Kimmeridge- und
Tithonstufe in Mittel- und Südeuropa.
C. productum Sow. Obere Kreide. Europa.
C. porulosum Lmk. Mitteleocän. Mitteleuropa.
C. cingulatum Gf. (Fig. 259 C, D). Oligocän. Mitteleuropa.
C. multicostatum Brocch. Miocän. Europa.
C. hians Brocch. Miocän -- Lebend. Europa.
C. edule L. (Fig. 259 B). Miocän -- Lebend. Häufig in allen
europäischen Meeren; auch brackisch.
C. groenlandicum Lin. Pliocän und Pleistocän. Nordeuropa. Lebend in
den arktischen Gewässern.
Adacna Eichw. Schale querverlängert, ungleichseitig. Brackwasser.
Zähne verkümmert.
C. (Adacna) sociale Krauss. Miocän. Süddeutschland.
C. (Adacna) obsoletum Eichw. Sarmatische Stufe. Osteuropa.
C. (Adacna) edentulum Desh. }
C. (Adacna) conjungens Partsch und zahlreiche } Congerienstufe.
andere Arten } Osteuropa.
Fam. Lucinidae.
Von den Cardiidae durch die wenig vorstehenden Wirbel, die meist
geringe Aufblähung der Schale, die Seltenheit der Radialrippen und
durch den meist bandförmig verlängerten vorderen Muskeleindruck
unterschieden. Haupt- und Seitenzähne vorhanden oder fehlend. Diese
Familie enthält neben einigen ausgestorbenen, mesozoischen Gattungen
hauptsächlich tertiäre und lebende Formen. Bereits vom Silur an kennt
man die typische Gattung:
Lucina Brug. Linsenförmig, meist flach; aussen glatt oder concentrisch
gestreift, selten mit radialen Rippen. Lunula wohl entwickelt. Band
verlängert, stark vertieft, zuweilen fast innerlich. In paläozoischen
und mesozoischen Schichten nicht häufig; zahlreiche tertiäre und
lebende Arten.
L. prisca His. sp. (Leth. pal., t. 14, Fig. 2). Obersilur.
Nordeuropa.
L. proavia Gf. (Leth. pal., t. 29, Fig. 5). Mitteldevon. Eifel.
Unterdevon. Nordamerika.
L. plana Ziet. Unterer Dogger (Opalinus-Sch.). Mitteleuropa.
L. gigantea Desh. Mitteleocän. Pariser Becken.
L. columbella Lmk. Miocän. Mittel- und Südeuropa.
L. divaricata Lin. Lebend. Mittelmeer, England.
Fam. Astartidae.
Schale solid, meist ungleichseitig, concentrisch oder radial berippt.
Wirbel gerade oder nach vorn gebogen. Bezahnung ähnlich wie bei den
Cyprinidae. 2-3 Hauptzähne. Vordere Seitenzähne fehlen fast immer,
hintere oft. Schalenrand in der Regel gekerbt. Meeresbewohner. Diese
Familie wird im Paläozoicum durch eine Reihe ausgestorbener Gattungen
(Prosocoelus, Pleurophorus etc.) vertreten, in mesozoischen Schichten
erreicht sie ihre Maximalentwickelung mit mehreren erloschenen und den
jetzt noch lebenden Gattungen Astarte und Cardita.
Astarte Sow. (Fig. 260 A-C). Schalen kreisförmig, oval (A) oder
dreiseitig (C), mehr oder weniger stark aufgebläht oder fast flach,
fast gleichseitig (C) oder sehr ungleichseitig (A). Oberfläche stets
concentrisch gestreift oder regelmässig berippt, ohne Radialsculptur.
Hauptzähne meist 2 in jeder Klappe (A). Seitenzähne fehlen. Vom Silur
an, häufig in Jura, Kreide und Tertiär. Etwa 20 lebende Arten in den
kühleren Meeren.
A. triasina Schl. sp. Muschelkalk. Deutschland.
A. Voltzi Hön. (Fig. 260 C). Unterer Dogger (Torulosus-Sch.).
Mitteleuropa.
A. elegans Sow. }
} Mittlerer Dogger. Mitteleuropa.
A. obliqua Desh. (Fig. 260 A) }
A. depressa Gf. Oberer Dogger. Mitteleuropa.
A. supracorallina d’Orb. (Fig. 260 B). Unteres Kimmeridge
(»Astartien«). Mitteleuropa.
A. Beaumonti Leym. Mittelneocom. Frankreich.
A. Kickxii Nyst. Oligocän. Mitteleuropa.
A. borealis Chem. sp. Pliocän u. Pleistocän. Nordeuropa. Lebend.
Nordische Meere.
[Illustration: Fig. 260. Astarte. A. obliqua Desh. Mittlerer Dogger.
Bayeux, Calvados. Linke Klappe von innen. x’ = vorderer, y’ = hinterer
Hauptzahn; p’ = Zahngrube für den grossen Hauptzahn der rechten Klappe;
b’ = Bandfeld; m’ = vorderer, n’ = hinterer Muskeleindruck. B A.
supracorallina d’Orb. Unteres Kimmeridge (Astarten-Sch.). Dép. de la
Meuse. C A. Voltzi Hön. Unterer Dogger (Torulosus-Sch.). Silzklamm,
Unterelsass. s = linke Klappe von aussen, s’ = von innen.]
[Illustration: Fig. 261. Cardita crenata Mnstr. Karnische Stufe
(Cassianer Sch.). Südtirol. Gegen die rechte Klappe (links) und von
oben (rechts) gesehen. ¹⁄₁.]
Cardita Brug. (= Venericardia) (Fig. 261). Von Astarte durch die
vorherrschend radiale Berippung und das häufige Auftreten eines
hinteren Seitenzahnes unterschieden. Hauptzähne schief. Schale dick.
Von der Trias an, häufig im Tertiär und in der Gegenwart (in allen
Meeren).
C. crenata Mnstr. (Fig. 261). Karnische Stufe (Cassianer Sch.).
Alpen. »Cardita-Schichten«.
C. tenuicosta Fitt. sp. Gault. England, Frankreich.
C. pectuncularis Lmk. Untereocän. Pariser Becken.
C. planicosta Desh. Mittel- und Obereocän. Mitteleuropa, Alabama.
C. Jouanneti Bast. Miocän. Mitteleuropa.
C. calyculata Brug. Lebend. Mittelmeer.
Fam. Cardinidae.
Die Schalen der typischen Gattung Cardinia sind im Umriss dreiseitig
oder oval, kurz oder stark verquert, solid, mit starkem Schloss; Hauptzähne
schwach, Seitenzähne stark ausgeprägt. Bei der älteren Gattung Anoplophora
verschwinden die Zähne fast ganz. Wirbel weit nach vorn gerückt.
Hinterer Muskeleindruck einfach; Fussmuskeleindrücke daneben fehlen.
Marine, auch wohl brackische Formen, auf Trias und Jura beschränkt.
Cardinia Ag. (Fig. 262 A-C). Dickschalige, wenig aufgeblähte,
dreiseitige bis ovale Muscheln mit kleinen, nach vorn gelegenen,
spitzen Wirbeln. Vorderseite unter den Wirbeln zu einer Lunula (B lu,
C lu’) vertieft. Rechte Klappe mit einem starken vorderen (C vz’),
linke mit einem hinteren (B hz) Seitenzahn. In der rechten Klappe ein
wenig hervorragender Hauptzahn. Trias und Jura, am häufigsten in den
Angulaten-Schichten des unteren Lias.
[Illustration: Fig. 262. A-C Cardinia hybrida Ag. Unterer Lias.
England. A Schale gegen die linke Klappe gesehen. B Schloss der linken,
C der rechten Klappe. m, m’ = vordere, n, n’ = hintere Muskeleindrücke;
l = Ligamentfeld; lu, lu’ = Lunula; hz = hinterer Seitenzahn der linken
Klappe in eine hintere Grube (hg’) der rechten eingreifend; vz’ =
vorderer Seitenzahn der rechten Klappe in eine vordere Grube (vg) der
linken eingreifend.]
C. concinna Sow. sp. } Unterer Lias, besonders häufig
C. Listeri Sow. sp. } in den Angulaten-Schichten.
C. hybrida Sow. sp. (Fig. 262 A-C)} England, Frankreich, Deutschland.
Die triadische Gattung Anoplophora Sandb. (= Myacites p. 242)
unterscheidet sich durch das Fehlen des hinteren Seitenzahnes. Der
Schalenumriss ist stets queroval, die Schale nicht sehr dick und die
Wirbel liegen weit nach vorn. In der alpinen und ausseralpinen Trias.
Vielleicht passender zu den Desmodonta zu stellen.
A. lettica Qu. sp. Lettenkohle. Deutschland.
Auch die in der Steinkohlenformation vieler Länder und im unteren Perm
oft in grossen Mengen, aber meist schlecht erhalten sich findende
Gattung Anthracosia King. schliesst sich hier an und ist von der
vorigen kaum scharf zu unterscheiden. Im Süsswasser.
A. carbonaria Gf. sp. Unteres Perm. Saarbrücken.
Fam. Unionidae.
Schale rundlichoval oder dreiseitig, mit dicker Epidermis bekleidet,
zuweilen unregelmässig radial gerippt. Schloss sehr variabel.
Häufig starke, oft längsgestreifte, etwas unregelmässige Hauptzähne
und meist Seitenzähne vorhanden (Fig. 263 B). Neben und über dem
vorderen Muskeleindrucke einer oder mehrere accessorische (B fm).
Hierher gehören die perlenbildenden Teich- und Flussmuscheln. Als
Süsswasserbewohner meist mit abgenagten Wirbeln. Vom Jura an mit
Sicherheit bekannt.
Unio Retz. (Fig. 263 A, B). Zähne wohlentwickelt oder fehlend
(Anodonta). Schale ziemlich gross, mässig aufgebläht. Wirbel meist
weit nach vorn gerückt. Muskeleindrücke vertieft. Vom Jura an in
Süsswasserbildungen nicht selten, im Tertiär und in der Gegenwart sehr
häufig und über die ganze Erde verbreitet.
[Illustration: Fig. 263. A, B Unio flabellatus Gf. Pliocän
(Congerien-Stufe). Komorn, Ungarn. Linke Klappe. A von aussen, B von
innen. m = vorderer, n = hinterer Muskeleindruck; fm = accessorischer
Muskeleindruck; mz₁ = vorderer, mz₂ = hinterer Hauptzahn; hzu =
unterer, hzo = oberer hinterer Seitenzahn, zwischen beiden die
Zahngrube für den Seitenzahn der rechten Klappe (hg).]
U. porrectus Sow. Untere Kreide (Wealden). England, Norddeutschland.
U. priscus M. & H. sowie zahlreiche andere Arten an der Grenze von
Kreide und Tertiär (Laramie-Gruppe) in Nordamerika.
U. Solandri Sow. Unteroligocän. England, Frankreich.
U. flabellatus Gf. (Fig. 263 A, B). Obermiocän. Süddeutschland,
Schweiz, Südfrankreich, Südosteuropa (Congerien-St.).
U. atavus Partsch. Pliocän (Pontische Stufe). Osteuropa. Nebst
zahlreichen anderen Arten.
U. batavus Nils. Diluvium und Gegenwart. Europa.
Fam. Crassatellidae.
Die Glieder dieser Familie sind an der inneren Lage des Ligamentes
leicht zu unterscheiden. Die Schalen gleichen im Habitus und in
der Bezahnung der Gattung Astarte. Die dickschalige Muschel hinten
abgestutzt; die Muskeleindrücke liegen vertieft. Seitenzähne fehlen
meist. Von der Kreide an, hauptsächlich tertiär und lebend. Wenige
Gattungen.
Crassatella Lmk. (Fig. 264). Schale hinten oft ausgezogen und mit einer
schräg nach hinten laufenden Kante. Oberfläche concentrisch gestreift.
Lunula deutlich. Schalenrand glatt oder gekerbt. Kreide -- Gegenwart,
am grössten und häufigsten im Eocän und Miocän.
C. macrodonta Sow. sp. Senon (Hippuritenkreide). Südfrankreich,
Salzkammergut.
C. ponderosa Chem. sp. (= plumbea Lmk.) (Fig. 264). Mitteleocän.
Europa.
C. concentrica Duj. Miocän. Mitteleuropa.
[Illustration: Fig. 264. Crassatella ponderosa Nyst. Mitteleocän.
Paris. Linke Klappe von aussen (rechts) und von innen (links). Das
Ligament liegt in der dreieckigen Grube hinter den Hauptzähnen. ¹⁄₁.]
[Illustration: Fig. 265. A-C Megalodon. A, B M. cucullatus Gf.
Mitteldevon (Stringocephalenkalk). Paffrath bei Cöln. A linke, B
rechte Klappe von innen. m, m’ = vorderer, n, n’ = hinterer, auf einer
Längsleiste (l, l’) gelegener Muskeleindruck; b, b’ = Bandfeld; x, y
= vorderer und hinterer Hauptzahn der linken, x’, y’ = der rechten
Klappe. C M. triqueter Wulf. sp. Karnische Stufe (Dachsteinkalk).
Bleiberg, Kärnten. Steinkern von vorn gesehen.]
Fam. Megalodontidae.
Dickschalig, meist höher als breit, herzförmig, mit starkem Wirbel und
breiter Schlossplatte, häufig etwas ungleichklappig. Hauptzähne bogig
gekrümmt, meist getheilt. Seitenzähne fehlen. Vorderer Muskeleindruck
schmal, gebogen und tief, hinterer auf einer Längsleiste. Ausgestorbene
Familie, vom Devon bis in den Jura reichend, Maximalentwickelung in der
Trias. Wenige Gattungen. Hieran schliessen sich die Chamacea (p. 269).
Megalodon Sow. (Fig. 265 A-C). Schale von der Seite gesehen dreieckig,
von vorn herzförmig (C), mit nach vorn eingerollten Wirbeln. nur
mit concentrischen Streifen bedeckt. Zwei, häufig getheilte und
wulstige Hauptzähne in jeder Klappe. Zuweilen ein hinterer Seitenzahn
entwickelt. Wegen der ausserordentlichen Breite der Schlossplatte
treten auf Steinkernen (C) die Wirbel weit heraus. Vom Devon bis in den
Lias, sehr häufig in der alpinen Trias.
M. cucullatus Gf. (Fig. 265 A, B). Häufig im englischen und
rheinischen Mitteldevon.
M. triqueter Wulf. sp. (Fig. 265 C) nebst mehreren verwandten Arten
in der karnischen und rhätischen Stufe der Alpen häufig
(»Dachsteinbivalve«); auch in Indien.
M. pumilus Gmb. Lias (Graue Kalke). Südtirol, Venetien, Frankreich,
Portugal.
B. Sinupalliata.
Fam. Veneridae.
Schale solid, geschlossen mit concentrischer oder auch radialer
Skulptur, oval oder kreisförmig, selten stark verquert. 2-3 starke
Hauptzähne, zuweilen Seitenzähne. Wirbel ziemlich stark. Mantelbucht
in der Regel vorhanden, nicht ausgeweitet, seltener fehlend. Mit den
Cyprinidae (p. 259) nahe verwandt. Seit dem Jura entwickelt, in der
Tertiärzeit und Gegenwart dominirend.
Venus L. (Fig. 266 A-C). Schalenverzierung sehr mannigfaltig. Lunula
meist entwickelt. Schloss stark, jederseits mit 3 divergirenden
Hauptzähnen (C mz₁-mz₃), zuweilen mit einem kleinen, knopfförmigen
Lunularzahn vor dem ersten Hauptzahn (mz₁). Schalenrand in der Regel
fein gekerbt (B k). Vom Jura an, häufig im Tertiär, besonders aber in
der Gegenwart (in allen Meeren).
V. texta Lmk. Mittel- und Obereocän, Mitteleuropa.
V. umbonaria Lmk. Oligocän -- Pliocän. Mittel- und Südeuropa.
V. multilamella Lmk. (Fig. 266 A-C) }
} Miocän. Mittel- und Südeuropa.
V. cincta Eichw. }
V. plicata Gmel. Miocän und Pliocän. Europa. Lebend im indischen
Ocean.
V. casina Lin. Pliocän und lebend. Europa.
V. mercenaria Lin. Lebend. Atlantische Küsten Europas und
Nordamerikas.
[Illustration: Fig. 266. Venus multilamella Lmk. Miocän. Wiener Becken.
A rechte Klappe von aussen. lu = Lunula. B dieselbe von innen. C
Schloss der linken Klappe. mz₁-mz₃ = Hauptzähne; l = Bandfeld; m’ =
vorderer, n’ = hinterer Muskeleindruck; mb = Mantelbucht; k = Kerben
des Schalenrandes.]
Cytherea Lmk. (= Meretrix) (Fig. 267). Unterscheidet sich von Venus
durch die starke Ausbildung des vorderen, queren Seitenzahnes in der
linken Klappe (vz) und durch das ständige Fehlen der Schalenkerbung.
Zuweilen auch ein hinterer Seitenzahn angedeutet. Mantelbucht (mb)
meist tiefer als bei Venus. Geologische Verbreitung wie Venus; die
Maximalentwickelung fällt aber in das Eogen.
C. ovalis Gf. sp. } Mitteleocän. Europa.
C. semisulcata Lmk.}
C. incrassata Sow. sp. Oligocän. Europa.
C. Pedemontana Ag. (Fig. 267). Miocän. Europa.
C. Chione Lin. Pliocän -- Lebend. Europa.
[Illustration: Fig. 267. Cytherea Pedemontana Ag. Miocän. Grund, Wiener
Becken. Linke Klappe von innen. vz = vorderer Seitenzahn (Lunularzahn);
mz₁-mz₃ = Hauptzähne; l = Bandgrube; mb = Mantelbucht; m = vorderer, n
= hinterer Muskeleindruck.]
Fam. Tellinidae.
Schale meist dünn, quer verlängert, hinten meist ausgezogen und ein
wenig klaffend. Wirbel klein. Zähne zart, höchstens 2 Hauptzähne und
meist ein hinterer und vorderer Seitenzahn ausgebildet. Mantelbucht
tief und ausgeweitet. Schalenrand ungekerbt. Die beiden Klappen sind
meist ein wenig ungleich. Vom Jura an, sehr häufig im Tertiär und in
der Gegenwart.
[Illustration: Fig. 268. A-C Tellina crassa Penn. Miocän. Wiener
Becken. A rechte Klappe von aussen. f = Falte nach hinten ziehend.
B dieselbe von innen. C Schloss der linken Klappe. m’ = vorderer,
n’ = hinterer Muskeleindruck; mb’ = Mantelbucht (erweitert); vz,
vz’ = vordere, hz, hz’ = hintere Seitenzähne; mz₁-mz₂, mz’₁-mz’₂ =
Hauptzähne; l = Bandfeld.]
Tellina L. (Fig. 268 A-C) Hinterseite der Schale von der Seitenmitte
durch eine Falte (A f) getrennt, oft kürzer als die Vorderseite. Wirbel
fast mittelständig. Mit concentrischen Streifen, seltener radial,
verziert. Lunula fehlt. Seitenzähne der rechten Klappe (B vz’, hz’)
stärker als die der linken (C vz, hz). Vom Jura an, in der Kreide noch
spärlich, später sehr häufig. Mehrere hundert Arten lebend in allen
Meeren.
T. semiradiata Math. Turon und Senon. Mitteleuropa.
T. rostralis Lmk. Mitteleocän. Mitteleuropa.
T. Nysti Desh. Oligocän. Mitteleuropa.
T. crassa Penn. (Fig. 268 A-C) }
} Miocän -- Lebend. Europa.
T. donacina Lin. }
Fam. Solenidae.
Diese Familie umfasst scheidenförmig quer verlängerte, vorn und hinten
klaffende Muscheln mit kaum sichtbaren Wirbeln und sehr schwachen
Hauptzähnen. Seitenzähne fehlen. Bereits seit der paläozoischen Zeit
vorhanden. Die Stellung dieser Familie ist noch nicht gesichert. Die
bekannteste Gattung ist:
Solen L. Wirbel am Vorderende der scheidenförmigen Schale gelegen.
Oberfläche nur mit concentrischen Anwachsstreifen. Linke Klappe mit
2 hakenförmigen Zähnen, rechte mit einem. Tertiär und Gegenwart.
Zahlreiche lebende Arten in fast allen Meeren.
S. obliquus Sow. Mittel- und Obereocän. England, Frankreich.
S. vagina Lin. Miocän -- Lebend. Europa.
S. subfragilis Eichw. Neogen (Sarmatische Stufe). Osteuropa.
Der Form nach nahestehende Muscheln kennt man schon vom Devon an,
z. B. (?) S. pelagicus Gf. Mitteldevon. Eifel.
2. Unterordnung Chamacea.
Von den Conchacea unterscheiden sich die Chamacea durch die
Ungleichheit der beiden, meist sehr dickschaligen Klappen, eine Folge
des Festwachsens der einen derselben, ferner durch die sehr poröse
Structur der äusseren (prismatischen) Schalenschicht, welche meist
eine bedeutende Dicke besitzt und aus parallel der Schalenoberfläche
gestellten Prismen besteht. Die festgewachsene -- rechte oder linke
-- Klappe übertrifft die freie durchgängig an Grösse und ist häufig
anders gestaltet als die freie, oft deckelförmige (vgl. Fig. 270). Im
letzteren Falle wählt man für die Betrachtung der Schale eine andere
Stellung als gewöhnlich, nämlich derart, dass man die grössere Klappe
(s) mit der Spitze nach unten richtet und dass die Deckelklappe (s’)
nach oben zu liegen kommt (Fig. 270).
Die eine der beiden Klappen besitzt meist 2 (seltener 1) Schlosszähne
(Fig. 269 A x, y) und eine zwischen denselben gelegene Zahngrube (p’)
zur Aufnahme des einzigen Zahnes der anderen Klappe, welch’ letztere 2
(1) Zahngruben zu beiden Seiten dieses Zahnes aufweist (Fig. 277 B x,
y). Der Vorderzahn der zweizähnigen Klappe (Fig. 269 A x) liegt auf
der Schlossplatte in einiger Entfernung vom Schalenrande, der meist
verlängerte Hinterzahn (y’) dem Schalenrande und dem Ligament genähert.
Als normale Formen werden diejenigen bezeichnet, welche mit der
linken Klappe festgewachsen sind (Fig. 272), als inverse solche, bei
denen das umgekehrte Verhältniss statt hat (Caprinidae -- Fig. 269,
Hippuritidae -- Fig. 270). Meist erfolgt das Festwachsen mit grosser
Regelmässigkeit, nur bei der ältesten Gattung Diceras und bei der
jüngsten Gattung Chama kommen normale und inverse Formen neben einander
selbst bei ein und derselben Art vor.
[Illustration: Fig. 269. Plagioptychus Anguilloni d’Orb. Oberes Turon
(Hippuritenkreide). Le Beausset, Var. A linke, kleinere (zweizähnige)
Klappe von innen. m’ = vorderer, n’ = hinterer Muskeleindruck,
letzterer nach innen durch eine Muskelleiste (s’) begrenzt; x’ =
vorderer, y’ = hinterer (randlicher) Schlosszahn, über welchen
die innerliche Ligamentgrube beginnt und als schmale Furche dem
Schlossrande parallel verläuft; p’ = Zahngrube. B Schale gegen die
linke (kleinere) Klappe (s’) gesehen; s = grössere Klappe mit äusserem,
vom Schlossrande bis nach dem Wirbel verlängertem Ligament (b). C
Querschnitt durch die linke Klappe, um die radialen Canäle der inneren
Schalenschicht (h, k) zu zeigen, welche an verwitterten Stücken von
aussen sichtbar sind (A k, B k).]
Die Zähne sind kräftig und bei den Formen mit äusserem Ligament meist
stumpf und gebogen (Fig. 269 A x’, y’). Seitenzähne fehlen stets. Die
Mantellinie ist stets ganz. Die Muskeleindrücke sind meist gross, der
hintere liegt gewöhnlich auf einer starken Muskelleiste (Fig. 269 A
n’), wie bei den Megalodontidae (p. 266).
[Illustration: Fig. 270. Biradiolites cornupastoris d’Orb. Mittleres
Turon (Hippuritenkreide). Südfrankreich. s = rechte, festgewachsene
Klappe mit 2 engberippten Streifen, einem breiten (f) und einem
schmäleren (rechts); s’ = linke (deckelförmige) freie Klappe.]
Die ältesten, wenig ungleichklappigen Formen der Conchacea (Diceras
-- Jura) schliessen sich an triadische und jurassische Gattungen der
Megalodontidae enge an. Sie sind wie jene durch hornartig gewundene,
vom Schalenrande sich entfernende Wirbel (Fig. 271 A) ausgezeichnet.
Aehnliche, aber mehr ungleichklappige Gattungen mit normaler Anheftung
(Requienia etc.) finden sich in der Kreide; an diese schliesst sich
die einzige tertiäre und lebende Gattung Chama an, welche meist eine
normale, seltener eine inverse Anheftung zeigt. -- Familie Chamidae.
Ein zweiter, bisher nur aus der Kreide bekannt gewordener Zweig
enthält ausschliesslich inverse (mit der rechten Klappe angeheftete)
Formen, deren Wirbel z. Th. wenig oder gar nicht eingerollt sind und
deren Schalen durch ihre Dicke, Ungleichklappigkeit und durch das in
denselben verlaufende Canalsystem nur noch sehr wenig Aehnlichkeit
mit normalen Muscheln aufweisen. Bei den aberrantesten Formen,
den Hippuritidae oder Rudistae, wird das Ligament innerlich oder
verschwindet ganz. Im letzteren Falle geschieht das Schliessen der
Schale nur noch durch Muskeln. -- Familien: Monopleuridae, Caprinidae,
Hippuritidae.
Die ca. 20, meist cretaceischen Gattungen, welche man unterschieden
hat, vertheilen sich in mehrere Familien. Die wichtigsten Gattungen
lassen sich folgendermaassen trennen:
A. Schale meist mit der linken, seltener mit der rechten Klappe
festgeheftet. -- Normale Formen. Wirbel stets gekrümmt oder
eingerollt. Schale ohne Canäle. Ligament äusserlich.
Fam. Chamidae.
a. Schalenoberfläche glatt oder concentrisch gestreift. Hintere
Muskelleiste in einer oder in beiden Klappen.
α. Beide Klappen convex, meist hornartig gewunden (Fig. 271)
Diceras.
β. Rechte (Deckel-)Klappe flach oder, wenn erhöht, mit concaver
Aussenfläche (Fig. 272)
Requienia.
b. Schalenoberfläche blätterig oder stachelig. Muskelleisten fehlen
(Fig. 273)
Chama.
B. Schale stets mit der rechten Klappe festgeheftet. -- Inverse Formen.
Wirbel gekrümmt oder gerade. Schale oft mit Canälen. Ligament
äusserlich, innerlich oder fehlend.
a. Ligament ganz oder z. Th. äusserlich, meist in einer zum Wirbel
ziehenden Falte.
α. Schale dünn oder mässig dick, ohne Canäle (Fig. 274).
Fam. Monopleuridae.
Monopleura.
β. Schale dick. Die kleinere, zuweilen auch die grössere Klappe
mit Längscanälen (Fig. 275).
Fam. Caprinidae.
Plagioptychus.
b. Ligament innerlich oder fehlend. Beide Muskelansätze der kleineren
(linken) Klappe zu vorstehenden Apophysen (Fig. 277 A m’, n’)
verlängert. Wirbel gerade oder schwach gebogen.
Fam. Hippuritidae.
α. Rechte (grössere) Klappe mit einer inneren Ligamentfalte (Fig.
277 B p) und 2 Pfeilern (q, r) hinter derselben.
Hippurites.
β. Rechte Klappe nur mit Ligamentfalte (Fig. 280 B l) oder ohne
Ligament und Pfeiler. Linke Klappe nicht von radialen Canälen
durchzogen.
Radiolites.
A. Normale Formen.
Fam. Chamidae.
Die Familie beginnt im Jura und reicht bis in die Gegenwart.
Diceras Lmk. (Fig. 271 A, B). Schale dick, ungleichklappig, mit dem
Wirbel der grösseren, gewöhnlich linken, seltener rechten Klappe
festgeheftet. Wirbel vom Schalenrande entfernt, nach vorn und seitlich
gekrümmt oder eingebogen (A). Ligament am Schalenrande gelegen und
von dort jederseits nach vorn einen Zweig bis zur Wirbelspitze
entsendend (B b’). Schlossplatte und Zähne stark. Einzähnige Klappe
bald festgewachsen, bald frei, mit einem ohrförmigen Zahne (B x’),
einer kleineren, vorderen (unterhalb des Zahnes gelegenen) und
einer hinteren, gebogenen Zahngrube. Zweizähnige Klappe mit einem
kleinen vorderen (unteren) und einem starken, oft nach aussen
gebogenen, dem Schlossrande parallelen, hinteren Zahne; zwischen
beiden eine ohrförmige Zahngrube. Hinterer (B n’), zuweilen auch
vorderer Muskeleindruck (m’) durch eine in das Innere der Schale
sich fortsetzende Muskelleiste gestützt, die auf dem Steinkerne eine
entsprechende Furche zurücklässt. Erheben sich die Muskeleindrücke bis
zur Höhe der Schlossplatte, so fallen die Muskelleisten und demgemäss
die Furchen auf dem Steinkerne fort.
[Illustration: Fig. 271. Diceras arietinum Lmk. Oxford. St. Mihiel,
Meuse. A Schale von vorn gesehen. Die rechte (bei dieser Stellung
linke), grössere Klappe ist festgeheftet. B linke Klappe von innen. b’
= Bandfurche; m’ = vorderer, n’ = hinterer Muskeleindruck, letzterer
durch eine Muskelleiste gestützt; x’ = ohrförmiger Zahn, die vordere
kleinere Zahngrube umschliessend, nach hinten durch die lange,
gebogene, hintere Zahngrube begrenzt.]
Die Hauptmasse der Schale besteht aus dichter, porzellanartiger
Kalksubstanz, die lockere, prismatische Oberflächenschicht ist
nur selten erhalten. Diese Gattung ist bezeichnend für die
Korallenbildungen des Oxford, Kimmeridge und Tithon in Mittel- und
Südeuropa (»Diceraskalke«).
D. arietinum Lmk. (Fig. 271 A, B). Häufig im Oxford (»Corallien«),
bis in das Tithon reichend.
D. Muensteri Gf. Kimmeridge und Tithon.
D. Escheri d. Lor. }
} Tithon.
D. Luci Dfr. }
Aehnliche, aber inverse und durch eine andere Lage der hinteren
Muskelleiste ausgezeichnete Formen finden sich in der oberen
(Hippuriten-)Kreide Südeuropas (Bayleia).
Requienia Math. (= Caprotina) (Fig. 272). Stets mit der linken
grösseren, hornartig gewundenen Klappe (s’) festgeheftet. Rechte
Klappe (s) sehr viel kleiner als die linke, spiral eingerollt,
häufig deckelförmig, mit concaver Oberfläche. Ligament wie bei
Diceras. Schlosszähne deutlich (Toucasia) oder fast obsolet. Hintere
Muskelleiste, auf der Oberfläche durch eine spirale Furche angedeutet,
nur in der linken Klappe oder in beiden (Toucasia). In der Kreide,
besonders häufig im Urgon (Schratten- oder Caprotinenkalk) Südeuropas
und der Alpen.
R. ammonia Gf. sp. }
} Urgon. Nordalpen, Südfrankreich.
R. (Toucasia) carinata Math. }
R. Lonsdalei Sow. sp. Urgon. Südfrankreich, England.
[Illustration: Fig. 272. Requienia ammonia Gf. sp. Untere Kreide:
Urgon. Orgon, Bouches du Rhône. s = rechte (Deckel-)Klappe; s’ = linke,
festgeheftete Klappe.]
[Illustration: Fig. 273. Chama distans Desh. Untereocän (Sables
inférieures). Cuise-la-Motte, Pariser Becken. a = rechte, freie Klappe
von aussen; b = dieselbe von innen; c = linke, grössere, festgeheftete
Klappe von innen.]
Chama Lin. (Fig. 273). Meist mit der linken, seltener mit der rechten
Klappe aufgewachsen. Feste Klappe (c) stets, wenn auch nur wenig
grösser als die Deckelklappe (a, b). Oberfläche mit concentrisch
angeordneten Blättern oder Stacheln verziert (a). Muskeleindrücke nicht
durch Muskelleisten gestützt. Vorderzahn der zweizähnigen Klappe (b)
schwach oder fehlend. Schale aus 3 verschiedenen Schichten gebildet.
Häufig im Tertiär und in der Gegenwart (besonders in den wärmeren
Meeren).
Ch. distans Desh. (Fig. 273). Untereocän. Pariser Becken.
Ch. calcarata Lmk. Mitteleocän. England, Frankreich, Indien.
Ch. gryphoides Lin. Miocän, Pliocän. Mittel- und Südeuropa. Lebend.
Mittelmeer.
B. Inverse Formen.
Fam. Monopleuridae.
Schale meist mässig dick, sehr ungleichklappig, nicht von Canälen
durchzogen. Wirbel eingerollt oder fast gerade. Kleinere (freie) Klappe
meist mit 2 fast gleich grossen Zähnen. Ligament äusserlich, bis zu den
Wirbeln fortsetzend. In der Kreide Europas und Nordamerikas.
Monopleura Math. (Fig. 274). Schale glatt oder längsgestreift. Linke
(freie) Klappe deckel- oder mützenförmig, mit 2 nahezu gleich grossen
Zähnen und einer tiefen mittleren Zahngrube. Schlossplatte nach hinten
zu einer Leiste verlängert, welche den hinteren Muskeleindruck trägt
(Fig. 274 links). Rechte Klappe verlängert, conisch, meist spiral, mit
einem sehr starken, von 2 Gruben umschlossenen Mittelzahn. Hinterer
Muskeleindruck auf einer breiten Platte gelegen (Fig. 274 rechts).
Ligament gewöhnlich senkrecht zum Schlossrande gestellt. In der Kreide,
besonders häufig im Urgon Südfrankreichs.
M. varians Math. (Fig. 274) }
} Urgon. Südfrankreich.
M. trilobata d’Orb. }
M. marcida White. Obere Kreide. Nordamerika. Cenoman. Böhmen.
M. Marticensis Math. Unteres Senon. Südfrankreich.
M. gryphoides Bayle. Oberes Senon. Südfrankreich.
[Illustration: Fig. 274. Monopleura varians Math. Urgon. Orgon, Bouches
du Rhône. Beide Klappen von innen. Links: linke Klappe mit den 2
gleichen Zähnen und der mittleren Zahngrube. Rechts: grössere, rechte
Klappe mit dem starken Mittelzahn und den 2 Zahngruben.]
Häufiger und in der Kreide Nordeuropas und Westrusslands weit
verbreitet ist die verwandte Gattung Gyropleura Douv. Die
Schalenoberfläche wird von schuppigen oder stacheligen Rippen verziert.
Die Unterschale ist mit breiter Fläche angewachsen, ihr Schloss nach
hinten gerückt, der hintere Muskeleindruck auf die Schlossplatte
hinaufgeschoben und durch eine starke Leiste gestützt.
G. cenomanensis d’Orb. sp. Cenoman. Frankreich.
G. Delaruei d’Orb. sp. Senon. Nordfrankreich.
G. Moritzi Stromb. sp. Senon. Norddeutschland.
Fam. Caprinidae.
Schale dick, sehr ungleichklappig. Die Wirbel einer oder beider Klappen
eingerollt. Ligamentfurche äusserlich bis fast innerlich. Die innere
Schalenschicht der kleineren, zuweilen auch der grösseren Klappe von
radialen Canälen durchzogen (Fig. 275 C k). Die 3 Gattungen dieser
Familie sind auf die obere Kreide beschränkt. Europa und Nordamerika.
Plagioptychus Math. (Fig. 275 A-C). Grössere, rechte Klappe (B s)
conisch verlängert, gebogen oder eingerollt, mit äusserer, bis
zum Wirbel verlängerter Bandfurche (b). Kleinere Klappe (B s’, A)
gewölbt, mit schwach nach vorn gebogenem Wirbel und randlichem, am
hinteren Schlosszahne (A y’) endigendem, halb innerlichem Ligament.
Schlossplatte sehr kräftig. Vorderzahn der kleineren (linken) Klappe
(A x’) klein, Hinterzahn (A y’) gross, nach auswärts gebogen. Hinterer
Muskeleindruck (A n’) auf einer Apophyse gelegen und durch eine Leiste
(s’) gestützt. Vorderer Muskeleindruck (A m’) auf der Schlossplatte.
Vorderer Muskeleindruck der rechten Klappe vertieft, hinterer auf einer
Platte gelegen. Die dicke Innenschicht der linken Klappe wird von --
aussen weiten (C k), innen schmäleren (C h) -- Canälen durchzogen, die
bei der Verwitterung als radiale Furchen (A k, B k) erscheinen.
[Illustration: Fig. 275. Plagioptychus Aguilloni d’Orb. Oberes
Turon (Provencien). A Le Beausset, Var. B, C Gosau, Salzkammergut.
A kleinere, linke Klappe von innen. x’ = vorderer, y’ = hinterer
Schlosszahn; p’ = Zahngrube; m’ = vorderer, n’ = hinterer
Muskeleindruck, letzterer durch eine Muskelleiste (s’) gestützt; k =
durch Anwitterung hervortretende Canäle der inneren Schalenschicht. B
Schale gegen die linke Klappe (s’) gesehen. s = rechte, festgeheftete
Klappe; b = Bandfurche; k = wie in Fig. A. C Querschnitt durch die
kleinere Klappe, um die radialen Canäle (h und k) zu zeigen.]
In der Hippuritenkreide (Turon und Senon) Südeuropas häufig; auch in
Nordamerika.
Pl. Aguilloni d’Orb. (Fig. 275 A-C). Gosauschichten. Salzkammergut,
Südfrankreich.
Pl. Haueri Tell. sp. Cenoman. Böhmen.
Pl. Orcutti White sp. Obere Kreide. Californien.
Caprina d’Orb. besitzt in beiden Klappen Canäle. Die freie linke Klappe
ist grösser als die rechte.
C. adversa d’Orb. Cenoman. Frankreich, Ostalpen, Böhmen.
Fam. Hippuritidae (= Rudistae).
Die Schalen der Hippuritidae gleichen einem gedeckelten Trichter.
Die rechte, festgeheftete Klappe wächst kegelförmig in die Dicke und
der Wirbel rückt an die Spitze des Kegels (Fig. 276 A s), die linke
verflacht sich zu einem schwach convexen oder flachen Deckel (A s’).
Keine der beiden Klappen ist spiral gewunden, höchstens zeigt die
rechte Klappe eine schwache Krümmung (Fig. 276 A s). Die Bandfurche
wird von der Schale eingeschlossen und ihre Lage ist im Inneren der
rechten Klappe durch eine nach innen vorspringende Falte angedeutet
(Fig. 277 B p) oder sie fehlt gänzlich. Die rechte Klappe (Fig. 277
B) zeigt in der Tiefe einen schmalen, leistenförmigen Zahn zwischen 2
Zahngruben (Fig. 277 B x-y). Die linke Deckelklappe besitzt 2 lange,
conische Zähne (Fig. 277 A x’-y’); beide Muskeln derselben heften sich
an vorspringende Apophysen (m’-n’). Radiale Canäle in der Deckelklappe
wie bei Plagioptychus vorhanden. Die Schale ist meist sehr dick. Die
äussere, prismatisch-zellige Schicht sehr leicht, wenn nicht mit
Mineralsubstanz infiltrirt, die innere compact, aber leicht zerstörbar.
Diese fremdartigsten aller Muscheln wurden lange Zeit für Korallen
oder Brachiopoden gehalten, bis Quenstedt ihnen die richtige Stellung
anwies. Sie sind, wie die meisten Chamacea, auf die Kreide beschränkt
und gehören zu den bezeichnendsten Fossilien dieser Formation. Ihre
Maximalentwickelung fällt in das obere Turon, Senon und Danien
(Hippuritenkreide). Ihre oft mehrere Fuss langen Schalen finden sich in
Südeuropa und den Alpen zu mächtigen Bänken oder Riffen angehäuft. Sie
waren Seichtwasserbewohner und liebten ähnliche Lebensbedingungen wie
die Riffkorallen.
[Illustration: Fig. 276. A-C Hippurites. A H. cornu-vaccinum Gf.
Oberes Turon (Hippuritenkreide). Gosau, Salzkammergut. s = rechte,
festgeheftete, s’ = linke, freie Klappe. B, C H. organisans Mtf. Oberes
Turon (Provencien). Le Beausset, Var. B mehrere Schalen an einander
gewachsen. s u. s’ = wie oben. C Längsschnitt durch den unteren, vom
Thiere nicht bewohnten Theil der Schale, um die durch Querböden (t)
abgetheilten Zwischenkammern zu zeigen.]
Hippurites Lmk. (Fig. 276-278). Schale dick, sehr ungleichklappig,
radial gerippt oder gefurcht, seltener glatt (Fig. 276 A, B), meist mit
3, in beiden Klappen correspondirenden Furchen versehen.
Grössere, rechte Klappe (Fig. 276 A s, B s) conisch oder kreiselförmig,
gerade oder gebogen, mit dem endständigen Wirbel festgeheftet. Den 3
(2) Furchen der Oberfläche entsprechen 3 (2) Vorsprünge im Inneren.
Der vorderste derselben (Fig. 277 B p), bei manchen Arten fehlend,
meist schmal und nach innen nicht verdickt, ist durch die Einfaltung
des Ligamentes in die Schale entstanden -- Schlosskamm; entspricht
der äusseren Schlossfalte. In seiner Fortsetzung nach innen liegt
der schmale Leistenzahn, welcher von der vorderen (B x) und hinteren
Zahngrube (B y) eingeschlossen wird. Der zweite, häufig kürzeste
Vorsprung heisst Afterkamm oder vorderer Pfeiler (B q), weil er
wahrscheinlich der Afteröffnung im Mantel von Chama entspricht. Er
schliesst den hinteren Muskeleindruck (n) nach hinten ab. Der hintere,
weiter vorspringende Pfeiler (B r) entspricht wahrscheinlich der
Kiemenöffnung im Mantel von Chama und heisst Kiemenkamm. Der vordere,
getheilte Muskeleindruck (B m) liegt weniger tief als der hintere (n).
Der Wohnraum für das Thier (w) ist relativ klein; eine accessorische
Höhlung (v) liegt über der vorderen Zahngrube (x). Der Oberrand der
Schale ist nach innen abgeschrägt und mit radialen Gefässeindrücken
des Mantels bedeckt. Im unteren Theile der Schale entstehen durch
Aufblätterung der inneren Schalenschicht häufig Zwischenkammern, die
durch Querblätter (Fig. 276 C t) geschieden sind.
Kleinere, linke Klappe (Fig. 276 A s, B s’; Fig. 277 A) deckelförmig,
flach oder schwach gewölbt, mit 2 oder 3 Einbuchtungen (Fig. 276 B s’;
Fig. 277 A p’, q’, r’). Oberfläche von zahlreichen kleineren Poren
und zuweilen von 2 grösseren Oeffnungen durchbrochen, welche letztere
in ihrer Lage den Pfeilern der anderen Klappe entsprechen. Bei der
Verwitterung treten die vom mittelständigen Wirbel nach dem Umfange
verlaufenden, verzweigten Canäle zu Tage (Fig. 277 A s’). Der vordere
Muskeleindruck (A m’) liegt auf einem gebogenen, breiten Vorsprunge,
welcher mit dem Vorderzahn (x’) verwachsen ist. Hinterzahn (y’)
kürzer als der Vorderzahn. Hinterer Muskeleindruck auf einem langen,
zahnförmigen Vorsprunge (n’).
[Illustration: Fig. 277. A, B Schlossapparat von Hippurites radiosus
Desm. Dänische Stufe. Royan, Charente. A linke Klappe von der Seite
(von oben). Um dieselbe in die rechte (B) einzupassen, denke man
sie sich um ihre Längsachse um 180° und gegen die Ebene des Papiers
um 90° gedreht. p’, q’, r’ = die 3 Furchen; p’ = Schlossfalte; q’ =
Afterfurche; r’ = Kiemenfurche; m’ = vorderer Muskeleindruck, auf
einer mit dem Vorderzahn (x’) verwachsenen Apophyse befestigt; y’ =
Hinterzahn; n’ = hinterer Muskeleindruck auf langer Apophyse. B rechte
Klappe von innen. p = Schlossfalte, nach innen in den Schlosskamm sich
verlängernd; in der Fortsetzung nach innen der schmale Schlosszahn,
von der vorderen (x) und hinteren (y) Zahngrube eingeschlossen; q =
Afterkamm; r = Kiemenkamm; m = zweitheiliger vorderer, n = hinterer,
einfacher Muskeleindruck; w = Wohnraum des Thieres; v = accessorische
Höhlung.]
Beide Klappen werden aus einer äusseren prismatischen (Fig. 278 a,
a’) und einer inneren porzellanartigen, meist in späthigen Calcit
umgewandelten Kalkschicht (i, i’) gebildet. Die Muskelfortsätze und
Zähne bestehen aus letzterer. In der Deckelklappe verlaufen an der
Grenze beider Schichten die radialen Canäle und senden aufrechte Röhren
durch die Aussenschicht, welche als Poren auf der Oberfläche münden
(Fig. 278 a’).
Die Gattung Hippurites ist auf die obere Abtheilung der Kreideformation
beschränkt. In grösserer Häufigkeit und riffbildend trifft man sie
nur vom Provencien bis zum Danien in Gesellschaft der Gattungen
Plagioptychus und Radiolites. Den Kreidemeeren Mittel- und Nordeuropas
waren sie fremd. Die »Hippuritenkreide« ist in den Nordalpen,
Südfrankreich, Südeuropa, Kleinasien, Persien, Nordafrika verbreitet.
Die häufigsten Arten sind:
H. cornu-vaccinum Gf. (Fig. 276 A; Fig. 278). } Oberes Turon
} (Provencien)
H. organisans Mtf. (Fig. 276 B, C). } und Senon.
H. radiosus Desm. (Fig. 277). Danien.
H. sulcatus Dfr. Oberes Turon (Provencien) und Senon.
H. bioculatus Lmk. }
} Oberes Turon (Provencien), besonders Senon.
H. dilatatus Dfr. }
[Illustration: Fig. 278. Längsschnitt durch den oberen Theil der Schale
von Hippurites cornu-vaccinum Gf. a, a’ = äussere, i, i’ = innere
Schalenschicht. Die äussere Schalenschicht der linken Klappe von
aufrechten Canälen (a’) durchzogen. Man sieht, wie der vordere Zahn
und die vordere Muskelapophyse der linken Klappe (i’) sich in tiefe
Höhlungen der rechten einfügen und wie der schmale Leistenzahn der
rechten Klappe hinter den Vorderzahn der linken fasst.]
[Illustration: Fig. 279. Radiolites (Biradiolites) cornu-pastoris Desm.
Mittleres Turon (Carentonien). Charente. s = festgeheftete rechte
Klappe; s’ = Deckelklappe; f = das schmäler gerippte Afterband.]
[Illustration: Fig. 280. A, B schematische Darstellung des
Schaleninneren von Radiolites. A Deckelklappe. B grössere Klappe. p =
Schlosseinbuchtung; l, l’ = Schlosskamm (Ligament); m, m’ = vordere,
n, n’ = hintere Muskeleindrücke; x’, y’ = Vorder- und Hinterzahn der
Deckelklappe; z = Mittelzahn der grösseren Klappe; x, y = vordere
und hintere Zahngrube; w = Wohnraum des Thieres; q = Afterband; r =
Kiemenband.]
Radiolites Lmk. (= Sphaerulites) (Fig. 279, 280). Schale dick,
verkehrt kegelförmig bis schüsselförmig. Aeussere Schalenschicht dick,
innere dünn und häufig zerstört. Oberfläche der rechten (grösseren)
Klappe meist schuppig-blätterig oder längsgerippt, gewöhnlich mit 2
Längsbändern (Afterband und Kiemenband), welche durch Aufbiegung der
concentrischen Blätter oder andere Verzierung sich von der Schale
abheben (Fig. 279 f; Fig. 280 B q, r). Zuweilen werden diese Bänder
durch schwache Verdickungen der Wand im Innern der Klappe ersetzt, zu
einer Bildung von Pfeilern wie bei Hippurites kommt es aber nicht.
Meist ist das Ligament äusserlich durch eine Schlosseinbuchtung
angedeutet (Fig. 280 p). Bandhöhlung innerlich in beiden Klappen (Fig.
280 l, l’); seltener fehlend (Biradiolites). Schloss ähnlich wie bei
Hippurites; aber der vordere Muskelfortsatz der Deckelklappe (Fig. 279
A m’) vom Vorderzahne (x’) getrennt und etwa von gleicher Länge wie der
hintere (n’); hinterer Muskeleindruck der grösseren Klappe (n) erhaben
(nicht vertieft). Deckelklappe ohne Radialcanäle.
Die Gattung Radiolites ist wie Hippurites auf die Kreide beschränkt,
scheint aber schon in der unteren Abtheilung derselben zu beginnen. Die
horizontale Verbreitung ist grösser als bei Hippurites -- Nord- und
Südeuropa, Nordafrika, Persien, Indien, Südamerika, Nordamerika.
? R. Blumenbachi Stud. Häufig im Urgon (Schrattenkalk) der Alpen.
Verwandte Formen in Südamerika.
R. foliaceus Desm. Cenoman. Frankreich.
R. saxonicus Gein. Cenoman. Sachsen, Böhmen.
R. (Biradiolites) cornu-pastoris Desm. (Fig. 279). Mittleres Turon
(Carentonien). Südfrankreich.
R. radiosus d’Orb. }
} Oberes Turon (Provencien). Südfrankreich.
R. Sauvagesi H. F. }
R. augeoides Lap. Oberes Turon (Provencien). Südfrankreich, Gosau.
R. Hoeninghausi Desm. Senon. Südfrankreich, Turkestan.
R. alatus d’Orb. Senon. Südfrankreich.
R. cylindraceus Desm. Danien. Südfrankreich.
R. suecicus Lundgr. Danien. Dänemark.
6. Ordnung Anisomyaria (= Dysodonta).
Schlosszähne fehlen meist, wenn vorhanden, isodont oder unregelmässig.
2 sehr ungleiche oder 1 einziger, dem Hinterrande genäherter (hinterer)
Muskeleindruck. Mantellinie, mit sehr seltenen Ausnahmen, einfach, oft
verwischt. Band äusserlich oder innerlich.
Die Dysodonta sind schon in paläozoischen Ablagerungen vertreten.
Manche der älteren Formen (Pterinea) stehen in ihrer Zahn- und
Bandbildung gewissen Taxodonten (Cucullaea) nahe, andere mesozoische
Formen nähern sich durch ihre Dünnschaligkeit (Pseudomonotis) gewissen
Paläoconchen (Monotis, p. 239).
Die Maximalentwickelung der Ordnung fällt in das Mesozoicum und
Känozoicum.
Man unterscheidet 3 Unterordnungen, jede mit mehreren Familien, die
sich folgendermaassen charakterisiren lassen:
A. Schloss unsymmetrisch: Vertheilung des Ligaments und der Zähne zu
beiden Seiten des Wirbels verschieden. Meist 2, sehr ungleiche
Muskeleindrücke. Schale meist sehr ungleichseitig, schief (Fig.
281-289)
1. Mytilacea (Heteromyaria).
B. Schloss symmetrisch: Ligament in einer centralen Grube; Zähne, wenn
vorhanden, zu beiden Seiten des Bandes symmetrisch, isodont oder
taxodont. Meist nur 1 (hinterer) Muskeleindruck vorhanden
(Monomyaria).
a. Schlossrand mehr oder weniger gerade, aber meist kurz. Schale
gleichklappig oder ungleichklappig, in der Regel mit Ohren,
zuweilen mit der rechten Klappe festgewachsen. Zähne zuweilen
vorhanden.
2. Pectinacea.
b. Schlossrand meist gebogen. Schale meist sehr ungleichklappig.
Linke (grössere) Klappe in der Regel festgewachsen. Zähne fehlen.
3. Ostracea.
1. Unterordnung Mytilacea.
Schale gleichklappig oder ungleichklappig, meist sehr ungleichseitig,
mit Byssus festgeheftet. Vorderer Muskeleindruck klein (selten
fehlend), in der Nähe des Wirbels gelegen (Fig. 281 m), hinterer gross,
vom Wirbel entfernt (Fig. 281 n). Wirbel meist nach vorn gerückt
(Fig. 281 w). Ligament linear, nicht auf eine Grube unter dem Wirbel
beschränkt. Folgende 2 Familien sind besonders wichtig:
Fam. Aviculidae. Schlossrand gerade. Schale meist vorn oder hinten
oder beiderseits geflügelt oder geohrt. Rechte Klappe meist flacher
als die linke und in der Regel mit einem Byssusausschnitt unter dem
vorderen Ohr (Fig. 281 a). Zähne oft vorhanden, aber undeutlich und
unsymmetrisch gestellt (Fig. 281 vz, hz). Eine äussere, prismatische
Schalenschicht vorhanden. Vom Silur bis zur Gegenwart. Nur marin.
Fam. Mytilidae. Schlossrand meist gebogen. Schale gleichklappig,
ohne Ohren oder Flügel. Zähne kaum entwickelt. Aeussere prismatische
Schalenschicht undeutlich prismatisch. Vom Silur bis zur Gegenwart.
Im Meer- und Süsswasser.
[Illustration: Fig. 281. Pterinea laevis Gf. Unterdevon. Rheinisches
Schiefergebirge. Linke Klappe von innen (oben) und Steinkern derselben
(unten). w = Wirbel; vz = Vorderzähne, hz = Hinterzähne; vo = vorderes,
ho = hinteres Ohr; m = vorderer, n = hinterer Muskeleindruck; a =
Ausbuchtung der Schale unter dem vorderen Ohr; r = Bandfeld.]
Fam. Aviculidae.
Gruppe A. Ligament einfach, nicht quergetheilt.
Pterinea Gf. (Fig. 281). Schale dick, ungleichseitig, schief, vorn mit
kurzem (vo), hinten mit langem, flügelartigem Ohr (ho). Oberfläche
meist radial berippt und concentrisch gestreift. Bandfeld lang und
breit, längsgefurcht, dem Schlossrande parallel (r). (Vgl. Arcidae p.
247.) Vor dem Wirbel einige kurze (vz), hinter demselben einige lange
Leistenzähne (hz). Rechte Klappe flacher als die linke und mit einem
tiefen Byssusausschnitt unter dem Vorderohr. Silur und Devon häufig.
Pt. retroflexa His. sp. } (Leth. pal., t. 14, Fig. 1). Obersilur.
} Nordeuropa. Als Diluvialgeschiebe
Pt. reticulata His. sp. } in Norddeutschland.
Pt. fasciculata Gf. }
Pt. lineata Gf. } Unterdevon. Rheinisches
Pt. laevis Gf. (Fig. 281) } Schiefergebirge, Harz.
Pseudomonotis Beyr. (Fig. 282 A-C). Schale schief, rundlich oval,
radial und concentrisch gestreift, geohrt (o). Linke Klappe (A)
gewölbt, mit vorstehendem Wirbel, rechte Klappe (C) schwach gewölbt,
flach oder concav, mit zurücktretendem Wirbel und tiefem, ein schmales,
vorstehendes Byssusohr (b’) abtrennendem Byssusausschnitt, stets
kleiner als die rechte (B). Ligament in einer verlängerten Grube hinter
dem Wirbel. Vorderer Muskeleindruck in der Wirbelhöhlung gelegen.
Zuweilen ein kleiner Schlosszahn entwickelt. Vom Devon bis in die
Kreide häufig, jünger nicht bekannt.
Ps. bifida Sdb. sp. Unterdevon. Nassau.
Ps. speluncaria Schl. sp. Perm. Europa, Indien, Nordamerika.
Ps. Clarai Emmr. sp. Alpiner Buntsandstein (Werfener Sch.).
Südalpen, Balkanhalbinsel.
Ps. ochotica Keys. sp. (Fig. 282 A). Norische Stufe. Ostasien,
Amerika, Neuseeland.
Ps. cygnipes Y. & B. sp. Mittlerer Lias. Mitteleuropa.
Ps. inaequivalvis Münst. sp. Lias. Mitteleuropa.
Ps. substriata Münst. sp. Oberer Lias (Posidonien-Sch.).
Mitteleuropa.
Ps. Münsteri Bronn. sp. Dogger. Mitteleuropa, Südamerika.
Ps. echinata Sow. sp. (Fig. 282 B). Oberer Dogger. Mitteleuropa.
[Illustration: Fig. 282. A-C Pseudomonotis. A Ps. ochotica Keys. sp.
Norische Stufe. Californien. Linke Klappe. o = hinteres Ohr. C dieselbe
von Wershojank, Ostsibirien. Rechte Klappe. b’ = Byssusohr; o’ =
hinteres Ohr. B Ps. echinata Sow. sp. Oberer Dogger. (Great Oolite)
Wiltshire. Schale gegen die kleinere (rechte) Klappe gesehen.]
Avicula Klein (Fig. 283). Schale weniger ungleichklappig als bei
der vorigen Gattung. Byssusohr der rechten Klappe weniger scharf
abgetrennt. Meist beiderseits abgesetzte Ohren. Ligament doppelt: ein
äusseres am Schlossrande, ein inneres in einer breiten Grube. Von
Pseudomonotis nicht scharf zu trennen. Von der Steinkohlenformation bis
zur Gegenwart.
A. contorta Portl. (Fig. 283). Leitfossil für den oberen Keuper
(Contorta-Sch.) innerhalb und ausserhalb der Alpen.
A. exilis Stop. Leitfossil für den Hauptdolomit (Karnische Stufe)
der Südalpen.
A. Gesneri Thurm. Kimmeridge. Norddeutschland, Schweizer Jura.
A. seminuda Dam. Als cenomanes Geschiebe in Norddeutschland häufig.
A. phalaenacea Lmk. }
} Unteres Miocän (Meeresmolasse). Schweiz.
A. Studeri May. }
A. margaritifera L. (Echte Perlmuschel.) Lebend. Indischer Ocean.
Aviculopecten M’Coy schliesst sich durch sein verlängertes (aber
einfaches) Ligament und die schiefe Gestalt der Schale hier an. Wegen
des Fehlens der äusseren prismatischen Schalenschicht wird diese
Gattung auch wohl zu den Pectinacea (p. 285) gestellt. Silur -- Perm,
sehr häufig in der Steinkohlenformation.
A. papyraceus Sow. sp. (Leth. pal., t. 44, Fig. 1).
Steinkohlenformation. England, Deutschland.
[Illustration: Fig. 283. Avicula contorta Portl. Schale gegen die linke
Klappe gesehen. Rhätische Schichten. ¹⁄₁.]
[Illustration: Fig. 284. Gervillia socialis Schl. sp. Muschelkalk.
Deutschland. Schale gegen die linke Klappe gesehen. ½.]
Gruppe B. Ligament mehrfach quergetheilt, in einer Reihe zum
Schlossrande senkrechter Gruben gelegen (Fig. 286 b).
Gervillia Dfr. (= Hoernesia) (Fig. 284). Schale schief verlängert, oft
gekrümmt, mehr oder weniger ungleichklappig, concentrisch gestreift.
Wirbel fast endständig. Ohren nur undeutlich von der Schale geschieden.
Band in einer Anzahl zum Schlossrande senkrechter Gruben. Zähne mehr
oder weniger entwickelt. Trias -- Eocän. Lebend nicht bekannt.
G. socialis Schl. sp. (Fig. 284). Sehr häufig im ausseralpinen
Muschelkalke, seltener im unteren; sehr selten im mittleren Keuper.
G. costata Schl. sp. Ausseralpiner Muschelkalk und unterer Keuper.
G. bipartita Mer. Karnische Stufe (Raibler Sch.). Alpen.
G. salvata Brun. Leitfossil des Hauptdolomites (Karnische Stufe) in
den Alpen.
G. inflata Schafh. Leitfossil für die Kössener (Gervillien-)
Schichten (Rhätische Stufe) in den Alpen.
G. praecursor Qu. Leitfossil für die rhätischen Schichten innerhalb
und ausserhalb der Alpen.
G. Hartmanni Gf. Unterer Dogger (Opalinus-Sch.). Mitteleuropa.
G. subtortuosa Gf. Unterer Dogger (Murchison-Sch.). Mitteleuropa.
G. aviculoides Sow. Oxford. Mitteleuropa.
G. anceps Desh. Neocom. England, Frankreich.
G. solenoides Dfr. Senon. Europa, Indien.
Inoceramus Sow. (Fig. 285; Fig. 286). Schale gleichklappig bis sehr
ungleichklappig, gerundet, längs- oder queroval, ohne Ohren, aber
oberer Schalenrand hinten etwas niedergedrückt. Zähne fehlen. Der
gerade, kurze oder lange Schlossrand mit zahlreichen kleinen Bandgruben
(Fig. 285 rechts; Fig. 286 b). Zähne fehlen. Wirbel vorstehend,
zuweilen eingerollt. Oberfläche stets mit concentrischer Streifung oder
Runzelung (Fig. 285 links), zuweilen auch mit Radialrippen (Fig. 286).
Die Schale besteht meist nur noch aus der dicken äusseren prismatischen
Schicht. Manche Arten erreichen bedeutende Dimensionen. Von der Trias
bis in die jüngste Kreide, in letzterer sehr häufig und als Leitfossil
weit verbreitet (Europa, Afrika, Indien, Nord- und Südamerika).
[Illustration: Fig. 285. Inoceramus labiatus Schl. Unteres Turon.
Links: rechte Klappe. Rechts: Schlossrand der linken Klappe, die
Bandgrubenreihe zeigend. ½.]
[Illustration: Fig. 286. Inoceramus sulcatus Park. Oberer Gault. Perte
du Rhône. Schale gegen die rechte Klappe gesehen. b = Bandgrubenreihe
der linken, grösseren Klappe.]
I. dubius Sow. Oberer Lias (Posidonienschiefer). Mitteleuropa.
I. polyplocus Rö. Bezeichnend für die Schichten des In. p. (Brauner
Jura β u. γ) in Deutschland, Frankreich und der Schweiz.
I. Falgeri Mer. Oberer Lias. Nordalpen.
I. aucella Trd. Neocom. Russland. (»Inoceramenthon«.)
I. concentricus Park. }
} Gault. Mitteleuropa.
I. sulcatus Park. (Fig. 286) }
I. orbicularis Münst. Cenoman. Norddeutschland.
I. labiatus Schl. (= mytiloides) (Fig. 285). Unterstes Turon.
Norddeutschland (Mytiloides-Pläner), England, Frankreich.
I. Brongniarti Sow. Mittleres und oberes Turon. Norddeutschland
(Brongniarti-Pläner), Frankreich, England.
I. Cuvieri Sow. Oberes Turon und unterstes Senon. Norddeutschland
(Cuvieri-Pläner), Frankreich, England.
I. digitatus Sow. Unterstes Senon (Emscher). Europa, Asien.
I. lobatus Münst. Unteres Senon. Norddeutschland, England.
I. Cripsii Mant. Senon und Danien. Europa, Asien, Nordamerika.
Fam. Mytilidae.
Mytilus Lin. (Fig. 287; Fig. 288). Schale gleichklappig,
ungleichseitig, hoch und schmal, oft dreiseitig. Unterrand gerundet,
Vorderrand ausgehöhlt, Hinterrand convex. Wirbel ganz oder fast
endständig. Ligament verlängert, halb innerlich, am hinteren
Schlossrande (Fig. 287 oben). Zuweilen kleine Kerbzähne vorhanden.
Vorderer Muskeleindruck unter dem Wirbel, klein. Oberfläche
concentrisch (Fig. 287) oder auch radial gestreift oder gerippt (Fig.
288). Von der Trias bis zur Gegenwart. Lebend in fast allen Meeren.
Nahe verwandte Gattungen schon vom Untersilur an.
[Illustration: Fig. 287. Mytilus (Modiola) asper Sow. Oberer Dogger
(Grossoolith). Normandie. Oben: rechte Klappe von innen (die schwarze
Linie bezeichnet das Ligament). Unten: dieselbe von aussen. ¹⁄₁.]
[Illustration: Fig. 288. Mytilus (Modiola) imbricatus Sow. Oberer
Dogger. Balin bei Krakau. Schale gegen die linke Klappe gesehen. ¹⁄₁.]
A. Wirbel endständig, meist spitz. (Mytilus.)
M. eduliformis Schl. Muschelkalk, unterer und mittlerer Keuper.
Deutschland. Muschelkalk. Sardinien.
M. jurensis Rö. }
} Kimmeridge. Mitteleuropa.
M. subpectinatus d’Orb. }
M. laitmairensis de Lor. Leitfossil für die »Mytilus-Schichten«
(? Oberer Dogger) in den schweizer Westalpen.
M. edulis Lin. Pliocän -- Lebend. Europa. (Die essbare Miesmuschel.)
B. Wirbel nicht ganz endständig, abgerundet (Fig. 287;
Fig. 288). (Modiola.)
M. minutus Gf. Rhätische Schichten innerhalb und ausserhalb der Alpen.
M. cuneatus Sow. Unterer und mittlerer Dogger. }
M. giganteus Qu. Mittlerer Dogger. } Mitteleuropa.
M. Sowerbyi d’Orb. Dogger. }
M. imbricatus Sow. (Fig. 288). Oberer Dogger. Europa, Südamerika.
M. modiolus Lin. Pliocän -- Lebend. Europa.
Dreissensia v. Ben. (= Congeria) (Fig. 289). Schale mytilusähnlich (A)
oder vierseitig und stark aufgebläht (B). Schloss zahnlos, zuweilen
ein kleiner Zahn in der rechten Klappe. Ligament getheilt, z. Th. in
einer randlichen, verlängerten Grube (B l), z. Th. in einer drei- oder
viereckigen Grube unter dem Wirbel (B x) gelegen. Letztere ist in eine
scheidewandartige Platte ausgehöhlt, an deren hinterem Ende der vordere
Muskeleindruck (B m) sich befindet. Hinterer Muskeleindruck verlängert.
Vorderrand mit Byssusspalte.
[Illustration: Fig. 289. Dreissensia. A D. Brard Fauj. sp. Untermiocän
(Corbicula-Sch.). Mainzer Becken. Linke Klappe von innen (links)
und von aussen (rechts). B D. (Congeria) conglobosa Partsch sp.
Unterpliocän (Congerien-Sch.). Inzersdorf b. Wien. Schloss der linken
Klappe. l = lineare (äussere) Ligamentgrube; x = viereckige, innere
Ligamentgrube, nach unten durch eine Querleiste abgetrennt, an deren
hinterem Ende der vordere Muskeleindruck (m) liegt.]
Lebend im Brack- und Süsswasser in Europa, Asien, Afrika und Amerika.
Fossil sehr häufig im Neogen, oft ganze Bänke bildend.
Dr. unguiculus Sandb. Oligocän. England, Belgien.
Dr. Basteroti Desh. sp. Oberoligocän. Frankreich, Schweiz,
Süddeutschland.
Dr. Brardi Fauj. sp. (Fig. 289 A). Untermiocän. Mainzer Becken.
Dr. amygdaloides Dkr. }
} Obermiocän. Süddeutschland.
Dr. clavaeformis Krauss }
Dr. subglobosa Partsch sp. }
} Unterpliocän (»Congerienschichten«).
Dr. triangularis Partsch sp. } Osteuropa.
Dr. polymorpha Pall. Lebend. Südosteuropa; von dort aus in alle
europäischen Flüsse verschleppt.
2. Unterordnung Pectinacea.
Schale gleichklappig oder ungleichklappig, gleichseitig oder schief,
mit ganz oder nahezu mittelständigem Wirbel, frei oder nur mit Byssus
festgeheftet, selten festgewachsen. Schlossrand gerade. Ohren in der
Regel entwickelt. Band central. Bezahnung, wenn vorhanden, taxodont
oder isodont. Band unter dem Wirbel gelegen. Mit seltener Ausnahme ein
einziger (hinterer) Muskeleindruck, dem hinteren Schalenrande genähert.
Im Paläozoicum noch selten, vom Mesozoicum bis in die Gegenwart sehr
häufig und jetzt in zahlreichen Formen in allen Meeren verbreitet. Nur
marin.
A. Schlosszähne fehlen oder, wenn vorhanden, taxodont.
Schale gleichklappig, nicht festgewachsen.
Lima Brug. (Fig. 290; Fig. 291). Schale ganz oder nahezu gleichklappig,
beiderseits geohrt, schief (nach vorn verlängert). Hinteres Ohr grösser
als das (oft sehr kleine) vordere. Unter dem vorderen Ohr ein Spalt.
Oberfläche mit radialen Rippen (Fig. 290) und concentrischen Streifen,
seltener glatt (Fig. 291). Unter dem Wirbel eine Area mit dreieckiger,
halb innerlicher Bandgrube (Fig. 290 B l). Zuweilen kleine Kerbzähne
neben derselben (Limea).
Wenige Arten in jung-paläozoischen Schichten, sehr häufig im Jura,
namentlich in der Kreide, später selten werdend. Etwa 20 lebende
(freischwimmende) Arten.
[Illustration: Fig. 290. Lima striata Schl. sp. Oberer Muschelkalk.
Süddeutschland. A Schale gegen die rechte Klappe gesehen. B Schloss
derselben Klappe, den geraden, kurzen Schlossrand und die dreieckige
Bandgrube (l) unter dem Wirbel zeigend.]
[Illustration: Fig. 291. Lima gigantea Sow. Unterer Lias (α). Elsass.
Schale gegen die rechte Klappe gesehen. o = hinteres Ohr (das vordere
ist bei dieser Stellung der Schale nicht sichtbar).]
a. Schale mit geraden Radialrippen.
L. striata Schl. sp. (Fig. 290 A, B). Sehr häufig im deutschen
Muschelkalke, namentlich im oberen. Auch auf Sardinien.
L. pectinoides Sow. sp. Unterer Lias (α und β). Mitteleuropa.
L. duplicata Sow. }
} Mittlerer und oberer Dogger. Mitteleuropa.
L. gibbosa Sow. }
L. cardiiformis Sow. Oberer Dogger. Mitteleuropa.
L. ovata Rö. }
} Senon. Norddeutschland, Frankreich.
L. semistriata Desh. }
b. Schale mit welligen Rippen oder glatt.
L. lineata Schl. sp. Häufig im unteren, seltener im oberen
Muschelkalke. Deutschland.
L. succincta Schl. sp. Unterer Lias (α). Mitteleuropa.
L. gigantea Sow. sp. (Fig. 291). Unterer Lias (α). Mitteleuropa.
Sehr grosse Muschel.
L. semiornata d’Orb. Cenoman. }
} Mittel- und Nordeuropa.
L. Hoperi Mant. sp. Senon. }
Limea Bronn. unterscheidet sich durch den Besitz von Kerbzähnen zu
beiden Seiten des Ligaments.
L. acuticosta Gf. Mittlerer Lias. Mitteleuropa.
L. duplicata Gf. Oberer Dogger. Mitteleuropa.
Ctenostreon Eichw. (Fig. 292) ist durch eine sehr dicke, mit
kräftigen, schuppigen Rippen bedeckte Schale und grosse, fast gleiche
Ohren ausgezeichnet. Vielleicht zu den Aviculiden (p. 280) zu stellen.
Jura und Kreide.
Ct. proboscideum Sow. sp. (Fig. 292). Mittlerer Dogger. Mitteleuropa.
Nahe verwandte Formen bis in die Kreide.
[Illustration: Fig. 292. Ctenostreon proboscideum Sow. sp. Mittlerer
Dogger. Franken. (Die Ohren sind unvollständig erhalten.)]
[Illustration: Fig. 293. Pecten asper Lmk. Unteres Cenoman. Normandie.
Schale gegen die rechte Klappe gesehen. o = vorderes, o’ = hinteres
Ohr.]
[Illustration: Fig. 294. A, B Pecten pumilus Lmk. Unterer Dogger
(Murchisonae-Sch.). Schwaben. A rechte Klappe mit vollständig
erhaltenen Ohren. o = vorderes Ohr. B Steinkern der linken Klappe. r =
Furchen desselben.]
[Illustration: Fig. 295. Pecten. A P. disciformis Schübl. Unterer
Dogger (Murchisonae-Sch.). Schwaben. Linke Klappe mit nach oben
aufsteigenden Ohren (o). B P. (Vola) atavus Rö. sp. Neocom. Frankreich.
Von der Seite gesehen. Die flache Deckelklappe rechts kaum sichtbar.]
B. Zähne fehlen, Schale meist ungleichklappig, nicht
festgewachsen.
Pecten (Fig. 293-295). Schale frei oder mit Byssus festgeheftet, meist
ungleichklappig durch verschiedene Grösse, Wölbung oder Verzierung der
beiden Klappen; selten gleichklappig. Wirbel mittelständig. Umriss
kreisrund oder oval. Das vordere Ohr meist grösser als das hintere.
Unter dem vorderen Ohr der rechten Klappe in der Regel ein Ausschnitt
für den Byssus. Ligament innerlich, in einer dreieckigen Grube unter
den Wirbeln. Muskeleindruck nahezu mittelständig. Schalenoberfläche
sehr mannigfaltig: glatt, concentrisch gestreift, radial gerippt oder
gefaltet. Im Paläozoicum noch selten, von der Trias an häufig, vom
Jura an gemein. Fast 200, meist schwimmende Arten, lebend in allen
Meeren (Kammmuschel).
Es lassen sich zahlreiche Gruppen oder Untergattungen unterscheiden,
deren wichtigste folgende sind:
A. Schale glatt oder nur concentrisch gestreift (Fig.
294 A, B; Fig. 295 A). Perm -- Gegenwart.
a. Innenseite der Schale ohne Radialrippen (Fig. 295).
P. discites Schl. sp. } Häufig im oberen Muschelkalk, selten im
} unteren und im unteren Keuper.
P. laevigatus Schl. sp. } Deutschland.
P. Hehli d’Orb. Unterer Lias (α). Mitteleuropa.
P. liasinus Nyst. Mittlerer Lias. Mitteleuropa.
P. disciformis Schübl. (Fig. 295 A). Unterer und mittlerer Dogger.
Mitteleuropa.
P. crassitesta Rö. Neocom. England, Norddeutschland, Frankreich.
P. laminosus Mant. }
} Cenoman. Mittel- und Nordeuropa.
P. orbicularis Sow. }
P. similis Lmk. Pliocän -- Lebend. Nordeuropa.
b. Innenseite der Schale mit radialen Rippen, die auf dem Steinkerne
als Furchen erscheinen (Fig. 294 A, B).
P. incrustatus Dfr. Oberer Lias (ε). Mitteleuropa.
P. pumilus Lmk. (= personatus Gf.) (Fig. 294 A, B). Unterer und
mittlerer Dogger. Mitteleuropa, Südamerika.
P. alpinus d’Orb. Neocom. Alpen, Südfrankreich.
P. cristatus Bronn. sp. Miocän. Europa, Nordafrika.
P. pleuronectes Lin. Lebend. Südsee.
B. Oberfläche mit feinen, nach den Seitenrändern zu
divergirenden, punktirten Furchen. Nur Jura und Kreide.
P. lens Sow. Im ganzen Dogger, namentlich im mittleren und oberen.
Europa, Südamerika. Personaten-(= Murchisonae-)Sandstein.
P. striato-punctatus Rö. Neocom. Norddeutschland, Frankreich.
P. divaricatus Rss. Cenoman. Europa, Indien.
P. virgatus Nils. Senon. Nordeuropa.
C. Oberfläche mit gröberen radialen Rippen verziert.
Trias -- Gegenwart.
P. textorius Schl. Unterer Lias (α). Europa.
P. aequivalvis Sow. Mittlerer Lias. Mitteleuropa.
P. vagans Sow. Oberer Dogger. Mitteleuropa.
P. fibrosus Sow, Callovien. Mitteleuropa.
P. vimineus Sow. Oxford und Kimmeridge. Mitteleuropa.
P. subarmatus Mnstr. Oxford. Mitteleuropa.
P. asper Lmk. (Fig. 293). Leitmuschel für das untere Cenoman in
Mitteleuropa.
P. Beaveri Sow. Cenoman. Europa.
P. muricatus Gf. }
} Senon. Mitteleuropa.
P. cretosus Dfr. }
P. plebejus Lmk. Eocän. England, Frankreich.
P. pictus Gf. Oligocän. Mittel- und Nordeuropa.
P. palmatus Gf. }
}
P. Burdigalenis Lmk. } Häufig im Miocän Mittel- und Südeuropas.
}
P. latissimus Brocch. }
P. opercularis Lin. sp. Pliocän -- Lebend. Europa.
D. Die beiden Klappen sehr ungleich, radial gerippt.
Rechte Klappe hoch gewölbt, linke flach. Lias -- Gegenwart,
hauptsächlich in der Kreide -- Vola (= Janira).
P. alatus Buch. Leitfossil für den südamerikanischen Lias.
P. atavus Rö. (Fig. 295 B). Neocom. Europa.
P. aequicostatus Lmk. Cenoman. Europa.
P. quinquecostatus Sow. }
} Obere Kreide. Europa.
P. quadricostatus Sow. }
Hinnites Dfr. zeichnet sich durch unregelmässige Berippung aus. Die
rechte Klappe ist im Alter festgewachsen. Trias -- Gegenwart, häufig im
Jura.
H. comptus Gf. sp. Muschelkalk. Deutschland.
H. abjectus Phill. sp. Mittlerer und oberer Dogger. Mitteleuropa.
H. velatus Gf. sp. Malm. Mitteleuropa.
C. Schale ungleichklappig, mit dem Wirbel der rechten
Klappe aufgewachsen. Haken- oder leistenförmige, symmetrisch
vertheilte Schlosszähne vorhanden.
Plicatula Lmk. (Fig. 296 A, B). Schale flach, im Umriss dreieckig,
nach hinten verbreitert, unregelmässig verziert (concentrisch und
radial). Ohren fehlen. Rippen oft schuppig oder stachelig. Area
schwach entwickelt. Rechte Klappe etwas grösser als die linke. Das
dreieckige, innerliche Ligament wird in der rechten Klappe (B l) von
2 divergirenden Leistenzähnen, in der linken von den entsprechenden
Zahngruben eingefasst. Die Leistenzähne der linken Klappe umfassen die
der rechten, werden aber ihrerseits oft noch von einem Paare äusserer
Zähne der rechten (B) eingeschlossen. Muskeleindruck dem Hinterrande
genähert. Vom Trias bis zur Gegenwart. Lebend in wärmeren Meeren.
[Illustration: Fig. 296. Plicatula spinosa Sow. Mittlerer Lias
(Costatus-Schicht). Deutsch-Lothringen. A linke Klappe von aussen. B
Schloss der rechten Klappe. l = Ligamentgrube, von 2 Leistenzähnen
eingefasst; ausserdem 2 seitliche Zähne.]
Pl. spinosa Sow. (Fig. 296 A, B). Mittlerer (selten oberer) Lias.
Mitteleuropa.
Pl. tubifera Lmk. Oxford. Mitteleuropa.
Pl. placunea Lmk. Aptien. Mitteleuropa, Spanien. (»Argile à
Plicatules«.)
Pl. radiola Lmk. Albien. Mitteleuropa.
Pl. aspera Lmk. Senon. Mitteleuropa.
Pl. cristata Lmk. Lebend. Westindien.
Pl. intusstriata Emmr. Rhät. Nord- und Südalpen.
Spondylus Lin. (Fig. 297 A-C). Schale meist dick, mit stacheligen oder
schuppigen Radialrippen verziert (A). Wirbel auseinander gerückt.
Beiderseits mit Ohren (A o). Rechte Klappe grösser und mit grösserer
Area (B a) als die (freie) linke (C a’). Ligament median, in einer
Längsgrube, z. Th. innerlich (B li, C li’), z. Th. äusserlich (B le, C
le’). Bezahnung isodont, wie bei Plicatula, aber die Zähne hakenförmig,
nach aufwärts gekrümmt, 2 in jeder Klappe (B x, C y’). Muskeleindruck
etwas nach hinten gerückt. Vom oberen Jura bis zur Gegenwart,
häufig von der Kreide an. Lebend nur in den wärmeren Meeren, meist
Korallenriffe bewohnend.
Sp. aculeïferus Ziet. Oberer Malm. Mitteleuropa.
Sp. striatus Sow. sp. }
} Cenoman. Mitteleuropa.
Sp. hystrix Gf. }
Sp. truncatus Gf. Unteres Senon. Mitteleuropa.
Sp. spinosus Sow. sp. (Fig. 297 A). Turon und Senon. Mitteleuropa.
Häufig.
Sp. radula Lmk. Eocän. Mittel- und Südeuropa.
Sp. tenuispina Sdb. (Fig. 297 B, C). Oligocän. Mitteleuropa.
Sp. crassicosta Lmk. Miocän. Mittel- und Südeuropa.
Sp. gaederopus Lin. Lebend. Mittelmeer.
[Illustration: Fig. 297. Spondylus. A Sp. spinosus Sow. sp. Oberes
Turon (Scaphiten-Pläner). Strehlen, Sachsen. Schale gegen die rechte
Klappe gesehen. u = Wirbel; o = Ohren. B, C Sp. tenuispina Sdb.
Mitteloligocän. Mainzer Becken. B Schloss der rechten Klappe. a = Area:
le = äusserer, li = innerer Theil des Ligaments; x = Schlosszähne; y =
Zahngruben. C Schloss der linken Klappe. a’, le’, li’ = wie a, le, li
bei B; y’ = Schlosszähne; x’ = Zahngruben.]
3. Unterordnung Ostracea.
Schale meist dick, blätterig, ungleichklappig, verlängert, in der
Regel mit der grösseren (linken) Klappe festgewachsen. Schlossrand
gerundet, ohne Zähne. Ligament innerlich, unter dem mehr oder
weniger mittelständigen, oft gebogenen Wirbel gelegen (Fig. 298
lg). Mantellinie meist undeutlich. Muskeleindruck etwas hinter
der Mitte gelegen (Fig. 298 n). Meeresbewohner (gelegentlich auch
im Brackwasser), die vom Silur bis zur Trias selten, vom Jura an
ausserordentlich häufig sich finden und ihre stärkste Entwickelung in
der Kreide besitzen.
Die Familie der Anomidae zeichnet sich durch dünne Schalen aus, die
sich mit der rechten Klappe festheften oder mit derselben aufliegen.
Vom Jura an entwickelt.
Die Schalen der Ostreidae sind meist dick und in der Regel mit der
linken Klappe festgewachsen. Der wichtigste Vertreter dieser Familie
ist die Gattung:
Ostrea L. (Auster) (Fig. 298-303). Schale oft unregelmässig, dick,
ungleichklappig. Die aufgewachsene, sehr selten freie (linke)
Unterklappe grösser und stärker gewölbt, als die flachere (rechte)
Deckelklappe (Fig. 301 s, s’). Schale stets ungleichseitig, weil nach
hinten zu ausgezogen (Fig. 298). Wirbel fast oder ganz mittelständig,
mehr oder weniger vorstehend, oft gekrümmt (Fig. 301 u) oder seitwärts
spiral gedreht (Fig. 302 u) (bald nach vorn, bald nach hinten).
Ligamentgrube (Fig. 298 lg) verlängert, dreieckig. Muskeleindruck
hinter der Mitte (Fig. 298 n). Die Oberfläche der Schale ist glatt,
gestreift oder gerippt; die concentrische Anwachsstreifung meist sehr
deutlich. Manche Austernschalen werden bis über 0,5 m lang und mehrere
cm dick. Man trifft sie fossil und lebend in der Regel zu Bänken
angehäuft (Austernbänke). Ihre hohe Bedeutung als Leitfossilien wird
durch die Häufigkeit und gute Erhaltung der meisten Arten bedingt.
[Illustration: Fig. 298. Ostrea Gingensis Schl. sp. Miocän. Wiener
Becken. Linke Klappe von innen. lg = Ligamentgrube; n = Muskeleindruck.
(Links = hinten.)]
[Illustration: Fig. 299. Ostrea flabelloides Lmk. Mittlerer Dogger.
Schwaben. Schale gegen die rechte Klappe gesehen. (Links = hinten.)]
[Illustration: Fig. 300. Gryphaea arcuata Lmk. Unterer Lias (α)
(Gryphitenkalk). Metz. Von hinten gesehen. s = linke (gewölbte), s’
= rechte (flache) Klappe; f = Furche, auf der Hinterseite der linken
Klappe vom Wirbel zum Unterrande ziehend.]
[Illustration: Fig. 301. Gryphaea vesicularis Lmk. Oberes Senon. Rügen.
Schale gegen die rechte Klappe (s’) gesehen. st = Radialstreifen auf
derselben; s = linke Klappe mit übergebogenem Wirbel (u).]
Manche präjurassische austernartige Muscheln sind mit der rechten
Klappe aufgewachsen und werden meist an Spondylus angeschlossen
(Terquemia Tate). Echte Austern werden erst im Jura häufig. Man kennt
ca. 500 fossile und ca. 100 lebende Arten. Am häufigsten sind sie in
Jura und Kreide.
[Illustration: Fig. 302. Exogyra columba Lmk. Cenoman. Regensburg.
Schale gegen die rechte Klappe (s’) gesehen. s = linke Klappe mit
seitwärts und spiral gedrehtem Wirbel (u).]
[Illustration: Fig. 303. Exogyra virgula Dfr. Oberes Kimmeridge
(Virgulien). Berner Jura. A Schale gegen die linke, B gegen die rechte
Klappe gesehen.]
Mehrere Untergattungen werden unterschieden:
A. Wirbel gerade, nicht gekrümmt oder eingerollt. Schale glatt oder
gerippt (Fig. 298, 299)
Ostrea.
B. Wirbel der (linken) gewölbten Klappe gekrümmt. Rechte Klappe flach,
mit kaum hervortretendem Wirbel. Schale ungerippt, im Alter oft frei
(Fig. 300, 301)
Gryphaea.
C. Wirbel (einer oder beider Klappen) seitwärts gedreht. Schale glatt,
gestreift oder gerippt, gewöhnlich frei (Fig. 302, 303)
Exogyra.
Ostrea Lin. s. st. Steinkohlenformation -- Gegenwart.
A. Beide Klappen mit Rippen oder Falten (Alectryonia).
O. montis-caprilis Klipst. Norische Stufe (Wengener Sch.). Südtirol.
O. Haidingeri Emmr. Rhätische Schichten. Alpen.
O. flabelloides Lmk. (Fig. 299). Mittlerer Dogger. Mitteleuropa.
O. Marshi Sow. Oberer Dogger. Mitteleuropa.
O. costata Sow. }
} Oberer Dogger. Mitteleuropa.
O. Knorri Voltz. }
O. gregaria Sow. Oxford. Westeuropa.
O. rastellata Mnstr. Dogger und Malm. Mitteleuropa.
O. macroptera Sow. Neocom. England, Frankreich, Norddeutschland,
Schweiz.
O. Boussingaulti d’Orb. Grenzschichten der unteren und oberen Kreide.
Südwesteuropa, Südamerika.
O. carinata Lmk. Cenoman. Europa, Indien. Obere Kreide. Texas.
O. diluviana Lin. Cenoman, seltener Turon. Europa, Indien, Texas.
O. frons Park. Senon. Frankreich, Holland, Schweden.
O. larva Lmk. Senon und Danien. Europa, Nordamerika, Indien.
O. plicatula Gmel. Miocän -- Lebend. Südeuropa.
O. crista galli Lmk. Lebend. Indischer Ocean.
B. Unterklappe gefaltet, Deckelklappe glatt.
O. bellovacina Lmk. Untereocän. England, Frankreich.
O. flabellula Lmk. Mitteleocän. England, Frankreich, Belgien, Indien.
O. cyathula Lmk. Oligocän. Mitteleuropa.
O. Gingensis Schl. sp. (Fig. 298) } Miocän, Pliocän. Mittel- und
O. digitalina Dub. } Südeuropa.
O. edulis L. Lebend. Europäische Meere.
C. Beide Klappen ohne Falten oder Rippen.
O. explanata Gf. Mittlerer Dogger. Mitteleuropa.
O. deltoidea Sow. Oberer Malm (Kimmeridge). Mitteleuropa.
O. acuminata Sow. Oberer Dogger (Leitfossil für die Oolith-Facies).
Westeuropa. »Acuminata-Schichten«.
O. biauriculata Lmk. Cenoman. Frankreich.
O. gigantea Brand. Mitteleocän. Westeuropa, Indien.
O. longirostris Lmk. Oligocän. England, Frankreich.
O. callifera Lmk. Leitfossil für das Oligocän in Westeuropa.
O. crassissima Lmk. Bis 0,6 m lang. Miocän. Europa, Kleinasien.
Gryphaea Lmk. (Fig. 300, 301). Lias -- Gegenwart.
G. arcuata Lmk. (Fig. 300). Unterer Lias (α). Mitteleuropa,
Westalpen.
G. obliqua Gf. Unterer Lias (β). Mitteleuropa. Seealpen.
G. cymbium Lmk. Mittlerer Lias. Mitteleuropa.
G. ferruginea Terq. Unterer Dogger (Opalinus-Sch.). Lothringen,
Frankreich.
G. calceola Ziet. Unterer Dogger (Murchisonae-Sch.). Mitteleuropa,
Nordamerika, Südamerika.
G. sublobata Desh. Unterer Dogger (Sowerbyi-Sch.). Mitteleuropa.
G. dilatata Sow. Oxford, Mitteleuropa.
G. Pitcheri Mort. Häufig im Senon Nordamerikas.
G. vesicularis Lmk. (Fig. 301). Obere Kreide, hauptsächlich Senon.
Ueber die ganze Erde verbreitet.
G. Brongniarti Br. Eocän und Oligocän. Nordalpen, Südeuropa.
G. cochlear Poti. Miocän -- Lebend. Mittel- und Südeuropa.
Exogyra Say. (Fig. 302, 303). Lias -- Senon.
E. reniformis Gf. Oxford. Mitteleuropa.
E. Bruntrutana Thur. Oberer Malm. Mitteleuropa.
E. virgula Dfr. (Fig. 303). Kimmeridge (»Virgula Stufe«).
Mitteleuropa.
E. spiralis Rö. Neocom. Mitteleuropa.
E. sinuata Sow. Neocom. Mitteleuropa, Südamerika.
E. aquila Brongn. Aptien. Mitteleuropa, Nordamerika.
E. lateralis Nils. Gault -- Senon. Europa, Indien.
E. columba Lmk. (Fig. 302). Cenoman und Turon. Mittel- und
Südeuropa, Indien.
E. conica Sow. Cenoman. Mittel- und Südeuropa.
E. haliotoidea Sow. sp. Cenoman. Europa, Indien.
E. Owerwegi Sow. Cenoman. Nordafrika.
E. Matheroni d’Orb. Senon (Hippuritenkreide). Südeuropa.
E. costata Say. Senon. Nordamerika.
Geologische Verbreitung der Lamellibranchiata.
Ueber das Vorkommen der Zweischaler in cambrischen Schichten liegen
nur dürftige Angaben vor. Im Silur finden wir aber bereits Vertreter
mehrerer Ordnungen derselben. Abgesehen von den in paläozoischen
Schichten reichlich entwickelten Palaeoconchae treten schon im
Untersilur echte Taxodonta und Heteromyaria auf. Im Obersilur
erscheinen Formen mit typisch heterodontem Schlosse und ihnen gesellen
sich im Devon die ersten Schizodonta zu. Monomyaria sind aus Silur und
Devon nur unvollkommen bekannt; erst in der Steinkohlenformation werden
sie von Bedeutung.
In der Trias überwiegen neben Paläoconchen Heteromyaria, Schizodonta
und gewisse integripalliate Conchacea (Megalodontidae) über die anderen
Ordnungen. Je weiter wir in der mesozoischen Schichtenfolge aufsteigen,
desto stärker treten Heterodonta, Monomyaria und Desmodonta in den
Vordergrund, während die Schizodonta in der oberen Kreide bereits
zurücktreten und die Palaeoconchae daselbst gänzlich verschwinden.
Unter den Heterodonta herrschen die Chamacea zur Zeit des oberen Jura
und der Kreide, die Sinupalliata stehen gegen die Integripalliata noch
zurück. Unter den Desmodonta herrschen die Gattung Pholadomya und ihre
Verwandten vor.
Im Känozoicum spielen Schizodonta, Chamacea und Heteromyaria nur noch
eine untergeordnete Rolle. Der Charakter der Fauna wird durch das
Hervortreten der Conchacea, namentlich der sinupalliaten, in erster
Linie bestimmt. Daneben sind Desmodonta, Monomyaria und Taxodonta,
welch’ letztere kaum eine wesentliche Abnahme seit der Silurzeit
aufweisen, reichlich entwickelt.
Süsswassermuscheln finden sich seit der Devonzeit. Bis zur oberen
Kreide sind ihre Reste aber relativ spärlich. Die erste reichhaltige
Fauna erscheint in den Grenzschichten zwischen Kreide und Tertiär
in Nordamerika (Laramie-Gruppe). Die tertiären Süsswasserbildungen
sind reich an Vertretern der Unionidae und Cyrenidae, der noch heute
dominirenden Süsswassermuscheln.
Die geologische Verbreitung der wichtigsten Gattungen ist in
nachfolgender Tabelle zusammengestellt.
+---------------+-----+-----+-------------+-----+-----+------+-------+
| |Silur|Devon|Steinkohlenf.|Trias| Jura|Kreide|Tertiär|
| | | | und | | | | und |
| | | | Perm | | | | Lebend|
+---------------+-----+-----+-------------+-----+-----+------+-------+
| Monotis | | | | ... | ? | | |
| Daonella | | | | --- | | | |
| Halobia | | | | --- | | | |
| Pholadomya | | | | | --- | ... | ... |
| Arca | ... | ... | | ... | ... | ... | ... |
| Pectunculus | | | | | | ... | --- |
| Nucula | ... | ... | ... | ... | ... | ... | ... |
| Schizodus | | ... | ... | | | | |
| Myophoria | | | | --- | | | |
| Trigonia | | | | | --- | --- | ... |
| Cyprina | | | | | ... | --- | ... |
| Cyrena | | | | ... | ... | ... | --- |
| Astarte | ... | ... | | ... | --- | --- | ... |
| Cardita | | | | ... | ... | ... | --- |
| Cardinia | | | | ... | --- | | |
| Unio | | | | | ... | ... | --- |
| Megalodon | | ... | | --- | ... | | |
| Venus | | | | | ... | ... | --- |
| Diceras | | | | | --- | | |
| Requienia | | | | | | --- | |
| Chama | | | | | | | --- |
| Monopleura | | | | | | --- | |
| Plagioptychus | | | | | | ... | |
| Hippurites | | | | | | --- | |
| Radiolites | | | | | | --- | |
| Pterinea | --- | --- | | | | | |
| Pseudomonotis | | ... | ... | --- | --- | ... | |
| Avicula | | | ... | ... | ... | ... | --- |
| Aviculopecten | ... | ... | --- | | | | |
| Gervillia | | | | --- | ... | ... | |
| Inoceramus | | | | ... | ... | --- | |
| Mytilus | | | | ... | ... | ... | ... |
| Lima | | | ... | ... | --- | --- | ... |
| Pecten | | | ... | ... | --- | --- | --- |
| Ostrea | | | ... | ... | --- | --- | --- |
| Gryphaea | | | | | --- | --- | ... |
| Exogyra | | | | | ... | --- | |
+---------------+-----+-----+-------------+-----+-----+------+-------+
2. Klasse: Scaphopoda.
Die Scaphopoda oder Grabfüssler unterscheiden sich von allen höher
organisirten Mollusken durch das Fehlen eines gesonderten Kopfes,
von den Lamellibranchiata durch den Besitz von Zunge und Kiefer,
insbesondere aber durch die einfache, röhrenförmige, an beiden Enden
geöffnete Kalkschale, welche niemals fehlt (Fig. 304). (Die scheinbar
ähnlichen, röhrenförmigen Gehäuse mancher Würmer und Schnecken sind am
hinteren Ende in der Regel geschlossen.) Ausschliesslich marine Thiere,
die in der Nähe der Küsten im Sande oder Schlamme leben, aber auch in
den abyssischen Regionen (über 500 m) recht häufig vorkommen. Fossil
schon seit der Silurzeit bekannt, aber erst im Tertiär häufig.
Dentalium L. (Fig. 304). Die schwach gebogene Röhre verschmälert
und verengt sich nach hinten allmählich und besitzt häufig auf der
Convexseite des Hinterrandes einen kürzeren oder längeren Schlitz. Die
Oberfläche ist glatt oder mit Längsrippen oder -streifen verziert, oft
durch Anwachsstreifen quergerunzelt. Vom Silur an bekannt, vom Tertiär
an häufig. Die älteren Formen meist ungerippt.
A. Schale glatt.
D. antiquum Gf. Mitteldevon. Eifel.
D. ingens d. Kon. Subcarbon. Belgien.
D. laeve Schl. Unterer und oberer Muschelkalk. Deutschland
(»Dentalienbank« des Wellenkalks).
D. Parkinsoni Qu. Häufig im »Dentalienthone« des oberen Dogger (Br.
J. ε) in Schwaben.
D. Mosae Mtf. sp. Oberste Kreide (Danien). Holland, Schonen.
D. entale Lin. Jungtertiär und Lebend. Europa.
B. Schale längsgerippt.
D. Kickxii Nyst. Oligocän. Mitteleuropa.
D. sexangulare Lmk. (Fig. 304). Im Neogen Südeuropas häufig.
D. elephantinum Lin. Jungtertiär und Lebend. Südeuropa.
[Illustration: Fig. 304. Dentalium sexangulare Lmk. Pliocän. Asti,
Piemont. Oben und unten Querschnitt der Röhre.]
3. Klasse: Gastropoda (Bauchfüssler, Schnecken).
Litteratur über Gastropoda.
(Vergl. p. 228, 229.)
Bellardi, L. I Molluschi de terreni terziari del Piemonte e della
Liguria. Parte I-III. Torino 1872-1882.
Cossmann. Contributions a l’étude de la Faune de l’Étage Bathonien en
France (Gastropodes). (Mém. soc. géol. France. IIIᵉ sér., tom. III, 3,
1885.)
Hoernes, R. Die fossilen Mollusken des Wiener Tertiärbeckens. Bd. I.
Univalven (Abb. d. k. k. geol. Reichsanstalt. Bd. III. Wien 1856.)
de Koninck. Faune du Calcaire carbonifère de la Belgique, IIIᵉ et IVᵉ
partie. 1881-1883. (Annales du Musée royal d’histoire naturelle de
Belgique.)
Lindström, G. On the silurian Gastropoda and Pteropoda of Gotland.
(Kongl. Svenska Vet. Ak. Handl. Bd. XIX, No. 6. 1884.)
Paléontologie française. Terr. jurass. Vol. II, par d’Orbigny, A. 1850.
Vol. III par Piette 1867 (noch nicht vollendet). -- Terr. crétacés.
Vol. II par d’Orbigny, A. 1842-43.
Quenstedt, F. A. Petrefactenkunde Deutschlands. Bd. VII. Gasteropoden.
Leipzig 1881-84.
Stoliczka, F. Cretaceous Fauna of Southern India. II. The Gasteropoda
(Memoirs of the Geolog. Survey of Southern India. Palaeontologica
Indica). Calcutta 1868.
Waagen, W. Salt-Range fossils. I. Productus Limestone fossils. 2
Gastropoda. (Memoirs of the geol. Survey of India. Palaeontologica
Indica. Ser. XIII.) Calcutta 1880.
Zekeli, F. Die Gasteropoden der Gosau-Gebilde in den nordöstl. Alpen
(Abh. d. k. k. geol. Reichsanstalt. Bd. I. 1852). Bemerk. dazu von
Reuss, A., und Stoliczka, F. (Sitzb. d. k. k. Akad. d. W. in Wien. 1853
und 1865).
Zittel, K. A. Die Gastropoden der Stramberger Schichten (Mitth. aus d.
Mus. d. k. bay. Staates. Bd. II, Abth. 3. 1873).
Die Schnecken sind nackte oder beschalte Weichthiere mit gesondertem
Kopfe und einem bauchständigen Fusse (daher der Name Gastropoda).
Sie leben z. Th. im Wasser, z. Th. auf dem Lande und athmen theils
durch Kiemen, theils durch Lungen. Die Mehrzahl der Schnecken besitzt
die Fähigkeit, ein kalkiges Gehäuse (Schale) abzusondern, welches
in der Regel äusserlich liegt, so dass das Thier sich in dasselbe
ganz oder theilweise zurückziehen kann, seltener befindet sich die
rückgebildete Schale in der Körperhaut versteckt. Das Gehäuse ist
ähnlich zusammengesetzt wie die Schale der Lamellibranchiata; eine
-- oft fehlende -- äussere, hornige Lage (Oberhaut) bedeckt die
eigentliche Schale. Letztere besitzt meist eine porzellanartige
Beschaffenheit; zuweilen ist die innerste Lage perlmutterartig. Der
kohlensaure Kalk ist vorwiegend als Aragonit vorhanden und dies ist der
Grund der relativ leichten Zerstörbarkeit der Schneckenschalen, die in
den älteren Formationen entweder in Calcit umgewandelt oder gänzlich
aufgelöst sind.
[Illustration: Fig. 305. Latirus craticulatus Lin. Lebend. Rothes
Meer. A eine rechtsgewundene Schneckenschale in der gebräuchlichen
Stellung; das Gewinde (g) der Länge nach bis zur Mitte aufgeschnitten,
der letzte Umgang (u) ganz. b = Basis; sp’ = Spitze; u’ = erste, durch
Querwände abgeschlossene Umgänge; n = vertiefte Nähte zwischen den
einzelnen Umgängen; sp = Spindel; f = Falten derselben, auch in den
früheren Umgängen sichtbar; M = Mündung; c = unterer, c’ = oberer Canal
derselben; a = Aussenlippe; i = Innenlippe; s = Spiralstreifen der
Schalenoberfläche. B h-h = Länge oder Höhe, b-b = Breite oder Dicke des
Gehäuses.]
[Illustration: Fig. 306. Eine linksgewundene, ungenabelte
Schneckenschale. a = Aussen-, i = Innenlippe; c = Mündungscanal.]
Die für die Unterscheidung der fossilen Schnecken allein verwerthbare
Schale besteht nur in den seltensten Fällen aus mehreren (8) Stücken
(Placophora), vielmehr gewöhnlich nur aus einem einzigen Stücke.
Zweiseitig symmetrische [und dann in der Regel napfförmige (Fig.
312) oder spiral in einer Ebene aufgerollte (Fig. 311)] Schalen
gehören zu den seltenen Erscheinungen. Die in der Anlage vorhandene
zweiseitige Symmetrie des Thieres und der conisch röhrenförmigen
Schale wird vielmehr in der Regel dadurch gestört, dass sie sich
spiral um eine Achse wickeln unter fortwährender Verschiebung der
Aufrollungsebene nach einer und derselben Richtung (von hinten nach
vorn). Der zuerst gebildete Theil der Schale -- Spitze (Fig. 305 sp’)
-- ist geschlossen, der zuletzt entstandene -- Basis (Fig. 305 b) --
besitzt eine Oeffnung, Mündung (Fig. 305 M) genannt, aus welcher das
Thier Fuss, Kopf und einen Theil des Mantels hervorstrecken kann. Für
die Betrachtung wird die Schale gewöhnlich derart gestellt, dass die
Spitze nach oben, die Basis nach unten gerichtet ist, und der Beschauer
die Mündung in ihrer ganzen Breite übersieht (Fig. 306, 307 A). Die
Ausdehnung der Schale in der Richtung der Aufrollungsachse heisst Länge
oder Höhe (Fig. 305 B h-h), die grösste dazu senkrechte Ausdehnung
Dicke oder Breite (Fig. 305 B b-b). Man bezeichnet die Schale als links
gewunden, wenn bei der erwähnten Stellung derselben die Mündung links
von der Achse gelegen ist (Fig. 306), im entgegengesetzten, häufigeren
Falle als rechts gewunden (Fig. 305; Fig. 307 A, B). Die einzelnen
Windungen der Schale (Umgänge) wickeln sich in sehr verschiedenartiger
Weise um die Aufrollungsachse, wodurch eine grosse Mannigfaltigkeit der
Gesammtform hervorgerufen wird. Die hauptsächlichsten Abänderungen der
spiral gewundenen Schale sind folgende:
Die Schale ist:
1. walzenförmig (die Umgänge nehmen nach unten nur wenig an Dicke zu)
(Fig. 393);
2. thurmförmig oder verlängert (zahlreiche, langsam und regelmässig an
Dicke zunehmende Umgänge) (Fig. 314, 317);
3. eiförmig (Gewinde kurz, letzter Umgang mehr oder weniger oval)
(Fig. 329);
4. spindelförmig (Schale beiderseits zugespitzt) (Fig. 305);
5. kegelförmig (regelmässig conisch mit platter Grundfläche)
(Fig. 325);
6. kreiselförmig (regelmässig conisch mit convexer Grundfläche) (Fig.
320);
7. kugelig (Gewinde niedrig, letzter Umgang sehr breit) (Fig. 307 A);
8. mützenförmig (Gewinde kurz oder fast fehlend, letzter Umgang
trompetenartig erweitert) (Fig. 313);
9. niedergedrückt (Gewinde kaum hervorragend, Umgänge regelmässig an
Weite zunehmend) (Fig. 319);
10. scheibenförmig (Umgänge nahezu in einer Ebene liegend, Gewinde von
der Seite nicht sichtbar) (Fig. 327).
In seltenen Fällen werden die Windungen ganz unregelmässig, wodurch
Formen entstehen, die manchen Serpulaschalen (Fig. 118 D) zum
Verwechseln ähnlich sehen.
Die Schneckenschale umschliesst für gewöhnlich eine einfache Höhlung,
die dem Thiere als Wohnraum dient. Der Eingeweidesack des Thieres liegt
in dem hinteren Theil der Schalenhöhlung, dem Gewinde (Fig. 305 g)
versteckt, Kopf und Fuss können in den letzten Umgang der Schale (Fig.
305 u) zurückgezogen werden. Zuweilen liegt aber ein Theil des Mantels
ausserhalb der Schale und auf diese zurückgeschlagen. Der zuerst
gebildete, vom Thiere nicht mehr bewohnte Theil der Schalenhöhlung wird
häufig durch kalkige Querblätter von dem Wohnraum abgeschieden oder
auch durch compacte Kalksubstanz ausgefüllt (Fig. 305 u’).
[Illustration: Fig. 307. A Nerita Plutonis Bast. Miocän. Uecken,
Aargau. a = die verdickte Aussenlippe; i = Innenlippe, mit Zähnen (z)
versehen. B Längsschnitt einer Schneckenschale mit weitem und tiefem
Nabel (n’) (Solarium perspectivum Lin.). Bezeichnungen wie in Fig. 305
A.]
Meist wickeln sich die Umgänge in der Richtung der Achse fest um
einander und bilden eine solide Säule, die Spindel oder Columella (Fig.
305 sp). Die Spindel wird nur an der Innenseite der Mündung von aussen
sichtbar, ebenso die spiralen Wülste, welche häufig auf der Spindel
verlaufen und Spindelfalten oder schlechtweg Falten genannt werden
(Fig. 305 f). Berühren sich die Windungen in der Achse der Schale
nicht, so entsteht ein engerer oder weiterer, conischer, gegen unten
verbreiterter und sich öffnender Hohlraum, Nabel (Fig. 307 B n’). Wird
derselbe nachträglich von einer schwieligen Verdickung verschlossen,
so spricht man von einer Nabelschwiele (Fig. 322). Die äusserlich
gewöhnlich durch Vertiefungen bezeichnete Grenze der Umgänge heisst
Naht (Fig. 308 n).
[Illustration: Fig. 308. Latirus craticulatus Lin. Lebend. Rothes
Meer. A eine rechtsgewundene Schneckenschale in der gebräuchlichen
Stellung; das Gewinde (g) der Länge nach bis zur Mitte aufgeschnitten,
der letzte Umgang (u) ganz. b = Basis; sp’ = Spitze; u’ = erste, durch
Querwände abgeschlossene Umgänge; n = vertiefte Nähte zwischen den
einzelnen Umgängen; sp = Spindel; f = Falten derselben, auch in den
früheren Umgängen sichtbar; M = Mündung; c = unterer, c’ = oberer Canal
derselben; a = Aussenlippe; i = Innenlippe; s = Spiralstreifen der
Schalenoberfläche. B h-h = Länge oder Höhe, b-b = Breite oder Dicke des
Gehäuses.]
[Illustration: Fig. 309. Eine linksgewundene, ungenabelte
Schneckenschale (Fusus antiquus Müll.). a = Aussen-, i = Innenlippe; c
= Mündungscanal.]
Die Mündung der Schale wechselt in ihrem Umriss ausserordentlich: sie
kann kreisrund (Fig. 386), halbmondförmig (Fig. 310 A), eiförmig (Fig.
324 A), linear (Fig. 328) etc. sein. Nur selten bildet der Mundrand
oder -saum ein geschlossenes Ganzes -- zusammenhängender Mundrand (Fig.
324) --, meist trennt sich der Aussenrand (Aussenlippe -- Fig. 310 A a)
vom Innen- oder Spindelrande (Innenlippe -- Fig. 310 A i). An Stelle
des fehlenden Innenrandes können die vorletzte Windung oder die Spindel
treten (Fig. 326). Die Trennung der beiden Ränder tritt dann besonders
scharf hervor, wenn die Mündung sich nach unten (vorn) in eine kürzere
oder längere Rinne (Ausguss oder Canal -- Fig. 308 c) verlängert,
welche die Athemröhre aufnimmt, oder wenn gar eine Rinne am oberen
(hinteren) Ende der Mündung auftritt (Fig. 308 c’). Der Innenrand
legt sich meist fest an die vorletzte Windung oder die Spindel an.
Der Aussenrand verläuft gerade, d. h. in der Fortsetzung des letzten
Umganges (Fig. 325), er kann aber auch nach innen eingerollt, nach
aussen umgeschlagen (Fig. 314 a), zuweilen flügelartig ausgebreitet
(Fig. 368) und dann auch wohl fingerförmig zertheilt sein (Fig. 369).
Auf Innen- wie Aussenlippe treten Verzierungen, als Zähne (Fig. 310
A z), Runzeln oder Falten auf. Die Verzierungen der Schalenoberfläche
(Skulptur genannt) wie Wülste, Rippen, Streifen, Furchen, Stacheln,
Höcker etc. verlaufen entweder den Nähten parallel, also spiral
-- Spiralverzierungen (Fig. 308 s, 309, 310 A) -- oder senkrecht
dazu -- Querverzierungen (Fig. 315). Die bei lebenden Schnecken
(namentlich Meeresschnecken) zur Artunterscheidung gut verwerthbaren
Farbenzeichnungen finden sich bei den fossilen in der Regel nicht mehr
erhalten. Die Schalen der Süsswasserschnecken sind an ihrer (durch
Bacterien) angefressenen Spitze und der grünen oder schwarzen (zuweilen
auch bei meerischen Schnecken vorkommenden) Epidermis kenntlich.
Viele Schnecken, namentlich aus der Ordnung der Prosobranchiata,
tragen auf der Hinterseite des Fusses eine gesonderte, hornige oder
kalkige Platte, meist von der ungefähren Form der Mündung, den sog.
Deckel, mit welchem das Thier beim Zurückziehen in die Schale die
Mündung verschliessen kann (Fig. 384). Häufig zeigt der Deckel spirale
Windungen (Fig. 351 b). Manche Lungenschnecken sondern nur für den
Winter ein deckelartiges Gebilde (Winterdeckel oder Diaphragma) ab. Bei
der Gattung Clausilia findet sich ein an die Spindel festgeheftetes
Deckelstück (Clausilium -- Fig. 392 B).
Die meisten Gastropoden leben im Wasser, die Mehrzahl der
Lungenschnecken (Pulmonata) und einige Prosobranchiata (Unterordnung
Neurobranchiata) auf dem Lande. Weitaus der grösste Theil der
Wasserbewohner findet sich im Meere, nur ein geringer Theil im
Süsswasser; manche Formen können in salzigem und brackischem,
andere in süssem und brackischem gleich gut fortkommen. Sowohl
Land- als Wasserschnecken zeigen gegen die Pole zu eine Abnahme der
Formenmannigfaltigkeit, der Grösse und der Pracht der Verzierung. Die
Meeresschnecken leben meist in geringen Tiefen (0-72 m), in grösseren
Tiefen nehmen sie rasch ab, und in der abyssischen Region (über 500 m)
findet man nur noch wenige, z. Th. sehr dünnschalige Formen.
[Illustration: Fig. 310. A Nerita Plutonis Bast. Miocän. Uecken,
Aargau. a = die verdickte Aussenlippe; i = Innenlippe, mit Zähnen (z)
versehen. B Längsschnitt einer Schneckenschale mit weitem und tiefem
Nabel (n’) (Solarium perspectivum Lin.). Bezeichnungen wie in Fig. 308
A.]
Man theilt die Gastropoden in folgende Ordnungen und Unterordnungen ein:
A. Athmung durch Kiemen (wenn durch Lungen, meist ein Deckel vorhanden).
a. Kiemen und Vorhof hinter der Kammer des Herzens. Schale häufig
fehlend. Fossil nicht sehr wichtig.
I. Ordn. Opisthobranchiata.
b. Kiemen und Vorhof vor der Kammer des Herzens. Schale meist
vorhanden.
α. Vorderer Theil des Fusses zu einer aufrechten Flosse
umgewandelt. Nackt oder beschalt. Fossil unwichtig.
II. Ordn. Heteropoda.
β. Fuss mit Kriechsohle. Schale stets, Deckel meist vorhanden.
Fossil sehr wichtig.
III. Ordn. Prosobranchiata.
1. Schale aus 8 beweglichen Stücken bestehend. Fossil unwichtig.
1. Placophora.
2. Schale aus einem Stück bestehend.
* Athmung durch Kiemen.
o Kiemen blattförmig, kreisförmig angeordnet. Schale
napfförmig. Fossil nicht wichtig.
2. Cyclobranchiata.
oo Kiemen federförmig. Schale spiral aufgerollt, selten
napfförmig. Fossil wichtig.
3. Aspidobranchiata.
ooo Kiemen kammförmig. Schale spiral. Meist ein Deckel
vorhanden. Fossil sehr wichtig.
4. Ctenobranchiata.
** Athmung durch Lungen. Fossil nicht sehr wichtig.
5. Neurobranchiata.
B. Athmung durch Lungen. Ein eigentlicher Deckel fehlt. Fossil wichtig.
IV. Ordn. Pulmonata.
Die systematische Stellung mancher fossilen Schnecken muss unsicher
bleiben, weil ganz ähnliche und im fossilen Zustande schwer oder
gar nicht unterscheidbare Gehäuse von ganz verschieden organisirten
Thieren erzeugt werden können. Eine natürliche Eintheilung lässt sich
somit nach den Gehäusen allein nicht erzielen. Um dem Anfänger die
Bestimmung der wichtigsten fossilen Formen zu erleichtern, geben wir
nachstehende Schlüsseltabelle, in welcher nur Merkmale der Schale für
die Unterscheidung verwerthet sind. Die Gruppirung der Gattungen ist
dadurch vielfach eine ganz unnatürliche geworden.
A. Schale aus mehreren (8) Stücken bestehend
Chiton.
B. Schale aus einem Stück bestehend, oft mit Deckel.
a. Schale vollkommen zweiseitig symmetrisch, spiral in einer Ebene
aufgerollt oder napfförmig (Fig. 311, 312).
α. Schale napfförmig (Fig. 312).
1. Am Wirbel geschlossen (Fig. 331)
Patella.
2. Am Wirbel mit Schlitz (Fig. 312)
Fissurella.
β. Schale spiral in einer Ebene aufgerollt, Aussenlippe mit
Spalt (Fig. 311)
Bellerophon.
b. Schale mützenförmig, gebogen oder im Anfang spiral, oft fast
symmetrisch. Mündung trompetenartig erweitert (Fig. 313)
Capulus.
c. Schale unsymmetrisch spiral aufgerollt, mit geschlossenen Windungen
(Fig. 314-327).
α. Mündung mit Ausguss oder Canal (Fig. 314-318).
1. Aussenlippe oben mit seitlichem Schlitz (Fig. 316).
a. Mündung länglich, mit langem Canal (Fig. 316)
Pleurotoma.
b. Mündung oval oder viereckig, mit kurzem Ausguss. Mündung
mit Falten (Fig. 317)
Nerinea.
2. Aussenlippe ohne seitlichen Schlitz.
o Spindelfalten in allen Windungen vorhanden.
+ Mündung kaum höher als breit; letzter Umgang wenig höher
als die früheren. Gehäuse thurmförmig (Fig. 314)
Cerithium.
++ Mündung verlängert. Letzter Umgang erweitert (Fig. 375).
Gehäuse spindelförmig
Voluta.
oo Spindelfalten fehlend oder undeutlich.
+ Mündung mit kurzem Ausguss. Innenlippe umgeschlagen
(Fig. 314).
* Letzter Umgang wenig höher als die früheren. Mündung
kaum höher als breit. Gehäuse thurmförmig (Fig. 314)
Cerithium.
** Letzter Umgang viel höher als die übrigen. Mündung
verlängert.
§ Innenlippe schwielig verdickt. Mündung unten stark
verengt (Fig. 358)
Melanopsis.
§§ Innenlippe nicht schwielig verdickt (Fig. 373)
Buccinum.
++ Mündung mit kürzerem oder längerem Canal (Fig. 315, 318).
* Aussenlippe nicht ausgebreitet (Fig. 318).
§ Schale ohne Querwülste (Fig. 377)
Fusus.
§§ Schale mit Querwülsten (Fig. 318).
aa. Die Querwülste stehen unregelmässig (Fig. 318)
Tritonium.
bb. Die Querwülste hängen zusammen (Fig. 380)
Murex.
** Aussenlippe ausgebreitet, oft mit fingerförmigen
Fortsätzen.
§ Mündung nach oben nicht in eine Rinne auslaufend
(Fig. 370)
Alaria.
§§ Mündung nach oben in eine Rinne auslaufend (Fig.
315 r)
Rostellaria.
β. Mündung ganz, d. h. ohne unteren Ausguss oder Canal (Fig.
319-327).
1. Aussenlippe mit Schlitz (Fig. 320 A s, C s).
o Schale thurmförmig, hoch
Murchisonia.
oo Schale kreiselförmig, niedrig (Fig. 320)
Pleurotomaria.
2. Aussenlippe ohne Schlitz (Fig. 319, 321-327).
o Spindel oder Innenlippe ohne Falten, höchstens gezähnt
(Fig. 319, 321-327).
+ Innenlippe abgeplattet und meist gezähnt. Gewinde sehr
niedrig; letzter Umgang sehr gross (Fig. 321).
* Schale dickwandig (Fig. 341, 344)
Nerita, Velates.
** Schale dünnwandig (Fig. 321)
Neritina.
++ Innenlippe weder abgeplattet noch gezähnt (Fig. 319,
322-327).
* Schale mit weitem Nabel (Fig. 319).
§ Meeresschnecken (Fig. 319)
Straparollus, Solarium.
§§ Süsswasserschnecken (Fig. 327)
Planorbis.
** Schale eng oder gar nicht genabelt (Fig. 322-326).
§ Ränder der Mündung zusammenhängend (Fig. 324).
aa. Mündung meist kreisrund, selten oben ein wenig
ausgezogen. Zahl der Umgänge oft mehr als 5 (Fig.
384, 385)
Cyclostoma.
bb. Mündung oben deutlich verschmälert. Umgänge meist
wenig zahlreich (bis 5) (Fig. 324)
Paludina.
§§ Ränder der Mündung nicht zusammenhängend (Fig. 322,
323, 325, 326).
aa. Schale hoch thurmförmig (Fig. 323).
I. Mündung rundlich oder vierseitig, oben nicht
ausgezogen. Schalen mit regelmässigen
Spiralstreifen oder Rippen (Fig. 349)
Turritella.
II. Mündung nach oben verschmälert (Fig. 323).
α. Schale glatt, selten mit Spiralstreifen;
Umgänge flach oder regelmässig gewölbt
(Fig. 359)
Chemnitzia.
β. Schale meist quer gerippt, oft auch mit
Spiralstreifen; Umgänge meist kantig (Fig.
323)
Melania.
bb. Schale niedriger, kegelig bis kugelig (Fig. 322,
325, 326).
I. Schale kugelig, letzter Umgang sehr hoch und
breit (Fig. 322)
Natica.
II. Schale regelmässig conisch oder halbkugelförmig
(Fig. 325, 326).
α. Schale meist mannigfaltig verziert (Fig.
325).
a. Mündung rund, eher höher als breit (Fig.
336, 338)
Turbo.
b. Mündung quer, breiter als hoch (Fig. 325)
Trochus.
β. Schale nur durch Anwachsstreifen verziert
(Fig. 326).
Helix.
oo Schale mit Spindelfalten (Fig. 328, 329).
+ Schale eiförmig, dick; rechtsgewunden; Gewinde niedrig
(Fig. 328, 329)
Actaeonella, Avellana.
++ Schale spindelförmig; linksgewunden; Gewinde hoch (Fig.
392)
Clausilia.
[Illustration: Fig. 311. Bellerophon bicarenus Lév.]
[Illustration: Fig. 312. Fissurella Italica Dfr. ¹⁄₁.]
[Illustration: Fig. 313. Capulus neritoides Phill. sp. ¹⁄₁.]
[Illustration: Fig. 314. Cerithium margaritaceum Brocc.]
[Illustration: Fig. 315. Rostellaria fissurella Lmk.]
[Illustration: Fig. 316. Pleurotoma cataphracta Brocc. sp. ¹⁄₁.]
[Illustration: Fig. 317. Nerinea trinodosa Voltz.]
[Illustration: Fig. 318. Tritonium flandricum d. Kon. ¹⁄₁.]
[Illustration: Fig. 319. Straparollus pentangulatus Sow. sp.]
[Illustration: Fig. 320. A, B Pleurotomaria anglica Sow. sp. C Pl.
caepa Desl.]
[Illustration: Fig. 321. Neritina crenulata Kl.]
[Illustration: Fig. 322. Natica millepunctata Lmk. ¹⁄₁.]
[Illustration: Fig. 323. Melania inquinata Desh.]
[Illustration: Fig. 324. Paludina. A P. pachystoma Sdbg. B P. avellana
Neum.]
[Illustration: Fig. 325. Trochus angulatoplicatus Mnstr.]
[Illustration: Fig. 326. Helix deflexa A. Br.]
[Illustration: Fig. 327. Planorbis euomphalus Sow. ¹⁄₁.]
1. Ordnung Opisthobranchiata (Hinterkiemer).
Nur die Unterordnung der Tectibranchiata setzt sich zum Theil aus
schalentragenden Formen zusammen. Die Schalen sind meist spiralgerollt
und häufig mit Spiralstreifen versehen, selten schildförmig. Von der
Steinkohlenformation an bekannt, wichtig in Jura und Kreide.
1. Fam. Actaeonidae. Schale solid. Gewinde meist sichtbar. Spindelrand
meist mit Falten (Fig. 328, 329).
2. Fam. Bullidae. Schale dünn. Gewinde meist verhüllt. Spindelrand ohne
Falten (Fig. 330).
1. Fam. Actaeonidae.
Steinkohlenformation -- Gegenwart, vorwiegend in der Kreide verbreitet.
Actaeonella d’Orb. (Fig. 328). Schale conisch, oval oder kugelig,
mit zahlreichen Umgängen, nur mit queren Anwachsstreifen; Gewinde
mässig hoch oder niedergedrückt. Mundöffnung lang und schmal, ganz.
Die Spindel vorn verdickt, mit 3 starken Falten. Aussenlippe dünn
und deshalb meist zerbrochen. Z. Th. sehr grosse und dickschalige
Schnecken. Angeblich schon im Malm des Apennin, sehr häufig in der
oberen Kreide, namentlich in der südeuropäischen Hippuritenkreide.
Europa, Kleinasien, Indien, Nordamerika (»Actäonellenschichten«).
A. gigantea Sow. sp. (Fig. 328). Hippuritenkreide. Südfrankreich,
Salzkammergut, Kleinasien. Untersenon. Aachen.
A. laevis Sow. sp. Hippuritenkreide. Südfrankreich, Salzkammergut,
Böhmen.
Avellana d’Orb. (Fig. 329). Schale kugelig; Gewinde kurz. Oberfläche
mit zahlreichen, gleichen Spiralstreifen. Mündung schmal, nach unten
erweitert, halbmondförmig. Aussenlippe (a) verdickt und meist gekerbt.
Spindelrand mit 2 oder 3 Falten (f). Auf die Kreide beschränkt.
A. incrassata Mant. sp. (Fig. 329). Oberer Gault. England,
Frankreich, Schweiz.
A. cassis d’Orb. Cenoman. Frankreich.
[Illustration: Fig. 328. Actaeonella gigantea Sow. sp. Unteres Senon
(Hippuritenkreide). Gosau, Salzkammergut. a = Abbruchstelle des letzten
Umganges; f = Spindelfalten.]
[Illustration: Fig. 329. Avellana incrassata Mant. sp. Oberer Gault.
Frankreich. a = die gekerbte Aussenlippe; f = Falten des Spindelrandes.]
[Illustration: Fig. 330. Bulla ampulla Lin. Pliocän. Asti, Piemont.]
2. Fam. Bullidae.
Von der Trias an bekannt, Hauptverbreitung im Tertiär und in der
Gegenwart.
Bulla Lin. (Fig. 330). Schale oval bis fast kugelig; letzter Umgang
die vorigen umhüllend. Gewinde eingesenkt. Mündung höher als der
letzte Umgang, unten ausgebaucht. Oberfläche glatt, höchstens mit
Zuwachsstreifen. Kreide -- Gegenwart; verwandte Gattungen nicht selten
im Tertiär.
B. ampulla Lin. (Fig. 330). Neogen. Südeuropa. Lebend. Atlantischer
Ocean, Ostindien.
2. Ordnung Heteropoda.
Die zarten, symmetrisch spiral eingerollten Schalen der Heteropoden
sind nur als Seltenheiten in jungtertiären Schichten gefunden worden.
3. Ordnung Prosobranchiata.
Die Mehrzahl der schalentragenden Schnecken gehört dieser Ordnung an.
Sie leben vorwiegend im Meere. Fossil sehr wichtig; schon vom Cambrium
an bekannt.
1. Unterordnung Placophora.
Die verlängerte, flach schüsselförmige, symmetrische Schale besteht aus
8 Querplatten, die sich dachziegelförmig (die vordere etwas über die
hintere übergreifend) aneinanderfügen. Eine lederartige Haut, welche
die Schale rings umgiebt, hält die beweglichen Platten zusammen. Nur
eine Gattung.
Chiton Lin., deren Reste vereinzelt in allen Formationen (schon in
silurischen Schichten) gefunden sind. Mehrere 100 lebende Arten, meist
in den wärmeren Meeren und in geringen Meerestiefen.
Ch. priscus Mnstr. Subcarbon. Belgien.
2. Unterordnung Cyclobranchiata (Kreiskiemer).
Der symmetrische Körper wird von einer napfförmigen Schale bedeckt,
welche an der Spitze stets geschlossen ist. Vom Silur an bekannt,
Hauptentwickelung in der Gegenwart. Leben in seichtem Wasser, meist auf
Felsen sitzend.
Patella Lin. (Fig. 331). Schale oval bis kreisrund, kegelförmig oder
niedergedrückt, mit fast mittelständiger oder etwas nach vorn gerückter
Spitze. Oberfläche meist radial verziert, selten glatt. Auf der
Innenseite ein hufeisenförmiger, nach vorn geöffneter Muskeleindruck.
Vom Jura an, sehr häufig in der Gegenwart. Marin.
P. Hettangiensis Terq. Unterer Lias (Angulaten-Sandstein).
Lothringen.
P. rugosa Sow. (Fig. 331). Oberer Dogger (Great Oolite). England,
Normandie.
P. vulgata Lin. Pliocän und Lebend. Europa.
[Illustration: Fig. 331. Patella rugosa Sow. Oberer Dogger. Langrune,
Normandie. Schale von oben gesehen. ¹⁄₁.]
3. Unterordnung Aspidobranchiata.
Die wichtigsten Familien unterscheiden sich wie folgt:
A. Schalenrand mit einem Schlitz oder Schale an der Spitze gelocht
(Fig. 332-335)
Fissobranchiata.
a. Schale napfförmig, mit durchbohrter Spitze oder mit Schlitz am
Vorderrande. Spitze zuweilen nahezu symmetrisch eingerollt (Fig.
332, 333)
1. Fam. Fissurellidae.
b. Schale unsymmetrisch spiral aufgerollt (Fig. 334)
2. Fam. Pleurotomariidae.
c. Schale symmetrisch spiral aufgerollt (Fig. 335)
3. Fam. Bellerophontidae.
B. Schalenrand ganz, Schale nicht gelocht (Fig. 336-344)
Scutibranchiata.
a. Schale kreisel- oder thurmförmig (Fig. 336-340)
4. Fam. Trochidae.
b. Schale halbkugelig. Innenlippe verdickt und abgeplattet (Fig.
341-344)
5. Fam. Neritidae.
1. Fam. Fissurellidae.
Fissurella Bug. (Fig. 332). Schale symmetrisch, napf- oder
mützenförmig. Spitze mit einem runden oder länglichen Loche. Oberfläche
radial gerippt. Vielleicht schon paläozoisch, sicher vom Jura an,
häufig Tertiär und Lebend.
F. Italica Dfr. (Fig. 332). Miocän und Pliocän. Südeuropa.
F. Graeca Lam. Pliocän und Recent. Europa.
[Illustration: Fig. 332. Fissurella Italica Dfr. Miocän. Wiener Becken.
Schale von oben gesehen. Die Spitze ist gelocht. ¹⁄₁.]
[Illustration: Fig. 333. Emarginula Münsteri Pict. Karnische Stufe
(Cassianer Sch.). St. Cassian. Dolomitalpen. Schale von vorn, den
Schlitz und das Schlitzband zeigend. ²⁄₁.]
Emarginula Lam. (Fig. 333). Die schüssel- oder mützenförmige Schale
besitzt am Vorderrande einen Schlitz. Die Spitze ist häufig nach hinten
schwach unsymmetrisch eingerollt. Zahlreiche fossile Arten seit der
Steinkohlenformation, von der Kreide an häufig. 150 lebende Formen in
den wärmeren Meeren.
E. Münsteri Pict. (Fig. 333). Alpenkeuper (Cassianer Sch.). Südalpen.
E. fissura Lin. sp. Pliocän -- Lebend. Europa.
2. Fam. Pleurotomariidae.
Schale unsymmetrisch spiral gewunden, kegel- bis thurmförmig. Mündung
ganz, selten mit kurzem Canal. Aussenrand mit Afterschlitz (Fig. 334
A s, C s) oder an dessen Stelle mehrere schlitzförmige Oeffnungen.
Die Ausfüllung des Schlitzes lässt sich an den zurückgebogenen
Anwachsstreifen (Fig. 334 B s’) als Schlitzband (Fig. 334 A s’, C s’)
auch auf den früheren Umgängen verfolgen. Mehrere, zur Vorzeit sehr
formenreich entwickelte Gattungen. Lebend nur noch wenige, sehr seltene
Formen.
Pleurotomaria Dfr. (Fig. 334 A-C). Schale scheibenförmig, kugelig,
meist kreisel- oder kegelförmig, in der Regel breit, mit oder ohne
Nabel. Oberfläche glatt (C) oder mit spiralen Reifen und Knotenreihen
(A), die von deutlichen Anwachsstreifen gekreuzt werden. Durch das
Schlitzband von den oft ähnlich gestalteten Schalen der Trochidae
unterschieden. Fossil ausserordentlich häufig, namentlich in
paläozoischen (400 Arten) und mesozoischen Schichten. Im Tertiär noch
wenige Arten, die 4 lebenden Arten in grösseren Tiefen und sehr selten.
[Illustration: Fig. 334. A-C Pleurotomaria. A, B Pl. anglica Sow. sp.
Unterer Lias (α). Frankreich. B ein Stück der Schalenoberfläche, um die
zurückgebogenen Anwachsstreifen des Schlitzbandes (s’) zu zeigen. C Pl.
caepa Desl. Unterer Lias (α). Hettingen, Lothringen. s = Afterschlitz;
s’ = Schlitzband.]
Pl. obvallata Wahlb. sp. (Leth. pal., t. 5, Fig. 1). Untersilur
(Orthocerenkalk). Nordeuropa. Als Diluvialgeschiebe in Norddeutschland.
Pl. delphinuloides Schl. sp. Mitteldevon. Eifel, England.
Pl. conica Phill. Subcarbon. Grossbritannien.
Pl. Albertii Wissm. sp. Muschelkalk und Lettenkohle. Deutschland.
Pl. radians Wissm. sp. Karnische Stufe (Cassianer Sch.).
Dolomitalpen.
Pl. polita Sow. sp. }
} Unterer Lias (α). Mitteleuropa.
Pl. caepa Desl. (Fig. 334 C) }
Pl. anglica Sow. sp. (Fig. 334 A, B). Unterer Lias. Mitteleuropa.
Pl. expansa Sow. sp. }
} Mittlerer Lias. Mitteleuropa.
Pl. amalthei Qu. }
Pl. conoidea Dfr. sp. }
} Mittlerer Dogger. Mitteleuropa.
Pl. ornata Dfr. sp. }
Pl. armata Mnstr. Mittlerer Dogger -- Callovien, Mitteleuropa.
Pl. linearis Mant. Obere Kreide. Mitteleuropa.
Als Murchisonia d’Arch. & Vern. werden die thurmförmigen, zuweilen
mit kleinem Ausguss oder Canal versehenen Schalen unterschieden,
welche namentlich in paläozoischen Schichten häufig vorkommen.
M. bellicincta Hall. Untersilur. Nordamerika.
M. turbinata Schl. sp. }
} Mitteldevon England, Deutschland.
M. intermedia Phill. sp. }
3. Fam. Bellerophontidae.
Schale dick, symmetrisch, selten schwach unsymmetrisch eingerollt.
Mitte des Aussenrandes der Mündung mit Einschnitt, der sich nach
hinten in ein Schlitzband fortsetzt. Die Familie ist ausgestorben und,
von wenigen triadischen Nachzüglern abgesehen, auf das Paläozoicum
(Cambrium -- Perm) beschränkt. Angeblich noch in der Kreide. Mehrere
Gattungen.
Die z. Th. ganz ähnlich gestalteten Schalen der Heteropoda
unterscheiden sich durch ihre Zartheit und das Fehlen von
Farbenzeichnungen, wie man solche bei den Bellerophontidae beobachtet
hat.
Bellerophon Montf. (Fig. 335). Schale scheibenförmig bis fast kugelig,
involut. Gewinde oft unsichtbar. Nabel vorhanden oder fehlend, häufig
durch eine Schwiele verdeckt. Innenlippe (A i) schwielig verdickt.
Aussenrand mit Schlitz (s) und daran sich schliessendem, oft jederseits
von einem Kiele (k) eingefasstem oder erhabenem, breitem Schlitzbande
(s’). Oberfläche mit fiederstelligen Anwachsrippen (B), zuweilen auch
mit Spiralstreifen, oder -furchen. Vom Cambrium bis ins Perm reichend,
am häufigsten in der Steinkohlenformation und im Perm (über die ganze
Erde verbreitet). »Bellerophonkalk« der Alpen (Perm).
B. trilobatus Sow. Obersilur und Devon. England. Unterdevon.
Rheinisches Schiefergebirge, Harz.
B. striatus de Fér. & d’Orb. Mitteldevon. Eifel.
B. costatus Sow. } Subcarbon und Carbon.
B. Urei Flem. (Leth. pal., t. 45, Fig. 2) } Europa.
B. bicarenus Lév. (Fig. 335) }
} Subcarbon. Europa.
B. hiulcus Sow. }
B. peregrinus Siche. »Bellerophonkalk« (Oberes Perm) der Südalpen.
[Illustration: Fig. 335. A, B Bellerophon bicarenus Lév. Subcarbon.
Tournay, Belgien. s = Afterschlitz; s’ = Schlitzband, beiderseits von
einem Kiele (k) eingefasst; i = schwielig verdickte Innenlippe.]
4. Fam. Trochidae.
Schale kegel- oder kreiselförmig. Mundränder zusammenhängend oder
unterbrochen. Ein horniger oder kalkiger Deckel vorhanden. Diese
Familie ist in allen Formationen durch eine Reihe von Gattungen
vertreten, die sich nach dem Gehäuse allein nur schwer unterscheiden
lassen. Die 2 wichtigsten Gattungen trennt man wie folgt:
A. Umgänge und Basis gewölbt. Mündung meist rund oder längsoval. Deckel
kalkig (Fig. 336-338)
Turbo.
B. Umgänge und Basis platt. Mündung selten rund, meist queroval oder
eckig. Deckel hornig (Fig. 339, 340)
Trochus.
Turbo Lin. (Fig. 336-338). Schale nicht oder eng genabelt. Umgänge
gewölbt, zuweilen kantig (Fig. 338). Mündung kreisrund oder etwas
längsoval, oben zuweilen winkelig (Fig. 338 x). Mundränder meist
nicht zusammenhängend. Aussenlippe scharf. Oberfläche in der Regel
mit spiralen Verzierungen. Deckel kalkig, aussen convex, innen platt
und spiral gerollt (Fig. 337). Vom Silur bis zur Gegenwart. Die
Stellung sehr vieler Arten unsicher, weil der Deckel nicht bekannt.
Die namentlich im Jura häufigen Formen mit kantigen Umgängen und oben
winkeliger Mündung (Fig. 338 x) werden als Eunema unterschieden.
T. (Cyclonema) bilix Conr. Untersilur. Nordamerika.
T. armatus Gf. Mitteldevon. Eifel.
T. helicinus Schl. Zechstein. Mitteldeutschland.
T. subcinctus d’Orb. sp. (Fig. 336). Karnische Stufe (Cassianer
Sch.). Dolomitalpen.
T. solitarius Beni Leitfossil für den karnischen Hauptdolomit der
Alpen.
T. (Eunema) subduplicatus d’Orb. sp. (Fig. 338) } Leitformen für die
} tiefsten Schichten
} des Doggers
} (Torulosus-Sch.)
T. (Eunema) capitaneus Münst. } in Mitteleuropa.
T. (Eunema) ornatus Sow. Oberer Dogger. Mitteleuropa.
T. rugosus L. Miocän -- Lebend. Europa.
[Illustration: Fig. 336. Turbo subcinctus d’Orb. sp. Karnische Stufe
(Cassianer Sch.). St. Cassian, Dolomitalpen.]
[Illustration: Fig. 337. Deckel von Turbo sp., von der Seite und gegen
die Innenfläche gesehen. Oligocän. Vicentin.]
[Illustration: Fig. 338. Turbo (Eunema) subduplicatus d’Orb. sp.
Unterster Dogger (Torulosus-Sch.). Silzklamm, Unterelsass. i = die
etwas umgeschlagene Innenlippe; x = der obere Mundwinkel; k = die
spirale Kante der Umgänge.]
[Illustration: Fig. 339. Trochus angulato-plicatus Mnstr. Korallenkalk
d. Oxford. Frankreich. i = Innenlippe.]
[Illustration: Fig. 340. Trochus patulus Brocch. Miocän. Wiener Becken.
Von vorn und von unten. ¹⁄₁.]
Trochus Lin. (Fig. 339, 340). Gewinde meist regelmässig conisch.
Umgänge eben, mit den Nähten in einer Ebene. Letzter Umgang meist
kantig. Mündung verquert, häufig viereckig. Mundränder nicht
zusammenhängend. Querverzierungen häufig. Deckel hornig. Erst seit dem
Jura häufig. Gemein im Tertiär und in der Gegenwart. Z. Th. sehr grosse
Arten.
Tr. monilitectus Phill. Mittlerer Dogger. Mitteleuropa.
Tr. angulato-plicatus Mnstr. (Fig. 339). Korallenkalk des Malms.
Mitteleuropa.
Tr. speciosus Gf. Oxford und Kimmeridge. Mitteleuropa.
Tr. giganteus Mnstr. Eocän. Mittel- und Südeuropa.
Tr. Lucasanus Brgt. Oligocän. Vicentin.
Tr. patulus Brocch. (Fig. 340). Miocän und Pliocän. Mittel- und
Südeuropa.
Tr. fanulum Gml. Miocän. Mittel- und Südeuropa. Pliocän und Lebend.
Südeuropa.
5. Fam. Neritidae.
Schale dick, halbkugelig, ungenabelt. Gewinde sehr kurz und
schief gegen den letzten Umgang gestellt (Fig. 341 B sp). Mündung
halbmondförmig. Innenlippe verbreitert und verdickt, scheidewandartig
vorspringend, oft gezähnt. Deckel kalkig, am Innenrande mit einem oder
zwei nach innen gerichteten Fortsätzen (Fig. 342). Die inneren Umgänge
meist resorbirt oder durch dicht gedrängte Scheidewände ausgefüllt
(Fig. 344 B e). Von der Trias bis zur Gegenwart. Im Meer-, Brack- und
Süsswasser.
[Illustration: Fig. 341. Nerita Plutonis Bast. Miocän. Uecken, Aargau.
A von vorn. B von hinten. i = Innenlippe, gezähnt (z); a = Aussenlippe
(innen verdickt); sp = Gewinde.]
[Illustration: Fig. 342. Deckel einer lebenden Nerita mit den 2
Fortsätzen. ¹⁄₁.]
Nerita (Fig. 341, 342). Oberfläche glatt oder spiral gerippt.
Innenlippe breit und verdickt, gezähnt (Fig. 343 A z). Aussenlippe (a)
nach innen zu verdickt, häufig gezähnt. Innere Windungen resorbirt, so
dass die Schalenhöhlung einfach. Deckel (Fig. 342) schwach spiral, mit
2 Fortsätzen. Nur marin. Von der Trias bis zur Gegenwart. Lebend in den
wärmeren Meeren.
N. transversa Seeb. Kimmeridge. Mitteleuropa.
N. rugosa Gf. sp. Oberste Kreide (Danien). Frankreich, Holland.
N. Acherontis Brgt. Oligocän. Vicentin.
N. Plutonis Bast. (Fig. 341). Miocän. Mitteleuropa.
Neritina Lmk. (Fig. 343). Dünnschaliger als die vorige Gattung und
glatt. Innenlippe glatt oder ganz schwach gezähnelt (A z). Aussenlippe
(a) scharf, innerlich nicht verdickt. Süsswasser, seltener Brackwasser
Vom Jura an, häufig tertiär und lebend.
N. valdensis Dkr. Purbeck. Norddeutschland, Schweiz.
N. crenulata Kl. (Fig. 343). Leitfossil für das Obermiocän.
Mitteleuropa.
N. fluviatilis Lin. sp. Miocän -- Lebend. Europa.
Velates Montf. (Fig. 344). Sehr grosse, unten flache Schale mit fast
verschwindendem Gewinde. Von Nerita durch die scharfe Aussenlippe,
von Neritina durch die grobe Bezahnung (7 oder 8 Zähne) der stark
verbreiterten, schwach convexen Innenlippe (A z) unterschieden. Die
früheren Windungen durch dicht gedrängte Scheidewände ausgefüllt (B e).
Eine glänzende, gelbbraune obere Schalenschicht (B ep) überzieht die
Oberseite. Die einzige Art bezeichnet das Eocän in Europa, Aegypten,
Indien und auf Madagascar.
V. Schmideli Chem. sp. (Fig. 344). Unter-, Mittel- und Obereocän.
[Illustration: Fig. 343. Neritina crenulata Kl. Obermiocän. Deutschhof,
Württemberg. A von vorn. B von hinten. m = Mündung; i = Innenlippe,
schwach gezähnelt (z); a = Aussenlippe; sp = Gewinde.]
[Illustration: Fig. 344. Velates Schmideli Chem. sp. Untereocän
(Sabl. infér.). Cuise-Lamotte, Oise. A Schale von unten, die stark
verbreiterte und verdickte, mit 8 Zähnen (z) versehene Innenlippe,
die Mündung (m) und die scharfe Aussenlippe zeigend. B die Schale
von hinten bis zur Mitte angeschnitten. sp = Spindel; m = Mündung; e
= die ersten, durch Scheidewände ausgefüllten Windungen; ep = obere
Schalenschicht. NB. Die Figur ist nicht durch den Spiegel gezeichnet,
muss also als Spiegelbild gedacht werden.]
4. Unterordnung Ctenobranchiata.
Fast ausschliesslich Wasserbewohner. Schale meist spiral gewunden,
selten napfförmig. Die Mehrzahl der Prosobranchiata gehört hierher (ca.
6000 lebende und 4000 fossile Formen). Vom Cambrium an bekannt.
A. Ptenoglossa (Federzüngler).
Schale niedrig und dann meist weit genabelt, oder thurmförmig und dann
Mündung mit zusammenhängenden Mundrändern.
Fam. Solariidae.
Schale kreisel- oder scheibenförmig, weit und tief genabelt. Die
Umgänge nehmen langsam an Dicke zu; der letzte meist sehr wenig
erweitert. Vom Silur bis zur Gegenwart. Die meisten hierher gehörigen
Gattungen wenig scharf von einander unterschieden.
Solarium Lmk. (Fig. 347). Schale niedrig kegelförmig, mit weitem,
randlich gekerbtem Nabel. Letzter Umgang mit Spiralkante. Mündung mehr
oder weniger viereckig. Tertiär und Gegenwart.
S. patulum Lmk. }
} Mitteleocän. Pariser und Londoner Becken.
S. canaliculatum Lmk. }
S. perspectivum Lin. sp. (Fig. 347). Lebend. Ostindien.
[Illustration: Fig. 345. Straparollus pentangulatus Sow. sp. Subcarbon.
Belgien. A Oberseite. k = Kante, die nach vorn convexe Zuwachsstreifung
der Schale unterbrechend. B von vorn. m = Mündung; k = obere Kante; l =
Zuwachsstreifung.]
[Illustration: Fig. 346. Straparollus Dionysii Montf. Subcarbon.
Belgien. ¹⁄₁.]
[Illustration: Fig. 347. Solarium perspectivum Lin. sp. Lebend.
Indischer Ocean. Schale in der Richtung der Achse durchschnitten.
Erklärung siehe Fig. 310 B.]
Straparollus Mtf. (= Euomphalus) (Fig. 345, 346). Von Solarium
nur durch das Fehlen der Nabelkerben unterschieden. Conisch bis
scheibenförmig, aber Oberseite stets von der Unterseite verschieden.
Umgänge rund oder kantig, glatt oder verziert. Mündung rundlich oder
eckig, oft mit schwacher Einbuchtung; in der Fortsetzung derselben
oft eine schlitzbandartige Unterbrechung der Sculptur (Fig. 345 A
k). Anwachsstreifen nach vorn convex. Die jüngeren (jurassischen und
cretaceischen) Arten kaum scharf von Solarium geschieden. Sehr häufig
vom Silur an bis zur Kreide; schon im Cambrium vorhanden. Zahlreiche,
z. Th. recht ansehnliche Arten im Paläozoicum.
Str. alatus His. (Leth. pal., t. 14, Fig. 9) } Obersilur.
Str. catenulatus His. (Leth. pal., t. 14, Fig. 8) } Gotland.
Str. delphinuloides Schl. sp. } Mitteldevon (Stringocephalenkalk).
Str. serpula Gf. sp. } Rheinlande.
Str. Goldfussi d’Arch. & d. Vern. Mitteldevon. Eifel.
Str. Dionysii Montf. (Fig. 346) } Steinkohlenformation.
Str. pentangulatus Sow. sp. (Fig. 345) } Mittel- und Nordeuropa.
Str. catillus Mart. sp. }
Str. exiguus Phil. Muschelkalk. Norddeutschland.
Str. ornatus Fitt. sp. }
} Gault. England, Frankreich.
Str. Martini d’Orb. sp. }
Die flachen, nahezu symmetrisch (links oder rechts) eingerollten
Schalen mit trapezförmigem Windungsquerschnitt und rückwärts gebogenen
Anwachsstreifen werden als Discohelix Dkr. unterschieden. Trias --
Gegenwart, hauptsächlich im Lias.
D. sinister d’Orb. sp. Mittlerer Lias. Normandie.
D. minutus Ziet. Oberer Lias und unterer Dogger. Mitteleuropa.
Vielleicht schliesst sich hier die ausgestorbene Gattung
Maclurea Les. (Fig. 348) an. Oberseite flach, alle Windungen zeigend;
Unterseite tief und eng genabelt, gewölbt (A). Mündung halbkreisförmig.
Der in Verbindung mit der Schale gefundene, dicke, kalkige Deckel
erinnert durch seine Fortsätze an die ähnlichen Bildungen von Nerita
(p. 313), weshalb die Gattung vielleicht zu den Neritidae zu stellen.
Wenn die flache Spiralseite, wie hier geschehen, als Oberseite gedeutet
wird, ist die Schale links gewunden, bei umgekehrter (von vielen
Autoren vorgezogener) Stellung rechts gewunden. Ausschliesslich im
Cambrium und Untersilur, häufig in Nordamerika (»Maclurea Limestone«
des Untersilurs), selten in Nordeuropa.
M. matutina Hall. Cambrium. Nordamerika.
M. magna }
} Untersilur. Nordamerika.
M. arctica Haught. }
M. Logani Salt. (Fig. 348). Untersilur. Nordamerika, Schottland.
[Illustration: Fig. 348. Maclurea Logani Salt. Untersilur. Canada. A
Schale von vorn ohne Deckel. B der schwach spiral gewundene Deckel von
aussen (links) und von innen (rechts), den längeren der beiden inneren
Fortsätze zeigend. ¹⁄₁.]
B. Taenioglossa (Bandzüngler).
Schale meist regelmässig spiral aufgerollt, selten ganz unregelmässig
(Serpula-ähnlich) oder mützenförmig. Nach der Gestalt der Mündung
zerfallen die Taenioglossa in die folgenden 2 Abtheilungen:
I. Holostomata. Mündung ohne Ausschnitt oder Canal.
II. Siphonostomata. Mündung mit Ausschnitt oder Canal.
Es ist zu dieser Eintheilung zu bemerken, dass einige Gattungen, welche
nach der Beschaffenheit des Thieres zu den Holostomata gerechnet
werden müssen, wie z. B. Melanopsis (p. 322), einen mindestens eben so
deutlichen Ausguss der Mündung besitzen, wie die Gruppe der Entomostoma
unter den Siphonostomata (p. 324 ff.).
I. Holostomata.
Eine Trennung der hierher gehörigen Familien nach dem Gehäuse allein
ist schwer durchführbar. Die Charaktere der wichtigsten Familien sind
in folgender Tabelle zusammengestellt:
+---------------+-----------+---------------+----------------+---------+
| Familie |Lebensweise| Gestalt der | Oberflächen- |Ungefähre|
| | | Schale | verzierung | Zahl der|
| | | | | Umgänge |
+---------------+-----------+---------------+----------------+---------+
|Turritellidae | Marin | thurmförmig | vorwiegend | 5 > |
| | | | spiral | |
+---------------+-----------+---------------+----------------+---------+
|Capulidae | Marin | mützenförmig | fehlend, quer | > 5 |
| | |bis kegelförmig| oder spiral | |
+---------------+-----------+---------------+----------------+---------+
|Naticidae | Marin | mehr oder | meist fehlend, | > 5 |
| | |weniger kugelig|selten quer oder| |
| | | | spiral | |
+---------------+-----------+---------------+----------------+---------+
|Paludinidae | Limnisch |kegelförmig bis| fehlend, quer | > 5 |
| | | fast kugelig | oder spiral | |
+---------------+-----------+---------------+----------------+---------+
|Melanidae | Limnisch | thurmförmig |spiral, seltener| 5 > |
| | und | bis eiförmig | quer | |
| | brackisch | | oder fehlend | |
+---------------+-----------+---------------+----------------+---------+
|Pseudomelanidae| Marin | thurmförmig | meist fehlend | 5 > |
+---------------+-----------+---------------+----------------+---------+
1. Fam. Turritellidae.
Schale regelmässig thurmförmig, mit zahlreichen Windungen. Spirale
Oberflächenverzierung. Trias -- Gegenwart.
Turritella Lmk. (Fig. 349). Schale hoch, thurmförmig, regelmässig
aufgerollt, mit zahlreichen, kantigen (B), seltener gewölbten (A)
Umgängen. Mundränder nicht zusammenhängend. Aussenlippe scharf.
Spiralrippen oder -streifen stets vorhanden. Von der Trias an, häufig
in der Kreide, gemein Tertiär und Lebend. Im jüngeren Tertiär oft ganze
Bänke bildend.
T. Humboldti v. B. Unterer Lias. Chile.
T. granulata Sow. Cenoman. England, Belgien, Norddeutschland, Böhmen
etc.
T. multistriata Rss. Turon und Senon. Deutschland.
T. sexcincta Gf. Südfrankreich, Aachen.
T. imbricataria Lmk. (Fig. 349 B). Mitteleocän. Pariser Becken.
T. carinifera Desh. Mitteleocän. Pariser Becken. Westalpen.
T. turris Bast. (Fig. 349 A). Weit verbreitet im europäischen Miocän.
T. cathedralis Brgt. }
}
T. Archimedis Brgt. } Ebendaselbst.
}
T. bicarinata Eichw. }
T. terebra Lin. Pliocän und Lebend. Europa.
[Illustration: Fig. 349. Turritella. A T. turris Bast. Miocän. Ermingen
bei Ulm. B T. imbricataria Lmk. Mitteleocän (Grobkalk). Pariser Becken.
¹⁄₁.]
[Illustration: Fig. 350. Capulus neritoides Phill. sp. Subcarbon. Visé,
Belgien. Schale von der Seite gesehen. ¹⁄₁.]
2. Fam. Capulidae.
Schale napf-, schüssel- oder mützenförmig, selten und dann meist nur im
Anfang spiral gewunden. Mündung häufig trompetenartig erweitert. Vom
Cambrium bis zur Gegenwart.
Capulus Montf. (Fig. 350). Höchstens im Anfang spiral eingerollt,
später ganz oder z. Th. frei, schüsselförmig bis hoch conisch, oft
widderhornartig gewunden. Mündung stark erweitert, rund oder oval,
meist regelmässig ausgebuchtet. Oberfläche glatt, häufig radial
gefurcht, seltener gegittert oder mit Stacheln bewehrt. In zahlreichen
Formen vom Cambrium bis zur Steinkohlenformation, selten in jüngeren
Bildungen, bis zur Gegenwart.
C. anguis Barr. (Leth. pal., t. 14, Fig. 10) }
} Obersilur. Böhmen.
C. elegans Barr. }
C. hercynicus Kays. Häufig im Unterdevon (Hercyn) des Harzes. Eifel,
Böhmen.
C. priscus Gf. sp. (Leth. pal., t. 29, Fig. 11). Unter- und
Mitteldevon. Eifel, Harz, Böhmen.
C. neritoides Phill. sp. (Fig. 350). Subcarbon. Belgien.
C. vetustus Sow. sp. Subcarbon. Grossbritannien, Belgien.
3. Fam. Naticidae.
Schale meist kugelig, mit kurzem, gewöhnlich stumpfem Gewinde, seltener
verlängert. Letzter Umgang stark erweitert. Mündung mehr oder weniger
halbmondförmig, unten gerundet, oben eckig. Oberfläche gar nicht
oder schwach verziert. Vom Silur an, in allen Formationen, von der
Steinkohlenformation an häufig. Etwa 300 lebende Formen in allen Meeren.
Natica Lmk. (Fig. 351). Schale meist unverziert und dick. Nabel meist
mehr oder weniger entwickelt; die verdickte Spindel oft im unteren
Theil desselben sichtbar. Aussenlippe scharf, Innenlippe mehr oder
weniger verdickt. Deckel kalkig oder hornig, schwach spiral (Fig.
351 b). Zahlreiche, aber schwer zu unterscheidende Untergattungen.
Vielleicht schon in paläozoischen Formationen vorhanden, häufig vom
Jura an.
[Illustration: Fig. 351. a Natica millepunctata Lmk. Pliocän. Mte.
Mario b. Rom. Schale mit Spuren der ursprünglichen Färbung. Die
wulstförmig verdickte Spindel ist im unteren Theile des weiten Nabels
sichtbar. b spiralgewundener Deckel einer fossilen Natica.]
[Illustration: Fig. 352. Naticella costata Mnstr. Alpiner Buntsandstein
(Werfener Sch.). Campitello, Dolomitalpen. A von vorn. B von hinten.]
N. Gaillardoti Gf. Oberer Buntsandstein und unterer Muschelkalk.
Westdeutschland, Lothringen.
N. Meriani Hörn. Norische Stufe (Esinosch.). Südalpen.
N. suprajurensis Buv. Kimmeridge. Frankreich, Schweiz,
Norddeutschland.
N. gaultina d’Orb. Gault. England, Frankreich, Schweiz.
N. epiglottica Lmk. }
} Mittel- und Obereocän. Pariser Becken.
N. caepacea Lmk. }
N. patula Lmk. Eocän. Frankreich, Belgien, England, Indien.
N. crassatina Desh. Oligocän. Frankreich, Rheinthal, Schweiz,
Vicentin, Krim.
N. millepunctata Lmk. (Fig. 351 a). } Miocän -- Lebend. Europa.
N. Josephinia Risso. } Ueberall gemein.
Naticella Mnstr. (Fig. 352) unterscheidet sich durch die regelmässigen
Querrippen der Schale und das vollständige oder fast vollständige
Fehlen eines Nabels. Schale dünn. Silur -- Trias.
N. lyrata Phill. sp. Subcarbon. Grossbritannien, Belgien.
N. costata Mnstr. (Fig. 352). Alpiner Buntsandstein (Werfener Sch.),
Südalpen, Balkanhalbinsel.
Naticopsis M’Coy. Glatt oder quergerippt, ungenabelt. Innenlippe in
ähnlicher Weise wie bei Nerita (p. 313) verdickt und abgeplattet.
Deckel dick, mit einem Fortsätze. Vielleicht den Neritidae
anzuschliessen. Silur -- Trias. Die Mehrzahl der sog. Natica-Arten des
Paläozoicums gehört hierher.
N. subcostata Schl. sp. (Leth. pal., t. 32, Fig. 8). Mitteldevon
(Stringocephalenkalk). Rheinlande.
N. ampliata Phill. sp. Steinkohlenformation. Grossbritannien,
Belgien, Russland.
N. globosa Hön. sp. Steinkohlenformation. Grossbritannien, Belgien,
Kärnthen, Nordamerika.
N. lemniscata Hörn. sp. Norische Stufe. Südalpen.
4. Fam. Paludinidae.
Schale kugelig bis kegelförmig, mit grüner oder brauner Epidermis.
Mündung gerundet, oben oft winkelig. Mundränder zusammenhängend.
Ausschliesslich Süsswasserbewohner. Fossil seit dem Jura. Häufig im
Tertiär und in der Gegenwart.
[Illustration: Fig. 353. Paludina orbicularis Sow. Unteroligocän.
Südengland. ¹⁄₁.]
[Illustration: Fig. 354. A Paludina pachystoma Sdb. Miocän. Mainzer
Becken. B P. avellana Neum. Pliocän (Paludinensch.). Slavonien. Die
Schale ist quergerippt (r).]
[Illustration: Fig. 355. Hydrobia ventrosa Mont. sp. (= Littorinella
acuta). Miocän (Littorinellenkalk). Mainzer Becken. Links: ein mit den
Schalen angefülltes Gesteinsstück. ¹⁄₁. Rechts: eine einzelne Schale.
⁵⁄₂.]
Paludina Lmk. (= Vivipara) (Fig. 353, 354). Schale dünn, kegelförmig,
mit stumpfer Spitze; schwach oder nicht genabelt. Umgänge meist
gewölbt, glatt (A), spiral- oder quergerippt (B). Mündung unten
gerundet, oben winkelig. Fossil von der unteren Kreide an, sehr häufig
im Tertiär und in der Gegenwart.
P. fluviorum Sow. sp. Untere Kreide (Wälder Sch.). England,
Norddeutschland.
P. aspera Michaud. Untereocän. Frankreich.
P. Hammeri Dfr. Mitteleocän. Elsass.
P. orbicularis Sow. (Fig. 353). Unteroligocän. Südengland.
P. pachystoma Sdb. (Fig. 354 A). Untermiocän (Corbicula- und
Littorinellenschichten). Mainzer Becken.
P. varicosa Br. sp. Mittelmiocän. Schwaben.
P. avellana Neum. (Fig. 354 B) } nebst zahlreichen verwandten Formen
} bezeichnen die mittelpliocänen
P. Hellebori Hörn. } »Paludinenschichten«
} SO.-Europas.
P. Fuchsi Neum. }
P. diluviana Kunth. Unteres Diluvium. Norddeutschland. Lebend.
SO.-Europa.
P. vivipara Müll. sp. Diluvium. England, Rheinthal. Lebend über den
grössten Theil Europas verbreitet.
Hydrobia Hartm. (= Litorinella) (Fig. 355). Kleine, meist hochgethürmte
Schalen mit runder, oben meist winkeliger Mündung und unverzierter
Oberfläche. Leben in Süss- oder Brackwasser, selten im Meere. Fossil
schon im Jura, sehr häufig im Neogen, oft ganze Schichten erfüllend
»Litorinellenkalk«).
H. inflata Fauj. sp. Untermiocän (Corbicula-Sch.). Mainzer Becken.
H. ventrosa Mont. sp. (Fig. 355). Mit der vorigen Art zusammen,
besonders aber in den sog. »Litorinellen-« oder »Hydrobienkalken« des
Mainzer Beckens häufig. Miocän. Frankreich, Wiener Becken. Lebend.
Südfrankreich, Sicilien, England.
5. Fam. Melanidae.
Schale thurmförmig, mit langem, zugespitztem Gewinde. Mündung
rundlich oder eiförmig, ganz, seltener mit kurzem Ausguss oder Canal.
Aussenlippe scharf und gebogen. Innenlippe meist umgeschlagen, oft
verdickt. Die Schale ist mit dicker, dunkler Epidermis überzogen, das
Gewinde häufig angefressen. Kreide und Tertiär. Die zahlreichen (ca.
1000) recenten Formen leben im Süss-, seltener im Brackwasser der
wärmeren Regionen.
[Illustration: Fig. 356. Melania strombiformis v. Schl. sp. Untere
Kreide (Wälderthon). Neustadt a. R., Hannover. ¹⁄₁.]
[Illustration: Fig. 357. Melania inquinata Desh. Untereocän
(Soisson-St.). Rilly b. Rheims. i = Innenlippe; a = die etwas
ausgebogene Aussenlippe.]
Melania Lmk. (Fig. 356, 357). Schale hoch thurmförmig, ungenabelt,
meist mit spiralen, zuweilen auch mit queren Verzierungen, selten
glatt. Mündung ganz. Aussenlippe unten schwach ausgebogen (Fig. 357 a).
Spindel nicht abgestutzt, allmählich in die Aussenlippe verlaufend.
Fossil von der Kreide an, sehr häufig Lebend.
M. strombiformis v. Schl. sp. (Fig. 356). In der unteren Kreide
(Wealdenbildung) Englands und Norddeutschlands häufig.
M. inquinata Dfr. (Fig. 357). Häufig im Untereocän Frankreichs
und Englands.
M. alpina May. Obereocän. Thuner See.
M. Laurae Math. Obereocän. Oberes Rheinthal, Provence.
M. muricata Wood. Obereocän und Oligocän. England. Oligocän.
Norddeutschland.
M. Escheri Brgt. Miocän und Pliocän. Mitteleuropa.
Melanopsis Fér. (Fig. 358 A, B). Schale thurmförmig bis eiförmig,
Gewinde oft stark verkürzt. Spindel unten abgestutzt, die Mündung in
Folge dessen mit kurzem unterem Ausguss (c); zuweilen auch oben ein
Canal (B i). Spindelrand (A i) verdickt, oben meist schwielig (B i).
Neben dem Spindelrande trennt sich oft ein markirtes »Basalfeld« (b)
ab, welches gegen oben von einer kammartigen Erhöhung (A k) begrenzt
sein kann. Von der Kreide an, sehr häufig im Neogen, Lebend in den
Mittelmeerländern, Neu-Caledonien und Neu-Seeland.
[Illustration: Fig. 358. A Melanopsis galloprovincialis Math. Oberste
Kreide (Garonne-Stufe). Martigues bei Marseille. c = Ausguss; i =
Innenlippe; b = Basalfeld, nach oben durch einen Kamm (k) begrenzt. B
M. Martiniana Fér. Unterpliocän. Wiener Becken. Bezeichnung wie bei A.
Neben der schwielig verdickten Innenlippe (i) ist der obere Canal der
Mündung sichtbar.]
M. galloprovincialis Math. (Fig. 358 A). Oberste Kreide
(Garonne-Stufe). Südfrankreich.
M. citharella Mer. Untermiocän. Randen, Aargau.
M. aquensis Grat. Untermiocän. SW.-Frankreich. Pliocän. SO.-Europa.
M. Kleinii Kurr. Leitfossil für das Obermiocän in Mitteleuropa.
M. impressa Krauss. Miocän. Mitteleuropa. Pliocän. SO.-Europa.
M. Martiniana Fér. (Fig. 358 B). Unterpliocän. SO.-Europa.
M. acanthica Neum. und zahlreiche andere Arten in den pliocänen
Paludinenschichten SO.-Europas.
M. praerosa Lin. sp. Pliocän und Lebend. Mittelmeerländer.
6. Fam. Pseudomelanidae.
Eine Anzahl ausgestorbener Gattungen von unsicherer Stellung werden
zweckmässiger Weise an die Melanidae angeschlossen. Ihre Gehäuse sind
thurmförmig, mit zahlreichen Windungen. Die Mündung ganz oder unten
schwach ausgebuchtet. Die Oberflächenverzierung besteht meist nur aus
Anwachs-, selten aus Spiralstreifen. In paläozoischen und mesozoischen
Formationen häufig, im Eocän aussterbend. Meeresbewohner.
Chemnitzia (= Pseudomelania) (Fig. 359). Umgänge eben oder nur ganz
schwach gewölbt. Letzter Umgang viel weniger hoch als das zugespitzte
Gewinde. Aussenlippe (a) scharf, Innenlippe (i) einfach, nicht
verdickt. Oberfläche mit schwach gebogenen Anwachsstreifen oder
Querrippen. Zickzackförmige Farbenstreifen nicht selten erhalten. Sehr
häufig im Mesozoicum, seltener im Tertiär.
Ch. scalata v. Schl. sp. Häufig im Muschelkalk, seltener im Keuper.
Deutschland.
Ch. Escheri Hörn. Norische Stufe (Esino-Sch.). Südalpen.
Ch. alpina Eichw. sp. Karnische Stufe (Raibler Sch.). Südalpen.
Ch. Zenkeni Dkr. sp. Unterer Lias (Angulatenschichten).
Norddeutschland, Lothringen, Schwaben.
Ch. lineata Sow. sp. Mittlerer Dogger. England, Frankreich,
Süddeutschland.
Ch. Heddingtonensis Sow. sp. (Fig. 359). Oxford. Mitteleuropa.
Ch. lactea Lmk. sp. Eocän. Pariser Becken.
[Illustration: Fig. 359. Chemnitzia Heddingtonensis Sow. sp. Oxford.
Frankreich. Die zickzackförmigen Farbenstreifen der Schalenoberfläche
erhalten. a = Aussen-, i = Innenlippe.]
[Illustration: Fig. 360. Macrochilus arculatus v. Schl. sp. Mitteldevon
(Stringocephalenkalk). Paffrath b. Cöln. Die Innenlippe ist unten
verdickt und zeigt eine undeutliche Falte.]
Loxonema Phill. lässt sich nicht scharf von Chemnitzia trennen. Die
Umgänge sind meist gewölbt und sehr zahlreich, die Aussenlippe oben
vorgezogen. Häufig im Paläozoicum, seltener in der Trias.
L. acuminatum Gf. sp. Subcarbon. Belgien, Rheinlande, Russland.
L. constrictum Mart. sp. Subcarbon. Grossbritannien, Belgien,
Kärnten.
? L. obsoletum v. Schl. sp. Häufig im deutschen Muschelkalke,
selten im Keuper.
Macrochilus Phill. (Fig. 360). Die letzte Windung höher als das
Gewinde. Innenlippe unten verdickt und mit einer undeutlichen Falte
versehen. Devon -- Trias.
M. arculatus v. Schl. sp. (Fig. 360). Mitteldevon. Rheinlande,
England, Ural.
II. Siphonostomata.
Die Siphonostomata, mit Sicherheit erst aus mesozoischen Schichten
bekannt, zeichnen sich durch den Besitz eines Ausgusses oder Canals
der Mündung aus. Die wichtigsten Formen lassen sich nach der Form der
Mündung folgendermaassen unterscheiden:
a. Mündung niedrig, mit kurzem, zuweilen atrophirtem Ausguss. Schale
hoch thurmförmig. Spindelfalten häufig vorhanden (Fig. 361-366)
A. Entomostoma.
b. Mündung hoch, mit deutlichem Canal. Spindelfalten fehlen. Gewinde
meist mässig lang oder kurz.
1. Aussenlippe ausgebreitet, häufig gefingert (Fig. 367-370)
B. Alata.
2. Aussenlippe einfach, weder ausgebreitet noch gefingert (Fig.
374, 372)
C. Canalifera.
A. Entomostoma.
Fam. Nerineidae.
Schale thurm- bis kegelförmig, dickwandig. Mündung unten mit kurzem,
aber selten erhaltenem Ausguss (Fig. 361 A c). Aussenlippe scharf, im
oberen Theile eingebogen und mit kurzem, schlitzartigem Einschnitte
(Fig. 362 A e), welcher ein Schlitzband unter der Naht der früheren
Umgänge hervorruft. Spindel, Innen- und Aussenlippe können Falten
(Fig. 362 f₁-f₅) tragen, welche sich durch die ganze Schale verfolgen
lassen; nur ausnahmsweise sind keine Falten entwickelt. Die Familie ist
ausgestorben und auf Jura und Kreide beschränkt. Einzige Gattung:
Nerinea Dfr. (Fig. 361, 362). Schale genabelt (Fig. 362 A n) oder
ungenabelt (Fig. 361 A) mit zahlreichen, ebenen oder eingesenkten,
seltener convexen, meist niedrigen Umgängen. Oberfläche mit queren, an
der Naht zurückgebogenen Anwachsstreifen (Fig. 362 A), häufig auch mit
spiralen Rippen oder Kantenreihen verziert (Fig. 361 A). Die Mündung
besitzt bei den hoch thurmförmigen Arten meist rhombischen Querschnitt,
bei den kurzen, eingerollten Formen ist sie lang spaltförmig; letztere
werden den Schalen von Actaeonella (p. 306) oft sehr ähnlich. Die
Falten -- auf dem medianen Längsschnitt (Fig. 362 B) am besten zu
beobachten -- fehlen nur selten; ihre Zahl schwankt zwischen 1 und
7. Sie sind entweder einfach kammförmig (Fig. 361 B f₂, f₃), oder
verbreitert und verzweigt (Fig. 362 B f₂, f₃, f₄), in welch’ letzterem
Falle der Windungsquerschnitt einen sehr complicirten Umriss annimmt
(Fig. 362 B). In der Nähe der Mündung verflachen sich die Falten häufig.
Die Nerineen gehören zu den häufigsten Formen in den Korallenkalken und
den mit ihnen vergesellschafteten »Nerineenkalken« des Jura und der
Kreide. Ihre Maximalentwickelung fällt in den Malm. Aus vorjurassischen
Schichten sind sie nicht mit Sicherheit bekannt. Die zahlreichen Arten
hat man in mehrere Untergattungen vertheilt, deren wichtigste hier
angeführt sind.
[Illustration: Fig. 361. Nerinea trinodosa Voltz. Oberer Malm
(Portland) Schweizer Jura. A Schale mit erhaltener Mündung. Dieselbe
zeigt 3 Falten: 1 Spindelfalte (f₂), 1 Falte der Innenlippe (f₁) und
1 der Aussenlippe (f₃). c = Ausguss; n = Naht. B Steinkern von 2½
Windungen, 2 einfache (f₂, f₃) und 1 schwach verbreiterte Falte (f₁)
zeigend.]
[Illustration: Fig. 362. Nerinea (Ptygmatis) Bruntrutana Thurm. Oberes
Oxford. Frankreich. A Schale mit erhaltener Mündung (m). e = Einschnitt
am oberen Theile der Aussenlippe; n = Nabel. B Querschnitt der Windung,
um die 5 Spindelfalten zu zeigen. f₁ = Falte der Innenlippe; f₂, f₃ =
Falten der Spindel; f₄, f₅ = Falten der Aussenlippe.]
A. Schale thurmförmig, meist ungenabelt. Mündung kaum höher als breit.
Falten selten über 5, meist 3, einfach oder schwach verzweigt (Fig.
361)
Nerinea s. str.
N. nodosa Voltz. Oxford. Schweiz, Frankreich.
N. turritella Voltz. Oxford. Frankreich.
N. Defrancei Desh. Oxford -- Tithon. Mitteleuropa.
N. Visurgis Rö. Kimmeridge. Norddeutschland, Schweiz.
N. trinodosa Voltz. (Fig. 361 A, B). Portland. Schweizer Jura.
N. Orbignyi Zeuschn. }
} Tithon. Mittel- und Südeuropa.
N. Zeuschneri Pet. }
N. Marcoui P. & C. Valengien. Frankreich, Schweiz.
N. gigantea H. F. Neocom und Urgon. Südfrankreich, Schweiz.
N. Requieni d’Orb. Turon. Südfrankreich, Libanon.
N. longissima Rss. Turon. Böhmen, Libanon.
N. flexuosa Sow. Hippuritenkreide (Senon). Salzkammergut.
B. Schale thurmförmig, meist genabelt. Mündung kaum höher als breit.
5-7, meist verzweigte Falten (Fig. 362)
Ptygmatis.
N. mumia v. Schl. Oberer Dogger (Hauptrogenstein). Badisches
Oberland.
N. Bruntrutana Thum. (Fig. 362 A, B). Oxford -- Tithon.
Mitteleuropa.
N. Carpathica Zeuschn. } Kimmeridge und Tithon. Mittel-
N. pseudo-Bruntrutana Gem.} und Südeuropa.
C. Schale thurmförmig, meist genabelt und glatt. Mündung breiter als
hoch. Nur 1 Falte (auf der Innenlippe)
Trochalia.
N. depressa Voltz. Oxford -- Tithon. Mittel- und Südeuropa.
N. subpyramidalis Mnstr. Kimmeridge und Tithon. Mittel- und
Südeuropa.
D. Schale länglich oval, fast stets genabelt. Gewinde meist kurz.
Mündung viel höher als breit. Falten einfach oder verzweigt
Itieria.
N. Mosae Desh. Oxford und Kimmeridge. Mitteleuropa.
N. Cabaneti d’Orb. Oxford -- Tithon. Mittel- und Südeuropa.
N. Staszycii Zeuschn. Tithon. Mittel- und Südeuropa.
Fam. Cerithidae.
Die ungenabelte Schale ist thurmförmig und erinnert durch die
niedrigen Windungen an die Nerineen. Oberfläche meist reich skulptirt,
oft gestachelt. Mündung niedrig, oval oder eckig, schräg gegen die
Schalenachse gestellt; zuweilen mit Spindelfalten, die sich aber nur
selten durch die ganze Schale verfolgen lassen. Unterer Ausguss der
Mündung kurz (Fig. 365 c), meist zurückgebogen; häufig auch eine
kürzere obere Rinne (Fig. 365 e). Innenrand umgeschlagen und meist
verdickt. Wichtig ist nur die Gattung:
Cerithium Ad. mit den Charakteren der Familie. Im Meer-, Brack- und
Süsswasser von der Trias bis zur Gegenwart (über 1000 Arten). Die
Maximalentwickelung fällt in das Eocän. Gesteinbildend im älteren und
jüngeren Tertiär. Die Schalen der Meeresbewohner sind glänzend, die
der Brack- und Süsswasserbewohner (= Potamides) mit brauner Oberhaut
bedeckt.
A. Schale glatt.
C. nudum Link. (Fig. 363). }
} Mitteleocän. Pariser Becken.
C. lapidum Link. }
C. laevissimum v. Schl. Mitteloligocän. Deutschland.
B. Schale mit spiralen Höckern und Stacheln.
C. armatum Gf. Leitfossil für die Grenzschichten von Lias und Dogger
(Torulosus-Sch.). Mitteleuropa.
C. limaeforme Rö. Oxford und Kimmeridge. Mitteleuropa.
C. provinciale d’Orb. Unteres Senon (Hippuritenkreide).
Südfrankreich. Salzkammergut.
C. funatum Mant. (= variabile Desh.). Untereocän. Pariser und
Londoner Becken, oft ganze Bänke füllend.
C. giganteum Lmk. Mitteleocän. Nord- und Südfrankreich, Belgien,
England. Erreicht eine Grösse von 0,5 m.
C. serratum Brug. (Fig. 364). Mittel- und Obereocän. Pariser Becken.
C. cristatum Lmk. Mittel- und Obereocän. Frankreich, England,
Ungarn.
C. Diaboli Brgt. Obereocän. Westschweiz, Vicentin.
C. pseudomargaritaceum Brocc. }
} Oligocän. Mitteleuropa.
C. Lamarcki Brgt. }
C. plicatum Bart. (Fig. 366). Oligocän und Miocän. Mitteleuropa.
Untermiocäner »Cerithienkalk« des Mainzer Beckens.
C. margaritaceum Brocc. (Fig. 365) }
} Miocän. Mitteleuropa.
C. lignitarum Eichw. }
C. pictum Bast. } Obermiocän. Mitteleuropa.
} »Cerithienschichten« der sarmatischen
C. rubiginosum Eichw. } Stufe.
C. vulgatum Brug. Pliocän -- Lebend. Mitteleuropa.
[Illustration: Fig. 363. Cerithium nudum Lmk. Mitteleocän. Chaumont,
Pariser Becken.]
[Illustration: Fig. 364. Cerithium serratum Brug. Mitteleocän
(Grobkalk). Damery, Champagne.]
[Illustration: Fig. 365. Cerithium margaritaceum Brocc. Untermiocän.
Nonndorf, Wiener Becken. a = verdickte Aussenlippe; i = umgeschlagene
Innenlippe; f = Spindelfalten; c = unterer Canal; e = obere Rinne der
Mündung.]
[Illustration: Fig. 366. Cerithium plicatum Bast. Oligocän. Ormoy,
Pariser Becken.]
B. Alata.
Da die Gehäuse der beiden wichtigsten hierher gehörigen Familien, der
Aporrhaidae und Strombidae, durch kein constantes Merkmal unterschieden
sind, so führen wir nur einige wichtige Vertreter beider Familien
ungesondert auf. Jura -- Gegenwart.
Rostellaria Lmk. (Fig. 367, 368). Schale mit hohem Gewinde, glatt oder
verziert. Mündung länglich, nach unten in einen kurzen Canal (Fig. 367
c), nach oben in eine, oft über die Spitze hinausreichende Rinne (Fig.
367 r) verlängert. Aussenlippe (a) mehr oder weniger ausgebreitet, oft
sehr gross (Fig. 368), aber nicht fingerförmig verzweigt, höchstens
gezackt; an ihrem unteren Ende mit kurzem Ausschnitte (Fig. 367 b)
versehen. Von der Kreide bis zur Gegenwart, hauptsächlich im Eocän.
R. fissurella Lmk. (Fig. 367). Eocän. England, Frankreich, Belgien,
Aegypten, Armenien, Ostindien.
R. macroptera Lmk. (Fig. 368). Mitteleocän. Frankreich, England,
Belgien.
[Illustration: Fig. 367. Rostellaria fissurella Lmk. Mitteleocän
(Grobkalk). Pariser Becken. a = Aussenlippe; b = Ausschnitt derselben;
i = Innenlippe; c = unterer Canal; r-r = obere Rinne.]
[Illustration: Fig. 368. Rostellaria macroptera Lmk. Mitteleocän
(Grobkalk). Pariser Becken. Der Ausschnitt am unteren Ende der
Aussenlippe ist nicht deutlich.]
Strombus Lin. Gewinde meist niedriger als bei Rostellaria. Schale sehr
dick. Aussenlippe verdickt, einfach, seltener mit kurzen Fortsätzen.
Schalenoberfläche mit Knoten oder Stacheln. Kreide -- Gegenwart. Lebend
in den wärmeren Meeren.
Str. Fortisi Brgl. Obereocän. Vicentin.
Str. coronatus Dfr. Miocän und Pliocän. Mittel- und Südeuropa,
Nordafrica. Lebend. Indischer Ocean.
Pteroceras Link. (Fig. 369). Mündung unten in einen langen, gebogenen
Canal (c) verlängert. Aussenlippe in mehrere fingerförmige Fortsätze
(f₁-f₆) zertheilt, die auf dem letzten Umgange durch Spiralwülste
(f’) angedeutet sind. Der untere Ausschnitt der Aussenlippe fehlt den
fossilen Formen (b), weshalb dieselben vielleicht von den lebenden zu
trennen sind. Malm, Kreide, lebend nur in den tropischen Meeren.
Pt. Oceani Brgt. (Fig. 369). Leitfossil für das obere Kimmeridge
(»Pteroceras-Stufe«) in Norddeutschland, Frankreich und der Schweiz;
fehlt in Schwaben.
Pt. pelagi Brgt. Untere Kreide (Urgon). Frankreich, Nordalpen.
Aporrhais Dillw. (= Chenopus). Von Rostellaria durch die meist
gefingerte Aussenlippe und die schwielige Innenlippe unterschieden.
Canal meist kurz. Jura -- Gegenwart.
A. Parkinsoni Sow. sp. Gault. England, Frankreich.
A. Reussi Gein. Obere Kreide. Mitteleuropa.
A. tridactylus A. Br. Oligocän. Deutschland.
A. pes pelecani Phill. Miocän -- Lebend. Europa.
Alaria Morr. & Lyc. (Fig. 370). Von der vorigen Gattung durch das
Fehlen des vorderen Ausschnittes der Aussenlippe und der hinteren Rinne
unterschieden. Schale oft stachelig. Canal meist lang, oft gebogen (c).
Innenlippe selten verdickt. Auf Jura und Kreide beschränkt und daselbst
ziemlich häufig.
[Illustration: Fig. 369. Pteroceras Oceani Brgt. Oberes Kimmeridge
(Pteroceras-Sch.). Lindener Berg b. Hannover. Schale von hinten
gesehen. f’ = Spiralwülste des letzten Umganges, die sich in die
fingerförmigen Fortsätze der Aussenlippe (f₁-f₆) verlängern; c = der
geschwungene Canal; b = die Stelle, an welcher sich bei den lebenden
Formen der Ausschnitt findet.]
[Illustration: Fig. 370. Alaria laevigata Morr. & Lyc. Oberer Dogger.
Frankreich. c = Canal; a = Aussenlippe; f, f’ = die fingerförmigen
Verlängerungen derselben.]
A. subpunctata Mnstr. Unterer Dogger (Opalinus-Sch.). Mitteleuropa.
A. laevigata Morr. & Lyc. (Fig. 370). Oberer Dogger. England,
Frankreich.
A. bicarinata Mnstr. Oxford und Kimmeridge. Mitteleuropa.
A. carinata Mant. sp. Gault. England.
C. Canalifera.
Die Schalen der hierher gehörigen Formen besitzen zumeist ein
niedriges, seltener mässig erhöhtes Gewinde. Der Canal ist meist kurz,
die Aussenlippe einfach. Häufig im Tertiär und in der Gegenwart, selten
in der Kreide.
[Illustration: Fig. 371. Cassis cancellata Lmk. Mitteleocän. Pariser
Becken. Links: von vorn. Rechts: von hinten, die umgeschlagene
Aussenlippe und den aufgebogenen Canal zeigend.]
Cassis Lmk. (Fig. 371). Schale eiförmig, mit kurzem Gewinde, glatt
oder verziert. Innenlippe umgeschlagen, meist gefaltet oder gekörnelt.
Aussenlippe verdickt und zurückgeschlagen. Canal kurz, aufgebogen.
Tertiär und Lebend, häufig im Neogen.
C. cancellata Lmk. (Fig. 371). Mitteleocän. Pariser Becken.
C. saburon Lmk. Miocän -- Lebend. Mittel- und Südeuropa.
Tritonium Link. (Fig. 372). Schale mehr oder weniger verlängert,
ei- bis spindelförmig. Umgänge mit entfernt stehenden, nicht
zusammenhängenden Querwülsten versehen. Selten in der Kreide, häufig im
Tertiär; zahlreiche lebende Formen.
T. flandricum d. Kon. (Fig. 372). Mittel-, seltener Oberoligocän.
Nordfrankreich, Belgien, Deutschland.
T. corrugatum Lmk. Miocän -- Lebend. Mittel- und Südeuropa.
[Illustration: Fig. 372. Tritonium flandricum d. Kon. Mitteloligocän.
Weinheim, Mainzer Becken.]
C. Rachiglossa (Schmalzüngler).
Die hierher gehörigen Formen sind ausschliesslich Meeresbewohner. Ihre
Schalen zeichnen sich wie diejenigen der Siphonostomata (p. 324) und
die der Toxoglossa (p. 333) durch einen unteren Ausguss oder Canal der
Mündung aus. Sie fehlen den paläozoischen Formationen; im Mesozoicum
spärlich vertreten, erlangen sie ihre hauptsächliche Entwickelung in
der Tertiärperiode und der Gegenwart.
Die wichtigsten Familien unterscheiden sich wie folgt:
a. Mündung mit Ausguss oder kurzem Canal.
1. Spindel glatt (Fig. 373, 374)
Buccinidae.
2. Spindel mit Falten aber ohne Spindelschwiele (Fig. 375)
Volutidae.
3. Spindel schwielig und gefaltet (Fig. 376)
Olividae.
b. Mündung mit mehr oder weniger verlängertem Canal.
4. Schale in der Regel ohne Querwülste (Fig. 377-379)
Fusidae.
5. Schale mit faltigen oder dornigen Querwülsten (Fig. 380)
Muricidae.
1. Fam. Buccinidae.
Buccinum Lin. (Fig. 373). Schale eiförmig oder länglich, mit mässig
verlängertem Gewinde. Mündung mit kurzem aber weitem Ausguss.
Innenlippe ausgebreitet, aber nicht schwielig. Aussenlippe innen glatt.
Kreide, Tertiär und Lebend.
B. Andrei Bast. Eocän -- Miocän. Frankreich.
B. cassidaria A. Br. (Fig. 373). Leitfossil für das Oberoligocän
(Cyrenenmergel) des Mainzer Beckens.
B. polygonum Brocch. Miocän und Pliocän. Mittel- und Südeuropa.
B. undatum Lin. Pliocän -- Lebend. Nordeuropa. Diluvial. Südeuropa.
[Illustration: Fig. 373. Buccinum cassidaria A. Br. Oberoligocän
(Cyrenenmergel). Mainzer Becken.]
[Illustration: Fig. 374. Nassa semistriata Brocc. sp. Miocän. Wiener
Becken. i = Innenlippe; c = Canal; a = Aussenlippe, die inneren
Streifen derselben viel zu zahlreich und fein gezeichnet.]
Nassa Mart. (Fig. 374). Von Buccinum durch den etwas zurückgebogenen
Canal (c), die oben schwielige Innenlippe (i) und die innerlich
gestreifte Aussenlippe (a) unterschieden. Von der Kreide an, häufig
erst seit dem Miocän.
N. semistriata Brocc. sp. (Fig. 374). }
} Miocän -- Lebend. Europa.
N. reticulata Lin. sp. }
N. reticosa Sow. sp. Leitfossil für das Pliocän in England und
Belgien.
N. prismatica Brocc. Pliocän. Südeuropa.
2. Fam. Volutidae.
Voluta Lin. (Fig. 375). Letzte Windung sehr hoch, Gewinde relativ kurz.
Spindel, zuweilen auch Innenlippe mit Falten. Mündung verlängert.
Oberfläche glatt oder mannigfaltig verziert. Bereits in der Kreide
häufig, zahlreiche Arten im Eocän. Lebend in den tropischen Meeren.
V. elongata d’Orb. Turon und Senon. Mitteleuropa.
V. elevata Sow. Untereocän. England, Frankreich.
V. spinosa Lmk. (Fig. 375). Mitteleocän. England, Frankreich,
Belgien, Ungarn.
V. harpula Lmk. Mitteleocän. Mitteleuropa.
V. cithara Lmk. Eocän. England, Frankreich, Indien.
V. Rathieri Héb. Oligocän. England, Frankreich, Belgien,
Deutschland.
V. rarispina Lmk. Miocän, seltener Pliocän. Mittel- und Südeuropa.
V. Lamberti Sow. Pliocän (Crag). England.
[Illustration: Fig. 375. Voluta spinosa Lmk. Mitteleocän (Grobkalk).
Pariser Becken. f = Spindelfalten; c = Canal.]
3. Fam. Olividae.
Ancillaria Lmk. (Fig. 376). Gehäuse eiförmig, dickschalig, glatt.
Gewinde kurz. Spindel gedreht, mit dicker, das Gewinde z. Th.
bedeckender Schwiele. Aussenlippe scharf. Obere Kreide -- Gegenwart.
A. buccinoides Lmk. Eocän. England, Frankreich, Belgien.
A. canalifera Lmk. Eocän, auch Oligocän und Miocän. Europa.
A. glandiformis Lmk. (Fig. 376). Oligocän -- Pliocän, hauptsächlich
Miocän. Mittel- und Südeuropa.
[Illustration: Fig. 376. Ancillaria glandiformis Lmk. Miocän.
Steinabrunn, Wiener Becken.]
[Illustration: Fig. 377. Fusus bulbiformis Lmk. Mitteleocän (Grobkalk).
Pariser Becken.]
4. Fam. Fusidae.
Fusus Lmk. (Fig. 377-379). Gehäuse spindelförmig. Mündung in einen
Canal verlängert. Spindel in der Regel ohne Falten oder dieselben sind,
wenn vorhanden, an der Mündung nicht sichtbar. Schale mannigfaltig
verziert oder glatt, ohne Querwülste. Vielleicht schon in der Trias,
nicht selten in der Kreide, häufig im Tertiär, Lebend in den wärmeren
Meeren.
F. longaevus Lmk. Unter- und Mitteleocän. Mittel- und Südeuropa.
F. bulbiformis Lmk. (Fig. 377). Eocän. England, Belgien, Frankreich.
F. Noae Lmk. Mittel- und Obereocän. Mittel- und Südeuropa.
F. multisulcatus Nyst. Mitteloligocän. Mitteleuropa.
F. Burdigalensis Bast. sp. Untermiocän. Touraine, Wiener Becken.
F. longirostris Brocc. sp. (Fig. 378). Miocän und Pliocän. Mittel-
und Südeuropa.
F. corneus Lin. sp. Pliocän -- Lebend. Südeuropa.
Eine Gruppe nordischer Fusus-Arten (von manchen Autoren zu Trophon
gestellt) zeichnet sich durch stark gewölbte Umgänge und kurzen Canal
(Fig. 379) aus:
F. antiquus Müll. sp., wenn links gewunden, als F. contrarius Gmel.
sp. (Fig. 379) bezeichnet, findet sich vom Pliocän (Crag) bis zur
Gegenwart in Nordeuropa, diluvial auch auf Sicilien.
5. Fam. Muricidae.
Murex Lin. (Fig. 380). Schale mit verlängertem, vorn fast geschlossenem
Canal. Oberfläche mit Querwülsten oder statt derselben mit queren
Stachel- oder Knotenreihen. Innenlippe glatt, Aussenlippe verdickt.
Selten in der oberen Kreide, häufig im Tertiär und in der Gegenwart.
M. tricarinatus Link. (Fig. 380). Mitteleocän. England, Frankreich,
Vicentin.
M. Deshayesi Duch. Oligocän. England, Frankreich, Belgien,
Deutschland.
M. cristatus Brocc. Miocän und Pliocän. Mittel- und Südeuropa.
Lebend im Mittelmeer.
M. erinaceus L. Miocän -- Lebend. Europa.
[Illustration: Fig. 378. Fusus longirostris Brocc. sp. Miocän. Wiener
Becken.]
[Illustration: Fig. 379. Fusus antiquus Müll. sp. Pliocän (Crag).
England. Links gewunden. a = Aussen-, i = Innenlippe; c =
Mündungscanal.]
[Illustration: Fig. 380. Murex tricarinatus Lmk. Mitteleocän
(Grobkalk). Damery. Champagne.]
D. Toxoglossa (Pfeilzüngler).
Ausschliesslich marine, fleischfressende Schnecken. Mündung mit Ausguss
oder Canal. Sie erscheinen in spärlichen Vertretern in der Kreide, sind
aber im Tertiär und in der Gegenwart sehr häufig. Nur 2 Familien sind
wichtig.
1. Fam. Pleurotomidae.
Schale spindelförmig; Mündung mit meist langem Canal. Aussenlippe oben
mit Einbuchtung. Nahezu 1000 fossile und ca. 600 lebende Formen.
Pleurotoma Lmk. (Fig. 381, 382). Gewinde hoch. Letzter Umgang bald
höher, bald niedriger als das Gewinde. Mündung verlängert, mit
längerem oder kürzerem Canal. Innenlippe zuweilen mit wenigen
Falten. Aussenlippe oben mit mehr oder weniger tiefer Ausbuchtung.
Oberfläche meist verziert. In der Kreide selten, im Eogen sehr häufig;
Maximalentwickelung im Neogen. Lebend besonders in den wärmeren Meeren
häufig.
Pl. prisca Sow. Mittel- und Obereocän. England, Frankreich,
Vicentin.
Pl. plicata Lmk. Eocän. England, Frankreich.
Pl. filosa Lmk. Mitteleocän. Pariser Becken.
Pl. Selysii d. Kon. }
} Oligocän. Belgien, Deutschland.
Pl. Koninckii Nyst. }
Pl. Belgica Mnstr. (Fig. 384). } Oligocän. Frankreich, Belgien,
Pl. Duchasteli Nyst. } Deutschland.
Pl. laticlavia Beyr. }
Pl. cataphracta Brocc. sp. (Fig. 382). } Miocän. Mittel- und
Pl. asperulata Lmk. } Südeuropa.
Pl. rotata Brocc. sp. Miocän und Pliocän. Mittel- und Südeuropa.
Pl. turricula Brocc. sp. Miocän und Pliocän. Europa. Diluvial und
Lebend. Nordeuropa.
[Illustration: Fig. 381. Pleurotoma Belgica Mnstr. Mitteloligocän.
Weinheim, Mainzer Becken.]
[Illustration: Fig. 382. Pleurotoma cataphracta Brocc. sp. Miocän.
Baden, Wiener Becken.]
[Illustration: Fig. 383. Conus ponderosus Brocc. Miocän. Lapugy,
Siebenbürgen.]
2. Fam. Conidae.
Die Schale besitzt die Gestalt eines verkehrten Kegels oder eines
Doppelkegels. Gewinde kurz. Mündung lang und schmal, mit kurzem Ausguss.
Conus Lin. (Fig. 383). Schale unverziert oder am oberen Rande der
Windungen Höcker tragend. Aussenlippe oben zuweilen mit Einschnitt wie
Pleurotoma. Falten fehlen. Die Schale ist meist auffallend gefärbt; die
Zeichnungen bei fossilen zuweilen erhalten. Die Gattung erscheint in
der Kreide, wird aber erst im Neogen häufig. Ueber 500 lebende Arten in
den wärmeren Meeren.
C. deperditus Brug. Mitteleocän. England, Frankreich, Belgien,
Armenien.
C. ponderosus Brocc. (Fig. 383). } Miocän und Pliocän. Mittel- und
C. antediluvianus Brug. } Südeuropa.
5. Unterordnung Neurobranchiata.
Die Netzkiemer besitzen eine spiral gewundene, fast ausnahmslos
gedeckelte Schale. Die Mündung ist meist kreisrund, der Mundsaum
zusammenhängend. Sie athmen durch Lungen und leben ausschliesslich auf
dem Lande. Fossil seit der Kreide bekannt, im Tertiär durch eine Anzahl
wichtiger Formen vertreten. Die zahlreichen lebenden Formen finden sich
zumeist in den Tropen.
Cyclostoma Lmk. (Fig. 384, 385). Schale scheiben- bis thurmförmig,
meist mit Spiralstreifen verziert. Mündung rund, ihre Ränder nicht
unterbrochen. Deckel hornig oder kalkig. Selten in der Kreide, häufiger
im Tertiär; zahlreiche lebende Arten, die sich auf eine grosse Reihe
von Untergattungen vertheilen.
C. Sandbergeri Noul. Mitteleocän. Südfrankreich, Oberrhein.
C. mumia Lmk. (Fig. 385). Mittel-und Obereocän. Frankreich,
Oberrhein. Unteroligocän. England.
C. antiquum Brgt. Mittelmiocän. SW.-Deutschland, Frankreich.
C. bisulcatum Ziet. (Fig. 384). Untermiocän. Süddeutschland.
C. pupa A. Br. Untermiocän. Mainzer Becken.
C. Larteti Noul. Obermiocän. Frankreich, Süddeutschland.
C. elegans Link. Diluvial und Lebend. Mittel- und Südeuropa.
[Illustration: Fig. 384. Cyclostoma bisulcatum Ziet. Miocän. Ermingen
b. Ulm. Schale mit erhaltenem Deckel.]
[Illustration: Fig. 385. Cyclostoma mumia Lmk. Obereocän. Pariser
Becken. Links: von vorn. Rechts: von hinten. (NB. Die Mündung ist
fälschlich oval statt kreisrund gezeichnet.)]
[Illustration: Fig. 386. Strophostoma anomomphalus Sdb. Oligocän.
Arnegg b. Ulm. Oben: Schale umgekehrt von vorn. Unten: Schale von oben.]
Als Strophostoma Desh. (Fig. 386) werden niedrige Schalen mit nach oben
gekehrter Mündung bezeichnet, die von der oberen Kreide bis ins Miocän
reichen.
Str. anomomphalus Sdb. (Fig. 386). Oligocän. Mainzer Becken,
Schwaben.
Str. tricarinatum A. Br. Untermiocän. Mainzer Becken.
4. Ordnung Pulmonata (Lungenschnecken).
Durch Lungen athmende, nackte oder beschalte Schnecken, welche meist
auf dem Lande, z. Th. auch im Süsswasser, aber nur sehr selten im
Meerwasser leben. Die Schalen sind meist spiral aufgerollt, seltener
napfförmig. Perlmutterschicht und Deckel fehlen denselben. Verzierungen
der Schalenoberfläche finden sich -- von Anwachsstreifen und
Farbenzeichnungen abgesehen -- äusserst selten. Die Mündung verlängert
sich nie in einen Ausschnitt oder Canal.
Fossile Vertreter dieser Ordnung kennt man schon aus der
Steinkohlenformation, aber erst von der oberen Kreide an werden sie
einigermaassen häufig und erlangen für die Tertiärperiode grosse
Wichtigkeit als Leitfossilien der Süsswasserbildungen. Ca. 6000 lebende
Arten bekannt.
Eintheilung der Pulmonata.
1. Unterordnung Basommatophora. Die Augen liegen am Grunde der nicht
einstülpbaren Fühler. Fast ausschliesslich Wasserbewohner. Schalen
meist entwickelt.
2. Unterordnung Stylommatophora. Die Augen stehen auf den Spitzen
der beiden, in der Regel einstülpbaren Fühler. Nackte oder beschalte
Landbewohner.
1. Unterordnung Basommatophora.
Von paläontologischer Wichtigkeit ist nur die eine, ausschliesslich
Süsswasserbewohner enthaltende, fossil vom Jura an bekannte
Fam. Limnaeidae.
Limnaeus Drap. (Fig. 387). Sehr dünnschalige, durchscheinende Gehäuse
mit spitzem Gewinde. Letzter Umgang sehr hoch. Mündung gross, eiförmig.
Aussenlippe scharf, zuweilen ausgebreitet. Spindel schwach gedreht, oft
mit undeutlicher Falte. Vom Jura an, häufig im Tertiär, Lebend gegen
100 Arten in sumpfigen Gewässern der nördlichen gemässigten Zone.
L. Michelini Desh. Mitteleocän. Frankreich, Elsass.
L. longiscatus Brgt. Obereocän. England, Frankreich, Schweiz.
L. pachygaster Thom. (Fig. 387). Untermiocän. Süddeutschland,
Böhmen, Frankreich.
L. dilatatus Noul. Obermiocän. Süddeutschland, Schweiz, Frankreich.
L. socialis Schübl. Obermiocän. Steinheim in Württemberg.
L. palustris Müll. (= fragilis Lin. sp.) }
L. ovatus Drp. } Diluvial -- Lebend.
L. stagnalis Lin. sp. } Europa.
Die linksgewundenen, z. Th. recht grossen Formen werden als Physa
Drap. unterschieden. Oberer Jura -- Gegenwart.
Ph. Wealdiensis Coqu. Oberer Malm (Purbeck). England, Westschweiz.
Ph. gigantea Michaud. Untereocän. Frankreich.
Ph. fontinalis Lin. sp. Diluvial und Lebend. Mitteleuropa.
[Illustration: Fig. 387. Limnaeus pachygaster Thom. Untermiocän.
Mörsingen bei Ulm.]
[Illustration: Fig. 388. Planorbis euomphalus Sow. Unteroligocän.
England. Oben: von vorn. Unten: von oben.]
[Illustration: Fig. 389. Planorbis cornu Brgt. Obermiocän. Mundingen,
Württemberg. Links: von vorn. Rechts: von oben.]
Planorbis Guett. (Fig. 388, 389). Schale in der Regel scheibenförmig,
selten conisch; die Umgänge meist nur von oben und unten, aber nicht
von der Seite sichtbar. Oberfläche glatt, zuweilen mit spiralen Kielen
oder Furchen. Mündung rund, oval oder eckig. Aussenlippe scharf,
zuweilen umgeschlagen. Vom Jura an, häufig im Tertiär und in der
Gegenwart (in der gemässigten Zone der nördlichen Halbkugel).
Pl. Loryi Coqu. Purbeck. Westschweizer Jura.
Pl. pseudammonius Schl. sp. Leitfossil für die Süsswasserbildungen
des Mitteleocäns in Frankreich und am Oberrhein.
Pl. goniobasis Sdbg. Obereocän. England, Frankreich, Schweiz.
Pl. euomphalus Sow. (Fig. 388). Unteroligocän. England.
Pl. cornu Brgt. (Fig. 389). Oligocän, besonders Miocän.
Mitteleuropa. Pliocän. Südosteuropa.
Pl. declivis A. Br. Miocän. Mitteleuropa. Pliocän. Südosteuropa.
Pl. laevis Kl. Obermiocän. Süddeutschland, Schweiz.
Pl. multiformis Br. sp. Berühmt durch seine zahlreichen, durch
Uebergänge verknüpften Mutationen. Gesteinbildend im obermiocänen
Süsswasserkalke von Steinheim bei Heidenheim auf der schwäbischen Alp.
Pl. corneus Lin. sp. }
} Pliocän -- Gegenwart. Europa.
Pl. umbilicatus Lin. sp. }
2. Unterordnung Stylommatophora.
Fast ausschliesslich Landschnecken. Gehäuse meist spiral, selten
fehlend, oft verkrümmt. Bereits aus der Steinkohlenformation bekannt,
im Tertiär und in der Gegenwart sehr häufig. Wichtig ist nur die
Fam. Helicidae.
Schale äusserlich, wohl entwickelt, spiral. Gegen 5000 lebende und fast
500 fossile Arten bekannt.
Helix Lin. (Fig. 390). Schale scheibenförmig bis niedrig-kegelförmig,
oft kugelig, etwa so breit wie hoch, ungenabelt (B n), seltener
genabelt. Mündung breiter als hoch, schief abwärts gebogen (Fig. A),
halbmondförmig oder rundlich. Die Innenlippe wird durch den vorletzten
Umgang unterbrochen (B i). Aussenlippe (a) scharf oder umgeschlagen,
oft lippenartig verdickt. Gleiche oder ganz ähnliche Schalen besitzen
die verwandten Gattungen Zonites, Hyalina etc.
Echte Helices kennt man erst seit der Eocänzeit; als wichtige
Leitfossilien treten sie im Miocän auf (Helicitenmergel des
Obermiocän). Man hat gegen 1000 Untergattungen unterschieden. Lebend in
etwa 3000 Arten über die ganze Erde verbreitet.
H. Arnouldi Mich. Untereocän. Frankreich.
H. occlusa Edw. Untereocän -- Oligocän. England. Oberrhein.
H. Girondica Noul. Untermiocän. Südfrankreich, Mainzer Becken.
H. rugulosa Mart. Untermiocän (»Rugulosakalk«). Süddeutschland,
Schweiz.
H. osculum Thom. Untermiocän. Böhmen, Steyermark, Süddeutschland.
H. Ramondi Brgt. Oberoligocän und Untermiocän. Süddeutschland,
Schweiz, Frankreich, Piemont.
H. deflexa A. Br. (Fig. 390). Untermiocän. Mainzer Becken, Schweiz.
H. oxystoma Thom. Untermiocän. Süddeutschland, Frankreich.
H. Moguntina Desh. Untermiocän. Mainzer Becken.
H. Larteti Boiss. Miocän. Wiener Becken, Schweiz, Frankreich.
H. involuta Thom. Miocän. Böhmen, Süddeutschland, Frankreich.
H. sylvana Kl. } Obermiocän. Süddeutschland, Schweiz.
H. inflexa Kl. } (»Sylvanakalk«.)
H. insignis Schbl. Obermiocän. Steinheim, Hegau.
H. arbustorum Lin. }
} Oberpliocän -- Lebend. Europa.
H. hispida Lin. }
H. fruticum Müll. Diluvium und Lebend. Europa.
[Illustration: Fig. 390. Helix deflexa A. Br. Untermiocän
(Landschneckenkalk). Hochheim, Mainzer Becken. A Schale von vorn, B von
unten. a = die umgeschlagene Aussenlippe; m = abwärts gebogene Mündung,
den durch den vorletzten Umgang (i) unterbrochenen Mundsaum zeigend;
Nabel fehlt (n).]
[Illustration: Fig. 391. Zonites subverticillus Sdbg. Untermiocän.
Thalfingen, Württemberg. A von vorn, B von unten. a = scharfrandige
Aussenlippe; m = Mündung, nicht abwärts gebogen; n = Nabel.]
Zonites Mtf. (Fig. 391) unterscheidet sich durch den nie fehlenden
Nabel der Schale und die nicht abwärts gebogene Mündung.
Z. priscus Carp. Steinkohlenformation. Neuschottland.
Z. subverticillus Sdbg. Untermiocän. Süddeutschland.
Z. Haidingeri Rss. sp. Untermiocän. Mainzer Becken.
Z. verticillus Fér. sp. Diluvial. Norddeutschland. Lebend. Oestliche
Alpenländer.
Clausilia Drap. (Fig. 392). Die Schale ist in der Regel links gewunden,
von spindelförmiger Gestalt und besteht aus zahlreichen niedrigen,
meist durch Anwachsstreifen verzierten Windungen. Der letzte Umgang
tritt nicht über den vorletzten hinaus. Mündung oval, oben verengert,
mit mindestens 2, meist aber mehr Lamellen auf der Innenlippe (o,
a’) und einer oder mehreren Falten (c, s) auf der Aussenlippe (a).
Mundränder zusammenhängend. Bei zurückgezogenem Thiere wird die Mündung
meist durch ein ovales oder zungenförmiges, an der Spindel befestigtes
Schliessknöchelchen (Clausilium -- B) verschlossen. Eocän -- Lebend. Im
Tertiär in zahlreichen, aber seltenen und wenig verbreiteten Arten.
Cl. antiqua Schbl. Untermiocän. Schwaben.
Cl. bulimoides A. Br. (Fig. 392 A). Mittelmiocän (Hydrobienkalk).
Mainzer Becken.
Cl. grandis Kl. Obermiocän. Süddeutschland, Schweiz.
Cl. parvula Stud. Diluvial und Lebend. Mitteleuropa.
[Illustration: Fig. 392. A Clausilia bulimoides A. Br. Miocän
(Hydrobienkalk). Mainzer Becken. a = Aussenlippe; o = Oberlamelle; a’ =
Unterlamelle; c = Spindelfalte; s = Gaumenfalte. B Schliessknöchelchen
(Clausilium) einer lebenden Art.]
[Illustration: Fig. 393. Pupa muscorum Lin. sp. Diluvialer Kalktuff.
Cannstatt, Württemberg. z = zahnartiger Höcker auf der Mündungswand.]
[Illustration: Fig. 394. Succinea putris Lin. sp. Diluvialsand. Mosbach
unweit Wiesbaden.]
Pupa (Fig. 393). Die Schale ist durchgängig kleiner als bei Clausilia,
walzenförmig und in der Regel rechts gewunden. Letzte Windung
zurücktretend. Mündung mit oder ohne Falten. Clausilium fehlt. Beginnt
in der Steinkohlenformation; zahlreiche tertiäre und gegen 250 lebende
Arten.
P. vetusta Daws. Steinkohlenformation. Neuschottland.
P. lineolata A. Br. sp. Untermiocän. Frankreich, Mainzer Becken,
Böhmen.
P. muscorum Lin. sp. (Fig. 393). Pliocän -- Lebend, sehr häufig im
Löss. Mitteleuropa.
P. columella v. Mart. Diluvial. Europa.
Succinea Drap. (Fig. 394). Schale dünn, mit wenigen, rasch anwachsenden
Windungen und grosser letzter Windung, von der ähnlichen Gattung
Limnaeus durch die nicht gedrehte Spindel unterschieden. Tertiär und
Lebend (an feuchten, seltener an trockenen Orten).
S. oblonga Drap. } Diluvial und Lebend. Europa,
S. putris Lin. sp. (Fig. 394). } Sibirien.
Geologische Verbreitung der Gastropoda.
Da die Einreihung der fossilen Gastropoden in das System der lebenden
aus bereits (p. 302) erörterten Gründen vielfach mit grossen
Schwierigkeiten verknüpft ist, da ferner ihre horizontale Verbreitung
meist eine relativ geringe, ihre verticale oft eine ziemlich grosse
ist, so bietet diese Ordnung im Allgemeinen ein geringeres Interesse
für die Paläontologie und Geologie, als die übrigen Ordnungen der
Weichthiere. Nur wenige, kurzlebige Familien oder Gattungen wie
Maclurea, Bellerophon, Fam. Nerineidae etc. machen in dieser Hinsicht
eine Ausnahme.
Schon im Cambrium tritt uns eine Reihe verschiedener Formen
entgegen, die hauptsächlich den Unterordnungen der Prosobranchiata
und Ctenobranchiata und zwar unter letzteren ausschliesslich den
Ptenoglossa und Taenioglossa holostomata angehören.
Im Paläozoicum überhaupt überwiegen Vertreter der Familien der
Pleurotomariidae, Bellerophontidae, Solaridae, Capulidae, Naticidae
und Pseudomelanidae. Einige derselben wie die Pleurotomariidae und
Pseudomelanidae setzen in das Mesozoicum mit unverminderter, andere
wie die Naticidae sogar mit vermehrter Formenmannigfaltigkeit fort;
die Bellerophontidae verschwinden mit dem Schlusse des paläozoischen
Zeitalters fast gänzlich.
Unter den im Mesozoicum neu hinzutretenden Familien und Gattungen sind
vor allem die Nerineidae, ferner die Gattung Alaria, weil jünger nicht
mehr vorhanden, zu erwähnen. Trochidae, Neritidae, Turritellidae und
Cerithidae gehören zu den häufigen und verbreitetsten Formen, obgleich
sie meist erst in känozoischen Bildungen ihre Maximalentwickelung
erreichen. Die meisten Taenioglossa alata, die T. canalifera sowie
die Rachioglossa und Toxoglossa, also die mit Canal versehenen und
fleischfressenden Schnecken werden erst in der Kreideformation
einigermaassen häufig, um in der Tertiärzeit und Gegenwart sich zu
einem sehr grossen Formenreichthum zu entwickeln.
Das Känozoicum zeichnet sich durch das gänzliche Zurücktreten
der Pleurotomaridae und Pseudomelanidae sowie durch das starke
Hervortreten der mit Canal versehenen Formen und der schon in der
Steinkohlenformation vorhandenen, aber erst im Tertiär häufig werdenden
Pulmonata aus. Gewisse Gattungen erscheinen in zahllosen Individuen,
ja geradezu gesteinsbildend, so Cerithium in sandigen und kalkigen,
Pleurotoma in thonigen Schichten.
Die geologische Verbreitung der wichtigsten Gattungen ist aus
nachstehender Tabelle ersichtlich:
+-----------------------------+---+---+---+---+---+---+---+---+---+---+
| | C | S | D | S | P | T | J | K | T | G |
| | a | i | e | t | e | r | u | r | e | e |
| | m | l | v | e | r | i | r | e | r | g |
| | b | u | o | i | m | a | a | i | t | e |
| | r | r | n | n | | s | | d | i | n |
| | i | | | k | | | | e | ä | w |
| | u | | | o | | | | | r | a |
| | m | | | h | | | | | | r |
| | | | | l | | | | | | t |
| | | | | e | | | | | | |
| | | | | n | | | | | | |
| | | | | f | | | | | | |
| | | | | o | | | | | | |
| | | | | r | | | | | | |
| | | | | m | | | | | | |
| | | | | a | | | | | | |
| | | | | t | | | | | | |
| | | | | i | | | | | | |
| | | | | o | | | | | | |
| | | | | n | | | | | | |
+=============================+===+===+===+===+===+===+===+===+===+===+
|Opisthobranchiata | | | | | | | | | | |
| { Actaeonella | | | | | | | ? |-- | | |
| { Avellana | | | | | | | |-- | | |
|Prosobranchiata | | | | | | | | | | |
| { Pleurotomaria |...|-- |-- |-- |-- |-- |-- |-- |...|...|
| { Bellerophon |...|-- |-- |-- |-- | | | ? | | |
| { Turbo | |...|-- |-- |-- |-- |-- |-- |-- |-- |
| { Trochus | |...|...|...|...|-- |-- |-- |-- |-- |
| { Nerita | | | | | |-- |-- |-- |-- |-- |
| { Neritina | | | | | | |...|...|-- |-- |
|Ctenobranchiata | | | | | | | | | | |
| { Straparollus |...|-- |-- |-- |-- |-- |-- |-- | | |
|Ptenoglossa { Solarium | | | | | | | | |-- |-- |
| { ? Maclurea |-- |-- | | | | | | | | |
| { Turritella | | | | | |...|...|-- |-- |-- |
| { Capulus |-- |-- |-- |-- |...|...|...|...|...|...|
| { Natica | | | |...|...|...|-- |-- |-- |-- |
| { Naticella |...|...|...|...|...|...| | | | |
|Taenioglossa: { Naticopsis | |...|...| - |-- |-- | | | | |
|Holostomata { Paludina | | | | | | | |...|-- |-- |
| { Melania | | | | | | | |...|-- |-- |
| { Melanopsis | | | | | | | |...|-- |-- |
| { Chemnitzia | | | | | |-- |-- |-- |...| |
| { Macrocheilus| | |-- |-- |...|...| | | | |
|T. Entomostoma{ Nerinea | | | | | |-- |-- | | | |
| { Cerithium | | | | | |...|-- |-- |-- |-- |
| { Rostellaria | | | | | | | |-- |-- |-- |
| { Pterocera | | | | | | |-- |-- |...|...|
|T. Alata { Alaria | | | | | | |-- |-- | | |
| { Aporrhais | | | | | | |...|...|-- |-- |
|T. Canal. { Tritonium | | | | | | | |...|-- |-- |
| { Buccinum | | | | | | | |...|-- |-- |
|Rachioglossa { Voluta | | | | | | | |-- |-- |-- |
| { Fusus | | | | | | ? |...|-- |-- |-- |
| { Murex | | | | | | | |...|-- |-- |
|Toxoglossa { Pleurotoma | | | | | | | |...|-- |-- |
| { Conus | | | | | | | |...|-- |-- |
|Neurobranchiata | | | | | | | | | | |
| { Cyclostoma | | | | | | | |...|-- |-- |
|Pulmonata | | | | | | | | | | |
| { Limnaeus | | | | | | |...|...|-- |-- |
| { Planorbis | | | | | | |...|...|-- |-- |
| { Helix (Zonites) | | | |...| | | | |-- |-- |
| { Clausilia | | | | | | | | |-- |-- |
| { Pupa | | | |...| | | | |-- |-- |
+-----------------------------+---+---+---+---+---+--+----+---+---+---+
4. Klasse: Pteropoda (Flossenfüssler).
Der Fuss der Pteropoda ist zu einem Paare flügelförmiger Flossen
umgestaltet, mit Hülfe derer sie sich fortbewegen. Manche Pteropoden
(Ordn. Thecosomata) besitzen eine knorpelige, hornige oder kalkige,
aber stets sehr zarte Schale, welche meist eine mehr oder weniger
trichterförmige und zweiseitig-symmetrische, seltener schneckenförmig
gewundene Gestalt aufweist. Die Thiere leben ausschliesslich im
offenen Meere, wo sie Nachts in Schwärmen an der Oberfläche schwimmend
angetroffen werden. Die Schalen der abgestorbenen Thiere häufen sich
auf dem Meeresgrunde local an und bilden den sog. »Pteropodenschlamm«.
Fossil sind sie von geringer Wichtigkeit, da sie nur im jüngeren
Tertiär Mittel- und Südeuropas gelegentlich, dann aber oft in
zahlreichen Exemplaren angetroffen wurden, z. B. im Schlier.
Anhang: Conularida.
Litteratur über Conularida.
Barrande, J. Système silurien du centre de la Bohême. Vol. III.
Pteropodes. 1867.
Eine ausgestorbene, fast ausschliesslich paläozoische Gruppe von
unsicherer Stellung. Die allein bekannten Schalen besitzen eine
verkehrt pyramidale Gestalt (Fig. 395 A) und einen elliptischen (B),
quadratischen, rhombischen (D) oder gewölbt dreiseitigen Umriss. Die
Spitze der Schale ist in der Regel durch concave Scheidewände (E s’)
gekammert, die Mündung durch einen Deckel verschlossen oder durch die
umgeschlagenen Seiten der Schalen verengt (C). Die Schale besteht
entweder aus kohlensaurem Kalk oder aus phosphorsaurem Kalk und
horniger Substanz. Vom Cambrium an bekannt und in allen paläozoischen
Formationen ziemlich häufig, vereinzelt noch in der alpinen Trias,
angeblich auch noch im Lias. Zwei Gattungen sind besonders wichtig:
Conularia Mill. (Fig. 395). Schale meist gerade, verkehrt pyramidal,
von annähernd quadratischem (B) oder rhombischem (D) Querschnitt.
Die Ecken sind durch mehr oder minder tiefe und breite Furchen
(Kantenfurchen kf) der Schale ausgezeichnet. Auf jeder Seitenfläche ist
eine mittlere oder aus der Mitte gerückte Segmentallinie (sl) sichtbar,
welcher auf der Innenseite der Schale eine niedrige Segmentalleiste
(B l, D l) entspricht. An ihrer Stelle wird auf dem Steinkerne eine
Segmentalfurche (A sf) sichtbar. An gut erhaltenen Stücken zeigt sich
die Mündung durch die Umschläge der Seitenwände -- Mündungslappen
(C ml) verengt; die 4 Lappen sind aber durch Zwischenräume
(Mündungsfurchen C mf) getrennt. Die Spitze des Gehäuses ist durch
dünne, concave Scheidewände (E s’) gekammert; die Spitze selbst meist
abgegliedert. Die Oberflächenverzierung besteht aus feinen welligen (E
r) oder gröberen convexen (A r) Querrippen. Eine zarte Längsstreifung
bringt auf letzteren häufig eine Körnelung hervor. Die Schale ist dünn
und besteht z. Th. aus horniger Substanz, z. Th. aus phosphorsaurem
(milchweissem) Kalke. Die Schalen erreichen eine Grösse von fast 0,4
m. Vom Silur bis in die Steinkohlenformation häufig, selten im Perm
und in der Trias. Ca. 100 Arten. Sog. »Conularienschichten« finden
sich besonders häufig im Untersilur (D) in Böhmen und im Unter- resp.
Mitteldevon in Nordamerika und Bolivien.
C. pyramidata Hörn. Untersilur (Grès de May). Normandie.
C. anomala Barr. Untersilur. Böhmen.
C. acuta F. Rö. (Fig. 395 A, B). Devon. Europa, Bolivien.
C. Quichua Ulr. (Fig. 395 D, E). Devon. Bolivien.
C. quadrisulcata Sow. (Fig. 395 C). Subcarbon. Grossbritannien.
[Illustration: Fig. 395. Conularia. A, B C. acuta F. Rö. Devon
(Hamilton-Gr.?). Chahuarani, östl. Bolivien. A die unten abgebrochene
Schale gegen einer Seitenfläche gesehen; B dieselbe im Querschnitt.
s = Schale; st = Steinkern; kf = Kantenfurchen; sl = Segmentallinie
der Schale; sf = Segmentalfurchen des Steinkernes; r = Querrippen;
l = innere Segmentalleisten der Schale; dieselben verursachen die
Segmentalfurchen auf dem Steinkerne. C C. quadrisulcata Sow. Subcarbon.
Glasgow. Mündung von oben gesehen. ml = Mündungslappen, durch die
Mündungsfurchen (mf) getrennt; sl = Segmentallinien. D, E C. Quichua
Ulr. Devon. Bolivien. D Querschnitt der Schale. E unteres Ende der
plattgedrückten Schale, z. Th. aufgebrochen, gegen die Kante gesehen.
s, st, kf, sl, l, r = wie oben; s’ = Querscheidewände.]
Hyolithes Eichw. Schale aus kohlensaurem Kalke bestehend, dreikantig,
glatt oder fein gestreift. Mündung nicht verengt, aber an der einen
Seite ausgezogen, durch einen kalkigen, meist spiralen Deckel
verschlossen. Scheidewände wie bei Conularia vorhanden. Hauptsächlich
im Cambrium und Silur, seltener im Devon, nur noch vereinzelt in der
Steinkohlenformation und im Perm.
H. maximus Barr. (Leth. pal., t. 2, Fig. 9). Cambrium. Böhmen.
H. elegans Barr. Untersilur. Böhmen.
H. acutus Eichw. (Leth. pal., t. 5, Fig. 11). Untersilur.
Nordeuropa.
Die Conularida (Conularia, Hyolithes und einige andere, ausschliesslich
paläozoische Gattungen) werden von vielen Autoren zusammen mit
den Tentaculitidae (p. 115) an die Pteropoden angeschlossen. Eine
äusserliche Aehnlichkeit mit denselben, besonders durch zweiseitige
Symmetrie und verkehrt pyramidale Gestalt der Schale hervorgerufen,
kann wohl nicht geleugnet werden. Doch trennt eine bedeutende zeitliche
Kluft die geologisch alten Conularida von den erst seit der Tertiärzeit
bekannten und zart beschalten Pteropoden. Eine gleichzeitig hornige
und aus grossen Mengen phosphorsauren Kalkes bestehende Schalenmasse,
wie sie bei Conularia vorkommt, findet sich weder bei den Gastropoden
noch bei den Pteropoden, sondern nur bei fossilen Cephalopoden
(Chondrophora) und bei den niedrig organisirten Brachiopoden
(Ecardines). Gegen ihre Zurechnung zu den Cephalopoden wird wiederum
das Fehlen eines, die Scheidewände durchbrechenden Siphos angeführt.
5. Klasse: Cephalopoda (Kopffüssler).
Litteratur über Cephalopoden.
(Vgl. auch p. 228.)
Die vor den Titeln stehenden Buchstaben beziehen sich auf die in dem
betreffenden Werke vorzugsweise behandelten Ordnungen: N = Nautiloidea
(Tetrabranchiata), A = Ammonoidea, B = Belemnoidea. Die hinter den
Titeln befindlichen Buchstaben bezeichnen die Formationen: P =
Paläozoisch, T = Trias, J = Jura, K = Kreide.
N. Angelin. Fragmenta Silurica, ed. Lindström. Holm 1880. P.
AN. Barrande, J. Système silurien du centre de la Bohème. Vol. P.
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Cephalopoden d. älteren Tithonbildungen. (Pal. Mittheil.
aus d. Museum des bayr. Staates. II. 1868-70.)
Die heutigen Vertreter der Cephalopoden oder Kopffüssler sind von
den übrigen Weichthieren durch ihre im Allgemeinen viel höhere
Organisation, insbesondere durch die deutliche Sonderung des mit Armen
oder Fühlern besetzten Kopfes vom Leibe, sowie durch die Beschaffenheit
des Fusses unterschieden. Letzterer hat sich durch Zusammenrollen resp.
Verwachsung seiner seitlichen Ränder zu einem trichterförmigen Organ
umgebildet, aus welchem das durch die Mantelspalte eingedrungene und
zur Athmung verwendete Wasser sowie die Ausfuhrstoffe entleert werden.
Durch ruckweises Ausstossen des Wassers bewegt sich das Thier rasch
nach rückwärts. Die Muskelthätigkeit wird durch die Ausbildung eines
inneren Knorpelskelets, an welches die Muskeln sich z. Th. festheften,
wie es in analoger Weise nur bei den Wirbelthieren vorkommt, befördert.
Ursprünglich besassen wohl alle Cephalopoden eine äussere Schale,
wie die Schnecken und Muschelthiere, und waren in derselben durch
Schalenmuskeln befestigt. Im Verlaufe der Stammesentwickelung
aber haben die Schalen grossentheils tiefgreifende, bis zu ihrem
Verschwinden führende Veränderungen erfahren. Theils wurden die Schalen
vom Thiere umwachsen, mehr oder weniger vollständig in den Mantel
eingeschlossen und dadurch von äusseren Schutzorganen zu inneren
Stützorganen umgewandelt, theils lösten die Thiere ihre Muskeln aus
der Schale und streiften die Schale ab, sofern die Arme nicht zu
Haftorganen für dieselbe angepasst wurden. Heutzutage lebt nur noch
eine einzige Gattung, Nautilus, welche die ursprüngliche Anheftung des
Thieres in einer äusseren Schale sowie vielfache andere ursprüngliche
Organisationsverhältnisse beibehalten hat, obgleich in anderen
Beziehungen wohl auch mannigfache Umgestaltungen des Thieres Platz
gegriffen haben mögen. Diese Gattung vermag uns deshalb am besten eine
Vorstellung von der ursprünglichen Organisation des Thieres und von der
Beschaffenheit der Schale zu geben.
Das Thier befindet sich in dem äussersten Theile der spiral in einer
Ebene aufgerollten Kalkschale, der sog. Wohnkammer (Fig. 396 w). Der
übrige Theil der Schale ist mit Luft erfüllt und durch zahlreiche
quere, procöle Scheidewände oder Septen (s) in eine Anzahl von
Kammern (Luftkammern) zerlegt. Das hintere Ende des Weichkörpers
verlängert sich in ein häutiges, mit Blut erfülltes Organ, welches
als dünne Röhre alle Luftkammern bis zum Boden der ersten durchzieht,
den sog. Sipho (si). Da, wo der Sipho die Scheidewände durchbricht,
stülpen sich letztere nach hinten dütenförmig aus und bilden die sog.
Septaldüten, welche den Sipho eine kurze Strecke weit einschliessen.
Ausserdem scheidet der Sipho besonders dort, wo er nicht von den Düten
umschlossen ist, eine körnige, wenig zusammenhängende Kalkröhre aus
(Siphonalhülle). Die Scheidewände werden von der hinteren, zarten
Bildungshaut des Mantels (m) periodisch ausgeschieden; ebenso die Luft
der Luftkammern. Das Thier liegt längs einer breiten bandartigen Fläche
(Verwachsungsband -- hn) der Schale fest an, so dass die ausgeschiedene
Luft nicht entweichen kann. Der Verlauf dieses Bandes wird wesentlich
durch die daselbst endigenden Muskeln und die Einrollung der Schale
bedingt. Der vordere Rand des Bandes (annulus -- Fig. 397 B a) springt
jederseits etwa in der Mitte der Seitenflächen weit nach vorn vor,
der Hinterrand (Sutur oder Lobenlinie -- B l) bildet daselbst eine
tiefe Ausbuchtung nach hinten (= Seitenlobus B sl), weil an diesen
Stellen die starken Schalenmuskeln (m) an der Schale haften. Gegen die
Mittelebene (s) zu verschmälert sich das Band, sowohl auf der Aussen-
oder Convex- (=Bauch-) (B) als auch auf der Innen- oder Concavseite (=
Rückenseite) (R). Auf der Bauchseite bildet die Sutur einen flachen
Vorsprung (= Aussen-, Extern- oder Bauchsattel -- es), auf dem Rücken
greift sie zurück und bildet einen Innen- oder Rückenlobus (il). Da die
Kammern den vorhergehenden Umgang seitlich umfassen, so sind auch das
Haftband und die Scheidewände an der Seite gegen die Mitte der Schale
und nach vorn zu umgeschlagen und vorgezogen -- Haftbandumschlag,
Septalumschlag (Fig. 397 A u). Die Lobenlinie bildet hier einen breiten
Sattel (Nahtsattel -- B ns). Auf diesem sattelförmigen Vorsprunge ist
das Haftband schwach muskulös verdickt, indem hier die Mantelmuskulatur
bis an dasselbe hinanreicht und der Halsmuskel, welcher den Trichter
anzieht, mit dem Mantel verwächst. Die äussere Berührungslinie der
Wohnkammer mit dem vorhergehenden Umgange, die sog. Naht (n), liegt
etwa in der Mitte dieses Theiles des Haftbandes (B n). Unterhalb des
Kopfes tritt der gespaltene Trichter (Fig. 396 tr) aus dem Mantel
heraus. Der Mund wird von zahlreichen Anhängen (t) umgeben, die 8
Gruppen (? den 8 Armen der Octopoden entsprechend) bilden. Die dorsalen
Theile der beiden rückenständigen Gruppen sind zu einer dreieckigen
Kapuze (c) verwachsen; diese schützt das Thier, wenn es sich in die
Schale zurückgezogen hat. Auf dem Rücken verlängert sich der Mantel
zu einem auf die Schale zurückgeschlagenen Rückenlappen (m’). Die
Schale wird aus kohlensaurem Kalk gebildet und besteht wesentlich aus 2
verschiedenen Schichten: einer äusseren, porzellanartigen, gefärbten,
ziemlich dünnen Schicht -- ostracum genannt --, welche vom Vorderrande
des Mantels sowie von den seitlichen Ohren der Kapuze abgesondert
wird, und einer inneren, dickeren Perlmutterlage -- Phragmokon
genannt --, welche die Porzellanschicht auskleidet und verstärkt und
die Scheidewände und ihre Düten zusammensetzt. Beim allmählichen
Vorrücken des Thieres in der Schale bleibt periodisch die Absonderung
des Hinterleibes -- welche nach vorn durch das Haftband begrenzt wird
-- als verkalkte Scheidewand stehen und liefert somit einen Abdruck
des Hinterendes des Thieres bis zur hinteren Grenze des Haftbandes
(Lobenlinie). Vom vordersten Theile des Sipho wird die Septaldüte
abgeschieden.
[Illustration: Fig. 396. Nautilus pompilius L. Lebend. Indischer Ocean.
Das Thier befindet sich in seiner natürlichen Lage in der Wohnkammer;
die Schale ist bis zur Mittelebene aufgeschnitten, um die Luftkammern,
die Scheidewände (s) und den Sipho (si) zu zeigen. Vor der letzten
Scheidewand (s’) die Wohnkammer (w). Auf der Bauchseite der gespaltene
Trichter (tr), unterhalb die sog. Nidamentaldrüse (n); m = Mantel,
auf dem Rücken lappenartig umgeschlagen (m’); t = Tentakel; c = die
beiden hinteren, zur Kopfklappe verwachsenen Arme; a = Auge; hn =
das Haftband, dessen hintere Grenze durch Conservirung in Alkohol
unnatürlich vorgezogen erscheint. Die seitliche Verbreiterung des
Haftbandes entspricht der Endigung des linken Schalenmuskels. ²⁄₇.]
[Illustration: Fig. 397. Nautilus pompilius L. A eine junge Schale
gegen die letzte Scheidewand gesehen (die Wohnkammer ist zum grössten
Theil fortgebrochen). B Haftband eines erwachsenen Exemplars,
abgewickelt. s = Symmetrielinie; a = Vorderrand, l = Hinterrand des
Haftbandes (Lobenlinie); v = vorn; h = hinten; B = Bauchseite; R =
Rückenseite; n = Nahtlinie; p = Projection des vorhergehenden Umganges;
u = Septalumschlag; m = Ansatzstelle des paarigen Schalenmuskels;
m’ = die der Nackenmuskulatur des Mantels; es = Aussensattel; sl =
Seitenlobus; ns = Nahtsattel; il = Innenlobus.]
Die Anhänge des Kopfes, insbesondere die Kapuze, sondern eine dünne,
schwärzliche, aus Porzellanmasse und Conchyolin bestehende Schicht ab,
welche auf dem vorhergehenden Umgange so weit nach vorn reicht, als die
Kapuze zurückgeschlagen werden kann, die aber auch auf der Innenseite
der Wohnkammer, namentlich am vorderen Rande derselben beobachtet
wird. Die schwarze Schicht ist an ihrer punktförmig vertieften oder
runzeligen Oberfläche leicht kenntlich -- Runzelschicht.
Illustration: Fig. 398. Schalenanfang von Endoceras belemnitiforme
Hlm. aus dem skandinavischen Untersilur, in der Symmetrieebene
durchgeschnitten. e = Embryonalblase; l₁-l₃ = die ersten drei
Luftkammern; s₁-S₄ = die Scheidewände derselben; si = Siphonalröhre.]
[Illustration: Fig. 399. Schalenanfang von Nautilus pompilius L. Die
napfförmige, mit einer verlängerten Narbe versehene Anfangskammer
sichtbar. Darüber die zweite, aufgebrochene Luftkammer und der Sipho.]
[Illustration: Fig. 400. Schalenanfang einer exogastrisch
aufgerollten Ammonoideen-Schale, bis zur Mittelebene aufgeschnitten.
e = Embryonalblase; b = die blindsackartige Endigung des Sipho
in derselben; si = Sipho, an der Bauchseite gelegen; s₁-s₁₁ =
Scheidewände.]
[Illustration: Fig. 401. Eine endogastrisch aufgerollte
Belemnoideen-Schale, in der Mittelebene durchgeschnitten. a =
Embryonalblase; c = blindsackartige Endigung des bauchständigen
Sipho (s); p = Prosipho, mit welchem der Sipho an der Innenwand der
Embryonalblase angeheftet ist.]
Zum Verständniss der Schalenbildungen der Cephalopoden ist es
nothwendig, die allmählichen Veränderungen zu verfolgen, welche die
Schale in den verschiedenen Zweigen des Cephalopodenstammes im Laufe
der Zeit erfahren hat. Die ältesten Formen, z. B. die untersilurische
Gattung Endoceras (Fig. 398), besassen gerade, nach hinten
zugespitzte Schalen. Das junge Thier befand sich anfangs in einer
einfachen, conischen, hinten geschlossenen Embryonalschale (e). Mit
fortschreitendem Wachsthum löste sich das Thier am Rücken und auf den
Seiten von der Schale ab, der Mantel schnürte sich ringförmig ein und
es wurde eine erste Luftkammer (l₁) abgeschieden. Hierdurch trennte
sich eine grosse Anfangsblase ab, welche noch vom Eingeweidesack des
Thieres eingenommen wurde. Weitere Luftkammern entstanden periodisch
über der ersten (l₂, l₃), der Leib des Thieres befand sich aber nicht
ausschliesslich vor den Luftkammern, wie bei Nautilus, sondern reichte
neben denselben bis zum Grund der Anfangsblase. Die gekammerten
Schalen der übrigen Cephalopoden können wir von der Endoceras-Schale
ableiten durch die Annahme einer stärkeren Abschnürung des Leibes
durch die Luftkammern, ein Vorgang, durch welchen das Thier gezwungen
wurde, seinen Eingeweidesack aus dem neben den Luftkammern gelegenen
Theile der Schale herauszuziehen bis auf einen dünnen häutigen
Strang, den Sipho. Letzterer nimmt bald eine rückenständige Lage an
(wie bei Clymenia, Aturia Fig. 411), bald eine mittlere, wie bei
Nautilus (Fig. 396, 397 A, 399), bald eine bauchständige wie bei den
Ammoniten (Fig. 400). Aus der Anfangsblase wurde der Sipho bei den
Nautiloidea ganz herausgezogen, und die Blase verkalkte später nicht
mehr. Deshalb beginnt bei diesen die Schale mit einer niedrigen,
napfförmigen ersten Kammer (Fig. 399); der Sipho nimmt auf dem Boden
derselben seinen Ursprung und die Spitze der Kammer zeigt eine Narbe
auf der Aussenseite. Bei den zwei anderen Ordnungen der Ammonoidea
und Belemnoidea ist die Embryonalblase erhalten geblieben, soweit
nicht tiefgreifende Reductionen der Schale überhaupt Platz griffen.
Der Sipho löste sich wohl vom Boden der Embryonalblase ab, wurde aber
nicht gänzlich aus derselben herausgezogen sondern blieb mit seinem
blindsackartigen Ende (Fig. 400 b; 401 c), welches (? immer) durch
ein zartes Band, den sog. Prosipho (Fig. 401) am Boden festgeheftet
war, in derselben stecken. Bei diesen finden wir deshalb die erste
sichtbare Kammer in der Form einer von der Schale mehr oder weniger
abgeschnürten Blase, die wohl zu einer Luftkammer umgewandelt, aber
auffällig verschieden an Gestalt und Grösse von den später gebildeten,
eigentlichen Luftkammern ist (Fig. 400 e; 401 a).
Die Schalen der Nautiloidea haben sich aus der Endoceras-artigen
Grundform durch allmähliche, meist symmetrische spirale Einrollung auf
der Rückenseite des Thieres (exogastrische Einrollung Fig. 396) unter
Verlust der Embryonalblase herausgebildet. Der Wohnraum des Thieres ist
relativ kurz (meist nicht ½ Umgang lang) geblieben, die Lage des Sipho
ist nicht constant geworden, sein Durchmesser ist grösser geblieben,
als bei den zwei anderen Ordnungen. Die am Haftband endigenden Muskeln
haben sich nur wenig zertheilt, so dass die Lobenlinie nur sparsame,
ganzrandige Ausbuchtungen aufweist (Fig. 397 B l). Die Scheidewand
bleibt durchgehends procöl in der Mittelebene (Fig. 396 s).
[Illustration: Fig. 402. Eine vollständig erhaltene, plattgedrückte
Ammonoideen-Schale von der Seite gesehen. w = die hintere Grenze der
etwas über ½ Umgang betragenden Wohnkammer; h = (?) vordere Grenze des
Haftbandes; ap = sog. Aptychus (verkalkter Trichterknorpel); si = der
bauchständige Sipho. Die Lobenlinie zeigt stark zerschlitzte Sättel
(cs, ss₁) und verzweigte Loben (sl₁, sl₂).]
Die Schalen der Ammonoidea gleichen im Allgemeinen jenen der
Nautiloidea; bei exogastrischer Einrollung ist die Embryonalblase
erhalten geblieben (Fig. 400). Der Wohnraum des Thieres ist häufig
sehr lang (½-1½ Umgang) geworden und die Lobenlinie hat durch das
Zurückgreifen und durch immer stärker hervortretende Zertheilung
der am Haftbande endigenden Muskeln einen sehr complicirten Verlauf
genommen (Fig. 402 sl₁, sl₂, es, ss₁). Insbesondere hat sich ein
medianer, bauchständiger, bei den Nautiloidea nur gelegentlich
angedeuteter Muskel entwickelt, welcher weit hinter die Ansatzstelle
des fast ausnahmslos bauchständigen Sipho zurückgreift und dadurch
den ursprünglichen Aussensattel der Lobenlinie tief zertheilt (Fig.
402). Die Folge davon ist die opistocöle Gestalt der Scheidewand im
Medianschnitte.
Bei den Belemnoidea wird die Schale mehr und mehr innerlich, indem
das Thier von der Bauchseite her dieselbe mit dem Mantel umwächst.
Sie wird auf der Bauchseite zurückgedrängt, der Mantel bildet eine
verdickte Scheide um den hinteren Theil der Schale (Fig. 403 r). Diese
verlängert sich auf der Rückenseite zu einem sog. Proostracum (Fig. 403
po). Der Sipho nimmt eine bauchständige Lage an und wird sehr dünn.
Der Phragmokon rollt sich zuweilen ein, aber dann stets bauchständig
(endogastrisch -- Fig. 401). Die Scheidewände bleiben procöl, die
Muskeln rücken aus der Schale heraus und die Lobenlinie bleibt einfach
ringförmig. Vielfach wird die Schale durch Verkümmerung des Ostracums
zu einem auf der Rückseite des Thieres gelegenen hornigen Blatte
reducirt, welches spärliche oder gar keine Verkalkung aufweist (Fig.
566).
Alle drei Ordnungen sind noch in der heutigen Fauna vertreten: die
Nautiloidea durch die einzige Gattung Nautilus, die Ammonoidea durch
die Octopoda, welche mit Ausnahme des Weibchens von Argonauta,
sämmtlich die Schale verloren haben, die Belemnoidea durch die
Decapoda, die der Mehrzahl nach nur noch hornige Rückenschulpe und nur
zum kleineren Theil noch kalkige, aber stets vom Mantel umschlossene
Schalen besitzen.
[Illustration: Fig. 403. Halbschematische Darstellung einer
Belemnoideen-Schale, gegen die Rückenseite gesehen; der untere Theil
(r) bis zur Mitte aufgeschnitten gedacht. Die Schale wird hinten
von einer keulenförmigen Scheide (r) umschlossen, die den unteren
Theil des Phragmokons (p) umschliesst. Letzterer beginnt mit einer
Embryonalblase (e), ist durch einfache Scheidewände (s) in Kammern
getheilt. Die Wohnkammer ist auf der Bauchseite kurz abgestutzt (w),
auf der Rückenseite verlängert (Proostracum -- po). Die Schale war in
den Mantel des Thieres eingeschlossen.]
Wenn man dem herrschenden Gebrauche folgend die ältesten, noch wenig
differenzirten Cephalopodenschalen den Nautiloidea anreiht, so erhält
man nachstehende Eintheilung der Cephalopoden; zu derselben ist zu
bemerken, dass, je ältere Formen einer Ordnung man vor sich hat, um so
mehr die unterscheidenden Merkmale zurücktreten. Wir kennen zwar noch
nicht die vollständige Reihe der Verbindungsglieder, welche von den
ältesten Schalenbildungen zu denen der drei Ordnungen hinüberleiten,
aber ein gemeinsamer Ursprung muss für alle Cephalopoden angenommen
werden.
Eintheilung der Cephalopoda.
1. Ordnung Nautiloidea. Schale stets vorhanden, äusserlich, gekammert.
Embryonalblase nur bei den geol. ältesten Formen vorhanden, später
fehlend, so dass die erste Kammer eine echte, hinten genarbte,
verzierte, niedrige Luftkammer ist. Kammerscheidewände procöl.
Lobenlinie ohne oder mit wenigen, ganzrandigen Ausbuchtungen. Sipho
meist relativ weit, seine Lage wenig beständig. Septaldüten nach
hinten, sehr selten nach vorn gerichtet.
Die lebenden Formen mit 4 Kiemen (= Tetrabranchiata), sehr
zahlreichen Fühlern (= Tentaculifera) und gespaltenem Trichter.
Tintenbeutel fehlt. Eine lebende Gattung.
Cambrium -- Gegenwart.
2. Ordnung Ammonoidea. Schale meist vorhanden, äusserlich, gekammert,
bei den jüngsten Vertretern abgestreift oder auf das Ostracum
reducirt. Erste Kammer der vollständigen Schale die ungenarbte,
unverzierte Embryonalblase. Kammerscheidewände anfangs procöl;
Lobenlinie anfangs ohne oder mit wenigen ganzrandigen Ausbuchtungen.
Später die Scheidewände in der Mittelebene opisthocöl, die Lobenlinie
mit gezackten und verzweigten, meist zahlreichen Ausbuchtungen. Sipho
eng, fast immer bauchständig; Septaldüten anfangs nach hinten, später
nach vorn gerichtet.
Die lebenden Vertreter meist schalenlos, mit 2 Kiemen
(= Dibranchiata), mit 8, Saugnäpfe tragenden Armen (= Octopoda,
= Acetabulifera), mit Tintenbeutel und verwachsenen Trichterhälften.
Zahlreiche lebende Formen.
Devon -- Gegenwart.
3. Ordnung Belemnoidea. Schale ursprünglich äusserlich, gekammert,
später vom Thiere umwachsen und in den Mantel dorsalwärts
eingeschlossen; von einer, hinten oft keulenförmig verdickten
Scheide umschlossen, niemals fehlend, aber häufig zu einem hornigen
Blatte reducirt. Erste Kammer der vollständigen Schale meist
die Embryonalblase. Scheidewände procöl, ungefaltet. Sipho eng,
bauchständig; Septaldüten nach hinten gerichtet.
Die zahlreichen lebenden Formen mit 2 Kiemen (= Dibranchiata), mit 10
(8 + 2), Saugnäpfe tragenden Armen (= Decapoda, = Acetabulifera) und,
wie die meisten fossilen, mit Tintenbeutel. Trichterhälften
verwachsen. Zahlreiche lebende Formen.
Trias -- Gegenwart.
Alle Cephalopoden sind Bewohner des Meeres und besitzen freie
Ortsbewegung. Als guten Schwimmern kommt ihnen zumeist eine weite
horizontale Verbreitung zu. Die Mehrzahl der lebenden Formen findet
sich in der heissen, etwa 43 in der gemässigten, nur ein kleiner
Bruchtheil in der kalten Zone. Die in ca. 7000 Arten bekannten
fossilen sind von hervorragender geologischer Bedeutung; sie geben
die wichtigsten Leitfossilien für die paläozoischen und mesozoischen
Formationen ab. Die Eintheilung der letzteren in zahlreiche, zeitlich
engbegrenzte Zonen ist zumeist auf den raschen und wie es scheint
über die ganze Erdoberfläche ziemlich gleichzeitig sich vollziehenden
Wechsel der Cephalopodenfaunen gegründet.
1. Ordnung Nautiloidea.
Es ist kaum wahrscheinlich, dass die Nautiloidea der früheren
Erdperioden, insbesondere die der paläozoischen Zeit, die vom
lebenden Nautilus (p. 347-349) beschriebene Organisation besessen
haben, obwohl die Schalen keine sehr durchgreifenden Umgestaltungen
erfuhren, wenigstens wenn wir von einigen der ältesten, aus
Zweckmässigkeitsgründen hierher gezogenen Formen absehen. Diese
letzteren zeichnen sich dadurch von den echten Nautiloidea aus, dass
die Luftkammern ganz oder doch fast ganz seitlich vom Thiere und nicht
ausschliesslich hinter dem Thiere sich bildeten. Hiernach unterscheiden
wir folgende zwei, keineswegs scharf geschiedene Familien:
1. Fam. Endoceratidae. Luftkammern im wesentlichen seitwärts von der
Wohnkammer gelegen, Siphonalrohr weit (Fig. 404-406). Cambrium --
Untersilur.
2. Fam. Nautilidae. Luftkammern hinter dem Thiere gelegen, Siphonalrohr
meist eng (Fig. 407-430). Cambrium -- Gegenwart.
[Illustration: Fig. 404. Endoceras vaginatum Schl. sp. Untersilur.
Reval, Estland. Schalenfragment mit z. Th. erhaltener Schale (s’)
gegen die Siphonalseite (? Bauchseite) gesehen. Unten ist der dicke,
randständige Sipho (si) sichtbar; auf dem Steinkerne die Scheidewände
(s).]
[Illustration: Fig. 405. Endoceras. Schematischer Längsschnitt
durch die Schale in der Mittelebene. si = Sipho, rechts davon die
Luftkammern; s₁-s₃ = drei Scheidewände; sd₁, sd₂ = die langen, in
einander geschachtelten Septaldüten von s₁ und s₂.]
1. Fam. Endoceratidae.
Schalen gerade oder schwach rückwärts gebogen, durch Zuwachsstreifen
oder flache Falten verziert. Der Luftkammerraum befindet sich ganz
oder doch zum überwiegenden Theile neben der Wohnkammer. Querschnitt
der Schale kreisrund oder oval. Nur im Cambrium und Untersilur.
Endoceras Hall. (Fig. 404-406.) (Vergl. p. 350.) Schale gerade,
unten zugespitzt, nach oben ganz allmählich an Weite zunehmend, im
Querschnitt mehr oder weniger kreisrund. Siphonalrohr (si) sehr weit,
der Bauchseite anliegend, hinten zu einer spitzigen Embryonalblase
(Fig. 406 A e) erweitert. Luftkammern als rücken- und seitenständige
Einfaltungen, auf die Bauchseite nur wenig oder gar nicht übergreifend
(Fig. 405). Die Scheidewände zeigen oft auf der Siphonalseite eine
Ausbuchtung nach hinten; sie verlängern sich zu langen, gebogenen,
hinten schräg abgestutzten Düten, welche auf der Innenseite oft bis
zur zweitletzten Scheidewand hinabreichen (Fig. 405 sd). Der Sipho
entspricht insofern nicht den ähnlichen Bildungen anderer Nautiloidea,
als er nicht nur einen häutigen Strang, sondern eine Fortsetzung
der Leibeshöhle darstellt (fleischiger Sipho). Wenn die Schale so
lang geworden war, dass der Eingeweidesack dieselbe nicht mehr ganz
ausfüllen konnte, schloss das Thier sich hinten durch eine schwach
verkalkte sog. Siphonalscheide (oder Spiess -- Fig. 406 B sp) ab.
Um das Schlottern des Thieres in dem Siphonalraum zu vermeiden, war
die Scheide durch eine mediane, gegen die glatte Aussen- oder (?)
Bauchseite des Sipho gerichtete (B m) und durch ein Paar querer, an den
Seitenkanten der Scheide inserirender Membranen (B bl) festgeheftet.
Das hintere Ende des Spiesses verlängert sich in ein convexes, aus 2
Lamellen bestehendes, hornigkalkiges Blatt (Fig. 406 C bl), welches
vom fleischigen Sipho beim allmählichen Vorrücken zurückgelassen
wurde. Das meist mit Schlamm erfüllte und noch von den Septaldüten
umgebene Siphonalrohr fällt leicht aus der Schale heraus; es zeigt
entfernt stehende, nach der Bauchseite zu herablaufende Querringe,
desgl. der Spiess (Fig. 406 B sp). Die Schalenoberfläche ist glatt
oder schwach gewellt und mit einer an der Siphonalseite (? Bauchseite)
nach rückwärts gebogenen (dem Trichterausschnitt entsprechenden)
Zuwachsstreifung versehen (Fig. 404 s’). Die Schale erreicht oft
beträchtliche Dimensionen.
[Illustration: Fig. 406. Endoceras. A E. belemnitiforme Hlm.
Untersilur. Skandinavien. Ergänzte Schalenspitze. si = Sipho; e
= blasige Embryonalerweiterung desselben; l₁-l₄ = die ersten 4
Luftkammern. B, C E. gladius Hlm. Untersilur. Estland. B medianer
Längsschnitt des Sipho. sp = trichterförmige Siphonalhülle, sog.
Spiess; m = das mediane, bl = das seitliche Querblatt, mit welchem
derselbe angeheftet. C Querschnitt durch den Sipho, um das gebogene
Blatt (bl) zu zeigen, in welches sich der Spiess nach hinten
verlängert.]
[Illustration: Fig. 407. Eine locker spiral gerollte Nautiloidea-Schale
(Gyroceras). A von der Seite, B von vorn gesehen. a = der conisch
zugespitzte Anfang; s’ = die spiral verzierte Schale; s = Scheidewände,
an den Seiten eine flache Rückbiegung (Seitenlobus) zeigend.]
Die Gattung Endoceras, früher als Gruppe der Vaginata zu Orthoceras
(p. 361) gerechnet, ist auf das Untersilur beschränkt. Sie kommt
als wichtiges Leitfossil häufig in der baltischen Silurprovinz
(»Vaginatenkalk«, »Orthocerenkalk«), in England und Nordamerika vor.
E. vaginatum Schl. sp. (Fig. 404). }
E. duplex Wahlb. sp. (Leth. pal., t. 6, Fig. 2). }
E. gladius Hlm. (Fig. 406 B, C). } Nordeuropa.
E. belemnitiforme Hlm. (Fig. 406 A). }
E. longissimum Hall. (Leth. pal., t. 6, Fig. 3). Nordamerika.
Bei der verwandten cambrischen Gattung Piloceras Salt. befindet sich
das Siphonalrohr in der Mitte der Schale.
2. Fam. Nautilidae.
Die zu dieser Familie gezogenen Gattungen zeichnen sich durch Schalen
aus, deren Luftkammern, von späteren Wachsthumsstadien abgesehen
(vergl. Ascoceras p. 363), ausschliesslich hinter dem Wohnraume des
Thieres gebildet werden, wie bei dem lebenden Nautilus. In den älteren
Formationen sind die Schalen vorwiegend gerade, Endoceras-ähnlich
(Orthoceras -- Fig. 416-418), oder schwach gekrümmt (Cyrtoceras --
Fig. 421), auch wohl locker spiral eingerollt, ohne dass die Umgänge
sich berühren (Gyroceras -- Fig. 407); bereits im Untersilur finden
sich aber Formen mit geschlossener spiraler Aufrollung (Trocholites)
und solche, welche beim späteren Wachsthum die geschlossene Spirale
verlassen und sich wieder gerade strecken (Lituites -- Fig. 429).
Nur ausnahmsweise gehen die Umgänge aus der Aufrollungsebene heraus
und bilden schneckenartige, in stets wechselnder Ebene aufgerollte
Gehäuse. Mit dem Ende des paläozoischen Zeitalters treten Schalen mit
nicht spiral gerollten und einander anliegenden Windungen sehr zurück;
die letzten finden sich in der Trias. Nur die gebogenen oder schwach
gerollten Formen winden sich bald nach der Rückenseite (exogastrisch),
bald nach der Bauchseite (endogastrisch) auf, die vollständige
Spiraleinrollung ist stets exogastrisch wie beim lebenden Nautilus.
Die Lage der Bauchseite lässt sich bei nicht völlig eingerollten
Schalen mit Sicherheit nur an dem Trichterausschnitt der Mündung
und dem dadurch hervorgerufenen Rückwärtsbiegen der Zuwachsstreifen
feststellen, da der Sipho eine wechselnde Lage besitzt.
[Illustration: Fig. 408. Abgewickelte Lobenlinie von Lituites
lituus Mtf. s = Mittelebene; ds = Innen-(Dorsal-)Sattel; es =
Aussen-(Ventral-) Sattel; sl₁ = erster Seitenlobus; sl₂ = zweiter
Seitenlobus; ss = Seitensattel; R = Rücken-, B = Bauchseite.]
[Illustration: Fig. 409. Nautilus Geinitzi Pict. Oberer Malm
(Tithon). Stramberg, Mähren. A Steinkern von der Seite, B von vorn. C
abgewickelte Lobenlinie. s = Symmetrieebene der Schale; si = Sipho;
n = Naht; p = Projectionslinie des vorhergehenden Umganges; u =
Septalverlängerung; el = Aussenlobus; es = Aussensattel (getheilt);
sl₁ = erster Seitenlobus; sl₂ = zweiter Seitenlobus; isl = innerer
Seitenlobus; ss = Seitensattel; ns = Nahtsattel; il = Innenlobus; is =
Innensattel; B = Rücken-, R = Bauchseite.]
Die Embryonalblase ist -- vielleicht mit Ausnahme einiger silurischer
Formen -- von den Nautiloidea abgestossen worden, so dass die Schale
im Allgemeinen mit der ersten Luftkammer beginnt, welche an ihrer
stumpf-kegelförmigen oder napfartigen Gestalt, sowie auch an einer
Narbe am hinteren Ende kenntlich wird (Fig. 399); die späteren
Luftkammern weichen nicht wesentlich von der Anfangskammer ab. Bei den
geraden oder nur schwach eingerollten Formen stellen die Scheidewände
einfache procöle Querwände dar, die sich längs einer einfachen oder
schwach wellenförmigen Lobenlinie an die Schale anlegen (Fig. 407 A
s). Die Vor- und Rückbiegungen derselben (Sättel und Loben) sind nur
wenig ausgeprägt, zumal an den älteren Scheidewänden. Man unterscheidet
zumeist nur ein Paar seitlicher, flacher Loben, Seitenloben (Fig. 408
sl₁), den Endigungen der Schalenmuskeln entsprechend, in seltenen
Fällen aber noch ein zweites Paar der Rückenseite genäherter
Seitenloben (Fig. 408 sl₂). Zwischen den Loben erscheint die Lobenlinie
vorgebogen, auf der Bauchseite als unpaarer Aussen- oder Externsattel
(Fig. 408 es), auf der Rückenseite in seltenen Fällen als ebenfalls
unpaarer Innen- oder Internsattel (Fig. 408 ds), event. zwischen den
beiden Seitenloben jederseits als Seitensattel (Fig. 408 ss). Bei den
Formen mit vollständig spiraler Einrollung entsteht wohl infolge des
verlangsamten Vorrückens des Thieres auf der Concavseite ein Dorsal-
oder Innenlobus (Fig. 409 il), wogegen die Bauch- oder Externseite
in der Regel durch einen breiten Sattel sich auszeichnet, der nur
in seltenen Fällen durch einen wenig tiefen Aussenlobus (Fig. 409
el) getheilt wird. Niemals greift dieser letztere so weit rückwärts,
dass die Scheidewand in der Medianebene vollständig convex würde.
Wenn die Umgänge der Schale sich nicht allein berühren, sondern auch
seitlich umfassen, dann verlängern sich naturgemäss die Scheidewand
und die Lobenlinie über die Projection des vorhergehenden Umganges
(Fig. 409) hinaus gegen die Windungsachse zu. Die Septalverlängerung
ist dann häufig etwas vor oder zurück geschlagen im Vergleich zu der
Septalfläche (Septalumschlag -- u). Die äussere Berührungslinie mit
dem vorhergehenden Umgange heisst die Naht (n). Werden die früheren
Umgänge ganz oder fast ganz verhüllt, so nennt man die Schale involut
(Fig. 409 A), bleiben sie zum grössten Theile oder ganz sichtbar
(Fig. 412), so heisst die Schale evolut und der offene Raum wird als
Nabel bezeichnet. Die Lobenlinie erhebt sich an der Naht häufig zu
einem Sattel (Nahtsattel -- Fig. 409 ns) oder sie senkt sich zu einem
Nahtlobus herab. Der erste meist allein vorhandene Seitenlobus (sl₁)
liegt ausserhalb der Projection des vorletzten Umganges (p), der zweite
viel kleinere (sl₂) kommt, wenn er überhaupt entwickelt ist, auf den
Umschlag (u) zu liegen. Nur in sehr seltenen Fällen tritt auch auf der
Innenseite des Umschlages ein kleiner innerer Seitenlobus (isl) auf
und ebenso selten schiebt sich zwischen dem ersten Seitenlobus und
dem Aussensattel ein sog. Adventivlobus ein. Niemals aber zeigen die
Loben oder Sättel feinere Einschnitte, wie sie für die Lobenlinie der
meisten Ammonoidea so sehr bezeichnend sind. Wir erhalten demnach als
complicirtestes Schema für die Vertheilung der Loben bei involuten
Nautiloidea das folgende (die nur gelegentlich auftretenden Loben sind
eingeklammert):
Mittelebene
|
Aussen- oder Bauchseite
|
Aussensattel
(Aussenlobus)
|
(Adventivlobus) | (Adventivlobus)
(erster) Seitenlobus Septalfläche (erster) Seitenlobus
|
|
Innenlobus Projection des vorhergeh.
| Umganges
|
Septalumschlag vorhergehender Umgang Septalumschlag
| (Nahtsattel, resp. -lobus)
|
(innerer Seitenlobus) | (zweiter Seitenlobus)
Innen- oder Rückenseite
|
Mittelebene
[Illustration: Fig. 410. Orthoceras cochleatum Schl. Obersilur.
Gotland. Die aufgebrochene Schale lässt den dicken, zwischen den Septen
perlschnurartig angeschwollenen Sipho (si), die Schalenwand (s’) und
die Scheidewände (s) erkennen.]
[Illustration: Fig. 411. Aturia Aturi Bast. Miocän. Bordeaux. Die
Schale ist aufgebrochen und zeigt die trichterförmigen Septaldüten,
welche von einer Scheidewand bis zur vorhergehenden zurückreichen. ¹⁄₁.]
Der Sipho reicht bei den Nautiloidea vom hinteren Ende des Körpers
bis auf den Boden der Anfangs- d. h. ersten Luftkammer, indem er alle
Luftkammern als ein cylindrischer, seltener abgeplatteter Strang
durchzieht und die Scheidewände durchbricht. Seine Lage ist wechselnd:
selten ausserhalb der Mittelebene, aber innerhalb derselben bald der
Rückenseite, bald der Bauchseite genähert, sehr häufig etwa median.
Sein Durchmesser ist sehr verschieden: bei den älteren Formen häufig
noch sehr breit (Fig. 410) und dann wohl wie bei Endoceras noch
Theile des Visceralsackes enthaltend, reducirt er sich bald zu dem
dünnen Strange des Nautilus pompilius, der keine Eingeweidetheile
mehr enthält (Fig. 396 si). Dort, wo er die Scheidewände passirt,
wird er durch dieselben oft eingeschnürt und nimmt die Form einer
Perlschnur an (Fig. 410). Stets wird er noch eine Strecke weit von der
Bildungshaut umschlossen, und diese sondert eine Septaldüte von der
Beschaffenheit der Scheidewände ab. Die Septaldüten reichen aber nie
weiter zurück, als bis zur vorletzten Scheidewand, in welchem Falle sie
sich häufig mit ihrem verschmälerten Ende in die vorhergehende Düte
einsenken (Fig. 411). Meist sind sie aber viel kürzer und erscheinen
nur als kurze, kragenförmige Ausstülpung der Scheidewand (Fig. 418).
Nur ausnahmsweise richten sie sich nach vorn. Die Oberfläche des
Siphos, besonders diejenigen Theile desselben, welche nicht von den
Septaldüten umschlossen sind, sondern häufig eine Hülle ab, welche
nicht aus Perlmutter, sondern aus erdiger, mit organischer Substanz
imprägnirter Kalkmasse besteht, z. B. bei Nautilus pompilius. Aehnliche
Abscheidungen erfolgen bei Formen mit weitem Sipho (Orthoceras) auch
innerhalb des Siphonalrohrs, und zwar entweder in der Form sog.
Obstructionsringe, welche an den Durchbruchstellen der Scheidewände
beginnend und gegen einander wachsend den Siphonalraum fast vollständig
ausfüllen, oder als radiale Blätter. Die Steinkerne solcher Siphonen
besitzen oft ein korallenartiges Aussehen.
[Illustration: Fig. 412. Nautilus cyclostomus Phill. Subcarbon. Visé,
Belgien. Die Schale ist im Centrum durchbrochen (c), der letzte
Umgang etwas abgelöst (x); s = Scheidewände; s’ = Schalenwand; e =
Trichterausschnitt des Mundrandes.]
[Illustration: Fig. 413. Gomphoceras Bohemicum Barr. Obersilur
(E). Böhmen. Oben: Ansicht der Wohnkammer von oben, die T-förmig
verengte Mündung zeigend. Unten: Schale von der Bauchseite, den tief
herabreichenden Trichterausschnitt des Mundrandes zeigend. ⅘.]
[Illustration: Fig. 414. Lituites lituus Mtf. Untersilurisches
Diluvialgeschiebe. Norddeutschland. Wohnkammer mit erhaltener
Mündung gegen die Rückenseite gesehen; d = Rückenausschnitt, v
= Bauchausschnitt, se = seitliche Ausschnitte der Mündung; vb =
Verwachsungsband; l = letzte Lobenlinie; si = Sipho.]
Die Wohnkammer der Nautiloidea ist meist kurz, bei eingerollten Schalen
beträgt sie kaum mehr als ½ Umgang. Der Rand derselben ist einfach
(Fig. 412), zusammengeschnürt (Fig. 413), oder (seltener) erweitert,
wie der Mund einer Trompete. Ein einfacher Mundrand ist im Allgemeinen
zur Zeit des normalen Schalenwachsthums, ein verengter oder erweiterter
zur Zeit der Ruhe entwickelt. Die umgeschlagenen Ränder werden
später oft ganz oder theilweise resorbirt. Nach aussen umgeschlagene
Mundränder kommen dadurch zu Stande, dass das Thier sich über den
Schalenrand hinüberlegt und so die Schale nach aussen umbiegt. Verengte
Mündungen entstehen dadurch, dass die Schale um den Kopf des Thieres
herum wächst; da wo Organe ihrer Thätigkeit wegen nothwendiger Weise
frei zu Tage treten müssen (Mund, Trichter, Arme), bleiben Oeffnungen.
So geben uns die Verengungen des Mundes Aufschluss über die Lage
gewisser Organe des Thieres. Der tiefste Ausschnitt in der Mittelebene
entspricht dem Trichter (Fig. 413), also der Bauchseite, paarige
Ausschnitte den Kopfanhängen. Bei den T- oder Y-förmigen Oeffnungen
deutet die unpaare Oeffnung die Lage des Trichters an (Fig. 413). Bei
kreuzförmigen Oeffnungen (Fig. 414) ist die Deutung oft erschwert,
aber die Bauchseite dürfte auch hier dem tiefsten Ausschnitt (Fig.
414 v) entsprechen, wie denn auch bei einfachen Mündungen die Lage des
Trichterausschnitts an dem Zurückbiegen des Mundrandes und auf der
Schale an dem Zurückweichen der Zuwachsstreifen zu erkennen ist (Fig.
412 s’).
Die bis vor Kurzem gebräuchliche Eintheilung der Nautiloidea basirt
auf der Gestalt, insbesondere auf dem Grade der Einrollung der Schale
und der Form der Mundöffnung. Letztere darf nur dann verwerthet
werden, wenn man verengte Mündungen mit verengten, nicht aber mit
einfachen vergleicht. Die Einrollung der Schale kann aber deshalb
strenge genommen nicht in erster Linie Verwendung finden, weil der
Einrollungsprocess innerhalb verschiedener genetischer Reihen in
gleicher Weise Platz gegriffen hat. Dennoch scheint aus praktischen
Gründen z. Z. ein natürliches System verfrüht und es möge deshalb die
ältere Classification in etwas modificirter Gestalt hier Platz finden.
Nach Ausscheidung der Endoceratidae, aus welchen sich die Nautilidae
durch Verengerung des Siphonalrohrs herausgebildet haben, zerfallen
die Nautilidae in folgende Gruppen, die durch den Namen der jeweils
wichtigsten Gattung bezeichnet werden:
a. Orthoceras-Gruppe. Schale gerade oder unbedeutend gekrümmt. Silur --
Trias. (Fig. 415-420.)
b. Cyrtoceras-Gruppe. Schale hornartig gekrümmt, aber nicht regelmässig
spiral eingerollt. Cambrium -- Perm. (Fig. 421.)
c. Gyroceras-Gruppe. Schale regelmässig spiral eingerollt; Windungen
sich nicht berührend. Silur -- Perm. (Fig. 422.)
d. Nautilus-Gruppe. Schale regelmässig spiral eingerollt; Windungen sich
berührend oder umfassend. Silur -- Gegenwart. (Fig. 423-427.)
e. Lituites-Gruppe. Schale anfangs regelmässig spiral eingerollt, später
sich gerade streckend. Silur. (Fig. 428, 429.)
[Illustration: Fig. 415. Orthoceras cochleatum Schl. Obersilur.
Gotland. Die bis gegen die Mitte aufgeschnittene Schale (s’) zeigt die
procölen Scheidewände (s) und die perlschnurartigen Verdickungen des
Sipho (si) zwischen denselben.]
a. Orthoceras-Gruppe.
Orthoceras Breyn. (Fig. 415-418). Schale bis 2 m lang werdend,
nach hinten sich rascher oder langsamer verjüngend, im Querschnitt
kreisrund, seltener oval oder dreieckig. Wohnkammer meist lang. Auf
Steinkernen derselben zuweilen 3 vertiefte Längseindrücke, von denen
der unpaare auf der Rücken-, die paarigen auf der Bauchseite liegen.
Feine Längslinien in der Mittelebene, sog. Normallinien, bezeichnen
bald die Bauch-, bald die Rückenseite (Fig. 416 n). Scheidewände
einfach, uhrglasförmig; Septaldüten meist sehr kurz (Fig. 417, 418).
Sipho weit (Fig. 415 si) oder eng (Fig. 417), meist cylindrisch,
oft perlschnurartig (Fig. 415) und dann durch Obstructionsringe in
mannigfaltiger Weise ausgefüllt. Seine Lage sehr wechselnd, häufig
ventral; wenn excentrisch, fast immer der Bauchseite genähert.
Die genarbte Anfangskammer wurde mehrfach beobachtet. Die älteren
Luftkammern wurden häufig abgestossen, bei Orthoc. truncatum Barr. zu
je 4. Die Bruchstelle der Schale wurde durch vom Sipho ausgeschiedene
Kalkmasse vernarbt. Die Oberfläche der Schale ist oft mit Querwülsten
oder -streifen, Zuwachslinien oder welligen Runzeln versehen.
Längsverzierungen sind weniger häufig. Formen mit randständigem
fadenförmigem Sipho sind nur schwer von den ältesten, stabförmigen
Ammonoidea (vgl. Bactrites -- p. 394) zu unterscheiden.
[Illustration: Fig. 416. Orthoceras annulatum Sow. Obersilur
(E). Böhmen. Ein Stück der Wohnkammer (w) mit 6, bis zur Mitte
angeschnittenen Luftkammern (l). r = Querwülste des Steinkernes;
s’ = die quergewellte Schalenoberfläche; n = Normallinie auf dem
Wohnkammersteinkern; si = der etwas aus der Medianebene gerückte Sipho.]
[Illustration: Fig. 417. Orthoceras timidum Barr. Obersilur (E).
Böhmen. Wohnkammer mit 14 Luftkammern. Die längsgestreifte Schale z.
Th. erhalten. Unten: Ansicht gegen die Scheidewand, um die centrale
Lage des feinen Sipho zu zeigen. ¹⁄₁.]
[Illustration: Fig. 418. Orthoceras dubium Han. Alpenkeuper
(Hallstätter Kalk). Salzkammergut. Luftkammerstück, im oberen Theile
bis zur Mitte aufgeschnitten, um die kurzen Septaldüten zu zeigen. ¹⁄₁.]
Diese, in über 1000 Arten bekannte Gattung findet sich vom Silur (?
Cambrium) an bis zur Trias. Ihre Maximalentwickelung fällt in das
Silur, im Mesozoicum kommen nur noch vereinzelte Formen vor.
Die wichtigsten Arten können folgendermassen gruppirt werden:
A. Sect. Cochleata (syn. Actinoceras). Sipho weit, zwischen den
Scheidewänden perlschnurartig angeschwollen, im Inneren häufig mit
Obstructionsringen. Silur -- Steinkohlenformation.
O. cochleatum Schl. (Fig. 415). Obersilur. Nordeuropa. Häufig als
Diluvialgeschiebe in Norddeutschland.
O. vertebratum Hall. Obersilur. Nordamerika.
O. Breynii Mart. sp. Subcarbon. Russland, Belgien, Grossbritannien.
O. giganteum Sow. (Leth. pal., t. 46, Fig. 1). Subcarbon.
Grossbritannien, Belgien, Harz.
B. Sect. Annulata. Schale mit Querwülsten (Fig. 416). Sipho
cylindrisch, mässig weit (Fig. 416 si) oder eng.
Silur -- Steinkohlenformation.
O. annulatum Sow. (= undulatum His.) (Fig. 416). Obersilur. Europa,
Nordamerika. Als Diluvialgeschiebe in Norddeutschland.
O. bohemicum Barr. Obersilur. Böhmen, Frankreich.
O. nodulosum Schl. (Leth. pal., t. 30, Fig. 1). Mitteldevon. Eifel.
O. scalare Gf. (Leth. pal., t. 38, Fig. 5). Subcarbon, besonders
Culm. Mitteleuropa.
O. laevigatum M’Coy. sp. Subcarbon. Grossbritannien, Belgien.
C. Sect. Regularia. Schale ohne Wülste, aber oft mit feineren Längs-
oder Querverzierungen. Sipho dünn, meist central (Fig. 417, 418).
Untersilur -- Trias.
O. regulare Schl. (Leth. pal., t. 6, Fig. 1). Untersilur. Nordeuropa.
Als Diluvialgeschiebe in Norddeutschland. Aehnliche Formen gehen bis
ins Mitteldevon hinauf.
O. gregarium Sow. Obersilur. Nordeuropa. In Diluvialgeschieben.
O. timidum Barr. (Fig. 417). Obersilur. Böhmen.
O. commutatum Gieb. Unter- und Mitteldevon. Rheinisches
Schiefergebirge. Harz.
O. calamus de Kon. Subcarbon. Ural, Belgien, Grossbritannien.
O. Goldfussi de Kon. Subcarbon. Belgien, Grossbritannien.
O. dubium Han. (Fig. 418). Alpine Trias (Karnische St.).
Salzkammergut, Kärnten,? Bosnien.
O. elegans Mnstr. Karnische Stufe (Cassianer Sch.). Südtirol.
[Illustration: Fig. 419. Ascoceras sp. Obersilur (Ludlow Sch.). Insel
Gotland. Mittlerer Längsschnitt durch die Schale, z. Th. ergänzt. l
= die normalen Luftkammern; l₁-l₄ = die jüngsten, abnorm gebildeten
Luftkammern; W = Wohnkammer; si = Sipho; x = die Stelle, wo das Thier
später nicht mehr vorrückt; b = Bauch-, r = Rückenseite.]
Als weitere bemerkenswerthe Formen der Orthoceras-Gruppe sind zu
erwähnen:
Ascoceras Barr. (Fig. 419). Schale anfangs wie ein normales Orthoceras
mit hohen Luftkammern (l) und der Bauchseite (b) genähertem Sipho
(si). Später rückt das Thier nur sehr langsam in der Schale vorwärts,
und der grösste Theil der eizelnen, nun gebildeten Luftkammern wird auf
der Rückenseite der Wohnkammer (l₁, l₂, l₃, l₄) als seitliche Ablösung
und nur ein kleiner Theil (l₁, l₂-l₄) gleichzeitig hinter der Wohnkammer
gebildet. An einem nahezu in der Mitte gelegenen Punkte (x) findet bald
gar keine Luftkammerbildung mehr statt. Die Wohnkammer (W) biegt sich
flaschenförmig um die rückenständigen Luftkammern herum. Die älteren,
normal gebildeten Luftkammern wurden meist abgestossen. Selten im
Unter-, häufiger im Obersilur (Böhmen, Skandinavien, England).
A. Bohemicum Barr. Obersilur (E). Böhmen.
Gomphoceras Sow. (Fig. 420). Schale kurz und dick, sackförmig mit sehr
niedrigen Luftkammern, die am hinteren Ende periodisch abgestossen
werden. Wohnkammer kurz, blasig. Häufig ist der Kopf des Thieres ganz
von Schalenmasse umgeben mit Ausnahme einiger activer Theile. Das tief
herabreichende, häufig ausgeweitete Ende des medianen Mündungsspaltes
entspricht dem Trichter, eine mittlere Ausweitung dem Munde, die häufig
mit mehreren Ausbuchtungen versehene Querspalte den Armen. Sipho seiner
Lage und Beschaffenheit nach wechselnd, wie bei Orthoceras. Weit
weniger häufig als Orthoceras. Untersilur -- Steinkohlenformation,
zahlreiche Arten in Obersilur.
G. Bohemicum Barr. (Fig. 420). Obersilur (E). Böhmen.
G. inflatum Gf. sp. (Leth. pal., t. 30, Fig. 6). Mitteldevon. Eifel.
G. fusiforme Sow. sp. Subcarbon. Grossbritannien, Belgien, Russland.
[Illustration: Fig. 420. Gomphoceras Bohemicum Barr. Obersilur (E).
Böhmen. Oben: Ansicht der Wohnkammer von oben, die T-förmig verengte
Mündung zeigend. Unten: Schale gegen die Bauchseite gesehen, den tief
herabgreifenden und erweiterten Trichterausschnitt zeigend. Darunter 8
Luftkammern. ⅘.]
[Illustration: Fig. 421. Cyrtoceras Murchisoni Barr. Obersilur (E).
Böhmen. Die Wohnkammer und die Luftkammern sichtbar; die Schale z. Th.
erhalten.]
b. Cyrtoceras-Gruppe.
Cyrtoceras Gf. (Fig. 421). Schale mehr oder minder stark gebogen bis
fast eingerollt, häufig sehr rasch an Dicke zunehmend. Die convexe
Seite der Schale entspricht meist der Bauch-, seltener der Rückenseite.
Querschnitt rund oder seitlich abgeplattet, zuweilen kantig. Die
Beschaffenheit des Sipho wechselnd, wie bei Orthoceras, seine Lage
meist ausgesprochen ventral. Die Formen mit verengter Mündung,
meist gleichzeitig durch eine sehr rasche Dickenzunahme der Schale
ausgezeichnet, gehen unter dem Namen Phragmoceras. Mehrere Hundert
Arten vom Cambrium bis zum Perm, davon die meisten im Silur.
C. praecox Salt. Cambrium. Grossbritannien.
C. Murchisoni Barr. (Fig. 421). Obersilur. Böhmen.
C. (Phr.) ventricosum Sow. (Leth. pal., t. 15, Fig. 2). Obersilur.
Nordeuropa.
C. (Phr.) Broderipi Barr. (Leth. pal., t. 15, Fig. 3). Obersilur.
Böhmen.
C. depressum Gf. (Leth. pal., t. 30, Fig. 3). }
} Mitteldevon. Eifel.
C. costatum Gf. }
C. rugosum Flem. sp. Subcarbon. Grossbritannien, Belgien, Russland.
c. Gyroceras-Gruppe.
Gyroceras de Kon. (Fig. 422). Von Cyrtoceras nicht scharf geschieden.
Windungen meist langsam anwachsend, regelmässig spiral eingerollt,
sich nicht berührend. Querschnitt rund oder kantig, meist verquert
(B). Mundrand oft nach aussen übergebogen; die stehen gebliebenen
Mundränder zuweilen als Blätter an den Seiten der Schale erscheinend.
Ausserdem mannigfaltige Oberflächenverzierungen. Sipho cylindrisch,
selten dick und durch secundäre Kalkablagerungen erfüllt. Lobenlinie
meist mit deutlichem, aber flachem Seitenlobus (s). Die schneckenartig
gewundenen Formen werden als Trochoceras unterschieden. Silur -- Perm,
am häufigsten im Devon.
G. articulatum Murch. Obersilur. England.
G. (Troch.) optatum Barr. } Obersilur
G. (Troch.) placidum Barr. (Leth. pal., t. 15, Fig. 6). } (E). Böhmen.
G. alatum Barr. (Leth. pal., t. 15, Fig. 4). Unterdevon (Silur F).
Böhmen.
G. nodosum Gf. sp. (Leth. pal., t. 30, Fig. 2). Mitteldevon. Eifel.
G. propinquum de Kon. (Fig. 422). Subcarbon. Belgien.
[Illustration: Fig. 422. Gyroceras propinquum de Kon. Subcarbon.
Fossés, Belgien. A Schale von der Seite. a = Schalenanfang; s =
Scheidewand mit flachem Seitenlobus; s’ = Schale mit körnigen
Spiralstreifen bedeckt. B Schale von vorn.]
d. Nautilus-Gruppe.
Unter dieser Bezeichnung werden alle diejenigen Formen zusammengefasst,
deren Schalen regelmässig spiral eingerollte und sich berührende
oder umfassende Windungen besitzen. Derartige Schalen erscheinen
zuerst im Untersilur, führen aber, wie es scheint, z. Th. noch
eine Embryonalblase (Trocholites). Bei den späteren ist dieselbe
verschwunden und das Centrum der Schale deshalb leer (Fig. 423
A c), die Schale durchbohrt. Der Sipho bleibt nur ausnahmsweise
noch perlschnurartig. Die Septaldüten reichen zuweilen bis zur
vorhergehenden Scheidewand, meist sind sie aber kurz.
Hierher gehören die Mehrzahl der jungpaläozoischen, und fast alle
jüngeren Nautiloidea. Folgende Typen mögen hervorgehoben werden:
Trocholites. Embryonalblase vorhanden. Sipho dem Rücken genähert.
Septaldüten sehr lang, bis zur vorhergehenden Scheidewand reichend.
Lobenlinie sehr einfach. Untersilur.
Nautilus. Embryonalblase fehlt. Schale im Centrum durchbohrt. Sipho
central oder der Bauchseite genähert. Septaldüten kurz. Lobenlinie
einfach oder complicirt. Silur -- Gegenwart.
Aturia. Wie Nautilus, aber Sipho auf der Rückenseite und Septaldüten
sehr lang. Eocän -- Miocän.
Trocholites Conr. Schale (? immer) mit erhaltener Embryonalblase.
Die Windungen sich nur berührend oder wenig über die vorhergehenden
übergreifend, im Querschnitt meist queroval. Mündung oft trompetenartig
erweitert. Lobenlinie mit seichtem Seitenlobus und Rückenlobus. Sipho
rückenständig oder der Rückenseite genähert. Septaldüten bis zur
vorhergehenden Scheidewand reichend. Schale mit Quer-, seltener mit
Längsverzierungen. Nur im Untersilur.
Tr. ammonius Conr. Untersilur. Nordamerika.
Tr. incongruus Eichw. sp. Untersilur (Orthocerenkalk). Estland.
Skandinavien.
Nautilus Breyn. (Fig. 423-425). Die Schale besteht aus mindestens
3, meist aber aus mehr, sich berührenden (Fig. 423) oder seitlich
mehr oder weniger weit umfassenden (Fig. 424) Windungen. Im ersteren
Falle heissen die Schalen weitgenabelt, evolut (Nautili imperfecti),
im letzteren eng oder ungenabelt, involut (Nautili perfecti).
Letztere herrschen in den jüngeren Formationen (Jura -- Gegenwart).
Schalenoberfläche zumeist nur mit Querstreifen verziert, die auf
der Bauchseite nach rückwärts biegen (Fig. 423 A s), seltener mit
Querrippen, Knoten oder Längsverzierungen. Mundrand auf der Bauchseite
(Fig. 423 A e) und meist auch am unteren Theile der Seitenflächen
mit Ausschnitt. Scheidewände bei den evoluten Formen einfach,
uhrglasförmig, höchstens mit flachen Seitenloben, bei den involuten
mit Septalumschlag (Fig. 424 u), welcher häufig zur Bildung eines
Nahtsattels Veranlassung giebt (Fig. 424 ns). Auf dem Septalumschlage
zuweilen 2 kleinere Loben, ein äusserer (sl₂) und ein innerer (isl).
Seitenloben gerundet oder bei stark involuten Schalen häufig (il)
tief und winkelig (Fig. 424 sl₁). Ein Innenlobus fast immer, ein
medianer Bauchlobus selten (Fig. 424 es), statt seiner vielmehr meist
ein breiter Aussensattel vorhanden. Ein Adventivlobus nur gelegentlich
bei sehr hochmündigen Formen. Sipho meist ungefähr in der Mitte der
Scheidewand (Fig. 425), doch auch häufig der Externseite genähert (Fig.
424 si), selten ganz äusserlich und dann bauchständig gelegen (Fig. 423
si); meist mässig dick, cylindrisch, an der Durchbruchstelle der Septa
schwach zusammengeschnürt, selten perlschnurartig. Septaldüten kurz.
Wohnkammer kaum ½ Umgang lang. Mündung in der Regel einfach.
[Illustration: Fig. 423. Nautilus cyclostomus Phill. Subcarbon. Visé,
Belgien. A von der Seite, B von vorn. c = das durchbrochene Centrum der
Schale; x = die schwache Ablösung des letzten Umganges; e = Einschnitt
der Mündung auf der Aussen-(Bauch-)Seite; s’ = Schale mit feinen
Anwachsstreifen; s = Scheidewände mit schwacher Einbuchtung auf den
Seiten (Seitenlobus); si = der an der Aussenseite gelegene Sipho.]
[Illustration: Fig. 424. Nautilus Geinitzi Pict. Oberer Malm (Tithon).
Stramberg, Mähren. A gekammerter Steinkern von der Seite, B von vorn.
C Lobenlinie. s = Symmetrieebene der Schale; si = Sipho; n = Naht; p
= Projectionslinie des vorhergehenden Umganges; u = Septalumschlag;
el = Aussenlobus; es = Aussensattel (getheilt); sl₁ = erster, sl₂ =
zweiter Seitenlobus; isl = innerer Seitenlobus; il = Innenlobus; ss
= Seitensattel; ns = Nahtsattel; is = Innensattel. B = Rücken-, R =
Bauchseite.]
[Illustration: Fig. 425. Nautilus Danicus Schl. Oberste Kreide
(Dänische Stufe). Faxe auf Seeland. A Schale von der Seite gesehen. Die
Lobenlinie bildet einen tiefen, gerundeten Seitenlobus. B Schale von
vorn, oben und unten aufgebrochen, so dass die Fläche der Scheidewände
und das Siphonalloch sichtbar werden. C Schale von hinten.]
In dieser Begrenzung existirte die Gattung vom Silur bis zur Gegenwart.
Die stärkste Entwickelung zeigt sie von der Steinkohlenformation bis
zum Ende der Kreide (ca. 300 Arten). Lebend 2 (? 7) Arten in den
tropischen Meeren. Die nachstehende Eintheilung z. Th. nach Hyatt.
A. Schale weit genabelt. Septalumschlag fehlend oder schwach.
Silur -- Trias.
Nautili imperfecti.
1. Schale nur mit Zuwachsstreifen (Fig. 423).
N. cyclostomus Phill. (Fig. 423). } Subcarbon. Grossbritannien,
N. ingens Mart. } Belgien. Ural.
N. evolutus Mojs. Karnische Stufe. Nord- und Südalpen.
2. Schale mit Längskielen oder spiralen Höckerreihen.
N. Konincki d’Orb. (Leth. pal., t. 46, Fig. 8). Subcarbon, Belgien.
N. cariniferus d’Orb. (Leth. pal., t. 46, Fig. 8). Subcarbon.
Grossbritannien, Belgien.
N. bidorsatus Schl. Häufig im germanischen Muschelkalke, seltener
in der Lettenkohle.
3. Schale mit Querrippen.
N. Wulfeni Mojs. Karnische Stufe (Raibler Sch.). Nord- und Südalpen.
B. Schale eng genabelt oder ungenabelt. Septalumschlag mehr oder
weniger ausgedehnt (Fig. 424, 425). Perm -- Gegenwart.
Nautili perfecti.
1. Seitenlobus gerundet, meist flach. Schalenoberfläche glatt,
spiral gestreift oder quergewellt. Oft ein ausgesprochener Nahtsattel
vorhanden.
N. striatus Sow. Unterer Lias (α). }
N. intermedius Sow. Mittlerer Lias. }
N. lineatus Sow. Unterer u. mittlerer Dogger. } Mitteleuropa.
N. inornatus d’Orb. Unterer Dogger. }
N. clausus d’Orb. Mittlerer Dogger. }
N. pseudoelegans d’Orb, Neocom. Mittel- und Südeuropa.
N. plicatus Sow. Aptien. Frankreich.
N. Deslongchampsi d’Orb. }
N. Fleuriausi d’Orb. } Cenoman. Mitteleuropa.
N. expansus Sow. }
N. patens Knr. Senon. Galizien, Norddeutschland, Dänemark.
N. Dekayi Mart. Senon und Danien. Europa, Nordamerika, Südamerika,
Indien.
N. pompilius Lin. (Fig. 396, 397). Lebend. Indischer Ocean.
2. Seitenlobus winkelig und tief. Zuweilen ein Bauch- und ein
Adventivlobus entwickelt. Nahtsattel oder -lobus vorhanden (Fig. 424,
425). Trias -- Eocän.
N. triadicus Mojs. Karnische Stufe. Salzkammergut.
N. Franconicus Opp. Oxford und Kimmeridge. Mitteleuropa.
N. Geinitzi Opp. (Fig. 424). Tithon. Mähren. Unteres Neocom.
Südfrankreich.
N. Danicus Schl. (Fig. 425). Oberste Kreide (Danien). Dänemark,
Nordfrankreich, Indien.
[Illustration: Fig. 426. Aturia zic-zac Sow. Eocän. Kressenberg,
Bayern. Schale von der Seite. el = Aussenlobus; sl = zungenförmiger
Seitenlobus; es = Aussensattel; ss = Seitensattel.]
[Illustration: Fig. 427. Aufgebrochene Schale von Aturia Aturi Bast.
Miocän. Bordeaux. Der auf der Innenseite gelegene Sipho durchbricht die
Scheidewände, welch letztere sich zu langen Düten verlängern.]
Aturia Bronn. (Fig. 426, 427). Schale vollständig involut (ungenabelt).
Zuwachsstreifung auf der Bauchseite weit zurückgebogen. Septalumschlag
weit nach vorn greifend, einen vorspringenden Sattel (Seitensattel --
Fig. 426 ss) und zurückgreifenden Nahtlobus bildend. Seitenlobus (sl)
tief, zungenförmig. Aussenlobus fehlend oder schwach. Diese Gattung
schliesst sich enge an die zuletzt erwähnte Gruppe von Nautilus an,
ist aber durch die vollständig dorsale Lage des Sipho und die bis zum
vorhergehenden Septum reichenden Septaldüten unterschieden (Fig. 427).
Nur vom Eocän bis Miocän bekannt.
A. zic-zac Sow. (= lingulata v. B. sp.) (Fig. 426). Eocän.
Mitteleuropa, Aegypten, Nordamerika,? Südamerika.
A. Aturi Bast. (Fig. 427). Miocän. Mittel- und Südeuropa.
e. Lituites-Gruppe.
Hier mögen diejenigen Formen Platz finden, welche sich anfangs
regelmässig spiral einrollen nach Art von Trocholites und Nautilus,
später aber in gerader Richtung oder schwach bauchwärts eingebogen
weiter wachsen. Man bezeichnet derartige Schalen als »Nebenformen« der
normal eingerollten. Nur im Silur.
[Illustration: Fig. 428. Ophidioceras simplex Barr. Obersilur (E).
Böhmen. An der Mundöffnung ist der tiefe Trichterausschnitt, der breite
Seitenlappen und ein Theil des Dorsallappens sichtbar. ¹⁄₁.]
[Illustration: Fig. 429. Lituites lituus Mtf. Diluvialgeschiebe des
Untersilur (Echinosphäritenkalk). Norddeutschland. A Luftkammerstück
(l), z. Th. spiral, z. Th. gestreckt, von der Seite gesehen. s’ =
Schale; s = Scheidewände. B Wohnkammer (w) mit vervollständigter
Mündung von der Rückenseite (ist um 90° nach rechts gedreht zu
denken, damit sie in der gleichen Lage sich befinde, wie A). si =
Septaldüte; vb = Haftband; l = Lobenlinie des letzten Septums; d =
Rückenausschnitt, v = Bauchausschnitt, se = Seitenausschnitte der
Mündung. C die Mündung von oben. Bezeichnung wie bei B. D Lobenlinie
(B l). s = Symmetrieebene; ds = Innen- oder Dorsalsattel; es = Aussen-
oder Bauchsattel; ss = Seitensattel, den ersten Seitenlobus (sl₁) vom
zweiten (sl₂) trennend; R = Rücken-, B = Bauchseite.]
Ophidioceras Barr. (Fig. 428). Schale flach, scheibenförmig,
quergerippt, auf der Aussenseite meist mit 2 Kielen. Nur ein kleiner
Theil des letzten Umgangs von der Schale abgelöst, so dass die
Wohnkammer z. Th. noch der Spirale angehört. Lobenlinie einfach.
Mundöffnung mit einem eingebogenen Dorsal- und 2 breiten Seitenlappen.
Trichterausschnitt tief. Silur.
O. reticulatum Aug. Untersilur. Skandinavien.
O. simplex Barr. (Fig. 428). Obersilur. Böhmen.
Lituites Breyn (Fig. 429). Schale bischofsstabartig, anfangs nach
Art von Gyroceras oder Trocholites eingerollt, später sich gerade
streckend, wobei die Bauchseite oft schwach concav (A). Luftkammern
häufig auch auf den gestreckten Theil übergreifend. Schalenoberfläche
(s’) quer gestreift oder gewellt. Die Streifen auf der Bauchseite
zurückgreifend. Scheidewände (s) mit kurzen Düten (B si). Lobenlinie
im complicirtesten Falle mit 2 Seitenloben (D sl₁, sl₂) und einem
dorsalen (inneren) Sattel (D is). Das Verwachsungsband zeigt eine
Verbreiterung auf der Rückenseite (B vb). Sipho eng, röhrenförmig, in
dem gerollten Theile der Schale mehr oder weniger excentrisch nach der
Rückenseite zu, im gestreckten Theile ungefähr in der Mitte gelegen.
Mündung (B, C) mit 4 Ausschnitten, deren tiefster der Bauchseite (v),
deren flachster (d) der Rückenseite entspricht. Die Fortsätze des
Mundrandes sind nach innen eingebogen (C), die bauchständigen länger
als die rückenständigen. Untersilur der russischen Ostseeprovinzen und
Skandinaviens.
L. lituus Mtf. (Fig. 429). } Untersilur (Echinosphäritenkalk). Als
L. perfectus Wahlb. } Diluvialgeschiebe in Norddeutschland.
Anhang: Fossile Kiefer der Nautiloidea.
Der lebende Nautilus besitzt einen hornigen, vorn schwach verkalkten
Kieferapparat von der Gestalt eines umgekehrten Papageischnabels
(der Unterkiefer greift über den Oberkiefer). Stärker verkalkte und
deshalb fossil gut erhaltene Kiefer finden sich nicht selten in den
mesozoischen Formationen, während sie in paläozoischen gänzlich zu
fehlen scheinen. Am häufigsten und bekanntesten sind die unter dem
Namen Rhyncholithes hirundo F.-Big. laufenden Oberkiefer und die
Conchorhynchus avirostris Blv. genannten Unterkiefer des deutschen
Muschelkalkes, die wohl mit Recht dem Nautilus bidorsatus (p. 368)
zugeschrieben werden (Fig. 430).
[Illustration: Fig. 430. Oberkiefer von Nautilus bidorsatus Schl.
(= Rhyncholithes hirundo F.-Big.). Oberer Muschelkalk. Laineck bei
Bayreuth. Links: von unten. Mitte: von oben. Rechts: von der Seite.]
Geologische Verbreitung der Nautiloidea.
Die Nautiloidea in der hier gegebenen Begrenzung (also incl. der
Endoceratidae) gehören mit zu den ältesten uns bis jetzt bekannt
gewordenen Fossilien. In cambrischen Schichten sind nur wenige,
z. Th. noch nicht hinreichend untersuchte Reste gefunden worden
(Piloceras, Cyrtoceras). Im Untersilur tritt uns aber bereits eine so
grosse Mannigfaltigkeit von Formen entgegen, dass die Annahme einer
längeren präsilurischen Existenz dieser Gruppe unabweisbar erscheint.
Im Untersilur treffen wir bereits alle Stadien der Einrollung
von Orthoceras bis zu Trocholites, ja die im Silur erlöschende
Lituites-Gruppe zeigt uns schon den Beginn der Degeneration der
eingerollten Schalen. Jedenfalls fällt die höchste Entwickelung
der Nautiloidea in die Silurzeit. Von den nicht oder unvollständig
eingerollten Formen leben nur 3 (Orthoceras, Cyrtoceras und Gyroceras)
bis zum Schlusse der paläozoischen Periode und nur Orthoceras setzt
bis in die Trias fort. In der Steinkohlenformation beginnt die
reichste Entfaltung der Nautilus-Gruppe und hält bis zum Schluss der
mesozoischen Periode an. Die tertiären und lebenden Formen sind wenig
zahlreich.
Der Bau der Schale und die Anheftung des Thieres haben seit der
Silurzeit keine wesentlichen Aenderungen erfahren, aber die verengten
Mündungen mancher paläozoischen Schalen beweisen, dass die Anhänge des
Kopfes damals eher nach Art der übrigen Cephalopoden beschaffen waren,
dass speciell die Vereinigung der dorsalen Kopfanhänge zu einer Kapuze
sowie die Differenzirung der Arme zu Tentakeln, wie sie der lebende
Nautilus zeigt, nicht allen Vertretern zukamen. An den mesozoischen und
jüngeren Schalen werden verengte Mundöffnungen nicht mehr beobachtet.
Fast alle die hier unterschiedenen Gattungen der Nautilidae sind
inhomogene und bezeichnen nur gewissen Stadien der Einrollung; aber
die Auflösung derselben in natürliche Reihen erscheint zur Zeit noch
verfrüht. Die geologische Verbreitung der angeführten Gattungen ist im
Nachfolgenden zusammengestellt:
+--------------+----------+---------+-----+-------------+-----+-----+-------+---------+
| |Cambrium | | |Steinkohlenf.| | | | |
| | u. |Obersilur|Devon| und |Trias|Jura | Kreide| Tertiär |
| |Untersilur| | | Perm | | | | |
+--------------+----------+---------+-----+-------------+-----+-----+-------+---------+
|Endoceratidae:| | | | | | | | |
| Endoceras | --- | | | | | | | |
|Nautilidae: | | | | | | | | |
| Orthoceras | --- | --- | | | | | | |
| Gomphoceras | --- | --- | --- | --- | ... | | | |
| Ascoceras | --- | --- | --- | --- | | | | |
| Cyrtoceras | --- | --- | --- | --- | | | | |
| Gyroceras | --- | --- | --- | --- | | | | |
| Trocholites | --- | | | | | | | |
| Nautilus | | ... | ... | --- | | | | |
| Aturia | | | | | --- | --- | --- | ... |
| Ophidioceras| --- | --- | | | | | | --- |
| Lituites | --- | | | | | | | |
+--------------+----------+---------+-----+-------------+-----+-----+-------+---------+
2. Ordnung Ammonoidea.
Die Schalen der Ammonoidea zeichnen sich vor denen der Nautiloidea im
Allgemeinen durch die reichere Schalenverzierung, die bauchständige
Lage und geringe Weite des Siphos, durch den Besitz einer
Embryonalblase und durch stärkere Verzweigung des Hinterrandes des
Haftbandes aus. Allein je weiter man die Ammonoidea in die Vorzeit
zurück verfolgt, um so mehr treten die unterscheidenden Merkmale
in den Hintergrund, so dass die ältesten Formen kaum anders als
conventionell von den Nautiloidea getrennt werden können. Die
ältesten zu den Ammonoidea gerechneten Schalen treffen wir im Devon,
wo theils gerade, theils spiral eingerollte Formen erscheinen, die
nur durch die bauchständige Lage des fadenförmigen Sipho, durch
einen schwach entwickelten Aussenlobus und die Persistenz der
kugeligen Embryonalblase (Fig. 431 e) sich von den gleichaltrigen
Nautilidae unterscheiden. Die Lobenlinie zeigt jederseits nur einen
flachen Seitenlobus (Fig. 432 sl) und den Anfang eines (bei den
Nautilidae nur selten entwickelten) unpaaren Aussenlobus, der sich
bei grösseren Individuen bald trichterförmig vertieft. Alle übrigen
Merkmale, insbesondere die procöle Gestalt der Scheidewände, den
Trichterausschnitt und die Septaldüte haben sie mit den Nautilidae
gemein. Aber schon im Oberdevon und in der Steinkohlenformation machen
diese nautiloiden Formen echt ammonoiden Platz. Der Seitenlobus
vertieft sich, ebenso der Aussenlobus; letzterer greift sehr bald bis
hinter die Ansatzstelle des Sipho zurück und wird dadurch zweispitzig
(Fig. 433 el), indem ein Mittelsattel (ms) die beiden Enden von
einander trennt. In Folge einer stärkeren Einrollung der Schale bildet
sich ein Innenlobus (il) und die Scheidewände verlängern sich zu einem
Septalumschlag (u). Fast durchgängig kommt der Seitenlobus (sl)
ausserhalb der Projection des ersten Umgangs zu liegen (Fig. 433), nur
selten liegt er z. Th. innerhalb derselben (Fig. 434 sl). Ein innerer
Seitenlobus (isl), ausgeprägter als er bei den Nautilidae je auftritt,
liegt auf der inneren Seite des Umschlages (Fig. 433 isl, 434 isl).
Jetzt sehen wir also folgendes Schema der Lobenlinie:
Mittelebene
|
Bauch
|
Mittelsattel (ms)
Aussenlobus (el) | Aussenlobus (el)
Aussensattel (es) | Aussensattel (es)
Seitenlobus (sl) | Seitenlobus (sl)
Seitensattel (ss) | Seitensattel (ss)
-------------------------------------------Innenlobus (il)--------------Projection des vorgehenden Umganges (p)
|
Septalumschlag (u) { Innensattel (is) | Innensattel (is) } Septalumschlag (u)
{ innerer Seitenlobus (isl) | innerer Seitenlobus (isl) }
mit Nahtlobus (nl) |
oder -Sattel (ns) Rücken
|
Mittelebene
I. Paarige Loben: Seitenlobus (sl), innerer Seitenlobus (isl).
Paarige Sättel: Aussensattel (es), Seitensattel (ss), Innensattel (is).
II. Unpaare Loben: Aussenlobus (es) getheilt, Innenlobus (il).
Unpaare Sättel: Mittelsattel (ms).
[Illustration: Fig. 431. Schalenanfang von Mimoceras compressum
Beyr. Mitteldevon. Nassau. e = Embryonalblase; 1-5 die ersten fünf
Scheidewände.]
[Illustration: Fig. 432. Anarcestes subnautilinus. Mitteldevon. Nassau.
Schale von der Seite. sl = Seitenlobus.]
[Illustration: Fig. 433. Glyphioceras sphaericum Mart. Subcarbon.
Ratingen b. Düsseldorf. Schale gegen die Septalfläche gesehen.
el = Aussen-, sl = Seitenlobus; isl = innerer Seitenlobus; il =
Innenlobus; ms = Mittelsattel; es = Aussensattel; is = Innensattel; n =
Septalumschlag; si = Sipho.]
[Illustration: Fig. 434. Manticoceras primordiale Schl. Oberdevon.
Grund am Harz. p = Projection des vorhergehenden Umganges; ss =
Seitensattel; nl = Nahtlobus; die übrige Bezeichnung wie in Fig. 433.]
In den meisten Zweigen des Ammonoideen-Stammes greift aber schon im
Devon eine weitere Vermehrung der Loben Platz. An Stelle des einen
Seitenlobus treten 2 oder mehrere auf, die im Allgemeinen gegen die
Naht zu kleiner werden. Soweit dieselben ausserhalb der Projection des
vorhergehenden Umganges bleiben, heissen sie Seitenloben (sl) und zwar,
von aussen gegen innen gezählt, erster (I, sl₁), zweiter (II, sl₂) etc.
(Fig. 435), während die Loben des Umschlages als Hilfsloben [äussere
(hl) und innere (ihl)] bezeichnet werden (Fig. 436). In gleicher Weise
werden die Sättel benannt: I. Seitensattel (ss₁) [zwischen dem I. und
II. Seitenlobus] etc. Die Seiten- und Hilfsloben schieben sich im
Allgemeinen von innen, d. h. von der Naht her ein. Zuweilen vermehren
sich die Seitenloben aber sehr reichlich durch Zertheilung des
Aussensattels (Fig. 437 es). Die so entstandenen Loben zeichnen sich im
Allgemeinen durch geringere Tiefe vor den eigentlichen Seitenloben aus,
weshalb sie als Adventivloben (al), und die sie trennenden Sättel als
Adventivsättel (as) unterschieden werden. Biegt die Lobenlinie an der
Naht auf, so heisst der betr. Vorsprung Nahtsattel, biegt sie zurück,
Nahtlobus (Fig. 435 nl).
[Illustration: Fig. 435. Sporadoceras Bronni Mnstr. Oberdevon. Brilon,
Westfalen. Der äussere Theil der Lobenlinie bis zur Naht (n); mit
zwei Seitenloben (sl₁, sl₂) und zwei Seitensätteln (ss₁, ss₂); nl =
Nahtlobus; el = Aussenlobus.]
[Illustration: Fig. 436. Pharciceras tridens Sdb. Oberdevon. Nassau.
Lobenlinie mit Seiten- (sl) und äusseren Hilfsloben (hl).]
[Illustration: Fig. 437. Beloceras multilobatum Beyr. Oberdevon.
Martenberg, Waldeck. Die Lobenlinie zeigt den durch Adventivloben
zertheilten Aussensattel (es) sowie die Seiten- (sl) und Hilfsloben
(hl); ss = Seitensättel; hs = Hilfssättel.]
Die Einrollung der Schale sowie die Complication der Lobenlinie machen
sich zuerst am erwachsenen Individuum geltend und übertragen sich nach
und nach mehr oder weniger vollständig auf die inneren Windungen,
speciell auch auf die Embryonalblase; diese rollt sich zunächst spiral
ein, ihr Vorderrand besitzt aber noch keinen Vorsprung (asellates
Stadium), später aber springt die Bauchseite in der Form eines breiten
Sattels (es) vor (latisellates Stadium -- Fig. 438).
[Illustration: Fig. 438. Latisellate Embryonalblase von Glyphioceras
diadema Gf. A von der Seite, B von oben, C von vorn. es = der breite
Aussensattel; si = Sipho; n = Nabel.]
Diese ältesten, bis zum Schluss der Steinkohlenformation fast
ausschliesslich vorhandenen Formen, deren Lobenlinien zwar schon stark
ausgebuchtet, deren Sättel und Loben aber noch ganzrandig erscheinen,
hat man als Goniatiten (und Clymenien) von den jüngeren sog. Ammoniten
abgeschieden. Sie repräsentiren das älteste Entwicklungsstadium des
Ammonoidenstammes, in welchem noch viele nautiloide Charaktere,
insbesondere der Trichterausschnitt auf der Bauchseite und die davon
abhängige Rückläufigkeit der Zuwachsstreifung und Skulptur fast
durchgängig persistiren, während andere Merkmale, wie die procöle
Gestalt der Scheidewände und die Septaldüten bei den jüngeren
Goniatiten ganz allmählich verschwinden.
Das im Allgemeinen mit der Permformation beginnende Ammonitenstadium
macht sich vor allem durch eine allmählich eintretende Zerschlitzung
der Loben und Sättel bemerkbar (Fig. 440-442). Als eine Folge des
weiteren Zurückgreifens der am Haftband endigenden Muskeln muss die
opisthocöle Gestalt der Scheidewand betrachtet werden. Die Septaldüte
verschwindet allmählich und an ihre Stelle tritt ein nach vorn
gerichteter, stets sehr kurzer Septalkragen. Die Grösse der Schalen und
die Mannigfaltigkeit der Verzierungen nimmt zu. Der Trichterausschnitt
verschwindet allmählich, indem die Schale auf der Bauchseite stärker
wächst, Zuwachsstreifung und Skulptur richten sich nach vorn. Die
erste Scheidewand bleibt bei einer wenig umfangreichen, aber während
der Triaszeit dominirenden Gruppe latisellat (Fig. 438), bei allen
übrigen Ammoniten wird sie angustisellat (Fig. 439), indem die schon
an der ersten Scheidewand auftretenden Seitenloben (sl) den breiten
Aussensattel ausbuchten und ihn in einen schmalen Aussensattel (es),
und zwei Seitensättel (ss) zerlegen. Auch der innere Theil der
Lobenlinie zeigt häufig bereits Ausbuchtungen (is, il). Angustisellate
Ammoniten sind in der Trias bereits häufig, im Jura und in der Kreide
ausschliesslich vorhanden.
[Illustration: Fig. 439. Angustisellate Embryonalblase eines Ammoniten
(Coeloceras crassum Phill.) von vorn gesehen. es = der schmale
Aussensattel; ss = Seitensättel; sl₁ = Seitenlobus; n = Nabel; is =
Innensattel; il = Innenlobus: si = Sipho.]
[Illustration: Fig. 440. Eine brachyphyll zerschlitzte Lobenlinie
(Trachyceras Archelaus Lbe.). Loben und Sättel sind durch zahlreiche,
aber wenig tiefe Kerben zerschnitten.]
Die Umbildung der goniatitischen Lobenform in die zerschlitztere
ammonitische geht wesentlich auf zwei verschiedene Weisen vor sich.
Entweder verbreiten sich erst über die Loben, später auch über die
meist breitstämmigen Sättel zahlreiche, nahezu gleich tiefe Kerben
(brachyphylle Zerschlitzung Fig. 440) oder es ergreift die von den
Loben ausgehende Kerbung zunächst nur die meist verschmälerte Basis
der Sättel und spaltet einzelne Aeste davon ab, während die Endigungen
der Sättel zunächst intact und dann meist gerundet blattförmig oder
seltener spitz bleiben (phylloide Zerschlitzung -- Fig. 441). Indem nun
die Kerben immer tiefer zurückgreifen und sich verästeln, entstehen
jene zierlichen, mannigfaltig verästelten Lobenlinien, welche der
Mehrzahl der mesozoischen Ammonoidea ein ganz charakteristisches
Aussehen verleihen (Fig. 442).
[Illustration: Fig. 441. Eine phylloid zerschlitzte Lobenlinie
(Popanoceras multistriatum Gem.). Wenige, aber relativ tiefe
Einschnitte der Loben- und Sattelstämme. Die Sattelenden blattförmig.]
[Illustration: Fig. 442. Eine reich verästelte und zertheilte
Ammonitenlobenlinie (Hammatoceras Sowerbyi Mill.), durch phylloide
Zerschlitzung entstanden.]
[Illustration: Fig. 443. A Lobenlinie der ersten (I), zweiten (II)
und einer späteren (III) Scheidewand von Goniatites cf. vesica Phill.
Die erste Scheidewand zeigt nur einen Aussensattel (es), die zweite
denselben durch den Aussenlobus (el) getheilt. Später (III) entsteht
der Mittelsattel (ms). B Lobenlinie der ersten (I) und zweiten (II)
Scheidewand von Amaltheus oxynotus, den goniatitischen Charakter
zeigend. Schon auf der ersten Scheidewand ist ausser dem Aussenlobus
ein Seitensattel (ss) entwickelt.]
[Illustration: Fig. 444. Schalenanfang eines Ammoniten (Amaltheus
spinatus Brug.) bis dicht vor die Mittelebene aufgeschnitten. Das
Innere der Embryonalblase (e), der bauchständige Sipho (si) und dessen
blindsackförmige Endigung in der Embryonalblase (b) sichtbar. s₁-s₁₁
= die ersten elf Scheidewände.]
Die Entwickelung des Ammoniten-Individuums spiegelt uns deutlich
die Geschichte des Stammes wieder. Auf den inneren Windungen eines
Ammoniten mit reich zerschlitzter Lobenlinie vereinfachen sich Loben
und Sättel immer mehr, ihre Zahl nimmt ab und die ersten Scheidewände
zeigen eine goniatitische Lobenlinie (Fig. 443 B). Auf der ersten
Scheidewand (Fig. 443 B I) ist auch der Aussenlobus (el) und häufig
auch die letzte Spur der Innenloben verschwunden, ein Verhalten,
welches bei den eingerollten paläozoischen Nautilidae im erwachsenen
Zustande die Regel ist. Der beim ausgewachsenen Ammoniten stets sehr
dünne, bauchständige Sipho (Fig. 444 si) rückt bei triadischen Formen
in der Jugend zuweilen mehr oder weniger nach der Mitte oder gar
nach dem Rücken und erweitert sich gegen die Embryonalblase zu, in
deren vorderem Theile er blindsackförmig endigt (Fig. 444 b). Die in
der erwachsenen Schale stets vorhandenen Septalkragen kehren sich auf
den inneren Windungen zuweilen in Septaldüten um. Die opisthocöle
Scheidewand, die den jüngeren Goniatiten bereits zukommt, wird auf den
innersten Windungen flach und endlich procöl.
[Illustration: Fig. 445. Crioceras-Stadium der Ammonitenschale. Alle
Umgänge abgelöst, aber spiral in einer Ebene gerollt.]
[Illustration: Fig. 446. Scaphites-Stadium der Ammonitenschale.
Die inneren Umgänge eingerollt, die Wohnkammer z. Th. abgelöst und
hakenförmig umgebogen.]
Zusammenfassung der Merkmale der Schale.
Die Schale bildet in der Regel eine geschlossene, symmetrische
Spirale mit sich berührenden oder umfassenden Windungen. Die ältesten
Formen sind z. Th. gerade, oder in der Jugend noch nicht vollständig
eingerollt (Fig. 431). In verschiedenen Zweigen des Ammonoidea-Stammes
macht sich zu verschiedenen Zeiten (Trias, Jura, Kreide) die Tendenz
zum Aufgeben der geschlossen symmetrischen Spirale und zur Bildung
sogenannter Nebenformen geltend. Dieser Prozess geht in der Mehrzahl
der Fälle auf die Weise vor sich, dass zuerst die Wohnkammer sich
vom vorhergehenden Umgange abhebt und nach und nach auch die inneren
Windungen sich von einander lösen, wobei die Umgänge aber in einer
Ebene bleiben -- Crioceras-Stadium (Fig. 445). Häufig wächst die Schale
eine Strecke weit in gerader Richtung, biegt dann aber hakenförmig
um -- Ancyloceras-, Hamites-Stadium (Fig. 447) -- Scaphites-Stadium,
wenn sich die Ablösung auf die Wohnkammern beschränkt (Fig. 446).
Schliesslich entstehen ganz gestreckte Gehäuse -- Baculites-Stadium
(Fig. 448). Weit seltener ist der Fall, in welchem die Windungen aus
der Symmetrieebene heraustreten und sich nach Art einer Schneckenschale
aufrollen. wobei die Windungen entweder mit einander in Berührung
bleiben oder sich von einander ablösen -- Turrilites-Stadium (Fig.
449). Die Wohnkammer normal eingerollter Schalen weicht nicht selten
von dem gekammerten Theile durch abnormes Wachsthum ab. Dieses kommt in
einer grösseren Evolution der Wohnkammer zum Ausdruck und ist entweder
von einem knieförmigen Einknicken der Wohnkammer (geknickte Wohnkammer
-- Fig. 450) oder von einer Verschmälerung des Breiten- und einer
Vermehrung des Höhendurchmessers derselben begleitet (ausgeschnürte
Wohnkammer -- Fig. 451).
[Illustration: Fig. 447. Hamites-Stadium der Ammonitenschale. Alle
Umgänge gerade gestreckt, aber periodisch umgeknickt.]
[Illustration: Fig. 448. Baculites-Stadium der Ammonitenschale. Schale
stabförmig gerade.]
[Illustration: Fig. 449. Turrilites-Stadium der Ammonitenschale.
Die Umgänge berühren sich, sind aber nach Art der Schneckenschale
aufgerollt.]
Die Länge der Wohnkammer ist im Allgemeinen viel beträchtlicher als bei
den Nautilidae. Durchschnittlich beträgt sie ½-¾ Umgang, in einigen
Familien aber bis 1½ Umgänge. Der Rand der Wohnkammer ist selten
gerade abgestutzt, vielmehr zeigt sich bei den meisten paläozoischen
Formen ein Ausschnitt auf der Bauchseite (Trichterausschnitt), bei
den jüngeren Formen aber ein gerader, zuweilen auch hornförmig
zurückgekrümmter Fortsatz (Trichterfortsatz), welcher vom Trichter
gebildet wurde. Seitliche Vorsprünge des Mundrandes -- Ohren --
(Fig. 450 o) erscheinen periodisch in manchen Gruppen. Sie können
sich löffelartig verbreitern, nach innen umbiegen (Fig. 450 B) und
bis auf den vorhergehenden Umgang hinabreichen, so dass nur wenige,
deutlich begrenzte Oeffnungen der Mündung übrig bleiben (Fig. 450).
Die medianen, unpaaren entsprechen wohl der Lage des Trichters (m),
des Mundes und der kleinen Kopfanhänge (m’), die paarigen seitlichen
in der Nähe der Bauchseite der der Augen (e) und die der Rückenseite
den stärkeren Rückenarmen (i). Diese seitlichen Vorsprünge des
Mundrandes wurden in gewissen Ruhezuständen von der Epidermis des
Kopfes erzeugt. In dieselbe Kategorie der Kopfschalenbildungen sind die
sog. Runzelschichten zu zählen, die als discontinuirliche Auflagerungen
in der Form welliger Längs- oder Querstreifen vor der Mündung auf dem
letzten Umgange, in der Schale dagegen als Kalklamellen mit vertieften
Eindrücken erscheinen. Sie wurden wie beim lebenden Nautilus zusammen
mit eingeschrumpfter, brauner Conchyolinmasse dort abgelagert, wo
der Kopf des Thieres einige Zeit mit der Schale in Berührung blieb.
Wulstartig verdickte und dann meist abgestutzte Mundränder (varices --
Fig. 451 A v) treten häufig auf. Werden dieselben beim Weiterwachsen
des Thieres nicht vollständig resorbirt -- was bei unverzierten Schalen
häufig geschieht --, so sind sie entweder nur auf dem Steinkern als
Furchen, oder aber auch auf der Schale als Wulst und Furchen sichtbar
(Fig. 452). Nicht verdickte, sondern nur verengte Mundränder markiren
sich als Einschnürung in gleicher Weise auf Schale und Steinkern (Fig.
453). Soweit das Thier dem vorhergehenden Umgang anlag, wurde in der
Regel kein ostracum gebildet, so dass die innere Wand der Wohnkammer,
von der Perlmutterlage abgesehen, meist fehlt.
[Illustration: Fig. 450. Haploceras Cadomense d’Orb. Mittlerer Dogger,
Bayeux, Calvados. Schale mit geknickter Wohnkammer. Mündung durch
Seitenohren (o) z. Th. geschlossen. m = Trichterausschnitt; m’ =
Mundausschnitt; e = äussere seitliche, i = innere seitliche Oeffnungen.]
[Illustration: Fig. 451. Stephanoceras (Sphaeroceras) microcrostoma
Unt. Callovien. Schwaben. A Schale mit ausgeschnürter Wohnkammer.
Mündung mit erhaltenem Rande (mr); c = innerer Seitenausschnitt
desselben; wu = Mündungswulst. B Schalenquerschnitt, um die Verengerung
des Nabels (n) und die Zurundung der Wohnkammer (w) zu zeigen.]
[Illustration: Fig. 452. Eine Ammonitenschale mit stehengebliebenen
Mundwülsten (varices -- v). A von der Seite, B von hinten.]
[Illustration: Fig. 453. Eine Ammonitenschale mit stehengebliebenen
Mundrand-Einschnürungen (f). A von der Seite, B von vorn.]
[Illustration: Fig. 454. A Ansicht der Septalfläche und B der
abgewickelten Lobenlinie von Lytoceras fimbriatum Sow. Es sind nur die
6 Fundamentalloben (el, sl₁, sl₁, sl₂, sl₂, il) entwickelt. Der zweite
Seitensattel (ss₂) ist wie der erste (ss₁) in der Mitte getheilt (x).
Hilfsloben fehlen.]
Die Entstehung der komplizirten Lobenlinie der jüngeren Ammonoidea
wurde oben bereits geschildert. Bei der hohen Wichtigkeit, welche
dieselbe für die Systematik besitzt, muss die verschiedenartige
Ausbildung derselben noch etwas eingehender besprochen werden. Die
Lobenlinie der jüngeren Ammoniten setzt sich aus sechs Fundamentalloben
und der gleichen Anzahl von Sätteln -- abgesehen vom Mediansattel
-- zusammen. Die Loben entsprechen, vielleicht mit Ausnahme des
Innenlobus, den Endigungen von Muskelbündeln am Hinterrande des
Haftbandes, zwischen welchen die ebenfalls muskulösen Theile des
Haftbandes als Sättel vorspringen. Der Innenlobus dürfte in ähnlicher
Weise wie bei den Nautilidae nur durch ein Zurückbleiben des dorsalen
Theiles des Weichkörpers infolge der exogastrischen Einrollung
entstanden sein. Die Sechszahl der Loben findet sich bei einer Anzahl
Goniatiten und bei allen Ammoniten, deren Windungen sich nicht
umfassen, einerlei ob sie sich berühren oder nicht (Fig. 454). [Man
bringt die Lobenlinie gewöhnlich zur bildlichen Darstellung, indem
man sich dieselbe abgerollt und ausgebreitet denkt. Da sie sich mit
seltenen Ausnahmen aus zwei symmetrischen Stücken zusammensetzt,
genügt die Darstellung der einen Hälfte (Fig. 454 B)]. Das Auftreten
von Hilfsloben steht im Zusammenhange mit der Involution der Schale.
Wenn die Umgänge sich nicht umfassen (Fig. 454 A), sind nur die 6
Fundamentalloben vorhanden und dieselben sind nicht nur symmetrisch
nach der Symmetrieebene der Schale, sondern auch fast symmetrisch
nach einer dazu senkrechten Querebene (s-s) angeordnet. Der zweite
Seitensattel (ss₂) ist gleichzeitig Innensattel. Sobald aber die
Windungen sich seitlich etwas umfassen, verbreitert sich der zweite
Seitensattel (Fig. 455 A ss₂) und wird durch einen Hilfslobus getheilt
(A y, B hl). Jetzt scheidet ein Nahtlobus (hl) den eigentlichen
zweiten Seitensattel (Fig. 455 B ss₂) von dem Innensattel (is); der
eine Ast des Nahtlobus liegt ausserhalb, der andere innerhalb der Naht
(n). Der kleinere, äussere Einschnitt des zweiten Seitensattels wird
entsprechend dem Einschnitte Fig. 455 A noch nicht als Hilfslobus
gezählt, sondern als ein Theil des zweiten Seitensattels betrachtet; er
ist auch noch nicht ganz auf den Septalumschlag gerückt.
[Illustration: Fig. 455. A Ansicht der Septalfläche und B der
abgewickelten Lobenlinie von Arietites Bucklandi Sow. Der zweite
Seitensattel (A ss₂) ist durch zwei Einschnitte (x, y) getheilt; der
innere derselben (y) theilt als Hilfslobus (B hl) einen Innensattel
(is) vom zweitheiligen zweiten Seitensattel ab.]
Die Zahl der Hilfsloben nimmt bei hochmündigen Schalen im Allgemeinen
um so stärker zu, je mehr sich die Windungen umfassen (Fig. 456, 457).
Es zeigen in diesem Falle die äusseren Hilfsloben (hl) und -sättel
(hs) das Bestreben, sich den inneren (ihl, ihs) gegenüber und beide
sich symmetrisch zu einer Linie zu stellen, welche den Septalumschlag
(u) jederseits der Länge nach theilt (s-s). Bei sehr niedrigmündigen
und breiten Schalen (Fig. 459) dagegen ordnen sich die Loben derart
an, dass die seitlichen Fundamentalloben (sl₁, sl₂) sich den stark
entwickelten inneren Hilfsloben (isl) gegenüber und beide symmetrisch
zu einer Linie (s-s) stellen, welche dem Schalenumfange parallel läuft;
die äusseren Hilfsloben (hl) bleiben dann häufig klein. Adventive
Elemente (al, as) treten bei Schalen mit spitz dreieckigem Querschnitte
auf (Fig. 457); sie entstehen durch Zerspaltung des Aussensattels;
ihre Unterscheidung von den Fundamentalloben ist dann schwierig und
unsicher, wenn sie dieselbe Zertheilung und Tiefe erlangen, wie diese
(Fig. 457).
Wenn der zweite Seitenlobus (Fig. 458 sl₂) an Grösse hinter dem ersten
(sl₁) beträchtlich zurückbleibt, dadurch den Charakter eines Hilfslobus
annimmt und der Septalumschlag weit nach hinten zurückgeschlagen ist
(Fig. 458), so fasst man den zweiten Seitenlobus und die äusseren
Hilfsloben unter der Bezeichnung Suspensivlobus zusammen.
[Illustration: Fig. 456. Septalfläche von Phylloceras heterophyllum
Sow. Die Loben sind überzählig, d. h. drei Hauptloben (sl₁-sl₃) stehen
ausserhalb der Projectionsebene des vorhergehenden Umganges (p).
Auf dem Septalumschlage (u) zahlreiche äussere (hl, hs) und innere
(ihl, ihs) Hilfsloben und -Sättel, welche sich ungefähr symmetrisch
zur Mittellinie des Umschlages (s-s) stellen; s’ = Schale des
vorhergehenden Umganges.]
[Illustration: Fig. 457. Septalfläche von Placenticeras placenta Dek.
Loben vollzählig [2 Seitenloben (sl₁, sl₂) ausserhalb der Projection
des vorhergehenden Umganges] mit adventiven Elementen [2 Adventivloben
(al₁, al₂)].]
[Illustration: Fig. 458. Septalfläche von Perisphinctes funatus Opp.
Loben vollzählig (sl₁, sl₂), aber der zweite Seitenlobus ist stark
reducirt und liegt mitsammt den Hilfsloben (hl) auf einer stark
zurückgeschlagenen Fläche des Septums -- Suspensivlobus.]
In der Regel liegen bei den Ammoniten der Trias, des Jura und
der Kreide 2 sog. Hauptloben, nämlich der I. und II. Seitenlobus
ausserhalb der Projection des vorhergehenden Umgangs und die Hilfsloben
beschränken sich auf den Septalumschlag (Fig. 458). Wir nennen in
diesem Falle die Loben vollzählig, bei gleichzeitigem Auftreten von
Adventivloben (Fig. 457 al), vollzählig mit adventiven Elementen.
Rücken noch weitere Loben vom Septalumschlage auf die Fläche ausserhalb
der Projectionslinie (Fig. 456 sl₃), so heissen sie überzählig; steht
der zweite Seitenlobus dagegen auf dem Umschlage (Fig. 459 sl₂), so
heissen sie unterzählig.
Die Form der Loben und der Sättel unterliegt mannigfachen
Veränderungen. Folgende Typen der Lobenlinie sind im goniatitischen
Stadium deutlich ausgeprägt und erhalten sich z. Th. noch im
ammonitischen:
1. Die Sättel sind an der Basis breit und verschmälern sich nach der
Spitze zu gleichmässig. Die Loben endigen spitz und sind zahlreich; die
Zerschlitzung ist phylloid -- serratiforme Loben (Fig. 460).
[Illustration: Fig. 459. Septalfläche eines niedrigmündigen Ammoniten
(Sphaeroceras bullatum d’Orb.). Die Loben sind unterzählig; sl₂
innerhalb der Projection des vorhergehenden Umganges (p). Die
Hauptloben (sl₁, sl₂) stehen den inneren Hilfsloben (ihl) gegenüber;
die äusseren Hilfsloben (hl) sind wenig ausgeprägt. ¹⁄₁.]
[Illustration: Fig. 460. Serratiforme Lobenlinie im Beginn der
ammonitischen Zerschlitzung (Meddlicottia Trautscholdi Gem.).]
2. Die Sättel sind an der Basis breit, an der Spitze gerundet und
zertheilen sich brachyphyll. Die Loben endigen breit, zungenförmig --
linguatiforme Loben (Fig. 461).
[Illustration: Fig. 461. Linguatiforme Lobenlinie. A im goniatitischen,
B im ammonitischen Stadium (A = Pharciceras tridens Sdb., B = Ptychites
gibbus Ben.).]
[Illustration: Fig. 462. Lanceolatiforme Lobenlinie. A im
goniatitischen Stadium mit beginnender Zertheilung des ersten
Seitenlobus (sl₁), B im ammonitischen Stadium (A = Pronorites
cyclolobus Phill., B = Megaphyllites Jarbas Mnstr.).]
3. Die Sättel sind an der Basis verschmälert, an der Spitze verbreitert
und zertheilen sich phylloid -- lanceolatiforme Loben (Fig. 462).
Der Sipho liegt bei allen erwachsenen Goniatiten und Ammoniten der
Bauchseite der Schale dicht an, in der Jugend schwankt seine Lage
oft, er kann sogar dorsal zu liegen kommen; letztere Lage wird bei
einer Goniatitengruppe, den sog. Clymenien, persistent (Fig. 479).
Nur bei diesen umgeben die Septaldüten den Sipho zuweilen bis zur
vorhergehenden Scheidewand, sonst sind sie bei den Goniatiten kurz;
bei den Ammoniten treten kurze Septalkragen auf und der Sipho selbst
scheidet eine dünne, kalkige Siphonalscheide aus.
Die Schalen der Ammonoidea zeichnen sich vor denen der Nautiloidea
im Allgemeinen durch reichere Verzierungen aus. Die Goniatiten
besitzen meist nur eine auf der Bauchseite nach rückwärts eingebogene
Zuwachsstreifung, seltener ausgeprägte Rippen. Bei den Ammoniten
verschwindet der Trichterausschnitt und mit ihm die Rückläufigkeit
der Zuwachsstreifung auf der Bauchseite. Meist richtet sich letztere
vielmehr nach vorn und die mit der Zuwachsstreifung parallel
verlaufenden Querrippen sind gegen aussen nach vorn vorgezogen oder
das stärkere Wachsthum der Bauchseite bedingt eine Zertheilung der
einfachen Rippen in Spaltrippen. Die Rippen erheben sich häufig auf
der Seitenfläche, seltener auf der Aussenseite der Schale zu Knoten
oder Stacheln. Eine Längsberippung in der Form spiraler Streifen oder
Knotenreihen tritt zuweilen an die Stelle der Querrippen. Auf der
Bauchseite ist die Berippung oft unterbrochen, indem (bei hochmündigen
Formen) die Bauchseite sich kielartig zuschärft oder (besonders bei
niedrigermündigen Schalen) die Rippen vor der Bauchseite plötzlich
abbrechen und eine Aussenfurche erscheint. Der Bauchkiel heisst
voll (Schalenkiel), wenn derselbe auch im gekammerten Theile der
Schale nicht von den Luftkammern getrennt ist; wenn dagegen mit
der Bildung der Scheidewände eine spirale Lamelle entsteht, welche
den Kielraum vom Luftkammerraume sondert, so spricht man von einem
Hohlkiel (Septalkiel). Im ersteren Falle ist der Kiel auch auf dem
Steinkern vorhanden, im letzteren nicht. Gewissen Gruppen fehlt eine
ausgesprochene Querberippung, sie heissen glattschalig (leiostrak) im
Gegensatz zu den deutlich berippten, rauhschaligen (trachyostraken).
Die glattschaligen Formen sind im Allgemeinen die geologisch älteren
und die rauhschaligen bilden sich -- oft sehr rasch (Amaltheus
margaritatus Brug. -- costatus Brug.) -- aus denselben heraus. Die
meisten glattschaligen werden -- soweit sie nicht aussterben -- im
Laufe der Stammesentwickelung rauhschalig, und mit diesem Vorgange geht
eine Veränderung der Einrollung Hand in Hand. Die sog. Runzelschichten
vor der Mündung trifft man nur bei leiostraken oder schwach
trachyostraken Schalen.
Aptychus.
Mit den Schalen der Ammonoidea zusammen finden sich namentlich im Jura
und in der Kreide zweiklappige Schalenstücke, die den Namen Aptychus
erhalten haben. Bei günstiger Erhaltung liegen sie in der Wohnkammer
der Ammoniten und zwar nicht selten an einer bestimmten Stelle
derselben, nämlich im hinteren Theil des vorderen Drittels, hart an der
Bauchseite der Schale (Fig. 463, 466 an). Der Umstand, dass bestimmten
Ammoniten-Gattungen und -Arten bestimmte Aptychen zukommen, beweist,
dass sie dem Ammonitenthiere angehörten, und, da sie in der Regel von
ihrer ursprünglichen Stelle in der Wohnkammer entfernt (Fig. 464),
meist sogar von der Schale überhaupt getrennt gefunden werden, müssen
wir annehmen, dass sie beim Verwesen des Thieres leicht ausfaulten.
Die Aptychen bestehen aus zwei symmetrischen, convex-concaven
Kalkstücken von annähernd dreiseitigem Umriss (Fig. 464 ap, 465 B).
Der Vorderrand ist flach gerundet oder ausgebuchtet, der innere Rand
gerade und der äussere meist stark gerundet. Längs des Innenrandes
stossen die beiden Stücke aneinander und liegen so symmetrisch zu der
sog. Harmonielinie (Fig. 468 h-h). Die oft verzierte Oberfläche ist
mehr oder weniger gewölbt, sowohl senkrecht zur Harmonielinie als
auch parallel derselben (Fig. 465). Die äussere Wölbung der beiden
Klappen in ihrer normalen Lage entspricht im Allgemeinen der Wölbung
der Bauchseite beziehungsweise der Flanke der Schale, zu welcher sie
gehören -- wenn man sich die Harmonielinie mit der Mittelebene der
Schale zusammenfallend denkt (Fig. 463, 465 A, C). Die Innenseite ist
ausgehöhlt und meist mit feinen, am Wirbel beginnenden, concentrischen
Streifen versehen, die in der Nähe der Harmonielinie etwas aufbiegen
und dort noch von schräg nach hinten laufenden, welligen Streifen
gekreuzt werden (Fig. 467 A).
[Illustration: Fig. 463. Eine Ammonitenschale (Aspidoceras
circumspinosum Opp.), in deren Wohnkammer sich der Aptychus in seiner
natürlichen Lage befindet. Nur die eine Hälfte des Aptychus ist ganz
sichtbar. ⅓.]
[Illustration: Fig. 464. Eine plattgedrückte Ammonitenschale (Oppelia
steraspis Opp.) mit vollständig erhaltener Wohnkammer; in derselben der
aufgeklappte Aptychus (ap) aus seiner natürlichen Lage entfernt, von
der Innenseite.]
[Illustration: Fig. 465. A Querschnitt der Wohnkammer eines Ammoniten
(Cosmoceras Garanti d’Orb.). C Querschnitt des in der Wohnkammer
gefundenen Aptychus. B derselbe von der Bauchseite gesehen. h-h =
Harmonielinie.]
[Illustration: Fig. 466. A eine Ammonitenschale (Psiloceras planorbis
Sow.) mit dem Anaptychus in natürlicher Lage (an). Der Aptychus selbst
ist nicht erhalten. e = Einschnürung der Mündung; s = Schale. B
Schalenquerschnitt.]
[Illustration: Fig. 467. A-C Aptychus von Aspidoceras. Kimmeridge.
Le Havre. B eine Klappe gegen die gewölbte Bauchseite gesehen; die
Oberfläche punktirt. A dieselbe gegen die hohle Innenseite, die
concentrische Streifung zeigend. vr = Vorderrand; h-h = Harmonielinie.
C Innenrand derselben. f =? Ligamentfurche; e = äussere dichtere Lage
des Aptychus. D Querschnitt eines Aptychus von Aspidoceras. Oberer
Malm. Solenhofen. (Der Schnitt ist in der Richtung s-s -- Fig. A
gedacht.) Die Kalklamellen drängen sich an der Oberfläche (e und
e’) zu einer dichten Aussenschicht zusammen, während sie nach innen
bogenförmig auseinander weichen (i); f =? Bandfurche; l = dichte
Lamelle der Innenseite.]
[Illustration: Fig. 468. Aptychus von Haploceras. Neocom. Chalançon,
Dép. du Drôme. A rechte Klappe von der Seite gesehen. k = schräg nach
hinten verlaufende Kante. B beide Klappen gegen die Bauchseite gesehen
(Vorderrand nach unten gekehrt). h-h = Harmonielinie; f =? Bandfurche.
C Querschnitt einer Klappe nach der Linie s-s -- Fig. A. r = Rippen; f
=? Bandfurche.]
Der Innenseite des Aptychus liegt wohl immer eine einfache oder
in der Harmonielinie getheilte, häufig durch Verwesung entfernte
Conchyolinplatte an (sog. Anaptychus -- Fig. 466 an), welche
vermöge ihrer Elasticität wahrscheinlich die Rolle des Bandes der
Lamellibranchiatenschale spielte. Sie wird nicht selten isolirt vom
Aptychus gefunden. Ausserdem besitzen manche Aptychen an der der
Harmonielinie zugekehrten Seite eine vielleicht zur Aufnahme eines
Bandes dienende Furche (Fig. 467 f, 468 f).
Die Aptychen bestehen, von der Conchyolinunterlage abgesehen, aus
kohlensaurem Kalk; aber die Structur ist nicht compact wie bei der
äusseren Schale, vielmehr wächst der Aptychus durch Aufeinanderlagerung
zahlreicher, poröser Kalklamellen (Fig. 467 D) an der Aussen- (Convex-)
Seite, die durch Querpfeiler oder Platten mit einander verbunden sind.
Im Querschnitt erscheint die Masse deshalb zellig (Fig. 467 D). Auf
der Oberfläche zeigt sich der Zuwachs der Kalklamellen entweder durch
Streifen oder Rippen (Fig. 468 C r), welche sich ungefähr concentrisch
um den Wirbel herum anlagern, oder durch die weniger regelmässig
concentrisch angeordneten Enden der Querpfeiler. Nur selten ist die
Oberfläche glatt (Fig. 467 B). Durch Zusammendrängung der Kalklamellen
entsteht auf der Oberfläche, namentlich in der Nähe des Wirbels, eine
dichtere Aussenschicht (Fig. 467 e), durch Auseinanderweichen derselben
(i) gegen innen und den Aussenrand verdickt sich der Aptychus oft
beträchtlich (sog. kalkige Aptychen). Die Innenseite wird von einer
dichten Kalklage (Fig. 467 D l) gebildet.
Echte Aptychen haben sich bis jetzt nur bei jurassischen und
cretacischen Ammoniten aus der Familie der Aegoceratidae (? auch bei
Lytoceratiden) gefunden, aber Anaptychen hat man auch bei jurassischen
Amaltheen beobachtet. Ferner kennt man aus paläozoischen Formationen
dünne, mit Goniatiten zusammengefundene Hornplatten, welche der
Conchyolinunterlage der Aptychen sehr ähnlich sind. Ob dieselben als
Deckel oder Anaptychen oder gar als Krebsreste zu deuten sind, steht
noch nicht fest. Es lassen sich die Aptychen unter Ausscheidung einiger
noch unvollkommen bekannter Funde nach ihrer Oberflächenverzierung in
zwei Gruppen bringen:
1. Gefaltete Aptychen. Der Zuwachs auf der Oberfläche durch
concentrische Rippen und Furchen bezeichnet. Bei der Abtheilung der
Carinati in der Familie der Aegoceratidae (Fig. 468).
2. Ungefaltete Aptychen. Oberfläche ohne concentrische Rippen und
Furchen, gekörnelt oder glatt. Bei der Abtheilung der Annulati in der
Familie der Aegoceratidae (Fig. 467).
Von den sehr verschiedenen Deutungen, die der Aptychus erfahren hat,
möge nur diejenige als vollberechtigt erwähnt werden, welche der
Lage des Aptychus auf der Bauchseite des Thieres und symmetrisch
zur Mittelebene desselben, seiner der Schalenwölbung entsprechenden
Convexität und seiner eigenartigen Structur Rechnung trägt. Letztere,
sowie der Umstand, dass die Aptychen zuweilen geschrumpft erscheinen,
sprechen dafür, dass der Aptychus ein verkalktes Knorpelpaar
repräsentirt, an dessen Innenseite starke Muskeln inserirten.
Das Wachsthum der dickeren Aptychen, sowohl der gefalteten als
der ungefalteten, zeigt, dass sich die Wölbung der Aussenseite
derjenigen der Schale jederzeit anzupassen versuchte. Die normale
Lage des Aptychus in der Wohnkammer entspricht der Trichterbasis des
Thieres. Bei Nautilus heften sich die Trichtermuskeln an ein mit
dem Kopfknorpel verbundenes unverkalktes Knorpelpaar, und bei vielen
lebenden Decapoden und Octopoden finden sich gleichfalls symmetrisch
zur Mittelebene des Thieres gestellte Knorpel, an welchen die
Herabzieher des Trichters inseriren. Es kann als sehr wahrscheinlich
angenommen werden, dass die Aptychen eine ähnliche Bedeutung für das
Ammonitenthier besassen, jedoch mit dem Unterschied, dass sie weder
mit dem Kopfskelet verbunden waren, wie bei Nautilus, noch weit von
einander getrennt, wie bei den lebenden Dibranchiaten, sondern einander
genähert und durch eine elastische Conchyolinplatte vereinigt, und
dass sie mehr oder minder stark verkalkten. Der Anaptychus erlaubt
die Vermuthung, dass die Trichterhälften derjenigen Ammoniten,
welche einen Aptychus führten, bereits eine Verwachsung eingegangen
waren, ein Vorgang, der bei den lebenden Ammonoidea und Belemnoidea
entwickelungsgeschichtlich noch nachweisbar ist. Dass die Aptychen
nicht dieselbe Beschaffenheit besassen, wie die äussere Schale, beweist
auch der Umstand, dass sie zuweilen massenhaft in Schichten angetroffen
werden (sog. Aptychenkalke des oberen Malm und der unteren Kreide), in
denen die Schalen ganz oder bis auf schattenhafte Umrisse aufgelöst
wurden.
Die Systematik der Ammonoidea
gestaltet sich für den Anfänger deshalb besonders schwierig, weil die
auffallendsten Merkmale, wie Involution, Berippung und Lobirung sich in
verschiedenen Zweigen des Stammes in gleicher oder sehr ähnlicher Weise
wiederholen. Nach der früheren Eintheilung unterschied man:
Goniatiten mit ganzrandiger Lobenlinie,
Ceratiten mit gezähnter Lobenlinie und
Ammoniten mit zerschlitzter Lobenlinie
und brachte damit nur Veränderungen zum Ausdruck, welche alle oder
doch die meisten Glieder des Stammes mehr oder weniger gleichmässig
betroffen haben. Nach der Aufrollung der Schale wurden innerhalb dieser
Abtheilungen Gattungen nach der Berippung und Lobirung, innerhalb der
Gattungen Gruppen unterschieden, welche theils nahe verwandte, theils
aber weit entfernt stehende Formencomplexe umfassten. Die Auffindung
zahlreicher neuer Formen in den letzten Decennien -- es mögen wohl
an 4000 sog. Arten im Ganzen fixirt sein -- ermöglichte es, vielfach
genetische Reihen festzulegen, deren einzelne Glieder nur durch
geringfügige Merkmale von einander abweichen. Es steht zu erwarten,
dass eine weitere Bereicherung des Materials eine wirklich natürliche
Gruppirung aller Ammonoidea, als Ausdruck der Stammesentwickelung,
gestatten wird; denn Quenstedt sagt mit Recht:
»Formen an sich giebt es bei den Ammoniten unzählige, sie bilden
zusammen eine continuirliche Reihe, worin nicht zwei absolut gleich
werden, aber die Kennzeichen treten sich zuletzt so nahe, dass der
ausgebildetste Formensinn sie nicht mehr zu erfassen vermag. Die
Sterne am Himmel kann man nothdürftig zählen, aber Ammonitenspecies im
Schoosse der Erde nicht.«
Die jetzt gebräuchliche Eintheilung in Familien darf im Grossen und
Ganzen wohl als eine natürliche gelten, aber der Zusammenhang mancher
derselben ist noch nicht mit Sicherheit ermittelt. Zweifellos sind
aber die Mehrzahl der formenreicheren Gattungen polyphyletische; die
allmählich eintretenden Veränderungen haben sich über einen grösseren
Formencomplex mehr oder weniger gleichzeitig erstreckt und dadurch sind
scheinbar sehr ähnliche, genetisch aber verschiedene Parallelreihen
entstanden. In die Categorie der in verschiedenen Reihen fast oder
ganz gleichartig eingreifenden Veränderungen sind z. B. zu zählen: die
Aufrollung der Schale, die Complication und Reduction der Loben, das
Auftreten von Hilfs- und Adventivloben, die Rippen-, Knoten-, Kiel-
und Furchenbildung, die Verdickung des Aptychus u. a. Im Nachstehenden
wurden die Goniatiten aus Zweckmässigkeitsgründen von den Ammoniten
getrennt behandelt, letztere nach dem Verhalten der ersten Scheidewand
in die beiden Abtheilungen der Latisellati und Angustisellati zerlegt,
wobei jedoch zu bemerken ist, dass die glattschaligen Latisellati
vielleicht mit den Angustisellati näher verwandt sein mögen, als mit
den rauhschaligen Latisellati. Wir folgen im Wesentlichen der uns im
Manuscript zur Verfügung gestellten Eintheilung v. Sutner’s.
Abtheilung I. Goniatitidae.
Als Goniatitidae fassen wir hier alle diejenigen Ammonoideen-Schalen
zusammen, welche durch unzerschlitzte Lobenlinie von ihren jüngeren
Nachkommen und Verwandten sich unterscheiden. Ihre Scheidewände sind
zumeist procöl und zu kurzen Septaldüten verlängert. Der Mundrand
zeigt einen Ausschnitt auf der Bauchseite. Der Aussenlobus ist
meist tief trichterförmig, bei den jüngeren Formen wird er durch
einen Mediansattel zweitheilig. Die Sculptur ist zumeist noch wenig
entwickelt. Die jüngeren Ammoniten wurzeln in den Goniatitidae,
aber nicht alle Zweige derselben scheinen in der mesozoischen
Periode mit ammonitischen Nachkommen fortzusetzen, vielmehr dürften
einzelne Gruppen erlöschen. Die Goniatiten beschränken sich nicht
auf die paläozoischen Formationen, auch in der Trias giebt es noch
Schalen mit unzerschlitzter Lobenlinie; letztere lassen sich aber
zum grössten Theil an die gleichaltrigen Ammoniten anschliessen. Von
den eigentlichen Goniatiten scheiden sich die sog. Clymenien durch
die dorsale Lage des Sipho und die langen Septaldüten ab. Sie sind
als ein Zweig der Goniatiten zu betrachten, der sehr früh (im Devon)
zu erlöschen scheint. Die silurischen Ahnen der Goniatitidae sind
theils in gestreckten Orthoceras-Formen, theils wohl in eingerollten
Nautilidae mit erhaltener Embryonalblase wie Trocholites zu suchen.
Man lässt die Goniatiten mit dem Devon beginnen und benutzt als
Unterscheidungsmerkmale von den Nautilidae die geringe Weite des Sipho,
das Auftreten eines Aussenlobus, vor allem aber das Vorhandensein der
Embryonalblase. Letztere ist bei einigen der ältesten Formen eiförmig,
wie bei der lebenden Gattung Spirula -- Asellati spiruliformes
(Fig. 401), bei anderen jedoch schon spiral eingerollt -- Asellati
ammonitiformes. Alle Goniatiten-Reihen beginnen mit Formen, welche ein
flaches erstes Septum besitzen, erst später springt auf der Aussenseite
ein einziger breiter Sattel vor -- Latisellati (Fig. 438). Die
bisherige Eintheilung der Goniatiten basirte auf der Complication der
Lobenlinien (Nautilini, Simplices, etc. -- siehe p. 399). Wir zerlegen
die Goniatiten (mit Ausschluss der Clymenien) in zwei Reihen, aus denen
die beiden Abtheilungen der Latisellati und Angustisellati unter den
Ammoniten sich zu entwickeln scheinen: Anarcestinae und Mimoceratinae.
Diese beiden Reihen unterscheiden sich in ihren ältesten Vertretern nur
wenig; es vermehrt sich aber die Zahl der Seitenloben bei der Mehrzahl
der Mimoceratinae sehr rasch und beträchtlich, so dass im Oberdevon
zumeist schon eine normale oder überzählige Lobenstellung erreicht ist,
während dieser Vorgang bei den Anarcestinae in viel beschränkterem
Maasse und meist viel später (Trias) Platz greift und die Loben niemals
überzählig werden. Diese Unterschiede kommen später auf der ersten
Scheidewand zum Ausdruck. (Latisellat und Angustisellat.)
Eintheilung der Goniatitidae.
Goniatites. Sipho bauchständig, dünn. Septaldüten meist kurz; nur bei
den ältesten Formen trichterförmig. Aussenlobus trichterförmig, bei
den jüngeren Formen durch einen Mediansattel getheilt. Unterdevon --
Perm.
Clymenia. Sipho rückenständig, relativ weit. Septaldüten meist lang.
Aussenlobus nur selten entwickelt. Nur im Oberdevon.
Goniatites.
Die unter diesem Sammelnamen zusammengefassten Formen gruppiren sich
wie folgt:
Reihe I. Anarcestinae (Formenreihe des G. lateseptatus). Lobenzahl
mit seltenen Ausnahmen gering (ein Seitenlobus); wenn mehrere Loben
vorhanden, gewöhnlich gleich gross. Erste Scheidewand anfangs asellat,
später latisellat. Schale bei den jüngeren Formen nicht selten
querberippt.
Reihe II. Mimoceratinae (Formenreihe des G. compressus). Loben sehr
rasch sich vermehrend und ungleich. [Wenn ein einziger Seitenlobus
persistirt, so kommt derselbe innerhalb der Projection des
vorhergehenden Umganges zu liegen (Fig. 477)]. Erste Scheidewand
anfangs asellat, später wahrscheinlich angustisellat. Schale sehr
selten berippt.
I. Anarcestinae.
Schon die ältesten Vertreter dieser Abtheilung, welche als
Anarcestes Mojs. (Fig. 469, 470 A) unterschieden werden, sind stark
eingerollt -- zuweilen mit Ausnahme der ersten 2 Umgänge. Die kugelige
Embryonalblase wird durch ein asellates Septum abgeschlossen. Die
Wohnkammer bis über 1 Umgang lang. Windungen niedrig, aussen gerundet.
Seitenlobus (sl) flach. Aussenlobus (el) trichterförmig, ungetheilt.
Nur im Devon, besonders im unteren und mittleren.
A. lateseptatus Beyr. (= plebejus Barr.). Böhmen, Harz, Rheinisches
Schiefergebirge.
A. subnautilinus Schl. (? = fidelis Barr.) (Fig. 469, 470 A).
Rheinisches Schiefergebirge, Böhmen, Bretagne.
[Illustration: Fig. 469. Anarcestes subnautilinus Schl. Mitteldevon
(Wissenbacher Schiefer). Nassau. Schale von der Seite.]
[Illustration: Fig. 470. A Anarcestes subnautilinus Schl. Aeusserlich
sichtbarer Theil der Lobenlinie. B dieselbe von Tornoceras simplex v.
B. n = Naht; el = Aussenlobus; es = Aussensattel; sl = Seitenlobus; ss
= Seitensattel.]
[Illustration: Fig. 471. Tornoceras simplex v. B. Oberdevon
(Goniatiten-Sch.). Büdesheim, Eifel. s’ = Schale; s = Scheidewände.]
Tornoceras Hyatt (= Parodiceras H.) (Fig. 470 B, 471). Schale stärker
involut, als bei Anarcestes. Seitenlobus gerundet oder winkelig.
Seitensattel breit, gerundet. Innensattel und Innenlobus entwickelt,
Aussenlobus ungetheilt. Aus dieser oberdevonischen (Deutschland,
Frankreich, Russland, Nord-Amerika) Gruppe entwickeln sich 2 Zweige,
der eine durch wenig Loben (1 Seitenlobus -- Paucilobati), der andere
durch vermehrte Lobenzahl (2 oder mehr Seitenloben -- Multilobati)
ausgezeichnet.
T. simplex v. B. (= retrorsum Sdb.) } Oberdevon, besonders
(Fig. 470 B, 471). } häufig in den sog.
T. auris Qu. (Leth. pal., t. 35, Fig. 12). } Goniatiten-Schichten
T. subpartitum Vern. } des Oberdevon.
T. Verneuili Mnstr. }
a. Paucilobati.
Brancoceras Hyatt. Schale involut. Aussen- und Seitenlobus tiefer und
spitzer als bei Tornoceras. Innere Seitenloben entwickelt. Aussensattel
schmal, Seitensattel breit, gerundet. Oberdevon und Subcarbon.
Br. subsulcatum Mnstr. (Leth. pal., t. 36, Fig. 12). Oberstes
Oberdevon. Fichtelgebirge.
Br. rotatorium de Kon. (Leth. pal., t. 46, Fig. 12). Subcarbon,
Nordamerika, Belgien.
Durch im Allgemeinen flachere Gehäuse und schwach entwickelten
Mittelsattel ist unterschieden (Muensteroceras Hyatt):
M. parallelum Hall. Subcarbon. Nordamerika.
M. truncatum Phill. Subcarbon. Grossbritannien, Belgien.
Glyphioceras Hyatt (Fig. 472 A, B, D). Schale dick, fast kugelig oder
mehr abgeplattet, oft mit spiralen und queren Verzierungen. Loben
und Sättel tief und spitz, seltener gerundet. Mittelsattel deutlich,
pyramidal. Ammoniten-Charaktere beginnen: der Trichterausschnitt
verschwindet, Querberippung tritt hervor, ausser den kurzen Septaldüten
Septalkragen entwickelt, Scheidewand in der Mittellinie convex. Ein
zweiter äusserer Lobus bildet sich bei den jüngeren Formen aus.
Subcarbon -- Perm.
[Illustration: Fig. 472. A, B, D Glyphioceras sphaericum Mart.
Subcarbon. Ratingen bei Düsseldorf. A Schale von der Seite. B dieselbe
gegen die Septalfläche gesehen. D Lobenlinie bis zur Naht. s’ =
Schale; si = Sipho; u = Septalumschlag. C Lobenlinie von Sporadoceras
Bronni Mnstr. Oberes Oberdevon. Brilon, Westfalen. Zwei nahezu gleiche
Seitenloben (sl₁, sl₂) entwickelt.]
Aus dieser Gruppe entwickeln sich die berippten Latisellati der Trias:
Fam. Ceratitidae (p. 402) und Tropitidae (p. 405).
A. Umgänge gerundet, niedrig. Sättel meist spitz. Subcarbon, selten
jünger.
G. sphaericum Mart. (Fig. 472 A, B, D) mit spitzem Aussensattel.
Leitend für das Subcarbon (Kohlenkalk und Culm) in Europa. Turkestan.
G. striatum Sow. (= crenistria Phill.) mit gerundetem Aussensattel.
Leitend für das Subcarbon (Kohlenkalk und Culm) in Europa.
B. Umgänge gerundet, aber höher; Sättel mehr oder weniger gerundet.
Carbon.
G. diadema Gf. Carbon. England, Deutschland, Belgien, Russland.
C. Umgänge gerundet, etwas höher als breit. Aussensattel breit und
gerundet. Schale mit starken Querrippen (Pericyclus Mojs.). Subcarbon.
G. princeps de Kon. Subcarbon. Belgien, Grossbritannien, Nordamerika.
D. Nabel weit. Umgänge im Querschnitt halbmond- bis trapezförmig,
niedrig, mit hervortretender Nabelkante. Querberippung. Seitensattel
durch einen kleinen (zweiten) Seitenlobus getheilt (Gastrioceras
Hyatt). Carbon und Perm.
G. Listeri Phill. (Leth. pal., t. 46, Fig. 10). Carbon. Deutschland,
Belgien, Grossbritannien, Russland, Sumatra.
G. Roemeri Gem. Perm. Sicilien.
G. Kingi White. Perm. Nordamerika.
b. Multilobati.
Sporadoceras Hyatt (Fig. 472 C). Von Tornoceras durch die allmählich
eintretende Vermehrung der Seitenloben unterschieden; letztere zumeist
von gleicher Tiefe. Oberdevon.
Sp. Bronni Mnstr. (= Muensteri Br., = bidens Sdb.) (Fig. 472 C --
Leth. pal., t. 36, Fig. 4). Oberes Oberdevon. Mitteleuropa.
Die jüngeren Glieder dieser Reihe, wie Agathiceras Gem. und Doryceras
Gem. aus dem Perm Siciliens, erhalten weitere Seitenloben und sind z.
Th. mit Spiralrippen verziert. Durch Zerschlitzung und weitere
Vermehrung der Loben entstehen aus der Gruppe der Multilobati die
glattschaligen Latisellati der Trias Fam. Arcestidae (p. 406).
II. Mimoceratinae.
Die ältesten hierher gehörigen Formen sind noch nicht spiral
eingerollt; sie werden als
Bactrites Sdb. (Leth. pal., t. 35, Fig. 14) unterschieden. Die
stabförmige, im Querschnitt kreisrunde oder ovale Schale gleicht
einem Orthoceras, besitzt aber eine asellate Embryonalblase. Der
fadenförmige Sipho liegt auf der Bauchseite, die an dem Zurückweichen
der Zuwachsstreifung kenntlich ist. Septaldüten trichterförmig. Ein
mehr oder weniger tiefer Seitenlobus und ein kurzer, ungetheilter
Aussenlobus vorhanden. Devon, wahrscheinlich auch im Silur.
B. carinatus Mnstr. Mittel- und Oberdevon. Deutschland, Bretagne.
Oberdevon. Russland.
B. gracilis Sdb. Mittel- und Oberdevon. Deutschland.
[Illustration: Fig. 473. Mimoceras compressum Beyr. Mitteldevon
(Wissenbacher Schiefer). Nassau. Schalenanfang. e = Embryonalblase,
kugelig; 1-5 = die ersten fünf Scheidewände; x = das durchbrochene
Centrum.]
Mimoceras Hyatt (Fig. 473) werden die spiral eingerollten Formen
genannt, welche sich sonst nicht von Bactrites unterscheiden. Die
ersten Windungen berühren sich oft noch nicht oder das Centrum ist
durchbrochen (x). Aussenseite gerundet. Unter- und Mitteldevon.
M. compressum Beyr. (Fig. 473). } Mitteldevon
} (Orthocerasschiefer).
M. gracile Qu. (Leth. pal., t. 25, Fig. 7). } Nassau, Harz.
Agoniatites Hyatt. Wie vorige, aber Schale stärker involut, ihre
Aussenseite mehr oder weniger verschmälert und meist abgeflacht.
Seitenlobus tief. Ein kleiner Innenlobus entwickelt. Mitteldevon.
A. bicanaliculatus Sdb. }
} Mitteldevon. Deutschland.
A. Dannenbergi Beyr. (= evexus v. B.). }
A. occultus Barr. Mitteldevon. Mitteldeutschland, Böhmen.
Aus diesen beiden mitteldevonischen Gruppen entwickeln sich in
den jüngeren Abtheilungen des Devon zwei wesentlich verschiedene
Formenreihen mit vermehrter Lobenzahl, aus denen später ammonitische
Formen hervorgehen; eine dritte, aberrante, scheint bereits im Devon
zu erlöschen; sie behält den einen äusseren Seitenlobus. Bei allen 3
Reihen ist eine Theilung des Aussenlobus durch Mittelsättel schon sehr
früh angedeutet oder ausgebildet. Die 3 Reihen sind:
a. Compressus-Reihe (an Mimoceras anschliessend). Aussenseite der
Schale im Allgemeinen gerundet. Sattelenden abgerundet oder
lanzettförmig.
b. Evexus-Reihe (an Agoniatites anschliessend). Aussenseite der
Schale zugeschärft. Windungsquerschnitt dreieckig. Sattelenden
zugespitzt.
c. Primordialis-Reihe (an Mimoceras und Agoniatites anschliessend).
Aussenseite gerundet oder zugeschärft. Nur ein Seitenlobus, dem
Rücken genähert. Aussenlobus sehr tief.
a. Compressus-Reihe.
Pharciceras Hyatt (Fig. 474). Schale ungerippt. Umgänge niedrig.
Aussenlobus getheilt. Zwei Seitenloben und Hilfsloben. Sättel und Loben
zungenförmig, gerundet. Oberdevon, aber auch schon im Mitteldevon.
Ph. tridens Sdb. (Fig. 474). Oberdevon. Mitteldeutschland.
Ph. clavilobus Sdb. Mittel- und Oberdevon. Mitteldeutschland.
Hier dürfte sich die Ammonitenfamilie der Ptychitidae anschliessen
(p. 412).
[Illustration: Fig. 474. Pharciceras tridens Sdb. Unteres Oberdevon.
Oberscheld, Nassau. Lobenlinie bis zur Naht. Der Aussensattel (es) sehr
niedrig.]
[Illustration: Fig. 475. Pronorites cyclolobus Phill. Subcarbon.
Belgien. Lobenlinie. Der Aussenlobus (el) ist dreispitzig, der erste
Seitenlobus (sl₁) durch einen Secundärsattel zweitheilig.]
Prolecanites Mojs. Schale ungerippt. Windungsquerschnitt oval.
Aussenlobus ungetheilt. Lobenlinie normal oder überzählig. Sättel
gerundet, an der Basis eingeschnürt. Loben spitz endigend. Oberdevon
und Subcarbon.
P. lunulicosta Sdb. (Leth. pal., t. 35, Fig. 11). } Unteres
} Oberdevon.
P. Becheri Gf. } Mitteldeutschland.
Pronorites Mojs. (Fig. 475). Von Prolecanites durch den dreispitzigen
Aussenlobus und die beginnende Zerschlitzung des ersten
Seitenlobus durch 1 oder 2 kleine Secundärsättel ausgezeichnet.
Steinkohlenformation und Perm.
P. mixolobus Phill. Subcarbon. Grossbritannien, Belgien, Westfalen.
P. cyclolobus Phill. (Fig. 475). Subcarbon. Grossbritannien,
Belgien, Pyrenäen, Deutschland, Ural.
An diese Gattungen reihen sich die Ammonitenfamilien der
Phylloceratidae (p. 418), Lytoceratidae (p. 420) und Aegoceratidae
(p. 424) an.
b. Evexus-Reihe.
Beloceras Hyatt (Fig. 476). Schale flach scheibenförmig, aussen
zugeschärft. Lobenlinie mit zahlreichen zungenförmigen Loben und
Sätteln, vollzählig, mit Adventiv- und Hilfsloben. Aussenlobus
getheilt. Oberdevon.
B. multilobatum Beyr. (Fig. 476). Unteres Oberdevon.
Mitteldeutschland, Frankreich.
Hieran schliesst sich die Ammonitenfamilie der Pinacoceratidae
(p. 410).
[Illustration: Fig. 476. Beloceras multilobatum Beyr. Unteres
Oberdevon. Martenberg, Waldeck. Schale von der Seite. s = die
sichelförmige Streifung der Schale. Der Aussensattel (es) ist in
zahlreiche adventive Elemente zerfallen.]
[Illustration: Fig. 477. Manticoceras primordiale Schl. Oberdevon.
Grund a. H. Ansicht der Septalfläche. p = Projection des vorhergehenden
Umganges; nl = Nahtlobus.]
[Illustration: Fig. 478. Manticoceras intumescens Beyr. Oberdevon.
Grund am Harz. A Schale von der Seite. B dieselbe von vorn. C
Lobenlinie bis zur Naht. s’ = Schale.]
c. Primordialis-Reihe.
Manticoceras Hyatt (Fig. 477, 478). Schale mehr oder weniger
scheibenförmig, ihre Aussenseite gerundet oder zugeschärft.
Embryonalblase eingerollt, asellat. Septa in der Jugend procöl,
später durch Vertiefung des Aussen- und Innenlobus opisthocöl.
Aussenlobus (el) sehr breit und tief zweitheilig. Seitensattel (ss)
breit, gerundet. Seitenlobus (sl) weniger tief, z. Th. innerhalb der
Projection des vorhergehenden Umganges (Fig. 477). Ein Innenlobus
und ein innerer Seitenlobus entwickelt. Die inneren Windungen sind
wenig abgeplattet, fast halbmondförmig. An die Compressus-Reihe
anschliessend. Eine im übrigen ähnliche, aber durch die Scheibenform
der inneren Windungen ausgezeichnete Gruppe, welche an die Evexus-Reihe
sich anschliesst, wird als
Gephyroceras Hyatt bezeichnet. Beide sind sehr häufig im Oberdevon,
scheinen aber in jüngeren Formationen nicht fortzusetzen.
M. primordiale Schl. } Sehr häufig im unteren Oberdevon
} (»Intumescens-Stufe«).
M. intumescens Beyr. (Fig. 478). } Russland, Deutschland,
} England.
M. carinatus Beyr. }
G. calculiformis Beyr. }
} Ebendaselbst.
G. Buchi d’Arch. & Vern. }
Clymenia.
Die Clymenien bilden einen Seitenzweig der Goniatiten, dessen Glieder
durch die rückenständige Lage des Sipho, die häufig langen Septaldüten
und die seltene Ausbildung des Aussenlobus gekennzeichnet sind. Im
Gegensatz zu den Nautilidae zeigen sie die Tendenz, ihre Loben zu
vertiefen und zu vermehren, sowie das Siphonalrohr zu verengern. Die
Berippung erreicht vielfach einen höheren Grad der Ausbildung als bei
den gleichaltrigen Goniatiten. Die Zuwachsstreifung, bez. Berippung und
besonders die stehen gebliebenen Mundränder, welche auf dem Steinkern
oder auch auf der Schale sichtbar sind, zeigen eine S-förmige Biegung
auf den Seiten und einen tiefen Ausschnitt auf der Aussenseite. Die
Schalen sind meist wenig involut und im Windungsquerschnitt höher als
breit, wodurch sie sich den Mimoceratinae enger anschliessen, als
den Anarcestinae. Doch giebt es einige wenige Formen mit niedrigen
Windungen, welche an die letztgenannte Familie anzureihen sein dürften.
Die Clymenien scheinen ein rasch erlöschender Zweig der Ammonoidea
zu sein. Sie sind bisher nur im Oberdevon, und zwar in der obersten
Abtheilung desselben, der sog. »Clymenien-Stufe«, in Deutschland, in
den Ostalpen, in Frankreich, Belgien, England und am Ural gefunden
worden. Von den Gruppen, welche man unterschieden hat, heben wir
folgende hervor:
A. Nautiliniformes. Aussensattel breit, in der Mitte ungetheilt. Ein
Seiten- und ein tiefer Innenlobus entwickelt. Septaldüten kurz.
Oxyclymenia Gü. (Fig. 479, 480 A, B). Schale scheibenförmig, meist
ungerippt. Ein meist spitziger, selten gerundeter Seitenlobus
vorhanden. Ein äusserer Seitensattel fehlt. Innenlobus tief.
O. laevigata Mnstr. (Fig. 480 A).
O. undulata Mnstr. (Fig. 479, 480 B).
O. Dunkeri Mnstr.
B. Primordialiformes. Aussensattel breit, in der Mitte ungetheilt.
Zwei Seitenloben und ein Innenlobus vorhanden. Septaldüten mässig lang.
Cymaclymenia Gü. (Fig. 480 C, D). Schale nicht oder schwach gerippt.
Ein auf der Aussen- oder Innenseite stehender, gerundeter zweiter
Seitenlobus ausser dem meist spitzigen ersten entwickelt.
C. striata Mnstr. (Fig. 480 C).
C. bilobata Mnstr. (Fig. 480 D).
C. Serratiformes. Aussensattel durch einen tiefen Aussenlobus in der
Mitte und jederseits durch einen Adventivlobus getheilt. Sipho weit.
Septaldüten conisch, sehr lang.
Gonioclymenia Gü. (Fig. 480 E). Schale mit Querrippen und häufig mit
Aussenknoten. Aussenseite abgeflacht oder eingedrückt.
G. speciosa Mnstr. (Fig. 480 E).
G. subarmata Mnstr.
G. intermedia Mnstr.
[Illustration: Fig. 479. Oxyclymenia undulata Mnstr. Oberes Oberdevon.
Elbersreuth, Fichtelgebirge. Schale von der Seite. Oben rechts:
Querschnitt der Windung, um die dorsale Lage des Sipho zu zeigen.]
[Illustration: Fig. 480. Lobenlinien verschiedener Clymenien.
A Oxyclymenia laevigata Mnstr. B Oxyclymenia undulata Mnstr. C
Cymaclymenia striata Mnstr. D Cymaclymenia bilobata Mnstr. E
Gonioclymenia speciosa Mnstr. Alle aus dem oberen Oberdevon des
Fichtelgebirges. es = Aussensattel; el = Aussenlobus; il = Innenlobus;
sl₁ = erster, sl₂ = zweiter Seitenlobus; ss₁ = Seitensattel; is =
Innensattel; n = Naht.]
Die genetischen Beziehungen der Goniatitidae unter einander
und ihr Verhältniss zu den Ammonitiden-Familien, sowie sich
dieselben nach den bisherigen Untersuchungen darstellen, ist aus
nachfolgender Stammbaumtafel ersichtlich. Die früher gebräuchlichen
Gruppenbezeichnungen der Goniatiten entsprechen z. Th. genetischen
Reihen, z. Th. aber Entwickelungsstufen des ganzen Stammes. Es sind
deshalb nur die wichtigsten derselben hier aufgenommen worden.
Latisellati Angustisellati
| |
+ --------------+------------+ + ---------------------------+----------------------------------------+
| | | |
Kreide { Ammoniten-Familien der }
und { ? 7) Amaltheidae { 10) Aegoceratidae }
Jura { | { | }
-------------------------------------------------------------------------|--------{ 9) Lytoceratidae }
{ | { | }
Trias { 2) Tropitidae † 4) Pinacoceratidae † 6) Ptychitidae { | }
{ 1) Ceratitidae † 3) Arcestidae † 5) ? Cladiscitidae † { 8) Phylloceratidae }
{ | | | | | | | | | |}
+-------+--------+ +-------+-------+ +------------+-------+ +-------+-----+ +----------+--------+
{ | | | | | }
{ Trachyostraca Leiostraca Serratiformes Linguatiformes Lanceolatiformes }
{ | | | | | }
Perm, { Carbonarii | | | | }
Carbon {(Glyphioceras, Gastrioc., | | | | }
und { (Pericyclus) | | | | }
Sub- { | | | | | }
carbon { Indivisi | | | | } | | | |
{ (Muensteroceras, | | | | }
- Brancoceras) Aequales -------------------|------------------|--------------- Lanceolati --
{ \ (Sporadoceras) Clymenia † | | (Pronorites, }
{ \ / / \ Serrati Linguati Prolecanites) }
Ober- { \ / / \ (Beloceras) (Pharciceras) / }
devon { \ / / \ | Primordiales † | / }
{ Magnosellares / \ | (Gephyroc., | / }
{ (Tornoceras) / \ | Mantio.) \ | / }
----------------------------------/-------------\----------/--------\--------------/-------------------
{ | / \ | / \ | / }
Mittel-{ Nautilini / Nautilini (Evexus-R.) Nautilini (Compressus-R.) }
und { (Anarcestes) / (Agoniatiles) (Bactrites, }
Unter- { Mimoceras) }
devon { }
{ Anarcestinae Mimoceratinae }
{ | | }
{ +----------------------------+----------------------------+ }
|
Nautiloide Vorfahren
Abtheilung II. Ammonitidae.
Die Grenze, welche man zwischen Goniatiten und Ammoniten zieht, ist
weder eine natürliche, noch eine scharfe, da die unterscheidenden
Merkmale nicht alle gleichzeitig erscheinen. Unter den Goniatiten
giebt es Formen, bei welchen eine Zerschlitzung der Loben bereits
sehr früh (im Subcarbon) einzutreten beginnt (Pronorites), andere,
bei welchen die Septalfläche schon opisthocöl wird und die Septaldüte
durch den Septalkragen z. Th. ersetzt ist (Glyphioceras). Ebenso ist
der Trichterausschnitt vielfach schon verschwunden. Andrerseits giebt
es Ammoniten der Trias (Lobites -- p. 409) mit goniatitischen Loben.
Die Umprägung der goniatitischen Merkmale in die ammonitischen ist eben
in den verschiedenen Formenreihen zu verschiedenen Zeiten erfolgt. Im
Perm sehen wir bereits die Mehrzahl der Ammonoidea in das ammonitische
Stadium eingetreten.
Der Entwickelung eigentlicher Ammonitenloben (mit stark
zerschlitzten Sätteln und Loben) geht bei fast allen Gruppen ein
sog. Ceratiten-Stadium voraus, welches durch beginnende Kerbung des
Lobengrundes ausgezeichnet ist. Einige Gruppen kommen nicht über
dieses Stadium hinaus (vgl. Fig. 483-485). An das Ceratiten-Stadium
schliesst sich ein weiteres Uebergangsstadium, welches als brachyphyll
bezeichnet wird, wenn die Sättel am ganzen Umfange eingekerbt sind
(Fig. 486 C -- vgl. p. 376), als phylloid dagegen, wenn die Sättel nur
an der Basis Kerben erhalten, ihre Enden aber blattförmig bleiben
(Fig. 493 C -- vgl. p. 377). Nur aus phylloiden Uebergangsloben
entwickeln sich später zweitheilige Ammonitensättel, wie in den
Familien der Phylloceratidae, Lytoceratidae, Aegoceratidae und z. Th.
in der Familie der Arcestidae (Fig. 492 x).
Eine natürliche Eintheilung der Ammoniten nach der Form und Berippung
der erwachsenen Schale ist undurchführbar. Unter Zuhilfenahme der
Merkmale der ersten Scheidewand und des allgemeinen Charakters des
Lobenbaues gelingt aber eine wie es scheint natürliche Gruppirung
in die beiden Stämme der Latisellati und Angustisellati, den
Goniatitenfamilien der Anarcestinae und Mimoceratinae entsprechend.
Wenn auch vielleicht die Angustisellati ein latisellates Stadium
durchgemacht haben, so scheint dasselbe rasch überwunden worden zu
sein. Latisellate Schalen verschwinden mit dem Ende der Triasformation
fast vollständig, nachdem sie z. Th. trachyostrak geworden sind und
Nebenformen gebildet haben; die Angustisellati sind in der Trias zum
grössten Theil noch glattschalig, werden aber im Jura und in der Kreide
fast durchgängig trachyostrak.
Die Familienmerkmale finden sich, soweit sie sich in wenigen Worten
angeben lassen, auf nachfolgender Tabelle zusammengestellt:
+---------------+-----------+------------+-----------+-----------+-----------+-----------+--+
| | Länge der | Aussenseite|Verzierung | | | | |
| Familien |Wohnkammer | der | der |Seitenloben|Hilfsloben |Nebenformen| |
| | | Schale | Schale | | | | |
+===============+===========+============+===========+===========+===========+===========+==+
|Trachyostraci: | | gerundet, | einfache | | spärlich, | |} |
| 1) Ceratitidae| | abgeflacht | oder | | wenn | |} |
| Trias | ½-¾ | oder |gespaltene | 1 oder 2 | zahlreich | bekannt |} |
| | | gefurcht, | Rippen, | | sehr viel | |}L|
| | | selten | meist | | kleiner | |}a|
| | | gekielt | Knoten | | als die | |}t|
| | | | | |Seitenloben| |}i|
+---------------+-----------+------------+-----------+-----------+-----------+-----------+}s|
| 2) Tropitidae | | gerundet, | meist | | spärlich | |}e|
| Perm -- Trias | 1-1¼ | häufig |Spaltrippen| 1 oder 2 | und klein | unbekannt |}l|
| | | gekielt | | | | |}l|
+---------------+-----------+------------+-----------+-----------+-----------+-----------+}a|
|Leiostraci: | | |ungerippt, | |zahlreich, | |}t|
| 3) Arcestidae | | gerundet | selten | | den | |}i|
| Perm -- Trias | 1-1½ | | flache | 2 |Seitenloben| dit. |} |
| | | | Falten; | | ähnlich | |} |
| | | | Varices | | | |} |
| | | | häufig | | | |} |
+===============+===========+============+===========+===========+===========+===========+==+
|Serratiformes: | | |glatt oder | | | |} |
| 4) | |zugeschärft,| mit | | | |} |
|Pinacoceratidae| ½-¾ | selten | gebogenen | meist 3 | zahlreich | dit. |} |
| Perm -- Trias | | gerundet | Streifen | mit | | |} |
| | | | oder | Adventiv- | | |} |
| | | | flachen | loben | | |} |
| | | | Rippen | | | |} |
+---------------+-----------+------------+-----------+-----------+-----------+-----------+} |
| ? 5) | | breit | glatt | | mässig | |} |
| Cladiscitidae| 1 | gerundet | oder mit | 2 oder 3 | zahlreich,| dit. |} |
| Trias | | | Spiral- | | den | |} |
| | | | streifen | |Seitenloben| |} |
| | | | | | ähnlich | |} |
+---------------+-----------+------------+-----------+-----------+-----------+-----------+} |
|Linguatiformes:| | gerundet, |glatt oder | | mässig | |}A|
| 6) Ptychitidae| | selten | mit | | zahlreich,| |}n|
| Perm -- Trias | ¾ |zugeschärft | flachen, |2, selten 3| den | dit. |}g|
| | | oder | einfachen | |Seitenloben| |}u|
| | | gekielt | Rippen | | ähnlich | |}s|
+---------------+-----------+------------+-----------+-----------+-----------+-----------+}t|
| 7) Amaltheidae| | meist | meist | | zahlreich | |}i|
| Jura u. Kreide| |zugeschärft | ungerippt,| 2, oft mit| bis fast | |}s|
| | ⅔ | oder | häufig mit| Adventiv- | fehlend | dit. |}e|
| | | gekielt | Spiral- | loben | | |}l|
| | | | streifen | | | |}l|
+---------------+-----------+------------+-----------+-----------+-----------+-----------+}a|
|Lanceolatifor- | | |ungerippt, | | zahlreich,| |}t|
| mes | | | mit | | den | |}i|
| 8) | ¾ | gerundet | einfachen | meist 3 |Seitenloben| dit. |} |
|Phylloceratidae| | | Quer- | | ähnlich | |} |
| Perm -- Kreide| | | streifen | | | |} |
+---------------+-----------+------------+-----------+-----------+-----------+-----------+} |
| 9) | | | meist nur | | | |} |
| Lytoceratidae | | | gestreift,| | zuweilen | |} |
|Trias -- Kreide| ⅔-¾ (1) | gerundet | zuweilen | 2 |angedeutet,| häufig |} |
| (? Tertiär) | | |mit Rippen | | in der | |} |
| | | | oder | | Regel | |} |
| | | | Kanten; | | fehlend | |} |
| | | |Einschnür- | | | |} |
| | | | ungen | | | |} |
| | | | häufig | | | |} |
+---------------+-----------+------------+-----------+-----------+-----------+-----------+} |
|10) | | gerundet | sehr | | meist | |} |
| Aegoceratidae | |zugeschärft,| mannigfach| | spärlich, | |} |
| Jura u. Kreide| ⅔-1 | gefurcht | verziert, |2, selten 1| in der | häufig |} |
| (? Tertiär) | |oder gekielt| selten | | Regel ein | |} |
| | | | glatt | | Suspensiv-| |} |
| | | | | | lobus | |} |
| | | | | | entwickelt| |} |
+---------------+-----------+------------+-----------+-----------+-----------+-----------+--|
[Illustration: Fig. 481. Embryonalblase eines latisellaten Ammonoiden
(Goniatites diadema Gf.). A von der Seite, B von oben (gegen die
Bauchseite), C von vorn. si = Sipho; n = Nabel; es = Aussensattel.]
A. Latisellati.
Die erste Scheidewand mit einem relativ breiten Aussensattel (Fig.
481). Loben unterzählig oder vollzählig. Hilfsloben entweder spärlich
oder, wenn zahlreich, sehr klein oder den Seitenloben ähnlich. Perm und
Trias, vielleicht noch im Lias.
Unterabtheilung I. Trachyostraci.
Schale meist mit Rippen und Knoten verziert. Hilfsloben meist spärlich.
1. Fam. Ceratitidae.
Schale durchgängig mit einfachen oder gespaltenen Rippen und meist
mit einer oder mehreren Reihen von Knoten verziert. Einschnürungen
und Varices fehlen. Wohnkammer ½-¾ Umgang einnehmend, selten von der
übrigen Schale abweichend. Lobenlinie unterzählig oder vollzählig,
z. Th. noch goniatitisch, meist nur mit gezähnten Loben, bei den
jüngeren Formen auch mit gezähnten Sätteln. Aussenlobus weniger tief
als der erste Seitenlobus. Mittelsattel klein und meist schmal.
Hilfsloben fehlend oder sparsam, wenn zahlreich, sehr klein. Die
Familie schliesst an die im Perm noch vorhandene Goniatiten-Gruppe der
Carbonarii (Gastrioceras -- p. 393) mit unterzähligen Loben an; sie ist
ausschliesslich triadisch.
a. Rippen und Knoten am Nabelrande am stärksten. Knotenreihen nie
zahlreich. Sättel fast nie zerschlitzt. Die beiden Aeste des
Aussenlobus meist ∧-förmig nach hinten divergirend (Fig. 482 B
el). Ceratitinae.
Dinarites Mojs. Schale scheibenförmig, weit genabelt. Die Querrippen
sind am Nabelrande am stärksten und dort häufig geknotet. Loben
unterzählig bis vollzählig, ganzrandig oder schwach gezähnt. Sättel
ganzrandig. Hilfsloben fehlen. In der ältesten Trias Nordsibiriens und
in der alpinen Trias (Werfener Schichten -- Karnische Stufe).
D. spiniplicatus Mojs. Unterste Trias. Olenekmündung.
D. Liccanus v. Hau. Werfener Schichten. Südalpen, Kroatien.
D. Avisianus Mojs. Norisch. }
} Südalpen
D. Eduardi Mojs. Karnisch. }
Ceratites d. Haan (Fig. 482, 483). Schale scheibenförmig mit mehr oder
weniger offenem Nabel. Skulptur meist stärker als bei der vorigen
Gattung: Spaltrippen und oft mehrere (2-3) Knotenreihen. Mundrand an
der Aussenseite vorgezogen. Loben vollzählig, mit wenigen, selten
zahlreichen und dann sehr kleinen Hilfsloben (Fig. 483 A). Loben mehr
oder weniger stark gezähnt. Sattelenden gerundet, ganzrandig, selten
fein gezähnt. Von der vorigen Gattung nicht scharf geschieden.
In der älteren Trias weit verbreitet. Nordsibirien, Kirgisensteppe,
Himalaya, Japan, Europa, Spitzbergen, in den Alpen und im germanischen
Triasbecken, hauptsächlich im Muschelkalk, seltener in der norischen
Stufe (Lettenkohle).
1. Mit wenigen Hilfsloben.
C. Middendorfi Keys. Unterste Trias. Olenekmündung.
C. laqueatus Lindstr. Muschelkalk. Spitzbergen.
C. binodosus Hau. (Fig. 482 B). Leitfossil für die untere Abtheilung
des südalpinen Muschelkalkes.
C. antecedens Beyr. Unterer Muschelkalk. Nord- und Süddeutschland.
C. trinodosus Mojs. (Fig. 482 A). Leitfossil für die obere Abtheilung
des Muschelkalkes in den Nord- und Südalpen, Bosnien.
C. Hantkeni Mojs. Norisch. Südalpen, Bakony.
2. Mit zahlreichen Hilfsloben.
C. nodosus d. Haan (Fig. 483). Leitend für die mittlere Abtheilung
des oberen Muschelkalkes (»Nodosuskalk«) des germanischen Triasbeckens.
C. semipartitus v. B. Nimmt im oberen Muschelkalk ein etwas höheres
Lager ein als C. nodosus (»Semipartitus-Schichten«).
C. Schmidi Zimm. Lettenkohle. Thüringen.
[Illustration: Fig. 482. A Ceratites trinodosus Mojs. Muschelkalk.
Bakony. Schale von der Seite. (Die dritte, nabelständige Knotenreihe
ist bei grossen Exemplaren verschwunden.) B C. binodosus Hau.
Lobenlinie, die geringe Zahl der Hilfsloben (hl) und den ∧-förmig
gespreizten Aussenlobus (el) zeigend.]
[Illustration: Fig. 483. Ceratites nodosus d. Haan. Oberer Muschelkalk.
Wolfenbüttel. A vollständige Schale von der Seite. Der Mundrand (mr)
ist auf der Aussenseite vorgezogen, gegen den Rücken zu ausgebuchtet.
rk = äussere Knotenreihe. B dieselbe von vorn. Die Sättel (ss, ss₁,
ss₂, hs) sind ganzrandig, die Loben (el, sl₁, sl₂, hl) gezähnt.]
[Illustration: Fig. 484. Arpadites Manzonii Ben. Norisch. Esino,
Lombardei. Schale von der Seite, mit eingezeichneter Lobenlinie.]
Arpadites Mojs. (Fig. 484). Von Ceratites wesentlich nur durch den
schmäleren Mündungsquerschnitt und die jederseits von einem Kiele
eingefasste Aussenfurche unterschieden, aber nicht scharf davon
getrennt. In der norischen Stufe der Südalpen, des Bakony und Japans;
seltener auch noch in der karnischen.
A. Arpadis Mojs. Norisch. Südalpen, Bakony.
A. Manzonii Ben. (Fig. 484). Norisch. Lombardei.
b. Rippen und Knoten gegen den Aussenrand besonders stark.
Knotenreihen oft zahlreich, Sättel oft ringsum gekerbt. Die
beiden Aeste des Aussenlobus convergiren meist ∨-förmig nach
hinten (Fig. 486 C el).
Tirolitinae.
Tirolites Mojs. (Fig. 485). Schale flach, weit genabelt. Die Rippen
gegen aussen am stärksten und dort oft mit Knoten versehen. Loben
unterzählig, goniatitisch oder schwach gezähnt. Sättel ganzrandig.
Alpine Trias, hauptsächlich in den Werfener Schichten, selten jünger
(Karnische Stufe).
T. Cassianus Qu. (Fig. 485). Werfener Schichten. Südeuropa,
Astrachan.
T. Smiriagini Auerb. Werfener Schichten. Südeuropa, Astrachan.
Trachyceras Laube (Fig. 486). Schale mässig weit oder eng genabelt.
Seiten gewölbt. Rippen meist gespalten und mit mehreren Knotenreihen
verziert. Aussenseite oft gefurcht. Loben vollzählig, zuweilen ein
Hilfslobus. Die Sättel bei den geologisch jüngeren Formen gekerbt.
Mittelsattel schmal. Leitend für die norische und karnische Stufe
(Alpen, Bakony, Spanien, Nevada).
[Illustration: Fig. 485. Tirolites Cassianus Qu. Werfener Schichten.
Campil, Dolomitalpen. A Schale von der Seite, B von vorn. C Lobenlinie,
den schwach gezähnten Seitenlobus (sl₁) und den flachen Aussenlobus
(el) zeigend.]
Tr. Reitzi Boeckh. Leitend für die untere Abtheilung der norischen
Stufe. Südalpen, Bakony.
Tr. Archelaus Laube (Fig. 486). } Leitend für die obere Abtheilung
} der norischen Stufe. Südalpen,
Tr. doleriticum Mojs. } Bakony.
Tr. hispanicum Mojs. Norisch. Spanien.
Tr. Whitneyi Gabb. Norisch. Nevada.
Tr. Aon Mnstr. } Leitend für die untere Abtheilung der
} karnischen Stufe. Südalpen, Bukowina.
Tr. furcatum Mnstr. }
Tr. Basileus Mnstr. Karnisch (Cassianer Sch.). Südalpen.
Tr. Aonoides Mojs. Leitend für die obere Abtheilung der karnischen
Stufe in den Nord- und Südalpen.
c. Rippen meist über die Aussenseite fortsetzend. Lobenlinie nur
z. Th. gezähnt, meist goniatitisch. Kleine, weitgenabelte oder
ausgerollte, schnecken- oder stabförmige Schalen (Fig. 487).
Norische -- Rhätische Stufe der Alpen.
Clydonitinae.
Choristoceras Hau. (Fig. 487). Die letzte Windung von den früheren
abgelöst. Die einfachen Rippen an der Aussenkante geknotet. Seitenlobus
zweispitzig. Rhätische Stufe der Nordalpen.
Ch. Marshi Hau. (Fig. 487). } Rhätische Stufe. Nordalpen.
Ch. rhaeticum Gü. }
[Illustration: Fig. 486. Trachyceras Archelaus Laube. Norisch. Bakony.
A Schale von der Seite, B von vorn. C Lobenlinie mit 2 Seitenloben
(sl₁, sl₂), gekerbten Sätteln (es, ss₁) und schmalem Mittelsattel (ms).]
[Illustration: Fig. 487. Choristoceras Marshi Hau. Rhätische Stufe.
Salzkammergut. Die letzte Windung ist von den früheren abgelöst. ¹⁄₁.]
2. Fam. Tropitidae.
Wohnkammer 1¼-1⅓ Umgänge lang. Schale mit einfachen oder gespaltenen,
häufig geknoteten Rippen verziert. Aussenseite meist mit Kiel oder
Furche. Lobenlinie z. Th. schon bei den permischen Formen zerschlitzt
und vollzählig, bei den jungtriadischen vielfach reichlich verästelt.
Hilfsloben spärlich. Mittelsattel klein und meist unverziert. Diese
Familie geht aus der Goniatiten-Gruppe der Carbonarii, insbesondere aus
den schon früh stark verzierten Formen wie Pericyclus hervor; sie ist
im Perm und in der Trias durch eine Reihe von Gattungen vertreten.
Acrochordiceras Hyatt. Schale mit breit gerundetem Querschnitt. Die
zu je 3 am Nabel entspringenden und z. Th. daselbst geknoteten Rippen
setzen über die gerundete Aussenseite fort. Loben unterzählig bis fast
vollzählig, gezackt. Sättel ganzrandig oder gekerbt. Bezeichnend für
den Muschelkalk in den Südalpen, Bosnien, Schlesien, Nevada.
A. Damesi Nötl. unterer Muschelkalk. Bosnien, Niederschlesien.
A. Carolinae Mojs. Oberer Muschelkalk. Nordalpen.
Tropites Mojs. (Fig. 488). Schale aufgeblasen oder scheibenförmig.
Wohnkammer oft ausgeschnürt. Die gespaltenen und meist geknoteten
Rippen auf der Aussenseite durch einen Kiel unterbrochen. Loben
vollzählig, stark zerschnitten, die Sättel baumförmig verästelt, ihre
Stämme breit. Hilfslobus klein. Obere Trias des Salzkammergutes.
Tr. subbullatus Hau. (Fig. 488). Bezeichnend für die untere
Abtheilung der karnischen Stufe im Salzkammergute.
[Illustration: Fig. 488. Tropites subbullatus Hau. Karnisch.
Salzkammergut. A Schale von vorn, die ausgeschnürte Wohnkammer zeigend.
B dieselbe von der Seite. C die stark zerschlitzte Lobenlinie.]
Celtites Mojs. Rippen der weitgenabelten Schale meist einfach nach vorn
geschwungen, auf der glatten Aussenseite fehlend. Loben goniatitisch
(Paraceltites) oder schwach gezähnt. Sättel ganzrandig. Vom Perm bis in
die karnische Stufe, vielleicht noch im Lias.
C. (Paraceltites) Hoeferi Gemm. Perm. Sicilien.
C. epolensis Mojs. Norisch. Südalpen, Bakony.
Unterabtheilung II. Leiostraci.
Schale im Allgemeinen glatt. Loben und Sättel meist stark zerschlitzt.
Die meist zahlreichen Hilfsloben den Seitenloben ähnlich.
3. Fam. Arcestidae.
Schale im Allgemeinen glatt, zuweilen mit feinen Querstreifen oder
flachen, niemals gespaltenen Rippen. Varices häufig. Wohnkammer 1 bis
1½ Umgänge einnehmend, häufig geknickt oder ausgeschnürt. Mundrand
oft verdickt und die Aussenseite verschmälert oder verbreitert, meist
auf der Aussenseite vorgezogen, selten an den Seiten eingebogen. Perm
und Trias. Diese Familie ist im Perm bereits mit ammonitischen Loben
ausgestattet, goniatitische Formen reichen aber bis zum Schluss der
Triasformation.
a. Lobenlinie mit brachyphyller Entwicklung (Fig. 489, 490).
Arcestinae.
Sphingites Mojs. Schale weit genabelt. Umgänge langsam anwachsend,
nur mit Wülsten und Einschnürungen. Im Uebrigen wie Arcestes. Die
ältesten Formen aus der unteren Trias besitzen nur 1 Seitenlobus und
unzerschlitzte Sättel (Prosphingites). Trias.
Sph. (Prosph.) Czekanowskii Mojs. Unterste Trias. Olenekmündung.
Sph. Meyeri v. Kl. Karnische St. Nord- und Südalpen, Bukowina.
[Illustration: Fig. 489. Arcestes gigantogaleatus Mojs. Norisch.
Salzkammergut. A Schale von der Seite, B von vorn. Die gegen aussen
zusammengedrückte, mit schwachen Querstreifen verzierte Wohnkammer
allein sichtbar. Mundrand gegen innen zu verdickt, mit schwachem
Trichterausschnitt.]
[Illustration: Fig. 490. Arcestes subtridentinus Mojs. Norisch.
Bakonyer Wald. Lobenlinie. Die Sättel sind nicht zweitheilig wie bei
Joannites (Fig. 492).]
Arcestes Suess. (Fig. 489, 490). Schale eng- oder nicht genabelt,
aufgeblasen bis fast kugelig. Aussenseite gerundet, auf der abweichend
gebildeten Wohnkammer zuweilen zugeschärft oder abgeplattet. Verzierung
fehlend oder in einfachen Querstreifen oder flachen Rippen bestehend.
Lobenlinie bei den permischen Arten noch wenig, bei den triadischen
sehr stark zerschlitzt. Loben gegen innen langsam an Grösse abnehmend.
Aussenlobus am tiefsten, Aussensattel am höchsten. Mittelsattel stark
zerschlitzt, hoch. Im Perm, besonders häufig in der oberen Trias der
Alpen, Californiens, des Himalaya und Spitzbergens.
A. antiquus Waag. Perm. Ostindien.
A. Bramantei Mojs. Muschelkalk. Nord- und Südalpen, Bosnien.
A. extralabiatus Mojs. Muschelkalk. Nordalpen, Bosnien.
A. subtridentinus Mojs. (Fig. 490). } Norisch. Südalpen, Bakony.
A. Boeckhi Mojs. }
A. gigantogaleatus Mojs. (Fig. 489). }
A. subumbilicatus Br. } Norisch. Nordalpen.
A. intuslabiatus Mojs. }
A. bicarinatus v. Mü. } Karnisch. Nord- und Südalpen.
A. Ausseanus Hau. }
A. Gaytani Kl. Karnisch. Nord- und Südalpen, Bukowina.
b. Lobenlinie mit phylloider Entwicklung (Fig. 491-493).
Joannitinae.
Cyclolobus Waag. (Fig. 491). Schale stark eingerollt, enggenabelt,
mit niedergedrückten Windungen. Oberfläche mit Einschnürungen und
feinen Querstreifen. Lobenlinie bogenförmig, zuweilen mit 2 kleinen
Adventivloben, nicht sehr stark zerschlitzt. Hilfsloben mehr oder
weniger zahlreich. Im Perm Ostindiens und Siciliens.
C. Oldhami Waag. Perm. Ostindien. Mit Adventiv- und zahlreichen
Hilfsloben.
C. (Waagenoceras) Stachei Gem. (Fig. 491). } Perm. Sicilien. Ohne
} Adventiv- und mit
C. (Waagenoceras) Mojsisovicsi Gem. } wenigen Hilfsloben.
[Illustration: Fig. 491. Cyclolobus Stachel Gem. Perm. Sicilien. A
Schale von der Seite, B von hinten. v = Schalenwulst. C Lobenlinie.]
[Illustration: Fig. 492. Joannites Joannis-Austriae Kl. Karnisch
(Cassianer Schichten). St. Cassian, Südtirol, Ein Theil der
Lobenlinie, um den bogigen Verlauf derselben, die Zweitheilung (x) des
Aussensattels (es) und den hohen und reich verzierten Mittelsattel (ms)
zu zeigen.]
Joannites Mojs. (Fig. 492). Schale enggenabelt, aber flach und
glatt. Steinkern mit bogenförmigen Furchen. Lobenlinie bogig, stark
zerschlitzt, ohne adventive Elemente, von Arcestes durch die tiefe
Zweitheilung der Sättel (x) unterschieden. In der norischen, besonders
aber in der karnischen Stufe der alpinen Trias.
J. cymbiformis Wulf. }
} Karnisch. Nord- und Südalpen.
J. Klipsteini Mojs. }
J. Joannis-Austriae Kl. (Fig. 492). Karnisch. Nord- und Südalpen.
Bukowina.
Popanoceras Hyatt (Fig. 493). Schale enggenabelt oder ungenabelt, ohne
Furchen oder Varices. Die Schlusswindung oft abweichend gestaltet.
Oberfläche mit S-förmiger Streifung, die auf der Aussenseite stark
nach rückwärts biegt. Lobenlinie gerade oder schwach gebogen,
wenig zerschlitzt; Sattelenden breit, blattförmig. Im Perm des
Urals und Siciliens; nahe verwandte, aber durch das Fehlen des
Trichterausschnittes unterschiedene Formen in der älteren Trias
(Muschelkalk) Spitzbergens.
P. Sobaleskyanum d. Vern. Perm. Ural.
P. multistriatum Gem. (Fig. 493). }
} Perm. Sicilien.
P. clausum Gem. }
[Illustration: Fig. 493. Popanoceras multistriatum Gem. Perm.
Sicilien. A Schale von der Seite, B von hinten. C Lobenlinie. t =
Trichterauswölbung.]
[Illustration: Fig. 494. Lobites pisum Mnstr. Karnische Stufe
(Cassianer Sch.). St. Cassian, Südtirol. A Schale von der Seite. B von
vorn, die kapuzenförmig vorgezogene Mündung zeigend. C Lobenlinie.]
c. Lobenlinie goniatitisch. Sättel an der Basis verschmälert.
Hilfsloben spärlich (Fig. 494).
Lobitinae.
Lobites Mojs. (Fig. 494). Kleine, involute Schalen mit abweichender
Schlusswindung; letztere hinter der Mündung oft eingeschnürt.
Oberfläche glatt oder schwach quergefaltet. Mundrand auf der
Aussenseite meist kapuzenartig vorgezogen. Seitensättel oft abwechselnd
hoch und niedrig. Loben gerundet oder spitz. Norische und karnische
Stufe der alpinen Trias.
L. pisum Mnstr. (Fig. 494). Karnisch. Nord- und Südalpen.
L. delphinocephalus Hau. Karnisch. Nordalpen.
B. Angustisellati.
Die erste Scheidewand mit einem relativ schmalen Aussensattel und
mit mehr oder minder ausgeprägten Seitensätteln (Fig. 495 ss).
Loben vollzählig oder überzählig, meist mit Hilfs- und häufig mit
Adventivloben, nur bei den ältesten Formen noch mehr oder weniger
goniatitisch. Schale glatt oder verziert. Vom Perm bis in die jüngste
Kreide (? Alttertiär). Nach dem allgemeinen Charakter der Loben, wie er
schon bei den goniatitischen Vorfahren sich ausdrückt, theilen wir die
Angustisellati in folgende 3 Gruppen:
I. Serratiformes. Loben und Sättel zahlreich, an der Spitze
verschmälert. Adventive Elemente fast immer vorhanden. Schalenskulptur
fehlend oder schwach. Perm und Trias.
II. Linguatiformes. Loben mehr oder weniger zahlreich, gerundet, in
der Kreide z. Th. mit adventiven Elementen. Lobenentwicklung
brachyphyll. Aussenlobus oft wenig tief, so dass Mittel- und
Aussensattel nicht scharf geschieden. Wenn der Aussenlobus tief,
leiten meist die zugeschärfte oder gekielte, häufig gekerbte
Aussenseite und die an der Aussenseite stark nach vorn geschwungenen
Rippen. Mundrand mit schmalem Aussenfortsatz. Einschnürungen der
Schale fehlen. Perm -- Obere Kreide.
III. Lanceolatiformes. Loben und Sättel meist baumförmig verästelt und
zerschnitten, ihre Entwicklung phylloid (Sattelenden häufig
blattförmig). Schale glatt oder mannigfaltig verziert, oft mit
Einschnürungen. Mundrand abgestutzt oder aussen und an der Seite
vorgezogen. Nebenformen häufig. Perm -- Obere Kreide.
[Illustration: Fig. 495. Embryonalblase eines angustisellaten Ammoniten
(Coeloceras crassum Phill.) von vorn. si = Sipho; n = Nabel; es =
Aussensattel; ss = Seitensattel; is = Innensattel; sl₁ = Seitenlobus;
il = Innenlobus.]
I. Serratiformes.
4. Fam. Pinacoceratidae.
Schale flach scheibenförmig, meist unverziert. Nabel eng. Aussenseite
schneidend oder mit 2 Kanten, selten gerundet. Loben überzählig,
zahlreich. Aussensattel sehr breit oder sehr hoch, häufig in adventive
Elemente aufgelöst. Perm und Trias.
Diese Familie schliesst sich an die Goniatiten-Gruppe der Serrati
(Beloceras -- p. 396) an.
Medlicottia Waag. (Fig. 496). Schale hochmündig, flach. Aussenseite
mit 2 Kielen, welche eine Furche einschliessen. Von dem hohen
quergetheilten Aussensattel beginnen sich adventive Elemente
abzuspalten. Loben und Sättel mit wenigen Einschnitten. Zahlreiche
Hilfsloben. Perm (Ostindien, Ural, Sicilien).
M. primas Waag. Perm. Ostindien.
M. Orbignyi Vern. Perm. Ural.
M. Trautscholdi Gem. (Fig. 496). Perm. Sicilien.
Bei der nahestehenden Gattung Sageceras Mojs. ist der Aussensattel
in zahlreiche Adventivsättel aufgelöst. Die Loben sind zweispitzig,
die Sättel ganzrandig. Perm -- Karnische Stufe.
S. Haidingeri Hau. Karnisch. Nordalpen.
Formen mit schwach entwickelten Adventivloben und goniatitischer
Lobenlinie treten im germanischen Röth und Muschelkalke auf --
Beneckeia Mojs.
B. tenuis Seeb. Oberer Buntsandstein.
B. Buchi Alb. Unterer Muschelkalk.
Pinacoceras Mojs. (Fig. 497). Schale aussen meist zugeschärft, selten
gerundet, abgeplattet, gefurcht oder gekerbt. Lobenlinie stark
zerschlitzt mit zugespitzten Seitenloben und -Sätteln. Die Adventiv-
und Hilfssättel meist breit und zweitheilig. In der alpinen Trias
vom oberen Muschelkalke bis in die karnische Stufe. Die permischen
Vorläufer -- Propinacoceras Gem. -- zeichnen sich durch geringere
Zertheilung der Lobenlinie, unvollkommene Individualisirung der
adventiven Elemente und durch ihre breite, gekerbte Aussenseite aus.
P. (Prop.) Beyrichi Gem. Perm. Sicilien.
P. Metternichi Hau. }
} Norisch. Salzkammergut.
P. parma Mojs. (Fig. 497). }
P. Layeri Hau. Karnisch. Salzkammergut.
[Illustration: Fig. 496. Medlicottia Trautscholdi Gem. Perm. Sicilien.
A Schale von der Seite, B von hinten. R = Aussenfurche, von 2
Kielen eingefasst. C Lobenlinie. k-k = Kiellinie. Von dem hohen,
quergetheilten Aussensattel (es) zweigt sich ein kleiner Adventivsattel
ab.]
[Illustration: Fig. 497. Pinacoceras parma Mojs. Norisch.
Salzkammergut. A Schale von der Seite mit eingetragener Lobenlinie; die
starke Zerschlitzung derselben bei der Reduction nicht erkennbar. B
Schale von vorn.]
Anhang: 5. Fam. Cladiscitidae.
Eine geringe Zahl triadischer Ammoniten, deren Ausgangspunkt unter den
Goniatiten noch nicht mit Sicherheit festgestellt ist, gehört in diese
Familie. Die Wohnkammer der glatten oder mit Spiralstreifen verzierten
Schalen beträgt 1 Umgang. Die Schale ist ungenabelt mit breiter,
gerundeter Aussenseite. Einschnürungen und Varices fehlen. Lobenlinie
reichlich zerschlitzt, ähnlich wie diejenige von Joannites (p. 408),
jedoch nicht gebogen.
Die Sättel der älteren Formen endigen einblättrig, die der jüngeren
sind tief zweitheilig.
Cladiscites Mojs. (Fig. 498). Vom Muschelkalk bis in die karnische
Stufe der Alpen.
[Illustration: Fig. 498. Cladiscites tornatus Br. Norisch.
Salzkammergut. A Schale von der Seite, B von vorn. NB. Die
Spiralstreifung der Schale ist auf der Zeichnung nicht hinreichend
deutlich.]
Cl. tornatus Br. (Fig. 498). }
} Norisch. Salzkammergut.
Cl. multilobatus Br. }
Cl. subtornatus Mojs. Karnisch. Salzkammergut.
II. Linguatiformes.
Die hierher gerechneten Ammoniten unterscheiden sich von den
Serratiformes sowohl durch den allgemeinen Charakter der Lobenlinie,
als auch durch die mehr oder weniger deutlich hervortretende Verzierung
der Schale, durch Faltenrippen in der Trias, durch sichelförmig nach
vorn geschwungene Streifen oder Rippen in jüngeren Formationen. Von
den Lanceolatiformes des Jura und der Kreide sind sie oft nicht leicht
zu unterscheiden; immerhin geben entweder der breite Mittel- bzw.
Aussensattel oder die scharfe Vorbiegung der Rippen oder der scharfe,
häufig gekerbte Kiel und der schmale Aussenfortsatz des Mundrandes
brauchbare Unterscheidungsmerkmale ab. Zudem sind häufig Adventivloben
vorhanden und bei vielen Arten der Kreide findet ein Rückgang der
Lobenlinie in das ceratitische oder gar goniatitische Stadium statt
(»Kreideceratiten«).
6. Fam. Ptychitidae.
Schale meist flach, glatt oder mit Faltenrippen, selten mit Stacheln
versehen. Aussenseite gerundet oder gekielt. Aussenlobus meist wenig
tief. Lobenlinie voll- oder überzählig. Perm und Trias.
Xenodiscus Waag. Schale flach, an der Aussenseite abgeplattet oder
gerundet, glatt oder mit schwachen Falten. Lobenlinie mit ganzrandigen
Sätteln und gezähnten Loben. Hilfsloben schwach. Perm und tiefste Trias.
X. carbonarius Waag. Perm. Ostindien.
X. Schmidti Mojs. Unterste Trias. Sibirien.
X. applanatus Hy. Unterste Trias. Idaho.
Gymnites Mojs. Wesentlich nur durch die ammonitische Zerschlitzung der
Lobenlinie und die schärfere Individualisirung der zu einem Nahtlobus
sich herabsenkenden Hilfsloben unterschieden. Muschelkalk und norische
Stufe (Alpen, Ostindien).
G. incultus Beyr. Oberer Muschelkalk. Nordalpen, Bosnien.
Ptychites Mojs. (Fig. 499). Schale enggenabelt, Aussenseite
gerundet, an der Mündung vorgezogen. Die Seiten mit flachen, schwach
geschwungenen Falten verziert. Aussensattel wenig tief getheilt,
meist niedriger als der erste Seitensattel. Hilfsloben vorhanden.
Hauptsächlich im Muschelkalk, seltener in der norischen Stufe (Europa,
Spitzbergen, Ostindien).
[Illustration: Fig. 499. Ptychites gibbus Ben. Oberer Muschelkalk.
Prezzo, Judicarien. A Schale von der Seite. B Lobenlinie. Der
Aussensattel (es) ist weniger hoch als der erste Seitensattel (ss₁);
der Aussenlobus (el) sehr seicht; r = Rückenkante.]
P. trochleaeformis Lindstr. sp. Muschelkalk. Spitzbergen.
P. dux Gieb. Unterer Muschelkalk. Norddeutschland.
P. gibbus Ben. (Fig. 499). Oberer Muschelkalk. Nord- und Südalpen,
Bakony.
P. flexuosus Mojs. Oberer Muschelkalk. Nordalpen, Bakony.
7. Fam. Amaltheidae.
Die Amaltheidae sind wahrscheinlich die Nachkommen der triadischen
Plychitidae; die vermittelnden Glieder aus der obersten Trias und dem
untersten Jura sind freilich noch unbekannt. Bei den ältesten Amaltheen
zeigt der Aussensattel und Aussenlobus auffallende Aehnlichkeit mit
den gleichen Bildungen der älteren Familie. Auch der linguatiforme
Charakter der Loben, der oft in einer auffallenden Breite der Sättel
seinen Ausdruck findet, bleibt häufig erhalten. Die Aussenseite der
Schale schärft sich in der Regel zu einer Schneide zu, die nicht
selten durch die an ihrem äusseren Ende stark nach vorn geschwungenen
Falten und Rippen gekerbt wird. Der Vorbiegung der Rippen entspricht
ein schmaler Aussenfortsatz der Mündung, während seitliche Fortsätze
fehlen. Eine ähnliche Beschaffenheit der Aussenseite und des Mundrandes
zeigen eine Reihe von Formen, die durch niedrigen Schalenquerschnitt,
weiteren Nabel, starke, meist gespaltene und oft geknotete Rippen
von den echten Amaltheiden abweichen (Cardioceras, Schloenbachia).
Ihre Zugehörigkeit zu dieser Familie ist nicht unbestritten, jedoch
wahrscheinlich.
Die Amaltheidae treten in gewissen Horizonten des Jura und der Kreide
recht häufig, aber ziemlich unvermittelt auf, wodurch die Verfolgung
der Formenreihen sehr erschwert wird.
A. Echte Amaltheidae. (Schale hochmündig, meist glatt).
Amaltheus Mtf. (Fig. 500-503). Schale scheibenförmig, enggenabelt,
glatt oder schwach berippt, seltener mit Knoten verziert. Loben
vollzählig, zuweilen unterzählig. Hilfsloben und häufig Adventivloben
vorhanden. Bei den geologisch jüngeren Formen geht die Zerschlitzung
der Lobenlinie zurück und nimmt wieder einen ceratitischen oder gar
goniatitischen Charakter an.
[Illustration: Fig. 500. Amaltheus (Oxynoticeras) oxynotum Qu. Unterer
Lias (β). Schwäbischer Jura. Schale von vorn und von der Seite. ¹⁄₁.]
[Illustration: Fig. 501. Amaltheus margaritatus Brug. Mittlerer Lias.
Schale von der Seite, den gekerbten Kiel zeigend. Uebergangsform zu A.
(Pleuroceras) costatus Brug. (Seitenknoten entwickelt). ¹⁄₁.]
Wesentlich nach dem Charakter der Lobenlinie lassen sich folgende 3
Gruppen unterscheiden:
1. Oxynoti. Aussenlobus breit. Loben nach vorn weit geöffnet, nach
hinten gerundet. Sättel breitstämmig, wenig tief zerschlitzt.
Aussenseite meist mit scharfem, aber ungekerbtem Kiel, selten gerundet
(Fig. 500).
a. Ohne deutlich gesonderte Adventivloben. Lobenlinie ammonitisch
(Fig. 500)
Oxynoticeras. Unterer Lias -- Neocom.
O. oxynotum Qu. (Fig. 500). Leitfossil für die mittlere Abtheilung
des Lias (β) in Mitteleuropa.
O. serrodens Qu. Oberer Lias (ζ). Mitteleuropa.
O. Stauffense Opp. Unterer Dogger (β). -- Mitteleuropa.
O. catenulatum Fisch. }
} Obere Wolga-Stufe. Russland.
O. fulgens Trd. }
b. Mit mehr oder minder zahlreichen Adventivloben. Lobenlinie
ammonitisch bis fast ceratitisch
Sphenodiscus. Obere Kreide.
Sph. lenticularis Ow. (Fig. 502). Oberste Kreide. Europa,
Nordamerika (? Eocän).
2. Fissilobati. Loben tief, nach vorn sich verengend. Sättel tief
zerschlitzt. Kiel scharf und auf dem Luftkammertheile hohl, oder
gekerbt.
[Illustration: Fig. 502. Sphenodiscus lenticularis Owen. Obere
Kreide (Fox Hills group). Upper Missouri. A Schale von der Seite mit
eingezeichneter Lobenlinie. B Dänische Stufe. Limburg. Ansicht des
Querbruches der Schale. p = Projection des vorhergehenden Umganges; al
= Adventivloben.]
[Illustration: Fig. 503. Buchiceras Ewaldi v. B. Unteres Senon
(Coniacien). Dép. du Drôme. A gekammerter Steinkern von der Seite,
B von vorn. kn = die schwachen Knoten des Aussenrandes. Ein Ast des
Aussenlobus (el) theilt vom breiten Aussensattel einen Adventivsattel
(x) ab. Die Lobenlinie ist ceratitisch mit Ausnahme des schwach
getheilten Adventivsattels.]
a. Ohne deutlich gesonderte Adventivloben. Lobenlinie stark
zerschlitzt.
Amaltheus s. str. Mittlerer Lias -- Neocom.
A. ibex Qu. Zonenammonit des Lias (γ). Mitteleuropa.
A. margaritatus Brug. (Fig. 501). Zonenammonit des unteren Lias (δ).
Mitteleuropa.
A. (Pleuroceras) costatus Brug. Zonenammonit des oberen Lias (δ).
Mitteleuropa.
A. Truellei d’Orb. Mittlerer Dogger. }
} Mitteleuropa.
A. pustulatus Ziet. Callovien. }
b. Mit mehr oder minder zahlreichen Adventivloben.
Placenticeras. Untere und obere Kreide (? Eocän).
P. ? clypeiformis d’Orb. Neocom. Mittel- und Südeuropa.
P. ? Nisus d’Orb. Aptien. Mitteleuropa.
P. syrtalis Mort. Senon. Europa, Indien, Nordamerika.
P. placenta Dek. Oberste Kreide. Nordamerika.
3. Ceratitiformes. Hierher werden die ceratitischen und goniatitischen
Formen der beiden Gruppen gerechnet und als Buchiceras bezeichnet.
Obere Kreide.
B. Vibrayei d’Orb. Cenoman. Frankreich.
B. Syriacum v. B. Turon. Syrien.
B. Ewaldi v. B. (Fig. 503). Unterer Senon. Südfrankreich.
B. Tissoti Bayle. Senon. Nordafrika, Peru.
B. Niedrigmündige, rauhschalige Amaltheidae.
Zu wiederholten Malen entwickeln sich aus den glattschaligen oder
schwach berippten, hochmündigen echten Amaltheen trachyostrake
Schalen mit niedrigem Windungsquerschnitt, z. B. A. costatus Brug.
(Pleuroceras) aus A. margaritatus Brug. im mittleren Lias, A.
pustulatus Ziet. aus der Truelli-Gruppe im Callovien. Von letzterer
Gruppe scheint die Gattung
Cardioceras Neum. (Fig. 504) abzuzweigen. Schale mehr oder weniger
weit genabelt, mit gespaltenen, zuweilen auch geknoteten, gegen
die zugeschärfte oder gekielte, nie zugerundete Aussenseite nach
vorn geschwungenen Rippen bedeckt, welche die Aussenseite kerben.
Windungsquerschnitt herzförmig bis rechteckig. Mittelsattel breit.
Hilfsloben wenig entwickelt. Hilfssättel viel kleiner als die
Seitensättel. Unterer und mittlerer Malm.
C. cordatum Sow. (Fig. 504). Leitend für die Grenzschichten zwischen
Callovien und Oxford in Mitteleuropa.
C. alternans Buch. Oxford und Kimmeridge. Mitteleuropa.
[Illustration: Fig. 504. Cardioceras cordatum Sow. Unterstes Oxford.
Vieil St. Remy, Ardennen. Schale von der Seite. Die Rippen (r) spalten
sich gegen die Aussenseite und kerben dieselbe (k).]
Schloenbachia Neum. (Fig. 505). Schale weiter genabelt als bei
Cardioceras. Aussenseite mit scharfem, selten gekerbtem Kiel, der am
Mundrande stielartig verlängert (f) und zuweilen zurückgebogen ist.
Kräftige, meist gespaltene und häufig geknotete Rippen. Loben wenig
stark verästelt, zuweilen fast ceratitisch. Ein einziger Hilfslobus.
Untere, besonders aber obere Kreide.
Schl. cristata Del. Oberer Gault. Mitteleuropa.
Schl. varicosa Sow. Oberer Gault. Mitteleuropa, Südamerika.
Schl. inflata Sow. Leitfossil für die Grenzschichten zwischen Gault
und Cenoman. Europa, Indien, Westafrika, Südamerika.
Schl. varians Sow. }
} Cenoman. Mitteleuropa.
Schl. Coupei Bgt. (Fig. 505). }
Schl. tricarinata d’Orb. Unterstes Senon. Europa, Indien.
Schl. Texana Rö. Unterstes Senon. Europa, Nordamerika.
[Illustration: Fig. 505. Schloenbachia Coupei Brgt. Cenoman. Rouen. A
Schale von der Seite, B von vorn. k = Kiel; kn = Seitenknoten; kn’ =
Knoten der Aussenseite; f = stielartiger Trichterfortsatz.]
III. Lanceolatiformes.
Die Goniatiten-Gruppe der Lanceolati zeichnet sich durch
lanzettförmige Sättel und Loben aus, welch’ letztere bereits in der
Steinkohlenformation z. Th. zweispitzig zu werden beginnen (Pronorites
-- p. 395); der Windungsquerschnitt ist oval und die Oberfläche
unverziert oder nur quergestreift. Diese Charaktere finden sich bei den
alttriadischen Nachkommen bewahrt, nur die Lobenlinie hat eine stärkere
Zerschlitzung erfahren. Während der Trias differenzirt sich der Stamm
der Lanceolatiformes noch wenig, aber mit dem Beginn der Juraformation
treten uns 3, deutlich gesonderte Familien entgegen, welche im Jura und
in der Kreide sich zu grosser Mannigfaltigkeit der Formen entwickeln.
Diese sind:
8. Fam. Phylloceratidae. Schale meist sehr eng genabelt, mit
gerundeter Aussenseite. Verzierung fast ausschliesslich in
Querstreifen oder -Falten bestehend; zuweilen Querwülste auf der
Schale und besonders auf dem Steinkerne. Die Enden der Sättel
stets lancett- oder blattförmig. Hilfsloben meist zahlreich.
Loben überzählig, nach der Naht zu an Grösse allmählich
abnehmend. Trias -- Obere Kreide.
9. Fam. Lytoceratidae. Schale sehr weit genabelt, mit gerundeter
Aussenseite, glatt oder mit einfachen Querverzierungen.
Einschnürungen zuweilen vorhanden. Die zahlreichen Nebenformen
der Kreide zeichnen sich durch stärkere Berippung aus. Loben
vollzählig, Hilfsloben selten entwickelt. Die Sattelenden fein
zerschlitzt. Sättel fast durchgehends symmetrisch -- zweitheilig.
Jura und Kreide.
10. Fam. Aegoceratidae. Schale eng oder weit genabelt, sehr
verschiedenartig verziert. Aussenseite gerundet, abgeplattet,
zugeschärft, gekielt oder gefurcht. Mundrand häufig mit
Aussenfortsatz und Seitenohren. Loben voll-, selten unterzählig.
Sättel bei den ältesten Formen blattförmig endigend, später stets
fingerförmig zerschlitzt, oft zweitheilig aber nie symmetrisch.
Hilfsloben immer vorhanden, abgesehen von den Nebenformen.
Aptychus vorhanden. Rhätische Stufe -- Oberste Kreide.
8. Fam. Phylloceratidae.
Bezeichnend für diese Familie sind im Allgemeinen das Fehlen der
Berippung, die starke Einrollung der Schale, die gerundete Aussenseite
und die blatt- oder lanzettförmige Endigung der Sättel und häufig
auch der Sattelzweige. In der Regel sind 3 Seitenloben vorhanden.
Wir rechnen zu dieser Familie alle triadischen Vertreter der
Lanceolatiformes, von denen manche sich wohl als directe Vorläufer der
beiden anderen Familien herausstellen dürften. Während permische und
alttriadische Vorläufer bisher erst spärlich bekannt geworden sind,
erscheinen im Muschelkalk bereits mehrere Gattungen. Den Höhepunkt der
Entwicklung erreicht die Familie gegen das Ende der Jurazeit, wo die
Zerschlitzung der Lobenlinie den höchsten Grad der Ausbildung erreicht.
Vereinzelte Vertreter sind noch in der jüngsten Kreide vorhanden.
A. Schale stark eingerollt. Nabel sehr eng oder fehlend.
Hilfsloben zahlreich (Fig. 506-508).
Megaphyllites Mojs. (Fig. 506). Schale nur mit feiner Querstreifung,
stark gerundeter Aussenseite und wenig stark zerschlitzter Lobenlinie.
Die Sättel sind seitlich in einfache lineare Zacken zerschnitten, ihre
Enden breit blattförmig. 4 Seitenloben. Die Seiten- und z. Th. auch
die Hilfsloben endigen zweispitzig. Muschelkalk -- Karnische Stufe der
Alpen.
M. sandalinus Mojs. Oberer Muschelkalk. Nord- und Südalpen, Bosnien.
M. insectus Mojs. Norisch. Nordalpen.
M. Jarbas Mnstr. (Fig. 506). Karnisch. Nord- und Südalpen.
[Illustration: Fig. 506. Megaphyllites Jarbas Mnstr. Karnisch. St.
Cassian, Südtirol. A Schale von der Seite, B von vorn. C Lobenlinie mit
4 Seitenloben (der III. und IV. sind nicht bezeichnet).]
Phylloceras Suess (Fig. 507). Von der vorigen Gattung wesentlich nur
durch die stärkere Zerschlitzung der Lobenlinie und beträchtlichere
Windungshöhe unterschieden. Die Sättel sind tief zertheilt, auch die
Seitenäste endigen blattförmig. 3 Seitenloben vorhanden. Einschnürungen
und Varices nicht selten entwickelt. Unterer Lias -- Oberste Kreide, in
Europa in den alpinen Ablagerungen besonders häufig.
[Illustration: Fig. 507. Phylloceras heterophyllum Sow. Oberer Lias.
A England, B Schwaben. A Schale von der Seite mit eingezeichneter
Lobenlinie. B Ansicht der Septalfläche eines grossen Exemplars.
Drei Seitenloben (sl₁, sl₂, sl₃) ausserhalb der Projection des
vorhergehenden Umganges (p). Auf dem Septalumschlage (u) sehr
zahlreiche, allmählich an Grösse abnehmende Hilfsloben; die äusseren
(hl) den inneren (ihl) gegenüber und beide etwa symmetrisch zur Linie
s-s gestellt. s’ = Schale.]
a. Schale glatt, quer gestreift oder gefaltet. Die inneren
Seitensättel endigen alle einblättrig.
Ph. glaberrimum Neum. Unterster Lias. Nordalpen, Peru.
Ph. Zetes d’Orb. Mittlerer Lias. Mitteleuropa.
Ph. heterophyllum Sow. (Fig. 507). Oberer Lias. Mitteleuropa.
Ph. Kudernatschi Hau. Oberer Dogger (Klaus Sch.). In der alpinen
Facies Mittel- und Südeuropas.
Ph. isotypum Ben. Kimmeridge (Acanthicus-Sch.). In der alpinen
Facies Mittel- und Südeuropas.
Ph. ptychostoma Ben. Tithon (Diphya-Kalk). In der alpinen Facies
Mittel- und Südeuropas.
Ph. infundibulum d’Orb. Neocom. Südeuropa.
Ph. Tethys d’Orb. Neocom. Südeuropa.
Ph. Velledae Mich. Gault. Südeuropa.
Ph. velledaeformis Schlüt. Turon. Norddeutschland.
[Illustration: Fig. 508. Phylloceras ptychoicum Qu. Tithon. Stramberg,
Mähren. Schale mit vollständig erhaltener Wohnkammer. Querwülste auf
der Aussenseite. ¹⁄₁.]
b. Schale mit Wülsten oder Varices (Steinkern mit Furchen). Der
erste innere Seitensattel endigt (? immer) zweiblättrig.
Ph. Nilsoni Héb. Oberer Lias. Mittel- und Südeuropa.
Ph. Manfredi Opp. Oxford. Mitteleuropa.
Ph. ptychoicum Qu. (Fig. 508). Bezeichnend für das Tithon in Mittel-
und Südeuropa.
Ph. Calypso d’Orb. Neocom. Südfrankreich.
B. Schale mässig weit genabelt, seitlich mehr oder weniger
abgeplattet. Hilfsloben wenig zahlreich.
Monophyllites Mojs. Von Megaphyllites hauptsächlich durch die
geringere Einrollung der Schale und die geringere Zahl der Hilfsloben
unterschieden. Hieran dürften sich ausser der nächsten Gattung die
Familie der Lytoceratidae anschliessen. Muschelkalk -- Karnische Stufe
der Alpen und Bosniens. Spitzbergen, Nordamerika.
M. sphaerophyllus Hau. Muschelkalk. Nord- und Südalpen, Bosnien.
M. Wengensis Klipst. Norisch. Südalpen, Bukowina.
M. Agenor Mnstr. (= Morloti Hau.). Karnisch. Nord- und Südalpen,
Bukowina.
M. Simonyi Hau. Karnisch. Nordalpen.
[Illustration: Fig. 509. Rhacophyllites tortisulcatus d’Orb. Oxford.
A, B Krim, C Schwaben. A Schale von der Seite. w = Wulst; f =
Einschnürung. B dieselbe von vorn. C die vollständige Lobenlinie.]
Rhacophyllites Zitt. (Fig. 509). Lobenlinie stärker zerschlitzt als bei
der vorigen Gattung. Die Sättel endigen in 2 oder 3 Blättern. Schale
zuweilen mit S-förmigen Wülsten und Einschnürungen. Norische Stufe --
Neocom.
Rh. neojurensis Qu. }
} Norisch. Nordalpen.
Rh. occultus Mojs. }
Rh. tortisulcatus d’Orb. (Fig. 509). Oberer Dogger -- Oberer Malm,
besonders häufig im Oxford. Mittel- und Südeuropa.
9. Fam. Lytoceratidae.
Die Lytoceratidae zeichnen sich im Gegensatz zu den Phylloceratidae
durch die Weite des Nabels und das vollständige oder nahezu
vollständige Fehlen der Hilfsloben aus. Die Schalen sind symmetrisch
eingerollt oder sie bilden haken-, schnecken- oder stabförmige
Nebenformen. Der Windungsquerschnitt schwankt zwischen dem kreisrunden
und ovalen. Mit der Ausbildung der Nebenformen entwickeln sich zumeist
einfache, selten gespaltene oder geknotete Rippen. Der Mundrand
zeigt nur bei den gerade gestreckten Nebenformen einen längeren
Trichterfortsatz, für gewöhnlich ist er gerade abgeschnitten und
zuweilen trompetenartig erweitert. Die Lobenlinie ist stark verästelt,
geht aber bei den Nebenformen zurück. Bezeichnend für dieselbe ist die
symmetrische Vertheilung der Loben nach einer Querlinie (Fig. 510 A
ss), die namentlich in der symmetrischen Theilung des Seitensattels
(ss₁) zum Ausdruck gelangt.
Die Familie ist im Jura und in der Kreide sehr häufig, in letzterer
Formation überwiegen die Nebenformen über die normal eingerollten. Die
triadischen Vorläufer sind noch nicht scharf ausgeschieden.
[Illustration: Fig. 510. A Septalfläche und B Lobenlinie von Lytoceras
fimbriatum Sow. Mittlerer Lias. Die Loben und Sättel sind fast
symmetrisch zu einer Querebene (s-s) gestellt. Der erste Seitensattel
(ss₁) symmetrisch getheilt, der zweite, gleichzeitig Innensattel, ist
wohl zweitheilig (x), aber nicht in Hilfsloben aufgelöst.]
[Illustration: Fig. 511. Lytoceras fimbriatum Sow. Mittlerer Lias (γ).
Charmouth, England. A Schale von der Seite, B von vorn. b = Querringe
(stehen gebliebene Mundränder), dazwischen die wellige Schalenstreifung
sichtbar.]
Lytoceras Suess (Fig. 510-512). Unter diesem Namen werden die normal
eingerollten Schalen begriffen. Die Umgänge umfassen sich nur wenig
oder berühren sich eben. Der zweite Seitensattel ist deshalb meist
gleichzeitig Innensattel; nur selten findet eine Zertheilung desselben
durch 1 oder 2 Hilfsloben statt. Die Schalenoberfläche ist glatt
oder mit feinen, oft zackigen Querlamellen und stehen gebliebenen
Mundrändern, in der Form von Ringen oder Einschnürungen versehen. Die
Länge der Wohnkammer beträgt ½-¾ Umgänge. Unterer Lias -- Oberste
Kreide.
a. Schale glatt oder mit welligen Streifen, zuweilen mit
ringförmigen Mundrändern oder Einschnürungen versehen.
Lias -- Danien.
L. fimbriatum Sow. (Fig. 510, 511). Mittlerer Lias (γ). Mitteleuropa.
L. cornucopiae Y. & B. Oberer Lias (ε). Mitteleuropa.
L. Germainei d’Orb. Oberer Lias (ζ). Mitteleuropa.
L. jurense Ziet. Leitfossil für den Lias ζ in Mitteleuropa.
L. tripartitum Rasp. (Fig. 512). Oberer alpiner Dogger.
L. Liebigi Opp. Tithon. Alpen und Südeuropa.
L. Honorati d’Orb. Neocom. Südeuropa.
[Illustration: Fig. 512. Lytoceras tripartitum Rasp. Oberer Dogger.
Dép. d. Basses-Alpes. A Schale von der Seite, B von vorn. f =
Querfurchen.]
b. Schale mit zahlreichen, oft wulstartig verbreiterten und dann
durch Furchen getrennten Rippen, z. Th. mit Knoten. Lias und
Dogger.
L. articulatum Sow. Unterer Lias. Alpengebiet.
L. torulosum Ziet. Leitfossil für die untersten Schichten des Dogger
in Mitteleuropa »Torulosus-Sch.«).
c. Schale mit einfachen, seltener gespaltenen oder geknoteten,
scharfen Rippen. Wohnkammer etwa 1 Umgang. Untere Kreide --
Costidiscus.
L. recticostatus d’Orb. Neocom. Südfrankreich, Karpathen.
Nebenformen der Lytoceratidae.
Dieselben sind auf die Kreide beschränkt, daselbst aber sehr häufig.
Von den oft ähnlichen Nebenformen der Aegoceratidae sind sie durch die
symmetrische Zertheilung der Loben unterschieden.
A. Die Schalenumgänge liegen in einer Ebene (Fig. 513, 514).
Hamites Park. (Fig. 513). Die Berippung der Schale wie bei
Costidiscus. Entweder ist nur die Wohnkammer von dem normal
gerollten, gekammerten Theile der Schale abgelöst und hakenförmig
zurückgekrümmt (Macroscaphites), oder die gekammerten Windungen sind
ebenfalls von einander gelöst und die Schale einmal (Hamulina) oder
mehrere Male (Hamites s. str.) hakenförmig umgebogen. Die Formen mit
Gyroceras-artiger Ausrollung und Lytoceras-artiger Verzierung werden
als Pictetia abgetrennt. Häufig in der Kreide.
Macroscaphites Ivanii d’Orb. } Oberes Neocom (Barrémien).
Hamulina Astieri d’Orb. } Westalpen, Karpathen.
Hamites attenuatus Sow. (Fig. 513). Gault. Mitteleuropa.
Hamites cylindraceus Dfr. Oberste Kreide. Mitteleuropa.
Pictetia Asteri d’Orb. Gault. Westalpen.
[Illustration: Fig. 513. Hamites attenuatus Sow. Gault. Restaurirte
Schale. ¹⁄₁.]
[Illustration: Fig. 514. Baculites anceps Lmk. Oberste Kreide
(Baculitenkreide). ¹⁄₁.]
[Illustration: Fig. 515. Turrilites catenulatus d’Orb. Gault.
Westalpen. ¹⁄₁.]
Baculites Lmk. (Fig. 514). Schale stabförmig gestreckt, im Querschnitt
oval, aber Bauch- (Siphonal-) Seite oft etwas zugeschärft. Mundrand
mit Trichterfortsatz. Oberfläche glatt oder mit flachen Falten.
Lobenlinie wenig stark zerschlitzt. Kreide, besonders häufig in den
jüngsten Schichten derselben (Senon und Danien -- »Baculitenkreide«)
in Europa, Nord- und Südamerika, Indien etc., vielleicht noch im Eocän
Nordamerikas.
B. (Ptychoceras) neocomiensis d’Orb. Neocom. Karpathen,
Südfrankreich.
B. baculoides d’Orb. Cenoman. }
B. incurvatus Duj. Unteres Senon. } Mitteleuropa.
B. Knorri Desm. Oberes Senon. }
B. anceps Lmk. (Fig. 514). Danien. Europa, Chili, Indien.
B. Die Umgänge sind schneckenförmig gewunden (Fig. 515).
Turrilites Lmk. (Fig. 515). Schale in der Form eines Schneckenhauses
meist links, seltener rechts gewunden. Die Windungen berühren sich,
oder sind ganz oder theilweise von einander gelöst. Oberfläche mit
einfachen oder geknoteten Rippen. Die beiden Hälften der Lobenlinie
unsymmetrisch, der unsymmetrischen Aufrollung der Schale entsprechend.
Wie Hamites zerfällt auch diese Gattung in mehrere Untergattungen.
Neocom -- Senon.
A. Alle Umgänge berühren sich.
T. catenatus d’Orb. (Fig. 515). }
} Gault. Mitteleuropa.
T. Bergeri Bgt. }
T. costatus Lmk. Cenoman. Europa, Nordafrika, Ostindien.
T. tuberculatus Bosc. Cenoman. Europa, Ostindien.
B. Die letzten Umgänge berühren sich nicht.
T. Reussi d’Orb. Oberes Turon, Norddeutschland.
T. polyplocus Rö. Oberes Senon. Norddeutschland, Südfrankreich.
[Illustration: Fig. 516. A, B Psiloceras planorbis Sow. Unterster
Lias (Psilonotenschichten). Württemberg. A Schale mit erhaltenem
Mundrande (e) und Anaptychus in situ (an). B Windungsquerschnitt. C
Ps. calliphyllum Neum. Unterster Lias. Nordalpen. Lobenlinie. Die
Sättel zeigen blattförmige Enden. Der zweite Seitenlobus ist mit den
Hilfsloben zu einem Suspensivlobus (su) vereinigt.]
10. Fam. Aegoceratidae.
In den obersten Schichten der alpinen Trias, ungleich häufiger aber in
den alleruntersten Schichten des Jura in Europa (und Südamerika) tritt
eine Gruppe leiostraker, weit genabelter Ammoniten auf, deren Vorfahren
bis jetzt noch nicht ermittelt sind. Der Mangel einer Berippung (Fig.
516), sowie der phylloide Charakter der Lobenlinie (C) scheinen darauf
hinzudeuten, dass sich diese Formen gleichfalls an die weitnabeligen
Phylloceratidae der Trias anschliessen, wie die Lytoceratidae. Sie
unterscheiden sich von den Gliedern dieser Familie durch die schräge
Stellung des zweiten Seitenlobus und der Hilfsloben, welche einen nach
der Naht hin zurückweichenden Suspensivlobus (C su) bilden. Dieses ist
die Gattung
Psiloceras Hy. (Fig. 516). Schale meist weit-, seltener enggenabelt,
glatt oder berippt. Aussenseite gerundet (B), im Alter oft schwach
zugeschärft, aber ohne Kiel oder Furche. Mundrand aussen schwach
vorgezogen, seitlich ausgebuchtet, oft eingeschnürt (e). Loben häufig
blattförmig endigend (C). Der zweite Seitenlobus mit den Hilfsloben
einen Suspensivlobus bildend. Erster Seitenlobus tiefer als der
Aussenlobus. Anaptychus vorhanden (A an). Im alpinen Rhät, sehr häufig
in den tiefsten Schichten des Lias α (»Psilonotenschichten«) in den
Alpen, auch in Mitteleuropa und Peru.
A. Schale ungerippt.
Ps. planorboides Gü. Rhätische Schichten. Nordalpen.
Ps. planorbis Sow. (= A. psilonotus laevis Qu.) (Fig. 516 A, B).
Leitfossil für die tiefste Zone des Lias in Mitteleuropa, auch in den
Alpen.
Ps. calliphyllum Neum. (Fig. 516 C). In den gleichen Schichten wie
vorige Art, aber nur in den Alpen.
B. Schale mit geraden oder nach vorn geschwungenen Rippen, Falten
oder Streifen, welche gegen die Aussenseite zu schwächer oder
stärker werden und sich meist nach vorn richten.
Ps. Johnstoni Sow. (= A. psilonotus plicatus Qu.).
Psilonotenschichten. Innerhalb und ausserhalb der Alpen.
Ps. laqueolus Schlb. Psilonotenschichten. Mitteleuropa.
Ps. laqueus Qu. Obere Psilonotenschichten. Mitteleuropa.
Ps. Naumanni Neum. Unterer Lias der Nordalpen.
C. Schale mit unregelmässigen, feinen Streifen, welche ohne
Abschwächung oder Verstärkung über die Aussenseite verlaufen.
Ausseralpin.
Ps. miserabile Qu. Unterer Lias (α). Mitteleuropa.
Wie es scheint, stammen alle Ammoniten des Jura und der Kreide,
soweit sie nicht den bereits behandelten Familien der Amaltheidae,
Phylloceratidae und Lytoceratidae zufallen, von den »Psilonoten« des
untersten Lias ab. Es lässt sich das Heer der jüngeren Formen nach der
Gestalt der Schale und Berippung in zwei Abtheilungen bringen, die
zwar nicht immer leicht aus einander gehalten werden können, aber im
Allgemeinen folgendermaassen unterschieden sind:
I. Abth. Carinati. Schalenverzierung im allgemeinen schwach. Rippen
sichelförmig, selten geknotet. Aussenseite der jurassischen Formen
meist mit Septalkiel, die der cretacischen gerundet oder abgeplattet
und dann die Schale meist mit Einschnürungen. Nebenformen unbekannt.
Aptychus gefaltet.
II. Abth. Annulati. Schale meist mit starken und geraden, selten
sichelförmigen, einfachen oder gespaltenen Rippen verziert. Aussenseite
meist gerundet, selten gekielt; der Kiel mancher jurassischen Formen
ist meist ein Schalenkiel. Knoten und Stacheln häufig. Nebenformen
zahlreich. Aptychus ungefaltet.
Innerhalb einer jeden der beiden Abtheilungen unterscheidet man eine
Anzahl von Unterfamilien, deren genetische Beziehungen sich nach dem
heutigen Stande unserer Kenntnisse folgendermaassen darstellen (N
bedeutet das Auftreten von Nebenformen):
Carinati Annulati
+-----------------+ +------------------------------------------+
| | | |
3) Haploceratinae 7) Perisphinctinae N }
| | } Kreide
2) Harpoceratinae 5) Cosmoceratinae N | 6) Stephanoceratinae }
| \ | / } Jura
| \ | / }
1) Arietitinae 4) Aegoceratinae }
\ /
\ /
Psiloceras
I. Abtheilung Carinati.
1. Unterfam. Arietitinae.
Aus den Psilonoten bilden sich durch Zuschärfung der Aussenseite
gekielte Schalen mit ungespaltenen, geraden oder nach vorn
geschwungenen Rippen heraus. Häufig plattet sich die Aussenseite ab und
dann wird der Kiel in der Regel von 2 Furchen begleitet (Fig. 517 B f).
Die Schalen sind meist weit genabelt und von ovalem oder rechteckigem
Windungsquerschnitt. Knoten erscheinen nur ausnahmsweise am äusseren
Ende der Rippen. Nur 1 Hilfslobus vorhanden. Erster Seitensattel (ss₁)
höher als der Aussensattel (es) (Fig. 517 C). Diese Unterfamilie
(früher als Gruppe der »Arieten« bezeichnet) giebt wichtige Leitformen
für den Unteren Lias (α und β) in Europa und Südamerika ab. Einzige
Gattung
Arietites Waag. (Fig. 517) mit zahlreichen Untergattungen und Gruppen,
von denen folgende Erwähnung finden mögen.
[Illustration: Fig. 517. A, B Arietites Bucklandi Sow. Unterer Lias
(α). England. A von der Seite, B von vorn. k = Kiel, f = Furche der
Aussenseite. C Lobenlinie von Ar. bisulcatus Brug. Unterer Lias (α).
Württemberg. Lobenlinie.]
A. Aussenseite mit mehr oder minder deutlichem Kiel, aber ohne
Furchen, in der Jugend oft noch kiellos. Rippen nach vorn
geschwungen.
A. liasicus d’Orb. Angulatenschichten des unteren Lias. Mitteleuropa.
A. proaries Neum. } Megastomaschichten (obere Psilonotenschichten)
A. Seebachi Neum. } des nordalpinen Lias.
B. Aussenseite mit einfachem, schwachem Kiel. Rippen gerade und dick.
A. raricostatus Ziet. Zonenammonit für die obere Abtheilung des Lias
β in Europa.
C. Aussenseite mit Kiel und 2 Furchen. Umgänge niedrig, Nabel weit
(Fig. 517).
A. Bucklandi Sow. (Fig. 517 A, B). }
}
A. bisulcatus Brug. (Fig. 517 C). } Häufig in der oberen
} Abtheilung des Lias α:
A. rotiformis Sow. } »Arietenschichten«.
} Mitteleuropa.
A. semicostatus Y. & B. (= geometricus) Opp. }
}
A. Conybeari Sow. }
D. Aussenseite mit Kiel und 2 Furchen. Umgänge hoch. Nabel mehr oder
weniger verengt.
A. obtusus Sow. } Leitend für die untere Abtheilung des Lias β
A. stellaris Sow. } in Europa.
An Arietites schliessen wir eine kleine Gruppe liasischer Ammoniten
an, welche als Agassiceras Hy. abgetrennt wird. Die Schalen sind in
der Jugend glatt, später mit geraden Rippen und Kiel versehen, aber
ohne Furchen.
A. ? laevigatum Sow. }
A. striaries Qu. } Obere Abtheilung des Lias α. Mitteleuropa.
A. Scipioni d’Orb. }
Ob die Gruppe der Globosi (Cymbites Neum.), Formen mit gerundeten,
meist glatten Windungen, schwachem Kiele und schwach gezähnter
Lobenlinie hiermit zu vereinigen oder zu den Aegoceratinae (Polymorphi
-- p. 432) zu stellen sind, muss noch unentschieden bleiben.
C. globosus Ziet. Lias β. }
} Mitteleuropa.
C. centriglobus Opp. Mittlerer Lias. }
2. Unterfam. Harpoceratinae.
Schalen flach, meist hochmündig und engnabelig, seltener niedrigmündig
und weitgenabelt. Sichelförmige Streifen oder Rippen bedecken die
Seiten. Zuweilen verdicken sich die Rippen an der Aussen- oder
Innenkante oder auf der Flanke zu Knoten. In der Mitte der Seite
verläuft nicht selten eine Spiralfurche. Aussenseite mit meist
einfachem, seltener jederseits von einer Furche begleitetem, zuweilen
gezacktem Septalkiel. Mundrand mit Seitenohren und Trichterfortsatz.
Hilfsloben meist zahlreich. Gefalteter Aptychus häufig beobachtet.
Diese Unterfamilie entwickelt sich aus den Arietitinae im mittleren
Lias, ihre Hauptverbreitung fällt in den oberen Lias, den Dogger und
Malm; mit dem Ende der Juraformation verschwindet sie.
Harpoceras Waag. (Fig. 518, 519). Aussenseite der Schale (auch
auf der Wohnkammer) gekielt. Kiel zuweilen von Furchen begleitet.
Rippen sichelförmig, seltener geknotet. Aptychus gefaltet, dünn. Die
Hauptverbreitung dieser Gattung fällt in den oberen Lias und den
unteren Dogger; die letzten Vertreter im oberen Malm. Zahlreiche
Untergattungen und Gruppen. Als wichtigste Arten führen wir an:
H. Algovianum Opp. Mittlerer Lias. Nordalpen, Süddeutschland.
H. Normanni d’Orb. Mittlerer Lias. Mitteleuropa.
H. bifrons Brug. (Fig. 518). Zonenammonit des oberen Lias (ε).
Mitteleuropa.
H. Comense Buch. Oberer Lias. Nord- und Südalpen.
H. Lythense Y. & B. Oberer Lias (ε). }
} Mitteleuropa.
H. radians Schl. Oberer Lias (ζ). }
H. Aalense Ziet. }
} Oberer Lias (ζ). Mitteleuropa.
H. costula Rein. }
H. striatulum Sow. Oberer Lias und unterer Dogger. Mitteleuropa.
H. opalinum Rein. (Fig. 519). Leitfossil für die tiefsten Schichten
des Dogger (»Opalinusschichten«).
H. Murchisonae Sow. } Leitfossil für die »Murchisona«-Zone des unteren
} Dogger.
H. laeviusculum Sow. }
H. corrugatum Sow. Mittlerer Dogger (Sowerbyi-Zone).
H. pingue Rö. }
} Mittlerer Dogger (Humphriesi-Zone).
H. deltafalcatum Qu. }
H. hecticum Rein. Unteres Callovien.
H. lunula Ziet. }
} Oberes Callovien.
H. punctatum Stahl }
H. Arolicum Opp. }
H. hispidum Opp. } Unteres Oxford (Transversarius-Schichten).
H. canaliculatum Buch. }
H. trimarginatum Opp. }
} Unteres Oxford (Bimammatus-Schichten).
H. Maranti d’Orb. }
[Illustration: Fig. 518. Harpoceras bifrons Brug. Oberer Lias. Schale
von der Seite und von vorn. Aussenseite mit Kiel und 2 Furchen; auf der
Seite verläuft eine Spiralfurche. ¹⁄₁.]
[Illustration: Fig. 519. Harpoceras opalinum Rein. Unterer Dogger
(Opalinus-Sch.). Gundershofen, Unterelsass. Schale mit erhaltenem
Mundrande, von der Seite. Trichterfortsatz und Seitenohr sichtbar. ¹⁄₁.]
Oppelia Waag. (Fig. 520, 521). Aussenseite der Schale wenigstens
auf der Wohnkammer gerundet (oder abgeplattet) und ungekielt.
Rippen sichelförmig, häufig auf der Flanke oder an der Aussenkante
angeschwollen (Fig. 520) oder geknotet. Wohnkammer oft eingeknickt.
Mundrand mit Seitenohren. Lobenlinie fein zerschlitzt. Aptychus
gefaltet, ziemlich dick. Einrollung und Verzierung der Schale,
sowie die Gestalt des Mundrandes deuten auf einen genetischen
Zusammenhang mit Harpoceras hin, doch sind die vermittelnden Formen
noch nicht bekannt. Oppelia beginnt im unteren Dogger, ist bereits
im oberen Dogger und Callovien reichlich vertreten, erreicht ihre
Maximalentwickelung aber erst in den jüngeren Abtheilungen des Malm;
jünger nicht bekannt. Europa, Indien, Südamerika.
O. subradiata Sow. Mittlerer Dogger (Sowerbyi-Schichten).
O. fusca Qu. Oberer Dogger (Vesoul-Stufe).
O. aspidoides Opp. Leitend für die obersten Schichten des oberen
Dogger.
O. subcostaria Opp. Unteres Callovien.
O. bicostata Opp. }
} Oberes Callovien. (Ornaten-Schichten).
O. denticulata Ziet. }
O. Renggeri Opp. }
} Unteres Oxford.
O. crenata Brug. }
O. flexuosa Buch. Oxford.
O. tenuilobata Opp. (Fig. 520). Zonenammonit für das Untere
Kimmeridge (»Tenuilobatus-Sch.«).
O. compsa Opp. }
}
O. trachynota Opp. } Häufig im Kimmeridge, seltener im Tithon.
}
O. Holbeini Opp. }
O. lithographica Opp. (Fig. 521). Häufig im unteren Tithon, seltener
im oberen Kimmeridge.
[Illustration: Fig. 520. Oppelia tenuilobata Opp. Kimmeridge
(Tenuilobatus-Zone). Württemberg. Bis ans Ende gekammerte Schale.]
[Illustration: Fig. 521. Oppelia lithographica Opp. Unteres Tithon
(W. J. ζ). Solenhofen, Franken. Mit erhaltenem Aptychus (ap) und mit?
Haftbandlinie.]
[Illustration: Fig. 522. Haploceras Cadomense d’Orb. Mittlerer Dogger.
Bayeux, Calvados. Schale mit vollständig erhaltener, geknickter
Wohnkammer. Mundrand mit Seitenohren (o) und Einschnitten (e, i).]
3. Unterfam. Haploceratinae.
Die Schalen der jurassischen und altcretacischen Vertreter sind
zumeist ganz glatt, zuweilen mit feiner, sichelförmiger Streifung,
seltener mit breiten Faltenrippen an der Aussenseite versehen, und
besitzen eine vollständig gerundete, stets kiellose Wohnkammer. In
der Kreide erhalten die Schalen mehr oder minder starke, nach vorn
geschwungene Rippen, z. Th. auch Einschnürungen und Wülste, die auf
der Flanke sichelförmig gebogen, auf der Aussenseite vorgezogen sind.
Die glatten oder nur mit Einschnürungen versehenen Formen besitzen
grosse Aehnlichkeit mit Rhacophyllites (Fig. 509), sind aber durch
die vollzählige, unsymmetrische und fein zertheilte Lobenlinie
unterschieden. Die Umgänge sind von ovalem, rechteckigem oder
halbmondförmigem Querschnitt. Wenn auch die Uebergänge z. Z. noch
unbekannt sind, so machen doch die sichelförmige Verzierung und die
gefalteten Aptychen, welche diesen Schalen anzugehören scheinen (Fig.
523), den harpoceratiden Ursprung dieser Familie sehr wahrscheinlich.
Die ältesten Vertreter kennt man aus dem mittleren Dogger, die
hauptsächliche Entwickelung fällt in die Kreide, in deren jüngsten
Schichten gerade die grössten Vertreter gefunden werden.
[Illustration: Fig. 523. Gefalteter Aptychus (A. Didayi Coq.),
wahrscheinlich zu Haploceras gehörig. Neocom. Chalançon, Drôme. A
von der Seite, B von der Bauchseite gesehen (Vorderrand nach unten
gerichtet). C Querschnitt nach der Linie s-s. h = Harmonielinie; k =
Kante; r = Rippen (Falten).]
Haploceras Zitt. (Fig. 522, 523). Schale glatt oder mit sichelförmiger
Streifung. Aussenseite gerundet, gegen die Mündung zuweilen mit
Querwülsten (Fig. 522). Nabel mässig weit. Wohnkammer zuweilen
eingeknickt (Fig. 522), aber ohne Einschnürungen; Lobenlinie
vollzählig, unsymmetrisch und fein zertheilt. Unterer Dogger -- Neocom,
häufig im Tithon und Neocom der Alpen und Südeuropas.
H. oolithicum d’Orb. }
} Mittlerer Dogger. Mitteleuropa.
H. Cadomense d’Orb. (Fig. 522). }
H. lingulatum Qu. Oxford. }
} Süddeutschland.
H. nimbatum Opp. Kimmeridge. }
H. elimatum Opp. Tithon. Mittel- und Südeuropa.
H. carachtheis Zeuschn. Tithon, seltener schon im Kimmeridge.
Alpengebiet und Südeuropa.
H. Grasi d’Orb. }
} Neocom. Alpengebiet.
H. inornatum d’Orb. }
Desmoceras Zitt. Schale mässig weit bis weit genabelt, mit Sichelrippen
oder Einschnürungen und Wülsten, welche über die gerundete, selten
zugeschärfte Aussenseite fortsetzen. Neocom -- Senon.
D. difficile d’Orb. }
D. ligatum d’Orb. } Neocom. Alpengebiet.
D. cassida Rasp. }
D. Beudanti d’Orb. }
D. latidorsatum Mich. } Gault. Mitteleuropa.
D. planulatum Sow. }
D. Hernense Schlüt. Unteres Senon. Norddeutschland, Ostindien.
[Illustration: Fig. 524. Pachydiscus peramplus Mant. Turon. England.
A Schale von der Seite, B von vorn. Die Rippen sind nach vorn
geschwungen.]
Pachydiscus Zitt. (Fig. 524). Schale häufig sehr gross, aufgebläht,
im Querschnitt halbmondförmig, in der Jugend mit Einschnürungen, wie
Desmoceras. Nach vorn geschwungene, einfache oder gespaltene, zuweilen
geknotete Rippen. Neocom -- Senon, häufig in der oberen Kreide Europas,
Ostindiens und Südamerikas.
P. peramplus Mant. (Fig. 524). Oberes Turon. England, Frankreich,
Deutschland.
P. Stobaei Nils. Oberes Senon. Schweden, Norddeutschland.
P. Wittekindi Schlüt. Leitend für das oberste Senon
(Mucronatenkreide) in Westfalen.
II. Abtheilung Annulati.
4. Unterfam. Aegoceratinae.
In diese Unterfamilie gehören zumeist nur liasische, durch allmähliche
Uebergänge mit Psiloceras verbundene Formen, welche sich im Allgemeinen
durch gerade oder schwach gebogene, oft gegabelte und geknotete
Rippen und eine gerundete, abgeplattete oder vertiefte Aussenseite
von den gleichaltrigen Vertretern der Carinati unterscheiden. Wenn
die Aussenseite sich kielartig zuschärft (sog. Falcoid-Formen), so
entstehen Harpoceras-artige Schalen, die aber in den meisten Fällen
entweder durch nicht typisch sichelförmige und oft unregelmässige
Berippung oder durch das Auftreten eines Schalenkiels sowie durch die
schmale, langgezogene Gestalt des ersten Seitensattels von den echten
Harpoceratiden getrennt werden können. Innerhalb der Aegoceratinae
unterscheiden wir 2 Abtheilungen, die aus 2 verschiedenen Gruppen von
Psiloceras sich entwickeln, nämlich:
A. Polymorphi. Berippung häufig polymorph, d. h. stärkere und
schwächere Rippen und Streifen wechseln ab, oder Berippung im
Alter anders als in der Jugend. Aussenseite häufig zugeschärft
oder gekielt. Knoten selten entwickelt. An Psiloceras-Formen mit
feinen, unregelmässigen, aber über die Aussenseite fortsetzenden
Streifen und Rippen anschliessend (Ps. miserabile). Unterer Lias
-- Unterer Dogger.
B. Capricorni. Berippung regelmässig. Aussenseite oft glatt oder
berippt, zuweilen mit scharfem Schalenkiel. Knoten und Stacheln
häufig entwickelt. Aus Psiloceras durch Ausbildung scharfer,
gegen die Aussenseite sich verstärkender Rippen hervorgehend.
Unterer Lias -- Mittlerer Dogger.
A. Polymorphi.
Polymorphites Sut. Schale meist weitnabelig. Umgänge von eiförmigem,
kreisrundem oder quadratischem Querschnitt. Rippen auf den Flanken
gerade, auf der Aussenseite nach vorn gerichtet und häufig an einem
kielartigen Mittelstrange zusammenstossend. Unterer und Mittlerer Lias
in Mittel- und Südeuropa.
P. polymorphus Qu. }
} Mittlerer Lias (γ). Mitteleuropa.
P. Bronni Rö. }
Eine verwandte, aber durch engen Nabel, gerundete Aussenseite,
aufgeblähte Windungen und geknotete Rippen ausgezeichnete Gruppe des
Mittleren Lias wird als
Liparoceras Hy. unterschieden.
L. striatum }
} Mittlerer Lias. Mittel- und Südeuropa.
L. Bechei Sow. }
Dumortieria Haug. Schale weit oder mässig weit genabelt.
Windungsquerschnitt rechteckig oder oval. Aussenseite meist schwach
gekielt oder zugeschärft. Rippen auf der Flanke meist gerade, auf der
Aussenseite nach vorn geschwungen. Suspensivlobus vorhanden. Erster
Seitensattel schmal und hoch. Mittlerer Lias -- Unterer Dogger.
D. Jamesoni Sow. Zonenammonit des mittleren Lias (γ) in Mittel- und
Südeuropa.
D. radiosa Seeb. Unterer Dogger (Opalinus-Sch.). Nord- und
Süddeutschland.
B. Capricorni.
a. Aussenseite ungekielt.
Schlotheimia Bayle (Fig. 525). Schale meist flach, scheibenförmig,
weit genabelt, niedrig- oder hochmündig. Rippen meist scharf,
einfach oder gespalten, gegen aussen zu sich verstärkend und nach
vorn geschwungen; auf der Aussenseite richten sie sich unter spitzem
Winkel meist alternirend gegen einander, setzen aber vor einem glatten
Mittelstreifen (B f) ab, indem sie am Ende oft knotig anschwellen.
Suspensivlobus entwickelt. Derartig charakterisirte, früher als Gruppe
der Angulati bezeichnete Schalen sind durch zahlreiche Uebergänge
mit den Psilonoten verbunden. Sie erscheinen in Europa ausserhalb
und innerhalb der Alpen unmittelbar nach den Psilonoten, in den sog.
»Angulaten-Schichten« des Lias α, kommen aber auch noch im Lias β vor.
Auch im unteren Lias von Peru.
[Illustration: Fig. 525. Schlotheimia angulata Schl. Unterer Lias
(Angulatenschichten). England. A Schale von der Seite, B von hinten. f
= der glatte Mittelstreifen (Aussenfurche).]
Schl. angulata Schl. (Fig. 525). Angulatenschichten. In den Alpen
und Mitteleuropa.
Schl. catenata Sow. }
} Angulatenschichten. Mitteleuropa.
Schl. Morei d’Orb. }
Schl. megastoma Gü. Zonenammonit für die unteren } Angulatenschichten
Schl. marmorea Opp. Zonenammonit für die oberen } in den Alpen.
Schl. lacunata Buckm. Lias β. Mitteleuropa.
Aegoceras Waag. (Fig. 526). Meist weitgenabelte, niedrigmündige Schalen
mit gerundeter oder abgeplatteter, aber nie gefurchter, selten mit
Schalenkiel versehener Aussenseite. Rippen auf der Flanke gerade oder
schwach gebogen, oft mit 1 oder 2, seltener mehr Reihen Knoten oder
Stacheln verziert, auf der Aussenseite sich zerspaltend, verflachend
oder verdickend. Die ältesten Formen erscheinen in den oberen Schichten
des Lias α und schliessen sich an die Gattung Schlotheimia an; ihre
Hauptverbreitung fällt in den Lias β und den mittleren Lias. Europa,
Südamerika. Aegoceras bildet den Ausgangspunkt für die Mehrzahl, wenn
nicht für alle jüngeren Familien der Annulati und ausserdem für 2
falcoide Gruppen, die sich hieran schliessen.
[Illustration: Fig. 526. Aegoceras capricornu Schl. Mittlerer Lias
(γ). England. Ein grosses Exemplar, welches auf der Wohnkammer 2
Knotenreihen und Spaltrippen trägt. A von der Seite, B von vorn.]
Ae. Birchi Sow. }
Ae. planicosta Sow. } Untere Abtheilung des Lias β. Mitteleuropa.
Ae. ziphus Ziet. }
Ae. bifer Qu. Mittlere Abtheilung des Lias β. Mitteleuropa.
Ae. capricornu Schl. (Fig. 526). }
Ae. laticosta Sow. }
Ae. armatum Sow. }
} Mittlerer Lias (γ). Mitteleuropa.
Ae. brevispina Sow. }
Ae. Heberti Opp. }
Ae. Taylori Sow. }
b. Aussenseite gekielt (Falcoidformen der Capricorni).
Hammatoceras Hy. (Fig. 527). Die erwachsenen Schalen sind durch den
engen Nabel und ihre zugeschärfte, aber stets nur mit Schalenkiel
versehene Aussenseite den Harpoceraten ähnlich, unterscheiden sich aber
von den meisten derselben durch die am Nabelrande oder auf der Flanke
gespaltenen, nur geschwungenen oder fast geraden, nicht eigentlich
sichelförmigen Rippen, welche zudem in der Regel Nabelknoten,
seltener Seitenknoten tragen. Sie gehen aus Aegoceraten mit doppelter
Stachelreihe und Schalenkiel (A. Heberti) hervor. Die inneren Windungen
zeigen auch noch den Charakter derselben. Lobenlinie tief zerschlitzt.
Aussenlobus seicht. Die Formen des oberen Lias und unteren Dogger
zeichnen sich durch einen herzförmigen oder elliptischen Querschnitt
und starke Berippung aus; die des mittleren Dogger werden z. Th. flach
und die Berippung tritt zurück. Jünger nicht bekannt. Europa und
Südamerika.
[Illustration: Fig. 527. Hammatoceras Sowerbyi Mill. Mittlerer Dogger
(Sowerbyi-Zone). Frankreich. A Schale von der Seite, B von vorn. C
Lobenlinie. k = Schalenkiel (auf dem Steinkern fehlend).]
H. insigne Schübl. Oberer Lias (ζ). Mitteleuropa.
H. variabile d’Orb. Oberer Lias (ζ) Mitteleuropa.
H. subinsigne Opp. Unterer Dogger. Mitteleuropa.
H. gonionotum Ben. }
} Unterer Dogger. Alpengebiet.
H. fallax Ben. }
H. Sowerbyi Mill. (Fig. 527). Zonenammonit des mittleren Doggers.
H. patella Waag. Mittlerer Dogger (Sowerbyi-Zone). Mitteleuropa.
H. mesacanthum Waag. Mittlerer Dogger (Sauzei-Zone). Mitteleuropa.
Eine zweite falcoide Gruppe der Aegoceraten, welche sich ebenfalls
wohl von Formen mit doppelter Knotenreihe (Ae. brevispina) abzweigt,
hat den Namen
Cycloceras erhalten. Sie unterscheidet sich von Hammatoceras durch
einfache Rippen, welche von einer kielartigen Erhöhung der Aussenseite
absetzen. Sie ist auf den mittleren Lias beschränkt.
C. Maugenesti d’Orb. }
C. binotatum Opp. } Mittlerer Lias (γ). Mitteleuropa, z. Th. auch
C. Actaeon d’Orb. } in den Alpen und Südeuropa.
C. Massei d’Orb. }
5. Unterfam. Cosmoceratinae.
Die Schalen sind in der Regel flach scheibenförmig und weit genabelt
mit ovalem Windungsquerschnitt oder enger genabelt mit stärker
gewölbten Flanken. Die Aussenseite ist fast ausnahmslos abgeplattet,
meist sogar rinnenförmig vertieft, und die Rippen endigen vor der
Mittelfurche correspondirend oder alternirend meist in Knoten oder
Stacheln (Fig. 528 kn’), in selteneren Fällen setzen sie über die
glatte Aussenseite fort. Auf der Flanke gabeln sich die Rippen und
tragen an der Gabelungsstelle häufig Knoten (Fig. 528 B kn). Aptychus
ungefaltet. Ob diese Familie von den Aegoceratinae direkt (Dumortieria)
oder von der Familie der Perisphinctinae (p. 441) abzweigt, ist noch
nicht festgestellt. Die ältesten, wahrscheinlich hierher zu rechnenden
Formen finden sich im unteren Dogger, die Hauptentwickelung fällt in
den oberen Dogger und das Callovien; die letzten Formen in der unteren
Kreide.
[Illustration: Fig. 528. Cosmoceras ornatum Schl. Oberes Callovien
(Ornatenthon). Schwaben. A Schale von der Seite, B von vorn. kn =
seitliche, kn’ = äussere Knotenreihe.]
A. Normal gerollte Formen.
Cosmoceras Waag. (Fig. 528). Schale seltener weit, meist ziemlich
eng genabelt. Rippen in der Regel gespalten und 1-3 Knoten- oder
Stachelreihen tragend. Windungsquerschnitt meist polygonal. Vielleicht
schon im unteren Dogger, mehrere Formen im oberen Dogger, zahlreiche
Vertreter im Callovien, die letzten im Neocom.
C.? scissum Ben. Unterer Dogger (Opalinus- und Murchisonae-Sch.).
Alpengebiet, Südfrankreich, Süddeutschland.
C. subfurcatum d’Orb. } Tiefste Schichten des oberen Doggers in
C. Garanti d’Orb. } Mitteleuropa (Bifurcaten-Schichten in
C. bifurcatum Ziet. } Schwaben).
C. Goweri Sow. Unteres Callovien. Mitteleuropa.
C. ornatum Schl. (Fig. 528). } Leitformen des oberen Callovien
C. Dunkani Sow. } (Ornatenthon) in Mitteleuropa.
C. Jason Rein. }
C. verrucosum d’Orb. Neocom. Südfrankreich.
Parkinsonia Bayle. Unter diesem Namen begreift man die mehr oder minder
scheibenförmigen, meist weit genabelten Schalen, deren Rippen ähnlich
wie bei Schlotheimia vor der Mittelfurche absetzen, aber höchstens in
der Jugend noch Knoten tragen. Sie zweigen von Cosmoceras Garanti und
Verwandten ab und gehören zu den bezeichnendsten Leitformen des oberen
Dogger in Mitteleuropa.
P. Parkinsoni Sow. Oberer Dogger.
P. ferruginea Opp. Ferrugineus-Schichten des oberen Dogger.
P. Neuffensis Opp. } Obere Abtheilung des oberen Dogger.
P. Württembergica Opp. } (Varians-Schichten.)
B. Nebenformen.
Aus den weitnabeligen Cosmoceraten des Doggers entwickeln sich
spiral gerollte bis stabförmig gestreckte Nebenformen, welche mit
ungespaltenen, aber durch 1 oder 2 Knotenreihen verzierten Rippen
versehen sind. Man fasst sie unter dem Namen Ancyloceras Neum. (früher
auch für cretacische Nebenformen gebraucht) zusammen. Sie finden sich
im oberen Dogger und Callovien, seltener im Oxford Mitteleuropas,
besonders in den sog. »Hamiten-Schichten« des schwäbischen Jura.
A. annulatum d’Orb. (= Hamites bifurcatus Qu.). Unterste Schichten
des oberen Dogger (Hamiten-Schichten).
A. Calloviense Morr. Callovien. Mitteleuropa.
Hieran schliessen sich vielleicht auch ganz glatte, stabförmige
Schalen mit reducirter, goniatitischer Lobenlinie, die als Leioceras
Hörn. bezeichnet werden.
L. acuarium Qu. (= Baculites Qu.). Oberes Callovien. Württemberg.
6. Unterfam. Stephanoceratinae.
Diese Unterfamilie zweigt von denjenigen Aegoceraten des mittleren Lias
ab, deren Flanken mit einfachen, gegen aussen zu gespaltenen und mit
an der Spaltungsstelle geknoteten und über die gerundete Aussenseite
fortlaufenden Rippen verziert sind, wie Aeg. armatum Sow. etc. Aus
diesen weitgenabelten Schalen bilden sich bereits im mittleren und
oberen Lias, besonders aber im Dogger und in den tiefen Abtheilungen
des Malm, meist enggenabelte, breitmündige Formen heraus, deren Rippen
in der Nähe des Nabels oder auf der Flanke meist unter Knotenbildung
sich spalten und gewöhnlich ununterbrochen, seltener unter Bildung
einer Aussenfurche über die Aussenseite fortsetzen. Vielfach schnürt
sich die Wohnkammer aus (Fig. 529); die Loben werden bei den sehr
breitmündigen Formen zuweilen unterzählig. Aptychus ungefaltet (Fig.
529). In diese Unterfamilie fallen die früheren Gruppen der Coronarii
und Bullati. Mittlerer Lias -- Oxford.
A. Schale im Allgemeinen ohne Einschnürungen.
Coeloceras Hy. Schale weit genabelt; alle oder doch einige Rippen
gegen die Aussenseite gespalten und an der Spaltungsstelle geknotet.
Windungsquerschnitt etwa so hoch wie breit. Lobenlinie wenig stark
zerschlitzt. Mittlerer und Oberer Lias in Europa und Südamerika,
seltener im unteren Dogger der Südalpen.
C. pettos Qu. }
} Mittlerer Lias (γ). Mitteleuropa.
C. centaurus d’Orb. }
C. crassum Phill. }
}
C. mucronatum d’Orb. } Oberer Lias. Mitteleuropa.
}
C. subarmatum Y. & B. }
C. longalvum Vac. Unterer Dogger. Südtirol.
Stephanoceras Waag. (Fig. 529). Umgänge so breit oder (meist) breiter
als hoch. Die einfach beginnenden, geraden oder schwach gebogenen
Rippen gabeln sich meist dreifach unter Knoten- oder Kantenbildung auf
der Flanke. Nabel weit bis eng, aber niemals geschlossen. Die gerundete
Aussenseite schärft sich zuweilen im Alter etwas zu. Lobenlinie stark
zerschlitzt. Wohnkammer zuweilen ausgeschnürt. Unterer Dogger --
Oxford, in Europa und Südamerika, besonders häufig im mittleren Dogger
und im Callovien.
[Illustration: Fig. 529. Stephanoceras Humphriesi Sow. Mittlerer
Dogger. Schale von der Seite (links) und von vorn (rechts). Der
Mundrand mit breitem Aussenlappen.]
St. Brocchi Sow. Mittlerer Dogger (Sowerbyi-Schichten). Mitteleuropa.
St. Humphriesi Sow. (Fig. 529). Zonenammonit des mittleren Dogger in
Europa und Südamerika (»Humphriesi-Sch.«).
St. Braikenridgi Sow. } Obere Schichten des mittleren Dogger.
St. Baylei Opp. } Mitteleuropa.
St. Blagdeni Sow. Grenzschichten des mittleren und oberen Dogger in
Mitteleuropa.
St. Deslongchampsi Dfr. Oberer Dogger. Mitteleuropa und Alpengebiet.
St. modiolare d’Orb. }
St. coronatum Brug. } Unteres Callovien (Macrocephalenschichten).
St. sublaeve Sow. } Europa.
St. Elatmae Nik. Unteres Callovien. }
} Russland.
St. Milaschevici Nik. Mittleres Callovien. }
Sphaeroceras Bayle (Fig. 530, 531). Schale stark aufgebläht, oft fast
kugelig. Umgänge meist viel breiter als hoch. Nabel eng, aber im
späteren Wachsthumsstadium durch Ausschnürung der Wohnkammer meist
erweitert (Fig. 530 B). Rippen in der Nähe des Nabelrandes gespalten,
ungeknotet. Häufig vom mittleren Dogger bis ins Callovien. Europa,
Südamerika, Ostindien.
Sph. polyschides Waag. Mittlerer Dogger (Sowerbyi-Sch). Mitteleuropa.
Sph. Sauzei d’Orb. Mittlerer Dogger (»Sauzei-Sch.«). Europa,
Südamerika.
Sph. Gervillii Sow. Mittlerer Dogger (Humphriesi-Sch.). Mitteleuropa.
Sph. multiforme Gott. Mittlerer Dogger. Südamerika.
Sph. bullatum d’Orb. (Fig. 531). Unteres Callovien. Europa,
Südamerika, Ostindien.
Sph. microstoma d’Orb. (Fig. 530). Unteres Callovien. Europa.
[Illustration: Fig. 530. Sphaeroceras microstoma d’Orb. Unteres
Callovien. Württemberg. A Schale von der Seite mit erhaltenem Mundrande
(mr). wu = Wulst; e = Ausschnitt. B Querschnitt der Schale, um die
allmähliche Verengerung des Nabels (n) und die Ausschnürung der
Wohnkammer (w) zu zeigen.]
[Illustration: Fig. 531. Sphaeroceras bullatum d’Orb. Unteres
Callovien. Württemberg. Ansicht der Septalfläche von vorn. Die Loben
sind unterzählig [sl₂ innerhalb der Projectionslinie des vorhergehenden
Umganges (p)]. Die äusseren Hilfsloben (hl) im Vergleich zu den inneren
(ihl) stark reducirt.]
Macrocephalites Sut. (Fig. 532). Schale enggenabelt, mit scharfen,
regelmässigen, in der Nähe des Nabelrandes gespaltenen, ungeknoteten
Rippen bedeckt. Von Sphaeroceras durch die regelmässig eingerollte
Wohnkammer unterschieden. Sehr häufig und bezeichnend für das untere
Callovien (»Macrocephalen-Schichten«) in Europa, Ostindien und
Südamerika.
M. macrocephalus Schl. (Fig. 532). Europa, Ostindien, Südamerika.
M. tumidus Rein. } Europa,
M. Herveyi Sow. } Ostindien, Südamerika.
M. chrysoolithicus Waag. }
[Illustration: Fig. 532. Macrocephalites macrocephalus Schl. Unteres
Callovien. Ein Luftkammerstück gegen die Septalfläche gesehen. ¹⁄₁.]
B. Schale in der Regel mit Einschnürungen.
Reineckia Bayle (Fig. 533) umfasst meist weitnabelige,
Stephanoceras-artige Schalen, deren Rippen auf der Aussenseite durch
ein glattes Band unterbrochen werden. Die Berippung wird häufig
dadurch etwas unregelmässig, dass nur ein Theil der Hauptrippen
Knoten trägt und dass periodische Einschnürungen zwischen den Rippen
auftreten, welche ein bündelförmiges Zusammentreten derselben am
Nabelrande verursachen. Die Knoten verschwinden bei späterem Wachsthum
nicht selten vollständig. Häufig im Callovien Europas, Indiens und
Südamerikas, in Europa auch noch im mittleren und oberen Malm sowie im
Neocom.
R. anceps Rein. } Leitformen des Callovien, besonders
R. Brancoi Stmn. (Fig. 533). } des mittleren, in Europa, z. Th. auch
R. Greppini Opp. } in Indien und Südamerika.
R. Rehmanni Opp. }
R. pseudomutabilis Lor. Leitform des unteren Kimmeridge in Europa.
R. Eudoxus d’Qrb. }
} Leitformen des oberen Kimmeridge in Europa.
R. mutabilis Sow. }
R. fascicularis d’Orb. Neocom. Westalpen.
[Illustration: Fig. 533. Reineckia Brancoi Stmn. Oberes Callovien.
Caracoles, Wüste Atacama. Schale von der Seite und von vorn.]
Olcostephanus Neum. ist von Reineckia hauptsächlich durch das Fehlen
des glatten Bandes auf der Aussenseite und stärkere Involution
unterschieden. Die Rippen beginnen bündelförmig am Nabelrande und
setzen ununterbrochen über die Aussenseite fort. Knoten oft entwickelt.
Einschnürungen fehlen nur selten. Diese Gattung entwickelt sich aus
Reineckia im Oxford und gewinnt im Kimmeridge, Tithon und im Neocom
eine weite Verbreitung, namentlich in Europa und Asien. In Ostindien
und Südamerika auch noch in der oberen Kreide.
O. stephanoides Opp. }
O. trimerus Opp. } Unteres Kimmeridge in Mitteleuropa.
O. striolaris Qu. }
O. Gravesi d’Orb. } Im Portland von England, Frankreich und
O. Portlandicus Lor. } Norddeutschland.
O. Grotei Opp. Oberes Tithon. Europa, Tibet.
O. Decheni N. & U. }
} Neocom. Russland, Norddeutschland.
O. Grotriani N. & U. }
O. Astieri d’Orb. }
} Neocom. Europa.
O. bidichotomus Leym. }
7. Unterfam. Perisphinctinae.
Die Perisphinctinae wurzeln wie die Stephanoceratinae in denjenigen
Aegoceraten des mittleren Lias, welche durch Spaltrippen ausgezeichnet
sind. Aber schon die älteren Formen dieses Zweiges unterscheiden sich
von den gleichalterigen Stephanoceratinae durch Rippen, welche gegen
die Aussenseite zu gespalten (Fig. 534) und nur vereinzelt geknotet
(später ungeknotet) sind; sie besitzen ferner einen weiteren Nabel als
jene (Fig. 535). Man trennt sie als
Dactylioceras Hy. (Fig. 534) ab. Weitgenabelte Schalen mit wenig
umfassenden Windungen von kreisrundem oder ovalem Querschnitt. Die
geraden oder schwach vorgebogenen Rippen spalten sich gegen die
Aussenseite zu und laufen über dieselbe ununterbrochen fort. Knoten nur
vereinzelt, meist fehlend. Einschnürungen der Schale fehlen. Innenlobus
zweispitzig. Lobenlinie mässig stark zerschlitzt. Im mittleren, häufig
im oberen Lias, seltener im unteren Dogger (der Südalpen).
[Illustration: Fig. 534. Dactylioceras commune Sow. Oberer Lias (ε).
England. Schale mit erhaltenem Mundrande. A von der Seite, B von vorn.]
[Illustration: Fig. 535. Perisphinctes polyplocus Rein. Kimmeridge
(Tenuilobatus-Sch.). Franken. Schale mit erhaltenem Mundrande und
Seitenohren.]
D. Davoëi Sow. Zonenammonit für die obere Abtheilung des Lias γ
(»Davoëi-Sch.«). Mitteleuropa.
D. commune Sow. (Fig. 534). }
} Oberer Lias (ε). Europa, Südamerika.
D. annulatum Sow. }
D. modestum Vac. Unterer Dogger (Opalinus-Sch.). Südalpen.
Perisphinctes Waag. (Fig. 535-537). Die formenreiche Gattung
schliesst sich an die vorhergehende sehr enge an. Ihre ältesten
Vertreter finden sich im mittleren Dogger und unterscheiden sich
von den Dactylioceraten nur durch den einspitzigen Innenlobus und
Schaleneinschnürungen. Der zweite Seitenlobus bildet in der Regel
mit den Hilfsloben einen stark zurückgreifenden Suspensivlobus (Fig.
536). Der Mundrand wird häufig mit kürzeren oder längeren Seitenohren
beobachtet (Fig. 535), die auf der Schale zuweilen als parabolische
Knoten bestehen bleiben. Die Rippen sind gerade oder schwach nach vorn
oder hinten gebogen, regelmässig oder unregelmässig gespalten und
vertheilt, nie geknotet, aber zuweilen auf der Aussenseite durch ein
glattes Band unterbrochen. Der Aptychus ist dünn, seine Oberfläche
gekörnelt. Die Hauptverbreitung dieser Gattung fällt in den Malm, wo
die zahlreichen, aber schwer zu unterscheidenden Arten in Europa, Asien
und Südamerika zu den häufigsten und bezeichnendsten Fossilien gehören.
Wenige Arten noch in der unteren Kreide.
[Illustration: Fig. 536. Perisphinctes funatus Opp. Unteres Callovien.
Württemberg. Ansicht der Septalfläche. Der Aussenlobus (el),
Innenlobus (il) und der erste Seitenlobus (sl₁) sind breit und tief,
der zweite Seitenlobus (sl₂) liegt zwar ausserhalb der Projection
des vorhergehenden Umganges (p), bildet aber mit den Hilfsloben (hl)
zusammen einen zurückgreifenden Suspensivlobus.]
[Illustration: Fig. 537. Perisphinctes Lothari Opp. Kimmeridge.
Abgewickelte Lobenlinie.]
Abgesehen von einigen älteren Formen des Dogger und Callovien wie
P. Martinsi d’Orb. Mittlerer Dogger. }
P. arbustigerus d’Orb. Oberer Dogger. } Mitteleuropa.
P. procerus Seeb. Oberer Dogger. }
P. funatus Opp. (Fig. 536). Unteres Callovien. }
lassen sich folgende 4 Gruppen unterscheiden:
A. Annulatocostati. Rippen gerade, regelmässig vertheilt und
gespalten, nicht gebündelt. Windungsquerschnitt etwa so hoch wie
breit. (Vgl. Dact. commune -- Fig. 534.)
P. evolutus Neum. Callovien. Mitteleuropa.
P. Indogermanus Waag. Sehr häufig im Oxford. Europa, Indien,
Südamerika.
P. bifurcatus Qu. Oberes Oxford. Mitteleuropa.
P. colubrinus Rein. Oxford -- Tithon. }
} Europa.
P. biplex Sow. Kimmeridge. }
B. Obliquecostati. Rippen regelmässig vertheilt, aber schräg nach
vorn gerichtet. Windungsquerschnitt so hoch oder etwas höher als
breit.
P. plicatilis Sow. }
P. Martelli Opp. } Weit verbreitet im Oxford.
P. virgulatus Qu. }
P. polygyratus Rein. }
} Weit verbreitet im Kimmeridge.
P. Achilles d’Orb. }
P. contiguus Cat. }
P. transitorius Opp. } Tithon. Alpengebiet und Südeuropa.
P. senex Opp. }
C. Prorsocostati. Berippung unregelmässig, indem die Rippen am
Nabelrande gebündelt oder angeschwollen; Spaltrippen auf der
Aussenseite nach vorn gerichtet. Windungsquerschnitt meist höher
als breit (Fig. 535).
P. Koenigi Sow. Callovien. }
} Mitteleuropa.
P. Schilli Opp. Oxford. }
P. polyplocus Rein. (Fig. 535). }
} Kimmeridge. Mitteleuropa.
P. Lothari Opp. (Fig. 537). }
P. virgatus v. B. Leitform für die Virgatus-Sch. (untere Wolga-Stufe)
in Russland.
P. nodiger Eichw. }
P. subditus Tr. } Obere Wolga-Stufe. Russland.
P. Okensis d’Orb. }
D. Retrocostati. Berippung unregelmässig, aber die Spaltrippen auf
der Aussenseite nach rückwärts gebogen. Parabelknoten häufig
vorhanden.
P. aurigerus Opp. Oberer Dogger. }
P. curvicosta Neum. Unteres Callovien. } Weit verbreitet.
P. convolutus Qu. Oberes Callovien. }
Von der Gattung Perisphinctes zweigen eine Anzahl oberjurassischer und
cretacischer Gattungen ab, die sich durch eine entwickeltere Skulptur
(Knoten- und Stachelbildung) sowie meist durch Unterbrechung der
Berippung auf der Aussenseite unterscheiden. Dieselben sondern sich in
zwei Gruppen:
a. Armati. Flankenrippen gerade oder rückwärts gebogen, ungespalten
(höchstens an der Nabelkante gespalten), oft fehlend; meist 1 oder
2 Knoten- oder Stachelreihen entwickelt. Aussenseite ohne Furche
und Kiel.? Nebenformen selten. Malm und Neocom.
b. Tuberculati. Flankenrippen in der Regel gespalten und mit 1, 2
oder mehreren Reihen von Knoten oder Stacheln verziert.
Aussenseite meist gefurcht, zuweilen gekielt. Zahlreiche
Nebenformen. Oberer Malm -- Oberste Kreide (? Eocän).
a. Armati.
Aspidoceras Zitt. (Fig. 538, 539). Schale weit oder eng genabelt.
Windungsquerschnitt quadratisch gerundet bis halbmondförmig.
Aussenseite gerundet, selten berippt; Flanke mit geraden oder schwach
zurückgebogenen Rippen versehen oder glatt. Eine Knotenreihe am
Nabelrande (kn) und meist noch eine weitere auf der Flanke (kn’) oder
am Aussenrande. Aptychus massiv, mit ungefalteter, glatter, aber
poröser Oberfläche (Fig. 539). Diese Gattung wurzelt in denjenigen
Formen der Gruppe der Retrocostati von Perisphinctes, welche
Aussenknoten erhalten. Callovien -- Neocom, hauptsächlich im Oxford und
Kimmeridge. Europa, Indien, Südamerika.
[Illustration: Fig. 538. Aspidoceras acanthicum Opp. Kimmeridge.
Franken. A Schale von der Seite, B von vorn. C Lobenlinie. kn = innere,
kn’ = äussere Knotenreihe.]
[Illustration: Fig. 539. Aptychus von Aspidoceras. Kimmeridge. Le
Hâvre. A von innen, B von aussen, C gegen die Harmonie-(Innen-)Seite
gesehen. D Querschnitt nach der Linie s-s. h = Harmonielinie; f =
Furche; e = äussere, i = innere Schicht; l = dichte Lamelle der
Innenseite.]
A. perarmatum Sow.}
} Grenzschichten zwischen Callovien und Oxford.
A. biarmatum Ziet.}
A. Oegir Opp. }
} Unteres Oxford. Mitteleuropa.
A. Babei d’Orb.}
A. acanthicum Opp. (Fig. 538). } Leitformen des Kimmeridge in
A. circumspinosum Qu. } Europa, z. Th. auch in Indien.
A. Uhlandi Opp. }
A. Rüppeli d’Orb. } Leitformen des Kimmeridge in Europa, z. Th.
A. longispinum Sow. } auch in Indien.
A. cyclotum Opp. Tithon. Südeuropa und Alpengebiet.
Ein kleiner Seitenzweig, durch eine Aussenfurche unterschieden, ist
als Waagenia Neum. abgetrennt. Bezeichnend für das obere Kimmeridge in
Europa, namentlich im Alpengebiet.
W. Beckeri Neum. Oberes Kimmeridge.
W. hybonota Opp. Unteres Tithon.
Peltoceras (Fig. 540). Weitgenabelte Schalen mit quadratischem oder
rechteckigem Windungsquerschnitt. Rippen kräftig, oft geknotet, gerade
oder häufiger nach rückwärts gebogen, über die Aussenseite fortsetzend.
Die Gattung zweigt von den retrocostaten Perisphincten (Gruppe
Convoluti) des Calloviens ab. Oberes Callovien und Oxford in Europa.
P. annulare Rein. } Leitform des oberen
P. athleta Phill. } Callovien.
P. Constanti d’Orb. Grenzschichten zwischen Callovien und Oxford.
P. Eugenii d’Orb. Grenzschichten zwischen Callovien und Oxford.
P. transversarium d’Orb. (Fig. 540). Zonenammonit des unteren Oxford
(»Transversarius-Sch.«).
P. bimammatum Qu. Zonenammonit des oberen Oxford (»Bimammatus-Sch.«).
[Illustration: Fig. 540. Peltoceras transversarium Qu. Unteres Oxford.
Frankreich. Schale von der Seite, die starken rückwärts gebogenen
Rippen zeigend.]
Simoceras Zitt. Schale sehr weit genabelt, mit geraden, seltener
gespaltenen, aber häufig geknoteten Rippen verziert. Berippung auf der
Aussenseite unterbrochen. Einschnürungen vorhanden. Hilfsloben fehlen.
Auch diese Gattung entwickelt sich aus den Perisphincten, vielleicht
auch aus Peltoceras durch Verstärkung der Rippen und Unterbrechung der
Skulptur auf der Aussenseite. Nur im Malm, besonders im Tithon der
Alpenländer und Südeuropas.
S. Herbichi Hau. Kimmeridge. Süddeutschland und Alpenländer.
S. Volanense Opp. }
} Tithon. Alpengebiet und Südeuropa.
S. biruncinatum Qu. }
Hier dürften sich die unter dem Namen Ancyloceras Guembeli Opp. aus
dem Tithon bekannt gewordenen Nebenformen anschliessen.
b. Tuberculati.
1. Normal eingerollte Formen.
Hoplites Neum. Sowohl aus Perisphincten mit geraden dichotomen, als
auch aus solchen mit gebündelten und mehrfach gespaltenen Rippen
entwickeln sich gegen das Ende der Jurazeit reichlicher verzierte
Schalen, welche sich durch bedeutendere Involution, Knotenbildung auf
den Rippen und glatte oder gefurchte Aussenseite von den Perisphincten
unterscheiden. An die Formen mit geraden, wenig gespaltenen Rippen
und mehr oder weniger quadratischem Querschnitte (Gruppe des Hopl.
angulicostatus schliesst sich dann in der unteren Kreide die
Gattung Acanthoceras an. Hoplites beginnt im Tithon, findet seine
Hauptentwicklung in der unteren, reicht aber vereinzelt bis in die
oberste Kreide. Häufig in Europa, Indien und Südamerika.
[Illustration: Fig. 541. Hoplites auritus Sow. Gault. Schale von der
Seite.]
H. Euthymi Pict. } Unteres Neocom (Berrias-Sch.).
H. Malbosi Pict. } Westalpen.
H. radiatus Brug. }
H. Leopoldinus d’Orb. }
H. noricus Schloth. } Mittelneocom.
H. neocomiensis d’Orb. }
H. angulicostatus d’Orb. }
H. Deshayesi d’Orb. Aptien.
H. fissicostatus Phill. Aptien.
H. interruptus Brug. }
H. tardefurcatus Leym. }
H. splendens Sow. } Gault.
H. tuberculatus Sow. }
H. lautus Sow. }
H. auritus Sow. (Fig. 541). }
Acanthoceras Neum. (Fig. 542) umfasst die Formen mit steifen, einfachen
oder nur am Nabelrande gespaltenen, häufig mit vielen Knotenreihen
verzierten Rippen. Aussenseite glatt oder mit Knoten, seltener mit
gekerbtem Mittelkiel. Neocom -- Senon, sehr häufig im Gault, Cenoman
und Turon. Europa, Indien, Nordamerika.
[Illustration: Fig. 542. Acanthoceras Rotomagense Brgt. Cenoman. Schale
von der Seite und von vorn. ¹⁄₁.]
A. Milleti d’Orb. }
A. Cornueli d’Orb. } Aptien. Mitteleuropa.
A. Martini d’Orb. }
A. Lyelli d’Orb. Gault. Mitteleuropa, Südamerika.
A. mamillare Schl. Gault. Mitteleuropa.
A. Rotomagense Brgt. (Fig. 542). } Cenoman. Mitteleuropa, Indien.
A. Mantelli Sow. }
A. Woollgari Mant. }
A. papale d’Orb. } Turon. Mitteleuropa.
A. Deveri d’Orb. }
Holcodiscus Uhl. Schale mit rundlichem Windungsquerschnitt. Rippen
mehrfach gespalten und über die gerundete Aussenseite fortsetzend.
Einzelne Rippen stärker als die übrigen oder mit Knoten besetzt.
Einschnürungen mehr oder weniger deutlich. An Perisphinctes
anschliessend, dessen Berippung nur wenig verändert erhalten geblieben
ist. Neocom -- Senon. Europa, Südamerika, Ostindien.
H. Cailliaudi d’Orb. }
H. Gastaldi d’Orb. } Oberes Neocom (Barrème-Stufe). Alpengebiet.
H. incertus d’Orb. }
2. Nebenformen.
Die Nebenformen der Kreideformation, soweit sie nicht zu den
Lytoceratidae (p. 422) gehören, schliessen sich an die Gruppe der
Tuberculati, z. Th. auch wohl an Olcostephanus (p. 440) an. Sie sind
von jenen sowohl durch die unsymmetrische Zertheilung der Sättel
als auch vielfach durch stärkere und unregelmässigere Skulptur
unterschieden.
[Illustration: Fig. 543. Crioceras Duvali Lév. Neocom. Westalpen. Alle
Umgänge spiral in einer Ebene gerollt.]
[Illustration: Fig. 544. Crioceras Matheroni d’Orb. Aptien.
Südfrankreich. Schale anfangs spiral, später gerade und hakenförmig
umgebogen.]
Crioceras Lév. (= Ancyloceras d’Orb. p.p., Toxoceras d’Orb. --
Fig. 543, 544). Umgänge von einander abgelöst, spiral in einer
Ebene gerollt (Fig. 543) oder auch später hakenförmig gebogen (Fig.
544), seltener unregelmässig schneckenförmig. Rippen meist einfach,
seltener gespalten, häufig mit Knoten oder Stacheln verziert. Unter
den 6 Fundamentalloben sind die zweiten Seitenloben am schwächsten
ausgebildet, so dass scheinbar nur 4 Loben vorhanden. An Hoplites, z.
Th. auch wohl an Acanthoceras anschliessend. Sehr häufig in der unteren
Kreide, namentlich im Neocom. Europa, Ostindien, Südafrika, Südamerika.
Cr. Duvali Lév. (Fig. 543). Mittleres Neocom. Alpengebiet, Chile.
Cr. Emerici Lév. } Oberes Neocom (Barrême-Stufe). Alpengebiet.
Cr. Tabarelli Ast. }
Cr. Matheroni d’Orb. (Fig. 544). Aptien. Südfrankreich.
Cr. gigas Sow. Aptien. England.
Die schneckenartig oder unregelmässig gerollten Formen werden als
Heteroceras d’Orb. abgetrennt. Barrême-Stufe.
H. Astieri d’Orb. Alpengebiet.
Scaphites Park. (Fig. 545, 546). Der gekammerte Theil der Schale
involut, die Wohnkammer ganz, z. Th. oder gar nicht abgelöst, aber
ein kurzes Stück gerade gestreckt, dann gegen die Spirale hakenförmig
zurückgebogen und dieselbe zuweilen mit dem Dorsalfortsatze (Fig. 546)
wieder berührend. Mundrand etwas verengt und verdickt, gegen den Rücken
zu häufig tief ausgebuchtet und am Rücken mit einem plattigen Fortsatze
versehen. Rippen mehrfach gespalten, auf der Wohnkammer häufig
verstärkt, oft mit 1 oder mehreren Reihen Knoten verziert, die meist,
wie bei Holcodiscus, auf einzelne Rippen sich beschränken. Hilfsloben
entwickelt. Ein dünner, gekörnelter Aptychus vorhanden. Die Scaphiten
sind besondere Wachsthumsformen von Holcodiscus, vielleicht auch
von Olcostephanus. Häufig in der oberen Kreide, besonders im Senon,
vielleicht noch im ältesten Tertiär Nordamerikas. Europa, Ostindien,
Nordamerika.
[Illustration: Fig. 545. Scaphites Geinitzi d’Orb. Oberes Turon.
Paderborn. Die Wohnkammer ein kurzes Stück gerade gestreckt, dann
hakenförmig zurückgebogen.]
Sc. aequalis Sow. Weit verbreitet im Cenoman Europas und Ostindiens.
Sc. Geinitzi d’Orb. (Fig. 545). Im mittleren und oberen Turon
Mitteleuropas.
Sc. Roemeri d’Orb. } Oberes Senon (Mukronatenkreide). Weit
Sc. constrictus Sow. } verbreitet in Europa.
Sc. tridens Kner. }
Sc. nodosus Ow. Oberste Kreide (Fort Pierre Group). Nordamerika.
Sc. Conradi Mort. Oberste Kreide.? Eocän (Fox Hills Group).
Nordamerika.
Geologische Verbreitung und Stammesgeschichte der Ammonoidea.
Die Ammonoidea zweigen im Devon (? oder z. Th. schon früher) von den
Nautilidae ab; sie erhalten verhältnissmässig schnell neue Merkmale,
welche sie leicht unterscheiden lassen, wie namentlich die Vermehrung
und Verzweigung der Loben. Zu wiederholten Malen spalten sich von den
ursprünglich glattschaligen, involuten Ausgangsformen mehr oder weniger
weitnabelige, rauhschalige Zweige ab, welche sich rasch und reichlich
entwickeln und früher oder später unter Bildung sog. Nebenformen oder
ohne solche erzeugt zu haben, wie es scheint, erlöschen.
Der älteste trachyostrake Zweig sind die, im Allgemeinen sehr
weitnabeligen Clymenien, welche mit dem Oberdevon verschwinden, ohne
Nebenformen gebildet zu haben. Sehr bald folgen die Tropitidae,
später auch die Ceratitidae nach; nur die letztere Familie bringt
es zur Bildung von Nebenformen, während von ersterer nur Formen mit
ausgeschnürter Wohnkammer gefunden sind; beide gehen nicht in die
Jurazeit über (? Tropites im unteren Lias). Unter den Latisellaten
bleiben die Arcestidae glattschalig, von den Angustisellaten
sterben die Familien der Pinacoceratidae und Cladiscitidae wie die
Arcestidae mit der Trias aus, ohne typisch trachyostrak zu werden und
ohne Nebenformen zu erzeugen, aber die Ausschnürung der Schale ist
hier fast die Regel. Die Ptychitidae erhalten in der Trias z. Th.
Faltenrippen, ihre Nachkommen, die Amaltheidae bleiben in einzelnen
Vertretern glattschalig bis zum Ende der Kreideformation (? Eocän),
aber zu wiederholten Malen geben sie rauhschalige Seitenzweige ab,
wie Pleuroceras im mittleren Lias, Cardioceras im unteren Malm,
Schloenbachia in der unteren, Buchiceras in der oberen Kreide. Mit
dem Auftreten der Berippung ist durchgängig eine Depression des
Windungsquerschnittes und vielfach eine Erweiterung des Nabels
verbunden. Schalen mit ausgeschnürter Wohnkammer sind trotz der starken
Involution der Schale in dieser Familie unbekannt, ebenso Nebenformen,
aber zur Zeit der jüngeren Kreide tritt in allen Zweigen derselben eine
Vereinfachung des Lobenbaues, z. Th. bis zum Ceratiten-Stadium ein.
Die Phylloceratidae, mit welchen die Lytoceratidae und jedenfalls auch
die Aegoceratidae genetisch sehr enge verknüpft sind, verharren in
der Trias noch im leiostraken Zustande. Ihre jüngsten Vertreter (in
der obersten Kreide) unterscheiden sich von manchen Triasformen nur
durch stärkere Lobenzertheilung. Obgleich durchgehends engnabelig,
schnüren sie sich niemals aus, liefern auch keine Nebenformen. Auch
die Lytoceratidae werden in den jüngsten Kreideschichten noch durch
wenige, glattschalige, evolute Formen vertreten, aber der Bildung der
zahlreichen Nebenformen in der Kreide geht ein kurzes trachyostrakes
Stadium voraus und die Nebenformen selbst sind durchgängig rauhschalig,
wenn auch in weniger ausgeprägter Weise, als diejenigen der
Aegoceratidae. Letztere stellen die Trachyostraca ϰατ’ ἐξοχήν vor.
Die Abtheilung der Carinati erhält zwar nur in einzelnen Zweigen
eine reichlichere Verzierung; nur wenige engnabelige Formen des Jura
bilden eine geknickte Wohnkammer, die übrigen werden im Laufe der
Zeit weitnabelig und runden die Umgänge ab. Ihre jüngsten Vertreter,
z. Th. wahre Riesen unter den Ammoniten, erhalten annulate Berippung;
das carinate Stadium ist mit dem Jura überwunden. Ausschnürungen
und Nebenformen fehlen. Anders die Annulati. In manchen Zweigen
derselben entstehen schon im Jura ausgeschnürte Schalen (Hammatoceras,
Sphaeroceras, Stephanoceras) oder Nebenformen (Cosmoceras,? Simoceras).
Dieser letztere Vorgang wiederholt sich im verstärkten Maasse in der
unteren Kreide bei verschiedenen Gattungen (Crioceras), zum letzten
Male in der oberen in Scaphites, wo die Ausrollung der Wohnkammer oft
kaum über die Ausschnürung derselben hinausgeht.
Am Ende der Kreidezeit giebt es nur noch vereinzelte normal
eingerollte und gleichzeitig leiostrake Formen. Fast alle Zweige
des Stammes, soweit sie nicht schon früher verschwunden, sind
trachyostrak geworden; das Ueberwiegen fast durchgängig trachyostraker
Nebenformen verleiht der Cephalopodenfauna der Kreide ein besonderes
Gepräge. Die glattschaligen Ammoniten besitzen im Allgemeinen eine
geringe horizontale Verbreitung, erscheinen oft hier und dort in
wenigen, unvermittelten Vertretern, während die rauhschaligen in den
entferntesten Gebieten häufig gleich stark vertreten sind (Ceratitidae,
Tropitidae, Ptychitidae in der Trias, Aegoceratidae und die
trachyostraken Glieder der Amaltheidae und Lytoceratidae im Jura und in
der Kreide).
Bevor wir eine Erklärung für die erwähnten Thatsachen zu geben
versuchen, lassen wir im Anschluss an die p. 399 mitgetheilte Tabelle
zunächst eine Uebersicht über die verwandtschaftlichen Beziehungen und
die vertikale Verbreitung der wichtigsten Gattungen folgen, wie sich
dieselben nach dem heutigen Standpunkte unserer Kenntnisse darstellen.
Die erste Tabelle enthält die mit der Trias aussterbenden Familien, die
zweite die jüngeren. Die vertikale Verbreitung ist durch Pfeilstriche,
das hauptsächliche Vorkommen durch Doppelstriche bezeichnet; die
Nebenformen sind eingeklammert.
Tabelle I.
+----------+----------------------------------------------------------------------------------+
| Jura | ? |
+==========+==================================================================================+
|Rhätische,| [Choristoceras] ↑ ↑ ↑ ↑ |
|Karnische | ↑ ↑ | ↑ Tropites | ↑ | | |
|Stufe | | | | | | | | | |
+----------+---|--------|-------|-----|----------------↑------|----|-------|----------|-------+
|Norische | | | Trachyceras | | Arcestes | Pinacoceras Cladiscites |
|Stufe | | | | | Joannites | | Sageceras | |
+==========+===|========|=======|=====|================|======|====|=======|==========|=======+
|Muschel- | | | | Celtites | | Sphingites | | |
|kalk |Arpadites Ceratites ↓ |Acrochordiceras | | | | | |
+----------+-----|------|-------------|----------------↓------|----|-------|----------↓-------+
| | | | | | | | | | |
|Bunt- | Dinarites Tirolites | | | | +-----+------+ |
|sandstein | | | | | ↓ | | |
| | | | | | | Cladiscitidae |
+==========+============|====|========↓=======================↓============↓==================+
| | | | | | | | Cyclolobus Popanoceras Medlicottia |
| | +-----+---------+ +---+----+ | | | | |
| | | | +----------+------------+ +----+------+ |
|Perm | Ceratitidae Tropitidae | | |
| | Arcestidae Pinacoceratidae |
+----------+----------------------------------------------------------------------------------+
Tabelle II.
+==========+=============================================================================================================================================+
|? Eocän | |
| | ↑ ↑ ↑ |
+==========+=====|====↑======↑========|===↑=====↑=====↑=========↑====↑=====================================↑============↑===========|=======↑============+
| | | | | | | | | | | | | | | |
|Senon | | | | | | | | |Pachydiscus | | | | |
+----------+-----|----|------|--------|---|-----|-----|---------|----|-------------↑-----------------------|------------|-----------|-------|------------+
|Turon, | | | | | | | | | | | | | [Scaphites] | |
|Cenoman | | | | | | |[Turrilites] | | | | | | | |
+==========+=====|====|======|========|===|=====|===/===========|====|=============|===============↑=======|============|===========|=======|============+
| | | | |[Baculites] | | / | / | | | | / \ | |
|Gault | | Schloen- | \ | | / | / | | | | ------- \ | |
| | | bachia | \| | ↑ | / | | | | / ? | |
+----------+-----|---/-------|------------|-----|-----|---------|------------------|---------------|-------|------------|-------------------|------------+
| | | / | | | | Desmoceras Acanthoceras [Crioceras] | | | |
|Neocom | | / | | | | / \ | Holcodiscus | |
| | |/ | ↑[Hamites]| Haploceras ↑ \| ↑ / ↑ Olcostephanus |
+==========+=====|===========|========|========\|=====|=========↑====↑=========|======================|===========|==/==============|=======|============+
|Tithon, | | | | | | | | | Simoceras | Hoplites | / | \ | |
|Kimmeridge| | ↑ | | | | | | | | | \ |/ | \| |
+----------+-----|----|------|--------|---------|-----|---------|----|---------|----↑-----↑----↓------|-----------|-----------------|-------↓------------+
| | | | | | | | | | | | | / | | | / |
|Oxford | | | | | | | | | | | | / Aspidoceras | ↑ | / |
+----------+-----|----|------|--------|---------|-----|---------|----|---------|----|-----|-----------------------|------------|----|-------↑------------+
| | | Cardio- | | | | | Oppelia | | Peltoceras \ | | | | Macroce- |
|Callovien | | ceras | | | | | | | | \----- ------ | | | | phalites |
| | | | | | | | | | | | \ | | Reineckia | | |
+==========+=====|====|======|========|=========|=====|=========|====|===↑=====|====|=============================|============|============|=====|======+
| | | / | | | | | | | | | | | | / |
|Oberer | | / | | | | | | Parkin- | [Ancylo- | | | / |
|Dogger | | / | | | | | | sonia | ceras] | | | / |
+----------+-----|-----------|--------|---------|-----↓---------|----|------\--|--/-------------------------------|------------|------------------↑------+
| | | | | || | | | \ | / | | | | |
|Mittlerer | | | | |+----+-----+ | | Cosmoceras | Stephanoceras / | | |
|Dogger | | | | | | | | | | | / | | |
| | | | | |Haploceratinae | | | Perisphinctes | Sphaeroceras | |
+----------+-----|-----------|--------|---------|-------\-------|----↓---------↓----------------------------------|------------↓------------------|------+
| | | | | | \ | / | | | ↑ / | |
|Unterer | | | | | \ | / +------+------+ ↓ | / | |
|Dogger | | | | | \ | / | ↑ | / | |
| | | Phylloceras | Lytoceras Harpoceras Cosmoceratinae | | / | |
| | | | | | | ↑ | | | |
+==========+=====|===========|========|=========|===============|===================|=============================|============|==================|======+
| | | | | | | Dumortieria | | | |
|Oberer | | | | | | | Dactylioceras Coeloceras Hammatoceras |
|Lias | | | | | | | | | | | | |
+----------+-----|-----------|--------|---------|---------------↓-------------------| -------------------- +----+------+ +----+-----+ --------|------+
| | | Pleuro- | | | | | ↓ | | | |
| | | ceras | | | +-----+------+ Perisphinc- Stephano- Cycloceras |
|Mittlerer | | / | Rhacophyllites | | tinae \ ceratinae / |
|Lias | Amaltheus | | | Harpoceratinae ↑ \ Aegoceras / |
| | | | | | ↑ | \ | / |
+----------+-----|-----------|--------|---------|---------------|-------------------|------------------------------------------|-------------------------+
| | | | | | | Polymorphites Schlotheimia / |
| | | | | | Arietites -- \ | | / |
|Unterer | | | | | | | \ \ +--------------------+------------------+ / | ------------------------
|Lias | | | | | +----+----+ \ \ | / |
| | | | | | | ------------------- Aegoceratinae / |
| | | | | | Arietitinae Psiloceras / |
+==========+=====↓===========↓========|=========↓========================================================================================================+
| || | | |
|Obere |+----+-----+ | | | |
|Trias | | ↑ ↓ +--------------------------------------------+-----------------------------------------+ |
| | Amaltheidae | | |
| | ↑ | Monophyllites Aegoceratidae |
+----------+-----|-----------|---- ---|------- ----------------------------------------------------------------------------------------------------------+
| | | | | | | / |
|Untere | | | | +-------+-----+ ----------------------------------- |
|Trias | | | | | / |
| | | | | Lytoceratidae / |
| | Ptychites Megaphyllites | ? / |
| | | | | |
+==========+=====|===========|========|==================================================================================================================+
| | Xenodiscus |
| || | | | |
|Perm |+----+-----+ +---------+-----------+ |
| | | | |
| |Ptychitidae Phylloceratidae |
| | |
+----------+---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------+
Keine Abtheilung der Wirbellosen ist uns mit solcher Vollständigkeit
überliefert, wie die Ammonoidea und ihre Vorfahren, die silurischen
Nautiloidea. Wenn auch weitere Forschungen noch manche Verschiebungen
in dem Stammbaum herbeiführen mögen, so werden doch die Grundzüge der
Entwickelung des gesammten Stammes kaum merklich verändert werden. Hier
mehr denn irgendwo ist der Paläontologie die Berechtigung gegeben,
eine Deutung des Entwickelungsganges einer wirbellosen Thiergruppe zu
versuchen, soweit dies überhaupt nach den Schalen allein möglich ist.
Die ältesten Cephalopoden besitzen eine gerade, kegelförmige Schale,
in deren hinterem Ende das Thier festgeheftet war. Das ringförmige
Haftband verhinderte das Entweichen der am Hinterleibe ausgeschiedenen
Luft und so wurde das Thier in der Schale vorgetrieben. Dabei konnten
die successiv sich bildenden Lagen von Perlmutterschicht nicht wie in
den Muscheln mit einander in Berührung bleiben, sondern sie wurden
durch Luftkammern von einander geschieden, ein Vorgang, der auch
gelegentlich an den Schneckenschalen und bei den Conularida (p. 342)
zu beobachten ist. Da nun eine gerade, zum grossen Theil mit Luft
erfüllte Schale einerseits leicht zerbrechlich ist, andrerseits für
die Fortbewegung eine wenig zweckmässige Gestalt besitzt, so griff im
Nautiloideen-Stamm jedenfalls, im Ammonoideen-Stamm wahrscheinlich
mehrere Male eine spiral-symmetrische Einrollung des Thieres vom
Rücken aus Platz. Die in der Mitte durchbohrten Schalen der älteren
Nautiloidea (Fig. 412) und Ammonoidea (Fig. 473) zeigen uns, dass das
ausgewachsene Thier bereits die Fähigkeit besass, sich an den früher
gebildeten Theil der Schale dauernd anzulegen, während in der Jugend
die Windungen sich noch nicht berührten. Die meisten Goniatiten und
die glattschaligen Ammoniten der Trias, z. Th. auch die des Jura
regelten die Einrollung der Schale in derselben Weise wie der lebende
Nautilus, indem das Thier mit einem ungetheilten Lappen (Kopfklappe bei
Nautilus) dem vorhergehenden Umgange auflag und darauf weiter kroch;
daher die Runzelschichten vor der Mündung bei Goniatitidae, Arcestidae,
Pinacoceratidae etc. Die Bewegung des Thieres war hierdurch erheblich
beschränkt. Leiostrake Beschaffenheit der Schale und starke Involution
bezeichnen im Allgemeinen dieses Stadium der Einrollung, über welches
hinaus es der lebende Nautilus nicht gebracht hat. Die Herausbildung
der Skulptur, wie sie bei den meisten Ammoniten, in beschränktem Maasse
auch bei einigen Nautiloidea, früher oder später Platz greift, geht
Hand in Hand mit dem Verluste der Runzelschichten, mit der Verringerung
der Involution und bei hochmündigen Formen mit einer Depression des
Windungsquerschnitts, wie uns das die Uebergangsreihe des Amaltheus
margaritatus -- Pleuroceras costatum deutlich zeigt. Wahrscheinlich
trat bei dem Thier der trachyostraken Schalen an Stelle des einfachen
Rückenlappens ein mehr oder minder differenzirtes Armpaar, welches die
Einrollung der Schale regelte, indem es die Rauhigkeiten der Schale zum
Anklammern benutzte. Hierdurch war die Möglichkeit für eine geringere
Involution und für eine erhöhte Beweglichkeit gegeben, da die dorsalen
Arme die Schale seitlich umfassen konnten. Das Auftreten eines dorsalen
Mündungsausschnitts für die Rückenarme fällt durchgängig mit der
Trachyostrakie zusammen (vgl. Ceratites nodosus Fig. 483, Harpoceras
opalinum Fig. 519, Haploceras Cadomense Fig. 522, Stephanoceras
Humphriesi Fig. 529, Sphaeroceras microstoma Fig. 530 A, Scaphites
spiniger Fig. 546), den leiostraken Schalen fehlt derselbe in der Regel
(vgl. Fig. 487, 497).
[Illustration: Fig. 546. Scaphites spiniger Schlüt. Oberes Senon.
Westfalen. Die Wohnkammer ist z. Th. von der Spirale abgelöst und
hakenförmig auf dieselbe zurückgebogen. Ein Dorsalfortsatz und ein sehr
tiefer Armausschnitt an der Mündung sichtbar. ¹⁄₁.]
Die Skulptur beginnt mit der Entstehung flacher Schalenfalten oder
feiner Streifen, aus denen die Rippen hervorgehen; später folgt
die Bildung der Knoten und Stacheln (Familie der Aegoceratidae,
Lytoceratidae), oder die Stachel- und Knotenbildung geht der Entstehung
der Rippen voraus (Familie der Amaltheidae).
Die sog. Nebenformen werden gewöhnlich als pathologische oder senile
Bildungen aufgefasst (»Krüppelformen«). Als solche erscheinen sie uns,
wenn wir an eine normale Schale die Anforderung der regelmässigen,
geschlossenen spiralen Einrollung stellen; für das Thier hatten sie
aber wohl eine andere Bedeutung. Sie dürften zu den eingerollten,
trachyostraken Schalen in demselben Verhältnisse stehen, wie diese
zu den leiostraken, d. h. sie bekunden das Bestreben des Thieres
nach freierer Bewegung; eine gleiche Deutung lässt die Ausschnürung
zu. Die gesetzmässige Spiralrollung des Thieres war eben nur in
einer Periode der Stammesentwickelung die zweckentsprechende. Die
Ablösung der Umgänge oder das schneckenförmige Wachsthum gestattete
eine freiere Bewegung des Thieres nach hinten (oben) und bedeutet
somit einen Fortschritt. Zumeist wurde die Ausrollung durch
Streckung der Wohnkammer eingeleitet (Macroscaphites), sobald aber
auf den gestreckten Theil Luftkammern zu liegen kamen, wurde die
Zerbrechlichkeit der Schale bedeutend erhöht und das Thier sah sich
gezwungen umzudrehen und gegen die Spirale zurückzuwachsen, wie zu
erwarten steht unter exogastrischer Drehung. Die Zerbrechlichkeit
gerade gestreckter Schalen wird durch die Thatsache illustrirt, dass
vollständige Schalen von Baculites bisher noch nicht gefunden sind.
Das Wachsthum der Scaphiten (Fig. 546) zeigt uns alle Stadien zwischen
einfacher Ausschnürung und Ablösung der Wohnkammer. Die Ablösung
erstreckt sich nur auf ein kurzes Stück, und das Thier legt sich mit
dem Dorsalfortsatze häufig wieder an die Spirale an. Die dorsalen
Ausschnitte sind hier tiefer, als bei irgend einer anderen Nebenform.
Nur wenn wir uns das Ammonitenthier mit verlängerten Armen versehen
vorstellen, wird uns die Bildung der Nebenformen verständlich.
Nicht nur eine Reduction der Loben auf die Fundamentalzahl 6 begleitet
die Entstehung der Nebenformen, sondern zuweilen ist auch eine
Vereinfachung des Lobenbaues damit verbunden (Choristoceras und
Verwandte, Crioceras p. p., Scaphites p. p.). Letztere findet sich in
sehr ausgesprochenem Maasse bei den normal eingerollten Kreideamaltheen
(Buchiceras Fig. 503, Schloenbachia) und darf als gleichbedeutend mit
dem Beginn der Loslösung der Muskeln aus der Schale angesehen werden.
Beide Erscheinungen, die Entstehung der Nebenformen und die
Vereinfachung des Lobenbaues lassen sich ungezwungen deuten als
Ausdruck für das Bestreben des Ammonitenthieres sich behufs freier
Bewegung der Schale zu entledigen, ein Vorgang, der vielleicht durch
den Aufenthalt an felsiger Küste befördert wurde. Einen weiteren Beleg
für die Richtigkeit dieser Auffassung liefert das Auftreten einer
lebenden Cephalopodengruppe, welche den Namen
Octopoda (Achtfüssler)
führt. Hierher gehören fast ausnahmslos unbeschalte, freischwimmende
Thiere von gedrungener oder cylindrischer Gestalt. Der Mund (Fig.
547 m) wird von 8, meist ungleich entwickelten, freien oder ganz
oder z. Th. durch Lappen verbundenen, Saugnäpfen, nur selten auch
Häkchen tragenden Armen umstellt (Fig. 547). Meist sind das erste
(dorsale) Armpaar, zuweilen das zweite oder auch beide stärker und
länger ausgebildet als die übrigen. Bei einigen Formen ist der
Hautlappen, welcher die dorsalen Arme verbindet, in der Mitte tief
gespalten. Der Trichter (tr) bildet eine geschlossene Röhre, welche
ontogenetisch durch Zusammenwachsen zweier Lappen in der Mittelebene
entsteht. Flossen fehlen zumeist. Die Muskulatur zeigt im Vergleich
zum lebenden Nautilus folgende Verschiedenheiten: Es ist ein langer,
kräftiger, unpaarer Bauchmuskel vorhanden; an Stelle des einen
Paares von Schalenmuskeln bei Nautilus haben wir 2 Paare, von denen
das bauchständige (»Herabzieher des Trichters«) oft viel stärker
entwickelt ist, als das rückenständige. In dem unpaaren muskulösen
Nackenband, welches Kopf und Rumpf verbindet, endigen die »Anzieher
des Trichters«, wie bei Nautilus. Ein Tintenbeutel ist mehr oder
minder stark ausgebildet, fehlt aber zuweilen. Bei einigen Formen
findet sich ein knorpeliger oder fleischiger Schliessapparat an der
Basis des Trichters. Die meisten Octopoden (Fam. Octopidae) führen
eine litorale Lebensweise, die Familie der Philonexidae ist aber
ausgesprochen pelagisch.
[Illustration: Fig. 547. Argonauta argo L. Lebend. Mittelmeer. Das
Weibchen in der z. Th. aufgebrochenen Schale (stark zusammengezogen).
R = Rücken-, B = Bauchseite; m = Mantel; tr = Trichter; m’ = Mund;
I-IV = die 4 Armpaare, vom Rücken gegen den Bauch zu gezählt. I = das
dorsale Armpaar, in einem Spiralausschnitte der Schale liegend, mit
seiner lappenartigen Verbreiterung (l) die Schale von hinten her bis
zum Vorderrande umfassend. r = Rippen; zw = stärkere Zuwachsstreifen;
kn = Aussenknoten der Schale.]
[Illustration: Fig. 548. Argonauta hians Sol. v. Oweni. Lebend.
Indischer Ocean. A Schale von der Seite, B gegen die Mündung gesehen. r
= Rippen; z = Zuwachsstreifung; k = Aussenknoten; rf = Aussenfurche; tr
= Trichterausschnitt.]
Die Gesammtform sowie die Organisation und die embryonale Entwickelung
der Octopoden machen es sehr wahrscheinlich, dass ihre Ahnen
schalentragend waren. Manche Besonderheiten des Thieres fordern zu
einem Vergleiche mit dem Ammonitenthier auf. Die 6 Muskelpartien
entsprechen den 6 Fundamentalloben der ausgerollten Ammonitenschale
(und zwar der unpaare, bauchständige Muskel dem Aussenlobus, die
Herabzieher des Trichters den ersten, die sog. Schalenmuskeln den
zweiten Seitenloben, das unpaare Nackenband dem Innenlobus. Hierzu
kommt noch, dass das Weibchen der Gattung
Argonauta L. (Fig. 547-549) eine äussere Kalkschale besitzt, welche
in manchen Merkmalen von der Ammonitenschale abweicht, andererseits
aber eine sehr bemerkenswerthe Uebereinstimmung mit derselben
erkennen lässt. Die Schale ist exogastrisch spiral in einer Ebene
aufgerollt (Fig. 548), entbehrt der Perlmutterauskleidung, der
Luftkammern, des Sipho, sowie der Embryonalblase; sie steht mit dem
Thiere nicht in fester Verbindung, sondern sie wird nur von den
lappenartig verbreiterten Rückenarmen (Fig. 547 I l) festgehalten,
welche dieselbe von hinten her bis zum Vorderrande umfassen.
Der Schalenanfang ist röhrenförmig-conisch (Fig. 549 A k) oder
kapuzenförmig (C), besitzt an seinem äussersten Ende eine grössere
(C n) oder kleinere (A n) concave Embryonalfläche, welche bereits
bei einem Durchmesser von 1 mm Zuwachsringe zeigt (C n), und ist mit
äusserlich sichtbaren Zuwachsstreifen und Rippen bedeckt. Bei weiterem
Wachsthum verschwindet die Zuwachsstreifung von der Oberfläche, weil
die inzwischen ausgebildeten Rückenarme mit ihren Lappen die Schale
umfassen und auf derselben eine äussere Schalenschicht ablagern,
welche die Zuwachsstreifung verdeckt, aber noch durchscheinen
lässt (Fig. 548 A z). Durch die Thätigkeit der Rückenarme wird die
Bildung einer geschlossenen Schalenwand auf dem Rücken unmöglich
gemacht; die Schalenmasse häuft sich daselbst an und wird meist zu
einer Achsenleiste verdickt (Fig. 549 l), die zuweilen in seitliche
Fortsätze (Fig. 549 B f) ausläuft, z. Th. wird sie als Umschlag auf
dem vorhergehenden Umgange abgelagert. Bei ungenabelten Schalen
liegen zuweilen die Umgänge wie bei den Ammoniten längs einer Naht an
einander(Fig. 548 A, B), bei genabelten bildet sich dort wo die Arme
austreten, ein Spiralausschnitt (Fig. 547, 549 A), wie er in gleicher
Weise, wenn auch weniger tief, am Mundrande von Scaphites (Fig. 546)
beobachtet wird. Die Körperoberfläche ist überall muskulös verdickt
und das Thier liegt nirgends der Schale dauernd an; daher kommt es
weder zur Bildung eines Sipho noch zur Abscheidung von Luftkammern
und Perlmuttersubstanz. Aber die Schale bildet und verdickt sich
unablässig vom Mantel wie von den Rückenarmen aus, und daher zeigt die
Schalensubstanz dieselbe Schichtung wie das Perlmutter. In Folge der
bauchwärts übergeneigten Stellung des Thieres in der Schale ist der
Trichterausschnitt auf der Aussenseite mehr oder weniger tief.
[Illustration: Fig. 549. Argonauta hians Sol. Lebend. Indischer
Ocean. A eine junge Schale mit kegelförmigem Schalenanfang (k);
n = Embryonalfläche; l = Achsenleiste. B var. gondola Dillw. f =
Seitenfortsätze der Spiralleiste (l). C Schalenanfang eines anderen
Exemplars, die Anfangscalotte mit der concaven Embryonalfläche (n)
zeigend.]
Die recenten und fossilen (pliocänen) Argonauta-Schalen lassen sich
nach der Art der Berippung und der Gestalt der Schale in 3 Gruppen
zerlegen, von denen eine jede gewissen Ammonitenformen der oberen
Kreide überraschend ähnlich ist, nämlich:
1) Gruppe der Argonauta hians Sol. (Fig. 548, 549). Schale ungenabelt
oder sehr enggenabelt. Spiralausschnitt fehlend oder schwach. Grobe,
entfernt stehende, sparsam gespaltene, nach vorn geschwungene Rippen.
Nur im Alter entspricht jeder Spaltrippe ein breiter stumpfer Knoten
am Aussenrande, sonst ist die Zahl der Spaltrippen grösser als die der
Knoten. Aussenseite vertieft oder gerundet. Windungsquerschnitt oval
bis trapezförmig. Diese Gruppe besitzt die gleiche Skulptur wie die
Hopliten der Kreide aus der Gruppe des H. auritus (vgl. Fig. 541).
Pliocän und lebend in den wärmeren Meeren.
A. Sismondai Bell. Pliocän. Piemont.
A. hians Sol. Lebend. In allen wärmeren Meeren. Bildet zahlreiche Varietäten.
2) Gruppe der Argonauta tuberculata Lmk. Schale ungenabelt oder
enggenabelt. Zahlreiche, mehrfach gespaltene, ganz oder zum Theil in
gerundete Knoten aufgelöste, gerade oder schwach zurückgebogene Rippen.
Die abgeplattete oder vertiefte Aussenseite jederseits mit einer Reihe
breiter, seitlich zusammengedrückter Knoten besetzt, welche weniger
zahlreich sind als die Spaltrippen. Windungsquerschnitt oval.
Scaphites Conradi aus dem ? Eocän Nordamerikas besitzt dieselbe
Involution und ganz ähnliche Berippung. Lebend in den wärmeren Regionen
des atlantischen und indo-pacifischen Oceans.
A. tuberculata Lmk. (= nodosa Sol.).
3) Gruppe der Argonauta argo L. (Fig. 547). Schale ziemlich weit
genabelt. Spiralausschnitt tief. Jede der zahlreichen, geschlängelten,
durch wiederholte Spaltung entstandenen Rippen endigt an der schmalen
Aussenseite in einem feinen, spitzen Knoten. Windungsquerschnitt sehr
hoch, fast dreiseitig. Dieselbe zusammengedrückte Form der Schale und
die gleiche Verzierung besitzt die Wohnkammer von Scaphites compressus
aus dem oberen Senon Europas. In allen wärmeren Meeren, auch im
Mittelmeere.
A. argo L. (Fig. 547).
* * * * *
Die Ammoniten verschwinden in Europa und in anderen Gegenden mit dem
Ende der Kreideformation, obgleich noch keine einzige der zur Jurazeit
vorhandenen Familien vorher erloschen ist. Im pacifischen Becken
scheinen sie noch zur älteren Tertiärzeit vorhanden gewesen zu sein.
Die (rasch verschwindende) Schalenanlage des Embryo der Octopoden,
sowie ihre Organisation im Allgemeinen machen es im höchsten Grade
wahrscheinlich, dass sie von schalentragenden Formen abstammen.
Die Vertheilung der Muskulatur, ganz besonders aber die schlagende
Uebereinstimmung der 3 Argonauta-Gruppen mit Ammoniten-Gruppen der
oberen Kreide lassen kaum noch begründeten Zweifel an dem genetischen
Zusammenhange derselben aufkommen. Der Einwurf, dass z. Z. die
Verbindungsglieder zwischen Scaphiten bez. Ammoniten und Argonauta
aus dem Tertiär noch nicht bekannt sind, träfe, wenn er stichhaltig
wäre, in gleicher Weise für andere Thierabtheilungen (Kieselschwämme,
Seeigel, Ophiuren, Crinoiden etc.) zu, bei denen vermittelnde
Formen in Kreide oder Tertiär noch nicht gefunden sind. Der Schwund
der Schale ist in gleicher Weise, wie bei den Octopoden, bei den
marinen Nacktschnecken vor sich gegangen. Schalenrudimente, wie die
Argonauta-Schale, kommen bei den Heteropoden vor, die Besonderheit
der Schalenbildung von Argonauta durch Mantel und Arme gleichzeitig
findet ihr Analogon bei Nautilus (p. 349) und rein ostrakale Schalen
giebt es auch unter den Muscheln (z. B. Ostrea). Der Verlauf der
Zuwachsstreifung auf dem Schalenanfange und die Concavität der
Embryonalfläche von Argonauta endlich liefern den unumstösslichen
Beweis, dass die Schale schon vor vollendeter Entwickelung der
Rückenarme vom Embryo angelegt war.
Die lebenden Octopoden bilden eine Reihe sehr verschieden hoch
organisirter Formen. Die Familie der Philonexidae, zu welcher
Argonauta gehört, schliesst sich aller Wahrscheinlichkeit nach an die
Aegoceratidae an. Die vielfach höher organisirten Octopidae stammen
vielleicht von den Lytoceratidae (? und Amaltheidae) ab, während
die isolirte hakentragende Gattung Cirroteuthis, wie Funde aus den
Solenhofener Kalken beweisen, schon zur Zeit des oberen Jura schalenlos
war, also vermuthlich an die triadischen Nebenformen der Latisellati
(Ceratitidae) anknüpft.
Eine andere Art der Verkümmerung der Schale, welche z. B. auch bei
den terrestrischen Nacktschnecken Platz gegriffen hat, besteht darin,
dass der Mantel die Schale umwächst und das Thier sich mehr oder
weniger vollständig aus der Schale herauszieht. Dieser Vorgang lässt
sich bei der letzten Ordnung der Cephalopoden verfolgen, welche nach
der wichtigsten fossilen Gattung (Belemnites) als dritte Ordnung
Belemnoidea bezeichnet werden mag.
3. Ordnung Belemnoidea.
Hierher gehört die Mehrzahl der heutigen Cephalopoden. Sie zeichnen
sich durch den Besitz zweier Kiemen, 8 gleicher und 2 verlängerter und
besonders gestalteter (Fang-) Arme, eines ungespaltenen Trichters,
eines Tintenbeutels und flossenartiger Anhänge aus. Die niemals
fehlende Schale ist stets ganz oder grösstentheils in den Mantel
eingeschlossen. In der Mehrzahl der Fälle bildet die rückenständige
Schale ein dünnes, horniges Blatt mit geringen Einlagerungen von
kohlensaurem oder phosphorsaurem Kalk, und die ursprünglichen Merkmale
der äusseren Schale, wie Scheidewände und Sipho, sind nicht mehr ohne
Weiteres zu erkennen. Nur wenige der jetzt lebenden Formen besitzen
noch eine gekammerte Schale wie ihre Ahnen im mesozoischen Zeitalter.
Wir trennen sie aus Zweckmässigkeitsgründen als Phragmophora von den
Chondrophora ab, ohne damit sagen zu wollen, dass diese Eintheilung für
alle Formen eine durchaus naturgemässe sei.
Eintheilung der Belemnoidea:
A. Phragmophora. Schale kalkig, meist kegelförmig, gerade, seltener
platt oder (endogastrisch) spiral gerollt, gekammert. Trias --
Gegenwart.
B. Chondrophora. Schale hornig oder schwach verkalkt, platt,
scheinbar ungekammert. Trias -- Gegenwart.
[Illustration: Fig. 550. Schale von Aulacoceras. Karnische Stufe.
Salzkammergut. A ein Stück des oberen (vorderen) Theiles der Schale
angeschliffen, gegen die Bauchseite gesehen. s’ = Schale (Ostracum);
s = Scheidewände; si = Sipho. B ein mittleres Stück der Schale bis
zur Mitte durchgeschnitten, das untere Ende des Phragmokons (p) und
die umgebende Schalenmasse des Rostrums (r) zeigend. C unterer Theil
der Schale (das verdickte Rostrum) mit gekörnter Oberfläche (g) und
Seitenfurchen (f).]
[Illustration: Fig. 551. Ergänzte Schale von Belemnites gegen den
Rücken gesehen, im unteren Theile (r) bis zur Mitte aufgeschnitten
gedacht. Das keulenförmig verdickte Rostrum (r) umgiebt den unteren
Theil des mit einer kugeligen Embryonalblase (e) beginnenden
Phragmokons (p); s = Scheidewände desselben (! schwach procöl!); w
= Wohnraum des Thieres; po = Proostracum, d. h. die Verlängerung
der Schale auf der Rückenseite (auf der Bauchseite fehlend); b =
bogenförmige Zuwachslinie desselben; h = Hyperbelstreifung auf den
Seiten; a = sog. Asymptotenlinie.]
A. Phragmophora.
In der Triasformation finden sich Cephalopodenschalen, welche durch
ihre gestreckte Gestalt, durch ihre Kammerung, insbesondere durch den
Besitz einer kugeligen Embryonalblase, und die bauchständige Lage des
Sipho den ältesten Ammonoideen (Bactrites) sehr ähnlich sind (p. 394),
sich von ihnen aber dadurch unterscheiden, dass der hintere Theil der
Schalen keulenförmig verdickt ist (Fig. 550 C) und der gekammerte
Theil nicht bis an das hintere Ende der Schale reicht (Fig. 550 B p).
Diese Schalenverdickung besteht aus ostrakaler Masse; sie wird als
Rostrum von dem eigentlichen, nicht verdickten Ostracum und dessen
innerer Auskleidung, dem Phragmokon unterschieden. Die Scheidewände
stehen in erheblicher Entfernung von einander (Fig. 550 A s), das
Rostrum besteht aus schwammiger Kalkmasse, ist äusserlich gekörnelt
(Fig. 550 C g) und mit Furchen versehen (C f) -- Aulacoceras. Aehnliche
Schalen sind im Jura und in der Kreide sehr häufig. Sie differiren
aber von den älteren durch viel geringere Stärke des oberen, nicht
verdickten (nur sehr selten erhaltenen) Schalentheiles (Fig. 551), der
auf der Bauchseite tief ausgeschnitten und nur auf der Rückenseite
von dem sog. Proostracum (Fig. 551 po) gebildet wird. Die schwach
concaven Scheidewände (s) des Phragmokons (p) stehen sehr gedrängt, das
Rostrum ist compact, äusserlich glatt (r) oder mit Gefässeindrücken
versehen. Die secundäre Verdickung des hinteren Schalenendes, sowie
die Gefässeindrücke des Rostrums deuten darauf hin, dass die Schalen
vom Mantel umschlossen waren. Abdrücke des ganzen Thieres (Fig. 552)
bestätigen diese Voraussetzung: sie zeigen, dass derartige Schalen im
Mantel des Thieres (m) eingeschlossen waren, und dass die Thiere (?)
10 Arme und einen Tintenbeutel (t) besassen -- Belemnites. Schon bei
manchen jurassischen Formen war die Schale stark reducirt (Fig. 552 p,
r). Die tertiären zeigen uns, wie das Rostrum allmählich verschwindet
und der übrige Theil der Schale entweder eine platte schildförmige
Gestalt annimmt (Fig. 565) oder sich spiral einrollt (Fig. 564). Alle
diese, offenbar genetisch sehr enge mit einander verknüpften Formen
fassen wir als
Fam. Belemnitidae
zusammen. Die wichtigsten Vertreter derselben lassen sich
folgendermaassen classificiren:
[Illustration: Fig. 552. Restauration eines im Abdruck erhaltenen
Belemnitenthieres (Belemnoteuthis antiqua Pearce). Oberes Callovien,
Wiltshire. Die mit kurzem Rostrum (r) versehene Schale (p) liegt im
Mantel (m) eingeschlossen; t = Tintenbeutel. Der Kopf mit 10 Armen.]
A. Schale mit fadenförmigem Sipho, Luftkammern hinter dem Thier
gelegen. Querschnitt des Phragmokons mehr oder weniger kreisrund.
a. Phragmokon gerade oder schwach gekrümmt, Rostrum stark entwickelt.
α. Scheidewände des Phragmokons entfernt stehend. Rostrum
schwammig oder compact, aber nicht strahlig gebaut.
1. Unterfam. Aulacoceratinae (Fig. 549).
β. Scheidewände des Phragmokons gedrängt stehend. Rostrum fast
immer compact und strahlig.
2. Unterfam. Belemnitinae (Fig. 552-561).
b. Phragmokon gerade, Rostrum sehr schwach entwickelt.
3. Unterfam. Belemnoteuthinae (Fig. 552).
c. Phragmokon mehr oder minder stark endogastrisch eingerollt,
Rostrum schwach entwickelt oder fehlend.
4. Unterfam. Spirulinae (Fig. 562, 563).
B. Schale mit weiter Siphonalhöhlung. Luftkammer neben dem Thier
gelegen. Querschnitt des Phragmokons von vorn nach hinten abgeplattet.
5. Unterfam. Sepiinae (Fig. 564).
Die Abtheilungen sind nicht scharf von einander geschieden; wir können
uns den muthmaasslichen Zusammenhang folgendermaassen vorstellen:
+----------+------------------------------------------------+
|Gegenwart | |
| und | Spirulinae Sepiinae ? Chondrophora |
| Tertiär | | | |
+----------+----------|-------|-----------------------------+
| | | | |
| Kreide | Belemnitinae ↑ |
| und | | | |
| Jura | | | |
+----------+--------------|----------------------|----------+
| | | | |
| Trias | Aulacoceratinae Belemnoteuthinae |
| | | / |
+----------+--------------|--------------/------------------+
| Palaeo- | | ? / |
| zoicum | Bactrites-ähnliche Vorläufer |
| | |
+ ---------+------------------------------------------------+
1. Unterfam. Aulacoceratinae.
Hierher gehören 2 Gattungen, welche in der alpinen Trias und z. Th.
auch noch im Lias verbreitet sind.
Aulacoceras Hau. (Fig. 550). Der gekammerte Theil (A) gleicht einem
Orthoceras mit randständigem Sipho, aber Septaldüten fehlen, statt
dessen sind kurze Septalkragen vorhanden. Der Sipho ist hinter den
Scheidewänden (A s) erweitert; er scheidet eine kalkige Hülle ab
(A si). Die Wand der Schale (Conothek -- s’) meist mit Längs- und
Querskulptur. Das selten mit dem Phragmokon im Zusammenhange gefundene
Rostrum (Scheide -- C) ist kurz und von keulenförmiger Gestalt, meist
mit tiefen Seitenfurchen (f) versehen, auf der Bauch- und Rückenseite
abgeplattet und oberflächlich gekörnelt (g). Die Scheide besteht
aus schwammiger Kalkmasse. In der alpinen Trias, häufig nur in der
karnischen Stufe des Salzkammerguts.
Au. reticulatum Hau. sp. (Fig. 550 A). Karnische Stufe.
Salzkammergut.
Au. inducens Braun sp. Karnische Stufe. Südalpen.
Atractites Gue. Phragmokon und Scheide nicht selten im Zusammenhange
erhalten. Conothek mit Asymptotenlinie und bogenförmigen Rückenlinien
(siehe Belemnites), im Uebrigen glatt. Scheide oft sehr gross,
cylindrisch oder unregelmässig keulenförmig, ohne seitliche Furchen.
Häufig in der Trias der Alpen, der Balkanhalbinsel und der arktischen
Regionen; desgl. im Lias der Alpen und des Apennin; auch in Peru.
A. secundus Mojs. sp. Oberer Muschelkalk. Nordalpen. Norische Stufe.
Südalpen.
A. alveolaris Qu. sp. Norische Stufe. Nordalpen.
A. Ausseanus Mojs. sp. Karnische Stufe. Nord- und Südalpen.
A. liasicus Gue. Unterer Lias (α). Nordalpen.
A. orthoceropsis Men. sp. Unterer und mittlerer Lias. Alpen. Apennin.
Nahe verwandte Formen, durch einen sehr langen Phragmokon
ausgezeichnet, finden sich auch im mitteleuropäischen Lias:
Xiphoteuthis elongata d. l. B. sp. Mittlerer Lias. England,
Lothringen, Elsass, Schwaben.
2. Unterfam. Belemnitinae.
Wenn auch vollständige Uebergangsreihen noch nicht bekannt sind,
so kann es doch nicht zweifelhaft sein, dass die Belemniten aus
den Aulacoceratinen hervorgegangen sind. Sie erscheinen zum ersten
Male im unteren Lias und verschwinden fast ganz mit dem Ende
der Kreideformation. Vereinzelte, durch starke Schalenreduction
ausgezeichnete Formen kennt man aus dem älteren Tertiär.
Die meist allein erhaltene Scheide (Fig. 553 r) ist von keulen- oder
fingerförmiger Gestalt; sie besteht zumeist aus compacter, strahliger,
selten z. Th. schwammiger, durch Bitumen schwach braun gefärbter
Calcitmasse. Die Krystalle stehen senkrecht und radial zu einer
scharf markirten Linie (ap) -- Scheitel oder Apicallinie --, welche
am hinteren Ende des Phragmokons beginnt und die Scheide bis zur
hinteren Spitze durchzieht. Dieselbe liegt stets etwas excentrisch und
zwar der Bauchseite genähert. Die Oberfläche desselben ist glatt oder
mit Furchen oder verzweigten Gefässeindrücken versehen. Man hat zu
unterscheiden:
a. Furchen der Mittelebene. Dieselben sind am vorderen oder
Alveolar-Ende am tiefsten und verflachen sich nach hinten hin. Die
Furche liegt entweder nur auf der Bauchseite (Gastrocoeli -- Fig. 556
B, C) oder nur auf der Rückenseite (Notocoeli -- Fig. 559), sehr
selten beiderseits gleichzeitig. Eine auf die Spitze der Scheide
beschränkte Bauchfurche ist nicht selten (Subquadrati).
b. Seitliche Furchen, meist viel weniger ausgeprägt, finden sich häufig;
sie liegen stets der Rückenseite genähert -- Dorsolateralfurchen (Fig.
555 f). Bald sind sie auf die Spitze beschränkt (Spitzenfurchen --
Fig. 554 Af), bald beginnen sie am Vorderrande und enden nach hinten
schwächer (Seitenfurchen -- Fig. 555 f).
[Illustration: Fig. 553. Ergänzte Belemnitenschale gegen den Rücken
gesehen (der untere Theil bis zur Mitte aufgeschnitten gedacht). r
= Rostrum; ap = Apicallinie; p = Phragmokon; s = die (hier nicht
procöl gezeichneten) Scheidewände desselben; e = Embryonalblase; po =
Proostracum; r = Rückenlinie; b = die bogenförmig convexe Streifung
des Rückenfeldes; a = Asymptotenlinie; h = Hyperbolarstreifen; w = das
hintere Ende der Wohnkammer.]
[Illustration: Fig. 554. Belemnites paxillosus Schl. Mittlerer
Lias (δ). Vieux-Pont, Calvados. Scheide von der Seite gesehen. f
= Dorsolateralfurche. B, C B. irregularis Schl. Oberer Lias (ε).
Heiningen, Württemberg. B von der Seite; C von unten. f = auf die
Spitze beschränkte Bauchfurche. D B. acutus Mill. Scheide von der
Seite. r = Rücken-, b = Bauchseite.]
Die Grösse und Gestalt der Scheiden sind mannigfachen Schwankungen
unterworfen; die grössten werden etwa 1 m lang. In einer trichterförmig
vertieften, stets etwas excentrischen Höhlung des vorderen Theiles des
Rostrums steckt die eigentliche Schale (Fig. 553), deren ostrakale
Hülle als Conothek, deren aus Perlmuttersubstanz bestehende Kammerung
als Phragmokon (p) bezeichnet wird. Die dorsale Verlängerung der
Schale heisst Proostracum (po). Die Oberfläche der Conothek zeigt
eine Zuwachsstreifung, welche auf dem dreieckigen, nach vorn sich
verbreitenden Dorsalfelde bogenförmig (nach vorn convex) verläuft
(b). Zu beiden Seiten setzt diese Streifung an einer Längslinie ab,
der sog. Asymptotenlinie (a). Jenseits derselben (auf der Seite der
Schale) läuft die Streifung bogenförmig bauch- und abwärts (sog.
Hyperbolarfelder -- h), um auf der Bauchseite in horizontale Linien
überzugehen. Dieser Verlauf der Zuwachsstreifung zeigt, dass die
Schale nur auf der Rückenseite normal wuchs, während das Wachsthum
auf der Bauchseite zurückgedrängt war; der obere Theil der Schale
war vom Bauche her vom Thiere zum grossen Theil umwachsen, während
das Rückenschild wahrscheinlich noch nicht ganz in den Mantel
eingeschlossen war. Die Luftkammern des Phragmokons sind niedrig, die
Septa (s) schwach procöl (in der Zeichnung irrthümlicher Weise ganz
flach). Der Sipho liegt hart an der Bauchseite, eine kurze Septaldüte
schliesst ihn ein. Die Scheidewandlinie zeigt keinerlei Lobenbildung,
was darauf schliessen lässt, dass die Muskeln sich aus der Schale
gelöst und von aussen an derselben angeheftet hatten.
[Illustration: Fig. 555. Belemnites clavatus Schl. Mittlerer
Lias. England. Scheide von der Rückenseite. f, f = die beiden
Dorsolateral-(Seiten-)Furchen.]
[Illustration: Fig. 556. Belemnites hastatus Blv. Oxford. Dives,
Calvados. A Scheide von der Seite, die Dorsolateralfurche zeigend.
B dieselbe von der Bauchseite, die Bauchfurche (c) zeigend. C
Querschnitt. c = Bauchfurche.]
[Illustration: Fig. 557. Belemnites giganteus Schl. Mittlerer Dogger.
Württemberg. Scheide von der Seite gesehen. Das Alveolarende ist
verdrückt. ½.]
Man unterscheidet gewöhnlich folgende 2 Gattungen:
Belemnites List. (Fig. 554-562). Alveolarende der Scheide ohne Spalt.
Unterer Lias -- Cenoman. Diese im Jura besonders häufige Gattung
zerfällt in folgende Abtheilungen:
A. Sect. Acoeli Br. Eine am Alveolarende beginnende Bauch- oder
Rückenfurche fehlt; zuweilen eine kurze Bauchfurche an der Spitze (Fig.
554, 555, 557). Jura -- Untere Kreide.
1. Gruppe: Acuti. Scheide kurz, pflockförmig, sich rasch zuspitzend.
Alveole tief, stark excentrisch (Fig. 554 D). Unterer Lias --
Oberer Dogger.
B. acutus Mill. (Fig. 554 D). Unterer Lias (Oberregion von α und
Lias β). Mitteleuropa.
B. brevis Blv. Unterer Dogger (Opalinus-Sch.). Mitteleuropa.
B. breviformis Ziet. Mittlerer Lias. Mitteleuropa.
B. Gingensis Opp. Mittlerer Dogger. Mitteleuropa.
2. Gruppe: Paxillosi. Scheide verlängert, verkehrt kegelförmig bis
keulenförmig. Alveole mehr oder weniger central. Meist
Spitzenfurchen vorhanden (Fig. 554). Mittlerer und oberer Lias.
B. paxillosus Schl. (Fig. 554 A). Sehr häufig im mittleren Lias.
Mitteleuropa.
B. elongatus Mill. Mittlerer Lias (γ). Mitteleuropa.
B. umbilicatus Blv. }
B. compressus Stahl. } Mittlerer Lias. Mitteleuropa.
B. ventroplanus Voltz. }
3. Gruppe: Irregulares. Scheide fingerförmig, unten abgestutzt,
seitlich abgeplattet. Andeutung einer Bauchfurche an der Spitze
(Fig. 554 B, C). Mittlerer und oberer Lias.
B. Lotharingicus Stnmn. Mittlerer Lias (δ). Lothringen, Franken.
B. irregularis Schl. (= digitalis) (Fig. 554 B, C). Oberer Lias (ε).
Mitteleuropa.
4. Gruppe: Rhenani. Scheide verlängert, schlank, meist sehr gross.
Mehrere Spitzenfurchen vorhanden (Fig. 557). Vom mittleren Lias
an, hauptsächlich im unteren und mittleren Dogger.
B. Rhenanus Opp. unterer Dogger (Opalinus-Sch.). Mitteleuropa.
B. spinatus Qu. Unterer Dogger (Murchisonae-Sch.). Mitteleuropa.
B. giganteus Schl. (Fig. 557). Mittlerer, seltener oberer Dogger.
Mitteleuropa, Südamerika.
5. Gruppe: Tripartiti. Schlanke, oft fast cylindrische Scheiden mit
3 (oder mehr) deutlichen Furchen an der Spitze. Die
Dorsolateralfurchen reichen oft weit an der Scheide hinauf.
Structur der Scheide oft locker. Oberer Lias.
B. tripartitus Schl. Oberer Lias. }
B. acuarius Schl. Oberer Lias (ε). } Mitteleuropa.
B. longisulcatus Voltz. Oberer Lias (ζ). }
6. Gruppe: Clavati. Scheide keulenförmig, nach oben verjüngt, mit
schwachen Seitenfurchen am oberen Ende (Fig. 555). Mittlerer Lias
-- Oxford.
B. clavatus Schl. (Fig. 555). Mittlerer, seltener }
oberer Lias. } Mitteleuropa.
B. subclavatus Voltz. Unterer Dogger (Opalinus-Sch.). }
[Illustration: Fig. 558. Belemnites Brunsvicensis Stromb. Urgon.
Umgegend von Braunschweig. Scheide von der Seite und (oben rechts) von
oben gesehen, um die Abplattung der Bauchseite (unten) zu zeigen. ¹⁄₁.]
[Illustration: Fig. 559. Belemnites latus Bl. Unterste Kreide (Sch.
d. Bel. latus). Chardavon, Bss. Alpes. A Scheide von der Seite. r
= Rücken-, b = Bauchseite. B dieselbe von der Rückenseite. c’ =
Rückenfurche.]
B. Sect. Gastrocoeli d’Orb. Eine am Alveolarende beginnende Bauchfurche
vorhanden oder Bauchseite abgeplattet oder vertieft (Fig. 558, 559).
Oberer Lias -- Cenoman.
7. Gruppe: Canaliculati. Bauchfurche deutlich. Dorsolaterallinien
fehlen. Mittlerer Dogger -- Untere Kreide.
B. canaliculatus Schl. Mittlerer und oberer Dogger. Mitteleuropa.
B. Blainvillei Voltz. Mittlerer Dogger. England, Frankreich.
B. semicanaliculatus Bl. Aptien. Mittel- und Südeuropa.
8. Gruppe: Hastati. Ausser der (zuweilen sehr kurzen) Bauchfurche
gedoppelte Dorsolaterallinien vorhanden. Scheide verkehrt kegel-,
meist aber keulenförmig (Fig. 556). Oberer Dogger -- Cenoman.
B. Beyrichi Opp. } Oberer Dogger. Mitteleuropa.
B. Württembergicus Opp. }
B. subhastatus Ziet. Unteres Callovien. }
B. latisulcatus d’Orb. Mittleres Callovien. } Mitteleuropa.
B. hastatus Mtf. (Fig. 556). Oberes Callovien und }
unteres Oxford. }
B. semisulcatus Mnstr. Oberer Malm. } Mittel- und Südeuropa.
B. pistilliformis Bl. Neocom. }
B. minimus List. Oberer Gault. } Mitteleuropa.
B. ultimus d’Orb. Cenoman. }
9. Gruppe: Subquadrati. Bauchfurche nur am hinteren Ende deutlich
oder fehlend, aber Bauchseite abgeplattet. Von den beiden
vorigen Gruppen nicht scharf geschieden (Fig. 558). Callovien
-- Aptien.
B. Puzosi d’Orb. Callovien. Mitteleuropa, Russland.
B. Beaumonti d’Orb. } Callovien und unteres Oxford. Mitteleuropa,
B. Panderi d’Orb. } Russland.
B. absolutus Fisch. Kimmeridge (untere Wolga-St.). Russland.
B. Russiensis d’Orb. } Oberster Malm (ob. Wolga-St.). Russland.
B. corpulentus Nik. }
B. subquadratus Rö. Neocom. Mitteleuropa.
B. Brunsvicensis Stromb. (Fig. 558). Urgon. Norddeutschland.
C. Sect. Notocoeli. Eine am Alveolarende beginnende Rückenfurche
vorhanden. Scheide meist platt (Fig. 559). Oberer Malm -- Neocom.
10. Gruppe: Conophori. Scheide rund oder schwach abgeplattet.
Dorsolaterallinien fehlend oder schwach.
B. conophorus Opp. Leitfossil für das Tithon in den Karpathen,
Alpen und im Apennin.
B. conicus Blv. Neocom. Alpen.
11. Gruppe: Dilatati. Scheide abgeplattet oder kantig.
Dorsolaterallinien deutlich (Fig. 559).
B. tithonicus Opp. } Tithon. Alpen.
B. ensifer Opp. }
B. latus Blv. (Fig. 559). Unteres Neocom. Westalpen.
B. dilatatus Blv. } Mittelneocom. Westalpen.
B. polygonius Blv. }
Belemnitella d’Orb. (Fig. 560-562). Scheide keulenförmig bis
cylindrisch, unten meist mit Spitze, am Alveolarende mit kurzem,
bauchständigem Siphonalspalt (Fig. 561 sp). Oberfläche in der Regel
gekörnelt (Fig. 561) oder mit Gefässeindrücken (Fig. 562 A e) versehen.
Phragmokon meist mit Rückenkiel, die Alveole mit entsprechender
Furche (Fig. 562 C af). Dorsolaterallinie vorhanden. Diese Gattung
ersetzt Belemnites in der oberen Kreide, wo nur noch 1 echter Belemnit
vorkommt; besonders häufig im Senon (»Belemnitellenkreide«).
A. Actinocamax Mill. Scheide gekörnelt, seltener glatt. Das
Alveolarende derselben leicht zerstörbar und deshalb oft
kegelförmig (Fig. 560, 561) zugespitzt. Cenoman -- Unteres Senon.
B. plena Blv. sp. (Fig. 560). Grenzschichten von Cenoman und Turon
in Mitteleuropa.
B. Westphalica Schlüt. sp. Unteres Senon (Emscher). Norddeutschland,
Südschweden.
B. vera Mill. sp. Unteres Senon (Emscher). Mitteleuropa.
B. quadrata Blv. sp. (Fig. 561). Obere Abtheilung des unteren Senon
(»Quadratenkreide«). Mitteleuropa.
B. subventricosa Wahlb. sp. Unteres Senon. Südschweden. Als
Diluvialgeschiebe in Norddeutschland.
[Illustration: Fig. 560. Belemnitella (Actinocamax) plena Blv. sf.
Unterstes Turon (Mytiloides-Pläner). Essen a. d. Ruhr. Scheide gegen
den Rücken gesehen. Das Alveolarende ist stumpfkegelig abgeblättert.]
[Illustration: Fig. 561. Belemnitella (Actinocamax) quadrata Blv. sp.
Unteres Senon (Quadratenkreide). Schweichelt b. Peine, Hannover. A
Scheide von der Bauchseite. sp = Siphonalspalt. B dieselbe von der
Rückenseite. l = Dorsolaterallinie.]
[Illustration: Fig. 562. Belemnitella mucronata Schl. sp. Oberes Senon
(Mucronatenkreide). Coesfeld, Westfalen. A Scheide von der Seite. b =
Bauch-, r = Rückenseite; sp = Siphonalspalt; l = Dorsolaterallinien. B
dieselbe von der Bauchseite. C dieselbe von oben. sp = Siphonalspalt;
af = Rückenfurche der Alveole.]
B. Belemnitella s. str. Scheide mit verzweigten Gefässeindrücken.
Alveole mit Rückenfurche (Fig. 562 C af). Senon und Danien.
B. mucronata Schl. sp. (Fig. 562 A-C). Weit verbreitet in Europa,
auch in Nordamerika. Selten im unteren Senon, sehr häufig im oberen
(»Mucronatenkreide«); ausserdem in der dänischen Stufe in Frankreich
und Belgien.
Man kennt noch 4 weitere, eocäne Gattungen, die alle durch
verhältnissmässig kleine und zarte Schalen sich auszeichnen.
3. Unterfam. Belemnoteuthinae.
Diese den Belemniten in wesentlichen Merkmale ähnliche, schon in der
Trias vorhandene Gruppe scheint einen älteren Zweig zu repräsentiren,
in welchem die Verinnerlichung und Reduction der Schale bereits früher
eingetreten ist. Das Rostrum (Fig. 551 r) bildet nur einen dünnen
Ueberzug des Phragmokons. Als Beispiel dieser aus Trias und Jura in
seltenen Vertretern bekannten Gruppe mag die Gattung
Belemnoteuthis Pearce (Fig. 551) erwähnt werden, deren wohlerhaltene
Abdrücke im englischen Callovien zur Restauration der obigen Figur
Veranlassung gegeben haben.
4. Unterfam. Spirulinae.
Im älteren Miocän findet sich eine Gattung, deren Schale durch die
beginnende Einrollung des Phragmokons ein Bindeglied zwischen manchen
Belemniten mit gekrümmter Alveole und der bekannten lebenden Gattung
Spirula darstellt.
[Illustration: Fig. 563. Spirulirostra Bellardi d’Orb. Untermiocän.
Turin. A Schale von der Seite, B dieselbe in der Mittelebene
durchgeschnitten. p = der bauchwärts gekrümmte Phragmokon; r = Rostrum.]
[Illustration: Fig. 564. Spirula Peronii Lmk. Lebend. Erste Windung
der Schale, in der Mittelebene durchgeschnitten, den erweiterten Sipho
(s), dessen blindsackförmige Endigung (b) in der Embryonalblase (a) und
seine Anheftung durch den Prosipho (p) zeigend.]
Spirulirostra d’Orb. (Fig. 563). Der allein bekannte, untere Theil der
Schale besteht aus einem dreieckigen, sich rasch verjüngenden Rostrum
(B r), welches den bauchwärts gekrümmten Phragmokon (B p) auf dem
Rücken und an den Seiten einschliesst. Die Bauchseite der Schale ist
tief ausgeschnitten. Einzige Art:
Sp. Bellardi d’Orb. (Fig. 563 A, B). Unteres Miocän. Turin.
Spirula Lmk. (Fig. 564). Die spirale Einrollung der Schale ist weit
vollständiger als bei der vorigen Gattung. Das Rostrum bildet einen
dünnen, runzeligen Ueberzug auf der Schale, sonst ist es bis auf
eine zuweilen erhaltene Kalklamelle, welche die Umgänge mit einander
verbindet, verschwunden. Der erweiterte Sipho (s) wird in seiner
ganzen Ausdehnung von trichterförmigen Septaldüten umgeben, seine
blindsackförmige Endigung (c) ist in der kugeligen Embryonalblase (a)
durch einen zarten Strang, den sog. Prosipho (p), festgeheftet. Die
Schale ragt am Hinterende des Thieres theilweise aus dem Mantel hervor;
an ihren vorderen Theil heften sich die Körper- und Trichtermuskeln an.
Sp. Peronii Lmk. (Fig. 564). Häufig in den tropischen Meeren; das
Thier wird selten gefunden, während die Schalen häufig sind.
5. Unterfam. Sepiinae.
Hierher gehören einige tertiäre und zahlreiche lebende Formen, deren
Schalen alle Merkmale der Belemnitenschale, wenn auch in veränderter
Gestalt bewahrt haben. Sie zeichnen sich durch die starke Erweiterung
der Siphonalhöhlung, durch Reduction des Rostrums und durch Verlegung
der Luftkammern auf die Rückenseite des Thieres aus. Eine eocäne
Gattung Belosepia nimmt eine Mittelstellung zwischen den Belemniten
und den jüngeren Formen ein, insofern die neuen Merkmale noch weniger
ausgeprägt sind. Am typischsten kommen diese bei der Gattung
Sepia Lmk. (Fig. 565) zum Ausdruck. Die schildförmige, schwach
bauchwärts gekrümmte Schale (»Schulp«) liegt auf der Rückenseite des
Thieres im Mantel eingeschlossen. Gegen den Rücken gesehen zeigt
die Schale das ovale, gekörnelte Rückenschild (B r’, C r’), welches
sich nach unten in einen zurückgebogenen Stachel, das Rostrum (r),
verschmälert. Eine dünne, seitlich über den Schalenrand hinausragende
(B c) Conchyolinlamelle (c) trennt das Rückenschild von der Schale
(g, g’, w). Dieser Lamelle liegt die Schalenwand (s’) direkt an. Auf
der Rückenseite ist die Schale bis zum vorderen abgerundeten Ende
verlängert (A), auf der Bauchseite ist sie verkürzt (A s’’, D s’’), so
dass der ringsum geschlossene Theil der Schalenhöhlung wenig tiefer
ist. Die Scheidewände des Phragmokons werden nur auf der Rückenseite
durch niedrige Luftkammern getrennt und durch ein zartes Balkenwerk
theilweise verkalkter Conchyolinmembranen verbunden (w); sie bilden
hier eine nach oben immer dicker und breiter werdende Masse, den sog.
Wulst (A w); gegen den Rücken zu sind sie hoch hinauf gezogen, so dass
bei einer Ansicht der Schale vom Bauche her die letzte Septalfläche
in ihrer ganzen Ausdehnung sichtbar wird (A se). Der Eingeweidesack
des Thieres hat sich in der Siphonalröhre bis zum Boden der Schale
hinabgesenkt und so den Sipho zu einer weiten Höhle (D g) umgestaltet;
die seitlichen und vor dem Sipho gelegenen Theile der Scheidewände
sind als sog. Gabel (g), welche durch Asymptotenlinien (A a) von dem
Wulst geschieden wird, fest auf einander und gegen die Schale (s’, s’’)
gedrückt. Auf der Bauchseite tritt ihr lamellärer Bau im Längsschnitt
(D g), auf den Seiten im Querschnitt (C g) deutlich hervor. Die
Scheidewände des Wulstes (E s₁-s₃) verlängern sich nach hinten zu
Septaldüten (E m), welche bis zum vorhergehenden Septum herabreichen.
Die ventrale Wand der Scheide ist häufig nach abwärts und gegen das
Rostrum zu umgeschlagen (Sepia officinalis L.). Der Stachel zeigt
im Längsschnitt (D r) den dütenförmigen Bau und die Apicallinie der
Belemnitenscheide.
[Illustration: Fig. 565. Schulp von Sepia esculenta Hoyle. Japanische
Küste. A Schale von der Bauchseite aus gesehen. B dieselbe vom Rücken
aus. C Querschnitt der Schale in ungefährer Höhe des Buchstabens s’
Fig. A. D medianer Längsschnitt des unteren Theiles der Schale. E
vergrösserte Ansicht der Bauchseite des Wulstes. r = Rostrum (in Fig. D
die Apicallinie zeigend); r’ = Rückenschild; c = die Conchyolinlamelle,
welche dasselbe von der Schale trennt; s’ = Schalenwand; s’’ = dieselbe
auf der Bauchseite; w = Wulst (dorsaler Theil der Luftkammern); se
= letzte Scheidewand; s₃-s₁ = drei successive Scheidewände von der
Siphonalhöhlung aus gesehen; m = die herabgebogenen Septaldüten; g, g’
= Gabel (seitlicher [g] und ventraler [g’] Theil der Scheidewände); a =
Grenzlinie zwischen Wulst und Gabel (Asymptotenlinie).]
Die Gattung tritt bereits im Eocän auf; eine Reihe von Arten sind
aus dem Neogen bekannt, in der heutigen Schöpfung gehört sie zu den
gemeinsten Arten und findet vielfach als Nahrungsmittel Verwendung. Der
Schulp liefert das os sepiae.
S. officinalis L. Gemein.
S. esculenta Hoyle (Fig. 565). Japanische Küste.
[Illustration: Fig. 566. Geoteuthis Bollensis Schübl. sp. Oberer Lias
(ε). Württemberg. Der vordere Theil der Schale ist nicht erhalten. m =
Mittellinie; d = Tintenbeutel; m’ = Mantelreste; h = Schalenstreifen
mit hyperbolen Linien; s = Seitenflügel.]
[Illustration: Fig. 567. Beloteuthis Schuebleri Qu. sp. Oberer Lias
(ε). Württemberg. Der Mittelkiel sowie die abgesetzten Seitenflügel
sichtbar.]
B. Chondrophora.
Die stärker reducirten Schalen der Chondrophora lassen die einzelnen
Theile der Phragmophorenschale z. Th. nicht mehr deutlich erkennen.
Eine keulenförmige Scheide ist nicht mehr vorhanden, vielmehr die
ganze Schale zu einem Blatte platt gedrückt, welches gar keine oder
nur unvollkommene Verkalkungen aufweist. Nicht selten betheiligt sich
phosphorsaurer Kalk an der Bildung derselben. Tintenbeutel (Fig. 566
d), Reste des schwach verkalkten Mantels (Fig. 566 m’) und Abdrücke des
Weichkörpers werden nicht selten mit den Schulpen zusammen gefunden.
Als Beispiele dieser fossil im Allgemeinen seltenen, aber in gewissen
Schichten des Jura (Posidonienschiefer, Solenhofener Kalk) häufig sich
findenden Abtheilung mögen erwähnt werden:
Geoteuthis Mnstr. (Fig. 566). Schale aus abwechselnden Lagen horniger
und kalkiger (Kalkphosphat) Substanz bestehend. Zwei nach hinten
convergirende Streifen mit hyperbolarer Liniirung (h) schliessen ein
dreieckiges Rückenfeld ein, auf welchem meist Tintenbeutel (d), dessen
gagatähnliche Masse noch als Tusche benutzt werden kann, und Reste
des verkalkten Mantels (m’) angetroffen werden. Eine Mittellinie (m)
durchzieht das Rückenfeld der Länge nach. Die Seitenflügel (s) zeichnen
sich durch eine nach abwärts laufende Streifung aus. Im Lias von
England und Süddeutschland nicht selten.
G. Bollensis Schübl. sp. (Fig. 566). Oberer Lias
(Posidonienschiefer). Württemberg.
Beloteuthis Mnstr. (Fig. 567). Die dünne, grösstentheils hornige,
nur wenig (phosphorsauren) Kalk enthaltende Schale ist pfeilförmig,
nach vorn zugespitzt, hinten blattförmig verbreitet. Ein Mittelkiel
durchzieht das deutlich abgegrenzte Mittelschild. Oberer Lias.
Süddeutschland.
B. Schuebleri Qu. sp. (Fig. 567). Oberer Lias (ε). Württemberg.
Etwa 8 weitere Gattungen sind aus Jura und Kreide bekannt. Die lebenden
Repräsentanten sind sehr zahlreich.
Geologische Verbreitung und Stammesgeschichte der Belemnoidea.
Der phragmophore Zweig dieser Ordnung ist in hinreichender
Vollständigkeit überliefert, um die allmähliche Umwandlung der
ursprünglich ammonoiden Schale (mit Embryonalblase und fadenförmigem,
bauchständigem Sipho) in eine innere, schulpförmige verfolgen zu
können. Die Aulacoceratinae stehen durch die weite Entfernung der Septa
und die schwach angedeutete Zurückdrängung der ventralen Schalenwand
als vermittelnde Gruppe da. Das Thier der jüngeren Belemniten war
jedenfalls schon weiter aus der Schale herausgetreten und hatte
dieselbe vom Bauche aus gegen den Rücken zu theilweise oder ganz
umwachsen. Die damit verbundene Reduction der eigentlichen Schale war
bei den Belemnoteuthinae am raschesten vor sich gegangen (schon in
der Trias); an sie dürfte sich deshalb die Mehrzahl der Chondrophora
anschliessen. Langsamer und in zweifacher Weise verkümmerte die Schale
bei den jüngeren Nachkommen der Belemniten. Die Sepiinae haben alle
Theile der Belemnitenschale, besonders das Proostracum beibehalten,
die Spirulinae dagegen erlangten den höchsten Grad der Beweglichkeit
durch vollständige Verdrängung desselben; ihre Schale wird nur noch
hinter dem Eingeweidesack erzeugt und ragt aus dem gespaltenen Mantel
heraus. Welches im einzelnen Falle die älteren Vorläufer der heutigen
Chondrophoren waren, ist noch nicht ermittelt. Die Tendenz der
gesammten Entwickelung des Belemniten-Stammes geht nach freier Bewegung
des Thieres. Dieser Vorgang vollzieht sich auf die Weise, dass das
Thier auf der Bauchseite aus der Schale heraustritt und mit dem Mantel
dieselbe umwächst. Die 2 überzähligen, im Embryo am Rücken entstehenden
und sich erst später zwischen die anderen einschiebenden (Fang-)
Arme, welche zur Bezeichnung Decapoda Veranlassung gegeben haben,
dürften naturgemäss als durch die Umwachsung der Schale hervorgerufene
Auswüchse des Mantels zu deuten sein. Wie die terrestrischen
Nacktschnecken als die höchstorganisirten Typen der Klasse angesehen
werden müssen, so stehen auch die Belemnoidea, welche auf die gleiche
Weise sich von der äusseren Schale befreit, als die vollkommensten
Cephalopoden da.
VIII. Kreis: Arthropoda (Gliederthiere).
Die Arthropoden sind seitlich symmetrische, quergegliederte
(segmentirte) Thiere mit gegliederten, verschiedenen Functionen
angepassten Gliedmaassen, mit Gehirn und Bauchmark.
Der Körper zerfällt der Länge nach in eine geringere oder grössere
Zahl von Gliedern oder Segmenten, deren jedes ein Paar gegliederter
Anhänge auf der Bauchseite tragen kann. Meist gruppiren sich eine
Anzahl von Segmenten (sammt den dazugehörigen Anhängen) zu functionell
geschiedenen Leibesabschnitten zusammen, wobei innerhalb eines
solchen Abschnittes vielfach eine Verschmelzung der Segmente und eine
Reduction der Anhänge eintritt. Oft lassen sich 3 Leibesabschnitte
als Vorderleib oder Kopf, Mittelleib oder Thorax und Hinterleib oder
Abdomen unterscheiden; häufig verschmilzt der Mittelleib ganz oder z.
Th. mit dem Vorderleibe zu einem einzigen Abschnitte, der Kopfbrust
(oder Cephalothorax), in welchem Falle der gesammte Körper nur aus 2
Abschnitten zu bestehen scheint. Die Anhänge des Kopfes sind zumeist
zu Fühl- (Antennen) und Fresswerkzeugen (Maxillen und Mandibeln)
umgestaltet, diejenigen des Mittel- und Hinterleibes dienen zur
Fortbewegung (Gangbeine) oder zur Athmung oder auch wohl zur Copulation
bez. zur Brutpflege.
Das Nervensystem lässt fast durchgängig eine ähnliche Segmentirung
erkennen, wie der Körper. Die Augen sind entweder einfach, punktförmig
(Stemmata oder Punktaugen), oder sie setzen sich aus einer Anzahl
von Kegeln zusammen (zusammengesetzte Augen), welche der Oberfläche
des Organs ein facettirtes Aussehen verleihen. Die zellige Epidermis
sondert eine (selten) weiche oder feste, aber biegsame (chitinöse), bei
Wasserbewohnern durch Aufnahme von kohlensaurem und phosphorsaurem Kalk
starr werdende Lage als Hautskelet ab.
Die Gliederthiere waren ursprünglich wohl alle Wasserbewohner mit
Kiemenathmung. Die Mehrzahl der fossil bekannten und lebenden Formen
ist dem Aufenthalte in der Luft und damit der Athmung durch Luftröhren
(Tracheen) oder Luftsäcke angepasst.
Man unterscheidet folgende Klassen der Gliederthiere:
I. Klasse: Crustacea (Krebsthiere). Fast ausnahmslos durch Kiemen
athmende Wasserbewohner. 0-2 Fühlerpaare am Kopfe, zahlreiche Beinpaare
am Mittelleibe, meist auch am Hinterleibe. Sehr häufig ein fester
Panzer vorhanden. Cambrium-Gegenwart.
II. Klasse: Arachnoidea (Spinnenthiere). Luftathmende Thiere mit
verschmolzenem Vorder- und Mittelleibe. Fühler fehlen; 4 Beinpaare;
Hinterleib ohne Anhänge. Silur-Gegenwart.
III. Klasse: Myriapoda (Tausendfüssler). Luftathmende Thiere mit
gesondertem Kopfe und sehr zahlreichen, gleichartigen Leibessegmenten
und Anhängen. Devon-Gegenwart.
IV. Klasse: Hexapoda (= Insecta, Insecten). Luftathmende Thiere mit
2 Fühlern am Kopfe; mit 3 Beinpaaren am dreigliedrigen Mittelleibe.
Hinterleib 9- oder 10 gliedrig, ohne Anhänge. Silur-Gegenwart.
1. Klasse: Crustacea (Krebsthiere).
Litteratur über Crustacea.
Gerstaecker, A., in Bronn’s Klassen u. Ordnungen des Thierreichs.
Bd. V. Gliederthiere. I. Crustacea; 1. Hälfte (Cirripedia, Copepoda,
Branchiopoda, Poecilopoda, Trilobitae). Leipzig 1866-1879. 2. Hälfte,
noch nicht vollendet (Isopoda, Amphipoda). 1881-1884.
Milne-Edwards, H. Histoire naturelle des Crustacés. 3 vol. Paris
1834-1840.
Da die Krebsthiere mit wenigen Ausnahmen Wasserbewohner sind,
athmen sie durchgängig mit Hülfe von Kiemen, welche Anhänge an den
Gliedmaassen des Hinter- oder Mittelleibes bilden oder im Inneren der
Kopfbrust liegen. Die Segmentirung des Körpers ist fast immer sehr
deutlich und die Anzahl der Segmente und ihrer Anhänge in der Regel
sehr beträchtlich, namentlich im Vergleich mit der geringen Zahl
der Gliedmaassen bei den Arachnoidea und Hexapoda. Die Gesammtform
des Körpers und seine Zertheilung in äusserlich erkennbare Regionen
unterliegt beträchtlichen Schwankungen in den einzelnen Ordnungen,
zumal bei Formen ohne Fortbewegungsvermögen. Der sehr häufig
entwickelte, chitinöse oder kalkige Panzer wiederholt häufig die
Segmentirung des Leibes in mehr oder weniger vollständiger Weise, oft
bildet er aber nur eine einfache oder in der Mittelebene getheilte
Platte, welche das ganze Thier oder den Vorder- und -- theilweise oder
ganz -- den Mittelleib bedeckt (Cephalothorax). Ein Theil der heut
zu Tage lebenden Krebsthiere durchläuft ein Entwickelungsstadium,
in welchem der fast immer unsegmentirte, schalenlose Körper 3 Paare
von langen Anhängen besitzt, die späteren Antennen und Mandibeln --
Nauplius-Stadium (Fig. 568). Die höher organisirten Formen dagegen
verlassen das Ei in der Form einer Larve, die als Zooea (Fig. 569)
bezeichnet wird. Dieses Stadium zeichnet sich durch den Besitz eines
meist gedornten, seitlich zusammengedrückten Cephalothoraxschildes,
einer grösseren Anzahl (7) vorderer Anhangspaare und eines
gegliederten, aber anhangslosen Abdomens aus, während die 6 letzten
Brustsegmente des Mittelleibes noch nicht geschieden sind. Eine dritte
Art des Larvenstadiums (Trilobiten-Stadium) wird nur selten beobachtet
(Fig. 570). Die Larve ist plattgedrückt, zeigt eine Dreitheilung der
Länge nach und besitzt sowohl an dem ungegliederten Kopfbrustschilde
als auch an dem segmentirten Abdomen Anhänge, die kaum oder gar nicht
seitlich über den Körper hinausragen.
[Illustration: Fig. 568. Nauplius-Larve von Balanus von der
Seite gesehen. A’ = erste Gliedmaasse (erste Antenne); A" =
zweite Gliedmaasse (zweite Antenne); Mdf = dritte Gliedmaasse
(Mandibularfuss); Ob = Oberlippe; D = Darm.]
[Illustration: Fig. 569. Zooea-Larve einer Krabbe (Thia) nach der
ersten Häutung. A’ = erste, A" = zweite Antenne; Kf’ = erster, Kf" =
zweiter Kieferfuss; ZS = Rückenstachel.]
[Illustration: Fig. 570. Trilobiten-Stadium der Larve von Limulus;
Ansicht vom Rücken. gl = Mitteltheil des Cephalothorax (Glabella); sp
= Mitteltheil des Abdomens (Spindel); pl = Seitentheile (Pleuren) des
Abdomens; a = Auge; o = Mittelaugen.]
Wegen der Festigkeit des chitinösen oder kalkigen Hautskelets und der
Lebensweise der Crustacea sind fossile Reste derselben namentlich
in den ältesten Formationen recht häufig. Der Panzer giebt zumeist
nicht die Gliederung des Körpers vollständig wieder, vielmehr ist ein
einfaches oder in der Mittellinie getheiltes Rückenschild, welches die
Segmente des Vorder- und Mittelleibes, zuweilen auch diejenigen des
Hinterleibes vollständig einhüllt, recht häufig vorhanden.
Mit Einschluss der ausgestorbenen Gruppen theilen wir die Crustacea in
folgende Ordnungen und Unterordnungen ein:
A. Palaeostraca. Mässig grosse bis sehr grosse, platte Thiere mit
widerstandsfähigem, stets segmentirtem, dreigliedrigem Panzer, der
meist auch der Länge nach dreitheilig ist. Zahl der Segmente grossen
Schwankungen unterworfen. Augen stets unbeweglich. Vor dem Munde 0-1
Anhangspaar (Antennen).
1. Trilobitae. Panzer der Länge und Quere nach dreitheilig. Anhänge
an allen Leibesregionen, kurz, nicht über die Seiten des Panzers
hinausreichend. Die letzten Segmente nicht beweglich, zu einem
(meist segmentirten) Schwanzschilde verschmolzen. Vor dem Munde
gelegene Anhänge (Antennen) fehlen.
Cambrium -- Carbon.
2. Xiphosura. Panzer der Länge und Quere nach dreitheilig. Anhänge
kurz, nicht über die Seiten des Panzers hinausreichend. Die letzten
Segmente zu einem beweglichen, anhangslosen Schwanzstachel
verschmolzen. Ein kleines präorales Antennenpaar bei den lebenden
Formen.
Silur -- Gegenwart.
3. Gigantostraca. Panzer langgestreckt; Kopfschild relativ klein;
Mittelleib aus 6 beweglichen, mit Kiemenanhängen versehenen
Segmenten, Hinterleib aus 6 anhangslosen Segmenten und einem
Endgliede bestehend. Längstheilung fehlt. Anhänge über den Körper
hinausreichend. Ein kleines präorales Antennenpaar.
Silur -- Carbon.
B. Euostraca. Kleine bis grosse, platte oder seitlich zusammengedrückte
Thiere, mit segmentirtem Körper. Zahl der Segmente und Fusspaare
zumeist constant (20). 2 präorale Fühlerpaare vorhanden. Panzer oft
nur ein ungegliedertes Kopfbruststück oder den ganzen Körper
bedeckend, zuweilen ganz fehlend. Meist Zooea-, seltener Nauplius-
Entwickelung.
4. Phyllopoda. Panzer dünnschalig, als ein einfaches oder in der
Mitte getheiltes Schild entwickelt, oder fehlend. Körper meist
gegliedert, mit wechselnder Segmentzahl. 4 oder mehr Paare von
blattförmigen Schwimmfüssen. Nauplius-Entwickelung.
Carbon -- Gegenwart.
5. Leptostraca. Panzer dünnschalig, aus einem zweiklappigen (selten
einfachen) Kopfbruststücke und meist einem unpaaren vorderen Stücke
(Rostrum) bestehend. Hinterleib segmentirt, unbeschalt; letztes
Segment stachelig zertheilt. Zahl der Segmente 22. Zooea-
Entwickelung.
Silur -- Gegenwart.
6. Malacostraca. Panzer fehlend oder quergegliedert. Meist ein
Cephalothorax vorhanden. Zahl der Segmente constant 20 (Kopf und
Brust 13, Hinterleib 6 + 1). Zooea-Entwickelung.
Devon -- Gegenwart.
C. Entomostraca. Z. Th. kleine Thiere von niedriger Organisation. Körper
oft ungegliedert oder Zahl der Segmente wechselnd. Panzer undeutlich
dreitheilig, das ganze Thier einschliessend, zweiklappig oder aus
zahlreichen, unregelmässig angeordneten Platten zusammengesetzt oder
ganz fehlend. Nauplius-Entwickelung.
7. Ostracoda. Der kleine, seitlich zusammengedrückte Körper ist ganz
von einem in der Mittelebene articulirenden, zweiklappigen Panzer
eingeschlossen (Muschelkrebse).
Cambrium -- Gegenwart.
8. Cirripedia. Festsitzende, häufig nur undeutlich gegliederte Thiere
mit meist 6 Paaren von Rankenfüssen. Ein lederartiger, chitinöser
Mantel umgiebt das Thier; derselbe enthält häufig eine geringere
oder grössere Anzahl von polygonalen Kalkstücken, die in mehreren
Längsreihen angeordnet sind.
Silur -- Gegenwart.
9. Copepoda. Meist schmarotzende, schalenlose oder häufig deutlich
segmentirte Thiere. Fossil unbekannt.
Mit Ausnahme der Copepoden kennt man alle Ordnungen im fossilen
Zustande und zwar zumeist schon seit der Silurzeit. Für die
Paläontologie und Geologie sind nur die Palaeostraca und unter diesen
besonders die Trilobiten, ferner die schalentragenden Malacostraca und
die Ostracoda von erheblicher Bedeutung.
A. Palaeostraca.
Unter diesem Namen fassen wir eine Anzahl vorwiegend paläozoischer,
aber auch noch lebend in einer Gattung vertretener Formen zusammen, die
sich von den übrigen Crustacea durch gewisse, z. Th. alterthümliche
Merkmale unterscheiden. Der Körper und der ihm nicht nur auf
der Oberseite, sondern z. Th. oder ganz auch auf der Unterseite
umschliessende Panzer zeigt eine wechselnde, aber stets deutliche
Segmentation und es heben sich 3 Leibesregionen von einander ab. Die
Anhänge sind häufig nur sehr wenig differenziert und meist kurz; in der
Regel sind nur Gehfüsse, zuweilen aber auch Schwimmfüsse entwickelt.
Der Panzer bildet auf der Unterseite des Kopfes vorn fast ausnahmslos
einen Umschlag, hinter welchem der Mund liegt. Niemals liegt mehr
als ein Paar von Anhängen vor dem Munde (Antennen). Soweit wir über
die embryologische Entwickelung unterrichtet sind, verläuft dieselbe
nicht durch ein Nauplius oder Zooea-Stadium, wie bei den übrigen
Crustacea, sondern es besitzt die Larve einen 1- oder 2gliedrigen,
mit zahlreichen, kurzen Anhängen versehenen Rückenpanzer, von dem
sich später die übrigen Segmente abgliedern (Trilobiten-Stadium). Die
älteste und gleichzeitig wichtigste Abtheilung sind die
1. Unterordnung Trilobitae.
Litteratur über Trilobitae.
Angelin, N. P. Palaeontologia Scandinavica. 1. Crustacea formationis
transitionis. Lund 1853-54. 4⁰ mit 46 Tafeln. 2. Ausgabe: Trilobitae,
mit 42 Tafeln. Stockholm 1878.
Barrande, J. Système silurien du centre de la Bohème. Vol. I. Prag
1852. Supplem. 1874.
Beyrich, E. Ueber einige böhmische Trilobiten. Berlin 1845.
Untersuchungen über Trilobiten. 2. Stück. Berlin 1846.
Brögger, W. C. Die silurischen Etagen 2 u. 3 im Christiania-Gebiet.
Christiania 1882.
Burmeister, H. Die Organisation der Trilobiten. Berlin 1843.
Hall, J. Palaeontology of New-York. Vol. I. II. Albany 1847-1852.
Salter, J. W., and H. Woodward. A Monograph of British Trilobites.
Palaeont. Society 1867-84.
Schmidt, Fr. und Holm, G. Revision der ostbaltischen silurischen
Trilobiten. I. Phacopiden, Cheiruriden und Encrinuriden. Mém.
de l’acad. imp. de St. Pétersbourg. 1881 sér. VII. Tome 30. II.
Acidaspiden und Lichiden. ibid. 1885 sér. III. Tome 33. III.
Illaeniden. ibid. 1886 sér. III. Tome 33.
Walcott, C. D. The Trilobite. New and old evidence relating to its
organisation. Mus. Compar. Zoology 1881. Vol. VIII No. 10.
Der fast allein bekannte Panzer der Trilobiten bedeckt den Rücken und
als Umschlag den randlichen Theil der Bauchseite des Thieres. Die
aus parallelen Lagen von kohlen- und phosphorsaurem Kalk mit Chitin
bestehende Schale besitzt stets nur geringe Dicke.
[Illustration: Fig. 571. Eine vollständige Trilobitenschale gegen die
Rückenseite gesehen (Calymene Blumenbachi Bgt. Obersilur. England). k =
Kopfschild; r = Rumpf; s = Schwanzschild; gl = Glabella; wa = Wangen;
w = sog. beweglicher (innerer), w’ = sog. unbeweglicher (äusserer)
Theil derselben; n = Gesichtsnaht; l = Randsaum; a = Auge; st = Stirn;
sf = Seitenfurchen; nf = Nackenfurche; of = Occipitalfurche; nr =
Nackenring; or = Occipitalring; rf = Rückenfurche; rf’ = Randfurche; sp
= Spindel; pl = Pleuren; a, ax = Achse; s’, sl = Seitenlappen; 1-13 =
die 13 Rumpfsegmente.]
Vom Rücken her betrachtet (Fig. 571) zerfällt die Schale der Länge nach
in 3 deutlich gesonderte Regionen: 1) das Kopfschild (k), 2) den Rumpf
oder Thorax (r) und 3) das Schwanzschild oder Pygidium (s). Zwei, der
Längsachse der Schale parallel laufende Rückenfurchen (rf) sondern
eine mittlere (axiale -- a) Partie von den beiden seitlichen (s’). Auf
dem Kopfschilde heisst der mittlere Theil Glabella (gl), die beiden
seitlichen werden Wangen (Genae -- wa) genannt. Der Rumpf zerfällt in
die Spindel (sp) und die Seitentheile (oder Pleuren -- pl), während
die Fortsetzung der Spindel auf dem Schwanzschilde als Achse (ax),
die seitlichen Theile als Seitenlappen (sl) bezeichnet werden. Nur
die Segmente des Rumpfes sind stets scharf von einander getrennt und
konnten gegen einander bewegt werden, während die oft nur undeutlich
oder gar nicht geschiedenen Segmente des Kopf- und Schwanzschildes fest
mit einander verbunden waren.
[Illustration: Fig. 572. Paradoxides Bohemicus Barr. Cambrium. Böhmen.
A Schale gegen die Rückenseite gesehen. st = Wangenstachel; sp’ =
Spitzen der Pleuren; f = Furchen derselben. B Stirn von der Unterseite.
l = Stirnumschlag; hy = Hypostom. Die übrigen Bezeichnungen wie in Fig.
571.]
Das Kopfschild (Fig. 571 k) besitzt einen gebogenen Vorder- oder
Aussenrand und einen geraden Hinterrand; an letzteren schliesst
sich der Rumpf an. In der Regel ist die Glabella (gl) durch tiefe
Rückenfurchen (rf) von den Wangen (wa) abgesetzt; zuweilen aber
eine solche Trennung kaum angedeutet (Fig. 586). Ebenso fehlt eine
Segmentirung zuweilen vollständig (Fig. 586), häufiger trennt eine dem
Hinterrande parallele Nackenfurche (Fig. 571 -- nf) auf der Glabella
einen Nackenring (nr), ihre seitliche Fortsetzung auf den Wangen
als Occipitalfurche (of) einen Occipitalring (or) ab. Im weiteren,
dem Aussenrande parallelen Verlaufe führt die Furche den Namen
Randfurche (rf’) und der durch sie von den Wangen und der Glabella
abgetheilte, flache oder wulstige Randsaum heisst Limbus (l). Während
eine eigentliche Segmentirung den Wangen abgeht, wird die Glabella
häufig durch 1-4 quere Furchen -- Seitenfurchen (sf) --, die sich
gegen aussen meist stark vertiefen, in Lappen zerlegt. Der vorderste,
vor der ersten Seitenfurche gelegene Theil der Glabella wird als
Stirn (st) bezeichnet. Nur selten besteht das Kopfschild aus einem
einzigen Stück; in der Regel verläuft jederseits über die Wangen eine
Naht -- Gesichtsnaht (n) --, welche vielleicht eine jedenfalls ganz
unbedeutende Beweglichkeit des äusseren Wangentheils (w’) gegen den
inneren (w) ermöglichte. Bei der Fossilisation hat sich wenigstens
nicht selten der äussere Theil für sich abgelöst. Die hinteren
Ecken der Wangen verlängern sich nicht selten zu Wangenstacheln
(Fig. 572 st). Die Gesichtsnaht (n) beginnt jederseits entweder am
Hinterrande (Fig. 572) oder an den Hinterecken (Fig. 571) oder am
Aussenrande des Kopfschildes (Fig. 588), umfasst im bogigen Verlaufe
die (selten fehlenden) Augen (a) und läuft gegen den Vorderrand zu.
Die beiden Aeste vereinigen sich entweder schon auf der Oberseite,
indem sie die Glabella umkreisen (Fig. 584) oder sie überschreiten
getrennt den Vorderrand (Fig. 572) und vereinigen sich erst auf der
Unterseite am Hinterrande des Umschlags oder schon früher in einer
sog. Schnauzennaht (Fig. 574 sn). Durch die Gesichtsnähte zerfällt das
Kopfschild in ein sog. Mittelschild (Glabella + unbeweglicher Theil der
Wangen) und 2 seitliche, die Augen tragende Randschilder (beweglicher
Theil der Wangen).
Die Augen (a) fehlen zuweilen; sind sie ausgebildet, so liegen sie
hart an der Gesichtsnaht ausserhalb derselben. In der Regel besitzt
die Sehfläche (Fig. 573 sf) eine sichelförmige, nach den Seiten
convexe Gestalt und liegt auf oder an einem mehr oder minder hohen,
aus der Fläche des Randschildes oft steil emporsteigenden, zuweilen
stielartigen Augenwulste; der dem Augenwulste anliegende Theil des
Mittelschildes wölbt sich nicht selten, durch die Gesichtsnaht (B
n) von dem Augenwulste getrennt, als sog. Palpebralflügel (B pf)
empor; zwischen ihm und dem Auge (B sf) verläuft die Gesichtsnaht (B
n). Die Augen sind fast ausnahmslos zusammengesetzt, nur bei einer
Gattung -- Harpes -- treffen wir auf Augen, die aus 2 oder 3 einfachen
Höckern (Punktaugen) bestehen. Die Zahl der Linsen (Facetten) in den
zusammengesetzten Augen schwankt zwischen 14 und etwa 15,000. Meist
werden die Linsen von einer gemeinsamen glatten Hornhaut überzogen,
bei einer Gattung (Phacops -- Fig. 573 C, D) durchbrechen die Linsen
(l, l’) dieselbe (h), so dass die Oberfläche höckerig erscheint. Im
Allgemeinen zeigen die Augen die Tendenz, sich mit ihrer Sehfläche
geneigt zu der Oberfläche des Kopfschildes zu stellen, um ein
seitliches Sehen zu ermöglichen. Blinde Formen stehen sehenden oft
in allen andern Kennzeichen sehr nahe, tragen auch häufig noch einen
Augenwulst (Fig. 572 a).
[Illustration: Fig. 573. Phacops latifrons Br. Mitteldevon. Eifel.
A eine vollständig eingerollte Schale von der Seite gesehen. B-D
Auge von Phacops, B von der Seite. C vergrösserte Oberfläche. D
Querschnitt durch einige Linsen. s = Schwanzschild; gl = Glabella;
n = Gesichtsnaht; sf = Sehfläche (Auge); pf = Palpebralflügel; h =
Hornhaut; l’ = Linsen mit vollständig erhaltener, l = mit abgewitterter
Oberfläche.]
[Illustration: Fig. 574. Calymene tuberculosa Salt. Obersilur.
England. Eingerollte Schale von vorn gesehen, mit dem Hypostom (hy)
in natürlicher Lage; dasselbe ist durch die Hypostomalnaht von
dem Schnauzenschilde (ss) des Umschlages getrennt. Die Aeste der
Gesichtsnaht (n) werden durch eine Schnauzennaht (sn) vereinigt. Die
übrigen Bezeichnungen wie in Fig. 571.]
Der Rumpf setzt sich stets aus einer geringeren oder grösseren
Anzahl untereinander beweglicher Segmente zusammen, welche durch die
Rückenfurchen (Fig. 571 rf) in 3 fest mit einander verbundene Theile,
den Spindelring (sp) und die beiden Seitentheile oder Pleuren (pl)
zerlegt werden. Der Vorderrand des Spindelrings ist mit einem breiten,
gerundeten Fortsatze versehen, welcher sich im ausgestreckten Zustande
unter den vorhergehenden Spindelring schiebt. Beim Einrollen der Schale
gleitet der Spindelring auf der Gleitfläche des vorhergehenden. An der
Unterseite befindet sich (? immer) auf der Grenze zwischen Spindelring
und Pleuren jederseits ein Gelenkknopf am Hinterrande und eine
Gelenkpfanne am Vorderrande des Segmentes, welche die Articulation der
Segmente vermitteln. Die Pleuren verschmälern sich häufig nach aussen
und biegen nach rückwärts; ihre Oberfläche ist selten eben (Fig. 586),
meist wird sie von einer schräg nach hinten laufenden Furche (Fig. 572
f) durchzogen, weniger häufig findet sich statt ihrer eine Leiste oder
ein Wulst (Fig. 589). Ihre Enden laufen nicht selten in Spitzen aus
(Fig. 572 sp’).
Die Segmente des Schwanzschildes sind unbeweglich mit einander
verwachsen, ja häufig gar nicht mehr erkennbar (Fig. 586), in welchem
Falle das Schwanzschild vom Rumpfe scharf abgesetzt erscheint. Oft
tritt die Segmentirung nur auf der Achse deutlich hervor (Fig. 585
ax), während sie auf den Seitenlappen (sl) nur durch Streifen oder gar
nicht angedeutet ist. Die Zahl der Segmente, aus deren Verschmelzung
das Schwanzschild entstanden ist, schwankt zwischen 2 und 28. Die Achse
reicht bald bis ans Ende des Pygidiums (Fig. 581), bald erscheint
sie stark reducirt (Fig. 591); dazwischen finden sich alle möglichen
Uebergänge.
Die Unterseite lässt bei guter Erhaltung stets einen Umschlag der
Schale erkennen, der am Kopf- und Schwanzschilde zuweilen eine
beträchtliche Breite erreicht. Der Umschlag des Mittelschildes (Fig.
574 ss) wird bisweilen durch 2 quere Verbindungsnähte, welche von
der Schnauzennaht (sn) nach dem Rande des Umschlages verlaufen, von
dem Umschlage der Randschilder getrennt; oft findet sich nur eine
unpaare, mediane Verbindungsnaht. Sehr häufig ist an den Hinterrand
des Stirnumschlages, aber von demselben durch eine Naht getrennt, ein
Oberlippenstück oder Hypostom (hy) befestigt, eine im Allgemeinen
convexe, aber in sehr verschiedener Weise mit Furchen, Vertiefungen,
Höckern oder einer hinteren Ausbuchtung versehene, am Hinterrande und
an den Seiten freie Platte, welche vielleicht einer geringen Bewegung
fähig war. Erst hinter derselben lag der Mund.
Die Anhänge der Bauchseite der Trilobiten sind bisher nur unvollständig
bekannt geworden. Jedenfalls war die Bauchseite, soweit sie nicht vom
Umschlage des Rückenschildes und vom Hypostom bedeckt wurde, von einer
weichhäutigen, fossil nicht erhaltbaren Membran bekleidet. Die paarigen
Anhänge inserirten unterhalb der Rückenfurche zu beiden Seiten einer
mittleren Reihe von schmalen, unter der Spindel und Achse gelegenen
Bauchplatten (Fig. 575 b). Unter dem Kopfschilde befanden sich hinter
dem Hypostom zu beiden Seiten des Mundes im Ganzen 4 Gliedmaassenpaare,
von denen das letzte (hinterste) wegen seiner bedeutenden Grösse als
Kieferfuss (Fig. 576 A kf) angesprochen wird. Sie dienten wohl z.
Th. als Kauorgane. Die Rumpfsegmente und bei manchen Gattungen auch
diejenigen des Schwanzschildes trugen ebenfalls gegliederte, aber in 2
Aeste gespaltene Anhänge (Fig. 575); der innere Ast (Endopodit -- em)
übertrifft den äusseren (Exopodit -- ex) an Länge und Zahl der Glieder.
Aussen an der Basis des Anhanges befinden sich spirale Bänder (sp), die
als Kiemen gedeutet werden.
[Illustration: Fig. 575. Querschnitt eines Trilobiten-Rumpfgliedes
(Calymene senaria Conr.) mit den vervollständigten Anhängen. r =
Rücken-, b = Bauchseite; i = Verdauungscanal; em = Endopodit; ex =
Exopodit; sp = spirale Anhänge zwischen letzteren und der Schale.]
[Illustration: Fig. 576. Mittlerer Längsschnitt durch eine eingerollte
Trilobitenschale (Calymene senaria Conr.). k = Kopfschild; r = Rumpf; s
= Schwanzschild; hy = Hypostom; kf = Kieferfuss; b = Bauchseite.]
Die Eigenthümlichkeiten der Organisation der Trilobiten dürften
sich, soweit sie bisher ermittelt werden konnten, folgendermaassen
zusammenfassen lassen:
Die Zahl der Segmente, welche zur Rumpf- und Schwanzregion
zusammentreten, unterliegt grossen Schwankungen. Die Segmentation des
Kopfschildes ist häufig durch die Nackenfurche und die Querfurchen
der Glabella, eine seitliche Abgliederung des Augenlappens durch
die Gesichtsnaht angedeutet. Letztere bedingt meist einen Zerfall
des Kopfschildes in ein Mittelschild und 2 Randschilder. Der Mund
liegt auf der Unterseite weit rückwärts, hinter dem Schalenumschlage
und dem Hypostom (Fig. 576); der Oesophagus und Magen befanden sich
wahrscheinlich zwischen Glabella und Hypostom eingeschlossen. Wenige
(4), wohl nur unvollkommen zur Kauthätigkeit angepasste, kurze
Gliedmaassenpaare unter dem Kopfschilde; ausserdem zahlreiche, wenig
differenzirte, relativ kurze Anhänge (Gehfüsse am Rumpfe und z. Th.
jedenfalls auch am Schwanzschilde. Vor dem Munde gelegene Fühlwerkzeuge
(Antennen) fehlen. Augen fast ausnahmslos zusammengesetzt, unbeweglich,
nie am Rande des Kopfschildes gelegen. Körper häufig einrollbar. Im
Verlaufe der individuellen Entwickelung wird entweder das Kopfschild
allein oder gleichzeitig das Schwanzschild oder der Rumpf angelegt.
Nach und nach entstehen die fehlenden Theile durch Abgliederung neuer
Segmente. Die Zahl der Segmente im ausgewachsenen Zustande erweist sich
nur für kleine Formenkreise als constant. Die Grösse der Trilobiten
bewegt sich zwischen wenigen mm und fast 0,5 m.
Eine naturgemässe Classification, welche die genetische Entwickelung
des Stammes zum Ausdruck bringt, scheint z. Z. noch nicht durchführbar
zu sein. Nachstehende Tabelle möge dazu dienen, die Bestimmung der
wichtigsten Gattungen zu erleichtern.
|Zahl der | Fig.
| Brust- |
|segmente |
|=========+======
A. Gesichtsnaht fehlend oder undeutlich. | |
a. Schwanzschild dem Kopfschilde an Grösse und Verzierung | |
ähnlich. Agnostus. | 2 | 577
b. Schwanzschild kleiner und anders gestaltet als Kopfschild.| |
Trinucleus. | 5-6 | 578
B. Gesichtsnaht am Hinterrande beginnend. | |
a. Wangen nur seitlich von der Glabella gelegen. | |
α. Glabella und Pygidium glatt. Illaenus. |10 (9, 8)| 586
| |
β. Glabella mit Längsfurchen, Pygidium mit radialen, | |
von der kurzen Achse ausstrahlenden Furchen. | |
Lichas. | 9, 10 | --
b. Wangen die Glabella vorn umgebend. | |
α. Schwanzschild klein, mit wenigen, meist queren | |
Segmenten. Seitenlappen schmal. | |
1. Glabella ohne oder mit undeutlichen Seitenfurchen. | |
Olenus. | 12-15 | 579
2. Glabella mit deutlichen (2-4 Paar) Seitenfurchen. | |
Paradoxides. | 16-20 | 580
β. Schwanzschild gross, mit zahlreichen, meist | |
queren, oft undeutlichen Segmenten. | |
1. Glabella vorn verbreitert. Asaphus. | 8 | 585
2. Glabella vorn nicht verbreitert. | |
Proëtus, Phillipsia. | 8-10 | 590
γ. Schwanzschild gross, mit sehr kurzer Achse und | |
radial von derselben ausstrahlenden Furchen. | |
Bronteus. | 9-10 | 591
C. Gesichtsnaht dicht vor oder dicht hinter den Hinterecken | |
beginnend. | |
a. Spindel sehr breit, wenig scharf von den Pleuren | |
geschieden. Homalonotus. | 13 | 584
b. Spindel schmal, Rückenfurchen scharf. | |
α. Seitenfurchen der Glabella flach. Augenleiste | |
vorhanden. Conocephalus.| 14-15 | 581
β. Seitenfurchen der Glabella tief. Augenleisten | |
fehlend. Calymene. | 13 | 582
D. Gesichtsnaht am Aussenrande beginnend. | |
a. Pleuren einfach, gefurcht. Phacops. | 11 |{588
| |{587
b. Pleuren nur auf der inneren Hälfte gefurcht. | |
Cheirurus. |11(10,12)| 589
Agnostus Bgt. (Fig. 577). Panzer klein; Kopf- (k) und Schwanzschild
(s) nahezu gleich gross, halbkreisförmig oder elliptisch, fast
ausnahmslos mit schmalem Randsaum (l). Rumpf (r) zweigliedrig. Glabella
(gl) und Achse (ax) meist deutlich abgesetzt, häufig gegliedert. Die
beiden Wangentheile zuweilen durch eine Furche vor der Glabella (x)
getrennt. Pleuren gefurcht (f), Schwanzschild zuweilen mit einem Paar
Stachelanhänge (st). Gesichtsnaht und Augen fehlen. Zahlreiche Arten im
Cambrium (Skandinavien, England, Böhmen, Spanien, Nordamerika, China,
Argentinien), namentlich häufig und gesellig (B) in den Alaunschiefern
des Cambrium von Schonen; seltener im Untersilur. Als Diluvialgeschiebe
in Norddeutschland häufig.
A. pisiformis L. (Fig. 577). Cambrium. Skandinavien, ? England.
A. trisectus Salt. Cambrium. England, Skandinavien.
A. nudus Beyr. } Cambrium. Skandinavien, Böhmen.
A. Rex Barr. }
[Illustration: Fig. 577. Agnostus pisiformis L. Cambrium. Andrarum,
Schonen. A ein vollständiger Panzer. ²⁄₁. B Gesteinsstück mit isolirten
Kopf- und Schwanzschildern.]
[Illustration: Fig. 578. Trinucleus ornatus Stbg. sp. Untersilur (D).
Böhmen.]
[Illustration: Fig. 579. Olenus truncatus Brünn. Cambrium. Andrarum,
Schonen.
Bezeichnungen: k = Kopfschild; r = Rumpf; s = Schwanzschild; gl =
Glabella; w, w’ = Wangen; n = Gesichtsnaht; a = Augen; st = Stacheln
der Wangen oder des Pygidiums; sp = Spindel; pl = Pleuren; f = Furchen
derselben; ax = Achse; l = Randsaum; s’ = Löcher desselben.]
Trinucleus Lhwyd (Fig. 578). Kopfschild (k) höher und breiter als
Rumpf (r) und Schwanzschild (s), hinten gewöhnlich in lange Stacheln
(st) ausgezogen, an den Seiten und vorn von einem breiten, durchlochten
(s’) Saume (l) umgeben, welcher die Gesichtsnaht, wenn sie überhaupt
vorhanden, umkreist. Glabella und Wangen aufgeblasen, meist glatt;
Seitenfurchen oder Augenhöcker selten angedeutet. 6 Rumpfsegmente,
Achse das Ende des Schwanzschildes erreichend. Leitend für das
Untersilur in Europa, Nordamerika, China.
Tr. Goldfussi Barr. } Untersilur (D).
Tr. ornatus Stbg. sp. (Fig. 578). } Böhmen, Frankreich.
Olenus Dalm. (Fig. 579). Körper regelmässig dreitheilig. Kopfschild (k)
grösser als das Pygidium (s), aber kleiner als der aus 12-15 Segmenten
bestehende Rumpf (r). Gesichtsnähte (n) am Hinterrand beginnend, nach
vorn convergirend. Augen (a) halbmondförmig, durch eine Querleiste (x)
mit der eiförmigen, zuweilen undeutlich quergefurchten Glabella (gl)
verbunden. Ein schmaler Randsaum (l) und häufig Wangenstacheln (st)
vorhanden. Als Untergattungen werden abgeschieden:
Parabolina. Augen der Glabella nahegerückt.
Peltura. Augen nach vorn gerückt. Glabella bis dicht an den
Vorderrand reichend.
Häufig im Cambrium Europas (ausg. Böhmen), Nord- und Südamerikas;
bezeichnend für die obere Stufe der oberen Abtheilung (»Olenus-Stufe«).
O. truncatus Brünn (Fig. 579). Oberes Cambrium. Skandinavien.
O. (Parabolina) spinulosus Wahlb. sp. Oberes Cambrium. Skandinavien,
England.
O. (Peltura) scarabaeoides Wahlb. sp. (Leth. pal., t. 1, Fig. 5).
Oberes Cambrium. Skandinavien, England.
Paradoxides Brgt. (Fig. 580). Grosse, nach hinten stark verschmälerte
Formen mit halbkreisförmigem Kopfschild (k), langem, aus 16-25
Segmenten bestehendem Rumpfe (r) und kurzem Schwanzschilde (s).
Glabella vorn verbreitert, mit 2-4 Seitenfurchen (sf). Augenfläche
(a) gross. Gesichtsnähte (n) am Hinterrande beginnend, zu den Augen
convergirend, gegen den Aussenrand divergirend. Der dicke Randwulst
(l) in Wangenstacheln (st) verlängert. Pleuren schräg gefurcht (f), in
Spitzen (sp) auslaufend. Die breite Achse des schmalen, weniggliedrigen
Schwanzschildes erreicht das Ende desselben nicht. Hypostom (B hy)
klein, fünfseitig. Diese Gattung findet sich sehr häufig im Cambrium,
sie ist leitend für die unteren Schichten der oberen Abtheilung
desselben (»Paradoxides-Stufe«) in Europa und Nordamerika.
P. Bohemicus Barr. (Fig. 580). }
} Cambrium. Böhmen.
P. spinulosus Boeck. }
P. Tessini Brgt. }
} Cambrium. Skandinavien.
P. Forchhammeri Ang. }
P. rugulosus Cord. Cambrium. Skandinavien, Böhmen.
P. aurora Salt. Cambrium. Grossbritannien.
Conocephalus Zenk. (= Conocoryphe) (Fig. 581). Steht der Gattung Olenus
nahe, ist aber durch bedeutendere Grösse, Einrollungsvermögen und den
Verlauf der Gesichtsnaht (n) unterschieden, welche nahe den Hinterecken
beginnt. Glabella (gl) vorn verschmälert; Seitenfurchen nach rückwärts
gerichtet. Augen zuweilen durch eine Leiste (x) mit der Glabella
verbunden, häufig aber nach vorn und nahe an die Glabella gerückt; oft
fehlend. Zahlreiche Arten im Cambrium (über die ganze Erde verbreitet),
selten im Untersilur.
C. Sulzeri Schl. sp. Cambrium. Böhmen, Spanien.
C. striatus Emm. (Fig. 581). Cambrium. Böhmen (Paradoxides-Sch.).
[Illustration: Fig. 580. Paradoxides Bohemicus Barr. Cambrium. Böhmen.
A Schale von der Rückenseite. B Stirnumschlag (l) mit Hypostom (hy).]
[Illustration: Fig. 581. Conocephalus striatus Emm. Cambrium. Böhmen.
Bezeichnungen: k = Kopfschild; r = Rumpf; s = Schwanzschild; gl =
Glabella; sp = Spindel; sf = Seitenfurchen; nf = Nackenfurche; w, w’ =
Wangen; a = Augen; n = Gesichtsnaht; l = Randwulst; st = Wangenstachel;
f = Furchen, sp’ = Spitzen der Pleuren; x = Augenleiste.]
Ebenfalls häufig im Cambrium sind die verwandten Gattungen:
Ellipsocephalus Zenk. Glabella durch tiefe Rückenfurchen, welche
vorn winkelig zusammenlaufen, begrenzt. Gesichtsnähte fast parallel,
nahe dem Aussenrande verlaufend.
E. Hoffi Schl. sp. (Leth. pal., t. 1, Fig. 9). Böhmen
(Paradoxides-Sch.).
Sao Barr. Die eiförmige Glabella mit 3 tiefen Seitenfurchen und
einer mittleren Längsfurche, durch eine Leiste mit den sichelförmigen
Augen verbunden. Oberfläche gekörnelt. Einzige Art:
S. hirsuta Barr. (Leth. pal., t. 1, Fig. 8) im böhmischen Cambrium.
Calymene Brgt. (Fig. 582, 583). Meist langgestreckte, ovale Formen mit
breitem Kopfschild (k) und 13 Rumpfsegmenten (1-13). Gesichtsnähte (n)
an den nie gestachelten Hinterecken beginnend, nach den mittelgrossen
Augen (a) convergirend und von dort fast parallel über den Stirnrand
nach der Unterseite laufend, wo sie durch eine quere Schnauzennaht (sn)
vereinigt werden. Glabella mit deutlicher Nackenfurche und 3 kurzen
Querfurchenpaaren (sf), welche gerundete Seitenlappen abtrennen. Achse
(ax) sich langsam nach hinten verschmälernd. Schwanzschild (s) aus 6-11
Gliedern bestehend. Hypostom (hy) fast rechteckig, hinten ausgebuchtet.
Vereinzelt im Cambrium, häufig im Unter- und Obersilur, seltener im
Devon.
C. incerta Barr. Untersilur. Böhmen.
C. Tristani Brgt. Untersilur. Nordfrankreich, England.
C. senaria Conr. (Fig. 583 A). Untersilur. Nordamerika, England.
C. Blumenbachi Brgt. (Fig. 582). Selten im Unter-, sehr häufig im
Obersilur. Europa, Nordamerika, Australien. Vielleicht noch im Devon.
Als Diluvialgeschiebe in Norddeutschland.
C. tuberculosa Salt. (Fig. 583 B). Obersilur. England.
C. platys Green. Unterdevon. Nordamerika.
[Illustration: Fig. 582. Calymene Blumenbachi Brgt. Obersilur. Dudley.
England.]
[Illustration: Fig. 583. Calymene (eingerollt). A Längsschnitt in der
Richtung der Achse von C. senaria Conr. B C. tuberculosa Salt. mit dem
Hypostom (hy) in natürlicher Lage. Obersilur. England.
Bezeichnungen siehe Fig. 571, 573, 574.]
Homalonotus Koen. (Fig. 584). Von der vorigen Gattung
durch bedeutendere Grösse (-- 374 mm) und höhere Zahl der
Schwanzschildglieder (10-14) unterschieden. Pleuren (pl) nicht sehr
scharf von der breiteren Spindel (sp) geschieden. Kopfschild (k) mit
grosser, glatter oder schwach gefurchter Glabella (gl). Gesichtsnähte
(n) vor der Glabella spitzwinkelig zusammenstossend. Augen (a) klein.
Selten im Untersilur, häufig im Obersilur und Unterdevon, selten im
Mitteldevon (Europa, Amerika, Südafrika, Australien).
H. Brongniarti Desl. Untersilur. Nordfrankreich.
H. bisulcatus Salt. Untersilur. Grossbritannien.
H. delphinocephalus Green. (Fig. 584). Obersilur. Nordamerika,
Grossbritannien.
H. Knighti Koen. Obersilur. Grossbritannien, Skandinavien.
H. crassicauda Sdb. Unterdevon. Rheinisches Schiefergebirge.
H. scabrosus Koch. Unterdevon. Rheinisches Schiefergebirge.
H. Dekayi Green. (Leth. pal., t. 25, Fig. 8). Devon (Hamilton-Gr.).
Nordamerika.
H. obtusus Sdb. Mitteldevon (Wissenbacher Schiefer). Rheinisches
Schiefergebirge.
[Illustration: Fig. 584. Homalonotus delphinocephalus Green. Obersilur.
Dudley, England.
Bezeichnungen siehe Fig. 580, 581.]
Asaphus Brgt. (Fig. 585). Mässig grosse bis sehr grosse, breite und
platte Schalen mit meist grossem Kopf- (k) und etwa gleich grossem
Schwanzschilde (s). Rumpf (r) aus 8 Segmenten bestehend. Kopfschild
gerundet oder vorn und an den Hinterecken zugespitzt. Glabella (gl)
oft wenig scharf getrennt, vorn verbreitert, meist ohne Seitenfurche.
Augen (a) gross. Gesichtsnähte (n) am Hinterrand beginnend, nach den
Augen zu convergirend, dann auseinander weichend. Pleuren (pl) mit
schräg nach hinten gerichteter Furche (f). Die Gliederung des aus
zahlreichen Segmenten bestehenden Schwanzschildes oft nur auf der
Achse (ax), zuweilen auch dort nicht deutlich. Umschlag der Unterseite
breit. Oberflächenverzierung in der Form von Streifen (s’) oder Falten
und feinen Gruben. Hypostom mit tiefem Ausschnitt am Hinterrande.
Zahlreiche Untergattungen. Selten im Cambrium, sehr häufig im
Untersilur (Europa, Nordamerika).
A. tyrannus Murch. (Leth. pal., t. 7, Fig. 1). Untersilur. England.
A. gigas Dek. Untersilur. England, Nordamerika.
A. expansus L. sp. (Fig. 585). Leitfossil für die Orthoceren-
(»Expansus-«)Schichten in Skandinavien und den russischen
Ostseeprovinzen. Als Diluvialgeschiebe in Norddeutschland.
A. palpebrosus Ang. }
} Untersilur. Skandinavien, Ostseeprovinzen.
A. angustifrons Dalm. }
Nahe verwandte Gattungen:
Ogygia Brgt. Glabella mit 4 Paar kurzen Seitenfurchen. Spindel und
Achse relativ schmal. Schwanzschild aus zahlreichen, durch Rippen
deutlich bezeichneten Segmenten zusammengesetzt. Nur im Untersilur
Europas.
O. Buchi Brgt. (Leth. pal., t. 8, Fig. 6). Llandeilo flags.
Grossbritannien.
O. desiderata Barr. Untersilur. Böhmen.
Nileus Dalm. Glabella, Spindel und Achse sehr breit. Nur der Rumpf
deutlich segmentirt. Habituell der nächsten Gattung sehr ähnlich, aber
mit gefurchten Pleuren. Untersilur (Skandinavien, Russland).
N. armadillo Dalm. (Leth. pal., t. 8, Fig. 3).
[Illustration: Fig. 585. Asaphus expansus Lin. sp. Untersilur.
Christiania.]
[Illustration: Fig. 586. A Illaenus angustifrons Holm. Untersilurisches
Diluvialgeschiebe. Sadewitz, Schlesien. B Ill. (Bumastes) insignis
Hall. Obersilur. England. Die eingerollte Schale hat nur 9
Rumpfsegmente.
Bezeichnungen: k = Kopfschild; r = Rumpf; s =
Schwanzschild; gl = Glabella; a = Augen; n = Gesichtsnaht; pf =
Palpebralflügel; sp = Spindel; pl = Pleuren; f = Furche derselben; ax =
Achse; sl = Seitenlappen; s’ = Streifung auf dem Steinkern.]
Illaenus Dalm. (Fig. 586). Grosse Schalen mit breitem,
halbkreisförmigem, glattem Kopf- (k) und Schwanzschilde (s), auf
welchen die Seitenfurchen nur schwach angedeutet oder fehlend. Augen
(a) zur Seite gerückt. Gesichtsnaht vor denselben den Vorderrand
überschreitend. Spindel breit. 10 oder 9, seltener 8 Rumpfsegmente mit
glatten Pleuren (pl). Oberfläche mit Streifen und Punkten verziert.
Hypostom mit gerundetem Hinterrande. Selten im Cambrium, häufig im
Untersilur, weniger häufig im Obersilur (Europa, Nordamerika).
I. Bowmanni Salt. Untersilur. England.
I. angustifrons Holm. (Fig. 586 A). }
I. Roemeri Volb. } Untersilur. Skandinavien,
I. crassicauda Dalm. } Russland.
I. Katzeri Barr. }
} Untersilur. Böhmen.
I. Panderi Barr. }
Spindel viel breiter als die Pleuren. Achse fehlt. Augen dem
Aussenrande nahe -- Bumastes.
I. (Bum.) Barriensis Murch. Obersilur. England, Skandinavien,
Nordamerika.
I. (Bum.) insignis Hall. (Fig. 586 B). Obersilur. Nordamerika,
Grossbritannien.
Phacops Emmr. (Fig. 587, 588). Der regelmässig dreilappige Körper
besitzt stets 11 Rumpfsegmente und eine wechselnde, aber im Allgemeinen
erhebliche Zahl von Schwanzsegmenten. Oberfläche häufig gekörnelt.
Glabella (gl) meist deutlich von den Wangen getrennt, vorn verbreitert,
mit einer wechselnden Zahl von Seitenfurchen (sf). Gesichtsnähte (n) am
Seitenrand beginnend, vor der Glabella sich bogenförmig vereinigend.
Augen gross, höckerig (Fig. 587 B); Linsen (l) die Hornhaut (h)
durchbrechend. Pleuren mit gebogener Furche. Schwanzschild gerundet,
in einen Stachel (st) ausgezogen oder gekerbt; die letzten Furchen der
Seitenlappen fast parallel der Achse gestellt. Mehrere Untergattungen,
wie Chasmops, Dalmania, Cryphaeus etc. Untersilur -- Oberdevon.
Zahlreiche Arten über die ganze Erde verbreitet.
Ph. (Dalm.) socialis Barr. Untersilur. Böhmen.
Ph. (Chasm.) macrura Ang. Leitend für den untersilurischen
Backstein- oder Chasmops-Kalk. Häufig als Diluvialgeschiebe in
Norddeutschland.
Ph. (Chasm.) conicophthalmus S. & B. sp. Untersilur. Skandinavien
(Diluvialgeschiebe).
Ph. fecundus Barr. Obersilur und Unterdevon. Europa, Australien.
Ph. (Dalm.) caudatus Brünn sp. (Fig. 588). Obersilur. Europa,
Nordamerika, Australien.
Ph. (Dalm.) Hausmanni Brgt. Devon (Silur G.) Böhmen.
Ph. (Cryph.) stellifer Burm. Unter- und Mitteldevon. Europa.
Ph. (Cryph.) laciniatus Rö. (Leth. pal., t. 25, Fig. 10).
Unterdevon. Rheinisches Schiefergebirge, Harz.
Ph. (Cryph.) calliteles Green. Unterdevon. Europa, Nordamerika
(Hamilton Gr.).
Ph. latifrons Br. (Fig. 587). Devon. Europa.
Ph. bufo Green. Devon. Nordamerika.
Ph. cryptophthalmus Emmr. (Leth. pal., t. 35, Fig. 18). Oberdevon.
Europa.
[Illustration: Fig. 587. A Phacops latifrons Br. Mitteldevon. Eifel.
B-D Auge von Phacops. (Vgl. Fig. 573).]
[Illustration: Fig. 588. Phacops (Dalmania) caudatus Brünn. sp.
Obersilur. Dudley, England.
Bezeichnungen: k = Kopfschild; r = Rumpf; s = Schwanzschild; gl =
Glabella; sf = Seitenfurchen; n = Gesichtsnaht; l = Randsaum des
Kopfschildes, l’ = des Schwanzschildes; pf = Palpebralflügel; sf =
Sehfläche; st = Wangenstachel; sp = Spindel; ax = Achse; h = Hornhaut.]
Cheirurus Beyr. (= Ceraurus -- Fig. 589). Anzahl der Rumpfsegmente
(meist 11) und Verlauf der Gesichtsnähte wie bei der vorigen Gattung.
Glabella den Stirnrand überragend. Schwanzschild klein, aus nur 4
Segmenten bestehend. 3 Paare von Seitenfurchen, deren letzteres gegen
innen nach rückwärts gebogen einen ovalen Seitenlappen abschnürt.
Pleuren in Spitzen ausgezogen, Schwanzschild gelappt. Vom Cambrium bis
ins Mitteldevon in Europa, Nordamerika, Asien, Australien.
Ch. clavifrons Dalm. sp. Untersilur. Skandinavien, Russland.
Ch. exsul Beyr. Untersilur. Skandinavien, Russland.
Ch. claviger Beyr. Untersilur. Böhmen.
Ch. insignis Beyr. (Leth. pal., t. 17, Fig. 10). Obersilur. Böhmen,
Schweden, England.
Ch. Sternbergi Boeck. Obersilur und Devon. Böhmen.
Ch. gibbus Beyr. (Fig. 589). Devon (Silur F, G). Böhmen.
Sphaerexochus Beyr. unterscheidet sich durch sehr stark gewölbtes
Kopfschild, breite Glabella und schmale Wangen. 10 Rumpfsegmente.
Silur.
Sph. mirus Beyr. Obersilur. Böhmen, England.
[Illustration: Fig. 589. Cheirurus gibbus Beyr. Devon (Silur G).
Böhmen. ²⁄₁.]
Proëtus Stein. (Leth. pal., t. 31, Fig. 3). Kleine, ovale Formen mit
eiförmiger oder vorn verschmälerter Glabella, Seitenfurchen schwach
oder fehlend. Gesichtsnaht am Hinterrand beginnend und den Stirnrand
überschreitend, wie bei Phillipsia (Fig. 590). 8-10 Rumpfsegmente.
Grosse, halbmondförmige Augen. Schwanzschild aus 13 Segmenten
bestehend. Untersilur -- Subcarbon, hauptsächlich im Devon (Europa,
Nordamerika, Australien).
Pr. elegantulus Ang. Obersilur. Skandinavien.
Pr. latifrons M’Coy sp. Obersilur. England.
Pr. Stockesi Murch. Obersilur. England, Nordamerika.
Pr. Cuvieri Stein. Mitteldevon. Eifel.
Pr. bufo M. & W. Devon (Hamilton Gr.). Nordamerika.
Phillipsia (Fig. 590). Von der vorigen Gattung durch die zahlreichen
(12-18) Segmente des Schwanzschildes (s) und durch die abgeschnürten
Hinterlappen der Glabella (x) unterschieden. 9-10 Rumpfsegmente.
Oberfläche meist gekörnelt. Devon -- Perm, hauptsächlich im Subcarbon.
(Europa, Ural, Nordamerika).
Ph. Verneuili Barr. Mitteldevon. Rheinisches Schiefergebirge,
Böhmen, Ural.
Ph. globiceps Phill. sp. }
Ph. gemmulifera Phill. sp. (Fig. 590). } Subcarbon. Europa.
Ph. Derbiensis Mart. sp. }
Bronteus Gf. (Fig. 591). Kopfschild wenig kleiner als der aus 10
Segmenten bestehende Rumpf, letzterer kleiner als das parabolische
Schwanzschild. Vorderer Theil der Glabella stark erweitert.
Seitenfurchen undeutlich. Augen gross. Gesichtsnähte am Hinterrand
beginnend, auf der Unterseite sich vereinigend. Pleuren wulstförmig.
Von der sehr kurzen, meist unsegmentirten Achse strahlen 7-9
Furchenpaare in radialer Richtung aus. Untersilur -- Oberdevon,
hauptsächlich im Devon.
Br. planus Corda (Fig. 591). Obersilur. Böhmen.
Br. palifer Beyr. }
} Devon (Silur F-H). Böhmen.
Br. campanifer Beyr. }
Br. thysanopeltis Barr. Devon. Böhmen, Mitteldeutschland.
Br. flabellifer Gf. (Leth. pal., t. 31, Fig. 5). Mitteldevon.
Eifel, England.
[Illustration: Fig. 590. Phillipsia gemmulifera Phill. sp. Subcarbon.
Kildare. Irland.]
[Illustration: Fig. 591. Bronteus planus Cord. Obersilur. Böhmen. ⅔.
Bezeichnungen: s = Schwanzschild; ax = Achse; sp = Spindel; gl =
Glabella; sf₁-sf₃ = Seitenfurchen; x = hinterer Seitenlappen; n =
Gesichtsnaht; a = Auge; l = Randsaum; st = Wangenstachel.]
Lichas Dalm. Kopfschild breit und wenig hoch, kleiner als der aus 9
oder 10 Segmenten bestehende Rumpf. Seitenfurchen der Glabella sehr
unregelmässig, meist nach rückwärts verlaufend, mehrere ovale oder
kreisrunde Lappen von einander sondernd. Schwanzschild nach hinten
verschmälert. Achse kurz, mit wenig Gliedern. Seitentheile mit radialen
Furchen. Silur, seltener im Devon (Europa, Nordamerika).
L. coelorhin Ang. Untersilur. Skandinavien, Russland.
L. laxata M’Coy sp. Obersilur. Skandinavien, Russland,
Grossbritannien.
L. scabra Beyr. (Leth, pal., t. 17. Fig. 6). }
} Obersilur. Böhmen.
L. palmata Barr. }
L. Boltoni Bigsb. sp. Obersilur. Nordamerika.
Geologische Verbreitung der Trilobitae.
Die Trilobiten gehören mit zu den ältesten bisher bekannt gewordenen
Fossilien. Bereits im Cambrium treffen wir auf eine grosse Anzahl (ca.
50) verschiedener Formenkreise, die z. Th. eine sehr weite horizontale
Verbreitung besitzen (Agnostus, Olenus, Paradoxides) und für die
Gliederung dieser Formation als brauchbare Leitfossilien Verwendung
finden. Ein grosser Theil der silurischen Gattungen ist bereits im
Cambrium vorhanden, aber erst zur Zeit des Untersilur erreichen die
Trilobiten ihre hauptsächlichste Entwickelung, wie namentlich in den
formenreichen Gattungen Calymene, Asaphus, Illaenus, Lichas, Cheirurus,
Phacops. Im Obersilur sind manche Formenkreise bereits ausgestorben,
andere wie Phacops, Bronteus, Proëtus, Harpes erlangen hier und z.
Th. auch im Devon ihre grösste Entwickelung. Die Zahl der devonischen
Formen ist gering gegenüber den älteren und nur einige Gattungen,
wie Proëtus, Phillipsia erreichen die Steinkohlenformation, z. Th.
(Phillipsia) sogar das Perm. Manche Gattungen verschwinden in Europa,
wie es scheint, früher als in Nordamerika, z. B. Calymene, Lichas.
Zur bequemeren Uebersicht der geologischen Verbreitung der wichtigsten
Gattungen möge nachstehende Tabelle dienen:
+---------------+----------+------------+-----------+---------+----------------------+--------+
| Gattung | Cambrium | Untersilur | Obersilur | Devon | Steinkohlenformation | Perm |
+---------------+----------+------------+-----------+---------+----------------------+--------+
| Agnostus | ---- | .... | | | | |
| Trinucleus | | ---- | | | | |
| Olenus | ---- | | | | | |
| Paradoxides | ---- | | | | | |
| Conocephalus | ---- | .... | | | | |
| Calymene | | ---- | ---- | .... | | |
| Homalonotus | | .... | ---- | ---- | | |
| Asaphus | | ---- | | | | |
| Ogygia | | ---- | | | | |
| Illaenus | | ---- | .... | | | |
| Phacops | | .... | ---- | ---- | | |
| Cheirurus | | ---- | ---- | .... | | |
| Proëtus | | .... | ---- | ---- | .... | |
| Phillipsia | | | | .... | ---- | .... |
| Bronteus | | .... | ---- | ---- | | |
| Lichas | | ---- | ---- | | | |
+---------------+----------+------------+-----------+---------+----------------------+--------+
Nach allem, was wir über die Trilobiten wissen, müssen wir annehmen,
dass sie eine sehr einfach organisirte und noch wenig entwickelte
Abtheilung der Crustaceen gewesen sind. Ihr Verschwinden ist z. Th.
wohl nur ein scheinbares, denn wir treffen bei verschiedenen jetzt noch
lebenden Crustaceen-Abtheilungen gewisse Trilobiten-Merkmale wieder,
welche kaum anders als durch Vererbung erklärt werden können. Mit den
Xiphosura und manchen Isopoda haben die Trilobiten die Dreitheilung des
Körpers der Länge nach, sowie die Beschaffenheit der Augen gemeinsam.
Die wechselnde Anzahl der beweglichen Segmente und eine dem Hypostom
der Trilobiten entsprechende Oberlippe kennt man von den lebenden
Phyllopoden, deren Panzer aber mehr nach Art gewisser Euostraca und
Entomostraca gebaut ist. Ausgezeichnete Uebergangsformen kennen wir bis
jetzt nur zu den Xiphosura, welche jedenfalls als die nächsten, weil
am wenigsten modificirten Verwandten der Trilobiten angesehen werden
müssen.
2. Unterordnung Xiphosura (Schwertschwänze).
Litteratur über Xiphosura und Gigantostraca.
Hall, James. Natural History of New-York. Palaeontology vol. III 1859.
Packard, A. S. The Anatomy, Histology and Embryology of Limulus
polyphemus. Anniversary Memoirs of the Boston Soc. of nat. hist. 1880.
Schmidt, Fr. Miscellanea Silurica III. Die Crustaceenfauna der
Eurypterusschichten von Rootziküll auf Oesel. Mém. de l’Acad. impér. de
St. Pétersbourg. 7ᵉ sér. Vol. XXXI 1883.
Woodward, H. A. Monograph of British fossil Crustacea belonging to the
order Merostomata. Palaeontographical Society Part I-V 1866-1878.
Der Panzer der Xiphosuren lässt sowohl der Länge wie der Quere nach
eine Dreitheilung erkennen. Das Kopfschild ist sehr gross und zumeist
breiter als der übrige Körper, der Rumpf besteht aus einer geringen
Zahl (5 oder 6) beweglicher Segmente, die bei den jüngeren Formen mit 2
Segmenten des Schwanzschildes zu einem Brustschwanzschilde verschmolzen
sind. Das letzte oder die letzten Glieder des Schwanzschildes sind
zu einem beweglichen Stachel umgewandelt. Gesichtsnaht zuweilen
vorhanden. Ausser den grossen, seitlichen Trilobitenaugen zuweilen
kleine, mediane Nebenaugen vorhanden. Die paläozoischen Vertreter der
Xiphosuren schliessen sich enge an gewisse Trilobiten, z. B. an die
untersilurische Gattung Trinucleus (Fig. 578) an. Als Beispiel hierfür
möge die Gattung
Belinurus Koen. (Fig. 592) erwähnt werden. Das breite Kopfschild
(k) zeigt einen breiten Randsaum, Wangenstacheln (st) und deutliche
Dreitheilung, wie dasjenige von Trinucleus. Eine hart innerhalb der
Trilobiten-Augen (a) auftretende Kante entspricht vielleicht der
Gesichtsnaht. Rumpf (r) aus 5 beweglichen Segmenten bestehend. Spindel
(sp) deutlich von den gefurchten und in Spitzen verlängerten Pleuren
abgesetzt. Schwanzschild (s) aus 3 verwachsenen Segmenten und einem
beweglichen, langen Endstachel (Telson -- t) bestehend. Mehrere Arten
im Devon Grossbritanniens und im Carbon Grossbritanniens, Belgiens und
Oberschlesiens.
B. reginae Bail. (Fig. 592). Carbon. Irland.
Eine Anzahl verwandter Gattungen sind vom Obersilur an bis zur
Steinkohlenformation bekannt. Sie vermitteln z. Th. den Uebergang von
den Trilobiten zu der im Mesozoicum und Känozoicum verbreiteten Gattung.
[Illustration: Fig. 592. Belinurus reginae Bail. Carbon. Irland.]
[Illustration: Fig. 593. A Limulus Walchi Desm. Oberer Malm.
Solenhofen, Franken. Links: von der Unterseite. Rechts: von der
Oberseite. [NB. Es sind anstatt 6 beweglicher Stacheln des Mittelleibes
irrthümlich 5 und 7 gezeichnet!] B Limulus polyphemus Latr. Larve im
Trilobiten-Stadium.
Bezeichnungen: k = Kopfschild; r = Rumpf; s = Schwanzschild; gl =
Glabella; a = Auge; o = Nebenaugen; w = Wange; l = Randsaum; l’ =
Lippe; x = Umschlag der Unterseite; st = Wangenstachel; f = Füsse; sp =
Spindel: pl = Pleuren; sl’ = Pleurenstacheln; t = Endstachel (Telson).]
Limulus Müll. (Fig, 593). Der Panzer zerfällt der Länge nach in ein
Kopfschild (k), ein Brustschild (r) und einen Schwanzstachel (s).
Das grosse, breite Kopfschild bildet einen breiten Umschlag auf der
Unterseite (x, l’); die gewölbte Glabella (gl) ist durch 2 Furchen
seitlich begrenzt. Eine Kante, an deren äusserer Abdachung die
Trilobiten-Augen (a) liegen, theilt die Wangen (w) in 2 Theile. Am
Vorderrande der Glabella 2 kleine Nebenaugen (Ocelli -- B o). Die
Anhänge des Kopfschildes bestehen aus einem kleinen, präoralen, in
Scheeren endigenden Fühlerpaar. Darauf folgen 5 Paare, ebenfalls
in Scheeren endigender Füsse (f), deren Coxalglieder zumeist zu
Kauwerkzeugen umgestaltet sind. Das fünfte besitzt einen äusseren
Anhang (Exopodit). Ein siebentes Anhangspaar (Deckel) ist zu
einer gegliederten Platte verwachsen, welche die Blattanhänge des
Mittelleibes bedeckt. Die Mittelleibsplatte (Brustschwanz) enthält die
bei Belinurus und im Larvenstadium von Limulus (B) noch geschiedenen
Segmente des Rumpfes und z. Th. (2) des Schwanzschildes. 5, aus
verwachsenen Gliedmaassenpaaren gebildete Blattfüsse und 6 Paar
beweglicher Stacheln (st’) vorhanden. Eine Theilung in Spindel (sp)
und Pleuren (pl) bei der Larve (B), aber auch im ausgewachsenen
Zustande noch deutlich. Die besonders durch die Verschmelzung der
Rumpfsegmente unter einander und zweier Schwanzschildsegmente zu einem
Telson gekennzeichnete Gattung ist von der Trias an bekannt. Lebend im
Seichtwasser im atlantischen und pacifischen Ocean.
L. Bronni Schpr. Oberer Buntsandstein. Elsass.
L. Walchi Desm. (Fig. 593 A). Oberer Malm. Franken.
L. Syriacus Woodw. Obere Kreide. Libanon.
L. polyphemus L. (Fig. 593 B). Lebend. Ostküste Nordamerikas, Japan,
Sundainseln, Molukken.
Die Xiphosura stellen sich als ein kleiner Zweig des Trilobitenstammes
dar, dessen lebender Vertreter noch zahlreiche Trilobitenmerkmale, die
Dreitheilung des Panzers der Länge nach, die Lage und Beschaffenheit
der Augen, die gleichartige Ausbildung der Kopfschildanhänge, den
Umschlag des Kopfschildes und die geringe Entwickelung der präoralen
Anhänge bewahrt hat. Die Zahl der Fusspaare und das Auftreten von
Nebenaugen theilen die Xiphosura mit den Gigantostraca.
3. Unterordnung Gigantostraca (Riesenkrebse).
Nur aus paläozoischen Schichten bekannte, bis 1,5 m grosse Krebse
mit langgestrecktem Körper. Kopfschild klein, nicht segmentirt, mit
6 Anhangspaaren, 2 grossen Trilobitenaugen und 2 kleinen Nebenaugen.
Rumpf aus 6 beweglichen Segmenten, deren kurze Anhänge als Kiemen
fungiren. Hinterleib aus 6 beweglichen, anhangslosen Segmenten und
einem abweichend gestalteten, beweglichen Endgliede bestehend. Vom
Untersilur bis ins Carbon verbreitet. Häufig sind besonders die 2
folgenden Gattungen:
Eurypterus Dek. (Fig. 594). Kopfschild (k) flach gewölbt, vierseitig,
mit abgerundeten Vorderecken, auf der Unterseite einen breiten Umschlag
bildend (B). Zwei grosse, nierenförmige, unfacettirte, dem Aussenrande
genäherte Augen (a) und ein Paar kleinere, mediane Punktaugen (o).
Ein sehr kleines, präorales Antennenpaar (auf der Zeichnung nicht
angegeben) vor dem spaltförmigen Munde. Um denselben herum 5, den
Körper z. Th. weit überragende, gegliederte Fusspaare (f₂-f₆). Ihre
Coxalglieder dienen als Kauorgane; diejenigen des letzten Fusspaares
sind zu breiten Platten (k’) umgestaltet und schliessen eine einfache
Mittelplatte (Metastoma -- m) ein. 6 Segmente (1-6) mit kurzem
Bauchumschlag bedecken den Rumpf (r) auf der Rückenseite, während auf
der Bauchseite 5 Paare von Blattfüssen auftreten, welche in ähnlicher
Weise wie bei Limulus dachziegelförmig übereinander greifen und die
Kiemen bedecken. Das erste Paar (B b₁-b₂) (»Deckel«) entspricht seiner
Lage nach den beiden ersten Rückensegmenten (1, 2); es wird durch eine
Quernaht in 2 Stücke (b₁, b₂) getheilt. Kleinere Zwischenplatten (z)
bedecken die Mittelspalte. Der Hinterleib (s) wird von 6 Panzerringen
umschlossen und endigt in einen langen Endstachel (t). Rumpf und
Hinterleib zeigen eine schwache Dreitheilung der Länge nach. Die
Körperoberfläche ist z. Th. fein beschuppt.
[Illustration: Fig. 594. Eurypterus Fischeri Eichw. Obersilur. Oesel. A
von der Oberseite. B Kopf von der Unterseite.]
[Illustration: Fig. 595. A Pterygotus anglicus Ag. Devon. Schottland.
Ansicht der Rückenseite. B Pt. osiliensis Schm. Obersilur. Oesel. Kopf
von der Unterseite.
Bezeichnungen: k = Kopfschild; r = Rumpf; s = Schwanz; a = Augen;
o = Nebenaugen; f₁-f₆ = Anhänge des Kopfschildes; s, s’ =
Scheerenglieder; 1-6 = Brustglieder; 7-13 = Schwanzglieder; t =
Endglied; ep = Epistom; k’ = Kauplatte des sechsten Fusspaares; m =
Metastom; b₁-b₂ = Deckel; z = Zwischenplatten; n = Mittelnaht.]
Diese Gattung kommt in zahlreichen Arten vom Obersilur bis ins
Carbon vor. Besonders reich haben sich die obersten Silurschichten
der russischen Ostseeprovinzen, Englands und Nordamerikas, sowie die
Steinkohlenformation in Europa und Nordamerika erwiesen.
E. Fischeri Eichw. (Fig. 595). Obersilur. Russische Ostseeprovinzen,
Gotland.
E. remipes Dck. Obersilur. (Waterlime Gr.). Nordamerika.
E. punctatus Salt. sp. Obersilur. Grossbritannien.
E. Scouleri Hibb. Steinkohlenformation. Schottland, Niederschlesien.
Pterygotus Ag. (Fig. 595) unterscheidet sich hauptsächlich durch die
Facettirung und randliche Lage der Augen (a), die starke Entwickelung
des (scheerentragenden s’) Antennenpaares (f₁), die flossenartige
Gestalt des Endgliedes (t), ferner durch gröbere Beschuppung und
beträchtlichere Grösse. Der Stirnumschlag hebt sich als getrennte
Platte (Epistom -- B ep) ab. Untersilur -- Devon in Europa und
Nordamerika; hauptsächlich im Obersilur.
Pt. osiliensis Schm. (Fig. 595 B). Obersilur. Russische
Ostseeprovinzen.
Pt. anglicus Ag. (Fig. 595 A). Devon (Old red). Schottland.
* * * * *
Wie aus der vorhergehenden Darstellung ersichtlich ist, bestehen
beträchtliche Uebereinstimmungen zwischen Limulus und den
Gigantostraca, namentlich in Zahl und Gestalt der Anhänge und z. Th.
des Endgliedes. Andrerseits erinnert die ganze Gliederung des Körpers,
die Scheerenform der Fühler bei Pterygotus und der Endstachel bei
Eurypterus auffallend an die Scorpione, deren paläozoische Vertreter
Wasserbewohner waren.
B. Euostraca.
4. Unterordnung Phyllopoda und 5. Unterordnung Leptostraca
(Phyllocarida).
Litteratur über Phyllopoda und Leptostraca.
Beecher, Ch. Ceratiocaridae from the Chemung and Waverly Groups. Rep.
of Progress P. P. P., sec. geol. Survey of Pennsylvania. 1884.
Clarke, J. M. American journ. of Science 1882 3. ser. vol. XXIII p. 476
u. 1883 vol. XXV p. 120.
Jones, Rup. A Monograph of the fossil Estheriae. Palaeont. Soc. 1862.
Packard, A. S. A Monograph of the Phyllopod Crustacea of N. America,
with remarks on the order Phyllocarida. 12ᵗʰ Ann. Rep. of the U. S.
geol. and geogr. Surv. of the Territories. Part. I 1883.
Salter, J. Memoirs of the Geological Survey of Great Britain. 1886 vol.
III.
Bezeichnend für diese beiden Unterordnungen ist neben der schwankenden
Zahl der Körpersegmente das häufige Auftreten eines nicht segmentirten
Kopfrumpfschildes, welches einfach oder in der Rückenlinie getheilt
ist, und den Kopf und einen Theil des Rumpfes oder (selten) den
ganzen Körper einschliesst. Dazu gesellt sich oft noch ein vorderes
bewegliches Stück (Rostrum). Die fossilen Reste sind wenig zahlreich
und z. Th. nicht mit Sicherheit zu deuten; sie werden schon in
cambrischen Ablagerungen gefunden. Unter der Bezeichnung
Phyllocarida
fasst man vorwiegend paläozoische Reste zusammen, die, wie
beispielsweise die Gattung
Echinocaris Witf. (Fig. 596) ein einfaches, den Kopf und einen
Theil des Leibes bedeckendes, in der Mittelebene nicht getheiltes
Kopfrumpfschild (c) und dahinter ein gegliedertes Abdomen (ab)
erkennen lassen. Letzteres endigt in einem gespaltenen Endgliede (t).
Eine gebogene Linie (l) scheint die Grenze zwischen dem Kopfschilde
und dem Rumpfe anzudeuten. Augenflecke (a) und mehrere Höcker auf
dem Kopftheile; eine Längsleiste (r) bezeichnet vielleicht die
ursprüngliche Grenze zwischen Spindel und Pleuren. Devon. Nordamerika.
Andere Gattungen wie Ceratiocaris M’Coy führen ein bewegliches
Rostrum. Dasselbe findet sich auch bei der lebenden Gattung Nebalia.
Ob die zweiklappigen Reste des Paläozoicums mit vorderem,
dreieckigem, oft durch eine Rostralplatte ausgefülltem Ausschnitt
hierher zu stellen sind (Peltocaris, Cardiocaris) oder als den
Aptychen (p. 385) ähnliche Gebilde aufgefasst werden müssen, bleibt
z. Z. noch zweifelhaft.
[Illustration: Fig. 596. Echinocaris punctata Hall. sp. Devon
(Hamilton-Gr.). Nordamerika. Der Panzer ausgebreitet. c =
Kopfrumpfschild; l = Trennungslinie zwischen Kopf und Rumpf: a =
Augenflecke; r = Längsleiste des Rumpfschildes; ab = Hinterleib mit 6
Segmenten (1-6) und einem dreistacheligen Endgliede (t).]
[Illustration: Fig. 597. Estheria minuta Alb. sp. Unterer Keuper
(Lettenkohle). Sinsheim, Baden. A eine Klappe von der Seite. r =
Rückenrand; c = Zuwachsstreifen. B vergrösserte Oberfläche der Schale.
m = Maschenstructur zwischen den Zuwachsstreifen (c).]
An die heutigen
Phyllopoda
schliessen sich Formen wie
Estheria Rüpp. (Fig. 597) an. Die Schale ist zweiklappig und umhüllt
den segmentirten Körper vollständig. Der Rückenrand der Klappe (r) ist
gerade; die Oberfläche mit concentrischen Zuwachsstreifen (c) verziert,
zwischen welchen die Schale eine maschige Structur (m) erkennen lässt
(Unterscheidungsmerkmal von den zuweilen sehr ähnlichen Muschelschalen,
z. B. Posidonomya -- p. 239).
Vom Devon an bekannt. Lebend häufig in wärmeren Regionen im
Süsswasser. Die ältesten Formen haben im Meerwasser (zusammen mit
Lingula) gelebt.
E. membranacea Pacht. sp. Devon. Grossbritannien, Russland.
E. striata Mnstr. Subcarbon. Deutschland, Belgien, Grossbritannien.
E. minuta Alb. sp. (Fig. 597). Häufig und weit verbreitet in der
Trias von Deutschland, Frankreich und England.
Die Phyllocarida sind eine sehr alte Crustaceengruppe, als deren
nächste Verwandte die lebenden Nebaliadae angesehen werden müssen. Das
Zooea-Stadium der Larven der höheren Krebse weist eine auffallende
habituelle Aehnlichkeit mit denselben auf.
Die zweiklappige Schale der Phyllopoda lässt auf nahe Beziehungen
zu den Entomostraca schliessen, während der zumeist sehr deutlich
gegliederte anhangsreiche Körper sie in die Nähe der Euostraca verweist.
6. Unterordnung Malacostraca.
Der Körper besitzt eine constante Zahl von Segmenten (20) und
Gliedmaassenpaaren (19). Kopf und Rumpf tragen 13 Anhangspaare, der
Hinterleib 6. Das erste, seltener die beiden ersten Rumpfsegmente mit
dem Kopfe verschmolzen. Man unterscheidet 2 Abtheilungen:
a. Arthrostraca (Ringelkrebse). Meist 7, selten 6 oder weniger
gesonderte Rumpfsegmente. Augen seitlich, sitzend.
b. Thoracostraca (Panzerkrebse). Einige oder alle Rumpfsegmente mit
dem Kopfe verschmolzen und gewöhnlich von einem massiven
Kopfbrustschilde bedeckt. Augen meist gestielt und beweglich.
a. Arthrostraca.
Diese zerfallen in die beiden Abtheilungen der
l. Isopoda (Asseln) mit niedergedrücktem, flachem Körper, ohne
Springbeine am Hinterleibe.
2. Amphipoda (Flohkrebse) mit seitlich zusammengedrücktem
Hinterleibe und 3 Paar Springbeinen an den letzten Segmenten.
Beide sind fossil bekannt.
1. Isopoda.
Litteratur über Isopoda.
Ammon, L. von. Ein Beitrag zur Kenntniss der fossilen Asseln.
Sitzungsber. d. bayer. Akad. Math.-phys. Classe 1882 S. 507.
Die Isopoda sind Meeres-, seltener Süsswasser- oder Landbewohner.
Die grössten Formen werden bis 23 cm lang. Das Kopfschild ist meist
klein, trägt sitzende Augen, wie dasjenige der Trilobiten, und wird
häufig von den ersten Rumpfsegmenten seitlich umfasst (Fig. 598). 7,
seltener 6 bewegliche Rumpfsegmente, die oft eine Theilung in Spindel
(sp) und Pleuren (hier Epimeren genannt -- pl) erkennen lassen. Die
Pleuren zuweilen gefurcht wie bei den Trilobiten. Einige Segmente
des Hinterleibes (1-3) frei; die letzten oft zu einem Schwanzschilde
(s) verwachsen. Manche Formen können sich nach Art der Trilobiten
einrollen. Der ganze Bau des Körpers lässt eine mehr als habituelle
Aehnlichkeit mit den Trilobiten erkennen. Das gilt besonders von
der auf der südlichen Halbkugel von der Strandzone an bis zur Tiefe
von mehr als 2000 Faden verbreiteten Gattung Serolis (Fig. 598),
welche die Trilobitendreitheilung des Rumpfes, die Pleurenfurchen,
die Lichas-ähnlichen Höcker des Kopfschildes und die ebenfalls
Lichas-artige, radiale Anordnung der (4) Schwanzschildsegmente bewahrt
zu haben scheint.
Die seit der Jurazeit bekannten fossilen Formen schliessen sich enge an
die lebenden an. In der Steinkohlenformation Deutschlands und Englands
ist aber eine Gattung (Arthropleura Jord.) gefunden worden, welche
durch ihre beträchtlichen Dimensionen sowie die Gleichartigkeit der
Fusspaare am Mittel- und Hinterleibe eine vermittelnde Stellung nach
den Trilobiten hin einnimmt.
[Illustration: Fig. 598. Serolis paradoxa Fab. Punta Arenas.
Magellanstrasse. Ansicht der Rückenseite. Das Kopfschild ist von dem
ersten Rumpfsegmente durch eine Naht (n) getrennt; a = Augen; a’ =
erstes, a’’ = zweites Fühlerpaar; I-VI = die ersten 6 Rumpfsegmente
(das siebente nur von der Unterseite sichtbar); sp = Spindel; pl =
Pleuren (Epimeren), auf den ersten Segmenten abgegliedert; 1-3 = die
ersten 3 (freien) Hinterleibssegmente; s = Schwanzschild mit radial
angeordneten Segmenten (r); f₁ = das letzte (sechste) Anhangspaar des
Hinterleibes. ¹⁄₁.]
[Illustration: Fig. 599. Gampsonyx fimbriatus Jord. Unteres
Rothliegendes. Lebach b. Saarbrücken. i = erstes, a = zweites
Antennenpaar; I = erstes, II = zweites Fusspaar der freien
Rumpfsegmente; t = letztes Körpersegment, zwei flossenartige Anhänge
(f) tragend.]
2. Amphipoda.
Fossile Vertreter dieser Abtheilung sind selten. Die
Steinkohlenformation und das Perm haben einige Reste geliefert, unter
denen die Gattung
Gampsonyx Jord. (Fig. 599) die bekannteste ist. Das erste Antennenpaar
(i) ist kürzer als das zweite (äussere -- a), welches sich zu einem
langen Fühlfaden verlängert. Rumpf und Hinterleib bestehen aus 14
Segmenten und einem mit flossenartigen Anhängen (f) versehenen
Endgliede (t). Das Fusspaar des ersten freien Rumpfsegmentes (I)
überragt die übrigen an Grösse. Perm.
G. fimbriatus Jord. (Fig. 599). Unteres Rothliegendes. Saargebiet,
Schwarzwald, Böhmen.
Verwandte Gattungen in der Steinkohlenformation Englands und Nordamerikas.
b. Thoracostraca.
Litteratur über Thoracostraca.
Bell, Th. A Monograph of the fossil Malacostracous Crustacea of
Great-Britain. Palaeontogr. Soc. Part. I, Crustac. of the London clay.
1857. Part II, Crust. of the Gault and Greensand. 1862.
Bittner, A. Die Brachyuren des Vicentinischen Tertiärgebirges.
Denkschriften der k. k. Akad. Wien 1857 Bd. XXXIV u. 1883 Bd. XLVI.
Huxley, Th. Der Krebs. Eine Einleitung in das Studium der Zoologie.
Leipzig 1881.
Meyer, H. v. Neue Gattungen fossiler Krebse aus Gebilden vom bunten
Sandstein bis in die Kreide. Stuttgart 1840.
---- Jurassische u. Triasische Crustaceen. Palaeontographica 1854. Vol.
IV p. 44-55.
---- Die Prosoponiden oder Familie der Maskenkrebse. Palaeontographica
1860. Vol. VII.
Milne-Edwards, A. Hist. des Crustacés podophthalmaires fossiles. I.
Portuniens et Thalassiens. Ann. des Sciences nat. Zoologie 4ᵉ sér. tome
XIV 1871. II. Cancériens. ibid. 4ᵉ sér. tome XVIII 1862, XX 1863; 5ᵉ
sér. tome I 1864, III 1865.
Oppel, A. Paläont. Mittheilungen aus dem Museum des k. bayer. Staates.
I. Ueber jurassische Crustaceen. Stuttgart 1862.
Reuss, A. Zur Kenntniss fossiler Krabben. Denkschr. d. k. k. Akad. Wien
1857. Bd. XVII.
Von den 4 Gruppen, welche man bei den heutigen Schalenkrebsen
unterscheidet: Cumacea, Stomatopoda, Schizopoda und Decapoda ist nur
die letztere fossil häufig.
Decapoda (Zehnfüssler).
Die Segmente des Kopfes und zumeist auch alle Rumpfsegmente sind mit
dem grossen Kopfbrustschilde verwachsen. 10, theilweise mit Scheeren
bewaffnete Gehfüsse vorhanden. Schon in paläozoischen Formationen
(Devon) vorhanden, aber erst im Mesozoicum und Känozoicum häufig. Sie
zerfallen in:
1. Macrura (Langschwänze) mit stark entwickeltem Hinterleibe und
breiter Schwanzflosse (Fig. 600, 601).
2. Brachyura (Kurzschwänze) mit kurzem, verschmälertem, gegen die
Brust umgeschlagenem Hinterleibe, ohne Schwanzflosse (Fig. 603).
1. Macrura.
Zur Illustration dieser in mesozoischen Schichten sehr reichlich
vertretenen Abtheilung führen wir folgende 2 Gattungen an:
Pemphix v. Mey. (Fig. 600). Der mit Körnern verzierte Cephalothorax
wird durch eine tiefe Nackenfurche (nf) getheilt. Zwei weitere Furchen
scheiden eine Herz- (x) und Leberregion (y) ab. Innere Antenne (a₁)
kurz, äussere (a₂) lang. Das erste Fusspaar (f₁) am stärksten.
Hinterleib verhältnissmässig lang; letztes Glied hinten gerundet, mit 2
Paar flossenartiger Anhänge (f). Muschelkalk.
P. Sueuri Desm. sp. (Fig. 600). Oberer Muschelkalk. Süddeutschland,
Schweiz, Lothringen.
Eryon Desm. (Fig. 601). Cephalothorax (kb) breit, gerundet, mit
seitlichen Einschnitten (e). Hinterleib (ab) kurz. Endglied (t)
zwischen den Schwimmfüssen des vorhergehenden Gliedes (ah) gelegen.
Anhänge der Kopfbrust ähnlich wie bei Pemphix. Jura und (seltener)
Kreide.
E. Hartmanni v. Mey. Oberer Lias (ε). Württemberg.
E. propinquus Schl. sp. (Fig. 601). }
} Oberer Malm. Franken.
E. arctiformis Schl. sp. }
Hierher gehören zahlreiche andere Gattungen, von denen einige bereits
im Devon und in der Steinkohlenformation, die meisten aber im Jura und
in der Trias vorkommen. Alle waren Meeresbewohner. Wenige tertiäre
Formen, z. Th. aus Süsswasserbildungen bekannt. Die meisten lebenden
Vertreter leben im Meere, wie Homarus (Hummer), nur wenige, wie Astacus
(Flusskrebs) im Süsswasser.
[Illustration: Fig. 600. Pemphix Sueuri Desm. sp. Muschelkalk.
Crailsheim, Württemberg. (Ergänzt.) Ansicht der Rückenseite.]
[Illustration: Fig. 601. Eryon propinquus Schl. sp. Oberer Malm.
Solenhofen, Franken. Ansicht der Unterseite.
Bezeichnungen: kb = Kopfbrust; ab = Abdomen; s = Schwanzflosse;
1-20 = die Körpersegmente; a₁, a₂ = Antennen; f₁-f₅ = Gehfusspaare;
r = Stirnfortsatz (Rostrum); sch = Schuppe der zweiten Antenne; nf
= Nackenfurche; x = Herz-, y = Lebergegend; e = Seitenausschnitte
des Kopfbrustschildes; t = letztes Glied (Telson); fa₆, ah =
Schwimmfüsse des 19. Segmentes; s’ = Scheere des ersten Fusspaares.]
2. Brachyura (Krabben).
Das im fossilen Zustande oft allein erhaltene Cephalothoraxschild
besitzt meist eine kurze, gedrungene, häufig vierseitige Gestalt.
Erstes Fusspaar gross, mit kräftigen Scheeren. Meist werden durch
Furchen zahlreiche Leibesregionen auf dem Kopfbrustschilde abgeschieden
(Fig. 602). Vom Jura an mit Sicherheit bekannt. Die hauptsächlichste
Entwickelung fällt in die Tertiärzeit und die Gegenwart. Manche der
känozoischen Formen leben im Süsswasser.
[Illustration: Fig. 602. Prosopon tuberosum v. Mey. Valengien.
Boucheran, Dép. du Jura. Isolirter Cephalothorax von der Oberseite. w =
Magengegend; q₁ = vordere, q₂ = hintere Nackenfurche; h = Herzregion.]
Prosopon v. Mey. (Fig. 602). Kleiner, drei- oder fünfseitiger
Cephalothorax, meist mit Warzen und Körnern verziert. Vor der vorderen
Nackenfurche (q₁) liegt die durch 2 convergirende Furchen seitlich
begrenzte Magengegend (w); die hintere Querfurche (q₂) schliesst mit
einer kurzen, bogenförmigen Furche die Herzregion (h) ein. Hinterleib
und Anhänge nicht mit Sicherheit bekannt. Dogger -- Neocom, häufig im
Oberen Malm Mitteleuropas (»Prosoponkalke«).
P. marginatum v. Mey. }
} Oberer Malm. Schwaben.
P. aculeatum v. Mey. }
P. tuberosum v. Mey. Untere Kreide (Valengien). Französischer Jura.
[Illustration: Fig. 603. Harpactocarcinus punctulatus Desm. sp. Eocän.
Vicentin. A Männchen von der Oberseite. B dasselbe von der Unterseite.
r = Rostrum; a = Augenhöhle; 8-20 = Segmente; mx = Maxille; f₁ =
erstes Fusspaar mit starken Scheeren (s, s’); f₂-f₃ = die folgenden 4
Fusspaare; a₃-a₇ = Hinterleibsglieder; st₁-st₄ = Sternite.]
Harpactocarcinus M.-Edw. (Fig. 603). Die vorderen Seitenränder des
breiten, sechsseitigen Cephalothorax sind gezackt, ebenso der breite
Stirnfortsatz (Rostrum -- r), neben welchem die tiefen Augenhöhlen
(a) liegen. Bauchseite durch eine Reihe unpaarer Platten (Sternite
-- st₁-st₄) bedeckt, welche den Fusspaaren entsprechen. Darüber ist
das Ende des beim Männchen (B) schmalen, beim Weibchen viel breiteren
Hinterleibes (a₃-a₇) geschlagen; die Segmente desselben z. Th.
verwachsen (a₅-a₃). Erstes Fusspaar (f₁) mit starken Scheeren (s’, s).
Häufig im Eocän der Schweiz und Südeuropas.
H. punctulatus Desm. sp. (Fig. 603). Eocän. Schweiz, Vicentin etc.
C. Entomostraca.
Abgesehen von den Copepoden, welche keine feste Hülle besitzen, wird
der Leib der Entomostraca von einer 2- oder vielklappigen, seltener
einfachen Schale umhüllt. Bei den freibeweglichen Formen (Ostracoda)
ist die Schale zweiklappig, wie bei manchen Phyllopoden (Estheria -- p.
501), bei den festsitzenden (Cirripedia) besteht sie aus zahlreichen,
durch einen Mantel vereinigten Stücken, die nur ausnahmsweise zu einem
einzigen verwachsen.
7. Unterordnung Ostracoda (Muschelkrebse).
Litteratur über Ostracoda.
Barrande, J. Système silurien du centre de la Bohème. Vol. I. Supplém.
1872.
Brady, G. St. Monograph of the Ostracoda of the Antwerp Crag. Trans.
Zool. Soc. Vol. X. 1878.
Jones, Rup. A Monograph of the Entomostraca of the Cretaceous Formation
of England. Palaeont. Soc. 1849.
---- A Monograph of the tertiary Entomostraca of England. Palaeontogr.
Society. 1856.
Jones, Kirkby and G. Brady. A Monograph of the British fossil bivalved
Entomostraca from the Carboniferous formations. Palaeontographical
Society 1874 u. 1884.
Meist kleine, seitlich zusammengedrückte, ungegliederte Thiere mit
7 Gliedmaassenpaaren und kurzem Hinterleibe. Eine zweiklappige,
muschelartige, hornige oder kalkige Schale umschliesst das Thier;
das Oeffnen derselben geschieht durch eine elastische Membran, das
Schliessen durch ein Muskelpaar, dessen Ansatzstelle auf der Oberfläche
der Schale durch einen Höcker oder durch Grübchen angedeutet ist (Fig.
604 m). Ebenso bezeichnet oft eine Erhöhung der Schale die Lage der
Augen (Fig. 604 a). Cambrium -- Gegenwart.
Fam. Leperditidae.
Schale ungleichklappig oder gleichklappig, relativ gross und dick.
Vorder- und Hinterrand weder klaffend noch ausgeschnitten. Fast
ausschliesslich in paläozoischen, seltener in mesozoischen Formationen.
Leperditia Roua. (Fig. 604). Die Oberfläche der grossen,
ungleichklappigen Schale (A) ist glatt bis auf den vorn gelegenen
Augenhöcker (a) und die netzförmige Ansatzstelle des Muskels (m). Bis
ca. 20 mm gross. Cambrium -- Subcarbon, am häufigsten im Silur (Europa,
Nordamerika).
L. Hisingeri Schm. (Fig. 604). Obersilur. Gotland, Esthland.
Beyrichia M’Coy. (Fig. 605). Schale wahrscheinlich gleichklappig
(C). Oberfläche mit einer wechselnden Anzahl von Wülsten verziert,
die sich in vordere (Kopfwulst -- k), mittlere (Mittelwulst -- m)
und hintere (Schwanzwulst -- s) vertheilen. Der untere Schwanzwulst
beim Weibchen stärker angeschwollen (B s) als beim Männchen. Cambrium
-- Devon in Europa und Nordamerika, sehr häufig im obersten Silur
(»Beyrichienkalk«) Nordeuropas (als Geschiebe im norddeutschen
Flachlande).
B. tuberculata Kloed. sp. (Fig. 605). Oberstes Silur
(Beyrichienkalk). Nordeuropa; nebst zahlreichen anderen Arten in
Geschieben der norddeutschen Tiefebene.
[Illustration: Fig. 604. Leperditia Hisingeri Schm. Obersilur. Gotland.
A Schale gegen die linke Klappe gesehen. B dieselbe von unten, C von
oben. s = linke, s’ = rechte Klappe; a = Augenhöcker; m = Muskelansatz.]
[Illustration: Fig. 605. A, B, D Beyrichia tuberculata Kloed. sp.
Obersilurisches Geschiebe (Beyrichienkalk). Norddeutschland. A linke
Klappe des Männchens, B rechte Klappe des Weibchens. C B. Bronni Reut.
Zweiklappige Schale gegen die Bauchseite gesehen. k = Kopfwülste; m
= Mittelwülste; s = Schwanzwülste. l = Vereinigungslinie der beiden
Klappen auf der Bauchseite.]
Fam. Cypridinidae.
Vorderrand der Schale mit Ausschnitt (Fig. 606 e, f) zum Hervorstrecken
der Antennen. Cambrium -- Gegenwart, hauptsächlich im Devon und in der
Steinkohlenformation.
[Illustration: Fig. 606. A, B Cypridina Phillipsi Jon. Subcarbon.
Irland. A rechte Klappe von der Seite, B von vorn gesehen. C
Entomis serratostriata Sdb. Oberdevon (Cypridinenschiefer). Nassau.
Rechte Klappe von der Seite. v = Vorder-, h = Hinter-, b = Bauch-,
r = Rückenrand der Schale; m = Ansatzstelle des Muskels; e =
Antennenausschnitt; f = Querfurche.]
[Illustration: Fig. 607. Cypridina mediterranea Cost. Q. Lebend.
Mittelmeer. Das Thier in der Schale, von der Seite gesehen. a₁ =
erster, a₂ = zweiter Fühler; pm = Unterkiefer; pf = Putzfuss.]
Cypridina M.-Edw. (Fig. 606 A, B; 607). Schale glatt, zuweilen die
Muskelansatzstelle zeigend (A m). Antennenausschnitt kurz und tief
(e). Steinkohlenformation, Kreide und Lebend in den wärmeren Meeren.
C. Phillipsi Jon. (Fig. 606 A, B). Subcarbon. Grossbritannien.
C. mediterranea Cost. (Fig. 607). Lebend. Mittelmeer.
Von den verwandten, zumeist paläozoischen Gattungen heben wir
hervor:
Entomis Jon. (Fig. 606 C). Schale jederseits mit einer tiefen,
gebogenen Querfurche (f), welche am Rückenrande beginnt. Oberfläche
gestreift (C) oder glatt. Cambrium -- Subcarbon, sehr häufig im sog.
»Cypridinenschiefer« des Oberdevons in Mitteleuropa und am Ural.
E. serratostriata Sdb. (Fig. 606 C).
Zahlreiche Vertreter der übrigen Familien, wie namentlich der
Cytherellidae, Cytheridae und Cypridae sind z. Th. aus paläozoischen,
namentlich aber aus mesozoischen und känozoischen Formationen
bekannt. Die kleinen Schälchen liegen in marinen, brackischen oder
Süsswasserablagerungen oft in Massen zusammengehäuft, wie z. B. Bairdia
in gewissen Schichten der Trias, Cypris in Süsswasserbildungen des
Miocäns.
Die Unterscheidung der verzierten, älteren Ostracoden-Schalen von den
zweiklappigen Schalen der gleichaltrigen Phyllocarida (p. 500) hält
oft schwer oder ist unmöglich, wenn keine weiteren Theile des Thieres
erhalten sind. Wir können uns die Muschelkrebse durch Einbeziehung des
Hinterleibes in die Schale unter theilweisem Verluste der Segmentirung
hervorgegangen denken.
8. Unterordnung Cirripedia (Rankenfüssler).
Litteratur über Cirripedia.
Darwin, Ch. A Monograph of the fossil Lepadidae of Great Britain.
Palaeont. Soc. 1851.
---- A Monograph of the fossil Balanidae and Verrucidae of Great
Britain. Palaeont. Society 1854.
Nur bei der Gruppe der Thoracica ist die Kopfhülle kalkig, mithin
fossil erhaltbar. Sie besteht meist aus zahlreichen, getrennten
oder mit einander verwachsenen Kalkplatten. Am Hinterleibe 6 Paar
Rankenfüsse (Fig. 608 c’).
A. Pedunculata. Körper gestielt. Stiel nackt oder beschuppt. Silur
-- Gegenwart.
Als Beispiel für diese Gruppe möge erwähnt werden
Loricula Sow. (Fig. 608). Stiel jederseits von 3 Längsreihen (I, II,
III) Seitenplatten, auf dem Rücken (Carinalseite -- ck) und Bauche
(Rostralseite -- rk) mit je einer Doppelreihe kleiner Platten bedeckt.
Der vordere Theil der Schale (Capitulum -- s, l’, l, c, t) aus 9
Platten bestehend, von denen die unpaare, rückenständige als Carina
(c), die seitlichen, paarigen als Terga (t), Lateralia (l’, l) und
Scuta (s) bezeichnet werden. Ein unpaares Stück auf der Bauchseite
(Rostrum) scheint zu fehlen. Obere Kreide, Europa, Libanon.
L. pulchella Sow. (Fig. 608). Turon. England, Böhmen. Mit der einen
Seite auf Ammonitenschalen aufgewachsen, daher die aufgewachsene
Hälfte fast ganz unbeschalt.
Verwandte Gattungen schon seit der Silurzeit bekannt. Einige lebende
Formen (Lepas antifera L.) in allen Meeren.
[Illustration: Fig. 608. Loricula pulchella Sow. Turon. Kent,
England. Schale von der Seite gesehen, restaurirt. Die Rankenfüsse
(c’) nach Analogie der lebenden Formen eingezeichnet. I, II, III --
Seitenplatten, ck = Carinalplatten, rk = Rostralplatten des Stieles; c
= Carina; t = Tergum; l, l’ = Lateralia; s = Scutum.]
[Illustration: Fig. 609. Balanus concavus Br. Pliocän (Crag). England.
A Schale von der Seite gesehen. c = Carina; cl = Carino-Laterale; l =
Laterale; r = Rostrum. B isolirtes Tergum (t). C isolirtes Scutum (sc).]
B. Operculata, Körper ungestielt, mit breiter Basis aufgewachsen
(Fig. 609 A). Schalenstücke zu einem Ringe vereinigt; nur Scutum
(C) und Tergum (B) bilden einen beweglichen Deckel. Devon --
Gegenwart, häufig im Tertiär.
Balanus List. (Fig. 609). Die Schale besteht aus der unpaaren Carina
(c), dem Rostrum (r) und den paarigen Carino-Lateralia (cl) und
Lateralia (l); Scutum (sc) und Tergum (t) frei und beweglich mit
einander verbunden bilden den Deckel. Basis der Schale häufig oder
kalkig. Zahlreiche Arten im Tertiär und in der Gegenwart.
B. concavus Br. (Fig. 609). Neogen. Europa, Nord- und Südamerika.
Lebend an den Küsten des pacifischen Oceans.
* * * * *
Die Cirripedia sind eine durch festsitzende Lebensweise stark modificirte
Abtheilung der Crustaceen, welche erst in den jüngeren Formationen
sich reichlich entwickelt. Da die Pedunculata noch eine deutliche
Segmentirung des Panzers erkennen lassen, so dürften sie an panzertragende
Formen des Paläozoicums (Trilobiten?) anschliessen.
Rückblick auf die Crustacea.
Da im Cambrium bereits alle 3 Ordnungen der Crustaceen in mehr oder
weniger typischen Vertretern vorkommen, so ist eine Zurückführung
derselben auf eine gemeinsame Ausgangsgruppe nach paläontologischen
Daten vor der Hand nicht möglich. Wir können aber die ältesten Formen
in 2 Gruppen sondern, von denen die eine durch die Trilobiten mit
reichlich segmentirtem Panzer, die andere durch die Phyllocariden
und Ostracoden mit verschmolzenen Panzersegmenten repräsentirt wird.
An die Trilobiten schliessen sich die Xiphosuren und jedenfalls auch
die Isopoden enge an. Beide bewahren eine auffallende habituelle
Aehnlichkeit mit den Trilobiten, zudem tritt eine Verschmelzung der
Mittelleibssegmente mit dem Kopfe nur in ganz beschränkter Weise
ein und die Augen und die Anhänge behalten z. gr. Th. die für die
Trilobiten bezeichnende Form und Lage. Bei den Xiphosuren erhält sich
der breite Stirnumschlag der Schale und es kommt nur zur Bildung eines
einzigen, kleinen Antennenpaares, während die Isopoden und ebenso die
Amphipoden 2 wohlentwickelte Fühlerpaare bekommen, dabei aber die
Beweglichkeit der Rumpfsegmente erhalten bleibt. Als durch festsitzende
Lebensweise stark modificirter Seitenzweig des Trilobitenstammes
dürften die Cirripedien aufzufassen sein, deren älteste Vertreter
(Pedunculata) sich durch einen reichlich segmentirten Panzer
auszeichnen. Im Gegensatz zu diesen Gliedern des Trilobitenstammes
tritt im Phyllocaridenstamm schon frühzeitig eine Verschmelzung der
Rumpfsegmente mit dem Kopfe im Panzer und grösstentheils im Weichkörper
ein und diese giebt sich in dem Auftreten eines Kopfbrustschildes zu
erkennen. Bei den Phyllopoden, Leptostraca und Thoracostraca bleibt
der Hinterleib segmentirt und beweglich, und die Augen rücken in den
beiden letztgenannten Gruppen nach vorn und kommen auf bewegliche
Stiele zu stehen. Die Larve der Thoracostraca zeigt uns das Bild
eines Phyllocariden (Zooea-Stadium -- Fig. 569). Bei den Ostracoden
geht mit der Einbeziehung des Hinterleibes in die zweiklappige,
phyllocaridenartige Schale ein Verlust der Segmentation Hand in Hand.
Die Copepoda sind fossil unbekannt.
Im Cambrium giebt es eine Trilobitenform, welcher man wegen ihres
ausserordentlich grossen, in der Mitte der Länge nach getheilten
Kopfschildes (Hydrocephalus) eine Mittelstellung zwischen Trilobiten
und Phyllocariden einzuräumen geneigt sein könnte; im Uebrigen fehlen
aber Zwischenglieder der beiden Stämme bisher noch vollständig.
Der merkwürdigen Uebereinstimmung, welche sich in der Zahl der
Kopfanhänge und der Gliederung des Körpers zwischen den Xiphosura
und Gigantostraca zu erkennen giebt, wurde schon oben gedacht.
Kaum geringer dürfte die Aehnlichkeit zwischen den Gigantostraca
und gewissen Arachnoideen, insbesondere mit den Arthrogastra (mit
gegliedertem Hinterleibe) anzuschlagen sein.
2. Klasse: Arachnoidea.
Litteratur über Arachnoidea.
Zittel. Handbuch der Paläontologie. Bd. II, p. 721.
Schon aus dem Obersilur kennt man Reste von Scorpionen und in der
Steinkohlenformation findet sich die Gruppe der Anthracomarti mit z.
Th. reducirten Abdominalsegmenten weit verbreitet. Aus dieser Zeit
kennt man auch die ältesten echten Spinnen (Araneae). Die meisten
paläozoischen Arthrogastra sind Wasserbewohner, die ältesten jedenfalls
Bewohner des Meeres gewesen, während die jüngeren z. Th., die heutigen
ausnahmslos an den Aufenthalt in der Luft angepasst sind.
3. Klasse: Myriapoda (Tausendfüssler).
Litteratur über Myriapoda.
Zittel. Handbuch der Paläontologie. Bd. II, p. 721.
Am wurmartigen Körper scheidet sich nur der Kopf als besondere
Leibesregion ab; nur selten verwachsen einige Körpersegmente mit
demselben. Scheinbar kommen bei manchen lebenden und fossilen Formen 2
Anhangspaare auf 1 Segment.
Fossile Vertreter finden sich schon im Devon (Old red sandstone), mit
einiger Häufigkeit in der Steinkohlenformation. Die ersteren sind
wahrscheinlich Meeres-, die letzteren Süsswasserbewohner gewesen. Aus
mesozoischen Schichten sind die Tausendfüssler nicht mit Sicherheit
bekannt. Dagegen erweisen sich die Oligocänschichten Europas (Bernstein
des Samlandes, Süsswassergyps von Aix-en-Provence, Braunkohle von Rott
a. Niederrhein) und Nordamerikas (Green River-Schichten) als reich an
Myriapodenresten, die sich in die heutigen Ordnungen der Chilopoda und
Diplopoda einreihen lassen, während für die paläozoischen Formen die
Ordnungen der
Protosyngnatha (wenige Segmente, raupenähnlich, Oberfläche mit
Nadelbüscheln -- Steinkohlenformation) und
Archipolypoda (zahlreiche Segmente, z. Th. abwechselnd verschieden
gestaltet -- Devon und Steinkohlenformation)
aufgestellt wurden.
4. Klasse: Hexapoda (= Insecta).
Litteratur über Hexapoda.
Scudder, S. H., in Zittel’s Handbuch der Paläontologie Bd. II, p.
747-749, 751-753.
Fossile Insekten sind in grosser Menge bekannt (ca. 2600 Arten), aber
ihr Vorkommen beschränkt sich auf Ablagerungen im Süsswasser oder
bestimmte marine Absätze, in welche sie durch die herrschenden Winde
hineingetragen wurden. Die hauptsächlichsten Fundpunkte (zumeist
gleichzeitig auch solche für Myriapoden und Spinnen) sind:
Miocän: Oeningen (Baden), Rott a. Niederrhein, Radoboj (Kroatien),
Parschlug (Steiermark).
Oligocän: Bernstein des Samlandes, Brunstatt b. Mülhausen
(Ober-Elsass), Aix (Provence), Florissant (Colorado),
Green River (Nordamerika).
Eocän: Insel Wight, Phosphorite von Quercy.
Oberer Malm: Südengland (Purbeck), Solnhofen (Franken).
Lias: Schambelen (Ct. Aargau), England, Mecklenburg.
Trias: Südpark (Colorado).
Perm: Lebach b. Saarbrücken, Weissig (Sachsen).
Carbon: Commentry und Allier (Frankreich), Mason Crag (Illinois),
Saarbrücken, Wettin b. Halle, Manebach (Thüringen), Belgien,
England.
Devon: Nordamerika.
Alle Abtheilungen der heutigen Hexapoden sind aus mesozoischen und
känozoischen Ablagerungen bekannt; die meisten jungfossilen lassen sich
ohne grosse Schwierigkeiten in die Ordnungen und Unterordnungen der
A. Heterometabola:
1) Orthoptera (Schaben, Heuschrecken, Eintagsfliegen, Libellen),
2) Neuroptera (Köcherfliegen),
3) Hemiptera (Wanzen),
4) Coleoptera (Käfer);
B. Metabola:
5) Diptera (Fliegen),
6) Lepidoptera (Schmetterlinge),
7) Hymenoptera (Bienen, Ameisen)
einreihen. Anders die paläozoischen und ein Theil der triadischen
Formen. Sie werden als
Palaeodictyoptera
zusammengefasst. Nach Scudder lassen sich dieselben in drei Gruppen
zertheilen, welche die Charaktere der Orthoptera, Neuroptera und
Hemiptera mehr oder minder ausgeprägt zur Schau tragen. Aber die
beiden Flügelpaare waren fast vollständig gleichmässig entwickelt und
die dünne Flügelhaut besass eine einfache Nervatur. Es waren zumeist
grosse und kräftige Thiere. Erst im Mesozoicum soll die Differenzirung
der Flügelpaare sich ausgebildet haben. In diese Zeit fällt die
Hauptentwickelung der Heterometabola mit Ausnahme der Käfer, welch’
letztere erst mit den Metabola in den känozoischen Schichten und in der
Gegenwart den Höhepunkt erreichen.
IX. Kreis: Tunicata (Mantelthiere).
Der Körper der Tunicata enthält keine Hartgebilde; es sind daher auch
keine fossilen Reste aus dieser Thiergruppe bekannt.
Anhang zu den Evertebraten.
Eine Anzahl erst unvollständig gekannter oder nicht bestimmt gedeuteter
Fossilien, wie das präcambrische Eozoon, die Archaeocyathinae,
Receptaculitidae u. a., wurden in der vorhergehenden Darstellung der
wirbellosen Thiere übergangen. Zum Schlusse möge noch einer Gruppe von
Körpern gedacht werden, die den Namen Fossilien in bedingter Weise
Verdienen, der
Organolithe.
Als solche bezeichnet man mikroskopisch kleine, zumeist
scheibenförmige, oft manschettenknopfartige oder stabförmige
Kalkkörperchen (Fig. 610), die in grossen Mengen in den heutigen
Meeresabsätzen gefunden werden, mit gleicher Häufigkeit aber in allen
Kalksteinen und Mergeln aus früheren Erdperioden anzutreffen sind,
soweit dieselben keine tiefgreifende Umkrystallisation erfahren haben.
So besteht namentlich die weisse Schreibkreide zum überwiegenden
Theile aus Coccolithen und Discolithen (A-C) oder ähnlichen, weniger
regelmässig umgrenzten Kalkkörperchen. Dieselben werden häufig nicht
aus einem einzigen Kalkspathkrystall, vielmehr aus sehr zahlreichen,
aber äusserst kleinen, entweder ungefähr parallel orientirten oder
nach Art der Sphärokrystalle radial um einen Punkt angeordneten
Kryställchen gebildet; das letztere ist bei den Coccolithen der
Fall, welche dementsprechend eine feine radiale Streifung (Fig. 610
B) und zwischen gekreuzten Nicols ein schwarzes Interferenzkreuz
erkennen lassen. Alle Versuche, diese Körper als das Product eines
bestimmten, sehr niedrig organisirten marinen Lebewesens (Bathybius)
hinzustellen, sind gescheitert, obgleich es kaum zweifelhaft sein
kann, dass bei ihrer Bildung organische Thätigkeit wirksam war und
ist. Denn wir kennen keinen Vorgang, durch welchen der im Meerwasser
kaum spurenweise gelöste kohlensaure Kalk in bedeutenderen Mengen
zum Absatz gebracht werden könnte, da der in das Meer in gelöster
oder aufgeschwemmter Form eingeführte kohlensaure Kalk sofort in das
schwefelsaure (bez. Haloid-) Salz übergeführt wird. Ein einfacher
Versuch lehrt, dass Eiweisssubstanz, in Gyps- oder Chlorcalciumhaltigem
Wasser der Zersetzung überlassen, kohlensauren Kalk in der Form
einfacher, scheibenförmiger, kugeliger oder stabförmiger Coccolithen
ausscheidet. Die Ausscheidung erfolgt durch das bei der Zersetzung
entstehende kohlensaure Ammoniak. Das Restproduct der Eiweisssubstanz
(eine stickstoffärmere, dem Chitin, Conchyliolin, Spongin etc.
ähnliche, sehr widerstandsfähige Masse) umgiebt die ausgeschiedenen
Kalkspathkryställchen als feine Häutchen und macht sie dadurch weniger
leicht angreifbar. Sein Vorhandensein verhindert die Bildung einfacher
Krystalle und verursacht die Sphärostructur. Nach diesem Versuche zu
schliessen findet eine Ausscheidung von kohlensaurem Kalk überall dort
im Meerwasser statt, wo Eiweiss- oder überhaupt Stickstoffhaltige
Substanzen der Verwesung anheimfallen. Das geschieht aber nicht nur an
abgestorbenen Organismen, sondern auch an der Körperoberfläche sehr
vieler, wenn nicht aller Wasserthiere. Auch solche Theile lebender
Wasserthiere, welche keine Kalkschale besitzen, wie z. B. der Fuss und
Sipho der Zweischaler, die ganze Oberfläche nackter Mollusken etc.
etc., sind in der Regel mit einem Ueberzuge von Conchyolin oder Chitin
bedeckt und letzterer enthält ausnahmslos kleine Kalkkörper zumeist
von unregelmässiger Begrenzung. Diese werden mit dem Chitinüberzuge
abgeworfen und tragen zur Bildung des Kalkschlammes auf dem Meeresboden
bei. Es erscheint dieser Vorgang der Kalkausscheidung wesentlich
identisch mit demjenigen, welcher zur Bildung fester Kalkschalen führt,
wobei das lösliche Kalksalz z. Th. vom umgebenden Medium oder (wie bei
den Landschnecken) ausschliesslich durch den Lebensprozess zugeführt
wird.
[Illustration: Fig. 610. Organolithe des Tiefseeschlammes. A Coccolith
im Querschnitt, B derselbe in der Flächenansicht, C Discolith, D
Cyatholith, E Rhabdolithe, F Coccosphären (um eine Kugel angeordnete
Coccolithe), G Rhabdosphären (um eine Kugel angeordnete Rhabdolithe).
Alle in sehr starker Vergrösserung.]
Hiernach scheint es berechtigt zu sein, alle in heutigen Meeren
entstandenen Absätze von kohlensaurem Kalk als durch organische
Thätigkeit bedingt anzusehen und diese Auffassung auch auf alle die
überwiegende Menge der kalkigen Sedimente aus früheren Zeiten unter der
Voraussetzung auszudehnen, dass die chemischen Vorgänge in den Meeren
der Vorzeit ähnliche waren, wie heut zu Tage. In diesem Sinne sind alle
marinen Kalksteine als Fossilien (zumeist durch Evertebrata erzeugt)
anzusprechen.
Unter welchen Bedingungen die zierlichen, stabförmigen Gebilde,
welche man als Rhabdolithen bezeichnet, gebildet werden, bleibt noch
zweifelhaft; sie finden (Fig. 610 E, G) sich mit den Coccolithen
zusammen im Tiefseeschlamm.
In bedingter Weise dürfte eine gleiche, d. h. wesentlich durch
organische Thätigkeit bedingte Entstehung auch für andere im Meere
abgesetzte Substanzen, wie die amorphe Kieselerde, das Eisenoxydhydrat
etc. geltend zu machen sein.
X. Kreis: Vertebrata (Wirbelthiere).
Von Dr. L. Döderlein.
Wirbelthiere sind bilateral symmetrische, innerlich segmentirte Thiere
mit knorpeligem oder knöchernem Innenskelet und höchstens zwei Paar
Gliedmassen. Das gegliederte Achsenskelet (Wirbelsäule) entwickelt sich
um die Chorda dorsalis; dorsal von derselben liegt das Nervencentrum,
ventral die Eingeweidehöhle.
Die durch reichlichere Verkalkung fossil erhaltungsfähigen Theile
des Wirbelthierkörpers gehören entweder dem Innenskelet an, oder es
sind Hautverknöcherungen. Am Innenskelet sind zu unterscheiden die
Wirbelsäule mit ihren Anhängen, der Schädel mit dem Visceralskelet
und das Skelet der paarigen und unpaaren Gliedmassen. Meist ist das
Innenskelet knorpelig angelegt. Dieser Knorpel kann aber Kalksalze
aufnehmen (Kalkknorpel der Chondropterygii), oder er kann theilweise
oder ganz durch Knochen ersetzt werden, der die charakteristischen
sternförmigen Knochenkörperchen enthält (Knorpelknochen der Euichthyes
und Quadrupeda).
Hautverknöcherungen (in der äusseren Haut und in den Wandungen der
Mundhöhle) finden sich in ihrer ursprünglichsten Gestalt als kleine
Hautzähnchen ausgebildet (Placoidschuppen der Selachii), auf die
sich die mannigfaltigen übrigen Hautgebilde, wie Stacheln, Zähne,
Schuppen, Knochenschilder und -platten (Hautknochen) zurückführen
lassen; letztere können zu Theilen des Innenskelets (Schädel und
Schultergürtel) in so innige Beziehungen treten, dass sie zuletzt
wesentliche Bestandtheile desselben bilden (Deck- oder Belegknochen
oder secundäre Knochen); Hautgebilde anderer Art sind die
Flossenstrahlen sowie vielleicht die Knochenplatten, welche den Panzer
der Edentaten u. s. w. zusammensetzen.
1. Die Wirbelsäule und ihre Anhänge.
Als Grundlage der Wirbelsäule erscheint stets zuerst (Fig. 611)
die Chorda dorsalis (ch -- Wirbelsaite), ein ungegliederter,
gallertartiger, elastischer Längsstrang, umgeben von der ebenfalls
ungegliederten häutigen Chordascheide (c). In jedem Körpersegmente
können sich, median von der Rumpfmusculatur, unmittelbar über der
Chordascheide ein Paar dorsale, das Rückenmark (N) umfassende, oft auch
ein Paar ähnliche ventrale Knorpelspangen erheben, die oberen (ob) und
die unteren (ub) Wirbelbögen (Neuralbögen und Hämalbögen). Nur bei den
niedersten Fischen erhält sich dieser Zustand der Wirbelsäule während
des ganzen Lebens.
Gewöhnlich gliedert sich die nunmehr knorpelig werdende Chordascheide
in ebenso viele ringförmige Abschnitte, als sie obere Wirbelbogenpaare
trägt. Jeder solche Abschnitt mit dem dazu gehörigen Stück der Chorda
bildet ein Wirbelcentrum (c + ch, primitiver Wirbelkörper). Das
Wirbelcentrum in Verbindung mit den plattenartigen Basen der dazu
gehörigen Wirbelbögen, von denen es meist umwachsen wird, stellt den
(secundären) Wirbelkörper (k) dar. Wirbel wird der Wirbelkörper mit
seinen unbeweglichen Anhängen genannt.
[Illustration: Fig. 611. Schwanzwirbel eines Fisches im Querschnitt,
schematisch. N = Rückenmarkscanal; c = Chordascheide; ch = Chorda
dorsalis; ob = oberer Wirbelbogen; od = oberer Dornfortsatz; ub =
unterer Wirbelbogen; ud = unterer Dornfortsatz. Schraffirt sind die
Theile der Wirbelbögen, die an der Bildung des Wirbelkörpers (k)
theilnehmen. ft = Flossenträger; fs = Flossenstrahl.]
[Illustration: Fig. 612. Amphicöle Wirbel von Ichthyosaurus mit
getrennten oberen Bögen. n = oberer Dornfortsatz; o = obere, u = untere
Gelenkfläche für die beiden Rippenköpfe; z = Gelenkfortsatz; k =
Wirbelkörper.]
[Illustration: Fig. 613. Procöler Wirbel von Palaeophis typhaeus
Ow. Londonthon von England. d = oberer Dornfortsatz; h = hinterer
Gelenkkopf des Wirbelkörpers; r = Querfortsatz mit Gelenk für die
einköpfige Rippe; z = vorderer, z’ = hinterer Gelenkfortsatz.]
Bei höheren Formen tritt bald Verknöcherung (bez. Verkalkung:
Chondropterygii) an den Wirbeln auf, die geringeren oder grösseren
Umfang erreichen kann; stets finden sich zuerst die Wirbelbögen und
ihre Anhänge verknöchert; nach dem Verhalten des Wirbelcentrums
lassen sich verschiedene Stufen der Wirbelbildung annehmen:
1. Wirbelcentrum nicht verknöchert (Chordascheide noch ungegliedert):
Nacktwirbel (Fig. 618, 645).
2. Wirbelcentrum durch ein Paar getrennter oder dorsal verwachsener
Knochenstücke (Pleurocentra) dargestellt: rhachitome Wirbel (Fig. 614)
und Halbwirbel (Fig. 710).
3. Wirbelcentrum durch einen von der (persistirenden) Chorda noch
durchbohrten Knochenring dargestellt: Ring- oder Hohlwirbel.
4. Wirbelcentrum vollständig (bis zur Mitte) verknöchert, durch
Ligamente oder Nähte von den oberen Bögen getrennt (Fig. 612 u. 615).
5. Wirbelcentrum vollständig verknöchert, mit den oberen Bögen
vollkommen verschmolzen (synostosirt oder ankylosirt Fig. 613).
Meist sind die einzelnen Wirbelkörper gegen einander beweglich,
entweder nur durch elastisches Gewebe oder auch durch Gelenke mit
einander verbunden; öfter verwachsen mehrere Wirbelkörper mit einander
zu einer unbeweglichen Masse. Die Chorda kann durch Knorpel- oder
Knochenmassen, die von der Chordascheide aus entstehen, eingeschnürt
oder schliesslich ganz zum Schwunde gebracht werden, entweder nur
vertebral (in der Mitte der Wirbel) oder auch intervertebral (zwischen
den Wirbeln). Man unterscheidet danach verschiedene Arten von Wirbeln:
1. Wird die Chorda nur vertebral eingeschnürt oder ganz verdrängt,
während sie intervertebral noch wohl erhalten bleibt, so entstehen die
sanduhrförmigen biconcaven oder amphicölen Wirbelkörper (Fig. 612).
2. Wird die Chorda auch intervertebral verdrängt durch Knorpel- oder
Knochenmassen, welche förmliche Gelenke herstellen, so entstehen die
opisthocölen Wirbelkörper mit vorderem Gelenkkopfe und hinterer
Gelenkgrube (Gelenkpfanne), oder umgekehrt die procölen mit hinterem
Gelenkkopfe (Fig. 613 h) und vorderer Gelenkgrube.
3. Die Chorda kann intervertebral verdrängt werden durch elastische
Zwischenwirbelscheiben, welche die meist biplanen (vorn und hinten
ebenen) Wirbelkörper mit einander verbinden (Mammalia).
[Illustration: Fig. 614. Rhachitome Wirbel von Archegosaurus. A
Rumpfwirbel. B Schwanzwirbel. i = Intercentrum; p = Pleurocentra; ob,
od = oberer Bogen mit Dornfortsatz; ub = unterer Dornfortsatz; z =
vorderer, z’ = hinterer Gelenkfortsatz. Der von den Y-förmigen unteren
Dornfortsätzen eingeschlossene mediane Canal für die Blutgefässe ist
sichtbar.]
Die beiden Hälften eines oberen oder eines unteren Bogenpaares
verwachsen häufig am distalen Ende (mit oder ohne Hinzutreten eines
besonderen Knochenstückes) und bilden die oft sehr verlängerten
oberen und unteren Dornfortsätze (Fig. 611, 618 u. 619 od u. ud --
Processus spinosus). Die unteren sind fast immer auf die Schwanzwirbel
beschränkt. an denen sie oft Y-förmige ventrale Anhänge bilden (Fig.
617 ud u. 619 ub, Sparrknochen oder chevron bones). Intercentrum (Fig.
614, 615 i) oder Hypocentrum wird die oft selbständig verknöchernde
Basis der unteren Bögen genannt; dasselbe kann sehr verschieden
entwickelt sein:
1. Intercentrum wohl entwickelt, durch paarige Platten oder unpaare
Halbringe (oft keilförmig, wenn von der Seite gesehen) dargestellt,
die etwa die untere Hälfte der Wirbelkörper (Halbwirbel) bilden (Fig.
614, 620 u. 710 i), frei oder mit dem übrigen Wirbelkörper verwachsen
(Pisces und einige Stegocephali).
2. Intercentrum wohl entwickelt, durch Knochenringe dargestellt, die
je zwei Wirbelcentra vollständig von einander trennen, so dass der
Wirbelkörper in zwei hinter einander liegende Hälften getrennt
erscheint (embolomere Wirbel: Fig. 616 i, 711 B; einige Pisces und
Stegocephali).
3. Intercentrum rudimentär, durch winzige Knochenstückchen
dargestellt, die ventral an der Grenze je zweier Wirbelkörper liegen
(Fig. 615 i; einzelne Quadrupeda).
4. Intercentrum gar nicht verknöchert (die übrigen Quadrupeda).
[Illustration: Fig. 615. Zwei präsacrale amphicöle Wirbel von
Palaeohatteria. i = Intercentrum; c = Wirbelcentrum; ob = obere Bögen
mit Dornfortsatz (od); z, z’ = Gelenkfortsätze.]
[Illustration: Fig. 616. Embolomere Wirbel aus der Brustregion von
Cricotus. i = Intercentrum; k = Wirbelkörper; d = Gelenk für den
oberen, p = für den unteren Rippenkopf; od = oberer Dornfortsatz; z, z’
= Gelenkfortsätze.]
[Illustration: Fig. 617. Zwei Schwanzwirbel von Palaeohatteria. ud =
untere Dornfortsätze.]
[Illustration: Fig. 618. Zwei Schwanzwirbel von Pycnodus platessus
(Nacktwirbel). ob = oberer, ub = unterer Bogen; od = oberer, ud =
unterer Dornfortsatz.]
[Illustration: Fig. 619. Schema eines Schwanzwirbels von Reptilien
mit Y-förmigen unteren Bögen (ub). c = Wirbelcentrum; od = oberer,
ud = unterer Dornfortsatz; q = Querfortsatz: z = Gelenkfortsatz; N =
Rückenmarkscanal.]
[Illustration: Fig. 620. Rumpfwirbel eines Fisches, schematisch. c =
Chordascheide; ch = Chorda; ob = obere Bögen mit Dornfortsatz (od);
ub = untere Bögen; i = deren basaler Theil (Intercentrum); r = Rippe
(Pleuralbogen); N = Rückenmarkscanal. Schraffirt sind die Theile der
Wirbelbögen, welche an der Bildung des Wirbelkörpers theilnehmen.]
In der Rumpfregion der meisten Fische (Fig. 620) gliedern sich die
Enden der unteren Bögen von der Basis (i) ab und bilden Rippen
(r) (Pleuralbögen im Gegensatze zu den echten Rippen), welche die
Leibeshöhle umschliessen. Die Rippen der übrigen Wirbelthiere (echte
Rippen) sind abgegliederte und selbständig verknöchernde Theile
von seitlichen, in die Seitenmuskulatur hineinragenden Fortsätzen
(Rippenfortsätze oder Pleurapophysen), die von der Basis der
Wirbelbögen entspringen. Bei den Quadrupeda entspringen von der Basis
der oberen Bögen jederseits meist zwei Rippenfortsätze (Fig. 621, 622
r₁ u. r₂) über oder hinter einander an einem Wirbel; nur der eine
derselben ist wohl entwickelt und als bewegliche Rippe abgegliedert
(bei Sauropsida der obere, Fig. 621 r, bei Mammalia der untere, Fig.
622 r), mit der dann der andere weniger entwickelte verwächst (Fig.
621 r₂) oder in Gelenkverbindung (Fig. 622 r₁) steht (doppelköpfige
Rippen). Nicht abgegliederte Rippenfortsätze (Fig. 619 q, 622 r₁) oder
die die Rippen tragenden Wurzelstücke derselben (Rippenträger, Fig. 621
q) werden Querfortsätze genannt.
[Illustration: Fig. 621. Rückenwirbel (links), bez. Halswirbel (rechts)
eines Reptils, schematisch.]
[Illustration: Fig. 622. Rückenwirbel (links), bez. Halswirbel (rechts)
eines Säugethieres, schematisch.
c = Wirbelcentrum; ca = Rippenkopf (Capitulum); f = Foramen
transversarium; ob = distal verwachsene obere Bögen; od = Dornfortsatz;
r = Rippe; r₁ = oberer Rippenfortsatz (q = Querfortsatz); r₂ = unterer
Rippenfortsatz; st = Sternum; t = Rippenhöcker (Tuberculum); z =
Gelenkfortsatz; N = Rückenmarkscanal. Schraffirt sind die Theile der
oberen Bögen, die mit dem Centrum an der Bildung des Wirbelkörpers
theilnehmen.]
In der Brustgegend der meisten höheren Wirbelthiere verwachsen die
verbreiterten ventralen Enden der beiderseitigen Rippen mit einander
und bilden das meist unpaare Brustbein oder Sternum (Fig. 621 u. 622 st)
Gelenkfortsätze (Zygapophysen) (Fig. 613-617), ein vorderes (z) und
ein hinteres (z’) Paar, entspringen jederseits an den oberen Bögen
derart, dass je ein solcher nach hinten gerichteter Fortsatz in
Gelenkverbindung steht mit einem nach vorn gerichteten Fortsatze
des folgenden Wirbels; dadurch wird eine festere Verkettung der
einzelnen Wirbel unter einander erzielt, als durch die Verbindung
der Wirbelkörper allein möglich ist. Bei allen landbewohnenden
Wirbelthieren sind Gelenkfortsätze sehr wohl ausgebildet.
2. Der Schädel mit dem Visceralskelet.
Der Schädel bildet ursprünglich (wie jetzt noch bei Selachiern
Fig. 623) eine Knorpelkapsel um das Gehirn, deren Ausläufer die
Hauptsinnesorgane, Nase (N), Auge (A) und Ohr (O) umschliessen und
schützen (Primordialcranium). Unter und hinter diesem Schädel liegen
eine Anzahl paariger, ventral geschlossener Knorpelbögen, die die Mund-
und Kiemenhöhle umschliessen (Visceralskelet), und von denen die beiden
vordersten am Primordialcranium befestigt sind. Das Primordialcranium
in Verbindung mit diesen beiden vordersten Visceralbögen bildet die
Grundlage des Schädels der höheren Wirbelthiere.
[Illustration: Fig. 623. Scyllium canicula Cuv. Recent; Schädel und
Visceralskelet von der Seite. N = Nasenregion, A = Augenregion, O =
Ohrregion des Primordialcraniums. br = Kiemenstrahlen des Hyoidbogens
(Kiemenhautstrahlen); hm = Hyomandibulare; hy = Hyoideum; k =
Kiemenstrahlen der Kiemenbögen; l = Lippenknorpel; md = Mandibula; pq
= Palatoquadratum; r = Rostrum; x = Ectobranchialia; 1-5 = erster bis
fünfter Kiemenbogen.]
Der erste Visceralbogen (pq + md, Kieferbogen) bildet die
ursprünglichen Kiefer und besteht aus einem oberen Stück,
Palatoquadratum (pq, oder Palatopterygoid), und einem unteren damit
articulirenden Stück, dem Unterkiefer (md, Mandibula oder Meckel’scher
Knorpel). Das obere Stück des zweiten Visceralbogens (hm + hy, Hyoid-
oder Zungenbeinbogens) ist das Hyomandibulare (hm), das den Kieferbogen
mit dem Hinterende des Schädels verbindet und oft als Träger des
Unterkiefers (Suspensorium) dient; das untere Stück des zweiten Bogens
ist das Hyoideum (hy, Ceratohyale oder Zungenbein). Die folgenden Bögen
(1-5) sind die eigentlichen Kiemenbögen, zwischen und vor denen sich
seitlich die Kiemenspalten öffnen. Jeder Bogen des Visceralskeletes
kann Kiemenstrahlen (br und k) tragen. Das Palatoquadratum und das
Hyomandibulare sind oft mit dem Primordialcranium verschmolzen, mit
welchem dann Unterkiefer und Zungenbein direkt articuliren (Autostylie
bei Holocephali, Dipnoi, Quadrupeda).
Bei den meisten Wirbelthieren entstehen in der äusseren Kopfhaut
Hautknochen (Deck- oder Belegknochen), die bei niederen Formen oft
einen fast geschlossenen Kopfpanzer (Fig. 677) bilden, welcher bei
höheren Formen zum Theil wieder schwindet; auch im Dach der Mundhöhle
(Schädelbasis) entstehen derartige Knochen. Ein Theil der Deckknochen
tritt in innige Verbindung mit dem knorpeligen Innenschädel, der
stellenweise durch die auflagernden Deckknochen verdrängt und ersetzt
oder ergänzt wird. Ferner kann der Knorpel des Innenschädels selbst
von verschiedenen Ossificationspunkten aus in Knochen (Knorpelknochen)
sich umwandeln. In Folge davon wird der ursprünglich knorpelige Schädel
allmählich zum Theil oder ganz durch einen aus Deck- und Knorpelknochen
bestehenden knöchernen Schädel ersetzt. Soweit die Deckknochen, ihrer
ursprünglichen Aufgabe entsprechend, als Kopfpanzer die äussere
Oberfläche des Kopfes bilden, sind sie äusserlich skulptirt, selbst oft
schmelzbedeckt, während sie glatt und schmelzlos erscheinen, wo sie von
dickeren Hautlagen bedeckt sind und wesentlich nur noch zur Ergänzung
des Innenschädels dienen. Die einzelnen Schädelknochen sind entweder
durch Bänder oder Gelenke beweglich oder durch Nähte unbeweglich
mit einander vereinigt, oder sie können endlich ganz mit einander
verschmelzen ohne Nähte (Synostose). Es lassen sich verschiedene Stufen
in der Ausbildung des Wirbelthierschädels unterscheiden:
1. Innenschädel knorpelig, ohne Deckknochen (Chondropterygii --
Fig. 623, 645).
2. Innenschädel knorpelig, mit einzelnen Deckknochen (manche Dipnoi
und Heterocerci?).
3. Innenschädel knorpelig; Deckknochen bilden einen geschlossenen
äusseren Kopfpanzer (Placodermi -- Fig. 669, manche Dipnoi --
Fig. 676, zahlreiche ältere Teleostomi -- Fig. 677, zahlreiche
Stegocephali -- Fig. 741).
4. Hirnkapsel (auch andere Theile des Innenschädels) zum Theil
verknöchert; Deckknochen bilden noch einen geschlossenen äusseren
Kopfpanzer (Polypterus, Lepidosteus, viele Stegocephali -- Fig.
756).
5. Hirnkapsel zum Theil verknöchert; der ursprüngliche Kopfpanzer
ist mehr oder weniger lückenhaft (die meisten jüngeren Teleostomi,
die modernen Amphibia, die meisten Reptilia -- Fig. 730).
6. Hirnkapsel vollkommen verknöchert; der ursprüngliche Kopfpanzer
ist sehr lückenhaft (Ophidia, Pterosauria, Aves, Mammalia).
[Illustration: Fig. 624. Hatteria punctata Gray. Lebend. Neuseeland.
Schädel von der Unterseite. Ch = Choanen; co = Hinterhauptsgelenk;
g = Gelenkfläche für den Unterkiefer auf dem Quadratum; im =
Intermaxillare; j = Jugale; m = Maxillare; o = Opisthoticum; ob =
Basioccipitale; p = Parietale; pa = Palatinum; pt = Pterygoid; q
= Quadratum; qj = Quadratojugale; sb = Basisphenoid mit vorderem
schnabelförmigem Fortsatze, dem rudimentären Parasphenoid; st = Stapes;
tr = Transversarium; v = Vomer.]
Von wichtigeren Schädelknochen sind folgende zu nennen:
a. Durch Verknöcherung des Primordialcraniums entstehen (Fig. 625) die
4 Hinterhauptsbeine oder Occipitalia, nämlich 1 Occipitale basilare
(ob -- Basioccipitale), 2 Occ. lateralia (co -- Exoccipitalia), 1
Occ. superius (o.s -- Supraoccipitale), die alle an der Begrenzung
des Foramen magnum (F) theilnehmen können; kommt es zur Bildung einer
Gelenkverbindung (co) des Schädels mit dem ersten Wirbel (Atlas),
so können sich daran die beiden Occipitalia lateralia (Fig. 625 co)
und das O. basilare (Fig. 624 co) betheiligen. Aus der Basis des
Primordialcraniums entsteht vor dem Occipitale basilare (o.b) das
unpaare Basisphenoid (sb), manchmal auch ein Präsphenoid, und an
den Seiten paarige Alisphenoide (as) und Orbitosphenoide; nach vorn
entsteht das unpaare Ethmoid, in der Gehörregion das paarige Prooticum,
Epioticum und Opisthoticum (Fig. 624 o).
[Illustration: Fig. 625. Sus scrofa. Lebend. Schädel von unten. co =
Hinterhauptshöcker an den Occipitalia lateralia; im = Intermaxillare;
j = Jugale; mx = Maxillare; ob = Occipitale basilare; os = Occipitale
superius; pe = Petrosum; pl = Palatinum; pm = Processus paramastoideus;
pt = Pterygoid; sb = Basisphenoid; t = Temporale; ty = Tympanicum;
C = Choanenöffnung; F = Foramen magnum; dc = Milcheckzahn; di₁₋₃ =
Milchschneidezähne; d₁₋₄ = Milchbackzähne; m₁₋₂ = Molaren.]
[Illustration: Fig. 626. Dawsonia polydens Fritsch. Carbon. Nyran,
Böhmen. Schädel von unten. im = Intermaxillare; m = Maxillare; pa =
Palatinum; ps = Parasphenoid; pt = Pterygoid; v = Vomer.]
b. Als Deckknochen entsteht auf der Schädelbasis als Dach der Mundhöhle
hinten das unpaare Parasphenoid (Fig. 626 ps), mächtig entwickelt bei
Fischen und Amphibien, sonst rudimentär und in das Basisphenoid (Fig.
624 sb) aufgenommen, vorn (unter der Ethmoidalregion) der manchmal
paarige Vomer (v -- Pflugscharbein). Auf dem Palatoquadratum entsteht
(Fig. 624 u. 626), jederseits an den Vomer (v) anschliessend, das
Palatinum (pa -- Gaumenbein), dem ein oder mehrere Pterygoide (pt
u. tr -- Flügelbeine) folgen, welche hinten an das Quadratum (q --
Quadratbein) grenzen; dasselbe ist ein Knorpelknochen, der, aus dem
Hinterende des Palatoquadratum entstanden, stets das Unterkiefergelenk
(g) bildet. Das Schädeldach (Fig. 627) bedecken von hinten nach
vorn, an das Supraoccipitale (o.s) anschliessend, die meist paarigen
Parietalia (p -- Scheitelbeine), Frontalia (f -- Stirnbeine, oft
mehrfach) und Nasalia (n -- Nasenbeine). Vom Quadratbein (q) zum
Parietale (p) zieht oft das Squamosum (Fig. 627 sq oder Mastoideum,
über dem ursprünglichen, häufig verknöcherten Hyomandibulare). Am
Unterkiefer entsteht jederseits von hinten nach vorn (Fig. 627) ein
Articulare (art), Angulare (ang), Supraangulare (sa), Spleniale und das
zahntragende Dentale (d); von diesen ist nur das das Gelenk bildende
Articulare (art) ein Knorpelknochen. Der am reinen Knorpelschädel durch
das Palatoquadratum dargestellte obere Mundrand wird bei den höheren
Fischen und den Quadrupeda von Deckknochen gebildet (Fig. 624 u.
627), dem Prä- oder Intermaxillare (im -- Zwischenkieferbein) und dem
Maxillare (m -- Oberkieferbein), die durch ein Jugale (j -- Jochbein)
und Quadratojugale (qj) sich mit dem Quadratum (q) verbinden können.
Die Anzahl der Deckknochen des Kopfes ist durchschnittlich am grössten
bei Fischen, geringer ist sie bei Reptilien, am kleinsten bei Säugern.
[Illustration: Fig. 627. Ichthyosaurus tenuirostris Conyb. Lias von
Württemberg. Schädel von der Seite und von oben, etwas schematisch. ang
= Angulare; art = Articulare; d = Dentale; F = Foramen parietale; f =
Frontale; fa = Praefrontale; fp = Postfrontale; im = Intermaxillare; j
= Jugale; l= Lacrymale; m = Maxillare; N = Nasenöffnung; n = Nasale; op
= Postorbitale; os = Occipitale superius; p = Parietale; q = Quadratum;
qj = Quadratojugale; S = obere Schläfengrube; sa = Supraangulare; sc =
Scleroticalring; sq = Squamosum; t.s = Supratemporale.]
Die Kiemenbögen bilden sich bei luftathmenden Wirbelthieren mehr und
mehr zurück.
3. Das Gliedmassenskelet.
Man unterscheidet paarige (seitliche) und unpaare (mediane)
Gliedmassen. Die (nur in einigen Fällen vollständig rückgebildeten)
paarigen Gliedmassen, ein vorderes und ein hinteres Paar, sind
knorpelig angelegt und können später theilweise oder ganz durch
Knochen ersetzt sein. Sie bestehen aus einem im Rumpfe gelegenen
Gliedmassengürtel (Fig. 629 co + sc), dem Schulter- und Beckengürtel,
und aus den frei aus dem Rumpfe hervorragenden äusseren Gliedmassen,
die durch ein Gelenk (Schulter- und Hüftgelenk) mit dem Gürtel
verbunden sind. Mit dem Schultergürtel, aber nicht mit dem Beckengürtel
können Deckknochen von beträchtlicher Ausdehnung in Beziehung treten.
Während der Beckengürtel bei den Quadrupeda fast immer mit gewissen
Wirbeln (Sacralwirbel -- Fig. 628) sich verbindet, geschieht das
niemals bei Fischen.
[Illustration: Fig. 628. Beckengürtel und Sacralwirbel eines Reptils;
schematisch. N = Rückenmarkscanal. Theile des Sacralwirbels: c =
Wirbelcentrum; ob = oberer Bogen; od = Dornfortsatz; q = Querfortsatz,
der das Becken trägt; z = Gelenkfortsatz. Theile des Beckens: il =
Ileum; is = Ischium; p = Pubis; sy = Symphyse des beiden Ischien.
Aeussere Gliedmassen: f = Femur; tf = Tibia und Fibula.]
[Illustration: Fig. 629. Schultergürtel und rechte Brustflosse von
Heptanchus. co + sc = Schultergürtel; fs = Flossenstrahlen; ms =
Mesopterygium; mt = Metapterygium; p = Propterygium; r = Radialia; I =
primäre, II = secundäre Flosse.]
[Illustration: Fig. 630. Linkes Vorderbein von Hatteria punctata
Gray. Neuseeland. A von oben, B von unten. H = Humerus; ect u. ent =
Foramina epicondyloidea. R = Radius; U = Ulna; c, c’ = Centralia; i
= Intermedium; r = Radiale; u = Ulnare; 1-5 = Carpalia des 1. bis 5.
Fingers; mt = Metacarpale; I-V = Endphalangen.]
Die äusseren Gliedmassen können wesentlich zweierlei Art sein, Flossen
oder Beine:
Flossen (Fig. 629) sind zur Bewegung im Wasser ausgebildete Gliedmassen
(häufig vielstrahlig), deren einzelne Skelettheile mit einander nicht
in Gelenkverbindung stehen; sie tragen äussere, der Haut angehörige,
hornige oder knöcherne Flossenstrahlen (Fig. 629 fs), mit diesen ein
breites Ruder bildend.
Beine (Fig. 630, incl. Flügel) sind wenigstens ursprünglich zur
Bewegung auf dem Lande eingerichtete fünfzehige Gliedmassen, die aus
einer Anzahl von gelenkig mit einander verbundenen Abschnitten bestehen
und niemals Flossenstrahlen tragen.
Unpaare Gliedmassen (Flossen) kommen bei Wasserbewohnern vor, sind bei
Fischen stets, bei den höheren Wirbelthieren nie mit Flossenstrahlen
und Flossenträgern versehen.
4. Die Zähne.
Zähne sind verkalkte Papillen der Mundschleimhaut, die zum Ergreifen
und Zerkleinern der Nahrung dienen. Wie sich bei Haien nachweisen
lässt, sind dieselben als umgebildete Placoidschuppen aufzufassen.
Zähne können bei Fischen auf sämmtlichen die Mund- und Kiemenhöhle
begrenzenden Skelettheilen in dichten Haufen auftreten; bei Amphibien
(Fig. 626) und Reptilien (Fig. 624) sind sie auf die Knochen der
Mundhöhle beschränkt, wo sie wenigstens an den Kieferrändern nie mehr
als eine Reihe bilden, trotzdem sie noch in bedeutender Zahl vorhanden
sein können; bei den Säugern (Fig. 625) finden sich Zähne nur noch in
einer Reihe, nur an den Kieferrändern und fast stets in beschränkter
Anzahl; sie verschwinden oft auch ganz.
[Illustration: Fig. 631. Längsschnitt durch einen Säugethierzahn mit
echtem Dentin, schematisch. C = Cement; D = Dentin; P = einfache
Pulpahöhle; S = Schmelz.]
[Illustration: Fig. 632. Schematischer Längsschnitt durch einen
Selachierzahn mit typischem Vasodentin (V, mit weiten Haversischen
Canälen). B = Wurzel; Vi = Vitrodentin.]
An den Zähnen ist der frei hervorragende Theil als Krone von der Wurzel
zu unterscheiden. Die Krone kann kegel- oder pfriemenförmig sein
und spitz enden (Fangzähne, einfach oder mehrspitzig) oder sie ist
schaufel- oder meiselförmig (Schneidezähne), oder verbreitert, polster-
oder plattenförmig (Mahlzähne, oft mit Leisten und Höckern versehen).
Die Wurzel kann einfach oder getheilt sein.
Die Hauptmasse des Zahnes besteht aus Dentinsubstanz (Zahnbein),
das die Pulpa umschliesst; letztere kann in einer einfachen grossen
Höhle (echtes Dentin -- Fig. 631), oder in einer Anzahl von weiten
(Haversischen) Canälen (Vasodentin -- Fig. 632) enthalten sein.
Die Krone ist gewöhnlich mit einer Schmelzschicht (Fig. 631 S --
Email) bedeckt; an der Wurzel kann sich mehr oder weniger reichliches
Knochengewebe (Fig. 631 C -- Cement, selten auch die Krone umgebend)
entwickeln. Das eigentliche Dentin (Fig. 631 D) ist sehr gleichmässig
und wird aus etwa parallel laufenden, sehr feinen Röhrchen gebildet.
Die Zähne können lose, nur durch Weichtheile befestigt, den sie
tragenden Skelettheilen aufsitzen; mitunter stehen sie in einer
gemeinschaftlichen Rinne (holcodont), oder jeder Zahn steckt in einer
besonderen Vertiefung, der Alveole (thecodont); die Zähne können aber
auch mehr oder weniger fest mit dem sie tragenden Knochen verwachsen
sein (acrodont; pleurodont heissen seitlich festgewachsene Zähne).
Zahnwechsel kann das ganze Leben hindurch stattfinden (polyphyodont);
die neuen Zähne entstehen dabei unter oder neben den alten; doch können
auch die einmal entstandenen Zähne das ganze Leben hindurch ausdauern,
ohne Zahnwechsel (monophyodont). Zähne mit grosser Pulpahöhle, in der
oft der Ersatzzahn sich entwickelt, heissen cölodont, ohne solche sind
sie pleodont. Sind die Zähne in einem Gebiss einander ähnlich, so ist
dasselbe isodont, sind sie sehr verschieden von einander, anisodont.
* * * * *
Die Wirbelthiere lassen sich in sechs Klassen eintheilen:
A. Ohne paarige Gliedmassen.
a. Leptocardii, mit Chorda, doch ohne weitere feste Skeletbildung,
ohne Schädel und Gehirn.
1. Klasse: Leptocardii.
b. Cyclostomi, mit Chorda und Knorpelskelet, mit Schädel und
kieferlosem Saugmund.
2. Klasse: Cyclostomi.
B. Mit paarigen (selten rudimentären) Gliedmassen, mit Schädel und
Unterkiefer.
a. Pisces; paarige Gliedmassen sind als Flossen ausgebildet und
mit Flossenstrahlen versehen; ohne Sacralwirbel (p. 529).
3. Klasse: Pisces.
b. Quadrupeda; paarige Gliedmassen sind als fünfzehige Beine
ausgebildet oder auf solche zurückzuführen; ohne
Flossenstrahlen; mit Sacralwirbeln (p. 587).
α. Hinterhauptsgelenk doppelt; Parasphenoid gross; ein
Sacralwirbel.
4. Klasse: Amphibia.
β. Hinterhauptsgelenk einfach; Parasphenoid fehlt oder
rudimentär; zwei oder mehr Sacralwirbel.
5. Klasse: Sauropsida.
γ. Hinterhauptsgelenk doppelt; Parasphenoid fehlt; zwei oder
mehr Sacralwirbel.
6. Klasse: Mammalia.
Die beiden ersten Klassen sind nur lebend bekannt, während die vier
übrigen auch fossil von grösster Wichtigkeit sind.
Die Amphibien müssen in vielfacher Hinsicht als Uebergangsformen
zwischen den Fischen und den höheren Wirbelthieren (Sauropsida und
Mammalia) angesehen werden. Obwohl die nahen, besonders auch in der
Entwicklungsgeschichte ausgesprochenen Beziehungen, welche die Amphibia
mit den Pisces verbinden (Ichthyopsida), durchaus nicht verkannt werden
dürfen, scheint es doch gerechtfertigt, die Amphibia mit den Sauropsida
und Mammalia als eine zusammengehörige Gruppe, Quadrupeda (p. 587),
zu betrachten, deren Athmungs- und Bewegungsorgane dem Leben auf dem
festen Lande angepasst sind, und sie den Pisces (p. 529) gegenüber zu
stellen, deren Athmungs- und Bewegungsorgane sie als reine Wasserthiere
kennzeichnen.
Folgende Uebersicht enthält die wichtigsten osteologischen Unterschiede
zwischen diesen beiden Wirbelthiergruppen:
Pisces. Quadrupeda.
Das Intercentrum nimmt einen Das Intercentrum betheiligt sich gar
beträchtlichen Antheil am Aufbau nicht oder in ganz unbedeutender
aller Wirbelkörper (Fig. 611 u. Weise am Aufbau der Wirbelkörper
620). (Fig. 615, 621, 622) (einige
Stegocephalen ausgenommen).
Die Rippen nehmen grösstentheils Die Rippen (oft Doppelrippen) nehmen
ihre Entstehung von den unteren meist ihre Entstehung von den oberen
Bögen (Fig. 620). Bögen (Fig. 621 u. 622).
Kein Sternum. Meist ein Sternum (Fig. 621 u. 622).
Erster Wirbel nicht wesentlich von Erster Wirbel (Atlas) meist viel
den folgenden verschieden. einfacher als die folgenden.
Keine Sacralwirbel. Sacralwirbel vorhanden (Fig. 628;
ausgenommen einige Formen mit
rückgebildeten Hintergliedmassen).
Untere Dornfortsätze meist gegen Dornfortsätze verschwinden stets
das Schwanzende vergrössert. gegen das Ende der Wirbelsäule.
Schädel meist unbeweglich mit der Schädel stets durch einen oder zwei
Wirbelsäule verbunden. Gelenkköpfe beweglich mit der
Wirbelsäule verbunden.
Sind Deckknochen entwickelt, so Kein knöcherner Kiemendeckel.
findet sich stets ein knöcherner
Kiemendeckel (Fig. 644 k).
Kiemenbögen stets wohlentwickelt Kiemenbögen bei Erwachsenen
(mindestens drei). rudimentär (höchstens drei) oder
fehlend.
Becken sehr klein (Fig. 645). Becken wohlentwickelt (Fig. 628; in
manchen Fällen rückgebildet).
Paarige Gliedmassen sind mit Paarige Gliedmassen sind
Flossenstrahlen versehene Flossen pentadactyle Beine ohne
(Fig. 629). Flossenstrahlen (Fig. 630), oder von
solchen abzuleiten.
Unpaare Flossen stets vorhanden, Unpaare Flossen selten vorhanden,
mit Flossenstrahlen und nie mit Flossenstrahlen oder
Flossenträgern versehen (Fig. 643, Flossenträgern versehen.
645).
Pisces finden sich schon im obersten Silur und sind von da an in allen
Formationen reich vertreten. Amphibia erscheinen zuerst im Carbon,
ihre Blüthezeit erreichen sie im Perm, sind auch noch in der Trias
vorhanden; im Jura und in der Kreide fehlen sie fast ganz, erscheinen
wieder im Tertiär und sind in der Gegenwart wohl vertreten. Die ersten
Sauropsida kommen im Perm vor; während der ganzen Secundärzeit sind sie
die herrschenden Landwirbelthiere, aber nur einzelne Gruppen überleben
die Kreidezeit, besonders die Vögel, um ihre Blüthezeit im Tertiär und
in der Gegenwart zu erreichen. Die jüngste und höchstentwickelte Klasse
ist die der Mammalia, deren älteste Vertreter aus der oberen Trias
stammen, die aber erst seit Beginn des Tertiär eine hervorragende Rolle
spielen und von da an die wichtigsten Landwirbelthiere darstellen.
1. Klasse: Leptocardii.
Fossil unbekannt.
Amphioxus lanceolatus Yarrel. Das Lanzettfischchen findet sich
lebend in verschiedenen Meeren.
2. Klasse: Cyclostomi.
Fossil unbekannt. Die früher als Cyclostomenzähne gedeuteten Conodonten
dürften auf Würmer zurückzuführen sein (s. p. 117).
Die bekannteste Gattung ist Petromyzon Art.
P. fluviatilis L. Das Neunauge lebt in Meeren und Flüssen von Europa.
3. Klasse: Pisces oder Fische.
Litteratur über Fische.
a. Ueber lebende Fische.
Cope, E. Classification of fishes in Proceed. Amer. Assoc. Adv. Sc. 1871.
Cuvier et Valenciennes. Histoire naturelle des poissons. Paris 1828-49. 22 Bände.
Günther, A. Catalogue of the fishes in the British Museum. London 1859-70. 8 Bände.
---- An introduction of the study of fishes. Edinburgh 1880.
Müller, J. Ueber den Bau und die Grenzen der Ganoiden und das natürliche System
der Fische. In: Abh. Berl. Akademie für 1844 (1846).
b. Ueber fossile Fische.
Agassiz, L. Recherches sur les poissons fossiles. Neuchâtel 1833-43. 5 Bände.
---- Monographie des poissons fossiles du vieux grès rouge ou système dévonien.
Neuchâtel 1844.
Heckel, J. J. Beiträge zur Kenntniss der fossilen Fische Oesterreichs. Wien 1849 u.
1856.
Huxley, Th. Preliminary essay upon the systematic arrangement of the fishes of the
Devonian Epoch. Mem. geol. Survey Un. Kingdom. 1861.
Newberry, J. S. Description of fossil fishes. Geolog. Survey of Ohio. Palaeontology.
Vol. I u. II. Columbus 1873.
Pander, Ch. H. Monographie der fossilen Fische des silurischen Systems des russischbaltischen
Gouvernements. St. Petersburg 1856.
Pictet, F. J. Description de quelques poissons fossiles du Mont Liban. Genève 1850.
Pictet et Humbert. Nouv. rech. s. l. poissons foss. du M. Liban. 1866.
Quenstedt, F. A. Handbuch der Petrefaktenkunde. 3. Aufl. Tübingen 1885.
Thiollière, V. Description des poissons foss. prov. d. gis. corall. du Jura dans le
Bugey. Paris et Lyon 1854 und 1873.
Traquair, R. H. The Ganoid fishes of the British Carboniferous formations. Palaeontograph.
Society 1877.
Wagner, A. Beiträge zur Kenntniss der in den lithographischen Schiefern abgel. urweltl.
Fische. Abh. k. bayer. Akad. Bd. VI 1851 und Bd. IX 1861-63.
Woodward, A. G. Catalogue of the fossil Fishes in the British Museum. Part I.
London 1889.
Zittel, K. Handbuch d. Paläontologie. 1. Abth. III. Bd. München u. Leipzig 1887 ü.
1888. [Daselbst ist auch weitere Litteratur über fossile Fische nachzuschlagen.]
Fische sind ausschliesslich Wasserthiere, die stets Kiemen besitzen,
und deren paarige Gliedmassen mit Flossenstrahlen versehene Flossen
bilden. Unpaare Gliedmassen sind immer vorhanden und ebenfalls stets
durch Flossenstrahlen gestützt. Der mächtig entwickelte Schwanz endet
mit einer senkrechten Schwanzflosse. Kiemenbögen sind immer wohl
ausgebildet.
Bei den älteren, vorliasischen Fischen ist das Innenskelet wenig oder
gar nicht verknöchert, während später, besonders seit der Kreidezeit,
Fische mit vollständig verknöchertem innerem Skelet (Fig. 720) immer
mehr überwiegen. Dagegen zeigen die älteren Formen (ausser den
Chondropterygii) meist sehr umfangreiche Verknöcherung der Hautgebilde
(Hautpanzer, Fig. 683), die bei den jüngeren Formen sehr zurücktritt.
Hautgebilde der Fische
Die Haut der Fische ist nur selten ganz nackt; meist sind dieselben mit
Schuppen bedeckt, die oft reichliche Verknöcherung zeigen und mitunter
durch grössere Knochenplatten ersetzt sind.
Unter den Schuppen sind zu unterscheiden:
1. Placoidschuppen, meist sehr kleine Hautverknöcherungen, die
körnchen-, kegel-, stern- oder blattförmige Gestalt zeigen und ein
mehr oder weniger dichtes Pflaster auf der Haut bilden, welche sich
in Folge davon eigenthümlich rauh anfühlt (Chagrin); mitunter tragen
diese Schüppchen einen spitzen nach hinten gekrümmten Stachel (Fig.
633). Die Placoidschuppen zeigen eine aus verknöchertem Bindegewebe
bestehende Basalplatte (Fig. 634 B), auf der sich der aus Dentin oder
Vasodentin (V, vgl. p. 526) bestehende obere Theil der Schuppe erhebt
(s. auch »Zähne« p. 532). Von ihnen sind die meisten übrigen Formen von
Hautverknöcherungen abzuleiten.
[Illustration: Fig. 633. Auffallend grosse Placoidschuppe mit Stachel
von Raja.]
[Illustration: Fig. 634. Längsschnitt durch eine Placoidschuppe
von Scymnus lichia. B = Basalplatte; V = Vasodentin mit baumförmig
verästelten Canälen und kleiner Pulpahöhle (P); Vi = Vitrodentin.]
[Illustration: Fig. 635. A = Cycloidschuppe von Gadopsis. B =
Ctenoidschuppe von Lethrinus.]
2. Ganoidschuppen sind verhältnissmässig grosse, meist in sehr
regelmässigen Reihen angeordnete Schuppen von beträchtlicher Dicke,
die aus einem knöchernen Basaltheil, aus Dentinsubstanz und einer
oft sehr dicken und dann stark glänzenden äusseren Schmelzschicht
bestehen; letztere ist häufig zierlich skulptirt (Fig. 636), trägt
aber nie grössere stachelähnliche Fortsätze. Ganoidschuppen sind
meist rhombisch, der Hinterrand manchmal gezähnt (Fig. 636); sie
sind oft durch Leisten und Zapfen auf der Innenseite gelenkig mit
einander verbunden (Fig. 637 u. 638) und stellen dann ein äusserst
regelmässiges Pflaster dar, das panzerartig den Körper umhüllt (Fig.
644); doch kommen auch rundliche (cycloide) Ganoidschuppen vor, die
dachziegelartig über einander liegen (Fig. 680).
[Illustration: Fig. 636. Dapedius Leachii Ag. Unterer Lias. Lyme Regis.
Ganoidschuppen von der Aussenseite.]
[Illustration: Fig. 637. Lepidotus semiserratus Ag. Lias. Whitby.
Ganoidschuppe von der Aussenseite. g = glatte, von der Nachbarschuppe
überdeckte Fläche; z = Gelenkzapfen.]
[Illustration: Fig. 638. Gelenkig verbundene Ganoidschuppen von
Palaeoniscus von der Innenseite mit Leisten und Zapfen.]
3. Cycloid- und Ctenoidschuppen sind dünne, durchscheinende,
meist rundliche Schuppen, die, wenn sie nicht rudimentär sind,
dachziegelartig sich bedecken und in ziemlich regelmässigen Reihen
angeordnet liegen. Sie sind nur in sehr geringem Maasse verkalkt,
daher biegsam und erscheinen gewöhnlich dicht concentrisch gestreift
mit einer kleinen Anzahl radiär verlaufender Linien. Leisten oder
Zapfen auf der Innenseite sind nie vorhanden; ebenso fehlt die äussere
Schmelzbedeckung. Der Hinterrand ist entweder glatt (Cycloidschuppen
-- Fig. 635 A) oder gezähnt (Ctenoidschuppen -- Fig. 635 B); auch der
freiliegende Theil der Oberfläche kann bei Ctenoidschuppen von Zähnchen
bedeckt sein (Fig. 635 B).
Placoidschuppen sind die ursprünglichsten Formen von
Hautverknöcherungen, die sich wesentlich bei Chondropterygii finden;
die meisten übrigen Formen von Hautverknöcherungen sind als
vergrösserte bez. mit einander verwachsene Placoidschuppen zu
betrachten. Ganoidschuppen sind als plattenartig ausgebildete
Placoidschuppen aufzufassen; sie sind charakteristisch für die meisten
der älteren Euichthyes, während die den moderneren Teleostomi
eigenthümlichen Cycloid- und Ctenoidschuppen aus Ganoidschuppen
herzuleiten sind, deren Verkalkung ganz oder grösstentheils
unterbleibt; zwischen letzteren finden sich in der That alle
Uebergänge.
[Illustration: Fig. 639. Längsschnitt (schematisch) durch einen
Selachierzahn mit eigentlichem Dentin (D) und einfacher Pulpahöhle (P).
B = Wurzel; Vi = Vitrodentin.]
[Illustration: Fig. 640. Längsschnitt durch einen Selachierzahn mit
typischem Vasodentin (V, mit weiten anastomosirenden Canälen). B =
Wurzel; Vi = Vitrodentin.]
Zähne können bei den Fischen an sämmtlichen die Mund- und Kiemenhöhle
begrenzenden Skelettheilen auftreten; sie können leicht beweglich
sein oder sind mit ihrer Unterlage fest durch Ligament verbunden oder
endlich innig damit verwachsen. Bei manchen Haien sind die Zähne
selbst der Gestalt nach nicht von den Placoidschuppen der Haut zu
unterscheiden; der feinere Bau ist ebenfalls der gleiche. Zähne und
Schuppen müssen daher als homologe Bildungen angesehen werden. Auch
bei den Zähnen (Fig. 639, 640) ist ein aus Knochengewebe bestehender
Basaltheil (B) vorhanden. Der übrige Theil des Zahnes besteht aus
eigentlichem Dentin (Fig. 639) oder aus Vasodentin, letzteres mit
groben, gewöhnlich anastomosirenden Haversischen Canälen (Fig. 640);
die Krone ist meist von einer mehr oder weniger dicken Schmelzschicht
bedeckt; bei Chondropterygii ist der Schmelz nicht durch eine scharfe
Grenze von der Dentinsubstanz unterschieden und wird oft Vitrodentin
(Vi) genannt.
Die Zähne sind meist nadel- oder kegelförmig, nur zum Festhalten
geeignet (Fangzähne), selten meiselförmig (Schneidezähne) oder bohnen-
und plattenförmig (Mahlzähne). Sehr häufig finden sie sich in grosser
Menge zu Bürsten (hechelförmig), Polstern, Bändern und Pflastern
vereinigt, oder sie stehen wenigstens in mehreren Reihen hinter
einander, seltener einreihig oder einzeln. Aeltere ausfallende Zähne
werden fortwährend durch neben ihnen entstehende junge Zähne ersetzt.
[Illustration: Fig. 641. Hybodus reticulatus Ag. Rückenflossenstachel
(Ichthyodorulit). Oberer Lias (ε). Ohmden in Württemberg.]
[Illustration: Fig. 642. Flossenstrahlen. A, B hart und ungegliedert; C
einfach gegliedert; D fächerförmig gegliedert.]
[Illustration: Fig. 643. Schwanzwirbel eines Fisches, schematisch. N =
Rückenmarkscanal; c = Chordascheide; ch = Chorda dorsalis; ob = oberer
Wirbelbogen; od = oberer Dornfortsatz; ub = unterer Wirbelbogen; ud =
unterer Dornfortsatz. Schraffirt sind die Theile der Wirbelbögen, die
an der Bildung des Wirbelkörpers (k) theilnehmen. ft = Flossenträger;
fs = Flossenstrahl.]
Als Ichthyodoruliten (Fig. 641) werden eigenthümliche Stacheln
bezeichnet, die nur niederen Fischformen (besonders primitiveren
Chondropterygii und Acanthodidae) zukommen, oft sehr bedeutende Grösse
erreichen und gewöhnlich isolirt gefunden werden. Meist gehören sie dem
Vorderrande der unpaaren Flossen an; ihr feinerer Bau gleicht durchaus
dem der Zähne und Placoidschuppen; in der Regel (bei allen Selachii)
stecken sie nur lose im Fleisch und zeigen daher sehr selten ein Gelenk
an der Basis. Fast sämmtliche paläozoische Ichthyodoruliten sind stark
skulptirt oder bedornt, die späteren meist glatt.
Zu den Hautgebilden gehören auch die den äusseren Theil der paarigen
und unpaaren Flossen stützenden Flossenstrahlen (Fig. 644), welche den
Fischen eigenthümlich sind. Sie finden sich zuerst als feine Hornfäden
(Fig. 646 A fs, Chondropterygii und viele Dipnoi) in ausserordentlicher
Anzahl. Bei höheren Fischen sind dieselben ersetzt durch knöcherne
Strahlen (Fig. 642) in geringerer Zahl, welche entweder durch Quernähte
gegliedert (C) und dabei oft fächerförmig getheilt sind (D u. Fig. 651
c -- weiche oder gegliederte Flossenstrahlen) oder durch einfache,
in eine Spitze endende Stacheln dargestellt sind (A, B -- harte oder
ungegliederte Flossenstrahlen oder Stachelstrahlen). Harte und weiche
Strahlen finden sich oft in der nämlichen Flosse und zwar sind dann
stets die vorderen Strahlen ungegliedert. Das Vorhandensein mehrerer
harter Strahlen in einer Flosse ist charakteristisch für die Mehrzahl
der Physoclysti (Fig. 719 u. 720 -- Acanthopteri), der modernsten
Fischgruppe.
[Illustration: Fig. 644. Lepidotus Elvensis Blv. Oberer Lias (ε).
Holzmaden. a = Analflosse; c = Caudalflosse (hemiheterocerk); d =
Dorsalflosse; p = Pectoralflosse; v = Ventralflosse; f = Fulcra (am
Vorderrande aller Flossen); k = Kiemendeckel.]
Gliedmassen der Fische.
Allen Fischen kommen unpaare senkrechte Flossen (Fig. 644) zu, die
man ihrer Lage nach unterscheidet als Rücken- oder Dorsalflosse (d),
Schwanz- oder Caudalflosse (c) und After- oder Analflosse (a -- hinter
dem After; vgl. auch Fig. 645). Selten hängen diese dreierlei Flossen
noch ununterbrochen zusammen, den ganzen Rücken (Fig. 645 u. 674 d u.
c) und die Ventralseite des Schwanzes einnehmend, wie es wenigstens
ontogenetisch der ursprüngliche Zustand ist; ihre Ausdehnung ist sehr
verschieden[D]. Rücken- und Afterflosse (Fig. 645 an) können auch in
mehrere Abschnitte zerfallen, selten fehlt eine dieser Flossen ganz.
Stets sind die unpaaren Flossen durch Flossenstrahlen (Fig. 643 u. 645
fs) gestützt, welche meist auf Flossenträgern (ft, ft’; vgl. auch Fig.
714) ruhen, mit denen sie in Gelenkverbindung (Fig. 642) stehen können;
die Flossenträger, oft in mehrere Stücke gegliedert, lehnen sich
gewöhnlich an die Dornfortsätze (Fig. 643 od) der Wirbel an, erscheinen
aber selten als deren unmittelbare Fortsetzung (Dipnoi).
[Illustration: Fig. 645. Pleuracanthus Decheni Goldf. Rothliegendes.
Lebach bei Saarbrücken. Knorpelskelet restaurirt (Schwanzende fehlt).
Schädel und Visceralskelet: o = Augenregion; pq = Palatoquadratum; nd
= Mandibula; hm = Hyomandibulare; hy = Hyoideum; k = Kiemenstrahlen am
Zungenbeinbogen; kb = Kiemenbögen; z = Kieferzähne; sz = Schlundzähne;
st = Nackenstachel.
Wirbelsäule: o.b = obere Bögen; hc = Intercentra, die Basaltheile
der unteren Bögen in der Rumpfregion; r = Rippen; ub = untere Bögen
in der Schwanzregion mit Dornfortsätzen. (Chordascheide ist nicht
erhaltungsfähig.)
Unpaare Flossen: d = Dorsalflosse; c = Caudalflosse; an = 2
Analflossen; fs = Flossenstrahlen; ft, ft’ = Flossenträger.
Vordere Extremität: sg, sg’ = Schultergürtel; ax = vielgliedrige
Hauptachse der Brustflosse; ss = Radien (zweizeilig); bs =
Nebenstrahlen; sch = Schuppen.
Hintere Extremität: p = Becken; ax’ = vielgliedrige Hauptachse der
Bauchflosse; ss’ = Radien (einzeilig); bs’ = Nebenstrahlen; sch =
Schuppen; cop = männliches Begattungsorgan.]
Von den paarigen Gliedmassen (Fig. 644) stehen die Brust- oder
Pectoralflossen (p) mit dem Schultergürtel, die Bauch- oder
Ventralflossen (v) mit dem kleinen Becken in Gelenkverbindung (vgl.
auch Fig. 645). Der Schultergürtel, ursprünglich nur aus einem Paar oft
ventral verwachsener Knorpelspangen bestehend (primärer Schultergürtel
der Chondropterygii Fig. 646 A, co + sc u. 645 sg, sg’), wird bei den
Euichthyes zum grösseren Theile von Deckknochen gebildet (secundärer
Schultergürtel -- Fig. 646 B u. C cl, pcl, scl, pt) und steht dann
mit dem Schädel in Verbindung; gewöhnlich verknöchert dabei auch der
primäre Theil des Schultergürtels (co und sc).
Das gewöhnlich bauchständige kleine Becken (Fig. 645 p) tritt nie mit
Wirbeln in directen Zusammenhang.
[Illustration: Fig. 646. Schultergürtel und Brustflossen von
A Heptanchus (Selachier), B Polypterus (Crossopterygier mit
quastenartiger Brustflosse) und C Salmo lacustris (Physostome mit
fächerartiger Brustflosse).
Primärer Schultergürtel: co = Coracoideum; sc = Scapulare.
Secundärer Schultergürtel: cl = Clavicula; pcl = Postclavicula; scl =
Supraclavicula; pt = Posttemporale (zur Befestigung am Schädel).
Primäres Flossenskelet (= I): p = Propterygium; ms = Mesopterygium; mt
= Metapterygium; r = Radien.
Secundäres Flossenskelet (= II): fs = Flossenstrahlen; 1 = erster
Flossenstrahl.]
Die freien Flossen werden auch hier durch Flossenstrahlen (Fig. 646
fs) gestützt, die bei den niederen Fischen von einem wohlentwickelten,
meist knorpeligen primären Flossenskelet (Fig. 646 I) getragen
werden. Dasselbe besteht entweder (Fig. 645) aus einer langen,
vielgliedrigen Hauptachse (ax, ax’) mit ein- oder zweizeilig
angeordneten Seitenstrahlen (ss, ss’ -- Radien), dem Archipterygium;
einige Nebenstrahlen (bs, bs’) können direct vom Gliedmassengürtel
(sg u. p) entspringen (quastenförmige Flosse mit langer Achse bei
Proselachii, Dipnoi und Crossopterygii). Oder es bilden sich durch
umfangreiche Verwachsungen wenige plattenförmige Stücke (Basalplatten
-- Fig. 646 A; p, ms, mt), denen Radien (r) wesentlich einzeilig
aufsitzen (Selachii und Holocephali); ähnlich sind die quastenförmigen
Flossen mit kurzer Achse mancher Crossopterygii (Fig. 646 B). Bei den
übrigen Teleostomi (Fig. 646 C) findet sich das primäre Flossenskelet
(I) allmählich immer kümmerlicher ausgebildet unter sehr bedeutender
Reduction der Radienzahl (r), und dafür das secundäre Flossenskelet
(II) um so mächtiger entwickelt, das aus den knöchernen Flossenstrahlen
(fs) besteht, von denen wenigstens der äusserste (1) direct mit dem
Schultergürtel articulirt (fächerförmige Flossen).
Wirbelsäule der Fische.
Die Wirbelsäule kann bei den Fischen die verschiedensten Stufen der
Ausbildung aufweisen (vgl. p. 516-518). Bei den Chondropterygii kann
der ursprüngliche Knorpel mehr oder weniger reichlich Kalkkörnchen
enthalten; unter den Euichthyes ist bei den höchsten Formen der Knorpel
vollständig durch Knochen ersetzt, und die Bögen sind mit dem Centrum
verschmolzen (Fig. 720). Die Wirbelkörper sind gewöhnlich amphicöl, bei
den niedersten Formen unterbleibt aber die Gliederung der Chordascheide
ganz (Fig. 649); Fischwirbel sind meist leicht kenntlich an tiefen
Gruben, die sie auf beiden Seiten zeigen (Fig. 662 B).
[Illustration: Fig. 647. A Rumpfwirbel, B Schwanzwirbel eines Fisches,
schematisch. N = Rückenmarkscanal; c = Chordascheide; ch = Chorda
dorsalis; i = Basaltheil des unteren Bogens (Intercentrum); ob = oberer
Wirbelbogen; od = oberer Dornfortsatz; r = Rippe (Pleuralbogen); ub
= unterer Wirbelbogen; ud = unterer Dornfortsatz. Schraffirt sind
die Theile der Wirbelbögen, die an der Bildung des Wirbelkörpers
theilnehmen. ft = Flossenträger; fs = Flossenstrahl.]
An der Wirbelsäule der Fische ist nur Rumpf- und Schwanzregion zu
unterscheiden. Die Rumpfwirbel tragen fast immer bewegliche Rippen
(Fig. 645 u. 647 r), während die Schwanzwirbel neben den oberen auch
untere Dornfortsätze zeigen (Fig. 645 ub u. 647 ud). Die vordersten
Wirbel verwachsen manchmal mit einander zu einem unbeweglichen Stücke;
nie vereinigen sich Rippen zur Bildung eines Sternums und nie bilden
sich Sacralwirbel aus als Träger des Beckens. Die Rippen der Fische
sind entweder seitliche, zwischen die Rumpfmuskulatur hineinragende
Anhänge der unteren Bögen oder sie sind (als Pleuralbögen Fig. 647 A r)
das abgegliederte Ende der unteren Bögen (ub) selbst, während, wie auch
an den Schwanzwirbeln (Fig. 647 B), die Basis der unteren Bögen (i,
Intercentrum) beträchtlichen Antheil an der Bildung aller Wirbelkörper
nimmt gleich der Basis der oberen Bögen.
Von ganz besonderer Wichtigkeit ist der letzte Abschnitt der
Wirbelsäule, dessen Dornfortsätze direct die Flossenstrahlen der
Schwanzflosse tragen.
[Illustration: Fig. 648. Diphycerke Schwanzflosse von Protopterus.]
[Illustration: Fig. 649. Heterocerke Schwanzflosse von Acipenser
sturio. k = ungegliederte Chordascheide.]
1. Nur selten findet sich der ursprüngliche Zustand, indem die
Wirbelsäule gerade verläuft bis an das Ende und oben und unten
gleichmässig (symmetrisch) von der Schwanzflosse umsäumt wird (Fig. 648
-- diphycerker Schwanz vieler Dipnoi und Crossopterygii).
2. Gewöhnlich krümmt sich der letzte Theil der Wirbelsäule aufwärts;
unterhalb derselben wird die Schwanzflosse viel umfangreicher als
oberhalb, und zwar so, dass der ganze Schwanz unsymmetrisch wird, indem
er einen grossen oberen Lappen zeigt, den die Wirbelsäule nahezu bis
zum Ende durchzieht, und einen kleineren unteren Lappen (Fig. 649 --
heterocerker Schwanz der Selachii und Heterocerci). Soweit im Inneren
die Wirbelsäule reicht, ebenso weit erstreckt sich auch aussen die
Beschuppung (Fig. 689).
3. Endlich kann, vom heterocerken Schwanze ausgehend, der untere
Schwanzlappen dem oberen, die Wirbelsäule enthaltenden an Grösse und
Gestalt gleich werden, so dass wieder eine äusserlich symmetrische
Schwanzflosse (Fig. 650, 651 -- homocerker Schwanz der jüngeren
Teleostomi) entsteht. Der aufwärts gekrümmte Theil der Wirbelsäule
verkümmert dabei und setzt sich höchstens nur ein kurzes Stück weit in
die Schwanzflosse fort; die Wirbelsäule endet in einem Knochen- oder
Knorpelstab (u -- Urostyl). Während dabei die oberen Dornfortsätze
ganz verschwinden, werden die unteren überaus mächtig und tragen allein
fast die ganze Schwanzflosse, die eigentlich nur noch aus dem ventralen
Theile besteht. In den extremsten Fällen ist der aufwärts gekrümmte
Theil der Wirbelsäule überhaupt nicht mehr nachzuweisen.
Zwischen diesen drei Hauptformen des Fischschwanzes finden sich alle
Uebergänge. Innerlich heterocerk wird ein homocerker Schwanz genannt,
bei dem der aufwärts gekrümmte Theil der Wirbelsäule noch deutlich ist
(Fig. 650 u. 711). Als hemiheterocerker Schwanz (Fig. 644) wird eine
Form bezeichnet, die die Charaktere des homocerken Schwanzes bereits
zeigt, aber äusserlich noch etwas unsymmetrisch ist, indem besonders
die Beschuppung in der oberen Hälfte des Schwanzes weiter reicht als in
der unteren.
[Illustration: Fig. 650. Homocerke (innerlich heterocerke)
Schwanzflosse von Amia calva.]
[Illustration: Fig. 651. Homocerke Schwanzflosse von Salmo salar.
c = gegliederte Flossenstrahlen der Schwanzflosse, d = der
Rückenflosse; k = Wirbelkörper; ob = obere, ub = untere Dornfortsätze;
u = Urostyl.]
Sämmtliche paläozoische Fische haben diphycerken oder heterocerken
Schwanz; hemiheterocerke Schwanzformen treten erst in der Secundärzeit
auf; am spätesten erscheint die extrem homocerke Form. Die gleiche
Reihenfolge durchläuft die ontogenetische Entwicklung des homocerken
Schwanzes, der zuerst diphycerk ist, dann heterocerk und zum Schlusse
erst homocerk wird.
Schädel der Fische.
Der Schädel besteht bei den niederen Fischen (Chondropterygii) nur
aus dem knorpeligen Primordialcranium mit gleichfalls knorpeligen
Kiefer- und Kiemenbögen (Fig. 653 u. 645); durch Verknöcherung der
Knorpeltheile und Auftreten von zahlreichen Deckknochen, die zum
Theil mit Knorpelknochen verwachsen, entsteht allmählich (vgl. p.
522) ein rein knöcherner Schädel, der für die höchst stehenden Formen
charakteristisch ist. Sind Deckknochen vorhanden (Euichthyes), so
findet sich stets ein knöcherner Kiemendeckel (Fig. 644 k) sowie ein
Parasphenoid (Fig. 673 ps). Die äusseren Deckknochen sind bei den
älteren gepanzerten Formen häufig noch mit Schmelz bedeckt, den die
jüngeren Formen verlieren; auch sind die Deckknochen der ältesten
Formen oft sehr stark skulptirt. Der Schädel ist meist unbeweglich mit
der Wirbelsäule verbunden.
Hinter dem Zungenbeinbogen sind gewöhnlich 5 (3-7) Paar Kiemenbögen
entwickelt, die ebenso wie der Zungenbeinbogen mit Reihen von
Kiemenstrahlen besetzt sein können (Fig. 653 br u. k).
Fußnoten:
[D] Fische von auffallend hohem und dabei schmalem Körper haben stets
eine sehr lange, wenigstens die hintere Hälfte des Rückens einnehmende
Dorsalflosse und eine fast ebenso lange Analflosse.
* * * * *
Es lassen sich sechs Ordnungen unter den Fischen annehmen, welche zwei
natürliche Gruppen bilden:
A. Knorpelskelet, ohne Deckknochen; Schultergürtel nicht am Schädel
befestigt; primäres Skelet der paarigen Flossen stets mächtig
entwickelt (Fig. 645 u. 646 A); Zähne nur auf dem Unterkiefer und
dem Palatoquadratum. Nur Placoidschuppen entwickelt. Bauchflosse
des Männchens mit einem Begattungsapparat (Fig. 645 cop) endend.
1. Unterklasse Chondropterygii.
a. Palatoquadratum und Hyomandibulare selbständig (Fig. 653); Zähne
der Mundhöhle in zahlreichen regelmässigen Reihen; Kiemenspalten
unbedeckt.
1. Obere Wirbelbögen und Rippen wohl entwickelt; Rückenflosse
sehr lang mit zahlreichen stabförmigen Flossenträgern;
paarige Flossen mit vielgliedriger Hauptachse (Fig. 645).
1. Ordnung Proselachii (p. 541).
2. Obere Wirbelbögen und Rippen rückgebildet; Rückenflossen
kurz mit wenigen, dicht gedrängten und vielfach verwachsenen
Flossenträgern. Paarige Flossen mit wenigen grossen
Basalplatten (Fig. 646 A).
2. Ordnung Selachii (p. 543).
b. Palatoquadratum und Hyomandibulare verwachsen mit dem Cranium
(autostyl). Wenige, aber mächtige Zähne vorhanden (Fig. 668).
Kiemenspalten von einer Hautfalte bedeckt. Rückenflosse sehr
lang mit zahlreichen Flossenträgern; paarige Flossen mit wenigen
grossen Basalplatten.
3. Ordnung Holocephali (p. 550).
B. Schädel und Schultergürtel mit Deckknochen versehen. Schultergürtel
fast immer am Schädel befestigt. Meist Ganoid-, Cycloid- oder
Ctenoidschuppen. Obere Wirbelbögen und Rippen meist wohl entwickelt;
Rückenflosse mit stabförmigen Flossenträgern (Fig. 720).
Kiemenspalten von einem knöchernen Kiemendeckel (Fig. 644 k)
bedeckt. Kein Begattungsorgan an der Bauchflosse.
2. Unterklasse Euichthyes.
a. Brustflossen gepanzert, ohne Seitenstrahlen (oder fehlend). Kopf
und Vordertheil des Rumpfes gepanzert. Bauchflossen unbekannt
(Fig. 669).
? 4. Ordnung Placodermi (p. 551).
b. Brustflossen nicht gepanzert, mit Radien und Flossenstrahlen.
Bauchflossen fast immer wohl entwickelt.
α. Palatoquadratum und Hyomandibulare verwachsen mit dem
Cranium. Wenige grosse Zähne am Gaumen und Unterkiefer.
Paarige Flossen mit vielgliedriger Hauptachse (Fig. 673 u.
674).
5. Ordnung Dipnoi (p. 553).
β. Palatoquadratum und Hyomandibulare selbständig. Fast stets
sind gegliederte und fächerförmig getheilte knöcherne
Flossenstrahlen vorhanden (Fig. 644 u. 650).
6. Ordnung Teleostomi (p. 556).
1. Unterklasse Chondropterygii.
Am Knorpelskelet der Chondropterygier zeigen sich oft, mitunter in
ausgedehntem Maasse, Verkalkungen, nie aber treten Deckknochen auf.
1. Ordnung Proselachii (Ichthyotomi).
Fam. Pleuracanthidae.
Am besten bekannt ist die Gattung
Pleuracanthus Ag. (= Diplodus Ag., Orthacanthus Ag., Xenacanthus Beyr.,
Didymodus Cope, Fig. 645 u. 652).
Das ganze Skelet ist dermaassen mit körnchenartigen Verkalkungen
erfüllt, dass es dadurch in hohem Grade fossilisationsfähig ist.
Chordascheide ungegliedert, nicht verkalkt. Die dorsal verlängerten,
mit breiter Basis versehenen oberen Wirbelbogenhälften (Fig. 645 o.b)
bleiben vollständig getrennt. Die unteren Bögen bilden am Rumpfe
paarige Platten (hc), die fadenförmige Rippen (r) tragen; am Schwanze
verwachsen die Enden der unteren Bögen (ub) zu verlängerten Y-förmigen
Dornfortsätzen.
[Illustration: Fig. 652. Pleuracanthus Decheni Goldf. Rothliegendes.
Lebach b. Saarbrücken. A dreispitziger Kieferzahn. B vielspitziger
Schlundzahn von unten, C von oben gesehen.]
Der Schädel ist ganz selachierartig, besitzt aber kein Rostrum, und
der Mund ist endständig. Das Palatoquadratum (pq) ist Notidanus-artig,
indem die hintere Hälfte eine hohe Platte bildet, die mit einem
postorbitalen Fortsatz des Cranium in Gelenkverbindung steht; es trägt
gleich dem Unterkiefer (nd) wie bei Selachii zahlreiche regelmässige
Reihen von Zähnen (z); diese mit breiter Basalplatte versehenen Zähne
(Fig. 652 A) besitzen eine sehr grosse Pulpahöhle und zeigen zwei
lange äussere und eine kurze mittlere Spitze mit etwas gefurchter
Oberfläche. Das am Cranium bewegliche Hyomandibulare (hm) und das
Hyoideum (hy) tragen zahlreiche sehr lange Kiemen(haut)strahlen (k);
dahinter sind sieben Paare von Kiemenbögen beobachtet, die kurze
starre Kiemenstrahlen tragen. Vielspitzige kleine Zähnchen (Fig. 652
B, C) treten im Schlunde (sz) in dichten Haufen auf. Am Hinterende des
Schädels findet sich ein langer, platter, gerader, zweizeilig gezähnter
Nackenstachel (st).
Nicht weit hinter dem Nackenstachel beginnt die lange Rückenflosse
(d), die etwa über der Schwanzmitte durch einen Einschnitt von der
Schwanzflosse (c) getrennt ist; letztere ist diphycerk und endet in
einer dünnen Spitze. Die zahlreichen, gleichlangen Flossenstrahlen
(fs) der Rückenflosse werden von langen stabförmigen Flossenträgern
(ft) getragen, deren unterstes Ende (ft’) fadenförmig und abgegliedert
ist. Die Anzahl der Flossenträger entspricht der der oberen
Wirbelbogenhälften. Vor der Schwanzflosse finden sich unmittelbar
hinter einander zwei sehr kurze Afterflossen (an), deren Flossenträger
von vorn nach hinten an Stärke zunehmen und direct den unteren
Dornfortsätzen aufsitzen.
Der Schultergürtel (sg) besteht aus zwei ventral nicht vereinigten
Spangen mit abgegliedertem unterem Ende (sg’). Ein Höcker trägt die
Brustflossen; dieselben besitzen eine verlängerte vielgliederige
Hauptachse (ax) mit zweizeilig angeordneten Radien (ss), die aber nur
auf der ventralen (postaxialen) Seite auch an den proximalen Gliedern
der Hauptachse auftreten; der erste postaxiale Radius (bs) scheint
direct vom Schultergürtel zu entspringen.
Die an einem kleinen paarigen Becken (p) sitzenden Bauchflossen
bestehen ebenfalls aus einer vielgliederigen [beim Männchen mit dem
stachelähnlichen Begattungsorgan (cop) endenden] Hauptachse (ax’) mit
wesentlich einzeilig (postaxial) angeordneten Radien (ss’); neben der
Hauptachse entspringen direct vom Becken noch mehrere Nebenstrahlen
(bs’). Mit Ausnahme der unmittelbar dem Becken aufsitzenden Theile
tragen beim Männchen sämmtliche Elemente der Bauchflosse eine dichte
periostale Knochenrinde.
Die paarigen Flossen sind wenigstens theilweise mit mosaikähnlichen
Schüppchen (sch) bedeckt, der übrige Körper scheint im Gegensatze zu
den Haien vollkommen nackt gewesen zu sein.
Zähne und Ichthyodoruliten von Pleuracanthiden finden sich im Carbon
und Perm (? Keuper); vollständiger erhaltene Exemplare sind bisher nur
aus dem Perm bekannt geworden und zwar besonders aus dem Rothliegenden
von Lebach bei Saarbrücken, sodann aus Böhmen, Frankreich und
Nordamerika.
P. (Xenacanthus) Decheni Goldf. (= P. Gaudryi Brongn.) waren
gefrässige Raubfische von 30-80 cm Länge, in deren Magen sich nicht
selten vollständige Archegosauren und Acanthodiden finden.
Rothliegendes von Deutschland (bes. Saarbrücken, auch in Sachsen und
Schlesien), von Böhmen (Braunau etc.) und in Frankreich (Kohle von
Commmentry).
P. (Didymodus) platypternus Cope. Perm von Texas.
Unter allen bekannten Fischen, lebenden und fossilen, besitzt
Pleuracanthus den primitivsten Bau, und es ist unter ihnen die Form,
die den gemeinschaftlichen Vorfahren aller echten Fische noch am
ähnlichsten sein dürfte. Der Schädel mit dem Visceralskelet ist
durchaus der der Selachier, an die auch Zähne, Nackenstachel und
männliches Begattungsorgan erinnern; würden die übrigen Theile des
Skelets, nämlich Wirbelsäule und Gliedmassen allein bekannt sein, so
könnten dieselben sehr wohl auf einen Crossopterygier oder Dipnoer
bezogen werden.
Von Pleuracanthus-ähnlichen Formen sind die Selachii abzuleiten,
indem Verkümmerung der oberen und unteren Wirbelbögen und der Rippen,
Rückbildung der Dorsalflosse und ihrer Träger und umfangreiche
Verwachsungen am Skelet der paarigen und unpaaren Flossen eintraten.
(Die Gattung Cladodus (p. 546) ist jedenfalls eine Uebergangsform
von den Proselachii zu den Selachii.) Andererseits könnten auf
Proselachii auch die Teleostomi und Dipnoi zurückgeführt werden, wenn
man annehmen will, dass sich Deckknochen ausbildeten und das männliche
Begattungsorgan verloren ging.
2. Ordnung Selachii.
Die Wirbelsäule der Selachier (Plagiostomi oder Elasmobranchii) besitzt
bei den älteren Formen noch eine ungegliederte Chordascheide. Erst seit
dem Lias finden sich Formen mit biconcaven mehr oder weniger verkalkten
Wirbelkörpern (Fig. 662 B). Bei der Verkalkung der Wirbel entstehen
zunächst:
Cyclospondyli, bei denen der Querschnitt des Wirbels einen einfachen
Kalkring zeigt; von diesen sind abzuleiten:
Tectospondyli mit mehreren concentrischen Ringen;
Asterospondyli mit radienförmigen Kalkstrahlen (Fig. 662 A u. C).
[Illustration: Fig. 653. Scyllium canicula Cuv. Lebend. Schädel und
Visceralskelet von der Seite. N = Nasenregion, A = Augenregion, O =
Ohrregion des Primordialcraniums. br = Kiemenstrahlen des Hyoidbogens
(Kiemenhautstrahlen); hm = Hyomandibulare; hy = Hyoideum; k =
Kiemenstrahlen der Kiemenbögen; l = Lippenknorpel; md = Mandibula; pq
= Palatoquadratum; r = Rostrum; x = Ectobranchialia; 1-5 = erster bis
fünfter Kiemenbogen.]
Die oberen Wirbelbögen sind meist kümmerlich ausgebildet und
umschliessen nur das Rückenmark, ohne sich dorsalwärts zu verlängern;
ähnlich sind oft auch die unteren Bögen; Rippen sind meist rudimentär.
Schädel und Visceralskelet zeigen ein ursprüngliches Verhalten (Fig.
653; s. p. 521); nur bei primitiveren Formen (Notidanidae etc.)
articulirt das Palatoquadratum direct mit dem Cranium wie bei den
Proselachii. An den grossen paarigen Flossen (Fig. 654) ist das
primäre Flossenskelet (I) mächtig entwickelt; es zeigt mehrere, wohl
durch Verwachsung entstandene, grosse Basalplatten (Pro-, Meso- und
Metapterygium), welche, meist nur einseitig, zahlreiche Radien (r)
tragen (präaxial an den Brust-, postaxial an den Bauchflossen). Diesen
Radien sitzen die aus feinen Hornfäden bestehenden Flossenstrahlen
(Fig. 654 fs) auf. Die sehr kurzen (1 oder 2) Rückenflossen und die
Afterflosse werden von meist rudimentären, zusammengedrängten und oft
zu Platten verschmolzenen Flossenträgern gestützt. Vor den Rücken- und
Afterflossen stehen häufig kräftige Stacheln (Ichthyodoruliten). Der
Schwanz ist diphycerk bis heterocerk. Die 5 (selten 6-7) Kiemenspalten
sind unbedeckt. Der Körper trägt meist Placoidschuppen.
[Illustration: Fig. 654. Schultergürtel und Brustflosse von Heptanchus.
co + sc = Schultergürtel; fs = Flossenstrahlen; ms = Mesopterygium;
mt = Metapterygium; p = Propterygium; r = Radien; I = primäre, II =
secundäre (aus Hornfäden bestehende) Flosse.]
[Illustration: Fig. 655. Längsschnitt (schematisch) durch einen
Selachierzahn mit eigentlichem Dentin (D) und einfacher Pulpahöhle (P);
B = Wurzel; Vi = Vitrodentin.]
[Illustration: Fig. 656. Längsschnitt (schematisch) durch einen
Selachierzahn mit typischem Vasodentin (V, mit weiten anastomosirenden
Canälen). B = Wurzel; Vi = Vitrodentin.]
Zähne stehen in meist zahlreichen, regelmässigen Reihen auf dem
Palatoquadratum und Unterkiefer; es sind comprimirte, haken-,
pfeilspitzen-, sägeähnliche, Fangzähne oft mit schneidenden
Seitenrändern (Fig. 661 A-F, H, I), oder stumpfe Mahlzähne, die ein
Zahnpflaster (Fig. 660) bilden; die innersten Zähne jeder Reihe sind
die jüngsten, die äusseren die ältesten; indem die inneren Zähne
allmählich nach aussen rücken, ersetzen sie die ausfallenden älteren,
abgenutzten Zähne; die Wurzel, ursprünglich wie bei Placoidschuppen
eine breite Basalplatte bildend, wird meist stark comprimirt und
verlängert, einfach oder getheilt. Der feinere Bau der Zähne (ebenso
der Placoidschuppen) ist sehr charakteristisch für die einzelnen
Gattungen und Familien; er bleibt constant, während die äussere Gestalt
der einzelnen Zähne je nach ihrer Stellung im Gebiss sehr verschieden
sein kann. Häufig besteht der Zahn aus eigentlichem Dentin mit
einfacher Pulpahöhle (Fig. 655) oder aber aus Vasodentin mit weiten
Canälen statt oder neben der einfachen Pulpahöhle; das Vasodentin kann
grobe, vielfach mit einander anastomosirende Canäle zeigen (Fig. 656);
oder es findet sich nur ein baumförmig verzweigter Canal (Fig. 657);
oder (bei Mahlzähnen) es lassen sich zahlreiche, wenig verzweigte,
ungefähr parallel verlaufende, nicht anastomosirende Canäle (Fig. 658)
erkennen.
Die Selachier sind beinahe ausschliesslich Meeresbewohner; ihre
Reste, meist nur einzelne Zähne, Ichthyodoruliten und Wirbel, selten
vollständigere Exemplare, liegen fast in allen marinen Ablagerungen,
manchmal in ausserordentlicher Menge. Schon im obersten Silur und im
Devon finden sich Zähne und Ichthyodoruliten (Onchus), die zu Selachii
gehören können. Unzweifelhafte Selachii erscheinen erst im Carbon;
noch in der Gegenwart spielen sie eine nicht unbedeutende Rolle.
Die zahlreichen Familien werden auf die beiden Unterordnungen der
Squaloidei und Batoidei vertheilt, die sich allerdings fossil schwer
trennen lassen.
[Illustration: Fig. 657. Längsschnitt durch eine Placoidschuppe
von Scymnus lichia. B = Basalplatte; V = Vasodentin mit baumförmig
verästelten Canälen und kleiner Pulpahöhle (P); Vi = Vitrodentin.]
[Illustration: Fig. 658. Längsschnitt (schematisch) durch einen
polsterförmigen Mahlzahn eines Selachiers. Vasodentin mit ungefähr
parallel laufenden Canälen.]
1. Unterordnung Squaloidei oder Haie.
Körper meist cylindrisch, Brustflossen frei; Kiemenspalten seitlich.
1. Fam. Hybodontidae.
Rückenstacheln (Fig. 659) vorhanden (wenigstens bei der Gattung
Sphenacanthus finden sich zwei Rückenflossen, jede mit einem Stachel);
Zähne (Fig. 661 F) mehrspitzig, die Spitzen der Länge nach gestreift
oder gefältelt, die Mittelspitze ist am höchsten. Zähne aus Vasodentin
mit anastomosirenden Canälen (Fig. 656) gebildet. Carbon (Devon) bis
Kreide.
Diese Familie ist nicht scharf von der folgenden, den
Cestraciontidae, zu trennen; auch die Notidanidae und Lamnidae dürften
auf sie zurückgeführt werden.
Cladodus Ag. Zähne mit verbreiterter halbkreisförmiger Basis, mit
mehreren langen, scharfen Spitzen, unter denen die seitlichen
grösser sind als die der Mittelspitze benachbarten. (Devon) und
Steinkohlenformation.
C. striatus Ag. Kohlenkalk von Irland.
Cladodus ist vielleicht besser zu den Proselachii zu stellen, da wie
bei diesen die Brustflosse eine vielgliederige Hauptachse besitzt im
Gegensatze zu allen anderen Selachii. Auch die plattenförmige Zahnbasis
und die getrennt bleibenden Hälften des Schultergürtels weisen dahin.
[Illustration: Fig. 659. Hybodus reticulatus Ag. Rückenflossenstachel
(Ichthyodorulit). Oberer Lias (ε). Ohmden in Württemberg.]
Hybodus Ag. (Fig. 659, 661 F). Zähne mit hoher Mittelspitze und nach
aussen kleiner werdenden Nebenspitzen; Wurzel comprimirt. Die grossen
gefurchten Rückenstacheln tragen am Hinterrande zwei Reihen von Dornen.
Zwei grosse hakenförmige Stacheln hinter der Orbita. Chordascheide
ungegliedert. Trias (Carbon?) bis Kreide.
H. plicatilis Ag. Häufig im deutschen Muschelkalk.
H. reticulatus Ag. (Fig. 659 u. 661 F). Lias von Württemberg und
England.
2. Fam. Cestraciontidae.
Zwei Rückenflossen, jede mit einem Stachel. Vordere Zähne klein und
meist spitz, die hinteren verlängert und stumpf, ein zusammenhängendes
Pflaster (Fig. 660) bildend. Zähne aus Vasodentin mit weiten Canälen
bestehend. Carbon bis Gegenwart.
[Illustration: Fig. 660. Acrodus nobilis Ag. Zahnpflaster des rechten
Unterkiefers. Unterer Lias von Lyme Regis.]
Acrodus Ag. (Fig. 660 u. 661 G). Zähne mit verästelten Rippen, die nach
beiden Seiten von einer Längskante ausgehen. Trias bis Kreide.
A. Gaillardoti Ag. Muschelkalk.
A. nobilis Ag. (Fig. 660, 661 G). Unterer Lias von Lyme Regis und
Württemberg.
Cestracion Cuv. Oberfläche der Pflasterzähne fein netzförmig mit
undeutlicher Längskante. Jura bis Gegenwart.
C. falcifer Wagn. Oberer Malm von Solnhofen.
3. Fam. Notidanidae.
Eine Rückenflosse ohne Stachel; 6-7 Kiemenspalten. Zähne sägeförmig
(Fig. 661 D) mit tiefen Zacken, die von vorn nach hinten an Grösse
abnehmen, aus Vasodentin mit anastomosirenden Canälen bestehend.
Chordascheide undeutlich gegliedert.
[Illustration: Fig. 661. Haifischzähne. A, B Carcharodon megalodon
Ag. Miocän von Malta. C Galeocerdo aduncus Ag. Miocän von Baden. D
Notidanus serratus Fraas. Ob. Malm von Nusplingen. E Oxyrhina hastalis
Ag. Miocän von Ungarn. F Hybodus reticulatus Ag. Unterer Lias von
England. G Acrodus nobilis Ag. Lias von Württemberg. H, I Lamna
contortidens Ag. Miocän von Süldorf.]
Notidanus Cuv. (Fig. 661 D) (= Hexanchus et Heptanchus Rafin.). Nicht
selten vom Jura bis zur Gegenwart.
N. Münsteri Ag. Oberer Malm von Bayern und Württemberg.
N. serratus Fraas (Fig. 661 D). Oberer Malm von Nusplingen
(Württemberg).
4. Fam. Lamnidae.
Zwei Rückenflossen ohne Stacheln. Grosse spitze platte Zähne von
ungefähr dreieckiger Gestalt mit comprimirter Wurzel (Fig. 661 A, B);
die beiden scharfen Seitenränder sind öfters gezähnelt und an der
Basis mit Nebenzacken (Fig. 661 H) versehen. Zähne aus Vasodentin mit
anastomosirenden Canälen (Fig. 656) bestehend. Wirbelkörper meist mit
8 radialen gegabelten Kalkstrahlen auf dem Querschnitt (Fig. 662 A --
asterospondyl). Recent und fossil seit dem Jura.
[Illustration: Fig. 662. Asterospondyle Haifischwirbel. A Querschnitt
eines Otodus-Wirbels aus dem Oligocän von Flonheim. B seitliche Ansicht
eines Otodus-Wirbels aus dem Londonthon von Sheppy. C Querschnitt eines
Wirbels von Galeocerdo aus dem Miocän von Baltringen.]
Oxyrhina Ag. (Fig. 661 E). Zähne schmal, zungenförmig, ohne
Nebenzacken. Recent und fossil vom Jura an.
O. Mantelli Ag. Kreide von Europa und Nordamerika.
O. hastalis Ag. (Fig. 661 E). Eocän von Nordamerika; jüngeres Tertiär
von Europa.
Lamna Cuv. (Fig. 661 H, I). Zähne schlank mit glatten Seitenrändern und
mit Nebenspitzen. Kreide bis Gegenwart.
L. contortidens Ag. (Fig. 661 H, I). Miocän von Europa.
Otodus Ag. (Fig. 662 A, B). Zähne ähnlich, nur breiter. Sehr häufig in
der Kreide und im Tertiär.
O. obliquus Ag. Eocän von Europa.
O. appendiculatus Ag. Obere Kreide von Europa, New Jersey und
Queensland.
Carcharodon Smith (Fig. 661 A, B). Zähne sehr gross und breit mit
gezähnelten Seitenrändern. Tertiär und lebend.
C. megalodon Ag. (Fig. 661 A, B). Von gewaltiger Grösse. Im Eocän und
jüngeren Tertiär fast kosmopolitisch (Malta, Alabama etc.).
5. Fam. Carchariidae.
Aehnlich den Lamnidae, aber die Zähne aus eigentlichem Dentin (Fig.
655) mit grosser einfacher Pulpahöhle bestehend. Die Wirbelkörper
zeigen vier mit der Spitze nach innen gerichtete verkalkte Keile auf
dem Querschnitt (Fig. 662 C). Kreide bis Gegenwart.
Galeocerdo Müll. u. Henle (Fig. 661 C u. 662 C). Vorderrand der Zähne
convex, Hinterrand concav, an der Basis stark gezackt. Kreide bis
Gegenwart.
G. aduncus Ag. (Fig. 661 C). Tertiär von Europa und Nordamerika.
Carcharias Cuv. Zähne dreieckig ohne Nebenspitzen, im Ober- und
Unterkiefer verschieden. Kreide bis Gegenwart. Hierher gehören sehr
zahlreiche lebende Arten.
C. speciosus Probst. Miocän von Baltringen.
6. Fam. Squatinidae.
Körper rochenähnlich, breit und abgeplattet; doch ist die grosse
Brustflosse vom Kopfe getrennt und die Kiemenspalten seitlich. Zwei
Rückenflossen ohne Stacheln auf dem Schwanze. Zähne spitz, kegelförmig,
ohne Nebenzacken. Wirbel tectospondyl (mit mehreren concentrischen
Kalkringen auf dem Querschnitt). Die einzige Gattung
Squatina Bell. existirte vom Jura an und findet sich noch lebend fast
in allen Meeren.
S. alifera Mnstr. ist in einer Anzahl vortrefflich erhaltener Skelete
bekannt, die aus den Plattenkalken des oberen Malm von Bayern
(Solnhofen, Eichstätt), von Württemberg (Nusplingen) und von Cirin
(Dép. Ain) stammen.
2. Unterordnung Batoidei oder Rochen.
Körper platt (deprimirt); Brustflosse sehr gross, mit dem Kopfe
verwachsen; 5 Kiemenspalten auf der Bauchseite. Wirbelkörper
cyclospondyl und tectospondyl (mit Kalkringen auf dem Querschnitte).
Fam. Myliobatidae.
Brustflossen sehr verbreitert; Schwanz peitschenförmig mit einem
Stachel; grosse platte Mahlzähne bilden ein mosaikartiges Pflaster
(Fig. 663); Haut nackt. Zähne aus Vasodentin mit ungefähr parallel
laufenden Canälen bestehend Fig. 664). Tertiär und lebend.
Myliobatis Cuv. (Fig. 663). Mit mehreren Reihen sechseckiger
Zahnplatten, von denen bei erwachsenen Exemplaren die mittleren
ausserordentlich breit werden. Je nach dem Alter des Individuums, sowie
je nach der grösseren oder geringeren Abkauung oder Abrollung bieten
die Zähne ein ausserordentlich verschiedenes Aussehen bei derselben
Art. Eocän bis Gegenwart.
M. toliapicus Ag. (Fig. 663). Eocän von England und Belgien.
[Illustration: Fig. 663. Myliobatis toliapicus Ag. Londonthon von
Sheppy. Zahnpflaster.]
[Illustration: Fig. 664. Längsschnitt (schematisch) durch einen
polsterförmigen Mahlzahn eines Selachiers. Vasodentin mit ungefähr
parallel laufenden Canälen.]
[Illustration: Fig. 665. Ptychodus latissimus Ag. Zahn von der Seite.
Obere Kreide (Senon) von England.]
Unter den fossilen Formen mit pflasterartigen Zähnen, die den Rochen
anzureihen sind, sind ferner die folgenden Gattungen hervorzuheben,
deren jede vielleicht den Typus einer besonderen Familie bildet; die
Zähne fast all dieser Formen besitzen Vasodentin, das zahlreiche,
ungefähr parallele und nicht mit einander anastomosirende Canäle zeigt
(Fig. 664).
Psammodus Ag. Zähne gross, etwa rechteckig; Oberfläche eben, porös,
punktirt, mehr oder weniger fein runzelig. Kohlenkalk von Europa und
Nordamerika.
P. porosus Ag. Kohlenkalk von Grossbritannien, Belgien, Russland.
Strophodus Ag. Zähne gross, verlängert, etwa rechteckig; Oberfläche
fast eben, mit netzförmig verästelten Linien, zwischen denen feine
Poren zerstreut sind. Jura und Kreide.
S. reticulatus Ag. Dogger von Mitteleuropa.
Ptychodus Ag. (Fig. 665), eine sehr charakteristische Selachierform
der mittleren und oberen Kreide, deren Rochennatur erst neuerdings
nachgewiesen wurde. Die grossen Zähne sind polsterförmig, fast
quadratisch; die schmelzglänzende Oberfläche zeigt tiefe Querfalten und
ist auf den Seiten gekörnelt.
P. latissimus Ag. (Fig. 665). Obere Kreide von Deutschland, Böhmen,
England, Russland.
Janassa Mnst. Zähne von vorn nach hinten stark comprimirt,
plattenförmig, aus einer langen Wurzel und stark nach rückwärts
gebogenen stumpfen Krone bestehend, mit einander ein dichtes Pflaster
bildend. Carbon und Perm.
J. bituminosa Schloth. Perm von Deutschland (Kupferschiefer) und
England.
Cochliodus Ag. (Fig. 666). In jedem Unterkieferaste finden sich zwei
aus Einzelzähnen verwachsene Zahnplatten; die hinterste und grösste
derselben ist schraubenförmig gefurcht, die ganze Oberfläche der
Zahnplatte fein punktirt. Carbon.
C. contortus Ag. (Fig. 666). Kohlenkalk von Irland.
[Illustration: Fig. 666. Cochliodus contortus Ag. Unterkiefer mit
Zähnen. Kohlenkalk von Irland.]
[Illustration: Fig. 667. Auffallend grosse Placoidschuppe mit Stachel
von Raja.]
Fam. Rajidae.
Körper rhombisch, auf der Oberseite mit Placoidschuppen besetzt,
von denen oft einige sehr gross und mit einem hakenförmigen Stachel
versehen sind (Fig. 667). Schwanz ohne langen Stachel. Gebiss mit
zahlreichen, kleinen, spitzen Zähnchen. Tertiär und recent. Wichtigste
Gattung:
Raja Cuv. (Fig. 667). Eocän bis Gegenwart.
R. antiqua Ag. Pliocän von England und Italien.
3. Ordnung Holocephali (Chimären oder Seekatzen).
Knorpelskelet; die ungegliederte Chordascheide enthält verkalkte Ringe,
die viel zahlreicher sind als die Körpersegmente. Palatoquadratum
und Hyomandibulare mit dem Primordialcranium verschmolzen. Vier
Kiemenspalten von einer Hautfalte bedeckt. Gaumen jederseits mit zwei
(Fig. 668 a u. b), Unterkiefer mit einem (c) mächtigen schneidenden
Zahn versehen. Ein grosser Nackenstachel hinter dem Kopfe, gelenkig
verbunden mit einem breiten Flossenträger; dahinter eine lange bis
zum Schwanze verlaufende niedere Rückenflosse, von zahlreichen,
stabförmigen Flossenträgern gestützt. Die grossen paarigen Flossen
sind denen der Selachii ähnlich. Die Flossenstrahlen bestehen aus sehr
zahlreichen dicht stehenden Hornfäden. Die Haut ist nackt oder trägt
kleine Placoidschüppchen.
[Illustration: Fig. 668. Ischyodus avita H. v. Meyer. Oberer
Jura. Eichstätt. Gebiss. a = vorderer, b = hinterer Oberzahn; c =
Unterkieferzahn.]
Die in der Gegenwart noch spärlich vertretene Ordnung existirte
vielleicht schon im Devon. Unzweifelhafte Chimären finden sich aber
erst seit dem Jura; aus dem lithographischen Schiefer von Eichstätt
sind vollständige Skelete bekannt. Einzige
Fam. Chimaeridae.
Ischyodus Egerton. (Devon), Jura, Kreide und Tertiär.
I. avita H. v. Meyer (Fig. 668). Oberer Malm von Eichstätt.
2. Unterklasse Euichthyes.
4. Ordnung Placodermi (nebst Cephalaspidae und Pteraspidae).
Die Chordascheide ist nicht verknöchert. Kopf und vorderer Theil des
Rumpfes sind mit meist sternförmig verzierten grossen, aber dünnen
Knochenplatten vollkommen gepanzert (Fig. 669). Der Kopfpanzer (K)
ist mit dem Rumpfpanzer (B) gelenkig verbunden. Die beiden mächtigen,
äusserlich gepanzerten Ruderorgane (Brustflossen -- R) bestehen aus
zwei gegen einander beweglichen Hälften; sie sind nicht bei allen
Formen nachgewiesen; Radien und Flossenstrahlen sind nicht daran
bekannt. Bauchflossen sind ebenfalls unbekannt.
[Illustration: Fig. 669. Asterolepis ornatus Pander. Von der
Seite, restaurirt. Old red Sandstone. Livland. K = Kopfpanzer; B =
Rumpfpanzer; R = Ruderorgan; O = Orbitalöffnung (?).]
Zu den Placodermi gehören eine Anzahl Fische von seltsamer
Körpergestalt, deren Beziehungen zu anderen Fischgruppen wie auch zu
einander noch sehr dunkel sind. Sie sind fast vollständig auf das
Devon beschränkt und gehören zu den bezeichnendsten Thierformen des
Old red Sandstone; besonders häufig sind ihre Reste in Schottland;
Nordamerika hat prachtvoll erhaltene Stücke geliefert; sie finden sich
auch in Russland, seltener in Deutschland.
1. Fam. Asterolepidae.
Inneres Skelet nicht erhaltungsfähig.
Pterichthys Ag. (Fig. 670). Das Kopfschild (K) zeigt eine querstehende,
von kleinen Platten bedeckte Oeffnung (O), die vielleicht als
Orbitalöffnung anzusehen ist. Der Kopf zeigt Spuren von Schleimkanälen.
Die hintere Körperhälfte ist von Schuppen bedeckt und trägt eine kleine
Rückenflosse (F). Die medianen Schuppen sind vor der Rückenflosse
als grössere Platten ausgebildet, hinter der Rückenflosse sind sie
fulkrenähnlich (f). Devon. Die zahlreichsten und vollständigsten
Exemplare stammen aus dem Old red Sandstone von Schottland.
P. cornutus Ag. (Fig. 670). Old red Sandstone von Schottland.
[Illustration: Fig. 670. Pterichthys cornutus Ag., restaurirt. Old red
Sandstone von Schottland. A Rückenansicht. B Schwanz von der Seite.
F = Rückenflosse; K = Kopf; O = unpaare Oeffnung (Orbitalöffnung);
R = Ruderorgan; f = fulkrenähnliche Medianschuppen; hl = hintere
Dorsolateralplatte; hm = hintere dorsale Medianplatte; vl = vordere
Dorsolateralplatte; vm = vordere dorsale Medianplatte.]
Asterolepis Eichw. (Fig. 669) ist Pterichthys ähnlich. Devon.
A. ornatus Eichw. (Fig. 669). Old red Sandstone von Livland.
Bothriolepis Eichw. ist der Gattung Pterichthys ähnlich, aber die
hintere Körperhälfte ist schuppenlos und daher nie beobachtet, obwohl
zu dieser Gattung die best erhaltenen der bekannten Placodermen
gehören. Devon von Europa und Canada.
B. canadensis Whiteaves. Das Oberdevon von Scanmenac-Bay in Canada
hat zahlreiche, vortrefflich erhaltene Exemplare dieser Art geliefert.
B. Panderi Lahusen. Devon von Russland.
2. Fam. Coccosteidae.
Inneres Skelet theilweise fossil erhaltungsfähig.
Coccosteus Ag. (Fig. 671). Obere und untere Wirbelbögen, Flossenträger,
sowie ein Theil des Innenschädels ist verknöchert. Die Kiefer tragen
winzige Zähnchen (Fig. 671); Augen seitlich, von einander getrennt.
Ein Ruderorgan ist unbekannt. Hintere Körperhälfte schuppenlos. Devon
von Deutschland, Schottland, Livland und Nordamerika.
C. decipiens Ag. Aus dem Old red Sandstone von Schottland und
Livland.
[Illustration: Fig. 671. Coccosteus decipiens Ag. Kiefer mit Zähnchen.
Old red Sandstone. Livland.]
Dinichthys Newberry. Fische von gewaltiger Grösse, deren Kopf bis 3
Fuss lang und fast ebenso breit wird; sie finden sich besonders im
Devon von Nordamerika.
D. Hertzeri Newb. Devon von Delaware, Ohio.
Anhang: Fam. Cephalaspidae.
Wirbelsäule nicht verknöchert, Kopf mit einem einfachen grossen
Knochenschilde bedeckt, in welchem die Augenhöhlen nahe beieinander
liegen. Rumpf von rhombischen Schuppen bedeckt. Schwanz heterocerk.
Paarige Gliedmassen unbekannt. So lange die hierher gehörigen Formen
nicht besser bekannt sind als bisher, ist es nicht möglich, ihnen eine
sichere Stellung im System anzuweisen. Sie gehören zu den ältesten
Fischen und finden sich nur im obersten Silur und Devon.
[Illustration: Fig. 672. Cephalaspis Lyelli Ag. Old red Sandstone von
Schottland. Restaurirt.]
Cephalaspis Ag. Silur und Devon.
C. Lyelli Ag. ist nicht selten im Old red Sandstone von Schottland.
Schliesslich möge hier auch die räthselhafte
Fam. Pteraspidae
Platz finden, seltsame Formen aus dem obersten Silur und Devon, von
denen nur gewölbte Panzer bekannt sind, die als Rücken- und Bauchschild
den Kopf und Vorderrumpf fischähnlicher Formen bedeckt haben sollen;
das Rückenschild ist meist zusammengesetzt (Gattung Pteraspis
Cuv.), das Bauchschild einfach (Gattung Scaphaspis Lank.). Kleine
Augenöffnungen liegen am Aussenrand des Rückenschildes.
5. Ordnung Dipnoi.
Das Innenskelet der Dipnoi zeigt nur geringe Verknöcherung; die
Chordascheide bleibt ungegliedert. Am Kopfe treten Deckknochen
auf, vor allem ein Parasphenoid (Fig. 673 ps) und ein Operculum,
ebenso am Schultergürtel. Das Palatoquadratum sowie das rudimentäre
Hyomandibulare sind mit dem Schädel verwachsen. Der Gaumen (pp)
und der Unterkiefer trägt jederseits eine sehr grosse kammförmige
Zahnplatte (Fig. 673 d u. Fig. 675). Sind die paarigen Flossen wohl
entwickelt, so sind sie quastenförmig mit langer vielgliedriger,
äusserlich beschuppter Hauptachse und zweizeilig angeordneten
Seitenstrahlen (Fig. 674 p u. v, ähnlich Pleuracanthus, vgl. Fig.
645), sonst peitschenförmig ohne Seitenstrahlen. Die Schwanzflosse ist
diphycerk (Fig. 648, 674) oder heterocerk (Fig. 676). Die unpaaren
Flossen werden von stabförmigen Flossenträgern getragen, die direkt
den Dornfortsätzen aufsitzen. Die Flossenstrahlen bestehen meist aus
Hornfäden (Fig. 674), manchmal aus gegliederten Strahlen (Fig. 676).
Der Körper ist mit grossen rundlichen Schuppen bedeckt. Rippen lang und
kräftig.
[Illustration: Fig. 673. Dipterus Valenciennesi Ag. Old red Sandstone
von Schottland. A Unterseite des Schädels. B Unterkiefer von oben. a =
Unterkiefergelenk; d = Zahnplatten; pp = Palatinum; ps = Parasphenoid.]
Die lebenden Dipnoi besitzen neben ihren Kiemen auch Lungen; sie finden
sich in Südamerika, Afrika (Protopterus -- Fig. 648) und Australien
und leben daselbst in schlammigen, dem Austrocknen oft unterworfenen
Gewässern. Fossil kommen sie vom Devon (Silur?) an vor.
Dipnoi sind offenbar innig mit den Crossopterygii, den primitivsten
Teleostomi verwandt. Die Abgrenzung der paläozoischen Vertreter beider
Gruppen ist sehr unsicher.
1. Unterordnung Sirenoidea.
Die lange einfache Rückenflosse geht ohne Unterbrechung in die
diphycerke Schwanzflosse über (Fig. 674). Flossenstrahlen aus
Hornfäden bestehend. Rumpf von dünnen Cycloidschuppen bedeckt. Keine
Jugularplatten zwischen den Unterkieferästen. Deckknochen des Kopfes
nicht sehr zahlreich. Paläozoisch, mesozoisch und recent.
1. Fam. Phaneropleuridae.
Paarige Flossen wohl entwickelt, quastenförmig. Kurze conische
Kieferzähne sind vorhanden. Gaumenzähne dreieckig, mit Reihen von
Zacken versehen. Devon und Carbon.
Phaneropleuron Huxl. (Fig. 674). Devon von Schottland und Canada.
Ph. Andersoni Huxl. (Fig. 674). Old red Sandstone von Schottland.
[Illustration: Fig. 674. Phaneropleuron Andersoni Huxl. Old
red Sandstone von Dura Den in Schottland. a = Afterflosse; c =
Schwanzflosse; d = Rückenflosse; p = Brustflosse; v = Bauchflosse.]
[Illustration: Fig. 675. Ceratodus runcinatus Plien.
Lettenkohlensandstein von Hoheneck bei Ludwigsburg. Obere Zahnplatte.]
2. Fam. Ceratodontidae.
Keine conischen Kieferzähne. Gaumenzähne dreieckig. Paarige Flossen
wohl entwickelt, quastenförmig.
Ceratodus Ag. (Fig. 675). Zahnplatten mit unten 4, oben 5 (6) hohen
einfachen Kämmen. Findet sich fossil weit verbreitet, besonders in der
Trias, auch im Jura, sowie lebend in Australien.
C. Kaupi Ag. und C. runcinatus Plien. (Fig. 675).
Lettenkohlensandstein von Württemberg.
C. Forsteri Krefft. Zahnplatten mit 6 Kämmen. Lebend in Australien.
Ctenodus Ag. scheint Ceratodus sehr ähnlich zu sein; Zahnplatten
meist mit mehr als 5 mehr oder weniger gezackten Kämmen. Carbon und
Perm.
2. Unterordnung Ctenodipterini.
Zwei kurze Rückenflossen getrennt von der heterocerken Schwanzflosse
(Fig. 676). Flossenstrahlen gegliedert. Runde auf der Oberfläche
gekörnelte Ganoidschuppen. Paläozoisch.
Fam. Dipteridae.
Schädeldach mit zahlreichen kleinen schuppenförmigen Hautschildern.
Paarige Flossen wohl entwickelt, quastenförmig (Fig. 676).
[Illustration: Fig. 676. Dipterus Valenciennesi Ag. Restaurirt. Old red
Sandstone von Schottland.]
Dipterus Sedgw. u. Murch. (Fig. 673, 676). Zahnplatten mit fächerförmig
von der inneren Ecke aus verlaufenden gezackten Kämmen. Zwei Paar
Jugularplatten (s. p. 556) zwischen den Unterkieferästen. Devon.
D. Valenciennesi Ag. (Fig. 673, 676). Old red Sandstone von
Schottland.
6. Ordnung Teleostomi.
Zu dieser Ordnung gehört die grosse Mehrzahl der lebenden wie der
fossil bekannten Fische. Teleostomi finden sich schon im Devon in
grosser Mannigfaltigkeit. In vielen Punkten ihrer Organisation lässt
sich eine allmählich fortschreitende Entwicklung von den ältesten und
primitivsten Formen bis zu den jüngsten und höchststehenden erkennen.
Die anfangs knorpelige Wirbelsäule (mit wohlerhaltener Chorda und
noch ungegliederter Chordascheide wie bei Accipenser) geht durch eine
grosse Anzahl von Zwischenstufen (vgl. p. 517) allmählich in den
vollkommen verknöcherten Zustand über, und zwar zeigen diesen Zustand
die höchsten Formen aus ganz verschiedenen Gruppen der Teleostomi,
die ihn unabhängig von einander erreicht haben (Polypterus unter den
Crossopterygii, Lepidosteus unter den Euganoidei, viele Physostomi und
alle Physoclysti).
[Illustration: Fig. 677. Kopf von Dapedius aus dem Lias. an = Angulare;
br = Kiemenhautstrahlen; co = Circumorbitalia; d = Dentale; f =
Frontale; im = Intermaxillare; iop = Interoperculum; j = Jugularplatte;
m = Maxillare; n = Nasale; op = Operculum; p = Parietale; po =
Postorbitalia; pop = Praeoperculum; pt = Posttemporale; sop =
Suboperculum; sg = Squamosum; st = Supratemporalia.]
Das Primordialcranium nebst dem Visceralskelet ist ebenfalls
ursprünglich noch ganz knorpelig, doch stets von einer mehr oder minder
grossen Zahl von Deckknochen umgeben, die bei vielen älteren Formen
einen äusseren, fast vollständig geschlossenen Kopfpanzer (Fig. 677,
683) darstellen. Erst bei den höchststehenden Teleostomi findet sich
das Primordialcranium grösstentheils verknöchert, z. Th. unter inniger
Verwachsung mit Deckknochen, und eine geschlossene Knochenkapsel um das
Gehirn bildend; ein äusserer geschlossener Kopfpanzer ist bei solchen
Formen nur selten noch ausgebildet.
Auch das Visceralskelet verknöchert bei den höheren Teleostomi oder es
wird, wie ein Theil des Palatoquadratum und des Unterkiefers, durch
Deckknochen ersetzt. Das Hyomandibulare, dessen unterer Theil (als
Symplecticum) vom oberen abgegliedert ist, trägt den Unterkiefer.
Unter den Deckknochen des Schädels (Fig. 677) ist neben anderen (vgl.
p. 523) besonders der am Hyomandibulare befestigte und bewegliche
Kiemendeckel hervorzuheben, der aus dem Praeoperculum (pop) und
Operculum (op) besteht, zu denen noch ein Suboperculum (sop) und
Interoperculum (iop) treten kann. Das Zungenbein trügt fast immer
verlängerte knöcherne Seitenstrahlen, die Kiemenhautstrahlen
(Branchiostegalia Fig. 677 br); fehlen diese, so finden sich zwischen
den Unterkieferästen die Kehl- oder Jugularplatten (Fig. 677, 684
j), die selten auch neben Kiemenhautstrahlen vorhanden sind. Die
Opercularplatten selbst sind nur als die umgewandelten Kiemenstrahlen
des Hyomandibulare anzusehen.
Zähne können in der mannigfaltigsten Ausbildung auf allen den Mund oder
Schlund begrenzenden Knochen auftreten.
Der Schultergürtel (Fig. 678 B, C) der Teleostomi besteht zum grösseren
Theil aus Deckknochen [Secundärer Schultergürtel mit Clavicula (cl),
Supraclavicula (scl), oft auch Postclavicula (pcl) und Infraclavicula],
und ist meist durch ein besonderes Posttemporale (pt) mit dem Schädel
verbunden (vgl. Fig. 688); nur bei rudimentärer Brustflosse kann eine
Verbindung mit dem Schädel unterbleiben (Anguilliformes). Der primäre
Schultergürtel bleibt bei den niederen Formen knorpelig und verknöchert
bei den höheren zu zwei getrennten Stücken, dem Scapulare (sc) und
Coracoideum (co); er tritt aber gegen den secundären Schultergürtel
sehr zurück.
[Illustration: Fig. 678. Schultergürtel und Brustflosse von
A Heptanchus (Selachier), B Polypterus (Crossopterygier mit
quastenartiger Brustflosse) und C Salmo lacustris (Physostome mit
fächerartiger Brustflosse).
Primärer Schultergürtel: co = Coracoid; sc = Scapulare.
Secundärer Schultergürtel: cl = Clavicula; pcl = Postclavicula; scl =
Supraclavicula; pt = Posttemporale, zur Befestigung am Schädel.
Primäres Flossenskelet (= I): p = Propterygium; ms = Mesopterygium; mt
= Metapterygium; r = Radien.
Secundäres Flossenskelet (= II): fs = Flossenstrahlen; 1 = erster
Flossenstrahl.]
Das kleine Becken ist bei den höheren Formen verknöchert und
wahrscheinlich mit einem Theil des primären Bauchflossenskelets
verwachsen; es rückt bei vielen Physoclysti aus seiner ursprünglich
bauchständigen Lage weit nach vorn an die Brust (Fig. 719 v) oder
selbst an die Kehle, wobei es sich mit dem Schultergürtel in Verbindung
setzen kann.
Die äusseren paarigen Flossen besitzen bei den niederen Teleostomi
(Fig. 678 B) noch ein wohlentwickeltes, mit zahlreichen Radien (r)
versehenes primäres Flossenskelet (I), das die Flossenstrahlen (fs)
trägt [quastenförmige Flosse mit langer (Fig. 680) oder kurzer (Fig.
678 B) Achse bei den Crossopterygii]; bei den höheren Teleostomi
(Fig. 678 C) wird das primäre Flossenskelet (I) aber zu Gunsten des
secundären (II), aus den Flossenstrahlen (fs) bestehenden, immer
mehr zurückgebildet, bis letzteres fast allein die ganze Flosse
zusammensetzt (fächerförmige Flosse); wenigstens ein Flossenstrahl
(1) articulirt dann direkt mit dem Gliedmassengürtel; als Rest des
primären Skelets (Fig. 678 C I) finden sich bei den höheren Formen
am Schultergürtel nur noch wenige, höchstens 5 Knochenstücke (mt und
r), die alle direkt an den Schultergürtel stossen; an der Bauchflosse
dagegen gehen auch diese zuletzt verloren, so dass hier alle
Flossenstrahlen sich direkt an das Becken anlegen können.
Die ältesten Teleostomi sind alle diphycerk (Fig. 680) oder heterocerk
(Fig. 689); erst seit der Trias tritt die hemiheterocerke (Fig. 699)
Schwanzform auf, und die känozoischen Formen sind fast durchweg
homocerk (Fig. 708, 712).
[Illustration: Fig. 679. Flossenstrahlen. A, B Stachelstrahlen;
ungegliedert, hart. C weicher Flossenstrahl; gegliedert, einfach. D
ebenso; gegliedert und fächerförmig.]
Die paarigen und unpaaren Flossen der Teleostomi zeigen stets
gegliederte und meist auch fächerförmig getheilte Flossenstrahlen (Fig.
679 C, D); nur bei den höchsten Formen (Physoclysti) können dieselben
durch ungegliederte Stachelstrahlen (Fig. 679 A, B) in grösserer Anzahl
ersetzt werden (Fig. 719, 720). Die unpaaren Flossen stützen sich auf
stabförmige Flossenträger. Als Fulkren oder Schindeln (Fig. 699 f)
werden stachelförmige Schuppen bezeichnet, die paarig oder unpaar dem
Vorderrande der einzelnen Flossen aufsitzen können; sie finden sich nur
bei primitiveren Formen. Während die älteren Teleostomi fast sämmtlich
eine panzerähnliche Körperbedeckung aus dicken, schmelzüberzogenen
Ganoidschuppen trugen, zeigen die modernen Formen mit wenig Ausnahmen
dünne Cycloid- und Ctenoidschuppen.
Unter dem Namen »Ganoiden« werden gewöhnlich die Teleostomi zu einer
besonderen Gruppe unter den Fischen zusammengefasst, welche gewisse
primitive Charaktere aufweisen, nämlich eine nicht vollständig
verknöcherte Wirbelsäule oder nicht vollständig homocerken Schwanz,
Ganoidschuppen, Fulkren oder Jugularplatten, Merkmale, die von
primitiveren Charakteren der Sehnerven, des Herzens und des
Darmcanals[A] begleitet sein können, wie sie sich auch noch bei
Chondropterygii und Dipnoi finden. Den »Ganoiden«[B] werden die in
allen diesen Punkten moderneren Teleostomi unter dem Namen »Teleostei«
gegenübergestellt. Diese Trennung ist jedoch eine unnatürliche, da sie
nahe verwandte Formen auseinanderreisst, dagegen sehr heterogene Formen
zusammenfasst.
Unter den Teleostomi lassen sich die folgenden fünf Unterordnungen
annehmen.
A. Brustflossen quastenförmig, mit beschuppter Achse; primäres
Flossenskelet wohl entwickelt, mit zahlreichen Radien; keiner der
Flossenstrahlen erreicht den Schultergürtel (Fig. 678 B, 680).
Schwanzflosse diphycerk oder heterocerk.
1. Unterordnung Crossopterygii (p. 560).
B. Brustflossen fächerförmig, fast ganz aus den stark entwickelten
Flossenstrahlen bestehend; primäres Flossenskelet rudimentär mit sehr
wenig Radien, die sämmtlich den Schultergürtel erreichen; auch der
äusserste Flossenstrahl erreicht stets den Schultergürtel
(Fig. 678 C).
I. Schwanz heterocerk; die Schwanzwirbelsäule und die äussere
Beschuppung erstrecken sich fast bis zum Ende der Schwanzflosse
(Fig. 689).
2. Unterordnung Heterocerci (p. 563).
II. Schwanz hemiheterocerk bis homocerk; die Schwanzwirbelsäule und
ebenso die äussere Beschuppung erstrecken sich höchstens bis zum
Beginn der hinteren Hälfte der Schwanzflosse (Fig. 694, 720).
a. Schuppen schmelzbedeckt, rhombisch oder rhomboidisch, dick oder
mit verdickter Innenleiste (Ganoidschuppen -- Fig. 687, 699).
3. Unterordnung Euganoidei (p. 568).
b. Keine rhombischen Ganoidschuppen.
1. Cycloidschuppen (selten rhombisch, dann aber klein und dünn);
Bauchflossen bauchständig; höchstens ein Stachelstrahl in jeder
Flosse; Schwimmblase mit Ausführungsgang (Fig. 711).
4. Unterordnung Physostomi (p. 575).
2. Entweder sind Ctenoidschuppen vorhanden, oder die Bauchflossen
sind brust- oder kehlständig, oder es finden sich mehrere
Stachelstrahlen in einer Flosse; Schwimmblase ohne
Ausführungsgang (Fig. 720).
5. Unterordnung Physoclysti (p. 580).
1. Unterordnung Crossopterygii.
Der Körper ist von rhombischen oder cycloiden Ganoidschuppen bedeckt,
der Schädel ist vollkommen gepanzert, der Schwanz ist diphycerk
bis heterocerk. Die Brust- (meist auch die Bauch-)flossen sind
quastenförmig mit beschuppter kurzer (Fig. 678 B) oder verlängerter
(Fig. 680) Achse. Die Radien (Fig. 678 B r) des wohlentwickelten (nur
bei Polypterus verknöcherten) primären Flossenskelets sind zahlreich,
die Flossenstrahlen (fs) weit vom Schultergürtel getrennt; es sind zwei
kurze (Fig. 680) oder eine lange vieltheilige Rückenflosse vorhanden,
die auch ganz fehlen kann. Fulkra fehlen, ebenso Kiemenhautstrahlen,
statt deren Kehlplatten (Fig. 684 j) sich finden. Nur bei den recenten
Formen sind die Wirbel vollständig verknöchert.
Die Crossopterygii zeigen sehr innige Beziehungen zu den Dipnoi (vgl.
Fig. 676), in Folge dessen die Abgrenzung beider Gruppen für manche
fossile Formen schwierig ist. Nach dem Bau ihrer Gliedmassen können die
Crossopterygier als die ursprünglichsten Formen unter den Teleostomi
angesehen werden. Sie gehören zu den häufigsten und auffallendsten
Fischformen des Devon und Carbon, treten später sehr zurück, sind aber
noch in der Gegenwart vorhanden.
Man kann folgende 5 Familien unterscheiden:
A. Wirbel unvollständig verknöchert. Zwei kurze Rückenflossen (sämmtlich
fossil).
1. Mehrere einfache Flossenträger für jede Rückenflosse.
a. Schuppen cycloid, dachziegelförmig sich bedeckend.
α. Brustflossen mit verlängerter Achse; Zähne dendrodont.
1. Fam. Holoptychiidae.
β. Brustflossen mit kurzer Achse; Zähne labyrinthodont.
2. Fam. Rhizodontidae.
b. Schuppen rhombisch.
3. Fam. Rhombodipteridae.
2. Nur ein gabelförmiger Flossenträger für jede Rückenflosse.
4. Fam. Coelacanthidae.
B. Wirbel vollständig verknöchert; Rückenflosse sehr lang und vieltheilig
oder fehlend (nur recent).
5. Fam. Polypteridae.
1. Fam. Holoptychiidae.
Wirbel unvollständig verknöchert; zwei sehr kurze Rückenflossen (Fig.
680); Schuppen rundlich, die freie Oberfläche skulptiert (Fig. 681);
Brustflossen quastenförmig, spitz, mit verlängerter Achse; Zähne
spitzkegelförmig, darunter mehrere mächtige zweischneidige Fangzähne,
aus Vasodentin mit verästelten Canälen bestehend (dendrodont). Devon,
selten Carbon.
Holoptychius Ag. (Fig. 680). Brustflossen mit sehr langer schmaler
beschuppter Achse; Schwanzflosse hetero-diphycerk. Devon. Besonders
schöne Exemplare dieser grossen Fischformen finden sich im Old red
Sandstone von Schottland; auch im Devon von Irland, Russland, Eifel,
Belgien und Nordamerika.
H. nobilissimus Ag. (Fig. 680), Murchisoni Ag. (Fig. 681) u. a.
im Old red Sandstone von Schottland.
Dendrodus Owen (mit Unrecht neuerdings zu den Dipnoi gestellt) ist
nahe verwandt; Kopfpanzer ohne sichtbare Nähte. Von bedeutender
Grösse. Old red Sandstone; häufig in Russland, selten in Schottland.
D. biporcatus Ag. Old red Sandstone von Russland.
Glyptolepis Ag. Vordere Rückenflosse der Afterflosse gegenüber.
Devon von Schottland, Russland und Nordamerika.
G. microlepidotus Ag. Old red Sandstone von Schottland.
[Illustration: Fig. 680. Holoptychius nobilissimus Ag. Old red
Sandstone. Elgin, Schottland.]
[Illustration: Fig. 681. Holoptychius Murchisoni Ag. Old red Sandstone
von Schottland. Freiliegender skulptirter Theil einer Schuppe.]
[Illustration: Fig. 682. Rhizodus Hibberti Ag. Fangzahn. Carbon von
Edinburg.]
2. Fam. Rhizodontidae.
Der vorigen Familie sehr ähnlich, aber die Brustflossen sind stumpf,
abgerundet, mit kurzer Achse, und die Zähne zeigen Vasodentin mit
einfachen, nicht verzweigten, aber der Länge nach zusammenhängenden
Canülen (labyrinthodont). Carbon, selten im Devon.
Rhizodus Owen (Fig. 682). Sehr grosse Fische, deren 5-10 cm lange
zweischneidige Fangzähne an der Basis tief gefaltet sind. Carbon von
Schottland, England und Nordamerika.
Rh. Hibberti Ag. (Fig. 682). Carbon von Edinburg.
3. Fam. Rhombodipteridae.
Paläozoische Fische mit rhombischen Schuppen und zwei Rückenflossen.
Osteolepis Val. u. Pentl. (Fig. 683). Brustflossen mit etwas
verlängerter Achse. Schwanzflosse hetero-diphycerk. Schuppen und
Kopfplatten glatt; die Kopfplatten zeigen Neigung mit einander zu
verschmelzen; mittlere Jugularplatten vorhanden. Devon von Schottland
und Russland.
O. macrolepidotus Val. u. Pentl. (Fig. 683) aus dem Old red
Sandstone.
Glyptolaemus Huxl. Schuppen und Kopfplatten skulptirt; mittlere
Jugularplatte fehlt. Devon von Schottland.
G. Kinnairdi Huxl. Old red Sandstone von Schottland.
[Illustration: Fig. 683. Osteolepis macrolepidotus Val. u. Pentl. aus
dem Old red Sandstone. Schottland. Restaurirt.]
4. Fam. Coelacanthidae.
Chordascheide ungegliedert. Bei allen stabförmigen Skeletknochen ist
nur die äussere Schicht verknöchert, sie erscheinen daher fossil als
hohle Röhren. 2 kurze Rückenflossen und 1 Afterflosse (Fig. 684),
jede nur von einem gabelförmigen Flossenträger (ft) gestützt. Paarige
Flossen abgerundet, mit kurzer Achse. Schwanzflosse (c) diphycerk.
Schuppen dünn und rundlich, oft skulptirt. Zwei grosse Kehlplatten (j).
Schwimmblase (s) mit verknöcherter Wandung. Der Kiemendeckel zeigt nur
eine Knochenplatte. Carbon bis Kreide.
[Illustration: Fig. 684. Undina penicillata Mnstr. Oberer Jura von
Eichstätt. a = Afterflosse; c = Schwanzflosse mit pinselförmiger
Endflosse; d₁ u. d₂ = Rückenflossen; ft = gabelförmige Flossenträger;
= Jugular- oder Kehlplatten; p = Brustflosse; s = Schwimmblase; v =
Bauchflosse.]
Undina Mnstr. (Fig. 684). Die grosse diphycerke Schwanzflosse (c) setzt
sich in eine pinselförmige Endflosse fort. Freier Theil der Schuppen
mit dichtstehenden länglichen Körnern (Fliegeneierähnlich) oder Dornen
besetzt. Oberer Jura von Bayern und von Cirin bei Lyon.
U. penicillata Mnstr. (Fig. 684). Oberer Jura von Eichstätt.
Macropoma Ag. Pinselflosse fehlt oder rudimentär. Schuppen mit
dichtstehenden scharfen Spitzen bedeckt. Grosse bis 50 cm lange
Fische aus der mittleren und oberen Kreide von England, Frankreich,
Norddeutschland, Böhmen. Häufig finden sich die spiralig gedrehten 1-2
cm langen Excremente.
M. Mantelli Ag. Obere Kreide von England.
M. forte Fritsch. Obere Kreide von Böhmen.
5. Fam. Polypteridae.
Hierher gehören die in afrikanischen Flüssen vorkommenden recenten
Gattungen Polypterus (Fig. 678 B) mit langer vieltheiliger Rückenflosse
und Calamoichthys ohne Rückenflosse.
2. Unterordnung Heterocerci.
Dies ist die einzige Unterordnung der Teleostomi, innerhalb deren
keine Formen mit vollständig verknöcherten Wirbeln sich ausgebildet
haben. Chordascheide stets ungegliedert. Das ganze Innenskelet ist
äusserst wenig, wenn überhaupt, verknöchert. Auch am Schädel sind nur
Deckknochen bekannt. Die Bezahnung ist schwach. Flossenstrahlen sind
in viel grösserer Anzahl vorhanden als Flossenträger, und stehen sehr
dicht. Der Schwanz ist ausgezeichnet heterocerk, die Schwanzwirbelsäule
sowie die äussere Beschuppung reicht fast bis zu der Schwanzspitze.
Der Körper ist meist von dicken rhombischen Ganoidschuppen bedeckt,
doch sind einige extremere Formen nackt oder tragen Knochenplatten.
Zu den Heterocerci, welche höchst charakteristisch sind für die
paläozoischen Schichten seit dem Devon, gehören namentlich die meisten
Fische der Dyas. Spärlich finden sie sich noch in der Trias, und nur
die merkwürdigen Familien der Störe und Löffelstöre haben sich bis zur
Gegenwart erhalten.
Es lassen sich sechs Familien annehmen, unter denen die
Acanthodidae eine sehr isolirte Stellung einnehmen, während über
die Zusammengehörigkeit der übrigen fünf Familien kaum ein Zweifel
herrschen kann. Die typischen Heterocerci aus dem Palaeozoicum,
Palaeoniscidae und Platysomidae, können als die Vorläufer der
mesozoischen Euganoidei angesehen werden.
A. Körper vollständig mit rhombischen Schuppen bedeckt.
I. Vor jeder Flosse mit Ausnahme der Schwanzflosse ein kräftiger
Stachel. Schuppen winzig.
1. Fam. Acanthodidae.
II. Flossen ohne Stacheln; meist grössere Ganoidschuppen.
a. Körper wenigstens doppelt so lang als hoch.
2. Fam. Palaeoniscidae.
b. Körper höchstens doppelt so lang als hoch.
3. Fam. Platysomidae.
B. Körper nackt oder mit einzelnen Reihen von Knochenplatten bedeckt.
I. Bauchflossen kehlständig; Körper so hoch als lang.
4. Fam. Dorypteridae.
II. Bauchflossen bauchständig; Körper viel länger als hoch.
a. Körper ganz nackt.
5. Fam. Spatulariidae.
b. Körper trägt Knochenplatten.
6. Fam. Accipenseridae.
1. Fam. Acanthodidae.
Diese eigenthümlichen Fische (Fig. 686), die zu den ältesten der
Heterocerci gehören, erinnern an manche der modernen Tiefseefische,
indem sie wie diese eine sehr spärliche Knochenbildung am Kopfe zeigen;
unter anderem ist, wie bei gewissen Stomiatidae, mit denen einige der
Acanthodiden auffallende Analogien zeigen, ein Kiemendeckel nicht
ausgebildet, so dass die Kiemen frei zu liegen scheinen; die überhaupt
vorhandenen Kopfknochen sind äusserst dünn. Das Innenskelet ist nicht
verknöchert. Der Schwanz ist stark heterocerk; der Körper wird von
winzigen quadratischen oder rhombischen dicken Schüppchen bedeckt
(Fig. 685), die nicht mit den Rändern übergreifen und die der Haut ein
chagrinartiges Aussehen geben; ähnliche Schuppen besitzt die Gattung
Cheirolepis unter den Palaeoniscidae. Vor Rücken- und Afterflossen
steckt je ein kräftiger Stachel lose im Fleisch (wie bei Selachii),
auch vor den Bauchflossen, während der Stachel (erster Flossenstrahl)
der Brustflosse mit dem Schultergürtel in Gelenkverbindung steht wie
bei allen höheren Teleostomi.
[Illustration: Fig. 685. Acanthodes gracilis Beyr. Schuppen von der
Innenseite, vergrössert.]
Acanthodidae kommen vom Devon bis Perm vor; vielleicht stammen auch
einige der silurischen Ichthyodoruliten von ihnen.
Acanthodes Ag. (Fig. 685). Langgestreckt mit dickem Kopf und grossem,
mit winzigen Zähnchen besetztem Maul. Augen mit geschlossenem
Knochenring. Eine Rückenflosse gegenüber der Afterflosse. Devon bis
Dyas.
A. Mitchelli Eg. Old red Sandstone von Schottland.
A. Bronni Ag. Rothliegendes bei Saarbrücken.
A. gracilis Beyr. (Fig. 685). Rothliegendes von Sachsen und Böhmen.
Cheiracanthus Ag. (Fig. 686). Wie Acanthodes, aber die Rückenflosse
steht über dem Zwischenraum von Bauch- und Afterflosse. Devon.
Ch. microlepidotus Ag. (Fig. 686). Old red Sandstone von Schottland.
[Illustration: Fig. 686. Cheiracanthus microlepidotus Ag. Old red
Sandstone von Schottland.]
Diplacanthus Ag. mit zwei Rückenflossen, die hintere über der
Afterflosse. Old red Sandstone von Schottland und Canada.
D. crassispinus Ag. Old red Sandstone von Schottland.
Climatius Ag. mit zwei Rückenflossen und einer Anzahl von paarigen
Stacheln zwischen Brust- und Bauchflossen. Devon.
C. scutiger Eg. Old red Sandstone von Schottland.
2. Fam. Palaeoniscidae.
Körper wenigstens doppelt so lang als hoch, panzerartig bedeckt
von rhombischen, gelenkig verbundenen Ganoidschuppen (Fig. 687).
Schwanzflosse, meist auch die übrigen Flossen mit Fulkren besetzt.
Kopfpanzer vollständig (Fig. 688). Kiemendeckel (o, io, po) gross.
Kiemenhautstrahlen (br) zahlreich, blattförmig. Schultergürtel
mit Infraclavicula (icl) wie bei den Accipenseridae. Mundöffnung
gross; Zähne klein. Mittellinie des Rückens meist mit einer Reihe
unpaarer V-förmiger Schuppen versehen. Kopfknochen, oft auch die
Kiemenhautstrahlen und Flossenstrahlen sind schmelzbedeckt. Devon bis
Lias, im Carbon und Perm sind es die wichtigsten Fischformen unter den
Euichthyes. Sie und die nahe verwandten Platysomidae sind die typischen
Vertreter der Heterocerci, während die übrigen Familien nur mehr oder
weniger aberrante Formen dieses Typus enthalten.
Cheirolepis Ag. mit winzigen dicken, Acanthodiden-ähnlichen Schuppen,
die nicht mit den Rändern übergreifen. Devon von Russland und
Schottland.
Ch. Trailli Ag. Old red Sandstone von Schottland.
Palaeoniscus Ag. emend. Traquair (Fig. 687-689). Körper verlängert.
Schuppen mässig gross, verschieden skulptirt. Rückenflosse über
dem Zwischenraum von Bauch- und Afterflossen, vorne mit Fulkren
besetzt. Vor den unpaaren Flossen drei oder mehr Y-förmige
Schuppen, die auf dem Schwanze ganz allmählich in die Fulkren der
Schwanzflosse übergehen. Zähne sehr klein, conisch, ungleich. Für den
deutschen Kupferschiefer und den englischen Magnesian limestone sehr
charakteristisch.
P. Freieslebeni Ag. (Fig. 688, 689) aus dem Kupferschiefer von
Eisleben, Riechelsdorf und Ilmenau ist weitaus die häufigste Art.
P. elegans Ag. Magnesian Limestone von England.
[Illustration: Fig. 687. Gelenkig verbundene Ganoidschuppen von
Palaeoniscus. Innenseite, mit Leisten und Zapfen.]
[Illustration: Fig. 688. Palaeoniscus Freieslebeni Ag. Kopf aus
dem Kupferschiefer von Eisleben. br = Kiemenhautstrahlen; cl =
Clavicula; f = Frontale; icl = Infraclavicula; im = Intermaxillare;
io = Interoperculum; m = Maxillare; md = Mandibula; n = Nasale; o =
Operculum; p = Parietale; pcl = Postclavicula; po = Präoperculum; pt =
Posttemporale; scl = Supraclavicula.]
[Illustration: Fig. 689. Palaeoniscus Freieslebeni Ag. Kupferschiefer
von Eisleben.]
Amblypterus Ag. emend. Traquair. Schuppen glatt; Flossen ziemlich gross
mit kleinen Fulkren. Rückenflosse über dem Zwischenraum von Bauch- und
Afterflosse. Zähne sehr klein, bürstenförmig, gleich gross. Zahlreiche
Arten im Rothliegenden, besonders von Deutschland.
A. latus Ag. in Sphärosideritknollen von Lebach bei Saarbrücken.
A. Duvernoyi Ag. Sehr häufig bei Münsterappel (Kreuznach).
A. Wratislaviensis Ag. Braunau in Böhmen.
A. Voltzi Ag. Autun.
Rhabdolepis Troschel (Fig. 690) mit fein gestreiften Schuppen und
grossen Flossen. Rothliegendes.
Rh. macropterus Ag. (Fig. 690). Im Rothliegenden von Lebach bei
Saarbrücken.
Gyrolepis Ag. (Fig. 691). Schuppen mit einfachem geradem Hinterrand;
deren Oberfläche mit schiefen, etwas wellig gebogenen, oft verästelten
Querrunzeln oder Streifen bedeckt. Trias.
G. Alberti Ag. (Fig. 691). Die grossen glänzenden Schuppen sind
häufig im Muschelkalk und in der Lettenkohle von Deutschland.
[Illustration: Fig. 690. Rhabdolepis macropterus Bronn. Rothliegendes
bei Saarbrücken.]
[Illustration: Fig. 691. Gyrolepis Alberti Ag. Oberer Muschelkalk von
Wehmingen bei Sehnde. Schuppe von der Oberseite.]
3. Fam. Platysomidae.
Diese Familie unterscheidet sich nur durch untergeordnete Merkmale
von der vorigen. Körper nur ein bis zwei Mal so lang als hoch.
Schuppen meist viel höher als breit, auf der Innenseite mit einem dem
Vorderrande parallelen Kiel, der stets nach oben in einen Zapfen endet
(vgl. Fig. 687). Rücken- und Afterflosse sehr lang, Bauchflosse sehr
klein. Flossen mit Fulkren versehen. Mundöffnung klein. Carbon und Dyas.
[Illustration: Fig. 692. Platysomus striatus Ag. Perm (Magnesian
limestone) von England.]
Platysomus Ag. (Fig. 692). Körper platt, sehr hoch; Rückenflosse
niedrig, die hintere Hälfte des Rückens einnehmend; Afterflosse
ähnlich, etwas kürzer. Schuppen in fast senkrechten Reihen, ihre
Oberfläche fein gestreift. Zahlreiche Arten in der englischen und
nordamerikanischen Steinkohle und in der deutschen und englischen Dyas.
P. gibbosus Ag. und P. rhombus Ag. Kupferschiefer von Deutschland.
P. striatus Ag. (Fig. 692). Magnesian limestone von England.
P. circularis Newb. u. Worth. Steinkohle von Illinois.
4. Fam. Dorypteridae.
Körper flach, wenig länger als hoch. Kopf auffallend gross.
Bauchflossen kehlständig. Rücken- und Afterflosse sehr lang, die
vordersten Strahlen auffallend verlängert. Schwanz stark heterocerk.
Rumpf nackt mit Ausnahme einzelner Reihen von Knochenplatten. Dyas.
Einzige Gattung:
Dorypterus Germ.
D. Hofmanni Germ. Kupferschiefer von Eisleben und Riechelsdorf;
Mergelschiefer von Midderidge und Durham.
5. Fam. Spatulariidae.
Rumpf nackt. Kiemenhautstrahlen fehlen. Kiemendeckel schwach
entwickelt. Zähne klein. Schwanzflosse stark heterocerk, mit Fulkren
versehen.
Den beiden lebenden, am Kopfe mit wenig Deckknochen versehenen
Gattungen Spatularia aus dem Mississippi und Psephurus aus Flüssen
Chinas lassen sich mehrere paläozoische und mesozoische Formen
anreihen, darunter
Chondrosteus Eg. Kopf vollständig mit Knochenplatten gepanzert. Unterer
Lias von England.
C. accipenseroides Ag. Unterer Lias von Lyme-Regis.
6. Fam. Accipenseridae.
Die in der Gegenwart durch die beiden Gattungen Accipenser (Fig. 603)
aus Europa und Asien, sowie Scaphirhynchus aus Asien und Nordamerika
vertretene Familie kommt auch, aber sehr selten, fossil im Tertiär vor;
es sind Flussfische, die zum Theil auch in das Meer gehen.
[Illustration: Fig. 693. Heterocerke Schwanzflosse von Accipenser
sturio. k = ungegliederte Chordascheide.]
3. Unterordnung Euganoidei.
Rumpf mit rhombischen oder rhomboidischen, in sehr regelmässige Reihen
geordneten und gelenkig mit einander verbundenen Ganoidschuppen
(Fig. 696, 698) panzerartig bedeckt. Kopfpanzer meist ziemlich
vollständig und schmelzbedeckt. Schwanzflosse hemiheterocerk (Fig.
694) bis homocerk (Fig. 705), indem die Schwanzwirbelsäule und ebenso
die Beschuppung sich nicht mehr über die vordere Hälfte des oberen
Schwanzlappens hinaus erstrecken. Flossenstrahlen der unpaaren
Flossen in gleicher Zahl wie die Flossenträger, gesperrt stehend.
Bezahnung meist sehr kräftig. Häufig ist eine mediane Kehlplatte (Fig.
695 j) entwickelt. Mit Ausnahme der Pycnodontidae sind immer vier
Knochenplatten am Kiemendeckel entwickelt (Fig. 695). Infraclavicula
fehlt. An der Wirbelsäule sind meist wenigstens die Wirbelbögen wohl
verknöchert, während das Centrum häufig fossil nicht erhaltungsfähig
ist. Nur bei der modernsten Familie (Lepidosteidae) kommt es zur
Bildung vollständig verknöcherter Wirbel. Die Euganoidei stehen in
der Mitte zwischen den älteren, primitiver gebauten Heterocerci
(Palaeoniscidae) und den jüngeren und moderneren Physostomi Amioidei.
Sie treten zuerst in der Trias auf; ihre Hauptverbreitung haben sie im
Jura. wo sie den dominirenden Fischtypus darstellen; nur eine einzige
Familie, die Lepidosteidae, findet sich noch lebend in Flüssen von
Nordamerika.
Es lassen sich die folgenden sechs Familien unterscheiden:
A. Unpaare Flossen mit Fulkren. Viele Kiemenhautstrahlen. Dicke, stark
glänzende Ganoidschuppen. Kiemendeckel aus 4 Knochenplatten
bestehend.
a. Wirbel unvollständig verknöchert (mesozoisch).
1. Alle Flossen mit starken Fulkren; äussere Zähne griffelförmig.
1. Fam. Stylodontidae.
2. Alle Flossen mit starken Fulkren; Zähne halbkugelig, die
vordersten meisselförmig.
2. Fam. Sphaerodontidae.
3. Fulkren schwach; Zähne kegelförmig.
3. Fam. Saurodontidae.
4. Fulkren schwach; Schnauze schnabelförmig verlängert.
4. Fam. Rhynchodontidae.
b. Wirbel vollkommen verknöchert, opisthocöl (känozoisch).
5. Fam. Lepidosteidae.
B. Keine Fulkren; Körper sehr hoch; bohnenförmige Zähne; keine
Kiemenhautstrahlen. Dünne Ganoidschuppen mit sehr kräftiger
Innenleiste; Kiemendeckel nur mit einer Knochenplatte versehen. Jura
bis Eocän.
6. Fam. Pycnodontidae.
1. Fam. Stylodontidae.
Körper meist hoch; alle Flossen mit starken Fulkren, vor der
Schwanzflosse meist eine Reihe unpaarer V-förmiger Schuppen. Kiefer
und Vomer mit mehreren Reihen spitzer Zähne, die der äussersten Reihe
griffelförmig. Wirbelsäule mit Halbwirbeln oder Hohlwirbeln. Trias und
Jura.
[Illustration: Fig. 694. Semionotus Kapffi Fraas. Keuper
(Stubensandstein) von Stuttgart.]
Semionotus Ag. (Fig. 694). Mittelgrosse Fische; eine ziemlich grosse
Rückenflosse auf der hinteren Körperhälfte; Afterflosse und paarige
Flossen klein; Oberer Schwanzlappen zur Hälfte beschuppt. Ein
Rückenkamm vorhanden, aus stachligen Schuppen bestehend. Häufig in der
deutschen und italienischen Trias.
S. Kapffi Fraas u. a. (Fig. 694). Keuper (Stubensandstein) von
Stuttgart.
S. Bergeri Ag. Keuper von Coburg.
Dapedius de la Bèche (Fig. 695, 696). Schollenähnliche grosse oder
mittelgrosse Fische von sehr bedeutender Körperhöhe mit stark
glänzenden Schuppen und Kopfknochen, die letzteren gekörnelt. Eine
lange niedrige Rückenflosse auf der hinteren Körperhälfte gegenüber der
nicht viel kleineren Afterflosse. Schwanzflosse fast ganz homocerk.
Die Augen sind von einem Ring kleiner Plättchen (co, Circumorbitalia)
umgeben, dahinter findet sich ein Bogen von 5-8 Postorbitalia (po),
denen sich die vier bogenförmig angeordneten Opercula (pop, op, sop,
iop) anschliessen. Mundspalte kurz; Zähne klein, die äusseren grösser
und keulenförmig, auf den Kieferrändern oft zweispitzig. Eine mediane
Jugularplatte (j). Häufig im Lias von Deutschland, England, Frankreich
und Ostindien, die ältesten Arten im alpinen Keuper.
D. pholidotus Ag. Oberer Lias von Württemberg.
D. Leachii Ag. (Fig. 696). Unterer Lias von England (Lyme Regis).
[Illustration: Fig. 695. Kopf von Dapedius aus dem Lias. an = Angulare;
br = Kiemenhautstrahlen; co = Circumorbitalia; d = Dentale; f =
Frontale; im = Intermaxillare; iop = Interoperculum; j = Jugularplatte;
m = Maxillare; n = Nasale; op = Operculum; p = Parietale; po =
Postorbitalia; pop = Praeoperculum; pt = Posttemporale; sop =
Suboperculum; sq = Squamosum; st = Supratemporalia.]
[Illustration: Fig. 696. Dapedius Leachii Ag. Unterer Lias von Lyme
Regis. Ganoidschuppen von der Aussenseite.]
2. Fam. Sphaerodontidae.
Sämmtliche Flossen mit sehr starken paarigen Fulkren (Fig. 699). Oberer
Schwanzlappen etwa zur Hälfte beschuppt. Zähne halbkugelig, oft mit
stumpfer Spitze (Fig. 697), die des Zwischenkiefers meisselförmig.
Trias, Jura, Kreide.
Lepidotus Ag. (= Sphaerodus p. p.; Fig. 697-699). Karpfenähnlich.
Schuppen, Flossen und Kopfknochen stark schmelzglänzend; letztere sind
glatt, wie auch meist die Schuppen. Flossen gross mit Ausnahme der
sehr kleinen Bauchflossen. Rückenflosse beginnt über der Bauchflosse.
Schwanzflosse ausgeschnitten. Eine Reihe unpaarer Schuppen auf der
Mittellinie des Rückens. Die vorderen grossen Körperschuppen sind
durch Zapfen auf der Innenseite fest mit einander verbunden (Fig.
698). Mundknochen mit halbkugeligen Zähnen bepflastert, die oft in der
Mitte eine kurze Spitze tragen (Fig. 697). Trias bis Kreide, besonders
charakteristisch für den Jura. Lepidotus ist eine der wichtigsten und
verbreitetsten mesozoischen Fischgattungen.
L. serratus Bell. Fischschiefer (unterer Keuper) von Perledo
(Lombardei).
L. ornatus und L. latus Ag. Rhätische Plattenkalke.
L. rugosus Ag. Unterer Lias von Lyme Regis.
L. semiserratus Ag. (Fig. 698). Oberer Lias von Whitby, Yorkshire.
L. Elvensis Blv. (Fig. 699). Oberer Lias von Württemberg.
L. notopterus Ag. und L. maximus Wagn. (bis 1,70 m lang). Aus dem
lithographischen Schiefer von Bayern.
L. Mantelli Ag. (Fig. 697). Wälderformation von England.
[Illustration: Fig. 697. Lepidotus Mantelli Ag. Wälderform. Hastings,
England. Halbkugelige Zähne mit stumpfer Spitze.]
[Illustration: Fig. 698. Lepidotus semiserratus Ag. Lias. Whitby.
Ganoidschuppe von der Aussenseite. g = glatte, von der Nachbarschuppe
überdeckte Fläche; z = Gelenkzapfen.]
[Illustration: Fig. 699. Lepidotus Elvensis Blv. Lias von Holzmaden. a
= Analflosse; c = Caudalflosse; d = Dorsalflosse; p = Pectoralflosse;
v = Ventralflosse; f = Fulcra (am Vorderrande aller Flossen); k =
Kiemendeckel.]
3. Fam. Saurodontidae.
Körper schlank; Schwanzflosse fast ganz homocerk. Fulkren schwach; die
Schuppen vieler Arten zeigen einen verdünnten Hinterrand, der mitunter
weit über die folgende Schuppe übergreift und oft gezähnelt ist (Fig.
701). Zähne kegelförmig; Halbwirbel oder Hohlwirbel. Trias bis Kreide,
sehr zahlreich im Jura.
Ptycholepis Ag. Die am Hinterrande gezähnelten Schuppen sind mit tiefen
Längsfurchen verziert; sie sind länger als hoch. Lias. Die Schuppen
finden sich häufig in den Coprolithen von Ichthyosaurus.
P. bollensis Ag. Oberer Lias von Württemberg.
Pholidopleurus Bronn. Klein, langgestreckt, mit kurzem stumpfem Kopfe.
Brustflossen klein, Bauchflossen fehlen. Schuppen in schmale vertikale
Reihen geordnet, ziemlich niedrig, mit Ausnahme einer Längsreihe von
Schuppen, die ausserordentlich hoch und schienenartig werden und einen
grossen Theil der Flanken bedecken. Alpiner Keuper. Einzige Art:
Ph. typus Bronn. Sehr häufig im schwarzen Fischschiefer von Raibl,
Kärnthen.
Pholidophorus Ag. (Fig. 700 u. 704). Gestalt karpfenähnlich. Schuppen
auf den Flanken viel höher als lang, glatt und glänzend, quer oder
radial gestreift; Hinterrand dünn, oft gezähnelt; auf der Innenseite
der Schuppen verläuft dem Vorderrand parallel wie bei sehr vielen
Euganoidei und Heterocerci eine Längsleiste, die nach oben einen
in eine Rinne der benachbarten Schuppe passenden Zahn bildet.
Schwanzflosse tief gabelig. Zahlreiche meist kleine Arten in Trias und
Jura, die sich oft in grossen Gesellschaften beisammen finden.
Ph. striolaris Ag. (Fig. 701) und Ph. micronyx Ag. (Fig. 700). Im
lithographischen Schiefer von Bayern.
Ph. Bronni Kner. Keuper von Raibl.
Ph. pusillus Ag. Rhät von Seefeld in Tirol.
[Illustration: Fig. 700. Pholidophorus micronyx Ag. Schuppen von der
Innenseite mit Gelenkzapfen.]
[Illustration: Fig. 701. Pholidophorus striolaris Ag. Oberer Jura von
Bayern. br = Kiemenhautstrahlen; cl = Clavicula; f = Frontale; im =
Intermaxillare; io = Interoperculum; m = Maxillare; md = Mandibula;
n = Nasale; o = Operculum; p = Parietale; po = Praeoperculum; ps =
Parasphenoid; so = Suboperculum.]
Ophiopsis Ag. Mit vorne sehr hoher Rückenflosse, die die halbe
Rückenlänge einnimmt. Afterflosse klein; Schwanzflosse hemiheterocerk.
Schuppen ziemlich gleichförmig, am Hinterrand häufig gezähnelt. Lias
und Jura.
O. serrata Wagn. Oberer Jura von Bayern.
4. Fam. Rhynchodontidae.
Langgestreckte Fische mit ungleich hohen rhomboidischen Schuppen.
Schnauze schnabelförmig verlängert (Fig. 702), gegen den übrigen Kopf
beweglich; auch die vorderste Spitze des Unterkiefers ist beweglich
(pmd). Schwanzflosse homocerk, tief gegabelt. Fulkren schwach. Zähne
spitz, kegelförmig. Hohlwirbel. Lias und Kreide.
[Illustration: Fig. 702. Aspidorhynchus acutirostris Ag.
Lithographischer Schiefer von Bayern. br = Kiemenhautstrahlen; cl =
Clavicula; io = Interoperculum; m = Maxillare; md = Mandibula; o =
Operculum; pmd = Praemandibula; po = Praeoperculum; pt = Pterygoideum;
sch = Schuppen der Seitenlinie; so = Suboperculum.]
Aspidorhynchus Ag. (Fig. 702). Oberkiefer sehr bedeutend, Unterkiefer
nur wenig verlängert. Lias bis Kreide.
A. acutirostris Ag. (Fig. 702). Lithographischer Schiefer von
Kelheim.
Belonostomus Ag. Unterkiefer fast ebenso weit wie der Oberkiefer
verlängert. Lias bis Kreide.
B. Anningiae Ag. Lithographischer Schiefer von Bayern.
5. Fam. Lepidosteidae.
Die nur noch in nordamerikanischen Flüssen lebende, durch die Gattung
Lepidosteus vertretene Familie findet sich fossil im Tertiär von Europa
und Nordamerika.
6. Fam. Pycnodontidae.
Körper kaum länger als hoch, stark seitlich zusammengedrückt.
Rhombische Ganoidschuppen, die höher als lang und oft sehr dünn, aber
mit leistenartig nach innen verdicktem Vorderrande versehen sind,
welcher nach oben und unten einen stachelähnlichen Fortsatz bildet.
Die Leisten der benachbarten Schuppen legen sich dicht aneinander und
bilden sehr charakteristische, zusammenhängende, senkrechte Reifen
über die Körperseiten (Fig. 705 r), die oft die einzigen Spuren der
im übrigen sehr vergänglichen Schuppen sind. Schwanzflosse homocerk,
gabelig. Rücken- und Afterflosse sind sehr lang und nehmen die
ganze hintere Körperhälfte ein; ihre vorderen Flossenstrahlen sind
verlängert. Der Kiemendeckel zeigt nur eine einzige Knochenplatte.
Kiemenhautstrahlen fehlen. Die Kehle ist beschuppt. 2-4 meisselförmige
vordere Zähne auf dem Praemaxillare und Dentale. Die hinteren Zähne
sind bohnenförmige Mahlzähne (Fig. 703), und zwar oben 5 Reihen auf
Gaumenbeinen und Vomer, unten mehrere Reihen auf dem Spleniale. Der
Schultergürtel zeigt einen breiten unteren Fortsatz. Fulkren fehlen.
Chordascheide ist nicht verknöchert; dagegen sind obere und untere
Bögen, Rippen, Flossenträger u. s. w. sehr stark verknöchert (Fig. 704).
[Illustration: Fig. 703. Microdon alternans Quenst. Unterkiefer. Oberer
Malm von Solothurn.]
[Illustration: Fig. 704. Zwei Schwanzwirbel von Pycnodus platessus
(Nacktwirbel). Eocän. Monte Bolca. ob = oberer, ub = unterer Bogen; od
= oberer, ud = unterer Dornfortsatz.]
Diese in vieler Beziehung stark specialisirte und ausserordentlich
charakteristische Familie zeigt mancherlei Beziehungen zu den
Platysomidae, von denen sie vielleicht herzuleiten ist.
Jura, Kreide und Eocän. Europa, Kleinasien, Nordamerika und Australien.
[Illustration: Fig. 705. Gyrodus hexagonus Ag. Lithographischer
Schiefer von Eichstätt. r = Schuppenreifen.]
Gyrodus Ag. (Fig. 705). Schnauze steil abfallend; Schwanzflosse
tief gegabelt; oben 5, unten 4 Mahlzahnreihen; oben und unten je 2
Schneidezähne; Schuppenreifen bedecken den ganzen Körper. Dogger bis
Kreide, besonders häufig im lithographischen Schiefer von Bayern.
G. titanicus Wagn. bis 1 m lang,
G. hexagonus Blv. (Fig. 705) u. a. im lithographischen Schiefer von
Bayern.
Microdon Ag. Schnauze spitz auslaufend; Schwanzflosse seicht
ausgerandet; oben und unten je 4 Schneidezähne. Schuppenreifen bedecken
meist nur die vordere Körperhälfte. Jura und Kreide, besonders häufig
im oberen Malm von Cirin, Ain.
M. Itieri, M. Wagneri Thioll. Malm von Cirin, Ain.
M. elegans Ag. Im lithographischen Schiefer von Bayern.
M. alternans Quenst. (Fig. 703). Oberer Malm von Solothurn.
Die Pycnodonten der Kreide gehören meist zur Gattung Coelodus, die des
Eocän zur Gattung Pycnodus (Fig. 704).
4. Unterordnung Physostomi.
Zu dieser Unterordnung sind alle Teleostomi zu rechnen, deren paarige
Flossen fächerförmig sind (Fig. 707), und deren Schwanzflosse homocerk
ist (Fig. 708, bei den primitiveren Formen noch »innerlich heterocerk«
-- Fig. 712); deren Schuppen dünn und wenig verkalkt sind, cycloid
oder rhombisch, nie mit Innenleisten versehen oder gelenkig verbunden,
sondern dachziegelförmig übereinander liegend (soweit sie nicht
rudimentär sind), also Cycloidschuppen (Fig. 706); deren Bauchflossen
bauchständig stehen, und an deren unpaaren Flossen höchstens der
vorderste der Flossenstrahlen ein Stachelstrahl ist. Die Schwimmblase
besitzt noch den ursprünglich ihr zukommenden Ausführungsgang. Die
Wirbelsäule kann alle Stufen der Verknöcherung aufweisen (vgl. p. 517);
Fulkren sind mitunter noch vorhanden, ebenso eine mediane Kehlplatte.
Der Kopfpanzer ist mehr oder weniger lückenhaft, selten schmelzbedeckt.
[Illustration: Fig. 706. Cycloidschuppe von Osmeroides.]
[Illustration: Fig. 707. Schultergürtel und Brustflossen von Salmo
lacustris. Primärer Schultergürtel: co = Coracoideum; sc = Scapulare.
Secundärer Schultergürtel: cl = Clavicula; pcl = Postclavicula; scl
= Supraclavicula; pt = Posttemporale. Primäres Flossenskelet = I:
mt = Metapterygium; r = Radien. Secundäres Flossenskelet = II: fs =
Flossenstrahlen; 1 = erster Flossenstrahl.]
[Illustration: Fig. 708. Homocerke Schwanzflosse von Salmo salar. c
= Flossenstrahlen der Schwanzflosse; k = Wirbelkörper; ob = obere
Dornfortsätze; u = Urostyl; ub = untere Dornfortsätze.]
Physostomi finden sich fossil von der Trias an, sie sind ziemlich reich
vertreten im Jura und dominiren in der Kreide. Im Tertiär stehen sie
hinter den Physoclysti weit zurück, und unter den lebenden Physostomi
finden sich verhältnissmässig wenig Meeresbewohner; dagegen gehört die
grosse Mehrzahl der heutigen Süsswasserfische zu ihnen. Es lassen sich
zwei grössere Gruppen unter ihnen annehmen, die primitiveren Amioidei,
deren Wirbel fast nie vollständig verknöchert sind, und die moderneren
Clupeoidei mit meist vollständig verknöcherten Wirbeln; erstere weisen
nur drei, die anderen gegen 30 Familien auf. Beide Gruppen sind aber
keineswegs scharf von einander getrennt, sondern gehen ganz allmählich
in einander über. Die Physostomi dürften sich von den Euganoidei
ableiten lassen, wahrscheinlich von dünnschuppigen Saurodontidae.
A. Wirbelcentrum mehr oder weniger stark verknöchert; nie sind die
Wirbelbögen mit dem Centrum verschmolzen.
1. Gruppe Amioidei.
1. Rumpf ohne Knochenplatten; eine mittlere Kehlplatte vorhanden.
a. Schwanzflosse gabelig (Fig. 709).
1. Fam. Pachycormidae.
b. Schwanzflosse hinten gerundet (convex, Fig. 711).
2. Fam. Amiidae.
2. Körper mit mehreren Reihen von Knochenplatten bedeckt (Fig. 714).
3. Fam. Hoplopleuridae.
B. Wirbelbögen fast stets mit dem vollständig verknöcherten
Wirbelcentrum verwachsen. Keine Kehlplatten.
2. Gruppe Clupeoidei.
a. Schultergürtel mit dem Schädel verbunden.
1. Vorderste Wirbel getrennt, normal.
Isospondyli (Familien Clupeidae, Salmonidae,
Esocidae, Saurocephalidae etc.).
2. Vorderste Wirbel verändert durch ihre Beziehungen zum
Gehörapparate und verwachsen.
Plectospondyli (Familien Siluridae, Cyprinidae etc.).
b. Schultergürtel frei; Gliedmassen mehr oder weniger reducirt.
Anguilliformes (Familien Congridae, Muraenidae etc.).
I. Amioidei.
1. Fam. Pachycormidae.
Schuppen klein und rhombisch oder grösser und cycloid. Sehr zahlreiche
Kiemenhautstrahlen. Schwanzflosse gabelig; Fulkren vorhanden.
Nacktwirbel, Halbwirbel oder Hohlwirbel. Zahlreiche Gattungen aus dem
Jura, spärlich in der unteren Kreide vertreten.
Pachycormus Ag. Grosse lachsähnliche Fische mit dünnen kleinen
rhombischen Schuppen. Rückenflosse beginnt vor der Afterflosse.
Schwanzflosse gross, ausgeschnitten, beide Lappen mit stabförmigen
Fulkren besetzt. Mundspalte sehr lang mit kräftigen Zähnen.
Kiemendeckel ausserordentlich mächtig. Wirbelkörper unvollständig
verknöchert; ca. 40 Kiemenhautstrahlen. Lias.
P. bollensis Quenst. Aus dem oberen Lias von Schwaben, Bayern und
England.
Caturus Ag. (Fig. 709 u. 710). Thunfischähnliche Raubfische von
verschiedener Grösse mit kleinen, sehr dünnen, fast rhombischen
Schuppen. Eine Rückenflosse in der Mitte des Rückens, davor noch
eine Anzahl Flossenträger ohne Flossenstrahlen. Paarige Fulkren sind
umfangreich auf den unpaaren Flossen, schwach auf den paarigen.
Mundspalte sehr weit, z. Th. mit sehr kräftigen Zähnen. Schwanzflosse
sehr gross, gegabelt. Kiemendeckel nicht besonders gross; gegen
30 Kiemenhautstrahlen; Wirbelcentrum gar nicht oder unvollständig
verknöchert. Findet sich vom oberen Lias an, besonders häufig aber im
oberen Malm.
C. furcatus Ag. (Fig. 710) und C. maximus Ag. Im lithographischen
Schiefer von Bayern ziemlich häufig.
C. elongatus Ag. (Fig. 709). Aus dem oberen Malm von Cirin.
[Illustration: Fig. 709. Caturus elongatus Ag. Aus dem oberen Malm von
Cirin.]
[Illustration: Fig. 710. Caturus furcatus Ag. Aus dem oberen Malm von
Bayern. Schwanzwirbel. i = Intercentrum; ud = untere Dornfortsätze.]
2. Fam. Amiidae.
Schuppen cycloid. Wirbelcentrum verknöchert, im Schwanz stets
embolomere Wirbel (Fig. 711 B). Schwanzflosse abgerundet, »innerlich
heterocerk« (Fig. 712). Kiemenhautstrahlen sehr breit, aber wenig
zahlreich. Eine grosse mediane Kehlplatte. Eine lebende Art in Flüssen
von Nordamerika; fossil vom oberen Jura an.
[Illustration: Fig. 711. A Megalurus elegantissimus Wagn. B Megalurus
polyspondylus Mnstr. Schwanzwirbel. Oberer Malm von Bayern.]
[Illustration: Fig. 712. Homocerke (innerlich heterocerke)
Schwanzflosse von Amia calva. c = gegliederte Flossenstrahlen der
Schwanzflosse, d = der Rückenflosse; k = Wirbelkörper; ob = obere, ub =
untere Dornfortsätze; u = Urostyl.]
Megalurus Ag. (Fig. 711). Rückenflosse lang, in der Mitte des
Rückens, endet über der Afterflosse. Hinterrand der Schwanzflosse
gerundet. Flossen mit Fulkren. Starke Zähne in den Kiefern. 9-11
Kiemenhautstrahlen. Oberer Malm von Bayern und Cirin; Purbeck von
England.
M. elegantissimus Wagn.(Fig. 711 A). Lithographischer Schiefer von
Bayern.
M. polyspondylus Mnstr. (Fig. 711 B). Oberer Malm von Kelheim.
Amia L. (Fig. 712). Die sehr lange Rückenflosse reicht bis zur
Schwanzflosse. Fulkren fehlen. Tertiäre Süsswasserfische von Europa und
Nordamerika; eine Art lebt noch in Flüssen von Nordamerika.
A. longecauda Ag. Oligocäner Gyps vom Montmartre.
A. calva Bonap. (Fig. 742). Recent in Nordamerika.
3. Fam. Hoplopleuridae.
Rumpf (Fig. 714) mit mehreren Längsreihen von gekielten
Knochenschildern (Fig. 713), meist je zwei Reihen auf den Seiten, eine
unpaare auf dem Rücken und manchmal eine ebensolche auf dem Bauche. Nur
eine Rückenflosse vorhanden. Die Schnauze ist oft verlängert. Zähne
sind kräftig, spitz; Kopfknochen skulptirt. Wirbel sehr verschieden
verknöchert.
Diese sehr eigenthümliche Familie beginnt bereits in der Trias und
erlischt in der Kreide, wo sie ihre Hauptverbreitung hat.
[Illustration: Fig. 713. Dercetis elongatus Ag. Obere Kreide von Lewes.
Seitliche Knochenplatte.]
[Illustration: Fig. 714. Eurypholis Boissieri Pict. Obere Kreide von
Hakel (Libanon). a = Afterflosse; b = Becken; br = Kiemenhautstrahlen;
c = Schwanzflosse; cl = Clavicula; d = Rückenflosse; ft =
Flossenträger; im = Intermaxillare; m = Maxillare; md = Mandibula;
o = Kiemendeckel; od = obere Dornfortsätze; p = Brustflosse; Rp =
Rückenplatten; Sp = Seitenplatten; v = Bauchflosse.]
Belonorhynchus Bronn. Sehr langgestreckte Fische mit schnabelartig
verlängerter Schnauze, die äusserlich grosse Aehnlichkeit mit der
lebenden Fistularia haben. An den sehr zahlreichen (150-160) Wirbeln
sind meist nur die oberen Bogen verknöchert. Trias und Jura.
B. striolatus Bronn. Häufig im Keuper (Fischschiefer) von Raibl.
Saurichthys Ag. Schädel mit zugespitzter Schnauze. Zähne conisch,
kräftig, gestreift. Kieferstücke und Zähne häufig im Muschelkalk und
Keuper.
S. apicalis Mnstr. Muschelkalk bei Bayreuth.
S. tenuirostris H. v. M. Muschelkalk von Jena und Oberschlesien.
Eurypholis Pictet (Fig. 714). Oberflächliche Kopfknochen und
Knochenschilder des Rumpfes gekörnelt; Bauchflossen ziemlich weit
vorne; Schwanzflosse zweilappig; Wirbelcentrum verknöchert; vor
der Rückenflosse drei grosse Dorsalschilder; eine Reihe kleiner
Seitenschilder verläuft vom Kopf bis zur Schwanzflosse. Obere Kreide.
E. Boissieri Pict. (Fig. 714). Kreide vom Libanon (Hakel).
Dercetis Münst. (Fig. 713). Oberkiefer länger als der Unterkiefer.
Rückenflosse fast den ganzen Rücken einnehmend; Wirbel stark
verknöchert. Obere Kreide.
D. elongatus Ag. (Fig. 713). Obere Kreide von England.
II. Clupeoidei.
Von den zahlreichen tertiär und recent bekannten Familien finden sich
nur sehr wenige schon in mesozoischen Schichten seit der Jurazeit,
sämmtlich Isospondyli, die auch im älteren Tertiär noch überwiegen.
Fam. Clupeidae.
Vorderste Wirbel nicht mit einander verwachsen. Dünne Cycloidschuppen
vorhanden. Kopf nicht beschuppt. Mundrand vom Maxillare und
Intermaxillare gebildet. Zähne meist klein. Rückenflosse kurz; mitunter
sind Bauchrippen vorhanden. Jura bis Gegenwart.
[Illustration: Fig. 715. Leptolepis sprattiformis Ag. Lithographischer
Schiefer von Kelheim.]
[Illustration: Fig. 716. Thrissops formosus Ag. Lithographischer
Schiefer von Kelheim. Schwanzwirbel.]
Leptolepis Ag. (Fig. 715). Häringsähnliche Fischchen von geringer
Grösse. Rückenflosse den Bauchflossen gegenüber. Afterflosse kurz.
Kopfknochen glatt. Winzige Zähnchen vorhanden. Keine Bauchrippen. Sie
finden sich vom oberen Lias bis zur unteren Kreide und kommen stets
gesellig vor; ausserordentlich reich daran ist der lithographische
Schiefer von Bayern.
L. Knorri Ag. sind grössere, bis 25 cm lange Arten. Lithographischer
Schiefer von Bayern.
L. sprattiformis Ag. (Fig. 715) und L. polyspondylus Ag. sind kleine
Arten von ebenda.
Thrissops Ag. (Fig. 716). Die kleine Rückenflosse steht der langen
Afterflosse gegenüber. Schwanzflosse stark gegabelt. Kräftige
Fangzähne neben feinen Bürstenzähnchen vorhanden. Ziemlich grosse
Raubfische, häufig im obersten Jura und in der unteren Kreide.
Th. formosus Ag. (Fig. 716). Lithographischer Schiefer von Bayern.
Th. microdon Heckel. Kreide von Lesina.
Clupea Cuv. Die Häringe besitzen Bauchrippen, eine kielförmige,
gezackte Bauchkante und zahlreiche kleine Zähnchen. Sie finden sich von
der unteren Kreide an und sind tertiär und recent sehr häufig.
C. macropoma Ag. Eocän von Monte Bolca.
C. ventricosa H. v. Meyer. Sehr häufig im untermiocänen Thon bei
Ulm.
Meletta Val. Zahnlos mit dicken kreisförmigen Schuppen, die drei bis
sechs Paar Radien auf der Oberfläche zeigen. Tertiär. Sehr häufig in
gewissen unteroligocänen Schichten (Melettaschichten vom Oberelsass und
bei Solothurn, Menilitschichten der Karpathen, Fischschiefer von Glarus
etc.).
M. sardinites Heckel. Unteroligocän von Radoboj in Kroatien.
Fam. Saurocephalidae.
Grosse Raubfische mit gewaltigen, spitzen, in Alveolen stehenden
Zähnen auf den Kieferknochen; Vomer und Parasphenoid zahnlos. Oberer
Mundrand von einem kurzen Intermaxillare und langen Maxillare gebildet.
Am Hinterhaupt erhebt sich ein hoher Kamm (Crista). Brustflossen mit
starkem Stachel, Bauchflossen mit 3 ungegliederten Stachelstrahlen.
Kreide von Europa und Nordamerika.
Portheus Cope. Zähne sehr ungleich. Obere Kreide.
P. molossus Cope. Obere Kreide von Kansas.
[Illustration: Fig. 717. Schuppen von Physoclysti. A Cycloidschuppe von
Gadopsis. B Ctenoidschuppe von Lethrinus.]
5. Unterordnung Physoclysti.
(Anacanthini, Acanthopteri, Pharyngognathi, Plectognathi
und Lophobranchii.)
Die Physoclysti haben sämmtlich wie die höheren Physostomi eine
vollständig verknöcherte Wirbelsäule, fächerförmige Brustflossen,
eine homocerke Schwanzflosse und dünne, dachziegelartig sich deckende
Cycloid- oder Ctenoidschuppen (Fig. 717; einige sind nackt oder
mit Knochenplatten gepanzert). Zu den Physoclysti gehören alle,
welche Ctenoidschuppen besitzen, oder deren Bauchflossen brust- oder
kehlständig (Fig. 719 v) sind, oder deren Rücken- und Afterflossen
mehrere ungegliederte Stachelstrahlen (Fig. 719 d₁, 720) enthalten.
Fulkren und Kehlplatten fehlen stets, und die Schwimmblase besitzt
keinen Ausführungsgang.
Die Physoclysti bilden die höchstentwickelte Gruppe unter den Fischen,
und zu ihnen gehört die grosse Mehrzahl der tertiären und lebenden
Seefische. Sie erscheinen zuerst in der Kreide.
Es werden etwa 70 Familien unter den lebenden Physoclysti
unterschieden, von denen auch viele tertiär bekannt sind, während
nur sehr wenige auch aus der Kreide nachgewiesen sind. Die meisten
Physoclysti der Kreide gehören zur
Fam. Berycidae.
Körper ziemlich kurz und hoch (Fig. 719), mit starken Ctenoidschuppen
(Fig. 718) versehen. Augen gross. Feine Zähne, bürstenförmig vereinigt
an den Kiefern, meist auch am Gaumen. Rand des Kiemendeckels gezackt
oder gekerbt. Acht Kiemenhautstrahlen. Bauchflossen (Fig. 719 v)
brustständig, mit einem Stachel und mehr als fünf weichen Strahlen.
Rückenflosse aus einem vorderen stacheligen Theile (d₁) und einem
hinteren weichen Theile (d₂) bestehend; Afterflosse (a) ähnlich gebaut.
Kopf mit grossen oberflächlichen Schleimkanälen versehen. Kreide bis
Gegenwart. Die lebenden Formen sind meist Bewohner grösserer Tiefen.
[Illustration: Fig. 718. Ctenoidschuppe von Beryx microcephalus Ag.
Kreide von Lewes.]
[Illustration: Fig. 719. Beryx Lewesiensis Mant. Weisse Kreide von
Lewes (Sussex). a = Afterflosse; d₁ = stacheliger, d₂ = weicher Theil
der Rückenflosse; p Brustflosse; v = Bauchflosse.]
Beryx Cuv. (Fig. 719). Kreide bis Gegenwart.
B. Lewesiensis Mant. (Fig. 719) und B. microcephalus Ag. (Fig. 718)
aus der weissen Kreide von Sussex.
Fam. Percidae.
Ctenoidschuppen; Bürstenzähne; Rückenflosse lang, der stachelige Theil
nimmt wenigstens die Hälfte ein (Fig. 720). Bauchflosse brustständig
mit 4-5 weichen Strahlen. Kiemendeckel gezähnt oder bestachelt; 6 (7)
Kiemenhautstrahlen. Tertiär und recent sehr zahlreich.
Acanus Ag. (Fig. 720). Rückenflosse mit 10 langen gekörnelten
Stachelstrahlen und 12 weichen Strahlen nimmt fast den ganzen Rücken
ein. Oligocän von Glarus.
A. oblongus (Fig. 720). Oligocäne Schiefer von Matt bei Glarus.
Smerdis Ag. (Fig. 721). Kleine Fischchen mit dickem Kopfe, die vom
Eocän bis Miocän meist gesellig vorkommen.
S. macrurus Ag. (Fig. 721) und S. minutus Ag. im oligocänen Gyps
von Südfrankreich.
S. elongatus Meyr. Miocän von Kirchberg bei Ulm.
Fam. Palaeorhynchidae.
Langgestreckte, bandförmige Fische mit schnabelartig verlängerter
Schnauze und sehr schwach bezahnten oder zahnlosen Kiefern.
Rückenflosse vom Nacken, Afterflosse vom After bis zu der gabeligen
Schwanzflosse reichend. Bauchflossen brustständig. Wirbel verlängert.
Eocän und Oligocän.
Palaeorhynchus Blv. emend. Wettst. Häufig im Oligocän von Glarus, auch
in Galizien und im Elsass gefunden.
P. Glarisianus Blv. u. a. Oligocäne Fischschiefer von Glarus.
Fam. Centriscidae.
Bauchflossen bauchständig; zwei Rückenflossen; Mund zu einer langen
röhrenförmigen Schnauze verlängert. Tertiär und lebend.
[Illustration: Fig. 720. Acanus oblongus Ag. Oligocäner Fischschiefer
von Glarus.]
[Illustration: Fig. 721. Smerdis macrurus Ag. Oligocän von Aix (Bouches
du Rhône).]
Amphisyle Klein (Fig. 722). Kleine Fischchen mit stark comprimirtem
Körper; Rücken bepanzert; keine Schuppen und Zähne. Im Tertiär
stellenweise häufig (oligocäne Amphisylenschiefer), auch noch lebend in
den indopacifischen Meeren.
A. Heinrichi Klein (Fig. 722). Oligocän. Oberelsass, Galizien, auch
bei Wien.
[Illustration: Fig. 722. Amphisyle Heinrichi Klein. Oligocän des
Oberelsass.]
Geologische Verbreitung der Fische.
Fische kommen bereits im obersten Silur vor, doch sind aus diesen
Schichten nur sehr fragmentäre Reste bekannt: Panzerplatten, Zähne
und Ichthyodoruliten (Onchus), die keinen sicheren Schluss gestatten
auf den Bau der ganzen Thiere. Vollständiger erhaltene Fische
finden sich erst im Devon, besonders in der als Old red Sandstone
bezeichneten Sandsteinfacies; hier aber treten sie bereits in einer
ausserordentlichen Mannigfaltigkeit auf; seit jener Zeit spielen Fische
in allen Formationen unter den Wasserthieren eine hervorragende Rolle.
Von den beiden grossen Abtheilungen der Fische sind die der Deckknochen
entbehrenden Chondropterygii als die tiefer stehende Gruppe anzusehen.
Unter ihnen enthält die Ordnung der Proselachii die primitivsten
Formen, die einerseits den Vorfahren der Euichthyes ziemlich nahe
stehen dürften, während andererseits die Selachii, vielleicht auch
die Holocephali von ihnen abzuleiten sind. Reste von Chondropterygii,
die aber keine nähere Bestimmung zulassen, kommen im Devon vor.
Proselachii fanden sich bisher nur im Carbon und Perm (Keuper?).
Echte Selachii sind ausserordentlich reich im Carbon vertreten und
werden dann in beträchtlicher Menge fast in allen rein marinen Faunen
bis zur Gegenwart angetroffen. Die Holocephali treten dagegen stets
sehr zurück; ganz zweifellose Reste sind überhaupt erst seit dem Jura
bekannt.
Unter den zu den Euichthyes gezählten Fischen sind die dem Silur und
Devon eigenthümlichen gepanzerten Pteraspidae und Cephalaspidae sowie
die eigentlichen Placodermi (Asterolepidae und Coccosteidae) immer
noch räthselhafte Formen, deren systematische Stellung keineswegs klar
ist. Die Placodermi gehören zu den bezeichnendsten Fischen des Old red
Sandstone.
Die den Crossopterygii innig verwandten Dipnoi kommen seit dem Devon
in den meisten Formationen vor, finden sich aber nur an wenigen
Lokalitäten etwas häufiger.
Die höchste Entwicklung unter den Fischen hat in der Ordnung
der Teleostomi stattgefunden; unter ihnen herrscht die grösste
Formenmannigfaltigkeit, und sie spielen seit dem Devon in fast allen
Formationen die hervorragendste Rolle; zu ihnen gehört auch noch
heutigen Tages die ungeheure Mehrzahl der lebenden Fische.
Die verschiedenen Hauptgruppen der Teleostomi, nämlich die
Crossopterygii, Heterocerci, Euganoidei, Physostomi (mit den
primitiveren Amioidei und den moderneren Clupeoidei) und Physoclysti
dürften den verschiedenen auf einander folgenden und genetisch
zusammenhängenden Stufen einer Entwickelungsreihe entsprechen, die
mit den Crossopterygii beginnt und in den Physoclysti gipfelt. Die
wesentlichsten Fortschritte innerhalb dieser Entwickelungsreihe sind
die folgenden: Von den Heterocerci an verschwindet die quastenförmige
Brust- (und Bauch-)Flosse, indem das primäre Flossenskelet zu Gunsten
des secundären verkümmert; mit den Euganoidei hört die heterocerke
Schwanzform auf; die Amioidei entäussern sich der Ganoidschuppen; die
Clupeoidei erwerben die vollkommen verknöcherte Wirbelsäule und die
Physoclysti verlieren den Ausführungsgang der Schwimmblase.
Innerhalb dieser einzelnen Gruppen haben sich neben den typischen
und primitiver gebliebenen Formen andere hoch specialisirte Formen
ausgebildet, von denen manche theilweise die vollkommenere Organisation
der höheren Gruppen selbständig erworben haben. So finden sich z. B.
unter den Crossopterygii und Euganoidei einzelne Formen mit vollkommen
verknöcherter Wirbelsäule, wie sie erst den Clupeoidei und Physoclysti
eigen ist.
Jede von diesen sechs Gruppen der Teleostomi hatte ihre Blüthezeit
zu einer gewissen Periode der Erdgeschichte, während der sie den
dominirenden Fischtypus darstellte, und wurde in einer der darauf
folgenden Perioden von der nächst höheren Gruppe zurückgedrängt, die
an ihre Stelle trat. Jede der vier niederen Gruppen Crossopterygii,
Heterocerci, Euganoidei und Amioidei ist in der Gegenwart nur durch
ganz wenige lebende Arten vertreten, die auffallender Weise sämmtlich
Süsswasserbewohner sind, während von ihren fossilen Vorfahren einst
sicherlich ein grosser Theil das Meer bewohnte; ebenso leben weitaus
die meisten der heutigen Physostomi Clupeoidei im süssen Wasser. Zu den
Physoclysti dagegen, die die höchste Entwickelungsstufe der Teleostomi
repräsentiren, gehört heutigen Tages die überwältigende Mehrzahl der
Meeresfische.
Im Devon hatten die Crossopterygii ihre Blüthezeit, sind auch im
Carbon noch häufig; in allen späteren Formationen sind sie nur noch
durch einzelne Gattungen vertreten; auch die Heterocerci sind im
Devon schon vorhanden, erreichen ihre Hauptentwicklung aber erst
im Carbon, dominiren auch noch im Perm, während sie von Beginn der
Secundärzeit an ganz in den Hintergrund treten, ihren Platz den
Euganoidei überlassend; diese sind durch die ganze Secundärzeit reich
vertreten; ihren Höhepunkt erreichen sie aber im Lias, während ihnen
schon im oberen Jura von den Physostomi der Vorrang streitig gemacht
wird; vom Tertiär ab sind sie fast ganz verschwunden. In der unteren
Kreide werden die Physostomi Amioidei sehr zahlreich, in der oberen
Kreide überwiegen unbedingt die Ph. Clupeoidei, neben denen sich schon
einzelne Physoclysti zeigen. Vom Beginn der Tertiärzeit an haben
die Ph. Clupeoidei im süssen Wasser, die Physoclysti in den Meeren,
was Mannigfaltigkeit der Formen und Zahl der Arten anbetrifft, das
unbestrittene Uebergewicht unter den Fischen.
Die folgende Tabelle giebt eine Uebersicht über die geologische
Verbreitung der Hauptgruppen:
+------------------------------+-----+-----+------+----+-----+----+------+-------+------+
| |Silur|Devon|Carbon|Perm|Trias|Jura|Kreide|Tertiär|Recent|
+------------------------------+-----+-----+------+----+-----+----+------+-------+------+
| Proselachii | ? | ? | ... | ...| ? | | | | |
| Selachii | ? | ? | --- | ...| --- | ---| --- | --- | --- |
| Holocephali | | ? | | | | ...| ... | ... | ... |
| Placodermi | ? | --- | | | | | | | |
| Cephalaspidae u. Pteraspidae | ... | ... | | | | | | | |
| Dipnoi | ? | ... | ... | ...| ... | ...| | | ... |
| Teleostomi: | | | | | | | | | |
| Crossopterygii | ? | --- | --- | ...| ... | ...| ... | | ... |
| Heterocerci | ? | --- | --- | ---| ... | ...| | ... | ... |
| Euganoidei | | | | ...| --- | ---| --- | ... | ... |
| Physostomi { Amioidei | | | | | ... | ---| --- | ... | ... |
| { Clupeoidei | | | | | | ...| --- | --- | --- |
| Physoclysti | | | | | | | ... | --- | --- |
+------------------------------+-----+-----+------+----+-----+----+------+-------+------+
Die wichtigsten Fundorte fossiler Fische sind in folgender Uebersicht
geologisch geordnet:
Obersilur: Ludlow-Schichten von England und den russischen
Ostseeprovinzen (Insel Oesel) mit Onchus, Pteraspidae, Cephalaspidae.
Devon: Old red Sandstone von Schottland, den Ostseeprovinzen,
Galizien, Canada und New York (Catskill sandstone) etc. (litoral) mit
Pteraspidae, Cephalaspidae, zahlreichen Placodermi, Crossopterygii,
Acanthodidae, einigen Palaeoniscidae und Dipnoi.
Corniferous limestone und Huron shales von New-York und Ohio (marin)
mit Chondropterygii, Placodermi und wenigen Crossopterygii.
Carbon: Kohlenkalk von Irland, England, Russland und Nordamerika
(marin) mit ausserordentlich zahlreichen Selachii, wenigen
Pleuracanthus, Crossopterygii und Heterocerci.
Productive Steinkohle von Deutschland, Schottland, Nordamerika etc.
(litoral oder brakisch) mit wenigen Selachii, dafür zahlreichen
Crossopterygii und Heterocerci.
Perm: Rothliegendes von Saarbrücken-Pfalz, Schlesien, Böhmen, Autun
in Frankreich, Magnesian limestone in England, Kupferschiefer von
Thüringen und Hessen, Perm von Texas (litoral) mit Pleuracanthus,
wenigen Selachii, Dipnoi und Crossopterygii, aber sehr zahlreichen
Heterocerci.
Trias: Muschelkalk und Keuper (Bonebed) von Deutschland und England mit
zahlreichen Selachii, mit Ceratodus und Saurichthys.
Alpiner Muschelkalk (Schiefer von Perledo), Keuper (Besano, Raibler
Schichten), Rhätische Stufe (Schiefer von Seefeld etc.) mit sehr
zahlreichen Euganoidei und wenigen Amioidei.
Lias: Unterer Lias von Lyme Regis in Dorsetshire, Posidonomyenschiefer
und Slinkkalke des oberen Lias von Schwaben, Franken etc. mit Selachii,
wenigen Heterocerci, sehr zahlreichen Euganoidei und einigen Amioidei
und Clupeoidei.
Dogger: Grossoolith von Caen (Calvados) und plattige Kalke von
Stonesfield mit Ichthyodoruliten, Zähnen und Schuppen.
Malm: Lithographischer Schiefer von Bayern (Solnhofen, Eichstätt,
Kelheim), Kalkschiefer von Nusplingen in Württemberg und Cirin (Dép.
Ain) mit Selachii, Holocephali, Crossopterygii, sehr zahlreichen
Euganoidei und Amioidei nebst einigen Clupeidae, welch letztere
übrigens in ausserordentlicher Individuenzahl auftreten.
Kreide: Kalke von Pietraroja, Kalkschiefer von Castellamare und Torre
d’Orlando bei Neapel mit Selachii, vielen Euganoidei, Amioidei und
Clupeoidei.
Plattige Kalke von Comen (Istrien), Lesina (Dalmatien) etc.,
Kalkschiefer von Hakel (Libanon) mit wenig Selachii und Euganoidei,
zahlreichen Amioidei und Clupeoidei und den ersten Physoclysti.
Pläner, oberer Quader, weisse Kreide von Böhmen, Frankreich,
England, Nordafrika und Kansas etc. mit Zähnen u. dgl. von Selachii,
Pycnodontidae und Physostomi. Kalkschiefer von Sahel Akma (Libanon) und
Sandsteine von Sendenhorst in Westphalen mit sehr zahlreichen Amioidei
(besonders Hoplopleuridae) und Clupeoidei nebst einigen Physoclysti
(meist Berycidae).
Tertiär: London Clay von Südengland, Eocäne Kalksteine von Monte Bolca
(170 Fischarten) mit Selachii und wenigen Pycnodontidae, einigen
Clupeoidei und sehr zahlreichen Physoclysti (64 Gattungen).
Wasatch- und Bridger-Schichten von Neu-Mexico und Wyoming mit
Lepidosteidae und Amiidae, zahlreichen Isospondyli und Physoclysti.
Oligocän: Dachschiefer von Glarus, Menilitschiefer der Karpathen,
Amphisylen- und Melettenschiefer von Oberelsass, Galizien etc. mit
vielen Clupeoidei und sehr zahlreichen Physoclysti (darunter Lepidopus,
Palaeorhynchus etc.).
Gypsführende Mergel von Apt (Dép. Vaucluse) und Aix (Dép. Bouches du
Rhône) etc. mit Amia und zahlreichen Physoclysti.
Miocän von Baltringen (Schwaben), der Schweiz und von Malta mit sehr
zahlreichen Selachii.
Miocäne brakische Thone von Unterkirchberg bei Ulm, Süsswassermergel
von Steinheim mit sehr zahlreichen Clupeoidei und einigen Physoclysti.
Obermiocän von Licata in Sicilien (Süsswasser und marin) mit
Clupeoidei und Physoclysti.
Pliocän von Italien, Südfrankreich, Egypten etc. mit sehr
zahlreichen Selachii und Physoclysti.
Fußnoten:
[E] Diese Merkmale variiren beträchtlich innerhalb der Ganoiden selbst.
a. Die Klappen am Ostium arteriosum (Conus arteriosus) des Herzens
bilden bei Selachii und Ganoidei 6-3, bei einigen Clupeidae 2, bei
den meisten Teleostei 1 Querreihe mit je 2-9 Klappen.
b. Die Spiralklappe des Mitteldarmes ist bei den Ganoidei sehr
verschieden, stets aber unbedeutender entwickelt als bei Selachii,
fehlt aber Lepidosteus ganz wie den Teleostei.
c. Bei den Ganoidei sind an der Kreuzungsstelle die beiden Sehnerven
durch eine dünne Commissur verbunden, die den Teleostei fehlt.
[F] Zu den Ganoidei werden gewöhnlich gerechnet: Placodermi (nebst
Cephalaspidae und Pteraspidae), Crossopterygii, Heterocerci, Euganoidei
und ein Theil der Physostomi; zu den Teleostei die übrigen Physostomi
sowie die Physoclysti.]
Quadrupeda.
Unter diesem Namen lassen sich die drei Klassen von luftathmenden und
ursprünglich landbewohnenden Wirbelthieren, die Amphibia, Sauropsida
und Mammalia zusammenfassen im Gegensatz zu den Pisces, zu welchen
aber die niedersten Formen der Quadrupeda, besonders im Embryonal- und
Larvenzustande, noch viele und nahe Beziehungen aufweisen.
1. Die Wirbelsäule der Quadrupeda.
An den Wirbeln der Quadrupeda sind die oberen Bögen stets verknöchert
und paarweise mit einander verschmolzen, gewöhnlich unter Ausbildung
eines längeren oder kürzeren Dornfortsatzes (Fig. 723 od). Abgesehen
von sehr wenigen der niedersten Formen ist auch das Wirbelcentrum (c)
wohl verknöchert. Der Wirbelkörper besteht gewöhnlich nur aus dem
Wirbelcentrum (c) und der Basis der oberen Bögen (ob). Bei den höheren
Formen ist im erwachsenen Zustande das Centrum mit den oberen Bögen
vollkommen verschmolzen, während im Jugendzustande und bei niederen
Formen die Grenze zwischen diesen beiden Theilen noch durch eine
Naht (neurocentrale Sutur) kenntlich ist. Während bei den niederen
Quadrupeda die Wirbelkörper fast stets amphicöl (Fig. 724 D) sind
und die Chorda noch intervertebral erhalten ist (selten Ringwirbel
mit persistirender Chorda), entstehen bei den höheren Formen unter
vollständiger Verdrängung der Chorda procöle, opisthocöle oder biplane
Wirbel. Mitunter zeigen die Wirbelkörper einen medianen ventralen Kiel,
die Hypapophyse.
[Illustration: Fig. 723. Rückenwirbel (links), bez. Halswirbel
(rechts) eines Reptils, schematisch. c = Wirbelcentrum; f = Foramen
transversarium; ob = oberer Bogen; od = oberer Dornfortsatz; q =
Querfortsatz; r = Rippe; r₁ = oberer, r₂ = unterer Rippenfortsatz; st =
Sternum; z = Gelenkfortsatz; N = Rückenmarkscanal.]
Untere Bögen nehmen nur bei einigen der ältesten Amphibia noch wie bei
den Pisces einen erheblichen Antheil am Aufbau aller Wirbel (vgl. p.
519), indem ihr basaler Theil, das Intercentrum (i), umfangreich und
mehr oder weniger weit zwischen je zwei Wirbelkörper eingekeilt ist
(Fig. 724 A, B u. C). Unter den Sauropsida und Mammalia finden sich
nur vereinzelte Formen, die noch kleine Rudimente des Intercentrum
zwischen den Rumpfwirbeln zeigen (Fig. 724 D); bei der grossen Mehrzahl
der Quadrupeda aber finden sich untere Bögen (abgesehen vom ersten
Halswirbel, dem Atlas) nur noch als Anhänge der Schwanzwirbel (Fig.
724 E ud), indem sie, meist als Y-förmige Sparrknochen (Fig. 725 ub,
ud), dem hinteren Theile der Wirbelkörper aufsitzen können, selten mit
denselben verschmolzen.
[Illustration: Fig. 724. A Embolomere Rumpfwirbel von Cricotus
hypantricus Cope aus dem Perm von Texas. B Rhachitome Rumpfwirbel und
C Schwanzwirbel von Archegosaurus Decheni Goldf. aus dem Rothliegenden
bei Saarbrücken. D Amphicöle Rumpfwirbel und E Schwanzwirbel von
Palaeohatteria longicaudata Credn. aus dem Rothliegenden des
Plauenschen Grundes bei Dresden. c = Wirbelcentrum; d = Diapophyse;
i = Intercentrum; k = Wirbelkörper; ob = obere Bögen; od = oberer
Dornfortsatz; p = Pleurocentra; pa = Parapophyse; ub, ud = untere Bögen
mit Dornfortsatz; z = vorderer, z’ = hinterer Gelenkfortsatz.]
Gelenkfortsätze (Fig. 724 A-E u. 725) finden sich stets bei den
Quadrupeda entwickelt, und zwar ein Paar vordere (z), mit der
Gelenkfläche nach oben und innen gerichtete, und ein Paar hintere (z’),
mit der Gelenkfläche nach unten und aussen gerichtete; bei einzelnen
marinen Formen können sie indess verkümmern, andererseits werden sie
bei einigen Lacertilia, den Ophidia und vielen Edentata sehr complicirt.
Die Rippen (vgl. p. 520) der Quadrupeda (Fig. 723 u. 726 r) sind
abgegliederte Theile von Rippenfortsätzen der oberen Bögen. Bleiben
noch proximale nicht abgegliederte Theile von diesen Rippenfortsätzen
übrig, so bilden dieselben Querfortsätze, an deren Enden die Rippen
artikuliren (Fig. 723 links, q). Vielfach sind die Rippen doppelköpfig
(Fig. 723 u. 726), den doppelten Rippenfortsätzen (r₁ u. r₂)
entsprechend, mit zwei proximalen Gelenkköpfen, dem unteren Capitulum
(ca) und oberen Tuberculum (t), die an zwei Gelenkgruben (Fig. 724 A)
artikuliren, der unteren Parapophyse (pa) und der oberen Diapophyse
(d) (welche Ausdrücke auch für die entsprechenden Querfortsätze
gebraucht werden). Die Diapophyse sitzt häufig am Ende eines längeren
Querfortsatzes (Fig. 723 q u. 726 links r₁), während die Parapophyse
oft so weit nach vorn rückt, dass sie auf den vorhergehenden Wirbel
übergreift, und andererseits oft unterhalb der neurocentralen Naht,
am Wirbelcentrum selbst sich findet. Doppelköpfige Rippen können
einköpfig werden durch Verschmelzen der beiden Gelenkköpfe oder durch
Verkümmerung des Capitulum oder des Tuberculum. Meist sind die vorderen
Rippen doppelköpfig und werden nach hinten allmählich einköpfig; doch
finden sich grössere Gruppen unter den Quadrupeda, bei denen nur
einköpfige Rippen vorkommen. Oft sind die Rippen in zwei oder drei
Stücke abgetheilt (Fig. 723, 726). Sind die Rippenfortsätze gar nicht
abgegliedert, so erscheinen sie nur als Querfortsätze (Fig. 725 q);
an den Halswirbeln umschliessen die Querfortsätze oft ein Foramen
transversarium (Fig. 726 rechts f), indem hier gewöhnlich die Enden
der beiden Rippenfortsätze (r₁ u. r₂) mit einander verwachsen.
[Illustration: Fig. 725. Schema eines Schwanzwirbels von Reptilien
mit Y-förmigen unteren Bögen (ub). c = Wirbelcentrum; od = oberer,
ud = unterer Dornfortsatz; q = Querfortsatz; z = Gelenkfortsatz; N =
Rückenmarkscanal.]
[Illustration: Fig. 726. Rückenwirbel (links), bez. Halswirbel (rechts)
eines Säugethieres, schematisch. c = Wirbelcentrum; ca = Rippenkopf
(Capitulum); f = Foramen transversarium; ob = oberer Bogen; od =
Dornfortsatz; r = Rippe; r₁ = oberer Rippenfortsatz (Querfortsatz); r₂
= unterer Rippenfortsatz; st = Sternum; t = Rippenhöcker (Tuberculum);
z = Gelenkfortsatz; N = Rückenmarkscanal.]
[Illustration: Fig. 727. Beckengürtel und Sacralwirbel eines Reptils;
schematisch. N = Rückenmarkscanal. Theile des Sacralwirbels: c =
Wirbelcentrum; ob = oberer Bogen; od = Dornfortsatz; q = Querfortsatz:
z = Gelenkfortsatz. Theile des Beckens: il = Ileum; is = Ischium; p
= Pubis; sy = Symphyse der beiden Ischien. Aeussere Gliedmassen: f =
Femur; tf = Tibia und Fibula.]
Bei den meisten Quadrupeda vereinigen sich die ventralen Endstücke
einer Anzahl von Rippen zur Bildung des Brustbeins oder Sternum (Fig.
723 u. 726 st), das bei niederen Quadrupeda knorpelig bleibt, bei
den höheren verknöchert; es besteht aus einer paarigen oder unpaaren
breiten Platte oder wird durch eine Anzahl schmaler, hinter einander
gelegener Stücke dargestellt (Fig. 738 st).
Sind die Hintergliedmassen nicht rudimentär, so bilden sich stets
ein oder mehrere Kreuzbein- oder Sacralwirbel aus (Fig. 727), deren
kräftige und breite Rippenfortsätze (q) das Becken (il) tragen.
Wenn, wie bei allen Sauropsida und Mammalia, mehrere Kreuzbeinwirbel
vorhanden sind, so vereinigen sich dieselben unbeweglich mit einander,
oft auch mit einigen der folgenden oder vorhergehenden Wirbel, und
bilden so das Kreuzbein oder Sacrum.
Durch die Kreuzbeinwirbel wird die Wirbelsäule der Quadrupeda in drei
Regionen zerlegt, in die präsacrale oder Rumpfregion, in die sacrale
oder Kreuzbeinregion selbst und in die postsacrale oder Schwanzregion.
Ist ferner ein Brustbein vorhanden, so bezeichnet man das Stück der
Wirbelsäule, welches vor dem ersten der das Brustbein tragenden Wirbel
gelegen ist, als Halsregion im Gegensatze zur eigentlichen Rumpfregion.
Bei den primitivsten Quadrupeda (z. B. Branchiosaurus -- Fig. 743)
tragen sämmtliche Wirbel mit Ausnahme der hinteren Schwanzwirbel
abgegliederte bewegliche Rippen. Bei den höheren Quadrupeda treten an
immer mehr Wirbeln unbewegliche Querfortsätze statt beweglicher Rippen
auf, bis letztere schliesslich nur noch auf die vorderen Rumpfwirbel
beschränkt sind; diese heissen dann Brust- oder Rückenwirbel im
Gegensatze zu den nur mit Querfortsätzen versehenen hinteren
Rumpfwirbeln, den Lendenwirbeln. Es lässt sich daher an der Wirbelsäule
der höheren Quadrupeda eine Hals-, Brust-, Lenden-, Kreuzbein- und
Schwanzregion unterscheiden.
1. Die Halswirbel tragen verhältnissmässig kurze, meist doppelköpfige
Rippen (Fig. 723 rechts r₁ + r₂) oder Querfortsätze (Fig. 726 rechts
r₁ + r₂), die ein Foramen transversarium (f) umschliessen können. Der
erste Halswirbel (Atlas) ist meist ringförmig und um sein eigenes
Centrum drehbar, das als Fortsatz (Zahnfortsatz oder Processus
odontoideus) des zweiten Halswirbels (Epistropheus) ausgebildet ist.
2. Die Brustwirbel tragen fast stets Rippen, die vorderen meist
doppelköpfige (Fig. 723 u. 726 links r), die hinteren einfache.
3. Die Lendenwirbel tragen einfache Querfortsätze.
4. Die Kreuzbeinwirbel sind mit einander verwachsen und tragen kurze,
kräftige Rippen oder Querfortsätze, an denen das Becken befestigt ist
(Fig. 727).
5. Von den Schwanzwirbeln tragen die vordersten meist bewegliche Rippen
oder Querfortsätze (Fig. 725 q), und häufig treten an ihnen auch noch
untere Bögen (ub) auf; gegen die Schwanzspitze zu werden diese Wirbel
immer kleiner und einfacher und verlieren zuletzt alle Fortsätze
nebst den oberen und unteren Bögen.
2. Der Schädel der Quadrupeda.
Bei den niedersten Quadrupeda, den Branchiosauri, war wie bei vielen
niederen Fischen das Gehirn noch vollständig von einer knorpeligen
Kapsel, dem Primordialcranium, eingehüllt; mit demselben sind
Palatoquadratum und Hyomandibulare verwachsen; auch die am Cranium
bewegliche Mandibula (Meckel’scher Knorpel) und das Hyoideum war nicht
verknöchert, so dass überhaupt kein Knorpelknochen am Schädel vorhanden
war. Dagegen zeigte sich (wie bei vielen niederen Euichthyes) der ganze
Kopf nach oben und nach den Seiten von einem zusammenhängenden Dach,
dem Kopfpanzer, bedeckt (Fig. 728), der aus zahlreichen oberflächlich
liegenden, sculptirten Haut- oder Deckknochen bestand und nur Lücken
liess für Auge (A), Nase (N) und Scheitelloch (P). Auch das Dach der
Mundhöhle zeigt Deckknochen. Vergl. S. 521-524.
[Illustration: Fig. 728. Branchiosaurus amblystomus Credn.
Rothliegendes des Plauenschen Grundes bei Dresden. Schädel von oben.
A = Augenhöhle; N = Nasengrube; P = Scheitelloch; e = Epioticum; f =
Frontale; fa = Praefrontale; fp = Postfrontale; im = Intermaxillare;
j = Jugale; m = Maxillare; n = Nasale; op = Postorbitale; os =
Supraoccipitale (Interparietale?); p = Parietale; qj = Quadratojugale
(von oben kaum sichtbar); sc = Scleroticalring; sq = Squamosum; ts =
Supratemporale.]
Auf einer höheren Stufe treten nun neben diesen Deckknochen auch
einzelne Knorpelknochen auf, und zwar entstehen in erster Linie die
anfangs allein die Hinterhauptsgelenke tragenden Exoccipitalia (Fig.
733 co), die das Gehörorgan bergenden Otica (Fig. 732 o) nebst den
Gehörknöchelchen, und die mit einander das Unterkiefergelenk bildenden
Quadratum (Fig. 732 g u. q, 730 q u. q’) und Articulare; es verknöchert
sodann das Supraoccipitale (os) oberhalb des Foramen magnum, im Boden
und in den Seitentheilen der Gehirnkapsel das Basioccipitale (Fig.
732, 733 ob) und das Basisphenoid (sb) mit den Alisphenoiden (as);
zuletzt das Präsphenoid mit den Orbitosphenoiden, sowie das Ethmoid;
dagegen ersetzen die oberhalb der knorpeligen Hirnkapsel liegenden
äusseren Deckknochen, Parietalia (Fig. 729 pa u. 730 p) und Frontalia
(f), die darunter liegenden Knorpelpartien und nehmen selbst Theil an
der Bildung der knöchernen Hirnkapsel, welche zuletzt bei den höheren
Quadrupeda das Gehirn vollkommen einschliesst (Fig. 729 u. 733) mit
Ausnahme der Oeffnungen, die zum Durchtritt der Gehirnnerven u. s. w.
nothwendig sind.
[Illustration: Fig. 729. Oreodon Culbertsoni Leidy.
White-River-Oligocän von Nebraska. Schädel von der Seite. ang =
Unterkieferwinkel; co = Condyli occipitales; f = Frontale; im =
Intermaxillare; j = Jugale; l = Lacrymale (mit Thränengrube); mx
= Maxillare; n = Nasale; o = Ohröffnung; ol = Exoccipitalia; os =
Supraoccipitale; pa = Parietale; pm = Processus paramastoideus; t =
Temporale mit dem Processus zygomaticus (z); i = Schneidezähne; c =
Eckzähne; p = Prämolaren; m = Molaren.]
[Illustration: Fig. 730. Hatteria (Sphenodon) punctata Gray von
Neuseeland; recent. Schädel von der Seite. A = Augenhöhle; D =
Durchbruch im Unterkiefer; F = Scheitelloch; N = Nasenhöhle; S = obere,
S’ = untere Schläfenhöhle. a = Angulare; as = Epipterygoid (Columella);
d = Dentale; f = Frontale; fa = Praefrontale; fp = Postfrontale;
im = Intermaxillare; j = Jugale; mx = Maxillare; n = Nasale; o =
Opisthoticum (der linken Seite); op = Postorbitale; p = Parietale; pa =
Palatinum; pt = Pterygoid; q = Quadratum der rechten, q’ = der linken
Seite; qj = Quadratojugale; sq = Squamosum.]
Während sich so im Innern eine knöcherne Gehirnkapsel nach und
nach ausbildet und vervollständigt, wird andererseits der äussere
Kopfpanzer, soweit er nicht besondere Funktionen erfüllt (Schutz
der Nasenhöhle, Theilnahme an der Bildung der Hirnkapsel, Träger
des Gebisses etc.) durchbrochen und hinfällig, indem er allmählich
mehr oder weniger grosse Lücken erhält. Vor allem wichtig sind
die Durchbrüche (Fig. 730) hinter der Augenhöhle (A), welche die
Schläfenlücken oder Schläfenhöhlen bilden, von denen eine obere (S)
und eine untere (S’) zu unterscheiden sind. Von der Augenhöhle (A)
werden sie abgegrenzt durch eine Brücke, die vom Frontale (f) nach
dem Maxillare (mx) (vom oberen nach dem unteren Orbitalrande) zieht,
und die aus dem Postfrontale (fp), Postorbitale (op) und Jugale (j)
besteht; die untere Schlafenhöhle (S’) wird nach unten abgeschlossen
durch den unteren Schläfenbogen, der aus dem Jugale (j) und
Quadratojugale (qj) besteht und das Maxillare (mx) mit dem Quadratum
(q) verbindet. Die untere Schläfenhöhle (S’) wird von der oberen (S)
getrennt durch den oberen Schläfenbogen, den Fortsätze des Squamosum
(sq, incl. Supratemporale) und Postorbitale (op) mit einander bilden;
nach hinten wird die obere Schläfengrube (S) abgeschlossen durch das
Squamosum (sq), welches Quadratum (q) und Parietale (p) mit einander
verbindet, die untere (S’) durch Squamosum und Quadratojugale (qj),
welche das Quadratum (q) bedecken.
Eine oder beide Schläfengruben sind bei vielen Reptilia wohl
ausgebildet; bei zahlreichen Quadrupeda aber geht die Auflösung
des Kopfpanzers noch weiter; es fällt der obere Schläfenbogen weg,
so dass beide Schläfengruben sich zu einer einzigen vereinigen (z.
B. Theromorpha, Aves, Mammalia -- Fig. 729), die oft auch von der
Augenhöhle nicht mehr abgeschlossen ist (Aves, viele Mammalia); es kann
auch der untere Schläfenbogen allein fehlen, während der obere erhalten
bleibt (Lacertilia); es können selbst beide Schläfenbögen zugleich
fehlen (z. B. Amphisbaenidae, Centetidae), und ebenso der Abschluss der
Schläfengruben nach hinten.
[Illustration: Fig. 731. Ceratosaurus nasicornis Marsh. Jura der
Felsengebirge. A Schädel von der Seite, B von oben. A = Augenhöhle;
L = Gesichtslücke (Thränenhöhle); N = Nasenhöhle; S = obere, S’ =
untere Schläfenhöhle; U = Durchbruch im Unterkiefer. -- d = Dentale;
f = Frontale; fa = Praefrontale; im = Intermaxillare; j = Jugale; l =
Lacrymale; m = Maxillare; n = Nasale; op = Postorbitale; q = Quadratum;
qj = Quadratojugale; sq = Squamosum.]
Ausser den Schläfenlücken entstehen manchmal noch Gesichtslücken (Fig.
731 L) vor den Augenhöhlen (Aves, viele Reptilia, Cervidae) und Lücken
im Unterkiefer (Fig. 731 U). Je lückenhafter der äussere Kopfpanzer
wird, um so mehr wird die ursprünglich bedeutende Anzahl der denselben
zusammensetzenden einzelnen Deckknochen beschränkt, indem Verwachsungen
eintreten oder einzelne Knochen nicht mehr zur Ausbildung gelangen. So
fehlen bei Ophidia fast sämmtliche postorbitale Deckknochen.
Die Gehirnkapsel ist ursprünglich, entsprechend der geringeren Grösse
des Gehirnes bei niederen Quadrupeda, sehr klein im Verhältniss zum
ganzen Schädel; mit der Grössenzunahme des Gehirnes bei den höheren
Quadrupeda wird auch die Gehirnkapsel umfangreicher und tritt dann
mit Deckknochen in Berührung, die früher von ihr entfernt waren; so
ist z. B. bei höheren Quadrupeda das Squamosum (Schuppe des Temporale
-- Fig. 729 t) im Stande, einen Theil der Seitenwände der Hirnkapsel
zu bilden. Die oberen Kieferränder werden (Fig. 731 u. 732) stets vom
Intermaxillare (im) und Maxillare (m) gebildet, an den unteren nimmt
das Dentale (d) den Hauptantheil (vgl. p. 524).
Die Mundhöhle besitzt ursprünglich nur ein einfaches Dach
(Schädelbasis) aus Deckknochen, die grosse Lücken (Fig. 744) zwischen
sich lassen, welche aber bei zahlreichen Formen mehr oder weniger
sich schliessen. Dies Dach (Fig. 732) besteht vorn aus dem paarigen
oder unpaaren Vomer (v), an den sich beiderseits die Gaumenbeine (pa)
anlegen und an diese die Flügelbeine (pt), welche sich meist bis zum
Quadratum (q) erstrecken; die Flügelbeine (pt) sind mitunter durch ein
besonderes Transversum (tr) mit dem Maxillare (m) in Verbindung (viele
Reptilia), manchmal auch durch ein Epipterygoid oder Columella (Fig.
730 as) mit dem Parietale (p). Der hinterste Theil des Mundhöhlendaches
wird ursprünglich von dem grossen Parasphenoid (Fig. 744 ps) gebildet
(Amphibia), das aber, sobald ein Basisphenoid (Fig. 732 sb) sich
entwickelt, rudimentär wird, mit diesem Knochen verschmilzt (durch
einen vorderen schnabelförmigen Fortsatz vertreten -- Fig. 732 sb) und
schliesslich ganz verschwindet (Sauropsida und Mammalia).
[Illustration: Fig. 732. Hatteria punctata Gray. Neuseeland.
Recent. Schädel von unten (Schädelbasis). Ch = Choanen; co =
Hinterhauptsgelenk (unpaar); g = Gelenkfläche für den Unterkiefer
am Quadratum; im = Intermaxillare; j = Jugale; m = Maxillare; o =
Opisthoticum; ob = Basioccipitale; p = Parietale; pa = Palatinum; pt =
Pterygoid; q = Quadratum; qj = Quadratojugale; sb = Basisphenoid mit
Parasphenoidfortsatz nach vorn; st = Stapes (Columella auris); tr =
Transversum; v = Vomer.]
Die Luft tritt ursprünglich (Fig. 732) durch die Nasenhöhle direct in
den vordersten Theil der Mundhöhle, indem die inneren Nasenöffnungen
(Ch -- Choanen) sich zwischen Vomer (v) und Maxillare (m, hinter dem
Intermaxillare im und vor dem Palatinum pa) öffnen. Bei Mammalia (Fig.
733) und einigen Sauropsida bilden aber die Maxillaria horizontale
Gaumenplatten (mx) quer durch die Mundhöhle, die sich in der
Mittellinie treffen; ihnen schliessen sich die Gaumenbeine (pl), selten
auch die Flügelbeine (pt) an, indem dieselben nach unten wachsen und
dann ebenfalls derartige Gaumenplatten entwickeln, die mit denen der
Maxillaria (mx) zusammen den harten Gaumen darstellen; letzterer bildet
demnach eine horizontale Scheidewand innerhalb der ursprünglichen
einfachen Mundhöhle, durch welche der obere Theil als Nasen-Rachengang
von dem unteren Theile, der eigentlichen Mundhöhle abgetrennt wird; die
Choanen (C) münden hinter dem harten Gaumen.
[Illustration: Fig. 733. Sus scrofa L. Recent. Schädel von unten. as =
Alisphenoid; C = Choanen; F = Foramen magnum; co = Hinterhauptsgelenke
(paarig): im = Intermaxillare; j = Jugale; mx = Maxillare mit
Gaumenplatte; ob = Basioccipitale; os = Supraoccipitale; pe = Petrosum;
pl = Gaumenplatte des Palatinum; pm = Processus paramastoideus; pt =
Pterygoid; sb = Basisphenoid; t = Gelenkfläche des Temporale; ty =
Tympanicura; v = Vomer.]
Gelenkhöcker neben dem Foramen magnum (F) zur Verbindung des Schädels
mit dem ersten Halswirbel sind stets vorhanden, mit Ausnahme der
niedersten Amphibia, deren Schädel noch keine Knorpelknochen besitzt
(Fig. 744); betheiligen sich an ihrer Bildung nur die beiden
Exoccipitalia, so ist das Hinterhauptsgelenk doppelt (Fig. 733 co --
Amphibia und Mammalia), nimmt auch das Basioccipitale (o.b) daran
wesentlichen Antheil (mitunter ausschliesslich), so wird es unpaar
(Fig. 732 co), einfach oder dreitheilig (Sauropsida). Fast stets finden
sich besondere Gehörknöchelchen, nur eines, Stapes oder Columella (Fig.
732 st), bei Amphibia und Sauropsida, drei bei Mammalia.
[Illustration: Fig. 734. Längsschnitt durch einen Säugethierzahn,
schematisch. C = Cement; D = Dentin; P = einfache Pulpahöhle; S =
Schmelz.]
Ein Scheitel- oder Parietalloch (Fig. 728 P) ist nur bei primitiveren
Formen vorhanden. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass dasselbe einem
unpaaren Scheitel- oder Parietalauge entsprochen haben soll.
Kiemenbögen sind bei niederen Formen wohl entwickelt, doch auch hier
nur in geringer Zahl und oft nur auf die Jugendzeit beschränkt,
während sie bei Erwachsenen gewöhnlich rudimentär werden und selten
verknöchern; meist fehlen sie fast ganz.
Die Deckknochen des Munddaches scheinen ursprünglich sämmtlich dichte
Haufen kegelförmiger Zähnchen getragen zu haben (Fig. 745), während die
die Kieferränder bildenden Knochen immer nur eine einzige Zahnreihe
besitzen; bei den höheren Formen werden die Zähne allmählich nur auf
die Kieferränder (Fig. 733) beschränkt oder gehen selbst ganz verloren.
Die Zähne (Fig. 734) bestehen fast immer aus echtem Dentin (D), das
eine einfache, mitunter Radiärfalten bildende (Fig. 755) Pulpahöhle (P)
umgiebt; während die Krone eine Schmelzkappe (S) trägt, ist die Wurzel
von Knochengewebe (C -- Cement) bedeckt.
3. Gliedmassen der Quadrupeda.
Der Schultergürtel (Fig. 735, 736 u. 738) besteht bei den primitivsten
Formen aus einem dorsal vom Schultergelenk (g) gelegenen Theil, der
Scapula oder dem Schulterblatt (s), und einem ventralen Theile, dem
(oft plattenförmigen) Coracoid oder Rabenbein (co oder c + pc); vor
dem Coracoid liegt die Clavicula oder das Schlüsselbein (cl), das mit
dem unpaaren Episternum oder Interclavicula (e) in Verbindung steht
und mit dem äusseren Ende an die Scapula (s) grenzt[G]. Ist ein echtes
Sternum (st) vorhanden, so ist mit demselben das Episternum mehr
oder weniger innig verbunden; je mehr das Sternum ausgebildet ist, um
so mehr wird gewöhnlich das Episternum reducirt, während es bei den
primitiven Stegocephala, die noch kein verknöchertes Sternum besitzen,
mächtig entwickelt ist (Fig. 736 th.m -- mittlere Kehlbrustplatte).
Ist ein besonderes Episternum nicht vorhanden, so legt sich die
Clavicula direct an das Vorderende des Sternum, mit dem auch meist das
Coracoid verbunden ist. Doch kann sowohl die Clavicula wie das Coracoid
rudimentär werden.
[Illustration: Fig. 735. Palaeohatteria longicaudata Credn.
Rothliegendes bei Dresden. Schultergürtel von unten. cl = Clavicula; co
= Coracoid; e = Episternum; h = Humerus; s = Scapula.]
[Illustration: Fig. 736. Melanerpeton pulcherrimum Fritsch.
Rothliegendes bei Dresden. Schultergürtel von unten. co = Coracoid; s
= Scapula (?); th.l = seitliche Kehlbrustplatte (Clavicula); th.m =
mittlere Kehlbrustplatte (Episternum).]
[Illustration: Fig. 737. Beckengürtel und Sacralwirbel eines Reptils;
schematisch. N = Rückenmarkscanal. Theile des Sacralwirbels: c =
Wirbelcentrum; ob = oberer Bogen; od = Dornfortsatz; q = Querfortsatz;
z = Gelenkfortsatz. Theile des Beckens: il = Ileum; is = Ischium; p
= Pubis; sy = Symphyse der beiden Ischien. Aeussere Gliedmassen: f =
Femur; tf = Tibia und Fibula.]
[Illustration: Fig. 738. Schultergürtel von Echidna von der Seite und
etwas von unten. c = Coracoid; cl = Clavicula; e = Episternum; g =
Schultergelenk; pc = Praecoracoid; r₁-r₆ = 1. bis 6. Rippe (sternaler
Theil); s = Scapula; st = Sternum.]
Am Beckengürtel (Fig. 737) verbindet sich das dorsal vom Hüftgelenk
(Acetabulum) gelegene Ileum (il -- Darmbein) mit den Rippenfortsätzen
(q) der Sacralwirbel, am ventralen Theile ist meist ein vorderes
Pubis (p -- Schambein) vom hinteren Ischium (is -- Sitzbein) zu
unterscheiden. Bei den niedersten Stegocephala (Fig. 742) ist das
Pubis noch nicht verknöchert und kann selbst ganz fehlen. Pubis und
Ischium sind ursprünglich plattenförmig (Fig. 757); meist entsteht eine
einfache oder paarige Lücke zwischen ihnen, das Foramen obturatorium.
Bei den höheren Formen sind alle Theile jeder Beckenhälfte mit
einander innig verschmolzen. Die beiden Ischien und ebenso die beiden
Pubis sind gewöhnlich in der Mittellinie vereinigt (Sitzbein- und
Schambeinsymphyse -- Fig. 737 sy).
[Illustration: Fig. 739. A u. B Hatteria punctata Gray. Recent.
Neuseeland. Linkes Vorderbein. H = Humerus (B = distaler Theil von
unten) R = Radius U = Ulna c, c’ = Centralia ect u. ent = Foramina
epicondylaria i = Intermedium r = Radiale u = Ulnare 1-5 = 1.-5.
Carpale mt = Metacarpale des 1. Fingers I-V = Endphalangen. C Eryops
platypus Cope. Kohlenschichten von Ohio. Linker Hinterfuss. F =
Fibula f = Fibulare t = Tibiale c = Centrale 1-5 = 1.-5. Tarsale mt =
Metatarsale des 5. Fingers ph = Phalangen des 5. Fingers.]
Die einzelnen Abschnitte der freien Gliedmassen sind wenigstens
ursprünglich stets durch Gelenke mit einander verbunden;
Flossenstrahlen sind nie vorhanden. An den Vordergliedmassen sind
folgende Abschnitte zu unterscheiden (Fig. 739 A): Oberarm oder
Humerus (H), Unterarm mit Ulna (U) und Radius (R), Handwurzel oder
Carpus, Mittelhand oder Metacarpus, aus den 5 neben einander liegenden
Metacarpalia (mt) bestehend, deren jedes einen Finger (I-V) trägt
jeder Finger besteht aus mehreren Phalangen. Die entsprechenden
Theile der Hintergliedmassen (Fig. 739 C) sind: Oberschenkel (Femur),
Unterschenkel mit Tibia und Fibula (F), Fusswurzel (Tarsus), Mittelfuss
mit 1.-5. Metatarsale (mt) und 5 Zehen, jede wieder aus mehreren
Phalangen (ph) bestehend. Am Carpus und Tarsus sind folgende Elemente
zu unterscheiden:
Carpus (Fig. 739 A) | Tarsus (Fig. 739 C u. 740)
|
Proximale Reihe
|
{ Pyramidale (Triquetrum) = Ulnare (u) | Fibulare (f) = Calcaneus (Fig. 740 c)
{ Lunare (Lunatum) = Intermedium(i) | Intermedium } = Astragalus (a, Talus)
{ Scaphoid (Naviculare) = { Radiale (r) | Tibiale (t) }
{ Centrale (c) | Centrale(c) = Naviculare (n, Scaphoid)
|
Distale Reihe
|
{ Trapez (Multangulum majus) = Carpale 1 | Tarsale 1 = Cuneiforme 1
{ Trapezoid (Multangulum minus) = " 2 | " 2 = " 2
{ Magnum (Capitatum) = " 3 | " 3 = " 3
{ Unciforme (Hamatum) = { " 4 | " 4 = } Cuboid (cb)
{ " 5 | " 5 = }
Anm. Die cursiv gedruckten Ausdrücke werden bei Säugethieren verwendet,
die eingeklammerten sind in der menschlichen Anatomie gebräuchlich.
[Illustration: Fig. 740. Phenacodus primaevus Cope. Wasatch-Eocän von
Wyoming. Linker Hinterfuss. a = Astragalus; c = Calcaneus; cb = Cuboid;
n = Naviculare; 1-3 = Cuneiforme I-III; I-V = Metatarsale der 1.-5.
Zehe.]
Der Humerus (Fig. 739 B) zeigt bei zahlreichen Quadrupeda oberhalb
seines distalen Gelenkes Durchbrechungen, das Foramen ectepicondylare
(ect) auf der radialen Seite, das F. entepicondylare (ent) auf der
ulnaren Seite. Sehr selten (Hatteria -- Fig. 739 B) finden sich beide
Foramina; das F. entepicond. allein besitzen die Theromorpha und viele
Mammalia, das F. ectepicond. besitzen viele Reptilia; sehr häufig
fehlen diese Durchbrechungen ganz (Amphibia, viele Reptilia, Aves
und die höheren Mammalia). Die Knochen des Carpus und Tarsus ordnen
sich meist in zwei Reihen, eine proximale und eine distale, die mit
einander das Intercarpal-, bez. Intertarsalgelenk bilden. Bleibt das
Centrale (selten verdoppelt) isolirt, so liegt es zwischen beiden
Reihen. Während die proximale Reihe am Carpus meist drei Knochen zeigt,
sind dieselben am Tarsus (Fig. 740) meist auf zwei Knochen, Astragalus
und Calcaneus (a u. c) reducirt. Die distale Reihe zeigt gewöhnlich
nur noch vier Knochen, da das 4. und 5. Carpale bez. Tarsale selten
getrennt sind. Das häufig am Ulnare befestigte Pisiforme (Fig. 835 pi)
wird als Rudiment eines sechsten Fingers angesehen.
Bei der ursprünglicheren Form von Gliedmassen der Quadrupeda, dem
primitiven Gehfuss (Fig. 739), bleiben sämmtliche Knochen von einander
getrennt (bei den niedrigsten Formen ist der Carpus und Tarsus noch
nicht oder unvollständig verknöchert), die auf einander folgenden
Abschnitte sind durch Gelenke mit einander verbunden, der ganze Fuss
vom Carpus bez. Tarsus an ist flach und berührt den Boden (plantigrad),
Ulna und Radius, bez. Tibia und Fibula sind etwa gleich lang und
gleich stark, die fünf (selten vier) Finger (bez. Zehen) sind wohl von
einander gesondert, einzeln beweglich und bestehen aus einer mässigen
Anzahl von Phalangen. [Die Phalangenzahl ist ziemlich charakteristisch
für grosse Gruppen unter den Quadrupeda; so zeigen vom 1. bis 5. Finger
viele Amphibia 2, 2, 3, 4, 3, die meisten Sauropsida 2, 3, 4, 5, 3, die
Theromorpha und die meisten Mammalia 2, 3, 3, 3, 3 Phalangen.] Bei den
Sauropsida und Mammalia, ausnahmsweise auch bei Amphibia, tragen die
Endphalangen meist Krallen (Nägel oder Hufe).
Durch Anpassung an bestimmte Formen der Locomotion, besonders
Schwimmen, Fliegen, Laufen verändert sich der Fussbau ausserordentlich:
1. Bei Schwimmfüssen (Flossen -- Fig. 785) bleibt Ober- und Unterarm
kurz, die Hand wird verlängert; die einzelnen Abschnitte werden gegen
einander unbeweglich unter Verlust ihrer Gelenke, die Finger werden
mit einander durch ein gemeinsames Integument vereinigt, oft unter
starker Vermehrung ihrer Phalangenzahl und unter Verlust der Krallen;
alle Knochen werden platt (Ichthyopterygii, Pythonomorpha, Cetacea
etc.). Gewöhnlich sind hierbei die Vorderbeine mächtiger als die
Hinterbeine, die manchmal ganz verkümmern.
2. Bei Flügeln (nur Vordergliedmassen -- Fig. 796) werden einzelne
Abschnitte der Gliedmassen ausserordentlich verlängert, mitunter unter
Reduction der Fingerzahl, Verwachsungen, Verlust der Krallen
(Pterosauria, Aves, Chiroptera).
3. Bei Laufbeinen (Fig. 825) tritt der Fuss nur noch mit den Zehen
auf (digitigrad), der Mittelfuss wird verlängert und seitlich
eingerollt, einzelne Zehen werden kräftiger auf Kosten der übrigen,
die rudimentär werden und schliesslich ganz verschwinden können,
ebenso wird Radius und Tibia stärker auf Kosten von Ulna und Fibula,
und endlich können umfangreiche Verwachsungen eintreten (manche
Dinosauria, Aves, viele Mammalia). Entweder zeigen die Hinterbeine
ausschliesslich oder doch in höherem Grade als die Vorderbeine die
Charaktere der Laufbeine.
Bei manchen Quadrupeda verkümmern die äusseren Gliedmassen und können
selbst vollständig fehlen; mit ihnen verkümmern die Gliedmassengürtel,
aber nur in den extremsten Fällen (z. B. Ophidia) bis zu ihrem völligen
Verschwinden.
Unpaare Flossen können bei Quadrupeda vorkommen, besitzen aber nie
Flossenstrahlen oder Flossenträger.
4. Hautgebilde der Quadrupeda.
Von den ältesten Quadrupeda waren viele mit verknöcherten Schuppen
bedeckt. Von den späteren Formen tragen einige Knochenplatten, viele
sind ganz nackt, die meisten haben eine Körperbedeckung aus reinen
Epidermisgebilden: Hornschuppen, Federn, Haare. Eine besondere Rolle
spielten bei den ältesten Formen, den Stegocephala, die Bauchschuppen,
die stark verknöchert waren und einen aus zahlreichen Schuppenreihen
bestehenden äusseren Bauchpanzer (Fig. 742 b) bildeten. Indem diese
Reihen von Knochenschuppen von der äusseren Haut bedeckt und an Zahl
mehr und mehr reducirt wurden, entstanden die aus wenig zahlreichen
Stücken bestehenden Bauchrippen der primitiveren Sauropsida (Fig. 759),
unter denen bei einigen noch drei, bei anderen zwei und zuletzt nur
eine dieser Bauchrippen je einem Körpersegment entsprechen. Zu den
eigentlichen Rippen stehen diese Bauchrippen in gar keiner Beziehung.
Die ursprünglichen Hautknochen des Kopfes und der Brust bilden
Theile des Schädels und des Schultergürtels (s. daselbst). So lange
dieselben an der äusseren Körperbedeckung direct Theil nehmen,
sind sie gewöhnlich mehr oder weniger stark skulptirt, selbst noch
schmelzbedeckt, während sie mehr oder weniger glatte Oberfläche
zeigen, wenn sie von dickeren Schichten der äusseren Haut bedeckt
werden.
Fußnoten:
[G] Clavicula und Episternum sind bei vielen Quadrupeda echte
Deckknochen; bei anderen Formen aber ist die Clavicula knorpelig
präformirt (!); Coracoid und Scapula sind immer knorpelig angelegt.
4. Klasse: Amphibia (Lurche).
Amphibien sind insofern die niedrigsten Quadrupeda, als sie,
(gewöhnlich) in sehr unentwickeltem Zustande aus sehr kleinen Eiern
zur Welt kommend, in der Jugend noch durch Kiemen athmen und erst
später in den Besitz von Lungen gelangen (meist unter Verlust der
Kiemen und unter auffallender Metamorphose). In ihren früheren
Entwickelungszuständen zeigen sie noch zahlreiche fischartige
Charaktere, während ihre Quadrupedennatur erst im späteren Alter voll
zur Geltung kommt.
Die Wirbel sind bei einigen fossilen Formen nur unvollkommen
verknöchert; sonst sind sie amphicöl (nicht selten mit persistirender
Chorda), procöl oder opisthocöl. Die Rippen sind meist sehr kurz,
bei den Anura gar nicht abgegliedert; sie sind oft doppelköpfig oder
zeigen ein auffallend breites proximales Ende. Der erste Wirbel ist
oft einfacher gebaut als die übrigen, ohne Rippen und wird dann
als Atlas (der einzige Halswirbel) bezeichnet. Ein echtes, von den
Rippen abstammendes und mit denselben zusammenhängendes Brustbein
ist nicht nachzuweisen. Bis zum Kreuzbein (Fig. 743 sr) zeigen oft
noch sämmtliche Wirbel bewegliche Rippen. Es tritt stets nur ein
Kreuzbeinwirbel auf, dessen Rippenfortsatz als bewegliche Rippe
abgegliedert sein kann, ebenso der der vorderen Schwanzwirbel (Fig.
743).
Das Primordialcranium verknöchert gar nicht oder nur zum geringen
Theil; das Hinterhauptsgelenk ist doppelt (Fig. 756 co). Die
Deckknochen des Schädels erreichen bei den primitiveren Formen (Fig.
741) eine ausserordentliche Ausdehnung und bedecken fast lückenlos den
ganzen Kopf; sie sind hier unter allen Quadrupeda am vollkommensten
entwickelt und erinnern an den gepanzerten Schädel mancher der älteren
Teleostomi; unter den moderneren Amphibien treten Deckknochen viel mehr
zurück.
Ein mächtiges Parasphenoid (Fig. 744 ps) bedeckt stets die knorpelig
bleibende Basis des Primordialcraniums. Der Vomer (v) ist meist paarig.
Zähne treten bei einzelnen Formen noch an allen Mundknochen auf
(Fig. 745), auf dem Vomer (v), Pterygoid (pt) und Parasphenoid (ps)
haufenweise, sonst wesentlich einreihig. Zahnwechsel findet fortwährend
statt.
Die Gliedmassen sind oft nur theilweise verknöchert, besonders
ist der Carpus und Tarsus häufig nur knorpelig vorhanden; die
übrigen Beinknochen zeigen oft nur eine äussere Knochenrinde mit
unverknöcherten Gelenkenden (fossil nur als hohle Röhren erhalten);
auch am Schultergürtel und Becken bleiben grössere oder geringere
Theile zeitlebens knorpelig. Die Füsse (selten verkümmert) sind
primitive Gehfüsse, hinten mit 5, vorn mit 4 oder 5 Zehen versehen
(Fig. 743).
Die meisten der älteren Formen zeigen eine Hautbedeckung aus
verknöcherten Schuppen, die am Bauch oft panzerförmig wird; die
modernen Formen haben grösstentheils eine nackte Haut. Die Endphalangen
sind nur ganz ausnahmsweise mit Krallen versehen.
Die Amphibien leben in oder an süssem Wasser oder wenigstens an
feuchten Orten; sie kommen fossil nie in rein marinen Ablagerungen vor.
Amphibien sind seit dem Carbon bekannt. Es lassen sich vier Ordnungen
unterscheiden:
1. Ordnung Stegocephala. Schwanz wohl entwickelt; Thoracalplatten oder
ein Bauchpanzer vorhanden. Carbon bis Trias.
2. Ordnung Urodela. Schwanz wohl entwickelt; weder Thoracalplatten noch
ein Bauchpanzer. Kreide bis Gegenwart.
3. Ordnung Gymnophiona. Ohne Schwanz und Gliedmassen. Recent.
4. Ordnung Anura. Ohne Schwanz; Gliedmassen kräftig. Tertiär und recent
1. Ordnung Stegocephala.
Litteratur über Stegocephala.
Cope, E. D. American Naturalist. 1884.
Credner, H. Die Stegocephalen aus dem Rothliegenden des Plauen’schen
Grundes bei Dresden. (Zeitschr. d. d. geol. Gesellsch. 1881-86.)
Fritsch, A. Fauna der Kalksteine und der Gaskohle der Permformation
Böhmens. 1883-85.
Geinitz und Deichmüller. Die Saurier der unteren Dyas von Sachsen.
Palaeontogr. XXIX. 1882.
Meyer, H. v. Reptilien aus der Steinkohlenformation in Deutschland.
Palaeontogr. VI. 1857.
Zittel, K. Handbuch der Paläontologie. III. Bd. 2. Lief. München u.
Leipzig 1888.
Der Schädel der Stegocephala (Fig. 741 u. 752) bildet ein nach oben und
den Seiten vollständig geschlossenes, nur aus Deckknochen bestehendes
Dach, das ausser den Augen- und Nasenöffnungen (A u. N) sowie dem
stets vorhandenen Scheitelloch (P) nur ganz ausnahmsweise noch weitere
Lücken zeigt. Von Deckknochen des Schädels, die den übrigen Amphibien
fehlen, finden sich wie bei vielen Fischen und Reptilien (Fig. 741):
Postorbitale (o.p) und Supratemporale (ts), ferner das sogenannte
Epioticum (e) und Supraoccipitale (o.s)[H], ausserdem fast stets
ein Scleroticalring (sc). Knorpelknochen fehlen am Schädel vieler
Stegocephalen noch ganz (Fig. 744). Bei anderen sind die Exoccipitalia
mit den Hinterhauptsgelenken (Fig. 756 co), das kleine Quadratum (q)
und das Articulare verknöchert.
[Illustration: Fig. 741. Branchiosaurus amblystomus Credn.
Rothliegendes des Plauenschen Grundes bei Dresden. Schädel von oben.
A = Augenhöhle; N = Nasenhöhle; P = Scheitelloch; e = Epioticum; f =
Frontale; fa = Praefrontale; fp = Postfrontale; im = Intermaxillare;
j = Jugale; m = Maxillare; n = Nasale; op = Postorbitale; os
= Supraoccipitale (Interparietale?); p = Parietale mit dem
Scheitelloch (P); qj = Quadratojugale (von oben kaum sichtbar); sc =
Scleroticalring; sq = Squamosum; ts = Supratemporale.]
Sämmtliche präsacrale Wirbel, meist auch einige Schwanzwirbel,
tragen Rippen (Fig. 743). Eine Hals- und Lendenregion ist nicht zu
unterscheiden.
Die Rippen sind oft deutlich zweiköpfig (Fig. 748), wenn ihre Enden
gut verknöchert sind, im anderen Falle stellen sie dünne hohle Röhren
vor. Die Wirbel sind äusserst verschiedenartig ausgebildet, bei einigen
Gruppen nimmt das Intercentrum noch einen beträchtlichen Antheil an
ihrer Bildung (Fig. 751 u. 754). Chorda stets persistirend.
Am Schultergürtel sind zu unterscheiden (Fig. 742 u. 746): eine
mittlere Thoracalplatte (th.m) und zwei dieselbe theilweise bedeckende
seitliche Thoracalplatten (th.l); letztere sind geknickt oder stark
gebogen. Diese drei oberflächlich gelegenen, für die Stegocephalen
ausserordentlich charakteristischen Hautknochen dürften als Episternum
und Claviculae der übrigen Quadrupeda aufzufassen sein (vgl. Fig. 735).
An die seitlichen Thoracalplatten legen sich dünne spangenförmige,
am distalen Ende oft verbreiterte Knochen an (s), die möglicherweise
die Scapulae darstellen; als Coracoide (co) wären dann zwei runde
oder halbmondförmige Knochenplatten zu deuten. Ein knöchernes Sternum
existirte nicht. Am Becken (Fig. 742 u. 757) stellt das Ischium (is)
meist eine ausgedehnte Knochenplatte dar; das Pubis (p) findet sich
nicht immer verknöchert; das Ileum (il) ist wohl entwickelt, sein
sacrales Ende oft stark verbreitert; es wird von sehr kräftigen
Sacralrippen (sr) getragen. An den meist fünfzehigen Extremitäten ist
nicht selten Carpus und Tarsus noch nicht verknöchert.
Der Bauch ist fast stets durch einen äusseren Bauchpanzer geschützt
(Fig. 742 b), der aus dicken, oft spindelförmigen und in zahlreiche
schiefe Reihen angeordneten Schüppchen besteht (Fig. 749 B), und den
sogenannten »Bauchrippen« vieler Reptilien entspricht. Dünne rundliche
verknöcherte Schuppen bedecken oft auch den übrigen Körper (Fig. 742
sch, 748).
Die oberflächlich liegenden Schädelknochen und Thoracalplatten sind
meist mehr oder weniger reich skulptirt und schmelzartig glänzend
(Ganocephala). Auf der Oberfläche des Schädels finden sich manchmal
glatte Rinnen, in ihrer Gesammtheit Lyra (Fig. 756 l) genannt; sie sind
als sog. Schleimkanäle anzusehen. Die Zähne sind spitz, kegelförmig,
oft mit grosser Pulpahöhle (Fig. 744 A); das Dentin ist manchmal mehr
oder weniger stark gefältelt, indem die Pulpa radiale Ausstülpungen
zeigen kann, die einfach sind (Fig. 742 C) oder mäandrisch gewunden
(Fig. 755); ihnen entsprechen von aussen in das Dentin eindringende
Falten, in welchen sich Cement ablagert; solche Zähne erscheinen
äusserlich gefurcht (Fig. 742 B); die Falten sind an der Basis des
Zahnes am complicirtesten ausgebildet und verschwinden allmählich gegen
die Spitze.
[Illustration: Fig. 742. Archegosaurus Decheni Gf. Sphärosiderite
des unteren Perms (Lebacher Schichten). Lebach bei Saarbrücken. A
Ansicht eines der vollständigsten Exemplare, die bekannt sind, von der
Bauchseite. b = Bauchpanzer; c = Rippen (nur zum Theil eingezeichnet);
co = Coracoid; f = Femur; fi = Fibula; h = Humerus; il = Ileum;
is = Ischium; r = Radius; s = Scapula; sch = Körperschuppen; sr =
Sacralrippen; t = Tibia; th.l = seitliche Thoracalplatten (Clavicula);
th.m = mittlere Thoracalplatte (Episternum); u = Ulna. B Fangzahn
(²⁄₁). C Querschnitt desselben in der Nähe der Basis.]
Die Stegocephala zeigen sehr viel innigere Beziehungen zu den
Sauropsida als irgend eine der übrigen Amphibienordnungen; manche
hierher gehörige Formen sind nur mit Schwierigkeit von Sauropsida
zu trennen; sie erscheinen in jeder Beziehung als die primitivsten
Formen unter den Quadrupeda; sie treten auch früher auf als die übrigen
Quadrupeda und sind auf die Steinkohlenformation, das Perm und die
Trias beschränkt; die Stegocephala dürften die Stammformen nicht nur
der übrigen Amphibia, sondern auch der Sauropsida enthalten.
Innerhalb der Stegocephalengruppe lässt sich eine fortschreitende
Entwickelung von den niederen Formen zu den höheren nicht verkennen.
Das Innenskelet verknöchert mehr und mehr: es bilden sich
Knorpelknochen am Schädel, das Wirbelcentrum verknöchert allmählich
vollständig und verwächst zuletzt mit den Bögen; es verknöchern die
Gelenkenden an den Rippen und Beinknochen, ebenso Pubis, sowie Carpus
und Tarsus; die Zähne erhalten Radiärfalten, die zuletzt auffallend
mäandrisch gewunden sind (Labyrinthstruktur).
Die Eintheilung der Stegocephala gründet sich auf den Wirbelbau. Es
lassen sich fünf Unterordnungen annehmen:
A. Intercentrum fehlt oder rudimentär (Microsauria).
a. Wirbelcentrum nicht oder nur in äusserst geringem Maasse
verknöchert; Chorda vertebral nicht eingeschnürt.
1. Unterordnung Branchiosauri.
b. Wirbelcentrum wohl verknöchert; Chorda vertebral eingeschnürt;
Wirbelkörper amphicöl, verlängert (Fig. 747).
2. Unterordnung Sauromorphi.
B. Intercentrum sehr wohl entwickelt (Ganocephala).
a. Intercentrum und Wirbelcentrum getrennt.
α. Statt eines Wirbelcentrums treten paarige Pleurocentra auf.
Wirbel rhachitom (Fig. 751).
3. Unterordnung Rhachitomi.
β. Wirbelcentrum und Intercentrum ringförmig verknöchert; Wirbel
embolomer (Fig. 754).
4. Unterordnung Embolomeri.
b. Intercentrum amphicöl, scheibenförmig. Kein gesondertes
Wirbelcentrum bekannt.
5. Unterordnung Labyrinthodontia.
1. Unterordnung Branchiosauri.
Salamanderähnliche Geschöpfe (Fig. 743) von geringer Körpergrösse
mit breitem stumpfem Kopfe, kurzer Schnauze und kurzem Schwanze.
Zähne einfach. Schädel nur aus Deckknochen bestehend (Fig. 744).
Hinterhauptsgelenke nicht verknöchert. An der Wirbelsäule sind die
oberen Bögen wohl entwickelt und verknöchert; ein Intercentrum
(Basaltheil der unteren Bögen) fehlt; Wirbelcentrum gar nicht
verknöchert oder nur von einer äusserst dünnen Knochenhülse umgeben,
welche die Chorda vertebral nicht einschnürt (»tonnenförmige
Wirbelkörper«). Rippen dick, kurz und gerade, an sämmtlichen Rumpf- und
den vorderen Schwanzwirbeln vorhanden. Pubis nicht verknöchert, ebenso
Carpus und Tarsus. Schuppen auf der Bauchseite stets vorhanden. Auf
Carbon und Perm beschränkt. Die Branchiosauri sind die primitivsten
Formen unter den Stegocephala.
[Illustration: Fig. 743. Branchiosaurus amblystomus Credn. Larve (= B.
gracilis). Rothliegendes bei Dresden. co = Coracoid; f = Femur; fi =
Fibula; h = Humerus; r = Radius; s = Scapula; sr = Sacralrippen; t =
Tibia; th.l = seitliche, th.m = mittlere Thoracalplatte; u = Ulna. Die
in diesem Zustande noch vorhandenen Kiemen sind hier weggelassen.]
[Illustration: Fig. 744. Branchiosaurus amblystomus Credn.
Rothliegendes bei Dresden. Schädel von der Unterseite, vergr. im =
Intermaxillare; m = Maxillare; qj = Quadratojugale; pt = Pterygoid;
ps = Parasphenoid; pa = Palatinum; v = Vomer (Lage und Gestalt von
Vomer und Palatinum sind nicht ganz sicher). A zwei Zähne, der eine
gespalten.]
Branchiosaurus Fritsch (= Protriton Gaudry -- Fig. 741, 743, 744).
Auf Intermaxillare, Maxillare und Unterkiefer steht eine dichte Reihe
spitzer Zähne; sonst zahnlos; Parasphenoid breit mit langem schmalem
vorderem Stiele. Die mittlere Thoracalplatte ist ungestielt, mit
zerschlitztem Vorderrande. Rippen und Extremitätenknochen zeigen nur
eine dünne äussere Knochenhülse; das Innere und die Gelenkenden waren
nicht verknöchert. 4/5 Zehen. Die in der Jugend wohl entwickelten
Kiemen (4 Kiemenbögen) gehen später verloren. Nur die erwachsenen
Thiere zeigen einen Schuppenpanzer, der den Bauch, sowie die Unterseite
des Schwanzes und der Extremitäten bedeckt; derselbe besteht aus
Schuppenreihen, die in regelmässige Fluren geordnet sind. Carbon und
Perm von Sachsen, Thüringen, Böhmen und Frankreich.
B. amblystomus Credn. (Fig. 741, 743, 744) ist weitaus der häufigste
Stegocephale in den Kalken des Rothliegenden im Plauenschen Grunde bei
Dresden. Die ganze Skeletentwickelung von der 30 mm langen Larve bis
zum 120 mm langen erwachsenen Thiere ist bekannt. Mit zunehmendem
Alter wandert das Becken allmählich nach hinten, so dass dem
erwachsenen Thiere eine grössere Anzahl von Rumpfwirbeln zukommen als
dem jungen. B. gracilis Credn. (Fig. 743) ist die nackte mit Kiemen
versehene Jugendform.
B. salamandroides Fritsch ist sehr häufig in der carbonischen
Gaskohle von Nyran in Böhmen.
B. (= Protriton) petrolei Gaudry. Sehr häufig in den permischen
Petroleumschiefern von Autun; von sehr geringer Grösse, wahrscheinlich
nur die Larvenform einer grösseren Art (B. amblystomus Credn.?).
[Illustration: Fig. 745. Dawsonia polydens Fritsch. Carbon (Gaskohle)
von Nyran, Böhmen. Schädel von unten. im = Intermaxillare; m =
Maxillare; pa = Palatinum; ps = Parasphenoid; pt = Pterygoid (die
Gestalt desselben dürfte eher wie bei Branchiosaurus Fig. 744 sein); v
= Vomer.]
[Illustration: Fig. 746. Melanerpeton pulcherrimum Fritsch.
Rothliegendes bei Dresden. Schultergürtel. co = Coracoid; s = Scapula
(?); th.l = seitliche Thoracalplatte (Clavicula); th.m = mittlere
Thoracalplatte (Episternum).]
Dawsonia Fritsch (Fig. 745) unterscheidet sich besonders durch den
Besitz von Zähnen an allen oberen Mundknochen. Carbon.
D. polydens Fritsch (Fig. 745). Gaskohle von Nyran in Böhmen.
Melanerpeton Fritsch (Fig. 746). 25-130 mm lange Thiere mit doppeltem
Supratemporale und mit Zähnen auf dem Pterygoid. Zähne etwas gefurcht.
5/5 Zehen. Perm.
M. pulcherrimum Fritsch. Rothliegendes von Böhmen und Sachsen;
erreicht etwa 13 cm Körperlänge.
Pelosaurus Credn. Vor der Augenhöhle findet sich zwischen Maxillare,
Nasale, Praefrontale und Jugale ein besonderes Lacrymale. Kopf
auffallend gross. Pterygoid bezahnt. 4/5 Zehen. Perm.
P. laticeps Credn. Im Rothliegenden bei Dresden häufig; erreicht 20
cm Körperlänge.
2. Unterordnung Sauromorphi.
Eidechsen- und schlangenartige Geschöpfe von nicht sehr bedeutender
Körpergrösse, mit mehr oder weniger spitzer Schnauze und meist langem
Schwanze. Zähne glatt, einfach, mit grosser Pulpahöhle. Wirbelkörper
verlängert, amphicöl, aus den oberen Bögen und den oft damit
verwachsenen, wohl verknöcherten Wirbelcentren bestehend; während in
der Rumpfregion die unteren Bögen (Intercentrum) fehlen, bilden sie am
Schwanze mehr oder weniger lange untere Dornfortsätze (Fig. 747 ud),
die oft mit dem Wirbelkörper verwachsen (Fig. 749 ub). Chorda in der
Mitte der Wirbel mehr oder weniger stark eingeschnürt. Rippen dünn,
lang und gebogen, meist zweiköpfig. Schambeine verknöchert. Verzierte
Schuppen meist auch auf der Rückenseite vorhanden (Fig. 748). Auf
Carbon und Perm beschränkt. Die Sauromorphi nähern sich in vieler
Beziehung den Reptilien.
1. Fam. Hylonomidae.
Eidechsenähnlich mit kräftigen Gliedmassen. Rippen lang und schlank,
zweiköpfig. Obere Dornfortsätze kräftig. Schuppen gross, verziert.
Carbon und Perm.
[Illustration: Fig. 747. Hylonomus Fritschi Gein. u. Deichm.
Rothliegendes des Plauenschen Grundes bei Dresden. Zwei amphicöle
Schwanzwirbel. c = Wirbelcentrum; ob = obere, ud = untere Bögen; z =
vorderer, z’ = hinterer Gelenkfortsatz.]
[Illustration: Fig. 748. Ricnodon Copei Fritsch. Carbonische Gaskohle
von Böhmen. Restaurirt. ⅗.]
Hylonomus Dawson (Fig. 747). Obere und untere Bögen nicht mit dem
Wirbelcentrum verwachsen; Gaumenzähne sehr klein. Carbon und Perm.
Sachsen, Böhmen und Neu-Schottland.
H. Fritschi Credn. (Fig. 747). Perm.
Ricnodon Fritsch (Fig. 748). Parasphenoid und Pterygoid bezahnt. Carbon
von Böhmen.
R. Copei Fritsch (Fig. 748). Carbonische Gaskohle von Böhmen.
2. Fam. Nectridae.
Eidechsenähnlich mit Gliedmassen. Obere und untere Dornfortsätze
fächerartig verbreitert und am Rande gekerbt (Fig. 749 A). Wirbelbögen
mit dem Centrum oft verwachsen. Carbon.
Keraterpeton Huxl. Schwanz lang, etwa 40 Schwanzwirbel; Epioticum mit
langen beweglichen Hörnern. Carbon von Böhmen, Irland, Ohio.
K. crassum Fritsch. 19,5 cm lang. Gaskohle von Nyran in Böhmen.
Urocordylus Huxl. u. Wr. (Fig. 749 A, B). Schwanz sehr lang, etwa 80
Schwanzwirbel. Epioticum nicht verlängert. Carbon von Irland und Böhmen.
U. scalaris Fritsch (Fig. 749 A, B). Gaskohle von Nyran in Böhmen.
[Illustration: Fig. 749. Urocordylus scalaris Fritsch. Gaskohle von
Nyran in Böhmen. A drei Schwanzwirbel. k = Wirbelkörper. ob = obere, ub
= untere Dornfortsätze. B Schuppen des Bauchpanzers.]
[Illustration: Fig. 750. Dolichosoma longissimum Fritsch. Carbonische
Gaskohle von Nyran in Böhmen. Schädel von oben. e = Epioticum; f =
Frontale; f.a = Praefrontale; f.p = Postfrontale; im = Intermaxillare;
j = Jugale; m = Maxillare; n = Nasale; o = Scleroticalring;
o.p = Postorbitale; o.s = Supraoccipitale; qj = Quadratojugale
(zweifelhaft); p = Parietale mit dem Scheitelloch; sq = Squamosum; t.s
= Supratemporale.]
3. Fam. Aistopodidae.
Schlangenähnliche Amphibien, ohne Extremitäten und Extremitätengürtel,
mit verlängerten Wirbeln und dünnen grätenartigen Rippen. Schädeldach
mit Lücken im vorderen Theile.
Dolichosoma Huxl. (Fig. 750). Ueber 150 Wirbel mit dünnen, gebogenen,
zweiköpfigen Rippen. Kopfknochen glatt. Ein Bauchpanzer ist nicht
beobachtet; dagegen sind Spuren von Kiemen vorhanden. Carbon von Irland
und Böhmen.
D. longissimum Fritsch (Fig. 750). Gaskohle von Nyran in Böhmen.
3. Unterordnung Rhachitomi.
Ziemlich grosse Thiere von krokodilartiger Gestalt. Die Wirbel bestehen
aus folgenden nicht mit einander verwachsenden Knochenstücken: 1) obere
Bögen (Fig. 751 ob); 2) wenigstens ein Paar seitlicher Knochenstücke,
die Pleurocentra (p); 3) ein wohlentwickeltes Intercentrum (i), das am
Schwanz die unteren Dornfortsätze (Fig. 724 C, ub) trägt. Der Schwanz
ist lang, die Knochen des Schädeldaches und die Thoracalplatten sind
sehr stark sculptirt (Fig. 742). Ein Bauchpanzer (b) ist sehr wohl
entwickelt. Die langen Fangzähne zeigen einfache Radiärfalten (Fig. 742
B, C). Perm von Europa, Indien und Nordamerika.
[Illustration: Fig. 751. Archegosaurus Decheni Gf. Rothliegendes.
Lebach. Rumpfwirbel. = Intercentrum; p = Pleurocentra; o.b = oberer
Bogen mit Dornfortsatz (od); z, z’ = Gelenkfortsätze.]
Archegosaurus Gf. (Fig. 724, 742 u. 751). Von krokodilartiger Gestalt;
ein langer Ruderschwanz mit stark entwickelten oberen und unteren
Dornfortsätzen. Rippen sehr dick, wenig gebogen, ihr proximales Ende
verknöchert spät und ist wie das distale sehr stark verbreitert; sie
finden sich an allen Rumpfwirbeln und den vorderen Schwanzwirbeln. Der
Schädel ist dreiseitig, platt, die Schnauze ist um so mehr verlängert,
je älter die Thiere sind; Augen klein. Die Hinterhauptsregion
verknöchert sehr spät oder gar nicht; eine Lyra erscheint vielleicht
an ganz alten Exemplaren. Die mittlere Thoracalplatte (th.m) ist sehr
gross, rhombisch; Bauchpanzer (b) aus sehr zahlreichen, in bestimmten
Zügen angeordneten spindelförmigen Schüppchen bestehend; andere Theile
des Körpers sind von sehr dünnen rundlichen Schüppchen (sch) bedeckt.
Eine Reihe kleiner Zähne steht auf Praemaxillare und Maxillare, eine
Reihe grosser Fangzähne auf Vomer und Palatinum; letztere sind an
der Basis einfach gefaltet, daher äusserlich gestreift. Die Hand ist
vier-, der Fuss fünfzehig; im Alter sind einige Carpalia und Tarsalia
verknöchert. Bei jungen Thieren sind Kiemenbögen nachgewiesen. Perm von
Europa.
A. Decheni Gf. (Fig. 724, 742 u. 751) ist einer der am längsten und
am besten bekannten Stegocephalen; findet sich ziemlich häufig in den
Sphärosideritknollen des unteren Perm (Lebacher Schichten) im
Saarbrückischen, auch in Sachsen; erreicht eine Länge von 1-1½ Meter.
Actinodon Gaudry. Vomer mit je einem grösseren Zahn und zahlreichen
Körnelzähnchen. Perm von Frankreich.
A. Frossardi Gaudry. Schädel bis 18 cm lang. Perm von Autun.
Eryops Cope (Fig. 739 C u. 752) ist der grösste nordamerikanische
Stegocephale, sein Schädel wird 40-60 cm lang. Ohne deutliche
Schleimcanäle. Perm von Nordamerika.
E. megacephalus Cope (Fig. 752). Perm von Texas.
E. platypus Cope (Fig. 739 C). Kohle von Ohio.
[Illustration: Fig. 752. Eryops megacephalus Cope. Perm von Texas.
Schädel von der Seite.]
4. Unterordnung Embolomeri.
In der Wirbelsäule entsprechen je zwei Knochenringe einem Körpersegment
(Fig. 753 u. 754). Der eine dürfte das Wirbelcentrum (c) darstellen,
der andere, welcher am Schwanze die unteren Dornfortsätze trägt, ist
das Intercentrum (i). Die oberen Bögen (o.b) sitzen bald dem einen,
bald dem anderen dieser Knochenringe mehr auf. Krokodilähnliche Formen
von ziemlich bedeutender Körpergrösse aus dem Carbon und Perm von
Europa und Nordamerika.
[Illustration: Fig. 753. Diplovertebron punctatum Fritsch. Gaskohle
von Nyran, Böhmen. Zwei Schwanzwirbel. c = Wirbelcentrum; i =
Intercentrum; o.b = obere Bögen, dem Intercentrum aufsitzend; ud =
untere Dornfortsätze.]
[Illustration: Fig. 754. Cricotus heteroclites Cope. Perm von
Texas. Zwei vordere Rumpfwirbel. d = Diapophyse; i = Intercentrum;
k = Wirbelkörper (Centrum mit dem oberen Bogen verwachsen); od =
obere Dornfortsätze; pa = Parapophyse; z = vorderer, z’ = hinterer
Gelenkfortsatz.]
Diplovertebron Fritsch (Fig. 753) ist nur unvollständig bekannt. Im
böhmischen Carbon.
D. punctatum Fritsch (Fig. 753). Gaskohle von Nyran, Böhmen.
Cricotus Cope (Fig. 754). Schädel mit Lyra. Perm von Nordamerika.
C. heteroclites Cope (Fig. 754) erreicht eine Länge von 3 Meter. Perm von Texas.
5. Unterordnung Labyrinthodontia.
Dieselben zeigen nahe Beziehungen zu den Rhachitomi, aus denen sie
wohl herzuleiten sind. Die vollständigere Verknöcherung des Beckens
und des Schädels, die stärkere Faltung des Dentins der Zähne, die hohe
Ausbildung der Lyra lässt sie als höher entwickelte Formen als die
Rhachitomi erscheinen.
[Illustration: Fig. 755. Mastodonsaurus giganteus Jäg. Lettenkohle.
Württemberg. Theil eines Querschnittes von der Basis eines grossen
Fangzahnes.]
[Illustration: Fig. 756. Trematosaurus Brauni Burm. Buntsandstein
von Bernburg. Schädel von oben und von unten. A = Augenhöhle; Ch =
innere Nasenöffnung; D = Höhle zur Aufnahme der unteren Fangzähne; F
= Foramen magnum; N = äussere Nasenöffnung; co = Hinterhauptsgelenke;
e = Epioticum; f = Frontale; fa = Praefrontale; fp = Postfrontale;
im = Intermaxillare; j = Jugale; l = Lacrymale; m = Maxillare; n =
Nasale; o.p = Postorbitale; os = Supraoccipitale; p = Parietale mit
Scheitelloch; pa = Palatinum; ps = Parasphenoid; pt = Pterygoid; q =
Quadratum; sq = Squamosum; t.s = Supratemporale; v = Vomer.]
Die Wirbelkörper stellen eine amphicöle, oft keilförmige, von der
Chorda durchbohrte Scheibe dar, die vielleicht ausschliesslich
vom Intercentrum gebildet ist; die oberen Bögen sind selten damit
verwachsen. Hinterhauptsgelenke (Fig. 756) verknöchern frühzeitig;
Schädel und Thoracalplatten stark sculptirt, Lyra sehr deutlich. Pubis
(Fig. 757 p) verknöchert. Ein Bauchpanzer ist bei triasischen Formen
unbekannt, ebenso ein Scleroticalring; dieselben besitzen aber einige
mächtige Fangzähne, deren stark gefurchte Basis auf dem Querschnitt
mäandrisch gewundene Radiärfalten des Dentins zeigt (Fig. 755); nach
oben zu werden die Falten allmählich einfach und verschwinden in der
Nähe der platten, zweischneidigen, schmelzbedeckten Zahnspitze ganz. Es
sind Thiere von bedeutender Körpergrösse, im Carbon und Perm, besonders
reich aber in der Trias entwickelt.
Trematosaurus Braun (Fig. 756). Schädel dreiseitig mit schlanker, vorn
abgestumpfter Schnauze. Augenhöhlen klein, in der Mitte des Schädels.
Die Zähne des Intermaxillare und Maxillare sind ziemlich klein. Die
Gaumenzähne sind einreihig und werden nach vorn zu immer grösser; die
vordersten Zähne des Vomer und Palatinum sind grosse Fangzähne. Der
Unterkiefer trägt vorn an der Symphyse zwei grosse Fangzähne, zu deren
Aufnahme sich zwei Gruben (Fig. 756 D) im Dache der Mundhöhle finden.
Buntsandstein von Deutschland.
T. Brauni Burm. (Fig. 756) ist nicht selten im Buntsandstein von
Bernburg.
Mastodonsaurus Jäg. (Fig. 755 u. 757). Vor und hinter den inneren
Nasenöffnungen finden sich je ein bis zwei gewaltige Fangzähne auf
dem Gaumen. Zwischenkiefer mit 3-5 grossen Fangzähnen. Unterkiefer
trägt neben der Symphyse jederseits einen mächtigen Fangzahn, zu
dessen Aufnahme das Praemaxillare jederseits einen Durchbruch zeigt.
Die übrigen Zähne sind von geringerer Grösse. Sämmtliche Fangzähne
zeigen ausgezeichnete Labyrinthstruktur. Augenhöhle gross. Wirbelkörper
kurz, scheibenförmig, am Rumpfe mit kräftigen Rippen, die hinteren
doppelköpfig, während die mittleren sehr lang und flügelartig
verbreitert sind. Obere Bögen nicht mit dem Wirbelcentrum verwachsen.
Pubis (Fig. 757 p) ist als kleine Knochenscheibe vorhanden. Trias von
Deutschland und England.
M. giganteus Jäg. Vorzüglich erhaltene Reste dieser riesigen Art
stammen aus der Lettenkohle von Gaildorf und Oedendorf in Württemberg.
Die Schädel erreichen eine Länge von 70 cm bis 1 m. Auch in der
mittleren Trias von Norddeutschland und England.
[Illustration: Fig. 757. Mastodonsaurus giganteus Jäg. Lettenkohle.
Württemberg. Becken von unten. Ac = Gelenkpfanne; il = Ileum; is =
Ischium; p = Pubis. (⅑).]
[Illustration: Fig. 758. Fussspuren von Chirotherium Barthi Kaup.
Oberer Buntsandstein von Hersberg bei Hildburghausen. ¹⁄₁₈ nat. Gr.]
Capitosaurus Münst. Schädel mit breiter Schnauze. Vor und hinter den
Choanen 1-2 grosse Fangzähne. Vomer und Intermaxillare getrennt durch
eine einfache, quer elliptische, in der Mitte eingeschnürte Oeffnung
zur Aufnahme der grossen Unterkieferfangzähne. Augenhöhle sehr klein.
Trias von Deutschland.
C. robustus H. v. Meyer. Keupersandstein bei Stuttgart.
C. nasutus H. v. Meyer. Buntsandstein von Bernburg.
Als Fussspuren von Labyrinthodonten werden die unter dem Namen
Chirotherium Kaup (Fig. 758) bekannten handförmigen Fährten im
deutschen und englischen Buntsandstein, sowie aus dem Carbon und Perm
gedeutet (Chirotherienbänke in der unteren Abtheilung des oberen
Buntsandsteines in Mitteldeutschland). Auch in den Triassandsteinen
der Vereinigten Staaten von Nordamerika finden sich ähnliche, aber
dreizehige Spuren, die jedoch eher von Dinosauria stammen dürften.
2. Ordnung Urodela.
Langgeschwänzte Amphibien mit Extremitäten, vollständig verknöcherten,
amphicölen (mitunter noch von der Chorda durchbohrten) oder
opisthocölen Wirbeln, kurzen Rippen und nackter Haut; mitunter
zeitlebens mit Kiemen versehen. Deckknochen des Kopfes in geringerer
Zahl als bei Stegocephalen; dagegen findet sich stets ein Theil des
Primordialcraniums verknöchert. Seit der Kreide bekannt, hauptsächlich
tertiär und lebend. Die lebenden Formen sind fast ganz auf die
nördliche gemässigte Zone der alten und neuen Welt beschränkt.
Die modernen Urodelen sind vielleicht von Branchiosaurenähnlichen
Stegocephalen abzuleiten unter der Annahme, dass, während das
Innenskelet eine viel vollkommenere Verknöcherung erfuhr, das
Aussenskelet sich zurückbildete: die Deckknochen des Schädels,
Thoracalplatten, Bauchpanzer und Beschuppung wurden reducirt oder
verschwanden gänzlich. Die dafür erworbenen grossen Hautdrüsen mit
ihrem giftigen Sekret gewähren den heutigen nackten Amphibien einen
ungleich besseren Schutz, als ihn die frühere starke Panzerung bot
(vgl. Pleuracanthus Decheni p. 542).
Hylaeobatrachus Dollo mit persistirenden Kiemen aus der unteren Kreide
von Bernissart in Belgien ist die älteste bekannte Urodelengattung.
Andrias Scheuchzeri Tschudi aus dem oberen Miocän von Oeningen,
nahe verwandt mit dem lebenden Cryptobranchus japonicus aus den
Gebirgswässern von Japan und China. Er erreicht, wie sein lebender
Verwandter, eine Länge von 1-1½ m. Der alte Scheuchzer beschrieb ein
Skelet dieser Art als »Homo tristis diluvii testis«.
3. Ordnung Gymnophiona.
Fossil nicht bekannt; Körper wurmförmig, ohne Füsse und Schwanz. Es
sind die einzigen lebenden Amphibien, deren Haut Schuppen tragen kann,
welche bei einzelnen Formen grosse Aehnlichkeit mit denen mancher
Stegocephala zeigen. Wirbel amphicöl. Leben unter der Erde in den
Tropen der alten und neuen Welt.
4. Ordnung Anura.
Bei den äusserlich schwanzlosen Fröschen und Kröten tritt an Stelle der
Schwanzwirbel ein langes ungegliedertes Urostyl. Ausser dem Atlas und
dem Kreuzbeinwirbel sind nur noch sieben Rumpfwirbel vorhanden, bei
welchen an Stelle der Rippen meist nur lange Querfortsätze entwickelt
sind. Die Wirbel sind meist procöl. Die Extremitäten sind sehr kräftig,
Astragalus und Calcaneus verlängert.
Anura sind erst seit der Tertiärzeit bekannt. Sie sind gegenwärtig
in zahlreichen Arten über die ganze Erde verbreitet mit Ausnahme der
kalten Zone. Die fossilen zeigen nur geringfügige Abweichungen von den
lebenden. Mitunter finden sich auch die Larven wohl erhalten.
Die ausgestorbene Gattung
Palaeobatrachus Tschudi, zu den Arciferae gehörig, soll einige Merkmale
der Aglossa zeigen; kommt in zahlreichen Arten in oligocänen und
miocänen Schichten Mitteleuropas vor. Von
P. diluvianus Goldf. kommen Larven und ausgewachsene Thiere sehr
häufig in der Braunkohle des Siebengebirges vor.
Geologische Verbreitung der Amphibia.
Die älteren Amphibien gehören ausnahmslos zur Ordnung der Stegocephala,
welche zuerst im Carbon auftreten und sich hier und im Perm zu einer
ausserordentlichen Mannigfaltigkeit von Formen entwickeln; von allen
diesen erhält sich nur die Gruppe der Labyrinthodontia bis in die
Trias, um dann ebenfalls zu verschwinden. Reste von Stegocephala sind
in allen fünf Erdtheilen gefunden worden; in grösserer Menge beisammen
kommen sie im Carbon von Grossbritannien und Böhmen (Gaskohle), in
den permischen Petroleumschiefern von Autun, im Rothliegenden von
Saarbrücken und des Plauenschen Grundes bei Dresden, sowie im Perm
von Texas vor. Die Labyrinthodontia entstammen zumeist der deutschen,
besonders der württembergischen Trias. Jura und Kreide haben bisher
fast nichts von Amphibienresten geliefert. Die nur local häufigeren
Formen des Tertiär schliessen sich nahe an lebende Formen der Urodela
und Anura an.
Fußnoten:
[H]: Das Supraoccipitale mag dem Interparietale der Säuger entsprechen.
5. Klasse: Sauropsida.
Litteratur über fossile Sauropsida.
(Werke, die verschiedene Ordnungen behandeln.)
Cope, E. D. Synopsis of the extinct Batrachia, Reptilia and Aves of
North-America. Transact. Amer. Philos. Soc. Philadelphia. Vol. XIV.
1869.
---- The Vertebrata of the Cretaceous Formations of the West. Rep.
United St. Geol. Surv. of Territ. Vol. II. 1875.
Dollo, L. Verschiedene Abhandlungen in: Bulletin du Musée royal d’hist.
nat. de Belgique 1882-88.
Gervais, P. Zoologie et Paléontologie française. 2. Éd. Paris 1859.
Huxley, Th. Handbuch der Anatomie der Wirbelthiere. Uebersetzt von
Ratzel. Breslau 1873.
Lydekker, R. Catalogue of the fossil Reptilia and Amphibia in the
British Museum. Bd. I u. II (wird fortgesetzt). London 1888/89.
Meyer, H. v. Zur Fauna der Vorwelt. Bd. I-IV. Frankfurt a. M. 1845-60.
---- Zahlreiche Abhandlungen in: Palaeontographica Bd. I-XVII.
Owen, R. Odontography. London 1840-45.
---- Monographs on the Fossil Reptilia of the London Clay (1849-58);
of the Cretaceous Formations (1851-64); of the Wealden and Purbeck
Formations (1853-1864); of Liassic Formations (1861-1881) etc. London
(Palaeontographical Society).
Quenstedt, F. A. Handbuch der Petrefaktenkunde. 3. Aufl. Tübingen 1885.
Sauropsida sind Quadrupeda, die in hochentwickeltem Zustande zur Welt
kommen und stets nur durch Lungen athmen. Sie erzeugen eine mässige
Anzahl sehr grosser Eier (ovipar), deren derbe Schale mehr oder weniger
verkalkt ist, und denen die Jungen mitunter schon im Mutterleibe
entschlüpfen (ovovivipar).
Folgendes sind die wichtigsten osteologischen Merkmale, die
sämmtlichen bekannten Sauropsida gemeinsam sind: Wirbelcentrum und
obere Wirbelbögen wohl verknöchert; untere Wirbelbögen fast ganz auf
die Schwanzregion (und die vordersten Halswirbel) beschränkt. Sind
die Hintergliedmassen nicht rudimentär, so finden sich mindestens
zwei Sacralwirbel. Wenigstens der hintere Theil der Hirnkapsel ist
verknöchert; es existirt ein Basioccipitale und ein Basisphenoid,
während ein Parasphenoid höchstens nur als Rudiment vorhanden ist.
Vomer fast stets unpaar. Hinterhauptsgelenk unpaar, wesentlich vom
Basioccipitale gebildet. Quadratum stets als gesonderter Knochen
ausgebildet, an welchem der Unterkiefer mittels eines verknöcherten
Articulare sich bewegt. Unterkiefer besteht aus einer Anzahl durch
Nähte verbundener (selten im Alter verschmolzener) Knochenstücke.
Zähne mit einfacher Wurzel. Coracoid wohlentwickelt, wenn Gliedmassen
vorhanden sind.
In folgender Uebersicht ist auf der linken Seite der primitivste
Zustand, auf der rechten sind die fortgeschritteneren Zustände
verzeichnet, wie sie für einzelne Skelettheile unter den Sauropsida
vorkommen. Es ist indess noch keine Form bekannt, bei der diese
primitiveren Charaktere sämmtlich vereinigt wären; am nächsten diesem
Zustande kommen die Rhynchocephala.
Primitiver Zustand.
Wirbelcentrum von den oberen Bögen durch Ligamente oder Naht getrennt.
Wirbelkörper biconcav, noch von der Chorda durchbohrt.
Rudimentäre Intercentra zwischen den Rumpfwirbeln (Fig. 724 D).
An den Schwanzwirbeln Y-förmige untere Bögen (Fig. 724 E u. 725).
Gelenkfortsätze vorhanden, einfach.
Langer Schwanz mit zahlreichen freien Schwanzwirbeln.
Zwei getrennte Sacralwirbel.
Sämmtliche Rumpfwirbel, sowie einige Hals- und Schwanzwirbel mit
beweglichen Rippen.
Hals- und vordere Rumpfrippen zweiköpfig.
Sternum vorhanden, aber wenig verknöchert.
Vorderer Theil der Hirnkapsel nicht verknöchert.
Aeusserer Kopfpanzer vollständig (manche Testudinata; es fehlen aber
daran die Supraoccipitalia und Epiotica der Stegocephala).
Lacrymale, Prae- und Postfrontale, Postorbitale, Supratemporale,
Squamosum, Jugale und Quadratojugale vorhanden; alle Deckknochen paarig.
Quadratum durch Nähte unbeweglich mit dem Schädel verbunden.
Foramen parietale und Scleroticalring vorhanden (Fig. 789).
Zähne auf Dentale (und Spleniale), Intermaxillare, Maxillare,
Palatinum, Pterygoid und Vomer.
Zähne kegelförmig, glatt, einspitzig.
Fortwährender Zahnwechsel.
Auf den Kieferrändern nur eine Zahnreihe in Gebrauch.
Scapula und Coracoid, sowie Clavicula und Episternum wohlentwickelt
(Fig. 735) und mit dem Sternum in Verbindung.
Ileum, Ischium und Pubis durch Nähte von einander getrennt.
Ischium und Pubis ohne grösseres Foramen obturatorium, plattenförmig
(Fig. 769).
Sitz- und Schambeinsymphyse (Fig. 769).
Aeussere Gliedmassen als primitive fünfzehige Gehbeine ausgebildet
(Fig. 739).
Phalangenzahl: 2, 3, 4, 5, 3/4.
In jedem Rumpfsegment hinter dem Sternum finden sich mehrere
Bauchrippen, deren jede aus einer mittleren unpaaren und mehreren
seitlichen paarigen Spangen besteht (Fig. 759).
Fortgeschrittener Zustand
(progressiv oder retrogressiv).
Centrum verwächst mit den oberen Bögen.
Chorda vertebral ganz verdrängt; Wirbelkörper oft biplan, häufig auch
procöl oder opisthocöl und selbst biconvex.
Intercentra gar nicht mehr verknöchert an den Rumpfwirbeln.
Untere Bögen fehlen am Schwanze.
Gelenkfortsätze verschwinden oder werden sehr complicirt (Fig. 795).
Schwanz wird kurz, selbst rudimentär, oder die Schwanzwirbel
verschmelzen mit einander (Aves).
Sacralwirbel zahlreicher, oft mit einander verschmolzen.
Hals- und Schwanzwirbel, sowie Lendenwirbel mit unbeweglichen
Querfortsätzen, und auch diese können ganz rudimentär werden.
Sämmtliche Rippen einköpfig.
Sternum wohl verknöchert zu einer paarigen oder unpaaren Platte; oder
ganz fehlend.
Die ganze Hirnkapsel verknöchert (Ophidia).
Aeusserer Kopfpanzer mit Lücken: obere (Fig. 802) oder untere (Fig.
801) Schläfengrube allein vorhanden; die meisten Sauropsida sind aber
auf Formen zurückzuführen mit oberer und unterer Schläfengrube (Fig.
760); bei solchen kann sodann der untere Schläfenbogen hinfällig werden
(z. B. Lacertilia), oder der obere (Theromorpha), oder beide (Ophidia);
sehr selten schwindet der Abschluss gegen die Augenhöhle, öfter der
Abschluss nach hinten. Ausserdem präorbitale Gesichtslücken und Lücken
im Unterkiefer (Fig. 801 u. 802).
Mehrere dieser Kopfknochen fehlend oder mit anderen verschmolzen;
verschiedene Deckknochen unpaar.
Quadratum gegen den übrigen Schädel durch Gelenke beweglich
(Streptostylica und Aves).
Foramen parietale und Scleroticalring fehlen.
Zähne nur auf den Kieferrändern, können auch ganz fehlen.
Zähne gefurcht (Fig. 806), oft comprimirt, mehrspitzig (Fig. 762) oder
mit gezähnten Leisten (Fig. 818), oder sie werden zu plattenförmigen
Mahlzähnen (Fig. 775).
Zahnwechsel ganz unterdrückt (Theromorpha).
Auf den Kieferrändern treten bei Hadrosauridae mehrere Zahnreihen
gleichzeitig in Gebrauch (Fig. 821).
Clavicula und Episternum, selten der ganze Schultergürtel (Ophidia)
fehlend.
Beckenknochen mit einander und mit dem Sacrum verschmolzen (Aves).
Ischium und Pubis mit grossem Foramen obturatorium, zuletzt
spangenförmig (Fig. 809).
Schambeine median getrennt (manche Dinosauria), ebenso Sitzbeine (Aves).
Gliedmassen zu Flossen (Fig. 769) oder zu Flügeln (Fig. 796) oder zu
Laufbeinen (Fig. 818) umgebildet. (Vgl. p. 599.)
Phalangenzahl grösser oder geringer.
Nur eine Bauchrippe für jedes Segment unter Verminderung der Zahl der
paarigen Spangen, und schliesslich verschwinden Bauchrippen ganz.
Sauropsiden finden sich zuerst in der Dyas; sie erreichen ihre
Blüthezeit in der mesozoischen Periode, die nur von wenigen z. Th. in
der Gegenwart blühenden Ordnungen überlebt wird.
Es lassen sich elf Ordnungen unter den Sauropsida annehmen, von denen
die mit Federn bekleideten Saurura und Aves als Vögel den übrigen
unbefiederten Reptilien gegenübergestellt werden. In der beigefügten
Tabelle (p. 620) sind diese Ordnungen zur Vergleichung einiger ihrer
wichtigsten unterscheidenden Merkmale zusammengestellt, sowie zur
Vergleichung mit den Stegocephala und den primitiveren Mammalia.
+---------------------+--------------+-----------------+----------------+---------------+------------+---------+---------------+---------------+-------------+-------------+-------------+--------------+-----------------+
| | Wirbel | Sacralwirbel | Schläfenlücken | Schläfenbögen | Quadratum | Foramen |Intermaxillaria|Unterkieferäste|Beckenknochen| Gliedmassen | Humerus | Bauchrippen | Körperbedeckung |
| | | | | (oberer und | |parietale| | | | | | mit | |
| | | | | unterer) | | | | | | | | Foramen | |
+=====================+==============+=================+================+===============+============+=========+===============+===============+=============+=============+=============+==============+=================+
|(Stegocephala) | höchstens | 1 | keine | beide | klein, | + | getrennt | getrennt | getrennt | Gehfüsse | -- |sehr zahlreich| Knochenschuppen |
| | biconcav | | | | unbeweglich| | | | | oder | | (Bauchpanzer)| |
| | | | | | | | | | | fehlend | | | |
|---------------------+--------------+-----------------+----------------+---------------+------------+---------+---------------+---------------+-------------+-------------+-------------+--------------+-----------------+
|1) Rhynchocephala | biconcav | 2, getrennt | beide | beide | unbeweglich| + | getrennt | getrennt | getrennt | Gehfüsse | entepicond. | zahlreich | Schuppen |
| | | | | | | | | | | | (und | | |
| | | | | | | | | | | | ectepicond.)| | |
+---------------------+--------------+-----------------+----------------+---------------+------------+---------+---------------+---------------+-------------+-------------+-------------+--------------+-----------------+
|2) Theromorpha | biconcav | 2-5, oft | beide | unterer | unbeweglich| + | getrennt | getrennt |Pub. u. Isch.| Gehfüsse | entepicond. | ? | ? |
| | | verschmolzen | | | | | oder | oder | verschmolzen| | | | |
| | | | | | | | verwachsen | verwachsen | | | | | |
+---------------------+--------------+-----------------+----------------+---------------+------------+---------+---------------+---------------+-------------+-------------+-------------+--------------+-----------------+
|(Mammalia, primitive)| biplan mit | 2-12, oft | beide | unterer |verschmolzen| - | getrennt | getrennt | verschmolzen| kurze | entepicond. | -- | Haare |
| | Zwischen- | verschmolzen | | | mit | | | | | Gehfüsse | | | |
| |wirbelscheiben| | | | Squamosum | | | | | | | | |
+---------------------+--------------+-----------------+----------------+---------------+------------+---------+---------------+---------------+-------------+-------------+-------------+--------------+-----------------+
|3) Sauropterygia | biconcav | 2, getrennt | beide | oberer | unbeweglich| + | getrennt | getrennt | getrennt | Schwimmfüsse| ectepicond. | zahlreich | nackt? |
| |oder biplan | | (oder nur | (oder beide) | | | | | | und | oder | | |
| | | | obere) | | | | | | | Flossen | fehlt | | |
+---------------------+--------------+-----------------+----------------+---------------+------------+---------+---------------+---------------+-------------+-------------+-------------+--------------+-----------------+
|4) Testudinata | biconcav, | 2, getrennt | obere oder | oberer | unbeweglich| - | getrennt | verschmolzen | getrennt | Geh- oder | ectepicond. | Bauchpanzer | Rücken- |
| | pro- oder | | untere oder | oder beide | | | | | | Schwimmfüsse| oder | | und |
| | opisthocöl | | beide oder | | | | | | | oder | fehlt | | Bauchpanzer |
| | oder | | keine | | | | | | | Flossen | | | |
| | biconvex | | | | | | | | | | | | |
+---------------------+--------------+-----------------+----------------+---------------+------------+---------+---------------+---------------+-------------+-------------+-------------+--------------+-----------------+
|5) Ichthyopterygia | biconcav | 0 | obere | beide | unbeweglich| + | getrennt | getrennt | getrennt | Flossen | -- | zahlreich | nackt |
| | | | | | | | | | | | | | (Flossenrand |
| | | | | | | | | | | | | | beschuppt) |
+---------------------+--------------+-----------------+----------------+---------------+------------+---------+---------------+---------------+-------------+-------------+-------------+--------------+-----------------+
|6) Streptostylica |(biconcav) | 0 oder 2 (3), | beide | oberer | beweglich | ± | verschmolzen | getrennt | getrennt | Geh- oder | ectepicond. | -- | Schuppen |
| | procöl | getrennt | | oder keiner | | | | | oder | Schwimmfüsse| oder | | (Hautknochen) |
| | | | | | | | | | fehlend | oder | fehlt | | |
| | | | | | | | | | | fehlend | | | |
+---------------------+--------------+-----------------+----------------+---------------+------------+---------+---------------+---------------+-------------+-------------+-------------+--------------+-----------------+
|7) Pterosauria | procöl |3-6, verschmolzen| beide | beide | unbeweglich| - | verschmolzen | verschmolzen | getrennt | Flughände | -- | spärlich | nackt |
+---------------------+--------------+-----------------+----------------+---------------+------------+---------+---------------+---------------+-------------+-------------+-------------+--------------+-----------------+
|8) Crocodilia | biconcav | 2 (3), | obere oder | beide | unbeweglich| - | getrennt | getrennt | getrennt | Gehfüsse, | -- | spärlich | Rücken- (u. |
| | oder | getrennt | untere, meist | | | | | | | hintere | | | Bauch-) |
| | procöl | | beide | | | | | | | länger | | | panzer |
+---------------------+--------------+-----------------+----------------+---------------+------------+---------+---------------+---------------+-------------+-------------+-------------+--------------+-----------------+
|9) Dinosauria | biconcav | 2-6, | beide | beide | unbeweglich| - | getrennt | getrennt | getrennt | Gehfüsse, | -- | -- | manchmal |
| | oder | getrennt | | | | | | | | hintere | | | bepanzert |
| |opisthocöl |oder verschmolzen| | | | | | | |länger u. oft| | | |
| | | | | | | | | | | Laufbeine | | | |
+---------------------+--------------+-----------------+----------------+---------------+------------+---------+---------------+---------------+-------------+-------------+-------------+--------------+-----------------+
|10) Saurura | biconcav | ca. 6, | beide | unterer | beweglich | - | verschmolzen | verschmolzen | getrennt | Flügel und | -- | spärlich | Federn |
| | | verschmolzen | | | | | | | | Laufbeine | | | |
+---------------------+--------------+-----------------+----------------+---------------+------------+---------+---------------+---------------+-------------+-------------+-------------+--------------+-----------------+
|11) Aves |(biconcav) | 6-23, | beide | unterer | beweglich | - | verschmolzen | meist | verschmolzen| Flügel und | -- | -- | Federn |
| |opisthocöl | verschmolzen | | | | | | verschmolzen | | Laufbeine | | | |
+---------------------+--------------+-----------------+----------------+---------------+------------+---------+---------------+---------------+-------------+-------------+-------------+--------------+-----------------+
1. Ordnung Rhynchocephala.
Litteratur über Rhynchocephala.
Credner, H. Die Stegocephalen und Saurier aus dem Rothliegenden des
Plauenschen Grundes bei Dresden. VII. Theil. Zeitschr. d. deutschen
Geol. Ges. 1888.
Günther, A. Contribution to the Anatomy of Hatteria. Philos. Trans.
London. 1867.
Die Rhynchocephalen sind eidechsenähnliche beschuppte Reptilien
mit biconcaven Wirbeln (meist Ringwirbeln) und kleinen Intercentra
(Fig. 724 D) zwischen allen Wirbeln, die an dem langen Schwanze zu
Sparrknochen (Fig. 724 E) werden. Centrum selten mit den oberen
Bögen verwachsen. Die langen Rippen (Fig. 759) sind einköpfig und
zeigen nur noch am Halse Andeutung eines doppelten Rippenkopfes. Zwei
grosse seitliche Schläfenlücken mit oberem und unterem Schläfenbogen
(Fig. 760). Quadratum (Fig. 732 q u. g) unbeweglich; Foramen
parietale vorhanden. Praemaxillare kurz. Alle Deckknochen paarig. Am
Schultergürtel (Fig. 735) ist Scapula (s) und Coracoid (co), sowie
Clavicula (cl) und T-förmiges Episternum (e) wohlentwickelt. Es sind
die einzigen Reptilien, deren Humerus (Fig. 739 A u. B) ein Foramen
ectepicondylare (ect) nebst einem Foramen entepicondylare (ent) zeigen
kann. Fünfzehige Gehfüsse mit 2, 3, 4, 5, 3 Phalangen an den vorderen
(Fig. 739 A) und 2, 3, 4, 5, 4 Phalangen an den hinteren Füssen. Fünf
Carpalia in der distalen Reihe. Zahlreiche Bauchrippen (Fig. 759).
[Illustration: Fig. 759. Hatteria punctata Gray. Recent. Neuseeland.
Schema der Rippen und Bauchrippen. b = unpaare, b’ = paarige Spangen
der Bauchrippen, deren zwei auf ein Bauchsegment kommen; c =
Wirbelkörper; od = oberer Dornfortsatz; r, r’ = Rippe, aus mehreren
getrennten Stücken bestehend; u = Processus uncinatus.]
Unter allen bekannten Sauropsiden zeigen die Rhynchocephala noch die
meisten primitiven Merkmale; sie stehen daher den ursprünglichsten
Reptilien, von denen die übrigen Formen ausgegangen sind, noch sehr
nahe; andererseits sind es auch die Reptilien, welche den Stegocephala
weitaus am nächsten stehen (Palaeohatteria). Die Ordnung ist aus vielen
Formationen seit dem Perm bekannt, eine lebende Art findet sich noch
auf Neu-Seeland.
Fam. Palaeohatteriidae.
Pubis und Ischium bilden breite Platten mit sehr kleinem Foramen
obturatorium (ähnlich Fig. 757); 5 Tarsalia in der distalen Reihe.
Gelenkenden der Beinknochen nicht verknöchert. Vordere Schwanzwirbel,
sowie Halswirbel mit beweglichen Rippen. Intercentra vorhanden.
Hierher gehören die niederststehenden und ältesten von allen Reptilien,
die noch die meisten Beziehungen zu den Stegocephala zeigen. Perm.
Palaeohatteria Credn. (Fig. 724 D u. E, 735). Füsse mit Krallen.
Zähne akrodont, einreihig auf den Kieferrändern und dem Palatinum,
haufenweise auf dem Vomer. Perm von Sachsen.
P. longicaudata Credn. (Fig. 724 D u. E, 735). Rothliegendes des
Plauenschen Grundes bei Dresden.
Fam. Sphenodontidae.
Pubis und Ischium schlank mit einfachem weitem Foramen obturatorium.
Nur vier Tarsalia in der distalen Reihe. Gelenkenden verknöchert.
Schwanzwirbel ohne bewegliche Rippen. Intercentra vorhanden. Recent.
[Illustration: Fig. 760. Hatteria (Sphenodon) punctata Gray. Recent.
Neuseeland. Schädel von der Seite. A = Augenhöhle; D = Durchbruch
im Unterkiefer; F = Scheitelloch; N = Nasengrube; S = obere, S’ =
untere Schläfenhöhle. a = Angulare; as = Epipterygoid (Columella);
d = Dentale; f = Frontale; fa = Praefrontale; fp = Postfrontale;
im = Intermaxillare; j = Jugale; mx = Maxillare; n = Nasale; o =
Opisthoticum (der linken Seite); op = Postorbitale; p = Parietale; pa =
Palatinum; pt = Pterygoid; q = Quadratum der rechten, q’ = der linken
Seite; qj = Quadratojugale; sq = Squamosum.]
Hatteria Gray (= Sphenodon Gray Fig. 732, 739 A u. B, 759, 760)
mit akrodonter Bezahnung auf Intermaxillare, Maxillare, Palatinum
und Dentale; Zahnspuren auf dem Vomer und Pterygoid (Fig. 732).
Intermaxillare mit einem verlängerten Zahne. Rippen mit Processus
uncinatus (Fig. 759 u).
H. punctata Gray (Fig. 760), ca. 60 cm lang, lebt auf Neu-Seeland.
Zu den Rhynchocephala gehören ferner ausser zahlreichen anderen
Gattungen:
Proterosaurus H. v. Meyer. Zähne in Alveolen; ausser auf den
Kieferrändern finden sie sich auch am Palatinum, Pterygoid und Vomer.
Halsrippen lang und fadenförmig. Zahlreiche Halswirbel. Perm.
P. Speneri H. v. Meyer wird bis 8 Fuss lang. Kupferschiefer von
Deutschland.
Hyperodapedon Huxl. Halswirbel mehr oder weniger opisthocöl;
Nasenöffnungen äusserlich vereinigt; Prämaxillaria bilden einen
langen, spitzen, nach unten gekrümmten, zahnlosen Schnabel. Hintere
Kiefer- und Gaumenzähne sind mehrreihig. Trias von England und Indien.
H. Gordoni Huxl. Elgin-Sandstone (Keuper) von England.
Homoeosaurus H. v. Meyer sind kleine der Hatteria sehr ähnliche
Formen aus dem Malm mit akrodonter Bezahnung und kurzem breitem
Schädel.
H. Maximiliani H. v. Meyer. Lithographische Schiefer von Solnhofen.
Champsosaurus Cope (= Simoedosaurus Gerv.). Schädel gavialartig;
Zähne auf den Kieferrändern, sowie auf Palatinum und Pterygoid. Die
winzigen Gaumenzähne stehen haufenweise. Halsrippen sind doppelköpfig.
Kreide und Eocän.
Ch. profundus Cope. Judith River beds (obere Kreide der
Felsengebirge).
Ch. Lemoinei Gerv. Unteres Eocän bei Reims und bei Erquelinnes
(Belgien).
Ch. australis Cope. Puerco-Eocän von Neu-Mexico.
2. Ordnung Theromorpha.
Litteratur über Theromorpha.
Owen, R. Descriptive and illustrated Catalogue of the foss. Rept. of
South-Afrika. London 1876.
Cope, E. D. Verschiedene Aufsätze, besonders in den Proceedings of the
Amer. Philos. Soc. of Philadelphia. 1880-1887.
Die Theromorphen sind permische und triasische Reptilien mit biconcaven
Wirbeln, mit denen die oberen Bögen manchmal verwachsen sind.
Vordere Rippen zweiköpfig. Das Tuberculum gelenkt an einem kräftigen
Querfortsatze (Fig. 764 q). das Capitulum an einer intervertebral
gelegenen Gelenkgrube, mitunter an einem deutlichen Intercentrum.
Schläfenhöhle einfach, vom unteren Schläfenbogen abgeschlossen.
Quadratum unbeweglich; ein Foramen parietale ist vorhanden.
Kieferzähne einzeln in Alveolen, scheinen nicht gewechselt zu werden
(monophyodont). Coracoid klein, mit der Scapula innig verbunden;
Humerus mit Foramen entepicondylare (Fig. 761). Pubis und Ischium
plattenförmig, stossen ohne Bildung eines Foramen obturatorium
zusammen. Kurze Gehfüsse mit 2, 3, 3, 3, 3 Phalangen. Sie scheinen
sämmtlich Süsswasserbewohner gewesen zu sein und sind theilweise von
beträchtlicher Grösse.
[Illustration: Fig. 761, Dicynodon pardiceps Ow. Trias von Südafrika.
Rechter Humerus von vorn mit Foramen entepicondylare.]
Es werden zwei Unterordnungen unterschieden:
1. Pelycosauria mit 2-3 Sacralwirbeln und reichlicher Bezahnung.
2. Anomodontia mit 4-5 Sacralwirbeln und mangelhafter Bezahnung.
1. Unterordnung Pelycosauria.
Die biconcaven Wirbel sind noch von der Chorda durchbohrt. Zwei
bis drei Sacralwirbel; gewöhnlich sind Intercentra entwickelt, an
welchen dann das Capitulum der Rippen articulirt. Zwischenkiefer und
Unterkieferäste meist nicht verwachsen. Zähne wohl entwickelt, manche
Formen zeigen sie noch haufenweise angeordnet auf dem Vomer (Fig. 763)
und Palatinum. Meist ist am Oberkiefer (Fig. 762) ein verlängerter Zahn
(Eckzahn -- c) vorhanden, der die i = Schneidezähne; m = Backzähne.
vorderen Zähne (Schneidezähne -- i) von den hinteren (Backzähne -- m)
trennt.
[Illustration: Fig. 762. Galesaurus planiceps Owen. Stormberg-beds
der Trias von Südafrika. Schädel von der Seite. A = Augenhöhle; N =
Nasenhöhle; S = Schläfenhöhle; f = Frontale; fa = Praefrontale; im =
Intermaxillare; j = Jugale; mx = Maxillare; n = Nasale; p = Parietale;
c = Eckzahn;]
Unter allen Reptilien sind die Pelycosauria diejenigen, welche den
Mammalia am nächsten stehen, so dass Cope in ihnen die Vorfahren der
Säugethiere sieht. Das Quadratum, das in Schneide-, Eck- und Backzähne
differenzirte monophyodonte und thekodonte Gebiss, der Schultergürtel,
selbst die Gehörknöchelchen und die Rippengelenke zeigen eine unter
den übrigen Reptilien unbekannte Annäherung an die Säugethiere; ferner
erinnern das Becken, der Humerus und die Phalangenzahl, besonders auch
der ganze Bau der Hinterfüsse, an denen sogar die Anwesenheit eines
Spornes wahrscheinlich ist, durchaus an die entsprechenden Theile der
Monotremen, der niedersten Säugethiere. Andererseits stehen die
Pelycosauria auch in nahen Beziehungen zu den primitiveren
Rhynchocephala, so durch die Abwesenheit des Foramen obturatorium,
sowie durch das Vorkommen von Ringwirbeln, von kleinen Intercentra,
Bezahnung des Vomer etc.
Pelycosauria sind bisher aus dem Perm von Texas und der Trias von
Südafrika bekannt.
[Illustration: Fig. 763. Empedocles molaris Cope. Perm von Texas.
Schädel von unten. q = Gelenkfläche am Quadratum.]
Empedocles Cope (Fig. 763). Eine Reihe sehr breiter Backzähne mit
niederer Spitze in der Mitte der Zahnfläche. Eckzahn nicht verlängert;
mittlere Schneidezähne am grössten; der schmale Vomer trägt kleine
konische Zähnchen. Perm.
E. molaris Cope (Fig. 763). Perm von Texas.
Dimetrodon Cope (Fig. 764) besitzt Rückenwirbel, deren oberer
Dornfortsatz ausserordentlich verlängert ist. Perm.
D. incisivus Cope (Fig. 764). Perm von Texas.
Naosaurus Cope unterscheidet sich von Dimetrodon durch das Auftreten
querer raaenähnlicher Fortsätze an den langen oberen Dornfortsätzen.
Perm.
N. cruciger Cope. Perm von Texas.
[Illustration: Fig. 764. Dimetrodon incisivus Cope. Perm von
Texas. Biconcaver Rückenwirbel. c = Centrum; d = Dornfortsatz; q =
Querfortsatz.]
Lycosaurus Owen (Fig. 765). Oben 4 Schneidezähne, 1 sehr verlängerter
Eckzahn und 5 oder 6 Backzähne; alle Zähne konisch, mit schneidendem
und fein gesägtem Hinterrande. Trias.
L. curvimola Owen (Fig. 765). Trias von Südafrika.
[Illustration: Fig. 765. Lycosaurus curvimola Ow. Stormberg-beds von
Südafrika. Schädel von der Seite. q = Quadratum.]
Galesaurus Owen (Fig. 762). Oben und unten 4 Schneidezähne, 1 sehr
verlängerter Eckzahn und 12 dreispitzige Backzähne, die dicht bei
einander stehen. Trias.
G. planiceps Owen (Fig. 762). Trias von Südafrika.
2. Unterordnung Anomodontia.
Wirbel nicht mehr von der Chorda durchbohrt. Vier bis fünf mit einander
verschmolzene Sacralwirbel. Unterkiefer zahnlos, schildkrötenartig.
Oberkiefer ähnlich oder jederseits mit einem hauerartigen Zahne.
Unterkiefer mit einem Durchbruch; Augenhöhle mit Sclerotikalring.
Zwischenkiefer und Unterkieferäste verwachsen. Trias (Karooformation)
von Südafrika, ferner in Indien und im Ural.
Dicynodon Owen (Fig. 761, 766, 767). Oberkiefer mit zwei grossen
wurzellosen Hauern; sonst zahnlos, mit schildkrötenartigem Unterkiefer.
Sehr grosse Thiere aus der Trias von Südafrika und Indien; Schädel bis
gegen 60 cm lang.
D. feliceps (Fig. 767), D. leoniceps (Fig. 766), D. tigriceps, D.
pardiceps (Fig. 761) Owen. Trias von Südafrika.
[Illustration: Fig. 766. Dicynodon leoniceps Ow. Trias von Südafrika.
Schädel von oben. A = Augenhöhle; N = Nasenhöhle; P = Scheitelloch; S =
Schläfenhöhle; f = Frontale.]
[Illustration: Fig. 767. Dicynodon feliceps Owen. Trias von Südafrika.
Schädel von der Seite. q = Quadratum.]
[Illustration: Fig. 768. Oudenodon Baini Owen. Trias von Südafrika.
Schädel von der Seite.]
Oudenodon Owen (Fig. 768). Vollständig zahnlos; beide Kiefer
schildkrötenartig. Grosse Thiere aus der Trias von Südafrika.
O. Baini Owen (Fig. 768). Trias von Südafrika.
3. Ordnung Sauropterygia (und Placodontidae).
Litteratur über Sauropterygia.
Meyer, H. v. Zur Fauna der Vorwelt. Die Saurier des Muschelkalkes.
Frankfurt a. M. 1847-55.
---- Die Placodonten, eine Familie von Sauriern der Trias.
Palaeontographica Bd. XI.
Die Sauropterygier sind mesozoische Süsswasser- und Meeresbewohner
mit biconcaven, oft fast biplanen Wirbeln (Fig. 773), deren Centrum
mit den oberen Bögen meist nicht verwachsen ist. Halsrippen meist
zweiköpfig und beilförmig; Rumpfrippen meist einköpfig, an einem
kräftigen Querfortsätze (Fig. 773 q) befestigt. Zwei Sacralwirbel.
Kopf klein, Hals aus mehr als zehn Wirbeln bestehend (Macrotracheli),
oft sehr lang (Fig. 769); Schwanz nicht besonders lang, mit Rippen und
unteren Bögen. Am Schädel (Fig. 771) ist nur der obere Schläfenbogen
vorhanden (s. auch Placodus); obere Schläfengrube gross, oft äusserst
umfangreich. Quadratum (q) unbeweglich, Scheitelloch weit (F).
Zwischenkiefer oft sehr gross, daher die Nasenöffnungen nach hinten
gerückt. Zähne in Alveolen, spitz, ungefähr kegelförmig, gefurcht
(Fig. 772 A), nur auf den Kieferrändern (s. auch Placodus). Knochen
des Schultergürtels hängen fest mit einander zusammen (Fig. 770).
Scapula (s) und Coracoid (c) mächtig entwickelt, während Clavicula
(cl) und Episternum (e) oft fehlen; die beiden Coracoide bilden
eine mediane Symphyse mit einander. Brustbein unbekannt. Pubis und
Ischium plattenförmig (Fig. 769) mit kleinem Foramen obturatorium.
Aeussere Gliedmassen gross, ursprünglich Gehfüssen ähnlich (aber stets
krallenlos?), oft zu langgestreckten Flossen umgewandelt (Fig. 769).
Bauchrippen (Fig. 770 b) in grosser Zahl vorhanden. Körperbedeckung
unbekannt. Die primitiveren Formen stehen den Rhynchocephala noch sehr
nahe. Trias bis Kreide.
[Illustration: Fig. 769. Plesiosaurus dolichodeirus Conyb. Unterer
Lias von England. A Skelet von der Bauchseite. B Schädel von oben. A =
Augenhöhle; b = Bauchrippen; c = Coracoid; f = Femur; fi = Fibula; h =
Humerus; i = Ischium; p = Pubis; r = Radius; s = ventraler Fortsatz der
Scapula (Präcoracoid); t = Tibia; u = Ulna.]
Von den drei hier aufgeführten Familien ist die Zugehörigkeit der
Placodontidae zu den Sauropterygia ganz unsicher.
Zahlreiche spitze Fangzähne und wohlentwickelte Clavicula.
1. Fam. Nothosauridae.
Zahlreiche spitze Fangzähne; ohne Clavicula.
2. Fam. Plesiosauridae.
Wenige kugelige oder plattenförmige Mahlzähne.
Fam. Placodontidae.
1. Fam. Nothosauridae.
Hierher gehören die ältesten, auf die Trias beschränkten
Sauropterygier, zum Theil Formen von geringer Grösse. Schultergürtel
(Fig. 770) mit wohlentwickelter Clavicula nebst Episternum. Scapula
mit gering entwickeltem ventralem Fortsätze. Coracoidsymphyse ziemlich
kurz. Humerus mit Foramen ectepicondylare. Gliedmassen noch wenig
von Gehfüssen verschieden, Hand und Fuss kurz, Phalangenzahl nicht
vermehrt, doch scheinen Krallen am Vorderfüsse stets zu fehlen
(Schwimmfüsse). Hals- und vordere Rumpfrippen deutlich zweiköpfig.
Rippen kräftig, mitunter ganz auffallend dick.
Die hier aufgezählten Gattungen sind wohl Vertreter mehrerer Familien.
Die primitivsten Formen erinnern noch sehr an Rhynchocephala.
[Illustration: Fig. 770. Lariosaurus Balsami Cur. Muschelkalk von
Perledo. Schultergürtel von der Bauchseite (Orig.). b = Bauchrippen;
c = Coracoid; cl = Clavicula; e = Episternum; f = Foramen
ectepicondylare; h = Humerus; r = Rippen; s = Scapula; w = Wirbel.]
[Illustration: Fig. 771. Simosaurus Gaillardoti H. v. Meyer.
Muschelkalk von Crailsheim. Schädel von oben. A = Augenhöhle; F =
Scheitelloch; N = Nasenhöhle; S = obere Schläfenhöhle; fp + op =
Postfrontale + Postorbitale; l = Jugale; q = Quadratum; sq = Squamosum.]
Mesosaurus Gerv. Schädel verlängert, mit langen spitzen Zähnen. Rippen
auffallend dick, vielleicht unbeweglich. Fünf Tarsalia in der distalen
Reihe.
M. tenuidens Gerv. Karooformation (Trias) von Südafrika.
M. (Stereosternum) tumidus Cope. Trias (?) von Brasilien.
Lariosaurus Cur. (Fig. 770). Schädel sehr klein, nicht verlängert.
Coracoid ohne Einschnitt an dem etwas verbreiterten äusseren
(glenoidalen) Rande. (Pachypleura etc. sind ähnliche Formen.)
L. Balsami Cur. (Fig. 770). Schwarze Kalke (Muschelkalk) von Perledo
(Lombardei).
Nothosaurus Mnstr. (Fig. 772). Schädel langgestreckt, schmal, mit
ausserordentlich grossen Schläfengruben; vordere Zähne sehr verlängert.
Coracoid mit Einschnitt am äusseren Rande. Häufig in der deutschen
Trias.
N. mirabilis Mnstr. (Fig. 772). Deutscher Muschelkalk. Etwa 40 Fuss
lang.
N. Schimperi H. v. Meyer. Buntsandstein von Sulzbad im Elsass.
[Illustration: Fig. 772. Nothosaurus mirabilis Mnstr. Muschelkalk bei
Bayreuth. A Fangzahn (¹⁄₁). B Schädel von der Seite. A = Augenhöhle; N
= Nasenhöhle; S = Schläfenhöhle.]
Simosaurus H. v. Meyer (Fig. 771). Dem vorigen ähnlich, doch der
Schädel breiter; die Zähne mit kurzen kegelförmigen Kronen, unter der
Krone stark eingeschnürt. Lettenkohle und Muschelkalk.
S. Gaillardoti H. v. Meyer (Fig. 771). Muschelkalk von Crailsheim.
S. (Neusticosaurus) pusillus Fraas. Lettenkohlenkalke. Hoheneck.
2. Fam. Plesiosauridae.
Hierher gehören die grossen rhätischen, jurassischen und cretacischen
Formen mit langen Flossen (Fig. 769). Claviculae (? und Episternum)
fehlen; Scapula (s) mit mehr oder weniger umfangreichem ventralem
Fortsatze (? Präcoracoid). Coracoidsymphyse sehr lang. Humerus und
Femur distal sehr verbreitert, ohne Foramen; Radius und Ulna, Tibia und
Fibula verkürzt, plattenförmig; Hand und Fuss sehr lang, Phalangenzahl
stark vermehrt. Halsrippen oft einköpfig, zeigen Neigung unbeweglich zu
werden. Ansatzfläche für die Rippen liegt bei den vorderen Halswirbeln
am Centrum, wird bei den hinteren Halswirbeln von der neurocentralen
Naht durchschnitten und rückt bei den Rückenwirbeln ganz auf die oberen
Bögen, die einen kräftigen Querfortsatz (Fig. 773 q) tragen.
[Illustration: Fig. 773. Plesiosaurus dolichodeirus Conyb.
Rückenwirbel. q = Querfortsatz.]
Plesiosaurus Conyb. (Fig. 769 u. 773). Schädel ziemlich klein, mit
kurzer Unterkiefersymphyse, Hals schlangenförmig verlängert, aus 24-41
Wirbeln bestehend. Obere Bögen und Halsrippen fest durch Naht mit
dem Centrum verbunden. Halsrippen doppelköpfig; Halswirbel deutlich
biconcav. Ventrale Fortsätze der Scapula mässig, weit von einander
getrennt. Zähne lang und schlank, cylindrisch, gefurcht, aber ohne
stärkere Kanten. Rhät und Lias von Europa (? Kreide von Nordamerika);
namentlich der untere Lias von Lyme Regis hat eine Reihe von prachtvoll
erhaltenen, nahezu vollständigen Skeleten geliefert.
P. homalospondylus Owen. Oberer Lias von England und Frankreich.
P. dolichodeirus Conyb. (Fig. 769 u. 773) mit 41 Halswirbeln.
Unterer Lias von England.
P. macrocephalus Conyb. Unterer Lias von England.
Cimoliosaurus Leidy (= Elasmosaurus Cope) unterscheidet sich von
Plesiosaurus durch vollkommen verschmolzene obere Bögen und
Halsrippen, die alle einköpfig sind. Scapulae mit grossen ventralen
Fortsätzen, die eine mediane Symphyse bilden und sich dem Coracoid
anschliessen, so dass zwischen beiden nur eine paarige Lücke bleibt.
Jura und Kreide. Europa, Nord- und Südamerika, Neu-Seeland.
C. trochanterius Owen. Malm von England und Frankreich.
C. constrictus Owen. Von riesiger Grösse. Kreide von England,
Schweden, Russland.
C. platyurus Cope. 45 Fuss lang. Kreide von Kansas.
C. grandis Leidy. Kreide von Arkansas.
C. australis Owen. Kreide. Neu-Seeland.
Pliosaurus Owen. Schädel sehr gross, mit langer Unterkiefersymphyse.
Hals kurz, etwa 12 Wirbel. Obere Bögen und Halsrippen (vordere
zweiköpfig) locker mit dem Centrum verbunden. Halswirbel sehr kurz,
fast biplan. Ventraler Fortsatz der Scapula ziemlich stark entwickelt.
Zähne gross und dick, nur theilweise stark gefurcht, zweikantig,
vorderste Zähne verlängert. Hierher gehören riesige Formen mit Flossen
von 6 Fuss Länge. Dogger bis Kreide.
P. brachydirus Owen. Malm von England.
P. macromerus Phil. Die grösste Art. Oberer Malm und Kreide von
England und Frankreich.
Anhang: Fam. Placodontidae.
Von diesen merkwürdigen, früher zu den Fischen gerechneten Formen
ist ausser dem Schädel nichts mit Sicherheit bekannt. Schädel (Fig.
774) breit, kurz und sehr hoch gewölbt, mit sehr grosser oberer
Schläfenhöhle, während die untere noch überdacht ist. Die vorderen
(Schneide-)Zähne sind stumpf kegelförmig, die hinteren Maxillar- und
besonders die Palatinzähne, ebenso die Unterkieferzähne zu grossen
breiten Platten (Fig. 775) ausgebildet; der Schmelz erscheint meist
dunkelbraun bis schwärzlich. Diese Zähne sind nur in geringer Zahl
vorhanden.
Placodus Ag. (Fig. 774 u. 775) im deutschen Muschelkalk.
P. gigas Ag. Weit verbreitet im Muschelkalk.
P. hypsiceps H. v. Meyer (Fig. 774) und P. Andriani Mnstr. (Fig.
775) im Muschelkalk bei Bayreuth.
[Illustration: Fig. 774. Placodus hypsiceps H. v. M. Muschelkalk bei
Bayreuth. Schädel von der Seite. A = Augenhöhle; N = Nasenhöhle; S =
Schläfenhöhle. (Der Unterkiefer ist dem einer anderen Art entsprechend
reconstruirt.]
[Illustration: Fig. 775. Placodus Andriani Mnstr. Muschelkalk bei
Bayreuth. Bezahnung des Oberkiefers.]
4. Ordnung Testudinata.
Litteratur über Testudinata.
Cope, E. D. Tertiary Vertebrata I. Rep. United St. Geol. Surv. Vol.
III. 1884.
Gray, J. E. Catalogue of Shield Reptiles in the Coll. of Brit. Mus.
1855 und Supplement 1870.
Maak, A. Palaeontographica XVIII. 1869.
Rütimeyer, L. Die fossilen Schildkröten von Solothurn. Neue Denkschr.
d. Schweiz. Ges. f. Naturw. XXV. 1873.
Strauch, A. Chelonologische Studien. 1862, und Vertheilung der
Schildkröten über den Erdball. 1865. Mém. de l’Acad. de St.
Pétersbourg. T. V. u. VIII.
Schildkröten sind Reptilien, die von einem starren knöchernen Bauch-
und meist auch Rückenschilde bedeckt sind.
Das Rückenschild (Carapax) ist von den plattenförmig verbreiterten und
durch Nähte unbeweglich mit einander verbundenen oberen Dornfortsätzen
und Rippen hergestellt, zu denen noch dermale Platten treten können.
Es finden sich daran (Fig. 776) eine mittlere Reihe von meist 8
unpaaren Neuralplatten (n₁-n₈), die den oberen Dornfortsätzen der
Rückenwirbel entsprechen. An sie schliessen sich zu beiden Seiten die
aus den Rippen entstandenen paarigen Costalplatten (c₁-c₈). Meist
ist das Rückenschild von einem Kranze von Hautverknöcherungen, den
Marginal- oder Randplatten (m₁-m₁₁) umgeben, unter denen die vordere
mediane als Nuchal- oder Nackenplatte (nu), die hintere als Pygal-
oder Afterplatte (py) bezeichnet wird. Zwischen Pygal- und letzter
Neuralplatte können eine oder mehrere Supracaudalplatten (Fig. 781 sc)
auftreten.
Das Bauchschild oder Plastron (Fig. 777) besteht meist aus 9 dermalen
Knochenplatten, den vier paarig auftretenden Epi- (es), Hyo- (hs),
Hypo- (hp), Xiphiplastron (xs), und einem mittleren unpaaren
Entoplastron (em), das hinter den Epiplastron liegt[I]. Alle diese
Platten können mit einander durch Nähte innig und lückenlos verbunden
sein, oder es bleiben grössere oder kleinere Lücken (Fontanellen)
zwischen den einzelnen Platten (Fig. 776 u. 780). Bei vielen
Schildkröten finden sich solche Lücken nur in jugendlicherem Alter,
während sie beim erwachsenen Thiere sich schliessen; bei anderen Arten
sind sie das ganze Leben hindurch vorhanden.
[Illustration: Fig. 776. Eurysternum Wagleri H. v. M. Oberer Malm
von Solnhofen. Skelet von oben. c₁, c₄, c₈ = Costalplatten; hp =
Hypoplastron (Bauchschild); hs = Hyoplastron (Bauchschild); il = Ileum;
m₁, m₅, m₈, m₁₁ = Marginalplatten; n₁, n₄, n₈ = Neuralplatten; nu =
Nuchalplatte; py = Pygalplatte. Auf c₁, c₃, c₅, c₈ sind Eindrücke der
Hornschilder sichtbar.]
[Illustration: Fig. 777. Plesiochelys Etalloni Pict. Oberer Malm von
St. Claude (Schweiz). Bauchschild von aussen mit kleiner mittlerer
Fontanelle. em = Entoplastron; es = Epiplastron; hs = Hyoplastron; hp
= Hypoplastron; xs = Xiphiplastron; m = Marginalplatten. Die gezähnten
Linien sind Nähte zwischen den Platten, die einfachen Linien sind
Schilderfurchen auf den Panzerplatten.]
Zur Verbindung des Bauch- und Rückenschildes mit einander schickt das
Hyoplastron und Hypoplastron Fortsätze (Flügel) aus, die entweder
mit fingerförmigen Enden (Fig. 778 hs u. i) sich nur locker an das
Rückenschild legen, oder kräftige senkrecht aufsteigende Axillar-
und Inguinalpfeiler bilden, welche durch Ligament fester mit den
Marginal- und selbst Costalplatten verbunden sind; die ursprüngliche
Fontanelle zwischen beiden Flügeln kann verschwinden, manchmal unter
Bildung eines besonderen »Mesoplastron« (Fig. 782 ms). So entsteht
eine zusammenhängende Plastronbrücke, die zuletzt unter inniger
Nahtverbindung das Bauchschild unbeweglich mit dem Rückenschilde
vereinigen kann (Fig. 782).
[Illustration: Fig. 778. Idiochelys Fitzingeri H. v. M. Malm von Cirin
bei Lyon. Panzer von unten. a = Abdominalschild; c = Caudalschild; co
= nichtverbreitertes Rippenende der Costalplatten; f = Femoralschild;
g = Gularschild; h = Humeralschild; hs = Hyoplastronflügel; i =
Inguinalschild auf dem Hypoplastronflügel; m₁-m₁₁ = Marginalplatten;
p = Pectoralschild. Die gezackten Linien sind Nähte, die geraden sind
Eindrücke der Hornschilder.]
Dieser ganze Panzer ist beim lebenden Thiere selten mit weicher
Haut, meist mit Hornschildern bedeckt, welch letztere in ihrer
Umgrenzung durchaus nicht den Knochenplatten entsprechen. Die
Ränder der Hornschilder sind auf den Panzerplatten durch Furchen
angedeutet; man unterscheidet auf dem Rückenschilde meist (Fig.
781) 5 mediane Centralschilder (cs₁-cs₅) und 4 Paare von seitlichen
Pleuralschildern (p₁-p₄), die von 24 oder 25 Marginalschildern
(ms) umgehen sind, darunter in der Mittellinie ein unpaares
Nuchalschild vorn und ein paariges oder unpaares Analschild hinten.
Auf dem Bauchschilde finden sich (Fig. 778) von vorn nach hinten
die paarigen Gular-(g), Humeral-(h), Pectoral-(p), Abdominal-(a),
Femoral-(f) und Caudalschilder(c), zu denen noch auf dem Brückentheile
Inframarginalschilder (Fig. 782), darunter ein vorderes Axillar- und
ein hinteres Inguinalschild (Fig. 778 i), treten können, ausserdem vorn
ein medianes Intergularschild (Fig. 782 ig).
Alle Schildkröten besitzen 8 Halswirbel, 10 Rumpfwirbel, deren erster
und meist auch letzter nicht an der Bildung des Rückenpanzers Theil
nehmen, 2 Sacralwirbel und einen ziemlich kurzen Schwanz.
Neurocentrale Naht meist vorhanden. Hals- und Schwanzwirbel sehr
beweglich, amphicöl, procöl, opisthocöl und selbst biconvex. Die durch
Nähte von den Wirbeln getrennten Rumpf- und Sacralrippen sind
einköpfig und liegen meist intervertebral; am Halse sind sie ganz
rudimentär. Bei vielen Schildkröten findet sich noch ein
vollständiger, aber nicht skulptirter Kopfpanzer; bei anderen Formen
sind Schläfenlücken in der mannigfaltigsten Weise ausgebildet.
Das Hinterhauptsgelenk ist in Folge sehr starker Betheiligung der
Exoccipitalia dreitheilig. Quadratum unbeweglich; Foramen parietale
fehlt; Unterkieferäste mit einander verwachsen. Kiefer zahnlos und
von einer Hornscheide bedeckt. Schulter- und Beckengürtel liegen
innerhalb des Panzers (beim Embryo liegen sie noch vor und hinter den
zu Costalplatten werdenden Rippen). Scapula und Coracoid sind durch
Naht getrennt, die Scapula hat (wie Plesiosaurus) einen ventralen
Fortsatz nach vorn (Präcoracoid, oft als Clavicula bezeichnet). Von
den Beckenknochen schliessen die etwas plattenförmigen Scham- und
Sitzbeine oft ein Foramen obturatorium ein; bei den Pleurodira
können sie mit dem Bauchschild, das Darmbein mit dem Rückenschild
verschmelzen. Phalangenzahl sehr verschieden, Extremitäten als
Gehfüsse, Schwimmfüsse oder Flossen ausgebildet.
Fossil finden sich Schildkröten in grösserer Anzahl erst seit dem
oberen Jura, zwei verschiedene Formen auch schon im oberen Keuper;
häufig sind sie in der Kreide und im Tertiär, und noch jetzt in allen
Erdtheilen so wie in den tropischen Meeren verbreitet.
Die jurassischen Formen zeichnen sich in ihrer grossen Mehrheit aus
durch eine unvollständigere Entwickelung des Panzers, der grosse
Fontanellen zeigt oder nur ein schmales Bauchschild besitzt; unter den
jüngeren Formen überwiegen die mit vollständig entwickeltem Panzer
ohne Fontanellen weitaus.
Uebersicht der wichtigsten Familien fossiler Schildkröten:
A. Rippen (Costalplatten) von einander vollständig getrennt, keinen
Carapax bildend; Hautverknöcherungen über den Rippen.
1. Unterordnung Atheca.
Fam. Protostegidae.
B. Rippen mit einander durch Naht fest verbunden, einen Carapax bildend,
über dem keine Hautverknöcherungen liegen. Thecophora.
AA. Entoplastron quer bogenförmig, ohne medianen Fortsatz.
Panzerplatten mit grubiger Oberfläche (Fig. 779), von weicher
Haut bedeckt.
2. Unterordnung Trionychoidea.
Fam. Trionychidae.
BB. Entoplastron (selten fehlend) mit verlängertem medianem Theile,
meist rhomben-, T- oder kreuzförmig. Panzerplatten nicht
mit grubiger Oberfläche, von Hornschildern bedeckt.
I. Becken ohne Nahtverbindung mit dem Bauchschilde. Selten ein
Intergularschild. Kopf zurückziehbar in S-förmigem Bogen.
3. Unterordnung Cryptodira.
1. Keine festere Verbindung zwischen Bauch- und Rückenschild.
Plastronflügel mit geraden fingerförmigen Fortsätzen (Fig.
778). Dactyloplastra.
a. Phalangen mit Gelenken; alle Finger mit Krallen.
α. Bauchschild klein, kreuzförmig, ohne mittlere Fontanelle.
1. Fam. Chelydridae.
β. Bauchschild gross und breit, mit oder ohne mittlere
Fontanelle (Fig. 780).
2. Fam. Thalassemydae.
b. Phalangen der Vordergliedmassen ohne Gelenke, einige Finger
krallenlos (Flossen); Rücken- und Bauchschild mit grossen
Fontanellen.
3. Fam. Chelonidae.
2. Feste Ligament- oder Nahtverbindung zwischen Rücken- und
Bauchschild vermittelst der senkrecht vom Bauchschilde
aufsteigenden Axillar- und Inguinalpfeiler. Keine Fontanellen.
Clidoplastra.
a. Intergularschild vorhanden.
4. Fam. Platychelydae.
b. Intergularschild fehlt.
α. Finger mit 3 Phalangen; Schale flach.
5. Fam. Emydae.
β. Finger mit 2 Phalangen; Schale hoch gewölbt.
6. Fam. Testudinidae.
II. Becken mit Rücken- und Bauchschild verwachsen. Intergularschild
(Fig. 782) stets vorhanden. Kopf nicht zurückziehbar. Feste
Nahtverbindung zwischen Rücken- und Bauchschild.
4. Unterordnung Pleurodira.
1. Mesoplastron vorhanden, bis zur Mittellinie reichend (Fig.
782); Nuchalplatte fehlt.
1. Fam. Pleurosternidae.
2. Mesoplastron vorhanden, nicht bis zur Mittellinie reichend.
Nuchalplatte fehlt.
2. Fam. Pelomedusidae.
3. Mesoplastron fehlt (Fig. 777); Nuchalplatte vorhanden.
3. Fam. Plesiochelydae.
1. Unterordnung Atheca.
Rippen nicht mit einander verbunden, keinen starren Panzer (Carapax)
bildend. Plastron schwach entwickelt, Entoplastron fehlt. In der
Rückenhaut, oft auch in der das Plastron bedeckenden Bauchhaut liegen
besondere Knochenplatten. Trias bis Gegenwart. Diese Formen bilden
vielleicht einen besonderen Zweig der Testudinata, der sich unabhängig
von den übrigen mit einem Carapax versehenen Schildkröten (Thecophora)
entwickelt hat und in einer Art (Sphargis coriacea L.) noch lebend
sich findet.
Fam. Protostegidae.
Psephophorus H. v. Meyer. Die dorsalen und ebenso die ventralen
Hautplatten polygonal, einen mosaikartigen zusammenhängenden Panzer
bildend. Eocän bis Pliocän. Europa und Nordamerika.
P. rupeliensis van Beneden (3 Meter lang). Oligocän von Boom
(Belgien).
Protostega Cope. Nur dorsale Hautplatten bekannt, die mit einander
nicht zusammenhängen. Kreide.
P. gigas Cope (4 Meter lang). Kreide von Kansas.
2. Unterordnung Trionychoidea.
Fam. Trionychidae.
Panzer mit weicher Haut bedeckt, Oberfläche der Platten mit kleinen
Gruben (Fig. 779) besät. Entoplastron quer bogenförmig, ohne
medianen Fortsatz. Rückenschild flach und unvollständig, indem
zwischen den Rippenenden Lücken bleiben. Marginalplatten klein
oder fehlend. Bauchschild mit grossen medianen Fontanellen, nicht
in fester Verbindung mit dem Rückenschilde. Hyo- und Hypoplastron
mit fingerförmigen seitlichen Fortsätzen. Von den fünf Zehen der
Schwimmfüsse tragen höchstens drei Krallen; vierte Zehe mit mehr als
drei Phalangen. Kopf und Füsse nicht einziehbar. Die Trionychidae sind
Süsswasserschildkröten, von denen zahlreiche Arten noch in der alten
und neuen Welt leben. Fossil finden sie sich seit der Kreide, häufig
aber erst im Eocän.
[Illustration: Fig. 779. Trionyx rivosus Owen. Eocän von Hordwell Cliff
(England). Fünfte Costalplatte der linken Seite von oben; das Ende der
Rippe (r) ist nicht plattenförmig verbreitert.]
Trionyx Geoffr. (Fig. 779). Kreide bis Gegenwart.
T. priscus Leidy. Grünsand von New Jersey.
T. rivosus Owen (Fig. 779). Eocän von England.
T. guttatus Leidy. Bridger-Eocän von Nordamerika.
T. Teyleri Winkl. Miocän von Oeningen.
3. Unterordnung Cryptodira.
1. Fam. Chelydridae.
Brustschild schmal, kreuzförmig, ohne mittlere Fontanelle. Die schmalen
Plastronflügel mit fingerförmigen Fortsätzen. Finden sich tertiär in
Europa bis zum Miocän, sowie tertiär und lebend in Amerika.
Chelydra Schw. Tertiär in Europa, lebend in Amerika.
Ch. Murchisoni Bell. Miocän von Oeningen.
2. Fam. Thalassemydae.
Bauchschild gross, mit breiten Plastronflügeln. Im Rücken- oder im
Bauchschilde bleiben auch beim erwachsenen Thiere immer Fontanellen
(Fig. 780 u. 778). Gehfüsse, vollständig bekrallt, mit nicht mehr als
drei Phalangen an einem Finger (Fig. 776). Phalangen mit Gelenken
versehen. Die Thalassemydae sind reich vertreten in Jura und Kreide,
verschwinden aber mit der Tertiärzeit. Sie dürfen wohl als die
gemeinschaftlichen Stammformen der Cheloniden und Emyden angesehen
werden.
Idiochelys H. v. M. (Fig. 778). Bauchschild ohne mittlere, aber wie das
Rückenschild stets mit seitlichen Fontanellen. Höchstens 6 verkümmerte
Neuralplatten (wie bei vielen Pleurodira), so dass die Costalplatten
median zusammenstossen können. Von geringer Grösse. Jura von Europa.
I. Fitzingeri H. v. M. (Fig. 778). Lithographischer Schiefer von
Bayern und von Cirin bei Lyon.
[Illustration: Fig. 780. Thalassemys Hugi Rüt. Oberer Jura von
Neufchâtel. Bauchschild von aussen mit grosser Fontanelle (F) in der
Mitte. es = Epiplastron; hs = Hyoplastron; hp = Hypoplastron; xs =
Xiphiplastron.]
Thalassemys Rütim. (Fig. 780). Rückenschild sehr flach und herzförmig,
an Gestalt dem der Seeschildkröten ähnlich; Neuralplatten schmal und
kegelförmig, Costalplatten mit kaum vorragenden freien Rippenenden.
Centralschilder schmal. Bauchschild mit grossen Fontanellen. Zu dieser
Gattung gehören Thiere von sehr bedeutender Grösse aus dem oberen Jura
von Solothurn und Neufchâtel.
Th. Hugi Rütim. (Fig. 780). Oberer Malm von Solothurn und Neufchâtel.
Eurysternum Mnstr. (Fig. 776) ist Thalassemys sehr nahe verwandt, doch
von geringerer Grösse. Oberer Malm von Europa.
E. Wagleri H. v. M. (Fig. 776). Oberer Malm von Solnhofen und
Kelheim, sowie von Cirin.
3. Fam. Chelonidae.
Die Seeschildkröten scheinen aus den Thalassemydae hervorgegangen zu
sein unter vollständigerer Anpassung an das Seeleben. Die Gliedmassen
sind zu Flossen geworden durch Vermehrung der Phalangenzahl und Verlust
der Gelenke an den einzelnen Fingern, von denen mehrere krallenlos
sind. Sowohl das Rücken- wie das Bauchschild zeigt grosse Fontanellen,
die Schale ist flach und herzförmig. Bei einigen der älteren Formen
nimmt auch der erste und letzte Rumpfwirbel Antheil an der Bildung des
Rückenpanzers. Echte Seeschildkröten finden sich seit der Kreide, und
mehrere Arten bewohnen noch heute die wärmeren Meere.
Chelone Flemm. Acht Paar Costalplatten. Kreide bis Gegenwart.
Ch. Hoffmanni Gray. Obere Kreide von Mastricht.
Ch. subcarinata Gray. London-Clay (Eocän) von Sheppey.
Propleura Cope. Neun Paar Costalplatten. Kreide und Eocän.
P. sopita Leidy. Kreide von New-Jersey.
Osteopygis Cope. Zehn Paar Costalplatten. Kreide.
O. platylomus Cope. Kreide von New-Jersey.
4. Fam. Platychelydae.
Plastron ziemlich schmal, etwas an Chelydra erinnernd, doch sind die
Plastronflügel mit dem Rückenschilde durch Pfeiler und Nähte vereinigt.
Intergularschilder und Inframarginalschilder vorhanden, oft auch ein
Mesoplastron. Von dieser Familie dürften die Pleurodira abzuleiten
sein. Jura bis Eocän.
[Illustration: Fig. 781. Platychelys Oberndorferi Wagn. Malm von
Solothurn. Rückenschild von oben. c₁-c₈ = Costalplatten; cs₁-cs₈ =
Centralschilder; m₁-m₁₁ = Marginalplatten; ms = Marginalschilder;
n₁-n₈ = Neuralplatten; nu = Nuchalplatte; p₁-p₄ = Pleuralschilder;
py = Pygalplatte; sc = Supracaudalplatte. Die Höcker entsprechen den
einzelnen Schildern, während die Panzerplatten durch die gezackten
Nähte begrenzt sind.]
Platychelys Wagn. (Fig. 781) mit fünf Reihen von starken kegelförmigen
Höckern auf dem Rückenschilde. Mesoplastron und Supracaudalplatten (sc)
vorhanden. Oberer Jura.
P. Oberndorferi Wagn. Oberer Malm von Bayern und Solothurn.
Baëna Leidy. Mesoplastron vorhanden, bis zur Mittellinie reichend.
Supracaudalplatten fehlen. Die Anwesenheit eines paarigen
Intergularschildes und von fünf Paar Pleuralschildern steht fast
einzig da unter den Schildkröten. Eocän von Nordamerika.
B. undata und B. arenosa Leidy. Bridger-Eocän von Nordamerika.
Adocus Cope. Mesoplastron fehlt. Intergularschild einfach, sehr
gross, trennt die Gularschilder vollständig. Kreide von Nordamerika.
Ileum verwächst mit dem Carapax.
A. beatus Leidy. Kreide von New-Jersey.
5. Fam. Emydae.
Sumpfschildkröten mit flacher Schale ohne Fontanellen.
Plastronpfeiler ragen weit ins Innere der Schale und sind durch
Ligament mit dem Rückenschilde verbunden. Finger mit drei Phalangen.
Kreide bis Gegenwart. In Europa werden echte Emydae erst vom mittleren
Tertiär an häufiger.
Agomphus Cope. Inframarginalschilder vorhanden. Kreide von
Nordamerika.
A. turgidus Cope. Kreide von New-Jersey.
Emys Brongn. Keine Inframarginalschilder. Tertiär und lebend.
E. Wyomingensis Leidy. Bridger-Eocän von Nordamerika.
6. Fam. Testudinidae.
Landschildkröten mit höher gewölbter Schale; Plastronbrücke sehr
lang, Bauch- und Rückenschild sehr fest durch Nähte verbunden.
Plastronpfeiler ragen wenig ins Innere der Schale. Finger mit nur zwei
Phalangen, Gliedmassen säulenförmig. Tertiär und lebend, in Europa
erst im jüngeren Tertiär häufiger.
Testudo L. Ein Analschild. Tertiär und lebend in allen Welttheilen.
T. Escheri Pict. u. Humb. Miocän bei Winterthur (Schweiz).
T. antiqua Br. Obermiocän. Württemberg.
Hadrianus Cope. Zwei Analschilder. Tertiär von Nordamerika.
H. Corsoni Leidy. Bridger-Eocän von Nordamerika.
Colossochelys Falc. Zwei Analschilder. Tertiär von Indien.
C. atlas Falc. erreicht 4 Meter Länge; aus den Sivalik-Hügeln.
4. Unterordnung Pleurodira.
Das Becken der Lurchschildkröten (Chelydae) ist mit dem Rücken- und
Bauchschilde innig verbunden, indem das Darmbein mit der achten
Costalplatte, das Scham-, oft auch das Sitzbein mit dem Xiphiplastron
verwachsen. Sacralrippen atrophiren oder fehlen bei Erwachsenen
ganz. Plastronbrücke sehr stark, indem die aufsteigenden Pfeiler in
Nahtverbindung mit den Marginalplatten treten (Fig. 782), und auch auf
die Costalplatten oft ausserordentlich weit übergreifen. Neuralplatten
oft verkümmert, so dass die Costalplatten sich in der Mittellinie
berühren. Unpaares Intergularschild stets vorhanden. Diese Schildkröten
können den Kopf nicht unter die Schale zurückziehen, sondern biegen ihn
seitlich unter den Rand des Panzers.
[Illustration: Fig. 782. Pleurosternon Bullocki Gray. Purbeck von
England. Bauchschild und Randtheil des Rückenschildes in einer Ebene,
von unten. a = Abdominalschild; c = Caudalschild; en = Entoplastron; es
= Epiplastron; f = Femoralschild; g = Gularschild; h = Humeralschild;
hp = Hypoplastron; hs = Hyoplastron; ig = Intergularschild; m
= Marginalplatten; ms = Mesoplastron; p = Pectoralschild; xs =
Xiphiplastron. Die gezackten Striche sind Nähte, die geraden sind
Schilderfurchen.]
Es ist sehr wahrscheinlich, dass die echten Pleurodira von
Cryptodira abstammen. Uebergangsformen finden sich fossil: so
verbindet Adocus, bei der nur das Ileum verwächst, die Gattung
Plesiochelys, deren Ileum und Pubis verwächst, mit der Gattung
Platychelys, wo alle Elemente frei sind. Die pleurodiren Schildkröten
spielten fossil, besonders im oberen Malm eine sehr hervorragende
Rolle; die Mehrzahl der Schildkröten von Solothurn gehört hierher.
Diese älteren Formen zeichneten sich durch unvollständigere
Verknöcherung des Panzers, lange offen bleibende Fontanellen vor den
moderneren Pleurodira aus. Noch im Eocän sind sie in Europa zahlreich.
Heute finden sie sich ganz auf die südliche Halbkugel beschränkt, auf
Südamerika, Afrika und Australien.
1. Fam. Pleurosternidae.
Ein grosses, bis zur Medianlinie reichendes Mesoplastron (Fig.
782 ms) vorhanden. Neuralplatten wohlentwickelt; dahinter zwei
Supracaudalplatten. Keine Nuchalplatte. Inframarginalschilder
vorhanden. Jura und Kreide.
Pleurosternon Gray (Fig. 782). Jura und Kreide.
P. Bullocki Gray (Fig. 782). Purbeck von England.
P. danubiana H. v. M. Grünsand von Kelheim.
2. Fam. Pelomedusidae.
Neuralplatten unvollständig (6-7); eine Supracaudalplatte. Keine
Nuchalplatte; Mesoplastron vorhanden, erreicht die Medianlinie nicht.
Keine Inframarginalschilder. Kreide bis Gegenwart.
Taphrosphys Cope. Kreide von Nordamerika.
T. molops Cope. Grünsand von New-Jersey.
Podocnemis Wagl. Eocän von England und Indien; lebend in Südamerika.
P. Bowerbanki Owen. London-Clay von England.
P. Delabechi Bell. (= P. Conybeari Owen). Ebenda.
3. Fam. Plesiochelydae.
Kein Mesoplastron. Neuralplatten wohlentwickelt. Mehrere
Supracaudalplatten. Nuchalplatte vorhanden, ebenso
Inframarginalschilder. Jura und Kreide.
Plesiochelys Rütim. (Fig. 777). Schale kreis- bis eiförmig; acht
ungefähr kegelförmige Neuralplatten, denen noch drei Supracaudalplatten
folgen. 11 Paar Randplatten, eine breite Nuchal- und eine kleine
Pygalplatte. Plastronbrücke etwa von der dritten bis zur siebenten
Randplatte reichend. Bauchschild oft mit Fontanellen. Hyoplastron sehr
gross. Sitzbein frei bleibend. Von bedeutender Grösse. Malm und untere
Kreide.
P. Etalloni Pictet (Fig. 777). Oberer Malm von Solothurn und St.
Claude (Schweiz); ähnliche Formen im englischen Purbeck.
P. Solodurensis Rütim. Malm von Solothurn und Hannover.
P. Sanctae-Verenae Rütim. Ebenda und Wälderformation von England.
* * * * *
Von hohem Interesse ist die leider nur in einem unvollständigen
Steinkern erhaltene, bisher älteste Schildkröte, Psammochelys Keuperina
Quenst. (= Proganochelys Quenstedti Baur) aus dem Keupersandstein
von Württemberg. Rücken- und Bauchpanzer gut entwickelt, und nur
der lange Brückentheil scheint mehrere Fontanellen besessen zu
haben; Plastronpfeiler scheinen wie bei Pleurodira weit ins Innere
vorzuspringen. Rückenpanzer an den Seiten stark gewölbt, dagegen von
vorn nach hinten fast gerade, so dass die vordere wie hintere Oeffnung
des Panzers ungleich anderen Schildkröten auffallend hoch ist; ferner
scheint das Schulterblatt nicht innerhalb des Panzers, sondern noch
vor der ersten panzerbildenden Rippe gelegen zu haben. Diese beiden
Eigenschaften sind embryonale Charaktere, die sich unter den übrigen
Schildkröten nur im fötalen Zustande finden; sie würden, wenn sie sich
bestätigen, genügen, Psammochelys nicht nur als die älteste, sondern
auch als die am primitivsten gebaute Schildkröte zu bezeichnen.
Fußnoten:
[I] Ento- und Epiplastron entsprechen wohl den mittleren und seitlichen
Thoracalplatten der Stegocephala oder dem Episternum und den Claviculae
anderer Quadrupeda.
5. Ordnung Ichthyopterygia.
Diese merkwürdigen Fischsaurier ähnelten in Gestalt (Fig. 783)
und Lebensweise durchaus unseren heutigen Delphinen und Walen,
deren Rolle sie zur Secundärzeit vertraten. Es sind die am besten
an das Leben im Meere angepassten Reptilien, deren Abstammung von
Rhynchocephala-ähnlichen Landbewohnern viele Wahrscheinlichkeit
hat. Die vielen Analogien zwischen ihnen und den Meersäugethieren
(spindelförmige Körpergestalt, verlängerte Kiefer, grosser Kopf,
kurzer Hals, rudimentäre Gelenkfortsätze, flossenartige Gliedmassen,
rudimentäre hintere Gliedmassen, mächtiger Schwanz, zahlreiche kurze
Wirbel, nackte Haut) sind durch Anpassung an die gleiche Lebensweise zu
erklären. Die übrigen Charaktere sind meist die primitiver Sauropsiden,
ähnlich den Rhynchocephala.
[Illustration: Fig. 783. Ichthyosaurus quadriscissus Quenst.
Posidonienschiefer von Boll in Württemberg. Skelet eines sehr jungen
Individuums (Orig.). A Koprolith.]
Die zahlreichen Wirbel (Fig. 786) sind auffallend biconcav,
scheibenförmig (brettsteinförmig), viel höher als lang, mit den oberen
Bögen locker verbunden. Brustbein und Sacrum fehlen, daher sind nur
Rumpf- und Schwanzwirbel zu unterscheiden. Rumpfrippen zweiköpfig
(Fig. 787), Schwanzrippen einköpfig (Fig. 788). Die warzenartigen
Rippenträger (o u. u) liegen an den Seiten des Wirbelcentrums (k).
Am Schädel (Fig. 789) ist nur die obere Schläfenlücke (S) vorhanden,
während die untere von einem gesonderten Supratemporale (ts) überdacht
ist. Schnauze auffallend verlängert, oft zu einem dünnen Schnabel
ausgezogen, wesentlich vom Intermaxillare (im) gebildet, weshalb die
Nasenöffnungen (N) weit nach hinten liegen. Augenhöhle ausserordentlich
gross, mit mächtigem Scleroticalring (sc). Foramen parietale (F)
vorhanden; Quadratum (q) unbeweglich. Zähne meist in grosser Zahl
vorhanden, conisch, meist gefurcht (Fig. 790), in Alveolarrinnen
stehend (Fig. 784 -- holcodont); sie sind auf die Kieferränder
beschränkt. Unterkiefersymphyse oft sehr lang. Schultergürtel (Fig.
785 A) sehr kräftig entwickelt, aus Scapula (sc), grossem Coracoid
(co), Clavicula (cl) und T-förmigem Episternum (e) bestehend; ein
Sternum ist nicht vorhanden. Die vorderen Gliedmassen sind zu grossen
Flossen entwickelt, indem mit Ausnahme des Humerus (h) alle Knochen
zu rundlichen oder polyedrischen Platten ausgebildet sind, die ohne
Gelenkbildung zusammenstossend, unter beträchtlicher Vermehrung der
Phalangenzahl, mitunter auch der Fingerzahl, eine mosaikartige Fläche
darstellen. Finger ohne Krallen. Aehnlich, aber oft viel kleiner,
selbst rudimentär, sind die hinteren Gliedmassen (Fig. 785 B), die
an einem aus schwachen Knochenstäben gebildeten Becken (Fig. 785 C)
hängen, welches sich nicht mehr an Wirbeln befestigt. Am Vorderrande
der Gliedmassen sind oft mehrere Knochen gekerbt (Fig. 785 B).
Bauchrippen in grosser Anzahl, jede aus zahlreichen Theilen bestehend.
Haut nackt, nur der Vorderrand der Brustflossen mit einer Reihe von
Hornschuppen versehen.
[Illustration: Fig. 784. Ichthyosaurus tenuirostris Conyb. Unterkiefer
mit Zähnen.]
[Illustration: Fig. 785. A Ichthyosaurus intermedius Conyb.
Schultergürtel mit Vorderflosse. B I. multiscissus Quenst.,
Hinterflosse. C I. intermedius Conyb., Beckengürtel. cl = Clavicula;
co = Coracoid; e = Episternum; f = Femur; fi = Fibula; h = Humerus; il
= Ileum; is = Ischium; p = Pubis; r = Radius; sc = Scapula; t = Tibia
(gekerbt wie die äussere Reihe der übrigen Fussknochen); u = Ulna.]
[Illustration: Fig. 786. Zwei vordere Rumpfwirbel mit den oberen Bögen,
halb von hinten.]
[Illustration: Wirbel von Ichthyosaurus.
Fig. 787. Hinterer Rumpfwirbel, von vorn.]
[Illustration: Fig. 788. Vorderer Schwanzwirbel, von der Seite.
Bezeichnungen: h = Ansatzfläche für die unteren Bögen; k =
Wirbelkörper; n = obere Bögen; n’ = Ansatzfläche für dieselben; o und u
= Rippenträger für doppelköpfige Rippen, r = für eine einköpfige; z =
Gelenkfortsatz.]
Die wesentlich aus Fischresten (besonders Schuppen) bestehenden
Excremente (Fig. 783 A -- Koprolithe) zeigen Spiralfalten.
Die Ichthyopterygier waren wahrscheinlich lebendig gebärend; sie finden
sich von der Trias bis zur Kreide. Einzige
Fam. Ichthyosauridae.
Mixosaurus Baur. Mit wohlentwickelten Zähnen. Humerus articulirt
distal nur mit Radius und Ulna, die länger als breit und durch einen
Zwischenraum von einander getrennt sind. Trias.
M. Cornali Bass. Trias von Besano in Italien.
[Illustration: Fig. 789. Ichthyosaurus tenuirostris Conyb. Oberer Lias
von Württemberg. Schädel von der Seite und von oben, etwas schematisch.
ang = Angulare; art = Articulare; d = Dentale; F = Foramen parietale; f
= Frontale; fa = Praefrontale; fp = Postfrontale; im = Intermaxillare;
j = Jugale; l = Lacrymale; m = Maxillare; N = Nasenöffnung; n =
Nasale; op = Postorbitale; os = Occipitale superius; p = Parietale;
q = Quadratum; qj = Quadratojugale; S = obere Schläfengrube;
sa = Supraangulare; sc = Scleroticalring; sq = Squamosum; ts =
Supratemporale.]
Ichthyosaurus König (Fig. 783-792). Zähne wohlentwickelt. Humerus
articulirt distal nur mit Radius und Ulna, welche nicht länger als
breit sind und keinen Zwischenraum zwischen sich lassen. Hierher
gehören bereits triasische Formen, ausserordentlich gut ist diese
Gattung aber im Jura vertreten, besonders ist der deutsche und
englische Lias überaus reich an Resten dieser Thiere. Vor allem bekannt
durch die vorzüglich erhaltenen vollständigen Ichthyosaurenskelete sind
die Posidonienschiefer von Boll in Württemberg und der untere Lias
von Lyme Regis in England. Auch in der Kreide ist die Gattung noch
vorhanden.
I. atavus Quenst. Muschelkalk (Wellendolomit) des Schwarzwaldes, ist
nur sehr unvollständig bekannt.
a. Arten mit langen, schmalen, vierfingerigen Vorderflossen, deren
Radius quadratisch und meist gekerbt ist. Lias.
I. acutirostris Owen (? = quadriscissus Quenst. Fig. 783). Zähne
klein, cylindrisch, mit gefurchter Krone und Wurzel; Schnauze etwa
dreimal so lang als die Orbita. Oberer Lias von Württemberg, Bayern,
England.
I. tenuirostris Conyb. (Fig. 789 u. 790 B), etwa 12 Fuss lang
(Schnauze etwa viermal), und I. latifrons König (Schnauze etwa
sechsmal so lang als die Orbita). Zähne sehr klein. Unterer und oberer
Lias von Württemberg und England.
I. platyodon Conyb. (? = multiscissus Quenst. Fig. 785 B). Zähne
gross, stumpf, mit glatter zweikantiger Krone und dicken,
cementbedeckten Wurzeln. Die grösste Art im unteren Lias von England
und Württemberg (gegen 30-40 Fuss lang).
I. trigonodon Theod. Aehnlich, aber Zahnkrone dreikantig. Schädel
bis 6 Fuss lang. Oberer Lias von Bayern (Banz), Württemberg und
England.
[Illustration: Zähne von Ichthyosaurus.
Fig. 790. A I. posthumus (?) Wagner. Malm von Württemberg. B I.
tenuirostris Conyb. Oberer Lias von Württemberg.]
[Illustration: Fig. 791. I. communis Conyb. Unterer Lias von Lyme
Regis. (⅔).]
[Illustration: Fig. 792. I. campylodon Carter. Untere Kreide von
Folkestone, Kent. (⅔).]
b. Arten mit kurzen, breiten, fünf- oder mehrfingerigen
Vorderflossen, deren Radius breiter als lang und ungekerbt ist.
I. communis Conyb. (Fig. 791), etwa 20 Fuss lang, mindestens
siebenfingerig, und I. intermedius Conyb. (Fig. 785 A u. C), bis 7
Fuss lang. Zähne cylindrisch, ohne Cement, Krone und Wurzel gefurcht.
Unterer Lias von Württemberg (?) und England.
I. leptospondylus und I. posthumus (Fig. 790 A) Wagn. Zahnwurzeln
mit Cement bedeckt. Lithographischer Schiefer von Bayern.
I. campylodon Carter (Fig. 792). Zähne sehr gross, Wurzel
knollenartig verdickt, von Cement bedeckt, Krone grob gefurcht. Kreide
von Europa.
Baptanodon Marsh. Zahnlos (höchstens rudimentäre Zähne bei jugendlichen
Exemplaren). Sämmtliche Extremitätenknochen mit Ausnahme des Humerus
und Femur bestehen aus rundlichen Scheiben, deren drei (Radius,
Intermedium und Ulna) an den Humerus grenzen. Oberer Jura von
Nordamerika.
B. natans Marsh. Oberer Jura von Wyoming.
6. Ordnung Streptostylica.
Die Streptostylica, zu denen die eidechsen- und schlangenartigen
Reptilien der postjurassischen Zeiten gehören, schliessen sich
durch ihre primitiveren Formen, die Lacertilia, vielfach eng an
die Rhynchocephala an und können als deren modernisirte Nachkommen
betrachtet werden. Die Wirbel sind nur selten mehr amphicöl, fast
immer procöl und vollständig verknöchert; sämmtliche Rippen sind
einköpfig und articuliren an einem kurzen Querfortsatze (Fig. 795 r).
Ausser den gewöhnlichen Gelenkfortsätzen tritt vielfach oberhalb der
vorderen Zygapophyse noch ein keilförmiger Fortsatz (Zygosphen -- Fig.
795 z) auf, der in eine Grube (Zyganthrum) an der Hinterseite des
vorhergehenden Wirbelbogens passt. Quadratbein durch ein proximales
Gelenk beweglich mit dem Schädel (Opisthoticum) verbunden; unterer
Schläfenbogen fehlt stets (mit ihm das Quadratojugale), oft auch der
obere. Zwischenkiefer klein und mit einander verwachsen; Foramen
parietale fehlt oft. Grosse Gaumenlücken. Foramen ectepicondylare
oft vorhanden. Bauchrippen fehlen stets. Im übrigen sind die
Verhältnisse der Vorder- und Hintergliedmassen, des Schulter- und
Beckengürtels, des Sternum und Sacrum (so weit sie nicht rudimentär
werden), wenigstens bei den primitiveren Formen, den Eidechsen sehr
ähnlich den Rhynchocephala. Bezahnung stets acrodont, bez. pleurodont.
Streptostylica sind mit Sicherheit erst seit der Kreide bekannt,
doch ist bei manchen präcretacischen, ungenügend erhaltenen Formen
schwierig zu entscheiden, ob sie noch zu den Rhynchocephala oder schon
zu den Streptostylica gehören. Die letzteren sind in der Gegenwart
ausserordentlich reich entwickelt. Sie haben sich in drei grosse
Hauptgruppen (Unterordnungen) gespalten:
1. Bekrallte Gehfüsse oder, wo solche rudimentär sind, Schultergürtel
und Brustbein vorhanden.
1. Unterordnung Lacertilia.
2. Kleine, aber wohlentwickelte krallenlose Schwimmfüsse.
2. Unterordnung Pythonomorpha.
3. Ohne freie Extremitäten, ohne Brustbein und Schultergürtel.
3. Unterordnung Ophidia.
Zu den Lacertilia gehören die primitiveren Formen, während die
Pythonomorpha und Ophidia als zwei stark specialisirte Seitenzweige
derselben anzusehen sind.
1. Unterordnung Lacertilia.
Die Eidechsen sind Landthiere, meist von geringer Grösse mit
bekrallten, kurzen Gehfüssen und mit Gliedmassengürteln nach dem Typus
der Rhynchocephala oder, wenn die Füsse fehlen, noch mit Schulter- und
Beckengürtel, sowie einem Sternum versehen. Nur bei den Ascalabotae
sind die Wirbel noch biconcav. Der vordere Theil der Hirnkapsel ist
nicht verknöchert. Unterkiefersymphyse vorhanden. Hals kurz. Echte
Eidechsen mögen schon zur Secundärzeit existirt haben, doch sind solche
zu ungenügend erhalten, um eine sichere Trennung von den Rhynchocephala
zu ermöglichen, von denen sie jedenfalls abzuleiten sind. Im Tertiär
sind ihre Reste nicht häufig; ihre Blüthezeit haben sie in der
Gegenwart erreicht, wo sie in zahlreichen Arten und Familien über die
ganze Erde verbreitet sind.
2. Unterordnung Pythonomorpha.
Hierher gehören schlangenartige Reptilien von gewaltiger Grösse, welche
die Meere der Kreidezeit belebten und für diese Formation höchst
charakteristisch sind. Ihre Reste finden sich in Europa, Nord- und
Südamerika und Neu-Seeland; ganz besonders reich daran ist die Kreide
von Kansas (Niobrara-Epoche mit 26 Arten), wo eine grössere Anzahl
vollständiger Skelete gefunden wurde.
[Illustration: Fig. 793. Clidastes tortor Cope. Kreide von Kansas.
Schädel von der Seite. ang = Angulare; art = Articulare; cor =
Coronoid; d = Dentale; f = Frontale; fa = Praefrontale; fp =
Postfrontale; im = Intermaxillare; m = Maxillare; op = Opisthoticum;
o.s = Occipitale superius; p = Parietale; pt = Pterygoid; q =
Quadratum; sq = Squamosum.]
Körper schlangenartig gestreckt, Hals lang, Schwanz ausserordentlich
lang. Wirbel sehr zahlreich, procöl, die Schwanzwirbel mit unteren
Bögen; Gelenkfortsätze oft rudimentär. Schädel (Fig. 793) verlängert;
oberer Schläfenbogen, Foramen parietale, sowie Scleroticalring
vorhanden. Nasenbeine verwachsen. Hirnkapsel unvollständig verknöchert.
Die sehr dünnen und schlanken Unterkieferäste sind nicht mit einander
verbunden, sondern gegen einander leicht beweglich; ausserdem ist jeder
derselben auch etwa in der Mitte seiner Länge beweglich, indem das den
vorderen Theil bildende Dentale (d) und Spleniale in gelenkartiger
Verbindung steht mit dem dahinter gelegenen Coronoid (cor) und Angulare
(ang); infolge davon ist die Mundöffnung einer grossen Erweiterung
fähig. Zähne finden sich auf Maxillare (m), Pterygoid (pt) und Dentale
(d), je eine Reihe bildend; auf den verwachsenen Intermaxillaria
(im) meist jederseits zwei Zähne. Jeder der spitzen hakenförmigen
Kieferzähne auf einem besonderen knöchernen Sockel festgewachsen.
Die Gliedmassen (Fig. 794) sind verhältnissmässig sehr klein, zu
krallenlosen Flossen ausgebildet, die fünf Zehen weit gespreizt, die
Phalangenzahl vergrössert und die einzelnen Theile ohne Gelenkbildung
verbunden. Es existirt ein Sternum (st), und der Schultergürtel besteht
aus Scapula (sc) und Coracoid (co). Ein Sacrum ist fast nie vorhanden,
das Becken (Fig. 794 B) besteht aus dünnen, nicht mit einander
verwachsenen Knochen.
Mosasaurus Cuv. Wirbel ohne Zygosphen; untere Bögen z. Th. mit den
Schwanzwirbeln verwachsen. Kreide von Mastricht und Nordamerika. Manche
Arten werden bis 70 Fuss lang.
M. Camperi Meyer. Von 25 Fuss Länge. Kreide von Mastricht.
M. Dekayi Bronn. Obere Kreide von New-Jersey.
[Illustration: Fig. 794. Platecarpus simus Marsh. Kreide von Kansas. A
Vorder-, B Hinterextremität. co = Coracoid; f = Femur; fi = Fibula; h =
Humerus; il = Ileum; is = Ischium; p = Pubis; r = Radius; sc = Scapula;
st = Sternum; t = Tibia; u = Ulna.]
Clidastes Cope (Fig. 793) mit den gewaltigsten Arten der Familie;
Wirbel mit Zygosphen; untere Bögen verwachsen. Kreide von Nordamerika.
C. tortor (Fig. 793) Cope, etwa 30 Fuss lang, C. stenops Cope.
Kreide von Kansas.
Platecarpus Cope (Fig. 794). Wirbel ohne oder mit rudimentärem
Zygosphen und kräftigen Zygapophysen. Untere Bögen frei. Zähne
kegelförmig. Kreide von Nordamerika, Europa und Neuseeland.
P. simus Marsh (Fig. 794) und P. coryphaeus Cope. Kreide von Kansas.
Liodon Owen. Intermaxillare verlängert zu einem zahnlosen Rostrum.
Wirbel ohne Zygosphen, mit schwachen Zygapophysen. Untere Bögen frei.
Zähne zweischneidig. Kreide von Europa, Nordamerika und Neuseeland.
L. anceps Owen. Kreide von Europa.
L. proriger Cope. Kreide von Kansas.
3. Unterordnung Ophidia.
Bei den Schlangen ist der Körper sehr verlängert, und die Gliedmassen
fehlen vollständig mitsammt den Gliedmassengürteln und dem Sternum
(höchstens sind Rudimente der Hinterfüsse vorhanden). Die sehr
zahlreichen, stark procölen Wirbel (Fig. 795) besitzen neben den
gewöhnlichen Gelenkfortsätzen weitere Gelenkverbindung mittelst
Zygosphen (z, oben) und Zyganthrum. Kein Sacrum; Schwanzwirbel
ohne untere Bögen. Die ganze Hirnkapsel ist wohl verknöchert; der
obere Schläfenbogen, überhaupt der ganze postorbitale Theil des
ursprünglichen Kopfpanzers fehlt, ausser den Parietalia und dem
hinteren Augenrande; kein Foramen parietale. Die zahntragenden
Oberkiefer-, Gaumen- und Flügelbeine sind nur locker mit dem Schädel
verknüpft und an demselben beweglich; das bewegliche Quadratum wird
von dem ebenfalls beweglich gewordenen Opisthoticum (meist Squamosum
genannt) getragen; die schwachen Unterkieferäste sind meist nur durch
elastische Bänder mit einander verbunden, und die Mundhöhle ist infolge
dessen einer ausserordentlichen Erweiterung fähig.
Fossile Reste von Schlangen sind erst seit dem Eocän bekannt, doch
nirgends besonders wichtig für den Paläontologen. In der Gegenwart sind
Schlangen in grosser Mannigfaltigkeit über die ganze Erde verbreitet.
Palaeophis Owen (Fig. 795). Wahrscheinlich marin. Eocän.
P. typhaeus Owen (Fig. 795). Londonthon von England.
[Illustration: Fig. 795. Palaeophis typhaeus Owen. Londonthon
von England. Rumpfwirbel von der Seite. d = oberer Dornfortsatz;
h = hinterer Gelenkhöcker des Wirbelkörpers; r = Querfortsatz
(Rippenträger); z = vordere Zygapophyse (unten) und Zygosphen (oben);
z’ = hintere Zygapophyse.]
7. Ordnung Pterosauria.
Die Flugsaurier (Fig. 796) sind mesozoische Reptilien, deren vordere
Gliedmassen unter gewaltiger Entwickelung des fünften Fingers zu
Flugorganen umgebildet sind, und die infolge ähnlicher Lebensweise
mancherlei Analogien mit echten Vögeln zeigen, ohne deshalb eine
innigere Verwandtschaft mit denselben zu verrathen (Ornithosauria).
Ihre Abstammung ist noch ganz dunkel; sie treten zuerst im Jura auf und
erlöschen in der Kreide.
Die Knochen sind lufthaltig. Wirbel procöl, vollkommen verknöchert;
Hals lang, aus verhältnissmässig wenigen, aber sehr grossen Wirbeln
zusammengesetzt. Sacrum aus 3-6 Wirbeln verwachsen. Die vorderen Rippen
zweiköpfig, mit einem breiten Sternum (Fig. 797 B) in Verbindung, das
einen wohlentwickelten Kiel besitzt; Halsrippen manchmal vorhanden.
Kopf auffallend gross. Der Hinterkopf vogelähnlich gewölbt und die
Nähte früh verwachsen; Hinterhauptsgelenk kugelig, an der Schädelbasis.
Kiefer sehr lang, die stark entwickelten Zwischenkiefer und die dünnen
Unterkieferäste verwachsen. Die beiden seitlichen Schläfenbögen und
Schläfengruben vorhanden; Quadratum unbeweglich. Foramen parietale
fehlt. Augenhöhlen sehr weit, mit grossem Scleroticalring (Fig. 798);
zwischen ihnen und den grossen, weit hinten gelegenen Nasenhöhlen (N)
findet sich noch eine Thränenhöhle (L).
[Illustration: Fig. 796. Pterodactylus spectabilis H. v. M.
Lithographischer Schiefer von Solnhofen. Skelet von der Bauchseite. A
= Augenhöhle; L = Thränenhöhle; N = Nasenhöhle; b = Bauchrippen; c =
Carpus; co = Coracoid; h = Humerus; il = Ileum; mc = Metacarpus; p =
Pubis; sc = Scapula; st = Sternum; I-V = 1.-5. Finger bez. Zehe (an der
Hand: I = Spannknochen).]
Am Schultergürtel (Fig. 796) fehlt Clavicula und Episternum; Scapula
(sc) dünn und säbelförmig, Coracoid (co) schmal und lang. Der kräftige
Humerus (h) ohne Foramen, Radius und Ulna gleich lang und getrennt.
Den wenigen Carpalknochen (c) folgen vier dicht an einander gelegte,
aber nicht verwachsene Metacarpalia (mc); der sogenannte Spannknochen
(I) ist vielleicht das Rudiment eines ersten Metacarpale. Die vier
Finger besassen 2, 3, 4, 4 Phalangen, die drei ersten Finger sind sehr
kurz und trugen starke Krallen; der äusserste (fünfte) Finger ist
krallenlos, seine vier Phalangen dick und ausserordentlich verlängert;
dieser Finger trug eine Flughaut, die wie bei Fledermäusen bis zu den
Hinterfüssen gespannt war. Beckenknochen nicht mit einander verwachsen,
Ileum (il) wie bei Vögeln nach vorn und hinten vom Hüftgelenk
verlängert. Ober- und Unterschenkel ziemlich lang, Fibula mit der
Tibia verwachsen. Am Hinterfusse sind die vier ersten Zehen dünn, aber
wohlentwickelt und bekrallt, mit 2, 3, 4, 5 Phalangen, die fünfte Zehe
(V) ist krallenlos mit zwei Phalangen, oder rudimentär. Bauchrippen (b)
sind wohlentwickelt, ihre Anzahl übertrifft die der Rumpfwirbel nicht.
Die Haut scheint nackt gewesen zu sein.
Es lassen sich drei Familien unterscheiden:
Zähne in Alveolen; Schwanz sehr lang. 1. Fam. Rhamphorhynchidae.
Zähne in Alveolen; Schwanz rudimentär. 2. Fam. Pterodactylidae.
Zahnlos. 3. Fam. Pteranodontidae.
1. Fam. Rhamphorhynchidae.
Diese Formen (Fig. 797) zeigen noch den ursprünglichsten Bau. Hals
verhältnissmässig kurz; drei bis fünf Sacralwirbel. Thränengrube (L)
durch Knochenbrücken noch vollständig abgeschlossen gegen die Augen-
(A) und Nasenhöhle (N). Metacarpalia viel kürzer als die Hälfte des
Unterarmes, Schambeine lang und knieförmig gebogen. Die fünfte Zehe der
Hinterfüsse (V) lang und zum Spannen der Flughaut dienlich; Schwanz
sehr verlängert und von einer Scheide verknöcherter Sehnen umgeben,
daher unbeweglich. Zähne auch am hinteren Theil der Kiefer, wenigstens
zum Theil sehr lang und dolchförmig. Jura (und Kreide?) von Europa.
[Illustration: Fig. 797. A Dimorphodon macronyx Buckl. Unterer Lias von
Lyme Regis. Skelet von der Seite. A = Augenhöhle; L = Thränengrube; N =
Nasenhöhle; S = untere Schläfengrube; I-V = Zehen; F = Flugfinger; h =
Humerus; s = Scapula; u = Ulna. B Sternum von Rhamphorhynchus.]
Dimorphodon Owen (Fig. 797 A). Die hinteren Zähne kürzer als die sehr
verlängerten vorderen; Kieferspitze bezahnt und nicht verlängert.
Englischer Lias.
D. macronyx Buckl. (Fig. 797 A). Unterer Lias von Lyme Regis.
Rhamphorhynchus H. v. Meyer (Fig. 797 B u. 798) mit zahnloser
verlängerter Spitze des Ober- und Unterkiefers, die wahrscheinlich eine
Hornscheide trug. Zähne lang, dolchförmig, nach vorn gerichtet. Flügel
sehr lang und schmal. Ischium und Ileum verwachsen. An einer Art wurde
von Marsh ein verticales rhombisches Segel nahe dem Ende des langen
Schwanzes nachgewiesen, das durch die oberen und unteren Dornfortsätze
von 16 Wirbeln gestützt war. Hauptfundort dieser Formen ist der
lithographische Schiefer (Malm) von Bayern.
Rh. Münsteri Goldf. und Rh. Gemmingi H. v. Meyer (Fig. 798).
Lithographischer Schiefer von Eichstätt.
In der Gattung Ornithochirus Seel. werden eine Anzahl unvollständig
bekannter Pterosauria aus der englischen Kreide vereinigt.
[Illustration: Fig. 798. Rhamphorhynchus Gemmingi H. v. M.
Lithographischer Schiefer von Solnhofen. Schädel von der Seite. A =
Augenhöhle mit Scleroticalring; L = Thränenhöhle; N = Nasenhöhle.]
2. Fam. Pterodactylidae.
Schädel (Fig. 796) sehr vogelähnlich, nur an der Spitze der Kiefer
mit feinen Zähnchen bewaffnet. Thränengrube klein, mit der Nasenhöhle
in offener Verbindung. Unterarm viel länger als Oberarm, Metacarpalia
länger als der halbe Unterarm. Schambeine (p) kurz, gestielt, vorn
schaufelförmig; die fünfte Hinterzehe rudimentär, ebenso der Schwanz.
Malm.
Pterodactylus Cuv. (Fig. 796). Von Sperlings- bis Rabengrösse. Die
meisten und besterhaltenen Exemplare stammen aus dem lithographischen
Schiefer von Bayern.
P. antiquus Sömm. (= longirostris Cuv.). P. Kochi Wagn., P.
spectabilis H. v. M. (Fig. 796) u. a. Mit langer schlanker Schnauze.
Lithographischer Schiefer (Malm) von Bayern.
P. (Ptenodraco) brevirostris Sömm. Von Sperlingsgrösse, mit sehr
kurzer Schnauze. Malm von Kelheim.
P. (Cycnorhamphus) suevicus Quenst. Mit breiter langer Schnauze.
Malm von Nusplingen.
3. Fam. Pteranodontidae.
Dies sind die jüngsten und extremsten, zugleich auch die grössten
Formen von Flugsauriern, die bisher nur aus der nordamerikanischen
Kreide bekannt sind. Sie sind zahnlos (Fig. 799), der Hinterkopf ist
zu einem langen Kiel ausgezogen. Nasenhöhle mit der Thränenhöhle
vereinigt. Mehrere Rückenwirbel verschmelzen mit einander, und die
Schulterblätter articuliren an den oberen Dornfortsätzen dieser Wirbel
zur Stütze des Brustgürtels.
Pteranodon Marsh (Fig. 799). Mit Arten von 1-6 Meter Spannweite aus der
Kreide (Pteranodon-beds) von Nordamerika.
P. longiceps Marsh (Fig. 799) und P. ingens Marsh (22 Fuss
Spannweite). Kreide von Kansas.
[Illustration: Fig. 799. Pteranodon longiceps Marsh. Kreide von Kansas.
A Schädel von oben. B Schädel von der Seite (A = Augenhöhle). C
Unterkiefer.]
8. Ordnung Crocodilia.
Litteratur über Crocodilia.
Deslongchamps, E. Notes paléontologiques. Caen et Paris 1863-1869.
---- Le Jura Normand. Monographie IV. Paris et Caen 1878.
Dollo, M. L. Première Note sur les Crocodiliens de Bernissart. Bull.
d’Hist. nat. de Belg. II. 1883.
Fraas, O. Aëtosaurus ferratus Fr. Die gepanzerte Vogelechse etc.
Stuttgart 1877.
Huxley, T. H. On Staganolepis Robertsonii and on the Evolution of the
Crocodilia. Quart. Journ. Geol. Soc. London 1875.
Koken, E. Die Dinosaurier, Crocodiliden und Sauropterygier des
norddeutschen Wealden. Palaeontol. Abh. III. 1886/87.
Meyer, H. v. Reptilien aus dem Stubensandstein des oberen Keupers.
Palaeontographica VII. 1861.
---- Der Schädel des Belodon etc. Ibid. X. 1863.
Die Panzerechsen oder Krokodilier sind mit knöchernen Hautplatten,
kurzem Halse, langem Schwanze und kurzen Gehfüssen versehene Reptilien
von meist bedeutender Grösse, deren älteste, triasische Formen noch
nahe Beziehungen zu den Rhynchocephala zeigen, andererseits von den
primitiveren Dinosauria kaum zu trennen sind.
Wirbel ursprünglich biconcav, später meist procöl, mit den oberen
Bögen nicht verwachsen; Sternum knorpelig. Die beiden Sacralwirbel
nicht verschmolzen; der lange Schwanz mit unteren Bögen. Rippen
zweiköpfig, an den mittleren Rumpfwirbeln von einem staffelförmigen
langen Querfortsätze getragen; die beweglichen Halsrippen beilförmig
verbreitert. Beide Schläfenbögen vorhanden, manchmal ist die
obere oder die untere Schläfenhöhle überdacht. Kiefer meist sehr
verlängert. Quadratum unbeweglich. Scleroticalring und Scheitelloch
fehlen. Unterkiefer mit einem Durchbruch. Am Schultergürtel ist ein
Episternum vorhanden, während die Clavicula meist fehlt. Scapula und
Coracoid wohlentwickelt. Beckenknochen nicht verwachsen; Sitz- und
Schambeine schmal mit weitem Foramen obturatorium. Pubis nach vorn und
innen gerichtet. Ileum plattenförmig, nach vorn und hinten von der
Gelenkgrube etwas verlängert. Die Füsse sind Gehfüsse, die hinteren
etwas länger; Calcaneus mit starkem hinteren Fortsatze. Phalangenzahl
ist 2, 3, 4, 4, 3.
[Illustration: Fig. 800. Ventrale Panzerplatte von Teleosaurus.]
Bauchrippen in geringer Zahl vorhanden; der Panzer besteht mindestens
aus zwei Reihen von Dorsalplatten, meist ist er viel vollständiger.
Die Panzerplatten (Fig. 800), sowie die Oberseite des Schädels sind
fast stets tief skulptirt. Zähne nur auf den Kieferrändern, einzeln
in Alveolen, oft gefurcht, mitunter zweischneidig (Fig. 806 u.
807). Krokodile sind seit der Trias bekannt und gegenwärtig noch
in den Tropen verbreitet. Die mesozoischen Formen waren zum Theil
Meeresbewohner, die tertiären und recenten leben in süssem Wasser.
Es lassen sich zwei Unterordnungen annehmen:
1. Choanen (innere Nasenöffnungen) münden in der vorderen Hälfte des
Munddaches. 1. Unterordnung Parasuchia.
2. Choanen münden in der hinteren Hälfte des Munddaches.
2. Unterordnung Eusuchia.
1. Unterordnung Parasuchia.
Weder Gaumen- noch Flügelbeine bilden Gaumenplatten zur Herstellung
eines besonderen harten Gaumens (vgl. p. 595). Getrennte Choanen
münden, wie bei anderen Reptilia, im vorderen Theile der Schnauze. Nur
eine seitliche Schläfengrube offen; es findet sich eine Thränengrube
sowie ein Durchbruch im Unterkiefer. Frontale und Parietale paarig.
Clavicula vorhanden. Trias.
1. Fam. Belodontidae.
Wirbel amphicöl. Schnauze sehr verlängert (Fig. 801) mit sehr grossen
Intermaxillaria, infolge davon die äusseren Nasenöffnungen (N) weit
nach hinten gerückt, dicht neben einander liegend. Obere Schläfengrube
überdacht, untere (S) sehr gross. Coracoid kurz und abgerundet, mit
grosser Fontanelle; Gliedmassen unvollständig bekannt. Zwei Reihen von
gekielten Dorsalplatten. Zahlreiche gefurchte Zähne. Trias.
Belodon H. v. Meyer (= Phytosaurus Jäger, Fig. 801). Schädel mit stark
gerunzelten und verdickten, kammartig aufgeschwollenen Intermaxillaria.
Schnauzenspitze herabgebogen. Zähne scharf und spitz, gefurcht,
mit zwei gekerbten Kanten (ähnlich Fig. 806), die hinteren stark
comprimirt. Grosse krokodilähnliche Geschöpfe aus der Trias von
Württemberg, Nordamerika und Indien.
B. Kapffi H. v. Meyer (Fig. 801). Keupersandstein. Stuttgart.
B. Carolinensis Emm. Keuper von Nord-Carolina.
[Illustration: Fig. 801. Belodon (Phytosaurus) Kapffi H. v. M.
Keupersandstein bei Stuttgart. Schädel von der Seite und von oben.
A = Augenhöhle; D = Durchbruch im Unterkiefer; L = Thränengrube;
N = Nasenhöhle; S = untere Schläfenhöhle; f = Frontale; im =
Intermaxillare; j = Jugale; l = Lacrymale; m = Maxillare; n = Nasale;
op = Postorbitale; p = Parietale; qj = Quadratojugale; sq = Squamosum.]
In diese oder in die nächste Familie gehört
Typothorax Cope, unterschieden von Belodon durch Panzerplatten mit
sehr regelmässig angeordneten Gruben. Rippen so verbreitert, dass sie
einander berühren, und jede ist ihrer Länge nach von einer
bandförmigen Knochenplatte überlagert. Trias von Nordamerika.
T. coccinarum Cope. Trias von Nordamerika.
2. Fam. Aëtosauridae.
Diese merkwürdigen, bisher nur aus dem Keupersandstein von Württemberg
bekannten Panzerechsen zeigen Beziehungen zu den Belodontidae und
dürften, wenn besser bekannt, wohl eine besondere Unterordnung der
Crocodilia darstellen, die auch nahe Beziehungen zu den Rhynchocephala
hat. Wirbel procöl; der kurze Schädel (Fig. 802) endet in einer
spitzen Schnauze; die sehr grossen Nasenöffnungen liegen seitlich am
Ende der Schnauze. Untere Schläfengrube überdacht, obere kleiner als
die sehr grosse Augenhöhle. Gliedmassen fünfzehig, vorn mit 2, 3, 4,
4, 3, hinten mit 3, 3, 4, 5, 2 Phalangen. Vom Hinterkopfe bis zur
Schwanzspitze ist der ganze Körper in einen zusammenhängenden Panzer
(Fig. 803) aus etwa rechteckigen Knochenplatten eingehüllt, der Rücken
mit zwei, der Bauch mit acht Plattenreihen. Die Panzerplatten sowie die
Schädelknochen sind wenig skulptirt. Einzige Art:
Aëtosaurus ferratus Fraas (Fig. 802 u. 803); eine Platte mit 24
meist wohlerhaltenen Individuen, deren grösstes 86 cm lang ist, wird
im Stuttgarter Museum aufbewahrt; sie stammt aus dem Keupersandstein
von Heslach.
[Illustration: Fig. 802. Aëtosaurus ferratus Fraas. Keupersandstein
bei Stuttgart. Schädel von der Seite und von oben. A = Augenhöhle; D =
Thränenlücke; N = Nasenhöhle; S = obere Schläfenhöhle; ang = Angulare;
art = Articulare; d = Dentale; f = Frontale; im = Intermaxillare; j =
Jugale; m = Maxillare; n = Nasale; o = Occipitale; p = Parietale; pf =
Praefrontale; ptf = Postorbitale.]
[Illustration: Fig. 803. Aëtosaurus ferratus Fraas. Keupersandstein von
Heslach bei Stuttgart. A Theil des Bauchpanzers, B des Rückenpanzers.]
2. Unterordnung Eusuchia.
Praemaxillaria, Maxillaria (Fig. 804 u. 805 mx), Palatina (pa) und
oft auch Pterygoide (pt) bilden Gaumenplatten (vgl. p. 595), die sich
in der Mittellinie treffen und einen harten Gaumen darstellen, hinter
dem die oft vereinigten Choanen (ch) liegen. Beide Schläfenhöhlen
(Fig. 808 S, S’) offen. Praemaxillare sehr klein, daher liegen die
äusseren Nasenöffnungen (N) an der Schnauzenspitze. Frontale (f) und
Parietale (p) unpaar. Clavicula fehlt. Coracoid verlängert, mit kleiner
Fontanelle. Pubis vom Hüftgelenk ausgeschlossen. Vorn fünf, hinten vier
Zehen, davon drei mit Krallen (Schwimmfüsse). Jura bis Gegenwart.
[Illustration: Fig. 804. Teleosaurus Cadomensis Geoff. Dogger von Caen
(Normandie).]
[Illustration: Fig. 805. Diplocynodon Hantoniensis Wood. Oligocän von
St. Gérand-le-Puy.
Unterseite des Schädels, hintere Hälfte. bs = Basisphenoid; ch =
Choanen; co = Hinterhauptsgelenk; j = Jugale; mx = Maxillare; pa =
Palatinum; pt = Pterygoid; qj = Quadratojugale; qu = Quadratum; tr =
Transversum.]
Es lassen sich drei Familien unterscheiden:
1. Wirbel amphicöl; Pterygoide ohne Gaumenplatten; Orbita vollständig
von der unteren Schläfengrube getrennt. 1. Fam. Teleosauridae.
2. Wirbel amphicöl; Pterygoide ohne Gaumenplatten; Orbita äusserlich
mit den unteren Schläfengruben vereinigt. 2. Fam. Goniopholidae.
3. Wirbel procöl; Pterygoide mit Gaumenplatten; Orbita äusserlich mit
den unteren Schläfengruben vereinigt. 3. Fam. Crocodilidae.
1. Fam. Teleosauridae.
Dünne, oft sehr verlängerte Schnauze (Fig. 808). An der langen
Unterkiefersymphyse nimmt ausser dem Dentale (d) auch das Spleniale
(sp) Antheil. Augenhöhle (A) von einem vollständigen Knochenrande
umgeben. Zwischenkiefer (im) von den Nasenbeinen (n) getrennt. Obere
Schläfenhöhle (S) grösser als Augenhöhle (A). Palatina (Fig. 804
pa), nicht aber die Pterygoide (pt), bilden wie die Maxillaria (mx)
Gaumenplatten, die sich auf eine längere oder kürzere Strecke median
vereinigen und den Vorderrand der Choanen (Ch) bilden. Wirbel amphicöl.
Zwei Reihen abgerundeter ungekielter Dorsalplatten. Bis acht Reihen
wenigstens zum Theil durch Nähte vereinigter Ventralplatten, die einen
paarigen Bauchpanzer bilden. Marine Formen aus dem Jura.
Pelagosaurus Bronn. Augenhöhle rund, halb nach oben, halb seitlich
gerichtet. Choanenöffnung bildet einen einspringenden spitzen Winkel
zwischen den Gaumenplatten der Palatina, die nur in ihrem vorderen
Theile vereinigt sind. Zähne etwa senkrecht in den Kiefern stehend,
ziemlich schlank. Zwischenkiefer mit vier Zähnen, Oberer Lias.
P. typus Bronn (ca. 1½ m lang). Oberer Lias von Württemberg, Bayern,
England und Frankreich.
Metriorhynchus H. v. M. ist Pelagosaurus ähnlich, aber Augenhöhlen
von oben kaum sichtbar, durch einen Vorsprung des Praefrontale
verdeckt, fast ganz seitlich. Zwischenkiefer mit drei Zähnen. Dogger
und Malm.
M. Moreli Deslongch. Dogger von Frankreich und England.
Dacosaurus Quenst. (Fig. 806). Schädel verhältnissmässig kurz, nicht
skulptirt. Wenige (¹⁷⁄₁₃) sehr dicke, oft etwas gefurchte Zähne, die
zwei schwache gekerbte Kanten zeigen. Im übrigen Metriorhynchus
ähnlich. Malm.
D. maximus Plien. (Fig. 806). Malm von Württemberg, Normandie,
England.
[Illustration: Fig. 806. Zahn von Dacosaurus maximus Plien. Malm von
Württemberg.]
[Illustration: Fig. 807. Zahn von Steneosaurus sp. Dogger von
Württemberg.]
Steneosaurus Geoffr. Zähne zahlreich, verhältnissmässig dick,
gefurcht und mit zwei Kanten versehen (Fig. 807), etwas nach aussen
gerichtet; Augenhöhle rund, ganz nach oben gerichtet. Schnauze sehr
lang, allmählich nach vorn sehr verjüngt, Schnauzenspitze mit der
Nasenöffnung auffallend verbreitert. Gaumenplatten der Palatina in
ihrer ganzen Länge vereinigt, Choanen mit abgerundetem Vorderrande
(vgl. Fig. 804). Lias bis Malm.
S. Bollensis Jäger (etwa 12 Fuss lang). Oberer Lias von Deutschland
und England. In den Posidonomyenschiefern von Boll in Württemberg sind
wohlerhaltene ganze Skelete nicht selten.
S. Chapmani König (etwa 20 Fuss lang). Ebenda.
[Illustration: Fig. 808. Teleosaurus Cadomensis Geoffr. Fuller’s earth
(Dogger) von Caen. A Schädel von oben. B Unterkiefer von oben. A =
Augenhöhle; N = Nasenhöhle; S = obere, S’ = untere Schläfenhöhle; co =
Hinterhauptsgelenk; d = Dentale; f = Frontale; im = Intermaxillare; l =
Lacrymale; m = Maxillare; n = Nasale; op = Postorbitale; p = Parietale;
sp = Spleniale; sg = Squamosum.]
Teleosaurus Geoffr. (Fig. 804 u. 808). Zähne sehr zahlreich (45-50),
sehr lang und schlank, gefurcht, aber ohne Kanten, stark nach aussen
gebogen. Schädel dem von Steneosaurus ähnlich, aber die Schnauze vor
den Augen plötzlich verschmälert. Dogger.
T. Cadomensis Geoffr. (Fig. 804 u. 808), in zahlreichen Resten
bekannt, die zumeist aus dem Dogger (Fuller’s earth) von Caen
(Normandie) stammen.
2. Fam. Goniopholidae.
Augenhöhle und untere Schläfenhöhle äusserlich mit einander in
Verbindung, indem der Augenhöhlenrand hinten durch eine Einbuchtung
unterbrochen ist. Zwischenkiefer berühren die Nasenbeine. Pterygoide
bilden keine Gaumenplatten. Wirbel amphicöl. Zwei oder mehr
Reihen rechteckiger ungekielter Dorsalplatten; bis zehn Reihen
Ventralplatten, die zum Theil oder alle sich schuppenförmig bedecken.
Süsswasserbewohner aus dem Malm und der unteren Kreide.
Pholidosaurus H. v. M. (= Macrorhynchus Dunker). Schnauze schnabelartig
verlängert. Spleniale nimmt Theil an der Bildung der langen
Unterkiefersymphyse. Zähne zahlreich. Untere Kreide. Kann als Stammform
der langschnauzigen Crocodilidae gelten.
Ph. Schaumburgensis H. v. M. Wäldersandstein von Bückeburg.
Goniopholis Owen. Schädel ziemlich kurz mit breiter Schnauze.
Spleniale nimmt höchstens nur einen geringen Antheil an der
Unterkiefersymphyse. Orbita etwas kleiner als obere Schläfenhöhle.
Zähne nicht zahlreich (23/23), dick, etwas gebogen, gefurcht und mit
Kanten versehen. Bauchpanzer paarig. Malm und untere Kreide.
G. crassidens Owen. Malm von England.
Bernissartia Dollo. Schädel kurz mit breiter Schnauze. Orbita
grösser als obere Schläfengrube. Mehr als zwei Reihen Dorsalplatten.
Bauchpanzer einfach. Wälderformation. Kann als Stammform der
kurzschnauzigen Crocodilidae gelten.
B. Fagesi Dollo. Wälderformation. Belgien.
3. Fam. Crocodilidae.
Augenhöhle und untere Schläfenhöhle äusserlich mit einander in
Verbindung. Auch die Pterygoide besitzen Gaumenplatten und bilden
dadurch den Vorderrand der Choanen (Fig. 805). Obere Schläfengruben
meist kleiner als die Augenhöhlen. Wirbel procöl. Mehr als zwei Reihen
gekielter Dorsalplatten. Ventralplatten fehlen oft. Die ältesten
dieser modernen Krokodile treten spärlich in der Kreide auf. Es sind
Süsswasserbewohner, die jetzt noch in allen Tropen verbreitet sind.
a. Longirostres.
Mit sehr verlängerter schmaler Schnauze; an der langen
Unterkiefersymphyse nimmt das Spleniale Theil. Zahlreiche Zähne, von
denen der erste und vierte untere, sowie der dritte obere etwas
verlängert sind.
Tomistoma S. Müller. Zwischenkiefer berühren die Nasenbeine. Keine
Thränenlücke. Kreide bis Gegenwart.
T. macrorhynchus Blainv. Obere Kreide von Frankreich.
T. Eggenburgense Toula u. Kail. Miocän von Unterösterreich.
T. Schlegeli Gray. Lebend in Sumatra und Borneo.
Thoracosuchus Leidy. Zwischenkiefer getrennt von den Nasenbeinen.
Grosse Thränenlücken. Kreide von Nordamerika.
Th. Neocaesariensis De Kay. Kreide von New-Jersey.
Gavialis Geoffr. Zwischenkiefer getrennt von den Nasenbeinen. Keine
Thränenlücke. Tertiär und recent. Indien (und Europa?).
G. pachyrhynchus Lyd. erreicht 40-50 Fuss Länge. Untere Siwaliks von
Sind.
b. Brevirostres.
Schnauze breit, nicht verlängert; Unterkiefersymphyse kurz, nur vom
Dentale gebildet. Zwischenkiefer erreichen die Nasenbeine. Vierter,
gewöhnlich auch erster und elfter unterer, sowie dritter und neunter
oberer Zahn verlängert. Tertiär und recent.
Diplocynodon Pomel (Fig. 805). Dritter Unterkieferzahn fast so gross
wie der vierte, der in einen Ausschnitt des Oberkiefers passt.
Ventralplatten vorhanden. Tertiär von Europa und Nordamerika.
D. (= Alligator) Hantoniensis Wood (Fig. 805). Oligocän von England,
Deutschland (= A. Darwini Ludwig im Mainzer Becken) und Frankreich.
Crocodilus L. Dritter Unterkieferzahn klein, der vierte liegt in einem
Ausschnitt des Oberkiefers. Keine Ventralplatten. Tertiär und recent in
der alten und neuen Welt.
C. Spenceri Buckl. (= toliapicus Owen). Eocän von England und Italien.
C. clavis Cope. Bridger-Eocän von Nordamerika.
9. Ordnung Dinosauria.
Litteratur über Dinosauria (s. auch p. 616).
Marsh, O. C. Principal Characters of American Jurassic Dinosaurs etc.
American Journ. of Sc. and Arts. Vol. XVI. 1878 ff.
Die Dinosaurier waren Land- und Sumpfreptilien der Secundärzeit,
mit langem Halse und langen Hintergliedmassen, die vielfach eine
aufrechte Körperhaltung ermöglichten, wobei, wie bei dem Känguru, der
mächtig entwickelte Schwanz als Stütze diente; es waren Fleisch- und
Pflanzenfresser, zum Theil kleinere Formen, zum Theil aber Thiere von
einer so ungeheuren Grösse, wie sie von keinem anderen Landwirbelthiere
jemals noch erreicht wurde. Die Mannigfaltigkeit der hierher gehörigen
Formen ist grösser als in den anderen Ordnungen der Reptilien; die
primitivsten triasischen Formen zeigen sehr nahe Beziehungen zu den
ältesten Crocodilia und den Rhynchocephala, während wieder andere
Formen, besonders im Bau des Beckens und der Hinterbeine, so viele
Vogelmerkmale aufweisen, dass viel Wahrscheinlichkeit dafür spricht,
dass aus dieser Reptilienordnung die echten Vögel ihren Ursprung
nahmen. Während die Dinosauria zur Jura- und Kreidezeit unstreitig die
hervorragendste Rolle unter den Landthieren gespielt hatten, sind sie
bei Beginn der Tertiärzeit vollständig erloschen.
Wirbel biconcav, die vorderen oft opisthocöl; obere Bögen verwachsen
spät mit dem Wirbelcentrum. Rippen zweiköpfig, am Halse frei oder
verwachsen, am Rumpfe meist von einem langen Querfortsätze getragen.
Halswirbel zahlreich; die 3-6 (selten 2) Sacralwirbel mit einander
verschmolzen; Schwanzwirbel zahlreich, mit unteren Bögen versehen. An
dem sehr kleinen Schädel sind stets die beiden seitlichen Schläfenbögen
und Schläfengruben (Fig. 811 S, S’) vorhanden; Quadratum unbeweglich,
Scheitelloch fehlt. Zwischenkiefer getrennt, Unterkieferäste nur durch
Knorpel verbunden. Zähne (Fig. 810) stark comprimirt, zweischneidig,
oft complicirt gebaut (Fig. 818 A), stehen nur auf den Kieferrändern,
in Alveolen oder Alveolarrinnen. Die Gliedmassen (Fig. 809) sind Geh-
oder Laufbeine mit Krallen oder Hufen, die Hinterbeine fast stets viel
länger als die Vorderbeine, oft digitigrad mit verlängerten Metatarsen.
Intertarsalgelenk sehr ausgebildet; Astragalus und Calcaneus sind meist
gar nicht selbständig beweglich, die distalen Tarsalia mehr oder
weniger rudimentär. Sternum oft paarig; Clavicula und Episternum fehlt
(stets?). Coracoid kurz, mit Fontanelle. Beckenknochen (Fig. 809)
fast nie mit einander verwachsen, bilden ein durchbohrtes Hüftgelenk.
Gelenkkopf des Femur mehr oder weniger rechtwinkelig zum Schaft
gestellt. Ileum (il) wie bei Vögeln vom Hüftgelenk aus nach vorn und
nach hinten verlängert; Pubis (p) und Ischium (is) meist schmal. Pubis
oft mit langem, hinterem Fortsätze, dem Postpubis (Fig. 816 pp), das
dem Ischium (is) parallel läuft. Sitzbeinsymphyse existirt stets.
Körper öfters gepanzert.
Es lassen sich folgende drei Unterordnungen unterscheiden:
1. Carnivor; Postpubis rudimentär oder fehlend; Pubis abwärts
gerichtet, mit verknöcherter Symphyse.
1. Unterordnung Theropoda.
2. Herbivor; kein Postpubis; Pubis nach vorn gerichtet, durch Knorpel
vereinigt.
2. Unterordnung Sauropoda.
3. Herbivor; langes Postpubis vorhanden; Pubis nach vorn gerichtet,
frei.
3. Unterordnung Orthopoda.
1. Unterordnung Theropoda.
Diese Raubthiere unter den Dinosauriern besassen gewaltige, stark
comprimirte und etwas gekrümmte, spitze Zähne, mit gekerbten Kanten
(Fig. 810), einzeln in Alveolen. Wirbel und Beinknochen hohl; Wirbel
oft mit seitlichen Löchern. Vorderbeine (Fig. 809 B) meist sehr klein,
so dass die kräftigen Hinterbeine allein den Körper trugen und eine
aufrechte Haltung bedingten. Hand mit langen, spitzen Krallen; Fuss
digitigrad mit stumpfen Krallen und langen Metatarsen (m); Astragalus
unbeweglich gegen die Tibia; Femur etwa so lang wie die Tibia; Becken
sehr eng, Ileum (il) mit langem hinteren Fortsätze, Postpubis (pp)
rudimentär, Pubes (p) nach vorn und unten gerichtet, am distalen
Ende fussförmig verbreitert, mit verknöcherter Symphyse. Eine grosse
Thränenhöhle (Fig. 811 L) vorhanden; Nasenöffnungen (N) getrennt, an
der Schnauzenspitze. Zwischenkiefer bezahnt. Halsrippen meist frei.
Trias bis Kreide.
[Illustration: Fig. 809. Allosaurus fragilis Marsh. Atlantosaurus-Beds,
Felsengebirge. A Hinter-, B Vorderextremität. co = Coracoid; il =
Ileum; is = Ischium; m = Metatarsus; p = Pubis; pp = Postpubis; sc =
Scapula.]
1. Fam. Zanclodontidae.
Alle Wirbel biconcav; nur zwei Sacralwirbel; Pubes stellen breite
Platten dar. Astragalus ohne aufsteigenden Fortsatz. 5/5 Zehen. Trias.
Zanclodon laevis Plien. Riesige Thiere aus dem oberen Keuper von
Württemberg.
2. Fam. Megalosauridae.
Halswirbel opisthocöl, kürzer als die Rückenwirbel, mit freien Rippen;
Pubis schlank, Astragalus mit aufsteigendem Fortsätze; vorn 4-5, hinten
3-5 Zehen (Fig. 809). Jura und Kreide von Europa und Nordamerika.
Megalosaurus Buckl. (Fig. 810). Grosse bis 2 Zoll lange, säbelförmig
gekrümmte, platte Zähne mit gekerbten Rändern. Fünf Sacralwirbel; 4/3
Zehen. Jura und Kreide von Europa.
M. Bucklandi Mant. (Fig. 810). Dogger bis Neocom. England und
Frankreich.
M. Dunkeri Koken. Oberer Malm und untere Kreide. Deutschland und
England.
Allosaurus Marsh (Fig. 809). Nordamerikanischer Jura.
A. fragilis Marsh (Fig. 809), etwa 8 m lang. Atlantosaurus-Beds.
Felsengebirge.
3. Fam. Ceratosauridae.
Die meisten Wirbel hohl; Halswirbel hinten tief concav, vorn flach, die
übrigen biconcav. Fünf Sacralwirbel. Beckenknochen und drei Metatarsen
verwachsen wie bei Vögeln. Einzige Gattung:
Ceratosaurus Marsh (Fig. 811) ist mit mächtigen Krallen und Fangzähnen
ausgerüstet. Der verhältnissmässig grosse Schädel trägt ein Horn auf
den Nasenbeinen. Diese Thiere waren mit einem Hautpanzer versehen. Jura
von Nordamerika.
C. nasicornis Marsh (Fig. 811). Von etwa 6 Meter Länge.
Atlantosaurus-Beds. Felsengebirge.
[Illustration: Fig. 810. Zahn von Megalosaurus Bucklandi Mant. nebst
Querschnitt. Dogger von Stonesfield. (½.)]
[Illustration: Fig. 811. Ceratosaurus nasicornis Marsh. Jura der
Felsengebirge. A Schädel von der Seite, B von oben. A = Augenhöhle; L
= Thränengrube; N = Nasenhöhle; S = obere, S’ = untere Schläfengrube;
U = Durchbruch im Unterkiefer; d = Dentale; f = Frontale; fa =
Praefrontale; im = Intermaxillare; j = Jugale; l = Lacrymale; m
= Maxillare; n = Nasale; op = Postorbitale; q = Quadratum; qj =
Quadratojugale; sq = Squamosum.]
4. Fam. Coeluridae.
Alle Skeletknochen, selbst die Schwanzwirbel sind hohl. Halswirbel
opisthocöl, länger als Rückenwirbel, die übrigen amphicöl; Halsrippen
verwachsen; Metatarsalia sehr lang. Jura von Nordamerika. Einzige
Gattung:
Coelurus Marsh. Mit ausserordentlich leichten, dünnwandigen Knochen.
C. fragilis Marsh. Atlantosaurus-Beds. Felsengebirge.
5. Fam. Compsognathidae.
Halswirbel opisthocöl, länger als Rückenwirbel, die übrigen
biconcav; Ischium mit langer Symphyse; vorn und hinten drei Zehen mit
sehr verlängerten Metatarsen. Malm von Europa.
Compsognathus Wagn. Hals lang; Becken und Hinterfüsse sehr
vogelähnlich.
C. longipes Wagn. ist in einem Exemplar aus dem lithographischen
Schiefer von Kelheim bekannt.
2. Unterordnung Sauropoda.
Die Sauropoda (Fig. 812 u. 813) waren Pflanzenfresser, meist von sehr
bedeutender Grösse, deren präcaudale Wirbelcentra weite Lufthöhlen
bargen; vordere Wirbel opisthocöl; Rückenwirbel mit seitlich
verbreiterten Dornfortsätzen. Sacrum mit 4-5 Wirbeln. Halsrippen (Fig.
812 A) verwachsen. Schädel (Fig. 813) mit grossen Thränenhöhlen (L,
L’); Nasenöffnung (N) einfach, auf den Scheitel gerückt; auch das
Intermaxillare mit Zähnen versehen. Zähne ungefähr spatelförmig (Fig.
814); Sternum paarig; Vorderbeine wenig kleiner als die hinteren. Am
Becken fehlt ein Postpubis, Pubes (p) nach vorn und innen gerichtet,
mit knorpeliger Symphyse. Beinknochen solid, Füsse plantigrad, vorn
und hinten mit fünf Zehen, die hufähnliche Krallen tragen. Femur viel
länger als Tibia. Astragalus gegen die Tibia beweglich. Metatarsalia
kurz. Die gut bekannten Arten stammen aus dem Jura der Felsengebirge,
sehr unvollständig bekannte Formen aus Jura und Kreide von Europa.
[Illustration: Fig. 812. Brontosaurus excelsus Marsh. Jura der
Felsengebirge. Skelet. A Halswirbel von hinten. co = Coracoid; f =
Femur; il = Ileum; p = Pubis; s = Scapula; ft = Foramen transversarium;
z, z’ = vorderer und hinterer Gelenkfortsatz.]
1. Fam. Atlantosauridae.
Ischien nach unten und innen gerichtet (Fig. 812). Hierher gehören
die riesenhaftesten Formen unter den Dinosauria. Jura von Nordamerika
(Europa).
Atlantosaurus Marsh. Sacrum aus vier Wirbeln bestehend. Jura.
A. immanis Marsh war ein ganz gewaltiges Thier von etwa 40 m Länge,
der Femur 2,70 m lang. am oberen Ende 0,63 m dick. »Atlantosaurus
Beds« der Felsengebirge.
[Illustration: Fig. 813. Diplodocus longus Marsh. Jura der
Felsengebirge. A Schädel von der Seite, B von oben. A = Augenhöhle; L
= hintere, L’ vordere Thränenhöhle; N = Nasenhöhle; S = obere, S’ =
untere Schläfengrube.]
[Illustration: Fig. 814. Zahn von Ornithopsis Hulkei Seel.
Wälderformation. Isle of Wight. (½).]
Brontosaurus Marsh (Fig. 812). Sacrum aus fünf Wirbeln bestehend; auch
drei Schwanzwirbel besassen grosse Luftkammern. Kopf von winziger
Grösse, auf langem Halse; mit kräftigen Gliedmassen und langem
Schwanze, ohne Offensiv- und Defensivwaffen. Vermuthlich Wasserthiere;
Skelet vollständig bekannt. Nordamerika.
B. excelsus Marsh (Fig. 812) von etwa 16 m Länge. Jura der
Felsengebirge.
Diplodocus Marsh (Fig. 813). Das Ischium ist nach unten und etwas nach
hinten gerichtet. Die Bezahnung ist schwach, die Nasenöffnungen auf dem
Scheitel, die Augen über dem Kiefergelenk. Untere Schläfenhöhle zieht
sich weit nach vorn. Zwei Thränengruben. Wahrscheinlich Wasserthiere;
Skelet vollständig bekannt. Nordamerika.
D. longus Marsh (Fig. 813). 13-16 m lang. Jura der Felsengebirge.
Ornithopsis Seeley (Fig. 814) ist vielleicht verwandt mit
Brontosaurus. Wälderformation. Europa.
O. Hulkei Seeley (Fig. 814). England.
2. Fam. Morosauridae.
Ischium nach hinten und innen gerichtet. Jura und Kreide. Europa,
Indien, Nordamerika.
Morosaurus Marsh. Mit winzigem Gehirne. Vorderbeine kürzer als
Hinterbeine. Fast vollständige Skelete bekannt. Jura der Felsengebirge.
M. grandis Marsh von etwa 13 m Länge. Jura der Felsengebirge.
Cetiosaurus Owen. Schwanzwirbel biconcav. Vorder- und Hinterbeine
nahezu gleich lang. Jura von Europa.
C. Oxoniensis Phil. Dogger von England.
3. Unterordnung Orthopoda.
Die Orthopoda (Fig. 818) waren pflanzenfressende Dinosauria von meist
sehr bedeutender Grösse, die wohl alle auf den stark verlängerten
Hinterbeinen aufrecht gingen. Wirbel solid. Halswirbel kürzer als
Rückenwirbel, mit freien Rippen. Am Unterkiefer ist ein Prädentale
(Fig. 817 pd) vorhanden. Vorderster Theil der Kiefer zahnlos.
Nasenöffnung (N) vorn an der Schnauze. Zähne meist in Alveolarrinnen.
Vorderbeine viel kürzer als Hinterbeine (Fig. 816). Hand fünfzehig.
Metatarsalia oft verlängert, meist nur drei oder vier vorhanden.
Astragalus unbeweglich gegen die Tibia, dagegen ist, wie bei Vögeln,
das Intertarsalgelenk wohl ausgebildet. Ileum (il) mit langem vorderen
Fortsatze. Pubis (p) ohne Symphyse, frei nach vorn gerichtet, mit
langem Postpubis (pp), das wie bei Vögeln dem Ischium (is) parallel
läuft.
Es lassen sich sechs Familien unterscheiden:
A. Mit Panzerplatten und Stacheln bewaffnet. Alle Wirbel biconcav.
Beinknochen solid (Stegosauria Marsh).
1. Ohne Scheitelhörner.
a. Vier Metatarsen wohlentwickelt. 1. Fam. Scelidosauridae.
b. Drei Metatarsen wohlentwickelt. 2. Fam. Stegosauridae.
2. Mit paarigen Scheitelhörnern. 3. Fam. Ceratopsidae.
B. Hautbewaffnung unbekannt. Vordere Wirbel opisthocöl. Beinknochen hohl
(Ornithopoda Marsh).
1. Nur eine Zahnreihe in Gebrauch.
a. Vier Metatarsen wohlentwickelt. 4. Fam. Camptosauridae.
b. Drei Metatarsen wohlentwickelt. 5. Fam. Iguanodontidae.
2. Mehrere Zahnreiben gleichzeitig in Gebrauch.
6. Fam. Hadrosauridae.
A. Stegosauria.
1. Fam. Scelidosauridae.
Ileum stark nach vorn und hinten verlängert. Astragalus frei; Fuss mit
vier wohlentwickelten, aber ziemlich kurzen Metatarsen, vielleicht
plantigrad. Zahnkrone mit gezähnelten Rändern. Lias bis Kreide von
Europa.
[Illustration: Fig. 815. Zahn von Scelidosaurus Harrisoni Owen. Unterer
Lias von Dorsetshire. ²⁄₁.]
Scelidosaurus Owen (Fig. 815). Zahnkrone dreieckig mit grob gezähnten
Rändern. Lias.
S. Harrisoni Owen (Fig. 815). Unterer Lias. Dorsetshire.
2. Fam. Stegosauridae.
Ileum (Fig. 816 il) mit sehr langem vorderen und kurzem hinteren
Fortsatze. Astragalus mit der Tibia verschmolzen. Fuss mit nur drei
wohlentwickelten, dicken Metatarsen; der vierte Metatarsus rudimentär.
Keine Thränenlücke. (Trias?), Jura und Kreide. Nordamerika und Europa
(und Südafrika?).
[Illustration: Fig. 816. Stegosaurus ungulatus Marsh.
Atlantosaurus-Beds der Felsengebirge. A hintere, B vordere Extremität.
co = Coracoid; f = Femur; fi = Fibula; h = Humerus; il = Ileum; is
= Ischium; p = Pubis; pp = Postpubis; r = Radius; sc = Scapula; t =
Tibia; u = Ulna; I-V = 1.-5. Finger.]
[Illustration: Fig. 817. Stegosaurus stenops Marsh. Atlantosaurus-Beds
von Süd-Colorado. A Schädel von der Seite, B von oben. A = Augenhöhle;
N = Nasenhöhle; S = obere, S’ = untere Schläfenhöhle; an = Angulare;
art = Articulare; d = Dentale; f = Frontale; f.a = Praefrontale; f.p
= Postfrontale und Supraorbitale; im = Intermaxillare; j = Jugale;
l = Lacrymale; m = Maxillare; n = Nasale; o.p = Postorbitale; p =
Parietale; pd = Praedentale; q = Quadratum; s = Spleniale; sa =
Supraangulare; sq = Squamosum.]
Stegosaurus Marsh (Fig. 816 u. 817). Sacrum, aus vier Wirbeln
bestehend, schliesst eine Neuralkammer ein, die etwa zehnmal so gross
ist als das winzige Gehirn, und deren Grösse wohl durch die mächtige
Entwickelung der hinteren Extremitäten bedingt ist. Oberer Rand des
Darmbeines (il) mit den oberen Bögen der Sacralwirbel verschmolzen.
Pubis (p) reicht fast horizontal nach vorn, Postpubis (pp) nach hinten
und abwärts, fast bis an das Ende des Ischium (is), dem es sich anlegt.
Diese Thiere gingen aufrecht, gestützt auf den kräftigen Schwanz,
der mit einem oder mehreren Paaren von gewaltigen Stacheln bewaffnet
war. Wenigstens die Bauchseite mit grossen Panzerplatten bedeckt. Es
liegen die fast vollständigen Skelete mehrerer Arten aus dem Jura der
Felsengebirge vor; auch in England vertreten.
S. ungulatus Marsh (Fig. 816) von etwa 10 m Länge und S. stenops
Marsh (Fig. 817) aus den Atlantosaurus-Beds der Felsengebirge.
S. (= Omosaurus Owen) armatus Owen. Malm von England.
3. Fam. Ceratopsidae.
Diese erst vor kurzem entdeckten Reptilien gehören zu den
abenteuerlichsten und riesigsten Formen unter den Dinosauria.
Am Scheitel tritt ein Paar gewaltiger Hornzapfen auf, die denen
der Rinder ausserordentlich ähneln und wahrscheinlich von einer
Hornscheide bedeckt gewesen waren. Wirbelsäule und Gliedmassen denen
von Stegosaurus ähnlich. Reich entwickelt in der obersten Kreide von
Nordamerika (Laramie-Epoche), scheinen sie auch in der Gosauformation
von Oesterreich vorzukommen.
Triceratops Marsh. Ausser den paarigen Scheitelhörnern findet sich
ein unpaares Horn auf den verwachsenen Nasalia, sowie eine mächtig
entwickelte querstehende Occipitalcrista. Ein Hornschnabel bedeckte
offenbar die Spitze der Kiefer; dieselbe besteht oben aus den
verwachsenen, zahnlosen, comprimirten Praemaxillaria, vor denen sich
noch ein besonderes »Os rostrale« entwickelt, unten aus dem kräftigen
Praedentale. Laramie-Epoche.
T. horridus Marsh. Occipitalcrista sehr gross, nach hinten, aussen
und unten gezogen, bedeckt helmförmig den Nacken. Schädel wenigstens
2 m lang. Laramie-Epoche von Wyoming.
T. flabellatus Marsh. Occipitalcrista erstreckt sich nach oben und
hinten und gleicht einem offenen Fächer, dessen Rand eine Reihe von
Stacheln trug. Schädel 6 Fuss lang, 4 Fuss breit, Hornzapfen etwa 3
Fuss hoch. Ebenda.
B. Ornithopoda.
4. Fam. Camptosauridae.
Mit nur einer Reihe von functionirenden Zähnen; Prämaxilla bezahnt;
Hinterfuss mit vier wohlentwickelten Zehen. Am Vorderfusse ist der
Daumen normal, der fünfte Finger reducirt. Postpubis so lang wie
Ischium. Sternum unpaar. Jura und Kreide von Europa und Nordamerika.
Hypsilophodon Huxl. Mit scharfen Krallen an den Zehen. Der fünfte
Finger ohne Phalangen; am Hinterfusse ein Rudiment der fünften Zehe.
Wälderformation von England.
H. Foxi Huxl. Aus dem englischen Wealden.
Camptosaurus Marsh. Der fünfte Finger mit zwei Phalangen; am
Hinterfusse kein Rudiment der fünften Zehe. Kleinere Thiere aus dem
Jura der Felsengebirge.
C. dispar Marsh. Jura der Felsengebirge.
5. Fam. Iguanodontidae.
Mit nur einer Reihe von functionirenden Zähnen, deren Spitze sich
abkaut (Fig. 819 A); Prämaxilla unbezahnt; am Vorderfusse ist der
Daumen reducirt, der fünfte Finger normal; am Hinterfusse nur drei
Zehen wohlentwickelt, die erste ist rudimentär. Postpubis sehr schlank,
kürzer als Ischium (Fig. 818). Sternum paarig. Jura und Kreide von
Europa.
[Illustration: Fig. 818. Iguanodon Bernissartensis Boulgr. Kreide
von Bernissart. Skelet. co = Coracoid; is = Ischium; p = Pubis; pp
= Postpubis; sc = Scapula; I-V = 1.-5. Finger bez. Zehe. A Zahn von
aussen, B von innen. (½.)]
[Illustration: Fig. 819. Iguanodon Bernissartensis Boulgr. Kreide
von Bernissart. A Unterkieferzähne in natürlicher Stellung, von der
Innenseite. 1, 2 = fungirende Zähne; 3, 4 = Ersatzzähne. B Schädel
von der Seite. A = Augenhöhle; L = Thränengrube; N = Nasenhöhle; S’
= untere Schläfengrube; pd = Praedentale; q = rechtes, q’ = linkes
Quadratum.]
Iguanodon Mantell (Fig. 818 u. 819). Hinterfüsse und Schwanz von
gewaltiger Stärke, das Becken erinnert ausserordentlich an das
der Vögel. An den vorderen Gliedmassen ist der erste Finger zu
einem eigenthümlichen Sporn ausgebildet, die beiden folgenden
zeigen schaufelförmige Endphalangen. Schädel klein, Zähne sehr
charakteristisch, spatelförmig, mit mehreren Längsfalten auf der
Aussenseite und mit gezähnelten Rändern, sowie mit schiefer Kaufläche.
Halswirbel opisthocöl, Rumpfwirbel biplan, Schwanzwirbel biconcav. Malm
und untere Kreide.
I. Mantelli Owen und I. Bernissartensis Boulgr. (Fig. 818 u. 819).
Untere Kreide von England und Belgien.
Schon lange war Iguanodon aus der englischen Wälderformation in
zahlreichen, aber unvollständigen Resten bekannt; neuerdings wurden in
der belgischen Kreide von Bernissart mehrere vollständige Skelete
dieser beiden Arten entdeckt, die nun im Museum von Brüssel
Aufstellung gefunden haben. Es sind Thiere von gigantischer Grösse,
nahezu 10 m lang, die, wenn sie aufrecht gingen, wie wohl ihre
Gewohnheit war, eine Höhe von fast 4½ m erreichten.
6. Fam. Hadrosauridae.
Diese Familie ist dadurch ausgezeichnet, dass die Ersatzzähne
bereits zur Verwendung kommen (Fig. 821), wenn die älteren Zähne
noch vorhanden sind, so dass bei ihnen mehrere der dichtgedrängt
unter einander stehenden Reihen von Zähnen gleichzeitig in Gebrauch
sind; dieselben bilden eine zusammenhängende, pflasterförmige, nahezu
senkrecht stehende Kaufläche (Fig. 821 B); es ist dies die extremste
und complicirteste Ausbildung eines herbivoren Reptiliengebisses.
Jeder Zahn zeigt an der Wurzel eine Längsrinne, in der die Krone
eines folgenden Zahnes ruht. Im Oberkiefer sind die inneren Zähne die
ältesten, im Unterkiefer die äusseren. Alle Wirbel opisthocöl. Kreide
von Nordamerika (und Europa?).
[Illustration: Fig. 820. Diclonius mirabilis Leidy. Laramie-Kreide von
Dakota. Schädel von der Seite. A = Augenhöhle; N = Nasenhöhle; S’ =
untere Schläfengrube.]
[Illustration: Fig. 821. Hadrosaurus breviceps Marsh. Laramie-Kreide
von Montana. Stück des rechten Oberkiefers. A von aussen, B von innen
mit der ebenen Kaufläche.]
Hadrosaurus Leidy (Fig. 821). Kreide von Nordamerika.
H. breviceps Marsh (Fig. 821). Laramie-Epoche von Montana.
Cionodon Cope. Mit drei Reihen von functionirenden Zähnen. Kreide von
Nordamerika.
C. arctatus Cope. Kreide von Colorado.
Diclonius Leidy (Fig. 820). Der Schädel ähnelt dem einer riesigen Ente,
die Schnauze ist vorn verbreitert wie beim Löffelreiher. Die kleinen
Zähne stehen dicht gedrängt, über 2000 an Zahl. Der vordere Theil
der Schnauze war zahnlos und scheint mit einem Hornschnabel versehen
gewesen zu sein. Das Thier ging aufrecht, wie wohl alle dieser Ordnung
angehörigen, und benutzte nur selten die kurzen Vorderfüsse als Stütze.
Kreide.
D. mirabilis Leidy (Fig. 820) von 11½ m Länge aus der obersten
Kreide (Laramie-Epoche) von Dakota.
10. Ordnung Saurura.
Litteratur über Saurura.
Dames, W. Ueber Archaeopteryx. Palaeont. Abhandl. II. Bd. 1884.
Owen, R. On the Archaeopteryx of von Meyer etc. Phil. Trans. London
1863.
Diese »gefiederten Reptilien« oder »eidechsenschwänzigen Vögel« (Fig.
822) aus der Jurazeit stellen unzweifelhaft das Bindeglied zwischen den
echten Vögeln und den primitiveren Reptilienformen dar. Wenn auch die
einzige bisher bekannte Art nicht die directe Stammform der modernen
Vögel sein mag, so ist es doch unzweifelhaft, dass Archaeopteryx der
wirklichen Stammform sehr nahe steht. Die wichtigsten Charaktere
der Ordnung sind: Wirbel biconcav, Schwanzwirbelsäule länger als
Rumpfwirbelsäule. Kiefer bezahnt. Drei Mittelhandknochen, frei, mit
2, 3, 4 Phalangen. Von den vier Metatarsalia sind drei verschmolzen;
mit 2, 3, 4, 5 Phalangen. Beckenknochen nicht verschmolzen.
Scleroticalring, Bauchrippen und Federn. Sie bilden mit den Aves eine
Unterklasse der Sauropsida, die sich am nächsten an die Dinosauria
anschliesst.
Archaeopteryx (H. v. M.) Owen (Fig. 822). Von dieser merkwürdigen
Thierform ist nur eine einzige Art bekannt:
A. macrura Owen (= lithographica Cuv., Fig. 822), von der nur zwei
besser erhaltene Exemplare aus dem lithographischen Schiefer von
Solnhofen existiren, die einander gegenseitig ergänzen; das eine 1861
gefundene befindet sich in London, das andere vollständigere ist
seit 1877 bekannt und wird in Berlin aufbewahrt. Schädel durchaus
vogelähnlich, mit Thränengruben, trägt aber feine Zähne, und einen
Scleroticalring in der Augenhöhle. Wirbel biconcav mit dünnen
Halsrippen und schmalen Rumpfrippen, an denen Processus uncinati nicht
bemerkbar sind. Sacrum aus etwa sechs Wirbeln verwachsen; der lange
Schwanz besteht aus 20 nicht mit einander verwachsenen Wirbeln. Das
Brustbein ist nicht bekannt, von dem Coracoid (co) nur Spuren, die
Claviculae (cl) waren wahrscheinlich zu einer Furcula vereinigt; die
Scapula (sc) ist schmal und lang, und ebenso wie der Humerus (h) sehr
vogelähnlich. Radius (r) und Ulna (u) gleich lang und nicht
verwachsen; der Carpus (c) besteht wahrscheinlich nur aus zwei
Knöchelchen. Die drei Metacarpalia sind getrennt, das erste sehr
kurz; die mit kräftigen Krallen versehenen Finger (I-III) zeigen
2, 3, 4 Phalangen. Becken klein, Beckenknochen getrennt, Tibia und
Fibula gleich lang, frei; die Metatarsen sind zu einem langen Laufe
verwachsen, mit vier bekrallten Zehen (I-IV), die 2, 3, 4, 5 Phalangen
zeigen. Tarsalia sind mit den benachbarten Knochen verschmolzen.
Bauchrippen wohlentwickelt, aber nicht zahlreich. Der Körper war
vollständig befiedert, die Vorderfüsse mit kräftigen Schwungfedern
versehen, welche Flügel darstellen. Sämmtliche Federn mit kräftigem
Kiele. Von den zweizeilig angeordneten starken Steuerfedern des
Schwanzes trug jeder Wirbel ein Paar. Archaeopteryx dürfte ein
Kletterthier gewesen sein, das seine Schwungfedern eher als Fallschirm
zur Ausführung weiter Sprünge, denn zum eigentlichen Fliegen benutzt
hat.
[Illustration: Fig. 822. Archaeopteryx macrura Owen. Lithographischer
Schiefer von Solnhofen. Restaurirt in der Stellung des Berliner
Exemplars. c = Carpus; cl = Clavicula?; co = Coracoid; h = Humerus; r =
Radius; sc = Scapula; u = Ulna; I-IV = 1.-4. Finger bez. Zehe.]
II. Ordnung Aves.
Litteratur über fossile Aves.
Marsh, O. C. Odontornithes, a monograph on the extinct toothed Birds of
North America. Rep. Geol. Explor. 40. Parallel. Bd. VII. 1880.
Owen, R. Memoirs on the extinct wingless Birds of New Zealand. 2 Bde.
London 1872.
Echte Vögel mit kurzer Schwanzwirbelsäule, verschmolzenen Beckenknochen
und verschmolzenen Metacarpalia sind schon in der Kreidezeit bekannt;
aber diese Kreidevögel zeigen noch mancherlei primitive Merkmale in
ihrem Bau, und erst im Tertiär und in der Gegenwart findet sich jene
extreme Entwickelungsstufe erreicht, welche die Vögel zu einer so
scharf von den übrigen Sauropsida abgegrenzten Gruppe stempelt.
Das Flugvermögen mit Hülfe von Federn ist es, was die Vögel
charakterisirt und ihren Bau erklärt, und wenn auch einer Anzahl von
Formen das Flugvermögen abhanden gekommen ist, so ist es doch sehr
wahrscheinlich, dass auch diese von flugfähigen Formen abstammen.
[Illustration: Fig. 823. Hesperornis regalis Marsh. Dreizehnter
Halswirbel von vorn ½. f = Foramen transversarium; n =
Rückenmarkscanal; r = Halsrippen, mit dem Wirbel verschmolzen; v =
sattelförmiges Gelenk; z’, z = Gelenkfortsätze.]
Grosse Festigkeit verbunden mit grosser Leichtigkeit zeichnet das
Skelet des Vogels aus; die Knochen sind hohl, enthalten Lufträume
und zeigen ein sehr grosses Bestreben mit einander zu verwachsen.
Verwachsen sind meist oder immer ein grosser Theil der Schädelknochen,
die Unterkieferäste, die Halsrippen, die zahlreichen Wirbel, welche das
Sacrum bilden, die hinteren Schwanzwirbel zu einer Knochenplatte, dem
Pygostyl (Fig. 826 py), ferner die beiden Claviculae (cl) zur Furcula
oder Gabelbein, das Episternum mit dem plattenförmigen Sternum (cr --
Brustbeinkiel oder Crista sterni), die Carpalia, die Metacarpalia (m),
die Beckenknochen mit einander und mit dem Sacrum, Tibia mit der Fibula
und dem Astragalus, endlich die Metatarsalia mit einander und mit den
distalen Tarsalia zu den sehr charakteristischen, mit drei distalen
Gelenkköpfen versehenen Laufknochen (Fig. 825 B). Dazu kommt die grosse
Reduction in der Zahl der Schwanzwirbel, sowie der meist krallenlosen
Finger und ihrer Phalangen.
Charakteristisch sind ferner die zahlreichen Halswirbel; die
sattelförmigen vorderen Gelenke an den opisthocölen Wirbeln (Fig.
823); die auffallend doppelköpfigen breiten Rippen mit den Processus
uncinati (Fig. 826 un), deren Tuberculum an einem Querfortsatze, das
Capitulum am Wirbelkörper articulirt; die zahnlosen mit Hornschnabel
versehenen Kiefer; das grosse Becken mit nach vorn und hinten sehr
verlängerten Darmbeinen (Fig. 824 il), an dem ferner die Sitzbeine
(is) nach hinten gerichtet sind ohne Bildung einer Symphyse, während
von den Schambeinen nur der nach hinten gerichtete Ast (pp --
Postpubis) existirt. Die meist vorhandenen vier Zehen des digitigraden
Hinterfusses haben 2, 3, 4, 5 Phalangen.
Bei den ältesten Vögeln der Kreidezeit, sowie bei einigen Formen,
die das Flugvermögen verloren haben, können noch einzelne
primitive Merkmale auftreten, nämlich Zähne in den Kiefern, freie
Unterkieferäste, getrennte Schlüsselbeine, amphicöle Wirbel, freie
Schwanzwirbel, Abwesenheit einer Crista sterni, Krallen an den Fingern,
solide Knochen.
Nach dem Fehlen oder Vorhandensein einer Crista sterni lassen sich zwei
grosse Unterordnungen aufstellen:
1. Ohne Brustbeinkiel. 1. Unterordnung Ratitae.
2. Mit Brustbeinkiel. 2. Unterordnung Carinatae.
Es ist fraglich, ob dieselben wirklich natürliche Gruppen darstellen.
Die ältesten Formen beider Gruppen besitzen noch Zähne, die den
modernen verloren gehen.
1. Unterordnung Ratitae.
Sternum (Fig. 824 st) ohne Crista, keine Furcula, Flügel verkümmert,
oft freie Schwanzwirbel, Körperbedeckung nur aus weichen Dunenfedern
bestehend.
A. Odontolcae.
Ober- und Unterkiefer mit Zähnen in Rinnen (holcodont). Grosse
flügellose Schwimmvögel mit mächtigen Schwimmfüssen, bisher nur aus
der nordamerikanischen mittleren Kreide (Pteranodon-Beds) bekannt. Den
lebenden Pinguinen sehr ähnlich. Einzige
Fam. Hesperornithidae.
Hesperornis Marsh (Fig. 824). Zwischenkiefer zahnlos, vorne mit
einander verwachsen; die beiden Unterkieferäste sind getrennt.
Oberkiefer mit 14, Unterkiefer mit 33 cölodonten Zähnen (B); 14
Sacralwirbel. Schultergürtel und Sternum (st) schwach, von der freien
Extremität anscheinend nur der Humerus (h) entwickelt. Becken sehr
gross, Femur (fe) sehr kurz, mit auffallend grosser Patella (p), Tibia
(t, f) sehr lang, Lauf (t-m) sehr kurz, von den vier Zehen ist die
äusserste weitaus die längste. Schwanzwirbel frei. Kreide.
H. regalis Marsh (Fig. 824). Vom Schnabel bis zu der Zehenspitze
1,8 m lang. Aus der mittleren Kreide von Kansas.
[Illustration: Fig. 824. Hesperornis regalis Marsh. Kreide von Kansas.
A Skelet. cl = Clavicula; co = Coracoid; fe = Femur; h = Humerus; il
= Ileum; is = Ischium; p = Patella; pp = Postpubis; sc = Scapula; st
= Sternum; t, f = Tibia und Fibula; t-m = Lauf (Tarso-Metatarsus). B
cölodonter Zahn mit Zahnkeim.]
B. Cursores.
Zahnlose Landvögel, meist von sehr bedeutender Körpergrösse, mit
mächtig entwickelten hinteren Extremitäten (Fig. 825). Schädel
auffallend klein. Die lebenden Formen finden sich fast nur auf der
südlichen Halbkugel. Fossil viel weiter nach Norden verbreitet.
[Illustration: Fig. 825. Dinornis parvus Owen. Subfossil. Neuseeland.
A Skelet. f = Fibula; il = Ileum; is = Ischium; pp = Postpubis; st =
Sternum; t = Tibia; t-m = Tarso-Metatarsus (Lauf). B Tarso-Metatarsus
mit Gelenkhöckern der II.-IV. Zehe.]
1. Fam. Dinornithidae.
Schnabel sehr kurz (Fig. 825), Tibia (t) sehr lang, Lauf (t-m) sehr
kurz; drei oder vier Zehen. Von vorderen Extremitäten ist nichts
bekannt. Subfossil auf Neuseeland.
Hierher gehören eine Anzahl meist riesiger Vögel von Neuseeland,
die Moa’s, welche vielleicht erst im vorigen Jahrhundert durch die
Eingeborenen ausgerottet wurden. Zahlreiche, vollständige Skelete einer
grösseren Anzahl von Arten sind aus den jüngsten Bildungen Neuseelands
bekannt worden; es sind Thiere von 1-3½ m Höhe, die ihre überaus
massig gebauten und mit kräftigen Krallen versehenen Extremitäten
vermuthlich zum Ausscharren von Farnwurzeln benutzten. Der nächste
lebende Verwandte ist der kleine langschnäbelige Apteryx oder »Kiwi«
von Neuseeland.
Dinornis Owen (Fig. 825). Mit drei Zehen.
D. parvus Owen (Fig. 825) von 1 m Höhe, D. giganteus (3½ m), D.
elephantopus, didiformis, casuarinus etc. Owen. Subfossil. Neuseeland.
Palapteryx Owen. Mit vier Zehen.
P. ingens Owen. Subfossil. Neuseeland.
In die Nähe der Dinornithidae gehört vermuthlich auch Aepyornis, ein
Vogel von ebenfalls colossaler Grösse, dessen Reste man in den
jüngsten Ablagerungen von Madagascar findet; die Eier haben eine Länge
von 34 cm, eine Breite von 22,5 cm und fassen etwa 8 Liter.
2. Fam. Struthionidae.
Fuss mit nur zwei Zehen; Lauf lang.
Struthio L. Gegenwärtig auf Afrika und Arabien beschränkt, findet sich
fossil im Pliocän von Südeuropa und Indien.
S. asiaticus M. Edw. Siwaliks von Indien.
S. Karatheodoris F. Mayor. Pliocän von Samos.
Verwandte Familien leben in Südamerika und Australien.
2. Unterordnung Carinatae.
Sternum mit Crista (Fig. 826 cr); Schlüsselbeine median verwachsen;
Flügel fast stets wohl ausgebildet; hintere Schwanzwirbel stets
verschmolzen (py); im erwachsenen Zustande mit Conturfedern bedeckt.
A. Odontormae.
Wirbel biconcav; Zähne vorhanden, in Alveolen stehend; Gehirn sehr
klein; Unterkieferäste nur locker verbunden. Kreide. Nordamerika.
[Illustration: Fig. 826. Ichthyornis victor Marsh. Kreide von Kansas.
Skelet. cl = Clavicula; co = Coracoid; cr = Crista sterni; h = Humerus;
m = 2. u. 3. Metacarpus; py = Pygostyl; r = Radius; sc = Scapula; t-m =
Lauf; u = Ulna; un = Processus uncinatus; I = 1. Metacarpus; II, III =
2. u. 3. Finger.]
Fam. Ichthyornithidae.
Mövenähnliche Zahnvögel (Fig. 826) aus der mittleren Kreide von Kansas,
mit sehr grossem Schädel, aber sehr kleinem Gehirn. Abgesehen vom
Schädel und von den Wirbeln gleicht das Skelet dieser Art durchaus
dem der anderen Carinatae, speciell dem der Laridae. Flügel mächtig
entwickelt, Füsse schwach. Am besten bekannt ist
Ichthyornis Marsh (Fig. 826).
I. victor (Fig. 826) und I. dispar Marsh. Kreide von Kansas.
B. Euornithes.
Zahnlos, mit sattelförmigen Wirbelgelenken. Unterkieferäste
verschmolzen.
Hierher gehören, mit Ausnahme der wenigen Formen von Ratitae,
sämmtliche übrigen lebenden Vögel, die in mehr als 100 Familien
eingetheilt werden. Reste solcher Formen finden sich, aber selten in
grösserer Menge, in einigen Tertiärablagerungen; soweit sie genügend
bekannt sind, lassen sie sich meist ohne grosse Schwierigkeit in die
Hauptgruppen der recenten Vögel einreihen. Vielleicht gehören auch
einige Reste aus der Kreide von Kansas zu den Euornithes. Unter den
wichtigeren ausgestorbenen Formen sind zu nennen:
Gastornis Edwardsi Lem. Aus dem untersten Eocän (faune Cernaisienne)
bei Reims, ein riesiger Vogel, vielleicht mit den Rallidae oder
Anseridae verwandt.
Odontopteryx toliapicus Owen. Aus dem Londonthon (Eocän) von Sheppey,
vielleicht mit Mergus verwandt.
Didus ineptus L. (Dronte). Von der Insel Mauritius, wurde in
historischer Zeit ausgerottet; von Truthahngrösse; er ist mit den
Tauben verwandt, besitzt aber rudimentäre Flügel.
Geologische Verbreitung der Sauropsida.
Die primitivsten Formen der Sauropsida müssen Land- und
Süsswasserformen gewesen sein, und erst aus solchen dürften sich die
im Meere lebenden, sowie die fliegenden Sauropsida entwickelt haben.
Land- und Süsswasserbewohner sind die Rhynchocephala, Theromorpha,
Nothosauridae (? alle), die grosse Mehrzahl der Testudinata, die
Lacertilia und Ophidia (grösstentheils), die Parasuchia, Goniopholidae
und Crocodilidae, sowie sämmtliche Dinosauria; das Meer bewohnen
besonders die Plesiosauridae, Atheca und Chelonidae, Ichthyopterygia,
Pythonomorpha und Teleosauridae, während Pterosauria, Saurura und Aves
(grösstentheils) flugbegabt sind.
Die ältesten Sauropsida erscheinen im Perm in primitiven Formen, die
sich theilweise eng an die damals so reich entwickelten Stegocephala
anschliessen, theilweise auffallend an die primitivsten Mammalia
erinnern. Es sind Rhynchocephala und Pelycosauria, erstere in Europa,
letztere ziemlich reich in Nordamerika entwickelt. Rhynchocephala haben
sich bis zum heutigen Tage lebend erhalten in der seltsamen Hatteria
von Neuseeland. Pelycosauria finden sich nur noch in der Trias von
Südafrika, zugleich mit ihren merkwürdigen Verwandten, den Anomodontia,
die auch aus anderen Erdtheilen bekannt sind.
In der Secundärzeit entwickelt sich der ganze Stamm der Sauropsida zu
einer ausserordentlichen Blüthe. Die gewaltigsten und auffallendsten
Thierformen, die in dieser Periode das Land und Süsswasser, sowie
das Meer und die Luft bevölkern, gehören zu ihnen. Eine ganze
Reihe der wichtigsten Ordnungen und Unterordnungen der Sauropsida
sind vollständig auf die mesozoische Periode beschränkt, so die
schon erwähnten Anomodontia, die Sauropterygia, Ichthyopterygia,
Pythonomorpha, Pterosauria, Parasuchia, Dinosauria und Saurura, ebenso
wie die primitiveren Gruppen der Eusuchia und Aves.
Auf die Trias beschränkt und für diese Periode sehr charakteristisch
sind ausser den Anomodontia noch die Nothosauridae, Placodontidae
und Parasuchia; neben ihnen und den beiden schon im Perm vertretenen
Gruppen fanden sich in der Trias auch schon die ersten, aber sehr
spärlich vorhandenen Reste der Testudinata, Ichthyopterygia und
Dinosauria.
Einen ausserordentlichen Aufschwung nimmt der Sauropsidenstamm erst
im Jura. Im Lias sind vor allem reich entwickelt die meerbewohnenden
Plesiosauridae, Ichthyosauridae und Teleosauridae, während im oberen
Jura besonders die süsswasser-, luft- und landbewohnenden Testudinata,
Pterosauria und Dinosauria hervorragen; zu letzteren gehören zahlreiche
Formen, die durch ihre erstaunliche Körpergrösse alle bekannten
Landthiere irgend einer Erdperiode weit hinter sich zurücklassen und
z. Th. selbst von den gewaltigsten Meersäugethieren der Neuzeit darin
nicht übertroffen werden. Im Malm tritt auch der erste »Vogel« auf,
Archaeopteryx, der einzige bekannte Vertreter der Saurura.
Mit Ausnahme dieser letzteren Ordnung tritt der ganze staunenswerthe
Reichthum an Sauropsida aus der Jurazeit in die Kreidezeit über,
vermehrt noch durch Aves und Pythonomorpha. Ungeheure Plesiosauridae,
Ichthyosauridae und Pythonomorpha in den Meeren, zahlreiche
Testudinata, Crocodilia sowie seltsame, theilweise gehörnte Dinosauria
von ausserordentlicher Grösse im Süsswasser und am Lande, bezahnte Aves
und unbezahnte Pterosauria in der Luft, das sind die bezeichnendsten
Formen der Sauropsida in der Kreide. Hier hat der Sauropsidenstamm
seine höchste Blüthe erreicht.
Mit dem Eintritt der Tertiärperiode verschwindet die grösste Menge der
bisher herrschenden Formen völlig; von ihnen allen erhalten sich nur
die Testudinata und Crocodilidae in kaum verminderter Zahl und wenig
veränderter Gestalt bis zum heutigen Tage, mit ihnen auch ein Mitglied
der Rhynchocephala. Zu diesen gesellen sich zwei in der Kreide noch
fast unbekannte neue Gruppen, die Lacertilia und Ophidia; beide bringen
es in der Gegenwart zu einer sehr bedeutenden Mannigfaltigkeit von
Formen, erreichen aber mit wenigen Ausnahmen nur eine sehr geringe
Körpergrösse. Eine wirklich grossartige Entwickelung erreichen in der
Neuzeit von allen Sauropsiden nur die zahnlosen Aves.
Folgende Tabelle giebt ein Bild der geologischen Verbreitung der
wichtigsten Sauropsidengruppen in den verschiedenen Erdtheilen[J].
+----------------+------+------+---------+------+--------+----------+--------+-------+
| | | | | | Dogger | | |Neogen |
| |Carbon| Perm | Trias | Lias | und | Kreide | Eocän | und |
| | | | | | Malm | | |Recent |
+================+======+======+=========+======+========+==========+========+=======+
|(Stegocephala) |E. N. |E. N. |E.I.A.N. | | | | | |
|Rhynchocephala | .... | E. |E. I. A. | .... | E. | E. N. | E. N. | O. |
|Pelycosauria | .... | N. | A. | | | | | |
|Anomodontia | .... | .... | E. I. A | | | | | |
| Nothosauridae | .... | .... |E.(A. S.)| | | | | |
| Plesiosauridae| .... | .... | (E.) |E.S.O.| E. I. |E.I.N.S.O.| | |
| Placodontidae | .... | .... | E. | | | | | |
|Testudinata: | | | | | | | | |
| Atheca | .... | .... | E. | .... | .... | E. N. | E. N. | + |
| Trionychidae | .... | .... | .... | .... | .... | (N.) | E. N. | + |
| Thalassemydae | .... | .... | .... | .... | E. | E. | | |
| Chelonidae | .... | .... | .... | .... | .... | E. N. | E. N. | + |
| Platychelydae | .... | .... | .... | .... | E. | N. | N. | |
| Emydae | .... | .... | .... | .... | N. | N. | E. N. | + |
| Testudinidae | .... | .... | .... | .... | .... | .... | E. N. | + |
| Pleurodira | .... | .... | .... | .... | E. | E. N. |E.I.A.N.|A.S.O. |
| Psammochelys | .... | .... | E. | | | | | |
|Ichthyopterygia | .... | .... | E. |E.S.O.| E. N. | E. I .O. | | |
|Lacertilia | .... | .... | .... | .... | .... | .... | E. N. | + |
|Pythonomorpha | .... | .... | .... | .... | (E. ?) | E.N.S.O. | | |
|Ophidia | .... | .... | .... | .... | .... | .... | E. N. | + |
|Pterosauria | .... | .... | .... | E. | E. | E. N. | | |
|Crocodilia: | | | | | | | | |
| Belodontidae | .... | .... | E. N. | | | | | |
| Aëtosauridae | .... | .... | E. N. | | | | | |
| Teleosauridae | .... | .... | .... | E. | E. | | | |
| Goniopholidae | .... | .... | .... | .... | E. | E.(N. ?) | | |
| Crocodilidae | .... | .... | .... | .... | .... | E. N. S. | E. N. | + |
|Theropoda | .... | .... |E. A. N. | .... | E. N. | E. N. | | |
|Sauropoda | .... | .... | (? N.) | .... | E. N. | E. I. | | |
|Stegosauria | .... | .... | (A. N.) | E. | E. N. | E. N. | | |
|Ornithopoda | .... | .... | .... | .... | E. N. | E. N. | | |
|Saurura | .... | .... | .... | .... | E. | | | |
|Aves | .... | .... | .... | .... | .... | (?E.) N. | E. N. | + |
|(Mammalia) | .... | .... |E. A. N. | ....| E. N. | (N.) | + | + |
+----------------+------+------+---------+------+--------+----------+--------+-------+
Nachstehender Stammbaum ist ein Versuch, die vermuthlichen
verwandtschaftlichen Beziehungen der einzelnen Sauropsidengruppen und
verwandter Wirbelthiere übersichtlich darzustellen:
============================================================================================================
| Testudinidae
Recent | Carinatae Ratitae | Ophidia
u. Tertiär | | | | |
| | | Chelydridae | |
-----------+......|.............|...........................|...............|.......................|.......
| | | | | Pythonomorpha |
| | | | | | |
| | | | | Trionychidae | |
Kreide | Odontormae Odontolcae Chelonidae | | | | |
| | | | | | | | |
| | | Crocodilidae | | Emydae | Lacertilia --+
-----------+......|.............|.......|......|.....|......|...............|......|.......|................
| | | | | | | | | |
| +-+-------------+ | | | | Pleurodira | | |
| | Goniopholidae +------+ | | | |
| Saurura | | Platychelydae | | |
| | | | | +----+ | |
Jura | | Ornithopoda Teleosauridae | | | +---------+ |
| | | | | | | | |
| | | | +-------Thalassemydae |
| | | | : |
| | | Stegosauria +-------+ Pterosauria : Plesiosauridae |
| | | | | | : | |
-----------+....|.......|........|..................|.........|.........:...|..............|................
| | +--------+ Sauropoda | | : | |
| | | | | +-------+ : | |
| +--- Theropoda +-----+ | | Atheca : | |
| | | | | : +-------+ | |
Trias | +----------+ Parasuchia | | : : | | Ichthyopterygia
| Mammalia | | | | : : | | |
| | Anomodontia | +---------+ | Nothosauridae------+ | |
| | | | | | | | |
| | | +---------------+ | | | |
| | | +-+ | +-----------------------------+ |
-----------|....|...........|.......................|.....|..|.....................................|........
| | | | | | |
Perm | +---- Pelycosauria -------------- Rhynchocephala ----------------------------------+
| |
-----------+..........................................|.....................................................
| |
Carbon | |
| Stegocephala
-----------+..........................................|.....................................................
Devon | +-- Crossopterygii ------- Dipnoi
| |
u. Silur | (Ichthyotomi)
============================================================================================================
Uebersicht der wichtigsten Fundorte vortertiärer Sauropsida:
Perm: Rothliegendes bei Dresden mit Palaeohatteria
(und Stegocephala).
Kupferschiefer von Thüringen mit Proterosaurus.
Perm von Texas mit Pelycosauria (und Stegocephala).
Trias: Muschelkalk von Franken (Bayreuth), Schwaben, Lothringen,
Oberschlesien mit Nothosaurus, Simosaurus, Placodus (und
Stegocephala), ferner der Lombardei (schwarze Schiefer von
Besano und Perledo) mit Lariosaurus etc., Mixosaurus.
Mittlerer und oberer Keuper bei Stuttgart mit Belodon,
Aëtosaurus, Zanclodon, Psammochelys.
Trias von Nordcarolina mit Belodon, Typothorax (und Mammalia),
und von Connecticut mit Theropoda (Anchisaurus).
Karooformation von Südafrika (Basutoland) mit Pelycosauria,
Anomodontia, Mesosaurus (Stegocephala und Mammalia).
Lias: Unterer Lias von Südengland (Lyme Regis und Street) mit
Ichthyosaurus, Plesiosauridae, Scelidosaurus, Dimorphodon.
Oberer Lias (ε) von Franken (Banz), Schwaben (Boll und
Holzmaden), Normandie (Curcy), England (Whitby) mit
Ichthyosaurus, Plesiosauridae, Teleosauridae.
Dogger: Grossoolith der Normandie (Fuller’s earth von Caen) und von
England (Stonesfield) mit Plesiosauridae, Teleosauridae,
Pterosauria, Dinosauria (Mammalia).
Malm: Kalke des oberen Malm von Bayern (Lithographischer Schiefer
mit Archaeopteryx, Compsognathus), Württemberg (Nusplingen),
Solothurn, Frankreich (Cirin), alle mit zahlreichen
Testudinata, Teleosauridae, einzelne mit Pterosauria und
Rhynchocephala; Kimmeridgethone von Oxfordshire mit
Plesiosauridae, Ichthyosaurus, Teleosauridae, Stegosaurus.
Oberer Jura der Felsengebirge in Nordamerika mit zahlreichen
Dinosauria, mit Baptanodon (und Mammalia).
Purbeck von Südengland mit Goniopholidae, Dinosauria,
Testudinata (Mammalia).
Kreide: Wälderformation von England (Hastings), Belgien (Bernissart)
und Nordwestdeutschland (Bückeburg, Hannover) mit Dinosauria
(Iguanodon, Megalosaurus), Goniopholidae, Plesiosauridae.
Obere Kreide von England, Belgien (Mastricht) mit Dinosauria,
Pythonomorpha, Testudinata, Pterosauria, Plesiosauridae,
Ichthyosaurus.
Niobrara-Kreide von Kansas mit Zahnvögeln, Pteranodon,
Plesiosauridae, Atheca, Pythonomorpha.
Obere Kreide von Neuseeland, Brasilien und Süd-Chile mit
Plesiosauridae, Pythonomorpha.
Grünsand von New-Jersey mit Plesiosauridae, Testudinata,
Crocodilidae, Dinosauria, Pythonomorpha.
Laramie-Epoche der Felsengebirge mit Theropoda, Ceratopsidae,
Hadrosauridae, Champsosaurus (und Mammalia).
Fußnoten:
[J] E. = Europa, I. = Indien, A. = Afrika, N. = Nordamerika, S. =
Südamerika, O. = Oceanien, + = kosmopolitisch.
6. Klasse: Mammalia (Säugethiere).
Litteratur über fossile Säugethiere.
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Denkschr. Schweiz. Ges. f. d. ges. Nat. Bd. 19. 1862.
---- Beiträge zur Kenntniss d. foss. Pferde und zur vergl.
Odontographie d. Hufthiere. Verh. Naturf. Ges. Basel. Bd. III. 1861.
---- Die Rinder der Tertiärepoche nebst Vorstudien zu einer nat. Gesch.
d. Antilopen Abh. Schw. Palaeont. Ges. Vol. IV u. V. 1877 u. 1878.
Schlosser, M. Die Nager des europäischen Tertiärs. Palaeontographica.
Bd. XXXI.
---- Beiträge zur Stammesgeschichte d. Hufthiere. Morph. Jahrb. 1886.
Bd. XII.
---- Die Affen, Lemuren, Chiropteren etc. des europäischen Tertiärs
etc. Beiträge Pal. Oesterr.-Ungarns. Bd. VI u. VII. 1888.
Säugethiere sind mit Haaren bedeckte warmblütige Quadrupeda, die nur
durch Lungen athmen und Milch absondern zur Ernährung ihrer Jungen.
An den Wirbeln und den langen Gliedmassenknochen der Säuger verknöchern
die Gelenkenden (auch andere hervorragende Enden) von besonderen
Ossificationspunkten aus und bilden »Epiphysen« (Fig. 834 e), die erst
bei Erwachsenen mit dem früher verknöchernden Mittelstücke (Diaphyse)
des Knochens verschmelzen, während sie in der Jugend nur durch Nähte
mit demselben verbunden sind und sich sehr leicht davon ablösen
(derartige getrennte Epiphysen finden sich auch bei Anura).
Wirbelsäule der Säugethiere.
Wirbel biplan, selten opisthocöl, durch elastische
Zwischenwirbelscheiben mit einander verbunden, bei Erwachsenen
vollkommen verknöchert, nur in der Jugend mit neurocentraler Naht und
getrennten Epiphysen am Vorder- und Hinterende. (Vgl. auch p. 587-591.)
[Illustration: Fig. 827. Brustwirbel (links), bez. Halswirbel (rechts)
eines Säugethieres, schematisch. c = Wirbelcentrum; ca = Rippenkopf
(Capitulum); f = Foramen transversarium; ob = oberer Bogen; od =
Dornfortsatz; r = Rippe; r₁ = oberer Rippenfortsatz (Querfortsatz); r₂
= unterer Rippenfortsatz; st = Sternum; t = Rippenhöcker (Tuberculum);
z = Gelenkfortsatz; N = Rückenmarkscanal.]
[Illustration: Fig. 828. Loxolophodon (Dinoceras) mirabile Marsh.
Bridger-Eocän von Wyoming. Zweiter Brustwirbel von links. ca = vordere,
ca’ = hintere Gelenkgrube für das Capitulum am Wirbelkörper; d =
Dornfortsatz; t = Gelenkgrube für das Tuberculum am Querfortsatze; z =
vorderer, z’ = hinterer Gelenkfortsatz.]
Hals-, Brust-, Lenden-, Kreuzbein- und Schwanzwirbel vorhanden (nur bei
rudimentären Hintergliedmassen fehlt die Kreuzbeinregion). Fast stets
sieben Halswirbel (Fig. 827 rechts), mit unbeweglichen Querfortsätzen
und mit Foramen transversarium (f -- fehlt bei Macrauchenia und
Camelidae). Atlas ringförmig, mit breiten Querfortsätzen, vorn mit zwei
Gelenkgruben; Epistropheus mit Zahnfortsatz und hohem Dornfortsatze.
Brust- (Fig. 827 links) und Lendenwirbel mit einfachen Querfortsätzen
(r₁); über den vorderen und unter den hinteren Gelenkfortsätzen finden
sich bei ihnen oft besondere, manchmal sehr lange Fortsätze, die
Processus obliqui (Metapophyse der vordere, Anapophyse der hintere).
Vordere Rippen zweiköpfig (Fig. 827 r -- einköpfig bei Monotremata und
Cetacea); Tuberculum (t) articulirt an dem Querfortsatze (r₁), das
Capitulum (ca) am Vorderrande des Wirbelkörpers (Fig. 828 ca), meist
auch am Hinterrande (ca’) des vorhergehenden Wirbels; hintere Rippen
meist nur mit Capitulum. Brustbein stets verknöchert, meist schmal
und mehrgliederig (Fig. 833 st). Sacralwirbel (2-13) mit einander
verschmolzen. Untere Bögen am Schwanze häufig wohlentwickelt, zwischen
präcaudalen Wirbeln sehr selten nachzuweisen.
Schädel der Säugethiere.
Das Gehirn ist bei den ältesten und primitivsten Säugern
ausserordentlich klein, durchaus reptilienähnlich (Fig. 829 A u. B);
je näher der Gegenwart, um so bedeutender wird die relative Grösse des
Gehirnes innerhalb der verschiedensten Gruppen der Säuger (C). Vor
allem ist es das Grosshirn, das an Ausdehnung gewinnt und das Kleinhirn
mehr und mehr bedeckt; anfangs noch glatt (Lissencephala), erhält es
eine immer stärker gefurchte Oberfläche (Gyrencephala). Die extremste
Stufe hat in diesen Beziehungen der Mensch erreicht.
[Illustration: Fig. 829. Schädel mit Gehirn. A Palaeosyops laticeps
Marsh. Bridger-Eocän. B Hyrachyus Bairdi Marsh. Bridger-Eocän. C
Dicotyles torquatus Cuv. Recent.]
Hirnkapsel vollständig verknöchert (Fig. 830; vgl. p. 591), mit
Basioccipitale (o.b), sowie mit den meist zu einem Keilbein
verwachsenen Basi- (s.b), Prae-, Ali- (as) und Orbitosphenoiden;
Hinterhauptsgelenk (co) doppelt, von den Exoccipitalia gebildet,
die auch den Processus paramastoideus (pm) tragen. Ein Temporale (t
-- Schläfenbein) vorhanden, das entstanden zu denken ist aus der
Verschmelzung des Quadratum (Fig. 831 g, der das Unterkiefergelenk
tragende Theil) mit Squamosum (t, der Schuppe) und Quadratojugale
(z, dem Jochfortsatz oder Processus zygomaticus). Die Schuppe
des Schläfenbeins (Squamosum) bildet einen Theil der Wandung
der Hirnkapsel. Schläfengrube einfach, mit einem (dem unteren)
Schläfenbogen oder Jochbogen, nach hinten offen. Prae- und
Postfrontale, sowie Postorbitale nie als besondere Knochen entwickelt,
oft aber ein Lacrymale (Fig. 729 l). Ein Petrosum oder Felsenbein
(Fig. 830 pe) umschliesst das Gehörorgan, von einem das Trommelfell
tragenden Deckknochen, dem Tympanum (ty -- Paukenbein), bedeckt;
zwischen beiden befindet sich die öfter (unter Theilnahme benachbarter
Knochen) stark aufgeblähte Paukenhöhle oder Bulla ossea, in welcher
drei Gehörknöchelchen (Hammer, Ambos und Steigbügel oder Stapes)
liegen. Ein von der Augenhöhle nach vorn verlaufender Canal mündet auf
der Aussenseite des Maxillare (Fig. 831 fo -- Foramen infraorbitale);
mitunter ist derselbe ausserordentlich weit (Rodentia). Maxillare
(Fig. 830 mx) und Palatinum (pl), selten auch Pterygoid (pt) mit
Gaumenplatten, den harten Gaumen bildend, hinter dem die Choanen (C)
münden (vgl. p. 595). Zwischen der äusseren und inneren Wand der
Stirnbeine ist die innere Knochensubstanz (Diploe) oft schwammig,
mit Lufträumen erfüllt (Stirnsinus oder Stirnhöhlen), die mitunter
eine erstaunliche Ausdehnung erreichen, sich auch auf andere Knochen
ausdehnen können und die äussere Gestalt des Schädels ausserordentlich
beeinflussen (Hystrix, Elephantidae, Bovidae etc.).
[Illustration: Fig. 830. Sus scrofa L. Lebend. Schädel von unten. co =
Hinterhauptshöcker an den Occipitalia lateralia; im = Intermaxillare;
j = Jugale; mx = Maxillare; ob = Occipitale basilare; os = Occipitale
superius; pe = Petrosum; pl = Palatinum; pm = Processus paramastoideus;
pt = Pterygoid; sb = Basisphenoid; t = Temporale; ty = Tympanicum; v =
Vomer; C = Choanenöffnung; F = Foramen magnum; dc = Milcheckzahn; di₁₋₃
= Milchschneidezähne; d₁₋₄ = Milchbackzähne; m₁₋₂ = Molaren.]
[Illustration: Fig. 831. Leptictis Haydeni Leidy. Oligocän von
Nebraska. A Schädel von der Seite, B von unten. C = Choanen; F
= Foramen magnum; f = Frontale; fo = Foramen infraorbitale; g =
Gelenkfläche für den Unterkiefer am Temporale; im = Intermaxillare; j =
Jugale; mx = Maxillare; n = Nasale; p = Parietale; pl = Palatinum; pp
= Processus postglenoidalis; t = Temporale (Schuppe); ty = Tympanum; z
= Processus zygomaticus; i₁, i₂ = Schneidezähne; c = Eckzähne; p₁-p₄ =
Prämolaren; m₁-m₃ = Molaren.]
[Illustration: Fig. 832. Myodes torquatus Keys. u. Blas. Diluviallöss
von Vögtlinshofen, Elsass. Rechte Unterkieferhälfte von der Innenseite.
a = Processus angularis; c = Gelenkfortsatz; cor = Kronfortsatz;
i = Nagezahn, dessen Wurzel sich bis x erstreckt; m₁-m₃ = Molaren
(prismatisch).]
Verwachsungen treten sehr häufig zwischen verschiedenen Schädelknochen
ein; besonders verschmelzen oft die Occipitalia mit einander, ferner
die Sphenoide mit einander und mit dem Basioccipitale, das Petrosum mit
dem Tympanum und Temporale etc.
Jeder Unterkieferast (Fig. 832) besteht aus einem einzigen
Knochenstück, an welchem der Unterkieferwinkel (a -- Processus
angularis), der Gelenkfortsatz (c -- Pr. articularis) und der
Kronfortsatz (cor -- Pr. coronoideus) oft ansehnliche Fortsätze bilden.
[Illustration: Fig. 833. Schultergürtel von Echidna von der Seite und
etwas von unten. c = Coracoid; cl = Clavicula; e = Episternum; g =
Schultergelenk; pc = Praecoracoid; r₁-r₆ = 1. bis 6. Rippe, sternaler
Theil; s = Scapula; st = Sternum.]
Zähne stehen nur auf den Kieferrändern (Fig. 830), stets in einer
Reihe und stets in Alveolen; die hinteren sind fast stets mehrwurzelig
(Fig. 838). Zahnwechsel findet höchstens ein Mal statt (vgl. p. 687).
Durch die verschiedene Ausbildung der Zähne wird der Gesichtstheil des
Schädels ausserordentlich beeinflusst, ebenso der übrige Schädel durch
die Kaumuskeln; sind letztere stark entwickelt oder die Hirnkapsel sehr
klein, so erhebt sich u. a. die Hirnkapsel oberhalb der Schläfengruben
zu einer medianen Leiste (Crista sagittalis oder Sagittalkamm).
Gliedmassen der Säugethiere.
Nur bei den primitivsten Formen (Fig. 833) besteht der Schultergürtel
noch aus den wohlentwickelten und selbständigen Scapulae (s),
Coracoiden (c), Claviculae (cl) und Episternum (e) wie bei vielen
Sauropsida; fast immer aber ist das Coracoid rudimentär, mit der
Scapula verwachsen, den kurzen Processus coracoideus bildend;
auch das Episternum ist meist rudimentär oder fehlt; ebenso fehlt
die Clavicula bei allen Formen, deren Vordergliedmassen nur zur
Locomotion auf dem Lande oder im Wasser benutzt werden. Scapula
fast stets gross, plattenförmig, mit hoher Leiste, die meist nach
unten in einen Fortsatz, das Acromion, endet, an welchem sich die
Clavicula befestigt. Beckenknochen (manchmal rudimentär) stets mit
einander verschmolzen zum Os innominatum, bilden meist Sitz- und
Schambeinsymphyse und umschliessen ein paariges Foramen obturatorium.
Bei einigen Säugethieren sind zwei sogenannte Beutelknochen am
Schambein befestigt. Humerus (Fig. 834 A) und Femur (Fig. 834 B) zeigen
meist stark hervortretende Gelenke und Muskelansätze (als Trochanter,
Tuberositäten, Tuberculum etc. bezeichnet). Ulna stets am proximalen
Ende mit einem kräftigen Fortsatze, dem Olecranon (Fig. 945 o).
Proximale Reihe des Carpus (Fig. 835) ausser dem Pisiforme (pi) mit
drei Knochen (s, l, p), distale Reihe mit vier (1-4). Ist ein freies
Centrale (c) vorhanden, so trennt dasselbe fast immer das Magnum (3)
von dem Scaphoid (s); im anderen Falle ist das Centrale mit einem
dieser beiden Knochen verwachsen, so dass dieselben dann gewöhnlich
zusammenstossen. Proximale Reihe des Tarsus (Fig. 836) stets mit zwei
Knochen, Astragalus (a) und Calcaneus (c), distale Reihe mit 4 (1-3 u.
cb), dazwischen stets das Naviculare (n). Calcaneus (c -- Fersenbein)
stets mit starkem hinteren Fortsatze, öfter noch mit der Fibula in
Verbindung; Astragalus (a -- Sprungbein) mit grosser Gelenkfläche für
die Tibia, oft ein kopfförmig abgesetztes, ausgezeichnetes Rollengelenk
bildend (Fig. 836). Zehen (incl. Finger) fast immer mit 2, 3, 3, 3,
3 Phalangen. Die Zahl der Zehen ist vielfach reducirt; die Reduction
beginnt fast immer an der ersten Zehe. Endphalangen ursprünglich
kegelförmig oder comprimirt, gekrümmt und spitz, oft gespalten, Krallen
tragend; bei vielen Formen aber stumpf, deprimirt oder dreikantig, Hufe
(Ungulata) oder Nägel (Primates) tragend.
[Illustration: Fig. 834. Periptychus rhabdodon Cope. Puerco-Eocän von
Neu-Mexico. A rechter Humerus von vorn. c = oberer Gelenkkopf; d =
Deltoidleiste; e = Naht zwischen Epiphyse und Körper des Knochen; ent =
Foramen entepicondylare; er = radialer, eu = ulnarer Epicondylus; g =
Gelenkrolle für Radius und Ulna; t = Tuberculum majus, t’ = T. minus.
B rechter Femur von hinten. c = Oberer Gelenkkopf; ca = äusserer, ci =
innerer Condylus (Gelenk für die Tibia); ea = äusserer, ei = innerer
Epicondylus; f = Fossa intercondylea; tr₁ = grosser, tr₂ = kleiner, tr₃
= dritter Trochanter.]
[Illustration: Fig. 835. Hyrax capensis. Recent. Linke Hand. R =
Radius; U = Ulna; c = Centrale; l = Lunare; p = Pyramidale; pi =
Pisiforme; s = Scaphoid; 1 = Trapez; 2 = Trapezoid; 3 = Magnum; 4 =
Unciforme; mt₁-mt₅ = 1.-5. Metacarpale; ph₁-ph₃ = 1.-3. Phalange des
dritten Fingers; I-V = 1.-5. Finger.]
[Illustration: Fig. 836. Phenacodus primaevus Cope. Wasatch-Eocän
von Wyoming. Linker Hinterfuss. a = Astragalus mit rollenförmigem
Tibialgelenk; c = Calcaneus; cb = Cuboid; n = Naviculare; 1-3 =
Cuneiforme I-III; I-V = Metatarsale der 1.-5. Zehe.]
Die Füsse der Säuger, ursprünglich kurze, plantigrade, fünfzehige,
bekrallte Gehfüsse (vgl. p. 599), erfahren eine ausserordentlich
verschiedenartige Ausbildung bei den verschiedenen Gruppen. Bei
Füssen, die zum Graben oder zum Zerreissen der Beute dienen, selten
auch bei Kletterthieren, sind die Krallen mächtig entwickelt; die
Basis der Endphalangen ist dann meist kragenförmig umgeschlagen, eine
Scheide bildend, in welche die Basis der Hornkralle eingesenkt ist.
Die eigentlichen Kletterthiere (besonders Primates) tragen Nägel
statt der Krallen; bei solchen setzt eine unbedeutende Aenderung im
Carpo-Metacarpalgelenk den ersten Finger (Daumen oder Pollex) in Stand,
in einer anderen Richtung als die übrigen Finger sich zu beugen, und
macht ihn opponirbar; ebenso wird die erste Zehe des Fusses (Hallux)
opponirbar (Vorder- und Hinterhand). Bei Kletterthieren sind Arm- und
Beinknochen sehr verlängert und der Radius um die Ulna drehbar.
Ueber Schwimmfüsse und Flossen (Cetacea, Pinnipedia, Sirenia) vgl. p.
599, über Flughände (Chiroptera) vgl. p. 708.
Füsse, die wesentlich oder ausschliesslich der Locomotion auf
festem Boden dienen, können durch eine Reihe allmählich erworbener
Veränderungen zuletzt zu sehr vereinfachten, extrem ausgebildeten
Laufbeinen (vgl. p. 600) werden. Diese Umänderungen können folgende
sein (vgl. Fig. 942):
1. Der ursprünglich plantigrade Fuss wird digitigrad, indem nur noch
die Phalangen den Boden berühren und bei Ungulata zuletzt nur noch
die mit Hufen versehenen Endphalangen (unguligrad).
2. Die Metapodien (Metacarpalia und Metatarsalia) legen sich dicht
an einander, so dass sie nicht mehr einzeln beweglich sind; zugleich
ordnen sie sich, und mit ihnen die Carpalia und Tarsalia, bogenförmig
an, eine der Quere nach convexe Dorsalfläche und concave
Ventralfläche darstellend; dadurch erhält der Fuss geringere Breite
und grössere Tiefe.
3. Die mittleren Zehen, welche die Hauptarbeit leisten, und mit ihnen
die Metapodien, werden kräftiger auf Kosten der äusseren, welche
schwächer werden und allmählich ganz verschwinden können. Zuerst
verschwindet stets die erste Zehe. Im extremsten Falle bleibt nur
eine einzige Zehe noch übrig (Equus). Mit den Zehen erleiden auch die
Metapodien, Carpalia und Tarsalia, die Fibula sowie der distale Theil
der Ulna eine Reduction.
4. Es tritt eine mehr oder minder umfangreiche Verschmelzung von
Knochen in den einzelnen Abschnitten der Extremitäten ein. Der
Radius verschmilzt mit der Ulna, die Tibia mit der Fibula, manchmal
verschiedene Carpalia und Tarsalia mit einander, ebenso die
Metapodien.
5. Die ganzen Gliedmassen werden länger, besonders die Metapodien,
während Carpus und Tarsus kürzer werden.
6. Die ursprünglich glatten distalen Metapodialgelenke erhalten einen
mittleren Kiel (Fig. 942 k).
Bei den auf festem Boden laufenden Thieren ist regelmässig die hintere
Extremität der vorderen einen Schritt in der Entwickelung voraus. Bei
manchen (hüpfenden) Formen wird nur die Hinterextremität zu einem
Laufbein entwickelt, das dann die Locomotion allein bewerkstelligt.
* * * * *
In folgender Uebersicht ist links der primitivste, rechts der
fortgeschrittenere Zustand verzeichnet, den einzelne Skelettheile bei
den Säugern aufweisen können:
Primitiver Zustand. Fortgeschrittener Zustand
(progressiv oder retrogressiv).
Zwei Sacralwirbel. Mehr als zwei Sacralwirbel, oder
keine.
Langer und kräftiger Schwanz mit Schwanz kurz bis rudimentär;
unteren Bögen. untere Bögen fehlen.
Hirn sehr klein, reptilienähnlich; Hirn gross, zuletzt
Hirnkapsel schmal (Fig. 829 A, B). ausserordentlich gross; Hirnkapsel
gewölbt (Fig. 829 C).
Schädelprofil fast gerade, Kiefer Schädelprofil gewölbt, Kiefer kurz.
verlängert.
Sagittalkamm vorhanden. Sagittalkamm fehlt.
Nasenbeine lang; Nasenöffnung klein, Nasenbeine kurz, zuletzt
an der Schnauzenspitze gelegen. rudimentär; Nasenöffnung gross,
weit nach hinten sich erstreckend.
Jochbogen vollständig (Fig. 831). Jochbogen unterbrochen (Sorex,
Myrmecophaga).
Augenhöhle von der Schläfenhöhle Augenhöhle durch eine Brücke von
nicht getrennt (Orbitalrand hinten der Schläfenhöhle getrennt
offen, Fig. 882). (Orbitalrand vollständig, Fig. 902
A), im extremsten Falle (Simiae)
durch eine vollständige Wand.
Tympanum ringförmig, frei. Tympanum plattenförmig, oft stark
aufgeblasen, zuletzt in einen
röhrenförmigen Gehörgang
ausgezogen, meist mit dem Petrosum
verschmolzen.
Gelenk für den Unterkiefer flach, Unterkiefergelenk eine Längsrinne
hinten durch einen Vorsprung bildend, ohne Processus
(Processus postglenoidalis Fig. 831 postglenoidalis (Rodentia), oder
pp) abgeschlossen. eine tiefe Querrinne bildend mit
sehr starkem Processus (Carnivora).
Stirnhöhle fehlt oder klein. Stirnhöhle gross, im extremsten
Falle sich auf zahlreiche Knochen
erstreckend (Elephas).
Schädelknochen durch Nähte vereinigt. Schädelknochen vielfach mit
einander verschmolzen (Edentata).
Unterkieferäste durch Naht vereinigt. Unterkieferäste mit einander
verschmolzen (Fig. 902 B).
Coracoid selbständig, gross, bis zum Coracoid klein, mit der Scapula
Sternum reichend; Episternum gross verwachsen, das Sternum nicht
(Monotremata, Fig. 833). erreichend; Episternum rudimentär
oder fehlend.
Clavicula wohlentwickelt. Clavicula rudimentär oder fehlend.
Humerus mit Foramen entepicondylare Humerus ohne Foramen.
(Fig. 834 ent).
Femur mit drittem Trochanter (Fig. Femur ohne dritten Trochanter.
834 tr₃).
Ulna bez. Fibula so lang wie Radius Ulna bez. Fibula mehr oder weniger
bez. Tibia, selbständig. rudimentär, mit Radius bez. Tibia
verwachsen.
Tibiales Gelenk am Astragalus nicht Tibiales Gelenk am Astragalus
kopfförmig abgesetzt, einfach convex kopfförmig, und mit Längsfurche
(Fig. 907 B a). (rollenförmig, Fig. 907 A a).
Astragalus articulirt distal nur mit Astragalus articulirt distal auch
Naviculare (Fig. 907 A). mit Cuboid (Fig. 907 C).
Calcaneus mit Fibulargelenk. Calcaneus ohne Fibulargelenk.
Centrale am Carpus selbständig (Fig. Centrale am Carpus nicht
835). selbständig (Fig. 908, meist mit
Scaphoid verwachsen).
Scaphoid und Lunare gesondert (Fig. Scaphoid mit Lunare verwachsen
835). (Carnivora, Fig. 877).
Gliedmassen kurz. Gliedmassen verlängert.
Plantigrade, bekrallte Gehfüsse. Schwimmfüsse, Flossen, Flughände,
Laufbeine, Grab- und Kletterbeine;
Hinterfüsse können auch fehlen.
Fünf Finger bez. Zehen. Weniger als fünf Finger bez. Zehen.
Erster Finger, bez. Zehe nicht Erster Finger bez. Zehe opponirbar
opponirbar. (Didelphys, Phalangistidae,
Primates).
Endphalangen kegelförmig oder Endphalangen deprimirt, oder
comprimirt, gekrümmt, Krallen dreikantig, Nägel oder Hufe
tragend. tragend.
Endphalangen vorn gespalten. Endphalangen nicht gespalten.
Gebiss der Säugethiere[K].
Von grösster Wichtigkeit für den Paläontologen ist das Gebiss der
Säugethiere, da selbst nach einzelnen Zähnen, in Folge ihres meist
sehr charakteristischen Baues, die betreffende Art oft bestimmt werden
kann, was um so wichtiger ist, als Zähne die widerstandsfähigsten
und am häufigsten fossil erhaltenen Hartgebilde der Säuger sind. Doch
ist dabei zu berücksichtigen, dass sehr ähnlicher Zahnbau bei sehr
heterogenen Säugethierformen auftreten kann, so dass es immer sehr
bedenklich bleibt, ohne Kenntniss anderer Skelettheile nur nach der
Gestalt der Zähne die Verwandtschaftsbeziehungen einer Säugethierform
bestimmen zu wollen.
Der Zahn (Fig. 837) besteht aus Dentin, das eine mässig weite, einfache
Pulpahöhle umgiebt; die Krone ist mit Schmelz bedeckt, die Wurzel
mit Cement; mitunter fehlt die Schmelzbedeckung, oder es kann (bei
Säulenzähnen) Cement auch den Schmelz der Krone überziehen.
[Illustration: Fig. 837. Längsschnitt durch einen Säugethierzahn,
schematisch. C = Cement; D = Dentin; P = einfache Pulpahöhle; S =
Schmelz.]
Die Ursäugethiere dürften gleichzeitig zahlreiche Zähne besessen haben
ohne Zahnwechsel (monophyodont wie die Pelycosauria, vgl. Fig. 762).
Bei den meisten Säugern aber gelangen unter Verkürzung der Kiefer von
diesen Zähnen eine Anzahl erst in späterem Lebensalter zum Durchbruch
(Ersatzzähne), wobei einer oder mehrere der früher erschienenen
(Milchzähne) durch sie verdrängt werden (diphyodont mit Milchgebiss und
definitivem Gebiss, Fig. 838). Das Milchgebiss ist bei vielen Formen
längere Zeit in Gebrauch; bei manchen (Insectivora) aber tritt der
Zahnwechsel schon kurz vor oder nach der Geburt ein, das Milchgebiss
bleibt also functionslos; endlich kann es selbst ganz unterdrückt
werden (secundär monophyodont, z. B. Sirenia).
Die im Zwischenkiefer stehenden Zähne (Fig. 830) heissen Schneidezähne
(Incisiven), der unmittelbar hinter der Naht folgende meist verlängerte
erste Zahn des Maxillare heisst Eckzahn (Canine), die übrigen heissen
Backzähne; ähnlich im Unterkiefer, wo als Eckzahn der gilt, welcher bei
geschlossenen Kiefern unmittelbar vor dem oberen Eckzahne eingreift.
Ist Zahnwechsel vorhanden, so werden die hinteren Backzähne, denen
kein Milchzahn vorausgeht, als Molaren unterschieden von den vorderen
Backzähnen, den Praemolaren, die an die Stelle von Milchbackzähnen
getreten sind. Auch bei monophyodontem Gebisse werden oft Praemolaren
und Molaren unterschieden (ohne dass jedoch die Begriffe sich decken),
wenn nämlich die hinteren Backzähne einen complicirteren Bau zeigen als
die vorderen (Fig. 846).
Die Zahl der Zähne ist meist sehr gering und dann sehr beständig.
Die meisten der eocänen Säugethiere zeigen ein Gebiss von ³⁄₃ J, ¹⁄₁
C, ⁴⁄₄ P, ³⁄₃ M, oder kürzer (3 · 1 · 4 · 3)/(3 · 1 · 4 · 3), d. h.
drei Schneidezähne, einen Eckzahn, vier Praemolaren und drei Molaren
jederseits im Ober- und Unterkiefer, zusammen 44 Zähne im definitiven
Gebisse, zu denen noch 32 Milchzähne kommen, da bei ihnen 3 Schneide-,
1 Eck- und 4 Backzähne gewechselt werden (Fig. 838). Von solchen Formen
(vielleicht von solchen mit ⁴⁄₄ M) stammen die meisten oder alle
Placentalia, die jedoch nur selten diese volle Zahnzahl (vollzähliges
Gebiss) bewahrt haben. Ursprünglich dürften alle Zähne durch kleine
Lücken von einander getrennt gewesen sein, in welche die Kronen der
alternirend gegenüberstehenden Zähne des anderen Kiefers passten, wie
das noch viele Säuger zeigen; gewöhnlich aber bilden die Schneidezähne
mit einander eine geschlossene Reihe, oft auch (besonders bei
Pflanzenfressern) jederseits die Backzähne, während die Eckzähne durch
Lücken (Diastema) von diesen Reihen getrennt sind. Nur selten bilden
alle Zähne eine geschlossene Reihe in jedem Kiefer wie beim Menschen.
Im Laufe der phylogenetischen Entwickelung können einzelne oder alle
Zähne einer Kategorie allmählich verloren gehen, und zwar beginnt die
Reduction gewöhnlich an den Enden einer geschlossenen Zahnreihe (z. B.
zuerst der erste oder der letzte Backzahn); auf ihre Kosten vergrössern
sich dabei gewöhnlich einige der übrig bleibenden Zähne. Sind oben und
unten J, C, P und M vorhanden, so ist das Gebiss ein vollständiges,
im Gegensatze zum unvollständigen, dem oben oder unten wenigstens
eine dieser Zahnarten fehlt. Fast in allen Entwickelungsreihen der
Säuger zeigen die moderneren Formen eine Reduction der Zahnzahl
gegenüber den primitiveren, oft auch verbunden mit einer Verkürzung der
Kiefer, welche bis zum Verschwinden aller Zahnlücken gehen kann. Eine
Vermehrung der ursprünglichen Zahnzahl dürfte bei einigen Cetacea und
Edentata anzunehmen sein; dieselbe ist vielleicht durch ein Auftreten
von überzähligen hinteren Backzähnen zu erklären.
[Illustration: Fig. 838. Unterkiefergebiss von Sus scrofa. A
Milchgebiss. di₁-di₃ = Milchschneidezähne; dc = Milcheckzahn; d₂-d₄
= Milchbackzähne. B Definitives Gebiss. i₁-i₃ = Schneidezähne; c =
Eckzahn; p₁-p₄ = Prämolaren; m₁-m₃ = Molaren.]
Bei den ersten Säugern müssen alle Zähne einwurzelig, mit einfacher
kegelförmiger Krone (isodont) gewesen sein (nur Fangzähne wie bei
den meisten Reptilien). Während die C diese Form meist behalten, und
gewöhnlich nur länger sind als die übrigen Zähne (Fig. 838 c), werden
die J meist meisel- oder schaufelförmig, mitunter hauerartig, bleiben
aber stets einwurzelig. Die Backzähne sind gewöhnlich, je nach der
Grösse ihrer Krone, zwei- oder mehrwurzelig (Fig. 838 d, p, m) und
unterscheiden sich dadurch mit Sicherheit von den Zähnen anderer
Wirbelthiere, die (mit Ausnahme einiger Selachier) nie mehr als eine
Wurzel besitzen. Einzelne oder alle Zähne eines Gebisses, die einer
sehr starken Abnutzung ausgesetzt sind, oder die eine besondere Länge
erreichen wie manche J und C (Stosszähne und Hauer), zeigen oft ein
sehr lange dauerndes, mitunter immerwährendes Längenwachsthum; solche
Zähne besitzen eine am unteren Ende (wo die Bildung neuer Zahnsubstanz
stattfindet) weit offene Pulpahöhle (wurzellos, Fig. 838 c, 844 C),
während Zähne, die nicht mehr in die Länge wachsen, mehr oder weniger
lange, unten fast ganz geschlossene Wurzeln bilden (Fig. 837, 838 i, d,
p, m).
Die ursprünglich kegelförmigen, nur zum Festhalten der Beute
geeigneten Backzähne zeigen fast bei allen Säugern das Bestreben,
Formen anzunehmen, durch welche sie zum Zerkleinern der Nahrung
tauglich werden. Dies geschieht zunächst durch Ausbildung einer
kleinen Kaufläche, indem sich die Zahnspitze etwas verbreitert und
mehrgipfelig wird (Fig. 839 C). Diese primitive Zahnform entwickelt
sich wesentlich nach zwei Richtungen weiter: 1) es bilden sich
einzelne Backzähne zu einer verlängerten scharfen Klinge aus und
werden secodont, zum Zerschneiden der Nahrung geschickt (Fig. 869,
besonders charakteristisch für Fleischfresser); 2) es zeigt sich
das Bestreben, die Backzahnreihe zu einer möglichst grossen und der
Abnutzung möglichst lange widerstehenden Kaufläche auszubilden, die
zum Zerreiben der Nahrung geeignet ist (Fig. 845, charakteristisch für
Pflanzenfresser).
Es kommen dabei hauptsächlich die folgenden, zum Theil unabhängig von
einander auftretenden Umbildungen der Zahnkrone in Betracht:
A. Ausbildung und spätere Vergrösserung einer Kaufläche
kommt dadurch zu Stande, dass zuerst kleine Nebenspitzen und Randwülste
(Cingulum) auftreten, die zu immer grösserer Bedeutung kommen und
schliesslich eine wichtige Rolle am Aufbau der Krone übernehmen. Die
oberen Backzähne werden dabei breiter als die unteren, über die sie
stets hinausragen; sie sind auch oft breiter als lang, während die
unteren Backzähne fast stets länger sind als breit. Nach dem Auftreten
der Haupthöcker oder -Spitzen lassen sich an den oberen und unteren
Backzähnen mehrere Stufen unterscheiden, die von einander abzuleiten
sind:
Untere Backzähne (Fig. 839).
1. Stufe. Kegelförmig, mehr oder weniger stark comprimirt, mit einer
Spitze β (Fig. A).
2. Stufe. Es treten kleine Nebenhöcker dazu, z. B. α oben an der
Spitze, und γ hinten an der Basis des Haupthöckers β (Fig. B).
3. Stufe. Die Nebenhöcker α und β’ werden selbständiger (Fig. C).
4. Stufe. Der hintere Anhang γ wird umfangreicher (Fig. D u. E und Fig.
842 A). Der Zahn besteht jetzt aus einem vorderen hohen dreiseitigen
Theile mit drei Höckern (Vorderhöcker α, Aussenhöcker β, Innenhöcker
β’) und einem hinteren niederen Theile, dem Anhange oder Talon,
der einen Aussenhöcker γ und einen Innenhöcker γ’ zeigen kann --
Trigonodonter unterer Backzahn (Tubercular-sectorial-Typus nach Cope).
Diesen Zustand zeigen die unteren M bei zahlreichen primitiven Formen.
Die unteren Reisszähne der Raubthiere sind nur Modificationen dieser
Zahnform.
5. Stufe. Indem der Anhang γ γ’ die Höhe von β β’ erreicht, bez. β
β’ niederer wird, und α dabei meist verkümmert, entsteht ein etwa
rechteckiger Zahn mit vier Haupthöckern in gleichem Niveau, einem
vorderen Paar β β’ und einem hinteren Paar γ γ’ -- Tetragonodonter
unterer Backzahn (Fig. F). Die unteren M der meisten omnivoren und
herbivoren Thiere sind nur Modificationen dieser Zahnform (Fig. 842 C).
6. Stufe. Ein häufig am Hinterrande vorhandener kleiner Höcker δ (Fig.
839 F) wird besonders am M₃ vieler Omnivoren und Herbivoren umfangreich
und bildet den sogenannten »dritten Lobus« (Fig. 845 m₃).
[Illustration: Fig. 839. Unterkieferzähne von der Innenseite. A Eckzahn
von Centetes madagascariensis (⁴⁄₁). Recent. B dritter Prämolar
desselben. C Molar desselben. D Reisszahn von Viverra (²⁄₁). Recent.
E Reisszahn von Canis lupus (⅔). Recent. F Molar von Dicotyles (¹⁄₁).
Recent.]
Obere Backzähne (Fig. 840).
1. Stufe. Kegelförmiger Zahn mit einem Haupthöcker a.
2. Stufe. Es treten Nebenhöcker auf, z. B. a’, b (Fig. A).
3. Stufe. Der innere Nebenhöcker b wird selbständiger (Fig. B).
4. Stufe. Es entsteht ein zweiter äusserer Haupthöcker c, entweder
durch Verdoppelung des ersten (Fig. C), oder durch Ausbildung eines
Nebenhöckers (Fig. D). Der Zahn besitzt jetzt zwei äussere (a, c)
und eine innere (b) Hauptspitze -- Trigonodonter oder dreihöckriger
oberer Backzahn (Tritubercular-Typus nach Cope). Solche Zähne lassen
dreiseitige Lücken zwischen sich (Fig. 867 A), in welche der hohe
vordere Theil der ihnen entsprechenden trigonodonten unteren Backzähne
(Stufe 4) eingreift, während deren niederer Anhang [Greek: g g]’ der
oberen Zahnkrone gegenüber steht.
Solche trigonodonte Molaren im Ober- und Unterkiefer zeigen jetzt noch
zahlreiche Säuger. Die ältesten Tertiärsäugethiere aus dem Puerco-Eocän
trugen fast sämmtlich ein derartiges Gebiss (Fig. 866, 910).
Am Hinterrande des trigonodonten oberen Backzahnes erscheint nun
allmählich ein zuerst als Basalwulst ausgebildeter innerer Höcker d
(Fig. F u. G).
5. Stufe. Indem der Höcker d selbständiger wird, entsteht der typische
tetragonodonte obere Backzahn mit zwei Aussenhöckern a u. c und zwei
Innenhöckern b u. d (Fig. 840 J). Auf diese Zahnform sind die oberen
M der meisten Pflanzenfresser zurückzuführen. Diese tetragonodonten
Zähne bilden eine zusammenhängende Kaufläche mit einander, ohne
Lücken zwischen sich zu lassen (Fig. 913); ihnen gegenüber stehen
die tetragonodonten unteren Mahlzähne (5. Stufe), deren vier (fünf)
Haupthöcker in gleichem Niveau liegen.
Ausser den genannten Haupthöckern stellen sich vielfach auf der
Kaufläche noch Neben- und Zwischenhöcker ein (Fig. 840 G u. H, a’,
b’, b’’), oder am Rande der Krone Basalwarzen und Basalwülste (Fig.
840 J w). Besonders wichtig sind die bei vielen Ungulata sehr stark
ausgebildeten vorderen und hinteren Zwischenhöcker b’, b’’ (Fig. 840 H).
Durch die Ausbildung immer neuer, am Hinterrande auftretender
Basalhöcker und -Wülste kann eine weitere Vergrösserung der Kaufläche
an den oberen wie an den unteren Backzähnen über die 5. Stufe hinaus
erfolgen, die bei manchen Formen (z. B. Elephas, Hydrochoerus) zur
Entstehung überaus grosser Zahnkronen führt.
[Illustration: Fig. 840. Obere Backzähne von der Kaufläche. A P₃ von
Lemur macaco ²⁄₁). B P₄ von demselben (²⁄₁). C Molar von Mesonyx
ossifragus (⅔). Eocän. D Reisszahn von Viverra (³⁄₂). Recent. E Molar
von Arctomys bobac (⁵⁄₃). Recent. F Molar von Tarsius spectrum.
Recent. G M₁ von Adapis magnus (²⁄₁). Oligocän. Quercy. H Molar von
Pachynolophus siderolithicus (⁵⁄₃). Quercy. J Molar von Prodremotherium
elongatum Filh. (⁴⁄₃). Quercy.]
B. Umbildung der Höcker.
1. Die Höcker bleiben isolirt, rund oder kantig, und bilden Spitzen,
Zacken, Kegel, Warzen (bunodont, Fig. 839 F, 840 C, 842 A). Dies
ist die ursprünglichste Form der Höcker, von der die übrigen Formen
abzuleiten sind.
2. Die Aussenhöcker der oberen M bilden je ein spitzwinkeliges ∨, das
an jedem Ende sich zu einer scharfen Spitze erhebt (Fig. 841, viele
insectivore Formen).
3. Ein oder mehrere Aussenhöcker verlängern sich und bilden zuletzt
sehr gestreckte schmale und scharfe Klingen, während oft die
Innenhöcker fehlen oder rudimentär werden (secodont, Reiss- oder
Fleischzähne zahlreicher Raubthiere, Fig. 840 D, 869, 870).
4. Aussen- und Innenhöcker wohlentwickelt; einige oder alle Höcker
erhalten auf einer oder auf zwei entgegengesetzten Seiten Kanten (Fig.
840 H), werden allmählich flacher und breiter und stellen zuletzt
gerade oder gebogene Leisten (Kämme oder Joche) dar, die häufig mit
ihren Enden zusammenfliessen (lophodont, Fig. 840 J, 842 B). Die
Spitzen der ursprünglichen Höcker bleiben mehr oder weniger deutlich;
an dieser Stelle bleibt die Leiste auch mehr oder weniger verdickt.
Die Leisten sind gewöhnlich ungefähr senkrecht gestellt zur Richtung
der Kaubewegung; wird der Unterkiefer beim Kauen wesentlich nach rechts
und links geschoben, so liegen die Leisten in der Längsrichtung des
Zahnes, bilden aber meist einen mehr oder weniger auffallenden Bogen
oder Halbmond, oder ein stumpfes ∨ (selenodont, z. B. Wiederkäuer,
Fig. 840 J); bewegt sich der Unterkiefer dagegen wesentlich nach vorn
und hinten, so bilden sich mehr oder weniger gerade Querleisten oder
Querjoche (z. B. viele Rodentia, Elephas etc., Fig. 857, 921, 928).
[Illustration: Fig. 841. Vespertilio noctula. Recent. Oberer Molar.
⁷⁄₁.]
[Illustration: Fig. 842. Untere Backzähne von der Kaufläche. A Molar
von Didelphys (⁴⁄₁). Recent. B Molar von Anoplotherium commune (¹⁄₁).
Oligocän. Quercy. C Molar von Cervus elaphus (⁶⁄₇). Recent. m = Marken.]
Die vertieften Stellen der Zahnkrone zwischen den Leisten heissen
Thäler (Marken sind Thäler, die vollständig abgeschlossen sind durch
die zusammenfliessenden Leisten -- Fig. 842 C m). Die lophodonte
Zahnform ist für Pflanzenfresser besonders charakteristisch; die in
einander greifenden und an einander reibenden Leisten der oberen
und unteren Backzahnreihe sind vorzüglich geeignet zum Zermahlen
der Nahrung. Eine Vergrösserung der Leisten durch mannigfaltige
Biegungen und eine Fältelung des Schmelzes (plicident) erhöht noch die
Wirksamkeit dieser Zähne.
C. Ausbildung hoher Zahnkronen.
Als brachyodont (Fig. 843 u. 844 A) werden die Formen von Mahlzähnen
bezeichnet, welche insofern das ursprüngliche Verhalten bewahrt
haben, als ihr Wachsthum sehr bald abgeschlossen ist. Ihre Krone ist
niedrig, mit dachförmig abfallenden, von dickem Schmelz bedeckten
Höckern oder Leisten, die Thäler seicht, die Wurzeln lang und unten
geschlossen, Cement auf die Wurzeln beschränkt. Der dicke, äusserst
harte Schmelzbelag wird erst im späteren Alter ganz durchgerieben, so
dass erst spät das Dentin auf der Kaufläche frei liegt (Fig. 840 H).
[Illustration: Fig. 843. A Brachyodonter Zahn von Anchitherium.
B Hypselodonter Zahn von Hippotherium. C Stark hypselodonter
(prismatischer) Zahn von Equus. c = Kante auf der Aussenseite des
Zahnes.]
[Illustration: Fig. 844. Schema der Entwickelung des brachyodonten
Zahnes (A) durch den wenig hypselodonten Zahn (B) zum prismatischen
(C). D = Dentin; p = Pulpahöhle; s = Schmelz; u = Usurfläche; z =
Cement.]
Indem nun bei den brachyodonten Zähnen der Abschluss des Wachsthums,
und damit die Bildung einer Wurzel allmählig immer später eintritt,
wobei die Krone immer höher, der Schmelzbelag immer dünner wird,
entstehen aus ihnen die hypselodonten Zähne, von denen zahllose
Abstufungen (Fig. 843, 844 B) vorhanden sind; ihre extremsten Formen
(Säulenzähne oder prismatische Zähne -- Fig. 843 u. 844 C) sind
wurzellose Mahlzähne, deren Wachsthum sehr lange fortdauert, und die
erst sehr spät oder nie eine geschlossene Wurzel erhalten; die unten
weit offene Krone ist sehr hoch, säulenförmig, mit dünnem Schmelzbelag,
der selbst ganz fehlen kann (Edentata), sämmtliche Leisten oder Höcker
zu Platten (Lamellen) oder Pfeilern mit senkrecht ansteigenden Wänden
entwickelt, die Thäler entsprechend tief und mit Cement ausgefüllt, das
dann auch die ganze Krone überziehen kann. Der dünne Schmelzbelag ist
an den Spitzen beim Kauen sehr bald abgerieben, so dass sehr frühzeitig
das Dentin auf der Kaufläche sichtbar wird, umgeben von Schmelzrändern,
welche selbst wieder von Cement umschlossen sein können (Fig. 844 C).
In dem Verhältniss als die Krone oben abgekaut wird, wächst sie von
unten her immer nach. Es ist die höchste Entwickelungsstufe, die der
Mahlzahn eines Pflanzenfressers erreichen kann; besonders bezeichnend
ist diese Zahnform für Grasfresser, deren stark kieselhaltige Nahrung
die Zähne sehr abnutzt.
* * * * *
Selten stehen alle Zähne einer Backzahnreihe auf gleicher
Entwickelungshöhe; fast stets sind die M am weitesten fortgeschritten
(manchmal der letzte M, der aber in anderen Fällen hinter den vorderen
M zurückbleibt), während die P einfacher bleiben (heterodont, Fig. 949)
und zwar die vorderen P immer einfacher als die hinteren (Fig. 912;
ähnlich verhält sich das Milchgebiss -- Fig. 845); doch haben innerhalb
gewisser Entwickelungsreihen nach und nach alle oder wenigstens die
hinteren P (Fig. 969) die volle Ausbildung der M erreicht (homöodont).
Bei carnivoren Seesäugethieren kann eine Vereinfachung (Rückbildung)
im Bau der Backzähne eintreten, die allmählich wieder alle auf die
ursprüngliche Form einwurzeliger, kegelförmiger Fangzähne (isodont)
zurücksinken können.
Innerhalb der verschiedensten Gruppen der Säugethiere haben sich
selbständig vielhöckerige aus einfacheren Zähnen, lophodonte und
secodonte aus bunodonten, hypselodonte aus brachyodonten, homöodonte
aus heterodonten Zähnen entwickelt; zwischen den Extremen finden sich
die mannigfaltigsten Zwischenstufen.
[Illustration: Fig. 845. Untere Backzähne von Dicotyles torquatus
(8/7). Recent.]
Das Milchgebiss ist als eine kleinere Ausgabe des definitiven Gebisses
zu betrachten, von dem es sich in seiner Function nur quantitativ,
nicht qualitativ unterscheidet; das ganze Gepräge des Milchgebisses
ist das des definitiven Gebisses. In der Regel ist der hinterste D den
M ähnlich (oft dem letzten M, wenn derselbe complicirter ist als die
übrigen -- Fig. 845 d₄ u. m₃), während die an ihre Stelle tretenden P
oft auf einer tieferen Entwickelungsstufe stehen bleiben; sind also die
M complicirter gebaut als die P, so sind es meist auch die hinteren D.
Die Kaufläche brachyodonter und mässig hypselodonter Zähne,
welche einer Abnutzung unterliegen, verändert ihr Aussehen in oft
ausserordentlichem Grade, je weiter die Abnutzung fortschreitet. Es
bilden sich, zuerst nur an den höchsten Stellen der Krone, Usurflächen
(Fig. 845 m₁), in deren Mitte früher oder später das Dentin in
Form von Inseln zu Tage tritt, umgeben von den ihrer grösseren
Widerstandsfähigkeit wegen stets etwas vorragenden Schmelzrändern (d₄);
die verschiedenen Usurflächen, und ebenso die Dentininseln vergrössern
sich nun allmählig und verschmelzen mehr und mehr mit einander (d₃),
wobei der Zahn zuletzt bis auf die Wurzeln abgekaut wird. Usurflächen
prismatischer Zähne dagegen behalten stets das gleiche Aussehen.
Im Gebisse ist die Lebensweise der Thiere ungefähr ausgeprägt; man kann
danach unter anderem unterscheiden:
A. Oben und unten J, C, P, M vorhanden.
a. M mit langen, scharfen, kantigen Spitzen. Insectivores Gepräge.
b. C verlängert; ein oder mehrere Backzähne zu einer schmalen Klinge
ausgebildet. Carnivores Gepräge.
c. C wohlentwickelt; Backzähne mit niedrigen, stumpfen Höckern.
Omnivores Gepräge.
B. C fehlen; mittlere J wurzellos, meiselförmig. Rodentes Gepräge.
C. J und C vorhanden oder fehlend; M lophodont. Herbivores Gepräge.
Fußnoten:
[K] Im Text und an den Figuren sind hier allgemein folgende
Bezeichnungen für die Zähne und Zahntheile angewendet worden:
Im Texte: J = Schneidezähne, C = Eckzähne, P = Prämolaren, M = Molaren;
D = Milchbackzähne, DJ = Milchschneidezähne, DC = Milcheckzahn.
An den Figuren: i, c, p, m; d, di, dc für die entsprechenden Zähne.
Die Zähne sind stets von vorn nach hinten gezählt, also i₁, p₁, m₁:
vorderster J, P, M. (Von manchen Autoren werden die P von hinten nach
vorn gezählt.)
An den unteren Backzähnen bedeutet: α = Vorderhöcker, β = Aussenhöcker,
β’ = Innenhöcker der Vorderhälfte; γ = Aussenhöcker, γ’ = Innenhöcker
der Hinterhälfte oder des »Anhanges«; δ = dritter Lobus.
An den oberen Backzähnen bedeutet: a = vorderer Aussenhöcker, b
= vorderer Innenhöcker, c = hinterer Aussenhöcker, d = hinterer
Innenhöcker; die Nebenhöcker sind mit a’ (vor dem vorderen
Aussenhöcker), b’, b’’, d’ etc. bezeichnet.
Im Texte wird dementsprechend je nach der Ausbildung der Höcker von
α-Spitze, β’-Höcker, b-Mond etc. gesprochen.
Soweit es nicht besonders angegeben ist, sind die von der Kaufläche
abgebildeten oberen und unteren Backzähne so orientirt, dass ihr
Vorderrand nach links, ihr Aussenrand nach oben gerichtet ist.
* * * * *
Die Säugethiere lassen sich in drei Unterklassen mit zusammen
24 Ordnungen eintheilen:
I. Coracoid gross, selbständig, erreicht das Brustbein. Beutelknochen
und eine Kloake vorhanden. Eierlegend.
1. Unterklasse Prototheria.
a. Zahnlos (p. 696).
1. Ordnung Monotremata.
b. Stellung zweifelhaft; wenigstens 44 Zähne (p. 696).
? 2. Ordnung Pantotheria.
c. Stellung zweifelhaft; weniger als 44 Zähne; ein J verlängert, im
Unterkiefer keine weiteren vorhanden (p. 698).
? 3. Ordnung Multituberculata.
II. Coracoid rudimentär, als Processus coracoideus mit der Scapula
verwachsen. Keine Kloake. Lebendiggebärend.
A. Beutelknochen; Palatinum durchbrochen. Nur ein Milchzahn, hinter
dem meist vier sogenannte Molaren von gleicher Gestalt sich
entwickeln; Unterkieferwinkel eingebogen. Ohne Placenta
(Aplacentalia, p. 700).
2. Unterklasse Marsupialia.
1. Ordnung Polyprotodontia.
2. Ordnung Diprotodontia.
B. Keine Beutelknochen; mit Placenta.
3. Unterklasse Placentalia.
1. Hinterfüsse fehlen; Vorderfüsse flossenähnlich; Körper
fischähnlich. Milchgebiss rudimentär oder fehlend.
Seesäugethiere.
a. Kein Ellbogengelenk; Unterkiefer ohne aufsteigenden Ast.
Vielleicht zu den Sarcotheria gehörig (p. 705).
1. Ordnung Cetacea.
b. Ellbogengelenk vorhanden; Unterkiefer mit aufsteigendem
Aste. Vielleicht zu den Ungulata gehörig (p. 707).
2. Ordnung Sirenia.
2. Hinterfüsse wohlentwickelt; ursprüngliche Zahnformel
(3 · 1 · 4 · 3(4))/(3 · 1 · 4 · 3(4)), ursprünglich mit 32
Milchzähnen. Landsäugethiere.
a. Endphalangen comprimirt oder kegelförmig, gekrümmt und
zugespitzt, mit Krallen. Füsse selten ausschliesslich
locomotorisch.
α. Die Krone sämmtlicher J, P und M vollständig von Schmelz
bedeckt; sämmtliche Schneide- und Backzähne mit
geschlossenen Wurzeln; Gebiss vollständig. Meist
Fleischfresser.
1. Gruppe Sarcotheria.
aa. Vorderextremität durch Verlängerung der Finger zum
Flugorgan ausgebildet. Hirn klein und glatt.
Milchgebiss rudimentär (p. 709).
3. Ordnung Chiroptera.
bb. Geh- und Lauffüsse; äussere Zehen nicht verlängert.
αα. Scaphoid und Lunare selten verwachsen; J₁ meist
länger als J₃; J conisch, oder C nicht
verlängert, oder C verlängert und zweiwurzelig.
Milchgebiss selten functionirend. Hirn klein und
glatt (p. 709).
4. Ordnung Insectivora.
ββ. Scaphoid und Lunare nie verwachsen; J₁ nie
länger als J₃; J meiselförmig; C stark
verlängert; unten M₁ nicht grösser als M₂ und
M₃, denselben ähnlich; Milchgebiss
wohlentwickelt; Hirn klein und glatt (p. 711).
5. Ordnung Creodonta.
γγ. Scaphoid, Lunare und Centrale mit einander
verwachsen; J₁ nie länger als J₃; J
meiselförmig; C stark verlängert; unten M₁
grösser als M₂ und M₃; Milchgebiss
wohlentwickelt; Hirn gross und gefurcht
(p. 716).
6. Ordnung Carnivora.
cc. Schwimmfüsse; äussere Zehen der Hinterfüsse
verlängert. Scaphoid, Lunare und Centrale
verwachsen; C verlängert; mehrere ähnliche M mit nur
einer Hauptspitze; Milchgebiss rudimentär; Hirn
gross und gefurcht (p. 728).
7. Ordnung Pinnipedia.
β. An einzelnen oder allen J, P und M ist die
Schmelzbedeckung mangelhaft (oder zahnlos); einzelne
oder alle Zähne wurzellos mit weit offener Pulpahöhle.
Meist Pflanzenfresser.
2. Gruppe Aganodontia.
aa. C und J vorhanden; wenigstens ein J wurzellos,
meiselförmig; ein Processus postglenoideus (p. 728).
8. Ordnung Tillodontia.
bb. C fehlen; J wurzellos, meiselförmig; kein Processus
postglenoideus (p. 731).
9. Ordnung Rodentia.
cc. J fehlen (meist); alle Zähne wurzel- und schmelzlos,
oder fehlend; Milchgebiss rudimentär, meist fehlend;
Zahnzahl manchmal vermehrt (p. 736).
10. Ordnung Edentata.
b. Endphalangen vorn meist abgerundet, deprimirt oder
dreikantig, nicht gekrümmt, mit Nägeln oder Hufen;
Milchgebiss wohlentwickelt.
α. Daumen opponirbar; Nägel tragend; plantigrad; bunodont;
Orbitalrand vollständig; Claviculae (p. 741).
3. Gruppe Primates.
11. Ordnung Prosimiae.
12. Ordnung Simiae.
β. Daumen nicht opponirbar; Hufe tragend; fast immer
digitigrad oder unguligrad; Orbitalrand meist hinten
offen oder Gebiss lophodont; keine Claviculae (p. 746).
4. Gruppe Ungulata.
13. Ordnung Condylarthra.
14. Ordnung Hyracoidea.
15. Ordnung Toxodontia.
16. Ordnung Proboscidea.
17. Ordnung Amblypoda.
18. Ordnung Perissodactyla.
19. Ordnung Artiodactyla.
1. Unterklasse Prototheria.
1. Ordnung Monotremata.
Die Kloakenthiere sind die primitivsten unter den lebenden
Säugethieren. Sie besitzen unter anderem noch (Fig. 833) freie
Coracoide, freies Episternum, eine Scapula ohne Crista, Beutelknochen,
ein Foramen entepicondylare, keine Intervertebralscheiben, und sind
ovipar. Dagegen sind die Schädelknochen verwachsen, Rippen einköpfig,
die Zähne verloren gegangen. (Es wurden Zahnrudimente nachgewiesen, die
den Zähnen der Multituberculata ähneln sollen.)
Hierher gehören die beiden lebenden Gattungen Ornithorhynchus und
Echidna (Fig. 833), die nur in Australien, letztere auch auf Neu-Guinea
vorkommen. Reste einer grossen Echidna-Art wurden fossil in jungen
Ablagerungen von Australien gefunden.
? 2. Ordnung Pantotheria.
Unter diesem Namen ist hier vorläufig der grösste Theil der
mesozoischen Säuger vereinigt, der ältesten Säuger, die überhaupt
bekannt sind. Ihre Stellung im System ist noch ganz zweifelhaft, da
bisher nur Gebisse und Unterkiefer bekannt sind. Sie werden von manchen
Autoren theils den Marsupialia, theils den Insectivora eingereiht; es
ist aber eher zu erwarten, dass das Skelet dieser ältesten Säugethiere
noch den primitiveren Bau der Monotremen zur Schau tragen werde. Von
solchen bezahnten Monotremen mögen dann einerseits die Marsupialia,
andererseits die Placentalia entsprungen sein.
Es sind sehr kleine Thiere mit J, C, P und M von insectivorem Gepräge,
und mit mindestens 44 Zähnen. C oft zweiwurzelig. Hintere Backzähne
(Molaren) mehrspitzig, die Hauptspitzen in einer Reihe hinter einander
liegend, oder als Aussen- und Innenspitzen unterschieden; vier (selten
mehr oder 3) vordere Backzähne (Prämolaren) meist etwas einfacher
gebaut. Bei einer Gattung (Triconodon) wird wie bei Marsupialia der
letzte Prämolar gewechselt; doch dürften andere Formen monophyodont
gewesen sein. Unterkiefergelenk nicht quer verbreitert, etwa in einer
Linie mit der Backzahnreihe gelegen. Es sind zwei triasische und etwa
25 jurasische Gattungen bekannt aus England und Nordamerika, zu denen
noch einige Formen aus der obersten (Laramie-) Kreide von Nordamerika
kommen.
1. Fam. Dromatheriidae.
Gebiss (Fig. 846) ähnelt auffallend dem der Reptilien (Pelycosauria,
vgl. Fig. 762). M mit einer Hauptspitze, vor und hinter welcher mehrere
Nebenspitzen auftreten; Wurzel der M einfach, nur durch eine Furche
getheilt. C verlängert, dahinter eine Lücke. Es sind die ältesten
bekannten Säugethiere. Zwei Gattungen in der Trias von Nordamerika.
[Illustration: Fig. 846. Dromatherium sylvestre Emm. Chatham-coal
Fields von Nord-Carolina. Rechter Unterkiefer.]
Dromatherium Emmons (Fig. 846).
D. sylvestre Emmons (Fig. 846). Obere Trias von Nord-Carolina.
2. Fam. Triconodontidae.
M mit drei Spitzen hinter einander (Fig. 847), mehrwurzelig, mit
starkem inneren Basalwulst; P mit Basalspitzen. Jura von Europa und
Nordamerika.
[Illustration: Fig. 847. Triconodon mordax Ow. Purbeck. England.
Backzahn (vergr.).]
Triconodon Owen (Fig. 847). Zahnformel ?/3·1·4·3-4.
Obere und untere M mit drei etwa gleichlangen hohen Spitzen hinter
einander. P einfacher, dem letzten geht wie bei Marsupialia
ein Milchzahn voraus. C mit gefurchter oder doppelter Wurzel.
Unterkieferwinkel stark einwärts gebogen. Sie stehen den echten
Beutelthieren jedenfalls sehr nahe. Purbeck von England.
T. mordax Owen (Fig. 847). Purbeck von Swanage, Dorsetshire.
Amphilestes Owen. Zähne zahlreicher, ?/(3? · 1 · 4 · 6), mit starkem,
die Molaren vollständig umgebenden Cingulum. Dogger von England.
A. Broderipi Owen. Dogger von Stonesfield.
Amphitherium Owen. Zahnformel?/(3 · 1 · 4 · 8). Dogger von England.
A. Prevosti Owen. Dogger von Stonesfield.
3. Fam. Stylacodontidae.
C und M zweiwurzelig, letztere mit hoher Krone. Untere M mit einer
Aussen- und zwei bis drei Innenspitzen, obere mit zwei Aussen- und
einer Innenspitze (trituberculär). Zahnformel 3-4 · 1 · 3-4 · 6-8. Jura
und Kreide.
Amblotherium Owen (= Stylodon Owen). Zähne ähneln sehr denen von
Chrysochloris (Insectivora). Europa.
A. soricinus Owen, pusillus Owen. Purbeck von Dorsetshire.
[Illustration: Fig. 848. Dryolestes priscus Marsh. Jura der
Felsengebirge. Linker Unterkiefer von aussen.]
[Illustration: Fig. 849. Kurtodon pusillus Owen. Purbeck-beds von
Dorsetshire. A Oberkiefergebiss von der Innenseite. B Ansicht der
Kaufläche der letzten Molaren. ³⁄₁.]
Dryolestes Marsh (Fig. 848) ist sehr ähnlich. Jura und Kreide von
Nordamerika.
D. priscus Marsh (Fig. 848). Oberer Jura der Felsengebirge.
D. tenax Marsh. Laramie-Kreide von Wyoming.
Kurtodon Osborn (Fig. 849). Kaufläche der dreikantigen oberen M nahezu
glatt; sonst Amblotherium ähnlich. Europa.
K. pusillus Owen (Fig. 849). Purbeck von England.
? 3. Ordnung Multituberculata.
Diese auf die Secundärzeit und das älteste Eocän beschränkte Ordnung
wird meist den Beutelthieren zugerechnet, da der Unterkieferwinkel
eine Einwärtsbiegung zeigt und der letzte Prämolar der Plagiaulacidae
an den von Hypsiprymnus erinnert. So lange jedoch, wie bisher,
nichts weiter von diesen seltsamen Formen vorliegt als das Gebiss
und wenige Skeletfragmente, dürfte es angemessener sein, sie noch
als gesonderte Gruppe zu betrachten und ebenfalls ihrem geologischen
Alter entsprechend neben die primitivsten Säuger zu stellen. Für die
Secundärzeit stellen sie einen auffallend stark specialisirten Typus
vor. Gebiss meist sehr reducirt, stets weniger als 44 Zähne. Im Ober-
und Unterkiefer ist ein J stark verlängert (Fig. 851 u. 853) und
nagezahnartig; im Unterkiefer fehlen weitere J und C ganz. Die M mit
zwei oder drei Längsreihen von Höckern, die durch eine (Fig. 850) oder
zwei (Fig. 852) Furchen von einander getrennt sind; die P zeigen nur
wenige Höcker (Fig. 850), oder sie sind stark comprimirt und bilden
eine scharfe Schneide (Fig. 853). Darnach lassen sich zwei Familien
unterscheiden:
1. P mit Höckern versehen. 1. Fam. Bolodontidae.
2. P zu einer Schneide comprimirt. 2. Fam. Plagiaulacidae.
1. Fam. Bolodontidae.
P mit mehreren stumpfen Höckern versehen; zwei bis vier obere M mit
zwei oder drei Längsreihen von Höckern. Hinter dem verlängerten oberen
J findet sich (? immer) noch ein kleinerer. Trias bis Eocän.
[Illustration: Fig. 850. Allodon laticeps Marsh. Jura der
Felsengebirge. Obere Backzähne.]
[Illustration: Fig. 851. Tritylodon longaevus Owen. Karooschichten im
Basutolande. Oberkiefergebiss.]
[Illustration: Fig. 852. Cimolomys gracilis Marsh. Laramie-Kreide von
Wyoming. Oberer Molar. ³⁄₁.]
Allodon Marsh (Fig. 850). Zahnformel (3 · 0 · 3 · 4)/(? 1 · 0 · 2 · 4);
obere M mit zwei Höckerreihen. Jura von Nordamerika.
A. laticeps Marsh (Fig. 850). Jura der Felsengebirge.
Belodon Owen. Zahnformel (2 · 0 · 3 · 4)/?; obere M mit zwei
Höckerreihen. Jura von England.
B. crassidens Owen. Purbeck von Dorsetshire.
Microlestes Plien. Aus dem Bonebed (Rhät) von Württemberg und
England; ist nur in einzelnen Zähnen bekannt, die den Molaren von
Bolodon ähneln.
Tritylodon Owen (Fig. 851). Zahnformel (2 · 0 · 2 · 4)/?; obere M mit
drei Höckerreihen. Trias von Südafrika.
T. longaevus Owen (Fig. 851). Schädel von Kaninchengrösse.
Karooschichten im Basutolande.
Triglyphus Fraas. Nur in kleinen, dem Tritylodon ähnlichen Molaren
bekannt. Bonebed von Württemberg.
Polymastodon Cope. Zahnformel (? ·? · 1 · 2)/(1 · 0 · 1 · 2); obere
M mit drei Höckerreihen. Innere Zehen stark reducirt. Schwanz lang.
Untereocän von Nordamerika.
P. taoënsis Cope. Von der Grösse des Riesenkänguru. Puerco-Eocän von
Neu-Mexico.
Cimolomys Marsh gehört hierher oder zur nächsten Familie. Kreide.
C. gracilis Marsh (Fig. 852). Laramie-Kreide von Wyoming.
2. Fam. Plagiaulacidae.
P stark comprimirt, mit schneidendem Rande, der letzte vergrössert; nur
zwei M; die fast nur durch Unterkiefer bekannten Gattungen und Arten
bilden eine zusammenhängende Formenreihe, deren älteste aus dem Jura
noch vier P zeigen, während die jüngsten aus dem Eocän nur noch den
letzten P besitzen, der stets der grösste Backzahn ist; derselbe ist
oft mit schiefen seitlichen Furchen versehen (Fig. 853 p₄). M mit zwei
oder drei Höckerreihen. Oberer Jura und unterstes Eocän von Europa und
Nordamerika; auch in der Laramie-Kreide.
Ctenacodon serratus Marsh; /(1 · 0 · 4 · 2); P₄ gesägt, ohne
Furchen. Jura der Felsengebirge.
Plioprion minor Falc.; /(1 · 0 · 4 · 2); P₄ mit Furchen. Purbeck von
England.
Plagiaulax Becklesi Owen; /(1 · 0 · 3 · 2); P₄ mit Furchen. Purbeck
von England.
Ptilodus mediaevus Cope; /(1 · 0 · 2 · 2); P₄ mit Furchen.
Puerco-Eocän von Neu-Mexico.
Neoplagiaulax eocaenus Lém. (Fig. 853); /(1 · 0 · 1 · 2); P₄ mit
Furchen. Eocän bei Reims; ähnlich ist N. americanus Cope aus dem
Puerco-Eocän von Neu-Mexico.
Liotomus Marshi Lém.; /(1 · 0 · 1 · 2); P₄ ohne Furchen. Eocän bei
Reims.
[Illustration: Fig. 853. Neoplagiaulax eocaenus Lém. Unteres Eocän von
Reims. Rechter Unterkiefer von innen.]
2. Unterklasse Marsupialia.
Die Beutelthiere sind unter den Säugern ausgezeichnet durch den höchst
unentwickelten Zustand, in welchem ihre Jungen zur Welt kommen, indem
dieselben die Entwicklung, welche die höheren Säuger im mütterlichen
Uterus mit Hülfe einer Placenta erreichen, erst nach der Geburt in
einem äusseren Beutel durchlaufen. Hirn klein und glatt. Gebiss sehr
verschiedenartig entwickelt, von carnivorem, insectivorem, herbivorem
oder rodentem Gepräge. Der dritte Backzahn ist der einzige Zahn, dem
ein Milchzahn vorhergeht, dahinter finden sich meist vier einander
ähnliche Backzähne von complicirterem Bau; diese letzteren werden
daher meist als Molaren bezeichnet, obwohl der erste derselben
vielleicht dem letzten Prämolar der Placentalia entspricht. J oft
mehr als drei vorhanden. Gaumenplatten fast stets durchbrochen (Fig.
858), Unterkiefer mit einwärts gebogenem Winkel. Nasenbeine lang,
Nasenöffnung klein und weit vorne; Augenrand hinten offen. Meist fünf
Zehen; Endphalangen oft gespalten; erste hintere Zehe oft opponirbar.
Am Carpus fehlt ein besonderes Centrale. Radius mehr oder weniger um
die Ulna beweglich. Claviculae meist vorhanden. Femur ohne dritten
Trochanter. Hinterfüsse öfter auf Kosten der Vorderfüsse verlängert,
und die vierte Hinterzehe auf Kosten der übrigen Zehen, unter denen die
zweite und dritte nebst ihren Metatarsen ausserordentlich dünn werden
und äusserlich vereinigt sein können (syndactyl).
Beutelthiere finden sich gegenwärtig in grosser Formenmannigfaltigkeit
in der australischen Region entwickelt, wo sie fast ausschliesslich
die Klasse der Säuger vertreten; diesen schliessen sich eine Anzahl
fossiler Formen an, die aus jüngeren (? diluvialen) Ablagerungen von
Australien stammen; viele dieser ausgestorbenen Formen zeichneten sich
durch riesige Körpergrösse vor ihren lebenden Verwandten aus. Lebend
ist sonst nur noch in Amerika eine Gruppe von Beutelthieren entwickelt,
die Didelphidae; diesen nahestehende Formen finden sich fossil auch im
Oligocän und Miocän von Europa und Nordamerika.
Ob einige der Secundärsäugethiere zu den Marsupialia gerechnet
werden dürfen, wird erst eine bessere Kenntniss von deren Skeletbau
entscheiden können.
I. Wenigstens 4/3 kleine J; M trigonodont; C wohlentwickelt.
1. Ordnung Polyprotodontia.
1. Zahnformel (5 · 1 · 3 · 4)/(4 · 1 · 3 · 4).
1. Fam. Didelphidae.
2. Zahnformel (4 · 1 · 3(2) · 4)/(3 · 1 · 3(2) · 4)
2. Fam. Dasyuridae.
3. Zahnformel (4 · 1 · 3 · 6)/(3 · 1 · 3 · 6).
3. Fam. Myrmecobiidae.
II. Der erste untere J stark vergrössert, meist auch der erste obere; C
meist rudimentär oder fehlend.
2. Ordnung Diprotodontia.
A. Vier tetragonodonte M.
1. M prismatisch oder mit zwei Querjochen.
a. Hinterfüsse verlängert, oben drei J.
1. Fam. Macropodidae.
b. Hinterfüsse nicht verlängert, oben drei J.
2. Fam. Diprotodontidae.
c. Hinterfüsse nicht verlängert, oben nur ein J. M
prismatisch.
3. Fam. Phascolomyidae.
2. M bunodont bis selenodont, brachyodont.
4. Fam. Phalangistidae.
B. M rudimentär, der letzte P zu einer sehr langen Schneide
entwickelt.
5. Fam. Thylacoleontidae.
1. Ordnung Polyprotodontia.
An den oberen M ist meist der hintere, selten auch der vordere
Aussenhöcker mehr oder weniger V-förmig ausgebildet, mit Spitzen an den
Enden des V; der letzte obere M ist öfter reducirt; C stets verlängert.
Bei Peramelidae ist wie bei vielen Diprotodontia Syndactylie vorhanden.
1. Fam. Didelphidae.
Gebiss 5· 1 · 3 · 4 / 4 · 1 · 3 · 4. Erste Hinterzehe opponirbar.
Peratherium Aym. (Fig. 854) sind kleine Raubbeutler aus dem Oligocän
und Miocän von Europa und Nordamerika.
P. Cuvieri Fisch. Gyps (Oligocän) vom Montmartre.
P. Aymardi Filh. (Fig. 854). Phosphorite von Quercy.
P. fugax Cope. White River-Oligocän von Colorado.
Didelphys L. (Fig. 855) ist eine sehr nahe verwandte Gattung, die
lebend und diluvial in Süd- und Nordamerika vorkommt.
[Illustration: Fig. 854. Peratherium Aymardi Filh. Phosphorite von
Quercy. Linker Unterkiefer von aussen.]
[Illustration: Fig. 855. Didelphys sp. Recent. Südamerika. Unterer
Molar von der Kaufläche, ⁴⁄₁.]
2. Fam. Dasyuridae.
Unterscheidet sich von der vorigen Familie durch nur 4/3 Schneidezähne
und eine rudimentäre oder fehlende erste Hinterzehe. Recent und
diluvial in Australien.
3. Fam. Myrmecobiidae.
Die einzige hierher gehörige Art (Myrmecobius fasciatus Wath.) lebt in
Australien und erinnert durch die grosse Zahl ihrer J und M und durch
ihre zweiwurzeligen C sehr an gewisse Pantotheria. Die Backzähne sind
von winziger Grösse.
2. Ordnung Diprotodontia.
1. Fam. Macropodidae.
Höcker der oberen und unteren M zu je zwei einfachen Querjochen
vereinigt. Letzter P bei Hypsiprymnus verlängert, zu einer Schneide
comprimirt und oft gefurcht (ähnlich den Plagiaulacidae). Zweite und
dritte Hinterzehe syndactyl.
Die in zahlreichen Arten in Australien lebende Familie der Kängurus ist
auch fossil in jungen Ablagerungen daselbst sehr reich vertreten, z.
Th. in Arten, welche die lebenden weitaus an Körpergrösse übertreffen,
wie Macropus titan Owen.
2. Fam. Diprotodontidae.
Mit sehr plumpen, gleich langen Gliedmassen; Gebiss (3 · 0 · 1 · 4)/(1
· 0 · 1 · 4); erster J oben und unten hauerartig verlängert (Fig. 856);
M mit zwei Querjochen (Fig. 857) wie die Macropodidae. Die Familie ist
gänzlich ausgestorben; ihre Reste finden sich in jungen Ablagerungen
von Australien; es waren Thiere von enormer Grösse, die in der jetzigen
Fauna von Australien ihres Gleichen nicht mehr haben.
[Illustration: Fig. 856. Diprotodon australis Owen. Fossil in
Australien. Schädel.]
[Illustration: Fig. 857. Diprotodon australis Owen. Letzter unterer
Molar.]
Diprotodon Owen (Fig. 856 u. 857) besass mächtige wurzellose Hauer im
Ober- und Unterkiefer.
D. australis Owen (Fig. 856 u. 857), von Rhinocerosgrösse; der
Schädel ist 1 m lang.
Nototherium Owen ist verwandt, mit weniger grossen Schneidezähnen,
deren Wurzeln nicht lange offen bleiben; mit ausserordentlich weiten
Jochbogen.
N. Mitchelli Owen ist etwas kleiner als Diprotodon.
3. Fam. Phascolomyidae.
Die einzige Gattung Phascolomys (Wombat) besitzt ein völliges
Nagergebiss (1· 0 · 1 · 4)/(1 · 0 · 1 · 4), dessen sämmtliche Zähne
prismatisch werden; lebend noch in wenigen Arten in Australien, wo sie
ebenfalls durch fossile Arten von sehr bedeutender Grösse (Ph. gigas
Owen von Tapirgrösse) vertreten waren.
4. Fam. Phalangistidae.
Kletternde Beutler mit bunodonten, mehr oder weniger selenodont
werdenden M; Hinterfüsse nicht verlängert, erste Zehe opponirbar,
zweite und dritte syndactyl. Lebend und diluvial in Australien.
5. Fam. Thylacoleontidae.
Der gewaltige Thylacoleo carnifex Owen (Fig. 858) von Löwengrösse,
die einzige Art der Familie, ist nur aus jüngeren Ablagerungen von
Australien bekannt; er stellt eine sehr extrem ausgebildete Form
dar, die wohl mit den lebenden Phalangistidae in nähere Beziehung zu
bringen ist. P₃ hat eine ganz ausserordentliche Grösse erreicht und
stellt eine lange, schmale, schneidende Klinge dar, dem Reisszahne der
grossen Katzen ähnlich; die übrigen Zähne mit Ausnahme der mittleren J,
welche fangzahnartig werden, sind rudimentär und fehlen gelegentlich.
Gebiss (3 · 1 · 3 · 1)/(1 · 0 · 3 · 2). Die Jochbogen sind auffallend
stark ausgebuchtet und deuten auf mächtig entwickelte Kaumuskeln;
die Endphalangen waren mit Basalkragen versehen und trugen gewaltige
Krallen. Das Thier dürfte ein Fleischfresser gewesen sein, vielleicht
ein Aasfresser.
[Illustration: Fig. 858. Thylacoleo carnifex Owen. Fossil
in Australien. A Schädel von unten, B von der Seite. P =
Gaumendurchbohrung.]
3. Unterklasse Placentalia.
a. Seesäugethiere.
1. Ordnung Cetacea.
Der Körper der Walfische und Delphine ist fischähnlich. Schädel (Fig.
860) oft sehr gross, Kiefer, hauptsächlich das Maxillare, stark
verlängert; Bezahnung sehr verschiedenartig; sind Zähne vorhanden, so
sind sie oft sehr zahlreich (bis 150), meist sämmtlich einwurzelig,
kegelförmig, oft mehr oder weniger comprimirt, ohne Milchgebiss;
Nasenbeine sind meist verkümmert und dann die Nasenöffnung (Spritzloch)
gross und weit nach hinten in die Nähe des Scheitels gerückt;
Jochbeine (j) sehr schwach. Die sieben Halswirbel sind sehr kurz,
oft mit einander verwachsen. Brust- und Lendenwirbel mit sehr langen
Querfortsätzen; an den Rippen verkümmert meist das Capitulum. Schwanz
mächtig ausgebildet, die Querfortsätze der hinteren Schwanzwirbel
zeigen senkrechte Durchbohrungen. Die vordere Extremität ist
flossenartig entwickelt, platt, die Phalangenzahl oft beträchtlich
vermehrt. Hinterextremitäten fehlen nebst dem Becken, bis auf kleine
Rudimente; ein Kreuzbein ist daher nicht vorhanden. Besonders wichtig
zur Erkennung der fossilen Formen ist das sehr häufig isolirt
vorkommende, mehr oder weniger eingerollte und aufgeblasene Tympanicum.
Die Cetacea stammen sicher von Landsäugethieren ab; die ältesten Formen
(Zeuglodontidae -- Fig. 859) zeigen noch im Gebiss und Schädel viele
Merkmale der Landsäugethiere, die den typischen moderneren Formen
meist verloren gegangen sind; die Eigenthümlichkeiten der Cetacea
dürften fast alle als Anpassungen an das Wasserleben aufzufassen sein.
Obwohl keine Formen bekannt sind, welche die Cetacea mit einer der
übrigen Ordnungen der Säuger näher verbinden, dürfte es doch wohl das
wahrscheinlichste sein, dass sie von primitiven fleischfressenden
Landsäugethieren abstammen. Fossil sind sie vom Eocän an bekannt.
A. Hintere Zähne comprimirt, mit gezackten Rändern, zweiwurzelig (Fig.
859 B), Zwischenkiefer wohl entwickelt, mit Zähnen; Halswirbel frei.
a. Gebiss (3 · 1 · 5-8)/(3 · 1 · 5-8); Milchzähne vorhanden;
Nasenbeine verlängert, Nasenöffnung weit vorn.
1. Fam. Zeuglodontidae.
b. Gebiss (3 · 1 · 4-5 · 7)/(3 · 1 · 4 · 7); Nasenbeine sehr kurz,
Nasenlöcher auf dem Scheitel.
2. Fam. Squalodontidae.
B. Alle Zähne einfach conisch, einwurzelig; Zwischenkiefer zahnlos;
Oberkiefer stets und meist reich bezahnt; Schädel sehr unsymmetrisch;
Nasale winzig; vordere Halswirbel meist verwachsen.
3. Fam. Delphinidae.
C. Oberkiefer zahnlos; functionirende Zähne auf den Unterkiefer
beschränkt, meist nur sehr wenige; Frontale und Maxillare stark in
die Höhe gezogen, so dass das Schädelprofil auffallend concav wird;
Schädel sehr unsymmetrisch; Nasale winzig; Halswirbel verwachsen.
4. Fam. Ziphioidae.
D. Beide Kiefer zahnlos; dafür sind Barten entwickelt; Unterkieferäste
nach aussen convex; Schädel symmetrisch; Nasale klein.
5. Fam. Balaenidae.
1. Fam. Zeuglodontidae.
Diese im Eocän vertretene Familie zeigt noch vielfach Charaktere (Fig.
859 A, B), welche an Landsäugethiere erinnern und bei den übrigen
Cetacea meist nicht mehr vorhanden sind, z. B. grosse Zwischenkiefer
mit kegelförmigen J; geringe Zahl von Backzähnen; Gestalt der
Backzähne, die alle mehrspitzig und zweiwurzelig sind; Milchzähne;
geringe Grösse des Schädels; verlängerte flache Nasenbeine mit weit
vorne liegender Nasenöffnung; Schläfengruben und Sagittalkamm gross;
Halswirbel ziemlich lang und frei; Finger etwas beweglich. Hirnhöhle
sehr klein. Sehr auffallend ist die concentrisch blätterige Struktur
der äusseren Knochenschichten, wie sie in diesem Grade bei keinem
Wirbelthiere sich wiederfindet.
[Illustration: Fig. 859. Zeuglodon cetoides Owen (= Z. brachyspondylus
Müll.). Eocän von Alabama. A Schädel von oben, Gebiss von der Seite.
f = Frontale; mx = Maxillare; n = Nasale; p = Parietale; pr =
Intermaxillare; i = Schneide-, c = Eck-, m = Backzähne. B ein Backzahn.]
Zeuglodon Owen (Fig. 859). Eocän von Europa, Egypten, Nordamerika und
Neuseeland.
Z. cetoides Owen (Fig. 859 A, B). Eocän von Alabama und Südcarolina.
Schädel von 5′ Länge bei einer Gesammtlänge von 60-70′.
2. Fam. Squalodontidae.
Der Schädel ähnelt schon sehr dem der moderneren Cetacea. Eocän bis
Pliocän.
Squalodon Grat. (Fig. 860). Diese Gattung entwickelt sich in miocänen
und pliocänen Meeresablagerungen von Europa, Nordamerika und
Australien, in Nordamerika vielleicht schon im Eocän. Die vorderen
Backzähne (Prämolaren) sind conisch, einwurzelig, die hinteren noch
gezackt und zweiwurzelig, doch schon in vergrösserter Anzahl.
S. Ehrlichi v. Beneden. Miocän von Linz.
S. bariensis Jourdan (Fig. 860). Miocän von Süddeutschland und
Frankreich.
S. antverpiensis van Ben. Pliocän bei Antwerpen.
[Illustration: Fig. 860. Squalodon bariensis Jourdan. Miocän. Schädel
(combinirt nach den Exemplaren von Bleichenbach, Niederbayern und
von Bari, Dep. Drôme). co = Hinterhauptsgelenk; f = Frontale; im =
Intermaxillare; j = Jugale; md = Unterkiefer; mx = Maxillare; os =
Supraoccipitale; t = Temporale; ty = Tympanum.]
3. Fam. Delphinidae.
Die durch zahlreiche lebende Arten repräsentirte Familie ist seit dem
Miocän in Europa bekannt; die Zähne sind stets alle einwurzelig und oft
in sehr grosser Anzahl vorhanden.
4. Fam. Ziphioidae.
Auch diese Familie findet sich seit dem Miocän fossil; hierher gehören
Ziphius, Physeter etc.
5. Fam. Balaenidae.
Bei den Bartenwalen finden sich Zähne nur rudimentär im embryonalen
Zustande. Schädel verhältnissmässig sehr gross, die Nasenbeine grösser
als die der Delphinidae. Hierher gehören die grössten Mitglieder der
Ordnung.
Cetotherium mit verhältnissmässig langen, freien Halswirbeln findet
sich schon im europäischen Miocän. Besonders zahlreiche Reste von
Bartenwalen finden sich im Pliocän bei Antwerpen, in England und in
Oberitalien, neben vielen jetzt ausgestorbenen Gattungen auch die noch
lebenden Balaenoptera, Megaptera, Balaena.
2. Ordnung Sirenia.
Die Seekühe (Fig. 861) sind grosse pflanzenfressende Säugethiere, die
äusserlich viele Aehnlichkeit haben mit Cetacea, doch wohl nur in Folge
ähnlicher Lebensweise, während sie ihrem ganzen Bau nach vielleicht als
marine Ungulata anzusehen sind.
Hintergliedmassen fehlen (selten ein rudimentärer Femur vorhanden);
Vordergliedmassen flossenähnlich, doch ist ein Ellbogengelenk
noch vorhanden; Unterkiefer meist sehr gross, hoch, mit senkrecht
aufsteigendem, kräftigem Kron- und Gelenkfortsatz; Prämaxillare
gross, ebenso wie der vordere Theil des Unterkiefers mehr oder
weniger abwärts gezogen; Jochbeine sehr kräftig. Nasenbeine klein
oder fehlend, Nasenöffnung sehr weit; Halswirbel fast immer frei. Die
meisten Skeletknochen von sehr dichter elfenbeinartiger Struktur.
Zähne vorhanden oder fehlend; bei einigen Formen ein rudimentäres
Milchgebiss. Eocän bis Gegenwart.
Prorastomus Owen. Zwischen- und Unterkiefer vorn kaum abwärts gezogen,
von mässiger Grösse. Nasenöffnung kleiner als bei anderen Sirenen.
Gebiss (3 · 1 · 4 · 4)/(3 · 1 · 4 · 4)?. J schneidezahnähnlich, P
einwurzelig, M mehrwurzelig mit zwei Querjochen. Es ist jedenfalls
die primitivste Form unter den Sirenen, die einerseits zu Manatus,
andererseits durch Halitherium, Metaxytherium, Felsinotherium zu
Halicore und Rhytina führt. Eocän.
P. sirenoides Owen. Eocän von Jamaica.
[Illustration: Fig. 861. Halitherium Schinzi Kaup. Oligocän von
Rheinhessen. Skelet. B = Becken; f = Femur. Die Rippen sind sehr viel
dicker, als auf dieser Figur dargestellt ist, so dass sie sich fast
berühren.]
Halitherium Kaup (Fig. 861). Becken mässig entwickelt; ein
griffelförmiger Femur vorhanden; Nasale klein; Zwischen- und
Unterkiefer vorn stark herabgezogen. Gebiss (1 · 1 · 5-6)/(1 · 1 ·
5-6); oberer J mehr oder weniger vergrössert, hauerähnlich; Untere
J, ebenso C und vordere P rudimentär, frühzeitig ausfallend; P
einwurzelig, M mehrwurzelig, mit mehreren stark gefalteten Höckern,
die eine kleeblattähnliche Usurfläche geben. Oligocän bis Pliocän von
Europa.
H. Schinzi Kaup (Fig. 861). Oligocän von Europa.
H. (Metaxytherium) Cuvieri de Christol. Miocän von Frankreich.
H. (Felsinotherium) Foresti Cap. Pliocän von Italien.
Halicore Illig. Kein Femur; Zwischen- und Unterkiefer sehr mächtig
und sehr stark abwärts gezogen. Keine Nasenbeine. Männchen mit sehr
grossen Hauern. Bei alten Thieren bleiben ausserdem nur die beiden
letzten, griffelförmigen, einwurzeligen M übrig. Recent.
H. dugong Daub. Küsten des Indischen Oceans.
Rhytina Stelleri Cuv., zahnlos, aus der Behringsstrasse, wurde
bereits im vorigen Jahrhundert ausgerottet.
Manatus Rond. mit 8-10 mehrwurzeligen Backzähnen, alle von gleicher
Gestalt, mit je zwei dreihöckerigen Querjochen, lebt an den Küsten und
Flussmündungen des wärmeren Atlantischen Oceans und findet sich fossil
auch im Diluvium von Nordamerika.
b. Landsäugethiere.
1. Gruppe Sarcotheria.
3. Ordnung Chiroptera.
An den Vordergliedmassen ist nur der Daumen kurz und krallentragend;
die Phalangen des zweiten bis fünften Fingers sind ausserordentlich
verlängert, meist alle krallenlos; dieselben tragen eine bis zu den
Hinterfüssen ausgespannte Flughaut. Auch Ober- und Unterarm sind
sehr verlängert. Schädel sehr kurz; Gebiss meist reducirt, doch alle
Zahnarten vorhanden, die M meist trigonodont und mit spitzen Zacken
versehen, alle von gleicher Gestalt. Beide Aussenhöcker der oberen M
meist V-förmig ausgebildet (Fig. 862); das Milchgebiss wird schon vor
der Geburt resorbirt.
Die ältesten Chiroptera kennt man in Europa aus dem Oligocän,
die fossilen Formen gehören wesentlich zu den Rhinolophidae und
Vespertilionidae; häufiger finden sie sich nur in den Phosphoriten und
in einigen diluvialen Knochenhöhlen. Ihrer sehr geringen Grösse und
ihres seltenen Vorkommens wegen sind sie für den Paläontologen nur von
untergeordneter Bedeutung.
[Illustration: Fig. 862. Vespertilio noctula. Recent. Oberer Molar.
⁷⁄₁.]
[Illustration: Fig. 863. Leptictis Haydeni Leidy. Oligocän von
Nebraska. A Schädel von der Seite, B von unten. C = Choanen; F
= Foramen magnum; f = Frontale; fo = Foramen infraorbitale; g =
Gelenkfläche für den Unterkiefer am Temporale; im = Intermaxillare; j =
Jugale; mx = Maxillare; n = Nasale; p = Parietale; pl = Palatinum; pp =
Processus postglenoideus; t = Temporale; ty = Tympanum; s = Processus
zygomaticus; i₁, i₂ = Schneidezähne; c = Eckzahn; p₁-p₄ = Prämolaren;
m₁-m₃ = Molaren.]
4. Ordnung Insectivora.
Insektenfresser gehören zu den ursprünglichsten Säugethierformen und
zeigen vielfach noch sehr primitive Merkmale. Hirn klein und glatt;
am Schädel ist die Gesichtspartie meist sehr verlängert; Nasenöffnung
klein; Schädelprofil ungefähr geradlinig; Jochbogen meist schwach oder
ganz fehlend. Lücken im Gaumen öfter vorhanden, wie bei Marsupialia.
Claviculae fast stets wohl entwickelt. Humerus meist mit Foramen, Femur
oft mit drittem Trochanter. Tibia und Fibula häufig distal verwachsen.
Carpus meist ohne freies Centrale, Scaphoid und Lunare nur selten
verschmolzen. J oft von kegelförmiger Gestalt, selten dicht beisammen
stehend; die mittleren sind häufig vergrössert; C meist klein und nicht
verlängert, mitunter lang, ein- oder zweiwurzelig; M trigonodont oder
tetragonodont, mit spitzen Höckern. Die M sind, mit Ausnahme des oft
verkümmerten letzten, einander gleich. Zahnwechsel findet meist vor
der Geburt statt. Die hierher gehörigen Formen haben alle geringe, oft
sehr geringe Körpergrösse; sie finden sich in zahlreichen Arten lebend,
besonders in der alten Welt, wo sie auch fossil seit dem Oligocän nicht
sehr selten sind; in Südamerika und Australien fehlen sie ganz.
Nach der Ausbildung der oberen M lassen sich drei Gruppen unter den
Insectivoren annehmen.
1. Gruppe. M trigonodont, die oberen meist viel breiter als lang,
jeder ein einfaches V bildend (vielleicht entsprechen dieselben
einem einzigen V-förmig ausgebildeten Haupthöcker); letzter P
ähnelt den M (Fig. 863 u. 864). Anhang der unteren M sehr klein.
Die älteste hierher gehörige Form ist wohl Adapisorex Lémoine aus dem
unteren Eocän von Reims.
Fam. Ictopsidae.
Jochbogen vollständig. J kegelförmig, von einander getrennt.
Wasatch-Eocän bis Oligocän von Nordamerika.
Leptictis Leidy (Fig. 863). Zahnformel (2· 1· 4· 3)/?. Oligocän.
L. Haydeni Leidy (Fig. 863). White River-Oligocän von Nebraska.
Auf diese Familie lassen sich vielleicht eine Anzahl isolirt
stehender recenter Formen zurückführen, denen sämmtlich ein
Jochbogen fehlt, nämlich die Centetidae von Madagascar mit Centetes
madagascariensis (Fig. 864), die Potamogalidae von Madagascar und
Westafrika, die Chrysochloridae von Südafrika und die Solenodontidae
von Westindien.
[Illustration: Fig. 864. Centetes madagascariensis. Recent. Madagascar.
A Schädel von unten. C = Choanen; co = Hinterhauptsgelenke; im =
Intermaxillare; mx = Maxillare; ob = Basioccipitale; pe = Petrosum;
pl = Palatinum; pm = Processus paramastoideus; sb = Basisphenoid; t =
Temporale. B dritter Prämolar, C Molar des Unterkiefers, von innen.]
2. Gruppe. M trigonodont; von den beiden Aussenhöckern der oberen
M ist jeder V-förmig ausgebildet (ähnlich Fig. 862); letzter P
einfacher als die M. Ein d-Höcker ist meist angedeutet; es finden
sich Uebergänge zur nächsten Gruppe.
Amphidozotherium Filh. ist der älteste Vertreter der Talpidae; aus
den Phosphoriten von Quercy.
A. Cayluxi Filh. Phosphorite von Quercy.
Talpa L. (Maulwurf) erscheint zuerst im unteren Miocän von Europa.
T. brachychir H. v. M. Untermiocän von Deutschland.
Parasorex H. v. M., aus dem oberen Miocän, verbindet die
afrikanischen Macroscelididae mit den indischen Tupajidae.
P. socialis H. v. M. Miocän von Steinheim.
Sorex Wagl. (Spitzmaus) existirt bereits im unteren Miocän von
Europa.
S. Neumayri Schloss. Untermiocän von Weissenau.
3. Gruppe. M tetragonodont; oben sind die Aussenhöcker nur undeutlich
V-förmig; letzter P ähnelt mitunter den M.
Neurogymnurus Filh. aus den Phosphoriten dürfte die Stammform von
Erinaceus sein.
N. Cayluxi Filh. Phosphorite von Caylux.
Erinaceus L. (Igel) findet sich bereits im Untermiocän von Europa.
E. priscus H. v. M. Miocän von Weissenau.
5. Ordnung Creodonta.
Die Creodonta spielen während der ganzen älteren Tertiärzeit die
Rolle der eigentlichen Raubthiere, der Carnivora, die sich auch
wahrscheinlich aus ihnen entwickelt haben. Ihre Blüthezeit fällt in das
Eocän, auch im Oligocän sind sie noch vertreten, dann aber erlischt die
Gruppe vollständig, um den damals schon zahlreich vorhandenen echten
Raubthieren Platz zu machen. Man kennt eine bedeutende Anzahl Arten
aus Europa und Nordamerika von der Grösse eines Wiesels bis zu der des
Grizzlybären.
Gehirn und Backzähne, ebenso die ganze Gestalt erinnern auffallend an
die Raubbeutelthiere, so dass an nähere Verwandtschaft mit denselben
gedacht werden könnte. Jedoch sind sie von denselben wohl unterschieden
durch das Vorhandensein eines vollständigen Milchgebisses und durch die
ursprüngliche Zahnformel (3 · 1 · 4 · 3)/(3 · 1 · 4 · 3).
Wie die echten Raubthiere haben auch sie (Fig. 867) meist drei
gedrängt stehende J mit schneidendem Rande (J₂ ebenfalls oft etwas
zurückgeschoben), verlängerte C und gut entwickelte, aber ziemlich
einfache P. Hirn sehr klein und glatt; oben und unten sind meist alle M
trigonodont und von gleicher Gestalt, ihre Aussenhöcker nie V-förmig
ausgebildet; nur der obere M₃ kann reducirt sein; der obere M₂ und
untere M₃ sind fast nie kleiner, oft aber grösser als die vorderen
M; Kopf auffallend gross, mit kräftigem Sagittalkamm und kleiner
Hirnkapsel; Schwanz lang und Beine kurz; Claviculae fehlen; sie sind
plantigrad, Krallen oft stumpf, Endphalangen oft gespalten; Scaphoid,
Lunare und Centrale stets getrennt; Cuboid oft eingekeilt zwischen
Calcaneus und Astragalus, das proximale Astragalusgelenk meist einfach
convex; Humerus mit Foramen entepicondylare; Femur oft mit drittem
Trochanter; Tibia und Fibula getrennt.
Die primitiveren Formen stehen den ältesten Insectivora, Tillodontia,
Condylarthra und Prosimiae sehr nahe; von den Creodonta sind Carnivora
und Pinnipedia abzuleiten.
Es lassen sich folgende fünf Familien unterscheiden:
I. M₁ nie grösser als M₂.
A. Untere M mit dreihöckerigem vorderen Theile (α, β, β’), und einem
schüsselförmigen hinteren Anhänge (γ).
1. Fam. Proviverridae.
B. Untere M comprimirt, mit drei hinter einander liegenden Höckern
(α, β, γ); β’-Höcker fehlt oder rudimentär, Anhang γ kegelförmig,
selten fehlend.
1. Aussenhöcker der M kegelförmig; Astragalus mit proximalem
Rollengelenke.
2. Fam. Mesonychidae.
2. Aussenhöcker der M klingenförmig verlängert; oberer M₃
rudimentär oder fehlend.
3. Fam. Hyaenodontidae.
C. Höcker der M niedrig und warzenförmig, von zahlreichen
Nebenhöckern umgeben; unten erreicht der Anhang γ die Höhe der
vorderen Zahnhälfte.
4. Fam. Arctocyonidae.
II. Gebiss wird Carnivoren-ähnlich, indem oben P₄ und unten M₁
vergrössert sind und als Reisszähne den hinteren etwas verkümmerten
M gegenüber auftreten. Alle M deutlich trigonodont.
5. Fam. Miacidae.
1. Fam. Proviverridae.
Die Proviverridae haben im Gebiss und im Skelet noch die
ursprünglichsten Charaktere bewahrt; von ihnen dürften sich die übrigen
Familien der Creodonta ableiten lassen. Eocän und Oligocän von Europa
und Eocän von Nordamerika.
Mioclaenus Cope (Fig. 866). Obere M mit drei kegelförmigen Höckern;
der α-Höcker der unteren M wird klein und kann ganz verschwinden. ⁵⁄₅
Zehen. Es sind 24 Arten bekannt aus dem Puerco-Eocän von Neu-Mexico,
von Iltis- bis Wolfgrösse. Cope betrachtet diese Gattung als
Ausgangspunkt der übrigen Creodonta.
M. coryphaeus (Fig. 866), M. turgidus Cope. Puerco von Neumexico.
Chriacus Cope (Fig. 865 A, B) ist sehr ähnlich, aber die unteren M mit
wohlentwickeltem α-Höcker. Puerco- und Wasatch-Eocän von Nordamerika.
Ch. priscus Cope (Fig. 865). Puerco von Neumexico.
[Illustration: Fig. 865. Chriacus priscus Cope. Puerco-Eocän von
Neumexico. A obere Backzähne (³⁄₂), B untere Molaren (³⁄₂) von der
Kaufläche.]
Cynohyaenodon Filh. (Fig. 867 A, B). Gebiss mit 44 Zähnen; Höcker der M
auffallend kantig, oben ist P₄ den Molaren ähnlich (reisszahnartig); M₃
ist verkümmert und quergestellt; die unteren M ähneln sehr dem unteren
M₁ der Viverridae (vgl. Fig. 873 A -- typisch trigonodont). Oligocän
von Europa.
C. Cayluxi Filh. (Fig. 867), von Fuchsgrösse. Phosphorite von
Quercy.
Stypolophus Cope ist sehr ähnlich; etwa 10 Arten im Wasatch- und
Bridger-Eocän von Nordamerika.
S. Whitiae Cope. Wasatch von Wyoming.
Deltatherium Cope. Oben und unten 3 P. Puerco-Eocän.
D. fundaminis Cope. Häufig im Puerco-Eocän von Neu-Mexico.
Palaeonictis gigantea Blainv., unten mit 3 · 1 · 4 · 2 Zähnen, M mit
kleinem, grubigem Anhang. Eocän von Soissons.
[Illustration: Fig. 866. Mioclaenus coryphaeus Cope. Puerco-Eocän von
Neu-Mexico. Obere Backzähne (⅚). w = Basalwulst.]
[Illustration: Fig. 867. Cynohyaenodon Cayluxi Filh. Oligocäne
Phosphorite von Caylux. Gebiss. A Oberkiefer von der Kaufläche. B
Unterkiefer von innen.]
2. Fam. Mesonychidae.
Eocän von Nordamerika. Ziemlich vollständig bekannt ist
Mesonyx Cope (Fig. 868). Zahnformel (3 · 1 · 4 · 3)/(3 · 1 · 4 · 3).
Die Höcker der oberen und unteren Backzähne sind ziemlich kegelförmig.
Astragalus mit rollenförmigem Tibialgelenk, mit dem Cuboid in
Verbindung. Die Endphalangen halten die Mitte zwischen Krallen und
Zehen und sind gespalten. Unterkieferwinkel einwärts gebogen. Wasatch-
bis Uinta-beds von Nordamerika.
[Illustration: Fig. 868. Mesonyx ossifragus Cope. Wasatch-Eocän von
Wyoming. A untere Backzähne von innen, B von der Kaufläche. C Schädel
von unten. D oberer Molar von der Kaufläche.]
M. ossifragus Cope (Fig. 868) ist das grösste Raubthier der Wasatch-
Periode von Wyoming. Der Schädel hat die Grösse des grössten
Grizzlybären, der Körper die des Baribal, mit längeren Hinter- und
kürzeren Vorderbeinen, mit langem, kräftigem Schwanze; es war
vermuthlich ein Wasserthier, das an Land sich hüpfend wie ein
Kaninchen bewegt haben muss.
Dissacus Cope ist nahe verwandt. Puerco-Eocän von Neumexico.
3. Fam. Hyaenodontidae.
Schliessen sich nahe an die Mesonychidae; die M sind zu mehr oder
weniger verlängerten Klingen mit schneidendem Rande ausgebildet (Fig.
869); der obere M₃ fehlt oder ist rudimentär. Mitunter weniger als drei
J. Eocän und Oligocän von Europa und Nordamerika.
[Illustration: Fig. 869. Hyaenodon leptorhynchus Laizer et Parieu.
Phosphorite von Mouillac. A Oberkiefer von der Kaufläche. Oligocän. B
Unterkiefer von aussen.]
[Illustration: Fig. 870. Hyaenodon sp. Phosphorite von Quercy. Letzter
unterer Molar von innen.]
Hyaenodon Laizer et Parieu (Fig. 869 u. 870). Zahnformel (3 · 1 · 4 ·
2)/(3 · 1 · 4 · 3). Die M bilden schmale lange Klingen; oben und unten
ist der letzte sehr verlängert; an dem oberen fehlt der Innenhöcker
b, ebenso an dem unteren β’ und der hintere Anhang γ. Oben und unten
ist der M₁ auffallend klein und stets viel stärker abgenutzt als die
benachbarten Zähne; Schädel fuchsähnlich; die Füsse sind plantigrad und
wenigstens vorne fünfzehig, die Endphalangen tief gespalten.
Aus Europa sind etwa ein Dutzend oligocäne Arten bekannt; manche sind
grösser als der Wolf; hier ist es der häufigste aller Creodonta; einige
Arten finden sich auch im White River-Oligocän von Nordamerika.
H. Heberti Filh. Die grösste europäische Art. Phosphorite von
Quercy, Oligocän von Débruge, schwäbische Bohnerze.
H. leptorhynchus Laizer et Parieu (Fig. 869). Quercy, Ronzon,
Frohnstetten.
H. vulpinus Filh. Sehr häufig in den Phosphoriten von Quercy.
H. horridus Leidy, von Bärengrösse. White River-Oligocän von
Nebraska.
Pterodon Blainv. (Fig 871). Zahnformel (2 · 3 · 1 · 4 · 3)/(2 · 3 ·
1 · 3(4) · 3); P₄ sehr dick; M bilden dicke Klingen, der obere M₃
ist sehr klein und quergestellt; oben ist der Innenhöcker, unten der
hintere Anhang an den M wohl entwickelt. Wenige Arten sind bekannt
aus dem europäischen Oligocän. Sie ähnelten wohl den Hyänen in ihrer
Lebensweise, da die Zähne sehr dick sind und auffallend stark abgenutzt
wurden.
P. dasyuroides Gerv. (Fig. 871). Oligocän. Pariser Gyps, Débruge,
Quercy, Frohnstetten und Egerkingen, Isle of Wight.
Oxyaena Cope. Zahnformel (2-3 · 1 · 4 · 2)/(0 · 1· 4 · 2); M mit
kleinem β’-Höcker; sonst Pterodon sehr ähnlich. Wasatch-Eocän von
Nordamerika, Oligocän von Frankreich.
O. forcipata Cope. Wasatch-Eocän von Wyoming.
Protopsalis tigrinus Cope ist der grösste Creodonte des
amerikanischen Bridger-Eocän.
[Illustration: Fig. 871. Pterodon dasyuroides Gerv. Oligocän. Lignite
von Débruge (Vaucluse). A obere Backzähne von der Kaufläche. B untere
Backzähne von aussen.]
4. Fam. Arctocyonidae.
M tetragonodont mit zahlreichen warzenförmigen Höckern
(Ursus-ähnlich); unten erreicht der Anhang γ die Höhe des vorderen
Theiles wie bei Pflanzenfressern. Untereocän von Frankreich.
Arctocyon Gerv. Untereocän von Frankreich.
A. primaevus Blainv. Untereocän von La Fère.
A. (Hyodectes) Gervaisi. Lém. Untereocän von Reims.
5. Fam. Miacidae.
Uebergangsformen zwischen Proviverridae und Carnivora. Das Gebiss
ist durchaus das primitiver Carnivora; sie müssen aber noch zu den
Creodonta gezählt werden, da das Astragalusgelenk flach ist und das
Scaphoid nicht mit dem Lunare verwächst. Puerco- bis Bridger-Eocän von
Nordamerika.
Didymictis Cope. Zahnformel (? · 1· 4 · 2)/(? · 1· 4 · 2) mit sieben
Arten; Puerco- bis Bridger-Eocän.
D. Haydeni Cope. Puerco von Neumexico.
[Illustration: Fig. 872. Herpestes javanicus. Recent. Oberer Reisszahn.
A von der Kaufläche. B von aussen.]
[Illustration: Fig. 873. A Viverra. B Canis lupus L. Recent. Untere
Reisszähne von innen.]
6. Ordnung Carnivora.
Die echten »Raubthiere« sind dadurch ausgezeichnet, dass der obere
P₄ und der untere M₁ in eigenthümlicher Weise entwickelt sind als
Reisszähne (= R), welche auch gewöhnlich die übrigen und anders
gebauten Backzähne an Grösse übertreffen (Fig. 875). Die vor den R
stehenden P werden als Lückzähne, die hinter ihnen stehenden M als
Höckerzähne bezeichnet. In seiner typischen Ausbildung besteht der
obere R (Fig. 872) aus den beiden zu schneidenden Klingen verlängerten
Aussenhöckern a und c, die mit einander eine weitklaffende Scheere
bilden; der Innenhöcker b und ein Vorderhöcker a’ sind meist
vorhanden; dieser Zahn ist auf einen zweihöckerigen oberen Backzahn
zurückzuführen mit a- und b-Höcker (vergl. Fig. 866, p₄), an welchem
vor und hinter dem a-Höcker sich die Nebenhöcker a’ und c ausbilden.
Der untere R (Fig. 873) ist typisch trigonodont, aber der Vorder-
und der Aussenhöcker α und β ebenfalls klingenförmig, zu einer
weitklaffenden Scheere ausgebildet.
Je mehr nun das Raubthiernaturell entwickelt ist und die Fleischnahrung
vorwiegt, um so grösser werden die R auf Kosten der Höckerzähne, um
so länger, schmäler und messerartiger werden an ihnen die a- und b-,
bez. α- und β-Höcker, um so unbedeutender der b- und β’-Höcker, sowie
der Anhang γ, und um so weiter rückt der b-Höcker nach vorn. Je mehr
aber die Pflanzenkost vorwiegt, um so unbedeutender bleibt der obere
R, um so umfangreicher wird der obere M₁ und der Anhang γ des unteren
R, oft auch die übrigen Höckerzähne, während der b- und β’-Höcker wohl
entwickelt bleiben, und um so mehr kegel- oder warzenförmig werden alle
Höcker.
Fast stets 3/3 kleine J, die äusseren am grössten, mit schneidendem
Rand, in geschlossener Reihe; der untere J₂ fast immer etwas
zurückgeschoben. C sind stets stark verlängerte Fangzähne mit vorderer
und hinterer Kante; Lückzähne sind mehr oder minder comprimirte Kegel,
mit oder ohne Nebenzacken. Die Höckerzähne nehmen nach hinten fast
stets an Grösse ab; ursprünglich trigonodont, sind sie oft stark
reducirt, mitunter aber auch vergrössert und tetragonodont, fast immer
aber mit niedrigen stumpfen Höckern. Die Raubthiere besitzen ein
vollständiges Milchgebiss, das längere Zeit in Gebrauch ist; D₄ ähnelt
dem M₁, der obere D₃ dem P₄.
Hirn von bedeutender Grösse, Grosshirn mit Windungen. Sagittalkamm oft
kräftig, Nasenöffnung ziemlich eng, weit vorn gelegen; am Unterkiefer
liegt das Gelenk ungefähr in einem Niveau mit der Backzahnreihe;
dasselbe ist stark verbreitert, cylinderförmig, und passt in eine
tiefe Querrinne, die keine Bewegung nach vorne und hinten gestattet.
Krallen sehr kräftig; Füsse sind ursprünglich plantigrad, werden aber
oft digitigrad. Scaphoid, Lunare und Centrale stets mit einander
verwachsen (Fig. 877 s + c + l). Astragalus (Fig. 877 a) mit kopfförmig
abgesetztem proximalen Rollengelenk. Foramen entepicondylare häufig
vorhanden; Femur ohne dritten Trochanter. Clavicula fehlt oder ist
rudimentär.
Echte Raubthiere erscheinen zuerst im Oligocän, wo sie besonders in
Europa bereits einen grossen Formenreichthum aufweisen. Noch in der
Gegenwart sind sie überall (ausser in Australien) reich vertreten.
Es lassen sich sieben Familien unterscheiden (p. 718).
+--------------------+-------------+-------------------------------+-----------------------------------------------------------------------------------------------+
| | | | Reisszähne | |
| | Zahl | Erster oberer Höckerzahn |---------------------------+------------------------+-------------------+----------------------+
| Familien | der Höcker- | M₁ | Aussenhöcker | Innenhöcker | Anhang γ | |
| | zähne | | (a u. c, α u. β) | b u. β’ | des unteren R | |
| | | | | | | |
+--------------------+-------------+-------------------------------+---------------------------+------------------------+-------------------+----------------------+
| | 2-3 | | lange scharfe Klingen, | | | |
| 1. Canidae | ----- | trigonodont, so gross als der | a’-Höcker fehlend | klein oder rudimentär, | klein, meist | Lückzähne gross, |
| | 2 (3) | R, mit innerem Basalwulst | oder sehr klein | b-Höcker weit vorn | grubig | schmal |
| | | | | | | |
+--------------------+-------------+-------------------------------+---------------------------+------------------------+-------------------+----------------------+
| | 2 | | | gross, | | Lückzähne klein |
| 2. Ursidae | - | tetragonodont, so gross | niedere Kegel | b-Höcker nicht | gross, oft sehr | oder rudimentär, |
| | 2 | oder viel grösser als der R | | nach vorn gerückt | verlängert | Höckerzähne mit |
| | | | | | | Nebenwarzen |
+--------------------+-------------+-------------------------------+---------------------------+------------------------+-------------------+----------------------+
| | 2 | tetragonodont, so gross wie | | gross, oben oft | | Lückzähne |
| 3. Procyonidae | - | der R | runde Kegel | noch ein d-Höcker | gross, grubig | kegelförmig |
| | 1 | | | | | |
+--------------------+-------------+-------------------------------+---------------------------+------------------------+-------------------+----------------------+
| | 2 | trigonodont, kleiner als der | stumpfe oder | gross, b-Höcker | | |
| 4. Viverridae | - | R, Innenhälfte kürzer als | scharfe Klingen | weit vorn | gross, grubig | |
| | 1 | Aussenhälfte | | | | |
+--------------------+-------------+-------------------------------+---------------------------+------------------------+-------------------+----------------------+
| | | trigonodont, kleiner oder | | | | unterer |
| | 1 (2) | grösser als R, mit innerem | | gross, | klein oder sehr | Höckerzahn |
| 5. Mustelidae | ----- | Basalwulst, Innenhälfte so | scharfe Klingen | oder rudimentär, | gross,grubig oder | knopfförmig |
| | 1 | lang oder länger als | | oder fehlend | schneidend | |
| | | Aussenhälfte | | | | |
+--------------------+-------------+-------------------------------+---------------------------+------------------------+-------------------+----------------------+
| | 1 | | sehr lange | rudimentär | | 3 |
| 6. Hyaenidae | --- | rudimentär | scharfe Klingen, | oder fehlend, | rudimentär oder | --- grosse und |
| | 0-1 | | a’-Höcker gross | b-Höcker weit vorn | fehlend | 3-4 |
| | | | | | | sehr dicke Lückzähne |
|+-------------------+-------------+-------------------------------+---------------------------+------------------------+-------------------+----------------------+
| | 0-1 | | sehr lange | rudimentär | | 1-2 |
| 7. Felidae | --- | rudimentär | scharfe Klingen, | oder fehlend, | klein | --- sehr schmale |
| | 0-1 | | a’-Höcker gross, | b-Höcker weit vorn | oder fehlend | 1-4 |
| | | | oder fehlend | | | Lückzähne |
+--------------------+-------------+-------------------------------+---------------------------+------------------------+-------------------+----------------------+
| Ursprüngliche Form | 3 | trigonodont, so gross oder | kantige Höcker, | gross, b-Höcker | | Lückzähne |
| (Creodonta) | ----- | grösser als der R | a’- u. c-Höcker | neben a-Höcker | gross, grubig | kegelförmig |
| | 2 (3) | | klein | | | |
+--------------------+-------------+-------------------------------+---------------------------+------------------------+-------------------+----------------------+
Die verschiedenen Familien der Carnivora sind keineswegs scharf von
einander zu trennen. Zahlreiche Zwischenformen verbinden sie aufs
innigste mit einander, und auch viele Gattungen gehen unmerklich
in einander über. Die zur Unterscheidung der Familien auf p. 718
angegebenen Merkmale gelten daher wohl für die typischen Mitglieder
der Familien, bleiben aber nur theilweise gültig bei eventuellen
Zwischenformen. Durchgehends zeigen z. B. die primitivsten Formen
einer Familie eine grössere Zahl von Zähnen als die übrigen, die
extremsten eine geringere. Die primitiveren, besonders oligocänen
Formen der Canidae, Mustelidae, Viverridae, selbst der Felidae waren
Viverriden-ähnliche Thiere, die einander noch ungemein nahe standen und
sich sehr schwer in verschiedene Familien trennen lassen. Die Carnivora
sind von Miacidae abzuleiten.
1. Fam. Canidae.
Hundeartige Thiere finden sich unter den ältesten bekannten
Raubthieren; zu ihnen gehören auch die einzigen Raubthiere, die noch
die ursprüngliche Zahnformel (3 · 1 · 4 · 3)/(3 · 1 · 4 · 3(4)) zeigen;
gewöhnlich besitzen sie aber nur noch (4 · 2)/(4 · 3) Backzähne. Das
Gebiss der ursprünglichsten Formen (Cynodictis) steht dem der Miacidae
noch ausserordentlich nahe; die Fortschritte innerhalb der Familie,
deren entwickeltste Form die Gattung Canis ist (Fig. 875), bestehen
in beträchtlicher Vergrösserung der R auf Kosten der hintersten
Höckerzähne, die zuletzt sogar ganz verschwinden können, und in ihrer
Ausbildung zu schmalen schneidenden Klingen, wobei oben der b-Höcker
und unten der β’-Höcker rudimentär werden; ferner in der Ausbildung
von hohen Laufbeinen an Stelle der kurzen plantigraden Beine der
älteren Formen. Die P sind immer wohlentwickelt, ebenso der obere M₁,
der dreihöckerig ist mit grossem inneren Basalwulst. Schwanz immer
wohlentwickelt. Zahlreich seit dem Oligocän in Europa und Nordamerika.
Die ältesten Formen schliessen sich sehr nahe an die Viverridae und
Mustelidae an, es finden sich unter den Canidae aber auch die Vorfahren
der Ursidae.
Cynodictis Brav. u. Pomel. Füsse ⁵⁄₅-zehig, fast plantigrad. M noch
deutlich trigonodont; oberer und unterer R verhältnissmässig klein,
noch mit sehr gut entwickelten Innenhöckern b und β’, unterer mit
grubigem Anhang. Zahnformel (3 · 1 · 4 · 2)/(3 · 1 · 4 · 3); durch
Verlust des unteren M₃ wird das Gebiss vollständig Viverridae-ähnlich.
Oligocän. Europa (? Nordamerika).
C. lacustris P. Gerv., C. compressidens Filh. Phosphorite von
Frankreich.
Temnocyon Cope, verbindet Cynodictis mit Canis. Miocän. Nordamerika.
T. altigenis, T. coryphaeus Cope. John-Day-beds. Oregon.
Cynodon Aym. ist nahe mit Cynodictis verwandt. Oligocän. Europa.
C. gracilis Filh. Phosphorite von Quercy, Bohnerze bei Ulm.
C. leptorhynchus Filh. Phosphorite von Quercy.
C. velaunus Aym. Oligocän von Ronzon.
Amphicyon Lartet (Fig. 874). Zahnformel (3 · 1 · 4 · 3)/(3 · 1 · 4 ·
3(4)). Thiere von Fuchs- bis Bärengrösse, deren Gebiss dem der Gattung
Canis im wesentlichen ähnelt, die aber wenigstens oben einen Backzahn
mehr besitzen, und deren auffallend plantigrade Füsse denen der Bären
ähnlich sind; Höckerzähne sind sehr kräftig entwickelt; Lückzähne
ziemlich klein; Schwanz sehr lang. Sie vermitteln den Uebergang zur
Familie der Bären. Miocän von Europa; obere Siwaliks von Indien und
China; auch im White River-Oligocän von Nordamerika.
A. lemanensis Pom. Von Wolfgrösse. Untermiocän. Weissenau, Ulm,
Allier.
A. steinheimensis Fraas. Von Bärengrösse. Obermiocän von
Süddeutschland und Frankreich.
A. Hartshorni Cope (Fig. 874). White River-Oligocän von Colorado.
Cephalogale Jourdan. Zahnformel (3 · 1 · 4 · 2)/(3 · 1 · 4 · 3);
Schädel kurz und breit, sonst Amphicyon ziemlich ähnlich. Oligocän und
Miocän von Europa.
C. Geoffroyi Jourd. Untermiocän. Allier, Weissenau.
C. minor Filh. Phosphorite von Quercy und Untermiocän von Allier.
[Illustration: Fig. 874. Amphicyon Hartshorni Cope. White
River-Oligocän von Colorado. Gebiss des Oberkiefers von der Kaufläche.]
Canis L. (Fig. 875). Zahnformel (3 · 1 · 4 · 2)/(3 · 1 · 4 · 3(2)).
Lange digitigrade Laufbeine. R sehr gross mit rudimentärem Innenhöcker,
der am oberen weit nach vorn, am unteren weit nach hinten gerückt ist.
Vom Oberpliocän an fast kosmopolitisch.
C. etruscus F. Mayor. Oberes Pliocän. Val d’Arno.
C. lupus L. (Fig. 875). Der Wolf ist häufig im Diluvium von Europa
und findet sich noch gegenwärtig durch Europa, Asien und Nordamerika
verbreitet.
[Illustration: Fig. 875. Canis lupus L. Recent. Gebiss. A Oberkiefer
von der Kaufläche. B Unterkiefer von aussen. C unterer Reisszahn von
innen.]
2. Fam. Ursidae.
Die Bären sind Raubthiere, die sich aber einer gemischten, oft rein
vegetabilischen Nahrung zugewandt haben. Dies kennzeichnet sich im
Gebiss (Fig. 876) durch die starke Entwickelung der Höckerzähne, von
denen im Ober- und Unterkiefer stets zwei hinter den R vorhanden sind.
Bei den primitiveren Formen sind dieselben kaum grösser als die R
und etwa quadratisch, so dass sie sich an gewisse Canidae sehr nahe
anschliessen; bei den extremsten Formen werden sie bedeutend grösser
und besonders der obere M₂ sehr stark verlängert; die Haupthöcker der
Höckerzähne werden niedrig und warzenförmig, und neben ihnen treten
zahlreiche Nebenwärzchen auf; die Lückzähne sind immer sehr klein und
werden zuletzt rudimentär; am unteren R ist der Anhang vergrössert
und wenigstens von der Grösse des vorderen Theiles; alle Höcker der R
niedrig und stumpf. Die Bären sind extrem plantigrad (Fig. 877). Der
Schwanz ist rudimentär.
[Illustration: Fig. 876. Ursus spelaeus Rosenm. Diluvium. Württemberg.
Gebiss. A Oberkiefer, B Unterkiefer von der Kaufläche.]
[Illustration: Fig. 877. Ursus spelaeus Rosenm. A Vorderfuss. B
Hinterfuss. a = Astragalus; c = Calcaneus; n = Naviculare; p =
Pyramidale; pi = Pisiforme; s + c + l = Carpalknochen verwachsen aus
Scaphoid, Centrale und Lunare; 1, 4 = erstes und viertes Carpale resp.
Tarsale; I, V = erster und fünfter Metacarpus bez. Metatarsus.]
Ursidae entwickeln sich im Miocän der alten Welt aus Canidae. Amphicyon
geht durch Vermittelung von Dinocyon fast unmerklich in Hyaenarctos
über. Obermiocän bis Gegenwart, seit dem Oberpliocän in Amerika.
Hyaenarctos Falc. u. Cautl. Obere M quadratisch, etwa gleich gross, mit
niedrigen, etwas runzeligen Höckern. Obermiocän bis Diluvium von Europa
und Asien.
H. atticus Dames. Pliocän von Pikermi.
H. sivalensis Falc. u. Cautl. Siwaliks von Indien.
Ursus L. (Fig. 876). Obere M sind länger als breit, beträchtlich
grösser als R, und der hintere viel länger als der vordere;
Nebenwärzchen sehr zahlreich; die drei ersten Lückzähne sind rudimentär
oder fehlen ganz. Ursus hat sich aus Hyaenarctos entwickelt und tritt
zuerst im Oberpliocän von Europa und Indien auf. Gegenwärtig finden
sich Bären in allen Regionen mit Ausnahme der afrikanischen und
australischen.
U. arvernensis Croiz. Pliocän der Auvergne.
U. spelaeus Rosenm. (Fig. 876, 877). Die vorderen Lückzähne fehlen
dem erwachsenen Thiere ganz; Schädel mit stark abfallender Stirn; kann
bedeutend grösser werden als die lebenden Arten. Der »Höhlenbär« ist
eines der häufigsten und bezeichnendsten Thiere des europäischen
Diluviums. Manche Diluvialhöhlen haben Reste von vielen Hunderten von
Individuen dieser Art ergeben.
Arctotherium Gerv. Höcker der oberen M sehr deutlich, ohne Runzeln.
Pleistocän und Pliocän. Nord- und Südamerika.
A. bonariense Gerv. Pampasformation. Südamerika.
3. Fam. Procyonidae.
Lückzähne ziemlich kräftig entwickelt, kegelförmig; R mit stumpfen
kegelförmigen Höckern; 2/1 Höckerzähne; die oberen quadratisch,
wenigstens so gross als die R. Gliedmassen plantigrad; Schwanz kräftig
entwickelt. Sie stehen den ursprünglichsten Raubthieren noch ziemlich
nahe. Fossil sind sie nur wenig bekannt; lebend finden sie sich in
Indien und Amerika.
4. Fam. Viverridae.
Die Zibethkatzen sind plantigrade, kurzbeinige Raubthiere von
verhältnissmässig geringer Körpergrösse, lebend und fossil nur aus der
alten Welt bekannt, wo sie seit dem Oligocän vorkommen. Abgesehen von
der etwas reducirten Zahl der M -- stets 2/2, zeigen sie sehr primitive
Charaktere sowohl im Gebiss wie im ganzen Körperbau; die Stammformen
der meisten übrigen Raubthierfamilien sind den Viverriden sehr
nahestehende oder zu ihnen gehörige Geschöpfe. Sie sind ausgezeichnet
durch ihre wohlentwickelten R (Fig. 878), an denen alle Elemente noch
sehr gut ausgebildet sind zu Höckern oder Spitzen; Höckerzähne sind
kleiner als R, der hintere kleiner als der vordere. Der Schädel ist
schmal, die Kiefer langgestreckt.
[Illustration: Fig. 878. A Herpestes, oberer Reisszahn von aussen
(¹⁄₁). B Viverra, unterer Reisszahn von innen (²⁄₁).]
[Illustration: Fig. 879. Ictitherium robustum Nordm. Pliocän von
Pikermi. Gebiss des Oberkiefers.]
Viverra L. (Fig. 878 B). Höcker der R kantig und spitz; obere M viel
breiter als lang. Oligocän bis jetzt.
V. angustidens Filh. Phosphorite von Quercy.
V. steinheimensis Fraas. Miocän von Steinheim.
Ictitherium Wagn. (Fig. 879). Stammformen der Hyaenidae, indem bei
ihnen die Lückzähne sowie der a’-Höcker der oberen R kräftiger werden,
während die Höckerzähne sowie die Innenspitzen der R weniger entwickelt
sind. Pliocän von Europa.
I. hipparionum Gerv. und I. robustum Nordm. (Fig. 879). Pliocän von
Südeuropa.
5. Fam. Mustelidae.
Die noch mit einer grösseren Anzahl von Zähnen versehenen
primitiveren Formen der Mustelidae sind von Viverridae kaum zu
trennen. Die typischen Mustelidae haben nur noch 1/2 M. Backzähne
(3-4·1(2))/(3-4·2(3)); der obere M₁ ist stets wohl entwickelt, mitunter
viel grösser als der R, mit grossem, halbkreisförmigem inneren
Basalwulst; die Innenhälfte dieses Zahnes gewöhnlich wenigstens so lang
als die Aussenhälfte; die R bilden meist eine schneidende Klinge. Vom
Oligocän bis zur Gegenwart sind Marder sehr zahlreich in Europa, nach
Amerika kommen sie erst im Oberpliocän.
Plesiocyon typicus Schloss. ist die einzige Form mit 2/3 M; kann als
Stammform aller Mustelidae gelten. Phosphorite.
Palaeogale H. v. Meyer. Unterer R ohne Innenspitze und mit
schneidendem Anhange; der untere Höckerzahn zweiwurzelig. Dürfte die
Stammform von Putorius (Iltis) sein. Oligocän und Miocän.
P. fecunda H. v. M., P. Waterhousei Pom. Untermiocän. Ulm,
Weissenau, Allier.
Plesictis Pomel emend. Schlosser. Backzähne (4·1)/(4·2); unterer R
mit sehr kurzem, grubigem Anhange. Schädel mit zwei getrennten
Scheitelkämmen; ist als Stammform von Mustela (Marder), Gulo
(Vielfrass) etc. zu betrachten. Oligocän und Miocän.
P. palmidens Filh. Phosphorite von Mouillac.
P. palustris Pom. Untermiocän von Ulm, Weissenau und Allier.
Mustela L. Backzähne (4·1)/(4·2); Zähne kräftig und breit; der obere
M₁ kleiner als der R, breiter als lang; am unteren R ist die
Innenspitze vorhanden, der Anhang grubig. Schädel mit einfachem
Sagittalkamme. Obermiocän bis Gegenwart.
M. Filholi Dép. Obermiocän von Günzburg an der Donau.
Amphictis Pom. Backzähne (4·2)/(4·2); Zähne dick und kräftig;
unterer Höckerzahn lang, wohlausgebildet, zweiwurzelig. Kann als
Stammform von Meles (Dachs) und Lutra (Fischotter) angesehen werden.
Phosphorite und Untermiocän.
A. antiquus Pom. Untermiocän von Ulm und Allier.
Potamotherium Geoffr. (Fig. 880). Der obere M₁ etwa quadratisch, so
gross als der R; das Rudiment eines oberen M₂ vorhanden. Steht Lutra
sehr nahe. Untermiocän.
P. (Lutra) Valetoni Geoffr. (Fig. 880). Untermiocän von St. Gérand
le Puy (Allier), bei Ulm und im Mainzer Becken.
Lutra Storr. erscheint zuerst im Obermiocän.
L. Lorteti Filh. Obermiocän. Isère, Steinheim, Günzburg.
[Illustration: Fig. 880. Potamotherium Valetoni Geoffr. Untermiocän von
Allier. Gebiss A des Oberkiefers, B des Unterkiefers von der Kaufläche.]
6. Fam. Hyaenidae.
Backzähne (4·1)/(3-4·1) (Fig. 881). Die R bilden lange, schneidende
Klingen, an den oberen ist der Innenhöcker, an den unteren der Anhang
rudimentär, unten fehlt die Innenspitze, oben ist der a’-Höcker sehr
gross. Höckerzähne sind rudimentär oder fehlen ganz. Dafür sind die
Lückzähne mit Ausnahme des ersten sehr gut entwickelt und zwar als
auffallend dicke Kegel; auch die R sind verhältnissmässig dick, die
Spitze wird leicht abgenutzt. Dies Gebiss eignet sich vortrefflich zum
Zertrümmern von Knochen. Füsse digitigrad. Die Hyänen erscheinen als
Viverriden, welche eine extreme Ausbildung zu Aasfressern erfuhren.
Sie schliessen sich vermittelst der Gattung Hyaenictis direct an
Ictitherium an. Die Familie findet sich seit dem Pliocän in Europa und
Indien, lebend in Asien und Afrika.
[Illustration: Fig. 881. Hyaena spelaea Goldf. Diluvium. Gebiss A des
Oberkiefers, B des Unterkiefers von der Kaufläche, C des Unterkiefers
von aussen.]
Hyaena Zimm. (Fig. 881) ist die wichtigste Gattung.
H. eximia Roth u. Wagn. Pliocän von Südeuropa.
H. sivalensis Falc. Pliocän von Indien.
H. spelaea Goldf. (Fig. 881) dürfte sich kaum von der noch lebenden
H. crocuta Erxl. unterscheiden. Die Höhlenhyäne ist eine höchst
charakteristische Form des europäischen Diluviums.
7. Fam. Felidae.
Backzähne (2-4·1)/(1-4·1-2). Die Katzen sind die extremsten Vertreter
des Raubthiertypus; das Gebiss (Fig. 883) ist fast nur zum Zerschneiden
von Fleisch geeignet. Die R übertreffen die übrigen Zähne weitaus an
Grösse und stellen lange, scharfe und dazu sehr schmale Klingen dar;
an den oberen ist der Innenhöcker rudimentär und liegt weit nach vorn;
an den unteren fehlt der Innenhöcker meist ganz, und der Anhang ist
nur rudimentär oder fehlt. Höckerzähne fehlen ganz oder sind winzig,
Lückzähne in verschiedener Anzahl vorhanden, bei den extremsten Formen
bleibt nur der letzte übrig; immer sind sie sehr stark comprimirt.
Während die primitiveren Katzen noch plantigrad waren, sind die
moderneren Formen digitigrad mit verhältnissmässig langen Beinen
und mächtigen, scharfen und zurückziehbaren Krallen. In Folge der
meist grossen Reduction der Backzähne werden die Kiefer sehr kurz,
in Folge der mächtig entwickelten Kaumuskeln die Jochbogen sehr weit
ausgebuchtet, so dass der Schädel auffallend kugelig wird.
Die primitivsten plantigraden Formen mit zahlreicheren Backzähnen
schliessen sich sehr nahe an die ältesten Canidae oder Viverridae an.
Katzenartige Raubthiere finden sich bereits in den Phosphoriten von
Europa, ebenso im Oligocän von Nordamerika, wo die Nimravinae sehr
reich entwickelt sind.
a. Cryptoproctinae.
Plantigrad, fünfzehig; Zahnzahl wenig reducirt; am unteren R ist die
Innenspitze und der Anhang noch vorhanden. Endphalangen einfach.
Oligocän und Miocän von Europa und Nordamerika. Lebend auf Madagaskar;
es ist die primitivste Gruppe der katzenähnlichen Thiere, von denen
sowohl die Felinae wie die Nimravinae herstammen dürften.
[Illustration: Fig. 882. Dinictis cyclops Cope. Miocän vom John Day
River, Oregon. Schädel.]
Aelurogale Filh. Backzähne (3·1)/(3-4·1-2); Oligocän; diese Gattung
steht der auf Madagaskar noch lebenden Viverriden-ähnlichen
Cryptoprocta ferox sehr nahe.
A. minor Filh. (= Pseudaelurus Edwardsi Filh.). Phosphorite von
Quercy.
Archaelurus debilis Cope mit (4·1)/(3·2) Backzähnen. John
Day-Miocän. Oregon.
Dinictis Leidy (Fig. 882). Backzähne (3·1)/(3·2); die
Unterkiefersymphyse etwas nach unten gezogen. Oligocän und Miocän von
Nordamerika.
D. felina Leidy. Oligocän von Nebraska und Colorado.
D. cyclops Leidy (Fig. 882) von Luchsgrösse. John Day-Miocän von
Oregon.
b. Felinae.
Digitigrad, Endphalangen mit Basalkragen; unten höchstens zwei
Lückzähne, unterer R ohne Anhang und Innenhöcker, oberer mit grossem
a’-Höcker; C nicht auffallend lang; J sind schneidend; Unterrand des
Unterkiefers geht allmählich in den Vorderrand über. Vom oberen Miocän
an in Europa; fehlt heute nur in Australien.
[Illustration: Fig. 883. Felis spelaea Goldf. Diluvium. Gebiss A des
Oberkiefers von der Kaufläche, B des Oberkiefers, C des Unterkiefers
von aussen.]
Felis L. (Fig. 883). Backzähne (3·1)/(2·1).
F. attica Wagn. Pliocän von Pikermi.
F. spelaea Goldf. (Fig. 883). Höhlenlöwe. Eine dem afrikanischen
Löwen ähnliche oder mit ihm identische Katze aus dem europäischen
Diluvium.
Lynx Geoffr. (Luchs) hat nur (2·1)/(2·1) Backzähne.
c. Nimravinae.
Digitigrad; Endphalangen mit Basalkragen. Unterrand des Unterkiefers
von dem Vorderrande durch einen ausgesprochenen Winkel oder einen
herabgezogenen Fortsatz getrennt. Sie schliessen sich unmittelbar
an gewisse Cryptoproctinae (Dinictis) an. Oberer R ohne a’-Höcker,
unterer mit Anhang, meist ohne Innenspitze. Der obere C ist stets
auffallend vergrössert, bei manchen Formen ganz ausserordentlich lang,
dabei sehr stark comprimirt, also messer- oder säbelähnlich, mit
gezähnelter Schneide; der untere C wird dafür kleiner, die J werden
kegelförmig und die Lückzähne an Zahl immer mehr reducirt; zur Stütze
der Säbelzähne ist die Unterkiefersymphyse oft in einen langen Fortsatz
(w) herabgezogen. Die »falschen Säbeltiger« waren zahlreich im Oligocän
und Miocän von Nordamerika, Eusmilus findet sich in den Phosphoriten
von Frankreich.
[Illustration: Fig. 884. Machairodus (Smilodon) neogaeus Lund.
Schädel. Pampasablagerungen von Argentinien. w = Fortsatz der
Unterkiefersymphyse.]
Pogonodon Cope. Backzähne (3·1)/(3·1); Unterkiefersymphyse nach
unten gezogen. Dahin gehören die gewaltigsten Nimravinae von
Nordamerika. Miocän.
P. platycopis Cope, von Tigergrösse. John Day-Miocän. Oregon.
Hoplophoneus Cope. Backzähne (2-3·1)/(2·1); Unterkiefersymphyse
abwärts gezogen. Oligocän und Miocän von Nordamerika.
H. primaevus Leidy, von Luchsgrösse. White River-Oligocän von
Nebraska.
Eusmilus bidentatus Filh. mit /1·1 Backzähnen. Phosphorite. Quercy.
d. Machairodinae.
Diese furchtbaren Katzen, die »echten Säbeltiger« (Fig. 884),
übertreffen noch in der enormen Entwickelung der oberen C die
Nimravinae, deren Nachkommen sie sein dürften; sie gleichen den Felinae
darin, dass der obere R einen sehr grossen a’-Höcker zeigt, während der
Anhang des unteren R fehlt. Einzige Gattung
Machairodus Kaup (= Drepanodon Auct., Fig. 884). Backzähne
(2·1)/(1-2·1). Obermiocän bis Diluvium von Europa, Indien, Nord- und
Südamerika.
M. leoninus Roth und Wagn. Pliocän und Postpliocän von Europa.
M. cultridens Cuv., M. ogygius Kaup. Pliocän von Europa.
M. sivalensis Falc. and Cautl. Obere Siwaliks von Indien.
M. (Smilodon) fatalis Leidy. Pliocän von Nordamerika.
M. (Smilodon) neogaeus Lund (Fig. 884). Höhlen von Brasilien und
obere Pampasablagerungen; ein gewaltiges Thier von Tigergrösse.
7. Ordnung Pinnipedia.
Robben sind Raubthiere von spindelförmigem Körper, Küstenbewohner,
die ihre Nahrung in der See suchen; ihre Gliedmassen stellen
flossenähnliche Schwimmfüsse dar. An den Hinterfüssen ist die erste
und fünfte Zehe länger als die mittlere. Schwanz ist sehr kurz. J
sind kegelförmig, oft weniger als drei jederseits; die Backzähne sind
mehr oder weniger comprimirte, oft nur einwurzelige Kegel, mit oder
ohne Nebenspitzen, alle von ähnlicher Gestalt. Pinnipedia dürften
von Creodonta abzuleiten sein. Fossile Reste sind seit dem Miocän
bekannt. Die Gattung Phoca L. (Prophoca) findet sich bereits im Miocän.
Verwandte des Walrosses, Trichechus L., wurden im Pliocän von England
und Antwerpen gefunden.
2. Gruppe Aganodontia.
8. Ordnung Tillodontia.
Diese bisher fast nur aus dem nordamerikanischen Eocän (Puerco bis
Bridger) bekannte Ordnung umfasst eine Anzahl primitiver Säuger von
höchstem Interesse. Das Gehirn bei diesen Formen ist sehr klein
und glatt; Gebiss (Fig. 887) zeigt Schneide-, Eck- und Backzähne,
der Eckzahn meist nicht verlängert; Unterkiefergelenk quer und die
Gelenkgrube nach hinten durch einen Fortsatz abgeschlossen. Der Femur
zeigt meist einen dritten Trochanter und der Humerus ein Foramen. Bei
all diesen Formen ist oben und unten ein Paar der J vergrössert (unten
J₂), mit meist lebenslänglich offener Pulpahöhle; diese J besitzen
wenigstens im Unterkiefer nur auf der Vorderseite eine Schmelzschicht,
so dass sie sich meiselförmig abkauen (Nagezähne). Die übrigen Zähne
können vollständige Schmelzbedeckung haben, oder dieselbe wird bei
einigen oder allen Zähnen ebenfalls defekt. Je grösser das eine Paar J
wird, um so kleiner werden die benachbarten Zähne, bis einzelne ganz
rudimentär werden. M trigonodont.
Aus dieser Gruppe lassen sich die Rodentia ableiten unter Annahme einer
excessiven Ausbildung der Nagezähne, wobei die benachbarten Zähne
functionslos werden und ausbleiben. Auf der anderen Seite konnten durch
Zunahme der Schmelzdefekte auf den Zahnkronen und durch Ausbildung
prismatischer Zähne die Edentata entstehen.
Die Tillodontia zeigen ausserdem so nahe Beziehungen zu den Insectivora
und Creodonta (Vorfahren der Raubthiere), dass Cope vorschlägt, diese
verschiedenen primitiven Formen der Krallenthiere zu einer Gruppe, den
Bunotheria, zu vereinigen, denen dann folgende Charaktere zukämen:
kleines glattes Hirn, ähnlich dem der Marsupialia, Edentata und
Rodentia; sämmtliche Zähne besitzen Schmelz; Molaren bunodont; oben
wie unten sind mehrere M gleich ausgebildet; Unterkiefer mit querem
Gelenk, dessen Gelenkgrube durch einen Processus postglenoideus
abgeschlossen ist. Füsse fünfzehig und plantigrad, alle Zehen mit
Krallen versehen. Scaphoid und Lunare nicht verwachsen; Femur meist mit
drittem Trochanter; Humerus mit Foramen.
Diese Bunotheria würden sich zugleich den primitivsten Ungulata (den
Condylarthra) und primitivsten Primates (den Prosimiae) sehr nahe
anschliessen und von diesen wesentlich nur durch den Charakter der
Endphalangen getrennt sein.
Die Möglichkeit einer solchen Zusammenfassung all dieser primitiven
Ordnungen des Säugethierstammes zeigt, wie nahe verwandt mit einander
die wahrscheinlichen Vorfahren der so ausserordentlich differenzirten
moderneren Ordnungen der Säugethiere (Carnivora, Edentata, Rodentia,
Primates und die Ungulata) gewesen waren.
Unter den Tillodontia sind 3 Familien zu unterscheiden, die Cope als
ebenso viel Unterordnungen der Bunotheria ansieht.
1. Der obere verlängerte J vollständig von Schmelz bedeckt. C mässig
entwickelt, normal; Lücken im Gebiss.
1. Fam. Esthonychidae.
2. Der obere verlängerte J trägt nur auf der Vorderseite ein
Schmelzband. C rudimentär; Lücken im Gebiss.
2. Fam. Tillotheriidae.
3. C gross, nicht verlängert, mahlzahnähnlich; keine Lücken im Gebiss.
Oberkiefer unbekannt.
3. Fam. Calamodontidae.
1. Fam. Esthonychidae.
Diese Familie (Fig. 885) zeigt noch die ursprünglichsten Verhältnisse,
und sie ist es auch, die den Insectivora noch sehr nahe steht. Oben
und unten ist jederseits ein J vergrössert; die Pulpahöhle bleibt bei
diesen Zähnen lange offen, aber schliesst sich zuletzt; der obere
verlängerte J ist conisch, ganz mit Schmelz bedeckt, der untere J₂
meiselförmig, und nur die Vorderseite trägt Schmelz; der C ist noch
wohl entwickelt, die unteren J₁ und J₃ sehr verkleinert. Wasatch- und
Bridger-Eocän von Nordamerika.
[Illustration: Fig. 885. Esthonyx Burmeisteri Cope. Big Horn Basin
(Wasatch) von Wyoming. Gebiss A des Oberkiefers, B des Unterkiefers von
der Kaufläche.]
Esthonyx Cope. (Fig. 885). Wasatch- und Bridger-Eocän.
E. Burmeisteri Cope (Fig. 885). Wasatch von Wyoming.
(Miolophus Richardsoni Charlesw. gehört vielleicht hierher. London
Clay.)
In die Nähe dieser Familie gehört vermuthlich auch Hemiganus
vultuosus und H. otariidens Cope aus dem Puerco-Eocän von Neu-Mexico.
2. Fam. Tillotheriidae.
Dies sind Formen, welche den echten Rodentia am nächsten stehen;
im Ober- und Unterkiefer hat sich ein J (unten J₂) sehr bedeutend
vergrössert (Fig. 886), ist wurzellos und meiselförmig (Nagezahn), da
er nur auf der Vorderseite Schmelz trägt, während die benachbarten
Zähne sehr stark reducirt sind; mit Ausnahme der J findet sich an allen
Zähnen vollständige Schmelzbedeckung. Bridger-Eocän von Nordamerika.
[Illustration: Fig. 886. Tillotherium fodiens Marsh. Bridger-Eocän von
Wyoming. Schädel.]
Der merkwürdige in Madagaskar lebende Chiromys madagascariensis, der
nach seinem übrigen Bau den Prosimiae anzureihen ist, besitzt ein
Gebiss, welches dem der Tillotheriidae entspricht.
Tillotherium Marsh (Fig. 886). Zahnformel (2 · 1 · 3 · 3)/(2 · 1 · 2 ·
3). Zwischen dem sehr vergrösserten Nagezahn und der aus fünf Zähnen
bestehenden geschlossenen Backzahnreihe finden sich oben drei, unten
zwei durch Lücken von einander getrennte rudimentäre Zähnchen. Oberes
Eocän von Nordamerika.
T. fodiens Marsh (Fig. 886), etwa von Schafgrösse, aus dem
Bridger-Eocän von Wyoming.
3. Fam. Calamodontidae.
Von dieser Familie sind nur Unterkiefer bekannt. Alle Zähne können
unvollständige Schmelzbekleidung haben; der untere mächtig entwickelte
J₂ (Fig. 887) ist wurzellos und trägt Schmelz nur an der Vorderseite.
Unterkiefer sehr hoch. Gebiss fast ohne Lücken. Puerco- bis
Wasatch-Eocän.
Psittacotherium Cope. Zahnformel /(3 · 1 · 2 · 3); J₁ ist nicht viel
kleiner als J₂, ebenfalls nagezahnartig und wurzellos; J₃ rudimentär.
C und M zweiwurzelig, Krone vollständig mit Schmelz bedeckt.
Puerco-Eocän.
P. multifragum Cope. Puerco von Neu-Mexico.
Calamodon Cope (Fig. 887). Wurzeln der Backzähne ungetheilt, conisch,
die Kronen cylindrisch, mit unvollständiger Schmelzbedeckung, aber
stark mit Cement bedeckt, wo der Schmelz mangelt, so dass die Gattung
sich in diesen Verhältnissen den Edentaten sehr nähert. Die Zahnformel
ist /(3 · 1 · 5); J₂ ist sehr gross; J₃ ähnlich, nagezahnartig, aber
mit geschlossener Wurzel, J₁ dagegen reducirt; C ist mahlzahnartig,
wurzellos, mit vorderem und hinterem Schmelzband. Wasatch-Eocän.
C. simplex Cope (Fig. 887). Wasatch von Wyoming und Neu-Mexico.
[Illustration: Fig. 887. Calamodon simplex Cope. Big Horn (Wasatch) von
Wyoming. Rechter Unterkiefer A von aussen, B von oben.]
[Illustration: Fig. 888. Steneofiber Escri H. v. M. Untermiocän von
Allier. Schädel. i = Nagezähne.]
9. Ordnung Rodentia.
Die Nagethiere haben ein überaus charakteristisches Gebiss, indem oben
und unten jederseits nur ein funktionirender J vorhanden ist, der als
gewaltiger, wurzelloser, meiselförmiger Nagezahn ausgebildet ist, nur
auf der Vorderseite mit Schmelz bedeckt, und durch eine weite Lücke von
der geschlossenen Backzahnreihe getrennt (Fig. 888 u. 894).
Der ganze Schädel ist dem Zwecke der Nagezähne entsprechend
ausgebildet; der Unterkiefer kann sich in seinem Gelenke in
beträchtlichem Masse vor- und rückwärts bewegen, sein Gelenkkopf
ist rundlich oder in die Länge gezogen, und die Gelenkgrube bildet
eine mehr oder weniger deutliche Längsrinne, die nach hinten nicht
durch einen Fortsatz abgeschlossen ist. Die Muskelansätze rücken am
Unterkiefer weit nach vorn, der Coronoidfortsatz (Fig. 894 cor) ist
oft rudimentär und überragt selten den Gelenkkopf (c). Die kurze
Backzahnreihe rückt oft sehr weit nach hinten und liegt theilweise
oder ganz unter der Orbita. Das Foramen infraorbitale ist oft von
ausserordentlicher Grösse. C sind nie vorhanden, Backzähne können
sechs anwesend sein, meist aber fehlen einige der vorderen, so dass
ihre Zahl bis auf zwei sinken kann. Sind mehr als drei vorhanden, so
zeigen sich auch Milchzähne. Die primitiveren Formen haben Backzähne
mit langen geschlossenen Wurzeln und niedriger Krone (Fig. 890),
bunodont oder lophodont; da die Kaubewegung nur von vorn nach hinten
stattfindet, so bilden sich nur Querjoche aus; zahlreiche Formen haben
aber Säulenzähne erworben von dauerndem Wachsthum; die Kaufläche ist
bei denselben vollständig eben (Fig. 891-895). Solche Zähne erreichen
mitunter einen höchst complicirten Bau. Das Hirn der Nager ist klein
und glatt.
Die Nagethiere dürften vielleicht von Tillotheriidae abzuleiten
sein; sie finden sich bereits vom mittleren Eocän an in Nordamerika,
in Europa vom untersten Oligocän an, und spielen noch eine höchst
bedeutende Rolle unter den lebenden Säugethieren trotz ihrer geringen
Grösse. In Südamerika nahmen Nagethiere eine ausserordentliche
Entwicklung; dort sind unter den fossilen Formen Arten bekannt, die die
Grösse eines Stieres und eines Nilpferdes erreichten.
Es lassen sich vier Unterordnungen unterscheiden:
A. Calcaneus ohne Fibulargelenk; oben ein J jederseits.
1. Gebiss (1 · 0 · 1-2 · 3)/(1 · 0 · 1 · 3); Backzähne meist noch mit
langen Wurzeln, oft bunodont; die vier hinteren etwa gleich gross.
Schädel mit Postfrontalfortsatz (hinter der Orbita).
1. Unterordnung Sciuromorpha.
2. Gebiss (1 · 0 · 1 (0) · 3)/(1 · 0 · 1 (0) · 3); Backzähne meist
prismatisch. Schädel ohne Postfrontalfortsatz.
2. Unterordnung Hystricomorpha.
3. Gebiss (1 · 0 · 0 · 3)/(1 · 0 · 0 · 3)
((1 · 0 · 0-3 · 2-3)/(1 · 0 · 0-3 · 2-3)); Backzähne mit oder ohne
Wurzeln; Fibula mit der Tibia verwachsen. Schädel ohne
Postfrontalfortsatz.
3. Unterordnung Myomorpha.
B. Calcaneus mit Fibulargelenk; Gebiss (2 · 0 · 2-3 · 3)/(1 ·0· 1-2 · 3);
alle Zähne wurzellos; Fibula mit Tibia verwachsen. Schädel mit
Postfrontalfortsatz.
4. Unterordnung Lagomorpha.
1. Unterordnung Sciuromorpha.
Zahnzahl bedeutend, Zähne meist noch brachyodont, Schädel mit
Postfrontalfortsatz (hinter der Orbita), Coronoidfortsatz noch ziemlich
hoch, Tibia und Fibula getrennt. Eocän bis Gegenwart. Es ist die
alterthümlichste Gruppe, die gegenwärtig noch reich in der alten Welt,
auch in Nordamerika vertreten ist, die aber fast ganz in Südamerika
fehlt.
Hierher gehört die älteste bekannte Nagergattung Plesiarctomys Brav.
aus dem mittleren Eocän von Nordamerika und älteren Oligocän von Europa.
Im Oligocän von Europa sind Sciuromorpha ziemlich gut vertreten
durch Sciuroides Fors. Mayor (Fig. 889), Pseudosciurus Hens. u. a.,
die zwischen Sciuridae und den südamerikanischen Echimyidae und
Octodontidae vermitteln.
Myoxus (Fig. 892, Siebenschläfer) findet sich bereits seit dem Oligocän
in Europa.
Fam. Sciuridae.
Niedrige Zahnkronen mit Höckern und Querleisten. Die lebende Gattung
Sciurus L. (Eichhörnchen) ist ebenfalls bereits seit dem Oligocän in
Europa und Nordamerika vorhanden.
Arctomys primigenia Kaup (Fig. 890) ist eine in Europa
weitverbreitete Diluvialform, wahrscheinlich Stammform der lebenden
Murmelthiere A. marmotta und A. bobac.
[Illustration: Fig. 889. Sciuroides intermedius Schloss. Phosphorite
von Quercy. A obere, B untere Backzähne.]
[Illustration: Fig. 890. Arctomys primigenia Kaup. Diluvium bei Paris.
A Obere Backzähne von der Kaufläche, B untere Backzähne von aussen.]
Fam. Castoridae.
Mit prismatischen Zähnen. Die Biber sind seit dem Oligocän in
Nordamerika, seit dem Untermiocän in Europa vertreten.
Steneofiber Geoffr. (= Chalicomys Kaup,? = Castor L.). Miocän von
Europa.
S. Jägeri Kaup. Miocän von Deutschland und Frankreich.
S. Eseri H. v. M. (Fig. 888 u. 891). Untermiocän von Deutschland und
Frankreich.
Castor nebrascensis Leidy. White River-beds. Nebraska.
C. peninsulatus Cope. John Day-beds. Oregon.
[Illustration: Fig. 891. Steneofiber Eseri H. v. M. Untermiocän
von Allier. A obere, B untere Backzähne.]
[Illustration: Fig. 892. Myoxus sansaniensis Lart. Miocän
von Süddeutschland. A obere, B untere Backzähne.]
2. Unterordnung Hystricomorpha.
Auch dies ist eine alterthümliche Gruppe, abgesehen von den stets
prismatischen Backzähnen. Hierher gehören Theridomys Jourd. und
zahlreiche andere Formen aus dem Oligocän von Europa. Vom Miocän an
ist die ganze Gruppe fast nur durch die noch lebende Gattung Hystrix
L. (Stachelschwein) in Europa vertreten, erreicht jedoch eine ganz
ausserordentliche Entwicklung, sowohl was Formenreichthum als was
Körpergrösse anbetrifft, in Südamerika, wo sie auch jetzt noch durch
zahlreiche lebende Formen vertreten ist.
Fam. Theridomyidae.
4/4 Backzähne mit einfacher, von Schmelzfalten durchsetzter Krone,
deren Wurzeln sich bald schliessen; die Grösse der Backzähne nimmt von
vorn nach hinten ab. Den Octodontidae von Südamerika nahestehend.
Theridomys Jourdan. Obere Backzähne mit einer inneren Schmelzfalte,
untere mit einer äusseren und zwei inneren. Zahlreiche Arten im
Oligocän (und Untermiocän) von Europa.
Th. gregarius Schloss. (Fig. 893). Phosphorite von Quercy.
Th. siderolithicus Pictet. Lignite von Débruge; Bohnerze von
Frohnstetten.
[Illustration: Fig. 893. Theridomys gregarius Schloss. Phosphorite von
Quercy. A obere, B untere Backzähne der linken Seite.]
Fam. Caviidae.
4/4 wurzellose Backzähne, die aus zwei oder mehr durch Cement
getrennten Lamellen zusammengekittet sind; die obere Backzahnreihe
nach vorn convergirend. Vorn 4, hinten 3 Zehen mit hufähnlichen
Krallen. Schwanz rudimentär. Diese Familie ist fast ganz auf Südamerika
beschränkt.
Hydrochoerus Briss. Letzter Backzahn viel grösser als die
vorhergehenden, aus zahlreichen Querlamellen bestehend; manche fossile
Formen erreichten die Grösse eines Tapir und eines Stieres. Südamerika
und Pliocän von Nordamerika.
H. capybara Erxl. Der grösste lebende Nager.
H. paranensis Amegh., mit 9 Querlamellen des letzten Backzahnes, ist
die älteste Art aus den älteren Parana-Ablagerungen.
Mit den einfacheren Formen der Familie, z. B. Cavia, deren Zähne
sämmtlich nur 2 Querlamellen zeigen, ist Hydrochoerus durch eine Reihe
ausgestorbener Formen verknüpft, wie Cardiatherium, Cardiodon,
Procavia u. a., meist aus den älteren Pampasschichten von Südamerika.
* * * * *
Den Caviidae nahe steht die Gattung
Nesokerodon Schlosser. 4/4 Backzähne, aus je 2 nur durch eine schmale
Brücke zusammenhängenden herzförmigen Hälften bestehend; obere
Backzähne mit einer Innen- und mehreren Aussenfalten, untere Backzähne
mit einer Aussen- und drei Innenfalten. Oligocän von Europa.
N. Quercyi Schlosser. Phosphorite von Quercy.
Fam. Chinchillidae.
4/4 wurzellose Backzähne, aus mehreren durch Cement verkitteten
Querlamellen bestehend. Schlüsselbeine vorhanden. Schwanz wohl
entwickelt. Lebend in Südamerika, wo sie auch fossil reich entwickelt
waren, manche von colossaler Grösse.
Archaeomys Gerv. aus dem europäischen Oligocän steht dieser Familie
sehr nahe.
Amblyrhiza Cope ist aus Höhlen der Insel Anguilla bekannt, manche
von Damhirschgrösse.
Megamys Laurillard. Im Unterkiefer besitzt der erste und vierte
Backzahn fünf, der zweite und dritte nur vier Querlamellen, die
vorderen Lamellen sind auf der Aussenseite vereinigt, die hinteren
sind ganz getrennt von einander. Aus älteren Ablagerungen von
Südamerika; hierher gehören die grössten bekannten Nager, von der
Grösse eines Tapir bis zu der eines grossen Nilpferdes.
M. Burmeisteri Amegh, aus den Parana-Ablagerungen ist der grösste
bisher bekannte Nager, von Nilpferdgrösse.
3. Unterordnung Myomorpha.
Fast durchgängig sehr kleine Thiere. Die älteste Form ist
Eomys Pomel, mit 4/4 Backzähnen und dicken niedrigen Höckern auf der
Krone. Phosphorite von Quercy.
Cricetodon Lartet mit 4/4 Backzähnen ist als Stammform der Muridae
aufzufassen; besitzt ebenfalls Höckerzähne, ähnlich denen des
Hamsters; lebte in zahlreichen Arten im europäischen Oligocän und
Miocän, seit dem Miocän auch in Nordamerika.
Die Arvicolinae mit 3/3 prismatischen, complicirten Backzähnen sind
sehr zahlreich im europäischen Diluvium vertreten; besonders
charakteristisch dafür sind die jetzt noch im hohen Norden lebenden
Lemminge: Myodes lemmus Pall. und M. torquatus Keys. u. Blas. (Fig.
894), bei welchen im Gegensatze zur Gattung Arvicola die Wurzel der
unteren Nagezähne sich nicht in den Gelenkfortsatz des Unterkiefers
erstreckt.
Von Dipodidae, deren drei mittlere Metatarsalia verschmolzen sind,
findet sich der in sibirischen Steppen lebende Alactaga jaculus auch
im europäischen Diluvium.
[Illustration: Fig. 894. Myodes torquatus Keys. u. Blas. Diluviallöss
von Vögtlinshofen, Oberelsass. Rechter Unterkiefer von der Innenseite.
a = Processus angularis; c = Gelenkfortsatz; cor = Kronfortsatz;
i = Nagezahn, dessen Wurzel sich bis x erstreckt; m₁-m₃ = Molaren
(prismatisch).]
4. Unterordnung Lagomorpha.
Sie zeichnen sich aus durch zwei obere J, indem hinter dem grossen, mit
einer Furche versehenen Nagezahn noch ein kleiner Stiftzahn steht. Alle
Zähne sind wurzellos; die Zahl der Backzähne ist bedeutend. Am Schädel
findet sich der Postfrontalfortsatz. Schwanz rudimentär. Oligocän bis
Gegenwart.
1. Familie Leporidae.
6/(5-6) Backzähne; Clavicula rudimentär, Hinterbeine verlängert. Die
Hasen entwickeln sich in Nordamerika, wo die Gattungen Palaeolagus
schon im Oligocän, Lepus im Miocän erscheinen. In Europa und Indien
stellt sich Lepus erst im Pliocän ein.
2. Familie Lagomyidae.
5/(4-5) Backzähne; vollständige Claviculae, Hinterbeine nicht
verlängert. Die Pfeifhasen stammen aus der alten Welt, wo die Gattung
Titanomys H. v. Meyer schon im Untermiocän auftritt; im Miocän findet
sich auch Myolagus Hens., und vom obersten Miocän ab die noch lebende
Gattung Lagomys Cuv., die erst im Diluvium auch in Nordamerika
erscheint.
Myolagus Meyeri Tschudi. Miocän von Deutschland und der Schweiz.
Lagomys oeningensis H. v. M. Miocän von Oeningen.
[Illustration: Fig. 895. Myolagus Meyeri Tschudi. Miocän von Steinheim.
Untere Backzähne.]
10. Ordnung Edentata.
Gehirn klein und glatt. Zähne fehlen ganz, oder es sind schmelzlose
Säulenzähne mit dicker Cementbedeckung und dauerndem Wachsthum. J
existiren fast nie; ein Milchgebiss tritt meist nicht mehr auf; unter
den jüngsten Formen finden sich Arten mit mehr als 44 Zähnen.
Die Zehen sind mit gewaltigen Krallen versehen, die äusseren Zehen
oft reducirt; Humerus oft mit Foramen, Femur manchmal mit drittem
Trochanter; Claviculae sind meist vollständig; Becken sehr lang, auch
die Sitzbeine sind mit dem aus zahlreichen Wirbeln bestehenden Sacrum
verwachsen.
Die Abkunft der Edentata ist noch in Dunkel gehüllt; doch dürften
vielleicht in der Familie der Calamodontidae ihre Vorfahren gefunden
werden. In der alten Welt sind Edentata durch einige lebende Arten aus
Indien und Afrika vertreten (Manidae und Orycteropus, auch fossil im
Pliocän von Samos und den Siwaliks von Indien). In grosser Artenzahl
finden sich Edentata lebend in Südamerika, wo auch ein erstaunlicher
Reichthum an fossilen Formen z. Th. von colossaler Grösse vorhanden
ist; die abenteuerlichsten der fossilen südamerikanischen Säuger
gehören zu den Edentaten. Im Pliocän wandern einige derselben auch nach
Nordamerika.
Die amerikanischen Formen lassen sich in folgende Gruppen eintheilen:
A. Mehr als fünf Backzähne jederseits; Rumpf von einem dicken Hautpanzer
bedeckt, ebenso Schwanz und Kopf.
1. Unterordnung Loricata.
a. Acht Backzähne jederseits, von denen jeder zu beiden Seiten je
zwei Längsfurchen besitzt, die den Zahn in drei prismatische
Theile zerlegen (Fig. 899); Jochbogen mit grossem absteigendem
Fortsätze (vom Maxillare gebildet -- Fig. 898); Panzer
unbeweglich; Schädel kurz und hoch.
1. Fam. Glyptodontidae.
b. 6-20 mehr oder weniger cylindrische Backzähne jederseits;
Jochbogen ohne absteigenden Fortsatz; Panzer mit beweglichen
Schienen; Schädel verlängert.
2. Fam. Dasypodidae.
B. Höchstens fünf Backzähne jederseits; kein zusammenhängender Panzer.
2. Unterordnung Gravigrada.
a. Oben fünf, unten vier Backzähne jederseits; Jochbogen geschlossen,
mit absteigendem Jochfortsatze; Schädel mehr oder weniger kurz
und hoch; Schwanz wohlentwickelt.
1. Fam. Megatheriidae.
b. Oben fünf, unten vier bis fünf cylindrische Zähne jederseits;
Jochbogen unterbrochen, mit absteigendem Jochfortsatze; Schädel
kurz und hoch; Schwanz fehlt.
2. Fam. Bradypodidae.
c. Zahnlos; Jochbogen fehlt, kein absteigender Jochfortsatz; Schädel
verlängert; Schwanz wohlentwickelt.
3. Fam. Myrmecophagidae.
[Illustration: Fig. 896. Glyptodon laevis Burm. Pampasformation.
Argentinien. Drei rosettenförmige Panzerplatten.]
[Illustration: Fig. 897. Glyptodon reticulatus Owen. Pampasformation
von Argentinien. Skelet.]
1. Unterordnung Loricata.
Die Panzerthiere sind fast ganz auf Südamerika beschränkt. Eine grosse
Anzahl von ausgestorbenen Arten ist bekannt. Manche der fossilen Formen
erreichten eine gewaltige Grösse, und viele von ihnen besassen einen
unbeweglichen Rückenpanzer, während andere sowie die sämmtlichen jetzt
lebenden Arten nur von geringer Grösse sind und einen beweglichen
Panzer besitzen. Der Panzer besteht aus eng durch Naht verbundenen
polyedrischen (vier- bis sechseckigen) Knochenplatten, die die
Oberseite des Kopfes, den Rücken und die Seiten des Rumpfes, sowie
den ganzen Schwanz umhüllen (Fig. 896 u. 897). Selten (Thoracophorus)
bleiben die Knochenplatten isolirt. Ein Bauchpanzer existirt nicht.
Wird der Rückenpanzer beweglich, so bilden die mittleren Theile
desselben Querschienen in verschiedener Anzahl, die aus vierseitigen
Platten bestehen und sich gegen einander verschieben lassen. Die
einzelnen Platten des Panzers sind meist auf der Aussenseite zierlich
und je nach Gattungen und Arten verschieden skulptirt.
1. Fam. Glyptodontidae.
Schädel sehr kurz und hoch (Fig. 898); der aufsteigende Ast des
Unterkiefers bildet mit dem horizontalen Theil einen Winkel von
weniger als 90 Grad; Hirn auffallend klein. Mehrere Halswirbel mit
einander verwachsen, ebenso der grösste Theil der Rumpfwirbel; die
Zehen mit gewaltigen Krallen. Femur ohne dritten Trochanter. Zu diesen
»Riesengürtelthieren« gehören die riesenhaftesten und auffallendsten
der fossilen Loricata, manche von Rhinocerosgrösse, deren hochgewölbter
Rückenpanzer unbeweglich war und den Thieren grosse Aehnlichkeit mit
ungeheuren Landschildkröten verlieh. Zahlreiche fossile Arten in
Südamerika, sehr spärlich im Pliocän von Mexico und Texas.
[Illustration: Fig. 898. Schädel von Glyptodon.]
Glyptodon Owen (Fig. 896-898). Von sehr beträchtlicher Grösse;
Schwanzpanzer aus lauter (9) beweglichen Ringen bestehend. Die dicken
Panzerplatten zeigen rosettenförmige Skulptur. 5/4 Zehen. Obere
Pampasbildungen von Südamerika.
G. clavipes Owen.
G. reticulatus Owen (=typus Nod. Fig. 897).
G. laevis Burm. (Fig. 896).
[Illustration: Fig. 899. Panochthus tuberculatus Owen. Pampasformation
von Argentinien. Backzahn von der Kaufläche.]
Hoplophorus Lund. Schwanzende steckt in einer unbeweglichen conischen
Panzerröhre (Schwanztubus). Verhältnissmässig kleine und gestreckte
Formen mit dünnem Panzer; vier- oder fünfeckige Panzerplatten mit
rosettenförmiger Skulptur. 4/4 Zehen. Steht den Dasypodidae ziemlich
nahe. Pampasformation von Argentinien und Höhlen von Brasilien.
H. ornatus Owen. Argentinien.
Panochthus Burm. (Fig. 899) mit etwas comprimirtem Schwanztubus; die
vier- oder fünfeckigen Panzerplatten sind von zahlreichen (30-40)
kleinen Höckern bedeckt. 4/4 Zehen. Pampasformation.
P. tuberculatus Owen (Fig. 899) von Rhinocerosgrösse.
Doedicurus Burm. Ein am Ende erweiterter langer Schwanztubus
vorhanden; ein starker Panzer, der von dicken Hornplatten bedeckt war;
die Panzerplatten zeigen keine Skulptur, besitzen aber weite
Gefässöffnungen. ¾ Zehen. Hierher gehören die grössten Glyptodonten.
Pampasformation.
D. clavicaudatus Owen, von 12 Fuss Länge.
2. Fam. Dasypodidae.
Zu den »Gürtelthieren« gehören die kleineren, z. Th. zwerghaften
Formen, welche in der Gegenwart ausschliesslich die Loricata vertreten;
sie existirten schon in älteren Pampasschichten. Selten zerfällt der
ganze Panzer in bewegliche Schienen. Mehrere Halswirbel verschmolzen;
Humerus mit Foramen, Femur mit drittem Trochanter, Tibia verschmilzt
distal mit der Fibula. Hirn verhältnissmässig gross.
Chlamydotherium Lund. Jederseits neun Zähne von ovalem Querschnitte;
gleicht in der Körpergrösse noch den Glyptodonten, ebenso in manchen
anderen Punkten. Aeltere und jüngere Pampasbildungen.
Ch. Humboldti Lund, von Tapirgrösse; Brasilien und Argentinien.
Eutatus Gerv. (8-9)/10 Zähne. Der ganze Panzer zerfällt in (ca. 33)
bewegliche Schienen. 5/5 Zehen.
E. Seguini P. Gerv. Pampasformation. Argentinien.
2. Unterordnung Gravigrada.
1. Fam. Megatheriidae.
Die »Riesenfaulthiere« sind grösstentheils gigantische Geschöpfe von
sehr plumpem Körperbau. Der Kopf ist verhältnissmässig klein, die
Füsse oft von erstaunlicher Dicke, mit überaus mächtigen Krallen
versehen. Femur ohne dritten Trochanter. Sie besitzen nie einen
zusammenhängenden Panzer. Die grosse Mehrzahl ist ausschliesslich aus
älteren und jüngeren Ablagerungen von Südamerika bekannt, für die sie
ausserordentlich charakteristisch sind; erst im Pliocän (? Diluvium)
wandern einzelne Gattungen nach Nordamerika. Lebend finden sie sich
nicht mehr. Unter ihnen sind die Stammformen der Myrmecophagidae und
Bradypodidae zu suchen.
a. Megatheriinae.
Zähne bilden eine ununterbrochene Reihe im mittleren und hinteren
Theile der Kiefer, deren vorderer Theil zahnlos und verlängert ist;
vorderster Zahn manchmal etwas verlängert; Skelet ausserordentlich
plump.
Megatherium Cuv. (Fig. 900) 5/4 Backzähne bilden vierseitige Säulen mit
je zwei Querjochen, die durch ein tiefes Thal getrennt sind. Schädel
kurz und hoch. Vorn trägt die zweite bis vierte, hinten nur die dritte
Zehe mächtige Krallen. Mehrere Arten fossil in Südamerika, eine im
Pliocän von Nordamerika.
M. americanum Cuv. (Fig. 900). Grösser und sehr viel plumper als ein
Rhinoceros; vom Kopfe bis zum Schwanzende misst diese Art 7 m Länge;
im jüngeren Pampaslehm. Von dieser Art sind eine Anzahl vollständiger
Skelete bekannt.
M. mirabile Leidy. Pliocän von Nordamerika.
Promegatherium Amegh. unterscheidet sich vom vorigen nur durch das
Auftreten von kleinen Schmelzkappen auf den Zähnen. Aeltere
Pampasbildungen.
[Illustration: Fig. 900. Megatherium americanum Cuv. Pampasformation
von Argentinien. Skelet. A Backzahn von der Seite.]
Scelidotherium Owen. 5/4 Backzähne, die oberen von ovalem Querschnitt;
die unteren sind dreikantig, der letzte untere verlängert, mit hinterem
Ansatze, der letzte obere kleiner als die übrigen. Schädel lang, schmal
und niedrig, erinnert in manchen Arten sehr an den von Myrmecophaga.
4/3 Zehen, vorn trägt die zweite und dritte, hinten die dritte eine
Kralle. Jüngere Ablagerungen von Südamerika.
S. leptocephalum Owen; nähert sich am meisten der Gattung
Myrmecophaga. Patagonien und Argentinien.
S. Bravardi Lyd. Argentinien und Brasilien.
Mylodon Owen nähert sich den Megalonychinae; vordere Zähne oval,
hintere dreiseitig; der erste Backzahn ist verlängert, eckzahnartig.
Zahlreiche kleine Hautverknöcherungen. 5/4 Zehen, die beiden äusseren
ohne Krallen. Pliocän von Süd- und Nordamerika.
M. Harlani Owen. Höhlen von Nordamerika.
M. robustus Owen. Südamerika.
b. Megalonychinae.
Der vorderste Zahn ist stark verlängert und eckzahnähnlich, mit
schiefer Kaufläche; er steht im vordersten Theile der Kiefer, durch
eine grosse Lücke von den übrigen Zähnen getrennt. Skelet weniger plump.
Lestodon Gerv. Zähne elliptisch, der letzte untere zweitheilig. Der
vorderste, die langen Eckzähne tragende Theil der Kiefer ist auffallend
verbreitert. Aeltere und jüngere Ablagerungen von Südamerika. Der
Schädel ähnelt ausserordentlich dem von Choloepus.
L. antiquus Gerv. Paranaschichten.
L. armatus Gerv. erreicht die Grösse des Megatherium americanum.
Südamerika.
Megalonyx Jeff. Zahnkronen in der Mitte ausgehöhlt. Es kommen
Hautverknöcherungen vor. Pliocän, Nordamerika und Brasilien.
M. Jeffersoni Cuv. Höhlen von Nordamerika (Megalonyx-beds im
östlichen Theile der Vereinigten Staaten).
* * * * *
Die Familien der Bradypodidae und Myrmecophagidae finden sich
nur recent in Südamerika; die ersteren, die Faulthiere, dürften
auf Lestodon-ähnliche, die letzteren, die Ameisenfresser, auf
Scelidotherium-ähnliche Megatheriidae zurückzuführen sein.
3. Gruppe Primates.[L]
Die Gliedmassen der Primates, sehr geeignet zum Klettern, dienen nicht
allein zur Locomotion, sondern in einem bei andern Säugern unerreichten
Grade auch zum Ergreifen und Erbeuten der Nahrung.
Primaten finden sich bereits im Eocän. Es sind die eigentlichsten
Kletterthiere unter den Säugern, und ihr ganzer Bau ist dieser
Lebensweise angepasst. Lange plantigrade fünfzehige Extremitäten; an
Vorder- und Hinterfüssen ist die erste Zehe opponirbar; Endphalangen
deprimirt, mit Nägeln versehen (mindestens eine). Radius um die Ulna
drehbar; ältere Formen mit Foramen epicondylare. Meist ein freies
Centrale. Clavicula stets vorhanden. Schläfenhöhle wenigstens durch
eine äussere Knochenbrücke von den Augenhöhlen getrennt. Gebiss
vollständig, ohne grössere Lücken. Die niedrigen Zahnkronen tragen fast
stets stumpfe Höcker und sind von einer dicken Schmelzlage bedeckt.
Fast nie mehr als zwei J.
Die Fortschritte von den primitivsten zu den moderneren Formen bestehen
hauptsächlich in Vergrösserung des Gehirns, vollständigerem Abschluss
der Augenhöhle gegen die Schläfenhöhle, geringer Reduction des
Gebisses unter bedeutender Verkürzung des Gesichtsschädels, Erwerbung
tetragonodonter Molaren, Verkümmerung des Schwanzes.
Die Primaten lassen sich in zwei Ordnungen und jede derselben in
mehrere Familien eintheilen.
A. Orbita gegen die Schläfengrube nur durch eine Brücke abgeschlossen; M
meist trigonodont; Hirn klein, glatt.
1. Ordnung Prosimiae.
a. J wohlentwickelt, schaufelförmig; C verlängert, fangzahnartig.
1. Unterkieferäste nicht mit einander verwachsen; Höcker der
unteren M nicht alternirend, kegelförmig. Gebiss
(2-3 · 1· 4(3) · 3)/(2-3 · 1 · 4(3) · 3).
1. Fam. Hyopsodidae.
2. Unterkieferäste mit einander verwachsen; untere M mit
alternirenden Höckern und erhöhtem Anhang, lophodont. Gebiss
(2 · 1 · 4 · 3)/(2 · 1 · 4· 3).
2. Fam. Adapidae.
b. Unterkieferäste nicht verwachsen; J sehr klein oder
pfriemenförmig.
1. Untere J und C von gleicher Gestalt, pfriemenförmig, horizontal
nach vorn gerichtet; obere J rudimentär, C und unterer P₁
fangzahnartig verlängert. Gebiss
(2 · 1 · 3(2) · 3)/(2(1) · 1 · 3(2) · 3).
3. Fam. Lemuridae.
2. J kegelförmig, untere oft ganz rudimentär; C klein, aber
normal; Orbita theilweise durch eine Wand abgeschlossen gegen
die Schläfengrube; kein P verlängert.
4. Fam. Tarsiidae.
B. Orbita gegen die Schläfengrube vollkommen abgeschlossen;
Unterkieferäste verwachsen; 2 J, schaufelförmig; C meist
fangzahnartig verlängert; M meist tetragonodont, P viel einfacher
gebaut; Hirn gross, gefurcht.
2. Ordnung Simiae.
a. 3 P, die nur eine einzige Wurzel (durch Verschmelzung) zeigen, und
breiter sind als lang. Höcker der M alternirend (Platyrhinae).
1. 3 M.
1. Fam. Cebidae.
2. 2 M.
2. Fam. Hapalidae.
b. 2 P, die zwei oder drei getrennte Wurzeln zeigen; 3 M
(Catarhinae).
1. P länger als breit, auch die M meist verlängert; unterer M₃
meist mit einem dritten Lobus versehen; C des ♂ meist sehr lang;
meist geschwänzt. Höcker der M nicht alternirend.
3. Fam. Cynopithecidae.
2. P breiter als lang; unterer M₃ ohne dritten Lobus; Höcker der M
alternirend; ungeschwänzt.
4. Fam. Simiidae.
11. Ordnung Prosimiae.
Das Gebiss der Halbaffen ist noch sehr ursprünglich, obere M noch
trigonodont, selten mit dem Ansatz eines d-Höckers. Die P einfacher
als M, nur der letzte hat manchmal fast die Gestalt eines M erreicht;
oft zeigen die oberen einen Innenhöcker (Fig. 903). Die Augenhöhle ist
gegen die Schläfenhöhle nur durch eine schmale Knochenbrücke abgegrenzt.
Es sind die ältesten und primitivsten der Primates, fossil aus dem
Eocän und Oligocän von Europa und Nordamerika, lebend aus Madagaskar,
wenige Formen auch aus Afrika und Indien bekannt. Diese Gruppe
schliesst sich einerseits sehr nahe an die primitivsten Ungulata
und Sarcotheria an, anderseits kann sie als Stammgruppe der Simiae
angesehen werden, obwohl keine der bisher bekannten Arten als wirkliche
Stammform derselben gelten kann. Ueber Chiromys vgl. p. 730.
1. Fam. Hyopsodidae.
Dies sind die primitivsten Formen der Primates, die sich nur im Eocän
finden, häufiger im nordamerikanischen. Anhang der unteren M noch sehr
niedrig. Hier tritt noch oft die ursprüngliche Zahl von 44 Zähnen auf.
Die älteste europäische Form ist Plesiadapis aus dem Untereocän von
Reims.
[Illustration: Fig. 901. Adapis magnus Filh. Phosphorite von Quercy. A
obere Backzahnreihe, B oberer M₁ (²⁄₁).]
Pelycodus Cope. 3 J; C kräftig; α-Höcker der unteren M wohlentwickelt.
Wasatch-Eocän von Nordamerika.
P. tutus Cope. Wasatch von Wyoming.
Hyopsodus Leidy. 2 J; unterer M₃ mit drittem Lobus; α-Höcker der
unteren M fehlt. Mittleres Eocän bis Oligocän von Nordamerika.
H. paulus Leidy. Kaninchengrösse. Bridger-Eocän von Wyoming.
2. Fam. Adapidae.
Am unteren M₃ tritt hier oft schon ein mehr oder minder kräftiger
dritter Lobus auf (wie bei allen Artiodactyla). Eocän und Oligocän von
Europa und Nordamerika.
[Illustration: Fig. 902. Adapis parisiensis Cuv. Phosphorite von
Quercy. A Schädel (½); B Unterkiefer; C unterer M₁ vergrössert.]
Adapis Cuv. (Fig. 901, 902). Gebiss (2 · 1 · 4 · 3)/(2 · 1 · 4· 3).
Untere M₃ stets mit einem kräftigen dritten Lobus; an den oberen M
tritt ein kleiner d-Höcker auf. P₄ ähnelt den M. Die Zahnreihe ist in
beiden Kiefern vollständig geschlossen; Sagittalkamm sehr entwickelt.
Oligocän von Europa.
A. parisiensis Cuv. (Fig. 902). Unteroligocän von Frankreich.
A. magnus Filh. (Fig. 901). Phosphorite von Quercy.
Tomitherium Cope. Nahe verwandt. Obereocän von Nordamerika.
T. rostratum Cope. Bridger-Eocän von Wyoming.
3. Fam. Lemuridae.
Diese Familie ist nur recent bekannt aus Indien und den Sundainseln,
sowie aus Afrika; besonders reich aber ist sie in Madagaskar entwickelt
(Fig. 903). Der recente Galeopithecus von den Sundainseln schliesst
sich hier an.
4. Fam. Tarsiidae.
Die nachstehenden Formen zeigen grosse Übereinstimmung in Gebiss und
Schädel. Eocän bis Gegenwart.
Necrolemur Filh. Gebiss (2? · 1 · 3 · 3)/(1 · 1 · 3(4) · 3);
Gesichtspartie gestreckt. Oligocän von Europa.
N. Edwardsi Filh. Phosphorite von Quercy.
Anaptomorphus Cope (Fig. 905). Gebiss (2 · 1 · 2 · 3)/(2 · 1 · 2 · 3).
Gesichtspartie sehr kurz. Orbita zum grösseren Theile abgeschlossen
gegen die Schläfengrube; Schädel auffallend gewölbt und Gehirn
verhältnissmässig sehr gross für ein Thier aus dem mittleren Eocän.
Orbita sehr weit. Durch ihr grosses Hirn, sehr reducirtes Gebiss und
kurzes Gesicht erinnert diese merkwürdige Form lebhaft an die höheren
Affen, obwohl zu diesen doch keine näheren verwandtschaftlichen
Beziehungen herrschen dürften. Wasatch- und Bridger-Eocän von
Nordamerika.
A. homunculus Cope (Fig. 905). Wasatch von Wyoming.
Tarsius Storr. (Fig. 904). Schädel dem vorigen ähnelnd. Astragalus
und Calcaneus verlängert. Tibia und Fibula verwachsen. Oberer J₁
verlängert. Recent.
T. spectrum Geoffr. (Fig. 904). Der »Gespenstmaki« von den
Sundainseln.
[Illustration: Fig. 903. Lemur macaco. Recent. A oberer P₃, B Oberer
P₄.]
[Illustration: Fig. 904. Tarsius spectrum Geoffr. Recent. Oberer M₁.]
[Illustration: Fig. 905. Anaptomorphus homunculus Cope. Big Horn
(Wasatch-Eocän) von Wyoming. Schädel von oben.]
12. Ordnung Simiae.
Echte Affen treten vom Miocän an in Europa auf; gegenwärtig auf die
warmen Gegenden der alten und neuen Welt beschränkt.
Die Familien der Cebidae und Hapalidae finden sich fossil nur in
den jüngsten Ablagerungen von Südamerika, wo sie auch allein lebend
vorkommen. Von derartigen Formen mögen die Simiidae abstammen.
Fam. Cynopithecidae.
Vom oberen Miocän an in Europa und Indien bekannt; auch in der
Gegenwart noch ganz auf die alte Welt beschränkt. Stammen wohl von
Hyopsodidae ab.
Mesopithecus Pentelici Wagn. Pliocän von Pikermi. Verbindet
Semnopithecus mit Macacus.
Fam. Simiidae (= Anthropomorphae).
Vom oberen Miocän an fossil in Europa und Indien; lebend in Westafrika,
Sumatra, Borneo.
Pliopithecus antiquus Gerv., nahe verwandt mit dem lebenden
Hylobates. Obermiocän von Sansan und Göriach.
Troglodytes, (Schimpanse), lebend nur in Afrika, fossil in den
indischen Siwaliks.
Dryopithecus Fontani Lart. Obermiocän von Mitteleuropa (Eppelsheim, St.
Gaudens), steht in verschiedener Beziehung dem Menschen näher als einer
der übrigen Simiidae.
* * * * *
Hier ist der Mensch (Homo sapiens L.) anzuschliessen, welcher in Folge
einer ganz ausserordentlichen Entwicklung des Grosshirns sich weit
über alle übrigen Säugethiere erhoben hat; wie der aller Primates,
weist auch sein Bau noch zahlreiche, für Säugethiere primitive Merkmale
auf. Sein Vorkommen ist, obwohl es an Angaben über den tertiären
Menschen nicht fehlt, bisher mit voller Sicherheit erst aus dem
Diluvium nachgewiesen, wo er in Europa mit dem Höhlenbären, Mammuth
etc. gleichzeitig lebte. Seine Anwesenheit ist nur sehr selten aus
Skeletresten zu constatiren, meist aus dem Vorhandensein seiner Waffen,
Geräthschaften (Fig. 906) und anderer Spuren.
[Illustration: Fig. 906. Feuersteinmesser. Höhle von Bize, Dép. Aude.]
Fußnoten:
[L] Die primitivsten Hufthiere, die Condylarthra (p. 749) stehen den
Primates so nahe, dass ihr genauester Kenner, Cope, sie (nebst den
Hyracoidea) nur als eine Unterabtheilung der Primates ansieht.
4. Gruppe Ungulata.
Die Hufthiere bilden eine natürliche Gruppe von pflanzenfressenden
(auch omnivoren) Landsäugethieren, die dadurch ausgezeichnet
sind, dass ihre Gliedmassen ganz ausschliesslich zur
Locomotion auf dem Erdboden dienen. Schlüsselbeine fehlen stets;
fast nie ist ein freies Centrale vorhanden. Die Endphalangen sind stumpf
und sehr breit oder dreikantig, mit Hufen versehen. Schwanz meist ohne
untere Bögen. Zu ihnen gehören die grössten Landsäugethiere. Die
Fortschritte innerhalb der Gruppe bestehen hauptsächlich in der Vervollkommnung
der Gliedmassen zu Laufbeinen, die eine so extreme Ausbildung
erreichen können, wie bei keinem anderen Säugethiere, sodann
in der Ausbildung eines herbivoren Gebisses, wie es in solcher Vollkommenheit
allenfalls nur noch bei Rodentia erreicht wird, in der Ausbildung
von Hörnern als Waffen zum Ersatz für die verlorengehenden Eckzähne
und endlich in der Vergrösserung des Gehirns.
Folgende Tabelle giebt links den primitivsten Zustand, rechts die fortgeschritteneren
Zustände, die für einzelne Organe unter den Hufthieren
bekannt sind.
Primitivster Zustand. Fortgeschrittener Zustand.
Hirn sehr klein und glatt (Fig. 829 Hirn gross, gefurcht (Fig. 829 C).
A).
Nasenöffnung eng, weit vorn liegend; Nasenöffnung weit; Nasenbeine kurz
Nasenbeine lang. bis rudimentär (Elephas, Saiga).
Stirnhöhlen unbedeutend. Stirnhöhlen oft ausserordentlich
gross.
Orbitalrand hinten offen. Orbitalrand vollständig.
Schädel hornlos. Schädel mit Hörnern.
Processus postglenoideus vorhanden. Unterkiefergelenk ohne Processus.
Epistropheus mit cylindrischem Epistropheus mit rinnenförmigem
Zahnfortsatze. Zahnfortsatze (die meisten
Wiederkäuer).
Halswirbel biplan. Halswirbel opisthocöl.
Füsse noch fast plantigrad. Füsse digitigrad, meist unguligrad.
5/5 Zehen. Weniger als 5/5 Zehen, im
extremsten Falle nur 1/1 oder 2/2
Zehen.
Centrale frei (nur Hyrax, Fig. 914). Centrale mit Scaphoid verwachsen.
Carpus und Tarsus serial gebaut, d. Carpus und Tarsus alternirend
h. jedes Carpale und Tarsale der gebaut, indem die distale Reihe
distalen Reihe besitzt nur eine gegen die proximale nach innen
proximale Gelenkfläche, da es nur verschoben wird, so dass wenigstens
mit einem Knochen der proximalen einige Knochen der distalen Reihe
Reihe articulirt. (Fig. 907 A u. zwei proximale Gelenkflächen
908). aufweisen und mit zwei Knochen der
proximalen Reihe articuliren (Fig.
907 C u. 942 B, C); der
alternirende Bau giebt dem Fusse
offenbar eine grössere Festigkeit.
Proximales Astragalusgelenk kaum Proximales Astragalusgelenk
kopfartig abgesetzt und einfach kopfartig abgesetzt und mit
convex (Fig. 907 B u. 934 A). mittlerer Furche, rollenartig
(Fig. 907 A, C u. 943).
Distales Astragalusgelenk flach Astragalus mit distaler Rolle
(Fig. 943). (Fig. 978).
Calcaneus mit Fibulargelenk. Calcaneus ohne Fibulargelenk.
Ulna und Fibula so lang wie Radius Ulna und Fibula z. Th. rudimentär
bez. Tibia, frei (Fig. 911). und verwachsen (Equinae, Bovidae
etc.).
Distales Humerusgelenk einfach (Fig. Distales Humerusgelenk durch einen
909, g). Kiel in zwei Theile getheilt.
Humerus mit Foramen (Fig. 909, ent). Humerus ohne Foramen.
Femur mit drittem Trochanter Femur ohne dritten Trochanter.
(Fig. 909, tr₃).
Gebiss J, C, P können z. Th. oder alle
(3 · 1 · 4· 3)/(3 · 1 · 4 · 3). rudimentär werden oder ganz fehlen.
C fangzahnartig verlängert; J C oder J hauerartig (Fig. 1009),
schneidezahnartig. oder C schneidezahnähnlich (unten
bei Ruminantia).
M trigonodont (Fig. 910). M tetragonodont (Fig. 913),
manchmal ausserordentlich
vergrössert (Elephas).
P einfacher als M (kegelförmig). P allmählich den M ähnlich werdend.
Backzähne bunodont (Fig. 912). Backzähne lophodont.
Backzähne brachyodont. Backzähne mehr und mehr
hypselodont.
Molaren mit selbständigen Zwischenhöcker von den Haupthöckern
Zwischenhöckern (Fig. 912 b’ u. b"). nicht unterscheidbar (Fig. 1010).
Kleine Lücken im Gebiss. Lücken fehlen (Fig. 991), oder sehr
gross (Fig. 1026).
[Illustration: Fig. 907. Linker Hinterfuss von A Phenacodus primaevus
Cope, Wasatch-Eocän von Wyoming. B Elephas indicus. Recent. C
Rhinoceros pachygnathus Wagn. Pliocän von Pikermi. a = Astragalus; c =
Calcaneus; cb = Cuboid; n = Naviculare; 1, 2, 3 = Cuneiforme I., II.,
III.; I-V = 1.-5. Zehe.]
Hufthiere finden sich in Nordamerika bereits im ältesten (Puerco-)
Eocän; diese (Condylarthra) sind weitaus die primitivsten Formen,
die auch den anderen gleichzeitig lebenden primitivsten Ordnungen
von Land-Placentalia ausserordentlich nahe stehen. Fleischfressende
Formen (? Creodonta) müssen als die Ahnen der Condylarthra angenommen
werden. Auf Condylarthra lassen sich die übrigen Ordnungen der
Hufthiere direct zurückführen. Unter diesen sind nur noch die
Amblypoda auf das Eocän beschränkt; die Hyracoidea sind nur lebend
bekannt. Die Proboscidea erscheinen im Miocän; die Perissodactyla und
Artiodactyla beginnen beide schon im Eocän, erstere sind hauptsächlich
nordamerikanischen, letztere altweltlichen Ursprungs. Die Toxodontia
sind Südamerika eigenthümlich. Hufthiere sind für den Paläontologen
weitaus die wichtigsten Säugethiere. Fast an allen Fundstellen fossiler
Landsäugethiere in Europa und Nordamerika sind sie die vorherrschenden
Formen, sowohl wegen ihrer meist beträchtlichen Grösse, wie wegen ihrer
meist alles Andere überwiegenden Anzahl.
Übersicht der sieben Ordnungen von Hufthieren:
A. Tarsus und Carpus serial gebaut: cuboid articulirt proximal nur mit
Calcaneus, Astragalus distal nur mit Naviculare (Fig. 907 A);
Scaphoid articulirt distal nur mit Trapez und Trapezoid, Lunare nur
mit Magnum (Fig. 908).
a. C fangzahnartig verlängert; 3/3 J normal; Backzähne meist bunodont
(Fig. 912); 5/5 Zehen; Fibula berührt den Calcaneus. p. 749.
13. Ordnung Condylarthra.
b. C fehlen; (2(1))/2 J, die mittleren oben gross und wurzellos;
Backzähne lophodont; 5/3 Zehen; Fibula eingekeilt zwischen
Calcaneus und Astragalus. p. 751.
14. Ordnung Hyracoidea.
c. C nicht verlängert, klein oder fehlend; J schaufelförmig (Fig.
915-917), manchmal prismatisch, ebenso wie die lophodonten
Backzähne; 5/5-3/3 Zehen; Calcaneus mit Fibulargelenk. p. 752.
15. Ordnung Toxodontia.
B. Cuboid articulirt proximal mit Calcaneus und Naviculare,
Astragalus distal nur mit Naviculare (Fig. 907 B); Carpus nahezu
serial; Astragalus mit einfach convexem, nicht kopfartig abgesetztem
Tibialgelenk; Calcaneus mit Fibulargelenk; 5/5 Zehen, wenig
digitigrad. p. 754.
16. Ordnung Proboscidea.
C. Cuboid articulirt proximal mit Calcaneus und Astragalus (Fig. 907 C).
a. Scaphoid articulirt distal nur mit Trapez und Trapezoid, Lunare
mit Magnum und Unciforme (Fig. 934 B); Astragalus mit einfach
convexem Tibialgelenk; Calcaneus mit Fibulargelenk; 5/5 Zehen;
wenig digitigrad. p. 762.
17. Ordnung Amblypoda.
b. Scaphoid articulirt distal auch mit Magnum, Lunare mit Magnum und
Unciforme (Fig. 942 C); Astragalus mit kopfförmig abgesetztem,
rollenartigem Tibialgelenk (Fig. 907 C u. 943); unguligrad.
Diplarthra.
α. 4/3-1/1 Zehen; dritte Zehe stärker als die übrigen, zweite und
vierte gleich stark (Fig. 942); distales Astragalusgelenk flach
(Fig. 943 n); Calcaneus ohne Fibulargelenk; Femur mit drittem
Trochanter (Fig. 944). p.765.
18. Ordnung Perissodactyla.
β. 4(5)/4-2/2 Zehen; dritte und vierte Zehe gleich stark, stärker
als die übrigen; zweite Zehe ähnlich der fünften (Fig. 979,
980); distales Astragalusgelenk ebenfalls rollenförmig (Fig.
978); Calcaneus mit Fibulargelenk; Femur ohne dritten
Trochanter. p. 784.
19. Ordnung Artiodactyla.
13. Ordnung Condylarthra.
Die von Cope entdeckten Condylarthra sind die alterthümlichsten Formen
von Hufthieren, deren Schädel, Gebiss und Fussbau grösstentheils noch
die ursprünglichsten Verhältnisse zeigen, die überhaupt bei Hufthieren
bekannt sind. Sie dürfen wohl als die Stammformen der übrigen Hufthiere
angesehen werden und stehen den primitivsten Sarcotheria, Aganodontia,
besonders aber Primates noch ausserordentlich nahe (vgl. p. 729 u.
741). Hirn klein und glatt; Orbitalrand hinten offen. Unterkiefergelenk
mit Processus postglenoideus. Epistropheus mit cylindrischem
Zahnfortsatz. Füsse plantigrad bis digitigrad; 5/5 Zehen. Carpus
und Tarsus noch vollkommen serial (Fig. 907 A u. 908). Astragalus
mit kurzem, kopfförmig abgesetztem Tibialgelenk. Fibula berührt den
Calcaneus. Humerus mit Foramen und einfachem distalem Gelenk; Femur mit
drittem Trochanter (Fig. 909). Gebiss brachyodont und meist bunodont,
vollzählig, oder es fehlt nur P₁; Schwanz lang und kräftig.
[Illustration: Fig. 908. Linker Vorderfuss von Phenacodus primaevus
Cope. Wasatch-Eocän von Wyoming. s = Scaphoid; l = Lunare; p =
Pyramidale; tz = Trapez; t = Trapezoid; m = Magnum; u = Unciforme; mc =
Metacarpus des dritten Fingers.]
[Illustration: Fig. 909. Periptychus rhabdodon Cope. Puerco-Eocän von
Neu-Mexico. A rechter Humerus von vorn. c = oberer Gelenkkopf; d =
Deltoidleiste; e = Naht zwischen Epiphyse und Körper des Knochens; ent
= Foramen entepicondylare; er = radialer, eu = ulnarer Epicondylus;
g = Gelenkrolle für Radius und Ulna; t = Tuberculum majus, t’ = T.
minus. B rechter Femur von hinten. c = Gelenkkopf; ca = äusserer, ci =
innerer Condylus (Gelenk für die Tibia); ea = äusserer, ei = innerer
Epicondylus; f = Fossa intercondylea; tr₁ = grosser, tr₂ = kleiner, tr₃
= dritter Trochanter.]
Diese ursprünglichsten Hufthiere sind, abgesehen von einigen
hypothetischen europäischen Formen, nur aus dem älteren Tertiär von
Nordamerika, der Puerco- und Wasatch-Epoche bekannt. Es werden drei
Familien unterschieden:
1. Bunodont; Astragalus ohne Rollengelenk; M trigonodont; P meist nur
einfache Kegel.
1. Fam. Periptychidae.
2. Bunodont; Astragalus mit proximalem Rollengelenk; M mehr oder
weniger tetragonodont; P einfacher als M.
2. Fam. Phenacodontidae.
3. Lophodont; untere P ähneln theilweise den M.
3. Fam. Meniscotheriidae.
1. Fam. Periptychidae.
Unter den Condylarthra sind dies die ursprünglichsten Formen, von
denen sämmtliche übrigen Ungulata abstammen dürften. M trigonodont,
Zwischenhöcker treten häufig auf. P sind sehr gross und zeigen meist
nur einen Haupthöcker. Füsse plantigrad. Sämmtliche bekannte Arten
stammen aus dem Puerco-Eocän von Neu-Mexico, wo sie die Hauptvertreter
der Hufthiere sind.
[Illustration: Fig. 910. A Haploconus entoconus Cope. Obere Backzähne
von der Kaufläche. B Haploconus lineatus Cope. Untere Backzähne von
aussen. Puerco-Eocän von Neu-Mexico.]
Haploconus Cope (Fig. 910). Gebiss (3 · 1 · 4 · 3)/(3 · 1 · 4 · 3); M
einfach trigonodont, oberer P₄ mit einem Aussen- und einem Innenhöcker,
die übrigen oberen P einfach kegelförmig.
H. lineatus Cope (Fig. 910 B) und H. entoconus Cope (Fig. 910 A) aus
dem Puerco-Eocän von Neu-Mexico.
Periptychus Cope (Fig. 909), mit eigenthümlich gestreifter
Zahnoberfläche. Obere M trigonodont mit mehreren Zwischenhöckern.
Halswirbel sehr kurz; Beine mässig lang; Schwanz sehr kräftig. Gehirn
äusserst klein und primitiv gebaut.
P. rhabdodon Cope (Fig. 909) ist die am besten gekannte Art dieser
Familie und das häufigste Säugethier der Puerco-Periode; erreichte die
Grösse des Schafes.
2. Fam. Phenacodontidae.
Die oberen M (Fig. 912) sind fast ganz tetragonodont, der d-Höcker
ist mehr oder weniger gut entwickelt; regelmässig finden sich
Zwischenhöcker zwischen den Haupthöckern. Die primitiveren Formen haben
P mit nur einem Aussenhöcker, bei den fortgeschritteneren haben mehrere
derselben zwei Aussenhöcker. Der Astragalus zeigt schon das proximale
Gelenk rollenförmig entwickelt. In dieser Familie finden sich die
fünfzehigen, bereits digitigraden Vorläufer der Perissodactyla.
Unteres, besonders aber mittleres Eocän von Nordamerika (Puerco und
Wasatch).
[Illustration: Fig. 911. Phenacodus Wortmanni Cope. Wasatch-Eocän von
Big Horn Basin in Wyoming.]
Protogonia Cope (Fig. 912). Oberer P₄ besitzt nur einen Aussenhöcker.
Puerco-Eocän von Neu-Mexico; es sind die einzigen Formen aus dieser
Periode mit tetragonodontem Gebiss und die primitivsten Formen der
Familie.
P. puercensis Cope (Fig. 912). Puerco von Neu-Mexico.
[Illustration: Fig. 912. Protogonia puercensis Cope. Puerco-Eocän von
Neu-Mexico. Oberkieferbezahnung.]
Phenacodus Cope (Fig. 907 A, 908, 911, 913). Gebiss ohne grössere
Lücke. C mässig; oberer P₄ mit zwei Aussenhöckern. Obere M
tetragonodont mit vier Haupthöckern und zwei Zwischenhöckern. Unterer
M₃ mit deutlichem dritten Lobus. Mehrere Arten sind beschrieben aus dem
Wasatch-Eocän von Nordamerika.
Von Ph. primaevus Cope (Fig. 907, 908, 913) und Ph. Wortmanni
Cope (Fig. 911) aus dem Wasatch von Wyoming (und Neu-Mexico) sind
vollständige Skelete bekannt. Die grössten Arten hatten etwa
Tapirgrösse. Die Gattungen Phenacodus und Protogonia gehören
jedenfalls in die Ahnenreihe des Pferdes.
[Illustration: Fig. 913. Phenacodus primaevus Cope. Wasatch-Eocän von
Wyoming. A obere Backzähne. B untere Backzähne.]
3. Fam. Meniscotheriidae.
Hierher gehören Thiere aus dem Wasatch-Eocän von Neu-Mexico, deren
auffallend lophodontes Gebiss eine für diese Ordnung weitgehende
Specialisation darstellt.
Meniscotherium terrae-rubrae Cope. Wasatch-Eocän von Neu-Mexico.
14. Ordnung Hyracoidea.
Die einzige hierher gehörige Familie der Hyracidae oder Klippschliefer
lebt gegenwärtig in Afrika und den benachbarten Gegenden von Asien.
Fossil sind derartige Formen ganz unbekannt. Ihr Skelet zeigt
theilweise sehr primitive Charaktere. Es sind die einzigen Hufthiere,
die im erwachsenen Zustande noch ein freies Centrale carpi zeigen
(Fig. 914); dagegen ist ihr Gebiss sehr modernisirt. Gehirn gross;
Femur mit drittem Trochanter; Ulna und Fibula frei, wohlentwickelt;
Astragalus mit proximalem Rollengelenk und mit Fibulargelenk; Backzähne
denen von Rhinoceros ähnelnd; P den M ähnlich. Sie dürften als ein
eigenthümlicher Seitenzweig der Condylarthra angesehen werden, der
augenscheinlich zu den Toxodontia nähere Verwandtschaft zeigt.
[Illustration: Fig. 914. Hyrax capensis. Recent. Linke Hand. R =
Radius; U = Ulna; c = Centrale; l = Lunare; p = Pyramidale; pi =
Pisiforme; s = Scaphoid; 1 = Trapez; 2 = Trapezoid; 3 = Magnum; 4 =
Unciforme; mt₁-mt₅ = erstes bis fünftes Metacarpale; ph₁-ph₃ = erste
bis dritte Phalange des dritten Fingers; I-V = erster bis fünfter
Finger.]
15. Ordnung Toxodontia.
Unter dem Namen Toxodontia werden gewöhnlich eine Anzahl höchst
eigenthümlicher fossiler Hufthiere aus Südamerika zusammengefasst,
deren bestgekannte Formen zu den Gattungen Toxodon, Typotherium und
Nesodon gehören. Von manchen Autoren wird Nesodon mit der Gattung
Macrauchenia zusammengestellt, ebenfalls einem südamerikanischen
fossilen Hufthiere, das auf Grund oberflächlicher Analogien im Gebiss
und im Fussbau meist zu den Perissodactyla gerechnet wird, von denen
es jedenfalls weit zu trennen ist. Es ist nun wahrscheinlich, dass
diese vier unter einander sehr differirenden Gattungen, denen noch eine
grössere Anzahl neuentdeckter, aber ungenügend bekannter Formen an
die Seite gestellt wird, zu einer natürlichen Gruppe vereinigt werden
müssen, die eine selbständige Ordnung der Hufthiere bildet.
Diese Toxodontia im weiteren Sinne sind beschränkt auf Südamerika, wo
sie in allen tertiären und diluvialen Ablagerungen gefunden werden, und
sind für diese Region ungemein charakteristisch. Sie dürften direct auf
Condylarthra zurückgeführt werden und finden ihre nächsten Verwandten
unter den Hyracoidea und den Proboscidea. Wie diese besitzen sie noch
einen sehr primitiven Fussbau; die Carpalia und Tarsalia sind nicht
alternirend angeordnet; am Tarsus articulirt der Astragalus distal nur
mit dem Naviculare, das Cuboid proximal nur mit dem Calcaneus, der
noch eine Gelenkfläche für die Fibula besitzt. Manche Formen besitzen
noch einen fast plantigraden Fuss mit 5/5 Zehen, andere haben nur noch
3/3 funktionirende Zehen und sind unguligrad (Macrauchenia). Am Gebiss
(Fig. 915-917) sind die C nicht verlängert und können ganz fehlen; J
schaufelförmig, oft stark gekrümmt, die mittleren oft auf Kosten der
äusseren vergrössert und mit offener Pulpahöhle versehen. Die Backzähne
können brachyodont oder hypselodont sein, im letzteren Fall mit sehr
kleiner Kaufläche und einfachem Bau; sie sind bei den verschiedenen
Gattungen sehr verschieden ausgebildet, lassen aber einen gemeinsamen
Typus nicht verkennen, der bei den P oft sehr hervortritt (vergl. Fig.
916 A und 917). Die oberen M zeigen eine sehr verlängerte Aussenwand
mit mehreren schräg darauf stehenden Querleisten. Sie erinnern, ebenso
wie die unteren M-förmigen M an Zähne von Hyrax oder Rhinoceros.
Manche Formen erreichen eine ausserordentliche Grösse. Jede der vier
Hauptgattungen kann als Typus einer besonderen Familie angesehen werden.
Nesodon Owen (Fig. 915) ist eine der ursprünglicheren Gattungen mit
(3 · 1 · 4 · 3)/(3 · 1 · 4 · 3) Zähnen, welche an die der Hyracoidea
erinnern. Schneide- und Backzähne besitzen Wurzeln, die mittleren J
sind viel grösser als die rudimentären äusseren; obere Backzähne sind
etwas nach hinten verschmälert, mit mehreren Innenleisten.
N. ovinus Owen (Fig. 915), von der Grösse der Vicuña. Tertiär von
Patagonien.
[Illustration: Fig. 915. Nesodon ovinus Owen. Tertiär von Patagonien.
Milchgebiss und Molaren des Oberkiefers.]
[Illustration: Fig. 916. Toxodon Burmeisteri Gieb. Pampasformation von
Argentinien. A Schädel von unten. B Unterkiefer. ¹⁄₁₂.]
[Illustration: Fig. 917. Macrauchenia patagonica Owen. Pampasformation
von Argentinien. Gebiss des Oberkiefers.]
Toxodon Owen (Fig. 916) mit (2 · 0 · 4 · 3)/(3 · 1 · 3 · 3) Zähnen;
alle Zähne wurzellos, hypselodont, die Krone stark gekrümmt; die
unteren C sind rudimentär. Die oberen Backzähne sind dreiseitig und
stellen einen vereinfachten Typus der Zähne von Nesodon dar; der
Schmelz, an ihrem Vorderrand sehr dick, ist am Hinterrand sehr schwach.
Femur ohne dritten Trochanter. Füsse plantigrad, fünf- oder vierzehig.
T. platensis Owen, etwa von Nilpferdgrösse. Pampasformation von
Argentinien.
T. Burmeisteri Gieb. (Fig. 916). Ebenda.
Typotherium Brav. mit (1 · 0 · 2 · 3)/(2 · 0 · 1 · 3) Zähnen; J₁
sehr gross und nagezahnartig; Backzähne ähneln denen von Toxodon und
Nesodon; alle Zähne wurzellos und stark gekrümmt; Femur mit drittem
Trochanter; Humerus mit Foramen epicondylare; Schlüsselbeine
vorhanden. Füsse plantigrad, fünf-oder vierzehig; einige Endphalangen
sind gespalten.
T. cristatum Serres. Pampasformation von Argentinien.
Macrauchenia Owen (Fig. 917). Füsse mit 3/3 functionirenden Zehen,
unguligrad, Rudimente von äusseren Zehen wahrscheinlich vorhanden.
Femur mit drittem Trochanter. Die Halswirbel ähneln denen der
Camelidae in der Abwesenheit des Foramen transversarium. Nasenöffnung
ausserordentlich weit. Sie besitzen (3 · 1 · 4 · 3)/(3 · 1 · 4 · 3)
Zähne in fast ununterbrochener Reihe, alle wohl entwickelt, mit Wurzeln
versehen. Die M sind complicirt gebaut und ähneln einigermassen denen
von Palaeotherium und Rhinoceros, lassen aber nahe Beziehungen zu denen
von Nesodon erkennen.
M. patagonica Owen (Fig. 917), von Kamelgrösse. Argentinien und
Patagonien.
16. Ordnung Proboscidea.
Die Rüsselthiere (Fig. 929) sind fast durchgehends Formen von so
gewaltiger Körpergrösse, dass sie den riesigsten Gestalten unter den
anderen Landsäugethieren nicht nur nicht nachstehen, sondern dieselben
zum Theil noch übertreffen. Ihr erstes ganz unvermitteltes Erscheinen
fällt in das obere Miocän, und zwar treten sie zuerst in der alten Welt
auf, wandern dann aber auch nach Nord- und selbst bis nach Südamerika,
wo sie erst im Diluvium aussterben; am formenreichsten zeigen sie
sich aber stets in der alten Welt (bes. Indien), die auch noch zwei
lebende Arten aufzuweisen hat. Ihre Abstammung ist noch ganz dunkel.
Die Füsse sind stets fünfzehig und wenig digitigrad. Die Vorderfüsse
zeigen ziemlich gut noch den ursprünglichen Bau der Condylarthra mit
mehr oder minder deutlicher serialer Anordnung der Carpalia (Fig.
918). Der Tarsus (Fig. 919) aber ist sehr eigenthümlich gebaut, indem
das Naviculare sich so verbreitert, dass es Cuboid und Astragalus
vollständig trennt und eine distale Gelenkfläche für das Cuboid erhält.
Der Astragalus (Fig. 920) ist niedrig und ganz flach, mit einfach
convexem Tibialgelenk. Femur ohne dritten Trochanter. Centrale ist bei
jungen Thieren noch frei und verwächst später mit dem Scaphoid (Fig.
918). Die ältesten Formen waren verhältnissmässig kurzbeiniger als die
jüngeren. An dem gewaltigen Schädel ist die Nasenöffnung, an welcher
der mächtige Rüssel entspringt, ungewöhnlich weit, die Nasenbeine
sind sehr klein. Meist sind ausserordentlich ausgedehnte Stirnhöhlen
entwickelt. Unterkiefergelenk ohne Processus postglenoideus, der
Unterkiefer bewegt sich nach vorn und hinten. Hirn gross und gefurcht.
C zeigen sich nie mehr entwickelt, von den J ist auch bei den ältesten
Formen (Fig. 923) nur noch in jedem Kiefer ein Paar entwickelt, diese
aber zu gewaltigen Stosszähnen ausgebildet; den jüngeren Formen fehlen
auch die unteren Stosszähne ganz. Das definitive Gebiss besitzt
höchstens noch fünf Backzähne neben einander (Fig. 921), denen aber
noch drei Milchbackzähne vorausgehen können. Die ursprüngliche
Zahnformel der Proboscidier ist (1·0·3·3)/(1·0·3·3).
[Illustration: Fig. 918. Elephas indicus L. juv. Linker Vorderfuss. c =
Centrale (verschmilzt beim Erwachsenen mit dem Scaphoid); l = Lunare; m
= Magnum; p = Pyramidale; pi = Pisiforme; s = Scaphoid; t = Trapezoid;
tz = Trapez; u = Unciforme.]
Die Backzähne sind ursprünglich wahrscheinlich bunodont; selten sind
isolirte dicke Warzen vorhanden (Fig. 926); meist sind die Höcker
zu Querleisten verbunden (Fig. 928) oder wenigstens vermehrt und in
Querreihen angeordnet (Fig. 927), deren ursprünglich wohl nur zwei
vorhanden waren (Fig. 921 A). Die Zahnkrone zeigt aber das Bestreben,
am Hinterrande weitere Höcker bez. Querleisten anzusetzen und so die
Kaufläche immer mehr zu vergrössern; bei den extremsten Formen kann der
letzte Backzahn es auf die ausserordentliche Zahl von 27 Querleisten
bringen. Nur zwei Familien sind bekannt.
[Illustration: Fig. 919. Elephas indicus L. Linker Hinterfuss. a =
Astragalus; c = Calcaneus; cb = Cuboid; n = Naviculare; 1, 2, 3 = 1.-3.
Cuneiforme.]
[Illustration: Fig. 920. Elephas primigenius Blum. Diluvium von
Vögtlinshofen, Oberelsass. Astragalus von oben.]
1. Fam. Dinotheriidae.
Hierher gehören alterthümliche Proboscidier (Fig. 921 u. 922), bei
denen sämmtliche (5) definitive Backzähne zu gleicher Zeit in Gebrauch
sind; dieselben sind stets lophodont (Tapir-ähnlich); die niedrige
cementlose Zahnkrone zeigt zwei Querjoche, nur M₁ und D₄ besitzen deren
drei. Stosszähne im Unterkiefer sehr mächtig. Die einzige Gattung ist
Dinotherium Kaup (Fig. 921 u. 922). Die Zahl der Querleisten an den
fünf Backzähnen des definitiven Gebisses beträgt P: 2·2, M: 3·2·2
(Fig. 921 A). Ausserdem sind drei Milchbackzähne vorhanden mit 1·2·3
Querleisten (Fig. 921 B). Der Unterkiefer besass herabgekrümmte grosse
Stosszähne; auch im Oberkiefer sind wenigstens bei einer Art neuerdings
Stosszähne nachgewiesen worden. Die Gattung findet sich im oberen
Miocän und älteren Pliocän von Europa, sowie in den älteren Siwaliks
von Indien.
D. giganteum Kaup (Fig. 921 u. 922) aus dem oberen Miocän und
unteren Pliocän von Europa (z. B. Simorre, Orléans, Eppelsheim
[Dinotherium-Sande], Wien, Pikermi) ist eine der riesenhaftesten
Formen unter den Proboscidiern, etwa 4½ m hoch.
[Illustration: Fig. 921. Dinotherium giganteum Kaup. A obere Backzähne
von der Kaufläche. Oberes Miocän von Samaran (Gers). B Untere
Milchbackzähne. Obermiocän. Grive sur Alban, Isère. ⅜]
[Illustration: Fig. 922. Dinotherium giganteum Kaup. Pliocän von
Eppelsheim. Schädel.]
2. Fam. Elephantidae.
Hierher gehören diejenigen Proboscidier, bei welchen nie mehr als drei
Backzähne zu gleicher Zeit in Gebrauch sind, und deren M₁ die gleiche
oder eine geringere Anzahl von Querleisten hat als der folgende M. Oben
und unten ursprünglich 1 J, 0 C, 3 (4?) D, 2 (3?) P, 3 M.
Die primitivsten Formen der Familie sind Mastodon angustidens und M.
turicensis; die J derselben bilden im Ober- und Unterkiefer mässig
lange Stosszähne (Fig. 923).
Es treten hier drei D auf (Fig. 925), von denen wenigstens die beiden
hinteren durch P ersetzt werden; an die Stelle dieser vorderen
Backzähne treten nun ganz allmählich die M, indem dieselben bei ihrem
Entstehen langsam nach vorn rücken und die vor ihnen stehenden Zähne
dabei nach vorn drängen, bis sie ausfallen; stets sind drei Backzähne
gleichzeitig in Gebrauch auf jeder Seite, bei alten Thieren sind
es die drei M. Diese Backzähne (Fig. 924 A u. 926) besitzen eine
niedrige Krone mit langen geschlossenen Wurzeln; die Krone zeigt eine
Anzahl von Höckern, die mit einer sehr dicken Schmelzschicht bedeckt
sind. Dieselben bilden entweder gerade, regelmässige, vielgipflige,
vollkommen getrennte Querleisten (Tapiroider Typus, Fig. 927), oder die
Querleisten sind nicht gerade, aus ungleich grossen Höckern gebildet
und unvollkommen getrennt, da sich in den Thälern accessorische Höcker
finden (Mastoider Typus, Fig. 926). Die Zahl der Querleisten beträgt
für die drei D: 1·2·3, für die drei M: 3·3·4.
[Illustration: Fig. 923. Mastodon angustidens Cuv. Miocän von Simorre.
Schädel.]
Von diesen primitiven Formen bis zu den extremsten Arten findet nun
eine ganz allmähliche Veränderung des Gebisses statt, die durch
zahlreiche Zwischenstufen vertreten ist und etwa in folgender Weise vor
sich geht:
1. Die unteren Stosszähne werden immer kleiner, fehlen erst den
Weibchen, dann allen erwachsenen Individuen und finden sich
zuletzt überhaupt nicht mehr entwickelt. Dafür werden die oberen
Stosszähne immer mächtiger und können zuletzt überaus gross und stark
gekrümmt werden (Fig. 929). Ursprünglich zeigen die Stosszähne noch
Schmelzbänder, die den späteren Formen verloren gehen.
2. Die P kommen nach und nach gar nicht mehr zur Entwicklung, so dass
überhaupt nur noch sechs Backzähne jederseits entstehen, von welchen
die drei ersten als D anzusehen sind.
3. Die Zahl der Querleisten wird bei den tapiroiden Formen allmählich
immer grösser, und zwar nimmt sie an den hinteren Backzähnen rascher zu
als an den vorderen. Dies Anwachsen der Leistenzahl an den drei D und
den drei M veranschaulicht die folgende Reihe, welche die wichtigsten
Typen der Familie darstellt:
Trilophodon: D 1 · 2 · 3 M 3 3 · 4.
Tetralophodon: D 2 · 3 · 4 M 4 4 · 5.
Stegodon Clifti: D 2 · 4 · 5 M 6 6 · 7.
Stegodon insignis: D 2 · 5 · 7 M 7 7 · 10.
Loxodon africanus: D 3 · 6 · 7 M 7 8 · 10.
Loxodon meridionalis: D 3 · 6 · 8 M 8-9 · 9-11 · 13-14.
Elephas antiquus: D 2-3 · 5-7 · 8-10 M 9-12 · 12-13 · 15-20.
Elephas indicus: D 4 · 7-9 · 11-13 M 12-14 · 16-18 · 18-24.
Elephas primigenius: D 3-4 · 6-9 · 9-12 M 9-15 · 14-16 · 18-27.
Mastoide Formen kommen über das tetralophodonte Stadium nicht hinaus.
4. Die Zahnkrone wird immer höher, die Wurzeln schliessen sich immer
später; die Thäler zwischen den Leisten werden immer tiefer und füllen
sich erst in der Tiefe, dann ganz mit Cement aus (Säulenzähne mit
ebener Kaufläche), wobei der Schmelz immer dünner wird, bis zuletzt
(Mammuth) der Backzahn aus zahlreichen sehr schmalen, mit dünnem
Schmelz bekleideten Dentinplatten oder -Lamellen besteht, welche durch
dicke Cementschichten mit einander verklebt sind (Fig. 924 A-C).
5. Während schon die Backzähne der primitiveren Formen von
beträchtlicher Grösse sind, zeigen die extremeren Formen (Fig. 933)
einen so ausserordentlichen Umfang, dass kein Backzahn eines anderen
Säugethieres auch nur entfernt mit dem der Elephanten sich an Grösse
messen kann.
Während von den verhältnissmässig kleineren Backzähnen der primitiveren
Formen noch drei gleichzeitig in einem Kiefer Platz finden, bietet
derselbe bei den extremeren Formen nur noch für einen oder höchstens
zwei der kolossalen Zähne den nöthigen Raum. Der in Gebrauch stehende
Zahn wird nun von vorn nach hinten abgekaut, während er von dem hinter
ihm entstehenden nächsten Zahne langsam nach vorwärts geschoben wird,
bis dieser vollständig an seine Stelle getreten ist, um seinerseits
wieder allmählich dem folgenden Platz zu machen. Dabei kann der vordere
Theil eines Zahnes schon lange in Thätigkeit, bez. stark abgekaut sein,
während der hintere Theil sich noch in der Entwicklung befindet (Fig.
932 u. 933) und von der Alveole umschlossen ist. Die Entwicklung der
hinteren Backzähne wird dadurch sehr lange zurückgehalten, so dass beim
Elephanten der letzte Zahn erst durchbricht, wenn das Thier bereits ein
sehr hohes Lebensalter erreicht hat.
Die hier aufgeführten Gattungen und Untergattungen, die aber keineswegs
scharf von einander zu trennen sind, bilden eine genetische Reihe
(Trilophodon-Tetralophodon-Stegodon-Loxodon-Euelephas).
[Illustration: Fig. 924. Längsschnitte durch die Krone der Backzähne
von A Mastodon angustidens Cuv.; B Stegodon ganesa Falc. u. Cautl.; C
Elephas meridionalis Nesti. D = Dentin; S = Schmelz; C = Cement; v =
Vorderrand.]
Mastodon Cuv. Primitivere mastoide oder tapiroide Formen mit drei
gleichzeitig im Kiefer stehenden Backzähnen, deren Krone niedrig ist,
deren Thäler kein Cement zeigen und deren mittlere Backzähne (D₄ M₁ M₂)
nur drei oder vier Höckerreihen, bez. Querleisten besitzen. Grossen
unteren Stosszähnen entspricht eine verlängerte Unterkiefersymphyse;
je grösser die oberen Stosszähne werden, je höher wird der Schädel.
Obermiocän bis Pliocän in der alten Welt, bis Pleistocän in Amerika.
Untergattung Trilophodon (Fig. 923, 924 A, 925-927). D₄, M₁, M₂ mit je
drei Querreihen von Höckern, bez. Querleisten, M₃ besitzt vier.
[Illustration: Fig. 925. Mastodon angustidens Cuv. Miocän von Sansan.
Obere Milchbackzähne.]
[Illustration: Fig. 926. Mastodon angustidens Cuv. Letzter oberer
Backzahn. v = Vorderrand.]
[Illustration: Fig. 927. Mastodon turicensis Schinz. Miocän von
Simorre. Letzter unterer Backzahn von der Seite. v = Vorderrand.]
a. Arten mit unteren Stosszähnen und verlängertem Unterkiefer.
M. angustidens Cuv. (Fig. 923, 924 A, 925, 926). Oberes Miocän von
Europa, untere Siwaliks von Indien, Loup Fork-Epoche von Nordamerika.
Mastoid. Die dicken zitzenartigen Höcker der M stehen etwas
alternirend, mit accessorischen Höckern in den Thälern. Untere
Stosszähne lang.
M. turicensis Schinz (Fig. 927); oberes Miocän von Europa; Backzähne
mit sehr deutlichen Querjochen, ohne accessorische Höcker in den
Thälern (tapiroid).
M. Pandionis Falc. Obere Siwaliks von Indien.
M. productus Cope. Loup Fork-Epoche des Südwestens von Nordamerika.
M. Andium Cuv. Pliocän (? Pleistocän) von Südamerika und Mexico.
b. Arten ohne untere Stosszähne, mit kurzem Unterkiefer. Schädel hoch.
M. americanus Cuv. Das riesige »Ohiothier« aus dem Diluvium von
Nordamerika zeigt mitunter noch einen rudimentären unteren Stosszahn.
Tapiroid; M mit hohen Querjochen. Lebte bis kurz vor Anbruch der
Neuzeit.
M. Shepardi Leidy. Pliocän von Californien und Mexico.
M. Humboldti Cuv. Pampasformation. Südamerika.
M. Borsoni Hays. Pliocän von Europa, manchmal mit rudimentären
unteren Stosszähnen; Tapiroid.
Untergattung Tetralophodon Falc. D₄, M₁, M₂ mit vier Querreihen von
Höckern (bez. Querleisten), M₃ mit fünf.
a. Arten mit unteren Stosszähnen und verlängerter Unterkiefersymphyse.
M. longirostris Kaup. Unteres Pliocän. Europa (bes. Eppelsheim).
Mastoid.
b. Arten ohne untere Stosszähne, mit kurzem Unterkiefer; Schädel hoch.
M. arvernensis Croiz. et Job. Unteres und oberes Pliocän. Europa.
Mastoid.
M. sivalensis Cautl. Obere Siwaliks von Indien. Mastoid.
M. mirificus Leidy. Loup Fork-Epoche von Nordamerika.
M. latidens Clift. Obere Siwaliks. Indien, Birma, Borneo. Tapiroid.
Stegodon Falc. (Fig. 924 B, 928). Es sind tapiroide Mastodonten, deren
D₄, M₁, M₂ fünf bis acht Querleisten zeigen, und in deren Thälern sich
etwas Cement ablagert. Die Querleisten sind noch dachförmig. Keine
unteren Stosszähne, Schädel sehr hoch. Es sind Uebergangsformen zu
Elephas. Siwaliks von Indien, sowie in China und Japan.
St. Clifti Falc. u. Cautl. (Fig. 928) und St. insignis Falc. u.
Cautl. Siwaliks von Indien, auch in Birma, China und Japan.
St. ganesa Falc. u. Cautl. (Fig. 924 B). Pliocän und Pleistocän von
Indien.
[Illustration: Fig. 928. Stegodon Clifti Falc. and Cautl. Irawadi.
Oberer Molar. D = Dentin; S = Schmelz: v = Vorderrand.]
[Illustration: Fig. 929. Elephas primigenius Blum. Pleistocän.
(Reconstruirt.)]
Elephas L. Bei den Elephanten sind die Zähne höher als bei Stegodonten,
die Querleisten zahlreicher, die Thäler vollständig mit Cement
ausgefüllt, das dann den ganzen Zahn umhüllt, so dass eine ebene
Kaufläche vorhanden ist. Es sind nur ein bis zwei Backzähne auf einmal
in jeder Kieferhälfte in Gebrauch, und untere Stosszähne treten nie
mehr auf. Schädel ist stets sehr hoch. Die Gattung findet sich zuerst
in den oberen Siwaliks von Indien, erscheint dann auch im oberen
Pliocän von Europa und wandert im Diluvium nach Amerika; lebend findet
sie sich noch in Indien und Afrika.
Die Kaufläche der oberen M ist von vorn nach hinten etwas convex, der
Zahn innen höher als aussen, da er etwas schräg abgekaut wird; die
Kaufläche der unteren M ist dagegen von vorn nach hinten etwas concav,
der Zahn aussen höher als innen. Die beiden Untergattungen sind nicht
sehr natürlich.
Untergattung Loxodon. Die Zähne sind noch verhältnissmässig niedrig,
die Querleisten aber schon plattenförmig, ihre Zahl noch nicht sehr
gross, und ihr Querschnitt auf der Kaufläche öfter von rautenförmiger
Gestalt. Cement ist sehr reichlich vorhanden. Sie finden sich nur in
der alten Welt.
E. planifrons Falc. u. Cautl. Obere Siwaliks von Indien; vielleicht
identisch mit E. meridionalis.
E. meridionalis Nesti (Fig. 924 C u. 930) lebte im obersten Pliocän
von Europa, besonders häufig in Südeuropa. Die Krone der Backzähne ist
verhältnissmässig breit zu ihrer Länge, dabei aber ziemlich niedrig;
die Schmelzwände sind dick, selten etwas gefältelt; Querleisten nicht
sehr zahlreich (p. 757), ziemlich dick, mit meist parallelen Wänden,
durch Cementschichten weit von einander getrennt; wird über 15 Fuss
hoch.
E. africanus Blum. Lebt gegenwärtig noch in Afrika. Die Querleisten
der Backzähne erscheinen auf der Kaufläche auffallend rautenförmig.
[Illustration: Fig. 930. Elephas meridionalis Nesti. Norfolk-Küste.
Letzter oberer Backzahn von der Kaufläche. v = Vorderrand.]
[Illustration: Fig. 931. Elephas antiquus Falc. Essex. Letzter oberer
Backzahn von der Kaufläche. C = Cement; D = Dentin; S = Schmelz; v =
Vorderrand.]
Untergattung Euelephas. Hierher gehören die extremsten Formen mit
Backzähnen von sehr hoher Krone und zahlreichen schmalen Querleisten,
deren Wände parallel laufen. Tritt zuerst in den oberen Siwaliks von
Indien auf, kommt im Pleistocän (? Oberpliocän) nach Europa und geht
auch nach Amerika hinüber; lebend in Indien.
E. hydsuricus Falc u. Cautl. Obere Siwaliks von Indien.
E. namadicus Falc u. Cautl. Pleistocän von Indien, Birma, China und
Japan.
E. indicus L. (Fig. 918-919). Recent in Indien und Sumatra.
E. antiquus Falc. (Fig. 931) ist sehr bezeichnend für das ältere
Diluvium von Europa; soll die grösste der europäischen Elephantenarten
gewesen sein.
Die Krone der Backzähne ist sehr hoch, aber schmal im Vergleich zur
Länge. Der Schmelz ist mässig dick, sehr auffallend und stark
gefältelt; die Querleisten sind mässig dick, manchmal etwas
rautenförmig, meist sehr weit von einander getrennt durch Cement (s.
p. 757).
E. melitensis Falc., Zwergrasse von E. antiquus, von nur 3 bis 5
Fuss Schulterhöhe, aus diluvialen Höhlen und Spalten von Malta, ist
weitaus die kleinste Elephantenart.
E. primigenius Blum. (Fig. 920, 929, 932, 933). Das Mammuth ist eine
der bezeichnendsten Diluvialformen. Es findet sich durch das ganze
Diluvium in Europa, auch südlich von den Alpen und dem Kaukasus, in
Nordasien, und in Nordamerika bis Mexiko. In grösster Menge findet man
seine Reste in Sibirien, mitunter selbst wohlerhaltene Leichen im Eise
eingefroren, die mit dichtem rothbraunen Haare bedeckt sind. Seine
gewaltigen, überaus stark gekrümmten Stosszähne liefern einen grossen
Theil des in den Handel gebrachten Elfenbeines.
Die Krone der Backzähne ist sehr hoch, auch sehr breit im Vergleich
zur Länge. Der Schmelz ist sehr dünn und wenig gefältelt. Die
zahlreichen Querleisten sind sehr schmal und liegen sehr nahe bei
einander (s. p. 757).
E. columbi Falc. Diluvium von Mexico und Texas.
[Illustration: Fig. 932. Elephas primigenius Blum. Leicestershire.
Letzter oberer Backzahn von der Kaufläche. v = Vorderrand; h = hinterer
noch in der Alveole steckender unausgebildeter Theil.]
[Illustration: Fig. 933. Elephas primigenius Blum. Vorletzter oberer
Molar von der Seite. v = Vorderrand; h = hinterer unausgebildeter, noch
in der Alveole steckender Theil; w = ausgebildete Wurzel im vorderen
Theil des Zahnes.]
Umstehende Tabelle zeigt die zeitliche und räumliche Verbreitung der
Proboscidea.
+-----------+------------+---------------+--------------+--------------+---------+
| | | Nordamerika | Europa | | |
| |Südamerika |(incl. Central-| und | Indien | Afrika |
| | | amerika) | Nordasien | | |
+===========+============+===============+==============+==============+=========+
| Recent | | | | Euelephas | Loxodon |
+-----------+------------+---------------+--------------+--------------+---------+
| Diluvium | | Euelephas | Euelephas | Euelephas | Loxodon |
| | | Trilophodon | | Stegodon | |
+-----------+------------+---------------+--------------+--------------+---------+
| | | | Euelephas | Euelephas | |
| | | | Loxodon | Loxodon | |
| Pliocän | | | | Stegodon | |
| |Trilophodon |Tetralophodon |Tetralophodon |Tetralophodon | |
| | | Trilophodon | Trilophodon | Trilophodon | |
| | | | Dinotherium | Dinotherium | |
+-----------+------------+---------------+--------------+--------------+---------+
| Miocän | |(Trilophodon) | Trilophodon | Trilophodon | |
| | | | Dinotherium | Dinotherium | |
+-----------+------------+---------------+--------------+--------------+---------+
17. Ordnung Amblypoda.
Der Carpus (Fig. 934 B) der Amblypoda hat nur theilweise noch die
ursprüngliche seriale Anordnung der Condylarthra, während der Tarsus
(Fig. 934 A) die alternirende Anordnung ganz wie die Perissodactyla
zeigt. Füsse 5/5 zehig, fast plantigrad, meist kurz und sehr plump;
Gehirn ausserordentlich klein (Fig. 935); Schädel oben flach, ohne
Sagittalcrista. Das Gebiss ist zwar lophodont, doch sonst von ziemlich
primitivem Charakter, brachyodont und die M trigonodont.
[Illustration: Fig. 934. Loxolophodon (Dinoceras) mirabilis Marsh.
Bridger-Eocän von Wyoming. A rechter Hinterfuss. a = Astragalus; c =
Calcaneus; cb = Cuboid; n = Naviculare: 1, 2, 3 = 1.-3. Cuneiforme.
B rechter Vorderfuss. l = Lunare; m = Magnum; p = Pyramidale; s =
Scaphoid; t = Trapezoid: tz = Trapez; n = Unciforme. I-V = 1.-5. Zehe.]
Die Amblypoda sind gänzlich auf das Eocän beschränkt und gehören
theilweise zu den auffallendsten Gestalten, die unter den Hufthieren
zu finden sind; zu ihnen zählen die gewaltigsten Säugethiere der
Eocänzeit. Sie stammen fast alle aus Nordamerika, nur eine einzige
Gattung ist auch aus Europa bekannt. Von den drei Familien lebte die
primitivste im Puerco-, eine andere im Wasatch-, die extremste im
Bridger-Eocän.
a. Proximales Astragalusgelenk kopfartig abgesetzt; Femur mit drittem
Trochanter; Humerus mit Foramen; Gebiss vollständig.
1. Fam. Pantolambdidae.
b. Astragalus ganz flach, ohne Kopf; Femur mit drittem Trochanter;
Humerus ohne Foramen; Gebiss vollständig.
2. Fam. Coryphodontidae.
c. Astragalus ganz flach, ohne Kopf (Fig. 934 A); Femur ohne dritten
Trochanter; Humerus ohne Foramen; obere Schneidezähne fehlen.
3. Fam. Dinoceratidae.
1. Fam. Pantolambdidae.
Zahnformel (3·1·4·3)/(3·1·4·3). Jeder der drei ursprünglichen Höcker
der oberen Molaren ist V-förmig ausgebildet; der Astragalus hält die
Mitte zwischen dem von Periptychus und dem der Perissodactyla: sein
proximales Gelenk ist noch flach wie bei allen Thieren aus dem Puerco,
doch vom Körper des Astragalus abgesetzt. Puerco-Eocän von Nordamerika.
Eine Gattung mit zwei Arten.
Pantolambda bathmodon Cope aus dem Puerco von Neu-Mexico.
2. Fam. Coryphodontidae.
Gehirn (Fig. 935 H) auffallend klein. Die Zahnformel ist
(3·1·4·3)/(3·1·4·3). J kräftig, etwas konisch, weit auseinanderstehend
(Fig. 935), C sehr gross; an den oberen M (Fig. 936) bilden die beiden
Aussenhöcker zusammen ein V, der Innenhöcker bildet eine nach vorn
verlaufende gekrümmte hohe Leiste, längs deren Basis ein Basalwulst
verläuft. Die Arten waren von der Grösse des Tapir bis zu der eines
Stieres, mit kurzen plumpen Beinen versehen. Im nordamerikanischen
Wasatch-Eocän ist die Familie reich vertreten; es sind die grössten
Säugethiere dieser Periode; nur spärlich finden sie sich auch in etwa
gleichaltrigen Schichten von Europa.
[Illustration: Fig. 935. Coryphodon elephantopus Cope. Wasatch-Eocän
von Neu-Mexico. Schädel von unten (⅒). H = Gehirn.]
[Illustration: Fig. 936. Coryphodon anax Cope. Wasatch-Eocän von
Wyoming. Oberer Molar (⁴⁄₇). w = Basalwulst.]
[Illustration: Fig. 937. Metalophodon testis Cope. Wasatch-Eocän von
Wyoming. Obere Backzähne.]
Coryphodon Owen (Fig. 935, 936 u. 938). Zahlreich in Nordamerika,
spärlich in Europa vertreten. Von dieser Gattung ist das ganze Skelet
bekannt.
C. anax Cope (Fig. 936). C. curvirostris Cope (Fig. 938). Wasatch
von Wyoming.
C. elephantopus Cope (Fig. 935). Wasatch von Neu-Mexico.
C. eocaenus Ow. Eocän von Soissons, London-Clay etc.
Metalophodon Cope (Fig. 937) ist nahe verwandt. Nordamerika.
M. testis Cope (Fig. 937). Wasatch von Wyoming.
[Illustration: Fig. 938. Coryphodon curvirostris Cope. Big Horn Basin
(Wasatch-Eocän) in Wyoming. Unterkieferbackzähne. A von innen, B von
der Kaufläche.]
3. Fam. Dinoceratidae.
Dies sind gigantische Thiere von Rhinoceros- und fast Elephantengrösse
aus dem Bridger-Eocän von Nordamerika, die grössten und
abenteuerlichsten der eocänen Landsäugethiere, die bisher bekannt sind
(Fig. 939). In den »Bad Lands« von Wyoming wurden die Reste dieser
Thiere in solcher Zahl beobachtet und gesammelt, dass sie nunmehr in
verschiedenen Sammlungen der Vereinigten Staaten durch eine ganze Reihe
mehr oder weniger vollständiger Skelete repräsentirt sind, welche eine
Anzahl verschiedener Arten darstellen.
[Illustration: Fig. 939. Loxolophodon ingens Marsh. Washakie-Gruppe des
Bridger-Eocäns von Wyoming. Skelet.]
[Illustration: Fig. 940. Loxolophodon (Dinoceras) mirabilis Marsh.
Bridger-Eocän von Wyoming. Obere Backzähne.]
Die ganze Körpergestalt (Fig. 939), die Beine, das Becken erinnern
vielfach an Elephanten; die älteren Formen standen auf niedrigeren,
die jüngeren auf höheren Beinen. Das auffallendste an diesen Riesen
ist der Schädel (Fig. 941), der mit 3 Paar hornzapfenartiger Vorsprünge
versehen war, welche bei einzelnen Arten eine bedeutende Länge
erreichten und wohl als Träger für äussere, dermale Hörner dienten.
Das vorderste Hörnerpaar sass auf den Nasalia, das nächste auf den
Maxillaria, während das letzte Paar den hintersten Theil des Schädels
in Anspruch nahm, dessen Hinterrand ausserdem noch zu einem queren
Kamine erhoben war.
Dazu kommt noch, dass die oberen C zu gewaltigen säbelartigen Hauern
verlängert waren, zu deren Schutze die Unterkiefersymphyse einen
Fortsatz nach unten (w) bildet. Obere J fehlen dafür ganz, die unteren
J und C waren einander ähnlich, zweilappig, klein, mitunter ganz
rudimentär. Die Backzähne (Fig. 940) ähneln denen der Coryphodontidae,
die P sind den M ähnlich. Das Gehirn war verhältnissmässig noch
winziger als bei der letzten Familie. Alle Arten stammen aus dem
Bridger-Eocän von Wyoming.
[Illustration: Fig. 941. Loxolophodon (Dinoceras) mirabilis Marsh.
Bridger-Eocän von Wyoming. Schädel. m = Maxillare; n = Nasale; w =
Fortsatz an der Unterkiefersymphyse.]
Loxolophodon Cope (= Tinoceras Marsh und Dinoceras Marsh). Jederseits
der Unterkiefersymphyse finden sich vier zweilappige Zähne (J u.
C) von gleicher Grösse (bei Uintatherium nur 2-3); Zahnformel
(0·1·3·3)/(3·1·3·3). Hierher gehören die grössten Formen der Familie.
L. cornutus Cope. Bridger-Eocän von Wyoming.
L. (= Tinoceras) ingens Marsh (Fig. 939). Bridger-Eocän von Wyoming.
L. (= Dinoceras) mirabilis Marsh (Fig. 934, 940 u. 941).
Bridger-Eocän von Wyoming.
18. Ordnung Perissodactyla.
Echte Unpaarhufer treten in Nordamerika zuerst im mittleren Eocän
(Wasatch) auf, ebenso in etwa gleichaltrigen Schichten von Europa, und
erreichen bereits im Eocän und Oligocän eine sehr reiche Entwicklung.
Besonders ergiebig an fossilen Perissodactyla ist Nordamerika, und
dies Land scheint für die meisten hervorragenderen Gruppen der
Unpaarhufer das Mutterland gewesen zu sein. Von dort scheint sich
auch die alte Welt mit Unpaarhufern versorgt zu haben; nur wenige
haben sich in derselben selbständig weiterentwickelt, so vielleicht
die Palaeotherien, vor allem aber die gehörnten Rhinoceroten; nach
Südamerika wanderten erst in spätester Zeit einzelne Formen ein. In
der Gegenwart treten Perissodactyla sehr zurück unter den Hufthieren;
sie sind jetzt fast alle auf die alte Welt beschränkt, nur die Gattung
Tapirus findet sich auch noch in Südamerika. Nordamerika aber, die
Wiege der Perissodactyla, besitzt heutigen Tages keine eingeborenen
Arten mehr.
[Illustration: Fig. 942. Linker Vorderfuss von A Phenacodus primaevus
Cope. Wasatch-Eocän von Wyoming; B Hyracotherium venticolum Cope ibid.;
C Palaeotherium medium Cuv. Oligocäner Gyps von Paris; D Anchitherium
aurelianense Blainv. Miocän; E Hippotherium gracile Kaup. Pliocän; F
Equus caballus L. Recent. k = Kiel am Metapodialgelenk; l = Lunare; m =
Magnum; p = Pyramidale; s = Scaphoid; t = Trapezoid; tz (= 1) = Trapez;
u (= 4) = Unciforme; I-V = erster bis fünfter Finger oder Metacarpale
(= mc).]
[Illustration: Fig. 943. Equus caballus L. Diluvium des Oberelsass.
Linker Astragalus von vorn. c = Gelenkfläche für Cuboid; n = flache
Gelenkfläche für Naviculare; t = rollenartige Gelenkfläche für die
Tibia.]
Perissodactyla sind von Phenacodontidae abzuleiten.
Die Ordnung ist ausgezeichnet durch den eigenthümlichen Fussbau; sie
haben die vollkommen alternirende Anordnung der Carpalia und Tarsalia
(Fig. 942 und 952), ebenso das kopfförmig abgesetzte und rollenartige
Tibialgelenk des Astragalus, dessen distales Naviculargelenk stets
eben, nie rollenförmig ist (Fig. 943 n). Sie zeigen ferner am Femur
noch den dritten Trochanter, der oft mächtig entwickelt ist (Fig. 944);
Calcaneus ist ohne Fibulargelenk. Eine erste Zehe fehlt stets. Der Fuss
ist unguligrad, indem die Metapodien dicht aneinander liegen und nur
noch die Endphalangen den Boden berühren (Fig. 942 B-F). Von den noch
vorhandenen Zehen ist die dritte stets am kräftigsten und längsten
und überflügelt im Laufe der Stammesentwicklung die übrigen derart,
dass zuerst am Hinterfusse, bald auch am Vorderfusse die fünfte Zehe
ebenfalls verloren geht, und bei den extremsten Formen selbst noch die
zweite und vierte Zehe, die sonst mehr oder weniger stark entwickelt
sind (Fig. 942). Ulna und Fibula sind bei den extremeren Formen
rudimentär und verwachsen. Die Halswirbel werden oft opisthocöl, der
Zahnfortsatz des Epistropheus oft rinnenförmig.
Das Gebiss zeigt ursprünglich noch (3·1·4·3)/(3·1·4·3) Zähne (Fig.
947); bei den modernsten Formen fehlt meist nur der P₁, bei einigen
gehen auch die J und C verloren; letztere sind bei den älteren Formen
durchgehends kräftig entwickelt. Die M sind stets tetragonodont und
waren wohl ursprünglich alle bunodont; die oberen sind es noch bei
den primitivsten Formen; bei diesen treten vier isolirte Haupthöcker
auf, neben denen Zwischenhöcker entwickelt sind (Fig. 948). Das Gebiss
dieser Formen ähnelt noch ausserordentlich dem von Phenacodus. In den
meisten Fällen verbinden sich aber an den oberen M die Aussenhöcker
a und c mit einander zu einer Aussenwand, welche entweder einfach
sein kann (Fig. 949 A) oder dadurch, dass jeder der beiden Höcker
V-förmig ausgebildet ist, W-förmig geknickt wird (Fig. 958 A) und
daher eine Längskante in der Mitte zeigt (Fig. 975 c). Auch jeder der
beiden Innenhöcker b und d, sowie die Zwischenhöcker b’ b’’ d’ können
leistenförmig werden und gerade oder gebogene Querjoche bilden (Fig.
973 B). Die unteren M sind nie mehr ganz bunodont; entweder verbindet
sich in jeder Zahnhälfte der Aussenhöcker mit dem Innenhöcker zu
einem einfachen Querjoche (Fig. 949 B); oder es zieht sich von dem
Aussenhöcker ausserdem auch noch nach vorn eine kräftige Leiste in der
Art, dass nunmehr der ganze Zahn aus zwei nach innen geöffneten, hinter
einander liegenden Halbmonden besteht (M-förmig oder symborodont Fig.
958 u. 968 B).
[Illustration: Fig. 944. Rhinoceros pachygnathus Wagn. Pliocän von
Pikermi. Rechter Femur von vorn, mit mächtig entwickeltem dritten (=3)
Trochanter.]
Die P sind bei den primitiveren Formen stets viel einfacher gebaut
als die M, oben höchstens trigonodont (Fig. 949); im Laufe der
Stammesentwicklung kann (Fig. 969) erst der P₄, dann P₃ und endlich
auch der P₂ den M gleich werden, während der P₁ rudimentär wird. Der
untere M₃ besitzt ursprünglich stets einen dritten Lobus (Fig. 949 δ),
der aber bei vielen modernen Formen verschwindet.
Die ursprünglich brachyodonten Backzähne werden bei den extremsten und
modernsten Formen ausgezeichnete Säulenzähne (Fig. 975).
Uebersicht der fünf Familien und der wichtigsten Gattungen der
Perissodactyla.
A. Die beiden Aussenhöcker der oberen M sind kegelförmig, von einander
noch vollständig getrennt, ebenso von den Zwischenhöckern. Obere P
einfacher als M. (Fig. 948 A). 4/3 Zehen.
1. Fam. Hyracotheriidae.
1. Hinter dem P₁ eine Lücke. Hyracotherium.
2. Hinter dem P₁ keine Lücke. Systemodon.
B. Obere M mit einer einfachen Aussenwand, ohne mittlere Kante; die
Innen- (+ Zwischen-)höcker bilden fast gerade Querjoche, welche
senkrecht oder schräg auf der Aussenwand stehen, mit der sie innig
verbunden sind. Untere M mit zwei geraden oder etwas gebogenen
Querjochen, deren vorderes allein ∧-förmig werden kann.
I. 3 J und C vorhanden, normal; die oberen M (Fig. 949 A) mit zwei
einfachen, schräg oder senkrecht auf der Aussenwand stehenden
geraden Querjochen; die unteren M zeigen nur zwei fast gerade
Querjoche. 4/3 Zehen.
2. Fam. Tapiridae.
1. 3 J wohlentwickelt. Ein grosser Sagittalkamm vorhanden.
a. Unterer M₃ mit drittem Lobus; obere P einfacher als die M.
Helaletes. Lophiodon.
b. Unterer M₃ nur mit zwei Querjochen.
α. Alle oberen P einfacher als die M. Protapirus. Hyrachyus.
β. Oberer P₄ ähnelt den M. Tapiravus.
γ. Wenigstens die beiden letzten P ähneln den M. Tapirus.
2. 3 J rudimentär; mehrere P ähneln den M. Hyracodontinae.
α. J klein, C wohlentwickelt. Ein Sagittalkamm. Amynodon.
β. J und C klein, einander ähnlich. Kein Sagittalkamm.
Hyracodon.
II. Obere C fehlen; weniger als 3 J; die oberen M (Fig. 951) mit zwei
schräg auf die Aussenwand stossenden, ziemlich geraden Querjochen,
deren hinteres meist einen nach vorn gerichteten Sporn zeigt; das
vordere Querjoch der unteren M ist fast ∧-förmig, das hintere nur
wenig gebogen. Kein Sagittalkamm.
3. Fam. Rhinocerotidae.
a. Ohne Hörner. Aceratherium.
α. Obere P einfacher als die M. 4/3 Zehen. [Caenopus.
Ronzotherium.]
β. Obere P gleichen den M. 2/1 J, 0/1 C. 4/3 Zehen.
[Aceratherium.]
γ. Obere P ähnlich den M. (0-1)/1 J, 0/1 C. 3/3 Zehen.
[Aphelops. Peraceras.]
b. Mit kleinen paarigen Hörnern; 3/3 Zehen; 1/1 J, 0/1 C.
Diceratherium.
c. Mit unpaaren Hörnern. 3/3 Zehen. Zähne mit Wurzeln. Rhinoceros.
α. Obere P einfacher als die M. 2/1 J, 0/1 C. [Dihoplus.]
β. Obere P gleichen den M. 1/1 J, 0/1 C. [Ceratorhinus.]
γ. Obere P gleichen den M; J und C fehlen ganz.
1. Nasenscheidewand nicht verknöchert. [Atelodus.]
2. Nasenscheidewand verknöchert. [Coelodonta.]
d. Ein unpaares Stirnhorn. Nasenscheidewand verknöchert; Zähne
wurzellos, sehr hohe Säulen. J und C fehlen ganz.
Elasmotherium.
C. Obere M mit einer W-förmigen Aussenwand, die daher eine mittlere
Längskante zeigt; untere M M-förmig (Fig. 968).
I. An den oberen M fehlen die Zwischenhöcker fast ganz; wenigstens
der b-Höcker bleibt kegelförmig und selbständig und übertrifft den
d-Höcker an Grösse (Fig. 958 A). 4/3 Zehen.
4. Fam. Chalicotheriidae.
a. Beide Innenhöcker der oberen M kegelförmig.
α. Ohne Hörner. C wohl entwickelt. Palaeosyopinae.
1. Obere P alle einfacher als M. Palaeosyops. Limnohyus.
2. Obere P₄ den M ähnlich. Diplacodon.
β. Alle P den M ähnlich; mit Hörnern. C rudimentär.
Brontotheriinae.
1. Untere J vorhanden. Menodus.
2. Untere J fehlend. Symborodon.
? b. Der d-Höcker der oberen M eine schräge Leiste bildend.
Chalicotherium.
II. An den oberen M sind b- und d-Höcker etwa gleich gross;
Zwischenhöcker sind sehr gut entwickelt, meist leistenförmig, mit
den Innenhöckern oft innig, mit der Aussenwand nur locker
verbunden.
5. Fam. Equidae.
a. Zahnkrone sehr niedrig; alle Höcker sehr dick; meist alle
oberen P einfacher als die M; 4/3 Zehen.
Pachynolophinae.
Hierher Pachynolophus, Epihippus.
b. Zahnkrone niedrig, mit dachförmigen Leisten und mit Thälern,
die nicht durch Cement ausgefüllt sind; die oberen P ähneln
meist den M. 3/3 Zehen, die alle den Boden berühren.
Palaeotheriinae.
α. Vorderer Halbmond der unteren Molaren endet hinten mit
einfacher Spitze β´ (Fig. 968). Paloplotherium.
Palaeotherium.
β. Vorderer Halbmond der unteren Molaren endet hinten mit
Doppelspitze β´ (Fig. 974 A).
1. Unterer M₃ mit drittem Lobus, P₁ zweiwurzelig.
Anchilophus. Mesohippus.
2. Unterer M₃ mit rudimentärem dritten Lobus, P₁
einwurzelig. Anchitherium.
c. Backzähne prismatisch mit ebener Kaufläche, die Thäler ganz von
Cement ausgefüllt; die Leisten der oberen M B-förmig vereinigt
(Fig. 973 D, E); die Doppelspitze β’ der unteren M zu einer
Doppelschleife vergrössert (Fig. 974 B, C). P den M ähnlich.
Equinae.
α. b-Höcker der oberen M bildet ein ganz isolirtes
Innensäulchen von rundem Querschnitte; an den unteren M
liegen die beiden Hälften der Doppelschleife in der
Längsrichtung des Zahnes. 3/3 Zehen. Hippotherium.
β. b-Höcker der oberen M nicht isolirt, verbreitert; die beiden
Hälften der Doppelschleife an den unteren M bilden einen
Winkel mit der Längsrichtung des Zahnes.
1. 3/3 Zehen. Merychippus. Protohippus.
2. 1/1 Zehe. Equus, Hippidium.
1. Fam. Hyracotheriidae.
Die Hyracotherien (Fig. 945) lassen sich als die primitivsten
Perissodactyla ansehen, bei welchen das Gebiss noch am meisten den
ursprünglichen bunodonten Charakter bewahrt hat. Besonders die
beiden Aussenhöcker der oberen M zeigen noch grosse Selbständigkeit
und verrathen wenig Neigung, zur Bildung einer Aussenwand zu
verschmelzen (Fig. 948). Ausser den beiden Innenhöckern sind auch
Zwischenhöcker b’, b’’ sehr deutlich, die gerne Querleisten bilden.
Alle oberen P sind noch einfacher gebaut als die M; der untere M₃
zeigt stets einen wohlentwickelten dritten Lobus. Das Gebiss ist noch
(3·1·4·3)/(3·1·4·3), J und C wohl entwickelt. 4/3 Zehen vorhanden.
[Illustration: Fig. 945. Hyracotherium venticolum Cope. Wasatch-Eocän
(Wind River) in Wyoming. Skelet. ca = Fortsatz des Calcaneus; o =
Olecranon.]
[Illustration: Fig. 946. Hyracotherium venticolum Cope. Linker
Vorderfuss. l = Lunare; mc = Metacarpus des 3. Fingers; p = Pyramidale;
s = Scaphoid; 1 = Trapez; 4 = Unciforme; II-V = 2. bis 5. Finger.]
[Illustration: Fig. 947. Hyracotherium venticolum Cope. Wasatch-Eocän
von Wyoming. Schädel von unten nebst Unterkiefer.]
Das Gebiss der Hyracotheriidae lässt sich direkt aus dem der
Phenacodontidae ableiten; auf der anderen Seite ist es unmöglich die
Hyracotheriidae scharf abzugrenzen von den primitiveren Tapiridae,
sowie von den Equidae und Chalicotheriidae. Es sind die Stammformen der
übrigen Perissodactyla. Ziemlich reich im mittleren und oberen Eocän
von Nordamerika vertreten, finden sich auch im europäischen Eocän.
Hyracotherium Owen (= Pliolophus Owen, Orohippus Marsh,? Eohippus
Marsh, Fig. 945-948). Die Gattung ist reich vertreten im Wasatch- und
Bridger-Eocän von Nordamerika und findet sich auch im europäischen
Eocän. Fuchs- bis Schafgrösse.
Von den gewöhnlich als Hyracotherium bezeichneten Formen gehören
verschiedene Arten, besonders aus Europa, nicht zu dieser Gattung.
H. leporinum Owen (= Pliolophus vulpiceps Owen, Fig. 948). Mittleres
Eocän von Europa.
H. venticolum Cope (Fig. 945-947). Wasatch (Wind-River) von Wyoming;
von dieser Art ist fast das ganze Skelet bekannt.
H. craspedotum Cope. Bridger-Eocän von Wyoming.
Systemodon Cope könnte als der älteste Tapiride angesehen werden.
S. tapirinus Cope. Wasatch-Eocän von Wyoming.
[Illustration: Fig. 948. Hyracotherium leporinum Owen. Eocäner
Londonthon bei Harwich. A obere, B untere Backzähne.]
2. Fam. Tapiridae.
Die oberen und unteren M sind in dieser Familie sehr charakteristisch
durch die etwa senkrecht auf der Längsrichtung des Zahnes stehenden
einfachen Querjoche (ohne Sporn), die oft an der Stelle der
ursprünglichen Höcker auffallend bauchig aufgetrieben sind. Die
Aussenwand der oberen M zeigt nie eine mittlere Kante. Die Zahnkrone
ist immer sehr niedrig. Stets sind noch 4/3 Zehen vorhanden.
[Illustration: Fig. 949. Lophiodon isselensis Cuv. Eocän von Issel.
Obere Backzahnreihe. B Lophiodon isselensis Cuv. var. tapirotherium
Filh. Untere Backzahnreihe. (½)]
Die Familie findet sich in Nordamerika von der Wasatchperiode an, wo
sie durch verschiedene Gattungen vertreten ist; auch im europäischen
Eocän sind mehrere Gattungen vorhanden. In Nordamerika verschwindet die
Familie im Pleistocän, in Europa im Pliocän, lebend findet sie sich nur
noch in Indien und Südamerika.
Lophiodon Cuv. (Fig. 949) mit nur 6 Backzähnen oben und unten ist die
wichtigste Gattung aus dem oberen Eocän von Europa (? und Oligocän);
Fuchs- bis Rhinocerosgrösse.
L. isselensis Cuv. (Fig. 949), L. parisiensis Gerv., L. tapiroides
Cuv. u. a. aus dem oberen Eocän von Europa (besonders Frankreich).
Helaletes Marsh, mit 44 Zähnen. Bridger-Eocän. Nordamerika.
Hyrachyus Leidy (Fig. 829 B), sehr zahlreich in der Bridger- und
Uinta-Epoche von Nordamerika, auch in Europa. 44 Zähne.
H. agrarius, H. eximius Leidy, H. Bairdi Marsh (Fig. 829 B). Bridger
von Wyoming.
H. intermedius Filh. Eocän von Argenton.
[Illustration: Fig. 950. Protapirus priscus Gaudry. Phosphorite von
Quercy. Oberer P₄ und M₁.]
Protapirus Filh. (Fig. 950) mit nur 6 Backzähnen unten. Oligocän und
Untermiocän von Europa.
P. priscus Filh. (Fig. 950) aus den Phosphoriten von Quercy.
Tapiravus Marsh. Loup Fork-beds von Nordamerika.
Tapirus L., in Europa vom Obermiocän bis Oberpliocän, auch fossil in
China und in den Megalonyxbeds von Nordamerika; lebt noch in Indien
und Südamerika.
T. priscus Kaup. Pliocän von Eppelsheim.
Hyracodontinae.
Diese Gruppe zeigt Annäherung zu den Rhinoceroten, indem die
Schneidezähne nur noch schwach entwickelt sind und die Querleisten der
oberen Zähne ziemlich schräg stehen. Bridger- bis White River-beds.
Nordamerika.
Amynodon Marsh. Bridger- und Uinta-Epoche. Nordamerika.
A. advenus Marsh. Uinta-Epoche. Nordamerika.
Hyracodon Leidy nähert sich auffallend den Rhinoceroten, indem auch die
Eckzähne nur schwach entwickelt sind und ein Sagittalkamm fehlt. White
River-beds.
H. nebrascensis Leidy. White-River-Oligocän von Nebraska.
Zeitliche und örtliche Verbreitung der Tapiridae.
+-------------++-----------+------------------+-------------------------+--------------+
| || | | | |
| || Indien | Europa | Nordamerika | Südamerika |
| || | | | |
+-------------++-----------+------------------+-------------------------+--------------+
+-------------++-----------+------------------+-------------------------+--------------+
| || | | | |
| Recent || Tapirus | | | Tapirus |
| || | | | | | |
+-------------++----|------+------------------+-------------------------+------|-------+
| || | | | | | |
| Pliocän || Tapirus---------Tapirus---------------Tapirus-----------------+ |
| || | | | | | |
+-------------++-----------+--------|---------+-----------|-------------+--------------+
| || | | | | | |
| Miocän || | Tapirus | Tapiravus | |
| || | | | | | |
+-------------++-----------+--------|---------+-----|-------------------+--------------+
| || | | | | Rhinocerotidae | |
| || | Protapirus-------Tapiravus? | | |
| Oligocän || | Lophiodon | | | Hyracodon | | |
| || | | | | | | | | |
+-------------++-----------+-----|-------|----+--|-----|--------|-------+--------------+
| || | | | | | | | | |
| || | Lophiodon | | | Amynodon | | |
| Obereocän || | | Hyrachyus? | | | | | |
| (Bridger) || | | | | | | | | |
| || | | | | Helaletes Hyrachyus | |
| || | | | | | | | |
+-------------++-----------+---|-------|------+--|-----------|----------+--------------+
| || | | | | | | | |
| Mitteleocän || | +-------+---------+-----Systemodon | |
| (Wasatch) || | | | | |
+-------------++-----------+------------------+------------|------------+--------------+
| || | | | | |
| Untereocän || | | Condylarthra | |
| (Puerco) || | | | |
+-------------++-----------+------------------+-------------------------+--------------+
3. Fam. Rhinocerotidae.
Die ältesten Rhinoceroten schliessen sich sehr nahe an gewisse
Tapiriden an; die Gattungen Hyrachyus und Amynodon aus dem
Bridger-Eocän von Nordamerika stehen der direkten Stammform der
Rhinoceroten jedenfalls sehr nahe. Bei diesen Formen erreicht auch ein
vorderer Basalhöcker a’, der bei den Tapiriden oft an den oberen M
auftritt (vgl. Fig. 949 A), eine bedeutende Höhe. Derselbe nimmt bei
Rhinoceroten an der Bildung der Aussenwand Theil und veranlasst einen
sehr charakteristischen Vorsprung (Fig. 951 a’), der oft durch eine
mehr oder weniger deutliche Kante von der eigentlichen, sehr flachen
Aussenwand abgesetzt ist. Alle Joche sind verhältnissmässig hoch; das
Vorderjoch der unteren M ist stark, fast ∧-förmig, das Hinterjoch nur
schwach gebogen (Fig. 951). An den oberen M sind die Querjoche fast
gerade, stehen aber mehr oder weniger schräg auf der Aussenwand. Das
hintere Querjoch trägt gewöhnlich einen nach vorne gerichteten Sporn
b’’. Am unteren M₃ tritt nie mehr ein dritter Lobus auf, der obere M₃
ist stets etwas verkümmert. Oberer C und mehrere J fehlen.
[Illustration: Fig. 951. A Aceratherium incisivum Kaup. Miocän von
Winterthur. Oberer Molar. B Aceratherium lemanense. Unter-Miocän der
Auvergne. Unterer Molar.]
Bei der Weiterentwicklung des Stammes werden die oberen P allmählich
den M ähnlich; die J werden immer mehr rudimentär, ebenso die unteren
C; auf einer Linie jedoch bleibt im Unterkiefer der stets stark nach
vorn geneigte C kräftig (Fig. 953). Ferner können unpaare äussere
Hörner auf den mächtig entwickelten, mit einander verschmolzenen und
wulstig verdickten Nasenbeinen auftreten (Fig. 954-957). Doch sind
auch einige Formen mit paarigen Nasenhörnern bekannt. Die Last der oft
gewaltigen Hörner bewirkt bei den extremsten Arten eine Verknöcherung
der Nasenscheidewand (Fig. 956 u. 957). Die anfangs niedrigen
Zahnkronen erhöhen sich, aber nur eine Form (Elasmotherium) bringt es
zu ausserordentlich hohen prismatischen Zähnen. Die älteren Formen sind
4/3-zehig, die jüngeren 3/3-zehig.
[Illustration: Fig. 952. Rhinoceros pachygnathus Wagn. Pliocän von
Pikermi. a = Astragalus; c = Calcaneus; cb = Cuboid; n = Naviculare; 2,
3 = 2. u. 3. Cuneiforme; II-IV = 2.-4. Metatarsale.]
Die ältesten echten Rhinoceroten kommen neben den Rhinoceros-ähnlichen
Hyracodontinae im nordamerikanischen White River-Oligocän vor;
ihre Nachkommen finden sich daselbst noch im Miocän und Pliocän,
erreichen aber keine sehr bedeutende Grösse und entwickeln dort auch
keine unpaaren Hörner. In Europa erscheint die Familie zuerst im
oberen Oligocän und erreicht in der alten Welt vom Miocän an eine
ausserordentliche Entwicklung. Hier entstehen auch die riesenhaften
Formen mit unpaaren Hörnern auf der Nase, von denen jetzt noch mehrere
Arten in Indien und Afrika leben.
Die verschiedenen hier aufgezählten Gattungen und Untergattungen sind
(mit Ausnahme von Elasmotherium) nicht scharf zu trennen.
Aceratherium Kaup. Oligocän bis Pliocän. Alte Welt und Nordamerika:
Caenopus Cope sind verhältnissmässig kleine, schlanke, hornlose
Formen aus dem Oligocän von Nordamerika, die primitivsten echten
Rhinoceroten.
C. occidentalis Leidy. Zahlreich im White River-Oligocän von
Nebraska.
Ronzotherium Aym. scheint sehr nahe verwandt zu sein mit Caenopus
und ist einer der ältesten Vertreter der Familie aus der alten Welt.
R. velaunum Aym. aus dem Oberoligocän von Ronzon.
Aceratherium Kaup. s. str. (Fig. 953) kommt schon im oberen Oligocän
von Europa vor und findet sich hier und in Indien bis zum Pliocän.
A. minutum Cuv. Untermiocän von Europa; von sehr geringer Grösse.
A. incisivum Cuv. (Fig. 951 A u. Fig. 953). Obermiocän und
Unterpliocän von Europa.
A. lemanense Pom. (Fig. 951 B). Miocän von Frankreich und
Süddeutschland.
A. perimense Falc. u. Cautl. Siwaliks von Indien.
Aphelops Cope (oben 1 J) und Peraceras Cope (ohne obere J) stammt
aus dem nordamerikanischen Miocän und Pliocän und schliesst sich nahe
an Aceratherium an.
P. superciliosus Cope. Loup-Fork-Pliocän.
A. fossiger Cope, A. megalodus Cope. Loup-Fork-Pliocän.
Diceratherium Marsh mit paarigen kleinen Hörnern. John Day-Miocän.
[Illustration: Fig. 953. Aceratherium incisivum Kaup. Pliocän von
Eppelsheim. Schädel.]
[Illustration: Fig. 954. Dihoplus Schleiermacheri Kaup. Pliocän von
Eppelsheim. Schädel. h, h’ = vordere und hintere Hornbasis.]
Rhinoceros L. Obermiocän bis Gegenwart in der alten Welt:
Dihoplus Brandt (Fig. 954), von sehr bedeutender Grösse, mit
wohlentwickelten Hörnern versehen. Miocän und Pliocän von Europa.
D. Schleiermacheri Kaup (Fig. 954) vom oberen Miocän von Sansan bis
zum unteren Pliocän von Eppelsheim und Pikermi.
Ceratorhinus Gray, mit einem oder zwei unpaaren Hörnern; J
vorhanden, und die unteren C von bedeutender Grösse. Dahin gehören die
lebenden Arten von Indien und mehrere Arten aus den Siwaliks.
C. palaeindicus Falc. und Cautley, sehr gross. Siwaliks von Indien.
C. indicus Cuv. Diluvial und recent in Indien (fehlt auf den
Sundainseln).
C. sondaicus Cuv. Diluvial und recent in Indien (incl. Sundainseln).
Atelodus Pom. (Fig. 955) mit zwei Hörnern; J und C rudimentär oder
fehlend. Pliocän und Diluvium von Europa, pliocäne Siwaliks von Indien.
Hierher gehören auch die lebenden Arten von Afrika.
A. pachygnathus Wagn. (Fig. 944, 952, 955). Unteres Pliocän von
Südeuropa.
A. leptorhinus Cuv. Ziemlich häufig im oberen Pliocän von Italien
und Frankreich; auch in England und Deutschland.
A. platyrhinus Falc. und Cautl. Siwaliks (Pliocän) von Indien.
A. bicornis L. und A. simus Burch. lebend in Afrika.
Coelodonta Bronn (Fig. 956) unterscheidet sich von der vorigen
Untergattung nur durch die verknöcherte Nasenscheidewand. Oberpliocän
und Diluvium von Europa und Sibirien.
C. etruscus Falc. Oberes Pliocän von Frankreich und Italien.
C. antiquitatis Blum. (syn. C. tichorhinus Fischer, Fig. 956); das
wollhaarige Rhinoceros aus dem europäischen und sibirischen Diluvium;
fehlt südlich von den Alpen und Pyrenäen; ist eines der häufigsten und
bezeichnendsten Säugethiere der Eiszeit. Vollständige Leichen dieses
Thieres fanden sich wohlerhalten im sibirischen Eise eingefroren; es
war mit dichten wolligen Haaren bedeckt.
C. Mercki Jäg. Diluvium von Europa und Sibirien; findet sich fast
überall neben C. antiquitatis.
[Illustration: Fig. 955. Atelodus pachygnathus Wagn. Pliocän von
Pikermi. Schädel.]
[Illustration: Fig. 956. Coelodonta antiquitatis Blum. Diluvium.
Schädel.]
[Illustration: Fig. 957. Elasmotherium sibiricum Fisch. Diluvium von
Russland. A oberer, B unterer Molar von der Kaufläche. C Schädel. h =
Hornbasis.]
Elasmotherium Cuv. (Fig. 957). Die einzige bekannte Art
E. sibiricum Fischer (Fig. 957) ist ein ganz gewaltiges Thier aus
dem Diluvium von Europa, besonders von Russland; sein Schädel besitzt
fast einen Meter Länge. Backzähne sind als sehr hohe Säulen
entwickelt, Schmelz auffallend stark gefältelt. Das hintere Horn ist
auf die Stirnbeine gerückt und muss von ausserordentlicher Länge
gewesen sein, das vordere Nasenhorn dagegen klein. Es ist die
extremste Form der Rhinoceroten.
Zeitliche und örtliche Verbreitung der Rhinocerotidae (vgl. Tab. p. 772).
+-----------+----------+--------------+------------------+----------------+
| | | | Europa und Asien | |
| | Afrika | Indien | (excl. Indien) | Nordamerika |
+===========+==========+==============+==================+================+
| Recent | Atelodus | Ceratorhinus | | |
| | | | | | | |
+-----------+----|-----+------|-------+------------------+----------------+
| Diluvium | | | Ceratorhinus | Coelodonta, | |
| | | | | | |Elasmotherium| |
+-----------+----|-----+------|-------+----|-------------+----------------+
| | | | Ceratorhinus | Coelodonta | |
| | | | | | | | Peraceras |
| | +-----|-Atelodus--|--|--Atelodus | | |
| Pliocän | | | | | | Aphelops |
| | | +--|-Dihoplus-------+ | | |
| | | Aceratherium-|--Aceratherium | | | |
+-----------+----------+------|-------+------|---------|-+---------|------+
| | | Aceratherium | | Dihoplus | Dicera- | |
| Miocän | | | | | | |therium | |
| | | | | | | | | | |
| | | +-------|---Aceratherium | Aphelops? |
+-----------+----------+--------------+------------------+---------|------+
| Oligocän | | | Aceratherium }--|---- Caenopus |
| | | | Ronzotherium } | | |
+-----------+----------+--------------+------------------+---------|------+
| Obereocän | | | | | |
| | | | | Hyrachyus |
+-----------+----------+--------------+------------------+----------------+
[Illustration: Fig. 958. A Palaeosyops laevidens Cope. Oberkiefer. B
Palaeosyops major Leidy. Unterkiefer. Bridger-Eocän von Wyoming.]
4. Fam. Chalicotheriidae.
Bei sämmtlichen Angehörigen dieser Familie behalten die Backzähne
sehr niedere Kronen; die beiden Aussenhöcker an den oberen M sind
V-förmig ausgebildet und vereinigen sich zu einer W-förmigen Aussenwand
(Fig. 958 A). Von den beiden Innenhöckern ist der vordere sehr gross,
und bleibt stets ein isolirter Kegel; auch der hintere kleinere ist
meist kegelförmig, nur sehr selten zu einer Querleiste entwickelt.
Zwischenhöcker sind kaum entwickelt. An den unteren M (Fig. 958 B) ist
jede Zahnhälfte zu einem nach innen offenen Halbmonde ausgebildet,
dessen Enden einfache Spitzen bleiben; hier hat der ganze Zahn eine
M-förmige Gestalt. Der untere M₃ besitzt noch stets den dritten Lobus,
der obere M₃ ist wohl entwickelt. Die älteren Arten haben einfacher
gebaute P, bei den Brontotheriinae werden diese den M ähnlich. Bei
denselben werden auch J und C rudimentär. Soweit es bekannt ist, zeigen
alle Arten 4/3 Zehen.
Chalicotheriidae sind reich im nordamerikanischen Eocän vertreten; ihre
höchste Blüthe erreichen sie aber im Oligocän in den riesigen gehörnten
Brontotherien. Die jüngsten nordamerikanischen Formen stammen aus dem
John-Day-Miocän. In der alten Welt erscheint im Oligocän die Gattung
Chalicotherium, die noch im Pliocän lebt und sich in Indien und China
ebenfalls findet. Lebende Vertreter sind nicht vorhanden.
a. Palaeosyopinae.
Palaeosyops Leidy (Fig. 958); Tapirähnliche Geschöpfe, die aus dem
Wasatch- und Bridger-Eocän in etwa sechs Arten von Tapirgrösse bekannt
sind. Nur ein Innenhöcker an den oberen M₃ (während der gleichalterige
nahe verwandte Limnohyus deren zwei besitzt).
P. major Leidy (Fig. 958 B), P. laevidens Cope (Fig. 958 A), P.
laticeps Marsh (Fig. 829 A). Bridger-Eocän von Wyoming.
Diplacodon Marsh; dahin gehören die grössten Landsäugethiere (von
Nashorngrösse) aus den Uinta-beds von Nordamerika; nach der Häufigkeit
dieser grossen Thiere werden die betreffenden Schichten auch als
Diplacodon-beds bezeichnet; verbindet die Palaeosyopinae mit den
Brontotheriinae.
D. elatus Marsh. Uinta-beds von Utah.
[Illustration: Fig. 959. Menodus (Brontotherium) ingens Marsh. White
River-Oligocän von Nebraska. A Linker Vorderfuss. l = Lunare; m =
Magnum; p = Pyramidale; s = Scaphoid; t = Trapezoid; u = Unciforme. B
linker Hinterfuss. as = Astragalus; c = Calcaneus; cb = Cuboid; n =
Naviculare; 2, 3 = 2. u. 3. Cuneiforme.]
b. Brontotheriinae.
Gewaltige Thiere mit rudimentären oder ganz fehlenden C und J. Auf den
Nasenbeinen finden sich paarige, weit vorstehende Hornzapfen (Fig.
961 H). Ihre Gestalt erinnert sehr an die altweltlichen Rhinoceroten,
welche sie an Grösse noch bedeutend übertreffen. Eigenthümlich ist,
dass an den Vorderfüssen die dritte und vierte Zehe nahezu gleich
stark entwickelt sind (Fig. 959). Zahlreiche Arten, für die mehrere
Gattungen aufgestellt wurden, finden sich im White River-Oligocän von
Colorado, Dakota und Nebraska; viele davon liegen in fast vollständigen
Skeleten vor. Es sind die grössten und auffallendsten Säugethiere der
White-River-Periode, die extremsten Formen der Chalicotheriidae. Sie
lassen sich direkt von Diplacodon ableiten.
Menodus Pomel (Fig. 959-961) (= Brontotherium Marsh); die hierher
gehörigen Arten besitzen noch die unteren J.
M. ingens Marsh (Fig. 959) und M. giganteus Leidy. White River von
Nebraska.
M. (Brontops) dispar Marsh (Fig. 960) und M. tichoceras Osb. (Fig.
961) White River von Dakota.
M. Prouti Leidy. Etwa 8 Fuss hoch und 12 Fuss lang. Ebenda.
[Illustration: Fig. 960. Menodus (Brontops) dispar Marsh. White
River-Oligocän von Dakota. Schädel.]
[Illustration: Fig. 961. Menodus tichoceras Osborn. Oligocän von
Dakota. Schädel von vorn. H = Hornzapfen; J = Jochbogen; N =
Nasenhöhle.]
Symborodon Cope (= Titanotherium Leidy). Untere J fehlen.
S. trigonoceras Cope und S. altirostris Cope. White River von
Colorado.
c. Chalicotheriinae.
Chalicotherium Kaup (Fig. 962). Diese einzige Gattung besitzt sehr
kleine C und keine J; nur drei P, einfacher als die M; der untere M₃
besitzt keinen dritten Lobus. Oligocän bis Pliocän in der alten Welt.
Sollten in der That die bisher einem riesigen Edentaten zugeschriebenen
Gliedmassenknochen, welche als Macrotherium und Ancylotherium
beschrieben wurden, zu Chalicotherium gehören, wie neuerdings
wahrscheinlich gemacht wurde, so dürfte diese Gattung wohl überhaupt
nicht mehr unter die Perissodactyla gerechnet werden.
Ch. modicum Gaudry. Oligocän von Frankreich.
Ch. Goldfussi Kaup (Fig. 962), von Rhinocerosgrösse. Pliocän von
Eppelsheim.
[Illustration: Fig. 962. Chalicotherium Goldfussi Kaup. Pliocän von
Eppelsheim. Oberer Molar.]
5. Fam. Equidae.
Die Equidae bilden eine in Europa, ganz besonders aber in
Nordamerika sehr reich entwickelte Familie von Unpaarhufern, deren
lebender Vertreter die Gattung Equus ist, welche allerdings in den
verschiedensten Beziehungen eine ganz extreme Ausbildung erreicht hat.
Die primitivsten Formen aus dem Eocän und Oligocän sind z. Th. kaum
von der Gattung Hyracotherium zu trennen, in der wir auch die Ahnen des
Pferdes zu suchen haben.
Auch bei den Equidae bildet sich an den oberen M eine W-förmige
Aussenwand (Fig. 968 A), die eine kräftige Kante (Fig. 975 c) in
der Mitte trägt. Die beiden Innenhöcker sind etwa gleich gross;
Zwischenhöcker sind wohl entwickelt und bilden schräge oder gebogene
Leisten, die, so lange der Zahn nicht stark abgekaut ist, mit der
Aussenwand nicht in Verbindung treten (Fig. 963). Die Innenhöcker
können mit diesen Leisten in Verbindung treten oder bleiben isolirt.
Die unteren M (Fig. 974 A) bilden zwei halbmondförmige Hälften, deren
vordere gewöhnlich hinten in eine Doppelspitze (β’) endet. Der P₄
und die C werden bei den extremsten Formen rudimentär. Die übrigen
P erreichen z. Th. sehr bald die volle Entwickelung der M (Fig.
969). Der dritte Lobus des unteren M₃ ist oft noch vorhanden. Die
Backzähne werden bei den jüngsten Formen säulenförmig (Fig. 975). Der
Orbitalrand, ursprünglich hinten offen (Fig. 965), wird nur bei den
höchsten Formen vollständig (Fig. 977).
[Illustration: Fig. 963. Pachynolophus siderolithicus Pict. Phosphorite
von Quercy. Oberer Molar. (²⁄₁)]
Die Zehenzahl ist meist 4/3-3/3; beim Pferde bleibt nur die mittlere
Zehe übrig und von den äusseren Zehen nur Rudimente der zweiten und
vierten Metapodien (Griffelbeine, Fig. 972 C, II u. IV); ebenso wird
der untere Theil der Ulna und die Fibula rudimentär. In Nordamerika
haben sich zahlreiche Formen gefunden, die sowohl im Gebiss wie in den
Gliedmassen alle denkbaren Zwischenstufen zwischen Hyracotherium und
Equus darstellen; verschiedene europäische Formen stehen denselben sehr
nahe.
a. Pachynolophinae.
Diese Gruppe vermittelt den Uebergang der Hyracotheriidae zu den
Palaeotheriinae. Eocän und Unteroligocän von Nordamerika und Europa.
Die Arten sind nur unvollständig bekannt.
[Illustration: Fig. 964. Pachynolophus argentonicus Gerv. Eocän von
Argenton. A oberer P₄. B oberer M₁. C unterer M₂ und M₃. (¹⁄₁)]
Pachynolophus Pomel (= Propalaeotherium Gerv., Fig. 963, 964). Gebiss
(3·1·4·3)/(3·1·4·3). Alle Höcker sind noch auffallend dick und nur
in geringem Grade zu Leisten entwickelt. An den unteren M ist die
Doppelspitze β’ meist deutlich. Oberes Eocän und unteres Oligocän von
Europa.
P. (= Hyracotherium) siderolithicus Pictet (Fig. 963). Schweizer
Bohnerze und Phosphorite von Quercy.
P. argentonicus Gerv. (Fig. 964) und P. Duvali Gerv. Eocän von
Frankreich.
Epihippus Marsh. Unten ähnelt P₃ und P₄ den M. Fünfter Finger
vollständig, aber sehr schwach. Verbindet Hyracotherium mit
Mesohippus. Uinta-Epoche.
E. gracilis Marsh. Utah.
b. Palaeotheriinae.
Diese Formen sind sowohl in Nordamerika wie in Europa sehr reich
entwickelt vom Oligocän bis zum oberen Miocän.
[Illustration: Fig. 965. Palaeotherium crassum Cuv. Oligocäner Gyps von
Paris. Schädel. (⅛)]
[Illustration: Fig. 966. Palaeotherium medium Cuv. Oligocäner Gyps
von Paris. l = Lunare; m = Magnum; p = Pyramidale; s = Scaphoid; t =
Trapezoid; II-V = 2. bis 5. Finger.]
[Illustration: Fig. 967. Paloplotherium annectens Owen. Oligocän.
Oberer Molar.]
[Illustration: Fig. 968. Palaeotherium crassum Cuv. Bohnerze von
Frohnstetten. A oberer, B unterer Molar. (¹⁄₁)]
[Illustration: Fig. 969. Palaeotherium curtum Cuv. Phosphorite von
Quercy. A obere, B untere Backzahnreihe. w = Basalwulst. (⅔)]
Palaeotherium Cuv. (Fig. 965, 966, 968, 969). Tapirähnliche Formen
mit 44 Zähnen, deren P den M gleichen. Die Innenhöcker der oberen M
verbinden sich meist mit den Zwischenhöckern zu sehr schrägen oder
gebogenen Leisten. An den unteren M ist statt der Doppelspitze der
übrigen Equidae nur eine einfache Spitze β’ vorhanden (Fig. 968, 969).
Die 3/3 Zehen sind nahezu gleich stark und berühren alle den Boden
(Fig. 966). Die Gattung ist ausserordentlich charakteristisch für das
Unteroligocän von Europa.
P. magnum Cuv., von Pferdegrösse, P. crassum Cuv. (Fig. 968), P.
medium Cuv. (Fig. 966), P. curtum Cuv. (Fig. 969), alle aus dem
Oligocän von Mitteleuropa.
Paloplotherium Owen (Fig. 967) ist ähnlich, doch fehlen die P₁, die
P sind noch etwas einfacher als die M, die Zahnkronen zeigen bereits
Cement und die Aussenzehen sind sehr dünn. Oligocän von Europa.
P. annectens Owen (Fig. 967). Oligocän von Mitteleuropa.
[Illustration: Fig. 970. Anchilophus Desmaresti Gerv. Phosphorite von
Quercy. Oberer Molar, stark abgekaut.]
Anchilophus Gerv. (Fig. 970, 971), unvollständig bekannt, steht
Mesohippus sehr nahe. Die unteren M besitzen die Doppelspitze β’ und
die oberen meist nur eine undeutliche Kante an der Aussenwand. Oligocän
von Europa.
A. radegundensis Gerv. (Fig. 971), A. Desmaresti Gerv. (Fig. 970).
Unteroligocän von Frankreich.
Mesohippus Marsh vermittelt zwischen den amerikanischen Epihippus
und Anchitherium. White-River-Oligocän von Nordamerika.
M. Bairdi Leidy. Häufig. Dakota, Nebraska.
[Illustration: Fig. 971. Anchilophus radegundensis Gerv. von Mauremont.
A oberer, B unterer Molar. (¹⁄₁)]
Anchitherium H. v. Meyer (Fig. 972-975 A, = Miohippus Marsh). J mit
Einstülpung wie bei Equinae, die Mesohippus noch fehlt. P₁ ist nur
noch einwurzelig, der dritte Lobus des unteren M₃ verkleinert. Die
Doppelspitze der unteren M wohl entwickelt. Die Seitenzehen sind schon
beträchtlich kürzer als die Mittelzehe und berühren gerade noch den
Boden. Eine einzige Art im europäischen Miocän; dagegen gehören hierher
zahlreiche Arten aus dem nordamerikanischen Miocän. Von dieser Gattung
dürften die Equinae abzuleiten sein.
A. aurelianense Cav. (Fig. 972-975 A). Sehr häufig im Obermiocän.
Europa.
A. praestans, A. equiceps Cope u. a. John-Day-Miocän von Oregon.
A. ultimum Cope, das »letzte« Anchitherium. Ticholeptus-Epoche.
Oregon.
[Illustration: Fig. 972. Linker Vorderfuss von A Anchitherium
aurelianense Blainv.; B Hippotherium gracile Kaup; C Equus caballus L.
k = Kiel; m = Magnum; t = Trapezoid: u = Unciforme; II-V = Metacarpale
des zweiten bis fünften Fingers.]
c. Equinae.
In diese Gruppe gehören die extremsten Formen der Familie mit
Säulenzähnen, deren Thäler vollständig mit Cement ausgefüllt sind und
die daher eine fast ebene Kaufläche besitzen; J mit Einstülpung; nur
noch die Mittelzehe berührt den Boden. Ulna und Fibula rudimentär;
es sind die einzigen Perissodactyla, bei welchen der Orbitalrand
vollständig ist. Fossil sind sie sehr reich in Nordamerika vertreten,
zuerst in den Ticholeptusbeds; nur einige Arten auch in der alten Welt
und in Südamerika.
[Illustration: Fig. 973. Obere Molaren von A Anchitherium aurelianense
Cuv., stark abgekaut; B Anchitherium aurelianense Cuv., Milchmolar; C
Merychippus mirabilis Leidy, Milchmolar; D Hippotherium gracile Kaup; E
Equus caballus L.]
[Illustration: Fig. 974. Unterer Molar von A Anchitherium aurelianense
Cuv.; B Hippotherium gracile Kaup; C Equus caballus L.]
Merychippus Leidy ist der eigentliche Ausgangspunkt der Equinae. Das
Milchgebiss ist noch das von Anchitherium, während das definitive
Gebiss dem von Protohippus entspricht. Loup Fork-Epoche von Nordamerika.
M. mirabilis Leidy (Fig. 973 C). Pliocän von Dakota, Nebraska, Texas.
Hippotherium Kaup (Fig. 972-977; = Hipparion Christol). An den oberen
M ist der b-Höcker ein cylindrischer Innenpfeiler und vollständig
getrennt von den B-förmig verbundenen übrigen Dentinleisten des Zahnes;
der Schmelz der oberen und unteren Backzähne ist sehr reich gefältelt;
die äusseren Zehen sind sehr schwach und berühren den Boden nicht mehr.
Wenige Arten im Pliocän der alten Welt und zahlreiche in Nordamerika
(Ticholeptus- und Loup-Fork-Epoche). Die Gattung ist nicht in die
direkte Ahnenreihe von Equus zu bringen.
H. gracile Kaup (Fig. 972 B, 973 D, 974 u. 975 B, 976, 977) ist die
einzige europäische Art; sehr häufig im Unterpliocän von Europa,
Persien und Algier.
H. antilopinum Falc. u. Cautl. Pliocän der Siwaliks von Indien.
H. speciosum Leidy. Loup Fork-Pliocän von Nebraska, Dakota.
H. occidentale Leidy. Pliocän von Dakota.
Protohippus Leidy. b- und d-Pfeiler der oberen M verbreitert, etwa
gleich gross, in Verbindung mit den b’- und b’’-Leisten; Füsse noch
3/3zehig, denen von Hippotherium gleichend. Pliocän von Nordamerika.
Von dieser Gattung ist die Gattung Equus direkt abzuleiten.
P. sejunctus Cope. Ticholeptus- und Loup Fork-Epoche.
P. perditus Leidy. Loup Fork-Epoche.
[Illustration: Fig. 975. A Brachyodonter Zahn von Anchitherium. B
Mässig hypselodonter Zahn von Hippotherium. C Stark hypselodonter Zahn
von Equus. c = Kante auf der Aussenwand des Zahnes.]
Equus L. (Fig. 972 C, 973 E, 974 u. 975 C). Der b-Pfeiler der oberen M
viel breiter als der d-Pfeiler, beide mit den b’- und b’’-Leisten in
Verbindung; Schmelz wenig gefältelt; der untere P₁ ist verschwunden,
ebenso die äusseren Zehen bis auf die Griffelbeine (Metapodien).
Zahnsäulen sehr hoch. Zahlreiche Arten der Gattung Equus finden sich
fossil in den »Equus«- und Megalonyx-beds von Nordamerika, einige Arten
auch in Südamerika und im obersten Pliocän und Diluvium der alten Welt.
Wilde Arten der Gattung finden sich noch lebend in Asien und Afrika,
während in Amerika zur Zeit seiner Entdeckung keine Art mehr existirte.
E. occidentalis Leidy, E. excelsus Leidy, E. crenidens Cope.
Equus-beds von Nordamerika.
E. curvidens Owen, E. Andium Wagn. Pampasformation. Südamerika.
E. sivalensis Falc. und Cautl. Obere Siwaliks von Indien.
E. Stenonis Cocchi. Oberstes Pliocän von Südeuropa. Von dieser Form
kann
E. caballus L. abstammen, das während der Diluvialzeit überall in
Europa in grosser Menge lebte (= E. fossilis) und als die Stammform
des Hauspferdes anzusehen ist. Es ist leicht möglich, dass neben
dieser einen Art noch andere Equus-Arten im europäischen Diluvium
lebten, deren Reste sich aber schwer unterscheiden lassen.
[Illustration: Fig. 976. Hippotherium gracile Kaup. Pliocän von
Pikermi. Linker Hinterfuss. a = Astragalus; c = Calcaneus; cb =
Cuboid; n = Naviculare; 2, 3 = 2. u. 3. Cuneiforme; II-IV = 2. bis 4.
Metatarsale.]
[Illustration: Fig. 977. Hippotherium gracile Kaup. Pliocän von
Pikermi. Schädel.]
Hippidium Burm. Backzähne wie Protohippus, aber die oberen gekrümmt:
Nasenbeine verlängert; 1/1 Zehen. Pliocän von Nord- und Südamerika.
H. spectans Cope. Loup-Fork-Epoche von Nordamerika.
H. principale Lund und H. neogaeum Lund. Pampasformation, Südamerika.
Zeitliche und örtliche Verbreitung der Equidae.
+-----------+--------+------------+------------------+----------------+-----------+
| | Afrika | Indien | Europa und Asien | Nordamerika | Südamerika|
| | | | (excl. Indien) | | |
+===========+========+============+==================+================+===========+
|Recent | Equus | | Equus | | |
+-----------+---|----+------------+-----|------------+----------------+-----------+
| | +----|---Equus----|---Equus | Equus----------|---Equus |
|Diluvium | | | | | | | | |
| | | | | | | | Hippidium--|-Hippidium |
+-----------+--------+-----|------+-----|------------+ | | | |
| | | Equus----|---Equus----------|-Equus | | |
| | | | | | | | |
| | |Hippotherium---Hippotherium | Protohippus | |
|Pliocän | | | | | | | |
| | | | +--------|-Hippotherium | | |
| | | | | | | | |
| | | | | Merychippus| |
+-----------+--------+------------+------------------+---------|------+-----------+
|Miocän | | | Anchitherium-----|---Anchitherium | |
+-----------+--------+------------+------------------+------|---------+-----------+
| | | |Paloplotherium | | | |
| | | || Anchilophus| Mesohippus | |
|Oligocän | | || Palaeotherium || | | |
| | | || | Pachynolophus| Epihippus | |
+-----------+--------+------------+|--|------|-------+------|---------+-----------+
|Obereocän | | |Pachynolophus | | | |
|(Bridger) | | | | | | | |
| | | | Hyracotherium-|--Hyracotherium | |
+-----------+--------+------------+----------|-------+------|---------+-----------+
|Mitteleocän| | | Hyracotherium--|--Hyracotherium | |
|(Wasatch) | | | | | | |
| | | | | Phenacodus | |
+-----------+--------+------------+------------------+------|---------+-----------+
|Untereocän | | | | Protogonia | |
|(Puerco) | | | | | | |
| | | | | Periptychidae | |
+-----------+--------+------------+------------------+----------------+-----------+
19. Ordnung Artiodactyla.
Die Paarhufer treten in sehr primitiven Formen zuerst im Wasatch-Eocän
von Nordamerika auf, erscheinen gegen Ende des Eocän auch in Europa,
sind daselbst im Oligocän schon sehr reich entwickelt, erreichen aber
ihre grösste Mannigfaltigkeit erst im jüngeren Tertiär der alten Welt;
noch heute gehören sie hier zu den blühendsten und hervorragendsten
Säugethiergruppen. In Nordamerika, dem Eldorado der Perissodactyla,
sind Artiodactyla seit dem Oligocän wohl zahlreich an Individuen,
zeigen aber keine so grosse Formenmannigfaltigkeit. Von den zahlreichen
Familien der Artiodactyla sind nur zwei, die Oreodontidae und
Camelidae, daselbst zu einer sehr hohen Blüthe gelangt. Als Mutterland
aller übrigen Paarhufer darf die alte Welt gelten, von der auch Nord-
und Südamerika die Mehrzahl ihrer heutigen Artiodactylenformen erhalten
haben.
[Illustration: Fig. 978. Palaeomeryx furcatus Hensel. Miocän von
Steinheim. Linker Astragalus von vorn gesehen mit oberem (t) und
unterem (n) Rollengelenke.]
[Illustration: Fig. 979. A Hyaemoschus aquaticus, recent; B Gelocus
communis Aym., Oligocän; C Cervus, recent; D Tragoceros amaltheus Roth
u. Wagner, Pliocän.
Illustration: Fig. 980. A Hyopotamus, B Anoplotherium commune Cuv. Gyps
von Paris.
Linker Vorderfuss. l = Lunare; m = Magnum; p = Pyramidale: s =
Scaphoid; t = Trapezoid; tz = Trapez; u = Unciforme; II-V = 2. bis 5.
Metacarpale.]
Der Fuss der Artiodactyla hat mit dem der Perissodactyla im
wesentlichen nur die alternirende Anordnung der Carpalia und Tarsalia,
das proximale Rollengelenk des Astragalus und den unguligraden Bau
gemeinsam. Am Femur tritt kein dritter Trochanter mehr auf; der
Calcaneus besitzt ein Fibulargelenk, der Astragalus auch ein distales
Rollengelenk (Fig. 978); die dritte und vierte Zehe am Vorder- und
Hinterfuss sind stets gleich lang und gleich stark (Fig. 979-983).
Die erste Zehe findet sich nur bei einer Familie (Oreodontidae) noch
erhalten, meist sind nur vier Zehen vorhanden, von denen die beiden
mittleren auf Kosten der äusseren immer länger und stärker werden
können und schliesslich allein übrig bleiben. Alle denkbaren Stufen
von Rückbildung der äusseren Zehen finden sich bei den Artiodactyla.
Die Gruppen, bei welchen die mittleren Metapodien nicht nur länger
und stärker wurden auf Kosten der äusseren, sondern die letzteren
auch von ihren Ansatzstellen verdrängten (das 3. und 4. Metacarpale,
bez. Metatarsale setzt sich an Stelle des 2. und 5. auch mit deren
Carpale, bez. Tarsale in Verbindung), so dass sie eine breitere und
sicherere Stützfläche hatten -- »adaptive Reduction« (Fig. 979 A-D),
waren offenbar dadurch in grossem Vortheile vor den Formen, bei welchen
die 2. und 5. Metapodien wohl kürzer wurden, aber ihren Platz an den
Hand- und Fusswurzelknochen hartnäckig behaupteten -- »inadaptive
Reduction« (Fig. 980 B). Die letzteren Formen waren bereits im Miocän
völlig ausgestorben; die adaptiven sind heute die alleinigen Vertreter
der Artiodactylen. Die Stärke des Fusses wurde bei vielen Artiodactylen
noch dadurch vermehrt, dass, wenn die Verkümmerung der äusseren Zehen
weit gediehen war, auch umfangreiche Verschmelzungen stattfanden; es
verschmolzen vor allem die beiden mittleren Metapodien mit einander zu
dem langen, mit zwei distalen Gelenken versehenen »Canon« (Fig. 979
mc, 983 mt), einem der charakteristischsten Wiederkäuerknochen; es
verschmolzen dann ferner auch (Fig. 979) Magnum und Trapezoid (m + t)
am Carpus, sowie (Fig. 983) Naviculare und Cuboid (n + c) am Tarsus,
mitunter finden noch weitere Verwachsungen statt (Fig. 982 3 + n + c).
[Illustration: Fig. 981. Caenotherium commune Brav. Phosphorite von
Quercy. Linker Hinterfuss.]
[Illustration: Fig. 982. Hyaemoschus crassus Lart. Miocän von
Steinheim. Linker Hinterfuss.
a = Astragalus; c = Cuboid; ca = Calcaneus; n = Naviculare; 2, 3 = 2.
u. 3. Cuneiforme; II, V = 2. u. 5. Metatarsale.]
[Illustration: Fig. 983. Gazella brevicornis Gaudry. Pliocän. Pikermi.
a = Astragalus; ca = Calcaneus; n + c = Naviculare + Cuboid; 3 = 2.
+ 3. Cuneiforme; mt = Canon (3. + 4. Metatarsale; III, IV = 3. u. 4.
Zehe.]
Das Gebiss zeigt ursprünglich 44 Zähne; der P₁ geht fast auf allen
Linien allmählich verloren. Bei einigen Familien wird das Gebiss
vollkommen lückenlos (Fig. 991), während bei den meisten Wiederkäuern
sich zwischen C und P eine sehr weite Lücke bildet. Der C wird
mitunter hauerartig, oft auch rudimentär. Bei den Wiederkäuern
verschwinden die oberen J, meist auch die C, völlig; die unteren C
werden oft schneidezahnartig, mitunter die P₁ eckzahnartig. Die M
sind tetragonodont, nur bei Pantolestes noch trigonodont. Neben den
vier Haupthöckern tritt oben bei vielen der älteren Artiodactyla
in der vorderen (oder hinteren) Zahnhälfte ein gesonderter grosser
Zwischenhöcker b’ (b’’) auf, der als fünfter Haupthöcker bezeichnet
wird (Fig. 994); bei den moderneren Formen scheint derselbe sich
mit dem b- (oder d-)Höcker vereinigt zu haben. Werden die oberen M
lophodont, so geschieht dies, indem einige oder alle Haupthöcker
halbmondförmig werden, die offene Seite nach aussen gerichtet
(selenodont). Die beiden Aussenmonde sind gewöhnlich zu einer
Aussenwand vereinigt, die daher eine mittlere Kante trägt (Fig. 994).
Auch an den unteren M können die beiden Aussenhöcker, oder schliesslich
alle vier Haupthöcker halbmondförmig werden, die offene Seite nach
innen gerichtet. Der untere M₃ hat stets einen dritten Lobus (Fig.
984), der obere M₃ ist nie kleiner, manchmal aber viel grösser als
die übrigen. Die Backzähne sind fast immer heterodont; die oberen P
erscheinen bei den höchsten Selenodonten nur wie halbe M, mit einem
a- und b-Mond (Fig. 1023 B); bei primitiven Formen sind die oberen
und unteren P oft sehr verlängert und bestehen dann nur aus einem
klingenförmigen Aussenhöcker. Dafür sind die Milchbackzähne viel
complicirter gebaut und der D₄ gleicht oben (Fig. 1023 A) wie unten
dem M₃. Die drei Abschnitte des unteren D₄ entsprechen aber keineswegs
denen des M₃, indem beim D₄ der dritte Lobus δ des M₃ fast ganz fehlt,
und dafür der α-Höcker stark ausgebildet ist (Fig. 984). Die Zahnkrone
zeigt sehr verschiedene Höhe, nur einige der modernsten Formen erhalten
ganz prismatische Backzähne. Am Schädel treten öfter Gesichtslücken
auf; häufig wird der Orbitalrand vollständig. Ein grosser Theil
der moderneren Artiodactyla entwickelt paarige Hörner auf den
Stirnbeinen. Die Halswirbel sind meist mehr oder weniger opisthocöl;
der Zahnfortsatz des Epistropheus wird bei den meisten Wiederkäuern
rinnenförmig.
[Illustration: Fig. 984. Dicotyles torquatus. Brasilien.
Unterkieferbackzähne. A drei Milchbackzähne und erster Molar, B letzter
Molar.]
Unter den Artiodactyla können 12 Familien angenommen werden:
A. M trigonodont, oben mit zwei Zwischenhöckern. Pantolestoidea. 4/4
Zehen, die äusseren stark reducirt.
1. Fam. Pantolestidae (p. 788).
B. M tetragonodont, die oberen mit fünf Haupthöckern oder Halbmonden;
J und C stets entwickelt; die zwei (selten drei, bei Anwesenheit des
α-Höckers) Innenhöcker der unteren M mehr oder weniger kegelförmig.
Es treten nie Verwachsungen an den Fussknochen ein. Anoplotherioidea.
I. Die Vorderhälfte der oberen M mit zwei (oder drei), die hintere
mit drei Höckern oder Halbmonden; höchstens kleine Lücken im
Gebiss. 4/4 Zehen.
2. Fam. Dichobunidae (p. 789).
II. Die Vorderhälfte der oberen M mit drei, die hintere mit zwei
Höckern oder Halbmonden. Fuss wird inadaptiv reducirt.
a. Zwei oder vier Zehen; die oberen M mit fünf, die unteren wie
bei den echten Wiederkäuern mit vier Halbmonden; Gebiss zeigt
höchstens kleine Lücken.
3. Fam. Xiphodontidae (p. 790).
b. 2-3/3 Zehen, inadaptiv reducirt. Zahnreihe lückenlos; bei den
unteren M sind meist drei kegelförmige Innenhöcker vorhanden,
und nur die beiden Aussenhöcker werden halbmondförmig.
4. Fam. Anoplotheriidae (p. 790).
c. Vier (selten zwei) Zehen, inadaptiv reducirt. Grosse Lücken in
der Zahnreihe; C gross; an den unteren M sind nur zwei
kegelförmige Innenhöcker da, und nur die beiden Aussenhöcker
können halbmondartig werden.
5. Fam. Anthracotheriidae (p. 792).
C. M tetragonodont; der obere und untere M₁ und M₂ mit vier Haupthöckern
oder vier Halbmonden; Fuss wird adaptiv reducirt.
I. Backzähne mit Höckern (selten Querjochen). Suoidea.
a. J nicht auffallend verlängert, unten in geschlossener Reihe.
4/4-3 Zehen.
6. Fam. Suidae (p. 794).
b. J hauerartig verlängert, nicht in geschlossener Reihe. 4/4
wohlentwickelte Zehen.
7. Fam. Hippopotamidae (p. 796).
II. Molaren oben und unten mit vier Halbmonden. Ruminantia (p. 797).
a. Wenigstens ein oberer J vorhanden. Am Tarsus und Carpus finden
nie Verwachsungen statt; Hörner fehlen stets, und der obere C
ist nie hauerartig verlängert. Unterer C meist den J ähnlich.
Cameloidea.
1. Halswirbel mit Foramen transversarium: vier oder fünf
wohlentwickelte Zehen; Zahnreihen meist vollständig und
lückenlos.
8. Fam. Oreodontidae (p. 799).
2. Halswirbel ohne Foramen transversarium; nur zwei Zehen
wohlentwickelt; Gebiss mit grossen Lücken.
9. Fam. Camelidae (p. 800).
b. Obere J fehlen fast stets vollständig; unterer C
schneidezahnähnlich, den J angeschmiegt, dahinter eine grosse
Lücke. Am Tarsus verschmilzt Naviculare stets mit Cuboid, am
Carpus Magnum mit Trapezoid. Entweder sind Hörner oder ein
hauerartig verlängerter oberer C beim Männchen vorhanden.
Booidea.
1. Nur der letzte obere P kann einen wohlentwickelten Innenmond
besitzen, die übrigen bestehen wesentlich aus einer
verlängerten klingenartigen Aussenwand. Männchen ungehörnt,
aber mit hauerartigen oberen Eckzähnen.
10. Fam. Tragulidae (p. 802).
2. Mittlere Metapodien sind stets verwachsen. Die oberen P₂-P₄
besitzen alle einen wohlentwickelten inneren Halbmond, die
unteren kräftige Innenfalten.
α. Männchen entweder mit Geweih oder mit hauerähnlichen
oberen C.
11. Fam. Cervidae (p. 804).
β. Männchen (meist auch Weibchen) mit Hörnern; obere C
fehlen ganz.
12. Fam. Bovidae (p. 808).
1. Fam. Pantolestidae.
Molaren trigonodont und bunodont, die oberen mit zwei deutlichen
Zwischenhöckern. Oberer P₄ mit einem Innenhöcker; 4/4 Zehen. Wasatch-
und Bridger-Eocän von Nordamerika. Es sind die ältesten bekannten
Artiodactyla, wahrscheinlich Stammformen der Camelidae, während sie
selbst von Periptychidae abzuleiten sind.
[Illustration: Fig. 985. Pantolestes brachystomus Cope. Wasatch-Eocän
von Wyoming. A obere, B untere Backzähne.]
Pantolestes Cope (Fig. 985). Wasatch- und Bridger-Eocän.
P. brachystomus Cope. Wasatch von Wyoming.
2. Fam. Dichobunidae.
Bei den hierher gehörigen Formen zeigt die hintere Zahnhälfte der
oberen M 3 Höcker. Die P sind in die Länge gestreckt und bilden scharfe
Klingen (Fig. 988). Obere C kaum verlängert; kleine Lücken treten
mitunter vor oder hinter dem P₁ auf; das Gebiss ist sonst lückenlos und
vollzählig. Die vier Zehen sind alle wohlentwickelt, die äusseren wenig
reducirt (Fig. 986). Kleine zierliche Geschöpfe von der Grösse und
Gestalt der lebenden Zwergmoschusthiere; Obereocän bis Untermiocän von
Europa.
Dichobunus Cuv. (Fig. 988). Die Höcker der Molaren sind noch dick und
fast kegelförmig. Obereocän und Unteroligocän. Ist vielleicht Stammform
der Booidea.
D. leporinus Cuv. (Fig. 988). Oligocän.
[Illustration: Fig. 986. Caenotherium cadurcense Gerv. Phosphorite
von Quercy. Linker Vorderfuss. R = Radius; U = Ulna; l = Lunare; m =
Magnum; p = Pyramidale; s = Scaphoid; t = Trapezoid; u = Unciforme. ¾.]
[Illustration: Fig. 987. Caenotherium commune Brav. Phosphorite von
Quercy. Linker Hinterfuss. a = Astragalus; c = Cuboid; ca = Calcaneus;
n = Naviculare; 2, 3 = 2. u. 3. Cuneiforme. ⅗.]
[Illustration: Fig. 988. Dichobunus leporinus Cuv. A Oberkieferzähne;
Gyps von Paris. B Unterkieferzähne; Lignite von Apt. C oberer Molar;
Gyps von Paris.]
Caenotherium Brav. (Fig. 986, 987 und 989). Die Höcker der M sind
halbmondförmig geworden, nur die Innenhöcker an den unteren M sind
noch ziemlich kegelförmig. Die Reste verschiedener Arten finden sich
in zahlreicher Menge im Oligocän, auch im Untermiocän; die Thierchen
scheinen heerdenweise gelebt zu haben.
C. commune Brav. (Fig. 987, 989). Phosphorite von Quercy.
C. (Plesiomeryx) cadurcense Gerv. (Fig. 986) mit kleinen Lücken im
Gebiss (Annäherung an echte Wiederkäuer) Phosphorite von Quercy.
C. laticurvatum Geoffr., die grösste Art, ohne Lücke im Gebiss;
Untermiocän von Allier.
3. Fam. Xiphodontidae.
Diese auf das europäische Oligocän beschränkte Familie enthält kleine
zierliche Arten, die manche Aehnlichkeit mit den Anoplotheriidae
zeigen, sich andererseits auch gewissen Wiederkäuern etwas nähern.
An den M sind sämmtliche Höcker zu Halbmonden ausgebildet, auch die
Innenhöcker der unteren M, obwohl dieselben noch an die ursprüngliche
Kegelform erinnern. Die vorderen P sind auffallend lang und stellen
scharfe Klingen vor (Fig. 990). Die C sind klein, im Unterkiefer
gerne den J ähnelnd. Das Gebiss ist meistens lückenlos, mitunter aber
beginnen kleine Lücken vor oder hinter dem P₁ aufzutreten. Einige Arten
scheinen nur zwei Zehen besessen zu haben; der Fuss ist inadaptiv
reducirt. Vielleicht gehört die Stammform der Oreodontidae, Protoreodon
hierher.
[Illustration: Fig. 989. Caenotherium commune Brav. Phosphorite von
Quercy. A obere, B untere Backzahnreihe. C oberer M₁ (³⁄₁).]
[Illustration: Fig. 990. Xiphodon gracilis Cuv. Oligocän der Débruge.
A obere Backzähne von der Kaufläche, B untere Backzähne von aussen, C
untere Milchbackzähne von aussen.]
Xiphodon Cuv. (Fig. 990, 995 D). Zahlreich im Oligocän.
X. gracilis Cuv. (Fig. 990) war ein schlankes hochbeiniges Thier,
sehr ähnlich einem kleinen geweihlosen Hirsch. Gebiss lückenlos.
Schwanz lang. Oligocän.
X. (Xiphodontherium Filh.) murinum Cuv. zeigt kleine Lücken im
Unterkiefergebiss, indem der obere C sich etwas verlängert, der untere
schneidezahnähnlich wird, und dafür der P₁ eckzahnähnlich (Annäherung
an den Wiederkäuertypus).
4. Fam. Anoplotheriidae.
Diese Familie umfasst eine eigenthümlich specialisirte Gruppe von
Paarhufern, die im unteren Oligocän von Europa reich entwickelt ist,
gegen das Ende dieser Periode aber erlischt. Besonders eigenthümlich
ist der Fussbau, indem ausser den beiden stark entwickelten Mittelzehen
wenigstens bei einigen Arten noch die zweite Zehe vollständig
ausgebildet ist (Fig. 993); dieselbe ist kleiner als die mittleren
und bildet mit denselben einen auffallend grossen Winkel, so dass es
möglich ist, dass sie zum Spannen einer Schwimmhaut dienlich war. Der
Fuss ist inadaptiv reducirt (Fig. 992). Schwanz sehr lang, mit unteren
Bögen.
[Illustration: Fig. 991. Anoplotherium commune Cuv. Oligocäner Gyps von
Paris. Schädel.]
[Illustration: Fig. 992. Anoplotherium commune Cuv. Gyps von Paris.
Linker Vorderfuss. l = Lunare; m = Magnum; p = Pyramidale; s =
Scaphoid; t = Trapezoid; tz = Trapez; u = Unciforme; II-V = 2. bis 5.
Metacarpale.]
An den oberen M (Fig. 994) sind die beiden Aussenhöcker und der
d-Höcker halbmondförmig, der b-Höcker ist kegelförmig, und von ihm
zieht sich der leistenartig verlängerte Zwischenhöcker b’ gegen
die Aussenwand. An den unteren M (Fig. 995 A, B) sind die beiden
Aussenhöcker ∧- bis halbmondförmig; es sind drei kegelförmige
Innenhöcker vorhanden. Der α-Höcker und β’-Höcker sind einander mehr
oder weniger genähert (Fig. 995 A-C) und schliessen die Oeffnung des
vorderen Halbmonds, während die des hinteren durch den γ’-Höcker
geschlossen ist. Gebiss vollzählig, mit 44 Zähnen, und durchaus
lückenlos, die C nicht verlängert.
[Illustration: Fig. 993. Anoplotherium latipes Gerv. Lignite der
Débruge. Linker Hinterfuss. a = Astragalus; c = Cuboid; ca = Calcaneus;
n = Naviculare; 1, 2, 3 = Cuneiforme; II-IV = 2. bis 4. Metacarpale.]
[Illustration: Fig. 994. Diplobune (Anoplotherium) secundaria Cuv.
Phosphorite von Quercy. Oberer Molar. (¾)]
[Illustration: Fig. 995. Untere Molaren von A Anoplotherium laticeps
Gerv.; B Diplobune modica Filh.; C D. minor Filh.; D Xiphodon.
Phosphorite von Quercy.]
Anoplotherium Cuv. (Fig. 842 B, 991-995, = Eurytherium Gerv.) ist
eine im europäischen Unteroligocän weitverbreitete und höchst
charakteristische Gattung. An den unteren M sind die Höcker α und β’
ganz getrennt.
A. commune Cuv. (Fig 842 B, 991, 992), die grösste Art, und A.
latipes Gerv. (Fig. 993, 995 A) häufig im Unteroligocän.
Diplobune Rütim., α- und β’-Höcker nur mit getrennter Spitze.
Unteroligocän.
D. secundaria Filh. (Fig. 994), D. modica Filh. (Fig. 995 B), D.
minor Filh. (Fig. 995 C), D. bavarica Fraas; Oligocän von
Mitteleuropa.
5. Fam. Anthracotheriidae = Hyopotamidae.
Die Anthracotheriiden bilden eine wichtige, vielgestaltige Gruppe
alterthümlicher Paarhufer, die sehr reich im ganzen Oligocän von Europa
vertreten sind, und deren letzte Glieder noch spärlich im Miocän der
alten Welt vorkommen; einige Formen finden sich auch im Oligocän und
Miocän von Nordamerika.
[Illustration: Fig. 996. Cebochoerus minor Gerv. Phosphorite von
Quercy. Untere Backzähne.]
[Illustration: Fig. 997. Choeropotamus parisiensis Cuv. Gyps von Paris.
Obere Backzähne.]
[Illustration: Fig. 998. Anthracotherium alsaticum Cuv. A
Oberkiefergebiss. Phosphorite von Quercy. B Unterkiefergebiss. Lignite
von Rott.]
Sie haben meist vier wohlentwickelte Zehen, die äusseren sind mitunter
schwächer als die inneren, nur in einer extremen Gattung sind die
äusseren Zehen rudimentär; die Reduction ist »inadaptiv«. Von den fünf
Höckern der oberen M gehören drei der vorderen Zahnhälfte an; sie
zeigen alle Stufen von der streng kegelförmigen bis zur auffallend
halbmondförmigen Ausbildung; an den unteren M sind wenigstens die
beiden Innenhöcker immer als Kegel entwickelt. Stets sind kräftige C
vorhanden, ebenso Lücken im Gebiss; J oft noch auffallend kegelförmig
(Fig. 998). Vielleicht gehört Achaenodon Cope aus den Bridger-beds von
Wyoming hierher.
Cebochoerus Gerv. (Fig. 996). An den M sind alle Höcker kegelförmig,
der Zwischenhöcker der oberen M klein. Es ist eine sehr primitive Form,
wohl Stammform der Suidae. Oligocän von Europa.
C. minor Gerv. (Fig. 996). Phosphorite von Quercy,
C. lacustris Gerv. und C. anceps Gerv. Oligocän von Frankreich und
Elsass.
Choeropotamus Cuv. (Fig. 997). Die Haupthöcker der M sind kantig, aber
fast noch kegelförmig zu nennen, von zahlreichen kleinen Nebenwarzen
begleitet. Die C sind gross. 4/3 P, oben ist P₁ durch eine Lücke
getrennt von den übrigen P. Unteroligocän von Europa.
Ch. parisiensis Cuv. (Fig. 997) von Wildschweingrösse. Unteres
Oligocän von Frankreich.
Entelodon Aym. (= Elotherium Pom.), eine sehr aberrante Form. Die
Höcker der M stellen auffallend abgerundete Kegel dar, mit
rudimentären Zwischenhöckern. Die P sind als einfache grosse, dicke
Kegel ausgebildet und durch Lücken von einander getrennt. J und C
riesig. Von den Seitenzehen sind nur noch stummelförmige Metapodien
vorhanden. Oligocän von Europa; Miocän und Oligocän von Nordamerika.
E. magnum Pom. kleiner als Rhinoceros. Oligocän von Europa.
E. Mortoni Leidy, ebenso gross. White River-Oligocän von
Nordamerika.
E. imperator Leidy. John Day-Miocän. Oregon. Rhinocerosgrösse.
Anthracotherium Cuv. (Fig. 998, 999), das Kohlenthier; an den oberen
M sind die Höcker etwas halbmondförmig, doch noch sehr dick; oben ist
der d-Höcker noch rein kegelförmig, die anderen sind etwas verlängert;
unten bilden die Innenhöcker spitze Kegel. Die Backzahnreihe zeigt
keine grossen Lücken; die J und C sind ansehnlich, letztere kegelförmig.
[Illustration: Fig. 999. A Anthracotherium alsaticum Cuv. Oligocän von
Villebramar. Oberer Molar. B Anthracotherium magnum Cuv. Oligocän von
Cadibona. Unterer Molar.]
[Illustration: Fig. 1000. Hyopotamus velaunus Cuv. Oligocän von Ronzon.
A oberer, B unterer Molar. C Gebiss des Oberkiefers.]
Die grösseren Arten mit breitem, niedergedrücktem Schädel, deren
Seitenzehen nicht reducirt sind, dürften die Lebensweise der
Nilpferde gehabt haben; ihre Reste finden sich besonders viel in
Braunkohlenlagern; andere Arten, die kleiner sind, haben stark
reducirte Seitenzehen. Sehr verbreitet im Oligocän von Europa; auch im
Miocän vorhanden.
A. magnum Cuv. (Fig. 999 B) von Nilpferdgrösse; Seitenzehen nicht
reducirt. Oligocän von Europa.
A. alsaticum Cuv. (Fig. 999 A) ist kleiner. Oligocän.
A. Gresslyi H. v. Meyer, die kleinste Art, von Rehgrösse. Oligocän
von Württemberg und der Schweiz.
Hyopotamus Owen (Fig. 1000, 1001). An den oberen M sind alle fünf
Höcker ausgesprochen halbmondförmig; die Kiefer sind verlängert,
und es entstehen grosse Lücken, auch zwischen den vorderen P. Die C
scheinen nur beim Männchen von besonderer Grösse gewesen zu sein. Die
Seitenzehen sind reducirt; diese Gattung ist mit der vorigen durch
unmerkliche Uebergänge eng verknüpft. Oligocän von Europa und Indien;
eine Art auch in Nordamerika.
H. velaunus Cuv. (Fig. 1000). Oligocän von Ronzon, Hempstead,
Elsass.
H. bovinus Owen von Stiergrösse; ebendaher.
H. americanus Leidy. White River-Oligocän von Nordamerika.
[Illustration: Fig. 1001. Hyopotamus Cuv. Oligocän. Linker Vorderfuss.
l = Lunare; m = Magnum; p = Pyramidale; s = Scaphoid; t = Trapezoid; tz
= Trapez; u = Unciforme; II-V = 2. bis 5. Metacarpale.]
[Illustration: Fig. 1002. Hyotherium (Palaeochoerus) typus Pom.
Süsswasserkalk von Billy (Allier). Oberkiefer.]
[Illustration: Fig. 1003. Molar von Dicotyles. Recent. (¹⁄₁.)]
6. Fam. Suidae.
Die Schweine haben den bunodonten Charakter der Molaren am reinsten
bewahrt und weiter entwickelt (Fig. 1002 u. 1003). Bei den primitivsten
Formen sind die vier Haupthöcker noch gross und kegelförmig (Fig.
1002); diese Höcker werden dann bei den Suinae allmählich runzelig,
niedrig, und zwischen ihnen entstehen kleine Nebenwarzen in immer
grösserer Zahl (Fig. 1007). Der M₃ kann sich allmählich bedeutend
vergrössern (Fig. 1007), bis er endlich bei Phacochoerus auch
säulenförmig wird und fast allein die ganze Function der Backzahnreihe
versieht, indess die übrigen Backzähne verkümmern und grösstentheils
verschwinden. Die C sind stets sehr stark entwickelt und werden bei
Suinae oft zu gewaltigen, aufwärts gebogenen Hauern. Die unteren J
sind griffelförmig, dicht aneinander liegend, von den oberen werden
die mittleren mehr und mehr keilförmig (Fig. 1005); sie können auch
ganz fehlen. Manchmal bilden die Höcker auf den M Querjoche. Die
Extremitäten zeigen vier Zehen (Fig. 1004), von denen die äusseren
meist nicht sehr stark reducirt sind; nur bei manchen Dicotylinae
werden sie rudimentär, und die mittleren Metapodien können sogar
theilweise verschmelzen; die Füsse sind adaptiv reducirt, doch ohne
Verwachsung der Carpalia und Tarsalia.
[Illustration: Fig. 1004. Hyotherium. Linker Vorderfuss. m = Magnum; t
= Trapezoid; u = Unciforme.]
[Illustration: Fig. 1005. Hyotherium Waterhousei Pom. Miocän von
Allier. A Gebiss des Oberkiefers. B Gebiss des Unterkiefers.]
Die ältesten Suidae finden sich im oberen Oligocän von Europa; sie
sind vielleicht von Cebochoerus abzuleiten. Suidae sind in der alten
Welt sehr formenreich; sie finden sich hier noch lebend, ebenso in
Nordamerika, von wo sie auch nach Südamerika gelangt sind.
[Illustration: Fig. 1006. Hyotherium Waterhousei Pom. Miocän von
Allier. Schädel.]
a. Suinae, auf die alte Welt beschränkt.
Hyotherium H. v. Meyer (Fig. 1002-1006, = Palaeochoerus Pomel). Gebiss
mit 44 Zähnen. Die C sind mässig und von normaler Richtung: die M
zeigen grosse Haupthöcker, bei manchen Arten auch kleine Nebenwarzen;
M₃ kaum vergrössert. Oligocän und Miocän von Europa und Indien. Es ist
die primitivste Form der Suidae.
H. typus Pomel (Fig. 1002 = H. Meissneri H. v. M.). Oberoligocän bis
Untermiocän. Europa.
H. Waterhousei Pom. (Fig. 1005 u. 1006). Untermiocän von Frankreich.
H. Soemmeringi H. v. Meyer, nähert sich Sus. Miocän von Europa.
[Illustration: Fig. 1007. Sus erymanthius Roth u. Wagn. Pliocän von
Pikermi. Obere Backzähne der rechten Seite.]
Sus L. (Fig. 830, 838, 1007). M mit niedrigen Höckern und zahlreichen
Nebenwarzen; der M₃ zeigt das Bestreben, sich zu vergrössern. Die
oberen C biegen sich aufwärts. In Europa seit dem Obermiocän, häufiger
erst seit dem Pliocän; besonders reich in den Siwaliks von Indien
entwickelt; lebend in der alten Welt; ist bis Celebes und Neuguinea
gedrungen.
S. antiquus Kaup. Miocän von Süddeutschland und Frankreich.
S. erymanthius Roth und Wagn. (= S. major Gerv., Fig. 1007), von
riesiger Grösse, weit verbreitet im Pliocän von Europa, besonders in
Pikermi.
S. giganteus Falc. und Cautl. Siwaliks von Indien.
S. palustris Rütim. Postpliocän von Europa.
Listriodon H. v. M., eine eigenthümliche Suidenform, an deren M die
Höcker sich zu Querjochen vereinigen (Tapir-ähnlich), mit grossen
hauerartigen C. Miocän von Europa und Siwaliks von Indien.
L. splendens H. v. M. Miocän von Süd- und Mitteleuropa.
Phacochoerus Cuv. ist die extremste Form der altweltlichen Suidae,
mit riesigen aufwärts gekrümmten Hauern, im Alter ohne J und P; der M₃
mächtig entwickelt, säulenförmig. Lebt in Afrika.
b. Dicotylinae, auf Amerika beschränkt.
Bothrolabis Cope. C gross; vor den oberen C ein tiefer Ausschnitt
für die unteren; sonst Hyotherium ähnlich. John Day-Miocän. Oregon.
B. subaequans Cope. Miocän. Oregon.
Dicotyles Cuv. (Fig. 982 C, 984, 1003), wie Bothrolabis, aber drei
P; P₄ den M ähnlich; 4/3 Zehen; Metatarsen in der proximalen Hälfte
verschmolzen. Pliocän und recent in Nord- und Südamerika.
D. torquatus Cuv. (Fig. 982 C, 984, 1003). Diluvial und lebend in
Nord- und Südamerika.
Platygonus Lec. Höcker der M bilden Querjoche. Pliocän. Nordamerika.
P. striatus Marsh. Pliocän von Nordamerika.
Zeitliche und örtliche Verbreitung der Suidae.
+ -------+------------+-----------+------------+-------------+-----------+
| | Afrika | Indien | Europa | Nordamerika | Südamerika|
+========+============+===========+============+=============+===========+
| |Phacochoerus| Babirusa | Sus | Dicotyles-|--Dicotyles|
|Quartär | | | | | | | | |
| | Sus-----|---Sus | | | | | |
+--------+------------+----|------+-------|----+-----------|-+-----------+
| | | Sus-----|-------Sus |Platygonus | | |
|Pliocän | | | | | | | | |
| | |Listriodon | | | Dicotyles| |
+--------+------------+----|------+---------|--+-----|-------+-----------+
| | | | | Sus| | | |
| | | | | ||Bothrolabis | |
|Miocän | |Listriodon-|-Listriodon|| | | |
| | | | | || | | |
| | |Hyotherium-|--Hyotherium| | | |
+--------+------------+-----------+-----|------+-----|-------+-----------+
| | | | | | | | |
| | | |Hyotherium--|-Hyotherium ?| |
|Oligocän| | | | | | |
| | | |Cebochoerus | | |
+--------+------------+-----------+------------+-------------+-----------+
7. Fam. Hippopotamidae.
Eine moderne, durchaus auf die alte Welt beschränkte Gruppe von
Paarhufern bilden die Nilpferde, Thiere von sehr bedeutender
Körpergrösse, die sich vielleicht auf Suidae zurückführen lassen; nicht
nur die C, sondern auch die J sind bei ihnen zu gewaltigen wurzellosen
Hauern und Stosszähnen umgewandelt (Fig. 1009). Die vier Höcker der
M sind stark gefaltet, so dass deren Usurflächen kleeblattähnliche
Figuren darstellen (Fig. 1008). Der Schädel ist, wie gewöhnlich bei
wasserbewohnenden Säugern, sehr flach und breit, der Unterkieferwinkel
ist stark nach abwärts gezogen. Die Füsse besitzen vier gleich grosse
Zehen. Die einzige Gattung findet sich seit der Pliocänzeit in der
alten Welt.
[Illustration: Fig. 1008. Hippopotamus major Falc. Pliocän des Val
d’Arno, Letzter oberer Backzahn.]
Hippopotamus L. (Fig. 1008 u. 1009). Gebiss (2-3 · 1 · 4 · 3)/(1-3 ·
1 · 4 · 3). Erscheint zuerst in Indien in den oberen Siwaliks; die
älteste Art
H. (Hexaprotodon) sivalensis Falc. und Cautl. (Fig. 1009) besitzt
noch drei wohlentwickelte stosszahnähnliche obere und untere J.
Pliocän von Indien.
H. (Tetraprotodon) palaeindicus Falc. und Cautl., aus dem indischen
Pleistocän, hat unten nur noch die beiden äusseren J stark entwickelt,
der innerste ist rudimentär. Der sehr ähnliche
H. major Falc. (Fig. 1008) aus dem obersten Pliocän und dem ältesten
Diluvium von Europa zeigt auch den äusseren J beträchtlich
verkleinert; im Oberkiefer sind ebenfalls nur noch zwei J vorhanden.
H. amphibius L. lebt noch in den Flüssen und Seen von Afrika und ist
von der vorigen Art kaum specifisch zu trennen.
H. (Choeropsis) liberiensis Morton, eine kleine lebende Art aus den
Flüssen von Westafrika, besitzt nur noch einen einzigen unteren J.
[Illustration: Fig. 1009. Hippopotamus sivalensis Falc. u. Cautl.
Siwaliks von Indien. Vorderster Theil des Unterkiefers mit den
Schneide- und Eckzähnen.]
Ruminantia.
Als »Wiederkäuer« lassen sich eine Reihe von Familien zusammenfassen,
die durch eigenthümliche Ausbildung ihres Magens zum Wiederkauen ihrer
durchweg aus Pflanzenkost bestehenden Nahrung befähigt sind. Sie
stellen die höchste Entwickelung des Artiodactylentypus dar.
[Illustration: Fig. 1010. A Cervus elaphus L. Recent. Unterer Molar. B
Prodremotherium elongatum Filh. Phosphorite von Quercy. Oberer Molar. w
= Basalwulst; m = Marken.]
Ein Merkmal, das sämmtlichen hierher gehörigen Formen zukommt, ist
der Besitz von M, die im Ober- und Unterkiefer aus vier paarweise
angeordneten Halbmonden bestehen (Fig. 1010). In ihren typischen
Formen (Booidea) kommen den Wiederkäuern ferner noch eine Anzahl von
weiteren höchst bezeichnenden Merkmalen zu: Im Oberkiefer fehlen
alle J (Fig. 1022); im Unterkiefer wird der C schneidezahnähnlich
und bildet mit den echten J eine geschlossene Zahnreihe, die durch
eine weite Lücke von der Backzahnreihe getrennt ist. Im Tarsus und im
Carpus verwachsen einige Knochen miteinander, und ebenso die beiden
mittleren Metapodien unter weitgehender Reduction der äusseren Zehen,
die ganz fehlen können; die Reduction ist stets adaptiv (Fig. 979).
Orbitalrand vollständig. Höchst bemerkenswerth für Wiederkäuer ist
das Auftreten von paarigen Hörnern oder Geweihen auf den Stirnbeinen,
entweder nur beim Männchen oder bei beiden Geschlechtern. (Fehlen
Hörner, so sind oft die oberen C hauerartig verlängert.) Bei den
Hörnern bilden die Stirnbeine lange zapfenartige Auswüchse (Fig. 1027,
Hornzapfen), und das dieselben bedeckende verhornte Hautgewebe wird
zur Hornscheide; solche Hörner enden stets mit einer einzigen Spitze
und werden nie abgeworfen (excl. Antilocapra). Davon zu unterscheiden
sind die Geweihe (Fig. 1018-1021); hier bilden die Stirnbeine meist nur
verhältnissmässig kurze Auswüchse (Rosenstock); darauf erheben sich
die eigentlichen Geweihe, Hautverknöcherungen, die mehr oder weniger
reich verzweigt sein können, jährlich abgeworfen werden und wieder neu
über dem permanenten Rosenstock gebildet werden, mit welchem sie durch
Synostose verbunden sind. Geweihe sind wenigstens bei ihrer Entstehung
von Haut und Haaren bedeckt. Hörner, bez. Geweihe treten erst seit dem
Obermiocän auf.
In den Stirnbeinen entstehen häufig mehr oder weniger umfangreiche
Stirnhöhlen, die die äussere Gestalt des Schädels oft ausserordentlich
beeinflussen; diese Stirnhöhlen können sich in die Hornzapfen
fortsetzen und selbst mit Höhlen in den Geweihen in Verbindung treten.
Wiederkäuer erscheinen zuerst im Oligocän.
Zu den Wiederkäuern müssen auch noch eine Anzahl von Formen gerechnet
werden, die sich näher an die übrigen Artiodactyla anschliessen,
indem sie noch mehr oder weniger alterthümliche Merkmale zeigen, z.
B. unvollständigen Orbitalrand, obere Schneidezähne, lückenloses
Gebiss, keine Verwachsung und Reduction der Fussknochen, keine Hörner
oder Geweihe. Sie stellen zum Theil die Stammformen der höheren
Wiederkäuer dar, zum Theil sind es wiederkäuerartig ausgebildete Formen
anderer Abstammung; als solche sind jedenfalls die beiden Familien zu
betrachten, welche in Nordamerika entstanden sind, die Oreodontidae und
Camelidae.
Die Tragulidae sind in der alten Welt entstanden und nur spärlich
in Nordamerika vertreten; von ihnen dürften die gehörnten und
geweihtragenden echten Wiederkäuer abstammen, die sicher ebenfalls
altweltlichen Ursprunges sind, wenn auch die Cervidae heutigen Tages
zahlreich in Amerika vorkommen; die Bovidae dagegen, die höchste
Entwickelungsstufe der Artiodactyla, welche ihre höchste Blüthezeit
noch kaum hinter sich haben, sind seit jeher fast ganz auf die alte
Welt beschränkt und sandten nur ganz vereinzelte Vertreter nach
Nordamerika.
8. Fam. Oreodontidae.
Diese Familie enthält eine Gruppe wiederkäuerähnlicher Geschöpfe, die
auf das Oligocän und Miocän (selten im Loup Fork) von Nordamerika
beschränkt sind (vielleicht auch in Europa und Indien vorkommend),
durch ihre überaus reiche Entwickelung aber zu einer der wichtigsten
Säugethiergruppen des mittleren Tertiär in jenem Erdtheil gehören.
Abgesehen von der Bildung ihrer M besitzen sie übrigens wenige
Wiederkäuermerkmale.
Obere J sind vorhanden, aber der untere C ist schneidezahnähnlich,
und der P₁ hat oft die Gestalt eines Eckzahnes; das Gebiss ist
meist lückenlos wie das der Anoplotheriidae; Fussknochen sind nicht
verwachsen, auch Radius und Ulna, sowie Tibia und Fibula bleiben
getrennt. Im Carpus wird das Lunare nicht vom Magnum getragen. Es sind
vier, vorn mitunter selbst noch alle fünf Zehen wohlentwickelt.
Vorläufer der Oreodontidae mit fünfhöckerigen oberen Molaren
(Protoreodon Scott and Osborne, ein Xiphodontide?) sind bereits in
der Uintaperiode gefunden. Die ursprünglichsten Formen der Familie
sind Oreodon und Agriochoerus im White River-Oligocän; die meisten
übrigen Gattungen bilden eine zusammenhängende Entwickelungsreihe,
die von Oreodon ihren Ausgang nimmt: Eucrotaphus entsteht daraus,
indem die Bullae osseae aufgebläht werden; bei Merycochoerus sind die
Intermaxillaria mit einander verwachsen; bei Merychyus sind kleine
Gesichtslücken vorhanden, die bei Leptauchenia bereits sehr bedeutend
sind, unter gleichzeitiger Verkümmerung der Nasenbeine; bei Cyclopidius
fehlen aber mehrere J, und bei Pithecistes auch ein unterer P.
[Illustration: Fig. 1011. Oreodon Culbertsoni Leidy. White
River-Oligocän von Nebraska. Schädel von der Seite. ang =
Unterkieferwinkel; co = Condyli occipitales; f = Frontale; im =
Intermaxillare; j = Jugale; l = Lacrymale (mit Thränengrube); mx =
Maxillare; n = Nasale; o = Ohröffnung; o.l = Exoccipitalia; os =
Supraoccipitale; pa = Parietale; pm = Processus paramastoidens; t =
Temporale mit dem Processus zygomaticus (E); i = Schneidezähne; c =
Eckzähne; p = Prämolaren; m = Molaren.]
Agriochoerus Leidy. Orbitalrand hinten offen; der P₄ oben mit zwei
äusseren Halbmonden, unten den M ähnlich. White River- und John
Day-Epoche.
A. antiquus Leidy. White River-Oligocän von Nebraska und Dakota.
A. Guyoti Cope. John Day-Miocän von Oregon.
(Dichodon cuspidatus Owen gehört vielleicht in die Nähe von
Agriochoerus. Unteroligocän von Europa.)
Oreodon Leidy (Fig. 1011). Orbitalrand vollständig; Bezahnung
vollzählig, lückenlos; der obere P₄ mit einem äusseren und einem
inneren Halbmond, der untere P₁ eckzahnartig; 5/4 Zehen. White
River-Oligocän.
O. gracilis Leidy, O. Culbertsoni Leidy (Fig. 1011), O. minor Cope.
Häufig im White River-Oligocän von Dakota, Nebraska, Colorado und
Wyoming.
Eucrotaphus Leidy. 4/4 Zehen. White River- und John Day-Epoche.
E. Jacksoni Leidy. White River- und John Day-Epoche.
E. pacificus Cope. John Day-Miocän von Oregon.
Merycochoerus Leidy. White River- bis Loup Fork-Epoche. Hierher
gehören die grössten Arten der Familie.
M. superbus Leidy, M. macrostegus Cope. John Day-Epoche von Oregon.
M. montanus Cope. Ticholeptus-beds von Montana.
Merychyus Leidy (= Ticholeptus Cope), mit einer Lücke zwischen
Thränen-, Oberkiefer- und Nasenbein. Ticholeptus-beds.
M. arenarum Cope. Wyoming.
Cyclopidius Cope, mit auffallend grossen Gesichtslücken. 0/2
Schneidezähne. Ticholeptus-beds. Wahrscheinlich Wasserthiere.
C. simus Cope. Zahlreich in Montana.
C. emydinus Cope. Ticholeptus-beds von Oregon.
9. Fam. Camelidae.
Auch die Camelidae bilden eine Familie von Wiederkäuern, deren
Entstehung und Hauptentwickelung in Nordamerika stattfand. Besonders
im jüngeren Tertiär sind sie daselbst sehr zahlreich und höchst
charakteristisch, und liefern mit den Equidae die bezeichnendsten
Formen zur Unterscheidung der einzelnen geologischen Epochen. Ihre
ältesten Vertreter, den Tragulidae sehr nahe stehend, finden sich
im Oligocän; sie verschwinden in Nordamerika mit dem Beginn der
Diluvialzeit. Im jüngeren Pliocän scheinen sie nach Südamerika und
Asien gewandert zu sein, wo sie noch gegenwärtig leben.
Sie sind ausgezeichnet unter den Wiederkäuern durch das Fehlen des
Foramen transversarium an den Halswirbeln. Ihre Carpalia und Tarsalia
verschmelzen nie, dagegen verschmelzen die beiden mittleren Metapodien
bei ihnen sehr bald, indess die Seitenzehen gänzlich verschwinden.
Der mediane Kiel an dem distalen Metapodialgelenke fehlt an der
Vorderseite. Im Gebiss bleibt wenigstens ein oberer J stets erhalten
und die P zeigen eine weitergehende Reduction als bei irgend einer
anderen Familie der Artiodactyla. Die M zeigen stets eine niedrige
Krone mit langen Wurzeln. Sie stammen wohl direct von Pantolestes
ab. Die Entwickelung der Familie ist aus folgender Uebersicht der
wichtigsten Gattungen zu entnehmen:
A. Aeussere Metapodien rudimentär; Gebiss mit 44 Zähnen.
a. Metapodien getrennt; Ulna und Radius getrennt.
Leptotragulus.
b. Metapodien getrennt. Ulna und Radius verschmolzen.
1. Oberer P₁ zweiwurzelig, gross.
Poëbrotherium.
2. Oberer P₁ einwurzelig, klein.
Gomphotherium.
c. Metapodien verschmolzen. J₃, C, P fangzahnähnlich.
Protolabis.
B. Aeussere Metapodien fehlend, mittlere verschmolzen; nur ein oberer J
(J₃). Oben J, C, meist auch der vorderste P isolirt, fangzahnartig.
a. Oben und unten vier P.
Procamelus.
b. Oben vier, unten drei P.
Pliauchenia.
c. Oben drei, unten zwei P.
1. Unterer P₄ besteht aus zwei Halbmonden.
Palauchenia.
2. Unterer P₄ mit zwei Halbmonden und zwei hinteren Höckern.
Protauchenia.
3. Unterer P₄ dreieckig.
Camelus.
d. Oben zwei, unten ein bis zwei P; unterer P₄ dreieckig.
Auchenia.
e. Oben und unten nur noch ein P.
1. Oberer P₄ besteht aus zwei Halbmonden.
Holomeniscus.
2. Oberer P₄ kegelförmig.
Eschatius.
Zeitliche und örtliche Verbreitung der Camelidae.
+----------------------------+---------+---------------+--------------+
| | Asien | Nordamerika | Südamerika |
+============================+=========+===============+==============+
| Recent und Diluvium | Camelus | | Auchenia |
+----------------------------+---------+---------------+--------------+
| | | | Auchenia |
| Oberes Pliocän: Equus-beds | Camelus | Eschatius | Protauchenia |
| | | Holomeniscus | Palauchenia |
+----------------------------+---------+---------------+--------------+
| | | Pliauchenia | |
| Unteres Pliocän: Loup-Fork | | Procamelus | |
| | | Protolabis | |
+----------------------------+---------+---------------+--------------+
| Ticholeptus-Miocän | | Protolabis | |
+----------------------------+---------+---------------+--------------+
| John-Day-Miocän | | Gomphotherium | |
| | | | |
| White River-Oligocän | | Poëbrotherium | |
| | | | |
| Uinta-beds | | Leptotragulus | |
+----------------------------+---------+---------------+--------------+
| Wasatch- u. Bridger-Eocän | | Pantolestes | |
+----------------------------+---------+---------------+--------------+
Leptotragulus proavus Scott u. Osborn. Den Tragulidae ähnlich. Utah.
Poëbrotherium Vilsoni Leidy. Gazellenähnlich. Nebraska, Dakota.
Protolabis transmontanus Cope (Fig. 1012). Oregon. Damhirschgrösse.
Procamelus occidentalis Leidy. Hirschgrösse. Neu-Mexico bis Dakota.
P. robustus Leidy. Kameelgrösse. Kansas, Colorado.
Holomeniscus Vitakeri Cope. Lamagrösse. Oregon.
H. hesternus Leidy. Kameelgrösse. Oregon, Californien, Mexico.
Palauchenia Weddelli Gerv. Pampasformation. Argentinien.
Protauchenia Reissi Branco. Pampasformation. Ecuador.
Auchenia III. Obere Pampasformation und recent in Südamerika.
A. intermedia Gerv. Pampasformation von Argentinien.
Camelus L. Siwaliks von Indien und wild lebend in Centralasien.
C. sivalensis Falc. and Cautl. Obere Siwaliks von Indien.
[Illustration: Fig. 1012. Protolabis transmontanus Cope.
Ticholeptus-Miocän von Oregon. Schädel.]
10. Fam. Tragulidae.
Zu den »Zwergmoschusthieren« gehören die ältesten echten Wiederkäuer
von Europa. Dieselben erscheinen bereits im Oligocän in einer Anzahl
von Gattungen; ihre primitivsten Formen stehen den primitivsten
Camelidae noch sehr nahe; vielleicht sind dieselben auf Dichobunidae
zurückzuführen. Bis zur Pliocänzeit finden sich einzelne Gattungen in
Europa, wie der noch in Westafrika lebende Hyaemoschus, während in den
Siwaliks von Indien der daselbst noch lebende Tragulus erscheint. Auch
in Nordamerika sind einzelne Gattungen aus dem White-River-Oligocän und
John Day-Miocän bekannt. Unter ihnen finden sich die Stammformen der
Cervidae und Bovidae.
[Illustration: Fig. 1013. Gelocus communis Aym. Oligocän von Ronzon. A
obere Backzähne. B untere Backzähne von aussen. C untere Backzähne von
der Kaufläche.]
[Illustration: Fig. 1014. Bachitherium curtum Filh. Phosphorite von
Quercy. Untere Backzähne. A = P₄ und M₁; B = D₄; w = Basalwarzen.]
Die M sind sehr niedrig, die oberen mit einem Basalwulst versehen
(Fig. 1015), die Halbmonde sehr dick und plump, der Schmelz rauh. Der
obere P₄ kann einen inneren Halbmond besitzen (Fig. 1013); die übrigen
P stellen meist nur sehr verlängerte Klingen dar, die oberen zeigen
höchstens einen unbedeutenden Basalwulst, die unteren ganz schwache
Innenfalten. Der obere C ist wenigstens beim Männchen hauerartig
verlängert. Obere J sind mitunter noch vorhanden. Am Carpus ist das
Magnum mit dem Trapezoid verwachsen, am Tarsus das Cuboid mit dem
Naviculare; Ulna und Radius, sowie die mittleren Metapodien sind
oft schon verschmolzen, die Aussenzehen meist vorhanden, aber sehr
reducirt, ihre Metapodien oft unvollständig. Es sind durchgehends
Thiere von geringer Grösse.
Leptomeryx Evansi Leidy. 4/2 Zehen; mittlere Metacarpalia getrennt,
Metatarsalia verschmolzen. White River-Oligocän. Nordamerika.
Gelocus Aym. (Fig. 1013 u. 1017 B). Mittlere Metatarsalia verschmolzen,
Metacarpalia frei, die seitlichen in der Mitte unterbrochen. Gebiss:
(2 · 1 · 3 · 3)/(3 · 1 · 4 · 3). Innenhöcker der unteren M noch sehr
plump, unterer P₁ stiftförmig. Dies ist eine der ältesten echten
Wiederkäuerformen. Oligocän von Europa.
G. communis Aym. (Fig. 1013, 1017 B) ist selten in den Phosphoriten
von Quercy, häufig im Kalk von Ronzon.
Bachitherium Filhol (Fig. 1014) ähnlich Gelocus, aber 3/3 P und
freie Metatarsalia.
B. curtum Filh. (Fig. 1014). Phosphorite von Quercy.
Prodremotherium Filh. (Fig. 1015) ist vermuthlich ein directer
Nachkomme von Gelocus und kann als Stammform der Cervidae und Bovidae
angesehen werden. Gebiss: (0 · 1 · 3 · 3)/(3 · 1 · 3 · 3); oberer P₃
mit innerem Basalwulst, der den inneren Halbmond andeutet, welcher
an diesem Zahn erst bei den echten Cervidae wohl entwickelt ist. Die
mittleren Metapodien sind verschmolzen, die seitlichen noch weiter
reducirt als bei Gelocus. Oligocän von Europa.
P. elongatum Filh. Phosphorite von Quercy.
[Illustration: Fig. 1015. Prodremotherium elongatum Filh. Phosphorite
von Quercy. Oberer Molar. w = Basalwulst. (⁴⁄₃)]
[Illustration: Fig. 1016. Hyaemoschus crassus Lart. Pliocän von
Heggbach. Untere Milchbackzähne und Molaren.]
Hyaemoschus Gray (= Dorcatherium Kaup, Fig. 1016, 1017 A, C). Mit
getrennten mittleren und vollständigen, aber sehr dünnen seitlichen
Metapodien. Gebiss (0 · 1 · 3 · 3)/(3 · 1 · 3-4 · 3). Die unteren M
zeigen an beiden vorderen Monden eine starke, von der Spitze nach
hinten verlaufende Leiste. In Europa vom Obermiocän bis zum unteren
Pliocän, lebend in Westafrika.
H. crassus Lartet (= Naui Kaup, Fig. 1016, 1017 C). Sansan,
Steinheim, Eppelsheim etc.
Tragulus Pallas ist sehr ähnlich, besitzt aber verwachsene mittlere
Metapodien. Gebiss (0 · 1 · 3 · 3)/(3 · 1 · 3 · 3). In den Siwaliks
und lebend in Indien.
T. sivalensis Lyd. Siwaliks vom Bramaputra.
[Illustration: Fig. 1017. A Hyaemoschus aquaticus. Recent. Linker
Vorderfuss. B Gelocus communis Aym. Linker Vorderfuss. C Hyaemoschus
crassus Lart. Linker Hinterfuss.]
11. Fam. Cervidae.
Die Hirsche bilden eine in der Gegenwart auf allen Continenten mit
Ausnahme von Australien (und Afrika) reich entwickelte Familie von
Wiederkäuern; es ist eine wesentlich altweltliche Gruppe, wenn sich
auch in Nord- und Südamerika eine Anzahl eigenthümlicher Formen
entwickelt haben.
[Illustration: Fig. 1018. Palaeomeryx furcatus Hens. Obermiocän von
Steinheim. Geweih eines erwachsenen Thieres. r = Rosenstock.]
[Illustration: Fig. 1019. Cervus Matheronis Gerv. Unterpliocän vom Mont
Lébéron. Geweih. r = Rosenstock.]
Die ältesten Arten aus dem untersten Miocän von Europa besitzen noch
keine Geweihe; dafür sind bei ihnen die oberen Eckzähne hauerartig
ausgebildet (Fig. 1022). Die ersten geweihtragenden Formen treten
erst im oberen Miocän auf; doch sind diese Geweihe im Miocän noch
sehr niedrig, dichotomisch (Fig. 1018) oder mit wenigen kurzen Zacken
versehen, und sitzen auf einem langen Rosenstock; auch ist es bei
vielen zweifelhaft, ob sie abgeworfen wurden; erst im unteren Pliocän
werden die Geweihe lang, auf kurzem Rosenstock, haben aber noch selten
mehr als drei Enden jederseits (Fig. 1019, Sechsender). Reicher
verzweigt werden sie erst im oberen Pliocän, und vom obersten Pliocän
an treten die überaus mächtigen, üppig (Fig. 1020) verzweigten, oft
schaufelartigen Geweihe auf (Fig. 1021 D), die auch eine Reihe der
modernen Hirschformen auszeichnen.
[Illustration: Fig. 1020. Cervus Sedgwicki Falc. Oberes Pliocän. Val
d’Arno. Schädel mit Geweih.]
[Illustration: Fig. 1021. Cervus dama L. Recent. Vier Stadien der
Geweihentwickelung. a = Augenspross.]
Aehnlich verläuft auch die ontogenetische Entwickelung der reicher
verzweigten Geweihe, die im ersten Jahre einfach, bei der Neubildung
im nächsten Jahre gablig sind und dann jedes Jahr nicht nur grösser
werden, sondern meist auch immer mehr Enden erhalten (Fig. 1021). Das
Geweih ist während seines Wachsthums von Haut und Haaren bedeckt; hat
es die endgültige Grösse erreicht, so vertrocknet die Haut und wird
vom Hirsche abgefegt. Bei einer sehr extremen Gruppe (Giraffinae)
treten aber kurze plumpe Geweihe auf (Fig. 1026), die nie abgeworfen
werden, mit breiter Basis ohne Rosenstock auf dem Stirnbein festsitzen
und stets (?) mit Haut und Haaren bedeckt sind. Meist trägt nur das
Männchen ein Geweih.
Mittlere Metapodien stets zu einem Canon verwachsen, während die
seitlichen Metapodien nur noch in ihrem oberen oder im unteren
zehentragenden Theile existiren (Fig. 979 C). Metapodien mit
vollständigem distalen Kiel. Gebiss (0 · 1(0) · 3 · 3)/(0 · 1 ·
3(4) · 3). Obere C meist vorhanden, beim Männchen zu langen Hauern
entwickelt, wenn kein Geweih vorhanden ist, rudimentär, wenn dasselbe
mächtig ist. Die M sind meist brachyodont, niemals ganz prismatisch,
obwohl manche Formen verhältnissmässig hohe Kronen besitzen; sie sind
knospenförmig, indem die Krone an der Basis am breitesten ist, selten
verschmelzen die Enden der inneren Halbmonde mit den äusseren; gern
treten Basalwärzchen auf; der Schmelz ist meist auffallend runzlig. Die
oberen P sind kurz und bestehen aus einem äusseren und einem inneren
Halbmonde (einem halben Molar ähnlich), die unteren bestehen aus einer
Aussenwand mit mehreren kräftigen Innenfalten (Fig. 1023). Der Schädel
ist langgestreckt, die Schädelachse gerade. Das Thränenbein ist grubig
vertieft, davor befindet sich eine Gesichtslücke.
Es lassen sich drei Unterfamilien unterscheiden:
1. Ohne Geweih, oder mit kurzem Geweih auf langem Rosenstock; Männchen
mit hauerartigen oberen C (Fig. 1018, 1022).
Cervulinae.
2. Auf kurzem Rosenstock ein langes Geweih, das jährlich abgeworfen wird
(Fig. 1019-1021). Obere C rudimentär oder fehlend.
Cervinae.
3. Auf breiter Basis aufsitzend ein kurzes, plumpes, oft zeitlebens von
Haut und Haaren bedecktes Geweih ohne Rosenstock, das nie abgeworfen
wird (Stirnhöcker, Fig. 1026).
Giraffinae.
a. Cervulinae.
Hierher gehören die ältesten Hirsche aus dem Miocän von Europa und
Nordamerika, die sich in manchen Punkten noch sehr nahe an die
Tragulidae anschliessen. In diese Gruppe gehören auch noch die in Asien
lebenden hornlosen Moschus und Hydropotes (Moschusthiere) sowie der
geweihtragende Cervulus (Muntjakhirsche).
[Illustration: Fig. 1022. Palaeomeryx Feignouxi Geoffr. Miocän von
Allier. Schädel. c = verlängerter Eckzahn.]
Palaeomeryx H. v. Meyer (= Dremotherium Geoffr., Dicrocerus Lartet,
Prox Hensel, Amphitragulus Pomel). Backzähne noch sehr niedrig, mit
dicken Monden, mit Basalwülsten, oft auch mit kleinen Basalwärzchen.
Der erste Aussenmond der unteren Molaren zeigt an seiner Rückseite
einen eigenthümlichen Wulst (Fig. 1023 C, w -- Palaeomeryx-Wülstchen).
Der obere P₂ zeigt oft noch einen unentwickelten inneren Halbmond.
Mitunter finden sich unten noch vier P. Einige Arten besitzen
schon ein ganz primitives Geweih, andere nicht. Von Tragulus- bis
Edelhirsch-Grösse. Miocän von Europa; Siwaliks von Indien. Die Gattung
kann als Stammform der übrigen Cervidae sowie der Bovidae gelten.
P. (Amphitragulus) elegans Pomel, geweihlos, unten mit vier P.
Untermiocän von Allier; Rehgrösse.
P. (Dremotherium) Feignouxi Geoffr. (Fig. 1022), ohne Geweih, unten
mit drei P; kleiner als der vorige. Untermiocän von Allier.
P. (Prox) furcatus Hens. (Fig. 1018, 1023), mit gabligem Geweih und
drei P. Rehgrösse. Miocän von Steinheim und Sansan.
P. (Micromeryx) Flourensi Lartet, unten mit vier P, mit Geweih; von
Tragulus-Grösse. Miocän von Weissenau, Steinheim und Sansan.
P. eminens H. v. M., fast von Elenthiergrösse,? mit Geweih. Miocän
von Süddeutschland und Schweiz.
Blastomeryx borealis Cope, scheint nahe verwandt mit Palaeomeryx.
Ticholeptus-beds. Montana.
Cosoryx necatus Leidy u. a., mit hoher Zahnkrone, ist ähnlich. Loup
Fork-beds. Nordamerika.
[Illustration: Fig. 1023. Palaeomeryx furcatus Hens. Miocän von
Steinheim. A obere Milchbackzähne. B obere Backzähne. C untere
Backzähne. w = Palaeomeryxwülstchen; w’ = Basalwarzen.]
b. Cervinae.
Hierher gehören die typischen Formen der Hirsche, die vereinzelt schon
im obersten Miocän, zahlreich erst seit dem Pliocän in der alten
Welt auftreten, erst mit Geweihen von wenig Enden, seit dem Ende der
Pliocänzeit auch mit mächtigen, reich verästelten Geweihen. Im oberen
Pliocän gelangen sie nach Nord- und Südamerika; daselbst sind sie
heute, wie auch in der alten Welt durch zahlreiche Arten vertreten; in
Afrika finden sie sich nur in den Mittelmeergegenden.
Cervus L. (Fig. 979 C, 1019-1021, 1024, 1025).
C. lunatus H. v. M. Obermiocän von Süddeutschland.
C. (Capreolus) Matheronis Gerv. (Fig. 1019) ist ein Sechsender,
einer der ältesten echten Hirsche, aus dem unteren Pliocän von
Frankreich; Geweih ohne Augenspross.
C. (Axis) Etueriarium Croiz. et Job., Sechsender, Geweih mit rundem
Querschnitt, mit Augenspross. Oberes Pliocän von Frankreich und
Italien.
C. elaphus L., Edelhirsch (Fig. 1024); Geweih reich verzweigt, von
rundem Querschnitt, mit Augenspross. Diluvial und recent in Europa.
C. (Eucladoceros) Sedgwicki Falc. (Fig. 1020). Das Geweih ist so
mächtig und reich verzweigt wie bei keinem anderen Hirsch. Ohne
Augenspross. Oberes Pliocän. England. Italien.
C. (Megaceros) giganteus Blum. (= hibernicus Owen.) Riesenhirsch;
Geweih schaufelförmig, mit Augenspross; ein mächtiges Thier aus dem
europäischen Diluvium, dessen Geweih 3 m spannen kann. Ganze Skelete
finden sich nicht selten in irischen Torfmooren. Nahe verwandt ist
C. (Dama) vulgaris L. (Fig. 1021). Südeuropa.
C. (Alces) palmatus Gray, Elenthier; Geweih schaufelförmig, ohne
Augenspross. Diluvial und lebend. Europa.
C. (Rangifer) tarandus L., Renthier; Geweih reich verzweigt, von
sehr ovalem Querschnitt, fast glatt, mit Augenspross; es ist die
einzige Art mit Geweihen bei beiden Geschlechtern; die noch im Norden
von Europa, Asien und Amerika lebende Art ist eine der häufigsten und
bezeichnendsten Formen des europäischen Diluviums; fand sich bis zu
den Alpen und Pyrenäen.
[Illustration: Fig. 1024. Cervus elaphus L. Recent. A unterer P₄. B
unterer M₁. (⁶⁄₇)]
[Illustration: Fig. 1025. Cervus elaphus L. Diluvium von Vögtlinshofen
(Oberelsass). Oberer Molar. w = Basalwarze.]
c. Giraffinae.
Diese merkwürdigen Cerviden finden sich im unteren Pliocän von Europa
und sind sehr reich vertreten in den Siwaliks von Indien; eine Art lebt
noch in Afrika. Es sind alles Thiere von bedeutender Grösse. Stets
treten sehr umfangreiche Stirnhöhlen auf.
Helladotherium Gaudry; ungehörnt.
H. Duvernoyi Gaudry et Lartet. Unteres Pliocän von Europa, Persien,
Indien.
Camelopardalis Gmel. Mit einfachen kurzen, von Haut bedeckten
Geweihen (Stirnhöcker). Pliocän von Europa und Indien, lebend in
Afrika.
C. attica Gaudry. Pliocän von Pikermi.
[Illustration: Fig. 1026. Sivatherium giganteum Falc. and Cautl.
Siwaliks von Indien. Schädel.]
Sivatherium Falc. and Cautley (Fig. 1026), mit zwei Paaren von
Stirnhöckern, deren Basis getrennt ist; vorderes Paar kegelförmig,
kurz, hinteres gross, verzweigt und schaufelförmig. Siwaliks von Indien.
S. giganteum Falc. and Cautley (Fig. 1026) ist eines der
eigenartigsten Thiere aus den Siwaliks von Indien. Von
Elenthiergrösse.
Bramatherium perimense Falc. u. Cautl.; ähnlich, aber vordere
Stirnhöcker gross, von gemeinsamer Basis entspringend. Siwaliks von
Indien.
12. Fam. Bovidae.
In den Bovidae erreicht die Ordnung der Artiodactyla ihre höchste
Entwickelung. In fast allen Punkten können sie eine extremere
Ausbildung erreichen als die primitiver gebliebenen Cervidae.
Ihre Zahnformel ist (0 · 0 · 3 · 3)/(3 · 1 · 3 · 3). Die Backzähne
sind zwar oft noch brachyodont, werden aber in vielen Gruppen
ausgezeichnet säulenförmig. Ihre Krone ist an der Basis meist nicht
breiter als oben, die Oberfläche des Schmelzes ist gewöhnlich glatt;
Basalwärzchen zeigen sich nur noch selten. Die Halbmonde zeigen
Neigung mit ihren Enden zu verschmelzen. An den oberen P ist stets
ein äusserer und ein innerer Halbmond wohl entwickelt, an den unteren
sehr kräftige Innenfalten. Obere C sind nur ganz ausnahmsweise noch
in rudimentärem Zustande vorhanden. Thränengruben und Gesichtslücken
kommen am Schädel manchmal vor. Stets sind die Männchen mit Hörnern
versehen, meist auch die Weibchen. Die Hornzapfen sind fast stets
einfach, oft hohl und stehen dann mit Stirnhöhlen in Verbindung, die
mitunter eine sehr grosse Ausdehnung haben. Während ursprünglich die
Hörner sehr nahe bei einander, in nächster Nähe der Augenhöhlen, fast
parallel zu einander, aufrecht auf dem Schädeldach stehen, können sie
immer weiter nach hinten und weiter aus einander rücken, bis sie bei
den extremsten Formen (Fig. 1030) weit entfernt von der Mittellinie
sowie von den Augen entspringen, und in fast wagerechter Richtung
aus einander streben. Im Zusammenhange damit vergrössern sich die
Frontalia in ganz ausserordentlichem Masse auf Kosten der Parietalia
und können Dimensionen annehmen, wie sie nicht entfernt in irgend einer
anderen Säugethiergruppe erreicht werden. Die mittleren Metapodien
sind stets verschmolzen, von den äusseren Zehen sind nur selten noch
Rudimente vorhanden. Die ältesten Bovidae sind Antilopen, die sich im
oberen Miocän von Europa und Indien finden. Im unteren Pliocän von
Südeuropa und Indien sind Bovidae sehr reich entwickelt und haben in
der Gegenwart wohl ihre höchste Blüthe erreicht, was Mannigfaltigkeit
der Formen, Zahl der Arten und Individuen, sowie Körpergrösse betrifft.
Weitaus die Mehrzahl der lebenden Hufthiere gehört hierher. Es ist
eine durchaus altweltliche Gruppe, die erst in jüngster Zeit in
ganz vereinzelten Arten nach Nordamerika gelangte, während sie bis
Südamerika niemals kamen.
Unter der ausserordentlichen Fülle mannigfacher Bovidenformen lassen
sich eine Anzahl von natürlichen Gruppen aufstellen, die aber
keineswegs sehr scharf von einander geschieden werden können, sondern
durch mancherlei Uebergangsformen z. Th. aufs innigste mit einander
verknüpft sind. Sie sind hauptsächlich zu unterscheiden durch die
Ausbildung der Frontalia, sowie durch den Bau, die Gestalt und Stellung
der Hornzapfen.
I. Hörner schlank, meist wenig divergirend, steil auf dem Schädeldach
stehend, meist von rundlichem Querschnitt.
Antilopen.
A. Kleine Stirnhöhlen; Hornzapfen dicht, auf dem Orbitalrande
stehend.
a. Hornzapfen nicht spiralig gedreht.
1. Gazellinae.
b. Hornzapfen spiralig gedreht, mit einer Kante.
2. Strepsicerinae.
B. Grosse Stirnhöhlen; Hornzapfen hohl.
a. Hörner von mässiger Grösse, entspringen nahe bei einander,
zwischen oder dicht hinter den Augen.
3. Traginae.
b. Hörner lang, entspringen meist nahe bei einander, dicht hinter
den Augen.
4. Orycinae.
c. Hörner klein, drehrund, weit von einander entfernt, entspringen
mehr oder weniger weit hinter den Augen.
5. Cephalophinae.
II. Hörner (beim ♂) kräftig, oft sehr dick, entspringen nahe der
Mittellinie dicht hinter den Augen, mit kantigen Hornzapfen. Die
grossen Stirnhöhlen setzen sich in die Hornzapfen fort.
Ziegen und Schafe.
a. Hörner steil stehend, meist wenig divergirend, in der
Sagittalebene stark abgeplattet, mit vorderer Kante.
6. Caprinae.
b. Hörner mehr oder weniger stark nach aussen geneigt; Hornzapfen
dreikantig, oft stark abwärts gebogen.
7. Ovinae.
III. Hörner meist kräftig, entspringen weit von einander an den Seiten
der Stirn, hinter den Augen, nach rückwärts oder auswärts
gerichtet, ihre Längsrichtung erhebt sich selten über die
Stirnbeine. Die sehr grossen Stirnhöhlen setzen sich in die
Hornzapfen fort.
Rinder.
a. Stirn stark gewölbt, niedrig und schmal; Hörner und Hornzapfen
mit flachen Seiten, etwas kantig.
8. Bubalinae.
b. Stirn ziemlich flach oder concav, meist sehr breit oder sehr
hoch; Hörner meist mit rundem Querschnitt.
9. Bovinae.
Die gegenseitigen Beziehungen dieser Gruppen zu einander dürften sich
folgendermassen verhalten:
Strepsicerinae
|
{Gazellinae
{-{ | {Caprinae--Ovinae--Ovibos
Palaeomeryx { {Traginae---{
{ | {
{ Orycinae {Cephalophinae {Bubalinae
{ | {
{Antilocapra Portax { {Bison
{Leptobos -- Bibos{
{Bos
1. Antilopen (Antilopinae).
Die Hörner der Antilopen sind stets sehr schlank, stehen mehr oder
weniger steil auf dem Schädeldach und divergiren gewöhnlich wenig von
einander. Die Parietalzone ist hier noch meist von bedeutender Grösse,
die Frontalzone am kleinsten unter den Bovidae.
a. Gazellinae.
Frontalzone sehr kurz, ohne Stirnhöhlen; Hornzapfen dicht, auf
dem Orbitaldach sitzend, oft von ovalem Querschnitt; Zähne meist
säulenförmig und scharfkantig. Gazellen sind in der Gegenwart reich
vertreten in den Ebenen von Afrika und Asien. Fossil finden sie sich im
Pliocän von Europa und Indien.
Gazella brevicornis Gaudry (Fig. 1027 u. Fig. 983) aus dem unteren
Pliocän von Pikermi und Wien.
G. deperdita Gerv. aus dem unteren Pliocän von Pikermi, Italien und
Frankreich.
Saiga tatarica Forst. ist eine Steppenform von Centralasien und
Osteuropa, die im Diluvium bis Frankreich verbreitet ist.
In die Nähe dieser Gruppe gehört die merkwürdige lebende Antilocapra
von Nordamerika, deren gegabelte Hörner eine abwerfbare Hornscheide
tragen. Stammt wohl von Cosoryx.
[Illustration: Fig. 1027. Gazella brevicornis Gaudry. Pliocän von
Pikermi. Schädel.]
b. Strepsicerinae.
Frontalzone ist sehr kurz, ohne Stirnhöhlen; Hornzapfen dicht, zum
Theil auf dem Orbitaldach sitzend, spiralig gedreht und mit einer Kante
versehen; Gebiss sehr brachyodont, hirschähnlich. Diese heute ganz
auf Afrika beschränkte Gruppe, zu der die grössten Antilopen gehören,
findet sich im Pliocän auch in Südeuropa und in Indien.
Palaeoreas Lindermayeri Gaudry. Pliocän von Pikermi und Mt. Lébéron.
c. Traginae.
Frontalregion kurz, mit grossen Stirnhöhlen, die sich in die drehrunden
kurzen Hornzapfen fortsetzen; dieselben stehen nahe bei einander und
nahe der Augenhöhle. Molaren klein, aber oft säulenförmig. Die Gemsen
sind Antilopen von massiger Grösse, in der Gegenwart auf die hohen
Gebirge von Europa, Asien und Nordamerika beschränkt. Die ältesten
Antilopen aus dem Miocän von Sansan sind brachyodont, dürften aber
hierher gehören.
Antilope clavata und sansaniensis Lartet. Miocän von Sansan.
d. Orycinae.
Dieselben unterscheiden sich von der vorigen Gruppe eigentlich nur
durch ihre bedeutende Körpergrösse und ihre umfangreichen, fast stets
prismatischen Zähne, die oft auffallend denen der Bovinae ähneln;
sie haben das höchst entwickelte Gebiss unter den Antilopen. Es sind
durchgehends grosse Thiere mit meist langen Hörnern, die heute ganz auf
die Ebenen Afrikas beschränkt sind. Fossil finden sie sich im Pliocän
von Europa und Indien.
Tragoceros amaltheus Gaudry (Fig. 979 D). Pliocän von Pikermi, Wien
und Mt. Lébéron.
Palaeoryx Pallasi Gaudry. Pliocän von Pikermi.
Alcelaphus palaeindicus Falc. Siwaliks von Indien.
e. Cephalophinae.
Die Frontalzone ist hier am grössten unter den Antilopen, mit
Stirnhöhlen, die sich in die kleinen aufrechten Hornzapfen fortsetzen;
dieselben stehen oft ziemlich weit hinter den Augenhöhlen. Molaren mit
niedriger Krone. Hierher gehören zahlreiche kleine lebende Arten aus
den afrikanischen Ebenen; nur wenige von bedeutenderer Grösse leben in
Indien. Die grösste noch in Indien lebende Gattung
Portax H. Smith kann als Stammform der Rinder angesehen werden. Sie
findet sich fossil in den Siwaliks und Narbadda von Indien.
P. namadicus Rütim. Narbadda von Indien.
2. Ziegen und Schafe (Ovinae).
Dieselben sind ausgezeichnet durch die starke Knickung der Schädelaxe,
sowie der Parietalregion, die zu Gunsten der Frontalregion schon sehr
stark verkürzt ist. Die Stirnhöhlen sind gross und setzen sich in die
Hornzapfen fort. Hörner gross, oft ausserordentlich dick, unmittelbar
hinter den Augenhöhlen und meist nahe bei einander entspringend.
Die Backzähne haben eine kleine Kaufläche, sind aber ausgezeichnet
säulenförmig, am meisten unter allen Wiederkäuern, und mit scharfen
Kanten versehen.
f. Caprinae.
Hörner in der Sagittalrichtung abgeplattet, mit vorderer Kante, wenig
divergirend. Es sind Gebirgsbewohner der alten Welt, wo sie auch
diluvial vorkommen; spärliche Reste sind aus den Siwaliks von Indien
bekannt.
g. Ovinae (s. s.).
Bei den Schafen sind die Hörner meist dreikantig und stark divergirend;
sie erreichen hier ihre grösste Mächtigkeit unter den Bovidae. Schafe
leben in den Gebirgen von Europa und Asien, zwei Arten auch in
Nordamerika. Fossil ist wenig von ihnen bekannt, nur die extremste
stark an Rinder erinnernde Form
Ovibos moschatus, der Moschusochse, welcher jetzt noch den hohen
Norden von Nordamerika bewohnt, lebte zur Diluvialzeit auch in Europa.
3. Rinder (Bovinae).
Im Gegensatze zu den meisten der bisher behandelten Bovidae sind Rinder
in grosser Zahl fossil vertreten, so dass wir mehr fossile als lebende
Arten kennen; weitaus der grösste Theil derselben stammt aus Indien, wo
sie zahlreich schon in den oberen Siwaliks lebten. Dort ist überhaupt
der Entwickelungsherd für diese ganze Gruppe zu suchen; dort kommt auch
die muthmassliche Stammform des Rindes, Portax, fossil und noch lebend
vor. Europa liefert ebenfalls bereits Formen pliocänen Alters, auch
nach Nordamerika gelangt eine Gattung im ? Pliocän.
[Illustration: Fig. 1028. Bos primigenius Boj. Diluvium von
Vögtlinshofen (Oberelsass). A oberer Molar. B unterer Molar. w =
accessorische Pfeiler, aus Basalwarzen entstanden.]
Die Rinder stellen die Gipfelformen dar in der Entwickelung der
Wiederkäuerreihe; bei ihnen wird das Maximum an Körpergrösse erreicht.
Das Gebiss zeigt die höchste Entwickelung; sind die Zahnsäulen bei
Schafen auch höher, so sind die Rinderzähne sehr viel voluminöser,
es treten accessorische Pfeiler an den oberen und unteren Molaren
auf (Fig. 1028 w), und der Schmelz ist oft gefältelt. Das Stirnbein
erreicht bei ihnen seine grösste Ausdehnung, nicht nur unter den
Wiederkäuern, sondern unter Säugethieren überhaupt, sowohl in der
Breiten- als in der Längsrichtung (Fig. 1029, 1030); es überdacht
die Schläfenhöhle und zuletzt auch das Hinterhaupt; das Parietale
wird allmählich von der Stirnregion auf die Hinterhauptsregion
zurückgedrängt. Die Hörner stehen vollkommen seitlich, extracranial,
meist weit hinter den Augenhöhlen, nach hinten oder aussen gerichtet,
ihre Längsrichtung fällt meist mit der Stirnebene zusammen; sie sind
oft sehr mächtig, cylindrisch, platt oder dreieckig.
h. Bubalinae.
Die Stirnzone ist noch verhältnissmässig klein, stark gewölbt; die
Scheitelbeine bilden noch einen Theil der Stirn. Der Hornansatz ist
der Mittellinie noch ziemlich nahe; die Hörner und Hornzapfen sind
meist dreikantig, stets mit flachen Seiten und erheben sich mitunter
noch etwas über die Stirnebene. Dies sind alles für Rinder noch wenig
fortgeschrittene Merkmale.
Büffel leben noch wild in Indien und Afrika; der älteste Vertreter
ist Buffelus sivalensis Rütim. aus den Siwaliks von Indien, dem der
riesige B. palaeindicus Falc. aus dem indischen und südeuropäischen
Diluvium folgte, von welchem der nordeuropäische diluviale B. Pallasi
Rütim. (bei Danzig) nur eine Localform darstellt. Als deren directe
Nachkommen sind die indischen Büffel zu betrachten. Auch der Anoa von
Celebes (Probubalus depressicornis H. Smith) war in den Siwaliks schon
vertreten durch Probubalus occipitalis Falc. und andere Arten.
i. Bovinae (s. s.).
Hierher gehören die extremeren Formen. Die wichtigeren, von einander
abzuleitenden Gattungen sind die folgenden (vergl. Tabelle p. 809):
1. Stirn verhältnissmässig niedrig und schmal; Hörner nach rückwärts
gerichtet.
Leptobos.
2. Stirn lang, dreieckig, oft concav; Hörner oft noch nach rückwärts
gerichtet.
Bibos.
3. Stirn ein wenig gewölbt, sehr breit, aber nicht sehr lang; Hörner
ganz nach auswärts gerichtet, nicht sehr weit hinter den Augen (Fig.
1029).
Bison.
4. Stirn ganz flach, sehr lang und sehr breit; Hörner ganz nach auswärts
gerichtet, sehr weit hinter den Augen (Fig. 1030).
Bos.
Leptobos Rütim. schliesst sich direct an Portax an.
L. Falconeri Rütim. Siwaliks von Indien.
L. Strozzi Rütim. Hornlos. Oberpliocän von Italien (Val d’Arno).
L. Fraseri Rütim. Diluvium von Indien.
Bibos Hodgs. ist von Leptobos abzuleiten.
B. elatus Pom. (= etruscus Falc.) Oberpliocän von Frankreich und
Italien (Val d’Arno).
B. palaeogaurus Rütim. Diluvium von Indien. An denselben schliessen
sich die verschiedenen in Indien noch lebenden Bibos-Arten an,
darunter die Stammformen des zahmen Zebu.
Bison Smith (Fig. 1029).
B. sivalensis Falc. Siwaliks von Indien.
B. ferox Marsh. Pliocän von Nordamerika.
B. priscus Boj. (Fig. 1029). Postpliocän von Europa, Asien und
Nordamerika.
B. europaeus Ow. Der Wisent, lebend und subfossil in Europa.
B. americanus Gm. Lebend in Nordamerika.
Bos L. (Fig. 1028, 1030). Das Parietale ist ganz von der Stirnregion
verdrängt.
B. planifrons Lyd. Siwaliks von Indien.
B. namadicus Falc. Postpliocän von Indien.
B. primigenius Boj. (Fig. 1028 u. 1030). Der Ur oder Auerochs.
Diluvial und subfossil in Europa; ist die Stammform der zahlreichen
Rassen des europäischen Hausrindes (B. taurus L.).
[Illustration: Fig. 1029. Bison priscus Boj. Diluvium. Schädel.]
[Illustration: Fig. 1030. Bos primigenius Boj. Diluvium von Athol,
Perthshire. Schädel. (¹⁄₃₀)]
Geologische Verbreitung der Mammalia.
In der oberen Trias sind, ganz vereinzelt, in Europa, Südafrika und
Nordamerika die ältesten Reste von Säugethieren gefunden worden; unter
diesen finden sich die primitivsten der bekannten Säugethiere, die
Dromatheriidae, mit monophyodontem Gebiss und Backzähnen, die nur
eine Hauptspitze und eine nur unvollkommen getheilte Wurzel besitzen,
also Formen, welche sich den Pelycosauria in dieser Beziehung noch
nahe anschliessen. In grösserer Anzahl finden sich sodann Säuger im
Dogger und Malm von England, sowie im oberen Jura und in der obersten
(Laramie-)Kreide der Felsengebirge von Nordamerika.
Diese mesozoischen Säuger lassen sich in zwei Ordnungen trennen, deren
eine, Multituberculata, wesentlich die Pflanzenfresser, die andere,
Pantotheria, die Fleisch- und Insektenfresser umfasst. Es waren
durchgehends kleine Geschöpfe, die höchstens Kaninchengrösse erreicht
haben. Ihr Bau ist viel zu wenig bekannt, als dass sich über ihre
systematische Stellung ein sicheres Urtheil abgeben liesse; nur so viel
lässt sich aussagen, dass ihrem Gebiss nach die Pantotheria eine sehr
primitive Stufe unter den Säugethieren einnehmen und die Stammformen
sowohl der Marsupialia als der Placentalia enthalten dürften, von
welchen Gruppen sie bei Beginn der Tertiärzeit nicht mehr zu trennen
sind. Die Multituberculata dagegen stellen einen stark specialisirten,
wahrscheinlich nicht weiter entwickelungsfähigen Typus dar, der
schon im unteren Eocän erlischt. Die Hauptentwickelung der Säuger
fällt in die känozoische Periode; gleich zu Beginn der Tertiärzeit,
unmittelbar nach dem Aussterben der letzten Dinosauria, treten Säuger
in beträchtlicher Artenzahl auf (Puerco-Epoche) und spielen von da
an bis zur Gegenwart die hervorragendste Rolle unter den Thieren des
festen Landes, sowohl was Körpergrösse als was Formenmannigfaltigkeit
anbetrifft. Säugethiere sind die wichtigsten Leitfossilien für
sämmtliche continentale Ablagerungen der Tertiärzeit.
Mit Ausnahme der nur noch im unteren Eocän vorkommenden
Multituberculata und einer ganz verschwindenden Anzahl kleiner
Marsupialia gehören sämmtliche ausserhalb Australiens gefundenen
känozoischen Säugethiere zu den Placentalia. Die Differenzirung ist
unter denselben im unteren Eocän noch ausserordentlich gering; es
lassen sich wohl die vier Gruppen der Landplacentalia, die Sarcotheria,
Aganodontia, Primates, Ungulata bereits erkennen, jede vertreten
durch ihre primitivsten Ordnungen, nämlich Insectivora und Creodonta,
Tillodontia, Prosimiae, Condylarthra; doch stehen deren damalige
Vertreter einander so nahe, dass eine scharfe Trennung dieser Gruppen
noch kaum möglich ist. Eine grosse Anzahl primitiver Merkmale vereinigt
diese sämmtlichen Placentalia des unteren Eocän noch innig mit einander:
Hirn winzig, reptilienartig; Schädel mit Sagittalkamm; Schwanz
sehr lang; Beine kurz; Füsse plantigrad, fünfzehig; Astragalus
articulirt distal nur mit Naviculare und besitzt ein einfach gewölbtes
Tibialgelenk; Radius und Tibia wohlentwickelt, frei; Humerus mit
Foramen; Femur mit drittem Trochanter; Gebiss vollständig, ohne
grössere Lücken; Molaren brachyodont, und mit Ausnahme von je einer
Gattung auch trigonodont und bunodont; Prämolaren einfacher als
Molaren, meist einhöckerig etc.
In den folgenden Tertiärepochen aber verändert sich das Aussehen
der Säugethierfaunen sehr bedeutend, und je jüngere Perioden der
Tertiärzeit erreicht werden, um so mehr verlieren die Säugethierfaunen
diesen einheitlichen und primitiven Charakter, der ihnen noch
während des unteren Eocän anhaftet. Schon im mittleren und oberen
Eocän entwickeln sich mehr und mehr Formen mit lophodonten und
tetragonodonten Molaren, sowie mit digitigraden Füssen, im Obereocän
Ungulata mit rudimentären Schneide- oder Eckzähnen. Aber erst nach der
Eocänzeit treten Formen auf mit gefurchtem Grosshirn, oder mit weniger
als 3/3 Zehen, oder mit tetragonodonten oberen Prämolaren. Erst im
Unteroligocän finden sich Sarcotheria mit verschmolzenem Scaphoid und
Lunare (Carnivora), erst im Oberoligocän Formen mit verschmolzenen
Metapodien (Gelocus); erst im Obermiocän erscheinen gehörnte
Artiodactyla, und erst im Pliocän Ungulata mit ganz säulenförmigen
Backzähnen.
Dabei nimmt die Mannigfaltigkeit der Formen immer mehr zu, und die
einzelnen Gruppen sondern sich immer schärfer von einander ab und
trennen sich von Epoche zu Epoche immer deutlicher in wohlbegrenzte
Ordnungen, Familien u. s. w.
Den grossen Continentalmassen der Erde entsprechend lassen sich bisher
vier Regionen unterscheiden, deren jede während der känozoischen
Periode ihre eigene Geschichte in Bezug auf Säugethiere hat:
1. Die eurasiatische oder altweltliche Region (Europa, Asien, Afrika);
2. Die nordamerikanische Region (mit Centralamerika);
3. Die südamerikanische Region;
4. Die australische Region.
Dieselben bilden vier von einander stets mehr oder weniger scharf
getrennte Landmassen, die geradezu als ebenso viele Entwickelungsherde
für Säugethiere bezeichnet werden müssen. Jede dieser vier Regionen ist
dadurch ausgezeichnet, dass in ihr eine Anzahl grosser und wichtiger
Säugethiergruppen, wenn auch nicht ihre erste Entstehung, so doch
ihre Hauptentwickelung genommen haben in der Art, dass dieselben
entweder ganz auf die betreffende Region beschränkt blieben, oder erst
in späteren Epochen nach den benachbarten Regionen einwanderten.
Vollständig abgeschlossen waren diese Regionen nicht von einander;
wenigstens zeitenweise standen sie in Verbindung, und es wanderten
Formen der einen in andere Regionen ein; doch ist dieser gegenseitige
Austausch während der Tertiärzeit nie so stark gewesen, dass dadurch
die Eigenartigkeit der Fauna einer dieser Regionen verwischt worden
wäre.
Nachstehend sind die Säugethiergruppen aufgezählt, welche für jede der
vier Regionen ganz besonders charakteristisch sind, indem sie während
der Tertiärzeit entweder vollständig auf eine solche Region beschränkt
oder doch in anderen nur sehr spärlich vertreten wären:
Eurasiatische Region: Insectivora (mit Ausnahme der Ictopsidae);
Viverridae, Mustelidae, Ursidae, Hyaenidae; Lagomyidae; Cynopithecidae
und Simiidae; (Proboscidea); gehörnte Rhinocerotidae;
Anoplotherioidea, Suoidea (mit Ausnahme der Dicotylinae), Booidea.
Nordamerikanische Region: Ictopsidae; Miacidae (Stammformen der
Carnivora); Nimravinae; Tillodontia; Leporidae; Condylarthra;
Amblypoda; Palaeosyopinae, Brontotheriinae, Hyracodontinae, Equinae;
Pantolestidae, Oreodontidae, Camelidae, Dicotylinae.
Südamerikanische Region: Caviidae, Chinchillidae; Edentata;
Toxodontia (incl. Macrauchenia).
Australische Region: Marsupialia (mit Ausnahme der Didelphidae).
Noch dürfte aber eine weitere Region zu entdecken sein, in der sich
eine Reihe von Säugethiergruppen entwickelt haben müssen, welche im
oberen Miocän und unteren Pliocän ganz unvermittelt in Europa und
Indien erscheinen, so vor allem Proboscidea, Antilopinae, Giraffinae,
Hippopotamidae, Simiae, Manidae und Orycteropus.
Die alte Welt bildet in Bezug auf Säugethiergeschichte ein
zusammenhängendes Ganze, soweit die bisher entdeckten Faunen in
Betracht kommen. Die europäischen Säugethiere sind wenigstens seit
dem oberen Eocän ziemlich gut bekannt, die indischen seit dem Miocän;
Afrika hat aber bisher noch keine tertiären Säugethiere geliefert,
und es kann daher nur dessen heutige Thierwelt in Rechnung gezogen
werden, welche sich der Hauptsache nach innig an die Pliocänfauna
von Europa und Indien anschliesst, während die so eigenthümliche
Fauna von Madagascar vielleicht noch am meisten Aehnlichkeit mit der
Oligocänfauna von Europa zeigt.
Aus dem unteren Eocän von Europa, der »Faune cernaysienne«, kennen wir
eine Anzahl insektivoren- und creodontenartiger, meist sehr kleiner
und dürftig erhaltener Formen, denen sich wie in Nordamerika die
letzten Nachkömmlinge der mesozoischen Multituberculata anschliessen.
Die spärlichen Säugerreste aus dem Mitteleocän kommen auf Formen
hinaus, welche in Nordamerika sehr reich entwickelt sind, während
die etwas zahlreicheren Geschlechter des Obereocän, unter denen
besonders Lophiodon neben anderen Perissodactyla hervorragt, den
nordamerikanischen wohl sehr nahe stehen, aber nicht mit ihnen
identisch sind.
Ein erstaunlicher Reichthum von Säugethieren ist uns aus dem
europäischen Oligocän überliefert. Zu dieser Zeit, als noch ein grosser
Theil von Mitteleuropa vom Meere bedeckt war, lebte auf dem Festlande
eine reiche Thierwelt, welche besonders aus französischen Fundorten
bekannt ist. Zahllose wohlerhaltene Reste dieser Säuger liegen vor
allem in den Phosphoriten von Quercy, in Spaltausfüllungen von unter-
und oberoligocänem Alter, mit denen aber wohl auch manche untermiocäne
und obereocäne Formen gemischt sind, so dass sich für viele Gattungen
das genauere Alter ihres Auftretens nicht mit voller Sicherheit angeben
lässt. Wir treffen darunter zahlreiche Formen, die als Stammformen
moderner Säugethiere ein grosses Interesse verdienen. Im Oligocän
erscheinen nun neben den im Eocän bereits vorhandenen Creodonta und
Prosimiae zum ersten Male in Europa zahlreiche Carnivora, Rodentia
und ein Heer von Artiodactyla, die letzteren grösstentheils in den
primitiveren Formen mit fünfhöckerigen oberen Molaren, und mit ihnen
eine grosse Zahl von Palaeotheriinae. Die hervorragendsten Geschlechter
des Unteroligocäns sind u. a. Palaeotherium, Anoplotherium, Xiphodon,
Hyaenodon, während im Oberoligocän Caenotherium, Anthracotherium,
Hyopotamus und Gelocus besonders auffallen, letzteres die Stammform der
für die alte Welt so ungemein charakteristischen echten Wiederkäuer.
Wenn es auch nicht ganz unwahrscheinlich ist, dass eine grosse Anzahl
dieser Formen in letzter Linie auf nordamerikanische Eocänformen
zurückzuführen ist, so hatten sich bis zur Oligocänzeit dieselben doch
schon so weit in Europa fortentwickelt, dass diese ganze Fauna nur noch
wenige Aehnlichkeit zeigt mit der etwa gleichzeitigen White-River-Fauna
von Nordamerika. Nur einige Gattungen (s. unten) sind beiden Regionen
gemeinsam.
Der Beginn der Miocänzeit ist in Europa vor allem dadurch
charakterisirt, dass vorher oder kurz nachher eine grosse Reihe
primitiver Säugethiergruppen aus Europa verschwinden, welche bis dahin
eine wichtige Rolle spielten. Dazu gehören die Creodonta, zahlreiche
Rodentia, besonders Hystricomorpha, deren nächste Verwandte gegenwärtig
noch in Südamerika leben; ferner die Prosimiae, die bisherigen
Palaeotheriinae, sowie fast alle Artiodactyla mit fünfhöckerigen
Molaren; dafür finden sich sehr zahlreiche Carnivora, Suidae und
Cervidae, unter letzteren die artenreiche Gattung Palaeomeryx; zu ihnen
treten als Einwanderer aus Nordamerika verschiedene der dort so reich
vertretenen Perissodactyla, wie Protapirus, Chalicotherium, und vor
allem die ersten noch hornlosen Rhinocerotidae, welche sich nachher so
reich in der alten Welt entwickelten; diese Einwanderung fand übrigens
vielleicht schon während des Oberoligocän statt (Ronzotherium).
Weiter entwickelt erscheint diese Thierwelt im oberen Miocän, wo zum
ersten Male echte Ursidae und die Gattung Sus auftritt; an Stelle
von Protapirus findet sich Tapirus, die Cervidae und Rhinocerotidae
tragen Hörner; dazu kommen wieder fremde Einwanderer, Anchitherium
aus Nordamerika und aus unbekannter Heimath die ersten Proboscidea,
Simiidae und Antilopinae, sowie Felis und Machairodus.
Während der älteren Tertiärzeit bedeckte wohl eine üppige tropische
Sumpflandschaft das Festland von Europa; schon seit Beginn des Miocän
aber scheinen sich Grasflächen mehr und mehr über Europa auszubreiten;
an Stelle der schwerfälligeren Sumpfbewohner traten allmählich
flüchtigere Steppenthiere und Formen, deren Gebiss sich mehr und mehr
an ausschliessliche Grasnahrung anpasste, bis zu Beginn des unteren
Pliocän die Thierwelt Südeuropas einen Charakter erhält, der in hohem
Maasse an die des heutigen tropischen Afrika und Indien erinnert
und wohl auf ein ähnliches Landschaftsbild schliessen lässt: Weite
Grasflächen, bevölkert von Heerden grosser Antilopinae, Giraffinae,
Equinae neben Proboscidea, Rhinocerotidae, Simiae, in manchen
(waldigen) Gegenden zahlreiche Cervinae mit noch wenig verästeltem
Geweih, und vereinzelt auch Edentata. Die Equinae sind vertreten durch
Hippotherium, das wohl aus Nordamerika stammt. Die Heimath der neu
erschienenen Giraffinae und Edentata ist noch unbekannt.
Das bis dahin tropische Klima erreicht nun in Europa mit dem oberen
Pliocän allmählich einen subtropischen Charakter; damit verschwinden
hier die grossen Antilopinae, Giraffinae und zuletzt auch die Simiidae;
reicher Ersatz ist aber vorhanden; an Stelle von Hippotherium tritt
allmählich, wohl ebenfalls aus Nordamerika stammend, Equus (die
Stammform der lebenden Pferde); neben Mastodon erscheint Elephas, der
sich in Indien entwickelt haben dürfte; Rinder stellen sich zahlreich
ein, ebenso Cervinae mit reich verästeltem Geweih; dazu sind mächtige
Rhinocerotidae noch vorhanden, neben Sus erscheint Hippopotamus; die
Gattungen Ursus und Canis treten zum ersten Male auf. Mit zunehmender
Kälte verschwindet aber nun beim Anrücken der Eiszeit allmählich ein
grosser Theil dieser oberen Pliocänfauna aus Europa. In Indien dagegen,
das während des (Oberoligocän) Miocän und Pliocän ein zusammenhängendes
Faunengebiet mit Europa bildete und eine ähnliche, nur womöglich
noch üppiger entwickelte Fauna besass -- die Siwalikfauna, mit einer
Fülle von Proboscidea, Suidae, Giraffinae und Bovinae -- erhielt
sich ein grosser Theil dieser Formen, und ihre Nachkommen leben
daselbst theilweise noch bis zum heutigen Tage; andere sind in Indien
verschwunden, finden sich aber noch im tropischen Afrika, dessen
heutige Fauna in innigstem Zusammenhange steht mit der einstigen
europäisch-indischen Pliocänfauna.
In Europa äusserte die Eiszeit ihre Wirkungen, während der die
Pliocänfauna allmählich durch eine mehr arktische Fauna ersetzt wird;
deren Hauptvertreter sind Mammuth, wollhaariges Rhinoceros, Wildpferd,
Riesenhirsch und Renthier, Moschusochse, Ur und Wisent, Höhlenbär,
Höhlenlöwe und Höhlenhyäne, Lemminge u. s. w.; ihr Zeitgenosse war
der Mensch. Heute finden sich in Europa nur noch die Reste dieser
Diluvialfauna: manche Formen sind auf das Hochgebirge und in den hohen
Norden zurückgedrängt; ein grosser Theil ist ausgestorben.
In Nordamerika sind im Gegensatze zu Europa auch eine sehr grosse
Anzahl eocäner Säugethiere bekannt. Die geologische Entwickelung
vollzog sich daselbst während der ganzen Tertiärzeit viel ungestörter
als in Europa, und die daselbst in den einzelnen Epochen neu
auftretenden Säugethiergattungen scheinen grossentheils die direkten
Nachkömmlinge von Formen aus den älteren Epochen Nordamerikas zu sein,
von denen ja wohl auch eine grosse Anzahl europäischer Formen abstammen
dürfte. Die fossilen Reste der nordamerikanischen Tertiärsäugethiere
finden sich grösstentheils zu beiden Seiten der Felsengebirge in
ehemaligen Seebecken, an deren Ufern diese reichen Faunen einst lebten.
Einen überraschenden Formenreichthum liefert Nordamerika schon im
unteren (Puerco-) Eocän, aus welchem Cope gegen 90 Säugethierarten
aufzählt. Fast die einzigen Hufthiere daselbst sind Condylarthra
und zwar meist Periptychidae, die Fleischfresser sind Creodonta,
ausserdem giebt es hier Prosimiae und Tillodontia, und endlich, wie in
Europa, die letzten Vertreter der mesozoischen Multituberculata. Die
gewaltigsten der damaligen Säugethiere erreichen nur etwa Bärengrösse.
Bedeutend verändert ist diese Fauna zur Wasatch-Epoche; Condylarthra
sind noch zahlreich vorhanden, aber keine Periptychidae; die
dominirende Rolle unter den Hufthieren spielen Coryphodontia, manche
davon von Stiergrösse, die grössten Säugethiere jener Zeit; neben ihnen
treten die ersten noch kleinen und sehr primitiven Perissodactyla
(Hyracotherium) und Artiodactyla (Pantolestes) auf, sowie die ersten
Rodentia.
Im oberen (Bridger-) Eocän sind die bezeichnendsten Formen die
gewaltigen Dinocerata, grösser als die lebenden Nashörner; auch
Chalicotheriidae und Tapiridae sind hier sehr reich vertreten. Eine
Uebergangsperiode zum Oligocän ist die Uinta-Epoche.
Mit dem Beginn des White River-Oligocän verschwinden die Tillodontia
und Amblypoda; zu ausserordentlicher Blüthe kommen hier verschiedene
Familien der Perissodactyla, welche, im Gegensatze zu Europa, hier
noch sehr viel formenreicher sind als die Artiodactyla; letztere aber
zeichnen sich durch einen ausserordentlichen Individuenreichthum
aus. Die hervorragendsten Formen sind die mächtigen Brontotheriinae,
die fast Elephantengrösse erreichen; neben Hyracodontinae und
Palaeotheriinae treten zum ersten Male in noch sehr primitiven Formen
Rhinocerotidae auf. Von Artiodactyla erscheinen hier zuerst die für
Nordamerika so charakteristischen Oreodontidae und Camelidae, ferner
einige Tragulidae; auch die ersten Carnivora stellen sich hier ein,
Canidae und Felidae. Von europäischen Gattungen finden sich zu dieser
Zeit besonders Peratherium, Hyaenodon, Cynodictis, Entelodon, sowie
eine vereinzelte Art von Hyopotamus.
Im John Day-Miocän sind Creodonta und Brontotheriinae verschwunden;
es herrschen hier unter den Hufthieren die Oreodontidae und Equidae
(Anchitherium) vor, unter den Carnivora die Canidae und Nimravinae;
einzelne Suidae, Abkömmlinge europäischer Formen, stellen sich ein.
In der Ticholeptus- und Loup Fork-Epoche (Obermiocän und Pliocän)
erscheint zum ersten Male Hippotherium und Protohippus, beide ebenso
wie die Oreodontidae und Camelidae durch zahlreiche Arten vertreten;
Aphelops vertritt die Rhinocerotidae; als Einwanderer aus der alten
Welt stellt sich Mastodon ein, dazu Palaeomeryx (= Blastomeryx,
Stammform von Antilocapra).
In den Equus- und Megalonyx-beds (Oberpliocän und Diluvium) tritt Equus
in zahlreichen Arten zum ersten Male auf neben den letzten Camelidae;
zu dieser Zeit erscheinen zahlreiche Einwanderer aus den benachbarten
Regionen. Von der alten Welt kommen Ursus und verschiedene Mustelidae,
ferner Cervus, Bison und Elephas primigenius; von Südamerika eine
Anzahl riesiger Edentata und Hystricomorpha. Dafür sind Oreodontidae,
Rhinocerotidae und Hippotherium nicht mehr vorhanden.
Im späteren Diluvium verschwindet der grösste Theil dieser Fauna; die
Gattung Mastodon erhält sich bis kurz vor Anbruch der Neuzeit. Die
heutige Fauna von Nordamerika ähnelt in bemerkenswerthem Grade der
nordeuropäischen; sie enthält fast keine der für das nordamerikanische
Tertiär so bezeichnenden und so überaus reich entwickelten
Hufthiertypen mehr. Die Perissodactyla sind daselbst vollkommen
verschwunden, und mit Ausnahme von Dicotyles und Antilocapra sind die
nordamerikanischen Artiodactyla wohl sämmtlich altweltlichen Ursprungs.
Die ältesten Säugethiere, die bisher aus Südamerika bekannt wurden,
dürften miocänen, vielleicht oberoligocänen Alters sein; doch ist von
den älteren, besonders aus Patagonien stammenden Formen meist noch kaum
mehr als der Name bekannt. Uebrigens sind genauere Altersbestimmungen
der fossilen Säuger von Südamerika bisher nicht möglich.
Es sind höchst eigenartige, anderen Regionen vollkommen fremde Typen,
welche die Fauna von Südamerika bis etwa zum oberen Pliocän hinauf
allein zusammenzusetzen scheinen. Die merkwürdigen Toxodontia (incl.
Macrauchenia) sind die Vertreter der Hufthiere; neben ihnen stehen
eigenthümliche Rodentia, viele von ungeheurer Grösse, den Familien
der Caviidae und Chinchillidae verwandt; weitaus die bezeichnendsten
Formen sind aber die wunderbaren Edentata, riesenhafte Megatherien und
Glyptodonten nebst zahlreichen verwandten Formen; solche Geschöpfe
haben sich wohl bis ins Diluvium erhalten, seit dem oberen Pliocän
gemischt mit zahlreichen Einwanderern aus Nordamerika, die selbst
theilweise altweltlichen Ursprungs waren. Zu dieser Zeit etwa
erscheinen nämlich Mastodon, Tapirus, Equus, Dicotyles, Auchenia,
Cervus, dazu Ursus, Felis, Machairodus nebst manchen anderen
Fremdlingen in Südamerika. Heute sind die auffallendsten Formen der
überaus reichen Fauna aus den oberen Pampasablagerungen ausgestorben;
Toxodontia sind ganz verschwunden, von Edentata und Rodentia sind nur
noch zwerghafte Nachkommen erhalten; die lebenden südamerikanischen
Hufthiere, Auchenia, Tapirus, Dicotyles, Cervus sind sämmtlich
Nachkommen der fremden Einwanderer, ebenso die meisten Raubthiere und
vielleicht auch die Beutelthiere.
Tertiäre Säugethiere sind aus Australien nicht bekannt; doch mögen von
den zahlreichen, gewöhnlich als diluvial angesehenen Formen vielleicht
doch einige aus dem jüngsten Tertiär stammen. Die diluviale und die
mit ihr innig zusammenhängende recente Säugethierfauna von Australien
ist ausserordentlich scharf geschieden von der der übrigen Regionen.
Australien besitzt nur Marsupialia und Monotremata (abgesehen von
kosmopolitischen Gruppen kleiner Säuger wie Chiroptera und Muridae);
die Beutelthiere zeigen hier eine erstaunliche Formenmannigfaltigkeit,
während diese ganze Thiergruppe in der übrigen Welt unbekannt ist mit
Ausnahme von Didelphidae, die wiederum in Australien fehlen. Unter den
fossilen Beutlern giebt es eine grössere Anzahl gigantischer Formen,
Diprotodon, Nototherium, Halmaturus, Thylacoleo und andere, während die
lebenden durchgehends von nicht sehr bedeutender Grösse sind.
Nachstehender Stammbaum ist ein Versuch, die vermuthlichen
Verwandtschaftsbeziehungen der einzelnen Säugethiergruppen
übersichtlich darzustellen. Die einzelnen Gruppen sind in die Epoche
gestellt, in der sie zum ersten Male auftreten.
+-----+---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------+
| | Giraffinae Antilocapra |
| | | | |
| | | Cervinae | Ovinae Bovinae |
| N | Felinae Hyrax | | | +-----+----+ |
| e | | | +--------+-+ | | |
| o | Monotremata | ? Chiromys | | Cosoryx Antilopinae |
| g | | | ? Galeopithecus | Hippopotamidae | | | |
| e | | Hyaenidae | Machairodus Lemuridae | | | +------------+----+ |
| n | | | | | | | Proboscidea | | | |
| | | | Ursidae | | | | | | Dicotylinae +-------------+--+ |
| | | | | | | | | | | | | |
| | | Australische | | | | Edentata | | | | | Tragulus | |
| | | Marsupialia | | | | | Simiae | | Toxodontia | | | Hyaemoschus | Palaeomeryx |
| | | | | | | | | | | | | | | | | | | |
+-----+---|--|--------------|---------|----|-------|------------|----|-------------|-----|-----|--------|-------|--|------|--------|--------------|-------------------+
| | | | | | | | | | | +--+--+ | | | +-----+--+ | |
| | | | | | | | | | | | | | | | Prodremotherium |
| | | | | | | | | | | | | | | Suinae | | |
| | | | | | | | | | | | | | | | +---------------------+-----+ |
| O | | | Pinnipedia | | | Nimravinae | | | | | | +----+---+ | |
| l | | | | | | | | | | | | | | | Oreodontidae Gelocus |
| i | | | | | | | | | | | | | | | Xiphodontidae | | |
| g | | | | | | +---+---+ | | | | | | Hyotherium | | Camelidae | |
| o | | | | | | | | | | | | | | +----+-+ | | Caeno- |
| c | | | | Viverridae, | | | | | | | +----+--+ | | | therium |
| ä | | | | Procyonidae, | Cryptoproctinae | | | | | | Anoplotheriidae | | | | |
| n | | | | Mustelidae | | | | | | | | Entelodon | | | +--+--+ |
| | | | | | | | | | | | | | | | | | | |
| | | | | | Canidae | | | | | | Rhino- +-----+--+----+------+ | | |
| | | | | | | | | | | | | cerotidae | | Dichobunus |
| | | | | +------+-------+ | | | | | | Hyopotamidae | | |
| | | | | | | | | | | | | | | |
+-----+---|--|-------|-------------|----------------------------|----|-------------|--------|-----------|------|--------------------|----------------|--------|-------+
| | | | | | | | | | | | | | | |
| | | | | | | | | +-----+-----+ | | | | |
| | | | | | Chiroptera | | | | | Equidae | Achaenodon | | |
| | | | | | | | | | | | | | | | | |
| | | Didel- | | | | | | | Tapiridae | +---------+--+ | | |
| | | phidae | Hyaenodon- | | Rodentia | | | Adapidae | | | | | | |
| | | | | tidae | | | | | | | | | | Chalicotheriidae | Pantolestes | |
| | | | | | | | | | | | | | Dinocera- | | | | | | |
| | | | | | | | Tillotheriidae | | | | | tidae | +--+---------+ | +--+-----+ |
| E | | | | | | | | | | | | | | | | | | |
| o | | | | | | | | | | | | | | +--+---------+ +----+---------+ |
| c | | | | | | | | | | | | | | | | |
| ä | | | | | Miacidae | | | | Tarsiidae | | | | Hyracotheriidae Pantolestoidea |
| n | | | | | | | | | | | | | Sirenia | Coryphodontidae | | |
| | | | | Mesony- | | | Calamo- | +-+------+ | | | | Phenacodontidae | |
| | | | | chidae | Arctocy- | | dontidae | | | ? | | | | |
| | | | | | | onidae | +-----+------+ | +---+-----+ | | Pantolambdidae | | |
| | | | | | | | | | | | | | | +---+------+ |
| | | | | | | | | | | | | | +-----+-------+ |
| | | | | | | | | Esthonychidae +-------+--+ +---+-+--------------+ |
| | | | +--+--+ | | | Aganodontia | | |
| | | | +--------+----+ Insectivora | Hyopsodidae Periptychidae |
| | | | | +---+----+ Primates Ungulata |
| | | | Cetacea | | +-------+--------+ |
| | | | |? | | | |
| | | | +------------+--+------------+-----------------------------------+ |
| | | | | |
| | | | Proviverridae |
| | | Marsupialia Sarcotheria |
| | | | | |
| | | +-------------+--------+ |
+-----+---|--------------------|--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------+
| | | | |
| M z | | Multituberculata | |
| e o | | | | |
| s i | +--+--+ | |
| o c | | | |
| - u | +--------+--------+ |
| m | | |
| | Pantotheria (Prototheria) |
+-----+---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------+
Uebersicht über die geologische Verbreitung der wichtigeren Säugethiergruppen
in den verschiedenen Erdtheilen[M].
+-----------------+------+------+-------+-----+------+------+-------+-------+-----+--------+
| |Meso- |Unter-|Mittel-|Ober-|Oligo-|Mi- |Unter- |Ober- |Dilu-| Recent |
| |zoicum|eocän |eocän |eocän|cän |ocän |pliocän|pliocän|vium | |
+=================+======+======+=======+=====+======+======+=======+=======+=====+========+
|Monotremata | ... | ... | ... | ... | ... | ... | ... | ... | O | O |
|Pantotheria | E N | | | | | | | | | |
|Multituberculata | E N | E N | | | | | | | | |
|Marsupialia excl.| ... | ... | ... | ... | ... | ... | ... | ... | O | O |
|Didelphidae | ... | ... | ... | N | E N | E | ... | ... | S | N S |
|Cetacea | ... | ... | ... | --- | ---- | --- | ----- | ----- |---- | ----- |
|Sirenia | ... | ... | ... |? E N| E | E | E | E | N | + |
|Chiroptera | ... | ... | ... | N | E N | E N | E N | E N |E N S| + |
|Insectivora | ... | E | N | N | E N | E | E | E | EN |EAIN (S)|
|Creodonta | ? N | E N | E N | E N | E N | | | | | |
|Canidae | ... | ... | ... | ... | E N | E N | E N | E N S |E N S| + |
|Ursidae | ... | ... | ... | ... | ... | E | E | E N S |E N S|E I N S |
|Viverridae | ... | ... | ... | ... | E | E | E | E | ....|E I A |
|Mustelidae | ... | ... | ... | ... | E | E | E | E N S |E N S|EIANS |
|Hyaenidae | ... | ... | ... | ... | ... | ... | E | E | E |E I A |
|Cryptoproctinae | ... | ... | ... | ... | E N | N | ... | ... | ... | A |
|Nimravinae | ... | ... | ... | ... |(?E) N| N | | | | |
|Machairodinae | ... | ... | ... | ... | ... | E | E N | E N S |E N S| |
|Felinae | ... | ... | ... | ... | ... | E | E N | E N S |E N S|EAINS |
|Pinnipedia | ... | ... | ... | ... | ... |E N S | E N | E N |E N O| + |
|Tillodontia | ... | N | N | N | | | | | | |
|Sciuromorpha | ... | ... | N | N | E N | E N | E N | E N | E N |EIAN (S)|
|Hystricomorpha | ... | ... | ... | ... | E | ? S |(E N) S|(E N) S|(EN)S|(EIAN) S|
|Myomorpha | ... | ... | ... | ... | E N | E N | E N | E N | E NS| + |
|Lagomorpha | ... | ... | ... | ... | N | E N | E N | E N | E N |EIAN (S)|
|Edentata | ... | ... | ... | ... | ... | S |(E N) S| N S | N S |(A I) S |
|Prosimiae | ... | E N | E N | E N | E N | ... | ... | ... | ... | A I |
|Simiae | ... | ... | ... | ... | ... | E | E | E | S |E I A S |
|Periptychidae | ... | N | ? (E) | | | | | | | |
|Phenacodontidae | ... | N | N | | | | | | | |
|Hyracoidea | ... | ... | ... | ... | ... | ... | ... | ... | ... | E A |
|Toxodontia | ... | ... | ... | ... | ... | S | S | S | S | |
|Proboscidea | ... | ... | ... | ... | ... |E (N) | E N | E N S |E N S| A I |
|Amblypoda | ... | N | E N | N | | | | | | |
|Hyracotheriidae | ... | ... | E N | N | | | | | | |
|Tapiridae | ... | ... | N | E N | E N | E N | E N | E N | N S| I S |
|Rhinocerotidae | ... | ... | ... | ... | E N | E N | E N | E | E | I A |
|Chalicotheriidae | ... | ... | N | N | E N | E N | E I | I | I | |
|Equidae | ... | ... | ... | E N | E N | E N | E N | E N S |E N S| E A I |
|Pantolestidae | ... | ... | N | N | | | | | | |
|Caenotheriidae | ... | ... | ... | ... | E | (E) | | | | |
|Xiphodontidae | ... | ... | ... | ... | E | | | | | |
|Anoplotheriidae | ... | ... | ... | ... | E | | | | | |
|Hyopotamidae | ... | ... | ... | ... | E N |(E) N | | | | |
|Suidae | ... | ... | ... | ... |E (N) | E N | E N | E N |E N S| EAINS |
|Hippopotamidae | ... | ... | ... | ... | ... | ... | ? I | E I | I | A |
|Oreodontidae | ... | ... | ... | ... | N |N(? I)| N | | | |
|Camelidae | ... | ... | ... | ... | N | N | N | N I S | N S| I S |
|Tragulidae | ... | ... | ... | ... | E N | E N | E | I | ....| I A |
|Cervidae | ... | ... | ... | ... | ... |E (N) | E (N) | E N |E N S| EINS |
|Camelopardalinae | ... | ... | ... | ... | ... | ? I | E I | ... | ....| A |
|Bovidae | ... | ... | ... | ... | ... | E | E | E (N) |E (N)|EIA (N) |
+-----------------+------+------+-------+-----+------+------+-------+-------+-----+--------+
Fußnoten:
[M] E = Europa und Asien (incl. Afrika; nur für die Gegenwart ist die
Verbreitung in Indien = I und Afrika = A gesondert angegeben); N =
Nordamerika; S = Südamerika; O = Australien; + = kosmopolitisch.
Vergleichende Uebersicht der wichtigsten Fundorte von fossilen
Landsäugethieren.
+------------+--------------+------------------------------+------+---------+-------+
|Südamerika | Nordamerika | Europa mit Asien |Afrika| Indien |Austra-|
| |(incl. Mexico)| (excl. Indien u. China) | | |tralien|
+============+==============+==============================+======+=========+=======+
| | Höhlen und |DILUVIALE Sande, Kiese, Lehme,|Algier| | |
| | Torfmoore. |Löss; Süsswasserkalke von | |NARBADDA | |
| +--------------+Cannstatt etc.; Knochenhöhlen;| | | |
| |MEGALONYX-BEDS|Torfmoore. | | | |
| PAMPAS- |in den öst- +------------------------------+------+---------+-------+
| FORMATION |lichen Staaten|OBERPLIOCÄN: Forest-bed von | | | |
| in |und |Norfolk. | | | |
|Argentinien,|EQUUS-BEDS in |Tuffe von Perrier etc. (Auver-| | |Höhlen |
| Uruguay, |den westlichen|gne); Arnothal (Toskana). | | UNTERE | und |
| Bolivien, |Staaten (Ore- |Crag von Suffolk; Montpellier | | UND |jüngere|
| Brasilien, |gon, Texas, |und Perpignan; Casino | | OBERE |Ablage-|
| Ecuador |Mexico). |(Italien). | |SIWALIKS |rungen |
| +--------------+------------------------------+ |Südabhang| |
| | LOUP FORK- |UNTERPLIOCÄN: Concud (Spani- | | des | |
| | BEDS in |en); Mt. Lébéron (Vaucluse); | |Himalaya,| |
| | Nebraska, |Eppelsheim (Hessen); Bohnerze | | China, | |
| | Wyoming, |von Heudorf und Mösskirch | | Japan | |
| | Kansas, |z. Th. (Schwaben); Wiener | | | |
| | Neu-Mexico, |Becken; Baltavár (Ungarn); | | | |
| |Texas, Mexico.|Pikermi (Attika); Samos; Mar- | | | |
| | |ágha (Persien). | | | |
+------------+--------------+------------------------------+------+---------+-------+
|? | |OBERMIOCÄN: Monte Bamboli | | | |
| Paraná |TICHOLEPTUS- |(Toskana); Sansan und Simorre | | | |
| |BEDS in |(Gers); Sande von Orléans | | UNTERE | |
| |Nebraska, |und von Grive St. Alban | |SIWALIKS | |
| |Montana, |(Isère); Oeningen (Baden); | |Südabhang| |
| |Oregon. |Steinheim (Württemberg); Geor-| | des | |
| +--------------+gensgmünd und Günzburg | |Himalaya | |
| | |(Bayern); Braunkohlen von | | ↓ | |
| |JOHN DAY- |Göriach und Eibiswald (Steier-| | | |
| | BEDS in |mark); Leithakalk bei Wien). | | | |
| |Oregon, +------------------------------+ | | |
| |Washington. |UNTERMIOCÄN: St. Gérand le | | | |
| | |Puy (Allier); Issoir und Cour-| | | |
| | |non, (Puy de Dôme); Weissenau | | | |
| +--------------+-----------+ bei Mainz; | | | |
| | | | Haslach, | | | |
| | | | Eggingen, | | | |
| | | | Eselsberg, | | | |
| | | | Michelsberg bei | | | |
| | | | Ulm. | | | |
|? Patagonien| |Phosphorite+------------------+ | | |
| |WHITE RIVER- | von |OBEROLIGOCÄN: | | | |
| |BEDS in |Quercy, |Hempstead (Isle of| | | |
| |Dakota, |Caylux, |Wight); Sandsteine| | | |
| |Nebraska, |Mouillac |von Fontainebleau;| | | |
| |Wyoming, |(Süd- |Ronzon (Haute | | | |
| |Colorado, |frankreich)|Loire); Cadibona; | | | |
| |Assiniboia. | |(Piemont); | | | |
| | | |Flonheim(Hessen). | | | |
| | | +------------------+ | | |
| | | |UNTEROLIGOCÄN: | | | |
| | | |Hordwell | | | |
| | | |(Hampshire); | | | |
| +--------------+ |Bembridge(Isle of | | | |
| | | |Wight);Kalk von | | | |
| | | |Lamandine;Lignite | | | |
| | | |von Debruge | | | |
| |UINTA- oder | |(Vaucluse); Gyps | | | |
| |DIPLACODON- | |vom Montmartre | | | |
| |BEDS in Utah. | |(Paris); Beauchamp| | | |
| | | |(Paris); Bohnerze | | | |
| | | |von Frohnstetten | | | |
| | | |und Sigmaringen | | | |
| | | |(Württemberg), | | | |
| | | |Mauremont z. Th. | | | |
| | | |(Schweiz). | | | |
| +--------------+ |------------------+ | | |
| | | |OBEREOCÄN: | | | |
| |BRIDGER-BEDS | |Conglomerate von | | | |
| | in +-----------+Argenton (Indre) | | | |
| | Wyoming. |und Issel (Aude); Grobkalk von| | | |
| | |Paris; Bohnerze von Egerkingen| | | |
| | |z. Th. (Schweiz); Süsswasser- | | | |
| | |kalk von Buchsweiler (Elsass).| | | |
| +--------------+------------------------------+ | | |
| |WIND-RIVER | | | | |
| |und WASATCH- | MITTELEOCÄN: Londonthon; | | | |
| |BEDS in Neu- |Lignite von Soissons (Aisne). | | | |
| |Mexico und | | | | |
| | Wyoming. | | | | |
| +--------------+------------------------------+ | | |
| | PUERCO-BEDS |UNTEREOCÄN: Faune cernay- | | | |
| | in |sienne von La Fère (Aisne) und| | | |
| | Neu-Mexico. |Reims (Marne). | | | |
| +==============+==============================+======+=========+=======|
| |LARAMIE-KREIDE| | | | |
| | in | | | | |
| | Wyoming. | | | | |
| +--------------+------------------------------+------+---------+-------+
| |ATLANTO- |PURBECK von Dorsetshire. | | | |
| |SAURUS-BEDS |OOLITH von Stonesfield | | | |
| |von Wyoming. |(Oxfordshire). | | | |
| +--------------+------------------------------+------+---------+-------+
| |TRIAS von |BONEBED von Württemberg. |Basu- | | |
| |Nord-Carolina.| |toland| | |
+------------+--------------+------------------------------+------+---------+-------+
Vergleichende Uebersicht der tertiären und recenten Säugethierfaunen in
den vier Regionen.
+------------------------------------+-------------------------------------+---------------------------------------------------------------------------+--------------------------------+
| Südamerikanische Region | Nordamerikanische Region | Eurasiatische Region | Australische Region |
| | | | |
+====================================+=====================================+=======================================+===================================+================================+
|RECENT: Didelphys; Procyonidae, Ur-,|RECENT: Didelphys; Talpidae; Canidae,|RECENT: Insectivora; Canis, Ursus, | RECENT nur in Asien oder Afrika: | RECENT: Monotremata; |
| sus, Felis; Hystricomorpha; Eden- | Mustelidae, Procyon, Ursus, Felis;| Viverridae, Mustelidae, Felis; Hy- | Hyaena; Edentata; Prosimiae; | Marsupialia; Muridae; |
| tata; Platyrhinae; Tapirus; | Hystricidae, Castor; Dicotyles, | strix, Castor; Sus, Cervinae, Bovidae.| Catarhinae; Hyrax; Elephas; | Canis. |
| Dicotyles, Cervinae, Auchenia. | Cervinae,sehr wenige Bovidae (Bi- | Keine Marsupialia. | Tapirus, Rhinoceros, Equus; | |
| | son, Antilocapra). Keine Edentata, | | Hippopotamus, Tragulidae, | |
|Keine Prosimiae, Proboscidea, Bovi- | Primates, Perissodactyla. | | Camelopardalis. | |
| dae,fast keine Insectivora. +-------------------------------------+---------------------------------------+ +--------------------------------+
+------------------------------------+EQUUS- UND MEGALONYX-BEDS: * Didel- |DILUVIUM von Europa: Canis N, | | FOSSIL: Marsupialia (Dasyurus;|
|OBERE PAMPASFORMATION: * Canis, | phys; Talpidae E; * Canis E,* Ursus| Ursus N, Hyaena, Felis N, | | Halmaturidae; |
| * † Arctotherium, * † Machai- | E, * † Arctotherium, * Procyon, | † Machairodus N; † Elephas N; | | † Diprotodon; † Noto- |
| rodus;† Glyptodontidae, Dosypo- | * Mustelidae E, Felis E, † Macha- | † Rhinoceros, * † Elasmotherium, | | therium; Phascolomys; |
| didae,† Megatheriidae; Caviidae, | irodus E; * † Hydrochoerus, | Equus N; Sus, Cervinae, Bison | | † Thylacoleo). |
| Chinchillidae; Platyrhinae; | * † Amblyrhiza; * † Glyptodon, | N, Bos, † Ovibos N. | | |
| † Toxodontia; * † Mastodon; | * † Megatherium,* † Mylodon, +---------------------------------------+-----------------------------------+ |
| * † Hippidium, * † Equus; | * † Megalonyx; † Mastodon E |OBERPLIOCÄN: * Canis N, † Hyaenarctos, * Ursus N, Hyaena, Felis N, | |
| * Protauchenia, * Auchenia, | (americanus), *† Elephas primige- | Machairodus N, * Lepus N; Cynopithecidae; † Mastodon N (arvernensis), | |
| * Cervinae. | nius E, † Tapirus E, * † Equus | * Elephas N; Tapirus N, Rhinoceros, * Equus N; † Hippotherium N; | |
| | E; † Platygonus, Dicotyles, | Sus, * Hippopotamus, Cervus N, Antilopinae, Bovinae. | |
| | † Camelidae (Holomeniscus, Escha- | | |
| | tius), * Cervus E, * Bison E. | | |
| +-------------------------------------+---------------------------------------------------------------------------+ |
| |LOUP FORK-BEDS: Canidae, *Machairodus|UNTERPLIOCÄN: Hyaenarctos, Mustelidae, Ictitherium, * Hyaena, Machairodus | |
| | E; * Hystricidae; Palaeolagus; | N; Hystrix; Mesopithecus; † Dinotherium, Mastodon N, Rhinoceros, | |
| | * Edentata (Morotherium); Mastodon | Chalicotherium, * Hippotherium N; Sus, Cervus N, Giraffinae, | |
| | E; Tapiravus, † Rhinocerotidae | Antilopinae. | |
| | (Aphelops), † Hippotherium E; | | |
+------------------------------------+ † Protohippus, * † Hippidium; | | |
|ÄLTERE ABLAGERUNGEN: ? Procyonidae; | † Oreodontidae, Camelidae, | | |
| Hystricomorpha (Hydrochoerus, | † Blastomeryx, * † Cosoryx, | | |
| Lagostomus, Megamys); Glyptodon- | * Dicotyles. | | |
| tinae, Dasypodidae, Megatheriidae;+-------------------------------------+---------------------------------------------------------------------------+ |
| Toxodontia. |TICHOLEPTUS-BEDS: * Proboscidea |OBERMIOCÄN: † Amphicyon, * Ursidae (Hyaenarctos), * Felis N, | |
| | | E(Mastodon proavus); † Anchithe- | * Machairodus N; * Simiidae (Dryopithecus, Pliopithecus); * Proboscidea | |
| | | rium E, * Equinae (Hippotherium E, | (Dinotherium, Mastodon N); * Tapirus N, Aceratherium N, * Rhinoceros, | |
| | | Protohippus); * Dicotyles, Oreodon-| Chalicotherium, * † Anchitherium N; † Cebochoerus, † Hyotherium, | |
| | | tidae (5 Gattungen), * Protolabis, | * Sus, * Listriodon, * Hyaemoschus, Palaeomeryx N (gehörnt), * Cervus N, | |
| | | * Blastomeryx (= Palaeomeryx E). | * Bovidae (Antilope). | |
| | +-------------------------------------+ | |
| | |JOHN DAY-BEDS: Canidae (Temnocyon | | |
| | | vgl. Cynodictis E, u. a.),† Cry- | | |
| | | ptoproctinae (Archaelurus E, Dini- +---------------------------------------------------------------------------+ |
| | | ctis), † Nimravinae (Pogonodon, |UNTERMIOCÄN: † Peratherium N; Talpa; * Amphicyon, Cephalogale, Amphictis; | |
| | | Hoplophoneus); Castor E, * Lepus E;| † Theridomys, * Castoridae N (Steneofiber), * Lagomyidae (Titanomys); | |
| | | Diceratherium, * Anchitherium E, | † Protapirus, Aceratherium N, Chalicotherium; † Caenotherium, | |
| | | Anchippus; † Entelodon E, Bothro- | † Anthracotherium, Hyotherium N, * Cervidae (Palaeomeryx, | |
| | | labis, Merycochoerus, Eucrotaphus, | hornlos). | |
| ? | Gomphotherium, † Tragulidae. | | |
| | +-------------------------------------+---------------------------------------------------------------------------+ |
| | |WHITE RIVER-BEDS: * Peratherium E; |OBEROLIGOCÄN: Peratherium N; † Creodonta (Hyaenodon N); Cynodon N, | |
| | | † Creodonta (Hyaenodon E); † | Mustelidae, * Aelurogale N; † Pseudosciurus, Theridomys, † Archae- | |
| | | Ictopsidae; * Carnivora (Amphicyon | omys,* Cricetodon; * Rhinocerotidae (Ronzotherium N), † Palaeotherium, | |
| | | = ? Cynodictis E, Dinictis, Hoplo- | † Paloplotherium; Caenotherium, Anthracotherium, † Hyopotamus N, | |
| | | phoneus); † Prosimiae; *Castor E, | † Entelodon N, * Hyotherium N, * Ruminantia (Gelocus, Prodremotherium). | |
| | | * Sciurus E, * Muridae, * Palaeo- | | |
| | | lagus; *Tapiravus, * † Hyracodon, | | |
| | | † Amynodon, * Caenopus E, | | |
| | | *† Menodus, † Symborodon, Me- +---------------------------------------------------------------------------+ |
| | | schippus; Hypotamus E, *Entelodon |UNTEROLIGOCÄN: * Peratherium N; Insectivora; Chiroptera; Cynohyaenodon, | |
| | | E, *Suidae (? Hyotherium E), Agrio-| Hyaenodon N, Pterodon; * Carnivora (Cynodictis N, Viverra); * Rodentia | |
| | | choerus, Oreodon, Merycochoerus, | (Plesiarctomys N, Pseudosciurus, Sciurus, Theridomys); † Prosimiae | |
| ↓ | * † Poibrotherium, Leptomeryx. | (Adapis, Necrolemur); † Lophiodon, † Pachynolophus, * Palaeotherium, | |
| +-------------------------------------+ * Paloplotherium, Anchilophus; * Artiodactyla (Dichobunus, Caenotherium, | |
| |UINTA-BEDS: † Mesonyx; † Plesi- | Cebochoerus, Choeropotamus, Xiphodon, Anoplotherium). | |
| | arctomys; † Hyrachyus, Amynodon, | | |
| | * † Diplacodon, Epihippus; | | |
| | * Oreodontidae (Protoreodon), | | |
| | * Camelidae (Leptotragulus). | | |
| +-------------------------------------+---------------------------------------------------------------------------+ |
| |BRIDGER-BEDS: Chiroptera; Ictopsidae;|OBEREOCÄN: Creodonta; Prosimiae; Perissodactyla (* Lophiodon, | |
| | Creodonta; † Tillodontia; Plesi- | * Pachynolophus, Hyrachyus N). | |
| | arctomys E; Prosimiae; * † Dino- | | |
| | cerata; Helaletes,† Hyracotheri- | | |
| | um E, * Hyrachyus E, * Amynodon, | | |
| | * † Palaeosyops; * † Achaeno- | | |
| | don, † Pantolestes. | | |
| |+------------------------------------+---------------------------------------------------------------------------+ |
| |WASATCH-BEDS: Ictopsidae; * Mesonyx, |MITTELEOCÄN: Creodonta (Palaeonictis); * † Coryphodon N; | |
+-----------------------------------+| Stipolophus, Oxyaena E, Didymictis;| * Perissodactyla (Hyracotherium N). | |
|Anmerkung. Ein vor einem || Esthonyx, Calamodon; * Rodentia | | |
|Namen stehendes * oder † bedeu- || (Plesiarctomys E; Hyopsodus, Pely- | | |
|tet, dass diese Formen während der || codus, Anaptomorphus; † Phenaco- | | |
|betreffenden Epoche zum ersten Male|| dus; * † Coryphodontidae E; | | |
|(*) oder zum letzten Male (†) in || * Perissodactyla (Systemodon, | | |
|der gleichen Region auftreten. || Hyracotherium E, Ectocyon); | | |
| || * Artiodactyla (Pantolestes). | | |
|Ein hinter einem Gattungsnamen |+-------------------------------------+---------------------------------------------------------------------------+ |
|stehendes e. bez. N bedeutet, dass ||PUERCO-BEDS: † Multituberculata |UNTEREOCÄN: † Multituberculata (Neoplagiaulax N, Liotomus); Adapisorex; | |
|die gleiche oder eine kaum davon zu|| (Ptilodus, Neoplagiaulax E, Poly- | Arctocyon; Plesiadapis. | |
|trennende Gattung auch in Europa || mastodon); Psittacotherium; Creo- | | |
|(E), bez. Nordamerika (N) bekannt || donta (Mioclaenus, Chriacus, Delta-| | |
|ist [nicht für Südamerika und nicht|| therium, Didymictis); Prosimiae; | | |
|für recente Formen angewendet]. || † Periptychidae (Haploconus, | | |
| || Periptychus), * Phenacodontidae | | |
|Fett gedruckt sind die Namen || († Protogonia); * Amblypoda († | | |
|von Gattungen, welche ganz beson- || Pantolambda). | | |
|ders bezeichnend und häufig sind || | | |
|während der betreffenden Epoche. || | | |
| || | | |
+-----------------------------------++-------------------------------------+---------------------------------------------------------------------------+--------------------------------+
Berichtigungen und Druckfehler.
S. 36 Z. 11 v. u. statt Fig. 22 G, m lies: »Fig. 23 G, m«.
S. 37 Z. 9 v. o. statt Fig. 23 d lies: »Fig. 22 d«.
S. 53 Z. 1 v. u. statt gothlandicum lies: »Gothlandicum«.
S. 83 Z. 16 v. o. statt eifeliensis lies: »Eifeliensis«.
S. 104 Z. 18 v. o. statt europaeum lies: »Europaeum«.
S. 126 Z. 21 v. o. statt Gf. lies: »Schl. sp.«.
S. 136 Z. 4 v. u. statt vorn lies: »hinten«.
S. 142 Fig. 142 Z. 1 v. o. statt Ophioceramis lies: »Ophiocten« und
statt ferruginea lies: »ferrugineum«.
S. 144 Z. 22 v. o. und Z. 5 v. u. statt Ophioceramis lies: »Ophiocten«.
S. 144 Z. 7 v. u. statt ferruginea lies: »ferrugineum«.
S. 145 Fig. 147 Z. 1 v. o. statt Ophioceramis lies: »Ophiocten« und
statt ferruginea lies: »ferrugineum«.
S. 265. Fam. Unionidae. Das Schloss und die Schalenverzierungen
mancher Arten dieser Familie zeigen so grosse Uebereinstimmung mit
den entsprechenden Bildungen von Trigonia, dass man die Unionidae mit
Neumayr als Trigonien betrachten muss, welche durch Anpassung an den
Aufenthalt im Süsswasser die unterscheidenden Merkmale (Reduction des
Schlosses, Ausdehnung des Ligamentes nach vorn etc.) erlangt haben.
Diese Umwandlung der Trigonien zu Unionen scheint aber nicht nur
einmal, sondern zu wiederholten Malen und bei verschiedenen Gruppen
der Trigonien Platz gegriffen zu haben, da sich nach der Gestalt
und Verzierung der Schale gewisse Unionen auf bestimmte Gruppen von
Trigonien zurückführen lassen.
S. 281 Z. 16 v. u. statt Ldb. lies: »Sdb.«.
S. 289 Z. 8 v. u. statt Jura lies: »Trias«.
S. 289. Pl. intusstriata Emmr. Rhät. Nord- und Südalpen.
S. 356 Z. 7 v. u. statt gebogen lies: »gebogenen«.
S. 356 Z. 6 v. u. statt Rückseite lies: »Rückenseite«.
S. 363 Z. 1 v. u. statt der nun lies: »der einzelnen, nun«.
S. 364 Z. 6 v. o. statt Seltener lies: »Selten«.
S. 366 Z. 4 v. o. statt 432 lies: »423«.
S. 366 Z. 2 v. u. statt Nahtumschlage lies: »Septalumschlage«.
S. 385 Z. 17 v. u. statt Hohlkiel lies: »Hohlkiel (Septalkiel)«.
S. 385 Z. 20 v. u. statt voll lies: »voll (Schalenkiel)«.
S. 388 Z. 14 v. u. statt 467 lies: »468«.
S. 388 Z. 11 v. u. statt 468 lies: »467«.
S. 391 Z. 23 v. o. statt Aussensattel lies: »Aussenlobus«.
S. 393 Z. 2 v. o. statt sind lies: »ist«.
S. 412 Z. 10 v. u. statt Mittelsattel lies: »Mittel- bez. Aussensattel«.
S. 416 Z. 2 v. o. statt (Fig. 502) lies: »--«.
S. 423 Z. 5 v. u. statt B. lies: »B. (Ptychoceras)«.
S. 429 Z. 9 v. u. statt oft lies: »erst«.
S. 430 Z. 4 v. o. statt 521 lies: »520«.
S. 430 Z. 9 v. o. statt 522 lies: »521«.
S. 448 Z. 6 v. o. statt Neum. lies: »d’Orb.«.
S. 455 Z. 2 v. u. statt Octopodidae lies: »Octopidae«.
S. 459 Z. 6 v. o. statt Octopoden lies: »Octopidae«.
S. 463 Z. 3 v. u. statt 556 lies: »556 B, C«.
S. 509 Z. 16 v. o. statt Cyprina lies: »Cypris«.
Zu S. 517 u. ff. Eine strenge Trennung der »Chordascheide« von
den »Wirbelbögen« ist besonders bei höheren Wirbelthieren nicht
durchzuführen. Die Definition von »Wirbelcentrum« würde daher besser
dahin lauten, dass darunter alle diejenigen central gelegenen Theile
des Wirbelkörpers zu verstehen sind, welche selbständig und nicht von
den Bogentheilen aus ossificiren.
S. 530. Zwischen Z. 10 u. 11 v. u. ist als Ueberschrift einzufügen:
»Hautgebilde der Fische«.
S. 617 Z. 18 v. u. Bei den primitivsten Formen ist das proximale
Rippenende sehr verbreitert, aber nicht oder nur undeutlich getheilt.
S. 633 Z. 13 v. o. statt eine Form lies: »zwei verschiedene Formen«.
S. 645 Z. 13 v. o. statt Nordamerika lies: »Nord- und Südamerika«.
S. 651 Z. 2 v. o. Nach »Kreide« füge ein: »(Pteranodon-beds)«.
S. 655 Z. 12 v. o. statt Jura und Kreide lies: »dem Jura«.
S. 671 Z. 8 v. u. Vor »Einzige« füge ein: »Den lebenden Pinguinen sehr
ähnlich«.
S. 730 Z. 10 v. u. füge bei: »Puerco- bis Wasatch-Eocän«.
S. 774 Z. 10 v. o. statt G. velaunum lies: »R. velaunum«.
S. 792 Z. 8 v. o. lies: »Anthracotheriidae = Hyopotamidae«.
S. 795 Fig. 1007 lies: »Obere Backzähne der rechten Seite«.
REGISTER.
Die fettgedruckten Seitenzahlen bedeuten, dass an dieser Stelle der
betr. Gegenstand nur in einer Uebersicht erwähnt ist.
A.
Abdomen (Arthrop.) 475.
Abdruck 6.
Acalephae 74, 83.
Acantharia 41.
Acanthicus-Schichten 15.
Acanthoceras 446.
Acanthocladia 192.
Acanthodes 564.
Acanthodidae 564.
Acanthopteri 580.
Acanus 582.
Accipenseridae 564, 568.
Acephala 230.
Aceratherium 768, 774.
Acervularia 103.
Acetabulifera 353.
Acoeli (Belemn.) 466.
Acraspedota 83.
Acrochordiceras 405.
Acrodonte Zähne (Vertebr.) 527.
Acrodus 546.
Acromion (Mamm.) 683.
Acrosalenia 127.
Actaeonella 306.
Actaeonellenschichten 307.
Actaeonidae 306.
Actiniaria 87.
Actinocamax 468.
Actinocrinidae 156.
Actinocrinus 154, 156.
Actinocyclina 37.
Actinodon 610.
Actinostroma 82.
Acuti (Belemn.) 466.
Adacna 262.
Adapidae 742, 743.
Adapis 743.
Adapisorex 710.
Adaptive Reduction 785.
Adductores (Brach.) 199.
Adesmacea 245.
Adocus 637.
Adventivloben (Amm.) 375.
Adventivsättel (Amm.) 375.
Aegoceras 433.
Aegoceratidae 395, 401, 418, 424.
Aegoceralinae 432.
Aelurogale 725.
Aepyornis 673.
Aequales (Goniat.) 399.
Aëtosauridae 653.
Aëtosaurus 654.
Aganodontia 696, 728.
Agassiceras 427.
Agathiceras 394.
Agelacrinus 181.
Agnostus 485, 486.
Agomphus 637.
Agoniatites 394.
Agriochoerus 799.
Aïstopodidae 609.
Akadische Gruppe 18.
Akanthin 40.
Alactaga 735.
Alaria 304, 329.
Alata (Gastrop.) 324, 327.
Albien 14.
Alcephalus 811.
Alces 807.
Alcyonaria 85.
Alectryonia 292.
Alisphenoid (Vertebr.) 523.
Alisphenoid (Quadr.) 592.
Allodon 699.
Allosaurus 660.
Alluvium 12, 13.
Altweltliche Region (Mamm.) 815, 816.
Alveole (Vertebr.) 527.
Alveolina 22, 24.
Alveolinenkalke 25, 38.
Alveolites 111.
Amaltheenthone 15.
Amaltheidae 401, 413.
Amaltheus 414.
Amblotherium 698.
Amblypoda 696, 748, 762.
Amblypterus 566.
Amblyrhiza 735.
Ambulacra 117.
Ambulacralfeld (Echinoid.) 121.
Ambulacralplatten (Echinoid.) 121.
Ambulacralsystem (Echinoid.) 117.
Amia 578.
Amiidae 576, 577.
Amioidei 576.
Ammodiscus 22, 26.
Ammoniten 376, 389.
Ammonitenstadium der Lobenl. 376.
Ammonitidae 400.
Ammonitidae, Eintheilung d. 401.
Ammonitidae Stammbaum d. 399, 450.
Ammonoidea 351, 353, 373.
Ammonoidea, Geol. Verbr. d. 448.
Ammonoidea, Stammesgeschichte d. 448.
Ammonoidea, Systematik d. 389.
Ammonoidenschale 378.
Amphibia 527, 587, 601.
Amphibia, Geolog. Verbr. d. 615.
Amphicöle Wirbel (Vertebr.) 518.
Amphictis 724.
Amphicyon 720.
Amphidozotherium 711.
Amphilestes 698.
Amphioxus 529.
Amphipoda 502, 503.
Amphistegina 30, 38.
Amphisteginenkalke 38.
Amphisyle 583.
Amphitherium 698.
Amphitragulus 805.
Amphiuridae 144.
Ampulla (Asteroid.) 147.
Amynodon 768, 772.
Anacanthini 580.
Ananchytes 136.
Anapophyse (Mamm.) 680.
Anaptomorphus 744.
Anaptychus 387, 389.
Anarcestes 391.
Anarcestinae 391.
Anchilophus 769, 781.
Anchisauridae 660.
Anchitherium 769, 781.
Ancillaria 332.
Ancorinidae 50.
Ancyloceras 445, 447, 437.
Ancylocerasstadium 378.
Ancylotherium 778.
Andrias 614.
Angoulême-Stufe 14.
Angoumien 14.
Anguilliformes 576.
Angulare (Vertebr.) 524.
Angulatenschichten 433.
Angulatus-Zone 15.
Angustisellat 376.
Angustisellati 409.
Anhydritgruppe 16.
Anisodonte Zähne (Vertebr.) 527.
Anisomyaria 238, 279.
Anker (Spong.) 50.
Annelida 114.
Annulati (Aegocerat.) 425, 432.
Annulatocostali (Perisphinctes) 442.
Anoa 812.
Anodonta 265.
Anomidae 290.
Anomocladina 51, 55.
Anomodontia 623, 624.
Anoplophora 264.
Anoplotheridae 788, 790.
Anoplotherioidea 787.
Anoplotherium 791.
Antedon 155, 174.
Antennen (Arthrop.) 475.
Anthozoa 74, 84.
Anthozoa, Ausgestorbene Gruppen der 100.
Anthracomarti 512.
Anthracosia 265.
Anthracotheriidae 788, 792.
Anthracotherium 793.
Anthropomorphi 745.
Antilocapra 810.
Antilopen 809, 810.
Antipatharia 87.
Antiptychina 225.
Anura 602, 615.
Aphelops 768, 774.
Apicallinie (Belemn.) 463.
Apiocrinidae 170.
Apiocrinus 155, 170.
Aplacentalia 695.
Aporrhaidae 327.
Aporrhais 328.
Apt-Stufe 14.
Aptychen-Kalke 14, 15, 389.
Aptychus 385, 501.
Aquitanische Stufe 13.
Arachnoidea 476, 512.
Aranea 512.
Arca 247.
Arcacea 246.
Arcestes 407.
Arcestidae 394, 401, 406.
Arcestinae 407.
Archaelurus 725.
Archaeomys 734.
Archaeopteryx 668.
Archegosaurus 610.
Archipolypoda 512.
Archipterygium 536.
Arcidae 246, 247.
Arcomya 242.
Arctocyon 716.
Arctocyonidae 712, 716.
Arctomys 733.
Arctotherium 722.
Area (Lamellibr.) 236.
Arenig-Stufe 18.
Argile à Plicatules 289.
Argonauta 456.
Arietenkalk 15.
Arietites 427.
Arietitinae 426.
Armati (Perisphinctinae) 443.
Arpadites 403.
Art 18.
Arthrogastra 512.
Arthropleura 503.
Arthropoda 19, 475.
Arthrostraca 502.
Articulare (Vertebr.) 524.
Articulare (Quadr.) 591.
Articulata (Crinoid.) 153, 156, 162.
Artiodactyla 696, 748, 784.
Arvicola 735.
Arvicolinae 735.
Asaphus 485, 490.
Ascoceras 356, 363.
Ascones 70.
Asellat 375.
Asellati 391.
Aspidobranchiata 302, 308.
Aspidoceras 443.
Aspidorhynchus 573.
Aspidosoma 148.
Aspidura 145.
Assilina 34.
Astacus 505.
Astarte 263.
Astarten-Stufe 15, 263.
Astartidae 258, 262.
Astartien 263.
Asterocyclina 37.
Asteroidea 118, 146.
Asterolepidae 552.
Asterolepis 552.
Asterospondyli 543.
Astische Stufe 13.
Astraeidae 90.
Astraeinae 91.
Astragalus (Mamm.) 685.
Astroides 84, 87.
Astrorhizalfurchen (Stromat.) 82.
Astrorhizen (Stromat.) 76, 78.
Astylospongia 55.
Asymptotenlinie (Belemn.) 465.
Atelodus 768, 775.
Atheca 633, 634.
Athleta-Zone 15, 445.
Athyris 214, 216.
Atlantosauridae 662.
Atlantosaurus 662.
Atlantosaurus Beds (Jura) 825.
Atractites 463.
Atrypa 217.
Atrypidae 204, 213, 217.
Aturia 350, 366, 369.
Aube-Stufe 14.
Auchenia 801.
Augen (Trilob.) 482.
Augenwulst (Trilob.) 482.
Aulacoceras 462.
Aulacoceratinae 462.
Aulacothyris 225.
Aulocopium 53.
Auster 291.
Australische Region (Mamm.) 815, 816.
Avellana 306, 307.
Aves 619, 620, 670.
Avicula 281.
Avicularien 190.
Aviculidae 280.
Aviculopecten 282.
Axe (Trilob.) 480.
Axillare (Crinoid.) 153.
Axis 807.
Axophyllidae 102, 104.
Azoicum 11.
Azoische Periode 11.
B.
Backzahn (Mamm.) 688, 690.
Bactrites 362, 394.
Baculitenkreide 14, 423.
Baculites 437, 423.
Baculites-Stadium 378.
Badener Tegel 13.
Baëna 637.
Bajocien 15.
Baïrdia 509.
Balaenidae 706, 707.
Balanus 510.
Bala-Stufe 18.
Baptanodon 643.
Barrême-Stufe 14.
Barroisia 72.
Bartonische Stufe 13.
Bartonthon 13.
Basalia (Crinoid.) 151.
Basioccipitale (Vertebr.) 523.
Basioccipitale (Quadr.) 591.
Basisphenoid (Vertebr.) 523.
Basisphenoid (Quadr.) 592.
Basommatophora 336.
Bathonien 15.
Bath-Stufe 15.
Bathybius 514.
Bathycrinus 171.
Batocrinus 157.
Batoidei 545, 549.
Bayeux-Stufe 15.
Bayleia 273.
Beauchamp, Grès de 13.
Beckengürtel (Vertebr.) 524.
Becksia 67.
Beine (Vertebr.) 525.
Belemnitella 468.
Belemnitellenkreide 14, 468.
Belemniten, zerrissene 9.
Belemnites 465.
Belemnitidae 461.
Belemnitinae 462.
Belemnoidea 351, 353, 459.
Belemnoidea, Geol. Verbr. d. 474.
Belemnoidea, Stammesgeschichte d. 474.
Belemnoteuthinae 462, 470.
Belemnoteuthis 470.
Belinurus 496.
Bellerophon 302, 311.
Bellerophonkalk 17.
Bellerophontidae 309, 310.
Beloceras 396.
Belodon 652.
Belodontidae 652.
Belonorhynchus 578.
Belonostomus 573.
Belosepia 471.
Beloteuthis 474.
Beneckeia 411.
Bergkalk 17.
Bernissartia 657.
Bernsteinformation 13.
Berrias-Stufe 14.
Berycidae 581.
Beryx 581.
Beutelknochen (Mamm.) 684.
Beyrichia 508.
Beyrichienkalk 508.
Bibos 813.
Biloculina 23.
Bimammatus-Zone 15, 445.
Biplane Wirbel (Vertebr.) 518.
Biplicatae (Terebrat.) 223.
Biradiolites 279.
Bison 813.
Bivalvia 230.
Bivium (Echinoid.) 136.
Blagdeni-Zone 15, 438.
Blastoidea 118, 185.
Blastoidea, Geolog. Verbr. d. 189.
Blastomeryx 806.
Bolodon 699.
Bolodontidae 699.
Bonebed 16.
Bos 813.
Bothriocidaris 122.
Bothriolepis 552.
Bothrolabis 796.
Bourgueticrinidae 171.
Bourgueticrinus 155, 171.
Bovidae 788, 808.
Bovinae 809, 813.
Bracheux, sables de 13.
Brachia (Crinoid.) 153.
Brachialia (Crinoid.) 153.
Brachiopoda 189, 196.
Brachiopoden, Geolog. Verbreitung d. 227.
Brachiopodenkalk 16.
Brachitherium 803.
Brachydonte Zähne (Mamm.) 693.
Brachyphylle Zerschlitzung d. Lobenl. 376, 400.
Brachyura 504, 505.
Bradypoda 737, 741.
Bramatherium 808.
Branchiosauri 605.
Branchiosaurus 606.
Brancoceras 392.
Brevirostres (Crocod.) 657.
Bridger-Beds (Ob. Eoc.) 819, 825, 826.
Brongniarti-Pläner 283.
Bronteus 485, 494.
Brontops 778.
Brontosaurus 662.
Brontotheriinae 777.
Brontotherium 778.
Brustbein (Vertebr.) 520.
Bryozoa 189.
Bryozoa, Geolog. Verbr. d. 195.
Bubalinae 809, 812.
Buccinidae 330.
Buccinum 304, 330.
Buchensteiner Schichten 16.
Buchiceras 416.
Bucklandi-Zone 15, 427.
Buffalus 812.
Bulla 307.
Bulla ossea (Mamm.) 682.
Bullidae 306, 307.
Bumastes 491.
Bunodonte Zahnform (Mamm.) 690, 692.
Bunotheria 728.
Bunter Keuper 16.
Buntsandstein 16.
Bursae (Ophiur.) 142.
Bursalschuppe (Ophiur.) 142.
Bursalspalte (Ophiur.) 142.
Byssus 237.
Byssusausschnitt 237.
C.
Caenotherium 789.
Calamodon 730.
Calamodontidae 729, 730, 736.
Calamophyllia 91.
Calcaire grossier 13.
Calcaneus (Mamm.) 684.
Calcarea 49, 70.
Calcarina 21, 29.
Calcedon 69.
Calceola 106.
Calceola-Schichten 17, 107.
Calceolidae 102, 106.
Calciferous-Gruppe 18.
Calcispongiae 48, 70.
Callovien 15.
Calymene 486, 488.
Calyptoblastea 75.
Calyptocrinidae 160.
Camarophoria 218, 220.
Cambrische Formation 12, 18.
Cambrium 12, 18.
Camelidae 788, 800.
Camelidae, Geol. Verbr. d. 801.
Camelopardalis 807.
Camelus 801.
Camerata (Crinoid.) 156.
Caminus 46.
Campanien 14.
Campiler Schichten 16.
Camptosauridae 663, 665.
Camptosaurus 665.
Canaliculati (Belemn.) 467.
Canalifera (Gastrop.) 324, 329.
Canalsystem (Foramin.) 21.
Canidae 718, 719.
Canis 720.
Canon (Artiod.) 786.
Canon (Cervidae) 804.
Capitosaurus 613.
Capitulum (Cirrip.) 509.
Capitulum (Quadr.) 589.
Capreolus 807.
Capricorni 432, 433.
Caprina 275.
Caprinae 809, 811.
Caprinidae 271, 274.
Caprotina 273.
Caprotinenkalk 14, 273.
Capulidae 317, 318.
Capulus 302, 318.
Caradoc-Stufe 18.
Carbon 17.
Carbonarii (Goniat.) 399.
Carcharias 548.
Carchariidae 548.
Carcharodon 548.
Cardiatherium 734.
Cardiidae 258, 261.
Cardinia 264.
Cardinidae 258, 264.
Cardiocaris 501.
Cardioceras 416.
Cardiodon 734.
Cardiola 261, 238.
Cardita 238, 263.
Carditaschichten 16, 263.
Cardium 238, 261.
Carentonien 14.
Carina (Cirrip.) 509.
Carinatae (Aves) 671, 673.
Carinati (Ammon.) 425, 426.
Carneolschichten 16.
Carnivora 695, 716.
Carnivores Gebiss (Mamm.) 694.
Carpus (Quadr.) 598.
Caryocrinus 183.
Caryophyllia 94.
Cassianer Schichten 16.
Cassis 329.
Castoridae 733.
Catskill-Gruppe 17.
Caturus 577.
Cavia 734.
Caviidae 734.
Cebidae 742, 745.
Cebochoerus 792.
Cellepora 195.
Celtites 406.
Cement (Vertebr.) 527.
Cenoman 14.
Centetes 710.
Centralkapsel 40.
Centriscidae 582.
Cephalaspidae 551, 553.
Cephalaspis 553.
Cephalogale 720.
Cephalophinae 809, 811.
Cephalophora 230.
Cephalopoda 230, 344.
Cephalopodenkalk 16.
Cephalothorax (Arthrop.) 475.
Cephalothorax (Crustac.) 477.
Ceraospongiae 48, 49.
Ceratiten 389.
Ceratitenstadium d. Lobenl. 400.
Ceratites 402.
Ceratitidae 393, 401, 402.
Ceratitiformes (Amaltheus) 416.
Ceratitinae 402.
Ceratodontidae 555.
Ceratodus 555.
Ceratopsidae 663, 665.
Ceratopygekalk 18.
Ceratorhinus 768, 774.
Ceratosauridae 660.
Ceratosaurus 660.
Ceratotrochus 94.
Ceraurus 493.
Ceriopora 193.
Cerithidae 326.
Cerithienschichten 13.
Cerithium 304, 326.
Cervidae 788, 804.
Cervinae 805, 806.
Cervulinae 805.
Cervulus 805.
Cervus 806.
Cestracion 546.
Cestraciontidae 546.
Cetacea 695, 705.
Cetiosaurus 663.
Cetotherium 707.
Chaeropotamus 793.
Chaetetes 112.
Chaetetidae 108, 112.
Chaetopoda 114.
Chailles, Terrain à 15.
Chalicomys 733.
Chalicotheriidae 768, 776.
Chalicotherium 768, 778.
Chaliniden 49.
Chama 271, 273.
Chamacea 257, 269.
Chamidae 271, 272.
Champagne-Stufe 14.
Champsosaurus 622.
Charente-Stufe 14.
Chasmops 492.
Cheiracanthus 565.
Cheirolepis 565.
Cheirurus 486, 493.
Chelone 636.
Chelonidae 633, 636.
Chelydra 635.
Chelydridae 633, 635.
Chemnitzia 306, 322.
Chemung-Gruppe 47.
Chilopoda 512.
Chilostomata 191, 194.
Chimären 550.
Chimaeridae 551.
Chinchillidae 734.
Chiromys 730.
Chiroptera 695, 709.
Chirotherien-Schichten, Chirotherien-Bänke 16, 614.
Chirotherium 614.
Chiton 302, 308.
Chlamydotherium 739.
Choanen (Quadr.) 594.
Choeropsis 797.
Chondrophora 459, 473.
Chondropterygii 540, 541.
Chondrosteus 568.
Chonetes 208, 210.
Chorda dorsalis (Vertebr.) 516.
Choristoceras 405.
Chriacus 713.
Cidaridae 124, 125.
Cidaris 126.
Cimoliosaurus 629.
Cimolomys 700.
Cincinnati-Gruppe 18.
Cinctae 224.
Cionodon 667.
Cirripedia 479, 509.
Cirroteuthis 459.
Cladiscites 412.
Cladiscitidae 401, 411.
Cladodus 546.
Clathrodictyum 82.
Clausilia 301, 306, 339.
Clausilium 301.
Clavati (Belemn.) 467.
Clavellatae (Trigonia) 254.
Clavicula (Quadr.), 596.
Clavulina, 26.
Clavulina-Szabói-Schichten, 27.
Clidastes, 646.
Climatius, 565.
Cliona, 60.
Clupea, 580.
Clupeidae, 576, 579.
Clupeoidei, 576, 579.
Clydonitinae, 404.
Clymenia, 350, 391, 397.
Clymenienstufe, 17, 397.
Clypeaster, 133.
Clypeastridae, 125, 133.
Cnemidiastrum, 57.
Coblenz-Stufe, 17.
Coccolithe, 514.
Coccosphären, 514.
Coccosteidae, 552.
Coccosteus, 552.
Cochliodus, 350.
Codonaster, 185.
Coelacanthidae, 560, 562.
Coelenterata, 19, 73.
Coeloceras, 437.
Coelodonta, 768, 775.
Coelodonte Zähne (Vertebr.), 527.
Coeloptychidae, 63, 68.
Coeloptychienkreide, 14, 69.
Coeloptychium, 68.
Coeluridae, 661.
Coelurus, 661.
Coenenchym (Anthoz.), 85.
Coenograptus, 79.
Coenopus, 768, 774.
Coenosark (Anthoz.), 85.
Coenosarkfurchen (Hydroid.), 76.
Coenosphaera, 41.
Coenosteum (Stromatop.), 81.
Coenothyris, 224.
Coleoptera, 513.
Collyrites, 135.
Colossochelys, 638.
Columella (Coelent.), 88.
Columella (Gastrop.), 299.
Comatula, 174.
Comatulidae, 173.
Compressus-Reihe (Goniat.), 395.
Compsognathidae, 661.
Compsognathus, 661.
Conchacea, 257, 258.
Conchifera, 230.
Conchorhynchus, 371.
Condylarthra, 696, 741, 747, 748, 749.
Congeria, 285.
Congerienschichten, 13, 285.
Congridae, 576.
Conidae, 334.
Conocephalus, 486, 488.
Conoclypeidae, 124, 132.
Conoclypeus, 132.
Conocoryphe, 488.
Conocrinus, 171.
Conodonten, 117, 529.
Conophori (Belemn.), 468.
Conothek (Belemn.), 462, 464.
Consolidationsapparat, 164.
Contorta-Schichten, 16, 282.
Conularia, 342.
Conularida, 342.
Conus, 334.
Copepoda, 479.
Coracoid (Quadr.), 596.
Corallien, 15.
Coralliten (Tabul.), 113.
Corallium, 86.
Corbicula, 260.
Corbula, 245.
Cornuspira, 23.
Corona (Echinoid.), 120.
Coronaten-Schichten, 15.
Coryphodon, 763.
Coryphodontidae, 763.
Coscinopora, 65.
Coscinoporidae, 63.
Cosina-Schichten, 13, 14.
Cosmoceras, 436.
Cosmoceratinae, 435.
Cosoryx, 806.
Costidiscus, 422.
Crag, red, white, 13.
Crania, 207.
Craniadae, 203, 206.
Craspedota, 83.
Crassatella, 266.
Crassatellidae, 258, 265.
Craticularia, 64.
Crenularis-Schichten, 129.
Creodonta, 695, 711, 718, 719, 728.
Cricetodon, 735.
Cricotus, 611.
Crinoidea, 118, 149.
Crinoidea, Geolog. Verbr. d., 174.
Crioceras, 447.
Crioceras-Stadium, 378.
Crista sagittalis (Mamm.), 683.
Cristellaria, 28, 38.
Crocodilia, 620, 651.
Crocodilidae, 654, 657.
Crocodilus, 657.
Crossopterygii, 559, 560.
Crura (Brachiop.), 201.
Crustacea, 476.
Crustacea, Geolog. Verbr. d., 510.
Crustacea, Stammesgesch. d., 510.
Cryphaeus, 492.
Cryptodira, 633, 635.
Cryptodonta, 237, 238.
Cryptoproctinae, 725.
Ctenacodon, 700.
Ctenobranchiata, 302, 314.
Ctenodipterini, 555.
Ctenodus, 555.
Ctenoidschuppen, 531.
Ctenophora, 74.
Ctenostreon, 286.
Cucullaea, 247, 279.
Cuise, sables de, 13.
Culm, 17.
Cultrijugatusschichten, 17, 215.
Cupressocrinidae, 163.
Cupressocrinus, 155, 163.
Cursores, 672.
Cuseler Schichten, 17.
Cuvieri-Pläner, 283.
Cyathaxonia, 105.
Cyathaxonidae, 102, 105.
Cyathocrinidae, 164.
Cyathocrinus, 155, 164.
Cyatholithe, 514.
Cyathophyllidae, 102.
Cyathophyllum, 102.
Cyathoseris, 97.
Cyclas, 260.
Cyclobranchiata, 302, 308.
Cycloceras, 435.
Cycloclypeus, 38.
Cycloidschuppen, 531.
Cyclolites, 95.
Cyclolobus, 408.
Cyclonema, 312.
Cyclopidius, 800.
Cyclospondyli, 543.
Cyclostoma, 304, 335.
Cyclostomata, 191.
Cyclostomi, 527, 529.
Cyclotus-Zone, 15.
Cycnorhamphus, 650.
Cylindrophyma, 56.
Cymaclymenia, 398.
Cymbites, 427.
Cynodictis, 719.
Cynodon, 720.
Cynohyaenodon, 713.
Cynopithecidae, 742, 745.
Cypellia, 65.
Cyphosoma, 129.
Cypridae, 509.
Cypridina, 508.
Cypridinenschiefer, 17.
Cypridinidae, 508.
Cyprina, 259.
Cyprinidae (Lamellibr.) 258, 259.
Cyprinidae (Pisces) 576.
Cypris 509.
Cyrena 260.
Cyrenenmergel 13.
Cyrenidae 258, 260.
Cyrtia 216.
Cyrtidae 43, 45.
Cyrtina 215.
Cyrtoceras 356, 361, 364.
Cyrtoceras-Gruppe 361, 364.
Cystasteroidea 178, 181.
Cystechinoidea 178, 180.
Cystiphyllidae 102, 106.
Cystiphyllum 106.
Cystispongia 68.
Cystocidaris 180.
Cystocrinoidea 178, 182.
Cystoidea 118, 176.
Cystoidea, Geolog. Verbr. d. 184.
Cytherea 268.
Cytherellidae 509.
Cytheridae 509.
D.
Dachsteinkalk 16.
Dacosaurus 655.
Dactylioceras 441.
Dactyloplastra 633.
Dactyloporen (Hydroid.) 77.
Dactylozooide 77.
Dadocrinus 168.
Dalmania 492.
Dama 807.
Damuda-Schichten 17.
Danien 14.
Daonella 239.
Dapedius 570.
Dasypodidae 737, 739.
Dasyuridae 701, 702.
Davoëi-Zone 15, 441.
Dawsonia 607.
Decapoda (Cephalop.) 353.
Decapoda (Crustac.) 504.
Deckknochen (Vertebr.) 521.
Deckschicht (Spong.) 51.
Defrancia 192.
Delphinidae 706, 707.
Deltidium (Brachiop.) 198.
Dendrodus 561.
Dendrophyllia 98.
Dentale (Quadr.) 594.
Dentale (Vertebr.) 524.
Dentalienbank, Dentalienzone 296.
Dentalium 296.
Dentin (Pisces) 532.
Dentin (Vertebr.) 526.
Dercetis 579.
Desmoceras 431.
Desmodonta 237, 240.
Desmodontes Schloss 235.
Devonformation 12, 17.
Diadematidae 124, 128.
Diaphragma (Gastrop.) 301.
Diapophyse (Quadrup.) 589.
Dibranchiata (Cephalop.) 353.
Diceras 271, 272.
Diceraskalke 272.
Diceratherium 768, 774.
Dichobunidae 787, 789.
Dichobunus 789.
Dichodon 799.
Diclonius 668.
Dicotyles 796.
Dicotylinae 796.
Dicrocerus 805.
Dictyocha 44.
Dictyochidae 44.
Dictyonema 75.
Dictyonema-Schichten 18, 75.
Dictyonina 62, 63.
Dictyothyris 223.
Dicynodon 625.
Didelphidae 701, 702.
Didelphys 702.
Didus 674.
Didymictis 716.
Didymodus 541.
Didymograptus 79.
Digitigrader Fuss (Mamm.) 685.
Dihoplus 768, 774.
Dilatati (Belemn.) 468.
Diluvium 12, 13.
Dimetrodon 624.
Dimorphodon 649.
Dimyaria 232.
Dinarites 402.
Dinichthys 553.
Dinictis 726.
Dinoceras 765.
Dinoceratidae 763, 764.
Dinornis 673.
Dinosauria 620, 658.
Dinotheriensand 13.
Dinotheriidae 755.
Dinotherium 755, 757.
Diphyae 224.
Diphyakalk 15, 224.
Diphycerker Schwanz 538.
Diplacanthus 565.
Diplacodon 768, 777.
Diplacodon-Beds (Unt. Olig.) 825.
Diplobune 792.
Diplocynodon 657.
Diplodocus 662.
Diplodus 541.
Diplograptus 80.
Diplomorpha 74, 75.
Diplopoda 512.
Diploporenkalk 16.
Diplotrypa 113.
Diplovertebron 611.
Dipnoi 540, 553.
Dipodidae 735.
Diprionidae 78, 80.
Diprotodon 703.
Diprotodontia 695, 701, 703.
Diprotodontidae 702, 703.
Diptera 513.
Dipteridae 555.
Dipterus 555.
Discidae 41, 42, 45.
Discina 206.
Discinidae 203, 206.
Discocyclina 37.
Discohelix 316.
Discoidea 132.
Discolithe 514.
Dissacus 714.
Distichalia (Crinoid.) 154.
Divaricatores (Brachiop.) 200.
Doedicurus 739.
Dogger 15.
Dolichosoma 609.
Doracotherium 803.
Dordogne-Stufe 14.
Dornfortsätze (Vertebr.) 518.
Dorsalcanäle (Crinoid.) 167.
Dorsalstrang (Foramin.) 33.
Dorsati (Productus) 209.
Dorsolateralfurche 464.
Doryceras 394.
Doryderma 59.
Dorypteridae 564, 567.
Dorypterus 568.
Dreissensia 285.
Dremotherium 805.
Drepanodon 727.
Drepanodus 116.
Dromatheriidae 697, 814.
Dromatherium 697.
Dryolestes 698.
Dryopithecus 745.
Dumortieria 433.
Dyas 12, 17.
Dysodonta 232, 238, 279.
Dysodontes Schloss 234.
E.
Ecardines 203, 204.
Echidna 696.
Echinidae, 124, 130.
Echinobrissus, 135.
Echinocaris, 501.
Echinoconidae, 124, 131.
Echinoconus, 131.
Echinodermata, 19, 117.
Echinoëncrinus, 182.
Echinoidea, 118.
Echinoidea, Vorkommen u. Verbr. d., 140.
Echinolampas, 135.
Echinolampidae, 125, 134.
Echinoneinae, 132.
Echinospatangus, 138.
Echinosphaeritenkalk, 179.
Echinosphaerites, 179.
Eckzahn (Mamm.), 688.
Edentata, 696, 728, 736.
Eifeler Kalk, E.-Stufe, 17.
Einstrahler (Spong.), 49.
Elasmobranchii, 543.
Elasmodonte Zähne (Mamm.), 692.
Elasmostoma, 72.
Elasmotherium, 768, 775.
Elephantidae, 756.
Elephas, 757, 760.
Ellipsocephalus, 488.
Elotherium, 793.
Emarginula, 309.
Embolomere Wirbel (Vertebr.), 519.
Embolomeri, 605, 611.
Empedocles, 623.
Emscher, 14.
Emydae, 634, 637.
Emys, 637.
Enallohelia, 93.
Encrinasteria, 148.
Encrinidae, 166.
Encrinus, 155, 166.
Endoceras, 350, 355.
Endoceratidae, 354.
Endogastrisch (Cephalop.), 356.
Endopodit (Trilob.), 484.
Endothek (Anthoz.), 88, 101.
Entelodon, 793.
Entomis, 509.
Entomostoma, 324.
Entomostraca, 478, 507.
Eocän, 13.
Eocidaris, 122, 126.
Eogen, 13.
Eohippus, 770.
Eomys, 735.
Eophyton, 83.
Eophyton-Sandstein, 18.
Epidermis (Lamellibr.), 236.
Epihippus, 769, 780.
Epioticum (Vertebr.), 523.
Epiphyse (Mamm.), 680.
Epipterygoid (Quadr), 594.
Episternum (Quadr.), 596.
Epistomina, 30.
Epistropheus (Quadr.), 590.
Epithek (Anthoz.), 89.
Equidae, 769, 778.
Equidae, Geol. Verbr. d., 784.
Equinae, 769, 782.
Equus, 769, 783.
Equus-Beds, 820, 824, 826.
Erinaceus, 711.
Errantia, 114, 116.
Eryon, 504.
Eryops, 611.
Eschatius, 801.
Esino-Schichten, 16.
Esocidae, 576.
Estheria, 239, 501.
Esthonychidae, 729.
Esthonyx, 729.
Ethmoid (Quadr.), 592.
Ethmoid (Vertebr.), 523.
Eucalyptocrinus, 154, 160.
Eucladoceros, 807.
Eucrotaphus, 800.
Eucystoidea, 178.
Eudoxus-Zone, 15.
Euechinoidea, 122, 124.
Euelephas, 761.
Euganoidea, 559, 568.
Eugeniacrinidae, 169.
Eugeniacrinus, 155, 169.
Euichthyes, 540, 551.
Eunema, 312.
Eunicidae, 116.
Euornithes, 674.
Euostraca (Crustac.), 478, 500.
Euplectella, 62.
Eupsamminae, 98.
Eurasiatische Region (Mamm.), 815, 816.
Euryalae, 144, 145.
Eurypholis, 578.
Eurypterus, 498.
Eurysternum, 636.
Eurytherium, 791.
Eusmilus, 727.
Eusuchia, 652, 654.
Eutatus, 739.
Evexus-Reihe (Goniatit.), 395, 396.
Exoccipitalia (Quadr.), 591, 595.
Exoccipitalia (Vertebr.), 523.
Exogastrisch (Cepbalop.), 351, 356.
Exogyra, 292, 293.
Exopodit (Limulus), 497.
Exopodit (Trilob.), 484.
Expleta, 101.
F.
Facies, 10.
Falkoid-Formen (Ammon.), 432, 434.
Famenne-Stufe, 17.
Fangzähne (Vertebr.), 526.
Fangzähne (Carniv.), 717.
Favosites, 110.
Favositidae, 108, 110.
Faxekalk, 14.
Felidae, 718, 725.
Felinae, 725.
Felis, 725.
Felsenbein (Mamm.), 682.
Felsinotherium, 708.
Femur (Quadr.), 598.
Fenestella, 191.
Festinio-Stufe, 18.
Feuerstein, 69.
Fibula (Quadr.), 598.
Fische, 529.
Fische, Geolog. Verbr. d., 583.
Fissilobati (Amaltheus), 415.
Fissobranchiata, 308.
Fissurella, 302, 309.
Fissurellidae, 309.
Flammenmergel, 14.
Floscelle (Echinoid.), 133.
Flossen (Vertebr.), 525.
Flossenstrahlen (Vertebr.), 525.
Flysch, 13.
Fontainebleau, sables de, 13.
Foramen (Brachiop.), 198.
Foramen infraorbitale (Mamm.), 682.
Foramen magnum (Vertebr.), 523.
Foraminifera, 20.
Foraminifera, Vorkommen u. geolog. Verbr. d., 38.
Formation, 12.
Formenreihe, 18.
Fossilien, 1.
Fossilien, Alter d., 9.
Fossilien, Erhaltungszustand d., 4.
Fossilien, mechanische Veränder. d., 8.
Fossilien, pflanzliche, 7.
Fossilien, thierische, 5.
Fossilien, Veränderungen d., 6.
Fossilien, Vorkommen d., 9.
Frasne-Stufe, 17.
Frondicularia, 27.
Frontalia (Quadr.) 592.
Frontalia (Vertebr.) 524.
Fundamentalloben (Amm.) 381.
Fungidae 90, 96.
Fusidae 330, 332.
Fusulina 31.
Fusulinenkalk 17, 32, 38.
Fusulinidae 22, 31.
Fusus 304, 332.
G.
Gabel (Sepia) 472.
Gabelanker (Spong.) 50.
Galeocerdo 548.
Galeolaria 115.
Galesaurus 624.
Gampsonyx 503.
Ganoiden 558.
Ganoidschuppen 531.
Gargasmergel 14.
Garonne-Stufe 14.
Garumnien 14.
Gastornis 674.
Gastrioceras 393.
Gastrocoeli (Belemn.) 467.
Gastropoda 230, 296.
Gastropoda, Geol. Verbr. d. 340.
Gastroporen (Hydroid.) 77.
Gastrovascularraum (Coelent.) 73, 84.
Gastrozooide (Hydroid.) 77.
Gault 14.
Gaumen, Gaumenplatten (Mamm.) 682.
Gavialis 657.
Gazella 810.
Gazellinae 809, 810.
Gebiss (Mamm.) 687.
Gegenwart 12, 13.
Gehirn (Mamm.) 681.
Gelenkfortsatz (Mamm.) 683.
Gelenkfortsatz (Vertebr.) 520.
Gelocus 802.
Genae (Trilob.) 480.
Geocoma 144.
Geodia 50.
Geodinidae 50.
Geoteuthis 474.
Gephyroceras 397.
Gervillia 282.
Gesichtsnaht (Trilob.) 481.
Gigantostraca 478, 498.
Giraffinae 805, 807.
Glabella (Trilob.) 480.
Glacialperiode 13.
Glattschalige Ammonoidea 385.
Gleitflächen (Trilob.) 483.
Gliederthiere 475.
Gliedmassen (Mamm.) 683.
Gliedmassen (Trilob.) 484.
Gliedmassen (Vertebr.) 524, 525.
Gliedmassenskelet (Vertebrata) 524.
Glimmerschieferformation 12.
Globigerina 28, 38.
Globigerinenschlamm 29, 38.
Globigerinidae 22, 28.
Glossograptidae 80.
Glycimeris 243.
Glyphioceras 393.
Glypticus 129.
Glypticus-Schichten, Glypticien 15, 130.
Glyptodontidae 736, 738.
Glyptolaenus 562.
Glyptolepis 561.
Glyptosphaerites 178.
Gneissformation 12.
Gomphoceras 364.
Gomphotherium 800.
Gondwana-Stufe 16, 17.
Goniaster 147.
Goniatiten 376, 389.
Goniatiten-Stufe 17.
Goniatites 391.
Goniatitidae 390.
Goniatitidae, Stammbaum d. 399.
Gonioclymenia 398.
Goniomya 242.
Goniopholidae 654, 656.
Goniopholis 656.
Gonophoren (Hydroid.) 76.
Gorgonidae 86.
Gosau-Schichten 14.
Gothländer Kalk 18.
Graptolithidae 78.
Graptoloidea 79.
Gravigrada 737, 739.
Grenzdolomit 16.
Grès de Beauchamp 13.
Grès supraliasique 15.
Gresslya 243.
Grobkalk 13.
Grödener Sandstein 17.
Grossoolith 15.
Grünsand 14.
Gryphaea 292, 293.
Gryphitenkalk 15.
Guttensleiner Kalk 16.
Gymnites 413.
Gymnolaemata 191.
Gymnophiona 602, 614.
Gypskeuper 16.
Gyrencephala 681.
Gyroceras 356, 361, 365.
Gyroceras-Gruppe 361, 365.
Gyrodus 574.
Gyrolepis 566.
Gyropleura 274.
Gyroporellenkalk 16.
H.
Hapalidae 742, 745.
Hadrianus 638.
Hadrosauridae 663, 667.
Hadrosaurus 667.
Haie 545.
Halicore 708.
Halitherium 708.
Hallirhoa 54.
Hallstätter Kalk 16.
Halobia 240.
Halswirbel (Vertebr.) 518.
Halysites 109.
Halysitidae 108, 109.
Hamilton-Gruppe 17.
Hamiten-Schichten 437.
Hamites 437, 422.
Hamitesstadium 378.
Hammatoceras 434.
Hamulina 422.
Haploceras 430.
Haploceratinae 430.
Haploconus 750.
Haplophragmium 21, 22, 26.
Harlech-Stufe 18.
Harpactocarcinus 506.
Harpoceras 428.
Harpoceratinae 427.
Hartgebilde 5.
Hastati (Belemn.) 467.
Hastings Sandstein 14.
Hatteria 621.
Hauptbuntsandstein 16.
Hauptmuschelkalk 16.
Hauptrogenstein 15.
Hauterive Stufe 14.
Haversische Canäle (Pisces) 532.
Helaletes 768, 774.
Helderberg-Gruppe 17, 18.
Helicidae 337.
Heliolites 109.
Heliolitidae 108.
Heliopora 87, 108.
Helioporidae 86.
Helix 306, 338.
Helladotherium 807.
Helvetische Stufe 13.
Hemiaster 139.
Hemicidaris 128.
Hemiganus 713.
Hemiptera 513.
Herbivores Gebiss (Mamm.) 694.
Hercyn 17.
Hesperornis 671.
Hesperornithidae 671.
Heteraster 138.
Heteroceras 448.
Heterocerci 559, 563.
Heterocerker Schwanz 538.
Heterodonta (Lamellibr.) 238, 256.
Heterodonte Backzähne (Artiod.) 787.
Heterodontes Schloss (Lamellibr.) 234.
Heteromesisch 9.
Heterometabola 513.
Heteromyaria 232, 279.
Heteropoda 302, 307, 311.
Heteropora 193.
Heterotopisch 9.
Heterotrypa 113.
Hexacoralla 87.
Hexacoralla, Geol. Verbr. d. 99.
Hexacrinidae 159.
Hexacrinus 155, 159.
Hexact 48.
Hexactida 48, 60.
Hexactinellida 48, 60.
Hexactinelliden, Geol. Verbreitung d. 69.
Hexapoda 476, 512.
Hexaprotodon 797.
Hilfsloben (Ammon.) 374.
Hilsconglomerat 14.
Hilssandstein 14.
Hilsthon 14.
Hipparion 782.
Hippidium 769, 784.
Hippopotamidae 788, 796.
Hippopotamus 797.
Hippotherium 769, 782.
Hippuritenkreide 14, 265, 276, 278.
Hippurites 271, 276.
Hippuritidae 271, 275.
Hirudinea 114.
Höckerzähne (Carniv.) 716.
Hoernesia 282.
Hohlkiel (Ammon.) 385.
Hohlwirbel (Vertebr.) 518.
Holaster 137.
Holasteridae 125, 135.
Holcodiscus 447.
Holcodonte Zähne (Vertebr.) 527.
Holocephali 540, 550.
Holomeniscus 801.
Holoptychiidae 560.
Holoptychius 561.
Holostomata (Gastrop.) 317.
Holothurioidea 117, 118.
Homalonotus 485, 489.
Homarus 505.
Homo 745.
Homocerker Schwanz (Pisc.) 538.
Homöodontes Gebiss (Mammalia) 689.
Homoeosaurus 622.
Homomya, Homomyenmergel 242.
Homomyaria 233.
Hoplites 445.
Hoplophoneus 727.
Hoplophorus 738.
Hoplopleuridae 576, 578.
Hornschwämme 49.
Hudson-Gruppe 18.
Humerus (Quadr.) 597.
Humphrisianus-Zone 15, 438.
Hyaemoschus 803.
Hyaena 725.
Hyaenarctos 721.
Hyaenidae 718, 724.
Hyaenodon 715.
Hyaenodontidae 712, 714.
Hyalina 338.
Hyalonema 62.
Hyalostelia 48, 62.
Hyalotragos 58.
Hybodontidae 545.
Hybodus 546.
Hydractinia 75.
Hydractinidae 75.
Hydranthen 76.
Hydrobia 321.
Hydrochoerus 734.
Hydrocorallinae 74, 76.
Hydroidea 74.
Hydroidea, erloschene Gruppen d. 78.
Hydromedusae 74.
Hydrophyton 75.
Hydropotes 805.
Hylaeobatrachus 614.
Hylonomidae 608.
Hylonomus 608.
Hymenoptera 513.
Hyoidbogen, Hyoideum (Vertebr.) 521.
Hyolithes 343.
Hyomandibulare (Vertebr.) 521.
Hyopotamus 794.
Hyopsodidae 742, 743.
Hyopsodus 743.
Hyotherium 795.
Hypapophyse (Quadr.) 588.
Hyperbolarfelder (Belemn.) 465.
Hypostom (Trilob.) 483.
Hypselodonte Zähne (Mamm.) 693.
Hypsilophodon 665.
Hyrachyus 768, 771.
Hyracidae 751.
Hyracodon 768, 772.
Hyracoidea 696, 748, 751.
Hyracotheriidae 767, 769.
Hyracotherium 767, 770.
Hystricomorpha 732, 733.
Hystrix 733.
I. J.
Janassa 550.
Janira 289.
Jason-Zone 15.
Ichthyocrinidae 162.
Ichthyodoruliten 533.
Ichthyopsida 528.
Ichthyopterygia 620, 640.
Ichthyornis 673.
Ichthyornithidae 673.
Ichthyosauridae 642.
Ichthyosaurus 642.
Ichthyotomi 541.
Ictitherium 723, 724.
Ictopsidae 710.
Idiochelys 635.
Jerea 54.
Jereïca 58.
Iguanodon 666.
Iguanodontidae 663, 666.
Ileum (Quadr.) 597.
Illaenus 485, 491.
Imperforata (Foramin.) 20, 21.
Inadaptive Reduction 786.
Inadunata (Crinoid.) 156, 163.
Indivisi (Goniat.) 399.
Inexpleta 101.
Infrabasalia (Crinoid.) 151.
Inoceramus 239, 283.
Inozoa 71.
Insecta 476, 512.
Insectivora 695, 709, 728.
Insectivores Gebiss (Mammalia) 694.
Integripalliata 233, 257, 258, 259.
Interambulacralfeld 121.
Interambulacralplatten 121.
Intercanalsystem (Foramin.) 21.
Intercentrum (Vertebr.) 518.
Interglacialperiode 13.
Interlaminarraum (Hydr.) 76, 81.
Intermaxillare (Quadr.) 594.
Intermaxillare (Vertebr.) 524.
Interradialia (Crinoid.) 151.
Intumescens-Schichten, Intumescens-Stufe 17, 397.
Joannites 408.
Joannitinae 408.
Jochbogen (Mamm.) 681.
Jochfortsatz (Mamm.) 681.
John Day-Beds (Miocän) 820, 825, 826.
Irregulares (Echinoid.) 119, 124, 131.
Irregulares (Belemn.) 466.
Irregularia (Crinoid.) 166.
Isastraea 92.
Ischium (Quadr.) 597.
Ischyodus 551.
Isodontes Schloss (Lamellibr.) 235.
Isodonte Zähne (Vertebr.) 527.
Isomesisch 9.
Isomyaria 237.
Isopoda 502.
Isospondyli 576.
Isotopisch 9.
Itieria 326.
Jugale (Quadr.) 592.
Jugale (Vertebr.) 524.
Jungtertiär 13.
Juraformation 12, 15.
Jurensis-Zone 15, 422.
K.
Kaenozoicum 11.
Känozoische Periode 12.
Kalkschwämme 70.
Kalk von Tournay 17.
Kalk von Visé 17.
Karnische Stufe 16.
Keilbein (Mamm.) 681.
Kelloway-Stufe 15.
Keraterpeton 609.
Keuper 16.
Kieferbogen (Vertebr.) 521.
Kiel (Ammonitensch.) 385.
Kiemenbögen (Vertebr.) 521.
Kiemenstrahlen (Vertebr.) 521.
Kieselkugeln, Kieselscheiben 49.
Kimmeridge-Stufe 15.
Kingenia 226.
Klausschichten 15, 239.
Knorpelknochen (Vertebr.) 522.
Kössener Schichten 16.
Kohlenkalk 17.
Koninckella 213.
Kopfbrust (Arthrop.) 475.
Kopfpanzer (Vertebr.) 521.
Kopfschalenbildungen (Ammon.) 380.
Kopfschild (Trilob.) 408, 481.
Korallenpolypen 74.
Kreide, Baculiten- 14, 423.
Kreide, Belemnitellen- 14, 468.
Kreideceratiten 412, 416.
Kreide, chloritische 14.
Kreide, Coeloptychien- 14, 69.
Kreideformation 12, 14.
Kreide, Hippuriten- 14, 275, 276, 278.
Kreidemergel 14.
Kreide, Weisse 14.
Kronfortsatz (Mamm.) 683.
Kugelsterne 49.
Kupferschiefer 17.
Kurtodon 698.
L.
Labyrinthodontia 605, 612.
Lacertilia 644.
Lacrymale (Mamm.) 682.
Lagena 27.
Lagenalisschichten 225.
Lagenidae 22, 27.
Lagomorpha 732, 735.
Lagomyidae 736.
Lagomys 736.
Lamellibranchiata 230.
Lamellibranchiata, Geol. Verbr. d. 294.
Lamina (Stromat.) 76, 81.
Lamna 548.
Lamnidae 547.
Lanceolati (Goniat.) 399.
Lanceolatiforme Loben 384.
Lanceolatiformes (Ammon.) 410, 417.
Landsäugethiere 709.
Landsäugethiere, Fundorte d. foss. 824.
Landschneckenkalk 13.
Langhische Stufe 13.
Lanzettfischchen 529.
Laramie-Gruppe 13, 14, 825.
Lariosaurus 627.
Lateralia (Cirrip.) 509.
Latilamina (Stromat.) 82.
Latisellat 375.
Latisellati (Ammon.) 391, 401.
Lebacher Schichten 17.
Leda 249.
Leioceras 437.
Leiostraci 406.
Leiostrake Ammonoidea 385.
Leitfossilien 11.
Leithakalk 13.
Lemuridae 742, 744.
Lepadocrinus 180.
Lepas 510.
Leperditia 507.
Leperditidae 507.
Lepidocentrus 124.
Lepidacyclina 37.
Lepidoptera 513.
Lepidosteïdae 569, 573.
Lepidosteus 573.
Lepidotus 570.
Leporidae 735.
Lepralia 194.
Leptaena 211, 213.
Leptaenabett 213.
Leptictis 710.
Leptobos 813.
Leptocardii 527, 529.
Leptolepis 579.
Leptomeryx 802.
Leptoria 92.
Leptostraca 478, 500.
Leptotragulus 801.
Lepus 735.
Lestodon 741.
Lettenkohle 16.
Leucosalenia 70.
Lias, Lias-Stufe 15.
Liasien 15.
Libysche Stufe 13.
Lichas 485, 494.
Ligament (Lamellibr.) 232.
Ligerien 14.
Ligurische Stufe 13.
Lima 285.
Limbus (Trilob.) 481.
Limea 286.
Limnaeidae 336.
Limnaeus 336.
Limnosyus 768, 777.
Limulus 497.
Linguati (Goniat.) 399.
Linguatiforme Loben 384.
Linguatiformes (Ammon.) 410, 412.
Lingula 205.
Lingula flags 18.
Lingulella 205.
Lingulidae 203, 204.
Linthia 139.
Liodon 646.
Liotomus 700.
Liparoceras 432.
Lissencephala 681.
Listriodon 796.
Lithistidae 49, 50.
Lithistiden, Geolog. Verbr. d. 69.
Lithocubus 43.
Lithostrotion 104.
Litorinella 321.
Litorinellenkalk 13.
Lituites 356, 361, 371.
Lituites-Gruppe 361, 370.
Lituola 25.
Lituolidae 22, 25.
Llandeilo-Stufe 18.
Llandovery-Stufe 18.
Lobati (Productus) 209.
Loben (Ammon.) 374, 381.
Lobenlinie 348.
Lobites 409.
Lobitinae 409.
Löss 13.
Loire-Stufe 14.
Londonthon 13.
Longirostres (Crocodil.) 657.
Lonsdaleia 105.
Lophiodon 768, 771.
Lophobranchii 580.
Lophodonte Zähne (Mamm.) 692.
Loricata 736, 737.
Loricula 509.
Loup Fork-Beds (Unt. Plioc.) 820, 824, 826.
Loxodon 757, 760.
Loxolophodon 765.
Loxonema 323.
Lucina 262.
Lucinidae 258, 262.
Ludlow-Stufe 18.
Lückzähne (Carniv.) 716.
Lunula 236.
Lunulites 195.
Lunzer Schichten 16.
Lurche 601.
Lutra 724.
Lycosaurus 624.
Lynx 726.
Lyssacina 62.
Lytoceras 421.
Lytoceratidae 395, 401, 417, 420.
M.
Machairodinae, Machairodus 727.
Maclurea 316.
Macrauchenia 752, 753.
Macrocephalenschichten 15, 439.
Macrocephalites 439.
Macrochilus 323.
Macrodon 247.
Macropodidae 702, 703.
Macropoma 563.
Macropus 713.
Macroscaphites 422.
Macrotherium 778.
Macrura 504.
Mactra 245.
Madrepora 97.
Madreporaria 87.
Madreporenplatte 120.
Madreporinae 97.
Maeandrospongidae 63, 66.
Magas 226.
Magnosellares (Goniat.) 399.
Mahlzähne (Vertebr.) 526.
Mainzer Stufe 13.
Malacostraca 478, 502.
Malm 15.
Mammalia 527, 587, 678.
Mammalia d. alten Welt 816.
Mammalia d. neuen Welt 819.
Mammalia, Geol. Verbr. d. 814, 823.
Mammalia, Stammbaum d. 822.
Manatus 709.
Mandibula (Vertebr.) 521.
Manidae 736.
Manticoceras 396.
Margaritatus-Zone 15, 415.
Marsupialia 695, 700, 814.
Marsupites 155, 168.
Mastodon 758.
Mastodonsaurus 613.
Maxillare (Vertebr.) 524.
Maxillare (Quadr.) 592.
Mediterranstufen 13.
Medlicottia 410.
Meeresmolasse 13.
Meeressand 13.
Megaceros 807.
Megalithista 59.
Megalodon 267.
Megalodontidae 258, 266.
Megalonychinae 740.
Megalonyx 741.
Megalonyx-Beds 741, 820, 824, 826.
Megalosauridae 660.
Megalosaurus 660.
Megalurus 577.
Megamorina 52, 58.
Megamys 735.
Megaphyllites 418.
Megatheriidae 737, 739.
Megatheriinae 739.
Megatherium 739.
Megerlea 226.
Melanerpeton 607.
Melania 306, 331.
Melanidae 317, 321.
Melanopsis 304, 322.
Meletta 580.
Melocrinidae 158.
Melocrinus 154, 158.
Melonites 123.
Membranipora 194.
Menevian-Stufe 18.
Meniscotheriidae 750, 751.
Meniscotherium 751.
Menodus 768, 778.
Menophyllum 100.
Mensch 745.
Merychippus 769, 782.
Merychyus 800.
Merycochoerus 800.
Mesenterialfächer, Mesenterialfalten 84.
Mesites 180.
Mesohippus 769, 781.
Mesonychidae 712, 713.
Mesonyx 713.
Mesopithecus 745.
Mesosaurus 627.
Mesozoicum 11.
Mesozoische Periode 12.
Metabola 513.
Metacarpus (Quadr.) 598.
Metalophodon 764.
Metapophyse (Mamm.) 680.
Metastoma 498.
Metatarsale (Quadr.) 598.
Metaxytherium 708.
Metriorhynchus 655.
Miacidae 712, 716.
Michelinia 112.
Micraster 138.
Microdon 574.
Microlestes 699.
Micromeryx 806.
Miesmuschel 284.
Milchgebiss (Mamm.) 688.
Miliola 21, 23.
Miliolidae 22, 23.
Miliolidenkalk 23, 38.
Miliolina 23.
Millepora, Milleporidae 77.
Mimoceras 394.
Mimoceratinae 391, 394.
Miocän 13.
Mioclaenus 712.
Miohippus 781.
Miolophus 729.
Mittelschild (Trilob.) 482.
Mixosaurus 642.
Modiola 284.
Molar (Mamm.) 688.
Molasse 13.
Mollusca 19, 228.
Molluscoidea 19, 189.
Moltkia 86.
Monactinellidae 49, 59.
Monakt 47.
Monograptus 79.
Monomyaria 233, 279.
Monophyllites 420.
Monophyodontes Gebiss (Vertebr.) 527.
Monopleura, Monopleuridae 271, 274.
Monoprionidae 78, 79.
Monotis 239, 279.
Monotremata 695, 696.
Monotrypa 113.
Monticulipora 113.
Monticuliporidae 108, 113.
Montlivaultia 91.
Montmartre-Gyps 13.
Morosauridae, Morosaurus 663.
Mosasaurus 646.
Moschus 805.
Mucronatenkreide 469.
Muensteroceras 393.
Multilobati 392, 394.
Multituberculata 695, 698, 814.
Muraenidae 576.
Murchisonae-Schichten 15, 288.
Murchisonia 304, 310.
Murex 304, 333.
Muricidae 330, 333.
Muridae 735.
Muschelkalk 16.
Muschelsandstein 13, 16.
Mustela 723.
Mustelidae 718, 723.
Mutation 18.
Mya 244.
Myacites 242, 243, 264.
Myliobatis, Myliobatidae 549.
Mylodon 740.
Myodes 735.
Myolagus 736.
Myomorpha 732, 735.
Myophoria 251, 253.
Myoxus 732.
Myriapoda 476, 512.
Myrmecobiidae 701, 703.
Myrmecobius 703.
Myrmecophagidae 737, 741.
Mytilacea 279, 280.
Mytilidae 280, 284.
Mytiloides-Pläner 283.
Mytilus, Mytilusschichten 284.
Myxospongiae 48, 49.
N.
Nackenfurche, Nackenring (Trilob.) 481.
Nacktwirbel (Vertebr.) 517.
Nährpolypen 77.
Nahtlobus, Nahtsattel (Ammon.) 375.
Naosaurus 624.
Narbada 824.
Nasalia (Vertebr.) 524.
Nassa 331.
Nassellaria 41, 42.
Natica 306, 319.
Naticella 319.
Naticidae 317, 319.
Naticopsis 320.
Naupliusstadium 477.
Nautilidae 354, 356.
Nautilini (Goniat.) 399.
Nautiliniformes (Clymen.) 397.
Nautiloidea 350, 353, 354.
Nautiloidea, Geol. Verbr. d. 371.
Nautiloiden, Kiefer d. 371.
Nautilus 350, 356, 361, 366.
Nautilus-Gruppe 361, 365.
Navisschichten 254.
Nebaliadae 502.
Nebenaugen (Xiphos.) 496.
Nebenformen d. Ammonoidea 378, 453.
Nebenformen d. Cosmoceratinae 437.
Nebenformen d. Lytoceratidae 422.
Nebenformen d. Perisphinctinae 447.
Necrolemur 744.
Nectridae 609.
Neocom 14.
Neocrinoidea 151, 166.
Neogen 13.
Neoplagiaulax 700.
Nereidae 116.
Nerinea 302, 324.
Nerineidae 324.
Nerita 304, 313.
Neritidae 309, 313.
Neritina 304, 313.
Nesodon 753.
Nesokerodon 734.
Neurobranchiata 301, 302, 335.
Neurogymnurus 711.
Neuroptera 513.
Neusticosaurus 628.
New red sandstone 16, 17.
Niagara-Gruppe 18.
Nileus 491.
Nimravinae 726.
Nodosaria 27.
Nodosusschichten, Nodosuskalk 16, 403.
Nordamerik. Region (Mamm.) 815, 816.
Norische Stufe 16.
Nothosauridae 626, 627.
Nothosaurus 628.
Nototherium 704.
Notidanidae, Notidanus 547.
Notocoeli 468.
Nucleatae (Terebr.) 224.
Nucula 248.
Nuculidae 246, 248.
Numismalisschichten, Numismalismergel 15, 225.
Nummulina 34.
Nummulinidae 22, 32.
Nummulitenschichten, Nummulitenkalke 13, 35, 38.
Nummulites 22, 34.
O.
Obliquecostali (Perisphinct.) 443.
Obolidae 203, 205.
Obolus 205.
Obolus-Sandstein 18, 206.
Obstructionsringe (Nautil.) 359.
Obtusus-Zone 15, 427.
Occipitalfurche (Trilob.) 481.
Occipitalia (Vertebr.) 523.
Occipitalring (Trilob.) 481.
Ocelli (Xiphos.) 497.
Octactinia 85.
Octopidae 455, 459.
Octopoda 353, 454.
Oculinidae 90, 93.
Oculininae 93.
Odontolcae 671.
Odontophor (Moll.) 229.
Odontopteryx 674.
Odontormae 673.
Oenonites 116.
Oesel-Gruppe 18.
Ogygia 491.
Ohren (Ammon.) 380.
Olcostephanus 440.
Old red sandstone 17.
Olecranum (Mamm.) 684.
Olenus 485, 487.
Olenus-Stufe 18, 487.
Oligocän 13.
Olividae 330, 332.
Omnivores Gebiss (Mamm.) 694.
Omosaurus 665.
Omphyma 103.
Onchus 583.
Onychaster 145.
Oolith 15.
Opalinusschichten, Opalinuszone 15, 428.
Operculata (Cirrip.) 510.
Operculina 33, 38.
Ophidia 644, 646.
Ophidioceras 370.
Ophioceramis = Ophiocten 144.
Ophioglyphidae, Ophiomyxidae 144.
Ophiopsis 572.
Ophiurae 144.
Ophiuroidea 118, 141.
Opisthobranchiata 301, 306.
Opisthocöle Sepia (Cephal.) 352.
Opisthocöle Wirbel (Vertebr.) 518.
Opisthoticum (Vertebr.) 523.
Oppelia 429.
Oralplatten (Crinoid.) 165.
Orbitoides 22, 32, 36.
Orbitoidenkalk 38.
Orbitosphenoid (Vertebr.) 523.
Orbitosphenoid (Quadrup.) 592.
Orbitulina, Orbitulinenkalk 38.
Orbitulites 24.
Orbulina 28, 38.
Oreodon 799.
Oreodontidae 788, 799.
Organolithe 514.
Oriskany-Gruppe 17.
Ornatenthon 15, 436.
Ornithochirus 650.
Ornithopoda 663, 665.
Ornithopsis 662.
Ornithorhynchus 696.
Orohippus 770.
Orthacanthus 541.
Orthidae 204, 211.
Orthis 211.
Orthoceras 356, 361.
Orthoceras-Gruppe 361.
Orthoceraskalk 18, 356.
Orthopoda 659, 663.
Orthoptera 513.
Orycerinae 809, 810.
Orycteropus 736.
Os innominatum (Mamm.) 684.
Osteolepis 562.
Osteopygis 637.
Ostracoda 479, 507.
Ostracum (Cephal.) 349, 461.
Ostrauer Schichten 17.
Ostrea 291, 292.
Ostreacea 280, 290.
Ostreidae 290.
Otica (Quadr.) 591.
Otodus 548.
Ottweiler Schichten 17.
Oudenodon 625.
Ovibos 811.
Ovicellen 190.
Oviclypeus 132.
Ovinae 809, 811.
Oxford-Stufe 15.
Oxyclymenia 397.
Oxygaena 715.
Oxynoti, Oxynoticeras 414.
Oxynotus-Zone 15, 414.
Oxyrhina 547.
P.
Pachycormidae 576.
Pachycormus 576.
Pachydiscus 431.
Pachynolophinae 769, 779.
Pachynolophus 769, 779.
Palaeobatrachus 615.
Palaeochoerus 795.
Palaeoconchae 237, 218.
Palaeocrinoidea 152, 356.
Palaeodictyoptera 513.
Palaeogale 723.
Palaeohatteria 621.
Palaeohatteriidae 621.
Palaeolagus 735.
Palaeomeryx 805.
Palaeoniscidae 564, 565.
Palaeoniscus 566.
Palaeophis 647.
Palaeoreas 810.
Palaeorhynchidae 582.
Palaeorhynchus 582.
Palaeoryx 811.
Palaeostraca (Crust.) 478, 479.
Palaeosyopinae 777.
Palaeosyops 768, 777.
Palaeotheriinae 769, 780.
Palaeotherium 769, 780.
Palaeozoicum 11.
Paläozoische Periode 11.
Palapteryx 673.
Palatinum (Vertebr.) 523.
Palatoquadratum (Vertebr.) 521.
Palauchenia 801.
Palechinoidea 122.
Pali (Anthoz.) 88.
Paloplotherium 769, 781.
Palpebralflügel (Trilob.) 482.
Paludina 306, 320.
Paludinenschichten 13, 320.
Paludinidae 317, 320.
Pampasformation 13, 824, 826.
Panchetschichten 16.
Panochthus 738.
Panopaea 243.
Pantolambda 763.
Pantolambdidae 762, 763.
Pantolestes 789.
Pantolestidae 787, 788.
Pantolestoidea 787.
Pantotheria 695, 696, 814.
Parabasalia (Crinoid.) 151.
Parabolina 487.
Paraceltites 406.
Paradoxides 485, 487.
Paradoxides-Schichten, Paradoxides-Stufe 18, 487.
Paramorphose 6.
Parapophyse 589.
Parasmilia 92.
Parasorex 711.
Parasphenoid (Vertebr.) 523.
Parasuchia 652.
Parietalia (Quadr.) 592.
Parietalia (Vertebr.) 524.
Pariser Stufe 13.
Parkinsonia 436.
Parkinsoni-Schichten 15, 436.
Parodiceras 392.
Patella 302, 308.
Paucilobati 392.
Paukenbein (Mamm.) 682.
Paukenhöhle (Mamm.) 682.
Paxillosi (Belemn.) 466.
Pecten 287.
Pectinacea 280, 285.
Pectunculus 248.
Pedina 130.
Pedunculata 509.
Pelagosaurus 655.
Pelecypoda 230.
Pelomedusidae 634, 639.
Pelosaurus 607.
Peltastes 127.
Peltocaris 501.
Peltoceras 445.
Peltura 487.
Pelycodus 743.
Pelycosauria 623.
Pemphix 504.
Pentacrinidae 171.
Pentacrinus 155, 172.
Pentamerus 218, 220.
Pentatremites 186.
Pentatremitidae 188.
Peraceras 768, 774.
Perarmatus-Zone 15, 444.
Peratherium 702.
Percidae 581.
Perforata (Foram.) 20, 21.
Pericyclus 393.
Periderm (Coelent.) 78.
Periptychidae 749, 750.
Periptychus 750.
Perisphinctes, Perisphinctidae 441.
Perissodactyla 696, 748, 765.
Peristom 120.
Perlmuschel 282.
Permformation 12, 17.
Peronella 71.
Personatensandstein 288.
Petaloid 121.
Petalospyris 43.
Petraia 107.
Petrefacten 1.
Petromyzon 529.
Petrosum (Mamm.) 682.
Pflanzenreste, Versteinerung d. 7.
Pflanzenreste, Verkohlung d. 8.
Phacochoerus 796.
Phacops 486, 492.
Phaeodaria 41, 44.
Phalangen (Quadr.) 598.
Phalangistidae 702, 704.
Phaneropleuridae 554.
Phaneropleuron 555.
Pharciceras 395.
Pharetrones 70.
Pharetrones, Geol. Verbr. d. 73.
Pharyngognathi 580.
Phascolomyidae 702, 704.
Phascolomys 704.
Phenacodontidae 750, 766.
Phenacodus 751, 767.
Phillipsastraea 105.
Phillipsastraeidae 102, 105.
Phillipsia 485, 493.
Philonexidae 455.
Phoca 728.
Pholadomya 241.
Pholas 245.
Pholidophorus, Pholidopleurus 572.
Pholidosaurus 656.
Phosphorite. (Oligoc.) 825.
Phragmoceras 365.
Phragmokon (Cephal.) 349, 461, 464.
Phragmophora 459, 460.
Phyllitformation 12.
Phyllocarida 478, 500.
Phylloceras 418.
Phylloceratidae 395, 401, 417, 418.
Phyllograptus 80.
Phylloide Lobenzerschlitzung 377, 400.
Phyllopoda 478, 501.
Physa 337.
Physoclysti 559, 580.
Physostomi 559, 575.
Pictetia 422.
Piloceras 356.
Pinacoceras 411.
Pinacoceratidae 396, 401, 410.
Pinnipedia 695, 728.
Pinnulae (Crinoid.) 153.
Pisces s. Fische.
Pisiforme (Quadr.) 599.
Pisolithenkalk 14.
Placentalia 695, 705, 814.
Placenticeras 416.
Placodermi 540, 551.
Placodontidae 625, 627, 629.
Placodus 630.
Placoidschuppen 530.
Placophora 297, 302, 308.
Pläner, Plänermergel 14.
Plagiaulacidae 699, 700.
Plagiaulax 700.
Plagioptychus 271, 275.
Plagiostomi 543.
Planorbis 304, 337.
Planorbis-Zone 15, 425.
Plantigrader Fuss (Mamm.) 685.
Platecarpus 646.
Platychelydae 634, 637.
Platychelys 637.
Platycrinidae 160.
Platycrinus 155, 160.
Platyogonus 796.
Platysomidae 564, 567.
Platysomus 567.
Plectognathi 580.
Plectospondyli 576.
Pleistocän 13.
Pleodontes Gebiss (Vertebr.) 527.
Plesiarctomys 732.
Plesictis, Plesiocyon 723.
Plesiochelydae 634, 639.
Plesiochelys 639.
Plesiosauridae 627, 628.
Plesiosaurus 629.
Pleuracanthidae, Pleuracanthus 541.
Pleuralbögen (Vertebr.) 520.
Pleuren (Trilob.) 480, 483.
Pleurocentrum (Vertebr.) 518.
Pleuroceras 415, 416.
Pleurodictyon 111.
Pleurodira 634, 638.
Pleurodonte Zähne (Vertebr.) 527.
Pleuromya 242.
Pleurosternidae 634, 639.
Pleurosternon 639.
Pleurotoma 302, 333.
Pleurotomaria 304, 309.
Pleurotomariidae 309.
Pleurotomidae 333.
Pliauchenia 801.
Plicatula 289.
Plinthosella 55.
Pliocän 13, 824.
Pliolophus 770.
Pliopithecus 745.
Plioprion 700.
Pliosaurus 629.
Plocoscyphia 67.
Podocnemis 639.
Pogonodon 727.
Polychaeta 114.
Polycoelia 105.
Polymastodon 700.
Polymorphi 432.
Polymorphina 28.
Polymorphites 432.
Polypar (Coelent.) 87.
Polyphyodontes Gebiss (Vertebr.) 527.
Polypomedusae 74.
Polyprotodontia 695, 701, 702.
Polypteridae 560, 563.
Polystomella 32.
Pontische Stufe 13.
Popanoceras 409.
Poritidae 90, 97.
Poritinae, Porites 97.
Porocrinus 183.
Porosphaera 77.
Portax 811.
Portheus 580.
Portland-Stufe 15.
Posidonienschichten, Posidonienschiefer 15, 172, 239.
Posidonomya 239, 501.
Posidonomyengestein 239.
Postfrontale, Postorbitale (Quadr.) 592.
Potamotherium 724.
Poteriocrinidae 165.
Poteriocrinus 155, 166.
Potsdam-Gruppe 18.
Praecardien 261.
Praemaxillare (Vertebr.) 524.
Praemolar (Mamm.) 688.
Praesphenoid (Quadr.) 592.
Primates 696, 741.
Primordialcranium (Vertebr.) 521.
Primordiales (Goniat.) 399.
Primordialiformes (Clym.) 398.
Primordialisreihe (Goniat.) 395, 396.
Prioniodus 116.
Proboscidea 696, 748, 754.
Proboscidea, Geol. Verbr. d. 762.
Proboscis 152.
Probubalus 812.
Procamelus 801.
Procavia 734.
Processus angularis (Mammalia) 683.
Processus articularis (Mammalia) 683.
Processus coronoideus (Mamm.) 683.
Processus obliqui (Mamm.) 680.
Procöle Scheidewände (Cephal.) 351.
Procöle Wirbel (Vertebr.) 518.
Procyonidae 718, 722.
Prodremotherium 803.
Productacea 204, 208.
Productidae 204, 208.
Productus 208.
Productuskalk, Productus limestone 17, 209.
Proëbrotherium 800, 801.
Proëtus 485, 493.
Prolecanites 395.
Promegatherium 740.
Pronorites 395.
Proostracum (Ceph.) 352, 461, 464.
Prooticum (Vertebr.) 523.
Propalaeotherium 779.
Propinacoceras 411.
Propleura 636.
Prorastomus 708.
Prorsocostati (Perisphinctes) 443.
Proselachii 540, 541.
Prosimiae 696, 742.
Prosipho 351, 471.
Prosobranchiata 301, 302, 308.
Prosopon 506.
Prosphingites 407.
Protapirus 768, 772.
Protauchenia 801.
Proterosaurus 621.
Protocardia 261.
Protogonia 751.
Protohippus 769, 783.
Protolabis 800, 801.
Protopsalis 715.
Protoreodon 790, 799.
Protostega 634.
Protostegidae 633, 634.
Protosyngnatha 512.
Prototheria 694, 696.
Protozoa 19.
Provence-Stufe 14.
Proviverridae 712.
Prox 805.
Psammochelys 639.
Psammodus 549.
Psephophorus 634.
Pseudaelurus 726.
Pseudodiadema 129.
Pseudomelania 322.
Pseudomelanidae 317, 322.
Pseudomonotis 239, 279, 281.
Pseudomorphose 6.
Pseudopodien 19.
Pseudosciurus 732.
Pseudosepten (Zoanth.) 87, 108.
Psiloceras 425.
Psilonoten 425.
Psilonotenschichten 425.
Psittacotherium 731.
Ptenodraco 650.
Ptenoglossa 314.
Pteranodon 651.
Pteranodontidae 649, 650.
Pteraspidae 551, 553.
Pteraspis 553.
Pterichthys 552.
Pterinea 279, 280.
Pteroceras 328.
Pteroceras-Stufe 15, 328.
Pterodactylidae 649, 650.
Pterodactylus 650.
Pterodon 715.
Pteropoda 230, 342.
Pteropodenschlamm 342.
Pterosauria 620, 647.
Pterygoid (Vertebr.) 523.
Pterygotus 499.
Ptilodus 700.
Ptychites 413.
Ptychitidae 395, 401, 412.
Ptychodus 550.
Ptycholepis 572.
Ptychophyllum 103.
Ptygmatis 326.
Pubis (Quadr.) 597.
Puerco-Beds (Eoc.) 819, 825, 826.
Pullenia 38, 32.
Pulmonata 301, 302, 336.
Pulpa (Vertebr.) 526.
Pulvinulina 29, 30.
Pupa 339.
Purbeck 15.
Pycnodontidae 569, 573.
Pygidium (Trilob.) 480, 483.
Pygope 224.
Pyrina 132.
Pythonomorpha 644, 645.
Q.
Quadersandstein 14.
Quadratenkreide 469.
Quadratojugale (Quadrup.) 592.
Quadratojugale (Vertebr.) 524.
Quadratum (Quadrup.) 591.
Quadratum (Vertebr.) 523.
Quadrupeda 527, 587.
Quartärformation 12, 13.
Quebeck-Gruppe 18.
Querfortsätze (Vertebr.) 520.
Quinqueloculina 23.
R.
Rachiglossa 330.
Radialia 151.
Radialcanäle 51.
Radiolaria 20, 39.
Radiolaria, Geol. Verbr. d. 44.
Radiolarienschlamm 40, 45.
Radiolites 271, 278.
Radius (Quadr.) 598.
Ragadinia 54.
Raja 550.
Raibler Schichten 16.
Rajidae 550.
Rajmahal-Schichten 16.
Randschilder (Trilob.) 482.
Rangifer 807.
Raricostatus-Zone 15, 427.
Rastrites 79.
Ratitae 671, 674.
Rauhschalige Ammonoidea 385.
Recoaro-Schichten 16.
Red sandstone, lower new, lower old 17.
Red sandstone, upper new 16.
Regulares (Echinoid.) 119, 124, 125.
Regularia (Crinoid.) 166.
Reineckia 439.
Reisszähne (Carniv.) 716.
Reniera 50.
Reptilien 619.
Requienia 271, 273.
Reticularia 216.
Retiolites 80.
Retioloidea 80.
Retroeostati (Perisphinctes) 443.
Retzia 214, 216.
Rhabdocidaris 126.
Rhabdolepis 566.
Rhabdolithe 514.
Rhabdosphären 514.
Rhachitome Wirbel (Vertebr.) 518.
Rhachitomi 605, 610.
Rhacophyllites 420.
Rhätische Schichten, Stufe 16.
Rhamphorhynchidae 649.
Rhamphorhynchus 649.
Rhenani (Belemn.) 466.
Rhinocerotidae 768, 772.
Rhinocerotidae. Geol. Verbr. d. 776.
Rhipidocrinus 154, 158.
Rhipidocyclina 37.
Rhizocrinus 171.
Rhizodontidae 560, 561.
Rhizodus 561.
Rhizomorina 52, 57.
Rhizopoda 19.
Rhizostomites 83.
Rhodocrinidae 158.
Rhodocrinus 158.
Rhombodipteridae 560, 562.
Rhopalastrum 42.
Rhynchocephala 620, 619.
Rhynchodontidae 569, 573.
Rhyncholithes 371.
Rhynchonella 217, 218.
Rhynchonellidae 204, 217.
Rhytina 708.
Ricnodon 608.
Rinder 809, 811.
Ringwirbel (Vertebr.) 518.
Rippen (Vertebr.) 519, 520.
Rippenfortsätze (Vertebr.) 520.
Rippenträger (Vertebr.) 520.
Rochen 549.
Rodentes Gebiss (Mamm.) 694.
Rodentia 696, 728, 731.
Röth 16.
Rollengelenk (Mamm.) 685.
Ronzotherium 768, 774.
Rostellaria 304, 327.
Rostrum (Belemn.) 461.
Rostrum (Cirrip.) 510.
Rostrum (Phyllocaridae) 500.
Rotalia 21, 30, 38.
Rotalidae 22, 29.
Rothliegendes 17.
Rotomagien 14.
Rotularia 115.
Rouen-Stufe 14.
Rudistae 275.
Rugulosakalk 338.
Ruminantia 788, 797.
Rumpf (Trilob.) 483.
Runzelschicht (Ammon.) 380.
Runzelschicht (Nautilus) 349.
Rupelthon 13.
S.
Saarbrückener Schichten 17.
Sables de Bracheux, Cuise, Fontainebleau 13.
Sables moyens 13.
Saccamina 25.
Saccaminidae 22, 25.
Sacralwirbel (Vertebr.) 525.
Sacralwirbel (Mamm.) 681.
Sacrum (Quadrup.) 590.
Sageceras 410.
Sagittalkamm (Mamm.) 683.
Saiga 810.
Salenia 127.
Salenidae 124, 127.
Salina-Gruppe 18.
Salmonidae 576.
Sao 488.
Sarcotheria 695, 709.
Sarkode 19.
Sarmatische Stufe 13.
Saurichthys 578.
Saurocephalidae 576, 580.
Saurodontidae 569, 571.
Sauromorphi 605, 608.
Sauropoda 659, 661.
Sauropsida 527, 587, 616, 674.
Sauropterygia 620, 625.
Saurura 619, 620, 668.
Sauzei-Zone 15, 438.
Scaphaspis 553.
Scaphites 448.
Scaphopoda 230, 295.
Scapula 596.
Scelidosauridae 663.
Scelidosaurus 664.
Scelidotherium 740.
Schädel (Vertebr.) 521.
Schädel (Mamm.) 681.
Schafe 809, 811.
Schaumkalk 16.
Schildkröten 630.
Schilf-Sandstein 16.
Schio-Schichten 13.
Schizodonta 238, 250.
Schizodontes Schloss 234.
Schizodus 250, 251.
Schläfenbein (Mamm.) 681.
Schlier 13.
Schloenbachia 416.
Schloss (Brachiop.) 200.
Schloss (Lamellibr.) 232.
Schlotheimia 433.
Schmelz (Vertebr.) 527.
Schnauzennaht (Trilob.) 482.
Schneidezähne (Vertebr.) 526.
Schneidezähne (Mamm.) 688.
Schrattenkalk 14.
Schwagerina 32.
Schwanzschild (Trilob.) 480, 483.
Schulp (Sepia) 471.
Schultergürtel (Vertebr.) 524.
Sciuridae 733.
Sciuroides, Sciuromorpha 732.
Sciurus 733.
Scuta (Cirrip.) 509.
Scutella 134.
Scutibranchiata 309.
Secodonte Zahnform (Mammalia) 690, 692.
Sedentaria 114, 115.
Seekatzen 550.
Seesäugethiere 705.
Seewen-Schichten 14.
Sehfläche (Trilob.) 482.
Seisser-Schichten 16.
Seitenfurche (Belemn.) 464.
Seitenfurche (Trilob.) 481.
Seitenlappen (Trilob.) 480.
Seitenloben (Ammon.) 374.
Seitensättel (Ammon.) 375.
Seitentheile (Trilob.) 480.
Selachii 540, 543.
Selenodonte Zähne (Mamm.) 692.
Seliscothon 57.
Semionotus 569.
Semionotus-Sandstein 16.
Semipartitus-Schichten 403.
Sémur-Stufe 15.
Senon 14.
Sepia 471.
Sepiinae 462, 471.
Septa, Septaldüten (Cephal.) 347.
Septarienthon 13.
Serolis 503.
Serpula, Serpulasand, Serpulidae, Serpulit 115.
Serrati (Goniat.) 399.
Serratiforme Loben 384.
Serratiformes (Clym.) 398.
Serratiformes (Ammon.) 410.
Servino 16.
Silicispongiae 48.
Silurformation 12, 17, 18.
Siluridae 576.
Simiae 696, 742, 745.
Simiidae 742, 745.
Simoceras 455.
Simosaurus 628.
Sinémurien 15.
Sinupalliata 233, 257, 259, 267.
Sinus (Brachiop.) 198.
Sipho, Siphonalhülle (Cephal.) 347.
Sipho (Ammon.) 384.
Siphonia 54.
Siphonophora 74.
Siphonostoma 317, 324.
Sirenia 695, 707.
Sirenoidea 554.
Sivatherium 807.
Siwaliks 824, 825.
Smerdis 582.
Smilodon 727.
Soissonische Stufe 13.
Solariidae 315.
Solarium 304, 315.
Solen 269.
Solenidae 259, 269.
Solenocrinus 174.
Sorex 711.
Sowerbyi-Zone 15, 435.
Sperrknochen (Vertebr.) 518.
Spatangenkalk 14, 138.
Spatangidae 125, 137.
Spatulariidae 564, 568.
Sphaeraster 149.
Sphaerexochus 493.
Sphaeridae 41, 45.
Sphaeroceras 438.
Sphaerodontidae 569, 570.
Sphaerodus 570.
Sphaerosomatites 43.
Sphaerulites 278.
Sphenodiscus 415.
Sphenodontidae 621.
Sphinctozoa 71, 72.
Sphingites 407.
Spinatus-Zone 15.
Spindel (Trilob.) 480.
Spindelring (Trilob.) 483.
Spirifer 214.
Spiriferacea 204, 213.
Spiriferen-Sandstein 17, 215.
Spiriferidae 204, 214.
Spiriferina 215, 216.
Spiroloculina 23.
Spirorbis 115.
Spirula 470.
Spirulinae 462, 470.
Spirulirostra 470.
Spitzenfurche (Belemn.) 464.
Spleniale (Vertebr.) 524.
Spondylus 290, 292.
Spongia 19, 45.
Spongilla 60.
Spongocyclia, Spongosphaera 42.
Sporadoceras 394.
Sporadopyle 64.
Spumellaria 41.
Spyridae 43.
Squalodon, Squalodontidae 706.
Squaloidei 545.
Squamosum (Vertebr.) 524.
Squamosum (Quadr.) 593.
Squamosum (Mamm.) 681.
Squatina, Squatinidae 548.
Stapes 595.
Staurodermidae 63, 65.
Staurolonche 42.
Stegocephala 602.
Stegodon 757, 759.
Stegosauria 663.
Stegosauridae 663, 664.
Stegosaurus 664.
Steinkern 6.
Steinkohlenformation 12, 17.
Steletta 50.
Stellispongia 71.
Stemmata (Arthrop.) 475.
Steneofiber 733.
Steneosaurus 655.
Stephanoceras 438.
Stephanoceratinae 437.
Stephanophyllia 98.
Stephidae 43, 44.
Stereosternum 627.
Sternlamellen (Anthoz.) 101.
Sternum (Vertebr.) 520.
Sternum (Quadr.) 596.
Stichocapsa 44.
Stirn (Brachiop.) 197.
Stirn (Trilob.) 481.
Stirnsinus (Mamm.) 682.
Stomatopora 193.
Stomechinus 131.
Straparollus 304, 315.
Strepsicerinae 809, 810.
Streptelasma 104.
Streptorhynchus 211, 212.
Streptostylica 644.
Stringocephalenkalk 17, 216, 226.
Stringocephalidae 204, 226.
Stringocephalus 226.
Stromatopora, Stromatoporella 83.
Stromatoporoidea 81.
Strombidae 327.
Strombus 328.
Strophalosia 208, 209.
Strophodus 550.
Strophomena 211, 212.
Strophostoma 335.
Struthio, Struthionidae 673.
Stubensandstein 16.
Stylacodontidae 698.
Stylacodon 698.
Stylina, Stylinidae 95.
Stylodontidae 569.
Stylommatophora 336, 337.
Stypolophus 713.
Subapenninformation 13.
Subcarbon 17.
Subquadrati (Belemn.) 468.
Succinea 339.
Südamerik. Region (Mamm.) 815, 816.
Süsswassermolasse 13.
Suidae 788, 794.
Suidae, Geol. Verbr. d. 796.
Suinae 795.
Suoidea 788.
Supraangulare (Vertebr.) 524.
Supraoccipitale (Vertebr.) 523.
Supraoccipitale (Quadr.) 591.
Supratemporale 593.
Sus 795.
Suspensivlobus (Ammon.) 383.
Sutur (Cephal.) 348.
Sylvanakalk 338.
Symborodon 768, 778.
Synaptikel 89.
Synostose (Vertebr.) 522.
Syringopora 110.
Syringoporidae 108, 110.
Syringothyris 215.
Systemodon 767, 770.
T.
Tabulata 108.
Tabulata, Geol. Verbr. d. 113.
Taenioglossa 316.
Talchir-Schichten 17.
Talpa 711.
Taphrosphys 639.
Tapiravus 768, 772.
Tapiridae 768, 771.
Tapiridae, Geol. Verbr. d. 772.
Tapirus 768, 772.
Tarsiidae 742, 744.
Tarsius 744.
Tarsus (Quadr.) 598.
Tastpolypen (Hydroid.) 77.
Taxocrinus 155, 162.
Taxodonta 232, 237, 245.
Tectospondyli 543.
Tegel, Badener 13.
Teleosauridae 654, 655.
Teleosaurus 656.
Teleostomi 540, 556.
Tellina 268.
Tellinidae 259, 268.
Temporale (Mamm.) 681.
Tentaculifera (Cephal.) 353.
Tentaculites, Tentaculitenschichten 116.
Tentaculitidae 115.
Tentakel (Coelent.) 85.
Tentakelschuppen (Ophiur.) 143.
Tenuilobatus-Zone 15, 430.
Terebratella 221, 225.
Terebratula 221, 223.
Terebratulabänke 224.
Terebratulacea 204, 217.
Terebratulidae 204, 221.
Terebratulina 223.
Teredina, Teredo 245.
Tergum (Cirrip.) 509.
Terquemia 292.
Terrain à chailles 15.
Tertiärformation 12, 13.
Testicardines 204, 207.
Testudinata 620, 630.
Testudinidae 634, 638.
Testudo 638.
Tetrabranchiata 353.
Tetracladina 51, 52.
Tetracoralla 74, 100.
Tetracoralla, Geol. Verbr. d. 107.
Tetractida 48, 49.
Tetractinellidae 49, 50.
Tetragonodonter Backzahn (Mamm.) 691.
Tetrakt (Spong.) 47.
Tetralophodon 757, 759.
Tetraprotodon 797.
Textularia 26.
Textularidae 22, 26.
Thalassemydae 633, 635.
Thalassemys 636.
Thamnastraea 96.
Thamnastraeidae 90, 95.
Thaumatocrinus 174.
Thecidea 227.
Thecideidae 204, 227.
Thecocyathus 94.
Thecodonte Zähne (Vertebr.) 527.
Thecophora (Testud.) 633.
Thecosomata 342.
Theridomyidae, Theridomys 734.
Theromorpha 620, 622.
Theropoda 659.
Thoracophorus 737.
Thoracostraca 502, 503.
Thoracosuchus 657.
Thorax (Arthrop.) 475.
Thorax (Trilob.) 480.
Thouars-Stufe 15.
Thrissops 579.
Thylacoleo 704.
Thylacoleontidae 702, 704.
Tibia (Vertebr.) 598.
Ticholeptus-Beds (Ob. Mioc.) 820, 825, 826.
Tillodontia 696, 728.
Tillotheriidae 729, 730, 732.
Tillotherium 730.
Tinoceras 765.
Tirolites, Tirolitinae 404.
Titanomys 736.
Titanotherium 778.
Tithon-Stufe 15.
Toarcien 15.
Tomistoma 657.
Tomitherium 744.
Tongerische Stufe 13.
Tortonische Stufe 13.
Tornoceras 392.
Torulosus-Zone 15, 422.
Toucasia 273.
Tournay, Kalk v. 17.
Tourtia 14.
Toxaster, Toxasterkalk 138.
Toxoceras 447.
Toxodon 753.
Toxodontia 696, 748, 752.
Toxoglossa 333.
Trabekel (Anthoz.) 96.
Trachyceras 402.
Trachyostraci 402.
Trachyostrak (Ammon.) 385.
Traginae 809, 810.
Tragoceros 811.
Tragulidae 788, 802.
Transversarius-Zone 15, 445.
Traverse (Anthoz.) 89.
Tremadictyon 64.
Tremadoc-Stufe 18.
Trematosaurus 613.
Trenton-Gruppe 18.
Triasformation 12, 16.
Triceratops 665.
Trichechus 728.
Triconodon, Triconodontidae 697.
Triglyphus 700.
Trigonia 251, 252.
Trigonidae 250.
Trigonodonter Backzahn (Mamm.) 690.
Trilobitae 478, 479.
Trilobitae, Geol. Verbr. d. 495.
Trilobiten-Stadium 477.
Triloculina 23.
Trilophodon 757, 758.
Trinucleus 485, 487, 496.
Trionychidae, Trionychoidea 633, 634.
Trionyx 635.
Tripartiti (Belemn.) 467.
Tritonium 304, 330.
Tritylodon 700.
Trivium 136.
Trochalia 326.
Trochidae 309, 310, 311.
Trochitenkalk 16, 168.
Trochoceras 365.
Trochocyathus 94.
Trocholites 356, 366.
Trochus 306, 311, 312.
Troglodytes 745.
Troostocrinus 188.
Tropites 406.
Tropitidae 393, 401, 405.
Truncatulina 29.
Tubercular-Sektorial (Mamm.) 690.
Tuberculati (Perisphinct.) 443, 445.
Tuberculatus-Zone 15, 173.
Tuberculum (Quadr.) 589.
Tubicolae 115.
Tuffkreide 14.
Tunicata 19, 513.
Turbinolinae 94.
Turbo 306, 311, 312.
Turon 14.
Turrilites 424.
Turrilites-Stadium 379.
Turritella 306, 317.
Turritellidae 317.
Tympanicum (Cetac.) 705.
Tympanum (Mamm.) 682.
Typotherium 753.
Typothorax 653.
U.
Ueberzählige Loben 383.
Uinta-Beds 825, 826.
Uintatherium 765.
Ulna (Quadr.) 598.
Umschlag (Trilob.) 483.
Uncites 216.
Undina 563.
Undulatae (Trigon.) 254.
Ungulata 696, 746.
Unguligrader Fuss (Mamm.) 685.
Unio 265, 828.
Unionidae 258, 265, 828.
Unterkiefer (Vertebr.) 521.
Unterkiefergelenk (Vertebr.) 523.
Unterkieferwinkel (Mamm.) 683.
Unteroolith 15.
Unterzählige Loben 384.
Urgon-Stufe 14.
Urocordylus 609.
Urodela 602, 614.
Ursa-Stufe 17.
Ursidae 718, 721.
Ursus 722.
Usurfläche (Mamm.) 694.
V.
Vaginata (Orthoc.) 356.
Vaginatenkalk 18, 356.
Valengin-Stufe 14.
Varians-Schichten 15, 219.
Varices (Ammon.) 381.
Varietät 18.
Vasodentin (Vertebr.) 526.
Vasodentin (Pisces) 532.
Velates 304, 314.
Venericardia 263.
Veneridae 259, 267.
Ventriculites 66.
Ventriculitidae 63, 66.
Venus 267.
Vermes 19, 114.
Versteinern 6.
Versteinerungen 1.
Vertebrata 19, 516.
Vertebrata, Einth. d. 527.
Vesoul-Stufe 15.
Vibracularia 190.
Vilser-Schichten 15.
Virgloriakalk 16.
Visceralskelet (Vertebr.) 521.
Visé, Kalk v. 17.
Vitrodentin (Pisces) 532.
Viverra 723.
Viverridae 718, 722.
Vivipara 320.
Vögel 670.
Vogesensandstein 16.
Vola 289.
Vollzählige Loben 383.
Voluta 304, 331.
Volutidae 330, 331.
Vomer 594.
Vraconne-Stufe 14.
W.
Waagenia 445.
Waagenoceras 408.
Wälder Sandstein, Wälder Thon 14.
Waldenburger Schichten 17.
Waldheimia 224.
Wangen (Trilob.) 480.
Wangenstacheln (Trilob.) 481.
Wasatch-Beds (Mitt. Eoc.) 819, 825, 826.
Wassergefässsystem (Echinod.) 117.
Weald 14.
Wellendolomit, Wellensandstein 16.
Wengener Schichten 16.
Wenlock-Stufe 18.
Werfener Schichten 16.
White River-Beds (Ob. Olig.) 819, 825, 826.
Wind River-Beds (Mitt. Eoc.) 825.
Wirbelbögen (Vertebr.) 516.
Wirbelcentrum, Wirbelkörper (Vertebr.) 517.
Wirbelsäule (Vertebr.) 516.
Wirbelsäule (Mamm.) 680.
Wissenbacher Schiefer 17.
Wolga-Stufe 14, 15.
Wulst (Sepia) 471.
X.
Xenacanthus 541.
Xenodiscus 413.
Xiphodon 790.
Xiphodontherium 790.
Xiphodontidae 787, 790.
Xiphosura 478, 496.
Xiphoteuthis 463.
Y.
Yoldia, Yoldienthon 250.
Z.
Zähne (Vertebr.) 526.
Zähne (Mamm.) 688.
Zahnkrone (Vertebr.) 526.
Zahnwechsel (Vertebr.) 527.
Zahnwurzel (Vertebr.) 526.
Zanclodon 660.
Zaphrentidae 102, 103.
Zaphrentis 103.
Zebu 813.
Zechstein 17.
Zeilleria 224.
Zeitrechnung, geol. 11.
Zeuglodon 706.
Zeuglodontidae 705, 706.
Ziegen 809, 811.
Ziphioideae 706, 707.
Zlambach-Schichten 16.
Zoantharia 85, 87.
Zoantharia rugosa 74, 110.
Zoantharia tabulata 74, 108
Zone 18.
Zonites 338.
Zooea 477.
Zooidröhren 76.
Zungenbeinbogen (Vertebr. 521.
Zwischenskelet (Foram.) 21.
Zygapophyse (Vertebr.) 520.
Druck von Breitkopf & Härtel in Leipzig.
ELEMENTE
DER
PALÄONTOLOGIE
BEARBEITET
VON
Dr. GUSTAV STEINMANN
ORD. PROFESSOR FÜR GEOLOGIE UND MINERALOGIE AN DER UNIVERSITÄT
FREIBURG I. B.
UNTER MITWIRKUNG
VON
Dr. LUDWIG DÖDERLEIN
DIRECTOR DES NATURHISTORISCHEN MUSEUMS DER STADT STRASSBURG I. E.,
PRIVATDOCENT FÜR ZOOLOGIE.
I. HÄLFTE (BOGEN 1-21):
EVERTEBRATA (PROTOZOA -- GASTROPODA).
MIT FIGUR 1-386 IN HOLZSCHNITT.
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VERLAG VON WILHELM ENGELMANN
1888.
(Die zweite Hälfte, den Rest der Evertebrata, die Vertebrata und die Pflanzen
enthaltend, erscheint Anfang 1889.)
ELEMENTE
DER
PALÄONTOLOGIE
BEARBEITET
VON
Dr. GUSTAV STEINMANN
ORD. PROFESSOR FÜR GEOLOGIE UND MINERALOGIE AN DER UNIVERSITÄT
FREIBURG I. B.
UND
Dr. LUDWIG DÖDERLEIN
DIRECTOR DES NATURHISTORISCHEN MUSEUMS DER STADT STRASSBURG I. E.,
PRIVATDOCENT FÜR ZOOLOGIE.
II. HÄLFTE (BOGEN 22-53):
EVERTEBRATA (SCHLUSS) UND VERTEBRATA.
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1. Hälfte: Evertebrata (Protozoa -- Gastropoda). 1888. M 10.--.
Verlag von Wilhelm Engelmann in Leipzig.
Die natürlichen Pflanzenfamilien
nebst ihren Gattungen und wichtigeren Arten insbesondere
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Bearbeitet unter Mitwirkung zahlreicher hervorragender Fachgelehrten von
A. Engler und K. Prantl
ord. Prof. der Botanik und Direktor des Prof. der Botanik und Direktor des
botanischen Gartens zu Berlin botanischen Gartens zu Breslau.
Bisher erschien:
I. Teil. (Im Erscheinen.)
1. Abteilung (Lfg. 36): Acrasieae, Phytomyxinae, Myxogasteres von J.
Schröter. (Bogen 1 u. 2; wird fortgesetzt!)
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Lex. 8°. In 6 Abteil. geh. Einzelpreis M. 66.--, Subskriptionspreis M.
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Die sechs Abteilungen sind auch einzeln erhältlich und zwar:
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Leitneriaceae von A. Engler; Salicaceae von F. Pax; Betulaceae,
Fagaceae von K. Prantl; Ulmaceae, Moraceae, Urticaceae, Proteaceae,
Loranthaceae von A. Engler; Myzodendraceae, Santalaceae, Grubbiaceae
von G. Hieronymus; Olacaceae, Balanophoraceae von A. Engler;
Aristolochiaceae von H. Solereder; Rofflesiaceae, Hydnoraceae von H.
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Heimerl; Aizoaceae, Portulacaceae, Caryophyllaceae von F. Pax. Mit 193
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2. Abteilung (Lfg. 16, 19, 29): Nymphaeaceae von R. Caspary;
Ceratophyllaceae von A. Engler; Magnoliaceae von K. Prantl;
Lactoridaceae von A. Engler; Trochodendraceae, Anonaceae,
Myristicaceae, Ranunculaceae von K. Prantl; Lardizabalaceae,
Berberidaceae, Menispermaceae, Calycanthaceae von K. Prantl;
Monimiaceae, Lauraceae, Hernandiaceae von F. Pax; Papaveraceae von K.
Prantl und J. Kündig. (Bogen 1-9; wird fortgesetzt!)
3. Abteilung (Lfg. 24): Rosaceae von W. O. Focke. (Bogen 1-3; wird
fortgesetzt!)
IV. Teil. (Im Erscheinen.)
1. Abteilung (Lfg. 37, 38): Clethraceae, Pirolaceae, Lennoaceae,
Ericaceae von O. Drude. (Bogen 1-6; wird fortgesetzt!)
5. Abteilung (Lfg. 34, 36): Cucurbitaceae von G. O. Müller und F. Pax;
Campanulaceae von S. Schönland. (Bogen 1-5; wird fortgesetzt!)
In Vorbereitung befindet sich:
vom III. Teil.
4. Abteilung: Geraniaceae, Oxalidaceae, Tropaeolaceae, Linaceae,
Humiriaceae von R. Reiche.
Anmerkungen zur Transkription: Die unter »Berichtigungen und
Druckfehler« aufgeführten Korrekturen wurden bereits in den Text
eingearbeitet.
*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 78608 ***