The Project Gutenberg EBook of Erdgeist, by Frank Wedekind

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Title: Erdgeist

Author: Frank Wedekind

Release Date: July 12, 2017 [EBook #55103]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ERDGEIST ***




Produced by Peter Becker, Jens Sadowski, and the Online
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                             Frank Wedekind




                                Erdgeist


                       Tragdie in vier Aufzgen

   Mich schuf aus grberm Stoffe die Natur,
   Und zu der Erde zieht mich die Begierde.
   Dem bsen Geist gehrt die Erde, nicht
   Dem guten. Was die Gttlichen uns senden
   Von oben, sind nur allgemeine Gter;
   Ihr Licht erfreut, doch macht es keinen reich,
   In ihrem Staat erringt sich kein Besitz.
   Den Edelstein, das allgeschtzte Gold
   Mu man den falschen Mchten abgewinnen,
   Die unterm Tage schlimmgeartet hausen.
   Nicht ohne Opfer macht man sie geneigt,
   Und keiner lebet, der aus ihrem Dienst
   Die Seele htte rein zurckgezogen.

                Georg Mller Verlag Mnchen und Leipzig


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   Den Bhnen und Vereinen gegenber Manuskript. Das Auffhrungsrecht
   ist ausschlielich zu erwerben durch den Verlag Georg Mller,
   Mnchen.


                              Willy Grtor
                                gewidmet




                                Personen


   Medizinalrat Dr. _Goll_.
   Dr. _Schn_, Chefredakteur.
   _Alwa_, sein Sohn.
   _Schwarz_, Kunstmaler.
   _Prinz Escerny_, Afrikareisender.
   _Schigolch._
   _Rodrigo_, Artist.
   _Hugenberg_, Gymnasiast.
   _Escherich_, Reporter.
   _Lulu._
   _Grfin Geschwitz_, Malerin.
   _Ferdinand_, Kutscher.
   _Henriette_, Zimmermdchen.
   Ein _Bedienter_.

         Die Rolle _Hugenberg_ wird von einem Mdchen gespielt.

                   Rechts und links vom Schauspieler.




                                 Prolog


     Ein Tierbndiger tritt, nachdem der aufgezogene Vorhang einen
    Zelteingang hat sichtbar werden lassen, in zinnoberrotem Frack,
   weier Krawatte, langen schwarzen Locken, weien Beinkleidern und
     Stulpstiefeln, in der Linken eine Hetzpeitsche, in der Rechten
    einen geladenen Revolver, unter Zimbelklngen und Paukenschlgen
                             aus dem Zelt:

   Hereinspaziert in die Menagerie,
   Ihr stolzen Herrn, ihr lebenslust'gen Frauen,
   Mit heier Wollust und mit kaltem Grauen
   Die unbeseelte Kreatur zu schauen,
   Gebndigt durch das menschliche Genie.
   Hereinspaziert, die Vorstellung beginnt! --
   Auf zwei Personen kommt umsonst ein Kind.

   Hier kmpfen Tier und Mensch im engen Gitter,
   Wo jener hhnend seine Peitsche schwingt
   Und dieses, mit Gebrll wie Ungewitter,
   Dem Menschen mrderisch an die Kehle springt;
   Wo bald der Kluge, bald der Starke siegt,
   Bald Mensch, bald Tier geduckt am Estrich liegt;
   Das Tier bumt sich, der Mensch auf allen Vieren!
   Ein eisig kalter Herrscherblick --
   Die Bestie beugt entartet das Genick
   Und lt sich fromm die Ferse drauf postieren.

   Schlecht sind die Zeiten! -- All die Herrn und Damen,
   Die einst vor meinem Kfig sich geschart,
   Beehren Possen, Ibsen, Opern, Dramen
   Mit ihrer hochgeschtzten Gegenwart.
   An Futter fehlt es meinen Pensionren,
   So da sie gegenseitig sich verzehren.
   Wie gut hat's am Theater ein Akteur!
   Des Fleischs auf seinen Rippen ist er sicher,
   Sei auch der Hunger ein ganz frchterlicher
   Und des Kollegen Magen noch so leer. --
   Doch will man Groes in der Kunst erreichen,
   Darf man Verdienst nicht mit dem Lohn vergleichen.

   Was seht ihr in den Lust- und Trauerspielen?! --
   _Haustiere_, die so wohlgesittet fhlen,
   An blaer Pflanzenkost ihr Mtchen khlen
   Und schwelgen in behaglichem Geplrr,
   Wie jene Andern -- unten im Parterre:
   Der eine Held kann keinen Schnaps vertragen,
   Der andre zweifelt, ob er richtig liebt,
   Den dritten hrt ihr an der Welt verzagen,
   Fnf Akte lang hrt ihr ihn sich beklagen,
   Und niemand, der den Gnadensto ihm gibt. --
   Das _wahre_ Tier, das _wilde, schne_ Tier,
   Das -- meine Damen! -- sehn Sie nur bei mir.

   Sie sehen den _Tiger_, der gewohnheitsmig,
   Was in den Sprung ihm luft, hinunterschlingt;
   Den _Bren_, der, von Anbeginn gefrig,
   Beim spten Nachtmahl tot zu Boden sinkt;
   Sie sehn den kleinen amsanten _Affen_
   Aus Langeweile seine Kraft verpaffen;
   Er hat Talent, doch fehlt ihm jede Gre,
   Drum kokettiert er frech mit seiner Ble;
   Sie sehn in meinem Zelte, meiner Seel',
   Sogar gleich hinterm Vorhang ein _Kameel_! --
   Und sanft schmiegt das Getier sich mir zu Fen,
   Wenn -- (er schiet ins Publikum) -- donnernd mein Revolver knallt.
   Rings bebt die Kreatur; ich bleibe kalt --
   Der _Mensch_ bleibt kalt! -- Sie ehrfurchtsvoll zu gren.

   Hereinspaziert! -- Sie traun sich nicht herein? --
   Wohlan, Sie mgen selber Richter sein!
   Sie sehn auch das Gewrm aus allen Zonen:
   Chamleone, Schlangen, Krokodile,
   Drachen und Molche, die in Klften wohnen.
   Gewi, ich wei, Sie lcheln in der Stille
   Und glauben mir nicht eine Silbe mehr --
   (er lftet den Trvorhang und ruft in das Zelt:)
   He, Aujust! Bring mir unsre _Schlange_ her!

     (Ein schmerbuchiger Arbeiter trgt die Darstellerin der Lulu
       in ihrem Pierrotkostm aus dem Zelt und setzt sie vor dem
                          Tierbndiger nieder)

   Sie ward geschaffen, Unheil anzustiften,
   Zu locken, zu verfhren, zu vergiften --
   Zu morden, ohne da es einer sprt.

                        (Lulu am Kinn krauend:)

   Mein ses Tier, sei ja nur nicht _geziert_!
   Nicht _albern_, nicht _geknstelt_, nicht _verschroben_,
   Auch wenn die Kritiker dich weniger loben.
   Du hast kein Recht, uns durch Miaun und Fauchen
   Die _Urgestalt_ des _Weibes_ zu verstauchen,
   Durch Faxenmachen uns und Fratzenschneiden
   Des _Lasters Kindereinfalt_ zu verleiden!
   Du sollst -- drum sprech ich heute sehr ausfhrlich --
   _Natrlich_ sprechen und nicht unnatrlich!
   Denn erstes Grundgesetz seit frhster Zeit
   In jeder Kunst war _Selbstverstndlichkeit_!

                             (Zum Publikum)

   Es ist jetzt nichts Besondres dran zu sehen,
   Doch warten Sie, was spter wird geschehen:
   Mit starkem Druck umringelt sie den Tiger;
   Er heult und sthnt! -- Wer bleibt am Ende Sieger?! -- --
   Hopp, Aujust! Marsch! Trag sie an ihren Platz --

      (Der Arbeiter nimmt Lulu quer auf die Arme; der Tierbndiger
                       ttschelt ihr die Hften.)

   Die se Unschuld -- meinen grten Schatz!

               (Der Arbeiter trgt Lulu ins Zelt zurck.)

   Und nun bleibt noch das Beste zu erwhnen:
   Mein Schdel zwischen eines Raubtiers Zhnen.
   Hereinspaziert! Das Schauspiel ist nicht neu,
   Doch seine Freude hat man stets dabei.
   Ich wag' es, ihm den Rachen aufzureien,
   Und dieses Raubtier wagt nicht zuzubeien.
   So _schn_ es ist, so _wild_ und _buntgefleckt_,
   Vor meinem Schdel hat das Tier Respekt!
   Getrost leg' ich mein Haupt ihm in den Rachen;
   Ein _Witz_ -- und meine beiden Schlfen krachen!
   Dabei verzicht' ich auf des Auges Blitz;
   Mein _Leben_ setz' ich gegen _einen Witz_;
   Die Peitsche werf' ich fort und diese Waffen
   Und geb' mich _harmlos_, wie mich Gott geschaffen. --
   Wit ihr den Namen, den dies Raubtier fhrt? -- --
   Verehrtes Publikum -- -- Hereinspaziert!!

    Der Tierbndiger tritt unter Zimbelklngen und Paukenschlgen in
                            das Zelt zurck.




                             Erster Aufzug


      (Gerumiges Atelier. -- Rechts hinten Entreetr, rechts vorn
   Seitentr zum Schlafkabinett. In der Mitte ein Podium. Hinter dem
     Podium eine spanische Wand. Vor dem Podium ein Smyrnateppich.
   Links vorn zwei Staffeleien. Auf der hinteren das Brustbild eines
        jungen Mdchens. Gegen die vordere lehnt eine umgekehrte
    Leinwand. Vor den Staffeleien, etwas gegen die Mitte vorn, eine
    Ottomane. Darber ein Tigerfell. Rechts an der Wand zwei Sessel.
                   Im Hintergrund eine Trittleiter.)


                            Erster Auftritt

                           Schwarz und Schn

                                 Schn

    (auf dem Fuende der Ottomane sitzend, mustert das Brustbild auf
                        der hinteren Staffelei)

Wissen Sie, da ich die Dame von einer ganz neuen Seite kennen lerne?

                                Schwarz

      (Pinsel und Palette in der Hand, steht hinter der Ottomane)

Ich habe noch niemanden gemalt, bei dem der Gesichtsausdruck so
ununterbrochen wechselte. -- Es war mir kaum mglich, einen einzigen Zug
dauernd festzuhalten.

                                 Schn

                  (auf das Bild deutend, ihn ansehend)

Finden Sie das darin?

                                Schwarz

Ich habe das Erdenklichste getan, um durch meine Unterhaltung whrend
der Sitzungen wenigstens etwas Ruhe in der Stimmung hervorzurufen.

                                 Schn

Dann verstehe ich den Unterschied.

                                Schwarz

         (taucht den Pinsel ins lnpfchen und berstreicht die
                             Gesichtszge)

                                 Schn

Glauben Sie, es wird dadurch hnlicher?

                                Schwarz

Man kann nicht mehr tun, als es mit der Kunst so gewissenhaft wie
mglich nehmen.

                                 Schn

Sagen Sie mal ...

                        Schwarz (zurcktretend)

Die Farbe ist auch wieder etwas eingeschlagen.

                                 Schn

                             (ihn ansehend)

Haben Sie jemals in Ihrem Leben ein Weib geliebt?

                                Schwarz

     (geht auf die Staffelei zu, setzt eine Farbe auf und tritt auf
                       der anderen Seite zurck)

Der Stoff ist noch nicht gengend abgehoben. Man sieht noch nicht recht,
da ein lebender Krper darunter ist.

                                 Schn

Ich zweifle nicht daran, da die Arbeit gut ist.

                                Schwarz

Wenn Sie hierher treten wollen.

                                 Schn

                            (sich erhebend)

Sie mssen ihr wahre Schauergeschichten erzhlt haben.

                                Schwarz

So weit wie mglich zurck.

                                 Schn

      (zurcktretend, stt die an die vordere Staffelei gelehnte
                              Leinwand um)

Pardon ...

                                Schwarz

                         (den Rahmen aufhebend)

O bitte ...

                           Schn (betroffen)

Was ist das ...

                                Schwarz

Kennen Sie sie?

                                 Schn

Nein.

                                Schwarz

       (setzt das Bild auf die Staffelei. Man sieht eine Dame als
       Pierrot gekleidet mit einem hohen Schferstab in der Hand)

Ein Kostmbild.

                                 Schn

Die ist Ihnen aber gelungen.

                                Schwarz

Sie kennen sie?

                                 Schn

Nein. Und in dem Kostm?

                                Schwarz

Es fehlt noch die ganze Ausfhrung.

                                 Schn

Na ja.

                                Schwarz

Was wollen Sie. Whrend sie mir steht, habe ich das Vergngen, ihren
Mann zu unterhalten.

                                 Schn

Sagen Sie ...

                                Schwarz

ber Kunst natrlich, um mein Glck zu vervollstndigen.

                                 Schn

Wie kommen Sie denn zu der reizenden Bekanntschaft?

                                Schwarz

Wie man dazu kommt. Ein steinalter, wackliger Knirps fllt mir hier
herein, ob ich seine Frau malen knne. Nun natrlich, und wenn sie
runzlich wie Mutter Erde ist. Andern Tags Punkt zehn fliegen die Tren
auf, und der Schmerbauch treibt dies Engelskind vor sich her. Ich fhle
jetzt noch, wie mir die Kniee schwankten. Ein stocksteifer, saftgrner
Lakai mit einem Paket unter dem Arm. Wo die Garderobe sei. Denken Sie
sich meine Lage. Ich ffne die Tr da (nach rechts deutend). Nur ein
Glck, da schon alles in Ordnung war. Das se Geschpf huscht hinein,
und der Alte postiert sich als Schanzkorb davor. Zwei Minuten darauf
tritt sie in diesem Pierrot heraus. (Den Kopf schttelnd) Ich habe nie
so was gesehen. (Geht nach rechts und starrt an die Schlafzimmertr
hin.)

                                 Schn

                    (der ihm mit dem Blick gefolgt)

Und der Schmerbauch steht Schildwache?

                                Schwarz

                            (sich umwendend)

Der ganze Krper im Einklang mit dem unmglichen Kostm, als wre er
darin zur Welt gekommen. Ihre Art, die Ellbogen in die Taschen zu
vergraben, die Fchen vom Teppich zu heben -- mir schiet oft das Blut
zu Kopf ...

                                 Schn

Das sieht man dem Bild an.

                        Schwarz (kopfschttelnd)

Unsereiner, wissen Sie ...

                                 Schn

Hier fhrt das Modell die Konversation.

                                Schwarz

Sie hat den Mund noch nicht aufgetan.

                                 Schn

Ist's mglich!

                                Schwarz

Erlauben Sie, da ich Ihnen das Kostm zeige. (Nach rechts ab.)

                                 Schn

                       (allein, vor dem Pierrot)

Eine Teufelsschnheit. (Vor dem Brustbild) Hier ist mehr Fond. (Nach
vorn kommend) Er ist noch etwas jung fr sein Alter.

                                Schwarz

              (kommt mit einem weien Atlaskostm zurck)

Was das fr Stoff sein mag?

                                 Schn

                         (den Stoff befhlend)

Atlas.

                                Schwarz

Und alles in einem Stck.

                                 Schn

Wie kommt man denn da hinein?

                                Schwarz

Das kann ich Ihnen nicht sagen.

                                 Schn

                  (das Kostm bei den Beinen nehmend)

Diese riesigen Hosenpfeifen!

                                Schwarz

Die linke rafft sie hinauf.

                                 Schn

                         (auf das Bild sehend)

Bis bers Knie!

                                Schwarz

Sie macht das zum Entzcken.

                                 Schn

Und transparente Strmpfe?

                                Schwarz

Die wollen nmlich gemalt sein.

                                 Schn

O, das knnen Sie.

                                Schwarz

Dabei von einer Koketterie!

                                 Schn

Wie kommen Sie auf den entsetzlichen Verdacht?

                                Schwarz

Es gibt Dinge, von denen sich unsere Schulweisheit nichts trumen lt.
(Trgt das Kostm in sein Schlafzimmer.)

                            Schn (allein).

Wenn man schlft ....

                                Schwarz

                   (kommt zurck, sieht nach der Uhr)

Wenn Sie brigens ihre Bekanntschaft machen wollen ...

                                 Schn

Nein.

                                Schwarz

Sie mssen im Augenblicke hier sein.

                                 Schn

Wie oft wird denn die Dame noch sitzen mssen?

                                Schwarz

Ich werde die Tantalusqual wohl noch ein Vierteljahr zu erdulden haben.

                                 Schn

Ich meine die Andere.

                                Schwarz

Entschuldigen Sie. Dreimal hchstens. (Ihn zur Tr geleitend) Wenn mir
die Dame dann nur ihre Taille dalassen will.

                                 Schn

Mit Vergngen. Lassen Sie sich bald wieder bei mir sehen. (Stt in der
Tr auf Dr. Goll und Lulu) In Gottes Namen.


                            Zweiter Auftritt

                      Dr. Goll. Lulu. Die Vorigen.

                                Schwarz

Darf ich vorstellen ...

                            Goll (zu Schn)

Was treiben denn Sie hier?

                                 Schn

                        (Lulu die Hand kssend)

Frau Medizinalrat.

                                  Lulu

Sie wollen doch nicht schon gehen?

                                  Goll

Welcher Wind fhrt denn Sie hierher?

                                 Schn

Ich habe mir das Bild meiner Braut angesehen.

                                  Lulu

                          (nach vorn kommend)

Ihre Braut ist hier?

                                  Goll

Sie lassen hier also auch arbeiten?

                                  Lulu

                          (vor dem Brustbild)

Sieh da! Bezaubernd! Entzckend!

                                  Goll

                            (sich umsehend)

Sie halten sie wohl hier irgendwo versteckt?

                                  Lulu

Das ist also das se Wunderkind, das Sie zu einem neuen Menschen
gemacht ...

                                 Schn

Sie sitzt meistens am Nachmittag.

                                  Goll

Und davon erzhlen Sie einem nichts?

                                  Lulu

                            (sich umwendend)

Ist sie denn wirklich so ernst?

                                 Schn

Wohl noch die Nachwirkung der Pensionszeit, gndige Frau.

                                  Goll

                          (vor dem Brustbild)

Man sieht, da Sie eine tiefgehende Wandlung durchgemacht haben.

                                  Lulu

Nun drfen Sie sie aber auch nicht mehr lnger warten lassen.

                                 Schn

In vierzehn Tagen denke ich unsere Verlobung bekannt zu machen.

                             Goll (zu Lulu)

La uns keine Zeit verlieren. Hopp!

                            Lulu (zu Schn)

Denken Sie, wir fuhren im Trab ber die neue Quaibrcke. Ich habe selber
kutschiert.

                                 Schn

                       (will sich verabschieden)

                                  Goll

Nein, nein. Wir Beide sprechen nachher weiter. Geh, Nellie. Hopp!

                                  Lulu

Jetzt kommt's an mich!

                                  Goll

Unser Apelles leckt sich schon die Pinsel ab.

                                  Lulu

Ich hatte mir das viel amsanter vorgestellt.

                                 Schn

Sie haben dabei immerhin die Genugtuung, uns den seltensten Genu zu
bereiten.

                                  Lulu

                          (nach rechts gehend)

Na, warten Sie nur.

                                Schwarz

                       (vor der Schlafzimmertr)

Wenn Frau Obermedizinalrat so freundlich sein wollen. (Schliet die Tr
hinter ihr und bleibt davor stehen.)

                                  Goll

Ich habe sie in unserm Ehekontrakt nmlich Nellie getauft.

                                 Schn

So? -- Ja.

                                  Goll

Was halten Sie davon?

                                 Schn

Warum nennen Sie sie nicht lieber Mignon?

                                  Goll

Das wre auch was. Daran habe ich nicht gedacht.

                                 Schn

Glauben Sie, da der Name soviel dabei ausmacht?

                                  Goll

Hm -- Sie wissen, ich habe keine Kinder.

                                 Schn

              (sein Zigarettenetui aus der Tasche nehmend)

Sie sind doch aber auch erst ein paar Monate verheiratet.

                                  Goll

Danke. Ich wnsche mir keine.

                                 Schn

Rauchen Sie eine Zigarette?

                                  Goll

                            (sich bedienend)

Ich habe an dem einen vollkommen genug. (Zu Schwarz) Sagen Sie mal, was
macht denn eigentlich Ihre kleine Tnzerin?

                                 Schn

                     (sich nach Schwarz umwendend)

Sie und eine Tnzerin?

                                Schwarz

Die Dame sa mir damals nur aus Geflligkeit. Ich kenne die Dame von
einem Ausflug des Ccilienvereins her.

                            Goll (zu Schn)

Hm -- ich glaube, wir kriegen anderes Wetter.

                                 Schn

Das geht wohl nicht so rasch mit der Toilette?

                                  Goll

Das geht wie der Blitz! Die Frau mu Virtuosin in ihrem Fach sein. Das
mu jeder von uns in seinem Fach, wenn das Leben nicht zur Bettelei
werden soll. (Ruft) Hopp, Nellie!

                                Schwarz

                              (an der Tr)

Frau Obermedizinalrat!

                                  Lulu

                              (von innen)

Gleich, gleich.

                            Goll (zu Schn)

Ich begreife solche Stockfische nicht.

                                 Schn

Ich beneide sie. Diese Stockfische kennen nichts Heiligeres als ihr
Hungertuch. Sie fhlen sich reicher als Unsereiner mit 30000 Mark
Renten. Sie knnen brigens nicht ber einen Menschen urteilen, der von
Kindesbeinen an von der Palette in den Mund gelebt hat. Nehmen Sie es
auf sich, ihn zu finanzieren. Es ist ein Rechenexempel. Mir fehlt der
moralische Mut. Man verbrennt sich auch leicht die Finger ...

                                  Lulu

               (als Pierrot aus dem Schlafzimmer tretend)

Da bin ich.

                                 Schn

                   (wendet sich um, nach einer Pause)

Superb!

                           Lulu (tritt nher)

Nun?

                                 Schn

Sie beschmen die khnste Phantasie.

                                  Lulu

Wie gefall' ich Ihnen?

                                 Schn

Ein Bild, vor dem die Kunst verzweifeln mu.

                                  Goll

Finden Sie nicht auch?

                            Schn (zu Lulu)

Sie wissen doch wohl nicht recht, was Sie tun.

                                  Lulu

Ich bin mir meiner vollkommen bewut!

                                 Schn

Dann drften Sie etwas besonnener sein.

                                  Lulu

Ich tue ja doch nur meine Schuldigkeit.

                                 Schn

Sie sind gepudert?

                                  Lulu

Was fllt Ihnen ein!

                                  Goll

Sie hat eine weie Haut, wie ich sie noch nirgends gesehen habe. Ich
habe unserem Raffael auch gesagt, er mge sich mit dem Fleisch nur ja so
wenig wie mglich abgeben. Ich kann mich einmal fr die moderne Klexerei
nicht begeistern.

                                Schwarz

            (an den Staffeleien, seine Farben prparierend)

Dem Impressionismus dankt es die heutige Kunst jedenfalls, da sie sich
alten Meistern ohne Errten an die Seite stellen darf.

                                  Goll

Fr ein Stck Schlachtvieh mag sie ja ganz angebracht sein.

                                 Schn

Nur um Gotteswillen keine Aufregung!

                                  Lulu

                 (fllt Goll um den Hals und kt ihn)

                                  Goll

Man sieht dein Neglig. Du mut es herunter ziehen.

                                  Lulu

Ich htte es am liebsten weggelassen. Es geniert nur.

                                  Goll

Er wre imstande und malte es hin.

                                  Lulu

   (nimmt den Schferstab, der an der spanischen Wand lehnt, auf das
                       Podium steigend, zu Schn)

Was wrden Sie jetzt sagen, wenn Sie zwei Stunden Parade stehen mten?

                                 Schn

Meine Seele verschriebe ich dem Teufel, um mit Ihnen tauschen zu drfen.

                                  Goll

                         (sich rechts setzend)

Kommen Sie hierher. Hier ist nmlich mein Beobachtungsposten.

                                  Lulu

      (das linke Beinkleid bis zum Knie hinaufraffend, zu Schwarz)

So?

                                Schwarz

Ja ...

                                  Lulu

                    (es um eine Idee hher raffend)

So?

                                Schwarz

Ja, ja ...

                                  Goll

    (zu Schn, der auf dem Sessel neben ihm Platz genommen hat, mit
                          einer Handbewegung)

Ich finde sie nmlich von hier aus noch vorteilhafter.

                                  Lulu

                         (ohne sich zu rhren)

Ich bitte sehr! Ich bin von allen Seiten gleich vorteilhaft.

                           Schwarz (zu Lulu)

Das rechte Knie weiter vor, bitte.

                                 Schn

                           (mit einer Geste)

Der Krper zeigt vielleicht feinere Linien ...

                                Schwarz

Die Beleuchtung ist heute zum mindesten halbwegs ertrglich.

                                  Goll

Sie mssen sie flott hinwerfen! Fassen Sie Ihren Pinsel etwas lnger!

                                Schwarz

Gewi, Herr Medizinalrat.

                                 Schn

Behandeln Sie sie als Stillleben!

                                Schwarz

Gewi, Herr Doktor. (Zu Lulu) Sie pflegten den Kopf um eine Idee hher
zu halten, Frau Medizinalrat.

                                  Lulu

                           (den Kopf hebend)

Malen Sie mir die Lippen etwas geffnet.

                                 Schn

Malen Sie Schnee auf Eis. Wenn Sie sich dabei erwrmen, dann wird Ihre
Kunst sofort unknstlerisch.

                                Schwarz

Gewi, Herr Doktor!

                                  Goll

Die Kunst, wissen Sie, mu die Natur so wiedergeben, da man wenigstens
_geistig_ dabei genieen kann!

                                  Lulu

                  (den Mund etwas ffnend, zu Schwarz)

So -- sehen Sie. So halte ich sie halb geffnet.

                                Schwarz

Sobald die Sonne kommt, wirft die Mauer von gegenber warme Reflexe
herein.

                             Goll (zu Lulu)

Du mut dich in deiner Stellung berhaupt so verhalten, als ob unser
Velasquez hier gar nicht vorhanden wre.

                                  Lulu

Ein Maler ist doch auch eigentlich gar kein Mann.

                                 Schn

Ich glaube nicht, da Sie von einer rhmlichen Ausnahme so ohne Weiteres
auf die ganze Zunft schlieen drfen.

                                Schwarz

                   (von der Staffelei zurcktretend)

Ich htte mir im vergangenen Herbst doch lieber ein anderes Atelier
mieten mssen.

                            Schn (zu Goll)

Was ich fragen wollte -- haben Sie die kleine O'Morphi schon als
peruanische Perlenfischerin gesehen?

                                  Goll

Morgen sehe ich sie mir zum viertenmal an. Der Frst Polossow fhrte
mich hin. Sein Haar ist vor Entzcken schon wieder dunkelblond geworden.

                                 Schn

Sie finden sie also auch so fabelhaft?

                                  Goll

Wer will das je im Voraus beurteilen!

                                  Lulu

Ich glaube, es hat geklopft.

                                Schwarz

Entschuldigen Sie mich einen Augenblick. (Geht zur Tre und ffnet)

                                  Goll

Du darfst ihn getrost etwas unbefangener anlcheln.

                                 Schn

Dem macht das gar nichts.

                                  Goll

Und wenn! -- Wozu sitzen wir Beide denn hier!


                            Dritter Auftritt

                        Alwa Schn. Die Vorigen.

                                  Alwa

                   (noch hinter der spanischen Wand)

Darf man eintreten?

                                 Schn

Mein Sohn.

                                  Lulu

Das ist ja Herr Alwa!

                                  Goll

Kommen Sie nur ungeniert herein!

                                  Alwa

              (vortretend, reicht Schn und Goll die Hand)

Herr Medizinalrat ... (sich nach Lulu umwendend) Seh ich recht? -- Wenn
ich Sie doch nur fr meine Hauptrolle engagieren knnte!

                                  Lulu

Ich wrde fr Ihr Stck wohl kaum gut genug tanzen.

                                  Alwa

Aber Sie haben doch einen Tanzlehrer, wie man ihn an keiner Bhne
Europas findet!

                                 Schn

Was fhrt dich denn hierher?

                                  Goll

Sie lassen hier wohl auch insgeheim irgend Jemanden portrtieren?

                            Alwa (zu Schn)

Ich wollte dich zur Generalprobe abholen.

                                 Schn

                             (erhebt sich)

                                  Goll

Lassen Sie denn heute schon in vollem Kostm tanzen?

                                  Alwa

Versteht sich. Kommen Sie mit. In fnf Minuten mu ich auf der Bhne
sein. (Zu Lulu) Ich Unglcklicher!

                                  Goll

Ich habe ganz vergessen -- wie nennt sich doch Ihr Ballett?

                                  Alwa

Dalailama.

                                  Goll

Ich glaubte, der wre im Irrenhaus.

                                 Schn

Sie meinen Nietzsche, Herr Sanittsrat.

                                  Goll

Sie haben recht. Ich verwechsle die Beiden.

                                  Alwa

Ich habe dem Buddhismus auf die Beine geholfen.

                                  Goll

An den Beinen erkennt man den Bhnendichter.

                                  Alwa

Die Corticelli tanzt den jugendlichen Buddah als htte sie am Ganges das
Licht der Welt erblickt.

                                 Schn

Solang die Mutter noch lebte, tanzte sie mit den Beinen ...

                                  Alwa

Als sie dann frei wurde, tanzte sie mit dem Verstande ...

                                  Goll

Jetzt tanzt sie mit dem Herzen!

                                  Alwa

Wenn Sie sie sehen wollen?

                                  Goll

Danke.

                                  Alwa

Kommen Sie doch mit!

                                  Goll

Unmglich!

                                 Schn

Wir haben brigens keine Zeit zu verlieren.

                                  Alwa

Kommen Sie mit, Herr Medizinalrat. Im dritten Akt sehen Sie Dalailama in
seinem Kloster, mit seinen Mnchen.

                                  Goll

Mir wre es lediglich um den jugendlichen Buddah zu tun.

                                  Alwa

Was hindert Sie denn?

                                  Goll

Es geht nicht. Es geht nicht.

                                  Alwa

Wir gehen nachher zu Peters. Da knnen Sie Ihrer Bewunderung Ausdruck
geben.

                                  Goll

Dringen Sie nicht weiter in mich. Ich bitte Sie.

                                  Alwa

Sie sehen die zahmen Affen, die beiden Bramanen, die kleinen Mdchen ...

                                  Goll

Bleiben Sie mir nur um Gottes Willen mit den kleinen Mdchen vom Halse!

                                  Lulu

Reservieren Sie uns eine Proszeniumsloge auf Montag, Herr Alwa!

                                  Alwa

Wie konnten gndige Frau daran zweifeln.

                                  Goll

Wenn ich zurckkomme, hat mir der Hllenbreugel das ganze Bild verpatzt!

                                  Alwa

Das wre doch kein Unglck. Das lt sich bermalen.

                                  Goll

Wenn man dem Caravacci nicht jeden Pinselstrich expliziert ...

                                 Schn

Ich halte Ihre Befrchtungen brigens fr unbegrndet.

                                  Goll

Das nchste Mal, meine Herren!

                                  Alwa

Die Bramanen werden ungeduldig! Die Tchter Nirvanas schlottern in ihren
Trikots!

                                  Goll

Verdammte Klexerei!!

                                 Schn

Man wird uns auszanken, da wir Sie nicht mitbringen.

                                  Goll

In fnf Minuten bin ich zurck. (Stellt sich links vorn hinter Schwarz
und vergleicht das Bild mit Lulu.)

                             Alwa (zu Lulu)

Mich ruft leider die Pflicht, gndige Frau.

                           Goll (zu Schwarz)

Sie mssen hier ein wenig mehr modellieren. Das Haar ist schlecht. Sie
sind nicht genug bei der Sache ...

                                  Alwa

Kommen Sie.

                                  Goll

Nun nur Hopp! Zu Peters bringen mich keine zehn Pferde.

                                 Schn

                        (Alwa und Goll folgend)

Wir nehmen meinen Wagen, der unten steht.


                            Vierter Auftritt

                             Schwarz. Lulu.

                                Schwarz

                  (beugt sich nach links, spuckt aus)

Pack! -- Wre doch das Leben zu Ende! -- Der Brotkorb! -- Brotkorb und
Maulkorb! -- Jetzt bumt sich mein Knstlerstolz. (Nach einem Blick auf
Lulu) Diese Gesellschaft! -- (Erhebt sich, geht nach rechts hinten,
betrachtet Lulu von allen Seiten, setzt sich wieder an die Staffelei)
Die Wahl wrde einem schwer. -- -- Wenn ich Frau Obermedizinalrat
ersuchen darf, die rechte Hand etwas hher.

                                  Lulu

       (nimmt den Schferstab so hoch sie reichen kann, fr sich)

Wer htte das fr mglich gehalten!

                                Schwarz

Ich bin wohl recht lcherlich?

                                  Lulu

Er kommt gleich zurck.

                                Schwarz

Ich kann nicht mehr tun als malen.

                                  Lulu

Da ist er.

                                Schwarz

                            (sich erhebend)

Nun?

                                  Lulu

Hren Sie nicht?

                                Schwarz

Es kommt jemand ...

                                  Lulu

Ich wute es ja.

                                Schwarz

Es ist der Hausmeister. Er fegt die Treppe.

                                  Lulu

Gott sei Dank.

                                Schwarz

Sie begleiten Herrn Obermedizinalrat wohl auf seine Praxis?

                                  Lulu

Das fehlte mir noch!

                                Schwarz

Weil Sie es nicht gewohnt sind, allein zu sein.

                                  Lulu

Wir haben zu Hause eine Haushlterin.

                                Schwarz

Die Ihnen Gesellschaft leistet?

                                  Lulu

Sie hat viel Geschmack.

                                Schwarz

Wofr?

                                  Lulu

Sie zieht mich an.

                                Schwarz

Sie gehen wohl viel auf Blle?

                                  Lulu

Nie.

                                Schwarz

Wozu brauchen Sie denn dann die Toiletten?

                                  Lulu

Zum Tanzen.

                                Schwarz

Sie tanzen wirklich?

                                  Lulu

Csardas -- Samaqueca -- Skirtdance ...

                                Schwarz

Widert Sie denn das nicht an?

                                  Lulu

Sie finden mich hlich?

                                Schwarz

Sie verstehen mich nicht. -- Wer gibt Ihnen denn den Unterricht?

                                  Lulu

Er.

                                Schwarz

Wer?

                                  Lulu

Er.

                                Schwarz

Er?

                                  Lulu

Er spielt Violine. -- -- --

                                Schwarz

Man lernt jeden Tag ein neues Stck Welt kennen.

                                  Lulu

Ich habe in Paris gelernt. Ich nahm Stunden bei Eugenie Fougre. Sie hat
mich auch ihre Kostme kopieren lassen.

                                Schwarz

Wie sind denn die?

                                  Lulu

Grnes Spitzenrckchen bis zum Knie, ganz in Volants, dekolletiert
natrlich, sehr dekolletiert und frchterlich geschnrt. Hellgrner
Unterrock, dann immer heller. Schneeweie Dessous mit handbreiten
Spitzen ...

                                Schwarz

Ich kann nicht mehr ...

                                  Lulu

Malen Sie doch!

                                Schwarz

                      (mit dem Spachtel schabend)

Ist Ihnen denn nicht kalt?

                                  Lulu

Gott bewahre! Nein. Wie kommen Sie auf die Frage? Ist Ihnen denn so
kalt?

                                Schwarz

Heute nicht. Nein.

                                  Lulu

Gottlob kann man atmen!

                                Schwarz

Wieso ...

                                  Lulu

                            (atmet tief ein)

                                Schwarz

Lassen Sie das bitte! -- (Springt auf, wirft Pinsel und Palette weg,
geht auf und nieder) Der Stiefelputzer hat es wenigstens nur mit ihren
Fen zu tun. Seine Farbe frit ihm auch nicht ins Geld. Wenn mir morgen
das Abendbrot fehlt, fragt mich kein Weltdmchen danach, ob ich mich
aufs Austernschlecken verstehe.

                                  Lulu

Ist das ein Unhold!

                                Schwarz

                     (nimmt die Arbeit wieder auf)

Was jagt den Kerl auch in diese Probe!

                                  Lulu

Mir wre es auch lieber, er wre dageblieben.

                                Schwarz

Wir sind wirklich die Mrtyrer unseres Berufes!

                                  Lulu

Ich wollte Ihnen nicht weh tun.

                                Schwarz

                           (zgernd, zu Lulu)

Wenn Sie links -- das Beinkleid -- ein wenig hher ..

                                  Lulu

Hier?

                                Schwarz

                           (tritt zum Podium)

Erlauben Sie ...

                                  Lulu

Was wollen Sie?

                                Schwarz

Ich zeige es Ihnen.

                                  Lulu

Es geht nicht.

                                Schwarz

Sie sind nervs ... (Will ihre Hand fassen)

                                  Lulu

                (wirft ihm den Schferstab ins Gesicht)

Lassen Sie mich in Ruhe! (Eilt zur Entreetr) Sie bekommen mich noch
lange nicht.

                                Schwarz

Sie verstehen keinen Scherz.

                                  Lulu

Doch, ich verstehe alles. Lassen Sie mich nur frei. Mit Gewalt erreichen
Sie gar nichts bei mir. Gehen Sie an Ihre Arbeit. Sie haben kein Recht
mich zu belstigen. (Flchtet hinter die Ottomane) Setzen Sie sich
hinter Ihre Staffelei.

                                Schwarz

                         (will um die Ottomane)

Sobald ich Sie fr Ihre Launenhaftigkeit bestraft habe.

                           Lulu (ausweichend)

Dazu mssen Sie mich aber erst haben. Gehen Sie. Sie erwischen mich doch
nicht. -- In langen Kleidern wre ich Ihnen lngst in die Hnde
gefallen. -- Aber in dem Pierrot!

                                Schwarz

            (sich der Lnge nach ber die Ottomane werfend)

Habe ich dich!

                                  Lulu

               (schlgt ihm das Tigerfell ber den Kopf)

Gute Nacht! (Springt ber das Podium, klettert auf die Trittleiter) Ich
sehe ber alle Stdte der Erde weg ...

                                Schwarz

                     (sich aus der Decke wickelnd)

Dieser Balg!

                                  Lulu

Ich greife in den Himmel und stecke mir die Sterne ins Haar.

                                Schwarz

                          (ihr nachkletternd)

Ich schttle, bis Sie herunterfallen.

                                  Lulu

                            (hher steigend)

Wenn Sie nicht aufhren, werfe ich die Leiter um. Werden Sie meine Beine
loslassen. -- Gott schtze Polen! (Bringt die Leiter zu Fall, springt
auf das Podium und wirft Schwarz, wie er sich vom Boden aufrafft, die
spanische Wand an den Kopf. Nach vorn eilend, an den Staffeleien) Ich
habe Ihnen ja gesagt, da Sie mich nicht bekommen.

                                Schwarz

                          (nach vorn kommend)

Lassen Sie uns Frieden schlieen. (Will sie umfassen)

                                  Lulu

Bleiben Sie mir vom Leib, oder ... (Sie wirft ihm die Staffelei mit dem
Brustbild entgegen, da beides krachend zu Boden strzt)

                                Schwarz

                             (schreit auf)

Barmherziger Gott!

                                  Lulu

                             (links hinten)

Das Loch haben Sie selber hineingeschlagen.

                                Schwarz

Ich bin ruiniert! Zehn Wochen Arbeit, meine Reise, meine Ausstellung. --
Jetzt ist nichts mehr zu verlieren. (Strzt ihr nach)

                                  Lulu

     (springt ber die Ottomane, ber die umgestrzte Trittleiter,
                    kommt ber das Podium nach vorn)

Ein Graben! -- Fallen Sie nicht hinein! (Stapft durch das Brustbild) Sie
hat einen neuen Menschen aus ihm gemacht! (Fllt vornber)

                                Schwarz

                  (ber die spanische Wand stolpernd)

Ich kenne kein Erbarmen mehr.

                                  Lulu

                            (im Hintergrund)

Lassen Sie mich jetzt in Ruhe. -- Mir wird schwindlich. -- -- O Gott, o
Gott ... (Kommt nach vorn und sinkt auf die Ottomane)

                                Schwarz

     (verriegelt die Tr. Darauf setzt er sich neben sie, ergreift
     ihre Hand und bedeckt sie mit Kssen, hlt inne; man sieht ihm
                 an, da er einen inneren Kampf kmpft)

                                  Lulu

                        (schlgt die Augen auf)

Er kann zurckkommen.

                                Schwarz

Wie ist dir?

                                  Lulu

Als wre ich ins Wasser gefallen ...

                                Schwarz

Ich liebe dich.

                                  Lulu

Ich liebte einmal einen Studenten.

                                Schwarz

Nellie ...

                                  Lulu

Mit vierundzwanzig Schmissen ...

                                Schwarz

Ich liebe dich, Nellie.

                                  Lulu

Ich heie nicht Nellie.

                           Schwarz (kt sie)

                                  Lulu

Ich heie Lulu.

                                Schwarz

Ich wrde dich Eva nennen.

                                  Lulu

Wissen Sie, wieviel Uhr es ist?

                                Schwarz

                         (nach der Uhr sehend)

Halb elf.

                                  Lulu

                 (nimmt die Uhr und ffnet das Gehuse)

                                Schwarz

Du liebst mich nicht.

                                  Lulu

Doch ... Es ist fnf Minuten nach halb elf.

                                Schwarz

Gib mir einen Ku, Eva!

                                  Lulu

     (nimmt ihn am Kinn und kt ihn, wirft die Uhr in die Luft und
                             fngt sie auf)

Sie riechen nach Tabak.

                                Schwarz

Warum sagst du nicht Du?

                                  Lulu

Es wrde unbehaglich.

                                Schwarz

Du verstellst dich!

                                  Lulu

Sie verstellen sich selber, wie mir scheint. -- Ich mich verstellen? Wie
kommen Sie nur darauf? -- _Das hatte ich niemals ntig._

                                Schwarz

      (erhebt sich, fassungslos, sich mit der Hand ber die Stirn
                                fahrend)

Allmchtiger! Ich kenne die Welt nicht ...

                             Lulu (schreit)

Bringen Sie mich nur nicht um!

                                Schwarz

                         (sich rasch umwendend)

_Du hast noch nie geliebt ...!_

                                  Lulu

                        (sich halb aufrichtend)

_Sie haben noch nie geliebt ...!_

                                  Goll

                              (von auen)

Machen Sie auf!

                                  Lulu

                          (ist aufgesprungen)

Verstecken Sie mich! O Gott, verstecken Sie mich!

                                  Goll

                        (gegen die Tr polternd)

Machen Sie auf!

                                Schwarz

                            (will zur Tr).

                                  Lulu

                           (hlt ihn zurck)

Er schlgt mich tot.

                                  Goll

                        (gegen die Tr polternd)

Machen Sie auf!

                                  Lulu

            (vor Schwarz niedergesunken, umfat seine Knie)

Er schlgt mich tot. Er schlgt mich tot.

                                Schwarz

Stehen Sie auf ... (Die Tr fllt krachend ins Atelier.)


                            Fnfter Auftritt

                           Goll. Die Vorigen.

                                  Goll

      (mit blutunterlaufenen Augen strzt mit erhobenem Stock auf
                         Schwarz und Lulu los)

Ihr Hunde! -- Ihr ... (keucht, ringt einige Sekunden nach Atem und
schlgt vornber auf die Diele)

                                Schwarz

                         (wankt in den Knieen)

                                  Lulu

               (hat sich zur Tr geflchtet) -- (Pause.)

                                Schwarz

                         (tritt an Goll heran)

Herr -- Herr Medi -- Herr Medizi -- Herr Medizinal -- Herr Medizinalrat.

                                  Lulu

                              (in der Tr)

Bringen Sie doch bitte erst das Atelier in Ordnung.

                                Schwarz

Herr Obermedizinalrat. (Beugt sich nieder) Herr ... (Tritt zurck) Er
hat sich die Stirne geritzt. Helfen Sie mir, ihn auf die Ottomane legen.

                                  Lulu

                          (bebt scheu zurck)

Nein, nein ...

                                Schwarz

                         (sucht ihn umzukehren)

Herr Medizinalrat.

                                  Lulu

Er hrt nicht.

                                Schwarz

Helfen Sie mir doch nur.

                                  Lulu

Wir heben ihn zu zweit auch nicht.

                                Schwarz

                          (sich emporrichtend)

Man mu zum Arzt schicken.

                                  Lulu

Er ist furchtbar schwer.

                                Schwarz

                          (seinen Hut nehmend)

Seien Sie doch bitte so freundlich und richten Sie, bis ich zurck bin,
die Stellagen ein wenig zurecht. (Ab)


                           Sechster Auftritt

                              Lulu. Goll.

                                  Lulu

Auf einmal springt er auf. -- (Eindringlich) Bussi! -- -- Er lt sich
nichts merken. -- (Kommt in weitem Bogen nach vorn) Er sieht mir auf die
Fe und beobachtet jeden Schritt, den ich tue. Er hat mich berall im
Auge. -- (Sie berhrt ihn mit der Fuspitze) Bussi! -- (Zurckweichend)
Es ist ihm ernst. -- -- Der Tanz ist aus. -- -- Er lt mich sitzen. --
-- Was fang' ich an? -- -- (Beugt sich zur Erde) Ein wildfremdes
Gesicht! -- (Sich aufrichtend) Und niemand, der ihm den letzten Dienst
erweist. -- Ist das trostlos ...


                           Siebenter Auftritt

                         Schwarz. Die Vorigen.

                                Schwarz

Noch nicht wieder zur Besinnung gekommen?

                                  Lulu

                              (links vorn)

Was fang' ich an ...

                                Schwarz

                          (ber Goll gebeugt)

Herr Medizinalrat.

                                  Lulu

Ich glaube beinah, es ist ihm ernst.

                                Schwarz

Reden Sie doch anstndig!

                                  Lulu

Er wrde mir das nicht sagen. Er lt sich von mir vortanzen, wenn er
sich nicht wohl fhlt.

                                Schwarz

Der Arzt mu im Augenblick hier sein.

                                  Lulu

Arznei hilft ihm nicht.

                                Schwarz

Aber man tut doch in solchem Falle, was man kann.

                                  Lulu

Er glaubt nicht daran.

                                Schwarz

Wollen Sie sich denn nicht wenigstens umziehen?

                                  Lulu

Ja. -- Gleich.

                                Schwarz

Worauf warten Sie denn noch?

                                  Lulu

Ich bitte Sie ...

                                Schwarz

Was denn ...?

                                  Lulu

Schlieen Sie ihm die Augen.

                                Schwarz

Sie sind entsetzlich.

                                  Lulu

Noch lange nicht so entsetzlich wie Sie!

                                Schwarz

Wie ich?

                                  Lulu

Sie sind eine Verbrechernatur.

                                Schwarz

Rhrt Sie denn dieser Moment gar nicht?

                                  Lulu

Mich trifft es auch mal.

                                Schwarz

Ich bitte Sie, jetzt schweigen Sie endlich mal!

                                  Lulu

Sie trifft es auch mal.

                                Schwarz

Das brauchten Sie Einem in einem solchen Augenblick wirklich nicht noch
zu sagen.

                                  Lulu

Ich bitte Sie ...

                                Schwarz

Tun Sie was Ihnen ntig scheint. Ich kenne das nicht.

                                  Lulu

                           (rechts von Goll)

Er sieht mich an.

                                Schwarz

                            (links von Goll)

Mich auch ...

                                  Lulu

Sie sind ein Feigling!

                                Schwarz

             (schliet Goll mit dem Taschentuch die Augen)

Es ist das erste Mal in meinem Leben, da ich dazu verurteilt bin.

                                  Lulu

Haben Sie es denn Ihrer Mutter nicht getan?

                            Schwarz (nervs)

Nein.

                                  Lulu

Sie waren wohl auswrts?

                                Schwarz

Nein!

                                  Lulu

Oder Sie frchteten sich?

                            Schwarz (heftig)

Nein.

                                  Lulu

                             (bebt zurck)

Ich wollte Sie nicht beleidigen.

                                Schwarz

-- Sie lebt noch.

                                  Lulu

Dann haben Sie doch noch Jemanden.

                                Schwarz

Sie ist bettelarm.

                                  Lulu

Das kenne ich.

                                Schwarz

Spotten Sie meiner nicht!

                                  Lulu

Jetzt bin ich reich ...

                                Schwarz

Es ist grauenerregend. (Geht nach links) Was kann sie dafr!

                            Lulu (fr sich)

Was fang' ich an.

                           Schwarz (fr sich)

Vollkommen verwildert!

      (Schwarz links, Lulu rechts, sehen einander mitrauisch an)

                                Schwarz

                 (geht auf sie zu, ergreift ihre Hand)

Sieh mir ins Auge!

                            Lulu (ngstlich)

Was wollen Sie ...

                                Schwarz

     (fhrt sie zur Ottomane, ntigt sie neben ihm Platz zu nehmen)

Sieh mir in die Augen!

                                  Lulu

Ich sehe mich als Pierrot darin.

                                Schwarz

                          (stt sie von sich)

Verwnschte Tanzerei!

                                  Lulu

Ich mu mich umziehen ...

                                Schwarz

                           (hlt sie zurck)

Eine Frage ...

                                  Lulu

Ich darf ja nicht antworten.

                                Schwarz

                        (wieder an der Ottomane)

Kannst du die Wahrheit sagen?

                                  Lulu

Ich wei es nicht.

                                Schwarz

Glaubst du an einen Schpfer?

                                  Lulu

Ich wei es nicht.

                                Schwarz

Kannst du bei etwas schwren?

                                  Lulu

Ich wei es nicht. Lassen Sie mich! Sie sind verrckt!

                                Schwarz

Woran glaubst du denn?

                                  Lulu

Ich wei es nicht.

                                Schwarz

Hast du denn keine Seele?

                                  Lulu

Ich wei es nicht.

                                Schwarz

Hast du schon einmal geliebt --?

                                  Lulu

Ich wei es nicht.

                                Schwarz

                (erhebt sich, geht nach links, fr sich)

Sie wei es nicht!

                                  Lulu

                         (ohne sich zu rhren)

Ich wei es nicht.

                                Schwarz

                       (mit einem Blick auf Goll)

Er wei es ...

                                  Lulu

                           (sich ihm nhernd)

Was wollen Sie wissen?

                            Schwarz (emprt)

Geh, zieh dich an!

                                  Lulu

                       (geht ins Schlafkabinett)


                            Achter Auftritt

                             Schwarz. Goll.

                                Schwarz

Ich mchte tauschen mit dir, du Toter! Ich gebe sie dir zurck. Ich gebe
dir meine Jugend dazu. Mir fehlt der Mut und der Glaube. Ich habe mich
zu lange gedulden mssen. Es ist zu spt fr mich. Ich bin dem Glck
nicht gewachsen. Ich habe eine hllische Angst davor. Wach auf. Ich habe
sie nicht angerhrt. Er ffnet den Mund. -- Mund auf und Augen zu, wie
die Kinder. Bei mir ist es umgekehrt. Wach auf! Wach auf! (Kniet nieder
und bindet ihm sein Taschentuch um den Kopf) Hier flehe ich zum Himmel,
er mge mich befhigen, glcklich zu sein. Er mge mir die Kraft geben
und die seelische Freiheit, nur ein klein wenig glcklich zu sein. _Um
ihretwillen, einzig um ihretwillen._


                            Neunter Auftritt

                           Lulu. Die Vorigen.

                                  Lulu

    (tritt aus dem Schlafkabinett, vollstndig angekleidet, den Hut
     auf, die rechte Hand unter der linken Achsel; zu Schwarz, den
                           linken Arm hebend)

Wrden Sie mich hier zuhaken. Meine Hand zittert.




                             Zweiter Aufzug


    (Sehr eleganter Salon. Rechts hinten Entreetr. Vorne rechts und
    links Portieren. Zu der links fhren einige Stufen hinan. An der
   Hinterwand ber dem Kamin in prachtvollem Brokatrahmen Lulus Bild
     als Pierrot. Links ein hoher Spiegel. Davor eine Chaiselongue.
    Rechts ein Schreibtisch in Ebenholz. In der Mitte einige Sessel
                    um ein chinesisches Tischchen.)


                            Erster Auftritt

                     Lulu. Schwarz. Dann Henriette.

                                  Lulu

     (in grnseidenem Morgenkleid steht regungslos vor dem Spiegel,
      runzelt die Stirn, fhrt mit der Hand darber, befhlt ihre
       Wangen, trennt sich vom Spiegel mit einem mimutigen, halb
   zornigen Blick, geht nach rechts, sich mehrmals umwendend, ffnet
    auf dem Schreibtisch eine Schatulle, zndet sich eine Zigarette
      an, sucht unter den Bchern, die auf dem Tisch liegen, nimmt
      eines zur Hand, legt sich auf die Chaiselongue, dem Spiegel
      gegenber, lt, nachdem sie einen Moment gelesen, das Buch
    sinken, nickt sich ernsthaft zu, nimmt die Lektre wieder auf.)

                                Schwarz

   (Pinsel und Palette in der Hand, tritt von rechts ein, beugt sich
     ber Lulu, kt sie auf die Stirn, geht nach links die Stufen
                 hinan, wendet sich in der Portiere um)

Eva!

                            Lulu (lchelnd)

Befehlen?

                                Schwarz

Ich finde, du siehst heute auerordentlich reizend aus.

                                  Lulu

                    (mit einem Blick in den Spiegel)

Es kommt auf die Ansprche an.

                                Schwarz

Dein Haar atmet eine Morgenfrische ...

                                  Lulu

Ich komme aus dem Wasser.

                                Schwarz

                           (sich ihr nhernd)

Ich habe heute furchtbar zu tun.

                                  Lulu

Das redest du dir ein.

                                Schwarz

    (legt Pinsel und Palette auf den Teppich und setzt sich auf den
                         Rand der Chaiselongue)

Was liest du denn da?

                              Lulu (liest)

Pltzlich hrte sie einen Rettungsanker die Treppe heraufwinken.

                                Schwarz

Wer in aller Welt schreibt denn so ergreifend?

                              Lulu (liest)

Es war der Geldbrieftrger.

                               Henriette

    (durch die Entree, eine Hutschachtel am Arm, setzt eine Tablette
                       mit Briefen auf den Tisch)

Die Post. -- Ich gehe der Putzmacherin den Hut bringen. Haben gndige
Frau noch etwas zu befehlen?

                                  Lulu

Nichts.

                                Schwarz

                     (winkt ihr, sich zu entfernen)

                               Henriette

                       (verschmitzt lchelnd ab)

                                Schwarz

Was hast du vergangene Nacht denn alles getrumt?

                                  Lulu

Das hast du mich heute doch schon zweimal gefragt.

                                Schwarz

            (erhebt sich, nimmt die Briefe von der Tablette)

Ich zittere vor Neuigkeiten. Ich frchte jeden Tag, die Welt knnte
untergehen. (Zur Chaiselongue zurckgekehrt, Lulu einen Brief gebend) An
dich.

                                  Lulu

                      (fhrt das Billet zur Nase)

Die Corticelli. (Birgt es in ihrem Busen)

                                Schwarz

                      (einen Brief durchfliegend)

Meine Samaquecatnzerin verkauft -- fr 50000 Mark!

                                  Lulu

Wer schreibt denn das?

                                Schwarz

Sedelmeier in Paris. Das ist das dritte Bild seit unserer Verheiratung.
Ich wei mich vor meinem Glck kaum zu retten.

                                  Lulu

                        (auf die Briefe deutend)

Da kommt noch mehr.

                                Schwarz

                    (eine Verlobungsanzeige ffnend)

Sieh da! (Gibt sie Lulu.)

                              Lulu (liest)

Herr Regierungsrat Heinrich Ritter von Zarnikow beehrt sich, Ihnen von
der Verlobung seiner Tochter Charlotte Marie Adelaide mit Herrn Dr.
Ludwig Schn ergebenste Mitteilung zu machen.

                                Schwarz

                     (einen anderen Brief ffnend)

Endlich! Es ist ja eine Ewigkeit, da er darauf lossteuert, sich vor der
Welt zu verloben. Ich begreife nicht, ein Gewaltmensch von seinem
Einflu. Was steht denn seiner Heirat eigentlich im Wege!!

                                  Lulu

Was ist das, was du da liest?

                                Schwarz

Eine Einladung, mich an der internationalen Ausstellung in Petersburg zu
beteiligen. -- Ich wei gar nicht, was ich malen soll.

                                  Lulu

Irgend ein entzckendes Mdchen natrlich.

                                Schwarz

Wenn du mir dazu Modell stehen willst?

                                  Lulu

Es gibt doch, wei Gott, auch andere hbsche Mdchen genug.

                                Schwarz

Ich gelange aber einem andern Modell gegenber, und wenn es pikant wie
die Hlle ist, nicht zu dieser vollen Ausbeutung meines Knnens.

                                  Lulu

Dann mu ich ja wohl. -- Ginge es denn nicht vielleicht auch liegend?

                                Schwarz

Am liebsten mchte ich das Arrangement wirklich deinem Geschmack
berlassen. (Die Briefe zusammenfaltend) Da wir nicht vergessen, Schn
jedenfalls heute noch zu gratulieren. (Geht nach rechts und schliet die
Briefe in den Schreibtisch)

                                  Lulu

Das haben wir doch lngst getan.

                                Schwarz

Seiner Braut wegen.

                                  Lulu

Du kannst es ihm ja noch einmal schreiben.

                                Schwarz

Und jetzt zur Arbeit. (Nimmt Pinsel und Palette auf, kt Lulu, geht
links die Stufen hinan, wendet sich in der Portiere um) Eva!

                                  Lulu

                    (lt ihr Buch sinken, lchelnd)

Befehlen?

                                Schwarz

                           (sich ihr nhernd)

Mir ist tglich, als she ich dich zum allererstenmal.

                                  Lulu

Du bist schrecklich.

                                Schwarz

      (sinkt vor der Chaiselongue in die Knie, liebkost ihre Hand)

Du trgst die Schuld.

                                  Lulu

                      (ihm die Locken streichelnd)

Du vergeudest mich.

                                Schwarz

Du bist ja mein. Du bist auch nie bestrickender, als wenn du nur um
Gottes willen einmal ein paar Stunden recht hlich sein solltest! Ich
habe nichts mehr, seit ich dich habe. -- Ich bin mir vollstndig
abhanden gekommen ...

                                  Lulu

Nicht so aufgeregt!

                      (Es lutet auf dem Korridor)

                       Schwarz (zusammenfahrend)

Verwnscht.

                                  Lulu

Niemand zu Hause!

                                Schwarz

Vielleicht ist es der Kunsthndler ...

                                  Lulu

Und wenn es der Kaiser von China ist.

                                Schwarz

Einen Moment. (Ab)

                            Lulu (visionr)

-- Du? -- du? -- (Schliet die Augen)

                        Schwarz (zurckkommend)

Ein Bettler, der den Feldzug mitgemacht haben will. Ich habe kein klein
Geld bei mir. (Pinsel und Palette aufnehmend) Es ist auch die hchste
Zeit, da ich endlich an die Arbeit gehe. (Nach links ab)

                                  Lulu

     (ordnet vor dem Spiegel ihre Toilette, streicht sich das Haar
                        zurck und geht hinaus)


                            Zweiter Auftritt

                            Lulu. Schigolch.

                               Schigolch

                        (von Lulu hereingefhrt)

Ich hatte ihn mir etwas chevaleresker gedacht; ein wenig mehr Nimbus. Er
ist etwas verlegen. Er brach ein wenig in die Knie, als er _mich_ vor
sich sah.

                                  Lulu

                    (rckt ihm einen Sessel zurecht)

Wie kannst du ihn auch anbetteln?

                               Schigolch

Deswegen habe ich meine siebenundsiebzig Lenze nmlich hergeschleppt. Du
sagtest mir, er halte sich morgens an seine Malerei.

                                  Lulu

Er hatte noch nicht ausgeschlafen. Wieviel brauchst du?

                               Schigolch

Zweihundert, wenn du so viel flssig hast; meinetwegen dreihundert. Es
sind mir einige Klienten verduftet.

                                  Lulu

         (geht an den Schreibtisch und kramt in den Schubladen)

Bin ich mde!

                               Schigolch

                            (sich umsehend)

Das hat mich nmlich auch bewogen. Ich htte lange gerne gesehen, wie es
jetzt so bei dir zu Hause aussieht.

                                  Lulu

Nun?

                               Schigolch

Es berluft einen. (Emporblickend) Wie bei mir vor fnfzig Jahren.
Statt der Bummelagen hatte man damals noch alte verrostete Sbel. Den
Teufel noch mal, du hast es weit gebracht. (Scharrend) Die Teppiche ...

                                  Lulu

                        (gibt ihm zwei Billets)

Ich gehe am liebsten barfu darauf.

                               Schigolch

                      (Lulus Portrt betrachtend)

Das bist du?

                            Lulu (zwinkernd)

Fein?

                               Schigolch

Wenn das alles Gutes ist.

                                  Lulu

Einen Sen?

                               Schigolch

Was denn?

                                  Lulu

                             (erhebt sich)

Elixir de Spaa.

                               Schigolch

Hilft nichts! -- Trinkt er?

                                  Lulu

    (nimmt aus einem Schrnkchen neben dem Kamin Karaffe und Glser)

Noch nicht. (Nach vorn kommend) Das Labsal wirkt so verschieden!

                               Schigolch

Er schlgt aus?

                                  Lulu

                         (zwei Glser fllend)

Er schlft ein.

                               Schigolch

Wenn er betrunken ist, kannst du ihm in die Eingeweide sehen.

                                  Lulu

Lieber nicht. (Setzt sich Schigolch gegenber) Erzhl' mir.

                               Schigolch

Die Straen werden immer lnger, und die Beine immer krzer.

                                  Lulu

Und deine Harmonika?

                               Schigolch

Hat falsche Luft, wie ich mit meinem Asthma. Ich denke nur immer, das
Ausbessern ist nicht mehr der Mhe wert. (Stt mit ihr an)

                                  Lulu

                           (leerte ihr Glas)

Ich glaubte schon, du wrest am Ende ...

                               Schigolch

... am Ende schon auf und davon? -- Das glaubte ich auch schon. Aber
wenn so erst die Sonne hinunter ist, dann lt es einen doch noch nicht
ruhen. Ich hoffe auf den Winter. Da wird (hustend) mein -- mein -- mein
Asthma wohl eine Fahrgelegenheit ausfindig zu machen wissen.

                                  Lulu

                          (die Glser fllend)

Du meinst, man knnte dich drben vergessen haben?

                               Schigolch

Wr schon mglich, weil es ja nicht der Reihe nach geht. (Ihr das Knie
streichelnd) Nun erzhl' du mal -- lange nicht gesehen -- meine kleine
Lulu.

                                  Lulu

                       (zurckrckend, lchelnd)

Das Leben ist doch unfalich!

                               Schigolch

Was weit du! Du bist noch so jung.

                                  Lulu

Da du mich Lulu nennst.

                               Schigolch

Lulu, nicht? Habe ich dich jemals anders genannt?

                                  Lulu

Ich heie seit Menschengedenken nicht mehr Lulu.

                               Schigolch

Eine andere Benennungsweise?

                                  Lulu

Lulu klingt mir ganz vorsndflutlich.

                               Schigolch

Kinder! Kinder!

                                  Lulu

Ich heie jetzt ...

                               Schigolch

Als bliebe das Prinzip nicht immer das gleiche!

                                  Lulu

Du meinst?

                               Schigolch

Wie heit es jetzt?

                                  Lulu

Eva.

                               Schigolch

Gehupft wie gesprungen!

                                  Lulu

Ich hre darauf.

                               Schigolch

                            (sieht sich um)

So habe ich es fr dich getrumt. Du bist darauf angelegt. Was soll denn
das?

                                  Lulu

               (sich mit einem Parfmflacon besprengend)

Heliotrop.

                               Schigolch

Riecht das besser als du?

                                  Lulu

                           (ihn besprengend)

Das braucht dich wohl nicht mehr zu kmmern.

                               Schigolch

Wer htte den kniglichen Luxus vorausgeahnt!

                                  Lulu

Wenn ich zurckdenke -- -- Hu!

                               Schigolch

                       (ihr das Knie streichelnd)

Wie geht's dir denn? Treibst du immer noch Franzsisch?

                                  Lulu

Ich liege und schlafe.

                               Schigolch

Das ist vornehm. Das sieht immer nach so was aus. Und weiter?

                                  Lulu

Und strecke mich -- bis es knackt.

                               Schigolch

Und wenn es geknackt hat?

                                  Lulu

Was interessiert dich das!

                               Schigolch

Was mich das interessiert? Was mich das interessiert? Ich wollte lieber
bis zur jngsten Posaune leben und auf alle himmlischen Freuden Verzicht
leisten, als meine Lulu hienieden in Entbehrung zurcklassen. Was mich
das interessiert? Es ist mein Mitgefhl. Ich bin ja mit meinem besseren
Ich schon verklrt. Aber ich habe noch das Verstndnis fr diese Welt.

                                  Lulu

Ich nicht.

                               Schigolch

Dir ist zu wohl.

                           Lulu (schaudernd)

Bldsinnig ...

                               Schigolch

Wohler als bei dem alten Tanzbr?

                            Lulu (wehmtig)

Ich tanze nicht mehr ...

                               Schigolch

Fr den war es auch Zeit.

                                  Lulu

Jetzt bin ich ... (Stockt)

                               Schigolch

Sprich, wie es dir ums Herz ist, mein Kind! Ich hatte Vertrauen in dich,
als noch nichts an dir zu sehen war als deine zwei groen Augen. Was
bist du jetzt?

                                  Lulu

Ein Tier ...

                               Schigolch

Da dich der! -- Und was fr ein Tier! -- Ein feines Tier! -- Ein
elegantes Tier -- Ein Prachtstier! -- -- -- Dann will ich mich man
beisetzen lassen. -- Mit den Vorurteilen sind wir fertig. Auch mit dem
gegen die Leichenwscherin.

                                  Lulu

Du hast nicht zu frchten, da du noch mal gewaschen wirst!

                               Schigolch

Macht auch nichts. Man wird doch wieder schmutzig.

                                  Lulu

                           (ihn besprengend)

Es wrde dich noch mal ins Leben zurckrufen.

                               Schigolch

Wir sind Moder.

                                  Lulu

Bitte recht schn! Ich reibe mich tglich mit Kammfett ein und dann
kommt Puder darauf.

                               Schigolch

Auch wohl der Mhe wert, der Zierbengel wegen.

                                  Lulu

Das macht die Haut wie Satin.

                               Schigolch

Als wre es deswegen nicht auch nur Dreck.

                                  Lulu

Danke schn. Ich will zum Anbeien sein.

                               Schigolch

Sind wir auch. Geben da unten nchstens ein groes Diner. Halten offene
Tafel.

                                  Lulu

Deine Gste werden sich dabei kaum beressen.

                               Schigolch

Geduld, Mdchen! Dich setzen deine Verehrer auch nicht in Weingeist. Das
heit schne Melusine, solang es seine Schwungkraft behlt. Nachher? Man
nimmt's im zoologischen Garten nicht. (Sich erhebend) Die holden Bestien
bekmen Magenkrmpfe.

                                  Lulu

                            (sich erhebend)

Hast du auch genug?

                               Schigolch

Es bleibt noch genug brig, um mir eine Terebinthe aufs Grab zu
pflanzen. -- Ich finde selber hinaus. (Ab)

                                  Lulu

             (begleitet ihn und kommt mit Dr. Schn zurck)


                            Dritter Auftritt

                              Lulu. Schn.

                                 Schn

Was tut denn Ihr Vater hier?

                                  Lulu

Was haben Sie?

                                 Schn

Wenn ich Ihr Mann wre, kme mir dieser Mensch nicht ber die Schwelle.

                                  Lulu

Sie knnen getrost Du sagen; er ist nicht hier.

                                 Schn

Ich danke fr die Ehre.

                                  Lulu

Ich verstehe nicht.

                                 Schn

Das wei ich. (Ihr einen Sessel bietend) Darber mchte ich nmlich
gerne mit Ihnen sprechen.

                                  Lulu

                        (sich unsicher setzend)

Warum haben Sie mir denn das nicht gestern gesagt?

                                 Schn

Bitte, jetzt nichts von gestern. Ich habe es Ihnen vor zwei Jahren schon
gesagt.

                             Lulu (nervs)

Ach so. Hm.

                                 Schn

Ich bitte dich, deine Besuche bei mir einzustellen.

                                  Lulu

Darf ich Ihnen ein Elixir ...

                                 Schn

Danke. Kein Elixir. Haben Sie mich verstanden?

                                  Lulu

                          (schttelt den Kopf)

                                 Schn

Gut. Sie haben die Wahl. -- Sie zwingen mich zu den uersten Mitteln --
entweder sich Ihrer Stellung angemessen zu benehmen ...

                                  Lulu

Oder?

                                 Schn

Oder -- Sie zwingen mich -- ich mte mich an diejenige Persnlichkeit
wenden, die fr Ihre Auffhrung verantwortlich ist.

                                  Lulu

Wie stellen Sie sich das vor?

                                 Schn

Ich ersuche Ihren Mann, Ihre Wege selber zu berwachen.

                                  Lulu

               (erhebt sich, geht links die Stufen hinan)

                                 Schn

Wo wollen Sie denn hin?

                                  Lulu

                       (ruft unter der Portiere)

Walter!

                          Schn (aufspringend)

Bist du verrckt?!

                                  Lulu

                          (sich zurckwendend)

Aha!

                                 Schn

Ich mache die bermenschlichsten Anstrengungen, um dich in der
Gesellschaft zu erhhen. Auf deinen Namen kannst du zehnmal stolzer
sein, als auf meine Vertraulichkeit ...

                                  Lulu

      (kommt die Stufen herunter, legt Schn den Arm um den Hals)

Was frchten Sie denn jetzt noch, wo Sie am Ziel Ihrer Wnsche sind?

                                 Schn

Keine Komdie! Am Ziel meiner Wnsche? Ich habe mich verlobt, endlich!
Ich habe jetzt den Wunsch, meine Braut unter ein reines Dach zu fhren.

                                  Lulu

                             (sich setzend)

Sie ist zum Entzcken aufgeblht in den zwei Jahren.

                                 Schn

Sie sieht einem nicht mehr so ernsthaft durch den Kopf.

                                  Lulu

Sie ist jetzt erst ganz Weib. Wir knnen einander treffen, wo es Ihnen
angemessen scheint.

                                 Schn

Wir werden einander nirgends treffen, es sei denn in Gesellschaft Ihres
Mannes!

                                  Lulu

Sie glauben selber nicht an das, was Sie sagen.

                                 Schn

Dann mu doch Er daran glauben. Ruf' ihn nur! Durch seine Verheiratung
mit dir, durch das, was ich fr ihn getan, ist er mein Freund geworden.

                                  Lulu

                            (sich erhebend)

Meiner auch.

                                 Schn

Dann werde ich mir das Schwert ber dem Kopf herunterschneiden.

                                  Lulu

Sie haben mich ja an die Kette gelegt. Ihnen verdanke ich doch mein
Glck. Sie bekommen Freunde die Menge, wenn Sie erst wieder eine hbsche
junge Frau haben.

                                 Schn

Du beurteilst die Frauen nach dir! -- Er ist ein Kindergemt. Er wre
deinen Seitensprngen sonst lngst auf die Spur gekommen.

                                  Lulu

Ich wnsche nicht mehr! Er wrde seine Kinderschuhe dann endlich
ausziehen. Er pocht darauf, da er den Heiratskontrakt in der Tasche
hat. Die Mhe ist berstanden. Jetzt kann man sich geben und sich gehen
lassen, wie zu Hause. Er ist kein Kindergemt! Er ist banal. Er hat
keine Erziehung. Er sieht nichts. Er sieht mich nicht und sich nicht. Er
ist blind, blind, blind ...

                                 Schn

                            (halb fr sich)

Wenn dem die Augen aufgehen!!

                                  Lulu

ffnen Sie ihm die Augen! Ich verkomme. Ich vernachlssige mich. Er
kennt mich gar nicht. Was bin ich ihm. Er nennt mich Schtzchen und
kleines Teufelchen. Er wrde jeder Klavierlehrerin das gleiche sagen. Er
erhebt keine Pretensionen. Alles ist ihm recht. Das kommt, weil er nie
in seinem Leben das Bedrfnis gefhlt hat, mit Frauen zu verkehren.

                                 Schn

Ob das wahr ist!

                                  Lulu

Er gesteht es ja ganz offen ein.

                                 Schn

Jemand, der seit seinem vierzehnten Jahr Kreti und Pleti portrtiert.

                                  Lulu

Er hat Angst vor Frauen. Er bebt fr sein Wohlbefinden. -- Mich frchtet
er nicht!

                                 Schn

Wie manches Mdchen wrde sich in deinem Fall Gott wei wie selig
preisen.

                                  Lulu

                           (zrtlich bittend)

Verfhren Sie ihn. Sie verstehen sich darauf. Bringen Sie ihn in
schlechte Gesellschaft. Sie haben die Bekanntschaften. Ich bin ihm
nichts als Weib und wieder Weib. Ich fhle mich so blamiert. Er wird
stolzer auf mich sein. Er kennt keine Unterschiede. Ich denke mir das
Hirn aus, Tag und Nacht, um ihn aufzurtteln. In meiner Verzweiflung
tanze ich Cancan. Er ghnt und faselt etwas von Obscnitt.

                                 Schn

Unsinn. Er ist doch Knstler.

                                  Lulu

Er glaubt es wenigstens zu sein.

                                 Schn

Das ist schon die Hauptsache!

                                  Lulu

Wenn ich mich als Modell hinstelle. Er glaubt auch, er sei ein berhmter
Mann.

                                 Schn

Dazu haben wir ihn auch gemacht!

                                  Lulu

Er glaubt alles! Er ist mitrauisch, wie ein Dieb und lt sich anlgen,
da man jeden Respekt verliert. Als wir uns kennen lernten, machte ich
ihm weis, ich htte noch nie geliebt ...

                                 Schn

                      (fllt in einen Lehnsessel)

                                  Lulu

Er htte mich ja sonst fr ein verworfenes Geschpf gehalten!

                                 Schn

-- Du stellst wei Gott was fr exorbitante Anforderungen an _legitime_
Verhltnisse!

                                  Lulu

Ich stelle keine exorbitanten Anforderungen. Oft trumt mir sogar noch
von Goll.

                                 Schn

Der war allerdings nicht banal.

                                  Lulu

Er ist da, als wr' er nie fortgewesen. Nur geht er wie auf Socken. Er
ist mir nicht bse. Er ist furchtbar traurig. Und dann ist er furchtsam,
als wre er ohne polizeiliche Erlaubnis da. Sonst fhlt er sich
behaglich mit uns. Nur kommt er nicht darber hinweg, da ich seither so
viel Geld zum Fenster hinausgeworfen habe ...

                                 Schn

Du sehnst dich nach der Peitsche zurck!

                                  Lulu

Mag sein. Ich tanze nicht mehr.

                                 Schn

Erzieh' ihn dir dazu.

                                  Lulu

Das wre verlorne Mh'!

                                 Schn

Unter hundert Frauen sind neunzig, die sich ihre Mnner erziehen.

                                  Lulu

Er liebt mich.

                                 Schn

Das ist freilich fatal.

                                  Lulu

Er liebt mich ...

                                 Schn

Das ist eine unberbrckbare Kluft.

                                  Lulu

Er kennt mich nicht, aber er liebt mich! Htte er nur eine annhernd
richtige Vorstellung von mir, er wrde mir einen Stein an den Hals
binden und mich im Meer versenken, wo es am tiefsten ist!

                         Schn (sich erhebend)

Kommen wir zu Ende!

                                  Lulu

Wie Ihnen beliebt.

                                 Schn

Ich habe dich verheiratet. Ich habe dich zweimal verheiratet. Du lebst
im Luxus. Ich habe deinem Mann eine Position geschaffen. Wenn dir das
nicht gengt und er sich dazu ins Fustchen lacht, ich trage mich nicht
mit idealen Forderungen, aber -- la mich dabei aus dem Spiel!

                                  Lulu

                        (mit entschlossenem Ton)

Wenn ich einem Menschen auf dieser Welt angehre, gehre ich Ihnen. Ohne
Sie wre ich -- ich will nicht sagen wo. Sie haben mich bei der Hand
genommen, mir zu essen gegeben, mich kleiden lassen, als ich Ihnen die
Uhr stehlen wollte. Glauben Sie, das vergit sich? Jeder andere htte
den Schutzmann gerufen. Sie haben mich zur Schule geschickt und mich
Lebensart lernen lassen. Wer auer Ihnen auf der ganzen Welt hat je
etwas fr mich brig gehabt? Ich habe getanzt und Modell gestanden und
war froh, meinen Lebensunterhalt damit verdienen zu knnen. Aber auf
Kommando _lieben_, das kann ich nicht!

                                 Schn

                          (die Stimme hebend)

La _mich_ aus dem Spiel! Tu' was du willst. Ich komme nicht, um Skandal
zu machen. Ich komme, um mir den Skandal vom Halse zu schaffen. Meine
Verbindung kostet mich Opfer genug! Ich hatte vorausgesetzt, mit einem
gesunden jungen Mann, wie ihn sich eine Frau in deinem Alter nicht
besser wnschen kann, wrdest du dich endlich zufrieden geben. Wenn du
mir verpflichtet bist, dann wirf dich mir nicht zum drittenmal in den
Weg! Soll ich denn noch lnger warten, bis ich mein Teil in Sicherheit
bringe? Soll ich riskieren, da mir der ganze Erfolg meiner Konzessionen
nach zwei Jahren wieder ins Wasser fllt? Was hilft mir dein
Verheiratetsein, wenn man dich zu jeder Stunde des Tages bei mir ein-
und ausgehen sieht? -- Warum zum Teufel ist Dr. Goll nicht auch
wenigstens ein Jahr noch am Leben geblieben! Bei dem warst du in
Verwahrung. Dann htte ich meine Frau lngst unter Dach!

                                  Lulu

Was htten Sie dann! Das Kind fllt Ihnen auf die Nerven. Das Kind ist
zu unverdorben fr Sie. Das Kind ist viel zu sorgfltig erzogen. Was
sollte ich gegen Ihre Verheiratung haben! Aber Sie tuschen sich ber
sich selber, wenn Sie glauben, mir Ihrer bevorstehenden Verheiratung
wegen Ihre Verachtung zum Ausdruck geben zu drfen!

                                 Schn

Verachtung?! -- Ich werde dem Kind schon die richtige Faon geben! Wenn
etwas verachtenswert ist, so sind es deine Intriguen!

                             Lulu (lachend)

Bin ich auf das Kind eiferschtig? -- Das kann mir doch gar nicht
einfallen ...

                                 Schn

Wieso denn das Kind! Das Kind ist nicht einmal ein ganzes Jahr jnger
als du. La mir meine Freiheit, zu leben, was ich noch zu leben habe!
Sei das Kind erzogen, wie es will, das Kind hat gerade so wie du seine
fnf Sinne ...


                            Vierter Auftritt

                          Schwarz. Die Vorigen

                                Schwarz

          (einen Pinsel in der Hand, links unter der Portiere)

Was ist denn los?

                            Lulu (zu Schn)

Nun? Reden Sie doch.

                                Schwarz

Was habt ihr denn?

                                  Lulu

Nichts was dich betrifft ...

                             Schn (rasch)

Ruhig!

                                  Lulu

Man hat mich satt.

                                Schwarz

                       (fhrt Lulu nach links ab)

                                 Schn

        (blttert in einem der Bcher, die auf dem Tisch liegen)

Es mute zur Sprache kommen. -- -- Ich mu endlich die Hnde frei haben.

                        Schwarz (zurckkommend)

Ist denn das eine Art zu scherzen?

                                 Schn

                       (auf einen Sessel deutend)

Bitte.

                                Schwarz

Was ist denn?

                                 Schn

Bitte.

                         Schwarz (sich setzend)

Nun?

                          Schn (sich setzend)

Du hast eine halbe Million geheiratet ...

                                Schwarz

Ist sie weg?

                                 Schn

Nicht ein Pfennig.

                                Schwarz

Erklr' mir den eigentmlichen Auftritt.

                                 Schn

Du hast eine halbe Million geheiratet ...

                                Schwarz

Daraus kann man mir kein Verbrechen machen.

                                 Schn

Du hast dir einen Namen geschaffen. Du kannst unbehelligt arbeiten. Du
brauchst dir keinen Wunsch zu versagen ...

                                Schwarz

Was habt ihr beide denn gegen mich?

                                 Schn

Seit sechs Monaten schwelgst du in allen Himmeln. Du hast eine Frau, um
deren Vorzge die Welt dich beneidet und die einen Mann verdient, den
sie achten kann ...

                                Schwarz

Achtet sie mich nicht?

                                 Schn

Nein.

                          Schwarz (beklommen)

-- Ich komme aus den dstren Tiefen der Gesellschaft. Sie ist von oben
her. Ich hege keinen heieren Wunsch, als ihr ebenbrtig zu werden.
(Schn die Hand reichend) Ich danke dir.

                                 Schn

                  (halb verlegen seine Hand drckend)

Bitte, bitte.

                                Schwarz

                         (mit Entschlossenheit)

Sprich!

                                 Schn

Nimm sie etwas mehr unter Aufsicht.

                                Schwarz

Ich -- sie?

                                 Schn

Wir sind keine Kinder! Wir tndeln nicht. Wir leben. -- Sie fordert
ernst genommen zu werden. Ihr Wert gibt ihr das volle Recht dazu.

                                Schwarz

Was tut sie denn?

                                 Schn

-- Du hast eine halbe Million geheiratet!

                                Schwarz

                       (erhebt sich, auer sich)

Sie ...

                                 Schn

                      (nimmt ihn bei der Schulter)

Nein, das ist der Weg nicht! (Ntigt ihn sich zu setzen) Wir haben hier
sehr ernst mit einander zu sprechen.

                                Schwarz

Was tut sie?!

                                 Schn

Rechne dir erst genau an den Fingern nach, was du ihr zu verdanken hast,
und dann ...

                                Schwarz

Was tut sie -- Mensch!!

                                 Schn

Und dann mach' dich fr deine Fehler verantwortlich und nicht sonst
jemand.

                                Schwarz

Mit wem? Mit wem?

                                 Schn

Wenn wir uns schieen sollen ...

                                Schwarz

Seit wann denn?!

                          Schn (ausweichend)

-- Ich komme nicht hierher, um Skandal zu machen. Ich komme, um dich vor
dem Skandal zu retten.

                        Schwarz (kopfschttelnd)

-- Du hast sie miverstanden.

                            Schn (verlegen)

Damit ist mir nicht gedient. Ich kann dich in deiner Blindheit nicht so
weiterleben sehen. Das Mdchen verdient eine anstndige Frau zu sein.
Sie hat sich, seit ich sie kenne, zu ihrem Besseren entwickelt.

                                Schwarz

Seit du sie kennst? -- Seit wann kennst du sie denn?

                                 Schn

Etwa seit ihrem zwlften Jahr.

                           Schwarz (verwirrt)

Davon hat sie mir nichts gesagt.

                                 Schn

Sie verkaufte Blumen vor dem Alhambra-Caf. Sie drckte sich barfu
zwischen den Gsten durch, jeden Abend zwischen zwlf und zwei.

                                Schwarz

Davon hat sie mir nichts gesagt.

                                 Schn

Daran hat sie recht getan! Ich sage es dir, damit du siehst, da du es
nicht mit moralischer Verworfenheit zu tun hast. Das Mdchen ist im
Gegenteil auergewhnlich gut veranlagt.

                                Schwarz

Sie sagte, sie sei bei einer Tante aufgewachsen.

                                 Schn

Das war die Frau, der ich sie bergab. Sie war die beste Schlerin. Die
Mtter stellten sie ihren Kindern als Vorbild hin. Sie besitzt
Pflichtgefhl. Es ist einzig und allein dein Versehen, wenn du bis jetzt
versumt hast, sie bei ihren besten Seiten zu nehmen.

                         Schwarz (schluchzend)

O Gott ...!

                         Schn (mit Nachdruck)

Kein o Gott!! An dem Glck, das du gekostet, kann nichts etwas ndern.
Geschehen ist geschehen. Du berschtzest dich gegen besseres Wissen,
wenn du dir einredest, zu verlieren. Es gilt zu gewinnen. Mit dem O
Gott ist nichts gewonnen. Einen greren Freundschaftsdienst habe ich
dir noch nicht erwiesen. Ich spreche offen und biete dir meine Hilfe.
Zeig' dich dessen nicht unwrdig!

                                Schwarz

         (von jetzt an mehr und mehr in sich zusammenbrechend)

Als ich sie kennen lernte, sagte sie mir, sie habe noch nie geliebt.

                                 Schn

Wenn eine Witwe das sagt! Ihr gereicht es zur Ehre, da sie dich zum
Manne gewhlt. Stelle die nmliche Anforderung an dich, und dein Glck
ist makellos.

                                Schwarz

Er habe sie kurze Kleider tragen lassen.

                                 Schn

Er hat sie doch geheiratet! -- Das war ihr Meisterstreich. Wie sie den
Mann dazu gebracht, ist mir unfalich. Du mut es jetzt ja wissen. Du
geniet die Frchte ihrer Diplomatie.

                                Schwarz

Woher kannte Dr. Goll sie denn?

                                 Schn

Durch mich! -- Es war nach dem Tode meiner Frau, als ich die ersten
Beziehungen zu meiner gegenwrtigen Verlobten anknpfte. Sie stellte
sich dazwischen. Sie hatte sich in den Kopf gesetzt, meine Frau zu
werden.

                                Schwarz

             (wie von einer entsetzlichen Ahnung befallen)

Und als ihr Mann dann starb?

                                 Schn

-- Du hast eine halbe Million geheiratet!!

                           Schwarz (jammernd)

Wr' ich geblieben, wo ich war! Wr' ich Hungers gestorben!

                       Schn (mit berlegenheit)

Glaubst du denn, ich mache keine Zugestndnisse? Wer macht keine
Zugestndnisse? Du hast eine halbe Million geheiratet. Du bist heute
einer der ersten Knstler. Dazu kommt man nicht ohne Geld. Du bist nicht
derjenige, um ber sie zu Gericht zu sitzen. Bei einer Herkunft, wie sie
Mignon hat, kannst du unmglich mit den Begriffen der brgerlichen
Gesellschaft rechnen.

                          Schwarz (ganz wirr)

Von wem sprichst du denn?

                                 Schn

Ich spreche von ihrem Vater. Du bist Knstler, sag' ich. Deine Ideale
liegen auf einem andern Gebiete, als die eines Lohnarbeiters.

                                Schwarz

Ich verstehe von alledem kein Wort.

                                 Schn

Ich spreche von den menschenunwrdigen Verhltnissen, aus denen sich das
Mdchen dank seiner Fhrung zu dem entwickelt hat, was sie ist!

                                Schwarz

Wer denn?

                                 Schn

Wer denn? -- Deine Frau.

                                Schwarz

_Eva??_

                                 Schn

Ich nannte sie Mignon.

                                Schwarz

Ich meinte, sie hiee Nellie?

                                 Schn

So nannte sie Dr. Goll.

                                Schwarz

Ich nannte sie Eva ...

                                 Schn

Wie sie eigentlich hie, wei ich nicht.

                       Schwarz (geistesabwesend)

Sie wei es vielleicht.

                                 Schn

Bei einem Vater, wie sie ihn hat, ist sie ja bei allen Fehlern, das
helle Wunder. Ich verstehe dich nicht ...

                                Schwarz

Er ist im Irrenhause gestorben ...?

                                 Schn

Er war ja eben hier!

                                Schwarz

Wer war da?

                                 Schn

Ihr Vater.

                                Schwarz

Hier -- bei mir?

                                 Schn

Er drckte sich, als ich kam. Da stehen ja noch die Glser.

                                Schwarz

Sie sagt, er sei im Irrenhause gestorben.

                           Schn (ermutigend)

La sie Autoritt fhlen! Sie verlangt nicht mehr, als unbedingt
Gehorsam leisten zu drfen. Bei Dr. Goll war sie wie im Himmel, und mit
dem war nicht scherzen.

                        Schwarz (kopfschttelnd)

Sie sagte, sie habe noch nie geliebt ...

                                 Schn

Aber mach' mit dir selber den Anfang. Raff' dich zusammen.

                                Schwarz

Geschworen hat sie!

                                 Schn

Du kannst kein Pflichtgefhl fordern, bevor du nicht deine eigene
Aufgabe kennst.

                                Schwarz

Bei dem Grabe ihrer Mutter!!

                                 Schn

Sie hat ihre Mutter nie gekannt. Geschweige das Grab. -- Ihre Mutter hat
gar kein Grab.

                         Schwarz (verzweifelt)

Ich passe nicht hinein in die Gesellschaft.

                                 Schn

Was hast du?

                                Schwarz

Einen grauenhaften Schmerz.

                                 Schn

             (erhebt sich, tritt zurck, nach einer Pause)

Wahr' sie dir, weil sie dein ist. -- Der Moment ist entscheidend. Sie
kann morgen fr dich verloren sein.

                                Schwarz

                        (auf die Brust deutend)

Hier, hier.

                                 Schn

Du hast eine halbe ... (sich besinnend) Sie ist dir verloren, wenn du
den Augenblick versumst!

                                Schwarz

Wenn ich weinen knnte! -- Oh, wenn ich schreien knnte!

                                 Schn

                  (legt ihm die Hand auf die Schulter)

Dir ist elend ...

                                Schwarz

                   (sich erhebend, anscheinend ruhig)

Du hast recht, ganz recht.

                                 Schn

                        (seine Hand ergreifend)

Wo willst du hin?

                                Schwarz

Mit ihr sprechen.

                                 Schn

Recht so. (Begleitet ihn zur Tre rechts)


                            Fnfter Auftritt

                       Schn. Gleich darauf Lulu.

                         Schn (zurckkommend)

Das war ein Stck Arbeit. (Nach einer Pause, nach links sehend) Er hatte
sie doch vorher ins Atelier gebracht ..?

                  (Frchterliches Sthnen von rechts)

                                 Schn

           (eilt an die Tr rechts, findet sie verschlossen)

Mach' auf! Mach' auf!

                                  Lulu

                    (links aus der Portiere tretend)

Was ist ...

                                 Schn

Mach' auf!

                                  Lulu

                        (kommt die Stufen herab)

Das ist grauenvoll.

                                 Schn

Hast du kein Beil in der Kche?

                                  Lulu

Er wird schon aufmachen ...

                                 Schn

Ich mag sie nicht eintreten.

                                  Lulu

Wenn er sich ausgeweint hat.

                                 Schn

                       (gegen die Tr stampfend)

Mach' auf! (Zu Lulu) Hol' mir ein Beil.

                                  Lulu

Zum Arzt schicken ...

                                 Schn

Du bist nicht bei Trost.

                                  Lulu

Das geschieht Ihnen recht.

   (Es lutet auf dem Korridor. Schn und Lulu starren einander an.)

                                 Schn

           (schleicht nach hinten, bleibt in der Tr stehen)

Ich darf mich jetzt hier nicht sehen lassen.

                                  Lulu

Vielleicht der Kunsthndler. (Es lutet)

                                 Schn

Aber wenn wir nicht antworten ...

                                  Lulu

                       (schleicht nach der Tre)

                                 Schn

                             (hlt sie auf)

Bleib. Man ist sonst auch nicht immer gleich bei der Hand. (Geht auf den
Fuspitzen hinaus)

                                  Lulu

          (kehrt zu der verschlossenen Tr zurck und horcht)


                           Sechster Auftritt

               Alwa. Schn. Die Vorigen. Spter Henriette

                                 Schn

                          (Alwa hereinfhrend)

Sei bitte ruhig.

                         Alwa (sehr aufgeregt)

In Paris ist Revolution ausgebrochen.

                                 Schn

Sei ruhig.

                             Alwa (zu Lulu)

Sie sind totenbleich.

                                 Schn

                         (an der Tr rttelnd)

Walter! -- Walter! (Man hrt rcheln)

                                  Lulu

Gott erbarm dich ...

                                 Schn

Hast du kein Beil geholt?

                                  Lulu

Wenn eines da ist ... (Zgernd nach rechts hinten ab)

                                  Alwa

Er mystifiziert uns.

                                 Schn

In Paris ist Revolution ausgebrochen?

                                  Alwa

Auf der Redaktion rennen sie sich den Kopf gegen die Wand. Keiner wei,
was er schreiben soll.

                      (Es lutet auf dem Korridor)

                                 Schn

                       (gegen die Tr stampfend)

Walter!

                                  Alwa

Soll ich sie einrennen?

                                 Schn

Das kann ich auch. Wer da noch kommen mag! (Sich emporrichtend) Das
freut sich des Lebens und lt es andere verantworten!

                                  Lulu

                  (kommt mit einem Kchenbeil zurck)

Henriette ist nach Hause gekommen.

                                 Schn

Schlie' die Tr hinter dir.

                                  Alwa

Geben Sie her. (Nimmt das Beil und stt es zwischen Pfosten und
Trschlo)

                                 Schn

Du mut es krftiger fassen.

                                  Alwa

Es kracht schon. (Die Tr springt aus dem Schlo. Er lt das Beil
fallen und taumelt zurck) -- -- (Pause)

                                  Lulu

                    (auf die Tr deutend, zu Schn)

Nach Ihnen.

                                 Schn

                            (weicht zurck).

                                  Lulu

Ihnen wird -- schwindelig ...?

                                 Schn

         (wischt sich den Schwei von der Stirn und tritt ein)

                                  Alwa

                         (auf der Chaiselongue)

Grlich!

                                  Lulu

   (sich am Trpfosten haltend, die Finger zum Mund erhoben, schreit
                                jh auf)

Oh! -- Oh! (Eilt zu Alwa) Ich kann nicht hier bleiben.

                                  Alwa

Grauenhaft!

                                  Lulu

                       (ihn bei der Hand nehmend)

Kommen Sie.

                                  Alwa

Wohin?

                                  Lulu

Ich kann nicht allein sein. (Mit Alwa nach links ab.)

                                 Schn

   (kommt von rechts zurck, ein Schlsselbund in der Hand; die Hand
    zeigt Blut; zieht die Tr hinter sich zu, geht zum Schreibtisch,
                schliet auf und schreibt zwei Billets)

                                  Alwa

                       (von links zurckkommend)

Sie zieht sich um.

                                 Schn

Sie ist fort?

                                  Alwa

Auf ihr Zimmer. Sie zieht sich um.

                           Schn (klingelt).

                         Henriette (tritt ein).

                                 Schn

Sie wissen, wo der Doktor Bernstein wohnt.

                               Henriette

Gewi, Herr Doktor. Gleich nebenan.

                                 Schn

                        (ihr ein Billet gebend)

Bringen Sie das hinber.

                               Henriette

Im Falle, da der Herr Doktor nicht zu Hause sind?

                                 Schn

Er ist zu Hause. (Ihr das andere Billet gebend) Und das bringen Sie auf
die Polizeidirektion. Nehmen Sie eine Droschke.

                             Henriette (ab)

                                 Schn

Ich bin gerichtet.

                                  Alwa

Mir erstarrt das Blut.

                          Schn (nach rechts)

Der Narr!

                                  Alwa

Es ist ihm wohl ein Licht aufgegangen?

                                 Schn

Er hat sich zuviel mit sich selbst beschftigt.

                                  Lulu

         (auf den Stufen links in Staubmantel und Spitzenhut).

                                  Alwa

Wo wollen Sie denn jetzt hin?

                                  Lulu

Hinaus. Ich sehe es an allen Wnden.

                                 Schn

Wo hat er seine Papiere?

                                  Lulu

Im Schreibtisch.

                        Schn (am Schreibtisch)

Wo?

                                  Lulu

Rechts unten. (Kniet vor dem Schreibtisch nieder, ffnet eine Schublade
und leert die Papiere auf den Boden) Hier. Es ist nichts zu frchten. Er
hatte keine Geheimnisse.

                                 Schn

Jetzt kann ich mich von der Welt zurckziehen.

                             Lulu (knieend)

Schreiben Sie ein Feuilleton. Nennen Sie ihn Michel Angelo.

                                 Schn

Was hilft das -- (nach rechts deutend) Da liegt meine Verlobung.

                                  Alwa

Das ist der Fluch deines Spiels!

                                 Schn

Schrei es durch die Straen!!

                                  Alwa

                           (auf Lulu deutend)

Httest du, als meine Mutter starb, an dem Mdchen gehandelt, wie es
recht und billig gewesen wre.

                          Schn (nach rechts)

Da verblutet meine Verlobung!

                          Lulu (sich erhebend)

Ich bleibe nicht lnger hier.

                                 Schn

In einer Stunde verkauft man die Extrabltter. Ich darf mich nicht ber
die Strae wagen.

                                  Lulu

Was knnen Sie denn dafr?

                                 Schn

Deshalb gerade! Mich steinigt man dafr!

                                  Alwa

Du mut verreisen.

                                 Schn

Um dem Skandal freies Feld zu lassen!

                                  Lulu

                         (an der Chaiselongue)

Vor zehn Minuten noch lag er hier.

                                 Schn

Das ist der Dank, fr das, was ich fr ihn getan habe! Wirft mir in
einer Sekunde mein ganzes Leben in Trmmer!

                                  Alwa

Mige dich, bitte!

                                  Lulu

                         (auf der Chaiselongue)

Wir sind unter uns.

                                  Alwa

Und wie!

                                 Schn

                               (zu Lulu)

Was willst du der Polizei sagen?

                                  Lulu

Nichts.

                                  Alwa

Er wollte seinem Geschick nichts schuldig bleiben.

                                  Lulu

Er hatte immer gleich Mordgedanken.

                                 Schn

Er hatte, was sich ein Mensch nur ertrumen kann!

                                  Lulu

Er hat es teuer bezahlt.

                                  Alwa

Er hatte, was _wir_ nicht haben!

                                 Schn

                           (jh aufbrausend)

Ich kenne deine Grnde. Ich habe nicht Ursache, Rcksicht auf dich zu
nehmen! Wenn du alles in Bewegung setzst, um keine Geschwister neben dir
zu haben, so ist das fr mich ein Grund mehr, mir andere Kinder zu
erziehen.

                                  Alwa

Du bist ein schlechter Menschenkenner.

                                  Lulu

Geben Sie doch selber ein Extrablatt aus.

                                 Schn

                    (im Ton der heftigsten Emprung)

Er hatte kein moralisches Gewissen! (indem er pltzlich seine Fassung
wiedergewinnt) Paris revolutioniert --?

                                  Alwa

Unsere Redakteure sind wie vom Schlag getroffen. Alles stockt.

                                 Schn

Das mu mir darber hinweghelfen! -- -- Wenn nun nur die Polizei kme.
Die Minuten sind nicht mit Gold zu bezahlen.

                      (Es lutet auf dem Korridor)

                                  Alwa

Da sind sie ...

                                 Schn

                            (will zur Tre)

                          Lulu (aufspringend)

Warten Sie, Sie haben Blut.

                                 Schn

Wo ...?

                                  Lulu

Warten Sie, ich wische es weg. (Besprengt ihr Taschentuch mit Heliotrop
und wischt Schn das Blut von der Hand)

                                 Schn

Es ist deines Gatten Blut.

                                  Lulu

Es lt keine Flecken.

                                 Schn

Ungeheuer!

                                  Lulu

Sie heiraten mich ja doch.

                      (Es lutet auf dem Korridor)

                                  Lulu

Nur Geduld, Kinder.

                                 Schn

                           (rechts hinten ab)


                           Siebenter Auftritt

                        Escherich. Die Vorigen.

                               Escherich

                  (von Schn hereingeleitet, atemlos)

Erlauben Sie, da ich -- da ich mich Ihnen -- Ihnen vorstelle ...

                                 Schn

Sie sind gelaufen?

                               Escherich

                       (seine Karte berreichend)

Von der Polizeidirektion her. Ein Selbstmord, hr' ich.

                             Schn (liest)

Fritz Escherich, Korrespondent der Kleinen Neuigkeiten. -- Kommen Sie.

                               Escherich

Einen Moment. (Nimmt Notizbuch und Bleistift vor, sieht sich im Salon
um, schreibt einige Worte, verbeugt sich gegen Lulu, schreibt, wendet
sich zu der erbrochenen Tr, schreibt) Ein Kchenbeil ... (Will es
aufheben).

                                 Schn

                          (ihn zurckhaltend)

Bitte.

                          Escherich (schreibt)

Tr aufgebrochen mit Kchenbeil. (Untersucht das Schlo.)

                                 Schn

                         (die Hand an der Tr)

Sehen Sie sich vor, mein Lieber.

                               Escherich

Wenn Sie jetzt die Liebenswrdigkeit haben wollen, die Tr zu ffnen.

                                 Schn

                           (ffnet die Tre).

                               Escherich

       (lt Buch und Bleistift fallen, fhrt sich in die Haare)

O du barmherziger Himmel noch mal ...!

                                 Schn

Sehen Sie sich alles genau an!

                               Escherich

Ich kann nicht hinsehen.

                                 Schn

                      (ihn hhnisch anschnauzend)

Wozu sind Sie denn hergekommen!!

                               Escherich

Sich mit dem -- Ra -- Rasiermesser -- den Ha -- Hals abschneiden ...

                                 Schn

Haben Sie alles gesehen?

                               Escherich

Das mu ein Gefhl sein!

                                 Schn

               (zieht die Tr zu, tritt zum Schreibtisch)

Setzen Sie sich. Hier ist Papier und Feder. Schreiben Sie.

                               Escherich

                    (der mechanisch Platz genommen)

Ich kann nicht schreiben ...

                                 Schn

                     (hinter seinem Stuhl stehend)

Schreiben Sie! -- Verfolgungswahn ...

                          Escherich (schreibt)

Ver--fol--gungs--wahn.

                      (Es lutet auf dem Korridor)




                             Dritter Aufzug


    Garderobe im Theater, mit rotem Tuch ausgeschlagen. Links hinten
   die Tr. Rechts hinten eine spanische Wand. In der Mitte, mit der
       Schmalseite gegen den Zuschauer, ein langer Tisch, auf dem
     Tanzkostme liegen. Rechts und links vom Tisch je ein Sessel.
    Links vorn Tischchen mit Sessel. Rechts vorn ein hoher Spiegel,
    daneben ein hoher, sehr breiter, altmodischer Armsessel. Vor dem
              Spiegel ein Puff, Schminkschatulle etc. etc.


                            Erster Auftritt.

                    Lulu. Alwa, gleich darauf Schn.

                                  Alwa

       (links vorn, fllt zwei Glser mit Champagner und Rotwein)

Seit ich fr die Bhne arbeite, habe ich kein Publikum so auer Rand und
Band gesehen.

                                  Lulu

                (unsichtbar, hinter der spanischen Wand)

Geben Sie mir nicht zuviel Rotwein. -- Sieht er mich heute?

                                  Alwa

Mein Vater?

                                  Lulu

Ja.

                                  Alwa

Ich wei nicht, ob er im Theater ist.

                                  Lulu

Er will mich wohl gar nicht sehen?

                                  Alwa

Er hat so wenig Zeit.

                                  Lulu

Seine _Braut_ nimmt ihn in Anspruch.

                                  Alwa

Spekulationen. Er gnnt sich keine Ruhe. -- (Da Schn eintritt) Du? Eben
sprechen wir von dir.

                                  Lulu

Ist er da?

                                 Schn

Du ziehst dich um?

                                  Lulu

             (ber die spanische Wand wegsehend, zu Schn)

Sie schreiben in allen Zeitungen, ich sei die geistvollste Tnzerin, die
je die Bhne betreten, ich sei eine zweite Taglioni und was wei ich,
und Sie finden mich nicht einmal geistvoll genug, um sich davon zu
berzeugen!

                                 Schn

Ich habe soviel zu schreiben. Du siehst, da ich recht hatte. Es waren
kaum mehr Pltze zu haben. -- Du mut dich etwas mehr im Proszenium
halten!

                                  Lulu

Ich mu mich erst an das Licht gewhnen.

                                  Alwa

Sie hat sich strikte an ihre Rolle gehalten.

                                 Schn

                               (zu Alwa)

Du mut deine Darsteller besser ausntzen! Du verstehst dich noch nicht
genug auf die Technik. (Zu Lulu) Als was kommst du jetzt?

                                  Lulu

Als Blumenmdchen ...

                                 Schn

                               (zu Alwa)

In Trikots?

                                  Alwa

Nein. In fufreiem Kleid.

                                 Schn

Du httest dich lieber nicht mit dem Symbolismus einlassen sollen!

                                  Alwa

Ich sehe der Tnzerin auf die Fe.

                                 Schn

Es kommt darauf an, worauf das Publikum sieht! Eine Erscheinung wie
_sie_ hat deine symbolistischen Hanswurstiaden gottlob nicht ntig.

                                  Alwa

Das Publikum sieht nicht danach aus, als ob es sich langweilte!

                                 Schn

Natrlich! Weil ich in der Presse seit sechs Monaten auf ihren Erfolg
hingearbeitet habe. -- War der _Prinz_ hier?

                                  Alwa

Es war niemand hier.

                                 Schn

Wer wird eine Tnzerin zwei Akte hindurch in Regenmnteln auftreten
lassen!

                                  Alwa

Wer ist denn der Prinz?

                                 Schn

-- Wir sehen uns noch?

                                  Alwa

Bist du allein?

                                 Schn

Mit Bekannten. -- Bei Peters?

                                  Alwa

Um Zwlf?

                                 Schn

Um Zwlf. (Ab)

                                  Lulu

Ich hatte schon daran verzweifelt, da er je kommen werde!

                                  Alwa

Lassen Sie sich durch seine griesgrmigen Nrgeleien nicht beirren. Wenn
Sie nur ja darauf achten wollen, da Sie Ihre Krfte nicht vor Beginn
der letzten Nummer vergeuden.

                                  Lulu

      (tritt hinter der spanischen Wand vor, in antikem fufreiem
     rmellosem weiem Kleid mit rotem Saum, einen bunten Kranz im
              Haar, einen Korb voll Blumen in den Hnden)

                                  Lulu

Er scheint es gar nicht gemerkt zu haben, wie geschickt Sie ihre
Darsteller ausntzen!

                                  Alwa

Ich werde doch im ersten Akt nicht Sonne, Mond und Sterne verpaffen.

                                  Lulu

                        (das Glas an den Lippen)

Sie enthllen mich gradatim.

                                  Alwa

Ich wute doch, da Sie sich darauf verstehen, Kostme zu wechseln.

                                  Lulu

Htte ich meine Blumen so vor dem Alhambracaf verkaufen wollen, man
htte mich schon gleich in der ersten Nacht hinter Schlo und Riegel
gesetzt.

                                  Alwa

Warum denn! Sie waren ein Kind!

                                  Lulu

Wissen Sie noch, wie ich zum erstenmal in Ihr Zimmer trat?

                              Alwa (nickt)

Sie trugen ein dunkelblaues Kleid mit schwarzem Sammet.

                                  Lulu

Man mute mich verstecken und wute nicht wo.

                                  Alwa

Meine Mutter lag damals schon seit zwei Jahren auf dem Krankenbett ...

                                  Lulu

Sie spielten Theater und fragten mich, ob ich mitspielen wolle.

                                  Alwa

Gewi! Wir spielten Theater!

                                  Lulu

Ich sehe Sie noch, wie Sie die Figuren hin und herschoben.

                                  Alwa

Es war mir noch lange die entsetzlichste Erinnerung, wie ich mit einem
mal klar in die Verhltnisse sah.

                                  Lulu

Da wurden Sie eisig gemessen gegen mich.

                                  Alwa

Ach Gott -- ich sah etwas so unendlich hoch ber mir stehendes in Ihnen.
Ich hegte vielleicht eine hhere Verehrung fr Sie, als fr meine
Mutter. Denken Sie, als meine Mutter starb, -- ich war siebzehn Jahre
alt -- da trat ich vor meinen Vater und forderte ihn auf, da er Sie
augenblicklich zu seiner Frau mache, sonst mten wir uns duellieren.

                                  Lulu

Das hat er mir damals erzhlt.

                                  Alwa

Seit ich lter bin, kann ich ihn nur noch bemitleiden. Er wird mich nie
begreifen. Da phantasiert er sich eine kleine Diplomatie zusammen, die
mich dazu bestimmen soll, seiner Verheiratung mit der Komtesse
entgegenzuarbeiten.

                                  Lulu

Blickt sie denn immer noch so unschuldig in die Welt hinaus?

                                  Alwa

Sie liebt ihn; das ist meine berzeugung. Ihre Familie hat alles in
Bewegung gesetzt, um sie zum Rcktritt zu veranlassen. Ich glaube nicht,
da ihr ein Opfer auf dieser Welt zu gro wre um seinetwillen.

                                  Lulu

                        (hlt ihm ihr Glas hin)

Noch etwas, bitte.

                                  Alwa

                           (ihr einschenkend)

Sie trinken zu viel.

                                  Lulu

Er soll an meinen Erfolg glauben lernen! Er glaubt an keine Kunst. Er
glaubt nur an Zeitungen.

                                  Alwa

Er glaubt an nichts.

                                  Lulu

Er hat mich ans Theater gebracht, damit sich eventuell jemand findet,
der reich genug ist, um mich zu heiraten.

                                  Alwa

Nun ja! Was braucht uns das zu kmmern!

                                  Lulu

Mich soll es freuen, wenn ich mich in das Herz eines Millionrs
hineintanzen kann.

                                  Alwa

Gott verhte, da man Sie uns entfhrt!

                                  Lulu

Sie haben doch die Musik dazu komponiert.

                                  Alwa

Sie wissen, da es immer mein Wunsch war, ein Stck fr Sie zu
schreiben.

                                  Lulu

Ich bin aber gar nicht fr die Bhne geschaffen.

                                  Alwa

Sie sind als Tnzerin auf die Welt gekommen.

                                  Lulu

Warum schreiben Sie Ihre Stcke denn nicht wenigstens so interessant,
wie das Leben ist?

                                  Alwa

Weil uns das kein Mensch glauben wrde.

                                  Lulu

Wenn ich mich nicht besser aufs Theaterspielen verstnde, als man auf
der Bhne spielt, was htte aus mir werden wollen!

                                  Alwa

Ich habe Ihre Rolle doch mit allen erdenklichen Unmglichkeiten
ausgestattet.

                                  Lulu

Mit solchem Hokuspokus lockt man in der Wirklichkeit noch keinen Hund
vom Ofen.

                                  Alwa

Mir ist es genug, da sich das Publikum in die wahnsinnigste Aufregung
versetzt sieht.

                                  Lulu

Ich mchte mich aber gern selbst in die wahnsinnigste Aufregung versetzt
sehen! (Trinkt)

                                  Alwa

Dazu scheint Ihnen auch nicht viel mehr zu fehlen.

                                  Lulu

Wie knnen Sie sich darber wundern, da mein Auftreten doch einen
hheren Zweck hat! Es gehen schon Einige da unten ganz ernstlich mit
sich zu Rate. -- Ich fhle das, ohne da ich hinsehe.

                                  Alwa

Wie fhlen Sie denn das?

                                  Lulu

Keiner ahnt was vom Andern. Jeder meint, er sei allein das unglckliche
Opfer.

                                  Alwa

Wie knnen Sie denn das fhlen?

                                  Lulu

Es luft einem so ein eisiger Schauer am Krper herauf.

                                  Alwa

Sie sind unglaublich ... (Eine elektrische Klingel tnt ber der Tr)

                                  Lulu

Mein Tuch ... Ich werde mich im Proscenium halten!

                                  Alwa

          (ihr einen breiten Shawl ber die Schultern legend)

Hier ist Ihr Tuch.

                                  Lulu

Er soll nichts mehr fr seine schamlose Reklame zu frchten haben.

                                  Alwa

Wahren Sie Ihre Selbstbeherrschung!

                                  Lulu

Gebe Gott, da ich einem den letzten Funken Verstand zum Kopf hinaus
tanze. (Ab)


                            Zweiter Auftritt

                             Alwa (allein)

ber die liee sich freilich ein interessanteres Stck schreiben. (Setzt
sich links, nimmt sein Notizbuch vor und notiert. Aufblickend) Erster
Akt: Dr. Goll. Schon faul! Ich kann den Dr. Goll aus dem Fegefeuer
zitieren, oder wo er seine Orgien bt, man wird mich fr seine Snden
verantwortlich machen. -- (Langanhaltendes, stark gedmpftes Klatschen
und Bravorufen wird von auen hrbar) -- Das tobt, wie in der Menagerie,
wenn das Futter vor dem Kfig erscheint. -- Zweiter Akt: Walter Schwarz.
Noch unmglicher! Wie die Seelen die letzte Hlle abstreifen im Licht
solcher Blitzschlge! -- Dritter Akt? -- Sollte es wirklich so fort
gehen?! -- (Die Garderobiere ffnet von auen und lt Escerny
eintreten)


                            Dritter Auftritt

                             Escerny. Alwa.

                                Escerny

     (tut als ob er zu Hause wre und nimmt, ohne Alwa zu beachten
                    rechts neben dem Spiegel Platz)

                                  Alwa

              (links sitzend, ohne auf Escerny zu achten)

Es kann im dritten Akt nicht so fortgehen!

                                Escerny

Bis zur Mitte des dritten Aktes schien es heute nicht so gut zu gehen,
wie sonst.

                                  Alwa

Ich war nicht auf der Bhne.

                                Escerny

Jetzt ist sie wieder in vollem Zug.

                                  Alwa

-- Sie zieht die Nummer in die Lnge.

                                Escerny

Ich hatte bei Herrn Dr. Schn einmal das Vergngen, der Knstlerin zu
begegnen.

                                  Alwa

Mein Vater hat sie durch einige Besprechungen in seiner Zeitung beim
Publikum eingefhrt.

                                Escerny

                        (sich leicht verneigend)

Ich konferierte mit Herrn Dr. Schn der Herausgabe meiner Forschungen am
Tanganjika-See wegen.

                                  Alwa

                        (sich leicht verneigend)

Seine uerungen lassen keinen Zweifel darber, da er das lebhafteste
Interesse an Ihrem Werk nimmt.

                                Escerny

Wohltuend berhrt es an der Knstlerin, da das Publikum fr sie gar
nicht vorhanden ist.

                                  Alwa

Das Sichumkleiden hat sie schon als Kind gelernt. Aber ich war
berrascht, eine so bedeutende Tnzerin in ihr zu entdecken.

                                Escerny

Wenn sie ihr Solo tanzt, berauscht sie sich an ihrer eigenen Schnheit
-- in die sie selber zum Sterben verliebt zu sein scheint.

                                  Alwa

Da kommt sie. (Erhebt sich, ffnet die Tr)


                            Vierter Auftritt

                           Lulu. Die Vorigen.

                                  Lulu

                  (ohne Kranz und Blumenkorb, zu Alwa)

Sie werden herausgerufen. Ich war dreimal vor dem Vorhang. (Zu Escerny)
Herr Dr. Schn ist nicht in Ihrer Loge?

                                Escerny

In meiner Loge nicht.

                                  Alwa

                               (zu Lulu)

Haben Sie ihn nicht gesehen?

                                  Lulu

Er wird wieder fort sein.

                                Escerny

Er hat die letzte Parquetloge links.

                                  Lulu

Er scheint sich meiner zu schmen!

                                  Alwa

Er hat keinen guten Platz mehr bekommen.

                                  Lulu

                               (zu Alwa)

Fragen Sie ihn doch, ob ich ihm jetzt besser gefallen habe.

                                  Alwa

Ich werde ihn heraufschicken.

                                Escerny

Er hat applaudiert.

                                  Lulu

Hat er das wirklich?

                                  Alwa

Gnnen Sie sich etwas Ruhe. (Ab)


                            Fnfter Auftritt

                             Lulu. Escerny.

                                  Lulu

Ich mu mich ja wieder umziehen.

                                Escerny

Aber Ihre Garderobiere ist ja nicht hier?

                                  Lulu

Ich kann das rascher allein. Wo sagten Sie, da Dr. Schn sitzt?

                                Escerny

Ich sah ihn in der hintersten Parquetloge links.

                                  Lulu

Jetzt habe ich noch fnf Kostme vor mir: Dancinggirl, Ballerina,
Knigin der Nacht, Ariel und Lascaris ... (Tritt hinter die spanische
Wand zurck.)

                                Escerny

Wrden Sie es fr mglich halten, da ich bei unserem ersten Rencontre
nicht anders gewrtig war, als mit einer jungen Dame aus der
literarischen Welt bekannt zu werden? -- -- -- (Setzt sich rechts neben
den Mitteltisch, wo er bis zum Schlu der Szene sitzen bleibt) Sollte
ich mich in der Beurteilung Ihrer Natur irren, oder habe ich das
Lcheln, das die drhnenden Beifallsstrme auf Ihren Lippen hervorrufen,
richtig gedeutet? -- --: da Sie unter der Notwendigkeit, Ihre Kunst vor
Leuten von zweifelhaften Interessen entwrdigen zu mssen, innerlich
leiden? -- -- -- (Da Lulu nicht antwortet) Da Sie den Schimmer der
ffentlichkeit jeden Augenblick fr ein ruhiges, sonniges Glck in
vornehmer Abgeschlossenheit eintauschen wrden? -- (Da Lulu nicht
antwortet) Da Sie Hoheit und Wrde genug in sich fhlen, einen Mann zu
Ihren Fen zu fesseln -- um sich an seiner vollkommenen Hilflosigkeit
zu erfreuen? -- -- -- (Da Lulu nicht antwortet) Da Sie sich an einem
wrdigeren Platz als hier in einer mit reichlichem Komfort
ausgestatteten Villa fhlen wrden -- bei unbegrenzten Mitteln -- um
durchaus als Ihre _eigene Herrin_ zu leben?

                                  Lulu

       (in kurzem hellen Pliss-Unterrock und weiem Atlaskorset,
    schwarze Schuhe und Strmpfe, Schellensporen unter den Abstzen,
      tritt hinter der spanischen Wand vor, mit dem Schnren ihres
                          Korsets beschftigt)

Wenn ich nur einen Abend mal nicht auftrete, dann trume ich die ganze
Nacht hindurch, da ich tanze, und fhle mich am folgenden Tag wie
gerdert ...

                                Escerny

Aber was knnte es Ihnen dabei ausmachen, statt dieses Pbels nur
_einen_ Zuschauer, einen Auserwhlten, vor sich zu sehen?

                                  Lulu

Das knnte mir gleichgltig sein. Ich sehe ja doch niemanden.

                                Escerny

Ein erleuchteter Gartensaal -- das Pltschern vom See herauf ... Ich bin
auf meinen Forschungsreisen nmlich zur Ausbung eines ganz
unmenschlichen Despotismus gezwungen ...

                                  Lulu

      (vor dem Spiegel, sich eine Perlenkette um den Hals legend)

Eine gute Schule!

                                Escerny

Wenn ich mich jetzt darnach sehne, mich ohne irgendwelchen Vorbehalt der
Gewalt einer Frau zu berliefern, so ist das ein natrliches Bedrfnis
nach Abspannung ... Knnen Sie sich ein hheres Lebensglck fr eine
Frau denken, als einen Mann vollkommen in ihrer Gewalt zu haben?

                                  Lulu

                      (mit den Abstzen klirrend)

O ja!

                           Escerny (verwirrt)

Unter gebildeten Menschen finden Sie nicht Einen, der Ihnen gegenber
nicht den Kopf verliert.

                                  Lulu

Ihre Wnsche erfllt Ihnen aber niemand, ohne Sie dabei zu hintergehen.

                                Escerny

Von einem Mdchen wie Sie betrogen zu werden, mu noch zehnmal
beglckender sein, als von jemand anders aufrichtig geliebt zu werden.

                                  Lulu

Sie sind in Ihrem Leben noch von keinem Mdchen aufrichtig geliebt
worden! (sich rcklings gegen ihn stellend, auf ihr Korset deutend)
Wrden Sie mir den Knoten auflsen. Ich habe mich zu fest geschnrt. Ich
bin immer so aufgeregt beim Ankleiden.

                                Escerny

                      (nach wiederholtem Versuch)

Ich bedaure; ich kann es nicht.

                                  Lulu

Dann lassen Sie. Vielleicht kann ich es. (Geht nach rechts)

                                Escerny

Ich gestehe ein, da es mir an Geschicklichkeit gebricht. Ich war
vielleicht im Verkehr mit Frauen nicht gelehrig genug.

                                  Lulu

Dazu haben Sie in Afrika wohl auch nicht viel Gelegenheit?

                            Escerny (ernst)

Lassen Sie mich Ihnen offen gestehen, da mir meine Vereinsamung in der
Welt manche Stunde verbittert.

                                  Lulu

Gleich ist der Knoten auf ...

                                Escerny

Was mich zu Ihnen hinzieht, ist nicht Ihr Tanz. Es ist Ihre krperliche
und seelische Vornehmheit, wie sie sich in jeder Ihrer Bewegungen
offenbart. Wer sich so sehr wie ich fr Kunstwerke interessiert, kann
sich darin nicht tuschen. Ich habe whrend zehn Abenden Ihr Seelenleben
aus Ihrem Tanze studiert, bis ich heute, als Sie als Blumenmdchen
auftraten, vollkommen mit mir ins Klare kam. Sie sind eine groangelegte
Natur -- uneigenntzig. Sie knnen niemanden leiden sehen. Sie sind das
verkrperte Lebensglck. Als Gattin werden Sie einen Mann ber alles
glcklich machen ... Ihr ganzes Wesen ist Offenherzigkeit. -- Sie wren
eine schlechte Schauspielerin ...

              (Die elektrische Klingel tnt ber der Tr)

                                  Lulu

    (hat die Schnre ihres Korsets etwas gelockert, holt tief Atem,
                       mit den Abstzen klirrend)

Jetzt kann ich wieder atmen. Der Vorhang geht auf. (Sie nimmt vom
Mitteltisch ein Skirtdancekostm -- Pliss, hellgelbe Seide, ohne
Taille, am Hals geschlossen, bis zu den Kncheln reichend, weite
Blousenrmel, -- und wirft es sich ber) Ich mu tanzen.

                                Escerny

                  (erhebt sich und kt ihr die Hand)

Erlauben Sie mir, noch ein wenig hierzubleiben.

                                  Lulu

Bitte, bleiben Sie.

                                Escerny

Ich bedarf etwas der Einsamkeit. (Lulu ab)


                           Sechster Auftritt

                            Escerny (allein)

Was ist Noblesse? -- Ist es Verschrobenheit, wie bei mir? -- Oder ist es
leibliche und geistige Vervollkommnung, wie bei diesem Mdchen? --
(Klatschen und Bravorufen wird hrbar) Wer mir den Glauben an die
Menschen zurckgibt, gibt mir mein Leben zurck. -- Sollten Kinder
dieser Frau nicht frstlicher sein an Leib und Seele, als Kinder, deren
Mutter nicht mehr Lebensfhigkeit in sich hat, als ich bis heute in mir
fhlte? (Er setzt sich links vorn, schwrmerisch) Der Tanz hat ihren
Krper geadelt ...


                           Siebenter Auftritt

                             Alwa. Escerny.

                                  Alwa

Man ist keinen Moment sicher, da nicht ein armseliger Zufall der
Vorstellung den Garaus macht! (Er wirft sich rechts neben dem Spiegel in
den Armsessel, so da die beiden Herren gerade umgekehrt wie vorher
placiert sind. Beide fhren die Unterhaltung etwas blasiert und
apathisch)

                                Escerny

So dankbar hat sich das Publikum aber noch nie gezeigt.

                                  Alwa

Sie hat den Skirtdance beendet.

                                Escerny

-- Ich hre sie kommen ...

                                  Alwa

Sie kommt nicht. -- Sie hat keine Zeit. -- Sie wechselt das Kostm
hinter der Kulisse.

                                Escerny

Sie hat zwei Ballerinakostme, wenn ich nicht irre?

                                  Alwa

Ich finde, da ihr das weie besser steht, als das in Rosa.

                                Escerny

Finden Sie?

                                  Alwa

Sie nicht?

                                Escerny

Ich finde, sie sieht in dem weien Tll zu krperlos aus.

                                  Alwa

Ich finde, sie sieht in dem Rosatll zu animalisch aus.

                                Escerny

Ich finde das nicht.

                                  Alwa

Der weie Tll bringt mehr das Kindliche ihrer Natur zum Ausdruck!

                                Escerny

Der Rosatll bringt mehr das Weibliche ihrer Natur zum Ausdruck!

              (Die elektrische Klingel tnt ber der Tr)

                          Alwa (aufspringend)

Um Gottes willen, was ist da los!

                                Escerny

                      (sich gleichfalls erhebend)

Was ist mit Ihnen?

     (Die elektrische Klingel tnt fort bis zum Schlusse der Szene)

                                  Alwa

Da ist was passiert ...

                                Escerny

Wie knnen Sie gleich so erschrecken?

                                  Alwa

Das mu eine hllische Verwirrung sein. (Ab)

                          Escerny (folgt ihm)

        (Die Tr bleibt offen. Man hrt gedmpfte Walzerklnge)

                                (Pause)


                            Achter Auftritt

                                  Lulu

   (in langem Theatermantel, tritt ein und zieht die Tr hinter sich
    zu. Sie trgt ein Rosa-Ballettkostm mit Blumenguirlanden, geht
    quer ber die Bhne und nimmt in dem Armsessel neben dem Spiegel
                            Platz. -- Pause)


                            Neunter Auftritt

                  Alwa. Lulu. -- Gleich darauf Schn.

                                  Alwa

Sie hatten einen Ohnmachtsanfall?

                                  Lulu

Ich bitte Sie, schlieen Sie zu.

                                  Alwa

Kommen Sie wenigstens auf die Bhne.

                                  Lulu

Haben Sie ihn gesehen?

                                  Alwa

Wen gesehen?

                                  Lulu

Mit seiner Braut??

                                  Alwa

Mit seiner ... (Zu Schn, der eintritt) Den Scherz httest du dir sparen
knnen!

                                 Schn

Was ist mit ihr? (Zu Lulu) Wie kannst du die Szene gegen mich
ausspielen!!

                                  Lulu

Ich fhle mich wie geprgelt.

                                 Schn

                    (nachdem er die Tr verriegelt)

Du wirst tanzen -- so wahr ich mir die Verantwortung fr dich
aufgeladen!

                                  Lulu

Vor Ihrer Braut?

                                 Schn

Hast du ein Recht, dich darum zu kmmern, vor wem? -- Du bist hier
engagiert. Du erhltst deine Gage ...

                                  Lulu

Ist das Ihre Sache?

                                 Schn

Du tanzt vor Jedem, der sein Billet lst. Mit wem ich in meiner Loge
sitze, hat keine Beziehung zu deiner Ttigkeit!

                                  Alwa

Wrest du in deiner Loge sitzen geblieben! (Zu Lulu) Sagen Sie mir
bitte, was ich tun soll. (Von auen wird gepocht) Da ist der Direktor.
(Ruft) Gleich, gleich. Einen Augenblick. (Zu Lulu) Sie werden uns nicht
zwingen wollen, die Vorstellung abzubrechen!

                                 Schn

                               (zu Lulu)

Auf die Bhne mit dir!

                                  Lulu

Lassen Sie mir nur einen Augenblick. Ich kann jetzt nicht. Mir ist
sterbenselend.

                                  Alwa

Hol' der Henker den ganzen Kulissenkram!

                                  Lulu

Schalten Sie die nchste Nummer ein. Das merkt kein Mensch, ob ich jetzt
tanze oder in fnf Minuten. Ich habe keine Kraft in den Fen.

                                  Alwa

Aber dann tanzen Sie?

                                  Lulu

So gut ich kann ...

                                  Alwa

So schlecht Sie wollen. (Da von auen gepocht wird) Ich komme. (Ab)


                            Zehnter Auftritt

                              Schn. Lulu.

                                  Lulu

Sie haben recht, da Sie mir zeigen, wo ich hingehre. Das konnten Sie
nicht besser, als wenn Sie mich vor Ihrer Braut den Skirtdance tanzen
lassen ... Sie tun mir den grten Gefallen, wenn Sie mich darauf
hinweisen, was meine Stellung ist.

                            Schn (hhnisch)

Bei deiner Herkunft ist es ein Glck sondergleichen fr dich, da du
noch Gelegenheit hast, vor anstndigen Leuten aufzutreten!

                                  Lulu

Auch wenn Sie ber meiner Schamlosigkeit nicht wissen, wohinsehen.

                                 Schn

Albernes Geschwtz! -- Schamlosigkeit? -- Mach' aus der Tugend keine
Not! -- Deine Schamlosigkeit ist das, was man dir fr jeden Schritt mit
Gold aufwiegt. Der eine schreit Bravo, der andere schreit Pfui -- das
heit fr dich das Gleiche! -- Kannst du dir einen glnzenderen Triumph
wnschen, als wenn sich ein anstndiges Mdchen kaum in der Loge
zurckhalten lt?!! Hat dein Leben denn ein anderes Ziel?! -- So lang
du noch einen Funken Achtung vor dir selber hast, bist du keine perfekte
Tnzerin! Je frchterlicher es den Menschen vor dir graut, um so grer
stehst du in deinem Beruf da!!

                                  Lulu

Es ist mir ja auch vollkommen gleichgltig, was man von mir denkt. Ich
mchte um alles nicht besser sein, als ich bin. Mir ist wohl dabei.

                                 Schn

                       (in moralischer Emprung)

Das ist deine wahre Natur! Das nenne ich aufrichtig. -- Eine
Korruption!!

                                  Lulu

Ich wte nicht, da ich je einen Funken Achtung vor mir gehabt htte.

                                 Schn

                      (wird pltzlich mitrauisch)

Keine Harlequinaden ...

                                  Lulu

O Gott -- ich wei sehr wohl, was aus mir geworden wre, wenn Sie mich
nicht davor bewahrt htten.

                                 Schn

Bist du denn heute vielleicht etwas anderes??

                                  Lulu

Gott sei dank, nein!

                                 Schn

Das ist echt!

                              Lulu (lacht)

Und wie berglcklich ich dabei bin!

                           Schn (spuckt aus)

Wirst du jetzt tanzen?

                                  Lulu

Wie und vor wem es ist!

                                 Schn

Also dann auf die Bhne!!

                                  Lulu

                           (kindlich bittend)

Nur eine Minute noch. Ich bitte Sie. Ich kann mich noch nicht aufrecht
halten. -- Man wird klingeln.

                                 Schn

Du bist dazu geworden, trotz allem, was ich fr deine Erziehung und dein
Wohl geopfert habe!

                            Lulu (ironisch)

Sie hatten Ihren veredelnden Einflu berschtzt?

                                 Schn

Verschone mich mit deinen Witzen.

                                  Lulu

-- Der Prinz war hier.

                                 Schn

So?

                                  Lulu

Er nimmt mich mit nach Afrika.

                                 Schn

Nach Afrika?

                                  Lulu

Warum denn nicht? Sie haben mich ja zur Tnzerin gemacht, damit Einer
kommt und mich mitnimmt.

                                 Schn

Aber doch nicht nach Afrika!

                                  Lulu

Warum haben Sie mich denn nicht ruhig in Ohnmacht fallen lassen, und im
stillen dem Himmel dafr gedankt?

                                 Schn

Weil ich leider keinen Grund hatte, an deine Ohnmacht zu glauben!

                            Lulu (spttisch)

Sie hielten es unten nicht aus ...?

                                 Schn

Weil ich dir zum Bewutsein bringen mu, was du bist und zu wem du nicht
aufzublicken hast!

                                  Lulu

Sie frchteten, meine Glieder knnten doch vielleicht ernstlich Schaden
genommen haben?

                                 Schn

Ich wei zu gut, da du unverwstlich bist.

                                  Lulu

Das wissen Sie also doch?

                          Schn (aufbrausend)

Sieh mich nicht so unverschmt an!!

                                  Lulu

Es hlt Sie niemand hier.

                                 Schn

Ich gehe, sobald es klingelt.

                                  Lulu

Sobald Sie die Energie dazu haben! -- Wo ist Ihre Energie? -- Sie sind
seit drei Jahren verlobt. Warum heiraten Sie nicht? -- Sie kennen keine
Hindernisse. Warum wollen Sie mir die Schuld geben? -- Sie haben mir
befohlen, Dr. Goll zu heiraten. Ich habe Dr. Goll gezwungen, mich zu
heiraten. Sie haben mir befohlen, den Maler zu heiraten. Ich habe gute
Miene zum bsen Spiel gemacht. -- Sie kreieren Knstler, Sie protegieren
Prinzen. Warum heiraten Sie nicht?

                             Schn (wtend)

Glaubst du denn vielleicht, da du mir im Weg stehst?!

                                  Lulu

              (von jetzt an bis zum Schlu triumphierend)

Wten Sie, wie Ihre Wut mich glcklich macht! Wie stolz ich darauf bin,
da Sie mich mit allen Mitteln demtigen! Sie erniedrigen mich so tief
-- so tief, wie man ein Weib erniedrigen kann, weil Sie hoffen, Sie
knnten sich dann eher ber mich hinwegsetzen. Aber Sie haben sich
selber unsglich weh getan durch alles, was Sie mir eben sagten. Ich
sehe es Ihnen an. Sie sind schon beinahe am Ende Ihrer Fassung. Gehen
Sie! Um Ihrer schuldlosen Braut willen, lassen Sie mich allein! Eine
Minute noch, dann schlgt Ihre Stimmung um, und Sie machen mir eine
andere Szene, die Sie jetzt nicht verantworten knnen!

                                 Schn

Ich frchte dich nicht mehr.

                                  Lulu

Mich? -- Frchten Sie sich selber! -- Ich bedarf Ihrer nicht. -- Ich
bitte Sie, gehen Sie! Geben Sie nicht mir die Schuld. Sie wissen, da
ich nicht ohnmchtig zu werden brauchte, um Ihre Zukunft zu zerstren.
Sie haben ein unbegrenztes Vertrauen in meine Ehrenhaftigkeit! Sie
glauben nicht nur, da ich ein bestrickendes Menschenkind bin; Sie
glauben auch, da ich ein herzensgutes Geschpf bin. Ich bin weder das
eine, noch das andere. Das Unglck fr Sie ist nur, da Sie mich dafr
halten.

                          Schn (verzweifelt)

La meine Gedanken gehen! Du hast zwei Mnner unter der Erde. Nimm den
Prinzen, tanz' ihn in Grund und Boden! Ich bin fertig mit dir. Ich wei,
wo der Engel bei dir zu Ende ist und der Teufel beginnt. Wenn ich die
Welt nehme, wie sie geschaffen ist, so trgt der Schpfer die
Verantwortung, nicht ich! Mir ist das Leben keine Belustigung.

                                  Lulu

Dafr stellen Sie auch Ansprche an das Leben, wie sie hher niemand
stellen kann ... Sagen Sie mir, wer von uns beiden ist wohl
anspruchsvoller, Sie oder ich?!

                                 Schn

Schweig! Ich wei nicht, wie und was ich denke. Wenn ich dich hre,
denke ich nicht mehr. In acht Tagen bin ich verheiratet. Ich beschwre
dich -- bei dem Engel, der in dir ist, komm mir derweil nicht mehr zu
Gesicht!

                                  Lulu

Ich will meine Tre verschlieen.

                                 Schn

Prahl' noch mit dir! -- Ich habe, Gott ist mein Zeuge, seit ich mit der
Welt und dem Leben ringe, noch niemandem so geflucht!

                                  Lulu

Das kommt von meiner niederen Herkunft.

                                 Schn

Von deiner Verworfenheit!!

                                  Lulu

Mit tausend Freuden nehme ich die Schuld auf mich! Sie mssen sich jetzt
rein fhlen. Sie mssen sich jetzt fr den sittenstrengen
Mustermenschen, fr den Tugendbold von unerschtterlichen Grundstzen
halten -- sonst knnen Sie das Kind in seiner bodenlosen Unerfahrenheit
gar nicht heiraten ...

                                 Schn

Willst du, da ich mich an dir vergreife!

                              Lulu (rasch)

Ja! Ja! Was mu ich sagen, damit Sie es tun? Um kein Knigreich mchte
ich jetzt mit dem unschuldigen Kinde tauschen! Dabei liebt das Mdchen
Sie, wie noch kein Weib Sie je geliebt hat!!

                                 Schn

Schweig, Bestie! Schweig!

                                  Lulu

Heiraten Sie sie -- dann tanzt sie in ihrem kindlichen Jammer vor
_meinen_ Augen statt ich vor ihr!

                                 Schn

                            (hebt die Faust)

Verzeih' mir Gott ...

                                  Lulu

Schlagen Sie mich! Wo haben Sie Ihre Reitpeitsche! Schlagen Sie mich an
die Beine ...

                                 Schn

                     (greift sich an die Schlfen)

Fort, fort ...! (Strzt zur Tre, besinnt sich, wendet sich um) Kann ich
jetzt so vor das Kind hintreten? -- Nach Hause! -- Wenn ich zur Welt
hinaus knnte!

                                  Lulu

Sein Sie doch ein Mann. -- Blicken Sie sich einmal ins Gesicht. -- Sie
haben keine Spur von Gewissen. -- Sie schrecken vor keiner Schandtat
zurck. -- Sie wollen das Mdchen, das Sie liebt, mit der grten
Kaltbltigkeit unglcklich machen. -- Sie erobern die halbe Welt. -- Sie
tun, was Sie wollen -- und Sie wissen so gut wie ich -- da ...

                                 Schn

    (ist vllig erschpft auf dem Sessel links neben dem Mitteltisch
                           zusammengesunken)

Schweig!

                                  Lulu

Da Sie zu schwach sind -- um sich von mir loszureien ...

                            Schn (sthnend)

Oh! Oh! du tust mir weh!

                                  Lulu

Mir tut dieser Augenblick wohl -- ich kann nicht sagen wie!

                                 Schn

Mein Alter! Meine Welt!

                                  Lulu

-- Er weint wie ein Kind -- der furchtbare Gewaltmensch! -- Jetzt gehen
Sie so zu Ihrer Braut und erzhlen Sie ihr, was ich fr eine Seele von
einem Mdchen bin -- keine Spur eiferschtig!

                          Schn (schluchzend)

Das Kind! Das schuldlose Kind!

                                  Lulu

Wie kann der eingefleischte Teufel pltzlich so weich werden. -- --
Jetzt gehen Sie aber bitte. Jetzt sind Sie nichts mehr fr mich.

                                 Schn

Ich kann nicht zu ihr.

                                  Lulu

Hinaus mit Ihnen! Kommen Sie zu mir zurck, wenn Sie wieder zu Krften
gelangt sind.

                                 Schn

Sag' mir um Gottes Willen, was ich tun soll.

                                  Lulu

        (erhebt sich; ihr Mantel bleibt auf dem Sessel. Auf dem
              Mitteltisch die Kostme beiseite schiebend)

Hier ist Briefpapier ...

                                 Schn

Ich kann nicht schreiben ...

                                  Lulu

       (aufrecht hinter ihm stehend, auf die Lehne seines Sessels
                               gesttzt)

Schreiben Sie! -- Sehr geehrtes Frulein ..

                            Schn (zgernd)

Ich nenne sie Adelheid ...

                                  Lulu

                            (mit Nachdruck)

Sehr geehrtes Frulein ...

                           Schn (schreibend)

-- Mein Todesurteil!

                                  Lulu

Nehmen Sie Ihr Wort zurck. Ich kann es mit meinem Gewissen -- (da Schn
die Feder absetzt und ihr einen flehentlichen Blick zuwirft) Schreiben
Sie Gewissen! -- nicht vereinbaren, Sie an mein unseliges Los zu fesseln
...

                           Schn (schreibend)

Du hast recht. -- Du hast recht.

                                  Lulu

Ich gebe Ihnen mein Wort, da ich Ihrer Liebe -- (da sich Schn wieder
zurckwendet) Schreiben Sie Liebe! -- unwrdig bin. Diese Zeilen sind
Ihnen der Beweis. Seit drei Jahren versuche ich mich loszureien; ich
habe die Kraft nicht. Ich schreibe Ihnen an der Seite der Frau, die mich
beherrscht. -- Vergessen Sie mich. -- Doktor Ludwig Schn.

                           Schn (aufchzend)

O Gott!

                                  Lulu

                           (halb erschrocken)

Ja kein O Gott! -- (mit Nachdruck) Doktor Ludwig Schn. -- Postskriptum:
Versuchen Sie nicht mich zu retten.

                                 Schn

       (nachdem er zu Ende geschrieben, in sich zusammenbrechend)

Jetzt -- kommt die -- Hinrichtung ...




                             Vierter Aufzug


    Prachtvoller Saal in deutscher Renaissance mit schwerem Plafond
      in geschnitztem Eichenholz. Die Wnde bis zur halben Hhe in
       dunklen Holzskulpturen. Darber an beiden Seiten verblate
      Gobelins. Nach hinten oben ist der Saal durch eine verhngte
    Galerie abgeschlossen, von der links eine monumentale Treppe bis
     zur halben Tiefe der Bhne herabfhrt. In der Mitte unter der
   Galerie die Eingangstr mit gewundenen Sulen und Frontespice. An
     der rechten Seitenwand ein gerumiger hoher Kamin. Weiter vorn
     ein Balkonfenster mit geschlossenen schweren Gardinen. An der
    linken Seitenwand vor dem Treppenfue eine geschlossene Portiere
                          in genueser Sammet.

     Vor dem Kamin steht als Schirm eine chinesische Klappwand. Vor
    dem Fupfeiler des freien Treppengelnders auf einer dekorativen
     Staffelei Lulus Bild als Pierrot in antiquisiertem Goldrahmen.
     Links vorn eine breite Ottomane, rechts davor ein Fauteuil. In
        der Mitte des Saales ein vierkantiger Tisch mit schwerer
      Decke, um den drei hochlehnige Polstersessel stehen. Auf dem
                    Tisch steht ein weies Bouquet.


                            Erster Auftritt

                     Schn. Lulu. Grfin Geschwitz.

                               Geschwitz

       (auf der Ottomane, in pelzbesetzter Husaren-Taille, hoher
    Stehkragen, riesige Manschettenknpfe, Schleier vor dem Gesicht,
                 die Hnde krampfhaft im Muff; zu Lulu)

Sie glauben nicht, wie ich mich darauf freue, Sie auf unserem
Knstlerinnenball zu sehen.

                                 Schn

                              (links vorn)

Sollte denn fr Unsereinen gar keine Mglichkeit bestehen, sich
einzuschmuggeln?

                               Geschwitz

Es wre Hochverrat, wenn jemand von uns einer solchen Intrigue Vorschub
leistete.

                                 Schn

            (geht hinter der Ottomane durch zum Mitteltisch)

Die prachtvollen Blumen.

                                  Lulu

   (im Fauteuil, in groblumigem Morgenkleid, das Haar in schlichtem
                      Knoten, in goldener Spange)

Die hat mir Frulein von Geschwitz gebracht.

                               Geschwitz

O bitte. -- Sie werden sich doch jedenfalls als Herr kostmieren?

                                  Lulu

Glauben Sie denn, da mich das kleidet?

                               Geschwitz

                         (auf das Bild deutend)

Hier sind Sie wie ein Mrchen.

                                  Lulu

Mein Mann mag es nicht.

                               Geschwitz

Ist es von einem hiesigen?

                                  Lulu

Sie werden ihn kaum gekannt haben.

                               Geschwitz

Er lebt nicht mehr?

                                 Schn

                    (rechts vorn, mit tiefer Stimme)

Er hatte genug.

                                  Lulu

Du bist verstimmt.

                                 Schn

                           (beherrscht sich)

                               Geschwitz

                            (sich erhebend)

Ich mu gehen, Frau Doktor. Ich kann nicht lnger bleiben. Wir haben
heute abend Aktzeichnen, und ich habe noch so viel fr den Ball
vorzubereiten. -- (Grend) Herr Doktor. (Von Lulu geleitet, durch die
Mitte ab.)


                            Zweiter Auftritt

                                 Schn

                        (allein, sich umsehend)

Der reine Augiasstall. Das mein Lebensabend. Man soll mir einen Winkel
zeigen, der noch rein ist. Die Pest im Haus. Der rmste Tagelhner hat
sein sauberes Nest. Dreiig Jahre Arbeit, und das mein Familienkreis,
der Kreis der Meinen ... (sich umsehend) Gott wei, wer mich jetzt
wieder belauscht! (Zieht einen Revolver aus der Brusttasche) Man ist ja
seines Lebens nicht sicher! (Er geht, den gespannten Revolver in der
Rechten haltend, nach rechts und spricht an die geschlossene
Fenstergardine hin) Das mein Familienkreis! Der Kerl hat noch Mut! --
Soll ich mich denn nicht lieber selber vor den Kopf schieen? -- Gegen
Todfeinde kmpft man, aber der ... (er schlgt die Gardine in die Hhe;
da er niemand dahinter versteckt findet:) Der Schmutz -- der Schmutz ...
(er schttelt den Kopf und geht nach links hinber) der Irrsinn hat sich
meiner Vernunft schon bemchtigt, oder -- Ausnahmen besttigen die
Regel! (Er steckt, da er Lulu kommen hrt, den Revolver ein)


                            Dritter Auftritt

                     Lulu. Schn (Beide links vorn)

                                  Lulu

Knntest du dich fr heute nachmittag nicht frei machen?

                                 Schn

Was wollte diese Grfin eigentlich?

                                  Lulu

Ich wei nicht. Sie will mich malen.

                                 Schn

Das Unglck in Menschengestalt, das einem seine Aufwartung macht.

                                  Lulu

Knntest du dich denn nicht frei machen? Ich wrde so gerne mit dir
durch die Anlagen fahren.

                                 Schn

Gerade der Tag, an dem ich auf der Brse sein mu. Du weit, da ich
heute nicht frei bin. Meine ganze Habe treibt auf den Wellen.

                                  Lulu

Lieber wollte ich schon beerdigt sein, als mir mein ganzes Leben so
durch meine Habe verbittern lassen.

                                 Schn

Wem das Leben leicht wird, dem fllt das Sterben nicht schwer.

                                  Lulu

Als Kind hatte ich auch immer die entsetzlichste Angst vor dem Tod.

                                 Schn

Deswegen habe ich dich ja geheiratet.

                                  Lulu

                            (an seinem Hals)

Du bist schlecht gelaunt. Du machst dir zu viel Sorgen. Seit Wochen und
Monaten habe ich nichts mehr von dir.

                                 Schn

                         (ihr Haar streichelnd)

Dein Frohsinn sollte meine alten Tage erheitern.

                                  Lulu

Du hast mich ja gar nicht geheiratet.

                                 Schn

Wen htte ich denn sonst geheiratet?

                                  Lulu

Ich habe dich geheiratet!

                                 Schn

Was ndert denn das daran?

                                  Lulu

Ich frchtete immer, es werde vieles ndern.

                                 Schn

Es hat auch viel unter die Fe gestampft.

                                  Lulu

Nur Gottlob eines nicht!

                                 Schn

Darauf wre ich begierig.

                                  Lulu

Deine Liebe zu mir.

                                 Schn

    (zuckt mit dem Gesicht, winkt ihr voranzugehen. Beide nach links
                               vorn ab).


                            Vierter Auftritt

                            Grfin Geschwitz

       (ffnet vorsichtig die Mitteltr, wagt sich nach vorn und
      lauscht; schrickt zusammen, da Stimmen auf der Galerie laut
                                werden)

O Gott, da ist jemand ... (Versteckt sich hinter dem Kaminschirm).


                            Fnfter Auftritt

                     Schigolch. Rodrigo. Hugenberg.

                               Schigolch

      (tritt ber der Treppe aus den Gardinen, wendet sich zurck)

Der Junge hat sein Herz wohl im Caf Nachtlicht zurckgelassen?!

                                Rodrigo

                        (zwischen den Gardinen)

Er ist noch zu klein fr die groe Welt und kann noch nicht so weit zu
Fu gehen. (verschwindet)

                               Schigolch

                      (kommt die Treppe herunter)

Gott sei Dank, da wir endlich wieder zu Hause sind! Welcher Stinkpeter
wohl wieder die Treppe gewichst hat! Wenn ich mir meine Knochen vor der
Heimrufung noch mal in Gips gieen lassen mu, dann kann sie mich
zwischen den Palmen hier ihren Relationen als medizeische Venus
vorstellen. Nichts als Klippen. Nichts als Fallstricke.

                                Rodrigo

     (kommt, Hugenberg auf den Armen tragend, die Treppe herunter)

Das hat einen kniglichen Polizeidirektor zum Vater und nicht soviel
Courage im Leib wie der abgerissenste Landstreicher!

                               Hugenberg

Wenn es auf nichts als auf Tod und Leben ginge, dann solltet ihr mich
kennen lernen!

                                Rodrigo

Das Brderchen wiegt samt seinem Liebeskummer nicht mehr als sechzig
Kilo. Darauf will ich mich jede Minute hngen lassen.

                               Schigolch

Wirf ihn an den Plafond hinauf und fang ihn mit den Fen auf. Das
peitscht ihm sein junges Blut gleich von vornherein in die richtige
Wallung.

                               Hugenberg

                      (mit den Beinen strampelnd)

O je, o je, ich werde von der Schule gejagt!

                                Rodrigo

                   (ihn am Treppenfu niedersetzend)

Du bist noch auf gar keiner vernnftigen Schule gewesen!

                               Schigolch

Hier hat sich schon mancher die ersten Sporen verdient. Nur ja keine
Schchternheit! Zuerst werde ich euch einen Tropfen vorsetzen, wie er
fr Geld nirgends zu haben ist. (Er ffnet ein Schrnkchen unter der
Treppe)

                               Hugenberg

Wenn sie jetzt aber nicht unverzglich angetanzt kommt, dann verhaue ich
euch beide, da ihr euch noch im Jenseits den Buckel reibt.

                                Rodrigo

                 (hat sich rechts an den Tisch gesetzt)

Den strksten Mann der Welt will das Brderchen verhaun! (Zu Hugenberg)
La dir von Mutterchen erst lange Hosen anziehen.

                               Hugenberg

                   (sich links an den Tisch setzend)

Ich wnschte lieber, du borgtest mir deinen Schnurrbart.

                                Rodrigo

Willst du vielleicht, da sie dich gleich zur Tre hinauswirft?

                               Hugenberg

Zum Henker noch mal, wenn ich nur schon wte, was ich ihr sagen soll!

                                Rodrigo

Das wei sie schon selber am besten.

                               Schigolch

          (setzt zwei Flaschen und drei Glser auf den Tisch)

Die eine habe ich gestern schon angebrochen. (Er fllt die Glser)

                                Rodrigo

                      (Hugenbergs Glas schtzend)

Gib ihm nicht zu viel, sonst mssen wir beide es ausbaden.

                               Schigolch

         (sich mit beiden Hnden auf die Tischplatte sttzend)

Rauchen die Herren?

                               Hugenberg

                      (sein Zigarrenetui ffnend)

Da sind Habanna-Importen!

                        Rodrigo (sich bedienend)

Von Papa Polizeidirektor?

                        Schigolch (sich setzend)

Ich habe alles im Hause. Braucht nur zu befehlen.

                               Hugenberg

-- Ich habe ihr gestern ein Gedicht gemacht.

                                Rodrigo

Was hast du ihr gemacht?

                               Schigolch

Was hat er ihr gemacht?

                               Hugenberg

Ein Gedicht.

                         Rodrigo (zu Schigolch)

Ein Gedicht.

                               Schigolch

Einen Taler hat er mir versprochen, wenn ich auskundschafte, wo er mit
ihr allein zusammentreffen kann.

                               Hugenberg

Wer wohnt denn eigentlich hier?

                                Rodrigo

Hier wohnen wir!

                               Schigolch

Jour fix -- jeden Brsentag! -- Zum Wohl! (Sie stoen an)

                               Hugenberg

-- Soll ich es ihr vielleicht zuerst vorlesen?

                         Schigolch (zu Rodrigo)

Was meint er?

                                Rodrigo

Sein Gedicht. Er will sie gerne zuerst ein wenig auf die Folter spannen.

                               Schigolch

                         (Hugenberg fixierend)

Die Augen! Die Augen!

                                Rodrigo

Die Augen, ja! Die haben sie seit acht Tagen um ihren Schlaf gebracht.

                         Schigolch (zu Rodrigo)

Du kannst dich einpkeln lassen.

                                Rodrigo

Wir beide knnen uns einpkeln lassen! Zum Wohl, Gevatter Tod.

                         Schigolch (anstoend)

Zum Wohl, Springfritze! Wenn es spter noch besser kommt, dann bin ich
jeden Augenblick zum Aufbruch bereit; aber ... aber ...


                           Sechster Auftritt

                  Lulu. Die Vorigen. Spter Ferdinand.

                                  Lulu

   (von links, in eleganter Pariser Balltoilette, weit dekolletiert,
                 mit Blumen vor der Brust und im Haar)

Aber Kinder, Kinder, ich erwarte Besuch!

                               Schigolch

Aber das kann ich euch sagen, die mssen es sich da drben was kosten
lassen!

                               Hugenberg

                           (hat sich erhoben)

                                  Lulu

             (sich auf die Armlehne seines Sessels setzend)

Sie sind in eine nette Gesellschaft geraten. Ich erwarte Besuch, Kinder.

                               Schigolch

Da mu ich mir wohl auch was vorstecken. (Sucht in dem Bouquet, das auf
dem Tisch steht)

                                  Lulu

Sehe ich gut aus?

                               Schigolch

Was sind das, was du da vorhast?

                                  Lulu

Orchideen. (Sich mit der Brust ber Hugenberg neigend) Riechen Sie.

                                Rodrigo

Sie erwarten wohl den Prinzen Escerny?

                                  Lulu

                          (schttelt den Kopf)

Gott bewahre!

                                Rodrigo

Also wieder jemand anders!

                                  Lulu

Der Prinz ist verreist.

                                Rodrigo

Sein Knigreich auf Auktion bringen?

                                  Lulu

Er kundschaftet eine frische Vlkerschaft in der Gegend von Afrika aus.
(Erhebt sich, eilt die Treppe hinauf und tritt in die Galerie ein)

                         Rodrigo (zu Schigolch)

-- Er habe sie nmlich ursprnglich heiraten wollen.

                               Schigolch

                     (sich eine Lilie vorsteckend)

Ich habe sie ursprnglich auch heiraten wollen.

                                Rodrigo

Du hast sie ursprnglich heiraten wollen?

                               Schigolch

Hast du sie nicht auch ursprnglich heiraten wollen?

                                Rodrigo

Jawohl habe ich sie ursprnglich heiraten wollen!

                               Schigolch

Wer hat sie nicht ursprnglich heiraten wollen!!

                                Rodrigo

-- So gut htte ich's nie gekriegt!

                               Schigolch

Sie hat es keinen bereuen lassen, da er sie nicht geheiratet hat.

                                Rodrigo

-- Sie ist also nicht dein Kind?

                               Schigolch

Fllt ihr nicht ein.

                               Hugenberg

Wie heit denn ihr Vater?

                               Schigolch

Sie hat mit mir renommiert!

                               Hugenberg

Wie heit denn ihr Vater?

                               Schigolch

Was meint er?

                                Rodrigo

Wie ihr Vater heit.

                               Schigolch

Sie hat nie einen gehabt.

                                  Lulu

        (kommt von der Galerie herunter und setzt sich wieder zu
                      Hugenberg auf die Armlehne)

Was habe ich nie gehabt?

                               Alle drei

Einen Vater.

                                  Lulu

Ja gewi, ich bin ein Wunderkind. (Zu Hugenberg) Wie sind Sie denn mit
Ihrem Vater zufrieden?

                                Rodrigo

Er raucht wenigstens eine anstndige Zigarre, der Herr Polizeidirektor.

                               Schigolch

Hast oben zugeschlossen?

                                  Lulu

Da ist der Schlssel.

                               Schigolch

Httest ihn lieber stecken lassen.

                                  Lulu

Warum denn?

                               Schigolch

Damit man von auen nicht aufschlieen kann.

                                Rodrigo

Ist er denn nicht auf der Brse?

                                  Lulu

O doch, aber er leidet an Verfolgungswahn.

                                Rodrigo

Ich nehme ihn auf die Fe und jupp -- da er oben an der Decke kleben
bleibt.

                                  Lulu

Sie jagt er mit einem Viertelsseitenblick durch ein Mausloch.

                                Rodrigo

Was jagt er? Wen jagt er? (Seinen Arm entblend) Sehen Sie sich bitte
den Biceps an.

                                  Lulu

Zeigen Sie. (Geht nach rechts)

                                Rodrigo

                      (sich auf den Arm schlagend)

Granit. -- Schmiedeeisen.

                                  Lulu

        (befhlt abwechselnd Rodrigos Oberarm und ihren eigenen)

Wenn Sie nur nicht so lange Ohren htten ...

                               Ferdinand

                      (durch die Mitte eintretend)

Herr Doktor Schn.

                         Rodrigo (aufspringend)

Der Lumpenkerl. (Will hinter den Kaminschirm, fhrt zurck) Gott behte
einen! (Versteckt sich rechts vorn hinter den Gardinen.)

                               Schigolch

Gib mir den Schlssel her! (Nimmt Lulu den Schlssel ab und schleppt
sich die Treppe zur Galerie hinauf.)

                               Hugenberg

              (ist vom Sessel unter den Tisch geglitten).

                                  Lulu

Ich lasse bitten.

                             Ferdinand (ab)

                               Hugenberg

       (lauscht vorn unter dem Saum der Tischdecke vor, fr sich)

Er bleibt hoffentlich nicht -- dann sind wir allein ...

                                  Lulu

                    (berhrt ihn mit der Fuspitze)

St!

                        Hugenberg (verschwindet)


                           Siebenter Auftritt

                        Alwa Schn. Die Vorigen.

                               Ferdinand

                       (lt Alwa eintreten. Ab)

                                  Alwa

                          (in Soireetoilette)

Die Matinee wird, wie ich mir denke, bei brennenden Lampen stattfinden.
Ich habe ... (Schigolch bemerkend, der sich mhsam die Treppe
hinaufschleppt) Was ist denn das?

                                  Lulu

Ein alter Freund deines Vaters.

                                  Alwa

Mir vllig unbekannt.

                                  Lulu

Sie haben den Feldzug zusammen mitgemacht. Es geht ihm entsetzlich ...

                                  Alwa

Ist denn mein Vater hier?

                                  Lulu

Er hat ein Glas mit ihm getrunken. Er mute auf die Brse. -- Wir
dejeunieren aber doch vorher?

                                  Alwa

Wann geht es denn an?

                                  Lulu

Nach zwei. (Da Alwa Schigolch mit dem Blick folgt) Wie findest du mich
...?

                               Schigolch

                         (ber die Galerie ab)

                                  Alwa

Sollte ich dir das nicht lieber verschweigen?

                                  Lulu

Ich meine ja nur die Toilette.

                                  Alwa

Deine Schneiderin kennt dich offenbar besser als ich -- mir erlauben
darf, dich zu kennen.

                                  Lulu

Als ich mich im Spiegel sah, htte ich ein Mann sein wollen ... (Sich
unterbrechend) mein Mann! --

                                  Alwa

Du scheinst deinen Mann um das Glck zu beneiden, das du ihm bietest.
(Lulu links, Alwa rechts vom Mitteltisch. Er betrachtet sie mit scheuem
Wohlgefallen.)

                               Ferdinand

      (durch die Mitte mit Service, deckt den Tisch und legt zwei
             Kuverts auf; Flasche Pommery, Hors d'Oeuvres).

                                  Alwa

Haben Sie Zahnschmerzen?

                                  Lulu

                           (zu Alwa hinber)

Nicht.

                               Ferdinand

Herr Doktor ...?

                                  Alwa

Er scheint mir heute so weinerlich.

                               Ferdinand

                           (durch die Zhne)

Man ist auch nur ein Mensch. -- -- (Ab)

                      (Beide setzen sich zu Tisch)

                                  Lulu

-- Was ich immer am hchsten an dir schtzte, ist deine
Charakterfestigkeit. Du bist deiner so vollkommen sicher! Wenn du auch
frchten mutest, dich deshalb mit deinem Vater zu berwerfen, du bist
trotzdem immer wie ein Bruder fr mich eingetreten.

                                  Alwa

Lassen wir das. Es ist nun einmal mein Los ... (Er will vorne die
Tischdecke heben.)

                              Lulu (rasch)

Das war ich.

                                  Alwa

Nicht mglich! -- Es ist nun einmal mein Los, bei den leichtsinnigsten
Gedanken immer das allerbeste zu erzielen.

                                  Lulu

Du redest dir etwas ein, wenn du dich vor dir selber schlecht machst.

                                  Alwa

Warum schmeichelst du mir so? -- Es ist wahr, es lebt vielleicht kein so
schlechter Mensch wie ich -- der so viel Gutes zuwege gebracht htte.

                                  Lulu

Auf jedenfall bist du der einzige Mann auf dieser Welt, der mich
beschtzt hat, ohne mich vor mir selbst zu erniedrigen!

                                  Alwa

Hltst du das fr so leicht ...?


                            Achter Auftritt

                          Schn. Die Vorigen.

                                 Schn

        (erscheint auf der Galerie zwischen den beiden mittleren
     Sulen, indem er vorsichtig den Vorhang teilt. ber die Bhne
                             wegsprechend)

Mein eigener Sohn!

                                  Alwa

... Mit deinen Gottesgaben macht man seine Umgebung zu Verbrechern, ohne
sich's trumen zu lassen. -- Ich bin auch nur Fleisch und Blut, und wenn
wir nicht wie Geschwister nebeneinander aufgewachsen wren ...

                                  Lulu

Deshalb gebe ich mich auch nur dir allein ganz ohne Rckhalt. Von dir
habe ich nichts zu frchten.

                                  Alwa

Ich versichere dir, es gibt Augenblicke, wo man gewrtig ist, sein
ganzes Innere einstrzen zu sehen. -- Je mehr Selbstberwindung ein Mann
sich aufbrdet, um so leichter bricht er zusammen. Darber hilft nichts
hinweg als ... (er will unter den Tisch sehen)

                              Lulu (rasch)

Was suchst du denn?!

                                  Alwa

Ich beschwre dich, la mich mein Glaubensbekenntnis fr mich behalten!
Als unantastbares Heiligtum warst du mir mehr, als du in deinem Leben
mit all deinen Gaben irgend sonst jemandem sein konntest!

                                  Lulu

Wie denkst du darin doch so ganz anders als dein Vater!

                               Ferdinand

        (kommt durch die Mitte, wechselt die Teller und serviert
                        Brathhnchen mit Salat).

                                  Alwa

                             (zu Ferdinand)

Sind Sie krank?

                                  Lulu

                               (zu Alwa)

La ihn doch!

                                  Alwa

Er zittert wie im Fieber.

                               Ferdinand

Ich bin das Servieren noch nicht so gewohnt.

                                  Alwa

Sie mssen sich was verschreiben lassen.

                               Ferdinand

                           (durch die Zhne)

Ich kutschiere gewhnlich. -- -- (Ab)

                                 Schn

             (auf der Galerie, ber die Bhne wegsprechend)

Der also auch. (Nimmt hinter der Brstung Platz, sich nach Erfordernis
mit dem Vorhang deckend.)

                                  Lulu

Was sind das fr Augenblicke, von denen du sprachst, wo man gewrtig
ist, sein ganzes Innere zusammenstrzen zu sehen?

                                  Alwa

Ich _wollte_ nicht davon sprechen. -- Ich mchte nicht gern ber einem
Glas Champagner verscherzen, was mir whrend zehn Jahren mein hchstes
Lebensglck gewesen.

                                  Lulu

Ich habe dir weh getan. Ich will nicht wieder davon anfangen.

                                  Alwa

Versprichst du mir das fr immer?

                                  Lulu

Meine Hand darauf. (Reicht ihm ihre Hand ber den Tisch)

                                  Alwa

   (ergreift sie zgernd, pret sie in der seinigen, drckt sie lang
                       und innig an seine Lippen)

                                  Lulu

Was tust du ...

                                Rodrigo

               (steckt rechts den Kopf aus den Gardinen)

                                  Lulu

          (wirft ihm ber Alwa hinweg einen wtenden Blick zu)

                                Rodrigo

                          (zieht sich zurck)

                                 Schn

             (auf der Galerie, ber die Bhne wegsprechend)

Und da ist noch einer!

                                  Alwa

                          (ihre Hand haltend)

Eine Seele -- die sich im Jenseits den Schlaf aus den Augen reibt ... O
diese Hand ...

                             Lulu (harmlos)

Was findest du daran ...

                                  Alwa

Einen Arm ...

                                  Lulu

Was findest du daran ...

                                  Alwa

Einen Krper ...

                           Lulu (unschuldig)

Was findest du daran ...

                             Alwa (erregt)

Mignon!

                                  Lulu

                        (vllig verstndnislos)

Was findest du daran ...

                        Alwa (leidenschaftlich)

Mignon! Mignon!

                                  Lulu

                     (wirft sich auf die Ottomane)

Sieh mich nicht so an -- um Gottes willen! La uns lieber gehen, ehe es
zu spt ist. Du bist ein verworfener Mensch!

                                  Alwa

Ich sagte dir ja, ich bin der niedertrchtigste Schurke ...

                                  Lulu

Das sehe ich!!

                                  Alwa

Ich habe kein Ehrgefhl -- keinen Stolz ...

                                  Lulu

Du hltst mich fr deinesgleichen!

                                  Alwa

Du? -- du stehst so himmelhoch ber mir wie -- wie die Sonne ber dem
Abgrund ... (Kniend) Richte mich zu Grunde! -- Ich bitte dich, mach' ein
Ende mit mir! -- Mach' ein Ende mit mir!

                                  Lulu

_Liebst_ du mich denn?

                                  Alwa

Ich bezahle dich mit allem, was mein war!

                                  Lulu

Liebst du mich?!

                                  Alwa

Liebst du mich -- Mignon ...?

                                  Lulu

Ich? -- Keine Seele.

                                  Alwa

Ich _liebe_ dich. (Birgt seinen Kopf in ihrem Scho)

                                  Lulu

                     (beide Hnde in seinen Locken)

-- Ich habe deine Mutter vergiftet ...

                                Rodrigo

     (steckt rechts den Kopf aus den Gardinen, sieht Schn auf der
      Galerie sitzen und macht ihn durch Zeichen auf Lulu und Alwa
                              aufmerksam)

                                 Schn

                (richtet seinen Revolver gegen Rodrigo)

                                Rodrigo

            (bedeutet ihn, den Revolver auf Alwa zu richten)

                                 Schn

              (spannt den Revolver und zielt auf Rodrigo)

                                Rodrigo

                   (fhrt hinter die Gardinen zurck)

                                  Lulu

    (sieht Rodrigo zurckfahren, sieht Schn auf der Galerie sitzen,
                              erhebt sich)

Sein Vater!

                                 Schn

            (erhebt sich, lt den Vorhang vor sich nieder)

                                  Alwa

                   (bleibt regungslos auf den Knieen)

                                (Pause)

                                 Schn

        (eine Zeitung in der Hand, nimmt Alwa bei der Schulter)

Alwa!

                                  Alwa

                    (erhebt sich wie schlaftrunken)

                                 Schn

In Paris ist Revolution ausgebrochen.

                                  Alwa

Nach Paris ... la mich nach Paris ...

                                 Schn

Auf der Redaktion rennen sie sich den Kopf gegen die Wand. Keiner wei,
was er schreiben soll ... (Entfaltet das Zeitungsblatt, geleitet Alwa
durch die Mitte hinaus)

                                Rodrigo

        (strzt rechts aus den Gardinen, will die Treppe hinan)

                                  Lulu

                         (vertritt ihm den Weg)

Sie knnen hier nicht hinaus.

                                Rodrigo

Lassen Sie mich durch!

                                  Lulu

Sie rennen ihm in die Arme.

                                Rodrigo

Er jagt mir sein Pistol durch den Kopf.

                                  Lulu

Er kommt.

                        Rodrigo (zurcktaumelnd)

Himmel, Tod und Wolkenbruch! (Hebt die Tischdecke)

                               Hugenberg

Kein Platz!

                                Rodrigo

Verdammt und zugenht! (Sieht sich um, verbirgt sich links hinter der
Portiere)

                                 Schn

    (durch die Mitte, verschliet die Tr, geht, den Revolver in der
    Hand, auf das Fenster rechts vorn zu, schlgt die Gardine in die
                                 Hhe)

-- Wo ist denn _der_ hin?

                                  Lulu

                   (auf den untersten Treppenstufen)

Hinaus.

                                 Schn

ber den Balkon hinunter??

                                  Lulu

Er ist Kunstturner.

                                 Schn

Das war nicht vorauszusehen. -- (sich gegen Lulu wendend) Du Kreatur,
die mich durch den Straenkot zum Martertode schleift!

                                  Lulu

Warum hast du mich nicht besser erzogen?

                                 Schn

Du Wrgengel! Du unabwendbares Verhngnis! Mrder werden oder im Schmutz
ertrinken; mich einschiffen wie ein entlassener Strfling, oder mich
ber dem Morast aufhngen. Du Freude meines Alters! Du Henkerstrick!

                           Lulu (kaltbltig)

Schweig doch und bring mich um!

                                 Schn

Ich habe dir Hab und Gut verschrieben und nichts gefordert, als die
Achtung, die meinem Haus jeder Dienstbote zollt. Dein Kredit ist
erschpft!

                                  Lulu

Ich kann noch auf Jahre fr meine Rechnung einstehen. (Von der Treppe
nach vorn kommend) Wie gefllt dir mein neues Kleid?

                                 Schn

Weg mit dir, sonst schlgt's mir morgen ber den Kopf, und mein Sohn
schwimmt in seinem Blute. Du haftest mir als unheilbare Seuche an, an
der ich bis in mein Grab meine Lebenszge verchzen soll. Ich will mich
heilen. Begreifst du mich? (Ihr den Revolver aufdrngend) Das ist dein
Specificum. -- Brich nicht in die Knie! -- Du sollst es dir selbst
applizieren. Du oder ich, wir messen uns.

                                  Lulu

    (hat sich, da die Krfte sie zu verlassen drohen, auf den Diwan
            niedergelassen; den Revolver hin und herdrehend)

Das geht ja nicht los.

                                 Schn

Weit du noch, wie ich dich der Korrektionspolizei aus den Krallen ri?

                                  Lulu

Du hast viel Zutrauen ...

                                 Schn

Weil ich eine Dirne nicht frchte? Soll ich dir die Hand fhren? Hast du
selbst kein Erbarmen mit dir? (Da Lulu den Revolver gegen ihn richtet)
Keinen blinden Lrm!

                                  Lulu

                 (knallt einen Schu gegen den Plafond)

                                Rodrigo

     (springt aus der Portiere, die Treppe hinauf, ber die Galerie
                                  ab).

                                 Schn

Was war das ...?

                             Lulu (harmlos)

Nichts.

                                 Schn

                         (die Portiere hebend)

Was kam da herausgeflattert?

                                  Lulu

Du leidest an Verfolgungswahn.

                                 Schn

-- Hltst du noch mehr Mnner hier versteckt? (Ihr den Revolver
entreiend) Ist sonst noch ein Mann bei dir zu Besuch? (Nach rechts
gehend) Ich will deine Mnner regalieren! (Schlgt die Fenstergardinen
in die Hhe, wirft den Kaminschirm zurck, packt die Geschwitz am Kragen
und schleppt sie nach vorn) Kommen Sie durch den Rauchfang herunter?

                               Geschwitz

                        (in Todesangst zu Lulu)

Retten Sie mich vor ihm.

                                 Schn

                            (sie schttelnd)

Oder sind Sie auch Kunstturner?

                          Geschwitz (wimmernd)

Sie tun mir weh.

                                 Schn

                            (sie schttelnd)

Jetzt mssen Sie notwendig noch zum Diner bleiben. (Schleppt sie nach
links, stt sie ins Nebenzimmer, verschliet die Tr hinter ihr) Wir
wollen keine Ausrufer. (Setzt sich neben Lulu, drngt ihr den Revolver
auf) Es ist noch genug fr dich drin. -- Sieh mich an! Ich kann in
meinem Haus meinem Kutscher nicht helfen, mir die Stirn zu verzieren.
Sieh mich an! Ich bezahle meinen Kutscher. Sieh mich an! Vergnne ich
meinem Kutscher was, wenn ich den infamen Stallgeruch nicht verschnupfen
kann?

                                  Lulu

La anspannen. Bitte. Wir fahren in die Oper.

                                 Schn

Wir fahren zum Teufel! Jetzt kutschiere ich. (Den Revolver in ihrer Hand
von sich ab und auf Lulus Brust wendend) Glaubst du, man lt sich
mihandeln, wie du mich mihandelst, und besinnt sich zwischen einer
Galeerenschande von Lebensabend und dem Verdienst, die Welt von _dir_ zu
befreien? (Hlt sie am Arm nieder) Komm zu Ende. Es soll mir die
glcklichste Erinnerung meines Lebens sein. Drck' los!

                                  Lulu

-- Du kannst dich scheiden lassen.

                                 Schn

                            (sich erhebend)

Das war noch brig. Damit morgen ein Nchster seinen Zeitvertreib
findet, wo ich von Abgrund zu Abgrund geschaudert, den Selbstmord im
Nacken und _dich_ vor mir. Das wagt sich dir ber die Lippen? Was ich
von meinem Leben in dich hineingelebt, soll ich wilden Tieren
vorgeworfen sehen? Siehst du dein Bett mit dem Schlachtopfer darauf? Der
Junge hat Heimweh nach dir. -- Hast du dich scheiden lassen? Du hast ihn
unter die Fe getreten, ihm das Gehirn ausgeschlagen, sein Blut in
Goldstcken aufgefangen. Ich mich scheiden lassen! Lt man sich
scheiden, wenn die Menschen ineinander hineingewachsen und der halbe
Mensch mitgeht? (Nach dem Revolver langend) Gib her.

                                  Lulu

Erbarmen!

                                 Schn

Ich will dir die Mhe abnehmen.

                                  Lulu

        (reit sich von ihm los, den Revolver niederhaltend, in
                   entschiedenem selbstbewuten Ton)

-- Wenn sich die Menschen um meinetwillen umgebracht haben, so setzt das
meinen Wert nicht herab. -- Du hast so gut gewut, weswegen du mich zur
Frau nimmst, wie ich gewut habe, weswegen ich dich zum Mann nehme. --
Du hattest deine besten Freunde mit mir betrogen, du konntest nicht gut
auch noch dich selber mit mir betrgen. -- Wenn du mir deinen
Lebensabend zum Opfer bringst, so hast du meine ganze Jugend dafr
gehabt. Du verstehst dich zehnmal besser als ich darauf, was hher im
Wert steht. Ich habe nie in der Welt etwas anderes scheinen wollen, als
wofr man mich genommen hat, und man hat mich nie in der Welt fr etwas
anderes genommen, als was ich bin. -- Du willst mich dazu zwingen, mir
eine Kugel ins Herz zu jagen. Ich bin keine sechzehn Jahre mehr; aber um
mir eine Kugel ins Herz zu jagen, dafr bin ich mir doch noch zu jung!

                                 Schn

                         (auf sie eindringend)

Nieder, Mrderin! Nieder mit dir! In die Knie, Mrderin! (Er drngt sie
bis vor die Treppe. Die Hand erhebend) Nieder -- und wage nicht wieder
aufzustehn!

                                  Lulu

                      (ist in die Knie gesunken).

                                 Schn

Bete zu Gott, Mrderin, da er dir Kraft gibt! Flehe zum Himmel, da er
dir die Kraft dazu verleiht!

                               Hugenberg

      (unter dem Tisch aufspringend, den Sessel beiseite stoend)

Hilfe!

                                 Schn

        (wendet sich gegen Hugenberg, Lulu den Rcken kehrend).

                                  Lulu

   (feuert fnf Schsse gegen Schn und hrt nicht auf, den Revolver
                             abzudrcken).

                                 Schn

      (vornberstrzend, von Hugenberg aufgefangen, der ihn in den
                           Sessel niederlt)

Und -- da -- ist -- noch -- einer ...

                                  Lulu

                         (auf Schn zustrzend)

Allbarmherziger ...

                                 Schn

Aus meinen Augen! -- -- -- Alwa!

                                  Lulu

                            (auf den Knien)

Der Einzige, den ich geliebt!

                                 Schn

Dirne! Mrderin! -- Alwa! Alwa! -- Wasser!

                                  Lulu

Wasser; er verdurstet. (Fllt ein Glas mit Champagner und setzt es Schn
an die Lippen)

                                  Alwa

             (kommt ber die Galerie, die Treppe herunter)

Mein Vater! Um Gottes willen, mein Vater!

                                  Lulu

Ich habe ihn erschossen.

                               Hugenberg

Sie ist unschuldig!

                                 Schn

                               (zu Alwa)

Du bist es. Es ist miglckt.

                                  Alwa

                          (will ihn aufheben)

Du mut zu Bett. Komm.

                                 Schn

Fa mich nicht so an. -- Ich verdorre ...

                                  Lulu

                    (kommt mit dem Champagnerkelch).

                            Schn (zu Lulu)

Du bleibst dir gleich. (Nachdem er getrunken, zu Alwa) La sie nicht
entkommen. -- Du bist der Nchste ...

                                  Alwa

                             (zu Hugenberg)

Helfen Sie mir, ihn aufs Bett bringen.

                                 Schn

Nein, nein, bitte, nein. Sekt, Mrderin ...

                          Alwa (zu Hugenberg)

Fassen Sie mit an. (nach links deutend) Ins Schlafzimmer. (Beide richten
Schn empor und fhren ihn nach rechts. Lulu bleibt neben dem Tisch, das
Glas in der Hand)

                            Schn (sthnend)

O Gott, o Gott, o Gott ...

                                  Alwa

     (findet die Tr verschlossen, dreht den Schlssel und ffnet)

                            Grfin Geschwitz

                             (tritt heraus)

                                 Schn

              (sich bei ihrem Anblick steif emporrichtend)

Der Teufel! -- (schlgt rcklings auf den Teppich)

                                  Lulu

   (wirft sich neben ihn, nimmt seinen Kopf auf den Scho, kt ihn)

Er hat es berstanden. -- (Richtet sich auf, will die Treppe hinan)

                                  Alwa

Nicht von der Stelle! --

                          Geschwitz (zu Lulu)

Ich glaubte, du wrest es.

                                  Lulu

                     (sich vor Alwa niederwerfend)

Du kannst mich nicht dem Gericht ausliefern. Es ist _mein_ Kopf, den man
mir abschlgt. Ich habe ihn erschossen, weil er mich erschieen wollte.
Ich habe keinen Menschen auf der Welt geliebt, als _ihn_. Alwa, verlang,
was du willst. La mich nicht der Gerechtigkeit in die Hnde fallen. Es
ist schade um mich! Ich bin noch jung. Ich will dir treu sein mein Leben
lang. Ich will nur dir allein gehren. Sieh mich an, Alwa. -- Mensch,
sieh mich an! Sieh mich an!

                 (Von auen wird an die Tre gepoltert)

                                  Alwa

Die Polizei. (Geht um zu ffnen)

                               Hugenberg

Ich werde von der Schule gejagt.




                        Georg Mller Verlag Mnchen

                              Frank Wedekind

      Die junge Welt.
      Komdie in drei Aufzgen.
      2. Auflage. 2.-- M., gebunden 3.-- M.

      Frhlings Erwachen.
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      25. Auflage. 2.-- M., gebunden 3.-- M.

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      Schwank in drei Aufzgen.
      2. Auflage. 2.-- M., gebunden 3.-- M.

      Erdgeist. (Lulu, I. Teil.)
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      Schauspiel in fnf Aufzgen.
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      Die Bchse der Pandora. (Lulu, II. Teil.)
      Tragdie in drei Aufzgen.
      Neu bearbeitet und mit einem Vorwort versehen.
      5. und 6. Auflage. 3.-- M., gebunden 4.-- M.
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      So ist das Leben.
      Schauspiel in fnf Akten.
      2. Auflage. 2.-- M., gebunden 3.-- M.

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      Schauspiel in drei Aufzgen.
      3. Auflage. geheftet 2.-- M., gebunden 3.-- M.

      Tod und Teufel.
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      3. und 4. Auflage. 1.50 M., gebunden 2.50 M.

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      3. und 4. Auflage. 2.-- M., gebunden 3.-- M.

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      Schauspiel in fnf Akten.
      5. Auflage. 2.-- M., gebunden 3.-- M.

      Die Zensur.
      Theodizee in einem Akt.
      2.20 M., gebunden 3.20 M.

      Oaha.
      Schauspiel in fnf Aufzgen.
      2. Auflage. 3.-- M., gebunden 4.-- M.

      In allen Stteln gerecht.
      Komdie in einem Aufzug.
      2. Auflage. 1.50 M., gebunden 2.50 M.

      Mit allen Hunden gehetzt.
      Schauspiel in einem Aufzug.
      2. Auflage. 1.50 M., gebunden 2.50 M.

      In allen Wassern gewaschen.
      Tragdie in einem Aufzug.
      2. Auflage. 1.50 M., gebunden 2.50 M.

      Schauspielkunst.
      Ein Glossarium.
      2. Auflage. Geh. 1.-- M.

      Franziska.
      Ein modernes Mysterium in fnf Akten.
      1. bis 3. Auflage. 3.-- M., gebunden 4.50 M., Luxusausgabe 20.-- M.


                      In Vorbereitung befinden sich:

      Frank Wedekinds Gesammelte Werke
      in 6 Bnden, der Band geheftet 4.-- M., gebunden 5.50 M.
      Luxusausgabe (150 Exemplare) auf Btten in Ganzleder 20.-- M.


        In allen Buchhandlungen erhltlich oder direkt vom Verlag.




Anmerkungen zur Transkription


Der Text folgt der Ausgabe im Georg Mller Verlag, Mnchen und Leipzig,
1912.

Die Schreibweise und Zeichensetzung des Originales wurden weitgehend
beibehalten. Nur offensichtliche Fehler wurden, teilweise unter
Verwendung weiterer Ausgaben, korrigiert wie hier aufgefhrt
(vorher/nachher):

   [S. 35]:
   ... Wer will das je im Vorraus beurteilen! ...
   ... Wer will das je im Voraus beurteilen! ...

   [S. 37]:
   ... doch Ihr Ballet? ...
   ... doch Ihr Ballett? ...

   [S. 42]:
   ... Hren sie nicht? ...
   ... Hren Sie nicht? ...

   [S. 78]:
   ... Posaune leben und auf alle himmlichen Freuden ...
   ... Posaune leben und auf alle himmlischen Freuden ...

   [S. 79]:
   ... beisetzen lassen. -- Mit den Vorturteilen sind wir ...
   ... beisetzen lassen. -- Mit den Vorurteilen sind wir ...

   [S. 82]:
   ... Da wei ich. (Ihr einen Sessel bietend) Darber ...
   ... Das wei ich. (Ihr einen Sessel bietend) Darber ...

   [S. 109]:
   ... Bringen sie das hinber. ...
   ... Bringen Sie das hinber. ...

   [S. 112]:
   ... ganzen Leben in Trmmer! ...
   ... ganzes Leben in Trmmer! ...

   [S. 123]:
   ... (tritt hinter der spanischen Wand vor, in antikem fufreien ...
   ... (tritt hinter der spanischen Wand vor, in antikem fufreiem ...

   [S. 123]:
   ... rmellosen weien Kleid mit rotem Saum, einen ...
   ... rmellosem weiem Kleid mit rotem Saum, einen ...

   [S. 127]:
   ... Warum schreiben Sie ihre Stcke denn nicht ...
   ... Warum schreiben Sie Ihre Stcke denn nicht ...

   [S. 128]:
   ... Ich habe ihre Rolle doch mit allen erdenklichen ...
   ... Ich habe Ihre Rolle doch mit allen erdenklichen ...

   [S. 139]:
   ... (Klatschen und Bravorufe wird hrbar) Wer mir den ...
   ... (Klatschen und Bravorufen wird hrbar) Wer mir den ...

   [S. 144]:
   ... So schlecht sie wollen. (Da von auen gepocht ...
   ... So schlecht Sie wollen. (Da von auen gepocht ...

   [S. 145]:
   ... Auch wenn sie ber meiner Schamlosigkeit ...
   ... Auch wenn Sie ber meiner Schamlosigkeit ...

   [S. 149]:
   ... Miene zum bsen Spiel gemacht. -- Sie kreiren ...
   ... Miene zum bsen Spiel gemacht. -- Sie kreieren ...

   [S. 155]:
   ... und ihr einen flehendlichen Blick zuwirft) Schreiben ...
   ... und ihr einen flehentlichen Blick zuwirft) Schreiben ...

   [S. 156]:
   ... Ich gebe ihnen mein Wort, da ich Ihrer ...
   ... Ich gebe Ihnen mein Wort, da ich Ihrer ...

   [S. 172]:
   ... Wie heit den ihr Vater? ...
   ... Wie heit denn ihr Vater? ...

   [S. 191]:
   ... Lt man sich scheiden, wenn die Menschen ineineinder ...
   ... Lt man sich scheiden, wenn die Menschen ineinander ...






End of the Project Gutenberg EBook of Erdgeist, by Frank Wedekind

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ERDGEIST ***

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Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

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because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
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Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
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remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
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state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
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number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
http://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
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The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
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809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at http://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


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Literary Archive Foundation

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