The Project Gutenberg EBook of Kean, by Kasimir Edschmid

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Title: Kean
       Schauspiel in fnf Akten nach Alexandre Dumas

Author: Kasimir Edschmid

Release Date: November 4, 2019 [EBook #60626]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK KEAN ***




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                            KASIMIR EDSCHMID




                                  KEAN


                        SCHAUSPIEL IN FNF AKTEN
                                  NACH
                            ALEXANDRE DUMAS

                             DRITTE AUFLAGE


                    VERLEGT BEI ERICH REISS / BERLIN
                                  1921


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            und bersetzung, sind vorbehalten. Den Bhnen
            gegenber Manuskript. Das Recht der Auffhrung
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                  Copyright 1921 by Erich Rei Verlag


                           FR GUSTAV HARTUNG




                                FIGUREN


                  HELENE GRFIN KOEFELD  APACHE
                  AMY GRFIN GOSWIL      ANDRER APACHE
                  DAISY MILLER           KONSTABLE
                  RINY                   FRISEUR
                  JULIA                  TOM
                  GIZA                   DAVID
                  AMME                   BARDOLPH
                  KEAN                   ARZT
                  PRINZ VON WALES        REGISSEUR
                  GRAF KOEFELD           HAUSINTENDANT
                  LORD MEVIL             DIENER
                  SALOMON                TNZERIN
                  BOB                    WIRT
                  PEPI                   STEUERMANN
                  GONSCH                 BOTE
                  WELL                   APACHEN
                  VIKTOR                 PUBLIKUM
                  KAUKA                  WEIBER

                   ZEIT: VOR NEUNZEHNHUNDERTVIERZEHN




                                AKT EINS


   Diele bei dem Grafen Koefeld. Kamin. Dreiflgliger Riesenspiegel.
           Der Hausintendant. Eine Kette Diener, beschftigt.


                               SZENE EINS

BOTE _tritt rasch ein, zu einem Diener_: Helne Grfin Koefeld? _Diener
weist mit dem Daumen zum nchsten, Bote zum nchsten_: Helne Grfin
Koefeld? _Diener weist mit dem Daumen ihn zum nchsten, Bote zum
nchsten_: Helne Grfin Koefeld? _Diener weist mit dem Daumen ihn zum
nchsten, Bote zum nchsten, dem Hausintendanten_: Helne Grfin
Koefeld?

HAUSINTENDANT: Hier.

BOTE: Ich mu sie sehen.

HAUSINTENDANT: Geben Sie mir den Auftrag.

BOTE: Der Auftrag ist privat.

HAUSINTENDANT: Daher in meine Hnde.

HELENE _eintretend_: Wer ist das?

BOTE: Helne Grfin Koefeld ...

HELENE: Was wollen Sie?

BOTE: Ein Paket.

HELENE: Wer sendet Sie?

BOTE: Der Prinz von Wales.

HELENE _reit das Paket auf, ein Fcher, sie schwenkt ihn, dreht um_:
Ah. _Hinaus._

HAUSINTENDANT: Gehen Sie. _Bote ab._

SALOMON _durch die Tr, verdrckt_: Ist mein Herr da?

HAUSINTENDANT: Wo kommen Sie hierher?

SALOMON: Durch leere Zimmer.

HAUSINTENDANT: Wer bist du?

SALOMON: Souffleur.

HAUSINTENDANT: Warum hast du da einen Herrn?

SALOMON: Warum? Er tritt mich. Wie alle. Verachtet mich. Ich liebe ihn.

HAUSINTENDANT: Wer ist der Stachel, den du liebst?

SALOMON: Kean.

HAUSINTENDANT: Der Schauspieler. Hein?

SALOMON: Der bedeutendste Mann seiner Zeit, wenn er sich zu migen
verstnde.

HAUSINTENDANT: Das knnte er, meinst du, in einem Haus lernen, wo eine
Frau herrscht, die so ist wie unsere?

SALOMON: Ich suche ihn nur, irgendeine Frau verlangt nach ihm, das
andere wei ich nicht. Es kam mir nur in den Sinn, da er krepieren wird
oder sich festlegen. Die Zeit ist kritisch geworden. Ich kann es nicht
mehr sehen, wie er mich mit sich in seine Launen reit, Huren,
Prinzessinnen, gut, zornig. Wo soll das hin? Denken Sie nicht, da er
mich nur tritt, er ist manchmal freundlich zu mir.

HAUSINTENDANT: Lauf davon.

SALOMON: Das kann ich nicht.

HAUSINTENDANT: Der Herr verkehrt nicht bei uns.

SALOMON: Htten Sie gleich sagen knnen. Schicksal. Ich gehe. Warum
suche ich ihn hier? _Ab._

HELENE _mit dem Fcher herein_: Sind Spieltische aufgestellt?

HAUSINTENDANT: Zwei Whist, einer Bridge, drei Bac.

HELENE: Die Pagen am Gartentor in neuer Livree?

HAUSINTENDANT: Gelb und rot. Mit silbernen Schnren.

HELENE: Die Kche?

HAUSINTENDANT: Schwitzt.

HELENE: Sind die Musikanten mit Strafe bedroht, wenn sie unpnktlich
sind?

HAUSINTENDANT: Punkt neun marschieren sie durch den Salon.

HELENE _klatscht in die Hnde_: Tee und Punsch dann ins Boudoir.

HAUSINTENDANT _klatscht in die Hnde, zu den andern_: Tee und Punsch ins
Boudoir. _Diener ab._

HELENE: Sie verlassen mit keinem Schritt die Soire. Fehlen Sie einmal
auf meinen Fingerwink, schick ich Sie aufs Land zu Fasanen und Klbern.
Was sagen Sie?

HAUSINTENDANT: Ich wrde eine schlechte Figur machen zwischen Geflgel
und vorziehen, da ich Ihnen nicht mehr dienen kann, mich in die
Kirschbume zu henken.

HELENE: Cht. _Sieht ihn an, hebt mit der Fingerspitze sein Kinn, pfeift
leis, jagt ihn mit einer Handbewegung hinaus._

DIENER: Die Grfin Goswil.

HELENE: Rasch. Rasch. _Zur Eintretenden_: Amy, Ses, welches Glck, vor
der Soire noch Ihre Anwesenheit allein zu haben.

AMY: Ihnen zu sagen, da zwischen soviel Blond und Blau beim Rennen das
Dunkel Ihrer Haare als Bestes fehlte.

HELENE: Unmglich da, wo Ihre Taille bebte, Ihre Hnde winkten.

AMY: Ich winkte. Mein Wettpferd fiel, ein Signal. Sie waren im Theater?

HELENE: In Drury-Lane.

AMY: Es spielte George?

HELENE: Kean.

AMY: Das Pferd, das strzte, hatte einen grnen Jockey. Der Stall aus
England. Der Name: Kean.

HELENE: Sie machen mich gespannt mit ihren Sprngen, Liebe.

AMY: Ihr Kean fiel nicht vorm Start?

HELENE: Ausgezeichnet im Start.

AMY: Endlich Begeisterung.

HELENE: Endlich die Frage: Was bedeutet Ihr Lcheln?

AMY: Den Ausdruck aller Gesichter, wenn Ihr Name fllt.

HELENE: Sie reizen meine Neugier lange.

AMY: Aus Furcht, Sie zu verletzen.

HELENE _pltzlich die Brust ffnend_: Ich habe die unempfindlichste
Haut, Liebe.

AMY: Aber Sie tragen sie zu empfindlich ins Theater.

HELENE: Kurz, um was handelt es sich?

AMY: Um Ihre Begeisterung.

HELENE: In Ihrer Sprache ein Mann. Welchen? Reden Sie nun. Offen
gesprochen.

AMY: Der einzige, der in Betracht kommt.

HELENE: Prziser.

AMY: Nicht um George.

HELENE: Miserabler Anfang. Fgen Sie das Ende hinzu.

AMY: Ich trenne mich ungern von bergngen.

HELENE: Schlu.

AMY: Kean.

HELENE: Welches Terrain! So tief! Es ist nicht Ihre Ansicht. Sie kennen
mich. Man redet so. Gut. Wer?

AMY: Man sagt es nicht. Man lchelt.

HELENE: Gut. Wenn Sie mich heut frgen, an meiner Stelle, ob ich glaube,
da zwischen Kean und Ihnen etwas bestnde ...

AMY: Ich begreife nur, was ich erlebe. Die Frage ist zwecklos. Ich habe
kein Talent fr philosophische Entzckungen.

HELENE: Gut. Sie weichen aus. So werden Sie ein Lcheln lernen, das Ihr
frheres hinwegblitzt. Verdacht entwaffnet man nicht mit Beweis. Eher
durch Gestndnis. Ich liefre nur meinen Geschmack. Glauben Sie, eine
Sekunde htte vermocht, mich zu reizen, anzunehmen, da das, was
zwischen von Damen ausgehaltenen Equipagen und betrunkenen Matrosen
hintaumelt, den Ruhm eines bedeutenden Schauspielers sich zugesellt, zur
Erfllung von Wnschen auch nur bedacht werden knne, die wahrlich
anderes verlangen als solche Episoden? Mich ekelt. Ich rede frei.

AMY: Ich bin Ihre Freundin. Ich werde es Ihren Freunden sagen.

HELENE: Gut. Aber ... Ses ... Sagen Sie es nicht Devonshire.

AMY: Sie erschrecken mich.

HELENE: Er ist ein Geschichtenerzhler.

AMY: Sie peinigen mich.

HELENE: Ein galanter Junge. Kavalier. Fit. Sportiv.

AMY: Erlsen Sie mich.

HELENE: Ein Nacken wie ein Mdchen. Schne Hnde, meine Se.

AMY: Sie nehmen eine furchtbare Revanche, mich zu qulen.

HELENE: Ein Ring daran mit Onyx und Brillanten. Ich erinnere mich statt
dem Onyx Aquamarin gesehen zu haben. Damals trug ihn Ihr Gatte. Zwei
sen ausgebrochen, schlecht verbessert. Nehmen Sie einen besseren
Juwelier, Grfin. Der Ring ist sonst indiskreter wie sein Besitzer.

AMY: Ihre Grausamkeit ...

HELENE: Wiegt Ihr Lcheln auf, Se. Erzhlen Sie Devonshire nicht meine
Geschichte, er knnte sie ins Gegenteil verkehren wie die Ihren.

HAUSINTENDANT _mit Stock meldend_: Graf Koefeld.

AMY: Ich bin vernichtet. Ich kann niemand sehen. _Luft in den
Nebenraum._


                               SZENE ZWEI

GRAF KOEFELD _verbeugt sich_: Meine Gattin. Es floh jemand. Ein Mann.
_Strmisch hinter Amy her, bringt sie zurck._ Halali. Eine Frau. Grfin
Goswil. Verzeihung. _Sich fassend_: Den ersten Zivilminister Europas
wrde ich versetzen, um Ihnen die Hand zu kssen. _Zum Sekretr hinter
ihm_: Diese Telegramme. In Codeschrift. Stafetten einlegen. Ein eignes
Schiff nehmen. Als Kurier fhrt Graf Schlitz. Fr wichtige Sachen nur
ehemalige Offiziere der Botschaft. Depeschen Seiner Majestt in Uniform
zu bergeben ... Darf ich mich setzen? Charmant Ihr Aussehn, Grfin.

AMY: Wer tadelte meinen Puder gestern? Ihre Komplimente bluffen wie jede
Uniform.

GRAF KOEFELD: Ungalant, Grfin. Verleumdung. Groer Snger Ihres Ruhms.
Beschwre Sie, den Rock des Knigs aus dem Spiel zu lassen. Ansonsten
fr Frivoles weitgeffnetes Herz. Rock des Knigs Privileg. Zum Necken
zu heilig. Sanktuarium. Auch schnstem Mund. _Aufspringend_: Meine
Gattin ... Welch ein Fcher?

HELENE: Ein Geschenk.

GRAF KOEFELD: Wer schenkt Fcher? Frauen? Nein. Ein Mann!

HELENE: Der Prinz von Wales.

GRAF KOEFELD _stramm_: Auszeichnung. Welche Gnade. Hohe Ehre. Herrlich.
Monseigneur wird berdies berrascht sein. Eine neue Surprise: Ich lasse
Tontauben schieen. Spezialvergngen Monseigneurs. Versuche, ihm
sekndlich das Leben mit Lieblingsbissen zu garnieren. _Stt ein
Fenster auf, zielt mit einer an der Galerie dem Bchsenschrank
entnommenen Bchse im Hintergrund_: Peng ... halo ... vorbei ... Ihr
Gatte, Grfin ...

HELENE: Wird nicht erwartet.

AMY: Er bemht sich, Lord Mevil mit irgendwem zu verheiraten.

GRAF KOEFELD: Verdammte, Mesalliance. Pardon, Grfin. Ich sagte ab. Habe
siebzehn souverne Ehebetten in Europa gerstet. Skandal, da Mevil mich
einzuladen sich erdreistet. Mich. Dieser Zertrmmerer feudalen Ansehns.

AMY: Ihr Name?

GRAF KOEFELD: Undurchdringlich. Wer heit nicht so? Alle Welt: Daisy
Miller.

AMY: Eine halbe Million Pfund.

GRAF KOEFELD: Unverzeihlich. Sabotage des Bluts. Demokratisierung der
Gesellschaft. Die Phalanx der Jahrhunderte wird ruiniert.

HELENE: Daisy Miller. Jenes Mdchen, dessen Dauerhaftigkeit uns
erstaunte, vis--vis unserer Loge, im Theater.

GRAF KOEFELD: Sie htte unsere Standhaftigkeit mit grerem Recht
bewundern knnen. Das Amt telephoniert ab neun nur noch nach Drury-Lane.
Im Theaterportal Attachs. Im Foyer Sekretre. In der Loge die Post.

HELENE: Ich bat Sie nie um Ihre Begleitung. Von heute ab erbrigt es
sich, davon zu reden. Ich besuche das Theater nicht mehr.

GRAF KOEFELD: Neues Arrangement schon vorbereitet. Es kommt dann zu
Ihnen. Die Dekoration nur ist ausgewechselt. Kean ist zur Soire
geladen.

HELENE: Kean?

GRAF KOEFELD: Kean. Ich verstehe. Sie zucken zusammen: ein Komdiant.
Ich finde es abscheulich. Allein: Wunsch des Prinzen von Wales. Kann ich
es abschlagen? Unmglich. Immerhin Wunsch des zuknftigen Knigs. Ich
lud sofort.

HELENE: Ich empfange die bitterste Beleidigung, der ich seit meiner
Verheiratung ausgesetzt war. Ich empfange sie von meinem Gatten.

GRAF KOEFELD: Ihr Gatte ist Ihr tapferster Verteidiger. Jede Stunde.
Unbedingt zu rechnen. Ich stehe wie Thron und Altar.

HELENE: Sie empfanden nicht einmal das Bedrfnis, mich zu befragen.
Ihren Salon reprsentiere ich, nicht Sie.

GRAF KOEFELD: Frstlicher Wunsch ist Befehl. Auszufhren oder sterben.
Karriere oder Lump. Selbst die Marseillaise wird in diesem Sinn God save
the king.

HELENE: Ein Affront.

GRAF KOEFELD: Keine Zeremonie. Ich engagiere ohne gesellschaftliche
Verpflichtung. Sie geben ihm Essen, Zigarren, Wein. Ich Geld. Der
Bursche tanzt und zitiert. Wen soll der Kerl genieren, hlt Monseigneur
ihn als Affen.

HELENE: Die Grfin Koefeld empfinge den Knstler. Dem Takt ihres Gatten
aber bringt sie Erwartungen entgegen, die nicht ahnen, da er sie
zwnge, vor einem Wstling sich wie ein Themsemdchen zu fhlen.

GRAF KOEFELD _der einen Brief bekommt und ffnet_: Beruhigen Sie sich.
Neue Zeit. Fortschritt der Zertrmmerung: Kean ist durch
Unaufschiebbares gehindert, seine Aufwartung zu machen. Infame
Beleidigung. Er sagt ab.

HELENE: Die Verhinderung ist taktvoller als die Einladung.

GRAF KOEFELD: Takt? Ausgeschlossen. Ich bin auf
Zwischen-den-Zeilen-Lesen dressiert. Schon mit sechzehn schrieb ich ber
Forellen und meinte eine Bar. Als Louis Bourbon den Sessel statt den Fu
einer Prinzessin unterm Tisch mit der Zehe dauernd streichelte,
signalisierte ich Unheil. Er nahm sie nicht. Mein Minister, mir
unglubig, optimistisch, flog in die Luft.

HAUSINTENDANT _mit einem Stock meldend_: Monseigneur, der Prinz von
Wales.

PRINZ VON WALES: Ich komme lachend, Grfin. Verzeihung.

HELENE: Sie wrden sie erhalten, wenn Sie weinten.

AMY: Sie erhalten sie nicht, wenn Sie nicht sofort erzhlen.

PRINZ VON WALES: Skandal.

GRAF KOEFELD: In der Gesellschaft. Schmerzlich. Ich grimassiere statt zu
lachen ... untertnigst mit Erlaubnis.

PRINZ VON WALES: Es gibt nichts Amusanteres.

GRAF KOEFELD: Die Zeit ist angefressen. Revolten zittern unter unseren
Fen. Wir mssen Eisengesichter haben. Nieder die Kanaille ... Pardon.

PRINZ VON WALES: Die Weisheit ist nicht eingestellt auf das
Knochenzerschlagen, sondern sie lchelt, da sie nicht gewohnt ist, die
Dinge zu ernst zu nehmen. Man verdirbt sie dadurch.

GRAF KOEFELD: Skandale haben mitten in die Revolte hineingefhrt. Allons
enfants ... lieber Mitrailleusen ... mit devoter Genehmigung gesagt.

PRINZ VON WALES: Im Gegenteil. Der sogenannte Volksgroll geht in kleinen
Vapeurs in den Azur. Gewitterbildung unmglich.

AMY: Der Skandal?

GRAF KOEFELD: Sbel. Patronentasche. Panier hoch. Damit frchten wir
letzten Endes selbst Wotan nicht. Versohlen die Flbsche. Versohlen
gehorsamst.

AMY: Der Skandal?

PRINZ VON WALES: Alte Schule, Koefeld. Ihr Weltgefhl ist korsettiert.
Demokratisch ist fr Sie ein Purgier. Mir heitres Brausepulver.
Beschftigen Sie sich branchekundiger. Stiften Sie Ehen.

AMY: Aber: der Skandal?

GRAF KOEFELD _stramm_: Untertnigst, gehorsamst ... der Skandal?

AMY: Ich sterbe vor Ungeduld.

PRINZ VON WALES: Lord Mevil ...

AMY: ... der heute heiratet ...

PRINZ VON WALES: Lord Mevil, der heute heiratet, fand die Braut
entfhrt. Sein Riesenaufwand ist verpufft. Sein Goldvogel hat sich
verflogen. Ein Klgerer als dieser schne Satan Mevil hat ihm das Haus
ausgeraubt zehn Minuten, eh er es betrat. Mevil ist nun bankrott.

HELENE: Und wer ...?

AMY: Wer?

PRINZ VON WALES: Der schnste Name Englands.

AMY: Das wre Monseigneur.

PRINZ VON WALES: Ich mische mich nicht in die Bourgeoisie.

GRAF KOEFELD: Horr. Horr. Horr.

PRINZ VON WALES: Man knnte mich dort abweisen. Man hat auch da Stolz.
Hher.

AMY: Der Knig.

PRINZ VON WALES _verneigt sich in den Spiegel, spielt mit der Drehung,
hustet. Koefeld macht Zeichen._

GRAF KOEFELD _nher kommend_: Monseigneur.

HELENE _miverstehend_: Unmglich.

PRINZ VON WALES _lchelnd_: Noch illustrer.

HELENE: Wie kann das sein?

PRINZ VON WALES: Herrlicher. Voll Ruhm. Voll Auszeichnung. Angebetet.
Von frischem Erfolg sekndlich umgeben.

HELENE: Ich kenne niemand. Nennen Sie ihn.

PRINZ VON WALES: Kean.

HELENE: Das ist unmglich ...

PRINZ VON WALES: Woher wissen Sie das?

HELENE: ... da Sie sich in Vergleiche begeben, die Beleidigungen fr
Sie sind.

GRAF KOEFELD: Gnade Gott, da der Kerl absagte. Rechts um Marsch. Das
Ganze Halt.

PRINZ VON WALES: London wird illuminieren. Flaggt. Lt das
Betschuanenregiment mit Niggermusik und Trommeln ber die Pltze ziehn.
Die Mnner haben Schlaf. Kean ist gefesselt.

AMY: Wie reizend.

PRINZ VON WALES: Liverpool empfngt vom Meer her seine letzten Gre.

   Langsam anschwellendes Lrmen, ohne bereilung herankommend, lauter,
   weit geht die Tr auf. Mit groer, weltmnnischer Bewegung herein
                              tritt Kean.


                               SZENE DREI

KEAN: Ein Zufall, den ich preise, obwohl er nicht ohne Tragdie ist,
setzt mich in den Stand des Vorzugs, der Grfin Koefeld die Hnde zu
kssen, dem Prinzen von Wales, Monseigneur, meine Achtung in dem
hchsten Mae der Ergebenheit zu bezeigen und dem Grafen Koefeld den
Widerspruch zwischen meiner Absage und meinem Erscheinen in einem Wort
der Bewunderung und der Bitte zugleich zu erklren.

PRINZ VON WALES: Wir zhlten nicht auf Sie, in der Tat. Ich danke fr
die doppelte Konfusion. Ich erinnere mich eines Gascogners, der daran
litt, doppelte Muskeln zu haben. Man gab ihm Milchbder, er machte sie
zu Butter. In der Tat, ich erinnere mich mit Vergngen der Geschichte.

KEAN: Die Gerchte sind falsch, die Konsequenzen ungltig, ich
unschuldig. Darf ich Beweise ...

PRINZ VON WALES: Ich also ein Lgner?

KEAN: Monseigneur, der, welcher Sie belog.

PRINZ VON WALES: Ihre Dokumente?

KEAN: Ich kam hierher, da ich Sie hier wute. Man betritt kein Haus
lieber als das, in dem man sicher ist, die Verfolgten geschtzt zu
sehen.

PRINZ VON WALES: Seltsam, damit zum Prinzen von Wales zu kommen.

KEAN: Und dies mit einem Brief, der beweist, da es keine schnere
Aufgabe ist, als fr die Verteidigung einer Frau und der Wahrheit selbst
vor der Ungnade des hchsten Protektors zu stehen. Den Brief lie Daisy
Miller in meinem Zimmer, als sie mich nicht antraf. Der Spion versumte
zu sagen, da sie es nach zwei Minuten verlie.

AMY: Lesen Sie.

KEAN: Nicht ich.

PRINZ VON WALES: Lesen Sie.

KEAN: Wer bin ich, Monseigneur? Ich bin der Schauspieler Kean. Ich bin
nicht tricht genug, zu wissen, da dies viel ist, so wenig es vor Ihnen
ist. Aber was bedeute ich in einer Sache, die Keuschheit und Wrde
verlangt. Habe ich ein Echo in feinen Dingen? Man schreit Don Juan,
Verrter, Wstling, Komdiant. Man horcht auf meine Stimme, wenn ich
Romeo spiele. Was bin ich als Mensch diesen anderen Menschen? Nimmt
jemand mich voll auer Monseigneur? Ich frchte, da meine Stimme nicht
den Vorzug hat, so vor der Wahrheit zu stehen, wie mein Wille es tut.

GRAF KOEFELD: Akzeptiert. Unaufgefordert. Da Sie den Prinzen von Wales
suchen, bitte, Ihre Bitte nicht aufzuschieben, mit der Sie sich
annoncierten. Seine Wnsche sind Ordres. Hflichkeit, sie zu befolgen,
die geringste Pflicht der Untertanen.

KEAN: So darf ich mich vor der Grfin Koefeld neigen, denn nur wenn die
Ehre dieser Frau und ihr Name sich anschickt, ja sagend und gtig sich
beugend, zur Unschuld der rmeren und unbedeutenderen Schwester
herunterzukommen, wird erst Gerechtigkeit sein und die Unschuld so gut
gepaart sein, da es berzeugt.

PRINZ VON WALES: Kean.

KEAN: Selbst Ihr Rang und Ihre Macht, Monseigneur, sind nur eine Stufe
der gestaffelten menschlichen Vollkommenheit und ein schner Vorposten
der menschlichen Gesetze. Verzeihen Sie meine Khnheit, wenn ich die
groe Rhrung, die von dem schlichten Mund der unbestechlichen und
erhabenen Wahrheit ausgehen, darber stelle. Die Unbedingtheit der
gerechten uerung kommt nur aus der Wrde einer verehrungswrdigen
Frau.

PRINZ VON WALES: Geben Sie der Grfin den Brief.

AMY: Sagen Sie Ihr Kommentar.

HELENE: Ich mchte ihn nicht lesen.

KEAN: Ich verehre das berma an Zartgefhl, das nicht in die Feinheiten
anderer Schicksale fassen will, Grfin. Ich, der ich erbrmlich bin vor
der Gre Ihrer Augen, nur ein Sujet, ein Quelconque, nur ein Mann,
irgendwelcher, nur Kean, ich flehe Sie an, aus einer bertriebenen
Feinfhligkeit kein Opfer zu machen.

GRAF KOEFELD: Geben Sie der Grfin diesen Brief. Unbesorgt. Voran.
Junger Mann. Zivilcourage!

KEAN: Darf ich die grte Beleidigung wagen, die Monseigneur angetan
wurde, und ihn bitten, die Grfin meine Erklrungen allein aufnehmen zu
lassen, damit die Wahrheit, die ja im einzelnen der private Besitz
anderer Menschen ist, aus ihrem Munde Ihnen zurckgegeben, ohne jeden
Klatsch nur mit der endgltigen Sicherheit des Satzes schliee: Kean ist
unschuldig, und die verfolgte Frau ist es auch.

   Der Prinz fhrt die beiden in den Hintergrund, lchelnd, sich
                              verbeugend.

GRAF KOEFELD: Tontauben, Monseigneur. _Sie gehen zum Balkonfenster
hinaus._ Peng ... Schrg ... zu hoch -- Patronen. Dank ... Monseigneur.
_Man sieht sie drauen, hrt sie, sieht ihre Schatten._

HELENE: Sie haben mich in eine Lage gebracht, die ich Sie ben lasse.

KEAN: Da ich in einer guten Sache mein Leben zum erstenmal dem Ihren
mische, kann nur ein gutes Schicksal ber uns stehn.

HELENE: Ich wnschte, Sie verlieen mich in derselben Sekunde.

KEAN: Ich werde Sie verlassen, wenn ich, nicht, wenn Sie es wollen.

HELENE: Den Brief. _Liest, hlt ein, weicher, beruhigter_: Sie haben
recht.

KEAN: Versprechen Sie mir, den Brief fertig zu lesen.

HELENE: Ich las.

KEAN: Die Rckseite ist auch beschrieben. Ich frchtete, meine Stimme
wrde nicht reichen, diese Minute zu ertragen.

HELENE: Die Rckseite ...

KEAN _nimmt ihr das Papier aus der Hand, hlt es vor sich_: Ich werde es
Ihnen lesen, Grfin, ich kann es Ihnen lesen. Ich lese rasch, Grfin, es
geht um jede Seligkeit; ich habe eine Stunde seit Monaten gesucht, die
eine Dame Ihrer Position mir geben kann, ohne sich zu kompromittieren,
ich gbe mein Leben fr diese Stunde, es sind nur zwei Minuten jetzt,
sie vorzubereiten, Grfin, zwei zufllige Minuten, zwei noch vor einer
halben Stunde ungeahnte Minuten; auch sie gengen, aber ich bin kurz.
Lassen Sie Ihren Wagen vor dem Theaterbro halten, nehmen Sie ein
Billett, winken Sie mit dem Fcher. Der Billetteur ist mir ergeben. Sie
kommen in Schwarz, mit einem Schleier. Durch einen geheimen Gang kommen
Sie in meine Loge. Ich werde es Ihnen ins Blut setzen, da Sie es nie
vergessen ...

HELENE: Halt. Ich habe genau zugesehen. Sie haben gelogen. Es stand
nichts auf der Rckseite. Das Papier war leer.

KEAN: Als ich hierher ging, hatte ich nichts im Sinn als das Schicksal
einer Unschuldigen.

HELENE: Sie vergaen den Grund Ihres Kommens rasch.

KEAN: Ich ri aus der Sekunde, als sie mir nahte, was sie mir geben
konnte.

HELENE: Sie setzen Ihr Leben aufs Spiel.

KEAN: Tue ich es nicht auch, wo ich fr die Unschuldige eintrete?

HELENE: Das erste war echt. Ist das zweite mehr wie Wahnsinn? Gibt es
zwei Dinge so nebeneinander? Und echt? Verwunderlich.

KEAN: Prfen Sie.

HELENE: Ich kann es. Ich kann auch die Hunde rufen.

KEAN: Sie kommen in die Loge!

HELENE: Verlassen Sie sich nicht auf die Khnheit Ihres Wahnsinns.

KEAN: Durch den Gang in meine Loge. Sie kommen das erstemal, wenn ich
wieder spiele. _Die Grfin Koefeld stampft mit dem Fu auf, Kean
klatscht in die Hnde, verbeugt sich vor Helne, ruft nach rckwrts_:
Monseigneur, Graf Koefeld, die Grfin Goswil auch, ich verga ... ich
erbitte tausendfach Entschuldigung ... die Grfin hat gehrt. Ich habe
geredet.

HELENE _stockend_: Der Herr ist ... unschuldig -- -- und Daisy Miller
... auch.


                        Schlu des ersten Akts.




                                AKT ZWEI


   Zimmer bei Kean. Links Ausgnge nach zwei Nebenrumen. Rechts
   Eingang. Atelierhaft, Holzskulpturen, Teppiche, Diwane. Nach
   einer Nacht. Betrunkene in grotesken Schlafstellungen: Kean, Tom,
                  David, Bardolph. Es ist noch dunkel.


                               SZENE EINS

LORD MEVIL _erscheint mit drei Leuten und Laternen_: Besetzt die Tren.
_Geht durch den Raum und rasch in die anderen schauend._ Hier sieht es
nicht nach Weibern aus. Alles Betrunkne. Gebt sofort Knebel, wenn sich
einer regt. Welches ist der Entfhrer? _Eine Laterne zeigt auf Kean._
Der soll sie mir geraubt haben? Fr meinen Stolz unmglich. Fr den Plan
gut. Diese Kreatur voll Wein bindet mit mir an? Gelchter, Mevil! Er ist
in meiner Macht, ich werde ihn nicht berhren. Wie kann ein Bursche, der
jedem Feind so preisgegeben lebt, ein Gegner sein? Belauert ihn. Was ich
besitzen will, werde ich besitzen. Was ich greife, la ich nicht los.
Hinunter an die Tore. Ich brauche Geld in irrsinnigem Ausma. Welches
Ziel hab ich noch nicht erreicht? Bewacht die Ausgnge gut. _Ab mit
seinen Leuten. Aus einem Nebenraum mit einer Kerze Salomon. Er stellt
die Kerze neben Kean, dann schiet er mit einem Terzerol in die Luft;
Kean steht auf._

KEAN: Wie oft hast du geschossen?

SALOMON: Einmal.

KEAN: Ist ein Brief von einer Frau da?

SALOMON: Nein. _Kean mit einer Geste ins Nebenzimmer. Durch den Eingang
ein Jngling._ Halt. Woher? Wen suchen Sie?

JNGLING: Kean.

SALOMON: Den sucht jedermann. Hast du nicht vielleicht einen Busen ber
deinen Mnnerhosen? Mit welcher Legitimation?

JNGLING: Der, da ich frage, wollen Sie, da ich auf dem Seil oder den
Fingerspitzen einmarschiere? _Schlgt ein Rad._

SALOMON: Welche Truppe?

JNGLING: Truppe Bob.

SALOMON _erschrocken_: Truppe Bob. Wird Kean erfreut sein oder gergert?
Sieht er heut seine Vergangenheit verliebt oder verchtlich? junger
Mann, wenn Sie Mut haben, bleiben Sie, wenn Sie ngstlich sind,
verschwinden Sie.

JNGLING: Ich habe Auftrge und bleibe.

SALOMON: Dann ist zweierlei zu bedenken. Kommt er und sieht die Kerle,
saufen sie bis zum Abend. Scheinbar wird aber eine Frau erwartet. Ich
wei nicht, welche. Am besten jagt man die Bande weg. Wie es kommt, ich
werde das Falsche getan haben. Schicksal. _Singt_: Ach Gottsche, schenk
mern Hambelmann, un e Kordel dezu, da er zawwele kann.

JNGLING _ffnet ein Fenster, dmmrighell_: Wirf sie in die Themse.

SALOMON: Wassertod wre die grausamste Exekution. Du hast Humor. Ich
liebe nicht Affairen mit den Konstablen. Wir haben genug. Dafr gibt es
einen andern Stil. _Weckt mit einem Hammer Tom._

TOM: Caramba, Sennor. Die Faust in Ihre Gurgel.

SALOMON: Ich werde Euch eine Sache an den Hintern henken, an der Ihr
kein Werft schleppt, bis Ihr verreckt.

TOM: Ich trete dir in den Bauch, da der Hund in deinem Wanst zu bellen
anfngt.

SALOMON: Du Bauchredner deiner Trbseligkeit, er wrde vor Vergngen zu
lachen anheben, weil er dich fr einen Hirsch hlt, obwohl du in
Wahrheit nur eine Sau bist, die den faulsten Huren die Mnner zutreibt.

TOM: Dafr sollst du dreimal gespien verdammt sein, da du solche Lgen
erfindest. Ich bin sowenig ein Hirsch wie du ein Hund, denn du stinkst
schon zu verwest, du Aas.

SALOMON: Wegen der Hrner, du Klauenbiest.

TOM: Dann hast du deshalb gelacht in deinen Wanst, weil deine Augen vor
Besoffenheit so verklebt sind, da du gar nichts siehst.

SALOMON: Weil vor einer halben Stunde ein Rotrockweib auf einem Kahn
vorbeipaddelte, heraufgrinste und eine Harmonika erbrmlich schaukelte.

TOM: Wenn das um zehn war, ist es jetzt halb elf.

SALOMON: Aber wenn du bis in die Ewigkeit hinein meckerst, kriegst du
den Wettlauf mit der halben Stunde nicht wieder herein, und wenn dein
Rssel sich zu einer Kilometerschnauze auswchst, denn damals waren hier
vier und nun sind drei.

TOM: Dann schlag ich dem Kean den Stirnknochen auf und schlitze die rote
Sau von unten bis oben, wenn ich sie erwische. Dann kannst du betteln,
alter schlottriger Darm. _Geht drhnend ab._

JNGLING: Hast du ihm nicht gefhrlich eingeheizt?

SALOMON: Sein Hirn ist so feig, wie sein Maul vor Unfltigkeit gro. Es
ist schon so ausgefranst, da es bald die Ohren erreicht hat und sie
abfrit auf seinem Weg um den Kopf.

JNGLING: Wie das Zeug hinausgeht, ist gut. Aber wie kam das Zeug
herein?

SALOMON: Kean wollte eingeschlossen sein und ausruhn. Aber er hat seine
verdammten Launen.

JNGLING: Ihr schlot ein.

SALOMON: Er holte sich Gesindel durchs Fenster. Achtzehn Flaschen dann
auf vier Mann. Wie leicht Hoch und Niedrig sich einigen, ahnt man nicht.
_Weckt David._

DAVID _fllt aufs Knie_: So will ich Gott den milden Herren beim Aufgang
jedes Gestirns loben, da er mich einfltige und fleischliche Kreatur
ber Nacht auf dieser Erde wohlgefllig erhielt.

SALOMON: Fromme Wanze. David!

DAVID _abwesend_: Eins, zwei, drei, vier, fnf. Anwesend. David
anwesend.

SALOMON: Amen. Willst du eine Heldentat vollbringen?

DAVID: Ich habe keine Neigung nach dem Tod. Wenn der Herr zwar mich
ausersehen, so sage ich: Ich bin bereit.

SALOMON: Du hast Kean dreiundachtzigmal geschworen, da du alles ihm
opfern willst. Vergit du deine sanfte Grimasse, wenn die Flaschen wie
leere Kinderhlse rlpsen?

DAVID: Warum beschmst du mich falsch? Weit du nicht, da, wenn Kean
will, ich folge mit verbundenen Augen.

SALOMON: Vor einer halben Stunde, als Kean am Fenster stand, fiel ein
Kind in die Themse und Kean sagte ...

DAVID: Was sagte Kean?

SALOMON: David ...

DAVID: Er erinnerte sich meiner Armseligkeit.

SALOMON: ... David ist der einzige, der es retten knnte ...

DAVID: Hei, ein gtiger Gedanke von Kean, Herr.

SALOMON: Denn er ist, sagte Kean, der einzige, der mit Salbung so gelt
ist, da ihm Wasser nicht schadet, er schwimmt wie mit Schwimmfen auf
heiligen Sprchen stundenlang.

DAVID: Es war sein Wunsch? Du sagst mir es jetzt erst. Nach welcher
Seite flo das Kind?

SALOMON: Stromaufwrts wie alle Kinder. Hinauf. Hinauf. Es schrie nicht
mal.

DAVID: Welch ein Glck, Salomon. Du bist weiser wie Sancho Pansa und
Hamlet. Kean wird zufrieden sein mit dem schwachen Theologen. Welches
Glck. Sagt Kean: Gehe -- so geh ich. Bleibe, so bleib ich. Er sagte:
Gehe. So geh ich. _Ab._

SALOMON: Der heieste Topf. Wird mit Wasser gelscht. _Weckt Bardolph._
Meine Gratulation. Meinen Glckwunsch.

BARDOLPH _in einem Lwenfell, brllt, blst sich auf_.

SALOMON: Welche Haltung!

BARDOLPH: Du gratulierst mir.

SALOMON: Dieselbe Haltung, in der du Kean erledigtest.

BARDOLPH: Ich gab es ihm.

SALOMON: Allzutrefflich. Nie hrte man solches Geschrei. Ohnmchtig
rutschte Kean seine Stimme in den Magen. Er spie.

BARDOLPH: Ich htte ihn gern erwrgt, wenn er auf der Bhne alle
Applause einsteckte, als seien es pfel. Wer war es aber, der dem
Publikum den Eisschreck in die Blase gejagt? Wir mssen auch einmal an
die Rampe, der Tag des Sieges hat auch fr uns seinen Sonnenaufgang.
Glaubst du, ich werde nun Hamlet spielen? Er verzichtet?

SALOMON: Nein.

BARDOLPH: Warum?

SALOMON: Kean lt sich den Magen auspumpen. Er schwor, dich
totzusaufen, damit du ihm nicht gefhrlich wirst.

BARDOLPH: Dann ists im Sinne der Menschheit, wenn ich meine Stimme
erhalte. Gehe ich, bin ich der Sieger. Bleibe ich, spielt mir das
Schicksal einen Streich. Seien wir klug, Bardolph.

SALOMON: Wenn dich der Sieg Aug in Aug nicht reizt. Mit diesem
Brustkasten, solchen Muskeln.

BARDOLPH: Roheit. Ich will in einer hheren Arena nunmehr meine Nsse
knacken.

SALOMON: Halleluja. David wartet. Mann, vergi dein Fell nicht, deine
Stimme knnte drin stecken.

BARDOLPH: Roheit. _Stelzt mit Ringerpose ab. Jngling ihn verhhnend
hinterher._


                               SZENE ZWEI

KEAN _in fabelbaftem Bademantel_: Meinen Kragen, mein Frhstck. Ist
Rotwein da? Wo sind die anderen?

SALOMON: Sie haben sich eilig verabschiedet.

KEAN: Du lt meine Gste laufen, scha dich in deinen Souffleurkasten.
Man lt meine Gste nicht ohne Frhstck laufen. Ist Rotwein da?

SALOMON: Jamaika-Rum.

KEAN: Pest. _Schreiend._ Was ist das fr einer?

SALOMON: Ich drehe die Dusche im Badezimmer ab. _Ab._

KEAN: Was bist du fr einer?

JNGLING: Artist.

KEAN: Welches Engagement verschafft mir die ... Zuflligkeit?

JNGLING: Auf dem Seil, auf den Hnden. Die Truppe Bob erinnert sich an
Kean.

KEAN: Sapristi. Du bist ein Neuling. Ich kenne dich nicht. Welche Zeit
ist es? Mach die Lden auf. _Ganz hell._ Beweis dein Handwerk. _Jngling
schlgt ein Rad._ Was willst du?

JNGLING: Soll ich ber den Fenstergurt laufen?

KEAN: Wie geht es Bob?

JNGLING: Seine Frau legte ihm das dreizehnte Ei, rtlich, gesund, mit
O-Fen, es wird Clown. Den Mittag wird es getauft. Bob verplatzt an
seiner Trompete vor Wonne. Sein Herz ist zerbrochen, seit Kean ihn
verlie.

KEAN: Well?

JNGLING: Macht den Niagarasprung mit drei Sbeln.

KEAN: Riny?

JNGLING: Damned. Die schwarze Maus liegt in allen Betten. Verdorren
soll ich.

KEAN _reit ihm die blonde Percke ab_: Ich war der erste, der dich
hatte. Ich habe dich sofort erkannt, Riny. Setz dich her. K mich.

RINY: Warum machst du ein zorniges Gesicht?

KEAN: Weil, wenn ich dich sehe, ich mein Leben leid werde.

RINY: Du kannst mich schlagen.

KEAN: Du verstehst mich nicht. Die Strecke, seit du das erstemal bei mir
lagst, bis heut ist zu lang fr dein Hirn. Hr, hast du mich spielen
sehen, hast du gedacht, da es eine Sache sei, mein Spiel, meine Rolle,
meine Stimme, wie ich gehe, wie die Leute schreien, klatschen?

RINY: Ich habe es gedacht.

KEAN: Hast du gesehen, mit wem ich im Wagen fuhr -- seid Ihr so lang
schon hier --, wie ich angezogen bin, wie ich esse, lebe, wohne? Hast du
gedacht, da ich zufrieden, glcklich sei, da meine Position, Geld,
Ansehn Dinge sind, in denen sich leben lt?

RINY: Ich habe es gedacht.

KEAN: Dann hast du einen idiotischen Unsinn zusammengedacht. Dies Leben
ist zum Kotzen elend. Ich tauschte sofort mit dir. I Austern, ich aus
dem Sack. Gute Zeit war, als wir auf dem Planwagen von London nach Essex
zogen.

RINY: Ich habe eine Frage.

KEAN: Was willst du? Was will man, wenn man zu mir kommt? Karriere.
Empfehlung. Verkuppelung. Dummes Tier. Du weit nicht, wie gut es dir
ging. Pfui Teufel!

RINY: Meine Mutter mu vor der Geburt meinen Verstand mit dem Stock
versohlt haben. Ich verstehe dich nicht.

KEAN: Das gefllt mir. Besser in Lappen Berge sehn wie als Hure
schlemmen. Ich beneide dich um den Himmel voll Freiheit. Wiesen, Drfer,
Flsse, -- habe ich das nicht einmal gesehen? Man zndet Feuer an, wann
man will. Man zieht in kleine Stdte mit Trompeten, nachts still hinaus.
Rechts oder links fahren ... wie man will. Ich habe meine Jugend gelebt.
Verdammt, es war schn. Knnte ich das noch einmal durchmachen, ich
platzte. Das sind so Trume. Was willst du eigentlich?

RINY: Ich wollte nachsehn, ob du nicht so verrckt geworden seist, da
du den Mittag an der Taufe von Bobs dreizehntem Ei mitmachen knntest.

KEAN: Warte! Eine Sekunde. Wenn ich von Tom einen Anzug liehe und einen
Wagen kaufte, wrden die Muse, der Regen, die Klte, die ja nicht so
arg sind wie Neid und Gemeinheit und Lgerei, dich anziehn oder
abstoen? Vielleicht kommt mir einmal der Plan. Was wei man von seinen
Plnen?

RINY: Ich ziehe es dann vor, Kean auf seinen Landkonzerten zu begleiten.

KEAN: Ser Affe. K mich. Ich sag dirs, wenns mir so ist. Bob grt
du, den Mittag komm ich zur Taufe. Hast du Geld? Wo feiert ihr?

RINY: Bei Patt. Ich marschiere. Dein Diener sagt, du erwartest eine
Frau. Ich lasse Patt herrichten.

KEAN: Der Teufel soll den kneifen, der lgt, ich erwarte eine Frau.
Vergi das Geld nicht. Geh jetzt. Vergi das andere nicht.

RINY: Du knntest sagen ebensogut, ich solle meinen Kopf nicht
vergessen. _Ab._

KEAN: Salomon! _Erscheint._ Wer wird erwartet?

SALOMON: Kann ich erwarten, besser zu wissen wie Sie, welche Erwartungen
Sie haben?

KEAN: Du hast dem Seiltnzer von einer Frau gesprochen, die ich erwarte.

SALOMON: Ich habe erwartet, da er eine Frau sei, deshalb habe ich
vielleicht die Erwartung einer Frau ausgesprochen.

KEAN: Ich werde dich auf Warten dressieren. Du gehst jetzt gleich in die
Strae und vor das Haus, das dieses Bild zeigt und diese Adresse, und
wartest, bis die Dame herauskommt. Oder du fragst nach ihr, indem du
etwas zu verkaufen vorgibst. Du merkst dir die Dame und ihren Gang so,
da du sie auch in Verkleidungen erkennst. Dann kommst du zurck.

SALOMON: Den Gang will ich gerne sparen. Die Dame kenne ich.

KEAN: Woher?

SALOMON: Als ich Sie gestern suchte, frug ich bei Monseigneur und hrte,
da Sie dort frhstcken. Ich bin nicht faul und gehe dahin, aber es war
ein Irrtum. Da sah ich die Dame.

KEAN: Warum hast du mich gesucht?

SALOMON: Eine Dame war hier und bat mich, Ihnen zu sagen, da sie
wiederkomme.

KEAN: Also wird doch eine Frau erwartet. Warum schleichst du auf Umwegen
immer ans Ziel, du Serpentine?

SALOMON: Ich fand Sie nicht mehr, und wenn die Dame sagt, sie erwarte
morgen Sie zu sprechen, so wird sie doch nicht erwartet, sondern sie hat
selbst nur Erwartungen.

KEAN: La den Unfug, mit dem du deine Vergelichkeit gro machen willst.
Du meldest den Mittag dich bei mir auf dem Artistenfest. Du bist dann
zeitig im Theater und auf alles gespannt. Am Bro ffnest du die
separate Tr. Du lt die Grfin Koefeld, auch wenn sie verschleiert
ist, in meine Loge durch den Gang und die Wandtr fhren. Vor der
Vorstellung. Wenn dir mein Lachen lieb ist. Wenn sie nicht kommt, werde
ich verrckt.


                               SZENE DREI

DIENER _mit Karte_: Die Dame wird erwartet.

KEAN: Daisy Miller.

SALOMON: Ich warte nicht lnger. _Im Abgehen._ Es ist der Name der Dame,
die erwartet, erwartet zu werden. _Singt_: Ach Gottsche, schenk mern
Hambelmann, un e Kordel dezu, da er zawwele kann.

KEAN: Herein die Dame. Mein Frack. _Springt hinter eine Portiere, wo er
sich, sichtbar dem Parkett, aber nicht der Eintretenden, fertig umzieht
mit Hilfe des Dieners, der zu ihm kommt, nachdem er Daisy hereingefhrt.
Daisy bleibt mitten stehen, sieht sich um._ Sie haben mich verfehlt,
verzeihen Sie; durch die unentschuldbare Haltung meines Dieners erfuhr
ich zu spt ... Sie sind Daisy Miller?

DAISY: Ich kann nicht widersprechen. Doch ich wnschte, es nicht zu
sein.

KEAN: Dann knnte Ihr Wunsch nur sein, Lady Mevil zu sein.

DAISY: Dem widerspricht meine Handlung.

KEAN: Die werden verfolgt?

DAISY: Als ich auf die Strae trat, war ich verstoen, Waise,
vermgenslos.

KEAN _herauskommend im Frack_: Ich sehe keine Verzweifelte. Nur Anmut.

DAISY: Ich nahm Ihren Namen mit.

KEAN: Den schlechtesten Kredit.

DAISY: Es wog mir den Mut auf, den Tod nicht diesem Gesprch
vorzuziehen.

KEAN: Kommen Sie zu Ihren Wnschen.

DAISY: Da ich ein Leben ohne Glck gefhrt habe, bin ich auf seine
nderung bedacht. Ich war im Kloster bis vor Wochen erzogen. Ich lste,
als ich die Enge meiner mir aufgeredeten Entschlsse erkannte, die
Verlobung mit Mevil. Ich verlie eine Stunde vor der Vermhlung das Haus
meines Vormunds. Ich komme zu Ihnen, weil ich Ihren Beruf ergreifen
will.

KEAN: Ich habe keine Verantwortung fr Ihr Leben.

DAISY: In Drury-Lane dachte ich: wenn ein Mensch sich in so vielen
anderen verkrpern kann und ihre Leidenschaft und ihr Herz mit so
strenger Wahrhaftigkeit von sich zu geben vermag, mu es ein
zuverlssiger Mensch sein. Wren Sie gro und mchtig nur, htten Sie
mich nie gesehen.

KEAN: Was habe ich mit meinen Rollen zu tun? Sie kennen mich nicht.

DAISY: Wer mein Herz zu solchen Trnen gerhrt hat, kann nichts anderes
als mein Vertrauen verdienen.

KEAN: Ihr Vertrauen belastet mich. Ich lehne es ab. Was wollen Sie?

DAISY: Ich sah Sie spielen. Das nderte mein Leben ...

KEAN: Cht ... cht ...

DAISY: Das hat mich zu meinen Entschlssen tapfer gemacht. Denn wenn ein
Mensch vermag, sich in anderen so sehr zu erschpfen und darin zu leben,
ist das der einzige Weg aus der Enge in die Freiheit.

KEAN: Kein Weg fr Sie.

DAISY: Ich fhle den Drang zu keinem andern. Im Traum, am Tag kamen die
Stimmen, die Bewegungen der Frauen aus den Stcken, in denen ich Sie
sah, und verbinden sich mit mir. Ich ahme sie nach und bin voll Freude.
Helfen Sie mir, so werde ich die einzige Hilfe haben, deren ich bedarf.

KEAN: Ich verweigere sie.

DAISY: Dann werde ich den Tod leicht zu nehmen wissen in der Gewiheit,
da dies der bessere Ausweg fr mich ist, den Sie beschlossen haben, um
mich, zu Schwache und Unwichtige, anderem Schicksal zu entziehen.

KEAN: Ihre Drohung ist gro. Diese Belastung von mir ist schon Irrsinn.
Sie verdienen die grausamste Antwort.

DAISY: Ich kann nichts anderes von Ihnen erwarten wie die Wahrheit.

KEAN: Setzen wir Ihr Talent voraus. Haben Sie das Leben bedacht?

DAISY: Ich kenne es nicht.

KEAN: Bleiben wir bei den sichtbaren Dingen. Fnf Monate Anfangsstudium
ist das Minimum fr ein Genie. Sie debtieren. Mit auffallendem Erfolg.
Ich nehme die phantastisch-gnstigsten Flle. Man bietet Ihnen eine
Jahressumme, die die Hlfte dessen deckt, was Sie fr seidene Strmpfe
brauchen.

DAISY: Das Vermgen, das ich seit meiner Flucht nicht mehr besitze, war
durch meiner Vorfahren uersten Flei erworben. Ich bin gewohnt, zu
entsagen.

KEAN: Zu hungern. Schlechte Romantik. Gut. Aber ... die Kleider, die
Ringe, die Pelze, die Reiher, den Samt?

DAISY: Ich werde sparen.

KEAN: Womit? Die Zeit ist grausamer als das Leben. Sechs Jahre braucht
eine Venus, um unvergleichlich zu sein. Sie werden vorher Ihr einziges
wichtiges und letztes Kapital angreifen und verzehren mssen.

DAISY: Ich habe keines.

KEAN: Sie haben eines. Da Sie sehr schn sind, ist gut und ist
schlecht. Sie werden Ihre Liebhaber haben.

DAISY _lt ihren Schleier fallen_.

KEAN: Da Sie unvergleichlich hohe Beine haben, wird Ihnen ebenso
unvergleichlich schaden. Da Ihr Haar reich und Ihr schmaler Busen
kstlich ist, wird Signal zu dem Wettlauf der Vielzuvielen werden. Da
Sie in Notlage sind und vom Schicksal arm bestimmt durch Ihren
tragischen Entschlu, wird Sie vor die bitterste Entscheidung zwingen,
ob Sie sich, ob Sie Ihr Ziel erreichen wollen. Geben Sie sich selbst
aber in das Furioso der Preise, die darauf geboten werden, um auf der
anderen Seite Ihrer Sehnsucht Ihr Ziel zu erreichen, so haben Sie alles
eingesetzt, um vielleicht nichts zu erreichen. Dann ist Ihr Herz
verdorben, und Ihre Beine sind verbraucht von den Mnnern, und Ihre
Brust hat keine Frische mehr, und Ihr Herz ist elend.

Beweisen Sie, da Sie robust genug sind, die heulende Furie der Kunst
auch durch das Dasein so entsetzlicher Perspektiven mit gleicher Kraft
wie Ihre Sehnsucht danach zu tragen. Dann rede ich Ihnen erst zu.

Haben Sie im gnstigsten Fall Mnner, die Ihnen geben und nicht fordern,
die Sie lieben und die Sie nicht kaufen, bricht die Kloake der Angriffe
in anderen Hllenstrzen los. Affenhafte haarige kleine Schreiber,
krhende Regisseure, geschwollene Intendanten werden Sie tadeln,
schmhen, fordern, zurckstellen, verfolgen mit einer Systematik, von
deren Grndlichkeit Sie sich keine Vorstellung geben. Und wenn Sie, von
grellen Reflektoren bis in Ihr intimstes Boudoir jeweils beleuchtet,
ausgeschrien und entkleidet, gejagte Hindin, atemlos von der Jagd,
verzweifelt einem der Jger sich geben, hat der andere Schwarm schon
sein Halali begonnen. Sie entweichen nicht. Haben Sie das Leben bedacht?
Gestehen Sie, da Sie die Barriere unterschtzten, die es vor Ihre
Absicht legt. Ihre Knochen sind sehr zart, aber Ihr Herz ist gro. Ihre
Beine sind zu schn fr solche Exkursionen.

Beweisen Sie mir, da die Zartheit Ihres Lebens so sthlern und hart
ist, um unbeschmutzt und unzerschlagen aus dem herauszukommen, und ich
rede Ihnen zu.

DAISY: Ich kann Sie nicht bitten, zu schweigen.

KEAN: Sonst htten Sie das Recht, mich spter zu verfluchen.

DAISY: Jeder Ausgang kann nur Dank fr Ihre Gte sein.

KEAN: Sie werden die Arme nach der Gerechtigkeit ausstrecken, aber Sie
werden ein Schwein umarmen.

DAISY: Was mssen Sie gelitten haben.

KEAN: Ich?

DAISY: Nichts von alledem kann an Ihnen vorbergehn.

KEAN: Ich bin ein Mann.

DAISY: Ich bedaure Sie. Da eine gerechte Sache soviel kostet ist
teuflisch.

KEAN: Was kmmert mich der Kleinkram? Habe ich nicht eine Leistung in
der Hand wie wenige im Jahrhundert? Kmmern mich die Schreiber, Spione,
Paraden des Schmutzes? Oh. Wissen Sie, da ich ein gutgewachsener Mann
bin und zu lachen wei? Wer kann an mich heran? O, das ist alles nichts,
wo die tragische Lge unserer Berufung uns immer viel tiefer sekndlich
verhhnt.

DAISY: Wer solche Trnen geweckt, solche Leidenschaften gelst und
solche Liebe gerufen hat, kann nur glcklich sein.

KEAN: Ich zge es auch vor, lieber als Publikum vor meinen Talenten zu
grinsen, statt die teuflische Meute selbst im Bauch zu haben. Bin ich
denn nicht auch alles das, was ich spiele, und reit es mein Leben nicht
in sechs Teile auseinander? Seltsame Spe reien mein Dasein ein;
sapristi, wenn Sie die Spe kennten, die durch einen Tag meines
Verstandes durchrollen! Ich will auf dem Rcken liegen und Wolken ansehn
immerzu, Gndige, am Wasser ber Bergzacken hin. So bin ich einer. Ich
will ein Heer kommandieren, so bin ich in einer Stunde. Ich will einen
Mord begehen zum Mittag, so bin ich einer. Ich will im grnen Wagen
hinausfahren durch Feuer und Drfer und Kinder hinter mir her haben, die
meinen Namen schreien, so bin ich einer spter. Das alles drngt und
stt durch meine Brust und wechselt einander ab wie die Schildwachen,
straff und mit Gewalt, gespannt und auf Letztes bereit. Ahnen Sie, an
welchen Abgrnden ein Tag vorbeifhrt? Vermgen Sie zu verstehen, welche
Hllen neben welchen Seligkeiten liegen? Und doch im Grunde bin ich
nichts, was bin ich? Werde ich Wolken ansehn, werde ich Soldaten haben,
welche Spe, Gndigste, werde ich niemals mit dem grnen Wagen fahren?
Ich werde keine von den Spen leben, die mir ins Hirn gerollt sind. Es
bleibt nur der fahle Schatten, der abends von Applaus umbellt ist, wenn
er die Lge dieser oder jener Existenz heruntergespielt hat. Es bleibt
die belkeit, in Wahrheit nichts gelebt zu haben und sich und anderen
fr Stunden ein Betrug gewesen zu sein. Bleibt eine Tat, eine Handlung,
etwas mehr als drei Tage Geschrei, wenn ich diese Smpfe mit den seligen
vertausche? Und wen soll ich gerhrt, wen erschttert, wen, mein Gott,
fr sein Leben gezeichnet sehen, wenn nach dem Abklatschen des Vorhangs
und dem Erlschen der Lichter ich alle Menschen die Gesichter wechseln
und mit gewohnten Fratzen in den Karneval ihrer Erbrmlichkeit
zurckkehren sehe?

DAISY: Wer mit solcher Kraft in einer Hlle steht, mu ein gerechter
Mensch sein. Warum haben Sie die Hlle sonst nicht verlassen?

KEAN: Weil ich sie liebe.

DAISY: Trotzdem sie zerreit?

KEAN: Fragt eine Leidenschaft nach Gefahr?

DAISY: Sie leiden. Aber Sie wissen nicht, warum.

KEAN: Drehen Sie die Lanze herum? Reden Sie mir pltzlich zu? Was soll
dieser Ton?

DAISY: Ich habe eine seltsame Erkenntnis gemacht.

KEAN: Ihr Entschlu?

DAISY: Richtet sich nach Ihrer uerung.

KEAN: Kehren Sie zurck.

DAISY: Ich werde dort bedenken, was Sie gesagt haben.

KEAN: Denken Sie nicht nur. Entschlieen Sie sich.

DAISY: Vielleicht werden Sie meinen Entschlu so ntig haben wie ich den
Ihren.

KEAN: Was planen Sie?

DAISY: Nichts, als da ich von jetzt ab wei, da ich eine neue Mission
habe.

KEAN: Gehen Sie zurck, und beweisen Sie mir, da Sie, ohne das
Wichtigste zu verlieren, das Leben nicht zu ertragen, sondern zu
beherrschen verstehen. Zeigen Sie mir an einer Bagatelle, an einem Spa,
an einem Nichts, da Sie die Krfte und die Elastizitt einer sthlernen
Seele haben. Und ich rate Ihnen zu.

DAISY: Ich wohne Richmond Street Vierundachtzig. Bei einer Amme.

KEAN: Ich werde Mittel finden, Ihnen Unterkommen zu sichern.

DAISY: Ich danke Ihnen, denn ich wei, da ich selbst Ihre Grausamkeit
ertragen knnte. Weil ich Sie gesehen und besser verstanden habe als Sie
sich.


                               SZENE VIER

DIENER _blitzschnell den Kopf hereinsteckend_: Prinz von Wales. _Kean
reit Daisy an eine Fensterportiere und wirft die darber, bleibt selbst
beschattet. Knapp hinter dem Ruf des Dieners kommt der Prinz._

PRINZ VON WALES _zum Diener_: Ich bin durchnt. Vom Gaul und Regen.
Mein Pferd wartet. Leihen Sie mir einen Mantel.

DIENER: Hier.

PRINZ VON WALES: Equipieren Sie mich mglichst. Handschuhe.

DIENER: Hier.

PRINZ VON WALES: Einen Shawl.

DIENER: Hier.

PRINZ VON WALES: Einen Melonhut.

DIENER: Hier.

PRINZ VON WALES _zu Kean_: Sie sind da? Um diese Zeit? Erstaunlich.

KEAN: Treten Sie nicht an das Fenster.

PRINZ VON WALES _mit der Gerte_: Zwei Fe!

KEAN: Es wre ein Unglck.

PRINZ VON WALES _mit der Gerte_: Da?

KEAN: Fr mich. Weil ich Monseigneur hindern mte.

PRINZ VON WALES: Ihre Sorge um mich hat Pech, weil sie immer eine Sorge
um Sie tten will. Sie tten sich keinen Gefallen, denn Sie machten
einen Mund stumm eines Grundes halber, wegen dem er vom Pferd stieg, um
ihn zu strken. Sie haben das Unglck, das bele nicht zu sehen, wenn
Sie auf Anstndiges aus sind. Sie sind ein guter Mensch, Kean.

KEAN _mit abwehrender Bewegung_: Ein Vorwurf.

PRINZ VON WALES: Eine Anerkennung, wo das Meskine so leicht ist. Wgen
Sie das aneinander ab, wissen Sie, warum ich kam, obwohl ich nicht na
bin, und da es mit meinem Pferd zusammenhngt.

KEAN: Ich warte.

PRINZ VON WALES: Um die Ecke flitzte Mevils Wagen. Seine Leute halten
mein Pferd. Unterschtzen Sie den Mann nicht. Er brllt seine Plne
zusammen. Es gewittert um ihn. Ich sende Ihre Sachen zurck. _Ab._

KEAN: Ich danke Monseigneur. Salomon, _er reit Daisy heraus_: Die Dame
ber die Leiter. Durch das Treppenfenster. In den Garten. ber die
Themse weg. Niemand soll sie sehen.


                        Schlu des zweiten Akts.




                                AKT DREI


   Hafenbar, ordinr, aber phantastisch. Links und rechts wie
   Badekabinen Spars, mit hellen Vorhngen verschlossen. Hinten
   zwei Ausgnge. Zwischen ihnen in der Wand in der Art der
   Caf-Biards hufeisenfrmige Bar, in der der Wirt steht. Viele
         Eingnge durch die Spars. Eine Mausefalle von Raum.


                               SZENE EINS

HERR _mit Maske, zum Buffet_: Eine Dame kommt heute mittag, gro,
elegant, schwarz. Sofort in das beste Zimmer. Gut bewacht.

WIRT: Ich kenne Sie nicht.

HERR _hebt die Maske_.

WIRT _steif vor Ehrerbietung_: Sieben Damen, wenn Sie wollen, Mylord.

HERR: Respekt, du Schwein. Es ist eine Dame. Verschaff mir ein Boot.
Schaluppe.

STEUERMANN _auf des Wirts Pfiff_: Zehn Knoten die Stunde. _Zwei Apachen
bleiben hinter ihm stehn._

HERR: Unauffllig? Zu jeder Fahrt und Zeit bereit? Verschwiegen? Bist du
khn, riskant? Preis?

STEUERMANN: Ich fahre Euch damit bei Regen ins Parlament, Mylord. Ihr
knnt wie von einem Karussell eine knorzige Rede gegen die Wuchrer
halten darin.

HERR: Eine Kabine wird sofort eingerichtet. Die Sachen sind im Wagen.
Abends wird Abfahrtspermi geholt. Ist es weit? Ich fahr dich hin.
_Beide ab, Apachen geduckt hinterher._

KEAN: _In exotischer Matrosentracht, mehr Apache als Matrose, stt mit
den abrckenden Apachen zusammen._ Hnde weg.

APACHE: Sie werden eine Hochzeit in deinem Gesicht machen. _Ab._

WIRT: Die ersten zwei Spars fr Ihre Gesellschaft.

KEAN: Was hast du angemacht? Nichts von Katze, Hund, Ratte, Laus?

WIRT: Oliven, Hering frisch, Steinbutt, Hammelbuckel, Chester mit
Himbeer. Zngelt nicht das Spritzeln der Butter ins Ohr? Treten Sie in
die Kche. _Kean hinein._

DAISY _strmisch herein_: Ein Zimmer ist bestellt fr mich. Fhren Sie
mich hinauf. Eilen Sie. Ich erwarte einen Herrn. Voran. Rasch.

WIRT: Ich fhre Sie selbst. _Ab mit ihr._

KEAN _zurckkommend_: Der Fisch tropft besser ab als die Gste herein.
_Seitentr zwischen Spars geht auf mit Riny und sieben Artisten, die
fast faschinghaft gekleidet sind._ Riny, du Affe, hierher.

RINY: _Vorstellend._ Die Menagerie ... Well, der die Eisengewichte
stemmte ...

KEAN: Du fandest mich ber einem Zaun einmal, der meinen Hals wie eine
Gabel wrgte ... _Kt ihn_.

RINY: Gonsch ... der mit dem Hintern die Pauke schlgt, whrend er Feuer
frit ...

KEAN: Wir sind bei Perth zusammen ber den Flu geschwommen, um einen
Konstable zu verhauen, und fanden einen Esel, der sich haarte. _Kt
ihn._

RINY: Kauka, der auf dem Seil ...

KEAN: ... einmal seinen schlechten Charakter nicht durch den Mund,
sondern die Nieren blies ... du Ferkel. _Kt ihn._

RINY: Pepi, eine Neuigkeit.

KEAN: Akzeptiert.

RINY: Der Froschesser Viktor mit den Kaninchen ...

KEAN: Ich fand dich zuerst auf der Landstrae unter einem Pflaumenbaum,
wie ein Gaul krischst du, der Teufel habe dich, aber es hatte dich eine
Kolik. _Kt ihn. Die zwei Apachen kehren zurck, schleichen an
verschiedene Spars, pfeifen zwischen den Zhnen, es schleichen zwei
kleine Kokotten zu ihnen._

KEAN: Wo ist Bob?

RINY: Im Bett. _Kean schaut erstaunt. Die Artisten im Bett._

KEAN _zu Riny_: Da will ich mit dir sein. Warum Bob?

RINY: Sein Weib, prrr, ging vor mit dem Tufling, den Pastor zu suchen,
der immer betrunken ist. Dumme Gans, sagte zu mir Bob, weil auf der
Treppe ich ihm ber die Schulter sprang, hol meine Trompete. Wozu, frage
ich. Fr Kean. Ich lache einen Ast. Dumme Hure, schreit er, hol das
Horn. Du hast es auf dem Kopf, sag ich. Da macht er seinen Spa, tritt
nach mir. Er ist nicht eleganter als ich, also kriegt die Luft den
Tritt, ich pirouettiere und er schreit mit allen Katzen um die Wette.

KEAN: Aus Luft? Ich habe ihn nur im Alkohol schreien hren.

RINY: Er hatte zu stark getreten, der Schwung warf ihn wie im Schlagflu
um. Seine Seite war knallrot wie sein Kopf.

BOB _hinkend, seine Trompete blasend, herein_: Wo ist der Affe?

KEAN _tief gebckt_: Hier, Meister.

BOB: Die Ohren? _Fat daran._

KEAN: Ihr werdet das andre Bein brechen.

BOB: Als du vor sieben Jahren entliefst, hatte ich ein Pfund Verlust.
Willst du sie gutwillig geben. Nein? Sprich. Rede.

KEAN: Gutwillig.

BOB: Willst du um Verzeihung bitten?

KEAN: Indem ich Euch heut abend eine Benefizvorstellung gebe.

BOB: Gnade dir Gott. Httest du einen Schwanz, ich htt ihn dir
hochgezogen. _Zu Riny_: Halt das Maul.

RINY: Du wolltest ein Hornsolo blasen. Ich wollte nur helfen, dir auf
dem Kopf stehen.

KEAN: Mein Lehrer ist mit Respekt zu gren.

BOB: Willst du mir sofort schriftlich geben, da du mir ein Benefiz
hltst?

KEAN: Den Brief ans Theater. _Schreibt gegen die Wand, alle umdrngen
ihn._

APACHE _zu seiner Midinette_: Nimm ihm die Trompete. Der Hund stie mich
ins Rohfleisch. _Die Midinette schleicht hinber._ Rache in seine
Visage.

ANDRER APACHE: Wie weit liefst du dem Wagen des Mevil nach?

APACHE: Bis ich Sand schluckte. Mssen am Abend genauer aufpassen und
die Falle fr ihn exakter am Hafen legen.

ANDRER APACHE: Rupfen Mevil im Dunkeln das Huhn schon warm aus dem
Scho. Wirds teuer zahlen, Mylord. Eine schne Falle!

APACHE: Hat mal auf dich gesetzt, zwanzig Pfund beim Mtch.

ANDRER APACHE: Hab ich dankbar zu sein, da ich aus des Niggers Maul
Zahnsalat hieb? Nein, er. Werde ihm das Lsegeld erhhen. Very well.
_Die Midinette greift die Trompete, zurck damit, Bob heult auf._ Zuerst
aber diesen Hund veraasen.

APACHE _setzt an, blst. Zwei Heerlager einander gegenber_: Das Blech
furzt wie ein Bauerngaul.

KEAN: Was an dem Mundstck hngt, mu wissen, was es ist.

APACHE: Du sprichst so glatt, als htt dich ein Walfisch ausgekotzt,
weil du ihm zu stinkig. Wenn du Arme wie Zunge hast, kann man eine
schne Blindschleiche zertreten.

ANDRER APACHE: Gib mir Mdchenfleisch, neben dir, fr das Blech. Dann
hat deine Nase von mir Schonzeit.

KEAN: Willst du nicht den blauen Perpendikel ber deinem Aug dazugeben,
er fllt dir sonst in die Blutsuppe, die dein Riecher sich anrhrt, wenn
ich in die Nhe niese.

APACHE: Merde alors. Rotznase, Spllumpenzuckler, Saligot.

KEAN _zieht den Rock aus_: Ein guter Tag, Bob. Ich will mehr als durch
das Benefiz meine Freundschaft beweisen.

APACHE _zum andern_: Drei Medaillen in Montmartre. Zwei in Edinburgh,
Sieger ber Tommy Burns. Wieviel Zhne wettest du? Sieben? Neun? Das
Mdchen als Zugabe? Ein blasses Biest.

WIRT: Konstable.

KONSTABLE: Ich prsidiere die Boxkmpfe meines Viertels. Seile! Pflcke!
Den Ring!

   Man schlgt in der Mitte ein durch zwei Taue oben und unten
   umschnrtes Viereck um vier Pflcke auf. Die Boxer mit nackten
   Oberkrpern stehn in den diametralen Ecken, werden von zwei
         Kampfrichtern massiert und abgewaschen. Blitzschnell.

KONSTABLE _setzt sich auf einen Rcklingsstuhl mit dem Rcken gegen das
Publikum vor einen kleinen Tisch_: Ich Time-keeper. Wieviel Runden?

APACHE: Zehn.

KONSTABLE: Zehn.

KEAN: Zehn.

KONSTABLE: Schiedsrichter?

WELL: Ich.

KONSTABLE: Ring frei.

   Konstable schellt. Schiedsrichter: Pfeife. Boxer umzischen sich,
   kommen in Umklammerung, Pfeife, Schiedsrichter: trennen --
   break away. Pfeife. Weiter. Apache schlgt Kean unterm Grtel.
   Pfeife. Sausto߫. Pfeife. Weiter. Am Seil. Pfeife. Break away.
   Konstable schellt. Time. Pause. Die Gegner auf Sthlen
   zurckgelegt in ihren Ecken werden massiert, abgewaschen, bekommen
   mit nassen Tchern Luft in die zurckgeworfenen Kpfe geweht.
   Schelle. Ring frei. Pfeife. Weiter. Pfeife. Foul blow ...
   unfair blow. Pfeife. Break away. Schiedsrichter strzt stets
   trennend mit erhobenen Armen zwischen den Kmpfenden, sich
   Umspringenden, durch. Pfeife. Break away. Pfeife. Weiter. Pfeife.
   Foul. Apache knirscht eine Fratze. Pfeife. Weiter. Schelle.
   Konstabler. Time. Pause wieder. Abreiben. Massieren. Luft
   wedeln. Schelle. Ring frei. Pfeife. Weiter. Pfeife. Clinch.
   Pfeife. Weiter. Pfeife. Break away. Pfeife. Break away.
   Pfeife. Weiter. Kean schlgt den Apachen in die Herzgrube, er fllt
   zusammen. Schiedsrichter, Uhr in der Hand, zhlt: one ... two
   ... three ... four ... five ... six ... seven ... eight ...
   nine ... out. Pfeife. Knock out. Schelle. Apache wird
                   rausgeschleift, Ring abgebrochen.

KONSTABLE _die Hnde Kean schttelnd_: Solar plexus blow. All right,
Splendid.

KEAN: Mittelmig.

KONSTABLE: No splendid. Double ... ah ... splendid. Swinging blow ...
splendid. All right.

BOB: Schlerarbeit. Einfltig. Httest ihn im ersten Gang knock out
machen mssen.

KONSTABLE: Swinging blow. Splendid. All right.

RINY: Ich hielt den Daumen.

KEAN: Ich werd dir bald was anderes halten.

BOB: Zweiter Gang. Miserabel. Finte kindisch. Parade schlecht. Nachsto
zum Heulen. Wer ist der Narr: splendid?

RINY: Das dreizehnte Ei. _Frau mit Baby, Pfarrer, Gefolge kommen. Bob
setzt sich mit der Trompete, hinkend, an die Spitze, zur anderen Seite
hinaus._

KEAN _zum Wirt_: Lad die Weiber ein, da sie fr ihr gefallenes Pferd
andres Fleisch kriegen.

WIRT: Die Taufe im Nebensaal. Ich werde umdecken, wenn Sie alle Puffs
dazu laden.

KEAN: Warum bist du neidisch auf das, dem du dich besser dnkst?

RINY _kurz zurckeilend_: Denkst du an den Wagen, Kean?

KEAN: Ich denke, Riny. _Riny ab._ Halo ... halo ... _Rufend zum Wirt_:
Einen Boten fr den Brief. Theater Drury-Lane. _Gibt ihm den Brief._

WIRT _in die Kche_: Den Sekt aus meinem eigenen Zimmer. Keinen
gepantschten hier.


                               SZENE ZWEI

DAISY: Endlich. Ihre Stimme. Ich wartete nicht im Zimmer. Konnte nicht
bleiben. Hielt mich an der Klinke. Sie gab nach.

KEAN: Mein Erstaunen -- verzeihen Sie -- ist nicht geringer als mein
Entsetzen.

DAISY _erstarrt_: Unmglich. Gott kann so grausam nicht sein.

KEAN: Ein Lokal fr Verbrecher und Hafendirnen.

DAISY: Ich habe nicht gezgert, zu kommen.

KEAN: Aber Sie wagen, mir eine Erklrung zu geben, die keine ist.

DAISY: Ich kam auf Ihren Brief.

KEAN: Wer ist hier irrsinnig geworden?

DAISY: Sie bestellten mich hierher. Sie schrieben mir: Kommen Sie; Sie
wohnen unsicher. Ich kann Sie nicht holen, ich bin bewacht. Es gab fr
mich nur einen Gedanken: zu folgen.

KEAN: Der Brief.

DAISY: Hier.

KEAN: Sie sehen, welche Seite meines Namens man fr kreditwrdig hlt.
Tod, Hlle, Heilige. Man hat meine Schrift geflscht und meinen Namen
ausgenutzt.

DAISY: Ich habe nur an die rechte Seite Ihres Wesens gedacht. So mute
ich kommen.

KEAN: Sie waren daran, Ihrem Lieblingsteufel ins Boudoir zu laufen.

DAISY: Ich habe Sie nicht gesucht und finde Sie auch in dieser Gefahr
durch die Schickung.

KEAN: Sie schlagen besser dem schnen Zufall ein Stck Nase ab, um ihm
dankbar zu sein, statt ihn aufzubauschen.

DAISY: Ich hatte Sie nie gesucht. Als ich zum erstenmal im Theater Sie
sah, nderten Sie schon nicht nur meinen Weg. Sie retteten mein Leben.

KEAN: Haben Sie keine anderen Entscheidungen wie immer den Tod?

DAISY: Nicht fr mich. Ich kam aus dem Kloster, sprach nicht, hrte
nicht, sah nicht. Man gab mir Bder und rzte. Durch eine List lockte
man mich ins Theater, ich hrte Romeo, Hamlet, der Tiefsinn ri auf in
mir.

KEAN: Konstable.

DAISY: Sie werden keine Gewalt ausfhren.

KEAN: Sie haben an Edmond Kean appelliert, als Sie zu mir kamen.

DAISY: An Ihre Gte.

KEAN: Ich habe eine Verpflichtung gegen das Unrecht bernommen, die auch
Ihr Einspruch nicht erledigt.

DAISY: Wenn ich Sie bitte, nichts zu unternehmen gegen den Mann, der
mich hierher bestellte, tu ichs, weil ich die Absicht habe, ihm zu
folgen.

KEAN: Dem Entfhrer ...

DAISY: Ich habe eine Mission. Was kmmert mich alles andere?

KEAN: ... vor dem Sie heut frh noch sterben wollten.

DAISY: Ich werde mich an ihn gewhnen lernen.

KEAN: Sie sind wahnsinnig.

DAISY: Es wird leicht sein, denn ich wei, warum ich es tue.

KEAN: Sie opfern sich.

DAISY: Ich tue, was ich vorhabe, mit Liebe und Bedacht.

KEAN: Fr eine Mdchentrumerei, eine ideale Hysterie, einen tragischen
Irrsinn.

DAISY: Als ich Ihr Haus verlie, wute ich, es gab nur eins fr mich:
irgend etwas zu suchen, was Ihr Leben auch nur im Geringsten fester
gestalten knnte. Ich will nichts von Ihnen. Aber ich erbitte die
Freiheit, zu tun, was ich mu.

KEAN: Sie glauben, es sei etwas wert, eine der Beschwerlichkeiten, die
einen Tag mir durchschwirren, wegzunehmen, indem Sie das Leben
einsetzen? Sie schwrmen, Kind.

DAISY: Ich htte gedacht, meine Dankesschuld hher abtragen zu knnen.
Aber die Gewiheit dieser Kleinigkeit schon wird mich leicht das wagen
lassen, was mir entgegensteht. Es hat keine Schrecken mehr.

KEAN: Konstable! _Zu Daisy_: Kommen Sie. Ich befehle es Ihnen.

DAISY: Wenn Sie mich zwingen, mu ich folgen. Und daran glauben.

KEAN: Konstable!! _Erscheint._ Ich fhre diese Dame in ihr Zimmer. Sie
bleiben davor, und wenn Skelette angeritten kommen. Ich bin Kean.

KONSTABLE: Der Boxer?

KEAN: Der Schauspieler. _Konstable steht stramm._

DAISY: Nun wollte ich fr Sie etwas tun, wieder tun Sie es fr mich. Wie
belastet mich Gott, da Sie mich sogar dazu zwingen. Was kann ich tun,
um auch dies zurckzugeben?

KEAN: Zum Teufel mit der Gte, mit der Sie mich bombardieren. Ich kann
nichts anfangen damit. Gehen Sie. Wir werden eine Jagd heute noch haben.
_ffnet die Tr. Daisy voran, dann er, dann der Konstable._


                               SZENE DREI

SALOMON _von einer, Wirt von anderer Seite_: Kean?

WIRT: Sofort zurck.

SALOMON _mit Journal_: Weit du, da die Zeitungsschreiber schlimmere
Idioten sind als Zapfkellner?

WIRT: Hein?

SALOMON: Weit du, warum die Zapfkellner kleinere Idioten sind wie die
Zeitungsschreiber?

WIRT: Hein?

SALOMON: Weil sie mit giftigem Schaum, die Kellner mit gutem betrgen.
Kann ein Mann, dem ein andrer ein Weib ausspannte, gut ber den andern
reden?

WIRT: Nein.

SALOMON: Doch, du Nashorn, du Idiot. Das mu er, wenn er ein anstndiger
Mensch ist. Dieses Wurm aber windet sich und schreibt, Kean sei ein
wildes Aas gewesen und htte in einem Zirkus als Pavian brllen sollen.

WIRT: Es wird ein Zoologe gewesen sein.

SALOMON: Weil Kean ihm Hrner aufgesetzt hat. O yes. Kann ein Mann, dem
ein andrer viel Geld gibt, vom Konkurrenten dieses Mannes gut reden?

WIRT: Nein, Sir.

SALOMON: Was ... Sir ...? Doch er mu gut reden, du Kannibale, du
Biertrompete. Diese Zuckerstange lutscht sich ab, Kean habe
mondscheinhaft wie eine Jungfrau im Monatlichen gesuselt. _Singt_: Ach
Gottsche, schenk mern Hambelmann, un e Kordel dezu, da er zawwele kann.
_Artisten mit Pfarrer, Amme, Taufzug, Bob an der Spitze mit Trompete,
zurck. Parademarsch. Stellen sich in einer Reihe auf._

GONSCH: Ich will ihm zeigen, da ich noch Feuer fresse wie ein Tapir.

KEAN _zurckkommend_: Salomon! Gut. Geh beizeit.

VIKTOR: Ich will ihm zeigen, wie meine Frsche und Kaninchen sich
paaren. O lala. O lala.

KEAN _zu Salomon_: Am Gang. In die Garderobeloge. Sie kommt in Schwarz.
Mit einem Schleier. Die Tren mssen auf sein. Weiter ist nichts ntig.
Kontrollier!

WELL: Ich will ihm zeigen, da ich das ganze Lokal auf die Nase stemme.

KEAN: Ich will Riny tanzen sehn. Erste Programmnummer. Ein Tisch. Rasch.

   Die Artisten: hip hip hurr. Riny auf dem Tisch rechts. Jemand
   singt, die anderen mit scharfem, raschem Hndeklatschen whrend
          des Tanzes; alle oval um den Tisch rechts. Trommel.

   A me me gusta un harenque
   porque es muy dulce por dentro
   con la garotin con la garotan
   con la vera vera vera lan ...
   A me me gusta un harenque
   potque es muy dulce por dentro
   con la garotin con la garotan
   con la vera vera vera lan.

   Whrend Riny, Kopf zurck, wild tanzt, ffnet sich links durch zwei
   weit auseinanderfliegende Vorhnge das vorderste Spar. Eine
   Anzahl uniform gekleideter Apachen mit Weibern, hell geschminkt,
   sitzen um einen Tisch, pfeifen auf den Fingern, schieben
   blitzschnell beim Fallen des Vorhangs den Tisch vor, da er parallel
   zu dem der Artisten steht, eine Apachin springt rauf, tanzt, Riny
   zu bertrumpfen, wster. Apachen im Oval drum herum, die Artisten
   rasen rascher mit dem Hndeklatschen, die Apachen stampfen den
          Takt ihres Liedes mit den Fen. Ihr Lied, frecher:

   Elle avait un petit cadenaz,
   elle avait un petit cadenaz,
   et pour que a se ne voie pas,
   elle a mis l dessous
   une chemise  vingt sous,
   elle avait un petit cadenaz,
   cadenaz, cadenaz, cadenaz.

   Jede Partei feuert ihre Tnzerin an, der Rhythmus berschlgt
   sich. Es wird ein Jazz. Die Artisten hmmern mit Deckeln und
   Tamburinen, die Apachen schieen mit Revolvern. Die Krper bis
   zur Schulter tanzen wie Schlangen. Die Schultern und Kpfe,
   Zigaretten im Mund, bleiben vllig unbewegt. Apachen wechseln
   pltzlich zu Riny hinber. Da schiet die Apachin wtend darber
   mitten im Tanz Riny ber den Haufen. Dann wirft sie sich sofort
   heulend auf Riny, wird beiseite geworfen. In einem Spar geht eine
                  Weile noch Musik und Gesang weiter.

WIRT: Konstable.

KEAN: Arzt.

RINY: Kean.

KEAN: Ein dnnes Loch, Kind. Heilt in acht Tagen. Auch dir ein Benefiz.

RINY: Vom grnen Wagen.

KEAN: Das wird der fabelhafteste Sommer, den du sahst ... Arzt! zum
Teufel ... Verdreh die Augen nicht. Hr. Gehorche. Ich befehle.

RINY: Kean. _Stirbt ber den Tisch._

ARZT _erscheint_: Tot. Herzspitze. Herzbeutel. Blutung nach innen.
Thorax. All right.

KONSTABLE: Wo ist das Vieh?

KEAN: Zurck an Ihren Posten. Auf der Stelle. Verflucht, zurck. Ich
befehle es. Kean.

KONSTABLE: Das Gesetz ...

KEAN: Schtzt zuerst das Leben. Marschier. _Konstable marschiert ab,
Artisten mit Riny in eines der Spars, Kean den Revolver in der Hand._

BOB: Spiel nicht Hamlet, Stmper.

KEAN: Wiesen, Grten, Flsse. Meine besten Trume.

BOB: Wrst nicht mit ihr gefahren. Hast damit gespielt. Hattest als
Junge sieben Mcken im Hirn, fingst keine. Bist Dreiviertelmann
geblieben. Willst, tust nicht. Solar plexus blow war nicht splendid, war
Sausto, Konstable ist besoffen. Selbst Boxen kannst du nicht.

KEAN: Du tadelst mich recht, Meister, du kennst mich allein.

BOB: Hast sieben Kpfe, verlierst sechs, findest mit dem siebenten nicht
zurecht. Solltest unter meine Fuchtel.

KEAN _zur Apachin, die unterm Tuch hervorkriecht_: Durchs Fenster
Kanaille.

BOB: Schlag sie tot. _Apachin ab._

KEAN: Warum soll sie sterben? Armes Tier, stachelgewickelt, ausgestoen,
arm wie wir. Der Tod fliegt mir vor die Fe, wenn ich bei euch ausruhe.

BOB: Geh ber das Bndel weg, mein Sohn.

KEAN: Ich bin nicht glcklich, Meister.

BOB: Man hat dir eine Laune erschlagen. Erlaub dir andre. Ich hab dich
mehr als die andern geliebt. Durchschau den Humbug Tod. Ist nichts
hinter der Knallerbse. Du hast die falsche Bange. Mit sechzehn Jahren
warst du schon schwach begabt, fielst beim Seiltanz in die Nesseln. Dein
Hochschlag ist miserabel. Lern Boxen.

KEAN: Die Welt soll Gott auf dem Zinken verkrachen, wenn ich mir die
Laune verderben lasse, Meister. Zumal ich noch bedeutsame Plne heute
habe, Bob, die mich anziehn. Meister. Httest du das gedacht frher? Pa
auf. Soll ich ... mit meinen ... Freunden ... im Dreck nicht ... gut ...
zusammen sein. _Tanzt, schreiend._ Kauka, ich will dich Frsche essen
sehen ... is a long way to Tipperary ... _Die Artisten kommen, steif,
gespenstisch, geometrisch, stellen sich in einer Reihe auf_ ... Well,
deine Nieren sollen rasseln ... Viktor, die zahmen Kaninchen werden
Lcher in die Wnde brllen mssen ... Is a long way to Tipperary ... is
a long way to go ...! _Mann in Maske erscheint, stt an den torkelnden
Kean._


                               SZENE VIER

HERR _in Maske_: Weg, Walfischkeeper.

KEAN: Is a long way to Tipperary ...

HERR: Fnf Schilling, gehst du weg. Hilf mir.

KEAN: Atout auf deine Nase, wenn du pokern willst. Nimm erst die Fratze
ab.

HERR _hebt den Stock_: Auf deinen Buckel eine Fratze, Teerschwein.

KEAN _torkelnd_: Auf deine Fratze einen Buckel. Knock out.

HERR _um ihn herum zur Tr nach innen, Kean davorschnellend_: Auf die
Seite. Hand weg.

KEAN: Maske ab.

HERR: Ein Irrer.

KEAN: Gutwillig?

HERR: Wirt, Diener, zehn Pfund.

KEAN: Zwecklos. Maske ab. _Reit sie weg._ Lord Mevil.

MEVIL: Gauner, Stromer, du bt mir die Falle.

KEAN _mit vollem, groem Organ, weltmnnischer Haltung_: Wer dreht die
Schuldurteile um? Wer bt? Ich, Lord Mevil?

MEVIL: Kean! Verdammt. Unterschtzt. _Stampft auf. Dreht rasch hinaus._

KEAN: Wenn Sie das Zimmer verlassen, eh ich meine Aufgabe hier erfllt
habe, schie ich Sie zusammen.

MEVIL: Du ... schiet ... Bursche ...

KEAN: Hat der fliehende Mdchenruber andres zu erwarten?

MEVIL: Rckwrtsschu von dem, welchem kein Hund Satisfaktion gibt.

KEAN: Zu edel noch dem Feigling, der meinen Namen mibraucht, hinter der
Maske sich verbirgt, fr seine zerfressenen Rippen.

MEVIL: Unmglich, mich zu beleidigen. Genug. Was willst du, Komdiant?
Geld? Pferde? Wagen? Enfin? Seiltnzer! Herbei, Wirt, Matrosen.

KEAN: Der Seiltnzer hat eine Absicht mit Ihnen. Er will ihm nichts
nehmen, er will ihm etwas geben.

MEVIL: Stockprgel zurck fr dein Geschenk.

KEAN: Schlu. Tun Sie den Mund, ungebeten, noch einmal auf, la ich Sie
ber den Tisch legen und auf hier usuelle Art behandeln. _Winkt._ Neben
ihn! _Zwei der Artisten mit aufgekrempelten rmeln, Fuste in den
Hften, neben Mevil._

WELL: Ein adliges Kotelett.

KEAN _ruhig_: Ich bin kein Richter. Mich geht es nichts an, da Sie
Wechsel flschten, Mnner krnken, Frauen mit Geldscken rauben, selbst
meinen Namen pfuschen und schnden. Mich geht es irgendwie nichts an,
aber ich bedaure Sie in Ihrer Maske. Sie sind nie ohne Maske
ausgegangen. Das ist ein schweres Versumnis.

MEVIL: Was habe ich versumt?

KEAN: Sahen Sie Gehenkte zwischen den Schornsteinen die Zunge blecken?
Heizer an fen, Kondukteure beim Schwung ber verfaulte Brcken,
Zerquetschte zwischen Eisenbahnpuffern? Wer, verdammt, die Keucherei
eines Dockarbeiters gesehen, wei, wie elend sein Existieren ist, wer
die Absynthsufer in der Gosse rcheln hrte, wei, wie abscheulich
dieses verfluchte Dasein ist, wer die entsetzliche Stumpfheit der
Auslader kennt, wei, wie melancholisch das Leben ist. Man verachtet
dann nicht mehr. Man bestaunt. Das haben Sie nicht gesehen.

MEVIL: Dahin soll ich gehn?

KEAN: Kenne ich nicht vom Bordell bis zu Monseigneur die Welt! Htte ich
die Anmaung, Ihnen sonst Ratschlge zu geben, der Sie lnger und besser
aus dem Vollen lebten wie ich. Bin ich ein idealistischer? Ein Stmper
bin ich, ein Komdiant, ein bichen Mensch. Habe ich mich je gestrubt
gegen etwas, was mir die Welt entgegenwarf, etwas verschmht: einen
Frauenbauch voll Wildheit, irgendeinen Luxus, eine Segelfahrt, ein
Gelage, ein Diner mit Krammetsvgeln und Tanzweibern? Nie. Alles nahm
ich. Aber ich habe nicht das Gefhl: hier fngt Welt an. Hier hrt Welt
auf. Wie wre ich aufgeschmissen und was fr ein kleiner Snob. Ich
vergesse nicht, wo ich herstamme. Sie aber mten es vergessen. Ich
marschiere von unten nach oben. Sie sind nicht von oben nach unten
marschiert. Das ist Ihr Fehler. Ich messe das verdammte Dasein nicht
zwischen Laster und Parfum mit den Zentimetern, sondern mit der
Riesenspanne aus dem Hafen bis nach Buckingham.

MEVIL: Das soll ich tun?

KEAN: Eine Anleitung zum Leben fr Sie. Grotesk. Welche Situation.
Lieben Sie die W. C. und die Kokotten, Ihre Damen und die Sue, dann
kommen Sie aus der Schaukel und spren Boden. Anleitung zur Khnheit.
Das Leben breitet sich aus, wird wilder. Man kennt die Gefahren und
bewundert die Abgrnde, schliet sich nicht ein, sondern macht eine
Offensive hinein. Man versteht dann mehr. Anleitung zur Bewunderung.

MEVIL: Sie wnschen es?

KEAN: Ich knnte Sie zerschlagen. Habe ich nicht Grund dazu? Lasse Sie
in Ketten abfhren, Sie sind mit Haar und Seele in meiner Gewalt. Sie
haben mich geduzt, um mich zu krnken. Gehen Sie, Sie sind frei.
Vergessen Sie nicht, was ich sagte.

MEVIL _Faust auf den Tisch hmmernd_: Verflucht. _Strzt ab._

BOB: Httest schlagen sollen. Neue Rolle. Bergpredigt. Stmper, Kean.
Splendid, wenn du ihn mit left hand lead off at the mark genommen,
abgeblitzt sein ducking away, dann infighting auf die Arme, dann back
spring und darauf gewaltig knock out. Knockout, Knockout, mein Sohn. Das
ists. Wird dirs schwer heimzahlen, da du in Anstand machtest. Hab dich
mehr geliebt als alle, die ich Niagarasprung lernte. Bist
Dreiviertelmann geblieben, Kean, Stmper. Edmond Kean. Ich heule. Selbst
Boxen kannst du nicht. Lern Boxen.

KEAN: Vielleicht irrst du, Meister.


                        Schlu des dritten Akts.




                                AKT VIER


   Keans Garderobe im Theater. Durch Portiere mehrfach gespaltener
                                 Raum.


                               SZENE EINS

REGISSEUR _zu Kean, der eintritt_: Knallvoll.

KEAN: Kassenrapport?

REGISSEUR: Ausverkauft. Die Summe ist noch nicht ausgearbeitet.
Ausverkauft ohne Freikarten.

KEAN: Was wollen Sie?

REGISSEUR: Eine Bitte.

KEAN: Wagen Sie sie.

REGISSEUR: Man trampelt auf den hinteren Reihen.

KEAN: Salomon!

SALOMON: Hier. Anwesend.

KEAN: Umziehn.

REGISSEUR: Eine Viertelstunde.

KEAN: Zehn Minuten. _Regisseur ab. Zu Salomon_: Wie kommt das? Du bist
frher da wie ich.

SALOMON: Ich lief von der Taufe noch ber die Wohnung.

KEAN: Und ...

SALOMON: Nach dem sechsten Akt.

KEAN: Sofort.

SALOMON: Die Nacht gekneipt. Tags Tauffest, Boxkampf, Mord. Vor der
Auffhrung noch Galle. Schonen Sie Ihr Leben.

KEAN: Du fandest ...

SALOMON: Siegel auf allem.

KEAN: Der beschnittene Jude ...

SALOMON: ... ist nicht mehr der Schuldner.

KEAN: Aber ...

SALOMON: ... der Konstable vertrat vier Parteien. Vierhundert Pfund.

KEAN: Ein Arrangement. _Zuckt die Achseln._

SALOMON: Robustestes Verfahren. Die Anwlte entschuldigten sich.

KEAN: Sie vertraten ...

SALOMON: Lord Mevil.

KEAN: Sakrament. Die Bremse. Sticht rasch. In wenigen Stunden. Ein
ganzer Plan. Ich habe es vermutet. Was tun?

SALOMON: Ein Journalist nahm eine Besichtigung vor.

KEAN: Ein Schlachtplan. Ah. Jeden Tag schreibt ein Stallknecht. Was
tuts?

SALOMON: Der Staatsanwalt hat eine Untersuchung eingeleitet wegen
Raubversuch.

KEAN: Gegen Mevil.

SALOMON: Gegen Kean.

KEAN: Er wird auf meinen Brief hin glatt erledigt.

SALOMON: Sie haben den Brief nicht mehr. Aber er hat einen, in dem Sie
ihn in die Taverne locken.

KEAN _sucht_: Ich habe ihn nicht mehr. Man hat ihn mir rasch geklaut.
Einen anderen wieder geflscht. Das Bse hat sich konzentriert. Ein
Plan, eine Front, eine Umzinglung. Ich werde sie durchbrechen. Pa auf.
Ich kann gromtig sein. Ich kann es auch wieder vergessen. Ich kann
auch anders. Sacr.

SALOMON: Wo werden Sie heute nacht schlafen?

KEAN: Im Hotel. Nein. Bestell einen Taxi. Ich fahre die Nacht durch die
Parks von London, es ist ja Mond. Welches Panorama.

SALOMON: Looping the loop. Nehmen Sie lieber die vierhundert Pfund aus
dem Benefiz.

KEAN: Teufel. Wie widerlich. Den Seiltnzern was nehmen.

SALOMON: Borgen.

KEAN: Noch schlimmer. Lakaienrat. Kein Wort mehr. Ich fahre.
Verschwinde. _Es klopft. Kean, halb umgekleidet, ffnet eine geheime
Schranktr. Helne erscheint. Kean schliet die Tapetentr. Schliet mit
dem Schlssel die Garderobentr. Zurck. Fassungslos._ Welches Glck.
Welch sinnloses Glck.


                               SZENE ZWEI

HELENE: Was wollen Sie noch? Welche Probe? Welches Kunststck haben Sie
mir noch vorzuschreiben?

KEAN: Sie demtigen mich.

HELENE: Welche Steigerung haben Sie bereit? Welche Khnheit? Welche
Tollheit soll Sie jetzt noch reizen, wo Sie das erreicht.

KEAN: Es gibt kein Hher mehr. Denn bald werden Sie wieder gehen.

HELENE: Ihr einziges Gefhl Entgeisterung? Trauer? Deshalb kam ich
nicht. Gestehen Sie: Sie zwangen mich.

KEAN: Ihre Neugier.

HELENE: Zweifeln Sie an meiner Liebe? Nach dem, da ich hierher kam?

KEAN: Eine sehr groe Probe. An Khnheit grer als mein Wunsch.

HELENE: Was wnschen Sie noch? Entkleiden Sie mich. Schlagen Sie mich.

KEAN: Ich bin kein Verfhrer. Ich liebe Sie nur.

HELENE: Welche Bemhung wollen Sie also noch? Sagen Sie es. Ich erflle
es. Mein Teil ist dann gegeben, mein Teil ist dann klar.

KEAN: Fordern Sie jede Handlung von mir, das Unmgliche.

HELENE: Spter frage ich Sie. Jetzt antworten Sie mir. Was soll ich tun?
Sie knnen alles sagen.

KEAN: Was ich besitze, ist schon nicht mehr mein. Die Erde ist neidisch.
Was ich nicht ganz besitze aber, will ich allein haben.

HELENE: Mein Gatte?

KEAN _Handbewegung_: Mehr.

HELENE: Furcht? Ein Gefhl, das ich nicht vermutet. Reden Sie.

KEAN: Wenn ich wei, da ich auf meiner Seite gro bin, so wei ich, es
gibt nur eines, gro genug, was ich zu frchten brauche: Macht.

HELENE: Wales ...

KEAN: Ich sah Sie nie ohne ihn. Erklomm meine Sehnsucht die
Fahnenstange, ri mich die Eifersucht dunkel herunter, ich kann nichts
dafr, da mein Herz toll ist.

HELENE: Ich werde ihn nicht mehr sehen. Gengt es?

KEAN: Zuviel. Sie knnen das nicht halten. Heute abend ...

HELENE: Ich verlasse das Theater. Sie sehen ihn allein in der Loge.

KEAN: Fehlt er aus Zufall, sterbe ich, Sie knnten mit ihm zusammen
sein.

HELENE: Seltsame Frauen, die Sie frher getroffen haben mssen. Glauben
Sie nicht, da ein Entschlu so gro, ein Plan so khn sein kann, da
man den Einsatz glauben mu.

KEAN: Ich glaube.

HELENE: Nun frage ich.

KEAN: Fragen Sie gro, viel.

HELENE: Sie irren. Was an ungeheurem Einsatz gegeben werden kann in
dieser Partie, trage ich allein als Risiko. Sie nichts. Was geben Sie?

KEAN: Mich. Liebe. Meinen Beruf. Fliehen Sie mit mir.

HELENE: Schwrmerei. Was soll ich mit Dingen, die uns schaden?

KEAN: Meine irrsinnige Verehrung.

HELENE: Voraussetzung. Wre ich sonst da?

KEAN: Was wollen Sie? Garantien, Geld, Stellung, von mir?

HELENE: Wrde ich das bei Ihnen suchen?

KEAN: Kein Opfer?

HELENE: Die gebe ich.

KEAN: Keine Handlung? Keine Tollheit? Also Tod.

HELENE: Spielerei. Romantik fr Kinder. Worte. Worte. Ich brauche
Beweis. Keine Phantastik. Gibt es Phantastischeres, als was ich gewagt?

KEAN: Was kann an so Deutlichem und Kleinem die Gegenwagschale fllen,
da unsere Partien auf gleich stehn?

HELENE: Ein groes und ruhiges Herz. Unbedingte Sicherheit. Das
Zuverlssige. Der Ruhepunkt.

KEAN: Sie werden es haben.

HELENE: Ich wage die Probe. Auch gegen das Unzuverlssige Ihrer
unbiegsamen Mnnlichkeit. Ein Vertrag. Vergessen Sie nicht, man kann ihn
verlieren. Ich wage den Pakt.

KEAN _umarmt sie_: Welches Glck. Ihre Stimme. Ihre Brust. Ihre Hften.

HELENE: Nehmen Sie dies Bild. Lassen Sie sich dadurch warnen. Denken Sie
immer an mich. Jede Sekunde. Nehmen Sie diese Dose. Jede Sekunde.

KEAN: Welches Wunder. Dieser Krper, dieser stolze Geist. _Es klopft._
Abgeschlossen. Keine Erregung.

PRINZ VON WALES _drauen_: Kean.

HELENE _mit Haltung_: Wales.

PRINZ VON WALES: Ich, Kean.

GRAF KOEFELD: Ich, Koefeld.

KEAN: Verschleiern Sie sich. Welcher Irrsinn. Welcher Schmerz. Haltung.
Ich liebe Sie. Ruhe ... _Nach auen_: Welche Betrgerei. Sind Sie Prinz
von Wales, beweisen Sie es ... Ihre Tasche, Helne. Lassen Sie Ihr
Gefhl zu mir die Widerwrtigkeit nicht vergelten. Sie sind sicher ...
_Nach auen_: Man will meine Garderobe pfnden, man verfolgt mich wegen
vierhundert Pfund ... _Es klopft dauernd._ Helne, dicht an der Grenze
des Glcks, ich zittre ... _Nach auen_: Sind Sie Prinz von Wales,
schreiben Sie Ihren Namen auf und reichen Sie ihn herein. Sind Sie ein
Betrger, werden Sie es nicht wagen. _Zieht den Schlssel heraus, hngt
ein Tuch vor, zurck._

PRINZ VON WALES: Amsant. Was tun Sie?

KEAN: Ich ffne die Tr weit genug fr Ihren Namen.

HELENE _an der Tapetentr_. Helfen Sie mir.

PRINZ VON WALES: Halo, nehmen Sie doch.

KEAN _an der Tapetentr arbeitend_: Sofort. _Der Knopf springt ein, die
Tapetentr auf, Kean zurck, zieht aus der Garderobentr ein Papier._
Einen Augenblick. Ich kontrolliere. Mein Licht ist schlecht. _Zu
Helne_: Sie nehmen mein Herz mit und meinen Stolz. Welches Glck, Ihr
Hals, Ihre Khnheit. In der Todesstunde werde ich es nicht vergessen.
Sehn Sie, wie ich zittre. Ich habe noch nie gezittert.

PRINZ VON WALES: Auen ist alles hell. Lehnen Sie mich ab?

KEAN: Der Schlssel, Monseigneur, das Aas von Schlssel.

HELENE: Denken Sie an den Pakt. Jede Sekunde. Diesen Ring noch. Jede
Sekunde, Kean. Ich darf mich nicht irren dieses Mal.

KEAN: Bleiben Sie im Theater.

HELENE _schon innen im Gang_: Dann sehen Sie mich das letzte mal mit dem
Prinzen. Ertragen Sie es?

KEAN: Gerade. Mein Herz ist gro genug. Ich will es ertragen. _Taumelnd,
auf die Knie geworfen, als die Tapetentr zufllt, schwindelnd, dann
auf, es klopft, gefat zur Tr, schliet auf._ Eine Note von vierhundert
Pfund. Diese Gre haben nur die Buchstaben im ABC von Monseigneurs
Gte. Der Schlssel. _ffnet. Wales und Koefeld treten ein._


                               SZENE DREI

PRINZ VON WALES: Der Graf will die Kulissen sehen. Im Diplomatischen
kennt er das, erfahrungsweise. Was ist das?

KEAN _Salomon und Friseur hinter ihnen hereinkommend_: Souffleur und
Friseur. Salomon bergibt dem Prinzen von Wales die Banknote mit meinem
Dank. _Prinz macht eine Bewegung._ Trag sie an die Kasse. Monseigneur
zahlt damit die Loge fr das Benefiz der Kranken. Besichtigen Sie die
Loge, Graf. _Friseur fhrt Koefeld in den Nebenraum._

PRINZ VON WALES: Keine Portiere? Keine Falltreppe im Betrieb?

KEAN: Monseigneur, nehmen Sie Platz. Kennen Sie das Fell?

GRAF KOEFELD _im sichtbaren Nebenraum zum Friseur_: Heben Sie den Fcher
auf, der mir fiel. _Betrachtet ihn sorgfltig, steckt ihn ein, zurck._
Meine Komplimente. Das ist ja gar nicht ungewhnlich. Knnte
Ankleideraum hherer Militrs sein. Charge ab Generalmajor. Komplimente.
Auch Sbel. Heilo! Waffen auch. Bardala. Famos.

KEAN: Ich habe das Auergewhnliche nie bei Menschen getroffen. Bei
einem Bren einmal, eine zu lange Geschichte. Entschuldigen Sie mich
zwei Minuten zum Frisieren. Es schellt irrsinnig. _In den Nebenraum, wo
er voll umgezogen wird, die Romeojacke erhlt._

PRINZ VON WALES _zu Koefeld_: Enttuscht? Da keine Weiber da waren?
Sehen Sie. Armer. _Zu Kean hinter der Portiere._ Haben Sie rger?
Nervs? Ein Kummer? Ich sah Sie nie so eilig.

KEAN: Enttuschungen, Monseigneur.

PRINZ VON WALES: Falsche Einstellungen, Kean. Erwarten Sie nichts, ist
alles ein Geschenk. Erwarten Sie vieles, schlgt alles Ihnen auf das
Dach. Undank die Regel. Dank die Ausnahme. Merken Sie sich Napoleons: le
genre humain m'embte. Il me faut de la solitude. Damit erklimmen Sie
jede Entzckung.

KEAN: Unschwer, bei Gott, von einem Knig gesagt.

PRINZ VON WALES: Erfahrungen, die hunderte von Jahren im Blut liegen,
Freund. Wer stt fter auf die Erbrmlichkeit wie wir?

KEAN: Wem schadet sie weniger?

PRINZ VON WALES: Die Kpfe, manchmal, Guter, in meiner Familie. Weil wir
das Renommeestck, den Menschen, kennen, ob wir ihn verachten oder uns
fr ihn interessieren, wissen wir um seine Dummheit und Feindlichkeit.
Revolutionre aus Neigung, sind wir, von der Nutzlosigkeit der Revolten
berzeugt, Reaktionre aus Weisheit. Wir erwarten gar nichts und haben
vor den Barrikadejnglingen, die stets enttuscht ihre verbrannten
Finger in den Hades trugen, ungewhnlich voraus, da wir, als
zurckhaltende Skeptiker, ihn zu lieben uns erlauben knnen auch in
seiner tiefsten Erbrmlichkeit. Keine Voraussetzungen -- und Sie umarmen
die Weisheit ... Ah Biribi ... Romeo.

KEAN _erscheint aus dem abgeteilten Raum, fast fertig_: Lernen Sie mich
diese Distanz der Gefhle. Ich lerne Sie die Leidenschaft, Monseigneur.

PRINZ VON WALES: Ich bedarf sie nicht. Ich habe mehr.

KEAN: Ein Geheimnis.

PRINZ VON WALES: Wie jede Macht, mein Freund, solang man sie nicht
selbst erobert hat, atmet, ruhig besitzt.

REGISSEUR _hereinstrzend_: Ay ... a ... i ... Strafe, Strafe zahlen.
_Sieht Wales._ Verzeihung. Untertnig. Respekt. Gehorsam. _Ab._

GRAF KOEFELD: Darf ich die Loge meiner Frau suchen? Pnktlichkeit im
Dienst und zu Frauen stets Prinzip.

PRINZ VON WALES: Ich folge. Ich wei noch nicht, wo ich sitze. Welche
Nummer? Drei. Ich danke. Vielleicht. _Koefeld ab._

KEAN: Darf ich wagen zu sagen, es sei ein Geschenk, Sie in Koefelds Loge
zu sehen.

PRINZ VON WALES: Nirgends anders?

KEAN: Nirgends anders.

PRINZ VON WALES: Aus Interesse? Soll ich Sie decken? Ein toller Wunsch.
Sie lieben?

KEAN: Bin ich weise genug, dann Ihre Anwesenheit zu ertragen?

PRINZ VON WALES: Ihre Grnde.

KEAN: Mein Gefhl ...

PRINZ VON WALES: Gengt nicht. Deutlicher.

KEAN: Sie mitrauen.

PRINZ VON WALES: Ich sehe nicht klar.

KEAN: Lassen Sie, ich bitte, beiseite, was Liebe heit. Ein Irrsinniger
knnte nur den grten womglichen Gegner ersuchen, an seine Stelle zu
treten. Kurz: ich adressiere.

PRINZ VON WALES: Ich bin kein Schauspieler.

KEAN: Es wre ein Geschenk. Mein Sinn, da Hohes sich ausgleicht, ist
sehr bestimmt. Trte zur schnsten Frau der bedeutendste Mann, wrden
meine Spannungen und Verehrungen unmenschlich wachsen an solcher
Harmonie, zu der ich mich wende. Ich spiele fr Personen, nie fr die
Masse, Monseigneur.

PRINZ VON WALES: Ich habe Ihnen noch keinen Wunsch abgeschlagen.

KEAN: Ich werde noch nie so entflammt gespielt haben vor Monseigneur.

PRINZ VON WALES: Immerhin ... es ist schwer, mich in Erstaunen zu
setzen. _Im Hinausgehn._

KEAN: Da Sie nichts erwarten ...

PRINZ VON WALES: ... oder alles. Das ist gleich. _Ab._

KEAN: Er wird es Helne sagen, da ich ihn zu ihr gehetzt. Sie wird die
Unerschtterlichkeit des Herzens nicht verkennen, das diese Qualen
arrangiert, um sie als Zeichen fr sie zu erdulden. Herz, sei stark
genug, dies Training zu ertragen.

REGISSEUR _kommt_: Sind Sie in fnf Minuten nicht fertig, haben wir eine
Oper. Aber im Publikum.

KEAN: Warfen Sie Monseigneur schon einmal hinaus? Sie Taschenmesser.

REGISSEUR _zu Salomon_: Bewach ihn. Treib ihn an. Schleif ihn hinber.
Deine Anstellung als Pfand. _Ab._

KEAN: Lassen Sie die Ouverture anfangen. Ich spiele sechs Akte aus vier
Stcken zum Benefiz. Ich habe zehn Wlfe im Herzen. Ich habe nie so
gespielt. Friseur. _Wird geschminkt. Klopfen an der Tapetentr. Salomon
ffnet. Giza._

GIZA: Die Grfin ... der Fcher?

KEAN: Vergessen? Welcher? Such ihn. Neben.

GIZA: Mit Trkisen und weien Pfaufedern.

KEAN: Von Wales. Verdammt. Ist er da?

FRISEUR: Der Herr bei Monseigneur steckte ihn ein.

KEAN: Du sahst es. Lieest es. Sagtest nichts. Lt mich bestehlen.
Schaf, Hornisse, du Ro ... Salomon, nicht da? _Salomon aus dem
Nebenraum, kopfschttelnd. Kean, nicht mehr schreiend, zu Giza, ruhig_:
Mein Kind, Sie flstern in der Loge ins Ohr der Grfin, ihr Gatte habe
den Fcher. Sofort. Ohne Aufsehn. Und ruhig. Ich rechne, sagen Sie, mit
der ganzen Klugheit der Grfin. _Giza durch die Wand ab._

KEAN _fassungslos_: Gewitter ber meinem Haupt. Prasselt alles wie ein
Taubenschlag herunter? Habe ich das gewollt? Verknallter Frhlingstag,
mein Gott. Ganz verloren. Alles entzwei. Keine Rettung. Kein Ausweg,
eins, zwei, drei, vier. Ich habe verloren. Ich kann schlafen gehn.
Abtreten. Aus. _Schnallt den Dolch ab._ Ich spiele nicht.

FRISEUR: Die Augenbrauen noch schwarz.

KEAN: Trottel, Intrigant. Ich spiele nicht.

SALOMON: Das Benefiz.

KEAN: Weg.

SALOMON: Bob?

KEAN: Schlag Plakate an. Ich laufe Seil ber Hydepark. Fnf Pfund der
Platz. Ich werde Seiltnzer, charmanter Abgang. Fnf Pfund, ich
garantiere den Absturz. _Schelle._

FRISEUR: Die Ouverture hat begonnen.

REGISSEUR _kommt_: Kean. In die Kulisse. Avanti.

KEAN: Ich spiele nicht, Herr.

REGISSEUR: Ihr Vertrag.

KEAN: Gebrochen.

REGISSEUR: Angestelltenrat?

KEAN: Ich werde Seiltnzer.

REGISSEUR: Die Kasse abgeschlossen. Unmglich mehr, zurckzuzahlen. Sie
znden das Theater an.

KEAN: Rsten Sie.

REGISSEUR: Ich befehle Ihnen, aufzutreten.

KEAN: Befehlen Sie Ihrem Bauch. Ich will nicht. Ich kann nicht. Herr,
sehen Sie nicht: ich bin verrckt. Mein Herz ist explodiert. Ich bin
schwer verwundet. Innerlich. Hundert Geschofetzen. Kann ich singen,
wenn ich verrecke? _Schlgt vor Erregung einen Tisch dem Regisseur vor
die Beine. Bob erscheint._

BOB: Spiel, Junge, sonst schlag ich dir die Knochen entzwei. _Regisseur
feuert ihn mit Gesten an._ Ich blas dich in die Luft. Stmper. Nicht
einmal spielen kannst du. Solar plexus blow. _Stt ins Horn._ Splendid.
Narrenhaus.

KEAN: Halt das Maul, Bob. Hinaus, Zigeuner. Stramm gestanden. Ich
kommandiere nun. Ich spiel nicht.

BOB: Respekt vergit du. Heuschrecke. Quatsch. Boxen kannst du nicht.
Seiltanz kannst du nicht. Niagarasprung ... schmonzes. Spielen willst du
nicht. Knockout. Stmper. Auf die Knie. O ... u ... adet. Rabenaas,
unfaires. Sollte dich erledigen mit savate, ins Parterre mit upper cut.
Vatermrder. Spiel oder krepier. Splendid, strubt sich. Krieg dich an
den Ohren.

KEAN: Mein Lehrer ... guter Lehrer, Gott verzeih mir, hinaus, du Hund.
_Schmeit ihn raus._

REGISSEUR: Ich gehe zur Bhne und zurck und zhle auf zwanzig. Vor der
Tr. Kommen Sie nicht bei einundzwanzig, la ich Sie auf die Bhne
schleifen, Herr, und aufs Podium werfen in einem Sack.

KEAN: Gut. Schmeit mich in die neue Karriere. Zirkus. Ketten bereit.
Fesselsprenger ber dem Seil -- -- -- a me me gusta un harenque ...
porque es muy dulce -- -- -- _Regisseur hinaus. Salomon mit
ausgebreiteten Armen gegen die Tr._ Du ... sperrst mich ein? Du auch
... spritzt gegen mich Gift? Wegen deiner Stellung? Bist du schon so
zertreten? _Schiebt mit dem Fu nach ihm, Salomon heulend ihm zu Fen._

SALOMON: Treten Sie mir den Bauch ein. Hab ich diese elende Position
nicht nur wegen Ihnen behalten? Ich schtze Sie vor dem Schleifen.

KEAN: Steh auf! _Fieberhaft._ Alles verloren. Ich habe auf eine Karte
alles gesetzt und rasch verloren. Der Fcher ist die falsche Karte, die
man mir ins Spiel gemogelt. Wales mu den Fcher decken gegen Graf
Koefeld. Wales renkt das Spiel wieder ein, das ich schon fast verlor.
Vor fnf Minuten bestrmte ich ihn, weil ich mich oben dachte, im
bermut in die Loge der Grfin zu gehen, nun sitzt er dort und mu mich
decken. Die Leute haben andere Waffen wie wir. Man vermeidet dort den
Angriff, man ist klger wie wir, Salomon. Er wird sich zurckziehn,
verschwinden, von Helne zurckeilen. Das Feld ist frei. Ich habe keinen
sichtbaren, aber einen unsichtbaren Konkurrenten.

SALOMON: Was kann ein Gegner schaden, der kein Stichwort hat,
aufzutreten?

KEAN: Da ich ein Werkzeug des Wales bin, ein Perpendikel seiner Laune.
Wenn er gut ist, berdacht von seiner Gte. Wenn er gemein ist, ein
Tnzer auf dem Zufall. Immer geschenkt, dargeboten, geduldet. Gibt es
eine Frau, die das ertrgt? Gibt es einen Mann, der in dieser Rolle
wirkt? Unertrglich. Unmglich.

SALOMON: So werde ich den Prinzen aus der Welt schaffen, um einen guten
Abgang aus ihr zu haben.

KEAN: Zu grob. Das schafft seinen Schatten nicht fort. Treue Trottelei,
Salomon. Das verstehst du nicht.

SALOMON: Das scheint meine Schwche.

KEAN: Ich kann ihn nur wieder mit Gromut berwinden. Solche Partien
knnen nur auf dem hchsten Terrain gesiegt werden. Helne kennt die
Niveauunterschiede genau, und man hat sie nur, wenn man deutlich sie
erobert. Ich mu auf sie verzichten. Das ist die einzige Waffe, sie doch
zu bekommen. Ich berlasse sie Wales als dem Greren. Ich trete zurck,
um ihn zu erhhen. Ich mu mich auswetzen wie ein Geschwr und ihm freie
Bahn lassen. So wird sie mich wieder holen. Du bist zu wenig Mann, um
das zu begreifen. Hier wird mit groen Einstzen der Khnheit pointiert.
Ich kann nicht kleinmtiger sein wie seine Gromut. Aber ich spiele um
alles. Denn ich liebe sie mehr als ein Toller. Ich mu ruhig bleiben und
lcheln. Nur so kriege ich sie.

SALOMON: Das scheint mir der ungefhrlichste Ausweg.

KEAN _auf und ab gehend, man hrt den Regisseur drauen zhlen_. Aber
wird mein Herz grer sein wie mein Blut? Kann ich Wales nun in Helnes
Loge sehen? Vor einer Viertelstunde ein Kitzel fr den Sieger. Als
Unterlegener ein Gelchter. Kann ich stolzer sein als Besiegter wie der
Sieger, der sich nichts merken lt? Werde ich es aushalten, mein Gott?
Ich bin ohne Kraft, Salomon, und brauche ein khnes Herz. Man lernt
soviel in seiner Leidenschaft. Ich mu grer sein wie mein Schmerz.
Khner als mein Glaube. Ich mu es haben, Salomon ... woher? ... ich mu
es haben, oder ich bin kaput. -- -- -- Den Dolch, Salomon ... den Dolch
... Ich mu spielen.

SALOMON: Er spielt. _Singt_: Ach Gottsche, schenk mern Hambelmann, un e
Kordel dezu, da er zawwele kann.

REGISSEUR _herein_: Spielt. _Fllt gleichzeitig erschpft in die Knie._


                               SZENE VIER

   Verdunkelung. Kean hinaus. Vorhang. Sofort Musik in die
   Verdunkelung. Kean sofort durch den Vorhang auf die Vorderbhne.
   Blitzschnell. Sofort auf der Vorderbhne Beginn der Romeoszene.
                        Musik verklingt hinein.

JULIA:

   Willst du schon gehn? Der Tag ist noch so fern.
   Es war die Nachtigall und nicht die Lerche,
   Die wilden Rufs dein banges Ohr durchst.
   Geliebter, glaub: es war die Nachtigall.

ROMEO:

   Die Lerche wars, die Tagansagerin.
   Nicht Nachtigall. Schon neidet uns ein Streif
   des Osts der Wolken liebevollen Samt.
   Die Nacht hat ihre Kerzen abgebrannt.
   Der Tag hat sich schon auf den Berg getanzt.
   Nur Gehen ist uns gut, Verzug ist Tod.

JULIA:

   Glaub mir, dies Heil ist nicht das Tageslicht.
   Fanal ist es, das dir die Sonne schenkt,
   wenn du ins Helle jetzt die Nacht durchdringst.
   Signal nach Mantua, wenn du zum Gang dich schickst.
   Verweile du. Noch ist zu gehn nicht not.

ROMEO:

   La sie mich packen. Tod ist mir bestimmt.
   Ich bleibe gern, wenn du mich fassen willst.
   Ich will, dies Dmmern ist noch nicht das Morgenaug.
   Der Mond hat nur den groen Kreis bereist.
   Die Lerche ist das nicht, aus deren Sang
   der unsichtbare Himmel um uns reit.
   Ich bleibe nun. Das Gehn ist mir verhat.
   Herbei, du Tod, wenn Julia dich liebt.
   Ruhig, Herz. Das ist nicht Tag, noch flstern wir uns zu.

JULIA:

   Der Tag. Der Tag. Auf. Renne rasch von hier.
   Es ist die Lerche, die so heiser droht.
   Sie ists, die uns in falsche Wirbel flammt.
   Man hat gesagt, die Lerche sei so s.
   O wie zerreit uns diese unser Herz.
   Sie hat der Krte Blick in ihrem Aug.
   Htt sie den Sang mit diesem Tier getauscht,
   da sie dein Herz von meinen Brsten reit!
   Wie hat der Jagdruf dich zur Flucht erbleicht.
   Geh jetzt, Geliebter, es wird rot und hell.

ROMEO:

   Ich seh nur schwarz. Und dunkler Leid und Gram.

AMME _kommt_:

   Die Mutter regt sich. Bald tritt sie herein.
   Der Tag hebt an. Das Haus wird voll Gerusch.

JULIA:

   Tag schwingt herein. Du Leben, breche aus ...

ROMEO:

   Wenn deine Lippe noch auf meiner einmal knospt.

   Umarmt Julia, luft die Treppe der Vorderbhne herunter, strzt mit
      einem Aufschrei zurck, an Julia vorbei, dicht an der Rampe.

   Ist mir von Irrsinn so mein Herz zerschleit,
   das zuckt und brllt, da ich in Fremdem whl?
   Ich Komdiant, ich Kean, Hanswurst, Idiot, Kamel
   geht ehr durch Nadelhrn als ich durch dieses Spiel.
   Halunken, Publikum. Clowns, weh, ein Heringsbauch,
   schlgt hhnend eure Fratzen jetzt mein Schmerz.
   Wo nehm den Mut ich her, jetzt gro zu sein,
   wo ich wie eine Krte hier mich wind
   und dort die Gre lchelnd auf mir bumt?
   Fr dieses Spiel bin ich zu sehr zerspellt,
   Hanswurst ich, Kean, nicht Romeo. Hanswurst.
   Wr ich jetzt gro, wie Feuer trieb dies Spiel.
   O Gott, mach jetzt mein Herz voll Einsamkeit,
   da ich es trag und alles Gute sag.
   Hilf mir. Umsonst flamm ich nicht wie ein Wurm.
   Schon quillt mir Gift auf meines Herzens Schlag.
   Schon wrgt mein Ha der Zunge guten Laut.
   Es frit die Leidenschaft das Gute aus dem Herz.
   Erbrmlich ich. Hanswurst. Mein Kean, du Frosch.
   Is a long way to Tipperary -- -- flattert mirs so auf?
   Is a long way to go. Ich hin von Ha entstellt.

   Halb verkrampft, tanzend, torkelnd, jetzt voll an die Rampe. Zu der
   nun mitten im Rang erleuchteten Loge Helnes, Koefelds, des
                      Prinzen von Wales gerichtet.

   Ich klag den Prinzen Wales des Irrsinns an,
   weil er Geheimnis hat, das in den Staub mich schmeit.
   Ertrgt ein Mensch so ruhigen bermut?
   Schlgt Schicksal mir stets Gre ins Gesicht,
   die mich erniedert ... Aus der Lge dieses Spiels
   pflck ich Sekunden. Hier ist mein Triumph.
   Hier rede ich. In die Manege, Monseigneur,
   hier auf die Knie. Tanzt vor den Affen nackt
   den Foxtrott Ihrer Laster. Guillotine Marsch.
   Zu meinem Fu. Mein Herz lacht wie ein Wolf.
   Die Haselrutensehnsucht Ihrer Schenkel ist nicht schwach.
   Gekuscht im Winkel. Ab Monokel. Glasaug hol die Pest.
   Entschleiert das Geheimnis. Sansculotte. Gre keine Spur.
   Sagespne, Glas statt Hoheit, werft die Puppe in
   die Eimer der Verachtung ohne Schmerz.

LORD MEVIL _in einer Loge, mitten im Publikum, der anderen Seite,
erleuchtet_: Die Hundepeitsche ins Gesicht dem Schuft.

KEAN: Ach, Mevil -- Bursche, Wechselflscher, Muschenjger, Gladiator
deiner Frechheit. Her den Stock.

LORD MEVIL: Verhaftet diesen Hund. Konstable. Ketten. Stellt vor den
Prinz euch. Vor die Krone. Schiet. _Knallt nach der Bhne._

KEAN:

   Schie weiter, Flscher. Abgeprallt die Tcke,
   kreid ich dich an die Ewigkeit, du Hure
   der Rechtsprechung im Parlament. Ich schlag
   den Leib mit Prgeln feist dir wie ein Frosch.
   Nur Monseigneur kann mehr geschwollen sein
   als du. Kean. Ich Hanswurst. Sacr. Mein Puls. Mein Herz.

   Hinter ihm Menschen. Toller Foxtrott. Man beschwrt ihn. Salomon
   kommt aus dem Souffleurkasten. Aus der Intendantenloge klettern
   Entsetzte auf die Bhne. Der Regisseur strzt herbei. Kean fat
       ihn, tanzt den Foxtrott des Orchesters mit ihm, irrsinnig.

   Wales am Hund, das Herz in Quasten,
   Kean kaputt, Wales liquidiert ... _Fllt zusammen._

   Der Regisseur geht langsam bis an die Rampe, schneidet mit dem
               erhobenen Arm haarscharf den Foxtrott ab.

REGISSEUR: Der Wahnsinn ist ber Kean ausgebrochen. Die Billette zurck.
Ich schliee. Verzeihung.

             Ein Schrei aus der Loge der Wales und Koefeld.

REGISSEUR: Arbeiter. Chor. Die Bahre. Arzt. Den Arzt. _Bob hinkt herbei,
stt zweimal ins Horn._

BOB:

   Ich hab dich mehr geliebt. Dreiviertelsmann.
   Du Stmper. Vielgeschrei. Du warfst mich auf,
   da schlug dich Undank lahm. Angriff blieb schlecht.
   In Gromut Dilettant. Stop. Hier der Rest: knockout.


                        Schlu des vierten Akts.




                                AKT FNF


   Zimmer bei Kean. Zwei Ausgnge links. Ausgnge rechts. Aufmarschiert
   die vier Artisten: Viktor, Well, Gonsch, Kauka. Die Mitsufer
            Tom, David, Bardolph. Salomon aus dem Nebenraum.


                               SZENE EINS

SALOMON: Man mu schon irrsinnig zu sein im Geruch stehn, damit die
Menschen anstndig werden. Hilfe fr Gesunde erdenkt niemand. berall
steht der Verstand auf dem Kopf. Wr ich sonst Souffleur?

VIKTOR: Bob ist entschuldigt. Das Geld des Benefiz war zuviel. Er hing
sich auf.

SALOMON: Splendid. Ein Narr nahm den gewhnlichen Abgang.

GONSCH: Wir haben drauen abgelegt.

VIKTOR: Zehn Flaschen Pommard.

WELL: Zehn Flaschen Chambertain.

KAUKA: Fnf Flaschen Portwein.

GONSCH: Zwanzig Flaschen Sekt.

VIKTOR: Sieben Flaschen Haut Sauternes.

WELL: Zwanzig Flaschen Chteau Latour.

KAUKA: Zehn Flaschen Jules Bernin.

GONSCH: Eine kleine Tonne Whisky.

SALOMON: Das habt ihr gut hereingeschifft. Was soll der Herr damit?

TOM: Sechs Renntierschinken.

DAVID: Vierzig Kilo Honig.

BARDOLPH: Zehn groe Hummer.

SALOMON: Das habt ihr gut hereingesetzt. Ihr Trockenen. Ob ihr vom
Festen nicht aufs Nasse spekuliert?! Ihr Trinkerchen.

TOM: Wenn wir auch Hunde sind, saufen wir nicht aus Krankenkbeln. Was
sagt der Arzt?

DAVID: Wenn mich Gott in schweinige Versuchungen auch fhrt, bewahrt er
mich, aus dem Elend Vorteil zu ziehen. Wie gehts dem Herrn?

BARDOLPH: Wenn wir auch verdammt dickfellige Drme sind, kann nur ein
Dnndarm wie du meinen, da unsere nach Arznei lstern sind. Wie stehts
um die Gesundheit?

SALOMON: Den Arzt hat es bei der Diagnose durchs Bein gezuckt.
Handfester Wahnsinn. Man hlt Kean schwer ab, seine Hitzigkeit aus dem
Hirn in die Fuste laufen zu lassen. Schlimm. Ich rieche Attentate. Mein
Hals fhlt sich schon wie ein Korkzieher stranguliert. Da ich sein
Pfleger bin, mu ich bleiben.

DAVID: Er soll bei Gott das Bett nicht fiebrig verlassen. Gute
Gesundheit.

TOM: Ruhe und Eisbeutel aufs Hirn. Beste Besserung.

BARDOLPH: Die Hnde gefesselt. Meine Empfehlungen. _Alle drei exakt ab._

SALOMON: Der Herr ist in eine Krise gefahren, aus der er mit Donner und
Blitz wohl nicht herauskommt, sondern wohl etwas sanfter. Es ist Zeit,
aus den frhen Launen in den Sommer einzulaufen. Ich kann das
Hinundherreien nicht mit. Wenn ihr noch bleiben wollt, werdet ihr die
Konstables als Hundemeute anrcken sehen. Ich melde euch.

KAUKA _hlt ihn zurck_: Unntig. Unsere Gre gengen. Und das andere.
Wir sind schon oft fr andere gefangen worden. Bekam man die Hirsche
nicht, nahm man die Hasen. Ein Feigling, wer sich unntig in Gefahr
begibt. _Alle vier exakt ab._

SALOMON: Hier sitze ich. Mnch sollte von der Mutter her ich werden. Man
schlgt mich. Ich besorge die Geschfte. Habe ich nicht mehr Hirn wie
diese alle? Man tritt mich. Und ich fhle mich wohl. Sonderbarer Mensch
ich. _Singt_: Ach Gottsche, schenk mern Hambelmann, un e Kordel dezu,
da er zawwele kann. Und doch reicht meine ganze Hirnhaut nicht aus, zu
ahnen, wie dieser Tag ausgeht. Etwas Wichtiges mu fehlen bei mir. Au
Backe! Aber was?

KEAN _kommt aus dem Nebenraum, geht durchs Zimmer, ohne Salomon zu
beachten_.

SALOMON: Die Siegel sind entfernt. Die Schuld ausgelst.
Unbekannterweise.

KEAN: Das Gercht von meinem Wahnsinn luft weiter.

SALOMON: Ich frchte nur, da diejenigen, die es nachtrglich glauben
sollen, nicht von seiner Dauer zu berzeugen sind.

KEAN: Ich habe nicht das Gefhl, gestern ein vernunftbegabter Mensch
gewesen zu sein, da ich es bis gestern wahrscheinlich berhaupt nicht
war.

SALOMON: Dann mu Ihre Normalitt ihren Geburtstag mit Prozessen,
Kerkern, Verfahren beginnen.

KEAN: Kmmre dich um deinen Kopf. Man fllt nicht so heftig auf die
Rampe, ohne da man aus seinem Kostm herausrutscht. Die Listen?

SALOMON: Sind aufgelegt. Die Einzeichnung der Krankenbesuche gemischt.
Adel keiner. Brger wenig. Viel kleine Leute.

KEAN: Keine Frau? ... Nein ... Ich bin doch wahnsinnig.

SALOMON: Der Wagen steht immer noch an der Ecke. Sie knnen noch jetzt
fliehen. So gut wie vor zwei Stunden.

KEAN: Ich kann fliehen. Ich kann nicht fliehen. Ich bleibe da.

SALOMON: Seit Jahren der grte Skandal.

KEAN: Wtest du, wies in mir ausschaut, ttest du mir so keinen Pimpam
erzhlen.

SALOMON: Mit Monseigneur ist nicht mehr zu rechnen. Die letzte Barriere
fllt. Laufen Sie zu dem Wagen.

KEAN: Wenn du eine Ahnung httest, wie wenig ich mich etwas entziehen
will und wie sehr ich auf etwas warte.

SALOMON: Wenn Sie auf die Grfin warten, knnen Sie auch auf den Mond
warten.

KEAN: Aber du weit nicht, da ich warte, um etwas gutzumachen.

KONSTABLE _kommt, berreicht ein Blatt_: Mein Papier. _Salutiert._

KEAN: Es ist keine Zeit darauf.

KONSTABLE: Es gibt keine Zeit fr Verbrecher, sondern nur das Gesetz.

KEAN: So gibt es Zeit fr das Gesetz. Kannst du ihm nicht eine halbe
Stunde zuschieben?

KONSTABLE: Mein Papier verhaftet Sie auf der Stelle.

SALOMON: Aber das Abfhren hat Zeit bis nach Besichtigung der Rume,
Teller, Flaschen.

KONSTABLE: Bestechungsversuch. In deine Fresse zurck.

KEAN: Ich warte auf jemand. Steht der Zeiger auf Sieben-Gro, komme ich
mit. Mein Ehrenwort. Vielleicht kommt gar niemand.

KONSTABLE: Die Verhaftung ist geschehen. ber den Transport gibt es
keine Vorschrift. Also kommandiere ich diesen Fehler. Es hngt an mir.
Ich habe selten swinging blow so in mein Herz gehen sehen wie Ihren.
Knockout zum Kasperllachen. Sie sind mein Freund, Herr. Ich warte eine
halbe Stunde, auf Ihr Ehrenwort. Das habe ich nunmehr beschlossen. Ich
habe noch nie etwas zu beschlieen gehabt. _Ab. Salomon mit ihm._

KEAN: Eine halbe Stunde. _Geht durchs Zimmer._ Dann ist es aus.

SALOMON _zurck_: Die ... Grfin.

KEAN: Helne ...

SALOMON: Auf der Treppe.

KEAN: Rasch.

SALOMON: Da. _Verbeugt sich, hinaus._


                               SZENE ZWEI

KEAN: Helne.

DAISY _sich entschleiernd_: Ich.

KEAN: Was wollen Sie?

DAISY: Sie in eine Heilanstalt bringen, wenn Sie krank sind.

KEAN: Ich bin nicht krank.

DAISY: Dann will ich es bedauern, da Sie es waren.

KEAN: Sie sind rmer als ich.

DAISY: Irrtum. Seit gestern besitze ich mein Vermgen. Mein Vormund war
ein Betrger. Er ist entlarvt.

KEAN: Man darf Ihnen gute Verwendung wnschen.

DAISY: Ich habe alle Vorbereitungen getroffen.

KEAN: Sie reisen?

DAISY: Gezwungenermaen.

KEAN: Glckwnsche zu dem Zustand, der mir verweigert ist.

DAISY: Ich verstehe Sie nicht.

KEAN: Ich bin verhaftet.

DAISY: Irrtum. Sie sind frei.

KEAN: Sie haben den Konstable drauen gesehen.

DAISY: Ist widerrufen. Der neue Entscheid.

KEAN: In Ihren Hnden? Ausgefertigt?

DAISY _zgernd_: Von dem Staatsanwalt. Durch den Prinzen von Wales.

KEAN: Ich hasse ihn nicht mehr.

DAISY: Als Mittelmann gegen Mevil.

KEAN: Sie errten.

DAISY: Der wollte nicht nachgeben. Der Appell des Prinzen war
einflulos.

KEAN: Was taten Sie?

DAISY: Ich komme, mich von Ihnen verabschieden.

KEAN: Was taten Sie?

DAISY: Ich trat ihm die Mitgift ab.

KEAN: Sie haben ihn geheiratet.

DAISY: Unntig. Das Geld gengte.

KEAN: Die Hlfte Ihres Vermgens.

DAISY: Eine kleine Schuld der groen gegenber, die mein Leben Ihnen
schuldet.

KEAN: Und Sie reisen ...

DAISY: Um den Skandal zu verwischen. Lord Mevil zwang mich dazu. Ein
Pakt mit Mevil.

KEAN: Ich erkenne fr mich Ihre Handlungen nicht an.

DAISY: Damit werden Sie mich kompromittieren. Ich bin bereit.

KEAN: Sonderbar. Ich sagte Ihnen beim ersten Mal: Beweisen Sie mir, da
Sie etwas im Leben meistern, ich rede Ihnen dann zu, in meinen Beruf zu
springen. Heute kann ich es, aber ich stehe beschmt vor Ihnen.

DAISY: Da ich England verlasse ...

KEAN: Sie haben ein anderes Aussehen bekommen. Ich habe Sie nicht so
gekannt.

DAISY: Sie schulden mir nichts. Ich habe meine Ansicht in diesem Punkt
des Berufs gendert. Ich gab meinen Plan auf.

KEAN: Sind Sie mutlos geworden?

DAISY: Ich war nie entschlossener.

KEAN: Opfer zu bringen, die nicht anzunehmen ich entschlossen bin.
Weinen Sie nicht.

DAISY: Die Sie nicht von mir empfangen, sondern von der Vorsehung, die
Ihre Absichten damit klrt und die darum keine Opfer sind.

KEAN: Gestern htte ich das nicht verstanden. Heute ist es schon zu
weit. Es schmerzt mich, das zu sehen, was Sie tun und uern. Denn ich
habe es versumt.

DAISY: Ich habe nie daran gedacht, da eine Handlung anders als zu der
ihr bestimmten und richtigen Zeit kommen knne.

KEAN: Sie tuschen sich. Ich sah zum erstenmal, wie ungeheuer viel ein
Herz vermag, indem es sich schrankenlos preisgibt. Aber ich sehe es zu
spt.

DAISY: Ich verstehe Sie nicht.

KEAN: Weil Sie nicht wissen, welche Spanne mein Leben von gestern zu
heute durchmessen hat. Weil ich aus Enttuschungen und Eitelkeiten so
tief abgestrzt heute hinaufblicke, kann ich nicht wagen, erkennen zu
wollen, von wie hoch her Ihre Gte zu mir herunterkommt.

DAISY: Warum beschmen Sie in mir so sehr das, was ohne Absicht geschah?

KEAN: Htte ich frher erkannt, als ich zwar falsch, aber immerhin auf
der Hhe meines Lebens schweifte, welch unvergleichlicher Besitz mir nah
war, wre das eine groe und erhabene Entdeckung gewesen. Ich wre
glcklich gewesen. Da ich es jetzt erst sehe, wo ich verlassen,
schutzbedrftig und niedrig bin, nimmt mir vor mir jedes Recht, es zu
ergreifen. Ich wei, was ich verliere, denn ich verliere alles. Aber ich
kann mich dem nicht entziehen.

DAISY: Wenn ich nicht glaubte, trotzdem glcklich zu sein, mte ich
denken, da ich verflucht bin.

KEAN: Gehen Sie. Reisen Sie. Und denken Sie, da Sie einem Mann das
grte Glck geschenkt haben, indem Sie ihn zum ersten Male die ganze
Gre eines reinen Gefhls sehen lieen. Und vergessen Sie nicht, da
er, obwohl er zufriedener und klarer ist wie frher, aufs tiefste leidet
und nur die eine Bemhung kennt, sich Ihrer wrdig zu erweisen.

DAISY: Leben Sie wohl.

SALOMON: Die Grfin. _Zieht die Tr hinter sich zu._

KEAN: Ich will sie jetzt nicht mehr sehen.

DAISY: Ich stehe, auch hierin, nicht im Wege. Lassen Sie sie eintreten.
Ich bitte darum.

KEAN _zgernd, dann_: Warten Sie hier. _ffnet Daisy das eine
Seitenkabinet._

HELENE _eintretend, mit groer Bewegung sich entschleiernd, sie ist
verkleidet_: Sie haben verloren. Die Einstze zurck.

KEAN: Ich habe eine Torheit begangen, die ich aber in einem gewissen
Sinne loben mu, so sehr es Sie krnken mute.

HELENE: Nur Besessenes, was man verliert, krnkt. Der milungene Versuch
platzt in die Luft.

KEAN: Was kann ich tun, Ihre Verzeihung zu erlangen?

HELENE: Unntig von mir. Ich bin ohne Zorn. Ich ordne die Dinge exakt.
Das Medaillon.

KEAN: Hier.

HELENE: Die Dose.

KEAN: Hier.

HELENE: Der Ring.

KEAN: Hier.

HELENE: Ohne Widerspruch. Gut. Die Partie ist ausgeglichen. Die Pfnder
eingesammelt. Leben Sie wohl.

KEAN: Sie ziehen die Summen. Ich aber mchte Ihre Verzeihung erlangen
... dafr ...

HELENE: Die Trks sind ausgespielt.

KEAN: Verzeihung ... dafr, ... da ich Sie nie geliebt habe.

HELENE: Deshalb verloren Sie. Aus keinem anderen Grund. Glauben Sie zu
anderem Zweck als der Erforschung dieser Sache willen hatte ich den Pakt
abgeschlossen?

KEAN: Ich will Sie nicht krnken ...

HELENE: O, es war Gre schon um Sie, als ich Sie sah.

KEAN: Es war Eitelkeit.

HELENE: Gemischt. Mich reizte, zu was Ihr Wesen sich entschlsse. Sie
kamen und plaidierten fr die armselige Verfolgte und warfen mir in der
gleichen Sekunde Ihre Leidenschaft ins Gesicht. Beides war echt. Ich
setzte mich ein, es zu lsen. Meine Liebe. Ich habe alles an diese Frage
gesetzt. Nicht ich verlor. Sie verloren. Ich riskierte nur alles.

KEAN: Ich habe gewonnen ...

HELENE: Vielleicht. Sicher nicht hier.

KEAN: Hier ward nur gesetzt. Nur gespielt. Pointiert. Nicht geopfert.

HELENE: Verstanden Sie das damals so gut? Habe ich das nicht? Habe ich
nicht vielleicht Sie geopfert? Wissen Sie denn, ob ich Sie nicht dennoch
mehr liebte, als Sie ahnen, und da ich dieses Gefhl hingab dem,
grere Klarheit zu erreichen. Mein Herz ist kein Mdchen und durch
Enttuschungen zu groer Art gegangen, einem Gatten an die Seite
gegeben, der es weder an Hhe versteht noch an Tiefe und es durch
Teilnahmlosigkeit tglich krnkt und beleidigt. Ich habe nach dieser
Seite keinen Sinn fr das Wort Pflicht, wo sie mir tglich gebrochen
wird, aber ich habe nach der anderen Seite noch weniger Gefhl fr das
Uferlose. Was ist Leidenschaft am Ende? Ein Nichts. Mu man nicht khl
sein, je wilder man erlebt, distanzierter, je zerhackter man ist aus
Leidenschaft? Sie haben das nie gewut. Ich suchte Weisheit ber dem
Blut. Sie gaben, was ich verachte, Skandal. Ich suchte Opferung, bereit
dann selbst zu jedem Opfer. Ich fand ein zerrissenes, unbeherrschtes
Dasein. Ich habe keine Lust an brgerlichen Sensationen. Ich ziehe es
vor, meine Wege zu beherrschen. Ich kalkuliere mir das Schicksal.

KEAN: Ich habe verloren.

HELENE: Da Sie es einsehen, beweist eine Erschtterung. Zeigt eine
Erkenntnis. Also haben Sie dennoch gewonnen. Hier aber zu spt.

KEAN: Ich habe vor Ihnen vorhin etwas Kurioses erblickt, das
Grenzenloseste, Grfin: ein schlichtes, einfaches Herz.

HELENE: Erkenntnis marschiert auf vielen Wegen. Ich stellte das
Wagespiel ein zwischen Ihrer berlegenen Gte, die ich ahnte, und Ihrer
Zerrissenheit, die ich sah. Es schlug nicht zu mir aus. Aber es schlug
aus. Traf es nach anderen hin, bedeutet es Bindung Ihrer Krfte. Ich
wnsche Glck. Ich bin neidlos. Zersplittern ist Unfug. Konzentration
alles. Liebe nur ein Augenblick. Ein gebndigtes Herz hat keine Pause.

KEAN: Welche Schuld habe ich gegen Sie!

HELENE: Keine. Sie lieben Ihre Eitelkeit nicht mehr, die sich allein
vielleicht verging.

KEAN: Habe ich so blind gelebt, nichts geschaut, alles versumt?

HELENE: Kein sentimentales Schauspiel. Sie werden nun wohl, wenn Sie
besser zu sehen verstehen, der Gre, die Sie auf der Rampe spielten,
die des Menschen hinzufgen. Mein Spiel ist aus. Sie spielen mit andern.

KEAN: Und Sie?

HELENE: Meine Vorbereitungen sind gelegt.

KEAN: Sie entschieden sich ...

HELENE: Die Dinge entscheiden sich. Ich entscheide mich mit ihnen.
Irrtum, da irgendeine Entscheidung bei uns liegt. Man geht mit den
Mglichkeiten und beherrscht sie, indem man in ihre Kurven nicht
eingreift. Was heute ich liebe, ist in einem halben Jahr vielleicht
taub. Verlangen Sie Garantien der Seele vom Leben? Ich nicht. Liebten
Sie mich mit Holzbein, ich Sie ohne Magen? Unausdenkbar. Die Partie
hatte zwei Seiten.

KEAN: Ich schied aus. Wales blieb.

HELENE: Der Fcher ist gedeckt. Die Endposten sind erreicht. Ich war nur
Zuschauer. Was blieb, hatte recht. Das eine versagte. Das andere
lchelte, als ich es ansah. Ich habe mich fr die Macht entschieden.

KEAN: Welche Khnheit. Soviel kann Erfolg bedeuten!

HELENE: So kommt von selbst zu mir, was ich brauche. Ohne Bemhung. Sie
werden es schmerzlos sehen.

SALOMON _drauen_: Unmglich. Ich verbiete. Ich hindere Sie.

KEAN _rasch die Tr des zweiten Kabinets ffnend_: Einen Augenblick.
Hier. Eilen Sie.

HELENE _berlegen, betont_: Keine Angst um mich. Ich bin in guten
Hnden.

SALOMON _drauen_: Zurck. Achtung. Das haut. Schreit. _Tr auf. Graf
Koefeld tritt ruhig ein._


                               SZENE DREI

KEAN: Ich hielt Sie fr den Konstable.

GRAF KOEFELD: Es gibt drei Dinge, die auf meinem Inneren geschrieben
stehn wie auf Bronze: Pflicht, Frauenehre, Knig.

KEAN: Ziehn Sie daraus ein Recht, bei mir einzubrechen?

GRAF KOEFELD: Kennen Sie diesen Fcher?

KEAN: Ich kenne fnf dieser Sorte, die Monseigneur verschenkte.

GRAF KOEFELD: Ich fand ihn in Ihrer Loge.

KEAN: Sie werden an die Adresse des Prinzen von Wales sich zu wenden
haben, wenn Sie keine Entschuldigung hier anzubringen haben, da Sie ihn
bei mir raubten.

GRAF KOEFELD: Monseigeur. Welche Adresse. Danke. Verzeihung.
Kontrollierbar. Jedoch ...

KEAN: Fassen Sie sich kurz.

GRAF KOEFELD: Meine Frau wird berwacht. In meinem Auftrag. Die
Kontrolleure flitzen. Sie ist hier.

KEAN: Knigliche Pflicht, Frauenehre mit Detektivs zu schtzen.

GRAF KOEFELD: Schweigen Sie. Die Kontrolle ist hier am Ort mglich.
Dieses Mal ist sie sicher. Ich werde Ihre Rume ansehn. Ist die
Besichtigung frei?

KEAN: Ich frchte, ich verstehe Sie nicht.

GRAF KOEFELD: Sieben Schlachten. Eine Belagerung. Meine Auszeichnungen
die hchsten. Herr, ist die Besichtigung frei?

KEAN: Nein.

GRAF KOEFELD: Dann akzeptieren Sie meine Forderung. Zehn Meter Abstand.
Kugelwechsel bis zum Schlu. Ich schiee zuerst.

KEAN: Einen Narren weist man hinaus. Ich lute.

GRAF KOEFELD: Sie akzeptieren nicht?

KEAN: Bin ich verrckt?

GRAF KOEFELD: Ich erinnere Sie daran. Man wird Sie feig nennen.

KEAN: Kein Teufel glaubt das.

GRAF KOEFELD: Die Pflicht des Kavaliers, Ihres Verkehrs, Ihrer
Mnnlichkeit. Waren Sie nie Soldat? Des Knigs Rock, Herr. Ihre Ehre?

KEAN: Steht in meiner Brust.

GRAF KOEFELD: Wenn Sie die Beleidigung nicht shnen und schieen, bin
ich gentigt, mich zu erschieen. Ich htte anderen Soldatentod
gewnscht. Herr, ich bitte dringend, herzlich: nehmen Sie die Forderung
an.

KEAN: Habe ich Sie denn gekrnkt?

GRAF KOEFELD: Sie weigern die Besichtigung. Passage ist nicht frei. Dann
bleibt nur ein Ausweg vorher. Ich schiee Sie zusammen. _Zielt._

KEAN: Gut.

GRAF KOEFELD: Verlassen Sie die Tr. Ich warne. Eins, zwei ... _Die Tr
geht auf, Daisy heraus. Auer sich._

DAISY: Ich bin seine Geliebte. Gehen Sie, Herr.

KEAN: Was tun Sie?

GRAF KOEFELD _mit dem Rcken nach der Tr ab_: Verzeihung, Gnade,
Gndigste. Eine ungeahnte Bestrzung. Ich bin berrascht. Ich stehe,
beschmt, in allem zur Verfgung.

KEAN: Ich zrne Ihnen nicht.

DAISY _Hnde vor das Gesicht werfend_: Nun bleibt nur noch ein Weg.
_Strzt, fassungslos, nach dem Fenster._

KEAN _ihr nach_: Gott, Gott, halten Sie. Daisy, Daisy. _Fat sie, trgt
sie zurck._

DAISY: Warum haben Sie das getan?

KEAN: Du wolltest dich tten, Bse. Ich liebe dich doch. Ich liebe dich
doch.

DAISY: Sie haben mich eben noch zurckgestoen.

KEAN: Kann man so vielem widerstehen?

DAISY: Sie bereilen sich. Sie bereilen Ihr Herz.

KEAN: Nicht mehr. Was ist das Stckchen Stolz, das sich gegen dich
wehrte, gegen dieses Ma an Stolz, das du ohne Bedenken verschwendest.

DAISY: Was habe ich denn getan?

KEAN: Da ich dein Herz an meine Brust schlagen hre. Ich bin zu Haus.
Das ist alles.

DAISY: Was hast du an mir?

KEAN: Ich mu offen sein, um mein Leben zu erzhlen. Ich habe nach einer
Jugend, von der ich nicht reden will, die Mglichkeit gehabt, alles zu
besitzen, was gelobt wird. Ich lebte wie ein Herr und nahm glubig
alles, was Glck zu sein schien. Ich habe an Frauen kein geringes Teil
meines Lebens gehngt und in guten Schlssern bernachtet und Fische in
Parks gefangen und mit den besten Leuten meiner Rasse Verkehr gehabt.
Ich habe dies nur fr einen Teil des Lebens gehalten und nicht zu hoch
geschtzt und habe in Kaschemmen geschlafen und keines niederen Menschen
Los nicht auch geteilt. Es kam mir zu, da ich glaubte, das Leben zu
kennen, denn ich war wohl tapfer und auch feig, das wute ich, sondern
auch klug und tricht. Ich befahl und richtete sowohl, als ich unterwarf
mich und wurde geschmht. So konnte nicht fehlen, da ich mir dachte,
da ich das Leben kenne und es auch umspanne, ja ich htte vielleicht
gedacht in manchen Minuten, da ich weiser sei als viele, ohne dabei zu
denken, da ich Hochmut treibe. Aber ich habe sicher nie gewut, was an
Glck das Dasein zu geben vermge, denn ich habe die Gelegenheit, da es
der Probe nicht gewachsen ist. Es mute das Seltsame sich ereignen, da
mir das Ganze leblos aus der Hand fllt, und da ich, von der Reinheit
der Absichten eines Menschen erschttert, von solchen Schlgen getroffen
dastehe, da alles um mich herum wie unter Gewittern fllt.

DAISY: Ich habe nichts Besonderes getan.

KEAN: Als du kamst und mir sagtest, an mir wrest du aufgerichtet und
vertrauend auf die Wahrheit geworden, irrtest du. Das Umgekehrte hat das
Recht. Nicht du an mir, sondern ich an dir, ich ward an soviel Hingabe
erst sehend und glubig.

DAISY: Willst du dieser Frau nicht die Tr ffnen, damit du nicht mehr
die Unwahrheit zu sagen brauchst, wenn nach ihr gefragt wird?

KEAN: Glaubst du nicht, es sei edelmtiger, durch Lge zu retten, statt
mit der Wahrheit zu vernichten?

DAISY: Ich glaube, da eine Lge selbst in diesem Falle nicht zum Besten
fhren kann. Man lehrte uns im Kloster, da wir nicht gezwungen seien,
die Wahrheit zu sagen, da wir aber nie lgen drften.

KEAN: Ich werde dein Schler sein. Man mu alles neu anfangen. Nimm die
Fhrung. Ich habe zu viel gefhrt, um die Irrtmer nicht zu sehen. Der
Rest war Einsamkeit. Ich folge dir, weil ich dich liebe. _ffnet die
Tr, ruft_: Leer ... das Zimmer ... das Fenster auf ...

DAISY _luft hin, hinein, zurck_: Ahnte ich es? Tot? Meine Schuld.
Meine Strafe, weil ich log, ich sei deine Geliebte. Bin ich verflucht?
Ich bin doch verflucht.

KEAN: Durch das Fenster ... Fa dich. Sie ist entflohen.

DAISY: Und unten?

KEAN: Wer nicht gefhrt wird -- die Themse.

DAISY: Meinen Weg. Sie hat dich mehr geliebt wie mich.

KEAN: Das weit du nicht. Das ist unmglich.


                               SZENE VIER

KONSTABLE _erscheint, die Uhr in der Hand_: Der Zeiger ist auf Sieben
eingetroffen. Sieben-Gro. Das Ehrenwort ist fllig. Die Verhaftung ist
gltig seit einer halben Stunde. Eine halbe Stunde spter setzt der
Transport ein. Marsch.

DAISY: Er ist frei.

KONSTABLE: Ich habe keine Benachrichtigung. Hier ist mein Blatt nur
gltig, wenn kein anderes auf vorgeschriebenem Weg in meine Hand kommt.
Nichts ist widerrufen. Amtlich. Folgen Sie.

KEAN: Sehen Sie nicht. Ein Mensch ist verschwunden. Ist in die Themse
geraten. Sie sind verrckt. Helfen Sie.

KONSTABLE: Ich habe einmal einen Beschlu zu fassen gehabt in meinem
Leben. Den habe ich heute entschieden. Eine halbe Stunde
Transportaufschub. Respekt vor der Tterei um Sie herum. Respekt vor
Serien. Aber glauben Sie, das hlt meinen Beschlu auf? Widersetzen Sie
sich nicht. Mein eines Auge weint, wenn ich Sie rauh anfasse, denn ich
sah nie einen boxen so schn. Splendid.

DAISY: Hier ... das Papier.

SALOMON _hereinspringend_: Dann schlag ich dich zusammen. Vielleicht hat
mir ein Mord gefehlt, um dieses Leben zu kapieren.

KONSTABLE: Ich kenne nur amtliche Papiere. An mich adressiert. Andres
existiert nicht. Was das Boxen betrifft, Herr, bin ich nur unparteiisch.
Time-keeper. Ich verhafte dich mit.

PRINZ VON WALES _erscheint, spricht dauernd, unbeweglich, sehr laut_:
Hinaus, Konstable. Du auch. _Salomon und Konstable verschwinden._ Mein
Frulein Daisy Miller. Herr Kean. _Er verbeugt sich._ Sie, Herr,
erwarten Strafe und Zorn. Meine Einsicht hat keinen Grund, Sie aus dem
Gesetz zu reien. Meine Freundschaft bergibt die Dinge einer milderen
Prfung. Sie gehen an einen Ort des Gebirgs oder ein Tal der Landschaft,
wo in der freieren Luft der Natur sich Ihr Sinn erholt, bis Sie mein
Wort zurckruft. Gehen Sie.

KEAN: Monseigneur, es ist ein grauenhaftes Geschick ereignet.

PRINZ VON WALES: Was kann Ihnen bekannt, mir unbekannt sein?

KEAN: Migen Sie Ihre Milde. Halten Sie Ihren Gromut zurck, damit Sie
ihn nicht zurckzurufen brauchen.

PRINZ VON WALES: Maen Sie sich keine Korrekturen an. So stehen Sie
nicht da, selbst wenn ich Sie auf den Boden des Vergessens
heraufgestellt habe, da Sie nrgeln drfen an dem, was ich rede und was
das Recht in meinen Entschlssen ist.

KEAN: So werden Sie hren, da die Dame, deren Namen ich laut nicht zu
sagen wage, durch dieses Fenster verschwunden ist. Es fhrt in die
Themse. Ich stehe hier in der Bitte und Erwartung, da keine Strafe zu
klein sei, auf mich zu fallen.

PRINZ VON WALES: Schwrmer.

KEAN: Verfgen Sie ber mich. Ich bin zu sehr zerborsten, da nur Strafe
mich befriedigen kann.

PRINZ VON WALES: Sie lebt.

KEAN: Unmglich.

PRINZ VON WALES: Sie fhrt im Wagen eben durch die Stadt.

KEAN: Wie kann sie das?

PRINZ VON WALES: Durch mich. Durch meine Leute. Meinen Befehl. Durch
meine Leiter, mein Boot, meine Voraussicht. Meine Hand war um sie, von
Anfang an.

KEAN: Sie haben mich erlst. Ich beuge mich. Ich habe sehr verloren. Ich
erkenne Ihren Sieg an, neidlos. Es ist Zeit, da wir zur Ruhe kommen, um
den Anfang gut weiter zu fhren. _Zu Daisy_: Denn ich habe ein Herz
entdeckt.

PRINZ VON WALES _fast herrisch_: Schauen Sie mir in das Gesicht. Lassen
Sie die Pupille nicht von meiner. Dann wissen Sie, Herr, da Sie den
bedeutenderen Sieg errungen haben. Da Sie am Beginn einer greren
Weisheit stehen. Ich neige mich. Verlassen Sie die Stadt. Man wird Sie
als einen anders Gewordenen zurckrufen. Entfernen Sie sich mit Eile aus
dem Umkreis. Gehen Sie. Ich wnsche nicht, das Sie etwas hinzufgen.


                        Schlu des fnften Akts.




                       PERSNLICHES ALS NACHWORT


Das Schauspiel mein Stck zu nennen, ist vielleicht khn, aber nicht
ohne Berechtigung, wenn es nicht noch toller wre und nicht ohne
Torheit, es eines von Dumas zu nennen. Dumas ist ein verteufelt armes
Luder, weil er tot ist, und ich habe keinen Orgueil an der Frage. Man
kann auf ihr wie eine schne Frau auf einem Dagobert die gewagtesten
Positionen einnehmen. Ich berlasse die Lsung meinen kleinen Feinden,
die mir seine Fehler vorzuwerfen nicht ermatten werden und auch mit
Sicherheit bereit sind, meine Vorzge in sein Talent zu jonglieren.

Was mich an dem Schmarrn des Franzosen reizte, war das Genialische, das
auch im Kitsch noch zuckt als Geste und Kerl und Blut. Ich hatte
wahrlich nicht den Ehrgeiz, mich von dem Schmi der Sache zu einer neuen
Sache locken zu lassen, da ich ja die Freiheit und Mglichkeit wohl
htte, von mir selbst mich zu allen mglichen Stcken reizen zu lassen,
und ich hatte keineswegs die Lust, den Franzosen zu schlucken, sondern
die Absicht, ihn zu vervollkommnen und diesen verruchtesten und
geliebten Reier zu einem neuen Stck von Haltung zu machen. Es ging
weniger um die Polierung, eher um das Fundament, und gewi nicht um eine
Bearbeitung, sondern bestimmt nur um Theater und um sicher besseres
Theater, als in zehn dnnseeligen Geiststcken meiner immer abstrakter
vom Blut wegwandernden Generation.

Der europische Gascogner hatte sich die Sache leicht gemacht, wute
prcher pour sa paroisse und sagte umgekehrt wie die Englischen gern
Baumwolle, wenn er Jesus meinte, was Heine nicht in seiner Begeisterung
strte, als in der Hauptrolle Frdrik Lematre dem romanischen Sketsch
am einunddreiigsten August Achtzehnhundertsechsunddreiig im Thtre
des Varits vor den Untertanen einer demokratisierenden Bourgeoisie und
vor verprgelten Aristokraten die Weltrichtung gab ... und Dumas damit
aus dem Gekrisch literarischer Diebsthle herausri, in das ihn
Gardisten seines lchelnden Freundes Victor Hugo gewickelt hatten.
Damals wars rassiger Bluff. Heut ist die Innerlichkeitssubstanz
Geschwtz und Geplausch. Zwischen die (wundervollen) Trks mu nun Seele
hineinschmettern. Es mssen Menschen dahin, wo er Dramatisches suchte
und Effekte fand, es darf Wahrheit dort sein, wo er gaunerte und
Glissandos machte. Wo er gallisch krhte, mu Schicksal hinein.

Denn schlielich handelt es sich darum, da dieses funny animal, dieser
tolle Bursche, Kean, nicht aus Unordnung schlampig, sondern aus
elementaren Leidenschaften ungesammelt ist. Da es nicht auf das Kostm
ankommt, sondern auf dies Exemplar von Menschen, nicht auf die
Verwirrungen, sondern auf die Dmonie. Da es von Bedeutung ist, da die
Backfische und Mondnen und Kokotten des franzsischen Theaters nicht
aus Bleichsucht gtig und aus Hurerei lasziv und aus Neugier
abenteuerlich sind, sondern da sie aus Gte konsequent und aus
Lebenskenntnis tragisch und aus Enttuschungen berlegen scheinen. Und
da schlielich nicht bei sentimentalen Saucen verblieben, sondern
wahrhaftig zu festeren Ergebnissen fortgeschritten werden mu. Alles
andere ist Unsinn. Das ist der Weg der Operation.

Der Weg, der keinen anderen Ehrgeiz der Exkursion kannte als den
handwerklichen zum sachlichen Theater in einer theaterlosen Zeit, schob
in alle Kurven eine amsante Grenze. Man erblickte stets die Neigung,
den alten Faiseur des Genialischen mit einer schonen Brskheit aus dem
Wagen zu schmeien, aber man behielt ihn mit Respekt und lchelnd bei.
Die Fahrt erhielt eine seltsame Mischung von Gefahr und Grazie, von
Respekt und Tragdie, von Fatum und Causerie.

Man spiele daher in den Untergrnden, ohne die Eleganz zu verletzen. Man
spiele ganz modern, aber zeitlos. Man boxe und morde exakt, mit
Kenntnis, aber nicht ohne Verstndnis fr die Not der Herzen. Man spiele
schlielich mit voller Aktualitt, aber durch Stilisiertes ins Breitere
der Gefhlsvorgnge gedmpft. Momentan, aber nicht salonhaft. Tragisch,
aber mit Verschweben. Scharf, rasch, nicht ohne viel Graziles und mit
bedeutender Phantasie.

Kreuzeckhaus, Februar 1921.

                                                      KASIMIR EDSCHMID


                             Manuldruck der
                       Spamerschen Buchdruckerei
                                Leipzig


                                  Von
                            KASIMIR EDSCHMID
                              erschienen:


                            BEI ERICH REISS

             BER DEN EXPRESSIONISMUS IN DER LITERATUR UND
                             DIE NEUE DICHTUNG


                             BEI KURT WOLFF

                          DIE SECHS MNDUNGEN
                                NOVELLEN

                           DAS RASENDE LEBEN
                                NOVELLEN

                                 TIMUR
                                NOVELLEN


                           BEI PAUL CASSIRER

                              DIE FRSTIN
                                NOVELLEN

                        DIE DOPPELKPFIGE NYMPHE
             AUFSTZE BER DIE LITERATUR UND DIE GEGENWART

                          DIE ACHATNEN KUGELN
                                 ROMAN


                     Anmerkungen zur Transkription

Verlagsanzeigen wurden vom Beginn des Buches and das Ende verschoben.

Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigert. Weitere
nderungen sind hier aufgefhrt (vorher/nachher):

   [S. 21]:
   ... JNGLING: Hast du ihn nicht gefhrlich eingeheizt? ...
   ... JNGLING: Hast du ihm nicht gefhrlich eingeheizt? ...

   [S. 22]:
   ... ruschte Kean seine Stimme in den Magen. Er spie. ...
   ... rutschte Kean seine Stimme in den Magen. Er spie. ...

   [S. 30]:
   ... nicht in sechs Teile auseinander? Seltsame Spe reifen mein
       Dasein ...
   ... nicht in sechs Teile auseinander? Seltsame Spe reien mein
       Dasein ...

   [S. 32]:
   ... Ende des zweiten Akts. ...
   ... Schlu des zweiten Akts. ...






End of the Project Gutenberg EBook of Kean, by Kasimir Edschmid

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