The Project Gutenberg EBook of Die Ostereyer, by Christoph von Schmid

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Title: Die Ostereyer
       Eine Erzhlung zum Ostergeschenke fr Kinder

Author: Christoph von Schmid

Release Date: April 21, 2017 [EBook #54586]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE OSTEREYER ***




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                                  Die
                               Ostereyer.


                             Eine Erzhlung
                                  zum
                             Ostergeschenke
                                  fr
                                Kinder.

                                  Von
                      dem Verfasser der Genovefa.


                           Leitmeritz. 1818.
                        bey Carl Wilhelm Medau.




                      Vorerinnerung an die Kinder.


Die folgende kleine Erzhlung ward schon einmal vielen Kindern, die
lngst zuvor ber den hohen Sinn und die schne Bedeutung des heiligen
Osterfestes unterrichtet worden, zu einer lehrreichen und angenehmen
Unterhaltung vorgelesen, und nicht nur die Kinder, sondern auch mehrere
Erwachsene hrten sie mit Freuden an.

Weil ich nun dachte, da diese Erzhlung auch euch, meine lieben Kinder
-- ja wohl auch euren grern Geschwistern und selbst euren Aeltern --
Vergngen machen drfte, so ward sie als ein kleines Ostergeschenk fr
euch gedruckt.

Die Erzhlung handelt, wie es der Titel sagt, freylich nur von einer
Kleinigkeit -- den Ostereyern; inde werdet ihr gewi gerne lesen, wie
auch die kleinste Gabe Gottes -- ein Ey! -- ein groes Wunder der
Allmacht und Weisheit Gottes und eine mannigfaltige Wohlthat fr die
Menschen sey, ja wie Gott sich oft einer geringen Sache bediene, seine
heilige Vorschrift und liebreiche Vatersorgfalt an den Menschen zu
verherrlichen.

Diese und andere gute Lehren sind in diesem Bchlein die Hauptsache; das
brige soll blos dazu dienen, euch eine unschuldige Freude zu machen --
wie etwa eure Mutter euch auf das Osterfest ein Ey schenkt, das nicht
nur durchaus voll krftiger Nahrung ist, sondern auch durch ein
geflliges Aeueres und eine freundliche Farbe das Auge vergngt.

                                                        Der Verfasser.




                            Erstes Kapitel.

              O weh, da giebts noch nicht einmal Hhner!


Es lebten einmal vor vielen hundert Jahren, in einem kleinen Thale tief
im Gebirge, einige arme Kohlenbrenner. Das enge Thal war rings von Wald
und Felsen eingeschlossen. Die Htten der armen Leute lagen im Thale
umher zerstreut. Einige Kirsch- und Pflaumenbume bey jeder Htte, etwas
Ackerland mit Sommergetreide, Flachs und Hanf, eine Kuh und einige
Ziegen waren all ihr Reichthum. Inde erwarben sie noch einiges mit
Kohlenbrennen fr die Einschmelze im Gebirge. So wenig aber die Leute
hatten, so waren sie dennoch ein sehr glckliches Vlklein; denn sie
wnschten sich nicht mehr. Sie waren bey ihrer harten Lebensart, bey
steter Arbeit und strenger Mssigkeit vollkommen gesund und man sah in
diesen armen Htten -- was man in Pallsten vergebens suchen wrde --
alte Mnner, die ber hundert Jahre zhlten.

Eines Tages, da schon der Haber anfing zu bleichen und es in dem Gebirge
sehr hei war, kam ein Khlermdchen, das die Ziegen htete, fast auer
Athem nach Hause gesprungen, und brachte den Aeltern die Nachricht, es
seyen fremde Leute in dem Thale angekommen von gar wundersamer Tracht
und seltsamer Redensart -- eine vornehme Frau, und zwey Kinder, und ein
sehr alter Mann, der, ob er gleich sehr prchtige Kleider anhabe, doch
nur ihr Diener scheine. Ach, sagte das Mdchen, die guten Leute sind
hungrig und durstig, und sehr mde. Ich traf sie, als ich eine verlorne
Ziege suchte, ganz abgemattet im Gebirge an, und zeigte ihnen den Weg in
unser Thal. Wir wollen ihnen doch etwas zu essen und zu trinken hinaus
tragen -- und sehen, ob wir sie die Nacht bey uns und den Nachbarn nicht
unterbringen knnen. Die Aeltern nahmen sogleich Haberbrot, Milch und
Ziegenkse und gingen hin.

Die Fremden hatten sich inde in den Schatten einer buschigen Felsenwand
gelagert, wo es sehr khl war. Die Frau sa auf einem bemoosten
Felsenstcke, und hatte ihr Angesicht mit einem weien Schleyer von
feinem Flor bedeckt. Eines der Kinder, ein zartes, wunderschnes
Frulein, sa ihr auf dem Schooe. Der alte Diener, ein ehrwrdiger
Greis, war damit beschftigt, das schwer beladene Maulthier abzupacken,
das sie bey sich hatten. Das andere Kind, ein muntrer, schner Knabe,
hielt dem Thiere einige Disteln hin, an denen es begierig fra.

Der Kohlenbrenner und sein Weib nherten sich der fremden Frau mit
Ehrerbietung. Denn an ihrer edlen Gestalt, ihrem Anstande und ihrem
langen, weien Gewande merkte man sogleich, da sie von hohem Stande
seyn msse. Sieh nur, sagte die Kohlenbrennerinn leise zu ihrem Manne,
den zierlich ausgezackten, stehenden Halskragen, die feinen Spitzen, aus
denen die zarten Hnde nur zur Hlfte hervorblicken, und -- der tausig!
-- sogar die Schuhe sind so wei, wie Kirschenblthe, und mit silbernen
Blmchen geziert! Der Mann tadelte aber sein Weib und sagte zu ihr:
Dir steckt doch nichts im Kopfe, als die Eitelkeit! Den hhern Stnden
geziemt eine vornehmere Kleidung. Inde macht das Kleid den Menschen um
nichts besser, und mit den zierlichen Schuhen hat die gute Frau wohl
schon manchen harten Tritt thun und manche rauhe Wege gehen mssen.

Der Khler und die Khlerinn bothen der fremden Frau jetzt Milch, Brot
und Kse an. Die Frau schlug den Schleyer zurck und beyde wunderten
sich ber die Schnheit und die edle, sanfte Gesichtsbildung der Frau.
Sie dankte freundlich, und lie sogleich das Kind auf dem Schooe aus
der irdenen Schale voll Milch trinken -- und die hellen Thrnen drangen
ihr aus den Augen, und benetzten die blhenden Wangen, als das Kleine
die Schale mit beyden Hndchen festhielt und begierig trank. Auch der
liebliche Knabe kam herbey und trank auch. Darauf theilte sie von dem
Brote aus -- und dann trank sie erst selbst, und a von dem Brote. Der
fremde Mann aber lie sich besonders den Ks' sehr gut schmecken.
Whrend sie aen, kamen aus allen Htten gro und klein herbey, standen
im Kreise umher, und betrachteten neugierig und wundernd die
neuangekommenen Fremden.

Nachdem der alte Mann satt war, bat er flehentlich, die Leute mchten
der Frau doch in irgend einer Htte auf einige Zeit ein kleines Stbchen
einrumen; sie werde ihnen nicht zur Last fallen, sondern alles
reichlich bezahlen. Ach ja, sagte die Frau mit sanfter, lieblicher
Stimme, erbarmt euch einer unglcklichen Mutter und ihrer zwey Kleinen,
die durch ein schreckliches Schicksal aus ihrer Heimath vertrieben
wurden. Die Mnner traten sogleich zusammen, und hielten Rath, wie das
zu machen sey.

Oben im Thale brach hoch aus rthlichen Marmorfelsen ein Bchlein
hervor, strzte sich, schumend und wei wie Milch, von Felsen zu
Felsen, und trieb eine Mhle, die gleichsam nur so an den Felsen dort
hing. Auf der andern Seite des Bchleins hatte der Mller noch ein
anderes nettes Huschen erbaut. Freylich war es, wie alle brigen Huser
im Thale, nur ganz von Holz; aber gar freundlich anzusehen, von
Kirschbumen lieblich beschattet, und von einem kleinen Grtchen
umgeben. Dieses Huschen bot der Mller der fremden Frau zur Wohnung an.

Mein neues Httchen da droben, sagte er, indem er mit der Hand hinauf
zeigte, rume ich euch, wie es dasteht, herzlich gerne ein. Es ist
spanneu, und noch kein Mensch hat darin gewohnt. Ich baute es
eigentlich, um einmal dahin zu ziehen, wenn ich die Mhle meinem Sohne
bergeben werde. Wie doch der liebe Gott -- Ihm sey Dank! -- so
wunderbar fr euch sorgt! Erst gestern bin ich damit vollends fertig
geworden, und heute knnet ihr nun schon einziehen. Es ist recht so, als
wenn ich es gerade nur fr euch gebaut htte. Es wird euch gewi
gefallen!

Die gute Frau war ber dieses freundliche Anerbiethen hocherfreut.
Nachdem sie etwas ausgeruht hatte, ging sie sogleich hinauf. Sie trug
das kleine Frulein auf dem Arme, und der alte Mann fhrte den Knaben an
der Hand. Der Mller aber besorgte das Maulthier. Die Frau fand das
Huschen, zur groen Freude des Mllers, ganz unvergleichlich. Mit einem
Tische, einigen Sthlen, und Bettsttten war es schon versehen. Schne
Teppiche und prchtige Decken zur Nachtruhe hatte die Frau auf dem
Maulthiere mitgebracht. Sie bernachtete daher sogleich da -- und dankte
Gott mit ihren beiden Kleinen vor dem Schlafengehen noch herzlich, da
er ihr nach langem Herumirren einen so angemessenen Zufluchtsort habe
finden lassen. Wer htte es geglaubt, sagte sie, da ich, in Pallsten
erwachsen, mich noch glcklich schtzen wrde, in eine solche Htte
aufgenommen zu werden. Wie nthig hat auch der Hhere, gegen den
Niedrigsten gut und gefllig zu seyn! Knnte er auch so hart seyn, es
nicht aus Menschenfreundlichkeit zu thun, so sollte ihn doch die
Klugheit dazu bewegen. Denn kein Mensch wei, was ihm bevorsteht.

Den andern Morgen kam die Frau in aller Frhe mit ihren Kleinen aus der
niedern Wohnung hervor, sich ein wenig in der Gegend umzusehen. Denn am
Tage zuvor waren sie dazu allzumde. Mit Entzcken betrachtete sie die
schne Aussicht ins Thal. Die Htten der Khler lagen tief unten im
grnen Thale wie hingeset, nur immer zwey oder drey beisammen. Das
Mhlbchlein schlngelte sich hell wie Silber mitten durchhin. Die
bunten Felsen voll grner Gestruche, an denen die Ziegen nagten, htte
man, so wie sie jetzt von der Morgensonne beleuchtet waren, nicht
schner mahlen knnen.

Der alte Mller kam, sobald er die Frau mit ihren Kindern erblickte,
sogleich aus der Mhle heraus, und ber den schmalen Steg, der ber das
Bchlein fhrte, herber. Aber nicht wahr, rief er, ein schneres
Pltzchen als dieses, giebt es doch im ganzen Thale nicht! Hier scheint
die Morgensonne immer am ersten hin. Wenn die Htten unten, wie eben
jetzt, noch im schwarzen Schatten liegen, so ist da droben schon alles
von der Sonne wie vergoldet. Ja oft, wenn in dem tiefen, feuchten Thal
kaum die Kamine der Htten aus dem grauen Nebel hervorragen, hat man
hier den klaren blauen Himmel.

Den Kindern der Frau gefiel aber das Mhlrad, das sich bestndig so
geschftig umdrehte, am besten. Den Knaben ergtzte besonders das
Klappern der Mhle, und das Rauschen des Wassers, das wie siedende Milch
zu kochen schien. Das Mdchen hingegen hatte ihre vorzgliche Freude an
den funkelnden Edelsteinen von allen Farben, die, wie sie sagte, im
Sonnenglanze von dem immer trpfelnden Rade fielen.

Die Frau brachte den Tag zu, sich einzurichten, so gut es in diesem
armen Thale seyn konnte. Die Leute wetteiferten, sie mit Lebensmitteln,
mit Brennholz, irdenem Kchengeschirre, und andern Kleinigkeiten zu
versehen. Das Mdchen, das ihr zuerst den Weg in das Thal gezeigt hatte
und Martha hie, kam zu ihr in den Dienst.

Vor allem brauche ich Eyer! sagte die Frau, als sie sich zum Kochen
anschickte. Sieh doch, da du mir fr Bezahlung einige auftreibest.
Eyer? fragte Martha ganz verwundert. Je wozu denn? Nrrisches
Mdchen, sagte die Frau, wozu? -- zum Kochen. Gehe nur, und mache, da
du bald wieder kommest. Zum Kochen? sagte das Mdchen; aber die
Vgelein haben ja nun keine Eylein mehr, und dann wre es doch auch
Schade. Vier Personen htten ja wohl einige hundert Eylein von Finken
oder Hnflingen nthig, sich satt zu essen. Was plauderst du da,
sagte die Frau; wer redet denn von den Eyerchen der Vgelein. Ich meyne
Hhnereyer. Das Mdchen schttelte den Kopf und sagte: Was das fr
Vgel sind, wei ich gar nicht. In meinem Leben habe ich noch keine
gesehen. O weh, sagte die Frau, so giebts bey euch noch nicht einmal
Hhner!

Denn da die Hhner erst aus dem Morgenlande zu uns gebracht wurden, so
war damals in manchen Gegenden ein Huhn wirklich etwas so seltenes, als
jetzt ein Pfau. Die Frau wute sich, da hier auch nichts von
Fleischspeisen zu haben war, in ihrer kleinen Kche fast nicht zu
helfen. Ich htte nie daran gedacht, sprach sie, was es um ein Ey fr
eine Wohlthat Gottes ist, bis jetzt, da ich keines haben kann. So gings
mir aber auf meiner Wanderung schon mit hundert Dingen. Mangel und Noth
haben doch auch ihr Gutes, indem sie uns auf manche Gabe Gottes, die wir
bisher nicht achteten, aufmerksam machen, und uns Dankbarkeit lehren.

Die gute Frau mute sehr kmmerlich leben. Die Leute trugen ihr inde
fleiig zu, was sie nur immer glaubten, da ihr angenehm seyn knnte.
Wenn der Mller eine schne Forelle oder ein Khler ein Paar
Krametsvgel fing, so brachten sie ihr dieselben sogleich. Die grten
Dienste that ihr aber der alte Diener, der mit ihr gekommen war. Sie
hatte noch einige goldene Kleinodien und kostbare Edelsteine. Von diesem
gab sie ihm von Zeit zu Zeit, und er verreiste damit, und blieb oft
mehrere Wochen aus. So oft er zurck kam, brachte er immer allerley mit,
das er fr die kleine Haushaltung eingekauft hatte. Die Leute bemerkten
inde, da die Frau nach seiner Zurckkunft oft sehr traurig war, und
rothgeweinte Augen hatte. Sie wren gar gerne dahinter gekommen, wer sie
denn eigentlich sey, und woher sie komme. Allein sie selbst zu fragen,
hatten sie den Muth nicht. Der alte Mann aber sagte ihnen, wenn sie ihn
fragten, so seltsame Namen, da sie dieselben kaum nachsprechen konnten,
und sie in einer Viertelstunde schon wieder vergessen hatten, bis sie
endlich merkten, da der muntere Greis sie nur zum Besten habe. Da
machten sie sich an die Kleinen. Sag' uns doch, sagten sie zum Knaben,
wie heit denn deine Mutter eigentlich? Wir wollen es nicht weiter
sagen. Sag es uns nur ins Ohr. Da sagte ihnen denn das Kind sehr
geheimnisvoll, aber auch sehr offenherzig und zutraulich: Sie heit
eigentlich Mamma. Aehnliche Antworten gab auch das Mdchen. Die Leute
muten es also der Zeit berlassen, dieses Geheimni zu enthllen.




                            Zweytes Kapitel.

             Gottlob, nun sind doch einmal die Hhner da!


Einmal kam der alte Diener, der Kuno hie, wieder von einer Reise heim,
und trug einen Hhnerstall auf dem Rcken. In dem waren ein Hahn und
einige Hennen. Als die Kinder im Thale den alten Mann kommen sahen,
liefen sie alle zusammen; denn er brachte ihnen immer etwas mit --
weies Brot, getrocknete Pflaumen, ein Pfeifchen, ein Glcklein fr ihre
Ziegen oder sonst eine Kleinigkeit.

Diemal waren die Kinder sehr neugierig, was denn in dem vergitterten
Kstchen sey, das fast ganz mit Tuch bedeckt war, so da man nicht recht
hinein sehen konnte. Sie begleiteten ihn bis vor die Thre der Frau, die
mit ihren zwey Kleinen sogleich freudig herauskam und ihn grte.
Gottlob, rief das kleine Frulein und klatschte in die Hnde, nun sind
doch einmal die Hhner da!

Der Mann stellte den Kasten nieder, ffnete das Thrchen, und da kam
denn zuerst ein prchtiger Hahn heraus. Die Kinder erstaunten. Was fr
ein sonderbarer Vogel das ist! riefen sie; denn wie man ihn heie,
wuten sie noch nicht. In unserm Leben haben wir noch keinen so schnen
Vogel gesehen! Was er fr eine schne Krone auf dem Kopfe hat, noch
schner roth, als Kornblumen; und wie wunderschn brunlich und gelblich
seine Federn schimmern, noch schner als reifes Getreide in der
Abendsonne; und wie wunderlich er den Schweif trgt, fast wie eine
Sichel gekrmmt! Auch die Hennen gefielen ihnen sehr wohl. Es waren ein
Paar Schwarze mit hochrothem Kamme, ein Paar Weie mit Schpfen, und ein
Paar Rthlichbraune ohne Schweif. Die Frau streute den Hhnern einige
Hnde voll Haberkrner hin. Die Hhner pickten sie geschftig hinweg,
und die Kinder standen und knieten im Kreise umher, und sahen mit
vergngten Gesichtern zu.

Als der Haber aufgefressen war, da schwang mit einem Male der Hahn die
Flgel und krhte -- und alle Kinder lachten laut zusammen, so freuten
sie sich darber. Und im Heimwege schrien die Knaben alle: Kikeriki
und die Mdchen machten es ihnen wohl auch nach, aber doch nicht gar so
laut. Als die Kinder heimkamen, erzhlten sie von den Wundervgeln, die
viel grer seyen, als die Ringeltauben, ja wohl grer, als die Raben,
und wie sie so schne Farben htten, noch viel schner als alle Vgel im
Walde. Und, sagte die kleine Marie, Marthas Schwesterlein, wie sie so
ein rothes Kpplein auf dem Kopfe tragen, wie es bisher noch bey keinen
Vgeln des Waldes gebruchlich gewesen. Auch die Aeltern wurden
neugierig und kamen, die fremden Vgel zu sehen, und waren nicht weniger
darber verwundert.

Nach einiger Zeit lie sich eine der Hennen zum Brten an. Martha mute
die Henne tglich fttern. Die Frau zeigte einmal den Kindern aus dem
Thale das Nest, und die Kinder wunderten sich alle laut ber die Menge
von Eyern. Funfzehn Eyer! riefen sie; die Holztauben legen nur zwey,
andere Vgelein nur fnf Eyer. O wie wird die Henne so viele Junge
auffttern!

Da die Jungen anfingen auszukriechen, wollte die Frau den Kindern eine
Freude machen, und lie sie rufen. Es kamen aber, da es eben Feyertag
war, auch viele groe Leute mit. Sie zeigte ihnen ein aufgepicktes Ey. O
wie freuten sich die Kinder, als das junge Hhnlein so geschftig
pickte, herauszukommen. Die Frau half ihm vollends heraus. Nun war die
Verwunderung noch grer, da das kleine Vgelein schon ber und ber so
schne gelbe Flaumfederlein habe, so munter aus den schwarzen Aeuglein
blicke, und sogleich davon laufen knne, da doch andere junge Vgelein
nackt, blind und ganz hlflos zur Welt kmen. Das ist doch etwas
unerhrtes, sagten die Kinder, solche Vgel giebt es in der ganzen
Welt nicht mehr.

Als die schne, glnzend schwarze Glucke mit dem purpurrothen Kamme, in
Mitte ihrer fnfzehn gelbhaarigen Jungen, das erste Mal auf den grnen
Rasen herausschritt, da war die Freude der Kinder und Aeltern gar ber
alle Weise. Schneres kann man doch nichts sehen! sagte ein Khler.
Und horcht nur, sprach die Khlerinn, wie die Alte den Jungen lockt,
und wie die kleinen Dingerchen den Ruf verstehen, und sogleich folgen.
Es wre zu wnschen, da ihr Kinder auch immer so auf den Ruf ginget.

Ein Knabe wollte ein junges Hhnlein fangen, um es nher zu betrachten.
Das kleine Dingelchen schrie aber klglich, und auf das Geschrey scho
die Alte pltzlich und mit weitgeffneten Flgeln herbey, und flog dem
Knaben, der heftig erschrack und jammernd um Hlfe schrie, auf den Kopf.
Sie htte ihm wohl die Augen ausgekratzt, wenn er das Junge nicht
augenblicklich wieder htte laufen lassen. Der Vater schmhte den
Knaben, und die Mutter sagte: Wie das treue Thier sich seiner Jungen so
eifrig annimmt! Menschen knnten sogar von ihm lernen.

Wenn die Henne nun einen guten Bissen fand, so erhob sie sogleich ein
Geschrey, und die Jungen eilten alle zusammen. Die Alte zerhackte ihn
erst mit ihrem Schnabel und legte ihnen gleichsam vor. Jedermann
wunderte sich, da so junge Thierchen, die kaum ber einen Tag alt
wren, nicht nur sogleich laufen, sondern auch schon fressen knnten.

Da jetzt die Sonne sich etwas unter die Wolken verbarg -- so sammelten
sich alle Jungen unter die Alte, und versteckten sich da, um sich zu
wrmen. Das ist noch das allerschnste, sagten die Leute. Es ist gar
so artig und munter, wie hie und da ein Kpfchen unter den Flgeln der
Henne hervorsieht, oder sich ein Junges hervorwagt, und sogleich wieder
an einer andern Stelle unter sie hineinkriecht.

Der Mller, der in seiner weibestubten Kleidung in Mitte der schwarzen
Khler sich gar sonderbar ausnahm, aber auch an Einsicht sich eben so
vor ihnen auszeichnete, sprach: Was das doch ein Wunderding mit diesen
fremden Vgeln ist! Wir erblicken zwar Gott berall in der Natur; aber
wenn wir etwas ungewhnliches sehen, fllt uns seine Allmacht, Weisheit
und Gte doch noch mehr in die Augen. Bedenkt nur, wie gut es ist, da
diese kleinen Vgelein sogleich laufen und fressen knnen; wenn die Alte
so vielen Jungen das Futter im Schnabel zutragen mte, wie eine
Schwalbe, da wrde sie nicht fertig! Wie gut ists, da es schon die
Natur der Jungen so ist, der Alten nachzulaufen und ihrer Stimme zu
folgen. Liefen sie, weil sie doch auf der Stelle laufen knnen, sogleich
auseinander; die Alte knnte sie nicht mehr zusammen bringen, und die
Jungen gingen verloren. Besonders wundert mich aber, wo die Henne den
Muth hernimmt, ihre Jungen so tapfer zu vertheidigen! Habe ich mich doch
oft schon ber die Hhner gergert, und sie dumme Thiere gescholten,
weil sie allemal, so oft ich an ihnen vorbey ging, vor Furcht scheu
auseinander flogen, obwohl sie lngst merken konnten, da ich ihnen
nichts zu leid thue. Und nun ist die Natur des Thieres ganz verndert,
und sie setzt sich gegen einen Mann zur Wehre. Oft hat es mich ergtzt,
wie die Hennen um einen Bissen zanken, oder wie diejenige, die ein
greres Brcklein fand, so neidig ist, und sogleich davon luft, und
wie die andern ihr nachlaufen, und es ihr nehmen wollen. Jetzt aber hat
sie ihre Gefrssigkeit ganz abgelegt, und ruft den Jungen selbst und
rhrt nichts an, bis alle satt sind. Ich glaube das gute Thier strbe
lieber selbst Hungers, als da sie eines ihrer Jungen verhungern liee.
Diese zrtliche Sorgfalt, mit der die Henne ihre zarten Jungen
umherfhrt, Futter fr sie aufsucht, sie ernhrt, sie beschtzt, sie
unter ihren Flgeln wrmt -- hat Gott dem Thiere eingepflanzt. So
zrtlich ist Gott fr diese jungen Hhnlein besorgt! Und wie sollten nun
wir verzagen? Sollte Er nicht noch mehr fr uns besorgt seyn? Freylich
sorgt Er noch mehr fr uns. Darum nur guten Muth, lieben Leute! Gott
macht alles wohl. Er sorgt fr alle seine Geschpfe -- am meisten aber
fr den Menschen, der in seinen Augen mehr ist, als alle Hhner und alle
andern Vgel in der ganzen Welt.




                            Drittes Kapitel.

                  Jetzt giebt es Eyer im Ueberflu.


Weil die guten Leute im Thale gegen die fremde Frau immer gar so
gefllig gewesen, so war sie schon lange darauf bedacht, ihnen auch
wieder eine Freude zu machen, und ihre rmliche Haushaltung zu
erleichtern. Die gute Frau hatte daher Eyer und Hhner sehr geschont,
und da sie nun einen schnen Vorrath von Eyern und auch mehrere Hhner
beysammen hatte, schickte sie Martha ins Thal, alle Hausmtter auf den
morgigen Tag, der ein Sonntag war, einzuladen. Sie kamen mit Freuden,
und in ihrem schnsten Aufputze. In dem kleinen Grtchen hatte der alte
Diener einen lndlichen Tisch mit einigen Bnken bereitet. Hier muten
sie Platz nehmen.

Martha brachte hierauf einen groen Korb voll Eyer. Die waren alle so
reinlich, da man kein Flecklein daran sah, und wei wie Schnee. Die
Kohlenbrennerinnen erstaunten und wunderten sich nicht wenig ber die
Menge von Eyern. Gottlob! sagte die Frau, jetzt giebt es Eyer im
Ueberflu, und es ist allerdings ein schner Anblick, so viele reinliche
Eyer beysammen zu sehen. Nun will ich euch aber auch zeigen, wie man sie
in der Haushaltung ntzen kann.

In einer Ecke des Baumgrtchens, unten an einem Felsen, war Feuer
aufgemacht. Eine groe Pfanne voll Wasser hing ber dem Feuer. Die Frau
schlug zuerst ein Ey auf, um zu zeigen, wie es innen aussehe, bevor es
in das heie Wasser komme. Alle betrachteten mit Aufmerksamkeit die
schne kristallhelle Feuchtigkeit, in der gleich einer gelben Kugel der
Dotter schwamm. Nun wurden so viele Eyer, als es Gste waren, weich
gesotten. Auf dem Tische war Salz und weies lnglich geschnittenes Brot
in Bereitschaft. Die Frau lehrte sie die Eyer ffnen, und nun wunderten
sich alle, wie das durchsichtige des Eys so schn wei wie Milch aussah,
und eben so, wie das Gelbe, fester geworden. Alle lobten, indem sie nach
Anweisung der Frau die Eyer mit dem Brote austunkten, die treffliche
Speise. Da hat man, sagten sie, Geschirr und Speise sogleich
beysammen. Und wie schn und reinlich, wie lieblich wei und gelb alles
aussieht! Wie schnell, ohne Kunst, ohne allen Aufwand ein Ey gekocht
ist. Auch fr Kranke knnte man nicht leicht eine wohlfeilere und
nahrhaftere Speise finden.

Die Frau schlug hierauf Eyer in heies Schmalz. Dieses war fr die
Khlerinnen wieder eine neue Erscheinung. Wie das Gelbe so schn vom
Weien umgeben ist, sagten sie, wie bey den groen wei- und gelben
Wiesenblumen, die man Ochsenaugen nennt. Die Eyer wurden nach und nach
auf grnen Spinat gelegt, der in einer groen flachen Schssel bereit
stand -- und auch diese Speise wurde von allen gelobt. So machte die
Frau noch andere Eyerspeisen, und unterrichtete die Khlerinnen, wie die
Eyer nicht nur an und fr sich eine gesunde Speise seyen, sondern mit
noch grerm Vortheil zur bessern Bereitung anderer Speisen bentzt
werden knnen.

Zuletzt wurde schner grner Ackersalat aufgetragen. Kuno brachte einen
Teller voll Eyer, die schon frher hart gesotten wurden, damit sie inde
wieder kalt wrden. Der frhliche Alte lie aus Scherz die Eyer fallen,
da sie auf dem steinigen Boden herumrollten. Die Khlerinnen am Tische
erschracken, da sie laut aufschrien. Sie meynten, die Eyer wrden
ausflieen. Aber wie wunderten sie sich alle, als die Frau die Schalen
rein ablste, und jedes Ey so durchaus hart erschien, da es sich
schneiden lie. Die Sache schien ihnen ein Wunder. Inde sagte ihnen die
Frau, wie man die Eyer hart siede und legte die zierlich geschnittenen
Eyer auf den Salat, und auch diese Speise schmeckte den Gsten sehr gut.

Nachdem die Mahlzeit geendet war, vertheilte die Frau einige Hhne und
mehrere Hennen unter die Hausmtter. Sie sagte ihnen, da eine Henne des
Jahres hundert, bis hundert fnfzig Eyer lege -- worber alle
erstaunten. Ueber hundert Eyer! riefen sie. Welch ein Vortheil in der
Haushaltung! Die guten Hausmtter brachten mit den Hhnern eine groe
Freude ins Thal. In allen Htten war Jubel. Alle Leute im Thale segneten
die Frau, und dankten Gott fr so schne wohlthtige Geschenke.

Die Hhner waren lange Zeit das tgliche Gesprch. Immer bemerkten die
Leute noch etwas neues daran, das sonderbar und zugleich ntzlich war.
Die Eigenschaft, da der Hahn morgens krhe, war den Hausvtern
besonders lieb. Er verkndet so, sagten sie, den nahen Tag und
fordert die Menschen auf, an ihr Tagwerk zu gehen. Es ist ein ganz neues
Leben im Thal, wenn am Morgen die Hhne so zusammen krhen, und man geht
ordentlich munterer an die Arbeit! Freylich wohl! sagte der Mller.
Wenn der Hahn aber gegen Mitternacht das erste Mal krht, so ruft er
den lustigen Gesellschaften mit lauter Stimme zu, jetzt sey es die
hchste Zeit, sich zur Ruhe zu begeben.

Den Hausmttern gefiel es noch besonders, da die Henne es gatzend
ankndete, wenn sie ein Ey gelegt hatte. Allemal war Freude im Hause,
wenn sie sich hren lie. So wei man es doch gleich, sagten sie, und
kann das ntzliche Geschenk sogleich in Empfang nehmen.

Hausvter und Hausmtter sagten oft unter einander: Diese Vgel sind
wahrhaftig von Gott recht eigentlich zu Hausthieren geschaffen. Sie
halten sich so treulich an das Haus, entfernen sich nie weit davon,
kommen, sobald man ihnen lockt, sogleich alle zurck, ja, sie gehen am
Abende von selbst heim, und warten an Hausthr oder Fenster, bis man sie
hereinlasse. Nicht nur bringen sie in der Haushaltung einen groen
Nutzen; ihr Unterhalt kostet auch sehr wenig. Sie nehmen mit Kleye, mit
dem Abfalle vom Gemse, und mit andern schlechten Dingen vorlieb, die
man im Hause sonst nicht weiter ntzen knnte. Ja sie gehen vom Morgen
bis Abend auer dem Hause berall umher und scharren und suchen ihr
Futter selbst auf. Viele tausend Krnlein, die besonders zur Erntezeit
und bey dem Dreschen verloren gingen, kommen so noch den Menschen zu
gut. Die Hennen lesen sie fleiig auf und geben uns Eyer dafr. Die
rmste Wittwe, die sonst kein Hausthier halten konnte, vermag doch noch
eine Henne, und das tgliche Ey ist ein tgliches Almosen fr sie.

Auch die zwey Kinder der Frau sahen nun ein, woran sie im Ueberflusse
nie gedacht hatten, was die Eyer fr gtige Geschenke Gottes seyen. O
wie froh waren sie, als sie hie und da morgens ein Ey in Milch essen
konnten! Wie gut fanden sie nun manche Speise, die ihnen vorhin nicht
recht geniebar schien, weil das Ey daran fehlte. Wie sehr dankten sie
Gott dafr!




                            Viertes Kapitel.

              Das Fest der bemahlten Eyer, ein Kinderfest.


Inde gingen Sommer und Herbst vorber, und der Winter kam. Er war,
zumal in dieser rauhen Gegend, sehr hart. Die kleinen Htten im Thale
lagen Monate lang, wie im Schnee vergraben. Nur die rauchenden Kamine
und etwas von den Dchern schauten noch aus der weien Hlle hervor. Von
dem Hohlwege zwischen den Felsen herauf sah man gar nichts mehr. Die
Mhle stand still, und die Wasserflle hingen starr und geruschlos an
den Felsen da. Man konnte nur wenig zusammen kommen. Desto grer war
die Freude, als der Schnee schmolz, und es wieder Frhling ward.

Die Kinder aus dem Thale kamen sogleich wieder herauf, und brachten den
beyden fremden Kindern, Edmund und Blanda, die ersten blauen Veilchen
und gelben Schlsselblmchen, die sie im Thale finden konnten. Ja sie
flochten ihnen, sobald es mehrere dieser holden Frhlingsblmchen gab,
die schnsten blauen und gelben Krnze. Ich mu, sagte die edle Frau,
den guten Kindern doch auch eine Freude machen. Ich will ihnen auf den
kommenden Ostertag ein kleines lndliches Kinderfest geben. Denn es ist
gar schn, da man solche Tage den Kindern, so gut man nur immer kann,
zu Freudentagen mache. Aber was soll ich ihnen geben? Auf Weihnachten
konnte ich sie mit Aepfeln und Nssen beschenken, die ich fr sie hatte
bringen lassen. Allein zu dieser Zeit hat man nichts im Hause, als etwa
ein Ey. Noch bringt die Natur nichts hervor, das zu genieen wre. Alle
Bume und Struche stehen ohne Frchte und Beeren. Eyer sind die ersten
Geschenke der wieder auflebenden Natur.

Aber, sagte Martha, wenn die Eyer nur nicht so ganz ohne alle Farben
wren! Wei ist wohl auch schn. Allein die allerley Farben der Frchte
und Beeren, zumal die schnen rothen Wangen der Aepfelein, sind doch
noch schner.

Du bringst mich da auf einen Einfall, sagte die gute Frau, der nicht
gar bel seyn mag. Ich will die Eyer hart sieden, und sie, was sich
whrend des Siedens leicht thun lt, zugleich frben. Die mancherley
Farben machen den Kindern gewi groe Freude.

Die verstndige Mutter kannte verschiedene Wurzeln und Moose, die man
zum Schnfrben brauchen kann. Sie frbte nun die Eyer auf verschiedene
Art. Einige wurden schn himmelblau, andere gelb wie Zitronen, andere so
schn roth wie das Innere der Rosen. Einige hatte sie mit zarten grnen
Blttchen eingebunden, die sich dann auf den Eyern abbildeten, und ihnen
ein unvergleichlich schnes buntes Aussehen gaben. Auf einige setzte sie
auch einen kleinen Reim.

Die bemahlten Eyer, sagte der Mller, als er sie erblickte, sind
gerade recht fr das Fest, wo die Natur ihr weies Kleid ablegt, und
sich mit allerley Farben schmckt. Die gute Mutter macht es gerade wie
der liebe Gott, der uns nicht nur schmackhafte Frchte giebt, sondern
sie auch noch fr das Auge schn und freundlich macht. Wie er die
Kirsche roth, die Pflaume blau, die Birne gelb frbt, so macht sie es
mit den Eyern.

Der Ostertag war diesesmal ein beraus schner Frhlingstag -- ein
wahrer Auferstehungstag der Natur. Die Sonne schien so schn und warm,
der Himmel war so rein und blau, da es eine Lust war, und alles neues
Leben fhlte. Die Wiesen im Thale waren bereits schn grn und hie und
da schon bunt von Blumen.

Schon lange vor Anbruch der Morgenrthe hatten die Frau und der alte
Kuno sich auf den Weg zur Kirche gemacht, die ber zwey Stunden weit
entfernt jenseits mehrerer Berge lag. Die Vter und Mtter aus dem
Thale, und die grern Kinder, die so weit gehen konnten, zogen auch mit
dahin. Gegen Mittag kam die Frau mit Hlfe des Maulthieres, das Kuno
fhrte, wieder zurck; die brigen Leute aber kamen mit ihren Kindern
erst lange nach Mittag, oder gar erst gegen Abend nach Hause.

Sobald die Frau angelangt war, eilten jene Kinder, die man daheim
gelassen hatte, und die mit Edmund und Blanda ungefhr von einerley
Alter -- und schon lange eingeladen waren, voll Freude herauf.

Die Frau fhrte sie in das Grtchen, das Kuno im vorigen Jahre sehr
verschnert hatte. Nahe an der Felsenwand, auf einem zierlich mit Kiese
beschtteten Grunde, war ein lnglicht runder Tisch. Der war jetzt mit
einem farbigen Teppiche belegt. Rasensitze von jungem, frischen Grn
umgaben ihn. Die Kinder setzten sich rings um den Tisch, und mitten
unter ihnen Edmund und Blanda. Alle sahen freundlich und frhlich aus
den Augen und waren voll Erwartung der Dinge, die da kommen wrden. Es
war wirklich ein ungemein lieblicher Anblick, den schnen Kreis von
gelb- und braunlockichten Kpfchen und alle blhenden Gesichtchen zu
sehen. So schn ist kein Blumenkranz, sagte die Frau bey sich selbst,
und wre er auch aus den schnsten Rosen und Lilien gewunden.

Nun erzhlte ihnen die Frau zuerst sehr schn und deutlich, warum der
heilige Ostertag ein so groes Freudenfest sey -- und dann wurde eine
groe irdene Schssel voll heier Milch aufgetragen, darein Eyer
geschlagen waren. Jedes Kind hatte ein neues irdenes Schsselchen vor
sich stehen. Jedes bekam nun seinen Theil und lie sichs trefflich
schmecken. Hierauf fhrte die Frau die Kinder durch eine Seitenthr des
Grtchens in das kleine Tannenwldchen, das an den Garten stie.
Zwischen den jungen Tnnchen waren hie und da schne grne Rasenpltze.
Da sagte die Frau den Kindern, jedes solle aus Moos, mit dem die Felsen
und Bume umher reichlich bewachsen waren, ein kleines Nestchen machen.
Sie gehorchten mit Freuden. Denjenigen Kindern, die nicht zurecht kommen
konnten, muten die geschicktern helfen. Jedes mute sich sein Nestchen
recht wohl merken.

Nun kehrten die Kinder wieder in den Garten zurck. Aber sieh -- da
erblickten sie auf dem Tische einen groen Kuchen von Eyerbrot, der wie
ein groer gewundner Kranz gestaltet war. Jedes bekam nun ein groes
Stck Kuchen. Inde nun die Kinder aen, schlich Martha mit einem groen
Korbe voll gefrbter Eyer heimlich in das Wldchen, und vertheilte die
Eyer in die Nestchen, und die blauen, rothen, gelben oder bunten Eyer
nahmen sich in den zierlichen Nestchen von zartem, grnlichem Moose
ungemein schn aus.

Nachdem die Kinder genug gegessen hatten, sagte die Frau: Nun kommt,
jetzt wollen wir nach den Nestchen sehen. In jedem Nestchen lagen fnf
gleichfarbige Eyer, und auf Einem derselben stand ein Reim. Was da die
Kinder fr ein Freudengeschrey erhoben! Die Freude und der Jubel ging
ber alle Beschreibung. -- Rothe Eyer! Rothe Eyer! rief das eine, in
meinem Nestchen sind lauter rothe Eyer. Und in dem meinigen blaue,
rief ein anderes, o alle so schn blau, wie jetzt der Himmel. Die
meinigen sind gelb, schrie ein drittes, noch viel schner gelb, als
die Schlsselblmchen, oder der hellgelbe Schmetterling, der dort
fliegt. Die meinigen, rief das vierte, haben gar alle Farben! O das
mssen wunderschne Hhner seyn, rief ein kleiner Knabe, weil sie so
schne Eyer legen. Die mchte ich einmal sehen.

Ey, sagte Martha's Schwesterchen, das Kleinste aus allen Kindern, die
Hhner legen freylich keine so schne Eyer. Ich glaube gar, das Hschen
hat sie gelegt, das aus dem Wachholderbusche heraussprang und davon
lief, als ich dort das Nestchen bauen wollte. Und alle Kinder lachten
zusammen, und sagten im Scherze, der Haase lege die bunten Eyer. Ein
Scherz, der sich in manchen Gegenden bis auf unsere Zeiten erhalten hat.

O mit wie wenigem, sagte die Frau, kann man den Menschen eine groe
Freude machen! Wer sollte nicht gerne geben; indem ja geben seliger ist,
als empfangen! -- Wer doch noch ein Kind seyn knnte! Eine solche Freude
empfinden unter den Erwachsenen nur diejenigen, die ihr Herz rein und
schuldlos bewahrten. Nur die leben noch in dem Paradiese der Kindheit --
diesem Gottesreiche schuldloser Freude.

Nun machte die Frau den Kindern wieder eine andere Unterhaltung. Manches
Kind, das nur blaue Eyer bekam, htte gerne auch ein rothes oder gelbes
gehabt. Denen, mit den rothen, gelben oder bunten Eyern ging es eben so.
Die Frau sagte daher den Kindern, sie sollen mit einander tauschen. Nur
das Ey mit dem Sprchlein durfte nicht vertauscht werden. Das war jetzt
eine neue Freude, da jedes Kind auf diese Art Eyer von allen Farben
erhielt. Seht, sagte die Frau, so mu man einander aushelfen. Wie es
mit den Eyern hier ist, so ist es mit tausend andern Dingen. Gott
theilte seine Gaben so aus, da die Menschen einander davon wechselweise
mittheilen knnen, und so einander Freude machen und einander lieber
gewinnen sollen. Mchte doch jeder Tausch oder Kauf, wie euer kleiner
Eyerhandel beschaffen seyn, da immer beyde Theile gewinnen, und keiner
verliere.

Der kleine Edmund las seinen Reim. Ein Khlerknabe war darber voll
Erstaunen. Denn damals gab es noch wenige Schulen, und mancher
Erwachsene wute kaum, da es um das Lesen und Schreiben etwas Schnes
und Ntzliches sey. Der Khlerknabe wollte nun sogleich wissen, was denn
da auf _seinem_ Ey geschrieben stehe. O ein unvergleichlich schnes
Sprchlein! sagte die Frau. Hre einmal! _Fr Speis und Trank -- dem
Geber dank!_ Sie fragte die Kinder, ob sie dieses immer gethan htten?
Jetzt fiel es ihnen erst ein, Gott fr die frhliche Mahlzeit und die
schnen Eyer zu danken, was sie denn nach Anleitung der Frau auch
sogleich von Herzen thaten.

Nun wollte aber jedes Kind wissen, was auf seinem Ey stehe. Alle
drngten sich um die Frau. Alle die kleinen Hndchen, und in jedem der
Hndchen ein Ey, waren gegen sie ausgestreckt. Alle riefen wie mit einem
Munde: Was steht auf meinem? Was auf meinem? Wie heit meines? O meines
zuerst lesen!

Die Frau mute Friede machen, und die Kinder in einen Kreis stellen.
Jetzt las sie in der Reihe herum ein Sprchlein nach dem andern. Jedes
Kind war voll Begierde zu wissen, wie sein Reimlein heie. Alle horchten
auf die Frau, und wandten kein Auge von ihr, wenn sie wieder ein
Sprchlein las.

Die Reimlein bestanden nur immer aus einigen Wrtchen. Alle zusammen,
sowohl auf den Eyern, die sie jetzt, als auf jenen, die sie nachher noch
austheilte, waren ungefhr folgende:

    1. Nur Eins ist noth,
       Kind, liebe Gott!

    2. Gott sieht dich, Kind,
       Drum scheu die Snd.

    3. Fr Speis und Trank
       Dem Geber dank'.

    4. Ein dankbar Herz
       Flammt himmelwrts.

    5. Vertrau' auf Gott,
       Er hilft in Noth.

    6. Hchst elend ist,
       Wer Gott vergit.

    7. Wer Jesum ehrt,
       Thut, was Er lehrt.

    8. Gebet und Flei
       Macht gut und weis'.

    9. Fromm, gut und rein,
       Drey Edelstein.

   10. Ein gutes Kind
       Gehorcht geschwind.

   11. Beym Eigensinn
       Ist kein Gewinn.

   12. Ein reines Herz
       Erspart viel Schmerz.

   13. Kind, wirst du roth,
       So warnt dich Gott.

   14. Wie Rosen blht
       Ein rein Gemth.

   15. Bescheidenheit
       Das schnste Kleid.

   16. Wer Lgen spricht,
       Dem glaubt man nicht.

   17. Die Heucheley
       Ein faules Ey.

   18. Verdientes Brot,
       Macht Wangen roth.

   19. Unmig seyn
       Bringt Schmach und Pein.

   20. Geiz macht ein Herz
       Zu Stein und Erz.

   21. Ein frommer Mann,
       Hilft wo er kann.

   22. Zorn, Ha und Neid
       Bringt dir nur Leid.

   23. Still, sanft und mild,
       Ein goldner Schild.

   24. Geduld im Leiden
       Bringt Himmelsfreuden.

   25. Gutseyn, nicht Gold,
       Macht lieb und hold.

   26. Ein gut Gewissen,
       Ein sanftes Kissen.

   27. Wer Gutes thut,
       Hat frohen Muth.

   28. Zur Ewigkeit
       Sey stets bereit.

   29. Weltlust vergeht,
       Tugend besteht.

   30. Den Frommen lohnen
       Dort ew'ge Kronen.

Jedes Kind gab sich alle Mhe, sein Reimlein zu merken, und wiederholte
es in der Stille immer bey sich selbst, um es nicht zu vergessen.

Die Frau fragte nun in der Reihe herum, ob jedes sein Sprchlein noch
wisse. Hie und da mute sie ein wenig nachhelfen. Aber bald wute jedes
Kind das seine schn und deutlich zu sagen. Ja viele merkten auch die
Reimlein der brigen. Nach und nach wute fast jedes Kind alle Reime
auswendig. Wenn man nur das erste Wort nannte, so wuten sie fast
allemal das Sprchlein bis ans Ende zu sagen. Und wenn man die erste
Hlfte sagte, so wuten sie die zweyte ganz sicher. So viel auf einmal,
und so leicht, unter Lust und Lachen, hatten die Kinder noch nie
gelernt.

Die Vter und Mtter und die andern Kinder, die indes nach Hause
gekommen waren, und den lauten Jubel, der in das Thal hinabscholl,
vernahmen, eilten herauf, zu sehen und zu hren, was es denn gebe, und
waren ganz erstaunt. So viel, sagten sie, lernen ja die Kinder zu
Hause kaum in einem halben Jahre auswendig, als hier in einer halben
Stunde. Es bleibt doch wahr, Lust und Lieb zu einem Ding, macht alle Mh
und Arbeit gering. Aber den Kindern Lust zu machen, sagte der Mller,
das ist das Kunststckchen. Da steckts! -- Das heit einmal viel
gelernt. Das ist ja eine ganze Sittenlehre fr Kinder im Kleinen. Wie
die Frau doch mit Kindern umzugehen wei!

Die Frau beschenkte nun auch die brigen Kinder mit bunten Eyern und mit
Kuchen, und sagte noch zu allen: Die gefrbten Eyer mgt ihr zu Hause
essen; und die mit dem Sprchlein, mt ihr zum Andenken aufbewahren.
Die essen wir freylich nicht! sagten die Kinder. Die heben wir auf.
Das Sprchlein ist ja mehr werth, als das Ey. Das ist's wahrhaftig,
sagte die Frau, wenn ihr das befolgt, was es euch lehrt.

Sie ermahnte die Aeltern nun, die Kinder bey guter Gelegenheit an die
Sprchlein zu erinnern. Die Aeltern thatens. Wenn ein Kind nicht
sogleich auf das Wort folgen wollte, erhob der Vater den Finger und
sagte: _Ein gutes Kind_ -- und das Kind sprach: _gehorcht
geschwind!_ und gehorchte dann auch geschwind. Wenn ein Kind Miene
machte, zu lgen, sprach die Mutter: _Wer Lgen spricht_ -- _dem
glaubt man nicht!_ fuhr das Kind fort, errthete und schmte sich zu
lgen. Und so machten die Aeltern es auch mit den brigen Reimen.

Die Kinder sagten noch gar oft, in ihrem Leben htten sie keinen so
vergngten Tag gehabt. Nun, sagte die Frau allemal, so thut nur
fleiig, wie es in den Sprchlein heit, und dann gebe ich euch alle
Jahre ein solches Eyerfest. Wer aber bse ist und nicht folgt, darf
nicht dazu kommen. Denn es soll nur ein Fest fr gute Kinder seyn. O,
wie da die Kinder im Thale so gut und so folgsam wurden!




                            Fnftes Kapitel.

       Ein Paar Eyer -- mehr werth, als wenn sie von Gold wren.


Unter den Zuschauern, die dem kleinen Kinderfeste beywohnten, hatte die
Frau einen fremden Jngling bemerkt, der in dem Kreise frhlicher
Menschen ganz traurig dastand. Der Jngling mogte etwa im sechzehnten
Jahre seyn. Er war nur sehr rmlich gekleidet, allein von einem sehr
edlen Aussehen und von einer blhenden, unverdorbenen Gesichtsfarbe;
seine schnen gelben Haare hingen bis auf die Schultern herab, und in
der Hand hatte er einen langen Wanderstab.

Nachdem sich die meisten Zuschauer zerstreut hatten, fragte ihn die Frau
voll Mitleids, warum er denn so traurig sey. Ach, sprach der Jngling,
und die hellen Thrnen standen ihm in den Augen, mein Vater, der ein
Steinhauer war, ist erst vor drey Wochen gestorben. Meiner Mutter geht
es nun mit meinen zwey kleinen Geschwistern, einem Knaben und einem
Mdchen, sehr hart. Mich will der Bruder meiner Mutter annehmen, und
mich das Handwerk des Vaters, das er auch treibt, lehren, damit ich die
Mutter erhalten und mich in der Welt fortbringen knne. Zu diesem reise
ich jetzt. Ich komme schon zwanzig Stunden weit her und habe fast noch
so weit zu gehen. Denn der Vetter wohnt weit hin in einer andern Gegend
des Gebirges.

Die Frau wurde, besonders da ihr eignes Schicksal dem Schicksale der
armen Wittwe des Steinhauers in etwas hnlich war, sehr gerhrt. Sie gab
ihm Milch mit Eyern und Eyerkuchen zu essen, und schenkte ihm einiges,
seine Mutter damit zu untersttzen. Edmund und Blanda hatten auch groes
Mitleiden mit ihm. Da, sagte Blanda, bring dieses rothe Ey deinem
kleinen Schwesterchen und gre sie mir recht freundlich. Und, sagte
Edmund, dieses blaue Ey bringe deinem Brderchen zum Grue, und sag
ihm, er soll uns einmal heimsuchen! Wir wollen ihm dann auch Milchsuppe
und Eyerkuchen auftischen. Die Mutter lchelte, holte noch ein
bemahltes Ey, und sagte: Dieses Ey da gieb deiner Mutter. Das
Sprchlein darauf ist der beste Trost, den ich ihr geben kann: _Vertrau
auf Gott, -- Er hilft in Noth!_ und so wird ihr das Ey kein unangenehmes
Geschenk seyn; ja wenn sie das Sprchlein befolgt, so ist es das beste
Geschenk von der Welt, das man ihr nur immer machen knnte.

Der Jngling dankte herzlich. Der Mller behielt ihn ber Nacht, und am
andern Morgen, da die Spitzen der Felsen, die das Thal einschlossen,
sich errtheten, setzte er seinen Stab weiter, nachdem der Mller ihm
noch zuvor Haberbrot und Ziegenkse in seinen Queersack gesteckt hatte.

Fridolin, denn so hie der Jngling, wanderte durch das Gebirge, ber
hohe Felsen und durch tiefe Thler, rstig fort. Am Abende des dritten
Tages war er nur noch ein Paar Stunden von der Wohnung des Vetters
entfernt. Aber sieh da -- als er so auf schmalem Wege, lngs einer
himmelhohen Felsenwand hinkletterte, und in die tiefe schauerliche Kluft
zwischen den buschigen Felsen mit Grausen hinabschaute, erblickte er auf
einmal ein aufgezumtes und gesatteltes Pferd; die Decke war schn
purpurroth und der Zgel schien lauter Gold. Das Pferd aber schaute zu
ihm herauf und wieherte, als freute es sich, einen Menschen zu sehen,
und als wollte es ihn mit lautem Jubel willkommen heien.

Alle Welt, sagte der Jngling, wie kommt das edle Thier in diese
tiefe Schlucht hinab. Allem nach gehrt es einem Ritter zu. Wenn dem
Herrn, dem es angehrt, nur kein Unglck begegnet ist. Ein gesatteltes
Pferd ohne Reiter an einem solchen Orte ist immer ein Anblick, ber den
man erschrickt. Mir wird ganz bange; ich mu doch einmal nachsehen. Er
versuchte lange vergebens hinab zu klettern, wiewohl er im Bergsteigen
sehr gebt war. Endlich fand er einen engen Steig zwischen den Felsen,
den ein wildes Bergwasser ausgehhlt hatte, der aber jetzt trocken lag,
und kam glcklich hinunter. Da sah er einen Mann von edlem Aussehen und
in ritterlicher Kleidung unter einem berhangenden Felsen liegen. Sein
glnzender Helm mit dem prangenden Federbusche lag neben ihm, und der
Spie steckte darneben. Der Mann aber sah sehr bla aus, und der
Jngling wute nicht, ob er nur schlafe oder gar todt sey. Mitleidig
ging er zu ihm hin, fate ihn freundlich bey der Hand und sagte: Fehlt
euch etwas lieber Herr?

Der Mann schlug die Augen auf, blickte den Jngling starr an, seufzte,
und versuchte zu reden. Aber er konnte kein Wort hervorbringen. Da
deutete er mit der Hand auf den Mund, und dann auf den Helm, der neben
ihm lag. Fridolin verstand, da er trinken wolle, nahm den Helm, und
ging, Wasser zu holen. Ein paar graue Weidenbume tief in einem Winkel
der Schlucht verriethen ihm, da Wasser in der Nhe seyn msse. Er ging
hin, fand feuchten Grund, wand sich eine Strecke zwischen Felsen und
Gestruchen hinauf, und sieh -- da rann ein kleines Quellchen, hell wie
Kristall, aus einem moosigen Felsen hervor. Fridolin fllte den Helm,
und eilte dem Durstenden zu. Er trank fter und in langen Zgen. Nach
und nach kam ihm die Sprache wieder.

Gott sey Dank! war sein erstes Wort. Und auch dir sey Dank,
freundlicher Jngling, fuhr er mit heierer Stimme fort, indem er den
Kopf auf die Hand sttzte. Dich hat mir Gott zugesendet, damit ich
nicht verschmachte. -- Aber, wie mich jetzt hungert! Hast du nicht einen
Bissen Brot bei dir?

O du mein Gott, rief Fridolin, wenn ich es nur frher gewut htte.
Haberbrot und Ziegenkse, die ich da im Queersacke trug, sind rein
aufgezehrt. Doch halt, halt! rief er jetzt freudig aus, da habe ich ja
noch die Eyer. Die sind eine gesunde, nahrhafte Speise. Er setzte sich
zu dem Manne auf den reichlich mit Moos bewachsenen Boden, langte die
gefrbten Eyer hervor, machte sogleich eines von der Schale los, schnitt
es mit seinem Taschenmesser, gleich Aepfelschnitzchen, in lnglichte
Stcklein, und gab ein Stckchen nach dem andern dem Manne. Der Mann a
begierig, trank dann wieder dazwischen, und a dann wieder.

Fridolin wollte das dritte Ey auch aufklopfen. Aber der Mann sagte: La
es gut seyn. Zuviel auf einmal essen, besonders nachdem man lange
gehungert, ist nicht gut. Ich habe fr jetzt genug. So gut hat es mir in
meinem Leben noch nicht geschmeckt. Es war ein Knigsmahl. Ich fhle
mich, Gott sey Dank, schon krftiger, fuhr er fort und setzte sich
vollends auf. O wenn du nicht gekommen wrest, so wre ich diese Nacht
sicher verschmachtet.

Aber, sagte Fridolin, indem er den hellen Panzer und die Kleidung von
prchtigen Farben nher betrachtete, wie kommt ihr, edler Ritter, mit
eurem Pferde denn in diese schauerliche Schlucht herab?

Ich bin nur ein Edelknecht, sagte der Mann, und reise schon mehrere
Wochen in Angelegenheit meines Herrn weit umher. Da hab ich mich in
diesem waldigen Gebirge verirrt. Die Nacht berfiel mich. Auf einmal
strzte ich in der Finsterni, samt meinem Pferde, den steilen Abhang
dort herunter in diese Tiefe. Dem Pferde, das gut auf den Beinen ist,
geschah nichts. Aber ich habe mich da an dem Fue beschdigt, da ich
nicht mehr gehen, und mich nicht einmal mehr auf das Pferd schwingen
kann. Inde ists ein Wunder, da Mann und Ro nicht sogleich zu Grund
gingen. Ich kann Gott nicht genug danken! Ich verband mir die Wunde;
aber das Wundfieber setzte mir hart zu. Ich hatte mich schon darein
ergeben, zwischen diesen Felsen Hungers zu sterben. Da erschienst du
mir, guter Jngling -- wie ein Engel des Himmels. Sag doch an, wie
kommst du hieher in diese menschenleere, einsame Wste?

Fridolin erzhlte, und der Mann hrte aufmerksam zu, und that dazwischen
allerley Fragen. Wunderlich, sagte er, indem er auf die Eyerschaalen
zeigte, die auf dem Moose umherlagen, da sie so schn roth und blau
sind. Ich habe noch nie solche Eyer gesehen. Wie, la mich das Ey, das
noch ganz ist und das du wieder in den Queersack stecktest, doch einmal
nher betrachten!

Fridolin gabs ihm, und erzhlte, wie er dazu gekommen. Der Mann
betrachtete das Ey sehr aufmerksam, und die Thrnen drangen ihm in die
Augen. Mein Gott, sagte er, was da auf dem Ey steht, ist wohl recht
wahr: _Vertrau auf Gott, -- Er hilft in Noth._ Das habe ich jetzt
erfahren. Mit heier Inbrunst flehte ich in diesem Abgrunde zu Gott um
Hlfe, und Er hat mein Flehen erhrt. Seine Gte sey dafr dankbar
gepriesen. Gesegnet seyen die guten Kinder, die dir das Paar Eyer
schenkten. O sie dachten wohl nicht, da sie damit einem fremden Manne
das Leben retten wrden. Gesegnet sey die gute Frau, die auf dieses Ey
hier den trstlichen Reim schrieb.

Du, fuhr er fort, gib das Ey mir. Ich will es aufheben, damit ich den
schnen Spruch, der sich an mir so schn bewhrte, immer vor Augen haben
kann. Ja, meine Kinder und Kindeskinder sollen noch im Vertrauen auf
Gott gestrkt werden, so oft sie das Ey erblicken und den Spruch lesen.
Vielleicht erzhlen nach hundert Jahren meine Urenkel noch davon, wie
wunderbar Gott ihren Urgrovater durch ein Paar Eyer vom Hungertode
gerettet habe. -- Ich will dir fr die Eyer etwas anders geben. Er zog
seinen Geldbeutel heraus, und gab ihm fr jedes Ey, das er gegessen,
hatte, ein Goldstck -- fr das mit dem schnen Reim aber zwey. Fridolin
wollte ihm das Ey zwar nicht lassen. Der Mann aber bat so lange, bis er
es ihm gab.

Doch sieh, sagte der Mann jetzt, indem er an der Felsenwand hinauf
blickte, es will Abend werden, und die Felsen und Gestruche da oben
schimmern in der Abendsonne schon wie rothes Gold. Versuch es doch
einmal, mir auf das Pferd zu helfen. Der Weg, auf dem du herabkamst in
diese frchterliche Schlucht, wo die Sonne nie hinscheinet, lt mich
doch einen Ausgang hoffen.

Fridolin half ihm auf das Pferd, und fhrte es am Zgel. Sie kamen durch
den Hohlweg mit vieler Mhe, aber dennoch glcklich hinauf. O wie sich
da der Mann freute, als er die Sonne wieder erblickte, und Wald und
Gebirg umher, von ihren glhendrothen Strahlen herrlich beleuchtet.

Zu meinem Vetter, sagte Fridolin, kommen wir jetzt wohl noch. Ich
gehe einen starken Schritt und euer Pferd bleibt gewi nicht zurck. Der
Vetter wird euch mit Freuden aufnehmen. Er ist ein braver Mann. Ihr
findet nicht nur eine gute Nachtherberge, sondern sicher auch, bis ihr
wieder hergestellt seyd, eine liebreiche Pflege.

Mit anbrechender Nacht kamen sie vor der Htte des ehrlichen Steinhauers
an. Er nahm den Edelknecht mit Freuden auf, und klopfte seinem jungen
Vetter Fridolin auf die Schulter, da er so brav und gut gehandelt habe.
-- Fridolin trug seine Bedenklichkeit vor, da er nicht Wort halten und
seiner Mutter und seinen Geschwistern die gefrbten Eyer nicht senden
knne. Ach was, Eyer, sagte Fridolins Vetter, ich wei zwar nicht,
was du alles von rothen und blauen und bunten Eyern daher schwatzest,
oder was diese Eyer vor andern Vogeleyern, deren viele gewi noch weit
schner und zarter bemahlt sind, besonders haben sollen; aber wren sie
auch pures Gold, so wren sie dennoch wohl fort -- da nur der brave Mann
hier nicht hungers sterben durfte, und du einmal ein braver Kerl wirst.
Du hast gehandelt, wie der wohlthtige Samariter -- und ich will nun den
Wirth machen. Aber bezahlen darfst du mir nichts, setzte er noch
lchelnd hinzu. Hrst du?

Der Edelknecht zeigte das Ey mit dem Spruche. Es ist wunderschn,
sagte der Vetter zu Fridolin. Inde la ihm's nur; das Gold da wird
deiner Mutter lieber seyn. Komm, ich will es dir auswechseln! Der
Jngling erstaunte ber die Menge Mnze, die er dafr bekam; denn er
hatte das Gold nicht gekannt. Sieh, sagte der Vetter, auch an deiner
Mutter wird der Spruch wahr: _Gott hilft in Noth!_ Der Spruch ist mehr
werth, als all das Gold. Es ist inde gut, da man den Spruch auch ohne
das Ey merken kann. Vergi ihn daher dein Lebenlang nicht.

Der Edelknecht blieb so lange, bis er ganz gesund war, und beschenkte,
ehe er aufsa, noch alle im Hause reichlich.




                           Sechstes Kapitel.

          Ein Ey, das wirklich in Gold und Perlen gefat wird.


Den Frhling und Sommer ber fiel in dem Thale nichts besonders vor. Die
Kohlenbrenner bauten ihr kleines Feld und gingen fleiig in den Wald,
Kohlen zu brennen; ihre Weiber besorgten die Haushaltung und zogen viele
Hhner; und die Kinder fragten sehr oft, ob es wohl nicht bald wieder
Ostern sey. Die edle Frau aber war jetzt manchmal sehr traurig. Ihr
alter, treuer Diener, der sie hieher begleitet hatte, und anfangs von
Zeit zu Zeit bald grere, bald kleinere Reisen machte, und ihre
Geschfte besorgte, konnte das Thal schon lange nicht mehr verlassen.
Denn er fing an zu krnkeln. Ja, als es Herbst ward und die Gestruche
an den Felsen umher bereits bunte Bltter hatten, konnte er kaum mehr
vor die Thre, um sich, was er sonst so gerne that, ein wenig zu sonnen.
Die Frau vergo aus Mitleid mit dem guten, alten Manne, und aus
Besorgni, ihre letzte Sttze zu verlieren, manche stille Thrne. Auch
das fiel ihr sehr schwer, da sie nun durch ihn von ihrem Vaterlande
keine Nachricht mehr erhalten konnte, und in diesem abgelegenen Thale
von der ganzen brigen Welt wie abgeschieden war.

Um diese Zeit setzte aber noch ein anders Ereigni die gute Frau in
nicht geringe Aengste und Schrecken. Die Kohlenbrenner kamen eines
Morgens aus dem Walde heim, und erzhlten, als sie die vergangene Nacht
wohlgemuth bey ihren brennenden Kohlhaufen gesessen wren, da seyen auf
einmal vier fremde Mnner zu ihnen gekommen, die eiserne Kappen auf dem
Kopfe und eiserne Wammse angehabt, und groe Schwerter an der Seite und
lange Spiee in der Hand gefhrt htten. Sie htten sich Dienstleute des
Grafen von Schroffeneck genannt, der mit vielen Reisigen in dem Gebirge
angekommen sey. Sie htten sich auch nach allem in der Gegend wohl
erkundigt. Der Mller eilte mit dieser Neuigkeit sogleich zu der Frau,
die eben an dem Bette des kranken Kuno sa. Sie wurde, als der Mller
den Namen Schroffeneck nannte, todtenbleich, und rief: O Gott, der ist
mein schrecklichster Feind! Ich glaube nicht anders, als er stellt mir
nach dem Leben. Die Kohlenbrenner werden den fremden Mnnern meinen
Aufenthalt doch ja nicht entdeckt haben! Der Mller versicherte, so
viel er wisse, sey von ihr gar nicht die Rede gewesen. Die Mnner htten
sich an dem Feuer nur gewrmt und seyen gegen Tag wieder weiter
gegangen. Da sie aber noch in dem Gebirge umherstreifen, sey dennoch
gewi.

Lieber Oswald! sagte die Frau zum Mller, Ich habe, seit ihr mich in
euer Haus aufnahmet, euch immer als einen gottesfrchtigen,
rechtschaffenen, redlichen Mann kennen gelernt. Euch will ich daher
meine ganze Geschichte anvertrauen, und auch die groe Angst entdecken,
die jetzt mein Herz erfllt; denn auf euern guten Rath und auf euern
treuen Beystand mache ich sichere Rechnung.

Ich bin Rosalinde, eine Tochter des Herzoges von Burgund. Zwey
angesehene Grafen warben um meine Hand -- Hanno von Schroffeneck und
Arno von Lindenburg. Hanno war der reichste und mchtigste Herr weit
umher, und hatte viele Schlsser und Kriegsleute; allein er war nicht
gut und edel. Arno war wohl der tapferste und edelste Ritter im Lande;
allein im Vergleich mit Hanno arm; denn er hatte von seinem edlen,
uneigenntzigen Vater nur ein einziges alterndes Schlo geerbt, und war
auch gar nicht darauf bedacht, durch Gewalt mehrere an sich zu reien.
Ihm gab ich, mit Gutheien meines Vaters, meine Hand, und brachte ihm
eine schne Strecke Landes mit mehreren festen Schlssern zum
Brautschatze. Wir lebten so vergngt, wie im Himmel.

Hanno von Schroffeneck fate aber einen grimmigen Ha gegen mich und
meinen Gemahl, und wurde uns todtfeind. Inde verbarg er seinen Groll,
und lie ihn nicht in ffentliche Feindseligkeiten ausbrechen. Nun mute
mein Gemahl mit dem Kaiser in den Krieg gegen die wilden heidnischen
Vlker ziehen. Hanno htte den Zug auch mitmachen sollen. Allein unter
allerley Vorwnden wute er seine Rstungen zu verzgern, blieb zurck,
und versprach blos, dem Heere sobald mglich zu folgen. Whrend nun mein
Gemahl mit seinen Leuten an den fernen Grenzen fr sein Vaterland
kmpfte, und alle genug zu thun hatten, den bermchtigen Feind
abzuhalten, brach der treulose Hanno in unser Land ein -- und niemand
war, der sich ihm widersetzen konnte. Er verwstete alles weit umher,
und erstrmte ein festes Schlo nach dem andern. Mir blieb nichts brig,
als mit meinen zwey lieben Kindern heimlich zu entfliehen. Mein guter
alter Kuno war mein einziger Schutzengel auf dieser gefhrlichen Flucht,
auf der ich keinen Augenblick vor Hanno's Nachstellungen sicher war. Er
fhrte mich in dieses Gebirg, wo ich in diesem vor aller Welt
verborgenen Thale einen so ruhigen Aufenthalt fand.

Hier wollte ich nun weilen, bis mein Gemahl aus dem Kriege zurck
kommen, und unsre Habe dem unrechtmigen Besitzer wieder entreien
wrde. Von Zeit zu Zeit zog Kuno aus dem Gebirge in die bewohntere Welt,
Kunde von dem Kriege einzuholen. Allein immer kehrte er mit traurigen
Nachrichten zurck. Immer noch waltete der bse Hanno in unserm Lande,
immer noch dauerte der Krieg an den Grenzen mit abwechselndem Glcke
fort. Nun aber ist schon bald ein Jahr, da mein guter Kuno krank ist,
und seit der Zeit wei ich nichts mehr von meinem theuren Vaterlande,
und von meinem lieben Gemahl. Ach, vielleicht fiel er schon lange unter
dem Schwerte der Feinde! Vielleicht kam Hanno, der mir mit seinen Leuten
so nahe ist, meinem geheimen Aufenthalte auf die Spur -- und was wird
dann aus mir werden? Der Tod wre noch das Beste, was mir begegnen
knnte! --

O redet doch mit den Khlern, lieber Oswald, da sie mich doch nicht
verrathen! Was verrathen! sagte der Mller. Ich stehe euch gut fr
alle; jeder gbe sein Leben fr mich. Ehe der von Schroffeneck euch
etwas zu leid thun sollte, mte er es mit uns allen aufnehmen. Seyd
daher auer Sorgen, edle Frau! Eben so sprachen die Kohlenbrenner, als
ihnen der Mller die Sache vortrug. Er soll nur kommen, sagten sie,
dem wollen wir mit unsern Schrhacken den Weg weisen.

Die gute Frau brachte inde ihr Leben unter bestndigen Sorgen und
Aengsten zu. Sie getraute sich kaum mehr aus der Htte, und lie auch
keines ihrer Kinder vor die Thre. Ihr Leben war sehr betrbt und
kummervoll. Da es aber in dem Gebirge wieder ruhig wurde, und man von
den geharnischten Mnnern nichts mehr sah und hrte, wagte sie es
einmal, einen kleinen Spaziergang zu machen. Es war nach langem Regen
gar ein schner, lieblicher Tag spt im Herbste. Einige hundert Schritte
von ihrer Htte war eine Art lndlicher Kapelle. Sie war nur aus rohen
Tannenstmmen erbaut, und an der Vorderseite ganz offen. In der Kapelle
sah man die Flucht nach Aegypten, ein sehr liebliches Gemhlde, das Kuno
einmal von einer seiner Wanderungen mitgebracht hatte, die gute Frau
ber ihre eigene Flucht zu trsten. Hinter der Kapelle erhob sich eine
hohe Felsenwand, und vor der Kapelle standen einige schne Tannen, und
beschatteten den Eingang derselben. Das Pltzchen hatte noch etwas
Stilles und Trauliches, da man mit Wehmuth und Freude hier verweilte.
Ein angenehmer Weg ber grnen Rasen, zwischen mahlerischen Felsen und
Gestruchen fhrte dahin. Dies war ihr liebster Spaziergang. Sie ging --
nicht ganz ohne Bangigkeit -- auch dieses Mal dahin. Sie kniete mit
ihren Kindern einige Zeit auf dem Betstuhle am Eingange der Kapelle. Die
Aehnlichkeit ihres Schicksals mit dem der gttlichen Mutter, die auch
mit ihrem Kinde in ein fremdes Land flchten mute, rhrte sie, und
manche Zhre flo von ihren Wangen. Sie betete eine Zeit, und setzte
sich dann auf die Bank. Ihre Kinder pflckten inde an den Felsen umher
Brombeeren, freuten sich, da jede Beere gleichsam ein kleines,
glnzendschwarzes Trubchen bilde, und entfernten sich nach und nach
ziemlich weit.

Als nun die Frau so einsam da sa -- sieh, da kam ein Pilgersmann
zwischen den Felsen hervor und nherte sich der Kapelle. Er hatte nach
Art der Pilger ein langes, schwarzes Gewand an und einen kurzen Mantel
darber. Sein Hut war mit schnfarbigen Meermuscheln geziert, und in der
Hand fhrte er einen langen, weien Stab. Er war, wie es schien, schon
sehr alt, aber doch ein stattlicher, sehr wohlaussehender Mann. Seine
langen Haare, die auf beiden Seiten der Scheitel schlicht herab hingen,
und sein langer Bart waren wei wie Schleeblthe, aber seine Wangen noch
rther, als die schnsten Rosen. Die Frau erschrack, als sie den fremden
Mann sah. Er grte sie ehrerbietig und fing ein Gesprch mit ihr an.
Sie aber war in ihren Reden sehr vorsichtig und zurckhaltend. Sie
blickte ihn nur sehr schchtern an, als wollte sie ihn erst ausforschen,
ob sie ihm -- als einem ganz Fremden -- wohl auch trauen drfe.

Edle Frau, sagte endlich der Pilger, habt keine Furcht vor mir. Ihr
seyd mir nicht so fremd, als ihr denket. Ihr seyd Rosalinde von Burgund.
Ich wei auch gar wohl, was fr ein hartes Schicksal euch zwang,
zwischen diesen rauhen Felsen eine Zufluchtssttte zu suchen. Auch euer
Gemahl, von dem ihr nun schon drei Jahre getrennt seyd, ist mir recht
wohl bekannt. Seit ihr hier in dieser abgelegenen Gegend wohnet, hat
sich in der Welt vieles gendert. Wenn euch je noch daran liegt, von dem
guten Arno von Lindenburg zu hren, und das Andenken an ihn in eurem
Herzen noch nicht erloschen ist, so kann ich euch die frhlichsten
Nachrichten von ihm mittheilen. Es ist Friede! Mit Siegeskrnzen
geschmckt kehrte das christliche Heer zurck. Euer Gemahl hat seine
geraubten Festen wieder erobert. Der Bsewicht Hanno rettete sich mit
genauer Noth in dieses Gebirg, und auch aus diesem hat er sich schon
weiter flchten mssen. Der innigste Wunsch eures Gemahls ist nun, euch,
seine geliebte Gemahlinn, wieder aufzufinden.

O Gott! rief jetzt die Frau, welch eine Freudenbothschaft! O wie dank
ich Dir, lieber Gott! Sie sank auf die Knie, und reichliche Thrnen
flossen ber ihre Wangen. Ja, sprach sie, Du, guter Gott, hast meine
heien Thrnen gesehen, meine stillen Seufzer vernommen, mein
unaufhrliches Flehen erhrt! -- O Arno, Arno, da mir doch bald der
selige Augenblick wrde, dich wieder zu sehen, und dir deine Kinder, die
bey deiner Abreise noch ganz unmndig waren, vorzufhren, damit du nun
aus ihrem Munde das erste Mal den holden Vaternamen vernehmest!

Ja wohl zweifeln, du frommer Mann, sagte sie zum Pilger, ob ich
meines Gemahls noch gedenke -- ob nicht sein Andenken in meinem Herzen
erloschen? -- O meine Kinder, rief sie jetzt ihren zwey Kleinen zu, die
schchtern in einiger Entfernung standen, und den fremden Mann neugierig
betrachteten -- o kommt hieher! Beyde Kinder kamen eilig.

Du, Edmund, sprach sie jetzt zum Knaben, indem sie das Kind kte und
ermunterte, nicht scheu, sondern hbsch dreist zu seyn, sage dem Manne
hier das kleine Gebet, das wir alle Morgen fr den Vater beten. Der
Kleine faltete, als ob es allzeit so seyn mte, auch wenn man es nur
auswendig hersagte, andchtig die Hnde, und sprach mit sichtbarer
Rhrung, die Augen zum Himmel gerichtet, laut und mit Ausdruck: Lieber
Vater im Himmel! Sieh auf uns zwey arme Waislein herab! Unser Vater ist
im Kriege. O la ihn nicht umkommen! O wir wollen auch recht fromm und
gut seyn, damit der liebe Vater Freude habe, wenn er uns einmal
wiedersieht! Ach ja, erflle unsre Bitte!

Und du, Blanda, sagte sie zum gelblockigten Mdchen mit den
Rosenwangen, sag, wie beten wir Abends fr den Vater, ehe wir uns
schlafen legen? Das Kind faltete eben so wie der Knabe die kleinen
Hndchen, schlug die blauen Augen zum Himmel auf, und betete schchtern
mit sanfter, leiser Stimme: Lieber Vater im Himmel! Ehe wir zur Ruhe
gehen, flehen wir noch zu Dir fr unsern Vater auf Erde. La ihn sanft
ruhen und dein Engel beschtze ihn vor feindlichem Ueberfall. Schenke
auch der lieben Mutter sanften Schlaf, damit sie ihres tiefen Kummers
ein wenig vergesse. Oder wenn Du ihr auch den sen Schlaf entziehen
willst -- so la ihn auf die Augenlieder des Vaters sanft herabsinken. O
mchte dieser Abend der letzte unsrer traurigen Trennung seyn -- mchte
bald der frohe Morgen jenes Tages anbrechen, an dem wir ihn
wiedersehen!

Amen, Amen! sagte die Mutter, indem sie die Hnde faltete, und weinend
zum Himmel aufblickte. -- --

Jetzt fing der Pilger mit einem Male an laut zu weinen. In einem
Augenblicke hatte er die Verkleidung -- Haare und Bart, Pilgermantel und
Pilgerrock hinweg geworfen -- und stand nun in prchtiger, ritterlicher
Tracht, in Gold und Purpur, in jugendlicher Schnheit, voll Kraft und
Leben da, und breitete seine Arme weit gegen Frau und Kinder aus, und
rief mit lauter, tiefgerhrter Stimme: O Rosalinde, meine Gemahlinn --
o Edmund und Blanda, meine liebsten Kinder!

Die Frau war vom pltzlichen Freudenschrecken ganz betubt. Die Kinder,
die bey dem lauten Weinen des Pilgers eben zu ihrer Mutter aufgeblickt
hatten, als wollten sie um Hlfe fr den Mann flehen, schauten, als sie
jetzt ihren Namen hrten, um -- und erschracken ber das Wunder, das sie
zu sehen glaubten; denn sie meinten, da die Mutter ihnen fters aus der
Legende erzhlt hatte, nicht anders, als der Greis habe sich mit einem
Male in einen schnen Jngling des Himmels -- in einen Engel verwandelt;
so schn kam ihnen ihr Vater vor. Denn wirklich war er auch der schnste
Mann unter dem ganzen christlichen Heere. O wie entzckt waren sie, als
die Mutter ihnen nun sagte, der schne Herr sey ihr lieber Vater, von
dem sie ihnen so oft erzhlt habe. Vater und Mutter und Kinder fhlten
sich so glcklich, als wren sie schon im Himmel, und ein Paar Stunden
verschwanden ihnen wie ein Paar Augenblicke.

Rosalinde hatte aus den Reden ihres Gemahls vernommen, da er unter
starker Bedeckung spornstreichs hieher geritten sey, um sie hier
abzuholen; da er aber wegen der steilen, gefhrlichen Felsenwege sein
Gefolge von Reitern zurckgelassen habe, und in Pilgertracht, deren sich
die Vornehmen damals oft bedienten, wenn sie unbekannt reisen wollten,
zu Fue vorausgeeilt sey, schneller bey ihr zu seyn, sich unter dieser
fremden Gestalt von ihrem Wohlbefinden und von dem Wohlverhalten seiner
Kinder zu berzeugen, und sie auf seinen Empfang vorzubereiten.
Rosalinde fragte, wie es gekommen sey, da er ihren Aufenthalt so sicher
erfahren habe.

O Rosalinde, sagte er, unser Wiedersehen ist die Frucht deiner
Wohlthtigkeit gegen die armen Leute, besonders gegen die Kinder in
diesem Thale. Darum hat Gott deinen Kindern den Vater wieder geschenkt.
Ohne diese deine wohlthtigen Gesinnungen htten wir uns nicht so bald,
ach vielleicht gar nicht mehr gesehen! Denn berall warest du von unsren
Feinden umgeben, und leicht httest du in ihre Hnde fallen knnen. Erst
nachdem ich mit meinen Leuten im Gebirge angekommen war, entfloh Hanno
mit den Seinigen ber alle Berge. Sieh da, sprach er, und zeigte ihr
das gefrbte Ey mit dem Spruche: _Vertrau auf Gott, Er hilft in Noth!_
Dieses Ey ward in der Hand Gottes das Mittel, uns wieder zu vereinigen.
Ich hatte lange Zeit her Leute ohne Zahl ausgesendet, dich zu suchen --
aber immer vergebens. Da kam einmal Eckbert, einer meiner Edelknechte,
den ich schon fr verloren hielt, weil er mir gar lange ausblieb, von
einem Ritte zurck. Er war in einen Abgrund gestrzt, und wre da bald
verhungert. Ein fremder Jngling rettete ihn mit einem Paar Eyer vom
Hungertode, und lie ihm noch obendrein dieses Ey mit dem schnen
Spruche zum Andenken an seine Rettung. Eckbert zeigte mir das Ey. Aber,
lieber Himmel, wie erstaunte ich! Auf den ersten Blick erkannte ich
deine Hand. Augenblicklich saen wir auf, und ritten dem groen
Marmorbruche zu, in dem der gute Jngling arbeitete. Dieser zeigte mir
den Weg hieher. Httest du den schnen freundlichen Gedanken nicht
gehabt, den Kindern mit den bunten Eyern ein Fest zu machen; httest du
bey den leiblichen Wohlthaten nicht auf den Geist so schn Bedacht
genommen, und die schnen Denkreime nicht auf die Eyer geschrieben,
wret ihr alle -- du mein lieber kleiner Edmund da, und du meine kleine
holde Blanda hier, gegen einen fremden Jngling nicht so wohlthtig
gewesen: o so wre uns der heutige Freudentag nicht geworden. Auf jeder
milden Gabe -- sie sey auch noch so klein -- ruht doch immer der Segen
des Hchsten, wenn sie aus reinem Herzen und ohne Hoffnung einer
Vergeltung gegeben wird. Sie ist ein Samenkorn, das reichliche Frchte
trgt. Unter Gottes Leitung bringt sie uns oft auf Erden schon groes
Heil. Merkt euch das euer Leben lang, ihr lieben Kinder! Gebt den Armen
gerne, sucht andern einen frohen Tag zu machen, gleicht eurer Mutter!
Helft andern aus der Noth, und euch wird auch geholfen werden! Erbarmet
euch, und ihr werdet auch Erbarmen finden. Freudig werdet ihr dann auf
Gott vertrauen knnen, und die felsenfeste Wahrheit auf der
zerbrechlichen Eyerschale da, die heute so schn in Erfllung ging, wird
auch fernerhin an euch herrlich in Erfllung gehen. Er wird euch nie
ohne Hlfe lassen. -- Die seht ihr aus dieser Geschichte. In Gold und
Perlen werde ich dehalb dieses Ey fassen, und zum steten Andenken in
unsrer Burgkapelle am Altare aufhngen.

Inde war es Abend geworden, und schon glnzte hie und da ein Sternlein
am klaren Himmel. Graf Arno ging mit seiner Gemahlinn am Arme ihrer
lndlichen Wohnung zu, und die zwey Kleinen gingen voraus. Hier
erwartete sie neue Freude. Der Edelknecht und Fridolin, sein Erretter,
waren hier und hatten sich inde mit Kuno unterhalten, den die Ankunft
seines geliebten Herrn schon fast gesund gemacht hatte. Der gute
Jngling Fridolin, dem die Grfin die Eyer geschenkt hatte, kam zuerst
herbey, und grte sie und die Kinder als alte Bekannte auf das
freundlichste und freudigste. Dann trat Eckbert, der Edelknecht, den die
Eyer vom Hungertode gerettet hatten, ehrerbietig herbey und sagte: Lat
mich, theure Grfin, die wohlthtige Hand kssen, die mir unter Gottes
Leitung das Leben rettete. Den braven Kuno umarmte der Graf als seinen
treusten Diener, und auch dem wackern Mller, der festlich geputzt in
seinem hellblauen Sonntagsrocke dastand, schttelte er mit dankbarer
Rhrung treuherzig die Hand. Sie speisten den Abend alle zusammen und
waren von Herzen frhlich und vergngt.

Am andern Morgen aber war groer Jubel im ganzen Thale. Die Nachricht,
der Gemahl der guten Frau, ein vornehmer -- vornehmer Herr, sey
angekommen, setzte alles in Bewegung. Gro und Klein kam herauf, ihn zu
sehen, und die kleine Htte ward ganz von Leuten umringt. Der Graf trat
mit seiner Gemahlinn und seinen Kindern heraus und grte die Leute auf
das liebreichste, und dankte ihnen fr alles Gute, das sie seiner
Gemahlinn und seinen Kindern erwiesen htten. O nicht wir sind ihre
Wohlthter, sagten die Leute mit Thrnen in den Augen, sie ist unsre
grte Wohlthterinn! Der Graf unterhielt sich lange mit den guten
Leuten, und sprach mit einem jeden aus ihnen, und alle waren ber seine
Freundlichkeit entzckt. Inde hatte das Gefolg des Grafen, mit Hlfe
einiger Kohlenbrenner einen Weg in das Thal gefunden. Unter dem Klange
der Trompeten kamen mehrere Ritter, und eine Menge Knappen zu Pferd und
zu Fu zwischen zwey waldigen Bergen hervor, zogen in das Thal herein,
und ihre Helme und Spiee leuchteten im Glanze der Sonne wie Blitze.
Alle begrten ihre wiedergefundene Gebietherinn mit hoher Freude -- und
ihr Freudenruf hallte rings von den Felsen zurck.

Graf Arno blieb noch ein Paar Tage hier; am Abende, bevor er mit seiner
Gemahlinn und seinen Kindern, mit Kuno und dem brigen Gefolge abreiste,
gab er noch allen Bewohnern des Thales eine groe Mahlzeit. Der Mller
und die Khler saen zwischen Rittern und Knappen, und die Tafel sah
sehr bunt aus. Am Ende der Mahlzeit beschenkte der Graf seine lndlichen
Gste, vorzglich den Mller, noch sehr reichlich. Martha blieb in den
Diensten der Grfinn. Fr die Mutter und Geschwister des guten Jnglings
Fridolin sorgte er noch ganz besonders. Zu den Kindern der Khler aber
sagte er: Fr euch, ihr lieben Kleinen, will ich zum Andenken an den
Aufenthalt meiner Gemahlinn unter so guten Leuten eine kleine Stiftung
machen. Jedes Jahr sollen auf Ostern allen Kindern Eyer von allen Farben
ausgetheilt werden. Und ich, sprach die gute Grfinn, will diesen
Gebrauch in unsrer ganzen Grafschaft einfhren, und dort zum Andenken
meiner Befreyung alle Jahre auf Ostern gefrbte Eyer unter die Kinder
austheilen lassen. Die geschah auch. Die Eyer nannte man Ostereyer,
und die schne Sitte verbreitete sich nach und nach durch das ganze
Land.

Die Leute an andern Orten, die den Gebrauch nachmachten, sagten: Die
Erlsung der guten Grfinn aus ihrem Felsenthale und jenes Edelknechtes
aus dem Abgrunde vom nahen Tode, geht uns zwar nicht so nahe an, ihr
Andenken jhrlich zu feiern. Die bunten Eyer sollen daher unsre Kinder
an eine grere, herrlichere Erlsung erinnern, die uns _sehr nahe_
angeht -- an unsre Erlsung von Snde, Elend und Tod, durch Denjenigen,
der vom Tode auferstand. Das Osterfest ist das rechte Erlsungsfest --
und die Freude, die wir da den Kindern machen, ist ganz dem Sinne des
Erlsers gem. Die Liebe, die gerne gro und klein erfreut, ist ja die
Summe seiner heiligen Religion, und das schnste Kennzeichen seiner
wahren Verehrer. Ja, die Sitte, den Kindern Eyer zu schenken, kann auch
den Aeltern und allen Menschen eine schne Erinnerung an die Vaterliebe
Gottes gegen uns Menschen, gleichsam ein Pfand der wohlwollenden
Gesinnungen seines treuen Vaterherzens seyn. Denn der Mund der Wahrheit
hat es ja selbst gesagt: Wo ist unter euch ein Vater, der seinem Sohne,
der ihn um ein Ey bittet, einen Skorpion geben knnte? Wenn nun ihr
euren Kindern gute Gaben zu geben wit, wie viel mehr wird euer Vater im
Himmel denen, die Ihn darum bitten -- (die beste aller Gaben) den guten
Geist geben?




Anmerkungen zur Transkription


Die Schreibweise der Buchvorlage wurde weitgehend beibehalten.
Offensichtliche Fehler wurden korrigiert wie hier aufgefhrt
(vorher/nachher):

   [S. 5]:
   ... armen Kohlenbrenner. Das enge Thal war ...
   ... arme Kohlenbrenner. Das enge Thal war ...

   [S. 16]:
   ... wunderlich er den Schweif trgt, fast wie ein ...
   ... wunderlich er den Schweif trgt, fast wie eine ...

   [S. 20]:
   ... merken konnten, das ich ihnen nichts zu leid ...
   ... merken konnten, da ich ihnen nichts zu leid ...

   [S. 24]:
   ... aufgetragen. Kuno brachte ein Teller voll ...
   ... aufgetragen. Kuno brachte einen Teller voll ...

   [S. 29]:
   ... abbildeten, und ihnen ein unvergleichlich schnen ...
   ... abbildeten, und ihnen ein unvergleichlich schnes ...

   [S. 29]:
   ... schner Frhlingtag -- ein wahrer Auferstehungstag ...
   ... schner Frhlingstag -- ein wahrer Auferstehungstag ...

   [S. 50]:
   ... Ereigni die gute Frau in nicht geringe Aengsten ...
   ... Ereigni die gute Frau in nicht geringe Aengste ...

   [S. 54]:
   ... wagte er es einmal, einen kleinen Spaziergang ...
   ... wagte sie es einmal, einen kleinen Spaziergang ...

   [S. 56]:
   ... ob sie ihm -- als einen ganz Fremden -- ...
   ... ob sie ihm -- als einem ganz Fremden -- ...

   [S. 60]:
   ... ber das Wunder, da sie zu sehen glaubten; ...
   ... ber das Wunder, das sie zu sehen glaubten; ...

   [S. 64]:
   ... dankte ihnen fr alles Gute, da sie seiner ...
   ... dankte ihnen fr alles Gute, das sie seiner ...






End of the Project Gutenberg EBook of Die Ostereyer, by Christoph von Schmid

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or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or
additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any
Defect you cause.

Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of
computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
from people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
www.gutenberg.org



Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
volunteers and employees are scattered throughout numerous
locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
date contact information can be found at the Foundation's web site and
official page at www.gutenberg.org/contact

For additional contact information:

    Dr. Gregory B. Newby
    Chief Executive and Director
    gbnewby@pglaf.org

Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment. Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements. We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
state visit www.gutenberg.org/donate

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations. To
donate, please visit: www.gutenberg.org/donate

Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
freely shared with anyone. For forty years, he produced and
distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
volunteer support.

Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
edition.

Most people start at our Web site which has the main PG search
facility: www.gutenberg.org

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including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
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