The Project Gutenberg EBook of Handbuch der Geschichte der Buchdruckerkunst, by 
Carl B. Lorck

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Title: Handbuch der Geschichte der Buchdruckerkunst
       Zweiter Teil. Wiedererwachen und neue Blte der Kunst. 1751-1882.

Author: Carl B. Lorck

Release Date: December 9, 2019 [EBook #60888]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK HANDBUCH DER GESCHICHTE ***




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                        HANDBUCH DER GESCHICHTE

                                  DER

                            BUCHDRUCKERKUNST

                                  VON

                             CARL B. LORCK.


                              ZWEITER TEIL

                WIEDERERWACHEN UND NEUE BLTE DER KUNST

                               1751-1882.

                             [Illustration]

                                LEIPZIG

                         VERLAG VON J. J. WEBER

                             MDCCCLXXXIII.




[Illustration]

                             _VORBEMERKUNG_

                         _zu dem zweiten Teil._


_Indem ich den Schlussteil meines Handbuches der Geschichte der
Buchdruckerkunst etwas spter und nicht unwesentlich umfangreicher,
als es in der ursprnglichen Absicht lag, der ffentlichkeit bergebe,
geschieht es, trotz der wohlwollenden Aufnahme, welche dem ersten Bande
sowohl seitens der Presse als des Publikums zuteil wurde, nur mit
vermehrter Zaghaftigkeit._

_Seite fr Seite nhert sich die Darstellung einer Periode, in welcher
jeder dem Fach angehrende Leser nicht nur zu den Zuschauenden, sondern,
durch lngere oder krzere Zeit, in mehr oder weniger hervorragender
Weise zu den Mitwirkenden gehrt. Von den Leistungen dieser Periode
wird er sich selbst ein Bild gemacht haben und eine fertige Meinung
mitbringen. ber Einzelheiten wird derselbe nicht selten genauer
unterrichtet sein, als der Verfasser des Buches, und wird deshalb leicht
geneigt sein, streng ber letzteren zu Gericht zu sitzen, der gentigt
war, die Leistungen der verschiedenen Vlker auf dem typographischen
Gebiete als Gesamtmasse und in ihrem Verhltnis zu einander auf einem
mssigen Raume in gedrngter bersicht vorzufhren und dem deshalb
manches weniger bedeutend erscheinen knnte, was vielleicht dem Leser
von einem nationalen, lokalen oder persnlichen Standpunkte von
grsserer Bedeutung vorkommt. So kann es leicht geschehen, dass der
Betreffende sein Ideal oder seinen Lieblings-Meister nicht oder nur
mit wenigen Worten erwhnt findet oder dass ber einen Gegenstand,
welchen die Fachjournale die Pflicht hatten, ausfhrlich zu errtern,
nur eine kurze Notiz gegeben ist. Diesen Lesern muss ich zu bedenken
geben, einerseits, dass der vorliegende Band einen Zeitraum von fast
anderthalb Jahrhunderten des mchtigsten Fortschreitens der Kunst in der
alten und neuen Welt umfasst, andererseits, dass ein geschichtliches
Handbuch weder ein technisches Lehrbuch noch ein geschftliches
Adressbuch oder ein empfehlender Preiscourant fr Fabrikanten sein kann
und darf._

_In der Innehaltung der richtigen Grenze des zu Besprechenden liegt eben
die Hauptschwierigkeit eines geschichtlichen Handbuches, welches bis auf
den heutigen Tag heranreicht. Dass indes diese Grenze berall richtig
getroffen sein sollte, darf ich nicht behaupten. Missgriffe und Fehler,
sowohl hinsichtlich des Weggelassenen als des Besprochenen, knnen bei
der grossen Reichhaltigkeit und Vielseitigkeit des Stoffes und bei der
Unmglichkeit, berall gleichmssig orientiert zu sein, wohl vorkommen,
nur hoffe ich, dass man ein tendenzises Hervorheben oder Weglassen mir
nirgends wird nachsagen knnen._

_ber die in diesem Bande befolgte Gruppeneinteilung habe ich mich
bereits in dem Vorwort zum ersten Bande ausgesprochen. Wenn ich auch
bestrebt gewesen bin, jedem der maassgebenden Hauptlnder sein Recht
werden zu lassen, so ist es doch selbstverstndlich, dass Deutschland
den Anspruch auf eine etwas detailliertere Behandlung als England
und Frankreich hatte, doch hoffe ich, das erlaubte Maass zugunsten
Deutschlands nicht berschritten zu haben._

_Obwohl die Bedeutung einer Offizin fr die Geschichte sich keineswegs
immer nach Zahl der Pressen oder der beschftigten Arbeiter messen
lsst -- die berhmte Kunstdruckerei von H. Reiss in Wien arbeitete mit
einer Handpresse und einem Drucker --, so schien es doch geboten,
zur Vervollstndigung eines Gesamtbildes des grossartigen Wirkens der
heutigen Presse den Umfang der grsseren Offizinen anzudeuten, obwohl
bei der Aufzhlung einer Reihe von Firmen Monotonie nicht ganz zu
umgehen war. Dasselbe gilt von den statistischen Angaben ber ganze
Lnder oder einzelne Stdte. Sie sind hauptschlich auf Mitteilungen aus
den Jahren 1880-1882 begrndet, ohne sich durchweg an ein und dasselbe
Jahr zu halten, was fr den Zweck einer allgemeinen bersicht ohne
Bedeutung war._

_Htte ich die Gewissheit, das mir gesteckte Ziel, ber welches
ebenfalls im Vorworte zum ersten Bande nheres gesagt wurde, erreicht
zu haben: mit dem enormen aufgespeicherten Material aufzurumen,
das Nutzlose zu beseitigen und in das zurckbleibende Wertvolle
einigermassen Ordnung und bersichtlichkeit zu bringen, so wrde ich
mit grosser Befriedigung die Feder nach vollbrachter, jahrelanger
mhsamer Arbeit weglegen; jetzt kann ich es nur mit dem Bewusstsein
thun, dass ich ehrlich bemht gewesen, nicht gar zu weit hinter der
Aufgabe zurckzubleiben._

    _Leipzig, den 24. Oktober 1883._

                                                       _Carl B. Lorck._




[Illustration]

                          INHALTS-VERZEICHNIS.

                                                                    Seite
                              EINLEITUNG.

         DAS LICHT UND DIE CHEMIE ALS FRDERER DER TYPOGRAPHIE.

  Wiederbelebung der Buchdruckerkunst. Das geistige und das
    physische Licht. Photographie, Lithographie, Chemigraphie.
    -- Alois Senefelder und der chemische Druck, Musiknoten-,
    Landkarten-, lbild- und Aquarelldruck, anastatischer Druck.
    Die Daguerreotypie. Die Silberphotographie, die Photographie
    und die Druckkunst, das Woodbury-Verfahren, der Lichtdruck,
    die Alberttypie, der photographische Lichtdruck, die
    Photolithographie. -- Verschiedene Hochdruckversuche: die
    Chemitypie, die Zinkhochtzung, ihre Vorzge und Mngel, ihre
    Zukunftsstellung                                                3-20


                          ERSTES BUCH.

                 DIE ANGLO-AMERIKANISCHE GRUPPE.

              EINFHRUNG IN DAS ERSTE BUCH (23-28).

                           I. KAPITEL.

  SCHRIFTGIESSEREI UND SETZMASCHINEN DER ANGLO-AMERIKANISCHEN GRUPPE.

  DIE SCHRIFTGIESSEREI: W. Caslon II., J. Jackson, D. Bruce,
    Mac Kellar Smiths & Jordan u. a. Die Holztypen. Der
    Blindendruck. Lord Stanhopes Stereotypie. DIE GIESSMASCHINE:
    Nicholson, Elihu White, D. & G. Bruce, Johnson und
    Atkinson, Westcotts Giessmaschine. DIE SETZMASCHINE, frhere
    Versuche: T. Alden, W. Mitchell, A. Fraser u. a. Hattersley,
    Kastenbein, Mackie. Der _Matrix compositor_ und hnliche
    Apparate                                                       29-48

                          II. KAPITEL.

  DIE DRUCK- UND HLFSMASCHINEN DER ANGLO-AMERIKANISCHEN GRUPPE.

  DIE HANDPRESSE. Lord Stanhope und seine Nachfolger:
    Cogger, Clymer u. a. Die Auftragmaschine. Die Gltt-
    und Prgmaschine: Bramah. DIE SCHNELLPRESSE: Friedrich
    Knig in England, Bensley, John Walter, der 29. November
    1814, Krnkungen Knigs, seine Abreise von London,
    Walters Eintreten fr ihn. Die Nachfolger Knigs:
    Napier, Applegath & Cowper, Hoe u. a. Die Endlosen: W.
    Bullock, die Walter-Maschine u. a. Die Mehrfarbe-Endlose.
    Die Tretmaschine. Die Ausleger, die Anleger. DIE
    SATINIERMASCHINE. DIE FEUCHTAPPARATE. DIE BRONCIERMASCHINE.
    DIE FALZMASCHINE. DIVERSE HLFSMASCHINEN. WALZEN UND FARBE.
    DIE MATERIALIENHANDLUNGEN                                      49-72

                          III. KAPITEL.

          DIE TYPOGRAPHIE UND DAS BUCHGEWERBE ENGLANDS.

  ENGLAND. AUFBLHEN DER TYPOGRAPHIE: J. Baskerville, Bowyer
    Vater und Sohn, J. Nichols, Miller-Ritchie, W. Bulmer, Th.
    Bensley, Hansard Vater und Sohn. DIE XYLOGRAPHIE: Thom.
    Bewick. DER FARBENDRUCK: G. Baxter, W. Savage, W. Congreve.
    Oxford, Cambridge, Edinburgh u. a. DIE ZEITUNGSPRESSE: Die
    _Times_ und die Familie Walter; Stempel; telegraphischer
    Verkehr; Inseratenwesen; Statistisches. DER ACCIDENZDRUCK.
    DER BUCHHANDEL: Die illustrierten Bltter, Ch. Knight. Der
    Bibeldruck. Die Bibliophilie: Lord Spencer, T. F. Dibdin. DIE
    BUCHBINDERKUNST.
  ASIEN: Indien, China, Japan, der Indische Archipel. --
    AUSTRALIEN, die Sdseeinseln. -- AFRIKA                        73-114

                          IV. KAPITEL.

        DIE TYPOGRAPHIE UND DAS BUCHGEWERBE NORDAMERIKAS.

  WACHSTUM DER PRESSE. DIE ZEITUNGEN: Statistisches, der
    _Herald_, Horace Greeley und die _Tribune_, G. Childs
    und der _Ledger_, die Familie Harper, Frank Leslie und
    die illustrierte Presse. Die Holzschneidekunst. DIE
    BUCHDRUCKEREI UND DER BUCHHANDEL: Die Staatsdruckerei und der
    Accidenzdruck, Organisation des Buchhandels. Grosse Druck-
    und Verlagsfirmen: Appleton, Lippincott, Houghton u. a.,
    Einfluss des deutschen Elements, Nachdruck deutscher Werke,
    deutsche Buchhandlungen und Zeitungen. DAS PAPIER             115-136


                          ZWEITES BUCH.

                     DIE ROMANISCHE GRUPPE.

            EINFHRUNG IN DAS ZWEITE BUCH (139-144).

                           V. KAPITEL.

      DIE SCHRIFTGIESSEREI UND DIE MASCHINEN IN FRANKREICH.

  DIE SCHRIFTGIESSEREI: Das Schriftsystem Didots, seine
    Anglaise, Mol. Orientalia. Notendruck, E. Duverger, Charles
    Derriey und das typographische Ornament. HOLZSCHNITT und
    Hochtzung. DIE STEREOTYPIE: Daul, Gaveaux, Jannin. DIE
    MASCHINEN: Marinoni, Alauzet, Dutartre u. a. Die Utensilien.
    Farbe. Papierfabrikation. DIE BUCHBINDEKUNST                  145-162

                          VI. KAPITEL.

  DER STAAT UND DIE PRESSE In FRANKREICH. DIE SCHPFER DER NEUERN
                          TYPOGRAPHIE.

  DER STAAT UND DIE PRESSE unter Ludwig XVI., der Revolution,
    Napoleon I., der Restauration, dem Brgerknigtum, Napoleon
    III. DIE LTEREN BUCHDRUCKEREIEN: Die Staatsdruckerei und
    die Didot in ihrem Einflusse auf die Typographie, die
    Familien Panckoucke, Barbou, Lottin, Treuttel & Wrtz,
    Berger-Levrault, Dentu, Crapelet                              163-190

                          VII. KAPITEL.

    DIE MODERNE TYPOGRAPHIE FRANKREICHS UND DAS BUCHGEWERBE.

  DAS AUFLEBEN DES BUCHGEWERBES. Die Prachtwerke. Neue
    Bahnen. Der _Cercle de la Librairie_. Die Fachlitteratur.
    Statistisches. Die Journallitteratur. DIE MODERNE
    TYPOGRAPHIE: A. Mame & Co., H. Fournier, P. Dupont, J.
    Claye, N. Chaix, H. Plon u. a. DER ILLUSTRIERTE VERLAG: Ch.
    Furne, J. Dubochet, J. Paulin. DIE LUXUSBCHER: L. Curmer,
    G. Silbermann, Engelmann Vater & Sohn. DIE VERSCHIEDENEN
    RICHTUNGEN DES BUCHHANDELS: Baillre, Masson, Hachette &
    Co. u. a. DER ARCHASTISCHE DRUCK: L. Perrin, D. Jouaust.
    DIE BIBLIOGRAPHIE: Die Buchhandlungen fr das Ausland.
    Statistisches                                                 191-224

                         VIII. KAPITEL.

               DIE ZWEIGE DER ROMANISCHEN GRUPPE.

  DIE NIEDERLANDE: Zurckgehen der Kunst. Der Nachdruck. Die
    neuere Typographie Hollands und Belgiens. -- ITALIEN: G.
    Bodoni. Langsame Fortschritte. Venedig, die Mechitaristen.
    Panfilo Castaldi. Der Buchhandel, die Familie Pomba. Rom, die
    Druckerei der Propaganda. Erfreuliche Aussichten. -- SPANIEN:
    J. Ibarra. Madrid. Barcelona. PORTUGAL: Die Staatsdruckerei.
    SDAMERIKA: Buenos Aires, Rio de Janeiro, Lima, Cuba, Mexiko.
    -- NORDAFRIKA: Algier, gypten. TRKEI: Aufblhen und Verfall
    der Kunst. Jetzige Lage                                       225-252


                          DRITTES BUCH.

                     DIE GERMANISCHE GRUPPE.

            EINFHRUNG IN DAS DRITTE BUCH (253-260).

                          IX. KAPITEL.

      ALLGEMEINER BERBLICK BER DAS DEUTSCHE PRESSGEWERBE.

  Gedrckter Zustand des Pressgewerbes. Nachdruck und
    Presspolizei. Die kaiserl. Bcherkommission. Die Presse in
    den einzelnen Bundesstaaten. Die nationale Litteratur. Reform
    des Buchhandels. Der Brsenverein. Die Bcherproduktion. Der
    Buchdrucker-Verband und der Prinzipal-Verein. Statistisches.
    Die Papierfabrikation. Die Buchbinderkunst, der Masseneinband
    und die Handarbeit                                            261-280

                           X. KAPITEL.

   DIE SCHRIFT UND DIE ILLUSTRATION IN DEUTSCHLAND-STERREICH.

  Aufschwung der Schriftgiesserei. Ed. Hnel. Die deutsche
    Druckschrift. Walbaum Vater und Sohn. Hamburg, Berlin,
    Leipzig, Frankfurt a. M. sterreich. G. Haase, C. Faulmann.
    Die Stereotypie, die Galvanoplastik, die Dynamo-Elektrik.
    Die Giessmaschine. DIE ILLUSTRATION: Verfall im XVIII.
    Jahrhundert, Wiedererwachen des Holzschnittes. Die Unger,
    Gubitz, Unzelmann, Kretzschmar u. a. sterreich: Prestel,
    Hfel, Knfler u. a. Die Planotypie. Die Stigmatypie: Carl
    Fasol                                                         281-304

                          XI. KAPITEL.

          DIE TYPOGRAPHISCHEN MASCHINEN IN DEUTSCHLAND.

  Fr. Knig und die Schnellpresse. Die Bedeutung derselben.
    Jugendgeschichte Knigs. Seine Rckkehr aus England.
    Etablissement Knig & Bauer in Oberzell. Kampf und Sieg.
    Die Zweifarbenmaschine. Die Endlose. Die Maschinenfabrik
    Augsburg und andere Fabriken Deutschlands. Helbig & Mller in
    Wien und andere Fabrikanten sterreichs. Die lithographische
    und die zinkographische Schnellpresse. Die Handpressen. Die
    Satinier-Schnellpresse. Die Farbenfabrikation                 305-320

                          XII. KAPITEL.

              DAS ZENTRUM DER GERMANISCHEN GRUPPE.

  J. G. I. Breitkopf, seine Reformen, der Musiknotendruck
    vor Breitkopf und dessen Verbesserungen, Breitkopf &
    Hrtel. G. J. Gschen. Friedr. Arnold Brockhaus und seine
    Nachfolger. B. G. Teubner. Karl Tauchnitz. Fr. Nies und
    seine Nachfolger. B. Tauchnitz. Das Jubelfest 1840. Giesecke
    & Devrient. Das Bibliographische Institut. Verschiedene
    Offizinen Leipzigs. -- Dresden: Meinhold & Shne u. a.
    Halle: Waisenhausdruckerei, Schwetschke & Sohn. -- Weimar:
    Hofbuchdruckerei. -- Gotha: Just. Perthes. -- Braunschweig:
    Vieweg & Sohn, G. Westermann, Dr. Heinrich Meyer und das
    Journal fr Buchdruckerkunst                                  321-356

                         XIII. KAPITEL.

               DER NORDEN DER GERMANISCHEN GRUPPE.

  BERLIN: Wachsende Bedeutung. Die Familie Decker, Unger
    Vater und Sohn, Gebr. Unger, Familie Spener, Reimer,
    Mittler u. a. Ed. Hnel-Gronau. Die Zeitungsdruckereien.
    Die Accidenzdruckereien. Die lithographischen und sonstigen
    Kunstanstalten. Breslau. Frankfurt a. O. Posen. Knigsberg.
    Danzig. Stettin. Lbeck. Hamburg. Bremen. Hannover. Kln: Die
    Offizin der Klnischen Zeitung                              357-382

                          XIV. KAPITEL.

               DER SDEN DER GERMANISCHEN GRUPPE.

  Emporwachsen Stuttgarts: Die Familie Cotta. J. B. Metzler.
    Die illustrierte Litteratur. Ed. Hallberger, Gebr. Krner u.
    a. Die Xylographie. Der Buchhandel. Statistisches. Tbingen.
    Mnchen: Aufschwung aller graphischen Knste: Kasp. Braun,
    Fr. Hanfstngl, J. Albert, Fr. Bruckmann u. a. Nrnberg.
    Regensburg. Augsburg. Rheinische Stdte. Frankfurt a. M.
    Mainz und das Einweihungsfest. Freiburg i. Br. Dornach: Ad.
    Braun. Strassburg: Das Gutenbergdenkmal, die Bibliothek.
  DIE SCHWEIZ. Lokale Schwierigkeiten. Basel: Die Familie Haas.
    Zrich: Orell Fssli & Co., Kartographie. St. Gallen: Chr.
    Zollikofer. Einsiedeln: Gebr. Benziger. Bern                  383-412

                          XV. KAPITEL.

               DER OSTEN DER GERMANISCHEN GRUPPE.

  Presszustnde in sterreich. J. T. Trattner. J. G. Trassler.
    J. v. Kurzbeck. A. Schmid. Familie Gerold. J. V. Degen. A.
    Auer. Die Hof- und Staatsdruckerei. W. v. Braumller. Das
    Museum und die Gesellschaft fr vervielfltigende Kunst.
    Der Buchdrucker-Verein. Neuere Buchdruckereien Wiens. Die
    Druckereien in den Provinzen. UNGARN. Druckereien in Budapest
    und an anderen Orten. Statistisches aus sterreich-Ungarn     413-440

                          XVI. KAPITEL.

               DIE ZWEIGE DER GERMANISCHEN GRUPPE.

  DNEMARK. Fortschritte der Typographie: B. Luno, Gebr.
    Thiele, C. Ferslew & Co. u. a. Die Chemitypie: C. Piil. Die
    Giessmaschine: L. Brandt. Die Setzmaschine: C. Srensen.
    Die Schreibkugel: Malling Hansen. Island. Grnland.
    NORWEGEN. Geistiges Leben. SCHWEDEN. Norstedt & Sner,
    Central-Tryckeriet u. a. FINNLAND. RUSSLAND und POLEN. Die
    Staatsdruckerei und andere Offizinen. Das Zeitungswesen.
    DIE DONAULNDER: Serbien, Rumnien, Bulgarien. GRIECHENLAND   441-464


                            REGISTER.

  A. Namen- und Sachregister                                      465-487

  B. Nachweis der angefhrten Quellenschriften                    488-493

                    *       *       *       *       *




                               EINLEITUNG.

                             [Illustration]

                        DAS LICHT UND DIE CHEMIE
                      ALS FRDERER DER TYPOGRAPHIE

[Illustration]

         DAS LICHT UND DIE CHEMIE ALS FRDERER DER TYPOGRAPHIE.

Wiederbelebung der Buchdruckerkunst. Das geistige und das physische
  Licht. Photographie, Lithographie, Chemigraphie. -- Alois
  Senefelder und der chemische Druck, Musiknoten-, Landkarten-,
  lbild- und Aquarelldruck, anastatischer Druck. Die Daguerreotypie.
  Die Silberphotographie, die Photographie und die Druckkunst,
  das Woodbury-Verfahren, der Lichtdruck, die Alberttypie, der
  photographische Farbendruck, die Photolithographie. -- Verschiedene
  Hochdruckversuche: die Chemitypie, die Zinkhochtzung, ihre Vorzge
  und Mngel, ihre Zukunftsstellung.

[Sidenote: Wiederbelebung der Buchdruckerkunst.]

Als die Grenze des allmhlichen Rckganges, teilweise der Erniedrigung
der Buchdruckerkunst, von welcher der Leser in dem ersten Teil der
Geschichte bereits Kenntnis nahm, zugleich als der Ausgangspunkt einer
neuen Entwickelung zum Besseren kann das dritte Jubeljahr der Erfindung
bezeichnet werden. Nicht lange nach diesem Zeitpunkt beginnt eine, fast
durch mehr als ein Jahrhundert sich erstreckende ununterbrochene Kette
von Verbesserungen und neuen Erfindungen auf dem Gebiete der Druckkunst,
so dass diese um die Zeit der vierten Jubelfeier, begnstigt von dem
berall aufblhenden, frischeren geistigen, politischen und gewerblichen
Leben, ihre zweite Glanzperiode antritt, inmitten welcher wir uns jetzt
noch befinden, von der festen Zuversicht durchdrungen, dass unsere
Nachkommen von einem abermaligen Herabsteigen von der erklommenen Hhe
nicht zu berichten haben werden.

In der letzten Hlfte des XVIII. Jahrhunderts knpften die
Verbesserungen und Erfindungen noch behutsam an das Bestehende an; von
dem Beginn unseres Jahrhunderts an ging es aber mit Sturmschritten auf
neuen Bahnen unaufhaltsam vorwrts.

[Sidenote: Die Maschinen.]

Meister Blutlos hatte das Scepter in die Hand genommen und je mehr wir
uns unseren Tagen nhern, um so uneingeschrnkter wurde die Herrschaft
dieses Meisters, der aus dem Gedanken des Menschen Leben trank und
Nahrung zog, die seinen eisernen Gliedmassen Krfte verlieh, welche der
Mensch selbst nicht besitzt.

Doch nicht genug hiermit. Der graphischen Kunst entstanden neue mchtige
Bundesgenossen in der alles belebenden Sonne und in den geheimen Krften
der Natur, in deren nimmer rastende Werksttte die Chemie uns einen
belehrenden Einblick erffnet hatte.

[Sidenote: Das Licht.]

Indem Gutenbergs Kunst der Menschheit zu dem geistigen Licht der
Kenntnisse verhalf, durch welche es ihr gelang, sich die Krfte des
physischen Lichts dienstbar zu machen, erreichte sie zugleich, dass
das letztere nunmehr seinerseits eines der wichtigsten Mittel zur
Verbreitung der geistigen Erleuchtung wurde: die Sonne selbst zeigte
sich als eine direkte Frderin der Druckkunst, wennauch zugleich als
eine gefhrliche Konkurrentin, deren Macht zu weichen jedoch selbst
unserm Altmeister nicht zur Unehre gereichen wrde, denn in der
Photographie mit den vielen in ihr wurzelnden Reproduktionsverfahren
liegen Krfte, welche denen des Hercules in der Wiege gleichen. Sie
zeigen sich jetzt schon als ganz ausserordentliche, obwohl sie sich noch
in den ersten Stadien ihrer Entwickelung befinden und erst ahnen lassen,
welche Umwlzung sie der Druckkunst in der Zukunft bereiten knnen.

[Sidenote: Lithographie.]

[Sidenote: Chemigraphie.]

Eine junge, als Frderin der graphischen Kunst jedoch ltere Kraft denn
die ewige Sonne, wuchs in der LITHOGRAPHIE empor. Wennauch diese Kunst
heute bereits aufgehrt hat, den hervorragenden Platz zu behaupten, den
sie eine zeitlang als Produzentin knstlerischer Schwarzdrucke einnahm,
so macht sie sich um so mehr im Farben- und Lichtdruck um Wissenschaft
und Kunst, Industrie und Gewerbe verdient; hat jedoch schon eine neue,
nach mehreren Richtungen hin glckliche Mitbewerberin um die Gunst des
Publikums in der CHEMIGRAPHIE gefunden, welcher, wie es scheint, eine
grosse Zukunft bevorsteht.

[Sidenote: Die typographischen Institute.]

So sehen wir heute eine Reihe von graphischen Verfahren mit der
Typographie zur Herstellung der mannigfachsten Druckwerke je nach ihrer
Eigenart eintrchtig zusammen wirken. Jedes dieser Verfahren kann seine
eigentmlichen Vorzge geltend machen und zugleich die Krfte der
anderen benutzen. Deshalb pflegen auch die grsseren typographischen
Institute von heute gewhnlich gleichzeitig mehrere Verfahren,
wodurch sie imstande sind, Arbeiten fr die verschiedensten Zwecke
der Wissenschaft, der Bildung, des Handels, des brgerlichen und des
staatlichen Lebens in einer Vollendung zu liefern, wie sie durch eine
einzelne dieser Knste nicht zu erreichen gewesen wre.

[Sidenote: Zurcktreten der Person.]

Jedoch, je mchtiger die Technik vorwrts schritt, je allgemeiner
der Dampf, das Licht und die Chemie das bergewicht erlangten,
um so mehr musste die Biographie aufhren, als Mittelpunkt der
Geschichtschreibung zu dienen, whrend sich in den frheren Perioden die
Teilnahme vorzugsweise auf hervorragende Mnner richtete, die mit dem
historischen, zumteil auch mythischen Nimbus umgeben waren und deren
Stellung in der Geschichte der Typographie von der ffentlichen Meinung
lngst bestimmt war.

Heutzutage, wo die Buchdruckerei hauptschlich, wennauch im besten
Sinne, eine auf Grossbetrieb angelegte Fabrik geworden, ist die Maschine
und das Fabrikat in den Vordergrund getreten. Der Besitzer einer
vortrefflichen Buchdruckerei ist jetzt nicht immer ein vortrefflicher
Buchdrucker, dessen Name in der Geschichte fortleben wird, sondern oft
nur ein gut rechnender Kaufmann, der imstande war, das beste Material
anzuschaffen, und klug genug, um durch einen tchtigen Dirigenten
und tchtige Arbeiter das zu ersetzen, was ihm selbst fehlt. Das
Individuum tritt somit gegen die Gesamtsumme der Tchtigkeit und
des Unternehmungsgeistes eines ganzen Volkes und -- das mssen wir
allerdings hinzusetzen -- gegen die Summe von dessen Kapital zurck.

[Sidenote: Der internationale Verkehr.]

Doch auch ganze Vlker verlieren nach und nach viele ihrer
Eigentmlichkeiten und selbstverstndlich sind es namentlich die
kleineren unter denselben, oder die in der Kultur zurckgebliebenen, die
sich von der Anziehungskraft der grossen Zentren beeinflusst fhlen.
Wie in der Politik, der Litteratur, der Kunst und dem Handel der
Kirchturmsausblick dem kosmopolitischen Fernblick Platz machte, so auch
in der Typographie. Je leichter der Verkehr zwischen den Nachbarlndern
sich gestaltet, um so leichter und schneller eignet sich ein Volk die
Vorzge und Erfindungen des anderen an. Diese Leichtigkeit geht so weit,
dass es, obgleich es sich oft um eine uns nahe liegende Vergangenheit
handelt, nicht mehr zu konstatieren ist, wem oder welchem Lande diese
oder jene Erfindung gehrt. Der Eine wirft einen Gedanken hin; der
Andere nimmt ihn auf und arbeitet ihn weiter aus; der Dritte macht einen
unpraktischen Versuch damit; dem Vierten erst gelingt die Durchfhrung.
Oft geschieht diese Aneignung unwillkrlich, oft entsteht ein Gedanke
gleichzeitig bei Mehreren; die Luft ist sozusagen mit Erfindungsstoffen
geschwngert.

Unter solchen Verhltnissen wird es, je mehr wir uns der Jetztzeit
nhern, desto schwieriger, eine streng gesonderte Behandlung der
typographischen Geschichte jedes einzelnen Volkes, jeder Stadt, jeder
Firma beizubehalten, denn Eigentmlichkeiten machen sich hauptschlich
nur in den grsseren Gruppen bemerkbar.

[Sidenote: Die Gruppenbildung.]

Von solchen bildeten sich im Laufe der Zeit drei: die
ANGLO-AMERIKANISCHE, die ROMANISCHE und die GERMANISCHE. Nicht immer
war die nationale und sprachliche Verwandtschaft der Vlker fr
die Gruppierung allein massgebend; fters wirkten auch politische,
merkantile und technische Verhltnisse sehr stark mit. So sehen wir,
wie den germanischen nahe verwandte Lnder, wie die Niederlande, mehr
der romanischen Gruppe in der Typographie sich zuneigen, whrend die,
dem Germanentum nichts weniger als freundlich gesinnten slawischen
und magyarischen Vlker sich in gewerblich-technischer Hinsicht der
germanischen Gruppe anreihen. Der ferne Osten Asiens und Australien
unterliegen der Wucht der Beherrscherin des Ozeans, whrend der Einfluss
Frankreichs sich in den Umlndern des Mittelmeeres, in den europischen
sowohl wie in den afrikanischen und asiatischen, geltend macht.

Es wird unsere Aufgabe sein, in den folgenden Abschnitten die
eigentmliche Entwickelung, welche jede dieser Gruppen, trotz der
Amalgamierung der Vlker im allgemeinen, genommen hat, zu verfolgen.
Warum wir mit der Anglo-Amerikanischen Gruppe anfangen, daran die
Romanische reihen, und mit der Germanischen schliessen, ergiebt sich aus
der Geschichte.

Bevor wir jedoch an diese Gruppen herantreten, um die Leistungen
der einzelnen zu berschauen, ist es ntig, auf das Entstehen und
Fortschreiten der erwhnten neuen Schwesterknste der Typographie, des
STEINDRUCKS, des LICHTDRUCKS und des ZINKDRUCKS, in ihrem Zusammenhang
unter einander und mit der Typographie, einen Blick zu werfen[1], der
sich allerdings innerhalb der engsten Grenzen zu halten haben wird. Die
Reihe erffnet dem Altersrang gemss:

  [1] Die wichtigeren Erscheinungen der einschlgigen reichen Litteratur
      sind am Schlusse des Bandes zu finden.


                           DIE LITHOGRAPHIE.

[Sidenote: Alois Senefelder.]

Ich wnsche, dass die Steindruckerei bald auf der ganzen Erde
verbreitet, der Menschheit durch viele vortreffliche Erzeugnisse
vielfltigen Nutzen bringen und zu ihrer grsseren Veredlung gereiche,
niemals aber zu einem bsen Zweck missbraucht werden mge. Dies gebe der
Allmchtige; dann sei gesegnet die Stunde, in der ich sie erfand.

So spricht -- nicht unhnlich seinem grossen Vorgnger Gutenberg in
der Nachschrift zu dem Katholikon (I, S. 33) -- der Erfinder der
Lithographie ALOIS SENEFELDER in seinem berhmten Werke[2], voll des
Dankes gegen die Vorsehung, welche ihn als Werkzeug benutzt hatte, um
die Menschheit einer grossen Wohlthat teilhaft werden zu lassen.

  [2] A. SENEFELDER, Vollstndiges Lehrbuch der Steindruckerey. Mit einer
      Vorrede von Fr. v. Schlichtegroll. Mnchen 1818.

Sollte nun auch die Lithographie so wenig, wie die Typographie, von
jedem unedlen Missbrauch verschont bleiben, so wiegen trotzdem bei
beiden der vielfltige Nutzen und die erzielte Veredlung der
Menschheit so schwer, dass der Erfinder wohl ohne Bedenken die Stunde
der Erfindung segnen mochte. Jeder Deutsche kann aber ausserdem mit
Stolz dieser Stunde gedenken, denn er zhlt den Erfinder auch dieser,
nach der Typographie wichtigsten der lichtbringenden Knste zu den
Seinigen.

Dass Senefelder die Ehre nicht streitig gemacht werden konnte, wie
es mit Gutenberg geschah, dafr hatte der letztere gesorgt, so dass
ersterer selbst in der Lage war, durch sein Werk ber seine Kunst uns
zu teilnehmenden Begleitern durch sein wechselvolles Leben und alle
Phasen seiner Kunst zu machen. Er konnte selbst unwidersprechliches
Zeugnis ablegen, dass es kein Verfahren in der Lithographie giebt,
welches von ihm ungeahnt, ja unversucht geblieben wre.

Durch diese lange Reihe von Versuchen dem Erfinder zu folgen, ist hier
nicht mglich; es sei nur erwhnt, dass Alois Senefelder am 6. November
1771 zu Prag geboren wurde, sich der Jurisprudenz widmen sollte, jedoch,
von unwiderstehlichem Drang geleitet, in Mnchen dem Theater als Dichter
und Darsteller zugefhrt wurde; dass er, zu arm, um seine Theaterstcke
drucken zu lassen, nach vielen Experimenten, um eine billigere
Herstellung zu finden, schliesslich durch Zufall auf die Entdeckung der
Lithographie gefhrt wurde.

[Sidenote: Wesen der Lithographie.]

Das Gravieren in Stein, selbst das tzen eines solchen, so dass eine
Zeichnung auf demselben erhaben zurckblieb, war nichts Neues, und
dass die Chinesen ein lithographisches Druckverfahren hatten, wurde
bereits (I, S. 4 und 282) erwhnt. Das Charakteristische der neuen
Erfindung lag in der Entdeckung, dass eine mit fetter Kreide oder
fetter Tinte auf einem Stein von besonderer Art gemachte Zeichnung
von ber ihn gegossenem Scheidewasser nicht angegriffen wird, dass
ferner die auf den Stein aufgetragene fette Farbe nur auf der
Zeichnung haften bleibt, von den getzten, gummierten und gefeuchteten
Steinflchen jedoch abgestossen wird, schliesslich, dass es mglich
war, einen Abdruck mechanisch auf einen andern Stein zu bertragen
und, wie in der Typographie durch die Stereotypie, durch Wiederholung
hiervon neue Druckplatten in unbegrenzter Zahl herzustellen, wodurch
es der Lithographie, namentlich seit Erfindung der lithographischen
Schnellpresse, mglich geworden, der Typographie auf einzelnen Gebieten
erfolgreiche Konkurrenz zu machen.

[Sidenote: Ntzlichkeit der Lithographie.]

Durch die neue Kunst konnte eine massenhafte Verbreitung von
Nachbildungen lterer und neuerer Kunstwerke in einer Schnelligkeit und
Billigkeit stattfinden, wie sie durch den Grabstichel nicht zu erreichen
war, was ausserordentlich zur Popularisierung der Kunst beitrug.
Wissenschaftliche und technische Werke liessen sich durch Beigabe
lithographischer Tafeln verstndlicher machen; Nachbildungen gaben
die Miniaturen des Mittelalters in prachtvollem Gold- und Farbendruck
wieder; die Verkuflichkeit der Zeitschriften und der Lieferungswerke
fand durch schwarze, kolorierte, spter durch bunt gedruckte Bilder
einen gewaltigen Vorschub.

[Sidenote: Der Notendruck.]

Vor allem bemchtigte sich die Lithographie des musikalischen
Notendruckes. Es war dies der erste Zweig, der von Senefelder selbst
mit Erfolg betrieben wurde und ein vorteilhaftes bereinkommen mit
dem bekannten Musikalienhndler Andr in Offenbach herbeifhrte, das
jedoch spter von Senefelder selbst, wohl ohne hinreichenden Grund,
aufgehoben wurde. Der musikalische Typendruck konnte sich von jetzt
ab nur dann bewhren, wenn der Text einen berwiegenden Teil bildete,
namentlich also bei theoretischen Werken, oder wenn die Auflage, was bei
musikalischen Werken nur selten vorkam, eine sehr grosse war. Ausserdem
liess die Lithographie eine zum Kaufen anlockende Ausschmckung zu und
jeder Walzer oder jedes sentimentale Lied erhielt ein Titelblatt mit
schwungvoll verzierten Schriften, wenn nicht gar mit einer bildlichen
Darstellung, als Helferin beim Absatz.

[Sidenote: Der Landkartendruck.]

Ein Feld, welches vom Beginn ab ebenfalls der Lithographie zufiel, war
die Herstellung von Landkarten und Plnen. Dieser Zweig nahm nach und
nach einen ausserordentlichen Aufschwung. Die Methode, durch Anwendung
verschiedener Schraffierungen und tzungen mit wenigen Farbensteinen
eine grosse Zahl von Farbenabstufungen hervorzubringen, ist zu hoher
Vollkommenheit gediehen. Die Schichtlegung ist viel methodischer
geworden und es gelang, ein naturgetreues, fast plastisches Bild zu
geben.

Wer es mit der Xylographie gut meinte, konnte sich nur freuen, dass
sie von einem Feld abgedrngt ward, welches sie nie mit Erfolg und
nur notgedrungen bebaut hatte. Als jedoch die Lithographie mit ihrer
leichten Herstellungsweise Miene machte, sich des ganzen Accidenzfaches
zu bemchtigen, welches die Typographie so lange mit Glck betrieben
hatte, da erhob sich ein heftiger Widerstand, der Veranlassung zu ganz
wesentlichen Fortschritten der Typographie gab. So kmpften altes und
neues Verfahren mit einander, jenes um den bis jetzt innegehabten Platz
zu behaupten, dieses um dem Gegner neues Terrain abzugewinnen, bis,
wie es so oft geschieht, wenn tchtige Gegner ihre Krfte gemessen und
schtzen gelernt haben, zum beiderseitigen Vorteil aus den Feinden
Verbndete wurden.

[Sidenote: Der lbild- und Aquarelldruck.]

Eine besonders eifrig gepflegte Art des lithographischen Verfahrens ist
der Farbendruck in den beiden Abzweigungen LBILD- und AQUARELLDRUCK.

[Sidenote: Die Technik des Bilderdrucks.]

Das Verfahren bei der Herstellung beider ist in der Hauptsache dasselbe.
Zuerst wird eine Pauszeichnung gemacht, auf Stein bertragen und so oft
abgezogen als Farbensteine notwendig sind. Auf jedem der Steine werden
nun die Partien eingezeichnet, die mit gleicher Farbe gedruckt werden.
Fr manche Platten gengt es, sie mit einer Asphaltlage zu berziehen,
auf der man durch Schaben und Schleifen Tne in so gleichmssiger
Abstufung erzielen kann, als wren sie mit dem Pinsel gemacht. Die
allgemeinen, leichten Tne des Bildes werden zuerst eingedruckt,
dann folgen die Steine mit den Lokalfarben und den Formendetails,
schliesslich wird das Bild mit neutralen Tnen abgestimmt. Da eine neue
Farbe die vorherige nicht verbirgt, sondern mit ihr Mischung eingeht,
so ist es klar, einerseits, dass grosses Verstndnis, grosse Erfahrung
und ein feines knstlerisches Gefhl dazu gehrt, die richtige Tiefe der
Tne zu treffen, andererseits, dass Nancierungen, die nach hunderten
zhlen, durch die Verschiedenheit der ber einander gedruckten Farben
und die detailliertere oder leichtere Ausfhrung der Zeichnungen sich
erzielen lassen.

[Sidenote: Die Torchonplatte.]

Um den Eindruck des pastosen Pinselauftrags und der rauhen Malerleinwand
oder bei den Aquarellen des rauhen Papieres, dessen man sich fr die
Aquarell-Zeichnungen bedient, hervorzubringen, werden die Pinselstriche
oder Unebenheiten in einen Stein graviert oder getzt und das fertige
Bild mit diesem Stein, selbstverstndlich ohne Farbenauftrag, durch die
Presse gezogen, so dass die vertieften Stellen in dem Stein nunmehr als
Erhabenheiten auf dem Bilde erscheinen.

[Sidenote: Farbensteine.]

Da zu einem gut ausgefhrten Bild 20 bis 30 Farbensteine gehren, so
sind die Kosten sehr hoch und nur die grossen Auflagen, welche durch
die Schnellpresse sehr erleichtert sind, machen Preise mglich, die
wenigstens fnfundzwanzigmal geringer sind, als die fr eine oft
mittelmssige Kopie. Wie weit die Chromographie es gebracht hat, beweist
die Thatsache, dass die artistischen Anstalten es auf Ausstellungen
wagen konnten, Original und Druck neben einander aufzuhngen, um zu
beweisen, dass ein Blick des Kenners dazu gehrt, das Original vom Druck
zu unterscheiden, ja, dass sogar fr diesen bei dem Aquarelldruck eine
Tuschung mglich war. Vortreffliche Dienste leistet der lithographische
Farbendruck bei Herstellung der Bilder fr den, jetzt auf einer hohen
Stufe stehenden Anschauungsunterricht.

[Sidenote: Der anastatische Druck.]

Nicht ohne Wichtigkeit ist der ANASTATISCHE DRUCK (von dem griechischen
[Greek: anastasis], Auferstehung), namentlich um von lteren Drucken
vollkommene Facsimiles herzustellen.

Nachdem der alte Druck mit verdnnter Salpetersure getrnkt worden ist,
presst man ihn an einen Stein oder eine Metallplatte. Die Sure tzt die
Platte mit Ausnahme der mit Schrift, die nun ein wenig erhaben dasteht,
bedeckten Stellen. Hat jedoch der alte Druck nicht mehr Fettigkeit
genug, um die Sure abzustossen, so kann man erstern erneuern, indem man
das Blatt in Weinsteinsure legt. Hierdurch werden alle unbedruckten
Papierstellen mit kleinen Weinsteinsure-Krystallen berzogen, welche,
wenn man mit den Schwrzewalzen ber das Papier fhrt, die Schwrze
abstossen, die nur von der alten Schrift angenommen wird. Das Experiment
ist jedoch, da die Mglichkeit der Vernichtung des Originals vorhanden
ist, immer bedenklich, wenn letzteres wertvoll oder gar unersetzlich ist.

Das Verfahren wurde von einem Schlesier Rud. Appel erfunden und von
Faraday nutzbar gemacht. Da eine Verflschung von Wertpapieren durch
dasselbe leicht mglich war, stellten Appel & Glyne ein Patentpapier
her, dessen Zustze die Benutzung zum Umdruck aus chemischen Grnden
unmglich machten.

[Sidenote: Lithographiesteine.]

Eine Kalamitt fr die Lithographie ist der beginnende Mangel an gutem
Steinmaterial. Die Steine bester Qualitt sind nur in den Solnhofener
Brchen in Bayern zu finden; alle anderen Steine haben sich fr bessere
Arbeiten bis jetzt nicht bewhrt, obwohl kein Jahr vergeht, ohne dass
die Nachricht durch die Bltter luft, jetzt seien wirklich gute Steine,
bald in Polen, bald in Algier, dann in Canada, dann bei Marseille,
aufgefunden. Ebensowenig haben die Versuche, die Steine durch eine
knstliche Masse zu ersetzen, Erfolg gehabt. Unter diesen Verhltnissen
steht dem Zink, welches die eigentmlichen Eigenschaften des
lithographischen Steines besitzt, dabei billig ist, sich leicht aufheben
und auf einem Cylinder zum Druck anbringen lsst, ganz abgesehen von
seiner Verwendung in der Hochtzung, eine bedeutende Zukunft in Aussicht.


                           DIE PHOTOGRAPHIE.

[Sidenote: _Camera obscura._]

Es war sehr erklrlich, dass die _Camera obscura_, welche das Bild der
Umgebung im kleinen auf das getreueste wiedergiebt, den Gedanken, ein
solches Bild durch Lichtwirkung zu fixieren, weckte. Bereits im Jahre
1802 hatte der bekannte englische Steingutfabrikant WEDGWOOD im Verein
mit dem Chemiker DAVY Experimente zur Herstellung von Lichtbildern auf
einem mit Hllenstein berstrichenen Papier gemacht und FOX TALBOT
verbesserte das Verfahren. In Paris hatte NICPHORE NIPCE die grosse
Lichtempfindlichkeit des Asphalt (Judenpech) entdeckt. Dieses Erdharz
hat die merkwrdige Eigenschaft, dass es, obwohl fr gewhnlich sehr
leicht lslich, dem Lichte ausgesetzt unlslich wird. berzieht man
nun eine Kupferplatte damit und belichtet sie unter einer Zeichnung
auf Papier, so wird der Asphalt auf allen Schattenstellen des Bildes
lslich, und zwar nur dort; wischt man nun die lslichen Stellen weg
und bergiesst die Platte mit tzsure, so werden nur die blossgelegten
Stellen angegriffen und es entsteht somit eine druckbare Platte. Man
hatte es also bereits eigentlich mit der Heliographie zu thun, die, wie
aus Nipces Hinterlassenschaft hervorgeht, von ihm erkannt, jedoch nicht
praktisch gebt worden war.

[Sidenote: L. Daguerre * 1787, [+] 12. Juli 1851.]

LOUIS DAGUERRE in Paris hatte mit Nipce langezeit Versuche gemacht, um
auf Silberplatten, die den Dmpfen des schwarzen, leichtflssigen Jods
ausgesetzt wurden, durch kurze Belichtung Bilder hervorzubringen; es
wollte dies jedoch nicht recht gelingen. Da fhrte ein reiner Zufall
zu der Entdeckung, dass die auf der Platte hervorgebrachten usserst
schwachen Bilder in dunklem Verschluss durch Quecksilberdmpfe sich
krftig entwickeln. Hiermit war die DAGUERREOTYPIE erfunden und wurde
dieses Wunder am 19. August 1839 in einer Sitzung der Akademie der
Wissenschaften in Paris der Welt verkndet.

Daguerres Verbesserungen ermglichten es, die Aufnahmezeit von
zwanzig Minuten auf eine bis zwei zu verkrzen. Durch die von
Professor Petzval in Wien erfundenen und von Voigtlnder ausgefhrten
Portrait-Doppelobjektive wurde die Zeit auf einige Sekunden reduziert,
damit kam die Portraitaufnahme in hohen Flor und die Erfindung machte
schnell ihre Weltreise.

[Sidenote: Die Papierphotographie.]

Ein belstand war der Spiegelglanz der Platten, welcher den
Totaleindruck sehr beeintrchtigte. Die gar zu grosse Treue, mit
welcher jede Runzel, jeder Fleck und alles Nebenschliche in voller
Strke wiedergegeben wurde, wirkte ebenfalls strend und eine Retouche
war unmglich. Auch verlangte jedes Exemplar eine neue Sitzung. Die
Versuche von Talbot und NIPCE DE ST. VICTOR fhrten nun dazu, erst ein
Negativbild auf lichtempfindlichem Papier herzustellen, welches sich
leicht fixieren liess, und dann von diesem durch Lichtwirkung wieder ein
positives Bild hervorzubringen, welches in einer beliebigen Anzahl von
Exemplaren wiederholt und retouchiert werden konnte. Statt des Papieres
wurde fr den Negativprozess spter Glas genommen, welches mit einer
mit Jodkalium versetzten Firnislsung berzogen war, bis diese durch
Kollodium ersetzt wurde. Hiermit gelangte die Portraitphotographie
zu einer enormen Verbreitung. Auch Landschaftsbilder wurden in
berraschender Vorzglichkeit geliefert.

Mit ihren immer grossartigeren Erfolgen dient die Photographie nicht
allein der Kunst durch getreueste Wiedergabe ihrer Erzeugnisse, sondern
auch den meisten Wissenschaften: der Feldmesskunst, der Astronomie, den
Naturwissenschaften und der Medizin; selbst das gerichtliche Verfahren
zieht von ihr Nutzen. Viele Zweige der Industrie und des Kunstgewerbes,
wie z. B. die Porzellan- und die Glasmanufaktur, haben in ihr eine
grosse Frderin.

[Sidenote: Photographie und Druckkunst.]

Was uns jedoch hier am meisten interessiert und am nchsten liegt,
ist die Ausfhrung des Gedankens, die Photographie in die Reihe der
eigentlichen vervielfltigenden Knste einzufhren. Das Verfahren: ein
negatives Bild in ein positives umzundern, nimmt Zeit in Anspruch, und
die Silberkopie, deren Haltbarkeit immerhin auch zweifelhaft bleibt, ist
zu teuer, wenn es sich um Massenproduktion handelt. Man suchte deswegen
nach Auswegen, die in verschiedener Weise gefunden wurden.

[Sidenote: Tiefdruckplatten.]

FOX TALBOT entdeckte im Jahre 1852, dass der, durch eine chromsaure
Kali-Leimlsung auf einer Stahlplatte gebildete berzug im trockenen
Zustande eine Schicht bildet, die, vom Lichte getroffen, unlslich,
jedoch, im Dunkeln aufbewahrt, mit Wasser sich auflsen lsst. Er
belichtete nun eine solche Schicht unter einer Zeichnung oder einem
positiven Glasbilde. Hierdurch wurden die vom Licht getroffenen Stellen
der Schicht unlslich, die durch die dunklen Partien der bergelegten
Zeichnung oder Platte geschtzten Stellen behielten jedoch ihre
Auflslichkeit. Wurden nun letztere im Dunkeln abgewaschen, so blieben
erstere als eine Zeichnung auf brunlichem Grunde zurck. Diese wurde
nun getzt und so entstand ein vertieftes Bild, wie es fr den Stahl-
oder Kupferdruck erforderlich ist. Ein anderes Verfahren bte G.
SCAMONI, ein Deutscher aus Wrzburg und Angestellter der Staatsdruckerei
in St. Petersburg, aus. Er hatte bemerkt, dass ein photographisches
Negativ ein, wennauch sehr schwaches Relief bildet, in welchem die
durchsichtigen Stellen (also die Schatten) tief erscheinen, whrend
die undurchsichtigen (die Lichter) hoch sind. Dieses Relief liess sich
mittels chemischer Einwirkung durch Niederschlge erhhen. Hierdurch
gewann man ein Relief, fast so hoch, wie eine Kupferdruckplatte
tief ist. ber dieses Relief wurde galvanisch eine Tiefplatte
niedergeschlagen und man hatte somit eine druckbare Kupferplatte. Durch
die Photographie waren beliebige Vergrsserungen oder Verkleinerungen
mglich und Scamoni schaffte namentlich in letzterer Weise kleine
Wunderwerke, die bei der Wertpapier-Fabrikation unschtzbar sind.

[Sidenote: Hochdruckplatten.]

Fr die Typographie musste jedoch die Herstellung von HOCHDRUCKPLATTEN
durch die Photographie noch von unendlich grsserem Werte sein. Gelang
es, dieses Problem in wirklich praktischer Weise zu lsen, so war ein
unendliches Feld fr die Typographie erworben.

[Sidenote: Paul Pretzsch.]

In dieser Richtung ist namentlich PAUL PRETZSCH, ein sterreicher, von
hoher Bedeutung. Durch Belichtung der mit salpetersaurem Silber, Jodkali
und doppeltchromsaurem Kali berzogenen Platte wird in bereits erwhnter
Weise das erhabene Bild hergestellt. Nachdem es die gengende Festigkeit
erlangt hat, wird eine Guttapercha-Mater darber gepresst und nun ist
es mglich, jenachdem das Bild ein negatives oder positives war, eine
Platte fr Tief- oder Hochdruck zu bilden. Whrend indes die vertieften
Platten ihren Zweck vollstndig erfllten, waren die Resultate der
Hochplatten nicht vollkommen gengend. Die Vertiefungen waren, und das
ist die Klippe fr alle bisher gemachten Versuche in dieser Richtung,
nicht gengend, um zu verhindern, dass die Schwrze in diese drang
und den Druck schdigte. Eine Hauptschwierigkeit ist namentlich das
Hervorbringen der Halbtne.

[Sidenote: Das Woodbury-Verfahren.]

Ein vortreffliches Verfahren zur Herstellung von Tiefdruckplatten
ist der nach dem Erfinder genannte WOODBURYDRUCK. Nachdem man durch
Belichtung in bereits geschilderter Weise ein Gelatinerelief nach einem
Negativ auf einer Stahlplatte gebildet hat, wird es mit einer Platte
von einem weichen Metall bedeckt. Beide Platten werden dann in einer
hydraulischen Presse einem starken Druck ausgesetzt. Hierdurch gewinnt
man eine druckbare Platte wie bei dem Naturselbstdruck. Der Drucker
arbeitet an einem rotierenden Tisch, auf welchem sechs kleine Pressen,
in der Art der Kopierpressen, stehen. Er trpfelt eine warmgemachte,
halb durchsichtige Gelatineschwrze auf die Platte, bedeckt diese mit
dem Papier und bringt sie unter die Presse. Bis er mit allen sechs
Pressen durch ist, hat sich die Farbe in der ersten zu einem schwachen
Relief erhrtet, das in den dnnen Lagen weniger dunkel erscheint, als
in den dicken. Bei den in der Dicke abnehmenden Stellen der Platte
entsteht ein bergang vom Dunkleren zum Helleren, gleich den Halbtnen
in der Photographie, und somit ein der letzteren in der Wirkung ganz
ebenbrtiges, dazu vollstndig unvernderliches Bild.

In London bte die _Relief Printing Company_ das Verfahren. In
Frankreich wurde es durch Goupil & Co. in Asnires bei Paris und in
Deutschland durch Fr. Bruckmann in Mnchen zu hoher Vollkommenheit
gebracht. Da auch die Herstellung des Bildes auf Glas mglich ist,
so lassen sich prchtige Transparentbilder schaffen; auch ist die
Verwendung fr die Stereoskopie und die _Laterna magica_ von Bedeutung.

[Sidenote: Der Lichtdruck.]

[Sidenote: Die Alberttypie.]

Verschieden von diesem Verfahren ist der eigentliche LICHTDRUCK. Die
Leimchromatschicht hat die Eigenschaft, dass sie in ihren belichteten
Stellen fr die fette Farbe empfnglich wird. berfhrt man nun mit
einem nassen Schwamm einen belichteten Leimchromatbogen, so saugt er
das Wasser nur an den nicht belichteten Stellen auf. Frbt man ihn
dann mit fetter Schwrze ein, so bleibt diese nur an den belichteten
Stellen haften, und legt man das Papier darauf, so erhlt man einen
Abdruck in unvernderlicher fetter Farbe. Dieses von POITEVIN entdeckte
Verfahren ist namentlich von J. ALBERT in Mnchen fr die Praxis zur
Vollkommenheit gebracht. Albert brachte die Gelatinelsung auf Glas
und setzte die Rckseite fr einige Augenblicke der Belichtung aus,
wodurch die Masse auf das festeste mit dem Glas verbunden wurde. Von der
Vorderseite wird die Schicht mit einem Negativ bedeckt und hierdurch die
Platte in schon bekannter Weise hergestellt. Zum Druck bedient man sich
der Walzen, und eine gut behandelte Platte hlt bis zu 1000 Abdrcke aus.

[Sidenote: Der photographische Farbendruck.]

Die ebenfalls von Albert gebte FARBENPHOTOGRAPHIE wird durch drei
Aufnahmen, die eine durch rotes, die zweite durch blaues, die
dritte durch gelbes Glas, auf mit verschiedentlichen Substanzen
behandelten Platten erzielt. Alle brigen Farben erhlt Albert durch
bereinanderdrucken dieser drei Platten mit drei Lasurfarben, deren Wahl
den reinen Tnen des Sonnenspektrums genau entsprechen muss.

Nchst Albert hat sich besonders OBERNETTER in Mnchen um den Lichtdruck
verdient gemacht. Ganz besonders eignet sich dieser fr die Wiedergabe
von Bleistift- und Kreidezeichnungen. Will man den Lichtdruck an Glanz
der Silberphotographie hnlich machen, so wird er mit Lack berzogen.
Mit einander verglichen, hat der Woodburydruck den Vorzug in der
Wiedergabe der dunkleren Partien, der Lichtdruck in derjenigen der
helleren.

[Sidenote: Die Photolithographie.]

Die PHOTOLITHOGRAPHIE, welche ebenfalls Poitevin ihre Existenz verdankt,
hat mit dem Lichtdruck manches gemeinsame, aber auch von diesem
wesentliche Verschiedenheiten. Poitevin berzog einen Stein mit der
bekannten Lsung und stellte nach dem Negativ ein Chromobild her, das
nur in den vom Licht getroffenen Stellen die Farbe annahm. Anfnglich
fehlte es an den Halbtnen, die beim Waschen verlorengingen. Asser
und Osborne versuchten es mit einem Umdruckverfahren von auf Papier
erzeugten Bildern; die Abdrcke blieben jedoch auf Grund der krnigen
Beschaffenheit des Steines sehr hinter der Photographie zurck,
namentlich in den Mitteltnen, und das Verfahren eignete sich deshalb
nicht ganz fr die Wiedergabe von Kunstblttern. Die PHOTOZINKOGRAPHIE
bietet, da die Zinkplatte dieselben Eigenschaften besitzt wie der
lithographische Stein, nichts Eigentmliches.

[Sidenote: Kartographie.]

Fr die KARTOGRAPHIE hat die Photolithographie eine ganz besondere
Wichtigkeit auf Grund der Schnelligkeit in der Herstellung und der
Leichtigkeit, die Originale zu vergrssern oder zu verkleinern.
Eine ntzliche Bereicherung der Kartographie wurde ebenfalls durch
die Photolithographie mglich, indem man erst Reliefkarten in Gips
herstellte und diese photographierte resp. photolithographierte. Die in
dieser Weise hergestellten Karten wirkten wie Reliefs.


                           DIE ZINKOGRAPHIE.

[Sidenote: Die ersten Hochdruckplatten.]

So hchst wertvoll alle diese Verfahren fr das Buchgewerbe waren, so
war damit doch die Hauptaufgabe, Hochdruckplatten zu gewinnen, die sich
auf der Buchdruckpresse mit Text zusammen leicht drucken lassen, noch
nicht ganz erreicht. Es sollte dies in anderer Weise gelingen.

Wenn der lithographische Stein getzt wird, so ist das darauf
zurckbleibende Bild in gewisser Beziehung ein erhabenes, jedoch ist
diese Erhabenheit nicht gengend fr den Druck auf der Buchdruckerpresse
und da in dieser das Feuchten des Steines ausserdem nicht thunlich,
wrde der Stein sich vollschmieren. Es wurden deshalb viele Versuche
gemacht, durch weitere, strkere tzung dem Bilde die gengende Hhe zu
geben. Bereits Senefelder hatte solche angestellt. Schon vor Ablauf des
XVIII. Jahrhunderts brachten DUPLAT und SUSEMIHL aus Darmstadt in Paris
recht gelungene Hochtzungen in Stein sowohl, als in Metall zustande.
Duplat gab in dieser Weise 1812 Lafontaines Fabeln und Gessners Idyllen
heraus. 1826 druckte der Kupferstecher W. ERHARD eine Broschre ber
die Hochtzung; 1827 nahmen DIDOT und MOTTE ein Patent, ihr Verfahren
kam jedoch nicht zur Ausfhrung. 1832 hatte BAUCKELLER Hochtzungen
geliefert. 1834 wurde der Metallhochschnitt von A. DEMBOUR in Metz
gebt, der 1835 sein Verfahren, EKTYPOGRAPHIE, in einer Broschre
schilderte. Dasselbe war schon in Deutschland bekannt und in einem
Werke, Das Thierreich von Dr. J. J. KAUPP, verwendet. Lithographischen
Hochdruck brachte JUL. BAUMGRTNER in Leipzig zur Ausfhrung und nannte
ihn seine Erfindung, worber sich ein heftiger Federkrieg entspann,
denn die Kunst war schon vor mehreren Jahren von GIRARDET in Paris
gebt, der damit einen Preis von 2000 Franken gewann. Es scheint jedoch,
als habe Baumgrtner in gutem Glauben gehandelt. Alle diese Versuche,
sowie die bereits oben erwhnten von Pretzsch und anderen mit erhabenen
Kupferplatten, hatten jedoch keinen rechten Erfolg und die Praxis ergab
so viele Misstnde, dass dem grossen Betrieb nicht mit dem Verfahren
geholfen war.

Schliesslich wurden in der CHEMITYPIE und der ZINKHOCHTZUNG zwei
Verfahren erfunden, die, wenn sie auch in vielen Fllen den Holzschnitt
nicht ersetzen knnen, in anderen wieder vor letzterem Vorzge und neben
demselben jedenfalls eine grosse Zukunft haben.

[Sidenote: Die Chemitypie.]

Die beiden Verfahren werden oft als identisch betrachtet, sie sind es
jedoch nicht. Bei der Chemitypie, von dem Dnen C. PIIL erfunden und
in Leipzig zur Ausfhrung gebracht, wird eine Zinkplatte zuerst mit
Deckgrund berzogen und dann die Zeichnung mit der Nadel gemacht und
tiefergetzt. Die vertiefte Zeichnung wird mit einem leicht flssigen
Metall ausgegossen und mit der Oberflche der Zinkplatte, von welcher
der Deckgrund entfernt wurde, gleichgeschabt oder -geschliffen.
Hierauf wird die ganze Platte einer tzung unterworfen, welche nur den
blossliegenden Zink angreift, aber nicht das hineingegossene Metall,
so dass das Bild nach der tzung erhaben dasteht und nun eine fr die
Buchdruckerpresse verwendbare Platte bildet. Dieses Verfahren hat
namentlich fr die Kartographie eine ganz ausserordentliche Bedeutung
und ermglicht, unter Zuhlfenahme der Mehrfarbenmaschine, geographische
Kartenwerke zu unglaublich billigen Preisen zu liefern.

[Sidenote: Die Zinkhochtzung.]

Die Zinkhochtzung eignet sich mehr fr Feder- und Kreidezeichnungen.
Auf die Zinkplatte lsst sich, wie auf lithographischen Stein, mit
prparierter Kreide oder fetter Tusche leicht zeichnen oder malen.
Bringt man nun eine solche Zeichnung auf eine Zinkplatte oder bertrgt
man den mit fetter Farbe gemachten Abzug einer bereits vorhandenen
Zeichnung, eines Holzschnittes, einer Lithographie oder eines
Kupferstiches u. dgl. und tzt die Platte, so wird nur die blossliegende
Oberflche des Metalls angegriffen und die Zeichnung bleibt, wie bei
der Lithographie, stehen und tritt bei fortgesetzter tzung so weit
hervor, dass sie sich auf der Buchdruckerpresse drucken lsst.

[Sidenote: Vorzge und Mngel der Hochtzung.]

[Sidenote: Vergleich mit dem Holzschnitt.]

Als das Hochtzungsverfahren aufkam, gab es Enthusiasten genug,
welche meinten, dass es von nun ab mit dem Holzschnitt vorbei sei.
Andererseits fehlte es nicht an warnenden Stimmen prinzipieller
Gegner des Verfahrens, die von demselben nichts wissen wollten, weil
es weder den Kupferstich, noch die Radierung oder den Holzschnitt
vollstndig ersetzen knne. Wre die Rede davon, zwischen Xylographie
und Hochtzung whlen und eine davon ganz fallenlassen zu mssen, so
wrde die Entscheidung kaum eine schwierige sein. Jedoch eine solche
Entscheidung ist ja nicht zu treffen. Fehlt auch der Hochtzung der
volle, satte Ton und die weiche Modulation des Holzschnittdruckes, so
bleibt doch fr sie ein sehr reiches Feld der Illustration brig, auf
welches der Holzschnitt zumteil gar nicht folgen kann. Wo es sich in
erster Linie um das ntzliche handelt, in Mustervorlagen aller Art, in
Schriftarbeiten, Karten, in technischen und mathematischen Figuren,
selbst in solchen knstlerischen Nachbildungen, die in Umrissen oder
ohne bedeutende Tonabstufungen gehalten sind, wird die Hochtzung
auf Grund der Billigkeit und der Schnelligkeit sehr oft den Vorzug
verdienen. Aber kein Verfahren wird der durch vier Jahrhunderte
bewhrten Xylographie den Vorrang im allgemeinen streitig machen
knnen. Neben den leichten, rasch verschwindenden Arbeiten werden die
Schpfungen der xylographischen Knstler und die Prachtwerke bleiben.
Kein anderes Verfahren giebt dasselbe Kolorit, die Klarheit und
Mannigfaltigkeit in der Abstufung der Tne, die Milde mit Kraft gepaart,
wie der Holzschnitt. Kein Verfahren ist imstande, bei guter Ausfhrung
die Zeichnung des Meisters in seinem Charakter so treu wiederzugeben;
keins hat die Fhigkeit, den Mngeln einer weniger guten Zeichnung
so geschickt abzuhelfen. So wenig die Zahl der Bcher sich durch die
Zeitungen vermindert, so wenig werden die xylographischen Kunstwerke
durch Zeitungsillustrationen in den Hintergrund gedrngt werden. Wenn
Zeit und Kosten nicht zu scheuen sind, wird man immer zum Holzschnitt
greifen.

[Sidenote: Die Hochtzung und die Tagespresse.]

In einer Beziehung wird aber die Hochtzung die Illustrationsmethode
der Zukunft werden, nmlich, sobald die Frage der illustrierten
Tagesbltter ernstlich auf die Tagesordnung gestellt wird. Da schlagen
die Schnelligkeit der Hochtzung und ihre Billigkeit, wenn sie
inzwischen nicht durch neue Erfindungen verdrngt wird, durch. Eine in
geeigneter Weise vom Zeichner behandelte Skizze, die z. B. zeitig am
Nachmittage der Offizin einer illustrierten Zeitung bergeben wird, kann
noch abends umgezeichnet und in eine druckbare Platte verwandelt gegen
Mitternacht in der Presse sein, um dann, mit einer Schnelligkeit von
10-12000 Exemplaren in der Stunde auf der Rotationsmaschine gedruckt,
in den Frhstunden in den Hnden des Publikums zu sein. Zugegeben auch,
dass augenblicklich eine Stunde oder zwei noch zugelegt werden mssten,
so ist das Erwhnte im grossen und ganzen kein Phantasiebild und die
Mglichkeit vorhanden, innerhalb der krzesten Zeit eine Illustration
fr ein Tageblatt herzustellen. Allerdings mssen dann die Zeichnungen
auch der Reproduktionsweise angepasst sein, es muss sozusagen eine
Art Stenographie der zeichnenden Kunst entstehen. Eine besondere
Ausbildung wird notwendig dazu sein, Zeichner fr ein Tageblatt zu
werden. Die Akademiker werden vielleicht die Nase rmpfen ber einen
solchen Spezial-Artisten, wie der Gelehrte ber unsern eignen
Korrespondenten. Die Kunst wird fr diese Richtung ein Kunstgewerbe
werden. Aber es entstehen wichtige, lohnende und ehrenvolle Stellungen
fr talentvolle Jnglinge, von denen viele als Akademiker verkmmern
wrden. Das wirkliche Genie wird jedoch durch dieses knstlerische
Reportertum ebensowenig zugrunde gehen, wie z. B. Charles Dickens durch
seine Reporterwirksamkeit verhindert wurde, ein Dichter ersten Ranges zu
werden.

Die Reproduktionsweisen sind da, es darf den Knstlern nicht nachgesagt
werden, dass die Rder der Presse ihnen zu schnell gehen, dass die
Chemie und die Sonnenstrahlen sich zu zeitig zu ihrer Disposition
gestellt htten.

[Illustration]




                              ERSTES BUCH.

                    DIE ANGLO-AMERIKANISCHE GRUPPE.

[Illustration]

                     EINFHRUNG IN DAS ERSTE BUCH.


[Sidenote: Die englische Presse.]

Wenn die Presse in dem Zeitabschnitt von der dritten bis zur vierten
Jubelfeier der Buchdruckerkunst einen derartigen Aufschwung nahm,
dass man ihr einen Platz unter den Grossmchten einrumte, so hat man
dies ganz besonders ENGLAND zu verdanken. Nirgends hat man, nachdem
schon frhzeitig der schwere, jedoch erfolgreiche Befreiungskampf der
Presse gegen ihre Feinde gefhrt war, es in gleichem Masse verstanden,
die Unabhngigkeit derselben von aller Despotie von oben und unten
zu schtzen, wie dort. Nirgends ist der Einfluss der Presse auf die
ffentliche Meinung ein grsserer und wohlthtigerer gewesen; nirgends
ist sie in gleicher Weise von dem Vertrauen des Publikums getragen
worden, und nirgends hat sie sich eines solchen Vertrauens durch ihre
Festigkeit und ihr Fernhalten von unreinen Tendenzen wrdiger gezeigt,
als in England. Kein Volk war so, wie das englische, von dem Bewusstsein
durchdrungen, welch ein Palladium es in seiner freien Presse besass,
ein Bewusstsein, welchem der bekannte Staatsmann und Dichter Sheridan
in den stolzen Worten Ausdruck verlieh: Gebt mir meinetwegen einen
Tyrannen zum Knig, ein widerhaariges Oberhaus und ein demoralisiertes
Unterhaus, lasst mir aber die Presse und ich will sie alle ber den
Haufen werfen.

[Sidenote: Verdienste der Englnder.]

Kein Wunder, dass die Englnder, als einmal dies Bewusstsein von
der Wichtigkeit der Presse bei ihnen Wurzel gefasst hatte, nun
auch vor allen anderen Vlkern es sich angelegen sein liessen,
der Buchdruckerkunst ihre Teilnahme zu bekunden und sie derartig
auszubilden, dass sie die ihr zu teil gewordene grosse Aufgabe auch
vollstndig zu erfllen imstande war. Whrend in dem XVI. Jahrhundert
druckende und zeichnende Kunst in so glnzender Weise auf dem Kontinente
sich verbunden hatten, leisteten die Englnder auch nicht annhernd
das, was Deutschland, Italien, Frankreich oder selbst die Niederlande
schafften. Als jedoch mit dem XIX. Jahrhundert die Aufgaben der Presse
fr das politische und praktische Leben immer grssere Dimensionen
annahmen, da waren es die Englnder, die mit dem ihnen innewohnenden
praktischen Sinn, verbunden mit ihrer Energie, allen anderen voran ihr
Augenmerk auf die technische Vervollkommnung der Kunst richteten, so
dass von nun an der Schwerpunkt der typographischen Geschichte mehr in
der Geschichte der mechanischen Erfindungen als in der der ausbenden
Buchdrucker liegt.

Und da werden wir sehen, wie fast alle Verbesserungen und weitgehenden
Reformen in der Technik der Druckkunst, der Schriftgiesserei, der
Xylographie, der Farbenfabrikation, der Stereotypie und des Pressenbaues
aus England stammen. Ja, selbst die rasche Einfhrung der deutschen,
alle anderen weit hinter sich lassenden Erfindung der Schnellpresse
haben wir, nach des Erfinders eigenen Worten, nur England zu verdanken,
nicht minder die Dienstbarmachung des Dampfes fr die Zwecke der
Typographie.

[Sidenote: Nordamerika.]

NORDAMERIKA gebhrt der Ruhm, neben dem Mutterlande sehr vieles zur
Vervollkommnung des typographischen Apparats beigetragen zu haben.
Hinsichtlich des Pressenbaues, der Stereotypie und der Schriftgiesserei
zahlte es seine typographische Schuld mit Zins vom Zins an das
Mutterland redlich zurck, und nicht selten hatten die Erfindungen,
welche in letzterem geschftlich ausgebeutet wurden, ihre Heimat jenseit
des Ozeans, nicht selten wurden auch wieder englische Erfindungen dort
der Vollkommenheit nhergebracht.

Somit ist die typographische Geschichte Amerikas mit derjenigen Englands
so eng verknpft, dass beide sich nicht von einander trennen lassen,
und wollen wir nicht Gefahr laufen, in der Erzhlung vorzugreifen und
Anachronismen zu begehen, so mssen wir den neuesten Abschnitt der
Geschichte mit der anglo-amerikanischen Gruppe beginnen; lsst es sich
doch nicht einmal umgehen, die Anfnge der Erfindung Fr. Knigs in dem
dieser Gruppe gewidmeten Kapitel zu behandeln.

[Sidenote: Die Typographie Englands.]

Betrachten wir die Erscheinungen der Typographie der
Anglo-amerikanischen Gruppe und zunchst die ENGLANDS genauer, so
finden wir, dass diese denselben Charakter der Soliditt an sich
tragen, der berhaupt den englischen Fabrikaten eigen ist. Kein Land
hat in der Typographie der Mode geringere Konzessionen gemacht, als
England. Es behielt seine breiten, etwas plumpen, aber sehr leserlichen
Schriften bei und war selbst im Accidenzfache mit der Verwendung aller
der unzhligen Zierschriften, die man gemeiniglich in Deutschland fr
ntig hielt, usserst sparsam. Kann man auch nicht behaupten, dass
sich in allen englischen Arbeiten ein geluterter Geschmack kundgiebt,
so bringen doch, selbst wo dieser fehlen sollte, in der Regel die
Vorzglichkeit des Materials, die Einfachheit, die Sauberkeit und die
Korrektheit einen so befriedigenden Gesamteindruck hervor, dass man
nicht zum Reflektieren ber einen etwaigen Verstoss gegen den feinen
Geschmack kommt.

Dass England in INDIEN, OST-ASIEN und AUSTRALIEN seinen typographischen
Einfluss geltend gemacht hat, versteht sich von selbst, ebenso, dass wir
nicht berechtigt sind, aus diesen Erdteilen jetzt schon Erzeugnisse,
die einen ganz besonderen typographischen Wert besitzen, zu verlangen,
berall zeigt sich jedoch ein sehr rstiges Vorwrtsschreiten, an
welchem selbst der usserste Vorposten der Kultur, JAPAN, sich eifrigst
beteiligt.

[Sidenote: Die Typographie Amerikas.]

Die Typographie NORDAMERIKAS kann keineswegs als blosser Abklatsch
von derjenigen Englands betrachtet werden; sie hat sich vielmehr ihre
eigenen Wege gebahnt.

In der Mannigfaltigkeit der Schriften wetteifert Amerika mit
Deutschland, und es findet auch ein reger Verkehr der deutschen und
amerikanischen Schriftgiessereien statt, der sich hauptschlich auf
Tausch von Matrizen grndet. berhaupt geht ein gewisser germanischer
Duktus durch die amerikanische Typographie; man liebt nicht die
presbyterianische Einfachheit des englischen Werkdruckes, und ein in
Deutschland mit Antiquaschrift gedrucktes Buch hnelt viel mehr einem
amerikanischen, als einem englischen oder franzsischen Presserzeugnis.

[Sidenote: Xylographie.]

Fassen wir auch die englische Xylographie, welche in dieser Periode
einen enormen Aufschwung nahm, ins Auge[3].

  [3] J. JACKSONS und W. A. CHATTOS: _A treatise on wood engraving_
      enthlt in der zweiten Ausgabe von 1839 ein Zusatz-Kapitel:
      _Artists and engravers on wood of the present day_ von HENRY
      G. BOHN. Dasselbe giebt eine grosse Auswahl von Proben der
      Kunst neuerer englischer Zeichner und Holzschneider, jedoch
      ohne Charakteristik derselben und ohne kritische Wrdigung der
      Leistungen.

Wie das gedruckte Wort den Gedanken eines Autors nicht in allgemeinen
Grundzgen, sondern Wort fr Wort, Buchstabe fr Buchstabe, wie
er niedergeschrieben wurde, wiedergeben soll, so ist es auch die
eigentliche Aufgabe des Holzschneiders, jeden Strich wiederzugeben,
wie der Zeichner ihn auf dem Holze gezeichnet hat. Eine andere Aufgabe
hat der Kupferstecher. Ihm liegt ein in Farben ausgefhrtes Bild oder
eine Zeichnung vor, die in einer ganz anderen Manier behandelt ist,
als die, in welcher er seinen Stich zu geben hat. Der Stecher hat
seine ganz selbstndige Technik. Ist er auch nicht mit dem Autor eines
Dichterwerkes zu vergleichen, so doch mit einem poetisch begabten
bersetzer, dem es nicht gelingen wrde, das Gedicht im Geist des
Originals wiederzugeben, wenn er nicht selbst von dem Geiste beider
Sprachen, der des Originals sowohl als der der bersetzung, durchdrungen
ist. Wenn deshalb der Stecher mit wenigen Ausnahmen auch dem Urheber des
Bildes nachsteht, so steht er, wenn er ein Meister seiner Kunst ist,
doch auf einer hheren Kunststufe als der Holzschneider, dessen erste
Eigenschaft grsste Gewissenhaftigkeit ist.

[Sidenote: Eigentmlichkeiten der engl. Schule.]

So sollte es immer sein; in der Praxis stellt sich jedoch die Sache
nicht selten anders. Denn wie es Autoren giebt, deren Gedanken wohl
korrekt und verstndlich sind, die aber dennoch keinen schnen Stil
besitzen, so geht es oft mit dem Zeichner, der fr den Holzschnitt
arbeitet. Manchmal wrde der Holzschneider dem Zeichner keinen Gefallen
erweisen, wenn er genau so schneiden wrde, wie letzterer zeichnete. Oft
begngt sich der Zeichner sogar mit einer estompierten Skizze, wo dann
dem Holzschneider die gleiche Aufgabe obliegt, wie sie dem Kupferstecher
zufllt, wenn dieser die Zeichnung in die Stichmanier zu bertragen
hat. Und hiermit kommen wir auf die nationalen Eigentmlichkeiten
der englischen Holzschnitte. In diesen ist der Tonschnitt ganz
vorherrschend; fr den englischen Holzschneider existieren kaum
Konturen, viel weniger innere Linien. Nachdem er sich den Ton roh
vorgeschnitten hat, verfhrt er ganz selbstndig. Ton wird auf Ton
gelegt, ohne Scheidung durch Konturen. Er gewinnt in dem Technischen
eine grosse Fertigkeit und kann unter Umstnden, wenn er seine Sache
versteht, aus einer schlechten Zeichnung einen anziehenden Schnitt
zuwege bringen; er kann aber auch auf das grndlichste eine schne
Zeichnung verderben, die vom Knstler darauf berechnet war, in jedem
Strich ihre Geltung zu behalten. Zeichnungen nun nach einer Richtung,
wie die Jos. Fhrichs, oder, nach einer entgegengesetzten, wie die Ad.
Menzels wrden, auf englische Manier behandelt, vollstndig charakterlos
werden.

Im Landschaftlichen, wo alles auf die Farbe und den Ton ankommt, wird
der Englnder Meister sein; in Figuren, berhaupt berall, wo das
Hauptgewicht auf die charakteristische Linie und den individuellen
Ausdruck des Knstlers fllt, wird er in der Regel zurckbleiben. Das
alles ist bei der Beurteilung der englischen xylographischen Werke ins
Auge zu fassen.

                   *       *       *       *       *

[Sidenote: Die Quellen.]

Zusammenhngende Darstellungen der neueren Geschichte der
Buchdruckerkunst, die als Sttzpunkte fr die folgende Schilderung
sowohl der anglo-amerikanischen Gruppe als der beiden anderen Gruppen
dienen knnten, besitzen wir nicht. Selbst die Werke bekannter Autoren,
als Falkenstein, Didot, Dupont u. a., die sich als Geschichten der
Buchdruckerkunst im allgemeinen betiteln, begngen sich, was die
bei ihrem Erscheinen Neue Geschichte betrifft, hauptschlich mit
Aufzhlen einer Reihe von Namen, auch ist eine lange Zeit seit ihrer
Verffentlichung verflossen. Somit waren wir hauptschlich auf ein
Zusammensuchen der, sich oft vollstndig widersprechenden Nachrichten
aus technischen und anderen Zeitschriften; auf die nicht selten
sehr stark gefrbten und bertreibenden Ausstellungsberichte; auf
die technischen Lehrbcher einzelner Branchen oder Memoiren ber
einzelne Erfindungen; auf Nekrologe, Denkschriften u. dgl. und
schliesslich auf die eigenen Wahrnehmungen angewiesen. Zwar ist die
Fachzeitschriften-Litteratur eine ausnehmend reiche, sie hat jedoch
mit der einzigen Ausnahme des Journals fr Buchdruckerkunst erst
seit den siebenziger Jahren eine eigentliche Bedeutung[4]. Diejenigen,
welche fr die Geschichtschreibung im allgemeinen die grsste Ausbeute
geben, finden erst am Schluss des Bandes Erwhnung, um sie nicht bei
jedem Abschnitt zu wiederholen. Dasselbe ist der Fall mit der grossen
Anzahl von offiziellen Berichten, zu welchen die Weltausstellungen in
London 1851 und 1862; in Paris 1855, 1867, 1878; in Wien 1873, und in
Philadelphia 1876 Veranlassung gaben.

  [4] L. MOHR in Strassburg, der sich um die typographische Litteratur
      und die Bereicherung der Bibliothek des deutschen
      Buchhndler-Vereins vielfach verdient gemacht hat, lieferte,
      untersttzt von W. BLADES in London, CHR. HUBER in Paris und JOHN
      FAEHR in Cincinnati, in den Annalen der Typographie, IX. Bd. Nr.
      432 und 433, ein Verzeichnis der Erscheinungen der periodischen
      Fachpresse lterer und neuerer Zeit. Ein Separat-Abdruck erschien
      1879 in Strassburg.

Die Quellen fr spezielle Flle sind, wie im ersten Teil, jedesmal an
der betreffenden Stelle angegeben.

[Illustration]


[Illustration]

                              I. KAPITEL.

                   SCHRIFTGIESSEREI UND SETZMASCHINEN

                    DER ANGLO-AMERIKANISCHEN GRUPPE.

  Die SCHRIFTGIESSEREI: W. Caslon II., J. Jackson, D. Bruce, Mac Kellar,
    Smiths & Jordan u. a. Die Holztypen. Der Blindendruck. Lord Stanhopes
    Stereotypie. Die GIESSMASCHINE: Nicholson, Elihu White, D. & G.
    Bruce, Johnson und Atkinson, Westcotts Giessmaschine. Die
    SETZMASCHINE, frhere Versuche: T. Alden, W. Mitchell, A. Fraser u.
    a. Hattersley, Kastenbein, Mackie. Der _Matrix compositor_ und
    hnliche Apparate.

[Sidenote: W. Caslon II. [+] 17. Aug. 1778.]

William Caslon dem ltern, dem Begrnder der Selbstndigkeit der
englischen SCHRIFTGIESSEREI, folgte in rhmlicher Weise der schon 1742
als Teilnehmer in das vterliche Geschft aufgenommene Sohn WILLIAM
CASLON II. Dieser hinterliess als Witwe ELISABETH CARTLICH und zwei
Shne WILLIAM III. und HEINRICH I., welcher letztere 1788 starb, whrend
William 1793 aus dem Geschft trat. Die Frau Heinrichs, ELISABETH ROW,
fhrte fr ihren und ihres Sohnes HEINRICH II. Anteil das Geschft bis
1795 in Verbindung mit ihrer Schwiegermutter fort, nach deren Tode
allein. Trotz ihrer schwachen Gesundheit entwickelte sie eine grosse
Umsicht. Als sie jedoch merkte, dass trotz aller Anstrengungen das
Renomm des Hauses etwas hinter dem jngerer Firmen zurckblieb, liess
sie, unter Mitwirkung eines tchtigen Knstlers, JOHN ISAACK DRURY,
smtliche Schriften neu schneiden und nahm NATHANAEL CATHERWOOD zum
Associ, der auch allen von ihm gehegten Erwartungen entsprach. Spter
associierte sich Heinrich Caslon zuerst mit JACOB JAMES CATHERWOOD, seit
1821 mit MARTIN WILLIAM LIVERMORE. Sie fhrten eine neue Schreibschrift
ein nach dem System des Franzosen Boileau.

[Sidenote: Jos. Jackson * 4. Septbr. 1733, [+] 14. Jan. 1792.]

Bei William Caslon II. hatte JOSEPH JACKSON gelernt. Das Verfahren
bei der Herstellung der Stempel wurde sehr geheimgehalten und Caslon
verschloss letztere mit grosser Vorsicht, wenn er nicht daran arbeitete.
Jackson bohrte nun, um die Arbeit Caslons zu beobachten, ein Loch durch
die Wand und sein Vorhaben gelang ihm auch auf diese Weise, von deren
nicht ehrenhafter Natur er wohl kaum das volle Verstndnis hatte, denn
mit grossem Stolz zeigte er dem Meister seine Arbeit, erhielt jedoch
eine sehr strenge Zurechtweisung. Seine Mutter kaufte ihm nun das ntige
Handwerkzeug und er benutzte jeden freien Augenblick, um zuhause zu
arbeiten. Nach vollendeter Lehrzeit blieb er bei Caslon, bis er, weil
Teilnehmer an einer Lohnbewegung, zugleich mit seinem Freunde THOMAS
COTTERELL den Abschied erhielt. Jackson ging zur See und arbeitete
dann bei Cotterell, der ein tchtiger Schriftgiesser geworden war, und
versuchte spter selbst sein Glck. 1790 wurde seine Giesserei durch
Feuer zerstrt, ein Schlag, von dem er sich krperlich und geistig
nicht erholen konnte. Unter seinen vielen vortrefflichen Schriften sind
besonders hervorzuheben die Facsimile-Type der Schrift des _Doomsday
Book_, seine alexandrinisch-griechische Schrift, sowie die Schrift zu
der von Th. Bensley ausgefhrten berhmten Bibel von Maclin, die jedoch
in einer spteren Ausgabe durch Schriften von V. Figgins ersetzt wurde.

[Sidenote: W. Caslon III.]

Bei Jacksons Tode kaufte der aus dem vterlichen Geschft ausgetretene
WILLIAM CASLON III. dessen Schriften. Die Giesserei wurde sehr erweitert
und namentlich mit schnen Ornamenten vervollstndigt. Das Probebuch
von 1785 war das schnste aller bis jetzt erschienenen. Caslon bergab,
nachdem er noch glcklich von einer lngere Zeit andauernden Blindheit
geheilt war, das Geschft an seinen Sohn WILLIAM IV., der es 1819 an
BLAKE, GARNETT & CO. (jetzt Blake, Stephenson & Co.) verkaufte.

[Sidenote: V. Figgins.]

Von Bedeutung war der eben erwhnte VINCENT FIGGINS. Er hatte bei
Jackson gelernt und blieb bei ihm bis zu dessen Tode. So gern er es
gewollt, konnte er doch nicht mit Caslon beim Ankauf des Geschftes
konkurrieren. Von Joh. Nichols krftig untersttzt ward es ihm jedoch
mglich, sich selbstndig zu machen. Er schnitt manche schne, zumteil
seltene Schriften. Das Geschft besteht noch unter der Firma V. & J.
FIGGINS und arbeitet mit 70 durch Dampf getriebenen Giessmaschinen. Dass
die Offizin imstande war, einer am Sonnabend vollstndig abgebrannten
Zeitungsdruckerei am folgenden Dienstag das Weiterarbeiten mit 40
Setzern mglich zu machen, mag als Probe der Leistungsfhigkeit einer
modernen Schriftgiesserei dienen. Auch WILLIAM MARTIN, der von Bulmer
gesttzt wurde, lieferte Vorzgliches.

[Sidenote: A. Wilson * 1714.]

Als Schpfer der schottischen Schriftgiesserei wurde bereits ALEXANDER
WILSON erwhnt (I, S. 266). Er war in St. Andrews geboren, hatte viel
Sinn fr Mechanik und Astronomie, kam jedoch 1737 nach London in eine
Droguenhandlung. Durch Zufall sah er eine Schriftgiesserei und fasste
sofort den Gedanken, die Herstellung der Schriften in einfacherer Weise
als bisher herbeizufhren. Zu diesem Zwecke verband er sich mit seinem
Freunde BAINE. Der Aufenthalt in London wurde ihnen jedoch zu teuer
und sie zogen nach St. Andrews. Mit der Erfindung kam es nicht recht
vorwrts, deshalb schritten die Besitzer, ohne dass sie die eigentlichen
Kenntnisse dazu besassen, 1742 zur Einrichtung einer Schriftgiesserei
in blicher Weise. Die schottischen Buchdrucker, die hauptschlich in
Edinburgh etabliert waren, sahen gern die neue Giesserei entstehen, und
untersttzten sie, da die Verbindung mit London noch schwierig war. Als
Wilson & Baine, um mit dem grossen Verkehr, namentlich mit Amerika und
Irland, leichtere Fhlung zu behalten, nach dem Dorfe CAMLACHIE bei
Glasgow gezogen waren, beschlossen sie 1747, dass einer von ihnen nach
Irland gehen sollte; wer? das sollte durchs Los entschieden werden.
Dieses traf Baine. Zwei Jahre spter wurde die Verbindung ganz gelst.

Wilson stand in engem Verkehr mit der Universitt Glasgow und
schnitt fr diese in uneigenntziger Weise griechische Schriften,
fr welche er grosses Lob erntete. 1760 wurde er von der Universitt
mit dem Professorat in der praktischen Astronomie beehrt und die
Schriftgiesserei nun von seinen beiden ltesten Shnen fortgesetzt.
Auf Grund der billigeren Lhne und Materialien konnten sie sogar in
London mit den dortigen Giessereien konkurrieren. Ein anderer tchtiger
schottischer Giesser war MILLAR in Edinburgh.

[Sidenote: Ph. Rusher.]

Ungefhr gleichzeitig mit Lord Stanhopes Auftreten erhielt (1802)
PHILIPP RUSHER in Banbury, Oxfordshire, ein Patent fr verschiedene
Vernderungen und Verbesserungen in der Form der Typen, welche die
Kosten und die Arbeit beim Setzen verringern und die Schnheit und
Gleichmssigkeit des Satzes vermehren sollten. Rusher druckte mit diesen
Typen den _Rasselas_, lieferte jedoch damit alles eher, als den Beweis
fr die obengenannten Eigenschaften der neuen Schrift.

[Sidenote: Millar, Besley u. a.]

Von englischen Schriftgiessern sind ferner zu erwhnen: ROB. BESLEY &
CO. (spter REED & FOX), MLLER & RICHARD u. a.[5]. Durch orientalische
Schriften sind bekannt: EDM. FRY, W. M. WATTS, GILBERT & RIVINGTON und
die Giesserei der _Clarendon-Press_ in Oxford. Grossen Beifall gewannen
die von THOROWGOOD in London eingefhrten Schreibschriften. Sie konnten
wegen der Leichtigkeit des Setzens, da jeder der 190 Charaktere wie
in der Cursivschrift selbstndig ist, sich neben den kunstvolleren,
aber schwer zu behandelnden Schreibschriften Didots behaupten. Als die
Renaissanceschriften in Frankreich aufkamen, den Spruch bewahrheitend:
_Il n'y a de nouveau en ce monde, que ce qui est vieux_, veranstaltete
der Buchdrucker Whittingham bei Caslon einen Neuschnitt der 1716
hergestellten Elzevier-Antiqua, jedoch mit etwas breiteren und runderen
Buchstaben. Diese _Medival_ gefiel ganz ausserordentlich und hiermit
war der Weg fr die Renaissance erffnet, die selbstverstndlich
in England starke Verbreitung fand; jedoch hielt man sich von
bertreibungen, so wie auch von Ausschreitungen in den Titel- und
Zierschriften ziemlich frei[6].

  [5] J. M. POWELL gab 1875: _Select specimens of the best faces of the
      british Founders_.

  [6] Wie wrde es wohl Th. C. Hansard bei dem Anblick der heutigen
      Extravaganzen fast aller Lnder zumute geworden sein, wenn er
      sich schon bei den damaligen zaghaften berschreitungen zu dem
      folgenden Ausbruch veranlasst fhlte: O, ihr geheiligten Schatten
      von Moxon und van Dyck, von Baskerville und Bodoni, was wrdet
      ihr wohl zu den typographischen Monstruositten heutiger Mode
      gesagt haben? Und die, welche uns nach ebensovielen Jahren folgen
      werden, als jene uns vorangegangen sind, in welches Zeitalter
      werden sie die Erzeugnisse, die uns hier vorliegen, versetzen?
      Solchen Ungeheuerlichkeiten gegenber wird die Nachwelt sich
      manche sonderbare Vorstellung machen. Es ist keineswegs unmglich,
      dass die jetzt in der _City_ von London gedruckten Erzeugnisse in
      spterer Zeit dem Meistbietenden als echt gyptische Seltenheiten
      antediluvianischen Ursprungs zugeschlagen und den ausgesuchtesten
      Teil der Schtze von Sammlungen der Kenner bilden werden.

[Sidenote: Schriftgiesserei in Amerika.]

In AMERIKA lagen die Verhltnisse anders als in England. Man hatte
mit keiner Tradition, mit keinem bereits ausgeprgten Geschmack oder
frherer Gewohnheit zu rechnen, man nahm das Gute, wo es sich darbot,
und erfand nach Herzenslust, wo etwas fehlte. In Ermangelung einer
nationalen Litteratur hatte die Werkdruckerei noch keine grosse
Bedeutung, man war auf billige Nachdrucke englischer Werke angewiesen.
Die Anstrengungen der amerikanischen Giessereien richteten sich deshalb
vornehmlich auf die Befriedigung der Bedrfnisse der Zeitungs- und
Accidenzdruckereien. Um vielen Stoff in den Zeitungen zu hufen, und
viele Zeilen auf die Spalte zu bringen, war es notwendig, mglichst
kleine Schriftkegel zu whlen, dafr jedoch das Bild der Buchstaben so
gross, wie es der Kegel nur zuliess, zu schneiden, wozu es erforderlich
war, die herauf- und heruntersteigenden Buchstaben und die Versalien
mglichst kurz zu halten. In solchen Schriften wurde Vorzgliches
geschnitten und in vortrefflichem Metall gegossen.

In jngster Zeit erreichte die Zahl der Accidenzschriften eine
betrchtliche Hhe. Ausgezeichnet sind namentlich die Schreibschriften.
In Titelschriften wurde vieles Gute unter vielem Unntzen
produziert[7]. Einfassungen in allen mglichen Geschmacks- oder
Ungeschmacks-Richtungen, sogar in japanischem oder chinesischem Stil,
vertragen sich brderlich mit den Antik- und Renaissance-Ornamenten.

  [7] _Specimen Book_ von: G. BRUCES SON & CO.; FARMER, LITTLE & CO.;
      JAMES CONNERS SONS; MAC KELLAR, SMITHS & JORDAN.

Trotz der sehr bedeutenden Produktion ist die Zahl der massgebenden
Giessereien eine beschrnkte (32). Die grossen Schriftgiessereien
liessen die kleineren mit Originalproduktionen nicht aufkommen,
gewhrten ihnen dagegen einen so hohen Rabatt, dass die Kleineren
ihren Vorteil dabei fanden, die Schriften der Grossen in ihre Proben
aufzunehmen und als eigene Arbeit zu verkaufen. Dem typographischen
Publikum entgingen zwar hierdurch die aus einer lebhaften Konkurrenz
entstehenden Vorteile, es stand sich jedoch nicht schlecht dabei, indem
die grossen Giessereien, um ihren Platz auszufllen, sehr bedeutende
Anstrengungen machten.

Um das Jahr 1800 existierte in den Vereinigten Staaten nur die eine
Giesserei von BINNEY & ROLANDSON in Philadelphia, die durch Franklins
Untersttzung gute Giessinstrumente aus Frankreich erhielt und diese
noch verbesserte.

[Sidenote: David Bruce * 12. Novb. 1770, [+] 15. Mrz 1857.]

Eine der ltesten und bedeutendsten Giessereien ist die von DAVID
BRUCE, einem Schottlnder, gegrndete. Nachdem dieser in Edinburgh die
Buchdruckerei gelernt hatte, siedelte er 1793 nach Amerika ber und
begann 1806 im Verein mit seinem jngeren Bruder GEORGE BRUCE (geb.
1781) eine Buchdruckerei. Die Wichtigkeit der Stereotypie hatte er ganz
begriffen und ging deshalb 1812 nach London, um unter den Auspicien
des Lord Stanhope die Stereotypie aus dem Fundament zu erlernen.
Das Vorhaben gelang jedoch nicht ganz, so dass er noch den Weg der
eigenen Erfahrungen einschlagen musste. Er lieferte die erste in
Amerika stereotypierte Bibel und widmete sich nun ausschliesslich der
Schriftgiesserei und der Stereotypie. Im Jahre 1822 zog er sich aus dem
Geschft zurck, welches sein Sohn DAVID II. sehr in die Hhe brachte.
Die grosse Schriftprobe des letzteren aus dem Jahre 1869, bis auf den
heutigen Tag durch achtzehn Supplemente vervollstndigt, bietet eine
unermessliche Auswahl von Schriften jeder Art[8].

  [8] Als ein guter Einfall Bruces muss es betrachtet werden, dass er
      zur Vorfhrung seiner Schriften sich nicht sinnlos
      zusammengestellter Wrter bedient, sondern mit jeder
      neuen Schrift den Titel eines Werkes der typographischen
      Litteratur wiedergiebt. Um einen Buchdrucker sattelfest in der
      typographischen Bibliographie zu machen, giebt es kaum ein
      besseres mnemotechnisches Mittel. Wenn die Schriftgiesser statt
      des _Quousque tandem_ etc. Stze whlten, die fr den Buchdrucker
      ein Interesse darbieten, so wrden die Proben gewiss manchmal
      aufmerksamer ins Auge gefasst werden und die Schriften sich
      mehr dem Gedchtnis einprgen. Schliesslich gab Bruce noch als
      Beilage zu seinen Proben eine Geschichte der Buchdruckerei, 164
      Seiten 4, mit zahlreichen Abbildungen, mit seinen verschiedenen
      Werkschriften gedruckt.

[Sidenote: James Conner * 22. Aug. 1798, [+] 10. Mai 1861.]

[Sidenote: Th. Mac Kellar.]

Als Schriftgiesser waren ebenfalls bedeutend JAMES CONNER, dessen Sohn
gleichen Namens zuerst galvanische Matern lieferte, und MAC KELLAR,
SMITHS & JORDAN. Der Teilhaber letzterer Firma, THOMAS MAC KELLAR, war
Verfasser eines sehr guten Handbuches der Typographie: _The American
Printer_ und Herausgeber des _Typographical Advertiser_, ein Blatt,
welches zwar zunchst den Interessen der Firma dient, jedoch manches
allgemein Beachtenswerte bringt. hnliche Bltter werden von fast
allen grossen amerikanischen Giessereien herausgegeben, sie verbreiten
zugleich mit den Proben der neuen Leistungen ihrer Geschfte mancherlei
ntzliche Kenntnisse[9].

  [9] Die Firma Schelter & Giesecke in Leipzig fhrte diese Sitte in
      Deutschland ein (vgl. IX. Kap.).

[Sidenote: George Guess.]

Eine merkwrdige Erscheinung des amerikanischen Schriftenwesens ist das
Cherokee-Alphabet des Indianers SEQUOYAH oder GEORGE GUESS. Durch Umgang
mit Weissen kam er erst auf eine Bilder-, dann auf eine Silbenschrift
mit 68 Schriftzeichen, fr welche er sich zumteil der Formen der
lateinischen Buchstaben bediente, ohne jedoch von dem sprachlichen Wert
derselben eine Vorstellung zu haben. Er vollendete seine Arbeit, fr
welche ihn die Cherokesen-Huptlinge durch die Prgung einer Medaille
ehrten, im Jahre 1821.

[Sidenote: Die Holztypen.]

Der Plakatdruck mit seinen grossen Schriften fhrte auf die
geschftsmssige Fabrikation der Holztypen. In Amerika begann diese
im grsseren Massstab um das Jahr 1830 durch WANDERBURGH WILLS & CO.
und durch EDW. ALLEN, der sich spter mit der Firma W. H. PAGE & CO.
verband. Zur Verwendung kommt fast nur Ahorn, mitunter Mahagoni oder
Buchsbaum. Die Kltze werden erst in Querschnitte gesgt, mit Dampf
behandelt und zwei Jahre lang aufgespeichert. Die Oberflche poliert,
man wiederholt mit Schellack und Sandpapier und teilt die Querschnitte
in die bentigten Grssen. Die Buchstabenbilder werden vermittelst
Maschinerie hergestellt[10].

  [10] _History and Manufacture of Wood Type. Typographical Messenger
       1869, Nr. 4._

[Sidenote: Blindendruck.]

Der in Frankreich zuerst gebte BLINDENDRUCK wurde in England wie auch
Amerika in durchgreifender Weise verbessert. JAMES GOLL in Edinburgh
wandte 1827 eckige Zeichen an; der Amerikaner Dr. HOWE in Boston gab den
gemeinen Buchstaben der Antiqua ebenfalls eckige Formen; ein hnliches
Alphabet von FRY in London erhielt 1857 von der dortigen _Society of
arts_ einen Preis. Das in England am meisten verbreitete und unter
den willkrlichen eines der zweckmssigsten Alphabete ist das von T.
M. LUCAS in Bristol 1845 erfundene Chiffre-Alphabet, bestehend aus
einem Zirkel und einem Halbzirkel in zwei Grssen, einer grsseren und
einer kleineren Linie und einem Punkt. Hiermit liessen sich vierzig
zweckmssige Zeichen kombinieren. -- Der, selbst blinde, Vorsteher
der Blinden-Anstalt in Brighton, Moon, erfand ein Chiffre-Alphabet von
zehn Zeichen aus gebogenem Draht, die auf Zinkplatten geltet wurden,
ein Verfahren, das bereits 1839 von FRRE gebt war. Nach Moons System
wurden heilige Schriften in achtzig Sprachen gedruckt. Ausser den
erwhnten bestehen jedoch noch viele Systeme.

Ausserordentlich zu bedauern bleibt es, dass man sich nicht ber ein
einheitliches System der Blindenschrift hat einigen knnen; nirgends
wre wohl eine Einheitlichkeit fr den Lernenden sowohl als fr den
Lehrer ntzlicher, und wie wre die Bildung von Blindenbibliotheken
hiermit befrdert worden! Aus vielen Grnden drfte eine Einigkeit, wenn
sie berhaupt mglich ist, nur auf Grundlage des Antiqua-Alphabetes
stattfinden knnen.

                   *       *       *       *       *

[Sidenote: Die Stereotypie.]

Die praktische Durchfhrung des vielfach versuchten Verfahrens der
STEREOTYPIE hat man, wie so manche andere Verbesserungen im Druckwesen,
dem edlen CHARLES MAHON, Lord STANHOPE zu verdanken. Derselbe war
erst in Eton College, spter unter des bekannten Le Sages Anleitung
sorgfltigst erzogen. Mit besonderer Vorliebe wendete er seine
Aufmerksamkeit der Typographie und der Schriftgiesserei zu, und fast zu
gleicher Zeit traten sein Stereotypverfahren und seine eiserne Presse in
Wirksamkeit.

W. Ged hatte seine Versuche nicht fortsetzen knnen (I, S. 266), Mller
und van der Mey (I, S. 251) waren ganz in Vergessenheit geraten.
Die Wichtigkeit der Stereotypie leuchtete aber mit der Zunahme
der schwierigen Arbeiten und der grossen Auflagen immer mehr ein.
Fast 50 Jahre nach Ged machte Dr. TILLOCH in Glasgow, ohne dessen
Erfindung zu kennen, eine hnliche und bte diese in Verbindung mit
dem Universittsbuchdrucker FOULIS. Sie brachten auch einige Bnde
fertig, gaben jedoch spter ihre Arbeiten auf. Lord Stanhope liess
sich von Tilloch und Foulis unterrichten und brachte es in Verbindung
mit einem bekannten Londoner Buchdrucker, WILSON, nach zweijhriger
Arbeit zur Vollkommenheit in dem Verfahren. 1804 konnte letzterer
unter Lord Stanhopes Zustimmung beantragen, die Bibeln und Gebetbcher
der Universitt Cambridge mittels des neuen Verfahrens herstellen zu
lassen. Es fand allgemeine Anerkennung und schleunige Verbreitung,
denn Lord Stanhope litt durchaus nicht, dass diese, noch eine andere
seiner Erfindungen Gegenstand eines Patentschutzes wurde; im Gegenteil,
er liess jedesmal ein _Caveat_ in dem _Patent-Office_ einregistrieren,
damit kein Unbefugter sich der Erfindungen bemchtigen und fr sich
patentieren lassen konnte.

[Sidenote: Stanhopes Stereotypie.]

Der Stanhopesche Prozess[11] ist folgender: Feiner, mglichst frischer
Gips wird mit Boluswasser zu einem flssigen Brei angerhrt und die
Schriftform oder die Holzschnittplatte, welche man stereotypieren will,
mit der Masse erst eingepinselt, dann bergossen. Nachdem der Gips
fest geworden, lsst er sich leicht von der Form abtrennen und man hat
nun eine genaue vertiefte Kopie (Matrize) des zu stereotypierenden
Gegenstandes. Diese wird mit grosser Vorsicht langsam in einem dazu
eingerichteten Ofen getrocknet, dann, mit der Bildseite nach unten,
in eine Pfanne gelegt, die in einen Kessel mit flssigem Schriftzeug
gesenkt wird. Letzterer dringt durch ffnungen der Pfanne und fllt
selbst die kleinsten Vertiefungen der Matrize aus. Nachdem die Pfanne
aus dem Kessel herausgenommen und die Masse erkaltet ist, lsst sich
die Mater von der Platte ablsen, erstere geht jedoch dabei verloren,
dafr hat man das getreue Abbild des stereotypierten Gegenstandes in
Schriftmasse[12].

  [11] THOMAS HODGSON, _An essay on stereotype printing_. Newcastle 1820.
       -- J. F. WILSON, _Stereotyping and electrotyping_. London. -- H.
       MEYER, Handbuch der Stereotypie. Braunschweig 1838.

  [12] ber die frheren Versuche und die neueren Methoden der Franzosen
       vgl. Kap. V.

[Sidenote: Das Schriftmetall.]

Doch nicht alle Druckarbeiten, bei welchen das Verfahren zweckmssig
gewesen wre, konnten stereotypiert werden, namentlich war dasselbe
bei Zeitungen zu langsam, man musste deshalb die Aufmerksamkeit auf
Verbesserung des Schriftzeuges richten. Whrend der drei ersten
Jahrhunderte der Kunst war eine grosse Auflage eine Seltenheit gewesen
und die Schriften hielten sich oft mehrere Generationen hindurch
brauchbar, ausserdem nahm man es damals nicht so genau wie heute mit
der Schrfe des Druckes. Als nun die vielen Abzge die Abnutzung, also
auch den Bedarf vermehrten, musste ein hrteres Schriftmetall beschafft
werden. Der Prozess des Schmelzens und die Mischung der Metalle geschah
nicht mehr nach Gutdnken, sondern nach wissenschaftlichen Regeln,
auch nicht in der Giesspfanne, sondern in grsseren Quantitten in
zweckmssigen Schmelzfen. J. R. JOHNSON lieferte den Zeug so hart,
dass man seine Typen als Stempel in gewhnlichen Schriftzeug eintreiben
konnte. Auch wurden Matern durch Prgung mittels hydraulischer Pressen
in Stahl, anstatt durch Einschlagen in Kupfer, produziert, und
Versuche gemacht, Typen aus Kupferstangen zu pressen oder die Schrift
zu vernickeln und zu verkupfern. Zu diesem Zweck wurde die _Newton
Coppertype Company_ in New-York etabliert, welche die Schriften fr
etwa 18-20 Prozent des Schriftwertes verkupferte. Ausschluss wurde von
Messing, Zink und Vulcanit herzustellen versucht.

Allein die Verbesserung des Stoffes gengte noch nicht, man musste auch
auf Schnelligkeit und Billigkeit in der Produktion sehen, und hier
konnte nur die Maschine Hlfe schaffen.

[Sidenote: Die Schriftgiessmaschine.]

ber den ersten Ursprung der SCHRIFTGIESSMASCHINE verlautet nur, dass
dem WILL. NICHOLSON in London im Jahre 1790 ein Patent auf eine solche
fr konisch gebildete Typen erteilt wurde. Eine konische Form mit
einer grsseren Bild- und einer kleineren Grundflche hielt Nicholson
fr ntig, weil er die Schriften um den Cylinder einer Schnellpresse
anbringen wollte, welch letztere er sich ebenfalls patentieren liess.
Er hatte das, spter von Didot in Paris versuchte, polyamatype
Giessverfahren vor Augen, nach welchem viele Buchstaben auf einmal
gegossen werden sollten. Es blieb, wie mit den brigen Erfindungen
Nicholsons, bei dem Patentnehmen.

Die praktische Durchfhrung der Giessmaschine gehrt Amerika an. Die
ersten Patente dort wurden 1805 und 1807 dem ELIHU WHITE und dem
WILLIAM WING in Hartford erteilt. Auch hier hatte man zuerst das
polyamatype Verfahren im Auge, ja man wollte sogar ganze Alphabete auf
einmal giessen. WHITE experimentierte zehn Jahre lang, ohne zu einem
nennenswerten Resultate zu kommen. Die Schriftgiesser BINNEY & ROLANDSON
hatten ebenfalls viele Versuche gemacht und schienen dem Ziele nher
als White gerckt zu sein, hielten jedoch ihre Resultate sehr geheim.
White schmuggelte in wenig ehrenhafter Weise einen seiner Arbeiter bei
Binney ein, damit er hinter die Geheimnisse komme, reussierte jedoch
dessenungeachtet und trotz seiner Verbindung mit dem Mechaniker Will. M.
Johnson nicht.

Einen wirklichen Erfolg hatte erst DAVID BRUCE 1838. Es entspann sich
jedoch ein bitterer Streit darber, ob BRUCE, wie er selbst auf das
bestimmteste behauptete, oder einer seiner Arbeiter, der dnische
Schlossergeselle Lauritz Brandt (s. Kap. IX), der eigentliche Erfinder
sei. Bruces Maschine wurde von WILL. M. JOHNSON verbessert.

[Sidenote: Schleifmaschinen.]

Seit 1840 sind SCHLEIFMASCHINEN im Gang, haben jedoch nicht in demselben
Umfange, wie die Giessmaschinen, Eingang gefunden. Selbst in Amerika, wo
man doch sicherlich etwas von Arbeitsteilung und rationeller Ausnutzung
der Maschinen versteht, wird Schleifen mittels Handarbeit jetzt noch
vielfach gebt. Die Arbeiter haben sich eine solche manuelle Fertigkeit
erworben, dass sie fast als Maschinen betrachtet werden knnen. In
London wurden die Schleifapparate namentlich von FIGGINS gebaut.

[Sidenote: Johnson und Atkinson.]

Eine der interessantesten Maschinen ist die kombinierte automatische
Giess-, Schleif- und Fertigmach-Maschine von JOHNSON & ATKINSON,
die ohne menschliche Beihlfe die Buchstaben gegossen, geschliffen,
bestossen, gehobelt und in Reihen aufgestellt liefert[13]. Eine
allgemeine Verbreitung hat diese Maschine, die in Deutschland durch
Flinsch, Genzsch & Heyse und Meyer & Schleicher eingefhrt wurde,
jedoch nicht gefunden; es gehren verschiedene Vorbedingungen dazu,
wenn ihre Arbeit gengend nutzbringend sein soll. Das Patent von 1862
ging auf die _Patent Type Foundry_ ber, die eine Reihe von Jahren von
P. M. SHANK geleitet wurde und dann in dessen Besitz berging. Sein
Mitarbeiter J. M. HEPBURN nderte die Maschine vollstndig um, so dass
sie bei vereinfachter Konstruktion nur die Hlfte des Raumes der lteren
einnimmt und die Typen direkt in die Setzksten oder in die fr die
Setzmaschine bestimmten Rhren legt. In letzterer Weise erhalten die
_Times_ alltglich die neue Schrift fr die Nummer des kommenden Tages
und der Satz der vorigen wandert in die Giessmaschine; denn abgelegt
wird nicht.

  [13] Journ. f. B. 1872, Nr. 42. -- Print. Reg. 1881, Okt. -- Ann. d.
       Typ. B. IV, Nr. 183.

[Sidenote: Westcott.]

Noch weiter ging die amerikanische kombinierte Schriftgiess-, Schleif-,
Bestoss- und Setzmaschine von WESTCOTT. Ein Setzer spielt, wie bei
der Setzmaschine, von der unten die Rede sein wird, sein Manuskript
auf einer Klaviatur ab; durch Berhrung einer Tangente rckt die
gewnschte Mater vor die ffnung des Schriftgiessinstrumentes und die
Buchstaben werden gegossen, geschliffen, bestossen und gesetzt, nicht
aber abgelegt, denn die Schrift wird nach Ausfhrung des Druckes in die
Giesspfanne geworfen. Diese Maschine arbeitete auf der Ausstellung in
Philadelphia vollkommen korrekt, aber sehr langsam und vermochte nur
2000 Buchstaben in der Stunde zu giessen und zu setzen[14].

  [14] Oest. B.-Ztg 1876, Nr. 33.

                   *       *       *       *       *

[Sidenote: Die Setzmaschine.]

Es konnte nicht anders sein, als dass die grosse Errungenschaft der
Druckmaschine die Gedanken der Techniker darauf leiten musste, ob es
nicht mglich sei, die verhltnismssig langsam vorwrtsschreitende
Arbeit des Setzens durch Mechanismus berflssig zu machen oder
wenigstens zu erleichtern. Einmal ausgesprochen, wird auch ein solcher
Gedanke selten _ad acta_ gelegt, und so ist es, trotz der unberwindlich
scheinenden Schwierigkeiten, gelungen, die SETZMASCHINE[15], wennauch
nicht in der ausgedehnten Weise wie die Schnellpresse, in das praktische
Leben einzufhren. Wie gross der damit zu erzielende Vorteil sein
wird, lsst sich noch nicht genau bersehen. Fraglich erscheint es
namentlich, ob die Schnelligkeit in der Herstellung der Zeitungen
wesentlich gefrdert werden wird. Gerade bei dem Zeitungssatz handelt
es sich um die angestrengteste Ausnutzung der Zeit von dem Augenblicke
ab, wo das letzte Manuskript in die Hnde der Druckerei gelangt, und
gerade da wirken viele, gleichzeitig arbeitende, tchtige und mglichst
selbstndige Krfte sicherer und rascher, als die Setzmaschine. Dass
diese nichtsdestoweniger eine Zukunft haben wird, kann nicht in Abrede
gestellt werden, es liegt aber in der Natur der Sache, dass die
Thtigkeit des denkenden Setzers nicht ohne weiteres ersetzt werden
kann. Die Maschine kann ihm zwar einen Teil der leichteren Arbeit
abnehmen, ihn aber nicht entbehrlich machen. Soll die Setzmaschine fr
das Setzen dieselbe Bedeutung erlangen, wie die Schnellpresse fr das
Drucken, mssten wir alle typographischen Errungenschaften von vier
Jahrhunderten ber Bord werfen, die Typen mssten auf gleich grosse
Krper (Gevierte oder Halbgevierte) gebracht werden und entweder die
Versal- oder die gemeinen Buchstaben wegfallen, dann msste man das
Recht haben, eine Zeile ohne Rcksicht auf Silbenteilung zu brechen
und selbst das wrde nicht ganz gengen, denn jede Auszeichnung wre
in Wegfall zu bringen. So weit rckwrts wird sich wohl die Phantasie
selbst des grssten Bewunderers der Setzmaschine kaum versteigen. Nehmen
wir diese fr jetzt fr das, was sie ist, eine hchst beachtenswerte
Hlfsmaschine, nicht aber fr einen, das ganze Geschft umgestaltenden
Apparat, wie die Schnellpresse. Wenn bei der Setzmaschine zumeist
weibliche Krfte in Anspruch genommen werden, so sind allerdings die
Billigkeit und die Fingerfertigkeit der Frauen mitbestimmend gewesen,
Schuld tragen jedoch auch die Setzer selbst daran durch die feindliche
Haltung, welche sie, wie seinerzeit die Drucker zu der Schnellpresse,
der neuen Erfindung gegenber einnahmen.

  [15] TH. GOEBEL, Die Setzmaschinen geschichtlich und technisch. Wiecks
       Illustr. Gewerbe-Ztg. 1877.

[Sidenote: ltere Versuche mit der Setzmaschine.]

Von wem der Gedanke zuerst ausgesprochen wurde, ist schwer zu
entscheiden. Friedrich Knig hat bereits im Jahre 1811 oder 1812
erfahren, dass ein junger Mann in Birmingham sich mit der Absicht trug,
eine Setzmaschine zu bauen. Knig & Bauer selbst hatten ihre Gedanken
auf eine solche gerichtet, liessen ihn jedoch fallen. Thatsache ist,
dass ihn Dr. CHURCH in Birmingham im Jahre 1822 dargelegt hat. Die
Zahl der Versuche ist Legion; in England allein wurden in den Jahren
1822-1860 57 Patente erteilt. Mit dem Jahre 1840 gewinnen die Versuche
zwar einen realeren Boden, doch gehren auch sie alle jetzt als
berlebtes der Geschichte an oder sind der Vergessenheit anheimgefallen.
In dem erwhnten Jahre bildete sich in Pressburg eine Gesellschaft,
um eine von JOSEPH V. KLIEGEL erfundene Setz- und Ablegemaschine zu
erbauen, wozu der Franzose ETIENNE ROBERT GAUBERT eine Ablegemaschine
lieferte. In demselben Jahre erhielten der Englnder JOHN CLAY in
Cottingham und der Schwede FR. ROSENBORG Patente, im Jahre 1841 JAMES
HADDEN YOUNG, Spinnereibesitzer, und ADRIEN DELCAMBRE, Fabrikbesitzer,
beide in Lille. Zu ihrer 1844 ausgestellten Maschine, welche nur auf das
Setzen eingerichtet war, baute A. N. CHAIX eine Ablegemaschine; beide
fanden keinen Eingang. In Wien experimentierte, durch AUER untersttzt,
L. TSCHULIK. Er lehnte sich zunchst an Rosenborg an, whrend J. X.
WURM viele Verbesserungen an seiner Maschine anbrachte. Der eigentliche
Schpfer der lebensfhigen Setzmaschine war der Dne CHR. SRENSEN im
Jahre 1851[16].

  [16] Vgl. Kap. XIII.

[Sidenote: Tim. Alden * 14. Juni 1819, [+] 4. Dez. 1858.]

Unter den lteren englischen und amerikanischen Setzmaschinen war die
von TIMOTHEUS ALDEN die bedeutendste. Von 1835-1846 arbeitete Alden als
Setzer und sprach bereits in seinem neunzehnten Jahre, 1838, die Absicht
aus, eine Setzmaschine zu bauen. Obwohl vielfach ausgelacht, ging er
mit aller Energie daran und konnte 1856 die letzte Hand an sein Werk
legen. Er hatte sich jedoch dabei geistig und krperlich aufgerieben.
Bei seinem Tode 1858 hinterliess er seinem Vetter HENRY W. ALDEN, der
ihm treu geholfen hatte, sein Werk. Die Aldensche Maschine war sehr
kompliziert und demnach kostspielig. Henry Alden vereinfachte sie und
bergab einer Gesellschaft die Erfindung zur Ausbeutung, sie fand jedoch
keine grosse Verbreitung und die Gesellschaft lste sich 1874 auf[17].

Eine Maschine von WILLIAM H. MITCHELL in New-York war schon 1861 in
Wirksamkeit bei dem Satz von Appletons _Encyclopaedia_. ALEXANDER
FRASER, Teilhaber der Firma NEILL & CO. in Edinburgh, wollte erst
nur eine Ablegemaschine fr Hattersleys Setzmaschine konstruieren,
lieferte jedoch 1862 eine brauchbare Setz- und Ablegemaschine, fr
fnf Schriftgrade benutzbar[17]. Ein anderer Apparat von HENRY A.
BURR[18], von welchem acht Stck in der Offizin der _New-York Tribune_
arbeiten, hnelt Kastenbeins System[19]; der Ablegeapparat erfordert
Typen mit vielfachen Einschnitten. Von einer von Adie in London nach
dem Fraserschen System in der _Behring Manufacturing Company_ gebauten
Maschine arbeitet eine grssere Zahl in verschiedenen Offizinen. FELTS'
1861 gebaute Maschine versprach vieles, ob sie es gehalten, haben wir
nicht erfahren. Die von Clowes' Druckerei eingefhrte und nach dem
Besitzer die Clowes-Maschine genannte Erfindung des Setzers JOHN
HOOKER[20], war 1874 in London ausgestellt, sie fand jedoch keine
weitere Verbreitung. Es wird bei derselben die elektro-magnetische
Kraft zur Anwendung gebracht. Anstatt Tasten finden sich kleine
Kupferplttchen vor, mit leitenden Drhten an deren Rckseiten,
die in Verbindung mit einem Elektromagnete stehen. Lsst nun der
Setzer den mit einem Holzgriff umgebenen, mit dem negativen Pol der
Batterie verbundenen Leitdraht eine Kupferplatte berhren, so wird
die galvanische Kette geschlossen und ein Hebel in Bewegung gesetzt,
der den begehrten Buchstaben vorschiebt. Das Ablegen muss durch
Handarbeit besorgt werden. Ein diesem hnliches Prinzip lag dem 1876
in Philadelphia ausgestellten Apparat von G. P. DRUMMOND aus Canada
zugrunde.

  [17] Journ. f. B. 1866, Nr. 15, 17, 19, 24.

  [18] Print. Reg. 1880.

  [19] Journ. f. B. 1876, Nr. 38.

  [20] Print. Reg. 1877, Nov.

Die in der Caxton-Ausstellung 1877 zur Anschauung gebrachte Setzmaschine
des in London lebenden Deutschen M. L. MLLER[21] war fr viele
Schriftarten bestimmt und mit 200 Tangenten in sechs Reihen ber
einander versehen. J. ROB. WINDER[22] in Bolton behauptet als Vorzge
fr sein Fabrikat die gleichzeitige Befrderung mehrerer Buchstaben.
Die in gewissen Verbindungen sehr oft vorkommenden Buchstaben sind
demgemss in mehreren, verschieden gelegenen Rinnen untergebracht. WICK,
der Besitzer der _Glasgow News_, suchte nach hnlichen Prinzipien den
Vorteil in kombinierten Griffen, und seine Klaviatur hat sogar eine
Anzahl von Tangenten fr Logotypen der blichsten Silben-Verbindungen
der englischen Sprache[23].

  [21] Journ. f. B. 1875, Nr. 7.

  [22] Print. Reg. 1880, Dez.

  [23] Journ. f. B. 1880, Nr. 13. Print. Reg. 1880, Mrz.

Eine der neuesten Setz- und Ablege-Maschinen ist die 1880 in Dsseldorf
ausgestellt gewesene von A. VON LANGEN und C. G. FISCHER, die, was
den Setz-Apparat betrifft, der Kastenbeinschen Maschine hnelt, deren
Ablege-Apparat jedoch den des letztgenannten an Brauchbarkeit bedeutend
bertreffen soll.

Die Doppelmaschine Westcotts fr Guss und Satz wurde bereits (S. 40)
erwhnt; als Halbmaschinen lassen sich die von Millar und Porter
bezeichnen. MILLARS 1870 ausgestellte Maschine verwendet nur die
gemeinen Buchstaben, die Ausschliessungen und einige der am hufigsten
vorkommenden Versalien; die anderen Schriftzeichen mssen aus einem
Kasten durch die Hand des Setzers hinzugefgt werden. Wenn nicht
vollkommen, ist der Apparat wenigstens sehr billig. T. J. PORTERS
Apparat[24] fhrt auf mechanischem Wege dem Setzer die Typen zu, welche
er sonst aus den Fchern des Setzkastens nehmen musste, das eigentliche
Setzen jedoch wird mit der Hand vollzogen.

  [24] Print. Reg. 1880, Juni.

Es wre zwecklos, der obigen Reihe von Erfindern noch einige Dutzend
Namen anzuhngen. Das hier bereits Angefhrte mag hinreichend dafr
sprechen, dass schwerwiegende Hindernisse, die oben schon angedeutet
wurden, einem vollkommenen Setzapparat im Wege liegen. Es bleibt nur
noch brig, die drei Mnner zu erwhnen, deren Erfindungen am meisten
in die Praxis gedrungen sind: Hattersley, Mackie und Kastenbein, welch
letzterer nach der augenblicklichen Sachlage die grsste Aussicht fr
die Zukunft zu haben scheint.

ROBERT HATTERSLEY in Manchester erhielt 1857 ein Patent auf
Verbesserungen an den Setz- und Ablegemaschinen. Die seinigen wurden
zuerst 1859 in der Buchdruckerei von Bradbury & Evans in London
verwendet. ber eine Klaviatur, deren Tasten nach dem Masse des
Vorkommens der mit ihnen korrespondierenden Typen geordnet sind,
befindet sich ein etwa 1-1/2 Meter hoher Aufsatz von Eisen, an welchem
sich zwei eiserne horizontale Tafeln befinden, auf welchen die Typen
in Rinnen gereiht stehen. Wird eine Taste angeschlagen, so drckt
ein, je ber dem letzten Buchstaben einer Rinne befindliches Stbchen
diesen heraus, worauf letzteres in die frhere Lage durch ein sich
zusammenziehendes Gummischnrchen zurckgeschnellt wird. Das Nachrcken
der Buchstaben in der Rinne geschieht ebenfalls durch Zusammenziehen
einer Gummischnur, welche mit einem Metallstck, das von hinten auf die
Reihe drckt, verbunden ist, ber diese sich hinzieht und vorn nach oben
festgemacht ist. So befindet sich stets ein Buchstabe am vordern Rande
der Rinne.

Die herausgestossenen Buchstaben gleiten durch Rinnen, die sich in einem
vertikalen herzfrmigen Behlter befinden, dem einzigen Mundstck an der
unteren Spitze des Behlters zu und stellen sich einer neben dem andern
in den Winkelhaken auf. Ist eine Zeile voll, wird eine Setzlinie auf den
Satz gelegt und dieser in das unter dem Winkelhaken befindliche Schiff
heruntergeschoben. In letztem wird nunmehr der Satz Zeile fr Zeile
ausgeschlossen.

Theoretisch ist die Leistungsfhigkeit 7-8000 Buchstaben pro Stunde,
in der Praxis 4-5000. Eine Zeitlang schien es, als wrde die
Hattersley-Maschine einen Platz behaupten. Zwei Exemplare wurden 1874
in der Offizin der Neuen Freien Presse in Wien aufgestellt; seitdem
ist es jedoch still darber geworden. Ein grosser belstand ist die
Abhngigkeit von den durch die Witterung und Abnutzung beeinflussten
Gummischnren, mit denen keine bestimmte Rechnung sich machen lsst.
Die Leistungsfhigkeit der Ablegemaschine ist ungefhr die Hlfte der
Setzmaschine.

C. KASTENBEIN, wohnhaft in Brssel, baute 1871 in Paris die erste
Maschine fr die _Times_-Druckerei in London. 1872 arbeiteten dort 5
Setzmaschinen und 8 Ablegemaschinen. Die Typen liegen in Rinnen eines
hochaufsteigenden Behlters. Durch Niederdrcken einer Tangente wird
ein Hebel in Bewegung gesetzt, der dem Buchstaben an der Fussflche
einen Stoss nach vorn giebt, wodurch er in horizontaler Lage aus
der Rinne herausgestossen, jedoch durch den Bau der Rinne whrend
des Heruntergleitens in vertikale Lage gebracht wird. Wie bei der
Hattersley-Maschine befinden sich die Gleitrinnen in einem herz-
oder birnenfrmigen Behlter und endigen in einem gemeinschaftlichen
Mundstck. Ein Glasverschluss gestattet dem Setzenden, jede in den
Rinnen vorkommende Unregelmssigkeit zu bemerken. Die Rinnen fr
die schwersten Typen mit der grssten Fallgeschwindigkeit sind so
angebracht, dass diese Typen den weitesten Weg zurcklegen, wodurch die
erforderliche gleiche Befrderungszeit der verschiedenen Typen erzielt
wird. Die in einem langen Winkelhaken sich aufreihenden Buchstaben
werden nun dem Setzschiff zugefhrt, das seitwrts auf einem schrgen
Pult-Gestell ruht, an welchem der mit dem Umbrechen der Zeilen Betraute,
das Gesicht dem Setzenden zugewendet, sitzt, und den Satz in Empfang
nimmt, davon so viel fr eine Zeile notwendig ist auf das Schiff schiebt
und ausschliesst. Durch Treten eines Pedals senkt sich darauf das Schiff
um so viel als notwendig ist, damit eine neue Zeile hinbergeschoben
werden kann. Die Leistungsfhigkeit ist in der Praxis 3-4000 Buchstaben;
in der Ausstellung zu Paris 1878 wurde sie jedoch probeweise bis zu
10200 gesteigert. Die Maschine ist, ausser in England, in Nordamerika,
Dnemark, Italien vielfach verwendet. Die Reichsdruckerei in Berlin
schaffte sie 1879 an.

Seinen ersten Ablegeapparat verwarf Kastenbein selbst als zu
kompliziert; bei dem zweiten werden die Buchstaben frmlich in einen
mit Lchern versehenen Kasten, wie sonst in die Fcher des Setzkastens
mit der Hand, abgelegt. Durch Treten, oder durch Drehen eines Rades,
wird ein Mechanismus in Bewegung gesetzt, welcher Stsser treibt, die
die Buchstaben in die fr sie bestimmten Reihen der Rinnen treiben.
Man sieht, dass auch dieser Apparat nicht vollkommen und nur teilweise
automatisch ist. Zu zwei Setzmaschinen gehren etwa drei Ablegemaschinen.

Ein von allen anderen abweichender Weg wurde von Dr. ALEXANDER
MACKIE[25], einem praktischen Buchdrucker in Warrington, eingeschlagen.
Das Stdtchen liegt halbwegs zwischen Manchester und Liverpool, ziemlich
im Zentrum eines Kreises kleinerer aufblhender Stdte. MACKIE fasste
den Plan, fr jede derselben eine eigene Zeitung zu grnden, die den
leitenden und politischen Teil mit den anderen gemeinschaftlich, dabei
jedoch einen lokalen selbstndigen Teil besitzen sollte. So entstand
eine ganze Familie von _Guardians_, sieben an der Zahl, die mit dem
_Manchester Guardian_ 1853 anfing. Um nun den gemeinschaftlichen Teil
schnell fr jedes der Lokalbltter herstellen zu knnen, kam Mackie
auf eine Kombination von drei verschiedenen Maschinen, von welchen
die eine, wenn man so sagen darf, die Manuskriptmaschine, die andere
die Setz-, die dritte die Ablegemaschine bildete. Durch die ersten
wird beim Anschlagen einer Taste ein Loch in einen Papierstreifen
gebohrt. Die Lcher sind so rangiert, dass, wenn ein perforierter
Streifen der Setzmaschine bergeben wird und ein Loch in diesem ein
Loch in einer Walze, ber welche der Streifen gefhrt wird, gerade
deckt, ein Stift hineinfllt, der bis dahin einen Behlter, worin die
bentigten Buchstaben sich befinden, zugeschlossen hielt. Aus dem
nunmehr geffneten Behlter fllt die Type auf eine schnell rotierende
Gleitschiene und wird dem Winkelhaken zugefhrt. Selbstverstndlich
beruht alles auf der richtigen Lage der, durch die mit den Tasten
verbundenen Stifte in den Streifen gebohrten Lcher. Es hnelt diese
Manipulation dem Wirken der Stifte auf der Walze einer Spieldose,
welche zur rechten Zeit die, den richtigen Ton angebende Metallfeder
treffen mssen. Im Prinzip hat Mackies Maschine grosse Vorzge. Sie ist,
was die eigentliche Setzmaschine betrifft, vollstndig automatisch.
Das perforierte Manuskript kann gleichzeitig in mehreren Exemplaren
hergestellt werden und somit behufs des Setzens durch eine Maschine
nach verschiedenen Orten gesandt werden. Von einer grossen Verbreitung
des Apparates verlautet indes nichts, dagegen wird berichtet, dass
Mackie sich fortwhrend mit Verbesserungen an demselben, namentlich am
perforierenden Teil, beschftigt, so dass anzunehmen ist, dass ihn die
Leistungen noch nicht ganz befriedigen, obwohl er jetzt schon 350000
Buchstaben pro Woche garantiert.

  [25] Print. Reg. 1877, Okt. Ann. d. Typ. I, Nr. 24. III, Nr. 109.

Dr. Mackie ist ein so eigentmlicher und bedeutender Reprsentant
moderner Arbeitsweise, dass es wohl geboten ist, seine Wirksamkeit
etwas nher zu betrachten. Nachdem er Erfolge erzielt hatte, ging er
noch weiter und errichtete im Jahre 1877 in einer kleinen Stadt CREWE,
gelegen an einem Knotenpunkte der Londoner Nord-West-Bahn, mit 25000
Einwohnern, von denen ein bedeutender Teil in den umfangreichen dortigen
Werksttten der Eisenbahngesellschaft beschftigt ist, eine grossartige
Druckoffizin. In gothischem Stile erbaut, bildet sie eine mchtige
Halle von 150 Fuss Lnge und 30 Fuss Breite, in welcher 14 Mackiesche
Setzmaschinen mit den ntigen Hlfsmaschinen, zwei Atkinsonsche
Giessmaschinen und die erforderlichen Schnellpressen arbeiten. Unter
den nahe an 150 Beschftigten sind nur etwa 30 Mnner. Indem Mackie die
Offizin nach Crewe legte, rechnete er darauf, dass er unter den vielen
Tchtern der dortigen Arbeiter sehr leicht tchtige Hlfskrfte finden
wrde. Er, oder vielmehr die Kommandit-Gesellschaft MACKIE, BREWTHAL
& CO., druckt dort verschiedene Zeitschriften und viele Werke fr
Buchhndler in London[26].

  [26] Eines der frhesten umfangreicheren Bcher, deren Satz mittels
       der Setzmaschine fertiggestellt wurde, ist: _Italy and France.
       An Editors Holiday by Alex. Manckie._ London 1874. xvi und 415
       Seiten. Der Verfasser schildert darin die Eindrcke einer im
       Fluge unternommenen Ferienreise. Leider hlt er sich nicht so
       lange bei der Schilderung der typographischen Etablissements Roms
       und Paris auf, als dem Leser gewiss lieb gewesen wre.

Mit dieser Anstalt hat Mackie in jngster Zeit auch ein
Ausbildungs-Institut fr werdende Berichterstatter, Unterredakteure
und Zeitungsbesitzer vereinigt. Der Betreffende erhlt Unterweisung:
1) im praktischen Setzen, um spter richtig disponieren, Manuskript
berechnen und die fr das Setzen ntige Zeit beurteilen zu knnen; 2)
im Korrekturenlesen, unter Bercksichtigung, wie bei der Korrektur die
Zeit des Arbeiters geschont werden kann; 3) im Berichterstatten und
der Art, das Manuskript fr den Satz praktisch und korrekt abzufassen;
4) in der Buchfhrung fr Journalunternehmungen. Es unterliegt wohl
keinem Zweifel, dass ein solches Institut, seitdem die journalistische
Thtigkeit ein wirklicher Lebensberuf so Vieler geworden ist, einen
grossen Wert hat und wohl Nachahmung verdient.

Zu diesem und seinen brigen Instituten fgte er noch im Jahre 1880 eine
neue grossartige Offizin in Warrington. Das prchtige Gebude von 200
Fuss Lnge und 100 Fuss Breite im gothischen Stil hat wie das in Crewe
nur ein Stockwerk. Der grosse Arbeitssaal von 126 Fuss Lnge und 96 Fuss
Breite wird durch zwei Reihen von eisernen Sulen in drei Lngenschiffe
geteilt.

Das Prinzip der Setzmaschinen: durch eine Tastatur Buchstaben in
Bewegung zu setzen, fhrte zu den Versuchen mit dem sogenannten _Matrix
compositor_ (Matrizen-Setzer) des JOHN E. SWEET & DAUL (Paris 1867)
und deren vielen Nachfolger als: D. TIMIRIAZEFF (London 1872), JOS.
LIWTSCHACK in Wilna (1876), PETERSON in Wien, G. HAMBRUCH in Elbing u.
a. Sweets Gedanke war theoretisch ein sehr hbscher. Er wollte, indem er
die Stempel durch die Tastatur in eine weiche Masse drckte, Matrizen
auf dem Setzwege direkt herstellen. Dieselben Schwierigkeiten jedoch,
die hinderlich waren, um einen korrekt ausgeschlossenen Satz durch die
Setzmaschine zu liefern, stehen auch diesem Verfahren, und zwar in einem
noch hheren Grade, entgegen. Sweets verschiedene Ausstellungsproben
-- und ber diese hinaus scheint er nicht gekommen zu sein -- waren
usserst wenig empfehlend.

[Illustration]


[Illustration]

                              II. KAPITEL.

                     DIE DRUCK- UND HLFSMASCHINEN

                    DER ANGLO-AMERIKANISCHEN GRUPPE.

  DIE HANDPRESSE. Lord Stanhope und seine Nachfolger: Cogger, Clymer
    u. a. Die Auftragmaschine. Die Gltt- und Prgmaschine: Bramah. DIE
    SCHNELLPRESSE: Friedr. Knig in England, Bensley, John Walter, der
    29. November 1814, Krnkungen Knigs, seine Abreise von London,
    Walters Eintreten fr ihn. Die Nachfolger Knigs: Napier, Applegath &
    Cowper, Hoe u. a. Die Endlosen: W. Bullock, die Walter-Maschine u. a.
    Die Mehrfarbe-Endlose. Die Tretmaschinen. Die Ausleger, die Anleger.
    DIE SATINIERMASCHINE. DIE FEUCHTAPPARATE. DIE BRONCIERMASCHINE. DIE
    FALZMASCHINE. DIVERSE HLFSMASCHINEN. WALZEN UND FARBE. DIE
    MATERIALIENHANDLUNGEN.

[Sidenote: Druckpresse.]

Seit dreihundertundfnfzig Jahren hatte man sich zur Herstellung selbst
der vorzglichsten Druckwerke noch immer der alten hlzernen Presse
bedient. Nach den Verbesserungen an dieser in den ersten fnfzig Jahren
der Kunst waren im ganzen genommen keine, das eigentliche Wesen der
Presse weiter ndernden eingetreten, namentlich blieb der zweimalige
Zug, einer fr jede Hlfte der Druckform. Erst gegen das Ende des XVIII.
Jahrhunderts gelangten ernsthafte Verbesserungsversuche zur Ausfhrung,
um den Druck grsserer Formate mit einmaligem Zuge zu bewerkstelligen.
Besonders hierfr thtig waren W. HAAS in Basel (Kap. XIV) und F. DIDOT
in Paris (Kap. V).

[Sidenote: Lord Stanhopes Presse.]

Den eigentlichen Umschwung kennzeichnet erst die eiserne Presse Lord
STANHOPES. Nach vielen kostspieligen Versuchen brachte er, mit Hlfe
des tchtigen Mechanikers WALKER, diese zustande und das erste Exemplar
wurde in der Offizin Will. Bulmers aufgestellt und beim Druck der
grossen Prachtausgabe von Shakespeares Werken verwendet[27].

  [27] Die Sitte in England, manchmal eine Offizin als _Press_ zu
       bezeichnen, hat in Deutschland fters zu Missverstndnissen
       Anlass gegeben. So stand in einem deutschen Fachblatt,
       dass Lord Stanhopes eiserne Presse unter der Bezeichnung
       _Shakespeare-Press_ verbreitet sei, whrend diese Bezeichnung
       die Firma fr Bulmers Offizin war, wo die Stanhope-Presse zuerst
       arbeitete.

Wnde, Krone, Ober- und Unterbalken der hlzernen Presse wurden jetzt
durch ein Stck Gusseisen ersetzt. An Stelle der Schraube mit dem
Bengel trat ein zusammengesetzter Hebel, der es mglich machte, in dem
Augenblick des Druckes eine fast unbegrenzte Kraft zu entwickeln. Die
Arbeiter, die frher mit Aufgebot aller Gewalt den Bengel an sich ziehen
mussten, indem sie mit zurckgebogenem Krper den Fuss an den Antritt
stemmten, konnten gar nicht begreifen, dass ein gelindes Anziehen im
letzten Augenblick gengend sei, um einen krftigen Abdruck zu erzielen.
Das Zurckgehen des Tiegels wurde durch ein Gegengewicht bewerkstelligt.
Nur der Fuss blieb anfnglich noch Holz, doch auch hiervon kam man bald
ab und baute auch diesen Teil aus Eisen[28].

  [28] Journ. f. B. 1834, Nr. 10; 1835, Nr. 24.

[Sidenote: Die Druckwalze.]

Die grossen Handpressen erforderten auch eine raschere Art der
Einfrbung. Den Gedanken, die Ballen durch Walzen zu ersetzen,
hatte schon frher der franzsische Holzschneider PAPILLON gehabt.
Lord STANHOPE liess viele Versuche machen, um einen zweckmssigeren
berzug derselben fertig zu bringen, gelangte aber nicht zum Ziel.
Ein geschickter Drucker in Weybridge, FORSTER, kam, angeregt durch
die Verwendung der Leimmasse in einer Tpferei in Staffordshire, auf
den Gedanken, eine Masse von Leim und Syrup auf grobes Segeltuch zu
giessen und, nach der Erkaltung, die Ballen damit zu berziehen. Erst
spter wurden hlzerne Walzengestelle mit Masse umgossen. Hiermit war
ein wesentlicher Gewinn an Arbeit und Zeit erreicht, der namentlich der
Schnellpresse zugutekommen sollte.

[Sidenote: Fortwhrende Verbesserungen.]

Als einmal das Feld fr den Pressenbau erffnet war, entstanden eine
Menge von Pressen, von welchen jede besondere Vorzge haben sollte.
Neben manchem Unwesentlichen kamen auch wirkliche Verbesserungen vor.
Doch wie die hlzerne Presse schon jetzt ein Gegenstand ist, den
mancher tchtige Buchdrucker der Gegenwart nur von Hrensagen kennt,
so wird es einst mit der eisernen Handpresse gehen, die jetzt schon
fast der Vergangenheit angehrt, so dass manche grosse Druckerei nur
noch zum Abziehen der Korrekturen eine invalide Presse, von einem
Drucker-Invaliden bedient, besitzt.

[Sidenote: J. Cogger.]

Die COGGERSCHE Presse entwickelte eine noch grssere Kraft, als die
Stanhopesche. Sulen von Schmiedeeisen bildeten die Presswnde. Ein
querarmiger zusammengesetzter Hebel gab die Kraft, die dicht unter
dem Oberbalken in ausgedehnter Weise wirkte. Durch Federn wurde das
Zurckgehen des Tiegels bewerkstelligt[29].

  [29] Beschrieben und abgebildet Journ. f. B. 1834, S. 62.

[Sidenote: J. Clymer.]

Einen hohen Ruf durch die ganze Welt erwarb sich die Columbia-Presse
JOHN CLYMERS. Dieser stammte aus einer Schweizerfamilie, die nach
Amerika ausgewandert war. Im Alter von sechzehn Jahren erfand der junge
Clymer bereits einen neuen Pflug mit so besonderen Vorzgen, dass er die
Aufmerksamkeit der Mnner der Wissenschaft auf sich zog. Der Zustand
der Druckerpresse erweckte seine Erfinderlust und bereits im Jahre
1797 begann er seine Verbesserungen an der Holzpresse, spter an der
eisernen, bis er seine berhmte Columbia-Presse zustande brachte, die
er 1818 in England einfhrte, wo sie allgemeine Verbreitung fand. In
den dreissiger Jahren beherrschte sie fast alle Druckoffizinen, auch
die des Kontinents. In dieser Presse wurde durch eine Kombination von
Hebeln bei grosser Gleichmssigkeit des Druckes eine ausserordentliche
Kraft gebt, und der Abdruck erschien, bei wesentlicher Schonung der
Schrift, in grsster Schrfe. Das Zurckgehen des Tiegels geschah durch
ein, auf einem langen Hebel angebrachtes, schweres Gewicht, meist in der
Gestalt des auffliegenden amerikanischen Adlers. Die Presse hatte etwas
Imposantes und konnte fr sehr grosses Format gebaut werden[30].

  [30] ber die von J. Clymer erfundene Patent-Columbiapresse.
       Braunschweig 1828. -- Journ. f. B. 1834, S. 95.

[Sidenote: W. Hagar.]

Eine weite Verbreitung fanden ebenso diejenigen Pressen, welche bei
geringer Kraftanwendung und bei elastischem Zug durch einen Kniehebel
einen starken Druck ausbten. Der Tiegel wurde durch Spiralfedern
getragen, das Einstellen fr die verschiedenen Schrifthhen geschah
sehr leicht. Diese Pressen wurden zuerst von dem Amerikaner HAGAR
gebaut[31]. Das Prinzip des Kniehebels war bereits, jedoch nicht
in glcklicher Weise, in der sehr komplizierten Strebepresse von
HAWKIN[32] angewendet und wurde spter bei mehreren englischen Pressen
benutzt. Sehr verbreitet war die Albionpresse von HOPKINSON[33] und
die Imperialpresse von J. COPE[34].

  [31] Journ. f. B. 1836, Nr. 42.

  [32] Journ. f. B. 1835, Nr. 33.

  [33] Journ. f. B. 1838, Nr. 33.

  [34] Journ. f. B. 1835, Nr. 81.

[Sidenote: J. Ruthven.]

[Sidenote: D. Treadwell.]

[Sidenote: J. Saxton.]

Alle die Abarten der Handpresse, die keine grosse Rolle gespielt haben,
hier zu beschreiben, wre eine unfruchtbare Arbeit; es seien nur noch
einige, die sich durch Originelles in der Konstruktion auszeichneten,
kurz erwhnt. Bei der von JOHN RUTHVEN in Edinburgh 1813 erbauten
Schottischen Presse blieb das Fundament, welches mit Deckel, Rhmchen
und Punkturen versehen ist, unbeweglich, whrend der Tiegel in Schienen
hin und her ging und das Fundament durch einen unter demselben
angebrachten Mechanismus krftig angezogen wurde[35]. Sehr originell
war die Konstruktion der 1820 in England patentierten Tretpresse
des Amerikaners DANIEL TREADWELL. Das Fundament war, wie bei der
Ruthven-Presse, fest. Sie arbeitete leicht, nahm aber einen grossen Raum
ein und sah sehr hsslich aus, fand auch nicht Eingang[36]. Nicht besser
ging es der Hydrostatischen Presse JOS. SAXTONS, in welcher der Tiegel
an das Fundament gedrckt wurde durch die Kraft des Wassers, das sich in
einem hohlen, elastischen, in der Art der Ziehharmonika geformten und
mit dem Tiegel zusammenhngenden Behlter befand, whrend beim Abfluss
des Wassers aus demselben der Tiegel sich wieder hob.

  [35] Journ. f. B. 1835, Nr. 4.

  [36] J. f. B. 1834, Nr. 62.

[Sidenote: Die Auftragmaschine.]

Der Gedanke, die Farbe auf mechanischem Wege aufzutragen, lag ziemlich
nahe und ist auch verschiedentlich, jedoch nie in ganz befriedigender
Weise, bei der Handpresse zur Ausfhrung gebracht. Die ersten Versuche
geschahen 1820 durch THOMAS PARKIN. Sein Apparat nahm jedoch einen sehr
grossen Platz ein und die Drucker leisteten gegen denselben passiven
Widerstand, damit nicht der eine der bisher ntigen zwei Drucker ausser
Brot kam.

In Amerika erfand 1833 FAIRLAMB in Boston, der sich mit einem erfahrenen
Buchdrucker und Mechaniker Namens GILPIN vereinigte, einen solchen
Apparat, von welchem viele hunderte gebaut wurden. Das Farbewerk
stand mit der Kurbel in Verbindung und die Walzen gingen zweimal ber
die Form weg. Nach der Verbreitung der Schnellpresse verlor jedoch
diese Erfindung fast ihren ganzen Wert, da Auflagen, wo Schnelligkeit
notwendig war, nicht mehr auf der Handpresse gedruckt wurden.

[Sidenote: Bramahs Gltte- und Prgpresse.]

Dem Bedrfnis nach einer guten Gltte half namentlich BRAMAHS
Hydraulische Presse ab, die im Vergleich mit der Schraubenpresse den
grossen Vorteil hat, dass die Reibung nicht mit der Zunahme des Druckes
wchst, der in dem letzten Augenblick eine enorme Steigerung erreichen
kann.

Weitere Verdienste erwarb sich Bramah durch seine Prg- und
Numeriermaschinen, von welchen eine der frhesten 1809 bei dem Druck
der Noten der englischen Bank Verwendung fand. Vor dieser Zeit mussten
die Nummern und das Datum mit der Hand eingeschrieben werden. Es
dauerte nicht lange, so verwendete die englische Bank 40 Bramahsche
Maschinen[37].

  [37] Journ. f. B. 1835, Nr. 55; 1836, Nr. 122.

                   *       *       *       *       *

[Sidenote: Die Schnellpresse.]

So wichtig nun auch alle die erwhnten Verbesserungen und Erfindungen
waren, so verschwanden sie doch gegen die grosse, am 28. November 1814
der Welt als vollzogen angekndigte That, dass die _Times_ auf einer
durch Dampf betriebenen, ohne Beihlfe von Menschenhnden arbeitenden
Schnellpresse gedruckt sei.

[Sidenote: Fr. Knig.]

Mit besonderem Stolz blickt Deutschland auf dieses Ereignis, denn der
Name des deutschen Erfinders FRIEDRICH KNIG wird neben dem Gutenbergs
auf ewige Zeit mit Anerkennung und Dankbarkeit genannt werden. Ganz
ohne Bitterkeit bleibt die Freude hierber allerdings nicht, denn die
Verhltnisse lagen damals fr Deutschland so schlimm, dass es, wie Knig
selbst sagt, nicht mglich gewesen wre, ohne die Beihlfe Englands die
Erfindung fr das praktische Leben nutzbar zu machen. Fr uns erwchst
hieraus die Notwendigkeit, die Anfnge der Geschichte der deutschen
Erfindung der Schnellpresse in Verbindung mit der typographischen
Geschichte Englands zu behandeln[38].

  [38] KNIG & BAUER, Die ersten Druckmaschinen erbaut in London bis
       zu dem Jahre 1818. Mit Abbildungen. Leipzig 1851. -- S. SMILES,
       _Frederick Knig, Inventor of the steam printing machine_.
       MacMillans Magazine, Dzbr. 1869. -- TH. GOEBEL, Fr. Knig und
       die Erfindung der Schnellpresse. Braunschweig 1875. -- Knigs
       Jugendgeschichte und die sptere Geschichte des Etablissements
       Knig & Bauer in Kloster Oberzell ist in Kap. X behandelt.

[Sidenote: Th. Bensley.]

[Sidenote: Andr. Fr. Bauer.]

[Sidenote: John Walter.]

Nachdem Knigs Hoffnungen in Deutschland, sterreich und Russland
vollstndig gescheitert waren, kam er 1806 nach England und fand in
dem folgenden Jahre in dem tchtigen Buchdrucker THOMAS BENSLEY einen
Mann, der die ntigen Geldmittel zur Erlangung eines Patentes und zur
gemeinschaftlichen Ausbeutung desselben herzugeben bereit war. Der neue
Gutenberg war hierdurch, wie der Urvater der Typographie, ebenfalls
an einen klug-berechnenden und eigenschtigen Fust gefesselt, hatte
jedoch das Glck, in seinem Peter Schffer -- ANDREAS FRIEDRICH BAUER
-- nicht nur einen technisch tchtigen Mitarbeiter, sondern auch einen
treuen Freund fr das Leben zu besitzen, und in seinem Conrad Humery --
JOHN WALTER -- nicht nur den wohlwollenden und vermgenden Beschtzer,
sondern den mchtigen direkten Frderer seiner Plne zu finden.

[Sidenote: R. Taylor und G. Woodfall.]

[Sidenote: Das erste Patent.]

Zu Knig und Bensley traten noch RICHARD TAYLOR und G. WOODFALL,
bekannte Buchdrucker und rechtliche Mnner. Es wurden nach und nach vier
Patente fr verschiedene Arten von Druckmaschinen in England genommen.
Das erste Patent: Fr eine Methode mittels Maschinen zu drucken,
wurde Fr. Knig am 10. Mrz 1810 erteilt; die Spezifikation ist am 27.
September eingetragen. Alle Verrichtungen waren auf eine wiederkehrende
Bewegung zurckgefhrt, so dass Betrieb durch Dampf mglich war und die
Arbeiter weiter nichts zu thun hatten, als die Bogen auf dem Deckel
anzulegen und nach dem Druck abzunehmen. Deckel und Rhmchen waren
ungefhr wie bei der Handpresse, nur mit dem Unterschied, dass das
Rhmchen am unteren, statt am oberen Ende des Deckels angebracht war.
Beide schlossen und ffneten sich durch einen einfachen Mechanismus.
Die Druckfarbe wurde aus einem Behlter ausgepresst. Die Zerteilung
der Farbe geschah durch rotierende, zugleich in der Lngsrichtung
sich bewegende Cylinder, das Auftragen durch Walzen, welche mit
egalisiertem Ballenleder berzogen waren. 1811 im April war diese erste
Tiegeldruck-Schnellpresse fertig und der erste Bogen, der darauf in
der Bensleyschen Druckerei gedruckt wurde, war der Bogen H des _Annual
Register for 1810_ in einer Auflage von 3000 Exemplaren.

[Sidenote: Zweites Patent.]

Das zweite Patent fr weitere Verbesserungen der Methode mit Maschinen
zu drucken datiert vom 30. Oktober 1811, die Spezifikation vom 29.
April 1812. In diesem Patent wird das Prinzip fast aller folgenden
Schnellpressen ausgesprochen. Es enthlt eine ausfhrliche Beschreibung
und Abbildung der einfachen Cylinder-Druckmaschine, zugleich wird jedoch
erwhnt, dass durch eine Kombination einer grsseren Anzahl derselben
Teile oder Prinzipien die Wirkung verdoppelt und vervierfacht werden
knne und dass berhaupt von einer Form eine grosse Anzahl von Abzgen
in krzester Zeit zu erhalten sei. Dies alles wurde durch Zeichnungen
erlutert. Das dritte Patent, vom 23. Juli 1813, mit der Spezifikation
vom 22. Juli 1814, bezieht sich auf additionelle Verbesserungen der
Methode mit Maschinen zu drucken, namentlich was den Farbenapparat, die
endlose Bnderleitung, die Horn- und Segmentrder und die Verbindung des
Druckcylinders mit dem Karren betrifft.

[Sidenote: Drittes Patent.]

Die nach dem zweiten Patent zuerst gebaute einfache Cylindermaschine
wurde im Dezember 1812 vollendet. Die ersten Leistungen dieser ganz
cylindrischen Presse waren die Bogen G und X von _Clarkson, Life of
W. Penn. Vol._ I. Die Maschine druckte 800 in der Stunde. Als der
Eigentmer der _Times_, J. WALTER, die Leistung gesehen, war er in
wenigen Minuten entschlossen, zwei Doppelmaschinen zu bestellen. Diese
Maschinen mit doppeltem, vorwrts und rckwrts wirkendem Druckcylinder
lieferten in der Stunde 1100 Abdrcke in einer weit besseren Ausfhrung,
als man bei Zeitungen gewohnt war. Am 29. November 1814 ging die erste
Nummer der _Times_, mit diesen Maschinen gedruckt, aus der Offizin
im _Printinghouse-Square_ hervor. John Walter selbst machte dies dem
Publikum in einem leitenden Artikel bekannt, an dessen Schluss es heisst:

ber die Person des Erfinders haben wir wenig hinzuzusetzen. Sir
Christophe Wrens[39] edelstes Denkmal ist das Gebude, welches er
errichtete; ebenso ist die beste Lobpreisung, welche wir dem Erfinder
der Druckmaschine darbringen knnen, diese selbst, deren Macht und
Ntzlichkeit wir in schwachen Worten zu schildern versucht haben. Es mag
gengen, zu sagen, dass der Erfinder von Geburt ein Sachse ist, dass er
FRIEDRICH KNIG heisst und dass die Erfindung unter der Leitung seines
Freundes und Landsmannes Bauer zur Ausfhrung gebracht wurde.

  [39] Erbauer der Paulskirche in London.

[Sidenote: Viertes Patent.]

Das vierte Patent Knigs fr weitere Verbesserungen an der
Schnellpresse wurde am 24. Dezember 1814, die Spezifikation am 22.
Juni 1816 registriert. Aus den Grundstzen derselben gingen die Schn-
und Widerdruckmaschine, die verbesserte einfache Druckmaschine und die
verbesserte Doppelmaschine hervor. Die erste Komplettmaschine wurde im
Februar 1816 in der Druckerei von Bensley & Son aufgestellt und lieferte
stndlich 900-1000 auf beiden Seiten bedruckte Bogen. Die _Literary
Gazette_ war das erste Wochenblatt, welches von 1818 ab dort auf der
Schnellpresse gedruckt wurde. In den Nummern vom 3. und 10. Januar
usserte sich Bensley selbst auf das gnstigste ber die Leistungen der
Maschine. Eine verbesserte Doppelmaschine, welche 1500-2000 Exemplare
pro Stunde lieferte, wurde in der _Times_-Offizin aufgestellt und der
Eigentmer sprach sich am 3. Dezember 1824 in gnstigster Weise ber sie
aus.

Aus den Patent-Akten geht also hervor, dass schon damals alle
Hauptklassen von Maschinen nicht allein von Knig spezifiziert,
sondern mit Ausnahme der achtfachen auch ausgefhrt wurden: die
einfache Maschine mit Tiegeldruck, die einfache Cylindermaschine, die
Doppelmaschine mit abwechselnd stillstehendem Cylinder, die vielfache
Maschine, die Schn- und Widerdruckmaschine, die verbesserte einfache
Cylinderpresse, die verbesserte Doppelmaschine. Zur Ausfhrung der
achtfachen Maschine wurde Knig und Bauer die Gelegenheit nicht gegeben.
So lange sie in England verweilten, war die Notwendigkeit einer solchen
noch nicht eingetreten, und als sie das Land verlassen hatten, war
es natrlich, dass John Walter lieber mit den dortigen Mechanikern
verkehrte, so dass die achtfache Maschine mit vertikalen Cylindern,
welche man bis 1860 als ein Wunderwerk in der _Times_-Druckerei
anstaunte, nach Applegaths Konstruktion ausgefhrt wurde.

[Sidenote: Umtriebe gegen Knig.]

Nach diesen praktischen Resultaten und nach den Zeugnissen Walters und
Bensleys wre wohl zu erwarten gewesen, dass ber die Erfindung der
Schnellpresse kein Zweifel mehr obwalten konnte, und dass dem Erfinder
auch der volle materielle Lohn geworden wre. Das war jedoch nicht der
Fall. Th. Bensley zeigte sich als ein egoistischer Teilhaber, der in der
Soziett das bergewicht geltend machte. Ihm war es mehr darum zu thun,
die Erfindung zur Hebung der eigenen Offizin zu benutzen, als darum,
Bestellungen von seinen Konkurrenten zu erzielen. Statt den Vertrieb
zu frdern, erschwerte er denselben und leitete, wie es scheint, die
Unterhandlungen in einer der Sache wenig frderlichen Weise. Selbst die
Ergebnisse der bereits abgeschlossenen Geschfte suchte er sowohl Fr.
Knig als auch dem anderen Teilhaber Taylor zu verkmmern. Ja sogar die
Ehre der Erfindung sollte nicht unangetastet bleiben.

[Sidenote: Will. Nicholson.]

WILLIAM NICHOLSON, ein heller Kopf und redlicher Mann, hatte sich frher
mit der Idee einer Druckmaschine umgetragen und bereits am 29. April
1790 ein Patent genommen auf eine Maschine oder ein Instrument, um
auf Papier, Leinwand, Kattun, Wollenzeug und andere Stoffe in einer
netteren, wohlfeileren und genaueren Manier zu drucken, als durch die
jetzt gebruchlichen Instrumente mglich ist[40]. Seine Zeichnungen
und Erklrungen sind sehr skizzenhaft. Es wird mehr angegeben, was
Nicholson will, als wie er es zu machen gedenkt. Nicholson hat seine
Ideen nie ausgefhrt; sie waren von ihm selbst lngst beiseitegelegt und
vergessen, als Knig und Bensley aus des Genannten eigenem Munde davon
hrten, als sie ihn in ihrer Patentangelegenheit konsultierten; denn
Nicholson bte die Vermittelung in solchen Geschften als Erwerb. Bei
dieser Gelegenheit usserte derselbe, er habe die Sache vor 17 Jahren
versucht, sie gehe aber nicht. Auch hat er, selbst als Knig ffentlich
mit seiner Erfindung auftrat, sich ganz still verhalten.

  [40] _Repertory of arts vol. 1_, 1796. -- SAVAGE, _Dictionary of the
       art of printing_. 1841.

[Sidenote: E. Cowper.]

Dagegen tauchten andere auf, die es sich mit dem Fortbauen auf den
gemachten Erfahrungen bequem machten. Wre hierzu nur Nicholsons
geistige Hinterlassenschaft benutzt, so htten Knig und Bauer
keine Veranlassung sich zu beschweren gehabt; es wurden aber
ihre Ideen vollstndig, z. B. von E. COWPER in seiner Schn- und
Widerdruckmaschine, ausgebeutet. Rechtsgelehrte erklrten, dass ein
Einschreiten seitens Knigs von Erfolg sein wrde, aber Bensley stimmte
gegen ein solches und die Klage musste demnach unterbleiben. Ja, es
scheint sogar, dass Bensley in bereinstimmung mit Cowper gehandelt
habe. Denn letzterer offerierte -- so, sagt Savage, sei ihm berichtet
worden -- als einen Akt der Gerechtigkeit und in Betracht der grossen
Kosten von mindestens 16000 Pfd. Sterl., welche fr Bensley bei der
Durchfhrung der Erfindung der Druckmaschine entstanden waren, diesem
einen Anteil an seinem Patent[41], was von Bensley angenommen wurde.
Die Freundschaft der beiden scheint jedoch nicht von langer Dauer
gewesen zu sein, denn spter liess Bensley Knig ersuchen, gegen Cowper
einzuschreiten, was jetzt jedoch Knig seinerseits ablehnte. Wie es
Cowper machte, so thaten es auch andere; man nahm von Nicholson und
Knig, was passte, und fgte einiges Neue hinzu.

  [41] Cowpers Maschine ist in _Monthly Magazine_ vom 1. Jan. 1819
       beschrieben und abgebildet.

[Sidenote: Knig geht nach Deutschland.]

Ermdet von allen diesen Verdriesslichkeiten beschlossen Knig und Bauer
im Jahre 1817, England zu verlassen und in das Vaterland zurckzukehren,
dem sie fortan mit Ruhm und Erfolg angehren sollten. Das Verlassen
Englands unter den obwaltenden Umstnden war selbstverstndlich gleich
einem Aufgeben der Patentrechte und der daran geknpften Aussichten. Die
englische Presse vergass schnell den Namen Knig. Wenn von der Erfindung
und Verbesserung der Schnellpresse die Rede war, so wurden Nicholson,
Cowper, Applegath und andere genannt; Knig existierte nicht. Nur die
_Times_ fuhr fort, eine rhmliche Ausnahme zu machen, und stellte noch
am 3. Dezember 1824 Knig das ehrendste Zeugnis aus. Es drfte, wenn
auch Knig keiner Ehrenrettung bedarf, eine Pflicht gegen die deutsche
Erfindung sein, die hauptschlichsten Stellen daraus wiederzugeben:

[Sidenote: John Walter ber Knig.]

Bei der ersten Einfhrung der Druckmaschinen erregte diese Erfindung
grosse Teilnahme, und ihre Originalitt wurde nicht bestritten, indem
niemand einen Beweis fr die frhere Anwendung derselben Grundstze
anfhren konnte. Schon damals waren wir bemht, den Ansprchen des
Erfinders, Herrn Knig, Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, der einige
Jahre spter in sein Vaterland Deutschland zurckkehrte, jedoch --
frchten wir -- ohne den Lohn empfangen zu haben, der seinem Verdienste
fr seine wunderbare Erfindung und deren Ausbung in England zukam. Es
wird nun der ungerechten Versuche von anderer Seite, sich die Erfindung
anzueignen und die Verdienste Knigs entweder ganz zu ignorieren oder
auf ein Minimum zu reduzieren, gedacht und dann fortgefahren: Es ist
ein so seltener Fall, dass ein Auslnder in England eine Erfindung zur
Ausfhrung bringt; es giebt hier so viele eingeborene Talente in den
mechanischen Knsten, und England steht in dieser Beziehung so hoch;
dass es wohl auslndischem Verdienste Gerechtigkeit widerfahren lassen
kann. Dies thut nun das Blatt, indem es die Ansprche des Herrn Bensley
auf null, die des Herrn Nicholson auf eine fallengelassene Idee und die
der Nachfolger Knigs auf das _facile est inventis addere_ zurckfhrt.
Wir knnen zum Schluss nicht umhin, zu bezeugen, dass wir in Herrn
Knig nicht nur einen Mann von hoher Bildung und feurigem Geiste,
sondern auch von grsster Ehrenhaftigkeit und lauterster Rechtlichkeit
gefunden haben. In dem kritischen und prfungsreichen Zeitraum, wo seine
Erfindung in unserer Offizin zur Ausfhrung gebracht wurde, standen wir
in tglichem Verkehr mit ihm, so dass wir volle Kenntnis von seiner Art
und Weise und von seinem Charakter erlangten; die Folge ist gewesen,
dass wir fr ihn innige Freundschaft und hohe Achtung fr immer hegen.

Ein Zeugnis, ehrend fr Knig, ehrend fr Walter!

                   *       *       *       *       *

[Sidenote: Verbesserer der Schnellpresse.]

Sehen wir von dem gegen Knig gebten Unrecht ab, so knnen wir den
englischen Erbauern von Schnellpressen unmglich die Anerkennung
versagen, diese so wesentlich verbessert zu haben, dass die Leistungen
der ersten Schnellpressen gegen die heutigen Rotationsmaschinen sich
fast eben so verhalten, wie die Leistungen der Handpressen zu denen der
ersten Schnellpressen. Nur diese Fortschritte haben es der englischen
und amerikanischen Journalistik mglich gemacht, ihren hohen Rang zu
erkmpfen und zu behaupten.

[Sidenote: Napier.]

[Sidenote: Applegath & Cowper.]

Unter den Verbesserern der Schnellpresse sind besonders zu erwhnen:
Edw. Cowper, Aug. Applegath, D. Napier, Isaac Adam, R. Hoe & Co. Noch
viele andere knnten genannt werden. NAPIER fhrte zuerst Greifer ein
und baute Maschinen mit einem sehr grossen Druckcylinder, der sich in
fortwhrender Bewegung befand und von welchem nur etwa der dritte Teil
als Druckcylinder benutzt wurde. Bekannt sind die von APPLEGATH & COWPER
im Jahre 1827 fr die _Times_-Druckerei erbauten viercylindrischen
Maschinen mit einer Leistungsfhigkeit von 4-5000 Exemplaren[42]. Noch
renommierter wurde jedoch Applegaths Rotationsmaschine mit vertikalen
Satz- und Druckcylindern. Der Satz war auf einem Teil des mittleren
grossen Cylinders angebracht, dessen briger, grsserer Teil als
Farbentisch zum Verreiben der Farbe diente. Acht vertikale Druckcylinder
von je 40 englischen Zoll Durchmesser waren derart um den Satzcylinder
gruppiert, dass alle bei einmaliger Umdrehung des letzteren mit dem
Satz in Berhrung kamen, so dass also acht Bogen einseitig gedruckt
waren. Durch keilfrmige Spaltlinien und eben solche Kolumnenstege wurde
fester Anschluss der Typen erzielt, die wie Mauersteine beim Bauen eines
Bogens zusammenhielten. Jeder der Anleger fhrte alle vier Sekunden
der Maschine einen Bogen zu, whrend acht Abnehmer die gedruckten
Bogen in Empfang nahmen. Die Hauptschwierigkeit in der Konstruktion
lag in dem Bndersystem, welches die in horizontaler Lage zugefhrten
Papierbogen in die fr den Druck notwendige vertikale Lage zu bringen
hatte. Die allergeringste Zgerung seitens eines Anlegers machte den
Bogen zu Makulatur. Ein Vorzug der vertikalen Cylinder war, dass der
abgehende Papierstaub nicht auf die Satzform, sondern zur Erde fiel. Die
Maschine lieferte ber 7000 Exemplare[43]. Applegath erfand auch eine
solche, um zu gleicher Zeit mit sechs Farben zu drucken. Fr sein System
unnachahmlicher Banknoten zahlte ihm die englische Bank 18000  Sterl.
Er starb in Dartford im Jahre 1871 in einem Alter von 84 Jahren.

  [42] _A description of A. Applegaths & Cowpers horizontal machine and
       of Applegaths vertical machine for printing the Times._ London
       1851.

  [43] Wenn in dem Folgenden von Leistungen der Maschinen ohne eine
       Zeitbestimmung gesprochen wird, ist stets damit in einer Stunde
       gemeint.

[Sidenote: C. A. Holm.]

Ein Schwede, C. A. HOLM, nahm 1840 in London Patent auf seine,
Skandinavia-Presse genannte Tiegeldruckmaschine. Trotz ihres schweren
Ganges und ihrer geringen Leistungsfhigkeit von 5-600 Exemplaren
war sie doch in England sehr verbreitet und beliebt, namentlich zum
Druck illustrierter Werke, die man damals noch nicht in heutiger
Vollkommenheit auf der Cylindermaschine lieferte[44].

  [44] In Deutschland arbeitet unseres Wissens nur ein Exemplar in der
       Viewegschen Buchdruckerei in Braunschweig.

[Sidenote: Rob. Hoe * 1784, [+] 1833.]

[Sidenote: Hoe & Co.]

Die Wundermaschine Applegaths wurde durch die von Hoe bertroffen,
die 1860 in der _Times_-Offizin Aufstellung fand. ROBERT HOE war der
Begrnder der berhmten Anstalt fr die Fabrikation aller Arten von
typographischen Maschinen in New-York. Er war als Sohn eines Pchters
in Leicestershire in England geboren und lernte als Zimmermann. Im
Jahre 1803 ging er nach Amerika und heiratete dort, erst zwanzig Jahre
alt. Zwei seiner Schwger, MATTHIAS und PETER SMITH, letzterer Erfinder
einer renommierten Handpresse, hatten ein Geschft errichtet, welches
nach dem Tode der Inhaber von Hoe 1823 bernommen wurde. Es war damals
noch klein, hatte aber, als Robert Hoe 1832 aus demselben trat, einen
bedeutenden Umfang erreicht. Sein ltester Sohn RICHARD M. HOE und
dessen Vetter MATTHIAS SMITH, welche seit 1823 Teilhaber des Geschfts
gewesen waren, bernahmen es nun ganz fr sich. Smith, ein Mann von
ungewhnlichen Fhigkeiten, starb 1842 und ROBERT HOE JUN. und PETER
SMITH HOE nahmen seine Stelle ein.

[Sidenote: Die Blitzpresse.]

Im Jahre 1846 wurde die epochemachende Maschine mit rotierendem
Cylinder: _The type revolving printing_ oder _Lightning Press_
(Blitzmaschine) gebaut. Die Schriftform ist auf einem grossen
horizontalen Cylinder angebracht, um den sich 4-10 Druckcylinder
bewegen, deren Anordnung je nach der Zahl derselben sich richtet. Bei
der zehnfachen Maschine, wie sie in den Offizinen der _Times_ und der
_Daily News_ arbeiteten, sassen die Anleger vier Etagen ber einander.
Die Bnderleitung war weniger kompliziert, als bei den Applegathschen
Maschinen, weil die horizontal eingelegten Bogen in dieser Lage
verblieben. Der grosse Cylinder hatte einen Durchmesser von 4-1/2 Fuss
englisch. Die Lnge der Maschine war 35 Fuss, die Breite 12 Fuss und
die Hhe 18 Fuss. Die Leistungsfhigkeit betrug gegen 25000 Exemplare.
Der Anblick in der Offizin der _Daily News_, wo zwei solche Maschinen
gleichzeitig arbeiteten, war wahrhaft sinnverwirrend, wenn die zwanzig
grossen Bogen auf einmal in der Luft herumschwirrten[45].

  [45] Journ. f. B. 1860, Nr. 30.

[Sidenote: Isaak Adam.]

Der Beifall, welchen diese und andere ihrer Maschinen erhielten, spornte
Hoe & Co. zu noch grsseren Anstrengungen an. Nicht zufrieden mit den
eigenen Erfindungen kauften sie auch noch von ISAAK ADAM aus Boston
dessen mehr als fnfzig Patente fr Hand- und Schnellpressen. Dieser war
der lteste Pressenbauer Amerikas, der 1830 die Tiegeldruck-Maschine
gebaut hatte, welche in Amerika noch viele Freunde besitzt. 1861
erffneten Hoe & Co. auch ein Etablissement in London, namentlich
um dort bequemer die Reparaturen und Verbesserungen an ihren vielen
in England verbreiteten Maschinen ausfhren zu knnen. Ein zweites
Etablissement in New-York wurde 1870 eingerichtet und Hoes beschftigten
damals bereits 1000 Arbeiter. Ihr Katalog beweist den enormen Umfang
ihrer Fabrikation, unter welchen die Billet- und Nummeriermaschinen fr
mehrfarbigen Druck einen hohen Rang einnahmen[46].

  [46] R. Hoe & Co., _The typographical Messenger_, 1869.

[Sidenote: Die Endlosen.]

Doch auch die Wundermaschinen Hoes gehren der Vergangenheit an und
wurden durch die eigenen spteren Leistungen, zuerst aber durch die
Rotationsmaschine fr endloses Papier des Amerikaners Bullock in
Schatten gestellt. Es wre zwar anzunehmen gewesen, dass man bei
der erreichten Arbeitsschnelligkeit Beruhigung gefasst habe. Jedoch
weit gefehlt, denn man betrachtete das Geleistete nur als eine
Abschlagszahlung. Die mit der Handhabung der grossen Schriftformen
verbundene Gefahr war noch eine bedeutende und es gehrten immer
noch zur Bedienung einer grossen Hoeschen Maschine 18 Personen. Die
Arbeiterbewegungen hatten aber gezeigt, wie wnschenswert es sei,
bei Unternehmungen, wo Viertelstunden entscheiden, von menschlicher
Beihlfe oder Missgeschick der Arbeiter unabhngig zu sein. Die
Aufmerksamkeit richtete sich deshalb auf mglichste Selbstthtigkeit
der Maschine, die schliesslich in der Endlosen[47] in Verbindung mit
der Segment-Papierstereotypie das Ideal erreichte. Zwanzig Minuten
nach Fertigstellung der letzten Satzform einer Zeitung sind die
segmentfrmigen Stereotypplatten auf dem Satzcylinder befestigt. Mit
einer Schnelligkeit, welche die Lieferung von 200 fertigen Nummern
in der Minute ermglicht, wird das endlose Papier von der Rolle
abgewickelt, erst durch die Feuchtwalzen, dann zwischen die Satz- und
Druckcylinder gefhrt, durch den Schneideapparat von der Rolle in
einzelnen Bogen abgetrennt, dem Falzapparat bergeben und zum Versenden
gefalzt; thatschlich ohne eine weitere menschliche Beihlfe als die der
Burschen, welche die zum Versand fertigen Haufen wegzuschaffen haben.

  [47] Diese Bezeichnung wurde halb im Scherz von den Annalen
       der Typographie gebraucht und dann von Anderen acceptiert.
       Rotationsmaschine ohne nhere Bezeichnung deckt den Begriff der
       Endlosen nicht genau.

Bedenkt man nun, dass eine Endlose, wie sie in der _Times_-Offizin
gebaut wird, in einer Stunde eine Papierlnge von zwei deutschen Meilen
auf zwei Seiten druckt, faktisch also 4 Meilen Gedrucktes in der Stunde
liefert, man demnach mit zwei solchen Maschinen und einem doppelten
Exemplare von Stereotypen in wenigen Stunden 100000 Exemplare von einer
grossen Zeitung beschaffen kann, so sollte man meinen, ein _non plus
ultra_ erreicht zu haben; doch selbst diese Schnelligkeit ist bereits
bertroffen worden.

[Sidenote: Ursprnge der Endlosen.]

[Sidenote: Rowland Hill * 3. Dezbr. 1795, [+] 27. Aug. 1879.]

Wer zuerst eine mehr als allgemeine Idee der Endlosen gefasst hat,
ist schwer zu sagen. Den Gedanken deutet schon der Erfinder der
Schnellpresse selbst an. In England hat man frher die Prioritt der
Erfindung fr die Firma NELSON & SONS in Edinburgh in Anspruch genommen,
ein Modell ihrer projektierten Maschine befand sich auf der Londoner
ersten Weltausstellung 1851. Auf der Caxton-Ausstellung 1877 waren
jedoch berreste eines Modells zu sehen, welches der berhmte englische
General-Postmeister Sir ROWLAND HILL 1835 hatte anfertigen lassen. Seine
Maschine war darauf eingerichtet, dass keilfrmige Typen oder gebogene
Clichs auf einem Cylinder angebracht wurden und dass ein endloser
Bogen zwischen den Schrift- und den Druckcylinder gefhrt wurde, wie
bei den jetzigen Rotationsmaschinen. Die Maschine ward patentiert, in
_Chancery-Lane_ aufgestellt und von kompetenten Richtern sehr gnstig
beurteilt. Die Regierung gestattete jedoch nicht den Druck des damals
noch bestehenden Stempels bei dem Durchgang des Bogens mit vorzunehmen,
und die Sache unterblieb; ob allein aus diesem Grunde, wird wohl jetzt
schwer zu entscheiden sein. Was die endlosen Pressen Auers betrifft,
so verhielten sie sich zu den jetzigen wie chinesischer Tafeldruck zur
Typographie Gutenbergs (vgl. Kap. XIV). Die Amerikaner behaupten, dass
schon um das Jahr 1840 J. B. WILKINSON eine Endlose erfunden habe.

[Sidenote: Will. Bullock * 1813, [+] 1867.]

Auch wenn dies nicht wre, gebhrt jedenfalls doch einem Amerikaner
WILLIAM BULLOCK die Ehre, dem Gedanken zuerst eine praktische Lsung
gegeben zu haben.

Derselbe war zu Greenville geboren. In Philadelphia lernte er als
Eisengiesser und Maschinenbauer. 1849 grndete er dort eine Zeitung und
baute 1853 fr den eigenen Bedarf eine Holzpresse mit einem mechanischen
Zubringer des Papiers. Schrittweise wurde er nun zu seiner Erfindung
gefhrt, auf welche er am 14. April 1863 Patent erhielt. Seine Maschine
ist in Amerika sehr geschtzt, hat aber in England keinen besonderen
Beifall gefunden und ist auf dem Kontinent gar nicht eingefhrt. Er
verunglckte bei Prfung einer seiner Maschinen.

[Sidenote: _Times_-Presse.]

Die eigentliche Aera der Endlosen datiert von der Erbauung der
Walter-Maschine. Es war eine Wiederholung der Scene von 1814.
Bereits lange zirkulierten mysterise Gerchte von einer neuen
Wundermaschine, die in der _Times_-Offizin gebaut werde. Aber es
gelang niemand, durch den dichten Schleier zu dringen, mit welchem die
Vorbereitungen bedeckt waren. Nicht einmal die ltesten Maschinenmeister
oder die Vertrauensmnner im Geschft bekamen Erlaubnis, den
streng verschlossenen Raum zu betreten, in welchem das neue Wunder
zusammengesetzt wurde, bis der Tag anbrach, an welchem es seine Pflicht
zum erstenmal erfllte. Der Constructeur war der erste Ingenieur der
Offizin J. C. MACDONALD, im Verein mit J. CALVERLEY. Die Presse erhielt,
dem Besitzer zu Ehren, den Namen Walter-Presse[48].

  [48] Eine Reihe von Artikeln, welche die englischen und amerikanischen
       Endlosen beschreiben und abbilden, sind separat erschienen
       als: J. F. WILSON, _Typographic Printing Machine and Machine
       Printing_. London 1871.

[Sidenote: Prinzip der Endlosen.]

Wenn auch die Lage der Cylinder und die Reihenfolge der Funktionen
bei den verschiedenen Systemen eine verschiedene ist, so bleibt doch
das Prinzip dasselbe. Das Papier wird von der Fabrik auf eine Rolle
gewickelt geliefert; die Zapfen der Rolle drehen sich leicht in den
Lagern, in welche sie eingelegt werden, so dass das Papier, wenn einmal
den Cylindern zugefhrt, durch den Zug der sich drehenden Cylinder von
der Rolle abgewickelt wird. Der Streifen passiert (wenn das Papier
nicht durch eine besondere Vorrichtung im voraus gefeuchtet wurde)
einen Feuchtapparat, wird erst auf der einen Seite gedruckt und dann
durch eine S-frmige Bewegung auf den Widerdruckscylinder gefhrt.
Whrend des ferneren Passierens des Papiers zwischen den Schneidewalzen
hindurch wird es derartig perforiert, dass die Lcher sich dicht an
einander reihen, so dass das Stck, welches einen Bogen bildet, durch
den Ruck, welchen Leitbnder, die mit ungleicher Schnelligkeit sich
bewegen, hervorbringen, von der Rolle abgetrennt wird. Der fcherartige
Selbstausleger legt nun die Bogen entweder einzeln oder mehrere zusammen
auf einen Haufen, oder sie werden, wenn eine Falzmaschine, wie es
gewhnlich der Fall ist, zugleich mit der Druckmaschine verbunden ist,
dieser zugefhrt und fallen, wie Stroh aus der Dreschmaschine, fertig
zum Versenden in einen Behlter. Dabei nimmt eine solche Maschine sehr
wenig Raum ein; eine Walter-Maschine erfordert 14 engl. Fuss Lnge, 5
Fuss Breite.

[Sidenote: Segmentfrmige Clichs.]

Selbstverstndlich gehren zu dieser Maschine segmentfrmige Clichs.
Boden und Decke des hierzu erforderlichen Giessinstrumentes liegen
wie in den fr flache Stereotypen bestimmten, parallel, jedoch nicht
in der Ebene, sondern in einer Bogenform. Die biegsamen Papiermatern
schmiegen sich an den Boden des gerundeten Giessinstrumentes an, der
Deckel wird zugemacht und die Platte in blicher Weise gegossen, voll,
oder, wenn der Deckel des Giessinstrumentes darauf eingerichtet ist, nur
auf Rippen ruhend. Um den ntigen Druck beim Eingiessen des flssigen
Schriftmetalls auszuben, ist ein starker Anguss notwendig, dessen
Beseitigung durch eine Kreissge jedoch nur Sache eines Augenblicks
ist. Die Justierung des Clichs geschieht ebenfalls in einer Minute
oder weniger durch eine Hobelmaschine und die Platte ist zum Einsetzen
in die schwalbenschwanzfrmigen Halter des Schriftcylinders fertig. Ein
Nachteil bei der Papier-Stereotypie ist, dass die Typen beim Trocknen
der Matern heiss werden und zusammenbacken. RYLES & SON in Bradford
haben nun eine Methode erfunden, die Mater, welche im feuchten Zustande
von der Schrift abgehoben wird, in einem besonders konstruirten Rahmen
festzuhalten und fr sich ohne die Schrift zu trocknen.

[Sidenote: Verschiedene Endlose.]

Der Walterpresse folgte die Victoriapresse[49] von DUNCAN & WILSON in
Liverpool. Diese, namentlich in der Provinz beliebte Maschine war die
erste, die mit Falzapparat arbeitete; dann kam die _Prestonian_ der
Herren BOND & FORSTER, welche sowohl fr Platten- als fr Schriftdruck
eingerichtet ist; die _Northumbrian_ von DONNISON & SON in Newcastle
u. T.; die _Whitefriars_ des JOS. PARDOE, gebaut von A. H. PAYNE, die
sowohl fr Papier in Bogen als fr endloses sich benutzen lsst und
namentlich fr illustrierte Bltter bestimmt ist.

  [49] Ann. d. Typ. 1. Bd. Nr. 32; V. Bd. Nr. 235.

In Amerika folgten HOE & CO. und berboten an Leistungsfhigkeit ihrer
Maschinen die Englnder. Die Fabrikate von ANDR. CAMPBELL sind neueren
Datums und noch nicht recht in die Praxis gedrungen.

Man mchte glauben, dass die usserste Grenze erreicht sei, wenn die
Erfahrung nicht den Menschen belehrte, nie das Wagnis zu unternehmen,
der Vervollkommnung eines Menschenwerkes und den unerforschlichen
Absichten der Vorsehung eine Grenze im voraus zu bestimmen, so schrieb
Ambr. Firmin-Didot, als er 1851 die Leistungen der Applegathschen
_Times_-Maschine angesehen hatte. Wie sehr er Recht gehabt, zeigen die
enormen Leistungen in der Druckerkunst, die wir seit jener Zeit erlebt
haben. Jedoch trotz diesen, wer wrde es heute wagen, zu sagen: Nun ist
die Grenze wirklich erreicht.

[Sidenote: Endlose fr Illustrationsdruck.]

Die Verwendung der Endlosen fr Illustrationsdruck gelang bis jetzt
in England nicht so gut wie in Deutschland. Die von THOMAS MIDDLETON
& CO. 1874 fr die Offizin der _Illustrated London News_ gebaute, und
dem Grnder des Blattes zu Ehren genannte Ingram-Maschine wird zum
Druck eines kleinen Blattes _The Penny Paper_ benutzt. Die Konstruktion
der Cylinder ist eine eigentmliche. Der vordere, fr die Bilderform
bestimmte hat einen grossen Umfang und nimmt drei Exemplare der
Platten auf, man hat damit erzielen wollen, dass die Clichs nur wenig
gebogen werden, damit nicht Verzerrungen in den Bildern entstehen. Der
kleinere _Cylinder_ fr die Schriftform ist nur mit zwei Exemplaren
des Textes belegt, infolge dessen muss sich dieser Cylinder mit ein
Drittel grsserer Schnelligkeit bewegen, als der grosse. Diese Maschine
lieferte 7000 Exemplare und ist, da die Zurichtung von fnf Formen
selbstverstndlich viel Zeit kostet, nur bei sehr grossen Auflagen
zweckentsprechend.

Fr FARBENDRUCK bauten CONISBEE & SON in London eine Endlose, die
dreifarbigen Druck in 3000 Exemplaren liefert, ebenso D. F. POWELL. In
Chicago fabrizierten SUITTERLIN CLAUSSEN & CO., in Philadelphia T. O.
FERREE Vielfarbemaschinen[50].

  [50] FR. NOBLE, _The principles and practice of colour printing_.
       London 1881.

[Sidenote: Die Tretpresse.]

Wie die Extreme sich so oft berhren, so geschah es auch in dem
Druckpressenbau, denn neben den ganz grossen Zeitungsmaschinen waren es
namentlich die ganz kleinen, welche durch Treten in Bewegung gesetzt
werden knnen und nur einen Arbeiter, in der Regel einen Burschen, zur
Bedienung verlangen, welche die Aufmerksamkeit der Maschinenbauer in
Anspruch nahmen.

Es war ganz natrlich, dass man besonders in den Lndern, wo der
Spruch Zeit ist Geld seine volle Gltigkeit hatte, und wo die Zahl
der kleineren Accidenzarbeiten sich ins Kolossale steigerte und
viele Druckereien sich ausnahmslos nur mit solchen _Job_-Arbeiten
beschftigten -- also in Amerika und England --, an diese kleinen
Maschinen dachte. Man hatte nicht, wie in Deutschland, Zeit abzuwarten,
bis ein Drucker an der Handpresse mit seinen langwierigen Vorbereitungen
fertig war, um hundert Visitenkarten zu drucken, auch nicht Lust,
deshalb eine 5000 Mark oder mehr kostende Maschine, deren Karren einen
weiten Weg hin und zurck zu machen hatte, in Bewegung zu setzen. So
entstand in England und Amerika eine Legion solcher Tretpressen unter
verfhrerischen Namen, als: _Universal_, _Nonpareille_, _Minerva_,
_Non plus ultra_, _Franklin_, _Excelsior_, _Progress_, _Lilliput_,
_Favorit_, _Star_ etc. etc. Die Bahn hatten zwei Deutsche, DEGENER &
WEILER, in New-York mit ihrer _Liberty-Press_ gebrochen. Die auf dem
Kontinent verbreitetsten Tretpressen drften jetzt neben den Degener &
Weilerschen die Gordon-Pressen sein. Trotz einiger, diesen kleinen
Maschinen anhaftenden Mngel haben sie doch in zweckmssigster Weise
eine bedeutende Lcke im Druckgewerbe ausgefllt. Ein Kabinettstck
unter den kleinsten Maschinen ist MAUSEL BAYLYS Kombinationspresse.
Der Umstand, dass diese kleinen Pressen, welche ganz die Handpressen
verdrngt haben, zum Nachteil des geregelten Druckgeschfts in die Hnde
der sogenannten Trittmller -- kleine Papierhndler, Buchbinder und
andere Nichtbuchdrucker -- gefallen sind, hat sie in einen unverdienten
blen Ruf gebracht. Das Prinzip der Endlosen ist in geistreicher Weise
durch Tiegeldruck auf diese kleinen Maschinen in der _Kidder-Press_ mit
feststehendem Tiegel und hin- und hergehender Schriftform zur Anwendung
gebracht.

Die beim Druck von Wertpapieren so notwendigen Numeriermaschinen wurden
von BODEL so konstruiert, dass sie die Nummern erhaben pressen und von
beiden Seiten verschiedenartig frben.

[Sidenote: Ausleger und Anleger.]

Eine wesentliche Verbesserung bei den gewhnlichen Schnellpressen waren
die rechenfrmigen MECHANISCHEN AUSLEGER, die mit ihren, sich zwischen
den Leitbndern auf- und niederbewegenden Rechen die Bogen von den
Leitbndern wegnehmen und auf den Auslegetisch niederdrcken. Diese
Verbesserung hat allgemeinste Verbreitung gefunden, was dagegen weniger
mit den MECHANISCHEN ANLEGERN der Fall ist. Die Schnelligkeit der Hand
des Anlegenden hat eine Grenze, die sich nicht berschreiten lsst. Man
suchte deshalb nach dem Mittel, die Hand entbehrlich zu machen, und kam
auf den Gedanken, durch luftleer gemachte, in schwingender Bewegung sich
befindende Saugrhren einen Bogen von dem Haufen ansaugen zu lassen,
den man dann, wenn die Rhren bei ihrer Bewegung sich in der richtigen
Lage ber dem Anlegetisch befinden, durch Einfhrung von Luft zum
Niederfallen bringt. Um zu verhindern, dass die Saugrhren zu gleicher
Zeit zwei an einander anklebende Bogen von dem Haufen aufheben, wird
durch einen zweiten Apparat Luft zwischen den obersten und den darauf
folgenden Bogen eingelassen. Der erste Erfinder war J. F. ASHLEY in
New-York.

                   *       *       *       *       *

[Sidenote: Satiniermaschine.]

Bei jedem Maschinenpapier ist die Seite, welche mit dem Drahtgewebe, auf
welches der Lumpenbrei ausfliesst, in Berhrung gewesen, rauher, als die
obere, was schon bei jeder Druckarbeit eine Unannehmlichkeit war. Noch
nachteiliger wirkten jedoch die Unebenheiten und Unreinlichkeiten im
Papier auf die feineren Schriften, namentlich aber auf die Holzschnitte.
Um nun dem Papier eine vollkommen glatte Oberflche zu geben, kam man
frhzeitig auf den Gedanken, nach dem Feuchten, aber vor dem Druck,
jeden Bogen einzeln zwischen Zinkplatten zu legen und diese dann, 10-20
bereinandergelegt, unter starkem Druck zwischen zwei Hartgusswalzen
durchzudrehen. Diese Manipulation mit der SATINIERMASCHINE war
langwierig und teuer, namentlich weil die Zinkplatten (Satinierbleche)
sich leicht abnutzten und Nachlssigkeit der Arbeiter leicht das Papier
verdarb. Die Versuche jedoch, die Bogen einzeln zwischen die sich
drehenden Cylinder zu fhren, gelangen erst in letzter Zeit (vgl.
Kap. X).

Um nach dem Druck ein strkeres Gltten als durch die bliche
Glttpresse mglich war, zugleich um ein schnelles Trocknen der feuchten
Bogen zu erzielen, bauten FURNIVAL & CO. in Manchester nach GILLS Patent
eine Presse, die den Bogen zwischen zwei, mittels Dampfes erhitzte
Stahlcylinder fhrt. Die Gefahr, welche durch das Abschmutzen der frisch
gedruckten Bogen auf die Walzen droht, wird durch einen vorzglichen
Reinigungsapparat beseitigt. Die Ein- und Ausfuhr der Bogen geschieht
auf endlosen Bndern.

[Sidenote: Das heisse Gltten.]

Das heisse Gltten des Papieres soll vor neunzig Jahren durch THOMAS
TURNBULL erfunden sein, der an einer Presse beschftigt war, in welcher
Tuch durch heisse Cylinder gepresst wurde. Als nach dem Tode des
Prinzipals die Witwe ein Zirkular an die Kundschaft druckte, missfiel
die Rauheit des Druckes Turnbull und er glttete die Bogen, indem er
sie zwischen glatte Pappen legte und durch die Tuchwalzen gehen liess.
Die Resultate waren so befriedigend, dass er in London ein Geschft
erffnete, um fr die Buchdruckereien die Arbeiten zu gltten. Die
Frage, ob das heisse Gltten im ganzen von Vorteil ist, kann noch nicht
als entschieden betrachtet werden; ein Nachteil ist jedenfalls, dass
jede kleinste Unreinlichkeit in dem Papier durch den starken Druck
breitgequetscht und das Papier leicht verunstaltet wird.

Eine Trocken- und Glttpresse von J. W. JONES in Harrisburg
(Pennsylvanien) trocknet, glttet und falzt von der Schnellpresse weg
6000 Bogen in der Stunde.

Die gewhnliche Glttpresse erhielt durch BOOMER & BORCHERT in London
eine wesentliche Verbesserung. Ihre Presse ist sehr leicht zu handhaben
und soll an Wirkung noch die hydraulische Presse bertreffen.

[Sidenote: Feuchtapparate.]

Das Feuchten des Papiers mit der Hand war bei den grossen Zeitungsbogen
und den grossen Auflagen fast eine Unmglichkeit geworden. Grssere
Druckereien schafften deshalb MECHANISCHE FEUCHTAPPARATE (Hoe & Co.,
Harrild & Sons) an, die das Papier entweder zwischen nassen, mit Filz
berzogenen Walzen hindurchgehen liessen oder durch einen Sprhregen
benetzten. Fr feinere Arbeiten bleibt das Handfeuchten vorzuziehen,
da man es, je nach der Beschaffenheit des Papiers und den sonstigen
Verhltnissen, mehr in seiner Macht behlt, das Feuchten rationeller zu
betreiben. In Amerika wird sehr viel auf ungefeuchtetes Papier gedruckt,
was fr diejenigen, welche einen Spiegelglanz des Papieres lieben, als
ein Vorteil erscheinen mag.

[Sidenote: Die Bronciermaschine.]

Bei einer grossen Anzahl von feinen Accidenzarbeiten kommt bekanntlich
das Broncieren in Anwendung. BRONCIERMASCHINEN erleichtern diese
Arbeit nicht allein, sondern sie verhindern auch das der Gesundheit so
nachteilige, mitunter sogar tdlich wirkende Einatmen des Broncestaubes.
Das Prinzip ist, die ganze Arbeit in einem verschlossenen Behlter
durch ein System von Brsten und Wischern vollziehen zu lassen, so dass
die Arbeit vollstndig fertig aus dem Behlter herauskommt[51]. Eine
hnliche Maschine von E. A. CLOWES & JOHN BALEY verrichtet das der
Gesundheit ebenfalls sehr nachteilige Einbrsten der zu galvanisierenden
Matern mit Graphitstaub.

  [51] Tapley. Leming Ray & Lynede in Manchester. L. Poirier & G. Legrand
       in Paris. A. Fichtner (fr Haufler & Schmuterer) in Wien.

[Sidenote: Die Falzmaschine.]

Die bei der Schnellproduktion so wichtigen FALZMASCHINEN fanden
namentlich in Amerika Beachtung. Sie wurden dort von CYRUS CHAMBER
eingefhrt, der, im Verein mit seinem Bruder Edwin, 1856 eine Fabrik
in Philadelphia unter der Firma _Chambers Brothers & Co._ errichtete.
Nach vielen Versuchen gelangten sie zu guten Resultaten und bauten im
Jahre 1870 nach etwa 40 verschiedenen Systemen. Eine Maschine z. B.
falzt einen und einen halben Bogen in einander, kleistert, heftet und
beschneidet sie. Sehr verbreitet ist seit 1863 die Zeitungsfalzmaschine
von S. C. FORSAITH & CO. in Manchester in den Vereinigten Staaten, die
sich fr verschiedene Formate stellen lsst.

[Sidenote: Verschiedene Hlfsmaschinen.]

Weitere Erleichterungen gewhren die BUCHHEFTMASCHINEN (WHEELER &
WILSON) und die ZUSAMMENTRAGEMASCHINE (HOWE). Letztere ist in der Art
der Kinder-Karussels gebaut. Auf einem sich drehenden Tisch, vor dem der
Komplettierer steht, liegen die Bogenhaufen der Reihe nach und werden
im Vorbeipassieren einer nach dem andern von dem Komplettierer ergriffen.

Von den unendlich vielen Hlfsmaschinen seien nur noch erwhnt die
COUVERTMASCHINE (G. TIDCOMBE & SON, J. WILKINSON; C. GODALL & SON) und
die SCHNEIDEMASCHINE. Spezialisten fr letztere sind FURNIVAL & CO. in
Manchester, die sie in grosser Vollkommenheit bauen. Das Ingangsetzen
des Messers, der Schnitt eines Ries Papiers und das Zurckgehen des
Messers in seine erste Lage dauert nur vier Sekunden. berhaupt ist
die Fabrik Furnival berhmt wegen der Vortrefflichkeit aller ihrer
Hlfsmaschinen, deren Fabrikation in ausgedehntester und rationellster
Weise betrieben wird.

[Sidenote: Die Utensilien.]

Wie aus dem obigen hervorgeht, fehlt es an erleichternden Mitteln
nicht, und doch war es nur mglich, das Hauptschlichste zu erwhnen.
Sowohl Hlfsmaschinen als Utensilien werden jhrlich vermehrt und
verbessert. Nicht wenig erleichtert ist die Anschaffung derselben durch
die UTENSILIEN-GESCHFTE, welche alle notwendigen Gegenstnde von der
Ahle ab und bis zu der grssten Schnellpresse liefern, ja selbst die
Einrichtung vollstndiger Druckereien bernehmen, so dass der Besteller
nur unter Angabe der besonderen Orts- und Geschfts-Verhltnisse den
Preis bestimmt, alles andere dem Lieferanten berlassend[52].

  [52] Wer die unendlich vielen Gegenstnde, welche ein solches Geschft
       verhandelt, nher durch Beschreibung und Abbildungen kennen
       lernen will, dem ist eine Reihe von Artikeln im Journ. f. B.
       1867, Nr. 31, 32, 36, 37 zu empfehlen. Nicht weniger Interesse
       bieten die grossen illustrierten Kataloge, die fast alle
       bedeutenden Utensilienhandlungen herausgeben.

                   *       *       *       *       *

So bedeutend auch der Fortschritt von dem Ballen und der Lederwalze
zu der Massenwalze war, so litt die letztere doch unter wesentlichen
Mngeln, namentlich war ihre Brauchbarkeit sehr von der Temperatur
und der Witterung beeinflusst. Zu Zeiten schwanden die Walzen, dann
wurden sie hart wie Stein, bald nahmen sie, wenn sie zu feucht waren,
die Farbe nicht an, bald wurden sie so weich, dass sich die Form mit
Walzenmasse vollschmierte, bald mussten sie am Ofen oder mittels
brennender Fidibusse erwrmt, bald mit Sgespnen abgerieben, geschabt,
gewaschen, schliesslich, unter Ersatz der klumpig gewordenen Masse
durch neue, umgegossen werden. Waren die lokalen Verhltnisse nicht
besonders gnstig, so konnte man wohl rechnen, dass der zehnte Teil der
Arbeitszeit durch Pflege der Walzen verlorenging.

[Sidenote: Englische Walzenmasse.]

Diesen belstnden ist durch die ENGLISCHE WALZENMASSE, die
hauptschlich aus Gelatine und Glycerin besteht, abgeholfen. Jede
Fabrik solcher behauptet, im Besitz von geheimen Rezepten zu sein;
das hauptschlichste Geheimnis besteht wohl darin, das vorzglichste
Material zu nehmen und alle wsserigen Teile daraus zu scheiden. Ohne
solche Walzen wrden der vollen Ausnutzung der Rotationsmaschinen
bei der starken Reibung und dem schnellen Gang immer noch grosse
Schwierigkeiten erwachsen.

Eine weitere Verbesserung sind die LANHAM-Walzen. Waren sie anfnglich
nur fr lithographische Schnellpressen bestimmt, so liefert der
Erfinder jetzt auch ein Fabrikat fr typographische Maschinen, das
sich vorzglich bewhrt. In der Offizin des _Daily Telegraph_ druckt
jede Hoesche Maschine stndlich 1000 Exemplare mehr seit Verwendung
der Lanham-Walzen. Der Hauptbestandteil derselben ist vulkanisierter
Kautschuk, der wieder mit einem in besonderer Weise prparierten
Kautschuk-berzug versehen ist.

[Sidenote: Die Farbenfabrikation.]

Nachdem die Druckereien aufgehrt hatten, ihre FARBE selbst zu
fabrizieren, entstanden Etablissements, die sich ausschliesslich mit
dieser Fabrikation beschftigten, deshalb auch imstande waren, rationell
zu fabrizieren und gute Farben billig zu liefern. Auch hier standen die
englischen Fabrikate obenan, und es gab eine Zeit, bis um das Jahr 1840,
wo in Deutschland kein illustriertes, oder selbst ein in der Ausstattung
nur einigermassen hervorragendes Werk mit anderer Farbe als der von
PARSON oder LAWSON gedruckt werden durfte. Ist die englische Farbe auch
jetzt ziemlich vom Kontinent verdrngt, so behauptet sie doch ihren
guten Ruf. Sie zeichnet sich durch ihren tiefen, etwas ins Bluliche
spielenden Ton aus, der ausserordentlich schn ist, den Illustrationen
jedoch etwas Kaltes giebt. Die bedeutendsten Fabrikanten sind PARSONS,
FLETCHER & CO. in London und A. B. FLEMING & CO. in Leith, wohl die
grsste Farbenfabrik der Welt.


[Illustration]

                             III. KAPITEL.

             DIE TYPOGRAPHIE UND DAS BUCHGEWERBE ENGLANDS.

  ENGLAND. AUFBLHEN DER TYPOGRAPHIE: J. Baskerville, Bowyer Vater und
    Sohn, J. Nichols, Miller-Ritchie, W. Bulmer, Th. Bensley, Hansard
    Vater und Sohn. DIE XYLOGRAPHIE: Thom. Bewick. DER FARBENDRUCK: G.
    Baxter, W. Savage, W. Congreve. Oxford, Cambridge, Edinburgh u. a.
    DIE ZEITUNGSPRESSE: Die _Times_ und die Familie Walter; Stempel;
    Telegraphischer Verkehr; Inseratenwesen; Statistisches. DER
    ACCIDENZDRUCK. DER BUCHHANDEL: die illustrierten Bltter, Ch. Knight.
    Der Bibeldruck. Die Bibliophilie: Lord Spencer, T. F. Dibdin. DIE
    BUCHBINDERKUNST.

  ASIEN: Indien, China, Japan, der Indische Archipel. -- AUSTRALIEN, die
    Sdseeinseln. -- AFRIKA.

[Sidenote: John Baskerville * 1706, [+] 8. Jan. 1775.]

Als der eigentliche Schpfer der neueren englischen Typographie gilt
JOHN BASKERVILLE, 1706 in Wolverley in Worcestershire geboren. Im Jahre
1726 leitete er eine Schreibschule in Birmingham; 1745 bernahm er ein
Lackiergeschft, durch welches er viel Geld verdiente. Seine Neigung
war jedoch der Buchdruckerei zugewandt. Von der Universitt Cambridge
erhielt er die Erlaubnis, eine Bibel in Folio und zwei Ausgaben des
_Common Prayer Book_ zu drucken, gegen Zahlung einer Abgabe an die
Universitt von 20 resp 12  Sterl. fr je 1000 Exemplare und an die
_Stationers Company_ weitere 12  Sterl. fr die Erlaubnis, seinen
Ausgaben die Psalmen anzufgen. Zu seinen berhmtesten Druckwerken
gehren die Ausgaben des Virgil in 4 und in 12, sowie sein Horaz
von 1762. Baskerville wendete seinen Arbeiten eine unausgesetzte
Aufmerksamkeit zu. Er bereitete selbst seine Farben und baute selbst
seine Pressen. Namentlich waren seine schnen Buchschriften, ganz
besonders seine Cursivschriften, berhmt. Auch dem Papier und dessen
Behandlung widmete er die grsste Sorgfalt, die gedruckten Bogen wurden
einzeln zwischen zwei erwrmten Kupferplatten gepresst. Jetzt ist jedoch
das Aussehen seiner Drucke keineswegs schn, mutmasslich hat unrichtige
Behandlung bei der warmen Pressung nachteiligen Einfluss auf das Papier
gebt.

Trotz aller Liebe zur Kunst wurde doch Baskerville derselben mde
und erklrte, er bereue es bitter, je ihre Ausbung angefangen zu
haben. Seinem letzten Willen gemss wurde er in seinem Grundstck in
ungeweihter Erde unter einer Windmhle begraben.

Nachkommen hinterliess Baskerville nicht. Seine Witwe hrte schon 1775
zu drucken auf, setzte aber die Schriftgiesserei noch bis 1777 fort. So
viele Vorzge auch Baskervilles Schriften besassen, so fanden sie doch
nicht allgemeinen Beifall bei dem englischen Publikum, das den Schriften
Caslons und Jacksons den Vorzug gab. Sie lagen nun als tote Masse da,
bis der bekannte Beaumarchais in Paris sie im Jahre 1779 um den Preis
von 3700  Sterl. kaufte; die Universitt Cambridge hatte die angebotene
Erwerbung abgelehnt.

[Sidenote: W. Bowyer d. . * 1663, [+] 1737.]

Ein grosses Ansehen als einer der gelehrtesten, tchtigsten und bravsten
Buchdrucker erwarb sich William Bowyer d. j. Bereits sein Vater WILL.
BOWYER D. . besass einen hchst geachteten Namen. Er hatte 1686 ein
Verlagsgeschft, 1699 eine Buchdruckerei begrndet. Wie gross die
Achtung war, die er genoss, zeigte sich, als sein Geschft in der Nacht
vom 29. zum 30. Januar 1712 vollstndig durch Feuer zerstrt wurde.
Durch rasche Subskription deckten Freunde und Konkurrenten mehr als die
Hlfte des ihm entstandenen Schadens von 5000  Sterl.

[Sidenote: W. Bowyer d. j. * 19. Dez. 1699, [+] 18. Nov. 1777.]

Der Sohn WILLIAM BOWYER D. J. studierte in Cambridge, wo er von
1716-1722 mit litterarischen Arbeiten und Korrekturen wissenschaftlicher
Werke beschftigt war. Dann trat er in das Geschft des Vaters und fuhr
fort, den mehr litterarischen Teil desselben zu besorgen, worin ihn
seine zweite Frau, Elizabeth Bill, vortrefflich untersttzte. 1729
wurden Bowyer die Arbeiten des Unterhauses bertragen, die er fast 50
Jahre lang lieferte[53].

  [53] _Anecdotes biographical and literary of W. Bowyer._ London 1778.

[Sidenote: John Nichols * 15. Juli 1779, [+] 26. Mai 1826.]

Im Jahre 1766 hatte Bowyer JOHN NICHOLS zum Teilhaber genommen. Dieser
hatte bei Bowyer gelernt und sich so gut betragen, dass Bowyer die
Hlfte des Lehrgeldes an den Vater Nichols' zurckzahlte. Aus dem
Lehrherrn und dem Lehrling wurden Freunde und Associs. Nach Bowyers
Tod behielt Nichols das Geschft allein. Er war nicht nur Erbe der
Tchtigkeit und Gelehrsamkeit seiner Vorgnger, sondern auch von deren
Unglck, denn am 8. Februar 1808 war wieder das Feuer Verheerer alles
dessen, was seit fast hundert Jahren, seit dem ersten Brande, an Verlag,
seltenen Bchern, Druckmaterial u. s. w. gesammelt war. Nichols war
jedoch nicht der Mann, den Mut zu verlieren. Mit seinem Sohne und
Associ, der den Zunamen Bowyer angenommen hatte, richtete er alles aufs
neue ein. 1804 war er Vorsteher der _Stationers Company_ geworden und
hatte damit das Ziel seines geschftlichen Ehrgeizes erreicht. Seit 1806
beschftigte er sich zumeist mit litterarischen Arbeiten.

[Sidenote: Will. Strahan * 1715.]

[Sidenote: Andr. Strahan [+] 1831.]

[Sidenote: Thom. Spilbury.]

WILLIAM STRAHAN kaufte einen Teil des Patentes eines kniglichen
Buchdruckers, erwarb fr so hohe Honorare, wie sie selten bezahlt
worden waren, die Verlagsrechte von Arbeiten der hervorragendsten
Autoren seiner Zeit und ward 1774 Vorsitzender der _Stationers Company_.
Er stand zu einer Reihe von bedeutenden Persnlichkeiten in naher
Beziehung, unter anderen zu Franklin, mit dem er in London zusammen
gearbeitet hatte. Noch in einem seiner letzten Briefe an Strahan
bespricht Franklin in von der Buchdruckerkunst entlehnten Allegorien
und Ausdrcken scherzhaft die Politik. Der Sohn ANDREW STRAHAN trat in
die Fussstapfen des Vaters und fand in THOMAS SPILBURY einen wrdigen
Nachfolger, der franzsische Klassiker mit solcher Korrektheit druckte,
dass sie selbst in Frankreich den franzsischen Ausgaben vorgezogen
wurden.

[Sidenote: Miller Ritchie [+] 28. Nov. 1828.]

Die Vervollkommnung des Werkdruckes, in welchem die Englnder so
bedeutendes geleistet haben, hat man wesentlich MILLER RITCHIE, einem
geborenen Schottlnder, zu verdanken. Er begann seine Laufbahn 1785
mit einer Royal-Oktav-Ausgabe der englischen Klassiker, fr welche
zum erstenmale das gelblich gerippte Papier Whatmans benutzt wurde.
Eine Quartbibel in zwei Bnden folgte. Wie Baskerville hatte er schwer
mit dem alten Schlendrian der Arbeiter zu kmpfen und oft musste er
zu den Druckerballen greifen, wenn er einen ihn befriedigenden Druck
haben wollte[54]. Er fand jedoch zwei mchtige Bundesgenossen fr seine
Bestrebungen in dem Papierfabrikanten Whatman und dem Farbefabrikanten
Blackwell, wie berhaupt das vortreffliche Papier und die gute englische
Farbe ausserordentlich viel zu dem bergewicht englischer Werkdrucke
beigetragen haben. Trotz seiner Tchtigkeit, oder vielleicht eben weil
er die Vorzglichkeit der Arbeit hher stellte als den Gewinn, konnte
Miller Ritchie keine unabhngige Stellung behaupten.

  [54] Der bekannte Thom. Curson Hansard behauptet in seiner
       _Typographia_, dass, wenn die besten Prachtwerke Englands nicht
       ganz die besten der Franzosen und Bodonis erreichen sollten,
       dies in der schwierigeren Behandlung der Farben liege, deren
       Konsistenz in der wechselnden Temperatur Englands nicht ganz
       gleichmssig erhalten werden knne.

[Sidenote: Will. Bulmer * 1754, [+] 1830.]

Als ein wrdiger, zugleich glcklicherer Nachfolger in denselben
Bestrebungen muss WILLIAM BULMER genannt werden, dessen Name mit dem
Schnsten und Korrektesten verbunden ist, was die Buchdruckerkunst
Englands, die durch ihn auf die hchste Stufe der Vollendung gebracht
wurde, aufzuweisen hat. Bulmer, in Newcastle geboren, wurde whrend
seiner Lehre dort mit dem spter so berhmten Holzschneider Thomas
Bewick, fr den er die Probedrucke besorgte, bekannt und brachte ihn
auf den Gedanken, die Holzschnitte abzuflachen, so dass die leichteren
und verschwindenden Stellen tiefer zu liegen kamen, wodurch der
Abdruck eines Holzschnittes, selbst ohne jede Zurichtung, sich in
den richtigen Abstufungen der Farbentne zeigt. Durch einen Zufall
kam er in Verbindung mit dem Buchhndler George Nicol, der eine
grosse Prachtausgabe von Shakespeares Werken vorbereitete, die in
artistisch-typographischer Hinsicht alles bertreffen sollte, was
bis dahin geliefert war. Das Werk, 9 Bnde Folio und ein Band Kupfer
(1794-1801), wurde in Bulmers Offizin, genannt _Shakespeare-Press_,
gedruckt mit Schriften, die von William Martin in Birmingham geschnitten
waren. Der Druck des Werkes, das im Jahre 1794 begonnen wurde und
allein wohl mehr Bogen enthielt, als alle Bodonischen Prachtausgaben
zusammen, ist von unbertroffener Gleichmssigkeit; der letzte Bogen
sieht genau aus wie der erste. Neben diesem Werk ist die grosse Ausgabe
von Milton, 3 Bnde Folio, zu erwhnen, die typographisch vielleicht
noch hher als die von Shakespeare steht; dann die Ausgabe von Goldsmith
und Parnell. 1798-1803 wurde das prachtvolle _Museum Worsleyanum_,
zwei Bnde Folio, gedruckt, auf welches Richard Worsley 27000 
Sterl. verausgabte und das nie in den Handel kam. Aus der Reihe der
grossartigen Druckwerke Bulmers nennen wir noch Dibdins _Typographical
Antiquities_ und die _Bibliotheca Spenceriana_, wohl das brillanteste
bibliographische Werk, das existiert. Ein Meisterstck der Bulmerschen
Pressen ist ferner Dibdins _Bibliographical Decameron_ mit einer
grossen Anzahl von Vignetten. Er druckte auch 1808 Wilkins _Sanskrit
Grammar_, ein Quartband von 662 Seiten in prachtvoller Ausstattung.
1819 zog er sich ganz vom Geschft zurck, das auf WILL. NICOL, den
Sohn seines Freundes, berging. Auch Bulmer wurde vortrefflich durch
Whatman und ausserdem durch den Holzschneider Bewick untersttzt.
Als der bedeutendste Drucker und Mitarbeiter Bulmers wird DANIEL
GRIMSSHAW genannt. Ein Hauptstreben Bulmers war auf eine vorzgliche
Farbe gerichtet. Diese lieferte erst Rob. Martin in Newcastle; bei der
Unmglichkeit fr diesen, Bulmers Bedarf zu decken, fand letzterer
sich veranlasst, selbst die ntigen Einrichtungen zur Gewinnung eines
zufriedenstellenden Fabrikates zu treffen.

[Sidenote: Th. Bensley und andere.]

Ein Rival Bulmers, dessen Verhltnis zu Knig und Bauer schon erwhnt
wurde, war THOMAS BENSLEY. Als jener seinen Shakespeare druckte, folgte
Bensley mit seiner prachtvollen Bibel von Maclin in sieben Bnden in
Quarto. Ganz vorzglich war auch die Ausgabe von Thomsons Jahreszeiten.

[Sidenote: Ch. Whitaker.]

Schne Drucke lieferte im Beginn dieses Jahrhunderts auch CHARLES
WHITAKER. Seine Ausgabe der _Magna Charta_, ganz in Golddruck von
hervorragender Schnheit mit illuminierten Initialen, ist eine grosse
Seltenheit. Seinen Golddruck behandelte er als Geheimnis und schlug das
Anerbieten der Gesellschaft zur Frderung der Kunst ab, das Verfahren
gegen eine ffentliche Belohnung bekannt zu geben.

Zu den schnsten englischen Presserzeugnissen gehrt das Gedicht _The
Press_, von dem Buchdrucker JOHN M'CREERY im Jahre 1803 gedichtet und
gedruckt, und von Holl illustriert.

[Sidenote: Ch. Whittingham * 16. Juni 1767.]

[Sidenote: Whittingham II. * 30. Okt. 1795.]

CHARLES WHITTINGHAM war in Calledon bei Coventry geboren. Im Jahre
1792 etablierte er sich in London, wo er bis 1811 viele schne Werke
fr Londoner Verleger druckte. Er war einer der ersten, welche die
Zurichtung der Holzschnitte zur Vollkommenheit brachten. Im Jahre
1811 berliess er seinem Teilnehmer Rowland die Leitung des Londoner
Geschfts und zog nach Chiswick. Aus seiner _Chiswick-Press_ ging unter
anderen bedeutenden Werken in den Jahren 1819-1822 eine vortreffliche,
nur in 500 Exemplaren gedruckte und auf einmal herausgegebene
Oktav-Ausgabe der englischen Dichter in 100 Bnden hervor. Das Geschft
ging auf den Neffen CHARLES WHITTINGHAM ber, der jedoch daneben
eine von ihm selbst begrndete Offizin in London hatte, wo er, mit
Peels Werken beginnend, eine Reihe von schnen Ausgaben fr Will.
Pickering bis zu dessen 1854 erfolgtem Tode druckte. Sein Sohn CH. JOHN
WHITTINGHAM starb am 21. April 1876.

[Sidenote: Luke Hansard * 5. Juli 1752, [+] 28. Okt. 1828.]

Berhmt wurden auch Hansard Vater und Sohn. Ersterer, LUKE HANSARD, ist
namentlich als Parlamentsdrucker bekannt. Er lernte in seiner Vaterstadt
Norwich und arbeitete spter in dem Geschft des Parlamentsdruckers John
Hughs. Hansard wurde erst Dirigent der Buchdruckerei, dann Teilhaber und
im Jahre 1800 Alleinbesitzer. Sein Ruf wurde durch die ungewhnliche
Promptheit, mit welcher er stets die Regierungsarbeiten ausfhrte,
fest begrndet. Freilich war es auch lohnend, fr die Regierung zu
arbeiten. Die Rechnungen Hansards d. j. betrugen 1829 125772  Sterl.;
in dem Jahre 1830 wurde fr 86217  Sterl. gedruckt. 1831 machten die
Parlamentsakten 120 Foliobnde aus[55]. Luke Hansard starb, 77 Jahre
alt, im Besitz des allgemein verbreiteten Rufes, ein seltener Mensch
gewesen zu sein[56].

  [55] 1879 rechnete man, dass jedes Parlamentsmitglied whrend der Dauer
       des letzten Parlaments 20 Zentner an Drucksachen empfangen habe.

  [56] _Biographical Memoir of Luke Hansard._ London 1829.

[Sidenote: Th. C. Hansard * 6. Nov. 1776, [+] 14. Mai 1833.]

THOMAS CURSON HANSARD, der Sohn und Nachfolger Lukes, ist namentlich
bekannt als Verfasser der _Typographia_, des renommiertesten englischen
Handbuches der Geschichte und Technik der Buchdruckerkunst, welches
eine Menge schtzbares Material enthlt, dessen bessere Sichtung und
Durcharbeitung jedoch sehr zu wnschen gewesen wre.

                   *       *       *       *       *

[Sidenote: Xylographie.]

Gleichzeitig mit der Wiedergeburt der Typographie erhob sich auch
die Xylographie aus dem Elend, in welches sie versunken war, eine
Renaissance, die wir ebenfalls einem Englnder verdanken, was um so mehr
berrascht, als England zu einer Zeit, wo diese Kunst in Deutschland,
Frankreich und Italien blhte, noch gar keine Holzschneideknstler
aufzuweisen gehabt hatte. Auf welcher Stufe der Unbedeutendheit die
Xylographie sich befand, geht daraus hervor, dass zu Anfang des XIX.
Jahrhunderts London nur zwlf Holzschneider zhlte. Man kann sonach,
was England betrifft, fast richtiger von einer Geburt als von der
Wiedergeburt der Kunst durch THOMAS BEWICK reden.

[Sidenote: Th. Bewick * 12. Aug. 1753, [+] 8. Mrz 1828.]

Die ersten bungen seines Zeichnertalentes bestanden in dem mit Kreide
Bemalen fast aller Huser in Cherry-Burn, seinem Geburtsorte. Mit dem
14. Jahre kam er in die Lehre bei einem tchtigen Graveur in Newcastle:
Ralph Beilby.

Als ein Gelehrter, Dr. Hutton, ein grosses Werk ber die Messkunst
herausgab, riet ihm Beilby, statt Kupferplatten Holzschnitte fr die
Illustrationen zu whlen. Hutton ging auf diesen Gedanken ein und die
Ausfhrung der Holzschnitte wurde Bewick anvertraut, der sich seiner
Aufgabe so geschickt entledigte, dass ihn Beilby aufmunterte, seine
gesamten Krfte dieser vernachlssigten Kunst zu widmen. Nachdem er sich
eine zeitlang in London und in Schottland aufgehalten hatte, kehrte
er nach Newcastle zurck und wurde in dem Geschft seines Lehrers
Teilhaber. Er bildete nun auch seinen Bruder John fr die Kunst aus.
Eine Ausgabe von Gays Fabeln gab den Brdern Gelegenheit, ihr Talent in
einer hheren Kunstrichtung zu zeigen. Ein Holzschnitt Der alte Hund
erhielt im Jahre 1775 die von der Gesellschaft der Kunst ausgesetzte
Prmie fr den besten Holzschnitt. Die Geschichte der Vierfssler
erschien 1790; das berhmte Werk Die Geschichte der englischen Vgel
folgte 1797. Khnheit der Zeichnung, Lebendigkeit und Naturtreue
in den Stellungen, Korrektheit und Unterscheidung des Charakters,
der Lebensweise und der Bewegung in allen Figuren sind Vorzge der
Holzschnitte Bewicks. Der Bruder John starb bereits am 21. Oktober 1795
in seinem 25. Jahre. Er kam seinem Bruder an Talent gleich, lebte aber
nicht lange genug, um einen solchen Ruf wie dieser zu erlangen. Die
Holzschnitte des Thomas Bewick sind zum grossen Teil in einem im Jahre
1870 erschienenen Album vereinigt[57].

  [57] THOM. LANDSEER, _Life and letters of W. Bewick_. 2 Bde. London
       1870. -- J. G. BELL, _A descriptive and critical Catalogue of
       works illustrated by T. and J. Bewick_. -- TH. HUGO, _The Bewick
       Collector_, London 1866. Supplement 1868. -- _Bewicks wood cuts,
       ed. by Th. Hugo._ London 1870.

Seit Bewicks Zeit hat England eine sehr grosse Zahl tchtiger
Xylographen aufzuweisen, und es gab eine Zeit, wo die englischen
Holzschneider auch auf dem Kontinent massgebend waren.

[Sidenote: Der Farbendruck. W. Savage.]

[Sidenote: George Baxter.]

Wie England sich in der neueren Xylographie als bahnbrechend zeigte, so
auch in dem FARBENDRUCK. Zuerst ist WILLIAM SAVAGE zu nennen, geboren
zu Houdon in Yorkshire, wo er sich auch mit seinem Bruder James 1790
als Drucker und Buchhndler etablierte. William ging 1797 nach London,
und wurde dort vorzglicher Drucker und Verfasser der epochemachenden:
_Hints on decorative Printing_ in zwei Teilen (1819-1832). 1840 folgte
sein bekanntes Werk _Dictionary of the Art of Printing_. bertroffen
wurde er von GEORGE BAXTER, der seine ersten Versuche 1835 machte und
Patent auf den Druck von Bildern mit lfarben nahm. Baxter druckte den
Untergrund und die Umrisse mit Stahlplatten, dann die einzelnen Farben
von Holzstcken, deren Zahl mitunter zwanzig berstieg. Seine besten
Arbeiten finden sich in seinem _Pictorial-Album_, das 1837 bei Chapman
& Hall erschien. In Landschaften ist er nicht bertroffen worden. Von
einem kleinen Blatt Die Dreieinigkeit nach Rafael wurden ber 700000
Exemplare verkauft.

[Sidenote: Will. Congreve * 1772.]

Eine weitere Art des Farbendruckes, welche eine zeitlang eine bedeutende
Rolle spielte, ist diejenige von dem, auch durch seine Tod und Verderben
schleudernden Raketen bekannten Sir WILLIAM CONGREVE erfundene. Congreve
war Zeuge von dem mhsamen zweifarbigen Druck in der Applegathschen
Buchdruckerei gewesen, und da die englische Regierung einen Preis auf
die Herstellung unnachahmlicher Banknoten gesetzt hatte, richtete er
alle seine Gedanken auf diesen Punkt. Er erhielt ein vierzehnjhriges
Patent auf eine von Donkin fr ihn gebaute Maschine. Das Prinzip des
Congreveschen Druckes beruht darauf, die verschiedenen Teile einer
Metallplatte, insoweit diese mit einer und derselben Farbe gedruckt
werden sollen, knapp aus der Platte herauszusgen, so dass sie, wieder
in einander gefgt, ein Ganzes bilden. Nach einander werden die Teile,
welche eine und dieselbe Farbe bekommen sollen, durch Unterlagen
hochgestellt und eingefrbt, bis schliesslich das Ganze, welches nach
Entfernung aller Unterlagen eine glatte Oberflche bildet, mit einem
Zug des Bengels abgedruckt werden kann. Im Verein mit einem Buchdrucker
WHITING legte Congreve eine Buchdruckerei an, die sich hauptschlich mit
Druck von Etiquetten u. dgl. beschftigte. Durch die Fortschritte der
Lithographie und die Erfindung der Mehrfarbenmaschinen ist Congreves
Methode so gut wie verdrngt. Die Englnder nennen sie _Compound
Printing_, die Bezeichnung Congreve-Druck rhrt von Ed. Hnel her, der
das Verfahren nach Deutschland brachte.

                   *       *       *       *       *

Ausser London haben als Druckorte in England nur Oxford und Cambridge,
in Schottland Edinburgh eine grssere Bedeutung.

[Sidenote: Oxford.]

Von den Buchdruckereien der beiden englischen Universitten nimmt
die in OXFORD den bei weitem wichtigeren Platz ein. Nachdem sie von
1669-1713 in dem _Sheldonian Theater_ installiert gewesen war, wurde
sie in den Clarendonbau bergefhrt und blieb dort, bis sie 1830 die
schne und gerumige Lokalitt bezog, die sie jetzt noch innehat. Bei
der Abgesondertheit von dem grossen Verkehr war es notwendig, alle
Branchen, sogar Farbe- und Walzenfabrikation, zu vereinigen. Gebunden
wurden die Bcher in der Universittsbuchbinderei in London. Das Papier
lieferte eine der Universitt gehrende Fabrik in Wolvercote. Eine
besonders gepflegte Spezialitt war neben dem Bibeldruck die Herstellung
orientalischer Werke. Die Druckerei erhielt seit der Clarendonschen
Stiftung noch fters wertvolle Dotationen, so z. B. 1785 eine von Lord
Godolphin im Betrag von 5000  Sterl.

[Sidenote: Cambridge.]

Die Universittsdruckerei in CAMBRIDGE, _Pitt-Press_ genannt, befindet
sich seit 1834, gerade drei Jahrhunderte nach ihrer Begrndung, in
einem neuen, im Stil des XV. Jahrhunderts, erbauten kirchenhnlichen
Gebude, das 1860 erweitert wurde. Die Kosten wurden zumteil aus den
berschssen des zu einem Denkmal fr William Pitt gesammelten Fonds
bestritten. Die Offizin kann sich an Bedeutung fr die Wissenschaft zwar
nicht mit der _Clarendon-Press_ in Oxford messen, hat jedoch in neuerer
Zeit einen raschen Aufschwung genommen, welcher namentlich C. J. Clay,
seit 1856 Direktor und Teilnehmer sowohl des Cambridger als des Londoner
Geschfts der Universitt, zuzuschreiben ist.

[Sidenote: Edinburgh.]

In EDINBURGH, dem Neuen Athen, herrschte zu Beginn des
laufenden Jahrhunderts ein sehr bewegtes litterarisches und
typographisch-bibliopolisches Leben.

[Sidenote: James Balantyne * 1772, [+] 16. Juni 1821]

Der bekannteste Buchdrucker war dort JAMES BALANTYNE[58]. Nachdem er
der Jurisprudenz, seinem vorherigen Berufe, Lebewohl gesagt hatte,
etablierte er in seiner Vaterstadt KELSO eine Buchdruckerei. Ein
Zufall brachte ihn auf einer Reise mit seinem frheren Schulkameraden
Walter Scott zusammen, woraus eine, fr beide erst glnzende, dann
verhngnisvolle Geschfts-Verbindung entstand. Die von Balantyne
gedruckte Ausgabe der Balladen Walter Scotts erregte durch ihre schne
Ausstattung solche Aufmerksamkeit, dass man Balantyne veranlasste, nach
Edinburgh berzusiedeln. Seine Offizin nannte er _The Border-Press_,
nach dem Werke Scotts _Minstrelsy of the Scottish Border_. Bis 1826
druckte er nun alle Werke Walter Scotts, der Teilhaber der Druckerei
und des wchentlich erscheinenden _Edinburgh Journal_ wurde. Walter
Scott sowohl als sein Drucker erlitten -- wie es kam, ist nicht ganz
aufgeklrt -- einen gemeinschaftlichen finanziellen Ruin. Thatsache ist,
dass ihre Freundschaft diesen berlebte. Balantyne war auch ein von
Walter Scott gern gehrter Kritiker, der mit grosser Sorgfalt und vielem
Verstndnis die manchmal flchtigen Manuskripte des Dichters verbesserte.

  [58] _History of the Balantyne Press._ Edinburgh 1871.

Die letzte Veranlassung zu der erwhnten Katastrophe gab der pltzliche
Fall des Verlegers Walter Scotts ARCHIBALD CONSTABLE, der zugleich
Verleger der _Encyclopaedia Britannica_ geworden und 1802 das _Edinburgh
Review_ begrndet hatte, welche Werke spter alle auf A. CH. BLACK
bergingen.

[Sidenote: A. Black * 1784.]

Der Begrnder dieser Firma war ADAM BLACK im Verein mit seinem
Neffen CHARLES BLACK. Das _Edinburgh Review_ erwarben sie 1826
gemeinschaftlich mit Th. N. Longman, allein kauften sie die
_Encyclopaedia Britannica_, die eine glnzende Aufnahme fand. Die Kosten
der 1842 beendigten siebenten Auflage, 21 Bnde in Quarto, betrugen ber
2-1/2 Millionen Mark; 1851 wurden Blacks Besitzer des Verlagsrechtes auf
Scotts Romane.

Ebenfalls einen bedeutenden Ruf hatten die Firmen W. Blackwood & Sons
und R. & W. Chambers.

[Sidenote: Blackwood d. . * 20. Dez. 1776, [+] 16. Sept. 1834.]

[Sidenote: Blackwood d. j. * 7. Dez. 1818, [+] 29. Okt. 1879.]

Erstere wurde von WILLIAM BLACKWOOD 1804 begrndet. Blackwood trieb erst
Antiquariatsgeschfte; 1811 fing er an zu verlegen. Das 1817 begonnene
_Edinburgh Monthly Magazine_ wollte nicht ziehen. Nach sechs Nummern
erschien als Nr. 7 _Blackwoods Magazine_, das sofort Beifall fand. 1827
wurde die _Edinburgh Cyclopaedia_ in 18 Bnden vollendet. Der Sohn WILL.
BLACKWOOD, der von 1840-1845 das Londoner Geschft der Firma verwaltet
hatte, dann aber nach Edinburgh gezogen war, redigierte das Magazin bis
zu seinem Tode mit der ussersten Sorgfalt[59].

  [59] R. Lindau setzte dem Verstorbenen ein ehrendes Denkmal in der
       Gegenwart, abgedruckt im Brsenbl. f. d. d. B. 1879, Nr. 293.

[Sidenote: W. Chambers * 1800.]

[Sidenote: Rob. Chambers * 4. Febr. 1802, [+] 17. Mai 1871.]

Vor etwa sechzig Jahren grndeten die Brder WILLIAM und ROBERT CHAMBERS
erst eine Buchhandlung und dann eine Buchdruckerei mit einem Kapital von
3  Sterl., einem halben Zentner Schrift und einer elenden Holzpresse in
der Absicht, gute und billige Bcher zu drucken. Tchtigkeit und Energie
brachten das Geschft rasch in die Hhe. Am 4. Februar 1832 wurde das
heute noch blhende _Chambers Edinburgh Journal_, das sofort 50000
Abnehmer fand, und 1845 deren 90000 zhlte, gegrndet. Dieses Journal,
das vier Wochen vor dem _Penny Magazine_ begann, hat sehr viel zu der
Bildung des englischen Publikums beigetragen. 1844 begann Rob. Chambers
ein hchst verdienstliches Werk: _Cyclopaedia of English Litterature_,
enthaltend Biographien und kritische Charakteristiken von 832 Autoren
nebst Proben ihrer Werke. 130000 Exemplare davon wurden in England
verbreitet, eine nicht geringere Anzahl in Amerika[60].

  [60] _Autobiography and Memoir of R. & W. Chambers._ Philadelphia 1872.

[Sidenote: Buchdrucker in der Provinz.]

Von den bedeutenden Buchdruckern Edinburghs in neuester Zeit nennen wir
NELSON & CO. mit ihrer grossen, sehr praktisch eingerichteten Offizin
und W. C. BLACKIE & CO., namentlich in Accidenzien bedeutend. Unter den
Buchdruckern der Provinz zeichnet sich STEPHAN AUSTIN in HEREFORD durch
seine schnen orientalischen Drucke aus. JOHN HEYWOOD in Manchester
besitzt vier Etablissements von grsster Ausdehnung, namentlich fr
die _Stationery_. Durch ein kleines Werkchen: _The bona fide Pocket
Dictionary_ hat sich JOHN BELLOW in Gloucester einen Namen unter den
Meistern aller Zeiten erworben. Die zu dem Bchlein verwendete Schrift,
nur 3-3/8 typographische Punkte gross, schnitten MILLAR & RICHARD in
Edinburgh und London.

                   *       *       *       *       *

[Sidenote: Die Zeitungspresse.]

Am staunenswertesten ist die Entwickelung, welche die Zeitungspresse
trotz des erschwerenden Zeitungsstempels nahm. 1761 wurde letzterer auf
einen Penny, 1776 auf anderthalb, 1789 auf zwei Pence festgestellt; 1794
musste der ganze Bogen drittehalb, 1799 viertehalb, schliesslich gar
vier Pence zahlen. Im Jahre 1833 brachte diese Steuer dem Staate gegen
10-1/2 Millionen Mark ein, zu welchen die _Times_ allein zeitweilig ber
zwei beizutragen hatten. Fr jedes Inserat musste 3 _sh_ 6 _d_ Abgabe
gezahlt werden, infolge dessen die kleinste Bekanntmachung mit 7 _sh_
berechnet wurde. Jede Zeitungsnummer kostete gewhnlich 7 Pence.

[Sidenote: Die _Times_.]

Es ist nicht hier die Aufgabe, die Entwickelung des Zeitungswesens
Schritt fr Schritt zu verfolgen, geboten scheint es jedoch, in
einem Handbuch der Buchdruckerkunst wenigstens der historisch
gewordenen Offizin der _Times_, welche fr alle folgenden grossartigen
Zeitungsoffizinen als Muster galt, einige Worte zu widmen, um so mehr,
als die Besitzer immer voran waren, wenn es galt, neue Erfindungen zu
benutzen oder selbst die Initiative zu solchen zu ergreifen.

[Sidenote: John Walter d. .]

Der Begrnder der _Times_, JOHN WALTER D. ., war ein bedeutender
Kohlenhndler. Als er sich vom Geschft zurckgezogen hatte, verlor er
als Beteiligter bei Schiffsassekuranzen sein ganzes Vermgen, nicht
aber den Ruf eines braven und redlichen Mannes. Zum Glck fr den
Journalismus wurde durch einen Ministerwechsel seine Hoffnung auf eine
Staatsanstellung zunichte. Damals fhrte ihn der Zufall mit einem Setzer
HENRY JOHNSON, einem Schwrmer fr ein ihm patentiertes Logotypsystem,
zusammen. Walter erwarb dessen Patent, modifizierte das System jedoch so
wesentlich, dass man es wohl als System Walter bezeichnen kann. Die
Typen wurden wie andere, jedoch etwas niedriger als blich, gegossen,
durch Untergiessen von Metall verbunden und auf die richtige Hhe
gebracht. Walter etablierte sich nun als _Logographic Printer_ und wurde
von Benjamin Franklin und Sir Josuah Banks, Prsident der Gesellschaft
der Wissenschaften, aufgemuntert. Er selbst nhrte die ausschweifendsten
Hoffnungen in betreff der Erfolge und teilte die Menschheit in zwei
Klassen, Freunde und Feinde der Logotypen. In jedem, der Zweifel an
seinem System hegte, erblickte er einen persnlichen Feind, so in dem
bisher mit ihm eng befreundeten Schriftgiesser Caslon und dem berhmten
Buchdrucker John Nicol. Der gekrnkte Walter wollte, nachdem er es
bereits mit einem Bchlein: _Gabriel, the Outcast_, versucht hatte,
nun auch der Welt zeigen, dass man Zeitungen mit Logotypen zweckmssig
herstellen knne. Am 1. Januar 1785 erschien Nr. 1 des _Daily Universal
Register_. Es fand jedoch keinen grossen Beifall und mit dem 1. Januar
1788 wurde der Titel in _Times_ umgendert, deren erste Nummer jedoch in
der angefangenen Reihenfolge weiter als Nr. 940 erschien.

So war der Anfang der _Times_, die spter zwar den Besitzern reichen
Segen, anfnglich jedoch schwere Sorgen brachten. Das Logotypsystem
wurde von Walter selbst als unpraktisch ber Bord geworfen.

[Sidenote: John Walter II.]

Dem alten Walter folgte der Sohn JOHN WALTER II. Denselben klaren Blick,
welcher ihn sofort sich der Erfindung Friedr. Knigs bemchtigen liess,
zeigte er auch in allen anderen Verhltnissen. Es giebt Zeitungen mit
einer weit grsseren Auflage, als die _Times_ sie je gehabt, aber kein
Blatt hat je eine bedeutsamere Stellung eingenommen. Sie wurden eine
frmliche Macht, auf deren Stimmabgabe Behrden, Richter, die Vertreter
des Handels und der Industrie spannten und mit der Regierungen wie mit
einer gleichberechtigten unterhandelten. Jeder Englnder betrachtete
dieses Institut wie einen Teil seines eigenen Ichs und eine Schdigung
desselben wie eine ihm selbst zugefgte. Kein Fremder, der nach London
kam, vergass, wenn er die Erlaubnis zu einem Besuch in der Offizin im
_Printinghouse-Square_ erhielt, einen solchen abzustatten.

[Sidenote: Die neue _Times_-Druckerei.]

Doch diese historisch berhmten Rume wurden dem Blatt nach und nach
zu eng und mussten durch Neubauten ersetzt werden. Die Hauptfaade
derselben, in einer Lnge von 100 englischen Fuss und einer Hhe von 60
Fuss, die fr den breiten Giebelteil auf 80 Fuss steigt, liegt nach der
Victoriastrasse. Das Kellergeschoss bildet einen grossen, 16 Fuss hohen
Raum und ist ausschliesslich dem Bau der Waltermaschine gewidmet. Das
Gebude, von roten und gelben polierten Ziegeln aufgefhrt, enthlt
ausserdem noch ein Parterre und vier Stockwerke; jede Etage hat neun
halbbogenfrmige Fenster. Der Eingang, architektonisch reich geschmckt,
in gehauenen Steinen ausgefhrt und mit Bogen, die auf polierten
Granitsulen ruhen, befindet sich an dem westlichen Ende. Ein vier Fuss
hoher Karnies aus gehauenen Steinen wird durch den Giebelbau, der fast
zweidrittel der Lnge einnimmt, unterbrochen. Als Ausschmckung sind auf
diesem drei grosse offene Bcher, von reichem Eichenlaub mit Eicheln
umgeben, angebracht. Auf dem mittelsten derselben ist mit grossen
schwarzen Buchstaben zu lesen: _Times_; auf dem links: _Past Times_; auf
dem rechts: _Future_.

Die _Times_ haben direkte Drhte von Wien, Berlin und Paris. Mit den
Slen der Parlamentshuser stehen sie durch telephonische Leitung in
Verbindung. Das Endstck in der Offizin ist mit zwei Tuben versehen,
welche an den Ohren des an der Kastenbeinschen Setzmaschine arbeitenden
Setzers angebracht sind. Der Reporter spricht ihm die Verhandlungen
zu, der Setzer spielt sie auf seinem Klavier ab, und der Satz ist
fertig. Man hat dabei alle die Vorteile des mndlichen Verkehrs, um
Nichtverstandenes zu wiederholen und Missverstandenes aufzuklren. Gegen
die bisherige telegraphische Verstndigung bietet die telephonische
den Vorteil, dass die Wiedergabe der Berichte ber die in der Nacht
stattfindenden Parlaments-Debatten fast um eine Stunde weiter reichen
kann, als frher der Fall war.

[Sidenote: John Delane.]

Von 1841-1879 leitete JOHN THADDEUS DELANE das Blatt als Hauptredacteur
mit grossem Geschick und feinem Takt, ohne jedoch bei der Herausgabe
litterarisch thtig einzugreifen. Wenn man die _Times_ so oft als das
leitende Blatt bezeichnet, so ist dies insofern vielleicht nicht ganz
korrekt, als sie nicht den Anspruch erheben, die ffentliche Meinung
zu machen. Ihr Hauptverdienst ist, rasch und sicher zu fhlen, was
die ffentliche Meinung will, und dies dann bestimmt auszusprechen,
oft ehe sich das Publikum selbst darber recht klar geworden ist. Ihre
Ansichten gegen den Strom durchsetzen wollen die _Times_ nicht, und
deshalb sind oft Vorwrfe gegen dieselben erhoben worden, als htten
sie einen nachteiligen Einfluss auf den englischen Volksgeist und
die englische Politik gebt. Damit haben wir es jedoch hier nicht zu
thun; als Institution des Buchgewerbes muss den _Times_ unbedingte
Bewunderung ausgesprochen werden und es mgen die von Sir Ed. Lytton
Bulwer im Parlament gesprochenen Worte noch hier stehen: Wenn ich in
der Lage wre, ein Denkmal unserer Civilisation der spteren Nachwelt
hinterlassen zu mssen, so wrde ich nicht in erster Reihe unsere
Docks, unsere Eisenbahnen, nicht unsere ffentlichen Gebude, selbst
nicht den Prachtbau, in welchem wir tagen; ich wrde einen Band der
_Times_ whlen. John Walter II. speziell muss jeder Deutsche seine
Achtung zollen wegen der Art und Weise, wie er fr Friedr. Knig
eintrat. Ohne den festen Rckhalt, den letzterer an Walter fand, wre
er wahrscheinlich, als ein zweiter Gutenberg, in den Hnden kleinlicher
Geldmenschen, verkmmert.

[Sidenote: Das Fallen der Stempelsteuer.]

Das Sinken der fesselnden Steuer auf Zeitungen ging rascher als
das Steigen. 1851 war sie ganz abgeschafft, 1861 die Papiersteuer.
Jetzt stand der Entwickelung einer wohlfeileren Zeitungspresse, dem
sogenannten Monopol der _Times_ gegenber, nichts im Wege, und man
verfehlte nicht, rasch von der Lage Gebrauch zu machen. Zwar fehlte es
nicht an ngstlichen Gemtern, welche gerade in den Erleichterungen
einen Ruin der guten Presse und ein Heraufbeschwren der bsen Geister
erblickten. Diese Stimmen sind durch die mit den _Times_ um den Einfluss
kmpfenden Penny-Bltter zum Schweigen gebracht und noch jetzt gelten
die Worte Macaulays: Whrend eines Zeitraums von 170 Jahren ist die
Freiheit unserer Presse immer vollstndiger geworden und whrend dieser
170 Jahre ist die Beschrnkung, welche das allgemeine Urteil der Leser
den Schriftstellern auferlegt, immer strenger geworden. Noch heutzutage
sind Fremde vollstndig ausser Stande, zu begreifen, wie es geschehen
kann, dass die freieste Presse in Europa zugleich die rcksichtsvollste
ist.

                   *       *       *       *       *

[Sidenote: Statistik der Zeitungspresse.]

Was die Zahl der Organe betrifft, steht die englische Zeitungspresse
nicht nur weit hinter Amerika, sondern selbst gegen Deutschland und
Frankreich zurck, ihre Macht ist jedoch nicht in der Zahl, sondern
in dem Umfang, der Reichhaltigkeit und der starken Verbreitung der
Zeitungen zu suchen[61].

  [61] C. MITCHELL & CO., _The newspaper press directory 1881_. London.
       36. Jahrg. -- F. L. MAY & CO., _Press-guide_. -- A. ANDREWS,
       _The history of british journalism to 1855_. 2 Bde. London 1859.
       -- JAMES GRANT, _The newspaper Press_. 3 Bde. London 1871. --
       JUL. DUBOC, Geschichte der englischen Presse. Hannover 1873. --
       R. R. MADDEN, _The history of Irish periodical Litterature_.
       London 1867. -- Zur Charakteristik des Journalismus in England.
       Deutsche Vierteljahrsschrift 1853. -- H. SAMPSON, _A history of
       Advertising_. London 1874.

Im Jahre 1881 hatte Grossbritannien 1986 Zeitschriften, von welchen 378
in London, 1087 in der Provinz, 66 in Wales, 181 in Schottland, 181
in Irland und 20 auf den Kanalinseln erschienen. Unter diesen waren
nur 153 Tagesbltter, von welchen 18 London, 94 der Provinz, 3 Wales,
21 Schottland, 16 Irland, 1 den Kanalinseln gehrten. 69 derselben
kosteten nur 1/2 Penny, 70 1 Penny, die brigen waren im Preise
verschieden bis zu 3 Pence. Die Post allein versandte im Jahre 1880 131
Millionen Zeitungsbltter, was jedoch nur einen Bruchteil des Konsums,
namentlich der Wochenbltter, reprsentiert. Der _Daily Telegraph_
druckte eine amtlich beglaubigte Auflage von tglich 242215 Exemplaren
im Durchschnitt; der _Standard_ versandte 209555 Exemplare. Das macht
fr die zwei Bltter jhrlich 135531000 Nummern, whrend die Gesamtzahl
aller Tageszeitungen im Jahre 1851 nur 18 Millionen erreichte, zu
welchen die _Times_ allein etwa zweidrittel beitrugen. 1821 brachten
es alle Zeitungen und Zeitschriften zusammen auf gegen 25 Millionen
Nummern, heute betrgt die Jahressumme Einer Wochenschrift: _Lloyds
Weekly_, bei einer Durchschnitts-Auflage von 612902 Exemplaren, 32
Millionen.

Und dabei, welchen Umfang haben die jetzigen Zeitungen! An einem aufs
Geratewohl gewhlten Tage, dem 13. Mai 1880, wiesen _Times_ 120 ihrer
Riesenspalten auf, davon 80 mit Anzeigen. _Daily Telegraph_ hatte 96
Spalten, von welchen die Inserate 62 in Anspruch nahmen. _Daily News_
und _Standard_ brachten je 64 Spalten, erstere 36 Anzeigenspalten,
letzterer 28. Eine Nummer eines Provinzialblattes, _The Scottsman_ in
Edinburgh, bestand aus 112 Spalten in Folio mit 33000 Zeilen und ber 2
Millionen Buchstaben, etwa doppelt so viel, als ein dreibndiger Roman
enthlt.

Das Anzeigewesen ist sehr praktisch eingerichtet und man kennt in
England nicht das bermass von Accidenzschriften, Abbildungen u. dgl.,
von welchem der Inseratenteil der deutschen Zeitungen strotzt. Der Preis
einer Inseratzeile ist gewhnlich 1 _sh._

[Sidenote: Der telegraphische Verkehr.]

Von enormer Bedeutung ist der telegraphische Verkehr der Zeitungen. Es
gab eine Zeit, wo die Tagespresse sich rhmte, jetzt nur fnf Monate fr
die Herbeischaffung von Nachrichten aus Gegenden zu gebrauchen, wozu
frher dreizehn Monate gehrt hatten. Am 1. Oktober 1880 war 23 Minuten
nach der Erffnung der Welt-Ausstellung in Melbourne die Nachricht davon
bereits von Reuters Bureau in London gedruckt ausgegeben, obwohl die
Depesche fast durch ein Dutzend Linien hatte gehen mssen.

Im Jahre 1880 wurden 313500000 Wrter fr die Zeitungen in England
telegraphiert. In einer Nacht befrderte das Hauptamt in London oft
100000 Wrter, wobei der bedeutende Verkehr der Privatleitungen der
Zeitungen nicht gerechnet ist.

Grosse Summen werden von englischen Blttern auch auf die
Spezialkorrespondenten verwendet, die ebenfalls mit Telegrammen nicht
sparsam sind. So erzhlt man von einem Korrespondenten in Paris, dass
er, um fr eine zu erwartende wichtige Nachricht sich die Benutzung
des Drahtes vorher zu sichern, stundenlang ganze Kapitel aus der Bibel
telegraphiert habe.

                   *       *       *       *       *

[Sidenote: Statistik der Buchdruckerei.]

Die Anzahl der Buchdruckereien in Grossbritannien wird auf 4000
geschtzt. England besitzt eine verhltnismssig kleinere Zahl
von Schnellpressen, was sich durch die grosse Leistungsfhigkeit
der neuen Rotationsmaschinen erklrt. Rechnet man die graphischen
Nebengeschfte mit, so ist die Zahl der direkt und indirekt dem
Pressgewerbe angehrenden eine enorme. London allein zhlte im
Jahre 1881 871 Druckereien, 60 Schriftgiessereien, Stereotyp- und
galvanische Anstalten, 74 Maschinen- und Utensilien-Fabriken,
32 Farbe- und Walzenfabriken, 231 lithographische Anstalten, 80
Kupferdruckereien, gegen 2000 Papierhandlungen, 400 Buchbindereien,
850 Sortimentshandlungen, 460 Buch- und Musikalienverleger, 950
Zeitungshandlungen, 130 Inseratagenturen.

Da viele Geschfte 300-1000 Personen beschftigen, so ist das Heer der
Arbeiter ein mchtiges. Im Jahr 1882 betrug die Zahl der Mitglieder
des Londoner Setzer-Vereins 4960; die Einnahme war 10000  Sterl., das
Einkommen der verschiedenen Gehlfen-Organisationen bezifferte sich im
ganzen auf 257439  Sterl., die Fonds betrugen 272413  Sterl.

[Sidenote: Die Frauen als Setzerinnen.]

Die Versuche, Frauen als Setzerinnen auszubilden, haben keine
bedeutenden Erfolge gehabt. Miss EMILY FAITHFULL, die Grnderin der seit
1858 bestehenden Victoria-Druckerei, gab 1880 ihren Posten auf. Nur
bei den Setzmaschinen finden Frauen in grsserer Zahl Beschftigung.

[Sidenote: Arbeitsweise.]

In den grossen Buchdruckereien werden die Arbeiten in fabelhaft kurzen
Fristen ausgefhrt und das vorhandene Material ist ein enormes.
Umfangreiche Werke in mehreren Bnden bleiben oft in Formen geschlossen
stehen, bis ber einen etwaigen Neudruck entschieden wird. Solche
Arbeiten mssen selbstverstndlich den Anforderungen entsprechend
bezahlt werden, whrend gewhnliche, die mit Musse betrieben werden
knnen, billig zu haben sind. Hierbei zeigt sich so recht der
geschftliche Vorteil, der darin liegt, erstens nur eine Druckschrift
ntig zu haben, und dann nicht von dem individuellen Geschmack eines
jeden Bestellers abhngig zu sein, wie es in Deutschland der Fall ist,
wo, abgesehen von Fraktur oder Antiqua, bald eine breite, dann eine
schmale, bald eine runde, dann eine eckige Schrift verlangt wird, stets
natrlich zugleich eine neue.

Fr seine wirkliche Arbeit wird der englische Setzer gut bezahlt, den
Speck der deutschen Buchdruckereien kennt er nicht. Die Setzer teilen
sich in _Establishment hands_ (oder _Stabhands_), die den festen Stamm
bilden und im festen Gelde arbeiten; _Full framers_, die nach Stck
bezahlt werden und in der Regel auch tchtige Arbeiter sind; _Suppers_,
die nur volle Arbeit haben, wenn das Geschft flott geht, denen jedoch
ein Minimum garantiert wird; und _Grasscutters_, die tglich nachfragen,
ob augenblicklich Arbeit vorhanden ist.

Die Lokale sind in der Regel nicht besonders bequem eingerichtet, weil
der Raum ein sehr kostspieliger, so dass in dem von einer deutschen
Buchdruckerei in Anspruch genommenen eine englische Druckerei des
doppelten Umfanges Platz finden wrde.

                   *       *       *       *       *

[Sidenote: Die Accidenzarbeiten.]

Eine enorme Quantitt von Arbeiten zu einem Betrage von jhrlich
etwa 10 Mill. Mark absorbiert der Staat. Als Beispiel bernahm eine
Firma, MCCORQUODALE & CO., eine Lieferung von 2610 verschiedenen
Regierungsaccidenzen, in Auflagen, die von 10 bis zu 300000 Exemplaren
variierten, ausserdem eine von 40 Millionen Briefcouverts. Die Firma
beschftigte in sechs enormen Offizinen an verschiedenen Orten gegen
2000 Personen und etwa 550 Maschinen aller Art fast nur mit Regierungs-
und Eisenbahn-Arbeiten. Eine andere Firma, HARRISON & CO., erhielt
auf einmal eine Bestellung auf 137 Millionen Telegrammformulare.
Grosse Summen setzt jedesmal eine Parlamentswahl in Umlauf. Die beiden
Parlamentshuser beanspruchen fr ihre jhrlichen Druckarbeiten etwa
1500000 Mark. Die Bank von England druckte im Laufe eines Jahres
15000000 Noten zu einem Geldwert von 338 Millionen  Sterl. Die
Druckarbeiten der Bank mehren sich bedeutend dadurch, dass sie eine an
sie zurckgekehrte Banknote, und wenn sie nur eine Stunde in Zirkulation
gewesen, nie wieder ausgiebt. Eine solche wird ungiltig gemacht und
fnf Jahre aufgehoben. In dieser Weise liegen bis gegen 100 Millionen
Noten in einer Weise geordnet, dass eine etwa zur Stelle gewnschte im
Augenblick zu finden ist.

[Sidenote: Ansehen des Pressgewerbes.]

In welcher hohen Achtung das Pressgewerbe in England steht, zeigte unter
anderem die imposante Caxtonfeier in London im Jahre 1877 mit ihrer
interessanten Ausstellung[62]. In Ermangelung eines Portraits von Caxton
beschloss man, von einer Statue zu seiner Erinnerung abzusehen, und
stiftete in der Margarethenkirche in Westminster, nahe dem Schauplatz
seiner Thtigkeit, ein gemaltes Fenster. Als ein fernerer Beweis von
der bedeutenden Stellung der Pressgewerbe muss auch betrachtet werden,
dass schnell hintereinander drei Ausber derselben: der Schriftgiesser
BESLEY, der Buchdrucker SIDNEY WATERLOW und der Drucker und _Stationer_
FRANCIS TRUSCOTT das angesehenste brgerliche Ehrenamt der Welt, das
eines Lord Mayors von London, bekleidet haben; es spricht zugleich
fr den Flor des Geschfts, denn es ist ein mit grossen Ausgaben
verbundenes Amt. Den Kostenanteil fr seinen Tag muss der Lord Mayor
auf 50000 Mark anschlagen, und es heisst, Sir Truscott habe fr die
Zeit seiner Amtsfhrung eine Summe von 10000 Mark wchentlich als
Reprsentationskosten ausgeworfen.

  [62] G. BULLEN, _Caxton Celebration_. London 1877. -- _Catalogue of the
       Loan Collection etc._ London 1877.

                   *       *       *       *       *

[Sidenote: Der Buchhandel.]

Der BUCHHANDEL, ohne welchen die Buchdruckerei nicht die eigentliche
Blte erreichen kann, nahm in England, besonders in London, mchtige
Dimensionen an und weist eine Reihe der intelligentesten und
bedeutendsten Verleger auf. Im allgemeinen ist der Buchhandel weit
einfacher organisiert, als in Deutschland. Der Verlagsbuchhndler
beschftigt sich selten mit Buchdruckerei und anderen Nebengeschften
und zersplittert nicht seine Krfte, behlt damit den freien Blick und
kann jede Konjunktur rasch benutzen. Kommissions- und Halbpartgeschfte
kommen oft vor, whrend berhmte Autoren grossartige Honorare beziehen.
Der Absatz eines Buches ist rasch durch die mit einem splendiden Diner
verbundenen Verlagsauktionen und die Subskriptionen der Zwischenhndler
und grossen Leihbibliotheken entschieden. Eine der letzteren, die von
Muddie, welche die grsste ist, nimmt nicht selten 1-2000 Exemplare
von einem hervorragenden Werke. Durch das Alleinrecht des Verkaufs
auf allen Eisenbahnstationen spinnt die grosse Zeitungsanstalt und
Buchhandlung von SMITH & SON ihre Fden ber das ganze Land. Mit einer
Abonnementskarte von ihnen versehen, kann man berall auf den Stationen
Bcher leihen und sie wieder auf jeder beliebigen Station abgeben.
Die sogenannten _Wholesale-booksellers_, unter welchen MARSHAL & CO.
die bedeutendsten sind, versehen die eigentlichen Sortimentshndler
(_Retaillers_), welche in der Regel ihren Bedarf nur aus einer Hand
beziehen. Bedeutenden Anteil an dem Absatz haben die _Stationers_
(Schreibmaterialienhndler) und die vielen _Secondhand-Booksellers_. Das
deutsche System mit seinen Kommissionssendungen kennt man nicht, weshalb
auch die Buchlden in den kleineren Stdten nicht so gut assortiert
sind, wie dies in Deutschland der Fall ist.

Im Laufe eines Jahres erscheinen zwischen 5-6000 Werke (1881, neue
Auflagen ungerechnet, 5406), darunter eine bedeutende Zahl der schnsten
illustrierten Reisewerke, Prachtausgaben der englischen Klassiker,
philologischen, theologischen und Geschichtswerke und eine grosse Menge
von Romanen. Die Zahl ist, wie bei den Zeitungen, eine viel kleinere,
als in Deutschland; aber man muss, wie bei diesen, nicht bloss zhlen,
sondern auch wgen, sowohl was Umfang, als was Auflage betrifft.

[Sidenote: Die _Stationers Company_.]

Gegen Nachdruck schtzt die Eintragung in die Rolle der _Stationers
Company_ und die Abgabe von 5 Pflichtexemplaren. Der Schutz gilt fr
42 Jahre -- jedenfalls bis zum Tode des Verfassers und 7 Jahre nach
demselben. Vor dem Jahre 1709 ist es nicht zu ermitteln, wie viel
Bcher jhrlich in die Rolle der _Stationers Hall_ eingetragen wurden.
Von 1709-1766 betrug die Durchschnittszahl ungefhr 50; im Jahre 1732
war die Zahl auf die tiefste Stufe, 17, gefallen. Beim Beginn dieses
Jahrhunderts hatte sie sich wieder auf 3-400 gehoben; 1814 auf 541; 1815
auf 1244; von da ab und bis 1826 blieb die Durchschnittszahl etwa 1000.

[Sidenote: Ausfuhr.]

Der Absatz des Buchhandels nach dem Ausland bersteigt 20 Millionen
Mark, der der _Stationary_-Artikel wird auf etwa 14 Millionen, des
Papiers auf etwa 16 Millionen gerechnet. Fgt man noch den Umsatz in
Druckfarbe und Druckmaschinen hinzu, so wird die Gesamtausfuhr von allen
zu dem Druckgewerbe gehrenden Gegenstnden die Summe von 60 Millionen
Mark nicht unbedeutend bersteigen.

[Sidenote: Die Fachpresse.]

[Sidenote: J. M. Powell * 2. Juni 1822, [+] 17. Sept. 1874.]

Unter den Blttern der Fachpresse, die sich zunchst mit der Typographie
beschftigen, nehmen namentlich zwei eine bedeutende Stellung ein.
JOSEPH MARTIN POWELL gab seit dem Jahre 1863, unter dem Titel _Printers
Register_, ein Fachblatt heraus, welches viele Verdienste, namentlich um
die Frderung der Maschinen-Fabrikation, hat und oft die Maschinenbauer
zu Erfindungen anregte. Das Blatt wird jetzt von Powells ltestem
Sohne ARTHUR geleitet. Eine mehr ideelle und theoretische Richtung
verfolgt _The Printer and the Lithographer_, welches Blatt die Firma
WYMAN & SON verlegt und mit vielem Geschick und Geschmack redigiert.
Es bringt hauptschlich sehr ausfhrliche belehrende Artikel, aus
welchen, zu besonderen Lehrbchern gesammelt, bereits manches tchtige
Werk entstanden ist. Auch das _Printers Register_ lieferte solche
Artikelreihen. Ein Vorzug der englischen Pressorgane ist, dass sie
sich hauptschlich nur mit dem Technischen abgeben, und die sozialen
Verhltnisse und die darin einschlagenden Kontroversen nur leise
berhren und alles vermeiden, was zu einem gehssigen Federkrieg
Veranlassung geben knnte.

Im Interesse des Buchhandels erscheinen das vierzehntgige _Publishers
Circular_ (gegrndet 1837) und der monatliche _The Bookseller_
(gegrndet 1838), seit 1860 mit dem, 1802 begonnenen, _Bents
Literary Advertiser_ vereinigt. Der von Whitaker herausgegebene
_Reference-Catalogue of current Literature_ giebt in der Form von
Verlagskatalogen eine bersicht der gangbarsten litterarischen
Erscheinungen Englands.

                   *       *       *       *       *

[Sidenote: Die Annuals.]

[Sidenote: R. Ackermann * 30. April 1764, [+] 26. Mrz 1834.]

Eine Episode in dem englischen Buchhandel bildet die Herausgabe der
illustrierten _Annuals_, hervorgerufen 1822 durch den Kunsthndler
RUDOLPH ACKERMANN. Geboren zu Stollberg, kam er als einfacher
Sattlergehlfe nach London. Erst erwarb er durch seine Zeichnungen
Aufmerksamkeit, dann wurde er Kunsthndler und Verleger bedeutender
Prachtwerke. Die spter so beliebten Taschenbcher wurden von diesem
Vater der Almanache mit dem _Forget me not_ zuerst in Scene gesetzt
und eine Reihe von Jahren hindurch von den besten knstlerischen Krften
Englands untersttzt[63]. Mit _Heaths Book of Beauty_ wurde 1833 eine
Reihe von poetischen Werken von Klassikern und neueren Schriftstellern
mit Illustrationen sowohl in Stahlstich wie in Holzschnitt begonnen,
denen eine grosse Anzahl von illustrierten geographischen und
ethnographischen Werken folgte. Als Drucker und Herausgeber solcher
machte sich namentlich HENRY FISCHER bekannt.

  [63] Brsenbl. f. d. d. B. 1834, Nr. 17, 18.

Gereicht schon die Herstellung schner Luxuswerke den englischen
Buchhndlern und Buchdruckern zur Ehre, so gebhrt ihnen eine noch
grssere Anerkennung, weil sie allen anderen Nationen vorangegangen
sind, als es sich darum handelte, die Verbindung der Xylographie mit
der Typographie zur Verbreitung ntzlicher Kenntnisse und allgemeiner
Bildung selbst in Kreisen der nicht mit Glcksgtern Gesegneten zu
benutzen. Das _Penny Magazine_, spter die _Illustrated London News_,
sind massgebend geworden fr die hnlichen Erscheinungen aller anderen
Lnder.

[Sidenote: Das _Penny Magazine_.]

Das epochemachende Ereignis des Erscheinens der ersten _Penny
Magazine_-Nummer fand am 1. April 1832 statt. CHARLES KNIGHT[64], der
bekannte Buchhndler und Schriftsteller, war der geistige Urheber des
Unternehmens, welches von der _Society for the diffusion of usefull
knowledge_ ausging; gedruckt wurde das Blatt bei Clowes. Von den Nummern
1-106 fanden 20 Millionen Exemplare Verbreitung. Die gewhnliche
Auflage war 200000. Im Jahre 1780 schtzte Edm. Burke die Gesamtzahl
der Leser in England auf 80000; 1833 zhlte das _Penny Magazine_ allein
jedoch deren mehr als eine Million[65]. Zwei Applegath- und Cowpersche
Maschinen verrichteten in zehn Tagen die Arbeit, zu welcher zwei
Drucker an der Handpresse ein halbes Jahr ntig gehabt haben wrden,
in Clowes' Buchdruckerei, die mit 18 Schnellpressen und 15 Handpressen
und einem wchentlichen Papierverbrauch von 2000 Ries, neben der
_Times_-Druckerei, geradezu ein Weltwunder war.

  [64] Ch. Knight, _The old Printer and the modern Press_.

  [65] Merkwrdigerweise war das Brsenblatt fr den deutschen
       Buchhandel der heftigste Antagonist der ganzen Richtung
       und wurde nicht mde, das Pfennig-Magazin auf das heftigste
       anzugreifen.

[Sidenote: Ch. Knight.]

Ganz abgesehen von dem durch das _Penny Magazine_ gebten Einfluss
erwarb sich Charles Knight grosse Verdienste durch eine Reihe von ihm
verffentlichter, zumteil von ihm geschriebener oder herausgegebener
populrer illustrierter Unternehmungen, unter welchen _The Library of
Entertaining Knowledge_, 43 Bde.; _The Penny Cyclopaedia_, 1833-1858, 30
Bde.; die _Shillings Volumes_, 186 Bde.; _The English Cyclopaedia_, 23
Bde.; _Popular History of England_, 8 Bde.; _Pictorial Bible_, 4 Bde.,
u. a. m. hervorzuheben sind.

[Sidenote: Die illustrierten Zeitungen.]

Waren die Herausgeber des _Penny Magazine_ und hnlicher Bltter
hauptschlich bemht, allgemein ntzliche Kenntnisse unter dem Volke zu
verbreiten, so versuchten als Bahnbrecher die _Illustrated London News_,
begrndet von COOK & INGRAM, die Tagesgeschichte in den Bereich der
Illustration zu ziehen. Mit ihrer ersten Nummer vom 14. Mai 1842 beginnt
eine illustrierte Geschichte der Gegenwart von grossem Wert, der mit den
Jahren noch steigt. Die gewhnliche Auflage ist etwa 100000 Exemplare.
Viele Versuche wurden gemacht, dem Blatte Konkurrenz zu machen, jedoch
nur _The Graphic_ gelang es auf die Dauer, sich neben der lteren
Schwester in der Gunst des Publikums zu halten. Die Weihnachtsnummern
beider Zeitschriften werden mit einem Kostenaufwande von je 300000
Mark in etwa 400000 Exemplaren gedruckt. Grosse Verbreitung erreichten
auch die vielen illustrierten technischen und Modebltter. In der
humoristischen Zeitungspresse trug der Holzschnitt den Sieg ber die
Radierung, deren hauptschlichster Vertreter GEORGE CRUIKSHANK (geb.
1792, gest. 1878) war, davon; der _Punch_, begrndet 1841, behielt seine
Popularitt bis auf den heutigen Tag.

                   *       *       *       *       *

Den hauptschlichsten Schauplatz des pressgewerblichen Lebens und
Treibens in London bildeten von der ltesten Zeit bis auf heute
_Fleet-Street_, _St. Pauls Church-Yard_, _Farringdon-Street_,
_Printinghouse-Square_ und _Paternoster-Row_. Letztere wird bereits
1367 genannt, kam aber namentlich nach dem grossen Brande im Jahre 1666
in Aufnahme und wurde in der letzten Hlfte des XVIII. Jahrhunderts
besonders _fashionable_ als Sitz der grossen Verlagshandlungen, whrend
_Fleet-Street_ vorzugsweise dem Journalismus und den Buchdruckereien
Obdach bot. Hier reihen sich als Glieder einer ununterbrochenen Kette
an einander Druckoffizinen, Zeitungsbreaus, Telegraphenstationen,
Inseratagenturen, Associationen der Presse, Sortiments-, Zeitungs-,
Stationers-Laden und andere Geschfte, die mehr oder weniger mit
der Typographie in Verbindung stehen. Hier hat auch der Londoner
Setzer-Verein sein Breau, und je nach dem grossen oder kleinen
Belagerungszustand, in welchem die Zugnge zu diesem sich befinden, kann
man mit Sicherheit auf den Gang des Londoner Geschfts schliessen.

[Sidenote: J. Cassell * 23. Jan. 1817, [+] 1. Apr. 1865.]

Es wrde, ohne die gesteckten Grenzen zu sehr zu berschreiten, nicht
mglich sein, alle grossen Druck- und Verlagsfirmen aufzufhren[66].
Ausser den bereits an anderen Orten genannten seien nur einige
erwhnt. Eine mchtige Zahl von Zeitschriften drucken SPOTTISWOODE &
CO.; Accidenzien SPOTTISWOODE & EYRE, HARRISON & CO. Als Hersteller
von Wertpapieren und kaufmnnischen Arbeiten sind bedeutend
WILKINSON & CO., WATERLOW & SONS[67] und BLADES, EAST und BLADES.
Der Senior dieser Firma WILLIAM BLADES ist namentlich durch seine
typographisch-litterarischen Arbeiten bekannt, vorzugsweise durch
seine klassische Biographie Caxtons, zu dessen Popularitt in England
Blades viel beigetragen hat. Sein neuestes Werk ist eine _Medallic
History of Printing_ mit vielen Abbildungen[68], das zuerst in den
_Printing-Times_ erschien. Eine der jngeren Offizinen, die in kurzer
Zeit riesenhafte Dimensionen angenommen hat, ist die von CASSELL, PETTER
& CO. Der Grnder JOHN CASSELL war erst Zimmermann und lernte in den
Werksttten die geistigen Bedrfnisse der Arbeiter kennen. Als _The
Total Abstinance_-Bewegung 1833 entstand, war er erst ein begeisterter
Reise-Apostel derselben, entschloss sich aber dann in wirksamster
Weise durch die Presse der Mssigkeits-Sache zu dienen. Zur Herausgabe
angemessener Schriften vereinigte er sich mit den Besitzern einer bis
dahin nicht bedeutenden Druckerei, PETTER & GALPIN. Bald ging man
aber weiter und gab illustrierte Lieferungswerke heraus. Das Geschft
erhielt eine solche Ausdehnung, dass es 1880 34 illustrierte Werke in
Lieferungen auf einmal in der Presse hatte. Das bedeutendste Verlagswerk
war die _Family-Bible_, die, mit einem Aufwand von 2 Millionen Mark
hergestellt, innerhalb sechs Jahren einen Absatz von 350000 Exemplaren
erzielte. Bei John Cassells Tod hatte das Personal bereits die Zahl von
500 erreicht, jetzt ist diese auf 1000 gestiegen.

  [66] KELLY, _Directory of Stationers, Printers etc. of England_.
       3. Ausg. London 1880. -- WHITAKER, _Reference Catalogue of
       current Litterature_ (periodisch). -- H. CURVEN, _A history
       of booksellers_. London 1874. Ein kritikloses, aber viele
       interessante Details enthaltendes Buch.

  [67] Diese grossartige Offizin wurde ausfhrlich von TH. GOEBEL im
       Journ. f. B. 1875, Nr. 40 u. f. beschrieben.

  [68] Deutsch bearbeitet von L. MOHR in Strassburg (in Waldows Archiv),
       franzsisch von LON DEGEORGE.

SAM. BAGSTER & SONS liefern namentlich polyglotte Werke, GILBERT &
RIVINGTON orientalische. In letzterer Richtung hat jedoch Deutschland
ein bergewicht und viele orientalische Werke werden fr englische
Rechnung in Deutschland gedruckt.

Von den grossen Verlagsfirmen haben besonders Longman, Green & Co. und
John Murray Weltruf erlangt.

[Sidenote: Th. Longman * 1699, [+] 10. Juni 1755.]

[Sidenote: Th. Norton Longman * 1771, [+] 28. Aug. 1824.]

Der Begrnder ersterer Firma THOMAS LONGMAN erwarb 1724 den Verlag von
WILL. TAYLOR und damit zugleich zwei Huser: Der schwarze Schwan und
Das Schiff in _Paternoster-Row_. Er ward Mitbesitzer von Ephraim
Chambers _Cyclopaedia_, das Vorbild der vielen in und ausserhalb
Englands erscheinenden Encyklopdien, ausserdem auch von Johnsons
_Dictionary of the English Language_. Noch folgten in drei Generationen
Thomas Longmans, von welchen THOMAS NORTON LONGMAN der bedeutendste war.
Welche Grsse das Geschft erreicht hatte, sieht man daraus, dass der
Genannte ein Vermgen von 200000  Sterl. hinterliess, ein Teilhaber
GREEN ebensoviel, whrend ein dritter Teilhaber BROWN 100000  Sterl. in
Legaten aussetzen konnte.

Obwohl Longmans Verlag ein universeller ist und auch die Namen der
berhmtesten Dichter Englands (den Verlag von Byrons Schriften hatten
sie abgelehnt) ihren Katalog schmcken, so haben sie doch namentlich
ihren vielen encyklopdischen Verlags-Artikeln, und vor allem Macaulays
Geschichte ihren Ruhm und ihre Stellung zu verdanken. Von der ersten
Auflage des III. und IV. Teils des letztern Werkes waren 25000 Exemplare
gedruckt. Diese waren jedoch bereits am Tage der Verffentlichung, 17.
Dezember 1855, verkauft und 11000 Bestellungen mussten unexpediert
bleiben. Von den amerikanischen Ausgaben soll ein Buchhndler in zehn
Tagen 73000 Bnde verkauft haben. Innerhalb vier Wochen sollen berhaupt
mehr als 180000 Exemplare verbreitet worden sein.

[Sidenote: John McMurray * 1745, [+] 6. Nov. 1793.]

[Sidenote: John Murray II. * 1778, [+] 27. Juni 1843.]

JOHN MCMURRAY grndete 1768 ein Geschft und erzielte damit gute
Erfolge. Sein Sohn JOHN MURRAY ist namentlich als Verleger und Freund
Byrons (1807-1823) bekannt und wurde bei seinem Tode wieder von einem
Sohn JOHN gefolgt. Grosse Verbreitung fand die billige _Home and
Colonial Library_ und die vielen bedeutenden illustrierten Reise- und
naturwissenschaftlichen Werke. Murrays rote Reisebcher sind jedem
bekannt, und wir knnen uns kaum einen reisenden Englnder ohne ein
solches in der Hand oder unterm Arm denken.

[Sidenote: H. Colburn [+] 16. Aug. 1855.]

[Sidenote: R. Bentley [+] 1871.]

Unter den Verlegern der schnen Litteratur in Prosa sind Colburn und
Bentley die bekanntesten. HENRY COLBURN verlegte eine Unzahl von
Romanen, von James allein 225 Bnde, einer wie der andere in drei, in
Leinwand gebundenen, Bnden, jeder ziemlich genau 300 Seiten stark
und einer wie der andere zum Preise von anderthalb Guineen (31 Mark
50 Pf.). Im Jahre 1819 grndete er _Colburns Monthly_; 1817 ward die
_Literary Gazette_ begonnen. 1832 verkaufte er sein Geschft an RICHARD
BENTLEY, der frher sein hauptschlichster Buchdrucker und kurze Zeit
sein Associ gewesen war. Colburn verpflichtete sich, unter bedeutender
Konventionalstrafe, kein Geschft innerhalb 20 englischer Meilen
Entfernung von London zu erffnen. Der Verlagsteufel liess ihn jedoch
nicht auf seinen Lorbeern ruhen. Erst etablierte er sich in Windsor,
dann zahlte er die Konventionalstrafe und zog wieder nach London.
Bentley grndete 1837 _Bentleys Miscellany_, dessen erster Herausgeber
Charles Dickens war.

Als Verleger von Shillings-Ausgaben erwarben ROUTLEDGE & SONS einen Ruf.
Die Verbreitung solcher Ausgaben war eine so grosse, dass die Verleger
an Bulwer fr die Erlaubnis, billige Ausgaben seiner Werke whrend zehn
Jahren drucken zu drfen, 200000 Mark Honorar zahlten und dabei einen
sehr guten Erfolg fr sich erzielten.

                   *       *       *       *       *

[Sidenote: Der Bibeldruck.]

Eine wesentliche Bedeutung fr das Druckgewerbe hat der Bibel- und
Gebetbuchdruck, der, was die autorisierten Ausgaben betrifft, noch ein
Privilegium der Universittspressen von Oxford und Cambridge ist. Eine
grosse Bewegung rief die neue autorisierte Ausgabe der heiligen Schrift
hervor, welche viele Jahre hindurch mit grossem Aufwand theologischer
Arbeit vorbereitet war und am 17. Mai 1881 in sechs Ausgaben dem
Publikum bergeben wurde. In Oxford allein wurden sofort zwei Millionen
Exemplare bestellt, Amerika verlangte 300000, druckte jedoch, unter den
enormsten Anstrengungen der Konkurrenten, sich gegenseitig den Vorsprung
abzugewinnen, die Ausgabe nach. Ein typographisches Kunststck ist eine
Oxforder Miniatur-Ausgabe fr Lehrer, die mit dem Einbande nur 90 Gramm
wiegt und auf 1416 Seiten 2430400 Buchstaben enthlt.

Eine grosse Wirksamkeit zeigte _The British and Foreign Bible Society_,
welche mit dem Jahre 1804 unter den Auspicien des Herrn GRANVILLE SHARPE
begann. Bis 1881 hatte die Gesellschaft mit einem Aufwande von etwa
175 Millionen Mark nicht weniger als 93953000 Exemplare der heiligen
Schrift gedruckt. 1881 wurden allein 2938000 Exemplare verbreitet. _The
Religious Tract Society_ verwendete in einem Jahre 2-1/2 Millionen Mark
auf Bcherdruck.

[Sidenote: N. Trbner * 1817.]

Unter den Verlegern in der theologischen und philologischen Richtung ist
die Firma Rivington hervorragend. Der Stammvater dieser ltesten der
noch bestehenden Verlagsfirmen Englands, CHARLES RIVINGTON, grndete
1711 sein Geschft in der _Paternoster-Row_ in der Bibel und Krone,
welche Insignia noch heute die Rivingtonschen Verlagswerke schmcken.
Bedeutenden Ruf haben ferner die beiden, mit der Oxforder resp.
Cambridger Universittsbuchdruckerei eng verbundenen Familien PARKER,
dann JAMES NISBET. Ganz hervorragende Verdienste um die linguistische
Litteratur erwarb sieh ein Deutscher, NIKOLAUS TRBNER aus Heidelberg.
Durch Zufall mit Longman bekannt geworden, ging er 1843 als Commis
in das Longmansche Geschft nach London. 1852 etablierte er dort
ein eigenes Geschft mit der Absicht, in der Weltstadt einen bisher
fehlenden Zentralpunkt fr die litterarischen Erzeugnisse Amerikas und
Asiens zu schaffen. Er gab einen vortrefflichen _Bibliographical Guide
to American Literature_ 1817-1857 heraus und grndete, um seine Zwecke
zu frdern, das Monatsblatt _Trbners American and Oriental Literary
Record_ und eine Anzahl von Agenturen in den fernsten Weltteilen.
Durch das Heranziehen der bisher schwer zugnglichen Lnder mit
ihren litterarischen Produkten hat Trbner sich nicht allein um die
Wissenschaft hochverdient gemacht, sondern auch sowohl direkt durch
seinen grossen linguistischen Verlag, als noch mehr indirekt durch
die Belebung dieses Verlagszweiges dem graphischen Gewerbe Vorschub
geleistet.

Steht auch das ANTIQUARIATSGESCHFT den eigentlichen Zweigen des
Buchgewerbes, die uns hier beschftigen, etwas ferner, so hat dasselbe
doch in England eine solche Weltbedeutung gewonnen und wirkt auch durch
Verbreitung der Liebe zu Bchern auf das ganze Pressgewerbe vielfach
so belebend ein, dass es am Platze sein drfte, wenigstens die zwei
hervorragendsten Vertreter des Antiquariats zu erwhnen, was um so
lieber geschieht, als der eine, jetzt noch wirkende ebenfalls, wie
Trbner, ein Deutscher ist.

[Sidenote: H. G. Bohn * 4. Jan. 1796.]

Der Bahnbrecher fr den grossartigen Betrieb des Antiquariats war HENRY
GEORGE BOHN aus Richmond. Sein 1841 erschienener _Guinea-Catalogue_ war
die imposanteste Ankndigung eines Bcherlagers, welche man bis dahin
kannte. Derselbe hatte einen Umfang von 1448 Seiten und verursachte
einen Kostenaufwand von 40000 Mark. Bohn wirkte auch als Schriftsteller
und Verleger; seine nach damaligen englischen Vorstellungen
ausserordentlich billigen _Standard Volumes_ zu 5 _sh._ 6 _d._ waren
allgemein beliebt.

[Sidenote: B. Quaritch * 23. April 1819.]

BERNHARD QUARITCH aus Worbis, jetzt ohne Widerspruch der bedeutendste
Antiquar der Welt, lernte in Nordhausen und ging 1842 nach London. 1849
grndete er dort mit einem Kapital von 200 Mark ein eigenes Geschft
zunchst fr _Penny_-Litteratur. Durch Gewandtheit, Fleiss und Ausdauer
brachte er bald seinen Handel in die Hhe, so dass er 1860 noch ein
zweites, grsseres Lokal in Piccadilly mieten konnte. Hier sammelte
er nun einen wahren Schatz sowohl von bedeutenden wissenschaftlichen
Werken, als von ausgesuchten Seltenheiten fr Bcherliebhaber. Neben
seinen Spezial-Katalogen gab er ab und zu einen General-Katalog
heraus. Unter den letzteren bertrifft der von 1880 noch Bohns
_Guinea-Catalogue_, kostet aber auch 2 Guineen. Der Band ist 6-1/2
Zoll stark und enthlt auf 2166 Seiten die Titel resp. Beschreibungen
von 28009 Werken. Ein Index von 228 Seiten giebt etwa 55000 Nachweise.
Quaritchs eigener bedeutender Verlag besteht sowohl aus Werken, wozu
er selbst die Initiative ergriffen, als auch aus solchen, die er von
anderen Verlegern an sich gebracht hat[69].

  [69] A. ULM, Bernh. Quaritch, N. Anz. f. Bibliogr.; ebenfalls Brsenbl.
       f. d. Buchh. 1880, Nr. 21.

                   *       *       *       *       *

[Sidenote: Die Bibliophilie.]

Ein mchtiger Hebel fr die Entwickelung der Buchdruckerei war
es, dass hochgestellte und reiche Mnner sich nicht nur, wie Lord
Stanhope, fr die technischen Fortschritte interessierten, sondern
auch eine Ehre darein setzten, das Schnste, Beste und Seltenste in
ihren Bchersammlungen zu vereinigen. Als Liebhaber ersten Ranges ist
JOHN HERZOG von ROXBURGH zu nennen. Seine Bibliothek brachte bei der
Versteigerung, welche in den Monaten Mai und Juni 1812 stattfand, einen
Erls von mehr als einer halben Million Mark. Die Nummer 6292 des
Katalogs, das einzige bekannte vollstndige Exemplar von _Il Decamerone
di Boccaccio_, in Folio, von Christoph Waldarfer in Venedig im Jahre
1471 gedruckt, wurde dem Marquis von Blandford fr die Summe von ber
45000 Mark zugeschlagen, der hchste Preis, der je fr ein Buch bezahlt
worden ist. Zur Erinnerung an dieses bibliophilische Ereignis wurde von
31 der bedeutendsten Bchersammler Englands, unter dem Prsidium von
Lord Spencer, der _Roxburgh-Club_ gegrndet. Zu keiner Zeit hatte die
Bibliomanie eine solche Hhe erreicht und sie sollte auch nicht lange
auf derselben bleiben, so dass Lord Spencer wenige Jahre spter den
Waldarfer fr 18000 Mark kaufen konnte, also fr fast nur den dritten
Teil des in der Roxburgh-Auktion gezahlten Preises.

[Sidenote: Lord Spencer.]

Noch grssere Bedeutung in der Geschichte der Bibliophilie als der
Herzog von Roxburgh hat GEORGE JOHN, Lord SPENCER auf Althorpe. Er war
am 1. September 1758 geboren und folgte 1783 seinem Vater im Besitz
von dessen Titeln und frstlichem Vermgen. Es war sein Stolz, die
Notabilitten der Wissenschaft und der Litteratur um sich zu versammeln,
und wo er konnte, stand er deren Bestrebungen in liberalster Weise
bei. Von gleicher Gesinnung war sein Sohn beseelt, was sich durch die
Caxton-Ausstellung 1877 deutlich zeigte, zu welcher Lord Spencer eine
ganze Sammlung der seltensten Inkunabeln und Prachtwerke geliefert
hatte. In seiner in der _Stationary-Company_ gehaltenen Rede sprach
er es auch aus, eine wie grosse Freude es ihm gewhren wrde, seine
Bibliothek recht oft von Fachmnnern besucht zu sehen.

[Sidenote: T. F. Dibdin.]

Ein wesentlicher Frderer des Sammeleifers sowohl des Lord Spencer als
auch anderer war THOMAS FROGNALL DIBDIN. Derselbe stammt aus Calcutta,
erhielt jedoch, nachdem seine Eltern dort gestorben waren, in England
eine sorgfltige Erziehung und whlte den geistlichen Beruf. Von Lord
Spencer wurde er als Pfarrer nach Althorpe berufen, zugleich um als
Bibliothekar des Lords zu fungieren. In den Jahren 1814-1815 erschien
die Beschreibung der Sammlung als: _Bibliotheca Spenceriana_; von
1810-1819 _Typographical Antiquities_; 1817 _Bibliographical Decameron_;
1821 _A bibliographical, antiquarian and picturesque tour in France
and Germany_ (2. Ausgabe 1827), in welchem Werk der Verfasser eine in
Begleitung des Zeichners George Lewis im Interesse der Spencerschen
Bibliothek unternommene Reise schildert. 1838 folgte _A bibliographical,
antiquarian and picturesque tour in the northern countries of England
and Scottland_.

[Sidenote: Lord Brougham.]

In praktischer Weise interessierten sich andere Edle fr die Presse.
HENRY Lord BROUGHAM war die Seele der schon erwhnten _Society for the
Diffusion of usefull Knowledge_. FRANCIS EGERTON, Lord BRIDGEWATER
bestimmte vor seinem Tode im April 1829 gegen 120000 Mark als Honorar
fr den Verfasser eines Werkes, welches die Weisheit, Macht und Gte
Gottes, wie sie sich in der Schpfung offenbaren, zum Gegenstand haben
sollte. Dies gab Veranlassung zu den sogenannten Bridgewater-Bchern,
die der populrwissenschaftlichen Litteratur einen mchtigen Anstoss
gaben.

[Sidenote: Lord Arundel.]

THOMAS HOWARD, Lord ARUNDEL wirkte wieder auf andere Weise. Als
eifriger Bewunderer der alten christlichen Kunst gab er Veranlassung
zur Begrndung der _Arundel Society_ (1848), deren Hauptziel es ist,
die leichtvergnglichen, dem Verderben besonders ausgesetzten lteren,
namentlich vorrafaelischen Werke der Kunst wenigstens in vorzglichen
Farbendrucken der Nachwelt zu erhalten. Die Reproduktion geschieht
hauptschlich unter Beihlfe von den besten Anstalten des Auslandes,
besonders der von Storch & Kramer in Berlin, Hangard-Maug und Engelmann
& Graf in Paris.

                   *       *       *       *       *

[Sidenote: Die Buchbinderkunst.]

Dass die Bcherliebhaberei auf die BUCHBINDERKUNST ungemein frdernd
einwirken musste, ist leicht begreiflich. Es entstanden fr die reichen
Privatsammlungen Meisterstcke, die zu hohen Preisen verkauft wurden.
Dieselbe Eigenschaft, die den englischen Bcherdruck auszeichnet: die
Verwendung der vollendeten Technik auf dem vorzglichsten Material,
findet sich in der englischen Buchbindung wieder. Die Behandlung des
Leders, der Pappen, des Schnittes, des, das gute Aufschlagen des
Buches bedingenden Rckens, kurz des ganzen Krpers des Buches ist
eine so beraus sorgfltige, dass man leicht eine mitunter nicht ganz
kunstgerechte Komposition der Ornamentierung bersieht.

[Sidenote: Berhmte Buchbinder.]

Merkwrdig genug ist der Umstand, dass ganz besonders Deutsche zu den
ausgezeichnetsten Meistern in England gehren. Unter den Eingeborenen
war einer der berhmtesten Buchbinder ROGER PAYNE (gestorben 1797),
ein eben so talentvoller, wie in seinem Leben unordentlicher Mann[70].
Als sein Meisterwerk gilt ein Aeschylos im Besitz des Lord Spencer. In
seinen Ornamenten, die er selbst fertigte, wird er mitunter bizarr,
seine Technik bleibt jedoch immer unvergleichlich. Schne Bnde von ihm
wurden mit 400 Mark und mehr bezahlt. Ein Einband von dem Boydellschen
Shakespeare in neun Bnden kostete ber 2500 Mark. Eine zeitlang
arbeitete er zusammen mit RICHARD WIER, auch ein hchst geschickter
Mann, aber eben so unordentlich wie Payne. Die Verbindung artete in
einen oft mit den Fusten ausgekmpften innern Krieg aus. Wiers Frau
war bekannt als unbertroffen in der Restauration alter Bcher. Nchst
Payne wurde CHARLES LEWIS, aus Hannover stammend, gelobt. Seine durch
Harmonie und Eleganz sich auszeichnenden Bnde werden als die grssten
Zierden der Bibliotheken reicher Sammler betrachtet.

  [70] J. A. Arnett, _Bibliopegia_. London 1835.

Der Buchbinder KALTHFER hatte einen solchen Ruf erlangt, dass die
Kaiserin von Russland einen besonderen Abgeordneten sandte, um ihn zu
bewegen, nach Russland zu kommen, was er jedoch, trotz der glnzenden
Bedingungen, ablehnte. In neuester Zeit gilt als erster Meister nicht
nur in England JOSEPH W. ZHNSDORF, ein Bhme von Geburt, der auch durch
Herausgabe von _The Art of Bookbinding_ theoretisch wirkte, ohne damit
ganz den Erwartungen zu entsprechen, die man hegen durfte, wenn ein so
eminenter Praktiker seine Erfahrungen zu Papier bringt.

                   *       *       *       *       *

[Sidenote: _Stationary._]

Die _Stationary_-Artikel, die teils auf typographischem, teils auf
chromolithographischem Wege hergestellt werden, veranlassen ein sehr
bedeutendes Geschft. Die Zahl der Neujahrskarten allein berechnet
man auf mehr als 12 Millionen Stck. Welchen Wert man auf solche
Kleinigkeiten legt, geht daraus hervor, dass ein Fabrikant 14 Prmien,
zusammen von 10000 Mark, fr die besten Zeichnungen bestimmte. Von den
in London von Weihnachten bis Neujahr versandten 8-9 Millionen Couverts
wird bei weitem die grssere Zahl eine Neujahrskarte mit enthalten.
Ebenfalls bedeutend ist der Verkehr in Osterkarten und _Valentines_,
schne, manchmal kostbar ausgestattete Huldigungskarten fr das zarte
Geschlecht, die am St. Valentinstag, den 14. Februar, in grosser Zahl
anonym versandt werden. In der Regel ist der Preis einer solchen Karte
6 Pence bis zu 1 Shilling, es kommen aber auch nicht selten solche vor,
die 10 bis 20 Guineen und mehr kosten.

Da jhrlich 1200 Millionen Briefe versandt werden, so erfordern diese
allein eine enorme Anzahl von Couverts. Diese Fabrikations-Branche
beschftigt gegen 3000 Menschen.

Wie bedeutend der Kalenderdruck in England ist, kann man daraus
beurteilen, dass ein Kalenderdrucker, A. COOKE in Leeds, allein bei
einer einzigen Holzhandlung 1700000 Stbe als Halter fr Kalender in
Bogen bestellte.

Von Spielkarten-Fabriken hat England 18, die etwa 1200000 Pack liefern.

Unter den Firmen, die besonders fr die _Stationers_ arbeiten, sind:
MARCUS WARD, der mit 60 Schnellpressen namentlich Weihnachtskarten und
_Valentines_ nebst illustrierten Kinderbchern druckt; DE LA RUE & CO.,
die in hnlicher und Spielkarten-Fabrikation, so wie mit Herstellung von
Luxuspapieren 1000 Personen beschftigen; CH. GOODALL & SONS, die in
ihren _Camden-works_ mehr als 600 Sorten Spielkarten liefern.

Eins der bedeutendsten _Stationery_-Geschfte in London ist das der
Regierung, von welchem etwa 250 ffentliche Institute ihren Bedarf
beziehen. Der jhrliche Umsatz betrgt etwa 13 Millionen Mark, von
welchen gegen 4 Millionen auf Indien kommen. Dass dabei auch Makulatur
vorkommt, ergiebt der jhrliche Verkauf von solcher zu einem Betrag von
ungefhr 320000 Mark, die einen ursprnglichen Wert von etwa 1600000
Mark reprsentieren.

[Sidenote: Das Papier.]

Da der Konsum von PAPIER ein ausserordentlich grosser ist und billige
Preise verlangt werden, so konnte es nicht anders sein, als dass die
Stoffmischungen der Neuzeit in der Papierfabrikation, welche fr die
Zukunft der Bcher im hchsten Grade gefahrdrohend geworden, auch in
England nicht ohne Verwendung blieben, jedoch wird dort immer noch
am meisten auf ein gutes Papier selbst bei gewhnlichen Arbeiten
gehalten[71]. Die Fabrikation des Maschinenpapiers ist zwar keine
englische Erfindung (vgl. Kap. V), aber, wie die Schnellpresse, kam
auch die Papiermaschine erst in England zur praktischen Geltung,
namentlich durch die Bestrebungen DONKINS. Der Name WHATMAN ist typisch
geworden fr das vorzgliche Bttenpapier, welches bei den Ausgaben
fr Liebhaber verwendet wird. Whatman selbst zog sich vom Geschft
zurck aus Verdruss, weil er seinen Arbeitern nicht denselben Sinn fr
Erreichung der hchsten Ziele einflssen konnte, der ihn selbst beseelte.

  [71] Einen sehr hbschen berblick sowohl ber die zu feineren
       Accidenzarbeiten zur Verwendung kommenden, in Qualitt und
       Frbung oft ganz vorzglichen Papiere, als auch ber die
       englische Art, Accidenzien zu behandeln, giebt das bei Field &
       Tuer in London jhrlich (1882 zum drittenmale) erscheinende _The
       printers international Specimen Exchange in connection with the
       Paper and Printing-Trades-Journal_. Es beruht das Unternehmen,
       das nicht in den Handel kommt, auf einem eigentmlichen
       internationalen Umtausch von Accidenzien. Wer eine solche
       in angegebener Weise ausgestattete in der ntigen Zahl von
       Exemplaren liefert, erhlt ein Exemplar des Buches gegen eine
       mssige Vergtung fr den Einband. Die Ausfhrung ist $meistens$
       technisch gut und zeugt von dem Streben, etwas mit dem Material
       zu machen. Ob Hansard (vgl. S. 16) sich freuen wrde: _that is
       the question_!


                   ASIEN, AUSTRALIEN UND SD-AFRIKA.

An die typographische Geschichte Englands schliesst sich eng diejenige
ASIENS, AUSTRALIENS und SD-AFRIKAS.

In ihren Anfngen lernten wir bereits die Presse in Asien kennen (I, S.
282), sie sollte rasch an Bedeutung gewinnen.

[Sidenote: Indien, Calcutta.]

CALCUTTA, die Hauptstadt Indiens und der wichtigste Sitz des dortigen
Pressgewerbes, erhielt erst im Jahre 1778 durch CHARLES WILKINS,
einen berhmten Sanskritforscher, eine Buchdruckerei mit einer
Schriftgiesserei. Hier wurden neben den Missionsschriften eine Menge
wissenschaftliche und belehrende Schriften in den Landesidiomen,
ausserdem auch englische Bcher und Zeitschriften gedruckt. In dem
naheliegenden SERAMPUR, dem wichtigsten Platz der Baptisten-Mission,
besass Dr. CAREY zu Anfang des Jahrhunderts eine Presse, auf welcher
er 1801 das Neue und bald nachher das Alte Testament druckte. Eine
Schriftgiesserei und eine Papiermhle liessen nicht lange auf sich
warten und eine lebhafte Thtigkeit entwickelte sich, um die heiligen
Schriften in verschiedenen Sprachen der Eingeborenen zu verffentlichen.
Die Offizin brannte zwar 1811 vollstndig nieder, da jedoch
glcklicherweise alle Matern gerettet waren, konnte man bereits nach
Verlauf von kaum einem Jahre wieder heilige Schriften in 18 Sprachen
herausgeben. Ein 1818 gedrucktes Probebuch enthlt das Vaterunser mit 51
verschiedenen Sorten einheimischer Typen gesetzt.

[Sidenote: Benares.]

[Sidenote: Madras.]

BENARES, die heilige Stadt der Hindus am Ganges, wo sich eine
englisch-indische Hochschule zur Ausbildung der Hindus befand, besass
eine, spter sehr thtige, Offizin. In NEGAPATNAM hatte der aufgeklrte
Rajah von Tanjore eine von Europern bediente Presse im Gang. Die
Britische Bibelgesellschaft grndete dort ebenfalls eine Buchdruckerei.
Auch MADRAS, die zweitwichtigste Stadt an der Ostkste, entwickelte seit
1772 eine rege Thtigkeit.

[Sidenote: Bombay.]

Aus dem Hauptorte der Westkste, BOMBAY, finden sich Bcher mit der
Jahreszahl 1792; der Aufschwung der dortigen Presse datiert jedoch erst
von 1813. In COTYM, auf der Malabarkste, versuchte der Missionr BENJ.
BALEY Typen der Landesschrift selbst zu schneiden und zu giessen, um
damit heilige Schriften zu drucken; 1820 kam ihm die Bibelgesellschaft
in Calcutta mit einer ordentlich eingerichteten Buchdruckerei zuhlfe.

Am 18. Mai 1818 erschien die erste Zeitung in einheimischer Sprache
Spiegel von Serampur durch den Missionr MARSHMAN. In demselben Jahre
erhielt Bombay seine Zeitung in der Gujurati-Sprache.

[Sidenote: Die einheimische Presse.]

Der Generalgouverneur von Indien, Marquis Wellesley (1798 bis 1805),
spterer Lord Wellington, war der Presse nicht sehr zugethan; selbst
englische Bcher sah er nicht gern entstehen und gestattete nicht die
Anlegung von Buchdruckereien ausserhalb Calcuttas. Ein grsserer Freund
der Kunst war Wellesleys Nachfolger, der Marquis Hastings, welcher
den Spiegel von Serampur zu einem halbamtlichen Blatte erhob. Auch
Lord Amherst trat der Presse nicht feindlich entgegen, doch verblieb
sie unter sehr strenger Aufsicht. Zur Errichtung einer Buchdruckerei
bedurfte es einer Konzession und zur Begrndung einer Zeitung Stellung
von Kaution. Erst im Jahre 1835 erhielt Indien, hauptschlich durch
die Anstrengungen des Lord Th. Macaulay, den Genuss der Pressfreiheit,
die nun mit Jugendfeuer benutzt wurde. Man griff die Massregeln der
Regierung, namentlich die gegen die Weiberverbrennung gerichteten,
rcksichtslos an.

Die Zahl der Bltter nahm jedoch nicht in dem Masse zu, wie man htte
vermuten sollen, und steigerte sich wesentlich erst nach der Verbreitung
der Lithographie, welche sich mit weit grsserer Leichtigkeit dem
Geschmack des Publikums anschmiegen konnte, als die Typographie. Da
viele des Lesens unkundig sind, so wird das Vorlesen fr grssere
Kreise sehr gebt und auf mndlichem Wege verbreiten sich dann die
neuen Nachrichten schnell. Die Thtigkeit im Buchhandel ist eine sehr
bedeutende und Sanskrit-Werke finden unschwer Verleger.

Nach dem Sipahi-Aufstande 1857 wurden die englischen Behrden zur
Unterdrckung jeder Buchdruckerei ermchtigt und viele der letzteren bei
dieser Gelegenheit auch geschlossen. Noch bis vor kurzem befand sich die
einheimische Presse in strengen Ausnahmezustnden, jetzt ist jedoch eine
nderung eingetreten und der Wunsch der Regierung in London, allen ihren
Unterthanen gleiche Rechte zu gewhren, erfllt. Eine Presskommission
hat alle Verhltnisse der Presse mit der Regierung zu regulieren.

[Sidenote: Die Presse Indiens.]

Von Zeitschriften erscheinen gegen 700, davon der dritte Teil (230) in
Landessprachen. Die Auflagen sind durchweg klein, gewhnlich 350, die
hchste Auflage ist noch nicht 2000. Die Versendung geschieht unter
Kreuzband. Der Abonnementspreis fr Tagesbltter betrgt etwa 40 Mark,
fr Wochenbltter etwa 4 Mark. Die Einfuhr von Papier ist fr das
Mutterland ein wichtiger Gegenstand und erreichte 1879 einen Wert von
ber 2-1/2 Millionen Mark.

In Bengalen haben die einheimischen Bltter einen schweren Stand gegen
die englischen. Mehrere der letzteren sind jedoch in Besitz und unter
geschickter Leitung von Eingeborenen. In den nordwestlichen Distrikten,
zwischen Lucknow und Lahore, erscheinen in der Hindustani- und
Urdusprache gegen einhundert, zumteil sehr gut redigierte Zeitschriften.
Ziemlich eine hnliche Zahl, in der Maharati- und Gujurati-Sprache
geschrieben, werden in Bombay gedruckt. Die tamulische und Telegupresse
in Madras ist nicht von Belang.

Die Bcherproduktion, unter der Fhrung Bengalens, ist eine sehr
bedeutende und erreicht an Zahl fast die Englands. Im Jahre 1878
erschienen 4193 Bcher, davon 576 in europischen, 3148 in einheimischen
Sprachen, 673 in dem klassischen Idiom Indiens. 2495 Schriften waren
originale Neuheiten, 340 bersetzungen, die brigen Bcher neue
Auflagen. Die Theologie erschien mit 1502 Nummern; die Technik mit 961,
die Linguistik mit 612; Biographie, Lnder- und Vlkerkunde, Politik
waren nur usserst sprlich vertreten.

[Sidenote: Ceylon.]

Auf CEYLON gingen aus der bereits vom Freiherrn VON IMHOF gegrndeten
Druckerei (I, S. 288) im Jahre 1771 das Neue Testament in cingalesischer
Sprache und spter manche, zumteil vorzglich ausgestattete
wissenschaftliche Werke hervor. Die Pressthtigkeit in der Hauptstadt
COLOMBO ist jetzt eine bedeutende und die sehr gut geleitete
Regierungsdruckerei beschftigt ber 150 Personen, unter welchen sich
nur zwei Europer befinden. Sie disponiert ber 5 Schnellpressen, 10
Handpressen, 1 Eisenbahn-Billetdruck-Maschine und 5 Liniiermaschinen.

[Sidenote: Hinterindien.]

Nach RANGUHN in Hinterindien, der Hauptstadt von Birma, war bereits
1808 eine Presse gekommen. 1814 erhielt Dr. Carey in Serampur von dem
Kaiser von Birma den Auftrag, in AVA eine Druckerei zu errichten, und
bereits 1822 war das Neue Testament in 29 Sprachen und die ganze Bibel
in 6 Sprachen gedruckt, darunter eine mit beweglichen Typen gesetzte
chinesische Bibel. Noch viele wissenschaftliche Werke entsprangen der
thtigen Presse.

In MALACCA druckte der Missionr MILNE anfnglich nach chinesischer Art.
Spter traf eine europische Druckeinrichtung ein. Das dort errichtete
englisch-chinesische Kollegium, das fr Religion und Wissenschaft gute
Frchte getragen hatte, ward spter nach Singapur verlegt.

[Sidenote: Die Inseln.]

Von den Inseln des Indischen Archipels erhielt JAVA eine, 1823 von
dem Missionr MEDHURST in BATAVIA eingerichtete Offizin, aus welcher
im Jahre 1835 des Genannten Wrterbuch der chinesischen, japanischen
und der Korea-Sprache hervorging. Auf SUMATRA befanden sich um 1820 in
BENKULEN und dem benachbarten FORT MARLBOROUGH Missionspressen.

[Sidenote: China.]

In CHINA war einer der wichtigsten Druckorte MACAO bei Canton.
Dort machte im Jahre 1810 MORRISON Versuche, das Neue Testament
von Holztafeln zu drucken. 1814 wurde ihm von der Ostindischen
Handelsgesellschaft eine vollstndige Druckerei unter der Leitung von
P. THOMS bersandt, doch gelang es erst 1822, das englisch-chinesische
Wrterbuch in 6 Quartbnden zu vollenden. In diesem Jahre erschien auch
die erste Nummer einer portugiesischen Zeitschrift Die chinesische
Biene. Medhursts _Dictionary of the Hok-Kien dialect of the Chinese
language, containing 12000 characters_ konnte erst 1832 ausgegeben
werden. In CANTON selbst wurde ebenfalls sehr viel gedruckt. Die grsste
Buchdruckerei ist die der presbyterianischen Mission in SHANGHAI, mit
der eine Schriftgiesserei verbunden ist. Im Jahre 1868 wurden dort 25
Millionen Seiten gedruckt, 1869 ein illustriertes Neues Testament
und verschiedene Andachtsbcher mit dort angefertigten Abbildungen
in vortrefflichen Galvanos. Hier erschien auch das grosse japanische
Lexikon des Dr. Hepburn in Yokohama. In hohem Grade hemmend ist bei
der Anwendung der europischen Druckmethode die enorme Zahl der Fcher
(gegen 6000) in den Setzksten; jeder Setzer befindet sich frmlich
inmitten eines Amphitheaters von Ksten.

In PEKING erscheint die offizielle Zeitung _King-Pao_, welche die
kaiserlichen Dekrete bringt und deren Geschichte bis an die Dynastie
Tang, d. h. bis an das siebente bis zehnte Jahrhundert n. Chr., reicht.
Jede Nummer bildet ein Heft von 20, wohl auch von 40 Seiten in gelbem
Umschlag. Die Ausstattung ist eine klgliche, der jhrliche Preis
betrgt 27 Mark. Die Offizin befindet sich in dem kaiserlichen Palast.
Seit mehreren Jahren erscheint eine Quintessenz aus der Zeitung in
englischer bersetzung. In HONGKONG wurde die erste gedruckte Zeitung
vor etwa 25 Jahren gegrndet. In SHANGHAI werden zwei grosse chinesische
Zeitungen nach europischem Zuschnitt gedruckt, die nicht allein den
Inhalt der kaiserlichen Zeitung reproduzieren, sondern auch Belehrendes
und Ankndigungen bringen. Die eine, _Shnpao_, vertritt europische
Interessen, die andere, _Sinpao_, ist Organ europafeindlicher
Mandarinen. Die Bltter sind gern gelesen und das eine hat gegen 10000
Abnehmer. berhaupt ist das Publikum sehr wissenslustig und man findet
in Shanghai fast an jeder Thre eifrige Leser.

Eine besondere Bestimmung ber das litterarische Eigentum giebt es in
China nicht, es ist ein Eigentum wie jedes andere und Nachdruck wird mit
100 Stockschlgen und Deportation bestraft.

[Sidenote: Japan.]

In der Hauptstadt von JAPAN, YEDDO (TOKIO), wurde seit 1785 in
europischer Weise gedruckt und entwickelt sich dort eine rege
Thtigkeit. Jedenfalls ist Japan, dieser ferne Kulturposten im Osten,
bestimmt, einen hervorragenden Platz in der Geschichte der Civilisation
einzunehmen. Das Tick-Tack der Typen und das Klappern der Pressen haben
jedenfalls dort grssere Eroberungen gemacht, als alle Flotten der
alten und der neuen Welt mit ihren Kanonen und Soldaten fertiggebracht
haben wrden. Die japanische Druckindustrie ist in fortwhrender
Steigerung begriffen und die Ausber sind fast alle Eingeborene. Noch
vor 15 Jahren hatte Japan kein Journal in einheimischer Sprache,
jetzt zhlen die Journale nach hunderten, unter welchen weder Mode-,
Witz- noch illustrierte und photographische Bltter fehlen. Das
verbreitetste Blatt ist _Yomiri Schimbun_ mit 20000 Exemplaren. Nach
einzelnen Zeitungsnummern gerechnet, erreichte die Produktion jhrlich
33 Millionen, von welchen ungefhr der dritte Teil durch die Post
befrdert wurde. Die Redaktion einer Zeitung ist keine ganz gefahrlose
Beschftigung, denn ein der Regierung missliebiger Artikel hat Haft und
Geldstrafe zur Folge.

Die Produktion von Bchern ist eine ausserordentlich starke. Namentlich
werden englische, deutsche und italienische Wrterbcher, Grammatiken,
Parleure, bersetzungen von astronomischen, nationalkonomischen und
namentlich auch medizinischen Werken gedruckt[72]. Der Buchhandel steht
unter der Aufsicht der Regierung, geniesst jedoch Abgabenfreiheit. Der
Verkauf der Verlagsartikel findet durch Versteigerungen dreimal im Jahre
statt, zu denen die Sortimentshndler oder vielmehr die Bcherverleiher
-- denn das Verleihen ist ein Hauptgeschft -- zustrmen, um die Lcken
ihres Vorrates auszufllen. Es giebt Leihbibliotheken mit 25000 und mehr
Bnden. Die Romane, die sehr gern gelesen werden, sind sehr bndereich.
Eine deutsche Buchhandlung besteht seit 1870 und viele deutsche
Unterrichtsschriften werden nach dort versandt.

  [72] Der Buchhndler Herr W. v. Braumller in Wien erhielt vom Kaiser
       von Japan als Gegengeschenk fr eine, der deutschen medizinischen
       Schule in Tokio bersandte Sammlung der hervorragendsten Artikel
       seines wissenschaftlichen Verlages eine Auswahl von 144 von den
       besten und seltensten japanischen Werken in 1408 Bnden. Herr v.
       Braumller liess ein Verzeichnis davon als _Bibliotheca Japonica_
       drucken. Die Titel sind mit deutscher bersetzung versehen und
       gewhren einen belehrenden Einblick in die Bcherproduktion
       Japans.

Frher liess Japan sein Papiergeld bei Naumann und Dondorf in
Frankfurt a. M. drucken; jetzt besitzt es in Tokio eine Staats- und
Geldpapier-Fabrik. Die Gebulichkeiten, von einem franzsischen
Architekten in Backsteinen aufgefhrt, bestehen in einem grossen
Vordergebude mit zwei Flgeln und in mehreren Hintergebuden. Das
Institut ist mit dem vorzglichsten Material und vortrefflichen
Maschinen, grsstenteils von Knig & Bauer, ausgerstet und arbeitet mit
einem fast ausschliesslich einheimischen Personal, von Mnnern sowohl
als von Frauen.

Die erste mechanische Papierfabrik nach europischer Art wurde 1875
in Tokio eingerichtet. Das Gebude ist aus Ziegelsteinen aufgefhrt,
misst 225 englische Fuss in der Lnge, 106 Fuss in der Breite. Der
Maschinensaal ist 130 Fuss lang, 32 Fuss breit, die Maschine selbst
nach dem System Fourdrinier hat eine Lnge von 76 Fuss. Durch zwei
Zentrifugalpumpen knnen pro Minute bis zu 1600 Gallonen Wasser auf
einen Turm von 26 Fuss Hhe, wo die Wasserreservoirs der Fabrik sich
befinden, hinaufgepumpt werden. Die Beleuchtung geschieht durch
selbstfabriziertes Gas. Es werden seitens der japanesischen Regierung
grosse Anstrengungen gemacht, um den Verkauf des Fabrikats am Londoner
Markt zu frdern, doch findet man es dort zu teuer.

[Sidenote: Australien.]

AUSTRALIEN hat den Englndern die Bekanntschaft mit der Kunst Gutenbergs
zu verdanken. In SIDNEY entstand 1802 die erste Presse, deren Begrnder
ein Creole, GEORGE HOWE, war. Der Durst nach politischen Nachrichten
und ffentlichen Mitteilungen rief 1803 die erste Zeitung hervor,
der bald andere folgten. Die Zgellosigkeit der Presse veranlasste
ein sehr strenges Pressgesetz von 1827, das jedoch spter aufgehoben
wurde. HOBARTTOWN auf VANDIEMENSLAND (Tasmanien) erhielt 1818 eine
Druckwerksttte.

Seit der Zeit haben sich die Verhltnisse sehr gnstig fr die Kunst
in Australien gestaltet. In dem jungen aufblhenden Lande mit einer
energischen, vorwrtsstrebenden Bevlkerung erffneten sich fr die
Zeitungspresse die schnsten Aussichten. Sie ist denn auch in Australien
in einem gewaltigen Vorwrtsschreiten begriffen und Zeitungen wie
_The South Australian Register_ in Adelaide, _Argus_ und _Age_ in
Melbourne, _Morning-Herald_ in Sidney nehmen es mit grossen englischen
und amerikanischen Zeitungen auf, selbst in Bezug auf den Umfang der
telegraphischen Korrespondenz. Jede kleine Stadt besitzt eine Zeitung
oder doch ein Wochenblatt. Bei einer Bevlkerung von nur 2500000
Menschen hatte Australien 478 Zeitungen, davon in der Kolonie Victoria
151, in Neu-Sd-Wales 118, in Sd-Australien 46, in Queensland 48, auf
Neu-Seeland 114, auf Tasmanien 12, in Westaustralien 3. Sie sind fast
alle in englischer Sprache; die deutsche ist fast gar nicht vertreten.
Die Ausstattung der Druckereien daselbst ist eine entsprechende. Die
Setzer sind vorzugsweise Europer, das Lehrlingswesen liegt im Argen.

Die Fabrikation fr die Typographie ist noch in der Kindheit und das
Mutterland hat in Australien einen sehr guten Kunden. Melbourne allein
zahlt fr Typen, Papier und _Stationary_-Artikel jhrlich mehr als
6 Millionen Mark an England, doch schafft jetzt die amerikanische
Konkurrenz, welche fast alle Accidenzschriften liefert, diesem einen
schweren Stand.

[Sidenote: Die Inseln der Sdsee.]

Nach den GESELLSCHAFTS-INSELN brachten die Missionre 1818 die Kunst.
Von einer auf der Missionspresse gedruckten Bibel wurden 3000 Exemplare
in wenigen Tagen verkauft. Der Preis fr ein Exemplar war ein Quantum
von etwa zehn Kannen Kokosl.

Auf den SANDWICHS-INSELN wird in der Hauptstadt HONOLULU seit 1821
gedruckt und 1835 erschien eine Zeitung. Der Knig gab dazu seine
Erlaubnis mit den folgenden Worten: Ich gebe meine Einwilligung, denn
es freut mich, die Werke anderer Lnder kennen zu lernen, sowie Dinge zu
hren, die neu sind und die ich gern sehen mchte, wenn ich dort wre.
Ich habe zu dem Minister gesagt: Mache Druckerpressen. Mein Gedanke
ist zu Ende. Knig Kanegeaguli. Auch der Knig Kalakaua war Redacteur
und fleissiger Leitartikelschreiber. -- Die FIDSCHI-INSELN haben vier
Druckereien.

                   *       *       *       *       *

[Sidenote: Afrika.]

Der Norden AFRIKAS wird weiter unten (Romanische Gruppe) Erwhnung
finden.

ber die frhzeitige Verbreitung der Buchdruckerkunst durch die
Portugiesen in Abessinien und auf der Westkste von Afrika liegen keine
begrndeten historischen Nachrichten vor. Erwiesen ist nur, dass im
Jahre 1583 auf der Insel TERCEIRA gedruckt und zwar sehr gut gedruckt
wurde.

In FREETOWN auf der Westkste grndeten Missionre Schulen und
Druckereien. Die Insel ST. HELENA erhielt aus Veranlassung der
Gefangenschaft Napoleons eine Buchdruckerei.

In der seit 1806 den Englndern gehrenden Kapkolonie blhte die Presse
bald empor. Die erste eigentliche Zeitung erschien 1824. Seit 1830
werden auch im Innern des Landes Zeitungen gedruckt. Der Zeitungsstempel
wurde 1848 abgeschafft. 1854 wurde die erste mit Dampf betriebene
Schnellpresse aufgestellt und 1860 hatte die Kolonie 29 periodische
Schriften. Bereits damals beschftigte die vorzgliche Druckerei von
SAUL SALOMON & CO. ber 100 Arbeiter und zwei Dampfschnellpressen
und lieferte auch eine grosse Zahl von Accidenzarbeiten in bester
Ausfhrung. 1880 war die Zahl der Zeitungen 52, von denen 43 in
englischer, 6 in hollndischer Sprache, 3 in beiden Sprachen zugleich
erschienen.

Recht frhlich gedieh die Kunst auf MADAGASCAR. Knig Radma I.
(gestorben 1828) war ein aufgeklrter Mann und Freund des Christentums
und der Presse, welche von Missionren in den zwanziger Jahren
eingefhrt wurde. Diese brachten erst die Sprache der Eingeborenen
in ein orthographisches System, um dieselbe geschrieben und gedruckt
wiedergeben zu knnen. In der Hauptstadt ANTANANARIVO wurden sechs
periodische Schriften herausgegeben, darunter die Monatshefte Gute
Worte in einer Auflage von 3000 Exemplaren und das halbmonatlich
erscheinende Blatt Reis mit Honig gemischt.

[Illustration]


[Illustration]

                              IV. KAPITEL.

           DIE TYPOGRAPHIE UND DAS BUCHGEWERBE NORDAMERIKAS.

  WACHSTUM DER PRESSE. DIE ZEITUNGEN: Statistisches, der _Herald_, Horace
    Greeley und die _Tribune_, G. Childs und der _Ledger_, die Familie
    Harper, Frank Leslie und die illustrierte Presse. Die
    Holzschneidekunst. DIE BUCHDRUCKEREI UND DER BUCHHANDEL: die
    Staatsdruckerei und der Accidenzdruck, Organisation des Buchhandels.
    Grosse Druck- und Verlagsfirmen: Appleton, Lippincott, Houghton u.
    a., Einfluss des deutschen Elements, Nachdruck deutscher Werke,
    deutsche Buchhandlungen und Zeitungen. DAS PAPIER.

[Sidenote: Steigende Macht der Presse.]

Nachdem Amerika seine Unabhngigkeit erkmpft hatte, stieg die Macht
seiner Presse in rapider Weise. Es war natrlich, dass von einem
Zustand gemtreicher litterarischer Beschaulichkeit noch keine Rede
sein konnte und dass sich die geistigen Krfte der Besten des Volkes
fast ausschliesslich dem praktischen und dem politischen Leben zuwenden
mussten. Die litterarischen Bedrfnisse liessen sich leicht und
billig durch den Nachdruck der geistigen Erzeugnisse des Mutterlandes
befriedigen und der Nachdruck war ja nicht verboten, also eine ehrliche,
ja lobenswerte Sache.

[Sidenote: Die Zeitungen.]

Vor allem hatte man ZEITUNGEN ntig; auf diese konzentrierten sich
deshalb die Gedanken und Plne der Verleger, der Buchdrucker, der
Schriftgiesser und der Maschinenbauer und bald zeigte sich ein an das
Wunderbare grenzender Aufschwung dieses Zweiges des Buchgewerbes.

Im Jahre 1776 hatte New-York nur 4 Zeitungen, Massachusetts 7,
Pennsylvanien gar keine aufzuweisen. Zur Zeit der _Centennial_-Feier
und der Weltausstellung zu Philadelphia im Jahre 1876 erschienen in
New-York 1088, in Massachusetts 346, in Pennsylvanien 738 Zeitschriften.
Heute betrgt die Gesamtzahl der periodischen Schriften Nordamerikas
11418, darunter tglich erscheinende Bltter 982, Wochenbltter 8725.
Von der Gesamtzahl liefert New-York 1412, Illinois 1032, Missouri
531. Illustrierte Bltter giebt es 512, Zeitschriften religisen
Inhalts 572. In englischer Sprache wurden 10619 Bltter gedruckt, 605
in deutscher, 35 in franzsischer, 37 in schwedischer und dnischer
Sprache. Beschftigung finden bei der Herstellung 72000 Menschen mit
einem Lohnaufwande von 115 Millionen Mark. Der Brutto-Ertrag wird auf
370 Millionen Mark geschtzt. Die tgliche Zirkulation der Tagesbltter
ist auf 3637000 Nummern -- dieselbe ungefhr, die England mit seinen
135 Blttern erzielt -- berechnet, die einmalige der Wochenbltter auf
19450000, die Gesamtsumme aller Zeitungen und Zeitschriften jhrlich auf
2077650675 Nummern[73].

  [73] E. STEIGER, _The periodical litterature of the United States_.
       New-York 1873. -- G. P. ROWELL, _The man who advertise_. New-York
       1870. -- A. MAVERIK, _H. J. Raymond and the New-York Press_.
       Hartford, U. S., 1870. -- M. CUCHEVAL-CLAVIGNY, _Histoire de
       la Presse en Angleterre et aux tats Unis_. Paris 1857. -- Die
       Angaben ber den heutigen Bestand sind von einem erfahrenen
       Verleger Amerikas, M. North.

Es hat sich jemand die Mhe gegeben, auszurechnen, dass mit einem
Grtel an einander gereihter Bogen eines Jahrganges der amerikanischen
Zeitungen die Erde sich 47mal umwickeln lasse und dass der
Papierstreifen fnf Meilen lnger sein wrde, als die Entfernung
der Erde von dem Monde. Ein anderer giebt an, dass zu einer Nummer
smtlicher Zeitschriften Nordamerikas 5000000 Pfund Schriften oder etwa
3 Milliarden Typen gehren. Kontrolliert haben wir die Rechnungen nicht.

Befinden sich unter den Zeitungen auch manche unbedeutende, die nur
dazu dienen, die Zahl auszufllen, so begegnen uns andererseits viele
riesenhafte Unternehmungen, mit denen in Europa ausser den _Times_ nur
noch einige wenige sich messen knnen. Das New-Yorker Zeitungsviertel
umschliesst die Prachtgebude der Journale: New-Yorker Staatszeitung,
_Daily News_, _Star_, _Sun_, _Tribune_, _Times_, _Observer_, _World_,
_Evening Mail_, _Evening Telegraph_, _Herald_, dazu den grossartigen
Bau des Zentral-Telegraphenamtes, die kolossalen Offizinen von _Harper
Brothers_ u. a. Mit diesem bibliopolisch-typographischen Viertel kann
sich selbst _Fleet-Street_, _Paternoster-Row_ und Umgebung in London
nicht messen.

[Sidenote: _Der Herald._]

Das grossartigste Zeitungs-Institut ist wohl das des _New-York
Herald_. Die Herausgeber haben sich die Mhe gegeben, eine Nummer des
_Herald_ mit der korrespondierenden Nummer der englischen _Times_
zusammenzustellen. Jede enthlt 120 Spalten; unter diesen hatte der
_Herald_ 80 Inseratenspalten mit 3061 Anzeigen, _Times_ 73 Spalten mit
1846 Annoncen. Dem Stoff nach enthlt die _Herald_-Nummer auf 31350
Zeilen mit etwa 2800000 Typenstcken den ungefhren Stoff von fnf
gewhnlichen Romanbnden. Die Ausgaben fr einzelne Telegramme sind
enorm und waren es frher noch mehr, als zehn Wrter 400 Mark kosteten.
Whrend des englisch-abessinischen Krieges musste die englische
Regierung ihre Nachrichten aus dem Privatbureau des _Herald_ holen, denn
dieser empfing seine Telegramme so zeitig, dass die englischen Bltter
die aus New-York zurcktelegraphierten Nachrichten als ihre neuesten
Nachrichten bringen mussten. Zur Zeit des deutsch-franzsischen Krieges
hatte die _Tribune_ den _Herald_ berholt. Erstere brachte mit einem
Kostenaufwand von 3000 Dollars das erste, spaltenlange Telegramm ber
den Kampf bei Gravelotte, das schon Tage lang in New-York gelesen war,
als man in Berlin sich noch immer mit dem bekannten kurzen Telegramm
aus dem Hauptquartier begngen musste. Das machte die _Tribune_ whrend
des Krieges sehr populr. Als Trumpf hiergegen spielte nun der _Herald_
die sehr kostspielige afrikanische Expedition Stanleys zum Aufsuchen
Livingstones aus.

[Sidenote: H. Greeley * 3. Febr. 1811, [+] 29. Nov. 1872.]

berhaupt erreichte die von HORACE GREELEY im Verein mit gleichgesinnten
Mitarbeitern 1841 gegrndete _Tribune_[74] eine hohe Bedeutung. Horace
Greeley war Sohn eines armen Bauers in Amhorst. Er half seinem Vater
beim Holzfllen; jedoch seine Liebe zu den Bchern erweckte den Wunsch
in ihm, Setzer zu werden. Er kam auch in die Lehre nach Pultney, was
er jedoch dort lernen konnte, war bald gelernt. Nach verschiedenen
bsen Erfahrungen kam er am 18. August 1831 nach New-York mit zehn
Dollars in der Tasche. Trotz seiner Tchtigkeit ward es ihm sehr
schwer, eine Stelle zu finden. Man traute ihm nichts ordentliches zu,
namentlich weil er gar zu wenig auf sein usseres gab. Endlich fand er
in einer Druckerei Stellung. Es wurde ihm die schwerste Aufgabe, der
Satz eines polyglotten Neuen Testaments, aufgetragen. Die Arbeit fiel
vortrefflich aus und Greeley war bei derselben mit solchem Fleiss, dass
er in Misskredit bei seinen von ihm ausgestochenen Kollegen kam. Ein
Dr. Steppard, ein Mann mit vielen Kenntnissen, aber ganz ohne Vermgen,
wnschte Teilnehmer fr ein Blatt, die Morgenpost, und veranlasste
Greeley und den Faktor der Druckerei, Story, solche zu werden. Das
Blatt schlug fehl, jedoch die angefangene Druckerei kam vorwrts; Story
starb und Greeley nahm einen anderen Associ, Winchester. Auch eine
zweite Zeitschrift, der New-Yorker, an dem Greeley gearbeitet hatte,
ging ein. Dieser, der demnach Schriftsteller geworden war, grndete nun
selbst 1841 die _Tribune_. Die Anfnge waren klein. Greeley war die
Seele des Ganzen, bald am Redaktionstisch schreibend, bald am Setzkasten
zugreifend, dann, wenn ntig, bei der Presse Hand anlegend. Das Blatt
gewann rasch einen grossen Aufschwung und die etwa zwanzig Grnder, die
mit ihrer Arbeit -- denn ber ein anderes Kapital hatten sie nicht zu
verfgen gehabt -- beteiligt waren, wurden wohlhabende Leute. Ausser der
Tagesausgabe druckte man eine halbwchentliche und eine wchentliche,
zusammen in ungefhr 100000 Exemplaren. Horace Greeley schlug standhaft
die bernahme der ehrenvollsten, selbst Gesandten-Posten, aus und
meinte, wenn ein Journalist auf seinem Posten ist, dann kann er in
einem Lande mit einer freien Presse mehr leisten, als alle Gesandte
zusammen[75]. Die Setzer der Vereinigten Staaten wollten ihm zuerst ein
aus Typen gegossenes Monument setzen, errichteten ihm jedoch spter auf
dem Greenwood-Friedhofe in Brooklyn ein Denkmal, bestehend in einer
Bronce-Kolossalbste. Die vier Seiten des Sockels sind mit Reliefs
geschmckt.

  [74] Die Offizin ist abgebildet im Journ. f. B. 1876, Nr. 6.

  [75] JAMES PARTON, _The life of Horace Greeley_. New-York 1855.

[Sidenote: G. W. Childs.]

Bedeutenden Einfluss bte auch _The Public Ledger_ GEORGE W. CHILDS'.
Dieser, in Baltimore geboren, kam als vierzehnjhriger Bursche nach
New-York in eine kleine Buchhandlung, erwarb sich durch grssten Fleiss,
verbunden mit Sparsamkeit, einige hundert Dollars und fing mit diesen
in einem Winkel des Gebudes des _Public Ledger_ ein kleines Geschft
an, jedoch mit dem Vorsatz: das muss alles einmal mir gehren. Childs
wurde Teilhaber einer respektablen Buchhndlerfirma R. E. Peterson &
Co., in der, unter seiner Beteiligung, viele bedeutende Werke erschienen.

Inzwischen war es mit dem angesehenen _Ledger_ rckwrtsgegangen. Es
bestand als _Penny_-Blatt seit dem Jahre 1816 und die Unternehmer hatten
nicht den Mut, diesen Preis zu erhhen, obwohl er unter den indes
eingetretenen Valuta-Verhltnissen ein vllig unhaltbarer geworden war.
Trotz der grossen Verbreitung und der massenhaften Inserate verlor
man, wovon das Publikum jedoch keine Ahnung hatte, jhrlich an 150000
Dollars. Unter diesen Verhltnissen kaufte Childs das Blatt fr eine
Summe, welche die eines Jahresausfalles wenig berschritt, stellte
den Preis auf zwei Pence und erhhte entsprechend den Inseratenpreis.
Anfnglich grosser Krach in der Zahl der Abonnenten, dann aber das
Gefhl bei denselben, den alten bewhrten Freund nicht entbehren zu
knnen, und die Sache ging wieder vorwrts. Nun war Childs ein gemachter
Mann und der _Ledger_[76] eine grosse Macht, von der jedoch der Besitzer
immer nur den edelsten Gebrauch gemacht hat. Er begriff, dass der Mann,
welcher eine Druckerpresse besitzt und die Feder fhrt, ebensowenig das
Recht hat, Schmhnachrichten zu verbreiten oder die Ehre eines anderen
anzutasten, als derjenige, der eine Uniform und ein Schwert trgt,
befugt ist, nach Belieben zu tdten oder zu verwunden, um seinen Launen
oder boshaften Gesinnungen zu frhnen. Sogar ber die Anzeigen wachte
er und hatte den Mut, von dem Prinzip abzugehen, wonach der Herausgeber
eines Blattes nicht die Verantwortlichkeit, wennauch nur die moralische,
fr die Anzeigen zu tragen habe. Dass er mit diesem Prinzip zugleich
auf grosse Einnahmen verzichtete, ist leicht zu begreifen. Childs
sorgte auch stets in grossartigster Weise fr die Gesundheit und das
Wohlbefinden seiner Mitarbeiter.

  [76] EUGEN MUNDAY, _Historical sketch of the public Ledger_.
       Philadelphia 1870. -- JAMES PARTON, George W. Childs.
       Philadelphia 1870. -- Die Offizin ist abgebildet im Journ. f. B.
       1876, Nr. 4.

Es ist nicht mglich, die bedeutenden Zeitungsanstalten alle nher
zu charakterisieren und ihre Offizinen ausfhrlich zu beschreiben,
die auch im Westen grossartige Dimensionen angenommen haben, so z. B.
die Offizin der _Chicago Times_, die in einem aus weissen Sandsteinen
erbauten, palasthnlichen Eckgebude mit zwei Fronten von je 80 Fuss
ein Erdgeschoss und fnf Stockwerke einnimmt. berhaupt wrden solche
usserlichkeiten an und fr sich keine Bedeutung fr die Geschichte der
Buchdruckerkunst haben, wenn sie nicht mit als Beweis dienten, welche
kolossale Ausdehnung und hohe Macht die Zeitungspresse besitzt, die doch
immer nur ein Teil der Gesamtpresse ist.

Auch unter den Wochenblttern erheben einige stolz ihre Hupter ber
das Gewhnliche. Unter den Verlegern und Druckern, die sich um diese
Litteratur, doch nicht nur um diese, verdient gemacht haben, steht die
Familie HARPER obenan[77].

  [77] JAC. ABOTT, _The Harper Establishment_. New-York 1855.

[Sidenote: John Harper * 22. Jan. 1797, [+] 22. April 1875.]

Der Grnder derselben, JOHN HARPER, stammt aus Newtown (Rhode Island).
Sein Bruder JAMES und er waren in New-York in einer Buchdruckerei
beschftigt und zhlten mit zu den tchtigsten Arbeitern, James als
Drucker, John als Setzer. Im Jahre 1817 grndeten die Brder eine kleine
Buchdruckerei unter der Firma J. & J. HARPER. Durch Promptheit erwarben
sie sich einen guten Ruf und ihre eigenen Verlagsunternehmungen wurden
mit Vertrauen empfangen. 1833 gesellten sich noch zwei Brder, JOSEPH
WESLEY HARPER und FLETCHER HARPER, als Teilnehmer dazu und die Firma
wurde _Harper Brothers_. Die vier Brder waren alle sehr verschiedenen
Charakters, ergnzten sich jedoch ganz vortrefflich. Frug man: wer ist
Harper? und wer sind die Brder? so konnte man nur antworten: irgend
einer derselben ist Mr. Harper und die anderen sind die Brder. Gerade
in diesem innigen Zusammenwirken lag das Geheimnis ihrer Erfolge. Im
Jahre 1850 begannen sie _Harpers Monthly_, dessen Aufnahme eine so
ausserordentlich gnstige war, dass sie 1857 _Harpers Weekly_ und 1867
_Harpers Bazar_ folgen liessen.

[Sidenote: Harpers neues Etablissement.]

Jeder der Brder hatte sein besonderes Departement, welches er
selbstndig leitete. Das der Finanzen gehrte John, zugleich die
Besorgung der Erwerbungen an Material und Maschinen. Er war ein
Mann von bestimmtem Charakter, rasch im Entschliessen, fest in der
Durchfhrung der Entschlsse, in allen Verhltnissen ein Gentleman, bei
aller Lebhaftigkeit stets ruhig und besonnen, nie in Unruhe oder Hast.

[Sidenote: Brand des Etablissements.]

Als das grosse Harpersche Etablissement in _Franklin-square_ 1853 ein
Raub der Flammen wurde, stand John mit seinen Brdern ruhig unter
der aufgeregten Menschenmasse und beobachtete das Fortschreiten des
verheerenden Elements. Seine Uhr aus der Tasche ziehend bemerkte er
gegen die Brder, dass es jetzt Essenszeit sei; es wre wohl das beste,
man kme nach dem Essen zu ihm, dort knne man ruhig berlegen, was
zu thun! Die Brder fanden sich ein und sassen schweigend in Gedanken
vertieft. Da ergriff John das Wort: Unser Geschft ist zu wertvoll, um
es fallen zu lassen oder um es in andere Hnde zu geben. Wir haben alle
Shne; sie haben uns geholfen und sind nun bald imstande, unsere Pltze
einzunehmen. Wir wollen ihnen das Geschft weiter fhren und ihnen
zeigen, dass wir noch keine alten Schlafmtzen sind.

Und so wards beschlossen. Noch an demselben Abend begann John die
Plne fr den Neubau zu entwerfen. Die Zeichnungen von allen den
inneren Rumlichkeiten und Einrichtungen wurden unter Bercksichtigung
der mannigfachen Bedrfnisse des Geschfts in allen Details von John
gemacht und dann dem Architekten bergeben, dem es berlassen wurde,
das ussere dem Innern anzupassen. Durch Schaden klug geworden,
liess man alles aus Stein oder Eisen auffhren. Jedes Stockwerk ist
fr sich ganz abgeschlossen und die Kommunikation mit den beiden
Geschftshusern nur durch die, in einem freistehenden Turm, von welchem
aus Verbindungsbrcken nach jedem Stocke der beiden Geschftsgebude
fhren, befindliche Treppe unterhalten. Es drfte dieses Etablissement
jetzt eines der eigentmlichsten, zugleich eine der am besten gegen
Feuersgefahr gesicherten Druckereien der Welt sein. Ein eigentmlicher
Zug von John Harper war es, dass er, obwohl er tglich von 9-3 Uhr im
Comptoir arbeitete, die nach seiner eigenen Angabe gebauten Lokalitten,
mit Ausnahme des Maschinenraumes, nie betrat. Was in sein Departement
nicht gehrte, berliess er ganz und gar seinen Brdern, Shnen und
Neffen. Der Bruder James starb 1869, Wesley 1870, John selbst 1875 am
22. April, nur sein Bruder Fletcher berlebte ihn. Bis zum Jahre 1878
hatten Harpers 3291 Werke in ber 4000 Bnden herausgegeben.

[Sidenote: K. Scribner.]

Wennauch _Harpers Monthly_ die grsste Auflage von allen Monatsschriften
hat -- 160000 Exemplare --, so kommt ihm doch das von KARL SCRIBNER
gegrndete _Scribners Monthly_, das jetzt den Titel _The Century_
angenommen hat, nahe. Der materielle Wert eines solchen Unternehmens
ist ein sehr bedeutender; so erhielten die Shne Scribners fr ihren
40prozentigen Anteil die Summe von mehr als 1100000 Mark, wonach also
das ganze Unternehmen den Wert von gegen 3 Millionen Mark reprsentierte.

[Sidenote: Frank Leslie * 1821, [+] 1. Jan. 1880.]

Unter den Herausgebern illustrierter Bltter ist FRANK LESLIE besonders
zu erwhnen. Sein eigentlicher Name war Henry Carter. Erst Holzschneider
und Vorsteher der xylographischen Anstalt der _Illustrated London
News_, ging er im Jahre 1848 nach Amerika und unternahm die _Gazette
of Fashion_, dann den _Chimney Corner_ und das _Ladys Magazine_. Am
14. Dezember 1855 erschien _Frank Leslies Illustrated Newspaper_. Zwar
erwarb er sich damit ein sehr grosses Vermgen; bei seiner excessiven
Freigebigkeit berstiegen jedoch seine Ausgaben die Einnahmen und er
musste 1877 sein Geschft an J. W. ENGLAND abtreten, wirkte aber fr
dasselbe fort. Leslie war der erste, welcher die grossen Holzplatten mit
den darauf sich befindenden Zeichnungen in viele Stcke zersgen liess,
um sie nach Vollendung des Schnittes, der nun gleichzeitig von einer
grossen Zahl von Holzschneidern, also sehr schnell, gearbeitet werden
konnte, wieder zusammen zu leimen oder durch Rahmen zusammen zu pressen.

[Sidenote: Georg Putnam * 21. Febr. 1814, [+] 20. Dez. 1872.]

Auch GEORG PALMER PUTNAM erwarb sich einen bedeutenden Namen als
Journal-Herausgeber. 1840 grndete er die Firma WILEY & PUTNAM. In
London legte er eine Filiale an, weilte dort sieben Jahre und gab von
1843 ab _The American Bookseller_ heraus. Putnam war der erste, der
regelmssig Bcher nach England exportierte und umgekehrt von dort
importierte. Nach seiner Rckkehr nach New-York wurde 1852 _Putnams
Magazine_ gegrndet, welches damals in Nordamerika einzig in seiner Art
dastand.

[Sidenote: The Daily Graphic.]

Amerika hat auch zu einer tglich erscheinenden illustrierten Zeitung
den ersten Anlauf genommen. Seit 1873 erscheint in New-York _The
Daily Graphic_; jede Nummer mit etwa zwanzig grsseren oder kleineren
Illustrationen. Bei einem usserst mssigen Preis sind Druck und Papier
sehr gut. Da jedoch die Bilder -- Hochtzungen von verschiedenem Wert
-- in der Mehrzahl den unterhaltenden Teil illustrieren, also im voraus
fertiggestellt werden knnen, so ist das Problem einer wirklichen
illustrierten Tageszeitung noch nicht als voll gelst zu betrachten.

Die Summe, welche die Inserierenden an die Zeitungs-Herausgeber zu
zahlen haben, wird auf 120 Millionen Mark geschtzt. Von _The Sun_
wurde neulich eine der 350 Aktien billig fr 18000 Mark verkauft, das
gbe nahe an sechs und eine halbe Million Mark. Der Redakteur A. Dana
bezieht als Salair und Tantime jhrlich etwa 300000 Mark. Hiernach kann
man sich eine Vorstellung machen von dem enormen pekuniren Wert der
amerikanischen Zeitungen.

                   *       *       *       *       *

[Sidenote: Xylographie.]

[Sidenote: Alex. Anderson * 21. April 1775, [+] 17. Jan. 1870.]

Der Schpfer der amerikanischen HOLZSCHNEIDEKUNST war ALEXANDER
ANDERSON. Bereits als Schulknabe schnitt er mit einem Handmesser kleine
Vignetten in Schriftmetall und verkaufte sie an Zeitungs-Herausgeber.
Spter whlte er die Medizin als Brotstudium; jedoch die Liebe zur Kunst
behielt die Oberhand bei ihm, und als er erfuhr, dass Bewick in London
in Buchsbaum schnitt, hing er die Medizin an den Nagel und wurde der
erste Holzschneider in Amerika. Seine letzte Arbeit in Metall war das
Abendmahl nach Holbein fr eine Bibel in Quart. Bis in sein 94. Jahr
arbeitete er unverdrossen. Whrend Amerika 1840 nur etwa 40 Xylographen
hatte, betrug die Zahl bei Andersons Tod bereits ber 400.

[Sidenote: J. Adams.]

Um den Druck der Holzschnitte, zugleich um diese selbst und die
galvanische Vervielfltigung derselben hat J. ADAMS wesentliche
Verdienste. Nach vielen vergeblichen Versuchen gelang es ihm, mit
Harpers ein bereinkommen betreffs des Verlages und Druckes einer
illustrierten Bibel abzuschliessen, wobei er die Bedingung gestellt
hatte, dass der Druck vollstndig nach seiner Angabe geschehe. Mit
unermdlicher Sorgfalt wendete er das noch nicht bekannte Verfahren
des Unterlegens an und nach vierzehntgiger Arbeit an der Adamsschen
Tiegeldruckpresse, whrend deren er vieles von den ber ihn spottenden
Druckern und der Bedenklichkeit der Verleger zu leiden hatte, leistete
er zum Staunen der ersteren und zur Genugthuung der letzteren mit dem
ersten Bogen einen Druck, wie man ihn noch nicht kannte. Das Publikum
lohnte der Verleger Opferwilligkeit durch Abnahme von 50000 Exemplaren.

[Sidenote: Die Regierungsdruckerei.]

Unter den Druckanstalten Amerikas sowohl als unter den Staatsdruckereien
anderer Lnder nimmt die REGIERUNGSDRUCKEREI[78] der Vereinigten Staaten
einen achtunggebietenden Standpunkt ein.

  [78] Journ. f. B. 1881, Nr. 22. -- Ann. d. Typ. II, Nr. 92.

Zuerst wurden die Staatsarbeiten an die, von beiden Husern gewhlten
Privatdruckereien vergeben, mit denen man auf Grund bestimmter Preise
kontrahierte. Spter beliebte man den Zuschlag an den Mindestfordernden,
dann wurde zu einer Anstalt geschritten, deren Direktor der Prsident
erwhlt. Die 1861 bezogenen Rumlichkeiten sind spter bedeutend
erweitert worden.

Vor der Rebellion der Sdstaaten gengten 23, grsstenteils Adamssche,
Schnellpressen. Durch 4 Accidenzpressen und einige Liniiermaschinen
wurden die kleineren Arbeiten erledigt. Whrend des Aufstandes ntigte
jedoch der Bedarf des Kriegs- und Marinedepartements zur Verstrkung der
Krfte. Obwohl von Liniiermaschinen allein 16 fortwhrend beschftigt
waren, mussten manche Arbeiten Privaten bertragen werden. Nachdem
jedoch der Kongress bestimmt hatte, dass alle Regierungsarbeiten in
der Staatsdruckerei besorgt werden sollten, waren grosse Erweiterungen
vorzunehmen.

Das Druckhaus ist ein vierstckiges, nicht besonders schnes, jedoch
gut belichtetes und zweckmssig eingerichtetes Gebude von 300 Fuss
Lnge und 60-70 Fuss Breite. Der Druckersaal nimmt die ganze Tiefe und
270 Fuss Lnge ein. Die Zahl der Schnellpressen betrgt 63, die der
Arbeiter 1200. Die Jahresausgabe fr Lhne und Material wird auf etwa 9
Millionen Mark veranschlagt. Die Arbeiten sind in drei Klassen geteilt:
Staatsakten, gerichtliche und laufende Arbeiten. Die in der Anstalt
gedruckten Werke haben oft einen grossen Umfang, so umfasst das Werk
ber den Secessionskrieg 96 Bnde in Grossoktav. Oft ist rasende Eile
notwendig; so wurden die Berichte der Halifax-Fischerei-Kommission 480
Seiten in Oktav in 48 Stunden gesetzt, korrigiert, gedruckt, gebunden
und dem Kongress bergeben. Der jhrliche landwirtschaftliche Bericht
ist ein Band von 800 Oktavseiten und wird in 225000 Exemplaren gedruckt.

[Sidenote: Banknotendruck.]

Der BANKNOTENDRUCK unterlag durch JAKOB PERKINS, der die Herstellung von
Stahlplatten einfhrte, einer bedeutenden Umnderung und Verbesserung.
1818 ging Perkins nach London und arbeitete dort mit dem vorzglichen
Graveur Heath zusammen. Mehrere Sicherheitsmassregeln wurden erfunden,
namentlich das Hineinarbeiten von Fden oder Haaren in das Papier.
Die Noten sind, dem Geschmack der Amerikaner gemss, recht bunt und
enthalten vollstndige Bilder, ja sogar Schlachtenscenen, in Stahlstich.
Sie werden in dem _Bureau of Engraving and Printing_, einer Abteilung
des Schatzamtes, und bei der _American Banknote Company_ ausgefhrt.

Die Postkarten liefert laut Vertrag die _American Phototype Company_
in Holyoke. Der Bogen enthlt 40 Postkarten. Die Pressen sind mit
verschlossenen Zhlapparaten versehen, zu welchen nur Regierungsbeamte
den Schlssel haben. Zirkularschneidemaschinen teilen den Bogen viermal
der Lnge nach, die Lngenschnitte werden wieder zehnmal der Quere nach
geschnitten. Tglich wird durchschnittlich 1 Million Stck geliefert,
die Produktion kann aber auf 1700000 gesteigert werden.

Dass die Versendung von Drucksachen durch die Post eine sehr grosse ist,
begreift sich leicht; sie betrgt neben 1100-1200 Millionen Briefen
jhrlich gegen 750 Millionen Zeitungsnummern und mehr als 300 Millionen
andere Drucksachen.

[Sidenote: Accidenzdruck.]

[Sidenote: O. H. Harpel * 8. Juni 1828, [+] 20. Nov. 1881.]

Der ACCIDENZDRUCK setzt in einem Geschftslande, wie es Amerika ist,
enorme Summen in Zirkulation. Nach Einfhrung der Tretmaschinen ist ein
grosser Teil der Arbeiten in die Hnde der _Stationer_ (Trittmller)
bergegangen. Bei der Sucht, auffllig zu sein, laufen allerdings manche
sonderbare Erzeugnisse unter den Accidenzen mit unter, aber vieles ist
auch ausserordentlich schn. Unter den Accidenzdruckern, speziell unter
den Farbendruckern, steht W. J. KELLY in hohem Ansehen. Als Herausgeber
einer Fachzeitschrift, _The Model Printer_, macht er zugleich seine
Arbeiten der Allgemeinheit der Buchdrucker nutzbar. Einen wrdigen
Konkurrenten hat er in J. F. EARHART in Columbus. Auch OSCAR H. HARPEL
in Cincinnati, der den glcklichen Gedanken hatte, etwa 700 von ihm in
der Praxis ausgefhrte Accidenzen in einem Band _Harpels Typograph_ zu
sammeln, genoss eines verdienten Ansehens. Ausser seinem praktischen
Musterbuch gab er ein mit grossen Kosten verbundenes Werk heraus: _Poets
and Poetry of Printerdom_. Harpel war eine der ideal angelegten Naturen,
die in ihrem Streben nach Vollkommenheit nicht genug das Praktische
bercksichtigen, und er erzielte deshalb nicht die Vorteile, die ihm
auf Grund seiner Tchtigkeit und Liebe zur Kunst sehr zu gnnen gewesen
wren.

Als Beispiel, welche Summen auf Accidenzarbeiten verwendet werden, sei
angefhrt, dass ein Kurzwaren-Geschft in New-Haven fr 2000 Exemplare
eines Muster-Katalogs gegen 350000 Mark verausgabte. Der Folioband von
290 Seiten mit etwa 700 in der wirklichen Grsse und in den natrlichen
Farben ausgefhrten Abbildungen kostet allein zu binden 65 Mark fr
jedes Exemplar. Dabei bersandten die Besteller nach Vollendung des
Bandes dem Drucker mit einem sehr verbindlichen Schreiben ein usserst
kostbares Chronometer, ein Zeichen der Anerkennung, wie sie im
Geschftsleben wohl nicht gar zu oft vorkommt.

Die Durchschnittsqualitt des Buchdruckes ist eine gute. Man fabriziert
in Amerika weniger fr besondere Klassen von Lesern, es fehlt deshalb
in der Regel einerseits das hchste Raffinement, andererseits ein
ungeniertes Sichgehenlassen. Die Schulbcher sind, was nicht genug
gelobt werden kann, fast ausnahmslos vortrefflich ausgestattet. Druckt
man einmal wirkliche Prachtwerke, so knnen sie auch den Vergleich
mit den besten Erzeugnissen der alten Welt aushalten, z. B. Appletons
_Picturesque America und Picturesque Europe_.

                   *       *       *       *       *

[Sidenote: Der Buchhandel.]

ber die Ausdehnung des BUCHHNDLERISCHEN GESCHFTS[79] ist es nicht
leicht, eine ganz bestimmte bersicht zu gewinnen, da keinerlei
Kontrolle ausgebt wird. Die Zahl der eigentlichen Buchhndler wird auf
etwa 3000 angegeben, darunter sind gegen 800 Verleger. Neun Zehnteile
des Verlagsgeschftes sind jedoch auf hchstens 50 Firmen verteilt.
Buchhndler, welche nicht ein ausschliessliches Geschft aus dem Handel
mit Bchern machen, giebt es ber 10000.

  [79] _Catalogue of the Collectiv Exhibit of the American Book Trade._
       Paris 1878. -- Der amerikanische Buchhandel. Ausland 1862, Nr. 19.

[Sidenote: Bcherproduktion.]

Hat die BCHERPRODUKTION auch nicht eine so immense Steigerung
aufzuweisen wie die Zeitungsproduktion, so ist sie doch eine sehr
bedeutende. Die amerikanische Originallitteratur bietet schon jetzt
einen bedeutenden Stoff, daneben werden mit einer, bei lohnenden
Aussichten staunenswerten, einer besseren Sache zur grssten Ehre
gereichenden Energie die besten Erzeugnisse des Mutterlandes
nachgedruckt. Ein internationaler Vertrag mit England lsst immer noch
auf sich warten, und obwohl selbst in Amerika gewichtige Stimmen fr den
Schutz gegen Nachdruck sich erheben, ist doch kaum anzunehmen, dass der
praktische Amerikaner sich dem Zwange sobald fgen wird, es wre denn,
dass die Zunge der Interessenwage sich zu seinen Gunsten neigen wrde.

[Sidenote: Organisation des Buchhandels.]

Der eigentliche Ursprung des organisierten Buchhandels in Amerika rhrt
von der Begrndung der Amerikanischen Buchhandlungs-Gesellschaft im
Jahre 1801 her. Sie errichtete Comptoire in New-York, Philadelphia und
Boston, stellte feste Bedingungen fr den Betrieb und war bemht, durch
Preisausschreiben die Fabrikation des Papiers und der Druckerschwrze zu
frdern. Doch blieben die Fortschritte des Buchhandels immer noch klein.
Die Auflagen wurden selten hher als 5-600 gemacht.

Mit dem Jahre 1830 hatte sich dies schon sehr gendert und spter
erreichten Werke selbst von grsserem Umfang und hohem Preis grosse
Verbreitung. Agassiz' Naturgeschichte Nordamerikas, die ber 600 Mark
kostete, hatte ber 2500 Subskribenten; von Kanes Reise nach den
arktischen Regionen wurden 60000 Exemplare abgesetzt, von Murrays
geographischer Encyklopdie 50000, von Chambers _Encyclopdia of
Literature_ ber 100000. 1860 gab es bereits 400 Verleger und der Wert
der produzierten Bcher -- nicht Zeitungen --, der 1820 10 Millionen
Mark betrug, hatte 1860 70 Millionen Mark berschritten. Die Zahl der
Buchdruckereien war 1860 bis auf 4000 gestiegen, nachdem sie 1776 40,
1812 400 betragen hatte.

Die Organisation des Buchhandels ist nicht so geschlossen, wie in
Deutschland, doch hat die _American Book Trade Association_ einige
hnlichkeit mit dem Brsen-Verein der deutschen Buchhndler. Die
Buchhndler teilen sich in _Publishers_ (Verleger), _Jobbers_
(Kommissionre) und _Retailers_ (Sortimentshndler), doch sind diese
drei Branchen oft in einer Hand vereinigt. Eine besondere Klasse der
Verleger bilden die sogenannten _Subscription Publishers_, welche ihren
Verlag nur durch Vermittelung von Agenten vertreiben, von welchen
jedem ein gewisses Territorium berlassen bleibt, innerhalb dessen
Grenzen er allein den Vertrieb hat. Der _Jobber_ dient als Mittelsmann
fr diejenigen Sortimenter, die nicht mit den einzelnen Verlegern
in Rechnung stehen knnen oder wollen, und vorziehen, ihren ganzen
Bcherbedarf aus einer Hand zu nehmen. Sie kaufen oft tausende von
Exemplaren von den Verlegern und verkaufen mit einem mssigen Nutzen.

Einmal im Herbst und einmal im Frhjahr findet eine grosse Bcherauktion
statt, in welcher der Sortimentshndler sein Lager versorgt. Die
Produktion des Jahres 1877 betrug 4476 Werke, also ungefhr dieselbe
Quantitt, die England produzierte. Nur einige grosse Firmen schlagen
eine universelle Richtung ein, gewhnlich beschrnkt sich eine Firma auf
einen Zweig.

Eine fr Amerika eigentmliche Institution ist die _American News
Company_. Diese Gesellschaft konzentriert in ihren Hnden fast den
ganzen Betrieb der periodischen Unternehmungen; ihre Interessen
vertritt _The American Bookseller_. Es ist eine Anstalt, mit der die
Journal-Verleger rechnen mssen, die jedoch ihre Macht in loyaler Weise
gebraucht.

[Sidenote: Fr. Leupoldt.]

Um die Frderung der buchhndlerischen Organisation und des
Bchervertriebes hat sich der Deutsche FRIEDR. LEUPOLDT aus Stuttgart
besonders verdient gemacht. Wie in frherer Zeit Deutsche die
Buchdruckerkunst durch alle Lnder verbreiteten, so sind es in spterer
Zeit fast berall Deutsche, die sich um die rationelle Einrichtung
der buchhndlerischen Institutionen verdient gemacht und, durch die
mhsamen Arbeiten der Inventarisierung, System in den Vertrieb gebracht
haben. Die von Leupoldt ins Leben gerufene _Publishers Weekly_ ist die
beste bibliographische Zeitschrift Amerikas. Ebenfalls vortrefflich
ist sein seit 1876 erscheinendes _American Library Journal_ und sein
jngstes Werk _Catalogue and Finding List of all American Books
in Print and for Sale_. 1881. Eine grosse Erleichterung fr den
Vertrieb bildet schliesslich die, ebenfalls von Leupoldt in Scene
gesetzte, _Uniform Trade List Annual_, eine in gleichfrmigem ussern
durchgefhrte Sammlung der Kataloge der Mehrzahl der Verlagshndler,
eine Idee, welche in Europa sofort Nachahmung fand, auch den Anstoss
zu dem idealern, aber vielleicht weniger praktischen Russellschen
Gesamt-Verlagskatalog des Deutschen Buchhandels gegeben hat.

[Sidenote: Sower, Potter & Co.]

Einige der massgebenden und bahnbrechenden Verleger und Drucker wurden
bereits genannt; es mgen zur Charakterisierung noch einige wenige
angefhrt werden und zwar zuerst das lteste Druckgeschft Amerikas,
dessen Geschichte noch weiter zurckgeht, als die der Vereinigten
Staaten selbst und welches zugleich deutschen Ursprungs ist. Ein
Teilhaber der angesehenen Firma SOWER, POTTER & CO. in Philadelphia
ist der direkte Nachkomme in fnfter Generation von Christoph Saur
(I, S. 274). Wie bereits in ihren ersten Anfngen beschftigt sich
die Firma noch heute hauptschlich mit dem Druck von Erziehungs- und
Erbauungsschriften.

[Sidenote: Der Bibeldruck.]

Letzterer Zweig ist berhaupt von sehr grosser Bedeutung, namentlich
entwickeln die Bibel- und Missionsgesellschaften eine ausserordentliche
Thtigkeit. Die 1816 gestiftete AMERIKANISCHE BIBELGESELLSCHAFT, deren
Jahres-Einnahme jetzt etwa zwei und eine halbe Million Mark betrgt,
druckte whrend der ersten sechzig Jahre ihres Bestehens ber 33
Millionen Bibeln in 20 verschiedenen Ausgaben mit einem Aufwande von
75 Millionen Mark. Die Druckerei der Gesellschaft arbeitet mit 12
Rotationsmaschinen; die Zahl ihrer Stereotypplatten betrgt 65000. Im
Jahre 1868 verbreitete _The American Tract Society_ 807000 Bnde und
9493000 Flugbltter. Der VEREIN FR PRESBYTERIANISCHEN VERLAG weist
ber 2000 Artikel auf. Eine hnliche Zahl sind aus den Pressen der,
etwa 500 Personen und 30 Schnellpressen beschftigenden Druckerei der
GESELLSCHAFT DER METHODISTEN, die ber ein Kapital von ungefhr 3500000
Mark disponiert, hervorgegangen. ber hundert Ausgaben der Bibel
druckte die Firma JOHN E. POTTER & CO., unter deren zahlreichen anderen
Verlagsartikeln sich die _Bible Encyclopdia_ mit ihren 10000 Artikeln
und ber 3000 Abbildungen befindet. In einer hnlichen Richtung wie
die obigen Anstalten wirken _The American Sunday School Union_, _The
Evangelical Knowledge Society_, der NATIONALE MSSIGKEITS-VEREIN, sowie
die Firma A. J. HOLMAN & CO. und noch viele Gesellschaften und Verleger.
Fr die Bedrfnisse der Katholiken sorgt unter anderen die GESELLSCHAFT
ZUR VERBREITUNG DER KATHOLISCHEN LITTERATUR. Auch die bekannte Firma
GEBRDER BENZIGER in Einsiedeln unterhlt zu diesem Zwecke eine Filiale
in New-York.

[Sidenote: Appleton & Co.]

Das Geschft, welches die vielseitigste Thtigkeit entwickelt, ist
D. APPLETON & CO. in New-York, gegrndet 1831. Wie bei Brockhaus in
Leipzig das Konversations-Lexikon, so bildet bei Appletons _The American
Encyclopaedia_ mit 4000 Holzschnitten und vielen Karten den Mittelpunkt
des Verlages. Das schnste illustrierte Buch in Amerika drfte ihr
_Picturesque America_ mit 850 Holzschnitten und 48 Stahlstichen
sein, dem eine _Picturesque Europe_ folgte. Ein wichtiger Teil des
Verlages ist der den Bildungszwecken gewidmete. Auch die Anregung zu
den _International Scientifiques Series_, die gleichzeitig auch in
Deutschland, England, Frankreich, Italien und Russland erscheinen,
ging von Appletons aus. Ihr _North American Review_ steht in grossem
Ansehen. Die Offizinen der Firma nehmen einen Raum von ber 60000 engl.
Quadratfuss ein. Mit der Buchdruckerei von etwa 50 Schnellpressen sind
die verschiedenartigsten graphischen Anstalten verbunden.

[Sidenote: J. B. Lippincott & Co.]

Die Werksttten von J. B. LIPPINCOTT & CO. in Philadelphia zhlen zu
den grossartigsten. Ihr Katalog fhrte 1879 weit ber 2500 Werke auf,
darunter Worcesters _Dictionary of the English Language_, das mit dem
Websterschen um den Vorrang kmpft und einen mchtigen Band von 1854
Quartseiten mit 1000 Illustrationen bildet.

[Sidenote: Houghton & Co.]

Die Firma HOUGHTON, OSGOOD & CO. besitzt ausser ihrem Geschft in Boston
ein bedeutendes Drucketablissement _The riverside Press_ in Cambridge
in unmittelbarer Nhe der Harvard-Universitt. Sie vereinigen in ihrem
Verlagskataloge die bedeutendsten Dichter und Romanschriftsteller
Amerikas und Englands.

[Sidenote: Blakeman & Co.]

IVISON BLAKEMAN, TAYLOR & CO. in New-York und Chicago, gegrndet
1828, widmen sich ausschliesslich dem Verlage von Schulbchern und
verbreiteten bereits gegen 100 Millionen Bnde. Wie bedeutend der
Umfang der Geschfte in Amerika ist, sieht man daraus, dass eine
Sortimentshandlung in Chicago an einem Tage 186600 Bnde aus dem
Verlage der Genannten bestellte. Der tgliche Vertrieb ist gewhnlich
15000 Bnde. Von den vielen Lesebchern von Sander werden jhrlich
etwa zwei Millionen Bnde verbreitet. Bei dieser Firma erschien auch
das Webstersche Wrterbuch, ein Quartband von 1840 Seiten mit 3000
Abbildungen.

[Sidenote: Woods & Co.]

Fr die medizinische Litteratur haben WILL. WOODS & CO. in New-York
grosse Bedeutung. In ihrem Verlage erschien u. a. Ziemssens Encyklopdie
der praktischen Medizin, 17 Bnde. Die _Orange Judd Company_ pflegt mit
grossem Nachdruck die Landwirtschaft und die Architektur; BOERICKE &
TAFEL sind speziell Verleger homopathischer Werke.

[Sidenote: L. Prang * 12. Mrz 1827.]

Es war natrlich, dass in einem Lande mit einem grossen, noch nicht
auf der hchsten Stufe der Bildung stehenden Publikum der Bilderdruck
ein gutes Feld finden musste und Amerika wurde der strkste Konsument
der einschlgigen deutschen Produkte. Amerika selbst besitzt eine
hervorragende chromolithographische Anstalt, die von L. Prang & Co. in
Boston. LUDWIG PRANG ist ein Deutscher und wurde in Breslau geboren,
wo sein Vater als Formenschneider in einer Kattundruckerei arbeitete.
Dieser war ein in vielen Sachen unterrichteter Mann und schwang sich
zum Teilnehmer der Fabrik empor. Unter seiner Anleitung erhielt der
Sohn die ersten knstlerischen Anregungen. Nach fnf wechselvollen
Ausbildungsjahren wurde Prang von dem Strudel der deutschen Revolution
mit fortgerissen, musste nach der Schweiz flchten und ging von
dort nach Nordamerika, wo er sich in verschiedenen Geschften ohne
Glck versuchte. Schliesslich warf er sich mit aller Energie auf die
Holzschneidekunst und wurde bald einer der tchtigsten Xylographen
Amerikas, ruinierte jedoch seine Gesundheit, so dass er einen andern
Beruf whlen musste.

Prang wendete sich nun der Lithographie zu und etablierte sich mit
einem tchtigen Freunde, der aber ebensowenig, wie er selbst, Vermgen
besass. Sie setzten jedoch ihr Vorhaben, eine Anstalt fr Farbendruck zu
errichten, durch und debutierten mit einem Rosenbouquet in vier Farben,
das, obwohl keineswegs vollendet, doch sehr gefiel. Die Assoziation
lste sich 1860. Durch den Sezessionskrieg wurde Prang vielfach von
seinen Plnen abgelenkt, gewann aber durch Kartenarbeiten Mittel, um auf
jene zurckzukommen. Im Jahre 1865 erschienen die ersten Nachbildungen
von Gemlden, zwei amerikanische Landschaften nach Beiker. Der Erfolg
war jedoch kein ermutigender und Prangs Freunde rieten ihm, sein
Vorhaben aufzugeben. Jedoch ein kleines Bild -- eben aus den Eiern
ausgekrochene Kchlein -- von Tait gab den Ausschlag. Es wurde nicht
nur in enormen Massen verkauft, sondern riss auch die liegengebliebenen
Landschaften mit fort, und ffnete die Wege fr die Millionen von
Chromos -- diese Bezeichnung fhrte Prang ein --, welche in Amerika
gedruckt oder von Europa importiert wurden. Prangs Erzeugnisse machten
dagegen die Rundreise in Europa und fanden allgemeine Anerkennung.

In Verbindung mit John S. Clark, von der Firma Osgood & Co., fhrte
Prang eine Reihe von Unternehmungen, zu Unterrichts- und knstlerischen
Ausbildungszwecken bestimmt, durch und leistete hierin vorzgliches.

                   *       *       *       *       *

[Sidenote: Das deutsche Element.]

Den EINFLUSS DES DEUTSCHEN ELEMENTS AUF DAS BUCHGEWERBE in Nordamerika
zu verfolgen ist von ganz besonderem Interesse[80]. In dem Aufschwung
desselben, welcher sich in der vorigen Periode (I, S. 273) kundgab,
sollte bald ein Rckschlag eintreten. Zur Zeit der Befreiungskmpfe
Amerikas, sowie spter der franzsischen Revolutionskriege und
der Gewaltherrschaft Napoleons, 1775 bis 1815, hatte die deutsche
Einwanderung fast aufgehrt, und als sie wieder anfing, bestand der
Zufluss fast nur aus Leuten, die des fehlenden tglichen Brotes wegen
die Heimat verlassen und keiner geistigen Nahrung bedurften, viel
weniger selbstthtig das geistige Element krftigen konnten. Die wenigen
begabten Mnner unter ihnen schlossen sich mehr dem englischen Element
an.

  [80] FR. KAPP, Der deutsch-amerikanische Buchhandel. Deutsche Rundschau
       1878, 4. Heft. -- FR. KAPP, Der deutsch-amerikanische Buchdruck
       und Buchhandel im vorigen Jahrhundert. Archiv d. B.-V, I. Leipzig
       1878. -- E. STEIGER, Der Nachdruck in Nordamerika. New-York 1866.
       -- Die deutsch-amerikanische Presse. Ausland 1863, Nr. 6.

[Sidenote: Erste Druckthtigkeit der Deutschen.]

Unter solchen Verhltnissen beschrnkte sich die deutsche
Druckthtigkeit auf die Herstellung einiger deutscher Schul- und
Gebetbcher, sowie Kalender, welche man immer noch hauptschlich den
wenigen deutschen Pressen Philadelphias verdankte. Dies nderte sich
erst mit dem politischen Aufschwung in Deutschland in den dreissiger
Jahren und mit der darauf folgenden Sturm- und Drangperiode von 1848
nebst der Zeit der Nachwehen der Reaktion. Unter den von 1830-1870
aus Deutschland eingewanderten zwei und eine halbe Millionen befand
sich eine nicht geringe Zahl von Mnnern, die den gebildeten Stnden
angehrten, welche geistige Bedrfnisse hatten, zumteil in der Lage
waren, diejenigen anderer zu befriedigen. Hiermit begann die eigentliche
Entwickelung des deutschen Buchhandels und Druckgewerbes in dem Emporium
New-York.

Der erste, der dort geschftlich krftig eingriff, war der
Deutsch-Amerikaner HEINRICH LUDWIG (geb. 1804). Er etablierte sich 1832,
importierte anfnglich hauptschlich Schul- und Erbauungsbcher und fing
1834 selbst zu drucken an. Er lebte bis 1877, hochgeachtet wennauch
geschftlich lngst durch neuere Etablissements berflgelt.

[Sidenote: New-Yorker Staatszeitung.]

Bereits 1835 wurde die deutsche NEW-YORKER STAATSZEITUNG unter sehr
bescheidenen Verhltnissen ins Leben gerufen, sie sollte sich aber
bald zu einer der bedeutendsten Zeitungen Amerikas hinaufarbeiten.
Keine Zeitung Deutschlands und kaum eine Nordamerikas drfte
frstlicher untergebracht sein, als die Staatszeitung in ihrem 1873
im _Printinghouse-Square_ in New-York bezogenen Palast. Derselbe ist
mit einem Kostenaufwand von zwei Millionen Mark, nicht gerechnet eine
Million fr Grund und Boden, in Renaissancestil aufgefhrt. Der Unterbau
und der erste Stock sind aus schwarzem Granit, die brigen Stockwerke
aus hellem Granit. Ein Mansardendach von entsprechender Hhe krnt das
ganze. Die eisernen Dachbalken sind mit eisernen Platten bedeckt; die
Scheidewnde sind ebenfalls aus Eisenplatten. Die Comptoirlokalitten in
Renaissancestil sind reich mit Schnitzwerk geschmckt und die Eleganz
der Beleuchtungsapparate, der Marmortische und der Mosaikfussbden
entspricht dem brigen. Allerdings usserlichkeiten, aber welche Macht
hat eine solche Zeitung erlangt, um sich derartige usserlichkeiten
schaffen zu knnen.

Nach und nach entstanden viele deutsche Bltter, welche, obwohl
anfnglich schwach, an Mngeln aller Art leidend und sich christlich
von Raub nhrend, doch den Boden fr die weitere Pflege der deutschen
Litteratur bearbeiteten. Im Verlauf der letzten 30 Jahre hat jedoch die
deutsche Zeitungspresse, die ber 500 Organe zhlt, sehr an Bedeutung
zugenommen und nicht wenige der Bltter knnen sich mit den besten
deutschen Zeitungen messen.

[Sidenote: Verschiedene deutsche Buchhndler.]

Einen wesentlichen Einfluss auf die Verbreitung der deutschen
Litteratur bte der Berliner WILHELM RADDE (geb. 1800), der 1834
eine deutsche Buchhandlung in New-York grndete, viele Werke fr die
Bedrfnisse der Gelehrten einfhrte und sich daneben auch in billigen
Nachdrucks-Ausgaben der Klassiker versuchte. Jedoch waren diese noch
verfrht und wollten damals noch nicht ziehen. Ein Buchhndler schrieb
an Radde: Ich gebrauche umgehend folgende echte Klassiker gegen
bar: 100 Schinderhannes, 100 heilige Genoveva, 100 bayrische Hiesel,
100 Eulenspiegel. Grssere Bestellungen werden nachfolgen. Radde
liess sich dies nicht zweimal sagen, er veranlasste jedoch 1853 die
Cottasche Buchhandlung, namentlich um den Nachdrucken des W. Thomas
entgegenzutreten, von ihren unechten Klassikern sehr gute und billige
Konkurrenz-Ausgaben zu veranstalten; selbst Werke wie Humboldts Kosmos
und dessen Ansichten der Natur erschienen in solchen. Andere Verleger
wollten von dieser Konkurrenz gegen sich selbst nichts wissen und
Campe in Hamburg sah z. B. ruhig zu, wie eine Ausgabe von Heine nach
der andern dort gedruckt wurde. In dieser Weise drangen viele tausend
Bnde der besten Werke selbst in die unter bescheidenen Verhltnissen
lebenden deutschen Familien und strkten die geistige Verbindung mit dem
Mutterlande.

Im Jahre 1845 hatten deutsche Verleger sich mit dem Plane beschftigt,
auf Aktien eine bedeutende deutsche Buchhandlung in Amerika zu
errichten. RUDOLPH GARRIGUES, ein junger gebildeter Buchhndler aus
Kopenhagen, wurde nach Amerika entsendet, um das Terrain zu sondieren.
Garrigues' klarer Bericht fand allgemeinen Beifall, als es indes zum
Zeichnen der Aktien kam, schreckte der deutsche Buchhandel vor einem
mssigen Kapital von 30000 Thalern zurck. Sonderinteressen machten
sich, wie gewhnlich, geltend, und die Sache verlief im Sande. Garrigues
etablierte sich nun selbst mit einem tchtigen deutschen Buchhndler,
F. W. CHRISTERN. Spter folgten JUL. HELMICH, L. W. SCHMIDT, G. & B.
(jetzt W. & C.) WESTERMANN _Brothers_; das BIBLIOGRAPHISCHE INSTITUT in
Hildburghausen legte eine Filiale in New-York an; FR. GERHARD druckte
ein sehr gutes deutsch-amerikanisches Konversations-Lexikon; SCHFER
& KORADI in Philadelphia wurden bedeutend als Sortimenter wie als
Verleger. Leupoldts Verdienste sind schon erwhnt.

[Sidenote: E. Steiger.]

Gross ist die Wirksamkeit ERNST STEIGERS in New-York, als Sortimenter
sowohl, wie als Verleger und Drucker, gewesen. Steiger, aus Oschatz
in Sachsen gebrtig, bildete sich als Buchhndler in Leipzig aus und
arbeitete elf Jahre bei Westermann in New-York. Er erwarb eine kleine
deutsche Buchhandlung mit Zeitungsgeschft und fing dann Buchdruckerei
und Verlag von Schulbchern an, allerdings zuerst in Nachdrucken.
Durch ungemeines Verbreiten seiner zumteil sehr umfangreichen Kataloge
wirkte er sowohl im eigenen Interesse, wie in dem der deutschen
Verleger. Eine verdienstliche bibliographische Leistung ist Steigers
_The Periodical Literature of the United States of America with Index
and Appendices._ 1873. Auch erwarb sich Steiger das Verdienst, fr die
Wiener Weltausstellung 1873 eine Probe-Kollektion von je einer Nummer
von 6209 amerikanischen Zeitungen in 119 Foliobnden fertiggestellt zu
haben, die er nachher der Wiener Hof- und Staatsbibliothek zum Geschenk
machte. Von der Bedeutung, welche der Absatz in Amerika fr das deutsche
Druckgewerbe hat, kann als Beispiel dienen, dass allein Steiger von der
Gartenlaube 12000, von der Illustrirten Zeitung 3800, von ber Land
und Meer 4000, von der Romanzeitung 3500, von Daheim 3000 und vom
Bazar 2500 Exemplare im Jahre 1871 verbreitete. Auch im Westen und
Sden der Vereinigten Staaten entstanden deutsche Buchhandlungen, so
THEOBALD & THEUERKAUF in Cincinnati, L. C. WITTER in St. Louis.

[Sidenote: Der Nachdruck.]

Jetzt, wo die deutschen Klassiker zu fabelhaft billigen Preisen aus
Deutschland eingefhrt werden knnen, lohnt der Nachdruck derselben
nicht mehr und dieser beschrnkt sich fast nur auf Benutzung der
Erzeugnisse neuerer Belletristen fr die Feuilletons. Konkurrenz und
Sitte haben jedoch zur Folge gehabt, dass jetzt hierfr fters Honorare
gezahlt werden. Es ist vieles ber den Nachteil und das Unmoralische
des amerikanischen Nachdrucks geschrieben worden, jedoch alle mit
den dortigen Verhltnissen nher bekannten Sachverstndigen sind
der Ansicht, dass seinerzeit der Nachdruck eine ntige Sttze des
deutschen Elements und ein Mittel fr die jetzige Verbreitung deutscher
Originaldrucke war. Es ist, so sagt z. B. Friedrich Kapp, eine
mehr als naive Erwartung, dass eine Bevlkerung, die von der Heimat
geschieden ist, noch jenseit des Ozeans Gesetze beobachten soll, welche
den Bildungsinteressen der Ausgewanderten hemmend in den Weg treten.
Sich hier dem Monopole deutscher Buchhndler unterwerfen, hiesse,
die Mittel der geistigen Fortbildung und Entwickelung mutwillig von
sich schleudern. Als der deutsche Buchhandel in Amerika infolge der
Bildungslust festen Fuss gewann und die Bcher gleich zu haben waren,
kaufte man lieber die schneren und korrekteren Originalausgaben als die
Nachdrucke, die vor allem der Ungeneigtheit deutscher Verleger, billige
Ausgaben fr den amerikanischen Markt zu drucken und der Unmglichkeit,
die Originale schnell zu erhalten, ihr Dasein verdankten.

                   *       *       *       *       *

[Sidenote: Die Papierfabrikation.]

Dass unter den geschilderten Druckverhltnissen der Papierverbrauch ein
kolossaler sein muss, leuchtet ein. Die Fabrikation[81] reicht bis auf
das Jahr 1680 hinauf. Die eigentlichen Fortschritte datieren jedoch
erst aus diesem Jahrhundert. Zur Verwendung kommt fast nur Baumwolle.
1860 hatte Amerika etwa 700 Fabriken, welche gegen 300 Millionen Pfund
zu einem Werte von etwa 200 Millionen Mark produzierten. Die Zahl der
Fabriken betrgt jetzt ber 1000. Whrend im Jahre 1869 der Wert der
Einfuhr 527465 Dollars, der der Ausfuhr nur 3777 Dollars betrug, hat
sich das Blatt in zehn Jahren vollstndig gewendet und Amerika fhrte
1880 fr 1018318 Dollars aus und nur fr 135487 Dollars ein.

Die Einfuhr aller zum Pressgewerbe gehrenden Materialien und Maschinen
ist berhaupt eine durch die Zlle so schwer belastete, dass sie nicht
von Belang sein kann, whrend sich die Ausfuhr nach Europa sowohl als
auch nach Asien und Australien in einer Weise vermehrt, welche der
englischen Konkurrenz Bedenken einflsst. Der Wert der nach Amerika
eingefhrten deutschen Bcher und Kunstsachen betrgt etwa vier
Millionen Mark jhrlich.

  [81] _Directory of the paper manufactures in the United States and
       Canada._ 6. Aufl. New-York 1880.

[Illustration]




                              ZWEITES BUCH

                         DIE ROMANISCHE GRUPPE.

[Illustration]

                     EINFHRUNG IN DAS ZWEITE BUCH.


DIE ROMANISCHE GRUPPE, an deren Spitze FRANKREICH, hat, wie die
Anglo-Amerikanische, vor der Germanischen den grossen Vorsprung der
einheitlichen Druckschrift voraus. Hat dieser Umstand auch mitunter eine
gewisse Monotonie in seinem Gefolge, so wirkt die Einfachheit und die
Ruhe, die ber die Druckwerke verbreitet ist, doch ungemein wohlthuend
und gewhrt in dem praktischen Geschftsbetrieb und in der Ausbildung
eines festen Geschmackes grosse Vorteile.

Trotz aller Beweglichkeit des franzsischen Charakters und dem ewigen
Wechsel der in Frankreich geschaffenen Moden hat seine Typographie
einen weit konservativeren Charakter als die deutsche. Der durch die
Nationaldruckerei und die Didots hervorgerufene Typenduktus ist noch
immer und mit Recht der herrschende geblieben. Namentlich haben die
Didotschen Schriften von ihrem ersten Auftreten ab durch die strenge,
jedoch anmutige Zeichnung, den regelmssigen und scharfen Schnitt, die
bewundernswrdig berechnete Zurichtung in der Weite ihr bergewicht
behauptet.

Zwar hat das Streben nach vorwrts und der berechtigte Wunsch eines
jeden befhigten Schriftschneiders und Schriftgiessers, den Reichtum
zu vermehren, eine Anzahl von Varianten zur Folge gehabt; von allen
diesen, bald mehr, bald weniger glcklichen Neuerungen kann jedoch
keine ihren Ursprung verleugnen und der ltere Duktus ist geblieben.
Die erwhnten zwei Druckereien, des Staates und der Didots, sind
in der That fr das Druckgewerbe dermassen bestimmend gewesen, wie
hnliches in keinem anderen Lande in der neueren Periode der Druckkunst
vorkommt, ausgenommen allenfalls in sterreich, wo die Herrschaft der
Staatsdruckerei zwar eine mchtige, jedoch nicht langdauernde war.

Neben der Einheitlichkeit der Schrift war fr die franzsische
Typographie auch die Einheitlichkeit des Schriftsystems ein frderndes
Moment, deren Wichtigkeit kein Fachmann, der unter der Systemlosigkeit
in Deutschland gelitten hat, unterschtzen wird.

Schliesslich ist die Betreibung von Spezialitten sowohl in der
Schriftgiesserei wie in der Typographie ein gewaltiger geschftlicher
Vorsprung der Franzosen. Diese Teilung der Arbeit geht in der
Schriftgiesserei so weit, dass es Geschfte in Paris giebt, die sich nur
mit Giessen von Ausschluss und Durchschuss abgeben. Auch verlangt man
dort nicht, wie in Deutschland, dass jeder Buchdrucker Virtuos in allen
Branchen sein solle, auch nicht, dass jede Druckerei auf alle Arbeiten
gleichmssig eingerichtet sei, auch ist keine Rede von dem Erschwernis
einer deutschen Buchdruckerei, dass sie in zweierlei Schriftarten
gleichmssig gut assortiert sein msse.

Das gesagte gilt ebenso fr die Buchbinderei. Nicht nur, dass die
verschiedenen Arten des Einbandes selten in einer und derselben Offizin
gebt werden; es ist nicht einmal blich, alle zu einer Art von Einband
gehrenden Arbeiten in einer Werksttte zu vollbringen, sondern es giebt
besondere Schnittvergolder, Handvergolder, Marmorierer etc., denen man
die Einzelarbeiten zuweist.

Unter solchen Arbeitsverhltnissen ist es selbstverstndlich viel
leichter, in Frankreich in einem einzelnen Zweig Virtuos zu werden und
praktische Erfolge zu erzielen. Dieses darf nicht bersehen werden, wenn
man das Mass der Tchtigkeit und Intelligenz vergleichend beurteilen
will, welches in Frankreich und Deutschland in den graphischen Knsten
Verwendung findet.

Trotzdem kann Frankreich weder, was Werk- und Accidenzdruck, noch
weniger was Zeitungsdruck betrifft, im allgemeinen ein bergewicht
ber Deutschland eingerumt werden. Es wird im Gegenteil vieles dort so
schlecht gedruckt, wie es in Deutschland nicht geschieht, man mchte
fast sagen, nicht mehr geschehen kann. Eine berlegenheit zeigt die
franzsische Typographie erst dann, wenn es sich um die Verbindung von
Geschmack, Eleganz und Geschick zur Herstellung von etwas wirklich
Hervorragendem handelt. Da fehlt es eben an nichts, dann arbeiten sich
alle Beteiligten der verschiedenen graphischen Gewerbe einmtig in die
Hnde, ohne Jalousie und ohne die Prtensionen des Virtuosentums, das
sich auf Kosten der Gesamtwirkung hervorzuthun strebt. Alle Mitwirkende
fhlen sich dann als Glieder einer Kette, wie sie auch wirklich in
dem _Cercle de la Librairie_ zu einer solchen vereinigt sind. Gerade
in dieser Vereinigung Aller, durch welche sich Jeder als Teil des
Ganzen fhlt, aber auch nur als Teil, ber dem das Ganze steht, liegt
sicherlich ein wesentlicher Grund zu den Erfolgen, welche der Buchhandel
und die Typographie Frankreichs erzielen, sobald sie geschlossen
auftreten[82].

  [82] Die obigen Worte sind der von dem Verfasser dieses Handbuches
       als Mitglied der Internationalen Jury fr die Gruppe XII der
       Wiener Ausstellung, im Jahre 1873 und Berichterstatter derselben
       abgefassten Motivierung des Antrages der Jury entnommen: dem
       _Cercle de la Librairie_ die goldene Ehrenmedaille zu erteilen.
       berhaupt kommen in dem Versuch der Charakterisierung der
       modernen Typographie in den verschiedenen Gruppen fters
       Anfhrungen vor aus der im Auftrag der Kaiserlich Deutschen
       Ausstellungs-Kommission abgefassten Schrift: Die graphischen
       Knste auf der Weltausstellung zu Wien. Offizieller Bericht von
       Carl B. Lorck. Braunschweig 1874. Diese Entlehnung aus eigener
       Arbeit wird wohl niemand als Plagiat betrachten.

Noch ein, und zwar ein sehr wesentlicher Faktor wirkt zugunsten der
franzsischen Buchdrucker und Buchhndler mit: das Publikum. Ob
die Bildung und die Leselust in Deutschland nicht grsser sind,
als in Frankreich, mag hier unerrtert bleiben, unzweifelhaft ist es
jedoch, dass die Kauflust und die Kauffhigkeit in dem letzteren
Lande berwiegen. Hierdurch wird die Herstellung der schnsten
Ausgaben zu verhltnismssig sehr billigen Preisen, welche sehr grosse
Auflagen voraussetzen, mglich. -- Schliesslich kommt auch die grosse
Konzentration der wissenschaftlichen und technischen Kapazitten in
Paris dem dortigen und damit fast dem ganzen franzsischen Buchgewerbe
ausserordentlich zustatten.

Wie die franzsische Typographie mitten zwischen der englischen und der
deutschen steht und in ihren besten Erzeugnissen in gewisser Beziehung
die guten Eigenschaften beider vereinigt, so auch die Xylographie.
Der franzsische Holzschneider ist im allgemeinen weniger ngstlich
in der Wahrung der Eigentmlichkeiten des Zeichners als der deutsche,
andererseits nicht so ungebunden in der technischen Behandlung wie der
englische und zeigt fast immer Grazie und Anmut in der Behandlung. Er
ist bestimmter in der Umgrenzung als der englische, zarter in den Formen
als der deutsche. Aber oft geht doch dem franzsischen Holzschneider die
frappierende Wirkung ber die innerliche Wahrheit und die ruhige Kraft.

Was den Druck der Illustrationswerke betrifft, so kann der deutsche
sich vollstndig mit dem franzsischen messen, doch lsst es sich nicht
leugnen, dass die franzsischen Prachtwerke trotzdem in der Regel einen
vornehmeren und harmonischeren Gesamteindruck hervorbringen; die Ursache
liegt in dem schon oben Angedeuteten.

Im Accidenzfache haben die Franzosen seit ihrem weltberhmten
Derriey keine Fortschritte gemacht. Sie legen berhaupt nicht auf
die minutiseste Ausfhrung der Accidenzen so viel Gewicht wie die
Deutschen, die eher geneigt sind, des Guten zu viel zu thun.

In der Erfindung von Druckmaschinen umwlzender Art haben die Franzosen
keine hervorragenden Verdienste. Dagegen verstanden sie es vortrefflich,
mit der ihnen angeborenen Findigkeit und unter Bercksichtigung ihrer
besonderen Bedrfnisse, das Dargebrachte in geschicktester Weise zu
verbessern, fr den Betrieb ntzlicher, fr das Ansehen wohlgeflliger
und in der Anschaffung billiger herzustellen. Von auslndischen
Maschinen wurden nur wenige in Frankreich eingefhrt und die Fabrikation
deckte nicht nur den heimischen Bedarf, sondern versorgte auch fast den
ganzen ausserdeutschen Kontinent, bis es Deutschland gelang, mit in die
Konkurrenz zu treten.

Der Vorwurf, der fters den franzsischen Maschinenbauern gemacht
wird, dass sie die Eleganz auf Kosten der Soliditt frdern, drfte
in der Allgemeinheit nicht richtig sein. Man geht in Frankreich von
dem Grundsatz aus, dass die gewerblich-technischen Fortschritte
in zehn Jahren bereits so enorm sein werden, dass man klger thut,
billige Maschinen zu bauen, um ohne zu grosse Kosten schneller neue
Anschaffungen machen zu knnen, als mit fr die Ewigkeit gebauten
Maschinen festzusitzen. Die Billigkeit wird brigens auch dadurch
gefrdert, dass man fast ausschliesslich dem Prinzip der Tischfrbung
und der Eisenbahnbewegung statt der kostspieligen Cylinderfrbung und
Kreisbewegung huldigt[83].

  [83] Nachdem dieser Abschnitt bereits gesetzt war, geht uns ein
       Artikel des bekannten Fachjournals _L'Imprimerie_ zu, in welchem
       einer der tchtigsten Typographen Frankreichs, Motteroz, nicht
       allein das obengesagte zugiebt, sondern noch viel weiter geht und
       eine berlegenheit Deutschlands nicht nur in der Typographie und
       der Schriftgiesserei, sondern auch in der Xylographie und der
       Papierfabrikation anerkennt und fr die Franzosen nur den Vorzug
       in der Maschinenfabrikation beansprucht. Im Gegensatz zu einer
       fters vorkommenden berhebung seiner Landsleute scheint Motteroz
       fast in eine Kleinmtigkeit zu verfallen, die doch wohl zu weit
       geht, wenn er schliesst: Noch wre es vielleicht Zeit, sich
       aufzuraffen, besitzen wir aber hierzu die ntige geistige Kraft?

Bezeichnend ist in Frankreich der grosse Einfluss, welchen die Regierung
in doppelter Richtung, teils in frdernder, teils in hemmender Weise,
bte. Was sie mit der einen Hand gab, nahm sie mit der andern. Alle
Regierungen dort untersttzten die Fortschritte der Typographie in
ihrer Unmndigkeitsperiode, suchten jedoch die vormundschaftliche
Autoritt ber diese hinaus auszudehnen, und hemmten von Beginn ab die
ruhige und freie Entwicklung der Presse. Hierin bildete Frankreich
einen vollstndigen Kontrast zu England, wo Typographie und Presse, sich
selbst berlassen, eine mchtige Entwicklung nahmen, und teilweise zu
Deutschland, wo man die frdernde Teilnahme von oben nie, um so fter
jedoch die hemmende, kennen lernte.

Die Dependenzen der franzsischen Typographie stehen dieser nicht gleich.

BELGIEN liefert zwar manches gute, jedoch nicht viel hervorragendes. Es
giebt sich in seiner Typographie eine gewisse Schwerflligkeit kund.
Die Schrift ist zwar franzsisch, aber die leichte Eleganz der besseren
franzsischen Presserzeugnisse wird selten erreicht. Das Material ist
das gleiche, aber die in der Ausfhrung damit hervorgebrachte Wirkung
eine andere.

In ITALIEN, SPANIEN und PORTUGAL stehen die Leistungen im ganzen
genommen auf einer und derselben Stufe, der des Mittelguten,
mitunter auch des Mittelmssigen. In Bezug auf die Erzeugnisse der
Schriftgiesserei und des Pressenbaues befinden sich die genannten Lnder
fast vollstndig im Abhngigkeitsverhltnis zu Frankreich. Erst in
neuester Zeit hat Deutschland hie und da mit zu konkurrieren begonnen.
Politische Verhltnisse, fortwhrende Unruhen und Fremdherrschaft in
stetem Wechsel haben eine freie Entwicklung auf lange Zeit gehemmt. Es
werden aber jetzt ernste Anstrengungen gemacht, um lange Versumtes
nachzuholen.

Der ORIENT steht zu Frankreich fast in demselben Verhltnis, wie
Ostasien zu England und wie die slawischen und Donaulnder zu
Deutschland-sterreich. NORDAFRIKA unterliegt selbstverstndlich ganz
Frankreichs Einfluss. Die TRKEI und GYPTEN liefern einiges gute, doch
darf dies weniger als nationale Leistung betrachtet werden, denn die
Hersteller sind meistenteils Franzosen, die mit franzsischem Material
arbeiten.

[Illustration]


[Illustration]

                              V. KAPITEL.

                 DIE SCHRIFTGIESSEREI UND DIE MASCHINEN

                             IN FRANKREICH.

  DIE SCHRIFTGIESSEREI: Das Schriftsystem Didots, seine Anglaise,
    Mol. Orientalia. Notendruck, E. Duverger, Charles Derriey und das
    typographische Ornament. HOLZSCHNITT und Hochtzung. DIE STEREOTYPIE:
    Daul, Gaveaux, Jannin. DIE MASCHINEN: Marinoni, Alauzet, Dutartre u.
    a. Die Utensilien. Farbe. Papierfabrikation. Die Buchbindekunst.

FOURNIER LE JEUNE hatte mit seinen Bemhungen fr die Einfhrung einer
gleichmssigen Einteilung der Schriftgrssen (I, S. 214) kein rechtes
Glck gehabt. Erst AMBROISE FRANOIS DIDOT war es beschieden, ein von
Fourniers Grundstzen etwas abweichendes System zur rechten Geltung zu
bringen, und hiermit nicht der Typographie seines Vaterlandes allein
einen unermesslichen Dienst zu erweisen, dessen Wert allerdings dem
Nichtfachmann weniger als die ussere Schnheit seiner Typen und seiner
Drucke oder der innere Gehalt seiner Verlagswerke in die Augen springt.

In seiner Einteilung ging Didot von dem damals in Frankreich geltenden
Massstab, dem _Pied du Roi_, aus. Eine Linie desselben teilte er in
sechs typographische Punkte und bestimmte nach solchen die regelmssige
Abstufung der Schriftgrade. Hieraus erwuchs indes eine Differenz mit dem
Fournierschen System, indem 11 Didotsche Punkte gleich 12 Fournierschen
sind.

Sicherlich stnde das Didotsche System widerspruchslos da, htte
nicht das erst spter in Frankreich und anderen Lndern gesetzlich
eingefhrte, wissenschaftlich allein stichhaltige Metermass mit
Dezimaleinteilung wieder einen Riss hineingebracht, indem das Didotsche
System sich nicht vollstndig rationell auf das neue Mass bertragen
lsst. Die Frage des einheitlichen Welt-Schriftkegels kann demnach erst
in der Zukunft ihre volle Lsung finden[84].

  [84] H. SMALIAN, Praktisches Handbuch fr Buchdrucker im Verkehr mit
       Schriftgiessereien. 2. Aufl. Leipzig 1877.

[Sidenote: Didotsche Schreibschriften.]

Eine Didotsche Erfindung ist ebenfalls die berhmte Schreibschrift
_Anglaise_. Die bisherigen Schreibschriften waren eigentlich nur
Cursivschriften; jeder Buchstabe stand fr sich, ohne Verbindung mit
seinen Nachbarbuchstaben. Didot fhrte die der Schriftlage folgende
schrge Typenbildung ein, welche die Verbindung der Schriftzge unter
einander erleichterte. Um die vollstndige Freiheit der mit der Hand
hergestellten Schrift zu erreichen, waren jedoch grosse technische
Schwierigkeiten zu berwinden. Jenachdem ein Buchstabe zu Anfang, zu
Ende oder in der Mitte eines Wortes stand, oder die Nachbarbuchstaben
herauf- oder heruntergehende waren u. dergl., war eine Variation der
Verbindungsstriche und somit eine grosse Vermehrung der Typen notwendig.
Manche derselben enthielten nicht einmal einen vollstndigen Buchstaben,
sondern dieser musste aus mehreren Teilen zusammengesetzt werden.
Hierin und in der Wahl der richtigen Anstze liegen die Schwierigkeiten
und nicht jeder Setzer wird diese zu berwinden verstehen. Ausserdem
erfordert der Druck infolge der Zartheit der Haarstriche eine ganz
besondere Aufmerksamkeit, denn die schne und teure Schrift kann
durch Ungeschicktheit des Druckers schon bei dem erstmaligen Gebrauch
verdorben werden. Damit die schrgen Typenstcke fester an einander
schliessen, sind sie an der einen Seite mit einer halbrunden Vertiefung,
auf der andern mit einer ebensolchen Erhhung versehen, die in einander
greifen. Dreiseitige Schlussstcke stellen die fr die Festigkeit der
sonst schrgstehenden Zeile notwendige rechtseitige Gestalt her.

[Sidenote: Joseph Mol.]

Einer der bedeutendsten Schriftgiesser Frankreichs war JOSEPH MOL.
Bereits als Kind befasste er sich mit Gravieren und als Achtzehnjhriger
hatte er schon manchen Stempel geliefert. Whrend seines geschftlichen
Wirkens schnitt er eigenhndig ber 200 komplette Schriften. Ihm
verdankt man auch die Einfhrung der so praktischen Hohlstege.

[Sidenote: Orientalische und chinesische Schrift.]

Auf fremdlndische resp. orientalische Schriften wurde im ganzen
genommen von den Schriftgiessereien und Buchdruckereien nicht grosses
Gewicht gelegt. Eine Ausnahme machte jedoch die, whrend eines
Jahrhunderts siebzehnmal den Namen wechselnde, jedoch ihrem Charakter
treu bleibende Staatsdruckerei. Mit besonderer Vorliebe und grosser
Ausdauer wurden dort nicht weniger als sechs Versuche gemacht, den
Chimborasso der Typographie, die Herstellung chinesischer Schrift, zu
berschreiten.

Die erste, fr Fourmonts Grammatik benutzte Schrift hatte ein
vollstndig barbarisches Aussehen. Auch die 14000 Typen fr Desguignes
Lexikon waren noch viel zu gross und hsslich. Sptere 12000 Typen von
Deshauterais wurden nie benutzt. Rmusat liess 2000 Zeichen schneiden,
deren er sich fr seine Grammatik bediente. Die von M. H. Klaproth
veranlassten Typen machten grosse Ansprche, elegant zu sein, es wurden
mit denselben jedoch nur wenige Seiten gesetzt. 1836 machte der Direktor
der Staatsdruckerei, Marcellin le Grand, unter Leitung des Orientalisten
Pauthier einen neuen Versuch. Als Grundlage diente das Wrterbuch von
Kanghi, welches 43496 Charaktere enthlt, die auf gegen 30000 reduziert
und in zwei Klassen geteilt wurden, die der nicht zerlegbaren (3581) und
die der zerlegbaren (26295) Zeichen, welche sich mittels 4267 Stempel
herstellen liessen[85].

  [85] ber die franzsische Schriftgiesserei vergleiche noch die
       Abschnitte Didot und Staatsdruckerei.

[Sidenote: Der Notendruck.]

[Sidenote: Fournier und Gando.]

In dem Lande der Franzosen, die nicht in dem Grade ein singendes und
spielendes Volk sind, wie die Deutschen, war auch die typographische
Herstellung von Noten nicht von der Wichtigkeit, wie in Deutschland;
doch hatten, abgesehen von den lteren Versuchen, FOURNIER LE JEUNE und
GANDO Noten geliefert, die freilich keinen Anspruch auf Originalitt
machen konnten (s. Kap. XII). Die Genannten bekmpften sich gegenseitig;
Gando warf Fournier vor, er habe Breitkopfs Noten kopiert; Fournier
behauptete, Gando htte berhaupt keinen Stempel schneiden knnen, also
auch keine Noten.

[Sidenote: Duvergers und Derrieys Systeme.]

Der Wunsch, den belstand der Breitkopfschen Noten: dass die
Linienstcke an jeder Note hngen, also trotz des vorzglichsten Gusses
die Sichtbarkeit der Zusammenfgungen kaum zu vermeiden ist, musste zu
Versuchen fhren, Linien und Noten unabhngig von einander herzustellen.
Doppelter Druck, der der Linien fr sich und der der Noten fr sich,
ist jetzt noch, war aber namentlich mit den damaligen Druckapparaten
ein schwieriges Unternehmen und der Satz der Noten allein ohne System
auch ein sehr beschwerlicher. EUGEN DUVERGER suchte diese belstnde zu
berwinden. Mussten die Noten auch bei seiner Methode fr sich gesetzt
werden, so war der Satz doch durch ganz zarte Andeutungen der Linien
erleichtert, welche an die Type angegossen waren und als Richtschnur bei
dem Setzen dienten. ber den Notensatz wurde eine Gipsmater geformt und
in diese das Liniensystem mittels einer Maschine durch kleine Rollmesser
hineingeschnitten. Da die Systemlinien krftiger waren als die an den
Typen befindlichen schwachen Linienandeutungen, so wurden letztere durch
erstere vollstndig gedeckt. Um die Zahl der notwendigen 417 Stempel in
der Praxis zu vermindern, wurden erst die komplizierteren geschnitten
und von diesen die Matern angefertigt, dann durch Wegschneiden einzelner
Teile die einfacheren Stempel gebildet. Aus diesem Verfahren erwuchs
jedoch der Nachteil, dass man sofort von den komplizierteren Stempeln so
viele Matern abschlagen musste, als man berhaupt fr alle Zukunft haben
wollte. Die Schleifungen wurden durch schwache Kupferblttchen erzielt,
deren Anfang in den Typensatz eingelassen wurde, whrend der brige Teil
sich nach Belieben biegen und abschneiden liess[86]. Duverger stellte
auch Karten her durch ein System kleiner Kupferlinien, welche in eine
Bleiplatte eingefgt wurden, ebenso wurde es mit den Schriften gehalten.

  [86] E. DUVERGER, _Album typographique_. Paris 1840. Ein Prachtwerk,
       welches Duverger anlsslich der Jubelfeier erscheinen liess.

DERRIEYS Notensatz bestand in einem System aus fnf ganzen
Messinglinien, an deren oberen und unteren Seiten die aus zwei
Teilen bestehenden Notenkpfe angesetzt wurden. Die Kpfe waren so
unterschnitten, dass der Anschluss an die Linie ein vollkommener war.
So sinnreich auch sowohl seine als Duvergers Methode waren, so springt
es doch dem Fachmann leicht in die Augen, dass fr die Praxis mancher
Mangel mit beiden, mit der Derrieyschen noch der besondere belstand
der Verwendung von Messinglinien zusammen mit Noten von Schriftzeug,
verbunden war.

[Sidenote: Pyrostereotypie.]

Die Anwendung der PYROSTEREOTYPIE (Planotypie, vgl. Kap. IX) wurde in
Frankreich von WALS eingefhrt und von CARBONNIER verbessert; zuerst war
sie 1840 in Irland benutzt worden.

[Sidenote: Ornamente und Einfassungen.]

[Sidenote: Charles Derriey * 17. Aug. 1808, [+] 11. Febr. 1877.]

Was die Erzeugnisse der Schriftgiesserei fr dekorative Zwecke
anbelangt, hat Frankreich einen bis jetzt nicht bertroffenen Meister
in dem erwhnten CHARLES DERRIEY aufzuweisen. Sein Schicksal entschied
sich nicht schnell. In einem Alter von 18 Jahren verliess er die Offizin
Gauthier in Besanon, wo er sich etwas mit allem, was zur graphischen
Kunst gehrt, beschftigt hatte. Er trat nun in das Haus Didot ein, wo
er nacheinander als Setzer, Drucker, Stereotypeur, Schriftgiesser und
Zeichner arbeitete und schliesslich in seinem 27. Jahre die Gravierkunst
lernte. Da er mit angeborenem Kunstsinn und ernster Willenskraft viele
praktische Kenntnisse verband, trug er kein Bedenken, sich selbstndig
zu machen. Wollte man ihm von Stufe zu Stufe in seinem Schaffen folgen,
so msste man sein berhmtes Probebuch[87], einen Folianten von gegen
200 grsstenteils in Farben und Gold ausgefhrten Seiten, Blatt fr
Blatt beschreiben. Vignetten, verzierte Schriften, Zge, Eckstcke,
Linien, Einfassungen u. dgl. finden sich darin in grosser Vollkommenheit
und reicher Abwechselung. Seine Phantasie-Einfassungen bertreffen durch
Neuheit, Eleganz, Genialitt, Akkuratesse der Arbeit und ihre endlosen
Kombinationen alles Dagewesene. Derriey mutet der Schriftgiesserei und
der Typographie nicht wenig zu, kennt jedoch genau die Grenze, bis wohin
er sie fhren darf. Er zeichnete und schnitt nicht allein, sondern
setzte und kombinierte in der geschicktesten Weise. Jedes Stck steht
an seinem rechten Platz; Licht und Schatten versteht er meisterhaft in
effektvollster Weise wechseln zu lassen.

  [87] J. C. DERRIEY, _Spcimen Album_. Fol. Paris 1862.

Auch als Mechaniker hatte Derriey grosse Bedeutung. Seine Giess-
und Linieninstrumente sind Erfindungen von hohem Werte. Ein kleines
Wunderwerk bleibt namentlich seine Numeriermaschine fr Banknoten.

Derrieys Erzeugnisse fanden nicht weniger Anerkennung im Auslande
als in seinem Vaterlande. Leider muss hinzugefgt werden, dass er
durch galvanische Nachbildungen in arger Weise um die Vorteile seines
geistigen Eigentums gebracht wurde. Seine Giesserei mit allem Zubehr
ging nach seinem Tode auf A. TURLOT (Gebr. Virey) ber.

In Derrieys Atelier arbeiteten auch zwei der berhmtesten Kunstsetzer
in Paris SIXTE ALBERT und L. MOULINET. Beide lieferten im Figuren-
und Portrtsatz mittels Linienstcke Unglaubliches; Albert eine viel
angestaunte Laokoon-Gruppe, Moulinet ([+] 1874) einen Branger in ganzer
Figur und eine Amor und Psyche-Gruppe.

[Sidenote: Dechamps und Petibon.]

[Sidenote: Laurent & Deberny.]

[Sidenote: _Fonderie gnrale_ u. a.]

Von anderen Knstlern in der Richtung der ornamentierenden
Schriftgiesserei sind zu nennen DECHAMPS und der sehr fruchtbare
PETIBON, der die Kaleidoskop-Einfassungen einfhrte, die zwar sehr
hbsch waren, jedoch zumeist fr den Buchdrucker ein totes Kapital
blieben, weil die Setzer das Material nicht zu behandeln verstanden.
LAURENT & DEBERNY lieferten schne Zge, Initialen und Plakatschriften.
Ihre Polytypen beliefen sich auf mehr als 6000, mit denen sie alle
Lnder der Romanischen Gruppe reich versorgten. Eine bedeutende Anstalt
entstand unter der Firma _Fonderie gnrale_ LABOULAYE & CO., spter
RN & CO., aus der Vereinigung der Firmen DIDOT, MOL, CROSMER, EVRAT,
TARB & CO., welche letztere sich durch ihre systematischen Hohlstege
und Stereotyp-Unterlagen bekannt gemacht haben. Auch LOMBARDOT,
BATENBERG & MAJEUR lieferten viele Einfassungen, sowie Phantasie- und
Titelschriften. RENAULT & ROBCIS zeichneten sich in der Spezialitt der
Messinglinien, der Hohlstege und des Durchschusses aus. In neuester Zeit
machte sich HENRY J. TUCKER, Filiale der Londoner Giesserei Caslon,
sowohl durch die Leistungen des von ihm vertretenen Instituts, als durch
die vorzglich geleitete Fachzeitschrift _Typologie Tucker_ einen Namen.

[Sidenote: Metallverbesserung.]

Um das Jahr 1840 fhrte COLSON eine Zeugmischung von Eisen und
Schriftmetall ein, welche die Haltbarkeit des gewhnlichen Zeuges
verdreifachte. Die Versuche PETYTS, Typen aus Kupferstangen durch
Pressung in eine Stahlmater zu erzielen, erreichten ebensowenig
ein praktisches Resultat, wie CARDONS Erfindung, ein kupfernes
Buchstabenbild auf einen Typenstiel von Schriftmetall anzubringen. Die
Herstellung der Typen aus Glas blieb ebenfalls ohne wirkliche Erfolge.

[Sidenote: Die Stereotypie.]

Verdankte man auch die erste praktische Methode der Schriftstereotypie
und der Anfertigung von Clichs England, so hatten die Franzosen sich
doch schon lange mit der STEREOTYPIE beschftigt[88] und durch ihre
spteren Verfahren das Stanhopesche berflgelt; ja es scheint fast,
als wren sie auf dem Wege, selbst die Verwendung der Jacobischen
Galvanoplastik fr die Typographie durch die Cellulod-Clichs zu
verdrngen.

  [88] A. G. CAMUS, _Mmoire sur l'hist. etc. du polytypage et de la
       strotypie_. Paris 1802. -- DE PORVY, _Prcis sur la
       strotypie_. Paris 1822. -- H. MEYER, Handbuch der Stereotypie.
       Braunschweig 1838.

[Sidenote: Gabr. Valleyre.]

Bereits vor Beginn des XVIII. Jahrhunderts lieferte ein Pariser
Gelehrter und Buchdrucker GABR. VALLEYRE einen Kalender in
Messingplatten, die in Matern aus Thon oder diesem hnlicher Masse
gegossen waren. Da aber diese Matrizen nicht vollstndig gleichmssig
vertieft und die Platten ausserdem auf der Rckseite nicht ganz glatt
waren, so fiel der Druck nicht gleichmssig aus.

[Sidenote: Ign. Hoffmann.]

Der Akademiker Darcet hatte 1773 seine Erfahrungen ber das Legieren
leicht schmelzbarer Metalle verffentlicht. Ein Elssser FRANZ IGNAZ
JOSEPH HOFFMANN wurde wahrscheinlich hierdurch veranlasst, Matern aus
fetter, mit Gips vermischter Erde, welcher Syrup und Kleister zugesetzt
wurden, zu bilden und diese in erhitztem Zustande in eine Legierung von
Wismuth, Blei und Zinn in dem Augenblick der Erstarrung der Metalle
einzudrcken. Die so erhaltene Platte wurde auf Nussbaumholz mit feinen
Ngeln festgemacht.

Mit solchen Platten druckte Hoffmann 1787 ein dreibndiges Werk
_Recherches historiques sur les Maures par de Chemin pre_. Hoffmann
musste seine Druckerei in andere Hnde geben und ersann nun ein
anderes Verfahren. Er liess 360 Stempel, teils einzelne Buchstaben,
teils Logotypen, anfertigen. Durch mechanische Vorrichtungen wurden
diese Stempel senkrecht in die oben beschriebene Metallmasse gesenkt.
Die gewonnene Matrize ward in einer Presse, wie ein Petschaft in der
Stempelpresse, angebracht und durch einen Balancier in die dem Erstarren
nahe Schriftmasse mit einem krftigen Schlage eingetrieben. Von einer
praktischen Verwendung dieses aus vielen Grnden unzweckmssigen
Verfahrens verlautet nichts. Ebensowenig wie von Hoffmanns Logotypen,
fr welche er 1792 ein Patent fr 15 Jahre erhielt.

[Sidenote: J. Carez.]

Hoffmanns erste Proben hatten viele Nachahmungen hervorgerufen, unter
denen die von JOSEPH CAREZ, Buchdrucker in Toul, besondere Beachtung
verdienen. Seine Matrizen litten aber sehr durch die Hitze und das
Zusammenbacken mit der Schrift. Bei einem befreundeten Mnzsammler
hatte er jedoch gesehen, wie dieser durch einen kurzen trockenen Schlag
Abdrcke in Zinn von seinen Mnzen nahm. Carez bediente sich nunmehr
eines Fallklotzes, um eine Schriftseite in die halbflssige Masse
einzuprgen und so eine brauchbare Mater zu erhalten. 1786 lieferte er
ein Kirchengesangbuch in zwei Grossoktav-Bnden, jeder von 1000 Seiten,
in dieser Weise hergestellt und spter viele Werke, darunter eine
Nonpareille-Bibel.

[Sidenote: Gengembre und Heran.]

Als der Assignatendruck eine rasche Vervielfltigung der kleinen
Platten notwendig machte, um viele solche auf einmal drucken zu knnen,
verbesserten GENGEMBRE und HERAN das Verfahren mit dem Fallklotz,
welcher in Fugen vertikal und parallel stehender Sulen, wie in einem
Rammbocke, eingelassen wurde. Die Tischplatte, auf welcher der Behlter
mit der Schriftmasse stand, bte durch starke Federn einen elastischen
Gegendruck aus und man erhielt in dieser Weise Platten in scharfer
Prgung, deren Rckseiten durch Hobeln egalisiert wurden.

[Sidenote: Peter Didot und Heran.]

Die von Didot 1795 herausgegebenen Logarithmen werden gewhnlich als
Stereotypen bezeichnet, sie sind jedoch nur von zusammengeschmolzenen
Schriftkolumnen gedruckt. 1798 vereinigte sich jedoch PETER FIRMIN
DIDOT, der auch ein Patent besass, mit HERAN[89] zu dem Zweck,
Stereotyp-Ausgaben zu veranstalten, um nicht nur die gedruckten
Exemplare, sondern auch die Platten zu verkaufen. Das erste nach ihrem
Verfahren hergestellte Buch war ein Virgil in 18^{mo} von etwa 400
Seiten. Ein Exemplar kostete nur 15 Sous, eine Platte drei Franken.

  [89] So schreibt ihn Didot, nicht, wie blich, Heran.

Heran wollte noch reformieren und liess von Stahlstempeln Matrizen
in typenfrmige Kupferstckchen treiben, die in einem Winkelhaken
aufgesetzt wurden. Jedoch musste der Setzer mit dem letzten Worte einer
Zeile und dem letzten Buchstaben eines Wortes anfangen oder, was etwas
leichter war, wie gewhnlich von links nach rechts setzen und dann den
Satz der Zeile Buchstabe fr Buchstabe umstellen. Spatien und Quadraten
mussten hher sein als die Typen, nicht wie sonst niedriger, weil die
Zwischenrume in der Platte tiefer liegen mussten. Schn in der Theorie
aussehend, war das Verfahren in der Praxis unzweckmssig und teuer,
Korrektur-Abzge konnten vor dem Guss nicht gemacht werden, so dass alle
nderungen erst in den Platten vorgenommen werden mussten.

[Sidenote: Daul.]

Das bis dahin einzig praktische Stereotyp-Verfahren, das Stanhopesche,
fand natrlich auch in Frankreich Eingang. Eine namentlich fr das
Giessen von Clichs weit bequemere Methode erfand der Franzose DAUL,
der nicht die Matrize in die flssige Schriftmasse versenkte, sondern
sie zwischen zwei eiserne Platten mit erhhten Rndern einlegte, die
einen flachen Giesskasten bildeten, in welchen der Zeug mittels des
Giesslffels eingegossen wurde.

[Sidenote: Genous Papierstereotypie.]

Eine sehr grosse Bedeutung gewann die PAPIERSTEREOTYPIE des Setzers
GENOU. Anfnglich mit Misstrauen empfangen, hat sie sich spter
besonders fr Schriftstereotypie vortrefflich bewhrt und ist fr die
Einfhrung der Rotationsmaschinen ein unbedingtes Erfordernis geworden.

Die Mater wird aus einer Anzahl von Blttern, teils Seiden-, teils
strkeren Papiers, gebildet, die einzeln, mit einer breiartigen
Klebemasse angestrichen, aufeinandergelegt werden, bis sie die
Strke eines festen Kartons erreicht haben. Durch Klopfen mit einer
langstieligen Brste wird die Schriftkolumne in die weiche Papiermasse
eingeprgt und die Mater dann unter mssigem Druck und bei gelinder
Wrme in der Trockenpresse getrocknet. Der Guss geschieht in einem
Apparat wie der Daulsche.

Der Vorteil bei diesem Verfahren liegt nicht allein in der Billigkeit
und der Leichtigkeit der Herstellung, sondern grndet sich auch darauf,
dass eine und dieselbe Mater fr den Guss mehrerer Platten benutzt
werden kann und dass man die Matern nach dem Guss, oder ohne berhaupt
einen solchen vorzunehmen, fr den spteren Gebrauch mit Leichtigkeit
aufheben kann. Auch ist ein hoher Ausschluss nicht notwendig. Der
ganze Apparat ist ein so einfacher, dass selbst eine kleine Druckerei
mit Vorteil einen solchen anschaffen kann. In neuester Zeit ist noch
ein Verfahren eingefhrt, um die Matern rasch und ohne Ofenwrme zu
trocknen, was fr die Schonung der Schrift, mehr noch fr die der
Holzschnitte, von Bedeutung ist.

[Sidenote: Jannins Cellulod-Clich.]

Von einschneidender Wichtigkeit scheint die Erfindung der
CELLULOD-CLICHS zu werden; doch ist die Methode noch zu neu, um ein
bestimmtes Urteil, namentlich ber die Tragweite des Nachteils der
leichten Entzndbarkeit, dieser Clichs zu fllen.

Der Bildhauer JANNIN in Paris war auf den Gedanken gekommen, das
Cellulod, eine durch chemische Behandlung von Faserstoff hergestellte
Masse von ausserordentlicher Hrte, ausserdem, nach erfolgter Erwrmung,
von grosser Biegsamkeit, ausser zu verschiedenen plastischen Arbeiten zu
Clichs fr typographische Zwecke zu benutzen.

Um dieses zu knnen, war es jedoch notwendig, eine entsprechende
Masse fr die Mater zu schaffen, die den bei der Herstellung des
Cellulod-Clichs notwendigen Druck unter Erhitzung vertragen konnte.
Eine solche Masse wurde in einem aus Bleigltte und Glycerin bestehenden
Knetstoff gefunden. Derselbe wird in halbflssigem Zustande ber den zu
clichierenden Gegenstand sorgsam gestrichen, in derselben Weise, wie
der Gips bei der gewhnlichen Stereotypie, und die Lage bis zu einer
Dicke von 3-5 mm verstrkt. Ist die Mater unter einem mssigen Druck
erhrtet, was bei Holzschnitten in 15-20 Minuten, bei Metall-Originalen,
wo Erwrmung anwendbar ist, in drei bis vier Minuten der Fall ist,
kann sie sofort zur Herstellung eines Clichs verwendet werden, zu
welchem Behuf sie in eine hydraulische Presse gelegt und mit einer durch
Erwrmung schmiegsam gemachten Cellulod-Platte bedeckt wird. Unter
Erhitzung der Presse, der Mater und der Platte bis auf 120C. wird ein
Druck von 120-130 Atmosphren ausgebt, darauf das ganze durch einen
Strom von kaltem Wasser abgekhlt. Nach vollstndiger Erkaltung der
Platte lst sich selbe, ohne vorhergegangene Einreibung des Originals
mit Graphit oder l, mit Leichtigkeit ab und kann sofort zum Druck
aufgenagelt werden. Fehler knnen, wie bei Stereotyp-Platten, durch
Einsetzung eines Pflocks von Cellulod und Nacharbeiten desselben mit
dem Stichel ausgebessert werden. Da die Platte durch keine Suren oder
Farbenzusammensetzungen angegriffen wird, so ist sie ganz besonders zum
Druck von bunten Farben geeignet.

[Sidenote: V. Haye und der Blindendruck.]

Um den DRUCK FR BLINDE machte sich VALENTIN HAYE zuerst verdient. Zu
seinen Versuchen wurde er durch den Verkehr mit einer blinden deutschen
Dame, Frulein von Paradies, veranlasst. Er liess hoch geschnittene
scharfe Typen anfertigen, die in die Rckseite eines starken Papiers
eingeprgt wurden, so dass fr die Finger bemerkbare Erhabenheiten auf
der Vorderseite entstanden. Mit verschiedenen Modifikationen fand das
Verfahren fast in allen anderen Lndern Eingang[90].

  [90] Vergl. Kap. I und XV.

Den Versuchen, den Holzschnitt durch andere Illustrationsverfahren
zu verdrngen, wurde namentlich in Frankreich Vorschub geleistet. A.
DEMBOUR in Metz (1814) stellte durch tzung Platten in Kupfer fr die
Buchdruckerpresse her. Die Zeichnung wurde mittels Pinsels oder Feder
auf Metall gemacht und die nicht bezeichneten Stellen weggetzt. Dem
hnlich ist die Acrographie.

[Sidenote: Zinkhochtzung.]

Grosse Bedeutung hat die ZINKHOCHTZUNG. Dieses Verfahren ist in
Frankreich ein sehr beliebtes geworden, weil ganz besonders fr die
leichten Skizzen geeignet, mit welcher die vielen Witz-, leider auch
vielen Schmutzbltter illustriert werden, zu welchen frher die
lithographischen Kreide- und Federzeichnungen verwendet wurden. Doch
auch in der ernsten Zeitungspresse fand die Methode Eingang, und es
werden oft Bltter geliefert, die nichts zu wnschen brig lassen. Eine
grosse Virtuositt entwickelte namentlich FIRMIN GILLOT, der 1850 Patent
auf sein Verfahren nahm, welches er PANICONOGRAPHIE, die Franzosen
jedoch, welche Gillot als Erfinder der Hochtzung betrachteten,
_Gillotage_ nannten. Eine mehr der Chemitypie sich nhernde Methode ist
die von DULOS. Er macht die Zeichnung mit lithographischer Kreide auf
eine Kupferplatte und lsst diese mit einem schwachen Silberniederschlag
berziehen, der nur auf den nicht bezeichneten Stellen haftet. Hierauf
wird ein mit Quecksilber vermischtes, leichtflssiges Metall heiss auf
die Platte gegossen. Das Metall verbindet sich fest mit den versilberten
Teilen der Platte, whrend die Zeichnung nun so vertieft liegt, dass man
sie als Mater fr ein galvanisches Hochdruck-Clich benutzen kann. Ein
drittes, sehr rasches Verfahren ist das von COMTE, welches besonders fr
die Abbildungen in _l'Art pour tous_ verwendet wird. LEHMANN & LOURDEL
und YVES & BARROT u. a. haben es darin weit gebracht.

[Sidenote: Neue Holzschnittmethode.]

Ein ganz eigentmliches Verfahren, um, wie der Erfinder glaubte,
Holzschnitte billiger und besser herzustellen als bisher, wendeten Mame
& Co. in Tours an.

Bekanntlich sind die Kreuzschraffierungen dem Holzschneider stets ein
Dorn im Auge gewesen, denn das Umschneiden einer Linie an allen vier
Seiten ist eine zeitraubende und Tchtigkeit erfordernde, folglich
teure Arbeit. Der Erfinder der neuen Methode, GUSMAN, lsst nun zwei
Holzblcke bezeichnen, auf dem einen alle von rechts nach links gehenden
Linien, auf den andern die diese von links nach rechts kreuzenden.
Werden diese Platten nach einander auf einem Bogen gedruckt, so zeigt
der Abdruck die kompliziertesten Kreuzschraffierungen, die sich an
Khnheit mit denen des Kupferstiches messen knnen. So sagt die
Theorie, die Praxis hat aber viel hineinzureden. Abgesehen davon, dass
zwei Holzstcke, zwei Zeichnungen, zwei Schnitte und doppelter Druck
notwendig sind, die Ersparnisse also mehr als problematisch werden, so
ist die Wirkung im voraus seitens des Zeichners kaum zu berechnen. Die
beiden sich kreuzenden Linien vereinigen sich nmlich nicht wie in der
Radierung, sondern die eine Lage liegt sichtbar ber der andern und
bringt dadurch oft eine falsche Wirkung hervor[91]. So interessant diese
Versuche sind, so verlautet doch von den praktischen Erfolgen nichts.

  [91] Auf einem grossen Blatt: Die Grablegung Christi nach Tizian
       sieht z. B. das nackte Bein eines der Knieenden ganz so aus, als
       wre es mit einem Strumpf bekleidet.

Das beginnende Fehlen des Buxbaumholzes hat zu vielen Versuchen
geleitet, dieses zu ersetzen. 1876 nahm BERTIN BADOUREAU ein Patent auf
komprimierte Birnbaumplatten. Durch Kochen, Pressen, Gelatinieren wird
das Holz unempfindlich fr die Einwirkung von Temperatur und Witterung
und fast auf die Hlfte des ursprnglichen Umfanges reduziert.

[Sidenote: H. Marinoni * 1823.]

Was der Name Knig & Bauer fr Deutschland, ist derjenige HIPPOLYTE
MARINONIS fr Frankreich. Dieser ward in Paris geboren, arbeitete bei
Gaveaux und baute spter im Verein mit diesem seine ersten Maschinen.
Die Pressen, mit welchen Marinoni seinen grssten Ruhm erwarb und mit
denen er der Journalistik in Frankreich einen sehr bedeutenden Vorschub
leistete, waren seine Maschinen _ Raction_, in welchen -- im Gegensatz
zu den Maschinen _ Retiration_ mit mehreren Cylindern -- Druck und
Widerdruck durch einen und denselben Cylinder gebt wird, indem ihm
der das erste mal gedruckte Bogen ber Rollen weg nochmals behufs des
Widerdrucks zugefhrt wird. Der Nachteil bei diesen die Schnelligkeit
sehr frdernden Maschinen ist, dass auf dem Cylinder keine Zurichtung
stattfinden kann. Whrend nun mglicherweise der Schndruck aus einer
kompressen Form besteht, bietet der Widerdruck vielleicht eine mit
grossen Anzeige-Schriften oder dgl. gefllte, die eine ganz andere
Behandlung im Unterlegen verlangt. Da lsst sich nur durch primitive
Unterlegung unter der Schriftform etwas nachhelfen; alles andere
muss, wie bei den alten Holzpressen ehe man die Zurichtung im Deckel
kannte, durch einen sehr starken, oft zu erneuernden Filzberzug des
Cylinders erzwungen werden. Hiervon rhrt zumteil eine Ausfhrung der
franzsischen Zeitungen her, welche sehr zu ihren Ungunsten nicht allein
gegen die der englischen, sondern auch gegen die der deutschen Zeitungen
absticht, obwohl letztere nicht gerade stolz auf ihr usseres Gewand
sein drfen. Jedoch der Billigkeit und der Schnelligkeit wurde gengt;
die franzsischen Abendbltter, welche erst nach Schluss der Brse, um
vier Uhr, fertiggestellt werden konnten, wurden schon um fnf Uhr durch
ganz Paris verkauft.

Bereits 1847 hatte Marinoni seine berhmte vierfache Maschine fr _La
Presse_, der spter die sechsfache folgte, geliefert. Im Jahre 1867
baute er fr _Le Petit Journal_ eine Maschine, welche stndlich 36000
des in mehreren Exemplaren clichierten Blattes fertigstellte, so dass
die damalige Auflage von 350000 Exemplaren durch fnf Maschinen in
zwei Stunden beschafft werden konnte. Derartige Druckapparate, in
Verbindung mit dem verhltnismssig geringen Umfang der franzsischen
Bltter, der typographischen Gengsamkeit des Zeitungspublikums und
der Unsicherheit der Presszustnde verursachte, dass die mchtigen und
kostspieligen Rotationsmaschinen bei weitem nicht die Bedeutung fr
Frankreich wie fr England und Amerika hatten. Dass Marinoni jedoch den
Bau derselben nicht unterlassen wrde, verstand sich von selbst, und er
besitzt bereits siebzehn Patente auf solche. Seine Rotationsmaschinen
unterscheiden sich von den anderen hauptschlich durch die Lage der
Satz- und Druckcylinder, die ber einander angebracht sind[92]. Von
seinen kleineren Maschinen sind namentlich die _Universelle_ (1850) und
die _Indispensable_ (1853) weit verbreitet. Bis zum Jahre 1880 hatte er
6539 Maschinen fr typographische Zwecke und 410 Dampfmaschinen gebaut.
In Deutschland ist Marinoni bald hoch belobt, bald sehr getadelt worden;
Thatsache ist wohl, dass er einer der genialsten Constructeure der
Jetztzeit ist.

  [92] Journ. f. B. 1878, Nr. 75. -- Ann. d. Typ. IV. B. 1873, Nr. 189.

[Sidenote: P. Alauzet * 15. Juni 1816, [+] 22. Jan. 1881.]

Als an Tchtigkeit Marinoni gleichkommend, in Eleganz und Nettigkeit
selbst in den unwesentlichen Teilen der Arbeit ihn bertreffend
ist PIERRE ALAUZET zu nennen. In Rodez geboren, war er bis zu
seinem achtzehnten Jahre Landarbeiter und kam ohne die geringsten
mechanischen Kenntnisse bei dem Pariser Pressenfabrikant Normand in
Arbeit. Nach vollendetem Tagewerk besuchte er die Schule und holte
das ihm Fehlende so gut nach, dass er sich 1846 etablieren konnte.
Bekannt sind namentlich seine Schn- und Widerdruckmaschinen fr feine
Werk- und Illustrationsarbeiten, die auch in dem Sden Deutschlands
Eingang fanden. Dem Abschmutzen des Schndruckes beim bergang auf den
Widerdruckscylinder wird mittels Durchlassens von Schmutzbogen begegnet.

Von seinen 2500 Schnellpressen ist fast nicht eine ganz wie die andere
gebaut, da er unermdlich bestrebt war, Verbesserungen anzubringen. Fr
die _Petite Rpublique Franaise_ lieferte er eine Rotationsmaschine
fr zwei Meter breites Papier, welche stndlich 70-80000 Exemplare des
Blattes druckt; mit der fr Illustrationsdruck bestimmten hat er erst
nach vielen Versuchen befriedigende Resultate erzielt.

[Sidenote: A. B. Dutartre u. a.]

A. B. DUTARTRE und andere lieferten Maschinen mit _mouvement vari_,
deren Druckcylinder whrend der Zeit, in welcher er den Druck bt, sich
langsamer bewegt und solche, deren Druckcylinder so langezeit ruht,
wie das Fundament gebraucht, um zum zweitenmal unter dem Farbenwerk
hin- und zurckzugehen, damit die Einfrbung verstrkt werde. Seine
Zweifarben-Maschinen gewannen allgemeine Anerkennung.

Fr vier Farben bauten PRUDON & CO. eine Presse, bei welcher die Formen
hinter einander liegen; hierdurch wurde eine Lnge von sieben Metern
erforderlich, die den Eingang dieser Maschinen hinderte.

[Sidenote: Lithographische u. Kupferdruckmaschinen.]

Als Verfertiger lithographischer Maschinen erwarb TH. DUPUY Ruf.
Marinoni baute ebenfalls solche, die zugleich fr typographischen Druck
zu verwenden waren. Sie arbeiteten zwar sehr gut, die Umnderung von
einer Druckweise zur andern erforderte jedoch viel Zeit und diejenigen
Offizinen, welche Lithographie mit Typographie verbanden, waren in der
Regel auch in der Lage, besondere Maschinen fr die verschiedenen Zwecke
anzuschaffen.

JULES DERRIEY, der Bruder des genialen Schriftgiessers Charles, erwarb
sich Verdienste durch seine Zeitungsmaschinen von sehr einfacher
Konstruktion mit Cylinderfrbung nach deutscher Art und baute auch
Rotationsmaschinen[93]. Bekannt sind weiter fr Zeitungsmaschinen A.
Y. GAVEAUX, fr einfache Schnellpressen H. VOIRIN und MAULDE & VIBART.
Auf Laien machte auf allen Ausstellungen die kleine, sehr niedliche
Visitenkartenpresse von G. LEBOYER grossen Eindruck[94].

  [93] Journ. f. B. 1876, Nr. 24.

  [94] Journ. f. B. 1878, Nr. 36 u. 37.

Noch sei eine eigentmliche Kupferdruckpresse erwhnt, welche AUG.
GODCHAUX zum Druck seiner kalligraphischen Vorlagen benutzt. Sie ist
in der Art der Kattundruckpresse eingerichtet und druckt von endlosem
Papier 2-3000 Exemplare. Nach vollzogenem Druck wird der Bogen durch
Mechanismus von der Papierrolle abgetrennt. Ein Apparat, gleich dem
Messer eines Farbewerks der Schnellpresse, hlt die Kupferplatte rein.
Fr den Druck von Kunstblttern gengt die Maschine nicht.

Die Schriftgiessmaschine wurde von BAUDOIN, LAVAL, FOUCHER u. a. sehr
verbessert. Beifall fanden die Maschinen von SERIRE & BAUSA, welche mit
zwei Giessinstrumenten und zwei Pfannen, die mit Einem Feuer erhitzt
werden, versehen und von Einem Arbeiter bedient, tglich gegen 50000
Buchstaben lieferten.

[Sidenote: Hlfsmaschinen und Apparate.]

Von Arbeitserleichterungsmaschinen sind L. POIRIERS und L. LEGRANDS
Bronciermaschinen, TOLMERS Feuchtapparate und P. RAGUENEAUS
autographische Pressen beachtenswert. Als Motor ist die Gasmaschine
LENOIRS sehr beliebt.

Die allgemeinste Verbreitung und Nachahmung fanden die MECHANISCHEN
SCHLIESSSTEGE von MARINONI & CHAUDR, die in einfach-praktischer Weise
einen vortrefflichen Ersatz der Schraubenrahmen bildeten. Eiserne
Stege, an denen die dem Rahmen zugekehrte Seite schrg geformt und
gezahnt ist, werden durch kleine, zwischen Steg und Rahmen einzufgende
Rdchen, in deren Einschnitte die Zhne des Steges eingreifen, mittels
eines Schraubenschlssels unter sehr geringer Kraftanwendung angezogen
und so die Form ganz fest geschlossen. ALCAN LVY & LAVATER traten
mit zerlegbarem Schliessrahmen auf, VALT & CO. in Marseille mit
galvanischen Hohlstegen.

[Sidenote: Utensilienlager.]

Die Anschaffung des Materials erleichterte namentlich das grosse
Utensilien-Geschft von J. E. BOIELDIEU & FILS, denen auch manche
Verbesserung zu verdanken ist. Namentlich sind ihre Stereotyp-Apparate
vortrefflich. Die von ihnen gebaute grosse Plakatpresse besteht in
einem mit Zahnstangen versehenen Fundament, in welchem ein Cylinder mit
Zhnen, hnlich wie in den Korrekturpressen, sich bewegt. Das Durchsehen
des reichhaltigen illustrierten Katalogs[95] der Firma belehrt in
leichter Weise ber die Unterschiede des deutschen und des franzsischen
Materials. Ein zweites sehr umfangreiches Utensilien-Geschft sind
die, durch Fusion der Firmen CH. BONNET & CO. aus Genf und CHEVALIER &
DREYFUS in Paris entstandenen _Usines Gutenberg_.

  [95] _Outilage Typographique Boieldieu._ Paris.

Die franzsische Druckfarbe ist in den feineren Qualitten vorzglich.
Als Fabrikanten stehen obenan CH. LORILLEUX[96], denen LE FRANC & CO.,
PRUDON & CO., CAUDERON & CO. fr bunte Farben folgen. LEMERCIER & CO.
liefern vorzgliche lithographische Farben[97].

  [96] _Ch. Lorilleux sur la Fabrication des encres d'Imprimerie._
       Paris 1867. Lorilleux giebt jhrlich einen Abreiss-Kalender mit
       geschichtlichen oder technischen Notizen heraus. Der Jahrgang
       1882 enthlt eine typographische Bibliographie der in Frankreich
       erschienenen Fachwerke. Jnecke & Schneemann in Hannover folgten
       dem Beispiel.

  [97] Didot behauptet, dass die Erfindung der Kompositionswalze einem
       franzsischen Leimfabrikanten GARMAL gehre (vgl. dagegen S. 34).

[Sidenote: Das Papier.]

Das franzsische Papier hat einen verdienten Ruf erworben und Frankreich
gehrt die Ehre der Erfindung der Papiermaschine. Auf Anregung
Didots liess PIERRE MONTGOLFIER das erste ungerippte Velinpapier
anfertigen und adoptierte das hollndische System der Zerfaserung
der Lumpen durch Schneidecylinder statt durch Stampfen. Die erste
Idee des Papiers ohne Ende hatte der Werkfhrer LOUIS ROBERT in der
Papiermhle Didot-Saint-Lgers in Essonnes gefasst. Letzterer erwarb
die Rechte Roberts und erhielt von der Regierung 8000 Livres zu seinen
Versuchen. Infolge der Revolution begab sich Didot nach London, wo die
Papiermaschine durch die Talente des Ingenieurs DONKIN und die Khnheit
der Papierfabrikanten Gebr. FOUDRINER ihre Vervollkommnung erhielt. Als
Didot 1814 nach Frankreich zurckgekehrt war, wurde nach seinen Angaben
die erste Maschine von Berthe in Sorel gebaut, es folgten solche in
Saint Jean-d'Heures und in Mesnil. Zu gleicher Zeit wurde sie durch
Canson in Annonay errichtet.

An Papierfabriken besitzt Frankreich 524 mit 28656 Arbeitern und mit
einer Betriebskraft von 21000 Pferden. Sie produzieren jhrlich Ware zu
einem Werte von 104 Millionen Franken. Die wichtigsten Produktionsorte
sind Annonay, Angoulme und das Departement Isre. Die Papiersteuer
brachte 16439000 Franken.

[Sidenote: Die Buchbinderkunst.]

In der Kunst des Buchbindens steht Frankreich obenan. Von dem
Bcherleinen hat es sich im ganzen genommen freigehalten. Fast alle
neuen Bcher werden im broschierten Zustand in den Handel gebracht.
Ausgenommen davon ist die Litteratur der Andachtsbcher, in deren
Herstellung zu fabelhaft billigen Preisen bei reicher Ausstattung MAME &
CO. in Tours Bedeutendes leisten. Neben diesen billigen Einbnden kommen
jedoch auch die kostbarsten aus Seide, Sammet, Leder und Elfenbein mit
echten Spangen und Beschlgen vor, die sich in die hchsten Preise
versteigen. Die Handarbeit, untersttzt durch Reichtum und Geschmack
einer bedeutenden Zahl von Bcherfreunden, hat in Frankreich noch einen
grossen Spielraum. Sie bertrifft an Geschmack die englische, muss aber
dieser den Vorzug in der Behandlung des Leders einrumen. Verwendet
werden gewhnlich Chagrin und Corduan. Die Mosaikarbeiten der Franzosen
sind nicht eigentlich eingelegte Arbeiten, sondern die betreffenden
Stellen werden ganz dnn geschabt, das andere farbige Leder darauf
gelegt und die Rnder mit Goldverzierungen bedruckt.

Auf die strenge Einteilung der Arbeit in der Buchbinderei wurde schon
hingewiesen. In den einzelnen Offizinen sind wieder die einzelnen
Beschftigungen gruppenweise verteilt. Viele der Arbeiter, die in ihrer
Spezialitt Vorzgliches leisten, wrden nicht imstande sein, allein ein
Buch leidlich zu binden. Dieses System mag allerdings der allgemeinen
Ausbildung des einzelnen Individuums hinderlich sein, das Publikum
erhlt jedoch durch dasselbe billigere und bessere Bnde.

Neben der Anlehnung an die goldene Zeit hat sich eine selbstndige
moderne Dekorationsweise ausgebildet, die vieles Hbsche liefert. Die
Fhrerschaft drfte LORTIC zukommen, der sich ganz besonders durch die
Wissenschaftlichkeit seiner Arbeiten auszeichnet. Jeder Einband ist in
dem Geist der Zeit, welcher das Werk angehrt, streng durchgefhrt; fr
die jetzige Zeit hat er sich einen eigenen Stil des XIX. Jahrhunderts
gebildet. Bnde von ihm werden bis mit 3000 Franken bezahlt.

[Illustration]


[Illustration]

                              VI. KAPITEL.

                DER STAAT UND DIE PRESSE IN FRANKREICH.

                  DIE SCHPFER DER NEUERN TYPOGRAPHIE.

  DER STAAT UND DIE PRESSE unter Ludwig XVI., der Revolution,
    Napoleon I., der Restauration, dem Brgerknigtum, Napoleon III. DIE
    LTEREN BUCHDRUCKEREIEN: Die Staatsdruckerei und die Didot in ihrem
    Einflusse auf die Typographie, die Familien Panckoucke, Barbou,
    Lottin, Treuttel & Wrtz, Berger-Levrault, Dentu, Crapelet.

[Sidenote: Die Presse unter Ludwig XVI.]

Htte die Liebe eines Knigs fr die Buchdruckerkunst gengt, um
diese in dessen Lande zum grssten Flor zu bringen, so msste sie in
Frankreich unter Ludwig XVI. goldene Tage gehabt haben[98]. Ludwig war
noch als Kind durch Martin Lottin in der Kunst unterrichtet worden und
druckte als Dauphin, kaum zwlf Jahre alt, 1766 einen kleinen Band:
_Maximes tires de Tlmaque_. Auch Karl v. Artois, spter Karl X.,
besass Vorliebe fr die Kunst und liess 1780-1784 bei dem lteren Didot
eine Sammlung von franzsischen Schriftstellern in 64 Bnden in 18. fr
sich drucken, whrend Ludwig XVI. spter die Sammlung _ad usum delphini_
(zum Gebrauch fr den Dauphin) ausfhren liess. Mehr als in irgend einem
andern Lande hatten die Aristokraten Frankreichs sich es angelegen sein
lassen, Privatdruckereien zu errichten. Bereits whrend der Regierung
Heinrichs IV. besass der Kardinal Duperron eine Druckerei in Bagnolet
bei Paris, ebenso spter Kardinal Richelieu auf Schloss Richelieu in
der Touraine. Der Kanzler d'Auguesseau; die Marquise von Pompadour; die
Dauphine Marie Josephe, Mutter Ludwigs XVI.; der Herzog von Burgund,
Bruder Ludwigs XVI., und manche andere Grossen waren Besitzer von
Privat-Offizinen.

  [98] P. DUPONT, _Histoire de l'Imprimerie, vol._ I. Paris 1854.
       -- A. F. DIDOT, _Histoire de la Typographie_. Paris 1882.
       (Abdruck aus der _Encyclopdie moderne_.) -- EDM. WERDET, _De la
       Librairie Franaise_. Paris 1860. -- F. A. DUPRAT, _Histoire de
       l'Imprimerie Impriale_. Paris 1861. -- ED. WERDET, _Histoire du
       Livre en France_. 4 Bde. Paris 1861-62.

[Sidenote: Die Revolutionszeit.]

Im Jahre 1777 erliess Ludwig XVI. ein Gesetz zur Regelung des
litterarischen Eigentumsrechts, nach welchem jedoch alles auf
Privilegien beruhte, die, wenn einmal den Autoren erteilt, auch auf
die Erben derselben bergingen, jedoch, wenn in Buchhndlerhnden
befindlich, mit dem Tode des Verfassers erloschen. Wie alle Privilegien
fielen auch diese durch Beschluss der konstituierenden Versammlung vom
4. August 1789, nach welcher Zeit nun auch jeder, der einige Zentner
Schriften kaufte oder borgte und ein Patent zahlte, Buchdrucker werden
konnte. Selbst diese letzte Bedingung hrte 1793 auf, und die Zahl der
Buchdruckereien wuchs von den frheren 36 privilegierten auf 700. Die
Pressfreiheit war bereits durch die Verfassung vom 14. September 1791
garantiert, nach welcher jeder das Recht erlangte, seine Gedanken ohne
vorherige Zensur schreiben, drucken und verffentlichen zu knnen. Unter
dem Direktorium wurde wenigstens festgestellt, dass der Buchdrucker
seinen Namen auf alles, was er druckte, setzen, auch auf Aufforderung
den Namen des Verlegers nennen musste.

Broschren auf rtlich-grauem Papier mit Typen gedruckt, die mitunter
geradezu unleserlich waren, sind die hauptschlichsten Produkte der
Revolutionszeit. Eins der lohnendsten Geschfte war der Druck von
Assignaten, deren erste Emission im Betrage von 1200 Millionen am 19.
Dezember 1789 dekretiert wurde. Der Direktor der Kniglichen Druckerei,
Anisson-Duperon, wurde mit der Ausfhrung betraut. Die spteren
Emissionen beschftigten Tag und Nacht eine grosse Anzahl von Pressen.
Ende 1794 wurden auf einmal 40 Milliarden in Auftrag gegeben.

[Sidenote: Das Konsulat.]

Unter den Konsuln wurde 1797 die politische Tagespresse auf ein
Jahr unter Aufsicht der Polizei gestellt und spter diese Anordnung
prolongiert. 1800 behielten sich die Konsuln das Recht der
Repressivmassregeln gegen diejenige Zeitungspresse vor, die sich etwa
gegen die Gesellschaft, die Regierung oder die Souvernitt des Volkes
versndigte. Durch ein weiteres Dekret vom Jahre 1803 wurde bestimmt,
dass ein Exemplar jedes Buches dem Revisionsamte zur Durchsicht
bergeben werden sollte zum Schutze der Freiheit der Presse (!).

Die Zeit war der letzteren nicht gnstig. Die Zahl der Zeitschriften
verminderte sich und die 1790 vorhandenen 700 Buchdruckereien waren
auf 340 zusammengeschmolzen. Dafr begannen nun die lteren, gut
eingerichteten Offizinen an die alten Traditionen wieder anzuknpfen.

[Sidenote: Das Kaisertum.]

Nach Begrndung des Kaisertums beschftigte sich Napoleon sehr mit
der Organisation des Buchhandels und der Buchdruckerei. Ein bekannter
Schriftsteller, Fieve, wurde mit dem Plane betraut. Die Buchdruckerei
-- so argumentierte Napoleon -- ist ein mit gefhrlichen Waffen
geflltes Zeughaus, das man ungern in den Hnden des ersten besten
lsst. Die Buchdruckerei ist kein Handelszweig; es gengen deshalb
einfache Privilegien, um sie zu organisieren. Es handelt sich um einen
Stand, an dessen Gedeihen der Staat ein Interesse hat, letzterer muss
deshalb die Entscheidung in den Angelegenheiten dieses Standes haben.
Der Buchdrucker kann ein geschickter, selbst ein gelehrter Mann sein, er
ist aber kein Kaufmann und kein Fabrikant. Eben weil der Erfolg nicht
von ihm selbst, sondern von der Spekulation anderer abhngt, kann nur
eine gewisse Zahl von Buchdruckern existieren. Beschrnkt der Staat
nicht die Zahl und leidet infolge davon der Buchdrucker Not, so kann
man nicht auf dessen rechtlichen Charakter zhlen und die Druckkunst
ist eine zu furchtbare Waffe, um sie in den Hnden von Notleidenden zu
lassen. Gut situierte Brger sind weniger geneigt, gegen die Gesetze zu
handeln; es ist deshalb ebenso human als politisch richtig, die Zahl der
Buchdruckereien zu beschrnken und aus demselben Grunde die Zahl der
Lehrlinge zu normieren.

[Sidenote: Direktion der Buchdruckerei.]

Am 5. Februar 1810 erschien das Dekret, welches eine Direktion
der Buchdruckerei und des Buchhandels einrichtete. Die Zahl der
Buchdruckereien wurde in Paris auf 60 festgestellt, die unter den 3-400
bestehenden gewhlt werden sollten. Die bleibenden hatten die andern zu
entschdigen und waren verpflichtet, das Material der zu lschenden
Firmen anzukaufen. 4000 Franken, fr die eine mehr, fr die andere
weniger, wurden als Durchschnittsentschdigung bestimmt. Das _Brevet_
war eine einfache Autorisation und schloss nicht, wie dies bis zum
XVIII. Jahrhundert der Fall gewesen war, die Garantie der geschftlichen
Befhigung des Inhabers in sich. Strenge Massregeln in betreff der zu
fhrenden Geschftsbcher wurden getroffen.

[Sidenote: Privilegien.]

Ein weiteres Dekret vom 11. Februar 1811 erhhte die Zahl der
Buchdruckereien auf 80, das litterarische Eigentumsrecht wurde geregelt
und die Zensur in _optima forma_ eingefhrt. Ein dem Ministerium der
Polizei beigegebenes _Bureau de l'esprit public_ sollte fr Verbreitung
der Regierungsansichten und die Bearbeitung der ffentlichen Meinung
wirken. Jedes Departement durfte nur ein Journal haben, fr jeden
Zeitungsbogen zahlte man 1 Centime Stempelgebhren.

Im Jahre 1812 wurden die Privilegien auch fr den Buchhandel eingefhrt,
jedoch die Zahl der Buchhandlungen nicht beschrnkt. Zensierte Werke
konnten nachtrglich konfisziert werden, jedoch mussten die Druckkosten
ersetzt werden. Diese Bestimmung kam nur in einem einzigen Fall zur
Anwendung und zwar anlsslich des Werkes _De l'Allemagne_ der Frau von
Stal.

[Sidenote: Napoleons Interesse fr die Typographie.]

Dass der Buchhandel und die Buchdruckerei sich unter der Regierung
Napoleons trotz des usseren Glanzes nicht recht entwickeln konnten,
wird jeder verstehen. Unter den von der Regierung selbst hervorgerufenen
Werken steht obenan die _Description de l'gypte_, das Resultat der
Thtigkeit der gelehrten Kolonie, welche Bonaparte mit nach gypten
gefhrt hatte.

Htte berhaupt die Typographie keine andere Aufgabe gehabt, als der
Wissenschaft zu dienen, so wrde sie in Napoleon gewiss den grssten
Freund gefunden haben, denn ein Geist wie der seinige konnte den Verkehr
mit der Presse nicht entbehren. Selbst im rgsten Kriegslrm mochte er
die Wissenschaft und die Litteratur nicht missen.

[Sidenote: Beabsichtigte Feldbibliothek.]

Bereits 1798 hatte er daran gedacht, eine Feldbibliothek herstellen
zu lassen, die ihm auf seinen Feldzgen folgen sollte, und 1808 den
Plan wieder in Bayonne aufgenommen. Als er bei seinem Aufenthalt in
Schnbrunn die Werke, die er mitzufhren gewnscht hatte, die aber
wegen des usseren Umfangs zurckgeblieben waren, sehr vermisste, kehrte
er ernstlich zu der Idee einer Feldbibliothek zurck und diktierte am
12. Juni 1809 den Plan zu einer solchen, der seinem Bibliothekar Barbier
als Richtschnur unterbreitet werden sollte.

Napoleon wollte eine Sammlung schn gedruckter und gut gebundener Werke
in kleinem Format mit kleinem Rand. Er sei reich genug, um sich diesen
Wunsch erfllen zu knnen. Vorlufig wollte er 3000 Bnde von je 4-500
Seiten, hauptschlich geschichtlichen Inhalts, die Bibel drfe nicht
fehlen; wren diese 3000 Bnde fertig, so knnten weitere 3000: Reisen,
Naturgeschichtliches, Unterhaltendes, folgen. Eine Anzahl gewiegter
Mnner der Wissenschaft sollte die Redaktion besorgen und allen unntzen
Ballast ber Bord werfen.

Im November 1809 stattete Barbier seinen Bericht ab. Die Kosten fr
die 3000 Bnde waren bei einer Auflage von fnfzig Exemplaren auf vier
und eine halbe Million Franken berechnet. Wrden jedoch 300 Exemplare
gedruckt und verkaufte man den Band zu fnf Franken, so entstnde eine
Einnahme von etwa drei Millionen Franken. Man glaubte, tglich einen und
einen halben Band oder jhrlich gegen 500 Bnde liefern zu knnen. Die
Proben wurden gemacht -- und hierbei blieb es.

[Sidenote: Kunstleistungen der Kaiserlichen Druckerei.]

Ein seltenes Pracht- und Kunststck fhrte die Kaiserliche Druckerei
aus, als Papst Pius VII. anlsslich der Kaiserkrnung 1805 sich in Paris
aufhielt und die erwhnte Anstalt besuchte. Whrend dieses Besuches
druckten 150 Pressen die _L'oraison dominicale_ (das Vater unser)
in 150 Sprachen und der Direktor Marcel berreichte dem Papste das
Widmungsexemplar.

Bei Gelegenheit der Geburt des Knigs von Rom beschloss Napoleon den
Druck einer Sammlung in der Art der Ausgaben _ad usum delphini_. Mit der
Aufstellung des Katalogs war jedoch auch diese Sache zuende.

Sozusagen beim Bivouac-Feuer entwarf Napoleon den Plan zu einer
Fortsetzung der _Histoire de France_ von Velly, durch den Abb Halma,
den Bibliothekar der Kaiserin. Schliesslich darf nicht das wichtigste
Werk der ganzen Zeitperiode, das dem Kaiser so viel zu verdanken hatte,
der _Code Napolon_, vergessen werden.

Als das Unglck ber den Kaiser hereinbrach, konnte es nicht fehlen,
dass die Presse im geheimen stark gegen ihn arbeitete und dass die
Massregeln gegen dieselbe noch verschrft wurden. Whrend der Hundert
Tage, als er die Presse brauchte, wollte er die von Ludwig XVIII.
bereits zugesagte Pressfreiheit gewhren und ein Dekret vom 24. Mrz
1815 hob die Zensur auf. Waterloo machte das Dekret zu einem toten
Buchstaben.

[Sidenote: Die Restauration.]

Das erste Kaiserreich hatte dem Buchgewerbe die goldene Zeit nicht
gebracht. Gnstiger waren die Auspizien bei Beginn der Restauration. Der
Artikel VIII der Charte sicherte allgemeine Pressfreiheit zu. Es dauerte
jedoch kaum einen Monat, als die Repressionsmassregeln wieder begannen.
Unter anderem konnten die Zeitschriften nur mit Autorisation des Knigs
erscheinen. Bei bertretungen der Gesetze stand das Zurckziehen des
Brevets in Aussicht.

[Sidenote: Julirevolution.]

Wir knnen nicht der Geschichte der Massregelungen gegen die Presse
durch alle ihre Phasen Schritt fr Schritt folgen. Zensur, Kautionen,
Suspensionen, eine etwas grssere oder kleinere Portion Pressfreiheit
folgten in schnellem Wechsel unter der Herrschaft Ludwigs XVIII. Die
Regierung Carls X. fing fr die Presse etwas milder an, aber das
projektierte Pressgesetz vom 29. Dezember 1826 bertraf an Schrfe
alles bisherige, wurde jedoch von der Pairskammer abgelehnt, die sich
diesmal liberaler als die Deputiertenkammer zeigte. Nichtsdestoweniger
wurde gegen Buchdrucker, Buchhndler und Journalisten mit grosser
Strenge verfahren. Die Prozesse huften sich; nicht allein wirkliche
Pressvergehen, sondern selbst unbedeutende Formfehler wurden
unnachsichtlich und schwer bestraft. Die Massregeln schlossen mit den
berchtigten Ordonnanzen Polignacs vom 25. Juli 1830, die das Ende
der Regierung Carls X. herbeifhrten. Trotz der Verfolgungen gegen
die Presse behielt doch der letzte der Bourbonen seine Liebe fr die
Druckkunst bei und zeichnete fters die Vertreter derselben persnlich
aus, liess auch manche grosse Unternehmungen durch Subskription der
Ministerien untersttzen.

Leider vergingen die blutigen Julitage nicht ohne grobe Unordnungen
seitens der typographischen Arbeiter, welche in mehreren Druckereien die
Schnellpressen zerstrten. Jedoch die Masse der Arbeiter trat gegen die
Unruhestifter auf und eine Proklamation Firmin Didots an die Arbeiter
trug sehr viel zur Beruhigung derselben bei.

[Sidenote: Das Brgerknigtum.]

Die neue Charte vom 14. August 1830 brachte wieder Pressfreiheit und
ewige Aufhebung der Zensur. Die Lage der Buchdrucker und Buchhndler
ward durch die allgemeine Krisis eine sehr schwierige und die Folgen
der berproduktion zeigten sich in trauriger Weise. Die Regierung that,
was sie konnte, um die Kalamitt zu mildern und gewhrte Anleihen.
Benj. Constants Antrag auf Freigebung der Buchdruckerei und des
Buchhandel-Gewerbes scheiterte zwar, die gesetzlichen Bestimmungen
wurden jedoch vielfach umgangen, indem man Zessionen an Nichtfachleute
zuliess und die Grndung von _Succursales_ gestattete, die unter
Verantwortlichkeit von Brevetinhabern von anderen betrieben wurden. Auch
entstanden in der nchsten Umgebung von Paris Druckereien, die recht
wohl mit den brevetierten konkurrieren konnten. Mehrere Druckereien
nderten sich in Aktienunternehmungen um und nahmen kolossale
Dimensionen an.

Die Lage der Journale war sehr erleichtert; man benutzte aber keineswegs
die Freiheit mit der notwendigen Mssigung, so dass ein beschrnkendes
Gesetz am 9. September 1835 erlassen wurde, das von der Regierung jedoch
mit Schonung gehandhabt wurde.

Ludwig Philipp selbst war, wie die Bourbonen es gewesen, ein Freund der
Buchdruckerkunst. Mag er auch sonst als recht sparsam gegolten haben, in
Bezug auf die Erzeugnisse der Presse zeigte er sich freigebig und liess
mehrere grosse Unternehmungen auf seine Kosten drucken. Die Korrekturen
las er dann selbst und las sie sehr gut.

[Sidenote: Die Revolution von 1848.]

[Sidenote: Das zweite Kaiserreich.]

Bekanntlich nahm das Brgerknigtum am 24. Februar 1848 ein jhes Ende.
Die provisorische Regierung zhlte mehrere Mnner der Wissenschaft und
der Presse unter ihren Mitgliedern. Ihre Freunde fanden Anstellung
in der Administration; es war also natrlich, dass die Presse mit
Wohlwollen behandelt wurde. Der Zeitungsstempel, die Kautionen und
das strenge Pressgesetz vom 9. September 1835 wurden aufgehoben. Eine
Unmasse von Journalen entstand, die Vorteile aus dem Druck fielen jedoch
nur einigen wenigen grossen Zeitungsdruckereien zu, die eigentlichen
Werk- und Accidenzdruckereien litten Not und fast der dritte Teil
der Arbeiter war brotlos. Whrend der Zeit der am 10. November 1848
begonnenen Prsidentschaft Louis Napoleons und des Kaiserreichs
Napoleons III. hob sich das Druckgeschft wieder, aber es traten
selbstverstndlich strengere berwachungsmassregeln ein. Im Jahre 1852
wurde die _Direction gnrale de l'Imprimerie et de la Librairie_
ins Leben gerufen, welche Massregel im allgemeinen mit Befriedigung
aufgenommen wurde.

Das neue Pressgesetz vom 17. Februar 1852 gab der am 2. Dezember 1852
eingesetzten kaiserlichen Regierung eine furchtbare Waffe in die Hnde,
denn es hing alles von der Art der Ausfhrung des Gesetzes ab. Napoleon
III. liebte die Buchdruckerkunst gleich seinen Vorgngern, und er selbst
suchte, wie bekannt, schriftstellerischen Ruhm. Fr den usseren Glanz
der Typographie namentlich durch die Weltausstellungen, auf welchen das
franzsische Buchgewerbe stets in wrdigster Weise vertreten war, war er
eifrigst besorgt.

Jetzt ist die Republik im Besitz des liberalen Pressgesetzes vom 29.
Juli 1881[99].

  [99] _Loi sur la libert de la Presse, 29. Juli 1881._ -- A. FAIVRE,
       _Code manuel de la Presse 1881._ Paris. -- _Loi de 1881 sur la
       Presse avec observations par H. Celliez et Ch. le Senne._ Paris
       1881.

                   *       *       *       *       *

Wie die franzsischen Regierungen, mgen sie Namen gefhrt haben
wie sie wollten, fortdauernd und mehr als gut war sich mit der
Stellung der Presse zum Staate beschftigten, so setzten sie auch
ihre direkte Beeinflussung der technisch-gewerblichen Verhltnisse
der Buchdruckerkunst durch die Staatsdruckerei fort, welche jedoch
mehr und mehr sich von ihrem schnen Ziel, der Veredelung der Kunst,
entfernte, um in die Reihe der brotsuchenden Anstalten zu treten und den
Privatdruckereien Konkurrenz zu machen.

[Sidenote: Staatsdruckerei.]

Die STAATSDRUCKEREI[100] stand seit dem 1723 erfolgten Rcktritt Claude
Rigauds 71 Jahre lang unter der Direktion von Mitgliedern der Familie
Anisson. Die Ernennung des letzten derselben, TIENNE ALEX. JACQ.
ANISSON DUPERON, zum Direktor geschah 1789.

  [100] Vergl. I, S. 208-211. In dem Folgenden ist, bei dem
        fortwhrenden Wechsel der offiziellen Benennung je nach dem
        Wechsel der Regierungsform, die Bezeichnung Staatsdruckerei
        angenommen. -- Ausser DUPRATS Werk (S. 163) vgl. A. J. BERNARD,
        _Notice historique sur l'Imprimerie nationale_. Paris 1848.
        -- V. GOUPY, _L'Imprimerie nationale et sa Collection de
        Types orientales_. Paris 1874. -- A. BERNARD, _Histoire de
        l'Imprimerie Royale du Louvre_. Paris 1867.

[Sidenote: Erwerbungen unter Ludwig XV.]

[Sidenote: L. Luce [+] 1773.]

Bedeutend waren die Fortschritte whrend der Regierungszeit Ludwigs
XV. nicht. Fr die Summe von 100000 Livres erfolgte 1773 die Erwerbung
der aus 15 Graden bestehenden neuen Antiqua und Cursiv, welche der
knigliche Graveur LOUIS LUCE in den Jahren 1740-1770 geschnitten
hatte, zugleich seiner gothischen und Schreibschriften, sowie seiner
zahlreichen Vignetten und Ornamente. Diese neuen Schriften Luces waren
ganz anders gehalten als die von Ludwig XIV. veranlassten. Luce wollte,
wie er selbst sagte, etwas von dem Vorhandenen ganz Verschiedenes
schaffen, was ihm auch, jedoch nicht zum Vorteil der Sache, gelang. Die
Schriften sind sehr schmal gehalten, es fehlen ihnen die besonderen
Kennzeichen (I, S. 210) der Schriften der Staatsdruckerei. Sein
Nachfolger als kniglicher Graveur war Fagnion.

Eine weitere Acquisition bestand in einer Sammlung der Vignetten Jean
Papillons (I, S. 200). Sie hat, wie die Sammlungen von Luce, zwar den
Wert des historischen Museums der Anstalt sehr erhht; fr die Praxis
waren diese Vermehrungen bei den Fortschritten der Kunst ohne Interesse.

[Sidenote: Einfluss Ludwigs XVI.]

Ludwig XVI. begnstigte ebenfalls die Staatsdruckerei und liess die
kleinen Offizinen in den Tuilerien und in Versailles unter die Direktion
derselben stellen. Das Verhltnis des Direktors zu der Anstalt war ein
ziemlich kompliziertes. Er war nicht ein einfacher, fest salarierter
Beamter, sondern zu einem wesentlichen Teil gingen die Arbeiten fr
Rechnung des Direktors, wurden nach der Taxe bezahlt und mit einem dem
Direktor selbst gehrenden Material ausgefhrt. Wie bedeutend dieses
war, geht aus der spter zu erwhnenden Auseinandersetzung mit der Witwe
Anisson hervor, wobei es sich um eine Summe von einer halben Million
Livr. handelte. Staatseigentum waren hauptschlich nur die Stempel und
Matern der Schriften, ausserdem vielleicht 10000 Pfund Schrift und etwa
ein Dutzend Pressen.

[Sidenote: Zustande whrend der Revolution.]

Nach dem Ausbruch der Revolution begann eine unerfreuliche Periode fr
die Staatsdruckerei. Die wissenschaftlichen und die administrativen
Arbeiten traten in den Hintergrund, die Hauptbeschftigung war der
Druck der vielen Gesetze und Dekrete, der ebenfalls auf Rechnung des
Direktors ging, welcher die Zahl der Pressen fast auf 100 vermehren und
bei der Unzulnglichkeit der Lokalitten im Louvre zwei _Succursales_
errichten musste.

[Sidenote: Der Assignaten-Druck.]

[Sidenote: E. A. J. Anisson [+] 1794.]

Zu diesen Arbeiten kam noch die Ausfhrung von 1200000 Stck
Assignaten[101]. Doch dies war nur ein Tropfen ins Meer. Bereits am 30.
Sept. 1790 wurde eine neue Emission von 800 Millionen Livres, bestehend
in 3060000 Stck, beschlossen. Anisson verlangte fr die Ausfhrung
100000 Livres; Didot erklrte sich bereit, die Lieferung fr 22000
Livres zu bernehmen. Dies verursachte grosse Misstimmung gegen Anisson.
Indes sprach manches zu dessen Rechtfertigung, da die Ausfhrung, welche
von Didot verlangt wurde, eine weit einfachere als die frhere und Didot
inzwischen in Besitz der Stereotypie gelangt war (S. 152). Doch kam es
noch nicht zum Bruch und man bewilligte ihm auf seine Vorstellungen
sogar einen hheren Tarif als den bisherigen fr seine Arbeiten. Es
war jedoch nicht angenehm, Mnner wie Marat und Ption zu persnlichen
Feinden zu haben. Auf Antrag des letzteren ward Anisson am 8. Oktober
1792 verhaftet, wozu der, angeblich gegen seine Instruktion erfolgte
Druck eines Dekrets als plausibler Vorwand dienen musste. Aus seinem
Gefngnis schlgt er dem Sicherheits-Ausschuss vor, seine Direktorstelle
aufzugeben und der ffentlichkeit sein auf 499036 Livres taxiertes
Material kuflich zu berlassen. Dieser Vorschlag wurde jedoch nicht
angenommen. Anisson starb 1794 auf dem Schafott. Sein Eigentum ward mit
Sequester belegt und erst nach langen Verhandlungen fand ein Vergleich
mit der Witwe statt.

  [101] Die 300-Livres-Noten tragen als Jahreszahl 1090 statt 1790, man
        ging jedoch darber hinweg.

[Sidenote: Die Druckerei in gypten.]

Als ein denkwrdiges Ereignis in der Geschichte der Staatsdruckerei
whrend der Republik ist die bereits oben kurz erwhnte Einfhrung der
Druckerei in gypten zu verzeichnen. Bereits nach der Eroberung Italiens
hatte Bonaparte die Errichtung zweier Druckereien, einer griechischen
und einer arabischen, auf den Ionischen Inseln verlangt und, als er nach
gypten gezogen war, die Einrichtung einer umfangreicheren Buchdruckerei
dort gefordert. Der damalige Direktor der Staatsdruckerei DUBOY-LAVERNE
beauftragte den Orientalisten Langls mit der Ausfhrung. Die Sache
ging aber Bonaparte nicht rasch genug und er beschuldigte die Genannten
der mutwilligen Verzgerung. Er verlangte Erlass einer Ordre, die
griechischen Schriften, mit welchen der Xenophon gedruckt werde, sofort
zu verpacken. Xenophon knne ohne Schaden drei Monate warten, bis wieder
neue Schriften fertig wren.

[Sidenote: J. J. Marcel.]

An die Spitze der gyptischen Druckerei wurde ein tchtiger Arabist J.
J. MARCEL, spter Direktor der Staatsdruckerei, gestellt. Die Offizin
wurde in dem Hause des griechischen Konsuls in Alexandrien eingerichtet,
dann nach Kairo und Gizeh gebracht. Ausser den dienstlichen Arbeiten
druckte die Anstalt _Le Courrier de l'gypte_ und etwa ein Dutzend
belehrende Schriften in arabischer Sprache. Auch in Pondichery auf der
Kste Koromandel in Ostindien wurde eine franzsisch-persische Druckerei
durch Vermittelung der Staatsdruckerei angelegt.

Nach Rckkehr der Franzosen aus gypten wurde beschlossen, die
Arbeiten der, zugleich mit der Armee entsendeten wissenschaftlichen
Expedition herauszugeben. Eine Kommission von acht angesehenen Gelehrten
wurde ernannt, um die Redaktion zu besorgen, und es entstand in der
Staatsdruckerei eines der hervorragendsten Druckwerke aller Zeiten, die
_Description de l'gypte_ in neun Foliobnden mit Text und vierzehn
mit Kupfern und Karten, das erst 1809 vollendet wurde. Von bedeutenden
Werken der Staatsdruckerei aus der Zeit der Republik sind noch die
umfangreichen Reisewerke von La Prouse, Marchand, Vancouver, Millins
_Monumens antiques_ u. a. zu nennen.

Im Jahre 1800 war der Beschluss gefasst worden, dass von den in der
Staatsdruckerei ausgefhrten Werken 200 Exemplare dem Ministerium des
Innern zur Disposition gestellt werden sollten, damit dieses sie im
Interesse der Wissenschaft und der Aufklrung zweckmssig verteile.

[Sidenote: Orientalische Schriften.]

Die orientalischen Schriften waren in Ordnung gebracht, mehrere neue
geschnitten und der Raub der Schriften der Propaganda in Rom hatte
diesen Zweig der Typographie ausserordentlich bereichert. Das Lokal war
nach dem Htel Penthivre verlegt worden.

Man sieht aus dem obigen, dass die Zeit der Republik in Waffen doch
keine ganz verderbliche fr die Staatsdruckerei gewesen war, die vieles
dem 1801 verstorbenen Direktor Duboy-Laverne zu verdanken hat.

[Sidenote: Umzug.]

Der Kaiser widmete der Anstalt noch mehr Aufmerksamkeit als der Konsul.
Die Administration wurde geordnet, Pensionskassen eingerichtet und die
Arbeiten nach Tarifen reguliert. Ein Umzug fand 1809 nach dem _Htel
Soubise_ mit dessen Annex _Palais Cardinal_ (Rohan) statt. 1811 wurden
die orientalischen Schriften, allerdings wieder durch Raub, mit den
Stempeln und Matern der Druckerei der Medici in Florenz vermehrt. In
demselben Jahre erhielt Didot den Auftrag, das Schriftensystem nach
dem inzwischen eingefhrten Metermass umzundern und neue Schriften zu
schneiden, doch wurde dieses Vorhaben wegen der Kostspieligkeit nicht
zuendegefhrt. Ein grosses Prachtwerk _Rlation des crmonies du sacre
et du couronnement, etc. de Napolon_ wurde 1812 angefangen und erst
whrend der Hundert Tage vollendet, 1813 erteilte der berhmte Gelehrte
Silvestre de Sacy den Eleven der Anstalt Unterricht in orientalischen
Sprachen, um tchtige Setzer zu bilden.

Ausser den erwhnten sind noch unter den bedeutenden Erscheinungen der
Staatsdruckerei zu nennen die _Statistique de la France_, Fol., 1804;
_Recherches asiatiques_ 1805 und de Guignes _Dictionnaire chinois_,
Fol., 1813.

[Sidenote: Die Zeit der Restauration.]

Mit alledem waren die Kriegszeiten doch im ganzen keine glcklichen fr
die Entwickelung der Staatsdruckerei. Am 15. April 1814 verschwand der
kaiserliche Adler als Insigne und mit diesem auch verschiedene Schtze
der Anstalt, da, nach den Bestimmungen des Pariser Friedens, die den
Offizinen der Propaganda und der Medici geraubten Stempel zurckzugeben
waren. Doch geschah dies nicht vollstndig, und von den Stempeln behielt
man Abschlge zurck, sodass die Vollstndigkeit der Anstalt eigentlich
nicht litt.

[Sidenote: Reorganisation Anisson-Duperon.]

Ludwig XVIII. bestimmte durch ein Dekret vom 28. Dezember 1814, dass
vom 1. Januar 1815 ab die Arbeiten fr Rechnung des Staates mit ganz
wenigen Ausnahmen aufhren sollten und dass es den verschiedenen
Ministerien zu berlassen sei, ihre Arbeiten nach bestem Ermessen auch
an Privatdruckereien zu vergeben. Das Inventar sollte dem Direktor zur
Disposition gestellt werden, Schriften und Abschlge konnte er unter
festgesetzten Bedingungen verkaufen. Marcel wurde in Ruhestand versetzt
und der Sohn des hingerichteten Direktors ANISSON, vielleicht als
Ersatz fr die seiner Familie zugefgte Unbill, zum Vorstand gewhlt.
Da kamen die Ereignisse vom 20. Mrz 1815 und das Kaiserreich der
Hundert Tage warf alles ber den Haufen, damit es nach drei Monaten
wieder eingefhrt werde. Anisson liess von JACQUEMIN neue Schriften
nach englischen Mustern schneiden. Dies missfiel der Regierung und da
berhaupt die neue Einrichtung sich wenig zutrglich zeigte, versuchte
eine Ordonnanz vom 23. Juli 1823 den ungefhren Standpunkt des
kaiserlichen Dekrets von 1809 wiederherzustellen.

[Sidenote: Villebois.]

Zum Chef des Instituts wurde E. DE VILLEBOIS ernannt. Er fhrte wieder
Przision in der Administration ein und liess von MARCELIN LEGRAND 16
Grade Antiqua und Cursiv mit einem Aufwande von 39200 Franken schneiden.
Eine gelehrte Kommission sollte die Ausfhrung der Schriften berwachen,
hatte aber, wie es mit Kommissionen gewhnlich der Fall ist, mehr
hemmend als frdernd gewirkt. Das erste Werk, welches mit den neuen
Typen gedruckt wurde, war Raoul-Rochettes _Monumens indits d'antiquit
figure_ in gross Folio 1828.

[Sidenote: Orientalische Sammlung.]

[Sidenote: Neuerungen.]

Bereits 1824 hatte Ludwig XVIII. die Herausgabe der seit lange
beabsichtigten Sammlung orientalischer Werke angeordnet, die Anfnge
konnten jedoch erst 1832 nach der Julirevolution gemacht werden. 1828
fasste man auch das Herz, Schnellpressen einzufhren, wogegen man sich
lange gestrubt hatte. Zumteil beruhte diese Zgerung wohl in humanen
Grnden, da man keinem Arbeiter den Abschied geben wollte; teils
lag vielleicht auch ein gewisser Stolz zugrunde; man wollte, wie es
scheint, die Maschine nicht als der Handpresse ebenbrtig anerkennen.
Die verschiedenen Ministerien beschwerten sich ber die teueren Preise,
man entschloss sich deshalb, zuerst die Preise nur so zu berechnen, als
wren die Arbeiten auf Maschinen gedruckt. Doch es half nichts, man
musste sich den Forderungen der Zeit fgen und im Jahre 1829 wurden
96000 Franken zur Anschaffung von Schnellpressen angewiesen, die jedoch
whrend der Revolutionstage 1830 von eindringenden Arbeitern teilweise
demoliert wurden.

Villebois hatte das Schicksal seines Gnners, des Ministers de
Peyronnet, und wurde entlassen. Unter den Werken aus der Zeit der
Restauration sind noch zu nennen: Caillauds _Voyage  l'oasis de
Thbes_, Folio, 1821; Silvestre de Sacy, _Les Sances de Hariri_, 1822;
Freycinet, _Voyage autour du Monde_, 4, 1826, und das vorzgliche
_Album typographique de l'Imprimerie Royale_, 1830.

[Sidenote: Pierre Lebrun.]

Am 15. September 1831 wurde der Posten Villebois' definitiv dem
Akademiker PIERRE LEBRUN bertragen, nachdem diese Stellung, wie man
sagt, erst Branger[102], dann bestimmt Ambroise Firmin Didot angeboten
worden war. Letzterer erklrte sich bereit, die Stelle anzunehmen,
wenn allein diejenigen Arbeiten, deren Ausfhrung durch den Staat
sicherheitshalber notwendig war, von der Staatsdruckerei bernommen,
alle anderen jedoch der Privatkonkurrenz berlassen wrden; wenn man die
seltenen Schriften an Buchdrucker zu billigen Preisen ablassen wollte,
und schliesslich, wenn es nicht ntig sei, dass er Gehalt annhme. Die
Grnde, weshalb man darauf nicht eingehen konnte, lagen klar am Tage
und es war wohl auch Didot mehr darum zu thun, die Grundstze laut
auszusprechen, die er fr die von einer Staatsanstalt einzig richtigen
hielt, als den Direktorposten anzunehmen.

  [102] Pierre Jean de Branger (* 1780, [+] 1857) lernte die
        Buchdruckerei bei Laisnez in Pronne und arbeitete dort zwei
        Jahre. Whrend dieser erschienen seine ersten Gedichte, die mit
        solchem Beifall aufgenommen wurden, dass er den Winkelhaken
        beiseitelegen konnte.

Wennauch kein Fachkundiger, suchte Lebrun doch mit Eifer sich die
ntigen Kenntnisse zu erwerben und der Anstalt ntzlich zu sein. Von
der erwhnten orientalischen Kollektion wurden drei Werke in Angriff
genommen: Raschid-Eddins Geschichte der Mongolen in Persien, _Bhgavata
Prana_ und Firdusis Buch der Knige. Die Werke wurden streng im
orientalischen Stil mit Ornamenten in Gold- und Farbendruck ausgefhrt.
Neue orientalische Schriften wurden von Marcelin Legrand, Delafond, Ram
_pre_, Loeulliet unter Aufsicht berhmter Orientalisten geschnitten und
die Didotschen Schreibschriften erworben. Auch bauliche und technische
Verbesserungen wurden vorgenommen und die Lithographie eingefhrt, durch
die namentlich vorzgliche geologische Karten geliefert wurden.

[Sidenote: Die Februar-Revolution.]

Die Februarrevolution hatte manche Unordnungen zur Folge, welche Lebrun
veranlassten, seine Stelle niederzulegen, die im Jahre 1850 definitiv
SAINT-GEORGES bertragen wurde. Dieser behauptete die Ehre der Anstalt
auf verschiedenen Weltausstellungen. Fr die in Paris 1855 abgehaltene
wurde mit allen Raffinements der graphischen Knste eine Prachtausgabe
der Nachfolge Christi lateinisch mit der poetischen Paraphrase
Corneilles gedruckt.

[Sidenote: Angriffe gegen die Staatsdruckerei.]

Die Staatsdruckerei ist zwar bereits seit der ersten Revolution
fortwhrend Gegenstand der Angriffe gewesen, es haben diese jedoch in
jngster Zeit an Heftigkeit zugenommen. Man hlt die Konkurrenz der
Anstalt mit der Privatindustrie nicht allein fr unntig, sondern fr
sehr schdigend. Zur Hebung der Kunst sind solche Anstalten nicht mehr
ntig. Was Didot aussprach, denkt gewiss Jeder: Eine Staatsanstalt soll
nicht den Steuerzahlenden unntige Konkurrenz machen. Die Typographie
ist mndig geworden und bedarf keines ffentlichen Mentors.

                   *       *       *       *       *

[Sidenote: Die Familie Didot.]

Noch in einem hheren Grade als das Wirken der Staatsdruckerei war in
dem ganzen Abschnitt der Buchdrucker-Geschichte Frankreichs von 1750 bis
auf den heutigen Tag das Vorgehen der Familie Didot massgebend[103].
Whrend die Buchdruckerei als Kunst und der hhere Buchhandel in der
Revolutionszeit gnzlich darnieder lagen, waren die Didot fast die
einzigen, die unentwegt und unbekmmert um den ringsum tosenden Sturm
die Flagge Gutenbergs stolz vom hohen Mast wehen liessen.

  [103] G. BRUNET, _Firmin Didot et sa Famille_. Paris 1870. -- E. PITOU,
        _La Famille Didot_. 1856. -- E. WERDET, _tudes
        bibliographiques_ 1713-1864. -- A. F. DIDOT, _Histoire de la
        Typographie_. Paris 1882.

Das ganze Sein dieser Familie ist von einem so edlen Geist durchdrungen;
alles, was sie geschaffen hat, trgt so sehr den Stempel der
Gediegenheit, dass der Name Didot noch langezeit als Stern erster Grsse
glnzen wird.

Zudem besitzen alle Unternehmungen dieser Firma neben den Vorzgen
des franzsischen Charakters auch das Geprge einer echt germanischen
Wissenschaftlichkeit und Grndlichkeit, wie auch manche der
hervorragendsten Werke ihrer Pressen unter Mitwirkung deutscher
Gelehrten durchgefhrt wurden. Schliesslich ist die Verbindung dieses
Hauses mit Deutschland seit langen Jahren eine weit innigere, als
es sonst seitens franzsischer Firmen der Fall zu sein pflegt. Das
alles macht, dass der deutsche Gewerbsgenosse sich dieser Familie
nher stehend fhlt als den brigen hervorragenden Reprsentanten der
graphischen Gewerbe in Frankreich.

[Sidenote: Franois Didot * 1689, [+] 2. Novbr. 1757.]

Der Stammvater des Hauses war FRANOIS DIDOT aus Paris (1713). Schon
er machte sich bekannt durch seine vielen wichtigen Unternehmungen,
darunter die _Histoire gnrale des Voyages_ von Abb Prevost in 20
Quartbnden mit einer grossen Anzahl von Kupfern und Karten. Franois
Didot hatte elf Kinder, von welchen Franois Ambroise und Pierre
Franois den Beruf des Vaters ergriffen. Zwei seiner Tchter waren an
berhmte Buchhndler, Guillaume de Bure und Jacques Barrois in Paris,
verheiratet. Als Druckerzeichen nahm er die goldene Bibel an und sie ist
es auch bis auf heute geblieben.

[Sidenote: Ambr. F. Didot * 7. Jan. 1730, [+] 10. Juli 1804.]

Dem AMBROISE FRANOIS verdankt Frankreich die Einheitlichkeit
seines Schriftsystems (S. 145), die Freiheit und Eleganz seines
Schriftschnittes, daneben die Vervollkommnung des Velinpapieres und
die Einfhrung der Druckerpresse mit nur einem Zuge. Unter seinen
Druckwerken sind hervorzuheben die frher schon erwhnte _Collection
d'Artois_, eine Sammlung von Romanen in 64 Bnden, ferner die Sammlungen
von franzsischen Klassikern in 18, 8 und 4, welche, wie ebenfalls
erwhnt wurde, im Auftrage des Knigs Ludwig XVI. zum Unterrichtszwecke
fr den Dauphin gedruckt wurden.

[Sidenote: Pierre F. Didot * 9. Juli 1732, [+] 7. Dezb. 1793.]

Der Bruder PIERRE FRANOIS leistete bedeutendes als Buchdrucker,
Buchhndler, Papierfabrikant und Schriftgiesser, fhrte viele
Verbesserungen in der letzteren Branche ein und legte die berhmte
Papierfabrik in Essonnes an.

[Sidenote: Pierre Didot * 21. Jan. 1760, [+] 31. Dez. 1853.]

PIERRE, der lteste Sohn Ambr. Franois', bernahm 1789 die Druckerei
des Vaters und zeichnete sich so aus, dass seine Offizin im Louvre
installiert wurde. Hier druckte er mit Schriften, die sein Bruder
Firmin geschnitten hatte, die prachtvollen sog. LOUVRE-Ausgaben: den
Virgil in Folio mit 23 Kupfern (1798); den Horaz in Folio (1799); den
Racine, drei Bnde in Folio mit 57 Stichen (1801-5), die Fabeln des
La Fontaine. Die Jury der damaligen Ausstellung in Paris erklrte den
Racine fr das vollkommenste typographische Erzeugnis aller Zeiten.
Noch manche andere grossartige Werke, z. B. Viscontis griechische und
rmische Iconographie; Denons Reise in gypten; Nodiers malerische Reise
im alten Frankreich, und die berhmte Oktav-Ausgabe der franzsischen
Klassiker fr Freunde der Typographie, die dieser Bezeichnung
vollstndig wrdig war, gingen aus seinen Pressen hervor.

[Sidenote: Jules Didot * 5. Aug. 1794 [+] 18. Mai 1871.]

Sein Sohn JULES spielte eine zeitlang eine glnzende Rolle, die jedoch
keinen Bestand hatte. Mit grossen Kosten hatte er eine bedeutende
Offizin in Brssel gegrndet, die nicht gedeihen wollte und von der
Regierung als Grundlage einer Staatsdruckerei erworben wurde. Nach Paris
zurckgekehrt, errichtete Jules Didot ein ausgedehntes Etablissement, in
welchem er eine grosse Zahl vorzglich schner Ausgaben alter und neuer
Schriftsteller fr verschiedene Pariser Verleger druckte. Im Jahre 1823
erhielt er auf Grund einer Prachtausgabe von Phdrus' Fabeln, in Folio
auf Seide gedruckt, und anderer schner Arbeiten die goldene Medaille.
Geschftliche Misserfolge zerstrten jedoch vollstndig seine bereits
geschwchten Geisteskrfte.

[Sidenote: Firmin Didot * 14. April 1764, [+] 24. April 1836.]

FIRMIN DIDOT, der zweite Sohn Ambroise Franois', hielt als Buchdrucker
und namentlich als Schriftgiesser und Schriftschneider den berhmten
Namen des Vaters in Ehren. Seine Schreibschriften (1806) liessen alles
Dagewesene weit hinter sich, und seine Antiquaschriften, mit welchen
sein Bruder Pierre die erwhnten Louvre-Ausgaben druckte, gelten
als die musterhaftesten. Er verbesserte (1795) ganz wesentlich die
Stereotypie und stereotypierte fast alle franzsischen, italienischen
und englischen Klassiker in 18-Ausgaben, die durch ihre Korrektheit
und Billigkeit bekannt wurden. Der Virgil, fehlerfrei und mit
Vignetten illustriert, kostete 15 Sous. Spter acceptierte er die
vorzgliche Stanhopesche Methode. Ausserdem druckte er eine grosse
Anzahl Prachtausgaben, darunter (1817) die Lusiaden und die Henriade.
Er ward Mitglied der Akademie und des Instituts und 1834 kniglicher
Buchdrucker. Das Geschft Didots war ein Sammelplatz von Notabilitten
Frankreichs und des Auslandes. Im Jahre 1814 besuchte Kaiser Alexander
seine Offizin und liess zwei junge Russen zurck, um bei ihm zu
lernen. Sein Haus war berhaupt eine Bildungsschule der Typographie,
aus welcher Renouard, Paul Dupont, Claye, Rignoux, Brun und andere,
spter berhmte franzsische Buchdrucker hervorgingen, ebenso die drei
ersten Buchdrucker Griechenlands: Coromilas, Dobras, Apostolids, sowie
viele Missionsbuchdrucker. Um sich ganz dem ffentlichen Leben zu
widmen, berliess er im Jahre 1827 seinen Shnen das Geschft. Auch als
tchtiger Schriftsteller war Firmin Didot bekannt.

Eine der Tchter Pierre Franois' heiratete Bernardin de Saint-Pierre,
welcher eine zeitlang bei der Papierfabrik in Essonnes beteiligt war, wo
er _Paul et Virginie_ schrieb. Von seinen drei Shnen sind namentlich
Henry und Didot Saint-Lger zu erwhnen.

[Sidenote: Henry Didot * 15. Juli 1765, [+] 1852.]

HENRY DIDOT that sich als Schriftschneider, Schriftgiesser und
Mechaniker rhmlichst hervor. Noch in einem Alter von 66 Jahren schnitt
er fr seine mikroskopischen Ausgaben, z. B. von Horaz, Rochefoucauld
u. a., seine _nec plus ultra_-Schrift. Um dieselbe giessen zu knnen,
musste ein neues Giessinstrument erfunden werden, welches Henry Didot
_polyamatype_ nannte, in welchem 160 Buchstaben auf einmal gegossen
wurden.

[Sidenote: Didot St.-Lger.]

Der Bruder Henrys, bekannt unter dem Namen DIDOT SAINT-LGER, dirigierte
die Papierfabrik in Essonnes. Seiner Verdienste um die Papierfabrikation
wurde bereits (S. 161) gedacht.

Firmin Didot hatte drei Shne: Ambroise Firmin, Hyacinthe und Firmin
Frdric (gest. 1836).

[Sidenote: Ambr. F. Didot * 20. Dez. 1790, [+] 24. Febr. 1876.]

AMBROISE FIRMIN genoss eine ausgezeichnete Erziehung und legte sich
mit besonderem Eifer auf griechische Sprache und Litteratur. Er machte
Reisen in Kleinasien, Syrien, Palstina und gypten und war eine
zeitlang Attach bei der franzsischen Gesandtschaft in Konstantinopel.
Nach der Erhebung Griechenlands zeichnete er sich als einer der
eifrigsten Frderer der griechischen Sache aus. Er schenkte unter
anderem Griechenland die erste Buchdruckerei. Die Brgerschaft von Athen
hat in dankbarer Erinnerung der Verdienste Didots noch in letzter Zeit
einer Strasse in Athen den Namen Didot-Strasse beigelegt.

[Sidenote: Ambr. F. Didot.]

Im Verein mit seinem Bruder HYACINTHE druckte und verlegte er eine
Reihe bedeutender Werke, z. B. die Reisen Champollions d. j. in
gypten, dessen gyptische Grammatik und Wrterbuch; Texiers Reisen in
Kleinasien und Armenien, fnf Bnde, Folio; das _Glossarium mediae et
infimae latinitatis_ von Du Cange; in sechster Auflage das Wrterbuch
der Akademie, 1835, welches in erster Auflage bereits 1694 erschienen
war, und eine grosse Anzahl anderer Wrterbcher; die _Encyclopdie
moderne_, 39 Bnde mit einem Atlas in fnf Bnden; das _Dictionnaire
de la conversation_, 21 Bnde; die _Encyclopdie d'histoire naturelle_,
22 Bnde mit neun Bnden Atlas; die _Nouvelle Biographie gnrale_, 46
Bde.; die _Biographie universelle des musiciens_ von Ftis, acht Bnde;
J. C. Brunets: _Manuel de la librairie_; die _Bibliothque grecque_ in
mehr als 60 Bnden; die _Bibliothque latine-franaise_, 27 Bnde; die
_Bibliothque franaise_; das _Univers pittoresque_, 67 Bnde mit 4000
Stahlstichen. Wenn die Bndezahl dieser Kollektionen schon imponiert,
so ist noch zu erwgen, dass es sich hierbei grsstenteils um Bnde
in grossem Oktav, in gespaltenem Satz mit kleiner Schrift gedruckt,
handelt, so dass in der Regel ein Band den Stoff von sechs bis acht
gewhnlichen Oktavbnden enthlt.

Als ein Hauptwerk Didots, zugleich fr Deutschland doppelt
interessant, weil es hauptschlich durch gelehrte Krfte Deutschlands
durchgefhrt wurde, ist der _Thesaurus graec lingu_ zu nennen. Diese
unerschpfliche, von Heinrich Stephanus stammende (I, S. 207) Fundgrube
griechischer Lexikographie wurde unter Zusammenwirken einer grossen
Anzahl Gelehrter Frankreichs und Deutschlands nach 300 Jahren neu
herausgegeben und damit der Wissenschaft ein Denkmal hergestellt, das
seinesgleichen sucht. Die Redaktion bernahmen die Professoren Hase,
Wilhelm und Ludwig Dindorf. Das Werk bildet neun Bnde in Folio.

In jngerer Zeit haben Didots sich auch mit Vorliebe den neueren
Illustrationsmethoden zugewendet. Racinets _L'ornement polychrome_
und Mantz' _Les chefs-d'[oe]uvre de la peinture italienne_ mit den
Chromolithographien Kellerhovens mssen als Prachtwerke erster Klasse
genannt werden. Hchst anziehend ist auch eine Reihe von reich mit
Holzschnitten und Chromolithographien geschmckter Werke, welche
namentlich Leben, Sitte und Kunst frherer Jahrhunderte illustriert und
sich trotz der musterhaftesten Ausstattung durch einen sehr billigen
Preis auszeichnet. Fast als ein Saulus unter den Propheten erschien 1860
in dem Didotschen Verlage nach dem Muster des Bazar das Journal _La
Mode illustre_, welches an 100000 Abonnenten zhlte.

Ein anstaunenswertes Unternehmen bleibt in seiner Art auch:
_Annuaire-Almanach du Commerce_, von welchem mehr als 80 Jahrgnge
vorliegen. Das Unternehmen ist jetzt in den Hnden einer Gesellschaft,
die es mit einem Kapital von 7-1/2 Millionen Franken ausbeutet.

Mit Obigem haben wir nur einen Teil der grossartigen Wirksamkeit der
Weltfirma andeuten knnen. Der bescheiden ausgestattete Verlagskatalog
lsst kaum auf den hohen Wert der verzeichneten Unternehmungen
schliessen, der schwerlich von dem irgend eines Verlagskataloges
bertroffen werden drfte.

Wenn wir noch sehen, welche bedeutende litterarische Thtigkeit Ambroise
Firmin mit seiner geschftlichen zu verbinden wusste, so muss unsere
Achtung und Bewunderung fr diesen Mann sich noch steigern.

Seine Mitwirkung bei dem _Thesaurus_ wie bei vielen der encyklopdischen
Unternehmungen des Hauses zeugen schon von seiner gelehrten und
wissenschaftlichen Bedeutung, jedoch lieferte er ausserdem noch eine
Reihe selbstndiger Schriften. Wir knnen hier nur die bedeutendsten
derjenigen erwhnen, die sich auf das graphische Gewerbe beziehen. Als
Mitglied der Ausstellungs-Jury schrieb er _L'imprimerie, la librairie,
la papeterie  l'exposition 1851  Londres_ (2. Auflage 1854). Sein 1863
erschienener _Essai typographique et bibliographique sur l'histoire de
la gravure sur bois_ ist ein vortreffliches Werk, das nur den einen
Fehler hat, dass es mit ganz ausserordentlich kleiner Schrift gedruckt
ist[104]. Sein letztes umfangreiches Buch ist das 1875 erschienene
_Alde Manuce et l'hellnisme  Venise_. ber die Frage der Orthographie
und des litterarischen Eigentumsrechtes gab er verschiedene wertvolle
Schriften heraus. Unter seinen Monographien erwhnen wir: _tude sur
les [oe]uvres de Jean Sire de Joinville_, zwei Bnde, fnfte Auflage,
1870; _Missel de Juvnal des Ursins_, ein kostbares Manuskript, welches
Didot fr 23000 Franken erworben, jedoch der Bibliothek des _Htel de
Ville_ cediert hatte, bei dessen Brande es vernichtet wurde; _tude
sur Jean Cousin_, 1872. Didot besass eine Bibliothek typographischer
Seltenheiten ersten Ranges, die nach Millionen von Franken geschtzt
wurde und auch bei der Versteigerung nach Didots Tode wirklich enorme
Summen einbrachte. Diese Sammlung hatte Didot Veranlassung zu dem Werke:
_Catalogue raisonn des livres de la Bibliothque de A. F. Didot,
I. 1: Livres  figures sur bois, Solennits, Romans de chevalerie_,
392 zweispaltige Seiten, gegeben. Als Supplemente hierzu erschienen:
_Les apocalypses figures_ und _Essai de classification des Romans de
chevalerie_. Sein Bibliothekzimmer war Didots liebster Aufenthalt,
und hier musste oft sein Diener den in die Arbeit Vertieften an die
vorgerckte Nachtstunde erinnern.

  [104] Seine 1882 in einem zweiten, unvernderten Abdruck erschienene
        _Histoire de la Typographie_ entspricht nicht dem, was man nach
        dem Titel erwarten knnte. Es ist ein Abdruck eines grossen,
        vor langen Jahren erschienenen Artikels in der _Encyclopdie
        moderne_ und enthlt nur chronologisch an einander gereihte
        Notizen, fast ausnahmslos ber franzsische Buchdrucker,
        namentlich ber Mitglieder der Familie Didot, und schliesst mit
        dem Jahre 1851.

[Sidenote: Hyacinthe Didot * 1794, [+] 7. Aug. 1881.]

[Sidenote: Th. Lefvre * 17. Sept. 1798.]

Das Geschft beschrnkte sich nicht allein auf
bibliopolisch-typographische Unternehmungen, sondern umfasste auch die
bedeutende Papierfabrikation in Mesnil und Sorel. Dagegen sah sich Didot
veranlasst, die Schriftgiesserei als selbstndiges Geschft aufzugeben;
sie wurde der grossen Gesellschaft _Fonderie gnrale_ einverleibt.
Als die Einrichtung der Papiermaschinen viele bei der Fabrikation
beschftigt gewesene Mdchen in Mesnil arbeitslos machte, richtete
Didot eine bedeutende Druckerei fr Frauen ein, sorgte fr tchtige
Anleitung und etablierte Schulen. Diese Anstalt war namentlich ein Werk
HYACINTHE DIDOTS, des treuen Mitarbeiters des Ambroise durch eine lange
Reihe von Jahren. Sie stand unter der Leitung des THOTISTE LEFVRE,
und wurde nachtrglich noch durch eine Abteilung fr taubstumme Mdchen
erweitert. Der jetzt 84jhrige Th. Lefvre, bekannt durch sein Handbuch
fr Setzer[105], arbeitet seit 46 Jahren in dem Hause Didots.

  [105] _Guide pratique du compositeur d'imprimerie._ Paris 1855.
        Vol. II. 1872.

Dass es Ambroise Firmin Didot an usseren Ehren der verschiedensten
Art nicht fehlte, ist begreiflich. In den letzten Jahren seines Lebens
genoss er noch die Auszeichnung, Mitglied des Instituts von Frankreich
zu werden. Die hchste Ehre war es ihm jedoch, die unbegrenzte Achtung
und Liebe seiner Mitbrger und Untergebenen zu besitzen und der Vater
seiner Arbeiter zu sein, was er im vollen Sinne des Wortes war, bis ihn
der Tod ihnen raubte.

[Sidenote: Alfred und Paul Didot.]

Das Haus Didot steht jetzt unter der Leitung des Sohnes des Ambroise
ALFRED FIRMIN DIDOT (geboren 1828) und des Sohnes des Hyacinthe PAUL
FIRMIN DIDOT (geboren 1826). Die Druckerei in Paris ging in den Besitz
von G. Chamerot ber.

Trotzdem dass die Firma, wie auch aus dem Obigen hervorgeht, in mancher
Hinsicht ihre Thtigkeit beschrnkte, wird sie sicherlich noch lange den
berhmten Namen mit Ehren behaupten. Fr Frankreichs Typographie hat
die Familie Didot eine Bedeutung, welche die der Familie Stephanus noch
berragt.

                   *       *       *       *       *

[Sidenote: Andere ltere Familien.]

Neben dem Geschlecht der Didot besass Frankreich noch eine Anzahl
bedeutender Druckerfamilien, die, aus dem XVIII. in das XIX. Jahrhundert
herberreichend, die verbindenden Glieder in der grossen Kette bilden,
in welcher sich die modernen vortrefflichen Typographen an die alten
Meister anreihen.

Unter diesen Familien nahm die der Panckoucke, wennauch nur auf krzere
Zeit, eine sehr glnzende Stellung ein.

[Sidenote: J. Panckoucke * 1736, [+] 1799.]

[Sidenote: P. Beaumarchais [+] 19. Mai 1799.]

JOSEPH PANCKOUCKE, geboren zu Lille, war ein tchtiger Mathematiker
und bereitete sich fr den Beruf eines Dozenten vor, etablierte sich
jedoch zuerst als Buchhndler, dann 1774 als Buchdrucker. Eine der
ersten seiner Unternehmungen sollte eine Gesamtausgabe von Voltaires
Werken sein, fr deren Durchsicht und Emendation er den berhmten
Verfasser selbst gewonnen hatte. Die Kaiserin von Russland war ersucht
worden, die Widmung anzunehmen, da jedoch nach Ablauf von sieben Monaten
die Erlaubnis zur Dedikation noch nicht eingegangen war, betrachtete
Panckoucke die Sache als gescheitert und verkaufte seine Rechte an den
bekannten Schriftsteller P. BEAUMARCHAIS, der die Absicht hatte, etwas
noch nicht Dagewesenes von einer Prachtausgabe zu liefern. Am Tage nach
dem Abschluss kam -- zu spt! -- die Erlaubnis der Kaiserin, begleitet
von einer Anweisung auf 150000 Livres.

Beaumarchais liess in Kehl, Strassburg gegenber, eine Offizin errichten
und Arbeiter aus Deutschland und der Schweiz kommen. Seine Abgesandten
nach Holland studierten die dortige Papierfabrikation und errichteten
danach Fabriken in den Vogesen. Die Stempel und Matern Baskervilles
wurden erworben (S. 74). Der Hauptherausgeber war Condorcet; die
typographische Redaktion besorgten Decroix und Letellier. In fnf Jahren
(1784-89) verausgabte man mehr als drei Millionen auf eine Oktavausgabe
in 70 Bnden und eine Duodezausgabe in 92 Bnden. Um allen Ansprchen
gerecht zu werden, wurden von beiden Ausgaben Exemplare auf fnf
Sorten Papier gedruckt in einer Gesamtauflage von 28000 Exemplaren.
Zu dem grossen Aufwand stimmte nicht recht die nachlssige Korrektur.
Pekunir war das Unternehmen ein vollstndiger Misserfolg und kostete
Beaumarchais fr seinen Anteil eine Million.

[Sidenote: Der _Moniteur_.]

Von Panckoucke stammt auch der Gedanke des _Moniteur_. Nachdem er in
England den Wert und die Macht der periodischen Presse kennen gelernt
hatte, wollte er ein solches Institut, das auch usserlich mit einem der
grossen englischen wetteifern konnte, in Frankreich grnden. Der erste
Redacteur war Maret, spter Herzog von Bassano. Das Blatt erreichte die
damals ganz ausserordentliche Auflage von 15000 Exemplaren und wurde ein
Quellenwerk fr die Geschichte, das an Interesse wenige Konkurrenten hat.

Als Verleger war Panckoucke usserst splendid und bei Hofe sehr
angesehen. Er druckte Buffons smtliche Werke; die erste grosse
Sammlung von Reisewerken und begann auch die _Encyclopdie mthodique_,
welche 166 Bnde in Quart und 51 Teile mit 6429 Kupfertafeln umfasste,
deren Herstellung ein halbes Jahrhundert in Anspruch nahm. Der Erfolg
war anfnglich ein ganz ausserordentlicher. Ein einziger Madrider
Buchhndler, Sancha, hatte Subskriptionen bis zu einem Betrage von
anderthalb Millionen Livres gesammelt. Die lange Reihe von Jahren,
welche das Unternehmen bis zu seiner Vollendung erforderte, schmlerte
jedoch sehr den Ertrag, da wenige Unterzeichner das Ende des Werkes
erlebten.

Panckoucke selbst war als Schriftsteller sehr thtig und lieferte ausser
selbstndigen Werken und bersetzungen noch zahlreiche Artikel zu den
periodischen und encyklopdischen Werken seines Verlages.

[Sidenote: C. L. Panckoucke * 25. Dez. 1780, [+] 11. Juli 1844.]

Sein Sohn CHARLES LOUIS PANCKOUCKE vertauschte die als Beruf ergriffene
Rechtswissenschaft mit der Buchdruckerei und dem Buchhandel. Er
vollendete die _Encyclopdie_ und druckte unter Mitwirkung der besten
wissenschaftlichen Krfte das _Dictionnaire des sciences mdicales_, die
_Flore mdicale_, die _Biographie mdicale_. Whrend des Rckganges des
nationalen Glanzes in den Jahren 1814-15 begann er die Herausgabe der
_Victoires et Conqutes_, welche einen ausserordentlichen Erfolg hatten.
Weiter veranstaltete er eine neue Ausgabe der _Expdition d'gypte_.
Auch er war als Schriftsteller mehrseitig thtig. Sein Sohn CHARLES
LOUIS ERNEST (geboren 1806) verliess den Buchhandel, behielt jedoch die
Buchdruckerei und den Druck des Moniteurs.

[Sidenote: Familie Barbou.]

Der Ursprung der Familie BARBOU ist in Lyon um die Mitte des XVI.
Jahrhunderts zu suchen. Eins der Mitglieder derselben, JEAN JOSEPH
BARBOU, etablierte sich 1717 als Buchhndler, 1723 als Buchdrucker
in Paris. Der Sohn JOSEPH GRARD BARBOU machte sich einen beln
Namen durch die Art und Weise, wie er einberufene deutsche Arbeiter
behandelte. Sein Neffe JOSEPH GRARD D. J. begann eine schne Kollektion
lateinischer Klassiker in 76 Bnden mit Vignetten, die 1808 auf J. A.
DELALAIN berging, der das Geschft erst allein, seit 1836 mit seinem
Sohne A. H. J. DELALAIN fhrte. Diese Firma druckte mehrere tausend
Klassiker-Ausgaben und Unterrichtswerke; derselben verdankt man auch das
_Annuaire de la librairie et de l'imprimerie_ und mehrere Fachschriften.
Die Familie gehrt zu den geachtetsten ihres Faches in Frankreich.

[Sidenote: P. N. Lottin [+] 1751.]

PHILIPP NICOLAS LOTTIN etablierte 1724 eine Druckerei. Sein Sohn AUG.
MARTIN war der typographische Lehrmeister Ludwigs XVI., der damals,
ein glcklicher Knabe von zwlf Jahren, mit der Presse spielen konnte,
die ihn spter aufs Schafott bringen sollte. Lottin ist der Verfasser
eines jetzt sehr selten gewordenen Werkes: _Catalogue chronologique des
libraires et imprimeurs de Paris depuis 1470-1789_.

[Sidenote: J. G. Treuttel * 1744, [+] 1826.]

[Sidenote: J. G. Wrtz * 1768, [+] 1841.]

Das Geschft TREUTTEL & WRTZ wurde 1770 in Strassburg, 1795 in Paris,
1817 in London errichtet. J. G. TREUTTEL war in Strassburg geboren,
ebenso sein Schwiegersohn J. G. WRTZ; ein zweiter Schwiegersohn E.
JUNG trat nach Treuttels Tod als Teilhaber in das noch in der Familie
unter der Firma JUNG-TREUTTEL fortwirkende Geschft. Unter den vielen
bedeutenden Arbeiten desselben nennen wir nur einige: d'Agincourts
_L'histoire de l'art par les monumens_; die Werke der Frau von Stal, 17
Bnde; _Les archives des dcouvertes_, 31 Bnde; die bedeutendsten Werke
Sismondis; die Bipontiner (Zweibrcker) Ausgaben der Klassiker in 115
Bnden; die _Encyclopdie des gens du monde_.

[Sidenote: Familie Berger-Levrault.]

[Sidenote: Fr. Schmuck * 1678.]

[Sidenote: Wilh. Schmuck * 1682, [+] 1751.]

[Sidenote: J. R. Christmann [+] 1661.]

[Sidenote: F. R. Christmann * 1728.]

[Sidenote: F. L. X. Levrault * 1762, [+] 17. Mai 1821.]

[Sidenote: Witwe Levrault [+] 1850.]

[Sidenote: Witwe Berger-Levrault [+] 28. Mai 1879.]

Eines der bekanntesten Huser Frankreichs ist das Strassburg ebenfalls
angehrende BERGER-LEVRAULT, welches seit mehr als 200 Jahren in einer
Familie fortgefhrt wurde[106]. Der Grnder desselben war FRIEDR.
WILH. SCHMUCK um 1675; die Druckerei entstand 1685. Der Sohn FRIEDRICH
SCHMUCK und dann sein Bruder WILH. SCHMUCK folgten, letzterer wurde
Buchdrucker des Knigs und der Universitt. Nach Fr. Schmucks Tode
ging das Geschft auf seinen Schwiegersohn JOH. ROB. CHRISTMANN aus
Kempten und dann auf dessen ltesten Sohn FRANZ ROBERT ADRIAN ber, der
als Teilnehmer seinen Schwager FRANZ GEORG LEVRAULT aufnahm, worauf
die Firma CHRISTMANN & LEVRAULT, dann nach Christmanns Tode GEORG
LEVRAULT wurde und bis 1858 fortbestand. Von den vier Shnen Georgs,
die sich alle der Druckerei widmeten, wurde der lteste FRANZ LAURENT
XAVIER, welcher in der Schreckenszeit auf Grund seiner royalistischen
Gesinnungen hatte fliehen mssen, Chef des Hauses. Unter ihm fand ein
bedeutender Aufschwung des Geschfts statt. Ein grosser Teil des Exports
franzsischer Bcher nach Deutschland und Russland ging durch seine
Hnde und seine Pressen brachten zahlreiche Verlagsartikel hervor. Eine
Spezialitt des Hauses bildete die Lieferung von Militrformularen, die
sogar der grossen Armee nach Russland nachgesendet wurden. Levrault
war ein Mann von ungewhnlicher geistiger Begabung und Arbeitskraft,
die er nicht nur dem Geschfte, sondern auch seinen Mitbrgern, unter
denen er im hchsten Ansehen stand, widmete. Eine treue und tchtige
Gehlfin hatte er in seiner Frau, welche, als beranstrengungen 1821
seinen Tod herbeifhrten, sich beherzt an die Spitze des Hauses stellte
und whrend 29 Jahren das Erbe der Familie mit sicherer Hand erhielt
und frderte. Von 1825 bis 1837 wurde sie durch einen Schwiegersohn
FRIEDR. BERGER krftig untersttzt, ein anderer Schwiegersohn C. PITRIS
leitete das in Paris gegrndete Haus. Nach Bergers Tode bernahm
dessen Witwe die Fhrung der Druckerei, whrend die Witwe Levrault
bis zu ihrem Tode der Buchhandlung vorstand. Die Witwe Berger nahm
nun ihren Sohn OSCAR BERGER-LEVRAULT zum Teilnehmer, wodurch die
Firma sich in BERGER-LEVRAULT SOHN nderte. Unter der Leitung Jul.
Norbergs nahmen die Geschfte einen immer grsseren Umfang an. Mit
gewaltigen Anstrengungen siegte man in dem Kampf gegen Konkurrenten um
Behauptung der administrativen Arbeiten. Bedeutende Erfolge belohnten
die Thtigkeit und ein grossartiges Geschftshaus wurde erbaut. Kaum
war der Umzug bewerkstelligt, da brach der Krieg aus. Die Schwierigkeit
resp. Unmglichkeit, whrend desselben und der darauf folgenden
Friedensverhandlungen die administrativen Arbeiten auszufhren, waren
ausserordentlich; nach der Abtretung des Elsass an Deutschland musste
das Haus mit diesen Arbeiten nach Frankreich auswandern und 1873 fand
die bersiedelung nach Nancy statt. Bereits am 20. Mai 1876 ward das
dortige usserst zweckmssig eingerichtete Etablissement ein Raub der
Flammen, es wurde jedoch mit einer fabelhaften Energie und mit noch
besseren Einrichtungen als vorher neu aufgefhrt.

  [106] L. MOHR, Das Haus Berger-Levrault. Strassburg 1876. --
        _L'Imprimerie de Berger-Levrault & Co._ Nancy 1878. -- Ann. d.
        Typ. B. VIII. 1876, Nr. 352.

Das Strassburger Etablissement, welches jetzt nach 200 Jahren wieder zu
den deutschen zhlt, besteht unter alleiniger Leitung des Herrn RUD.
SCHULTZ als Kommandit-Gesellschaft unter der Firma R. SCHULTZ & CO.
(BERGER-LEVRAULT NACHFOLGER).

[Sidenote: J. G. Dentu * 1770, [+] 1840.]

[Sidenote: G. Dentu d. j. * 1796, [+] 1849.]

Der Grnder der Firma Dentu, JEAN GABRIEL DENTU, etablierte um 1795
eine Buchdruckerei und spter eine Buchhandlung in Paris. Sein _Journal
des Dames_ hatte einen ausserordentlichen Erfolg. Er gab eine grosse
Reihe von Reisewerken sowie Schriften naturwissenschaftlichen Inhalts
heraus und druckte und verlegte nach der zweiten Restauration fast
alle legitimistischen Broschren. Der Sohn GABRIEL DENTU, der 1826
das Geschft bernahm, blieb den politischen Traditionen der Firma
treu, wurde dadurch nach der Julirevolution 1830 in 27 Pressprozesse
verwickelt und musste ausser zahlreichen Geldstrafen neun Monat
Gefngnis aushalten. Einer seiner Shne ED. DENTU folgte ihm als
Buchhndler; die Buchdruckerei wurde verkauft.

[Sidenote: H. M. Cazin [+] 5. Okt. 1795.]

Als Verleger einer Reihe reizender und koketter Ausgaben in 18 mit
schnen Illustrationen und allerliebsten Ornamenten der besten Knstler
ist HUBERT MARTIN CAZIN bekannt.

Mit grosser und wohlbegrndeter Piett nennen die franzsischen
Fachgenossen den Namen Crapelet.

[Sidenote: Charles Crapelet * 13. Nov. 1762, [+] 9. Okt. 1809.]

CHARLES CRAPELET war in Bourmont geboren. Seine Erziehung war sehr
vernachlssigt, er versuchte jedoch durch unermdliche Arbeit das
Fehlende zu ersetzen. Erst 17 Jahre alt bernahm er die Leitung des
bedeutenden Geschfts des Buchdruckers Stoupe. Er beteiligte sich auf
das lebhafteste bei den Bestrebungen, die Typographie durch Geschmack
und Eleganz zu heben, und war zugleich einer der vorzglichsten
Korrektoren. Als Beweis seines Pflichteifers wird erzhlt, wie er sich
von dem Festschmause am Abend seines Hochzeitstages gegen Mitternacht
heimlich entfernte. Als er nicht wiederkam, geriet die Gesellschaft
in Verlegenheit, die junge Frau in die grsste Unruhe. Nachdem der
anwesende Prinzipal Stoupe sich eine zeitlang an dieser Situation
ergtzt hatte, machte er schliesslich dem Entsetzen ein Ende durch die
Erklrung, Crapelet sei in die Druckerei gegangen, um die Korrektur
einiger Bogen zu erledigen, die man morgen drucken msse. Der Vermisste
erschien dann endlich auch frh gegen drei Uhr.

Im Jahre 1789 wurde er der Nachfolger Stoupes. Nach dem Beispiele
Baskervilles suchte er Einfachheit mit Eleganz zu verbinden und bertraf
sein Vorbild durch die Gleichmssigkeit und die grosse Korrektheit
seiner Drucke. Seine Ausgaben werden von allen Bcherfreunden in Ehren
gehalten und seine Pergamentdrucke und die Golddruck-Exemplare von
Audiberts _Histoire des colibris_ sind typographische Seltenheiten.

Vom Glck war Crapelet nicht begnstigt und Missbrauch seines Vertrauens
brachte ihm ausserdem schwere Verluste. Um diese zu ersetzen,
arbeitete er ber seine Krfte. Ein Druckfehler in dem ersten Bogen
seiner Ausgaben des _Tlmaque_, wo, statt _Pnlope_, _Plnope_
gedruckt war, versetzte ihn in eine solche Aufregung, dass nur die
ernsthaftesten Vorstellungen seiner Freunde ihn von seinem Entschluss,
die Buchdruckerei aufzugeben, abzubringen vermochten. Leider zu
seinem Schaden, denn er starb, erst 49 Jahre alt, durch geistige und
krperliche Anstrengungen aufgerieben, als Mrtyrer seines Berufs. Unter
den vielen Werken aus seinen Pressen seien die schnen Ausgaben der
franzsischen Klassiker und Audiberts _Histoire naturelle des oiseaux
chantans_, Folio, 1805, genannt.

[Sidenote: G. A. Crapelet * 1789, [+] 1842.]

Notgedrungen musste der Sohn GEORG AUGUST CRAPELET, kaum 20 Jahre
alt, das Geschft bernehmen. In seinen Leistungen bertraf er noch
den Vater, war ausserdem ein bedeutender Fachschriftsteller und
Archolog. Seine Ausgaben franzsischer Klassiker sind berhmt und die
Grosspapier-Exemplare davon sind als Prachtdrucke gesucht. Crapelet
der Sohn gehrte, wie der Vater, zu denjenigen Buchdruckern, die mehr
zur Ehre der Kunst als zum eigenen Vorteil den alten Traditionen treu
blieben. Seine Fachwerke sind sehr geschtzt. Von den _tudes pratiques
et littraires sur la typographie_, Paris 1837, wurde leider nur der
erste Teil verffentlicht, den Abschluss des Werkes verhinderte des
Verfassers Tod. 1840 erschien _De la profession d'un imprimeur_.

[Sidenote: De Bure.]

Den Grund zu den bedeutenden bibliographischen Arbeiten Frankreichs
legte WILHELM FRANZ DE BURE, einer bereits seit 1660 bestehenden
Buchhndler-Familie angehrend. Er verfasste 1753 das _Museum
typographicum_ und 1785 seine _Bibliographie instructive_, sowie mehrere
von den Bibliographen sehr geschtzte Kataloge, unter andern die ber
die Bibliothek des Herzogs von la Vallire, in damaliger Zeit die
bedeutendste Privatbibliothek Frankreichs.

[Illustration]


[Illustration]

                             VII. KAPITEL.

        DIE MODERNE TYPOGRAPHIE FRANKREICHS UND DAS BUCHGEWERBE.

  DAS AUFLEBEN DES BUCHGEWERBES. Die Prachtwerke. Neue Bahnen. Der
    _Cercle de la Librairie_. Die Fachlitteratur. Statistisches. Die
    Journallitteratur. DIE MODERNE TYPOGRAPHIE: A. Mame & Co., H.
    Fournier, P. Dupont, J. Claye, N. Chaix, H. Plon u. a. DER
    ILLUSTRIERTE VERLAG: Ch. Furne, J. Dubochet, J. Paulin. DIE
    LUXUSBCHER: L. Curmer, G. Silbermann, Engelmann Vater & Sohn. DIE
    VERSCHIEDENEN RICHTUNGEN DES BUCHHANDELS: Baillre, Masson, Hachette
    & Co. u. a. DER ARCHASTISCHE DRUCK: L. Perrin, D. Jouaust. DIE
    BIBLIOGRAPHIE: Die Buchhandlungen fr das Ausland.

[Sidenote: Aufatmen des Buchhandels.]

Schwere Zeiten hatten in der Sturmperiode Frankreichs auf der
Buchdruckerei und dem Buchhandel gelastet und nur wenigen Auserwhlten
der alten Garde war es, wie wir gesehen, vergnnt gewesen, aus der
Krisis ungeschdigt hervorzugehen. Als nun das Buchgewerbe wieder
aufzuatmen begann, war es, da die neue Litteraturperiode noch nicht
angebrochen war, natrlich, dass die Schaffenslust sich zuerst der
Herstellung von schnen Ausgaben der vorhandenen Schriftsteller, die zu
den franzsischen Klassikern gezhlt wurden, zuwendete.

[Sidenote: Th. Desor.]

[Sidenote: J. J. Lefvre.]

THEODOR DESOR war der erste, der eine solche Prachtausgabe: einen
zwlfbndigen Voltaire, herausgab, die alle Welt in Erstaunen versetzte,
welche die Frage lebhaft diskutierte, ob der Verleger bald ein reicher
oder ein bankerotter Mann werden wrde. JEAN JACQUES LEFVRE wollte
Ausgaben bringen, die selbst die Didotschen bertreffen sollten. In den
Jahren 1826-1829 gab er zuerst in 73 Bnden in Oktav die franzsischen
Klassiker mit reichhaltigen Kommentaren heraus, dann die ohne Rivalen
gebliebenen Sammlungen lterer und neuerer Klassiker aller Lnder in
32. Gleichzeitig verffentlichte L. JANET seine luxurisen Ausgaben der
geistlichen Schriftsteller.

[Sidenote: Prachtausgaben.]

Eine Prachtausgabe jagte nun die andere. Von Voltaire allein erschienen
nicht weniger als vierzig Ausgaben in den verschiedensten Formaten und
zu den verschiedenartigsten Preisen. In ununterbrochener Reihe folgten
Buffon, Madame de Svign, Boileau, Bossuet und viele andere ltere
Schriftsteller mit prachtvollen Stichen, unter Mitwirkung von Knstlern
wie Desenne, Deveia, Henriquel-Dupont, Calamatta, Lecomte, Girardet,
Lorichon u. a. Daneben behaupteten jedoch auch die lteren Ausgaben
ihren Wert bei den vielen Bcherliebhabern. Zu zahlreichen Werken mit
und ohne Illustrationen gaben die Thaten Napoleons und der grossen Armee
Anlass. Die arbeitenden 1500 Pressen, davon 800 in Paris, reichten
fters nicht aus, um dem Andrngen der Verleger zu gengen. Im Jahre
1811 erreichten die gedruckten Bogen die Zahl von neunzehn Millionen,
1826 war sie auf 145 Millionen gestiegen, nicht gerechnet die enorme
Zahl der politischen Broschren, der Zeitungen und der Revues.

[Sidenote: C. Ladvocat.]

Trotz der Schnheit der Klassiker-Ausgaben traten diese mit der
Zunahme der modernen Schriftsteller von Bedeutung wie Benj. Constant,
Chateaubriand, Lamartine, Cas. Delavigne und viele andere in den
Hintergrund. Was Lefvre fr die alten Verfasser gewesen, wollte nun
CHARLES LADVOCAT fr die lebenden sein. Er war der richtige Typus eines
modernen Buchhndlers, khn, unermdlich, freigebig, von Liebe zu seinem
Geschft beseelt. Er verstand jedoch nicht, dabei klug haushlterisch zu
sein. Er gab zwar der Litteratur einen mchtigen Stoss nach vorwrts,
sollte aber so wenig wie Lefvre die Frchte des regen Schaffens
geniessen, und beide starben arm.

[Sidenote: Der Roman.]

Dem Roman war es beschieden, einen mchtigen Einfluss auf das
Druckgewerbe zu ben. Am Tage der Herausgabe eines neuen Romans von
Victor Hugo, Jules Janin, Ch. Nodier, H. de Balzac, Paul Lacroix, Lon
Gozlan, Eug. Sue, Alf. Karr u. a. waren die Buchhandlungen frmlich
belagert. Die hchsten Honorare wurden bezahlt, oft fr Bcher, von
denen noch keine Zeile geschrieben war.

[Sidenote: Das Feuilleton.]

Doch hiermit sollte es nicht genug sein. Emil Girardin ffnete dem
Roman noch neue Bahnen. Er hatte den Gedanken gefasst, ein Journal von
dem Umfange der grossen Bltter, aber nur zu vierzig statt zu achtzig
Franken, herauszugeben. Das wirkte in der Journalistik gleich einer
Revolution im Staate. Im Jahre 1835 erschien Girardins _La Presse_; _Le
Sicle_ war die erste Konkurrenz. Das Publikum sollte namentlich durch
das Feuilleton angelockt werden und es entstand eine wahre Hetzjagd nach
Romanen fr dasselbe und selbst die ernsthaftesten Journale mussten
dem Strom folgen. Soulis _Mmoires du diable_ und Sues _Mystres de
Paris_ in dem _Journal des Dbats_ wurden geradezu verschlungen. Die
Mnner des Romans gengten nicht und es entstand eine ganze Legion von
romanliefernden Blaustrmpfen. War der Roman im Feuilleton beendigt, so
kam eine Nachlese fr Autor, Verleger und Drucker durch Herausgabe als
Buch.

Die Kunst des Zeilenmachens[107] wurde im grossen Stil gebt, als
besonderer Virtuos zeigte sich hierin Victor Hugo. Da nach den Zeilen
bezahlt wurde, so waren Zeilen wie Ja -- Nein -- Er ging -- Sie
lchelte etc. sehr profitabel.

  [107] EUG. DE MIRECOURT, _Fabrique de romans_. Paris 1845.

Doch das Romanfieber liess nach und es machte sich nun, untersttzt
durch die Fortschritte der Holzschneidekunst und das vortreffliche
Material an Schrift, Papier und Pressen, die Sucht geltend, alles mit
Holzschnitten zu illustrieren.

[Sidenote: Der Holzschnitt.]

[Sidenote: Die illustrierten Klassiker.]

So prachtvoll die Stahlstiche auch gewesen, man sehnte sich doch nach
einfacherer Kost. Der Holzschneider Porret war einer der ersten, der
auf Antrieb Achille Devrias zur Reorganisation der Xylographie die
Initiative ergriff. Die talentvollen Zeichner eigneten sich mit Eifer
die Methode fr den Holzschnitt zu zeichnen an. Desenne, Devria, Alfr.
und Tony Johannot, Jul. David, Raffet, Charlet, J. J. Grandville, Horace
Vernet, Vict. Adam, Ary Scheffer, Gavarni und andere Knstler ersten
Ranges erschienen auf dem Kampfplatz. Da gab es ein lustiges Turnier.
Alle Klassiker, fremde und einheimische, wurden mit Holzschnitten
illustriert; geschichtliche, ethnographische und naturwissenschaftliche
Werke folgten in bunter Reihe, daneben die illustrierten Bltter.
Schliesslich kamen die illustrierten Romane zu 20 Cent. fr die
Lieferung an die Reihe und auch die Jugendschriften nahmen ein anderes
Gesicht an. Der Sieg des Holzschnittes ber den Stahlstich war ein
vollstndiger.

Gegen das Ende des Brgerknigtums hatte das Geschft wenigstens
anscheinend eine hohe Blte erlangt. In der Zeit von 1830-1848
betrug die Zahl der erschienenen Werke 105000 und sie hat sich mit
stellenweisen Unterbrechungen durch die politischen Wandlungen auf einer
hohen Stufe erhalten.

[Sidenote: Der _Cercle de la librairie_.]

Zu dem Ansehen des franzsischen Pressgewerbes hat, wie bereits in
der Einfhrung angedeutet wurde, der _Cercle de la librairie, de
l'imprimerie, de la musique et des estampes_[108] vieles beigetragen.
Aus dem angefhrten Titel geht schon hervor, dass der _Cercle_ als
Sammelplatz fr alle die mannigfachen Krfte dient, welche bei den
graphischen Knsten im weitesten Sinne beschftigt sind. Nicht nur in
allen Verhltnissen der Regierung gegenber, sondern auch bei allen
Weltausstellungen hat der _Cercle_ die Interessen des Buchgewerbes mit
Energie, Geschick und Glck vertreten. Er wacht mit Eifersucht dem
Auslande gegenber, jedoch ohne Eiferschtelei unter den Mitgliedern
des Vereins, ber die Behauptung der hervorragenden Stellung des
franzsischen Druckgewerbes, wenn dieses auf dem Weltmarkt sich zeigt.

  [108] _Le Cercle de la librairie. Notice hist._ Paris 1881. -- J. B.
        BAILLRE, _Le Cercle, etc._

Der am 5. Mai 1847 unter dem Vorsitz von Ambr.-Firmin Didot gegrndete,
1853 reorganisierte Verein erwarb 1856 das Eigentumsrecht auf die seit
dem Jahre 1811, damals im Besitz der Familie Pillet, erscheinende
_Bibliographie de la France_. Das 1858 unternommene _L'Annuaire de la
librairie_ wird nicht regelmssig fortgesetzt und hat fr den Buchhandel
Frankreichs nicht die Bedeutung wie in Deutschland O. A. Schulz'
Adressbuch. 1863 wurde das _Comit judiciaire des Cercle_ eingerichtet.
Am 12. Juni 1878 wurde der Grundstein zu einem prachtvollen
Versammlungshaus, Ecke der _Rue Grgoire-de-Tours_ und des _Boulevard
St.-Germain_, gelegt und dasselbe am 4. Dezember 1879 feierlich
eingeweiht. Es werden seit der Zeit hchst interessante Ausstellungen
dort abgehalten. Im Jahre 1880 war die Zahl der wirklichen Mitglieder
317, darunter 119 Buchhndler, 40 Buchdrucker, 26 Lithographen, 55
Papierfabrikanten, 11 Buchbinder, 8 Maschinenfabrikanten etc. Ausserdem
hatte der _Cercle_ 21 Ehrenmitglieder und 145 korrespondierende
Mitglieder. Das Vereinsvermgen betrug 350000 Franken.

[Sidenote: Fachlitteratur. Gabr. Charavay [+] 22. Mai 1878.]

Als Organ der Typographie besteht seit 1864 das durch GABR. CHARAVAY
geleitete _L'Imprimerie, journal de la typographie et de la
lithographie_. Es beschftigt sich namentlich mit den Verhltnissen
der Buchdrucker zum Staate und mit den gewerblichen Interessen, ist in
technischer Beziehung jedoch nicht so reichhaltig wie die leitenden
englischen Journale. Letzteren nachzukommen ist das seit 1873 begonnene
Journal _La Typologie Tucker_ mit Glck bemht. Es bringt wertvolle
Artikel, so wurden z. B. die bekannten _Lettres d'un bibliophile_ von
R. R. Madden zuerst hier mitgeteilt. Von den brigen Fachjournalen sei
noch erwhnt das durch Fusion von drei typographischen Blttern 1882
entstandene _Bulletin de l'imprimerie et de la librairie_, redigiert von
LON DEGEORGE. Was von den englischen Fachjournalen gesagt wurde, dass
sie sich von allen persnlichen Gehssigkeiten und Reibungen freihalten,
gilt auch von den franzsischen, obwohl sie zum grossen Teil direkt im
Interesse einzelner grossen Fabrikanten herausgegeben werden.

                   *       *       *       *       *

Nachdem wir in dem vorhergehenden Kapitel die Wirksamkeit und Bedeutung
der Bahnbrecher der neueren Periode haben kennen lernen, wenden wir uns
den bedeutenderen der modernen Anstalten zu, welche dazu beigetragen,
Frankreichs typographischen Ruhm in neuester Zeit zu frdern.

Es knnte anscheinend ein Widerspruch darin gefunden werden, dass die
Reihe mit einem Institut angefangen wird, welches bereits zuende des
vorigen Jahrhunderts gegrndet wurde. Dasselbe ist jedoch seiner ganzen
Organisation und Arbeitsweise nach so innig mit der neuen Zeit verknpft
und bt auf diese seinen Einfluss in einer so hervorragenden Weise, dass
es wohl nicht mit Unrecht gerade hier an der Spitze steht, als Prototyp
einer im besten Sinne modernen Buchdruckerei: es ist das Druckinstitut
von A. MAME & CO. in Tours.

[Sidenote: Alfred Mame * 1811.]

Der Grnder desselben war (1798) ARMAND MAME, ein junger und energischer
Mann. 1830 assoziierte er sich mit seinem Schwiegersohne und Neffen
ERNEST MAME. 1833 traten seine zwei Shne ALFRED HENRI ARMAND und ERNEST
als Teilnehmer ein. Nach dem Tode des Vaters bernahm Alfred Mame
das Geschft allein und von da ab datiert sich der enorme Aufschwung
desselben. Die Ateliers wurden den Forderungen der Zeit entsprechend
eingerichtet und Neubauten vorgenommen. Auch der Buchbinderei widmete
Mame besondere Sorgfalt. Seit 1859 ist der Sohn PAUL Teilhaber. Schon
damals beschftigte das Institut ber 1000 Leute und produzierte tglich
gegen 15000 Bnde. Der Verlag besteht hauptschlich in Schriften
pdagogischen und religisen Inhalts, welche, mit einem Preise von
60 Cent. fr ein schn gebundenes Bndchen beginnend, bis zu den
hchsten Preisen geliefert werden. Mames grsster Vorzug ist eine
fr alle Arbeiten, die billigsten ebensogut wie die teuersten, sich
gleichbleibende Sorgfalt. Seine glnzenden typographischen Siege errang
er hauptschlich durch seinen Schwarzdruck; bunte Farben, Gold und die
Hlfsmittel der Schwesterknste der Buchdruckerkunst wurden von ihm nur
als notwendige Konzessionen an den Geschmack des Publikums betrachtet.
Er ist ein echter Schwarzknstler.

Unter seinen Prachtwerken sind ausser seinem herrlichen _Missale_
in Folio, das mit allem Raffinement ausgestattet ist, besonders zu
erwhnen die illustrierten Prachtwerke _La Touraine_ mit Zeichnungen
von Franais, K. Girardet und Catenacci, das schon 1855 von der Jury
der Weltausstellung als ein Meisterwerk ersten Ranges anerkannt wurde,
und die Bibel mit den epochemachenden Illustrationen Gustav Dors,
die mittels Clichs Eigentum fast aller Lnder geworden sind. Zu den
neueren Prachtwerken, bei welchen Knstler wie Foulquier, Giacomelli
und Hallez mitwirken, gehren die _Chefs-d'[oe]uvre de la langue
franaise_. Von allen von ihm herausgegebenen Werken lsst Mame ein
Exemplar auf Pergament drucken, eine typographische Sammlung von
grossem Wert. Auf allen Weltausstellungen erreichte Mame das hchste
Mass der Auszeichnungen und es ist wohl kaum eine Stimme dagegen laut
geworden[109].

  [109] Behufs Verteilung bei Ausstellungen gab Mame einen illustrierten
        Bericht ber sein Etablissement heraus. In dem Jahrgang 1865 des
        Journ. f. B. Nr. 6 ff. findet sich eine deutsche Bearbeitung
        mit den Abbildungen des Originals. Bei spteren Ausstellungen
        erschienen neue Auflagen des Berichts.

[Sidenote: H. Fournier * 1795.]

Die Leitung der Mameschen Buchdruckerei lag in den Hnden HENRI
FOURNIERS. Derselbe arbeitete 1812 bei Didot, wo er fr den tchtigsten
Setzer galt. 1824 grndete er selbst in Paris eine Buchdruckerei, die
spter durch Kauf in die Hnde Jules Clayes berging. Fournier druckte
und verlegte eine Anzahl kompakter Ausgaben der franzsischen Klassiker
und verschiedene illustrierte Werke: _Les petits Misres de la vie
humaine_, _La Chine ouverte_, die von einem feinen Geschmack und grosser
Tchtigkeit zeugten. Er zog nach dem Verkauf seines Geschfts wieder
nach seiner Vaterstadt Tours. Auf Grund der typographischen Ausfhrung
von _La Touraine_ wurde er zum Ritter der Ehrenlegion ernannt.
Allgemein bekannt auch in Deutschland ist Fournier durch seinen _Trait
de la typographie_, das einzige die Kunst des Setzers mit Geschmack
behandelnde Lehrbuch.

[Sidenote: P. Dupont * 1796, [+] 12. Dec. 1880.]

Fr den Accidenzdruck haben PAUL DUPONT und seine _Imprimerie
administrative et des chemins de fer_ Bedeutung[110]. Seinem
ganzen Wesen nach ist das Institut eins der modernsten und
umfasst Buchdruckerei und lithographische Anstalt mit mehr als 50
Schnellpressen, 25 Handpressen und 1200 Arbeitern. Ein merkwrdiges
Unternehmen Duponts sind die _Archives parlementaires_ der verschiedenen
Reprsentationen Frankreichs von 1787-1860: Generalstaaten, Direktorium,
Konsulat, Kaiserreich, Restauration, Hundert Tage, zweite Restauration,
Juli-Regierung, zweite Republik, zweites Kaiserreich; kann man eine
grssere Abwechselung verlangen? Dupont hat sich Ruf durch seine
praktischen Beitrge zur Lsung der Arbeiterfrage durch Beteiligung der
Arbeiter erworben und hat in seinen Bestrebungen unter den franzsischen
Industriellen viele Gleichgesinnte und Nachfolger gefunden, z. B.
Laurent & Deberny, Schriftgiesserei, seit 1848, Chaix & Co. und Godchaux
& Co. seit 1871, Mame und Masson seit 1877.

  [110] _Notice sur les tablissements de P. D._ 1867. -- _P. D. et ses
        ouvriers assoc._ -- Journ. f. B. 1865, Nr. 35-37. -- P. DUPONT,
        _Une Imprimerie en 1867_. Paris 1867.

Anlsslich der Pariser Ausstellung 1867 gab Dupont ein Prachtwerk
heraus, enthaltend eine fr den Laien interessante Schilderung seiner
Anstalt; freilich nicht ohne eine gewisse Ostentation und krftige
Hervorhebung der Lichtseiten. Ferner schrieb er eine _Histoire de
l'imprimerie_, zwei Bnde, 1854, jedoch mehr eine Sammlung von
Material als eine durchgearbeitete Geschichte[111] und, abgesehen von
der Erfindungsgeschichte, fast ausschliesslich sich mit Frankreich
beschftigend.

  [111] Die 1881 erschienene neue Ausgabe ist die alte mit einem neuen
        Titel.

Von den vielen grossen Offizinen nennen wir nur diejenigen, die irgend
eine charakteristische Seite aufzuweisen haben.

[Sidenote: Jules Claye.]

JULES CLAYE (ursprnglich H. Fournier) ist eine bedeutende
Buchdruckerei, aus welcher eine grosse Anzahl von Prachtwerken Pariser
Verleger hervorging, darunter die grossartigste Erscheinung der jngeren
Typographie, Hachettes _Les vangiles_. Wenn wir gleich daneben ein
kleines Kunststckchen Clayes, seinen Katalog der Ausstellung des
_Cercle de la librairie_ in Wien 1873 nennen, so geschieht es nur,
weil das Bchlein zu den Gegenstnden gehrt, bei deren Betrachtung
man sich sagen muss, es giebt ein gewisses Etwas in der franzsischen
Typographie, in welchem man ihr nicht nachkommt, nicht weil man es
technisch nicht ebenso gut machen knnte, nachdem es einmal vorliegt,
sondern weil man einfach nicht auf den Gedanken kommt, es so zu
machen. Clayes Nachfolger im Geschft ist A. Quantin. Aus der Schule
Mames hervorgegangen, gilt dieser als einer der vorzglichsten und
geschmackreichsten Drucker. Die _Histoire de Joseph_ wird als ein
wrdiges Seitenstck zu _Les vangiles_ bei Hachette betrachtet.

[Sidenote: A. Chaix.]

Zu Claye steht A. CHAIX & CO. ungefhr in demselben Verhltnis wie
Dupont zu Mame. Die Firma, jetzt wie die Duponts in den Hnden einer
Kommandit-Gesellschaft, ist _Imprimerie et librairie centrales des
chemins de fer_[112]. Wie schon aus der Bezeichnung hervorgeht, legte
sich Chaix besonders auf Arbeiten fr Eisenbahnen und zwar zu einer
Zeit, als viele Eisenbahnbauten in Angriff genommen wurden. Ausserdem
druckte er viele Wertpapiere. Selbst das fr so manchen ruinse
Jahr 1848 brachte Chaix' Etablissement Vorteil durch die vielen
dort ausgefhrten Zeitungen und politischen Broschren, denn seine
Druckerei war der Sammelplatz der neuen politischen Grssen, wo auch
der nachmalige Kaiser fast tglich verkehrte. 1878 beschftigte er
48 Schnellpressen und gegen 700 Personen. Das Lokal gewhrt das Bild
einer grossen Eisenbahnhalle, mit Oberlicht versehen und von Galerien
umgeben. In der Mitte arbeiten die Setzer; ringsherum stehen die
Maschinen. Jeden Monat wird ein neuer Orientierungsplan ausgegeben,
um die Hersteller der verschiedenen Arbeiten leicht auffinden zu
knnen. Das grosse Tarifbuch im stehenden Satz enthlt 36 Millionen
Nonpareil-Typen. Fr die mehrfarbigen Plakate, fters von mehr als zwei
Meter Hhe und anderthalb Meter Breite, sind die schon oben erwhnten
besonderen Maschinen in Gang. Die Buchhandlung beschftigt sich fast
ausschliesslich mit Eisenbahnlitteratur. Chaix sorgt sowohl durch
Beteiligungssystem und Kassen, die jetzt ber ein Kapital von 300000
Franken verfgen, als durch zweckmssige Einrichtungen in dem Lokal
und eine billige Arbeiterkche fr das Wohl der Gehlfen. Fr die
Ausbildung der Lehrlinge errichtete er eine Schule mit vier Klassen
unter Bercksichtigung der vier Lehrjahre der Zglinge. Nicht allein,
dass der Unterricht frei ist, sondern den Lehrlingen werden Marken
verabreicht, die sie beim Beginn der Stunden abzugeben haben. Fr jede
Marke, die also als Zeichen der Anwesenheit in der Schule gilt, wird dem
Lehrling ein kleiner Geldbetrag gutgeschrieben. Fr die Schler schrieb
Chaix selbst ein Handbuch der Buchdruckerkunst, gab auch anlsslich der
Ausstellung 1878 einen 338 Seiten starken Bericht ber seine Anstalt
heraus.

  [112] _Histoire de l'imprimerie centrale, etc._ Paris 1878.

[Sidenote: _Agence Havas._]

Ist Chaix' Druckerei als typisch fr eine Druckerei des Augenblicks
zu betrachten, so kann die am _Place de la bourse_ gelegene Offizin
der _Agence Havas_, der politischen Korrespondenz Frankreichs, als das
Bild einer Zukunftsdruckerei gelten. Es werden hier nur Setzmaschinen
verwendet, und zwar Kastenbeinsche, die durchweg von Frauen bedient
werden. Diese Druckerei liefert fr die Provinzbltter stereotypierte
Satzspalten, die, in Stcke zersgt, sich mit dem eigenen Satz der
Bltter zusammen verwenden lassen.

[Sidenote: P. H. Plon * 1805.]

Einen bedeutenden Namen als Werkdrucker erwarb PH. H. PLON[113]. Er
war Setzer in der Offizin Bthunes, bei dem das _Dictionnaire de la
conversation_ in 52 Bnden erschien. Bei der Herausgabe zeigte Plon
eine grosse Thtigkeit und wurde Teilnehmer des Geschfts. Als auf
Grund entstandener Verlegenheiten Bthune sich zurckzog, bernahm
Plon allein das Geschft, welches sich usserst rasch hob und Luxus-
und Farbendrucke von Bedeutung lieferte, besonders aber gute
Werkdrucke. 1854 wurde Plon Buchdrucker Napoleons III. und druckte und
verlegte dessen Leben Caesars. Sein wissenschaftlich und knstlerisch
ausgebildeter Sohn bernahm nach dem Tode des Vaters das Geschft.

  [113] _Quelques mots sur la maison Henri Plon._ -- Henri Plon.
        Paris 1873.

Den Farbendruck hat die Firma so gut wie fallen lassen. Ohne gerade als
Meisterstcke hervortreten zu wollen, zeichnen sich, wie die lteren,
so auch die neueren Verlagserzeugnisse Plons, als: _Collection des
classiques franais_ in 32; _Les Chartes et les archives nationales_
in 4; die _Bibliothque historique_ in mehr als 300 Bnden in 8; die
_Bibliothque des voyages_ und die _Bibliothque des romans_ durch
Tchtigkeit in der Ausfhrung aus.

[Sidenote: Lacrampe.]

Die Firma LACRAMPE & CO. wurde 1837 als Assoziationsdruckerei
von 19 Arbeitern, alles tchtige, arbeitsame und fr ihren Beruf
enthusiasmierte Mnner, begrndet. Sie whlten ihren Chef und
wirtschafteten gemeinschaftlich. Das Resultat war trotz der
redlichsten Anstrengungen und zahlreichen Auftrge kein gnstiges.
Nicht besser ging es der unter der Firma Franois & Co. gegrndeten
Assoziationsbuchdruckerei, gewhnlich die Zehn genannt.

[Sidenote: Crt fils.]

CRT FILS ist zwar in Corbeil ansssig, gehrt jedoch thatschlich
zu den Pariser Buchdruckereien, da das kolossale Etablissement nur
fr Pariser Verleger beschftigt ist; Crt konkurriert wrdig mit
Claye in der Herstellung illustrierter Werke, namentlich fr Hachettes
Verlag, und wird hinsichtlich einer sich stets gleichbleibenden Gte und
Gleichmssigkeit des Schriftdrucks kaum bertroffen.

[Sidenote: Gauthier-Villars.]

[Sidenote: Bailleul [+] 30. Mai 1875.]

GAUTHIER-VILLARS macht eine Spezialitt aus solchen Arbeiten, die
andere am liebsten von sich weisen mchten; bei ihm heisst es aber, je
schwieriger, desto besser. Seine fr die wissenschaftlichen Institute
und Akademieen gelieferten Tabellen-, arithmetischen und mathematischen
Arbeiten, unter welchen sich die Werke des de Laplace und Lagrange
befinden, sind mit grossem Fleisse und mit typographischem Verstndnis
ausgefhrt, wrden jedoch in Deutschland nicht fr so epochemachend
gehalten werden, wie es in Frankreich der Fall war. Als Schpfer des
modernen mathematischen Satzes muss der bis in sein 78. Jahr bei
Gauthier-Villars arbeitende Setzer BAILLEUL betrachtet werden, der
zuerst bei Crapelet ausgebildet war und bei dem Schriftgiesser Ch.
Laboulaye in seinen Bemhungen Untersttzung fand. Er wurde zum Ritter
der Ehrenlegion ernannt. Es sei dies als Zeichen eines anerkennenswerten
Vorgehens der franzsischen Regierung angefhrt, dass sie den
hochverdienten Arbeiter ganz in derselben Weise wie den ersten Brger
ehrt, und andererseits ist es von den franzsischen Buchdruckern zu
loben, dass sie neidlos die Verdienste ihrer Kollegen und Gehlfen in
ein helles Licht zu setzen suchen, damit die Regierung sie kennen und
schtzen lernt.

[Sidenote: Verschiedene Pariser Offizinen.]

Unter den tchtigen Firmen seien noch wenigstens kurz erwhnt: C.
MOTTEROZ, der sich auch schriftstellerisch durch sein Werk ber die
chemischen Illustrations-Verfahren[114] verdient gemacht hat und
unter Zuhlfenahme aller graphischen Knste viele Accidenzarbeiten
fr die grossen Magazine in Paris ausfhrt; EMILE MARTINET, bekannt
durch sein seit 1872 bestehendes Internat fr Setzerinnen in Puteaux;
GEORGES CHAMEROT, Nachfolger von Firmin Didot, der schne illustrierte
Ausgaben lieferte; WITTERSHEIM & CO., deren Zeitungsdruckerei von der
Regierung angekauft wurde; LAHURE, der mit 40 Schnellpressen und 18
Handpressen viele illustrierte Werke druckt; DUMAINE, der die Arbeiten
des Kriegs- und des Marineministeriums liefert und selbst einen grossen
Verlag von _Militaria_, Rang-, Quartierlisten etc. hat; die _Socit
de publications priodiques_, welche, von Panckoucke unter der Firma
_Socit du Moniteur et de l'Encyclopdie mthodique_ gegrndet, unter
der Direktion von PAUL DALLOZ einen bedeutenden Aufschwung genommen hat
und eine grosse Zahl von Zeitungen druckt.

  [114] _Essai sur les gravures chimiques._ Paris 1871. 2. Aufl.
        Paris 1879.

[Sidenote: Offizinen der Provinz.]

Unter den Offizinen ausserhalb Paris finden sich, abgesehen von den
schon erwhnten von Mame und Berger-Levrault, noch manche von Bedeutung.
Ganz besonders hervorzuheben sind die Firmen L. DANEL in LILLE und F.
C. OBERTHUR in RENNES. Erstere, seit dem Ende des XVII. Jahrhunderts
bestehend, arbeitet mit 33 Maschinen, 26 Handpressen und 450 Arbeitern,
alle graphischen Nebengewerbe in ihren Rumen vereinigend, die, nach
einem totalen Brand 1871, hchst zweckmssig neu aufgefhrt wurden. Der
Hauptzweig ist Congrevedruck und die Firma liefert fr den Handel und
die Fabrikation eine enorme Zahl von Accidenzien. Um seine Tchtigkeit
im chromographischen Druck zu zeigen, hatte Danel zur Ausstellung 1878
ein Werk _Voyage dans un grenier_ geliefert. Oberthurs Offizin hat
ungefhr dieselbe Ausdehnung wie die Danels und ist 1874 neu aufgebaut;
sie versorgt Frankreich namentlich mit Agenden, Kalendern und hnlichem.

Zu erwhnen sind unter anderen noch OUDIN FRRES in POITIERS mit
umfangreichen Verlagswerken als: _Historiens des Gaules_ und _Les
Chteaux historiques de France_ mit in den Text gedruckten Radierungen;
ALLIER PRE & FILS in GRENOBLE mit dem _Armorial et nobiliaire de
l'ancien duch de Savoie_; CAPOULAUD FRRES (seit 1607) in LIMOGES,
welche kleinere Stadt in der Bcherproduktion mit 466 Werken in einem
Jahre gleich nach Paris mit 2286 kommt, whrend das einst graphisch so
bedeutende LYON nur 134 Werke, BORDEAUX nur 49 aufwies. In TOULOUSE sind
J. M. SIRVEN und P. PRIVAT, in CAEN F. LEBLANC-HARDEL, in MANS MONNOYER
bemerkenswert.

                   *       *       *       *       *

[Sidenote: Drucker und Verleger illustrierter Werke.]

Unter den Herstellern der ausserordentlich zahlreichen illustrierten
Werke, die in Paris erschienen sind, Verlegern sowohl als Buchdruckern,
befinden sich hervorragende Mnner. Wie das Pressgewerbe sich gestaltet
hat, ist es oft schwer zu sagen, wem der Ruhm fr die schne Ausstattung
am meisten gebhrt, dem Verleger, der die Herstellung in allen Details
mit Sachkenntnis und Geschmack anordnet, oder demjenigen, der den
Druck bernimmt. Nicht selten sind die Flle, dass der Verleger erst
den Ruf eines Druckers macht, der anfnglich nur unwillig sich von dem
Schlendrian und dem Alltglichen abbringen lsst, vielleicht gar den
Verleger verwnscht, der ihn zwingt, ein guter Drucker zu werden. Oft
teilen sich beide, Verleger und Drucker, in die Ehre, und so sollte es
immer sein, wenn nicht Verleger und Drucker in einer Person vereinigt
sind.

[Sidenote: Ch. Furne.]

Noch produktiver als der obenerwhnte Fournier war CHARLES FURNE, erst
Angestellter im Zollfach, dann seiner Leidenschaft fr schne Bcher
nachgebend, ein unternehmender Bcherproduzent. Den Text zu dem von
ihm verlegten Don Quixote hatte er selbst bersetzt. Wie es in Paris
so oft der Fall war, ging das Geschft 1836 in eine Aktiengesellschaft
ber, deren Direktor Furne wurde. Eine der vorzglichsten Leistungen
der jetzigen Firma FURNE, JOUVET & CO. ist Michauds _Histoire des
Croisades_, illustriert von G. Dor, in Folio.

[Sidenote: E. Bourdin.]

E. BOURDIN brachte J. Janins _L'Ane mort_, Sternes _Voyage
sentimentale_, _La Normandie et la Bretagne_, _Mmorial de Saint-Hlne_
von Las-Cases, illustriert von Charlet, das grosse Reisewerk des Frsten
Demidoff und andere Prachtwerke.

[Sidenote: J. Hetzel.]

JULES HETZEL, selbst ein geachteter Schriftsteller (Pseudonym P. J.
Stahl), lieferte Grandvilles _Scnes de la vie publique et prive des
animaux_ und dessen _Les Animaux peints par eux-mmes_. H. DELLOYE
verffentlichte Balzacs _La Peau de chagrin_, _La France pittoresque_,
_La France monumentale_, _La France militaire_. Ein grossartiges,
jedoch nicht illustriertes Verlagswerk war Nap. Landais' _Dictionnaire
de la langue franaise_. Durch politische Verhltnisse gezwungen
siedelte Hetzel 1851 nach Brssel ber, kehrte jedoch 1859 nach Erlass
der Amnestie zurck und grndete die _Librairie d'ducation et de
rcration_. 1864 begann er das _Magasin illustr d'ducation et de
rcration_, eine Sammlung tchtiger Werke fr die Jugend.

[Sidenote: J. J. Dubochet.]

[Sidenote: J. Paulin * 1793.]

Epoche machte die bei J. J. DUBOCHET erschienene _Histoire de Napolon_,
illustriert von Horace Vernet. Ein allerliebstes Werk war Tpffers
_Voyage en zigzag_. Von Dubochets nichtillustrierten Werken sind zu
erwhnen eine vortreffliche Kollektion von lteren Klassikern in
bersetzungen von Nisard, 27 Bnde Oktav, und die _Million de faits_.
Mit ihm gleichzeitig wirkte J. B. A. PAULIN, erst Mann der Wissenschaft
und Advokat, dann Verleger, der zusammen mit Dubochet _L'Illustration_
(1843) grndete. Diese Zeitschrift ging spter in die Hnde von A. MARC
& CO. ber. Sie nimmt einen ehrenwerten Platz unter den illustrierten
Blttern ein, ohne jedoch ihr Vorbild, die _Illustrated London News_, zu
erreichen, hat auch nur eine Verbreitung von 18000 Exemplaren. Paulin
gab auch eine prachtvolle Ausgabe von Thiers' _Histoire du Consulat et
de l'Empire_ in 17 Bnden heraus. Das frhere Werk _L'Histoire de la
Rvolution franaise_ von dem damals unbekannten Advokaten erschien
bei LECOINTE & PUGIN und auf dem Titel wurde der Name Flix Bodin als
Deckung vor den Namen Ad. Thiers eingeschmuggelt. Der Erfolg war ein
solcher, dass Thiers ferner keine schtzende Flagge fr seinen Namen und
seine Werke gebrauchte.

[Sidenote: _Magasin pittoresque._]

Unter den illustrierten kleineren Blttern, die in Nachahmung des _Penny
Magazine_ erschienen, ist das _Magasin pittoresque_ das hervorragendste
und das am schnsten ausgefhrte nicht allein in Frankreich. Ein
Phnomen ist es, dass nicht allein der Redacteur CHARTON und die
Xylographie von ANDREW BEST & LELOIR, sondern auch die Direktion
der Setzer und Drucker von 1833 bis auf die jngste Zeit dieselben
geblieben sind. Der Unternehmer hiess LACHEVARDIRE; die Ehre gebhrt
jedoch Charton und Best ([+] 2. Oktober 1879), MARTINET lieferte den
vortrefflichen Druck. Zu demselben wurde die erste Schnellpresse in
Frankreich eingefhrt, die von Applegath & Cowper in London gebaut war.
Neben dem genannten Blatt nahm namentlich _Le Muse des familles_ einen
respektablen Platz ein. BOURDILLAT, der auch die _[Oe]euvres de Gavarni_
herausgab, grndete _Le Monde illustr_, Hachette das sehr verbreitete
_Journal pour tous_. Ein xylographischer Knstler von grossem Ruf war L.
H. BREVIRE[115].

  [115] J. ADELINE, L. H. Brevire. Rouen 1876.

[Sidenote: L. Curmer * 17. Dezbr. 1801.]

Der Bahnbrecher fr die eigentlichen Luxusbcher, die unter Benutzung
der Chromoxylographie und der Chromolithographie entstanden, war LON
CURMER (1834). Er gehrte einer alten irlndischen Adelsfamilie an,
war aber in Paris geboren. Wenige Verleger haben in dem Grade ihre
Zeit begriffen, wie er sie verstand, und wenige haben in gleicher
Weise, wie er es that, auf die Ausbildung des Kunstdrucks gewirkt ohne
selbst die Kunst zu ben. Stets wusste er eine Anregung, eine neue
Idee zu bringen. Wie reich er an Initiative war zeigt jeder seiner
Verlagsartikel. Er verstand es, sich mit Knstlern zu umgeben, die ganz
auf seine Intentionen eingingen, und so entstanden seine Werke aus einem
Gusse. Eine seiner bewunderten Unternehmungen war _Paul et Virginie_,
illustriert mit Holzschnitten von Tony Johannot und Meissonier, und auf
das vortrefflichste von Evrat gedruckt. Es folgten dann _Le Jardin
des plantes_, _La Grce pittoresque_, _L'Irlande pittoresque_, _Les
Anglais_ und _Les Franais peints par eux-mmes_, _Les Beaux-Arts_, _Les
Contes des fes_ von Perrault und andere Werke. Prachtvoll waren seine
religisen Bcher mit Randleisten in Farbendruck und anderem Schmuck.
Alle berragt _L'Imitation de Jsu-Christ_ mit einer grossen Anzahl
Nachbildungen von Miniaturen und Einfassungen in Farben und Golddruck,
ebenso _Le Livre d'heures de la Reine Anne de Bretagne_.

Sowohl in dem chromoxylographischen als in dem chromolithographischen
Druck besass Frankreich Meister ersten Ranges, so fr ersteren G.
Silbermann und E. Meyer, fr letzteren Engelmann Vater und Sohn.

[Sidenote: G. Silbermann * 1801, [+] 23. Juni 1876.]

Kaum giebt es unter den neueren Typographen einen Namen, ausser dem
Didotschen, der berall einen so guten Klang hat wie der GUSTAV
SILBERMANNS in Strassburg[116]. Die Anfnge des Hauses sind in einer
dortigen kleinen Buchdruckerei des Andreas Ulrich zu suchen, welche
die Grossmutter Silbermanns 1798 ankaufte. Letzterer lernte bei Didot
und ging dann zu seiner Ausbildung nach England und Deutschland. Als
1840 Engelmann, ebenfalls ein Elssser, mit seinen Chromolithographien
die allgemeine Aufmerksamkeit erregte, grndete Silbermann 1846 ein
Etablissement in Paris, zur Herstellung chromoxylographischer Drucke,
gab dies jedoch bald in die Hnde seines Mitarbeiters, Ernst Meyer,
der trotz seiner Tchtigkeit nicht recht prosperierte und 1863 das
Etablissement an Marc verkaufte. Silbermann war nach Strassburg
zurckgekehrt und vervollkommnete fortwhrend den Buntdruck. Eine seiner
ersten Arbeiten dort war eine Ausgabe von Pfeffels Fabeln mit bunten
Einfassungen. Fr die englischen Modezeitungen lieferte Silbermann in
grossen Auflagen farbige Stickmuster. Einer seiner bedeutendsten Drucke
ist die Nachbildung des Banners der Stadt Strassburg, ein Blatt von
60  50 Centimeter. Da das Banner selbst 1793, das Bild, nach welchem
es angefertigt war, 1870 zugrunde ging, so hat das Blatt einen um so
grsseren Wert. Als eifriger franzsischer Patriot verliess Silbermann
nach dem Kriege Strassburg und verkaufte sein Geschft an M. Schauenburg
in Lahr, erwarb es jedoch 1872 wieder, um es in die Hnde seines
frheren Schlers und durch 35 Jahre treuen Mitarbeiters Fischbach zu
geben[117].

  [116] Ann. d. Typ. Nr. 361. VIII. Band.

  [117] 1840 erschien anlsslich der Einweihung der Gutenbergstatue in
        Strassburg ein _Album typographique_ von Silbermann, um die
        Fortschritte der Kunst zu veranschaulichen. 1872 sammelte er
        unter dem Titel _Album d'impressions typographiques en couleur_
        eine Anzahl Bltter seiner Drucke, die von seinen Leistungen
        eine, wennauch nicht ganz gengende, Vorstellung geben.

[Sidenote: G. Engelmann * 17. Aug. 1788, [+] 25. April 1839.]

War auch die lithographische Kunst dem Worte nach durch den Grafen
Lasteyrie 1814 nach Frankreich gebracht worden, so ist dem Sinne nach
GOTTFRIED ENGELMANN[118] aus Mlhausen der eigentliche Einfhrer. Im
Jahre 1816 etablierte Engelmann ein Atelier in Paris, 1820 brachte er
die Lithographie nach Spanien, 1826 grndete er ein Haus in London. Er
muss als der bedeutendste Frderer der Kunst Senefelders bezeichnet
werden und steht zu dieser etwa in dem Verhltnis wie Schffer zu
der Erfindung Gutenbergs. Engelmann ist der eigentliche Schpfer der
Chromolithographie. 1837 ward ihm fr seine Erfindungen ein zehnjhriges
Patent erteilt und 1838 erhielt er den Preis der Gesellschaft zur
Aufmunterung der Knste.

  [118] Ann. d. Typ. VII. Bd. 1875, Nr. 329.

[Sidenote: Joh. Engelmann [+] 25. Juli 1875.]

Den Ruhm des Vaters behauptete der Sohn JOHANN ENGELMANN. Seine im
Verein mit AUG. GRAF betriebene Chromolithographie blieb lange die
einzige in Paris. Ganz besonders widmete sich diese der Reproduktion
von Glasgemlden und Miniaturen lterer Manuskripte. Das erste _Livre
d'heures_ in Chromolithographie ging nach dreijhriger Arbeit aus dem
Atelier hervor. Ein Meisterwerk sind auch die _Statuts de l'ordre du
Saint-Esprit_ 1853.

Ganz vorzglich sind die sogenannten Diaphanie-Bilder von Engelmann
und Graf, welche in transparenter Chromolithographie die Glasmalerei
tuschend nachahmen. Mit acht bis hchstens neun Farben, -- mehr drfen
der Durchsichtigkeit wegen nicht verwendet werden, -- brachten sie,
nachdem die Bilder mit Firnis getrnkt waren, die vortrefflichsten
Effekte hervor.

[Sidenote: Lemercier.]

[Sidenote: A. Racinet.]

Ein bedeutender Knstler in jeder Branche der Lithographie ist A.
LEMERCIER. In den polychromen Unternehmungen fast aller Pariser Verleger
finden sich die Erzeugnisse seiner Thtigkeit vor. Sein grosses
Musterbuch ist eine so lehrreiche Geschichte der Lithographie, wie man
sie nur wnschen kann. Auch die Anstalt von Didot unter des verdienten
A. RACINETS knstlerischer Leitung nimmt in dem Chromodruck eine
hchst bedeutende Stellung ein. Weltruf hat des letzteren _L'Ornement
polychrome_ erworben.

[Sidenote: Lithographischer Buntdruck.]

Im Bilderdruck leistete Frankreich im Verhltnis zu Deutschland wenig;
die besten Leistungen sind die von JEHENNE, HANGARD-MAUG, J. F. DUPUY,
OMER-HENRY. Dagegen ist es Deutschland quantitativ und qualitativ
voraus in der Verwendung des Farbendruckes zu illustrativen Zwecken.
Es entstand in dieser Weise eine Reihe unvergleichlich schner Werke,
namentlich ber Architektur, Kunstindustrie, Kulturgeschichte, ja selbst
ber Kochkunst, welche Meisterstcke sind sowohl hinsichtlich der
korrekten Zeichnung als auch der technischen Durchfhrung und Naturtreue
des Kolorits und dabei zu ungewhnlich billigen Preisen geliefert
werden. Auch in der Verwendung des Farbendruckes fr die unzhligen
Gegenstnde der Papeterie behaupteten die Franzosen lange Zeit den
Vorsprung. In dieser Branche zeichneten sich Testu & Massin (jetzt
Champenois & Co.) und F. A. Appel aus. Letzterer lieferte Vorzgliches
im Miniaturdruck und ist zugleich Spezialist im Plakatdruck auf Zink,
dessen eigentlicher Erfinder MAX CREMNITZ ist. Ebenfalls im Plakatdruck
erzielt J. CHVET grossen Effekt mit wenigen Farben; fr Arbeiten zu
wissenschaftlichen Zwecken ist BEQUET & FILS bekannt. Etikettendruck
betreiben in grossem Umfang PICHOT & CO. Als ein seltener Fall ist noch
das gute Gelingen der Assoziations-Anstalt unter der Firma ROMANET &
CO. zu erwhnen. Im Zinkdruck steht Monroq obenan. Die hervorragendste
Erscheinung in der Photochromie ist VIDAL und seine _Trsor artistique
de la France_ und _Histoire gnrale de la tapisserie_ sind nicht
bertroffen; doch drfte seine Methode, als zu teuer und umstndlich,
nicht rasch in die Praxis dringen.

Als Kunstdrucker fr Stiche ist CHARDON hervorragend. Im Stichverlage
drfte wohl GOUPIL mit den Filialen in London, New-York, Brssel,
Haag, Berlin und Wien die erste Weltfirma sein. In ihren grossartigen
Ateliers in ASNIRES bei Paris, unter der knstlerischen Leitung von
ROUSSELON, wird der photographische Lichtdruck, hauptschlich jedoch
der Woodburydruck und die heliographischen Methoden in vortrefflichster
Weise gebt.

[Sidenote: E. Schieble * 1823, [+] 23. Okt. 1880.]

Im Kartendruck erwarb sich ERHARD SCHIEBLE (gen. ERHARD) aus Forchheim
in Baden einen bedeutenden Namen. Er verwendete alle Erfindungen der
Neuzeit und brachte durch pastosen Auftrag der Farben vortreffliche
reliefartige Wirkungen hervor. Die schnsten Karten der Regierung sowohl
als der privaten Verleger stammen aus seiner Offizin.

[Sidenote: A. Collas.]

Erwhnt sei hier noch die von ACHILL COLLAS gebte Methode, erhabene
Medaillons u. dgl. mittels des Storchschnabels zu gravieren
(Glypthotik), in welcher die mehr oder weniger anschwellenden
Linien vollstndig den Eindruck von Reliefs gewhren. _Le Trsor de
numismatique_ in dieser Weise durchgefhrt giebt einen glnzenden Beleg
fr den Wert der Glypthotik. Die ersten Versuche dieser Kunst hatte
schon ein Deutscher CHRIST. GOBRECHT in Philadelphia 1817 gemacht. 1819
kam die Maschine nach London und wurde von TURREL & SAXTON verbessert.
Fr die Bank zu London konstruierte 1829 BATE eine die frheren weit
bertreffende Maschine, die jedoch immer noch gegen die von Collas sehr
zurckstand.

[Sidenote: J. Gavard.]

JOSEPH GAVARD lieferte mittels des von ihm erfundenen Diagraphen,
untersttzt von Calamatta und Mercuri, in drei verschiedenen
Ausgaben die _Galerie historique de Versailles_ in 13 Bnden mit 3
Supplementbnden (1837-1847) mit 1550 Stahlstichen.

Von den Werken der Kupferstichkunst sei noch als eines der bedeutendsten
das _Muse franais_ von Robillard-Pronville mit 344 Kupfertafeln der
bedeutendsten Stecher Frankreichs erwhnt, whrend die Lithographie
zur Ausschmckung des grossartigen Werkes _Voyages de la commission
scientifique du Nord_, 29 Bnde, mit 762 Tafeln in gr. Folio, in
hervorragender Weise diente.

[Sidenote: Morel & Co.]

Was Curmer fr die Luxusbcher war, ist die Firma VEUVE A. MOREL & CO.
in Benutzung des Chromodruckes fr die Zwecke des praktischen Lebens. Im
Fache der Architektur ist sie unerreicht und die Zahl der Prachtwerke
in dieser Richtung, die mit Aufgebot allen Raffinements in der
knstlerischsten Ausfhrung von dieser Firma geliefert wurde, ist eine
so grosse, dass es kaum mglich ist besondere Grnde zu finden, um eins
oder das andere aus der Reihe hervorzuheben. Bei Morel (jetziger Inhaber
der Graf des Fosez) erscheint auch das weitverbreitete Journal _L'Art
pour tous_.

[Sidenote: J. Baudry.]

In hnlicher Richtung wirkten mit Umsicht und Erfolg, ohne jedoch den
Hhepunkt Morels in der Ausstattung zu erreichen, DUCHER & CO., DUNOD
und J. BAUDRY. Des letzteren, 1834 gegrndete, _Librairie polytechnique_
in Paris und Lttich legte sich seit 1863 ganz besonders auf die Fcher
der Berg- und Httenwissenschaft, der Eisenbahn und Wegebautechnik und
frderte eine bedeutende Anzahl grosser Tafelwerke an das Licht. Auch
DUNOD kultiviert diese Spezialitt. Unter den Prachtwerken von DUCHER
& CO. befinden sich: _Architecture prive an XIX sicle_; _Le nouvel
Opra_ von Charles Garnier.

[Sidenote: Roret.]

Fr die Popularisierung der technischen und naturwissenschaftlichen
Litteratur wirkte RORET durch seine, 1824 begonnene _Encyclopdie des
sciences et des arts_, besser bekannt unter dem Namen _Manuels Roret_.
Er brachte auch eine neue vollstndige Ausgabe von den Werken Buffons
mit den _Suites de Buffon_, gegen 100 Bnde mit unzhligen Abbildungen.

Fr die Medizin und die Naturwissenschaften sind die leitenden Firmen
J. B. Baillre, Germer-Baillre, V. Masson und V^{ve} A. Delahaye & Co.
Die Kataloge dieser Firmen sind getreue Zeugen der wissenschaftlichen
Bewegung nicht nur in Frankreich, sondern auch in England und
Deutschland, denn es erschien im Ausland kaum ein einschlgiges Werk,
das nicht von einer dieser Verlagshandlungen in tchtigster Bearbeitung
herausgegeben wurde.

[Sidenote: J. B. Baillre * 1798.]

J. B. BAILLRE[119] (seit 1818) machte grosse Unternehmungen, darunter
Cruveilher, _Anatomie pathologique_ 1830-42; Hippokrates' Werke,
griechisch und franzsisch, 1839-50; _Iconographie ophthalmologique_
1852. Im Jahre 1840 wurde eine Filiale in London, 1848 eine in New-York
errichtet und heute sind die Seitenzweige dieser Familie ber alle
Erdteile, Australien nicht ausgenommen, verbreitet. GERMER-BAILLRE
druckt ausser naturwissenschaftlichen auch viele philosophische Werke
und mehrere Journale.

  [119] J. B. BAILLRE, _La cinquantaine d'un libraire_. Paris 1862.

[Sidenote: Victor Masson * 1807, [+] 13. Mai 1879.]

[Sidenote: G. Masson.]

VICTOR MASSON, einer der hervorragendsten Buchhndler, geb. zu Beaume,
trat 1838 als Teilhaber in das Geschft Chrochard, das 1846 in Massons
alleinigen Besitz berging. 1847 wurde die _Bibliothque polytechnique_
angefangen, der eine grosse Anzahl von technischen, medizinischen
und naturwissenschaftlichen Werken folgte, darunter _Cuvier_, _Le
Rgne animal_; _Bonamy et Beau_, _Atlas d'anatomie_[120]; der grosse
_Dictionnaire encyclopdique des sciences mdicales_ u. v. a. Nach
35jhriger rastloser Thtigkeit berliess Masson seinem Sohne GEORGES
das Geschft, das dieser in derselben grossartigen, franzsische und
deutsche Vorzge vereinigenden Weise glnzend fortfhrt. Die Firma
verlegt nicht weniger als 17 periodische Fachzeitschriften und ist
die Buchhandlung fr die bedeutendsten Akademieen und Gesellschaften.
Trotz des vorwiegend wissenschaftlichen Charakters des Verlags ist der
Verleger bestrebt, demselben auch eine anziehende ussere Form zu geben.
Als Vorsitzender des _Cercle_ hat Masson sich bedeutende Verdienste um
das Ausstellungswesen desselben, namentlich bei der Weltausstellung in
Wien 1873, erworben.

  [120] V. MASSON, _Notice ncrologique_. Paris 1879. -- Brsenbl. f. d.
        d. B. 1879. Nr. 130.

DELAHAYE hlt sich streng an Medizin und Chirurgie und verlegt mehrere
Journale und viele bedeutende Werke, unter welchen der _Trait
d'Anatomie descriptive_ von Sappey als ein hervorragendes Monument gilt.

Spezialfirmen sind fr Landwirtschaft J. A. BIXIO; fr Mathematik A. L.
J. BACHELIER; fr Militrwissenschaft J. DUMAINE und CORRARD JEUNE;
fr Geschichte und Staatswissenschaften G. GUILLAUMIN, P. F. AMYOT, A.
BAUDOUIN; fr Kalenderverlag PAGNERRE.

[Sidenote: Ch. Hingray * 1796.]

CHARLES HINGRAY, erst Militr, dann Buchhndler, wurde durch seinen
juristischen und sprachlichen Verlag bekannt, in Deutschland namentlich
durch das vortreffliche Wrterbuch von Schuster und Rgnier. Das Werk
eines enormen Fleisses ist der _Dictionnaire de la langue franaise_ von
Littr. Das Manuskript umfasste 415636 Bltter. Der Satz dauerte, mit
einer durch den Krieg 1870 herbeigefhrten Unterbrechung, 13 Jahre. In
einer Spalte gesetzt wrde das Buch eine Lnge von 37525 Meter haben.

[Sidenote: Maisonneuve.]

Der Druck orientalischer Werke ist keine Lieblingsaufgabe der
franzsischen Buchdrucker. Als Verlagshandlung in dieser Richtung
haben Maisonneuve & Co. den Vorrang. Im Jahre 1851 kaufte Maisonneuve,
frher Associ von Cormon & Blanc in Lyon, von Thophile Barrois eine
Anzahl orientalischer Verlagswerke, die er spter mit vielen neuen
vermehrte. Der Verlag enthlt eine grosse Anzahl grammatikalischer
und lexikalischer Werke der orientalischen Sprachen und die Namen der
bedeutendsten Orientalisten als Eug. und Emile Burnouf, Eichhoff,
Abb Favre, G. de Tassy, Stan. Julien, J. Oppert, Abel Rmusat, L.
de Rosny u. a. sind mit der Firma Maisonneuve & Co. verknpft. --
Unter den wenigen Buchdruckern in der Provinz, die in der Herstellung
orientalischer Werke etwas leisten, ist DEJUSSIEU in CHLONS zu nennen.

[Sidenote: J. P. Migne * 1800.]

Eine merkwrdige Erscheinung ist der Abb J. P. MIGNE. Er wurde 1824
Priester, nahm jedoch anlsslich einer Differenz mit dem Erzbischof
seiner Dizese seine Entlassung und ging nach Paris, wo er das Journal
_L'Univers_ grndete, welches er 1836 verkaufte. In _Petit-Montrouge_
vor den Thoren von Paris grndete er eine Buchdruckerei, um katholische
Werke zu drucken. Die Anstalt gewann eine grosse Ausdehnung und
umschloss vom Schriftsteller ab bis zum Buchbinder alle Persnlichkeiten
und alle technischen Apparate, die zur Herstellung des Verlags des
Instituts notwendig waren. Die Sammlungen der Kirchenvter- und anderer
lterer theologischen Schriftsteller zhlen nach hunderten von Bnden.

In hnlicher Richtung wie Migne wirkten GAUME FRRES.

[Sidenote: Eug. Belin.]

Im Unterrichtsfache weist der Buchdrucker und Verleger EUGNE BELIN
mehr als 1000 Werke auf. ARMAND COLLIN & CO., eine Firma neueren
Datums (1870), liefert Schulatlanten in Farbendruck zu sehr billigen
Preisen. CH. DELAGRAVE hat, unter Mitwirkung bedeutender Fachmnner, das
_Institut gographique de Paris_ gegrndet, aus welchem Brues _Atlas
universel_, von E. Levasseur revidiert, hervorging. Er verlegte ferner
viele biographische und technische, reich illustrierte Dictionnaire,
grosse Wand- und Reliefkarten, Globen etc.

P. DUCROQ (1836) war einer der ersten, die fr Bildungswerke die
Illustration mittels Stahlstichs im Verein mit Holzschnitten einfhrten.
Seine _Bibliothque des familles_ in Bnden zu 2 Franken ist sehr
beliebt. DELARUE giebt gute Klassiker-Ausgaben zu billigen Preisen
heraus.

Eine Spezialitt aus liturgischen und archologischen Werken macht die
_Socit gnrale de librairie catholique_ und sie sucht die belgische
Produktion nach dieser Richtung hin aus dem Felde zu schlagen. In
ihrem Verlag erscheint auch eine Ausgabe der _Acta sanctorum_ der
Bollandisten; ferner der _Recueil des historiens des Gaules et de la
France_; die, 1626 begonnene, _Gallia christiana_, auch Werke im alten
Stil mit kunstreichen Einfassungen, als: _Notre-Dame de Lourdes_ und
_Christoph Colombe_, werden dort gedruckt.

Unter den grossen Nachschlagewerken mssen genannt werden: Die
_Biographie universelle_ (1811) von J. und L. G. Michaud, 84 Bnde;
W. Ducketts _Dictionnaire de la conversation_, 68 Bnde (1812-1814);
ein hnliches Werk erschien in 52 Bnden bei BELIN-MANDAR. Als ein
seltenes Beispiel der grossen Verbreitung eines gelehrten Werkes steht
die bei diesem Verleger (1838) erschienene Konkordanz von Dutripont da,
lateinisch geschrieben, ein in 28000 Expl. verkaufter Quartband von 200
Bogen in dreispaltigem Satz.

Ein Sammelwerk von grossem Umfang war _Collection Baudry_, zahllose
deutsche, italienische, spanische und andere schnwissenschaftliche
Werke, leider allerdings lauter Nachdrucke, enthaltend. Als die
Franzosen so heftig ber die Brsseler Nachdrucker herfielen, htten
sie nicht vergessen sollen, dass sie es selbst nicht besser gemacht
haben. Dass die grossen Ausgaben der deutschen Klassiker, die bei TETOT
erschienen, keinen Erfolg hatten, beweist nicht den Mangel an gutem
Willen zu schdigen.

[Sidenote: G. Charpentier * 1805.]

Durch den Buchdrucker HENRI DELLOYE unternahm G. CHARPENTIER eine
Sammlung franzsischer Werke in dem nach ihm benannten und oft zur
Verwendung gekommenen hbschen Format in 18. Diese elegant und kompakt
gedruckten Bnde, von denen in wenigen Jahren ber 400 erschienen,
fanden durch ihre Eleganz und den damals wohlfeilen Preis von 3-1/2
Franken grossen Beifall.

Unter den Herausgebern von Werken der schnen Litteratur ist CH. A.
PERROTIN, der Verleger Brangers, zu nennen. Er erwarb des letzteren
Gedichte gegen Zahlung einer Jahresrente, die er freiwillig bedeutend
erhhte, und blieb Brangers Freund bis an dessen Ende und nachher
sein Testamentsvollstrecker. POURRAT Frres druckten eine sehr schne
Ausgabe von Chateaubriands Werken in 36 Bnden. Bekannt waren auch
GUSTAVE BARBA, Vater und Sohn, welche den Roman in Heften zu 20 Cent.
einfhrten. Mit immensem Erfolg lieferte CHARLES GOSSELIN die Werke W.
Scotts, Coopers, Lamartines u. a.

Die bedeutendsten Romanverleger waren jedoch MICHEL LVY FRRES (1836),
jetzt CALMAN LVY, deren jhrliche Produktion etwa 1-3/4 Millionen Bnde
betrgt, in etwa 200 neuen Werken und 650 neuen Abdrcken. Sie gaben
eine grosse Zahl der Werke Scribes, Dumas' u. v. a. heraus und fhrten
die billigen Ausgaben in Bnden zu 1 Frank (jetzt 1 Frank 25 Cent.) ein,
deren Zahl mehr als 1500 betrgt, whrend die Zahl der Theaterstcke an
6000 heranreicht. Sie grndeten auch _L'Univers illustr_.

Wir wenden uns jetzt einer Firma zu, welche sich in keine Klasse
einordnen lsst, fast einzig in ihrer Art dasteht und, obwohl zu den
jngeren gehrend, alle anderen berflgelt hat: L. HACHETTE & CO.

[Sidenote: L. Hachette & Co.]

[Sidenote: _Les vangiles._]

Sollte jemand dem Verleger die Eigenschaft als Produzent streitig
machen, und ihn zu einem einfachen Hndler stempeln wollen, der nichts
zu thun hat, als das Manuskript in die Druckerei zu tragen und dann
das zurckempfangene Druckwerk einfach zu verkaufen, so mchten wir
ihm die Leistungen der Firma Hachette entgegensetzen[121], sagt ein
Bericht ber die Wiener Ausstellung 1873 und diese Worte mssen sich
unwillkrlich dem aufdrngen, welcher das Entstehen und das Wachstum
dieses Hauses[122] ins Auge fasst. Sein Begrnder LOUIS HACHETTE,
geboren in Rethel, lag erst den Studien ob und begrndete dann, 1836,
eine pdagogische Buchhandlung unter der Devise: _Sic quoque docebo_.
1837 erhielt er auch Brevet als Buchdrucker, die Firma bte jedoch
dies Geschft nicht. Im Jahre 1859 traten seine Schwiegershne L.
Breton und A. Templier dem damals bereits bedeutenden Geschfte als
Teilhaber bei. Unverrckt wurde von der Begrndung ab die Thtigkeit
auf alles gewendet, was fr die Erziehung des Kindes, die Belehrung
und Veredlung des Jnglings oder der Jungfrau, die Fortbildung des
Mannes oder der Frau dient, und mit Stolz kann die Firma auf ihren,
eine ganze und grosse Bibliothek bildenden Verlag zurckblicken und
mit dem Bewusstsein, nie die edelste der Knste anders als in wrdiger
Weise verwendet zu haben. Und dies bezieht sich nicht allein auf das
Innere der Bcher, sondern auch usserlich ist alles in der besten
Ausstattung hergestellt, manchmal zu erstaunlich billigen Preisen.
Dieses konsequente, nie nachlassende Streben hat auch seinen usseren
Lohn gefunden und das Haus Hachette steht durch seine Grsse und
die vortreffliche Organisation wohl unbertroffen da. Die mit 300
Angestellten arbeitende Anstalt unter Leitung der Teilhaber G. HACHETTE,
BRETON, E. und A. TEMPLIER und R. FOURET versendet monatlich gegen 18000
Kolli und hat einen jhrlichen Umsatz von etwa 15 Millionen Franken.
Wie Mame widmen sie dem billigsten Buche dieselbe Sorgfalt wie dem
teuersten, und was dies sagen will begreift sich, da die Verlagswerke
der Zahl 5000 nahekommen. Aus dieser Masse Einzelnes herauszugreifen
hat seine Schwierigkeiten, es seien nur kurz erwhnt die bndereichen
Kollektionen _Bibliothque varie_; _Bibliothque des chemins de fer_;
die _Guides-itinraires_; die _Bibliothque rose illustre_; der
_Dictionnaire des contemporains_ von G. Vaperau; das in mehr als 150000
Exemplaren gedruckte illustrierte _Journal pour tous_, schliesslich ein
monumentales Druckwerk fr Jahrhunderte: die Prachtausgabe der vier
Evangelien, zwei Bnde im grssten Folioformat. Bida lieferte hierzu im
Format des Werkes 128 Zeichnungen, die von fnfzehn der besten Knstler
radiert wurden. Die Zeichnung zu der von der _fonderie gnrale_
geschnittenen Schrift rhrt von Ch. Rossigneux her, der ebenso 290
Zeichnungen zu den in Stahl gestochenen Anfangs- und Schlussvignetten,
sowie zu den Initialen, unter Vermeidung der Anwendung jeder
menschlichen Figur, komponierte. Jules Claye fhrte den typographischen
Druck aus. Rote, quer ber das ganze Format gehende Linien umgeben
den Text. Die Anwendung der verschiedenen Druckweisen, Kupfer- und
Bcherdruck, und der rote Druck, verlangten, dass jeder Bogen 32 mal
durch die Hnde der Arbeiter ging, ehe er als fertig bezeichnet werden
konnte. Elf Jahre wurden unausgesetzt auf die Arbeit verwendet.

  [121] G. MASSON, _Rapport sur les arts graphiques, Vienne 1873_.
        Paris 1873.

  [122] _Notice sur la vie de L. Hachette._ Paris 1864.

                   *       *       *       *       *

[Sidenote: Die Bibliophilie.]

Wie Frankreichs Frsten ausnahmslos die Typographie liebten, wenn sie
auch die Presse hassten, so erhielt sich im Volke fortwhrend eine Liebe
fr schne Bcher, und der Wunsch, solche zu besitzen. Es war weniger
eine Bibliophilie oder Bibliomanie im Sinne der englischen Sammler, die
enorme Summen fr ein mangelhaftes Produkt zahlten, nur weil es alt und
selten war; man fand in Frankreich Lust an dem Besitz schner Ausgaben
auf Extra-Papier und in feinen und kostbaren Einbnden mit Stichen in
ersten Abdrcken. Es wurden, um dieser Liebhaberei zu gengen, sehr
viele Bcher in Frankreich gedruckt und gekauft nur der Ausstattung
halber, und ein Bcherliebhaber erwarb unter Umstnden zehn Exemplare
eines und desselben Werkes, wenn es in zehn schnen Ausgaben zu haben
war.

[Sidenote: Die archastische Druckrichtung.]

[Sidenote: L. Perrin * 12. Mai 1799.]

Natrlich war es demnach auch, dass das Zurckgreifen auf die
Renaissance vornehmlich von Frankreich ausging und dort Nahrung fand.
Unter den franzsischen Buchdruckern dieser Richtung zeichnen sich
besonders zwei aus, Louis Perrin und D. Jouaust. LOUIS BENEDICT PERRIN,
in Lyon geboren, war mit bedeutendem Sinn fr Kunst begabt. 23 Jahre
alt etablierte er sich mit Durand. Perrin war von dem Gedanken beseelt,
die Druckerei zu regenerieren. Das Mechanische sei zwar vollendeter
geworden, jedoch die Kunst in der Schriftgiesserei fehle. Ein tchtiger
Maler Pierre Revoil bestrkte Perrin in seinen Ansichten, dass man zu
den Formen zurckkehren msse, deren sich Vascosan, de Tournes und
andere bedient hatten. Perrin war nicht in der Lage, seine Ideen ohne
Rcksicht auf die Kosten durchsetzen zu knnen, und in Frankreich war es
einem Provinzialbuchdrucker doppelt schwierig, durchzudringen. Gegen das
Jahr 1846 liess er eine Sammlung von schnen Kapitalschriften aus der
Zeit des Kaisers Augustus schneiden. Die damit gedruckten _Inscriptions
antiques de Lyon_ 1854, ein grosser Quartband mit ber 400 Inschriften,
machte grosses Aufsehen und Didot erklrte das Buch fr ein Meisterwerk
ersten Ranges. 1854 konnte Perrin das erste Werk mit der von ihm nach
Mustern des XVI. Jahrhunderts veranlassten Antiqua und Cursiv drucken:
Luigi Cibarios _Delle Artiglerie_, welches er auch mit Vignetten im
Renaissancestil schmcken liess.

In seinen Bestrebungen war ihm auch der Zufall gnstig. Beim Durchsuchen
der Nachlassenschaft des alten Hauses Rey in Lyon fand er eine
vollstndige Sammlung von Matern aus dem Ende des XVI. Jahrhunderts oder
aus dem Anfang des XVII. Jahrhunderts, so dass er imstande war, eine
Ausgabe von Rabelais mit denselben Typen zu drucken, die seinerzeit
Franois Just und Etienne Dolet verwendeten. Unter seinen Drucken
gelten fr besonders schn _Le Thtre du Molire_ mit Vignetten von
Hillemacher; die _Gnalogie de la maison de Savoye_; _Parfums, chants
et couleurs_. Der Sohn setzte das Geschft mit MARINET fort.

[Sidenote: D. Jouaust.]

Als sein Rival ist D. JOUAUST[123] zu nennen, welcher namentlich die
Werke der _Acadmie des bibliophiles_, den Verlag des Herausgebers
der _Bibliothque Elzvirienne_, P. Janet, spter Paul Daffis', sowie
des A. Lemerre druckte. Seine Ausgabe des Dichters Rgnier gilt als
eine Musterleistung. Der Druck solcher Ausgaben erfordert je nach der
Verschiedenheit des Papiers eine andere Behandlung und bedingt eine
fortwhrende Aufmerksamkeit. Das _Papier Whatman_, von einer feinen,
festen und durchsichtigen Masse, zeichnet sich durch eine blendende
Weisse aus, welche nicht das Resultat irgend eines chemischen Prozesses
ist, sondern nur von der Vorzglichkeit des verwendeten Materials
herrhrt. Das chinesische Papier, in welches die Schwrze leichter
eindringt, giebt einen Druck von milderer und gleichmssigerer Frbung
und ist namentlich fr Bcher mit Vignetten geeignet. Das Pergament
zeigt sich dagegen widerspenstig in der Annahme der Farbe und verlangt
die allergrsste Sorgfalt in der Behandlung.

  [123] _Imprimerie Jouaust. Catalogue descriptif et raisonn._ Paris
        1867.-- Ann. d. Typogr. II. Bd. 1870, Nr. 66. -- VII. Bd. 1875,
        Nr. 304.

Derjenige Verleger, der sich am meisten um die Verbreitung der
Ausgaben fr Bcherliebhaber und die archastische Richtung in der
Druckerei bemht hat, ist PIERRE JANET, aus Bordeaux gebrtig. Seine
Elzevierbibliothek alter und klassischer franzsischer Autoren des XVI.
und XVII. Jahrhunderts umfasst mehr als 100 Bnde und wurde von Paul
Daffis fortgesetzt. Daneben beschftigte sich Janet eifrigst mit der
Verbesserung der Zeichen fr die chinesische Sprache, welche er sich
selbst zu eigen gemacht hatte.

Untersttzung fanden solche Bestrebungen nicht minder bei
BACHELIN-DEFLORENNE durch dessen _Bibliophile franais illustr_; _Album
de Relieures_; _Armorial du Bibliophile_ und seine _Collection des
bibliophiles franais_. LON TCHENER FILS ist Herausgeber von _Bulletin
du bibliophile_ und _Bulletin universel de la Bibliographie_.

[Sidenote: Fortschritt oder Rckschritt?]

Liegt nun der Reiz der Renaissance-Schriften nur in dem Alter oder
haben sie wirkliche Vorzge? Letzteres muss unbedingt bejaht werden.
Dass grosse Fortschritte in der Schriftschneiderei gemacht sind, setzt
keineswegs voraus, dass alle lteren Schriften geringer oder weniger
geschmackvoll gewesen sind als die heutigen, auch nicht, dass solche
Schriften lteren Datums nur in Rcksicht auf die Zeit ihres Entstehens
Anerkennung verdienen. Wrde es jemand einfallen, ein bedeutendes
Kunstwerk der Glanzzeit der Malerei oder ein bewundernswertes Hausgert
aus der besten Periode der Renaissance nur in Anbetracht seines Alters
ertrglich zu finden? Nicht besser ist es aber, wenn man in Bezug auf
die Meisterwerke aus der Bltezeit der Typographie Stimmen hrt, wie:
Es ist zwar alles mgliche, wenn man bedenkt, wie alt die Bcher sind!
Als ob nicht diese Schriften an und fr sich mustergiltig wren und
uns als Vorbilder dienen knnten. Sie bedrfen nicht einer schonenden
Beurteilung des Alters wegen; letzteres sagt uns aber, dass sie zu
einer Zeit entstanden sind, in der die Liebe zur typographischen Kunst,
der individuelle Charakter, der geluterte Geschmack und das sthetische
Gefhl sich weit strker geltend machten, als es jetzt der Fall ist, wo
die meisten fertig zu sein glauben, wenn sie nur neue Schriften, feines
Papier und teure Schwrze zur Verwendung bringen, dagegen um Stil und
Charakter eines Druckwerkes sich gar nicht bekmmern.

Es drfte sehr fraglich sein, ob die Schriften neueren Schnittes mit
den grossen Unterschieden zwischen Grund- und Haarstrichen, welche
letztere wegen ihrer Feinheit oft kaum zu bemerken sind, eine wirkliche
Verbesserung seien und ob der Leser verpflichtet ist, jedes Produkt der
Laune des Schriftgiessers, mit welchem er seinen Konkurrenten den Rang
abzugewinnen sucht, schn zu finden, oder ob wirklich ein Mensch alles
guten Geschmackes bar ist, weil ihm die Renaissance-Schriften mit ihrer
dem Auge so wohlthuenden Ruhe sympathisch sind.

Schliesslich sei noch bemerkt, dass die Bezeichnung Elzevier-Schriften
eine ungerechtfertigte ist, denn die Originale bestanden schon ein
Jahrhundert vor den Elzevieren, zutreffender wenigstens ist die
Bezeichnung Aldinsche Schriften.

                   *       *       *       *       *

[Sidenote: Die Bibliographie.]

Unter den Mnnern, die, waren sie auch nicht selbst ausbende
Typographen, doch einen ehrenvollen Platz in der Geschichte der
Typographie verdienen wegen ihres Einflusses auf das Buchgewerbe, sind
namentlich Brunet und Renouard zu nennen.

[Sidenote: J. Ch. Brunet * 2. Nov. 1780.]

JACQUES-CHARLES BRUNET, Sohn eines kleinen Buchhndlers in Paris,
widmete sich dem Beruf des Vaters. Er war der eigentliche Grnder des
antiquarischen Buchhandels in Frankreich; seine Berhmtheit verdankt er
aber seinem Werke _Manuel du libraire_, von dem 1810 die erste, 1865
die fnfte Auflage erschien. Die Vervollkommnung dieses Werkes war
seine Lebensaufgabe. Er nahm keinen Titel auf, wenn er das Werk nicht
selbst in den Hnden gehabt hatte. Von Firmin Didot Frres & Co. fr die
Abtretung des Eigentumsrechtes an das _Manuel_ eine Leibrente geniessend
verbrachte er sein Leben still und rstig arbeitend.

[Sidenote: A. A. Renouard [+] 1853.]

ANTOINE-AUGUSTIN RENOUARD, der in hervorragender Weise die Eigenschaften
des Buchhndlers, Sammlers und Schriftstellers in sich vereinigte,
wurde 1765 in Paris geboren. Schon frhzeitig ward er von Bewunderung
fr die Familie des Aldus Manutius in Venedig erfllt und von dem
Wunsche beseelt, ihre Geschichte zu schreiben. Dazu sammelte er erst die
Ausgaben dieser berhmten Drucker in einer an Vollstndigkeit grenzenden
Weise und schrieb nun seine _Annales de l'imprimerie des Aldes_ 1803. 2
Bde. Die 3. Auflage, welche das letzte Wort der Bibliographie in Bezug
auf die Aldi spricht, erschien 1834. Kaum mit diesem Werke fertig,
lenkte er seine Studien auf die Familie Stephanus und 1837 erschienen
seine _Annales de l'imprimerie des tienne_, von welchen 1843 die zweite
Auflage folgte. Das Werk hat ebenfalls seine bedeutenden Verdienste,
wenn es auch nicht die Arbeit ber die Aldi erreicht. Von seiner
eigenen vorzglichen Bibliothek liess er 1818 den _Catalogue de la
bibliothque d'un amateur_ in 4 Bnden erscheinen, in welchem ein Schatz
von interessanten Notizen niedergelegt ist. Sein Sohn Jules Renouard im
Verein mit JULES TARDIEU lieferte viele tchtige Verlagswerke, darunter
_Galerie des peintres_.

[Sidenote: L. C. Silvestre * 1762.]

An den obigen schliesst sich nicht unwrdig an LOUIS CATHERIN SILVESTRE,
dessen Auktionsinstitut Weltberhmtheit erlangte. Eine Spezialitt von
ihm waren die Buchdruckermarken und er liess, als Fortsetzung der Werke
Roth-Scholtz', seine _Marques typographiques_ mit 1237 Abbildungen
von Druckerzeichen erscheinen. Silvestre hatte in Pierre Janet einen
wrdigen Nachfolger.

Die neuere franzsische Bibliographie ist in den besten Hnden und zwar
in denen zweier Deutschen: C. REINWALD & CO., welche den _Catalogue
annuel de la librairie franaise_ herausgiebt und O. LORENZ, der den
_Catalogue de la librairie franaise_ seit 1840 erscheinen lsst.

[Sidenote: M. Bossange * 1766.]

[Sidenote: H. Bossange.]

Fr die Verbreitung der Erzeugnisse der franzsischen Litteratur im
Auslande hatten MARTIN BOSSANGE PRE[124] und dessen Sohn HECTOR
BOSSANGE grosse Verdienste. Nach dem Frieden mit England etablierte
Bossange ein grosses Haus in London, spter auch in Leipzig. Der Sohn
HECTOR BOSSANGE setzte das Werk des Vaters fort, grndete Buchhandlungen
in Montral in Canada, in Quebeck, New-York, Rio de Janeiro, Odessa.
Sein grosser Katalog vom Jahre 1845 von gegen 31000 Werken galt als ein
Musterkatalog.

  [124] J. M. QUERARD, _Quelques mots sur M. Bossange pre_. Paris 1863.

                   *       *       *       *       *

Die franzsische Bcherproduktion hlt ungefhr mit der deutschen
Schritt. An Drucksachen erschienen im Jahre 1879: Bcher und Broschren:
14122, Musikstcke 2424, Kupferstiche, Lithographien etc. 4661.

So bedeutend die Bcherausfuhr aus Frankreich sich gestaltet, so wenig
konkurrieren die franzsischen Buchdrucker mit dem Auslande, whrend
Belgien, England und Deutschland in der Lage sind, Druckarbeiten fr das
Ausland zu bernehmen. Mehr als die Arbeitsverhltnisse trgt wohl dazu
bei, dass die franzsischen Buchdruckereien nicht so gut auf schwierige
Arbeiten eingerichtet sind, wie namentlich die deutschen.

In Paris absorbiert die Journalistik fast alle tchtigen Setzerkrfte,
trotzdem ist es auf Grund der Eigentmlichkeiten der franzsischen
typographischen Art und Weise dem fremden Arbeiter schwer, in Paris
fortzukommen[125]. Viele Bcher, bei welchen bertriebene Schnelligkeit
nicht notwendig ist, werden jetzt ausserhalb Paris gedruckt; besonders
gilt dies von Neudrucken lterer Werke, sodass den grossen Pariser
Werkdruckereien namentlich diejenigen Werke verbleiben, bei welchen,
zudem unter gedrckten Preisen, grosse Ansprche an Material und
Schnelligkeit gestellt werden. Unter solchen Verhltnissen verlieren
diese die Lust an der Lohndruckerei und legen sich selbst auf das
Verlegen. Die Typographie in Paris steht auf einem Vulkan; selbst kurz
vor der Weltausstellung 1878, wo es galt, alle Krfte zusammenzunehmen,
trug die _Socit typographique_ kein Bedenken, einen sehr kostspieligen
und wenig erfolgreichen Strike in Scene zu setzen. Die Lokale der
eigentlichen Werkdruckereien liegen meist zwischen Husermassen
eingeklemmt und haben sich erst nach und nach mit dem wachsenden
Geschft erweitert, sodass ihnen meist die ersten Erfordernisse:
Raum, Licht und Luft, fehlen. Alle diese Verhltnisse fangen an, den
Provinzdruckereien zugute zu kommen. Dringen auch die Fortschritte etwas
langsamer in diese ein, so haben sie dafr ein festeres, anhnglicheres
und gut geschultes Personal. Zweckmssige Lokaleinrichtungen sind
weniger kostspielig als in Paris und manche Provinzdruckerei kann
sich schon mit tchtigen Pariser Offizinen messen. Einen wesentlichen
Vorschub leisten die vielen lokalen Gesellschaften fr Kunst und
Wissenschaft, namentlich Archologie, welche viele Werke mit Aufwand
hinsichtlich Ausstattung, Illustration und Beigabe von Kunstblttern
fr ihre Rechnung drucken. Auch fangen die Provinzbuchdrucker an,
selbst zu verlegen und Depots in Paris zu errichten. Kurz, wenn auch
die Zentralisation noch eine bedeutende ist, so bereitet sich offenbar
eine Dezentralisation im Sinne des deutschen Buchgewerbes vor und man
fngt mit Versuchen an, sich von dem allmhlich berwltigend gewordenen
Einfluss des Pariser Geschfts zu emanzipieren.

  [125] Auf Sitte und Arbeitsweise der Pariser Setzer wirft ein
        Werkchen Eugne Boutmys: _Les typographes parisiens, suivi d'un
        petit dictionnaire de la langue verte typographique_, Paris
        1874, interessante Schlaglichter.

Mit Ausnahme der administrativen Arbeiten, welche in grosser Zahl und
mit grossem Geschick ausgefhrt werden, haben die Accidenzien weder in
Quantitt noch Qualitt eine solche Bedeutung, wie in Deutschland. Im
allgemeinen werden, und wohl nicht ganz mit Unrecht, dort nicht eine
solche Sorgfalt und solche Kosten wie hier auf diese sehr schnell dem
Papierkorb verfallenden Drucksachen verwendet; diese lsst man lieber
den Werken selbst zukommen.

Ein ziemlich klares Bild von dem Zustand des Accidenzdruckes in
Frankreich, soweit dieser dem Buchgewerbe dienstbar ist, liefern die
Kataloge zu den Fachausstellungen, die in dem Hause des _Cercle_
in den letzten Jahren abgehalten wurden. Diese Kataloge sind durch
die vereinten Krfte einer Anzahl der bedeutendsten Buchdruckereien
hergestellt, von welchen jede einen halben oder einen ganzen Bogen
geliefert hat, ohne dass eine andere Grenze auferlegt war, als die
Innehaltung des Papierformats. Man darf also annehmen, dass das
mglichst Beste geliefert wurde. Es geht aus diesen Katalogen hervor,
dass man seit dem vortrefflichen Derriey fast stehen geblieben ist.

Die Zeitungslitteratur hatte in Frankreich mit manchen Hindernissen
zu kmpfen, die nun durch das Pressgesetz von 1881 beseitigt sind.
Die grossen Journale haben fast alle denselben usseren Umfang, vier
Seiten in gross Folio. Die Franzosen, im ganzen mssig, mgen auch nicht
tglich eine solche Masse von geistiger Kost geniessen, wie sie ein
englischer Lesermagen vertrgt. Versuche mit Blttern nach letzterem
Mass eingerichtet sind vollstndig fehlgeschlagen. Durch ihre, den
nationalen Eigentmlichkeiten ganz Rechnung tragende Organisation
darauf berechnet, das, worauf es ankommt, mit Leichtigkeit ins Fleisch
und Blut dringen zu lassen, ben jedoch die franzsischen Journale
einen ausserordentlichen Einfluss auf die Partei, deren Interessen sie
verfechten. Des grossen Anlagekapitals, wie ein solches in England
notwendig ist, bedarf ein neues franzsisches Journal nicht; es gengt
eine mssige Summe, wenn sich mit dieser die gengende Intelligenz und
journalistische Routine des wirklichen Leiters verbindet. Ist dieser ein
beliebter Schriftsteller oder eine politische Grsse, so stellt sich das
Publikum rasch ein.

Die kleinen Zeitungen erscheinen gewhnlich in einem Format, halb
so gross, als das ihrer grossen Schwestern, ihr Einfluss und ihre
Verbreitung sind jedoch bedeutend. Das _Petit Journal_[126] wurde Ende
1880 in 598309 Exemplaren gedruckt und ergab einen Gewinn von drei
Millionen Franken. _La petite rpublique_ hatte eine Auflage von 196372,
die _Lanterne_ von 150531, _Le petit moniteur_ von 100476 Exemplaren.
Die tgliche Gesamtproduktion der Journalnummern erreichte die Ziffer
1984521, von welcher dreiviertel auf die republikanische Presse kam.

  [126] F. MAILLARD, _Le petit Journal_ 1850-1860.

Zum Beginn des Jahres 1869 erschienen[127] in Frankreich 2110 Journale
aller Art, jetzt 3135. Von diesen kamen im Jahre 1869 auf Paris 816,
auf die Provinz 1294; jetzt resp. 1355 und 1780. In Paris fand demnach
ein Wachstum von 539 Journalen statt, in der Provinz von 425. Letzteres
trifft namentlich die kleineren Stdte, besonders solche, die frher
kein Journal aufzuweisen hatten, whrend die grsseren Stdte stabiler
geblieben. Unter den Pariser Blttern waren 75 politische Tagesbltter,
168 Journale politischen Inhaltes.

  [127] ED. TEXIER, _Hist. des journaux_. Paris 1851. -- E. HATIN, _Hist.
        du Journal en France_ 1631-1853. -- F. MAILLARD, _Hist.
        anecdotique et critique de 150 journaux_ und dessen _Hist. de la
        presse parisienne_. Paris 1859. -- ALFR. SIRVEN, _Journaux et
        Journalistes_. Paris 1865. -- A. GAGNRE, _Hist. de la presse
        sous la Commune_. Paris 1881.

Am 10. September 1870 waren die gesetzlichen Bestimmungen, welche
hemmend auf die Errichtung graphischer Etablissements wirkten, gefallen
und der erste Paragraph des Pressgesetzes von 1881 besttigt dieses
durch die Bestimmung: Die Buchdruckerei und der Buchhandel sind frei.
Vergleicht man den Stand der graphischen Gewerbe vor dem Kriege mit dem
heutigen, so begegnet einem selbstverstndlich besonders eine grosse
Vermehrung der Buchdruckereien in Paris, wo die Zahl der Brevets frher
auf 80 beschrnkt war. Doch muss man diese Zahl nicht ganz buchstblich
nehmen, sie betrug thatschlich wenigstens 150, indem manche Buchdrucker
auf Brevets von Kollegen arbeiteten.

Fr den Buchhandel hatte die erlangte Freiheit nicht die Bedeutung wie
fr die Buchdruckerei, denn wenn ein Brevet auch fr den Buchhndler
erforderlich war, so hielt es doch, da die Zahl nicht beschrnkt war,
nicht schwer, ein solches zu erlangen. Es fand sogar in dieser Branche
ein Rckgang statt. In den brigen graphischen Gewerben zeigt sich,
wenn man die Jahre 1868 und 1882 mit einander vergleicht, einigermassen
ein Stillstand. Doch drfen, wenn man daraufhin Schlsse ziehen will,
die schweren Jahre fr das Land und auch der Umstand nicht bersehen
werden, dass durch die Abtretung von Elsass-Lothringen sich der
Bestand pltzlich um 259 Buchhandlungen, 35 Buchdruckereien und 59
lithographische Anstalten, sowie um drei Stdte von 50000 Einwohnern
verminderte, die bei einem Vergleich mit dem Wachsen der graphischen
Anstalten in Deutschland dann doppelt wirken[128].

  [128] Da ein solcher Vergleich der graphischen Machtstellung
        Frankreichs und des Deutschen Reiches, welche jetzt an Umfang
        und Einwohnerzahl sich ziemlich gleichstehen und nicht unter
        so grundverschiedenen Verhltnissen, wie sie sich bei einem
        Vergleich mit England oder Amerika darbieten, arbeiten, nicht
        nur von Interesse, sondern auch von Wichtigkeit ist, so
        bedarf es wohl kaum einer Entschuldigung, wenn die Statistik
        Frankreichs und des Deutschen Reiches in diesem Handbuche etwas
        ausfhrlicher behandelt wird, als die der anderen Lnder. Als
        Grundlage fr die Notizen ber Frankreich dienten namentlich die
        Angaben des _Annuaire de la librairie_ von 1868 und 1882. Vergl.
        auch CHAIX, _Statistique de l'imprimerie en France_. Paris 1874.

Die beifolgende Tabelle zeigt den Stand der verschiedenen Pressgewerbe
in den Jahren 1868 und 1882.

      -----+-----------------------------------------------+------
      1868 |               Frankreich zhlte:              | 1882
      -----+-----------------------------------------------+------
      1094 | Buchdruckereien                               | 1722
      1549 | Lithographische Anstalten                     | 1692
       244 | Kupfer- und Stahldruckereien                  |  169
      6001 | Buchhandlungen                                | 6134
       423 | Musikalienhandlungen                          |  536
       245 | Kunsthandlungen                               |  288
           |                                               |
           |         Von diesen kommen auf Paris:          |
           |                                               |
        83 | Buchdruckereien                               |  244
       436 | Lithographische Anstalten                     |  495
       160 | Kupfer- und Stahldruckereien                  |   92
      1649 | Buchhandlungen                                | 1072
       119 | Musikalienhandlungen                          |  105
       126 | Kunsthandlungen                               |   98
           |                                               |
           | Ausserdem in Paris andere graphische Gewerbe: |
           |                                               |
        42 | Schriftgiessereien und Stempelschneidereien   |   52
        15 | Stereotypien und galvanoplastische Anstalten  |   17
       167 | Gravieranstalten fr Metall und Stein         |  156
        64 | Xylographische Anstalten                      |  102
        25 | Buchdruckerei-Utensilienhandlungen            |   44
        43 | Maschinen- und Pressenfabrikanten             |   56
        20 | Farbefabriken                                 |   29
        87 | Papierhandlungen _en gros_                    |   74
       992 | Papierhandlungen _en dtail_                  |  906
       348 | Buchbindereien und Broschieranstalten         |  343
        40 | Kolorier- und Vergolder-Anstalten             |   49
        42 | Inseraten-Bureaus                             |   35
           |                                               |
           |   Ausserhalb Paris stellen sich die Zahlen:   |
           |                                               |
      1011 | Buchdruckereien                               | 1478
      1197 | Lithographische Anstalten                     | 1274
      4352 | Buchhandlungen                                | 5062
       413 | Musikalien- und Kunsthandlungen               |  621

Die pressgewerblichen Verhltnisse der Stdte aufwrts von 50000
Einwohnern (die Hunderte in abgerundeten Zahlen) sind folgende:

    --------------+-----------+---------+----------+-------+---------
        Stdte    | Einwohner-|  Buch-  | Lithogr. | Buch- |  Zeit-
                  |   zahl    | drucker.|Anstalten | handl.|schriften
    --------------+-----------+---------+----------+-------+---------
    Lyon          |  324000   |    32   |    52    |  100  |    67
    Marseille     |  300000   |    36   |    33    |   45  |    66
    Bordeaux      |  197500   |    31   |    71    |   91  |    54
    Lille         |  178000   |    32   |    40    |   66  |    34
    Toulouse      |  127000   |    19   |    28    |   56  |    51
    Nantes        |  122500   |    10   |    13    |   49  |    29
    Saint-tienne |  111000   |    13   |    21    |   16  |    13
    Rouen         |  102500   |    10   |    13    |   35  |    20
    Havre         |  100000   |    19   |     9    |   35  |    13
    Roubaix       |   84000   |     6   |     5    |   15  |     5
    Reims         |   82000   |     8   |    12    |   30  |    12
    Toulon        |   77000   |     6   |     4    |   11  |    19
    Nancy         |   72000   |    10   |     9    |   37  |    28
    Brest         |   67000   |     3   |     4    |   15  |     4
    Amiens        |   61000   |     9   |     6    |   23  |    13
    Besanon      |   60000   |     9   |     9    |   13  |    23
    Limoges       |   60000   |    10   |     8    |   23  |     8
    Nimes         |   60000   |     7   |     8    |   21  |    21
    Angers        |   58500   |     9   |     7    |   23  |    20
    Montpellier   |   55500   |    19   |    10    |   26  |    16
    Nizza         |   53500   |    10   |     4    |   23  |    22
    Grenoble      |   51000   |     8   |     7    |   29  |    16
    Le Mans       |   50000   |     8   |     3    |   25  |    15
    Orlans       |   50000   |     7   |     4    |   49  |    29
    Rennes        |   50000   |     7   |     7    |   20  |    17
    Versailles    |   50000   |     5   |     3    |   32  |    25

[Illustration]


[Illustration]

                             VIII. KAPITEL.

                   DIE ZWEIGE DER ROMANISCHEN GRUPPE.

  DIE NIEDERLANDE: Zurckgehen der Kunst. Der Nachdruck. Die neuere
    Typographie Hollands und Belgiens. -- ITALIEN: G. Bodoni. Langsame
    Fortschritte. Venedig, die Mechitaristen. Panfilo Castaldi. Der
    Buchhandel, die Familie Pomba. Rom, die Druckerei der Propaganda.
    Erfreuliche Aussichten. -- SPANIEN: J. Ibarra. Madrid. Barcelona.
    PORTUGAL: Die Staatsdruckerei. SDAMERIKA: Buenos Aires, Rio de
    Janeiro, Lima, Cuba, Mexiko. -- NORDAFRIKA: Algier, gypten. TRKEI:
    Aufblhen und Verfall der Kunst. Jetzige Lage.


                            DIE NIEDERLANDE.

Die typographische Glanzperiode der Niederlande war dahin. Auf die Zeit
der blutigen Knechtschaft durch Spanien folgte im Sden die Periode der
sterreichischen Herrschaft. Darf auch letztere mit der ersteren kaum in
einem Atemzuge genannt werden, so war sie doch nicht geeignet, eine neue
Blte der Typographie hervorzurufen, noch weniger war eine solche nach
der Einverleibung in Frankreich zu erwarten.

[Sidenote: Holland.]

Auch der Norden lernte erst seit 1795 als Batavische Republik unter
Frankreichs Schutz, dann von 1806 ab als Knigreich unter einem
Napoleoniden, bis auch dieser Selbstndigkeitsschein 1810 aufhrte, die
Segnungen franzsischer Presszustnde kennen.

Der Pariser Friede 1814 lste die Lnder aus der eisernen Umarmung
Frankreichs, um sie zu einem Knigreiche der Niederlande zu vereinigen.
Diese, dem Zusammengiessen von Essig und l nicht unhnliche
Verschmelzung des protestantischen, germanischen Nordens mit dem
katholischen, zum grossen Teil franzsischen Sden wurde durch die
Revolution in Brssel 1830 faktisch, durch den Frieden 1839 definitiv
und rechtlich aufgelst.

Seit dieser Zeit entwickelte sich ein freieres geistiges Leben
in Belgien sowohl als in Holland. Zwar ist der alte Ruhm des
niederlndischen Pressgewerbes nicht wieder erreicht, jedoch steht
dasselbe auf einem achtbaren Standpunkte und lsst weitere Fortschritte
erwarten.

                   *       *       *       *       *

[Sidenote: Freiere Pressverhltnisse.]

In HOLLAND verursachten die freieren Pressverhltnisse vor dem Ausbruch
der franzsischen Revolution, dass viele franzsische Autoren und
Verleger ihre Artikel dort, namentlich in Amsterdam und dem Haag,
drucken liessen. Hierin liegt wohl zumteil der Keim zu dem spter
gewerbsmssig betriebenen hollndisch-belgischen Nachdruck, welcher
jedoch anfnglich keine grosse Bedeutung hatte und von selbst aufhrte,
solange die Niederlande der franzsischen Herrschaft unterlagen.

[Sidenote: Hollndische Typographie.]

Die hollndische Typographie hlt fest an dem einmal angenommenen
Typenduktus mit seinen langen, schmalen und eng zugerichteten Schriften,
die insofern praktisch sind, als mit ihnen sich viel Stoff auf einen
kleinen Raum, allerdings auf Kosten eines geflligen Eindrucks,
zusammendrngen lsst. Unter den Formaten ist ein Gross-Median-Oktav das
beliebteste und selbst Romane und Gedichte werden in demselben gedruckt.

Durch seine Kolonien in Hinterindien und auf den Inseln des indischen
Ozeans ist die Schriftgiesserei Hollands auf die Pflege der Schriften
der dortigen Eingeborenen angewiesen. Unter Aufsicht von T. Roorda
wurden von J. ENSCHED & ZOONEN in Haarlem javanische Lettern
angefertigt. Ein bedeutendes Renomm in dieser Richtung erwarb sich N.
TETTERODE in Rotterdam, welcher Mandalingisch, Batakisch, Manarisch
und Boeginesisch lieferte. Unter der Direktion von J. Hoffmann liess
die hollndische Regierung auch chinesische Typen schneiden, die
spter in den Besitz von E. J. BRILL in Leyden bergingen[129]. Als
Schriftgiesser wirkten ferner in Grningen OMKENS, VAN BASKENES und
DAMSTE.

  [129] J. HOFFMANN, _Catalogus van chinesische Matrijzen en drukletters_
        1860, 1864, 1876.

[Sidenote: Statistisches.]

Im Jahre 1882 hatte Holland in 128 Stdten 428 Buchdruckereien (1840
besass es nur 146), 183 lithographische Anstalten, 700 Buchhandlungen.
Die Buchdruckereien arbeiteten mit 740 Schnellpressen und 650
Handpressen. Die Zahl der lithographischen Schnellpressen war 125,
die der Handpressen 700. Die zur Verwendung kommenden Maschinen
verschiedener Art stammen namentlich aus franzsischen Fabriken. An
Tageblttern gab es 29, an Wochenblttern und an anderen periodischen
Schriften 397.

In AMSTERDAM liefert die KNIGLICHE BUCHDRUCKEREI Accidenzien fr den
Staat. Eine bedeutende Anstalt ist die von ROELOFFZEN & HBNER in
Amsterdam mit drei Rotations- und sieben gewhnlichen Schnellpressen;
sie druckt die in 20000 Exemplaren tglich in einem Umfange von 8-16
Seiten erscheinende _Het News van den Dag_ mit ihrem Sonntagsblatt. C.
A. SPINN & ZOON bringen sehr kunstreiche Accidenzarbeiten. Zu erwhnen
sind ebenfalls J. VAN OOSTERZEE, G. L. A. AMAND, METZLER & BARTING und
GEBR. BINGER.

In HAARLEM blht noch das Geschlecht der ENSCHED (I, S. 251) und zeigt,
dass es nicht auf seinen Lorbeern auszuruhen gedenkt. Das Geschft
arbeitet mit 11 Handpressen, 11 Schnellpressen und 25 Giessfen und
zeichnet sich durch Druck von Reproduktionen, Bibeln und Wertpapieren
aus. VAN ASPERN VAN DER VELDE liefert namentlich Illustrationsdruck.

[Sidenote: Buchhandel.]

Die Interessen des hollndischen Buchgewerbes werden seit 1816 von
der _Vereenigung ter Bevordering van de Belangen des Boekhandels_
vertreten[130]. Dieselbe hatte im Jahre 1881 in der Art des Pariser
_Cercle_ eine Ausstellung von den Erzeugnissen der Hlfsgewerbe
des Buchhandels veranstaltet und auch in derselben Weise wie der
_Cercle_ einen reichen Katalog erscheinen lassen[131], zu welchem 28
Buchdruckerfirmen jede eine Abteilung und verschiedene Papierfabrikanten
Papier geliefert haben. Dieser Katalog zeigt, dass die hollndischen
Accidenzbuchdrucker bemht sind, ihren Kollegen in anderen Lndern
nachzukommen. Die Arbeiten sind sauber und akkurat, wenn auch von einer
Einschlagung neuer Bahnen keine Rede ist.

  [130] _Reglement over de vereenigung ter bevordering etc._ Amsterdam
        1841. -- _Bepalingen omtrent den boekhandel._ -- L. D. PETIT,
        _Proeve einer Geschiedenis der Vereenigung etc._ Amsterdam 1875.
        -- OTTO MHLBRECHT, Der hollndische Buchhandel seit Coster.
        Leipzig 1867. -- GUNNE, Flchtige Gedanken ber den Buchhandel
        in Holland. -- C. L. BRINKMANN, _Alphab. Naamlijst van boeken
        1850-1875_. -- F. L. HOFFMANN, _Ouvrages conc. l'histoire de
        l'imprimerie en Belgique et en Hollande_. Brssel 1859.

  [131] _Tentoonstelling van hulpmiddelen voor den Boekhandel._ Amsterdam
        1881.

Als lithographische Farbendrucker haben TRESLING & CO. in Amsterdam
und EMRIK & BINGER in Haarlem Verdienste. Das TOPOGRAPHISCHE INSTITUT
liefert nach dem Ecksteinschen Verfahren der Schichtlegung durch die
verschiedenartige Behandlung der Schraffierungen und die dadurch
entstehende Abstufung der Tne vortreffliche Karten in Farbendruck.

Das hollndische Papier ist seit alters her berhmt und von bester
Qualitt. Weltruf hat das Bttenpapier von VAN GELDER & ZOONEN in
Amsterdam. Um die Farbefabrikation machte sich seinerzeit der Major
E. W. J. BAGELAER (1817) verdient; jetzt wird der Markt ganz von dem
Pariser Fabrikat beherrscht.

Die litterarische Produktion ist eine bedeutende und jhrlich erscheint
eine stattliche Reihe von wertvollen Werken auf allen Gebieten, mit
Ausnahme dessen der Phantasie. An poetischen und illustrierten Werken
ist die Ausbeute keine grosse und die Lese- und Schaulust des Publikums
wird namentlich durch bersetzungen und Bearbeitungen deutscher
Schpfungen befriedigt.

Unter den hollndischen Verlegern seien erwhnt: KEMINK & ZOON, P. W.
VAN DE WEYER in Utrecht, J. B. WOLTERS in Grningen, A. W. SYTHOFF und
E. J. BRILL in Leyden, welche beide letzteren einen reichen Verlag
orientalischer Werke haben. Das japanisch-hollndisch-englische
Wrterbuch in Brills Verlag ist eine bedeutende Leistung. berhaupt
ist LEYDEN ein wichtiger Verlagsplatz, namentlich fr medizinische
und naturwissenschaftliche Litteratur, whrend UTRECHT die Fcher der
Philologie und Geschichte kultiviert. Bedeutende Druckpltze sind noch
HAAG und ROTTERDAM; am letzteren Orte sind J. WRTHEIM & ZOON, welche
namentlich Artikel fr den Export liefern, bedeutend.

[Sidenote: Fr. Mller * 22. Juli 1817.]

Einen hochangesehenen Namen in der Geschichte des hollndischen
Buchhandels der neueren Zeit erwarb FREDERIK MLLER auf Grund seiner
Bestrebungen, System in den Betrieb des Handels und in die hollndische
Bibliographie zu bringen. Mller hatte eine vorzgliche Ausbildung in
dem Etablissement von Johannes Mller, welches aus dem Geschft von
Friedr. Arnold Brockhaus entstanden war (s. Kap. XII), erhalten. Im
Jahre 1843 etablierte er sich in Amsterdam auf dem Rockin in einem
Keller, der bald ein Sammelpunkt der angesehensten Gelehrten wurde. Eine
mit grossem Geschick ausgefhrte Bcherbestellung des Vorstandes der
Sternwarte zu Pulkowa bei St. Petersburg brachte ihn in eine wichtige
Verbindung mit der St. Petersburger kaiserlichen Bibliothek und gab
Veranlassung zu der Herausgabe einer _Bibliographie nerlandorusse_
1859, welcher verschiedene bibliographische Arbeiten folgten.

Der Nachdruck hatte in Mller, trotz dem Widerstande seiner Kollegen,
den eifrigsten Bekmpfer, berhaupt nahm er den lebhaftesten Anteil
an allen den Buchhandel betreffenden Fragen. Zwei Aufgaben seines
Lebens musste er unvollendet lassen: die Abfassung einer allgemeinen
niederlndischen Bibliographie und die Geschichte des niederlndischen
Buchhandels, zu welcher das Material zum grssten Teil in der Bibliothek
des niederlndischen Buchhndler-Vereins deponiert wurde[132].

  [132] OTTO HARRASSOWITZ, Fr. Mller. Brsenbl. f. d. d. B. 1881, Nr. 5.

                   *       *       *       *       *

[Sidenote: Belgien.]

Der Name BELGIENS ist in der Geschichte der neueren Typographie von dem
Pariser Frieden ab und bis zu dem Vertrage mit Frankreich vom 1. Mai
1861 hauptschlich durch die masslose Ausbung des zwar damals nicht
verbotenen, doch wenig ehrenvollen Geschfts des Nachdruckes bekannt.

[Sidenote: Der Nachdruck.]

Da in den belgischen Provinzen die franzsische Gesetzgebung
auch nach der Trennung von Frankreich massgebend blieb, so waren
es selbstverstndlich zuerst die besten Werke der franzsischen
Jurisprudenz, welche, da der Vorteil ein sicherer war, den Nachdruckern
anheimfielen. Ein Fortschritt der belgischen Typographie war dabei nicht
bemerkbar; Papier und Druck blieben mangelhaft und im Jahre 1818 hatte
Brssel erst 18 Druckerpressen.

Der Knig Wilhelm, der wohl einsah, dass aus dem Druckgewerbe nur
dann ein eigentlicher Vorteil fr das Land zu erwarten sei, wenn
die Erzeugnisse technisch besser ausgefhrt wrden, untersttzte
die Papierfabrikanten und Buchdrucker und frderte die Einberufung
franzsischer Arbeiter. Schon mit dem Jahre 1820 trat eine Besserung
in der Produktion ein, doch blieb der Umfang des Druckgewerbes noch
bis zur Revolution ein mssiger; der Nachdruck beschrnkte sich damals
hauptschlich auf Werke fr den inlndischen Bedarf und nahm erst nach
dem Jahre 1830 grossartigere Dimensionen an.

[Sidenote: Produktion.]

Whrend im Jahre 1815 die litterarische Produktion nur fnf Millionen
Bogen betrug, war sie 1838 auf ber 32 Millionen Bogen gestiegen. 1815
war die Zahl der Buchdruckereien in den belgischen Provinzen 20 mit 27
Pressen, 1838 aber 53 mit 429 Pressen oder, wenn man die vorhandenen
Schnellpressen der blichen Leistungsfhigkeit nach auf Handpressen
bertrgt, 519 Handpressen.

[Sidenote: Grosser Umfang des Nachdrucks.]

Von der Gesamtproduktion kamen etwa acht Millionen Bogen, hauptschlich
in Duodezformat, welches Quantum 6-700000 der damals blichen
Romanbnde gleichkam, auf die franzsischen Nachdrucke, deren Umsatz
sich auf etwa 3-1/2 Millionen Franken belief. Die bedeutendsten
Nachdruckerfirmen WAHLEN & CO., LOUIS HAUMANN & CO., MELINE CANS &
CO. gingen an Aktien-Gesellschaften ber, die mit einem Kapital von
insgesamt etwa fnf Millionen Franken arbeiteten. Diese Gesellschaften
machten jedoch keine guten Geschfte, da der kostspielige und
komplizierte Administrations-Apparat den Vorteil absorbierte, zudem die
kleineren Nachdrucker mit ihrem einfachen Geschftsbetrieb die Preise
ausserordentlich gedrckt hatten.

Von der Bedeutung des Nachdrucks mgen einige Thatsachen sprechen:
Brangers Gedichte wurden in etwa 30000 Exemplaren gedruckt; Thiers'
Revolution in 15000; Lamennais' _Paroles d'un croyant_ in 60000
Exemplaren. Die kostbarsten Werke, z. B. die mit grossen Opfern
durch Didot ins Leben gerufene neue Bearbeitung des _Dictionnaire
de l'Acadmie_, fielen den Nachdruckern anheim, ja selbst mit den
besten Zeitschriften als der _Revue des deux mondes_ und der _Revue
britannique_ war es der Fall. Es kam sogar so weit, dass man eine eigene
Zeitschrift _Revue des Revues_ grndete, welche eine Quintessenz
der verschiedensten periodischen Schriften von Wert brachte, whrend
die politischen Zeitungen Belgiens den Romanhunger des Publikums
mit Nachdrucken franzsischer Feuilletons stillten. Die Brsseler
Buchhandlungen unterhielten Comptoire in London, Leipzig und anderen
Orten; in vielen Grenzorten Frankreichs errichteten sie Depots behufs
des Schmuggels, ja selbst in Algier existierte ein solches, um die
heimliche Einfuhr nach Frankreich zu betreiben.

[Sidenote: Aufhren des Nachdrucks.]

Diesem Unfug wurde, zum wahren Vorteil Belgiens, durch den Vertrag
mit Frankreich ein Ende gemacht und Belgien war nun gentigt und
auch mit Erfolg bemht, sich auf dem Litteraturmarkt selbstndig
geltend zu machen. Auch das Druckgewerbe hatte von der nderung einen
Vorteil; denn, waren auch die Nachdrucke meist sauber ausgestattet, so
hielten sich doch alle Erscheinungen auf demselben Niveau des einfach
mittelguten Werkdrucks und von einem hheren Aufschwung der Kunst war
keine Rede[133].

  [133] _Mmoire sur la situation actuelle de la contrefaon en
        Belgique._ Paris 1841. -- C. MUQUARDT, _De la contrefaon_.
        Brssel 1844. -- _Over den Nadruk in Belgien._ AUG. SCHNEE,
        _Trente ans de la littrature belge 1830-1860_. Brssel 1861.

Der Import an Bchern aus Frankreich ist jetzt begreiflicherweise ein
bedeutenderer geworden und betrgt etwa drei Millionen Franken an Wert,
whrend der Export nach Frankreich nur etwa eine halbe Million Franken
erreicht.

[Sidenote: Verschiedene Buchdrucker.]

[Sidenote: E. Vanderhaegen [+] 1881.]

Ein Zweig des Pressgewerbes von grosser Bedeutung ist der Druck
liturgischer und berhaupt Andachtsbcher. Selbst die franzsischen
Pressen haben in dieser Richtung schwer mit der belgischen Konkurrenz
zu kmpfen. Unter denjenigen Offizinen, die sich in dieser Produktion
auszeichnen und eine grosse Ausfuhr nach allen Weltteilen haben, sind M.
H. DESSAIN und HANIQ in MECHELN, mit welchen WESMAEL-CHARLIER, LEGROS
in NAMUR und GREUSE in BRSSEL, welch letzterer auch die umfangreiche
venetianische Ausgabe der Bolandisten fortsetzt, konkurrieren.
Hebrische und chaldische Werke liefern VAN LINHOUT und VAN DER ZANDE
in LWEN. J. S. VAN DOOSELAERE in GENT[134] ist ein, seinem Fache mit
grosser Liebe zugethaner Jnger Gutenbergs. Ein von ihm gedruckter
_Recueil descriptif des antiquits_ ist ein typographisches Kunststck,
indem der Text die ussere Form der beschriebenen kunstgewerblichen
Gegenstnde nachbildet. E. VANDERHAEGEN, ebenfalls in Gent, machte sich
durch seine _Bibliographie gantoise_, 7 Bnde, 1858-1869, einen Namen.
HENRI CASTERMANN & CO. in TOURNAI vereinigen mit der Buchdruckerei
auch die verwandten Geschftszweige und den Verlagshandel. Allen ihren
Arbeiten sind Nettigkeit und Eleganz nachzurhmen.

  [134] J. S. VAN DOOSELAERE, _Aperu_. London 1851.

In BRSSEL zeichnet sich AD. MERTENS durch gute Illustrationsdrucke und
Luxusarbeiten aus. F. GUYOT FRRES[135] sind bedeutend im Accidenzfache
und liefern viele Wertpapiere und Regierungsarbeiten, in welchen auch
F. HAYEZ Beachtenswertes produziert. BRUYLANT-CHRISTOPHE zeigt im Werk-
und Buntdruck technische Tchtigkeit. ADOLF WAHLEN veranstaltete mit A.
Delpierres Leben der Maria von Burgund ein vorzgliches Druckwerk. Ein
glcklicher Zufall hatte ein auf das feinste verziertes, nachweislich
von der eigenen Hand der kunstsinnigen Prinzessin Marie herrhrendes
Alphabet Initiale vor dem Untergange bewahrt, welches nun mit grsster
Sorgfalt fr das erwhnte Werk nachgebildet wurde. Auch auf den Satz
verwendete man die grsste Mhe, so dass in dem ganzen Werk kein
geteiltes Wort vorkommt, ohne dass deshalb die Regelmssigkeit des
Ausschlusses irgendwie gestrt wre.

  [135] _Imprimerie E. Guyot._ Brssel 1880.

Der Schatz, welchen Antwerpen in dem Plantin-Museum besitzt, durch
welches diese Stadt ein typographisches Mekka geworden, ist bereits (I,
S. 225) ausfhrlicher besprochen[136].

  [136] Wer nicht Gelegenheit oder Lust hat, die I, S. 225 zitierten
        Werke einzusehen, findet in Westermanns Monatsheften 1883, Heft
        319 eine ausfhrliche Beschreibung des Plantin-Museums.

[Sidenote: Statistisches.]

Die Zahl der Buchdruckereien in Belgien betrgt 639; davon kommen auf
Brssel 101, Antwerpen 51, Lttich 37, Gent 34, Brgge 21. Unter den
Schriftgiessereien zeichnen sich VANDERBORGHT und MELINE CANS & CO.
aus. Die Zeitungspresse[137] Belgiens teilt sich in zwei, einander
gegenberstehende Lager, das katholische und das liberale. Im Jahre 1840
hatte Belgien nur 75 Journale, darunter 39 vlmische. 1880 war die Zahl
auf 388 gestiegen, darunter 143 in vlmischer Sprache. 54 Zeitungen
erscheinen tglich. Die lteste derselben ist das 1764 gegrndete
_Journal de Lige_. Unter den Fachblttern sind zu nennen die _Annales
de l'imprimerie_.

  [137] J. MALLOU, _Notice statistique sur les journaux Belges_.
        Brssel 1843.


                                ITALIEN.

[Sidenote: Italien.]

ITALIEN seufzte in der vorliegenden Periode unter dem Druck der
Fremdherrschaft bald sterreichischer, bald spanischer und franzsischer
Machthaber. Jede freiere Geistesregung war verschwunden und infolge
davon vegetierte auch die einst so blhende Typographie nur in
kmmerlichster Weise fort. Der kleinen Stadt PARMA allein war es
beschieden, durch den einzigen bedeutenden Meister dieser Zeit einen
grossen, jedoch nur kurz andauernden Ruf zu gewinnen.

[Sidenote: J. B. Bodoni * 16. Febr. 1740, [+] 30. Nov. 1813.]

Dieser Meister, JOHANN BAPTIST BODONI[138], ward in Saluzzo von
einfachen aber respektablen Eltern geboren. Die Anfnge der Kunst
lernte er bei dem Vater und bereits frhzeitig entwickelte er ein nicht
gewhnliches Zeichentalent und schnitt in seinen Freistunden Vignetten
in Holz, die spter, nachdem der unbekannte Holzschneider ein berhmter
Buchdrucker geworden war, von Sammlern sehr gesucht wurden.

  [138] LAMA, _Vita del cavaliere G. Bodoni_, 1816, 2 Bde., von welchen
        der letztere ein analytisches Verzeichnis seiner Druckwerke
        enthlt. -- J. BERNARDI, _Vita di G. Bodoni_. Saluzzo 1872.

[Sidenote: Bodoni in der Propaganda.]

Achtzehn Jahre alt begab er sich mit einem Freunde nach Rom, wo der
letztere einen Onkel hatte, von welchem die Wanderer Untersttzung
erwarteten. Die kleine Barschaft war unterwegs bald aufgezehrt, da
half Bodoni durch Verkauf von Holzschnittvignetten an Buchdrucker. Den
nach Rom Gekommenen erklrte der Onkel nicht helfen zu knnen. Bodoni
war zur Rckkehr entschlossen, wollte jedoch wenigstens der berhmten
Offizin der Propaganda einen Besuch abstatten. Bei diesem erregte die
Lebhaftigkeit und das gefllige Wesen Bodonis die Aufmerksamkeit des
Direktors, Abb Ruggieri, und er wurde engagiert. Auf Veranlassung der
obersten Spitze der Anstalt, des Kardinals Spinelli, der Bodonis Streben
wohlgefllig bemerkte, nahm dieser an einem Kursus der orientalischen
Sprachen Anteil und lernte auch Arabisch und Hebrisch lesen. Mit der
typographischen Ausfhrung eines arabisch-koptischen _Missale_ und des
_Alphabeticum Tibetanum_ des Paters Georgi betraut, entledigte er sich
der Aufgaben in so befriedigender Weise, dass Ruggieri dem Schlusse des
Werkes den Vermerk: _Roma, excudebat J. B. Bodoni, Salutiensis 1762_
aufdrucken liess.

Bei der Ordnung der orientalischen Schriftenvorrte der Anstalt war die
Lust bei Bodoni entstanden, selbst Schriftschneider zu werden und er
griff diesen Gedanken mit einem solchen Eifer auf, dass er in kurzer
Zeit ein sehr tchtiger Stempelschneider wurde. Wahrscheinlicherweise
wre sein Schicksal fr stets mit der Propaganda verknpft geblieben,
wenn nicht der freiwillige Tod seines Gnners Ruggieri ihm den dortigen
Aufenthalt verleidet htte. Er nahm einen Ruf nach England an, wollte
jedoch vor seiner Abreise nochmals seine Eltern in Saluzzo sehen. Dort
erkrankte er in so bedenklicher Weise, dass seine Abreise verschoben
werden musste, und als der Marquis Telino ihm das Anerbieten machte,
an die Spitze einer, der Kniglichen Buchdruckerei in Paris hnlichen
Anstalt, die man in Parma errichten wollte, zu treten, gab Bodoni das
Engagement nach England ganz auf und siedelte nach Parma ber.

[Sidenote: Buchdrucker in Parma.]

Hier begann nun fr ihn eine Zeit des strengsten Arbeitens, auch war er
anfnglich keineswegs pekunir gnstig gestellt. Im Jahre 1771 legte er
durch seine _Saggio tipographico di fregi et majuscola_ Proben seiner
Kunst als Stempelschneider ab. 1774 folgten _Iscrizioni esotiche_ von de
Rossi und 1775 bei Gelegenheit der Vermhlung des Frsten von Piemont
mit der Prinzessin Clotilde von Frankreich, die in 25 verschiedenen
Sprachen, orientalischen und europischen, gedruckten _Epithalamia
exoticis linguis reddita_. Das letztere Werk richtete die allgemeine
Aufmerksamkeit auf Bodoni. Kein Reisender von Bedeutung unterliess es,
dessen Druckanstalt zu besuchen. Karl III. von Spanien ernannte ihn zu
seinem Hofbuchdrucker; Gustav III. von Schweden und Ferdinand IV. von
Neapel erteilten ihm Auszeichnungen. Alle waren einig, dass Bodonis
Erzeugnisse in Bezug auf Eleganz und Gleichfrmigkeit nicht bertroffen
seien.

Im Jahre 1788 wurde ihm von dem Ritter d'Azara, dem spanischen Gesandten
in Rom, das Anerbieten gemacht, in dessen Palast eine Druckerei
fr die Herausgabe griechischer, lateinischer und italienischer
Klassiker einzurichten. Unwillig darber, dass jemand ihm eine solche
typographische Kapazitt rauben wolle, gestattete der Herzog von Parma,
dass Bodoni eine hnliche Offizin, wie die in Rom beabsichtigte, in dem
herzoglichen Schlosse einrichtete, aus welcher dann einige der schnsten
Klassiker-Ausgaben, darunter der Virgil von 1793 und Tassos _Gerusalemme
liberata_ in drei Foliobnden (1794), hervorgingen.

[Sidenote: Prachtwerke.]

Die kostbarste aller seiner Prachtausgaben war jedoch der Homer
(1808), den er dem Kaiser Napoleon dedizierte, von welchem er in der
Zeit der Franzosenherrschaft in jeder Weise begnstigt wurde. Bei der
berreichung des Dedikationsexemplares erhielt Bodoni eine Pension von
3000 Franken. Der Vizeknig von Italien, Eugen Beauharnais, wollte ihn
gern nach Mailand, Murat nach Neapel ziehen. Bodoni wnschte jedoch
nicht Parma zu verlassen und schtzte Alter und Krnklichkeit vor. Er
hasste berhaupt das Franzosentum, verstand es aber ganz wohl, sich in
die Verhltnisse zu schicken und diese sich nutzbar zu machen.

Im Jahre 1811 wurde er von Murat dekoriert. Letzterer hatte die Absicht,
fr den jungen Murat eine Reihe von Klassikern drucken zu lassen. Der
Anfang wurde 1812 mit _Tlmaque_ gemacht, dem 1813 Racine folgte; erst
1814, nach Bodonis Tod, erschienen Lafontaine und Boileau. Auf Grund
dieser franzsischen Klassiker-Ausgaben erteilte Napoleon dem Bodoni
kurz vor dessen Tode das Kreuz der Ehrenlegion in Begleitung eines
Ehrengeschenkes von 18000 Franken.

Unter Bodonis Arbeiten mssen noch zwei erwhnt werden, die fr den
Typographen von Fach ein ganz besonderes Interesse haben: seine _Oratio
dominica_ und sein _Manuale tipographico_.

[Sidenote: _Oratio dominica._]

Als der Papst Pius VII. im Jahre 1805 auf seiner Rckreise von Paris, wo
ihm in der Staatsdruckerei die _Oratio dominica_ durch Marcel berreicht
worden war, durch Parma kam, forderte er Bodoni auf, zu zeigen, dass
Italien ein hnliches Werk liefern knne. Bodoni wollte nun die Pariser
Ausgabe noch bertreffen und lieferte auch, und zwar in sehr kurzer
Zeit, die seinige in 155 Sprachen; 51 asiatischen, 82 europischen,
12 afrikanischen und 20 amerikanischen, allerdings nur, indem die
Propaganda ihn mit ihren Vorrten untersttzte.

[Sidenote: _Manuale tipographico._]

Das _Manuale tipographico del Cavaliere Giambattista Bodoni_, zwei Bnde
in kleinem Folio, wurde erst 1818 von seiner Witwe herausgegeben. Es
enthlt auf 87 Seiten eine Einleitung der Witwe und 267 Seiten Proben.
Die erste Serie bringt auf 144 Blatt die _Caratteri latini tondi e
corsivi_, eine Sammlung von Antiqua- und Cursivschriften, wie sie in
solcher Vollstndigkeit, Vollendung und einheitlichen Durchfhrung sonst
wohl selten oder nie gefunden wird. Bodoni schnitt folgende 22 Grade:
_Parmigianina_, _Nonpariglia_, _Mignona_, _Testino_, _Garamoncino_,
_Garamone_, _Filosofia_, _Lettura_, _Silvio_, _Soprasilvio_, _Testo_,
_Parangone_, _Ascendonica_, _Palestina_, _Canoncino_, _Sopracanon_,
_Canone_, _Corale_, _Ducale_, _Reale_, _Imperiale_, _Papale_. Darauf
folgen 85 Blatt Versalien, Antiqua-, Cursiv- und Schreibschriften.
Der zweite Band enthlt 59 Bltter Griechisch, 33 Bltter Orientalia,
darauf, zwischen Malabarisch und Russisch, zwei Bltter _Caratteri
tedeschi_, in einer Ausfhrung, die allerdings nahe ans Malabarische
grenzt. Die russischen Schriften sind auf 82 Blttern sehr reich und
schn vertreten. Den Schluss machen 91 Blatt _Fregi_ (Einfassungen),
Linien und Diverse, die ohne Bedeutung sind.

Das Ganze bildet ein Druckwerk ersten Ranges. Der tiefschwarze und doch
mit wenig Farbe erzielte Druck, die Schrfe der Schrift, die Einfachheit
und das Ebenmass des Ganzen, das schne milchweisse Velinpapier, ohne
den schdigenden Glanz der Satinage, haben ein Kunstwerk zuwegegebracht,
welches das Studium jedes Gutenberg-Jngers verdient.

Bodonis Schriften wurden nicht allein in Italien berall verbreitet,
sondern fanden auch Eingang in Berlin durch Decker und Unger, in Leipzig
durch Breitkopf, in der Schweiz durch Gessner, in London durch Nicholls,
in Kopenhagen und an andern Orten.

[Sidenote: Krankheit und Tod.]

Bodoni war von der Natur krftig, schadete sich aber durch bermssiges
Arbeiten. Er bezeichnete sich selbst als einen Galeerensklaven und war
in der That an die Druckerei wie angeschmiedet. Seit Jahren an Podagra
leidend, liess er sich durch Schmerz und Ungeduld verleiten, als Kur
innerhalb je 12 Stunden 36 Pfund heisses Wasser zu trinken, und er wrde
dies noch weitergetrieben haben, wre er nicht durch Ohnmachten daran
gehindert worden. Die Folge war eine Schwchung des Magens, die nicht
wieder gehoben werden konnte. Am 30. November 1813 unterlag er, und am
2. Dezember rief die grosse Glocke des Domes die Brger Parmas zu der
feierlichen Beerdigung ihres hochverdienten Mitbrgers.

Bodonis Denkmal in Saluzzo wurde am 20. Oktober 1872 eingeweiht. Es
stellt ihn in ganzer Figur vor, umgeben von den Werkzeugen seiner Kunst.

[Sidenote: Verdienste.]

Bodoni leistete vieles ganz ausserordentlich Schne, doch entstanden
die Produkte seiner Pressen zumteil mehr aus typographischem Ehrgeiz
als aus dem Wunsch, hheren, veredelnden Zwecken zu dienen, wie dies
in der Vergangenheit das Ziel seines grossen Landsmannes Aldus gewesen
oder in seiner Zeit das der Didots war. Er huldigte fters zu sehr dem
Luxusdruck ohne eigentlichen Zweck. Sein Wirken erhellte deshalb zwar
eine zeitlang den typographischen Himmel Italiens, es war jedoch nicht
mit dem erwrmenden, fruchtbringenden Licht der Sonne zu vergleichen,
sondern mehr mit der prachtvollen, die Augen entzckenden Erscheinung
eines glnzenden Meteors, welches ebenso unvermutet zum Vorschein kommt,
als es rasch verschwindet.

[Sidenote: Die Typographie in Italien.]

So finden wir bis um die Mitte unseres Jahrhunderts die Typographie
und das Buchgewerbe Italiens in einem wenig erfreulichen Zustande. Die
Zensur war eine ausserordentlich strenge und die Bcher, die in einem
Teil des Landes gedruckt waren, konnten nicht unbehindert in einem
anderen vertrieben werden. In Neapel existierten Zlle, die gleich einem
Verbot wirkten; dabei florierte der Nachdruck und der Verkehr mit dem
Auslande bot die grssten Schwierigkeiten.

[Sidenote: Statistisches.]

Im Jahre 1833 gab es 464 Buchdruckereien und Buchhandlungen; 1835
wurden 2819 Werke in 4295 Bnden herausgegeben. 1836 zhlte man,
einschliesslich der offiziellen Zeitungen der verschiedenen Staaten, nur
185 Zeitschriften, davon 26 in Neapel, 19 in Mailand, je 10 in Rom und
Turin, je 8 in Palermo und Florenz.

Die 1848 in Piemont eingefhrte Pressfreiheit trug zwar bald Frchte,
jedoch datiert der eigentliche Fortschritt erst von der Einigung
Italiens. 1859 gab es gegen 600 Buchdruckereien mit etwa 2000 Pressen.
Turin hatte 780 Setzer, 164 Handpressen und 47 Schnellpressen, bei
deren Einfhrung man nicht darauf drucken wollte, bevor die Macht
des Satans ber sie durch Besprengung derselben mit geweihtem Wasser
seitens eines Geistlichen beseitigt war. 1872 bestanden bereits 911
Buchdruckereien, in welchen 745 Schnellpressen, 2691 Handpressen und
nahe an 11000 Personen beschftigt wurden. Unter den 1083 Buchhandlungen
verdienten allerdings eine ziemliche Anzahl kaum diesen Namen. Viele,
selbst bekannte Schriftsteller mussten ihre Werke auf eigene Kosten
drucken lassen.

Die buchhndlerische Produktion, welche 1863 4243 Werke betragen hatte,
war 1872 auf 6798 neue Werke gestiegen. 6509 Fortsetzungen waren noch im
Gange, wozu noch 2666 Gesetze, Statuten etc. kamen, so dass die ganze
Produktion 15973 Nummern betrug[139].

  [139] Diese Angaben sind G. OTTINOS, _La stampa periodica, il commercio
        dei libri e la tipografia in Italia_, Mailand 1875, entnommen.
        Das Buch enthlt eine sehr sorgfltige Zusammenstellung
        der periodischen Presse, die zuerst anlsslich der Wiener
        Ausstellung 1873 ausgearbeitet war, und muss zugleich als eine
        ganz vorzgliche typographische Leistung gelten. Vergl. auch
        Zur Geschichte der Presse in Italien, Prutz' Museum, Leipzig;
        PAOLO LIOY, ber die geistige Nahrung des italienischen Volkes
        in C. Hillebrands _Italia_, Bd. III, S. 90.

Im Jahre 1869 war die Zahl der Zeitschriften auf 450 angewachsen. Damals
zeigte sich die grsste journalistische Thtigkeit in dem Norden, dem
eigentlichen Herde der Freiheit Italiens. Turin zhlte derzeit ber 100
Zeitschriften, Mailand 80, Florenz 51, Genua 37. Zwei Drittel derselben
waren politischen Inhalts; 75 erschienen tglich, 65 zwei- bis dreimal,
179 einmal wchentlich. 1872 war die Zahl schon 723. Obenan stand damals
Florenz mit 101, whrend Turin auf 75 gesunken war. Im Jahre 1873, mit
1126 Zeitschriften, hatte Mailand mit seinen 137 den Vorsprung ber
Florenz und Turin gewonnen, Rom zhlte 109; ihm folgte Florenz mit 107
auf dem Fusse, dann Turin mit 85, Neapel mit 81, Genua mit 51, Palermo
mit 48, Venedig mit 38, Bologna mit 36. Die Gesamtauflage einer Nummer
aller Zeitschriften betrug 1-3/4 Millionen Stck. Die Post versandte
jhrlich gegen 100 Millionen einzelne Nummern. Zeitungen mit einer
allgemeinen grossen Verbreitung gab es in Italien nicht; jedes Stdtchen
hngt an seinem Lokalblttchen.

Wie rasch Italien sich unter seinen neuen Verhltnissen entwickelt, geht
schon daraus hervor, dass 1881 die Zeitschriften auf 1854 gestiegen
waren, unter welchen 159 Tageszeitungen.

Werfen wir noch einen Blick auf die Pressthtigkeit der einzelnen Stdte.

[Sidenote: Venedig.]

[Sidenote: Mechitaristen.]

VENEDIGS hoher typographischer Ruhm war wie sein politischer zu Grabe
getragen, wennauch einzelne bedeutendere Erscheinungen sich sporadisch
zeigten, zu welchen Alvisopolis vortreffliches Prachtwerk _Le fabbriche
pi cospicue di Venezia_, zwei Bnde in Folio, gehrte. Aus alter Zeit
hat sich nur die armenische Offizin der Mechitaristen auf der Insel
S. Lazaro (I, S. 186) erhalten. Das Kloster entging auf Grund seiner
wissenschaftlichen Bestrebungen der Aufhebung unter napoleonischer
Herrschaft und wurde zu einer armenischen Akademie erhoben, die noch
existiert und fr welche die Offizin eine Monatsschrift _Pasmaveb_ (der
Polyhistor) druckt, von welcher dreissig Bnde erschienen. Die Akademie
erwhlte auch auswrtige Mitglieder, zu welchen Lord Byron zhlte, der
oft und gern dort verkehrte und armenische Studien trieb. Zu ihren
bedeutenderen Leistungen aus neuerer Periode gehren der _Thesaurus
linguae armenicae_ und die Chronik des Eusebius in armenischer,
lateinischer und griechischer Sprache, sowie das _Dizionario
armeno-letterale_. Als Probe ihrer Produktionsfhigkeit liessen die
Brder-Typographen 1837 die _Preces sancti Nercetis_ in 24 Sprachen
erscheinen[140].

  [140] _Printers Register_ 1874, Dezbr. -- Das Journ. f. B. 1880 enthlt
        in Nr. 2 und 3 die Schilderung eines Besuches Th. Goebels in
        dieser Druckerei.

In UDINE erschien bei den Brdern MATTIUZZI eine schne Ausgabe von
_Vitruvii Pollionis Architectura_, vier Bnde in Quart, 1825.

[Sidenote: Panfilo Castaldi.]

Ein sonderbares Schauspiel vollzog sich am 25. September 1868 in dem
Stdtchen FELTRE, an welchem Tage unter grossen Festlichkeiten ein
Monument des Erfinders der Buchdruckerkunst -- selbstverstndlich nicht
Gutenbergs, sondern des Italieners PANFILO CASTALDI -- enthllt wurde.

Der Prtor Antonio Cambruzzi schrieb um 1556 in seiner Geschichte
der Stadt Feltre: Um diese Zeit (1456) lebte Pamfilio Castaldio,
Doktor der Rechte und Dichter, in Feltre, der die Erfindung (!) der
Buchdruckerkunst entdeckte (!!). Der Burggraf Faust lernte von ihm diese
Kunst, als er in seinem Hause zu Feltre wohnte, um die italienische
Sprache zu studieren. Er fhrte die Druckkunst nach Deutschland,
bte sie in Mainz und bekam nachher von Einigen den Titel des ersten
Erfinders. Andere haben diese Erfindung einem Deutschen namens
Cuttembergo aus der Stadt Strassburg zugeschrieben, allein der erste
Erfinder ist, wie aus den Chroniken von Feltre erhellt, Pamfilio
Castaldio gewesen.

Recht schade ist es, dass diese erhellenden Chroniken nicht
existieren. Indes dies geniert die spteren Zeugen, die auf Cambruzzi
fussen und ihn sogar flschen, nicht, wie es auch Gutenbergs Manen nicht
genieren wird, dass seinen Konkurrenten in Feltre und Haarlem Statuen
errichtet wurden. Fast mchte man aber glauben, dass es Italien besser
angestanden htte, der Zierde der italienischen Typographie, dem Aldus
Manutius, ein wrdiges Monument zu setzen, statt einer mythischen Person
zu huldigen, zu einer Zeit, wo der Nebel, welcher die Geschichte der
Erfindung bisher umhllte, wenigstens so weit zerstreut ist, dass man
nicht Erfindern  la Castaldi und Coster Denkmler errichten sollte.

In jngster Zeit hat der Vorsteher des Staatsarchives zu Mailand, Cesar
Cantu, zwei Urkunden entdeckt, nach welchen sich ergiebt, dass Castaldi
im Jahre 1472 in seinem 74. Lebensjahre als Lehrer der Buchdruckerkunst
von dem Herzog Galeazzo Maria Sforza in Mailand nach dort berufen und
dass ihm das Recht erteilt wurde, eine Druckerei zu erffnen. Wie damit
eine Erfindung seitens des Castaldi bewiesen werden soll, ist nicht
leicht ersichtlich[141].

  [141] A. BERNHARDI-ZINGHELLINI ET A VALSECCHI, _Intorno  P. Castaldi_.
        Mailand 1866. -- A. DEL COMO, _Mem. della citta di Feltre_.
        Venedig 1710. -- A. V. D. LINDE, Gutenberg. Stuttgart 1878.

[Sidenote: Padua.]

PADUA beansprucht den etwas zweifelhaften Ruhm, in seinem sogenannten
_Dantino_ das mit der kleinsten Schrift gedruckte Buch hervorgebracht zu
haben. Im Jahre 1834 hatte bereits Antonio Farina eine Schrift, die er
_Occhio di mosca_ (Fliegenauge) nannte, geschnitten. In demselben Jahre
trat Claudio Wilmant mit einer noch kleineren, _Milanina_, hervor. Nach
vielem Herumirren derselben schloss der letzte Besitzer dieser Schrift,
Giovanni Gnocchi, 1873 einen Vertrag mit den Gebrdern SALMIN in Padua
ber den Druck einer Ausgabe von Dantes gttlicher Komdie ab und nach
fnf Jahren erschien dieselbe.

[Sidenote: Mailand.]

MAILAND trug durch P. E. GIUSTIS Ausgabe der _Famiglie celebri di
Italia_ des Grafen Pompeo Litta zur Ehre der Kunst bei. Dort wirkt die
Anstalt von ED. SONZOGNO (gegr. 1861) mit 30 Schnellpressen und 500
Personen fr die Herstellung des eigenen Verlags der Firma, darunter
15 Zeitschriften. CIVELLI (1840) hat Druckereien in Mailand, Turin,
Verona, Ancona und Rom, ausserdem zwei Papierfabriken und verlegt fnf
Zeitschriften. Er druckt fast alle Arbeiten fr die italienischen
Eisenbahnen. Ein Riesenwerk ist das _Vocabulario universale della lingua
italiana_, acht Bnde in Quart.

Was den lithographischen Bilderdruck betrifft, hat Mailand zwei
vortreffliche Reprsentanten aufzuweisen, ULYSSES BORZINO und seine
Frau, die beide selbst tchtige Knstler sind.

[Sidenote: Familie Pomba.]

Was Bodoni fr die Typographie Italiens gewesen, war die Familie POMBA
in Turin fr den Verlagshandel. Die von derselben 1818 begonnene
_Collezione dei classici Latini_ in 108 Bnden wurde 1835 beendigt.
Ihre _Biblioteca populare di classici autori_, 100 Bnde, in 16.
(1829) gab den ersten Impuls in Italien zur Verbreitung guter Bcher
zu den billigsten Preisen. Nach dem Vorbilde der _Penny Cyclopaedia_
wurde 1842-1849 die _Encyclopedia populare_, zwlf Bnde in Quart,
herausgegeben. Glnzenden Erfolg erzielte Cesar Cantus _Storia
universale_, die in sehr kurzer Zeit zwei teuere Auflagen und eine
billige erlebte. Die Firma POMBA & CO. unternahm die _Biblioteca
dell' Economista_, 26 Bnde, und ein kolossales Werk, _Istituzioni di
agricoltura_.

[Sidenote: Luigi Pomba [+] 1872.]

Am 1. Februar 1855 ging das Pombasche Geschft mit noch einigen anderen,
kleineren Geschften in den Besitz der _Unione tipografico-editrice_
ber, die unter der Direktion LUIGI POMBAS eine grosse Wirksamkeit,
namentlich in encyklopdischer Richtung, entwickelte und Filialen in
Rom, Neapel und Pisa grndete. Neue grossartige Werke der Firma waren
das Wrterbuch von Nic. Tommaseo, acht Bnde in Quart; die _Encyclopedia
di chimica_, zehn Bnde in Quart, und die Prachtausgabe von A. Palladios
_Fabbriche etc._, fnf Bnde in Fol., ferner die italienischen
illustrierten Ausgaben der Werke Brehms, Darwins u. a.

Ausser durch die eigene Verlagsthtigkeit zeichnete sich Joh. Pomba
durch seine allerdings ohne Erfolg gebliebenen Bestrebungen, den
italienischen Buchhandel nach Art des deutschen zu organisieren, aus.
Um sich nher mit dem Betrieb des letzteren bekannt zu machen, besuchte
Pomba die Leipziger Messe und liess 1869 eine Broschre _Informazione
della fiera di Lipsia_ erscheinen.

Grosse Anstrengungen machte die knigliche Druckerei in Turin in den
Hnden der Firma PARAVIA (Vigliardi), die auch Filialen in Mailand,
Florenz und Rom errichtete. Schne Arbeiten lieferten in Turin ebenfalls
Bona, sowie CHIRIO & MINA. Unter den Arbeiten der letzteren ragt die
Geschichte des Klosters _Alta Comba_ in Folio mit Einfassungen in
Golddruck im Geschmack des XV. Jahrhunderts hervor.

[Sidenote: Florenz.]

In FLORENZ, das durch Verbindung vieler Eigenschaften (geographische
Lage, allgemeine Bildung, Reinheit der Sprache, Tchtigkeit der Setzer)
geeignet wre, ein Leipzig Italiens zu werden, lieferte 1825 MOLINI
eines der schnsten Druckwerke Italiens, die vom Grossherzog von Toscana
veranstaltete Prachtausgabe der _Opere di Lorenzo de' Medici_, vier
Bnde in Gross-Quart. MAREINGH, erst in Florenz, dann in Triest, zeigte
in TASSOS _Gerusalemme liberata_, zwei Bnde in Gross-Folio, 1820, und
in den _Monumens spulcraux de Toscane_, 1821, feinen Geschmack und
grosses Geschick. Eines der bedeutendsten Werke der letzten Zeit ist
das in der TIPOGRAFIA CENNINIANA auf 1648 zweispaltige Seiten gedruckte
_Vocabulario Italiano_ von P. Fanfani, Rigutini und F. Corridi. Als
Drucker und Verleger bedeutend ist G. BARBERA; er ist durch seine
Diamant-Ausgaben italienischer Klassiker bekannt.

Florenz hat einen _Cercolo tipografico_, in dem Prinzipale und Gehlfen
zwanglos verkehren. Hier erscheint auch seit 1869 das in wrdiger Weise
von SALV. LANDI geleitete und typographisch sehr gut ausgestattete
Journal _L'Arte della stampa_. Als Organ der Gehlfen dient _Il
tipografo_ (Turin). _Senefelder_ ist der Titel einer in Turin in
italienischer und franzsischer Sprache erscheinenden lithographischen
Monatsschrift.

[Sidenote: Rom.]

ROM hatte zwar nie einen ersten Platz in der typographischen Geschichte
eingenommen, sank jedoch in der Periode von 1750 ab tiefer als man
htte erwarten sollen. Das einzige Institut von einiger Bedeutung war
die Druckerei der Propaganda (I, S. 186)[142]. Ihren Flor verdankt
sie dem gelehrten Prlaten Leo Allacci (Allatius), den Kardinlen
Antonelli, Ruggieri, Spinelli, Consalvi und Zurla, sowie den Monsignoren
Ricci, Amaducci und Borgia. Eine solche Stellung jedoch, wie dies
Institut htte einnehmen knnen und sollen, wurde nicht erreicht. Nicht
nur andere Staatsanstalten, sondern auch Privatdruckereien anderer
Lnder berflgelten weit die Propaganda. 1812 ward sie zeitweilig
ganz unterdrckt, hob sich jedoch spter wieder. Die von Napoleon
geraubten Schriften kamen wieder nach Rom zurck. Besonders der Papst
Pius IX. nahm sich der Anstalt an und ernannte 1865 den verdienten
Ritter MARIETTI zum Direktor, der 1872 seine Stelle niederlegte und
von FEDERIGO MELANDRI gefolgt wurde. Unter den seit 1865 entstandenen
Werken der Offizin sind zu erwhnen der _Bibliorum Sacrorum Codex
Vaticanus_, mit den Typen des Tischendorfschen _Codex Sinaiticus_
gedruckt, und eine _Oratio dominica_ in 250 Sprachen, die trotz der
Schriftenmannigfaltigkeit zeigt, dass die Anstalt nicht auf der Hhe der
Jetztzeit steht[143].

  [142] _Propaganda, Specimen characterum._ Rom 1843. -- _Cat. librorum
        qui ex typogr. S. Congr. etc. prodierunt._ Rom 1773.

  [143] A. MACKIE'S _Italy and France_ bringt in dem _Letter_ XXXVI und
        dem _Appendix_ A die Schilderung eines Besuchs des bekannten
        englischen Zeitungsdruckers in der Propaganda. Eine usserung
        von ihm wird in Deutschland interessieren: Ich bemerkte nicht
        eine einzige Maschine englischen Ursprungs. Bereits in England
        war mir gesagt worden, dass die englischen Maschinen berflgelt
        seien. Deutschland hatte hier alles geliefert, selbst eine
        kleine Falzmaschine.

Eine Hofbuchdruckerei _Stamperia camerale_ wurde 1834 sehr hbsch
in dem Palast Cornaro eingerichtet. Im Jahre 1881 gab es in Rom 53
Buchdruckereien mit 172 Schnellpressen und 129 Handpressen. Die
Zahl der Gehlfen war 722, der Lehrlinge 268. Die grsste Zahl
der Schnellpressen, 31, und ebenso viele Handpressen beschftigte
die Aktienbuchdruckerei. Bedeutend sind ferner: CIVELLI, BOTTAS
Nachfolger, mit 11 Schnellpressen und 81 Setzer; die Druckerei der
Nationalbank mit 8 Schnellpressen und 11 Handpressen; MOLINA mit 16
resp. 8.

[Sidenote: Neapel.]

[Sidenote: J. P. Piranesi [+] 1778.]

NEAPEL[144] sucht in seinen Leistungen nicht zurckzubleiben. ANGELI &
SOHN liefern viele Accidenzien. Dort gelangte eines der prachtvollsten
Stichwerke der Neuzeit zur Ausfhrung, das von Piranesi Vater und Sohn
herausgegebene: Antike Denkmler Roms. In der Kunst, die Monumente und
Ruinen darzustellen, sind die beiden Meister nicht bertroffen. Der
Vater JOH. BAPTIST PIRANESI aus Venedig lieferte die ersten 16 Bnde
und der Sohn FRANZ PIRANESI setzte das Werk fort. Nach verschiedenen
Schicksalen liess sich letzterer in Paris nieder. Napoleon begnstigte
ihn sehr und es wurde der Beschluss gefasst, von Staatswegen das Werk
fr 300000 Franken und ein Jahresgehalt an Piranesi von 12000 Franken
zu erwerben. Das Unglck in Moskau verhinderte die Vollziehung des
betreffenden Dekretes, jedoch erwarben die Didots das grossartige
Unternehmen von 29 Bnden mit ber 2000 Kupferstichen im grssten
Atlanten-Format.

  [144] GIUSTINIANI, _Saggio sulla tipografia del regno di Napoli_.
        Neapel 1791.


                     SPANIEN. PORTUGAL. SDAMERIKA.

[Sidenote: Spanien.]

SPANIEN hat wie Italien in der Periode von 1750 ab einen einzigen
hervorragenden Namen aufzuweisen, whrend seine typographische
Geschichte wenig von Bedeutung verzeichnen kann[145].

  [145] F. MENDEZ, _Tipografia Espaola_. Madrid 1861. --
        J. E. EQUIZABAL, _Hist. de la legislation espaola 1480-1873_.
        Madrid 1879. -- _Annuario del comercio._ Madrid 1882.

[Sidenote: J. Ibarra.]

Der Kammerdrucker des Knigs, JOACHIM IBARRA aus Saragossa, war der
Mann, der die Buchdruckerkunst in Spanien zu einer dort noch nicht
gekannten Hhe erhob und einen Wetteifer der Buchdrucker hervorrief, der
sie weiter trieb, als 20O Jahre es vermocht hatten. Ibarras Prachtwerke
zeichnen sich gleich sehr durch die Schnheit des Druckes, der Typen und
der Illustrationen, sowie durch die Gltte des Papiers, und durch die
Korrektheit aus.

Unter seinen Druckwerken sind besonders zu nennen die spanische
bersetzung des Sallust durch den Infanten Don Gabriel, mit
Illustrationen, Folio, 1772; eine Dissertation des Fr. Perez Bayer ber
die phnizische Sprache, Folio, 1772; die Prachtausgabe des Don Quixote,
vier reich illustrierte Bnde in Quart, 1780; Marianas Geschichte
Spaniens, zwei Bnde, Folio, 1780. Ibarras Witwe setzte das Geschft
in rhmlichster Weise fort; eine vorzgliche Leistung von ihr ist das
_Diccionario de la lengua Castellana_, Folio, 1803.

Fr die Achtung, welche die Spanier ihrem grossen Dichter Cervantes
zollen, spricht der Umstand, dass eine Facsimile-Reproduktion der ersten
Ausgabe der Werke desselben (I, S. 190), von FRANCISCO QUIJANO in 1500
Exemplaren veranstaltet, sofort vergriffen war.

[Sidenote: Madrid.]

[Sidenote: J. Aguado [+] 22. Mrz 1878.]

Unter den neueren Druckern MADRIDS werden mit Ruhm genannt: GASPAR &
ROIX, CALLEJA MILLADO, MAN. RIVADANEIRA (jetzt ABELARDO DE CARLOS und
Sohn), JUAN AGUADO, DUCAZAL, JOACHIM FONTANET, GABRIEL ALBAMRA u. a.
Im Jahre 1881 hatte die Stadt 104 Buchdruckereien, 110 Buchhandlungen,
64 lithographische Anstalten. Die Schriftgiessereien sind schwach
vertreten, die bedeutendste darunter ist die von JUAN AGUADO, der auch
die Fachzeitschrift _Bulletin tipografico_ herausgiebt. Ein zweites
Fachblatt ist die _Cronica de la imprenta_. Von Zeitschriften erschienen
206 (darunter 60 politische, von welchen die _Correspondencia_ die
grsste Auflage [ber 50000] hat). Die spanische illustrierte Zeitung
ist eine tchtige Leistung A. de Carlos' und enthlt viele gute
Original-Illustrationen, ebenso _El museo universal_.

[Sidenote: Barcelona.]

Nchst Madrid ist BARCELONA der bedeutendste Druckort. Die dort
bestehende Banknotendruckerei unter Direktion von ZARAGOZANO & JAIME
ist ganz mit franzsischem Material ausgerstet und beschftigt ber 60
Personen. Frher wurde das spanische Papiergeld in England gedruckt. In
Barcelona erscheint auch ein Fachblatt _El correo tipolitografico_ von
CEPHERINO GORCHS. Die Stadt besass 1881 42 Buchdruckereien, davon 6 mit
Dampf- und 10 mit Gasbetrieb. 919 Personen, 95 Schnellpressen (darunter
81 franzsische), 60 Handpressen (darunter nur zwei deutsche) waren
beschftigt. Ausserdem zhlte man dort 51 lithographische Anstalten, 57
Buchhandlungen und 63 Journale.

[Sidenote: Valencia.]

Das in VALENCIA erschienene _Bayeri opus de nummis Hebrae-Samarithanis_,
zwei Bnde in Quart, 1781 und 1790, ist ein Werk, welches eine
Vorstellung giebt von dem, was die Buchdruckerkunst in Spanien htte
werden knnen, wenn sie gengende Untersttzung gefunden htte und
nicht zugleich mit der Entwickelung der allgemeinen Bildung unter
unglcklichen inneren Verhltnissen so sehr gehemmt worden wre.

[Sidenote: Portugal.]

[Sidenote: _Imprenza Nacional._]

Wennauch die Typographie in PORTUGAL[146], gleichwie in Spanien, im
allgemeinen keine besonders hohe Stufe erklommen hat, so besitzt das
Land doch eine Anstalt, die, vortrefflich geleitet, ganz Vorzgliches
leistet: die _Imprenza Nacional_. Sie ist durch Marquis Pombal, den
bekannten Staatsreformator Portugals unter der Regierung Josephs I., ins
Leben gerufen, mit der Absicht, eine Anstalt wie die Pariser knigliche
Druckerei zu schaffen, welche eine Pflanzsttte der Kunst werden,
zugleich auch billige Unterrichtsbcher drucken sollte.

  [146] J. KUGELMANN, _Histoire de l'Imprimerie en Portugal_. Paris 1867.

[Sidenote: M. da Cost.]

Das Dekret, welches die _Imprenza Regia_ anordnete, datiert vom 24.
Dezember 1768. Ein Regierungspalast wurde ihr eingerumt und bereits in
den ersten Tagen des Jahres 1769 konnte sie zu arbeiten beginnen. Die
Leitung ward MIGUEL MANESCAL DA COST bertragen, einem vorzglichen
Typographen, dessen Buchdruckerei, sowie die Schriftgiesserei des JOO
DE VILLENEUVE als Grundlagen fr die Staatsanstalt angekauft waren.
Einer damit verbundenen Gravierschule stand der geschickte JOAQUIM
CARNEIRO DA SILVA vor. Eine Spielkartenfabrik war die Melkkuh des
Instituts.

Von 1769-1801 wurden unter da Costs Direktion 1230 Bnde gedruckt,
unter welchen viele bedeutende Erscheinungen. Nach dessen Tode wurde
eine _Junta administrativa_ ernannt, mit dem gewhnlichen Erfolg
kollegialischer Behandlung technischer Geschfte. Im Jahre 1810 schritt
man zur Ernennung eines General-Administrators in der Person JOAQUIM
DA COSTS, der mit einer kurzen Unterbrechung die Leitung der Anstalt
bis 1833 behielt. Mit dem Sturze der Regierung Dom Miguels wurde die
Staatsdruckerei dem Ministerium des Innern direkt untergeordnet.

[Sidenote: J. P. Marccos.]

[Sidenote: F. A. Marccos.]

Mit der 1838 erfolgten Wahl des JOS FREDERICO PEREIRA MARCCOS zum
Administrator begann die Glanzzeit der Anstalt. Marccos bereiste
England, Frankreich und Belgien und brachte die Erzeugnisse der
neuesten Erfindungen mit nach Hause. Nach seinem frhen Tode, 1844,
wurde die Stelle seinem Bruder FIRMO AUGUSTO MARCCOS anvertraut,
welcher fortfuhr, alle Verbesserungen der Neuzeit einzufhren,
daneben Lehrlingsschulen, Hlfskassen u. dgl. errichtete. Vom Staate
erhlt die Anstalt keinen Zuschuss, sie hatte im Gegenteil bis
zum Jahre 1873 an diesen drei Millionen Franken abgeliefert und
beschftigte in dem genannten Jahre ber 300 Personen. Zwei Deutsche
haben viel zur Hebung der Anstalt beigetragen: JOSEPH LEIPOLD, der
Direktor der galvanoplastischen Abteilung, und IGNAZ LAUER, Leiter
der Schriftgiesserei. Seit 1878 ist der Vorsteher Dr. VENANCIO
DESLANDES[147].

  [147] Bericht ber die Nationaldruckerei in Lissabon. 1873. Deutsch und
        Franzsisch. -- A. M. ABRANCHES DE RIEGO, _Catalogo des obras
        impr. de J. A. de Macedo_. Lissabon 1849. -- _Caracteres de la
        imprenza Real en 1793._

Die zur Weltausstellung in Wien 1873 gesandten portugiesischen,
spanischen und englischen Wrterbcher, die rot und schwarz gedruckten
_Missale_ und _Breviarum Romanum_, die _Carta constitutional_, die Werke
Camoens' in sechs Bnden, vorzugsweise eine in zwlf Sprachen gedruckte
Episode daraus, _Inez de Castro_, waren alle in dem besten Stil und
vortrefflich gedruckt.

Auch die Wertpapiere verdienten alles Lob, jedoch ergreift die Anstalt
nicht, wie die St. Petersburger, die Initiative, sondern benutzt nur
geschickt das Vorhandene, namentlich die Erzeugnisse Derrieys.

[Sidenote: Gebr. Lallemant.]

Nicht ganz auf derselben Stufe stehen die Gebrder LALLEMANT[148], sie
liefern aber sehr beachtenswerte Arbeiten, ebenso die Gebrder JOS DE
CASTRO.

  [148] INIGO, _Lallemant frres_.

Im Jahre 1878 hatte Portugal 118 Zeitungen, darunter 66 politischen
Inhalts; die lteste, _Revuluao de September_, existiert 33 Jahre. Die
Journale sind nicht von grosser Bedeutung und nicht geeignet, grosse
Erwartungen von dem Standpunkte der Typographie dort zu erwecken. Seit
1882 erscheint _El Gutenberg_.

LISSABON hatte 1881 23 Buchdruckereien, 26 Buchhandlungen, 56
Zeitschriften; COIMBRA 10 Buchdruckereien; OPORTO 56 Journale.

                   *       *       *       *       *

[Sidenote: Sdamerika.]

SDAMERIKA. Ein grsserer typographischer Kontrast als zwischen Nord-
und Sdamerika ist kaum denkbar. Fortwhrende Revolutionen und Kriege,
der Einfluss einer unwissenden Geistlichkeit und die Indolenz der Vlker
haben ein intellektuelles Leben, infolge davon auch ein Gedeihen der
Buchdruckerkunst nicht aufkommen lassen.

[Sidenote: Buenos Aires.]

BUENOS AIRES, welches 53 Buchdruckereien, 59 Buchhandlungen, 24
lithographische Anstalten und 27 Zeitschriften aufweist, feierte am 9.
Juli 1876 die hundertjhrige Betreibung der Buchdruckerkunst. Es wurde
beschlossen, Gutenberg und dem Einfhrer seiner Kunst Don JUAN JOS
VERTIZ ein Denkmal, in einem Obelisk bestehend, zu errichten und einen
Preis fr die beste Bearbeitung der Geschichte der Buchdruckerkunst in
der Argentinischen Republik auszustellen. 1872 erhielt Buenos Aires eine
illustrierte Zeitung: _El Plata illustrado_[149].

  [149] J. M. GUITIEMEZ, _Bibliogr. de la prim. imprenta de Buenos
        Aires_. 1866.

[Sidenote: Rio de Janeiro.]

In RIO DE JANEIRO wurde ebenfalls das hundertjhrige Jubelfest am 9.
Juli 1880 abgehalten. Ausser in Rio sind nicht viele Buchdruckereien in
Brasilien in Thtigkeit. Manche der Arbeiter, die im ganzen genommen
schlecht bezahlt werden und fr Extraarbeit keine Entschdigung
erhalten, sind Sklaven. Schlaffheit herrscht von oben bis herab auf den
Laufburschen. Die Zahl der Zeitungen war 1878 297. Sdamerika hat im
ganzen 17 deutsche Zeitungen, von welchen 11 auf Brasilien, 4 auf die
argentinische Republik, je eine auf Uruguay und Chile kommen.

LIMA besitzt 21 Buchdruckereien, 11 Buchhandlungen, 11 lithographische
Anstalten und 13 Zeitschriften. ST. JAGO DI CHILE hat 11
Buchdruckereien, VALPARAISO 7.

Auf CUBA befanden sich 52 Offizinen, 50 Buchhandlungen, 10
lithographische Anstalten und 47 Zeitschriften erschienen dort. MEXICO
hat zwischen 50-60 Offizinen, davon 23 in der Stadt Mexico, daneben
11 lithographische Anstalten, 16 Buchhandlungen. PUEBLA weist 8
Buchdruckereien auf.


                        NORDAFRIKA. DER ORIENT.

[Sidenote: Nordafrika.]

NORDAFRIKA hatte bereits whrend des gyptischen Feldzugs Bonapartes
eine typographische Werksttte (S. 172) und durch die Besitzergreifung
von ALGERIEN ist diese Provinz eine Pflanzsttte der Kultur in Afrika
geworden. Es besitzt heute schon 29 Buchdruckereien, 18 lithographische
Anstalten und 54 Buchhandlungen, davon sind in der Stadt ALGIER 9
Buchdruckereien, 8 lithographische Anstalten, 10 Buchhandlungen; in
CONSTANTINE resp. 3, 2, 5; in ORAN resp. 3, 3, 10. Von Zeitschriften
erscheinen 35 in 12 Stdten, davon in Algier 18, unter welchen das
offizielle Journal _Mobacher_ in arabischer und franzsischer Sprache.
Der Buchhndler BASTIDE hat sehr zur Verbreitung der Litteratur
beigetragen.

[Sidenote: gypten.]

In GYPTEN wurde von Mehemed Ali eine Buchdruckerei in Boulak errichtet,
man hatte aber sehr mit der Abneigung der Muselmnner gegen gedruckte
Bcher zu kmpfen. In den letzten 50 Jahren sind etwa 250 Werke aus
den dortigen Pressen hervorgegangen. Von Privatpressen entstanden
verschiedene, unter welchen die von MUSTAPHA WAHABI nennenswert ist.

Die Lithographie wurde 1834 eingefhrt. Da die verschiedenen graphischen
Anstalten in den Hnden von Franzosen sind und die Arbeiten durch
Franzosen ausgefhrt werden, so kann die mitunter sehr hbsche
Produktion eigentlich nicht von nationaler Bedeutung sein.

Von Zeitungen erscheinen etwa 25 in arabischer, franzsischer,
griechischer, italienischer und englischer Sprache. Sie stehen unter
Zensur und nach erfolgter Warnung kann Unterdrckung stattfinden.

Im Jahre 1878 hatte der Bei von Tunis eine Druckerei errichtet und der
Kaiser von Marokko beabsichtigte ebenfalls in Fez eine solche anzulegen.
Von zwei wchentlichen Zeitungen erscheint eine in Ceuta, eine in Tanger.

[Sidenote: Buchhandel.]

Der Buchhandel in Kairo ist ziemlich lebhaft. Die Buchhndler sind
meist Gelehrte und nicht so fanatisch, wie z. B. in Damaskus, wo sie
nur ungern Bcher an Christen verkaufen. Es ist dies namentlich mit
den Koran-Ausgaben der Fall, welche abgesondert oder unter besonderem
Verschluss aufbewahrt sind. Die Bcher liegen bereinandergeschichtet.
Der Einband ist von Leder oder gewhnlicher Pappe, der Titel wird
auf den Schnitt oder auf ein auf den Umschlag geklebtes Blatt
geschrieben. Zwischen alten und neuen Exemplaren wird nicht der strenge
Unterschied gemacht, wie in dem europischen Buchhandel. Einige
Buchhndler debitieren nur die von ihnen verlegten Bcher, andere
sind Sortimentshndler nach unseren Begriffen. Ein fester Ladenpreis
existiert nicht und die Schwankungen sind oft bedeutend.

                   *       *       *       *       *

[Sidenote: Europische Trkei.]

EUROPISCHE TRKEI. Die nach dem Tode des verdienten Frderers der
Typographie IBRAHIM EFFENDI (I, S. 281) in der Entwickelung derselben
eingetretene Stockung fand erst unter der Regierung Abdul Hamids eine
Unterbrechung. Reschid Effendi, der Schatzkanzler, und Achmed Wassif
Effendi, der Reichshistoriograph, erhielten Auftrag, nach dem Verbleib
der in Stillstand geratenen Buchdruckerei Said Effendis Untersuchungen
anstellen zu lassen. Der grsste Teil derselben wurde auch glcklich
aufgefunden, restauriert und dann die Pressen in Skutari wieder in Gang
gesetzt. Zu Direktoren dieser neu entstandenen Reichsdruckerei ernannte
der Sultan Mustafa und Adam Effendi, ersterer Rechtsgelehrter, letzterer
Geistlicher. Beide nahmen sich ihres Amtes mit Eifer an und viele Werke,
die sich durch gute Ausstattung auszeichneten, gingen aus der Anstalt
hervor. Eines der schnsten Erzeugnisse der orientalischen Druckkunst
ist Makkisada Mustafa Effendis Kommentar zur Burda, einem Lobgedicht auf
den Propheten, in einem Quartband von 621 Seiten. Eine weitere lange
Liste fremdartiger Titel hier folgen zu lassen drfte keinen Zweck haben.

[Sidenote: Rckgang und neuer Aufschwung.]

Nach einer kurzen Blte folgte wieder Stillstand unter der Regierung
Selims III. und whrend des Anfangs der Regierung Mahmuds des Grossen.
Nachdem jedoch durch Ausrottung der Janitscharen Ruhe im Innern
hergestellt war und Mahmud sich den Werken des Friedens widmen konnte,
kam die Reihe auch bald an die Staatsdruckerei. Im Jahre 1831 wurde
dieselbe von Skutari wieder nach Stambul bergefhrt und erhielt
dort eine grosse Lokalitt. Neue Pressen wurden aus London, neue
Typen aus Venedig eingefhrt und Arbeiter namentlich aus Deutschland
herbeigeschafft.

Ein rascher Aufschwung machte sich bemerkbar. Die berall versteckten
Schtze der trkischen Litteratur wurden gesammelt, um in guten
und billigen Ausgaben dem Volke zugnglich gemacht zu werden. Man
verffentlichte die Werke der Reichsgeschichtsschreiber und liess viele
tchtige Fachwerke, namentlich militrische und medizinische, aus
europischen Sprachen bersetzen.

Nach einer Glanzperiode von etwa zwanzig Jahren trat unter Abdul Aziz
und unter unglcklichen politischen und finanziellen Konjunkturen ein
Rckgang ein, der erst unter Abdul Medschid aufhrte.

[Sidenote: Jetziger Zustand.]

KONSTANTINOPEL besitzt vier kaiserliche Druckereien, zwei unter
Leitung des Ministeriums des Innern, von welchen die eine sich mit
der Herstellung von allen offiziellen Aktenstcken, die andere sich
mit Bcherdruck beschftigt. Die dritte, unter das Kriegsministerium
ressortierende Druckerei dient nur militrischen Zwecken; die vierte,
mit welcher eine lithographische Anstalt fr die Arbeiten des
Generalstabes verbunden ist, befindet sich in dem Palast Dolma-Bagdsche
und steht unter der unmittelbaren Leitung des Palastmarschalls. Die
Ausfhrung der ffentlichen Arbeiten ist eine durchweg gute.

Von Privatdruckereien waren 1880 etwa 25 vorhanden, unter welchen sich
die Offizinen des armenischen und des griechischen Patriarchen, sowie
die des Gross-Rabbi befinden. Von lithographischen Anstalten gab es
ebensoviele. Die Zahl der Schnellpressen war gegen 70, der Tret- und
Handpressen 120, beschftigt waren gegen 500 Personen. In den nationalen
Sprachen erschienen etwa 200 Werke.

[Sidenote: Zeitungswesen.]

Das Zeitungswesen entstand erst spt. Im Jahre 1852 erschien in Smyrna
der _Spectateur de l'Orient_; 1831 wurde der _Moniteur ottoman_
(_Wekaje_) gegrndet, der spter auch trkisch gedruckt wurde. Nach den
offiziellen Angaben aus dem Jahre 1878 erschienen in Konstantinopel
72 Zeitungen und Zeitschriften, unter welchen 30 Tagesbltter. Von
den Zeitschriften sind 16 in trkischer, 20 in franzsischer, 12
in griechischer, 13 in armenischer Sprache. Eine Verordnung von
1879 verbot, vor 6 Uhr trkischer Tageseinteilung (ungefhr unsere
Mittagsstunde) die Zeitungen auszugeben, was fr diese, deren Verteilung
sonst um 6 Uhr frh stattfand, ein grosser Schlag war. Eine illustrierte
Zeitung _Mussaveri Turkestan_ (Illustrierte Trkei), herausgegeben von
der Gesellschaft der Freunde des Vaterlandes, erscheint wchentlich.

[Sidenote: Asiat. Trkei.]

In SMYRNA gehrten die ersten Pressen (seit 1658) den Juden; dann
folgten die Christen und schliesslich die Trken. Eine erfolgreiche
Thtigkeit entwickelte mit sehr geringen Mitteln das Kloster MAR-HANNA
auf einem steilen Abhange des Berges Kesroan gelegen. Die dortige
Druckerei ist 1732 von dem Priester Abdallah Ben Zacher gegrndet,
welcher selbst das ntige Handwerkszeug fertigte, Typen schnitt und
goss, dann abwechselnd als Setzer und Drucker arbeitete. Noch vor dem
Jahre 1794 erschienen dort gegen 40 Werke. In SAFAD, am westlichen
Ufer des Sees Tiberias, war eine hohe Schule fr arabische und
hebrische Gelehrsamkeit, welche eine Druckerei besass, die jedoch
im Jahre 1759 durch ein Erdbeben zerstrt wurde. Berhmt durch ihre
vortrefflichen arabischen Drucke ist die Offizin der amerikanischen
Missionsgesellschaft in BEIRUT.

[Sidenote: Cypern.]

Auf der Insel CYPERN erscheinen jetzt drei englische und zwei
griechische Zeitschriften.

[Sidenote: Persien.]

Nach PERSIEN kam die Buchdruckerkunst 1820 und zwar nach TEHERAN und
TABRIS. ber die weiteren Fortschritte verlautet so gut wie nichts. Bei
seiner Anwesenheit in Wien anlsslich der Ausstellung 1873 beabsichtigte
der Schah Nasser-Eddin die erste Schnellpresse zu bestellen. Seit 1872
erscheint in Teheran eine Zeitung fr Persien, zu welcher der Schah
selbst Beitrge liefert, zumeist Schilderungen seiner Jagdabenteuer.

Eine grosse Schwierigkeit fr die Verbreitung der Typographie in Persien
bildet das hohe Ansehen, in welchem die Schnschreibekunst steht, und
der hohe Grad von Vollkommenheit, welchen sie erreicht hat. Wird einmal
zur mechanischen Vervielfltigung gegriffen, so ist die Lithographie
viel leichter als die Typographie imstande, die wunderbaren, mit Gold
und Farben geschmckten Schriftzge wiederzugeben. Auf eine schnelle
Verbreitung von Gutenbergs Kunst in Persien ist deshalb nicht zu rechnen.

[Illustration]




                             DRITTES BUCH.

                        DIE GERMANISCHE GRUPPE.

[Illustration]

                     EINFHRUNG IN DAS DRITTE BUCH.


Zu der GERMANISCHEN GRUPPE, mit welcher dieser geschichtliche
berblick schliesst, gehren in erster Reihe die zu einer
bibliopolisch-typographischen Einheit verbundenen zwei Kaiserstaaten
DEUTSCHLAND und STERREICH-UNGARN, sowie die SCHWEIZ; in zweiter Linie
die stammverwandten skandinavischen Reiche: DNEMARK, SCHWEDEN und
NORWEGEN. An obige schliessen sich in dritter Reihe die, wennauch der
Gruppe national fremd, zumteil sogar feindlich gegenber stehenden
SLAWISCHEN und MAGYARISCHEN LNDER, welche nicht nur ihr typographisches
Material, sondern auch die arbeitenden Krfte hauptschlich Deutschland
entnehmen oder wenigstens bis vor kurzem entnahmen.

Eine Eigentmlichkeit dieser Gruppe, soweit ihre Angehrigen
germanischen Ursprungs sind, ist die Verwendung der von den zwei anderen
Gruppen fast ganz ausgeschlossenen Frakturschrift. Trotzdem ist diese,
wie bekannt, nicht die alleinherrschende geblieben. Von der Fraktur
will, von der Antiqua kann man nicht lassen. So hat sich ein
geschftlicher Usus eingebrgert, demzufolge den beiden Schriften in
dem eigentlichen Bcherdruck fast hnliche Stellungen zugewiesen werden,
wie sie im Altertum die hieratischen und demotischen Schriften gyptens
innehatten, sodass die Antiqua mehr die Schrift der Eingeweihten
blieb, whrend die Fraktur mehr die Volksschrift wurde. Zu den Werken
der strengeren Wissenschaften und zu Prachtausgaben verwendet man
vorzugsweise die aristokratischere Antiqua, zu den Erscheinungen der
schnwissenschaftlichen und populren Litteratur, zu Unterrichts- und
Andachtsbchern dient hauptschlich die populrere Fraktur[150].

  [150] Zwei wertvolle neuere Einlagen in der Streitfrage Antiqua
        oder Fraktur sind: F. SOENNECKEN, Das deutsche Schriftwesen
        und die Notwendigkeit seiner Reform, Bonn 1881, und Dr. JOHANN
        KELLE, Die deutsche und die lateinische Schrift, Separatabdruck
        aus der Rundschau 1882.

Die Accidenzien fallen in ganz berwiegender Weise der Antiqua zu,
dagegen die Zeitungen fast ausnahmslos der Fraktur. Und so wird es
wahrscheinlich noch lange Zeit bleiben[151].

  [151] Um zu einiger Klarheit ber das Verhltnis der Antiqua zu der
        Fraktur in der deutschen Typographie zu kommen, hat der
        Verfasser dieses Buches eine Zhlung der litterarischen
        Erzeugnisse des Jahres 1881 nach dem Hinrichsschen Katalog
        unternommen. Von 14320 Nummern sind 8894 mit Fraktur, 5426
        mit Antiqua gedruckt (gleich 62 zu 38 Proz.). In zwei grosse
        Gruppen nach den obigen Andeutungen der praktischen Verwendung
        geteilt, giebt die wissenschaftliche Gruppe 7142 Werke, davon
        2896 mit Fraktur, 4246 mit Antiqua (gleich 40 zu 60 Proz.);
        die zweite Gruppe, die populre Litteratur, weist 7178 Werke
        auf, davon 5998 mit Fraktur, 1180 mit Antiqua (gleich 83-1/2 zu
        16-1/2 Proz.). Zeitungen sind hierbei nicht mitgezhlt, wohl
        aber Wochen- und Monatsschriften. Wie berwiegend die Antiqua
        in dem Accidenzfache verwendet wird, zeigt z. B. eine genaue
        Aufstellung der C. G. Naumannschen Accidenzdruckerei in Leipzig,
        nach welcher von 9447 Auftrgen in dem Jahre 1878 nur 161 in
        Frakturschrift bestellt waren.

Diese Doppelheit in der Schrift trgt allerdings eine grssere
Vielseitigkeit zur Schau, hat jedoch fr die deutschen Buchdruckereien
den Nachteil gehabt, dass diese gleichmssig reich mit Antiqua- und
Frakturschriften ausgestattet sein mssen. Somit schliesst jede Offizin
eigentlich zwei Druckereien in sich: eine fr Arbeiten in Fraktur,
eine zweite fr die in Antiqua, so dass bei einem gleichen Quantum von
Schrift eine franzsische oder englische Offizin, weil nur nach einer
Richtung hin ausgestattet, quantitativ fast eine doppelt so grosse
Leistungsfhigkeit als eine deutsche besitzt.

Was den deutschen Arbeiter betrifft, so vereinigt er in sich vielleicht
mehr als der irgend eines anderen Landes die mancherlei Eigenschaften,
die dem Typographen eigen sein mssen. Er ist selbstndiger im Arbeiten
und leistet aus eigenem Antrieb in der Regel mehr, als ein anderer,
weshalb man auch fast nie schlechte Arbeiten aus Deutschland
sieht. Seine Fhigkeiten sind vielseitiger; er bringt es aber selten
zur Virtuositt in einem einzelnen Fach und es ist schwer, ihn zur
berschreitung der Grenzen des ihm Gut genug scheinenden zu bringen.
Das mag wohl auch darin liegen, dass es in vielen Fllen nicht anders
mit den Prinzipalen, den Verlegern, den zeichnenden Knstlern und den
sonst Beteiligten steht. So selten das wirklich Schlechte ist, dem man
in der franzsischen Typographie tglich begegnet, so selten trifft man
auf vollendete, stilvoll durchgefhrte Leistungen in Deutschland. Viel
Schuld dabei trgt die Verwendung der Antiqua und der Fraktur nicht nur
neben, sondern geradezu unter einander. Die richtige Behandlung
der beiden Schriftarten beruht jedoch auf abweichenden Grundstzen; es
kommt deshalb trotz sonstiger Vorzge der Arbeiter selten zu einem fest
ausgebildeten Geschmacke.

Was in Bezug auf Deutschland gesagt wurde, gilt auch von STERREICH,
welches namentlich im Accidenzfache hinter Deutschland nicht
zurcksteht, in dem xylographischen Farbendruck es sogar bertroffen
hat. Auch UNGARN nimmt an den Bestrebungen teil. Die SCHWEIZ und die
SKANDINAVISCHEN LNDER, die, was Material, Schriften u. dgl. betrifft,
hauptschlich von Deutschland abhngig waren, schlossen sich ganz der
deutschen Schule an und liefern jetzt, wennauch nicht gerade viel
Hervorragendes, so doch sehr viel Beachtenswertes. Die SLAWISCHEN LNDER
machten wesentliche Fortschritte und leisten zumteil Gutes, jedoch
stehen im allgemeinen die Erzeugnisse dieser Lnder etwas zurck und es
wird wohl aus leicht begreiflichen Grnden auch noch einige Zeit darber
vergehen, ehe sie eine, derjenigen der grossen Kulturlnder ebenbrtige
Stellung einnehmen werden.

Die Pressverhltnisse, die Technik und die Industrie in Deutschland
waren zur Zeit des allgemeinen Aufblhens der Typographie zu Beginn
des XIX. Jahrhunderts nicht derart, dass die Notwendigkeit des
Maschinenbetriebes so wie in England und Amerika sich von selbst
aufgedrngt htte. Es kann deshalb Deutschland nicht so sehr zur Last
fallen, dass es die erste Ausbeutung der, die Typographie umgestaltenden
deutschen Erfindung der Schnellpresse, sowie die ersten Verbesserungen
und die sptere Vervollkommnung derselben dem Auslande berliess, so
dass die Erfindung sozusagen erst wieder aus dem Auslande importiert
werden musste. Sobald die Verhltnisse sich jedoch einigermassen besser
gestalteten, hat es gezeigt, dass es in der Technik und Mechanik nicht
allein nicht zurckgeblieben, sondern auf dem besten Wege ist, sich den
Weltmarkt zu erobern.

Wie in der Typographie macht sich auch in der XYLOGRAPHIE eine doppelte
Strmung geltend. Der echte deutsche Holzschnitt der Gegenwart lehnt
sich an die Arbeiten der Meister aus der Renaissancezeit an und seine
Technik ist geradezu ein Gegenstck zu dem englischen. Der tchtige
deutsche Xylograph unterordnet sich vollstndig dem Zeichner und entsagt
dem Ruhm, auf Kosten des Urhebers der Zeichnung ein schaffender Knstler
zu sein. Er ist bestrebt, jeden Strich genau so wiederzugeben, wie er
in der Zeichnung dasteht. Er lsst nichts weg, setzt nichts hinzu. Der
deutsche Holzschnitt steht deshalb fters gegen den englischen in der
glnzenden Technik zurck, aber er hat den Vorzug, die Zeichnung in
ihrem eigentmlichen Charakter wiederzugeben und er verdient deshalb die
lebhafteste Untersttzung der Knstler.

                   *       *       *       *       *

Whrend die Geschichte der Buchdruckerkunst in Frankreich und England
ziemlich mit der Schilderung der typographischen Wirksamkeit der beiden
Metropolen Paris und London zusammenfiel, lagen die Verhltnisse in
Deutschland etwas anders.

Zwar besitzt das deutsche bibliopolisch-typographische Reich in
LEIPZIG einen Mittelpunkt des Verkehrs, der in mehrfacher Hinsicht
einzig in seiner Art dasteht; zwar haben sich in Leipzig, einer
Provinzialstadt mittleren Umfanges, durch die eigene Kraft und
Thtigkeit bei kluger Benutzung gnstiger Umstnde nicht allein der
ganze Kommissionsbuchhandel, sondern auch eine grossartige Verlags- und
typographische Wirksamkeit entwickelt, und die Stadt gilt noch heute
mit Recht als das Zentrum der bibliopolisch-graphischen Thtigkeit
Deutschland-sterreichs. Es war jedoch in den Verhltnissen begrndet,
dass BERLIN mit der zunehmenden Wichtigkeit der Machtstellung Preussens
mehr und mehr ein Sammelpunkt wissenschaftlicher, knstlerischer und
journalistischer Krfte werden und damit fr den Buchhandel und die
Typographie eine hohe, sich namentlich ber den Norden erstreckende
Bedeutung gewinnen musste. Dass dies in einem noch weit hheren Masse
von der jetzigen Reichshaupt- und Millionenstadt gilt, bedarf kaum der
Erwhnung.

Andererseits entwickelte sich in dem Sden ein in mancher Beziehung
schon aus religisen Grnden von dem nordisch-protestantischen
abweichendes Geistesleben, das in seiner Sonderrichtung zumteil von
divergierenden politischen Neigungen genhrt wurde. Mnchen, das durch
seine Stellung in Kunst und Wissenschaft und durch seine Bedeutung als
Hauptstadt des zweitgrssten Staates Deutschlands zur Fhrung des Sdens
berechtigt war, wusste nicht diese Berechtigung geltend zu machen. Wie
im Zentrum, so gelang es auch im Sden einer Mittelstadt durch gnstige
Verhltnisse, Rhrigkeit und Intelligenz den ersten Platz einzunehmen
und es wurde STUTTGART mglich, wennauch nicht Leipzigs Bedeutung
fr das Ganze, so doch eine bevorzugte Stellung fr den sddeutschen
Buchhandel zu erreichen und letzterem eine gewisse Selbstndigkeit in
dem deutschen bibliopolisch-typographischen Reich zu erwerben.

Eine ausschliessliche Konzentration fand mit alledem nicht in den drei
erwhnten Emporien statt. In Nrnberg, Augsburg und Frankfurt a. M.
lebten die alten Traditionen noch lange fort; die freien Hansastdte
waren nicht Provinzialstdte im englisch-franzsischen Sinne geworden,
und in mancher der kleinen Residenzen spross fters ein unabhngiges
reiches Kulturleben hervor. Whrend in Frankreich z. B. ein in Nantes
oder Bordeaux, in England ein in Liverpool oder Manchester erschienenes
Verlagswerk, welches sich Geltung zu verschaffen wusste, ein Phnomen
blieb, war es, um in Deutschland mit einem Werke durchzudringen, nicht
notwendig, dies in Leipzig, Berlin oder Stuttgart erscheinen zu lassen,
wenn dies auch seine geschftlichen Vorteile hatte. Ein Verleger in
Braunschweig, Gotha, Altenburg oder in jeder anderen kleinen Druckstadt
konnte, wenn er der rechte Mann und seine Artikel gute waren,
diese zur Geltung bringen. Infolge davon verbreiteten sich auch die
typographischen Anstalten gleichmssiger ber das ganze Reich.

Dies war der Segen der eigentmlichen Organisation des deutschen
Buchhandels, der in der Zeit der nationalen Drangsale Deutschlands
fast das einzige Band war, welches das politisch zersplitterte Reich
zusammenhielt.

Solange der politische Druck auf sterreich und seiner Hauptstadt
lastete, war es mit dem Press- und Buchgewerbe dort nur kmmerlich
bestellt. Es konnte jedoch nicht fehlen, dass mit dem Fallen der
Fesseln dies anders werden musste. Es war nicht denkbar, dass WIEN,
damals im Range die dritte der Weltstdte, sich einer Provinzialstadt
Mitteldeutschlands bibliopolisch und typographisch unterordnen
sollte. In rapider Weise entwickelte sich dort der Verlag und die
Buchdruckerkunst und um die Kaiserstadt herum gruppierten sich nun
wieder die Provinzialstdte des Reiches, die frher vollstndig isoliert
gestanden hatten.

So sehen wir nunmehr das deutsche Pressgewerbe, unter Beibehaltung
seines eigentmlichen Wesens, namentlich in vier Emporien reprsentiert:
LEIPZIG im Zentrum, BERLIN im Norden, STUTTGART im Sden, WIEN im
Osten, whrend die brigen Teile und Stdte Deutschland-sterreichs
sowohl als der von diesem geschftlich abhngigen Umlnder, je nach
Lage, Sympathien oder nach der politischen oder geschftlichen
Attraktionskraft der Mittelpunkte, sich um diese gruppieren.

Von einer scharfen Abgrenzung kann dabei selbstverstndlich nicht die
Rede sein. Da es jedoch die bersicht sehr erleichtert, den massenhaften
Stoff nach den natrlichen Kreisen zu scheiden, so ist diese Vierteilung
fr die folgenden Kapitel beibehalten, jedoch unter Voranstellung
einer Gesamt-bersicht der Schriftgiesserei, der Xylographie, der
Maschinenfabrikation und sonstiger fr die Gesamtheit gleichen
Verhltnisse.

[Illustration]


[Illustration]

                              IX. KAPITEL.

                         ALLGEMEINER BERBLICK

                    BER DAS DEUTSCHE PRESSGEWERBE.

  Gedrckter Zustand des Pressgewerbes. Nachdruck und Presspolizei. Die
    kaiserl. Bcherkommission. Die Presse in den einzelnen Bundesstaaten.
    Die nationale Litteratur. Reform des Buchhandels. Der Brsenverein.
    Die Bcherproduktion. Der Buchdrucker-Verband und der
    Prinzipal-Verein. Statistisches. Die Papierfabrikation. Die
    Buchbinderkunst, der Masseneinband und die Handarbeit.

[Sidenote: Gedrckter Zustand des Pressgewerbes.]

[Sidenote: Der Nachdruck.]

Der gedrckte Zustand, in welchem wir das deutsche Pressgewerbe zum
Schluss der frheren Periode verliessen (I, S. 168), sollte sich
noch weit ber den Schluss des achtzehnten Jahrhunderts ausdehnen.
Der siebenjhrige Krieg, die Revolutionskriege, die Zwingherrschaft
Napoleons, die verkmmerten national-konomischen Verhltnisse lasteten
schwer auf dem ganzen Volk und auf allen gewerblichen Verhltnissen,
begreiflicherweise nicht in letzter Reihe auf Buchhandel und
Bcherdruck. Diese hatten, ausser mit den allgemeinen, noch mit ihren
besonderen Plagen, Nachdruck und Presspolizei, zu kmpfen. Ersterer
erhob in schamlosester Weise sein Haupt und brachte den Verlagshandel
um die Frchte seiner Opfer und seiner Thtigkeit. Unter solchen
Verhltnissen konnten keine angemessenen Honorare gewhrt werden und
die schlecht bezahlten Autoren versuchten zumteil ihr Heil in dem
Selbstverlage ihrer Werke auf Subskription oder durch Vereinigungen zu
den sogenannten gelehrten Buchhandlungen, die gewhnlich ein trbes
Ende nahmen und den Verlagsbuchhandel noch mehr diskreditierten.

[Sidenote: Die Polizeiwillkr.]

Doch nicht allein die Nachdrucker, sondern auch die Polizeiwillkr
betrachtete ein Presserzeugnis als ein herrenloses Gut und die Erzeuger
als ausserhalb des Schutzes der Gesetze stehend. Es ist nicht gerade
notwendig, den extremsten Fall, die Erschiessung Palms in Braunau am
26. August 1806 durch Napoleon, heraufzubeschwren, das Dasein der der
Presse Dienenden war ein Zustand von Hangen und Bangen, der, wennauch
nicht das Leben, so doch oft Opfer an Gut und Freiheit kostete.

[Sidenote: Die kaiserliche Bcherkommission und die Zensur.]

Mit der Verlegung des Schwerpunktes der Pressgewerbe nach Leipzig
war rechtlich keine nderung in den presspolizeilichen Verhltnissen
eingetreten. Ein kaiserliches Edikt vom 10. Februar 1746 beschftigte
sich sehr eingehend mit der Bcherzensur im heiligen rmischen
Reich und spricht seine sonderbare Befremdung ber die bisherige
Nichtachtung der Reichsgesetze aus. ber alle Einzelheiten im Buchhandel
und Buchdruck, selbst ber Papier und Schriften wurden Bestimmungen
getroffen. Dieser Standpunkt wiederholt sich in den Wahlkapitulationen
bis 1792. Wie die Reichsregierung jedoch selbst klagt, es blieb
meist bei den leeren Worten und die kaiserliche Bcherkommission war
faktisch seit Verlegung der Messe nach Leipzig so gut wie von der Bhne
verschwunden. Sie wusste, dass sie keinen Gehorsam finden wrde und
hielt sich deshalb mglichst hinter den Kulissen. Somit war die Presse
fast lediglich von der Gesetzgebung der einzelnen Staaten und deren
Politik abhngig; von einer Einheitlichkeit der Pressgesetzgebung, der
Zensur und der Presspolizei war keine Rede[152].

  [152] LUD. HOFFMANN, Geschichte der Bcherzensur. Berlin 1879. -- Die
        Preussische Pressgesetzgebung unter Friedr. Wilhelm III. Leipzig
        1881. -- FR. KAPP, Aktenstcke zur Gesch. der Preuss. Zensur
        etc. (Archiv d. B.-B.-V. IV). Leipzig 1879. -- R. E. PRUTZ, Zur
        Geschichte d. Presse in Preussen (Deutsch. Mus. 1857, 11).

[Sidenote: Pressverhltnisse der einzelnen Bundesstaaten. Preussen.]

Preussen genoss schon vor Friedrich dem Grossen eine gewisse Freiheit
und letzterer gewhrte den Zeitungen einen noch grsseren Spielraum
und bediente sich sogar derselben, um seine Massregeln vorzubereiten
oder zu verteidigen. Die Gazetten, wenn sie interessant sein sollen,
mssen nicht geniert werden. Doch darf man dieses Wort nicht zu genau
nach dem Buchstaben nehmen. ber Angriffe auf seine Person dachte der
Knig allerdings sehr liberal, dagegen konnte er bei Einmischung in
seine Verwaltung unduldsam werden. Die Zensur der Schriften, welche das
ffentliche Recht behandelten, bertrug er dem Kabinettsministerium. Im
Jahre 1747 wurde die Berliner Akademie mit der Zensur aller Schriften
betraut. 1749 erschien ein etwas verschrftes Zensuredikt, welches bis
zum Tode Friedrichs in Kraft blieb, jedoch mild gehandhabt wurde, wie
der Knig berhaupt die Presse mit mehr Achtung behandelte, als man
damals gewohnt war.

Nach dem Tode Friedrichs nahm die Lage in Preussen eine andere Gestalt
an. In dem Jahre 1788 erschienen das berchtigte Religionsedikt und das
diesem geistesverwandte Zensuredikt vom 19. Dezember desselben Jahres.
Natrlich wollte man den Unterthanen alle erlaubte Freiheit gern
akkordieren -- aber zugleich Ordnung im Lande haben.

Die franzsische Revolution und Napoleons eiserner Druck auf
Deutschland hemmten den Fortschritt gewaltig, wennauch sein Dekret vom
5. Februar 1810, durch welches die Angelegenheiten der Presse, des
Buchhandels und der Buchdruckerei geordnet werden sollten, auf Grund
der Schwerflligkeit des gesamten Apparates in seinen Folgen nicht so
schlimm wurde, als man htte befrchten mssen[153].

  [153] K. BIEDERMANN, Deutschland im XVIII. Jahrhundert. 1. Bd. 2. Aufl.
        Leipzig 1880. -- Friedr. Perthes' Leben. 6. Aufl. Gotha 1872.

[Sidenote: Bayern.]

[Sidenote: Wrttemberg.]

In den nichtpreussischen Teilen des deutschen Reiches sah es bald
besser, bald schlimmer aus, je nach dem Vorgehen der Einzelregierungen,
denn die Reichsgesetze hatte man entweder im stillen beseitigt oder sie
waren gar, wie in Holstein, wo die dnische Pressfreiheit eingefhrt
war, offiziell abgeschafft. Auch in Mecklenburg, Braunschweig, Weimar,
Hessen-Darmstadt, Nassau bestand faktisch Pressfreiheit, ohne dass sie
rechtlich garantiert war. In Hannover waren wenigstens die Werke der
Professoren der Universitt Gttingen zensurfrei. In Baden, Dessau und
den freien Reichsstdten, namentlich in Hamburg, fand die Tagespresse in
der Regel eine sichere Zufluchtssttte. Am traurigsten sah es in Bayern
aus. Nach einem kurzen Lichtblick unter der Regierung des Kurfrsten
Maximilian III. Joseph war ein ganz massloser Druck eingetreten, und
auch in Wrttemberg wurde grosse Hrte und Willkr gebt. Es kam dort
zu Vorgngen -- wie gegen den Dichter Schubart --, die sich denen der
Sbelherrschaft Napoleons nicht unwrdig anreihen.

[Sidenote: Die geistlichen Staaten.]

In den geistlichen Staaten unterlagen die Presserzeugnisse neben
der weltlichen Zensur auch noch der des rmischen Stuhles und es
kamen fters Flle vor, dass Schriften auf Befehl Roms nachtrglich
konfisziert wurden, nachdem sie bereits die Landeszensur passiert hatten.

[Sidenote: Sachsen.]

Sachsen, obwohl der Hauptsitz des Buchhandels, war nicht, wie man es
wohl htte erwarten knnen, geneigt, zu freisinnigen Pressinstitutionen
die Initiative zu ergreifen, um damit Leipzig auch zum Zentrum der
wissenschaftlichen Bewegung und der Tagespresse zu machen, wie es der
Mittelpunkt des bibliopolischen Verkehrs geworden war. Es fehlte sowohl
bei der Regierung wie bei dem Volke der eigentliche Schwung. Schon die
Religionsverschiedenheit der Herrscher und des Volkes legte der freien
Behandlung religiser Fragen Hindernisse in den Weg. War man jedoch auch
nicht freisinnig in der Gesetzgebung, so war man doch in der Praxis
mild und suchte den Buchhandel auf Grund von Leipzigs Stellung zu
demselben mglichst zu schonen[154]. Die Bcherkommission, zu welcher
die Regierung Mitglieder der Universitt, des Rats und spter des
Buchhandels ernannte, verfuhr mit grsster Schonung, nur ber einen, den
strengen Zensor Bel, war man sehr missgestimmt; ja es kam so weit, dass
man von dem Wegbleiben der Auswrtigen von der Messe sprach.

  [154] C. B. LORCK, Geschichte des Vereins der Buchhndler zu Leipzig.
        Leipzig 1883.

[Sidenote: Die nationale Litteratur.]

[Sidenote: Zeitschriften.]

[Sidenote: Der Buchhandel.]

Mit dem Beginn der vorliegenden Periode beginnt auch das Aufblhen der
nationalen Litteratur, die zu Ende des XVIII. und zu Beginn des XIX.
Jahrhunderts ihre schnsten Blten trieb. Zu der Zeitungslitteratur,
welche sich mit Besprechung oder Kritik der ffentlichen Zustnde
beschftigte, gab erst A. L. v. Schlzer in Gttingen, dem K. F. v.
Moser nacheiferte, den Anstoss. Schlzers Staatsanzeigen 1782-1793
hatten zurzeit 4000 Abnehmer und waren selbst in den hchsten Kreisen
beachtet. Von da ab wurden alle Verhltnisse in den Wochen- und
namentlich in den Monatsschriften errtert und um 1785 gab es 400-500
Zeitschriften. Die politische Tagesschriftstellerei war damals noch
nicht ein frmliches Gewerbe, die Unternehmer waren meist Professoren
und Gelehrte, die Bcherkufer bestanden hauptschlich nur aus
Gelehrten, Bibliotheken und Beamten, deren begrenzte Mittel sie jedoch
gewhnlich zwangen, sich auf das Ntigste zu beschrnken. Das brige
Publikum begngte sich nicht selten mit fader Unterhaltungslitteratur.
Ein direktes Eingreifen des Buchhandels, um neue litterarische
Erscheinungen hervorzurufen, war nur selten bemerkbar, der
buchhndlerische Unternehmungsgeist war noch nicht erwacht.

Erst mit FRIEDR. ARNOLD BROCKHAUS beginnt das eigentliche tendenzise
Eingreifen der Verleger, welche die Verbreitung wirklicher allgemeiner
und politischer Bildung ins Auge fassten. Aber welche Quelle der Sorgen
und Plagen sollten ihm und seinen Gesinnungsgenossen aus solchem
Beginnen erwachsen[155]!

  [155] H. E. BROCKHAUS, Friedrich Arnold Brockhaus. Sein Leben und
        Wirken. 3 Bde. Leipzig 1872.

[Sidenote: Reform des Buchhandels.]

Eine Reform des buchhndlerischen Geschftsbetriebes war schon in der
letzten Hlfte des XVIII. Jahrhunderts versucht worden, namentlich
richteten sich die Bestrebungen auf die Unterdrckung des Nachdrucks
und auf Gleichmssigkeit und Ordnung in den Rechnungsverhltnissen.
PH. E. REICH in Leipzig gelang es 1765, den ersten Buchhndler-Verein
zustande zu bringen, doch war die Wirksamkeit desselben keine grosse
und er verschwand bald ganz. 1792 versuchte P. G. KUMMER in Leipzig
wieder einen solchen zu begrnden, jedoch erst der durch C. C.
HORVATH aus Potsdam hervorgerufene Brsenverein[156] war von Dauer
und aus ihm entstand 1824 erst der wirkliche, jetzt noch bestehende
Brsenverein der Deutschen Buchhndler, dem es namentlich durch die
unermdlichen Anstrengungen des 1833 am 25. Februar gegrndeten
Leipziger Buchhndler-Vereins und durch die liberale Untersttzung
der Schsischen Regierung gelang, am 1. Mai 1836 sich in dem eigenen
stattlichen Brsengebude versammeln zu knnen.

  [156] FR. FROMMANN, Geschichte des Brsenvereins. -- Der Brsenbau
        (Kap. II in LORCKS Gesch. d. Vereins d. Buchh. zu Leipzig). --
        Statut des Brsenvereins vom 25. April 1880.

[Sidenote: Brsenverein.]

Seit der Zeit ist der Verein ruhig fortgeschritten und zhlte
1882 1480 Mitglieder. Sein Haus besitzt er seit 1869 vollstndig
schuldenfrei; ausserdem eine hchst wertvolle, in ihrer Art einzig
dastehende Fachbibliothek und reiche Sammlungen fr die Geschichte der
graphischen Knste[157], einen Verlag fachgeschichtlicher Schriften, ein
wohlgeordnetes Finanzwesen und ein Vermgen von nahe an 400000 Mark.

  [157] Katalog der Bibl. des Brsen-Vereins. Leipzig 1869.
        Nachtrag 1870.

Ein wesentlicher Einfluss auf die Gesetzgebung ber das litterarische
Eigentumsrecht und auf die Ordnung der Verhltnisse der Presse ist dem
Verein durch das Vertrauen der Regierungen zugefallen. Einige in letzter
Zeit in seinem Schosse entstandene Differenzen, die aus den Versuchen
entsprangen, dem Verein Machtbefugnisse beizulegen, die ihn berechtigt
haben wrden, in geschftliche Verhltnisse des Einzelnen einzugreifen,
waren nicht derart, um fr den so fest begrndeten ntzlichen Verein
Gefahren zu bereiten.

Das Vereinsorgan ist das 1834 gegrndete, seit 1867 tglich erscheinende
Brsenblatt fr den deutschen Buchhandel[158]; dieses im Verein
mit dem Naumburgschen Wahlzettel, Schulz' Adressbuch fr den
deutschen Buchhandel und dem Hinrichsschen Bcherverzeichnisse
sind geschftliche Hlfsmittel von grossem Werte, wie sie in dieser
Ausdehnung keine andere buchhndlerische Organisation besitzt[159].

  [158] Ein Jahrgang des Brsenblattes bildet jetzt vier Quartbnde,
        zusammen in einem Umfange von gegen 6000 Seiten. Seit 1856 wurde
        es von Jul. Krauss redigiert.

  [159] E. BERGER, Die Anfnge der period. Litteratur des Buchhandels
        (Publ. d. B.-B.-V. 11). Leipzig 1875.

                   *       *       *       *       *

[Sidenote: Aufschwung der Pressgewerbe.]

Fast gleichzeitig mit der Grndung des Brsenvereins und des Leipziger
Buchhndler-Vereins war die grosse politische Bewegung infolge
der Julirevolution in Paris 1830 und die bedeutenden technischen
Verbesserungen der Typographie eingetreten. Die Produktion kam nun rasch
in Fluss und trat in mancher Beziehung in andere Bahnen ein. War der
Buchhndler frher weniger ein Spekulant gewesen, so wurde er jetzt
vielfach ein Bcherfabrikant und unterlag als solcher mehr als sonst den
Schwankungen der Zeitverhltnisse[160].

  [160] O. A. SCHULZ, Der Buchhandel (Schiebes Handelslexikon). -- A.
        SCHRMANN, Der Buchhandel (Pierers Universallexikon). -- K.
        BUCHNER, Schriftsteller und Verleger vor 100 Jahren. -- Dr.
        A. KIRCHHOFF, Litteratur und Buchhandel am Schluss des XVIII.
        Jahrh. -- J. H. MEYER, Die genossenschaftlichen Buchhandlungen
        des XVIII. Jahrh. (Archiv d. D. B.-B.-V. 11). Leipzig 1879. --
        A. PRINZ, Der Buchhandel von 1815 bis zum Jahre 1863. 7 Teile.
        Altona 1855-1863. -- E. BERGER, Aus dem Buchhandel vor 50 Jahren
        (Publ. d. B.-B.-V. 11). Leipzig 1875. -- Derselbe, Der deutsche
        Buchhandel in d. J. 1815-1867 (Arch. d. B.-B.-V. 11). Leipzig
        1879. -- K. BUCHNER, Beitrge zur Gesch. d. Buchhandels.

[Sidenote: Die illustrierten Bltter.]

Die ZEITSCHRIFTEN, selbst die belletristischen, schlugen unter Fhrung
des jungen Deutschlands mehr oder weniger eine tendenzis-politische
Richtung ein. Daneben wucherte die Broschrenlitteratur in ppigster
Flle.

Geradezu umwlzend wirkte 1832 das Erscheinen des _Penny magazine_
(S. 94) auf die deutsche Journallitteratur. Es entstanden
die verschiedensten Nachahmungen und selbst die Verleger der
nichtillustrierten Bltter waren wenigstens bemht, diese durch
Bilderprmien, zuerst Stahlstiche und schwarze Lithographien, spter
Chromolithographien, unter Zuhlfenahme der Colportage bis in die
Htten zu verbreiten. Den Pfennigblttern folgte 1843 die Illustrierte
Zeitung. Auch der Humor machte unter Vortritt der Fliegenden Bltter
(1845) seine Rechte in einer Reihe von periodischen Schriften geltend,
in welchen hauptschlich die lithographische Federzeichnung, bei welcher
der Knstler ohne die Dazwischenkunft eines Anderen seiner Laune die
Zgel schiessen lassen konnte, Verwendung fand.

[Sidenote: Die Kalenderlitteratur.]

Im Gefolge der illustrierten Bltter und untersttzt durch die grossen
Fortschritte der Holzschneidekunst stellten sich die zahlreichen
VOLKSKALENDER ein, von denen der von Fr. W. Gubitz (1833) herausgegebene
der reichste an Inhalt sowie an Illustrationen, zugleich der am
weitesten verbreitete war. Leider wurde dieser volkstmlichsten und bei
ehrlichem Streben sehr beachtenswerten Gattung von Presserzeugnissen
nicht allein durch die Hhe der daraufgelegten Stempelsteuer, sondern
noch mehr durch die mit der Erhebung derselben in der Zeit der
Vielstaaterei und der ausgebildetsten Zollplackerei verbundenen
Schwierigkeiten sehr gehemmt und den Verlegern eine Quelle des
fortwhrenden Verdrusses und Nachteils erffnet.

[Sidenote: Die illustrierten Heftwerke.]

Die Illustration bemchtigte sich jedoch nicht nur der
Journallitteratur, sondern es entstanden auch illustrierte
Lieferungswerke in grosser Zahl, welche bei der Erscheinungsweise in
Heften zu 2-1/2, 5 oder hchstens 10 Groschen leicht Eingang fanden,
bis Missbrauch der Geduld und der Kasse des Publikums sie in Misskredit
brachte.

Den Reigen begannen Werke mit lithographischen, zumteil kolorierten
Bildern, dann folgten solche mit Stahlstichen, Holzschnitten und
Chromolithographien. Leipzig und Stuttgart gaben den Ton an. sterreich
blieb in der Produktion zurck, bildete aber das vorzglichste
Absatzgebiet. Fr Holzschnittwerke wurden zuerst namentlich franzsische
Clichs benutzt; bald aber konnte Deutschland Originale genug liefern
und gab bereits im Jahre der Jubelfeier von Gutenbergs Kunst vollgltige
Beweise seines selbstndigen Schaffens. Die Stahlstichwerke wurden
hauptschlich mit englischen Produkten illustriert; dann wagte man sich
daran, unter Beihlfe englischer Knstler, von denen viele sich in
Deutschland etablierten, die Stiche selbst zu liefern.

An die Stelle der Taschenbcher in bescheidenem Format traten nach
englischen Mustern die GROSSEN ALBUMS und JAHRBCHER, die sich
jedoch eben so wenig in Deutschland wie in England hielten und den
illustrierten Dichterwerken Platz machten.

[Sidenote: Die Klassiker-Ausgaben.]

Ebenfalls eine andere von England nach Deutschland verpflanzte, jedoch
sehr schnell verschwindende Mode war die der KLASSIKER-AUSGABEN in einem
Bande grossen Formats mit gespaltenen Kolumnen. Dahingegen fanden die
sogenannten SCHILLER-AUSGABEN (von 1845 ab) in einem kleinen breiten
Sedez eine grosse Verbreitung und andauernden Beifall. Jeder Verleger
sprte in seinem Verlagskataloge eifrigst nach, ob er nicht einen von
ihm bersehenen Klassiker im Verlage habe und mancher wunderbare
Klassiker-Heilige zeigte sich mit der Schillerkutte angethan. Selbst
umfangreichere wissenschaftliche Werke fielen der Schillerformat-Manie
anheim. Fr die epochemachende _Tauchnitz-Collection_ war dies Format
bereits 1842 angenommen.

[Sidenote: Konversationslexika.]

Die Bedrfnisse nach allgemeinen encyklopdischen Kenntnissen fanden
reiche Nahrung durch die grosse Zahl von KONVERSATIONSLEXIKA mit oder
ohne Illustrationen, die alle mehr oder weniger in Brockhaus' Kielwasser
mit einer von ihm in billigster Weise entlehnten Ladung segelten. Sogar
die Damen erhielten ein solches Lexikon und es fehlte auch nicht einmal
eins fr Kinder.

[Sidenote: Die politische Poesie.]

Die Zensurplackereien in den Jahren 1830-1848 berschritten alle
Grenzen. Zwar waren Schriften ber 20 Bogen zensurfrei geworden, jedoch
musste 24 Stunden vor der Herausgabe ein Exemplar der Polizei berreicht
werden, und diese Zeit gengte fr die provisorische Beschlagnahme,
die in ihren Wirkungen fr den Verleger einer definitiven ziemlich
gleichkam. Fr die POLITISCHE POESIE und den politischen und sozialen
Roman lag hierin ein Vorschub, da diesen Erzeugnissen nicht so leicht
beizukommen war als denjenigen eines klar ausgesprochenen politischen
Inhalts. Der Unterdrckte wird durch strenge Massregeln seiner
berwacher nur erfinderischer in der Auswahl seiner Mittel, diese zu
umgehen, und die erwhnten Litteraturzweige blhten.

[Sidenote: Pressfreiheit.]

So hatte es lange unter der Asche geglimmt, bevor der Brand infolge
der Pariser Februar-Revolution 1848 in Deutschland in hellen Flammen
sich Luft machte. Eine Folge war die endliche Gewhrung der seit mehr
als 30 Jahren verheissenen Pressfreiheit und die unbehelligte Einfuhr
der Bcher in sterreich, bei welcher jedoch der Buchhandel pekunir
vorlufig wenig gewann, da der Reiz des Besitzes des Verbotenen nunmehr
aufhrte.

[Sidenote: Die Zeitungen und Broschren.]

Fr die erste Zeit nahmen ZEITUNGEN und BROSCHREN[161] die
Aufmerksamkeit des Publikums ausschliesslich in Anspruch. Viele
Kontinuationswerke kamen ins Stocken; der Kredit des Buchhandels wurde
beschnitten. Nur in der Zeitungslitteratur herrschte frisches Leben,
aber auch eine grosse Zersplitterung der Krfte, unter welcher die
Erzielung grosser Resultate sehr schwer war. Jede Parteischattierung,
jede Stadt, jedes Stdtchen wollte ein Blatt oder Blttchen fr sich
haben.

  [161] R. E. PRUTZ, Geschichte des deutschen Journalismus. Hannover
        1845. -- Derselbe, Fortschritte der Zeitungspresse (Deutsch.
        Museum 1858 Nvbr.). -- J. KURANDA, Deutsche Zeitungen und
        Zeitschriften. -- H. WUTTKE, Die deutschen Zeitschriften. 2.
        Aufl. Leipzig 1875. -- Einen Einblick in die Herstellung einer
        Zeitung gewhrt: J. H. WEHLE, Die Zeitung. 2. Aufl. Wien 1883.

Whrend die politischen Zeitungen mit ihren reichhaltigen
litterarischen und schnwissenschaftlichen Feuilletons die eigentliche
Unterhaltungslitteratur und auch die litterarischen Bltter ganz
zurckdrngten, gediehen die illustrierten, halb unterhaltenden,
halb belehrenden Wochenbltter, fr welche die Gartenlaube die
Bahnbrecherin gewesen war, vortrefflich.

[Sidenote: Modezeitungen.]

Als ein bedeutendes Element trat die MODE hinzu. Die grossen Muster- und
Modezeitungen, welchen zurseite die Frauen standen, die zum Schrecken
der Mnner alles Mgliche und Unmgliche behkelten oder bestickten
und in Schnitten das Unglaublichste leisteten, fanden eine mitunter
kolossale Verbreitung und wurden selbst in Paris massgebend.

Auch die politisch-soziale SATIRE hatte ihren Tummelplatz, auf welchem
der Kladderadatsch sich als Vorturner auszeichnete.

[Sidenote: Die Reaktion.]

[Sidenote: Die Kollektiv-Unternehmen.]

Nachdem die Regierungen nach der Sturmperiode sich von ihrem Schrecken
erholt und wieder festeren Boden unter sich fhlten, begann die Reaktion
erst im stillen, dann offen ihr Spiel zu treiben und die Verfolgungen
gegen Schriftsteller, Verleger und Drucker gehrten zur Tagesordnung.
Von allen Seiten trat die Politikmdigkeit ein, dagegen stieg die Lust
an Bchern in demselben Verhltnis wie die Unlust an Zeitungen. Die
Konkurrenz im Buchhandel erhob sich wieder mchtig. Sprach jemand einen
Gedanken aus, so fiel gleich ein halbes oder ganzes Dutzend Verleger
ber denselben her und zeigte sich bereit, an der Abhlfe eines lngst
gefhlten Bedrfnisses mitzuwirken. Die KOLLEKTIV-UNTERNEHMUNGEN aller
Art schossen wie Pilze aus der Erde und fanden guten Absatz, mit
Ausnahme der Romansammlungen, denn trotz der Billigkeit und der zumteil
guten Auswahl derselben zog das Publikum doch vor, sich mit der schnen
Litteratur durch die Zahlung von fnf Pfennigen oder einem Groschen
Leihgebhren pro Band abzufinden.

Durch die Eisenbahnen war die Welt in eine fortwhrende Bewegung
gekommen. Es musste also auch fr die Bedrfnisse des reisenden
Publikums gesorgt werden, was in ergiebigster Weise durch
Reisehandbcher und Reiseatlanten, Parleurs etc. geschah.

[Sidenote: Der 9. November 1867.]

Ein Tag von grosser Bedeutung in der Geschichte des Buchgewerbes war
der 9. November 1867, an welchem die Verlagsrechte an die Werke der
seit 30 Jahren oder lnger verstorbenen Autoren Gemeingut wurden.
Merkwrdigerweise hatten die hauptschlichsten Verleger der Werke,
die von der Bestimmung getroffen wurden, nicht versucht, der Gefahr
beizeiten energisch zu begegnen, und berliessen den Konkurrierenden
eine zeitlang das Feld. Diese hatten aber um so vorsorglicher gehandelt
und sich zumteil vor Ablauf des Termins mit einigen Verlegern
geeinigt, sodass sie noch vor dem 9. November ihre Kollektionen zu den
wohlfeilsten Preisen beginnen konnten. Fast noch einschneidender als im
Buchhandel wirkte dieser Tag in dem Musikalienhandel.

[Sidenote: Der Colportage-Roman.]

Neben den besseren Erzeugnissen der Unterhaltungs-Litteratur florierte
die Schmarotzer-Pflanze des COLPORTAGE-ROMANS und ttete teilweise
den Sinn fr ernstere Lektre, brachte auch nebenbei durch Beigabe
grsstenteils mittelmssiger Prmienbilder die jugendlich frisch
aufblhende Kunst des Farbendruckes in Misskredit.

[Sidenote: Die Pracht-Albums.]

Die grossen Fortschritte der Typographie, der Xylographie und der
Chromolithographie in Verbindung mit der Photographie und den
verschiedenen Lichtdruckverfahren hatten den Geschmack fr schne Bcher
mchtig gefrdert und riefen ARCHITEKTONISCHE und TECHNISCHE WERKE
von grossem Werte, sowie MUSTERSAMMLUNGEN der besseren Erzeugnisse
alter, mittlerer und neuerer Zeit hervor. Es folgten prachtvolle
ethnographische Werke. Schliesslich entstand eine wahre Sintflut von
ALBUMS, hauptschlich mit photographischen Illustrationen zu Gedichten,
Romanen, Opern u. dgl.

[Sidenote: Die Mark-Bibliotheken.]

Als jngste Phase des Buchhandels, deren Resultate noch nicht vorliegen
knnen, mssen die MARK-BIBLIOTHEKEN bezeichnet werden, in welchen ein
hbsch gebundener Band fr eine Mark geliefert wird. Diese Kollektionen
beschrnken sich nicht auf die Unterhaltungs-Litteratur, sondern dehnen
sich auch auf die wissenschaftliche aus.

[Sidenote: Die Landkarten-Produktion.]

Zum Schluss sei noch die LANDKARTEN-PRODUKTION erwhnt. Diese
erhielt durch Hlfe der Chemitypie und der Zinkographie, sowie der
Vielfarben-Druckmaschine eine gewaltige Ausdehnung und die Billigkeit
der Erzeugnisse bei schner Ausfhrung grenzt an das Wunderbare. Da
diese Branche der Aufklrung ohne jeden bitteren Beigeschmack dient, so
kann die Freude hierber eine ungetrbte sein.

                   *       *       *       *       *

[Sidenote: Buchdrucker-Gehlfen-Verband.]

Unter den Errungenschaften des Jahres 1848 war auch das
Associationsrecht. Es war selbstverstndlich, dass die
Buchdrucker-gehlfen dasselbe benutzten, um sich in Vereine zu sammeln
behufs Vertretung ihrer Interessen mit gemeinsamen Krften. Dass sie
mssiger in der Benutzung ihrer Freiheiten htten sein sollen als alle
anderen Klassen, war nicht zu verlangen. Die alte patriarchalische
Zeit hatte ihnen durch willkrliche Berechnungs- und unregelmssige
Zahlungsweise manche Unbill gebracht, fr welche sie jetzt Revanche
nahmen, dabei die Berechnung der Zinsen nicht vergessend.

Eine erste allgemeine Versammlung der Gehlfen aus ganz Deutschland
fand in den Tagen vom 11. bis 14. Juni 1848 in Mainz statt. Die
dort gefassten Beschlsse hatten zwar einen Protest von gegen 200
Prinzipalen zur Folge, dabei blieb es jedoch und man liess den Verband
der Buchdrucker- und Schriftgiesser-Gehlfen, welcher die lebhafteste
Beteiligung fand, ruhig gewhren.

[Sidenote: Der Prinzipal-Verein.]

Erst nachdem der Verband fast unumschrnkter Herr in den Druckereien
geworden, dachten die Prinzipale daran, sich auch an einander zu
schliessen und versammelten sich am 15. August 1869 ebenfalls in
Mainz. Der dort konstituierte Verein wollte nicht nur Front gegen den
Gehlfen-Verein machen und die persnlichen Beziehungen frdern und
krftigen, sondern auch in der Art des Brsenvereins der deutschen
Buchhndler die Interessen des Geschfts in allen Lagen vertreten. Zum
Vorort wurde Leipzig bestimmt und ein Vorstand von neun Mitgliedern
gewhlt. 1872 zhlte der Prinzipal-Verein mehr als 700 Mitglieder; der
Gehlfen-Verband das Zehnfache (7295). Die Gesamtzahl der Gehlfen
mochte gegen 11000 betragen. Von den etwa 4000 Nichtverbandsmitgliedern
hielt sich eine ziemliche Anzahl nur als Schlaumeier von den
Verbandsbestrebungen zurck; im Herzen gnnten sie selbstverstndlich,
wenn sie auch nicht immer das Vorgehen des Verbandes im einzelnen
billigten, wohl so ziemlich alle dem Verband die grsstmglichsten
Vorteile, denn auch sie genossen ja in ihrer gedeckten Position die
errungenen Vorteile mit.

[Sidenote: Differenzen zwischen Prinzipalitt und Gehlfenschaft.]

Nach einer langen Reihe von Differenzen und nach zahlreichen bergriffen
seitens des Verbandes fand zu Anfang des Jahres 1873 eine allgemeine
Kndigung der Gehlfen seitens der Prinzipale statt. Da jedoch nicht
alle Druckereien dem Verein angehrten, denn auch unter den Prinzipalen
gab es viele Schlaumeier, und ein grosser Teil der Mitglieder den
gefassten Beschlssen nicht treu blieb, kam es nach vielen Verhandlungen
zwischen den beiden Vereinen am 12. Januar 1874 zu einem Abkommen,
das mit einem allgemein einzufhrenden Tarif und dem Einsetzen eines
Einigungsamtes in Differenzfllen endigte.

Der Prinzipal-Verein hat seinen Zweck bis jetzt nur im beschrnkten
Masse erreicht, weil er zu viel in einer zu kurzen Zeit erreichen wollte
und weil manche seiner Mitglieder direkte Hlfe in ihren besonderen
Angelegenheiten vom Verein erwarteten, whrend dieser nur fr eine
Anbahnung besserer Zustnde im allgemeinen wirksam sein konnte. Jetzt,
wo er seiner Thtigkeit engere Grenzen gesteckt hat, ist auch zu
erwarten, dass er, wennauch nur Schritt fr Schritt, zum Ziel gelangen
wird, um so mehr, als die Gehlfen ihre prinzipielle Opposition gegen
ihn aufgegeben haben[162].

  [162] Die Geschichte des Deutschen Buchdrucker-Vereins von 1869-1876
        ist in den Annalen der Typographie 1870, Nr. 341-390 im
        Zusammenhang ausfhrlich behandelt. Die Annalen waren von
        der Begrndung des Vereins bis 1876 Organ desselben und
        wurden von dessen Sekretr Carl B. Lorck herausgegeben. Jetzt
        giebt der Verein selbst in unregelmssigen Zwischenrumen die
        Mitteilungen aus dem Deutschen Buchdrucker-Verein heraus.

Die offenbar zu grossen Einrumungen der Prinzipale im Jahre 1874 sind
durch die Praxis gemildert, denn auch die Gehlfen haben einsehen
gelernt, dass es im Geschft gewisse Grenzen giebt, die man ohne sich
selbst zu schdigen nicht berschreiten kann.

[Sidenote: Ruhigere Verhltnisse.]

So hat die beste Lehrmeisterin, die Erfahrung, am meisten dazu
beigetragen, das Verhltnis im allgemeinen befriedigender zu gestalten.
Die Versuche der Gehlfen, kooperative Druckereien zu begrnden, haben
aus den jedem Geschftsmann leicht erklrlichen Grnden fast nur
Misserfolge gehabt. Diese Thatsache hat ebenfalls gedient, die Gehlfen
darber aufzuklren, dass auch im Geschft nicht alles Gold ist, was
glnzt, und sie mit dem Los der Abhngigkeit zu vershnen. Somit steht
zu hoffen, dass knftig ein innigeres Zusammenwirken von Prinzipalitt
und Gehlfenschaft dazu beitragen wird, Gutenbergs Kunst stets mehr und
mehr zu Ehren zu bringen.

[Sidenote: Die Organe der Gehlfenschaft.]

Das bedeutendste Organ der Gehlfenschaft ist der, jetzt dreimal
wchentlich erscheinende, 1862 gegrndete Correspondent fr
Deutschlands Buchdrucker und Schriftgiesser. Frher fast nur und oft in
massloser Weise polemisch wirkend, ist das Blatt mit den Verhltnissen
auch ruhiger geworden, bringt jetzt manche technische und belehrende
Artikel und hat namentlich um statistische Aufnahmen Verdienste. Der
Leiter ist seit einer langen Reihe von Jahren RICHARD HRTEL, der,
frher zugleich Prsident des Verbandes, mit Klugheit und Geschick die
Interessen desselben wahrgenommen hat. Das Organ der sterreichischen
Gehlfen ist Vorwrts in Wien.

                   *       *       *       *       *

[Sidenote: Statistisches.]

Es erbrigt noch, einen kurzen berblick ber die Krfte, welche bei der
graphischen Produktion in Deutschland wirken, und ber die Produktion
selbst zu geben.

[Sidenote: Buch- u. Steindruckereien.]

Das Deutsche Reich hatte 1881 in 1471 Stdten 3389 Buchdruckereien
und 1994 Steindruckereien[163]. In diesen Offizinen sind 96
Rotationsmaschinen, 5811 typographische, 1369 lithographische
Schnellpressen, 244 Tretmaschinen, 2463 typographische und 6687
lithographische Handpressen vorhanden. Jedoch darf nicht bersehen
werden, dass der grsste Teil der typographischen Handpressen entweder
nur als Korrekturpressen dienen oder auch ein vollstndiges Stillleben
fhren. Beschftigung fanden (1875) 52000 mnnliche, 11600 weibliche
Mitarbeiter und 8400 Lehrlinge, in Summa also 71000 Arbeiter.

  [163] Die etwa 700 Offizinen, welche Buchdruckerei und Steindruckerei
        vereinigen, sind doppelt angefhrt.

        Das Deutsche Reich, sterreich und die Schweiz als graphische
        Einheit betrachtet ergiebt die Zahl von 6993 graphischen
        Anstalten mit 9378 Schnellpressen und etwa 13500 Tret- und
        Handpressen. Die Details ber sterreich und die Schweiz finden
        sich S. 406 und S. 436.

Von Schriftgiessereien waren 342 mit 2588 Arbeitern, von
Schriftschneidereien und xylographischen Anstalten 371 mit 2353 Personen
vorhanden. Von 66 Spielkartenfabriken wurden jhrlich gegen 4500000
Pakete geliefert, auf denen Abgaben von etwa 1200000 Mark ruhten.

[Sidenote: Buch- u. Kunsthandlungen.]

Von Buch- und Kunsthandlungen gab es in 987 Stdten 4376 mit 10590
Mitarbeitern. 11251 Buchbindereien beschftigten 31624 Personen
(darunter 7055 weibliche). Leihbibliotheken gab es 455, Zeitungs- und
Annoncen-Expeditionen 326, ldruck- und Globen-Anstalten 342.

[Sidenote: Zeitschriften.]

Im Jahre 1882 lieferten 1432 Stdte 4998 Zeitschriften, von denen 76 in
nichtdeutscher Sprache. Unter diesen vielen Zeitungen wurzeln bloss 9 in
dem XVII., 89 in dem XVIII. Jahrhundert. ber 4000 entstanden seit 1830,
von denen wieder ber 2000 in den letzten zehn Jahren verschwanden, um
wieder anderen Raum zu gewhren. Von den Zeitschriften kamen 2435 auf
Preussen, 515 auf Bayern, 504 auf Sachsen, 216 auf Wrttemberg. Der
Hauptvertrieb fllt der Post zu. Die Versendung betrug im Jahre 1880
gegen 300 Millionen Nummern.

[Sidenote: Die Bcherproduktion.]

Die BCHERPRODUKTION des gesamten deutschen Buchhandels (also nicht nur
des Deutschen Reiches) betrug 1879 14179 Nummern, 1880 14941 Nummern,
1881 15191 Nummern, und findet in hnlicher Weise seit langer Zeit eine
fortwhrende Steigerung statt. In betreff der Ausfuhr deutscher Bcher
ist Nordamerika fr diese der bedeutendste Markt, auf welchem jhrlich
etwa fr zwei Millionen Mark abgesetzt wird.

Zum Vergleich mit dem (S. 224) gegebenen Verzeichnis, aus welchem
hervorgeht, dass 26 Stdte Frankreichs von mehr als je 50000 Einwohnern
zusammen eine Bevlkerung von 2594100 Seelen, 343 Buchdruckereien, 390
lithographische Anstalten, 908 Buchhandlungen und 640 Zeitschriften
haben, folgt umstehend eine hnliche Aufstellung aus dem Deutschen
Reiche.

Das Deutsche Reich hat demnach in 42 Stdten mit ber je 50000
Einwohnern und einer Gesamteinwohnerzahl von 4176000 Seelen 966
Buchdruckereien, 888 lithographische Anstalten, 1737 Buchhandlungen,
1153 Zeitschriften. Nehmen wir zu einem nheren Vergleich die 26 ersten
Stdte des Deutschen Reichs (von Berlin abgesehen) und stellen sie
gegen die 26 Stdte Frankreichs, so finden wir, dass erstere 3286000
Einwohner, 769 Buchdruckereien, 730 lithographische Anstalten, 1478
Buchhandlungen, 961 Zeitschriften haben; also gegen letztere ein Mehr
von 692000 Einwohnern, 426 Buchdruckereien, 340 lithographischen
Anstalten, 470 Buchhandlungen, 321 Zeitschriften aufweisen[164].

  ---------------+-----------+---------+---------+----------+-----------
  Stdte         | Einwohner-|  Buch-  |Lithogr. |Buchhandl.|   Zeit-
                 |    zahl   | drucker |Anstalten|          | schriften
  ---------------+-----------+---------+---------+----------+-----------
  Hamburg        |   290000  |   100   |   114   |   125    |     59
  Breslau        |   273000  |    31   |    30   |    53    |     33
  Mnchen        |   230000  |    49   |    38   |    95    |     71
  Dresden        |   220000  |    43   |    52   |   126    |     61
  Leipzig        |   149000  |    92   |    69   |   400    |    248
  Kln           |   145000  |    43   |    32   |    47    |     27
  Knigsberg     |   141000  |    14   |    12   |    25    |     25
  Frankfurt a. M.|   137000  |    58   |    45   |    71    |     59
  Hannover       |   123000  |    32   |    19   |    48    |     38
  Stuttgart      |   117000  |    38   |    30   |   107    |     98
  Bremen         |   113000  |    22   |    30   |    26    |     19
  Danzig         |   109000  |    11   |     8   |    21    |     21
  Strassburg     |   105000  |    15   |    16   |    26    |     32
  Nrnberg       |   100000  |    26   |    45   |    40    |     26
  Magdeburg      |    98000  |    30   |    18   |    38    |     19
  Barmen         |    96000  |    10   |    31   |    12    |      9
  Dsseldorf     |    95500  |    20   |    15   |    30    |     11
  Chemnitz       |    95000  |    14   |    10   |    33    |     10
  Elberfeld      |    93500  |    16   |    19   |    18    |      7
  Stettin        |    92000  |    22   |    20   |    18    |     17
  Altona         |    91000  |    17   |    16   |    14    |      5
  Aachen         |    85500  |    14   |    13   |    17    |     15
  Braunschweig   |    75000  |    16   |    12   |    31    |     18
  Krefeld        |    74000  |    11   |    21   |    10    |      4
  Halle          |    71500  |    15   |    10   |    35    |     17
  Dortmund       |    67000  |    10   |     5   |    12    |     12
  Posen          |    65000  |    12   |     8   |    20    |     15
  Mhlhausen     |    64000  |     7   |    12   |     4    |      4
  Augsburg       |    61500  |    13   |     7   |    23    |     19
  Mainz          |    61000  |    22   |    25   |    24    |     17
  Kassel         |    58500  |    19   |    14   |    25    |     14
  Essen          |    57000  |     9   |     5   |     9    |      6
  Erfurt         |    53500  |     6   |     9   |    12    |     14
  Metz           |    53000  |     8   |     7   |    15    |      9
  Mannheim       |    53000  |    11   |     7   |     8    |     11
  Wrzburg       |    51000  |    13   |     7   |    14    |     13
  Lbeck         |    51000  |    11   |     9   |    10    |      6
  Frankfurt a. O.|    51000  |     2   |     5   |     8    |      4
  Wiesbaden      |    50500  |    16   |     9   |    27    |     22
  Grlitz        |    50500  |    11   |     4   |    13    |      8
  Karlsruhe      |    50000  |    17   |    14   |    21    |     15
  Darmstadt      |    50000  |    20   |    16   |    26    |     15
  ---------------+-----------+---------+---------+----------+-----------
  Summa[164]     |  4176500  |   966   |   888   |  1737    |   1153

Die Bedeutung von Paris fr die graphischen Gewerbe Frankreichs ist
bekanntlich eine weit tiefer eingreifende als die der Reichshauptstadt
fr Deutschland. Sollte der graphische Vergleich auf die Metropole
ausgedehnt werden, so msste man, der Deutschland eigentmlichen
Organisation gemss, Berlin und Leipzig zusammen Paris gegenberstellen,
um einigermassen zu einem richtigen Resultat zu gelangen. In diesem
Falle wrde dann Leipzig ausfallen und Posen als 26. Stadt einrcken und
damit das $Mehr$ der 22 deutschen Stdte wesentlich beschrnkt werden,
nmlich auf: 618000 Einwohner, 346 Buchdruckereien, 279 lithographische
Anstalten, 190 Buchhandlungen und 88 Zeitschriften.

  [164] Die Angaben hier knnen zwar keinen Anspruch auf absolute
        Genauigkeit erheben, kommen jedoch der Wahrheit so nahe, dass
        sie gengen, um sich ein richtiges Bild zu machen. Fr die
        Angaben der Bevlkerung wurde Neumanns Geographisches Lexikon,
        Leipzig 1883, mit Abrundung der Einwohnerzahl auf 500 benutzt;
        fr die der Buchdruckereien und der lithographischen Anstalten
        Klimsch' Adressbuch der Buch- und Steindruckereien, Frankfurt
        a. M. 1880; fr die Buchhandlungen Schulz' Adressbuch fr den
        deutschen Buchhandel, Leipzig 1882, fr die Zeitschriften
        R. Mosses Zeitungskatalog, 1882; die in diesem fehlenden
        Zeitschriften sind ohne Einfluss auf das Gewerbe.

[Sidenote: Die Papierfabrikation.]

Die PAPIERFABRIKATION Deutschlands ist eine sehr bedeutende und
betrgt nahe an 250 Millionen Kilogramm. Zur Herstellung sind
785 Papiermaschinen und 185 Btten und die Arbeit von etwa 80000
Menschen notwendig. Ausserdem wirkten noch 260 Holzschleifereien, 45
Rohstofffabriken und 20 Cellulosefabriken, zusammen mit etwa 7500
Arbeitern. Rechnet man hinzu etwa 40000 Menschen, die mit Hadernsammeln
und Nebenarbeiten beschftigt sind, so giebt das ein Arbeiterkontingent
von rund 128000 Kpfen. Um den Umfang dieser einen Branche richtig
zu beurteilen, wren noch alle diejenigen mitzuzhlen, die sich mit
dem Papierhandel und der Fabrikation von Brief- und Luxuspapieren,
Pergamentpapier, Couverts, Tapeten, Handlungsbchern, Papierwsche etc.
etc. beschftigen[165].

  [165] J. CHR. SCHFER, Smtliche Papierversuche. Regensburg 1772. --
        L. MLLER, Die Fabrikation des Papiers. 4. Aufl. Berlin 1877. --
        LENORMAND, Handbuch der gesamten Papierfabrikationen. 3. Aufl.
        Weimar 1881.

                   *       *       *       *       *

Die BUCHBINDERKUNST[166] stand, als nach der Mitte unseres Jahrhunderts
die Buchdruckerkunst auf ihrem Hhepunkt angelangt war, noch
betrchtlich zurck und es dauerte auch noch eine zeitlang, ehe sie
einen frischen Anlauf nahm.

  [166] R. STECHE, Zur Geschichte des Bucheinbandes (Archiv d.
        D. B.-B.-V. Bd. I). Leipzig 1878. -- G. FRITZSCHE, Moderne
        Bucheinbnde. Leipzig 1878. -- C. BAUER, Handbuch der
        Buchbinderei. Weimar 1881. -- L. BRADE, Illustriertes
        Buchbinderbuch. Halle 1881.

[Sidenote: Der Leinwandband.]

Der Leinwand-Einband dominierte vollstndig. Man begngte sich nicht
wie in England mit diesem als einer provisorischen Hlle, sondern
die Leinwanddecke war in Deutschland das definitive Kleid des Buches
fr Jahrhunderte (?). In der Verzierung solcher Bnde ging man noch
weiter als in England und verwendete neben den Goldverzierungen oft
die Hochprgung, bei welcher Medaillon-Portrts, Bsten, allegorische
Figuren, Lyras, Palmenzweige, sogar Landkarten zur Verwendung kamen.
Die Hautreliefs wurden bald flach gedrckt. Man gewhnte sich, den
Einbanddeckel als etwas zu betrachten, was er nicht ist und nicht sein
soll: ein illustrierter Titel oder ein Frontispice, um den Inhalt des
Buches zu erlutern.

[Sidenote: Die Massenbnde.]

Der Betrieb des deutschen Buchhandels und die deutschen Verhltnisse
waren dieser Verwendung des Leinwandbandes gnstig. Die Verleger liessen
ganze Auflagen in Leinwand binden und unter dem Publikum verbreiten.
Ausser den Verlegern waren es noch die Grosssortimenter, welche dem
Leinwandband Vorschub leisteten. Die Genannten kaufen von den Verlegern
grosse Partien gangbarer Bcher, lassen dazu stilvolle Platten
anfertigen und verkaufen nun die gebundenen Bcher an die eigentlichen
Sortimentshndler zu Bedingungen, die es den letzteren noch mglich
machen, dem Publikum so wohlfeile Preise zu stellen, wie sie ein
einzelner Privatbesteller beim Buchbinder auch nicht annhernd erzielen
kann.

Im Prinzip ist diese Einrichtung gewiss eine hchst praktische, aber
die Preise werden der Konkurrenz halber dem Buchbinder gegenber so
heruntergedrckt, dass Pfennige den Ausschlag geben, wodurch es dem
Buchbinder fast unmglich wird, auf Falzen, Heften und auf die Zuthaten
an Pappe, Vorsetzblttern u. dgl. die ntige Sorgfalt und Ausgabe zu
wenden.

[Sidenote: Fortschritte im Geschmack.]

Hinsichtlich der Dekoration des Leinwandbandes sind in jngster Zeit
ganz wesentliche Fortschritte gemacht worden. Die schreienden Farben
der Leinwand haben den zarteren Modefarben und der Pergament-Imitation
Platz machen mssen[167]. Das Bemalen oder Ausmeisseln der Bnde
durch Figurales, Landschaftliches etc. hat mehr und mehr aufgehrt und
wird durch Flachornamente ersetzt, fr welche man die vielen trefflichen
Vorbilder frherer Zeit benutzt oder tchtige Knstler gewinnt. Ein
Fehler ist noch ziemlich verbreitet: der bergrosse Reichtum der
Ornamentierung und berladung mit Silber, Gold und Mosaik imitierenden
Farben. Je mehr man sich gewhnen wird, die krnige Chagrin-Imitation
und einfache Ornamentierung zu verwenden, um so mehr wird das
Leder-Surrogat, welches wir nun einmal nicht werden entbehren knnen,
seinen Platz in zweckmssiger Weise ausfllen.

  [167] Im Deutschen Reiche giebt es nur eine Fabrik englischer Leinen,
        die von Schultze & Niemann in Eutritzsch bei Leipzig.

[Sidenote: Die Handarbeit.]

Die Handarbeit, namentlich den Halbfranz, lernt man in der letzten Zeit
in Deutschland wieder schtzen und es sind hierin tchtige Fortschritte
gemacht worden. Von Lederbnden wird nicht viel die Rede sein knnen,
solange die Kreise der wohlhabenden Kaufleute und Fabrikanten, sogar
Magnaten keine gewhlte Bibliothek besitzen. Die Sammler sind meist
unter den Gelehrten, Beamten, selbst unter den weniger gut dotierten
Landgeistlichen zu suchen. Deshalb haben die Buchbinder, falls es ihnen
wirklich um die Frderung ihrer Kunst Ernst ist, sich vor der Klippe
zu hten, als Revanche fr den Druck, den sie durch die Verleger und
Grosssortimenter zu erleiden hatten, das Publikum zu berteuern und zu
glauben, dass jeder, der gern ein Buch hbsch binden lassen will, ein
reicher Bchernarr sei, dem man jeden Preis abverlangen knne. Begngt
sich der Buchbinder bei reeller Bedienung mit einem mssigen Vorteil, so
wird er immer noch in Deutschland ein kaufendes Publikum finden.

[Sidenote: Die Buchbinderkunst in sterreich.]

In Bezug auf ein solches ist der Buchbinder in sterreich schon besser
situiert und die Buchbindung hat demzufolge auch schon betrchtliche
Fortschritte gemacht. Doch betreffen diese im allgemeinen noch mehr die
Album- und Portefeuille-Fabrikation als die eigentliche Buchbinderei.
Eine mchtige Einwirkung auf den Geschmack hat das Kunstgewerbe-Museum
in Wien gebt. Man schliesst sich mehr der Art der Franzosen an und
bertrifft diese in der Ledermosaik, die eine wirklich eingelegte Arbeit
ist.

[Sidenote: Die Vorteile der Maschinen.]

Was den Betrieb der Buchbinderei betrifft, so hat dieser einen sehr
wichtigen Anteil an den Vorteilen gehabt, welche das Maschinenwesen
jedem Geschft gebracht hat (vgl. Kap. XI). Die Maschinen besorgen das
Falzen der Bogen, das Walzen des gefalzten Bogens, das Heften desselben
mit Faden oder Draht, das Beschneiden und Pressen des Buches, das
Abrunden des Rckens, das Einfassen, die Anbringung der Kapitle, das
Schneiden und Abschrgen der Pappen, das Pressen und Vergolden der
Deckel. Fr die sonstigen Arbeiten der Buchbinder sind die Couvert- und
Klebemaschinen, Liniier- und noch viele andere Maschinen da.

[Illustration]


[Illustration]

                              X. KAPITEL.

                    DIE SCHRIFT UND DIE ILLUSTRATION

                       IN DEUTSCHLAND-STERREICH.

  Aufschwung der Schriftgiesserei. Ed. Hnel. Die deutsche Druckschrift.
    Walbaum Vater und Sohn. Hamburg, Berlin, Leipzig, Frankfurt a. M.
    sterreich. G. Haase, C. Faulmann. Die Stereotypie, die
    Galvanoplastik, die Dynamo-Elektrik. Die Giessmaschine. DIE
    ILLUSTRATION: Verfall im XVIII. Jahrhundert, Wiedererwachen des
    Holzschnitts. Die Unger, Gubitz, Unzelmann, Kretzschmar u. a.
    sterreich: Prestel, Hfel, Knfler u. a. Die Planotypie. Die
    Stigmatypie: Carl Fasol.

[Sidenote: Aufschwung der Schriftgiesserei. Ed. Hnel]

Langsamer als in England und Frankreich entwickelte sich die
Schriftgiesserei in Deutschland. Erst aus den dreissiger Jahren datiert
der eigentliche Aufschwung des reineren Geschmacks in den Produktionen
derselben und an Einfluss in dieser Richtung kam niemand EDUARD
HNEL gleich. Er fhrte die neuesten und schnsten franzsischen und
englischen Antiquaschriften ein, liess die geradestehende griechische,
Kanzlei, fette und halbfette, gothische und andere Zier- und
Auszeichnungsschriften schneiden oder erwarb aus dem Auslande die besten
Matern zu denselben.

Im Accidenzdruck brachte Hnel eine vollstndige Umwlzung hervor
und aus seiner Magdeburger Offizin, und nach dem Brande derselben
im Jahre 1838 aus seinem Berliner Institut gingen vorzgliche
Druckarbeiten hervor. Er war der erste, der den _Compound_-Druck (S.
80), den er Congreve-Druck nannte, nach Deutschland brachte. Mit seinen
Guillochen- und Unterdruckplatten, namentlich seinen Spitzenmustern
enthusiasmierte er das deutsche Publikum. Fast kein Umschlag, ja kaum
ein Rechnungsformular konnte damals ohne Guillochen und Buntdruck
hergestellt werden. Bereits 1837 hatten seine Zierstcke die Zahl von
2813 erreicht.

Der Kampf mit der Lithographie ward damals mutig von den Buchdruckern
aufgenommen. Viele der letzteren warfen sich mit Eifer auf das
Accidenzfach und andere Schriftgiesser folgten dem Beispiel Hnels. Es
war eine Zeit des regsten, lustigsten Schaffens, vom Guten, Halbguten
und Geschmacklosen, vom Praktischen und Unpraktischen unter einander.

[Sidenote: F. W. Gubitz. W. Pfnorr.]

Noch vor Hnel hatten F. W. GUBITZ in Berlin und der
Kammergerichtsassessor W. PFNORR in Darmstadt manche Beitrge im
Ornamentfache geliefert, unter welchen die Einfassungen mit Sulen,
umwunden von Epheu- und Blumenguirlanden oder mit vollstndigen schweren
architektonischen Aufbauten einen wichtigen Platz einnehmen. Auch
viele Polytypen stammen von Gubitz, der im Jahre 1836 bereits 1668
solcher geschnitten hatte. Nach Hnels Vorangehen trat nun auch ein
besserer Geschmack in den Einfassungen und eine grssere Leichtigkeit
in der Ausfhrung ein. Vielen Beifall fanden die sogenannten
Kaleidoskop-Einfassungen, aus sehr kleinen systematischen Stckchen
bestehend, die sich in die mannigfaltigsten Formen zusammenfgen liessen
und congreveartig in verschiedenen Farben gedruckt manchmal eine
recht hbsche Wirkung hervorbringen konnten. Auch zu Kapitel-Anfangs-
und -Schlussvignetten wurden sie zusammengesetzt, in Gestalt von
Schmetterlingen, Vasen, Kronen etc. Man nherte sich jedoch damit
den zeitraubenden, wenig wahre Befriedigung erzielenden Arbeiten der
Stigmatypie (S. 304) und sie verschwanden bald von der typographischen
Bhne.

[Sidenote: Die deutsche Druckschrift.]

Die deutsche Druckschrift, die sogenannte Fraktur, nahm um die Mitte
des XVIII. Jahrhunderts eine sehr niedrige Stufe ein. Die mnnliche
Kraft und das Urwchsige der gothischen Schrift, Eigenschaften, welche
die Schwabacher Schrift wenigstens noch teilweise besass, waren ganz
verloren gegangen, ohne dass die Fraktur durch Eleganz das ersetzte,
was ihr an Kraft gebrach. Nachdem J. G. J. Breitkopf, wie es scheint,
lange geschwankt hatte, ob er nicht seine reformatorischen Absichten der
Verbesserung der Antiqua zuwenden sollte, folgte er schliesslich doch
der Tradition und versuchte der Fraktur eine kunstgerechtere Haltung zu
geben (S. 365). Etwas Mustergltiges vermochte jedoch auch Breitkopf
nicht zu schaffen, noch weniger J. F. UNGER in Berlin.

[Sidenote: Erich Walbaum. Th. Walbaum [+] 12. Juli 1830.]

Erst ERICH WALBAUM in Weimar und namentlich seinem Sohne THEODOR
WALBAUM gelang es, eine Frakturschrift herzustellen, die auf lngere
Zeit und allgemein sich Geltung erwarb. Der Vater war anfnglich
Konditor, zeigte jedoch einen solchen Geschmack im Ornamentieren, dass
er von Sachverstndigen veranlasst wurde, sich der Stempelschneiderei
zu widmen. Der Sohn Theodor arbeitete erst als Gewehrgraveur wie der
berhmte englische Schriftgiesser Caslon (I, S. 268), wurde jedoch
spter von seinem Vater als Stempelschneider ausgebildet.

Die Vorzge der Walbaumschen Frakturschriften liegen namentlich in dem
Ebenmass aller Buchstaben durch alle Grade hindurch von dem kleinsten
bis zu dem grssten. Form und Zurichtung sind gleich gut; die Strke
ist gerade die rechte; Leserlichkeit geht mit Dauerhaftigkeit Hand in
Hand. In der Fraktur nimmt die Walbaumsche Schrift fast die Stelle
ein, wie in der Antiqua die Didotsche, und wrde noch heute, neu mit
den Hlfsmitteln der neuesten Technik zweckmssig durchgefhrt, immer
eine klassische Fraktur bleiben, wenn wir diese Bezeichnung berhaupt
fr eine Schrift modernen Ursprungs und, man sage fr ihre nationale
Berechtigung und ihre Zweckmssigkeit fr das Volk was man will,
nicht in dem Besitz derjenigen Schnheit, welche wir von dem, was wir
klassisch nennen, verlangen, gebrauchen drften.

Theodor Walbaum starb, als Knstler und Mensch gleich geachtet, in
dem Bade Berka bei Weimar und wurde von seinem Vater berlebt. Das
Walbaumsche Geschft erwarb F. A. Brockhaus in Leipzig, welcher es im
Jahre 1843 nach dort verlegte.

[Sidenote: Die neueren Frakturschriften.]

Seit Walbaum hat Deutschland eine grosse Zahl von Frakturschriften
aufzuweisen, bald magerere, bald fettere; bald eckigere, bald rundere;
vielen derselben ist die Korrektheit nachzurhmen. Oft sind sie sich
selbstverstndlich so hnlich, dass nur ein sehr gebtes Auge einen
Unterschied bemerkt. Leider haben sehr viele Druckereien die ble
Gewohnheit, einzelne Grade aus den Garnituren verschiedener Giessereien
untereinander anzuschaffen, indem sie bald den Launen der Besteller
nachgeben, bald nur dem eigenen Antrieb folgen, nicht berechnend,
dass selbst die weniger schnen Schriften konsequent durch alle Grade
durchgefhrt ein weit gelungeneres Ganzes hervorbringen, als Schriften
sogar des schnsten Schnittes, wenn sie unter einander gemengt sind.

Im Jahre 1838 hatten Deutschland, sterreich und die Schweiz bereits
gegen 100 Giessereien, die bestndigen Zuwachs erhielten.

[Sidenote: J. D. Trennert. Genzsch & Heyse.]

[Sidenote: J. A. Genzsch * 14. Sept. 1800, [+] 29. Juni 1869.]

Im Norden Deutschlands waren die bedeutendsten derselben J. D. TRENNERT
in ALTONA und GENZSCH & HEYSE in HAMBURG, welche hauptschlich die
Bedrfnisse des skandinavischen Nordens und Russlands deckten. Der
Grnder der letztgenannten Firma, J. A. GENZSCH aus Audigast in Sachsen,
ward 1827 erster Faktor bei Fr. Dresler & Rost-Fingerlin, als diese
in Frankfurt a. M. eine Schriftgiesserei etablierten. Im Jahre 1833
assoziierten sich Genzsch und J. G. HEYSE aus Bremen und fhrten die
Thorowgoodschen Schreibschriften in Deutschland ein. Die Firma, seit
1866 im Besitz von EMIL JULIUS GENZSCH, dem Sohne des Grnders, erwarb
sich besondere Verdienste um die Einfhrung der Renaissance-Antiqua
mit entsprechenden Kopfleisten, Vignetten und Initialen, sowie um die
Umgestaltung der Schwabacher Schriften. Da man fr letztere nicht so
wie fr die Antiqua ltere mustergltige Vorbilder hatte, weil die
Stempelschneiderei Deutschlands zur Zeit der Einfhrung der Schwabacher
(I, S. 41) auf keiner hohen Stufe stand, so musste der Versuch gemacht
werden, etwas Neues zu schaffen, und es ist in der That Genzsch & Heyse
gelungen, sehr ansprechende moderne Schwabacher Schriften in allen
Grssen herzustellen. In jngster Zeit etablierten Genzsch & Heyse eine
Schriftgiesserei in Mnchen durch Ankauf zweier dortigen Firmen[168].

  [168] Zu dem 50jhrigen Jubilum am 28. Februar 1883 erschien Chronik
        der Schriftgiesserei Genzsch & Heyse.

[Sidenote: Fr. Vieweg & Sohn.]

In BRAUNSCHWEIG wirkten als Schriftgiesser namentlich FR. VIEWEG &
SOHN, allerdings nur fr den eigenen Bedarf schaffend, aber sehr fr
Verbreitung des guten Geschmacks wirkend.

[Sidenote: Berlin. Hnel-Gronau.]

[Sidenote: J. H. F. Bachmann * 8. Juli 1821, [+] 27. Juli 1876.]

Die HNELSCHE Offizin in BERLIN ging nach verschiedenem Wechsel in
die Hnde W. GRONAUS ber und behauptete sich unter dessen krftiger
und einsichtsvoller Leitung als eine der vorzglichsten Anstalten
Deutschlands. Im Hnelschen Geiste wurden Ornamente, Zier- und
Brotschriften in reicher Flle geschaffen, zugleich der Schnitt
griechischer und russischer Schriften gepflegt. Auch als Druckerei
behielt die Offizin einen ehrenvollen Platz. Hier wirkte als Faktor
J. H. F. BACHMANN aus Stralsund. Acht Jahre verbrachte dieser in
Kiew als Leiter erst der Universittsbuchdruckerei, spter der
Regierungsdruckerei. Nach Deutschland zurckgekehrt, weilte er 1850-1860
bei J. H. Meyer in Braunschweig, wo er den Grund zu seiner ziemlich
umfangreichen fachschriftstellerischen Thtigkeit legte. Sein letztes
Werk war das 1875 in Weimar erschienene ausfhrliche Handbuch der
Buchdruckerkunst.

[Sidenote: Trowitzsch & Sohn.]

[Sidenote: v. Decker.]

[Sidenote: Beyerhauss.]

[Sidenote: F. Theinhardt.]

Eine bedeutende Thtigkeit entwickelten TROWITZSCH & SOHN, auch als
Kalenderverleger bekannt. Die VON DECKERSCHE Giesserei schaffte
in erster Richtung hauptschlich fr den eigenen Bedarf. Ihre
Frakturschriften von einer etwas eigentmlichen Form sind korrekt und
tchtig durchgefhrt, konnten jedoch nicht allgemein gefallen. Es hat
fast den Anschein, als wre die Absicht vorhanden gewesen, nach dem
Beispiel der Nationaldruckerei in Paris etwas Absonderliches fr sich
allein zu haben, ohne Rcksicht darauf, ob es zugleich etwas Schnes
sei. Im Jahre 1873 zur Zeit der Wiener Ausstellung betrug die Zahl der
Stempel und Matrizen ber 100000. Deckers lieferten auch orientalische
Schriften, die unter der Aufsicht der Akademie der Wissenschaften
geschnitten wurden, welche letztere sich berhaupt um diesen Zweig
der Schriftgiesserei verdient machte. Als Stempelschneider in dieser
Richtung erwarb sich BEYERHAUSS einen Ruf. Unter anderem lieferte er
fr die amerikanische Mission in New-York 4000 chinesische Stempel,
mit welchen 22000 der am hufigsten vorkommenden Kombinationen
herzustellen waren. F. THEINHARDT lieferte Hieroglyphen nach der
Anleitung des Professors C. R. Lepsius, die sich von den Niesschen
dadurch unterscheiden, dass sie kein schwarzes Typenbild, sondern nur
wie mit der Feder gezeichnete Umrisse bilden. Die Zahl der geschnittenen
Charaktere beluft sich auf ber 1300. Auch Theinhardts sonstige
fremdlndische Schriften und andere Leistungen sind vorzglich[169].

  [169] C. R. LEPSIUS, Standard-Alphabet. II. Ed. London 1863. --
        FR. BALLHORN, Alphabete orientalischer und occidentalischer
        Sprachen. 12. Aufl. Nrnberg 1880. -- F. THEINHARDT, Liste
        hieroglyphischer Typen. Berlin 1875. -- H. BRUGSCH, _Mmoire sur
        la rproduction imprime des caractres dmotiques_. Berlin 1868.

[Sidenote: H. Ehlert.]

[Sidenote: W. Woellmer.]

Treffliche Einfassungen und Ornamente lieferte HEINR. EHLERT. Rastlos
schaffte im Accidenzfach WILH. WOELLMER, und namentlich erwarben
sich seine Zge, Einfassungen und Schreibschriften, besonders die
Rundschriften[170], grosse Beliebtheit, wozu seine von W. Bxenstein in
Berlin genial arrangierten und meisterhaft gedruckten Proben das ihrige
beitrugen.

  [170] F. SOENNECKEN, Das deutsche Schriftwesen. Bonn 1881. --
        H. SMALIAN, Praktisches Handbuch fr Buchdrucker im Verkehr mit
        Schriftgiessereien. 2. Aufl. Leipzig 1877. -- J. H. BACHMANN,
        Die Schriftgiesserei. Leipzig 1868.

[Sidenote: H. Berthold.]

Je grssere Dimensionen das Geschft im allgemeinen annahm, um so
vorteilhafter war es, wenn sich Spezialitten vom Stamm abzweigten
und besondere Geschfte bildeten. Als eine solche Spezialitt, welche
eine ganz besondere Pflege ntig hatte, ist die Fabrikation von
Messinglinien, galvanoplastischen Arbeiten u. dgl. zu bezeichnen. In der
Fabrikation der ersteren hat es H. BERTHOLD in Berlin zu einer grossen
Virtuositt gebracht. Besonderen Dank seitens seiner Berufsgenossen
erwarb er sich durch seine Bemhungen fr die Einheitlichkeit des
Schriftkegels und die Herstellung eines Normaltypometers. Unter Beihlfe
wissenschaftlicher Krfte ersten Ranges, darunter des Direktors des
Observatoriums in Berlin, Professor Dr. Forster, stellte er nach
achtzehnmonatlicher Arbeit ein solches Typometer in einer Lnge von 30
cm = 133 Nonpareil = 798 Punkte her[171]. Leider ist auch bei diesem
neuen verdienstlichen Versuche nicht das Metermass nach seinen Einheiten
genau zugrundegelegt. Man sieht hier, wie bei den orthographischen
Verbesserungsplnen, wie schwer es ist, eine wissenschaftliche Reform
durchzusetzen, wenn nicht ein Gebot des Staates dahintersteht. Bei dem
enormen vorhandenen Setzmaterial und den bergrossen Schwierigkeiten,
dieses schrittweise nach einem neuen System zu vervollstndigen oder
umzumodeln, ist auch nicht abzusehen, wann eine Einheitlichkeit
durchgefhrt sein kann, denn solche Radikalkuren anzuwenden, wie die
Reichsdruckerei es that, indem sie ihre gesamten Schriftenvorrte ins
Zeug warf und umgoss, sind nicht jedermanns Sache.

  [171] Journ. f. B. 1879, Nr. 29.

[Sidenote: C. Hanemann.]

In JENA schnitt C. HANEMANN nach Angaben des Professors W. Lagus eine
arabische Schrift fr die Frenckellsche Offizin in Helsingfors.

[Sidenote: Leipziger Schriftgiesser.]

[Sidenote: J. G. Schelter & Giesecke.]

LEIPZIG nahm in der Schriftgiesserei nicht eine so bedeutende Stelle
ein, wie man es htte vermuten sollen. F. A. Brockhaus, Breitkopf &
Hrtel, Karl Tauchnitz, F. Nies und dessen Nachfolger C. B. Lorck und
W. Drugulin u. a., welche hauptschlich nur im Interesse der eigenen
Druckoffizinen arbeiteten, finden Erwhnung bei der Besprechung der
Wirksamkeit dieser (Kap. XII). GUSTAV SCHELTER zeichnete sich namentlich
durch seine Musiknoten aus. Der talentvolle, leider zu frh aus dem
Leben geschiedene ERNST OTTO war ganz besonders um die Verbesserung
des Schriftmetalls bemht. Die einzige bedeutende Schriftgiesserei war
langezeit hindurch die von J. G. SCHELTER & GIESECKE, die einen ganz
besonders regen Verkehr mit dem Norden unterhielt und eine Filiale in
Wien (jetzt Meyer & Schleicher) errichtete. Die Leipziger Anstalt ist in
jngster Zeit ganz nach amerikanischen Grundstzen umgebildet und gehrt
durch ihren Umfang und die ausgedehnteste Anwendung von Hlfsmaschinen,
welche sie selbst baut, zu den bedeutendsten Schriftgiessereien der
Jetztzeit, liefert zugleich kleine Druckmaschinen und alles, was zum
Arbeitsmaterial gehrt. In jngster Zeit haben Schelter & Giesecke sich
besonders um das Schaffen schner Ornamente und Einfassungen verdient
gemacht[172].

  [172] Die in zwanglosen Zwischenrumen erscheinenden Typographischen
        Mitteilungen von J. G. Schelter & Giesecke dienen ihrem
        Geschft als Organ, enthalten aber auch Nachrichten und
        Belehrungen von allgemeinem Interesse.

[Sidenote: J. Klinkhardt.]

Die als Schriftgiesserei noch junge Firma JULIUS KLINKHARDT, frher
schon als Verlagshandlung und Buchdruckerei bekannt, entwickelt eine
grosse Thtigkeit. Der Grnder der Firma, JULIUS KLINKHARDT, kaufte
1864 die gut eingerichtete Buchdruckerei von Lders & Umlauf, 1871 die
bekannte lithographische Anstalt von J. G. Bach und die Schriftgiesserei
von Gust. Schelter. Unter der Beteiligung der Shne ROBERT und BRUNO
KLINKHARDT nahm das Geschft einen ungemein raschen Aufschwung; in
Wien wurde 1877 eine Filiale errichtet. Die Anstalt machte namentlich
in betreff der Musiknoten und der dekorativen Typographie bedeutende
Anstrengungen[173].

  [173] Das Probenalbum der Buchdruckerei Julius Klinkhardt 1882
        ist eine Musterleistung moderner Ausstattung, namentlich neuerer
        Ornamentierung.

[Sidenote: Galvanoplastiker und Graveure.]

Als Galvanoplastiker erwarb sich in Leipzig C. A. KLOBERG, als
Graveur R. GERHOLD Ruf. In Magdeburg zeichnete sich in diesem Fache
FEODOR SCHMITT (frher FALCKENBERG & CO.) aus, dessen Spezialitten
Numerierwerke und alle Messingarbeiten fr Buchbinder sind.

[Sidenote: Frankfurt a. M.]

[Sidenote: J. Andreae.]

FRANKFURT A. M. behielt, mit dem benachbarten OFFENBACH, selbst nachdem
der Hauptsitz der Typographie und des Buchhandels nach Leipzig verlegt
war, die Superioritt als Sitz der Schriftgiesserei. Ein verdientes
Ansehen genoss dort schon lange die Schriftgiesserei von J. ANDREAE (I,
S. 131), die einen wesentlichen Einfluss auf die Ausbildung des guten
Geschmacks gebt hat. Sie verbesserte das Konkordanzsystem und war
eifrig fr die Einfhrung des einheitlichen Kegel- und Hhesystems (I,
S. 160) thtig. Im Jahre 1838 ging das Geschft auf BENJ. KREBS ber,
der auch die ersten guten deutschen Schreibschriften lieferte, deren
Zeichen zwar, wie die der _Anglaise_, auf schrgem Kegel geschnitten,
jedoch nicht wie die letztere aus verschiedenen Stcken zusammengesetzt
werden mussten. Jedes Typenstck ist zugleich ein vollstndiger
Buchstabe, nur existieren, wie in der _Ronde_, von manchen Buchstaben
Varianten (bis zu fnf) unter Bercksichtigung der Anschlsse an die
Nachbarbuchstaben. Krebs hat auch durch sein fr die damalige Zeit
(1827) vortreffliches und heute noch nicht bertroffenes Handbuch der
Buchdruckerkunst sehr wohlthtig gewirkt. Die Firma lieferte auch
vorzgliche hebrische, und in jngerer Zeit auch Frakturschriften, die
zu den besten gehren; seit 1870 ist H. POPPELBAUM alleiniger Besitzer
der Firma.

[Sidenote: F. Dresler.]

[Sidenote: C. Meyer.]

[Sidenote: H. Flinsch.]

Im Jahre 1827 grndete FRIEDR. DRESLER mit ROST-FINGERLIN in Frankfurt
eine Schriftgiesserei, die bald einen weiten Ruf erlangte. Die
Dreslerschen gothischen Schriften wurden allgemein nachgeahmt und seine
Fraktur fand sogar Eingang in die Nationaldruckerei in Paris. Dresler
schnitt auch Musiknoten ohne Linienanstze, welche fr sich gesetzt
und dann einer, die Linien enthaltende Druckform aufgedruckt wurden.
Doch hat dieses Verfahren trotz des durch die Zweifarbenmaschine
erleichterten Doppeldruckes sich nie einbrgern knnen. Die Verwendung
von zweierlei Metall, Messing fr die Linien und Schriftzeug fr die
Noten, bietet schon wesentliche Nachteile, da die Abnutzung eine
verschiedene ist, der Druck demnach nie ein recht gleichmssiger sein
wird. Dreslers tchtiger Nachfolger CARL MEYER verfolgte, untersttzt
von FERD. MICHAEL, die begonnenen Plne weiter und H. FLINSCH, in dessen
Besitz das Geschft 1859 berging, vollendete sie.

Unter Flinsch ist die Anstalt zu der grssten Deutschlands, zu einer
der grssten der Welt herangewachsen. Im Jahre 1882 waren vorhanden:
92 Giessmaschinen, welche tglich ca. 2 Millionen Typen liefern
knnen, ausserdem 26 Schleif- und viele Hlfsmaschinen. Die Zahl der
Arbeiter betrug ber 200. An Stempeln besass die Offizin 106000,
an Matrizen 198200. Flinsch war der erste in Deutschland, der die
Johnson-Atkinsonsche Giessmaschine einfhrte und Matrizen von Stahl
und Neusilber verwendete, auch fr die Gte und Hrte des Zeugs wurden
grosse Anstrengungen gemacht.

[Sidenote: J. C. Bauer * 1802, [+] 1867.]

Als Schriftschneider erwarb sich JOH. CHR. BAUER aus Hanau ein grosses
Ansehen. Nachdem er sich in England ausgebildet hatte, begann er 1828
seine schnen Frakturschriften auszufhren, von welchen die ersten
1852 erschienen. Nach und nach folgten andere und Bauer schnitt ber
10000 Stempel. Seine Nachfolger wirken in gleicher Richtung. Sie haben
das Patent auf die Hepburnsche Giessmaschine erworben (S. 295), deren
Erfinder seine Thtigkeit dem Frankfurter Hause widmet.

[Sidenote: C. D. May.]

COSMAN DAMIAN MAY gehrt halb Frankfurt, halb London an. Geboren in
ersterer Stadt, ging er 1828 nach England und war bis 1845 Teilnehmer
der Schriftgiesserei Miller & Richard. 1852 kam er wieder nach
Frankfurt; kehrte jedoch 1865 abermals nach London zurck. Er schnitt
Frakturschriften sowohl in einer abgerundeteren Form (Midoline), als
auch in der blichen eckigen. Bekannter sind seine Antiquaschriften
geworden, deren treffliche Ausfhrung alles Lob verdient.

[Sidenote: J. Ch. D. Nies. J. H. Rust. C. J. Ludwig.]

Die Firma J. CH. D. NIES wurde 1834 gegrndet. C. J. LUDWIG, aus der
Flinschschen Schule hervorgegangen, hat sich seit 1876 fr seine junge
Firma bereits einen guten Ruf erworben. In dem benachbarten Offenbach
zeichnete sich J. M. HUCK & CO. und J. H. RUST, letzterer namentlich
durch seine eleganten Ornamente und Einfassungen, aus.

STUTTGART hat in der Schriftgiesserei keine grosse Bedeutung gehabt. In
neuester Zeit machte sich OTTO WEISERT durch seine Zierstcke, STOFFLER
& BACK durch Holzschriften bemerkbar. Solche fabrizierten namentlich
SACHS & SCHUMACHER in Mannheim, NACHTIGALL & DOHLE in Aachen.

[Sidenote: sterreich.]

[Sidenote: Andr. Haase * 30. Aug. 1804, [+] 25. Juni 1864.]

In STERREICH stand die Schriftgiesserei lange auf einem ziemlich
untergeordneten Standpunkte. Eine nderung hat man erst GOTTLIEB HAASE
in Prag zu verdanken, der in sterreich ungefhr dieselbe Stellung
einnahm, wie Hnel in Deutschland.

Der Begrnder der Firma war 1798 nach Prag eingewandert. Sein rasch
aufgeblhtes Geschft arbeitete mit 18 Pressen und war mit einer
Schriftgiesserei verbunden. Der Sohn ANDREAS widmete sich nach einer
sorgfltigen Erziehung der Buchdruckerkunst und bernahm, kaum zwanzig
Jahre alt, nach dem Tode des Vaters im Verein mit seinen beiden
jngeren Brdern GOTTLIEB und RUDOLPH das Geschft, das bald eins der
bedeutendsten in sterreich wurde. Im Jahre 1836 disponierte es bereits
ber eine Doppelmaschine, drei einfache Schnellpressen, zwlf Stanhope-
und vierzehn ltere Handpressen, nebst zwei hydraulischen Glttpressen.
Die Schriftgiesserei zhlte 45 Arbeiter und versah ganz sterreich und
die Donaulnder. Eine Maschinenfabrik wurde in Wran angelegt. Nach dem
Tode Andreas' bernahm Gottlieb als Chef die Leitung der Buchdruckerei.
Ihm zur Seite stand als Dirigent der Schriftgiesserei sein Neffe GUIDO;
Rudolph leitete die Buchhandlung. Im Jahre 1871 ging das Geschft in
die Aktiengesellschaft Bohemia auf, bis es Andreas Haase spter wieder
bernahm.

[Sidenote: Schriftgiesserei in Wien.]

Der sehr bedeutende Aufschwung, welchen die Wiener Schriftgiesserei
in neuester Zeit genommen hat, entstammt zumteil den Bestrebungen
Auers, zumteil den bei der gnstigen Wendung der Pressverhltnisse
nach Wien eingewanderten deutschen Geschften. Die jetzt bedeutendste
Schriftgiesserei MEYER & SCHLEICHER, welche ihre Verbindungen selbst
bis Japan ausdehnt, wurde, wie bereits erwhnt, als Filiale von
Schelter & Giesecke in Leipzig gegrndet. Sie fhrte die Atkinsonsche
Giessmaschine in Wien ein. J. H. RUST aus Offenbach etablierte 1856 ein
Geschft. Aus einer Filiale von KREBS in Frankfurt a. M. ward die Firma
POPPELBAUM & BOSSOW, jetzt POPPELBAUM. In jngster Zeit folgte JUL.
KLINKHARDT aus Leipzig.

Ausser der Staatsdruckerei verbanden auch andere Druckanstalten mit
ihren Druckoffizinen Schriftgiessereien, so V. WALDHEIM, ZAMARSKI,
FROMME. Letzterer verkaufte jedoch die Giesserei an BRENDLER & G.
HARLER. CARL BRENDLER schnitt vortreffliche orientalische Schriften und
die stenographischen Typen fr Faulmann.

[Sidenote: C. Faulmann und die Stenographie.]

CARL FAULMANN, erst Setzer, dann Stenograph und Linguist, Verfasser
mehrerer Werke ber Schrifttum und Typographie[174], hat sich ganz
besondere Verdienste in betreff der Lsung der schwierigen Aufgabe,
die STENOGRAPHIE in die Typographie einzuordnen, erworben. Die
ersten Versuche hatte bereits 1854 GUSTAV SCHELTER mit Typen nach
Gabelsbergers System gemacht, sie fielen jedoch nicht gengend aus.
Die Staatsdruckerei liess von JOSEPH LEIPOLD und CHRISTIAN PLESSE
Typen nach Stolzes System herstellen, die 1854 in Mnchen ausgestellt,
fr den praktischen Gebrauch jedoch zu gross befunden wurden.
1859 zeichnete Faulmann fr die Staatsdruckerei neue Typen nach
Gabelsbergers System, die, von Leipold geschnitten, sich als zweckmssig
bewhrten. 1864 erschienen wieder neue Typen von Faulmann, die er auf
seine Rechnung von Brendler schneiden liess und die spter von der
Staatsdruckerei angekauft wurden. Diese neuesten Typen reihen sich ohne
Verbindungsstcke an einander an, wie gewhnliche Typen. Allerdings ist
die Zahl derselben, trotz einer grossen Reduktion der frheren 1300
Stcke, noch eine bedeutende, 800, so dass ein Kasten sie nicht alle
fassen kann, auch laufen die berhngenden Buchstaben beim Drucken
leicht Gefahr, beschdigt zu werden. Liegt es nun auch in der Natur der
Sache, dass die Geschwindschrift nie Gegenstand eines Geschwindsatzes
werden kann, so ist doch das Problem des stenographischen Satzes als
glcklich durch Faulmann gelst zu betrachten[175].

  [174] Illustrierte Geschichte der Schrift. Wien 1880. -- Das Buch der
        Schrift. Wien 1878. -- Illustrierte Geschichte der
        Buchdruckerkunst. Wien 1882. -- Illustrierte Kulturgeschichte.
        Wien. -- Stenographische Unterrichtsbriefe. Wien.

  [175] sterr. Buchdr.-Ztg. 1873, Nr. 29. -- Journ. f. B. 1874, Nr. 16
        u. 18.

[Sidenote: Reichtum an Schriften.]

Betrachten wir den grossen Reichtum an Material, welchen die
Schriftgiessereien fr Einfassungen, Ornamente, Titel-, Schreibschriften
u. dgl. den Setzern in die Hnde liefern, so knnen letztere nicht
darber klagen, dass es ihnen an Mitteln gebricht, ihre Kunstfertigkeit
zu zeigen. Eher verleitet sie der Reichtum zur Verschwendung und unter
den hunderten von Schriften wird mehr gewhlt als gewhlt und sinnlose
Zusammenstellungen gemacht. Erfreulich ist es zu sehen, wie jetzt das
Ausland, das fast nur von den Derrieyschen Einfassungen zehrte, jetzt
die deutschen Produkte vielfach benutzt, die selbst in Frankreich
Eingang fanden.

bersttigung fhrt zur Einfachheit und so haben in den letzten Jahren
die einfache typographische Linie und der Punkt (S. 304) eine bedeutende
Rolle gespielt und oft werden mit diesen kleinen Mitteln wirkliche
Meisterstcke ausgefhrt, in welchen namentlich W. BXENSTEIN in Berlin,
JUL. KLINKHARDT in Leipzig und die PIERERSCHE Hofbuchdruckerei in
Altenburg excellieren, der in letzterer arbeitende taubstumme WATZULIK
ist ein ausserordentliches Setzer-Genie[176].

  [176] Eine Anleitung zum Accidenzsatz von HEINR. FISCHER. Leipzig
        1877, versucht ein System fr den titelfrmigen Satz aufzustellen.

                   *       *       *       *       *

[Sidenote: Die Stereotypie.]

Das STEREOTYP-VERFAHREN[177] wird in ausgedehnter Weise in Deutschland
gebt, ohne dass dieses selbst bedeutende eigene Verdienste um dasselbe
erworben htte, wenn sich auch Spuren lterer Versuche zeigen.

  [177] H. MEYER, Handbuch der Stereotypie. Braunschweig 1838.

[Sidenote: ltere Versuche.]

Ein Steingutfabrikant, Schmidt in Durlach, fand auf einem Schutthaufen
seiner Fabrik das Bruchstck einer Schriftplatte in Porzellan, welche
den Schluss einer Dedikation oder eines Gesuches an den Grossherzog Karl
von Baden seitens eines Mller d. ., datiert Paris den 1. August 1787,
enthlt, des Inhalts:

Diese Erfindung ist in Teutschland schlechterdings unbekannt. Sie
gehrt dem Amtmann Hoffmann, welcher aus einer alten Familie aus den
Markgrflich-Badenschen Landen herstammt. Ich werde mich glcklich
schtzen, wenn sie unter der Protektion Ew. Hochfrstlichen Durchlaucht,
durch mich, durch Errichtung einer Polytypie eingefhrt, und alle
Kirchen- und Schulbcher meines gndigsten Privilegii, zuerst in
Teutschland polytypiert, von mir knnen abgedruckt werden. Ein
Unternehmen, das der glorreichen Regierung meines gndigsten Frsten
ein ewiges Denkmal stiften und den wrmsten Dank aller edlen Seelen
verdienen wird; denn das Werk ist eines Frsten wrdig.

                  Ich ersterbe ehrfurchtsvoll
                      Ew. Hochfrstlichen Durchlaucht
                           unterthnigster treu-gehorsamer Knecht
                                          Mller lter.

[Sidenote: V. v. Pallhausen.]

Im Jahre 1805 machte Vincenz VON PALLHAUSEN in Mnchen, untersttzt
von dem Xylographen TH. NEUER, einen Versuch zu stereotypieren. Ehe
dieser einigermassen gelang, verunglckten verschiedene Platten. Von den
hiervon noch brig gebliebenen, deren Inhalt ein Gedicht auf Gutenberg
bildet, veranstaltete Prgel in Mnchen 1836 einen Abdruck in einem
Bchlein: Denkmal in Stereotypen den Manen Gutenbergs 1805 gewidmet von
Vincenz von Pallhausen.

Polytypen, Plakat- und grssere Titelschriften waren lngst mit der
Hand clichiert worden. Die Clichiermaschine von Pfnorr in Darmstadt
erleichterte sehr das Verfahren[178].

  [178] Journ. f. B. 1835, Nr. 5; 1838, Nr. 1.

[Sidenote: Stanhopes Stereotypie.]

Die ersten, welche das Stanhopesche Verfahren in Deutschland erwarben
und ausbeuteten, waren v. Decker und K. Tauchnitz; 1819 kam es nach
sterreich. Die Stereotypendrehbank[179] vereinfachte die Arbeit. Eine
grosse Frderung gewhrte die Papierstereotypie (S. 153). In Deutschland
war GEORG JAQUET in Mnchen der erste, der das Verfahren 1834 erwarb.
Fr die weitere Verbreitung wirkten namentlich TH. ARCHIMOWITZ und J.
ISERMANN in Hamburg[180].

  [179] Journ. f. B. 1837, Nr. 5.

  [180] TH. ARCHIMOWITZ, Die Papierstereotypie. Karlsruhe 1862. -- A. VON
        FLAMMENSTERN, Stereotypie in sterreich. Wien 1822.

[Sidenote: Stereotypie in Eisen.]

Versuche mit Stereotypen in Eisen wurden schon 1805 auf Veranlassung des
Buchhndlers GDICKE in Berlin gemacht. Auf den Rbelnder Eisenwerken
im Harz brachte ZIEGLER nach jahrelangem Arbeiten eine vollstndige
Bibel in dieser Weise zustande.

So vorteilhaft die Stereotypie ist, namentlich zur Herstellung der
Clichs von Abbildungen, ohne welche die illustrierte Litteratur nie
eine so enorme Ausdehnung htte erreichen knnen, so wurde sie doch
bedeutend durch die Herstellung von Clichs auf galvanoplastischem Wege
bertroffen.

[Sidenote: Galvanoplastik.]

[Sidenote: H. Jacobi * 21. Sept. 1801, [+] 10. Mrz 1874.]

Die Galvanoplastik[181] ist eine Erfindung des Deutschen MORITZ HERMANN
JACOBI aus Potsdam. 1835 erhielt dieser einen Ruf nach Dorpat, 1837
nach St. Petersburg. Bereits in diesem Jahre erfand er das Verfahren,
auf chemischem Wege Kupfer abzulagern, und, abgesehen von den sonstigen
hochwichtigen Verwendungen, druckbare Kupferplatten sowohl fr den
Tiefdruck auf der Kupferdruckpresse als fr den Hochdruck auf der
Buchdruckpresse, je nach dem Original, zu erzielen. Das Verfahren
kaufte die russische Regierung, die mit einer hchst anerkennenswerten
Liberalitt es der Allgemeinheit preisgab. Die erste Verffentlichung
geschah in dem Bulletin der Akademie zu St. Petersburg vom 5. Oktober
1838.

  [181] A. HERING, Die Galvanoplastik und ihre Anwendung in der
        Buchdruckerkunst. 7. Ausg. -- F. VON ROSELEUR, Handbuch der
        Galvanoplastik. Deutsche bers. Stuttgart. -- Dr. G. SEELHORST,
        Katechismus der Galvanoplastik. 2. Aufl. Leipzig.

[Sidenote: Missbrauch der Galvanoplastik.]

Die Galvanoplastik ward jedoch fr das Geschft zu einer zweischneidigen
Waffe. Die Mglichkeit, durch ihre Hlfe von einem Clich oder einer
Type eine getreue Mater herzustellen, somit ohne Kosten und Mhe sich
die Arbeit des Stempelschneiders oder Holzschneiders anzueignen, wurde
stark gemissbraucht. Nicht nur ber die Produkte des Auslands fiel man
her, sondern auch die Kollegen im Inlande wurden nicht geschont und
ein Gesetz verbot diese kollegialische Beraubung nicht. Hier konnte
nur Selbsthlfe wirken und am 15. Mai 1857 konstituierte sich auch
ein deutscher Schriftgiesser-Verein, jedoch erstens waren nicht alle
Schriftgiessereien Mitglieder des Vereins und zweitens konnte dieser
weiter keine Strafe diktieren, als ffentliche Bekanntmachung von
Kontraventionen, und diese gengte nicht immer. Erst der Erlass des
Reichsgesetzes zum Schutze der Muster vom 1. Juli 1873 konnte dem bel
steuern.

[Sidenote: Die dynamo-elektrische Maschine.]

Ein grosser Fortschritt in der Galvanoplastik ist die Gewinnung von
Clichs durch die dynamo-elektrische Maschine, welche als Ersatz fr
die galvanischen Elemente eintritt und einen krftigen elektrischen
Strom durch Verbindung eines mit Kupferdraht umwickelten, sich rasch
drehenden Eisenringes und eines Elektromagneten hervorbringt, welcher
stark genug ist, um damit in wenigen Stunden ein Clich zu erzielen.
Diese, namentlich von SIGM. SCHUCKERT in Nrnberg und SIEMENS & HALSKE
in Berlin erbauten Maschinen sind, wo Dampfbetrieb einmal vorhanden ist,
mit einem geringen Kostenaufwande zweckmssigst zu benutzen[182].

  [182] Journ. f. B. 1877, Nr. 38.

[Sidenote: Vernickelung.]

Zu erwhnen bleibt noch die Vernickelung der Typen, eine Erfindung des
Prof. Btticher in Frankfurt a. M., die jedoch, da sie in Deutschland
keinen Anklang fand, nach Amerika auswanderte, um dann von dort als
Neuheit nach Deutschland importiert zu werden.

[Sidenote: Die Schriftgiessmaschine.]

Die GIESSMASCHINE ist keine deutsche Erfindung, sie gelangte aber in
Deutschland zur grossen Verwendung. E. Hnel war der erste, der sie hier
baute, nachdem er das Patent LAURITZ BRANDTS (Kap. XVI) erworben hatte.
Ein Schler Brandts, CORFITZ MLLER aus Kopenhagen, baute Giessmaschinen
bei F. A. BROCKHAUS in Leipzig, GURSCH & KLEMM und C. KISCH in Berlin,
STEINER in Mnchen und ROB. KHNAU in Leipzig waren bestrebt, sie zu
verbessern. Grosse Verbreitung fanden die amerikanischen Apparate.
Auf die neue Hepburnsche Maschine (S. 39) hat, wie schon erwhnt, die
Bauersche Giesserei in Frankfurt das Patentrecht.

Das anfngliche Misstrauen gegen die Giessmaschinen, hervorgerufen
durch die, wegen der eingeschlossenen Luft verursachten Hohlheiten im
Guss sowie die Unmglichkeit der Verwendung von Hartmetall, ist nach
Beseitigung dieser belstnde durch verbesserte Konstruktion verstummt
und die Giessmaschine steht jetzt in der Schriftgiesserei ebenbrtig der
Schnellpresse in der Buchdruckerei zur Seite.

[Sidenote: Die Setzmaschine.]

Die SETZMASCHINE[183] (S. 40) bahnt sich in Deutschland langsam den
Weg und hat auch hier wenige praktische Verbesserungen gefunden.
Erst in neuester Zeit nehmen die Erfindungen von PRASCH in Wien, von
A. V. LANGEN in Dsseldorf im Verein mit C. G. FISCHER auf Schloss
Holte in Westfalen[184], sowie von E. W. BRACKELSBERG in Hagen[185]
die allgemeine Aufmerksamkeit in Anspruch, namentlich wird die
Ablegemaschine der letzteren allgemein gelobt, jedoch sind diese
Erfindungen noch zu neu, um ihnen in der Geschichte der Typographie
jetzt schon einen bestimmten Platz anweisen zu knnen.

  [183] Litteratur der Setzmaschine s. S. 40 u. ff.

  [184] Journ. f. B. 1881, Nr. 33 u. 34.

  [185] sterr. B.-Ztg. 1882, Nr. 34; 1883, Nr. 2.


                           DIE ILLUSTRATION.

[Sidenote: Die Illustration im XVIII. Jahrh.]

Die grosse Ausdehnung der Illustration in dem XVI. Jahrhundert lernten
wir bereits kennen (I, S. 105). Die Holzschnitte und Stiche Drers
hatten berall Eingang gefunden. Die Gegenstnde aus dem profanen Leben
waren jedem verstndlich und auch die Darstellungen aus der heiligen
Schrift in ihrer Naivett ganz dem Fassungsvermgen des Publikums
angemessen. Nicht so rasch gestaltete sich die Verallgemeinerung
der Renaissance. Es fehlte dem grsseren Publikum der Sinn fr die
Schpfungen derselben, der Zusammenhang mit dem Altertum war nicht wie
in Italien vorhanden, und unter den Leiden des dreissigjhrigen Krieges
ging vollends der Geschmack an edleren Genssen verloren. Die spter
eindringende franzsische Malerei diente namentlich zur Verherrlichung
der Machthaber und stand dem Volke fern. Das Bedrfnis nach Schmuck im
kleinen war aber doch nicht untergegangen und zeigte sich auch in der
zweiten Hlfte durch einen Aufschwung in der Bcher-Ornamentierung und
der Illustration.

[Sidenote: D. Chodowiecki * 16. Okt. 1726, [+] 7. Febr. 1801.]

Die Holzschneidekunst war inzwischen so gut wie abhandengekommen und
man nahm deshalb Zuflucht zu dem Kupfer. Kaum ein Buch erschien,
welches nicht wenigstens eine Titelvignette, einige Kapitel-Anfangs-
und Schlussvignetten aufwies. Von dem Ornament ging man zur wirklichen
Illustration ber und diesmal kam der Anstoss von Frankreich, wo die
Illustration jedoch einen mehr aristokratischen Anflug hatte, whrend
sie in Deutschland, wie in frherer Zeit, den volkstmlichen Charakter
annahm und namentlich eine Begleiterin der vielverbreiteten Kalender
wurde.

Einer der grssten Meister in dieser illustrierenden Kleinkunst war
DANIEL CHODOWIECKI, geboren in dem damals noch zu Polen gehrenden
Danzig. Da der Vater frhzeitig starb, musste Daniel ein Handwerk
ergreifen, spter konnte er jedoch seiner Neigung folgen und bildete
sich unter der Leitung des Malers Haid mit Erfolg fr die Kunst aus.
Mit dem Jahre 1764 traten seine Arbeiten mit der Radiernadel in den
Vordergrund; 1769 lieferte er die ersten zwlf Bltter Illustrationen
zu Lessings Minna von Barnhelm. Von nun an huften sich die Auftrge
der Buchhndler derart, dass seine ganze Arbeitskraft dazu gehrte, um
sie zu bewltigen, und es giebt kaum einen bedeutenden Schriftsteller
damaliger Zeit, dessen Werke er nicht illustriert htte.

[Sidenote: Der Holzschnitt.]

Der Holzschnitt trat jedoch nicht gleich die Erbschaft an und es dauerte
noch eine Zeit, ehe man an diesem wieder Geschmack fand; wesentlichen
Anteil an der Erweckung desselben haben die beiden Unger, Vater und
Sohn[186].

  [186] MAX SCHASLER, Die Schule der Holzschneidekunst. Leipzig 1866.

[Sidenote: J. G. Unger d. . * 1715, [+] 1788.]

JOHANN GEORG UNGER, der Vater, stammt aus Pirna bei Dresden. Erst
Schriftsetzer, widmete er sich seit 1757 ganz dem Holzschnitt. Zu seinen
besten Arbeiten gehren Fnf geschnittene Figuren, gezeichnet von O.
Meil.

[Sidenote: J. F. Unger d. j. * 1750.]

JOH. FRIEDR. UNGER, der Sohn, war in Berlin geboren. Auch er begann als
Buchdrucker, erwarb jedoch als Holzschneider einen noch grsseren Ruf
als sein Vater. Bekannt sind seine Sechs Figuren fr Liebhaber der
schnen Knste (1779) und von Vignetten lieferte er eine grosse Zahl.
Als Schriftsteller versuchte er durch mehrere Fachbroschren zu wirken;
seine Bemhungen fr die Verbesserung der Frakturschrift hatten keinen
Erfolg. Im Jahre 1800 wurde er Professor der Holzschneidekunst.

[Sidenote: F. W. Gubitz * 27. Febr. 1786, [+] 5. Juni 1870.]

Derjenige Holzschneider neuerer Zeit, der zunchst als der geistige Erbe
Chodowieckis angesehen werden kann und am meisten dazu beigetragen hat,
den Holzschnitt aufs neue populr zu machen, ist FRIEDR. WILH. GUBITZ.
Im Alter von 15 Jahren stellte er auf der Berliner Kunstausstellung
sieben Vignetten aus, die ihm Ehre und Geld einbrachten. 1812 wurde er
Professor der Holzschneidekunst. 1835 begann er seinen Volkskalender,
der mit seinen zahlreichen Illustrationen rasch eine grosse Popularitt
erlangte. Fr Buchdrucker lieferte er eine enorme Anzahl von Polytypen,
darunter auch eine Serie fr Didot in Paris. Sein in Farben gedruckter
Heiland nach Lucas Cranach, das Bildnis der Grfin Voss, seine Bltter
in Tuschmanier gehren zu den besten Arbeiten ihrer Art. Gubitz
gehrte noch ganz der alten Schule an, welche in dem Holzschnitt mit
dem Kupferstich konkurrieren wollte. Er schnitt immer noch in Langholz.
Eine eigentliche Schule bildete er nicht und sein talentvollster Schler
Unzelmann war in der Manier das gerade Gegenstck zu Gubitz.

[Sidenote: Ritschl v. Hartenbach * 1797.]

[Sidenote: W. Pfnorr.]

[Sidenote: Dan. Vogel d. .]

Zu nennen sind noch J. RITSCHL VON HARTENBACH, der sich jedoch nicht bis
zur Meisterschaft erhob; der Kammersekretr WILH. PFNORR in Darmstadt,
ein Dilettant, der aber Tchtiges namentlich in ornamentalem Schmuck
lieferte, und DANIEL VOGEL, der Vater, in Berlin.

[Sidenote: Fr. Unzelmann * 1793, [+] 1855.]

Der erste bedeutende Reprsentant der neuen Richtung der
Holzschneidekunst ist FRIEDRICH UNZELMANN aus Berlin. Seine
knstlerische Ausbildung erhielt er auf der kniglichen Akademie. Bis
1827 arbeitete er fr Gubitz. Nach seiner Trennung von diesem zeigte
er sofort eine freiere Handhabung der Technik. Bis jetzt hatte er, wie
Gubitz, nur mit dem Messer in Langholz gearbeitet, jetzt griff er zum
Stichel und zu dem Hirnholze.

Unzelmann stellte sich die Aufgabe, die ja auch die einzig wahre
des Holzschneiders ist, wenn eine fr den Holzschnitt korrekt
gezeichnete Vorlage vorhanden ist, die Zeichnung vollstndig facsimile
wiederzugeben. Er lieferte viele Bltter zu den damals erscheinenden
illustrierten Werken, namentlich A. Menzels Friedrich der Grosse,
und zu den auf Rechnung des Knigs von Preussen herausgegebenen
Werken seines grossen Vorfahren. Ein Jubelblatt aus dem Jahre 1840,
Gutenberg und Fust an der ersten Presse, ist in dem Archiv des Berliner
Kupferstichkabinetts deponiert, um 1940 aufs neue gedruckt zu werden. Im
Jahre 1843 wurde Unzelmann Mitglied der Akademie, 1844 Professor.

[Sidenote: Ed. Kretzschmar * 21. Mrz 1807, [+] 1858.]

Der bedeutendste Schler Unzelmanns, vielleicht an Genialitt ihm nicht
ganz gleichkommend, aber von noch grsserem Einfluss auf die Frderung
der deutschen Xylographie, war EDUARD KRETZSCHMAR, aus Oschatz gebrtig.

Schon frhzeitig usserte sich seine Neigung fr die zeichnenden
Knste; Armut zwang ihn jedoch, als Laufbursche in der Brockhausschen
Buchdruckerei zu dienen. Spter wurde er Konditorlehrling, bte
dieses Geschft elf Jahre und zeigte sein plastisches Talent, indem
er Formen fr Kuchenverzierungen schnitt. Als im Jahre 1833 das
Pfennigmagazin erschien, wagte er sich an einen Holzschnitt, den er mit
einem Federmesser in Birnbaumholz ausfhrte. 1836 ging er nach Berlin
und arbeitete unter Unzelmanns Leitung. Die erwhnte illustrierte
Geschichte Friedrichs des Grossen von Menzel war das erste Werk, durch
das Kretzschmar eigentlich Gelegenheit bekam, sein Talent zu entfalten
und das zugleich ihm Veranlassung wurde, ein xylographisches Institut
in Leipzig zu grnden, um gengend tchtige Krfte heranzubilden,
welche selbst die Anforderungen eines Menzel, dieses Schreckbildes der
Holzschneider, befriedigen sollten, ein Vorhaben, das dem mit allen
Eigenschaften eines guten Lehrers Ausgersteten auch vortrefflich gelang.

Als 1843 die Illustrirte Zeitung erschien, waren die zu berwindenden
Schwierigkeiten gross. Anfnglich musste natrlich das Ausland zum
wesentlichen Teil mit Clichs aushelfen, doch dauerte diese Abhngigkeit
nicht lange. Kretzschmar erweiterte sein Atelier und richtete es fast
ganz auf die Bedrfnisse der Illustrirten Zeitung ein. Bei seinem Tode
ging es in die Hnde der Expedition der Illustrirten Zeitung ber. Die
von Kretzschmar meist zum Experimentieren angelegte vortreffliche kleine
Kunstdruckerei erwarb PH. GRUMBACH.

[Sidenote: Alb. Vogel * 1814.]

[Sidenote: Otto Vogel * 1816.]

Die Brder ALBERT und OTTO VOGEL in Berlin traten ganz in Unzelmanns
Fussstapfen. Beide konnten auf Grund ihrer Verhltnisse nicht ihrer
Neigung folgen, die Albert zum Kupferstechen und zur Malerei, Otto zur
Skulptur hinzog. Beide lieferten Vortreffliches, doch ist Otto der
bedeutendste und seine Schnitte nach Menzels Zeichnungen sind wahre
Meisterstcke.

[Sidenote: Caspar Braun * 1807, [+] 1877.]

Eine besondere Bedeutung hat CASPAR BRAUN aus Aschaffenburg[187], der
den Holzschnitt in Mnchen heimisch machte und durch die Fliegenden
Bltter einen weitverbreiteten Namen erwarb. Erst ging er nach Mnchen,
um sich in der Malerei auszubilden, und dann nach Paris, wo er zwei
Jahre bei Brevire arbeitete. Nach seiner Rckkehr grndete er mit
v. Dessauer ein Holzschneideatelier und arbeitete namentlich fr die
Cottaschen illustrierten Ausgaben, bis er sich mit Friedr. Schneider zur
Herausgabe der Fliegenden Bltter verband.

  [187] Ann. d. Typ. 1877, Nr. 425.

[Sidenote: Hugo Brckner * 1819.]

[Sidenote: Gaber.]

HUGO BRCKNER aus Dessau war erst Bereiter, wandte sich aber bald
dem Zeichnen und Malen zu und ging 1837 nach Dsseldorf. Ein Zufall
veranlasste ihn, sich fr die Holzschneidekunst als Beruf zu
entscheiden. Im Jahre 1840 folgte er dem nach Dresden bergesiedelten
Maler Hbner, nachdem er erst einen kurzen Unterricht bei Unzelmann
genossen hatte. Seine Thtigkeit widmete er namentlich den im strengeren
knstlerischen Stil gehaltenen buchhndlerischen Unternehmungen G.
Wigands und T. O. Weigels. In hnlicher Richtung zeichnete sich GABER in
Dresden aus.

[Sidenote: Heinr. Ldel * 1798.]

Von Bedeutung sowohl als Kupferstecher wie als Holzschneider ist HEINR.
LDEL aus Hameln. Er lernte die Buchbinderei, ging nach Gttingen und
versuchte sich dort im Schneiden von Vergoldestempeln und Vignetten,
schliesslich im Kupferstechen. Durch einen Holbeinschen Totentanz
erwachte seine Neigung fr den Holzschnitt, in welchem er sich besonders
durch getreue Reproduktionen lterer Meisterwerke auszeichnete.

[Sidenote: J. G. Flegel [+] 20. Dez. 1881.]

Die Bestrebungen J. G. FLEGELS in Leipzig waren stets auf
Vervollkommnung seiner Kunst gerichtet. Seine mikroskopischen,
naturwissenschaftlichen und anatomischen Arbeiten sind nicht bertroffen
und nur durch Betrachtung durch die Lupe ganz zu wrdigen. Vorzglich
sind auch seine Nachbildungen Rembrandtscher Radierungen. Viele seiner
besten Arbeiten finden sich in den Verlagswerken Wilh. Engelmanns
verstreut. Besonders in technischen Illustrationen zeichnen sich
KLITZSCH & ROCHLITZER aus.

In neuerer Zeit hat Stuttgart sich in der Xylographie namentlich
durch das Institut von AD. CLOSS ein hohes Ansehen erworben. Es wird
Gelegenheit sein, hierauf in dem folgenden zurckzukommen (Kap. XIV).
Eine hervorragende Stufe nimmt die Anstalt von R. BREND'AMOUR & CO.
in Dsseldorf mit Zweiganstalten in Dsseldorf, Berlin, Leipzig und
Stuttgart ein.

[Sidenote: J. G. Prestel * 1739, [+] 1808.]

sterreich hat in der Xylographie, ganz besonders in dem _Clairobscur_-
und dem Polychromdruck, bedeutende Namen aufzuweisen. Unter den wenigen
Leistungen aus der zweiten Hlfte des XVIII. Jahrhunderts sind die
_Clairobscur_-Bltter von JOH. GOTTL. PRESTEL rhmlichst zu erwhnen,
namentlich eine Kreuzabnahme nach Raphael. Auch KARL FRIEDR. HOLTZMANN
(1740-1811) lieferte Tchtiges in dieser Richtung. Die vorzglichsten
seiner Arbeiten erschienen gesammelt als Abdrcke in Helldunkel nach
verschiedenen Meistern. Er wandte, wie schon ltere Knstler es gethan
hatten, Kupferstich in Verbindung mit Holzschnitt an und druckte mit
zwei bis zu sechs Platten. Auch von Karl Ruprecht (1799-1831) existieren
gute _Clairobscur_-Bltter.

[Sidenote: B. Hfel * 27. Mai 1792, [+] 17. Sept. 1863.]

In seiner Arbeitsweise mit Gubitz verwandt, jedoch als Knstler weit
bedeutender ist BLASIUS HFEL. Er war in Wien geboren und zeigte
frhzeitig ein ungewhnliches Zeichentalent. Nach vielen Schwierigkeiten
gelang es ihm, einen Platz in der Akademie der bildenden Knste zu
erlangen. Um dort am Tage studieren und arbeiten zu knnen, musste er
in den Nachtstunden seinen rmlichen Lebensunterhalt durch Illuminieren
von Bildern erwerben. Anfangs widmete er sich mit Erfolg der Malerei,
ging jedoch bald zum Kupferstich ber und lieferte eine grosse Anzahl
von Blttern, allein 120 Portrts fr Artaria. Im Jahre 1820 erhielt
Hfel die Professur des freien Handzeichnens an der Militr-Akademie in
Wiener-Neustadt.

Auf einer Reise in Deutschland im Jahre 1829 lernte er Gubitz
und Unzelmann kennen und sofort die Wichtigkeit der neuerwachten
Holzschneidekunst begreifend, warf er sich mit Eifer auf dieses
Verfahren. Eine seiner ersten Arbeiten: Betende Alte nach Waldmller
wurde in 127000 Exemplaren verkauft. Die Aufmerksamkeit des Frsten
Metternich ward auf Hfel gelenkt, auf dessen Anregung erfasste er die
von Collas erfundene Reliefmanier und lieferte treffliche Platten zu dem
Ehrentempel sterreichs. Eben im Begriff nach Paris zu gehen, verlor
Hfel Haus und Habe durch einen grossen Brand, welcher 633 Huser in
Wiener-Neustadt am 8. September 1834 in Asche legte, und er musste nun
von neuem anfangen. Eine Verbindung mit der Nationalbank fhrte nicht
zu einer dauernden Anstellung und infolge einer Reorganisation der
Militr-Akademie in Neustadt wurde Hfel pensioniert. Er verband sich
nun, um seine Erfindungen auszubeuten, mit dem Buchdrucker Sollinger.
Letzterer erhielt bei der Industrie-Ausstellung in Berlin 1840 die
goldene Medaille. Hfel ging leer aus. Bei seinem nun folgenden Versuch
mit einer eigenen Buchdruckerei geriet er in Konflikt mit dem Gremium
der Buchdrucker und Buchhndler, woraus ihm viel Verdruss und viele
Verluste entstanden.

Im Jahre 1845 stellte er eine Anzahl der schnsten Farbendrucke aus,
darunter eine Madonna nach Fhrich in 25 Platten auf Goldgrund. Die
Verhltnisse des Jahres 1848 zwangen Hfel, sein Geschft um jeden Preis
zu verkaufen. Er ging nun nach Salzburg und baute sich in dem am Fusse
des Gaisberges reizend gelegenen Dorfe Aigen einen Meierhof, wo er den
Rest seiner Tage, mit der Ausfhrung verschiedener grosser Stahlplatten
beschftigt, verbrachte.

Auf Aufforderung von G. Haase Shne lieferte er fr die Ausstellung in
Mnchen einen lebensgrossen Christuskopf nach Hbner in der Baxterschen
Manier, 22 Platten Farbe auf Farbe ohne Konturen gedruckt. Das Bild
erschien in vier Auflagen. Trotz seines schweren Kampfes mit dem Leben
behielt Hfel noch im Greisenalter seine jugendliche Geistesfrische und
seinen Unternehmungsgeist, bis eine Lungenlhmung seinem vielbewegten
Leben ein Ende machte.

[Sidenote: F. v. Exter * 7. Mrz 1820, [+] 27. Juni 1860.]

FRIEDRICH VON EXTER, ein Schler Hfels und einer der geschicktesten
Holzschneider der Anstalt von Braun & Schneider in Mnchen, wurde 1846
von Auer als Leiter der xylographischen Abteilung der Staatsdruckerei
nach Wien berufen. Zu seinen besten Leistungen gehren Kaiser Joseph
an der Buchdruckerpresse und Karl V. im Kloster St. Just. Zu den
_Peintures de Polygnote  Delphe_ der Gebr. Riepenhausen lieferte Exter
die ersten zwlf Tafeln in Chromoxylographie, die spteren Platten
wurden lithographisch ausgefhrt.

[Sidenote: H. Knfler * 1824.]

HEINRICH KNFLER aus Schmlln im Altenburgischen brachte es von einem
einfachen Tischlergesellen zu einem hervorragenden xylographischen
Knstler und Kunstdrucker. Prof. von Berger in Wien war der erste,
welcher auf sein ausserordentliches Talent aufmerksam wurde.
Den Unterricht in der Xylographie erhielt er von Bader, der von
Stuttgart nach Wien bergesiedelt war. Ein Holzschnitt Knflers, Der
Stephansturm, wurde sehr bewundert und verschaffte ihm eine Anstellung
in der Staatsdruckerei, welche er spter mit einer solchen bei Zamarski
vertauschte, bei dem er sich viel mit dem Chromodruck beschftigte.

Seinen hauptschlichsten Ruf erwarb sich Knfler durch seine Miniaturen
zu dem bei Reiss erscheinenden _Missale_ und durch seine Illustrationen
zu den liturgischen Werken Pustets in Regensburg. Eine ihm von Didot
angebotene ehrenvolle und vorteilhafte Stellung lehnte er ab. Knfler
ist namentlich ein Meister in der Behandlung der Kpfe seiner kleinen
Figuren. Eine seiner bedeutendsten Leistungen ist die Nachbildung des
Marienfensters des Prof. Trenkwald in der Votivkirche zu Wien. Ferner
sind die Illustrationen zu dem gyptischen Joseph und zu Fhrichs
Geistliche Rose zu nennen.

Ein ehemaliger Schler und Mitarbeiter Knflers, HERMANN PAAR, arbeitete
mit BIBERHOFER zusammen. Die Aufmerksamkeit wurde auf ihn durch den
Druck der von Bader geschnittenen Trachtenbilder Albr. Drers gelenkt.
Sein Bildnis eines Unbekannten nach Jan van Eyck ist eine vollendete
Leistung, ebenso sein Kegelschieber nach Ostade. Ein Xylograph ersten
Ranges ist der mehrerwhnte BADER. Sein Panorama von Wien im Jahre 1873
hat bei einer Hhe von 77 cm eine Lnge von 122 cm.

                   *       *       *       *       *

In Verbindung mit der Xylographie mssen wir noch zwei Verfahren nennen,
die, wennauch ihr praktischer Wert kein ausserordentlicher ist, doch dem
Fachmann von Interesse sind.

[Sidenote: Die Planotypie.]

Die erste ist die PLANOTYPIE[188]. Eine Zeichnung in Linien wird auf
Lindenholz getragen. Mittels einer durch eine Stichflamme glhend
gemachten Stanze wird die Zeichnung Strich fr Strich in das Holz
vertieft eingebrannt und so eine Matrize gebildet, in welche eine leicht
flssige Metalllegierung gegossen wird. So wird ein erhabenes Clich
erzielt, mit welchem man, nachdem die Oberflche vollstndig egalisiert
worden ist, drucken kann. Das Verfahren wurde zuerst von LEPEL, frher
in Berlin, dann in Dresden, verwendet, namentlich fr die sehr grossen
Musterbogen der Modenzeitungen, auf welchen die verschiedenen Muster fr
das Zuschneiden auf einer Platte sich kreuzen.

  [188] H. KLEMM, Die Planotypie. Dresden 1871.

Mit vielem Geschick ist diese Methode zur Illustrierung eines
umfangreichen Werkes Trachten der Vlker in Bild und Schnitt (Dresden,
bei Mller, Klemm und Schmidt) verwendet. ber 1000 Figurenbilder sind
in dieser Weise in Umrissen wirksam und charakteristisch hergestellt.

[Sidenote: Stigmatypie von Fasol.]

Ein anderes Verfahren oder vielmehr eine besondere Verwendung der
einfachsten typographischen Figur, des Punktes, zur malerischen
Typographie, die STIGMATYPIE, fand besonders in Wien durch CARL FASOL
Pflege.

Mit fnf Graden von Punkten liefert derselbe nicht allein die
kompliziertesten Ornamente, sondern auch frmliche bildliche
Darstellungen: Portrts, Architektonisches, Landschaftliches, Blumen-
und Fruchtstcke mit Licht- und Schatteneffekten, die, wenn man des
benutzten Materials eingedenk bleibt, geradezu wunderbar sind. Die
Zeichnung wird auf karriertes Papier bertragen und zur Erleichterung
beim Setzen die Strke der zu whlenden Punkte durch Farbennuancierungen
kenntlich gemacht. Um die unendliche Mhe einer solchen stigmatypischen
Arbeit zu beurteilen, mag die Erwhnung des Umstandes gengen, dass
zu einem Fruchtstck in der Grsse von 1113 Zoll etwa 80000 Punkte
gehrten. Man muss dem bedeutenden Talent und der grenzenlosen Ausdauer
des Knstlers seine Achtung zollen, jedoch nicht ohne eine herbe
Beimischung von Bedauern, dass doch nur bedingungsweise Gelungenes
zustande gebracht werden kann, was man mit weniger Mhe und Aufwand in
anderer Weise besser und leichter htte erzielen knnen. Doch bleiben
diese stigmatypischen Arbeiten eine Anspornung fr den Typographen,
sein Material gut zu benutzen, wenn er sieht, mit wie wenigen Mitteln
sich etwas Hbsches schaffen lsst und deshalb verdienen die von Fasol
herausgegebenen Proben (Album der Buchdruckerkunst, fnf Hefte in
Folio, 1868-1881) einen Platz in jeder grsseren Druckanstalt und in
jeder typographischen Gesellschaft.

[Illustration]


[Illustration]

                              XI. KAPITEL.

             DIE TYPOGRAPHISCHEN MASCHINEN IN DEUTSCHLAND.

  Fr. Knig und die Schnellpresse. Die Bedeutung derselben.
    Jugendgeschichte Knigs. Seine Rckkehr aus England. Etablissement
    Knig & Bauer in Oberzell. Kampf und Sieg. Die Zweifarbenmaschine.
    Die Endlose. Die Maschinenfabrik Augsburg und andere Fabriken
    Deutschlands. Helbig & Mller in Wien und andere Fabrikanten
    sterreichs. Die lithographische und die zinkographische
    Schnellpresse. Die Handpressen. Die Satinier-Schnellpresse. Die
    Farbenfabrikation.

[Sidenote: Fr. Knig und die Schnellpresse.]

Am 17. April 1874 waren hundert Jahre vergangen seit dem Tage, an
welchem FRIEDRICH KNIG, der Erfinder der Schnellpresse, in Eisleben
das Licht der Welt erblickt hatte[189]. Eine kleine Stadt war sein
Geburtsort, aber ihr Name hatte Weltruf erlangt, denn in Eisleben stand
die Wiege des grossen Reformators, Luther, den hunderte, ber das
ganze Erdenrund verbreitete Millionen als den Befreier von dem auf dem
Geiste lastenden Druck verehren; dessen Name jeder gebildete Deutsche,
der Genuss und Belehrung in den Werken sucht, welche die Heroen der
deutschen Litteratur und Wissenschaft schufen, als den des Reformators
der Muttersprache hoch hlt, selbst wenn er dem Trger desselben auch
nicht als Reformator in Glaubenssachen huldigt.

  [189] Die folgenden Zeilen sind einem Glckwunschschreiben entnommen,
        welches der Herausgeber dieses Buches als Sekretr des Deutschen
        Buchdrucker-Vereins an die Shne Friedrich Knigs zum 17. April
        1875 abzufassen hatte (vgl. Annalen d. Typ. Nr. 301). Dieses
        Schreiben sowohl wie der Jubelartikel in dem Journ. f. B. 1875,
        Nr. 15 ff. kamen jedoch, wie nach spterer Feststellung des
        Geburtsjahres Knigs hervorgeht, um ein Jahr zu spt.

[Sidenote: Kulturhistor. Bedeutung der Erfindung.]

Wie wre jedoch die weltbewegende Wirksamkeit Luthers gehemmt gewesen,
wenn er nur auf das gesprochene Wort und auf die Verbreitung desselben
durch Niederschrift angewiesen gewesen wre, wenn ihm nicht die
thtigen Pressen Wittenbergs und Leipzigs frdernd zur Seite gestanden
htten. Glcklich mssen wir uns preisen, dass die deutsche Erfindung
Gutenbergs es ihm mglich machte, seine zndenden Blitze nach berall
hinzuschleudern.

Und doch, wie unvollkommen und langsam war die damalige Hlfe der
Presse, wenn wir sie mit derjenigen vergleichen, welche sie uns heute
leistet. Vergegenwrtigen wir uns, wie viel durchgreifender und wie
unendlich schneller die Erfolge der reformatorischen Thtigkeit Luthers
htten sein mssen, wenn man derzeit ber diejenigen mechanischen
Hlfsmittel zu verfgen gehabt htte, die uns jetzt zu Gebote stehen;
wenn die $Schnellpresse$ damals dienend zur Seite gestanden htte; wenn
diejenige Reform im Druckwesen, welche die _Times_ vom 29. November
1814 den staunenden Lesern verkndete, gleichzeitig mit der Reform des
Glaubens und der deutschen Sprache ins Leben getreten wre.

Doch verlieren wir uns nicht in Phantasien ber das, was htte werden
knnen, und halten wir uns an die grosse Errungenschaft, wie wir sie
wirklich jetzt besitzen. Die $Schnellpresse$ gehrt unserer Zeit. Sie
ist ein Kind des XIX. Jahrhunderts und hat wieder so unendlich viel
dazu beigetragen, dieses zu einem der denkwrdigsten in der Geschichte
der Entwickelung der Menschheit zu machen. $Sie$ hat die Presse zu der
sechsten, oder wenn wir wollen, zu der ersten Grossmacht herangebildet,
$sie$ hat der ffentlichen Meinung, verkrpert in dem Journalismus, eine
Macht verliehen, vor der sich selbst die Mchtigsten der Erde beugen,
$sie$ trgt die Bildung bis in die Htte und macht es dem rmsten
mglich, an den geistigen Genssen, welche gottbegabte Mnner uns
bereiteten, teilzunehmen, $sie$ hat, wie die Grabschrift des Erfinders
sagt, der Presse Flgel verliehen, ohne welche sie ihr zehnfaches
Tagewerk nicht gengend wrde erfllen knnen.

[Sidenote: Knigs Jugendgeschichte.]

Der Vater Knigs war ein schlichter Ackerbauer, die Mutter eine
vortreffliche Frau, die fr einen guten Unterricht des Sohnes Sorge
trug. Zu Johanni 1790 kam Friedrich in die Buchdruckerlehre bei J.
G. J. Breitkopf und wurde Michaeli 1794 losgesprochen. Jede freie
Stunde verwendet er auf seine Ausbildung, hrte spter Vorlesungen
und beschftigte sich wahrscheinlich schon frhzeitig mit Plnen zur
Verbesserung der Holzpresse und mit dem Gedanken, Stempel in Platten
einzudrcken, um in letztere Stereotypplatten zu giessen. In betreff der
Konstruktion einer Tiegeldruck-Schnellpresse[190] war er schon im Jahre
1805 mit sich ins Reine gekommen, denn in diesem Jahre wendete er sich
von Wien aus an den Kaiser von Russland und bietet ihm die Erfindung an.
Die Plne wurden nach St. Petersburg gesandt; er selbst folgte am 12.
Mai 1806. Anfnglich gestalteten sich die Aussichten vortrefflich und
Knig schrieb an seine Mutter, mit der er auch spter sich schriftlich
in kindlicher Liebe unterhlt, Berichte voll der schnsten Hoffnungen.
Bald sollten jedoch diese vernichtet werden und noch in dem erwhnten
Jahre ist Knig in London, um dort seine Plne durchzusetzen.

  [190] TH. GOEBEL, Friedrich Knig und die Erfindung der Schnellpresse.
        Braunschweig 1875. Eine von demselben verfasste umfangreiche
        Geschichte der Erfindung, zugleich der Firma Knig & Bauer, war
        bei dem Satz dieser Bogen und bei dem bereits erfolgten Druck
        der Bogen 4 und 5 noch nicht ausgegeben, konnte demnach nicht
        fr die Darstellung hier benutzt werden. -- J. H. BACHMANN, Die
        ersten Schnellpressen in Deutschland; eine Reihe von Artikeln
        in dem Journ. f. B. 1868, Nr. 38-48, 1869, Nr. 2-17 enthlt die
        ausfhrliche Geschichte des Baues von vier Schnellpressen fr
        Spener und Decker in Berlin.

[Sidenote: Knig & Bauer.]

Wie dies geschah ist bereits erzhlt (S. 53). Knig kehrte Ende August
1817 nach Deutschland zurck, wo es ihm gelungen war, das reizend
gelegene frhere Benediktiner-Kloster OBERZELL, eine halbe Meile von
Wrzburg, zu erwerben. Erst spter, im Mai 1818, kam der treue Freund
Bauer nach Oberzell. Dieser, 1783 in Stuttgart geboren, war ein sehr
tchtiger Mechaniker und hatte durch sieben Jahre treu alle Arbeiten
und Sorgen mit Knig geteilt, ohne dass ein festes Geschfts-Verhltnis
zwischen beiden stattgefunden hatte. Erst wenige Tage vor Knigs Abreise
von London wurde, am 9. August 1817, der erste Vertrag zwischen beiden
abgeschlossen. Nach demselben sollte Knig als Erfinder und als Ersatz
fr seine bisherigen Opfer zwei Anteile am Gewinn haben, whrend ein
Anteil Bauer zufallen sollte; auch wrde Oberzell Knigs Eigentum
bleiben. Im Jahre 1821 wurde der Vertrag dahin abgendert, dass eine
gleichmssige Teilung des Gewinns stattfand.

[Sidenote: Knig ber Bauer.]

ber Bauers Anteil an der Erfindung und an der Fortbildung derselben
thun wir am besten, uns an Knigs eigene Worte zu halten, welche in
wenigen Zeilen das Verhltnis so trefflich und schn charakterisieren:
Wenn zwei Mnner gemeinschaftlich und im hchsten Vertrauen zu
einander einen Zweck verfolgen, so drfte es schwer sein, den Anteil zu
bestimmen, den ein Freund gehabt hat, der bei allem zu Rate gezogen, mit
dem jede Angelegenheit des Geschfts berlegt worden ist und wir haben
uns selbst nie Rechenschaft darber abgelegt oder abgefordert.

Man hatte nun nicht nur ein Dach ber dem Kopfe, sondern war, was
Lokalitt anbetrifft, eingerichtet, wie es nicht besser sein konnte,
aber es galt jetzt, alles aus nichts zu schaffen, nicht nur Werkzeug
und Hlfsmaschinen, sondern auch Arbeiter, denn die Verhltnisse lagen
nicht wie in England; aus rohen Bauern waren erst tchtige Gehlfen
auszubilden.

[Sidenote: Erste Bestellung.]

Dann mussten Bestellungen herbeigefhrt werden. Cotta, an den man sich
zuerst wandte, konnte Staatsgeschfte halber vorlufig sich nicht
mit dem Maschinenwesen befassen. Dagegen fanden Knigs Vorstellungen
offene Ohren bei Georg Jacob Decker in Berlin und dessen Schwager K.
Spener. Bereits whrend Knigs Aufenthalt in England waren nhere
Unterhandlungen mit Decker angeknpft, die jedoch durch Knigs Absicht,
England zu verlassen, unterbrochen wurden. Am 15. Oktober 1817 kam es
mit den Genannten zu dem Abschluss eines Kontraktes ber die Lieferung
von zwei Schnellpressen, die innerhalb zwei und einem halben Jahre
fertig zu stellen waren. Die Abnehmer sollten 7000 Thaler zahlen,
ausserdem alle Spesen tragen und, anstatt der von Knig anfnglich
geforderten jhrlichen Abgabe, ein fr allemal ein Prmium von 10000
Thalern gewhren. Man sieht aus dem obigen, dass es den Bestellern nicht
an Opferfreudigkeit und Zutrauen zu den Ideen Knigs fehlte.

[Sidenote: Schwierigkeiten aller Art.]

Die Ausfhrung gestaltete sich fr beide Teile zu einer langen
Leidensgeschichte. Nicht nur die oben erwhnten Schwierigkeiten der
Arbeiterverhltnisse, sondern auch der Mangel an Fonds machten sich
in qulender Weise fr Knig & Bauer geltend. Zwar erhielten sie ein
zinsfreies Darlehen von 20000 fl., jedoch zunchst um eine Papierfabrik
in Gang zu bringen. Die ersten 10000 fl. waren bereits absorbiert,
ohne dass die Arbeiten, an welche die Auszahlung der zweiten 10000 fl.
geknpft waren, ihr Ende erreicht hatten. John Walter, fr welchen Knig
noch Arbeiten auszufhren hatte, ward unwillig, weil er sich unmglich
die Jmmerlichkeit der deutschen Arbeiterverhltnisse vorstellen konnte.
Das langsame Vorwrtsschreiten machte Decker und Spener rgerlich,
trotzdem unterliessen sie nicht, der Fabrik allen mglichen Vorschub
zu leisten. Erst im Juli 1822 konnte der erste Probedruck in Oberzell
gemacht werden. Am 15. November 1822, also erst fnf Jahre nach der
Bestellung, waren die durch Nachbestellung auf vier vermehrten Maschinen
zum Versand fertig. Im Januar 1823 befanden sie sich zwar im Gange
und das erste Produkt war die Nr. 11 der Spenerschen Zeitung vom 25.
Januar 1823; es dauerte jedoch fast ein Jahr, bevor die Leistungen
zufriedenstellend ausfielen. Mit allen dazu gehrigen Einrichtungen
kamen die Kosten fr die Besteller auf etwa 30000 Thaler zu stehen, dazu
im Jahre 1827 noch 5500 Thaler fr Umbau.

[Sidenote: Vielfache Plne.]

Es war eine schwere und aufreibende Zeit gewesen. Mit der Papierfabrik
wollte es nicht vorwrts. Im Herbst 1823 musste Knig selbst nach
London gehen, um von den neuesten Erfindungen und Verbesserungen
der Papierfabrikation Kenntnis zu nehmen. Die Geldsorgen endigten
vorlufig durch den Beitritt Cottas zu diesem Geschft; 1831 bernahmen
jedoch Knig & Bauer dessen Anteil wieder. Obwohl das Unternehmen
somit schliesslich festen Boden gewann, so war die Zersplitterung der
Krfte doch kaum als ein Glck fr das Schnellpressen-Etablissement zu
betrachten, dessen rasche Frderung noch nicht gelingen wollte, sie
gewhrte aber eine fortwhrende Beschftigung fr Knigs regen Geist. Er
brachte an den _Times_-Maschinen Verbesserungen an, beschftigte sich
mit dem Gedanken einer _Roundabout_-Presse mit zehn Druckcylindern,
welche stndlich 5000 Exemplare liefern sollte, und mit dem bereits
erwhnten Verfahren, geschlagene Matern herzustellen. Selbst die
Setzmaschine spielte eine Rolle in seinen damaligen Plnen.

[Sidenote: Verbreitung der Schnellpresse.]

Am 12. Juli 1824 erhielt Cotta eine Schnellpresse fr die Allgemeine
Zeitung in Augsburg. Knig selbst leitete die Aufstellung im Verein
mit seinem Neffen Fritz Reichenbach, der bei Decker gelernt hatte und
den Knig von Berlin mitgenommen hatte, um ihn als Maschinenbauer
auszubilden; ein zweiter Neffe, Friedrich Helbig, zeichnete sich spter
in Wien aus.

Um die Anbringung der Maschinen zu erleichtern, wollte Knig solche auf
eigenes Risiko bauen und sie auf Gewinn-Anteil ausleihen. Knig litt
jedoch unter demselben Mangel an Betriebskapital, der die Buchdrucker
selbst drckte, und der Plan liess sich nicht durchfhren. Er musste
nun darauf bedacht sein, kleinere und billigere Maschinen zu bauen, die
sich durch Menschenhnde bewegen liessen und von denen er gleichzeitig
mehrere Exemplare bauen knnte, wodurch die Herstellung wesentlich
billiger zu stehen kommen wrde. Der Erfolg bewies, dass die Rechnung
eine richtige gewesen. 1826 wurden elf Maschinen fertiggestellt,
darunter die ersten fr Stuttgart (J. B. Metzler) und Leipzig (F.
A. Brockhaus). Schon Fr. Arn. Brockhaus hatte an Anschaffung einer
Schnellpresse gedacht, schreibt jedoch 1819 an Knig, dass ihm der Mut
fehle (Kap. XII). Nach Paris wurde die erste Maschine an A. Guyot &
Scribe, die zweite an E. Pochard geliefert; fr Enched & Sohn in Harlem
waren bereits zwei solche abgesandt.

[Sidenote: Rckgang und dann neue Erfolge.]

Somit schien alles im besten Gange zu sein, da kam die Julirevolution.
Die Drucker zerschlugen die Schnellpressen, die Bestellungen sowohl
aus Frankreich wie aus Deutschland blieben aus; niemand hatte Lust,
Kapitalien in Maschinen, welche der Zerstrung ausgesetzt waren,
anzulegen, und als Ruhe und Vertrauen wiederkehrten, konnte Frankreich
seinen Bedarf selbst decken. Die Fabrik in Oberzell, die ber hundert
Arbeiter beschftigt hatte, behalf sich jetzt mit vierzehn. Die
Teilhaber verloren jedoch den Mut nicht und machten alle Anstrengungen,
um die Buchdrucker fr die Maschinen zu interessieren. In einem
diesbezglichen Zirkular finden sich merkwrdige usserungen. Die
Firma erklrt, vierfache Maschinen bauen zu knnen, die wenigstens
4000 Exemplare in der Stunde liefern, glaubt jedoch, dass es nirgends
Verhltnisse giebt, in welchen eine so grosse Geschwindigkeit besondere
Vorteile gewhren wrde, und fhrt dann fort: Wir halten noch andere
seltsamere Kombinationen -- mit endlosem Papier -- nicht nur fr
mglich, sondern auch fr leicht ausfhrbar. Allein, obgleich man damit
ein ungeheures Resultat erhalten wrde, so treten doch, nach unserer
Meinung, so viel praktische Hindernisse, die in der Beschrnktheit des
Bedarfs und den bestehenden Formen und Gewohnheiten ihren Grund haben,
ein, dass wir uns nie zu einem Versuche entschliessen knnten, wiewohl
wir dazu alle Mittel zur Hand haben. Zum $wohlfeilen$ und $schnellen$
Druck ist genug geschehen, zum $besseren$ Druck bleibt noch viel zu thun
brig.

[Sidenote: Knigs Verheiratung und Tod.]

[Sidenote: Knigs Nachfolger.]

Im Jahre 1825 heiratete der 50jhrige Knig eine 18jhrige junge
Dame aus Suhl. Sie schenkte Knig drei Kinder, zwei Shne und eine
Tochter. Knig fhlte sich sehr glcklich, sollte jedoch leider nicht
lange sein Glck geniessen. Die Entbehrungen in den jngeren Jahren,
die fortwhrenden Anstrengungen und aufreibenden Sorgen hatten seine
Gesundheit untergraben. Er starb nach einem Schlaganfall am 17. Januar
1833. Seine treue Gefhrtin lebte bis zum 1. April 1882. Sein Freund
Bauer berlebte ihn fast 30 Jahre und ruht seit 1860 an seiner Seite.
Die Shne Wilhelm (geb. am 9. Dezember 1826) und Friedrich (geb. am 29.
Januar 1829) bernahmen das Geschft. Knig und Bauer, aus einem ganz
verschiedenen Stoff gebildet, ergnzten sich vortrefflich. Der erste
hochstrebend, weitblickend, rasch schaffend; Bauer bedchtig berlegend,
minutis im Arbeiten und genau rechnend. Nur einmal in dem schweren
Jahre 1824 trat eine vorbergehende Missstimmung zwischen Beiden ein,
die sich jedoch schnell ausglich.

[Sidenote: Wachstum des Etablissements.]

Bei Knigs Tod waren im ganzen etwa 60 Schnellpressen ausgefhrt. Es
ging aber nun so rasch vorwrts, dass im Jahre 1865 die tausendste, am
6. September 1873 die zweitausendste Maschine fertiggestellt wurde, bei
welcher Gelegenheit die beiden Brder den Orden des heiligen Michael
erhielten und damit in den Adelstand erhoben wurden. Fr das erste 1000
waren 50 Jahre ntig gewesen, whrend das zweite 1000 nur acht Jahre
brauchte. Von den 2000 Maschinen blieben 1243 in Deutschland. Leipzig
erhielt davon 265, Stuttgart 117; 392 gingen nach Russland (208 nach
St. Petersburg). Die strksten Abnehmer waren Brockhaus und Teubner in
Leipzig, die Staatsdruckerei in St. Petersburg mit je 33 Stck, Cotta
mit 32[191]. Das dritte Tausend wurde 1882 voll.

  [191] KNIG & BAUER, Verzeichnis der ersten 2000 Schnellpressen. 1873.

[Sidenote: Verbreitung der Knigschen Schnellpressen.]

Die Schnellpressen Knig & Bauers zeichneten sich stets durch die grosse
Akkuratesse der Arbeit und durch Soliditt aus. Die mit Kreisbewegung
und Cylinderfrbung versehenen Maschinen erwarben in Deutschland
wegen ihres ruhigen Ganges und der Vorzglichkeit des Farbewerkes
ihre Beliebtheit, obwohl sie schwerer zu bewegen und teurer sind,
als die mit Eisenbahnbewegung und Tischfrbung. Welches Ansehen die
Schnellpressen Knig & Bauers genossen, beweisen z. B. Bestellungen
von 24 Stck auf einmal, darunter acht Zweifarbe-Maschinen, zum
Banknotendruck nach Rom und von 20 Stck fr die Bank von Frankreich.
Die Banknotendruckerei von St. Petersburg beschftigt vorzugsweise Knig
& Bauerschen Tiegeldruckmaschinen, welche fr die feinsten Arbeiten
allen anderen vorgezogen werden, obgleich sie einen sehr grossen Raum
einnehmen, langsam arbeiten und sehr teuer sind. Eine Eigentmlichkeit
der Tiegeldruckmaschine sind die zwei Fundamente, von welchen man nach
Belieben beide oder nur eins von beiden benutzen kann. Die Frbung, eine
Kombination von Cylinder- und Tischfrbung, ist eine hchst vollkommene.

[Sidenote: Die Zweifarbenmaschine.]

Vorzglich sind ebenfalls die Zweifarbe-Maschinen Knig & Bauers. Wenn
sie auch nicht dieselben in die Praxis zuerst einfhrten, so gebhrt
ihnen der Ruhm, sie zuerst zur Vollkommenheit gebracht zu haben. Diese
Maschinen mssen als eine besonders wertvolle Bereicherung des Materials
der modernen Typographie betrachtet werden und fanden rasch eine grosse
Verbreitung. Durch sie hat die ebenfalls neue Erfindung der Hochtzung
erst ihren vollen Wert erhalten, indem es durch sie mglich geworden
ist, farbige Landkarten zu einem solchen Preis zu liefern, dass sie
berall Eingang finden knnen. Auch fr die Accidenzarbeiten ist der
Nutzen ein hervorragender und die harte Not des richtigen Registers beim
Doppeldruck hat nun in manchen Fllen aufgehrt.

In neuester Zeit bauten Knig & Bauer nach dem ursprnglichen Patent von
A. H. Payne in Leipzig eine Dreifarben-Maschine, welche jedoch nach der
Erwerbung seitens der Fabrik in Oberzell umkonstruiert worden ist. Die
gebogenen Galvanos werden auf einem grossen Cylinder angebracht, der den
dreimaligen Umfang eines der Druckcylinder hat. Die Maschine liefert in
der Stunde sieben bis achthundert Drucke in drei Farben, lsst sich
auch fr eine grssere Anzahl von Farben bauen und wurde bereits fr
fnf nach Frankreich angefertigt[192].

  [192] Journ. f. B. 1881, Nr. 32.

[Sidenote: Knigs Endlose.]

Als die Endlosen aufkamen, verhielten Knig & Bauer sich eine
ziemlich lange Zeit abwartend und liessen der Fabrik Augsburg den
Vorsprung. Erst als sie, ohne ihre Anstalt wesentlich zu schdigen,
nicht zurckbleiben konnten, gingen sie ans Werk, dann aber auch mit der
hergebrachten Energie. Sie hielten sich zunchst an die Konstruktion
der _Victory-Press_, deren Cylinder alle in der Ebene liegen. Ihre
derartigen Maschinen fr die Klnische Zeitung wurden nach den Angaben
des Obermaschinenmeisters E. Bragard hergestellt[193].

  [193] Journ. f. B. 1880. Nr. 17.

[Sidenote: Maschinenfabrik Augsburg.]

[Sidenote: Fr. Reichenbach [+] Juni 1883.]

Nach der Anstalt von Knig & Bauer hat die Maschinenfabrik Augsburg die
grsste Ausdehnung fr den Schnellpressenbau in Deutschland gewonnen.
Sie wurde von dem erwhnten Neffen Fr. Knigs, Fritz Reichenbach,
gegrndet und ging dann spter in die Hnde einer Aktiengesellschaft
ber. Die Anstalt baute namentlich Maschinen mit Eisenbahnbewegung;
grosse Verbreitung fanden ihre Zweifarben-Maschinen; sie war auch die
erste, welche in Deutschland die Rotationsmaschine fr endloses Papier
baute und nahm sich namentlich die Walter-Presse als Vorbild. Das erste
Exemplar wurde in der Spaarmannschen Offizin in Oberhausen aufgestellt.
Bis 1880 hatte die Augsburger Fabrik 65 Rotationsmaschinen in 38
Formaten und nach 21 verschiedenen Konstruktionen gebaut, von denen 46
im eigentlichen Deutschland, 14 in sterreich-Ungarn blieben, eine nach
Batavia ging. Ihr gelang es auch (1879) zuerst in zufriedenstellender
Weise diese Maschinen fr den Illustrationsdruck herzustellen. Auf
dreien derselben, welche je 4000 Exemplare stndlich liefern, werden
die Hallbergerschen illustrierten Bltter mit bestem technischen Erfolg
gedruckt. Die Rotationsmaschine hat im allgemeinen in Deutschland
eine viel schwierigere Aufgabe als in England. Teils ist das deutsche
Papier fr gewhnlich geringer und schwcher, als das englische, reisst
daher leichter und legt sich schwerer aus, dann aber vertragen die
abwechselnden Schriften, namentlich die vielen Auszeichnungsschriften
untermischt mit Illustrationen, welche die Inseratenseiten deutscher
Bltter fllen, viel weniger den Mangel an Zurichtung als die
englischen und amerikanischen Zeitungen mit ihren kompakten, den Kegel
fast fllenden Antiquaschriften.

[Sidenote: Die Endlose in Wien.]

Bereits im Jahre 1859 war mit Endlosen in Wien durch Auer
experimentiert worden, doch knnen diese Versuche nicht als gelungen
bezeichnet werden (vgl. Kap. XV). Nach Wien kamen die ersten zwei
englischen Walterschen Rotationsmaschinen, durch Ludw. Lott, den
Direktor der Druckerei der Presse, eingefhrt, zunchst um den
Ausstellungskatalog 1873 zu drucken. Ebenfalls zur Ausstellung
liess die Druckerei der Neuen Freien Presse eine ihrer grossen
Marinoni-Maschinen nach des Direktors Reisser Angaben zu einer Endlosen
umarbeiten, die in dem Pavillon der Neuen Freien Presse in dem
Prater die Ausstellungszeitung druckte und tglich, wenn das grosse
Gerusch den Anfang der Arbeit verriet, eine grosse Masse Wissbegieriger
sammelte, um von ihrem Wirken Zeugen zu sein. Die Presse konnte nicht
mit den englischen Maschinen hinsichtlich der Leistungsfhigkeit
konkurrieren. berhaupt hat Wien mit dem Bau der Endlosen bis jetzt
kein grosses Glck gehabt.

[Sidenote: Andere Rotationsmaschinen.]

Auch C. HUMMEL in Berlin baute Endlose und will das Patent von G.
A. Horn auf eine Doppelrotationsmaschine mit zwei von einander ganz
unabhngigen Systemen ausbeuten[194]. Jeder der Schriftcylinder wird von
seinem Papierzubringer gespeist und ist mit zwei Farbewerken versehen.
Stellt man eins der Drucksysteme ab und arbeitet nur mit dem andern,
so wird dies von vier Farbewerken bedient, und eignet sich dann um
so besser fr die Lieferung feinerer Arbeiten. Die Bogen werden nach
beiden Seiten der Maschine ausgefhrt. Es muss sich ergeben, ob die
Praxis hier mit der Theorie Hand in Hand gehen wird. Die bekanntesten
Maschinen Hummels waren die nach den Angaben des Obermaschinenmeisters
Eugen Bragard fr den Druck der Klnischen Zeitung mit Vor- und
Rckwrtsbewegung gebauten, die stndlich 6000 Exemplare druckten.

  [194] Abgebildet und beschrieben im Journ. f. B. 1879, Nr. 36.

[Sidenote: Verschiedene Fabriken.]

[Sidenote: J. Forst [+] 14. Febr. 1879.]

Von anderen Maschinenbauanstalten sind zu nennen: G. SIGL in Berlin, der
schon 1865 etwa 1000 Schnellpressen geliefert hatte; AICHELE & BACHMANN
in Berlin. Die Firma KLEIN, FORST & BOHN in Johannisberg a. Rh.,
begrndet 1846 von Johannes Forst und Joh. Klein, hatte am 30. Januar
1875 die 1000. Maschine vollendet. Sie liefert auch Schnellpressen mit
dem von E. C. BRUNN in Mnster konstruierten Querlinien-Druckapparat.
ALBERT & HAMM in Frankenthal hatten 1879 300 Maschinen in die Welt
gesandt. In Wrzburg arbeitet die Firma BOHN, FASSBENDER & HERBER,
in Worms die MASCHINENFABRIK WORMS. In Leipzig sind die bekanntesten
Firmen PH. SWIDERSKI, dessen kleine Maschine Lipsia vielen Beifall
findet; SCHMIERS, WERNER & STEIN, die viele grosse Maschinen bauen.
Tretmaschinen fabrizieren A. HOGENFORST und SCHELTER & GIESECKE. Eine
Fnffarben-Rotationsmaschine konstruierte A. H. SCHUMANN in Leipzig,
welche in zehn Stunden 8000 fertige Bogen, also 40000 Druck, liefern
soll. Zurichtung ist nur unter den Platten mglich[195].

  [195] Journ. f. B. 1879, Nr. 8.

[Sidenote: Fr. Helbig * 1800, [+] 1842.]

[Sidenote: Leo Mller * 1800, [+] 1843.]

In sterreich waren HELBIG & MLLER die ersten
Schnellpressenfabrikanten. FR. HELBIG, ein Sohn aus erster Ehe der
Schwester Fr. Knigs, Marie Rosine, mit einem Bergmann Helbig in
Eisleben, hatte bei Knig gelernt. LEO MLLER war in Rieglern in dem
Vorarlbergschen Walserthale geboren. Sein Vater war dort Bauer und der
Sohn genoss nur den drftigen Unterricht der Dorfschule. Seine Lust
an Mechanik trieb ihn, 18 Jahre alt, das Handwerk eines Schreiners
zu ergreifen und als solcher kam er nach Oberzell zu Knig & Bauer
und wurde bald Leiter der Modellabteilung. Sein Wunsch, Teilhaber der
Anstalt zu werden, konnte nicht erfllt werden, weshalb er nun nach
sterreich zurckging und seinen ersten Versuch im Schnellpressenbau
in Imbach im Innthale fr Rechnung von Rauch & Wagner in Innsbruck
machte. Er fhrte viele Verbesserungen bei der Schnellpresse ein, zu
denen namentlich der Doppel-Excenter behufs Erzielung des Stillstandes
des Druckcylinders beim Rckgange der Form gehrt, der Cylinder wurde
freier gelegt, die Bnder beseitigt und durch Greifer ersetzt, auch
verwendete er zuerst die Eisenbahnbewegung. Gerade eine Differenz mit
Helbig in Patentangelegenheiten gab Veranlassung zu einer Verbindung
beider (um 1836). Sie bauten nun sowohl einfache wie doppelte Maschinen
und auch solche fr zwei Farben; die Idee der letzteren war jedoch
keine neue und Knig & Bauer hatten sich schon 1826 Erhard in Stuttgart
gegenber erboten, solche anzufertigen, was wegen der Kosten jedoch
unterblieb[196].

  [196] sterr. Buchdr.-Ztg. 1880.

[Sidenote: Andere Fabrikanten in sterreich.]

Als tchtige Maschinenbauer sind SIGL, LUDW. KAISER und J. ANGER
bekannt. Als Fabrikant von kleinen typographischen Maschinen hat G.
BERNHARDT Ruf und er baute bereits mehrere hundert solcher, deren System
sehr gelobt wird. Auch die Tretmaschinen von O. O. FUCHS und JEANRENAUD
& CO. finden Beifall.

[Sidenote: Lithographische Schnellpressen.]

Die Lithographie hat durch die Erfindung der lithographischen
Schnellpresse eine enorme Ausdehnung erreicht und der Buchdruckerei
ein bedeutendes Feld abgewonnen. Es gab dabei manche Schwierigkeit
mehr als bei der typographischen Schnellpresse zu berwinden. Die
lithographischen Steine haben nicht, wie die Schrift, eine gleiche Hhe,
die Maschinen mussten deshalb jedesmal nach der Strke des Steines
eingerichtet werden. Der Druck musste ein sehr krftiger, zugleich
ein sehr elastischer sein, wenn der Stein nicht springen sollte. Neu
hinzuzufgen war der Anfeuchteapparat, durch welchen der Stein bei dem
jedesmaligen Druck abgewischt und angefeuchtet wurde. Massenwalzen
konnten nicht verwendet werden, man musste deshalb Walzen von feinem
Leder benutzen, bis es in England gelang brauchbare Kompositionswalzen
herzustellen. Die erste lithographische Schnellpresse wurde im Jahre
1850 in der Maschinenfabrik von G. Sigl in Wien durch Hoppes fr
H. Engels Institut gebaut[197]. 1855 erschien die lithographische
Schnellpresse auf der Pariser Weltausstellung. In Frankreich begann
Marinoni 1864 den Bau und fhrte wesentliche Verbesserungen ein. Die
Pariser Ausstellung von 1867 brachte eine Menge von Varianten durch
Marinoni, Dupuy, Moulde & Vibart, Voirin, Alauzet u. a. In Deutschland
bauen sie namentlich G. Sigl in Wien und Berlin; Knig & Bauer;
Swiderski; Schmiers, Werner & Stein; Klein, Forst & Bohn.

  [197] sterr. Buchdr.-Ztg. 1880, Nr. 2.

[Sidenote: Ferd. Schlotke. Zinkdruckpresse.]

Fr den zinkographischen Druck hat FERDINAND SCHLOTKE in Hamburg eine
Maschine erfunden, durch welche mittels zweier je um eine Stahlwalze
gelegter Platten der Bogen auf zwei Seiten gleichzeitig bedruckt wird,
und zwar mit der Schnelligkeit von 1000 Exemplaren in der Stunde[198].

  [198] Journ. f. B. 1882. Nr. 32.

[Sidenote: Verbesserungen der Handpresse.]

Die eiserne Handpresse wurde in Deutschland vielfach nachgebaut und
auch verbessert. Die Stanhopepresse lieferte namentlich CHR. DINGLER in
Zweibrcken. Die Columbiapresse wurde von FR. VIEWEG eingefhrt und im
Jahre 1825 in dem Httenwerk Zorge am Harz gebaut. Ein Nachteil bei
diesen Pressen war das ftere Springen der Seitenwnde. C. HOFFMANN
in Leipzig baute die Coggersche Presse nach, und seine Konstruktion
wurde von Vielen der der Originalpressen vorgezogen, weil das Heben des
Tiegels durch Kugelgewichte auf langen Hebeln und nicht durch Federn
geschah. Die Presse von Koch in Magdeburg fand, weil sehr billig und
leicht, vielen Beifall; auch war sie insofern sehr zweckmssig, als
sie ber den Tiegel hinaus keinen Oberbau hatte, so dass die Form
voll belichtet war. Sehr verbreitet waren die Hagar-Pressen, die in
vorzglicher Qualitt von Chr. Dingler in Zweibrcken fabriziert
wurden. Dingler verstrkte noch die Kraft und die Sicherheit der
Original-Konstruktion, indem er statt Hagars einfachen Kniehebels vier
schrgstehende Knieteile verwendete, die, wenn der Tiegel sich in der
Hhe befindet, die Form eines Andreaskreuzes bilden, whrend sie, wenn
er angezogen ist, zu zwei und zwei senkrecht aufeinander, wie Sulen,
stehen[199]. Die Pressen sind jetzt fast die einzigen im Gebrauch
befindlichen, wenn man eine Anzahl unverwstlicher Stanhopepressen nicht
rechnet, die noch das Gnadenbrot als Korrekturpressen geniessen[200].

  [199] Journ. f. B. 1866, Nr. 21 u. 22.

  [200] Fast alle hier erwhnten Handpressen sind in dem Journ. f. B.
        1834-36 abgebildet und beschrieben. Nheres vergl. S. 51-53.

[Sidenote: Farbeauftrag-Maschinen.]

Mit einer Farbeauftrag-Maschine hatten schon B. STRAUSS in Wien,
HERMSDORF in Mannheim und SCHUHMACHER in Hamburg experimentiert. GEORGI
in Bonn, im Verein mit dem Faktor der Brnnerschen Offizin in Frankfurt
a. M., R. GERHARD, fhrte eine solche in brauchbarer Weise aus. Eine
kombinierte Buch-, Stein- und Kupferdruckpresse baute GEORG JONTZEN in
Bremen. Ein Mittelding zwischen Schnell- und Handpresse war die von
SELLIGU. Tiegel und Fundament stehen fest, nur das Rhmchen mit dem
Papierbogen ist beweglich. Whrend ein Drucker von der einen Seite
den Bogen einlegt, hebt ihn ein zweiter von der andern Seite ab. Fr
Brockhaus in Leipzig baute der Schlosser KALLMEYER in Osterode einen
hnlichen Apparat.

[Sidenote: Diverse Maschinen.]

Von kleineren Maschinen sind zu erwhnen die Falzmaschinen von
SULZBERGER & GRAF in Frauenfeld in der Schweiz, spter von Knig &
Bauer, ISERMANNS Hobelmaschine, BROCKHAUS' Zifferndruckmaschine und
Farbereibmaschine, H. ZIMMERMANNS und F. G. WAGNERS und B. AUERBACHS
Numeriermaschine, A. FOMMS und KARL KRAUSES Schneidemaschinen, BRENDLER
& HARLERS Perforiermaschine, HANSENS mechanischer Ausleger u. v. a.
J. F. KLEIN in Mnchen liefert eine Kontrolle-Billetmaschine, die
von endlosen Streifen 150 Stck in der Minute druckt und numeriert.
Eisenbahnbilletmaschinen lieferten ferner KARIG in Wien und G. GBEL
in Darmstadt. Solche Maschinen schneiden das Papier, drucken den Text,
die laufende Nummer, zhlen die Exemplare und drucken schliesslich das
Datum darauf. ALBERT & CO. in Frankenthal bauten Signiermaschinen,
A. FICHTNER in Wien Bronciermaschinen, A. MEYER & SCHLEICHER
Graphiteinreibungsmaschinen, B. DONDORF in Frankfurt a. M., FR. HEIM &
CO. in Offenbach und noch viele andere stellten Liniiermaschinen etc.
her.

[Sidenote: Die Satiniermaschine.]

Die SATINIERMASCHINE mit zwei Stahlwalzen, zwischen welche Zinkplatten
mit je einem zwischen zwei Platten gelegten Bogen unter starkem Druck
gezogen wurden, hielt sich trotz aller Inkonvenienzen lange. Erst in
letzterer Zeit wurde sie durch Satinierwerke mit zwei Hartgusswalzen
und zwei usserst harten und sehr glatt gedrehten Papiermassewalzen,
welche durch den strksten hydraulischen Druck eine vllig harte Masse
geworden, abgelst. Das Papier geht einen S-frmigen Weg und kommt somit
von beiden Seiten mit den Stahlwalzen in Berhrung. Schaber und Wischer
halten die Walzen rein und sthlerne Abstreifer verhindern das Ankleben
des Bogens an die Walzen. Zuerst wurden sie nur mit einer Stahl- und
einer Papierwalze gebaut, da jedoch die Seite des Papiers, welche mit
der Papierwalze in Berhrung kam, weniger glatt wurde, so musste das
Papier zweimal umschlagen und nochmals eingelegt werden; was nun durch
das doppelte Walzenpaar unntig geworden ist.

Obwohl die Papierwalzen ausserordentlich hart sind, so hinterlassen
doch die kleinen Knoten und Unreinheiten des Papiers nach und nach
Eindrcke, die von Zeit zu Zeit durch Leerlaufenlassen der Massenwalze
an die Stahlwalze oder durch Abdrehen beseitigt werden mssen. Diese
Satinierwerke werden namentlich von W. F. HEIM & CO. in Offenbach[201]
und C. G. HAUBOLD in Chemnitz gebaut; KARL KRAUSE in Leipzig liefert
sie auch mit sechs Cylindern, zwei von Stahl und vier von Papier.
Auch F. SCHLOTKE machte sich durch Anfertigung von Satiniermaschinen
bekannt. W. SCHROEDER & CO. in Leipzig fertigen Satinierwerke, bei
welchen die Massenwalzen mit einem Stahlblech umzogen werden, wodurch
die vollkommene Glattheit der Stahlwalze sich mit der Elastizitt der
Massenwalze verbindet[202]. Die Werke von W. R. SCHRMANN in Dsseldorf
haben zwei Hartgusswalzen, die nicht ganz cylindrisch geschliffen sind,
damit der ausgebte Druck sich ganz gleichmssig verteilt[203].

  [201] Journ. f. B. 1877, Nr. 13.

  [202] Journ. f. B. 1881, Nr. 3.

  [203] Journ. f. B. 1881, Nr. 45.

Fr das heisse Satinieren nach dem Drucke lieferten C. G. HAUBOLD JUN.
in Chemnitz und W. F. HEIM in Offenbach Werke, die mit gnstigem Erfolg
1000-1600 Exemplare in der Stunde satinieren und nur zwei Personen zur
Bedienung gebrauchen[204].

  [204] Journ. f. B. 1879, Nr. 19.

Unter den Utensilienfabrikanten nehmen SCHELTER & GIESECKE, A.
HOGENFORST und ALEX. WALDOW in Leipzig einen bedeutenden Platz ein.
KLIMSCH & CO. in Frankfurt a. M. haben durch ihr Adressbuch fr
Buch- und Steindruckereien und durch ihren Allgemeinen Anzeiger
fr Druckereien Verdienste um die Erleichterung des Verkehrs
und bercksichtigen mit ihrem Utensilien-Geschft namentlich
Steindruckereien, ebenso G. E. BAUMANN in Berlin; GURSCH & KLEMM in
Berlin liefern Giesserei-Werkzeuge. In Stuttgart wirken STOFFLER & BACK.

                   *       *       *       *       *

[Sidenote: Die Farbefabrikation.]

Nachdem die Buchdruckereien aufgehrt hatten, selbst ihre Farbe zu
bereiten, und grssere Anforderungen an den Druck gestellt wurden,
war Deutschland, was die feinere, namentlich die Illustrationsfarbe
betraf, dem Ausland, vorzglich England, tributpflichtig geworden, und
noch bis in die vierziger Jahre hinein waren Parson, Lawson u. a. die
Hauptlieferanten fr den deutschen Markt. Um diese Zeit fingen jedoch
namentlich JUL. HOSTMANN in Celle und GEBR. JNECKE & FRIEDR. SCHNEEMANN
in Hannover an, ihre Fabrikation durch rationellen Betrieb in die Hhe
zu bringen. Kostete es anfnglich auch grosse Mhe, durchzudringen, so
kam es doch so weit, dass der deutsche Fabrikant nicht allein auf dem
deutschen Markte siegreich blieb, sondern auch im Auslande sich geltend
machte. Nicht ohne grosse Bedeutung ist es, dass auf der Weltausstellung
in Melbourne die letztgenannte deutsche Fabrik die goldene Medaille
erhielt, whrend der berhmten Firma A. B. Fleming & Co. in Leith (S.
72) nur der dritte Preis zufiel.

[Sidenote: Teigfarben.]

Von lteren und jngeren Fabriken sind zu nennen: FISCHER, NAUMANN & CO.
in Ilmenau, J. BRNNER in Frankfurt a. M., KAST & EHINGER in Feuerbach
bei Stuttgart, ROBERT GYSAE in Oberlssnitz bei Dresden, J. E. BREIDT in
Hammerling in Nieder-sterreich, FRIEDR. WSTE in Pfaffenstetten, FREY &
SENING in Leipzig. Letztere brachten auch die sogenannten Teigfarben in
Aufnahme, die sich jahrelang geschmeidig erhalten und vor der Verwendung
nur eines leichten Anreibens unter Zusatz der ntigen Quantitt von
Firnis bedrfen; es ist dies eine sehr beachtenswerte Neuerung fr
Buchdruckereien, die nicht regelmssig mit bunten Farben arbeiten.

[Sidenote: Die Kopierfarbe.]

Nicht unwichtig war die Einfhrung der Kopierfarbe, denn diese macht
es mglich, die mit solcher Farbe vorgedruckten Blanketts zusammen mit
dem mittels Kopiertinte Hineingeschriebenen spter zu kopieren, was
besonders in dem ganzen Frachtverkehr von grossem Werte ist.

[Sidenote: Surrogate.]

Versuche, Farbe aus billigeren Stoffen, z. B. aus dem Saturationsschlamm
der Zuckerfabriken, aus den tanninschwarzhaltigen Lederabfllen zu
bereiten, sowie, eine abwischbare Farbe herzustellen, so dass Makulatur
wieder in weisses Papier umzundern wre, haben alle fr die Praxis
keinen Wert gehabt. Mit der Farbefabrikation ist fters die der
sogenannten englischen Walzenmasse (S. 71) verbunden.

[Illustration]


[Illustration]

                             XII. KAPITEL.

                  DAS ZENTRUM DER GERMANISCHEN GRUPPE.

  J. G. I. Breitkopf, seine Reformen, der Musiknotendruck vor Breitkopf
    und dessen Verbesserungen, Breitkopf & Hrtel. G. J. Gschen. Friedr.
    Arnold Brockhaus und seine Nachfolger. B. G. Teubner. Karl Tauchnitz.
    Fr. Nies und seine Nachfolger. B. Tauchnitz. Das Jubelfest 1840.
    Giesecke & Devrient. Das Bibliographische Institut. Verschiedene
    Offizinen Leipzigs. -- Dresden: Meinhold & Shne u. a. -- Halle:
    Waisenhausdruckerei, Schwetschke & Sohn. -- Weimar: Hofbuchdruckerei.
    -- Gotha: Just. Perthes. -- Braunschweig: Vieweg & Sohn, G.
    Westermann, Dr. Heinrich Meyer und das Journal fr Buchdruckerkunst.

[Sidenote: J. G. I. Breitkopf.]

Ziemlich gleichzeitig mit dem Begrnder der nationalen Grsse
Deutschlands, Friedrich II., und mit den Bahnbrechern des nationalen
Kultur- und Kunstlebens: Lessing, Klopstock, Gellert, Kant, Just. Mser
und Winckelmann wurde der Reformator der deutschen Typographie JOHANN
GOTTLOB IMMANUEL BREITKOPF am 23. November 1719 in Leipzig geboren,
welches nunmehr unter der Fhrung Breitkopfs und anderer tchtiger
Gesinnungsgenossen die Stellung als Vorort der deutschen Typographie
behaupten sollte[205].

  [205] K. G. HAUSIUS, Biographie J. G. I. Breitkopfs. Leipzig 1794. --
        Dr. O. HASE, Breitkopf & Hrtel, 1883.

Breitkopf war ein Sohn des rhmlichst bekannten Bernh. Christoph
Breitkopf (I, S. 149). Von Natur sehr aufgeweckt und geistig begabt,
hatte er keine Neigung, dem Wunsche des Vaters gemss, sich der
Buchdruckerei zu widmen, dagegen zog es ihn unwiderstehlich zu den
Studien hin. Der Kampf zwischen dem Vater und dem Sohne schloss mit
einem Kompromiss, wozu beide, und Gutenbergs Kunst dazu, sich nur Glck
wnschen konnten: Johann Immanuel sollte sich sowohl den Studien, als
dem Geschft widmen.

[Sidenote: Seine Ausbildung.]

[Sidenote: Breitkopf und die Fraktur.]

Er legte sich nun mit grossem Eifer auf die Wissenschaften und versuchte
sich auch schriftstellerisch. Grossen Einfluss auf seine Ausbildung
bte Gottsched. Erst in spterer Jugend machte sich die Lust an der
Mathematik, der er spter einen grossen Teil seines Ruhmes verdanken
sollte, bei ihm geltend. Das Werk Albrecht Drers Unterweysung
der Messung mit dem Zirkel u. s. w. fiel ihm in die Hnde. Die
mathematische Berechnung der Schriftverhltnisse interessierte ihn, und
nun war er fr die Typographie gewonnen. Er ging an das Vergleichen mit
den alten Drucken und fand, wie die sich immer mehr verschlechternde
Form mit dem Verfall der Schnschreiberei in Verbindung stand. Mit
grossem Eifer fing er an die Buchstaben mathematisch zu berechnen. Er
sammelte emsig alle Musterschriften und Werke ber Schriftenkunde und
begann nun seine Reformen, namentlich arbeitete er unablssig fr die
Verbesserung und Verschnerung der Frakturschrift. Die Grnde, die ihn
bewogen an dieser festzuhalten und seine Anstrengungen der Regeneration
derselben zu widmen, hat er spter in einer Schrift: ber Bibliographie
und Bibliophilie (1793) entwickelt. Seiner Ansicht nach wre die
deutsche Schrift der lateinischen unbedingt vorzuziehen; sie eigne
sich selbst fr Transkription fremdlndischer Werke, als hebrischer
und arabischer, besser als die Antiqua. Nur die Verachtung, welche
die Gelehrten der deutschen Schrift bewiesen, trage die Schuld, dass
dieselbe nicht eben so verbessert und verschnert worden sei, wie die
allgemein beliebte lateinische. Es bedrfe aber nur der Aufmunterung,
um die Knstler zu veranlassen, unter Zugrundelegung der Schfferschen
Muster, oder der Theuerdank-Type eine Frakturschrift zu schaffen, welche
der schnsten Antiquaschrift die Wage halte.

So lautete der Ausspruch Breitkopfs und er ging nun auch daran, seiner
Ansicht praktische Geltung durch eine verbesserte Frakturschrift zu
verschaffen, welche zuerst in: Einige Lieder fr Lebensfreuden
angewendet wurde, whrend die neue Antiqua zuerst in Forbigers Ausgabe
des Catull zum Abdruck gelangte.

Wre Breitkopf der Fraktur abhold und ein eifriger Freund der
Antiqua gewesen und htte er letztere zu einer Zeit, wo man anfing
sich nach schn gedruckten Bchern zu sehnen, zum Gegenstand seiner
reformatorischen Plne gemacht, so htte mglicherweise die Frage:
Antiqua oder Fraktur unter seiner Autoritt lngst eine Entscheidung
im Sinne der Vertreter der Antiqua gefunden. Denn damals lag die
Angelegenheit weit einfacher als heute, wo sie bei der Mehrzahl der
Gegner der Antiqua weit eher eine nationale Gefhlssache als eine Frage
der Zweckmssigkeit und der Schnheit geworden ist.

[Sidenote: Der Musiknotendruck.]

Einen ganz wesentlichen Anteil an dem Weltruhm Breitkopfs haben seine
Verbesserungen des typographischen Musiknotendrucks. Der Umstand,
dass die Buchdruckerkunst gleich bei ihren ersten Erzeugnissen auf
die Bedrfnisse der Kirche gefhrt wurde, musste die Gedanken auf
den Notendruck richten; doch war die Technik damals nicht so weit
vorgeschritten, dass man an die berwindung der durch die Verbindung
des Druckes der horizontalen Linien und der vertikalen Notenzeichen
entstehenden Schwierigkeiten denken konnte. Man musste deshalb beim
Drucken des Textes Raum lassen, fr die nachtrglich einzuschreibenden
Noten. Spter wurden Linien und Text rot gedruckt, die Choralnotenkpfe
eingezeichnet, teilweise auch mit der Hand durch Stempel einzeln
aufgedruckt oder das Ganze in Holz geschnitten. Das erste mit
Holzschnitt-Choralnoten gedruckte Buch ist das bei Hans Froschauer in
Augsburg erschienene _Lilium Musicae planae_ des Michael Kiensbeck aus
dem Jahre 1473. Die ersten Proben von Figuralmusik in Holzschnitt kommen
in einem Werke des Nic. Burtius vor, gedruckt von Hugo de Rugeriis in
Bologna 1487.

[Sidenote: Noten in Holzschnitt.]

Solche in Holz geschnittene Noten wurden noch benutzt, nachdem das
Verfahren mittels beweglicher Choralnotentypen zu drucken erfunden
war, z. B. in den Liederbchern Luthers. Wann und wo der Versuch mit
letzteren zuerst geschah ist nicht zu ermitteln, denn das Verfahren
wurde ziemlich gleichzeitig an vielen voneinander sehr entfernten Orten,
z. B. um das Jahr 1488 in Basel, gebt.

[Sidenote: Oct. dei Petrucci.]

Hat es nun auch Choralnotentypen vor der Erfindung des typographischen
Druckes der Figuralmusik gegeben, so ist es doch unzweifelhaft, dass
letzterer eine Erfindung des OCTAVIANO DEI PETRUCCI aus Fossombrone
war[206]. Dieser, von edlen jedoch armen Eltern geboren, kam als
Buchdrucker nach Venedig. Im Jahre 1498 erhielt er seitens des Senates
ein Patent auf Druck von mehrstimmiger Musik fr Gesang und Laute,
dem spter ein hnliches des Papstes Leo X., datiert 1513, folgte. Sein
erster Notendruck war _harmonice musices Odhecaton_ 1501. Er entwickelte
eine so grosse Thtigkeit, dass er bereits in den Jahren 1501-1507
zwanzig verschiedene Werke gedruckt hatte. Unvermgenheit veranlasste
ihn den Betrieb seiner Druckerei den thtigen Buchhndlern Amad. Scotti
und Nic. da Raphael zu berlassen.

  [206] FR. CHRYSANDER, Abriss einer Geschichte des Musikdruckes von XV.
        bis zum XIX. Jahrhundert. In der Allg. Musik. Ztg., 1879, No. 11
        u. ff. -- ANT. SCHMID, Ottaviano dei Petrucci da Fossombrone.
        Wien, 1845.

[Sidenote: Petruccis System.]

Petruccis System war auf Doppeldruck gegrndet. Die Linien bestanden
aus Stcken in der Grsse der Formatbreite. Die Noten wurden fr sich
gesetzt und auf die Linien gedruckt. Die Genauigkeit der Typen ist eine
grosse und der Druck, besonders der Linien, ein vorzglicher. In allen
Ausgaben Petruccis sowie seiner Nachfolger fr lange Zeit wurden die
einzelnen Stimmen fr sich meist nebeneinander gedruckt, fr den Druck
von Partitur-Ausgaben war man damals technisch noch nicht weit genug
fortgeschritten.

[Sidenote: Andere Notendrucker.]

Den Druck mit Typen, in welchen jedes der Notenzeichen zugleich mit
einem Stck des Liniensystems verbunden war, so dass nur ein Druck
notwendig und die Schwierigkeit des Passens der Formen umgangen ward,
fhrte ERHARD OEGLIN in Augsburg zum erstenmale vor in: _Melopoiae
sive Harmoniae tetracenticae_ 1507. Peter Schffer in Mainz bte das
Verfahren 1511.

[Sidenote: Pierre Hutin.]

In Frankreich schnitt der Graveur und Drucker PIERRE HUTIN 1527 die
ersten derartigen Noten, mit welchen PIERRE ATTAIGNANT in Paris und
TYLMAN SUSATO in Antwerpen druckten. Bei allen diesen Versuchen waren
die Notenkpfe noch eckig. Von diesen wurde zum erstenmale in den
Werken des ppstlichen Kapellmeisters ELEAZAR GENET genannt CARPENTRAS
abgewichen. Als der genannte in seinen alten Tagen in Avignon seine
Kompositionen drucken lassen wollte, veranlasste er STEPHAN BRIARD aus
Bar-le-duc, Typen, welche die Handschrift nachahmte, zu schneiden.
JEAN DE CHANNAY in Avignon druckte damit 1532 das erste _Liber primus
Missarum Carpentras_. Die Neuerung fand jedoch keine Folge.

Venedig blieb lange Zeit das Zentrum fr den Musiknotendruck und den
Musikalienverlag. Die bedeutendste Firma war die der Familie GARDANO,
die von 1536 ab bis tief in das XVIII. Jahrhundert blhte und die Werke
Palstrinas verlegte.

[Sidenote: Notendruck in Deutschland.]

In Deutschland wurden nicht nur Originale gedruckt, sondern auch alles
Gangbare des Auslandes nachgedruckt. HIERONYMUS FORMSCHNEIDER schnitt
gute Notentypen. Der bedeutendste Notendrucker des XVI. Jahrh. war ADAM
BERG in Mnchen, Verleger der Werke Orlando Lassos. Fast alle seine
Drucke, bei denen er die Untersttzung des musikliebenden Herzogs von
Bayern genoss, sind Prachtausgaben in Folio. Sein Hauptwerk ist das:
_Patrocinium musices_ aus 1573. Als das bedeutendste Werk aus dem XVI.
Jahrhundert muss das von NIC. HEINRICH in Mnchen gedruckte _Magnum opus
musicum_ genannt werden. In dem XVII. Jahrhundert war namentlich GIMEL
BERGEN in Dresden thtig.

[Sidenote: Frankreich.]

In Frankreich lieferte GUILLAUME LE BE um 1550 vollkommenere Noten als
die Hutins, deren sich ROB. BALLARD und dessen Schwager ADRIAN LE ROY
bedienten. Die Familie Ballard, welche die Noten le Bes fr die hohe
Summe von 50000 Livres erwarb, war die bedeutendste Musikfirma nicht nur
in Frankreich und erwarb sich namentlich durch die Herausgabe der Werke
Lullys Weltruf. Sie druckte die Partituren fast aller franzsischen
Opern und hielt sich beinahe 200 Jahre in Ansehen.

Englands Anteil an dem Musiktypendruck war kein bedeutender. JOHN DAY
wandte um 1560 die verbesserte Methode an. THOMAS ESTE (um 1600) brachte
sehr elegante Drucke.

[Sidenote: Verfall des Notendruckes.]

Um 1725 war der musikalische Typendruck, dessen Wesen berhaupt seit
Petrucci wenig fortgeschritten war, ganz in Verfall geraten und der
Kupferdruck hatte dessen Platz eingenommen. Als letzte bedeutende
Erscheinung knnen die in Venedig bei DOMENICO LOVISA in acht, mit
allem, damals zugebote stehenden Luxus ausgefhrten Foliobnden
gedruckten Fnfzig Psalmen von Benedetto Marcello bezeichnet werden. --

Aus dem Gesagten geht hervor, dass es unrichtig ist, wenn Breitkopf,
wie es gewhnlich geschieht, als Erfinder des typographischen
Notendruckes genannt wird, dagegen bleibt ihm, was ihm wieder von
verschiedenen Seiten streitig gemacht worden ist, die Ehre, dem
typographischen Notendruck eine solche Gestaltung gegeben zu haben,
wie er sie noch heute hat. Die Bedeutung dieser That wrde eine noch
grssere Tragweite haben, wenn nicht die Erfindung der Lithographie
und der lithographischen Schnellpresse in dem Notendruck und dem
Musikalienverlag eine gewaltige Umwlzung zur Folge gehabt htte.

Am allertiefsten fast stand vor Breitkopf der Notendruck in Leipzig;
selbst die Arbeiten sonst verdienter Mnner als WOLFG. STCKEL und ABR.
LAMBERG sind usserst mangelhaft. Die Kolumnen sahen mit ihren unendlich
vielen, jmmerlich zusammengesetzten Linienstcken vollstndig gequirlt
aus.

[Sidenote: Breitkopfs Noten.]

Da erschien im Jahre 1755 bei Breitkopf Sonnet auf das Pastorell _Il
trionfo della fedelta_, ein Versuch, der bereits wenig zu wnschen
brig liess, doch ist die umfangreiche (283 S. in qu. fol. umfassende)
Tondichtung der Kurfrstin Marie Antonie von Sachsen _Il trionfo della
fedelta_ selbst noch geeigneter, die Vorzge von Breitkopfs Leistungen
ins helle Licht zu setzen. In der Schlussschrift heisst es: _Stampato
in Lipsia; nella stamperia di Giov. Gottlob Immanuel Breitkopf,
Inventore di questa nuova maniera di stampar la Musica con Carratteri
separabili e mutabili. E questo Dramma Pastorale la prima opera stampata
di questa nuova guisa; comminciata nel Mese di Luglio 1755, e terminata
nel mese d'Aprile 1756_[207].

  [207] ber diesen sowie ber die sonstigen Musikdrucke Breitkopfs
        vergl. LORCK, Der Buchhandel und die graphischen Knste auf der
        Kunstgewerbe-Ausstellung zu Leipzig 1879. Sep. Abdr. aus dem
        Brsenbl. f. d. d. B.

Der bewegliche Geist Breitkopfs liess ihn jedoch nicht bei solchem Siege
Beruhigung fassen, sondern trieb ihn ein Feld zu bebauen, wobei man zwar
volle Gelegenheit hat, seine Fhigkeiten zu bewundern, jedoch nicht ohne
eine Beimischung des Bedauerns, dass dieselbe so unfruchtbaren Arbeiten
zugewendet wurden.

[Sidenote: Landkartensatz.]

Zuerst wollte er die Herstellung der Landkarten der Buchdruckerei
zuweisen. Die Berechnung aller der wellenfrmigen Linien der
verschiedensten Art fr Terrainzeichnung; die Notwendigkeit, die
Schrift kreuz und quer nach allen Richtungen hin zu setzen; kurz,
alle die Schwierigkeiten, die eine Kartenzeichnung darbietet, machen
die typographische Ausfhrung, wennauch nicht geradezu unmglich,
doch so schwer, dass die Kosten sich nicht in der Praxis erschwingen
lassen. Dies fhlte wohl Breitkopf bald selbst, wie aus seiner 1777
herausgegebenen Broschre: ber den Druck der geographischen Karten
hervorgeht, und die darin enthaltenen Proben wrden berhaupt kaum an
das Tageslicht getreten sein, wenn er sich nicht von dem sein Ehrgefhl
verletzenden Verdacht htte reinigen wollen, dass er mit seiner
Erfindung spter als Haas in Basel mit der seinigen gekommen sei.

[Sidenote: Satz figrlicher Gegenstnde.]

Diesem Verdacht tritt er mit Entrstung entgegen und kritisiert
streng den Haasschen Versuch, den er mehr ein _opus musivum_ als
_typographicum_ nennt, mit Thon und gekautem Papier nachgeholfen, wie
man dergleichen schon lngst in der Druckerei kennt (vgl. Kap. XIV). In
demselben Jahre folgte noch Die Beschreibung des Reichs der Liebe mit
einer Karte; 1799 Der Quell der Wnsche ebenfalls mit einer Karte, die
beide als eine glckliche Lsung seiner Aufgabe nicht betrachtet werden
knnen. Immerhin ist Breitkopfs typographischer Scharfsinn doch sehr zu
bewundern, und seine kartographischen Versuche bleiben typographische
Reliquien von hohem Wert. Der Satz, der noch heute erhalten ist,
beseitigt jeden Verdacht, als sei durch Feile, Messer, unregelmssigen
Ausschluss oder in anderer Weise nachgeholfen; alle Stcke sind streng
systematisch und einfach, wie in jedem anderen Satz, an einander gereiht.

[Sidenote: Chinesische Schrift.]

Obgleich Breitkopfs klarer Verstand ihm sagte, dass er auf diesem Wege
keine grossen praktischen Erfolge erzielen wrde, so veranlasste ihn
doch sein etwas hartnckiger Charakter, sogar noch weiter zu gehen: er
wollte es noch mglich machen, Portrts mit Typen herzustellen. Die
Strichlagen des Kupferstechers liessen ihn glauben, durch parallel
laufende Linienstcke das Ziel erreichen zu knnen. Seine Proben hat
er nicht verffentlicht, wer aber die neuesten Arbeiten Moulinets und
anderer Meister in diesem Genre kennt, kann sich leicht von dem, was
erreicht werden konnte, ein ungefhres Bild machen. Zwar gehren alle
solche Versuche den Gebieten des an und fr sich Unpraktischen an, wir
knnen sie dennoch so wenig wie die spteren Stigmatypien Fasols als
wertlos fr die Fortbildung der Typographie bezeichnen.

Die Beschaffung des chinesischen Satzes mit beweglichen Lettern war
eine der Aufgaben, die sich die Typographie gestellt hatte. Sowohl die
franzsische als die ppstliche Regierung hatten darauf viel Geld unntz
verwendet. Die grosse Anzahl der Schriftzeichen machte die Anfertigung
der Typen kostspielig und die hnlichkeit der Charaktere unter einander
den Satz zu einem usserst schwierigen. Indes, Breitkopf lste seine
Aufgabe und sandte sofort eine allerdings nicht sehr ansprechende, im
J. 1789 der ffentlichkeit bergebene Probe an den Papst, der ihm durch
den Kardinal Borgia in sehr schmeichelhaften Ausdrcken danken liess.
Aber auch bei dieser Erfindung unterblieb die praktische Ausbeutung. Ein
hollndischer Verleger unterhandelte zwar mit Breitkopf ber das Setzen
eines chinesischen Textes in Leipzig, die Verhandlungen fhrten aber
nicht zu einem Resultate.

[Sidenote: Typographische Ornamentik.]

Nun wollte Breitkopf auch mathematische Figuren mit beweglichen Typen
setzen, ein Gedanke, der bei der Billigkeit des einfachen Holzschnittes
keine grossen Erfolge in Aussicht stellen konnte und auch nicht zur
Verwendung kam.

[Sidenote: Schriftgiesserei.]

Schliesslich wendete er seine Aufmerksamkeit darauf, die Verzierungen,
die nach und nach den hchsten Grad von Ungeschmack erreicht hatten,
durch geschmackvollere zu ersetzen. Zu diesem Zweck liess er gute ltere
Vorbilder nachahmen und in Holz schneiden.

Auch das Giessen und das Drucken haben ihm Verbesserungen zu verdanken.
Seine Giesserei war wegen der Vortrefflichkeit der Metall-Legierung
berhmt. Einen Beweis fr die Gte liefert die Reinheit der Abdrcke,
die nach Verlauf von hundert Jahren von dem vorhandenen Landkartensatze
gemacht wurden. Die Giesserei arbeitete mit vierzig Leuten und zwlf
fen und sandte ihre Schriften nach allen Lndern der Welt. Dagegen
misslangen eine von ihm angefangene Spielkartenfabrik und eine
Tapetenfabrik, obwohl die Muster von dem besten Geschmack zeugen.
Breitkopf war eben ein Erfinder, nicht aber in gleichem Masse fr die
pekunire Ausbeutung der Erfindungen geschaffen.

[Sidenote: Sittliche Reformen.]

Einem so feingebildeten Mann wie Breitkopf konnten die handwerksmssigen
Roheiten, die mit der Lossprechung eines Lehrlings verbunden waren
(I, 165), selbstverstndlich nicht zusagen. Er schaffte deshalb die
bei solchen Gelegenheiten blichen scenischen Auffhrungen ab und
beschrnkte sich darauf, den symbolischen Sinn der Marterwerkzeuge
erklren zu lassen und in einer sinnigen Rede den Losgesprochenen
ber seine Rechte und Pflichten zu belehren. Solche nderungen
und Neuerungen, die auf das Beschrnken der Vllerei und des
Feierabendmachens abgesehen waren, fanden jedoch begreiflicherweise
keine Gnade bei den Gehlfen, und man ging anfnglich so weit, die bei
Breitkopf Ausgelernten nicht fr voll anerkennen zu wollen, doch bahnten
sich Vernunft und Sitte schliesslich ihren Weg.

[Sidenote: Schriftstellerische Arbeiten.]

Wie viele seiner technischen Plne und Experimente, so blieben auch
manche seiner schriftstellerischen Arbeiten nur Entwrfe. Um seinen
Hauptplan, eine grossartig angelegte Geschichte der Buchdruckerei
grndlich durchfhren zu knnen, hatte er mit vieler Sorgfalt und
mit grossen Kosten eine Bibliothek von Werken ber Buchdruckerkunst
und Proben von den Leistungen derselben gesammelt. Durch eine Reihe
von Jahren legte er Kollektaneen an, hatte auch einige Partien des
Werkes ausfhrlicher ausgearbeitet. 1779 erschien seine Broschre
ber die Geschichte der Erfindung der Buchdruckerkunst, welche den
breit angelegten Plan seines Werkes entwickelte. Es folgte dann 1784
einer der durchgearbeiteten Abschnitte: Versuch ber den Ursprung
der Spielkarten. Erster Teil. Der zweite Teil wurde nach Breitkopfs
Tode von J. C. F. Roch 1801 herausgegeben, welcher in der Vorrede
darber klagt, dass die hinterlassenen Notizen Breitkopfs nicht
derart beschaffen seien, dass eine grssere Ausbeute daraus erwachse.
Breitkopfs reger Geist fhrte ihn whrend der Arbeit immer weiter; die
Noten berwuchern den Text. Er wollte alles, was ihn interessierte,
auch ausfhrlicher bearbeiten, und so haben wir zu bedauern, dass wir
nur einige, wenn auch sehr wertvolle Bruchstcke erhielten, statt
einer vollstndigen, noch heute nicht vorhandenen Geschichte der
Buchdruckerkunst, die zu schreiben er, wie kaum ein zweiter, fhig
gewesen wre, wenn er nur die Kunst, sich zu beschrnken, besser
verstanden htte.

[Sidenote: Breitkopfs Tod.]

[Sidenote: Breitkopf & Hrtel.]

[Sidenote: R. Hrtel]

[Sidenote: Dr. H. Hrtel [+] 5. Aug. 1875.]

Breitkopf starb am 28. Jan. 1794 und hinterliess seine Buchdruckerei
als eine der am reichsten ausgestatteten wenn nicht gar als die
reichste der Welt. Sie besass gegen 400 verschiedene Schriftgattungen,
16 Sorten Noten, einen grossen Vorrat von Vignetten und beschftigte
120 Arbeiter. Das Geschft wurde von dem Sohne CHRISTOPH GOTTLOB
fortgefhrt, der sich im Jahre 1796 mit GOTTFRIED CHRISTOPH HRTEL
assoziierte. Die jetzige Firma BREITKOPF & HRTEL datiert aus dem
Jahre 1798. Hrtel war zwar kein gelernter Buchdrucker, stand jedoch
dem Geschft in vortrefflichster Weise vor. Er liess durch Schelter
griechische Typen nach Bodoni und Antiquaschriften nach Levrault
schneiden und grndete auch eine Steindruckerei (1805). Nach dem Tode
Hrtels (am 25. Juli 1827) trat zuerst der jngere Sohn RAYMUND HRTEL,
spter (1835) der ltere Dr. jur. HERMANN HRTEL in das Geschft.
Sie brachten dasselbe, das whrend ihrer Minderjhrigkeit etwas
zurckgegangen war, bald wieder zur alten Blte.

Der etwas altersgrau gewordene goldene Br wurde 1867 verlassen und
ein neues immenses Geschftshaus bezogen, wo es jedoch auch bald zu
eng geworden wre, htte die Firma nicht ihre Pianofortefabrikation
aufgegeben. Am 27. Januar 1869 beging das verjngte Geschft die
Feier seines 150jhrigen ruhmvollen Bestehens. Es arbeitet mit 30
typographischen und lithographischen Schnellpressen, 18 Handpressen und
gegen 400 Arbeitern.

Als Musikverleger hlt das Haus den alten Ruhm aufrecht. Das bis Ende
1878 ergnzte Musikverzeichnis umfasst in mehr als 15000 Werken das
gesamte Gebiet der Musik, wie auch deren Litteratur und Pdagogik nach
allen Seiten hin vertreten ist. Nach dem Ausscheiden Raymund Hrtels im
Jahre 1879 sind seine Neffen W. VOLKMANN und Dr. O. HASE die Chefs des
Hauses.

[Sidenote: G. J. Gschen * 1752.]

Auf der Grenze des XVIII. und XIX. Jahrhunderts wirkte GEORG JOACHIM
GSCHEN[208], aus Bremen gebrtig. Seine Jugend verbrachte er in
rmlichen Verhltnissen. Drei Jahre lebte er in einer Pension bei einem
Schullehrer in Arbergen, einem Dorfe bei Bremen, wo der Vater des
bekannten Gelehrten Heinr. Ludw. Heeren Pastor war und Gschen zugleich
mit seinem eigenen Sohne Unterricht erteilte. Nach berstandener Lehre
erhielt er eine Stelle in Leipzig in der Crusiusschen Buchhandlung, die
er 13 Jahre mit Erfolg bekleidete. Dann ging er nach Dessau, wo in ihm
der Entschluss reifte, sich in Leipzig zu etablieren. Das Glck war dem
strebsamen Manne hold, er trat nach und nach in Verbindung mit den
besten Autoren und verschaffte sich rasch einen angesehenen Namen.

  [208] CHR. G. LORENZ, Zur Erinnerung an G. J. Gschen. 4. Grimma 1861.

Um eine Prachtausgabe von Wielands Werken mit lateinischen Lettern
zu drucken, fasste Gschen den Plan, selbst eine Buchdruckerei zu
errichten, da die vorhandenen Druckereien seine Forderungen nicht
erfllen konnten. Das war aber in der damaligen Blte des Innungswesens
keine leichte Sache, da Gschen nicht gelernter Buchdrucker war. Er
musste in seinem Konzessionsgesuche, welches am 4. Mai 1793 bewilligt
wurde, geltend machen, dass er nur mit lateinischen Lettern nach Didot
drucken wolle, dass jedoch diese in Leipzig nicht vorhanden wren, und
dass seine Typen noch schner seien als die von Unger in Berlin, wodurch
Leipzigs Buchdruckerruhm steigen wrde; ausserdem wolle er nur fr sich
drucken und sogar nur solche Artikel seines Verlages, die Andere nicht
ausfhren knnten. Nichtsdestoweniger wurde von seiten der Innung mit
allen Krften gegen ihn gearbeitet; man hatte wohl das Gefhl, dass ein
Mann von Gschens Geist, wenn er einmal sich der Typographie gewidmet
hatte, nicht bei den lateinischen Typen nach Didot stehen bleiben
wrde.

[Sidenote: Prachtausgaben.]

Er schritt nun an sein grosses Vorhaben, eine Gesamtausgabe von
Wielands Werken zu liefern, die etwas noch nicht dagewesenes sein und
in vier Gestalten erscheinen sollte. Von der Prachtausgabe in 42 Bnden
in 4, mit Antiqua gedruckt und mit 36 Kupfern geschmckt, kostete
ein Exemplar 250 Thlr. Den 1794 in Leipzig anwesenden Wieland liess
Gschen unter festlichem Geprnge den ersten Band von jungen, Genien
vorstellenden Damen berreichen, whrend die Muse Wielands Haupt mit
einem Lorbeerkranze schmckte. Auch von Klopstocks Werken wollte Gschen
eine hnliche Ausgabe veranstalten; sie blieb jedoch unvollendet.
Bedeutende Leistungen seiner Buchdruckerei sind die, ebenfalls nicht
vollstndig gewordenen Prachtausgaben des Wolfschen Homer, sowie die
Griesbachsche Ausgabe des Neuen Testamentes. Die Ausstattung aller
dieser Werke ist die prachtvollste und sorgfltigste, ohne jedoch einen
recht befriedigenden Eindruck zu machen. Die Antiquaschriften trafen den
Geschmack des Publikums nicht und auch die griechischen Schriften sind
charakterlos, der Satz des Homer ausserdem unschn weitlufig.

Um den erwhnten Beschrnkungen in seinem Geschftsbetrieb zu entgehen,
hatte Gschen seine Buchdruckerei nach Grimma verlegt, in dessen Nhe
er das Gut Hohnstdt besass, auf welchem er, 75 Jahre alt, am 5. April
1828 starb. Er hatte bis in sein hohes Alter seine volle Geistesfrische
erhalten und sie durch seine grosse Wirksamkeit als Verleger bethtigt.

[Sidenote: Fr. A. Brockhaus * 4. Mai 1772, [+] 20. Aug. 1823.]

Von hervorragender Bedeutung fr das Buchgewerbe im allgemeinen, wenn
auch weniger fr die Typographie war FRIEDRICH ARNOLD BROCKHAUS.

[Sidenote: Etablissement in Amsterdam.]

Sohn eines Kaufmanns in Dortmund, lernte er die Handlung in dem
vterlichen Geschfte und lag spter den Studien ein Jahr lang in
Leipzig ob. Im Jahre 1798 erffnete er in Verbindung mit zwei Genossen
ein englisches Manufakturwarengeschft in Dortmund, welches er nach
Trennung von seinen Teilhabern, von welchen der eine einen traurigen
Einfluss auf die ganze Zukunft Brockhaus' ben sollte, 1802 nach
Amsterdam verlegte und 1805 aufgab, um sich einem buchhndlerischen
Geschft unter der Firma Rohloff & Co. zu widmen, welche Firma 1810 in
Kunst- und Industrie-Comptoir gendert wurde und erst 1814 in F. A.
Brockhaus berging.

Bei einem Besuche der Leipziger Michaelismesse im Jahre 1808 erwarb
er das begonnene aber ins Stocken geratene Konversations-Lexikon, ein
Unternehmen, welches bestimmend fr seine ganze geschftliche Zukunft
werden sollte.

[Sidenote: Altenburg und Leipzig.]

Veranlasst durch den Tod seiner geliebten Frau und durch die
Franzosenherrschaft in Holland siedelte Brockhaus im Jahre 1810 nach
Altenburg ber und verkaufte 1811 das Amsterdamer Geschft an Johannes
Mller. In Altenburg weilte er bis 1817, um dann, nachdem er zwischen
Dresden und Leipzig geschwankt hatte, am letzteren Orte sich bleibend
niederzulassen und das in Altenburg bereits nach grossen Dimensionen
betriebene Verlagsgeschft in noch grssere Bahnen zu lenken.

[Sidenote: Das Konversations-Lexikon.]

Seinen Scharfblick fr die Bedrfnisse der Zeit, verbunden mit einer
thatkrftigen patriotischen Gesinnung bekundete er durch viele
Unternehmungen. Der Eckstein des ganzen grossen Gebudes blieb jedoch
das Konversations-Lexikon. Der Anfang hierzu war bereits um das Jahr
1793 von Dr. Renatus Gotthelf Lbel gemacht. Dieser verband sich
mit einem Advokaten Chr. Wilh. Franke zu der Herausgabe; fr die
buchhndlerische Durchfhrung wurde Aug. Leupold ausersehen. Das Werk
hatte jedoch keinen grossen Erfolg und die Unternehmer verkauften es
an Leupold. Nach vielen Schicksalen kam es noch vor dem Erscheinen des
sechsten (Schluss-) Bandes an Brockhaus, der nun mit seiner gewohnten
Energie an die Vollendung und Umarbeitung ging[209].

  [209] HERM. FRANCKE, Das Konversations-Lexikon und seine Grnder.
        Brsenbl. f. d. d. B. 1873. No. 23.

[Sidenote: Druckerei.]

Mehr und mehr fhlte Brockhaus das Bedrfnis ber eine eigene Druckerei
disponieren zu knnen und hatte zuerst den Gedanken, diese in
Altenburg zu errichten, wovon er jedoch zurckkam. Anfang des Jahres
1818 erffnete er nun eine Offizin mit drei hlzernen Pressen, zu
welchen bald noch weitere vier kamen. Die Innung legte Protest ein,
weil Brockhaus kein gelernter Buchdrucker sei. Da musste sein Freund
Teubner aushelfen und durch Verkauf, Rckkaufsvertrag etc. etc. wurde
es Brockhaus mglich, faktisch seinen Willen durch die Errichtung
einer zweiten Teubnerschen Buchdruckerei durchzusetzen, bis der Sohn
Friedrich, der bei Vieweg in Braunschweig gelernt hatte, am 21. Okt.
1820 die Konzession als Buchdrucker erhielt.

[Sidenote: Die Schnellpresse.]

Merkwrdig genug, dass ein Mann, begabt mit dem weiten Blick Brockhaus'
und so gewohnt, pekunire Schwierigkeiten zu berwinden, sich die
Ehre nehmen liess, als erster die Schnellpresse in Deutschland zur
Anwendung zu bringen; dies um so mehr, als er die Sache scharf ins
Auge genommen hatte und die Wichtigkeit der Schnellpresse vollstndig
erfasst hatte, wie aus einer Korrespondenz zwischen ihm und Knig
& Bauer, die auch ein interessantes Streiflicht auf Knigs weiten
Geschftsblick wirft, hervorgeht[210]. Bereits am 7. November 1818
wandte er sich an Knig & Bauer, um Nheres ber die Leistungsfhigkeit
der Schnellpresse zu erfahren, indem er betonte, dass 25 Handpressen
nicht imstande gewesen, die Hlfte des Lexikons, fnf Bnde in 12000
Auflage, innerhalb fast eines Jahres zu liefern, und dass die Arbeiter
bei der Einfrmigkeit der Arbeit ermdeten und zuletzthin nur schlechte
Arbeit lieferten. Knig & Bauer beleuchten in ihrer Antwort, dass 2-3
Schnellpressen gengen wrden, um 25 Handpressen zu ersetzen, und dass
trotz des Anlagekapitals von 15000 Gulden fr jede Schnellpresse
grosse Ersparnisse eintreten mssten. Sie machten dabei Brockhaus
einen eigentmlichen Vorschlag, dass er seine Druckerei nach Oberzell
verlegen sollte. Sie htten noch Raum genug fr eine Druckerei von 70
bis 80 Setzern und die ntigen Maschinen, welche durch Wasser betrieben
werden knnten, auch enorme Trockenbden stnden zur Disposition. Da
das Papier aus Bayern und Franken bezogen werden wrde, knnten die
Transportkosten demnach zum grossen Teil gespart werden, ja, sie selbst
gingen mit der Idee um, eine englische Papiermaschine zu bauen, um
gutes Papier zu liefern, das deutsche Papier, heisst es, ist doch
ein Schandartikel, womit kein englischer Buchhndler vor das Publikum
zu kommen sich unterstehen drfte. Der Brief schliesst: Was sagen Sie
zu dieser seltenen Vereinigung von Mitteln fr grosse litterarische
Unternehmungen, in einen kleinen Raum zusammengedrngt? Vielleicht
liesse sich zwischen unseren und Ihren Plnen, unseren und Ihren Mitteln
eine Verbindung ausmitteln, die beiden Parteien vorteilhaft wre.

  [210] H. E. BROCKHAUS, Friedrich Arnold Brockhaus. Leipzig 1872. II. B.
        VI. K.

Htte dieser Vorschlag einige Jahre frher gemacht werden knnen, wer
weiss wozu das gefhrt haben wrde. Jetzt antwortete Brockhaus und zwar
erst nach einem halben Jahre, ablehnend, er wollte die Ausfhrung seiner
Gedanken die Schnellpresse anzuschaffen seinem Sohne berlassen.

Knig liess trotzdem die Sache nicht fallen und machte im Juni 1819 den
Vorschlag, zu dessen Annehmen offenbar viel weniger Mut gehrt, als
Sie Ihren brigen Unternehmungen nach zu urteilen besitzen, auf ihre
Kosten zwei Schnellpressen in Leipzig zu Brockhaus' ausschliesslichem
Gebrauch aufzustellen, in Betrieb zu halten und nach 10 Jahren an
Brockhaus unentgeltlich zu berlassen, wenn er auf 10 Jahre hinlngliche
Beschftigung garantieren wollte und zwar gegen um 25% wohlfeilere
Druckpreise, als sie ihm in seiner eigenen Druckerei zu stehen kmen.
Aber auch diesen Antrag lehnte Brockhaus ab, obwohl er nach seiner
Angabe ber fnfzig eigene und fremde Pressen beschftigte. So kam es
denn, dass Brockhaus' Offizin und Leipzig berhaupt erst 1826, drei
Jahre nach Friedrich Arnolds Tod, in Besitz einer Schnellpresse kam,
welche von den Arbeitern mit Demolierung bedroht wurde, die in Leipzig,
wie anderswo, noch nicht einsehen gelernt hatten, dass sie hiermit nur
gegen ihr eigenes Fleisch und Blut wteten.

[Sidenote: Der Verlag.]

Neben dem Konversations-Lexikon pflegte Brockhaus mit besonderer
Vorliebe den journalistischen Verlag, reprsentiert durch Okens Isis,
Zeitgenossen, Leipziger Kunstblatt, Hermes und Litterarisches
Wochenblatt, die alle, mit Ausnahme des letzteren, welches noch als
Bltter fr litterarische Unterhaltung besteht, kein langes Leben
hatten. Auf seinen reichhaltigen sonstigen Verlag kann hier nicht nher
eingegangen werden.

[Sidenote: Tod Fr. Arn. Brockhaus'.]

Die angestrengteste Geschftsthtigkeit, die damit verbundenen
Sorgen, zu welchen sich der bereits angedeutete rgerliche, immer
wieder auftauchende Streit von Dortmund her kam; seine fortwhrenden
Zensurkmpfe namentlich mit der preussischen Regierung; verdriessliche
litterarische Hndel, die durch sein heftiges Temperament genhrt
wurden; die Not, welche ihm Konkurrenz und Nachdruck des Lexikons
verursachten, rieben seine Krfte vor der Zeit auf, und brachten ihn um
den ruhigen Genuss seines unermdlichen Schaffens. Seine Gesundheit war
untergraben. Obwohl im November 1822 dem Tode nahe und bereits allgemein
totgesagt, erholte er sich wieder, unterlag jedoch einem neuen Anfall am
20. Aug. 1823[211].

  [211] Sein Enkel Dr. Ed. Brockhaus setzte ihm in dem Werke Friedrich
        Arnold Brockhaus, sein Leben und Wirken. 3 Bde. Leipzig
        1872-1881 ein wrdiges Denkmal. Neben der interessanten
        und lehrreichen Darstellung hat das Buch das, bei einem so
        entstandenen Werke gewiss seltene Verdienst der grssten
        Offenheit und einer fast bis zum ussersten gehenden
        Unparteilichkeit, die auch nicht den geringsten Versuch zulsst,
        die Schwchen und Fehler des bedeutenden Mannes zu bemnteln.

[Sidenote: Fr. Brockhaus [+] 15. Aug. 1865.]

Das umfangreiche verwickelte Geschft wurde von den jungen Shnen
FRIEDRICH und HEINRICH BROCKHAUS fortgesetzt. Friedrich hatte, wie
schon erwhnt, die Leitung der Buchdruckerei bernommen, welche 1823
10 Holzpressen beschftigte. Im Jahre 1833 wurde eine Stereotypie
eingerichtet, 1836 die Walbaumsche Schriftgiesserei erworben (S. 283).
Friedrich war eifrig bemht, der Buchdruckerei die Superioritt in dem
in den vierziger Jahren aufblhenden Illustrationsdruck zu sichern,
und scheute keine Opfer, um den Vergleich mit dem Auslande aushalten
zu knnen. Die ersten epochemachenden illustrierten Werke: Vernets
Napoleon, Menzels Friedrich der Grosse, die Illustrirte Zeitung
wurden unter der Leitung Friedr. Brockhaus' gedruckt, der sich am 1.
Januar 1850 von dem Geschft zurckzog.

[Sidenote: H. Brockhaus * 4. Febr. 1804, [+] 15. Novbr. 1874.]

HEINRICH BROCKHAUS leitete die Buchhandlung. Er war ein mit einer
ausserordentlichen Arbeitskraft und grossem Organisationstalent
begabter Mann von unabhngiger Gesinnung. Am 4. Mai 1872 konnte er
mit Genugthuung den hundertjhrigen Geburtstag des Grnders begehen,
denn das Etablissement war in seiner Art eines der vielseitigsten der
Welt und in Wahrheit ein Universalgeschft geworden, das mehr als 600
Personen beschftigte. Der mit grsster Sorgfalt von Heinrich Brockhaus
herausgegebene, 1148 Seiten starke Verlagskatalog verzeichnete damals
bereits 2552 Artikel in 5851 Bnden. Als Teilnehmer waren die Shne
Heinrichs, Dr. EDUARD und RUDOLF BROCKHAUS, eingetreten. Heinrich
Brockhaus, von der Universitt Jena zum Ehrendoktor, von der Stadt
Leipzig zum Ehrenbrger ernannt, starb am 15. November 1874[212].

  [212] Seine Erlebnisse auf einer grossen Reise in den Jahren 1867-1868
        schilderte Brockhaus in der ihn charakterisierenden schlichten
        Weise in seinem Reisetagebuch. 2 Bde. 1873.

Das Konversations-Lexikon bildet immer noch den Mittelpunkt des grossen
Verlags und der Einfluss, welchen dieses jetzt in der 13. Auflage
erschienene Werk auf die allgemeine Bildung gebt hat, ist ein grosser.
Der Bilderatlas zum Konversations-Lexikon, 2. Aufl., ist ein Werk, wie
es nur in einem Universalgeschft, das ber alle Arten der technischen
Herstellungsmethoden gebietet, in solcher Weise durchgefhrt werden
konnte.

[Sidenote: B. G. Teubner * 16. Juni 1784, [+] 21. Jan. 1856.]

BENEDICTUS GOTTHELF TEUBNER, zu Grosskraussnigk in der Niederlausitz
geboren, hatte noch vor Brockhaus sein spter so bedeutendes
Etablissement 1811 mit zwei Holzpressen angefangen. Bereits 1823
verband er mit seiner Buchdruckerei eine Buchhandlung, die sich durch
ihren philologischen Verlag und korrekte Klassiker-Ausgaben einen
grossen Ruf erwarb. Teubner war eifrigst fr einen sorgsamen Druck
bemht, und hat in dieser Hinsicht wesentliche Verdienste um die
Kunst, auch richtete er sein Streben auf eine, fr damalige Zeit nicht
gerade bliche, Eleganz in allen Accidenzarbeiten unter Verwendung des
Guilloche- und Farbendruckes. Die von ihm herausgegebene Jubelschrift
des Dr. K. Falkenstein zeigt, was das Geschft auf den verschiedenen
Feldern des graphischen Gebietes zu leisten vermochte. Sind diese
Leistungen auch durch die der jngeren Zeit berflgelt, so waren
sie doch damals bedeutend und die Buchdruckerei Teubners gehrte mit
zu den in der neuern Richtung tonangebenden. Bei seinem Tode waren
sieben Schnellpressen in Gang, auch hatte er in Dresden eine Filiale
gegrndet. Die Nachfolger, seine Schwiegershne AD. ROSSBACH und
ALBIN ACKERMANN, verliessen die frher eingeschlagene Kultivierung
des Accidenzdruckes und zeichneten sich durch ihren vortrefflichen
Werk- und namentlich durch ihren Zeitungs-Illustrationsdruck aus.
Der grossartige philologische Verlag, aus gegen 2000 Werken in ber
3000 Bnden bestehend, wurde unter besonderer Leitung des jetzigen
Geschftsteilhabers Dr. Aug. Schmitt in krftigster Weise fortgefhrt.
Ohne irgend eine typographische Prtension zu erheben sind unter diesen
Werken unbertroffene und unbertreffliche Drucke, um einen unter
vielen als Beispiel zu nennen _Herodiani reliquiae_ in geradstehender
griechischer Schrift. Die Offizin ist eine der am besten eingerichteten
und grssten Deutschlands, sie arbeitet mit 35 Schnellpressen und gegen
400 Arbeitern, und druckt 18 Zeitschriften.

[Sidenote: Karl Tauchnitz * 29. Okt. 1761, [+] 14. Jan. 1836.]

In die Reihe derjenigen verdienten Mnner, die als Bahnbrecher der
deutschen Typographie zu bezeichnen sind, gehrt als einer der ersten
KARL CHRISTOPH TRAUGOTT TAUCHNITZ.

Tauchnitz war in Grossbardau bei Grimma geboren. Da er seiner Armut
wegen nicht studieren konnte, ward er 1777 Buchdruckerlehrling und
arbeitete spter bei Unger in Berlin. 1792 kehrte er nach Leipzig
zurck. Im Jahre 1797 gelang ihm der Ankauf einer kleinen Buchdruckerei.
Das Geschft gewann durch Tauchnitz' Fleiss und Akkuratesse an
Ausdehnung. Bereits 1800 konnte er eine Schriftgiesserei und eine
Buchhandlung mit der Buchdruckerei vereinigen. Seine Wirksamkeit muss
namentlich von dem Standpunkte der Verbindung dieser Geschfte zu einem
ganz bestimmten Ziel beurteilt werden. Dies Ziel war die Herausgabe der
griechischen und rmischen Klassiker in guter Ausstattung, grsster
Korrektheit und zu den billigsten Preisen.

[Sidenote: Die Klassiker.]

Im Jahre 1808 machte er damit den Anfang. Jedoch ohne das von Lord
Stanhope eingefhrte Stereotypverfahren, welches er durch den Englnder
Watts gelernt hatte, wren die oben erwhnten Erfordernisse der
Kollektion schwer zu erreichen gewesen.

In seinen Bemhungen um die Verbesserung der Antiqua, der griechischen
und der orientalischen Schriften wurde er durch die Schriftgiesser J. G.
Schelter und Matthes untersttzt.

[Sidenote: Prachtwerke.]

Seine Leistungen beschrnkten sich jedoch nicht auf brauchbare
billige Ausgaben; er lieferte auch Prachtdrucke ersten Ranges und
wissenschaftliche Werke bedeutenden Umfanges. Zu den ersteren gehren
sein Theokrit in Folio (1821); das _Carmen Arabicum Szanicddini
Helensis_ (1816), dessen Originaltext im orientalischen Stil in Gold
und bunten Farben gedruckt ist; die Kuhnsche Hymne an Knig Friedr.
August von Sachsen. Zu seinen bedeutendsten typographischen Leistungen
zhlen noch die arabische Ausgabe des Korans durch Flgel; die Frstsche
Bearbeitung der Buxtorffschen Concordanz, die stereotypierten
hebrischen Bibeln von Hahn u. a.

[Sidenote: K. Ch. Tauchnitz.]

Mitten unter Plnen zu neuen wichtigen Unternehmungen rief ihn der Tod
pltzlich ab. Sein Sohn KARL CHRISTIAN PHILIPP, der eine ausgezeichnete
Bildung genossen hatte, setzte das Geschft, ohne demselben mit der
vollen Neigung des Vaters zugethan zu sein, doch ganz im Sinne des
Verstorbenen fort. Auf Veranlassung der Amerikanischen Mission in Syrien
wurde eine neue arabische Schrift geschnitten, die sich dem Geschmack
der Orientalen gut anpasst, jedoch im Satz grssere Schwierigkeiten
bietet, als die ltere, mit welcher der Koran gedruckt wurde. Die Firma
erlosch durch Verkauf der verschiedenen Geschftsbranchen.

[Sidenote: Fr. Nies * 6. Aug. 1804, [+] 16. Juni 1870.]

[Sidenote: W. Drugulin * 20. Aug. 1821, [+] 20. April 1879.]

In dem Streben fr die Herstellung orientalischer Werke war FR. NIES
aus Offenbach mit Karl Tauchnitz verwandt, wenn auch der letztere
von wissenschaftlichem sowohl als typographischem Standpunkte aus
Idealeres anstrebte. Angeregt namentlich durch den genialen Verleger
W. A. Barth, den Professor M. G. Schwartze und den Palographen E. F.
F. Beer, spter auch durch Professor Seyfarth untersttzt, unternahm
Nies das Wagnis, hieroglyphische Typen in seiner, 1831 angelegten
Schriftgiesserei herzustellen. Die hieroglyphische Schrift bestand aus
etwa 1500 Stcken. Diese in verschiedenen Grssenabstufungen sowohl
nach links als nach rechts gewendet ausgefhrten, oft einander sehr
hnlichen Figuren in ein richtiges Typensystem zu bringen war fr damals
wirklich eine That; sie gelang und viele Werke, darunter das Riesenwerk
des Dr. M. G. Schwartze Das alte gypten[213], zeigen, dass die
Offizin nach damaligen Verhltnissen Bedeutendes leistete. Nies konnte
mit seinen selbstgegossenen Schriften in gegen 300 Sprachen drucken,
vermochte jedoch nicht, sich mit dem Gedanken zu befreunden, heute das
rckhaltlos zu verwerfen, was gestern gut gewesen war, und ermdete
deshalb unter den erhhten Ansprchen der fortschreitenden Wissenschaft
und Technik in seinen Anstrengungen. Das sonst so blhende Geschft
verdete nach und nach. Im Jahre 1856 bernahm es CARL B. LORCK, der
erst sich mit J. J. Weber zur Ausfhrung der unter dieser Firma in den
Jahren 1837-1845 erschienenen grsstenteils illustrierten Werke und
Zeitschriften vereinigt hatte. Die Druckerei und Schriftgiesserei wurde
zeitgemss reorganisiert und vervollstndigt. Eine bedeutende Zahl von
orientalischen Werken, besonders fr das Ausland gedruckt, verliess in
den Jahren 1856 bis 1868 die Pressen der Offizin. In letzterem Jahre
bernahm sie W. DRUGULIN, welcher die bis dahin fortgefhrte Firma Fr.
Niessche Buchdruckerei in W. Drugulin nderte. Lorck gab die Annalen
der Typographie (1869-1877) und mehrere Fachschriften heraus[214].
Drugulin setzte das begonnene Werk im bisherigen Sinne fort. Hatte die
Jury der Pariser Weltausstellung von 1867 bereits erklrt, dass in
Frankreich nur die kaiserliche Druckerei hnliches prstieren knne,
wie diese Privatoffizin in Leipzig, so wurde nun in der That durch
Drugulins Erwerbungen, unter welchen smtliche Stempel und Matern der
frheren Karl Tauchnitzschen orientalischen, lteren Renaissance- und
hollndisch gothischen Schriften sich befanden, ein Komplex geschaffen,
wie er ausser in den Staatsanstalten zu Wien und Paris sich nicht wieder
vorfindet. Drugulins aussergewhnlichen Kunst- und antiquarischen
Kenntnisse kamen ihm bei seinen vielen Reproduktionen und Imitationen
von Drucken lteren Stils vortrefflich zu statten. Namentlich ist das
grossartige Werk: Die Chronik des Schsischen Knigshauses und seiner
Residenzstadt, ein Geschenk der Stadt Dresden zur Feier der silbernen
Hochzeit des Knigs Albert und der Knigin Carola, ein Meisterstck
dieser Gattung. Es war jedoch Drugulin nicht beschieden, den Schluss des
Werkes zu erleben.

  [213] Den Satz dieses Werkes von gegen 2200 Seiten in Quart bernahmen,
        nachdem verschiedenen Setzern die Geduld ausgegangen war,
        ohne vorher ein orientalisches Wort gesetzt zu haben, zwei
        Setzerlehrlinge F. Essigke und H. Kauxdorf, deren der Verfasser,
        ein gewiss seltener Fall, in der Vorrede in der ehrendsten Weise
        gedenkt.

  [214] Als: Die Herstellung der Druckwerke. 4. Aufl. 1883. -- Die
        graphischen Knste auf der Wiener Ausstellung 1873; amtlicher
        Bericht. -- Die Druckkunst und der Buchhandel in Leipzig.
        1879. -- Geschichte des Vereins der Buchhndler in Leipzig;
        Jubelschrift. 1883.

[Sidenote: Hieroglyphendruck.]

Die von Nies eingefhrten hieroglyphischen Typen wurden zumteil durch
die frher erwhnten eleganteren und kleineren Typen in Umrissen
verdrngt (S. 285), teils hat es in jngster Zeit den Anschein, als
wollte die Lithographie und speziell die Autographie der Typographie
das Terrain der gyptologie streitig machen. Der bedeutende Verlag der
J. C. Hinrichsschen Buchhandlung in Leipzig auf diesem Felde ist fast
durchweg in Autographie hergestellt, z. B. das hieroglyphisch-demotische
Wrterbuch von H. Brugsch-Bey, das 1728 Seiten in kl. Folio umfasst.
Vorausgesetzt, dass der Verfasser es versteht, hieroglyphische Umrisse
korrekt wiederzugeben und sonst leicht leserlich schreibt, ist die
autographische Wiedergabe eine ganz zweckmssige. Wenn mit Typen
gesetzt, wrden die Kosten fr ein Werk wie das genannte, dessen Absatz
begreiflicherweise nur ein beschrnkter sein kann, allerdings kaum
erschwinglich sein; im Interesse der Wissenschaft muss man deshalb die
Besiegung der Typographie durch die Lithographie auf diesem Gebiete mit
Ruhe hinnehmen.

[Sidenote: B. Tauchnitz.]

Die Offizin des Neffen des K. Tauchnitz, BERNHARD TAUCHNITZ, erneute den
Weltruf des Namens ebenfalls hauptschlich durch die konsequente und
grossartige Durchfhrung eines einzigen Unternehmens, bei welchem jedoch
weniger die typographische als die bibliopolische Bedeutung hervortritt.
Wer kennt nicht die _Tauchnitz Collection_, die Sammlung von Werken
englischer und amerikanischer Autoren, deren Bndezahl jetzt 2000
bersteigt, die in ber 600000 Stereotypplatten vorhanden sind? Wie die
Karl Tauchnitzsche Kollektion auf die altklassische Bildung, so hat das
B. Tauchnitzsche Unternehmen ganz ausserordentlich zur Verbreitung der
englischen Litteratur und Sprache auf dem Kontinent, daneben auch zur
Mehrung des Ansehens des deutschen Buchhandels in England beigetragen.
Der Umstand, dass der Unternehmer den Autoren resp. den Verlegern
zu einer Zeit Honorar zahlte, wo dies noch nicht durch gesetzliche
Bestimmungen geboten war, erwarb ihm sofort die Gunst der genannten, die
er sich zu erhalten verstanden hat.

Ausser der Sammlung lieferte die Offizin fr den Verlag des Besitzers
-- fr Andere arbeitet sie nicht -- eine Reihe von ebenso gut
ausgestatteten wie durch ihre Korrektheit bekannten bedeutenden Werke,
besonders in juristischer und linguistischer Richtung, unter welchen
beispielsweise die fehlerfreien Logarithmen von Khler genannt sein
mgen.

[Sidenote: Andere Firmen.]

Ausser B. G. Teubner hatten bereits G. H. MARET, WILH. HAACK und
namentlich C. L. HIRSCHFELD in allen Accidenzarbeiten einen sehr guten
Geschmack gezeigt. Letzterer, durch einen lngeren Aufenthalt in Paris
tchtig ausgebildet, verband Stereotypie und Gravieranstalt mit seiner
Buchdruckerei. Im Bunt- und Golddruck leistete er Bedeutendes und das
von ihm 1840 herausgegebene Tableau in etwa zwanzig Farbenplatten,
_Typographia jubilans_, ist eins der bedeutendsten Erzeugnisse der
Jubelpresse.

[Sidenote: Das Jubelfest 1840.]

Es drfte hier, ehe wir zur jngsten Gestaltung des graphischen
Geschfts in Leipzig bergehen, der Ort sein, mit einigen Worten des
Jubelfestes 1840 zu gedenken, das sich nicht zu einer Lokalfeier,
sondern zu einem grossen nationalen Feste gestaltete, welches in der
Geschichte der Buchdruckerkunst einen Platz verdient.

Whrend im Jahre 1640 fnf Buchdruckereibesitzer mit 14 Gehlfen, im
Jahre 1740 achtzehn Offizinen mit 138 Gehlfen dem Feste beiwohnten,
zeigt die Liste der Beteiligten im Jahre 1840 24 Buchdruckereien mit
232 Handpressen, 11 Schnellpressen und 672 Gehlfen, dazu noch 7
Schriftgiessereien mit 62 Gehlfen, schliesslich 108 Buchhandlungen mit
121 Gehlfen. Das Kontingent, welches allein das Brockhaussche Geschft
stellte, betrug mehr als die Gesamtzahl der das Fest von 1740 Feiernden.

Die Sammlungen der Buchdrucker zu einem Festfond begannen bereits
1837. Die Buchhndler traten 1839 hinzu und die Stadt bewilligte 3000
Thaler. Das unter den gnstigsten Auspizien vorbereitete Fest nahm den
wrdigsten Verlauf.

Bereits am Nachmittag des 23. Juni hatte die ganze Stadt sich festlich
geschmckt. Die Huser waren mit Guirlanden und Krnzen behngt, Fahnen
wehten und Triumphbogen waren errichtet.

Frh am 24. durchzog eine grosse Reveille die Stadt. Um 8 Uhr
versammelten sich die anwesenden Kammermitglieder, die kniglichen und
stdtischen Behrden, die Konsuln, das Offiziercorps, die Geistlichkeit,
die Schulrektoren, die Spitzen der Universitt und die Professoren,
die Handlungsabgeordneten, die Obermeister und Beisitzer der Innungen,
schliesslich die Festgeber: Buchdrucker, Schriftgiesser und Buchhndler,
an verschiedenen Orten. Von Deputierten des Festcomits geleitet
begaben sich die einzelnen Zge nach der Thomaskirche zu dem, vom
Superintendenten Dr. Grossmann abgehaltenen Festgottesdienste. Als Text
war gewhlt: Es ward ein Mann von Gott gesandt, der hiess Johannes;
derselbe kam und zeugte von dem Licht.

Um 10 Uhr begann der grosse Festzug von dem Gewandhause aus nach
der Buchhndlerbrse, wo die von den Frauen gestiftete Fahne den
Buchdruckern bergeben wurde. Von da ab ging der Zug nach dem
Marktplatze, dessen dritten Teil die amphitheatralische Zuschauer-
und Musiker-Tribne einnahm. Nach Absingung der von Felix
Mendelssohn-Bartholdy komponierten Festkantate hielt Raymund Hrtel eine
begeisterte und zndende Festrede, die mit den Worten schloss:

Du Allmchtiger, der du jedem Volke seine Bestimmung zugeteilt hast,
lass unser Jubelfest der Buchdruckerkunst dir ein Dankfest sein fr die
hohe Gabe und hilf du selber, dass sie forthin durch menschliche Willkr
weder gemissbraucht, noch verkmmert werde. Ein Jubelfest ist auch ein
Ausruhen von hundertjhriger Arbeit, und das ernste Geschft des Lebens
verklrt sich zum heiteren Festspiele: Darum ffne sich die Werkstatt
und der alte Meister erscheine mitten unter seinem Feste! Als dann die
Hlle sank, welche bis jetzt die im Mittelpunkte des Marktes befindliche
Festoffizin mit den arbeitenden Giessern, Setzern und Druckern, weit
berragt von dem kolossalen Gipsabguss der Mainzer Gutenberg-Statue
Thorwaldsens, den Blicken der Menge entzogen hatte, entstand ein
unbeschreiblicher Jubel. Es war ein unvergesslicher Augenblick, der, im
jugendlichen Alter erlebt; noch dem Greise in spten Jahren so lebhaft
in der Erinnerung vorschwebt, als handle es sich um ein Ereignis von
gestern, und den miterlebt zu haben als eine Gunst des Schicksals
betrachtet werden muss.

Um 3 Uhr fand in der Halle am Augustusplatze ein Festessen statt, an
welchem etwa 3000 Personen teilnahmen. Bei Eintritt der Dunkelheit
bekundete eine glnzende Erleuchtung der Stadt die allgemeine Teilnahme
aller Behrden und Brger an dem Feste.

Am 25. vormittags fand eine Versammlung fremder und einheimischer
Gelehrter, Knstler und Buchhndler in der Festhalle statt. Gleichzeitig
wurde in der Buchhndlerbrse eine interessante Ausstellung lterer und
neuerer Druckwerke, Xylographien u. a. erffnet. Um 3 Uhr fllte die
Auffhrung des von Mendelssohn fr das Fest komponierten Lobgesanges,
die unter Leitung des Komponisten und unter Beihlfe von ber 500
Sngern und Musikern stattfand, die Thomaskirche. Abends war grosser
Ball von ber 4000 Personen in der Festhalle. Die Familien der Beamten,
Professoren, Prinzipale und Gehlfen verkehrten im frhlichsten
Durcheinander und selbst der eindringende Gewitterregen musste dazu
beitragen, die Heiterkeit zu erhhen.

Am 26. vormittags war eine interessante Festvorstellung im
Schauspielhause veranstaltet: Theaterschau von der Erfindung der
Buchdruckerkunst bis auf die neueste Zeit. Um 1 Uhr begannen die
Festzge der Innungen, sich nach dem Exerzierplatz am Rosenthal, wo
ein echtes Volksfest abgehalten werden sollte, in Bewegung zu setzen.
Der mit Zelten in grosser Zahl, Fahnen, Buden, Caroussels, Tribnen
etc. geschmckte, dicht an den Wald sich lehnende Platz bot mit den
etwa 60000 Anwesenden ein hchst belebtes und anmutiges Bild. Am Abend
ward noch ein glnzendes Feuerwerk abgebrannt. Dann zogen die Innungen
nach und nach wieder mit klingendem Spiel und fliegenden Fahnen nach
der Stadt. Den Beschluss machte der grosse Zug der Festgeber mit 1000
Fackeln, die unter Gesang und Jubel auf dem Marktplatze zusammengeworfen
wurden.

Nicht $ein$ Misston hatte das herrliche Fest gestrt, welches Leipzig
mit dankbaren und stolzen Gefhlen hatte begehen knnen, denn es war
zugleich ein Huldigungsfest Leipzigs als Fhrerin auf dem Gebiete der
Buchdruckerei und des Buchhandels im Vaterlande Gutenbergs geworden.
Dass Leipzig willens ist, seine ehrenvolle Stellung zu behaupten, wird
ein Blick auf die jngste Vergangenheit und auf den Augenblick zeigen.

[Sidenote: Giesecke & Devrient.]

Eine eigentliche Umgestaltung des Geschmacks fr das Accidenzfach, das
heutzutage einen so wichtigen Platz einnimmt, ging erst von der Firma
GIESECKE & DEVRIENT aus. Diese, jung an Jahren, reich an Ehren, zeigte,
dass eine Staatsdruckerei nicht notwendig ist, um das zu leisten, was
man von Staatsanstalten verlangt und mit Recht verlangen kann, weil
diese in erster Reihe zu Ehren der Kunst und nicht um eine Existenz zu
begrnden arbeiten.

Die Firma wurde von HERMANN GIESECKE und ALPHONSE DEVRIENT am 1. Juni
1852 begrndet, zu einer Zeit, wo der typographische Geschmack und
der Sinn fr schne Accidenzarbeiten namentlich durch Hnel einen
wesentlichen Aufschwung genommen hatte (S. 281). Die genannten waren
Mnner, wie sie die Zeit eben verlangte, um dem Geschmack eine bestimmte
Richtung zu geben. Sie haben hierin bedeutende Verdienste und waren
stets redlich bemht, das Halbgute durch das wirklich Gute zu ersetzen.

Nach und nach entstand in ihrem Hause eine Reihe von graphischen
Spezialanstalten, die namentlich zur Herstellung der unendlich vielen
Wertzeichen ntig waren, mit deren Anfertigung die Firma nicht nur
von den verschiedenen Regierungen und Geldinstituten Deutschlands
betraut wurde, sondern die ihnen auch aus der Schweiz, Italien,
Holland, Schweden, Finnland, Rumnien und Amerika zuflossen. Es war die
glnzendste Zeit der Grndungen, des Aktien- und Papiergelddruckes,
welcher erst der Krach, dann die Grndung der Reichsbank eine Grenze
setzte.

[Sidenote: _Codex Sinaiticus._]

Aber der Ruhm der Firma war nicht allein von diesem hheren
Accidenzdruck abhngig, sondern wurde noch durch hervorragende
Werkdrucke gesteigert. Unter diesen muss einer erwhnt werden,
welcher, wenn auch von kaiserlicher Munifizenz getragen, als eine
der hervorragendsten Leistungen intelligenter Typographen dasteht:
die Reproduktion des von Const. Tischendorf entdeckten _Codex
Bibliorum Sinaiticus_, welche fr Rechnung der Besitzerin dieses
Schatzes, der russischen Regierung, ausgefhrt wurde. Zuerst wurden
photographische Facsimiles derjenigen unter den einzelnen Buchstaben,
welche dem Herausgeber den Charakter der Handschrift am besten
auszudrcken schienen, veranstaltet, und hiervon zwei Gattungen,
eine grssere fr den Text und eine fr die Noten, dazu spter noch
eine dritte geschnitten. Als es sich jedoch ergab, dass die Abstnde
zwischen den einzelnen Buchstaben in dem Original manchmal in einem
anderen Verhltnis zu einander standen als in dem Satz, mussten
verschiedenartige Gsse gemacht oder durch Unterschneiden der einzelnen
Buchstaben nachgeholfen werden. Der Raum der einzelnen Buchstaben
wurde durch Tischendorf nach Millimetern ausgerechnet und die Zahl
solcher an jeder einzelnen Stelle im Manuskript verzeichnet. Nachdem
Tischendorf ferner entdeckt hatte, dass vier verschiedene Kalligraphen
bei dem Codex thtig gewesen waren, mussten eine Menge Ergnzungstypen
geschaffen werden, um die Eigentmlichkeiten der verschiedenen Schreiber
wiederzugeben. So hatte z. B. das Omega sieben Varianten. Auch die
getreue Wiedergabe der Zustze zwischen den Zeilen des Manuskripts
musste statthaben, ja selbst die Abweichungen der alten Kalligraphen von
der blichen Regel waren getreulich nachzuahmen. So entstand ein Werk
ohne Rivalen.

[Sidenote: _Papyros Ebers._]

Ebenfalls als eine hchst gelungene Facsimile-Ausgabe ist der durch
Lithographie im Verein mit der Typographie hergestellte _Papyros
Ebers_ (bei Wilh. Engelmann in Leipzig) zu bezeichnen. Die Nachahmung
der Frbung der Schrift und der Pflanzentextur des Papyrus ist so
vollkommen gelungen, dass man auf Carton aufgezogene Papyrosbltter vor
sich zu haben glaubt. Whrend die lithographische Nachbildung aus der
Offizin von Giesecke & Devrient stammt, ist der textliche Teil mit den
hieroglyphischen Typen des F. Theinhardt von Breitkopf & Hrtel gedruckt.

[Sidenote: Alph. Devrient * 21. Jan. 1821, [+] 1878.]

ALPHONSE DEVRIENT, der berhmten Knstlerfamilie Devrient angehrend,
starb frhzeitig auf einer Erholungsreise nach Berlin am Ostermorgen
1878. Er hatte bei Fr. Nies gelernt und arbeitete vier Jahre in der
_Imprimerie royale_ in Paris in der sogenannten _Chambre arabe_ unter
der strengen, jedoch wohlwollenden Leitung Lud. Rousseaus und des
gelehrten Orientalisten Jul. Mohl und ging dann nach England. Er war
einer der tchtigsten Typographen seiner Zeit. Der berlebende Chef
HERM. GIESECKE entstammt dem bekannten Hause Schelter & Giesecke, als
Sohn des C. F. Giesecke.

[Sidenote: Bibliographisches Institut.]

Eine aus kleinen Anfngen rasch zu einem Weltgeschft angewachsene
Druck- und Verlagsanstalt ist das BIBLIOGRAPHISCHE INSTITUT.

[Sidenote: Jos. Meyer * 9. Mai 1796, [+] 27. Juni 1856.]

Im Jahre 1826 grndete JOSEPH MEYER in seiner Vaterstadt Gotha das
Institut, welches 1828 nach Hildburghausen verlegt wurde. Das mit
Stahlstichen illustrierte Universum erreichte eine fr damalige Zeit
ganz enorme Auflage von 80000 Exemplaren. Es folgten verschiedene
Klassiker-Bibliotheken, deren Rechtmssigkeit bestritten wurde, die
aber durch eine bisher ungekannte Billigkeit die Kauf- und Leselust
anregten und eine weite Verbreitung fanden. Dann kam das grosse
Konversations-Lexikon in 52 starken Bnden. J. Meyer war ein Mann von
ausgebreiteten Kenntnissen mit einer staunenswerten Arbeitskraft,
die er jedoch ber alles Mass anstrengte, indem er neben der
bibliopolisch-typographischen Wirksamkeit noch grossartige industrielle
Plne verfolgte.

[Sidenote: H. J. Meyer.]

Sein Sohn HERMANN JULIUS MEYER zog mit dem Institut 1874 nach
Leipzig[215]. Jetzt steht dasselbe als eines der grossartigsten und
am besten geleiteten nicht nur in Deutschland da. So imponierend auch
schon die usseren Einrichtungen wirken, so ist es doch namentlich
die innere Organisation dieser mit zwei Rotationsmaschinen und 31
Schnellpressen arbeitenden Anstalt, welche Bewunderung erregt. Das
Geschft sucht und findet seine Kraft in der Konzentration und in der
Erreichung mglichster Vollkommenheit innerhalb der selbstgesteckten
Grenzen fr seine Wirksamkeit. Von der dritten Auflage des grossen
Konversations-Lexikons wurden ber 100000 Exemplare abgesetzt, daneben
erlangte das kleine Lexikon in zwei Bnden eine grosse Popularitt. Ein
Werk von hohem Wert ist A. E. Brehms Tierleben in zehn prachtvoll
illustrierten Bnden.

  [215] Das Etablissement, durch Plne illustriert, ist im Journ. f. B.
        1876, Nr. 27 ausfhrlich beschrieben.

[Sidenote: J. Klinkhardt.]

Ein Geschft, welches ebenfalls in verhltnismssig kurzer Zeit
eine grosse Entwickelung und Ausdehnung gewann, ist das bereits (S.
287) erwhnte von J. KLINKHARDT, welches mit 21 Schnellpressen, 22
Handpressen und 35 Giessmaschinen ber 400 Personen beschftigt und
vortreffliche Arbeiten im modernen Stil liefert.

[Sidenote: Verschiedene Druckereien.]

Dass diese und die sonst genannten Offizinen dem Illustrationsdruck
alle erdenkliche Sorgfalt widmen, ist selbstverstndlich, ausser
denselben besitzt Leipzig jedoch noch eine Reihe von Druckereien, die
sich vorzugsweise mit Illustrationsdruck beschftigen. Des von ED.
KRETZSCHMAR begrndeten Geschfts (jetzt C. GRUMBACH) wurde bereits
(S. 298) gedacht. Vieles zur Bildung einer tchtigen Schule von
Holzschnittdruckern trug Kretzschmars erster Gehlfe JOH. CHR. BENEDICT
bei. A. H. PAYNE druckt mit Rotationsmaschine und 18 Schnellpressen
fr den eigenen Verlag eine grosse Anzahl von illustrierten Blttern
und Werken. ALEX. EDELMANN und OTTO DRR wirkten erst zusammen, dann
getrennt und lieferten mehrere der grossen Berliner Modezeitungen
und viele Prachtwerke fr Alf. Drr, whrend A. HUNDERTSTUND & A.
PRIES namentlich den Seemannschen Kunstverlag druckten. ALEX. WIEDE
beschftigt 18 Schnellpressen fast nur mit der Herstellung der
Gartenlaube. Aus den Pressen der Firma FISCHER & WITTIG stammen sehr
viele der schnsten illustrierten Prachtwerke neuerer Zeit sowohl aus
dem Verlag von Leipziger als auswrtigen Buchhndlern.

Mit wissenschaftlichen Werken beschftigten sich vorzugsweise METZGER &
WITTIG, A. TH. ENGELHARDT, C. HIRSCHFELD, OTTO WIGAND und BR & HERMANN,
welche letztere den Druck russischer Werke als Spezialitt pflegen;
PH. RECLAM JUN. liefert mit 22 Schnellpressen fast ausschliesslich
Zwanzigpfennigbnde seiner Universalbibliothek; OTTO SPAMER druckt seine
zahlreichen illustrierten Jugendschriften und populren Werke; C. G.
NAUMANN hat seine umfangreiche Offizin nur fr Accidenzien eingerichtet;
ALEX. WALDOW verwendet die seinige nur fr den Druck des Archiv der
Buchdruckerkunst und anderer in seinem Verlage erscheinender, zumteil
von ihm verfasster typographischer Fachschriften[216].

  [216] Darunter: Die Buchdruckerkunst in ihrem technischen und
        kaufmnnischen Betriebe. 2 Bde. 4. 1874-1877. -- Illustrierte
        Encyklopdie der graphischen Knste. 1880-1883.

An Tagesblttern ist Leipzig geradezu arm und manche Provinzialstdte
Deutschlands von 30-50000 Einwohnern haben eine weit reichere
Zeitungslitteratur aufzuweisen. Das umfnglichste Journal, namentlich
zur Zeit der Messen, ist das Leipziger Tageblatt. Der Verleger E.
POLZ beschftigt fr den Druck desselben und ausserdem hauptschlich
fr den des C. F. Winterschen Verlags drei Rotationsmaschinen und elf
Schnellpressen.

Nicht alle graphischen Firmen Leipzigs, die tchtiges liefern, knnen
wir hier aufzhlen. Die Zahl der Buchdruckereien Leipzigs (incl. der
Vororte) betrgt 92 mit 7 Rotationsmaschinen, 437 Schnellpressen und 292
Tret- und Handpressen. Die 69 lithographischen Anstalten beschftigen
146 Schnellpressen, 517 Handpressen. In beiden Branchen sind gegen 6200
Personen thtig.

[Sidenote: C. G. Rder.]

Den enormen Aufschwung, welchen das Musikaliengeschft in Leipzig nahm,
veranlasste ein Institut fr Notendruck, das seinesgleichen sucht. C.
G. RDER grndete mit kleinsten Mitteln 1846 seine Notendruckanstalt,
welche jetzt mit 34 Schnellpressen, 25 Handpressen und einem Personale
von 400 Kpfen arbeitet und namentlich die usserst umfangreiche
_dition Peters_ im Verlage des _Bureau de musique_ druckt. An
eigentlichen lithographischen Kunstinstituten hat Leipzig keinen
berfluss, dagegen ist die Anstalt fr Phantasieartikel und Luxuspapiere
von MEISSNER & BUCH, die mit 15 Schnellpressen, 30 Handpressen und 46
Prg- und anderen Maschinen arbeitet, von grosser Bedeutung; auch die
Offizin von WETZEL & NAUMANN hat einen enormen Aufschwung genommen
und arbeitet hauptschlich fr den Export mit 32 Schnellpressen, 27
Handpressen und 450 Arbeitern. H. WAGNER & E. DEBES beschftigen sich
ausschliesslich mit kartographischen Arbeiten. Als Lichtdrucker leisten
A. NAUMANN & SCHRDER vorzgliches. Die Zahl der xylographischen und
chemigraphischen Anstalten ist eine betrchtliche.

[Sidenote: Die die Typographie frdernden Verleger.]

Es wrde zu weit fhren, alle die Verleger aufzuzhlen, die, ohne
eigene Druckereien zu besitzen, doch auf die Typographie einen grossen
Einfluss bten. Den Buchdruck fr wissenschaftliche Zwecke frderten u.
a. namentlich J. A. BARTH, W. ENGELMANN, SAL. HIRZEL, L. VOSS, die J. C.
HINRICHSSCHE Buchhandlung, F. C. W. VOGEL[217], T. O. WEIGEL (I, S. 6),
RUD. WEIGEL (I, S. 103), O. WIGAND und C. F. WINTERS Verlag.

  [217] Frher hatte diese Firma eine 1811 eingerichtete, namentlich mit
        orientalischen Schriften gut ausgestattete Druckerei, die 1858
        auf G. Kreysing berging.

Fr den illustrierten Verlag waren J. J. Weber und Georg Wigand in
den dreissiger Jahren bahnbrechend. J. J. WEBER fhrte 1832 das
Pfennig-Magazin und 1843 die Illustrirte Zeitung ein. Die von Ad.
Menzel illustrierte Geschichte Friedrichs des Grossen wurde noch whrend
der Zeit der ersten Neuentwickelung des Holzschnittes in Deutschland
(S. 297) unternommen, berhaupt wirkte geschmackvolle Ausstattung aller
Weberschen Artikel sehr anregend sowohl auf die Buchdruckereien wie auf
die Verleger.

Gleichzeitig mit Weber wirkte GEORG WIGAND, dessen im Verein mit seinem
Bruder Otto Wigand 1840 unternommene Ausgabe von dem Nibelungenlied,
illustriert von Hbner und Bendemann, eine schne Jubelerinnerung
bildet. Sowohl durch eigene Neigung als namentlich durch seine innige
Verbindung mit Loda, Richter und Schnorr von Carolsfeld wurde er auf
die mehr ursprngliche echt deutsche Art des Holzschnitts gefhrt, von
welchem Schnorrs Bibel in Bildern ein monumentales Denkmal bleibt.

In neuerer Zeit waren es namentlich E. A. SEEMANN und ALF. DRR, welche
den illustrierten Verlag frderten. Seemann lieferte eine grosse Reihe
von Werken ber die verschiedenen Zweige der Kunst und der Kunstgewerbe,
Alf. Drr pflegte namentlich die strengere Richtung der illustrierenden
Kunst in den Werken von J. Fhrich, Preller u. a., daneben lieferte er
eine Reihe von Jugendschriften in hchst anziehender Weise durch Osc.
Pletsch illustriert. Auch FR. BRANDSTETTER, J. A. BAUMGRTNER, E. KEIL,
VELHAGEN & KLASING, K. BDEKER, SCHMIDT & GNTHER u. a. leisteten durch
ihren Verlag den Illustrationsdruckern grossen Vorschub.

                   *       *       *       *       *

[Sidenote: Dresden.]

[Sidenote: Familie Meinhold.]

[Sidenote: C. I. Meinhold * 1784. [+] 1861.]

Unter den sonstigen Stdten des Knigreichs Sachsen hat die
Residenzstadt DRESDEN allein einen bedeutenden Platz und unter den
47 Buchdruckereien und 54 lithographischen Anstalten, die mit 209
Schnellpressen und 251 Tret- und Handpressen arbeiten, nimmt wieder
die Firma C. C. MEINHOLD & SHNE die hervorragendste Stellung ein. Der
Begrnder derselben, CARL CHRISTIAN MEINHOLD, Sohn eines Bergmannes
aus Marienberg, erwarb die Hofbuchdruckerei, welche ihren Ursprung dem
Herzog Georg dem Brtigen verdankt, der 1524 den Buchdrucker WOLFG.
STCKEL aus Leipzig nach Dresden berief, um reformatorische Schriften zu
drucken. Stckels Geschft kam 1590 an die Familie BERGEN, in welcher
es blieb, bis Meinhold es 1778 bernahm und bald zu einer grsseren
Blte brachte. Er druckte die schsischen und polnischen Kassenbillets
und Staatspapiere und machte auch glckliche Verlagsspekulationen. Im
Jahre 1816 bergab er die Geschftsleitung seinen Shnen, von welchen
CHRISTIAN IMMANUEL MEINHOLD es nach dem Tode des Vaters allein bernahm.
Zu der Buchdruckerei fgte er Schrift- und Stereotypengiesserei. Seine
Shne JULIUS und THEODOR wurden 1855 Teilnehmer und von 1875 fhrte
Julius das Geschft allein fort und feierte am 28. Januar 1878 das
hundertjhrige Jubilum der Firma.

[Sidenote: Andere Offizinen.]

Zu erwhnen sind noch namentlich B. G. TEUBNERS Filiale des Leipziger
Geschfts (6 Schp.), E. BLOCHMANN & SOHN (2 Rotm., 5 Schp.), der von
Leipzig bersiedelte W. BAENSCH (8 Schp.), R. H. DIETRICH (8 Schp.),
GLEISSNER (Rotm. und 7 Schp.), C. HEINRICH (12 Schp.), H. G. MNCHMEYER
(9 Schp.), LIEPSCH & REICHHARDT (Rotm., 4 Schp.), J. PSSLER (7
Schp.), AD. WOLF (7 Schp.). Von den lithographischen Anstalten waren
frher besonders angesehen: H. HANFSTNGL und FRSTENAU, ersterer
auf Grund seines Galeriewerkes, letzterer wegen seiner brillanten
Accidenzarbeiten; jetzt sind die grssten Institute W. BRCKNER & CO. (8
Schp., 6 Hdp.), R. BRGER (6 Schp., 5 Hdp.), R. FRIEDLNDER (7 Schp., 7
Hdp.). Als Lichtdrucker haben RMMLER & JONAS (7 Schp.) bereits lange
einen Namen. W. HOFFMANN arbeitet mit 8 Lichtdruckschnellpressen.
Als Verlagsort hat Dresden Bedeutung durch seine Kunstverleger, als:
E. ARNOLD, A. GUTBIER, HANFSTNGL, F. & O. BROCKMANN NACHFOLGER, G.
GILBERS, H. KRONE u. a.

In der Fabrikstadt CHEMNITZ beschftigen sich die Buchdruckereien
wesentlich nur mit Zeitungs- und Accidenzdruck. Einen ungewhnlichen
Umfang erreichte das Geschft von PICKENHAHN & SOHN (1 Rotm., 20 Schp.
und 150 Arb.). Unter den lithographischen Anstalten ist R. OSCHATZ (8
Schp., 16 Hdp.) die grsste. BAUTZEN hat eine sehr leistungsfhige
Steindruckerei und Luxuspapierfabrik, GEBR. WEIGANG (23 Schp., 12 Hdp.);
in dem Fabrikort BUCHHOLZ liefert G. ADLER tchtige Accidenzarbeiten fr
seine eigene bedeutende Cartonnagenfabrik. In PLAUEN wirkt ebenfalls
fr den Bedarf der Fabriken MOR. WIEPRECHT (6 Schp.), in MEISSEN C. E.
KLINKICHT & SOHN (4 Schp.).

Durch die Eisenbahnverbindung kann ALTENBURG fast als eine Vorstadt
des typographischen Leipzig betrachtet werden. Wohlfeilere
Lebensverhltnisse setzten in der tariflosen Zeit die dortigen
Buchdrucker in den Stand, vorteilhaft mit den Leipzigern konkurrieren zu
knnen. Diese Verhltnisse verstanden erst H. A. PIERER, welcher 1832
das von dem Vater JOH. PIERER erworbene Druckgeschft bernommen hatte,
und dann dessen Shne EUGEN und ALFRED mit Geschick zu benutzen, so dass
das gut und mit gengenden Mitteln geleitete Geschft den Leipziger
Druckereien fters eine schwer zu bestehende Konkurrenz bereitete. Das
in Pierers Verlag erschienene Universal-Lexikon besass neben dem
Brockhausschen Konversations-Lexikon ein grosses Ansehen, wenn auch die
Verbreitung sich innerhalb mssiger Grenzen hielt[218].

  [218] ber Pierers Verhltnis zu Brockhaus und dessen
        Konversations-Lexikon, sowie ber das Entstehen des
        Universal-Lexikons enthlt das bereits erwhnte Werk des Dr. Ed.
        Brockhaus sehr interessante Details.

Am 1. Januar 1872 ging die Druckerei in die Hnde eines Leipziger
Konsortiums ber, unter Leitung des Mitbesitzers STEPH. GEIBEL. Die
Offizin wuchs rasch (19 Schp.) und hat sich namentlich einen Ruf durch
ihre Accidenzarbeiten erworben (S. 292).

Thringen hat viele gut eingerichtete aber keine besonders
hervorragenden Druckanstalten aufzuweisen. In GERA lieferte ISSLEIB
& RIETSCHELS Hofbuchdruckerei (6 Schp.) Beachtenswertes, namentlich
im chemigraphischen Landkartendruck. HILDBURGHAUSEN hatte frher
durch das Bibliographische Institut (S. 346) Bedeutung; eine tchtige
Druckanstalt daselbst ist noch die von GADOW & SOHN (5 Schp.). Die
HOFBUCHDRUCKEREI in WEIMAR datiert aus dem Jahre 1624, als der an allen
Kulturbestrebungen regen Anteil nehmende Herzog Friedrich Wilhelm von
Sachsen in seinem Schloss eine Offizin errichten liess, in welcher er
selbst und seine Gemahlin an dem Satz Lutherscher Werke arbeiteten. Die
Hauptstcke der christlichen Lehre fasste er als Enchiridion fr den
Unterricht seiner beiden Tchter zusammen.

Nach manchen Wandlungen durch zwei Jahrhunderte kam die Offizin in den
Besitz HERMANN BHLHAUS[219], in welchem sie sowohl durch Arbeiten fr
den eigenen Verlag, wie fr fremde Rechnung einen raschen Aufschwung
genommen hat.

  [219] H. BHLAU, Zur Geschichte der Hofbuchdruckerei in Weimar.
        Einleitung zu seinem Verlagskatalog.

Eine rastlose Thtigkeit entwickelte die Weimarer Druck- und
Verlagsfirma B. F. VOIGT. Verfolgt sie auch keine idealen Zwecke, so
hat sie doch durch ihren grossen technischen Verlag (gegen 1500 Artikel
und 20 Zeitschriften), namentlich durch ihren Schauplatz der Knste
und Handwerke in etwa 300 Werken, von welchen mehr als die Hlfte neue
Auflagen (fters sechs bis acht) erlebten, vieles zur Verallgemeinerung
technischer Kenntnisse beigetragen. Die Natur des Verlages lsst keine
Prachtwerke zu, doch sorgt die Firma fr gute Ausfhrung der Werke
sowohl als der vielen lithographischen Beilagen.

[Sidenote: Justus Perthes * Septbr. 1785. [+] 1. Mai 1816.]

[Sidenote: Bernh. Perthes * 27. Okt. 1857.]

In GOTHA gehrt die ENGELHARD-RHEYERSCHE Hofbuchdruckerei zu den besten
Anstalten Deutschlands. Der Besitzer Fr. Engelhard hat sich ausserdem
um die Organisation der Krankenkassen der Gehlfen sehr verdient
gemacht. Einen Weltruf hat das geographische Institut von JUSTUS PERTHES
erlangt. Der Grnder war JOH. GEORG JUSTUS PERTHES aus Rudolstadt; die
ausschliesslich geographische Richtung erhielt das Geschft erst durch
den Sohn WILH. PERTHES, der auch den Gothaischen Hofkalender und den
_Almanach de Gotha_ erwarb. Stielers Handatlas erffnete die Reihe
des bedeutenden kartographischen Verlags, bei welchem H. Berghaus, v.
Stlpnagel, v. Spruner u. a. mitwirkten. Die grsste Blte erlangte die
Anstalt unter der Direktion des BERNHARD PERTHES, die noch whrend der
Lebenszeit des Vaters begann, leider aber bereits vier Jahre nach des
letzteren Tod ihre Endschaft erreichte.

[Sidenote: Aug. Petermann Mitteilungen.]

Unter der wissenschaftlichen Leitung des Dr. AUGUST PETERMANN
bildete sich das Geschft, untersttzt durch die seit 1855 monatlich
erscheinenden Mitteilungen aus Justus Perthes' geographischer Anstalt,
zu einem Mittel- und Einigungspunkte der Bestrebungen fr die gesamte
Erdkunde aus.

Perthes' Absichten in technischer Beziehung gingen nicht darauf,
alle graphischen Knste in ein usserlich grosses Etablissement zu
vereinigen, sondern er verteilte die Arbeiten auf etwa dreissig
selbstndige Unternehmer, welche nahe an 400 Arbeitern den Unterhalt
brachten.

In ERFURT geben die vielen Grtnereien und die Eisenbahndirektion
zu einem lebhaften Accidenzgeschft Veranlassung. Die bedeutenderen
Offizinen sind die von OHLENROTH (6 Schp.), FR. BARTHOLOMUS und G. A.
KNIG. H. C. BESTEHORN in ASCHERSLEBEN beschftigt 8 Schnellpressen und
viele Arbeiter mit Luxuspapierfabrikation. TH. MLLER in NORDHAUSEN
liefert mit 8 Schnellpressen Etiquetten, Geschftspapiere u. dgl.

[Sidenote: Die Cansteinsche Bibelanstalt.]

In HALLE befindet sich die altehrwrdige Waisenhausbuchhandlung und
Buchdruckerei nebst der damit verbundenen V. CANSTEINSCHEN BIBELANSTALT.
Die erstere wurde 1697 durch den Pfarrer HEINR. JUL. ELERS als Teil
der Franckeschen philanthropischen Stiftungen begrndet[220]. Fr eine
Buchdruckerei wurde wenige Jahre nachher ein Privilegium erteilt. Die
Cansteinsche Bibelanstalt ist durch die Anstrengungen des Barons CARL
HILDEBRANDT VON CANSTEIN durch gesammelte Beitrge gegrndet. Bereits
1712 konnte das Neue Testament, 1713 die ganze Bibel gedruckt werden. v.
Canstein starb am 19. Juli 1719, worauf Francke die Anstalt bernahm,
die im Jahre 1713 ebenfalls eine eigene Buchdruckerei erhielt.

  [220] OSW. BERTRAM, Geschichte der Cansteinschen Bibelanstalt in Halle.
        1863. -- Die Stiftungen A. H. FRANCKES. Halle 1863. -- G.
        KRAMER, A. H. FRANCKE. Halle 1880. -- Ann. d. Typ. 1873, Nr. 204
        u. 205.

[Sidenote: O. Bertram [+] 10. April 1876.]

Eine neue Epoche fr dieselbe begann mit der Grndung der Britischen
Bibelanstalt 1804 (S. 99) und der deutschen Hauptbibelgesellschaft.
Im Jahre 1830 konnte die erste Schnellpresse aufgestellt und 1839
eine Stereotypie eingerichtet werden. Die Zahl der von 1712-1872
gedruckten Bibeln und Neuen Testamente betrug nahe an sechs Millionen.
Seit dem Jahre 1860 sind die beiden Druckereien der Franckeschen
Stiftungen im Betrieb vereinigt (12 Schp.) unter der sicheren Leitung
des tchtigen Buchdruckers C. BOBARD. Einen besonderen Aufschwung nahm
die Buchhandlung seit 1858 unter der umsichtigen Direktion von OSW.
BERTRAM, der sich auch um den Deutschen Buchdrucker-Verein sehr verdient
gemacht hat. Sein Nachfolger ist der durch seine hchst verdienstlichen
bibliopolischen Schriften bekannte AUG. SCHRMANN[221].

  [221] Die Usancen des deutschen Buchhandels. 2. Aufl. Leipzig 1867. --
        Magazin fr den deutschen Buchhandel 1874-1876 u. a.

[Sidenote: Carl August Schwetschke * 29. Sept. 1756.]

[Sidenote: Dr. Carl Gust. Schwetschke * 5. April 1805, [+] 5. Okt. 1881.]

Ein angesehenes Geschft ist das Gebauer-Schwetschkesche. CARL AUGUST
SCHWETSCHKE aus Glauchau kam 1783 als Faktor in die Buchhandlung der
Witwe HEMMERDE, welche ihn 1788 als Mitbesitzer aufnahm. Die Firma wurde
nun Hemmerde & Schwetschke und, als des letzteren Sohn CARL FERDINAND
im Jahre 1828 eintrat, SCHWETSCHKE & SOHN. Im Jahre 1820 war ihm die
Gebauersche Buchhandlung und Buchdruckerei zugefallen, die er als
besonderes Geschft seit 1828 mit seinem jngeren Sohne Dr. CARL GUSTAV
SCHWETSCHKE fortfhrte.

Bereits am 30. September 1878 konnte die Familie eine dreifache
Jubelfeier begehen, die des hundertjhrigen Bestehens des Geschfts,
die fnfzigjhrige der geschftlichen Wirksamkeit Dr. Gustavs und
die fnfundzwanzigjhrige derjenigen seines Sohnes Carl Ferdinand.
Zu den bedeutenden Unternehmungen der Firma gehren: _Suidae Lexicon
graece et latine_ und _Freytagii Lexicon arabico latinum_. Dr. G.
Schwetschke erwarb sich einen bekannten und beliebten Namen durch seine
litterarischen Arbeiten[222].

  [222] Vorakademische Buchdruckergeschichte von Halle. 1840. -- _Codex
        nundinarius Germaniae literatae bisecularis_ 1850. -- In
        weiteren Kreisen fanden grossen Beifall seine prosaischen und
        poetischen Schriften in korrumpiertem Latein, darunter _Novae
        epistolae obscurorum virorum_.

Die frhere Bedeutung MAGDEBURGS als Druckplatz ging bald verloren.
Erst durch ED. HNEL (S. 281), dessen Etablissement noch heute
besteht, gewann es wieder einen Namen. Zu nennen sind besonders
das Etablissement von E. BAENSCH JUN. (10 Schp.) und die Druckerei
der Brder ALEXANDER und ROBERT FABER, welche die in ihrem Verlage
erscheinende Magdeburgische Zeitung, die eine einflussreiche Stellung
und eine grosse Verbreitung erreicht hat, mit 3 Rotationsmaschinen und 5
Schnellpressen druckt.

[Sidenote: Fr. Vieweg [+] 25. Dez. 1835.]

[Sidenote: Ed. Vieweg * 15. Juli 1797, [+] 1. Dez. 1869.]

BRAUNSCHWEIG hat, obwohl nicht durch besondere rtliche Verhltnisse
begnstigt, eine ziemlich bedeutende Rolle in der deutschen Typographie
gespielt. Hier wirkte die Firma VIEWEG & SOHN, welche durch ihr Beispiel
grossen Einfluss auf die Fortschritte in der deutschen Bcherausstattung
gebt hat. Der Begrnder des Geschfts war FR. VIEWEG (1799), den
Hhepunkt erreichte dasselbe nach dem Beitritt des Sohnes HANS HEINRICH
EDUARD VIEWEG im Jahre 1825. Er war zu Berlin geboren und hatte sich fr
seinen Beruf in Frankreich ausgebildet. In Paris schloss er eine fr
das Leben dauernde Freundschaft mit dem berhmten Chemiker Justus v.
Liebig, die fr Viewegs geschftliche Wirksamkeit von grsstem Einfluss
wurde. Aus England brachte er die erste Columbiapresse nach Deutschland
und unternahm es, auf der Zorger Eisenhtte im Harz dergleichen Pressen
bauen zu lassen (S. 316).

[Sidenote: Einfluss Viewegs.]

Vieweg wurde ein Bahnbrecher fr den guten typographischen Geschmack.
Durch die Verwendung des instruktiven Holzschnittes in einem Maasse, wie
frher nicht gekannt war, hat er ganz ausserordentlich zu der wahren
Popularisierung der Wissenschaft, welche nicht mit dem oberflchlichen
Naschen durch Hlfe zusammengeschriebener, sogenannter populrer
Litteratur verwechselt werden darf, beigetragen. Seine Druckwerke,
zu denen die eigenen Werksttten die Schriften, die Holzschnitte
und das Papier lieferten, waren ein Spiegelbild seiner eigenen
Persnlichkeit. Alles durch und durch _gentlemanlike_: gediegenes
Innere in einfach nobler Hlle. Das ganze Viewegsche Institut erinnert
an die besten Werksttten der frheren Bltezeit der Typographie mit
ihren begeisterten, nach einem festen Ziele strebenden Leitern. Fr das
allgemeine Interesse des Buchgewerbes trat Vieweg stets mit Energie ein.
Er unterlag in seinem 73. Jahre langen und schweren Leiden. Das Geschft
blht fort und beschftigt 14 Schnellpressen und 10 Handpressen.

[Sidenote: G. Westermann * 23. Febr. 1810, [+] 7. Sept. 1869.]

In hnlicher Weise wie Vieweg wirkte GEORGE WESTERMANN, welcher mit
seiner 1838 gegrndeten Buchhandlung 1845 eine Buchdruckerei vereinigte.
Beide Geschftszweige gelangten zur vollen Blte und die Westermannschen
Leistungen sind ebenso vorzglich wie seine Offizin (15 Schp.) eine
schn eingerichtete ist. Unter seinen Verlagsunternehmungen sind am
bekanntesten seine nach amerikanischem Muster angelegten illustrierten
Westermanns Monatshefte (seit 1856). Durch E. Gbler errichtete er
in Leipzig eine chemitypische Anstalt, in welcher er seine usserst
billigen Kartenwerke herstellte. Von Langes Schulatlas ist bereits mehr
als eine Million Exemplare verbreitet.

Unter den Druckanstalten Braunschweigs nimmt auch die von JULIUS KRAMPE
(1 Rotm., 8 Schp.) einen angesehenen Platz ein. Die lithographische
Anstalt der Firma H. LITOLFF (8 Schp., 5 Hdp.) druckt den bedeutenden
Musikalien-Verlag der Firma.

[Sidenote: Dr. H. Meyer.]

An Braunschweig und die Firma JOH. HEINR. MEYER knpft sich noch die
Erinnerung an einen Mann, der von den deutschen Typographen stets hoch
in Ehren gehalten zu werden verdient. Wie Vieweg auf dem praktischen
Wege bahnbrechend wirkte, so Dr. HEINRICH MEYER auf dem theoretischen
durch sein Journal fr Buchdruckerkunst. Dasselbe wurde 1834
begrndet, zu einer Zeit des regsten Schaffens auf allen graphischen
Gebieten. Kaum eine Woche verging, welche nicht eine Verbesserung,
eine neue Schrift, eine neue Maschine u. dgl. brachte. Das Verdienst,
alle diese Neuheiten nicht nur gewissenhaft registriert, beschrieben
und abgebildet, sondern auch ihrem wahren Werte nach unparteiisch und
nchtern beurteilt zu haben, gehrt Meyer. Fast immer war sein Urteil
zutreffend und die Zukunft lehrte gewhnlich, wie recht er gehabt
hatte. In seiner Selbstlosigkeit war ihm die Sache alles; nie liess
er sich von persnlichen Sympathien bestechen oder von Antipathien
zu Ungerechtigkeiten hinreissen; sein Blatt blieb frei von allem
Koteriewesen. In seinem Urteil war er mild, konnte jedoch auch, wenn es
sein musste, gegen anmassende Dummheit derb, jedoch nie gehssig werden.

Dr. Meyer starb am 4. November 1863, schwerlich Feinde hinterlassend,
wohl aber viele Freunde, die seinen Hingang als einen schweren Verlust
fr die deutsche Typographie betrauerten.

Nach seinem Tode litt das Blatt unter einem langen Schwanken in den
redaktionellen Verhltnissen, bis im Herbst 1872 THEODOR GOEBEL, an
Kenntnissen und Sammelfleiss Meyer ebenbrtig, die Redaktion antrat und
bis zum Herbst 1879 fortfhrte. Namentlich seine vielen ausfhrlichen
und sachkundigen Ausstellungsberichte bieten wichtige Beitrge zur Kunde
der Fortschritte auf allen graphischen Gebieten. Nach Goebels Rcktritt
folgte wieder eine Periode der Unsicherheit, bis das Blatt im Herbst
1881 in den Verlag und in die Redaktion von FERD. SCHLOTKE in Hamburg
berging.

Das Journal fr Buchdruckerkunst wird bald sein fnfzigjhriges
Bestehen feiern knnen. Es bleibt die wichtigste Quelle fr die
Geschichte der typographischen Entwickelung in dem letzten halben
Skulum, in dessen Gewirr es einer spteren Generation schwer werden
wrde, sich ohne seine Hlfe zurechtzufinden.


[Illustration]

                             XIII. KAPITEL.

                  DER NORDEN DER GERMANISCHEN GRUPPE.

  BERLIN: wachsende Bedeutung. Die Familie Decker, Unger Vater und Sohn,
    Gebr. Unger, Familie Spener, Reimer, Mittler u. a. Ed. Hnel-Gronau.
    Die Zeitungsdruckereien. Die Accidenzdruckereien. Die
    lithographischen und sonstigen Kunstanstalten. Breslau. Frankfurt a.
    O. Posen. Knigsberg. Danzig. Stettin. Lbeck. Hamburg. Bremen.
    Hannover. Kln: Die Offizin der Klnischen Zeitung.

[Sidenote: Allmhliche Fortschritte.]

Berlin hatte, als die neue Periode der Buchdruckerkunst anfing, noch
keine Bedeutung als Druckstadt; dieselbe zeigte sich erst nach und
nach unter der Regierung des grossen Knigs, hielt jedoch immer noch
nicht Schritt mit der zunehmenden Bedeutung der Residenz eines mchtig
emporblhenden Landes.

[Sidenote: Die Hofbuchdrucker.]

Im Jahre 1757 wurde CHRIST. FRIEDR. HENNING zum zweiten deutschen
Hofbuchdrucker ernannt mit der Aussicht, die Stelle des ersten, CHR.
ALB. GBERTS, nach dessen Tode zu erhalten. Neben den deutschen
Hofbuchdruckern gab es auch franzsische. Den Titel eines solchen
hatte bereits 1696 ROBERT ROGER aus Amsterdam. In dem Jahre 1718 ging
Rogers Offizin in die Hnde J. G. MICHAELIS ber. Er sowohl als Henning
waren sehr tchtige Buchdrucker, die einen wesentlichen Anteil an der
Hebung des typographischen Geschmacks in Berlin hatten.

[Sidenote: Die Familie Decker.]

Die berhmtesten Hofbuchdrucker gehrten jedoch der Familie DECKER an,
der eine so glnzende Rolle zufiel, wie wenigen in Deutschland[223].

  [223] AUG. POTTHAST, Die Abstammung der Familie Decker. Berlin 1863. --
        Brsenbl. f. d. d. B. Januar 1877. -- Ann. d. Typ. 1877, Nr. 388.

[Sidenote: Joh. Jac. I Decker * 1635.]

Die Familie stammt aus Eisfeld im Thringschen. Der am 23. April
1596 geborne Georg Decker siedelte nach Basel ber und erwarb 1635
durch Heirat mit der Witwe des Buchdruckers Johann Schrter dessen
Offizin, die er so rasch zur Blte brachte, dass er bereits 1636 zum
Universittsbuchdrucker ernannt wurde. Sein Sohn und Nachfolger JOHANN
JACOB I zog 1680 mit einem Teile der Druckerei nach Neu-Breisach, um
Drucker des dortigen franzsischen Gerichtshofes zu werden.

[Sidenote: Joh. Jac. II Decker * 1666, [+] 1726.]

[Sidenote: J. Heinr. I Decker * 18. Mrz 1679, [+] 29. Dez. 1741.]

Von dessen beiden Shnen JOHANN JACOB II und HEINRICH I fhrte der
erste, als der Vater nach Breisach bersiedelte, das Geschft in Basel
fort und behielt nach dessen Tode im Interesse der Familie die Leitung,
erwarb jedoch ausserdem die dortige Ludinsche, frher Henric Petrische
Offizin. Der Bruder Joh. Heinrich I grndete in Colmar, welches durch
den Ryswicker Frieden 1697 franzsisch geworden war, eine Offizin, um
Regierungsarbeiten zu drucken.

[Sidenote: Joh. Heinr. II Decker.]

Der kinderlose JOH. JACOB II vermachte sein Geschft dem JOH. HEINRICH
II, Sohn des Heinrich I, welcher ausserdem mit Erfolg das Colmarer
Geschft fortsetzte. Leider wurde er durch einen Verwandten zur Grndung
einer Papierfabrik veranlasst, welche ihn in Verlegenheiten und
Verdriesslichkeiten verwickelte, die ihn so erschtterten, dass er in
einen Zustand von Geistesschwche verfiel, unter welchem das Geschft
fast zugrundeging.

[Sidenote: G. Jac. I Decker * 12. Febr. 1732, [+] 17. Nov. 1799.]

Johann Heinrich II hatte zwlf Kinder, unter diesen GEORG JACOB I.
Derselbe lernte die Buchdruckerei, studierte dann in Strassburg, wo
er im Hause seines Oheims, des bekannten Geschichtschreibers der
Typographie, Joh. Schpflin, gute Aufnahme und Nahrung fr seine Liebe
zur Typographie fand. Im Jahre 1750 ging Georg Jacob auf Reisen und kam,
nachdem er vergeblich Aufnahme in der Breitkopfschen Offizin in Leipzig
gesucht hatte, nach Berlin, wo er sechs Monate in der Henningschen
Druckerei arbeitete.

[Sidenote: Joh. Grynus.]

Ein franzsischer Emigrant ARNOLD DUSSARRAT hatte 1713 Konzession fr
eine franzsische Buchdruckerei erhalten, welche sich 1721 in den Hnden
des JOHANN GRYNUS aus Basel befand. Letzterer kam, obwohl ein tchtiger
Mann, nicht vorwrts, und die Druckerei befand sich bei seinem Tode 1740
in misslicher Lage. Als Helfer trat nun Georg Jacob heran, der mit der
Tochter des Grynus, Louise Dorothea, einen Bund des Herzens geschlossen
hatte. Nachdem er erst Ordnung in die verwickelten Angelegenheiten
des vterlichen Geschfts in Basel gebracht hatte, infolge welcher
das Colmarer Haus auf den Bruder Johann Heinrich III berging, dessen
Nachkommen noch in Besitz des dortigen angesehenen Geschfts sind,
bernahm Georg Jacob die alleinige Leitung der Grynusschen Offizin
und wurde 1756 Mitbesitzer, wodurch sich die Firma in GRYNUS & DECKER
nderte.

[Sidenote: Grynus & Decker.]

Der nun folgende rasche Aufschwung konnte nicht einmal durch
den siebenjhrigen Krieg gehemmt werden, da die grosse Zahl von
Flugschriften und Neuigkeitsblttern eine lebendige geschftliche
Bewegung veranlasste. Nach dem Einzug der Russen in Berlin hielt
der verschiedentlich kompromittierte Decker es jedoch fr geraten,
zeitweilig die Stadt zu verlassen.

Im Jahre 1763 wurde er alleiniger Inhaber des Geschfts und von nun war
sein Glck in stetem Wachsen. Er erhielt das Direktoriat der fr das
Lotto errichteten kniglichen Druckerei mit einem Gehalt von 300 Thalern
und nach erfolgtem gnstigen Urteil der Akademie der Wissenschaften den
Titel eines Hofbuchdruckers mit der Anwartschaft auf die klingenden
Vorteile eines solchen. Die Versuche Deckers, diese Stellung sich
erblich zu sichern, strandeten damals, ohne dass er deshalb den Gedanken
daran aufgab.

[Sidenote: Schriftgiesserei in Berlin.]

[Sidenote: Decker erblicher Hofbuchdrucker.]

Mit der Schriftgiesserei in Preussen war es noch schlecht bestellt.
Seit Thurneyssers Anlauf (I, S. 152) war Berlin bis 1743 ohne
Schriftgiesserei, und sptere Versuche waren nicht gnstig abgelaufen.
Das war fr Decker ein gnstiger Moment. Er kaufte die besten
Baskervilleschen und Fournierschen Matern und liess einen gut geschulten
Faktor kommen, versprach auf seine Kosten eine tchtige Schriftgiesserei
einzurichten und alle franzsischen Bcher von Wert nachzudrucken,
wodurch viel Geld dem Lande erhalten werden wrde. Dies schlug bei
dem Knig, dem der _nervus rerum_ stets wichtig war, durch, und am 4.
Januar 1769 erhielt Decker die erbliche Wrde eines Hofbuchdruckers,
ausserdem ein Privilegium fr die nachzudruckenden Bcher. Der Knig
blieb Decker stets gewogen und gehrte als Schriftsteller zu dessen
Kunden; eine solche war auch die Knigin Elisabeth Christine, die sich
mit der Herausgabe frommer Bcher beschftigte.

[Sidenote: Aufblhen des Verlagsgeschfts.]

Das frischere geistige Leben, welches seit dem Hubertusburger Frieden
1763 in Berlin pulsierte, unterliess nicht, seinen Einfluss auf das
Deckersche Geschft zu ben. Georg Jacob trat in Verbindung mit den
vielen schriftstellerischen Berhmtheiten und fing nun 1769 selbst an
zu verlegen, und zwar mit einem solchen Eifer, dass die Zahl seiner
Verlagsartikel bald an 400 betrug. Damals begann auch allgemein eine
bessere Ausstattung der Bcher; selten erschien ein solches ohne Zuthat
bildlichen Schmuckes namentlich unter der Mitwirkung Chodowieckis.
Die Druckerei war hierdurch und durch fremde Arbeiten so stark
beschftigt, dass Decker viele Auftrge auswrts ausfhren lassen
musste. Als Verleger ging er jhrlich zweimal zur Messe nach Leipzig,
wo er in freundschaftlichem, zugleich geschftlichem Verkehr mit
Bernhard Breitkopf, spter mit dessen Sohn Immanuel, stand. Das Baseler
Geschft wurde von ihm und dem Bruder in Colmar der Direktion eines
Geschftsfhrers berlassen.

[Sidenote: Gunst Friedrich Wilhelms II.]

Nach dem Tode Friedrichs II. 1786 besttigte der Knig Friedrich Wilhelm
II. nicht allein die Privilegien Deckers, sondern er hatte ausserdem
Decker und der Vossschen Buchhandlung das Recht gewhrt, franzsische
und ins Deutsche bersetzte Werke Friedrich des Grossen zu drucken unter
der Bedingung, dass sie in einer besonderen, im kniglichen Schlosse zu
Potsdam dazu angewiesenen Lokalitt hergestellt wurden. Decker stellte
schleunigst zehn und dann noch weitere zehn Pressen auf und schon im
Frhjahr 1789 waren die 25 Bnde der Werke gedruckt. Der Knig war mit
der raschen Ausfhrung so zufrieden, dass er Decker, als besonderen
Beweis seiner Gnade, fr sich und seine Erben fr alle Zeiten zum
Geheimen Ober-Hofbuchdrucker ernannte. Die Ausgabe gengte jedoch nicht
in derselben Weise den Anforderungen der Kritik. Die Redaktion war
eine des grossen Autors ganz unwrdige. Hierdurch und auf Grund von
Nachdrucken wurde das Unternehmen fr die Verleger ein verfehltes.

[Sidenote: Letzte Jahre G. Jacobs I.]

Das Ziel von Deckers Ehrgeiz war erreicht. Das Glck hatte ihn im
Geschft und in der Familie begnstigt. Vier Tchter verheirateten sich
mit Mnnern von Fach, den Brdern Christ. Spener und Joh. Carl Spener,
dem Buchhndler H. A. Rottmann und dem berhmten Schriftgiesser Wilh.
Haas d. . in Basel. Der Mann der fnften Tochter, Ph. Rosenstiel, war
zwar Oberfinanzrat, spielte jedoch auch in der geschftlichen Geschichte
der Familie eine Rolle.

Beim Eintritt in sein 60. Jahr am 25. Juni 1792 berliess Georg Jacob I
seinem Sohne GEORG JACOB II sein Geschft kuflich und fhrte im Kreise
der Seinigen sowie von Knstlern und Mnnern der Wissenschaft ein,
wennauch mit krperlichen Leiden verbundenes so doch heiteres Leben, bis
der Tod den Achtundsechzigjhrigen am 17. November 1799 abrief.

[Sidenote: Georg Jacob II * 9. Novbr. 1765, [+] 26. Aug. 1819.]

Der Sohn Georg Jacob II hatte die Buchdruckerei im vterlichen Hause
und bei H. G. Effenbart in Stettin, den Buchhandel bei Treuttel & Wrtz
in Strassburg gelernt und sich auf lngeren Reisen weiter ausgebildet.
Teilhaber des Geschfts war er bereits 1788 geworden.

[Sidenote: Zensurschwierigkeiten.]

Ihm sollte das Leben nicht ohne schwere Sorgen und harte Prfungen
verlaufen. Ein Hemmnis fr die Verlagsthtigkeit Deckers wie fr den
ganzen Buchhandel wurden die schon im Jahre seines Eintritts in das
Geschft 1788 erfolgenden Edikte des Ministers Wllner, die besonders
empfindlich die Zeitungen trafen, von welchen eine nach der andern
einging. Die Verlagshandlung wurde von der Druckerei getrennt und in
die Hnde Rottmanns, unter dessen Firma, gelegt, dafr wurde aller
Fleiss und jede Mhe auf die Verbesserung der Buchdruckerei und der
Schriftgiesserei seitens Georg Jacob d. j. verwendet. Er schaffte Matern
von Bodoni, W. Haas und Didot an, sowie das beste Material fr die Typen
und die Farbe.

[Sidenote: Das Posener Geschft.]

Die Regierung wnschte in dem durch die zweite Teilung Polens ihm
zugefallenen Posen die Anlage einer Druckerei. Decker kam den
vertraulichen Aufforderungen nach. Das Unternehmen machte ihm jedoch
viele Sorgen und ging 1819 in die Hnde des Schwagers Deckers,
Rosenstiel, fr dessen Sohn ber.

[Sidenote: Kalamitten des Baseler Geschfts.]

Noch grssere Sorgen sollte ihm das Baseler Geschft bereiten. In
dieses hatte er einen sehr talentvollen, jedoch extravaganten Mann,
Maximilian Schoell, erst als Disponent, dann als Teilhaber aufgenommen,
der, nicht zufrieden mit der buchhndlerischen Wirksamkeit, Decker
in Banquierunternehmungen verwickelte und ihn in ein seine Existenz
bedrohendes Meer von Sorgen strzte, so dass dieser noch froh sein
musste, das Baseler Geschft mit einem Verlust von 180000 Livres an den
dortigen Buchdrucker und Verleger Thurneisen bergeben zu knnen.

[Sidenote: Die Notjahre Preussens.]

Auch in Berlin sollten schwere Schlge nicht ausbleiben. Die
fortwhrende Ausdehnung des dortigen Geschfts hatte den Erwerb eines
schnen Grundstckes in der Wilhelmstrasse veranlasst. Die Notjahre
Preussens konnten jedoch nicht spurlos an Decker vorbergehen. Keine
Schwierigkeiten vermochten indessen seine Energie und Anstrengungen
fr die technischen Fortschritte in der Druckerei zu schwchen. So
war er der erste in Berlin, der die grossen Erfindungen der Neuzeit,
die Lithographie, die eiserne Presse, die Stereotypie einfhrte, mit
seinem Schwager Spener der erste in Deutschland, der eine Schnellpresse
erwarb. Die Freude, letztere in Gang zu sehen, als Lohn fr seine dabei
bewiesene Opferwilligkeit, war ihm nicht beschieden.

[Sidenote: Tod G. Jacob II Deckers.]

So berstand Decker rstig und mutvoll kmpfend die schweren Jahre,
obwohl er whrend der franzsischen Okkupation an 80000 Thaler Lasten
und Verluste zu tragen hatte. Vom Jahre 1813 aber trat wieder eine so
starke Beschftigung ein, dass er sich fr die gehabte Not reichlich
entschdigt sah. Nach langen Leiden entschlief er am 26. August 1819.

ber acht Jahre lang wurde das Geschft unter Vormundschaft vortrefflich
weiter geleitet, bis am 31. Januar 1828 der jngste Sohn Rudolf Ludwig
nach erreichter Volljhrigkeit mit dem lteren Bruder CARL GUSTAV (der
lteste der Brder war bereits gestorben) das Geschft bernahm, welches
nach dem bereits 1829 erfolgenden Tode Carl Gustavs dem Rudolf allein
zufiel.

[Sidenote: Rudolf Decker * 8. Jan. 1804, [+] 12. Jan. 1877.]

RUDOLF DECKER war durch eine vorzgliche technische und
wissenschaftliche Ausbildung auf das beste fr seinen Beruf vorbereitet
und widmete sich mit vollem Eifer demselben. Durch ihn erreichte der Ruf
des Hauses seinen Hhepunkt.

Seine Aufmerksamkeit war namentlich der Schriftgiesserei gewidmet, in
welcher er sich sowohl im vterlichen Hause, wie in der Schriftgiesserei
Mol in Paris tchtige Kenntnisse erworben hatte. Mit besonderer
Vorliebe pflegte er die Fraktur (S. 285). Die Bestrebungen der
Schriftgiesserei fanden Ausdruck in der grossen fr die erste
Londoner Ausstellung 1851 angefertigten und spter vervollstndigten
Schriftprobe. Die Akademie der Wissenschaften in Berlin bertrug
Decker den Schnitt ihrer koptischen, arabischen, Sanskrit- und anderen
orientalischen Schriften, die in fast allen Universittsbuchdruckereien
eingefhrt wurden. Fr diese Arbeiten wirkten die Schriftschneider
Beyerhauss, J. Schilling, Wotze, Schultz, Krumwiede u. a.

[Sidenote: Prachtwerke.]

[Sidenote: _[Oe]uvres de Frdric le Grand._]

Die Druckerei blieb nicht zurck, und lieferte Werke, die fr alle
Zeiten ihren Rang behaupten werden. Anlsslich der Gutenbergfeier
1840 wurde das Prachtwerk Zwanzig alte Lieder von den Nibelungen
herausgegeben von Prof. Carl Lachmann mit eigens dazu in Annherung
an die gothische Schrift geschnittenen Typen gedruckt. Eine wahre
Zierde der deutschen Druckkunst und Xylographie ist die Jubelausgabe
der _[Oe]uvres de Frdric le Grand_, 30 Bnde Quart, durch welche
die redaktionellen Fehler der ersten Ausgabe in gelungenster Weise
gutgemacht wurden. Die Redaktion leitete auf Veranlassung des Knigs
Friedrich Wilhelm IV. Professor Preuss. Das Werk, mit den trefflichsten
Holzschnitten von Unzelmann und den Brdern Vogel nach den genialen
Zeichnungen Menzels geschmckt, wurde in 200 Exemplaren gedruckt, die
nur zum Verschenken bestimmt waren. Nichts wurde an Arbeit, Material und
Kosten verabsumt, um ein wahres Meisterwerk zu schaffen, welches, 1844
begonnen, erst nach dem Tode des kniglichen Frderers 1860 vollendet
wurde[224].

  [224] Durch eine mit allerhchster Erlaubnis dem Buchhndler Rud.
        Wagner in Berlin gestattete Ausgabe der Holzschnitte, welche ganz
        vorzglich in der Staatsdruckerei ausgefhrt wurde, sind diese
        glnzenden Schpfungen Menzels dem Publikum seit dem Jahre 1882
        zugnglicher geworden.

[Sidenote: Das Neue Testament.]

[Sidenote: Das Krnungswerk.]

Ein Druckwerk ersten Ranges ist ebenfalls das nur in 80 Exemplaren
fr die Londoner Ausstellung ausgefhrte Neue Testament nach Luther
in gr. Folio mit bildlichem Schmuck von Cornelius und Kaulbach. Als
eine grosse Leistung in den verschiedenen Bedeutungen des Wortes
ist die Krnung I. M. des Knigs Wilhelm und der Knigin Augusta am
18. Oktober 1861 zu nennen. Das Buch hat eine Hhe von 74 cm und eine
Breite von 53 cm; aufgeschlagen bedeckt es eine Tischflche von 7844
[Quadrat]cm. Die 135 Bltter des Buches sind einzeln gedruckt und auf
Falz geklebt. Typographisch konnte das Werk nicht besser ausgefhrt
sein, als geschehen. Die edle Einfachheit verdient volles Lob. Von den
genealogischen Tafeln misst die eine in der Lnge 416 cm. Kopf- und
Schlussvignetten sind dem einfachen Stil des Werkes angepasst. Das Buch
hat eine besonders interessante Geschichte. Zweimal wurde der Druck
durch Kriege unterbrochen und als es im Sommer 1872 erschien, konnte der
Bericht ber die Krnung des preussischen Knigs Wilhelm dem deutschen
Kaiser Wilhelm dediziert werden.

[Sidenote: Lieder des Mirza Schaffy.]

Rudolf von Deckers -- denn er war anlsslich des hundertjhrigen
Bestehens des Hauses in den Adelsstand erhoben -- letzte typographische
That war die Jubelausgabe der Lieder des Mirza Schaffy, ein
Prachtwerk, in welchem die Leistungen der Typographie und der
Chromolithographie sich den Rang streitig machen.

Doch nicht nur die Prachtwerke, sondern jede auch die gewhnlichste
Arbeit wurde mit der grssten Sorgfalt behandelt. So waren das Coursbuch
und nicht minder die demselben beigegebene typographisch ausgefhrte
Eisenbahnkarte, eine Arbeit des spteren Frankfurter Buchdruckers A.
Mahlau, ganz vorzgliche Leistungen. Zu dem umfangreichen Geschft
erwarb R. Decker im Jahre 1852 noch die Papierfabrik Eichberg in
Schlesien.

Wennauch das Verhltnis zu der Regierung dem Deckerschen Geschft
ausserordentliche Vorteile brachte, so lsst es sich andererseits nicht
in Abrede stellen, dass die Reihe der Besitzer ernstlich bemht war,
ihre Anstalt auf eine Stufe, die einer solchen bevorzugten Stellung
entsprach, zu bringen und auf einer solchen zu erhalten[225].

  [225] Die letzte Wandlung der Anstalt wird weiter unten zu behandeln
        sein.

[Sidenote: J. G. Unger * 26. Okt. 1715, [+] 15. Aug. 1788.]

[Sidenote: J. F. Unger * 1753, [+] 26. Dezb. 1804.]

Unter den lteren Buchdruckereien Berlins aus dieser Periode werden
mit besonderer Achtung Unger Vater und Sohn genannt. Ersterer, JOHANN
GEORG UNGER, bei Pirna geboren, kam 1740 als Drucker nach Berlin. Er
etablierte sich hier als Formenschneider und starb als angesehener
Knstler[226]. Der Sohn JOHANN FRIEDRICH UNGER erfreute sich ebenfalls
eines guten Rufes als Formenschneider, erwarb 1780 eine Buchdruckerei
und legte 1791 eine Schriftgiesserei an, namentlich um die Didotschen
Schriften allgemein einzufhren, welche damals so sehr beliebt waren,
dass die Fraktur Gefahr lief, von ihnen verdrngt zu werden (S. 283).
Spter wendete sich jedoch Unger, wie frher Breitkopf, der Fraktur zu,
suchte aber das Heil fr diese auf einem Irrwege durch Annherung ihrer
Formen an die runde Antiqua. In dieser Weise schuf er die sogenannten
Ungerschen Lettern und liess diese durch Joh. Chr. Gubitz, den er aus
der Breitkopfschen Offizin in Leipzig engagiert hatte, schneiden, welche
Schriften sich jedoch nicht einbrgern wollten[227]. Im Jahre 1800 wurde
Unger zum Professor ernannt. Nach seinem Tode konnte die Witwe trotz
all ihrer Tchtigkeit und Arbeitsamkeit doch nicht das weitverzweigte
Geschft in dem bisherigen Schwung erhalten. Whrend der Drangsale der
Kriegsjahre verfiel es nach und nach und gelangte 1821 zum grossen Teil
in den Besitz von TROWITZSCH & SOHN, die den grssten Kalenderverlag
haben und mit der umfangreichen Buchdruckerei (9 Schp.) eine bedeutende
Schriftgiesserei verbinden.

  [226] J. FR. UNGER, Denkmal eines Berlinischen Knstlers und braven
        Mannes, von seinem Sohne. Berlin 1789.

  [227] J. FR. UNGER, Probe einer neuen Art deutscher Lettern. Berlin
        1793. -- Die zweite Probe erschien unter der Form: Die neue
        Ccilia, 1794. Unger schrieb ferner: Etwas ber die Holz- und
        Formschneidekunst.

[Sidenote: Gebr. Unger.]

Mit der genannten Familie Unger stehen die Grnder der Firma GEBR.
UNGER in keiner verwandtschaftlichen Beziehung. OTTO LUDWIG UNGER[228]
und JUL. FERD. UNGER erwarben 1824 die von F. W. MAAS gegrndete
Buchdruckerei. Der Sohn des Julius, CARL JOH. FRIEDR. UNGER, ward 1856
Hofbuchdrucker. Die an orientalischen Schriften reiche Offizin lieferte
viele vorzgliche Werkdrucke.

  [228] Schrieb flchtige Blicke auf die letzten 40 Jahre der
        Buchdruckerkunst. Berlin 1840.

Die von CHR. S. SPENER 1773 erworbene Buchdruckerei ging bei dessen Tod
1813 auf seinen Bruder J. K. PH. SPENER ber, der mit derselben 1815
die, 1785 gegrndete, vorzgliche Offizin von G. H. WEGNER vereinigte.
Wie erwhnt, fhrte er zugleich mit Decker die Schnellpresse in Berlin
ein (S. 308). 1826 gingen das Geschft und die Berlinischen Nachrichten
von Staats- und gelehrten Sachen in den Besitz des Bibliothekars Dr. S.
H. SPIKER ber.

[Sidenote: G. A. Reimer * 27. Aug. 1776, [+] 26. April 1842.]

[Sidenote: C. Reimer [+] 29. Juli 1859.]

G. A. REIMER aus Greifswalde war eine der Zierden des deutschen
Buchhandels, ebenso bekannt durch seine patriotische Gesinnung als seine
geschftliche Tchtigkeit. Im Jahre 1817 legte er eine Buchdruckerei fr
seinen eigenen Bedarf an. Zu seinem bedeutenden Verlag erwarb er noch
die Weidmannsche Buchhandlung in Leipzig und gehrte somit sowohl Berlin
als Leipzig an. Der Weidmannsche Verlag ging 1830 auf den ltesten Sohn
CARL REIMER ber, der ihn, zuerst im Verein mit seinem Schwager Salomon
Hirzel, dann allein fortsetzte. Im Jahre 1855 verlegte C. Reimer das
Geschft nach Berlin.

[Sidenote: E. S. Mittler * 26. Jan. 1785.]

E. S. MITTLER aus Halle war einer der tchtigsten und beliebtesten der
deutschen Buchhndler. Im Jahre 1816 bernahm er, erst als Leiter, dann
als Besitzer, die Buchdruckerei seines Schwiegervaters WILHELM DIETERICI
und druckte seinen eigenen meist aus Militaria bestehenden Verlag. Im
Jahre 1862 nahm er seinen Enkel Dr. TH. TCHE als Teilnehmer auf, der
nach Mittlers Tode das Geschft mit aller Energie fortsetzt.

Die DRUCKEREI DER AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN (jetzt unter Leitung
von G. VOGT) ist an Umfang nicht bedeutend, jedoch reich an seltenen
Schriften, mit welchen die Werke der Akademie gedruckt wurden, darunter
Schotts chinesische Grammatik.

[Sidenote: Ed. Hnel * 1804, [+] 16. Aug. 1856.]

Auf die Verdienste ED. HNELS ist bereits oben (S. 281) hingewiesen.
Er war in Magdeburg geboren, wo sein Vater C. J. HNEL knigl.
Hofbuchdrucker war, hatte sich in England tchtig ausgebildet und
ging spter nach Paris und Belgien. 1835 druckte er die preussischen
Kassenanweisungen, zu welchem Zweck er eine Zweiganstalt in Berlin
etablierte. Nachdem das Magdeburger Geschft durch Feuer verheert
worden war, zog er ganz nach Berlin und berliess seinem Bruder ALBERT
das Magdeburger Etablissement. Das Berliner Geschft, welches er 1852
an CARL DAVID verkauft hatte, kam nach einigen Wandlungen 1864 in die
festen Hnde WILH. GRONAUS, der es im Hnelschen Geiste fortfhrt und
namentlich der Schriftgiesserei seine Thtigkeit zuwendet.

[Sidenote: J. Sittenfeld * 1801.]

[Sidenote: Carl Schultze * 30. Juli 1821.]

Im Jahre 1835 kaufte JUL. SITTENFELD eine kleine Buchdruckerei, die er
schnell in die Hhe brachte. Die Offizin war im Hebrischen besonders
leistungsfhig; unter anderen druckte er den Talmud in acht Foliobnden.
Der jetzige Besitzer (Dr. O. LWENSTEIN) hat das Geschft bedeutend
erweitert (15 Schp., 200 Arb.). Die Buchdruckerei von C. F. AMELANG
ging durch Kauf auf CARL SCHULTZE ber. Er richtete dieselbe besonders
auf den Druck schwieriger wissenschaftlicher, namentlich orientalischer
Schriften ein.

[Sidenote: Der Zeitungsdruck.]

Ein sehr bedeutender Teil der Druckkrfte Berlins wird durch das
Zeitungsgeschft in Anspruch genommen, indessen haben die einzelnen
Bltter nicht solchen Umfang und Verbreitung, dass man dort
Zeitungsdruckereien wie in England und Amerika aufweisen knnte, selbst
Bltter von dem Umfang und dem Einfluss wie die Klnische Zeitung und
die Neue Freie Presse besitzt Berlin nicht. Im allgemeinen lassen
Druck, Papier und Korrektheit der Zeitungen viel zu wnschen brig.
Das verbreitetste Blatt war 1880 das Berliner Tageblatt mit 70000
Abnehmern. Diesem kamen am nchsten Berliner Zeitung, Volkszeitung,
Vossische Zeitung mit zwischen 20-30000 Exemplaren; dann folgten
Staatsbrger-Zeitung, Berliner Brsenzeitung, National-Zeitung in
15-20000 Auflage. Von Rotationsmaschinen besitzt Berlin 19. Die Zahl
der Journale betrgt etwa 478, darunter 43 amtliche, 66 politische. Der
Zeitungsdebit durch die Post bezifferte sich 1880 auf etwa 80 Millionen
Nummern.

Zu den bedeutendsten Zeitungsdruckereien gehrt die von LESSING
(Vossische Zeitung) mit 2 Rotations-, 4 Doppelmaschinen, nebst
5 Stereotyp-Apparaten; ED. KRAUSE (15 Schp. Nationalzeitung,
Bank- und Handelszeitung, Kladderadatsch, Wolffs Depeschen
u. a.); NORDDEUTSCHE BUCHDRUCKEREI UND VERLAGS-ANSTALT (12 Schp.
Norddeutsche Allgemeine Zeitung, Reichsanzeiger u. a.); R. MOSSE
(18 Schp. Berliner Tageblatt etc.); BXENSTEIN (3 Rotm. und 21 Schp.
Brsen-Courier, Gerichtszeitung, Neue Volkszeitung); ADAM WILH.
HAYNS ERBEN (9 Schp. Berliner Intelligenzblatt); die Buchdruckerei der
Berliner Brsenzeitung (10 Schp.).

Der Illustrationsdruck war bis jetzt nicht die starke Seite der
Berliner Offizinen, doch drfte bei dem Umstand, dass mehrere der
grossen Berliner illustrierten Bltter in Leipzig gedruckt werden,
neben dem guten Druck noch andere geschftliche Verhltnisse mitreden.
Die verbreitetsten sind: der von L. Schaefer gegrndete Bazar, jetzt
im Besitz einer Aktiengesellschaft; F. Lipperheides Modenwelt;
Das Berliner Modenblatt, die Illustrierte Frauenzeitung. Von
den politischen Witzblttern fand der Kladderadatsch eine grosse
Verbreitung.

[Sidenote: Der Accidenzdruck.]

Auch das Accidenzfach war bis vor nicht langer Zeit in Berlin etwas
vernachlssigt und ausser Hnels Druckerei hatte keine einen besonderen
Ruf auf Grund von Accidenzarbeiten. In jngster Zeit ist dies vielfach
anders geworden. Ein grosses Ansehen geniesst W. BXENSTEIN (S. 286),
dessen neu eingerichtete mit Lithographie verbundene Buchdruckerei
vorzgliches im Accidenz- und Illustrationsdruck liefert. In letzterer
Richtung erwarb sich W. MSER (13 Schp.) einen sehr guten Namen.
Auch GEBR. GRUNERT lieferten hchst beachtenswertes im Accidenz- und
Luxusdruck. Ein eigentmliches Accidenzgeschft ist das der GEBR.
LITFASS, welches sich namentlich dem Plakatdruck widmet und das Monopol
der Anschlagesulen besitzt. Whrend der Kriegszeit 1870 befand sich das
Depeschenhaus im andauernden Belagerungszustand, denn von Litfass'
Offizin aus gingen die lakonischen aber inhaltsschweren Telegramme aus
dem Hauptquartier in das Publikum.

[Sidenote: Der Letteverein.]

Wollten wir alle grsseren Druckereien Berlins nennen, wrden wir
Seiten damit fllen, hier sei nur noch erwhnt die Aktiengesellschaft
LETTEVEREIN, welche unter der Direktion von C. Janke dessen frhere
Offizin als Frauendruckerei seit 1875 im Gang erhlt; sie beschftigt 45
weibliche, 20 mnnliche Arbeiter und 7 Schnellpressen.

Zuletzt ist noch die im Range erste Druckerei Deutschlands zu erwhnen.

[Sidenote: Die Preussische Staatsdruckerei und die Reichsdruckerei.]

Seit dem 1. April 1879 ist das Reich im Besitz einer REICHSDRUCKEREI,
entstanden aus einer Verschmelzung der Deckerschen geheimen
Oberhofbuchdruckerei mit der kniglich preussischen Staatsdruckerei.

[Sidenote: Kgl. Preuss. Staatsdruckerei.]

Letztere, verhltnismssig junge Druckanstalt hatte sich einen sehr
guten Ruf erworben. Frher wurden die preussischen Banknoten und
Kassascheine, wie erwhnt, bei Ed. Hnel und auch in der Deckerschen
Offizin ausgefhrt. Eine Zentralisation der Regierungsarbeiten wurde
jedoch als notwendig erachtet und durch Kabinettsordre vom 30. August
1851 die KNIGLICHE STAATSDRUCKEREI fr Anfertigung von Wertpapieren ins
Leben gerufen. Nach Auflsung des Kniglichen Lithographischen Instituts
fiel der Staatsdruckerei auch die Herstellung der Generalstabskarten zu.

[Sidenote: Reichsdruckerei.]

Im Jahre 1877 am 1. Juli wurden die Deckerschen Grundstcke und
die Oberhofbuchdruckerei fr die Summe von 6780000 Mark vom Reich
angekauft. Von dieser Summe kamen auf die letztere 1780000 Mark.
1879 am 1. April beschloss der Reichstag, die Kniglich Preussische
Staatsdruckerei fr die Summe von 3573000 Mark fr das Reich zu
erwerben und mit der Deckerschen Offizin zu einer Reichsdruckerei zu
vereinigen. Die Lokalitten der Staatsdruckerei in der Oranienstrasse
wurden in zweckmssiger, auch usserlich imponierender Weise umgebaut
und beide Druckereien im eigentlichen Sinne des Wortes verschmolzen,
denn die ganzen Schriftenvorrte von 333000 Kilo wurden ins Zeug
geworfen und umgegossen, weil die Systeme der beiden Offizinen nicht
mit einander stimmten, zugleich wohl auch, weil vieles veraltet war.
Auch neue Maschinen wurden angeschafft, so dass die Reichsdruckerei
augenblicklich mit einem Werte von etwa sieben Millionen Mark angesetzt
wird. Ob, wenn einmal das Reich eine eigene Druckerei haben musste,
eine solche nicht von neuem viel zweckmssiger und viel billiger htte
hergestellt werden knnen, ist nunmehr allerdings eine mssige Frage.
Jetzt bleibt mehr zu wnschen, als zu hoffen, dass diese Anstalt sich
streng auf diejenigen Arbeiten beschrnken werde, welche wirklich
nur die Bedrfnisse der Reichsregierung befriedigen. Nach manchen
Zeichen zu urteilen, beabsichtigt man jedoch, aus der Reichsdruckerei
eine Art von Vorbild fr die deutsche Typographie zu schaffen, wie es
seinerzeit die Wiener Staatsdruckerei fr sterreich war, wobei man
jedoch vollstndig vergisst, dass erstere seit lange mndig geworden.
Selbst die Herstellung der schwierigsten orientalischen Werke, diese
Ausstellungs-Paradepferde der Staatsanstalten, mit Ausnahme der
vortrefflichen St. Petersburger Wertpapierdruckerei, hat sich in den
Privatdruckereien Deutschlands in einer Weise ausgebildet, dass es
nur als eine Schdigung der ohnehin durch die starke gegenseitige
Konkurrenz bedrohten Privatinteressen betrachtet werden msste, wenn der
Staat ihnen Konkurrenz bereiten sollte.

Die Anstalt beschftigt 700 Personen, besitzt 55 Schnellpressen, 18
Handpressen und ber 200 Hlfsmaschinen. In runder Summe werden jhrlich
100 Millionen Bogen gedruckt und ber 800 Millionen Poststempel und
andere Wertzeichen zu einer Gesamtsumme von etwa 123 Millionen Mark,
ferner etwa 3-1/2 Millionen Stck Reichsbanknoten, Kassenscheine und
andere Papiere, die einen Wert von nahe an einer Milliarde fr die
Besitzer reprsentieren.

Das Budget von 1881-82 ergab eine Einnahme von 3240000 Mark, eine
Ausgabe von 2221980 Mark, doch da hiervon ber 700000 Mark Zinsen
und Abschreibungen abgehen und die Stellung der Preise bei Mangel
an Konkurrenz keine geschftliche Bedeutung hat, so ist es schwer
zu sagen, wie es mit der Rentabilitt, wenn mit den Leistungen von
Privatdruckereien verglichen, sich verhlt.

Die Reichsanstalt ist unter der bisherigen vorzglichen Leitung der
Kniglich Preussischen Staatsdruckerei geblieben, die Direktion hat
somit Herr Geheimrat BUSSE, die technische Fhrung Herr E. RINGER. Die
neuesten, knstlerisch wenig befriedigenden Produktionen, die Fnfzig-,
Zwanzig- und Fnfmarkscheine, sind auf Papier gedruckt, in dessen Masse,
nach dem in Amerika angewendeten Verfahren, farbige Fasern strichweise
hineingearbeitet sind. Das Papier wurde unter Aufsicht von Beamten
der Reichsdruckerei von Gebr. Ebart in Spechthausen bei Eberswalde
angefertigt. ber die Untrglichkeit des Systems wird gestritten.

[Sidenote: Lithographie.]

Berlin ist der Hauptsitz fr den lithographischen Farbendruck geworden
in seinen verschiedenen Zweigen, welche sowohl der Herstellung von
ldruckbildern als der Zeitschriften- und Bcher-Illustrationen, sowie
den vielen Bedrfnissen des Papeteriegeschfts dienen. Die eigentliche
Bedeutung erhielt der lithographische Farbendruck durch die Bemhungen
Schinkels und Beuths, untersttzt durch das Wohlwollen, welches der
nachmalige Knig Friedrich Wilhelm IV. schon als Kronprinz dem neuen
Kunstzweig entgegentrug. Den Wert desselben bezeugte in glnzender Weise
das grosse Werk Prof. Zahns ber pompejanische Altertmer.

[Sidenote: Kunstanstalten.]

Guten Ruf erlangte die Anstalt J. WINCKELMANNS, der zuerst 1816 in
Verbindung mit Heinr. Arnz das bekannte Institut ARNZ & CO. in
Dsseldorf begrndet hatte. Die Leitung desselben lag eine zeitlang in
den Hnden von J. STORCH, der spter sich mit C. KRAMER verband und
tchtiges im Landschaftsfache lieferte. Ganz vortrefflich sind Storch &
Kramers fr die _Arundel-Society_ in London ausgefhrte Reproduktionen
der Freskogemlde altitalienischer Maler (S. 103). Als Meister im
architektonischen und landschaftlichen Aquarelldruck zeichneten sich
LOEILLOT Und R. STEINBOCK aus, bekannt sind unter anderen Hildebrandts
Reise um die Welt und Khlers polychrome Meisterwerke. Mit dem
eigentlichen lbilderdruck beschftigten sich mit mehr oder weniger
Glck eine nicht kleine Anzahl von Firmen und es bleibt nur zu
bedauern, dass neben dem Guten so vieles Geschmacklose, zumteil elendes
Machwerk hervorgebracht wurde, welches eine Kunst fr den Augenblick
in Misskredit gebracht hat, die ein besseres Schicksal verdient hatte,
und nun neue Wege suchen muss, um sich die verscherzte Gunst wieder
zu erwerben. Unter den Firmen, die ausser den erwhnten tchtiges
leisteten, sind zu nennen CARL GEROLD, OTTO TROITZSCH, BHME & FRNKEL.

Einen bedeutenden Einfluss auf die Verwendung des Farbendruckes
bten die GROPIUSsche Buchhandlung (spter ERNST & KORN) durch ihre
grossartigen architektonischen Unternehmungen, RUD. WAGNER durch die
erwhnte Hildebrandts Reise um die Welt und hnliche Aquarell-Albums,
ALEX. DUNCKER durch eine Reihe von Prachtwerken aus.

In neuerer Zeit hat die Verwendung der Chromolithographie zu
gewerblichen Zwecken eine enorme Ausdehnung gewonnen. Die Anfhrung
einiger der bedeutendsten Firmen wird einen Begriff von dem Umfang
solcher Etablissements geben.

W. HAGELBERG beschftigt 38 Schnellpressen, 29 Handpressen, 94
Hlfsmaschinen und 700 Arbeiter; CARL HELLRIEGEL 9 Schnellpressen, 42
Handpressen, 450 Arbeiter; SCHFER & SCHEIBE, deren hauptschlichste
Produktion in Neujahrs- und Gratulationskarten besteht, 9
Schnellpressen, 50 Handpressen, 350 Arbeiter; A. KAUFMANN & CO. 23
Schnellpressen, 16 Handpressen und 250 Arbeiter. Umfangreich sind ferner
ALBRECHT & MEISTER, die BERLINER LUXUS-PAPIERFABRIK, KUTZNER & BERGER
und noch manche andere. Man findet hierin die Besttigung, wie sehr in
dem Druckgewerbe der Zeitungs- und der Accidenzdruck dem eigentlichen
Bcherdruck ber den Kopf wchst.

Als Verleger von Karten und Globen wurden namentlich DIETRICH REIMER, E.
SCHOTTE & CO. und das BERLINER LITHOGRAPHISCHE INSTITUT massgebend.

Als Herausgeber von Werken unter Zuhlfenahme des Lichtdruckes
entwickelte E. WASSMUTH eine enorme Thtigkeit, auch PAUL BETTE war in
dieser Richtung sehr rhrig. Die PHOTOGRAPHISCHE GESELLSCHAFT besitzt
einen ausserordentlich grossen Fond von photographischen Blttern,
auch G. SCHAUER lieferte viele Bltter und Albums. Den eigentlichen
Kunstverlag pflegten E. H. SCHRDER (R. SCHUSTER), SACHSE & CO., AMSLER
& RUTHARDT, GOUPIL & CO. (Filiale von Paris). Unter den Verlegern,
die einen besonderen Einfluss auf das Druckgewerbe bten, sind noch
zu nennen: G. GROTE, DUNCKER & HUMBLOT, VEIT & CO. (beide jetzt in
Leipzig), JUL. SPRINGER, GEBR. PAETEL, P. PAREY, DMMLERS Verlag, A.
HIRSCHWALD, G. LANGENSCHEIDT (selbst Buchdrucker), A. ASHER & CO.,
WIEGANDT & GRIEBEN.

                   *       *       *       *       *

[Sidenote: Breslau.]

In der drittgrssten Stadt des Deutschen Reiches BRESLAU[229] hat die
Druckerei im Verhltnis zur Grsse der Stadt keine Rolle gespielt, so
wenig wie in den anderen grossen Stdten des Nordens Knigsberg, Danzig,
Hamburg, Magdeburg und Kln.

  [229] Geschichte der seit 300 Jahren in Breslau befindlichen
        Stadtbuchdruckerei. 1804.

[Sidenote: Grass, Barth & Co.]

Im Jahre 1748 bernahm CARL WILH. GRASS die Stadtbuchdruckerei in
Breslau von den Baumannschen Erben (I, S. 145), dem sein Bruder
FRIEDR. SIGM. GRASS folgte. Nach dessen Tode erwarb JOH. AUG. BARTH
das Geschft und vermehrte es durch die Druckerei der katholischen
Landes-Universitt. Ein schnes Denkmal der Leistungsfhigkeit der
Offizin ist das 1818 erschienene _Pacis annis 1814 et 1815 foederatis
armis restitutae monumentum_ in Gross-Folio, welches Jubelgedichte in 42
grsstenteils fremdlndischen europischen und orientalischen Sprachen
enthlt. Die Firma wurde GRASS, BARTH & CO., sie verbindet jetzt
Typographie mit Lithographie und arbeitet mit 14 Schnellpressen.

[Sidenote: W. G. Korn.]

Einen grossen Umfang erreichte die Verlagshandlung und Buchdruckerei von
W. G. KORN, welche am 13. Januar 1882 ihr 150jhriges Jubilum beging.
JOH. JOS. KORN erffnete an diesem Tage 1732 sein Geschft und erhielt
1741 Privilegium zur Herausgabe der Schlesischen Zeitung. Sein Sohn
JOH. GOTTLIEB KORN trat 1828 die Buchhandlung, 1836 die Schlesische
Zeitung an seine beiden Shne ab. Im Jahre 1851 bernahm HEINR. KORN
das Etablissement. Anlsslich des Jubilums errichtete er, abgesehen
von manchen anderen Schenkungen, fr seine Mitarbeiter eine Stiftung
mit einem Kapital von 100000 Mark und wurde in den Adelsstand erhoben.
Das Geschft arbeitet mit 15 grossen Maschinen und etwa 150 Arbeitern,
besitzt auch bedeutende Papierfabriken.

S. SCHOTTLNDER hat einen reichhaltigen Verlag und arbeitet mit 15
Schnellpressen. Von grossen Verlagshandlungen sind noch zu nennen MAX &
CO., FERD. HIRT und E. TREWENDT.

[Sidenote: C. Flemming * 10. Mai 1806, [+] 1. Nov. 1878.]

Einen bedeutenden Umfang erreichte das Geschft von CARL FLEMMING in
GLOGAU, welches sich namentlich der Produktion von Landkarten widmet und
damit 11 typographische und lithographische Schnellpressen beschftigt.

[Sidenote: Posen.]

In POSEN wurde, wie erwhnt, von G. J. Decker ein Etablissement
errichtet, das jetzt als W. DECKER & CO. typographisch und
lithographisch mit 7 Schnellpressen arbeitet. FRANKFURT A. O., die erste
Stadt Preussens, in welcher die Druckerei eingefhrt wurde, hat so wenig
wie andere Stdte des stlichen Preussens eine besondere Stellung in der
Typographie erworben. Die bedeutendste Druckanstalt dort ist TROWITZSCH
& SOHN (gegr. 1779) mit 6 Schnellpressen.

[Sidenote: Knigsberg.]

Selbst die Knigs- und Universittsstadt KNIGSBERG misst sich kaum
mit mancher Stadt von 20-30000 Einwohnern hinsichtlich graphischer
Produktion. Erst 1523 war die Druckerei dort durch HANS WEYNREICH
eingefhrt, dessen Offizin nach vielen Wandlungen zur Zeit des dritten
Jubelfestes in den Hnden JOH. FR. REUSSNERS war.

[Sidenote: J. H Hartung * 17. Aug. 1699, [+] 5. Mai 1756.]

Das bedeutendste Geschft ist das von JOH. HEINR. HARTUNG, durch
bernahme der J. STELTESCHEN Buchdruckerei 1732 gegrndet. Durch Umsicht
und Unermdlichkeit erwarb sich Hartung allgemeines Ansehen. Die
Stnde von Livland und Kurland bertrugen ihm den Druck der lettischen
Bibel und der cyrillischen Postille; fr erstere erhielt er 7000
Thaler. Neben seiner Buchdruckerei trieb er bedeutenden Verlags- und
Sortimentshandel und sein 1746 erschienener Sortimentskatalog war ber
400 Seiten stark. In Leipzig hatte er whrend der Messe offenes Gewlbe.
Zu seinem grossen Geschft erwarb er noch die erwhnte Reussnersche Hof-
und akademische Buchdruckerei. Er verschied in Leipzig 1756 whrend der
Ostermesse.

[Sidenote: Gottl. Hartung * 12. Aug. 1747, [+] 19. Nov. 1797.]

Nachdem sein ltester Sohn bereits 1759 gestorben war, bernahm 1763
der jngere GOTTLIEB LEBERECHT HARTUNG das Geschft, nach dessen Tode
dirigierte es seine Witwe SOPHIE CHARLOTTE mit Mut und Ausdauer, bis
sie es 1817 ihrem Sohne GEORG FRIEDRICH HARTUNG bertragen konnte. Die
von Hartung herausgegebene Knigsberger Zeitung ist eine der ltesten
Deutschlands und ihre Geschichte lsst sich bis auf das Jahr 1640
verfolgen. Vom 6. Februar 1758 bis 1. Juli 1762 und dann vom 19. Juli
bis 10. August 1762 musste der ihre Kopfzeile schmckende preussische
Adler mit dem russischen vertauscht werden. In den Jahren 1807 und 1808
hatte die Zeitung eine grssere Bedeutung erreicht, da der Krieg in der
Nhe um Knigsberg gefhrt wurde, wodurch indes Hartung verschiedenen
Gefahren ausgesetzt wurde.

Wie wenig bedeutend der Umfang des Druckgewerbes in Knigsberg war, geht
aus den Aufzeichnungen ber die vierte Jubelfeier hervor. Dieselben
weisen nur 7 Druckereien mit 45 Gehlfen und 28 Lehrlingen auf; da die
Hartungsche Druckerei 20 Gehlfen und 7 Lehrlinge beschftigte, so
kommen auf sechs Druckereien 25 Gehlfen und 21 Lehrlinge[230]. Jetzt
arbeitet die Hartungsche Buchdruckerei mit sechs Schnellpressen und etwa
100 Personen.

  [230] Geschichte der Buchdruckerkunst in Knigsberg. 1840.

[Sidenote: Marienwerder.]

[Sidenote: Danzig.]

[Sidenote: Stettin.]

Von Knigsberg aus wurde, als Friedrich der Grosse bei der ersten
Teilung Polens Westpreussen erhielt, der Buchdrucker R. KANTER nach
MARIENWERDER als Hofbuchdrucker berufen, um die kniglichen Arbeiten
zu liefern; die Offizin besteht noch heute mit 5 Schnellpressen. In
DANZIG sind die bedeutendsten Druckanstalten die von JUL. SAUER und von
A. W. KAFEMANN, letztere ist zugleich mit Schriftgiesserei verbunden.
STETTIN hat nur Bedeutung im Accidenz- und Zeitungsdruck; die dortige
Firma H. G. EFFENBART beging 1879 ihr 300jhriges Jubilum. Noch um zwei
Jahre lter ist die, jetzt mit 8 Schnellpressen arbeitende, Firma H.
HESSENLAND. R. GRASSMANN, zugleich Schriftgiesserei, beschftigt elf
Schnellpressen und gegen 100 Arbeiter.

[Sidenote: Mecklenburg.]

In ROSTOCK besteht die Offizin von ADLERS ERBEN (6 Schp.) seit 1635.
Ausser in Rostock hat D. C. HINSTORFF, bekannt als der Verleger und
Drucker von Fritz Reuters Werken, noch Geschfte in WISMAR (5 Schp.) und
LUDWIGSLUST. Die grsste Druckerei SCHWERINS ist die von W. SANDMEYER (8
Schp.).

NEURUPPIN kann Armeen aus der Presse stampfen. Die Firma GUSTAV KHN
arbeitet mit Rotationsmaschine, 11 Schnellpressen und einer grossen
Zahl von Hlfsmaschinen, welche von gegen 400 Arbeitern bedient werden.
OEHMIGKE & RIEMSCHNEIDER beschftigen 6 Schnellpressen und 200 Arbeiter
hauptschlich mit den bekannten Bilderbogen.

[Sidenote: Lbeck. Hamburg.]

LBECK verlor seine Bedeutung, die es in der frheren Periode eine
zeitlang hatte, und auch HAMBURG nimmt nicht eine solche Stellung ein,
wie man es von dem ersten Handelsplatze und der, der Bevlkerung nach,
zweiten Stadt des Reiches erwarten knnte. Vielleicht wren seinerzeit
die Bemhungen des FRIEDR. ANDREAS PERTHES, Hamburg zu einem Emporium
des buchhndlerischen Verkehrs mit dem Auslande zu erheben, gelungen,
wenn nicht die schwere Zeit des Napoleonischen Druckes auf Deutschland
im allgemeinen und Hamburg im besonderen hemmend gelastet htte[231].
Nur fr den Zeitungsverlag hatte Hamburg einige Bedeutung und erst in
neuerer Zeit ist es Sitz einiger grsserer Verlagshandlungen geworden.

  [231] CLEMENS TH. PERTHES, Friedr. Perthes' Leben. 6. Aufl. Gotha 1872.

Selbst der Accidenzdruck hat keinen rechten Aufschwung genommen. Der
solide Hamburger Kaufmannssinn giebt wenig auf Eleganz der Druckarbeiten.

[Sidenote: Lessing als Buchdrucker.]

Inzwischen sollte doch das wenig poetische Hamburg einen grossen Dichter
Deutschlands unter seinen Buchdruckern zhlen. Eine zeitlang war nmlich
Lessing Associ des Buchdruckereibesitzers JOH. JOACH. CHRIST. BODE.
Ostern 1767 hatte letzterer auf dem Holzdamm eine Buchdruckerei angelegt
und LESSING trat gleich nach seiner Ankunft in Hamburg als Sozius
ein. Die Hamburgische Dramaturgie, die Antiquarischen Briefe und
die Abhandlung Wie die Alten den Tod gebildet sind von den eigenen
Pressen Lessings gedruckt, und das Projekt, die Werke der bedeutendsten
Gelehrten mit lohnenderem Ertrage fr Verfasser und Verleger zu
verffentlichen, erregte in den beteiligten Kreisen so grosse
Aufmerksamkeit, dass Klopstock schon im Sommer 1767 versprach, fr das
geplante Deutsche Museum seine Hermanns Schlacht und Gerstenbergs
Ugolino herzugeben. Die Publikationen dieser Druckerei und
Verlagsfirma erhielten ein seltsames Kleinquart-Format; zum Druck wurde
ein fein gestreiftes resp. geripptes italienisches Papier verwendet, so
dass der eigentmliche Geschmack Bodes und Lessings vielfach Spottreden
hervorrief. Die junge Firma wurde schon 1768 unter bedeutenden Verlusten
fr Lessing aufgelst, dessen finanzielle Bedrngnisse, welche seinen
Abgang von Hamburg bis zum Jahre 1770 verzgerten, jedenfalls zum
grssten Teil diesem Misserfolg zuzuschreiben sind.

[Sidenote: Hamburger Offizinen.]

Das grsste der heutigen Etablissements ist das von J. F. RICHTER (2
Rotm., 14 Schp., 15 Hdp., 150 Arb.). Als Zeitungsdruckereien sind zu
nennen die Aktiengesellschaft NEUE BRSENHALLE, welche die Brsenhalle
und den Correspondent druckt, HERMANNS ERBEN (1 Rotm., 6 Schp.),
DIEDERICH & Co. (1 Rotm., 5 Schp.). C. ADLER verbindet mit Buchdruckerei
und lithographischer Anstalt (9 Schp., 8 Hdp.) ein ausgedehntes Geschft
mit Lehrmitteln. F. SCHLOTKE wurde schon in dem Kapitel ber Maschinen
erwhnt, ist ausserdem durch seine litterarische Wirksamkeit bekannt und
jetzt Besitzer, Redacteur und Drucker des Journal fr Buchdruckerkunst
(S. 356).

Das holsteinische Stdtchen ITZEHOE besitzt die bedeutende Buchdruckerei
von G. J. PFINGSTEN, dessen weitverbreitete Itzehoer Nachrichten
namentlich vor und whrend der dnischen Kriege einen grossen Einfluss
bten.

[Sidenote: Wandsbeck.]

[Sidenote: G. W. Seitz * 6. Febr. 1826.]

In dem als eine Vorstadt von Hamburg zu betrachtenden WANDSBECK hat
die bedeutendste chromolithographische Anstalt Deutschlands ihren Sitz
aufgeschlagen. GUSTAV W. SEITZ lernte erst als Setzer, versuchte sich
dann ohne jedwede Anleitung als Holzschneider, bis er spter in Mnchen
seine weitere Ausbildung erhielt. Dann wagte er sich in Hamburg an
den Verlag. Durch Zufall mit dem lithographischen Farbendruck bekannt
geworden, erblickte er in diesem die Illustrationsmethode der Zukunft.
Nach berwindung unendlicher Schwierigkeiten gelang es Seitz, zwanzig
Handpressen zu beschftigen, bis der Krieg 1866 wieder Stockungen
brachte. Trotzdem beschloss er, sich ein Domizil zu bauen und zwar in
dem ussersten Ende von Wandsbeck. Ein kleines humoristisches Bild von
Ss, Der erste Gedanke, wurde in 18000 Exemplaren verkauft. Trotz
der Abmahnungen des Knstlers selbst wagte er sich nun an Carl Werners
Nilbilder in Aquarelldruck und errang einen vollstndigen Sieg. Unter
seinen vielen Blttern ist der grosse Aquarelldruck Auroras Triumphzug
nach Guido Reni eine ausserordentlich gelungene Leistung.

Besondere Verdienste hat Seitz durch die Vervollkommnung des
Reduktionsapparates. Schon im Jahre 1860 tauchte die englische Erfindung
auf, ein Bild auf eine Gummihaut, die in einem Rahmen von vier durch
Schrauben verstellbaren Stben angebracht war, durch strkere Anspannung
resp. durch Lockerung der Spannung der Haut zu vergrssern oder zu
verkleinern. In dieser vernderten Gestalt wurde dann das Bild auf
einen Stein bertragen, so dass man Kopien in verschiedenen Grssen
ohne eine neue Zeichnung erhalten konnte. Alles kommt natrlich auf
die ganz verhltnismssig richtige Vergrsserung oder Verkleinerung
nach Hhe und Breite an. Seitz ist es gelungen, die Apparate so fein
zu vervollkommnen, dass Bilder von zwanzig und mehr Farben, zu welchen
ebenso viele Steine gehren, im vollkommensten Passen der Umrnderungen
hergestellt werden knnen.

[Sidenote: Stenochromie.]

In Wandsbeck bte um 1875 OTTO RADDE (durch MHLMEISTER & JOHLER dort,
spter in Hamburg) ein eigentmliches Verfahren, um ldruckbilder
herzustellen. In der Art, wie die einzelnen Glas- oder Steinstckchen zu
einem Mosaikbild gefgt werden, setzte Radde die aus festen Teichfarben
mittels Blechschablonen in die ntigen Formen gebildeten Blcke in
einem Rahmen zu einer Bilderform zusammen. Wurde nun ein mit Terpentin
gefeuchteter Bogen darauf gelegt und Form und Bogen in einer Presse
einem gelinden Druck ausgesetzt, so erhielt man ein ldruckbild,
das jedoch nur als eine Untermalung zu betrachten war, welche erst
durch Aufdruck mehrerer lithographischer Farbenplatten Ausdruck und
Schattierung erhielt. Das Verfahren war nicht neu. Bereits Senefelder
hatte in seinem Werke daran gedacht und der Maler LIEPMANN in Berlin
lieferte 1842 einige recht hbsche Bilder in dieser Weise. 1873 zeigte
sich Jul. Greth aus Charlottenburg damit auf der Wiener Weltausstellung.
Auch ein Englnder, J. M. JOHNSON, hatte es gebt, um Landkarten zu
illuminieren, sowie um Tapeten und andere Arbeiten herzustellen, wo die
Farben sich bestimmt abgrenzen und nicht in einander bergehen mssen.
Von dem mit grossem Eclat in Scene gesetzten Verfahren (Stenochromie)
ist es ganz still geworden.

[Sidenote: Bremen.]

Die Handelsstadt BREMEN ist so wenig wie Hamburg ein bedeutender
Verlagsplatz geworden, deshalb beschrnkten sich die Buchdruckereien
hauptschlich auf Zeitungs- und Accidenzarbeiten. Die grssten Offizinen
sind die von C. SCHNEMANN (9 Schp., 120 Arb.), welche die Bremer
Nachrichten und die Weser-Zeitung druckt, und GEBR. HAUSCHILD, die
hauptschlich Accidenzarbeiten liefern.

[Sidenote: Oldenburg.]

In OLDENBURG sind G. STALLING und die SCHULZESCHE HOFBUCHDRUCKEREI,
je mit 4 Schnellpressen, thtig. In dem kleinen DETMOLD besteht seit
1570 die MEYERSCHE HOFBUCHDRUCKEREI, welche, jetzt mit Steindruckerei
verbunden, 8 Schnellpressen und 9 Handpressen in Gang hlt.

[Sidenote: Hannover.]

In HANNOVER findet eine rege Druckthtigkeit hauptschlich fr Zeitungs-
und Accidenzdruck statt; namentlich ist dasselbe ein Hauptplatz fr
die Herstellung von Handlungsbchern geworden. Obenan in letzterer
Richtung stehen J. C. KNIG & EBHARDT mit 29 Schnellpressen, darunter
14 fr mehrere Farben, 16 Liniiermaschinen, 30 Buchbinderpressen, 12
Papierschneidemaschinen nebst zahlreichen sonstigen Hlfsmaschinen und
einem Personal von 350 Kpfen. Auch EDLER & KRISCHE (10 Schp., 200
Pers.) und die HANNOVERSCHE GESCHFTSBCHERFABRIK arbeiten in hnlicher
Richtung, whrend R. LEUNIS & CHAPMAN die Handeltreibenden mit Tten und
hnlichem versorgen und damit ein grosses Personal beschftigen.

Die GEBR. JNECKE (als Farbenfabrik JNECKE & SCHNEEMANN S. 319)
gaben ihrem Druckgeschft eine grosse Ausdehnung (10 Schp., 11 Hdp.),
sowohl als Zeitungsdruckerei (Hannverscher Courier) wie als
Werk- und Accidenzdruckerei. Von Bedeutung sind ferner KLINDWORTHS
Hofbuchdruckerei (10 Schp., 9 Hdp.) und die SCHLTERSCHE Buchdruckerei
(2 Rotm., 7 Schp.). In der Zeit der Privilegien hatte die HAHNsche
Hofbuchhandlung fast den ganzen Sortimentshandel des Knigreichs in
den Hnden. Ihr bedeutender Verlag hat seinen Sitz in Leipzig. -- Die
Universittsstadt GTTINGEN hat als Druckplatz nie eine grosse Bedeutung
gehabt.

[Sidenote: Westfalen und Rheinland.]

MNSTER, in der Zeit der Humanisten ein so wichtiger Platz (I, S. 51),
macht sich wie PADERBORN und TRIER (FR. LINTZ, 7 Schp.) hauptschlich
nur durch seinen streng katholischen Verlag bemerkbar. OBERHAUSEN
verdient Erwhnung als der erste Platz in Deutschland, wo die
Rotationsmaschine (durch A. SPAARMANN) eingefhrt und zum Bcherdruck
verwandt wurde. In MINDEN liefert E. C. BRUNN (6 Schp.) namentlich Post-
und merkantile Arbeiten.

[Sidenote: Verschiedene Stdte.]

G. D. BDEKER in ESSEN beschftigt 150 Arbeiter und zehn Schnellpressen,
die BDEKERsche Buchdruckerei in ELBERFELD 6 Schnellpressen namentlich
mit Eisenbahnarbeiten; daselbst drucken auch S. LUCAS mit 14, R. L.
FRIDERICHS mit 10 Schnellpressen.

L. SCHWANN bersiedelte von Neuss nach DSSELDORF und errichtete dort
eine grosse Offizin (10 Schp., 120 Arb.), welche namentlich bedeutende
Accidenzien in Chromoxylographie liefert. Dass Dsseldorf als Sitz
der berhmten Kunstschule sich auch im Kunstverlag auszeichnet,
ist fast selbstverstndlich. Als Kunstdruckerei hat L. BAUMANN,
frher ARNZ & CO., einen Ruf; die Dsseldorfer Monatshefte waren
weltbekannt. A. BAGEL, frher in Wesel, hat eine sehr bedeutende
typographisch-lithographische Anstalt (21 Schp., 150 Pers.,
Papierfabrik) und liefert namentlich Arbeiten fr Schulen, Bilderbcher
u. dgl.

BONN gehrt zu denjenigen Universittsstdten, wo namentlich der
orientalische Druck gepflegt wird, besonders durch die Druckerei von C.
H. GEORGI.

[Sidenote: Kln.]

KLN, im frhen Mittelalter die berhmte hohe Schule der Wissenschaft
und der Typographie, von wo aus das Licht Gutenbergs ber die
Niederlande und den Norden ausgegangen war, lieferte spter nur
ultramontane Schriften und musste sogar seinen berhmten Namen zur
Einschmuggelung verbotener oder gar schmutziger Bcher hergeben, die
berall hin mit der Firma Peter Hammer oder _Pierre Marteau_ und
Druckort Kln verbreitet wurden.

Von den Offizinen hat die der Verlagshandlung J. P. BACHEM in der
katholischen Welt eine grosse Bedeutung und druckt mit ihren 9
Schnellpressen mehrere Zeitschriften und Zeitungen mit katholischer
Richtung. Die LANGENsche Buchdruckerei beschftigt 16 Schnellpressen,
die von W. HASSEL 10.

Am ftesten wird jedoch in der neuern typographischen Geschichte Kln
auf Grund der Offizin der KLNISCHEN ZEITUNG genannt, mit der auf dem
Kontinent nur die der Wiener Neuen Freien Presse in den technischen
und redaktionellen Einrichtungen wetteifern kann.

[Sidenote: Du Mont-Schauberg und die Kln. Zeitung.]

Bereits 1651 gab es zu Kln eine Zeitung, die als Stammmutter der
jetzigen Klnischen Zeitung zu betrachten ist: die im Besitz von Franz
Kntgen erscheinende Postamts-Zeitung, welcher er den Namen Klnische
Zeitung gab. Sie wurde bei Schaubergs Erben gedruckt, eine Offizin,
die von GEREON ARNOLD SCHAUBERG bereits anfangs des XVIII. Jahrhunderts
gegrndet war[232].

  [232] Geschichte der Klnischen Zeitung und ihrer Druckerei. Diese
        wahrhaft prchtige Gelegenheitsschrift erschien anlsslich der
        Gewerbe-Ausstellung in Dsseldorf 1880, wo M. Du Mont-Schauberg
        eine komplette Zeitungsdruckerei mit Rotationsmaschine
        ausgestellt hatte. Das Werk enthlt hchst interessante Beitrge
        zur Geschichte der Zeitungen, zeichnet sich daneben durch eine
        fast beklagenswerte Abwesenheit alles und jeden Hervorhebens der
        leitenden Persnlichkeiten aus.

Als Schauberg das Blatt von Kntgen erwarb, hatte es eine Auflage von
250 Exemplaren. Der frhere Besitzer erhielt eine Rente von monatlich
zwei Kronenthalern; stiege die Zahl der Abonnenten auf 400, so sollte
monatlich ein halber Thaler zugelegt werden.

Am 10. Juni 1805 gingen sowohl die Schaubergsche Offizin als die
Klnische Zeitung auf MARCUS DU MONT ber, welcher sich in demselben
Jahre mit Catharine Schauberg verheiratete. Kln schmachtete damals
wie das ganze linke Rheinufer unter der Herrschaft Napoleons und da in
jedem Departement nur ein Regierungsblatt geduldet wurde, so musste die
Klnische Zeitung 1809 einfach zu erscheinen aufhren. Der Kaiser
entschdigte jedoch den Verleger durch eine Jahresrente von 4000
Franken. 1814 ist das Jahr der Wiedergeburt des Blattes und 1822, wo der
Zeitungsstempel in Preussen eingefhrt wurde, hatte es bereits ber 2000
Abonnenten. Die Ereignisse von 1830, 1848 und namentlich die Kriegsjahre
1866 und 1870 trugen wesentlich zur Hebung und Verbreitung des Journals
bei. Riesig waren die Opfer, welche dasselbe durch Errichtung eigener
Telegraphenlinien, und Entsendung eigener Korrespondenten brachte,
allein diese Aussaat ist auf guten Boden gefallen, die Klnische
Zeitung ist heute ein Weltblatt und druckt tglich eine Auflage von 30
bis 40 tausend Exemplaren.

Unter solchen Verhltnissen wurden die Lokalitten mehrmals zu enge und
im Jahre 1846 entstand mit einem Aufwande von ber 300000 Mark in der
Breitenstrasse ein hchst zweckmssiger Neubau, der am 26. September
1847 bezogen und im Jahre 1871 durch Neubauten vergrssert wurde. Das
erste Telegramm der Zeitung erschien am 5. Oktober 1849. Am 1. Januar
1858 nahm sie das Format an, in welchem sie noch heute erscheint.

Am 1. Januar 1845 hatten bereits die Brder JOSEPH und MICHAEL DU
MONT das Geschft im alleinigen Besitz und zwar bernahm Michael die
Buchhandlung, Joseph behielt die Zeitung. Leider starb dieser bereits
am 3. Mrz 1861 und hinterliess seiner Witwe und seinen vier Kindern
sowie seinem treuen Freunde und Associ WILHELM FERDINAND SCHULTZE aus
Magdeburg, welcher 1844 in das Geschft getreten war, das umfangreiche
Institut. Am 31. Juli 1874 erhielt sie ihre eigene Drahtleitung von
Berlin, nachdem bereits frher der Telegraph in grossartiger Weise
benutzt worden war. In den Prozessen Kullmann und Graf Arnim betrugen
die Kosten fr Telegramme 25000 M. und fters wurden mehr als 20000
Worte hintereinander depeschiert. Eine Wochenausgabe der Zeitung hatte
bereits im Jahre 1866 am 5. Oktober begonnen.

Nachdem die Klnische Zeitung mehrmals ihre Pressen durch neue
verbesserter Konstruktion ersetzt hatte, wurden 1877 Rotationsmaschinen,
und zwar von Knig & Bauer gebaute, angeschafft. Die drei vorhandenen
Exemplare liefern stndlich je 16200 komplette Bogen. Als Motoren
fr diese und noch fr 10 Schnellpressen dienen vier Gasmaschinen.
1880 betrug die Zahl der Angestellten 155, ausserdem waren 78 Knaben
beschftigt. Reich dotierte Kranken- und Untersttzungskassen sind mit
der Offizin verbunden.

Kurz nach dem Tode Ludwigs, des ltesten Sohnes Josephs, starb am 30.
November 1881 der mit den reichsten Gaben des Verstandes und des Herzens
ausgerstete W. F. SCHULTZE, der ausserordentlich viel dazu beigetragen
hat, dass die Zeitung heute eine so hohe Stufe einnimmt, dabei war er
von einer so grossen Bescheidenheit, dass nicht einmal sein Name in der
erwhnten aus seiner Feder stammenden Festschrift genannt wird.

Es ist begreiflich, dass kaum ein Reisender, der die Aufgabe der Presse
zu wrdigen versteht, bei einem Aufenthalt in Kln die Offizin der
Klnischen Zeitung unbesucht lsst. So erschien eines Nachmittags
im Herbst 1877 der Feldmarschall Graf Moltke. Rasch entwarf einer der
Redacteure, Hermann Grieben, einige begrssende Zeilen, die, in wenigen
Minuten gesetzt und in der Presse abgezogen, dem berhmten Besucher
berreicht wurden; sie mgen hier einen Platz finden:

  Heil und Dank Dir, Schlachtenleiter, dass Du auch bei uns erschienst,
  Und auch unsre wackren Streiter inspizierst in ihrem Dienst.
  Ja die kleinen Bleisoldaten sind, verhunderttausendfacht,
  Wohlgefhrt und wohlberaten eine respektable Macht.
  Tglich rckt ihr Kriegsgeschwader tapfer aus zum Geisterstreit,
  Ihre grossen Hinterlader schiessen tausend Meilen weit. --
  Sieh im Kasten hier die Letter! Einzeln ist sie nur ein Zwerg,
  Doch im Chor ein Siegsgeschmetter: Freiheit, Licht und Gutenberg.

[Illustration]


[Illustration]

                             XIV. KAPITEL.

                   DER SDEN DER GERMANISCHEN GRUPPE.

  Emporwachsen Stuttgarts: Die Familie Cotta. J. B. Metzler. Die
    illustrierte Litteratur. Ed. Hallberger, Gebr. Krner u. a. Die
    Xylographie. Der Buchhandel. Statistisches. Tbingen. Mnchen:
    Aufschwung aller graphischen Knste, Kasp. Braun, Fr. Hanfstngl, J.
    Albert, Fr. Bruckmann u. a. Nrnberg. Regensburg. Augsburg.
    Rheinische Stdte. Frankfurt a. M. Mainz und das Einweihungsfest.
    Freiburg i. Br. Dornach: Ad. Braun. Strassburg: Das Gutenbergdenkmal,
    die Bibliothek.

  DIE SCHWEIZ. Lokale Schwierigkeiten. Basel: Die Familie Haas. Zrich:
    Orell Fssli & Co., Kartographie. St. Gallen: Chr. Zollikofer.
    Einsiedeln: Gebr. Benziger. Bern.

[Sidenote: Sinken der Bedeutung des Sdens.]

Noch vor Ablauf der vergangenen Periode hatten der Westen und der
Sden Deutschlands ihr typographisches bergewicht verloren. Die
blhenden Hauptsitze der Buchdruckerei und des Buchhandels, Nrnberg
und Augsburg, waren von ihrer Hhe zurckgegangen und wurden zu
Anfang unseres Jahrhunderts bayrische Provinzialstdte, whrend die
Hauptstadt Bayerns keine Anstrengungen machte, um ein Emporium des
Bcherverkehrs in Sddeutschland zu werden, wie es wohl mglich gewesen,
wenn Gutenbergs Kunst von oben dieselbe Untersttzung und Frderung
gefunden htte, wie die bildende Kunst. Der hohe Glanz Basels war
hinfllig geworden; es blieb zwar eine sehr respektable schweizerische
Universitt, der europische Ruf war jedoch dahin. Strassburg zhlte
seit seiner berrumpelung durch die Franzosen im Jahre 1681 nicht mehr
zu Deutschland und galt in jngster Zeit mehr als Festung denn als Sitz
der Wissenschaft und Kunst. Frankfurt am Main hatte als Bcheremporium
lngst Leipzig den Platz rumen mssen, war auch nicht bestrebt,
wenigstens als Verlagsort, ein bedeutendes Gewicht in die Wagschale zu
legen, und die Heimat der Druckkunst, Mainz, hatte es nie versucht, die
gnstigen Antezedentien zu benutzen und die Erbschaft Gutenbergs im
Geiste des Erfinders anzutreten.

[Sidenote: Emporblhen Stuttgarts.]

Unter diesen Verhltnissen gelang es einer bis 1750 in der Geschichte
der Typographie kaum genannten Stadt, die noch tief in unser Jahrhundert
herein hauptschlich nur als Sitz der Cottaschen Verlagshandlung und
des Nachdruckes in der graphischen Welt bekannt war, in der Zeit von
knapp einem Menschenalter sich zum dritten typographisch-bibliopolischen
Hauptplatz des Deutschen Reiches emporzuschwingen, und zwar
hauptschlich nur durch die Energie der Gewerbtreibenden selbst,
verbunden mit Tchtigkeit, kaufmnnischer Klugheit und dem ntigen Mut
ins Zeug zu gehen gepaart.

[Sidenote: Joh. Fr. Cotta * 27. April 1764, [+] 29. Dez. 1832.]

Seinen ersten Ruhm verdankt STUTTGART, wie erwhnt, der Familie Cotta.
JOHANN FRIEDRICH COTTA, ein Urenkel des Begrnders des Cottaschen
Geschfts in Tbingen (I, S. 134), Enkel des Kanzlers der Universitt,
war in Stuttgart geboren. Sein Vater hatte im sterreichischen
Reiterdienst gestanden und auch er fhlte Neigung fr den Militrdienst
und widmete sich namentlich dem Studium der Mathematik, ergriff jedoch
als Brotstudium die Rechtswissenschaft und trat 1785 in Tbingen als
Hofgerichtspraktikant ein. Die seinem Onkel gehrende Buchhandlung in
Tbingen war in Verfall geraten und Johann Friedrich musste, um sie der
Familie zu erhalten, sich entschliessen, die buchhndlerische Carrire
zu ergreifen. Er trat am 1. Dezember 1787 unter unendlichen Sorgen und
Mhen in Besitz des Tbinger Geschfts und verband sich zuerst mit einem
redlichen, aber fr den Buchhandel nicht geeigneten Mann, Dr. Zahn.
Dieses Geschftsverhltnis wurde jedoch nach wenigen Jahren gelst.

[Sidenote: Cottas Verbindung mit Schiller und Goethe.]

[Sidenote: Allgem. Zeitung.]

Bekannt ist Cotta namentlich durch sein intimes Verhltnis zu Goethe und
Schiller, ein Verhltnis so schn, wie es zwischen Autor und Verleger
nur gedacht werden kann. Cotta hatte den Plan zu einer deutschen Zeitung
gefasst, die von Schiller redigiert werden sollte, jedoch Goethes
Plne fhrten zur Herausgabe der Horen (1795). Nun verstndigte sich
Cotta mit Dr. Posselt ber die Herausgabe der Allgemeinen Weltkunde,
aus der dann die Allgemeine Zeitung entstand. Posselt erkannte
jedoch selbst, dass er sich zur Herausgabe einer Tageszeitung nicht
eigne. Nach mehrmaligem Redactionswechsel wurde die Zeitung 1798 nach
Augsburg verlegt und ging nunmehr gewhnlich unter der Bezeichnung die
Augsburgerin.

[Sidenote: bersiedelung nach Stuttgart.]

Cotta siedelte 1810 nach Stuttgart ber; der alte Adel wurde wieder
aufgenommen und Cotta Freiherr von Cottendorf.

[Sidenote: Thtigkeit Cottas.]

Es gelang Cottas Thtigkeit, Umsicht und Liberalitt, nach und nach
alle deutschen Dichter von Bedeutung und viele andere hervorragende
Schriftsteller an seinen Verlag zu fesseln. Fr ein aufkommendes
Talent wog der Umstand, sein Werk im Cottaschen Verlag erscheinen zu
sehen, mehr als alle sonstigen Empfehlungen. Bezeichnend fr Cotta und
seine Handlungsweise sind seine Worte an Schiller: Ich wnsche, Sie
bestimmten das Honorar fr die Sammlung Ihrer theatralischen Schriften.
Sie werden dabei finden, dass Sie es mit einem Manne zu thun haben, der
neben der berzeugung, dass bei Schriftstellern, wie Sie, das Honorar
nie ein quivalent fr die Arbeit sein knne, und dass mithin ein Akkord
nie die Verbindlichkeiten des Buchhndlers in einem solchen Falle
erschpfe, sobald der Erfolg ihm noch mehr zu thun erlaubt, auch Ihre
Freundschaft zu schtzen weiss.

[Sidenote: Mnchener Unternehmungen.]

Im Jahre 1815 ging Cotta im Auftrag mehrerer der geachtetsten
Buchhndler Deutschlands nach Wien, um bei dem Kongress die Interessen
des Buchhandels zu wahren. Eine seiner erfolgreichen Unternehmungen
aus damaliger Zeit war Dinglers Polytechnisches Journal. Von seiner
Liebe zur Kunst geleitet grndete er in Mnchen eine grossartige Anstalt
fr Kupferstecherei und Lithographie, verbunden mit einer Kunst- und
Landkarten-Handlung. Dort erfolgte nun die Herausgabe vieler grsserer
die Kunst frdernder Werke: Gaus' Prachtwerk ber Nubien; Platners
topographisches Werk ber Rom, das jedoch nicht zur Vollendung
gelangte; Brndsteds Reise in Griechenland; die Werke von Moritz
Retzsch, Eugen Neureuther, Weitbrecht u. a.

Johann Friedrich starb am 29. Dezember 1832. Seine Thtigkeit im Dienste
des Vaterlandes und seine Vorzge als Landwirt gehen ber den Rahmen
dieses Handbuches hinaus.

[Sidenote: G. v. Cotta * 19. Juli 1796, [+] 1. Febr. 1863.]

Sein Sohn GEORG VON COTTA fand ein zwar hochberhmtes, aber auch auf
Grund der Vielseitigkeit der Unternehmungen stark belastetes Geschft
vor. Es gelang ihm aber durch seine grosse Energie, alle Schwierigkeiten
zu beseitigen, dabei doch vollstndig im Geiste des Vaters fortwirkend.
Im Jahre 1839 erwarb er das Gschensche Geschft in Leipzig, wodurch
er so ziemlich der Alleinverleger der deutschen Klassiker wurde. Im
Jahre 1845 kaufte er noch die Vogelsche Verlagshandlung in Mnchen und
brachte die litterarisch-artistische Anstalt dort in lebhaften Schwung.
Er veranstaltete zahlreiche neue Ausgaben der Klassiker. Gegen die
Autoren war er usserst liberal, weniger gegen den Sortimentshandel,
auch wurde nicht immer die ntige Sorgfalt auf die Korrektheit und
gute Ausstattung der Ausgaben verwendet. Unter den von ihm ins Leben
gerufenen Zeitschriften hat die Deutsche Vierteljahrsschrift besondere
Bedeutung.

Cotta war, der politischen Gesinnung nach, ein ausgeprgter
Grossdeutscher und in diesem Sinne wurde auch die Augsburger
Allgemeine geleitet, bis die Ereignisse auch dieser einen anderen
Stempel aufdrckten (S. 398). Im Jahre 1882 siedelte die Zeitung nach
Mnchen ber.

[Sidenote: nderungen im Geschft.]

Mit dem Tode Georg Cottas 1863 ging das Geschft in den
gemeinschaftlichen Besitz der Familie ber. Die Firma Cotta war
selbstverstndlich diejenige, welche die grsste Einbusse durch den
Bundesbeschluss: vom 6. November 1867 ab alle Privilegien zu gunsten des
Schutzes der Schriften einzelner Autoren nicht zu erneuern, erlitt. Im
Jahre 1869 wurde die Literar.-Artistische Anstalt in Mnchen verkauft.

1879 bergaben Cottas ihre Buchdruckerei fr zehn Jahre in Pacht an
Gebrder Krner. So ganz ausserordentlich gross die Verdienste der
Firma um die Litteratur sind, so lsst es sich nicht leugnen, dass
die Typographie nicht in derselben Weise von ihr begnstigt wurde.
Erst in spterer Zeit schloss sich die Cottasche Druckerei den
besten Deutschlands an und lieferte Prachtwerke von Bedeutung, z. B.
Goethes Faust, illustriert von G. Seibertz; Reineke Fuchs in Goethes
bersetzung, illustriert von W. v. Kaulbach; Herders Cid, illustriert
von E. Neureuther; die Jubelausgabe von Schillers Gedichten u. a.

Ihre frheren, selbst die Prachtausgaben der deutschen Klassiker leiden
an wesentlichen Mngeln. So sehr auch ihre sogenannten Schillerausgaben
zur weitesten Verbreitung der besten Werke noch vor Ablauf der diesen
gewhrten Schutzfrist beigetragen haben, so wenig dienten sie, den
Geschmack fr hbsche Buchausstattung zu wecken. Dagegen muss in die
Wagschale gelegt werden, dass nie ein Buch aus ihren Pressen hervorging,
bei welchem die Spekulation ber die Ehre der Litteratur ging.

[Sidenote: J. B. Metzler.]

Eine alte ehrenwerte Firma Stuttgarts ist die 1681 gegrndete J. B.
METZLERsche, die, was ein seltener Fall ist, sich in letzter Zeit
vollstndig verjngt hat und khn den Kampf mit den jungen frisch
aufblhenden Firmen aufnehmen konnte. Im Jahre 1876 trennten sich die
Besitzer AD. BONZ und L. WERLITZ. Letzterer setzte das Stammgeschft
fort, welches 1881 sein zweihundertjhriges Jubelfest feiern konnte.

[Sidenote: A. Bonz * 1824, [+] 1878.]

ADOLF BONZ ist als der eigentliche Stifter des Deutschen
Buchdrucker-Vereins zu betrachten. Schon jahrelang vor dem Entstehen
desselben hatte er fr das Zustandekommen gewirkt. Seine grosse
geschftliche Erfahrung, sein reiches positives Wissen als studierter
Mann und Jurist, verbunden mit einer grossen Klarheit und einer
unerschtterlichen Ruhe, befhigten ihn ganz besonders zur Leitung
grsserer Versammlungen, und er hatte gute Gelegenheit, dieses Talent
bei zwei der schwierigsten Verhandlungen in dem Vereinsleben, dem
Eisenacher Buchdruckertage am 10. Mrz 1872 und der ausserordentlichen
Generalversammlung zur Statuten-Revision in Frankfurt am Main am 14.
und 15. September 1874, zu bewhren. Er war bei dem schweren Kampfe,
um Stuttgart dem Vereine treu zu erhalten, stets das vermittelnde und
vershnende Prinzip[233].

  [233] Annalen d. Typ. 1872, Nr. 172, und 1874, Nr. 273. 274.

Fr den Aufschwung der Metzlerschen Buchdruckerei interessierte er
sich lebhaft und es entstanden unter seiner Leitung mehrere schne
Illustrationswerke, als Scheffels Trompeter von Skkingen; Scheffels
Bergpsalmen sowie dessen Gaudeamus und Juniperus. Die nach
dem Tode von A. Bonz entstandene neue Firma A. BONZ ERBEN strebt in
hnlicher Richtung und gehrt zu denen, die allen ihren Druckwerken
grosse Sorgfalt widmen und diese auf die ganze Einrichtung und die
Behandlung des Formats ausdehnen.

[Sidenote: Gebr. Krner.]

Eine ebenfalls auf eine lange Vergangenheit zurckschauende
Buchdruckerfirma ist die der GEBRDER MNTLER, jetzt GEBRDER KRNER.
Durch ihre Illustrationsdrucke glnzt diese Firma als ein Stern
erster Grsse, und kein Jahr vergeht, in welchem nicht Prachtwerke
von Bedeutung, teils dem eigenen Verlage zugehrend, teils fr fremde
Rechnung gedruckt, ihre Pressen verlassen. Es seien darunter einige
aus dem eigenen Verlage Krners genannt: Unser Vaterland in den
verschiedenen Abteilungen: das bayrische Gebirge, Tirol, Steiermark,
Nord- und Ostsee, Rheinfahrt; Jgers Wanderungen durch die Tierwelt.
Eines der weniger bekannten und umfangreichen, Hugdietrichs
Brautfahrt, drfte in konsequenter und korrekter Durchfhrung als eine
typographische Musterleistung bezeichnet werden.

Im Jahre 1879 nahmen Krners die Cottasche Offizin mit 27 Schnellpressen
auf zehn Jahre in Pacht. Nachdem die ehemalige Mntlersche Buchdruckerei
in das Cottasche Lokal bergesiedelt war, bietet sich das fr den
Typographen interessante Schauspiel zweier, nach verschiedenen Systemen
eingerichteter und vollstndig getrennt in einem Raum arbeitender
Druckereien; doch wird wohl auch die Zeit kommen, wo diese beiden
Druckereien wie die Preussische Staatsdruckerei und die Geheime
Oberhofbuchdruckerei v. Deckers in eine zusammengeschmolzen werden.

[Sidenote: Beginn des illustrierten Druckes.]

[Sidenote: F. G. Franckh.]

Doch die genannten Firmen sind nur einige der Anstalten, die dazu
beigetragen haben, Stuttgarts Ruhm als Verlags- und Druckort
zu begrnden. Derselbe datiert von dem Ende der dreissiger und
dem Beginn der vierziger Jahre. Als in Paris um diese Zeit die
illustrierten Unternehmungen sich geradezu berstrzten, erwachte
auch der Unternehmungsgeist in Stuttgart und die rhrigen Verleger
und Drucker dort fanden, ganz im Gegensatz zu den Verhltnissen in
Leipzig, bereitwillige Untersttzung bei den dortigen Geldmnnern.
Unter denjenigen, welche die Mittel in Bewegung zu setzen wussten,
stand obenan F. G. FRANCKH. Unter der Firma Verlag der Klassiker in
Pforzheim, der 1839 in den Besitz von DENNIG, FINCK & CO. berging und
nach Stuttgart bersiedelte, erschien eine Reihe von Unternehmungen, die
hauptschlich mit franzsischen Clichs illustriert wurden. Doch wagte
man sich bald daran, Eigenes zu produzieren. So waren die Illustrationen
zu 1001 Nacht deutsche Originale, dienten jedoch zur Ausschmckung
einer franzsischen Ausgabe. J. SCHEIBLE brachte ein kleines
Universum, C. KRABBE die bersetzung von Swifts Gullivers Reisen u.
s. w.

[Sidenote: Ed. Hallberger * 22. Mrz 1822, [+] 29. Aug. 1880.]

Derjenige, welcher die grssten und andauerndsten Erfolge in dieser
Stuttgart charakterisierenden Richtung erringen sollte, war EDUARD
HALLBERGER, eine der bedeutendsten Erscheinungen des modernen
Buchhandels und der neuen Typographie.

[Sidenote: ber Land und Meer.]

Hallberger trat zuerst in das vterliche Geschft, grndete jedoch
1848 eine eigene Firma und bernahm 1850 die mit drei Schnellpressen
arbeitende Buchdruckerei des Vaters. 1853 grndete er die Zeitschrift
Illustrierte Welt; 1858 fasste er den Plan zu einem grossen
illustrierten Unterhaltungsblatt ber Land und Meer[234]. Hacklnders
Name als Redacteur war ein tchtiges Zugmittel; 1862 wagte Hallberger
den Sprung von acht Thalern auf vier Thaler Abonnementspreis und hiermit
war sein Erfolg entschieden. Holzschnitte und Zeichnungen sind durchweg
vortrefflich und haben einen grossen Einfluss auf die Xylographie in
Stuttgart gebt.

  [234] Die Nummer 1000 von ber Land und Meer ist Nr. 12 des
        Jahrg. 1878.

[Sidenote: Dors Bibel.]

[Sidenote: Ebers' gypten.]

[Sidenote: Palstina.]

Unter den Druckwerken Hallbergers nimmt die Heilige Schrift, illustriert
von Gustav Dor, in zwei Ausgaben, fr Lutheraner und Katholiken, einen
hohen Platz ein. Sein Meisterstck ist jedoch gypten in Wort und
Bild mit mehr als 700 Illustrationen und mit Text von Georg Ebers.
Alles ist hier deutschen Ursprungs und bildet ein hervorragendes
Monument der graphischen Knste Deutschlands im XIX. Jahrhundert. Wrdig
schliesst sich an dieses an, wenn es dasselbe auch nicht ganz erreicht:
Palstina, zu welchem Werk England einen Teil des knstlerischen
Schmuckes lieferte. Auch die grossen Ausgaben von Shakespeare, Goethe
und Schiller zusammen mit gegen 2400 Holzschnitt-Illustrationen sind
bedeutende Erscheinungen, die von vielen geringeren Umfanges gefolgt
wurden. Ein wichtiges Werk sind die Klassiker der Musik, herausgegeben
von J. Moscheles. Der Romanverlag, dessen Perlen die gyptischen Romane
von G. Ebers sind, ist daneben ein sehr ausgedehnter.

[Sidenote: Hallbergers Offizin.]

Hallbergers Druckerei kann als eine Musteranstalt betrachtet
werden. Frher wurden seine illustrierten Bltter auf Alauzetschen
Komplettmaschinen vorzglich gedruckt, jetzt verrichten drei
Rotationsmaschinen der Augsburger Fabrik die Arbeit und Hallberger
selbst hat wesentlichen Anteil an der glcklichen Durchfhrung
der Aufgabe dieser Maschinen; ausserdem sind 27 Schnellpressen in
Thtigkeit. Die Zahl der Arbeiter war etwa 400, dazu beschftigt
die Buchbinderei jetzt 24 Maschinen und etwa 400 Personen; grosse
Papierfabriken gehren der Anstalt.

Allgemein betrauert starb Hallberger auf seinem schnen Landsitz Tutzing
am Starnberger See[235]. Er besass eine grosse und ideal angelegte
Natur, die sich in seinen Unternehmungen ausprgt, weshalb diese auch
sympathisch wirken. Dasselbe gilt auch von seinen Bestrebungen zur
Grndung einer allgemeinen deutschen Pensions- und Invalidenkasse fr
Typographen, die vielleicht von Hallbergers Seite zu viel Idealismus
enthielten und an dem zu wenig dieser Eigenschaft bei seinen Kollegen
strandeten. Fr seine eigenen Arbeiter hat er in mehrfacher Hinsicht
vortrefflich gesorgt. In seinen Arbeiten wurde er treu von seinem Bruder
KARL HALLBERGER untersttzt.

  [235] Biographische Skizzen lieferte Paul Lindau in der Gegenwart,
        Theod. Gbel in dem Journ. f. Buchdrk., 1880, Nr. 36.

Aus dem Geschft wurde eine Aktiengesellschaft DEUTSCHE VERLAGS-ANSTALT
unter Karl Hallbergers Direktion. Eine Expedition in Leipzig war bereits
1871 gegrndet.

[Sidenote: Verschiedene Druckereien.]

Eine umfangreiche Druckanstalt ist die von H. SCHNLEIN (24 Schp.), in
welcher dessen weit verbreitete illustrierte Bltter gedruckt werden.

Von Druckereien seien noch erwhnt: GREINER & PFEIFFER, die (mit 14
Schp.) namentlich Accidenzien und illustrierte Werke drucken. Die von
Gehlfen gegrndete VEREINSDRUCKEREI liefert sehr gute Accidenz-,
besonders Farbendrucke. J. F. STEINKOPF druckt vorwiegend die religisen
Werke seines Verlags; C. GRNINGER ist der einzige Buchdrucker
Stuttgarts, der sich auf orientalische Druckarbeiten legt und namentlich
russische Bcher liefert. C. HOFFMANN druckt mit 7 Schnellpressen
hauptschlich die Verlagsartikel von K. THIENEMANN.

[Sidenote: Xylographie.]

Die Stuttgarter Xylographie hat begreiflicher Weise eine hohe Bedeutung.
Die Anstalt von A. CLOSS ist eine so vorzgliche, wie wenige, und ist
fast ausnahmslos in jedem Stuttgarter Prachtdrucke vertreten. Die
Stuttgarter Holzschnitte verbinden so sehr franzsische Eleganz mit den
deutschen Vorzgen, dass vor dem Kriege viele Holzschnitte nach Paris
geliefert wurden.

[Sidenote: Lichtdruck.]

Ausser der Xylographie hat auch der Lichtdruck eine grosse Verbreitung.
Die Anstalt von MARTIN ROMMEL & CO. liefert vortreffliches und finden
ihre Erzeugnisse namentlich ihren Platz in den Prachtwerken von Paul
Neff. Auch in der Chromolithographie hat Stuttgart Tchtiges aufzuweisen
durch die Anstalten von EMIL HOCHDANZ, MAX SEEGER, GUSTAV WEISE. Die
Leistungen finden hauptschlich Verwendung in den Jugendschriften von W.
NITZSCHKE, SCHMIDT & SPRING, LEVY & MLLER, F. LOEWE, K. THIENEMANN und
GUSTAV WEISE. Eine Spezialitt des letzteren sind die, in grossen Massen
verbreiteten Bilder fr Jung und Alt. K. Thienemann lieferte auch eine
Reihe naturwissenschaftlicher illustrierter Werke.

[Sidenote: Schriftgiesserei.]

Die SCHRIFTGIESSEREI hat erst in neuester Zeit begonnen, einen
Aufschwung in Stuttgart zu nehmen (S. 290). Der Verlagsrichtung gemss
findet vorzugsweise die Produktion zu dekorativen Zwecken Beachtung und
ist in dieser Richtung namentlich OTTO WEISERT thtig. Im Jahre 1882
siedelte der bekannte Schriftschneider BAUER SEN. von Frankfurt nach
Stuttgart ber. Als Farbenfabrikanten sind KAST & EHINGER von Bedeutung,
namentlich in bunten Farben.

[Sidenote: Kunststellung Stuttgarts.]

Das eigenste, was Stuttgart besitzt, gehrt nicht der schaffenden
idealen Kunst, sondern der schmckenden, dekorierenden, vorab dem
Kunstgewerbe. Wer die Kunst beobachten will, der begebe sich vor
allem in die Werksttte der Holzschneider, Lithographen, Zeichner,
Buchbinder, der Holz- und Metallarbeiter, der Bauhandwerker. Die
schwbisch-industrielle Regsamkeit hat sich da mit einem Geschmack
verbunden, der in Stuttgart, als einer Hauptstadt der deutschen
Litteratur und des Buchhandels, von den verschiedensten Seiten angeregt
wurde. Hierbei ist der unmittelbare Einfluss der Bcher-Illustration auf
die Stuttgarter Kunstgewerbe durchaus nicht zu unterschtzen[236].

  [236] RIEHL, Deutsche Kunststdte. Augsb. Allg. Ztg. 1870.

[Sidenote: Stuttgarter Verleger.]

Unter den Werken, die einen ganz wesentlichen Einfluss in der
angedeuteten Richtung gebt haben, steht obenan die Gewerbehalle
von J. ENGELHORN. Die ersten Knstler und die besten Schriftsteller
untersttzen diese, 1863 begonnene Zeitschrift. Ausser der stark
verbreiteten deutschen Ausgabe existieren Ausgaben in Amerika, England,
Italien, Frankreich, Bhmen, Spanien und Holland. Die Gewerbehalle
kann demnach als ein Weltblatt bezeichnet werden.

Ausserdem liess Engelhorn eine Anzahl der vorzglichsten illustrierten
Werke erscheinen: Italien mit etwa 400 Illustrationen, das
Schweizerland von Kaden mit 450 Illustrationen, die Kunstschtze
Italiens von Karl v. Ltzow, Unser Jahrhundert von Otto von Leixner.

EBNER & SEUBERT gaben eine Reihe von wertvollen, prachtvoll geschmckten
Werken ber Kunst von Lbke, Burckhardt, Weiss, Schnaase, Kugler heraus.
C. WITWER wendete seine Thtigkeit den Werken der Architektur zu.

PAUL NEFF benutzt fr seinen grossartigen Verlag vorzugsweise den
Lichtdruck als Illustrationsmittel. Obenan stehen Die goldene Bibel
und die Klassiker der Malerei. Sowohl hinsichtlich der Ausdehnung als
was Ausfhrung betrifft, hchst bedeutende Werke sind: Ludw. Weisers
Bilderatlas zur Weltgeschichte, welcher auf 146 Grossfolio-Tafeln
ber 5000 Darstellungen bringt; die Denkmler der Kunst mit gegen
200 Tafeln in Stahlstich; M. v. Schwinds Die schne Melusine und
Die sieben Raben; A. Racinets Das polychrome Ornament, 100 Tafeln
in Gold- und Farbendruck; Die Kunst fr alle von Gutekunst: das sind
einige der Publikationen von Neff; alle anzufhren wrde zu weit gehen.

[Sidenote: W. Spemann.]

Eine der jngsten und jetzt bereits eine der umfangreichsten
Verlagshandlungen ist die, 1873 von W. SPEMANN gegrndete. Grossen
Erfolg hatte Johannes Scherrs Germania; Jakob von Falkes Hellas
und Rom; Bruno Buchers Geschichte der technischen Knste; die
illustrierten Werke von Friedrich v. Hellwald u. a. Die Kollektion
Spemann erffnete den Reigen der Mark-Kollektionen und in Krschners
Deutscher National-Litteratur unterbot der Verleger sich selbst durch
Lieferungen zu 50 Pf. Die Monatsschrift Vom Fels zum Meer hat eine
sehr bedeutende Verbreitung. Um das typographische Publikum machte
sich Spemann verdient durch die Herausgabe des epochemachenden Werkes
Gutenberg von Dr. A. v. d. Linde in Wiesbaden.

Die brigen Verleger Stuttgarts, die weniger Einfluss auf die
graphischen Gewerbe bten, mssen hier unerwhnt bleiben.

[Sidenote: Tbingen.]

TBINGEN verlor sehr an Bedeutung durch bersiedelung Cottas nach
Stuttgart. In ESSLINGEN liefert J. F. SCHREIBER (6 Schp., 8 Hdp.)
Bilderbcher und Vorlagen. In ULM druckt J. EBNER (9 Schp.).

[Sidenote: Reutlingen und der Nachdruck.]

Einen blen Ruf erwarb sich REUTLINGEN als hauptschlichster Sitz der
grssten Nachdruckfirmen: Mcken, Ensslin und Fleischhauer, welche ihr
bses Handwerk natrlich nur im Interesse der Litteratur mit aller
Kraft betrieben und schliesslich gar als Wohlthter der Menschheit
womglich ein Ehrendenkmal verdient zu haben glaubten.

Wrttemberg besitzt im ganzen 173 Buchdruckereien und 71 lithographische
Anstalten mit 398 Schnell-, 350 Tret- und Handpressen. Die Druckereien
verteilen sich auf 76 Stdte; Stuttgart allein hat 68 Buchdruckereien
mit 191 Schnellpressen und 32 lithographische Anstalten mit 43 Schnell-
und 104 Handpressen. Im Jahre 1840 besass Stuttgart zwar bereits 24
Buchdruckereien, diese hatten jedoch zusammen nur 30 Schnellpressen,
also nicht mehr als eine der grossen jetzigen Druckanstalten, ganz
abgesehen von der Leistungsfhigkeit der Maschinen von heute gegen die
damaligen. 1882 betrug die Bcherausfuhr Wrttembergs 3110301 Kilo zu
einem Werte von wenigstens 6 Millionen Mark.

[Sidenote: Mnchen.]

[Sidenote: Der Schulbcher-Verlag.]

MNCHEN erlangte, wie bereits erwhnt wurde, bei weitem nicht die
Bedeutung fr den Buchhandel und die Buchdruckerei wie fr die Kunst,
doch ist es in jngster Zeit eifrig bemht das Versumte nachzuholen.
Der wissenschaftliche Verlag hatte keine grosse Ausdehnung und die
wichtige Branche der Unterrichtslitteratur befand sich ganz in den
Hnden der Regierung, welche durch den sogen. Schulbcher-Verlag dafr
sorgte, dass kein Gift der Jugend verabreicht wurde. Durch Reskript
vom 12. Oktober 1785 wurde das Privilegium, welches der Buchbinder G.
Ruprecht und dann J. B. Oettl auf planmssige Schulbcher innegehabt
hatten, zu gunsten des Deutschen Schulfonds erneuert und letzterem
der Verlag aller verlegender Schulbcher auch anderer zur Erziehung
dienlicher Schriften vorbehalten.

Durch sptere Reskripte wurde dieses Privilegium noch erweitert. Die
verschiedentlichen Remonstrationen der Buchhndler blieben, trotz der
ihnen zur Seite stehenden Rechts- und Vernunftgrnde, unbeachtet. Dass
die allgemeine Bildung und der Verlagshandel darunter leiden mussten,
ist begreiflich; aber auch der Sortimentshandel wurde geschdigt, da
der Schulfond, unter Umgehung der Sortimenter, den Vertrieb durch
eigene Zwischenhndler und durch Lehrer besorgen liess, die billiger
verkauften, als die Buchhndler einkaufen konnten[237].

  [237] C. WOLFF, ber den gegenwrtigen Zustand des Buchhandels in
        Bayern. Mnchen 1827.

[Sidenote: E. Mhlthaler.]

E. MHLTHALER (seit 1867) war der erste in Mnchen, der sich im
illustrierten Prachtdruck versuchte, und zwar mit den im Bruckmannschen
Verlag erscheinenden Die Schweiz von Gsell-Fels und Rhododendron.
Bei unverkennbarer Tchtigkeit und anerkennenswertester Sorgfalt
erreichten diese Ausgaben doch nicht hnliche Stuttgarter Leistungen.
Seit 1875 druckt Mhlthaler die Mnchener Fliegende Bltter und
entwickelt auch seine Intelligenz in merkantilen Accidenzarbeiten. Er
beschftigt bereits 15 Schnellpressen.

[Sidenote: Knorr & Hirth.]

[Sidenote: M. Huttler.]

Eine der angesehensten Firmen ist die von KNORR & HIRTH, die mit
zwei Rotationsmaschinen, zwei vierfachen und verschiedenen einfachen
Schnellpressen arbeitet. Dr. Hirth ist bekannt durch seine Bestrebungen
zur Erweckung des Sinnes fr die Renaissance, worauf namentlich die
in seinem Verlag erscheinenden Werke: Formenschatz der Renaissance;
Butsch, Bcherornamente u. a. hinzielen. Nebenbei liefert die Offizin
hbsche Accidenzarbeiten und druckt die Mnchener Nachrichten in
33000 Exemplaren. Noch weiter als Knorr & Hirth greift in seiner
Geschmacksrichtung in der Zeit zurck Dr. M. HUTTLER aus Augsburg,
welcher eine Filiale in Mnchen errichtet hat. Seinen Verlag von
Erbauungsbchern druckt er in gothischer oder Schwabacher Schrift in
streng durchgefhrter Imitation lterer Drucke.

[Sidenote: F. Straub.]

[Sidenote: J. G. Weiss.]

Die Akademische Buchdruckerei von F. STRAUB beschrnkt sich
namentlich auf gelehrte Arbeiten und amtliche Drucke, ebenso die
Universittsbuchdruckerei von J. G. WEISS.

[Sidenote: R. Oldenbourg.]

Unter den neueren Offizinen zeichnet sich die von R. OLDENBOURG (13
Schp.) sowohl durch ihre vortrefflichen Einrichtungen als durch
ihre Arbeiten aus. Im Jahre 1874 bernahm Oldenbourg von Pustet in
Regensburg den Zentral-Schulbcherverlag, ausserdem erscheinen bei ihm
sechs Zeitschriften; dagegen werden Accidenzarbeiten weniger gepflegt.

[Sidenote: Verschiedene Druckereien.]

Zu erwhnen sind noch folgende Offizinen: C. WOLFF & SOHN (8 Schp.);
F. WILD (7 Schp.); J. DESCHLER (8 Schp.); E. HUBER (6 Schp.), dessen
Spezialitt hebrische Bcher sind; W. WEIFENBACH, welcher feine
Accidenzarbeiten liefert. Die COTTAsche Buchhandlung verlegte die
Druckerei der Allgemeinen Zeitung nach Mnchen (1 Rotm. und 4 Schp.).

[Sidenote: Die Xylographie.]

[Sidenote: Kasp. Braun * 13. Aug. 1807, [+] 29. Oktb. 1877.]

[Sidenote: Fr. Schneider * 1815, [+] 9. April 1864.]

Unter den Mnchener xylographischen Anstalten erwarb sich die von Braun
& Schneider einen weit verbreiteten Ruf. KASPAR BRAUN aus Aschaffenburg
hatte sich als Knstler in mehreren Techniken versucht; durch den
Anblick von Grandvilles Illustrationen zu Lafontaines Fabeln wurde
der Gedanke in ihm fest, den Holzschnitt in Deutschland zu dem alten
Ansehen zu bringen. Rasch fhrte er den Entschluss aus nach Paris zu
gehen, um sich, unter des trefflichen Brevire Anleitung, im Holzschnitt
auszubilden. Das beste Zeugnis fr Braun drfte es sein, dass Brevire
seinerseits spter seinen Sohn in die Lehre zu Braun gab. Zuerst
grndete er mit V. DESSAUER eine xylographische Anstalt, dann vereinigte
er sich mit FRIEDRICH SCHNEIDER aus Leipzig zu einem ebenso innigen als
erfolgreichen Zusammenwirken. Die Fliegende Bltter behaupten sich
bis auf den heutigen Tag in der unvernderten Gunst des Publikums und
kaum wird eine hnliche Sammlung von Gaben des kstlichen Humors sich
zusammenfinden, wie in den 2000 Nummern dieses Blattes, aus welchem
wieder die Mnchener Bilderbogen entstanden. Brauns typische Figuren
als: Eisele und Beisele, Whlhuber, Heulmeier sind jedem bekannt. Durch
Schneiders Tod erlitt Braun und sein Humor einen nicht zu verwindenden
Stoss. Sein 70. Geburtstag brachte ihm noch Ehren und Freude, dann
folgte er seinem vorausgegangenen Freunde.

In jngster Zeit haben die grossen Verlagsunternehmungen von FRIEDR.
BRUCKMANN und TH. STROEFER einen bedeutenden Einfluss auf die Mnchener
Xylographie gebt, einen besonderen Namen erwarben sich: HECHT, TH.
KNESING, J. WALLE u. a.

[Sidenote: Jubilum.]

Als Mnchen am 28. Juni 1882 das 400jhrige Jubilum der Einfhrung
der Buchdruckerkunst feierte, hatte dasselbe 49 Buchdruckereien,
38 lithographische Anstalten mit 5 Rotationsmaschinen, 148
Schnellpressen und 229 Tret- und Handpressen. Zu Ehren des Einfhrers
der Buchdruckerkunst, HANS SCHAUER, dessen ersten Druck _mirabilia
urbis Romae_ man in dem Kloster Tegernsee aufgefunden hat, wurde eine
Denktafel an seinem Druckhause in der Rosenstrasse Nr. 10 angebracht.
Die lteste der noch existierenden Druckereien Mnchens ist die aus dem
Jahre 1769 stammende F. S. HBSCHMANNsche.

[Sidenote: Die Lithographie.]

Dass die lithographische Kunst sich in Mnchen, der Wiege derselben
(S. 7), weiter entwickelte und in den dortigen reichen Sammlungen
Stoff zu Vervielfltigungen fand zu einer Zeit, wo die Lithographie
den Kunstsammlungen gegenber fast die Stellung einnahm, wie jetzt die
Photographie, ist natrlich.

[Sidenote: Fr. Hanfstngl * 1. Mrz 1804, [+] 18. April 1877.]

In beiden Kunstzweigen erwarb sich FRANZ HANFSTNGL grossen Ruhm. Er
war, als Sohn wenig bemittelter Bauern, in Tlz geboren. Obwohl fr die
Laufbahn eines Malers bestimmt, machte der Zufall es, dass er sich der
Lithographie widmete. Gleich gewandt als Zeichner und als Lithograph,
etablierte er 1830 eine lithographische Anstalt, ging jedoch 1834 nach
Paris, um sich bei Lemercier noch mehr auszubilden. Schnell erwarb er
sich neben STRIXNER, PILOTY und BODMER einen Namen, besonders durch
seine genialen Portraitaufnahmen. Als die kgl. schsische Regierung
den Plan gefasst hatte, die Meisterwerke der Dresdner Galerie durch
Steindruck zu verffentlichen, ward Hanfstngl ausersehen, die
Ausfhrung zu bernehmen; ihm gefiel jedoch die Abhngigkeit nicht und
das Unternehmen geschah auf seine Kosten. Seine Wirksamkeit in Dresden
war an Ehren reich. Inzwischen hatte die Photographie Boden gewonnen.
Hanfstngl fhlte die Wichtigkeit der neuen Kunst sofort heraus und
warf sich mit aller Kraft auf dieselbe. Als es sich um Herausgabe der
bedeutendsten Bilder der alten Pinakothek handelte, blieb er unter 22
Konkurrenten Sieger, und lieferte eine Sammlung, die in ihrer Art ebenso
hervorragend ist wie die in Dresden veranstaltete.

[Sidenote: J. Albert.]

[Sidenote: Die Autotypie.]

Einen bedeutenden Namen erwarb sich gleichfalls JOS. ALBERT, besonders
durch seine Lichtdrucke (Albertotypie) und seine Photographien in
Farben. Als der eigentliche Erfinder des Lichtdruckes, der jedoch das
Verfahren nicht zuerst praktisch in Anwendung brachte, gilt J. B.
OBERNETTER. Die Arbeiten desselben stehen in hohem Ansehen, darunter
die Facsimile-Ausgabe der Meister von 1440-1694; die Kunstschtze
aus dem bayrischen Nationalmuseum u. s. w. Ein Portrait des Kaisers
wurde in einer Auflage von einer Million gedruckt. Auch JUL. ALLGEYER
und C. BOLHOEVENER zeichneten sich in ihrem photochemischen Verfahren
aus. In neuester Zeit erregte die Autotypie des Ingenieurs G. MEISENBACH
Aufsehen. Ein Mangel bei der Zinkhochtzung war die Notwendigkeit, eine
Vorlage in scharfen Linien oder mit lithographischem Korn versehen zu
haben; eine getuschte Zeichnung, sowie eine Aufnahme nach der Natur oder
einem lgemlde war nicht zu benutzen. Dem will die Autotypie abhelfen.
Die Aufnahme des Bildes fr die Hochtzung findet durch ein System
von Linien statt, wodurch der notwendige Halt fr die Reproduktion in
Zinkographie geschaffen wird.

[Sidenote: Fr. Bruckmann.]

Die berhmte Bruckmannsche Kunstanstalt, jetzt eine Aktiengesellschaft,
wurde 1865 gegrndet. Im Jahre 1869 erwarb FRIEDR. BRUCKMANN das durch
Patent geschtzte Woodbury-Verfahren; 1875 nahm er den Lichtdruck
auf; 1882 die Photogravre, die sich namentlich zur Reproduktion von
lgemlden eignet[238]. Bruckmann lieferte eine grosse Anzahl Galerien
zu den vielen deutschen Dichtern und unter Zuhilfenahme der Xylographie
grossartige Prachtwerke, z. B. Krelings Faust und die Geschichte der
Hohenzollern, die zu den bedeutendsten Erzeugnissen der neuen Zeit
gehren.

  [238] Ein sehr interessantes Probenbuch der Firma aus dem Jahre 1882
        giebt eine bersicht der vielen verschiedenen photographischen
        Verfahren.

[Sidenote: Der Farbendruck.]

Die Chromolithographie wird in ziemlichem Umfange in Mnchen betrieben.
Bekannt sind die Anstalten von GEBR. OBPACHER, LEHMANN & WENTZEL,
W. FORNDRAN, F. GYPEN, TH. KNIG, MEY & WIDMAYER, sie arbeiten
hauptschlich fr das Papeteriegeschft oder beschftigen sich mit
der Herstellung religiser Bilder. Als Kunstverleger sind thtig A.
ACKERMANN, F. FINSTERLIN, E. A. FLEISCHMANN, G. FRANZ, P. KAESER u. a.

[Sidenote: Nrnberg.]

NRNBERG erhielt in neuerer Zeit wieder eine erhhte Bedeutung durch
das Germanische Museum und seine Kunstgewerbeschule, welche beide
direkt und indirekt, auch durch Ausstellungen, auf das graphische
Gewerbe frdernd wirken. Die Stadt ist auch der Sitz verschiedener
Fabrikationen, die mit den graphischen Gewerben in naher Verbindung
stehen, z. B. Bronce, Farbe, Zeichenmaterial. Auch die Zahl der
eigentlichen graphischen Anstalten ist noch eine bedeutende, namentlich
fr den lithographischen sowie fr den Kupfer- und Stahldruck. Die Zahl
der Buchdruckereien ist 26 mit 49 Schnellpressen, darunter G. B. J.
BIELING (5 Schp.), U. E. SEBALD (7 Schp.). Die lteste Druckerei ist
die von W. TMMEL, seit Ende des XVI. Jahrhunderts bestehend, welche
mit 2 Rotationsmaschinen den Frnkischen Kurier druckt. Unter den 46
lithographischen und Kupferdruck-Anstalten, welche mit 79 Schnellpressen
und gegen 300 Handpressen arbeiten, sind zu nennen: G. BRUNNER,
hauptschlich Phantasieartikel liefernd (15 Schp., 24 Hdp.); KARL MAYER
fr Farbendruck, Luxuspapier und Kupferdruck (5 Schp., 30 Hdp.); C. A.
POCHER (16 Schp., 35 Hdp.); C. SCHIMPF (5 Schp., 18 Hdp.); FRANZ SCHEMM;
H. SERZ & CO.; J. G. MARTIN (4 Schp., 22 Hdp.); E. NISLER (12 Schp., 14
Hdp.). Man sieht aus diesen Angaben, dass der Export Nrnbergs immer
noch ein bedeutender ist. In dem benachbarten FRTH arbeiten J. HESSE (5
Schp., 15 Hdp.) und G. LWENSOHN (5 Schp., 5 Hdp.).

[Sidenote: Regensburg. Fr. Pustet.]

[Sidenote: J. G. Manz.]

[Sidenote: Kempten.]

REGENSBURG ist berhmt durch die liturgischen Druck- und Verlagswerke
von FR. PUSTET (17 Schp.) und J. G. MANZ (9 Schp.). Einzelne mit
Aquarellen geschmckte Bnde erreichen einen Preis von 1000 fl.
und mehr. Viele der Ausgaben sind mit vortrefflichen Miniaturen in
xylographischem Farbendruck von Knfler in Wien geschmckt. Von den
Pustetschen Drucken seien erwhnt: das _Missale_ in Gross-Folio von
1863; das _Graduale_ in zwei mchtigen Folianten; die _musica sacra_
des Kanonikus C. Proske, 6 Bnde in Quart; das _Missale Romanum_
mit Einfassungen und Illustrationen von Prof. Klein in Wien. Dass
neben dem wirklich Schnen auch mancher Flitterstaat vorkommt, lsst
sich bei Werken dieser Art kaum vermeiden. Manz wendet in seinem
Verlag mehr den Stahlstich an, hat ausserdem noch einen bedeutenden
katholisch-wissenschaftlichen Verlag. In KEMPTEN verfolgt JOS. KSEL
ebenfalls den liturgischen Verlag, ohne sich mit dem Regensburger messen
zu knnen. Dort wirkt auch TOB. DANNHEIMER.

[Sidenote: Augsburg.]

AUGSBURG wurde oft genannt als Druckort der Allgemeinen Zeitung.
Eine lange Reihe von Jahren war diese das einflussreichste Journal
Deutschlands, namentlich auf Grund der besonderen Freiheiten, welche
das Blatt in sterreich genoss, und ihrer intimen Beziehungen in
den hchsten Wiener Regionen. Berhmt waren ihre wissenschaftlichen
Beilagen, welche, dank den weitverzweigten litterarischen Verbindungen
der Firma Cotta, die vortrefflichsten Artikel in Bezug auf Kultur-,
Litteratur- und Kunstzustnde enthielten. Von den 13 Druckereien
Augsburgs sind noch anzufhren J. P. HIMMER (7 Schp.) und GEBR. REICHEL
(7 Schp.). Des Dr. HUTTLER wurde bereits gedacht (S. 394). Dasselbe ist
der Fall mit der grossen Maschinenfabrik Augsburg (S. 313).

[Sidenote: Wrzburg u. a. Stdte.]

Von anderen Stdten Bayerns sind zu erwhnen: WRZBURG mit der B.
STAHELschen (4 Schp.), der BONITAS-BAUERschen (5 Schp.) und THEINschen
Offizin (6 Schp.), sowie mit der Maschinenbauanstalt von KNIG & BAUER
im Kloster Oberzell; LANDSHUT mit der J. THOMANNschen Buchdruckerei
(6 Schp.); ANSBACH, wo C. BRGEL & SOHN (6 Schp.) drucken. Auf Grund
seiner vortrefflichen Accidenzarbeiten verdient J. B. DORN in KAUFBEUREN
genannt zu werden.

[Sidenote: Frankfurt a. M.]

[Sidenote: Accidenzdruckereien.]

Hatte FRANKFURT A. M. auch seine frhere Bedeutung als Emporium
des Buchhandels verloren, so behauptete es wenigstens, wie schon
frher erwhnt, seine Suprematie in der Stempelschneiderei und der
Schriftgiesserei, zeichnete sich daneben auch in der Verwendung der
verschiedenen graphischen Knste fr den Accidenzdruck aus. Ganz
besonders traten hervor die Firmen C. NAUMANN (14 Schp., 23 Hdp.)
und B. DONDORF (9 Schp., 12 Hdp.), mit Bunt- und Congrevedruck,
pantographischen Arbeiten, Reliefdruck und dergleichen, sowohl jeder
fr sich, als wenn sie zu einzelnen Zwecken zusammentraten. Bedeutendes
in technischer und quantitativer Hinsicht wurde von ihnen bei der
Anfertigung des italienischen und japanischen Papiergeldes geleistet,
bis auch diese Lnder soweit fortgeschritten waren, dass sie ihren
Bedarf in diesem wichtigen Artikel selbst decken konnten.

[Sidenote: Verschiedene Druckanstalten.]

In neuester Zeit hat A. OSTERRIETH sein Geschft zu einem, alle
graphischen Zweige umfassenden (18 Schp., 12 Hdp., 150 Arb.)
ausgebildet. ALBERT MAHLAU, Inhaber der Firma Mahlau & Waldschmidt,
wurde bereits (S. 364) erwhnt. Bedeutend ist die Steindruckerei E. G.
MAY SHNE (10 Schp., 12 Hdp.). Die C. KNATZsche Anstalt liefert in
Etiquetten und dergleichen mannigfach Gutes. K. KLIMSCH verbindet Buch-
und Steindruckerei (S. 319)[239].

  [239] Klimsch' Adressbuch der Buch- und Steindruckereien ist eine
        grosse Zahl von statistischen Einzelheiten zu verdanken. Das
        Buch will fr das Druckgewerbe das werden, was O. A. Schulz'
        Adressbuch bereits lange fr den Buchhandel ist. Da die
        Angaben von den Buchdruckerei-Besitzern selbst herrhren, kann
        der Herausgeber des Adressbuches nicht fr die Richtigkeit jeder
        Zahl verantwortlich gemacht werden; der auf die Zusammenstellung
        verwendete Fleiss ist ein ausserordentlicher.

Auf dem Rossmarkte steht das Gutenberg-Monument (I, S. 36); htten doch
im Leben Gutenberg, Fust und Schffer so fest zu einander gestanden wie
hier auf dem Bildwerke des Freiherrn v. d. Launitz.

[Sidenote: Darmstadt.]

In DARMSTADT, das auch durch die Firmen JONGHAUS & VENATOR, F.
LANGE und W. LESKE fr den Kunsthandel eine gewisse Bedeutung
hatte, drucken C. F. WINTER und L. C. WITTICH; in WIESBADEN die L.
SCHELLENBERGsche Hofbuchdruckerei; in CASSEL GEBR. GOTTHELFT und
die HOF- UND WAISENHAUSBUCHDRUCKEREI, je mit 5 Schnellpressen. In
letzterer Stadt liefert TH. FISCHER zu seiner _Palaeontographica_ (ein
Exemplar kostet ber 2000 Mark) und anderen Werken tchtige Abbildungen
in lithographischem Farbendruck. Noch sei das Stdtchen ALLENDORF
A. D. WERRA genannt, mit der Offizin BODENHEIM & CO., die mit 10
Schnellpressen und 150 Arbeitern hauptschlich Schreibhefte, Kapseln und
dergleichen liefert.

[Sidenote: Mainz.]

[Sidenote: Das Einweihungsfest des Monuments.]

Kein Jnger Gutenbergs hrt den Namen MAINZ nennen ohne den Gedanken
an dessen frhere Herrlichkeit fr die Buchdruckerkunst. Dass die
Erfindung in Mainz geschah, war in Zuflligkeiten begrndet und fr
die Entwickelung einer Kunst oder eines Gewerbes sind Verhltnisse
mitwirkend, die zu regeln und zu ndern nicht in der Macht des
Einzelnen liegt. Deshalb lsst sich, wenn das goldene Mainz nicht
eine Gutenbergsche Hochschule geworden, darber mit den Mainzern
nicht rechten, wohl aber drfte sie der Vorwurf treffen, dass sie
nicht beizeiten an die Grndung eines Gutenberg-Museums gedacht
und dass sie noch leichteren Kaufes, als die, allerdings sehr
ungnstigen, Verhltnisse es notwendig machten, ihre typographischen
Schtze dahingegeben haben, die jetzt hauptschlich Zierden der
Nationalbibliothek in Paris sind. Trotzdem wird Mainz ein Wallfahrtsort
der Jnger Gutenbergs bleiben, um wenigstens das Standbild des Meisters
zu schauen, das seit dem 14. August 1837 den Gutenbergsplatz schmckt.
Die Einweihung desselben gestaltete sich zu einem glnzenden Feste. Ein
grossartiger Festzug von den aus allen Gauen Deutschlands, ja selbst
aus fremden Lndern zusammengestrmten Gsten begab sich erst nach dem
Dom, wo der Bischof einen feierlichen Gottesdienst abhielt und wo ein
_Te Deum_ von Sigm. Neukomm gesungen wurde. Von dort bewegte sich der
Zug nach dem Festplatze, wo der Vorsitzende des Gutenberg-Vereins die
bergabe-Rede hielt, worauf die Enthllung der Statue Thorwaldsens
vollzogen wurde. Am zweiten Tag ward ein Volksfest, auf dem Rhein ein
Fischerstechen, abends ein glnzender Fackelzug und im Schauspielhause
ein Ball abgehalten. Am dritten Festtage fand eine Versammlung der
Fachgenossen statt, um ber die Skularfeier zu beraten, deren Abhaltung
fr den 24. Juni 1840 endgltig bestimmt wurde. Thorwaldsen ward
zum Ehrenbrger der Stadt erwhlt und ihm ein kunstvolles Diplom in
silberner Decke bersandt[240].

  [240] Teil I, S. 36 ist durch einen Schreibfehler der erste Festtag als
        der 17. August statt 14. August angegeben.

[Sidenote: Offenbach a. M.]

[Sidenote: Mannheim.]

[Sidenote: Karlsruhe.]

[Sidenote: F. W. Hasper * 31. Juli 1796, [+] 21. Juni 1871.]

OFFENBACH A. M. hat eine Bedeutung in der Geschichte der Lithographie
durch die Verbindung Senefelders mit JOH. ANDR, der die Erfindung
erwarb, um sie fr die Herstellung seines Musikalienverlags nutzbar
zu machen. MANNHEIM hat 12 Buchdruckereien, darunter M. HAHN & CO.
(7 Schp.) und die MANNHEIMER VEREINSBUCHDRUCKEREI (5 Schp.). In dem
gegenberliegenden LUDWIGSHAFEN befindet sich die BAURsche Buchdruckerei
(4 Schp.). In KARLSRUHE mit 17 Offizinen ist die grsste die CH. F.
MLLERsche Hofbuchdruckerei und lithographische Anstalt (8 Schp., 11
Hdp.). Tchtiges liefern die G. BRAUNsche Hofbuchdruckerei und C. &
G. MACKLOT. Hier wirkte auch FRIEDR. WILHELM HASPER, bekannt durch
sein Handbuch der Buchdruckerkunst 1835, das jedoch nicht ganz
den gehegten Erwartungen entsprach. Karlsruhe hatte zu der Zeit, wo
die Stahlstich-Illustration florierte, eine ziemliche Anzahl von
Kunstinstituten aufzuweisen, als W. CREUZBAUER, F. GUTSCH, T. B. VEIT,
J. VELTEN. Obwohl Universittsstadt hat HEIDELBERG keinen bedeutenden
Platz in der Geschichte der Buchdruckerkunst; A. EMMERLING & SOHN
beschftigen 4 Schnellpressen.

[Sidenote: Freiburg i. Br.]

Nach erfolgter Einfhrung nahm die Buchdruckerkunst in FREIBURG einen
ziemlichen Aufschwung, verfiel jedoch unter der sterreichischen
Zensur und Jesuitenherrschaft. Erst mit Maria Theresia und Joseph II.
begannen freundlichere Tage fr die Presse. 1840 zhlte Freiburg 7
Buchdruckereien und 6 Kupfer- und Steindruckereien. Besondere Bedeutung
hat die HERDERsche, 1801 gegrndete Anstalt. HERDER war der erste,
der einen Bilderatlas zu dem Konversations-Lexikon, unter der Leitung
des Geographen Heck, versuchte. Seine geographischen Verlagsartikel,
namentlich die grossen Arbeiten Wrls; Kausslers Schlachtenatlas; J.
Lwenbergs Historisch-geographischer Atlas sind von Wichtigkeit. Auch
Rottecks Weltgeschichte, die seinerzeit eine sehr grosse Verbreitung
fand, erschien bei Herder, der ausserdem den katholischen Verlag sehr
pflegte.

In LAHR hatte seit 1800 J. H. GEIGER, jetzt M. SCHAUENBURG, ein
umfangreiches Etablissement (19 Schp., 11 Hdp., 150 Arb.). Allgemein
bekannt ist der Lahrer hinkende Bote.

[Sidenote: Elsass-Lothringen.]

[Sidenote: Ad. Braun.]

METZ besitzt neun Buchdruckereien und sieben lithographische Anstalten;
die bedeutendste Offizin (5 Schp.) ist die nach dem Kriege von GEBR.
LANG begrndete. In MLHAUSEN arbeiteten fr die dortigen Fabriken
sieben Buchdruckereien und zwlf lithographische Anstalten, darunter W.
BAADER & CO. (6 Schp., 12 Hdp.). Das Strassburg gegenber liegende KEHL
war fr eine kurze Zeit bekannt durch die BEAUMARCHAISsche Druckerei
(S. 184). Weltberhmt ist die von AD. BRAUN 1858 in DORNACH gegrndete
photographische Anstalt. Braun begann seine Laufbahn als Musterzeichner
in einer Kattundruckerei. Berhmt wurden seine Schweizer Landschaften;
auch liess er spter ganz Mitteleuropa bereisen, um Aufnahmen zu
machen, welche 1862 bereits die Zahl 15000 erreicht hatten. Seit 1866
trieb er den Pigmentdruck im grossen Stil. Smtliche Museen Europas
wurden bereist und eine grosse Zahl der berhmtesten Handzeichnungen
grosser Meister als treue Facsimiles reproduziert, ebenso die
interessantesten Gemlde fast aller Galerien. Die Anstalt, welche in
eine Aktiengesellschaft umgestaltet wurde, besass bei Brauns Tod 1877
mehr als 60000 Negativplatten. In COLMAR besteht noch das von Decker
gegrndete Geschft unter der Firma C. DECKER WITWE (S. 358).

[Sidenote: Strassburg.]

Mit hoher Befriedigung wird jeder Deutsche in STRASSBURG, der ersten
Wiege der Druckkunst, welche _injuria temporum_ Deutschland, wie es
fast den Anschein hatte fr immer, verloren gegangen war, einkehren,
da er jetzt nicht ntig hat, deshalb die Grenzen des Reichs zu
berschreiten. Wird auch der Politiker und Kriegsfhrer Metz mit
derselben Freude als deutsch begrssen, das Herz des Volkes und der
Fachgenossen besonders hngt doch mehr an Strassburg.

[Sidenote: Gutenbergdenkmal.]

Mag das Denkmal Gutenbergs (I, S. 36) von Franzosen errichtet sein,
mag das Buch, welches der Meister in der Hand hlt, immerhin die
franzsische Inschrift _Et la lumire ft_ tragen, hoffentlich wird nie
der, in einem Augenblicke hoher Aufregung ausgesprochene, Gedanke, das
Monument, oder wenigstens die Inschrift, zu entfernen, wieder entstehen.
Ist doch die Huldigung, dem deutschen Manne von einem grossen Volke
dargebracht, keine Schande fr ihn, der fr alle Vlker segensreich
gewirkt hat, wie es auch das Relief des Denkmals versinnlicht, wo sich
Reprsentanten aller Vlker sammeln, um dem Meister enthusiastische
Huldigung darzubringen. Das Denkmal steht, wo es hingehrt, auf
deutschem Grund und Boden, da mag es mit franzsischer Aufschrift stehen.

[Sidenote: Strassburg unter Frankreich.]

Mit dem bergang Strassburgs in die Hnde der Franzosen erlosch nach
und nach das frische deutsche Kultur- und Kunstleben, das nicht
durch eine franzsische Akademie ersetzt werden konnte. Doch hatte
Strassburg in der Geschichte der graphischen Knste gute Namen zu
verzeichnen: BERGER-LEVRAULT (S. 187), TREUTTEL & WRTZ (S. 186),
GUSTAV SILBERMANN (S. 205), zu denen ENGELMANN Vater und Sohn
aus Mlhausen sich gesellen (S. 206). Jetzt zhlt Strassburg 15
Buchdruckereien und 16 lithographische Anstalten mit 64 Schnellpressen
und 98 Tret- und Handpressen. Die hervorragendste Druckanstalt
bleibt die wennauch geteilte Offizin Berger-Levrault (S. 186), jetzt
eine Kommanditgesellschaft unter der Firma R. SCHULTZ & CO. mit
22 Schnellpressen, 18 Handpressen und 250 Arbeitern. Die berhmte
Silbermannsche Anstalt ging erst auf M. Schauenburg in Lahr, dann auf
Silbermanns frheren Geschftsfhrer R. FISCHBACH ber (9 Schp., 7
Hdp.), ausserdem ist die Universittsbuchdruckerei von J. H. E. HEITZ (4
Schp.) zu nennen.

[Sidenote: J. D. Schpflin * 8. Sept. 1694, [+] 6. Aug. 1771.]

[Sidenote: Die Bibliothek.]

Einen gewichtigen Namen in der Geschichte der typographischen und
geistigen Interessen Strassburgs hat der gelehrte JOH. DAN. SCHPFLIN.
Er schrieb die bekannten _Vindiciae typographicae_ (1760) und berliess
1765 der Stadt gegen eine mssige Leibrente seine historischen
Sammlungen und seine bedeutende Bibliothek, fuhr jedoch fort, diese
auch nach der Abtretung zu vermehren. Durch die Einziehung der Klster
und durch jhrliche Erwerbungen war die Sammlung auf gegen 12000
Handschriften und gegen 180000 gedruckte Bcher angewachsen, darunter
gegen 2000 Inkunabeln zumteil der seltensten Art. Als ein Kleinod
der Sammlung galt das Manuskript der btissin Herrade von Landsberg,
_Hortus deliciarum_, aus dem XII. Jahrhundert, in Gross-Folio, mit
den kostbarsten Miniaturen fast auf jedem Blatt. Auch eines der
wichtigsten Dokumente aus der Erfindungsgeschichte der Buchdruckerei,
die Zeugenaussage in dem Prozess zwischen Gutenberg und den Brdern
des Andr. Dritzehn aus dem Jahre 1439 (I, S. 25), befand sich unter
den Schtzen, welche seit dem Jahre 1805 in die neue evangelische
Kirche verlegt wurden, wo bereits eine andere wichtige Sammlung, die
Universittsbibliothek, untergebracht war.

Einige leider zu gut gezielte Bomben haben das alles vernichtet und
die Opferfreudigkeit, mit welcher die Strassburger Bibliothek neu
und grossartig errichtet wurde, konnte den unersetzlichen Teil nicht
wiederschaffen[241].

  [241] Die Annalen der Typographie, welche, nebenbei gesagt, die
        erste ffentliche Aufforderung zur Wiedererrichtung der
        Strassburger Bibliothek bereits in ihrer Nr. 65 vom 8.
        Oktober 1870 enthielten, sagen in Nr. 62 desselben Jahres bei
        Gelegenheit eines Rckblickes auf die Geschichte der Bibliothek,
        deren endliches Schicksal damals noch nicht genau bekannt war:

        Eine solche Sammlung von Schtzen sollte rettungslos verloren
        gegangen sein!? Das glauben wir nun und nimmermehr auf die
        vagen usserungen (des Bibliothekars Zeller in Paris) hin. Die
        brennende Bibliothek hat ja nicht urpltzlich die Einwohner aus
        tiefem Schlafe geweckt. Wochenlang war vorauszusehen, was kommen
        wrde. Und da sollte nicht ein verdienstvoller Bibliothekar, der
        ber seine Bcherschtze ngstlich wacht, wie der Vater ber
        seine Kinder, nicht ein um das Eigentum der Stadt besorgter
        Beamter daran gedacht haben, wenigstens das Unersetzlichste in
        Sicherheit zu bringen? Die Wechselflle, denen eine belagerte
        Stadt ausgesetzt ist, sind doch nicht unbekannt, selbst wenn
        die Belagerer nicht aus Attilas Horden bestnden. Da sollte
        nicht Zeit gefunden worden sein, ein halbes Dutzend Kisten mit
        den grssten Seltenheiten beiseite zu schaffen? Das halten wir
        trotz aller Kopflosigkeit, trotz aller Zuversicht der Franzosen
        zu den eigenen Waffen und der souvernen Verachtung gegen den
        Landsturm nicht fr mglich. -- Noch heute muss es jedem
        unbegreiflich erscheinen, wenn nichts gerettet sein sollte.
        Dann wre die Barbarei Deutschlands, das seine Gelehrsamkeit
        nur im Verwsten zeigt, wie der Bibliothekar Zeller sagt, doch
        durch die passive Barbarei des der Verwstung ruhig Zusehenden
        bertroffen.

Hoffen wir, dass materielle und nationale Wunden mit der Zeit vernarben,
dass das alte Strassburg wieder als eine der hauptschlichsten deutschen
Kultursttten erstehe und neuen typographischen Ruhm erwerbe, dass zum
nchsten Jubelfeste die Angehrigen der verschiedenen Nationalitten
sich um das Abbild des Meisters brderlich die Hand reichen. Gutenbergs
Kunst kann zwar schwere Wunden schlagen, aber sie heilt auch solche!


                              DIE SCHWEIZ.

[Sidenote: rtliche Schwierigkeiten.]

Als einige Geistliche in CELLARINA im Ober-Engadin den Gedanken gefasst
hatten, eine Druckerei anzulegen, liessen sie einen Setzer und einen
Drucker aus Bergamo kommen, welche die kleine Letternanschaffung in
ihrem Ranzen auf dem Rcken trugen. Eine abgenutzte Holzpresse wurde
auf einen Esel gepackt, weil noch kein Fahrweg vorhanden war. Ein
Zimmermann schlug auf dem Boden eines Heustalles Regale auf und zimmerte
Setzkasten. Als Gespan des Druckers fungierte ein Bauernbursche, welcher
auch die Abwartung des im unteren Stock einlogierten Esels zu besorgen
hatte. Wenn der Winter herannahte, ging das Personal nach Bergamo heim
und kam mit dem Frhjahr wieder zurck. Durch dessen Arbeit entstand
eine Sammlung geistlicher Lieder, welche noch nach dem Jahre 1840 das
allgemeine Kirchengesangbuch des Engadin bildete.

[Sidenote: Erfreuliches Emporblhen.]

Wenn nun auch dieses kleine typographische Genrebild, selbst in der
Schweiz, wohl nicht viele Pendants hat, so kann es doch als eine
hbsche wennauch drastische Illustration der Schwierigkeiten dienen,
welche der raschen Verbreitung der Typographie in einem Berglande
mit zerstreuter Bevlkerung, kleinen Stdten und einem schwierigen
Verkehr entgegenstanden. Diese Verhltnisse mssen die Achtung fr
die Schweizer Typographen steigern, die, obwohl die Litteraturen des
mehrsprachigen Landes sich denen der grossen Nachbarvlker anschliessen
mssen, gewusst haben, ihre gewerbliche Selbstndigkeit zu wahren und,
allerdings krftigst durch eine wennauch kleine so doch hochgebildete
und hochpatriotische Bevlkerung untersttzt, eine bedeutende Produktion
zu erzielen.

So bildet die schweizerische Typographie das Bild einer allmhlichen,
ruhigen, den Verhltnissen angemessenen Fortentwickelung. Man ist
eifrig bemht gewesen, nicht zurckzubleiben, strebt aber andererseits
nicht danach, eine der Sachlage nicht angemessene blendende Stellung
einzunehmen.

[Sidenote: Statistisches.]

Die Schweiz besitzt in 164 Stdten, Stdtchen, Flecken und Drfern
325 Buchdruckereien und 184 lithographische Anstalten mit zusammen
534 Schnellpressen und 812 Tret- und Handpressen, von welchen die
Tretpressen verhltnismssig sehr stark reprsentiert sind. In dem
Druckgewerbe werden berhaupt gegen 5000 mnnliche und 1000 weibliche
Arbeiter beschftigt.

[Sidenote: Zeitschriften-Litteratur.]

Wenn die Schweiz vorzugsweise reich an Zeitschriften ist -- es giebt
eine solche auf je fnfhundert Einwohner --, so liegt dies an der
Zersplitterung der Interessen durch die kantonale und kommunale
Kleinregierung, an den verschiedenen Nationalitten und an der rtlichen
Lage. Deshalb hat die Schweiz keine Bltter von grosser Verbreitung
und allgemeiner Bedeutung und die Auflagen sind oft winzig klein. Die
Zahl der in 158 Druckorten erscheinenden Journale politischen oder
lokalen Inhalts betrgt 307, darunter 60 tglich, 161 zwei- oder dreimal
wchentlich erscheinende; 222 davon in deutscher, 75 in franzsischer,
7 in italienischer, 2 in romanischer, 1 in englischer Sprache. Von
nichtpolitischen Zeitungen giebt es 253; darunter 166 deutsche, 78
franzsische, 7 italienische und 2 romanische. Bei weitem die meisten
dieser Bltter sind sauber gedruckt. Die Zahl der jhrlich erscheinenden
Bcher betrgt etwa 1200.

[Sidenote: Basel.]

BASEL mit seinen grossen Traditionen war nicht in der Lage, unter
vernderten Verhltnissen seinen hohen typographischen Ruhm aufrecht zu
erhalten. Doch hat es zum Beginne der neuen Periode eine Druckerfamilie
von europischer Bedeutung aufzuweisen[242].

  [242] P. W(EGELIN), Die Familie Haas (im Baseler Taschenbuch 1855). --
        W. HAAS, Beschreibung und Abriss einer neuen Buchdruckerpresse,
        erfunden in Basel 1772. 1790. -- A. G. PREUSCHEN, Grundriss der
        typometrischen Geschichte. Basel 1778.

[Sidenote: Die Familie Haas.]

[Sidenote: W. Haas d. . * 23. Aug. 1741, [+] 8. Juni 1800.]

[Sidenote: Seine Typen.]

WILHELM HAAS war in mancher Beziehung ein ebenbrtiger Zeitgenosse J.
G. I. Breitkopfs. Sein Vater war ein geschickter Schriftschneider und
Schriftgiesser aus Nrnberg, der das Brgerrecht in Basel erworben
hatte. Der Sohn Wilhelm Haas zeigte schon in seiner Jugend ein
entschiedenes Talent fr den Beruf des Vaters und wurde grndlich
von Daniel Bernoulli in Mathematik und Mechanik unterrichtet. Er
bernahm das Geschft des Vaters und brachte es bald dahin, dass seine
Schriftgiesserei als eine der vorzglichsten Deutschlands angesehen
wurde. Die Frakturschriften betrachtete man in Bezug auf Regelmssigkeit
und Klarheit als mustergltig. Fr seine Antiqua nahm er Baskerville zum
Vorbild; sie ist z. B. in der bei Thurneysen erschienenen Ausgabe von
Voltaires Werken verwendet, auch schnitt er eine nicht unbetrchtliche
Zahl von orientalischen Schriften. Zu seinen Verbesserungen gehrt
sein System der Spatien und der Stcklinien, worber er sich in einer
besonderen Schrift (1772) aussprach.

[Sidenote: Verbesserte Handpresse.]

Sein Hauptaugenmerk galt jedoch der Verbesserung der Druckpresse, die
seit dem Jahre 1500 so ziemlich ungendert geblieben war. Haas lebte
aber noch in der Bltezeit des Innungszopfes. Er war kein kunstgemss
gelernter Buchdrucker und seine freundlichst gesinnte Kollegenschaft
brachte es glcklich so weit, dass er nicht mit der von ihm
konstruierten Presse arbeiten durfte, die er deshalb an Schweighauser
verkaufte. Er selbst musste sich mit der Herausgabe einer deutschen und
einer franzsischen Beschreibung begngen. Die Hauptbestandteile seiner
Presse waren aus Eisen und ruhten auf einem Steinblock; der Tiegel hatte
die Grsse des Fundaments, so dass fr den Druck einer Form nunmehr
nicht zwei Zge notwendig waren. Der Bengel wurde an dem Kopfende der
Spindel angebracht und der Hebel mit einer Schwingkugel versehen.

[Sidenote: Landkartensatz.]

[Sidenote: A. G. Preuschen.]

In das Jahr 1775 fallen Haas' Versuche, Landkarten und Musiknoten mit
Typen herzustellen. Den ersten Gedanken zu dem Landkartensatz fasste
der Hofdiakon A. G. PREUSCHEN in Karlsruhe, der sich an Haas mit dem
Vorschlag wandte, mit ihm in eine Association fr diese neue Kunst,
die Typometrie, zu treten. Haas ging mit Energie und berzeugung auf
den Gedanken ein. Als erstes Probestckchen erschien zu Anfang des
Jahres 1776 in Basel ein Blttchen mit einer Waldung und dem Lauf eines
Flusses; das zweite griff schon weiter und wurde der Kaiserl. Akademie
zu St. Petersburg und dem berhmten Geographen Bsching vorgelegt, der
Feuer und Flamme fr die Erfindung wurde.

Nun trat Breitkopf hervor und erklrte, er habe sich schon zwlf Jahre
mit denselben Versuchen beschftigt, und versandte seine Proben. Im
Oktober 1776 gab Haas eine Karte des Kantons Basel in Quart heraus, von
welcher 1777 eine neue Ausgabe im blichen Landkartenformat erschien,
der eine Nachbildung der Karte von Sicilien von Hubert Jaillot aus
dem Jahre 1736 folgte. Sie wurde dem Knig Ferdinand IV. von Neapel
dediziert und erschien auch in einer franzsischen Ausgabe. Wilh. Haas
gab noch etwa ein Dutzend solcher Karten heraus. Nach den neueren
Erfindungen hat die Typometrie jedes praktische Interesse verloren, das
nie ein nennenswertes gewesen, und nur das historische ist geblieben.

[Sidenote: Haas und Thurneysen.]

Im Jahre 1780 errichtete Haas im Verein mit dem talentvollen Buchdrucker
und Buchhndler JOH. JAK. THURNEYSEN ein Geschft, das sehr elegante
Arbeiten lieferte. Die Verbindung hrte jedoch nach sechs Jahren auf und
Haas der Sohn bernahm die Leitung der Buchdruckerei und fhrte sie nach
dem Tode seines Vaters, der zugleich Brigade-Chef und General-Inspektor
der helvetischen Artillerie war und auf einer artilleristischen
Inspektionsreise zum allgemeinen Bedauern starb, fort.

[Sidenote: W. Haas d. j. * 15. Januar 1766, [+] 22. Mai 1838.]

W. HAAS D. J. hatte eine sehr sorgfltige Erziehung genossen und
zeigte frhzeitig ein entschiedenes Talent fr die Typographie. Als
achtjhriger Knabe setzte er ein Frag- und Antwortspiel aus Nonpareil
mit einer Einfassung und druckte es in zwei Farben. Als sechzehnjhriger
Gehlfe stellte er, unter Benutzung der systematischen Stcklinien des
Vaters, die grosse Karte der Weltgeschichte von F. K. Fulda (Augsburg,
Stagesche Buchhandlung) fertig, die aus zwlf grossen Formen besteht,
welche zusammen ein Tableau von 5 Fuss Hhe und 6 Fuss Breite bilden.

[Sidenote: Weitere Reformen.]

Nach der oben erwhnten bernahme des Geschfts im Jahre 1786, welches
die Firma WILHELM HAAS DER SOHN annahm, heiratete er 1788 die Tochter
Georg Jacob Deckers (S. 361). An der Druckpresse brachte er noch
weitere Verbesserungen an und vervollkommnete den Satz der Landkarten,
von welchen viele Bltter bei ihm erschienen. Nach dem Beispiel
Baskervilles fertigte er nach seiner eigenen und des Vaters Idee eine
Satiniermaschine, die er jedoch, als er die von Bodoni konstruierte
gesehen hatte, verwarf. Seine Musiknoten sind elegant. Er druckte auch
verschiedene hebrische Werke, darunter eine Bibel in vier Bnden,
Grossoktav. Auch den Accidenzarbeiten wurde grosse Sorgfalt gewidmet.

[Sidenote: Wilhelm und Eduard Haas.]

Zu der im Jahre 1830 in Basel stattgehabten Kunst- und
Industrie-Ausstellung hatte Haas Das Gebet des Herrn in hundert
Sprachen, wie er bemerkt: die vierzigste derartige Sammlung,
ausgestellt. Das Geschft berliess er seinen Shnen WILHELM und EDUARD,
von denen letzterer sich bei Didot als Stempelschneider ausgebildet
hatte, und erlebte in Zurckgezogenheit noch sein 77. Jahr. Das Geschft
besteht noch heute als geachtete Schriftgiesserei.

Eine bekannte Baseler Druckerfamilie war die THURNEYSENsche, die ihre
Aufmerksamkeit namentlich dem Bibeldruck zuwendete. In jngster Zeit hat
die SCHWEIGHAUSERsche Offizin durch BENNO SCHWABE mehrere vorzgliche
Arbeiten, namentlich im Renaissancestil, geliefert, welche den besten
aus der Glanzzeit Basels ebenbrtig sind.

[Sidenote: Zrich.]

[Sidenote: Orell Fssli & Co.]

Wenn Bern auch die Hauptstadt der Schweiz ist, so bleibt doch ZRICH,
sowohl was Einwohnerzahl betrifft, als auch in Beziehung auf Kultur,
Litteratur und Druckgewerbe, die erste Stadt der Schweiz. Sie besitzt 22
Buchdruckereien und 18 lithographische Anstalten, die 55 Schnellpressen,
136 Tret- und Handpressen beschftigen. Der Kanton Zrich hat 40
Buchdruckereien, 30 lithographische Anstalten mit 97 Schnellpressen,
190 Handpressen und 800 Arbeitern und berragt weit jeden anderen der
Kantone. Berhmt war Zrich schon in der lteren Druckgeschichte als
Sitz des Geschfts Christ. Froschauers, als dessen wrdige Nachfolgerin
die Firma ORELL FSSLI & CO. noch heute sich zeigt (I, S. 140). Die
Offizin wrde auch in Deutschland zu den bedeutenderen zhlen (10 Schp.,
15 Hdp.); sie vereinigt alle Branchen der graphischen Knste und liefert
in allen Vorzgliches. Das am 25. August 1881 bezogene neue Haus Zum
Bren ist ein hchst stattlicher Bau. Einen eigentmlichen usseren
Schmuck desselben bildet ein, eine ganze Wand des vierstckigen Hauses
einnehmender, Br. Die frhere Lokalitt war durch 105 Jahre von der
Firma benutzt gewesen. Ein grosses Geschft ist die Firma ZRCHER &
FURRER (6 Schp.).

[Sidenote: Kartographie.]

Zrich besitzt mehrere bedeutende lithographische Anstalten. Die
LITHOGRAPHISCHE GENOSSENSCHAFT (4 Schp., 7 Hdp.), ebenso J. J. HOFER
& A. BURGER liefern sehr gute Chromodrucke. Berhmt ist die Anstalt
von WURSTER, RANDEGGER & CO. durch ihre kartographischen Arbeiten, in
welcher Richtung H. MHLHAUPT & SOHN sowie R. LEUZINGER in BERN und
H. FURRER in NEUENBURG sich ebenfalls einen Namen erwarben. berhaupt
geniesst die Schweiz hinsichtlich ihrer kartographischen Arbeiten eines
grossen Rufes. Die geringe Ausdehnung des Landes bei den interessanten
Bodenformationen und den komplizierten hydrographischen Verhltnissen
luden ganz besonders zur Anfertigung detaillierter, malerisch
ausgefhrter Terrainkarten ein. Den mchtigsten Anstoss gab der General
Dufour, dessen Generalkarte der Schweiz noch heute als das bedeutendste
Meisterwerk kartographischer Darstellungskunst gilt.

[Sidenote: Winterthur.]

In WINTERTHUR befindet sich die ziemlich bedeutende Offizin von BLEULER,
HAUSHEER & CO. (4 Schp.). J. WESTPHELING liefert sehr gute Arbeiten und
introduzierte sich in sehr empfehlender Weise in grsseren Kreisen durch
seinen Schweizer-Ausstellungs-Katalog (Wien 1873), der denselben Beifall
fand, wie die ganze Kollektiv-Ausstellung der Schweiz.

[Sidenote: St. Gallen.]

[Sidenote: Joh. Zollikofer.]

[Sidenote: Chr. Zollikofer.]

[Sidenote: Emil Zollikofer.]

ST. GALLEN umschliesst eine der besten Offizinen der Schweiz. Dieselbe
wurde von JOH. ZOLLIKOFER, aus einer alten, vom Kaiser Rudolf 1578
geadelten Familie stammend, im Jahre 1789 gegrndet. Durch Ankauf
erwarb er 1792 noch eine zweite kleine Buchdruckerei und blieb bis 1802
der alleinige Buchdrucker in St. Gallen. Im Jahre 1834 wurde der Sohn
CHRISTOPH Associ. Durch Eintritt C. P. SCHEITLINS ward die Firma in
Scheitlin & Zollikofer umgendert und ein bedeutender Verlag gegrndet,
der spter auf den Schwager Christoph Zollikofers, IWAN V. TSCHUDI,
berging, whrend der erstgenannte die Druckerei behielt. Der Sohn EMIL
ZOLLIKOFER wurde 1867 Teilnehmer. Durch lngeren Aufenthalt im Auslande
ausgebildet, reformierte er die Buchdruckerei bereinstimmend mit den
Forderungen der Zeit. Ein neuer stattlicher Bau ward 1868 ausgefhrt,
fiel jedoch bereits am 17. Juli 1880 den Flammen zum Opfer. Ein zweiter
Neubau wurde mit fabelhafter Energie betrieben und vier Monate nach dem
Brande stand ein Prachtbau, hauptschlich aus Glas und Eisen, fertig da.
Christoph Zollikofer war, von seinen Mitbrgern hochangesehen, bereits
Anfang September 1870 verstorben.

[Sidenote: Gebr. Benziger.]

Unter den schweizerischen graphischen Anstalten giebt es nur eine,
die fr den Weltmarkt arbeitet und auch einen Weltruf sich erworben
hat. Der Bergflecken EINSIEDELN mit 7000 Einwohnern, berhmt durch
sein Benediktiner-Kloster mit dem wunderthtigen Muttergottesbilde
und deshalb jhrlich von hunderttausenden von Wallfahrern besucht,
ist in der typographischen Geschichte durch die grossartige Anstalt
der GEBR. BENZIGER merkwrdig geworden. Das Geschft, welches nur auf
die Bedrfnisse strengglubiger Katholiken berechnet ist, wurde von
dem Landamman JOSEF KARL BENZIGER 1805 gegrndet und ging von ihm auf
seine Shne KARL und NIKOLAUS (letzterer vom Papst in den Grafenstand
erhoben) ber. In allen Erzeugnissen der Anstalt, auch den billigsten,
ist das Streben sichtbar, nur Gutes zu liefern. Die Erzeugnisse der
Phototypie sowohl in Vergrsserungen als Verkleinerungen gehren
zu den besten Leistungen in dieser Richtung. Die Anstalt verfgt
ber 27 Schnellpressen und eine grosse Anzahl von Buchbinderei- und
anderen Maschinen und soll 700-1000 Menschen, Erwachsene und Kinder,
beschftigen. In New-York, Cincinnati und St. Louis besitzt die Firma
Filialen[243].

  [243] Phototypie Benziger, Reproduktionen von Holzschnitten,
        Lithographien, Stahlstichen, Handzeichnungen, auf Metallplatten,
        hochgetzt fr Buchdruck.

Um den Leistungen dieser Anstalt vollkommen gerecht zu sein, muss man
der rtlichen Lage derselben eingedenk bleiben. Dieselbe machte die
Frsorge fr die Arbeiter durch Kosthuser, Kassen und andere humanitre
Einrichtungen, die nach vielen verschiedenen Richtungen hin vorhanden
sind, noch notwendiger, als bei gewhnlichen Verhltnissen.

[Sidenote: Bern.]

Die Hauptstadt BERN zhlt, was Bevlkerung betrifft, erst als die
fnfte Stadt der Schweiz und bietet in graphischer Hinsicht nichts
Bemerkenswertes dar. Die bedeutendsten Offizinen sind die STMPFLIsche
mit 7 Schnellpressen, RIEDER & SIMMEN, JENT & REINERT, K. J. WYSS und B.
F. HALLER. Dieser war der erste, der eine eiserne Presse in der Schweiz
einfhrte; die erste Schnellpresse erhielten Orell Fssli & Co. im Jahre
1832.

[Sidenote: Genf.]

In der franzsischen Schweiz ist GENF durch das rege wissenschaftliche
und litterarische Leben bekannt. Die Stadt hat 18 Buchdruckereien
und 17 lithographische Anstalten, doch kein Geschft von bedeutendem
Umfang. Die grssten derselben sind CHR. SCHUCHARDT und J. LANG mit je 4
Schnellpressen. Auch in LAUSANNE ist ein regeres geschftliches Leben.
Unter den 17 typographischen und lithographischen Anstalten daselbst ist
zu nennen die von G. BRIDEL (4 Schp.), die gute Werk- und Accidenzdrucke
liefert.

[Illustration]


[Illustration]

                              XV. KAPITEL.

                   DER OSTEN DER GERMANISCHEN GRUPPE.

  Presszustnde in sterreich. J. T. Trattner. J. G. Trassler. J. v.
    Kurzbeck. A. Schmid. Familie Gerold. J. V. Degen. A. Auer. Die Hof-
    und Staatsdruckerei. W. v. Braumller. Das Museum und die
    Gesellschaft fr vervielfltigende Kunst. Der Buchdrucker-Verein.
    Neuere Buchdruckereien Wiens. Die Druckereien in den Provinzen.
    UNGARN. Druckereien in Budapest und an anderen Orten. Statistisches
    aus sterreich-Ungarn.

[Sidenote: Gedrckte Zustnde der Presse.]

Zu derselben Zeit, wo die Presse in Preussen beinahe einer
uneingeschrnkten Freiheit sich erfreute, hatte sie in sterreich
mit dem schwersten Druck zu kmpfen. Unter dem Kaiser Karl VI. wurde
noch glimpflich verfahren, unter Maria Theresia trat jedoch grssere
Strenge ein. Ein Patent vom 12. Juli 1752 befahl den Unterthanen, alle
geistlichen Bcher ihren Seelsorgern zur Prfung zu bergeben, diese
hatten die irrlehrigen an sich zu nehmen, die unverdchtigen, nachdem
sie mit Siegel versehen waren, zurckzustellen. Selbst die Buchbinder
waren verpflichtet, die ihnen zum Binden bergebenen Bcher den
Geistlichen vorzulegen. Politische und staatswissenschaftliche Schriften
wurden mit hnlichem Argwohn behandelt und die Jesuiten hatten sich ganz
der Zensur bemchtigt. In Ermangelung von gedruckten Zeitungen wurden
geschriebene Gassenbltter regelmssig versandt. Zeitungsschreibern,
welche falsche Nachrichten verbreiteten, wurde mit Auspeitschung und
Landesverweisung gedroht und Angebern 100 Dukaten Belohnung zugesagt.
Die einzige in Wien erscheinende Zeitung, das im Jahre 1703 gegrndete
Diarium, durfte nur solche inlndische Nachrichten verbreiten, die ihr
von der Hofstelle zukamen. Auslndische privilegierte Zeitungen konnten
eingefhrt werden, sie unterlagen jedoch einer Revision und wurden nur
durch die kaiserlichen Postmter vertrieben. Damals entstanden auch die
verschiedenen Stufen des Verbotes und der Zulassung. 1765 erschien das
erste Verzeichnis der verbotenen Bcher, welches schliesslich selbst
verboten wurde, damit man nicht die Titel der schlechten Bcher kennen
lernte.

[Sidenote: Freiere Bewegung unter Joseph II.]

Dem unhaltbaren Zustand setzte die Thronbesteigung Josephs II. (1780)
eine Grenze. Er hob die geistliche Zensur ganz auf und bildete
eine Zensurkommission aus aufgeklrten und unabhngigen Mnnern.
Das Pressgesetz von 1781 war in seinen Grundlagen nach den eigenen
Bestimmungen des Kaisers entworfen. Das Verzeichnis der verbotenen
Bcher wurde revidiert und mehr als 2500 derselben wieder erlaubt. Nur
gegen schmutzige Bcher wurde mit aller Strenge verfahren. Im Jahre
1787 wurde es gestattet, anstatt der Manuskripte die bereits gedruckten
Werke der Zensurbehrde vorzulegen. Es ward dem Kaiser nicht leicht, bei
diesen Reformen den passiven Widerstand der Beamten zu berwinden. In
der letzten Zeit seiner Regierung ward er auch selbst weniger freisinnig
und die zuletzt erwhnte Massregel wenige Wochen vor seinem Tode durch
eine Verordnung vom 21. Januar 1790 zurckgenommen.

[Sidenote: Neue Beschrnkungen.]

[Sidenote: Patent vom Nov. 1810.]

[Sidenote: Abstufung der Bcherverbote.]

Kaiser Leopold II., eingeschchtert durch die franzsische Revolution,
ergriff strengere Massregeln gegen die Presse, und sein Nachfolger,
Franz II., verschrfte diese noch mehr. 1801 ward die Zensur der
Polizeihofstelle bergeben; 1803 begann eine Rezensurkommission ihre
Thtigkeit und setzte wieder tausende von frher freigegebenen Bchern
auf den Index. Whrend der Besitznahme Wiens durch Napoleon fand 1809
eine temporre Erleichterung statt und die Druckereien waren nicht
imstande, alle ihnen angebotenen Auftrge auszufhren. Dieser Zustand
nahm jedoch mit dem Patente vom 1. November 1810 zur Regelung der
Pressverhltnisse ein schnelles Ende. Kein Lichtstrahl, er komme, woher
er wolle, soll knftig unbeachtet oder unbekannt in der Monarchie
bleiben, so hiess es und die Geschichte lehrt die Wahrheit dieser Worte
des Programms kennen, wennauch nicht in der vermuteten Auslegung; es
blieb in der That kein Lichtstrahl unbeachtet -- seitens der Polizei.
bertretungen der Zensurmassregeln wurden streng geahndet. Das Recht,
Buchhandel und Buchdruckerei zu betreiben, beruhte natrlicherweise
auf Privilegien. Die Abstufungen der Zulssigkeit der Werke wurden
genau reguliert. Professoren und Gelehrten von Fach sollte nur in
besonderen Ausnahmefllen ein Buch verweigert werden. Einige Bcher
erhielten _admittitur_, d. h. sie waren ganz freigegeben; andere,
denen das _transeat_ zu teil geworden, durften verkauft, jedoch nicht
ffentlich angekndigt werden. Um andere beziehen zu knnen war wieder
eine besondere Erlaubnis notwendig (_erga Schedam_). Inlndische
Verlagsartikel erhielten das _imprimatur_ entweder ohne Beschrnkung
oder nach Weglassungen resp. nderungen, andere fielen dem _damnatur_
anheim. Es ist bekannt genug, wie die Bestimmungen ber die Einfuhr
der Bcher vielfach umgangen wurden und wie wchentlich ganze Ballen
nichterlaubter Bcher von Leipzig nach Wien gesandt wurden. Dort waren
Bestechungen selbstverstndlich an der Tagesordnung; das Geschft wurde
demoralisiert, aber im Sortimentshandel viel Geld verdient, whrend der
Verlagshandel und die Buchdruckerei darnieder lagen. Kein Autor von
Bedeutung mochte sein Werk in sterreich verlegt oder gedruckt sehen und
ein in sterreich gedrucktes Buch war fast gleichbedeutend mit einem
schlecht gedruckten.

[Sidenote: Zustand der graphischen Gewerbe.]

Der Festredner bei dem vierhundertjhrigen Jubelfest (1882) der
Einfhrung der Buchdruckerkunst in Wien Karl v. Scherzer, im Jahre 1846
noch ein enthusiastischer Jnger Gutenbergs, schrieb damals: Es ist in
dem Volke noch nicht das Bedrfnis zu $lesen$ erwacht; es begngt sich,
die 'Wiener Zeitung' durchzublicken und alle Jahre die renommiertesten
franzsischen Schauerromane in deutscher bersetzung durchzublttern.
Es fehlt uns hier auch an nichts weniger als an $allem$, um selbst
die $geringste litterarische$ Unternehmung mit Ehren ins Leben rufen
zu knnen. Kein genialer Zeichner, kein fhiger Holzschneider, kein
tchtiger Drucker und so fort bis zum Farbenjungen. Whrend das Ausland
seit Jahren uns mit illustrierten Ausgaben berflutet, haben wir hier
kaum den Mut gefasst, ein einziges grosses Werk mit Holzschnitten zu
verzieren; selbst die 'Theaterzeitung' hat ihr illustriertes Gewand
seit dem neuen Jahre wieder abgelegt und noch bei dem $neuesten$
illustrierten Werk 'Erzherzog Karl von sterreich' mussten, durch
unbersteigbare Hindernisse dazu gezwungen, die beabsichtigten
Holzschnitt-Illustrationen den in den Text gedruckten Lithographien
weichen[244].

  [244] Journ. f. B. 1846.

Mit den Accidenzien ging es nicht besser, als mit dem Werkdruck.
Die Privilegien der Wiener Zeitung verursachten ausserdem, dass
Accidenzien im Interesse des Handels und der Gewerbe fast gar nicht
vorkamen.

[Sidenote: Zeitungslitteratur.]

Mit der Zeitungslitteratur war es gar schlecht bestellt; nur die
verflachenden, witzelnden und pikanten Theater-, Kunst-, Litteratur-
und Modebltter erfreuten sich eines bedeutenden Absatzes. Alle
Zeitungen, mit Ausnahme der Wiener Zeitung und des sterreichischen
Beobachters, unterlagen einer Vorzensur und kamen dann erst in die
Hnde des bekannten Grafen v. Sedlnitzky und erfolgten aus diesen
gewhnlich in einem Zustande zurck, von dem man sich heute schwer eine
Vorstellung wird machen knnen. Die willkrlichsten nderungen wurden
getroffen, die sich nicht bloss auf Politik und ernstere Interessen
bezogen; es konnte auch einem Theaterkritiker, welcher erzhlt hatte,
wie sehr Frulein X. $miss$fallen, passieren, dass er in seiner Zeitung
las, wie ausnehmend sie $ge$fallen. Adlige Bsewichte gab es in Romanen
und Theaterstcken gar nicht; sie mussten vorher ins Brgerliche
bersetzt werden.

[Sidenote: J. T. Trattner * 1717, [+] 1798.]

Unter solchen Verhltnissen ist es immer noch zu verwundern, dass Wien
einige bedeutende Mnner unter den Ausbern der Druckkunst aufzuweisen
hat. Die populrste Erscheinung aus dieser Periode des Rckgangs
ist JOHANN THOMAS TRATTNER. Er gehrt nicht zu denjenigen Koryphen
der Druckkunst, zu denen wir mit Ehrerbietung emporblicken. Seine
Hauptthtigkeit war eine, welche der Staat zwar zuliess, die ffentliche
Meinung und das Rechtsbewusstsein aber verurteilten: Trattner war ein
Nachdrucker ersten Ranges[245].

  [245] J. T. v. Trattner, Der gerechtfertigte Nachdrucker. Wien 1778.

Er war als Sohn eines armen Pulvermllers zu Jahrmannsdorf unweit Gns
geboren und frhzeitig verwaist. In seinem 18. Jahre kam er in die
Lehre. Als Drucker erwarb er sich in der Offizin Johann von Gehlens
(I., S. 144) etwas Geld und einige vermgende Gnner, die bereit
waren, den jungen strebsamen Mann zu untersttzen. Seine Bemhungen,
eine Konzession sich zu verschaffen, blieben jedoch vergeblich. Da
fasste er den khnen Entschluss, sich persnlich an die Kaiserin Maria
Theresia zu wenden, die ihn gndig beschied. Nun kaufte Trattner am 12.
Mrz 1748 die im Laufe der Zeit sehr herabgekommene Buchdruckerei der
Frau Eva Schelgin. Den Ertrag seiner ersten Arbeit, ein vom Abte des
Stiftes Mlk verfasstes Gebet, widmete er den Armen, wodurch er sich
das Wohlwollen der Jesuiten erwarb, die nun alle ihre Arbeiten bei ihm
drucken liessen, so dass er zeitweilig sechzehn Pressen beschftigen
konnte; sie aber regelmssig im Gange zu halten war eine schwere
Aufgabe. Trattner legte sich deshalb auf das Nachdrucken der Werke der
besten deutschen Autoren und machte sich hiermit eben so verhasst in
Deutschland wie beliebt in sterreich, wo man den Nutzen der guten und
billigen Bcher hatte. Es ging ganz wie in neuerer Zeit in Nordamerika:
der durch den Nachdruck gebildete Geschmack des Publikums kam wenigstens
spter den einheimischen Autoren und Verlegern zu gute, welche den Boden
vorbereitet fanden.

[Sidenote: Der Trattnerhof.]

Eine grosse Erweiterung seines Geschfts (bis auf 34 Pressen) entstand,
als ihm bei der Studienregelung im Jahre 1752 der Druck der smtlichen
Schul- und Lehrbcher bertragen wurde. Er legte Filialen seiner
Druckerei in Pest, Triest, Innsbruck, Linz und Agram an, erwarb
zwei Papierfabriken, grndete eine Schriftgiesserei, alle Arten von
artistischen Anstalten und unterhielt 23 Bcherlager. Am Graben
erbaute er den schnen Trattnerhof, welcher seinen Wahlspruch _Labore
et favore_ trug. Seine Bcher stattete er mit grosser Sorgfalt aus, so
dass es von einem guten Druck hiess: Der ist wie von Trattnern. Bis
in sein 78. Jahr war er der alleinige Leiter des Geschfts und erlebte
1798 noch sein goldenes Jubilum. Von zwei Frauen hatte er 21 Kinder,
von denen jedoch nur zwei am Leben blieben. Vom Kaiser Franz war er 1764
in den Adelstand erhoben. Das Geschft wurde nach Trattners Tod geteilt
und ging auf verschiedene Personen ber.

[Sidenote: J. G. Trassler [+] 1816.]

Neben Trattner nahm JOSEF GEORG TRASSLER aus Wien eine bedeutende Stelle
ein. Im Jahre 1779 erwarb er eine Buchdruckerei in Troppau, die bereits
1785 mit 25 Pressen arbeitete. Eine zweite Buchdruckerei errichtete er
1786 in Brnn; diese beschftigte bis 60 Pressen. Eine dritte Offizin
etablierte er 1795 in Krakau, die jedoch 1809 von den Polen demoliert
wurde. Ausserdem hatte er noch verschiedene graphische Geschfte und
eine Buchhandlung.

Seine Erfolge verdankte er zum nicht geringen Teil den Freimaurern
und den mit diesen in Verbindung stehenden Gesellschaften, welche
letztere zur Bildung des Volkes unzhlige Nachdrucke mit der
Bezeichnung Gedruckt bei Josef Georg Trassler und im Verlage der
Compagnie verbreiteten. Ausserdem besass Trassler selbst einen grossen
Verlag zumteil bedeutender Werke, darunter A. F. Bschings grosse
Erdbeschreibung in 30 Bnden; die 34 Bnde starke Sammlung der besten
Reisebeschreibungen; die Allgemeine Weltgeschichte, 88 Bnde; Krnitz'
Encyklopdie, 129 Bnde. Die bedeutendste Leistung war jedoch J. C.
Adelungs berhmtes Wrterbuch in vier starken Bnden in Grossquart von
zusammen 7587 Seiten[246].

  [246] Whrend Trassler noch als Faktor bei Trattner arbeitete, hatte
        letzterer fr den nachmaligen Kaiser Josef II. eine kleine
        Buchdruckerei eingerichtet. Ein grosser vortrefflicher
        Holzschnitt von F. v. Exter (S. 302) hat eine Szene aus dieser
        Druckerei verewigt, wo der Prinz an dem Bengel zieht, Trassler
        die Ballen einschwrzt und Trattner gute Lehren erteilt.
        Die Presse selbst befindet sich in dem Museum der K. K.
        Staatsdruckerei.

Obwohl der Verlag nach Trasslers Tod noch vermehrt wurde, ging das
Geschft in den Hnden der Kinder doch zurck. Der zweite Sohn, Adolf,
zog mit dem brig gebliebenen Teile desselben nach Troppau, wo es wieder
emporblhte und seit 1879 im Besitz Alfreds, des Sohnes von Adolf,
gedieh.

[Sidenote: Josef v. Kurzbeck * 21. Nov. 1736.]

Ein sehr verdienter Buchdrucker war JOSEF KURZBECK. Nach vollendeten
Studien widmete er sich der Buchdruckerei und bernahm die vterliche,
nur mit zwei Pressen arbeitende Offizin, die nunmehr bald 15 Pressen
beschftigte. Im Jahre 1770 richtete er sich fr den Druck des
Illyrischen, Walachischen und Russischen ein, spter schaffte er noch
verschiedene orientalische Schriften an. Da es sehr an Setzern fr
fremdlndische Sprachen fehlte und es schwierig war, solche in dem
Geschft selbst auszubilden, ersuchte Kurzbeck den Kaiser Joseph II.,
die Ausbildung einiger seiner Zglinge an der K. K. Orientalischen
Akademie zu gestatten, was auch gewhrt wurde. Hierzu wurden die
spteren Buchdruckereibesitzer Anton Schmid, Josef della Torre und
M. Santner bestimmt. Kurzbeck liess die als Mannsfeldsche bekannten
Schriften schneiden, verschaffte sich die besten Amsterdamer Matern und
druckte dann mehrere umfangreiche hebrische Werke, als den Talmud,
Mischnajoth und Machsorim, welche allgemeine Anerkennung fanden. In
Kurzbecks Offizin erschien auch 1775 das von Kaiser Maximilian I.
1514 beabsichtigt gewesene Prachtwerk Weisskunig (I, S. III) von
Treitzsauer v. Erentreitz mit 237 grossen Holzschnitten von Hans
Burgkmair. Durch den Tod des Kaisers geriet dieses Werk wie mehrere
von seinen litterarisch-artistischen Unternehmungen ins Stocken, die
Holzschnitte waren jedoch in Graz glcklicherweise erhalten geblieben.
Als der Druck Kurzbecks veranstaltet wurde, hatte man leider kein
Verstndnis fr die Reproduktion eines Werkes lteren Stils, so dass die
Ausfhrung nicht eine wrdige wurde (S. 429).

Kurzbeck erzielte durch sein Wirken sowohl Gewinn als Ehre; im Jahre
1773 verlieh ihm die Kaiserin Maria Theresia eine goldene Kette und
erhob ihn in den Adelsstand.

[Sidenote: Anton v. Schmid * 1765, [+] 26. Juni 1855.]

Unter den Schlern Kurzbecks befand sich, wie erwhnt, ANTON SCHMID,
spter der hebrische Schmid genannt. Der Abt des Klosters der
Zisterzienser zu Zwetl, wo Schmid geboren war, liess ihn im Lateinischen
unterrichten. Seine an der Universitt begonnenen Studien musste er
auf Grund seiner Armut unterbrechen und trat in seinem zwanzigsten
Jahre bei Kurzbeck in die Lehre, wo er spter die Leitung des Druckes
der hebrischen Bcher bertragen erhielt. Er bewog den krnklichen
Kurzbeck, der keine rechte Freude mehr am Geschft fand, ihm seine
hebrischen Schriften zu berlassen, um damit ein selbstndiges Geschft
zu beginnen. Kurzbeck ging auf den Gedanken ein, Schmid wurde jedoch
mit seinem Konzessions-Gesuch abgewiesen, bis der Kaiser direkt zu
seinen Gunsten einschritt. Nun ging er mit aller Kraft auf sein Ziel
los. Seine Offizin wurde reich mit syrischen, persischen und arabischen
Schriften ausgestattet und alle Lehrbcher in diesen Sprachen fr die
theologischen Anstalten wurden bei Schmid gedruckt. Seine Bcher waren
vorzglich ausgestattet und sein Ruf drang in fremde Lnder.

1839 bergab Anton Schmid, der 1825 in den Adelsstand erhoben war,
seinem Sohne FRANZ EDLEN VON SCHMID sein Geschft. Ein der Hofbibliothek
geschenktes Exemplar der Schmidschen orientalischen Druckwerke umfasst
148 Werke im Gesamtumfange von 12447 Bogen. Vor allen zu nennen ist die
1795 in mehreren, rasch aufeinanderfolgenden, Ausgaben veranstaltete
vollstndige hebrische Bibel mit bersetzung von Mendelssohn und einem
Kommentar in hebrischer Sprache, an welchem eine Reihe der berhmtesten
Gelehrten mitgewirkt hat. Die Druckerei ging auf ADALBERT DELLA TORRE
ber.

[Sidenote: Familie Gerold.]

[Sidenote: Karl Gerold [+] 23. Sept. 1854.]

Unter den lteren Buchdruckereien Wiens, die bis auf den heutigen Tag
ihre Bedeutung behalten haben, ist diejenige, welche JOSEF GEROLD 1775
von J. Kalliwoda erwarb. Der erstgenannte sowohl wie sein Sohn KARL
GEROLD erweiterten das Geschft bedeutend. Durch den Druck mehrerer
mathematischer und technischer Werke fr das unter Prechtls Direktion
gestellte Polytechnische Institut erwarb Gerold sich einen so guten Ruf,
dass Cotta ihm den Druck der 20 Bnde starken Prechtlschen Encyklopdie
bertrug. Die gedrckten Pressverhltnisse veranlassten Gerold, sich
weniger dem Verlag als dem Sortiment zu widmen. Aus den 1848 genderten
Zustnden zog jedoch auch die Geroldsche Offizin Nutzen und das Geschft
erweiterte sich in dem Besitz der in den Adelsstand erhobenen Shne
Karls: FRIEDRICH und MORIZ VON GEROLD ausserordentlich[247].

  [247] Annalen d. Typ. 1875, Nr. 327. -- Zur hundertjhrigen
        Grndungsfeier etc. Wien 1815.

[Sidenote: Pichlersche Buchdruckerei.]

Die PICHLERsche Buchdruckerei wurde durch den Druck der Werke Karoline
Pichlers in Fachkreisen bekannt, jedoch mehr durch den Druck der 1838
in vier Blttern dreifarbig ausgefhrten, in Typen gesetzten Post- und
Reisekarte der sterreichischen Monarchie von F. Raffelsberger[248]. Die
Arbeiten derselben stehen weit ber denen von Breitkopf und Haas, sind
jedoch, wie diese, mehr auf Grund der mhsamen Arbeit bewundernswert als
fr die Praxis nutzbringend.

  [248] FRANZ RAFFELSBERGER, Proben der ersten graphischen Typen.
        Wien 1838.

[Sidenote: Anton Strauss.]

[Sidenote: L. Sommer.]

Ein tchtiger Buchdrucker war ANTON STRAUSS, der aus geringen Anfngen
die Zahl seiner Pressen auf 20 brachte. Nach seinem Tode ging das
Geschft auf LEOPOLD SOMMER ber, der grossen Schwung hineinbrachte und
1848 an Zeitungen und Zeitschriften allein zwanzig druckte. Er war auch
der erste, der in sterreich eine politische Zeitung grndete, welche
wirklich diesen Namen verdiente, die unter E. v. Schwarzers Leitung
unternommene sterreichische Zeitung.

[Sidenote: M. Salzer * 1799, [+] 4. Jan. 1878.]

MATTHUS SALZER, Sohn des Kaspar Salzer, der zu den Zeiten Josephs
II. Buchhndler und Buchdrucker war, lernte erst als Sattler, trat
aber bald in das Papiergeschft seines Bruders Franz und wurde spter
Leiter der Papierhandlung seines verstorbenen zweiten Bruders Jakob,
dann durch Verheiratung mit dessen Witwe Besitzer des Geschfts. Nach
und nach erwarb er die Papiermhlen in Wiener-Neustadt, Ebenfurth
und Stettersdorf. 1866 kaufte er die BERREUTHERsche Buchdruckerei
und beschftigte 11 Schnellpressen und 150 Arbeiter, namentlich mit
Auftrgen seitens der Eisenbahnen und hnlicher Anstalten. Im Jahre 1874
feierte Salzer sein goldenes Geschftsjubilum.

[Sidenote: J. V. Degen * 11. Mrz 1763, [+] 5. Okt. 1827.]

Als ein Stern in der langen Nacht der sterreichischen Typographie
leuchtet JOSEF VINCENZ DEGEN aus Graz. Er studierte dort und in
Wien, widmete sich dann dem Buchhandel, kaufte 1800 die vorzglich
eingerichtete ALBERTIsche Buchdruckerei und errichtete zugleich eine
Schriftgiesserei. Durch die Tchtigkeit seiner Leistungen erwarb er sich
bald ein bedeutendes Renomm. Im Jahre 1804 richtete er die K. K. Hof-
und Staats-Arial-Druckerei ein und brachte sie auf einen blhenden
Stand. Vertragsmssig arbeitete diese Anstalt nur fr Behrden. Eigentum
des Staates wurde sie erst im Jahre 1814. Degen, der in den Adelsstand
als Edler von Elsenau erhoben worden war, wurde zum Direktor der
nunmehrigen STAATSDRUCKEREI ernannt, die sich durch ihre Arbeiten in
vorteilhaftester Weise auszeichnete.

[Sidenote: Staatsdruckerei.]

Anders ward es nach Degens Tod unter der Direktion J. A. VON WOHLFAHRTS.
Aus bertriebener Sparsamkeit liess man die Anstalt verfallen und als
Wohlfarth 1840 in den Ruhestand versetzt wurde, war es so weit gekommen,
dass die Staatsbehrden sich mit ihren Auftrgen an Privatdruckereien
wandten.

Wie es in der Staatsdruckerei aussah, so war es auch in den anderen
Offizinen mit Ausnahme der einzelnen erwhnten und vielleicht noch
einiger weniger anderen.

[Sidenote: Der Buchhandel.]

Der BUCHHANDEL, der sich unter Maria Theresia sehr entwickelt hatte,
verfiel unter Joseph II. trotz der milden Zensur. Man zersplitterte
die Krfte meist in Broschrenlitteratur, durch welche sich eine
Reihe von Winkeldruckereien, die jedoch wieder mit dem Tode des
Kaisers verschwanden, nhrte. Von den bedeutendsten Werken dieser
Periode seien noch erwhnt: Jacquins _Historia stirpium americanarum_;
_Hortus Vindebonensis_; _Observationes botanic_ mit 150 Kupfern;
_Icones plantarum rariorum_ mit 649 Kupfern; _Flora austriaca_ mit 500
kolorierten Kupfern, Herrgotts _Monumenta Aug. Austriac_ in Grossfolio
mit vielen Tafeln, die von den Geistlichen des Stiftes St. Blasien
gedruckt wurden; Maninskys grossartiges Orientalisches Wrterbuch u. a.

Als der Regenerator der sterreichischen Buchdruckerei, die in der
jngeren Zeit so enorme Fortschritte gemacht hat, muss Auer betrachtet
werden.

[Sidenote: Al. Auer * 11. Mai 1813, [+] 10. Juli 1869.]

ALOIS AUER war zu Wels in sterreich als der Sohn eines armen
Traunflssers am 11. Mai 1813 geboren. Da es ihm unmglich war, seinem
Drang zum Studieren nachzugehen, trat er im Beginn des Jahres 1825 als
Setzer in die Lehre bei dem Buchdrucker Michael Haas in Wels. Nach
vollendeter Tagesarbeit benutzte er die spten Abendstunden, um sich
grndliche Kenntnisse der Muttersprache anzueignen. Nach Beendigung
seiner fnfjhrigen Lehrzeit begann er mit Energie die Sprachkunde zu
treiben, da er eingesehen hatte, von wie grossem Nutzen dieselbe fr den
Typographen ist. Seine Mussestunden benutzte er nun zur Erlernung der
franzsischen, italienischen, englischen, spanischen und portugiesischen
Sprache, so dass er sich schon im Oktober 1835 einer Prfung in der
franzsischen und englischen, im Mai 1836 einer in der italienischen
Sprache an der Universitt zu Wien mit gnstigem Resultat unterwerfen
konnte. Gleichzeitig bestand er die Prfung in der Erziehungskunde. Sein
guter Ruf verschaffte ihm bald eine ffentliche Anstellung in Linz als
Lehrer der italienischen Sprache. Auer begann nun eine Schriften- und
Vaterunser-Sammlung anzulegen, die hinsichtlich ihrer Vollstndigkeit
fast allen Ansprchen gengte, und benutzte diese Sammlung, um die
Raumverhltnisse aller Schriftarten genau zu berechnen[249]. Auf diese
Art entstand sein typometrisches System, ber dessen praktischen Wert
sich allerdings nicht viel sagen lsst.

  [249] A. AUER, ber das Raumverhltniss der Buchstaben. Wien 1848.

[Sidenote: Metternich und Auer.]

Danach machte er sich an die Ausarbeitung verschiedener Sprachlehren,
zunchst der franzsischen und italienischen Sprache, und indem er nach
gleicher Methode alle Sprachen der Erde darzustellen beabsichtigte,
keimte in ihm die Idee auf, einen Sprachen-Atlas zu entwerfen. Eine
solche Aufgabe zu lsen reichten aber die Krfte eines einzigen Menschen
nicht aus. Es gelang ihm indes den zu jener Zeit in sterreich noch
allmchtigen Frsten Metternich fr seine Sache zu gewinnen.

Nach Verlauf von einem Monat berreichte ihm Auer in Wien einen Plan
zur Grndung eines Polygraphischen Instituts als Vorbereitung einer
Zentral-Verlagssttte Deutschlands in Wien. Whrend dieser Plan die
verschiedenen Staatsbehrden durchwanderte, bereiste Auer 1839 England,
Frankreich und die Schweiz, um die typographischen Anstalten des
Auslandes kennen zu lernen, fand jedoch nirgends ein Institut, wie es
seiner Phantasie vorschwebte.

Im Jahre 1841 wurde nun Auer zum Leiter der Staatsdruckerei
ernannt. Mit jugendlicher Kraft ging er an sein reformatorisches
Werk zur Verwirklichung seiner Lieblingsidee. Vorerst mussten die
Personalverhltnisse und der Geschftsgang der Anstalt geregelt
werden; die alten Schriften wurden eingeschmolzen und andere nach
dem neuen typometrischen System gegossen, veraltete Pressen durch
zweckmssigere ersetzt. Dann wurde eine Stempelschneide-Anstalt
eingerichtet, fremde Schriften geschnitten, Matrizen geschlagen und
Lettern gegossen, und um der Staatsdruckerei in der That den Charakter
einer polygraphischen Anstalt zu geben, wurden in ihr Offizinen fr
Lithographie, Stereotypengiesserei, Kupferdruck, Galvanoplastik,
Photographie, Chemitypie und spter fr Naturselbstdruck errichtet.
Die Anstalt selbst wurde mit einer Dampfmaschine zur Bewegung der
Schnellpressen und zur Heizung smtlicher Lokale, mit Gasbeleuchtung
und mit anderen Verbesserungen der Neuzeit versehen. Ferner grndete
Auer unter dem Personal eine Kranken- und Untersttzungskasse, ordnete
das Lehrlingswesen und fhrte einen Unterricht fr die Zglinge in
den Abendstunden ein, so dass diese Technik, Sprachen (Lateinisch,
Griechisch, Franzsisch, Englisch, Italienisch, Sanskrit, Persisch),
Geographie, Geschichte, Stil u. s. w. unentgeltlich lernen konnten.

Schnell mehrten sich die Arbeiten der neuorganisierten Anstalt. 1860
beschftigte sie schon ber 1000 Arbeiter und besass 48 Schnellpressen,
50 Handpressen, 30 lithographische, 24 Kupferdruckpressen, 21000
Stahlstempel, 80000 Matrizen, 6000 Zentner Lettern. Die Ausstellungen
von London und Paris[250] verbreiteten den Ruhm der Anstalt, welche der
hchsten Auszeichnungen teilhaftig wurde. Aber auch Auer ging nicht leer
aus. Er wurde in den Adelsstand als Ritter Auer von Welsbach erhoben
und 24 Orden zeugen dafr, dass er die Kunst, sich Anerkennung zu
verschaffen, nicht bel verstanden hat.

  [250] A. AUER, Geschichte und Beschreibung der K. K. Hof- und
        Staatsdruckerei. 1851. -- Der polygraphische Apparat, 1851. --
        Album der K. K. Hof- und Staatsdruckerei. 1853. -- Die K. K.
        Hof- und Staatsdruckerei auf der Pariser Ausstellung. 1855.

[Sidenote: Die Erfindungen Auers.]

Mit seinen vielbesprochenen Erfindungen, die fters, und wohl nicht mit
Unrecht, ihm nicht fr voll angerechnet wurden, hatte er in der Praxis
kein rechtes Glck. Diejenige, die am meisten von sich reden machte,
war der Naturselbstdruck (Auto-Typographie). Dieser bestand darin,
von einer Pflanze, einem Gewebe u. dgl. nach dem Einlegen zwischen
einer Stahlplatte und einer anderen von weichem Metall durch eine
starke hydraulische Pressung eine vertiefte Druckplatte zu gewinnen,
die mittels Galvanisierung in eine Hochdruckplatte verwandelt werden
konnte. Ein grossartiges, von Konstantin v. Ettinghausen herausgegebenes
Werk, _Physiotypia plantarum_, wurde in Angriff genommen und auf
den Ausstellungen sehr bewundert[251]. Das Verfahren wurde durch
kaiserlichen Beschluss der Allgemeinheit preisgegeben, hat jedoch fr
die Praxis keinen grossen Wert.

  [251] A. AUER, Die Entdeckung des Naturselbstdruckes. 1853. --
        K. V. ETTINGHAUSEN und A. POKORNY, Die wissenschaftliche
        Anwendung des Naturselbstdruckes. Wien 1856.

[Sidenote: Die Endlose.]

Eine zweite Erfindung war der Druck vom endlosen Papier. Der Gedanke,
den Papierbrei der Papiermaschine an dessen oberen Ende zuzufhren und
von dem anderen Ende in die Schnellpresse zu leiten, so dass er aus
dieser als gedruckter Bogen herauskam, musste fr einen so elastischen
Geist wie Auer grosse Anziehungskraft haben. Er brachte ihn auch in
seiner Weise, d. h. blendend, zur Ausfhrung; fr die Praxis war der
Nutzen ein geringer. Das Papier wurde in eine gewhnliche Schnellpresse
gefhrt, nach dem Schndruck durch Mechanismus zerschnitten und die
Bogen durch den Hansenschen Ausleger ausgefhrt. Der staunende Beschauer
ahnte in den seltensten Fllen, dass der Widerdruck auf gewhnliche
Weise, auf einer anderen Schnellpresse besorgt werden musste, und konnte
nicht wissen, dass der Lohn eines Anlegers oder einer Anlegerin das
einzige war, was htte gespart werden knnen, wenn nicht dieser Gewinn
durch die Kosten des ganzen Apparates weit berwogen worden wre.

[Sidenote: Maispapier.]

Ebensowenig Glck sollte Auer mit seiner Maispapierfabrikation
haben[252]. Er brachte zwar eine Ausstellung zustande, in welcher nicht
allein verschiedene Sorten Papier, sondern auch manche der Gegenstnde
zu sehen waren, welche Chinesen und Japanesen aus Papierstoff
fabrizieren. Damit blieb aber auch diese Sache ruhen.

  [252] J. ARENSTEIN, sterreich auf der internationalen Ausstellung
        1862.

Selbst mit dem orientalischen Druckapparat, dem Stolz der
Staatsdruckerei, hatte es mitunter einen Haken. Viele Schriften
figurierten in den prachtvollen Proben; in der Wirklichkeit sah es mit
deren Bestand fters schwach genug aus.

Auers Hauptfehler war, sich nicht mit dem Schaffen von Tchtigem zu
begngen, sondern auch blenden zu wollen, und dafr war ihm kein Preis
-- auf Kosten des Staates -- zu hoch. Seine Eitelkeit war noch grsser
als seine Tchtigkeit.

[Sidenote: Auers Feinde.]

Es konnte an Angriffen -- begrndeten, unbegrndeten, durch Neid
hervorgerufenen u. a. -- nicht fehlen. v. Plener, des genialen Bruck
Nachfolger als Finanzminister, war nicht so geneigt wie letzterer,
ber die Finanzfrage leicht hinwegzugehen. Auer wurde am 2. Mrz 1866,
nach verschiedenen Misshelligkeiten, in Anerkennung seines 25jhrigen
verdienstlichen Wirkens mit seinem vollen Gehalt definitiv in den
Ruhestand versetzt.

[Sidenote: Auers Tod.]

Auer war nicht geschaffen, mnnlich den Schlag, die mit diesem
verbundene Unthtigkeit und das Vergessensein zu berwinden. Sein
Gemtszustand wurde ein immer reizbarerer und die Krfte aufreibender;
er starb bereits am 10. Juli 1869 in Hietzing.

[Sidenote: Auers Einfluss auf die deutsche Typographie.]

Hat nun Auer auch dem Glanze zu viel geopfert und nach Alchymistenart
fters Thaler zu Groschen destilliert, so muss sein Einfluss auf die
Typographie im allgemeinen und auf die sterreichische insbesondere
doch sehr hoch angeschlagen werden. Vor seiner Zeit war, wie erwhnt,
ein in sterreich gedrucktes Buch ziemlich gleichbedeutend mit einem
schlecht gedruckten; dass dies so ganz anders geworden ist, dazu hat
Auer direkt und indirekt wesentlich beigetragen; selbst draussen im
Reich wurde sein Einfluss gesprt. Die ganze deutsche Typographie hat
aus der Weltberhmtheit der Wiener Staatsdruckerei ihren Teil an Ehre
und Vorteil gehabt; sie ist verpflichtet, Auers Namen in Ehren zu halten.

[Sidenote: Staatsdruckerei unter Beck.]

Seit Auers Tod steht die Staatsdruckerei unter der Direktion eines
nicht fachmnnischen Staatsbeamten, Hofrat Dr. BECK, der sie in
angemessenster Weise auf einer achtunggebietenden Stufe erhlt, whrend
nicht prtendiert wird, die Fhrung der jetzt mndig gewordenen
sterreichischen Typographie fortzusetzen. Ein Hindernis fr die rechte
Entfaltung der Anstalt ist die vollstndig ungengende Rumlichkeit.

[Sidenote: Blindendruck.]

Neben dem Geld- und Wertpapierendruck wird unter Mitwirkung des
Direktors der Blindenanstalt in Ober-Dbling, FR. ENTLICHER, in
anerkennenswerter Weise besonderes Gewicht auf den Druck fr Blinde
gelegt. Bei diesem Druck wird der Pressendeckel mit einem berzug
von Gutta-Percha versehen und darin ein scharfer Abzug von den Typen
gemacht. Ist der Gutta-Percha-berzug vollstndig erhrtet, in
welchem Zustand er 2-3000 Abzge aushlt, so wird die Schrift mit dem
Papierbogen bedeckt, welcher, um eine grssere Zhigkeit zu erzielen,
in einem mit Glycerin und Alaun versetzten Wasserbade gefeuchtet ist,
in die vertiefte Gutta-Percha-Masse geprgt. Unter den verschiedenen
Leistungen im Blindendruck befinden sich auch hebrische Lesebcher und
durch erhabene Figuren illustrierte naturgeschichtliche Lehrbcher[253].

  [253] JOS. TRENTSENSKY, Erzeugung von Schriften _en haut-relief_ fr
        Blinde. Wien 1836. -- FREISAUFF V. NEUDEGG, Die Ektypographie
        fr Blinde. Wien 1837.

Auch die Chromolithographie wird mit Glck von der Staatsdruckerei
gebt. Eine ausgezeichnete Leistung ist z. B. das Prachtwerk ber die
Votivkirche in Wien 1879. Die Reproduktion des Marienfensters (S. 303)
bertrifft bei weitem hnliche Arbeiten Silbermanns.

[Sidenote: Budget.]

Das Budget der Staatsdruckerei zeigt bei einer Einnahme von etwa
zwei Millionen Mark einen berschuss von etwa 200000 Mark, bei
Staatsanstalten ohne Konkurrenz Ziffern ohne grosse Bedeutung. Die
Schriftenmasse betrgt 500000 Kilo in etwa 1500 verschiedenen Arten
von Typen, darunter gegen 350 fremdlndische[254]. Die Zahl der
Schnellpressen betrgt 57, der Handpressen 54, ausserdem sind etwa
80 Hlfsmaschinen vorhanden. Die Schriftgiesserei arbeitet mit 14
Giessmaschinen und besitzt etwa 30000 Stempel und 200000 Matern. Die
Gesamtzahl der Arbeiter ist gegen 900.

  [254] 1876 erschien die zweite Auflage der Alphabete des gesamten
        Erdkreises.

[Sidenote: W. v. Braumller.]

Haben wir die Verdienste Auers und der Staatsdruckerei gebhrend
anerkannt, so ist es Pflicht, einen Mann zu erwhnen, der, obwohl nicht
Buchdrucker, einen ganz eminenten Einfluss auf die Buchdruckerkunst
in sterreich gehabt hat; es ist der Buchhndler WILHELM Ritter VON
BRAUMLLER. Frher bekannt als einer der bedeutendsten Sortimenter
Wiens, die mit ihren vollen Brsen oder Portefeuilles und ihrem jovialen
Wesen vorzugsweise gern gesehene Gste zur Leipziger Messe waren,
widmete sich Braumller erst seit dem Jahre 1840 dem Verlag und zwar mit
ebenso grossem Geschick und Energie als Glck.

Von dem Streben geleitet, die wissenschaftliche Litteratur sterreichs
dem Auslande gegenber zur vollen Geltung und Anerkennung zu bringen,
hat meine Handlung einen Verlag geschaffen, welcher sowohl nach seinem
Werte als der Ausdehnung und Ausstattung nach den ersten Rang einnimmt,
und welcher dadurch noch eine ganz besondere Bedeutung gewinnt, dass,
hauptschlich durch die geschmackvolle typographische Ausstattung
angezogen, eine grosse Zahl litterarischer Notabilitten fremder
Universitten durch gediegene Werke dabei vertreten ist. Vor allen ragt
quantitativ und qualitativ die Medizin hervor, und die dominierende
Stellung, welche sterreich durch seine medizinischen Celebritten in
der wissenschaftlichen Welt Deutschlands einnimmt, spiegelt sich auch
in diesem Verlagszweige wieder. Eine Reihe veterinrwissenschaftlicher
Werke, durch die Professoren des K. K. Tierarznei-Institutes
wrdig reprsentiert, schliesst sich demselben an. Die land- und
forstwirtschaftliche Litteratur, bis dahin in sterreich gar nicht
gepflegt, ist jetzt ausschliesslich in meinem Verlage vereinigt,
und durch die Werke der Professoren an den berhmten Fachschulen in
Mariabrunn, Ung.-Altenburg, Eulenberg, Hohenheim, Eisenach etc. wrdig
reprsentiert. Die vortreffliche Ausstattung, welche ich allen Werken
mit der grssten Sorgfalt gewidmet, hat ohne Zweifel wesentlich zu einer
allgemeinen besseren und wrdigeren Ausstattung der litterarischen
Erzeugnisse in sterreich beigetragen und auf die Entwickelung
anderer Industriezweige, die Papier-Fabrikation, Buchdruckerei,
Holzschneidekunst, welchen die obenangefhrten Summen zugeflossen, einen
nicht zu unterschtzenden Einfluss gebt[255].

  [255] Die obigen nicht wenig zuversichtlichen Worte gehren dem Herrn
        v. Braumller selbst und sind dem Vorwort zu seinem Jubelkatalog
        entnommen. Es ist eine eigene Sache, in einem geschichtlichen
        Buch jemand sein eigenes Lob aussprechen zu lassen; wenn man
        jedoch mit gutem Gewissen jedes Wort unterschreiben kann,
        weshalb dann nicht? -- C. BEYER, Wilh. v. Braumller und Heinr.
        v. Cotta.

[Sidenote: Museum fr Kunst.]

[Sidenote: Gesellschaft fr vervielf. Kunst.]

usserte sich der Einfluss von Braumller zunchst auf den Werkdruck
zu wissenschaftlichen Zwecken, so hat Wien das Glck, zwei ebenso
bedeutende Frderer der Verbindung der graphischen illustrierenden
Knste mit der Typographie zu besitzen: das MUSEUM FR KUNST UND
INDUSTRIE und die GESELLSCHAFT FR VERVIELFLTIGENDE KUNST. Wenn es in
Wien mglich geworden ist, Werke zu schaffen, in welchen Radierung,
Xylographie, Hochtzung, Farben- und Lichtdruck in glcklichster Weise
zusammenwirken und fters nahe an die Vollkommenheit reichen, so
haben die beiden erwhnten Anstalten durch die von ihnen ausgehenden
Anregungen und Druckwerke den Vorwrts-Bestrebungen Wiens einen
mchtigen Vorschub geleistet[256].

  [256] EITELBERGER, Die Kunstbewegung in sterreich. 1878.

[Sidenote: Prachtwerke.]

Unter den Erscheinungen des Museums behaupten Teirichs Bltter
fr Kunstgewerbe einen hervorragenden Platz. Die Gesellschaft fr
vervielfltigende Kunst brachte eine Reihe brillanter Publikationen; den
grssten Einfluss bt sie jedoch durch ihre Zeitschrift Die graphischen
Knste, welche nicht nur durch ihren Inhalt, sondern auch durch ihre
vorzgliche technisch-artistische Ausfhrung belehrend und frdernd
wirkt.

Unter der gide des Vorstandes der K. K. Kmmerei, des kunstsinnigen
Grafen v. Crenneville, erschien ebenfalls eine Anzahl der schnsten
Prachtwerke. Die Kunstwerke der Schatzkammer des sterreichischen
Kaiserhauses (1870-1873), Schloss Schnbrunn (1875), Der kaiserliche
Thiergarten (1876), Laxenburg (1877). In neuester Zeit kommt zu
diesen Erscheinungen das Jahrbuch der knstlerischen Sammlungen des
allerhchsten Kaiserhauses, zu welchem als Beilagen der Frydal, der
Theuerdank, der Weisskunig, der Triumph, die Ehrenpforte, die
Heiligen aus der Familie des Kaisers gegeben werden, alles Werke,
die von dem Kaiser Maximilian veranlasst oder vorbereitet waren und
zu welchen die Originale der grossen Zeichenknstler von damals noch
vorhanden sind.

[Sidenote: Buchdrucker-Verein.]

Aber auch die Buchdrucker selbst haben als Korporation die Hnde nicht
in den Schoss gelegt. Der unter vielen Opfern im Jahre 1874 gegrndete
Buchdrucker-Verein hatte zwar zunchst die materiellen und sozialen
Verhltnisse des Geschfts vor Augen, liess jedoch die Fachzeitschrift
sterreichische Buchdrucker-Zeitung erscheinen, die bestrebt war,
nicht nur fr die obgedachten Interessen, sondern auch fr die
technische Bildung zu wirken. Der Verein lste sich zwar im Jahre 1880
wieder auf, die Zeitung besteht jedoch fort im Besitz des Graphischen
Klubs, der ausserdem durch Vortrge, Ausstellungen und technische
Diskussionen anzuregen sucht. Auch das Gehlfenblatt Vorwrts folgt
dem Beispiel des Correspondent und widmet seine Aufmerksamkeit jetzt
nicht nur den sozialen Interessen, sondern auch der Technik und der
Geschichte.

[Sidenote: G. Gistel * 16. Okt. 1825, [+] 10. Mai 1883.]

Durch die Bemhungen des Vereins ist auch seit 1874 eine Fachschule
errichtet, von der gute Erfolge zu erwarten sind. Die Seele
dieser Vereinsbestrebungen ist namentlich G. GISTEL gewesen. Auch
um den Untersttzungs-Verein der Buchdrucker und Schriftgiesser
Niedersterreichs und die Pensionskasse fr Faktoren und deren Witwen
hatte Gistel grosse Verdienste, war auch bei allen Tarifverhandlungen,
bei der Skularfeier, kurz bei jeder Gelegenheit, wo die Buchdrucker
vereinigt auftraten, bereit, seine Krfte dem Allgemeinen rckhaltslos
zu opfern.

[Sidenote: L. C. Zamarski.]

An Bedeutung der Staatsdruckerei am nchsten stehend ist die Offizin L.
C. ZAMARSKI (frher H. ENGEL & SOHN und L. C. Zamarski), die namentlich
in der Grnderperiode eine erstaunliche Masse von Wertpapieren
druckte. Die Anstalt, welche unter der Leitung von A. PIETZSCH sich
vortrefflich bewhrt hat, wurde 1881 an die Papierfabrik STEYERMHL
um 800000 Gulden verkauft und mit einem Kapital von 3700000 Gulden in
eine Aktiengesellschaft umgeformt. Es werden in der Anstalt die Neue
Illustrirte Zeitung, das Wiener Tageblatt, die Vorstadt-Zeitung und
die Deutsche Zeitung gedruckt. Vorzglich sind ihre, unter Leitung
von A. Frantz hergestellten Heliographien. Die Offizin arbeitet mit 28
Schnellpressen und beschftigt gegen 350 Personen. ENGELS ERBEN befassen
sich namentlich mit lithographischen Arbeiten; sie lieferten u. a. die
japanischen Postmarken.

[Sidenote: R. v. Waldheim.]

Ein vielseitiges, grosses Institut ist ebenfalls die Verlagsbuchhandlung
und Artistische Anstalt von R. V. WALDHEIM (22 Schp., 25 Hdp. und
gegen 250 Arbeiter), die eine bedeutende Zahl von illustrierten Werken
namentlich technischen Inhalts herausgiebt und vielen technischen,
kriegswissenschaftlichen oder in das Eisenbahnwesen einschlagenden
Zeitschriften, wir nennen nur Teirichs Bltter fr das Kunstgewerbe
und die Allgemeine Bauzeitung, druckt, verlegt oder debitiert, auch
viele Accidenzien liefert.

[Sidenote: C. Fromme.]

CARL FROMME zeichnet sich besonders durch seine geschmackvollen und
korrekten Accidenzarbeiten aus. Eine Spezialitt, die er mit Virtuositt
betreibt, ist der Kalenderdruck. Typographische Kraftstcke Frommes
sind die Bilderreihe der Regenten sterreichs und die Stammtafel der
Zisterzienser-Klster. Diese zehn Meter lange Tafel besteht aus 108
Formen, in zwei Farben ausgefhrt. Der Druck und die Zurichtung sind so
vorzglich, dass die Zusammensetzung dem Auge vollstndig unbemerkbar
ist.

[Sidenote: Rollinger & Mssner.]

[Sidenote: A. Holzhausen.]

[Sidenote: G. Gistel.]

[Sidenote: Fr. Jasper.]

Die Arbeiten von ROLLINGER & MSSNER sowohl im Accidenz- als im
Werkdruck gehren mit zu den vollendetsten der neueren Typographie. Die
Genannten zhlen unter die nicht zu zahlreichen Buchdrucker, welche
nichts fr unbedeutend halten und eben deshalb Mustergiltiges liefern,
z. B. die Geschichtsquellen der Stadt Wien. Zu derselben Klasse,
jedoch meist in anderer Richtung arbeitend, gehrt ADOLF HOLZHAUSEN,
dessen Offizin an orientalischen Schriften sehr reich ist und dessen
Drucke denen der Staatsdruckerei vollkommen ebenbrtig sind. Er lieferte
den Druck des oben erwhnten Jahrbuchs der kaiserlichen Sammlungen
und Albrecht Drer wrde gewiss den Ansichten aus der Presse von
seinen und der gleichzeitigen Meister Arbeiten sein _imprimatur_
nicht verweigert haben. Zu den strebsamen Buchdruckern der jngsten
Zeit gehren der erwhnte G. GISTEL und FR. JASPER. Letzterer druckte
die Festgabe zu dem 400jhrigen Jubilum, und liefert sehr gute
Illustrationsdrucke.

[Sidenote: H. Reiss * 28. Aug. 1799.]

Einen ganz besonderen Ruf hat sich Wien durch seinen xylographischen
Farbendruck erworben. Der erste, der sich durch diesen auszeichnete, war
HEINRICH REISS, aus einer Familie, die von altersher eine Buchdruckerei
besass, welche er, nachdem er erst verschiedene Reisen gemacht hatte,
1828 bernahm. 1850 folgte er jedoch einem Rufe der Staatsdruckerei,
leitete spter die Buchdruckerei von Zamarski und gab sich seit 1857
ganz der Kunstdruckerei hin. Seine Hauptarbeit, an der er 23 Jahre lang
gearbeitet hatte, ist das _Missale Romanum_ mit etwa 90 Miniaturen von
H. Knfler. Zu der Herstellung eines Bildes wurden bis zu 15 Platten
verwendet. Vorzglich sind die zwei grossen Titelbltter, das Abendmahl
und Christus am Kreuze. Der Text bildet einen Folioband von mehr als
700 zweispaltigen Seiten. Die Grundschrift ist eine fette Gothisch, zu
der besondere Initialen geschnitten wurden. Das Papier, ein geripptes
Bttenpapier, ist jedoch, wie auch der Textdruck, von sehr ungleicher,
mitunter sogar geringer Qualitt. Aus diesem Grunde fehlt, trotz der
ausserordentlichen Aufopferung seitens Reiss' und der Vorzglichkeit des
Bilderdruckes, dem Werk, als Ganzes betrachtet, doch gar vieles, um als
ein typographisches Denkmal ersten Ranges zu gelten. Derartige Werke
drfen nicht Not leiden und mssen in Hnden eines Herausgebers sein,
dem es mglich ist, bis ans Ende ruhig auszuhalten. Deshalb aber nicht
weniger Ehre dem Andenken eines echten Jngers Gutenbergs. Sein Geschft
bernahm LUDW. LOTT, vorher als technischer Leiter der Alten Presse
und als Einfhrer der Endlosen auf dem Kontinent bekannt. Er wirkte im
Geiste seines Vorgngers fort und seine Arbeiten fanden in England und
Amerika allgemeine Bewunderung. Seine Drucke auf Blech sind ebenfalls
vortrefflich.

[Sidenote: Prag.]

Eine ziemlich bedeutende Thtigkeit entwickeln in PRAG 33
Buchdruckereien und 30 lithographische Anstalten mit ihren 114
typographischen und 25 lithographischen Schnellpressen. Die bedeutendste
Offizin ist die von A. HAASE (S. 290) mit 21 Schnellpressen und 18
Handpressen. IGN. FUCHS (11 Schp., 19 Tr.- u. Hdp.) liefert sehr gute
lithographische Arbeiten, auch J. FARSKY bringt Tchtiges in dieser
Richtung. DR. ED. GRGRS Offizin arbeitet mit Rotationsmaschine und
5 Schnellpressen. H. MERCY (9 Schp.) druckt namentlich Werke. Die
BUCHDRUCKEREI DER K. K. STATTHALTEREI beschftigt 7, die BUCHDRUCKEREI
FR POLITIK 8, J. OTTO 7, B. STYBLO 6, C. BELLMANN 7 Schnellpressen.

[Sidenote: Reichenberg.]

[Sidenote: Tetschen.]

[Sidenote: Teschen.]

Die Fabrikstadt REICHENBERG besitzt eine grossartige graphische Anstalt,
die der GEBR. STIEPEL, welche durch 13 Schnellpressen und 20 Tret- und
Handpressen die zahlreichen Fabriken mit Etiketten, Geschftskarten,
Rechnungsformularen etc. versieht. Das kleine TETSCHEN an der Elbe hat
auch eine bedeutende Druckanstalt aufzuweisen, die von F. W. STOPP,
welche (mit 7 Schp., 7 Hdp.) hauptschlich fr lithographische Arbeiten
eingerichtet ist. In TESCHEN in sterr. Schlesien befindet sich die
Offizin von K. PROCHASKA (10 Schp.), eine der besten Provinzdruckereien
sterreichs. Sie wurde 1806 von THOMAS PROCHASKA gegrndet.

[Sidenote: Brnn.]

[Sidenote: Lemberg.]

In BRNN arbeiten hauptschlich fr Lokalbedrfnisse W. BURKART (7
Schp.), BUSCHAK & IRRGANG (4 Schp.), CARL WINIKER (5 Schp.), R. M.
ROHRER (6 Schp.). GALIZIEN bietet nur wenig von Interesse. In KRAKAU,
einst von Bedeutung in der typographischen Geschichte, druckt die
Offizin des CZAS (5 Schp.) und die Buchdruckerei der Akademie der
Wissenschaften H. LISICKI & CO., in LEMBERG E. WINIARZ (4 Schp.).

[Sidenote: Graz.]

[Sidenote: Triest.]

Unter den Offizinen des sdlichen sterreichs ist die Aktiendruckerei
LEYKAM-JOSEFSTHAL (15 Schp., 16 Tr.- u. Hdp.) in GRAZ eine weit
verzweigte graphische Anstalt, die manches Gute geliefert hat. Die
Grazer Post wurde 1882 an eine zweite Gesellschaft Leykam fr gegen
1100000 M. verkauft. Die Gesellschaft STYRIA und die GUTENBERG-DRUCKEREI
in Graz beschftigen je 5 Schnellpressen. In INNSBRUCK verfolgt die
WAGNERsche Buchdruckerei eine wissenschaftliche Richtung. In LINZ
wirken A. EURICH und J. WIMMER. Die lteste Druckerei sterreichs
besitzt KLAGENFURT. Hier etablierte sich FERD. V. KLEINMAYR 1548.
Sein Nachfolger grndete 1777 die Klagenfurter Zeitung. In LAIBACH
feierte die Offizin von J. V. KLEINMAYR & F. BAMBERG (4 Schp.) 1882
ihr 100jhriges Jubilum. In TRIEST hat sich die Buchdruckerei des
STERR.-UNGAR. LLOYD als eine tchtige Vertreterin der Kunst bewiesen
und wirkte auch frher als bedeutende Verlegerin illustrierter Werke.

[Sidenote: Paul Pretzsch * 1808, [+] 28. Aug. 1873.]

Von der Holzschneidekunst in Wien und den Meistern, welche diese
frderten J. G. PRESTEL, BLASIUS HFEL, FRIEDR. V. EXTER, H. KNFLER
u. a., wurde bereits (S. 300) berichtet, auch fanden die wichtigen
Erfindungen von PAUL PRETZSCH (S. 14) Erwhnung. Je weniger das
verdienstvolle Wirken dieses Mannes vom Glck begnstigt war und je
fter der Versuch gemacht wurde, seine Erfinderehre zu schdigen,
namentlich seitens englischer Erfinder, um so mehr gebietet es die
Pflicht, hier seiner mit einigen Worten noch zu gedenken.

Pretzsch war als Sohn eines Goldarbeiters in Wien geboren, lernte dort
die Buchdruckerkunst und trat nach lngerem Aufenthalt im Auslande
in den Dienst der K. K. Hof- und Staatsdruckerei, welche er 1851 auf
der Londoner Weltausstellung vertrat. Dort erhielt er auf Grund der
von ihm ausgestellten Photographien eine Prmie und nun entstand
in ihm der Gedanke, Photographien druckbar zu machen, weshalb er
sein Engagement bei der Staatsdruckerei aufgab, 1854 wieder nach
London ging und dort neun Jahre blieb, um seine Plne zur Ausfhrung
zu bringen. Seine Erfindung, Tiefdruckplatten von Photographien
herzustellen, nannte er PHOTOGALVANOGRAPHIE und sie wurde einer
_Patent-Photo-Galvanographic-Society_ zur Ausbeutung bergeben, welche
1856 fnf Hefte eines Werkes in Grossfolio unter dem Titel _Photographic
Art Treasures_ herausgab. Nach etwa zweijhrigem Bestehen lste sich
jedoch die Gesellschaft auf und Pretzsch war wieder auf sich selbst
angewiesen, whrend Fox Talbot, der die Erfindung gemacht hatte, durch
tzung Photographien druckbar zu machen, ihn auf Grund seines Patentes
verfolgte, wennauch ohne Resultat, da Pretzschs Verfahren sich nicht auf
tzen grndete.

Nach der Weltausstellung 1862 kehrte Pretzsch nach Wien zurck und war
lngere Zeit schwer leidend, so dass er erst 1864 seine Thtigkeit
wieder aufnehmen konnte. Diese richtete sich nun vornehmlich auf
Herstellung von Hochdruckplatten und nach mannigfachen, mhsamen und
kostspieligen Versuchen gelang ihm auch die Fertigstellung solcher, von
welchen Proben 1873 in Wien ausgestellt waren.

Hiermit war das wichtigste Problem der Illustration der Zukunft zwar
Wirklichkeit geworden, jedoch noch nicht in zufriedenstellender Weise;
denn die Platten besassen nicht Tiefe genug, um mit Leichtigkeit in
der Buchdruckerpresse behandelt zu werden. In Bercksichtigung der
hohen Bedeutung, welche die Erfindung mglicherweise wrde erreichen
knnen, erhielt Pretzsch eine Staatsuntersttzung, um seine Versuche
weiterzufhren, und noch wenige Stunden vor seinem Tode war er mit
diesen beschftigt.

In der Zeit der Blte der Schwarzlithographie erreichte KRIEHUBER
im Portrtfache eine bis dahin unbekannte Meisterschaft. Die
Chromolithographie fand einen gnstigen Boden, der zuerst von der
K. K. Staatsdruckerei bebaut wurde. Das erste Werk von Bedeutung
waren die Aquarellbilder nach niedersterreichischen Bauwerken
von CONR. GREFE, welcher Knstler berhaupt besondere Verdienste
um den Buntdruck hat. ED. HLZEL lieferte namentlich viele gute
Landschaftsbilder; sein bestes Blatt und eines der besten der
ldruckbilder berhaupt drfte Die beiden Brder, nach v. Defregger
sein. Seine instruktiven, geographischen und naturwissenschaftlichen
Bltter und die architektonischen Bilder nach J. Langl, in Sepiamanier
gedruckt, sind hchst wertvolle Erscheinungen. REIFENSTEIN und RSCH
(jetzt G. REIFENSTEIN), HAUPT & CZEIGER, A. HARTINGER & SOHN, FR.
PATERNO lieferten gutes, die ersteren beiden Firmen im figrlichen,
die beiden letzteren im naturwissenschaftlichen und geschichtlichen
Unterrichtsfache.

[Sidenote: Ed. Sieger * 12. Dezbr. 1810. [+] 21. Jan. 1876.]

Im lithographischen Accidenzfache zeichnete sich ED. SIEGER aus. Seine
Riesenplakate wurden angestaunt und seine Erfindung des Ivoirit, einer
tuschenden Imitation des Elfenbeins, brachte, in Bcherbnden oder in
Ebenholz-Kassetten und Mbeln eingelegt, eine frappante Wirkung hervor.

Die Zinkhochtzung fand tchtige Vertreter, unter welchen C. ANGERER
& GSCHL ihr Verfahren zur ganz besonderen Vollkommenheit brachten.
Auch C. HAACK erwarb sich einen Namen, MORITZ und MAX JAFF traten mit
der Jafftypie auf. Die Kupferstecherkunst, welche sehr zurckgegangen
war und wesentlich nur in den Prmienblttern und den Nieten der
Kunstlotterien fortvegetierte, trat durch die Ernennung LOUIS JACOBYS
(jetzt in Berlin) zum Professor dieser Kunst in ein neues Stadium des
Fortschrittes. Die Radierung kam besonders durch W. UNGER zu Ehren. Die
Photographie, namentlich die Portrtphotographie, wurde mit viel Glck
in Wien gebt.

In der Verwendung aller graphischen Kunstzweige, namentlich der
in der Photographie wurzelnden, ist das MILITR-GEOGRAPHISCHE
INSTITUT berhmt geworden. Es entstand 1839 durch Vereinigung der
topographisch-lithographischen Anstalt des K. K. Generalstabes in Wien
mit dem zu Mailand bestandenen _Deposito della Guerra_. Die Anstalt
kultiviert die Kartographie in ausgedehntester Weise unter Verwendung
aller neueren Verfahren. Unternehmungen wie die Karte der Umgebungen
Wiens in 48 Blttern; die Spezialkarte der sterreich-Ungarischen
Monarchie in 720 Blttern, die Generalkarte von Zentral-Europa in 192
Blttern, und viele andere gehren zu den Meisterwerken der Kartographie.

Die Buchbinderkunst steht in Wien schon seit langer Zeit im Ansehen,
wird jedoch noch mehr in den sogenannten Galanterie-Arbeiten als in der
eigentlichen Buchbindung gebt. Vortrefflich sind in letzterer Richtung
die Mosaikbnde mit wirklichen Ledereinlagen, nicht nach franzsischer
Art mit nur aufgelegtem dnn geschabten Leder. Namen wie A. KLEIN, LEOP.
GRONER, CONR. BERG u. a. haben den besten Klang.

Unter solchen Verhltnissen wie den obengeschilderten konnte Wien, wo
die Zustnde im Jahre 1840 den Gedanken an ein frhliches Gutenbergfest,
wie das in Leipzig, nicht aufkommen liessen, sich mit Befriedigung zur
Begehung des vierhundertjhrigen Festes der Einfhrung der Kunst in
Wien (I, S. 49) rsten. Schon Jahre vorher waren die Vorbereitungen
getroffen, namentlich fr die Herausgabe einer bedeutenden Festschrift,
einer Geschichte der Kunst in Wien seit vier Jahrhunderten, welche
zugleich Proben der Leistungsfhigkeit der graphischen Anstalten
vorfhren sollte[257]. Das Fest fand am 24.-25. Juni 1882 statt und
wurde durch einen Aktus, verbunden mit einer durch v. Eitelberger
arrangierten historischen Ausstellung, erffnet. Die eigentliche
Festrede hielt der sterreichische Generalkonsul in Leipzig, Karl
v. Scherzer, wie bereits erwhnt ein frherer Gutenbergsjnger. Ein
allgemeines Fest fand am 25. Juni in Hietzing in der Neuen Welt statt,
wo gegen 14000 Festgenossen sich versammelt hatten und wo Karl Hger als
Festredner auftrat.

  [257] Das Werk gewann einen grsseren Umfang, als anfnglich vorgesehen
        war. Bis jetzt erschien der erste Band, gedruckt bei Fr. Jasper,
        mit vielen Beilagen.

                   *       *       *       *       *

[Sidenote: Ungarn. Buda-Pest.]

In UNGARN steht die Buchdruckerei im allgemeinen nicht auf einem sehr
hohen Standpunkte. BUDA-PEST ist selbstverstndlich der Sammelpunkt
der bedeutendsten Offizinen. Im Jahre 1851 waren dort 8 Druckereien
vorhanden mit 22 Schnellpressen; 1870 bereits 50 mit 140 Schnellpressen;
1882 48 Buchdruckereien und 23 lithographische Anstalten mit 130
Schnellpressen und 200 Tret- und Handpressen.

[Sidenote: Staatsdruckerei.]

Die STAATSDRUCKEREI Ungarns besteht in ihrem jetzigen Umfange (16 Schp.,
18 Hdp., 250 Arbeiter) erst seit der Trennung der Verwaltung Ungarns
und sterreichs und befand sich frher in Temesvar als Filiale der
Staatsdruckerei in Wien. Sie liefert sehr viele Accidenzarbeiten und
Wertpapiere, die nicht auf der Hhe der Vollkommenheit stehen. Neben
Gutem findet sich unter ihren Arbeiten manches Mittelgute. Die, unter
ausgedehnter Anwendung der Galvanoplastik, gelieferten Kartenwerke haben
einen grossen Umfang.

[Sidenote: Druckereien in Buda-Pest.]

Einen bedeutenden Aufschwung hat die PESTER
BUCHDRUCKEREI-AKTIEN-GESELLSCHAFT, geleitet von SIEGM. V. FALK,
genommen; sie arbeitet in gedeihlicher Weise mit 15 Schnellpressen, 8
Handpressen und 200 Personen. Die Aktiengesellschaft ATHENUM (12 Schp.,
12 Giessm., 250 Arb.) druckt nicht weniger als zwanzig periodische
Schriften. Die Offizin der Aktiengesellschaft FRANKLIN-VEREIN (Rotm.,
11 Schp., ber 200 Arb.) hat sowohl als Werk- wie als Accidenzdruckerei
einen guten Ruf. Im Jahre 1873 erwarb der Verein den bedeutenden Verlag
von GUSTAV HECKENAST, der einen wesentlichen Anteil an dem Aufblhen
des Buchhandels in Ungarn gehabt hat. Er kam als Apotheker nach Pest,
bernahm aber, als der dort etablierte Otto Wigand aus Gttingen auf
Grund politischer Verhltnisse Ungarn schleunigst verlassen musste,
dessen Geschft und verband sich 1840 mit dem Buchdrucker Landerer. Mit
seinen nationalen Verlagsunternehmungen hatte Heckenast viel Glck,
namentlich mit dem von Kossuth redigierten _Pesti Hirlap_. Spter gab er
die illustrierte Sonntags-Zeitung heraus.

Die von der Gesellschaft HUNGARIA 1869 gegrndete, schn
eingerichtete, Buchdruckerei (verbunden mit Verlagsgeschft) druckt
mit Rotationsmaschine das Neue Pester Journal und das Volksblatt
und beschftigt 170 Arbeiter. Das grosse Geschft von GEBR. LGRD
liefert namentlich zahlreiche Jugendschriften, VICTOR HORNYNSKY viele
sehr gut gedruckte Bibeln in verschiedenen Sprachen. Ausserdem sind zu
erwhnen die UNIVERSITTS-BUCHDRUCKEREI (7 Schp.) und die bedeutenden
Zeitungsdruckereien: KHR & WEIN, welche das Illustrirte Tageblatt
auf Augsburger Rotationsmaschine drucken, PH. WODIANER, M. DEUTSCH (10
Schp.). Vortreffliche Arbeiten im kaufmnnischen Accidenzfach gehen aus
den Pressen der typo-lithographischen Anstalt von C. L. POSNER (7 Schp.,
11 Hdp.) hervor.

MOR. RTH gab als Verleger zwar eine Reihe von vorzglich ausgestatteten
Prachtwerken heraus, da er jedoch die Mehrzahl in Wien drucken liess, so
kann man aus denselben sich kein Bild der Leistungsfhigkeit der Pester
Typographie machen.

Hervorragende Druckanstalten besitzt Transleithanien sonst nicht. In
AGRAM befindet sich die wohleingerichtete Druckerei und lithographische
Anstalt von C. ALBRECHT mit 6 Schnellpressen und die der Landesregierung
gehrende Offizin des _Narodne Noviny_ (4 Schp.). Gutes leisten in RAAB
SANDOR CZH; in TEMESVAR GEBR. MAGYAR; in SZEGEDIN BURGER & CO.; in
NEUSATZ befindet sich die Druckerei des SERBISCHEN NATIONAL-VEREINS. Das
okkupierte Bosnien hat eine nach neuestem Zuschnitt gut eingerichtete
K. K. LANDESBUCHDRUCKEREI in SERAJEWO.

                   *       *       *       *       *

Whrend in dem Jahre 1856 der sterreichische Gesamtstaat (die
italienischen Provinzen nicht mitgerechnet) kaum 200 Druckoffizinen
aufwies, besassen die cis- und transleithanischen Lnder 1882 in
372 Stdten 756 Buchdruckereien, 345 lithographische Anstalten, 29
Schriftgiessereien und 1183 Buchhandlungen. Die Zahl der vorhandenen
Schnellpressen betrug 1568, die der Hand- und Tretpressen 2250.
Beschftigung fanden gegen 15000 mnnliche, 3500 weibliche Arbeiter und
2000 Lehrlinge. 38 Gehlfen-Vereine hatten 4162 Mitglieder und, darin
eingerechnet das Vermgen des Wiener Untersttzungs-Vereins von etwa
300000 Mark, ein Gesamtkapital von ber einer Million Mark.

Vergleichen wir die sterreichisch-Ungarische Monarchie mit dem
Deutschen Reiche, so geht hervor, dass erstere bei einem Umfange von
11300 Meilen und einer Bevlkerung von etwa 37500000 Menschen in der
graphischen Produktion sehr gegen letzteres zurckbleibt. Scheiden wir
die sterreichische Monarchie in vier graphische Gruppen, so erhalten
wir als Resultat folgende Zahlen:

  ---------------------------+--------+---------+----------+--------
                             | Buch-  | Lithogr.|  Typogr. | Litho-
                             |        |         |          | graph.
                             | druck. |Anstalten|Schnellpr.| Schp.
  ---------------------------+--------+---------+----------+--------
    I. DIE NRDLICHE GRUPPE: |        |         |          |
       Schlesien, Bhmen,    |        |         |          |
       Mhren, Galizien,     |        |         |          |
       Bukowina              |  251   |   148   |   442    |  75
                             |        |         |          |
   II. DIE MITTLERE GRUPPE:  |        |         |          |
       Nieder- und           |        |         |          |
       Obersterreich,       |        |         |          |
       Salzburg              |  190   |   111   |   450    |  79
                             |        |         |          |
  III. DIE SDLICHE GRUPPE:  |        |         |          |
       Tirol, Steiermark,    |        |         |          |
       Krnthen, Krain,      |        |         |          |
       die Kstenlnder      |   73   |    31   |   133    |  34
                             |        |         |          |
   IV. DIE STLICHE GRUPPE:  |        |         |          |
       Ungarn, Siebenbrgen, |        |         |          |
       Slawonien, Kroatien,  |        |         |          |
       Bosnien               |  242   |    55   |   344    |  11
                   ----------+--------+---------+----------+--------
                             |  756   |   345   |  1369    | 199

Die rein deutsche Gruppe II, mit der Kaiserstadt, in welcher fast alle
bedeutenden graphischen Anstalten ihren Sitz haben, und in der ber eine
Million Menschen lebt, ist mehr als anderthalbmal so gross an Umfang
als das Knigreich Sachsen und zhlt nur etwa 200000 Einwohner mehr.
Nichtsdestoweniger betrgt in Sachsen die Zahl der Buchdruckereien 136,
der lithographischen Anstalten 101 und der Schnellpressen 663 mehr als
in der sterreichischen Gruppe II.

Das Deutsche Reich, einen Umfang von etwa 2000 [Quadrat]Meilen
weniger als sterreich-Ungarn besitzend und etwas ber 5 Millionen
Einwohner mehr zhlend, hat 2633 Buchdruckereien, 1649 lithographische
Anstalten, 5708 Schnellpressen und etwa 3000 Buchhandlungen mehr.
Bei einer solchen Zusammenstellung darf jedoch nicht bersehen
werden, dass in den cis- und transleithanischen Lndern die Zahl der
Deutschsprechenden nicht viel mehr als den vierten Teil der Einwohner
betrgt.

Ebenso ungnstig stellt sich das Verhltnis, wenn wir die
sterreichisch-ungarischen Stdte mit 50000 Einwohnern und mehr mit den
deutschen (S. 276) zusammenstellen. Es giebt in sterreich deren nur
zehn, nmlich:

  ----------+-------------+----------+--------+----------+-------------
    Stdte  |Einwohnerzahl|Buchdruck.|Lithogr.|Buchhandl.|Zeitschriften
            |             |          | Anst.  |          |
  ----------+-------------+----------+--------+----------+-------------
  Buda-Pest |   365000    |    49    |   24   |    57    |     83
  Prag      |   190000    |    33    |   30   |    83    |     84
  Triest    |   124000    |    10    |    4   |    12    |      6
  Lemberg   |   104000    |    15    |    4   |    22    |     33
  Graz      |    94000    |     7    |    9   |    26    |     17
  Brnn     |    82000    |    12    |    6   |    15    |     24
  Szegedin  |    76000    |     4    |    1   |     4    |      2
  Krakau    |    61000    |     6    |    2   |    15    |      8
  Debreczin |    52000    |     3    |    1   |     2    |      2
  Pressburg |    50000    |     6    |    3   |     4    |      2

                   *       *       *       *       *

Die Bcherproduktion sterreichs lsst sich nicht wohl aus der des
ganzen deutschen Litteraturgebietes ausscheiden. Die Bchereinfuhr in
sterreich betrug 27620 Meterzentner, die Ausfuhr 9378; da von letzterer
jedoch die Remittenden der in Kommission versandten Artikel abgehen,
so kann die wirkliche Ausfuhr kaum auf 4000 Meterzentner geschtzt
werden. Merkwrdigerweise stellt sich das Verhltnis bei Musikalien noch
ungnstiger, da bei einer Einfuhr von 937 Meterzentner nur 66 Zentner
ausgefhrt wurden. Trotz der geringen Ziffern hat sich die Einfuhr seit
1860 zwei und einhalbmal, die Ausfuhr einmal erhht.

Die Zahl der Journale war zum Beginne des Jahres 1880 in den im
Reichsrate vertretenen Kronlndern 1074, darunter 340 politische Tages-
und Wochenbltter. Von der Gesamtzahl erschienen 79 tglich, 80 mehrmals
wchentlich, 310 wchentlich, 211 vierzehntgig, 226 monatlich. 728
Journale waren in deutscher, 73 in polnischer, 131 in tschechischer
Sprache. Wien beteiligte sich mit 483 Zeitschriften. 1872 hatte ein
Rckgang in der politischen Zeitungspresse stattgefunden und es
erschienen 19 Tagesbltter weniger als 1871.

UNGARN lieferte damals 558 Zeitungen, davon 356 in magyarischer, 120
in deutscher, 56 in slawischer und 21 in rumnischer Sprache. Die
Zahl der magyarischen Bltter hat seit der Zeit um 70 zugenommen, in
Buda-Pest erschienen 168; in den brigen Sprachen ist die Zahl ziemlich
unverndert geblieben.

[Illustration]


[Illustration]

                             XVI. KAPITEL.

                  DIE ZWEIGE DER GERMANISCHEN GRUPPE.

  DNEMARK. Fortschritte der Typographie: B. Luno, Gebr. Thiele, C.
    Ferslew & Co. u. a. Die Chemitypie: C. Piil. Die Giessmaschine: L.
    Brandt. Die Setzmaschine: C. Srensen. Die Schreibkugel: Malling
    Hansen. Island, Grnland. NORWEGEN. Geistiges Leben. SCHWEDEN.
    Norstedt & Sner, Central-Tryckeriet u. a. FINNLAND. RUSSLAND und
    POLEN. Die Staatsdruckerei und andere Offizinen. Das Zeitungswesen.
    DIE DONAULNDER: Serbien, Rumnien, Bulgarien. GRIECHENLAND.


                         DNEMARK UND NORWEGEN.

[Sidenote: Die Presse in Dnemark.]

Gegen das Ende des XVIII. Jahrhunderts ergriff die politische und
geistige Ghrung auch DNEMARK und bte ihre Wirkung auf die Presse
aus. Unter dem allmchtigen Ministerium Struensee wurde 1770 am 14.
September die schrankenloseste Pressfreiheit eingefhrt, was nicht ohne
grbliche Ausartungen abging. Wie gewhnlich trat dann als Gegensatz
eine weit ber das Ziel schiessende Reaktion ein, deren Schlussstein die
Verordnung vom 27. September 1799 war, durch welche die Zensur wieder
eingefhrt wurde und die Verfolgungen gegen die Presse ihren freien
Lauf nahmen. Ausserdem begann das XIX. Jahrhundert sehr unglcklich fr
Dnemark, welches die damals herrschende Politik mit dem Bombardement
von Kopenhagen, dem Verlust seiner glnzenden Flotte und der Abtretung
Norwegens bezahlen musste[258].

  [258] CAM. NYROP, _Bidrag til den danske Boghandels Historie_. 2 Teile.
        Kopenhagen 1870. -- KLEIN, _Adressebog for den danske norske og
        svenske Boghandel_. -- NYEROP in _Lsendes Aarbog for 1801_.

Unter diesen Verhltnissen konnte die Typographie Dnemarks in der
ersten Hlfte der Periode und noch lnger keine grossen Fortschritte
machen. Es herrschte kein guter Geschmack und die Produktionen gingen
nur selten ber das Mittelgute hinaus. Als bedeutendere Erscheinungen
sind zu nennen: _Den danske Vitruvius_, 2 Bnde, Folio; Langebecks
_Scriptores rerum danicarum_, 8 Bnde, Folio; _Beskrivelse over
danske Mnter og Medailler_, 3 Bnde, Folio; _Flora Danica_, ein sehr
bedeutendes und umfangreiches Werk.

[Sidenote: Die Typographie in Kopenhagen.]

Die Buchdruckereien in KOPENHAGEN beherrschten, durch
Innungsverhltnisse begnstigt, die Buchdruckereien der Provinz. Die
Autoren suchten, da der Buchhandel nicht gut organisiert war, zumteil
Verleger im Auslande.

[Sidenote: E. H. Berling * 1689, [+] 1759.]

CARL HEINRICH BERLING, Sohn des eingewanderten E. H. BERLING (I, S.
156), erwarb das Privilegium der _Posttidender_, welche den Titel
_Statstidende_, spter _Berlingske Tidende_ annahm, unter welchem Namen
sie noch heute besteht. Viele Jahre hindurch waren dieses und ein
anderes, ungefhr auf derselben Stufe der Mittelmssigkeit stehendes
Blatt, _Dagen_, die einzigen Quellen tagesgeschichtlicher Weisheit.

Das Volk verfiel in ein durch Geistesspielereien gewrztes weichliches
Wohlleben, aus welchem der Nationalgeist erst durch die Dichtungen Adam
Oehlenschlgers erwachen sollte. Allmhlich fielen die Schranken der
Presse wieder und es erblhte ein beraus reges geistiges Leben, das
ebenfalls die Entwickelung der Buchdruckerei und des Buchhandels im
Gefolge hatte.

[Sidenote: Bianco Luno * 27. Juni 1795, [+] 12. Aug. 1852.]

Im Jahre 1825 kam die erste Schnellpresse nach Dnemark. Der eigentliche
Schpfer des guten Geschmacks und der Typographie im Sinne der Neuzeit
war BIANCO LUNO[259], der sich, nach vielfachen Wanderungen in Italien,
Ungarn und Deutschland, 1831 in Kopenhagen etablierte. Die Ausstattung
und Ordnung seiner Druckerei war eine noch nicht in Dnemark bekannte
und wrde selbst im Auslande als eine mustergltige gegolten haben. Er
lieferte namentlich in Werk- und tabellarischen Arbeiten vortreffliches.
Die Druckerei arbeitet jetzt mit 9 in Kopenhagen von Eickhoff gebauten
Schnellpressen.

  [259] C. NYROP, _Bianco Luno og den danske Bogtrykkerkonst_.
        Kopenhagen 1881.

[Sidenote: Gebr. Thiele.]

[Sidenote: J. R. Thiele [+] 1876.]

In feineren Accidenz- und illustrierten Drucken sind die Brder JUST
und ANDREAS THIELE, Nachkommen eines 1770 aus Lemgo eingewanderten
Buchdruckers JOH. RUD. THIELE, in Dnemark unbertroffen. Sie erhielten
ihre Ausbildung in der Brockhausschen Offizin in Leipzig und knnen sich
mit den besten Illustrationsdruckern Deutschlands messen. Als Beispiele
ihrer Leistungen seien erwhnt: _Illustreret Tidende_, _The old northern
Runic monuments_ und _Queen Dagmars Cross_ in Farbendruck. Die Offizin
ist die grsste in Dnemark und arbeitet mit 17 Knig & Bauerschen
Schnellpressen. Die Gebrder Thiele drucken auch die Noten der Bank, die
Postmarken und fast alle dnischen Wertpapiere.

[Sidenote: C. Ferslew.]

Als Zeitungsdruckerei steht die Offizin C. FERSLEW & CO. obenan. Sie
verbindet Typographie mit Lithographie und Papierfabrikation. Ferslew
druckte zuerst mit einer Victoria-Endlosen. Drei grosse Tageszeitungen
werden in der Offizin hergestellt, in welcher 9 Kastenbeinsche
Setzmaschinen und 11 Ablegemaschinen arbeiten, wohl mehr als fr den
Augenblick im ganzen Deutschen Reich. Bei der Bedienung sind mehr als
dreissig Mdchen unter Leitung einer Directrice beschftigt. Um den Satz
zu beschleunigen, werden schlecht geschriebene Manuskripte erst mittels
der Malling Hansenschen Schreibkugel (S. 446) umgeschrieben und dann dem
Setzer bergeben, wodurch es mglich wird, den Hauptteil einer grossen
Zeitung in zwei Stunden herzustellen. Die als eine Neuheit von Beschke
in Deutschland eingefhrten Wetterkarten werden schon seit fnf Jahren
bei Ferslew hergestellt.

Das Beispiel Lunos und Thieles hat sehr befruchtend gewirkt und der
dnische Druck nimmt im ganzen eine sehr respektable Stellung ein. Die
Offizin von BERLING, welche jetzt nur die _Berlingske Tidende_ mit
Rotationsmaschine aus der Fabrik Eickhoff in Kopenhagen druckt, hat
sich durch Einfhrung der technischen Verbesserungen und Erfindungen
des Auslandes verdient gemacht. Der letzte mnnliche Besitzer der
Firma CARL BERLING spielte als Kammerherr, Reisemarschall und
Gnstling des Knigs Friedrich VII. eine Rolle. Er starb auf einer
Reise in gypten am 30. Mrz 1871. Geachtete Namen erwarben sich
unter anderen ANDREAS SEIDELIN und die von J. F. SCHULTZ begrndete
Hofbuchdruckerei, jetzige Universittsbuchdruckerei von J. H. SCHULTZ,
welche mit 12 Schnellpressen namentlich Regierungs-, Universitts- und
Kommunalarbeiten liefert. In der Provinz ist zu nennen die ber 110
Jahre bestehende FYENS STIFTS-BUCHDRUCKEREI in ODENSE, wo die Wiege der
dnischen Buchdruckerei stand (I, S. 74).

[Sidenote: Statistisches.]

Zur Zeit hat Dnemark 175 Buchdruckereien (davon 71 in Kopenhagen) mit
einem Arbeitspersonal von 1438 Kpfen, darunter 746 Setzergehlfen,
354 Setzerlehrlinge; 69 Setzerinnen, namentlich bei den Setzmaschinen
thtig; 176 Drucker, 82 Druckerlehrlinge. Die Zahl der Schnellpressen
ist 294, der Tretpressen 36 (davon in Kopenhagen 151 Schnellpressen,
35 Tretpressen). 90 Handpressen werden wohl, wie berall, fast nur als
Korrekturpressen dienen[260].

  [260] M. TRUELSEN, _Statistisk Oversigt over Typographien i Danmark_.
        Kopenh. 1881.

Die litterarische Produktion ist nicht so genau wie in Deutschland
anzugeben, da die einzige Kontrolle in der angeordneten Ablieferung
eines Exemplars jeden Druckwerkes an die knigliche Bibliothek besteht.
Eingereicht wurden im Jahre 1880 349 Zeitschriften, 1806 Bcher und
Broschren. In Kopenhagen erscheinen 14 Tagebltter zumeist im Format
der grossen Pariser Zeitungen; in den Provinzen 50. Kopenhagen hat 14
illustrierte Wochenbltter, unter welchen die humoristischen eine grosse
Verbreitung haben.

[Sidenote: Xylographie und Chemitypie.]

Die Xylographie, frher hauptschlich durch Deutsche gebt, leistet
sehr anerkennenswertes; die bedeutendsten Anstalten sind die der
_Illustreret Tidende_, H. P. HANSEN, F. HENDRIKSON und J. J. ROSENSTAND.
Die Chemitypie verdankt dem Dnen CHR. PIIL[261] ihr Dasein und ist in
Dnemark sehr beliebt geworden. fters wird sie mit der Zinkhochtzung
verwechselt, jedoch beruht sie auf anderen Grundstzen (S. 18). Piil
brachte seine Erfindung nach Leipzig und bte sie dort in Verbindung mit
dem Buchhndler H. Friedlein. Auch die Zinkographie fand sehr geschickte
Ausber in Dnemark.

  [261] C. PIIL, Die Chemitypie. Leipzig 1846.

[Sidenote: Schriftgiesserei.]

Auf Grund des kleinen Geschftsgebietes konnte die SCHRIFTGIESSEREI
nicht mit der deutschen Schritt halten. Schriften wurden hauptschlich
von Trennert in Altona und Genzsch & Heyse in Hamburg, dann auch von
Berlin und Leipzig bezogen. Gute Arbeiten liefert H. A. F. FRIES in
Kopenhagen.

[Sidenote: Die Schriftgiessmaschine.]

[Sidenote: L. Brandt * 6. Sept. 1807.]

In Deutschland gilt (S. 295) der Dne LAURITZ BRANDT allgemein als
Erfinder der Schriftgiessmaschine. Er stammte aus Faaborg auf der
Insel Fhnen. Als Schlossergeselle ging er nach St. Petersburg, wo er
allerlei mechanische Instrumente anfertigte, reiste kreuz und quer durch
Deutschland, verheiratete sich dort und segelte dann nach Amerika. Hier
fhrte er den Gedanken, die Giessmaschine zu konstruieren, aus und
baute diese in dem Hause der bekannten Schriftgiesserei David Bruce
jun. in New-York. 1844 ging er nach Deutschland und verkaufte sein
Patent an Eduard Hnel in Berlin. Brandt erntete hieraus weder grosse
pekunire Vorteile noch Ehre, denn Hnel verschwieg seinen Namen, sodass
bald dieser selbst, bald Steiner in Mnchen als Erfinder galt. Brandt
verliess Deutschland und ging nach Dnemark, wo er mehrere Maschinen
fr die Schriftgiesserei Fries baute, die noch heute in Wirksamkeit
sind. In Schweden erwarb L. Hierta das Patent, welches spter auf die
Firma Norstedt & Sner berging. Nach einem etwa vierjhrigen Aufenthalt
in Europa ging Brandt nach New-York zurck und grndete dort ein
Etablissement, aus dem eine grosse Anzahl Maschinen hervorging. 1859
zog er sich ins Privatleben zurck und bergab sein Etablissement an N.
Erlandsen, der, ebenfalls ein Dne, als armer Junge von seinen Eltern
aufgenommen worden war. Gegen Brandts Ansprche machte David Bruce sein
Erfindungsrecht geltend (S. 39).

[Sidenote: Die Setzmaschine.]

[Sidenote: Chr. Srensen * 7. Mai 1818, [+] 30. Jan. 1861.]

Wennauch mit Setzmaschinen verschiedentlich experimentiert worden war,
so muss doch CHRISTIAN SRENSEN[262] in Kopenhagen als der Erfinder
betrachtet werden, denn er war der erste, der eine wirklich lebensfhige
Maschine herstellte, die auf den Prinzipien beruhte, welche von allen
spteren Erfindern, mit Ausnahme von Mackie, angenommen wurde.

  [262] C. NYROP, Christian Srensen. _Et Industribillede._ Kopenhagen
        1869.

Srensen war von ganz armen Eltern geboren und musste schon als Kind zum
Verdienst mit beitragen durch Arbeit bei einem Leineweber, und konnte
nur in den Abendstunden einen notdrftigen Unterricht geniessen. Durch
einen Zufall kam er spter in Setzerlehre.

Er war ein mechanisches Genie. In seinem zwanzigsten Jahre entstand
bei ihm der Gedanke, eine Setzmaschine zu schaffen. Von den vor ihm
gemachten Versuchen hatte er keine Ahnung. Am 29. April 1846 erhielt er
ein Patent fr eine Setz- und Ablegemaschine und eine Untersttzung zur
Ausfhrung eines Modells. Whrend Srensen hiermit noch beschftigt war,
ergingen die Einladungen zur ersten Weltausstellung in London. Gelang
es, dort mit der Setzmaschine zu erscheinen, so war das Ziel erreicht!
Das Erscheinen gelang ihm zwar, aber -- die Maschine erhielt nicht
einmal eine ehrenvolle Erwhnung.

[Sidenote: Erfolge in Paris.]

Das war ein harter Schlag fr Srensen, und seine Gnner fingen nun
an, sich von ihm zurckzuziehen. Da erschien als Retter in der Not der
Publizist J. F. Gjdwad, Herausgeber der Zeitung _Fdrelandet_, und
bestellte eine Maschine und, als sie gut ausfiel, noch eine zweite. Ehe
diese zur Vollendung kam, trat die Pariser Ausstellung von 1855 ins
Leben. Der Besteller war liberal genug, zu gestatten, dass sie erst
in Paris ausgestellt wrde. Hier erregte sie allgemeines Staunen und
wurde einstimmig von dem Jury-Kollegium der hchsten Belohnung wrdig
befunden, welche fr diejenigen Mnner bestimmt war, die sich um die
Gesellschaft besonders verdient gemacht hatten.

Die Maschine war eine doppelte, eine Setz- und eine Ablegemaschine,
und wurde erst durch eine Giessmaschine vervollstndigt, die auch sehr
schwieriger Natur war, da viele (bis auf 6) komplizierte Signaturen
notwendig waren; doch gelang alles nach Wunsch.

[Sidenote: Not, Sorge und Tod.]

Der pekunire Vorteil des Pariser Erfolges blieb jedoch fr Srensen
aus. Er fiel in Paris Schwindlern in die Hnde und nach vielen
vergeblichen Anstrengungen fr die Einfhrung der Maschine in
Frankreich, Deutschland und sterreich kehrte er krank und gebeugt
nach Dnemark zurck. Hier fand er wieder Beistand und Aufmunterung
bei seinem alten Gnner Gjdwad. Zwar geschahen auch von anderer Seite
Schritte, die Srensens Zukunft wenigstens sorgenfreier gestalteten,
aber Kummer und frhere Nahrungssorgen hatten seinen Lebensfaden
durchschnitten und er erlag seinen Leiden am 30. Januar 1861.

[Sidenote: Die Schreibkugel.]

[Sidenote: R. Malling Hansen.]

Mit der Setzmaschine verwandt ist die Schreibmaschine oder SCHREIBKUGEL.
Der erste, der mit einer solchen wirkliche Erfolge erzielte, war der
Direktor der kniglichen Taubstummenanstalt in Kopenhagen, R. MALLING
HANSEN. Durch sein Nachsinnen ber die Mittel zu einer leichteren
Verstndigung zwischen Taubstummen und Blinden kam er auf den erwhnten
Apparat, den er nach und nach sehr vervollkommnet hat.

Durch die Oberflche einer hohlen metallenen Halbkugel geht eine Anzahl
von Stahlstiften, die wie Radien eines Kreises nach dem Mittelpunkte
zusammenlaufen, was durch knstliches Unterschneiden der Stifte
ermglicht wird. Auf dem unteren Ende eines jeden derselben ist ein
Antiqua-Versalbuchstabe erhaben geschnitten, wie jeder Typenstempel.
Unter dem Mittelpunkte, wo alle Buchstaben zusammentreffen, liegt das
Schreibpapier mit einem Farbepapier bedeckt. Durch den Druck mit dem
Finger auf den Knopf eines Stempels wird dieser nach dem Zentrum gefhrt
und bt einen Druck auf das Farbepapier, wodurch der Buchstabe auf das
weisse Papier abgefrbt wird. Nach jedem Druck bewegt sich das Papier
soweit seitwrts zurck, dass der nchste Buchstabe in die richtige
Entfernung von dem vorhergehenden zu stehen kommt. Ist die Zeile voll,
schiebt sich das Papier so weit nach oben, dass es in die richtige
Lage kommt, um die folgende Zeile aufzunehmen. Eine Schnelligkeit von
20000 Buchstaben in der Stunde ist noch keine bertriebene. Durch
bereinanderlegen von bis zu zehn Schreib- und Farbeblttern ist es
mglich, eine ebenso grosse Anzahl Drucke gleichzeitig zu schaffen, die
wieder durch elektrische Verbindung mehrerer Apparate nach Belieben
gesteigert werden kann.

[Sidenote: Die Maschinenfabrikation.]

[Sidenote: J. G. A. Eickhoff * 4. Mrz 1809, [+] 30. Mai 1875.]

Die erste eiserne Handpresse in Dnemark wurde 1836 von HTTEMEYER,
die erste Schnellpresse 1847 von J. G. A. EICKHOFF aus Wittenfrden
in Mecklenburg-Schwerin nach dem System Knig & Bauer hergestellt.
Seine 200. Maschine folgte 1874. ber 125 davon gingen nach dem
Auslande, namentlich nach Schweden und Russland. Eickhoff baut auch
Rotationsmaschinen.

Die Papierfabrikation ist besonders durch die Familie DREWSEN in die
Hhe gebracht. Das dnische Fabrikat ist in den Mittelsorten ein sehr
brauchbares. Die Buchbinderei nahm stets einen respektablen, wennauch
keinen hervorragenden Platz ein.

[Sidenote: Lithographie.]

Die LITHOGRAPHIE wurde durch C. C. LOSE von einem Deutschen HEINRICH
WENZLER 1811 eingefhrt und hauptschlich fr den Notendruck benutzt.
Der Kunstsinn, welcher, durch die von Thorwaldsen gegebene Anregung
in allen Schichten der Bevlkerung geweckt, einen mchtigen Einfluss
auf das Kunstgewerbe gebt hat, wirkte auch auf die Lithographie. Es
entstanden nicht nur vorzgliche Kartenarbeiten, sondern auch wirkliche
Kunstbltter, letztere namentlich durch EMIL BRENTZEN & CO., jetzt
HOFFENSBERG & TRAP, welche auch vorzgliche Chromos liefern. Neben
diesen verdienen J. W. TEGNER & KITTENDORF genannt zu werden.

Der Buchhandel in Dnemark ist nach deutschem System gut organisiert.
Das offizielle Organ des skandinavischen Buchhandels ist das seit 30
Jahren von O. H. DELBANCO herausgegebene _Nordisk Boghandlertidende_.

[Sidenote: Island.]

[Sidenote: Grnland.]

Auf der Insel ISLAND blieb stets der Sinn fr die Litteratur herrschend.
Es bestehen dort 5 Druckereien mit 7 Pressen und 4 Journale erscheinen
daselbst. Die Offizinen von EINAR THORDARSON und BJRN JNSSON besitzen
je eine Schnellpresse. Im Jahre 1799 kam die Islndische Litterarische
Gesellschaft[263] in den Besitz einer kleinen Druckerei, in der bereits
1840 ber 100 Werke gedruckt waren. Auch die FRINSELN besitzen eine
Offizin und ein Blatt. Selbst GRNLAND ist nicht zurckgeblieben. Unter
den in den dnischen Kolonien wohnenden 12000 Eingeborenen ist die
Fertigkeit im Lesen und Schreiben so verbreitet, wie irgend in Europa.
In den Jahren 1857-61 machte der Inspektor von Sd-Grnland, nachdem ihm
auf Rechnung der Grnlndischen Handelsdirektion eine Buchdruckpresse
gesendet war, einen Versuch, einen Eingeborenen, LARS MLLER, im Setzen
und Drucken und einen andern im Holzschneiden zu unterrichten. 1861-62
hielt sich ersterer in Kopenhagen auf und wurde dort ordentlich im
Buch- und Steindruck unterrichtet. Nach seiner Rckkehr liess der
Inspektor ein kleines Gebude auffhren und als Buch- und Steindruckerei
einrichten. Ausser einigen kleinen erzhlenden Schriften gingen zwei
periodische Unternehmungen aus dieser Offizin hervor: _Atuagagdliutit_
(Unterhaltungslektre), worin auch Beitrge von Eingeborenen und viele
Abbildungen enthalten sind; das andere enthlt die Jahresberichte der
Ortsvorsteher mit lithographierten Tafeln. In der Kolonie GODTHAAB
(Gute Hoffnung) befindet sich eine zweite Herrnhutische Missionspresse,
aus der eine Anzahl von Erbauungs- und Unterrichtsbchern hervorgingen.
Das erste dort gedruckte Buch war eine Legendensammlung _Kalladtit
Okalluktua alliat_ mit zwlf von Eingeborenen gezeichneten und
geschnittenen Holzstcken und acht Liedern mit Musiknoten.

  [263] _Det islandske Literaire Selskabs Love._ Kopenhagen 1851. --
        NYEROP, _Lsendes Aarbog for 1801_.

                   *       *       *       *       *

[Sidenote: Norwegen.]

In NORWEGEN[264] kann man, sieht man von der altehrwrdigen Litteratur
der Eddas und des reichen Sagenschatzes in der _Norrna_-Zunge ab (I, S.
156), eigentlich erst seit etwa 70 Jahren von einer Nationallitteratur
reden.

  [264] PAUL BOTTEN-HANSEN, _La Norvge littraire_. Christiania 1868. --
        _Beretning om Scularfesten i Christiania 1840._

[Sidenote: Christiania.]

In CHRISTIANIA wurde die zweite Druckerei erst im Jahre 1807 angelegt.
Nachdem die politische und die damit verbundene Pressfreiheit im
Jahre 1814 urpltzlich und in einem Maasse, wie es in der Geschichte
nicht oft vorkommt, errungen war, begann auch eine grosse Regsamkeit
in der Litteratur. Man machte bedeutende, mitunter etwas krampfhafte
Anstrengungen, um eine nationale norwegische Litteratur zu schaffen,
und damit fing auch die Buchdruckerkunst an, einen bedeutenderen Platz
einzunehmen.

[Sidenote: Zeitungswesen.]

In einem Lande, wo die grosse rumliche Ausdehnung, die kleine,
weit zerstreute Bevlkerung und die Naturschwierigkeiten einen
schnellen Paketverkehr notwendig machten, war die Journalpresse von
grosser Wichtigkeit und oft die einzige Quelle der Belehrung und
Unterhaltung. Die Spuren derselben reichen bis auf das Jahr 1760
zurck. Die erste eigentliche Zeitung waren die 1763 begonnenen _Norske
Intelligenzsedler_. Die Zeitungen unterlagen, wie in Dnemark, der
Zensur und zwar einer sehr strengen. Zur Empfangnahme von Zeitungen
durch die Post gehrte eine besondere Erlaubnis. Im Jahre 1814 war
die Zahl der periodischen Schriften nur fnf. 1815 wurde das erste
tglich erscheinende _Morgenbladet_ gegrndet. Die wissenschaftliche
Journalistik ist nicht ohne Wichtigkeit. Unter den 85 Journalen
Norwegens befinden sich auch mehrere illustrierte.

[Sidenote: Bcherproduktion.]

[Sidenote: Statistisches.]

Auch die Bcherproduktion wurde eine regere. Im Jahre 1868 konnten
bereits 650 Autoren bezeichnet werden. Zum Betrieb des Buchhandels nach
deutschem Zuschnitt gab der Dne JOHANN DAHL den Anstoss und Norwegen
hat seitdem eine Reihe von tchtigen Buchhndlern und Buchdruckern
aufzuweisen. 1840 zhlte man dort schon 33 Buchdruckereien, von welchen
Christiania 15 mit 35 Pressen und 95 Arbeitern aufwies. 1879 war die
Zahl der Buchdruckereien auf 126 gestiegen, davon 29 in Christiania
mit 72 Schnellpressen und 483 Personen. Die GRNDAHLsche Buchdruckerei
dort hat das Verdienst, 1830 die erste eiserne Presse, 1840 die erste
Schnellpresse, 1854 den Dampfbetrieb eingefhrt zu haben. Von ihr stammt
auch die Annahme des Didotschen Kegelsystems. Bis vor kurzem hatte die
Fraktur entschieden das bergewicht, sie weicht aber Schritt fr Schritt
der Antiqua. Bergen hatte 8 Offizinen und 9 Schnellpressen.

Zur Papierfabrikation trgt Norwegen indirekt durch eine starke Ausfuhr
von Holzstoff bei, deren Wert 1879 nahe an 1-1/2 Millionen Mark betrug.


                         SCHWEDEN UND FINNLAND.

[Sidenote: Schweden.]

In SCHWEDEN, dessen Einwohner so oft die Franzosen des Nordens genannt
werden, zeigte sich eine besondere Vorliebe fr franzsische Litteratur
und franzsisches Wesen. Vielleicht hat dies mit dazu beigetragen, dass
die Schweden rascher und allgemeiner als die Dnen und Norweger die
Antiquaschrift als bliche Buch- und Zeitungsschrift annahmen, so dass
thatschlich die Fraktur nur fr kirchliche oder wirklich nur fr das
Volk bestimmte Litteratur beibehalten wurde. Es drften berhaupt in den
drei skandinavischen Lndern die Tage der Fraktur gezhlt sein.

In betreff des Bezuges von Schriften, Druckmaterial und Utensilien ist
Schweden noch mehr als Dnemark auf das Ausland, namentlich Deutschland,
angewiesen, und stand auch im allgemeinen etwas hinter Dnemark in der
Typographie zurck.

[Sidenote: Typographen.]

Einer der bedeutendsten Buchdrucker war PETER MOMMA ([+] 1772), ein
Rechtsgelehrter, der auf seinen Reisen die Buchdruckerei in Holland
lernte. Er war auch der erste, der eine Schriftgiesserei in Schweden
errichtete. J. S. EKMANSSON fhrte 1796 die Didotschen Schriften ein.
In LUND erwarb der Dne C. GUSTAV BERLING 1745 eine Offizin, welche
Bedeutung erlangte und mit der eine, hauptschlich den akademischen
Bedrfnissen gewidmete Schriftgiesserei verbunden wurde. Sie blht noch
in den Hnden der Familie Berling.

[Sidenote: P. A. Norstedt.]

Den bedeutendsten Platz unter den typographischen Anstalten Schwedens
nimmt die von P. A. NORSTEDT in Stockholm gegrndete ein. Er kaufte
1821 die Offizin von J. P. LINDH, nahm seine beiden Shne ADOLF und
CARL zu Teilnehmern und firmierte seit 1823 P. A. Norstedt & Sner. Im
Jahre 1862 ging das Geschft auf die Verwandten Norstedts GUSTAV LAURIN
und ALBERT LAURIN ber, beide starben jedoch zum allgemeinen Bedauern
zeitig. Das jetzt noch blhende Geschft hat Werke geliefert, welche mit
den besten des Auslandes konkurrieren knnen. 1869 begannen Norstedts
die _Nordisk Bogtryckertidende_, welche leider 1875 wieder zu erscheinen
aufhrte[265].

  [265] Einer der neuesten Verlagsartikel der Firma ist J. G. Nordins
        _Handbok i Boktryckare konsten_, ein so vorzgliches, nebenbei
        gesagt typographisch so vortrefflich ausgestattetes Lehrbuch
        der Kunst, wie es Deutschland nicht besitzt. Am 1. April 1883
        begann ein neues Fachjournal: _Nordisk Typograf-Tidning_. Am
        1. Juli 1883 und den folgenden Tagen feierte Schweden die
        400jhrige Einfhrung der Kunst, bei welcher Gelegenheit eine
        Festschrift des erwhnten J. G. Nordin im Verein mit dem um die
        Bibliographie Schwedens verdienten Bibliothekar G. E. Klemming:
        _Svensk Bogtryckeri-Historia 1483-1883_, 1. Teil, erschien.
        Der Teil reicht leider nur bis zu dem erwhnten Momma (etwa
        bis 1770). Aus demselben geht jedoch hervor, dass nunmehr die
        Thatsache feststeht, dass gleichzeitig mit Joh. Snell (I, S. 75)
        ein zweiter deutscher Buchdrucker, Nic. Gothan, der frher schon
        in Magdeburg eine Offizin hatte, 1483 in Stockholm ein Buch,
        _Vita St. Katherine_, druckte.

Im Jahre 1874 grndete eine Aktiengesellschaft ein grosses graphisches
Institut, _Central-Tryckeriet_, unter der Direktion von HANS FORSELL,
welches im Jahre 1875 15 periodische Schriften, darunter 11 illustrierte
Bltter, druckte. In der Nacht vom 20. zum 21. Dezember desselben Jahres
brannte die Anstalt teilweise ab, bei welcher Gelegenheit der verdiente
Dirigent der lithographischen Abteilung, der Deutsche A. SEEDORF, einen
jmmerlichen Tod in den Flammen fand.

Selbst die Hauptstadt des schwedischen Lapplands, HAPARANDA, dicht an
der Grenze des russischen Finnlands, hat eine Druckerei und zwar mit
einem adeligen Besitzer, G. C. VON KLERCKER, und ein Wochenblatt _Nyaste
Riksgrnsen_.

[Sidenote: Zeitungen.]

Die periodische Litteratur weist 321 Nummern auf. 91 Journale erscheinen
in Stockholm, 18 in Gothenburg, 10 in Malm, 7 in Lund. 14 Bltter
erscheinen tglich, davon 4 in doppelten Ausgaben; Stockholm hat deren
6, Gothenburg, Helsingborg, Malm je zwei.

Durch die Bestrebungen der eingewanderten Dnen C. W. GLEERUP in Lund
und AD. BONNIER in Stockholm ist der schwedische Buchhandel ganz in der
Art des deutschen organisiert. Die Zahl der Buchhandlungen betrgt 261.

Der Schwede liebt das Bunte und neben einer grossen Anzahl von
geschichtlichen Werken und Romanen werden auch viele illustrierte,
namentlich ethnographische Prachtwerke mit Chromolithographien gedruckt,
doch werden sie auch zumteil in Deutschland ausgefhrt. Die Lithographie
kam 1818 nach Schweden. Eine Anstalt von Bedeutung ist _Lithographiska
Aktie Bolaget i Norrkping_, welche namentlich vortreffliche Landkarten
geliefert hat.

[Sidenote: Die Papierfabrikation.]

Die Papierfabrikation Schwedens hat eine grosse Bedeutung und die Zahl
der Fabriken betrgt etwa 60. Es wird sehr gutes Papier fabriziert,
wennauch fr gewhnlich ein recht mittelmssiges Fabrikat zur Verwendung
kommt. Schweden mit seinem grossen Reichtum an Holz und Wasserkraft hat
die Fabrikation des Holzstoffes mit Eifer ergriffen und fhrt bedeutende
Quantitten aus. Seine erste Farbenfabrik erhielt es erst vor wenigen
Jahren durch O. MARIN in Sderkping.

                   *       *       *       *       *

[Sidenote: Finnland.]

FINNLAND, politisch mit Russland vereinigt, im Besitz seiner nationalen
Sprache und einer, wennauch nicht bedeutenden, nationalen Litteratur,
in dem hheren litterarischen Verkehr sich der schwedischen Sprache
bedienend, ist in betreff des Buchgewerbes mehr zu Schweden als zu
Russland gehrend zu betrachten.

[Sidenote: Typographen.]

Die bedeutendste typographische Familie ist die Frenckellsche. Statt
der nach Stockholm verlegten Druckerei (I, S. 158) erhielt BO 1772
eine neue Offizin, die im Jahre 1750 in die Hnde von J. C. FRENCKELL
kam, welcher 1755 zum akademischen Buchdrucker ernannt wurde, und 1802
noch eine Druckerei in HELSINGFORS, wohin 1829 die Universitt von bo
verlegt wurde, grndete, die noch krftig blht.

[Sidenote: Zeitungen.]

Im Jahre 1771 erschien die erste schwedische Zeitung in bo; 1776 die
erste in finnischer Sprache. Unter der strengen Zensur konnte die
Zeitungslitteratur nur einen sehr langsamen Fortgang nehmen, erst
in den sechziger Jahren unseres Jahrhunderts trat ein erheblicher
Umschwung ein, so dass im Jahre 1878 24 Zeitungen in schwedischer, 30 in
finnischer Sprache erschienen. 1871 hatte Finnland 20 Buchdruckereien,
die sich auf 12 Stdte verteilten, davon kamen 7 auf Helsingfors. Die
Zahl der Gehlfen betrug 118, der Lehrlinge 99. Schnellpressen gab es
12, Handpressen 45. Jetzt hat Finnland 40 Buchdruckereien.

Die von TILGMANN aus Helsingfors erfundene Tiegeldruck-Endlose
_Mia_ hat wohl nicht den in Deutschland gehegten Erwartungen ganz
entsprochen[266].

  [266] Journ. f. B. 1878, Nr. 7.


                          RUSSLAND UND POLEN.

[Sidenote: Langsame Entwickelung der Typographie.]

Dass die Typographie in Russland und Polen nicht in der Weise blhen
konnte, wie in Lndern, wo die politische Freiheit eine frische
litterarische Bewegung und eine lebhafte Wechselwirkung mit den
bedeutendsten Kulturvlkern hervorrief, ist selbstverstndlich. Hierzu
kommt noch als erschwerendes Moment die grosse rumliche Ausdehnung des
Reiches. Wie (S. 257) bereits erwhnt wurde, erhielt Russland nicht nur
sein typographisches Material aus Deutschland, sondern auch die Ausber
der Buchdruckerkunst sowohl als des Buchhandels waren grsstenteils
Deutsche. Diese haben erst Ordnung und System in das graphische Geschft
gebracht. Der national-russische Buchhandel war noch 1840 in einem
desolaten Zustande. SMIRDIN in St. Petersburg und SIMIN in Moskau
gehrten zu den wenigen, welche das Geschft kaufmnnisch regelrecht
betrieben.

Die Buchdruckereien verbreiteten sich langsam; 1874 war die Zahl
derselben in St. Petersburg 107, die der lithographischen Anstalten
105, der Schriftgiessereien 11, der Buchhandlungen mit offenem Laden
77. Den Bemhungen eines Deutschen, R. SCHNEIDER, ist die Errichtung
einer typographischen Lehrlingsschule zu verdanken. Derselbe gab auch
1867-1869 ein typographisches Journal in russischer und deutscher,
spter nur in russischer Sprache heraus, das auf Ed. Hoppe berging.
Schneider verliess 1882 Russland und ging nach der Schweiz.

[Sidenote: Die Staatsdruckerei.]

Eine eben so eigentmliche wie vortreffliche Anstalt ist die kaiserliche
STAATSDRUCKEREI oder, wie die offizielle Bezeichnung lautet: die
Kaiserlich Russische Expedition zur Anfertigung der Staatspapiere,
ein Institut, das jedes, selbst das in den graphischen Knsten am
weitesten fortgeschrittene Land mit Stolz das seinige nennen wrde.
Durch ihre wahrhaft eminenten Leistungen in photographischen Hoch- und
Tiefdruckplatten, durch die geistreiche Kombination von Heliographie
und Galvanoplastik und durch die vielfachen wichtigen Anwendungen
der verschiedenen graphischen Knste zur Herstellung von Staats- und
Wertpapieren hat sie tief eingreifende Erfolge erzielt. Die Fabrikation
von Papier mit Wasserzeichen in unvergleichlicher Klarheit und Zartheit,
sowie von geschpftem Handpapier mit allen den Eigenschaften, die
man von einem fr Wertzeichen bestimmten Papier verlangt, wird in
grossartigem Maassstabe betrieben. Die Festigkeit ist namentlich dem
vorzglichen russischen Hanf zuzuschreiben. Die Kontrolle beginnt mit
der Feststellung des Gewichts des abgelieferten Papiers und lsst sich
fr jeden Bogen auf seiner Wanderung durch die Anstalt verfolgen. Die
Fabrik arbeitet mit sechs grossen Maschinen und vierzehn Btten[267].

  [267] Das Journ. f. B. 1872 bringt eine sehr detaillierte Beschreibung
        des Instituts, von TH. GOEBEL.

Stempel und Matrizen, Clichs in Kupfer und namentlich in Eisen,
eine Spezialitt der Anstalt, die gerade fr die Herstellung des
farbigen Druckes in grossen Auflagen sowohl der Dauerhaftigkeit, als
der Unangreifbarkeit durch Farben wegen von wesentlich praktischem
Werte sind, werden in vorzglichster Qualitt geliefert. Buch- und
Holzschnittdruck, Kupferdruck, Lithographie, Autographie, Chromographie,
Photogalvanographie, Heliographie, Elektrotransformatypie, ein Verfahren
zur Herstellung einer Platte mit Bildstellung beliebig nach rechts
und links, kurz, jeder nennbare graphische Prozess wird dort zur
Vollkommenheit gebracht. Ebenfalls vorzglich sind die durch Georg v.
Scamoni photographisch erzielten mikroskopischen Schriften. Derselbe,
aus Wrzburg gebrtig, hat einen grossen Anteil an den Erfolgen der
Anstalt in allen heliographischen Verfahrungsweisen[268].

  [268] Seine Erfahrungen hat er in seinem Handbuch der Heliographie
        mit Atlas, Berlin 1872, niedergelegt.

Die Anstalt wurde 1818 unter Leitung von THEOD. SCHNEIDER aus Mannheim
gegrndet und besteht seit 1866 als selbstndiges Geschft, das seine
berschsse an die Staatskasse abliefert. Der Chef ist seit 1861 der
Staatsrath THEOD. VON WINBERG. Bereits im Jahre 1873 hatte die Anstalt
17 Dampfmaschinen mit 362 Pferdekraft zur Disposition. Die Druckerei
arbeitete mit 58 Schnellpressen, darunter 35 aus der Fabrik von Knig &
Bauer, 60 Handpressen, eine ausserordentliche Zahl von Hlfsmaschinen
und beschftigte im Hause 1400-1800, ausser dem Hause 300-1200 Arbeiter.

Eine eigentmliche Einrichtung ist die Beteiligung des ganzen Personals
bis zum jngsten Arbeiter herunter an dem Gewinn der Anstalt, der ein
bedeutender, zwischen 3-400000 Rubel jhrlich, sein soll. Die eine
Hlfte derselben fliesst in die Staatskasse, die andere wird unter das
Personal in der Weise verteilt, dass jeder Arbeiter mindestens einen
Monatslohn als Anteil empfngt.

Die baulichen Anlagen der Anstalt, welche in dem sdlichen, nicht sehr
bebauten Stadtteil sich befinden, bedecken einen grossen, an drei Seiten
von Strassen begrenzten Flchenraum, auf welchem ausser der eigentlichen
Druckerei auch die Papierfabrik und die Wohnungen der Beamten sich
befinden.

Zum Schutze der Anstalt hlt eine Wache von 36 Mann die verschiedenen
Zugnge bei Tag und Nacht besetzt. Die Gebude sind durchweg massiv und
feuersicher, fast nur von Stein und Eisen. An der Spitze der Anstalt,
welche dem Finanzministerium unterstellt ist, steht ein technisch
gebildeter Direktor. Als Vorsteher der einzelnen Abteilungen, sowie
zur Wahrnehmung der Kassen- und Rechnungsgeschfte und der Kontrolle
sind 160 Beamte und 280 Meister und Meistergehlfen angestellt. Sehr zu
loben ist, dass die mchtige Anstalt nur auf die Bedrfnisse des Staats
beschrnkt bleibt, obwohl es in Russland eher als in anderen Lndern zu
entschuldigen wre, wenn sie Privaten Konkurrenz machte.

[Sidenote: Verschiedene Firmen.]

Die UNIVERSITTSBUCHDRUCKEREI wurde 1755 gegrndet. 1871 beschftigte
sie 16 Schnell- und viele Handpressen und ist reich mit orientalischen
Schriften versehen; das Vaterunser konnte in 325 Sprachen gesetzt
werden. Eine zweite orientalische Buchdruckerei, namentlich fr
armenischen Druck bestimmt, errichtete 1836 JOACHIM LAZAREFF. Unter den
lteren Buchdruckereien nimmt die von J. J. GLASANOW (Oberbrgermeister,
wirklicher Staatsrat, Excellenz), welche bereits ihr hundertjhriges
Bestehen feierte, einen bedeutenden Platz ein, whrend unter den
jngeren die von B. M. WOLFF hervorragend ist. Der krzlich verstorbene
Wolff verband Verlagshandel mit Buchdruckerei und hat Verdienste
um die Verschnerung der russischen Schrift und der Anpassung der
Renaissance-Antiqua an diese. Eine bedeutende Accidenzdruckerei ist die
von GOLOWIN. ALEX. BENCKE liefert ebenfalls viele Accidenzarbeiten und
beschftigt nur Nationalrussen. HERMANN HOPPE giebt das illustrierte
Journal, von ED. HOPPE gedruckt, heraus. Die Gesellschaft ALLGEMEINER
NUTZEN ist ein ausgedehntes Etablissement, besonders fr Herausgabe
illustrierter Bltter. Bedeutende Schriftgiessereien sind die Filiale
von FLINSCH in Frankfurt a. M. (Franz Mark), REVILLON & CO. und O.
J. LEHMANN. Die lithographische Anstalt von A. ILJIN liefert gute
Landkarten.

[Sidenote: Die Provinzen.]

In MOSKAU wird die graphische Kunst in ziemlich umfangreicher Weise
gebt. Im Jahre 1881 bestanden 237 Offizinen, in welchen mit 202
Buchdruck-, 147 Steindruck-Schnellpressen und 712 Tret- und Handpressen
gearbeitet wurde. Die Schriftgiessereien, unter welchen SELIWANOWSKI
bedeutend ist, arbeiteten mit 47 Giessmaschinen. Die bekannte
SYNODALBUCHDRUCKEREI (I, S. 279) erhielt eine neue und zweckmssige
Einrichtung. MOR. NEUBINGER druckt namentlich Wertpapiere.

DORPAT hatte schon 1624 eine Offizin, MITAU 1774, ODESSA 1825. CHARKOW
mit seiner 1804 gegrndeten Universitt erhielt 1820 eine Druckerei.
In WARSCHAU sind namentlich H. & M. ORGELBRAND durch ihre hebrischen
Drucke bekannt.

In den baltischen Provinzen erschienen 1871 22 deutsche, 7 esthnische
und 6 litauische Zeitungen und nur eine russische.

Die armenische Typographie wurde namentlich in dem berhmten Kloster
ETZSCHMIAZIN bei Eriwan, der Hauptstadt Armeniens, gepflegt. Ein
zweiter Druckort ist NACHITSCHEWAN, wo 1794 unter anderem eine
bersetzung von Fnelons _Tlmaque_ erschien. TIFLIS hat mehrere
Offizinen. In der Herrnhuter-Kolonie SAREPTA befand sich seit dem Jahre
1763 eine unbedeutende Missionsdruckerei. ASTRACHAN erhielt zu Anfang
des Jahrhunderts, KASAN 1815 Offizinen.

In den Gouvernementsstdten SIBIRIENS finden sich zwar Buchdruckereien,
jedoch primitivster Einrichtung, nur JEKATERINENBURG und IRKUTSK haben
gut versehene Offizinen. Die einzige offizielle Zeitung Sibiriens,
welche in Irkutsk erschien, wurde 1880 verboten. In SELENGINSK wurde auf
Veranlassung der Londoner Missionsgesellschaft die ganze Bibel 1834 in
mongolischer Sprache gedruckt.

Die russischen Papierfabrikanten beschweren sich sehr ber Mangel
an Lumpen, die namentlich nach England ausgefhrt werden. Die
Kartenfabrikation ist ein Monopol der Regierung; die einzige Fabrik
liefert jhrlich etwa sieben Millionen Spiele.

[Sidenote: Statistisches.]

Im Jahre 1874 hatte Russland 322 Buchhandlungen und die Zahl der
erschienenen Bcher betrug 2589. 1870 war der Wert der Bchereinfuhr
1153082 Rubel, von welcher Summe die Million auf Deutschland fiel, die
Ausfuhr bezifferte sich auf 83714 Rubel.

Die Zahl der Zeitschriften ist eine verhltnismssig sehr geringe und
betrug 1881 nur 776, davon 80 in polnischer, 43 in finnischer, 39 in
schwedischer, 36 in deutscher, 13 in lettischer, 10 in esthnischer
Sprache und 26 in verschiedenen Idiomen. Es erscheinen von diesen
Zeitschriften 197 in St. Petersburg, 75 in Moskau, 79 in Warschau, 36 in
Helsingfors, 23 in Riga, 21 in Tiflis, 20 in Kiew, 19 in Odessa.

[Sidenote: Zeitungswesen.]

Die verbreitetste Zeitung (71000 Auflage) war der Golos (die
Stimme)[269], sie hatte so wenig wie die _Times_ eine bestimmte Tendenz,
aber ein ebenso feines Gehr fr das, was kommen wrde. Die neue
Zeit, ein chauvinistisches Slawenblatt (30000 Auflage) hatte etwas
an Verbreitung eingebsst. Im Hetzen gegen Deutschland hatte es fast
den Sieg ber die russische St. Petersburger Zeitung davongetragen,
wogegen die Russische Wahrheit einen gebildeten Ton anschlug. Auch
das Gercht hielt sich von Chauvinismus frei. Die Moskauer Zeitung
hatte namentlich in Moskau selbst und in dem Lande sdlich und stlich
von Moskau Geltung.

  [269] Die folgenden Angaben beziehen sich $auf das Jahr$ 1879. Golos
        ist seitdem eingegangen.

Die Regierung besass nur ein offizielles Organ, Der Regierungsbote.
Als offizis konnten das _Journal de St. Ptersbourg_ und die _Agence
gnrale russe_ und im Auslande der Brsseler _Le Nord_, allenfalls auch
der Russische Invalide gerechnet werden. Neben der russischen St.
Petersburger Zeitung existiert auch eine deutsche; beide gehren der
Akademie der Wissenschaften, welche sie verpachtet, und haben bereits
1877 ihr 150jhriges Jubilum gefeiert.

Die grossen Petersburger Zeitungen stehen zwar nicht unter
Prventiv-Zensur, mssen aber 5000 Rubel Kaution stellen. Sobald sie
ausschreiten, werden sie verwarnt und nochmaliges Verwarnen zieht
zeitweiliges oder auch vollstndiges Verbot nach sich. In auslndischen
Angelegenheiten haben die grossen Bltter ziemlich freien Spielraum, und
sind selbst hinsichtlich der inneren bei weitem nicht so beengt, wie
man gewhnlich annimmt. Der Ton gegen Deutschland ist bekanntlich im
allgemeinen voller Hass und zur Schau getragener Verachtung.

Manche Stdte von 10000 und mehr Einwohnern haben keine Zeitung, so dass
oft ein grosser Kreis oder ein Gouvernement ohne Organ ist. Mit welchen
Schwierigkeiten ein Zeitungsherausgeber oft zu kmpfen hat, mag daraus
erhellen, dass z. B. aus Neu-Tscherkask erst das Manuskript, dann die
Korrektur eines Blattes nach Moskau gesendet werden muss, womit zehn
Tage verloren gehen, dazu noch die Zeit fr Satz und Druck.


                            DIE DONAULNDER.

[Sidenote: Die jngsten Staaten.]

Wir wenden uns jetzt den jngsten selbstndig gewordenen Mitgliedern
des europischen Staatenbundes zu, deren Bedeutung fr die Presse
erst der Zukunft gehrt. Mit der Erlangung des politischen
Selbstbestimmungsrechtes eines Volkes ist ja auch stets das Aufblhen
des geistigen Lebens verbunden gewesen, und ist die erste Ghrung
berstanden, so ist es bei der Bildungsfhigkeit der betreffenden Vlker
auch zu erwarten, dass sie eine angemessene Stellung auf dem Gebiete der
Presse einnehmen werden. Zu hoffen und zu wnschen bleibt, dass es nicht
deutschfeindlichen Einflssen gelingen mge, nationale und geistige
Antipathien gegen germanische Kultur zu erregen, wodurch die Vlker
selbst am meisten gegen ihre Unabhngigkeit und ihr geistiges Interesse
handeln wrden.

[Sidenote: Serbien.]

SERBIEN[270]. Als die neue ra in unserem Jahrhundert fr Serbien
begann, standen das Volk, welches belehrt werden musste, und die
Geistlichkeit, welche belehren sollte, ziemlich auf derselben Stufe des
Wissens oder vielmehr der Unwissenheit.

  [270] F. KANITZ, Serbien. Leipzig 1868.

Das erste Buch, welches in Serbien erschien, ist eine von dem
Woiwoden von Celat, Georg Cernojevi['c], 1493-1495 veranstaltete, mit
cyrillischen Lettern gedruckte Ausgabe des Psalters, welche Schafarik
den schnsten slawischen Druck nennt, wie berhaupt die Erzeugnisse der
sdslawischen Pressen an innerem und usserem Wert die ihnen um einige
Jahre vorausgegangenen Krakauer cyrillischen Drucke bertrafen.

Doch dauerte dieser Glanz nicht lange und erlosch bereits im XVI.
Jahrhundert in den Kmpfen mit dem Halbmond. Von da ab versorgte
Russland die sdslawischen Lnder mit Kirchenbchern, bis die eigene
Staatsdruckerei die Lieferung derselben bernehmen konnte. Ferner that
die englische Bibelgesellschaft manches fr die Verbreitung des Neuen
Testaments, welches sie von dem bekannten Gelehrten Vuk bersetzen und
mit cyrillischen Lettern drucken liess. Auch andere Werke, namentlich
bersetzungen, wurden in sterreich und Deutschland gedruckt.

[Sidenote: Die Staatsdruckerei.]

Die Grundlage zu der Staatsdruckerei war durch ein Geschenk des
Kaisers Nikolaus, bestehend in zwei Druckerpressen, 1830 gelegt.
Dieselben wurden zuerst in KRAGUJEVAC aufgestellt, um unter der Leitung
BERRMANNS aus Wien erst nur liturgische Bcher mit russischen Lettern
zu drucken. Im Jahre 1831 wurde die Druckerei vom Frsten Milosch
nach BELGRAD verlegt und mit noch drei Handpressen, spter mit zwei
Knig & Bauerschen Schnellpressen ausgestattet. Die Schriftgiesserei
wurde von dem Stuttgarter OCKENFUSS eingerichtet. Um den Typenschnitt
machten sich zwei andere Deutsche, SCHRPEL ([+] 1864) und dessen
Faktor WALTER aus Frankfurt, verdient. Nach 1864 traten zwei junge
in Deutschland ausgebildete Serben an die Spitze der Anstalt. Die
alt- und neuslawischen Typengattungen sind gut vertreten, auch
Musiknoten sind vorhanden und xylographische, galvanoplastische und
Stereotypie-Anstalten wurden eingerichtet. Im Jahre 1870 waren mehr
als 50 Setzer und Lehrlinge beschftigt und zahlreiche Arbeiten
wurden sowohl fr den Staat wie fr Private ausgefhrt, ausserdem die
Landeszeitung und mehrere andere Journale dort gedruckt.

Um 1850 wurde auch die LITHOGRAPHIE durch einen Deutschen, BRAUMANN,
eingefhrt. Karten, Plne und andere chromographische Arbeiten wurden in
guter Ausstattung geliefert, auch die serbischen Postmarken sind sehr
gut gedruckt.

[Sidenote: Die serbische Sprache.]

Die serbische Sprache, die auch seit 1830 von den Kroaten als
Schriftsprache adoptiert wurde, wird von Kennern als reich, kurz,
energisch und melodis geschildert. Der Linguist Vuk fhrt in seinem
Wrterbuch mehr als 62000 Wrter auf. Bis jetzt beschftigte sich
die serbische Presse meist mit dem Druck von Lehrbchern und mit
bersetzungen, doch hat die Originallitteratur schon bedeutende Anfnge
aufzuweisen. Das 1838 vom Frsten Milosch gegrndete Lyceum wurde 1863
Universitt. 1841 grndete Frst Michael die Gesellschaft fr serbische
Litteratur, die ein Mittelpunkt der geistigen Bestrebungen wurde und
durch ihr Jahrbuch (Glasnik) viel wirkte.

[Sidenote: Zeitungen.]

Als Grnder der politischen Presse im europischen Stil ist MILO[VS]
POPOVI['C] zu betrachten, der von 1841-1861 fast ununterbrochen die
offizielle Zeitung redigierte und dann im Verein mit Dr. Rosen eine
quasi offizise Zeitung grndete. Da diese die gelesenste von allen war
und trotzdem nur in 750 Exemplaren gedruckt wurde, so lsst sich ein
Schluss auf die Grsse des Lesepublikums der brigen im Jahre 1866 in
Belgrad erschienenen Bltter ziehen. Mit dem Buchhandel ist es auch noch
nicht sonderlich bestellt.

[Sidenote: Graphische Knste.]

Auf dem Gebiete der vervielfltigenden Knste haben sich einige
Persnlichkeiten vorteilhaft bekannt gemacht. NATAL, BONIFACIJ und
MARTIN ROTA-KOLUNI['C] wirkten als Kupferstecher bereits im XVI.
Jahrhundert in Rom. Unter den zahlreichen Stichen des letzteren ist
namentlich Das jngste Gericht bekannt. Zu Anfang unseres Jahrhunderts
gab JOSEPH MILOWUK Bildnisse berhmter Serben in Kupferstich heraus.
Sein Sohn machte einen Versuch mit einer illustrierten Zeitung in
Belgrad und suchte somit fr den Holzschnitt in Serbien Bahn zu brechen;
doch war der Erfolg kein bedeutender.

Um die Lithographie und die Photographie in Serbien erwarb sich die
meisten Verdienste NASTAS JOVANOVI['C]. Vom Frsten Milosch nach Wien
gesandt, um dort die Kupferstecherkunst zu lernen, grndete er spter
einen nationalen Kunstverlag, in welchem sich zahlreiche Bltter mit
historischen Vorwrfen befanden. In seinen Unternehmungen ward er von
Wiener Knstlern, namentlich von Vincenz Katzler, untersttzt.

                   *       *       *       *       *

[Sidenote: Rumnien.]

RUMNIEN. Das Rumnische ist die Muttersprache von ber zehn Millionen
Menschen, hat also fr die Typographie der Zukunft eine nicht geringe
Bedeutung. Es wird nicht allein in Rumnien gesprochen, sondern ist
auch in den stlichen Teilen Ungarns, im Banat und in Siebenbrgen,
in Bessarabien, Podolien und in der Bukowina verbreitet. Von manchem
wird die rumnische Sprache irrtmlich fr eine slawische gehalten;
sie stammt jedoch aus dem Lateinischen und schliesst sich ziemlich
eng an das Italienische an, erscheint deshalb auch den Bewohnern der
eigentlichen Kulturlnder Europas nicht so fremdartig als die slawischen
Idiome.

Die dortige Typographie befindet sich schon im raschen Aufblhen.
Bereits in der Mitte der siebenziger Jahre unseres Jahrhunderts
befanden sich in Rumnien in zwlf Stdten verteilt 34 Buchdruckereien
mit 217 Gehlfen und 117 Lehrlingen. Von diesen kamen auf Bukarest
zwlf Druckereien mit 138 Gehlfen, 108 Lehrlingen, 27 Maschinen
und 11 Handpressen. Die Regierung ist sehr um die Einfhrung der
Papierfabrikation bemht. Fr das Interesse, welches in diesem jungen,
der Kultur zugefhrten Staat fr die Typographie herrscht, spricht das
Erscheinen zweier Fachzeitschriften.

                   *       *       *       *       *

[Sidenote: Bulgarien.]

BULGARIEN. Diese jngste Staatenschpfung in Europa hat
begreiflicherweise noch zu sehr mit den notwendigen Existenzfragen
zu kmpfen, um auf dem Gebiete der Presse schon wesentliches leisten
zu knnen. Erst kommen, wie berall, die Zeitschriften und die
Unterrichtsbcher. Seit 1824 liessen bulgarische Emigranten zahlreiche
Schul- und kirchliche Bcher im Auslande drucken und Druckereien wurden
1870 in Salonik und Smyrna zu diesem Zwecke begrndet. Ein Journal
_Ljuboslovic_ erschien bereits in den Jahren 1844-1846 in Smyrna. Die
erste in Bulgarien in der Landessprache erschienene Zeitung war 1849
_Czarigradskij Vestnik_, sie fand jedoch keine grosse Verbreitung
und ging 1861 ein. Ein in Odessa herausgegebenes Blatt _Mirozrenie_
wurde, obwohl politisch ganz harmlos, verboten. 1879 erschienen in
Konstantinopel und Rumnien 14 bulgarische Zeitschriften.

SOFIA hat jetzt sechs Zeitungen aufzuweisen, unter welchen das
wchentlich erscheinende Regierungsblatt. Die in deutscher Sprache
erscheinende Bulgarische Korrespondenz ist zur Aufklrung des
Auslandes bestimmt. Unter den Zeitungen befindet sich auch eine
illustrierte, _Bolgarskaya Illywstratsiya_. RUSTSCHUCK hat zwei
Journale, unter welchen das oppositionelle _Bolgarin_ die strkste
Verbreitung hat. In SISTOWA, TIRNOWA, PHILIPPOPEL und SLIWNIA giebt es
je eine Zeitung.


                             GRIECHENLAND.

[Sidenote: Griechenland.]

Griechenland war eines der letzten Lnder, nicht nur in Europa, in
welchem die Buchdruckerkunst ein festes Heim fand.

Unter der Herrschaft der Trken hatte sich nur ab und zu eine wandernde
Druckerei eingefunden, um rasch wieder zu verschwinden, eine bleibende
Sttte fr die Typographie gab es nicht. Die notwendigsten liturgischen,
daneben einige wenige Unterrichtsbcher wurden bei NIKOLAS GLYKY in
Venedig, einige auch in Wien und Paris gedruckt.

Der Errichtung zweier Offizinen auf den jonischen Inseln durch General
Bonaparte wurde bereits (S. 172) gedacht. Zu Anfang des Jahrhunderts
fanden schwache Versuche zur Grndung griechischer Zeitungen in
Konstantinopel, Smyrna und Bukarest statt. Auszge aus der heiligen
Schrift in neugriechischer Sprache liess 1817 der Missionr Wilson
auf Corfu drucken. 1818 folgte dort eine politische Zeitschrift in
italienischer und neugriechischer Sprache. Bereits frher hatte der
Missionr Lowndes eine albanesische Bibel, wahrscheinlich das erste
gedruckte Buch in albanesischer Sprache, dort ausfhren lassen.

[Sidenote: Der Freiheitskampf.]

Als 1821 der Freiheitskampf der Griechen berall in Europa die
grsste Teilnahme erweckte, und die Bildung der philhellenischen
Vereine veranlasste, fassten letztere auch die Beschaffung einer
griechischen Druckoffizin ins Auge. Firmin Ambroise Didot, ein
eifriger Griechenfreund, schenkte Griechenland eine vollstndige
Druckerei-Einrichtung (S. 180), die in NAUPLIA ihre Sttte fand.
MISSOLUNGHI erhielt eine Offizin durch Lord Byron, und Lord Stanhope
brachte eine solche nach ATHEN; ausserdem erhielten KORINTH, PATRAS,
HYDRA, CHIOS und AEGINA Pressen. Auf Aegina erschien whrend der
Prsidentschaft des Grafen Capo d'Istria das Regierungsblatt
Ephemeriden; auf Hydra Der Freund des Gesetzes, in Missolunghi die
Hellenische Chronik, in Korinth die Trompete von Hellas.

[Sidenote: Regierung Knig Ottos.]

Als Knig Otto 1833 nach Griechenland kam, war der Zustand der
Druckereien, zu denen inzwischen noch einige lithographische Anstalten
gekommen waren, ein so klglicher, dass es nicht einmal mglich war,
die notwendigsten Regierungsarbeiten alle im Lande auszufhren. Unter
den mit dem Knige angekommenen bayrischen Soldaten befanden sich 11
Buchdrucker, 7 Lithographen und 13 Papiermacher, die nun bessere Dienste
leisten konnten, als die Muskete tragen; von G. Jacquet in Mnchen
war auch noch eine Druckerei-Einrichtung gesandt worden. In Athen
wurde das, noch 1870 dreimal wchentlich erscheinende Jahrhundert
gegrndet. Der Erlser erschien zweimal wchentlich in italienischer
und neugriechischer Sprache. 1834 grndete die Amerikanisch-Englische
Gesellschaft zur Verbreitung religiser Ansichten eine gut eingerichtete
Buchdruckerei, die viele Schulbcher, an welchen Griechenland noch sehr
arm war, lieferte[271].

Ein organisierter Buchhandel[271] existierte natrlich noch nicht. Auch
hier waren es, wie an so manchen Orten, Deutsche, denen die Aufgabe
zufiel, in diesen Ordnung zu bringen, in welcher Hinsicht der am 27.
Juli 1882 verstorbene Buchhndler und deutsche Konsul KARL WILBERG durch
seine seit 1827 bestehende, vortrefflich organisierte Buchhandlung
sich besondere Verdienste erwarb. Die deutsche wissenschaftliche
Litteratur hat Wilberg viel zu verdanken, denn er trug nicht allein zur
Verbreitung ihrer Erzeugnisse ausserordentlich bei, sondern stand auch
den in Griechenland reisenden Forschern mit Rat und That zur Seite.

  [271] COROMILAS, DEM., _Catalogue des livres publis en Grce.
        L'Exposition Vienne 1873._

[Sidenote: Aufblhen der Presse.]

Bis 1837 gab es kein Pressgesetz. 1843 wurde durch die Verfassung
vollkommene Pressfreiheit garantiert, diese jedoch trotzdem 1850 sehr
beschrnkt, bis die Presse nach der Thronbesteigung Knig Georgs 1863
wieder ganz frei wurde. 1873 erschienen 152 Journale, davon 74 in Athen,
und das litterarische Leben ist in raschem Aufblhen begriffen. Eine
illustrierte griechische Zeitung _Hesperos_, herausgegeben von Dr. J.
Pervanoglou, wird in Leipzig (bei W. Drugulin) gedruckt.

Bevor in Griechenland das Licht der Kultur, welches einst ber dessen
glckliche Gefilde so herrlich leuchtete, vollstndig erlosch, um einer
tiefen, wie es schien ewigen, Finsternis Platz zu machen, hatte es
jedoch den Barbaren seine unvergleichlichen Geisteswerke hinterlassen,
die so vieles dazu beitrugen, bei letzteren die Aufklrung zu verbreiten
und der Buchdruckerkunst den Weg zu ebnen.

Der Barbar Gutenberg glich die Rechnung mit Griechenland aus,
indem er ihm seine usserlich unscheinbare, aber in ihren Wirkungen
unvergngliche und unvergleichliche Erfindung als Entgelt brachte. Mit
dieser erhielt Griechenland, wie jedes Land des Erdkreises, fr immer
die Gewhr, dass es nicht zum zweitenmal der geistigen Verkmmerung und
Finsternis anheimfallen knne. Und so mgen die folgenden, dem Denkmal
im Hofe Zum Gutenberg entlehnten Zeilen hier statt eines Kolophons
stehen.

  _Was einst Pallas Athene dem griechischen Forscher verhllte,
     Fand der denkende Fleiss deines Gebornen, o Mainz!
   Vlker sprechen zu Vlkern, sie tauschen die Schtze des Wissens;
     Mtterlich sorgsam bewahrt, mehrt sie die gttliche Kunst;
   Sterblich war einst der Ruhm; SIE gab ihm unendliche Dauer,
     Trgt ihn von Pol zu Pole, lockend durch Thaten zur That;
   Nimmer verdunkelt der Trug die ewige Sonne der Wahrheit,
     Schirmend schwebt ihr die Kunst, Wolken verscheuchend, voran.
   Wandrer, hier segne den Edlen, dem so viel Grosses gelungen,
     Jedes ntzliche Werk ist ihm ein Denkmal des Ruhms._

[Illustration]

                   *       *       *       *       *

[Illustration]

                      A. NAMEN- UND SACHREGISTER.

  bo S. 452.
  Accidenzdruck in Amerika 125.
  -- in Berlin 368.
  -- in England 91. 105.
  Ackermann, A., 337.
  Ackermann, Rud., 94.
  Adam, Isaak, 62.
  Adams, Jos., 123.
  Adelaide 112.
  Adler, C., 376.
  Adler, G., 350.
  Adlers Erben 375.
  Adrian, F. R., 187.
  gina 463.
  gypten, das alte, 339.
  gypten von Ebers 389.
  gypten, Felddruckerei in, 172.
  gyptologie, die, 340.
  Afrika 113.
  _Age_ 112.
  _Agence Havas_ 199.
  d'Agincourt, _L'hist. de l'art_ 186.
  Agram 437.
  Aguado, Juan, 245.
  Aichele & Bachmann 314.
  Akademische Buchdr., Berlin 366.
  Akadem. Buchdr. in Mnchen 394.
  Alauzet, P., 158.
  Albamra, G., 245.
  Albert, J., 396.
  Albert & Hamm 316.
  Albertotypie, die, 16. 396.
  Albrecht, C., 437.
  Albrecht & Meister 371.
  _Album typogr. de l'impr. Royale_ 176.
  Alden, Thim., und H. W., 42.
  Algier 248.
  Allen, Ed., 35.
  Allendorf a. d. Werra 400.
  Allgemeiner Nutzen 456.
  Allgeyer, Jul., 397.
  Allier Pre & fils 202.
  _Alphabeticum Tibetanum_ 234.
  Altenburg in S.-A. 350.
  Amand, G. L. A., 227.
  Amelang, C. F., 367.
  Amherst, Lord, 107.
  Amsler & Ruthardt 372.
  Amsterdam 227.
  Amyot, P. F., 210.
  Anastatischer Druck 11.
  Anderson, Alex., 123.
  Andre, J., 288.
  Andr, Joh., 401.
  Andrew Best & Leloir 204.
  Angeli und Sohn 243.
  Anger, J., 316.
  Angerer & Gschl 434.
  _Anglaise_ 146.
  Anisson-Duperon, E. A. J., 171. 172.
  Anleger, mechanischer, 68.
  _Annual Register_ 55.
  _Annuaire-Almanach du Comm._ 181.
  Ansbach 399.
  Antananarivo 113.
  Antiqua u. Fraktur i. Deutschl. 255.
  -- in Skandinavien 450.
  Antiquariatsgeschft i. London 100.
  Antwerpen 232.
  Appel, F. A., 207.
  Appel, R., 11.
  Applegath & Cowper 60.
  Appleton, D., & Co., 130.
  Aquarelldruck 10.
  Arbeitsweise, deutsche, 257.
  -- englische, 90.
  -- franzsische, 140.
  Archimowitz, Th., 293.
  _Archives des dcouvertes_ 186.
  _Argus_ 112.
  Arnold, E., 350.
  Arnz & Co. 379.
  _L'art pour tous_ 156. 208.
  Arundel, Lord Th. H., 103.
  _Arundel Society_ 371.
  Aschersleben 353.
  Asher & Co. 372.
  Ashley, J. F., 68.
  Asnires 207.
  Aspern van der Velde 227.
  Asser 16.
  Assignatendruck in Frankreich 172.
  Astrachan 457.
  Athen 463.
  Athenum 436.
  Attaignant, P., 324.
  Auer, Alois, 422.
  Auers Endlose 424.
  Augsburg 398.
  Augsb. Allgemeine Zeitung 398.
  Augsburg, Maschinenfabrik, 313.
  Auroras Triumphzug 377.
  Ausleger, mechanischer, 68.
  Austin, Stephan, 84.
  _Australian Register_ 112.
  Australien 112.
  Autotypie 397.
  Ava 109.

  Baader & Co. 402.
  Bachelin-Deflorenne 216.
  Bachelier, A. L. J., 210.
  Bachem, J. P., 380.
  Bachmann, J. H. F., 285.
  Badoureau, B., 156.
  Bdeker, Familie, 329. 379.
  Baensch jun., E., 354.
  Br & Hermann 347.
  Brentzen & Co. 448.
  Bagel, A., 329.
  Bagelaer, E. W. J., 228.
  Bagster, Sam, & Sons 97.
  Baillre, J. B., 209.
  Bailleul 200.
  Baily, M., 67.
  Balantyne, John, 82.
  Baley, Benj., 107.
  Ballard, Rob., 325.
  Banknotendruck in Amerika 125.
  -- Deutschland 370.
  -- England 91.
  -- Russland 454.
  Barba, G., 212.
  Barbera, G., 242.
  Barbou, Familie, 186.
  Barcelona 245.
  Barth, J. Aug., 372.
  Barth, Joh. Ambr., 348.
  Barth, W. A., 338.
  Bartholomus, Fr., 353.
  Basel 406.
  Baskerville, John, 73.
  Bastide 249.
  Batavia 109.
  Bate 208.
  Batenberg & Majeur 150.
  Baudoin, A., 210.
  Baudoin 159.
  Baudry, J., 208.
  Baudry _Collection_, 212.
  Bauer, A. F., 54. 308.
  Bauer, Bonitas-, 399.
  Bauer, J. C., 289.
  Baumann, G. E., 319.
  Baumann, L., 379.
  Baumgrtner, J., 17. 349.
  Baurkeller 17.
  Bautzen 350.
  Baxter, George, 80.
  Beaumarchais, P., 74. 184. 402.
  Beck, Hofrat, 426.
  _Behring Manufacturing Comp._ 42.
  Belgrad 459.
  Belin, Eug., 211.
  Belin-Mandar 212.
  Bellmann, C., 432.
  Bellow, John, 84.
  Benares 106.
  Bencke, Alex., 456.
  Benedict, J. C., 347.
  Benkulen 109.
  Bensley, Th., 54. 77.
  Bentley, Richard, 98.
  _Bents Advertiser_ 94.
  Benziger, Gebr., 130. 411.
  Bequet & fils 207.
  Branger, P. J., 176.
  Berg, Adam, 325.
  Bergen, G., 349.
  Berger-Levrault, Familie, 186. 403.
  Berlin 357.
  Berling, C. G., 450.
  Berling, Familie, 443.
  Bern 411.
  Bernhardt, G., 316.
  Berrmann 459.
  Berthold, H., 286.
  Bertram, O., 353.
  Besley, R., & Co., 32. 91.
  Bestehorn, H. B., 353.
  Bette, Paul, 372.
  Bewick, Th. und J., 79.
  Beyerhauss 285.
  _Bhgavata Prana_ 176.
  Bibeldruck in Amerika 129.
  -- in England 99.
  -- in Halle 353.
  _Bible Encyclopdia_ 129.
  _Bible pictorial_ 95.
  _Bibliographie de la France_ 194.
  Bibliophilie 101. 214.
  _Bibliotheca Japonica_ 111.
  _Bibliothque Elzvirienne_ 216.
  _Bibliothque grecque_ 181.
  _Bibliothque latine-franaise_ 181.
  Bieling, G., 398.
  Binger, Gebr., 227.
  Binney & Rolandson 33. 38.
  _Biographie gnrale_ 181.
  _Biographie mdicale_ 185.
  Bixio, J. A., 210.
  Black, Familie, 82.
  Blackie, W. C., & Co. 83.
  Blackwood, Familie, 83.
  _Blackwood-Magazine_ 83.
  Blades, William, 97.
  Blades, East & Blades 97.
  Bltter, Fliegende, 299.
  Bltter, illustrierte, in Deutschl. 267.
  Blake, Stephenson & Co. 30.
  Bleuler, Hausheer & Co. 410.
  Blindendruck 155. 426.
  Blochmann, E., & Sohn 350.
  Bobard, C., 353.
  Bode, J. J. C., 375.
  Bodenheim & Co. 400.
  Bodmer 396.
  Bodoni, J. B., 233.
  Bodoni, _Manuale tipographico_ 236.
  Bodoni, Schriften 236.
  Bhlau, H., 351.
  Bhme & Frnkel 371.
  Brsenhalle, Neue, 376.
  Brsenverein 266.
  _Bohemia_ 290.
  Bohn, H. G., 100.
  Bohns _Guinea-Catalogue_ 100.
  Bohn, Fassbender & Herber 315.
  Boieldieu & Fils 160.
  Bolhvener, C., 397.
  Bombay 107.
  Bona 242.
  _Bona fide Dictionary_ 84.
  Bond & Forster 66.
  Bonifacij, N., 460.
  Bonn 379.
  Bonnet & Co., 160.
  Bonnier, Ad., 452.
  Bonz, Ad., 387.
  _Bookseller, American_, 122.
  _Book Trade Association, Americ._, 127.
  Boomer & Borchert 69.
  _Border-Press_ 82.
  Borzino, Ulysses, 241.
  Bosnien 437.
  Bossange, Familie, 218.
  Botta Nachfolger 243.
  Bourdillat 204.
  Bourdin, E., 203.
  Bowyer, Vater und Sohn 74.
  Brackelsberg, E. W., 295.
  Bramahs Hydr. Presse 53.
  Brandt, L., 39. 295.
  Braumller, W. v., 111.
  Braun, Ad., 402.
  Braun, Kaspar, 299. 395.
  Braunsche Hofbuchdr. 401.
  Braun & Schneider 395.
  Braunschweig 354.
  Breidt, J. E., 320.
  Breitkopf, J. G. I.
    Geburt 321.
    Breitkopf und die Fraktur 322.
    Der Musiknotendruck 323.
    Landkartendruck 326.
    Satz figrl. Gegenstnde 327.
    Chinesische Schrift 327.
    Schriftgiesserei 328.
    Sittliche Reformen 328.
    Schriftstellerische Arbeiten 329.
    Tod 329.
  Breitkopf & Hrtel 330.
  Bremen 378.
  Brend'amour, R., 300.
  Brendler & Harler 291.
  Breslau 372.
  Breton, E., 213.
  Brevire 204.
  Briard, St., 324.
  Bridel, G., 412.
  Bridgewater, Lord F. E., 102.
  Brill, E. J., Leyden 226. 228.
  _British and foreign Bible Society_ 99.
  Brockhaus, Familie.
    Fr. Arn. Brockhaus 332.
    Etablissement in Holland 332.
    Altenburg 332.
    Konversations-Lexikon 332.
    Druckerei 333.
    Die Schnellpresse 333.
    Verlag 335.
    Tod 335.
  Brockhaus, Fr., 335.
  -- Heinr., 335.
  Brockhaus, Eduard u. Rudolf, 336.
  Brockmann, F. O., 350.
  Bronciermaschine 70.
  Brougham, Lord Henry, 102.
  Bruce, Familie, 34. 39.
  Bruckmann, Fr., 15. 397.
  Brckner, W., & Co. 350.
  Brgel & Sohn 399.
  Brssel 232.
  Brunet, Jacq. Charles, 217.
  Brunn, E. C., 314. 379.
  Brnn 432.
  Brunner, G., 398.
  Bruylant-Christophe 232.
  Buchbinderkunst, Deutschl. 278.
  -- in England 103.
  -- in Frankreich 161.
  Buchdruckerei fr Politik 432.
  Buchdrucker-Organe i. Dtschl. 274.
  Buchdrucker-Verein, Deutsch., 272.
  Buchdrucker-Verein in Wien 429
  Bcher-Kommission, Kaiserl., 262.
  Bcherproduktion in Amerika 127.
  -- in Belgien 230.
  -- in Deutschland 275.
  -- in England 92.
  -- in Frankreich 219.
  -- in Japan 111.
  -- in Indien 108.
  Bcherverbote in sterreich 414.
  Buchhandel in Amerika 126.
  -- in Deutschld. um 1750 265.
  -- in England 92.
  -- in Berlin 370.
  Buchheftmaschine 70.
  Buchholz 350.
  Buda-Pest 436.
  Buenos Aires 248.
  _Bureau of engraving_ 125.
  Brckner, Hugo, 300.
  Brger, R., 350.
  Bxenstein, W., 292. 367. 368.
  Bulgarien, Zeitungswesen 462.
  Bulmer, William, 76.
  Bullock, Will., 64.
  Bure, Fr. de, 190.
  Burger, G. & Co., 437.
  Burkart, W., 432.
  Burr, H. A., 42.
  Buschak & Irrgang 432.
  Busse 370.

  Can 202.
  Caillaud, _Voyage  Thbes_, 176.
  Calcutta 106.
  Calverley, J., 64.
  Cambridge 81.
  _Camera obscura_ 12.
  Camlachie 31.
  Campbell, Andr., 66.
  Canstein, C. H. v., 353.
  Canton 109.
  Capkolonie 113.
  Capoulaud frres 202.
  Cardon 150.
  Carey, Dr., 106.
  Carey, J., 412.
  Carez, J., 152.
  Carlos, A. de, 245.
  _Carmen Arabicum_ 338.
  Cartlich, Elisabeth, 29.
  Caslon, Familie, 29.
  Cassel 400.
  Cassell, Petter & Co. 97.
  Castaldi, Panfilo, 239.
  Castermann, H., & Co. 232.
  Catherwood, J. J., 30.
  Catherwood, N., 29.
  Cauderon & Co. 160.
  Caxtonfeier 91.
  Cazin, Martin, 188.
  Cellarina 405.
  Cellulod-Clichs 154.
  _Cenniniana, Typografia_ 242.
  Central-Buchdr. in Stockholm 451.
  Central-Schulb.-Verl. Mnchen, 19.
  _Cercle de la librairie_ 141. 194. 220.
  Ceylon 108.
  Chaix, A. N., 41. 198.
  Chambers Brothers & Co. 70.
  Chambers, W. und R., 83.
  _Chambers Journal_ 83.
  Chamerot, G., 183. 201.
  Channay, J. de, 324.
  Chardon 207.
  Charkow 456.
  Charpentier, G., 212.
  Charton 204.
  Chemitypie 18. 444.
  Chemnitz 350.
  Cherokesen-Schrift 35.
  Chevalier & Dreyfus 160.
  Chvet, J., 207.
  _Chicago Times_ 120.
  Child, G. W., 118.
  China 109.
  Chinesische Schrift 327.
  Chios 463.
  Chirio & Mina 242.
  _Chiswick-Press_ 78.
  Christern, F. W., 134.
  Christiania 449.
  Chodowiecki, D., 296.
  Christmann, J. R., 187.
  Chromolithographie i. Amerika 132.
  -- in Berlin 370.
  -- in Frankreich 206.
  -- in Hamburg-Wandsb. 376.
  -- in Mnchen 397.
  -- in Wien 434.
  Chronik d. schs. Knigsh. 340.
  Church 41.
  Civelli 241. 243.
  _Clarendon-Press_ 32. 81.
  _Clarkson Life of W. Penn_ 55.
  Clay, C. J., 82.
  Clay, John, 41.
  Claye, Jul., 198.
  Clichs, segmentfrmige, 65.
  Closs, Ad., 300. 390.
  Clowes 95.
  Clowes, E. A., & John Baley, 70.
  Clymer, John, 51.
  _Codex Bibliorum Sinaiticus_ 345.
  Cogger, J., 51.
  Colburn, Henry, 98.
  Collas, Achille, 208.
  _Collection d'Artois_ 178.
  _Collection of British Authors_ 92.
  Collin, A., & Co. 211.
  Colmar 358. 402.
  Colombo 109.
  Colportageromane 271.
  _Common Prayer Book_ 73.
  _Compound Printing_ 80.
  Concordanz v. Frst 338.
  Congreve, Will., 80.
  Congrevedruck 80.
  Conner, J. 34.
  Cook & Ingram 95.
  Conisbee & Son 67.
  Constable, Arch. 82.
  Constantinopel 250.
  Cope, J. 52.
  Copier-Farbe 320.
  Corrard jeune 210.
  McCorquodale & Co. 91.
  Cost, da, Familie 246.
  Cotta, Familie.
    Joh. Fr. Cotta 384.
    bersiedlung n. Stuttgart 385.
    Cottas Thtigkeit 385.
    Lit. Art. Anst. in Mnchen 386.
    Georg von Cotta 386.
    nderungen im Geschft 386.
    Prachtausgaben 387.
    Cotta-Krner-Druckerei 388.
    Cotta-Druckerei i. Mnchen 391.
  Cotterell, T., 30.
  Cotym 107.
  _Courrier de l'gypte_ 173.
  Couvertmaschine 71.
  Cowper, E., 57.
  Crapelet, Charles 188.
  Crapelet, G. A., 189.
  Chemnitz, M. 207.
  Crt fils 200.
  Creuzbauer, W., 401.
  Crewe 47.
  Crosmer 150.
  Cruikshank, George, 96.
  Cuba 248.
  Curmer, Lon, 204.
  _Cyclopdia, the Penny_ 95.
  -- _of English litterature_ 83.
  Cypern 251.
  _Czas_-Offizin 432.
  Czh, S., 437.

  Daguerre, Louis, 12.
  Daguerreotypie 12.
  Dahl, Johann, 449.
  _Daily Graphic_ 123.
  _Daily-News_-Offizin 61.
  _Daily Universal Register_ 85.
  Dalloz, P., 201.
  Danel, L., 201.
  Dannheimer, Tob., 398.
  _Dantino_ 240.
  Danzig 374.
  Darmstadt 400.
  Daul 153.
  David, C., 366.
  Davy 12.
  Dechamps 150.
  Decker, Familie.
    Joh. Jakob I. Decker 358.
    Heinrich I. Decker 358.
    Joh. Jakob II. Decker 358.
    Heinrich II. Decker, 358.
    Georg Jakob I. Decker 358.
    Georg Jakob II. Decker 361.
    Carl Gustav Decker 362.
    Rudolf Decker 362.
    Schriftgiesserei 285.
    Einfhrung d. Schnellpresse 308.
    Die Reichsdruckerei 369.
    Decker, V., in Posen. 361.
    Decker, Witwe, in Colmar 402.
  Degen, J. V., 421.
  Degener & Weiler 67.
  Dejussieu 210.
  Delafond 176.
  Delagrave, Ch., 211.
  Delahaye, L., 210.
  Delalain, J. A. u. A. H., 186.
  Delane, J. A., 86.
  Delbanco, O. H., 448.
  Delcambre, A., 41.
  Delloye, H., 203.
  Dembour, A., 17. 155.
  Dennig, Fink & Co. 388.
  _Denons Voyage en gypte_ 178.
  Dentu, J. G. und G., 188.
  Derriey, Charles, 148.
  Derriey, J., 159.
  Deschler, J., 395.
  _Description de l'gypte_ 173.
  Deslandes, V., 247.
  Desor, Th., 191.
  Dessain, M. H., 231.
  Dessauer, v., 395.
  Detmold 378.
  Deutsch, M., 437.
  Deutsches Element in Amerika 132.
  Devrient, Alfonse, 346.
  Dibdin, Thom. Frognall, 102.
  Dibdins Prachtwerke 77.
  _Dictionn. de la conversation_ 181.
  _Dictionn. des sciences mdicales_ 185.
  Didot, Familie.
    Franois Didot 178.
    Ambr. Franois Didot 178.
    Pierre Franois Didot 178.
    Pierre Didot 152. 178.
    Jules Didot 179.
    Firmin Didot 152. 179.
    Henry Didot 180.
    Didot Saint-Lger 180.
    Ambroise Firmin Didot 145. 180.
    Hyacinthe Didot 180.
    Alfred Firmin Didot 183.
    Paul Firmin Didot 183.
  Didots polyamatype Giesserei 180.
  Diederich & Co. 376.
  Dietrich, R. H., 350.
  Dingler, Chr., 316.
  Direkt. d. Buchdr. i. Frankreich 165.
  Dondorf, B., 399.
  Donnison & Son 66.
  _Doomsday Book_ 32.
  Dooselaere, I. S. van, 231.
  Dor, Gustav, Die Bibel 196.
  Dorn, J. B., 399.
  Dornach 402.
  Dorpat 456.
  Dresden 349.
  Dresdner Galerie 396.
  Dresler & Rostfingerlin 288.
  Drewsen, Familie, 447.
  Druckerviertel, das, in London 96.
  Drugulin, W., 339.
  Drury, J. J., 29.
  Dubochet, J. J., 203.
  Duboy-Laverne 172.
  Ducher & Co. 208.
  Duckett, W., _Dict. de la convers._ 211.
  Ducroq, P., 211.
  Dufours Generalk. d. Schweiz 410.
  Dulos 155.
  Dumaine 201. 210.
  Dmmlers Verlag 372.
  Du Mont-Schauberg, Familie, 380.
  Drr, Alf., 349.
  Drr, O., 347.
  Dsseldorf 379.
  Duncan & Wilson 65.
  Duncker, Alex., 371.
  Duncker & Humblot 372.
  Dunod 208.
  Dupont, Paul, 197.
  Dupuy, J. F., 207.
  Dupuy, Th., 159.
  Dussarrat, A., 359.
  Dutartre, A. B., 158.
  Duverger, Eugen, 148.

  Earhart, J. F., 125.
  Ebner, J., 393.
  Ebner & Seubert 392.
  Eckmansson, J. S., 450.
  Edelmann, Alex., 347.
  Edinburgh 82.
  _Edinburgh Cyclopdia_ 83.
  _Edition Peters_ 348.
  Edler & Krische 378.
  Effenbart, H. G., 374.
  Ehlert, H., 286.
  Eickhoff, J. G. A., 447.
  Einsiedeln 411.
  Eisenbahnbuchhandlung 92.
  Ektypographie 17.
  Elberfeld 379.
  Elers, H. J., 353.
  A. Emmerling & Sohn 401.
  _Encyclopdia Americana_ 130.
  _Encyclopdia Britannica_ 82.
  _Encyclopdie des gens du monde_ 186.
  _Encyclop. hist. naturelle_ 181.
  _Encyclopdie mthodique_ 185.
  _Encyclopdie moderne_ 180.
  Endlose
    Wer ist der Erfinder? 63.
    Bullock, W., 64.
    Walter 64.
    Victoria 65.
    Prestonian 66.
    Northumbrian 66.
    Whitefriars 66.
    Campbell 66.
    Ingram 66.
    Farbendruck 67.
    Knig & Bauer 313.
    Augsburg 313.
    Hummel 314.
    Auersche Versuche 424.
  Engel, H., & Sohn 429.
  Engelhardt, A. Th., 347.
  Engelhard-Rheyer 352.
  Engelhorn, J., 391.
  Engelmann, G. und J., 206.
  Engelmann, W., 348.
  England, I. W., 122.
  Ensched, I., & Zoonen 226. 227.
  Entlicher, Fr., 426.
  _Epithalamia exot. linguis redd._ 234.
  Erfurt 353.
  Erhard, W., 17.
  Erhard (Schieble) 207.
  Ernst & Korn 371.
  Essen 379.
  Esslingen 393.
  Ettinghausen, _Physiotyp. plant._ 424.
  Etzschmiazin 456.
  Eurich, A., 433.
  _Evang. Knowledge Society_ 129.
  _vangiles, les_ (Hachette) 214.
  Evrat 150. 204.
  _Expdition en gypte_ 186.
  Exter, Fr. v., 302.

  Faber, Gebr., 354.
  Frinseln 448.
  Fairlamb 53.
  Faithfull, Emily, 90.
  Falk, S. v., 436.
  Falkenberg & Co. 288.
  Falzmaschinen 70.
  Farbeauftragmaschinen 317.
  Farbendruck, photographischer 16.
  Farbenfabrikation in England 72.
  -- in Frankreich 160.
  -- in Deutschland 319.
  Farbensteine 10.
  Farbensurrogate 320.
  Farsky, J., 432.
  Fasol, C., 304.
  Faulmann, Carl, 291.
  Feldbibliothek Napoleons 165.
  Felt 42.
  Feltre 239.
  Ferslew & Co. 443.
  Ftis, _Biogr. univ. des musiciens_ 181.
  Feuchtapparate, mechanische 70.
  Fidschi-Inseln 113.
  Figins, V., Familie 30. 31.
  Firdusi, _livre des rois_ 176.
  Fischbach, G., 403.
  Fischer, C. G., 43. 295.
  Fischer, Th., 400.
  Fischer, Naumann & Co. 320.
  Fischer & Wittig 347.
  Fisher, Henry, 94.
  Flegel, J. G., 300.
  Fleming & Co. 72.
  Flemming, C., 373.
  Flinsch, H. 289.
  _Flore mdicale_ 185.
  Florenz 242.
  _Fonderie gnrale_ 150. 183.
  Fontanet, J., 245.
  _Forget me not_ 94.
  Forsaith, S. C., & Co. 70.
  Forster 50.
  Foucher 159.
  Fouret, R., 213.
  Fournier le jeune 147.
  Fournier, Henri, 197.
  Fraktur u. Antiqua 282. 283. 322.
  Franckh, F. G., 388.
  Frankfurt a. M. 399.
  Frankfurt a. d. O. 373.
  Franklin-Gesellschaft 436.
  Fraser, A., 42.
  Frauenarbeit 90. 368.
  Freetown 113.
  Freiburg i. Br. 402.
  Frenckell, J. C., 452.
  Frey & Sening 320.
  Freycinet, _Voyage_ 176.
  Friderichs, R. L., 379.
  Friedlnder, R., 350.
  Fries, H. A. F., 445.
  Fromme, C., 430.
  Fry, Edm., 32.
  Fuchs, O. O., 316.
  Fuchs, Ign., 432.
  Furne, Ch., 202.
  Furnival & Co. 69. 71.
  Furrer, H., 410.
  Frstenau 350.
  Frth 398.
  Fyens Stiftsbuchdruckerei 444.

  Gaber 300.
  _Gabriel, the Outcast_ 85.
  Gadow & Sohn 351.
  Gdicke 293.
  _Galerie historique de Versailles_ 208.
  St. Gallen 410.
  Galvanoplastik 294.
  Gando 147.
  Gardano, Familie, 325.
  Garrigues, R., 134.
  Gaspar & Roy 245.
  Gavard, J., 208.
  Gaubert, E. R., 41.
  Gaume frres 211.
  Gauthier-Villars 200.
  Gaveaux, A. Y., 159.
  Gebauersche Buchdr. 354.
  Gehlfen-Verein 273.
  Geibel, Steph., 351.
  Geiger, J. H., 402.
  Gelder, van, & Zoonen 228.
  Genet, E., 324.
  Genf 412.
  Gengembre 152.
  Genossenschaft, Lith., 410.
  Genou 153.
  Genzsch & Heyse 284.
  Georgi, C. H., 379.
  Gera 351.
  Gerhard, Fr., 134.
  Gerhard, R., 317.
  Gerold, Familie, 420.
  Gerold, Carl, 371.
  Gesellschaft f. vervielf. Kunst 428.
  -- photographische, 372.
  Gesellschaftsinseln 113.
  Gewerbehalle, die, 392.
  Giesecke & Devrient.
    Wachsen des Etablissements 344.
    _Codex Sinaiticus_ 344.
    Giesecke, Hermann, 344.
    _Papyros Ebers_ 345.
    A. Devrients Tod 345.
  Gilbers, G., 350.
  Gilbert & Rivington 32.
  Gills Patent 69.
  Gillot, F., 155.
  Gillotage 155.
  Girardet 18.
  Gisch, K., 295.
  Gistel, G., 429.
  Gltten, heisses, 69.
  Glasanow 456.
  Gleerup, C. W., 452.
  Gleissner 350.
  Glogau 373.
  Gloucester 84.
  Glycky, Nik., 462.
  Gobrecht, Chr., 208.
  Godchaux, Aug., 159.
  Godolphin, Lord, 81.
  Godthaab 448.
  Goebel, Th., 356.
  Gschen, J. G., 330.
  Gttingen 379.
  Golowin 456.
  Goodall & Sons 71. 105.
  Gordon 67.
  Gosselin, Ch., 212.
  Goupil & Co. 15. 207. 372.
  Gotha 352.
  Gotthelft, Gebr., 410.
  _Graphic, The_, 95.
  Grass, Familie, 372.
  Grass, Barth & Co. 372.
  Grassmann, R., 375.
  Graz 432.
  Greeley, Horace, 117.
  Grefe, C., 434.
  Gregr, Ed., 432.
  Greiner & Pfeiffer 300.
  Grenoble 202.
  Greth, Jul., 378.
  Griechenland Einfhrung 462.
  Griechenland Presse 463.
  Grimsshaw, D., 77.
  Grndahl 450.
  Grnland 448.
  Gronau, W., 285.
  Gropius' Buchhdlg. 371.
  Grote, G., 372.
  Grninger, C., 390.
  Grumbach, E. C. V., 347.
  Grunert, Gebr., 368.
  Gruppen, typographische, 6.
  Grynus, J., 359.
  Gubitz, F. W., 282. 297.
  Guess, G., 35.
  de Guignes, _Dictionn. Chinois_ 174.
  Guillaumin, G., 210.
  Gursch & Klemm 295.
  Gusmans neue Xylographie 156.
  Gutbier, A., 350.
  Gute Worte 113.
  Gutenbergsdenkmal in
    Frankfurt a. M. 400.
    Mainz 400.
    Strassburg 403.
  Gutsch, F., 401.
  Guyot, F., _frres_ 232.
  Gysae, Rob., 320.

  Haack, C., 434.
  Haack, W., 441.
  Haarlem 227.
  Haas, Familie, 407.
  Haase, A., 432.
  Haase, Gottl. & Shne 290.
  Hachette, L. & Co., 213.
  Hagelberg, W., 371.
  Hagar 52.
  Hahn & Co. 401.
  Hahns Hofb. 379.
  Hallberger, Ed., 389.
  Hallberger, Carl, 390.
  Halle 353.
  Haller, B. F., 411.
  Hambruch, G., 48.
  Hamburg 375.
  Hammer, Peter, 380.
  Handpressen in Deutschland 316.
  -- von Haas 407.
  Handpresse siehe Presse.
  Hnel, C. J., 366.
  Hnel, Ed., 281. 285.
  Hanemann, C., 287.
  Hanfstngl, Franz, 396.
  Hanfstngl, H., 350.
  Hangard-Maug 207.
  Haniq 231.
  Hannv. Geschftsbcherfabr. 378.
  Hannover 378.
  Hansard, Familie, 78.
  Haparanda 451.
  Harpel, O. H., 125.
  Harper, Familie, 120.
  Harrild & Sons 70.
  Harrison & Co. 91. 96.
  Hrtel, G. C., 330.
  Hrtel, H., 330.
  Hrtel, R., 330.
  Hartenbach, J. Ritschl v., 298.
  Hartinger & Sohn 434.
  Hartung, Familie, 373.
  Hase, O., 330.
  Hasper, W., 401.
  Hassel, W., 380.
  Hastings, Marquis, 107.
  Hattersley, R., 44.
  Haubold, C. G., 318.
  Haumann, L., & Co. 230.
  Haupt & Czeiger 434.
  Hauschild, Gebr., 378.
  Hawkin 52.
  Haye, V., 155.
  Hayez, F., 232.
  Hayn, A. W., 367.
  _Heaths Book of Beauty_ 94.
  Hecht 395.
  Heckenast, G., 436.
  Heftwerke, illust., in Deutschl. 268.
  Heidelberg 401.
  Heim, F. W., & Co. 318.
  Heinrich, C., 350.
  Heinrich, N., 325.
  Heitz, J. H. J., 403.
  Helbig & Mller 315.
  St. Helena 113.
  Hellriegel, C., 371.
  Helmich, Jul., 134.
  Helsingfors 452.
  Henning, C. F., 357.
  Hepburn, J. M., 39.
  Hepburn, Dr., 110.
  _Herald, New-York_, 117.
  Heran 152.
  Herder 402.
  Hereford 84.
  Hermanns Erben 376.
  Hermsdorf 317.
  _Herodiani reliquiae_ 337.
  Hesse, J., 398.
  Hessenland, H., 375.
  Hetzel, Jul., 203.
  Heywood, John, 84.
  Hildburghausen 351.
  Hill, Rowland, 63.
  Himmer, J. P., 399.
  Hingray, Ch., 210.
  Hinrichs, J. C., 348.
  Hinstorff, D. C., 375.
  _Hints on decorative Printing_ 80.
  Hirschfeld, C. L., 341.
  Hirschfeld, C., 347.
  Hirschwald, A., 372.
  Hirt, F., 373.
  Hirths Werke 394.
  Hirzel, Sal., 348.
  _Histoire des colibris_ 189.
  _Hist. nat. des oiseaux chantantes_ 189.
  Hobarttown 112.
  Hochdanz, E., 391.
  Hochdruckplatten, lithograph. 17.
  Hochlithographie 17.
  Ho, Familie, 61. 70.
  Hfel, Blasius, 301.
  Hlzel 434.
  Hofbuchdruckerei in Cassel 400.
  Hofbuchdruckerei in Weimar 317.
  Hofer & Burger 410.
  Hoffenberg & Trap 448.
  Hoffmann, C., 317.
  Hoffmann, C., 390.
  Hoffmann, Fr. J. Ignaz, 151.
  Hoffmann, W., 350.
  Hogenforst, A., 319.
  Holland, Pressverhltnisse in, 226.
  Holm, C. A., 60.
  Holtzmann, K. F., 300.
  Holyoke 125.
  Holzhausen, A., 430.
  Holztypen in Amerika 35.
  Hongkong 110.
  Honolulu 113.
  Hooker, J., 42.
  Hopkinson 52.
  Hoppe, H. und E., 454. 456.
  Horaz (Baskerville) 74.
  Horn, G. A., 314.
  Hornynsky, V., 437.
  Hostmann, J., 319.
  Houghton, Osgood, & Co. 130.
  Howe 70.
  Huber, E., 395.
  Huck & Co. 290.
  Hbschmann, F. S., 396.
  Httemeyer 447.
  Hummel, C., 314.
  Hundertstund & Pries 347.
  Hungaria 427.
  Hutin, P., 324.
  Huttler, M., 394. 399.
  Hydra 463.

  Ibarra 244.
  Ibrahim Effendi 250.
  Iljin, A., 456.
  _Illustrated London News_ 95.
  _L'Illustration_ 203.
  Illustrirte Zeitung 348.
  Illustrationsdruck
  -- in Amerika 122.
  -- in Berlin 367.
  -- in Deutschland 296.
  -- in England 79.
  -- in Frankreich 142. 193.
  -- in Leipzig 346.
  -- in Wien 428.
  Institut, milit.-geogr., in Wien 435.
  Imhof, Freiherr von, 108.
  _Imprenza Nacional_ 246.
  Innsbruck 432.
  Institut, Bibliographisches, 345.
  Institut, topogr., Amsterdam, 228.
  Irkutsk 457.
  _Iscrizioni esotiche_ 234.
  Isermann, A., 293.
  Island 448.
  Issleib & Rietschel 351.
  Itzehoe 376.
  Ivison, Blakeman, Taylor & Co. 130.

  Jacobi, M. H., 294.
  Jacoby, L., 434.
  Jackson, J., 30.
  Jaff, M. & M., 434.
  Jnecke, Gebr., 378.
  Jnecke & Schneemann 319. 378.
  Janet, P., 215.
  Jannin 154.
  Japan 110.
  Jasper, Fr., 431.
  Java 109.
  Jeanrenaud & Co. 316.
  Jeddo (Tokio) 110.
  Jehenne 206.
  Jekaterinenburg 457.
  Jent & Reinert 411.
  Johnson, W. M., 39.
  Johnson & Atkinson 39.
  Johnsons _Dictionary_ 97.
  Johnson, Henry, 84.
  Johnson, J. M., 378.
  Jones, J. W., 69.
  Jonghaus & Venator 400.
  Jonische Inseln 462.
  Jnsson, B., 448.
  Jontzen, G., 317.
  Joseph II. als Buchdrucker 418.
  Jouaust, D., 215.
  Journ. f. Buchdruckerkunst 356.
  _Journal, le petit_, 221.
  _Journal pour tous_ 204.
  Jubelfest 1840 in Leipzig 341.
  Jubilum 1883 in Mnchen 396.
  -- in Wien 435.
  Jung, E., 186.

  Kafemann A. W., 374.
  Kairo 249.
  Kaiser, Ludw. 316.
  Kalakaua, Knig 113.
  Kalenderlitter. in Deutschland 267.
  Kalenderdruck in England 104.
  Kallmeyer 317.
  Kalthfer 104.
  Kanegeaguli, Knig, 113.
  Kanter, R., 374.
  Karlsruhe 401.
  Kartographie 17.
  Kartographie i. d. Schweiz 410.
  Kasan 457.
  Kastenbein, C., 45.
  Kast & Ehinger 320. 391.
  Kaufbeuren 399.
  Kaufmann, A., & Co. 371.
  Kaupp, Das Thierreich 17.
  Kegel, franzsischer, 145.
  Kehl 402.
  Kelly, W. J., 125.
  Kelso 82.
  Kempten 398.
  Khr & Wein 437.
  _Kidder-Press_ 68.
  _King-Pao_ 110.
  Klagenfurt 432.
  Klassikerausgaben 268.
  Klein, Forst & Bohn 314.
  Kleinmayr, F. v., 432.
  Kleinmayr & Bamberger 433.
  Klercker, G. C. v., 451.
  Klimsch & Co. 319. 400.
  Klindworthsche Hofbuchdr. 378.
  Klinkhardt, Jul., 287. 291. 346.
  Kloberg, C. A., 288.
  Klopstocks Werke, Prachtausg. 331.
  Knatz, C., 399.
  Knesing, Th., 395.
  Knight, Charles, 95.
  Knfler, Heinr., 302.
  Knorr & Hirth 394.
  Kln 379.
  Klnische Zeitung 380.
  Knig, Friedrich.
    Knig in England 54.
    Knigs verschiedene Patente 55.
    J. Walter ber F. Knig 58.
    Rckkehr nach Deutschland 58.
    Jugendgeschichte 305.
    Knig & Bauer in Oberzell 307.
    Erste Bestellungen 308.
    Verbreitung d. Schnellpresse 310.
    Knigs Tod 311.
    Knig & Bauer 307.
  Knig, G. A., 353.
  Knig & Ebhardt 378.
  Knigsberg 373.
  Knigsberger Zeitung 374.
  Kntgen, Franz, 380.
  Ksel, Jos., 398.
  Kollektivunternehmungen 270.
  Koluni['c], M. R., 460.
  Kombinationspresse 67.
  Konische Typen 38.
  Konversations-Lexika 269.
  Konversations-Lex., Brockh. 332.
  Kopenhagen 442.
  Koran, der, 338.
  Korinth 463.
  Korn, Familie, 373.
  Krabbe, A., 389.
  Kragujevac 459.
  Krakau 432.
  Kramer, C., 371.
  Krampe, J., 355.
  Krause, Ed., 367.
  Krause, K., 318.
  Kretzschmar, Ed., 298. 347.
  Kriehuber 434.
  Krner, Gebr., 388.
  Krnungswerk Wilhelms I. 363.
  Krone, H., 350.
  Khn, G., 375.
  Khnau, R., 295.
  Kurzbeck, J. v., 418.
  Kutzner & Beger 371.

  Laboulaye & Co. 150.
  Lachevardire 204.
  Lacrampe & Co., 200.
  Ladovat, Ch., 192.
  Lahr 402.
  Lahrer hinkender Bote 402.
  Laibach 432.
  Lallemant, Gebr., 247.
  Landesbuchdr. in Serajewo 437.
  Landi, Salv., 242.
  Landkartendruck 9. 271. 326. 407.
  Landshut 399.
  Lang, J., 412.
  Lang, Gebr., 402.
  Lange, F., 400.
  Langensche Buchdruckerei 380.
  Langen, A. v., 43. 295.
  Langenscheidt, G., 372.
  _Laterna magica_ 15.
  Lauer, J., 247.
  Laurent & Deberny 150.
  Laurin, G. und A., 451.
  Lausanne 412.
  Laval 159.
  Lawson 72.
  Lazareff, J., 456.
  Leblanc-Hardel 202.
  Lebrun, Pierre, 176.
  _Ledger, The public_, 118.
  Lefvre, J. J., 192.
  Lefvre, Thotiste, 183.
  Lefmann & Lourdel 156.
  Lefranc & Co. 160.
  Lgrd, Gebr., 437.
  Legrand, L., 159.
  Legros 231.
  Lehmann, O. J., 456.
  Lehmann & Wentzel 397.
  Leipold, J., 247. 291.
  Lemberg 432.
  Lemercier & Co. 160. 206.
  Lemerre, A., 216.
  Leske, W., 400.
  Leslie, Frank, 122.
  _Leslies illustrated Newspaper_ 122.
  Lessing 367.
  Lessing, G. E., 375.
  Letteverein 368.
  Leunis & Chapman 378.
  Leupoldt, Friedr., 128.
  Leuzinger, R., 410.
  Levrault, Familie, 187.
  Lvy, M., frres 212.
  Levy & Lavater 160.
  Levy & Mller 391.
  Lewis, Charles, 104.
  Leykam-Josefsthal 432.
  _Liberty-Press_ 67.
  Lichtdruck, der, 15.
  Liepsch & Reichardt 350.
  _Lightning Press_ 61.
  Lille 201.
  _l'Imitation de Jsu Christ_ 204.
  Limoges 202.
  Lindh, J. P., 451.
  Linhout, van, 231.
  Lintz, Fr., 379.
  Linz 432.
  Lippincott, J. B., & Co. 130.
  Lisicki & Co. 432.
  Lissabon 246.
  Litfass, Gebr., 368.
  Lithographie, die 7. 396.
  _Lithogr. Aktie Bolaget_ 452.
  Lithogr. Genossensch. i. Zrich 410.
  Lith. Institut, Berliner, 372.
  Lithographiesteine 11.
  Litolff, H., 355.
  Littr, Dictionnaire 210.
  Livermore, M. W., 30.
  _Livre d'heures de la reine Anna_ 205.
  Liwtschack, J., 48.
  Lloyd, Oesterr., 433.
  Ldel, H., 300.
  Loewe, F., 391.
  Lwensohn, G., 398.
  Lwenstein, ., 367.
  Loeillot 371.
  Loeulliet 176.
  _Logographic printer_ 84.
  Logotypsystem 84.
  Lombardot 150.
  Longman, Familie, 97.
  Lorck, C. B., 338.
  Lord Mayor 91.
  Lorenz, O., 218.
  Lorilleux & Co. 160.
  Lortic 162.
  Lose, C. C., 447.
  Lottin, Familie, 186.
  Lott, Ludw., 314.
  Lovisa, Dom., 325.
  Louvre-Ausgaben 178.
  Lucas, S., 379.
  Lucas, T. M., 35.
  Luce, Louis, 171.
  Ludwig XVI. als Buchdr. 163.
  Ludwig, H., 133.
  Ludwig, C. J., 289.
  Ludwigshafen 401.
  Ludwigslust 375.
  Lbeck 375.
  Luno, Bianco, 442.
  Luxuspapierfabrik, Berliner, 371.

  Maas, F. W., 365.
  Macao 109.
  Macaulays Geschichte 98. 107.
  Macdonald, J. C., 64.
  MacKellar, Th., 34.
  MacKellar, Smiths & Jordan 34.
  Mackie, Dr. A., 46.
  Mackie, Brewthal & Co. 47.
  Macklot, C. & G., 401.
  Maclins Bibel 77.
  Madagascar 113
  Madras 106.
  Madrid 245.
  Mntler, Gebr., 388.
  Mssigkeits-Verein, Nationaler 129.
  _Magasin pittoresque_ 204.
  Magdeburg 354.
  _Magna Charta_ 77.
  Magyar, Gebr., 437.
  Mahlau, A., 399.
  Mailand 241.
  Mainz 400.
  Maisonneuve, C. A., & Co. 210.
  Malacca 109.
  Malling Hansen, R., 447.
  Mame, Familie, 161. 195.
  Mannheim 401.
  Mannheimer Vereinsbuchdr. 401.
  Manchester 84.
  _Manchester Guardian_ 46.
  Mantz, _Peinture italienne_ 181.
  Manz, G. J., 398.
  Marc, A., & Co. 203.
  Marccos, Familie, 246.
  Marcel, J. J., 173.
  Marcelin Legrand, 175.
  Mareingh 242.
  Maret, G. H., 341.
  Mar-Hanna 251.
  Marinoni, H., 156.
  Marinoni & Chaudr 160.
  Mans 202.
  Marienwerder 374.
  Marietti 243.
  Mark, Franz, 456.
  Marlborough, Fort, 109.
  Marshal & Co. 92.
  Martin, J. G., 398.
  Martin, W., 31.
  Martinet, Em., 201.
  Masson, G. u. V., 209.
  _Matrix compositor_ 48.
  Maulde & Vibart 159.
  Max & Co. 373.
  May, C. D., 289.
  May, E. G., & Shne 399.
  Mayer, Carl, 398.
  M'Creery 78.
  Mechitaristen-Buchdruckerei 239.
  Medhurst 109.
  Medival 32.
  Mehrfarben-Maschine 312.
  Meinhold, C. C., & Shne 349.
  Meisenbach, G., 397.
  Meissner & Buch 348.
  Meister von 1440-1694 397.
  Melandri, Federigo, 243.
  Meline Cans & Co. 230. 232.
  Mercy, H., 432.
  Metallhochtzung 17. 155.
  Metz 402.
  Metzger & Wittig 347.
  Metzler, J. B., 387.
  Metzler & Barting 227.
  Mexiko 248.
  Meyer, Carl, 289.
  Meyer, Dr. Heinr., 356.
  Meyer, J. H., 356.
  Meyer, J. u. K. J., 346.
  Meyersche Hofbdr., Detmold 378.
  Michaud, _Biogr. universelle_ 211.
  Middleton, Th., & Co. 66.
  Migne, J. P., 211.
  Millado, C., 245.
  Millar 31. 43.
  Miller-Ritchie 75.
  Millin, _monuments antiques_ 173.
  Milne 109.
  Milton (Bulmer) 77
  Minden 379.
  _Mirabilia urbis Romae_ 396.
  Mirza Schaffy, Lieder 364.
  Missionspresse in Grnland 448.
  Missolunghi 463.
  Mitau 456.
  Mitchell, W. H., 42.
  Mittler, E. S., 366.
  _La Mode illustre_ 181.
  Modezeitungen 270.
  Mller, Korf., 295.
  Mller, Lars, 448.
  Mser, W., 368.
  Mol, Joseph, 146.
  Molini 242.
  Momma, P., 450.
  _Le Monde illustr_ 204.
  _Moniteur_ 185.
  Monnoyer 202.
  Monroq 207.
  _Monuments d'antiquit_ 175.
  Morel, A., & Co. 208.
  Morisson 109.
  _Morning-Herald_ 112.
  Moskau 456.
  Motteroz, C., 201.
  Moulinet, L., 150.
  Muddies' Leihbibliothek 92.
  Mhlhaupt & Sohn 410.
  Mhlmann & Johler 377.
  Mhlthaler, E., 394.
  Mlhausen in E. 402.
  Mller, Ch. Fr., 401.
  Mller, Fr., 229.
  Mller, Leo, 315.
  Mller, M. L., 43.
  Mller, Th., 353.
  Mller & Richard 32.
  Mnchen 393.
  Mnchener Bilderbogen 395.
  -- Fliegende Bltter 395.
  Mnchmeyer, H. G., 350.
  Mnster 379.
  Murray, Familie, 98.
  Museum f. Kunst in Wien 428.
  Musiknotendruck 147. 323.
  _Muse franais_ 208.
  _Muse des familles_ 204.

  Nachdruck in Amerika 135.
  -- in Belgien 229.
  -- in Deutschland 261.
  -- in Reutlingen 393.
  Nachitschewan 457.
  Nacht, 1001, 389.
  Nachtigall & Dohle 288.
  Napier, D., 59.
  Narodne Noviny 437.
  Nastas Jovanovi['c] 461.
  Nationalmuseum, bayrisches 397.
  National-Verein, serbischer 460.
  Naturselbstdruck 424.
  Naumann, C., 399.
  Naumann, C. G., 347.
  Naumann & Schrder 348.
  Nauplia 463.
  Neapel 243.
  Neff, Paul, 392.
  Negapatnam 106.
  Neill & Co. 42.
  Nelson & Sons 63.
  Neubinger, M., 456.
  Neuenburg 410.
  Neuer, Th., 293.
  Neujahrskarten in England 104.
  Neuruppin 375.
  Neusatz 437.
  _News Company, American_, 128.
  New-Yorker Staatszeitung 133.
  Nicol, G. und W., 76.
  Nichols, John, 75.
  Nicholson, W., 38. 57.
  Nipce, Nicphore, 12.
  Nipce de St. Victor 13.
  Nies, Fr., 338.
  Nies, J. Ch. D., 289.
  Nisbet, James, 100.
  Nisler, E., 397.
  Nitzschke, W., 391.
  Norberg, Jul., 187.
  Norddeutsche Buchdr. 367.
  Nordhausen 353.
  Norrkping 452.
  Norstedt, P. A., & Sner 451.
  Notendruck, lithographischer, 9.
  Nrnberg 397.
  Numerierpresse 53.

  Oberhausen 379.
  Obernetter 16. 397.
  Oberthur, F. C., 201.
  Oberzell, Kloster, 307.
  _Occhio di mosca_ 240.
  Ockenfuss 459.
  Odense 444.
  Odessa 456.
  Oeglin, E., 324.
  Oehmigke & Riemschneider 375.
  lbilderdruck 10.
  Offenbach a. M. 30.
  Ohlenroth 353.
  Oldenbourg, R., 394.
  Oldenburg 378.
  Omer-Henry 207.
  _Orange Judd Company_ 131.
  _Oratio dominica_ 235.
  Orell Fssli & Co. 409.
  Orientalia in Frankreich 147.
  Orgelbrand, H., & Co. 456.
  Osborne 16.
  Oschatz, R., 350.
  Osterrieth, A., 399.
  Osterzee, J. van, 227.
  Otto, J., 432.
  Oudin frres 202.
  _[Oe]uvres de Frdric le Grand_ 363.
  Oxford 81.

  Paar, H., 303.
  _Pacis monumentum_ 372.
  Paderborn 379.
  Padua 239.
  Paetel, Gebr., 372.
  Page, W. H., & Co. 35.
  Palstina 389.
  Pallhausen, V. v., 293.
  Panckoucke, Familie, 184.
  Paniconographie 155.
  Papierfabrikation in Amerika 136.
  -- in Deutschland 278.
  -- in England 105.
  -- in Frankreich 161.
  -- in Japan 112.
  -- in Schweden 452.
  Papiergeld in Japan 111.
  Papierphotographie 13.
  Papierstereotypie 153.
  Papillon 50.
  Papyros Ebers 345.
  Paravia 242.
  Pardoe, Jos., 66.
  Parker, Familie, 100.
  Parkin, Th., 52.
  Parma 233.
  Parey, S., 372.
  Parsons, Fletcher & Co. 72.
  _Patent Type Foundry_ 39.
  Paterno, Fr., 434.
  Patras 463.
  _Paul et Virginie_ 204.
  Paulin, J. B. A., 203.
  Payne, A. H., 312. 347.
  Payne, Roger, 103.
  Perthes, F. A., 375.
  Perthes, Familie, 352.
  Peking 110.
  _Penny Magazine_ 94.
  _Penny-paper, the_, 66.
  Perrin, L. B., 215.
  Perrotin, Ch. A., 212.
  Pester Buchdr.-Akt.-Gesellsch. 436.
  _Pesti Hirlap_ 437.
  Petermann, A., 352.
  St. Petersburg 453.
  Peterson 48.
  Petibon 150.
  Petrucci, Oct. dei, 323.
  Petyt 150.
  Petzval 13.
  Pfingsten, G. J., 376.
  Pfnorr, W., 288. 298.
  Pforzheim 388.
  Photographie, die, 12. 31.
  Photogr. Hochdruckplatten 14. 433.
  Photolithographie 16.
  Photogr. Tiefdruckplatten 14. 433.
  Phototypie 397.
  Photogr. Gesellschaft in Berlin 372.
  _Phototype Company, American_, 125.
  Philippopel 462.
  Pichlersche Buchdruckerei 420.
  Pichot & Co. 207.
  Pickenhahn & Sohn 350.
  _Picturesque America_ 126.
  -- _Europe_ 126.
  _Pied du roi_ 145.
  Pierer, H. A., 351.
  Pierersche Buchdruckerei 292. 351.
  Pietsch, A., 430.
  Piil, C., 18. 444.
  Piloty 396.
  Pinakothek, die alte, 396.
  Piranesi, Vater und Sohn, 244.
  Pitris, C., 187.
  _Pitt-Press_ 81.
  Planotypie 303.
  Plauen 350.
  Plesse, Chr., 291.
  Plon, H., 199.
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  _Relief printing Company_ 15.
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  Renault & Robcis 150.
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  Renouard, A. A., 218.
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  Revillon & Co. 456.
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  Richter, J. F., 376.
  Rieder & Simmer 411.
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  Rivadaneira, M., 245.
  _Riverside-Press_ 130.
  Rivington, Charles, 99.
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  Roeloffzen & Hbner 227.
  Rmmler & Jonas 350.
  Rohrer, R. M., 432.
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  Rom 242.
  Roman. Gruppe, Charakter., 140.
  Romanet & Co. 207.
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  Roorda, T., 226.
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  Rosenborg, Fr., 41.
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  Routledge & Sons 99.
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  Roxburgh-Club 101.
  Roxburgh, John Herzog v., 101.
  Roy, Adr. le, 325.
  Rue, de la, & Co. 105.
  Ruprecht, K., 301.
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  Rust, I. H., 291.
  Ruthven, J., 52.
  Rustschuck 462.
  Ryles & Son 65.

  Sachse & Co. 370.
  _Sacre et couronnem. de Napolon_ 174.
  Sacy, S. de, _Les sances de Hariri_ 176.
  _Saggio tip. di fregi et majuscola_ 234.
  Salzer, Familie, 421.
  Sandmeyer, W., 375.
  Sandwichsinseln 113.
  Sarepta 457.
  Satiniermaschine 60. 318.
  Savage, Will., 80.
  Saxton, J., 52.
  Scamoni, G. v., 14. 454.
  Schfer & Korradi 134.
  Schfer & Scheibe 371.
  Schauberg, G. A., 380.
  Schauenburg, M., 402.
  Schauer, G., 372.
  Schauer, Hans, 395.
  Scheible, J., 389.
  Scheitlin, C. P., 410.
  Schellenberg, L., 400.
  Schelter & Giesecke 287. 315. 319.
  Schemm, Franz, 398.
  Schimpf, C., 398.
  Schleifmaschinen 39.
  Schlotke, Ferd., 316. 319. 376.
  Schltersche Buchdr. 378.
  Schmid, Ant., 419.
  Schmidt, L. W., 134.
  Schmidt & Spring 391.
  Schmiers, Werner & Stein 315.
  Schneider, Friedr., 395.
  Schneider, R., 453.
  Schneider, Th., 455.
  Schneidemaschine 71.
  Schnellpressen 306. 333.
  Schnellpressen, lithograph., 316.
  Schnuck, Familie, 187.
  Schnlein, H., 390.
  Schpflin, Joh. D., 404.
  Schotte & Co. 372.
  Schottlnder, S., 373.
  Schreibkugel 446.
  Schreibschriften, franz., 146.
  Schriftgiesserei in Amerika 33.
  -- in Berlin 359.
  -- in Dnemark 444.
  -- in England 29.
  -- in Frankreich 156.
  -- in Stuttgart 391.
  Schriftgiessmasch. 38. 159. 295. 445.
  Schrder, E. H., 372.
  Schrder, W., & Co. 319.
  Schrpel 459.
  Schuchardt, Chr., 412.
  Schuckert, Sigm., 295.
  Schnemann, C., 378.
  Schrmann, W. R., 319.
  Schrmann, A., 353.
  Schultz, J. H., 444.
  Schultz, R., & Co. 187.
  Schultze, C., 367.
  Schultze, W. F., 381.
  Schulzsche Hofbdr. 378.
  Schumacher 317.
  Schumann, A. H., 315.
  Schuster, R., 372.
  Schwabe, B., 378.
  Schwann, L., 379.
  Schweighausersche Buchdr. 408.
  Schwerin 375.
  Schwetschke, Familie, 354.
  Scribners Zeitschriften 122.
  Scott, Sir Walter, 82.
  Sebald, U. E., 398.
  Seeger, Max, 391.
  Seemann, E. A., 349.
  Seidelin, A., 444.
  Seitz, G. W., 376.
  Seliwanowski 456.
  Selligu 317.
  Senefelder, A., 7. 396.
  Serajewo 437.
  Serbien, Einfhrung, 459.
  Serbischer National-Verein 437.
  Sequoyah 35.
  Serampur 106.
  _Series, Scientifiques_, 130.
  Serriere & Bausa 159.
  Serz & Co. 398.
  Setzmaschine in Amerika u. Engl. 40.
  -- in Deutschland 295.
  -- in Dnemark 445.
  _Shakspeare-Press_ 50.
  Shakspeare Prachtausgabe 76.
  Shanghai 109.
  Shank, P. M., 39.
  Sharpe, Granville, 99.
  _Sheldonian Theater_ 81.
  _Shinpao_ 110.
  Sidney 112.
  _Sicle, le_, 193.
  Sieger, Ed., 434.
  Siemens & Halske 295.
  Silbermann, G., 205.
  Silva, J. C. da, 246.
  Silvestre, L. C., 218.
  Simin 453.
  Sirven, J. M., 202.
  Sistowa 462.
  Sittenfeld, J., 367.
  Skandinavia-Presse 60.
  Sliwna 462.
  Smirdin 453.
  Smith, P. und M., 61.
  Smith & Son 92.
  Smyrna 251.
  _Society for usefull Knowledge_ 95.
  _Soc. gn. de libr. catholique_ 211.
  Srensen, Chr., 41. 424.
  Sofia 462.
  Solnhofen 11.
  Sommer, L., 421.
  Sonzogno, Ed., 241.
  _Soubise, Htel_, 174.
  Sower, Potter & Co. 129.
  Spaarmann, A., 379.
  Spamer, Otto, 347.
  Spemann, W., 392.
  Spencer, Lord, 102.
  Spener, Familie, 308. 365.
  Spiegel vom Serampur 107.
  Spielkartenfabrikation in Engl. 105.
  Spilbury, Th., 75.
  Spinn, C. A., & Zoon 227.
  Spottiswoode & Eyre 96.
  Springer, Jul., 372.
  Staatsdruckerei in Belgrad 459.
  -- in Berlin 368.
  -- in Paris 170.
  -- in Pest 436.
  -- in St. Petersburg 454.
  -- in Washington 124.
  -- in Wien 421.
  Stahel, B., 399.
  _Stamperia camerale_ 243.
  Stalling, G., 378.
  Stanhope, Lord, 36. 49.
  _Stationary_-Artikel 93. 104.
  _Stationers Company_ u. _Hall_ 93.
  Statistisches, Belgien 232.
  -- Dnemark 444.
  -- Deutschland 274.
  -- England 89.
  -- Frankreich 222.
  -- Holland 227.
  -- Italien 237.
  -- Norwegen 449.
  -- sterreich 437.
  -- Rumnien 461.
  -- Russland 453. 457.
  -- Ungarn 437.
  -- Wrttemberg 393.
  _Statistique de la France_ 174.
  Statthalterei-Buchdr. in Prag 432.
  _Statut de l'ordre de St.-Esprit_ 206.
  Steinbock, R., 371.
  Steiger, E., 135.
  Steiner 295.
  Steinkopf, J. F., 390.
  Stenochromie 377.
  Stenographischer Satz 291.
  Stereotypie, die, 36. 151. 192.
  Stettin 374.
  Stiepel, Gebr., 432.
  Stigmatypie 304.
  Stckel, W., 349.
  Stoffler & Back 290. 319.
  Stopp, F. W., 432.
  Storch & Kramer 371.
  Strahan, Will. and Andr., 75.
  Strassburg 403.
  Strassburger Stadtbibliothek 404.
  Straub, F., 394.
  Strauss, A., 421.
  Strauss, B., 317.
  Strixner 396.
  Stroefer, Th., 395.
  Stuttgart 384.
  Styblo, B., 432.
  Styria 432.
  Suitterlin, Claussen, & Co. 67.
  Sumatra 109.
  Sun 123.
  _Sunday School Union_ 129.
  Susato, T., 324.
  Susemihl 17.
  Swett, E., & Daul 48.
  Swiderski, Ph., 315.
  Synodalbuchdruckerei 456.
  Sythoff, A. W., 228.
  Szegedin 437.

  Talbot, Fox, 12.
  Tarb & Co. 150.
  Tauchnitz, Bernh., 340.
  Tauchnitz, K., 337.
  Tauchnitz, K. Chr., 338.
  Taylor, R., 54.
  Tchener, L., Fils 216.
  Teheran 251.
  Teirichs Bl. f. Kunstgew. 430.
  Templier, A., 213.
  Temeswar 437.
  Terceira 113.
  Teschen 432.
  Testu & Massin 207.
  Tetot 212.
  Tetschen 432.
  Teubner, B. G., 337. 350.
  Theinhardt, F., 285.
  _Thesaurus graec lingu_ 181.
  Thiele, Gebr., 443.
  Thienemann, K., 391.
  Thiers, _Hist. de la Rvolution_ 203.
  Thomann, J., 399.
  Thoms, P., 109.
  Thordarson, Einar, 448.
  Thorowgood 32.
  Thurneysen, J. J., 409.
  Tidcombe, G., & Son 71.
  Tiegeldr.-Tretmasch., versch., 67.
  Tiflis 457.
  Tilloch 36.
  _Times_-Offizin 84.
  _Times_ 55.
  Timiriazeff, D., 48.
  Tirnowa 462.
  Tche, Th., 366.
  Tokio (Jeddo) 110.
  Tolmer 159.
  Torchonplatte 10.
  Torre, A. de la, 420.
  Toulouse 202.
  _Touraine, la_, 196.
  _Tract Society, American_, 129.
  Trassler, J. G., 418.
  Trattner, J. T., 416.
  Treadwell, D., 52.
  Trennert, J. D., 284.
  Tresling & Co. 228.
  _Trsor artistique de la France_ 207.
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  Treuttel & Wrtz 186.
  Trewendt, E., 370.
  _Tribune, New York_, 117.
  Trier 379.
  Triest 433.
  _Trionfo della fidelta_ 326.
  Trittmller 67.
  Troitzsch, O., 371.
  Troppau 418.
  Trowitzsch & Sohn 285. 373.
  Trbner, Nikolaus, 100.
  Truscott, Francis, 91.
  Tmmel, W., 398.
  Turnbull, Thomas, 69.
  Tschudi, Iwan v., 410.
  Tschulik, L., 41.
  Tucker, Henry, 150.
  Tbingen 393.
  Turrel & Saxton 208.
  Turin 241.
  _Typographia jubilans_ 341.
  Typometrie 407.

  ber Land und Meer 389.
  Ungarn 436.
  Unger, J. G. und J. F., 297.
  Unger, Gebr., 365.
  _Univers pittoresque_ 181.
  Universittsbuchdr. i. Mnchen 394.
  -- in Pest 437.
  -- in St. Petersburg 456.
  Utensilien-Geschfte 71.
  Unzelmann, Fr., 298.

  Valencia 245.
  _Valentines_ 104.
  Valt & Co. 160.
  Valleyre, Gabr., 151.
  Vanderborght 232.
  Vanderhaegen, E., 232.
  Vandiemensland 112.
  Veit, J. B., 401.
  Veit & Co. 372.
  Velten, J., 401.
  Venedig 239.
  _Vereenigung des Boekhandels_ 227.
  Vereinigungen in Deutschland 272.
  Vereinsbuchdr. in Mannheim 401.
  -- in Stuttgart 390.
  Verlag der Klassiker 388.
  Verlags-Anstalt, Deutsche, 390.
  Vertiz, J. J., 248.
  _Victoires et Conqutes_ 185.
  Victoria-Druckerei 90.
  Vidal 207.
  Vieweg, Fr., 284. 316. 354.
  Vieweg & Sohn 354.
  Villebois, E. de, 175.
  Villeneuve, J. de, 246.
  Virgil (Baskerville) 74.
  Visconti, _Iconographia_ 178.
  Vogel, Daniel, 298.
  Vogel, F. C. W., 348.
  Vogel, Otto und Albert, 299.
  Vogt, G., 366.
  Voigt, B. F., 352.
  Voirin, H., 159.
  Volkmann, W., 330.
  Voss, L., 348.

  Wagner, Rud., 371.
  Wagnersche Buchdruckerei 433.
  Wahabi, Mustapha, 249.
  Wahlen & Co. 230. 232.
  Waisenhausbuchdr. in Halle 353.
  Walbaum, Erich und Th., 283.
  Waldheim, R. v., 430.
  Waldow, Alex., 319. 347.
  Walker 50.
  Walle, J., 395.
  Wals 149.
  Walter, J., I u. II, 54. 55. 58. 84. 85.
  Walze, Die, 50.
  Walzenmasse, englische, 71.
  Wanderburgh, Wills & Co., 35.
  Wandsbeck 376.
  Ward, Marcus, 105.
  Warrington 46.
  Warschau 456.
  Wasmuth, E., 372.
  Waterlow, Sir Sidney, 91. 96.
  Watts, W. M., 32.
  Watzulik 292.
  Weber, J. J., 348.
  Wedgwood 12.
  Weifenbach, W., 395.
  Weigang, Gebr., 350.
  Weigel, T. O., 348.
  Weigel, R., 348.
  Weimar 351.
  Weise, Gustav, 391.
  Weisert, Otto, 290.
  Weiss, J. G., 394.
  Weisskunig, der, 419.
  Wellesley, Marquis, 107.
  Wenzler, H., 446.
  Werlitz, L., 387.
  Wesmael-Charlier 231.
  Westcott 39.
  Westermann, G., 355.
  Westermann Brothers 134.
  Westpheling, J., 410.
  Weyer, P. W. van der, 228.
  Weynreich, H., 373.
  Wezel & Naumann 348.
  Wheeler & Wilson 70.
  Whitaker, Ch., 77.
  Wick 43.
  Wiede, Alex., 347.
  Wiegandt & Grieben 372.
  Wielands Werke, Prachtausg., 331.
  Wieprecht, M., 350.
  Wier, Richard, 103.
  Wiesbaden 400.
  Wiesing, W., 347.
  Wigand, G., 349.
  Wigand, Otto, 347. 348.
  Wilberg, Karl, 463.
  Wild, F., 395.
  Wiley & Putnam 122.
  Wilkins, Charles, 106.
  Wilkinson, J. B., 63.
  Wilkinson & Co. 96.
  Wilson, A., 31.
  Winberg, T. v., 455.
  Winckelmann, J., 370.
  Winder, J. R., 43.
  Wing, W., 38.
  Winiarz, E., 432.
  Winiker, C., 432.
  Winter, C. F., in L. 348.
  Winter, C. F., in D. 400.
  Winterthur 410.
  Wismar 375.
  Wittersheim & Co. 201.
  Whittingham, Familie, 78.
  Wittich, L. C., 400.
  Witwer, C., 392.
  Wodianer, Ph., 437.
  Wolvercote 81.
  Woodburydruck 14.
  Woodfall, G., 54.
  Woods, W., & Co. 131.
  Wllmer, W., 286.
  Wohlfarth, J. A. v., 421.
  Wolff, B. M., 456.
  Wolff & Sohn 395.
  Worcester, _Dictionary_ 130.
  Worms, Maschinenfabrik, 315.
  _Worsleyanum_ 77.
  Wrtheim, J., & Zoon 228.
  Wrzburg 399.
  Wrtz, J. G., 186.
  Wste, Fr., 320.
  Wurm, J. X., 41.
  Wurster, Randegger & Co. 410.
  Wyman & Son 93.
  Wyss, K. J., 411.

  Xylographie in Amerika 123.
  -- in Dnemark 444.
  -- in Deutschland 258. 296.
  -- in England 26. 79.
  -- in Frankreich 142. 156.
  -- in Mnchen 395.
  -- in Stuttgart 390.
  -- in Wien 433.

  _Yomiri Schimbun_ 111.
  Young, J. H., 41.
  Yves & Barrot 156.

  Zhnsdorf, J. W., 104.
  Zamarski, C. A., 429.
  Zande, van der, 231.
  Zaragozano & Jaime 245.
  Zeitungswesen in Algerien 248.
  -- in Australien 112.
  -- in Berlin 367.
  -- in der Kapkolonie 113.
  -- in China 110.
  -- in Deutschland 269.
  -- in England 84. 87. 88.
  -- in Finnland 453.
  -- in Griechenland 464.
  -- in Indien 107.
  -- in Italien 238.
  -- in Japan 110.
  -- in Nordamerika 115.
  -- in Norwegen 449.
  -- in Paris 219. 221.
  -- in Portugal 247.
  -- in Russland 457.
  -- in Schweden 452.
  -- in der Schweiz 406.
  -- in Serbien 460.
  -- in der Trkei 251.
  -- in Sdamerika 248.
  Zinkhochtzung 17. 155.
  Zollikofer, Familie, 410.
  Zrcher & Furrer 410.
  Zrich 409.
  Zweifarbenmaschine 312.


             B. $NACHWEIS$ DER ANGEFHRTEN QUELLENSCHRIFTEN.

  (Bei Zeitschriften, Adressbchern, Ausstellungsberichten u. dgl., die
         fters zitiert werden, ist ein Hinweis nicht gegeben.)

  Abott, Jac., _The Harper Establishment_ S. 120.
  Adeline, J. -- _L. H. Brevire_ 204.
  _Adressebog for den danske, norske og svenske Boghandel etc._
  Adressbuch, Allgem., f. d. deutschen Buchhandel. Begr. O. A. Schulz.
  Adressbuch f. d. Buchh. i. d. sterr.-Ung. Monarchie, Hrsg. M. Perles.
  Andrews, A., _The history of british Journalism_ 88.
  _Anecdotes of W. Bowyer_ 75.
  Annalen der Typographie. Hrsg. C. B. Lorck.
  _Annales de l'Imprimerie._
  _Annuaire de la librairie et de l'imprimerie en France_ 186.
  _Annuario del comercio 1882_ 244.
  _Applegaths & Cowpers horizontal Machine_ 60.
  Archimowitz, Die Papierstereotypie 293.
  Archiv f. Buchdruckerkunst. Hrsg. Al. Waldow.
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[Illustration]

                    *       *       *       *       *

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Das geometrische Zeichen Quadrat wurde als [Quadrat] und das gestorben
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in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO
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LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

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violates the law of the state applicable to this agreement, the
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trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
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including legal fees, that arise directly or indirectly from any of
the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this
or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or
additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any
Defect you cause.

Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of
computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
from people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
www.gutenberg.org Section 3. Information about the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
volunteers and employees are scattered throughout numerous
locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
date contact information can be found at the Foundation's web site and
official page at www.gutenberg.org/contact

For additional contact information:

    Dr. Gregory B. Newby
    Chief Executive and Director
    gbnewby@pglaf.org

Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment. Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements. We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
state visit www.gutenberg.org/donate

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations. To
donate, please visit: www.gutenberg.org/donate

Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
freely shared with anyone. For forty years, he produced and
distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
volunteer support.

Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
edition.

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facility: www.gutenberg.org

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including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
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