The Project Gutenberg EBook of Das lebende Lichtbild, by Franz Paul Liesegang

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Title: Das lebende Lichtbild
       Entwicklung, Wesen und Bedeutung des Kinematographen

Author: Franz Paul Liesegang

Release Date: December 11, 2017 [EBook #56164]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS LEBENDE LICHTBILD ***




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                           _Das
                     lebende Lichtbild_


                        _Entwicklung
                    Wesen und Bedeutung
                            des
                      Kinematographen_


                  _Von F. Paul Liesegang_


      _Mit 53 Abbildungen, Modellen fr Wunderscheibe,
             Lebensrad und Malteserkreuz sowie
                 mit Taschen-Kinematograph_


                _Ed. Liesegang, Dsseldorf_
                           _1910_




Dieses Heft stellt mit den Figuren oben rechts einen
Taschenkinematograph dar.

Um ihn in Betrieb zu setzen, biege man die Bltter mit dem Daumen der
rechten Hand zurck und lasse sie durchgleiten, soda sie rasch
nacheinander umschlagen. Das Abblttern geht besser vonstatten, wenn man
die Seiten (ohne Umschlag) mit der linken Hand oben, kurz hinter den
Bildern, zusammenkneift.




  [Illustration: Fig. 30. Fig. 31.

                 Fig. 32. Fig. 33.

      Malteserkreuz-Modell zum Ausschneiden. Anweisung Seite 28.]

  [Illustration: Fig. 2. Wunderscheibe zum Ausschneiden. Anweisung
                 Seite 6.]

  [Illustration: Fig. 5. Lebensrad zum Ausschneiden. Anweisung Seite 8.]




  [Illustration: Rckseite Fig. 2.]




                    Das lebende Lichtbild


              Entwicklung, Wesen und Bedeutung
                     des Kinematographen


                  =Von =F. Paul Liesegang=


  [Illustration: Dekoration]


         ED. LIESEGANG'S VERLAG M. EGER, LEIPZIG

                           1910




Inhaltsbersicht.

(Die beigefgten Zahlen bezeichnen die Seiten.)


  =Vorwort=                                                             3

  =Die Entwicklung des Kinematographen=                                 5

    Einleitung (5). -- Die Wunderscheibe und die Geschichte
    ihrer Erfindung (6). -- Das Lebensrad (Stroboskop, Phenakistiskop)
    (7). -- Die Wundertrommel (9). -- Taschenkinematograph und
    Mutoskop (9). -- Verbindung von Lebensrad und Lichtbilderapparat
    (10). -- Die Anfnge der Bewegungsphotographie (11). --
    Herstellung der ersten Reihenaufnahmen durch Muybridge (12). --
    Frderung der Reihenphotographie durch Anschtz (13). -- Marey,
    der Begrnder der modernen Kinematographie (14). -- Ausbau
    der modernen Kinematographie (16). --

  =Wesen und Wirkungsweise des Kinematographen=                        17

    Wirkungsweise des Aufnahme-Apparates (17). -- Das Filmband
    und seine Fertigstellung (18). -- Wirkungsweise des
    kinematographischen Wiedergabe-Apparates (19). -- Das Flimmern
    und die Mittel zur Behebung (23). -- Konstruktion des
    Transport-Mechanismus (26). -- Die Malteserkreuz-Einrichtung
    (27). -- Andere Bewegungsmechanismen (29). -- Kinematographen
    mit gleichmig laufendem Filmband (30). -- Ausstattung des
    Kinematograph-Mechanismus (31). -- Der Aufnahme-Apparat (32). --

  =Das kinematographische Aufnahme-Verfahren=                          33

    Wie man mit der Aufnahme-Kamera arbeitet (33). --
    Aufnahme-Ateliers (34). -- Lebensgeschichte des
    Kinematographenfilm (34). -- Wie die Trickfilms hergestellt
    werden (39). --

  =Die Bedeutung des Kinematographen=                                  43

    Der Kinematograph als Forscher und Lehrer (43). -- Macht
    der kinematographischen Darstellung (43). -- Das
    Kinematographen-Theater (44). -- Das Tonbild (44). --
    Fehlerhafte Erscheinungen (46). -- Das lebende Lichtbild
    in Schule und Vortragssaal (47). -- Was es an lehrhaften
    Films gibt (48). -- Kinematographische Aufnahmen fr
    Kunstschulen (49). -- Der Kinematographenfilm als
    geschichtliche Urkunde (49). -- Das lebende Lichtbild
    im Dienste der Reklame (50). -- Der Kinematograph in der
    Wissenschaft (50). -- Wirtschaftliche Bedeutung des
    Kinematographen (54). --




Vorwort.


Gelegentlich verschiedener kleinerer und grerer Vortrge, die ich ber
die Kinematographie hielt -- auf der 80. Naturforscher-Versammlung in
Cln, in den Naturwissenschaftlichen Vereinen zu Dsseldorf und Krefeld,
im Gewerbe-Verein zu Essen, auf dem 41. Verbandstag der
Rheinisch-Westflischen Bildungsvereine zu Wesel, im Knstlerverein
Malkasten und in der Aula der Luisenschule zu Dsseldorf -- machte ich
die Beobachtung, da in weiten Kreisen ein reges Interesse fr dieses
Gebiet herrscht. Und wer auch nur einmal die lebenden Lichtbilder
gesehen hat und etwas Sinn fr die Natur der Dinge besitzt, wird
fragen: wie kommt die wunderbare Wirkung zustande, wer ist der Erfinder?

Der Gedanke, es mchten ihrer viele sein, die eine kurze Beantwortung
dieser Frage wnschen, veranlate mich, den Inhalt meiner Vortrge,
teilweise ergnzt, in vorliegender Schrift niederzulegen. Ich war mir
dabei bewut, da hier die Aufgabe, den Gegenstand verstndlich zu
machen, ungleich schwieriger war: beim Vortrage konnte ich alles
demonstrieren -- ich konnte Wunderscheibe, Lebensrad, Projektionsmodell
des Malteserkreuzes und Kinematograph selbst vorfhren, whrend ich hier
auf den toten Buchstaben und die flache Buchillustration angewiesen bin.
Meinem Wunsche, wenigstens einiges Anschauungsmaterial beizugeben, kam
nun der glckliche Umstand zu Hilfe, da sich verschiedenes aus den
Abbildungen selbst leicht herstellen lt: der Leser braucht nur die
Figuren der Tafel auszuschneiden und mit Schnur zu versehen bezw.
anzuheften, dann hat er Wunderscheibe, Lebensrad und
Malteserkreuz-Modell. Einen Taschenkinematograph stellt das Heft, so wie
es ist, selbst dar. Auerdem ist ein kleines Stckchen Film beigefgt.

Bei dem kleinen Umfange der Schrift konnte nur ein gedrngter berblick
ber das Gesamtgebiet der Kinematographie gegeben werden. Nheres ber
die Konstruktions-Anordnungen und ber die technische Seite berhaupt
findet man in meinem Handbuch der praktischen Kinematographie, whrend
ich die Geschichte der Kinematographie in einer besonderen Arbeit
eingehend behandele.

Um ein gutes Illustrationsmaterial zu bieten, lie ich die Klischees mit
einigen Ausnahmen als Holzschnitte neu anfertigen, und zwar zum Teil
nach den Originalabbildungen oder nach besonders entworfenen
Zeichnungen. Verschiedenen Verlegern und Autoren habe ich fr die
bereitwillig erteilte Reproduktions-Genehmigung zu danken: Herr Hofrat
Professor Dr. Eder in Wien und der Verlag von Wilh. Knapp in Halle a. S.
gestatteten die Wiedergabe zweier Portrts aus Eder's Geschichte der
Photographie, die Firma Lon Gaumont in Paris und die dortige
Zeitschrift L'Illustration die Reproduktion mehrerer Filmbilder, die
Urban-Trading Co. in London die Einfgung eines Bildes aus ihrem
Betriebe, Professor Demeny berlie mir eine Aufnahme, womit ich seine
Photographie der Sprache illustrieren konnte.

     =Dsseldorf=, Dezember 1909.

                                                   =Der Verfasser.=

  [Sidenote: Illustration

  Dies Bild stellt in Verbindung mit den folgenden einen
  Taschenkinematograph dar.]




Die Entwicklung des Kinematographen.


_Einleitung._

Die wunderbare Wirkung der kinematographischen Lichtbilder beruht auf
einer Tuschung unseres Auges. Was uns da auf der weien Wand gezeigt
wird, ist in Wirklichkeit eine groe Reihe einzelner Bilder, die den
Gegenstand oder die Szene in immer neuen Momenten einer Bewegung
wiedergeben und die mit sehr groer Geschwindigkeit aufeinander folgen.
Wenn sich nun in unserem Auge die vielen Einzelbilder zu einem einzigen
lebenden Bilde zusammensetzen, so wird das bewirkt durch die Dauer des
Lichteindruckes. Unser Auge lt nmlich einen Eindruck, den es
empfangen hat, nicht sofort wieder fahren, hlt ihn vielmehr eine
gewisse Zeit fest, allerdings nur den Bruchteil einer Sekunde.
Infolgedessen werden sehr rasch aufeinander folgende Eindrcke
ineinander verschwimmen.

Diese Eigenschaft des Auges knnen wir im tglichen Leben beobachten.
Ihnen wird das folgende Experiment bekannt sein; sonst ist es leicht
anzustellen. Wenn man im Dunkeln ein glimmendes Streichholz (also eines
von der schlechten Sorte!) hinreichend rasch umherschwingt, so sieht man
nicht -- wie man annehmen sollte -- einen sich weiter bewegenden
leuchtenden Punkt, sondern einen feurigen Kreis.

  [Illustration: Fig. 1. Versuch zur Bestimmung der Dauer des
  Lichteindruckes.]

Genauere Untersuchungen hierber wurden zuerst angestellt von Ritter
d'Arcy im Jahre 1765. Er schwang ein Stck glhender Kohle im Kreise
herum mit zunehmender Geschwindigkeit. Nun kommt ein Moment, wo der
leuchtende Kreis grade geschlossen ist. Dann wissen wir: der
Lichteindruck an einer Stelle, z. B. A in Figur 1, wirkt genau so lange
Zeit nach, als die Kohle fr eine Umdrehung braucht. Arcy fand auf diese
Weise, da die Dauer des Lichteindrucks im Auge ungefhr 1/8 Sekunde
betrgt.


_Die Wunderscheibe und die Geschichte ihrer Erfindung._

Das erste Bildinstrument, das auf dieser Eigenschaft des Auges beruhte
und das sich rhmen kann, der Urahn des Kinematographen zu sein, war die
im Jahre 1825 erfundene Wunderscheibe, auch Thaumatrop genannt. Es ist
eine Pappscheibe, die beiderseits eine Zeichnung hat, vorn z. B. einen
Vogel und hinten einen Kfig, und die man mittels zweier daran
geknpfter Fden in Umdrehung versetzt. Bei rascher Umdrehung sieht man
dann den Vogel im Kfig sitzen. Wenn Sie die Figur 2 der vorgehefteten
Tafel ausschneiden, dann haben Sie eine richtige Wunderscheibe. Sie
mssen nur rechts und links, wo die Punkte sind, ein Loch stechen, zwei
Fden, je etwa 10 bis 15 cm lang, schneiden und durch jedes Loch einen
solchen Faden ziehen. Die beiden Enden eines jeden Fadens werden am
besten verknotet. Nun nimmt man die Fden in die Hnde und lt sie
zwischen Daumen und Zeigefinger rollen, wobei dann die Scheibe in rasche
Umdrehung gert.

  [Illustration: Fig. 3. Wie man beide Seiten einer Mnze gleichzeitig
  sehen kann.]

[Sidenote: Illustration Taschenkinematograph]

Wie es zur Erfindung der Wunderscheibe gekommen ist, davon erzhlt der
englische Mathematiker Babbage ein interessantes Stck. Eines Tages
fragte ihn der berhmte Gelehrte John Herschel, mit dem er zu Tisch sa,
wie man es wohl fertig bringen knne, beide Seiten eines Geldstcks
gleichzeitig zu sehen. Und drauf zeigte er ihm die Lsung der scherzhaft
gestellten Aufgabe, indem er das Geldstck auf dem Tisch kreisen lie:
ein Experiment, das Sie leicht nachmachen knnen. Der Versuch lt sich
auch in der Weise anstellen, wie es Figur 3 veranschaulicht, indem man
nmlich das Geldstck mittels zweier Nadeln hebt und durch Dagegenblasen
in Rotation versetzt. -- Babbage nun erzhlte davon seinem Freunde Dr.
Fitton, und dieser zeigte ihm ein paar Tage darauf ein kleines
Spielzeug, das er ausgedacht und womit sich der Herschelsche Versuch
vorzglich demonstrieren lie: es war die Wunderscheibe.


_Das Lebensrad (Stroboskop, Phenakistiskop)._

Die Wunderscheibe wurde bald ein flotter Handelsartikel und fand weite
Verbreitung. So einfach und unscheinbar dies Spielzeug auch war: es war
doch ein wichtiges Prinzip darin festgelegt und es gab zweifellos
mancherlei Anregung. Nun lag das Problem in der Luft, eine grere
Anzahl von Bildern in hnlicher Weise zu kombinieren, und tatschlich
wurde die Lsung bald darauf, im Jahre 1832, fast gleichzeitig an zwei
Stellen gefunden. Sowohl Plateau in Gent, wie Professor Stampfer in
Wien, konstruierten unabhngig voneinander das Lebensrad. Der eine
nannte sein Instrument Phenakistiskop, der andere Stroboskop.

  [Illustration: Fig. 4. Das Lebensrad.]

Das Lebensrad besteht aus einer runden Pappscheibe, die nach dem Rande
zu in gleichmigen Abstnden ffnungen besitzt; darunter sind Bilder
eines und desselben Gegenstandes gezeichnet, die ihn in verschiedenen,
aufeinander folgenden Momenten einer Bewegung darstellen. Die Scheibe
ist, wie Fig. 4 zeigt, um eine horizontale Achse drehbar und wird derart
vor einen Spiegel gehalten, da man durch die ffnungen hindurch im
Spiegel die Bilder sieht. Bei rascher Umdrehung verschmelzen die Bilder
ineinander und man gewinnt den Eindruck einer sich bewegenden Figur.

Wenn Sie das Lebensrad nicht aus der Anschauung kennen, so schneiden Sie
doch die Figur 5 der Tafel lngs der ueren Kreislinie aus; dann
schneiden Sie noch ringsum auf der Scheibe mit einem scharfen Messer die
neun schraffierten Schlitze aus: das gibt die Schauffnungen. (Ist Ihnen
diese Arbeit zu mhselig, so wissen Sie sicher einen Jungen, der's gerne
tut, um auch die hbsche Wirkung zu sehen.) Die Scheibe wird in der
Mitte durchbohrt und dann, am besten mit einem Heftzwecken, die
Bildseite nach auen, auf eine Holzleiste (Lineal oder dergl.)
aufgesteckt, derart, da sie durch Gegenschlagen mit dem Finger leicht
drehbar ist. Nun hlt man die Scheibe (mglichst senkrecht, damit sie
gut luft) vor einen Spiegel und sorgt dafr, da die dem Spiegel
zugekehrten Bilder gut beleuchtet sind. Wenn man nun die Scheibe in
Umdrehung versetzt und zunchst nebenher direkt in den Spiegel blickt,
so sieht man nichts von den Figuren; denn sie erscheinen bei der raschen
Bewegung vllig verschwommen. Hlt man aber das Auge vor die Scheibe und
schaut durch die Schlitze, so gewinnt man den Eindruck einer sich
bewegenden Figur. Das Auge bekommt dann nmlich durch die Schlitze rasch
nacheinander immer auf einen Moment Bild um Bild zu sehen. Infolge der
Trgheit der Netzhaut verschmelzen nun die Bilder ineinander, und das
Resultat ist ein Bild mit Bewegung.

  [Illustration: Fig. 6. Andere Form des Lebensrades.]

In der Folge wurden mancherlei Abnderungen von dem Instrument gemacht.
Figur 6 zeigt zunchst eine Ausfhrung, die Stampfer schon angab. Dabei
werden zwei zusammen rotierende Scheiben benutzt, eine fr die
Oeffnungen und die andere fr die Bilder. Ein Spiegel ist hier nicht
erforderlich; denn man sieht direkt durch die Schlitze gegen die
Bilder.


_Die Wundertrommel._

  [Illustration: Fig. 7. Die Wundertrommel.]

[Sidenote: Illustration Taschenkinematograph]

Die grte Verbreitung fand die Form, welche als Wundertrommel bekannt
ist. Es ist ein Hohlzylinder mit einem Kranz von Schlitzen; darein wird
ein Papierstreifen gebracht, worauf sich die Bilder befinden (Fig. 7).
Die Trommel wird in rasche Umdrehung versetzt, und wenn man nun durch
die Schlitze sieht, empfngt man den Eindruck eines lebenden Bildes.
Dreimal -- das ist eigenartig -- mute die Wundertrommel erfunden
werden, bis sie Ende der sechziger Jahre von Amerika aus zur Einfhrung
gelangte. 1833 wurde sie von Horner unter der Bezeichnung Daedaleum
genau beschrieben, 1860 von Desvigne und schlielich 1867 nochmals von
Lincoln patentiert.


_Taschenkinematograph und Mutoskop._

  [Illustration: Fig. 8. Das Mutoskop.]

Ein hnliches Schicksal erlebte eine andere Anordnung, der sogenannte
Taschenkinematograph, der Ende der neunziger Jahre als Neuheit in den
Handel kam, nachdem er bereits zweimal zuvor, 1868 und 1886, erfunden
worden war. Dieses Heft stellt mit den Bildern in den Ecken oben rechts
-- so wie es ist -- einen Taschen-Kinematograph dar. Um ihn in Betrieb
zu setzen, biege man die Bltter mit dem Daumen der rechten Hand zurck
und lasse sie durchgleiten, so da sie rasch nacheinander umschlagen.
Auf demselben Prinzip beruht das in Figur 8 wiedergegebene Mutoskop,
ein Apparat, den man vielfach in Bahnhfen findet. Man mu bei diesem
Instrument nach Einwurf eines Groschens eine Kurbel drehen, worauf
dann die Bilder abblttern; sie werden durch eine Vergrerungslinse
betrachtet.


_Verbindung von Lebensrad und Lichtbilderapparat._

  [Illustration: Fig. 9. Erster Apparat zur Projektion stroboskopischer
  Bilder.]

  [Illustration: Fig. 10. Uchatius' zweiter, verbesserter Apparat zur
  stroboskopischen Projektion.]

Der erste, der das Lebensrad mit dem Projektionsapparat in Verbindung
brachte, um lebende Bilder auf die Wand zu werfen und einem greren
Publikum als Lichtbilder zu zeigen, war der sterreichische Offizier
Franz von Uchatius. Es ist derselbe Uchatius, der den nach ihm benannten
Bronzestahl erfand. Bei seinem ersten Apparat, der in Figur 9
schematisch dargestellt ist und der aus dem Jahre 1845 stammt, wurde ein
aus zwei zusammen rotierenden Scheiben bestehendes Lebensrad angewandt,
wovon die eine der Scheiben b mit Schlitzen versehen war, whrend die
andere a die transparenten Bildchen trug. Ein zweiter leistungsfhigerer
Apparat, den Uchatius anfangs der fnfziger Jahre konstruierte und der
1853 in Wien vorgefhrt wurde, besa eine feststehende Bildscheibe und
davor einen Kranz von Objektiven: fr jedes Bild a war ein Objektiv b
vorgesehen (siehe Fig. 10). Lampe und Beleuchtungslinse c konnten
mittels einer Kurbel hinter der Bildscheibe im Kreise umherbewegt
werden, derart, da die transparenten Bildchen der Reihe nach beleuchtet
und auf die Wand projiziert wurden. Bei raschem Drehen erschienen die
Lichtbilder in so schneller Folge, da die Zuschauer den Eindruck eines
einzigen lebenden Lichtbildes gewannen.

[Sidenote: Illustration Taschenkinematograph]

Das Projektions-Stroboskop, das eine langsam rotierende Bildscheibe und
eine rasch laufende Blendscheibe mit einem Schlitz besitzt -- wie es
heute noch zu Demonstrationen gebraucht wird -- wurde 1871 von dem
Englnder Ross angegeben, nachdem kurz zuvor die Amerikaner Brown und
Heyl sinnreiche Instrumente dieser Art mit ruckweise bewegter
Bildscheibe ausgefhrt hatten. In den achtziger Jahren beschftigte sich
der Franzose Reynaud eifrig mit dem Problem, die Bilder des Lebensrades
in vergrertem Mastabe auf der Projektionswand erscheinen zu lassen;
bei seiner eigenartigen, mit einer Spiegeltrommel ausgersteten
Einrichtung, die er Praxinoskop-Theater nannte, saen die transparenten
Bilder auf einer Trommel, spter auf einem langen Bande.


_Die Anfnge der Bewegungsphotographie._

  [Illustration: Fig. 11. Aufnahmen gestellter Bewegungsmomente fr das
  Lebensrad.]

Die Bilder, die man mit dem Lebensrade vorfhrte, waren zuerst
naturgem gezeichnet. Erst in den fnfziger Jahren kam man dazu, die
Photographie zur Herstellung der Bilder heranzuziehen. Die Aufgabe war
fr den damaligen Photographen ja auch nicht so leicht: hie es doch,
von der sich bewegenden Figur sehr rasch nacheinander eine Anzahl
Momentaufnahmen zu machen. Und dazu reichten die Hilfsmittel jener Zeit
keineswegs aus. Auch die Schnellfeuer-Kameras, die im folgenden
Jahrzehnt von verschiedenen Seiten ausgedacht und zum Teil ausgefhrt
wurden -- Coleman Sellers, Dumont, Ducos du Hauron und Mollard machten
sich besonders verdient darum -- waren noch nichts nutze: die
photographischen Verfahren hatten eine zu geringe Empfindlichkeit, als
da man so schnell damit htte arbeiten knnen. Man mute sich
einstweilen in primitiver Weise behelfen. Wie man verfuhr,
veranschaulicht Figur 11; es ist die Wiedergabe einer mir vorliegenden
Bilderreihe, die aus jener Zeit stammt. Davon ist jedes einzelne Bild
durch eine Zeitbelichtung gewonnen. Die Kaffee trinkende Dame mute also
neunmal eine sorgfltig vorbereitete Stellung einnehmen und jedesmal fr
die Belichtung stille halten. Dies Verfahren war gewiss recht
umstndlich und konnte unmglich eine natrliche Wirkung abgeben.


_Herstellung der ersten Reihenaufnahmen durch Muybridge._

  [Illustration: Fig. 12. Eadweard Muybridge.[A]]

Erst dem amerikanischen Photographen Muybridge (Fig. 12) gelang es Ende
der siebziger Jahre unter Aufbietung gewaltiger Hilfsmittel, richtige
Reihenaufnahmen laufender Tiere zu machen. Er benutzte eine Batterie von
24 photographischen Apparaten, die in einer Reihe nebeneinander standen;
parallel dazu lief die Rennbahn fr das Tier. Quer ber die Bahn waren,
wie Figur 13 andeutet, 24 dnne Fden gespannt, die das Tier
nacheinander zerreien mute; zu jeder Kamera einer, und zwar war die
Anordnung derart getroffen, da stets beim Reien eines Fadens der
Momentverschlu der betreffenden Kamera losging. Auf diese Weise wurden
rasch nacheinander 24 Aufnahmen von dem laufenden Tier gemacht. Eine
Reihe der von Muybridge hergestellten Bilder ist auf dem Lebensrade
(Fig. 5) wiedergegeben; dieselben Bilder sind zu dem
Taschenkinematograph dieses Heftes benutzt. Muybridge soll zu seinen
Arbeiten insgesamt ber eine halbe Million photographischer Platten
verarbeitet haben.

[Sidenote: Illustration Taschenkinematograph]

  [Illustration: Fig. 13. Einrichtung von Muybridge zur
  Reihenphotographie.]


_Frderung der Reihenphotographie durch Anschtz._

  [Illustration: Fig. 14. Ottomar Anschtz.]

  [Illustration: Fig. 15. Teil einer Reihenaufnahme von Anschtz.]

Die Aufnahmen erregten seinerzeit groes und berechtigtes Aufsehen; doch
wurden die Resultate bald berboten durch Anschtz, den Altmeister der
Momentphotographie (Fig. 14). Anschtz begann 1885 nach hnlicher
Methode seine Arbeiten und nahm sich ihrer mit groer Energie an.
Whrend Muybridge bei seinen meisten Aufnahmen nicht viel mehr als
Schattenrisse erhielt, zeigten die Bilder seines deutschen Nachfolgers
alle Abstufungen und Einzelheiten. Ja, die Aufnahmen, von denen Figur 15
eine Probe zeigt, waren so scharf, da sie zur Benutzung in dem von
Anschtz erfundenen Schnellseher vergrert werden konnten.

  [Illustration: Fig. 16. Anschtz' elektr. Schnellseher.]

Anschtz konstruierte zur Demonstration seiner Bilder noch ein
sinnreiches Instrument, den elektrischen Schnellseher (Fig. 16). Die
einzelnen Bilder, auf Glasplatten oder Zelluloid kopiert, sitzen darin
auf dem Umfange einer schnell rotierenden Scheibe von groem
Durchmesser. Jedesmal wenn sich ein Bild genau gegenber dem Fensterchen
befindet, durch das die Beschauer blicken, wird es momentan durch eine
Geisler'sche Rhre beleuchtet.


_Marey, der Begrnder der modernen Kinematographie._

  [Illustration: Fig. 17. Etienne Jules Marey.[B]]

Inzwischen fand die Chronophotographie -- so nannte man das Verfahren
zur Herstellung von Reihenbildern -- in Frankreich bedeutende Frderung
durch Professor Marey (Fig. 17). Dieser interessierte sich zunchst fr
den Vogelflug, und da die Anordnung von Muybridge hierzu nicht geeignet
erschien, ging er selbst an die Konstruktion zweckmiger Apparate. Zu
seinem ersten Modell, der photographischen Flinte aus dem Jahre 1882,
hatte er die Anregung erhalten durch Jansen's photographischen Revolver,
womit dieser berhmte Astronom 1874 den Vorbergang der Venus in einer
Reihe aufeinanderfolgender Momente festgelegt hatte.

  [Illustration: Fig. 18. Marey's photogr. Flinte.]

[Sidenote: Illustration Taschenkinematograph]

Die photographische Flinte und die Art ihrer Handhabung ist in Figur 18
dargestellt. Vorne im Lauf sitzt das Objektiv, hinten im Bodenstck die
lichtempfindliche Platte. Wenn man auf den Hahn drckt, so bringt ein
Uhrwerk die Platte in Umdrehung, doch geht die Bewegung sprungweise vor
sich, derart, da ein Stck der Platte nach dem anderen an die
Belichtungsstelle kommt und dort einen Moment anhlt. Die Belichtung
wird durch eine gleichzeitig in Gang versetzte Verschluscheibe
geregelt. Mit diesem Apparat konnten 12 Aufnahmen in der Sekunde gemacht
werden. Die Bilder waren aber nur ein Zentimeter gro und ohne Detail.
Figur 19 zeigt eine Aufnahmeplatte; sie gibt den Flug einer Mve in 12
Momenten wieder.

  [Illustration: Fig. 19. Aufnahme mit der photogr. Flinte: fliegende
  Mve in 12 Momenten (etwa auf die Hlfte verkleinert).]

Ermutigt, aber nicht befriedigt durch die Erfolge, arbeitete Marey mit
wissenschaftlicher Grndlichkeit weitere neue Methoden aus, die ihm fr
seine Untersuchungen ber die Bewegungserscheinungen bei Tieren und
Menschen wertvolle Resultate lieferten. 1888 ging er zur Verwendung von
Negativpapierbndern ber, die ruckweise durch die Kamera gefhrt und
auf die in rascher Folge eine groe Zahl von Aufnahmen gemacht wurde.
Damit schuf Marey als erster eine Einrichtung, die unserem heutigen
kinematographischen Aufnahme-Apparat entspricht. Sein damaliges Modell
ist in Figur 20 dargestellt, whrend Figur 21 ein Stck einer damit
gemachten Aufnahme zeigt.

  [Illustration: Fig. 20. Marey's Negativband-Kamera fr
  Reihenaufnahmen.]

  [Illustration: Fig. 21. Teil einer Reihenaufnahme auf Negativpapier,
  hergestellt mit Marey's Kamera.]

Der Fortschritt war ein enormer! Whrend Muybridge und Anschtz, um eine
Reihe von 24 Aufnahmen zu gewinnen, 24 photographische Apparate
brauchten, machte Marey dasselbe mit einer einzigen Kamera. Ja, die Zahl
der Bilder war hier nur begrenzt durch die Lnge des Negativbandes.


_Ausbau der modernen Kinematographie._

Von grter Bedeutung fr die Entwicklung der Kinematographie wurde die
Einfhrung des Zelluloid-Filmbandes, die grade in jene Zeit fiel; zwar
war das Material noch weit davon entfernt, so gut zu sein wie heute.
Nunmehr schossen bald an allen Ecken und Enden die Konstruktionen
heraus. Aber den Gebrdern Lumire blieb es vorbehalten, die lebenden
Lichtbilder populr zu machen. Das war Mitte der neunziger Jahre. An der
Ausarbeitung des modernen Kinematographen sind viele Mnner beteiligt;
besonders verdient machten sich darum Skladanowsky und Messter in
Deutschland; Demeny (Marey's Mitarbeiter, vgl. auch Fig. 53) und die
Gebrder Lumire in Frankreich; Friese Greene (der schon 1889 ins Feld
trat), Birt Acres und Robert Paul in England; Edison, Jenkins, Casler
und Urban in Amerika. Dem einen haben wir dies Teil zu verdanken, dem
anderen jenes. Wir wollen darber hinweggehen, sonst geraten wir zu sehr
in Einzelheiten.

[Sidenote: Illustration Taschenkinematograph]

Die Bezeichnung Kinematograph, die aus griechischen Worten hergeleitet
ist: Kinema = die Bewegung (Kinemata = die Bewegungen) und grapho = ich
schreibe, zeichne auf, wurde durch die Gebrder Lumire eingefhrt,
nachdem sie als erster Bouly in einem franzsischen Patente vom Jahre
1892 angewandt hatte. Von den zahlreichen anderen Namen hat sich
hauptschlich Bioskop (ebenfalls aus dem Griechischen: Bios = das
Leben, und skopeo = ich sehe) erhalten.

Funoten:

[A] Nach einer Abbildung aus Eder's Geschichte der
Photographie, Verlag von Wilh. Knapp, Halle a. S.

[B] Nach einer in Eder's Geschichte der Photographie (Verlag
von Wilhelm Knapp, Halle a. S.) abgebildeten Plaquette.




Wesen und Wirkungsweise des Kinematographen.


_Wirkungsweise des Aufnahmeapparates._

  [Illustration: Fig. 22. Schema einer Filmkamera.]

Wie der kinematographische Aufnahmeapparat arbeitet, das knnen wir uns
am besten klar machen, indem wir einen einfachen Kodak in die Hand
nehmen. Die Anordnung ist in Figur 22 schematisch dargestellt. Auf der
Rolle M sitzt ein lichtempfindliches Filmband; es ist zur Rolle N
gefhrt, worauf es sich, wenn man die Rolle dreht, aufwickelt. O ist das
Objektiv und S die Verschluscheibe. Um eine Aufnahme zu machen, gibt
man der Verschluscheibe eine Umdrehung. Es bewegt sich dann die ffnung
T am Objektiv vorbei, lt Licht zu und verursacht damit eine
Belichtung. Nun soll ein zweites Bild gemacht werden. Dazu mu zunchst
der Film durch Drehen der Rolle N um ein Stck, so gro wie das Bildchen
a, weitergezogen werden. Wenn das geschehen ist, wird der
Verschluscheibe wieder eine Umdrehung gegeben. Ein drittes, viertes,
fnftes Bild usw. erfordert immer wieder dieselben Handgriffe: stets
wird zuerst der Film weitergezogen und dann die Verschluscheibe
gedreht.

Denken wir uns nun in die Kamera einen Mechanismus eingebaut, der diese
Handgriffe selbstttig ausfhrt, so haben wir den kinematographischen
Aufnahmeapparat, wie er in Figur 23 dargestellt ist. Man braucht nur
eine Kurbel zu drehen, dann schiet der Apparat wie ein
Schnellfeuergeschtz los und macht auf das Filmband in rascher Folge
eine groe Anzahl von Aufnahmen. Den Mechanismus wollen wir uns nachher
ansehen.

  [Illustration: Fig. 23. Kinematographische Aufnahme-Kamera.]


_Das Filmband und seine Fertigstellung._

Der belichtete Film wird in der Dunkelkammer auf einen Rahmen oder eine
Trommel gespannt und wie der Kodakfilm entwickelt, fixiert, ausgewaschen
und getrocknet. Man bekommt dann ein Band mit vielen kleinen
Negativbildern. Von diesem Negativ, von dem Figur 24 ein kleines Stck
in Originalgre zeigt, gewinnt man durch Kopieren den Positivfilm, wie
er in Figur 25 wiedergegeben ist. Ein Stck Positivfilm ist ferner hier
angeklebt. Die Filmbnder sind an beiden Rndern in regelmiger Folge
mit Lchern versehen, und zwar derart, da auf jedes Bild beiderseits 4
Lcher kommen. Diese Perforation, die von Edison eingefhrt wurde, mu
man anwenden, damit der Mechanismus den Film genau transportieren kann.

[Sidenote: Illustration Taschenkinematograph]

Das Filmband ist 3-1/2 cm breit, jedes Bildchen darauf 2-1/2 cm breit
und ungefhr 2 cm hoch. _=Ein=_ Bild sieht fast genau so aus wie das
nchste, erst wenn man mehrere Bilder berfliegt, merkt man einen
Unterschied in der Abbildung. Und das ist kein Wunder, kommen doch
normaler Weise auf die Sekunde 15 bis 20 Aufnahmen. Eine so rasche Folge
der Bilder ist nmlich erforderlich, wenn eine ununterbrochene, schne
Wiedergabe erzielt werden soll. In der Minute haben wir mithin rund 1000
Bilder und das macht, da jedes Bildchen etwa 2 Zentimeter hoch ist, ein
Band von ungefhr 20 Meter Lnge. Fr eine Szene, die 5 Minuten dauert,
braucht man also 100 Meter Film. Das mag auf den ersten Blick viel
erscheinen, aber selbst Aufnahmen von vielen hundert Metern Lnge sind
heute nichts Besonderes mehr.

  [Illustration: Fig. 24. Stck eines Film-Negativs in Originalgrsse.]

  [Illustration: Fig. 25. Film-Positiv nach dem Negativ Fig. 24.]


_Wirkungsweise des kinematographischen Wiedergabeapparates._

Nun wollen wir verfolgen, wie mit Hilfe des Positivfilm die Szene,
welche bei der Aufnahme sich vor der Kamera abspielte, als lebendes
Lichtbild zur Darstellung gebracht wird. Die Anordnung ist im
allgemeinen dieselbe wie bei jedem Projektionsapparat. Links haben wir
in Figur 26 die Laterne mit der Lichtquelle L, am besten einer
Bogenlampe; in der Vorderwand zwei Beleuchtungslinsen K, welche die
Lichtstrahlen sammeln und in einem Kegel nach vorne in das Objektiv O
leiten. Das Objektiv dirigiert die Strahlen derart weiter, da von dem
transparenten Bildchen B auf der Projektionswand ein scharfes Lichtbild
erzeugt wird.

  [Illustration: Fig. 26. Schema des Lichtbilder-Apparates.]

  [Illustration: Fig. 27. Das Filmband im Lichtbilder-Apparat.]

Die Vergrerung ist dabei eine betrchtliche. Wenn das Bildchen, wie
beim Kinematographenfilm, eine Breite von 2-1/2 cm besitzt und der
Projektionsschirm beispielsweise 2-1/2 m breit ist, so haben wir der
Linie nach eine 100 fache, der Flche nach eine 10000 fache
Vergrerung; bei 5 m breitem Schirm ist die Flchenvergrerung gar
eine 40000 fache. Da wird es erklrlich, da man eine sehr krftige
Lichtquelle braucht.

[Sidenote: Illustration Taschenkinematograph]

An Stelle des einzelnen Bildchens B bringen wir nun, wie es Figur 27
veranschaulicht, den Film derart in den Strahlenkegel, da zunchst das
erste Bildchen a projiziert wird, und jetzt mssen wir, um auf dem
Projektionsschirm die richtige Wiedergabe zu erhalten, das Band in der
gleichen Weise weiter bewegen, wie vorher in unserem Kodak, den wir uns
mechanisch betrieben dachten: der Film bleibt jedesmal einen Augenblick
an der Belichtungsstelle ruhig stehen, dann springt er um ein Bild
weiter, steht wieder ruhig, springt weiter und so fort. Die
Verschluscheibe brauchen wir auch hier; sie soll nmlich das Objektiv
immer in dem Moment verschlieen, wo der Film sich weiterbewegt, damit
wir das Rutschen der Bilder nicht wahrnehmen.

Wir mssen also in unseren Lichtbilderapparat einen Mechanismus
einbauen, der das Filmband ruckweise weiterbewegt und der bei jedem
Bildwechsel das Objektiv verschliet. Nehmen wir an, ein solcher
Kinematographmechanismus wre beschafft, und nehmen wir ferner an, der
Mechanismus, gleichgltig wie er sonst konstruiert ist und aussieht,
arbeite in gleichmigem Tempo: jeder Bildstillstand dauere die
gleiche Zeit wie der Bildwechsel. Schematisch liee sich dann die
Arbeitsweise des Mechanismus folgendermaen darstellen, wobei die
ausgezogenen Linien jedesmal den Stillstand und die punktierten Linien
den Wechsel andeuten:

  [Illustration: BILD 1  BILD 2  BILD 3]

Wenn wir nun zusammen bei dem Apparat sen, wrde ich, um Ihnen die
Wirkung zu zeigen, den Mechanismus zunchst einmal ganz langsam drehen.
Im Apparat wrden Sie dann folgenden Vorgang wahrnehmen: Der Film steht
augenblicklich still, trotzdem ich gleichmig drehe; nun wandert er um
ein Stckchen weiter; jetzt steht er wieder ruhig, und so geht's immer
ruck, ruck, ruck vorwrts. Dabei bringt jede Bewegung des Filmbandes ein
neues Bild an die Belichtungsstelle, das dann eine gewisse Zeit stehen
bleibt. Blicken wir nun, whrend ich langsam weiter drehe, auf den
Projektionsschirm, so sehen wir dort in gleichmigem Wechsel: Bild --
dunkel -- nchstes Bild -- dunkel -- nchstes Bild -- dunkel usw. Wir
beobachten, wie jedes Lichtbild einen Augenblick stehen bleibt; von der
Weiterbewegung des Filmbandes knnen wir hier aber nichts merken, denn
whrend dieser Zeit blendet immer die Verschluscheibe die Lichtstrahlen
ab: daher das dunkel.

Alsdann wrde ich, damit Sie auch das Weiterrutschen des Filmbandes
sehen, die Verschluscheibe abnehmen und wiederum ganz langsam drehen.
Nun gibt's auf der Projektionswand: Bild -- Rutschen des Bildes --
nchstes Bild -- Rutschen -- nchstes Bild -- Rutschen -- usw. So, jetzt
setzen wir die Verschluscheibe wieder auf und drehen erst langsam, dann
allmhlich immer rascher. Da beobachten wir zuerst noch: Bild -- dunkel
-- Bild -- dunkel. -- Bald aber, bei rascherem Drehen, kann unser Auge
die einzelnen Bilder und die dunkeln Zwischenpausen nicht mehr
unterscheiden. Ohne da wir merken, wie es geschieht, gehen die Bilder
ineinander ber; das Lichtbild gewinnt Leben, die Figuren bewegen sich.

Ein kleines Experiment mag Ihnen eine bessere Vorstellung geben von dem,
was ich Ihnen eben gerne praktisch gezeigt htte. Halten Sie einmal das
linke Auge zu und bewegen Sie die rechte Hand dicht vor dem anderen Auge
hin und her -- zuerst ganz langsam. Da bekommen Sie, genau wie ich es
vom Kinematograph erzhlte, Bild -- dunkel -- Bild -- dunkel -- usw.
Fahren Sie nun aber mit der Hand rasch hin und her und blicken dabei
durchs Fenster auf die belebte Strae, so nehmen Sie alles wahr wie
sonst: Sie merken nicht, da das Auge die Eindrcke nur stoweise
empfngt, Sie sehen keine Unterbrechungen in den Bewegungen der Menschen
und Wagen, wie Sie doch tatschlich durch das Abblenden mit der Hand
hervorgerufen werden. Genau so ist es beim Kinematograph. Ja, es ist
dieselbe alte Geschichte, wie bei der Wunderscheibe und beim Lebensrad:
unser Auge hlt eben jedes einzelne Bild eine kurze Zeit fest, und wenn
die Bilder hinreichend rasch aufeinander folgen, wenn die Lcken
zwischen Bild und Bild hinreichend kurz sind, so fllt das Nachbild
jedesmal die Lcke aus. Die Dauer des Lichteindruckes, so nennt man ja
diese Eigenschaft des Auges, schlgt dann gewissermaen eine Brcke von
Bild zu Bild ber die dunkeln Zwischenpausen hinweg.

[Sidenote: Illustration Taschenkinematograph]


_Das Flimmern und die Mittel zur Behebung._

Aber unser Auge, wenn es sich auch tuschen lt und statt der
sprungweise sich folgenden Einzelbilder ein einziges Bild mit
ununterbrochener Bewegung sieht: es merkt doch, da da etwas nicht in
Ordnung ist, da dabei etwas anders ist, als beim Sehen in der Natur; es
nimmt den ewigen Wechsel zwischen Hell und Dunkel wahr und sagt uns:
das Bild flimmert.

Dieses Flimmern wird offenbar verursacht durch den steten Wechsel: Hell
-- Dunkel. Wenn auch die Dauer des Lichteindrucks ber die dunklen
Pausen hinweghilft und gewissermaen eine Brcke darber schlgt, so
nimmt doch die Nachwirkung whrend der Pause an Kraft erheblich ab: die
Brcke geht von der groen Helligkeit des Bildes bergab. Nun kommt
pltzlich ein neues Bild mit groer Helligkeit: da geht es wieder steil
bergauf. Die Verbindung zwischen Bild und Bild ist da; aber es gibt ein
ewiges auf und ab -- und dieses Auf- und Abwogen uert sich durch das
Flimmern. Schon beim Lebensrade werden Sie das Flimmern bemerkt haben;
aber ist es Ihnen nicht auch bei dem Experiment mit der Hand
aufgefallen? Vielleicht werden Sie dabei schon eine Beobachtung ber die
Strke des Flimmerns gemacht haben. Wenn nicht, dann stellen Sie das
Experiment noch einmal an: linkes Auge zu und rechte Hand vor dem andern
Auge hin und her, zuerst ganz langsam, dann immer rascher; dabei auf
dieses Blatt blicken! Wird nicht das Flimmern um so schwcher, je
rascher Sie die Hand bewegen? -- Nun, man sollte sagen, dies Mittel
mte auch beim Kinematographen helfen -- knnten Sie es jetzt
probieren, das Experiment wrde die Vermutung besttigen: bei rascherem
Drehen nimmt das strende Flimmern ab. Das wre also ein einfaches
Aushilfsmittel, diese ble Erscheinung abzuschwchen. Aber man wird bald
erkennen, da dies Verfahren einen bsen Nachteil hat: die Bewegungen im
lebenden Lichtbilde werden unnatrlich rasch, wirken berstrzt, und
auerdem ist die Vorfhrung viel schneller zu Ende. Wenn man da abhelfen
wollte, so mten auch die kinematographischen Aufnahmen entsprechend
schneller gemacht werden, statt 15 bis 20 Bilder mten wir
beispielsweise 30 bis 40 in der Sekunde aufnehmen. Das geht wohl, doch
dann wird das Filmband doppelt so lang und die Aufnahmen doppelt so
teuer; auerdem werden bei der groen Geschwindigkeit Mechanismus und
Film viel rascher verschleien.

Weshalb wird nun aber das Flimmern schwcher, wenn wir den Kinematograph
rascher drehen? Offenbar weil dann die dunkle Pause zwischen Bild und
Bild krzer wird. Wenn uns die normale Geschwindigkeit (z. B. 15 Bilder
in der Sekunde) folgendes Schema[C] gab:

  [Illustration: A]

so bekommen wir bei der berstrzten Geschwindigkeit (30 Bilder in der
Sekunde) schematisch folgende Anordnung:

  [Illustration: B]

Die (punktiert dargestellte) Pause zwischen den Bildern ist hier nur
halb so gro wie vorher; sie ist leichter zu berbrcken, das Auf- und
Abwogen und damit das Flimmern wird schwcher.

[Sidenote: Illustration Taschenkinematograph]

Nun ist die Frage: lt sich dies Resultat nicht auch auf andere Weise
erreichen? Die Zahl der Bilder, die in der Sekunde gezeigt wird, soll
die gleiche bleiben wie in A, nmlich 15; dagegen soll die Pause so
kurz oder besser wohl noch krzer werden wie in B. Das heit in anderen
Worten: der Kinematograph-Mechanismus soll den Film innerhalb einer
Sekunde 15 mal still stehen lassen und zwischendurch 15 mal weiterziehen
(wechseln), dabei aber den Bildwechsel, der verdunkelt wird, mglichst
rasch ausfhren. Die Lsung ist sehr naheliegend; sie wird schon zum
Ausdruck gebracht durch die Aufgabestellung selbst, und zwar lautet sie
schematisch:

  [Illustration: C]

Mit anderen Worten: der Kinematograph-Mechanismus mu so arbeiten, da
er den Film ganz rasch von Bild zu Bild weiterzieht; dafr mu er jedes
einzelne Bild entsprechend lnger stehen lassen. Denn wenn 15 Bilder in
der Sekunde gezeigt werden sollen, so kommt immer nach 1/15 Sekunde ein
neues Bild; also mssen ein Bildstillstand und ein Bildwechsel zusammen
1/15 Sekunde einnehmen. Je krzer mithin der Bildwechsel ist, desto
lnger wird der Bildstillstand. Bei der Anordnung, die das Schema C
wiedergibt, nimmt der (punktiert dargestellte) Bildwechsel 1/3 der Zeit
ein, die auf jeden Bildstillstand kommt. Man sagt: wir haben ein Tempo
1: 3, whrend vorher bei A das Tempo 1: 1 war. Wer Spa hat am
Bruchrechnen, kann leicht feststellen, wieviel Teilchen einer Sekunde in
beiden Fllen Bildwechsel und Bildstillstand dauern.

Aber weshalb sollen wir nicht weiter gehen und den Bildwechsel noch
krzer machen als im Schema C? Je krzer der Bildwechsel, desto krzer
ist die Pause zwischen Bild und Bild -- desto geringer mu unserer
berlegung nach das Flimmern werden. Weshalb sollen wir z. B. nicht ein
Tempo 1: 8 nehmen, wie es das folgende Schema D andeutet, wobei die
Lcken den Bildwechsel und die ausgezogenen Linien die Zeit
veranschaulichen, whrend welcher das einzelne Bild stillsteht.

  [Illustration: D]

Wenn wir das Tempo hinreichend stark nehmen -- sollte man sagen -- mte
das Flimmern schlielich so gut wie ganz verschwinden. Aber einstweilen
haben wir die Rechnung ohne den Wirt gemacht: wir arbeiten ganz in
Gedanken und vergessen die Hauptsache, ob sich auch ein
Kinematograph-Mechanismus, der in so starkem Tempo arbeitet, praktisch
ausfhren lt. Da mssen wir schon den Konstrukteur fragen, und der
antwortet: Gewi, wir bauen schon seit Jahren unsere Apparate nach
diesem Prinzip und suchen den Wechselvorgang mglichst kurz zu machen.
Indessen knnen wir dabei nicht beliebig weit gehen. Es gibt praktisch
bald eine Grenze; denn je strker das Tempo, desto strker wird die
Beanspruchung des Mechanismus und des Filmbandes, und desto schlimmer
deren Verschlei. Bedenken Sie doch, da bei einem Tempo 1: 10 der Film
bei jedem Bildwechsel innerhalb 1/150 Sekunde weitergezogen werden mu,
und das ist ein gehriger Ruck! Bedenken Sie ferner, da bei einer
Vorfhrung, die eine Stunde dauert, der Apparat 60000 mal einen solchen
Ruck auf den Film auszuben hat. Immerhin knnen wir mit dem, was heute
praktisch erreicht ist, recht zufrieden sein: bei einem guten
Kinematograph ist das Flimmern doch verhltnismig gering.

[Sidenote: Illustration Taschenkinematograph]


_Konstruktion des Transport-Mechanismus._

Nachdem wir nun die wesentlichen Anforderungen, die an den
Kinematographen gestellt werden, kennen gelernt haben, wollen wir den
Transport-Mechanismus selbst einmal nher betrachten. Zunchst mag uns
Figur 28 die allgemeine Anordnung vor Augen fhren. Der Film sitzt oben
auf einer Spule R und luft von dort zur Belichtungsstelle T, wo die
Bildchen eines nach dem andern eingerahmt und von den Lichtstrahlen
krftig beleuchtet werden. Darunter kommt der Bewegungsmechanismus, der
dem Film die ruckweise Weiterbewegung gibt; er ist in der Abbildung
durch die Zahntrommel W angedeutet. Unten wickelt sich das Filmband auf
die Spule S wieder auf. Vor dem Objektiv O dreht sich die Blendscheibe
B, die, wie wir wissen, dazu dient, das Weiterrutschen des Filmbandes zu
verdecken. Der Vollstndigkeit halber ist die Projektionslaterne nebst
Beleuchtungslinsen C und Lichtquelle L mit eingezeichnet; der
Strahlengang ist durch die punktierten Linien angedeutet.

  [Illustration: Fig. 28. Schematische Anordnung des kinematograph.
  Projektions-Apparates.]


_Die Malteserkreuz-Einrichtung._

  [Illustration: Fig. 29. Ruckweise Weiterbewegung d. Filmbandes durch das
  Malteserkreuz.]

Nun der Bewegungsmechanismus! Eine der am meisten benutzten Anordnungen
zur ruckweisen Weiterbewegung des Filmbandes ist das sog. Malteserkreuz,
von dem Figur 29 eine perspektivische Ansicht gibt. Der Film luft um
die Zahntrommel W, die mit ihren Zhnen in die Lcher des Bandes
eingreift und die es zwingt, alle Bewegungen der Trommel mitzumachen.
Auf der Achse der Zahntrommel sitzt eine Sternscheibe S und dieser wird
durch eine rotierende Stiftscheibe AB periodisch 1/4 Umdrehung erteilt.
Dabei schlgt die Zahntrommel gleichfalls um ein Viertel herum und zieht
den Film immer genau um ein Bild weiter.

Wie diese Anordnung arbeitet, knnen Sie sich besser klar machen, indem
Sie sich aus den Figuren 30 bis 33 auf der vorgehefteten Tafel ein
kleines Modell herrichten. Dazu werden die Figuren mit einem scharfen
Messer ausgeschnitten, und zwar recht sorgsam (namentlich das Kreuz).
Die kleine Scheibe (Figur 31) klebt man auf das Kreuz; ferner klebt man
die beiden Scheiben, Figuren 32 und 33, aufeinander, wobei zu beachten
ist, da der Ausschnitt von Figur 33 auf die punktierte Stelle von Figur
32 kommt. Durch die Mitte eines jeden fertig verklebten Teiles wird ein
Loch gebohrt. Nun legt man zunchst das Kreuz auf ein Brettchen oder
einen starken Karton derart, da die aufgeklebte kleine Scheibe nach
unten kommt, und steckt durch das Loch eine Nadel hindurch. Dicht
dagegen legt man, wie es Figur 34 andeutet, das andere Teil, die
ausgeschnittene Scheibe nach oben, und steckt dieses ebenfalls fest. Der
Ansatz daran wird hochgebogen. Wenn man nun die Scheibe dreht, so greift
sie mit dem Ansatz in das Kreuz ein (vgl. Fig. 35) und gibt diesem eine
Vierteldrehung.

  [Illustration: Fig. 34. Fig. 35. Wirkungsweise des aus der Tafel (Fig.
  30 bis 33) herzustellenden Malteserkreuz-Modells.]

  [Illustration: Fig. 36. Malteserkreuz fr starkes Tempo.]

Wie man beim Malteserkreuz ein strkeres Tempo erzielen kann, um dadurch
das Flimmern geringer zu machen, deutet Figur 36 an. Man braucht nur die
Eingriffscheibe recht gro zu nehmen. So lange die Sternscheibe mit dem
schraffierten Teil der Scheibe A in Berhrung ist, steht sie still; die
Wechslung wickelt sich in der kurzen Zeit ab, wo der Eingriff bei dem
nicht schraffierten Teile in Ttigkeit tritt. Allerdings kann man
praktisch nicht beliebig weit gehen, da sonst die Beanspruchung von
Mechanismus und Film zu gro wird.

[Sidenote: Illustration Taschenkinematograph]


_Andere Bewegungsmechanismen._

  [Illustration: Fig. 37. Greifer. Fig. 38. Schlger. Fig. 39. Klemmzug.
  Typische Anordnungen zur ruckweisen Weiterbewegung des Filmbandes.]

Es sind nun noch verschiedene andere Vorrichtungen zur ruckweisen
Weiterbewegung des Filmbandes in Gebrauch; man kann sie kurz als
Greifer, Schlger und Klemmzug oder Nockenapparat bezeichnen.
Der Greifer besteht aus einer auf- und niedergehenden Gabel, wie sie
in Figur 37 schematisch angedeutet ist. Sie greift in ihrer obersten
Stellung in die Lcher des Filmbandes ein und zieht dieses mit herunter;
unten angekommen, lt die Gabel den Film los und geht dann leer hoch,
um oben wieder einzugreifen und so das Spiel in gleichmigem Gange zu
wiederholen. Beim Schlger, dessen Anordnung in Figur 38 skizziert
ist, schlgt ein auf der rotierenden Scheibe S sitzender Exzenterstift
in regelmigen Zwischenrumen auf den Film und zieht ihn dabei immer um
ein Bild aus der Belichtungsstelle B weiter. Der Nockenapparat besteht
im wesentlichen aus 2 Trommeln Ww (Fig. 39), die so dicht beieinander
stehen, da der Film eben frei dazwischen hngen kann. Die groe
Trommel, welche rotiert, hat an ihrem Umfange einen Nocken E, und
jedesmal wenn dieser gegen die zweite Trommel kommt, wird der Film
eingeklemmt und mitgezogen. Die Zahntrommel R oberhalb der
Belichtungsstelle B schiebt nur genau soviel Film vorwrts, als unten
weiter gezogen werden darf.


_Kinematographen mit gleichmssig laufendem Filmband._

  [Illustration: Fig. 40. Schematische Anordnung. Fig. 41. Apparat von
  Jenkins. Kinematograph mit gleichmssig bewegtem Filmband und einer
  Reihe rotierender Objektive.]

Das sind die Hauptkonstruktionstypen, wie wir sie heute im Handel
praktisch angewandt finden. Es gibt nun noch eine groe Anzahl anderer
Anordnungen; interessant ist namentlich eine Gruppe von Apparaten, wobei
der Film nicht ruckweise bewegt wird, sondern mit gleichmiger
Geschwindigkeit luft. Ich will davon ein Beispiel geben. Sie sehen in
Figur 40 links den Film, der ber zwei Rollen luft. Davor befindet sich
eine Reihe von Objektiven, die wie ein Kranz auf der Drehscheibe sitzen
und einen Rundlauf machen, um eines nach dem anderen in Ttigkeit zu
treten. Jedes Objektiv luft eine kleine Strecke in gleicher
Geschwindigkeit mit dem Film zusammen und fhrt whrend dieser Zeit die
Belichtung aus. Infolge der gleichmigen Mitbewegung hlt das Objektiv
das Bild sozusagen auf dem Film fest, und daher bekommen wir eine
vollkommene Schrfe. Bei dieser Anordnung sind ruckweise Bewegungen
vermieden. Sowohl der Film als auch smtliche Teile des Mechanismus
bewegen sich mit gleichmiger Geschwindigkeit. Daher bietet sich hier
die Mglichkeit, den Apparat auerordentlich schnell laufen zu lassen
und eine sehr groe Anzahl von Aufnahmen in der Sekunde zu machen, wie
es fr bestimmte Zwecke erforderlich ist.

[Sidenote: Illustration Taschenkinematograph]

Der Amerikaner Jenkins, dem wir die Ausarbeitung dieses Systems
verdanken, das brigens Ducos du Hauron 1864 schon angab, machte mit der
in Figur 41 dargestellten Kamera, die 15 Objektive besitzt, ber 250 gut
exponierte Aufnahmen in der Sekunde. Der Englnder Maskelyne lste die
Aufgabe in der Weise, da er in das Objektiv des Apparates ein
rotierendes optisches Organ einbaute, das jedes Bildchen immer eine
kleine Strecke mit dem bewegten Filmband mitfhrt. Auch hier ist die
Zahl der Bilder, die man in der Sekunde aufnehmen kann, nur begrenzt
durch die Lichtempfindlichkeit des Negativfilm. Aber ebenso wie bei
Jenkins ist die Ausfhrung sehr kostspielig: ein Apparat dieser Art, den
die britische Artillerie-Prfungskommission zur Photographie fliegender
Geschosse benutzt, stellte sich auf Mk. 10000. Eine noch hhere
Leistungsfhigkeit erzielte Cranz; ihm gelang es, eine Einrichtung zu
konstruieren, womit in der Sekunde auf den mit 90 Meter Geschwindigkeit
laufenden Film 5000 Bilder gemacht wurden. Dieser Apparat dient
erfolgreich dazu, fliegende Geschosse und ihre Wirkung kinematographisch
aufzunehmen.


_Ausstattung des Kinematograph-Mechanismus._

Fr die gewhnlichen Zwecke der Kinematographie werden, abgesehen von
unwesentlichen Abnderungen, nur die zuerst besprochenen Konstruktionen
benutzt, die den Film ruckweise weiterbewegen. Wenn man nun einen
vollstndigen Kinematograph-Mechanismus ansieht, so findet man noch
allerlei Rderwerk und verschiedenerlei Vorrichtungen daran; namentlich
die fr Kinematographentheater bestimmten Apparate werden sozusagen mit
allen Schikanen ausgerstet. Da ist z. B. fr den Schutz des Films
gegen die heien Lichtstrahlen gesorgt. Das Zelluloid, woraus das
Filmband besteht, ist ein leicht entflammbares Material, und es tritt
daher bei Stillstand des Mechanismus, wo die Strahlen Zeit haben, auf
den Film zu wirken, die Gefahr auf, da es entzndet wird. Dies wird nun
verhindert durch eine Sperrklappe, die beim Betriebe durch einen
Regulator geffnet wird und sich selbstttig schliet, sobald der
Apparat aufhrt zu laufen. In Figur 42 ist ein derartiges Modell
wiedergegeben. Figur 43 zeigt einen einfacheren
Kinematograph-Mechanismus in Verbindung mit einer Projektionslaterne,
wie er in Vereinen und Schulen gebraucht wird. Der Antrieb wird bei den
Theaterapparaten in der Regel durch einen kleinen Elektromotor bewirkt,
whrend man das Werk sonst mit der Hand dreht.

  [Illustration: Fig. 42. Mechanismus eines Theater-Kinematographen.]

  [Illustration: Fig. 43. Einfacherer Kinematograph in Verbindung mit
  der Projektionslaterne.]


_Der Aufnahmeapparat._

[Sidenote: Illustration Taschenkinematograph]

Wir wollen uns nun auch den Aufnahmeapparat einmal nher ansehen. Der
lichtempfindliche Film sitzt, wie Figur 44 zeigt, in der oben
angebrachten Kassette, luft dann um die obere Zahntrommel und wird von
dieser der Belichtungsstelle zugefhrt. Vorne im Apparat, hier nicht
sichtbar, befindet sich der Mechanismus, in diesem Falle ein Greifer,
der den Film ruckweise vorwrts bewegt. Der unten stoweise austretende
Film luft dann ber die zweite Zahntrommel und wird dadurch der unteren
Kassette in gleichmiger Bewegung zugefhrt. Zu einem vollkommenen
Apparat gehrt nun u. U. noch eine Einstellvorrichtung, ein Zhler, der
angibt, wieviel Film belichtet ist, und ein Geschwindigkeits-Anzeiger,
woran der Photograph kontrollieren kann, ob er die Kurbel mit der
richtigen Schnelligkeit dreht.

  [Illustration: Fig. 44. Kinematographischer Aufnahme-Apparat mit
  eingespanntem Film (geffnet).]

Funoten:

[C] Dieses Schema deutet ebenso wie die folgenden einen Vorgang
an, der sich in 1/5 Sekunde abspielt.




Das kinematographische Aufnahme-Verfahren.


_Wie man mit der Aufnahmekamera arbeitet._

Figur 45 zeigt uns den Photographen bei der Arbeit. Das Photographieren
an sich ist einfach, wenn man einmal mit einer Kamera umzugehen wei.
Der Apparat sitzt auf einem recht krftigen Stativ, man richtet ihn auf
den Gegenstand und dreht die Kurbel. Wenn sich aber der Gegenstand, wie
hier der Dampfer, fortbewegt, so mu man mit der Kamera nachfolgen, und
dazu gehrt Geschick und bung. berhaupt werden kinematographische
Aufnahmen dadurch komplizierter, da whrend des Belichtens leicht etwas
Unvorhergesehenes eintreten kann.


_Aufnahmeateliers._

Einstudierte Szenen bieten, wenn sie sich programmig abwickeln, bei
der Aufnahme selbst am wenigsten Schwierigkeiten, dagegen schaffen sie
vorher viel Mhe und Arbeit. Die bedeutenderen Filmfabriken haben dazu
riesige Ateliers und beschftigen ein gut eingeschultes Personal von
Schauspielern, die einem tchtigen Regisseur unterstellt sind. Viele
tausend Meter Films werden da tagtglich geschaffen und in alle Welt
hinausgeschickt.

  [Illustration: Fig. 45. Herstellung einer kinematographischen
  Aufnahme.]


_Lebensgeschichte des Kinematographenfilm._

Wenn man nun die Lebensgeschichte des Kinematographenfilm, wie er
nachher durch den Projektions-Apparat luft, verfolgen will, so mu man
zunchst in eine der groen Zelluloidfabriken gehen. Da wird das
Zelluloid in breiten Bndern und in Lngen bis zu 50 Metern gegossen: es
ist eine schwierige Fabrikation, deren Ausarbeitung sehr groe Erfahrung
und jahrelange Versuche erforderte. Nur einige wenige Werke vermgen den
Rohfilm in der richtigen Beschaffenheit: fest und geschmeidig, glasklar
und fehlerlos, herzustellen. Noch schwieriger gestaltet sich die
Bereitung eines tauglichen, unverbrennbaren oder doch schwer brennbaren
Filmmaterials, wie es im Zellit vorliegt, das gegenber dem leicht
entzndlichen Zelluloid groe Vorzge bietet.

[Sidenote: Illustration Taschenkinematograph]

In einem anderen Werke oder in einer anderen Abteilung des ersteren wird
beim Lichte roter Lampen auf das breite Zelluloidband die
lichtempfindliche Emulsion aufgetragen, eine Emulsion derart, wie man
sie fr photographische Platten anwendet. Dann luft das Band durch eine
Schneidemaschine, die es mit Tellermessern in schmale Streifen zerteilt,
wie der kinematographische Apparat sie braucht. Diese Streifen wandern
nun, zu Rollen gewickelt, in die Filmfabrik. Deren erste Arbeit besteht
darin, die Streifen mit der Perforation zu versehen. Das geschieht,
ebenfalls in rot beleuchteten Rumen, durch Perforiermaschinen, die
stndlich viele tausend Lcher einstanzen. In greren Werken sind deren
mehrere Dutzend in rastloser Ttigkeit. Von diesen Maschinen wird grte
Przisionsarbeit verlangt: die Abstnde der Lcher mssen genau
innegehalten werden; denn die geringste Abweichung wrde nachher bei der
Projektion ein Tanzen des Lichtbildes verursachen. Nun sind die Films
gebrauchsfertig und werden dem Photographen bergeben, der sie den
Kassetten seiner Kamera einverleibt.

Inzwischen herrscht im Aufnahme-Atelier des Werkes eine fieberhafte
Ttigkeit: viele Kpfe und Hnde bereiten die Szene vor. Nachdem die
Idee zu dem Stck, sei es Drama, Tragdie oder Komdie, glcklich heraus
ist, nachdem die literarische Abteilung Band um Band der Bibliothek
gewlzt und die Einzelheiten bearbeitet hat, heit es, das zur
Auffhrung erforderliche Material herbeischaffen. Ein Heer von
Tischlern, Malern, Tapezierern und Dekorateuren stellt fertig, was sich
in der Requisitenkammer nicht vorfindet. Die Szenerien werden mglichst
naturgetreu u. realistisch zusammengesetzt. Der Regisseur whlt die
Schauspieler und verteilt die Rollen; der kundige Garderobenverwalter
gibt die Kostme aus. Nun wird geprobt und instruiert, bis alles klappt.
Hier wird noch ein Versatzstck zurecht gerckt, dort legt in einem der
Ankleiderume der Friseur die letzte Hand an -- endlich kann die
Vorfhrung stattfinden.

Kurz, es geht zu wie in einem Theater. Und auch die Ausstattung der
Ateliers ist die wie einer Bhne, aber raffiniert und vollkommen, wie
bei der modernsten Bhne. Ob nun die Szene auf dem Lande oder Wasser
sich abspielt, auf dem Mond oder im Mittelpunkt der Erde; ob es eine
mnnermordende Schlacht gilt, eine Jagd, ein Schauspiel, Lustspiel oder
ein phantastisches Mrchen: fr alles ist gesorgt. Aber anders als im
Theater flutet hier durch ein mchtiges Glasdach das Tageslicht hinein,
ergnzt oder, wenn ntig, gar ersetzt durch eine Reihe elektrischer
Lampen von ungeheurer Kraft, deren violettdurchsetzte Strahlen wie
Sonnenbrand in die Haut stechen. Diese Lichtflle verlangt der
kinematographische Aufnahmeapparat, der als einziger Zuschauer und dabei
als unerbittlich strenger Kritiker der Auffhrung beiwohnt: jeder
Fehler, jede falsche Bewegung wird unweigerlich von ihm festgehalten.

Zu gleicher Zeit arbeitet eine andere Gruppe von Schauspielern drauen
in freier Natur, manchmal weit, weit fort, an der Sttte selbst, wo das
dargestellte geschichtliche Drama sich vor soundsoviel Jahren oder
Jahrhunderten abspielte. Keine Kosten werden gescheut, die historische
Treue zu wahren. In noch grerer Ferne, vielleicht schlimmen
Entbehrungen und bsen Abenteuern ausgesetzt, ist der Reisephotograph
ttig, dem es obliegt, wertvolle Aufnahmen von Land und Volk mit nach
Hause zu bringen. Galt es fremde Erdteile und unbekannte Gegenden
aufzusuchen, so mute, wie zu wissenschaftlichen Forschungsreisen, eine
regelrechte Expedition ausgerstet werden, die schon viele Tausende
kostet, ehe es losgeht.

[Sidenote: Illustration Taschenkinematograph]

Die Aufnahmen sind gemacht, die Films belichtet. Nun gilt es, die Bnder
zu entwickeln und die Bilder zum Vorschein zu bringen. Diese Arbeit mu
mit groer, groer Sorgfalt geschehen. Denn ein einziger Fehler, eine
einzige Unachtsamkeit knnte die ganze Vorarbeit mit ihren oft
unsglichen Kosten zunichte machen. Drum herrscht peinlichste
Sauberkeit; alle Einzelheiten des Betriebes sind geregelt und werden
streng berwacht. Anders sieht es da aus, als in der blichen
photographischen Dunkelkammer; heit es doch, die Riesenschlangen von
Films zu bndigen und stndig unter Kontrolle zu halten. Whrend einige
Fabriken sie auf Rahmen spannen, bedienen sich andere Werke groer
Wickel-Trommeln. Die Bder sind in Porzellanbecken untergebracht --
Becken so gro wie Badewannen. Zuerst hngt die Trommel ber dem
Entwicklerbecken. Sie taucht unten ein und wird durch einen Elektromotor
gedreht, so da alle Teile gleichmig benetzt werden. Sobald die
Entwicklung beendet ist, wandert die Trommel zum nchsten Becken, wo der
Film eine krftige Wassersplung erfhrt. Das dritte Becken enthlt
Fixierbad, dann kommt wieder Wassersplung, zum Schlu ein Wasserbad mit
Glyzerinzusatz, der dem Film Geschmeidigkeit verleiht. Inzwischen
wandern andere filmbewickelte Trommeln den gleichen Weg von Becken zu
Becken hinterher.

  [Illustration: Fig. 46. Trockenraum einer Filmfabrik.[D]]

Nun kommen wir wieder ins Helle, in einen groen Raum, wo die Films auf
riesigen Trommeln getrocknet werden. (Fig. 46). Die durchstrmende Luft
ist filtriert, damit nur ja kein Stubchen darauf kommt. Auf das
Trocknen folgt eine sorgsame Prfung und Reinigung.

Was wir jetzt haben, ist der fertige Negativfilm, wie ihn Figur 24
zeigte. Diesen Negativfilm begleiten wir weiter zur Kopierabteilung. Da
schafft man als Arbeitsmaterial fr die Maschinen viele Rollen
lichtempfindlicher Films hin, die soeben perforiert worden sind; sie
tragen die Bezeichnung Positivfilm und haben eine weniger empfindliche
Emulsion als die zur Aufnahme bestimmten Films. Alle Maschinen -- man
hrt's am klappern -- scheinen in emsiger Ttigkeit. Doch an einer
Stelle knnen wir, so gut es bei dem roten Lichte geht, gerade zusehen,
wie ein Arbeiter frisch ladet, wie er Negativ- und Positivfilm
einspannt, wie der Motor anzieht, und wie nun die beiden Films, Schicht
auf Schicht, Schritt um Schritt am Fensterchen vorbei gezogen werden, wo
eine Glhlampe die Belichtung besorgt. Wie im gesamten Betrieb, geht
auch hier die Arbeit glatt und flott vonstatten. Und auf ein rasches
Arbeiten mu man gerichtet sein; kommt es doch manchmal vor, -- bei
aktuellen Aufnahmen ist dieser Fall nicht selten -- da der Film noch an
demselben Tage fertig herausgebracht werden soll, um abends im Theater
zur Vorfhrung zu gelangen.

[Sidenote: Illustration Taschenkinematograph]

Die belichteten Positivrollen kommen in den uns bekannten
Entwicklungsraum, und dort winden sich nun wieder die Filmschlangen
durch die sauren Bder und Wasserbrausen, bis sie ein prchtiges, klares
Bildergewand zeigen, das in die nchste Stube zum Trocknen gehngt wird.
Es folgt dann noch ein groes Reinemachen, wobei Maschinen helfen, und
eine genaue Besichtigung. Manche der Aufnahmen erfahren noch eine
weitere Bearbeitung: mit Hilfe chemischer Tonbder werden die dunkeln
Partien gefrbt. -- Sie haben solch einfarbige Darstellungen, z. B.
blaue Seestcke mit schneeweiem Gischt, wohl schon gesehen. Oder die
Bnder werden durch einfache Farblsungen gezogen, wobei die ganze
Schicht einen gleichmigen Ton annimmt. Andere Films sollen hinwieder
naturfarbig herausgebracht werden. Da heit es, knstlich Farbe
auftragen. Whrend dies sonst mit der Hand geschieht, ersetzen die
groen Fabriken das Heer hunderter Koloristinnen durch sinnreiche
Maschinen. Bei diesem maschinellen Verfahren mu man mehrere der Films,
welche die betreffenden Aufnahmen darstellen, opfern. Aus diesen werden
nmlich Schablonen hergestellt, fr jede Farbe eine. Der Arbeiter
schneidet dazu mit groem Geschick zunchst aus einem Film, Bild um
Bild, alle die Stcke aus, die rot werden sollen. Dieser Schablonenfilm
luft nun mit dem zu kolorierenden Film, wobei sich die Bildteile beider
genau decken, durch die Maschine und diese trgt mechanisch durch die
ausgeschnittenen Stcke rote Farbe auf. Dann erhalten ein zweiter,
dritter und wer wei wie viele Films mit Hilfe derselben Schablone den
gleichen Aufdruck in rot. Inzwischen ist der zweite Schablonen-Film
fertig geworden, bei dem alle blauen Stcke ausgeschnitten sind. Nun
wird die ganze Reihe mit diesem gedruckt, worauf in gleicher Weise die
brigen Farben daran kommen. Diese Methode lohnt sich natrlich nur fr
einen Betrieb, der eine groe Anzahl Films in kolorierter Ausfhrung
absetzen kann.

Die fertigen Films, kolorierte, getnte und schwarze, laufen im
Versandraum zusammen. Unterdessen hat die kaufmnnische Abteilung die
Reklametrommel gerhrt, Filialen in allen Weltteilen haben die ersten
Kopien bekommen und den Interessenten vorgefhrt unter der Ankndigung,
da der Film am soundsovielten verausgabt wird. Die Bestellungen sind
notiert und nun wird geschafft, damit alles zum Termin da ist. Und
gehrig mu geschafft werden, wenn der Film sich als Schlager oder
Kassenmagnet erwiesen hat.


_Wie die Trickfilms hergestellt werden._

Was in diesen Filmfabriken alles aufgefhrt und photographiert wird, ist
staunenswert. Phantasie und Unternehmungsgeist berbieten sich, immer
Neues und Originelles zu schaffen, seien es nun dramatische
Darstellungen oder Tragdien, Mrchen oder Geschichten zum Totlachen.
Sie haben vielleicht mancherlei Derartiges in Kinematographen-Theatern
gesehen. Aber vielleicht haben Sie auch einmal Vorfhrungen gesehen, die
mit ihren zauberhaften Vorgngen verblffend wirkten und wobei Sie sich
fragten: wie wird das gemacht? -- Da gibt es z. B. ein Stck, worin ein
Mann an den Wnden heraufkriecht und an der Decke hinluft. Die Lsung
ist ganz einfach. Bei der Aufnahme werden auf den Boden des Ateliers
abwechselnd Dekorationen gelegt, welche die Seitenwnde und die Decke
eines Zimmers darstellen; der Mann kriecht oder luft darber und wird
von oben her photographiert.

Ein beliebter Trick ist die Verwandlung von Personen; sie lt sich bei
kinematographischen Aufnahmen leicht ausfhren. In der Szene, woraus in
Figur 47 ein paar Bilder wiedergegeben sind, verwandelt sich z. B. die
alte Bettlerin in eine Fee. Dazu wurde einfach zwischen dem zweiten und
dritten Bild die Aufnahme unterbrochen; die Bettlerin wirft ein anderes
Gewand ber oder wird durch eine andere Person ersetzt, der Photograph
ffnet wieder das Objektiv und dreht weiter.

  [Illustration: Fig. 47. Verwandlungsszene.[E]]

Noch ein Beispiel! Der Kinematograph fhrt folgende Szene vor, die in
den Figuren 48 bis 51 angedeutet ist. Ein Betrunkener liegt auf der
Strae. Ein Automobil saust heran und fhrt ihm beide Beine ab (Fig.
48). Der Mann schreit nach und schwenkt die Beine in der Luft (Fig. 49).
Das Auto hlt, der Insasse luft heran, er flickt ihm die Beine wieder
an (Fig. 50) und beide ziehen zufrieden von dannen (Fig. 51). -- Nun die
Lsung! Auch hier wird die Aufnahme unterbrochen, und zwar zuerst in dem
Moment, wo das Automobil herangekommen ist.

Das Auto hlt an. Der Betrunkene wird ersetzt durch einen Krppel, dem
beide Beine fehlen, und ein Paar knstlicher Beine wird davor gelegt.
Die Auswechslung der Personen ist in Figur 52 wiedergegeben. Dann tritt
der kinematographische Apparat wieder in Ttigkeit; das Auto, dessen Weg
genau vorgezeichnet ist, fhrt nochmals heran und saust darber hinweg.
Nachher wird die Aufnahme abermals unterbrochen und der Krppel wieder
durch den Betrunkenen ersetzt.

[Sidenote: Illustration Taschenkinematograph]

  [Illustration: Fig. 48. Szenen aus einem Trickfilm. Fig. 49.]

  [Illustration: Fig. 50. Szenen aus einem Trickfilm. Fig. 51.]

  [Illustration: Fig. 52. Erklrung des Trick: Die Auswechslung der
  Personen.]

Von diesem einfachen Hilfsmittel der Aufnahme-Unterbrechung wird hufig
Gebrauch gemacht. Der Film, geduldig wie er ist, reiht Bild an Bild
auf, wie und wann es dem Photographen gefllt. Und das Publikum bekommt
nachher die Bilder in sausender Folge vorgefhrt; es merkt nicht, da
der Kinematograph lgt, da da zwischen einzelnen Bildern ganze Stcke
fehlen -- kein Wunder, da ihm die Vorgnge zauberhaft erscheinen. Da
gibt es die unglaublichsten Sachen zu sehen. Leblose Gegenstnde fhren
einen Tanz auf; Streichhlzer spazieren aus der Dose, die sich selbst
ffnet, und bauen sich zu Figuren auf; Werkzeuge leisten Arbeit, eine
Sge zerschneidet ein Brett ohne Zutun. -- Wie leicht ist das alles zu
machen, wenn man einmal den Kunstgriff kennt, wie einfach ist die
Erklrung, wenn man einmal wei, da die Hilfsvorgnge, die dem
Zuschauer verborgen bleiben sollen, nicht mit photographiert werden!

Drollige Wirkungen erzielt man durch Rckwrtsdrehen des Filmbandes.
Alle Bewegungsvorgnge kehren sich um. Pferde rennen rckwrts, Steine
rollen bergauf. Der Schwimmer saust mit den Beinen voran aus dem Wasser
und landet auf dem Sprungbrett, dann fliegen ihm die Kleider an den
Leib. Der Raucher saugt den Rauch aus der Luft auf und seine Zigarre
brennt immer lnger -- denken Sie es selbst weiter aus!

Die Hilfsmittel des Photographen sind damit nicht erschpft. Er schafft
die wunderbarsten Effekte, indem er Aufnahmen kombiniert und
bereinanderdruckt. Dem Trumer erscheinen winzig kleine Feen, die aus
Blumen entsteigen und einen Reigen auffhren; oder es taucht eine
Miniatur-Tnzerin in einem gefllten Wasserglas auf, um sich dazu zu
bewegen und dann wieder allmhlich wie im Nebel zu verschwinden. Kurz,
kein Mrchen ist so seltsam, keine Phantasie so erfindungsreich, als da
nicht der Kinematograph ihr beikme und die Gedanken in seine
Lichtbilder-Wirklichkeit umzusetzen vermchte.

Funoten:

[D] Mit Genehmigung der Charles Urban Trading Co., London.

[E] Die Figuren 47 bis 52 sind hergestellt nach Aufnahmen der
Firma Lon Gaumont, Paris, und zwar mit Genehmigung der Pariser
Zeitschrift >L'Illustration<, in der sie erschienen.




Die Bedeutung des Kinematographen.


_Der Kinematograph als Forscher und Lehrer._

[Sidenote: Illustration Taschenkinematograph]

So bewundernswert nun auch die technischen Leistungen bei solchen
Aufnahmen sein mgen: in diesen Kunststcken darf man nicht den
Hauptwert des Kinematographen suchen. Seine eigentliche Bedeutung liegt
auf anderem Gebiete: In der Hand des Naturfreundes ist der Kinematograph
ein groer Forscher geworden. Er schaut durchs Vergrerungsglas und
verfolgt das Treiben der kleinen Lebewesen; er belauscht die Vgel in
ihren Nestern; er beobachtet die Pflanzen und Blumen, wie sie wachsen,
verblhen und vergehen; dann wieder sucht er fremde Lnder und Vlker
auf und studiert ihre Sitten und ihren Sinn, oder er geht mit dem
Techniker in groe industrielle Werke. Er sieht alles, schreibt alles
auf seinem Film auf, nichts entgeht ihm. Und so oft man will, erzhlt er
alles getreu bis in die kleinsten Einzelheiten wieder.

Dem Gelehrten vermag der Kinematograph unschtzbare Dienste zu leisten,
indem er festhlt, was des Menschen Auge nicht mehr verfolgen, nicht
mehr unterscheiden kann. Und uns steht durch den Kinematographen die
ganze Welt mit ihrem Getriebe offen. Was die Natur im Groen und im
Kleinen nur darbietet, was der Mensch nur erschafft, alles bringt dieser
Wunderapparat vor unser Auge. In spielender Unterhaltung zeigt und lehrt
er innerhalb einer Stunde mehr, als mancher nach langem, schwierigem
Studium beobachtet oder auf kostspieliger, weiter Reise gesehen hat.


_Macht der kinematographischen Darstellung._

Wie lebendig und berzeugend ist seine Sprache! Wer noch nie am Meere
gewesen ist, erhlt wohl von einer Photographie oder einem Gemlde einen
Eindruck der unendlichen Wasserflche; aber erst der Kinematograph zeigt
ihm, wie die mchtigen Wogen dahingehen, wie sie brandend auf den Sand
rollen oder hoch aufschumend gegen die Felskste schlagen, zeigt ihm,
wie ein Ozeandampfer hinausfhrt oder ein Kriegsschiff manvriert.

Diese lebendige Sprache verleiht auch dem kinematographischen Drama eine
so mchtige Wirkung. Statt des Phantasiebildes, das wir beim Lesen
gewinnen, drngt sich hier gewissermaen leibhaftige Wirklichkeit auf.
Ja, da dem taubstummen Stcke die Worte fehlen, wird die Handlung
zusammengedrngt: was uns der Roman im Laufe von Stunden erzhlt,
wickelt sich hier in Minuten ab -- daher atemlose Spannung von Anfang
bis zu Ende. Kraftvollen Schriftstellern ist das kinematographische
Drama ein vorzgliches Ausdrucksmittel.


_Das Kinematographen-Theater._

Praktische Anwendung hat der Kinematograph in umfangreichem Mae in den
Kinematographen-Theatern gefunden, besitzt doch bei uns jede Stadt von
soundsoviel tausend Einwohnern mindestens ein solches Theater (wenn
nicht, wie heit der verwaiste Ort? Interessenten bezahlen den
Nachweis). In den Programms herrschen die dramatischen Darstellungen
vor. Man sucht vielfach volle Huser zu gewinnen, indem man dem
Sensationsgelste der Menge entgegenkommt und im bermae aufregende,
nervenreizende Stcke bringt. Diese Tendenz zahlreicher Unternehmungen:
Sensationell um jeden Preis hat dem Kinematograph einen bsen Ruf
eingebracht und Gegenbewegungen ins Leben gerufen. Gewi ist auch viel
Erfreuliches zu verzeichnen, vielerlei schne Aufnahmen werden gezeigt,
die hohen Bildungswert besitzen. Diesen mchte ein grerer Platz
eingerumt werden. Solange indessen das Volk gerade an den garstigen
Stcken seinen Gefallen bekundet, solange Filmfabriken und Theater
sehen, da sie damit ihre besten Einnahmen machen, ist eine gehrige
Besserung schwerlich zu erwarten.


_Das Tonbild._

[Sidenote: Illustration Taschenkinematograph]

Im Kinematographen-Theater findet man auch das Tonbild, die Verbindung
von Kinematograph und Sprechmaschine. Der eine Apparat stellt die
bildliche Szene dar, whrend der andere die Figuren sprechen, singen und
musizieren lt. Die Aufnahmen dazu mit kinematographischer Kamera und
Grammophon werden getrennt vorgenommen, und zwar erfolgt die eine an
Hand der anderen. Damit sich nun bei der Wiedergabe Bild und Ton genau
decken, damit also nicht die Bewegungen den Worten vorauseilen oder
dahinter zurckbleiben, mssen beide Apparate Hand in Hand -- man sagt
synchron -- laufen. Diese Forderung zu erfllen, werden Sie denken,
ist eine einfache Aufgabe -- gewi: man braucht nur die Rderwerke von
Kinematograph und Sprechmaschine durch eine geeignete bersetzung
zwanglufig miteinander zu verbinden; dann mu der eine genau mit dem
anderen gehen, er kann nicht vorstreben oder zurckbleiben. Indessen
bietet die praktische Ausfhrung insofern eine Schwierigkeit, als man
das Grammophon, um die richtige Wirkung zu erzielen, beim
Projektionsschirm, also weit vom Kinematograph entfernt, aufstellt. Aber
auch eine andere Forderung ist schwer mit dieser Lsung in Einklang zu
bringen: die Sprechmaschine mu nmlich mit einer bestimmten
Geschwindigkeit laufen, damit der Ton die richtige Hhe erhlt, und sie
ist darin sehr empfindlich -- jede Abweichung bringt einen Miton. Nun
ist der Kinematograph ein unruhiger Bruder; er luft nicht so
gleichmig: da kommt z. B. einmal eine Klebstelle im Filmband, die
momentan eine geringe Verzgerung der Geschwindigkeit herbeifhrt -- in
diesem Augenblick schreit die Sprechmaschine, der Ton geht herunter, um
sofort wieder in die Hhe zu schnellen. Um diesen belstand zu
vermeiden, lt man das Grammophon, so wie es soll, ruhig fr sich
laufen und reguliert nun nach seinem Gang mittels einer
Anzeigevorrichtung die Geschwindigkeit des Kinematographen. Derartige
Vorrichtungen -- man nennt sie Synchronismen -- gibt es verschiedene.
Hier sind es optische Signale, wonach der Operateur den Gleichlauf
kontrolliert, dort auf elektrischem Wege bertragene Zeichen; bei
anderen hinwieder geschieht die Regelung automatisch: der Motor des
Kinematographen wird selbstttig in seiner Geschwindigkeit korrigiert,
wenn die bereinstimmung aussetzt.


_Fehlerhafte Erscheinungen._

Da wir grade im Kinematographen-Theater sind, hre ich Sie die Frage
stellen: woher kommt es, da man zuweilen auf dem lebenden Lichtbilde
vorwrts fahrende Wagen mit schleifenden oder gar rckwrts laufenden
Rdern sieht? Nun, suchen wir einmal die Erklrung! Bei der Aufnahme der
Szene machte die kinematographische Kamera etwa 15 Belichtungen in der
Sekunde, also wurde auch das Rad 15 mal in der Sekunde photographiert.
Nun hat sich das Rad zwischen den einzelnen Aufnahmen stets um ein Stck
gedreht, und wenn es der Zufall will, so ist in dieser Zeit immer eine
Speiche genau an die Stelle der nchsten getreten. Da eine Speiche
aussieht wie die andere, bietet dann das Rad auf allen Bildern das
gleiche Aussehen; unser Auge nimmt also keine Bewegung in den Speichen
wahr und wir meinen, das Rad stnde still. Nehmen wir nun an, das Rad
laufe etwas langsamer wie vorher. Dann bleibt die Speiche, welche bisher
-- in der Zeit von Aufnahme zu Aufnahme -- immer genau an Stelle der
Nachbarspeiche getreten war, etwas gegen diese zurck. Unser Auge
verwechselt nun diese Speichen, die in den aufeinanderfolgenden Bildern
so nahe beieinander sind, und wir nehmen eine langsame Rckwrtsdrehung
wahr. Es brauchte nur eine einzige der Speichen eine abweichende Form zu
besitzen, so fiele die Ursache zu dieser optischen Tuschung fort und
wir wrden sehen, wie diese Speichen sich richtig drehen und wie das Rad
vorwrts rollt.

[Sidenote: Illustration Taschenkinematograph]

Ferner fragen Sie: manchmal sieht man in den kinematographischen
Darstellungen berhastete Bewegungen! -- Diese Erscheinung tritt ein,
wenn der Vorfhrer den Apparat zu rasch laufen lt. Es ist leicht
verstndlich: je rascher man den Film durchlaufen lt, desto schneller
spielt sich die Szene ab. Die Bewegungen knnen nur dann natrlich
wirken, wenn die Wiedergabe mit der gleichen Geschwindigkeit, also mit
der gleichen Bilderzahl in der Sekunde, erfolgt wie die Aufnahme.
Endlich: woher kommt es, da man zuweilen im lebenden Lichtbilde ein
unangenehmes Flickern wahrnimmt? -- In solchem Falle wird zur Vorfhrung
ein alter oder schlecht behandelter Film benutzt, der, wie man sagt,
verregnet ist. Mit jedem neuen Bilde, also 15 mal in der Sekunde,
erscheinen immer wieder andere Flecken und Kratzen, die bald hier, bald
dort sitzen und daher auf unser Auge wie ein Gewirre tanzender Mcken
wirken.


_Das lebende Lichtbild in Schule und Vortragssaal._

Ein groes Anwendungsgebiet steht dem Kinematographen noch offen: die
Schule; sie hat sich des lebenden Lichtbildes bisher noch wenig
angenommen. Und doch stellt der kinematographische Apparat ein
ausgezeichnetes Anschauungsmittel dar, das dem Lehrer groe Hilfe bietet
und gleichzeitig eine Erweiterung des Lehrplanes ermglicht. Praktische
Vorschlge, die auf die Einfhrung des Kinematographen in die Schule
hinzielen, sind schon ausgearbeitet worden. Das Gleiche gilt vom Hrsaal
der Hochschulen und Universitten, sowie vom Unterricht in Kunstschulen,
der auch durch geeignete Aufnahmen gewinnen wird.

In Vereinen und bei ffentlichen Vortrgen, wo die Benutzung des
Lichtbilderapparates fast zur Regel geworden ist, findet man den
Kinematographen schon hufiger. Mag der Vortragsredner auch sprechen
ber Lnder und Vlker, ber Tiere und Pflanzen, ber technische
Betriebe oder ber Luftschiffe und Flugmaschinen -- wenn er nicht das
Objekt selbst demonstrieren kann: gibt es fr ihn ein besseres
Anschauungsmittel als das lebende Lichtbild?

Einer ausgedehnteren Verwendung des Kinematographen in Schule und Verein
steht heute weniger im Wege wie ehedem, wo ein solcher Apparat sehr
kostspielig war. Fr einige hundert Mark kann man jetzt schon eine
leistungsfhige praktische Einrichtung erhalten; ist bereits ein
Lichtbilderapparat vorhanden, so kommt man wesentlich billiger weg,
weil dann nur der Mechanismus zu beschaffen ist. Ferner liegt ein
umfangreiches Material an guten, lehrhaften kinematographischen
Aufnahmen vor, deren Zahl stndig vermehrt wird, und es gibt viele
Anstalten, die Films verleihen.


_Was es an lehrhaften Films gibt._

Alle Weltteile, aller Herren Lnder sind in kinematographischen
Darstellungen vertreten. Da gibt es Films von Rom, Pompeji, Venedig, von
Konstantinopel, Moskau und Tiflis; nicht minder solche, die uns Berlin,
London, Paris zeigen. Die berhmten Sttten Palstinas und Egyptens sind
ebenso im lebenden Bilde festgehalten, wie die interessantesten Pltze
aus Indien, China und Japan. Der Rheinfall bei Schaffhausen, die Strudel
des Zambesi und der Niagara haben dem Photographen und seiner
Kurbelkamera Modell gestanden; selbst der Sdpol ist kinematographisch
erobert, nachdem Shackleton in seiner Nhe erfolgreich Aufnahmen gemacht
hat. Ein gleichfalls groes Kapitel der Filmaufnahmen betrifft die
verschiedenen Vlker in ihren Sitten, Gebruchen und in ihrer
Gewerbettigkeit, sowie anschlieend daran die moderne Technik.
Arabische Tpferei, indische Seilerei, Kriegstnze der Sdseeinsulaner,
chinesische Hochzeit, Walfischfang, Krokodiljagd, Strauenzucht,
Gewinnung und Verarbeitung des Tees und der Baumwolle -- vom Felde bis
zum Versand des fertigen Produktes, Betrieb in den Diamantminen
Sdafrikas und den Goldgruben Australiens; dann bei uns: Eisengieerei,
Herstellung von Eisenbahnschienen und von Lokomotiven, Wagenbau,
Werkzeugmaschinen in Ttigkeit, Stapellauf eines Dampfers, Herstellung
von Luftballons, die verschiedenen Systeme der Flugmaschinen, -- das
sind lauter Titel von Films, die fr Lehranstalten und Vortrge von
groem Wert sind. Fr den naturkundlichen Unterricht gibt es Aufnahmen,
wie: die Ameise, die Biene, von der Raupe zum Schmetterling, das Leben
im Sumpfwasser, das Leben im Ei, wilde Vgel in ihren Nestern. Die
medizinische Fakultt findet Anschauungsmaterial in kinematographischen
Aufnahmen von Operationen, wie solche verschiedentlich hergestellt
worden sind.


_Kinematographische Aufnahmen fr Kunstschulen._

[Sidenote: Illustration Taschenkinematograph]

Fr Kunstschulen werden Bewegungsstudien der Art von Wert sein, wie sie
Muybridge und Anschtz schon vor 20 bis 30 Jahren schufen (vergl. die
Darstellungen auf dem Lebensrad und in Fig. 15). Aufnahmen von
schreitenden und laufenden Menschen und Tieren, von bewegten Gewndern,
von der wogenden und brandenden See mgen die Beobachtung in der Natur
trefflich ergnzen. Ja, whrend die wiederholte Beobachtung einer
Bewegung in der Natur dadurch erschwert wird, da beim zweiten und
dritten Mal die Bewegung nicht die gleiche ist wie zuerst, indem
Zuflligkeiten andere Formen hineinbringen, zeigt der Kinematograph, so
oft man will, immer wieder genau denselben Vorgang ohne die geringste
Abweichung. Ungestrt kann der Knstler -- Bildhauer oder Maler -- sein
Augenmerk auf einen bestimmten Moment konzentrieren, der ihn besonders
interessiert: er wei, da dieser jedesmal gleichmig wiederkehrt.
Schlielich steht es ihm frei, die Einzelbilder zu studieren und zu
vergleichen.

Auch die Schauspielkunst sollte sich der Kinematographie bemchtigen,
sollte sie zur Belehrung, namentlich angehender Bhnenknstler,
heranziehen und durch geeignete Aufnahmen -- bedeutende Schauspieler in
wichtigen Rollen sowie vorbildliche Auffhrungen -- Studienmaterial
schaffen.


_Der Kinematographenfilm als geschichtliche Urkunde._

Wiederholt hat man angeregt, kinematographische Archive anzulegen, und
Anfnge dazu sind auch wohl schon gemacht worden. Denn manche der
Aufnahmen, die wir heute als aktuell bezeichnen, werden als urkundliches
Material von groem Werte fr unsere Nachkommen sein: sie werden
geschichtliche Begebenheiten in der richtigen Anschauung berliefern.
Was wrden wir darum geben, wenn wir berhmte Mnner der Vergangenheit,
wichtige historische Ereignisse im Lichtbilde aufleben lassen knnten!
Vielleicht wird gar einmal das Wort des Witzblattes wahr, wonach der
General vor der Schlacht ausruft: Soldaten, seid tapfer, die
Kinematographen der ganzen Welt blicken auf euch!


_Das lebende Lichtbild im Dienste der Reklame._

Erfolgreich hat man den Kinematograph -- wenn auch einstweilen noch in
geringem Mastabe -- in den Dienst der Reklame gestellt: der
Geschftsreisende zeigt den Interessenten im lebenden Lichtbild, wie
eine neue Maschine arbeitet; Verkehrsgesellschaften lassen Ansichten der
von ihnen befahrenen Gegenden vorfhren. So konnte man einen schnen
Film sehen, der die Reise eines Lloyddampfers von Bremen nach New York
wiedergibt und der einem gar sehr den Mund wsserig macht, einmal
mitzufahren. Die Southern Pacific Railway Company drben benutzt
kinematographische Bilder, die dort allenthalben gezeigt werden, um ihr
Unternehmen bekannt zu machen. In Australien lt man zahlreiche
Aufnahmen herstellen, durch deren Vorfhrung Ansiedler aus Europa
geworben werden sollen. -- Es ist das ein Gebiet, das sich noch weit
ausbauen lt.


_Der Kinematograph in der Wissenschaft._

Als Hilfsmittel bei wissenschaftlichen Forschungen wurde der
Kinematograph bisher nur vereinzelt angewandt. Aber was der Apparat auf
diesem Felde bereits geleistet hat, ist so beachtenswert, da die
Gelehrten ihn im Laufe der Zeit ohne Zweifel immer mehr heranziehen
werden. So hat der franzsische Physiologe Marey, dessen grundlegender
Arbeiten wir eingangs gedachten, schon vor mehr denn 20 Jahren die
Kinematographie zum Studium der Bewegungsvorgnge bei Menschen und
Tieren benutzt. Auch Professor Fischer grndete seine eingehenden
Untersuchungen des Ganges und der dabei wirksamen Krfte auf die
Ergebnisse, welche die photographische Registrierung ihm geliefert
hatte.

[Sidenote: Illustration Taschenkinematograph]

  [Illustration: Fig. 53. Photographie der Sprache, Reihenaufnahme
  von Demeny.]

Demeny, der verdienstvolle Mitarbeiter Marey's, machte Aufnahmen der
Mundbewegungen sprechender Personen und wies darauf hin, da derartige
Bilderreihen fr die Physiologie der Sprache von Wert seien und da sie
ferner brauchbares Lehrmaterial fr Snger und Taubstumme darbten.
Figur 53 zeigt die Reihenaufnahme eines Mannes, der die Worte
ausspricht: Je vous aime. Tatschlich konnten Schler einer
Taubstummenanstalt, die gelernt hatten, von den Lippen zu lesen, diese
Worte aus der Aufnahme verstehen, wenn sie als lebendes Bild mit dem
Lebensrade oder auf dem Projektionsschirm gezeigt wurde. Die Abbildung
ist auch historisch interessant, insofern als sie aus dem Anfangsstadium
der Kinematographie stammt: sie wurde von Demeny im Jahre 1891 mit
seiner gegen heute verhltnismig noch primitiven Apparateinrichtung
unter groen Mhen hergestellt.

Ein anderes Anwendungsgebiet der Kinematographie beschritt Londe
(ebenfalls zur Zeit Marey's), indem er krankhafte Bewegungen nervser
Personen in einer Anzahl von Bildern festhielt; es konnte dadurch eine
sichere Unterlage fr genaue Studien gewonnen werden.

Mit Hilfe kinematographischer Aufnahmen gelang es ferner, den
Flgelschlag der Insekten zu erforschen. Die Fliege bewegt ihre Flgel
so rasch, da man nichts als ein Flimmern wahrnimmt; auch der beste
Beobachter ist machtlos dagegen. Der Kinematograph indessen, mit groer
Geschwindigkeit laufend, so da er bis zu 1500 Bilder in der Sekunde
aufnimmt, hlt alle Phasen der Bewegung fest. Und wenn dann die
gewonnenen Bilder mit normaler Geschwindigkeit -- 15 in der Sekunde --
auf den Projektionsschirm geworfen werden, so spielt sich dort der
Vorgang hundertmal langsamer ab: mit Ruhe kann man nun das Auf- und
Abgehen der Flgel und das Arbeiten des Flugmechanismus verfolgen.
Umgekehrt hat man mit Hilfe des Apparates Bewegungen, die zu langsam vor
sich gehen, als da man sie zu bersehen vermchte, knstlich
beschleunigt. Auf diese Weise kann man das Wachstum der Pflanze mit dem
Auge verfolgen. So wurde z. B. eine aufblhende Victoria Regia mit
beraus geringer Geschwindigkeit -- etwa alle 2 Minuten ein Bild --
aufgenommen. In der Projektion der Aufnahme, die mit normaler
Geschwindigkeit: 15 Bilder in der Sekunde -- also 1800 mal rascher,
erfolgt, sieht man dann den Vorgang, der in der Natur Stunden in
Anspruch nimmt, innerhalb weniger Minuten sich abwickeln. Man verfolgt
deutlich, wie die Knospenhllen sinken, wie sich ein Bltenblatt vom
anderen hebt, bis die herrliche Blume voll entfaltet ist, und wie sie
alsbald wieder vergeht.

[Sidenote: Illustration Taschenkinematograph]

In gleicher Weise hat der franzsische Astronom Flammarion die Vorgnge
am Sternhimmel, die sich whrend einer fast 16 stndigen Nacht
abspielten, in 2 bis 3 Minuten zur Darstellung gebracht: es wurden, wie
bei den Pflanzen, mit dem Kinematograph in gewissen Zeitabstnden
Aufnahmen gemacht, insgesamt 2000 bis 3000, und diese dann mit der
normalen Geschwindigkeit projiziert. Da sieht man vom Sonnenuntergang an
alle Bewegungen der Gestirne in etwa 400 facher Beschleunigung; man
verfolgt, wie die Milchstrae erscheint, wie der Mond aufgeht und vor
den brigen Himmelskrpern vorbei zieht, wie der ganze Sternhimmel sich
von Ost nach West dreht und wie endlich das Tagesgestirn aufsteigt.

Erfolgreich hat man den Kinematograph in Verbindung mit dem Mikroskop,
ja sogar mit dem Ultramikroskop gebracht, das uns die feinsten
Partikelchen zeigt. So wurden auf dem Film die Bewegungen der
Blutkrperchen und ihr Kampf mit den ins Blut eingebrachten Bazillen in
auerordentlich starker Vergrerung festgehalten. Man sieht, wie die
Krankheitserreger ber die roten Blutkrperchen herstrzen, um sie zu
verzehren. Der Forscher kann hier mit Ruhe die Vorgnge verfolgen; aus
den einzelnen Bildern solcher Aufnahmen vermag er die Zahl gewisser
Blutteilchen, die sich mit der Art der Ernhrung ndert, festzustellen.

Wellenbewegungen im Wasser, die ein Schiffskiel oder ein Propeller
erzeugt, werden mit dem Kinematograph studiert. Da man Spezialapparate
zur kinematographischen Aufnahme fliegender Geschosse hergestellt hat,
wurde schon erwhnt. Geheimrat Cranz konnte mit seinem Apparat, der 5000
Belichtungen in der Sekunde macht, die Vorgnge beim Abschieen einer
Kugel aus einer Selbstladepistole untersuchen; er konnte damit ferner
die Wirkung von Schssen auf Knochen, Metallplatten, wassergefllte
Gummiblasen und Kugeln aus feuchtem Ton in einer Reihe von Bildern
festlegen. Diese Bilder, von denen die Dresdener photographische
Ausstellung 1909 interessante Proben zeigte, brachten wichtige
Ereignisse: man sieht, da eine beschossene, dnne Messingplatte schon
durch den Druck der mitgerissenen Luft zerstrt wird, ehe die Kugel
selbst auftrifft; da die Zersplitterung eines durchschossenen Knochen
nach dem Durchschlagen des Geschosses weiter vor sich geht.

In neuerer Zeit ist es auch gelungen, kinematographische
Rntgenaufnahmen zu machen; darunter hat namentlich eine Reihenaufnahme
des Magens dem Mediziner neue wichtige Aufschlsse ber die Arbeitsweise
dieses Organs gegeben. Mit Hilfe einer solchen Aufnahme hat man auch bei
einem Magenkranken den Ort der Strung feststellen knnen.

Die Kinematographie in natrlichen Farben, dies schwierige Problem, ist
neuerdings ebenfalls, wenn nicht vollkommen, so doch in praktisch recht
zufriedenstellender Weise gelst worden. Es harrt noch die
stereoskopische Kinematographie der Lsung; sie wird uns dereinst,
hoffentlich in nicht zu ferner Zeit, das lebende Lichtbild in greifbarer
Plastik vor Augen fhren.


_Wirtschaftliche Bedeutung des Kinematographen._

Was die Kinematographie heute vorstellt, davon bekommt man einen
Begriff, wenn man die Unternehmungen berschaut, die in ihrem Dienste
stehen. Da sind zunchst -- soviel man schtzen kann -- 20000
Kinematographentheater, deren Besucherzahl tglich mehrere Millionen
betrgt. Um diese Theater mit Bildmaterial zu versorgen, schaffen in die
hundert Fabriken Tag fr Tag gegen 500000 Meter Film mit einem
Verkaufswert von einer Million Mark. Dazu kommen noch zahlreiche Werke,
welche die mechanischen und optischen Bestandteile der Apparate
herstellen. Kapitalien von vielen hundert Millionen sind in all den
verschiedenen Unternehmungen festgelegt, viel' Hunderttausende finden
darin ihr Auskommen. Wenn man bedenkt, da die Kinematographie vor 15
Jahren als bescheidenes Kind an die ffentlichkeit trat, so haben wir
hier eine Entwicklung vor uns, wie sie wohl selten eine Industrie
erlebt.




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[Sidenote: Illustration Taschenkinematograph]


                          Der Kinematograph

                            nebst Beiblatt

                       Aus dem Reiche der Tne

  Fachzeitung fr Kinematographie, Phonographie und Musik-Automaten.

  Bezugspreis: vierteljhrlich Inland Mk. 2,10
               Ausland                 "  2,75

  Anzeigenpreis: Nonpareille-Zeile 20 Pfg
  Stellen-Anzeigen die Zeile       10  "

  Schluss der Redaktion und Anzeigen-Annahme: _=Montag Abend=_.

  Zuschriften sind an den Verlag des Kinematograph, Dsseldorf,
  Postfach 71, zu richten

  Alleinige Inseraten-Annahme fr Frankreich, England und Belgien durch
  die Compagnie gnrale de Publicite, John F. Jones & Cie. in Paris, 31
  bis, rue du Faubourg-Montmartre.

                            in Dsseldorf

          ist das lteste und meist verbreitete Fachblatt.

                 Abonnement fr das Inland Mk. 2.10
               Ausland Mk. 2.75 _=pro Vierteljahr=_.
               _=Anzeigen=_ die kleine Zeile 20 Pfg.

  1. Hauptbuch fr Kinematographen
     und Film-Verleiher. Preis Mk. 9.--

  2. Kassenbuch f. Kinematographen
     und Film-Verleiher. Preis Mk. 8.--

  Beide Bcher reichen Jahre lang aus und bieten die
  einzige brauchbare Grundlage bei Steuerreklamationen,
  Kauf und Verkauf eines Kinotheaters, Auseinandersetzungen
  und dergleichen.

            Vorrtig in der Druckerei des Kinematograph

        Postfach       Ed. Lintz, Dsseldorf        Postfach
        Nr. 71                                        Nr. 71




[Sidenote: Illustration Taschenkinematograph]

                              LPW.

                 Umformer fr Kinematografen

           Normale                         Sekundre
          Leistungen                      Leistungen,
                                           45-60 Volt
           Primre                        30-40 Ampre
          Spannungen
         110, 220 Volt                  Spezial-Offerten
         oder 440 Volt                    zu Diensten
          Gleichstrom

  [Illustration]

                Komplette Schalttafeln mit allen
             Mess- und Regulier-Apparaten etc. etc.

       Aggregate fr Drehstrom und Einphasen-Wechselstrom
                          auf Anfrage

             Spezial-Fabrik fr galvanische Anlagen

                              zur

          Vernickelung                      Vergoldung
          Vermessingung                   Versilberung
          Verkupferung                      Verzinnung
          Verzinkung                        Verbleiung


               Langbein-Pfanhauser Werke, A.-G.

                     Leipzig-Sellerhausen

  Filialen: Berlin, Wien, Birmingham, Brssel, Frankfurt a. M., Mailand,
             Nrnberg, Solingen, Utrecht, Zrich.




                     Steinheil-Objektive
                     fr Kinematographie.

  [Illustration: Triplar 1:3,5 halbverkittet.]

  [Illustration: Unofocal 1:4,5 unverkittet.]

                    Man verlange Katalog.

                    C. A. Steinheil Shne

   optisch-astronom.        Mnchen.          Gegrndet
     Werksttte                                 1855


  [Illustration]

                          Bogenlampen
                              und
                          Scheinwerfer
                              fr
                       Projektionszwecke

                      KRTING & MATHIESEN

                      AKTIENGESELLSCHAFT

                       Leutzsch-Leipzig.




[Sidenote: Illustration Taschenkinematograph]

                          _Symphonion-_

                     _Elektrische Klaviere_

         6 verschiedene Modelle in Nussbaum und Eiche
            mit Mandolinen- und Xylophonbegleitung.


                 _Elektr. Kunstspiel-Klaviere_

          in hochmodernen Gehusen mit vorzglicher,
       selbstttiger Modulation vom feinsten Piano bis
                      zum strksten Forte.


                    _Symphonion-Parlopiano_

          Verbindung von Klavier mit Sprechapparat,
      sodass also der Vortrag einer Platte zu gleicher
             Zeit vom Klavier begleitet wird.

  Hochwichtige interessante Neuheit, fr Kinematographentheater
                  etc. besonders zu empfehlen.

       Man verlange ausfhrliche Beschreibungen, sowie
       Kataloge und die sonstigen Drucksachen von der

              _Symphonionfabrik Aktiengesellschaft
                         Leipzig-Gohlis_.




                         TROCKENPLATTEN

                          GUILLEMINOT

              R. GUILLEMINOT, B[OE]SPFLUG ET C^{ie}

                    22 RUE DE CHATEAUDUN, 22

                             PARIS

                            PAPIERE

  [Illustration: Packg. Trockenplatten]


                         Metol-Hauff

               In Substanz, Patronen u. konzentr.
                           Lsungen.

         =Metol-Hauff= ist der =beste Rapidentwickler=!

                 Arbeitet mit =grosser Kraft= und
                    bringt alle Details in den
                        Schatten heraus.

                  Besitzt =grosse Haltbarkeit=.

                 Ist besonders fr Atelier- und
                    Momentaufnahmen geeignet.

              Wird in Kombination mit Hydrochinon
                     oder Adurol in seiner
                  Wirkung von =keinem anderen
                Entwickler erreicht= und ist in
                dieser Zusammensetzung besonders
                   auch fr die Entwicklung
             von Bromsilberpapier und Diapositiven
                         zu empfehlen.

                         Adurol-Hauff

               In Substanz, Patronen u. konzentr.
                           Lsungen.

           =Adurol-Hauff= ist der =haltbarste= aller
              Entwickler! Arbeitet mssig rasch,
                ist leicht abstimmbar und wird
                von niederen Temperaturen fast
                    gar nicht beeinflusst.

              Gibt =hchste Kraft= in Licht und
              Schatten und ist =sehr ausgiebig=.

             Ist =hervorragend geeignet= fr alle
             Platten und Filmsorten, Diapositive
                    und Bromsilberpapiere.

                              Wer

             =Adurol-Hauff= einmal probiert hat,
            gibt diesen =vorzglichen= Entwickler
                  =nicht mehr aus der Hand=.

                Bezug durch die Photo-Hndler.

   J. Hauff & Co., G. m. b. H., Feuerbach, Wrttemberg.




[Sidenote: Illustration Taschenkinematograph]

  [Illustration: Messters Projection]

                          G. m. b. H.,

             Berlin SW 48, Friedrichstrasse 16.

                     Spezial-Fabrik fr:

                 Kinematographische Apparate

                         Messterscher
                         Konstruktion

                            und fr

                   Kinematographische Films.




                     C. Conradty, Nrnberg

         Fabrik elektrischer und galvanischer Kohlen.

                          Spezialitt:

             Kohlenstifte fr Projektions-Lampen
                        und Scheinwerfer.

                Marke =Noris-Scheinwerfer=,
      Marke =Noris-Excello=, Marke =Noris-Chromo=

  gelb, perlweiss, brillantweiss, rot fr =Effektbeleuchtung=.


                            Lumire

                         Kinemato-Film

                      Negativ und Positiv

                          BLOCK-FILM

                           ROLL-FILM

                     Verfahren V. PLANCHON

           A. LUMIRE & SES FILS, LYON, Frankreich

               GENERAL-DEPOT: MLHAUSEN i. Els.




[Sidenote: Illustration Taschenkinematograph]

                          Schippang-
                     Diapositiv-Platten

                  hervorragend durch ihre

                vorzgl. Plastik u. Brillanz

        tiefe Schatten, durchsichtige Halbschatten,
                     glasklare Lichter.

               Auch lichthoffreie Prparation.

                    Trockenplattenfabrik

                   J. F. Schippang & Co.,
        G. m. b. H.  BERLIN S.  Prinzenstr. 24.


               Maschinenfabrik Wilh. Frenzel

                      Radebeul-Dresden.

            30 jhr. eig. praktische Erfahrung.

                         Baut alle

                     Spezial-Maschinen

         fr Bromsilberpapiere, Celloidinpapiere,
               Barytpapiere, Trockenplatten,
                Films, Lichtpauspapiere u.
             chem. prp. od. gestrich. Papiere.




    Kohlenstbe                             Kohlenstbe
    fr Effektbeleuchtung          fr Reinbeleuchtung.

    gelb, rot, edelweiss.
                                    =Spezialkohlen= fr
    =Spezialkohlen= fr                Scheinwerfer und
    indirektes Licht.              Projektionsapparate.

    Schleif- u. Druck-Kontakte von jeder Leitfhigkeit.
        Kohlen fr Elektrolyse. :: Mikrophonkohlen.

                  Gebrder Siemens & Co.,
                  Lichtenberg bei Berlin.

    Stadtlager: Berlin SW., Schnebergerstrasse 3.


                       KINO FILM CO.
                          m. b. H.

                      Dren (Rhld.).

                      Spezialfabrik
                           fr
              Positiv- u. Negativ-Roh-Films
                   fr Kinematographie.




[Sidenote: Illustration Taschenkinematograph]

                   Mentor-Kinematograph

                   ein leistungsfhiger,
                    preiswerter Apparat
                    fr Lehranstalten,
                       Vereine etc.

                   Preis des Mechanismus
         einschlielich Kinematographen-Objektiv

                        =Mk. 150.--=

                    Dieser Mechanismus
             lt sich an jedem vorhandenen
                    Lichtbilder-Apparat
                         anbringen.

  [Illustration: Mentor-Kinematograph]

  In Verbindung mit dem Projektions-Apparat Zela kostet
        der Mentor-Kinematograph      =Mk. 200.--=

                   Aus einer Zuschrift:

  Ihre Sendung Kinematograph etc. gelangte vergangene
  Woche in meinen Besitz. Alles tadellos und wohlbehalten.
  Die angestellten Versuche besonders mit Mentor-Kino
  ergaben eine staunenswerte Przision und Leistungsfhigkeit
  des Werks, die Kenner bewundern.

                           gez. =Heinr. Shnge (Kapkolonie).=

    Kataloge ber Projektions-Apparate, Kinematographen
    und Lichtbilder werden auf Verlangen _=kostenfrei=_
                         bersandt.

  Gegr.          Ed. Liesegang, Dsseldorf          Gegr.
  1854                                               1854




                   _Elektr. Bogenlampen-
                   und Apparate-Fabrik_

    _G. m. b. H. -- NRNBERG liefert als Spezialitt:_

               _Alle Arten von Bogenlampen
                    Projektionslampen
                   Belichtungsapparate
                      Scheinwerfer
              Transformatoren, Widerstnde_


  Im gleichen Verlag erschien:
                        Preis Mk. 8.--, geb. Mk. 9.--, Porto Mk. 0.30.

       Handbuch der praktischen Kinematographie.

  Die verschiedenen Konstruktionsformen des Kinematographen, die
  Darstellung der lebenden Lichtbilder sowie das kinematographische
  Aufnahmeverfahren.

  Mit ca. 300 Seiten Text und ca. 125 Abbildungen von _=F. Paul
  Liesegang=_.

  Einige Beurteilungen:

  ..... Es mu deshalb als eine Bedrfnisfrage bezeichnet werden, wenn
  versucht wird, das Gesamtgebiet der Kinematographie in seinem ganzen
  Umfange literarisch zu bearbeiten und den heutigen Standpunkt
  festzulegen. Dies hat im vorliegenden Falle einer der Berufensten
  bernommen. Der Verfasser widmet sich bekanntlich seit Jahren fast
  ausschlielich der Projektionskunst und dieses bietet die sichere
  Gewhr, sach- und fachkundige Behandlung des Stoffes erwarten zu
  drfen.

  Er versteht es, nicht eine trockene Schilderung zu bringen, sondern in
  der ihm eigenen Lehrform eine hchst ansprechende und berzeugende
  Darstellung zu geben. Nicht nur, wer die Kinematographie auszuben
  gedenkt, sondern jeder, der sich fr sie nur interessiert, sollte dieses
  Handbuch gelesen haben.                  =Die Photographische Kunst.=

  Ich habe mir das mir von Ihnen empfohlene Buch: Handbuch der
  praktischen Kinematographie von F. Paul Liesegang bestellt und kann ich
  nicht umhin, Ihnen meine vollste Zufriedenheit auszusprechen. Ich habe
  noch nie ein Buch hnlichen Inhalts gefunden, welches so klar, deutlich
  und interessant geschrieben wre; mit vollster Befriedigung habe ich das
  Buch zu Ende gelesen.                            =Alexander Ohnheiser.=

  ..... Nachdem die Kinematographie nun eine so weite Verbreitung
  gefunden hat, war die Verffentlichung eines Handbuches hierber eine
  Notwendigkeit und es ist dem Verfasser zu danken, da gerade er sich der
  mhevollen Aufgabe unterzog, ein solches Handbuch zu schaffen; seine
  Beziehungen zu dieser Industrie befhigen ihn besonders, wirklich nur
  das zu bringen, was in der Praxis gebraucht und verlangt wird. Das
  Liesegang'sche Handbuch behandelt die smtlichen einschlgigen Fragen in
  klarer und jedermann leichtverstndlicher Weise und drfte daher allen
  denjenigen vortreffliche Dienste leisten, die sich mit der
  Kinematographie eingehender beschftigen oder beschftigen wollen.
                                              =Photograph. Wochenblatt.=




[Sidenote: Illustration Taschenkinematograph]

                      Optische Anstalt

                       G. Rodenstock

                           Mnchen

       Isartalstrasse 41          Isartalstrasse 41

                       Spezial-Firma

                   :: fr erstklassige ::

                   Kinematographen-Optik

                        lichtstarke
                   Kino-Objektive F 2,5
                   Projektions-Apparate
                   Projektions-Objektive
                  Projektions-Anastigmate
                  Projektions-Mikroskope

                       Kondensatoren

               aus extra weissem Kronglase.

          Projektions-Katalog gratis und franko.




    Kinemacolor (Urban Smith Patent)

            ist die grte Neuigkeit und bietet die grte
            Anziehungskraft seit Einfhrung der lebenden
            Lichtbilder.

    Kinemacolor (Urban Smith Patent)

            ist das einzige praktische Verfahren zur photographischen
            Wiedergabe smtlicher Farben der Natur.

    Kinemacolor Films

            kosten nicht mehr als die gewhnlichen auf
            mechanischem Wege oder mit der Hand kolorierten
            Bilder.

    Kinemacolor (Urban Smith Patent)

            bedeutet eine Revolution auf dem Gebiete der
            Kinematographie.

  Bedingungen fr die ausschlieliche Vorfhrung von Kinemacolor
          in den verschiedenen Lndern auf Verlangen.

              Natural Color Kinematograph Co. Ld.

        Alleinbesitzer und Fabrikanten von Kinemacolor

            Kinemacolor House, 80/82 Wardour Street

                          LONDON W.

            Telegramm-Adresse: Kinemacolor, London.




Notizen des Bearbeiters:

Gesperrter Test markiert durch         _= ... =_

Fett gedruckter Text markiert durch    = ... =

Kursiv gedruckter Text markiert durch  _ ... _

Unterschiedliche Schreibweisen wurden wie im Original beibehalten.

Das Caret-Zeichen beschreibt ein Hochstellung der in geschweiften
Klammern folgenden Zeichen.





End of Project Gutenberg's Das lebende Lichtbild, by Franz Paul Liesegang

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START: FULL LICENSE

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Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
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computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
from people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
www.gutenberg.org Section 3. Information about the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
volunteers and employees are scattered throughout numerous
locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
date contact information can be found at the Foundation's web site and
official page at www.gutenberg.org/contact

For additional contact information:

    Dr. Gregory B. Newby
    Chief Executive and Director
    gbnewby@pglaf.org

Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

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