Project Gutenberg's Reisen in den Philippinen, by Andreas Fedor Jagor

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Title: Reisen in den Philippinen

Author: Andreas Fedor Jagor

Release Date: October 19, 2016 [EBook #53322]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK REISEN IN DEN PHILIPPINEN ***




Produced by Jeroen Hellingman and the Online Distributed
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                                 REISEN
                                 IN DEN
                              PHILIPPINEN

                                  VON

                                F. JAGOR

              MIT ZAHLREICHEN ABBILDUNGEN UND EINER KARTE.



                                 BERLIN
                       WEIDMANNSCHE BUCHHANDLUNG.
                                 1873.








VORWORT.


Die Reise, von der die folgenden Bltter berichten, wurde in den
Jahren 1859 und 1860 unternommen, durch unvorherzusehende Umstnde
aber pltzlich abgebrochen, lange bevor die gesteckten Ziele erreicht
waren. Der Wunsch, das Begonnene spter fortzusetzen, ging nicht in
Erfllung, veranlasste aber zu weiteren Studien, die dem Verfasser
manchen wenig bekannten Stoff lieferten und zugleich zeigten wie
sprlich und ungenau die Nachrichten ber jenes schne Land sind,
besonders ber die Provinzen in denen er am lngsten verweilte.

Einige werthvolle Mittheilungen vorzglich ber Verwaltung, Steuer- und
Zollwesen verdankt der Verfasser dem spanischen Kolonialministerium,
das ihm bereitwillig die Benutzung seines Archives gestattete;
namentlich war ihm bei Entwurf der Geschichte des Handels, des Tributes
und der Tabakregie eine dort vorgefundene Denkschrift von D. Ormacheo:
Apuntes para la razon general, von Nutzen. Auch die Berliner und
Londoner Bibliotheken lieferten manchen Stoff, der z. Th. mhsam aus
dickleibigen den Mnchschroniken herausgelesen werden musste. So
hufte sich umfangreiches Material, woraus die nachstehenden Bltter
das Wesentlichste in gedrngter Krze mittheilen.

Dem eigentlichen Reiseberichte liegen ausfhrliche an Ort und
Stelle gemachte Aufzeichnungen zu Grunde. Nach einem so langen
Zeitraum erschien es um so nthiger, sich streng daran zu halten,
da das Gedchtniss gern ihm anvertraute Eindrcke und Erlebnisse zu
farbigen Bildern und interessanten Abenteuern umgestaltet, hier aber
nicht sowohl Unterhaltung als treue Schilderung beabsichtigt wird.

Einiges, besonders aus dem zwanzigsten Kapitel ist bereits in Bastian
und Hartmann's Zeitschrift fr Ethnologie mitgetheilt worden.

Den wissenschaftlich werthvollsten Theil des Buches bilden zwei
Abhandlungen, welche der Verfasser der Freundschaft der Herren
Professoren Roth und Virchow verdankt.

Wenige Lnder der Welt sind so unbekannt und werden so selten besucht
wie die Philippinen und doch ist keines angenehmer zu bereisen, als
jenes verschwenderisch ausgestattete Inselreich; kaum irgendwo findet
der Naturforscher eine grssere Flle ungehobener Schtze. Unbemittelte
wrden aus dem Verkauf von Sammlungen ihre Reisekosten reichlich
decken.





DRUCKFEHLER.


    Seite 145 Z. 10 v. unten lies: Rayray statt Ragay.
     ,,   173 Z. 15 v. unten lies: Oberleib statt Unterleib.
     ,,   210 Anm. lies: Bd. XXV. 2269 statt 2269.








INHALT.


                                                                  Seite

    Vorrede                                                            V
    Verzeichniss der Bilder                                           XI
    Aussprache der Fremdwrter                                      XIII
    Erklrung hufig vorkommender Fremdwrter                        XIV
    Maasse, Gewichte, Mnzen                                         XVI


    Erstes Kapitel.

    Einleitende Bemerkungen.

        Meridiandifferenz, Handelsgebiet der Philippinen, Theilung
        der Erde, erster Anblick Manila's, Erdbeben                    1


    Zweites Kapitel.

        Rhede, Zollwesen, Geschichte des Handels, spanische
        Kolonialpolitik, Reisen der Galeonen                           7


    Drittes Kapitel.

        Manila, Leben in der Stadt und in den Vorstdten,
        Hahnenkmpfe, Trachten der verschiedenen Klassen              18


    Viertes Kapitel.

        Stellung der Europer und Eingeborenen in englischen,
        hollndischen und spanischen Kolonien, Einfluss der
        spanischen Kolonialpolitik auf die Sitten der Eingeborenen,
        Bequemlichkeit des Lebens, Kokospalme, Bambus                 27


    Fnftes Kapitel.

        Geographisches, Meteorologisches, politische Eintheilung,
        Volksmenge, Sprachen                                          39


    Sechstes Kapitel.

        Reise in Bulacan, hufige Feuersbrnste, Fruchtbarkeit,
        Fischfang, Zigarrentaschen, spanische Priester,
        Gastfreiheit, Rubereien                                      45


    Siebentes Kapitel.

        Provinz Laguna, Bancafahrt, Barren des Pasig, See von Bay,
        Maare bei Calauan, Palmenwein, Reisen ohne Diener, Vulkan
        Majaijai, Bffelfahrt                                         55


    Achtes Kapitel.

        Seereise nach Albay, Mariveles, Schifffahrt zwischen den
        Inseln, San-Bernardino-Strasse, Vulkan Bulusan, Legaspi,
        Sorsogon                                                      63


    Neuntes Kapitel.

        Der Vulkan Mayon oder Albay und seine Ausbrche               69


    Zehntes Kapitel.

        Cacao, Kaffee, Kirchweihfest, Leben in Daraga                 76


    Eilftes Kapitel.

        Reise nach Bulusan und Sorsogon, Strassenbau, Seeruber       87


    Zwlftes Kapitel.

        Reisen in Sd-Camarines, Gliederung der Provinz, spanische
        Priester, Alkalden und Mandarine                              94


    Dreizehntes Kapitel.

        Reisen in Sd-Camarines, (Fortsetzung), Batu-See, indische
        Priester, Niederlassung von Wilden, Feier der Kreuzbulle,
        Buhi-See, Vulkan Yriga, Ananasfasern, Pfeilgift, Blutegel,
        Solfatare Ygabo, Kieselsprudel von Tibi                      103


    Vierzehntes Kapitel.

        Lebensweise und Sitten der Bicolindier                       118


    Funfzehntes Kapitel.

        Vorgeschichtliche Ueberreste, hoher Werth alter Gefsse,
        Tropfsteinhhlen im Yamtik, Reisen in Nord-Camarines,
        Bergbau, Gold, Bleiglanz, Rothblei, Kupfer, Httenprozess
        der Ygorroten, essbare Vogelnester                           133


    Sechszehntes Kapitel.

        Reise lngs der Kste von Camarines, Andringen des Meeres,
        zerstrter Palmenwald, Pasacao, schlechte Strassen           152


    Siebenzehntes Kapitel.

        Der Ysarog und seine Bewohner                                161


    Achtzehntes Kapitel.

        Ersteigung des Yriga und des Mazaraga, See- und
        Strassenruber, Wasserpflanzen von Berlin nach den
        Philippinen, mein Diener Pepe                                176


    Neunzehntes Kapitel.

        Reisen in Samar, Wetter, Beamtenwahl, Nordkste,
        Catbalogan, Flattermakis, Schlangenbndiger,
        Tertirversteinerungen, Stromschnellen des Loquilocun,
        Gespensterthier                                              185


    Zwanzigstes Kapitel.

        Reisen in Samar, Fortsetzung, Sdsee-Insulaner durch
        Strme verschlagen, Todtenhhlen und Leichenbestattung
        der alten Bisayer, Krokodile, Ignazbohne, Kokosl            203


    Einundzwanzigstes Kapitel.

        Insel Leyte, Heuschrecken, Solfatare, Schwefelgewinnung,
        Bitosee, Krokodile                                           218


    Zweiundzwanzigstes Kapitel.

        Lebensweise und Sitten der Bisaya-Indier                     227


    Dreiundzwanzigstes Kapitel.

        Die neuen Zollhfen, Steinkohle in Cebu, Yloilo.
        Aufschwung des Zuckerbaues                                   239


    Vierundzwanzigstes Kapitel.

        Abaca oder Manila-Hanf                                       245


    Fnfundzwanzigstes Kapitel.

        Das Tabakmonopol                                             257


    Sechsundzwanzigstes Kapitel.

        Die Chinesen                                                 271


    Siebenundzwanzigstes Kapitel.

        Kurzer Abriss der Geschichte, Schlussbetrachtungen           280


    ANHANG.

    Kopfsteuer und Frohnden                                          293
    Brgerliche Einrichtungen                                        298
    Ueber den Bodenkredit                                            303
    Die gemeinntzige Gesellschaft der Landesfreunde                 307
    Einfhrung der Opium-Regie                                       309
    Beschreibung der Schiffe, Barangay genannt, die bei Ankunft
    der Spanier in Gebrauch waren                                    311
    Das tagalische Vater Unser                                       312
    Das neue Zolldekret                                              312
    Handel mit China vor Ankunft der Spanier                         314
    Handel mit China nach Ankunft der Spanier                        315
    Flcheninhalt der grsseren Inseln des philippinischen
    Archipels                                                        317
    Uebersichtstabelle der meteorologischen Verhltnisse             318
    Uebersicht der Volksmenge, der Ortschaften u. s. w. in den
    Philippinen                                                      320
    Gleichzeitiger Ausbruch dreier Vulkane 1641                      323
    Zustze und Berichtigungen                                       329
    Abgekrzt zitirte Schriften                                      331
    Ueber die geologische Beschaffenheit der Philippinen von
    J. Roth                                                          333
    Ueber die lteren und neueren Bewohner der Philippinen von
    Rudolf Virchow                                                   335
    Index                                                            378
    Karte des sdlichen Theiles von Luzon und benachbarter Inseln.








VERZEICHNISS DER BILDER.


Um den Grad der Genauigkeit der einzelnen Bilder beurtheilen zu knnen,
ist durch Buchstaben die Art ihrer Herstellung angegeben.


    c    =   Camera lucida,
    p    =   Pause,
    ph   =   Photographie,
    r    =   reduzirt durch Camera lucida oder auf mechanischem Wege.
    t    =   Originalzeichnung eines Tagalen.
    z    =   freie Handzeichnung.


Der erste Buchstabe bezieht sich auf die Originalzeichnung, der
folgende auf die Reproduktion.

                                                                   Seite

    Barre des Pasig, Manila c. r.                                      7
    Lastboot (Casco) t. r.                                            17
    Haus mit Azotea am Pasig z. z.                                    18
    Bambushaus in der Vorstadt Trozo c. r.                            20
    Tagalin ph. r.                                                    24
    Tagalen ph. r.                                                    25
    Elegante t. r.                                                    25
    Kleines tagalisches Mdchen ph. p.                                26
    Leben am Wasser (ph. c. z.) z.                           zu Seite 34
    Bambus z. p.                                                      35
    Verarbeitung des Bambus                                           36
    Floss mit Senknetzen (Salambau) c. r.                             37
    Fischerhtten bei Bulacan z. r.                                   45
    Berg Arayat z. r.                                                 47
    Zubereitung der Zigarrentaschen z.                                48
    Negrita (von Panay) ph. r.                                        51
    Aussicht von Jalajala auf die Insel Talim c. r.                   52
    Vulkan Maquiling von ONO. z.                                      54
    Kirche und Convento, Majaijai c. r.                               58
    Insel Talim mit dem Pik Soson-dalga von Majaijai c. r.           59
    Vulkan Majaijai c. r.                                    zu Seite 61
    Negrito von Mariveles c. r.                                       63
    Tagalin in einer Hngematte z. z.                                 64
    Vulkan Bulusan z. r.                                     zu Seite 66
    Vulkan Mayon c. r.                                       zu Seite 69
    Krater des Mayon z. p.                                            70
    Zigarrentaschen-flechten z. z.                                    84
    Bcol-Naturforscher bei Regenwetter z. r.                         86
    Stamm eines Feigenbaumes bei Bacon c. r.                          88
    Dorfglocke in Camarines z. z.                                     96
    Dorf Batu c. r.                                                  103
    Wilde vom Yriga c. z.                                   zu Seite 106
    Vulkan Yriga von OSO. c. r.                                      110
    Vulkan Yriga von SW. c. r.                                       111
    Vulkan Malinao c. r.                                             114
    Kieselsprudel bei Tibi c. r.                                     114
    Der weisse Kegel c. r.                                           115
    Der rothe Kegel c. r.                                            117
    Pavava, eine Art Karren c. r.                                    118
    Der Pflug (Arado) und seine Bestandtheile c. r.                  120
    Ackergerth der Bicol-Indier c. r.                               121
    Reismesser z.                                                    121
    Thongefss aus einer Muschelschicht z.                           134
    Gebirge Bacacay von der Barre von Daet c. r.                     139
    Indierin die Bulaquea tanzend z. r.                             140
    Kastell gegen Seeruber c. r.                                    141
    Nester von Collocalia troglodytes c. r.                          143
    Kupferner Kessel c.                                              146
    Gebirge Bacacay vom Tribunal von Labo c. r.                      150
    Der Pik Colasi von der Visita Colasi z. r.                       153
    Der Pik Colasi von der Visita Lalauigan z. r.                    153
    Palmenwald durch die Brandung zerstrt z. r.                     155
    Vulkan Ysarog c. r.                                     zu Seite 161
    Glockenturm von Calabanga c. r.                                  164
    Weberin vom Ysarog c. r.                                         166
    Bogen und Pfeile der Ygorroten vom Ysarog c. r.                  169
    Ygorrote vom Ysarog c. p.                                        170
    Ygorroten-Mdchen vom Ysarog c. p.                               171
    Cuadrillero z. z.                                                174
    Schiffahrt durch Sumpf z. z.                                     176
    Mazaraga c. r.                                                   178
    Aussicht vom Mazaraga c. p.                             zu Seite 178
    Spanisch-tagalische Mestizin ph. p.                              184
    Lauang c. r.                                                     187
    Gobernadorcillo und Alguacil t. r.                               189
    Kleines Bisaya-Mdchen z. z.                                     192
    Boot mit Ausriggern c. r.                                        193
    Visita Loquilocun c. r.                                          199
    Felsen im Meer bei Nipa-nipa z. z.                               207
    Srge c. r.                                                      209
    Buyohndlerin t. r.                                              217
    Hafen von Tacloban z. r.                                         218
    Gebirge in Leyte c. r.                                           220
    Htte im Krater des Kasiboi c. r.                                221
    Htte auf einem Baum z. z.                                       223
    Bisaya-Indierin z. z.                                            227
    Alte Indierin rauchend t. r.                                     270
    Schiff aus dem 17. Jahrhundert z. z.                             290
    Schdel r. Tafel 1.                                     zu Seite 355
    Schdel r. Tafel 2.                                     zu Seite 375
    Negritos vom nrdlichen Luzon ph. p.                    zu Seite 375








AUSSPRACHE DER FREMDWRTER.


Die spanischen und einheimischen Wrter, meist Ortsnamen, sind nach
spanischer Weise geschrieben. Die Aussprache ist wie im Deutschen,
mit folgenden Abweichungen:


    spanisch c  vor e und i wie th   englisch, aber schrfer.
       ,,    ch             wie tsch deutsch.
       ,,    g  vor e und i wie ch      ,,
       ,,    gu             wie g       ,,
       ,,    j              wie ch      ,,
       ,,    ll fast        wie j       ,,
       ,,                  wie nj      ,,
       ,,    qu             wie k       ,,
       ,,    s              wie ss      ,,    auch mitten im Wort.
       ,,    v         fast wie b.
       ,,    y  vor Vokalen wie j       ,,
       ,,    y  vor Konsonanten wie i.
       ,,    z  wie c vor e und i.


In den philippinischen Namen ist e von i, o von u kaum zu
unterscheiden.

In mehrsilbigen Wrtern ist der Tonfall meist durch einen Accent
angedeutet worden.








ERKLRUNG EINIGER HUFIG WIEDERKEHRENDER FREMDWRTER.


Abac = Manila-Hanf, Faser der Musa textilis s. S. 245.

Alkalde, Guvernr einer Provinz s. S. 100 Anm.

Bnca, kleines Boot.

Barangy, Gruppe von 40 bis 50 Familien unter Verwaltung eines Cabeza
s. S. 292.

Blo, grosses Waldmesser.

Byo, ein Stck Arecanuss, eingefasst von einem mit gebranntem Kalk
bestrichenen zusammengerollten Blatt Betelpfeffer s. S. 126 Anm.

Cabza, Haupt, Huptling.

Casa rel, Wohnung des Alkalden oder Guvernrs, auch = Tribunal
s. S. 50.

Camte, ssse Kartoffel, Convolvulus Batatas s. S. 122.

Castla, werden die Spanier, auch wohl die Europer im Allgemeinen
genannt.

Cimarrn, in Freiheit lebender Eingeborener s. S. 106.

Convnto, Wohnhaus des Pfarrers, nicht Kloster.

Cuadrillro, Steuersoldat, Polizeisoldat.

dM. = M.

Estnco, Laden in welchem von der Regierung monopolisirte Artikel
verkauft werden.

Fala, Feluke.

Gbi, Caladium sp. div. mit essbaren Knollen.

Gobernadorcllo (Guvernrchen), Dorfschulze s. S. 189.

Guinra, Gewebe von Abac.

Hacinda, Landgut, die Finanzverwaltung, der Staatsschatz.

Indier, Indios, werden die Eingeborenen im Allgemeinen, besonders
aber die der spanischen Herrschaft unterworfenen im Gegensatz zu den
Cimarronen genannt.

L, Lgua Wegstunde, (20 = 1 des Aequators).

, Pfund Sterling.

M, Meile, (15 = 1 des Aequators).

Polsta, Frohnarbeiter.

Plos, Frohnden s. S. 292.

Publo, Ortschaft.

Principala, inlndischer Adel.

R. C., Rel Cdula, Knigliches Handbillet.

R. D., Rel Decrto, vom Suvern selbst unterschrieben.

R. O., Rel rden, nur vom Minister gezeichnet.

Sya, Frauenrock von der Hfte zum Knchel reichend.

Sm., Seemeile (60 = 1 des Aequators).

Sndang, Waldmesser.

Tpis, ein um den oberen Theil der Saya gewundenes Tuch.

Teninte, Lieutenant.

Tribunl, auch Casa real genannt, Gemeindehaus.

Tribto, Kopfsteuer.

Tba, gegohrener Palmensaft.

Vista, Filial einer Pfarre.








MAASSE, GEWICHTE UND MNZEN.


Seit Januar 1862 gelten in den Philippinen die folgenden Maasse,
Gewichte und Mnzen.


Lngenmaasse:

1 Braza = 1 Doppelvara von Burgos = 1,671 Meter (= 5,3205 Rh.-Fuss)
1 Vara  = 1 Vara (Elle) desgl.    = 0,835 Meter (=   2,66 Rh.-Fuss)
1 pi   = 1 pi (Fuss) desgl.     = 0,278 Meter (=   0,89 Rh.-Fuss).


Wegemaasse:

1 Legua (L.) sehr nahe 20,000 pis = 3 Seemeilen (Sm.) 20 L. =
60 Sm. = 15 geogr. oder deutsche Meilen (M.) = 69 engl. Meilen =
111,1 Kilometer.


Feldmaasse:

1 Quion, (spr. Kinin) = 10 Balstas = 100 Lones = 10,000 Brzas
cuadrdas = 27949,486 Quadrat-Meter = 2,79495 Hektar. 1 Hektar =
3577,833 Brazas cuadrdas = 0,35778 Quiones = 3,5778 Balistas =
35,778 Lones.

Die hier zu Grunde gelegte Braza cuadr. ist die von 4 Varas cuadr. de
Burgos. 1 Quion = 10,946, also sehr nahe = 11 preuss. Morgen).


Getreidemaasse:

1 Cabn (Cavn) = 25 Gntas = 200 Chpas = 800 Apatnes = 75 Liter =
1,35132 Fangas de Castilla.

Von 1. Januar 1862 gilt der am 1. Januar 1860 in Manila eingefhrte
Caban als gesetzliches Maass fr alle Provinzen. Er misst genau 75
Liter oder in Form eines Wrfels 422 mm. innerer Seite, oder 5990,96
span. Kubikzoll. (Der Caban von 1859 hatte 80,00919 Liter.)

(1 Ganta = 3 Liter, 1 Preuss. Metze = 3 Quart. 1 Ganta verhlt sich
also zu 1 preuss. Metze (= 1/16 Scheffel) genau wie 1 Liter zu 1
Quart. 1 Caban = 1,362 Scheffel. 1 Caban Reis wiegt 128 bis 137
Pf. span. = 59 bis 63 Kilogr.


Flssigkeitsmaasse:

1 Ganta = 8 Chupa = 3 Liter.

Die Tinja (grosser Thonkrug) ist ein willkrliches Maass und bedeutet
eine Anzahl Gantas, die in jedem Kontrakte besonders bestimmt wird
oder durch Gebrauch feststeht, z. B. 1 Tinja Cocosl der Laguna =
16 Gantas.


Gewichte:

1 Quintl = 1 Quintl de Castilla = 4 Arrbas = 46,009 Kilogramm.

1 Arroba = 25 Libras (Pfund span.) = 11,502 Kilogr.

1 Libra = 2 Marcos = 0,460 Kilogr. 1 Marco = 8 Onzas = 0,230 Kilogr.

1 Onza = 16 Adarmes = 28,76 Gramm. 1 Adarme = 36 Granos = 1,80 Gramm. 1
Grano = 0,05 Gramm.


Schwere Gewichte.

1 Pico = 10 Chinntas = 100 Ctes = 1600 Tael = 137,500 Libras de
Castilla = 63,262 Kilogr. (1 Tael = 22000 Adarmes = 39,539243 Kilogr.)

Der Pco (Pikul) ist kein festes Gewichtsmaass, er variirt selbst
in China. In Manila hat sich durch den Gebrauch das Verhltniss 1
Pco = 137,5 Libras de Castilla festgestellt. In den chinesischen
Hfen und in Singapore haben die Englnder den Pikul = 133 1/3 Pfund
engl. eingefhrt. 1 Pco von Manila = 140 Pf. engl., 1 Pikul (engl.) =
131,4 Libras de Castilla.

1 (Schiffs)-Tonne, frher = 16 Picos (1012 Kilogramm), jetzt = 1000
Kilogr.; dem Maasse nach = 1 Kubikmeter.


Gewicht fr edle Metalle:

1 Tael = 10 Mas = 100 Condrn = 754,75 Granos del Marco de Castilla =
37,68 Gramm.


Mnzen:

1 span. Dollar ($) = 2 Escdos (Esc.) = 5 Pesetas = 8 Rales plata
(r.) = 160 Cuartos (cu.) = 100 Centsimos (ce).

Im tglichen Verkehr wird nach Cuartos, im Grosshandel nach Centisimos
gerechnet. Der Escudo ist erst seit 1. Juli 1865 fr alle amtlichen
Rechnungen in Spanien und den Kolonien eingefhrt, um die spanische
Whrung dem Dezimalsystem anzupassen.

(In Spanien wird der Dollar in 20 Reales vellon (rv.) getheilt. 1
Real vellon = 8,5 Cuartos, = 34 Maravedis.)

Die in Manila 1861 errichtete Mnze prgt Gold: 4 $, - 2 $, - 1
$-Stcke, Silber: 0,5 $ = 1 Escudo; seit 1866 auch 0,2 $ = 4 rv., --
0,1 $ = 2 rv.

Der Kurs des $ pflegt zwischen 42 und 44 Silbergroschen zu schwanken.

In den spanischen Kolonien bestehn keine Wuchergesetze. Alljhrlich
wird in Spanien der gesetzliche Zinsfuss fr Flle, wo kein besonderer
Zins verabredet worden, festgestellt.








ERSTES KAPITEL

EINLEITENDE BEMERKUNGEN

    MERIDIANDIFFERENZ.--HANDELSGEBIET DER PHILIPPINEN.--THEILUNG DER
    ERDE.--ERSTER ANBLICK MANILA'S.--ERDBEBEN.


Wenn es in Madrid Mittag schlgt, so ist es in Manila, der Hauptstadt
der Philippinen, mehr als 8 Uhr Abends, genau 8h 18m 41s; d. h. Manila
liegt 124 40' 15'' stl. von Madrid (7h 54m 35s von Paris. Conn. des
temps). Wenn frher aber Madrid Neujahr feierte, so war in Manila
erst Sylvester.

Da Magellan, der die Philippinen 1521, bei jener denkwrdigen ersten
Weltumsegelung entdeckte, sich in derselben Richtung um die Erde
bewegte, wie die Sonne in ihrem scheinbaren tglichen Lauf, so hatte er
fr jeden Grad, den er weiter nach Westen vordrang, vier Minuten spter
Mittag, und als er die Philippinen erreichte, betrug der Unterschied
fast 16 Stunden. Er scheint dies aber nicht bemerkt zu haben, denn
Elcano, der Fhrer des einzigen geretteten Schiffes, wusste nicht,
als er zum Meridian seiner Abfahrt zurckkehrte, dass er nach der
Schiffsrechnung einen Tag weniger zhlen musste, als in dem Hafen, den
er durch fortgesetztes Westwrtsfahren wieder erreicht hatte. [1] [2]

In den Philippinen blieb jener Umstand gleichfalls unbercksichtigt;
deshalb war dort Sylvester, wenn in der brigen Welt Neujahr begonnen
hatte, und so ging es fort bis Ende 1844, wo man sich, nach eingeholter
Genehmigung des Erzbischofs, entschloss, den Sylvestertag einmal
gnzlich zu berspringen. [3] Seitdem liegen die Philippinen nicht
mehr im fernsten Westen, sondern im fernen Osten, und sind ihrem
Mutterlande um 8 Stunden voraus. Ihr eigentliches Handelsgebiet ist
aber unser ferner Westen; von dort her wurden sie kolonisirt, und
Jahrhunderte lang, bis 1811, hatten sie fast keinen andern Verkehr
mit Europa als mittelbar, durch die jhrliche Reise der Nao zwischen
Manila und Acapulco. Nun aber, wo endlich die stlichen Gestade des
stillen Meeres sich bevlkern und mit beispielloser Schnelligkeit
ihrer grossen Zukunft entgegen gehen, werden die Philippinen nicht
lnger in ihrer bisherigen Abgeschlossenheit verharren knnen; denn
fr die Westkste Amerika's liegt wohl keine tropische Kolonie Asiens
so gnstig; auch fr Australien kann ihnen nur in einigen Beziehungen
Niederlndisch-Indien den Rang streitig machen. Auf den Handel mit
China dagegen, dessen Stapelplatz anfnglich Manila war, so wie mit
den westlicher, den atlantischen Hfen nher gelegenen Lndern Asiens,
unserm fernen Osten, wird es wohl immer mehr verzichten mssen. [4]

Wenn sich die hier angedeuteten Verhltnisse verwirklichen, so wrden
die Philippinen oder wenigstens ihr Handelsgebiet schliesslich doch
in den Bereich der westlichen Erdhlfte fallen, in welche sie die
berhmten spanischen Geographen zu Badajz verwiesen.

Nach der Bulle Alexanders VI., vom 4. Mai 1493, [5] welche die Erde
durch einen Meridian in zwei Hlften theilte, sollten die auf seiner
stlichen Seite zu entdeckenden heidnischen Lnder den Portugiesen, die
auf der westlichen den Spaniern gehren. Die Philippinen konnten daher
von Letzteren nur unter der Voraussetzung in Besitz genommen werden,
dass sie auf der westlichen Hlfte lgen. Die Demarkazionslinie sollte
vom Nord- zum Sdpol, 100 Leguas gen Abend und Mittag aller sogenannten
Azoren und Capverdischen Inseln verlaufen. Durch einen am 7. Juni
1494 zwischen Spanien und Portugal zu Tordesillas geschlossenen,
1506 von Julius II. besttigten Vertrag wurde sie 370 Leguas West
der Capverdischen Inseln gezogen.

Von den damals in Spanien und Portugal gebruchlichen Leguas wurden 17
1/2 auf einen Grad des Aequators gerechnet, im Parallel der Capverden
betrugen 370 Leguas 21 55'; nimmt man dazu die Lngendifferenz
zwischen der Westspitze dieser Inselgruppe und Cadix = 18 48', so
erhlt man 40 43' W. und 139 17' O. von Cadix (rund 47 W. 133
O. Gr.) als die Grenzen der spanischen Erdhlfte. Aber die zur
damaligen Zeit vorhandenen Mittel waren fr solche Ortsbestimmungen
vllig unzureichend.

Die Breite wurde mit unvollkommenen Astrolabien oder hlzernen
Quadranten gemessen und nach sehr mangelhaften Tafeln berechnet;
die Abweichung der Magnetnadel war so gut wie unbekannt, ebenso das
Log. [6] Fr brauchbare Lngenbestimmungen waren weder die Methoden
noch die Instrumente erfunden. Unter solchen Umstnden bewiesen 1524 zu
Badajz die Spanier den protestirenden Portugiesen, dass die stliche
Grenzlinie die Gangesmndung schnitte, und sprachen sich dadurch den
Besitz der Gewrzinseln zu.

In Wirklichkeit msste die stliche Grenzlinie 46 1/2 weiter stlich
fallen; d. h. so weit wie von Berlin bis an die Kste von Labrador
oder den kleinen Altai, da im Parallel von Calcutta 46 1/2 = 2575
See-M. Albo's Tagebuch giebt die Lngendifferenz der stlichsten
Inseln des Archipels von Cap Fermoso (Magellan's Strasse) auf 106
30' an, whrend sie 159 25' betrgt.

Die durch die Unsicherheit der stlichen Grenzlinie veranlassten
Streitigkeiten zwischen den Spaniern und Portugiesen, welche letztere
frher nach den Gewrzinseln gekommen waren, wurden 1529 durch einen
Vergleich beigelegt, indem Carl V. alle seine angemaassten Anrechte auf
die Molukken fr die Summe von 350,000 Dukaten an Portugal abtrat. Die
Philippinen hatten damals keinen Werth.



Von Hongkong nach Manila sind 650 Seemeilen, fast genau S.O., die in
3 bis 4 Tagen von dem Dampfschiff zurckgelegt werden, welches alle
14 Tage die Post-Verbindung zwischen der Kolonie und der brigen Welt
herstellt. [7]

Ohne diesen kleinen Dampfer wrde man in Hongkong, in dessen Hafen
sich die Schiffe aller Nationen drngen, kaum vermuthen knnen, dass in
so grosser Nhe ein Inselstaat liegt, der durch glckliche Gliederung
und Fruchtbarkeit mehr als irgend ein andrer begnstigt scheint.

Obgleich die Philippinen Spanien gehren, so findet doch zwischen
beiden Lndern fast kein Handel statt. Die Verbindung mit dem
Mutterlande war frher der Art, dass die Ankunft eines Schiffes mit
der spanischen Post durch Tedeum und Glockenluten fr die Vollbringung
einer so gewaltigen Reise gefeiert wurde. Bis Portugal an Spanien fiel,
war den Philippinen der Weg um Afrika verschlossen. Wie es mit der
Ueberlandreise stand, zeigt der Umstand, dass zwei Augustiner, die
1603 dem Knige eine wichtige Botschaft bringen sollten, und daher
den krzeren Weg ber Goa, die Trkei und Italien gewhlt hatten,
Madrid erst nach drei Jahren erreichten. [8]

Die bisher den Kaufleuten durch hohe Differenzialzlle aufgezwungene
spanische Flagge befrderte, trotz des Schutzzolles fr nationale
Produkte, fast nur auslndische Waaren nach der Kolonie und die
Erzeugnisse der letzteren nach fremden Hfen. Der Verkehr mit Spanien
beschrnkte sich auf den Transport von Beamten und Geistlichen und
deren gewohnten Lebensbedrfnissen, namentlich Nahrungsmitteln,
Wein, andren Flssigkeiten (Caldos) und, einige franzsische Romane
ausgenommen, entsetzlich geistlosen Bchern: Geschichten von Heiligen
und Aehnlichem.

Die Bay von Manila ist gross genug um alle Flotten Europa's
aufzunehmen; sie gilt fr eine der schnsten der Welt. Der Anblick
des Landes entspricht aber, wenn man, wie der Verfasser, gegen Ende
der trocknen Jahreszeit ankommt, durchaus nicht den begeisterten
Schilderungen mancher Reisenden. Das kreisrunde, fnf Provinzen
begrenzende Wasserbecken von fast 120 Seemeilen Umfang ist in der
Gegend Manila's von flachen Ufern umgeben, hinter welchen sich ein eben
so flaches Gestadeland ausbreitet. Die karge Vegetation war von der
Sonne verdorrt, nur einige Bambusbsche und Arecapalmen, in der Ferne
die blauen Berge von San Mateo unterbrachen die Einfrmigkeit. Zur
Regenzeit, wenn unzhlige, die Ebene durchschneidende Kanle aus
ihren Ufern treten, bilden sich grosse zusammenhngende Wasserbecken,
bald darauf verwandelt sich Alles in ein ppig grnendes Reisfeld.

Manila liegt zu beiden Seiten des Psig. Die eigentliche Stadt von
Mauern und Wllen umschlossen, mit niedrigen Ziegeldchern und einigen
Thrmen, sah 1859 vom Meere aus einer alterthmlichen europischen
Festung hnlich. Vier Jahre spter wurde sie durch ein Erdbeben zum
grssten Theil zerstrt.

Am 3. Juni 1863, als ganz Manila mit den Vorbereitungen zum
Frohnleichnamsfeste beschftigt war, bebte nach einem Tage drckender
Hitze um 7 Uhr und 31 Minuten Abends pltzlich die Erde, die festesten
Gebude bewegten sich, die Mauern barsten, die Balken brachen; das
furchtbare Gerusch dauerte eine halbe Minute. Dieser Zeitraum war
hinreichend, um die ganze Stadt in ein Ruinenfeld zu verwandeln,
und hunderte von Einwohnern lebendig zu begraben. Nach einem mir
mitgetheilten Briefe des General-Guvernrs wurden der Palast, die
Kathedrale, die Kasernen und alle ffentlichen Gebude Manila's vllig
zertrmmert; die wenigen stehen gebliebenen Privathuser drohten
einzustrzen. Sptere Berichte geben 400 Todte, 2000 Verwundete an
und schtzen den Verlust auf 8 Millionen Doll. 46 ffentliche und
570 Privat-Gebude waren eingestrzt, 28 ffentliche und 528 private
waren dem Umsturz nahe, alle stehen gebliebenen Huser mehr oder
weniger beschdigt.

Um dieselbe Zeit fand in Cavite, dem Kriegshafen der Philippinen,
ein 40 Sekunden anhaltendes Erdbeben statt, das viele Gebude umwarf.

Drei Jahre nach diesem Ereignisse findet der Herzog von Alenon
(Luon et Mindanao, Paris 1870 S. 38) noch berall dessen Spuren. Drei
Seiten des Hauptplatzes der Stadt, auf denen sich frher der Palast,
die Kathedrale, das Stadthaus erhoben, lagen da als Schutthaufen
mit Gestruch bewachsen. Alle grossen ffentlichen Gebude waren
vorlufig durch Holzbauten ersetzt, man dachte aber nicht daran,
etwas Bleibendes zu schaffen.

Manila ist sehr hufigen Erdbeben ausgesetzt; am verhngnissvollsten
die von 1601, 1610 (30. Nov.), 1645 (30. Nov.), 1658 (20. Aug.), 1675,
1699, 1796, 1824, 1852, 1863. -- 1645 kamen 600 Personen um [9], nach
Andern sogar 3000, [10] die unter den Trmmern ihrer Huser begraben
wurden. Von allen ffentlichen Gebuden blieben nur das Kloster,
die Kirche der Augustiner und die der Jesuiten stehen.

Kleine Erdstsse, welche pltzlich alle Hngelampen in Schwingung
versetzen, finden sehr oft statt und bleiben gewhnlich unbeachtet. Die
Huser sind mit Rcksicht auf diesen Umstand nur einstckig, und der
lockere, vulkanische Tuff, aus dem sie gebaut, mag zur Milderung der
Stsse beitragen. Hchst unzweckmssig aber erscheinen unter solchen
Verhltnissen die schweren Ziegeldcher. Auch in den Provinzen sind
Erdstsse sehr hufig, richten aber, weil die Huser nur aus Brettern
oder Bambus und Palmenblttern bestehn, gewhnlich so wenig Schaden
an, dass sie gar nicht erwhnt werden.


    Herr Alexis Perrey giebt in den Mm. de l'Acad. de Dijon 1860
    ein mit grossem Fleiss aus der ihm zugnglichen Literatur
    zusammengestelltes Verzeichniss von Erdbeben, welche die
    Philippinen und besonders Manila heimgesucht haben. Selbst
    ber die bedeutenderen sind die Nachrichten sehr sprlich, die
    Daten oft schwankend. Von unerheblicheren sind nur einige wenige
    angefhrt, die von zufllig anwesenden wissenschaftlichen Mnnern
    verzeichnet wurden.

    Ein sehr heftiges fand nach Aduarte (I. 141) 1610 statt. Ich
    lasse die Uebersetzung der betreffenden Stelle abgekrzt folgen,
    da ich es sonst nirgends erwhnt finde:

    Ende November dieses Jahres (1610) am St. Andreas-Tage fand in
    diesen Inseln, von Manila bis an das usserste Ende der Provinz
    Neu-Segvia (das ganze nrdliche Luzon), eine Entfernung von 200
    Leguas, ein so furchtbares Erdbeben statt, wie man es nie erlebt
    hatte; es that grossen Schaden im ganzen Lande, in der Provinz
    Ilocos begrub es Palmbume und liess nur die Blattkronen ber der
    Erde, Berge wurden durch die Gewalt des Erdbebens gegen einander
    geschoben, viele Gebude zerstrt und Menschen getdtet. Am
    meisten aber wthete es in Neu-Segvia, wo es Berge ffnete,
    und neue Wasserbecken aufthat; die Erde spie grosse Haufen
    Sand aus und schwankte der Art, dass die Leute, da sie nicht
    aufrecht stehen konnten, sich auf die Erde setzten und am Boden
    festbanden als wren sie in einem Schiff auf strmischer See. In
    dem von den Mendayas bewohnten Hhenzuge strzte ein Berg ein,
    zertrmmerte dabei ein Dorf und erschlug die Bewohner. Ein grosses
    Stck Land am Fluss versank, so dass jetzt da, wo frher Hgel
    meist von ansehnlicher Hhe gestanden, die Oberflche fast dem
    Wasserspiegel gleich ist. Im Flussbett war die Bewegung so stark,
    dass sich Wellen erhoben wie im Meer oder als ob das Wasser von
    frchterlichem Winde gepeitscht wrde. Die steinernen Gebude
    litten den meisten Schaden, unsere Kirche und Convento strzten
    ein ....








ZWEITES KAPITEL

    RHEDE. -- ZOLLWESEN. -- GESCHICHTE DES HANDELS. -- SPANISCHE
    KOLONIALPOLITIK. -- REISEN DER GALEONEN.


Die Zollvisitation und die vielen, von den einheimischen
Subalternbeamten ohne alle Rcksichten nach dem Buchstaben gehandhabten
Frmlichkeiten erschienen dem neu Angekommenen um so lstiger, da er
eben erst in den englischen Freihfen Ostasiens verkehrt hatte. Auf
die Brgschaft eines angesehenen Kaufmanns wurde ihm nach 16 Stunden
als eine besondere Gunst die Landung gestattet, jedoch ohne das
kleinste Gepckstckchen.

Die Rhede ist im S.W. Monsun und zur Zeit der von Strmen begleiteten
Monsunwechsel unsicher; dann suchen grssere Schiffe in dem 7
SM. entfernten Cavite Schutz; im N.O. Monsun knnen sie 1/2 L. vom
Lande ankern. Fahrzeuge von weniger als 300 Tonnen gelangen ber die
Barre in den Fluss Psig, wo sie bis zur Brcke, unmittelbar am Ufer,
und bis in die Mitte des Flusses hinein, in dicht gedrngten Reihen
liegen, und durch ihre Anzahl sowohl, wie durch das zwischen ihnen
herrschende rege Treiben von der Lebhaftigkeit des Binnenhandels
zeugen.

In jedem Regenmonsun fhrt der Psig der Barre so viel Schlamm zu, dass
dessen Fortschaffung die Thtigkeit der aufgestellten Baggermaschine
wie es scheint vollauf in Anspruch nimmt.

Die geringe Zahl von Schiffen auf der Rhede, besonders fremder Flaggen,
war um so auffallender, als, ausser Manila, kein Hafen des Archipels
mit dem Auslande verkehrte. Allerdings hatten seit 1855 noch drei
andere Hfen diese Berechtigung erhalten (spter kam noch ein vierter
dazu), zur Zeit meiner Ankunft, Mrz 1859, war aber noch keiner von
einem fremden Schiffe besucht worden; erst einige Wochen spter traf
das erste englische Fahrzeug in Ilolo ein, um Zucker fr Australien
zu laden. [11]

Der Grund jener Erscheinung lag zum Theil in der geringen Entwicklung
des Landbaues, trotz der ausserordentlichen Fruchtbarkeit des Bodens,
zum grsseren Theil aber wohl in veralteten, den Verkehr knstlich
beschrnkenden Verordnungen. Die Zlle waren an und fr sich nicht
sehr hoch: im Allgemeinen 7 Procent vom Werth fr Schiffe unter
spanischer Flagge; fr fremde Flaggen aber das Doppelte, und wenn
die Waaren spanischen Ursprungs, 3 Proc. fr nationale, 8 Proc. fr
fremde Flaggen. Letztere konnten daher in der Regel nur mit Ballast
einlaufen. [12] Da aber die Hauptbedrfnisse der Kolonie aus England
und dem Auslande eingefhrt wurden, so mussten sie entweder fr
spanische Fahrzeuge, welche fast dreifache Fracht berechnen (4-5 statt
1 1/2-2 Pf. Sterl. per Tonne), und nur in grossen Zwischenrumen in
englischen Hfen erscheinen, aufbewahrt, oder in fremden Schiffen
nach Singapore oder Hongkong geschickt werden, wo sie auf spanische
Schiffe umgeladen wurden. Ausserdem wurden selbst von Schiffen in
Ballast, und solchen, die ohne zu lschen oder Fracht einzunehmen,
wieder ausliefen, Tonnengelder erhoben, und wenn ein solches Fahrzeug
auch nur ein Pckchen landete, so wurde es nicht mehr als in Ballast
betrachtet, sondern nach einer viel hheren Taxe besteuert. Ein Schiff
musste also durchaus keine, oder so viel Ladung haben, dass es die
erhhten Hafengelder decken konnte, was fr auslndische wegen der
Differenzialzlle, die einem Verbote gleich wirkten, beinahe unmglich
war. Fremde Fahrzeuge kamen daher fast immer nur in Ballast, und wenn
sie fr einen bestimmten Zweck besonders herbeigerufen wurden.

Die Kolonie exportirt fast nur Rohprodukte, die mit einem Ausfuhrzoll
von 3 Procent belastet waren; fr die spanische Flagge betrug er
nur 1 Procent; da aber fast keine Ausfuhr nach Spanien stattfindet,
und spanische Schiffe, wegen ihrer theuren Frachten, vom Weltverkehr
ausgeschlossen sind, so war die Begnstigung fr den Handel nur eine
scheinbare. [13] Diese ungeschickten, mit endlosen misstrauischen
Formen gehandhabten Zollgesetze verscheuchten alle frachtsuchenden
Schiffe vom Hafen, so dass Auftrge auf Landeserzeugnisse zuweilen
nicht ausgefhrt erden konnten. So gering war der Schiffsverkehr,
dass der Gesammtertrag der hohen Hafengelder nach einem zehnjhrigen
Durchschnitt kaum 10,000 Doll. erreichte.

An und fr sich ist die Lage Manila's fr den Welthandel sehr gnstig,
als Zentralpunkt zwischen Japan, China, Anam, den englischen und
hollndischen Hfen des Archipels und Australien. [14]

Whrend des N.O. Monsun, in unseren Wintermonaten, wo die Schiffe
vom indischen Archipel nach China, um einige Deckung zu haben, durch
die Gilolostrasse gehn, mssen sie berdies dicht an Manila vorbei,
und wrden dort eine bequeme Station finden; namentlich aber liegen
die Philippinen wie bereits erwhnt, fr die Westkste Amerikas
sehr gnstig.

Dass das spanische Ultramar-Ministerium diese Verhltnisse richtig
erkennt und ihnen Rechnung trgt, geht aus dem fr die Zukunft der
Kolonie so wichtigen Dekret vom 5. April 1869 hervor, das wohl schon
frher erschienen wre, wenn nicht die durch Schutzzlle verwhnten
spanischen und kolonialen Schiffsrheder sich hartnckig gegen eine
Neuerung gestrubt htten, die ihre bisherigen Privilegien antastet
und sie zu grsserer Rhrigkeit zwingt.

Die bemerkenswerthesten Punkte dieser neuen Verordnung sind:
Ermssigung der Differenzialzlle und ihr gnzliches Erlschen nach
zwei Jahren, Abschaffung aller Ausfuhrzlle und das Verschmelzen
mehrerer lstiger Hafengebhren in einen einzigen Hafenzoll. [15]

Als die Spanier nach den Philippinen kamen, fanden sie die Eingeborenen
mit Seiden- und Baumwollenstoffen bekleidet, die von chinesischen
Schiffen im Austausch gegen Goldstaub, Sapanholz, [16] Holothurien,
essbare Vogelnester und Hute eingefhrt wurden. [17] Auch mit Japan,
Cambodia, Siam, [18] den Molukken und dem malayischen Archipel standen
die Inseln in Verkehr; de Barros erwhnt Schiffe von Luzon, die 1511
Malacca besuchten. [19]

Durch die grssere Sicherheit, die mit den Spaniern in's Land kam,
mehr noch durch den von ihnen erffneten Verkehr mit Amerika und
mittelbar mit Europa, nahm der Handel schnell zu und erstreckte sich
ber Vorder-Indien bis an den persischen Meerbusen. Manila wurde zum
Stapelplatz fr die Erzeugnisse Ostasiens und befrachtete damit die
Galeonen, die von 1565 an nach Neu-Spanien (zuerst nach Navidad, von
1602 ab nach Acapulco) fuhren und als Rckfracht vorzglich Silber
brachten. [20] Die Kaufleute in Neu-Spanien und Peru fanden diesen
Handel gleichfalls so vortheilhaft, dass dadurch der Einfuhr aus dem
Mutterlande, dessen Fabrikate gegen die indischen Baumwollen und die
chinesischen Seidenstoffe nicht konkurriren konnten, grosser Abbruch
geschah. Die verwhnten Monopolisten von Sevilla verlangten daher das
Aufgeben der Kolonie [21], die jhrlich betrchtlicher Zuschsse
bedurfte, das Mutterland in der Ausbeutung der amerikanischen
Besitzungen hinderte, und das Silber aus den Reichen Sr. Majestt
in die Hnde der Heiden gelangen liess. Schon der Grndung der
Kolonie hatten sie grosse Hindernisse in den Weg gelegt. [22] Jenes
Verlangen scheiterte aber an dem Ehrgeiz der Krone und am Einfluss
der Geistlichkeit; doch wurde, den damals allgemein gltigen Ansichten
durchaus entsprechend [23], zu Gunsten des Mutterlandes den Kaufleuten
von Peru und Neu-Spanien verboten, Waaren aus China unmittelbar oder
ber Manila zu beziehen. Den Bewohnern der Philippinen allein blieb
gestattet, chinesische Waaren in Amerika einzufhren, aber nur bis
zum Werthe von 250,000 Doll. jhrlich, die Rckfracht ward auf 500,000
Doll. beschrnkt. [24]

Spter wurde erstere Summe auf 300,000 Doll. mit entsprechender
Rckfracht erhht, den Spaniern aber untersagt, China zu besuchen,
so dass sie die Ankunft der Junken abwarten mussten. 1720 endlich
wurden chinesische Stoffe in allen spanischen Besitzungen beider
Welttheile gnzlich verboten. Eine Verordnung von 1734 (mit Zustzen
von 1769) gestattete den Handel mit China auf's Neue und erhhte
das Werthmaximum der Fracht nach Acapulco auf 500,000 Doll., die
Rckfracht auf 1,000,000 Doll. Silber.

Nachdem endlich die auf Kosten der Staatskasse erhaltene Nao von
Acapulco ihre Reisen eingestellt (die letzte Galeon verliess Manila
1811 kehrte 1815 von Acapulco zurck), wurde der Handel mit Amerika
durch Kauffahrer betrieben, denen 1820 erlaubt ward, bis zu 750,000
Doll. jhrlich aus den Philippinen auszufhren und ausser Acapulco
auch San Bls, Guayaqul und Callo anzulaufen. Dieses Zugestndniss
war aber nicht ausreichend, um den Philippinischen Handel fr
seine durch den Abfall Mexico's von Spanien erlittenen Verluste zu
entschdigen. Die Besitznahme Manila's durch die Englnder (1762)
hatte die Bewohner mit Gewerbserzeugnissen bekannt gemacht, welche
ihnen die Einfuhren von China und Indien nicht bieten konnten. Um
der Nachfrage zu gengen, wurden Ende 1764 spanische Kriegsschiffe
mit Produkten der spanischen Industrie (Wein, Esswaaren, Hte, Tuche,
Kurzwaaren und Luxusgegenstnde) nach der Kolonie gesandt.

Die an den bequemen Acapulco-Handel gewhnten Manila-Kaufleute
strubten sich aber gewaltig gegen diese Neuerung, obgleich sie gute
Geschfte dabei machten; denn die Krone kaufte die indischen und
chinesischen Waaren fr die Rckfracht in Manila doppelt so theuer
als an den Ursprungsorten. 1784 traf das letzte jener Schiffe ein. [25]

Europischen Fahrzeugen war nach der englischen Invasion streng
verboten, Manila zu besuchen; da dieses aber die indischen Waaren nicht
entbehren mochte und sie nicht durch eigne Schiffe holen konnte, so
wurden sie in englischen und franzsischen Bden eingefhrt, die einen
trkischen Namen und einen indischen Schein-Kapitn erhielten. [26]

1785 erlangte die Compaia de Filipinas das Handelsmonopol zwischen
Spanien und der Kolonie, durfte sich aber nicht in den direkten Verkehr
zwischen Acapulco und Manila mischen. Sie wollte grosse Massen von
Kolonialprodukten, Seide, Indigo, Zimmet, Baumwolle, Pfeffer etc. fr
die Ausfuhr erzielen (hnlich wie es spter durch das Kultursystem
in Java geschah); da sie aber nicht ber Zwangsarbeit verfgte, so
misslang die pltzliche knstliche Steigerung des Landbaues vollkommen.

Durch ihr falsches System und die Unfhigkeit ihrer Beamten erlitt
sie grosse Verluste (sie zahlte z. B. 13,5 Doll. fr den Pico Pfeffer,
der 3-4 Doll. in Sumatra galt).

1789 wurde fremden Schiffen gestattet, Waaren aus China und Indien
einzufhren, aber keine europischen. 1809 erhielt ein englisches
Handelshaus Erlaubniss, sich in Manila niederzulassen. [27] 1814,
nach dem Friedensschluss mit Frankreich, ward es, unter mehr oder
weniger Beschrnkungen, allen Fremden gestattet. [28]

1820 wurde auf 10 Jahre der direkte Handel zwischen den Philippinen und
Spanien freigegeben, ohne Beschrnkung fr die Produkte der Kolonie,
vorausgesetzt, dass die Erzeugnisse Indiens und China's 50,000
Doll. bei jeder Expedition nicht berstiegen. Von 1834 an, wo das
Privilegium der Philippinischen Kompanie erlosch, ist in Manila der
freie Verkehr mit dem Auslande gestattet, doch zahlten fremde Schiffe
doppelte Zlle. Seit 1855 sind noch vier neue Hfen dem Weltverkehr
geffnet; 1869 ist der oben erwhnte freisinnige Tarif erlassen worden.

Heute nach drei Jahrhunderten ungestrten Besitzes hat Manila in
jenen Meeren durchaus nicht mehr dieselbe Bedeutung, die es bald
nach Ankunft der Spanier errang. Die Verschliessung Japans und der
indo-chinesischen Reiche, besonders in Folge der Zudringlichkeit und
Anmaassung katholischer Missionre, [29] der Abfall der Kolonien
an der Westkste Amerika's, vorzglich aber das lange Festhalten
einer misstrauischen Handels- und Kolonial-Politik bis in die
Gegenwart, whrend bedeutende Emporien in gnstigerer Lage mit
grossartigen Mitteln und nach freisinnigen Grundstzen in Britisch-
und Niederlndisch-Indien entstanden, -- alle diese Umstnde haben
dies Ergebniss herbeigefhrt und den China-Handel in andere Bahnen
geleitet. Die Ursachen liegen eben so klar zu Tage wie ihre Wirkung,
doch wrde man irren, wenn man die befolgte Politik der Kurzsichtigkeit
zuschreiben wollte. Die Spanier hatten bei ihrer Kolonisation zum
Theil religise Zwecke im Auge, abgesehen davon fand aber die Krone
in der Verfgung ber die usserst eintrglichen Kolonialmter einen
grossen Machtzuwachs. Sie selbst sowohl als ihre Begnstigten hatten
nur die unmittelbare Ausnutzung der Kolonien im Sinne, und weder
die Absicht noch die Kraft, den natrlichen Reichthum der Lnder
durch Ackerbau und Handel zu erschliessen. Unzertrennlich von diesem
System war die strenge Ausschliessung der Fremden. [30] Mehr noch
als in Amerika schien es in den abgelegenen Philippinen nthig, die
Eingeborenen gegen alle Berhrung mit dem Auslande abzuschliessen, wenn
die Spanier im ungestrten Besitz der Kolonie bleiben wollten. Bei dem
erleichterten Verkehr der Gegenwart und den Ansprchen des Welthandels
an die Produktionskraft eines so ausserordentlich fruchtbaren Gebietes
sind aber die frheren Schranken nicht mehr aufrecht zu halten, es
muss daher der krzlich eingefhrte freisinnige Zolltarif als eine
durchaus zeitgemsse Massregel begrsst werden.



Die mehrfach erwhnten Reisen der Galeonen zwischen Manila und
Acapulco nehmen eine so hervorragende Stelle in der Geschichte der
Philippinen ein und gewhren einen so interessanten Einblick in das
alte Kolonialsystem, dass sie wenigstens in ihren Hauptzgen kurz
geschildert zu werden verdienen.

Zu Morga's Zeit, Ende des 16ten Jahrhunderts, kamen jhrlich 30-40
chinesische Junken nach Manila (gewhnlich im Mrz); Ende Juni ging die
Nao (oder Galeon) nach Acapulco ab. Der Acapulcohandel, dessen Geschft
sich auf die dazwischen liegenden drei Monate im Jahr beschrnkte,
war so gewinnbringend, bequem und sicher, dass die Spanier sich in
keine andere Unternehmungen einlassen mochten.

Da der Raum des einzigen jhrlichen Schiffes dem Zudrang durchaus nicht
entsprach, so vertheilte ihn der Guvernr nach seinem Dafrhalten,
und die Begnstigten trieben gewhnlich nicht selbst Handel, sondern
bertrugen ihre Konzessionen an Kaufleute.

Nach de Guignes [31] wurde der Frachtraum der Nao in 1500 Theile
getheilt, von denen eine grosse Anzahl den Klstern, der Rest
bevorzugten Personen zufiel. In Wirklichkeit war der amtlich auf
600,000 Doll. beschrnkte Werth der Ladung betrchtlich hher, und
diese bestand vorzugsweise in indischen und chinesischen Baumwollen-
und Seidenstoffen (unter andern 50,000 Paar seidene Strmpfe aus
China) und Goldschmuck. Die Rckfracht belief sich auf 2 bis 3
Millionen Dollars.

Alles war bei diesem Handel im Voraus bestimmt: Zahl, Form,
Grsse und Werth der Waarenballen, ja sogar ihr Verkaufspreis. Da
dieser dem doppelten Kostenpreis gleichkam, so entsprach die
Erlaubniss, Waaren fr einen gewissen Betrag zu verschiffen, unter
gewhnlichen Verhltnissen dem Geschenk eines solchen Betrages. Solche
Erlaubnissscheine (Boletas) wurden daher spter zum grossen Theil an
Pensionre, Offizierswittwen und als Gehaltszulagen an Beamte gegeben,
doch durften die also Begnstigten unmittelbar keinen Gebrauch
davon machen, denn zum Acapulcohandel waren nur die Mitglieder des
Consulado (einer Art Handelsgericht) berechtigt, die einen mehrjhrigen
Aufenthalt im Lande und 8000 Doll. Kapital nachweisen mussten.

Der Astronom Legentil [32] beschreibt ausfhrlich die zu seiner Zeit
geltenden Verordnungen und deren Umgehung: die Ladung war auf 1000
Ballen, jeder zu 4 Pack [33] zum Werth von 250 Doll. festgesetzt. Die
Zahl der Ballen durfte nicht berschritten werden, sie enthielten
aber in der Regel mehr als 4 Pack, und ihr Werth berstieg den
vorgeschriebenen so sehr, dass eine Boleta 200-225 Doll. galt. Die
Beamten gaben wohl Acht, dass keine Gter ohne Boleta an Bord
geschmuggelt wurden; die Jagd auf letztere war daher zuweilen so
eifrig, dass Comyn spter [34] fr das Frachtrecht von Gtern, die
kaum 1000 Doll. werth waren, 500 Doll. bezahlen sah. Die Kaufleute
borgten das Geld fr ihre Unternehmungen gewhnlich von den obras pias,
frommen Stiftungen, welche bis auf die Gegenwart die Stelle von Banken
vertraten. [35] In der frhesten Zeit verliess die Nao Cavite im Juli,
ging mit S.W. Winden nordwrts ber den Kalmengrtel hinaus, bis sie
in 38 oder 40 westliche Winde traf. [36] Spter war den Schiffen
vorgeschrieben, mit den ersten S.W. Winden Cavite zu verlassen,
lngs der Sdkste von Luzon durch die San Bernardino-Strasse und
in 13 N.Breite [37] so weit stlich als mglich zu fahren, bis der
N.O. Passat sie zwang, in hheren Breiten N.W. Winde aufzusuchen. Dann
sollten sie, so lange als mglich, die Breite von 30, [38] statt
wie frher 37 und mehr innehalten. Dem Kapitn war nicht erlaubt,
sogleich weiter nrdlich zu gehn, obgleich er dann eine viel
schnellere und sichere Fahrt gehabt und das Gebiet des Regens frher
erreicht htte. Und doch war namentlich letzteres fr ihn von hchster
Wichtigkeit, denn die mit Gtern berfllten Schiffe hatten nur wenig
Raum fr Wasser brig und waren, obgleich sie 4-600 Mann an Bord zu
haben pflegten, ausdrcklich auf den unterwegs aufzufangenden Regen
angewiesen und zu dem Ende mit besonderen Vorrichtungen von Matten
und Bambusrinnen versehen. [39]

Wegen der Unbestndigkeit der Winde waren die Reisen in so niedrigen
Breiten usserst beschwerlich und dauerten fnf Monate und darber. Die
Furcht, das reiche, unbeholfene Schiff den krftigen, zuweilen
strmischen Winden hherer Breiten auszusetzen, scheint dieser
Vorschrift zu Grunde gelegen zu haben.

Sobald die Schiffe an die grosse Sargassobank gelangten, schlugen
sie einen sdlichen Kurs ein und liefen dann die Sdspitze der
Californischen Halbinsel (San Lucas) an, wo Nachrichten und
Erfrischungen fr sie bereit gehalten wurden. [40] In der ersten
Zeit aber mssen sie Amerika viel nrdlicher, etwa bei Cap Mendocino
erreicht haben und in Sicht der Kste sdlich gefahren sein, denn
als Vizcaino 1603 seine Entdeckungsreise von Mexico nach Californien
unternahm, fand er die bedeutenderen Berge und Caps, obgleich sie nie
von Europern betreten waren, schon benannt, weil sie den Galeonen
als Landmarken gedient hatten. [41]

Die Rckkehr nach den Philippinen war bequem und dauerte nur 40-60
Tage. [42] Das Schiff verliess Acapulco im Februar oder Mrz, lief
sdwrts, bis es, gewhnlich in 10 oder 11 N., den Passat traf,
mit dem es ohne Mhe nach den Ladronen, von da ber Samar nach Manila
ging. [43]

Eine Galeon oder Nao maass 1200-1500 Tonnen und fhrte 50-60 Kanonen,
letztere aber gewhnlich im Schiffsraum, wenigstens bei der Reise
ostwrts. Auf der Heimkehr, wo es nicht an Platz mangelte, wurden
die Kanonen aufgestellt.

Fray Gaspar (S. 436) erzhlt von der Nao Sa. Ana, die Thomas Candish
1586 an der Kste von Californien kaperte und verbrannte: Die
Unsrigen fuhren so sorglos, dass sie ihre Artillerie als Ballast
mit sich fhrten ... der Korsar machte eine so glckliche Reise,
dass er in London einlief mit Segeln von chinesischem Damast und
seidenem Tauwerk.

In Acapulco wurde die Ladung mit 100 Prozent Nutzen verkauft und in
Silber, Cochenille, Quecksilber etc. bezahlt. Der Gesammtwerth der
Rckfracht mochte 2-3 Millionen Doll. betragen [44], wovon 250,000
bis 300,000 Doll. fr Rechnung des Knigs.

Die Rckkehr des Schiffs in Manila, mit Silberdollars und neuen
Ankmmlingen beladen, war ein grosses Fest fr die Kolonie. Ein
betrchtlicher Theil des ohne Anstrengung wie im Spiel gewonnenen
Geldes wurde gewhnlich schnell verprasst; dann sank Alles wieder in
die gewohnte Leblosigkeit zurck.

Oft aber gingen auch Schiffe verloren, da sie ber die Grenzen
der Verordnungen und der Vorsicht, mit grosser Beeintrchtigung
ihrer Seetchtigkeit beladen und schlecht gefhrt waren; denn
nicht Fhigkeit, sondern Gunst entschied bei dem Vergeben der sehr
eintrglichen Stellen. [45] Mehrere Galeonen fielen englischen und
hollndischen Kapern in die Hnde. [46] Auch der Gewinn nahm immer mehr
ab, da die Compaia de Filipinas spter das Recht erhielt, indische
Baumwollenstoffe, die einen Hauptbestandtheil der Ladung bildeten,
mit 6 Prozent Zoll ber Veracruz in Neu-Spanien einzufhren, und
Englnder und Amerikaner diese und andre Waaren einschmuggelten. [47]
Schliesslich sei hier noch erwhnt, dass die spanischen Dollars
durch die Nao ber Manila nach China und Hinterindien gelangten,
wo sie noch gegenwrtig Handelsmnze sind.








DRITTES KAPITEL

    MANILA. -- LEBEN IN DER STADT UND IN DEN VORSTDTEN. --
    HAHNENKMPFE. -- TRACHTEN DER VERSCHIEDENEN KLASSEN.


Die eigentliche Stadt Manila, hauptschlich von Spaniern, Kreolen
und zu ihnen in unmittelbarer Beziehung stehenden Einheimischen
und Chinesen bewohnt, [48] liegt, von Mauern und breiten Grben
umschlossen, am linken, sdlichen Ufer des Psig, eine Seite dem Meere
zukehrend; ein heisser, der Ort, voll Klster, Stifter, Kasernen,
Regierungsgebude. Rcksicht auf Sicherheit, nicht auf Annehmlichkeit,
war bei der Grndung maassgebend. Manila erinnert an spanische
Provinzialstdte und ist nach Goa die lteste Stadt in Indien. Die
Fremden wohnen auf der Nordseite des Flusses, in Binndo, dem Sitz des
Gross- und Kleinhandels, oder in den freundlichen angrenzenden Drfern,
die ein zusammenhngendes Ganze bilden. Die Gesammtbevlkerung wird,
wohl mit Uebertreibung, auf 200,000 geschtzt. Eine hbsche, alte,
steinerne Brcke von zehn Bogen, in neuer Zeit auch eine eiserne
Hngebrcke, verbinden die beiden Ufer des Flusses. [49]

Zwischen den Bewohnern von Manila und Binndo findet sehr wenig Verkehr
statt. Das Leben in der eigentlichen Stadt soll nicht angenehm sein:
Stolz, Neid, Stellenjgerei, Kastenhass sind an der Tagesordnung; die
Spanier halten sich fr besser als ihre Kreolen, welche wiederum jenen
vorwerfen, dass sie nur in die Kolonie kommen, um sich satt zu essen,
ebenso herrscht Hass und Neid zwischen Weissen und Mestizen. Aehnliche
Verhltnisse bestehn zwar in allen spanischen Kolonien und liegen im
Wesen der spanischen Kolonialpolitik, die immer bestrebt war, die
verschiedenen Rassen und Stnde feindlich zu trennen, aus Furcht,
dass ihr Bndniss die Herrschaft des fernen Mutterlandes gefhrde. [50]

In Manila aber werden diese Zustnde durch den Umstand gesteigert,
dass die Klasse der durch grossen Grundbesitz an das Land gefesselten
Pflanzer bisher fast gnzlich fehlte. Erst jetzt scheint die
steigende Nachfrage nach den Landesprodukten allmlig einen
erfreulichen Umschwung in dieser Beziehung herbeizufhren. Wie
aber der einem Glcksspiel vergleichbare Naohandel, frher die
einzige Quelle des Reichthums, auf die spanische Bevlkerung
wirkte, schildert treffend Murillo Velarde (p. 272): Die Spanier,
die hierher kommen, betrachten diese Inseln nicht wie eine Heimath,
sondern wie ein Wirthshaus. Heirathen sie, so geschieht es zufllig;
wo giebt es eine Familie, die Generationen berdauerte? .. Der Vater
sammelt Schtze, der Sohn vergeudet, der Enkel bettelt. Die grssten
Kapitalien sind nicht bestndiger als die Wogen des Meeres, auf denen
sie sich grnden.

Auch unter den Auslndern in Binndo herrscht durchaus nicht so viel
Geselligkeit als in englischen oder hollndischen Kolonien, und fast
kein Umgang mit den Spaniern, welche die Fremden beneiden und deren
im Lande gemachten Erwerb fast wie einen an ihnen, den Eigenthmern,
begangenen Raub betrachten. Dabei ist das Leben sehr theuer, theurer
als in Singapore und Batavia. Bei Vielen scheinen die Ausgaben in
grossem Missverhltniss zu ihrem amtlichen Gehalt zu stehn.

Die zum Theil sehr gerumigen Huser sind dster und hsslich,
mit Rcksicht auf das Klima schlecht ventilirt; statt luftiger
Jalousien schwere Schiebefenster, welche das Licht nicht durch Glas,
sondern durch dnne Austerschalen (Placuna placenta L.) einlassen,
die kaum zwei Zoll im Geviert haben und in Gitterrahmen von zolldicken
Latten sitzen. Das Erdgeschoss ist verstndiger Weise, der grossen
Feuchtigkeit wegen, meist unbewohnt, zu Magazinen, Stallungen,
Dienstrumen benutzt.

Die anspruchslosen, in ihrer Art zweckmssigen Huser von Brettern
oder Bambus und Palmenblttern stehn der Feuchtigkeit wegen auf
Pfhlen, jedes fr sich, der untere Raum gewhnlich durch ein Gitter
eingefasst, dient als Stall oder Magazin; so war es schon zu Magellan's
Zeiten. Solche Huser sind ausserordentlich leicht gebaut. Laprouse
schtzt das Gesammtgewicht mancher mit vollstndigem Mobiliar auf
weniger als 200 Pfund.

Fast smmtliche Huser, sogar die Htten der Eingeborenen, haben eine
Azotea, d. h. einen nicht berdachten Raum in gleicher Flucht mit
der Wohnung, der die Stelle von Hof und Balkon vertritt. Die Spanier
scheinen diese hbsche Einrichtung den Mauren entlehnt zu haben; die
Eingeborenen kannten sie aber wohl schon vor Ankunft der Europer,
denn Morga (Bl. 140) erwhnt bereits dergl. Batalanes. In den
Vorstdten ist fast jede Htte von einem Grtchen umgeben.

Das Trinkwasser ist mit Ausnahme des in Zisternen gesammelten, sehr
schlecht. Es wird etwas oberhalb der Stadt in flache Khne geschpft
und so den Haushaltungen zugefhrt. Das Flusswasser ist oft ganz
grn von Conferven, hufig sieht man auch todte Hunde und Katzen
darin treiben, von grossen Pistien wie von Kopfsalat umgeben. In
der trocknen Jahreszeit werden die zahlreichen Kanle der Vorstdte
stellenweis zu stagnirenden Kloaken, der Stadtgraben bietet bei jeder
Ebbe einen solchen Anblick.

An Gelegenheit zu Vergngungen ist Manila sehr arm. Whrend meines
Aufenthalts bestand kein spanisches Theater; tagalische Schauspiele
(Uebersetzungen) wurden zuweilen aufgefhrt. Es gab keinen Klub,
keine lesbaren Bcher. Nicht einmal Zeitungsnachrichten belebten die
matte Unterhaltung; denn nachdem die alle vierzehn Tage aus Hongkong
eintreffenden Nachrichten durch die Priesterzensur gesichtet, blieb
zur Speisung der Lokalbltter wenig brig als Madrider und Pariser
Hofnachrichten. [51] Nur die mit bunter Pracht gefeierten Kirchenfeste
unterbrachen zuweilen die Einfrmigkeit.

Das grsste Vergngen der Eingebornen sind die Hahnenkmpfe, die
mit einer Leidenschaftlichkeit betrieben werden, welche jedem
Fremden sogleich auffallen muss. Fast alle Indier halten sich
Kampfhhne. Viele gehn nie aus, ohne ihren Liebling im Arm zu tragen;
sie zahlen zuweilen 50 Doll. und mehr dafr und berhufen ihn mit
den zrtlichsten Liebkosungen. Man kann die Sucht fr Hahnenkmpfe
wohl ein Nationallaster nennen, doch sollen sie erst durch die
Spanier oder die sie begleitenden Mexicaner eingefhrt worden sein;
ebenso das in China zum Nationallaster gewordene Opiumrauchen durch
die Englnder. Wahrscheinlicher ist es wohl, dass die Malayen die
Sitte in's Land brachten. Im stlichen Theil der Philippinen mssen
zu Pigafetta's Zeiten Hahnenkmpfe unbekannt gewesen sein. Er sah
die ersten Kampfhhne in Paluan: Sie haben grosse Hhne, die sie
aus einer Art von Aberglauben nicht essen, sie halten sie aber, um
sie kmpfen zu lassen; es werden dabei Wetten gemacht, deren Ertrag
der Eigenthmer des Siegers erhlt. [52] [53]

Fr Europer ist das Schauspiel in hohem Grade widerwrtig: Der einen
Ring um den Kampfplatz bildende Zuschauerraum ist mit Eingeborenen
berfllt, die aus allen Poren schwitzen, whrend ihre Gesichter von
hsslichen Leidenschaften auf's Hchste erregt sind. Die Hhne sind
je mit einem sehr scharfen, sichelfrmigen, 3 Zoll langen Messer
bewaffnet, das tiefe Wunden reisst und immer den Tod des einen oder
beider Hhne durch grausame Verletzungen herbeifhrt. Ein Hahn,
der aus Feigheit davonluft, wird lebendig gerupft. Im Verhltniss
zu den Mitteln der Spieler werden unglaublich hohe Summen verwettet.

Dass diese Hahnenkmpfe fr ein so sehr zu Mssiggang und
Liederlichkeit geneigtes, nur den Regungen des Augenblicks folgendes
Volk im hchsten Grade entsittlichend wirken, liegt auf der Hand. Der
Lockung, ohne Arbeit Geld zu gewinnen, vermgen sie schwer zu
widerstehn; Viele werden durch die Leidenschaft des Spieles zu
Wucherschulden, Unterschlagungen und Diebstahl verleitet, auch zu
Strassenraub: die Land- und Seeruberbanden, von denen weiter unten,
sollen zum grossen Theil aus ruinirten Spielern bestehn. [54]

Alle Stdte Hinterindiens bertrifft Manila durch angenehme
Frauengestalten, die seine Strassen beleben. Herr Mallat schildert
sie in glhenden Worten. Ein hbsches, phantasiereiches, in der
Lokalfarbe gehaltenes Bild des Strassenlebens findet man auch in den
sehr unterhaltenden Aventures d'un gentil'homme Breton. [55]

Wie viele der hbschesten India's von ganz reinem Blute sind, ist
freilich nicht zu ermitteln. Manche sind sehr weiss, nhern sich dem
europischen Typus und unterscheiden sich dadurch merklich von ihren
Stammesgenossen in den abgelegeneren Provinzen.

Der unmittelbaren Umgebung Manila's fehlt es nicht an schnen Punkten,
ihr Besuch gehrt aber nicht zum Ton, da Toilettenschau, nicht
Naturgenuss, Zweck des Spazierengehns ist. In der trockenen Jahreszeit
fahren Abends Alle, die es bezahlen knnen, auf staubigen Strassen nach
einem krzlich angelegten Platz am Meer, von 1000 Fuss Breite, 200 Fuss
Lnge, wo mehrere Mal in der Woche die recht gute Musik inlndischer
Regimenter spielt, und gehen steif auf und ab. Die Spanier stecken alle
in Uniformen oder schwarzen Fracks. Wenn die Glocken zum Abendgebet
(Angelus) luten, stehn Wagen, Reiter und Fussgnger pltzlich still,
Jedermann entblsst sein Haupt und scheint zu beten.

Derselbe Guvernr, der die Promenade angelegt, hatte auch einen
botanischen Garten geschaffen. Zwar waren die wenigen von ihm dahin
versetzten Pflanzen, auf dem morastigen Boden der vollen Sonnengluth
preisgegeben, schnell wieder zu Grunde gegangen, aber der Platz
war eingezunt, in Felder getheilt, mit Unkraut bewachsen und hatte
wenigstens einen Namen erhalten, gegenwrtig soll er besser im Stande
sein. [56]

In der Umgegend von Manila sind die Kirchenfeste wohl des Besuchs der
Fremden werth, schon wegen der zahlreichen hbschen Indierinnen und
Mestizinnen, die sich Abends dort einfinden und in ihrem besten Putz
auf den festlich beleuchteten, mit Fahnen und Blumen geschmckten
Strassen spazieren gehn. Sie sind namentlich fr den aus den
Malayenlndern kommenden eine anmuthige Erscheinung. Die Indierin
ist sehr schn gewachsen, hat ppiges schwarzes Haar, grosse dunkle
Augen; der obere Theil des Krpers ist in inlndische, oft kostbare
Stoffe von durchsichtiger Feinheit und tadelloser Weisse gehllt,
und von der Hfte abwrts in ein buntstreifiges, weitfaltiges Kleid
(Saya), dessen oberer Theil bis zum Knie durch ein dunkles Tuch,
Tapis, so fest zusammengehalten wird, dass die reichen, bunten Falten
der Saya daraus wie die Blumenbltter einer Granate hervorbrechen,
und die Mdchen nur ganz kurze Schritte machen knnen, was in
Verbindung mit den niedergeschlagenen Augen ihnen einen sehr sittsamen
Anstrich giebt. An den nackten Fssen tragen sie gestickte Pantoffeln
(Chinelas), so schmal, dass die kleine Zehe, die nicht Platz darin hat,
den Pantoffel von aussen festhalten muss. [57]

Aermere Indierinnen kleiden sich nur in eine Saya und ein sogenanntes
Hemd, so kurz, dass es oft nicht bis zu dieser hinabreicht; in den
stlichen Inseln tragen selbst erwachsene Mdchen und Frauen ausser
einem katholischen Amulet gewhnlich nur diese zwei Kleidungsstcke,
die namentlich nach dem Bade, bis sie die Sonne wieder getrocknet hat,
fast durchsichtig sind.

Hut, Hose und darber ein Hemd, beide aus grober Guinra, bilden die
Tracht der rmeren Mnner. Die Hemden der Reicheren sind mitunter
aus sehr theuren inlndischen Geweben, von Ananas oder Bananenfasern
mit oder ohne seidene Streifen, auch ganz aus Jusi (chinesische
Floretseide), in welchem Falle sie nicht gewaschen und also nur
einmal getragen werden knnen. Der Hut, Salact (ein Kugelsegment
aus inlndischem Flechtwerk), dient als Regen- und Sonnenschirm, und
ist zuweilen bis zu betrchtlichem Werthe mit Silber beschlagen. Die
Principalia hat das Vorrecht, eine kurze Jacke ber dem Hemde zu
tragen, und ist gewhnlich auch an ihrer, zuweilen bis an's Drollige
streifenden Wrde und ihrem vergilbten, in der Familie forterbenden
Zylinder-Hute kenntlich. Der einheimische Stutzer hat lackirte Schuhe
an den nackten Fssen, lange, enganliegende Hosen, schwarz oder
grellbunt gestreift; darber ein gefaltetes, gestrktes Hemd von
europischem Schnitt; auf dem Kopf einen zylindrischen Seidenhut,
in der Hand ein Stckchen. Recht unanstndig sieht es aus, wenn
bei Gala-Mahlzeiten die Dienerschaft in weissen gestrkten Hemden
ber den Hosen erscheint, nie sind mir die Hsslichkeiten unserer
europischen Kleidung mehr aufgefallen als in der Nachffung durch
den Manila Elegante.

Die Mestizinnen kleiden sich wie die Indierinnen, aber ohne Tapis,
an Europer verheirathete tragen auch Schuhe und Strmpfe. Manche
Mestizinnen sind von grosser Schnheit, ihr Gang hat aber gewhnlich
etwas Schleppendes, von der Gewohnheit, den Pantoffel zu schleifen. In
der Regel sind sie klug, wirtschaftlich, zu Handelsgeschften sehr
geschickt, in Unterhaltung aber oft unbeholfen und langweilig. Mangel
an Bildung allein ist wohl nicht die Ursache, denn eine Andalusierin
hat ausser der Doctrina christiana auch nichts gelernt, und ist doch
in ihrer Jugend eines der reizendsten Wesen. Der Grund liegt wohl
eher in der Zwitterstellung der Mestizin: von den weissen Frauen wird
sie hochmthig zurckgestossen, whrend sie selbst ihre mtterlichen
Verwandten verlugnet. Ihrem Auftreten fehlt die Sicherheit, der
richtige Takt, den die Sd-Europerin in allen Lebensverhltnissen
zeigt.

Die Mestizen, besonders die von Chinesen und Tagalinen, bilden den
reichsten, unternehmendsten Theil der einheimischen Bevlkerung;
sie kennen alle guten und schlechten Eigenschaften des Eingeborenen
und beuten sie rcksichtslos fr ihre Zwecke aus.








VIERTES KAPITEL

    STELLUNG DER EUROPER UND EINGEBORENEN IN ENGLISCHEN, HOLLNDISCHEN
    UND SPANISCHEN KOLONIEN. -- EINFLUSS DER SPANISCHEN KOLONIALPOLITIK
    AUF DIE SITTEN DER EINGEBORENEN. BEQUEMLICHKEIT DES LEBENS. --
    KOKOSPALME, BAMBUS.


Ein schottischer Grosshndler, dem ich empfohlen war, bot mir mit so
berzeugender Liebenswrdigkeit sein Haus und seine Gastfreundschaft
an, dass ich nicht umhin konnte sie anzunehmen. Obgleich ich mich
dadurch unter dem Schutz eines der reichsten und geachtetsten Mnner
der Stadt befand, verlangten dennoch die Miethskutscher fr jede
Fahrt Vorausbezahlung. Dies Misstrauen liess auf die geringe Achtung
schliessen, die die Mehrzahl der hiesigen Europer den Einheimischen
einflsst. Zahlreiche sptere Beobachtungen besttigten diese
Vermuthung. Wie anders ist es in Java und Singapore! Die Ursache
lsst sich vielleicht erklren:

Hollnder knnen sich ebensowenig als Englnder in heissen Erdstrichen
akklimatisiren; sie beuten die Lnder aus, in denen sie nur
vorbergehend weilen, jene durch Frohnden und Monopole, diese durch
Handel; in beiden Fllen gengen aber wenige, durch die Grsse ihrer
Unternehmungen oder ihre amtliche Stellung durch Reichthum und Bildung
hoch ber der Masse der Bevlkerung stehende Individuen. In Java sind
berdies die Europer der Mehrzahl nach Regierende, die Eingeborenen
Regierte; aber auch in Singapore, wo beide gesetzlich gleichstehn,
wissen sich die wenigen Weissen so entschieden auf der Hhe zu halten,
dass ihnen, wenn auch nicht durch das Gesetz, doch im Verkehr alle
Vorrechte einer hheren Kaste ohne Widerspruch eingerumt werden. Die
Verschiedenheit der Religion vergrssert die Kluft. Endlich sprechen
dort alle Europer die Landessprache, whrend die Eingeborenen die
der Fremden nicht verstehn. Die hollndischen Beamten werden schon in
der Heimat in besonderen Schulen fr den Dienst in Ostindien erzogen;
die Kunst mit den Eingeborenen umzugehen, die Aufrechthaltung des
Prestige, das fr das eigentliche Geheimniss der hollndischen
Macht gegenber der zahlreichen einheimischen Bevlkerung gilt,
bildet einen wesentlichen Punkt in ihrer Erziehung. Daher richten
sich die Hollnder im Verkehr mit den Eingeborenen, wie sehr sie
diese auch ausbeuten, streng nach den Regeln des herkmmlichen Adat
(alter Brauch), verletzen nicht das Ehrgefhl des Inlnders und geben
sich auch im Umgang mit einander nicht leicht eine Blsse vor jenem,
fr den sie ein verschlossenes Buch bleiben.

In den Philippinen ist es umgekehrt. Mit Ausnahme derjenigen Beamten,
denen das Gesetz oder die bei jedem spanischen Ministerwechsel zum
Durchbruch kommende Aemtergier nur einen beschrnkten Aufenhalt
gestattet, kehren wenige Spanier, die einmal die Kolonie betreten,
in ihr Vaterland heim; die Geistlichen drfen nicht, die meisten der
brigen knnen nicht zurck; ein nicht unbetrchtlicher Theil besteht
aus Subalternen, Soldaten und Seeleuten, politischen Verbrechern
und politisch Unbequemen, deren sich das Mutterland entledigt, auch
nicht selten aus Abenteurern, denen die Mittel zur Rckkehr fehlen und
wohl eben so sehr die Lust; denn wie herrlich ist ihr hiesiges Leben
im Vergleich zu dem, welches sie in ihrer Heimat fhren mssten. Sie
kommen an ohne Kenntnisse des Landes, ganz unvorbereitet; Manche sind
so faul, dass sie nie die Sprache lernen, selbst wenn sie sich im
Lande verheirathen. Ihre Diener verstehen Spanisch, belauschen die
Gesprche und Handlungen, und kennen alle Geheimnisse ihrer meist
wenig diskreten Herren, whrend die Eingeborenen diesen ein Rthsel
bleiben, das sie auch schon aus Dnkel nicht zu entziffern versuchen.

Dass die grosse Zahl der hiesigen, ungebildeten, ber ihre Mittel
hinaus lebenden Spanier, die alle die Herrn spielen wollen, gleichviel
welche Stellung sie zu Haus einnahmen, das Ansehn der Europer sehr
beeintrchtigen muss, ist leicht einzusehn. Die relative Stellung
des Indiers kann aber dabei nur gewinnen und schwerlich giebt es
eine Kolonie, in welcher sich die Eingeborenen im Ganzen genommen
behaglicher fhlen als in den Philippinen. Sie haben Religion, Sitten
und Gebruche ihrer Herren angenommen, und fhlen sich, obwohl diesen
gesetzlich nicht gleichgestellt, doch nicht durch eine hohe Schranke
von ihnen geschieden, wie sie, ganz abgesehn von Java, die schroffe
Zurckhaltung der Englnder zwischen sich und den Eingeborenen aufbaut.

Die gleiche Religion, der gemeinschaftliche Gottesdienst, das
Zusammenleben mit den Einheimischen, Alles trgt dazu bei, den
Europer dem Indier nher zu bringen, wie auch das Vorhandensein
einer verhltnissmssig sehr zahlreichen Mestizenklasse bezeugt.

Spanier und Portugiesen scheinen in der That die einzigen Europer,
die in tropischen Lndern Wurzel schlagen, sich mit Eingeborenen auf
die Dauer fruchtbar vermischen knnen; wobei das Coelibat der Priester
begnstigend mitwirkt. [58]

Den Mangel an Eigenthmlichkeit, der bei den Mestizen aus ihrer
Zwitterstellung hervorzugehn scheint, nimmt man auch an den Indiern
wahr. Stark ausgeprgte nationale Sitten, die man in einem so fernen
Lande wohl erwarten sollte, sucht man vergebens; immer von Neuem
merkt man den Leuten an, dass Alles angelernt und usserlich ist.

Wie der spanische Katholizismus im Mutterlande die hohe Kultur der
Mauren, in Peru die der Inka's mit Gewalt ausgerottet, so hat er hier,
was etwa an eigenthmlicher Gesittung vorhanden war, ebenso grndlich
zu beseitigen verstanden, indem er sich, um schnell Wurzel schlagen,
den bestehenden Formen und Missbruchen in fast unglaublicher Weise
anschmiegte. [59]

Die in der Kultur wenig vorgeschrittenen Philippiner nahmen schnell
die Aeusserlichkeiten der fremden Religion an, und zugleich
die Aeusserlichkeiten im Wesen ihrer neuen Herren; die eignen
Sitten lernten sie, als heidnisch und wild, verachten. Jetzt
singen sie andalusische Lieder und tanzen spanische Tnze, aber
wie! Alles ffen sie nach, ohne den Geist zu erfassen, aus dem es
hervorgegangen. Deshalb sind sie selbst und ihre Kunsterzeugnisse
meist langweilig und charakterlos, man mchte sagen uncht, trotz
der auf letztere zuweilen verwendeten grossen Geschicklichkeit und
Geduld. Diese beiden Eigenschaften werden brigens bei allen wenig
fortgeschrittenen Nationen wahrgenommen; die bewunderte Geduld ist aber
oft nur Verschwendung von Zeit und Mhe, im Missverhltniss zum Zweck;
die grssere Anstelligkeit eine Folge der weniger vorgeschrittenen
Arbeitstheilung.

Betritt man das Haus eines wohlhabenden Eingeborenen, der spanisch
spricht, so empfngt er uns mit denselben Redensarten wie sein Vorbild;
man hat aber dabei immer das Gefhl, dass sie nicht am Platz sind. In
den Lndern, wo die einheimische Bevlkerung ihren alten Sitten treu
geblieben, wird dies nie empfunden; selbst wenn uns nicht mit der
gebhrenden Rcksicht begegnet werden sollte, bemerken wir es kaum, da
sich bei ganz verschiedenen gesellschaftlichen Formen, wie bei fremdem
Maass und Gewicht, nicht unmittelbar Vergleiche aufdrngen. -- Whrend
in Java und namentlich in Borneo und den Molukken die Gegenstnde
des tglichen Gebrauchs hufig mit so feinem Gefhl fr Form und
Farbe verziert sind, dass sie von unseren Knstlern als Muster der
Ornamentik gerhmt werden und den Beweis liefern, dass die Arbeit
mit Lust und Liebe und innigem Verstndniss vollbracht wurde, ist in
den Philippinen von solchem Schnheitssinn wenig wahrzunehmen. Alles
ist Nachahmung oder liederlicher Nothbehelf. Selbst die wegen ihrer
Feinheit so berhmten, mit unglaublicher Geduld und nicht minderem
Geschick ausgefhrten Pia-Stickereien sind in der Regel geistlose
Nachahmungen spanischer Muster. Zu hnlichen Betrachtungen gelangt man
unwillkrlich, wenn man die Kunstprodukte der spanisch-amerikanischen
Vlker mit denen der wilden Stmme vergleicht. Das ethnographische
Museum in Berlin bietet dazu Stoff in Flle.

Die Ruder bestehn in den Philippinen hufig aus einer Bambusstange,
an deren Ende ein Brett mit Rotangstreifen festgebunden ist; bricht
es unterwegs entzwei, um so besser; bis es geflickt ist, muss die
anstrengende Arbeit nothwendig unterbrochen werden.

In Java sind die vllig regendichten Bffelkarren auf das
Mannichfaltigste und Geschmackvollste gemustert. In den Philippinen
wird der dachlose Karren gewhnlich erst im letzten Augenblick
zusammengeflickt. Soll die Ladung durchaus vor Nsse geschtzt werden,
so wirft man ein paar alte Matten darber, mehr in der Absicht, die
Ansprche des Castila zu beschwichtigen, als um den Regen abzuhalten.

Englnder und Hollnder bleiben Fremdlinge unter den Tropen, sie ben
keinen Einfluss auf die alten Gebruche, die in der Landesreligion
gipfeln. Die Vlker aber, die Spanien durch den Katholizismus
unterworfen, haben alles Ursprngliche, Volksthmliche verloren; die
fremde Religion ist bei ihnen nicht in's Innere gedrungen, es fehlt
ihnen an moralischem Halt, und wohl kein zuflliges Zusammentreffen
ist es, dass sich alle diese Vlker mehr oder weniger kennzeichnen
durch einen gewissen Mangel an Wrde, grosse Leichtlebigkeit und
selbst Liederlichkeit.

Abgesehn von diesem Mangel an nationalen Eigenthmlichkeiten und
berlieferten Gebruchen, deren Vorhandensein vielen Lndern Ostasiens
einen Hauptreiz verleiht, ist der Eingeborne hchst anziehend als
Typus des Menschen unter bequemsten ussern Verhltnissen. Die
Willkrherrschaft der Huptlinge und die Sklaverei wurden von den
Spaniern bald nach ihrer Ankunft abgeschafft, an Stelle der hufigen
Raubzge und Kriege trat Ruhe und Sicherheit. Das spanische Regiment
ist in diesen Inseln im Ganzen immer milde gewesen, nicht weil die
Leyes de Indias so sehr wohlwollend, ja fast zrtlich fr den Indier
lauten, den sie wie einen Minorennen behandeln, sondern weil die
Ursachen fehlten, die in Spanisch-Amerika trotz derselben Gesetze und
in den Kolonien anderer Vlker so grosse Grausamkeiten veranlassten.

Es war ein Glck fr die Eingeborenen, dass ihre Inseln keine
Reichthmer an edlen Metallen und kostbaren Gewrzen besassen. Die
voluminsen Produkte des Ackerbau's konnten bei den ehemaligen
Verkehrsverhltnissen keine Ausfuhren bilden; es lohnte daher
nicht, sie nachdrcklich auszubeuten. Die wenigen in der Kolonie
lebenden Spanier fanden im Handel zwischen China und Mexico durch
die Nao (S. 10) ein so bequemes Mittel zum Gelderwerb, dass sie
sich fern hielten von allen wirthschaftlichen Unternehmungen, die
ihren eignen adelshochmthigen Neigungen wenig entsprachen und die
angestrengte Arbeit der Eingeborenen erfordert htten. Fr Spanien,
dem schon bergrosse Besitzungen in Amerika eine erschpfende
Menschensteuer auflegten, war es bei der damals so langwierigen,
gefahrvollen Schifffahrt unmglich, in den Philippinen eine starke,
bewaffnete Macht zu halten. Die durch einige glnzende militrische
Unternehmungen eingeleitete Unterwerfung ward wesentlich durch Mithlfe
der Mnchsorden vollendet, deren Missionre vorwiegend Klugheit und
Geduld anwenden mussten. So wurden die Philippinen zum grossen Theil
durch Conquista pacifica (Pacifacion, Poblacion) gewonnen.

Die den Eingeborenen aufgelegten Abgaben waren so gering, dass
sie nicht entfernt fr den Kolonialhaushalt gengten. Der Ausfall
wurde durch jhrliche Zuschsse aus Mexico gedeckt. An Erpressungen
gewissenloser Beamten hat es freilich nicht gefehlt. Grausamkeiten,
wie in den amerikanischen Bergwerksdistrikten oder in den Fabriken
von Quito werden aber von den Philippinen nicht gemeldet.

Das unbebaute Land ist frei, gehrt Jedem, der es urbar machen will,
fllt aber, wenn es zwei Jahre unbenutzt bleibt, wieder an die Krone
zurck. [60] Die einzige Abgabe, die der Indier zahlt, ist eine
Kopfsteuer, Tributo genannt, die ursprnglich vor drei Jahrhunderten
einen Dollar fr je zwei Erwachsene betrug, was in einem Lande,
wo Alle frh heirathen und die Geschlechter gleich vertheilt sind,
fast gleichbedeutend mit Familie ist. Allmlig ist der volle Tribut
auf 2 1/16 Doll. erhht worden. Ein Erwachsener zahlt also 1 1/32
Doll. und zwar vom 16ten bis zum 60sten Lebensjahre, gleichviel ob
Mann oder Frau. Ausserdem hat der Mann 40 Tage Arbeit fr ffentliche
Zwecke zu leisten. Diese Frohnden (Plos y Servicios) zerfallen
in ordentliche und ausserordentliche; jene bestehn in Wacht- und
Botendienst, Reinhalten des Tribunals und anderen leichten Diensten,
diese in Strassenbau und hnlichen zum Besten des Dorfes oder der
Provinz. Wie wenig aber diese Leistungen ausgenutzt werden, geht wohl
am besten daraus hervor, dass Jedermann sich davon loskaufen kann fr
eine Summe, die im hchsten Falle nicht ber 3 Doll. betrgt. Frauen
sind von persnlichen Leistungen frei. Die wichtigsten Einzelheiten
ber den Tribut sind weiter unten in einem besonderen Kapitel,
vorzglich nach amtlichen Quellen, die mir im Ultramar-Ministerium
zugnglich waren, kurz zusammengestellt.

In andern Lndern, wo das Klima ebenso milde, der Boden ebenso
ergiebig, wird der Eingeborene von einheimischen Frsten fast
erdrckt, von Auslndern rcksichtslos ausgebeutet oder vertilgt,
wenn er nicht schon eine hhere Zivilisationsstufe einnimmt. In
diesen abgelegenen, von der Natur so reich ausgestatteten Inseln,
wo der Druck von oben, der innere Trieb und jede ussere Anregung
fehlte, hat sich das behagliche Leben bei geringen Bedrfnissen in
voller Breite entfalten knnen. Von allen Lndern der Welt mgen die
Philippinen wohl den Anforderungen an ein Schlaraffenland am meisten
entsprechen. Wer das Dolce far niente nur von Neapel her kennt, hat
noch keinen Begriff davon; es gedeiht nur unter Palmen. Die folgenden
Reiseberichte werden Beispiele genug enthalten, um dies zu bekrftigen;
aber schon eine Fahrt auf dem Psig giebt einen Vorgeschmack des
Lebens im Innern. Niedliche Bretterhuser und Bambushtten, von
ppigster Laub- und Blthenflle umgeben, gruppiren sich malerisch
mit Arecapalmen und hohen gefiederten Bambusen am Ufer. Zuweilen
reichen die Zune in den Fluss und grenzen Rume zur Entenzucht ab
-- oder zum Baden. Der Saum des Wassers ist von Khnen, Senknetzen,
Flssen, Fischapparaten und dergleichen eingenommen. Beladene Boote
ziehen den Fluss entlang und kleine Nachen schiessen zwischen Gruppen
von Badenden hindurch von einem Ufer zum andern.

Am Lebhaftesten geht es bei den Tiendas zu, grossen, den javanischen
Warongs entsprechenden Schuppen, deren offene Seite aber dem Fluss,
der Hauptverkehrsstrasse, zugewendet ist. Sie ben eine mchtige
Anziehung auf die vorberziehenden Schiffer, die dort ausser Speisen
und andern Lebensbedrfnissen gewhnlich auch mssige Gesellschaft
beiderlei Geschlechts, Hazard-Spiel, Tuba, Betel und Tabak finden.

Zuweilen sieht man einen Indier im Schlafe auf einem grossen Berg von
Kokosnssen hockend mit der Ebbe den Fluss hinabtreiben. Strandet er,
so erwacht der Schlfer, macht sich mit Hlfe eines langen Bambus
wieder frei und treibt im Halbschlaf mit der Strmung weiter. Durch
einen Schlag mit dem Waldmesser ist es leicht, von der Faserhlle
der Nuss einen schmalen Streifen so weit zu lsen, als nthig ist,
um sie mit einer andern zu verknpfen; so wird ein Kranz gebildet, der
die in der Mitte lose aufgethrmten Nsse umgrtet und zusammenhlt.

Wir haben freilich vollkommenere Transportmittel als Errungenschaft
Jahrtausende langer mhevoller Arbeit, hier aber kann der Mensch sehr
Vieles unmittelbar aus den Hnden der Natur fr seine Zwecke verwenden
und sich durch geringe Mhe verhltnissmssig grosses Behagen schaffen.

Auf der Insel Talim im grossen See von Bay kauften meine Bootleute fr
einige Cuartos mehrere Dutzend fast fusslanger Fische; diejenigen,
die sie nicht verzehren mochten, wurden gespalten, gesalzen und auf
dem Dach des Bootes in wenigen Stunden an der Sonne getrocknet. Als
die Fischer ihr beabsichtigtes Frhstck verkauft hatten, bckten sie
sich und fllten ihre Kochtpfe mit Sumpfmuscheln (Paludina costata
Q. & G.), die sie hndevoll vom Boden des flachen Wassers aufnahmen,
indem sie die todten zum Theil fortwarfen.

Fast alle Ortschaften liegen am Wasser. Der Fluss ist eine von der
Natur gegebene, sich selbst erhaltende Strasse, auf welcher Lasten
bis an den Fuss der Berge befrdert werden knnen. An seinem Ufer
und besonders an seiner breiten Mndung erheben sich auf Pfhlen die
Htten der Eingeborenen, Pfahlbauten von unmittelbar ersichtlicher
Zweckmssigkeit. Dort vorzugsweise ist der Sitz des Lebens, weil
es dort am bequemsten ist. Bei jeder Ebbe liefern die Fischreusen
mehr oder weniger reichliche Ausbeute; Weiber und Kinder holen dann,
ohne sich zu bcken, vermittelst ihrer Zehen, mit denen sie greifen
knnen, Zweischaler aus dem Schlamm, oder sammeln am Strande Krebse,
Seethiere, essbare Algen.

Ein hbscher Anblick ist es, wenn Frauen, Mnner und Kinder im
Schatten von Palmen baden und scherzen, Andere ihre Wassergefsse
fllen: gerumige Bambusen, die geschultert, oder Krge, die auf dem
Kopf getragen werden, und wenn die Knaben auf dem breiten Rcken der
Bffel aufrecht stehend diese jubelnd in's Wasser reiten.

Dort ist es auch wo die Kokospalme am besten gedeiht, die dem
Menschen nicht nur Speise und Trank, sondern auch das gesammte
Material fr seine Htte und allerlei Gerth liefert. Whrend
sie landeinwrts nur bei grosser Pflege sprlich Frchte trgt,
giebt sie am unmittelbaren Seestrande auf dem schlechtesten Boden
ohne menschliche Bemhung reichen Ertrag. (Im Treibhaus ist sie wohl
noch nie zur Blte gekommen?). Thomson [61] hebt hervor, dass sie auf
solchem Standorte ihren Stamm gern ber das Meer neigt, dessen Fluthen
die herabfallenden Frchte an de Ksten und niedere Inseln tragen
und diese dadurch zu menschlichen Wohnsitzen geschickt machen. So
mag wohl die Kokospalme einen wesentlichen Antheil an dem maritimen
Vagabundenthum der malayischen und polynesischen Vlkerschaften haben.

Neben dem Kokoshain zieht sich ein Saum stammloser Nipapalmen hin, die
nur in brackischem Wasser wachsen [62]; ihre Bltter liefern die besten
Ataps zum Dachdecken. Aus ihrem Saft wird Zucker, Branntwein und Essig
bereitet. Schon Pigafetta fand vor 350 Jahren diese Gewerbe in vollem
Betriebe, sie scheinen auch heut noch auf die Philippinen beschrnkt
zu sein. Auch derjenige Pandanus, aus dessen Blttern die weichsten
Matten geflochten werden, entfernt sich nicht weit vom Strande.

Landeinwrts breiten sich Reisfelder aus, die durch jhrlich
wiederkehrende Ueberschwemmungen eine Lage fruchtbaren Erdreichs aus
den Bergen erhalten und daher nie gedngt werden. Der Bffel, das
Lieblingshausthier des Malayen, dasjenige welches er vorzugsweise
zum Feldbau zu benutzen pflegt, zieht diese Orte allen andern
vor; er liebt, sich im Schlamm zu wlzen und ist nicht zur Arbeit
tauglich, wenn er sich nicht hufig baden kann. Aus den Reisfeldern
an den Flussufern neben den Htten erheben sich fein gefiederte
Bambusbsche. Wie sehr dies Riesengras zur Bequemlichkeit des Lebens
der Tropenbewohner beitrgt, hat Verfasser in frheren Reiseskizzen
(S. 174) zu schildern versucht. Noch manche interessante Verwendungen
sind ihm seitdem bekannt geworden, deren Beschreibung hier nicht am
Ort wre. [63] Es sei ihm aber vergnnt, noch nachtrglich an einigen
Beispielen deutlich zu machen, mit wie einfachen Mitteln alle jene
vielfltigen Ergebnisse erzielt werden. Die Natur hat diese herrliche
Pflanze, die vielleicht alle andere auch an Schnheit bertrifft,
mit so vielen ntzlichen Eigenschaften ausgestattet, und liefert
sie dem Menschen so fertig zum unmittelbaren Gebrauch in die Hand,
dass meist einige kecke Schnitte gengen, um die mannichfaltigsten
Gerthe daraus herzustellen. Der Bambus hat eine, im Verhltniss
zu seiner Leichtigkeit ausserordentlich grosse Festigkeit, bedingt
durch die Rhrenform und die in angemessenen Abstnden vorhandenen
Zwischenwnde. Wegen des Parallelismus und der Zhigkeit seiner
Fasern ist er sehr vollkommen und leicht spaltbar; gespalten aber,
von ausgezeichneter Biegsamkeit und Elastizitt. Dem Reichthum an
Kieselerde verdankt er grosse Dauerbarkeit, und eine harte, glatte,
stets reine Oberflche, deren Glanz und schne Farbe im Gebrauch
zunehmen. Von besonderer Wichtigkeit endlich fr Vlker mit geringen
Verkehrsmitteln ist der Umstand, dass der Bambus in Flle auf sehr
verschiedenen Standorten, in allen mglichen Dimensionen von wenigen
Millimetern bis zu zehn, fnfzehn Centimetern und mehr, ausnahmsweise
sogar von doppeltem Durchmesser, angetroffen wird, und berdies wegen
seiner unbertrefflichen Flssbarkeit selbst in jenen strassenarmen,
aber wasserreichen Lndern mit grsster Leichtigkeit fortgeschafft
werden kann.

Ein Schlag mit dem Waldmesser reicht gewhnlich aus, um ein starkes
Rohr zu fllen, entfernt man die dnnen Zwischenwnde, so hat man
Rhren, deren Enden in einander geschoben werden knnen. Durch
einmaliges Spalten erhlt man Rinnen, Trge, Dachziegel; durch
mehrmaliges Latten, die wiederum bis in die feinsten Streifen und
Fden, zur Anfertigung von Rahmen, Gestellen, Krben, Stricken, Matten
und feinen Geflechten zerlegt werden knnen. Zwei Schnitte in die
Seite geben ein rundes Loch, in welches ein Halm von entsprechendem
Durchmesser fest eingepasst werden kann (a). Macht man solchem
Ausschnitt gegenber einen zweiten, so kann ein Halm durchgesteckt
werden (b), auf diese Weise werden Thren wagerecht oder senkrecht
verschiebbar, oder um eine senkrechte oder wagerechte Axe mit oder
ohne Reibung drehbar, hergestellt.

Zwei tiefere Schnitte gestatten das Rohr in einen Winkel (c) , oder
wenn sie weit genug auseinander, um einen andern Halm zu biegen,
z. B. fr Dachfirsten (d), fr Gestelle von Sthlen oder Tischen
(e), auf denen dann ein aufgeschlitztes, plattgedrcktes Rohr, statt
eines Brettes oder Bambus-Latten (f) mittelst Stuhlrohr befestigt
werden. Eben so leicht ist es eine lngliche schmale Oeffnung
herzustellen zum Einpassen von Latten (g).

Zwei Schnitte gengen beinahe, um eine Gabel oder Zange (h), einen
Haken (i) anzufertigen.

Macht man ein durch Auflegen des Fingers verschliessbares Loch in die
Seite, dicht unter einem Knoten, so erhlt man einen Heber und zugleich
ein Filtrum (k), wenn man ber das offene Ende ein Lppchen bindet.

Spaltet man ein abgestutztes Rohr bis auf einen Knoten in Streifen, die
man auseinander biegt und mit andern Streifen durchflicht, so erhlt
man einen konischen Korb, der unter dem Knoten kurz abgeschnitten
als Tragkorb (l), langgestielt, mit Harz gefllt als Signalfackel
dient. (m) Steckt man in solche spitzkegelfrmige Krbe flachere von
gleichem Umfang, deren Knoten abgeschnitten oder durchstossen sind, so
erhlt man Fangkrbe fr Krabben und Fische. (n) Spaltet man aber einen
kurz ber einem Knoten abgestutzten Halm so, dass nur ein Kranz kurzer
Zhne stehn bleibt, so hat man, wenn man die Scheidewand durchstsst,
einen Erdbohrer (o) und zugleich ein Brunnenrohr und so weiter
und endlos weiter. -- Als Beispiele sinnreicher Bambuskonstruktion
mgen ausser nachstehender, die Zeichnungen zu S. 177. 193. 210 der
Reiseskizzen dienen.

Auch der im Innern reisende Fremde hat tglich neue Gelegenheit, die
Gastfreiheit der Natur in vollen Zgen zu geniessen. Die Luft ist so
gleichmssig warm, dass man mit Ausnahme eines Sonnenhutes und leichter
Schuhe alle Kleider entbehren knnte. Uebernachtet man im Freien, so
ist aus Palmen- oder Farnwedeln in krzester Zeit eine Htte gebaut. Im
kleinsten Drfchen aber befindet sich ein Gemeindehaus (casa real), in
dem man wohnen kann und die nthigen Lebensbedrfnisse zum Marktpreis
geliefert erhlt. Auch ist dort immer eine Anzahl Semanros (Leute,
die den Wochendienst haben) anwesend und gegen geringen Tagelohn
als Boten oder Trger zur Verfgung des Reisenden. Bei lngerem
Verkehr zeigt sich, dass ihr Dienst hauptschlich in Nichtsthun
besteht. Es ist mir vorgekommen, dass ich einen Mann, der mit den
brigen Karten spielte und Tuba (frischer oder schwach gegohrener
Palmensaft) trank als Boten senden wollte, dieser sich aber, ohne im
Spiel inne zu halten, damit entschuldigte, dass er Gefangener sei;
so musste denn einer seiner Hter den unbequemen Gang in der Hitze
machen. Die Gefangenen haben nicht zu klagen. Das einzige Unangenehme
sind die Rotangschlge, die fr geringe Vergehn von den Lokalbehrden
freigiebig dutzendweis verordnet werden. Sie scheinen aber auf den
von Jugend auf dagegen abgehrteten Eingeborenen in den meisten Fllen
durchaus keinen andern Eindruck als den des unmittelbaren krperlichen
Schmerzes zu machen. Seine Bekannten stehn hufig um ihn, sehen zu
und fragen scherzend, wie es geschmeckt hat.

Nach lngerem Aufenthalt unter den ernsten, schweigsamen, wrdevollen,
fr ihre Ehre ngstlich besorgten, gegen Vornehmere unterwrfigen
Malayen empfindet man den Gegensatz im Charakter der hiesigen
Eingeborenen, die doch auch wesentlich malayischer Rasse sind, um
so greller. Er scheint eine natrliche Folge der oben skizzirten
spanischen Herrschaft: in Spanisch-Amerika begegnet man hnlichen
Verhltnissen. Unter ihren einheimischen Huptlingen mgen sich die
Eingeborenen in Folge der Rangunterschiede und des despotischen Druckes
wenig von den heutigen Malayen in ihrem Wesen unterschieden haben.








FNFTES KAPITEL

    GEOGRAPHISCHES. -- METEOROLOGISCHES. -- POLITISCHE EINTHEILUNG. --
    VOLKSMENGE. -- SPRACHEN.


Die Umgebung Manila's, der Psig und der See von Bay, die jeder
Fremde besucht, sind so oft beschrieben worden, dass ich mich auf
einige kurze Aufzeichnungen ber diese Gegenden beschrnken und nur
ber meine Reisen in den sdstlichen Provinzen Luzns, Camarines
und Albay und den stlich davon liegenden Inseln Samar und Leyte
ausfhrlicher berichten werde. Vorher drfte es angemessen sein,
durch Betrachtung der Karte sich einen Ueberblick der geographischen
Verhltnisse zu verschaffen.

Der philippinische Archipel liegt zwischen Borneo und Formosa und
trennt den nrdlichen stillen Ozean von der China-See. Von den
Sulu-Inseln im Sden bis zu den Babuyanes im Norden zieht er sich
durch 14 1/2 Breitengrade, von 5 bis 19 1/2 N., und wenn man die
Bashee-Inseln oder Batanes dazu rechnet, bis 21 N. Aber weder im
Sden noch im Norden reicht die spanische Herrschaft in Wirklichkeit
bis an diese ussersten Grenzen, so wie sie sich auch nicht berall
bis in das Innere der grssern Inseln erstreckt. Von Ost nach West
nehmen die Philippinen 9 Lngengrade ein. Zwei Inseln, Luzon mit
2000, Mindanao mit mehr als 1500 quadr. M. Flchenraum sind zusammen
grsser als alle brigen. Dann folgen der Grsse nach sieben Inseln:
Palwan, Smar, Pany, Mindoro, Leyte, Negros, Ceb, deren erstere
250, letztere etwa 100 quadr. M. misst, Bojl, Masbte, je halb so
gross; 20 kleinere bemerkenswerthe Inseln und zahllose kleine Eilande,
Felsen und Riffe. [64]

Der Philippinische Inselstaat ist ausserordentlich durch seine Lage
und reiche Gliederung begnstigt. Seine Erstreckung von 5 bis 21
N., durch 16 Breitengrade gewhrt ihm eine Mannichfaltigkeit des
Klima's, welcher sich die niederlndisch-indischen Besitzungen, deren
Hauptstreichen west-stlich ist, whrend sie nur wenige Breitengrade
zu beiden Seiten des Aequators einnehmen, durchaus nicht in solchem
Maasse erfreuen. Die durch die Richtung des Archipels gegebene
Mannichfaltigkeit wird durch seine vertikale Gliederung vergrssert,
so dass die Produkte der heissen und gemssigten Zone, die Palme und
die Fichte, die Ananas, der Weizen und die Kartoffel dort gedeihen.

Die grsseren Inseln enthalten ausser tief in das Land eindringenden
Buchten ausgedehnte Binnenseen und betrchtliche, auf weite Strecken
schiffbare Flsse; der Archipel ist reich an sicheren Hfen und
unzhligen Zufluchtsorten fr Schiffe; ein Umstand aber, der aus
dem Anblick einer Karte nicht ersichtlich wird, und doch eine der
glcklichsten Eigenschaften dieser Inseln ausmacht, ist die endlose
Zahl kleiner Flsse, die von den Bergen herabstrmen und sich,
bevor sie das Meer erreichen, zu breiten Aestuarien erweitern, in
denen Kstenfahrer von geringem Tiefgang bis an den Fuss der Berge
gelangen knnen um ihre Ladung einzunehmen. Die Fruchtbarkeit des
Bodens ist unbertrefflich, Salz- und Ssswasser wimmelt von Fischen
und Schalthieren, im ganzen Archipel giebt es kaum ein reissendes
Thier. Es scheinen nur zwei Viverren: Miro (Paradoxurus philippinensis
Temm.) und Galong (Viverra tangalunga Gray) vorzukommen. Mehr noch
als an Grsse berragt Luzon alle brigen Inseln an Bedeutung, und
wohl mag es, wie Crawfurd andeutet, durch Fruchtbarkeit und andre
natrliche Vorzge die schnste der gesammten Tropenwelt sein.

Der Hauptkrper der Insel Luzon erstreckt sich in wenig gegliederter
Masse als lngliches, 25 Meilen breites Viereck von 18 40' N. bis
zur Bay von Manila (14 30' N.) und sendet dann einen durch grosse
Seen und tiefe Buchten zerrissenen Auslufer nach Osten, der westlich
und stlich vom grossen Binnensee von Bay nur durch zwei schmale
Bnder mit der Hauptmasse zusammenhngt. Manche Spuren rezenter
Hebungen deuten an, dass beide Theile frher getrennt waren, zwei
selbststndige Inseln bildeten. Das grosse, nach O. gerichtete Stck,
fast so lang als das nrdliche, wird in seiner Mitte, wo von SO. die
tiefe Bucht von Ragay, von NW. die von Sogod einander entgegenstreben,
in zwei fast gleiche Theile zerlegt, so dass man es betrachten kann,
als aus zwei parallel streichenden Halbinseln bestehend, die an
der eben erwhnten Stelle durch eine kaum 3 Meilen breite Landzunge
zusammenhngen. Zwei kleine Flsschen, die in geringer Entfernung
von einander entspringen und in die entgegengesetzten Buchten mnden,
machen die Trennung fast vollstndig und bilden zugleich die Grenze
zwischen den Provinzen Tayabas im Westen und Camarines im Osten. Die
westliche dieser Halbinseln wird zum grossen Theil von der Provinz
Tayabas eingenommen. Die grssere stliche zerfllt in die Provinzen
Nord-Camarines, Sd-Camarines und Albay. Erstere ist durch die erwhnte
Grenze von Taybas, durch eine vom Sdrande der Bucht von S. Migul
stl. zur Kste gezogene Linie von Sd-Camarines getrennt. Den Ostrand
der Halbinsel bildet die Provinz Albay, von Sd-Camarines durch eine
Linie geschieden, die von Donzl an der Sdkste, nordwrts ber
den Vulkan Mayon, dann mit einem Bogen nach Westen zur Nordkste
luft. Ein Blick auf die Karte wird diese Verhltnisse klar machen.

In den Philippinen sind zwei Jahreszeiten zu unterscheiden:
eine trockene, eine nasse. Den, den Sd- und -Westwinden offen
liegenden Gebieten bringt der SW.-Monsun in unseren Sommermonaten
die Regenzeit. An den Nord- und -Ostksten fallen die reichlichsten
Niederschlge in unseren Wintermonaten, whrend des NO.-Monsuns. Durch
die Zerrissenheit des Landes und die hohen Berge werden diese
allgemeinen Verhltnisse rtlich vielfach verndert. In Manila
dauert die trockene Jahreszeit vom November bis Juni (NO.-Monsun),
die Regenzeit whrend der brigen Monate (SW.-Monsun). Am meisten
regnet es im September; Mrz und April sind hufig regenlos, Oktober
bis einschliesslich Februar khl und trocken (NW.-, N.-, NO.-Winde),
Mrz, April, Mai heiss und trocken (ONO. O. OSO.), Juni bis Ende
September feucht und mssig warm.

Seit einigen Jahren ist in Manila ein meteorologisches Observatorium
unter Leitung der Gesellschaft Jesu errichtet. Nachstehendes ist ein
Auszug aus dem Jahresbericht fr 1867 den ich Professor Dove's Gte
verdanke. [65]

Barometer: Der mittlere Stand der Quecksilbersule betrug 1867:
755,5 Millimeter, (1865: 754,57 Millimeter, 1866: 753,37 Millimeter.)

1867: Der Unterschied zwischen den ussersten Barometerstnden
berstieg nicht 13,96 Millimeter, und wre viel geringer, htten
nicht Strme im Juli und September die Quecksilbersule so sehr
herabgedrckt; die stndlichen Schwankungen betragen nur wenige
Millimeter. --

Tglicher Gang des Barometers: Es steigt in der Frhe bis gegen 9
Uhr, fllt dann bis 3 oder 4 Uhr Nm. und steigt dann wieder bis 9 Uhr
Abends, von wo an es bis zum Morgen fllt. Die beiden Hauptstrmungen
der Atmosphre ben grossen Einfluss auf den Gang des Barometers,
die nrdliche macht ihn steigen (Normalhhe 756mm) die sdliche fallen
(Normalhhe 753mm).

Temperatur. Die Wrme wchst von Januar bis Ende Mai, und nimmt
dann ab bis zum Dezember. Jahresmittel: 27.9 C. (0.4 mehr als in
den Vorjahren). -- Die beobachtete hchste Temperatur betrug 37.7
C. (15. April 3 Uhr Nm.) die niedrigste: 19.4 (14. Dez. und 30. Jan. 6
Uhr Vm.) -- Unterschied: 18.3 C.

Grsse der Thermometerschwankungen: Januar 13.9. -- Februar 14.2. --
Mrz 15. -- April 14.6. -- Mai 11.1. -- Juni 9.9. -- Juli 9. --
August 9. -- September 10. -- Oktober 11.9. -- November 11.8. --
Dezember 11.7. Khlste Monate: November, Dezember, Januar mit
nrdlichen Winden. -- Wrmste Monate: April und Mai. Ihre hohe
Temperatur veranlasst den Wechsel des Monsuns von NO. nach SW. Von
Juni bis September kommt die Temperatur der normalen am nchsten, die
Schwankungen sind dann am geringsten wegen der fast ununterbrochenen
Niederschlge und trben Luft. Tglicher Gang: am khlsten ist es von
6 bis 7 Uhr Vm., die Wrme steigt langsam, erreicht ihr Maximum gegen
2 bis 3 Uhr Nm., und nimmt dann wieder ab. Whrend einiger Stunden
der Nacht bleibt die Temperatur fast unverndert, gegen Morgen fllt
sie schnell.

Die Richtung der Winde ist zu allen Jahreszeiten sehr regelmssig,
wenn auch zuweilen lokale Ursachen sie etwas verndern; im Zeitraum
eines Jahres durchlaufen sie die ganze Windrose. Im Januar und Februar
herrschen Nordwinde, im Mrz und April sdstliche Winde, im Mai,
Juni, Juli, August, September sdwestliche. Anfang Oktober schwanken
sie zwischen Sdost und Sdwest, und befestigen sich gegen Ende des
Monats in NO., wo sie whrend der beiden folgenden Monate ziemlich
bestndig bleiben. Die beiden Monsunwechsel finden immer im April oder
Mai und im Oktober statt. Im Allgemeinen halten sich beide Monsune das
Gleichgewicht, in Manila aber, weil es gegen Norden durch hohe Gebirge
geschtzt ist, wird der NO. Monsun oft nach SO. und NW. abgelenkt;
aus demselben Grunde blst der SW. dort auch strker.

Der Himmel ist gewhnlich theilweise bedeckt, vllig heitere Tage
sind sehr selten; sie kommen nur von Januar bis April (NO. Monsun) vor.

Regentage: 168. Am hufigsten und strksten regnet es von Juni
bis Ende Oktober; der Regen fllt dann in Strmen, im Sept. allein
betrug die Regenmenge 1m. 5. d. h. fast dreimal so viel als in Berlin
durchschnittlich in einem Jahre. Im ganzen Jahre 3072,8mm (dies ist
mehr als das Mittel).

Das verdampfte Wasser betrug nur 2307,3mm. In gewhnlichen Jahren
ist die Verdampfung den Niederschlgen ziemlich gleich (im Laufe des
Jahres nmlich, aber nicht in den einzelnen Monaten).

Die mittlere tgliche Verdunstung war etwa 6,3mm.

Die Monsunwechsel sind oft von furchtbaren Strmen begleitet, whrend
eines solchen im September erreichte die Geschwindigkeit des Windes 37
bis 38 Meter in der Sekunde. (Der Bericht des englischen Vize-Konsuls
erwhnt einen Teifun am 27. Sept. 1865, der in Manila grossen Schaden
anrichtete, und 17 Schiffe auf's Land setzte.)



Die Philippinen sind in Provinzen (P.) und Distrikte (D.) eingetheilt,
denen je ein Alcalde mayr 1., 2., 3. Klasse, oder de trmino, de
ascnso, de entrda, (A1, A2, A3), oder ein Gobernador politico y
militar (G), oder ein Comandante (C) vorsteht. In einigen Provinzen
ist dem G ein A3 beigeordnet. An dieser Eintheilung wird oft gendert.

Die Gesammtbevlkerung wird auf ungefhr 5 Millionen geschtzt.

Trotz des langen Besitzes hat sich die Sprache der Spanier fast
keinen Eingang verschafft. Es herrscht eine grosse Verschiedenheit
von Sprachen und Mundarten, von denen bisya, taglo, ilocno, bcol,
pagasinn, pampngo die verbreitetsten sind.


Insel Luzon.

============+=================+=========================================+=========+=======
  Rang des  |                 |                                         |         |
Verwaltungs-|                 |                                         |         |
            |     Namen.      |          Herrschende Dialekte.          | Seelen- |Pueblo.
 be- | be-  |                 |                                         | zahl.   |
amten|zirks.|                 |                                         |         |
=====+======+=================+=========================================+=========+=======
 G.  |  P.  | bra            | ilocano                                 |  34,337 |   5
 A1. |  P.  | Alby           | bicol                                   | 230,121 |  34
 A2. |  P.  | Batan          | tagalo, pampango                        |  44,794 |  10
 A1. |  P.  | Batngas        | tagalo                                  | 280,100 |
     |  D.  | Bengut         | igorrote, ilocano pangasinan            |    8465 |
     |  D.  | Bntoc          | suflin, ilocano, igorrote Bergdialekt   |    7052 |
 A1. |  P.  | Bulacn         | tagalo                                  | 240,341 |  23
 A1. |  P.  | Cagayn         | ibanag, itanes, idayan, gaddan, ilocano,|         |
     |      |                 |   dadaya, apayao, malaneg               |  64,437 |  16
 A2. |  P.  | Camarnes Norte | tagalo, bicol                           |  26,372 |   7
A2(?)|  P.  | Camarnes Sur   | bicol                                   |  81,047 |  31
 A3. |  P.  | Cavte          | spanisch, tagalo                        | 109,501 |  17
 A1. |  P.  | Ilcos Norte    | ilocano, tinguian                       | 134,767 |  12
 A1. |  P.  | Ilcos Sur      | ilocano                                 | 105,251 |  18
 C.  |  D.  | Infnta         | tagalo                                  |    7813 |   2
 G.  |  P.  | Isabla         | ibanag, gaddan, tagalo                  |  29,200 |   9
 A1. |  P.  | Lagna          | tagalo, spanisch                        | 121,251 |  26
     |  D.  | Lepnto         | igorrote, ilocano                       |    8851 |  48
3A1. |  P.  | Manila          | tagalo, spanisch, chinesisch            | 323,683 |  28
 C.  |  D.  | Morng          | tagalo                                  |  44,239 |  12
 A2. |  P.  | Nueva cija     | tagalo, pangasinan, pampango, ilocano   |  84,520 |  12
 A3. |  P.  | Nueva Vizcya   | gaddan, ifugao, ibilao, ilongote        |  32,961 |   8
 A1. |  P.  | Pampnga        | pampango, ilocano                       | 193,423 |  24
 A1. |  P.  | Pangasinn      | pangasinan, ilocano                     | 263,472 |  26
     |  D.  | Prac           | pampango                                |    6950 |   1
 C.  |  D.  | Prncipe        | tagalo, ilocano, ilongote               |    3609 |   3
     |  D.  | Sltan          | gaddan                                  |    6640 |
 A2. |  P.  | Taybas         | tagalo, bicol                           |  93,918 |  17
     |  D.  | Tagan          | verschiedene igorroten Dialekte         |    5723 |
 G.  |  P.  | Unin           | ilocano                                 |  88,024 |  11
 A2. |  P.  | Zambles        | zambal, ilocano, aeta, pampanga tagalo, |         |
     |      |                 |   pangasinan                            |  72,936 |  16

Inseln zwischen Luzon und Mindanao.

G a3.|  P.  | Antque (Panay) | bisaya                                  |  88,874 |  13
G a3.|  P.  | Bojl           | bisaya                                  | 187,327 |   2
 C.  |      | Buras          | bicol                                   |    1786 |   1
G a3.|  P.  | Cpiz (Panay)   | bisaya                                  | 206,288 |  26
G a2.|  P.  | Ceb            | bisaya                                  | 318,715 |  44
G a3 |  P.  | Ilolo (Panay)  | bisaya                                  | 565,500 |  35
G a3.|  P.  | Lete           | bisaya                                  | 170,591 |  28
     |  D.  | Masbte, Ticao. | bisaya                                  |  12,457 |   9
 A2. |  P.  | Mindro         | tagalo                                  |  23,054 |  10
G a3.|  P.  | Ngros          | cebuano, panayano, bisaya               | 144,923 |  31
     |  D.  | Rombln         | bisaya                                  |  21,579 |   4
G a3.|  P.  | Smar           | bisaya                                  | 146,539 |  28

Mindanao.

     |  D.  | Cotabat        | spanisch, manobo                        |    1103 |   1
G a3.|  D.  | Mismis j       | bisaya                                  |  63,639 |  14
G a3.|  D.  | Surigo j       |                                         |  24,104 |  12
     |  D.  | Zambonga j     | mandaya, spanisch                       |    9608 |   2
G a3.|      |                 |                                         |         |
     |  D.  | Davo           | bisaya                                  |    1537 |

Fernere Inseln.

G a3.|  P.  | Batnes         | ibanag                                  |    8381 |   6
G a3.|  P.  | Calamines      | coyuvo, agutaino calamiano              |  17,703 |   5
 G.  |  P.  | (Marinas)      | chamorro, carolino                      |    5940 |   6
=====+======+=================+=========================================+=========+=======


Vorstehende Tabelle ist im Wesentlichen einem krzlich erschienenen
kleinen Werke des Herrn Barrantes, General-Sekretrs der Philippinen
entnommen, der Uebersichtlichkeit wegen aber anders geordnet. Obwohl
Herrn B. das beste amtliche Material zur Verfgung stand, darf obigen
Zahlen dennoch kein grosser Werth beigelegt werden, da sie in allen
Stadien ihrer Entstehung mit Fehlern behaftet sind, von denen man in
Europa keine Vorstellung hat.

Beispielsweise fhrt Herr B. folgende Abweichungen seiner amtlichen
Quellen an: Cavite 115,300 und 65,225; Mindoro 45,630 und 23,054;
Manila 230,443 und 323,683; Capiz 788,947 und 191,818 Seelen.








SECHSTES KAPITEL

    REISE IN BULACAN. -- HUFIGE FEUERSBRNSTE. -- FRUCHTBARKEIT. --
    FISCHFANG. -- ZIGARRENTASCHEN. -- SPANISCHE PRIESTER. --
    GASTFREIHEIT. -- RUBEREIEN.


Mein erster Ausflug ging nach der Provinz Bulacn, am Nordrande der Bay
von Manila. Zwei Stunden braucht der Dampfer bis zur Barre Binunga,
(nicht Bincanga, -- Coello's Karte) und eine Stunde, um in einem
Arme des Pampnga-Delta's, zwischen flachen Rhizophoren-Ufern,
Bulacn, den Hauptort der Provinz, zu erreichen. Ausser mir war
kein Europer an Bord, nur Tagalen, Mestizen und wenige Chinesen,
erstere namentlich durch Frauen vertreten, denen vorzugsweise die
Handelsgeschfte obliegen, weil sie dazu viel geschickter sind als die
Mnner. Man sieht daher in der Regel mehr Frauen als Mnner auf der
Strasse, und es scheint allgemein angenommen, dass bei den Geburten die
weiblichen berwiegen. Nach den von mir durchgesehenen Kirchenbchern
ergiebt sich aber, wenigstens fr die stlichen Provinzen, eher das
Gegentheil. Am Landungsplatz erwartete uns eine Anzahl Caramta's,
bunt bemalte, flache, zweirdrige Kasten mit Sonnendach versehn, und
mit zwei Pferden bespannt, von denen die wohlhabenderen Ankmmlinge
schnell nach allen Richtungen entfhrt werden.

Die Stadt Bulacn hat 11 bis 12,000 Einwohner, war aber einen
Monat zuvor, mit Ausnahme der Kirche und weniger Steinhuser,
abgebrannt. Alle Leute waren daher beschftigt sich neue Huser zu
bauen, die seltsamer-, aber zweckmssigerweise, wie beim Zeichnen,
mit dem Dach begonnen wurden. Lange Reihen Dcher aus Palmenblttern
und Bambus standen bereits fertig am Boden und dienten einstweilen als
Zelte. Dergleichen verheerende Feuersbrnste sind ungemein hufig. Die
mit wenigen Ausnahmen aus Holz und Bambus bestehenden Huser werden in
der trocknen Jahreszeit vllig ausgedrrt, von der Sonne angeheizt;
mit dem Feuer wird sehr unvorsichtig umgegangen, an Lschanstalten
fehlt es gnzlich. Entsteht ein Brand an einem windigen Tage, so
ist in der Regel das ganze Dorf unrettbar verloren. Whrend meines
Aufenthalts in Bulacn brannte die Vorstadt S. Migul bei Manila bis
auf das Haus eines befreundeten Schweizers ab, das seine Rettung nur
dem krftigen Gebrauch einer Privatspritze und der Mithlfe eines
Bananengrtchens verdankte, deren saftstrotzende Stmme auf einer
Seite den Fortschritt der Flammen hemmten.

Den Weg nach Calumpt, 3 L., legte ich im schnen Wagen eines
Gastfreundes zurck, auf sehr guter Strasse, unter Obstbumen, Kokos-
und Arecapalmen. Der Anblick dieser fruchtbaren Provinz erinnert an
die reichsten Gebiete Java's, aber die hiesigen Pueblos verrathen
mehr Wohlstand als die dortigen Desas. Die Huser sind substanzieller;
gerumige Bretterhuser hufig, selbst Steinhuser nicht selten, die
in jener Insel fast immer einen Beamten oder inlndischen Frsten
anzeigen. Whrend aber selbst der arme Javane sein Wohnkrbchen
zierlich flicht, die Strassen des Dorfes mit blhenden Hecken einfasst,
Alles Nettigkeit und Sauberkeit verrth, scheint hier weniger Sinn
dafr vorhanden. Auch fehlt den Drfern der Alun-alun, jener schne
sorgfltig gepflegte, von Waringibumen beschattete Platz. [66]
Die Zahl und Manchfaltigkeit der Fruchtbume, unter deren Laub die
javanischen Desas ganz verborgen liegen, ist selbst in dieser Provinz,
dem Garten der Philippinen, viel geringer als dort. Abends erreichte
ich Calumpt, als gerade eine hbsche Prozession mit vielen Fahnen
und Fackeln, unter wohlklingendem Gesang sich um die stattliche Kirche
bewegte, bei deren trefflichem Pfarrer Llanos ein Brief aus Madrid mir
die gastlichste Aufnahme verschaffte. Calumpt, ein wohlhabender Ort
von 12,250 E., liegt am Zusammenfluss des von O. kommenden Qungoa mit
dem Pampnga, in einer sehr fruchtbaren, hufigen Ueberschwemmungen
ausgesetzten Ebene. Im Norden, etwa 6 Leguas NW. erhebt sich der
Arayat, ein hoher isolirter Kegelberg. Von Calumpt gesehn, zeigt sein
westlicher Abhang (a b) 20, sein stlicher (e f) 25, die Gipfelplatte
(b c) 4 bis 5 Neigung gegen den Horizont.

Bei Calumpt sah ich einen Chinesen auf eigenthmliche Art Fische
fangen: queer durch das Bett eines Baches, der, fast versiegt,
nur noch einzelne Lachen bildete, war unterhalb einer solchen ein
Gitter enggesteckter Bambusen gezogen, dahinter ein niedriger Damm
errichtet. Mittelst einer langgestielten Wurfschaufel wurde das
stehngebliebene Wasser ber den Damm geworfen. Die Schaufel war da, wo
der Stiel ansetzt, durch ein Seil an ein zehn Fuss hohes Bambusgestell
befestigt, dessen Federkraft die Arbeit erleichterte. Sobald die Pftze
trocken gelegt, grub der Arbeiter ohne Mhe eine grosse Menge Dalags
(Ophiocephalus vagus. Peters.) aus dem Schlamm. Diese durch besondere
Apparate, vielleicht zum Luftathmen, jedenfalls zu lngerem Verweilen
im Trocknen befhigten Fische sind in der nassen Jahreszeit in allen
Grben und Pftzen und auf den Reisfeldern so hufig, dass sie mit
Knitteln todtgeschlagen werden. Bei dem Zurckweichen des Wassers
ziehn auch sie sich zurck, oder bohren sich nach Prof. Semper
tiefer in den Schlamm des Bodens ein, wo sie bis zum Anfang der
nassen Jahreszeit durch eine harte sie bedeckende Erdkruste gegen die
Nachstellungen des Menschen geschtzt, im Winterschlaf zubringen. Der
Fangapparat des Chinesen schien den Gewohnheiten des Fisches wohl
angepasst. Der Umstand, dass nur auf der untern Seite der Wasserlache
ein Gitter gezogen war, und dass die Fische unmittelbar vor demselben
am dichtesten angetroffen wurden, scheint anzudeuten, dass sie auch
noch im Schlamm weiter wandern und sich in dem Maasse als die Bche
und Grben austrocknen in die grsseren Wasseransammlungen zurckziehn.

Dem Qungoa aufwrts, in stlicher Richtung, auf bequemer Strasse
folgend, durch wohlbebautes, ppig fruchtbares Gebiet, an zahlreichen
steinernen Kirchen und Kapellen vorber, die sich mit den Palmen und
Bambusbschen zu hbschen Bildern gruppiren, erreichte ich in Pater
Llano's Vierspnner den bedeutenden Ort Balvag, dessen Gewerbfleiss
weit ber die Grenzen der Provinz hinaus berhmt ist.

Ich besuchte mehrere Familien und fand berall freundliche
Aufnahme. Die Huser waren von Brettern (casas de tabla), ruheten auf
Pfhlen, fnf Fuss ber dem Boden, und bestanden aus einem gerumigen
Wohnzimmer, an welches auf einer Seite die Kche, auf der andern ein
offner Raum, die Azota (s. S. 20) stsst; ein hohes luftiges Dach
von Palmenblttern erhob sich darber, der Eingang war von der Azota,
die fast zur Hlfte vom Dach berragt wird. Der Fussboden bestand aus
zollbreiten Holzlatten mit halb so breiten Zwischenrumen. Sthle,
Tische und Bnke, ein Schrank und verschiedene kleine Luxusgegenstnde,
Spiegel, eingerahmte getuschte Lithographien waren vorhanden. Die
Sauberkeit der Huser sowohl als der Zustand der Mbel zeugten von
Ordnung und Wohlstand.

Fast in jedem Hause fand ich Frauen mit Weben von Tpis beschftigt,
die auf dem Markt von Manila den besten Ruf haben. Es sind schmale,
sehr dicht gewebte 6 Varas lange Seidenzeuge in dunkelbraunen
Farben mit schrgen weissen Streifen. Sie werden ber dem Sarong
getragen. (Vergl. S. 24).

Besonders berhmt ist Balvag aber wegen seiner Zigarrentaschen Petca,
[67] die alle andern an Feinheit bertreffen. Sie bestehen nicht aus
Stroh, sondern aus feinen Streifen spanischen Rohres, und zwar aus
dem untern Ende der Blattstiele einer Calamusart, die angeblich nur
in der Provinz Neu-cija wchst. Ein Bndel von hundert ausgesuchten
2 Fuss langen fingerdicken Stcken kostet bis 6 r. Nachdem diese
Stcke vier bis fnf mal der Lnge nach gespalten, entfernt man
das innere Holz, so dass nur die ussere Haut brig bleibt; die so
erhaltenen dnnen Streifen werden dann aus freier Hand zwischen einem
convexen Porzellanscherben und einem schrg dagegen gestellten Messer
durchgezogen, und schliesslich noch durch zwei schrg gegen einander
stehende Stahlklingen. Die Arbeit verlangt viel Geduld und Uebung;
bei der ersten Handhabung zerbricht durchschnittlich die Hlfte der
Fden, bei der zweiten gewhnlich mehr als die Hlfte, so dass kaum 20%
brig bleiben. Fr sehr feine Geflechte ist das Verhltniss noch weit
ungnstiger. Das Flechten geschieht ber hlzerne Walzen. Eine Tasche
von mittlerer Feinheit, die an Ort und Stelle 2 Doll. kostet, kann bei
ununterbrochener Arbeit in sechs Tagen vollendet werden. Ausnahmsweise
feine, auf besondere Bestellung fr Kenner angefertigt, werden mit
50 Doll. und mehr bezahlt.

Von Balvag den Qungoa aufwrts verfolgend, kommt man an vielen
Steinbrchen vorbei, wo in Bnke gesonderter vulkanischer Tuff zu
Bausteinen ausgebeutet wird. Die mit hohen stacheligen Bambusen
besetzten Ufer waren 10 bis 12 Fuss hoch. In der Regenzeit tritt
der Fluss aus und berschwemmt weithin die Ebene, daher die vielen
Klappen grosser Ssswassermuscheln (Corbicula sp.) in der den Tuff
berlagernden Dammerde. Bei Tobg, einer Vista, halbwegs zwischen
Balvag und Angat, zeigen sich die ersten Hgel. Ihre flachen
Abhnge sind wie in Java terrassenfrmig als Rieselfelder zum Reisbau
eingerichtet. Ausser bei Lcban habe ich dergleichen Sawas in den
Philippinen nicht wahrgenommen. Viele kleine Zuckerfelder, deren
Produkt aber von den Eigenthmern noch recht ungeschickt verwerthet
wird, zeigen, dass die Vorbedingungen zum schwunghaften Betriebe des
Ackerbaus vorhanden sind. Streckenweis sind Schattendcher ber die
Strasse gebaut mit Bnken zum Rasten; ich habe sie nur in dieser
Provinz gefunden. Man knnte sich in einem der dichtbevlkerten,
ertragreichsten Bezirke Java's glauben.

Die Nacht brachte ich in einem Convento zu (so heissen in den
Philippinen die Wohnhuser der Pfarrer). Es war ussert schmutzig,
der Geistliche, ein Augustiner, voll Bekehrungsgelste. Ich hatte
ein langes geographisches Verhr zu bestehn ber den Unterschied
zwischen Prusia und Rusia, ob das grosse Norimbergo die Hauptstadt
des Granducado oder des Imperio de Rusia sei? erfuhr dass die
Englnder auf dem Punkte stnden in den Schooss der christlichen
Kirche zurckzukehren, die Andern dann auch wohl bald nachfolgen
wrden, und wurde trotz angelegentlicher Empfehlung des Pfarrers
Llanos recht schlecht aufgenommen. Spter bin ich noch einmal zwei
jungen Kapuzinern in die Hnde gefallen, die Bekehrungsbungen an mir
vornahmen, mich aber, abgesehn von dieser kleinen Zudringlichkeit,
auf's beste behandelten und verpflegten. Es gab sogar in Wasser
gesottene Gnseleberpastete, die ich an den fettumflossenen Trffeln
schnell erkannte. Zur Strafe fr ihre Zudringlichkeit enthllte ich
meinen Wirthen nicht die richtige Gebrauchsanweisung, kaufte ihnen
die noch brigen Blechbchsen ab, und hatte spter das Vergngen
im Urwald Gnseleberpastete zu essen. Dies sind die beiden einzigen
Flle, wo ich in solcher Weise belstigt worden, bei einem Aufenthalt
von mehr als anderthalb Jahren.

Der mit einem Pass versehene Reisende ist brigens durchaus nicht
auf die Gastfreundschaft der Pfarrer angewiesen, wie in manchen
abgelegeneren Gegenden Europa's. Jede Ortschaft, jedes Oertchen, hat
sein Gemeindehaus, Casa real oder Tribunal genannt, in welchem er
wohnen kann und Lebensmittel zum Marktpreis geliefert bekommt, ein
Umstand, der mir bei meinem ersten Ausflge nicht bekannt war. Der
Reisende ist also in dieser Beziehung vllig unabhngig, wenigstens
in der Theorie; in der Praxis wird er freilich oftmals nicht umhin
knnen, in den abgelegneren Provinzen, im Convento zu wohnen, denn
der Pater, vielleicht der einzige Weisse auf viele Meilen in der
Runde, lsst sich schwerlich die Gelegenheit entgehn, einen seltenen
Gast einzufangen, ihm das beste Zimmer im Hause zu geben, und alles
aufzubieten, was Kche und Keller zu leisten vermgen. Alles wird
mit so aufrichtiger unverhohlener Freude ber den Besuch dargeboten,
dass der Gast durchaus nicht das Gefhl hat, als wrde er verpflichtet,
sondern umgekehrt die Ueberzeugung gewinnt, dass er seinem Gastfreunde
Vergngen macht, wenn er seinen Besuch verlngert. Einmal, als ich
trotz der erhaltenen Einladung des Padre Cura darauf bestand, in's
Tribunal zu gehn, und mich darin eben niedergelassen hatte, erschien
alsbald der Pater mit den Ortsbehrden und dem Musikchor, die wegen
der Vorbereitung zu einem Kirchenfeste im Convento zufllig anwesend
waren, liess mich auf meinem Stuhle sitzend aufheben und mit Musik
und allgemeinem Jubel in sein Haus tragen.

Am folgenden Tage besuchte ich eine NNO. von Angat gelegene Eisenhtte
Kpang, von zwei mir aufgenthigten Bewaffneten begleitet, da die
Gegend wegen Rubereien bel berchtigt war. Nach einer Stunde
in nrdlicher Richtung durchfurtheten wir den Banvon, damals ein
schmaler Bach, zwischen vorwiegend plutonischem Gerlle fliessend,
in der Regenzeit ein mehrere hundert Fuss breiter Strom, und
erreichten nach zwei Stunden die Eisenhtte, einen mitten im Walde
gelegenen grossen Schuppen, mit einem Hngeboden an einem Ende, der
dem Unternehmer, einem vor Jahren in Smar gestrandeten Englnder,
und seiner Frau, einer hbschen Mestizin, zur Wohnung diente. Legte
ich mein Taschentuch, ein Bleistift oder sonst einen Gegenstand
aus der Hand, so wurde er sofort von der Frau eingeschlossen, um
ihn vor der Diebeswuth ihrer Diener zu schtzen. Die armen Leute,
deren Unternehmung keinen Erfolg versprach, mussten ein trauriges
Leben fhren. Zwei Jahre zuvor drangen 27 Ruber ein, plnderten
alles und warfen die Frau, die mit einer Magd allein im Hause war,
zum Fenster hinaus; sie kam ohne erhebliche Beschdigung davon,
die Magd aber, die vor Angst aus dem Fenster sprang, starb an den
erlittenen Verletzungen. Ohne Mhe gelang es die Ruber, Bergleute
und Bewohner von Angat, einzufangen, sie sassen damals bereits 2
Jahre in Untersuchungshaft.

Ich traf hier eine Negritofamilie, die mit den Leuten der Eisenhtte
in freundlichem Verkehr stand, und Nahrungsmittel gegen Waldprodukte
eintauschte. Der Mann begleitete mich auf die Jagd mit einem Bogen und
zwei Pfeilen bewaffnet, die Pfeile hatten zwei Zoll lange, lanzenartig
geformte eiserne Spitzen, deren eine mit Pfeilgift, einem schwarzen
Harz dick bestrichen war. Die Frauen nahmen Guitarren (tabaua) mit,
genau, wie die der Mintras auf der malayischen Halbinsel: fusslange
Bambusrohre, an welchen Saiten aus gespaltenem Stuhlrohr aufgespannt
waren. Auf nebenstehender Abbildung sind nicht diese Negritos,
von denen ich nur unvollkommene Zeichnungen besitze, sondern weiter
nrdlich lebende, nach guten Photographien dargestellt.

Um auf der Rckreise nicht wieder in dem leidigen Convento zu
bernachten, wo mein Diener mit meinen Sachen zurckgeblieben war,
folgte ich dem Rath der freundlichen Leute, spt abzureiten und erst
nach 10 Uhr dort einzutreffen. So konnte ich, da das Pfarrhaus um
10 Uhr verschlossen wird, ohne Anstoss bei einem ihnen befreundeten
reichen Mestizen einkehren. Um halb eilf erreichte ich das gastliche
Haus, und setzte mich zu den muntern Frauen, die gerade am Abendessen
waren. Da erscheint pltzlich auf der Schwelle des Hinterzimmers mein
Pfarrer nebst zwei andren Augustinern, die mit dem Hausherrn Karten
gespielt hatten, und indem sie mich mitschleppten, mein Glck priesen:
denn wren Sie nur eine Minute spter gekommen, so htten Sie nicht
mehr in das Convento gekonnt.








SIEBENTES KAPITEL

    PROVINZ LAGUNA. -- BANCAFAHRT. -- BARREN DES PASIG. -- SEE VON
    BAY. -- MAARE BEI CALAUAN. -- PALMENWEIN. -- REISEN OHNE DIENER. --
    VULKAN MAJAIJAI. -- BFFELFAHRT.


Meine zweite Reise fhrte mich auf dem Pasigfluss nach dem grossen See
von Bay. Ich verliess Manila Abends in einer Banca, einem ausgehhlten
Baumstamm mit flach gewlbtem, aus Bambusstreifen geflochtenem so
niedrigem Dach, dass man kaum aufrecht sitzen kann, weshalb auch
jede Vorrichtung dazu fehlt. Ein im Boden des Kahnes liegendes
Bambusgitter schtzt den Reisenden gegen Grundwasser und dient ihm
zum Lager. Jurien de la Gravire vergleicht die Banca treffend mit
einer Zigarrendose, worin der Reisende so eng eingeschlossen, dass
ihm im Fall des Umschlagens wenig Hoffnung auf Rettung bleibt. [68]
Die Mannschaft bestand aus vier Ruderern und einem Steuermann, die je
5 r. zusammen 4 1/2 Thaler tglich erhielten, ein hoher Preis fr die
trgen Leute im Vergleich zur Billigkeit der Lebensmittel, denn der
Reis, den ein krftiger Arbeiter tglich verzehrt, kostet selten mehr
als 1 bis 1 1/2 Silbergroschen (in der Provinz oft kaum 3 Pfennige),
die Zuspeise (Wasserthiere und Kruter) einige Pfennige. Zahlreiche
Drfer und Tienda's, in denen Lebensmittel feil geboten werden, ziehn
sich an den Ufern hin. Nachdem die Mannschaft unter allerlei Vorwnden
die Fahrt zu unterbrechen versucht, verliess sie bei dem Dorfe Pasig
das Boot, um Segel zu holen, kam aber nicht wieder. Erst mit Hlfe der
Nachtwchter, gelang es, sie einzeln aus den Husern ihrer Freunde zu
holen, worin sie sich verborgen hatten. Nachdem wir einigemale auf
Sandbnken festgesessen, gelangten wir in den von Hgeln und Bergen
umschlossenen See von Bay und erreichten frh morgens Jalajala.

Der Pasig bildet einen natrlichen, etwa 6 Leguas langen Kanal zwischen
der Bay von Manila und der Laguna de Bay, einem Ssswassersee von 35
Leguas Umfang, den drei der fruchtbarsten Provinzen, Manila, Laguna,
Cavite, umgrenzen. Frher sollen grosse Lastschiffe bis an den Rand des
Sees gefahren sein [69], jetzt wird es durch Sandbnke verhindert; bei
den Barren von Napndan und Tagg gerathen selbst sehr flache Boote
auf den Grund. [70] Wrden die Barren fortgerumt und die Manila mit
Binondo verbindende steinere Brcke in eine Drehbrcke verwandelt oder
durch einen Kanal umgangen, so knnten Kstenfahrer die Erzeugnisse
der Lagunenprovinzen am Rande der Felder, auf denen sie wachsen,
einnehmen. Der Verkehr wrde sehr gewinnen, der Wasserspiegel sinken,
die Untiefen des Seerandes zu fruchtbaren Reis- und Zuckerfeldern
werden. Ein solcher Plan war vor mehr als 30 Jahren in Madrid gebilligt
worden, ist aber nicht zur Ausfhrung gekommen. Die Versandung des
Flusses wird im Gegentheil durch zahlreiche Fischreusen befrdert,
deren Anlage sonderbarer Weise gerade die Marine-Verwaltung begnstigt,
da sie eine kleine Abgabe davon erhebt.

Jalajala, eine Hacienda, deren Gebiet die stliche der beiden von
N. nach S. in den See ragenden Halbinseln einnimmt, pflegt eines
der ersten Reiseziele des Fremden zu sein. Es verdankt diesen Vorzug
seiner hbschen Lage in der Nhe Manila's und den phantasiereichen
Schilderungen des frheren Besitzers de la Gironnire. Die Halbinsel
ist vulkanisch, das Gebirge sehr zersetzt, alljhrlich fhren
die Wasserfluthen (Avenidas) viel Erde von den Bergen herab, und
vergrssern die Anschwemmungen am Fuss derselben. Der mit Gras und
stachligen bis 8' hohen Sinnpflanzen (Mimosa pudica) bewachsene Strand
dient als Bffelweide, dahinter breiten sich Reis- und Zuckerfelder
bis an den Fuss des Berges aus. Im Norden wird die Besitzung durch den
dicht bewaldeten Sembrano, den hchsten Berg der Halbinsel begrenzt,
auf den brigen Seiten ist sie von Wasser umgeben. Den flachen Seerand
ausgenommen ist das ganze Gebiet hgelig mit Gras und Baumgruppen
bewachsen, ein trefflicher Weideplatz fr die ansehnlichen Heerden
(1000 Bffel, 1500 bis 2000 Rinder, 600 bis 700 Pferde fast im Zustande
der Wildheit). Beim Herabsteigen von einem Berge umzingelten uns sechs
Bewaffnete, die uns fr Viehdiebe gehalten und zu ihrem Verdruss auf
die gehoffte Prmie verzichten mussten.

Jalajala gegenber, am Sdrande des Sees von Bay liegt das Drfchen
Los Baos, nach einer heissen Quelle am Fuss des Vulkane Maquiling
benannt. Schon vor Ankunft der Spanier diente sie den Eingeborenen
zu Heilzwecken, [71] jetzt wird sie nur noch wenig benutzt. Das Ufer
des See's ist dort und fast ringsum so seicht, dass man selbst vom
flachen Kahne aus nicht trocknen Fusses landen kann, eine Schicht
von Sumpfmuscheln (Paludina) bedeckt den Boden.

NW. von Los Baos liegt ein kleiner dicht bewaldeter Kratersee,
Dagtan genannt (laguna encantada der Turisten), zum Unterschied von
Dagt (Meer) wie die Tagalen den grossen See von Bay nennen. Von
den Krokodilen, die in jenem hausen sollen, zeigte sich keines,
aber Schaaren von Wasservgeln flogen auf, als ihre Einsamkeit
gestrt wurde.

Von Los Baos wollte ich Lupang puti (weisse Erde) besuchen, wo,
nach den erhaltenen Proben zu urtheilen, feine weisse Kieselerde
(bianchetto) gewonnen wird, die geschlmmt in Manila zum Anstrich
dient. Ich erreichte den Ort nicht, da sich mein mit Mhe erlangter
Fhrer nach einer halben Stunde todtmde stellte. Die eingezogenen
Erkundigungen deuten auf eine Solfatara, und scheinen sich deren
mehrere am Fuss des Maquiling zu befinden. [72]

Auf der Rckfahrt wurde die Insel Talim besucht, die, eine Lichtung
mit wenigen rmlichen Htten ausgenommen, unbewohnt und dicht mit Wald
und Gestrpp bewachsen ist. In der Mitte erhebt sich der Soson dalaga
(Mdchenbusen), ein Doleritberg mit schn geformter Kuppe. Am Strande
fand ich auf dem nackten Felsen vier Eier mit vllig ausgebildeten
Krokodilen, die bei dem Oeffnen der Schalen ausschlpften.

Obwohl der SW. Monsun in Jalajala gewhnlich spter zur Geltung kommt
als in Manila, so regnete es schon so sehr, dass ich mich entschloss
nach dem sdlich vom See gelegenen Orte Caluan zu gehn, der durch den
queer davor liegenden Maquiling geschtzt den Einfluss des Regenmonsuns
erst spter empfindet. In Caluan traf ich Herrn v. la Gironnire,
den durch seine haarstrubend erzhlten Abenteuer wohlbekannten
Gentilhomme breton, seit kurzem aus Europa zurckgekehrt um eine
grosse Zuckerfabrik zu grnden; sein Unternehmen misslang indessen. Das
Haus des seitdem verstorbenen rstigen alten Herrn, der aus Liebhaberei
Tracht und Bedrfnisslosigkeit der Indier angenommen, liess sowohl
Reinlichkeit als Ordnung vermissen, obgleich es ausser ihm zwei an
dem Geschft betheiligte Freunde, einen Schotten und einen jungen
Franzosen beherbergte, die in der verfeinerten Pariser Gesellschaft
gelebt hatten.

Auf der Besitzung liegen mehrere Maare und einige Kratere ohne
Wasseransammlungen. SW., nicht fern vom Wohnhause, links von der
Strasse die nach S. Pablo fhrt, befindet sich die Llanura de Imc, ein
von mehrere hundert Fuss hohen Wllen doleritischer Rapilli gebildetes
Kesselthal. Auf grossen Basaltblcken kann man den Rand erklimmen,
alles brige ist dicht bewachsen. Den Boden des Kessels nimmt eine
verwilderte, vom frheren Besitzer angelegte Kaffeepflanzung ein. Eine
genauere Uebersicht war wegen des Dickichts nicht zu gewinnen.

Nrdlich davon liegt ein andrer Krater mit niedrigen Wnden. Der Boden
ist versumpft mit Rohr und grobem Gras bewachsen, aber selbst in der
Regenzeit sammelt sich nicht hinreichend Wasser an, um einen See zu
bilden. Er drfte daher leicht zu entwssern und urbar zu machen sein.

Sdwestlich von diesem Krater, rechts der Strasse von S. Pablo liegt
der Tigui-See: Aus einer Ebene von weisslich grauem Tuff, worin
viele konzentrisch schalige Kugeln von Nussgrsse, erhebt sich ein
kreisrunder Wall mit sanftgeneigtem Abhang nur durch eine schmale Kluft
(in N. b. W.) unterbrochen, die als Zugang dient und an Einstrzen
die losen Rapilli zeigt, aus denen das Ringgebirge besteht. Die Wnde
ragen hundert Fuss ber den ganz flachen Boden. Queer durch die Mitte
luft ein Weg OW. und theilt ihn in zwei Hlften, die nrdliche ist
mit Kokospalmen und Kulturpflanzen bewachsen, die sdliche nimmt
ein See ein, dessen Spiegel zum grssten Theil von Pistien bedeckt
ist. Der Boden besteht aus schwarzen Rapilli.

Vom Tigui-See kehrte ich nach der Hacienda zurck die auf einer 2
Fuss mchtigen Bank vulkanischen Tuffes voll rezenter Blattabdrcke
liegt. Der Zustand der Erhaltung reicht zwar zur Bestimmung der Arten
nicht aus; sie sind aber alle cht tropisch [73] und knnen nach
Professor A. Braun sehr wohl denselben Arten angehren, die noch heut
an dieser Stelle wachsen.

SO. davon etwa 1/2 Legua entfernt liegen zwei kleine Maare; der Weg
fhrt durch vulkanischen Schutt, der auf Tuff lagert; in dem Flussbett
grosse vulkanische Blcke.

Der erste See Maycap, vllig umwallt, hat nur an seiner NW. Seite eine
knstliche Kluft mit Schleuse zur Speisung eines Kanals; vom Nordrand,
der allein eine freie Aussicht gestattet, liegt die Sdspitze des
S. Cristoval N. 73 O. Die gegen 80' hohen Wnde erheben sich gen
W. zu dem Hgel Maiba von etwa 500 Fuss. Sie sind, wie bei den andern
Maaren aus Rapilli und Tuff gebildet, und dicht bewachsen.

Daneben liegt ein andres Maar: Palkpakan, von ziemlich gleichem
Umfang und gleicher Struktur (schwarzer Sand und Rapilli), die Wnde,
30 bis 100 Fuss hoch. Vom NW-Rand erscheint der S. Cristoval N. 70
O. Der Wasserspiegel ist leicht zu erreichen, eine grosse Anzahl
Fischapparate ragen daraus hervor.

Gegen 9 Uhr Morgens ritt ich von Caluan nach Pla, dann NO. nach
Sa. Cruz, auf ebener, breiter, gut unterhaltener Strasse, durch
einen meilenlangen, in Breite einer halben Legua sich den Umrissen
der Laguna anschmiegenden Kokoshain. Diese Palmen werden zum grossen
Theil nicht auf Oel, sondern auf Branntwein ausgebeutet. Man lsst sie
dann keine Frchte tragen, sondern fngt den aus der angeschnittenen
Blthenknospe quellenden zuckerhaltigen Saft auf, und destillirt sein
Ghrungsprodukt. [74] Da der Saft tglich zweimal gesammelt wird, und
die Blthen unter der Bltterkrone 40 bis 50' ber der Erde sitzen,
so sind in dieser Hhe zur Verminderung des beschwerlichen Auf-
und Abkletterns Bambusen paarweis bereinander von einer Palme zur
andern angebracht, auf deren unterer der Arbeiter geht, indem er sich
an der obern festhlt.

Der Verkauf des Palmenbranntweins war damals noch Monopol der
Regierung, die ihn im Estanco zusammen mit Zigarren, Stempelpapier
und Ablassscheinen im Einzelnen verkaufte. Die Bereitung geschah
durch Privatleute, der Gesammt-Ertrag musste aber an die Hacienda
abgeliefert werden, die indessen einen so hohen Preis dafr zahlte,
dass den Kontrahenten ansehnlicher Nutzen blieb.

Spter traf ich in Camarines einen Spanier, der in Folge eines solchen
Lieferungsvertrages, nach seinen Angaben, bequemen und reichen Gewinn
machen musste. Er hatte Kokospalmen den Stamm zum Mittelpreis von 5
r. gekauft, (gewhnlich kosten sie wohl mehr, doch sind sie zuweilen
fr 2 r. zu haben). 35 Bume geben im geringsten Falle tglich 36 Quart
Tuba (zuckerhaltigen Saft), aus denen durch Ghrung und Destillation
6 Quart Branntwein von vorgeschriebener Strke erzielt werden. Zur
Bearbeitung gengt ein Mann, der fr seine Leistungen die Hlfte
des Ertrages erhlt: Die Hacienda bezahlt das Quart Branntwein mit 6
Cuartos. Der Kontrahent erhlt also jhrlich von 35 Bumen, die im
Ankauf 21 7/8 Doll. kosten, 360  6/2  6 cuartos = 40 1/2 Doll.,
ntzt also sein Anlagekapital fast zu 200%.

Die Einnahme aus jenem Monopol (Vinos y licores) war im Kolonial-Budget
fr 1861 auf 1,622,810 Doll. veranschlagt, ihre Eintreibung aber sehr
schwierig und so unverhltnissmssig kostspielig, dass sie fast den
ganzen Nutzen verschlang. Sie veranlasste Spionage, Reibereien aller
Art, Unterschleife und Bestechungen in grossem Umfange. Das Ausschenken
von Schnaps durch bestallte, mit Prozenten am Verschleiss betheiligte
Beamte beeintrchtigte das Ansehn der Regierung. Ueberdies lhmte
die ungeschickte Steuer einige der wichtigsten Gewerbe des Landes,
nicht nur die Ausbeutung der Palmen im freien Verkehr, sondern auch
die Rohrzuckerbereitung, denn zu Gunsten ihres Monopols hatte die
Regierung den Zuckerfabrikanten verboten aus den Melassen Rum zu
destilliren, weshalb diese so werthlos waren, dass man in Manila
die Pferde damit trnkte. Die Klagen der Zuckerfabrikanten bewogen
endlich die Regierung, die Rumbereitung zu gestatten (Januar 1862),
die Palmenbranntwein-Regie blieb aber bestehn. Die Indier tranken
nun nichts als Rum, so dass man sich gezwungen sah, das ganze Monopol
fallen zu lassen. (Januar 1864.) Seitdem zahlen die Rumfabriken eine
nach der Grsse ihres allgemeinen Betriebes, aber nicht nach der Menge
des Produktes normirte Gewerbesteuer; ausserdem wurde zur Deckung
des Ausfalls ein kleiner Zuschlag zur Kopfsteuer (Recargo s. unten)
eingefhrt. Das Branntweintrinken soll seitdem sehr zugenommen
haben, ist brigens eine alte Gewohnheit. [75] Abgesehn davon ist
die Maassregel vom gnstigsten Erfolge begleitet gewesen.

In Sa. Cruz, einem lebhaften wohlhabenden Orte [1865: 11,385
E.] durchfurtheten wir den Fluss, der, zumal Sonntag war, von
Badenden wimmelte, darunter viele Frauen in breiten Sonnenhten mit
auffallend ppigem Haar. Nach der Furth biegt die Strasse in einem
spitzen Winkel um, und zieht erst O. dann SO. ber Magdalena, wo die
Landschaft bergig wird nach Majaiji, indem sie vor letzterem Ort
(ber 9000 E.) auf einer Brcke eine tiefe Schlucht berschreitet,
in welcher stattliche Baumfarne die grssere Meereshhe (ber 600')
andeuten. Das von den Jesuiten erbaute gerumige Convento Majaiji,
ist wegen seiner herrlichen Lage berhmt. Nach NW. dehnt sich der
See von Bay aus, in der Ferne von der Halbinsel Jalajala und Insel
Talim mit dem Vulcan Soson-dalga begrenzt. Vom Convento bis zum
See hinab erstreckt sich nach O. und W. ein unabsehbarer Saum von
Kokospalmen. Gen Sden wird der Abhang schnell steiler und hebt
sich zu einem mchtigen, gerade abgestutzten, von tiefen Schluchten
zerrissenen Kegelberge, dem Vulkan Banajo oder Majaiji, neben
welchem der S. Cristoval mit schner glockenfrmiger Kuppe hervorragt.

Da Alles mit Vorbereitungen zu einem Kirchenfeste beschftigt war,
begab ich mich ber Lucban an die Ostkste nach Mauban, in tiefen
Tuffschluchten, an Lavablcken vorber dem Fuss des Majaiji
folgend. Der Pflanzenwuchs war von unbeschreiblicher Pracht, die
sehr schadhafte Strasse angenehm belebt durch muntere zur Kirchweih
ziehende Gruppen. [76]

Nach drei Stunden erreicht man Lcban, einen wohlhabenden Ort
von 13,000 E. im NO. des Majaiji (ein Jahr darauf brannte es
gnzlich ab). Zwar ist der Ackerbau wegen des bergigen Gebietes,
nicht bedeutend, es herrscht aber viel Gewerbfleiss, die Einwohner
flechten feine Hte aus Blattstreifen der Buripalme (Corypha sp.) und
Pandanusmatten und treiben ber Mauban eintrglichen Handel mit den
Goldwschern von Nord-Camarines. Durch die in ihrer ganzen Breite
mit Cement belegten Strassen floss ein klarer Bach in offener Rinne.

Der Weg von Lucban nach Mauban, das in der Bucht von Lamn, der
Insel Alabt gegenberliegt, fhrt im engen Thal des Rio Mpon
durch tiefe Schluchten senkrecht gehobener Thone. Bei Lucban sieht
man Reisfelder in Terrassen wie in Java [77], in den Philippinen
eine Seltenheit. Bald betritt man den Wald. Fast alle Bume sind mit
Aroideen und Kletterfarnen bedeckt, dazwischen Angiopteris, Pandanus,
und einzelne grosse Fcherpalmen (Corypha) mit kronleuchterartiger
Fruchtkrone.

Drei Leguas von Lucban drngt sich der Fluss an einem grossen,
aus prismatischen Sulen bestehenden Felsen vorbei und fliesst dann
durch ein Konglomerat von nussgrossen vllig abgerundeten Gerllen aus
vulkanischem Gestein und weissem marmorartigen Kalk, in welchem Spuren
von Zweischalern und Korallen zu erkennen sind. Weiter flussabwrts
tritt das vulkanische Gerlle zurck, das Konglomerat besteht nur noch
aus Marmorkugeln durch Kalkspath an einander gekittet, es wechsellagert
mit Bnken von Thon und grobkrnigen Tuffen, in denen sprlich schlecht
erhaltene Blatt- und Muschelabdrcke vorkommen; doch gelang es eine
zwar plattgedrckte aber doch noch erkennbare fossile Melania zu
finden. Diese Bnke mgen wohl 500' ber dem Meeresspiegel liegen.

Im Dunkeln setzten wir, eine Legua oberhalb Mauban, ber den schon
ziemlich breiten Fluss, auf einem elenden durchlcherten Bambusfloss,
das, mit den Pferden belastet, einen halben Fuss tief einsank und
jenseits in einer Sumpfpftze strandete.

Wegen des Kirchweihfestes am folgenden Tage war das Tribunal mit
Menschen gefllt. Die Cabezas trugen, als Zeichen ihrer Wrde, ein
kurzes Jckchen ber dem Hemd. An den Wnden standen bunt verzierte
Tische voll Obst und Gebck, in der Mitte des Saales eine gedeckte
Tafel fr 40 Personen.

Ein Europer, der ohne Bedienten reist, (mein Diener hatte sich mit
einigen Vorschssen geflchtet) gilt fr einen Landstreicher; ich wurde
daher mit zudringlichen Fragen belstigt, liess sie aber unbeantwortet,
suchte mir, da ich das geforderte Abendbrot nicht erhielt, in der
Kche einige gute Bissen aus den Fleischtpfen, verzehrte sie von
vielen Zuschauern umgeben, und streckte mich, da ich keinen bessern
Platz fand, auf der Bank an der gedeckten Tafel, die sich zweimal
mit Gsten fllte, zum Schlafen aus. Als ich am folgenden Morgen
erwachte, waren schon wieder so viele Menschen anwesend, dass es mir
nicht mglich war, mich umzukleiden. In schmutzigem Reiseanzuge begab
ich mich zu einem in Pueblo ansssigen Spanier, der mich, sobald mein
Pass das durch meinen Aufzug erschtterte Vertrauen hergestellt, auf
das liebenswrdigste aufnahm. Mein freundlicher Hausherr trieb nicht
unbedeutenden Handel; es lagen zwei englische Schiffe im Hafen, die
er fr China mit Molve, einer dem Teak verwandten Holzart befrachtete.

Auf der Rckkehr besuchte ich, wenig seitwrts vom Wege, zwischen
Mauban und Lucban, einen schnen Wasserfall Butcan. Auf einer Sohle
von vulkanischem, durch Obsidianmasse verkittetem Tuff, hnlich
dem seltenen Piperno der Pianura bei Neapel, strmt zwischen dicht
bewachsenen hohen Tuffwnden ein wasserreicher Fluss und strzt
pltzlich in eine angeblich 360' tiefe Schlucht, in der er weiter
fliesst; die Kluft ist aber so enge, die Vegetation so ppig, dass
man ihm von oben nicht mit den Augen folgen kann. Dieser Wasserfall
hat grosse Aehnlichkeit mit dem am Abhange des Semeru in Java
(s. Reiseskizzen.) Hier, wie dort, bildet ein, ber gewaltige
Tuffmassen geflossener Lavastrom eine horizontale Flche, die
wiederum vom mchtigen Tuffablagerungen bedeckt ist. Der Fluss hat
sich durch diese leicht sein Bett bis auf die harte Lavabank gegraben,
bis an ihr Ende fliesst er zwischen hohen, engen, dicht bewachsenen
Wnden und strzt dann jh in die, von ihm selbst ausgewaschene
tiefe Schlucht. Strmender Regen verhinderte mich leider den
schnen Wasserfall zu zeichnen. Im Regen erreichte ich das Convento
von Majaiji und ebenso verliess ich es nach drei Tagen anhaltenden
Regens, da auf Monate hinaus besseres Wetter nicht zu hoffen war. In
Majaiji dauert die Regenzeit 8 bis 9 Monat, whrend welcher kaum ein
Tag vergeht, ohne dass es in Strmen giesst (Estado geogr. S. 150).

Eine Besteigung des Vulkans war unter solchen Umstnden nicht
ausfhrbar. Nach den schriftlichen Aufzeichnungen des Pfarrers von
Majaiji ist der Banajo am 22. April 1858 von den Herren Roldan und
Montro, zwei tchtigen, mit Revision der Seekarte des Archipels
beauftragten spanischen Marine-Offizieren erstiegen und gemessen
worden. Sie peilten von der Spitze die Kathedrale von Manila, den
Vulkan Myon in Albay, die Insel Polllo und bestimmten den Gipfel zu
7020 Fuss span., die Tiefe des Kraters auf 700'. Der Krater enthielt
frher einen See, der bei dem letzten Ausbruch des Berges, 1730,
durch die in der Sdwand entstandene Lcke abfloss. [78]

Auf ausgehungerten Frohnkleppern, unter anhaltendem Regen, durch
tiefaufgeweichten Thonboden watend, wurde Caluan erreicht; die
Weiterreise nach Manila musste, da in Bay kein Boot zu haben, auf
den folgenden Tag verschoben werden. Am nchsten Morgen waren keine
Pferde zu bekommen, erst Nachmittags erhielt ich einen Karren und
zwei Bffel zur Fahrt nach Sa. Cruz, von wo Abends das Marktschiff
nach Manila abgehn sollte. Ein Bffel war vorgespannt, der andre zur
Ablsung hinten angebunden. Da Bffel No. 1 nicht zieht, No. 2 auf
ebener Strasse als Hemmschuh wirkt, so werden sie gewechselt. Kaum
sprt No. 2 die Last hinter sich, als er sich niederlegt. Durch Schlge
zum Aufstehn bewogen, geht er bedchtig, aber unaufhaltsam in eine nahe
Pftze, und legt sich darin nieder. Nur mit grosser Mhe gelingt es den
Karren los zu machen und rckwrts wieder auf die Strasse zu schieben,
whrend die beiden Thiere ein Schlammbad nehmen. Das Gepck wird von
Neuem aufgeladen, die Bffel wieder in die ursprnglichen Stellen
eingesetzt, der Treiber legt sich mit dem Gewicht seines Krpers in
das Nasenseil des vorgespannten Thieres und zieht. Der Bffel folgt
langsam sammt dem Karren und dem Reservisten. In Pila erhielt ich
ein besseres Gespann, mit dem ich spt Abends bei strmendem Regen
eine Husergruppe Sa. Cruz gegenber erreichte. Das Marktschiff
war abgegangen, alle Bemhungen ein Boot zur Ueberfahrt nach dem
Dorf zu erlangen, fhrten nur zu unverschmten Prellversuchen;
so ging ich denn in das gerumigste der Huser, das ich von einer
Wittwe und ihrer Tochter bewohnt fand. Nach einigem Zaudern wurde
mein Gesuch um Nachtquartier gewhrt, ich liess Oel zur Beleuchtung
und Nahrungsmittel holen, die Frauen brachten einige Verwandte mit,
die bei Zubereitung der Speisen halfen, und als Beschtzer im Hause
blieben. Am nchsten Morgen ging ich zwischen muntern Gruppen von
Badenden durch den Fluss nach Sa. Cruz und erhielt dort ein Boot um
ber den See nach Pasig, von da nach Manila zu fahren. Gegenwind
zwang uns aber auf der Spitze von Jalajala zu landen, und die vor
Tagesanbruch eintretende Windstille abzuwarten. Zwischen der ussersten
Sdspitze und dem Wohnhause sieht man an mehreren Stellen, 15 Fuss
hoch ber dem Wasserspiegel, Bnke mariner Muscheln, (hauptschlich
Tapes virgineus Lin. Phil. und Cerithium moniliferum Kien.) dieselben,
die noch heut an der Meereskste sehr hufig sind; ein Zeichen dass
auch an dieser Stelle Hebungen des Bodens stattgefunden haben.








ACHTES KAPITEL

    SEEREISE NACH ALBAY. -- MARIVELES. -- SCHIFFFAHRT ZWISCHEN
    DEN INSELN. -- SAN BERNARDINO STRASSE. -- VULKAN BULUSAN. --
    LEGASPI. -- SORSOGON.


Gegen Ende August fuhr ich von Manila nach Albay in einem Schoner,
der Abac gebracht hatte und in Ballast zurckkehrte. Wir liefen bei
gutem Wetter aus, aber am folgenden Tage mehrten sich die Anzeichen
eines herannahenden Sturmes in sehr bedenklicher Weise, der Kapitn
beschloss umzukehren und in dem kleinen sicheren Hafen von Marivles,
einer Lcke im Sdrand der Halbinsel Batan, welche die Bay von
Manila westlich begrenzt, Schutz zu suchen. Wir erreichten ihn Nachts
zwei Uhr, nachdem wir vierzehn Stunden vor der Einfahrt gekreuzt
hatten. Hier mussten wir zwei Wochen vor Anker liegen, whrend es
fast ununterbrochen regnete und draussen strmte.

Ausflge auf das Land mussten sich daher auf die unmittelbare Umgegend
beschrnken. Leider erfuhr ich erst in den letzten Tagen, dass in
den Bergen eine Niederlassung von Negrito's bestehe, und erst kurz
vor der Abfahrt gelang es mir, einen Mann und eine Frau zu sehen und
zu zeichnen. Die Bevlkerung von Mariveles hat keinen guten Ruf. Das
Oertchen wird fast nur von Schiffern besucht, die dort bei schlechtem
Wetter einlaufen; die mssigen Mannschaften bringen dann die Zeit am
Lande mit Trinken und Spielen zu. Auffallend war die Schnheit und
weisse Farbe vieler jungen Mdchen, offenbar Mischlingen; wenn sie
auch offiziell als Tagalinnen gelten. Dieselbe Erscheinung nimmt man
in vielen Hfen und in der Umgebung von Manila wahr; in Gegenden,
die fast nicht von Spaniern besucht werden, ist die Bevlkerung
dunkler und von reinerer Rasse.

Die Zahl der Schiffe, die hier Zuflucht suchten, stieg auf zehn,
darunter drei Schoner. Ein kleiner Pontin [79] versuchte jeden Morgen
auszulaufen, kaum aber hatte er sich die See draussen angesehen,
als er wieder umkehrte und von den brigen mit hhnischem Jubel
begrsst wurde. Der Hunger machte ihn so khn. Die Mannschaft,
die ihre eigenen Produkte nach Manila gebracht, hatte den Erls
der Ladung verspielt und war ohne Proviant ausgelaufen, in der
Hoffnung, ihre Heimat schnell wieder zu erreichen, was wohl auch
bei gnstigem Winde gelungen wre. Solche Flle kommen nicht selten
vor. Mehrere Eingeborne miethen zusammen ein kleines Schiff, laden
ihre Erzeugnisse ein und fahren sie nach Manila zum Verkaufe. Die
Strasse zwischen den Inseln gleicht einem schnen breiten Strom mit
entzckenden Uferlandschaften voll kleiner Niederlassungen. Gegen
Abend finden die Seefahrer das Wetter hufig bedenklich und legen an,
um den Morgen zu erwarten. Die gastliche Kste bietet ihnen Fische,
Krabben, Muscheln in Flle, hufig auch ungehtete Kokosnsse; -- ist
sie bewohnt, um so besser. Die Gastfreundschaft zwischen den Indiern
ist sehr gross und umfassender als in Europa. Die Gste vertheilen
sich in die einzelnen Htten. Nach gemeinschaftlicher Mahlzeit, bei
der es nicht an Palmwein fehlt, werden die Matten auf den Boden des
Hauses ausgebreitet, die Lampe, eine grosse Schnecke mit Binsendocht,
verlscht und Alles schlft zusammen. Als ich einmal nach fnftgiger
Fahrt in die Bay von Manila einlief, berholten wir ein Schiffchen,
das aus derselben Gegend wie ich, abgefahren war, um Kokosl nach
Manila zu bringen und sechs Monat auf seinem Argonautenzuge zugebracht
hatte. Nicht selten wird dann die Ladung in der Hauptstadt verprasst,
wenn es nicht schon unterwegs geschehn.

Als sich der Sturm endlich gelegt, verlassen wir Abends den Hafen von
Mariveles. Vor der Einfahrt liegt eine kleine vulkanische Felseninsel
aus sulenfrmig abgesondertem Gestein von ganz auffallender
Aehnlichkeit mit der Cyclopen-Insel bei Trezza (Sizilien). Wie
dort, so auch hier eine spitze Pyramide, daneben ein kleines
flaches Eiland. Wir fahren die Kste von Cavite entlang bis zur
Punta Santiago, der SW. Spitze Luzon's, und wenden dann stlich,
in die schne Seestrasse ein, die im Norden durch Luzon, im Sden
durch die Bisaya-Inseln begrenzt wird. Mit Sonnenaufgang enthllt
sich ein herrliches Bild vor unseren Augen. Im Norden erhebt sich
der Vulkan Taal ber das Flachland von Batangas, im Sden die dicht
bewaldete Felsen-Kste von Mindoro (anscheinend Kalk) mit ihrem Hafen
Porto Galera, dem eine kleine davor liegende Insel als Wellenbrecher
dient. Dichte Zge von Schiffen, die den Sturm in den Bisaya-Hfen
abgewartet, kommen uns, auf ihrem Wege nach Manila, entgegen.

Denn dies ist die grosse Verkehrsstrasse des Archipels, die sich von
SO. nach NW. erstreckt, und das ganze Jahr fahrbar bleibt, da sie durch
den nach SO. ausgestreckten Arm Luzon's und die in gleicher Richtung
streichende Insel Smar gegen den Anprall der NO. Strme und gegen die
aus SW. durch die Bisayas geschtzt ist. Die Inseln Mindro, Pany,
Negros, Ceb und Bojl folgen auf einander, bilden den sdlichen Saum
der Strasse und bieten in ihren Zwischenrumen eben so viele nach
S. geffnete Queergassen zur Mindoro See, die im W. von Paluan, im
O. von Mindanao, im S. vom Sulu(Jlo)-Archipel begrenzt wird. Vor das
Ost-Ende lagern sich die Inseln Smar und Leyte die nur drei schmale
Strassen zum grossen Ozean offen lassen: die Engen von S. Bernardino,
S. Juanco und Surigo. Mehrere grssere und unzhlige kleine Inseln
liegen innerhalb dieser flchtig angedeuteten Umrisse.

Zwei grosse Buchten in der Sdkste von Batngas bieten den Schiffen
Ankergrund, doch nur geringen Schutz, so dass diese bei schlechtem
Wetter nach Porto Galra auf der gegenber liegenden Insel Mindro
flchten. Taal, der Haupthafen der Provinz ist mit dem grossen
Binnensee von Taal oder Bombn durch einen nur 1 1/2 Leguas langen
Fluss verbunden, der frher schiffbar, jetzt so verschlmmt ist,
dass nur bei Fluth kleine Schiffe in den See gelangen knnen. Durch
Ausbaggern des Flsschens liesse er sich in einen grossen Binnenhafen
verwandeln. Die Provinz Batngas liefert das beste Vieh nach Manila,
und fhrt Zucker und Kaffee (1865 16,000 Picul) aus.

Auf Luzon steigen Reihen von Bergen auf, deren schne Umrisse
vulkanischen Ursprung vermuthen lassen. Die sdlichen Inseln scheinen
meist aus geschichtetem Gebirge zu bestehn. Sie endigen gewhnlich in
schroffen, bis an den Rand bewaldeten Klippen. Der weithin sichtbare,
von allen Seiten gleiche, drehrunde Myon oder Alby bildet den
Hauptpunkt der Landschaft. Abends erscheint uns auf der sdstlichen
Spitze Luzon's der Bulusn, und alsbald wenden wir nrdlich in die
enge San Bernardino Strasse, die Luzon von Samar trennt.

Der Vulkan Bulusn, der lange erloschen schien, 1852 aber wieder
zu dampfen begann [80], wiederholt in berraschender Weise die
Formen des Vesuv. Wie dieser zeigt er zwei Spitzen, im Westen eine
glockenfrmige Kuppe, den Eruptionskegel; im Osten, als Rest eines
grossen Ringgebirges einen hohen Bergzacken, der dem Monte Somma
entspricht; deutlich erkennt man daran die dem ussern Abhange
parallele Schichtung. Wie beim Vesuv steht der Eruptionskegel im
Mittelpunkte des alten Kraterwalles; der Zwischenraum, der ihn von
der gegenberliegenden Bergwand trennt, der alte Kraterboden ist
betrchtlich grsser und viel unebener als das Atrio del Cavallo
am Vesuv.

Die Strmung ist in der San Bernardino Strasse so stark, dass
wir zweimal ankern mussten, um nicht zurckzutreiben. Wir hatten
fortwhrend vor uns den schnen Vulkan, mit dem Drfchen Bulusn,
das auf seiner Ostseite in einem Kokoshain hart am Strande liegt. Mit
schwachen unstten Winden mhsam gegen die Strmung kmpfend, gelangten
wir erst am folgenden Abend nach Legaspi, dem Hafen von Albay.

Der Schiffskapitn war ein Spanier, und hatte sich bemht die Reise so
schnell als mglich zu machen. Auf der Rckkehr von Leyte fuhr ich mit
einem eingeborenen Kapitn. Da diese Fahrt manche Eigenthmlichkeiten
darbot, so mgen des Vergleichs wegen einige bezeichnende Zge
derselben aus meinem Tagebuch Erwhnung finden: ... Der Kapitn wollte
Gemse fr mich mit nehmen, hat es aber vergessen. Er landet auf
einer kleinen Insel und kommt nach einiger Zeit mit einem grossen
Palmenkohl zurck, den er in Abwesenheit des Eigenthmers aus einer
zu dem Zweck gefllten Kokospalme geschlt hat.... Ein andrer Theil
der Mannschaft war inzwischen nach einem Drfchen, an der NW. Spitze
von Leyte gefahren, um Lebensmittel zu kaufen. Anstatt sich im Hafen
von Taclban, vor der Abfahrt zu verproviantiren, ziehn die Schiffer
meist vor, es in irgend einem Dorf der schmalen Strasse zu thun, wo
es billiger als dort ist, und sie zugleich Gelegenheit haben sich ein
wenig am Lande umher zu treiben. Diese, kaum eine Seemeile breite,
durch dazwischen liegende Inseln stellenweis auf weniger als tausend
Fuss eingeengte San Juanico Strasse ist zwanzig Seemeilen lang;
die Schiffe brauchen aber zuweilen eine Woche um durchzufahren; denn
bei widrigen Winden und Strmungen wird geankert und ebenso Nachts
an schmalen Stellen. Gegen Abend meint unser Kapitn, der Himmel
she recht bedenklich aus; er luft daher in die Bucht von Nvo auf
Masbte. Das Schiff geht vor Anker, er und ein Theil der Mannschaft
gehn an's Land.

Am folgenden Tag war Sonntag, der Himmel schien schon Nachmittags
recht bedenklich, auch hatte der Kapitn Einkufe zu machen. Das
Schiff ankerte vor Magdalena auf Masbte, wo die Nacht zugebracht
wird. Am Montag fuhren wir mit gnstigstem Winde in schneller Fahrt an
Marindque und der sdlich davor liegenden kleinen Felseninsel Elefante
vorbei. Elefante scheint der Rest eines Kraters, hat dieselbe Form
wie der Yriga, ist aber nicht halb so hoch, mit Futtergras bedeckt,
und hat Baumgruppen in den Schluchten. Es sollen tausend Stck
halbwilde Rinder darauf weiden. Ihr Preis ist 4 Doll., Fracht nach
Manila 4 Doll., dortiger Werth 16 Doll. Durch die Schiffer wird viel
Vieh gestohlen, da es fast ohne Aufsicht ist. Mein indischer Kapitn
bedauerte sehr, dass der gnstige Wind ihm nicht zu landen gestatte
-- vielleicht war ich ihm im Wege? Das schne Vieh! wie gut liessen
sich ein paar Kpfe fr das Schiff einthun! Es hat kaum einen Herrn;
die reichen Eigenthmer wissen gar nicht, wie viel sie besitzen,
und der Bestand vermehrt sich fortwhrend ohne ihr Zuthun.... Man
steckt sich ein paar Dollar in die Tasche, kommt ein Hirt, so giebt
man ihm einen Dollar, und der arme Mann ist glcklich; kommt Niemand,
um so besser, man kann auch allein fertig werden, ein Schuss oder eine
Wurfschlinge reichen hin.... Ein Schiff Luisa kommt uns entgegen,
es macht ein sonderbares Manver, bald hren wir lauten Jubel, denn
es ist ihm gelungen einen, von den Fischern von Marinduque auf den
Boden des Meeres hinab gelassenen Fischkasten zu stehlen, indem es
mittelst herabgelassener Haken, das Tau der Boye geschickt zu packen
wusste. Unser Kapitn ist ausser sich vor Neid.

Legaspi ist der Haupthafen der Provinz Albay, weil er inmitten des
Abacgebietes liegt. Seine Rhede ist aber sehr unsicher; in den
Wintermonaten, weil sie den NO. Strmen offen, nicht zu benutzen.

Der NNO. ist der herrschende Wind an dieser Kste; der SW. ist
kaum zwei Monate, Juni und Juli, bestndig. Die strksten Strme
finden zwischen Oktober und Januar statt. Sie beginnen meist mit
schwachem Westwind, von Regen begleitet, gehn nach N. oder S., und
erreichen ihre grsste Heftigkeit in NO. oder SO. Nach dem Sturm
tritt gewhnlich Windstille ein, worauf der Wind des herrschenden
Monsun wieder zur Geltung kommt. Die leicht gebauten, elastischen
Huser der Gegend widerstehen den Strmen sehr gut, aber Dcher,
auch schadhafte Huser werden hufig fortgerissen. Die Schifffahrt
zwischen Manila und Legspi dauert hchstens von Januar bis Oktober,
whrend der Herbstmonate hrt alle Wasserverbindung auf. Nur die
Briefpost kommt dann ziemlich regelmssig jede Woche an. Schweres
Gepck kann in dieser Jahreszeit nicht anders befrdert werden,
als auf grossem Umwege mit bedeutenden Kosten zur Sdkste, von da
zu Schiffe nach Manila. Viel gnstiger fr die Schifffahrt liegt der
Hafen von Sorsogn, dessen nach Westen offene Bucht durch die quer
davor liegende Insel Bagalo geschtzt ist. Ausser der Sicherheit
hat er den Vortheil der schnelleren, nie unterbrochenen Verbindung
mit der Hauptstadt des Archipels, whrend die Schiffe von Legspi,
in den Monaten, wo Schifffahrt berhaupt mglich bei jeder Reise das
stliche Ende Luzon's umkreisen mssen, bei der starken Strmung der
S. Bernardino Strasse, oft ein sehr schwieriges Unternehmen. Kleinere
Schiffe sind dann whrend sie ankern berdies in grosser Gefahr von
Seerubern genommen zu werden. Aber Sorsogn hat kein so fruchtbares
Hinterland wie Legspi.

Ich brachte Empfehlungen an die beiden angesehensten Spanier der
Provinz mit. Sie nahmen mich auf das liebenswrdigste auf, und waren
mir, whrend der ganzen Dauer meines Aufenthalts in dieser Gegend,
von grsstem Nutzen. Auch hatte ich das Glck hier einen Alkalden
zu treffen, der dem Beamtenstande jedes Landes zur Zierde gereicht
haben wrde. Von guter Familie, liebenswrdig im Umgang, ein chter
Caballero. Um seine Rechtlichkeit zu bezeichnen wurde in Smar von
ihm gesagt, mit einem Aktenbndel unter dem Arm sei er dort angekommen
und ebenso wieder abgegangen.








NEUNTES KAPITEL

    DER VULKAN MAYON ODER ALBAY UND SEINE AUSBRCHE.


Durch Vermittelung meiner spanischen Freunde gelang es mir,
ein bequemes Haus in Darga zu miethen, [81] einem wohlhabenden
Pueblo von beinahe 20,000 E. am SSO. Fuss des Mayon 1 1/2 Leguas von
Legspi. Dieser Vulkan galt fr unersteiglich bis zwei junge Schotten,
Paton und Stewart, im April 1858 das Gegentheil bewiesen. [82] Nach
ihnen waren mehrere Eingeborene oben gewesen, aber kein Europer.

Ich brach am 25. Sept. Abends auf und bernachtete, auf Herrn Muoz
Rath, in einer Htte 1000 Fuss ber dem Meere, um am folgenden Morgen
die Besteigung mit frischen Krften zu beginnen. Aber zahlreiche
Mssiggnger, die bis dahin gefolgt waren, vereitelten durch ihren
Lrm im Biwuak die freundliche Absicht des Rathgebers; nur wenig
erquickt trat ich um 5 Uhr Morgens den Weg an. Der Nachts am Gipfel
wahrzunehmende Feuerschein verschwand mit Tagesanbruch. Nachdem
man einige hundert Fuss weit durch 6' hohes Gras gestiegen, folgt
kurzes Gras auf einer Strecke von etwa tausend Fuss, dann Flechten;
auch diese hren bald auf. Der ganze obere Theil des Berges ist ein
kahler Schutthaufen. So weit das Gras reicht, wachsen Casuarinen; sie
bilden zuerst ein Gehlz, das sich aber nach oben in kleine Gruppen
und einzelne, zwischen gewaltigen Felsblcken mhsam fortkommende
Bumchen auflst. Um Ein Uhr erreichten wir den Gipfel. Er war nach
allen Richtungen von Spalten zerrissen, aus denen heisse schwefligsaure
und Wasser-Dmpfe in solcher Menge drangen, dass wir, um athmen zu
knnen, Mund und Nase mit Tchern verbanden.

An einer tiefen breiten Schlucht, wo die Dampfentwickelung besonders
heftig und massig war, machten wir Halt; wahrscheinlich standen
wir am Rande eines Kraters; doch konnte man keine klare Uebersicht
der Verhltnisse erlangen, da die Dichtigkeit der aufsteigenden
Dampfwolken es unmglich machte die Breite der Klfte zu bersehn. Die
Kuppe bestand aus etwa zwei Fuss mchtigen Bnken festen Gesteins,
unter einer von schwefliger Sure gebleichten Schlackenkruste. Viele
regellos umherliegende prismatische Blcke zeigten, dass der Gipfel
frher hher war. Auch wurden einigemale, als starke Windstsse
Lcken in die Dampfwolke rissen, gen Norden mehr als hundert Fuss hohe
Felsenpfeiler sichtbar, die der Verwitterung und dem Ausbruch von 1814
(s. unten) bisher widerstanden hatten.

Spter fand ich Gelegenheit den Gipfel durch ein gutes Fernrohr bei
sehr klarem Wetter von Darga aus zu beobachten; es ergab sich dabei,
dass der Nordrand die Sdseite berragte. (Vergl. d. Zeichnung.)

An mehreren Stellen, wo die Zersetzung besonders stark gewesen,
waren breite Rinnen ausgewaschen, auf deren Boden sich gelbe und rothe
Salze abgesetzt hatten. Ueber 20' lange, von der Kuppe herabgeglittene
Steinplatten lagen am obern Abhange. Auf der Darga zugekehrten Seite
war ein Lavastrom herabgeflossen, dessen Oberflche aus so feinen
lockern Schlacken bestand, dass er wie ein Moosteppich aussah. Die
Neigung dieses Stromes betrug ber 30, dennoch hat er unverkennbar
eine zusammenhngende Masse gebildet, es kamen Stcke von 5 bis 6'
Lnge vor, in der Regel freilich war durch Verschiebung des darunter
liegenden Schuttes die 6 Zoll starke Lavadecke in kleinere Stcke
zersprungen. An einer Stelle aber, etwa 600' tiefer, wo sich dieselbe
Lava ber eine feste Steinplatte ausgebreitet hatte, bildete sie
eine mehr als 40' lange zusammenhngende, nur durch kleine Sprnge
zerborstene Platte von 45 Neigung.

Wir hatten noch nicht zwei Drittel des Abhanges hinter uns, als
es dunkel wurde. In der Hoffnung die Htte zu erreichen, wo unsere
Lebensmittel zurckgeblieben, irrten wir noch bis gegen 11 Uhr hungrig
und mde zwischen grossen Felsblcken umher und entschlossen uns
endlich den Morgen zu erwarten. Dies Missgeschick war nicht durch
Mangel an Vorbedacht, sondern durch die Unzuverlssigkeit der Indier
veranlasst. Zwei zum Wasser- und Provianttragen mitgenommene Leute
waren gleich Anfangs verschwunden, ein dritter zur Bewachung unserer
Sachen im Biwuak zurckgelassener sehr zuverlssiger Mann, der den
Auftrag hatte, uns bei einbrechender Dunkelheit mit Fackeln entgegen
zu kommen, war schon Vormittags nach Darga zurckgekehrt. Mein
Diener, der eine wollene Decke und einen Schirm fr mich trug,
verschwand pltzlich im Dunkeln, als es zu regnen begann, und fand
mich trotz alles Rufens erst am folgenden Morgen wieder. Wir brachten
die regnerische Nacht auf den kahlen Steinen zu, und froren, als
unsere sehr dnnen Hllen durchnsst waren, zum Zhneklappern. Mit
Sonnenaufgang wurde es sogleich warm, die gute Laune stellte sich bei
Allen wieder ein. Gegen 9 erreichten wir unsere Htte und erholten
uns nach 29stndigem Fasten.

In den Trabajos y Hechos notables de la Soc. econom. de los Amigos del
pais ist angefhrt unter 4. September 1823: Das Mitglied D. Antonio
Siguenza besuchte den Vulkan von Albay am 11. Mrz und die Gesellschaft
befahl eine Denkmnze zu schlagen um die Thatsache festzustellen und
besagten Siguenza und seine Gefhrten zu belohnen. In der Provinz
Albay aber versichern Alle, dass die beiden Schotten die Ersten waren,
denen es gelang den Berg bis zum Gipfel zu erklimmen. Eine Besteigung
des Vulkans ist in obiger Notiz allerdings nicht ausdrcklich erwhnt,
die Belohnung lsst es aber vermuthen. Arenas (Memorias 142) sagt:
Der Mayon ist vom Capt. Siguenza gemessen worden. Vom Krater bis zu
seiner Basis, die sich im Niveau des Meeres befindet, betrgt seine
Hhe 1682 span. Fuss (= 468,66 Meter) und Seite 143: er habe in
den Akten der Soc. economica gelesen, dass sie eine goldene Medaille
schlagen liess zu Ehren Siguenza's (und seiner Gefhrten), der 1823
den Krater des Vulkan's untersucht, doch habe er seine Zweifel gegen
letztere Leistung. Nach den Registern des Franziskanerordens sollen
1592 zwei Mnche, um die Eingeborenen von ihrem Aberglauben in Betreff
des Vulkanes zu heilen, die Ersteigung versucht haben; der erste kam
nicht weit, der zweite, Pater Estevan Solis erreichte zwar nicht den
Gipfel, da drei tiefe Schlnde ihm den Weg versperrten, aber auf die
blosse Erzhlung seiner Abenteuer bekehrten sich hundert Eingeborene
zum Christenthum, er starb indessen noch in demselben Jahre an den
Folgen der mannichfachen Temperaturen denen er bei Besteigung des
Berges ausgesetzt gewesen.

In manchen Bchern heisst es, der Berg sei betrchtlich hoch, in
andern, auch noch im Estado geografico der Franziskaner von 1855, wo
man die gedankenlose Wiederholung eines so groben Druckfehlers nicht
erwarten sollte, ist zu lesen, dass seine Hhe nach den Messungen
des Capt. Siguenza 1682 Fuss betrage. Die von diesem trefflichen
Hydrographen wirklich ermittelte Hhe habe ich nirgends gefunden. Nach
meinen Barometermessungen betrgt die Meereshhe der Gipfelplatte,
die aber noch von einzelnen Pfeilern berragt wird, 2374 Meter =
8559 span. Fuss, = 7564 Rh. Fuss.


    Der erste Ausbruch des Mayon oder Albay, den Al. Perrey
    verzeichnet, ist vom Februar 1616: Anchoras suas 19. Februarij
    ad maximam insulam projecerunt, quae Lucon appellatur, et in qua
    sita est urbs Manila ..... videruntque incredibilis altitudinis
    montem perpetuo igne flagrantem, Albaca nomine, plenum sulphure
    (Nach Spilbergens Reise in Th. de Bry Americae t. XI.) App. p. 26
    Francf. 1620 Fol.

    Am 23. October 1766 fand ein furchtbarer Ausbruch statt, der die
    Ortschaft Malino gnzlich zerstrte, und in Cagsua, Camlig,
    Budio, Guinobtan, Polngui und Ligo grosse Verheerungen
    anrichtete. Nach einem Brief des Alkalden der Provinz (Legentil
    II, S. 14 giebt eine Uebersetzung, Al. Perrey S. 71 einen Auszug
    aus dieser) entzndete sich der Berg am 20. Juli und brannte 6
    Tage lang. Die Flamme hatte zuerst die Gestalt einer Pyramide,
    allmlig wurde sie niedriger, die Spitze erschien entflammt. Vom
    Gipfel ergoss sich nach Osten ein Lavastrom, der 120 Fuss breit zu
    sein schien, und 2 Monate lang beobachtet wurde. Am 23. October
    spie der Vulcan whrend eines sehr heftigen Sturmes, der gegen 7
    Uhr Abends aus WNW. begann und um 3 Uhr Morgens pltzlich nach
    S. umsprang und dabei alle Htten des Dorfes zerstrte, eine
    so gewaltige Menge Wasser aus, dass zwischen Tbog und Alby
    mehrere Flsse von 30 Varas Breite entstanden, die mit grosser
    Wasserflle und Gewalt in das Meer liefen und bei Fluth nicht zu
    durchfurthen waren. . . . Zwischen Bacacy und Malino betrug
    die Breite der Flsse ber 80 Varas. Von Cemlig nach dem Innern
    von Sayaras Provinz Naya, ist das Land so verndert, dass man die
    Strassen nicht wieder erkennt. Malino ist gnzlich zerstrt,
    fast alle Htten fortgerissen, die Felder sind mit Sandhaufen
    bedeckt; ein Drittel von Cagsva ist gleichfalls vernichtet,
    der Ueberrest bildet eine Insel oder vielmehr einen von tiefen
    breiten Schluchten umgebenen Berg, durch welche der Strom von Sand
    und Wasser geflossen ist. Dieser Strom hat in Cemlig, Guinobatam,
    Liga und Bolangui noch grssere Verheerungen angerichtet. . . Im
    SW. sind die Palmen und andere Bume bis an ihre Wipfel begraben
    worden. . . . In Albay wurden 18, in Malino ber 30 Leichname
    gefunden. . . es hat allen Anschein, dass die ungeheuere
    Wassermasse aus dem Innern des Vulkans gekommen ist. . .

    1800 fand abermals ein verheerender Ausbruch statt, der Berg
    schleuderte viel Steine, Sand und Asche aus (Fr. Aragoneses).

    Der Ausbruch vom 1. Febr. 1814 war aber bei weitem der
    schlimmste. Al. Perrey S. 85 giebt einen Auszug aus der
    Beschreibung eines Augenzeugen. [83] Um 8 Uhr Morgens warf der
    Berg pltzlich eine dicke Sule von Steinen, Sand und Asche aus,
    die sich schnell bis in die hchsten Luftschichten erhob. . . Die
    Seiten des Vulkans verschleierten sich und verschwanden vor
    unsern Blicken. Ein Feuerstrom strzte vom Berge herab und
    drohte uns zu vernichten. . . Alles floh und suchte die hchsten
    Punkte auf. Das gewaltige Gerusch des Vulkans setzte alles in
    Schrecken. Die Finsterniss nahm zu . . die Fliehenden wurden zum
    Theil von den herabfallenden Steinen erschlagen. . . die Huser
    gewhrten keinen Schutz, da die glhenden Steine sie in Brand
    steckten. So wurden die blhendsten Ortschaften von Camarines
    in Asche gelegt. Gegen 10 Uhr hrte das Herabfallen der grossen
    Steine auf, ein Sandregen trat an die Stelle; um halb zwei Uhr
    liess das Getse etwas nach, der Himmel klrte sich allmlig
    auf. . Der Boden war mit Leichen und Schwerverwundeten bedeckt, in
    der Kirche von Budio waren 200, in einem Hause desselben Ortes 35
    Personen umgekommen. Fnf Ortschaften in Camarines sind gnzlich,
    Albay zum grossen Theil zerstrt. Zwlftausend Personen kamen
    um, viele sind schwerverwundet, die Ueberlebenden haben alles
    verloren. Der Anblick des Vulkans ist traurig und schrecklich,
    seine vorher so malerischen, reich bebauten Abhnge sind mit Sand
    bedeckt, furchtbar drr . . die Schicht von Steinen und Sand ist
    10 bis 12 Varas dick. Wo frher das Dorf Budio stand, sind die
    Kokosbume bis an ihre Wipfel begraben. In den andern Drfern
    ist die Schicht nicht weniger als eine halbe Elle dick. . . Die
    Spitze des Vulkans hat, so weit ich es beurtheilen kann, ber
    120 Fuss an Hhe verloren, an der Sdseite entdeckt man eine
    ungeheure Oeffnung; drei andre Mndungen haben sich in geringer
    Entfernung vom Hauptschlunde aufgethan; sie stossen noch Asche
    und Rauch aus . . . die schnsten Ortschaften von Camarines und
    der beste Theil der Provinz sind in eine unfruchtbare Sandwste
    verwandelt. -- Im Estado geogr. ist ein Auszug aus der Schrift
    eines andern Augenzeugen, Pater Franc. Tubino, aus Guinobtan
    von 1816 enthalten; es heisst darin: Nach hufigen Erdstssen
    am vorhergehenden Abend und starken Erschtterungen am Morgen
    spie der Berg pltzlich aus seinem Rachen etwas wie Schnee aus,
    das sich pyramidenfrmig erhob, und die Gestalt eines schnen
    Federbusches annahm. Da die Sonne hell schien, so gewhrte die
    vernichtende Erscheinung verschiedene schne Anblicke. Der Berg
    war an seinem Fuss schwarz, weiter aufwrts dunkel, in der Mitte
    bunt, oben aschfarben. Whrend der Betrachtung des Schauspiels
    wurde ein heftiger Erdstoss versprt, gefolgt von starkem
    Donner. Der Berg fuhr fort Lava mit Gewalt auszustossen, whrend
    die Wolke, die er bildete, sich allmlig vergrsserte. Die Erde
    wurde verdunkelt, die Luft brannte, man sah aus der Erde Blitze
    und Funken kommen, die sich durchkreuzten und ein furchtbares
    Gewitter bildeten. Darauf folgte unmittelbar ein Regen von
    grossen, brennenden und verbrannten Steinen, die alles was sie
    trafen vernichteten und verbrannten, bald darauf kleinere Steine,
    Sand und Asche. Dies whrte ber drei Stunden, die Dunkelheit etwa
    fnf. Die Stdte Camlig, Cagsua, Budio, die Hlfte von Alby
    und Guinobtan wurden verbrannt und zerstrt. Die Dunkelheit
    verbreitete sich sehr weit -- bis nach Manila und Ilcos, die
    Asche soll, wie einige versichern, bis nach China geflogen,
    der Donner in vielen Theilen des Archipels gehrt worden sein.

    1827 brach in Manila (Luzon) ein Vulkan aus, in der Provinz Albay,
    der Ausbruch dauerte bis zum Februar 1828. (A. Perrey S. 93).

    Den Pfarrern der Ortschaften am Fuss des Mayon verdanke ich
    folgende Mittheilungen ber die Ausbrche des Vulkans, deren
    Zeugen sie gewesen sind:

    1834 und 1835. In diesen beiden Jahren war der Berg fast
    ununterbrochen in Thtigkeit. Aschenausbrche wurden nicht
    wahrgenommen, aber fast jede Nacht sah man glhende Lava
    von der Spitze nach verschiedenen Richtungen in den oberen
    Schluchten herabfliessen. Im Monat Mai 1835 fand ein sehr starker
    Gipfel-Ausbruch statt, mit Aschen- und Steinregen; er begann um 6
    Uhr frh, dauerte aber nicht bis zum Abend; man sah abwechselnd
    graue und weisse Sulen sich vom Gipfel erheben; in den grauen
    Sulen konnte man grosse Steine erkennen, die Erscheinung war
    von starkem Donner begleitet.

    Nach den Ausbrchen von 1835 blieb der Berg ruhig bis 1845,
    selbst Dampfwolken waren oft mehrere Monate lang nicht
    wahrzunehmen. Nach Capt. Wilkes (U. S. Expl. Exp. V 283) wre
    zu vermuthen, dass auch 1839 ein Ausbruch statt fand: ... aber
    viele (Vulkane) rauchten, besonders der im Gebiete von Albay,
    Ysarog genannt. Sein letzter Ausbruch fand 1839 statt, that aber
    wenig Schaden im Verhltniss zu dem von 1814 ... er liegt 150
    Miles SO. von Manila und soll ein vollkommener Kegel sein. --
    Statt des Ysarog ist hier der Mayon gemeint; die mit gesperrter
    Schrift gedruckten Stellen passen nur auf diesen, der Ysarog
    ist erloschen. Dieselbe Namenverwechselung wiederholt sich noch
    zweifelloser bei Dana. (U. S. Expl. Exp. Geology. 541): In der
    SO. Ecke (von Luzon) steht der hohe Kegelberg Albay, von den
    Eingeborenen Ysarog genannt. -- Der fragliche Ausbruch kann wohl
    nur unbedeutend gewesen sein, da die Pfarrer ihn nicht erwhnen.

    Am 21. Januar 1845 verkndete starkes Donnergerusch einen
    Gipfelausbruch, der indessen nur 10 Minuten whrte. Eine
    Viertelstunde darauf wiederholte sich dieselbe Erscheinung, dauerte
    abermals zehn Minuten und trat nach etwa einer Stunde zum dritten
    Mal ein. Um 9 Uhr aber fand mit starkem Getse ein Aschen-Ausbruch
    statt, der zwei Stunden ohne Unterbrechung anhielt und in dem
    Gebiet SW. vom Berge die Luft verfinsterte. In Darga blieb es
    hell und man konnte die schne Erscheinung, die in Guinobtan
    Alles in Schrecken setzte, ungefhrdet betrachten. Der Ausbruch
    hielt noch einige Tage an, aber schwcher; bei Tage gewahrte man
    eine dunkle Aschensule, Nachts erschien sie glhend. Auch sah man
    dann glhenden Sand in den Schluchten sich abwrts schieben; dies
    Schauspiel whrte eine Woche lang. Zugleich hrte man Nachts ein
    Rauschen wie von einem Sturzbach; bei Tage war nur das Gerusch
    der gegeneinander schlagenden Steine wahrzunehmen. Wegen des
    herrschenden NO.-Windes fiel die Asche in Guinobtan, Ligo
    und Camlig nieder, wo es bei Tage so finster war, dass man mit
    Laternen auf der Strasse ging. Auf dem Bergabhange berraschte
    Bffel und Rinder kamen um, sonst waren keine Unglcksflle
    zu beklagen.

    1846 starker Ausbruch an einem Nachmittage. Von Camlig aus (im
    S.) erscheint der ganze Berg in eine Wolke gehllt, darber eine
    schwarze Aschensule. Mehrere Nchte starker Feuerschein am Gipfel.

    1851 zwei Aschenausbrche, beide unbedeutend, der zweite im Juni.

    1853, 27. Juli (13. Juli nach Estado geogr. S. 318). Grosser
    Ausbruch von zwlf Uhr Mittags bis drei Uhr. Er wird durch
    starkes Donnern, aber ohne Erdstsse eingeleitet. Aus dem Gipfel
    bricht eine hohe Aschensule hervor, welche die Gestalt eines
    Baumes annimmt; die Drfer im Umkreise mehrerer Meilen werden
    mit Asche bedeckt. Glhende Steine rollten bis an den Fuss des
    Berges herab und zerstrten mehrere Huser. 31 Menschen kamen in
    einer Abacpflanzung um (33 nach Estado 318.).

    Ein heftiger Ausbruch soll am 22. Mrz 1855 whrend eines
    Erdbebens in Manila stattgefunden haben. (A. Perrey S. 105 nach
    einer Mittheilung der Herren Meister und Kluge.)

    Nach Hochstetter (Sitzungsber. Wiener Akad. Bd. 36, S. 131) hat
    der Mayon 1857 so viel Asche ausgeworfen, dass alle Bienen der
    Umgegend getdtet wurden.

    1858 war der Berg fast ununterbrochen thtig, doch fanden keine
    grossen Ausbrche statt, aber fast alle Nchte sah man am Gipfel
    glhende Lava in den Schluchten. 1859 und 1860 konnte man fast jede
    Nacht bei klarem Wetter einen Feuerschein am Gipfel wahrnehmen,
    Ausbrche fanden nicht statt.

    Erdbeben sind in dieser Provinz seltener als in Manila und
    gewhnlich wegen der Bauart der Huser unschdlich. 1840 und 1846
    fanden zwei bedeutende statt, deren ersteres die Ortschaft Sorsogn
    zum grsseren Theil zertrmmerte. Im Anhang zur engl. Uebersetzung
    von Morga S. 373 wird ein furchtbares Erdbeben angefhrt, das am
    19. Oct. 1865 in der Provinz Albay viel Hab und Gut zerstrte,
    wobei die Orte Malino und Tabco von der See berschwemmt wurden.

    Nach einer in Nature enthaltenen Notiz aus Manila brach Mitte
    Dezember 1871 der Mayon aus und spie mehrere Wochen lang Rauch,
    Steine und Lava aus.








ZEHNTES KAPITEL

    CACAO. -- KAFFEE. -- KIRCHWEIHFEST. -- LEBEN IN DARAGA.


Ein herabspringender Stein hatte mich auf dem Mayon so erheblich am
Fusse verletzt, dass ich ber einen Monat nicht ausgehn konnte. Unter
solchen Umstnden war es sehr angenehm eine gerumige bequeme
Wohnung zu haben. Mein Huschen lag an einem klaren Bach von einem
Garten umgeben, in welchem Kaffee, Cacao, Orangen, Bananen, Papayas
in ppiger Flle zwischen hohem Unkraut wuchsen. Viele berreife
Cacaofrchte waren unbenutzt abgefallen, ich liess die reifen sammeln,
rsten und mit gleicher Menge Zucker zu Chocolade verarbeiten, eine
Kunst, die hier in jeder grsseren Haushaltung verstanden wird; denn
Chocolade vertritt bekanntlich bei den Spaniern die Stelle des Thee's
und Kaffee's; auch die Mestizen und bemittelten Eingeborenen machen
starken Gebrauch davon.

Der Cacaobaum stammt aus dem zentralen Amerika, reicht dort von 23
N. bis 20 S. (von 30 N. bis 30 S. Rappt. Jury XI, 268), gedeiht aber
nur in den heissesten, feuchtesten Erdstrichen. Nach Karsten setzt er
bei einer mittleren Temperatur von unter 23.3 C. schon keine Frucht
mehr an, von allen Kulturfrchten verlangt er die grsste Wrmemenge.

In die Philippinen wurde er von Acapulco aus eingefhrt, entweder
nach Camarines 1670 durch einen Steuermann, Pedro Brabo de Lagunas,
oder nach Samar, unter Salcdo's Regierung (1663-1668) durch die
Jesuiten. [84] Seitdem hat er sich ber einen grossen Theil der Inseln
verbreitet, und, obgleich wohl nie Gegenstand besonderer Pflege, ist
seine Frucht doch von vorzglicher Beschaffenheit. Der Cacao von Albay
steht, wenn man den im Lande dafr gezahlten Preis als Maassstab gelten
lsst, dem Carcas wenigstens gleich, der in Europa den ersten Rang
behauptet und wegen seines hohen Preises gewhnlich zu drei Vierteln
mit geringeren Sorten gemischt wird. [85] Man findet aber den Strauch
meist nur in kleinen Grten, in unmittelbarer Nhe der Huser, und
so gross ist die Trgheit der Indier, dass sie die Frchte hufig
verfaulen lassen, ohne die kstlichen Saamen zu nutzen, obgleich der
einheimische Cacao hher im Preise steht als der eingefhrte. Auf
Ceb und Ngros wird etwas mehr gebaut, aber lange nicht ausreichend
fr den Bedarf der Kolonie, die das Fehlende gewhnlich von Ternate
und Mindanao einfhrt. Den besten Cacao der Philippinen erzeugt
die kleine Insel Maripipi, NW. von Leyte; er ist schwer zu haben,
gewhnlich schon voraus bestellt, das Liter wird gern mit 1 Dollar
bezahlt; der von Albay gilt 2 bis 2 1/2 Doll. die Ganta (3 Liter).

Der Indier steckt die zum Keimen bestimmten Kerne gewhnlich einzeln
mit etwas Erde in dtenfrmig gefaltete Bltter und hngt sie unter
seinem Dache auf. Sie wachsen schnell und werden, um die Entwicklung
des Unkrauts zu hemmen, in sehr geringen Entfernungen von einander
(6' bis 7') ausgepflanzt. Diesem Verfahren ist es wohl zuzuschreiben,
dass sich die Pflanzen nur zu Struchern von 8 bis 10 Fuss Hhe
entwickeln, whrend sie in ihrem Vaterlande bis 30', manche Arten
selbst 40' hoch werden. (Nach Angabe des Paters von Borongan freilich
kommen auf einer kleinen Insel bei Guiuan ausserordentlich grosse
Cacaobume vor.) Dennoch soll ein solcher Strauch, der schon im
3ten oder 4ten Jahre die ersten Frchte trgt, vom 5ten oder 6ten
Jahre an volle Ernten von je einer Ganta Cacao geben die, (wie oben
bemerkt), 2 bis 2 1/2 Doll. gilt, und immer Kufer findet. [86] Der
Nutzen einer in vollem Ertrage stehenden Pflanzung muss daher hchst
betrchtlich sein. Trotz dem ist es bisher nicht gelungen den Cacaobaum
im Grossen einzubrgern. Es heisst die konomische Gesellschaft habe
eine erhebliche Geldprmie fr Jeden ausgesetzt, der eine Pflanzung
von 10,000 tragenden Bumen aufweisen knnte, nur ein Einziger, der
verdiente Oidor Azoala, soll sie gewonnen, die Pflanzung aber trotz
der gebrachten Opfer wieder aufgegeben haben. (Im Bericht ber die
Thtigkeit der Gesellschaft finde ich diese Prmie nicht erwhnt.)

Das Haupthinderniss scheint in den fast alljhrlich wiederkehrenden
gewaltigen Strmen zu liegen, die zuweilen in einem Tage eine
ganze Pflanzung der nicht tief wurzelnden Bumchen zerstren. 1856
soll ein einziger Taifun mehrere bedeutende Plantagen kurz vor der
Ernte von Grund aus vernichtet und dadurch allgemeine Entmuthigung
hervorgerufen haben. [87] In Folge davon wurde eine Zeitlang die
steuerfreie Einfhrung von Cacao gestattet und man konnte den von
Guayaqul fr 15 Doll. den Quintl kaufen, whrend der einheimische
mehr als das doppelte galt.

Der Baum hat auch viel durch feindliche Insekten zu leiden, durch
eine Krankheit deren Ursache unbekannt, [88] und wird, abgesehn von
andern Raubthieren, besonders von Ratten heimgesucht, die zuweilen in
solchen Schaaren einfallen, dass sie in einer Nacht die ganze Ernte
vernichten. Gutgehaltene Cacaopflanzungen werden von amerikanischen
Reisenden als sehr schn geschildert. In den Philippinen, wenigstens
in Ost-Luzon, zeigt der enggepflanzte, vernachlssigte, von Flechten
bedeckte Baum schon frh ein greisenhaftes Ansehn. Seine Lebensdauer
ist kurz. Die zuweilen fast fusslangen ovalen Bltter hngen vereinzelt
an den Zweigen, bilden keine dichte Krone, die Blthen sind sehr
unscheinbar, nicht grsser als Lindenblthen, rthlich gelb,
und brechen an langen Stielen einzeln, oder in kleinen Bscheln
unmittelbar aus dem Stamm oder den strkeren Aesten hervor. Die
Frucht reift in sechs Monaten, wird 5 bis 8'' lang, gleicht einer
sehr warzigen Gurke und ist im reifen Zustand roth oder gelb. Zwei
Spielarten scheinen auf den Philippinen nur gebaut zu werden. [89]
Das Fleisch ist weiss, breiartig weich, schmeckt angenehm suerlich,
und enthlt in fnf Reihen anderthalb bis zwei Dutzend Kerne, die so
gross sind wie Mandeln und wie diese aus zwei Samenlappen und einem
kleinen Keim bestehen, dies sind die Cacaobohnen, gerstet und fein
gerieben geben sie Cacao, dieser mit Zucker und gewhnlich auch mit
Gewrzen vermischt, Chocolade. Bis vor wenigen Jahren bereitete
fast jede Haushaltung in den Philippinen ihre Chocolade selbst,
nur aus Cacao und Zucker. Indier, die Chocolade geniessen, setzen
oft gersteten Reis dazu. Jetzt ist in Manila eine Fabrik errichtet,
die Chocolade nach europischer Art bereitet. Ein beliebter Zusatz
zur Chocolade in den rtlichen Provinzen sind gerstete Pilikerne. [90]

Die Europer lernten das aus dem Cacao bereitete Getrnk zuerst
in Mexico unter dem Namen Chocolatl kennen. [91] Schon zur Zeit
Cortes', eines leidenschaftlichen Chocoladentrinkers, war der Baum
Gegenstand ausgedehnter Kultur. Die Cacaokerne vertraten bei den
Azteken die Stelle des Geldes, Montezma empfing darin einen Theil
seines Tributes. Bei den alten Mexicanern genossen aber nur die
Reichen den Cacao ungemischt, die andern setzten, wegen des hohen
Werthes der Bohne als Mnze, Mais- oder Mandioca-Mehl dazu. Noch
heut dienen in Zentral-Amerika die Cacaobohnen als Scheidemnze,
weil kein Kupfergeld vorhanden ist, die kleinste Silbermnze aber
1/2 Real betrgt. [92] Doch soll es im zentralen Amerika und am
Orinoco noch jetzt undurchdringliche Wlder geben, die fast ganz
aus wilden Cacaobumen bestehn. [93] Ein Theil ihrer Frchte wird
auch gesammelt, ist aber von sehr geringem Werth. Schon an und fr
sich weniger aromatisch als die kultivirten Sorten, knnen sie nicht
mit Sorgfalt zur rechten Zeit gepflckt und getrocknet werden und
verderben auf dem langen Transport durch die feuchten Wlder.

Bis vor kurzem, als namentlich Franzosen sehr bedeutende Pflanzungen
in Zentral-Amerika anlegten, hatte der Ertrag in den amerikanischen
Produktionslndern seit Aufhebung der Sklaverei fast von Jahr zu Jahr
abgenommen. Obgleich nach F. Engel eine gedeihende Cacaopflanzung bei
geringer Mhe und Auslage mehr Ertrag giebt als jede andre tropische
Kultur, so sind auch dort die Ernten, die berdies erst nach 5 oder
6 Jahren beginnen, wegen der vielen Feinde der Pflanze nicht sicher,
die Kultur eignet sich daher nur fr grssere Kapitalisten oder
ganz kleine Bauern, die den Baum in ihren Grten ziehen. Die grossen
Pflanzungen sind aber nach Aufhebung der Sklaverei meist in Verfall
gekommen und die frei gewordenen Sklaven sind zu unbetriebsam.

In Europa mundete die ursprngliche Chocolade nicht allgemein;
sie fand erst spter durch Zusatz von Zucker grssern Anklang. Das
bertriebene Lob ihrer Verehrer rief den erbitterten Widerspruch
der Gegner des neuen Getrnks hervor, auch regten sich bei den
Geistlichen Gewissensskrupel wegen des Gebrauchs des nahrhaften Cacao
als Fastenspeise. Der Streit dauerte bis zum 17. Jahrhundert fort,
wo das Getrnk in Spanien zum allgemeinen Bedrfniss wurde. [94] In
Spanien wurde der Cacao 1520 eingefhrt, die Chocolade zuerst heimlich
bereitet, wegen des Monopols der Conquistadoren. 1580 war sie dort
schon in allgemeinem Gebrauch, in England aber so unbekannt, dass 1579
ein englischer Kapitn eine weggenommene Ladung als nutzlos verbrannte
(Kottenkamp I., 579). Nach Italien kam sie 1606, nach Frankreich
wahrscheinlich durch Anna von Oesterreich. In London wurde 1657 das
erste Chocoladenhaus erffnet. Deutschland folgte 1700 nach. [95]

Mit dem Kaffee geht es in den Philippinen beinahe wie mit dem
Cacao. Der Strauch gedeiht vorzglich, seine Frucht ist von so
ausgezeichnetem Geschmack, dass geringer Manila-Kaffee wie guter Java
bezahlt wird, dennoch ist die Kaffeeproduktion der Philippinen hchst
unbedeutend und verdiente bis vor Kurzem kaum der Erwhnung. Nach
dem Berichte eines Englnders von 1828 [96] war der Kaffeestrauch
vierzig Jahre vorher unbekannt, nur durch wenige Exemplare in
den Grten Manila's vertreten. Von dort nach Laguna verpflanzt,
vermehrte er sich schnell durch Vermittelung eines kleinen Raubthiers
(Paradoxurus Musanga), das nur die reifsten Frchte nascht und
die harten Kerne (die Kaffeebohnen) unverdaut auswirft. [97] Die
Sociedad economica bemhte sich ihrerseits durch Ertheilung von
Preisen zur Anlage grsserer Kaffeepflanzungen zu ermuntern. 1837
gewhrte sie P. de la Gironnire eine Prmie von 1000 Doll., weil er
ber 60,000 Kaffeepflanzen im Zustande der zweiten Ernte aufweisen
konnte, und in den folgenden Jahren noch vier Prmien an Andre fr
dieselbe Leistung. Aber sobald die Prmien gewonnen waren, liess
man die Pflanzungen wieder verwildern. Daraus scheint hervorzugehn,
dass die Unternehmungen bei den damaligen Marktpreisen und knstlich
gesteigerten Frachten keinen hinreichenden Nutzen gewhrten.

Was patriotische Bestrebungen vergeblich versucht, scheint jetzt
die bedeutende Steigerung der Kaffeepreise bei gleichzeitiger
Erleichterung des Verkehrs allmlig zu bewirken: 1856 betrug die
Kaffeeausfuhr nicht ber 7000 Picos, 1865: 37,588 P., 1871: 53,370
Picos. Diese Steigerung giebt aber noch nicht das Maass fr die Zunahme
der Pflanzungen, da diese in den ersten Jahren nach der Anlage keinen
Ertrag liefern. In Kurzem darf wohl mit Zuversicht eine hhere Ausfuhr
erwartet werden. Aber selbst diese drfte nicht als Maassstab fr die
Leistungsfhigkeit der Kolonie gelten. Erst wenn europisches Kapital
grssere Pflanzungen an geeigneten Oertlichkeiten hervorruft, werden
die Philippinen den gebhrenden Rang unter den Kaffee erzeugenden
Lndern einnehmen.

Den besten Kaffee liefern die Provinzen Lagna, Batngas und Cavte,
den schlechtesten Mindanao; letzterer ist in Folge nachlssiger
Behandlung sehr unrein, enthlt viele schwarze Bohnen beigemischt. Die
Mindanaobohnen sind gelblichweiss (pale), whrend die von Lagna
grnlich und fast um die Hlfte kleiner sind als jene.

Von Kennern wird der Manila-Kaffee sehr hoch geschtzt und stets
entsprechend bezahlt, obgleich er nicht so sauber aussieht als Ceylon
und manche andre sorgfltiger behandelte Sorten. Jedenfalls ist es
bemerkenswerth, dass Frankreich 1865, ausser 105,000 Frcs. Manila-Hanf,
fast nichts als Kaffee aus den Philippinen einfhrte, davon aber fr
1,042,000 Frcs., d. h. mehr als ein Drittel der Gesammternte. [98] In
London wird Manila-Kaffee nicht besonders gewrdigt und nicht besser
als guter Native Ceylon (60 Schillinge pr. Cwt.) bezahlt, [99] weil er
dem englischen Geschmack nicht entspricht; dies ist aber kein Vorwurf
fr den Kaffee, wie Jeder, der den englischen Kaffeegeschmack kennt,
einrumen wird.

Einer der Hauptabnehmer wird mit der Zeit wohl Californien werden,
ein vortrefflicher Kunde der fr gute Waare gern ermunternde
Preise zahlt. [100] 1868 galt der Kaffee in Manila selbst, mit sehr
geringen Schwankungen 16 Doll. per Pikul [101] (1871: 13 Doll. 50
C.) d. h. nicht viel unter dem Londoner Marktpreise. In Java zahlt
die Regierung den zum Kaffeebau gezwungenen Eingeborenen 9 fl. 20
c. (etwa 3 1/2 Doll. fr den Pikul).

Wie unbedeutend die oben angefhrte Kaffeeproduktion im Verhltniss
zur Produktionskraft der Kolonie ist, ergiebt sich am besten aus dem
Vergleich mit der Ausfuhr anderer Lnder. Nach Scherzer, Fachmnnische
Berichte, 71, betrug 1868 die Kaffeeausfuhr von Brasilien 4,262,000
Zoll-Ctr., Java und Sumatra 1,400,058, Ceylon 1,023,455 Zoll-Ctr.

In meinen Reiseskizzen (S. 158) wurde die Abnahme der Kaffeeproduktion
in Java unter dem Kultursystem, die Zunahme derselben in Ceylon bei
freier Arbeit hervorgehoben und als Ertrag des Jahres 1858/59 67,500
Tonnen fr Java, 35,000 T. fr Ceylon angegeben. Beide Ursachen
haben seitdem fortgewirkt und Niederlndisch-Indien erzeugte 1866
nur 56,000 T. (in 7 Jahren 11,000 T. weniger), Ceylon 36,000 T. (1000
T. mehr). [102]

Whrend meines gezwungenen Aufenthalts in Darga brachten mir
die Eingeborenen Muscheln und Kfer zum Kauf und eine Anzahl
meldeten sich um in meinen Dienst zu treten, da sie Beruf zum
Naturforscher in sich fhlten. Ich hatte ihrer endlich eine ganze
Kche voll. Tglich gingen sie aus, um Insekten zu sammeln; freilich
waren sie gewhnlich nicht glcklich, desto munterer ging es aber
bei den Mahlzeiten zu. Fast tglich erhielt ich freundliche Besuche
von benachbarten Spaniern. Auch mehrere eingeborene Wrdentrger und
Mestizen besuchten mich, selbst aus grsserer Ferne, nicht sowohl um
mich, als um meinen Hut zu sehn, dessen Ruf sich ber die Grenzen
der Provinz verbreitet hatte. Er bestand aus Nito [103], hatte die
landesbliche zweckmssige Pilzform, war aber mit einer Spitze zum
Aufstecken einer kleinen stark leuchtenden Laterne versehn, auf deren
Oellampe, wenn unbenutzt ein dicht schliessender Deckel, wie bei einer
Lthrohrlampe geschraubt wurde, so dass man die Laterne in der Tasche
tragen konnte. Die Einrichtung erwies sich namentlich beim Reiten im
Dunkeln als hchst zweckmssig.

Im benachbarten Publo, Tabaco, wurden aus demselben Stoff
Zigarrentaschen geflochten. Sie kommen wohl kaum in den Handel,
und werden nur auf vorherige Bestellung angefertigt. Um ein Dutzend
zu erhalten, muss man sich an ebensoviele Individuen wenden, und es
dauert gnstigen Falles mehrere Monate, bis eine Tasche vollendet
wird. Der Stiel des Farn hat die Dicke eines Schwefelholzes, man sucht
mglichst lange Stcke zwischen zwei Blattanstzen aus, spaltet sie in
4 Theile und jedes Viertel durch Aufschlitzen und Zwischenklemmen des
Fingers noch einmal; dann nimmt der Arbeiter ein Messer in die fest
aufliegende linke Hand, den Daumen auf den Rcken, die Schrfe gegen
den Zeigefinger gerichtet, und zieht die Streifen so oft unter der
Klinge durch, bis sie von den innern, weniger zhen Theilen befreit
und hinreichend fein sind, eine viel Geduld und Geschick erfordernde
Arbeit. Geflochten wird ber eine zwei Fuss lange zylindrische,
nach unten spitz zulaufende Holzform. In der Mitte der geraden
Endflche steckt ein Stift um welchen das Geflecht beginnt; ist der
dem Durchmesser der Walze entsprechende Boden der Tasche vollendet, so
wird mittelst eines Stiftes eine kleine Holzscheibe auf den Boden der
Tasche gepresst, die ihn whrend des Flechtens der Seitenwand festhlt.

Meine erste Ausfahrt war zur Kirchweih nach Legspi, wo die Indier
Abends Theater spielten. Ein aus politischen Grnden verbannter Spanier
hatte die Anordnung bernommen. Zu beiden Seiten der mit Palmenblttern
berdachten Bhne befanden sich erhhte bedeckte Gallerien fr die
Honoratioren; der dem grossen Publikum bestimmte mittlere Raum war
oben offen. Es wurde ein grosses Schauspiel aus der Persergeschichte
gegeben, in spanischer Sprache, mit Fantasiekostmen. Da das Theater an
einer lebhaften Strasse lag, die selbst einen Theil des Zuschauerraumes
bildete, so war der Lrm so gross, dass man nur hin und wieder ein
Wort vernehmen konnte. Die Schauspieler marschirten bei dem Hersagen
ihrer Rollen, deren Sinn sie nicht einmal sprachlich verstanden,
von einer Seite zur andern, indem sie die Arme auf und abbewegten;
am Rande der Bhne angekommen machten sie Kehrt und setzten ihren
Marsch in entgegengesetzter Richtung fort, wie Schiffe, die gegen
den Wind kreuzen; sie verzogen dabei keine Miene, und sprachen,
wie Automaten. Htte man wenigstens den Text verstehn knnen, so
wre der Kontrast desselben mit den maschinenartigen Bewegungen
gewiss drollig gewesen; Lrm, Hitze und Qualm waren aber so gross,
dass wir nur kurze Zeit blieben.

Das Schauspiel sowohl als das ganze Fest trug das Geprge
der Schlaffheit und Gleichgltigkeit, des unverstanden
Nachgeahmten. Vergleicht man die ausgelassene Frhlichkeit bei den
Kirchweihen in Europa mit den ausdruckslosen starren Gesichtern der
Indier, so begreift man kaum warum dergleichen Feste mit so grossem
Aufwande von Zeit und Geld gefeiert werden.

Derselbe Mangel an Frhlichkeit wird von vielen Reisenden in noch
hherem Grade bei den Indianern Amerika's bemerkt und von einigen aus
einer geringeren Entwicklung des Nervensystems erklrt, daher auch der
wunderbare Gleichmuth jener beim Ertragen von Schmerz. Das Gesicht
des Indianers ist nach Tylor [104] so verschieden von dem unsrigen,
dass der Europer erst nach Jahre langer Uebung seinen Ausdruck
deuten lernt. Beide Ursachen mgen zusammenwirken. Wenn aber auch
lebhafte Aeusserungen der Freude nicht wahrzunehmen waren, so findet
doch der Indier grosses Vergngen schon an den wochenlang dauernden
Vorbereitungen zur Ausschmckung des Dorfes, noch grsseres bei dem
Feste selbst an den Prozessionen, bei denen jeder in seinem besten Putz
oder den Abzeichen seiner Wrde erscheint. Der Kampf um den Vortritt,
um die Ehre eine Fahne zu tragen, erfllt den also Begnstigten
mit dem hchsten Stolz und erregt den Neid der Uebrigen. Aus allen
nahegelegenen Ortschaften kommt Besuch, ganze Triumphbogen von Bambus
und Laubwerk werden von benachbarten Gemeinden, mit der Inschrift
Obsequio del publo de ... mitgebracht und aufgerichtet. Zuweilen
wird auch stark gezecht. Die Filipinos haben Vorliebe fr geistige
Getrnke; selbst junge Mdchen berauschen sich gelegentlich gern. Fr
die Nacht finden die fremden Gste die entgegenkommendste Aufnahme
in den Husern des Pueblo. Ueberhaupt strahlt die Gastfreundschaft
bei solchen Gelegenheiten in hellem Licht. Jedes Haus steht Jedem
offen. In den grsseren Ortschaften fehlt es auch nicht an Bllen,
es tanzen aber gewhnlich nur Spanier und Mestizen mit Mestizinnen;
blos ausnahmsweise wird eine begnstigte Indierin aufgefordert. Unter
sich pflegen die Eingeborenen selten zu tanzen; in Samar sah ich aber
einmal einen nicht ungrazisen, angeblich einheimischen Tanz auffhren,
zu dem improvisirte Strophen gesungen wurden: der Tnzer verglich
seine Dame mit einer Rose, und sie erwiderte, er mge sich hten sie
zu berhren, da sie auch Dornen habe; was im Munde einer Andalusierin
reizend geklungen htte, bei der Indierin aber nur den Ursprung der
Improvisation verrieth.

Das mssige Leben in Darga gefiel meinen Dienern und ihren zahlreichen
Freunden so gut, dass sie es gern so lange als mglich geniessen
wollten. Sie whlten dazu oft sinnreiche Mittel. Zweimal, als alles
zum Aufbruch fr den nchsten Morgen gerstet war, wurden Nachts
meine Schuhe gestohlen. Ein andermal stahl man mir mein Pferd. Hat ein
Indier eine schwere Last zu befrdern, oder einen anstrengenden Ritt zu
machen, so benutzt er dazu gern den wohlgenhrten Gaul eines Castila,
und lsst ihn dann ungefttert laufen, bis ihn jemand auffngt und
in das nchste Tribunal liefert. Dort wird er angebunden und muss
so lange hungern bis ihn sein Herr reklamirt und den angerichteten
Schaden ersetzt. Ich hatte einen Dollar zu zahlen, da mein Pferd,
obgleich es sehr verhungert that, in der Zwischenzeit fr einen Dollar
Reis genascht haben sollte.

Kleine Diebsthle kamen sehr hufig vor, werden aber, wie mich ein
freundlicher Gnner eines Abends belehrte, als ich ihm mein Elend
klagte, nur gegen neue Ankmmlinge verbt; lange dort angesessene
Leute, die sich der allgemeinen Achtung erfreun, sind solchen
Ungelegenheiten nicht ausgesetzt. Ich weiss nicht, ob ein schalkhafter
Eingeborener unsere Unterhaltung belauscht hatte, aber am nchsten
Morgen sandte der freundliche Herr, der mir oft aus der Noth geholfen
hatte, zu mir, und liess sich Chocolade, Zwieback und Eier holen,
da man ihm in der Nacht Speisekammer und Hhnerstall ausgerumt hatte.

Montag und Freitag Abend war Markt in Darga, -- bei gutem Wetter immer
ein hbscher Anblick. Man sah dann die Frauen, die fast ausschliesslich
den Verkauf besorgen, nett und sehr sauber gekleidet, in langen von
Fackeln glitzernden Reihen sitzen, und auf den Abhngen der Berge bei
Fackelschein nach allen Richtungen in ihre Wohnungen zurckkehren. Sie
tragen ihre Waaren, darunter viele selbst gewebte Stoffe von Seide,
Ananas- und Bananen-Fasern, auf dem Kopf; den jngern fehlt es aber
selten an Liebhabern, die ihnen die Mhe abnehmen.








ELFTES KAPITEL

    REISE NACH BULUSAN UND SORSOGON. -- STRASSENBAU. -- SEERUBER.


Whrend ich in Darga das Zimmer hten musste, blieb das Wetter fast
ununterbrochen schn und leider waren dies die letzten guten Tage,
auf die ich rechnen konnte, da der NO. Monsun, der Regenbringer fr
diesen Theil des Archipels, im Oktober einzusetzen pflegt. Trotz
der vorgeschrittenen Jahreszeit machte ich noch einen Versuch den
Bulusn zu besteigen. Man fhrt im Boot nach Bcon, im Busen von
Alby (7 Leguas stl.), reitet von dort auf guter Strasse nach Gbat
(3 Leguas) an der Ostkste, dann den Strand entlang, genau S. bis
Bulusn, und, wenn man will, bis Matng, dem letzten Dorf an der
Sdost-Spitze Luzons. Ein alter erfahrener Indier hatte Boot und
Mannschaft besorgt und zehn Uhr Abends als die gnstigste Zeit fr
die Abfahrt bestimmt. Als wir aber eben abstossen wollten, rief er
uns zu, es seien vier Seeruberboote in der Bay gesehn worden. Im Nu
war meine Mannschaft verschwunden, ich blieb allein im Dunkeln. Erst
nach vier Stunden gelang es mir, mit Hlfe eines Spaniers, sie wieder
herbei zu holen und zur Abfahrt zu bewegen. Um 9 Uhr erreichten
wir Bcon, von wo der Weg durch flache Gegend ber S. Rque SW. in
einem spitzen Winkel nach Gbat fhrt, zu beiden Seiten Reisfelder
mit einzelnen Htten unter Kokos- und Arecapalmen. Zehn Minuten von
Bcon stehn drei prachtvolle Feigenbume, die schnsten die ich in den
Philippinen gesehn, einer der Arten angehrend, die sich aus zahllosen
in einander geschlungenen und zusammengewachsenen Luftwurzeln, Stmme
von riesenhaftem Umfange und phantastischer Gliederung aufbauen. Sie
waren bedeckt mit chten und unchten Parasiten, darunter eine
grosse Zahl blhender Orchideen. Der Boden besteht aus trachytischem
Gerlle. SW. von S. Roque gabelt sich die Strasse, ein Arm fhrt
S. nach Sorsogon, das wohlgeschtzt in der NO. Ecke einer tiefen Bucht
liegt, der andre O. zu S. nach Gbat. Hinter S. Rque bemerkt man viele
Abacpflanzungen in Waldlichtungen. Der letzte Theil des Weges ist
schlecht und fhrt ber schlpfrige Thonrcken (verwitterten Trachyt)
mit Gypskrystallen. Von Gbat luft die Strasse lngs des Strandes. An
vielen Stellen stehn kleine verfallene oder verfallende viereckige
Thrme aus Korallenblcken, von den Jesuiten zum Schutz gegen die
Moros aufgefhrt. Moren werden hier die Seeruber genannt, weil sie,
wie die ehemaligen Mauren in Spanien, Mohamedaner sind. Sie kommen
aus der Solosee, von Mindanao und der Nord-Westkste von Borneo. Die
Seeruberei stand zur Zeit meiner Reise noch in voller Blthe. Erst
Tags vorher hatten Piraten einige Leute fortgeschleppt, die nicht
weit von Gbat mit Aufstellen einer Fischreuse beschftigt waren. Dem
Strande parallel und in geringer Entfernung luft ein Korallenriff,
das im SW. Monsun bei Ebbe stellenweis entblst wird; zur Zeit aber
staute der NO. Wind die Wogen des stillen Ozeans so hoch an der Kste
auf, dass es nicht sichtbar wurde; es liefert den einen Bestandtheil
des Bodens, der zur Hlfte aus Kalk, und aus vulkanischem Sand
besteht. Die Strme hatten nebst vielen andern Resten von Seethieren,
auch eine grosse Anzahl Schwmme ans Land geworfen, unter denen eine
unserem Badeschwamme des Mittelmeeres (Spongia officinalis L.) durchaus
hnliche Art und wohl derselben Gattung angehrend. Sie fhlen sich
eben so weich an, sind dunkelbraun, ber faustgross, halbkugelfrmig,
nehmen mit derselben Leichtigkeit Wasser an und wrden vielleicht einen
Handelsartikel bilden knnen. Proben davon befinden sich im Berliner
zoologischen Museum. Dem Strande zunchst wachsen verkmmerte Pandanus,
weiter landeinwrts Casuarinen; daran schliesst sich hoher Laubwald,
mit Abacpflanzungen in den hufigen Lichtungen. Die Strasse ist
recht gut; ber viele der Flussmndungen fhren berdachte, hlzerne
Brcken aus Molave, alle noch wohl erhalten. Von den steinernen Brcken
aber sind die Bogen fast ausnahmslos eingestrzt. Man setzt in einem
Nachen ber, das Pferd folgt schwimmend. Ein paar tausend Fuss vor
Bulusn kommt man durch eine, mehrere hundert Fuss tiefe Schlucht
aus weissem Bimsteintuff.

Der Ort wird so selten von Fremden besucht, dass das Tribunal sich mit
Neugierigen fllte, die mich betrachten wollten. Die Frauen hatten
den Ehrenplatz und kauerten in mehreren konzentrischen Linien auf
dem Boden, die Mnner drngten sich hinter ihnen. Als ich in einem
von Bambusen nur undicht verschlossenen Schuppen ein Rieselbad nahm,
sah ich pltzlich durch alle Oeffnungen neugierige Augen auf mich
gerichtet; es waren ausschliesslich Frauen, die mich mit der grssten
Neugier betrachteten, sich ihre Bemerkungen mittheilten und durchaus
nicht gestrt sein wollten. Ein andres Mal als ich in der Provinz
Laguna im Freien badete, lief eine Anzahl Weiber, alte, junge und
kleine Mdchen herbei, die mir zusahen, whrend des Ankleidens dicht
um mich hockten, mich aufmerksam besichtigten, und mit den Fingern auf
alle Einzelheiten wiesen, die zu besonderer Besprechung Anlass gaben.

Den letzten Theil des Weges nach Bulusn hatte ich in Sturm und Regen
zurckgelegt; beide nahmen nach kurzer Pause whrend der Nacht zu,
ein Theil des Tribunals wurde abgedeckt. Am andern Morgen lagen
alle schadhafteren Huser des Dorfes am Boden, eine grosse Menge
Dcher waren fortgeweht. Fast ohne Unterbrechung, wenn auch nicht
mit gleicher Heftigkeit, dauerte das Wetter whrend der 3 Tage meines
Aufenthaltes fort; den Vulkan, an dessen Fuss ich mich befand, bekam
ich nicht auf einen Augenblick zu sehn, und da die Sachverstndigen
in dieser Jahreszeit gutes Wetter nicht in Aussicht stellen konnten,
wurde die Besteigung auf bessere Zeit verschoben und die Umkehr
beschlossen. Der ehemalige Alkalde Peeranda soll den Berg etwa
15 Jahre frher bestiegen haben, nachdem angeblich 60 Menschen 2
Monate lang beschftigt gewesen, einen Weg zum Gipfel zu bahnen; die
Besteigung soll 2 Tage gedauert haben. Der Teniente, ein aufgeweckter
Indier, glaubt aber, dass in der trocknen Jahreszeit 4 Mann in 2
Tagen einen schmalen Pfad ffnen knnten bis nahe zur Spitze, die
nur mit Leitern zu ersteigen sei. Am Tage nach meiner Ankunft traf
der Strassenbau-Inspector und ein Begleiter hier ein, beide bis auf
die Haut durchweht und durchnsst. Der freundliche Alkalde hatte sie
hergesandt zu meiner Untersttzung. Unter den obwaltenden Umstnden
mussten sie unverrichteter Sache mit mir umkehren.

Als ich auf der Rckreise kaum in Bacon angekommen, ertnte ein
Bllerschuss und Musiklrm: Es kommt der Seor Alcalde. -- Er fuhr in
offenem Wagen, umgeben von einer regellosen Reiterschaar, Eingeborene
und Spanier der Umgegend, erstere in festlich flatternden Hemden und
vergilbten Seidenhten prangend. Der liebenswrdige Herr nahm mich
in seinem Wagen nach Sorsogon mit, das wir in einer Stunde erreichten.

Die Provinz Alby hat gute Strassen, sie werden aber schlecht
unterhalten, und mssen, wenn die Unthtigkeit der Verwaltung
fortdauert, allmlig wieder zu Grunde gehn. Der grsste Theil der
steinernen Brcken ist eingestrzt. Statt ihrer muss man eine Furth
oder ein Floss benutzen, oder in einem Nachen bersetzen und die
Pferde schwimmen lassen. Die Strassen wurden in den vierziger Jahren
durch den bereits erwhnten Alkalden Peeranda, einen ehemaligen
Ingenir-Offizier angelegt, dem der Ruhm gebhrt, den Wohlstand der
Provinz sehr gefrdert zu haben, indem er ihre damals unbedeutenden
Mittel mit Umsicht und Eifer zu ntzlichen Anlagen verwendete. Er
wachte darber, dass die schuldigen Frohnden wirklich geleistet oder
in Geld abgelst wurden, und benutzte letzteres zur Beschaffung
von Werkzeug und Material. Vor ihm bestanden grosse Missbruche,
indem die der Principala Verwandten oder Befreundeten keine- oder
Scheinarbeiten verrichteten, und die Ablsungsgelder nicht in die
Gemeindekasse, sondern in die Tasche des Gobernadorcillos flossen,
oft unter Mitwissenschaft und Betheiligung des Alkalden. Auch heut
sind solche Missbruche ganz allgemein in den Provinzen, wo die
Wachsamkeit des Alkalden es nicht verhindert.

Bei der zahlreichen Bevlkerung und dem grossen Wohlstand, deren sich
die Provinz jetzt erfreut, wre es ein leichtes die vorhandenen
Strassen zu erhalten und zu vervollstndigen. An gutem Willen
fehlte es dem trefflichen damaligen Beamten gewiss nicht, aber ihm
waren die Hnde gebunden. Die jetzigen Alkalden bleiben nur 3 Jahr
in einer Provinz (zu Peerandas Zeit 6 Jahr), ihre Zeit wird fast
gnzlich durch die laufenden amtlichen und richterlichen Geschfte
in Anspruch genommen; bevor sie ihre Provinz, deren Mittel und
Bedrfnisse einigermaassen kennen lernen, mssen sie dieselbe schon
wieder verlassen; so gross ist das Misstrauen der Regierung in ihre
eigenen Diener. Ihre Macht ist auf das usserste Maass beschrnkt,
sie haben fast keine Initiative. Unternehmen wie das Peeranda'sche
durchzufhren, wre heut nicht mglich. Die fr Ablsung von Frohnden
eingehenden Gelder, die ausschliesslich zum Nutzen der betreffenden
Provinz verwendet werden sollten [105], mssen nach Manila abgeliefert
werden. Schlgt der Alkalde eine dringend nothwendige Verbesserung
vor, so hat er so viele Berichte, Eingaben, Anschlge einzureichen,
die hufig unbeantwortet bleiben, dass ihm gewhnlich bald die Lust
zu allen Verbesserungsvorschlgen vergeht. Bedeutende Werke aber,
die grssere Ausgaben erfordern, werden fast ausnahmslos von der
Zentralstelle, als nicht dringend, zurckgewiesen. Der Grund liegt
nicht im bsen Willen der Kolonialregierung, sondern darin, dass
die Caja de Comunidad in Manila fast immer leer ist, da sich die
spanische Regierung in ihrer chronischen Finanznoth das Geld borgt
und nicht im Stande ist es zurckzuzahlen.

Sorsogon hat 1840 bedeutend durch Erdstsse gelitten, die mit
Unterbrechungen 35 Tage lang anhielten. Ihre grsste Heftigkeit
erreichten sie am 21. Mrz. Die Kirchen von Sorsogon und Casigran
nebst den wenigen Steinhusern wurden zertrmmert, 17 Menschen kamen
um und 200 wurden verletzt. Das Land senkte sich um 5 Fuss.

Am folgenden Morgen begleitete ich den Alkalden in einer Fala
mit 14 Rudern nach Casigran, das genau S. von Sorsogon in der
Sdostecke der 2 Leguas breiten Bucht liegt; die Ueberfahrt dauerte
1 1/2 Stunde. Das Wasserbecken ist so still wie ein Binnensee, fast
rings von Bergen umgeben und an der dem Meer geffneten Westseite
durch die queer davor liegende Insel Bagalo (nicht Bagato, wie
sie Coello nennt), geschtzt. Unter der Mannschaft war es sehr laut,
da Jeder sich vor dem Seor Alcalde geltend machen wollte. Bei der
Landung: Bllerschuss, Musik, flatternde Hemden und Fahnen. Die
freundliche Einladung des Herrn T. ihn weiter zu begleiten, lehnte
ich ab, da fr mich, ohne amtliche Geschfte die Reise fast nur aus
Malzeiten, Zwischenmalzeiten und eingeschobenen Chocolates bestand
mit fortwhrender Musik, Knallfeuerwerk und andrem Lrm.

Im Jahre 1850 etwa ist an einer heut schon vom Meer verschlungenen
Stelle des Strandes, der so weit ich ihn untersuchen konnte, aus 5 bis
6 Fuss Thon ber vulkanischem Sand mit Bimssteinbruchstcken besteht,
Quecksilber gefunden worden. Ein in dieser Gegend des Archipels
gestrandeter Englnder, derselbe, den ich in der Eisenhtte bei Angat
besuchte, hatte begonnen es zu sammeln, und durch Schlmmen des Sandes
etwa 2 Unzen gewonnen. Als aber der inlndische Priester erfuhr, dass
Quecksilber Gift sei, schilderte er seinen Pfarrkindern, wie er mir
selbst erzhlte, die Gefahren des neuen Erwerbszweiges in so grellen
Farben von der Kanzel herab, dass sie davon abliessen. Seitdem ist nie
wieder eine Spur von Quecksilber entdeckt worden; vielleicht stammte
es von einem zerbrochenen Barometer. Abends waren der Bulsan in SO.,
der Mayon in NW. auf kurze Zeit sichtbar. Casigran liegt in einer
geraden Linie mit denselben.

Die Zerstrung der Ksten bei Casigran ist auffallend gross,
die Berichte darber sehr abweichend. Nach dem Augenschein und den
mssigsten Angaben zu urtheilen, mag sie doch wohl seit einer Reihe
von Jahren jhrlich eine Elle betragen. Im Norden ist die Bucht von
Sorsogon durch einen Bergrcken geschtzt, der sich O. von Bacon
pltzlich verflacht, und dadurch dem Nordost eine schmale Gasse nach
dem Winkel der Bucht von Casigran ffnet, wo zuweilen ein einziger
Sturm sehr bedeutende Verwstungen in der aus Thon und Sand bestehenden
Kste hervorbringt.

Als ich Abends wieder in Legspi landete, erfuhr ich, dass der Alarm
wegen der Seeruber, der meine Abreise verzgert hatte, in der That
begrndet war. Aechte Moros waren es freilich wohl nicht, da solche
in jener Jahreszeit nicht in diese Gewsser gelangen knnen, sondern
Desertre und Vagabunden aus der Umgegend, die in dieser maritimen
Provinz das Ruberhandwerk lieber zu Wasser als zu Lande treiben. Sie
hatten whrend meiner Reise eine Anzahl Rubereien verbt und Personen
fortgeschleppt. [106]

Anfang November ist die Jahreszeit der Strme. Die Schifffahrt zwischen
Alby und Manila hat vllig aufgehrt; selbst von der Sdkste wagte
kein Schiff abzugehn. Am 9. luft aber noch der verloren geglaubte
Casaisi ein; er hat starke Haverei gelitten, den grssten Theil
seiner Ladung ber Bord geworfen. Schon zwlf Tage zuvor hatte er
die Strasse von S. Bernardino geklrt, als ein Sturm ihn zwischen
den Inseln Balicutro zu ankern zwang. Einer der Passagiere, ein neu
angekommener Spanier, bestieg ein mit sieben Matrosen bemanntes Boot,
und fuhr auf vier Pancs zu, die bewegungslos vor der Kste lagen. Er
hielt sie fr Fischer, es waren aber Seeruber. Sie beschossen ihn,
als er weit genug von seinem Schiff war, seine Mannschaft warf sich
in's Wasser, wurde jedoch sammt ihm selbst gefangen genommen. Der
Kapitn frchtend, dass die Ruber sein Schiff angreifen wrden,
kappte das Ankertau, stach trotz des Sturmes wieder in See und entging
nur mit genauer Noth und arg zugerichtet gnzlichem Schiffbruch.

Die Gefangenen werden in der Regel nicht umgebracht, sondern zum Rudern
benutzt. Europer kommen aber selten mit dem Leben davon, da sie die
grossen Anstrengungen bei sprlichster Kost nicht ertragen. Man nimmt
ihnen die Kleider ab, berlsst sie fast nackt jedem Wetter und giebt
ihnen tglich kaum eine Hand voll Reis zur Bekstigung.








ZWLFTES KAPITEL

    REISEN IN SD-CAMARINES. -- GLIEDERUNG DER PROVINZ. -- SPANISCHE
    PRIESTER. -- ALKALDEN UND MANDARINE.


In Alby war vor Januar nicht auf besseres Wetter zu rechnen,
es strmte und regnete tglich; ich ging daher in die westlich
davon gelegene Provinz Sd-Camarnes, die, durch hohe Berge an
ihrem NO. Rande gegen die herrschenden Winde geschtzt, gutes
Wetter hatte. Abgesehn von der in NO. vorliegenden, nur durch eine
vom Ysarg gebildete Landenge mit Camarnes verbundenen Halbinsel
Caraman, streicht Camarnes NO. SW. und bildet eine im Mittel zehn
Leguas breite an mehreren Stellen von tiefen Buchten ausgezackte
Halbinsel. In ihrer nordstlichen Hlfte liegt eine Reihe von
Vulkanen und Trachyt- und Doleritkuppen; der sdwestliche Rand
besteht, so weit ich Gelegenheit hatte ihn zu untersuchen, aus Kalk,
anscheinend gehobene Korallenriffe. Zwischen beiden Bergzgen dehnt
sich ein vielfach gewundenes fruchtbares Thal aus, in welchem sich
die von den innern Abhngen herabfliessenden Gewsser sammeln und
einen schiffbaren Fluss, den Bicol, bilden, an welchem sich der Reihe
nach eine Anzahl blhender Ortschaften angesiedelt hat. So reichlich
ist die dem Bicol aus den stlichen Bergen zustrmende Wassermenge,
so gering die Neigung der Thalsohle, die ein fast ununterbrochenes
Reisfeld bildet, dass an vielen Stellen kleine Seen entstehn. Fast
jede Ortschaft hat einen solchen; der bedeutendste ist der Batu-See,
die kleinsten schrumpfen in der trocknen Jahreszeit zu blossen
Wasserpftzen ein. Von Sdosten anfangend, liegen in dem nordstlichen
Streifen die Vulkane Bulusn, Albay, Mazarga, Yriga, Ysarg und,
jenseits der Bucht von S. Miguel, der Colsi, in einer geraden Linie,
wie die ganze Landzunge selbst, von NW. nach SO. streichend. Der
Vulkan Buhi oder Malino, auch Tikt genannt, tritt in NO. ein
wenig ber diese Linie hinaus. Parallel dieser Vulkanenreihe sind
die Ortschaften der Provinz in der Mittellinie geordnet; der sdliche
Streifen ist sprlich bewohnt, und sendet in seiner ganzen Erstreckung
nur wenige Bche in das Thal, was auch dafr zu sprechen scheint,
dass er aus Kalk bestehe. Der vulkanische Bergwall hlt, wie erwhnt,
die NO. Winde ab und verdichtet ihre Wasserdmpfe an seinem dem Meere
zugewandten Abhang, so dass der sdwestlich davon liegende Theil der
Provinz whrend des NO. Monsuns trocken ist, whrend des SW. Monsuns
Regen hat. Die sogenannte trockene Jahreszeit, die fr Sd-Camarnes
mit November beginnt, ist aber von hufigen Regenschauern unterbrochen;
verhltnissmssig trocken sind nur die Monate Januar bis Mai. Im Mai
und Juni findet der Monsunwechsel statt, der sich durch starke Gewitter
und Strme aus SW. verkndet, die zuweilen eine bis zwei Wochen fast
ohne Unterbrechung dauern und von starkem Regenfall begleitet sind. Sie
leiten die eigentliche Regenzeit ein, die bis in den Oktober whrt.

Die Strasse fhrt um den Sdostrand der Vulkane Myon und Mazarga,
ber die Ortschaften Camlig, Guinobtan, Ligo, Oas, Polngui,
die alle in einer geraden Linie SO. NW. an einem Flsschen, Qunali,
liegen, das nach Aufnahme zahlreicher Bche bald hinter dem letzten Ort
schiffbar wird. Es stehn dort einige Htten, die wie der Fluss selbst,
Qunali heissen. Eine ausgenommen, haben alle genannte Ortschaften
ber 14,000 Seelen, doch liegen sie meist weniger als eine Legua
von einander entfernt. Die Conventos sind grosse stattliche Gebude,
die damaligen Curas, grsstentheils ltere Leute, waren im hchsten
Grade gastfrei und liebenswrdig. Bei jedem musste eingekehrt werden,
worauf der Seor Padre anspannen liess und seinen Gast zum nchsten
Amtsbruder fuhr. In Polngui wollte ich ein Boot miethen, um nach dem
See von Batu zu fahren; es war aber keines vorhanden, nur zwei grosse
aus einem Baumstamm gezimmerte Barotos von 80 Fuss Lnge lagen da,
mit Reis aus Camarnes beladen. Damit ich nicht aufgehalten werde,
kaufte der Padre den Inhalt des einen Bootes unter der Bedingung des
sofortigen Ausladens, so dass ich Nachmittags meine Reise fortsetzen
konnte.

Steht der Reisende mit dem Cura gut, so kommt er nicht leicht in
Verlegenheit. Ich wollte einmal mit einem Pfarrer eine kleine Reise
gleich nach Tisch antreten, um 11 1/4 Uhr waren alle Vorbereitungen
fertig. Ich usserte, dass es schade sei, die 3/4 Stunden bis zur
Malzeit zu warten. Gleich darauf schlug es 12; alle Arbeit im Dorfe
hrte auf; wir sowohl als unsere Trger setzten uns zu Tisch; es war
Mittag. Dem Glockenschlger war die Botschaft zugegangen: Der Seor
Padre liesse ihm sagen, er schliefe gewiss wieder, es msse lngst
12 Uhr sein, denn der Seor Padre habe Hunger. -- Il est l'heure,
que Votre Majest dsire.

Die grosse Mehrzahl der Geistlichen in den stlichen Provinzen von
Luzon und Samar besteht aus Franziskaner-Mnchen (Religiosos menores
descalzos de la regular y mas estrecha observancia de nuestro Santo
Padre San Francisco en las Islas Filipinas de la Santa y Apostolica
Provincia de San Gregorio magno), die in besonderen Seminarien in
Spanien fr die Mission in den Kolonien erzogen werden. Frher stand
ihnen frei, nach zehnjhrigem Aufenthalt in den Philippinen in ihr
Vaterland zurckzukehren; seitdem aber in Spanien die Mnchsklster
aufgehoben, ist ihnen dies nicht mehr gestattet, da sie gezwungen sein
wrden, dort der Ordensregel zu entsagen und als Rentner zu leben. Sie
wissen, dass sie jetzt ihre Tage in der Kolonie beschliessen mssen
und richten sich danach ein. Bei ihrer Ankunft werden sie gewhnlich
zu einem Priester in die Provinz gesandt, damit sie die Landessprache
erlernen, erhalten dann zunchst eine kleine, spter eine eintrgliche
Pfarre, in der sie meist bis an ihr Lebensende verbleiben. Der
grsste Theil dieser Mnner ist aus den untersten Volksschichten
hervorgegangen. Zahlreiche, in Spanien vorhandene fromme Stiftungen
machen es dem Armen, der fr seinen Sohn nicht die Schule zahlen kann,
mglich, ihn in das Seminar zu schicken, in welchem er ausser dem
besonderen Dienst, zu dem er abgerichtet wird, nichts lernt. Wren die
Mnche von feinerer Bildung, wie ein Theil der englischen Missionre,
so wrden sie wohl ebenso wenig Neigung haben sich unter das Volk zu
mischen und ebenso wenig Einfluss auf dasselbe erlangen wie diese in
der Regel. Die frheren Lebensgewohnheiten der spanischen Mnche,
ihr enger Gesichtskreis befhigen sie ganz besonders dazu, mit den
Eingeborenen zu leben. Gerade dadurch haben sie ihre Macht ber
dieselben so fest begrndet.

Wenn dergleichen junge Leute eben frisch aus ihrer Pflanzschule
kommen, sind sie unglaublich beschrnkt, unwissend, zuweilen auch
ungezogen, voll Dnkel, Ketzerhass und Bekehrungseifer. Allmlig
schleift sich diese rauhe Aussenseite ab; die geachtete Stellung, die
reichlichen Einknfte, die sie geniessen, machen sie wohlwollend. Der
gesunde Menschenverstand und das Selbstvertrauen, die den niedern
spanischen Volksklassen eigen sind und sich bei Sancho Panza als
Guvernr so ergtzlich offenbaren, haben in dem einflussreichen,
verantwortlichen Posten, den der Cura einnimmt, volle Gelegenheit,
sich geltend zu machen. Sehr hufig ist der Cura der einzige Weisse
im Ort und meilenweit wohnt kein andrer Europer. Er ist dann nicht
nur Seelsorger, sondern auch Vertreter der Regierung, das Orakel der
Indier, dessen Ausspruch namentlich in Allem, was sich auf Europa
und Zivilisation bezieht, ohne Appell ist; -- in allen wichtigen
Angelegenheiten wird er um Rath gefragt und hat Niemand, bei dem
er sich Rath holen kann. Unter solchen Verhltnissen kommen alle
seine geistigen Fhigkeiten zur vollen Entfaltung. Derselbe Mensch,
der in Spanien hinter dem Pflug hergegangen wre, fhrt hier grosse
Unternehmungen aus; ohne technische Bildung, ohne wissenschaftliche
Hlfsmittel baut er Kirchen, Strassen, Brcken. So vorteilhaft aber
auch diese Verhltnisse fr die Entwicklung der Fhigkeiten des
Geistlichen sind, so wre es doch fr die Bauten selbst besser, wenn
sie von Fachmnnern ausgefhrt wrden; denn die Brcken strzen gern
ein, die Kirchen sehn oft wie Schafstlle aus, die anspruchsvolleren
haben zuweilen gar tolle Fassaden, und die Strassen verfallen bald
wieder; aber Jeder macht es eben so gut, wie er kann. Fast Allen
liegt das Wohl ihrer Ortschaft am Herzen, wenn auch der Eifer und
die eingeschlagenen Wege, auf denen sie dieses Ziel verfolgen, nach
den Persnlichkeiten sehr verschieden sind. Ich habe in Camarines
und Alby viel Umgang mit den Curas gehabt und sie ausnahmlos
liebgewonnen. Sie sind in der Regel ohne allen Dnkel und in den
abgelegenen Orten so glcklich, wenn sie einmal Besuch erhalten,
dass sie Alles aufbieten, um ihrem Gast den Aufenthalt so angenehm
als irgend mglich zu machen. Das Leben in einem grossen Convento
hat viel Aehnlichkeit mit dem bei einem Gutsbesitzer im stlichen
Europa. Nichts kann zwangsloser sein. Man lebt so unabhngig wie im
Gasthaus, und manche Gste betragen sich auch so, als wren sie in
einem solchen. Ich habe einen Subalternbeamten ankommen sehn, der ohne
Weiteres den Mayordomo vor sich beschied, sich ein Zimmer anweisen
liess, sein Essen bestellte und nur beilufig fragte, ob der Pfarrer,
mit dem er doch nur ganz oberflchlich bekannt war, zu Hause sei.

Hufig wird den Priestern in den Philippinen ihre grosse Liederlichkeit
vorgeworfen; das Convento stecke voll hbscher Mdchen, unter denen
der Cura wie ein Sultan lebe. Auf die eingeborenen Priester mag dies
oft passen; bei den zahlreichen spanischen Pfarrern, deren Gast ich
war, habe ich nicht ein einziges Mal etwas Anstssiges in dieser
Beziehung zu sehn bekommen, die Dienerschaft bestand nur aus Mnnern
und vielleicht einem oder zwei alten Weibern. Ribadeneyra behauptet
[107]: Die Indier, welche sehn, wie die Barfsslermnche ihre
Keuschheit bewahren, sind in ihren Gedanken dahin gekommen, sie nicht
fr Menschen zu halten. . . . und obgleich der Teufel sich bemht hat,
viele, bereits verstorbene, keusche Geistliche zu verfhren und auch
solche, die noch leben, indem er sich der Frechheit einiger Indierinnen
als Werkzeug bediente, so sind sie dennoch zur grossen Beschmung der
Indierinnen und Satans siegreich geblieben. Dieser Autor ist aber sehr
unzuverlssig, sagt er doch (Kap. III. S. 13), die Insel Cebu hiesse
mit anderem Namen Luzon! Jedenfalls passt seine Schilderung nicht
auf die heutigen Zustnde. Der junge Geistliche lebt in seiner Pfarre
wie ein Gutsherr frherer Zeit; die Mdchen rechnen es sich fr eine
Ehre an, mit ihm umzugehn, die Gelegenheit ist fr ihn viel bequemer,
da er durch keine eiferschtige Frau bewacht wird und als Beichtiger
und geistlicher Rathgeber beliebig mit den Frauen allein zu sein
Gelegenheit hat. [108] Die Beichte muss namentlich eine gefhrliche
Klippe fr ihn sein. Im Anhange zur tagalischen Grammatik, der in den
fr das Publikum kuflichen Exemplaren fehlt, ist zur Bequemlichkeit
des jungen Pfarrers, welcher der Sprache noch nicht mchtig ist, eine
Reihe von Fragen enthalten, die er der Beichtenden vorlegen soll;
mehrere Seiten derselben beziehn sich auf den geschlechtlichen Umgang.

Da die Alkalden nur drei Jahre in einer Provinz bleiben drfen, die
Landessprache niemals verstehn, durch ihre amtlichen Geschfte sehr
in Anspruch genommen sind und keine Zeit, gewhnlich auch keine Lust
haben, die Eigenthmlichkeiten der Provinz, die sie verwalten, kennen
zu lernen, whrend der Cura in der Mitte seiner Pfarrkinder lebt,
sie genau kennt und auch ihnen gegenber die Regierung vertritt, so
kommt es, dass er die wirkliche Behrde in seinem Distrikt ist. Die
Stellung der Geistlichen, den Regierungsbeamten gegenber, spricht
sich auch in den Wohnungen aus. Die Casas reales meist klein,
schmucklos, oft baufllig entsprechen nicht dem Range des ersten
Beamten der Provinz; das Convento dagegen ist gewhnlich ein sehr
gerumiges, stattliches, wohleingerichtetes Gebude. Frher, als
die Guvernr-Stellen an Abenteurer verkauft wurden, die nur darauf
bedacht waren sich zu bereichern, war der Einfluss der Geistlichen
noch viel grsser als gegenwrtig. [109] Folgende Verordnungen deuten
ihre ehemalige Stellung besser an, als lange Beschreibungen:


    Obgleich einige frevelhafte Eingriffe (atentados) gerechten Grund
    zum Kapitel X. der Ordonnanzen gegeben haben, worin der Guvernr
    D. P. de Arandia befiehlt, dass die Alkalden und Justizbeamten
    nicht anders als schriftlich mit den Missions-Geistlichen
    verkehren, und sie nicht anders als in Begleitung besuchen sollen,
    so wird dennoch verordnet, dass dies nicht also geschehn soll
    . . . in der Voraussetzung, dass die Kirchenprlaten ihren ganzen
    Eifer aufwenden werden, um ihre Untergebenen innerhalb der Grenzen
    der Mssigung zu halten. . . Die Alkalden sollen dafr sorgen,
    dass die Pfarrer und Diener der Religion besagte Gobernadorcillos
    und Justizbeamte mit der nmlichen Achtung behandeln, ohne zu
    gestatten, dass sie dieselben prgeln, zchtigen oder misshandeln
    . . . noch sich bei Tische von ihnen bedienen lassen. [110]


Die ehemaligen Alkalden, die ohne vorhergehende Uebung in amtlichen
Geschften, oft ohne Bildung und Kenntnisse und ohne die zu einem
so verantwortlichen einflussreichen Amte erforderlichen geistigen
und moralischen Eigenschaften, ihre Stellen kauften oder sie durch
Gunst erwarben, empfingen vom Staat ein nominelles Gehalt und zahlten
ihm eine Patentsteuer fr die Berechtigung Handel zu treiben. Nach
Arenas (S. 444) galt diese Patentsteuer als eine den Alkalden fr
Uebertretung des Gesetzes auferlegte Geldstrafe: denn da ihnen durch
verschiedene Gesetze [111] jede Art Handelsbetrieb untersagt war, so
geruhte S. Majestt dennoch, ihnen die Erlaubniss dazu zu ertheilen.
[112] Dieser Unfug wurde erst durch R. D. 23. September und 30. Oktober
1844 aufgehoben.

Die Alkalden waren Guvernre und Richter, Befehlshaber der Truppen und
zugleich die einzigen Hndler in ihrer Provinz. [113] Sie kauften in
Manila die Sachen, die in ihrer Provinz gebraucht wurden, gewhnlich
mit Geld der obras pias; (s. S. 14, Anmerkung 17) denn sie selbst
kamen ohne alles Vermgen nach den Philippinen. Die Indier mussten
dem Alkalden ihre Produkte verkaufen und seine Waaren abnehmen zu
Preisen die er selbst feststellte. [114] Unter solchen Verhltnissen
waren die Priester die Einzigen, welche die Indier gegen diese
Blutsauger schtzten, wenn sie nicht, was auch zuweilen vorkam,
mit ihnen gemeinschaftliche Sache machten.

Gegenwrtig sendet die Regierung Rechtskundige als Alkalden in die
Philippinen, die etwas besser besoldet sind, und nicht Handel treiben
drfen. Ueberhaupt ist die Regierung bemht den Einfluss der Curas
zu mindern, den der Zivilbehrden zu vermehren, was ihr indessen
nur sehr unvollkommen gelingen wird, wenn sie nicht die Amtsdauer
der Alkalden verlngert und letztere so stellt, dass sie nicht in
Versuchung kommen Nebenverdienste zu machen. [115]

Ich finde in Huc [116] eine Stelle ber die Folgen des schnellen
Beamtenwechsels in China, die manche zu beherzigende Winke enthlt:


    ... Weil die Magistratur nicht mehr Personen anvertraut wird,
    die Freunde der Gerechtigkeit sind, sieht man dies ehemals so
    blhende und wohl regierte Reich von Tag zu Tag verfallen und
    einer furchtbaren, vielleicht nahen Auflsung entgegeneilen.

    Wenn wir die Ursachen dieser allgemeinen Zersetzung, dieser
    Verderbniss aufsuchen, die sichtlich alle Klassen der chinesischen
    Gesellschaft auflst, so glauben wir sie in einer wichtigen
    Abnderung des alten Regierungssystems zu finden, welche die
    Mantschu-Dynastie eingefhrt hat. Es wurde bestimmt, dass kein
    Mandarin sein Amt lnger als drei Jahre an demselben Ort ausben
    drfe, und dass Niemand in seiner eigenen Provinz Beamter sein
    knne. Man errth leicht den Gedanken, der ein solches Gesetz
    ersann. Sobald die Mantschu-Tartaren sahen, dass sie Herren des
    Reichs waren, erschraken sie ber ihre geringe Zahl, die in dieser
    unzhligen Menge von Chinesen wie verloren war ... Das Ansehn,
    welches die hohen Beamten in den Provinzen genossen, konnte ihnen
    grossen Einfluss geben um das Volk aufzureizen ...

    Die Magistratspersonen, die nur einige Jahre auf demselben Posten
    verbleiben drfen, leben darin wie Fremde, ohne sich um die
    Bedrfnisse der von ihnen regierten Bevlkerung zu kmmern, kein
    einziges Band verknpft sie mit derselben, ihre ganze Sorge besteht
    darin, so viel Geld als mglich zusammen zu schlagen, um spter
    an einem andern Orte dasselbe Geschft von neuem zu beginnen,
    bis sie endlich in ihre Heimat zurckkehren und ein Vermgen
    geniessen knnen, das sie nach und nach in den verschiedenen
    Provinzen erpresst haben ... Sie sind ja nur Vorbergehende --
    was schadet es? morgen ziehen sie an das andre Ende des Reichs,
    wo sie das Schreien der von ihnen geplnderten Opfer nicht mehr
    hren... So sind die Mandarinen selbstschtig und gegen das
    Gemeinwohl gleichgltig geworden. Der Urgrundsatz der Monarchie ist
    vernichtet, denn der Magistrat ist nicht mehr ein Familienvater,
    der inmitten seiner Kinder lebt, sondern ein Marodr, der
    ankommt, ohne dass man weiss woher, und wieder abzieht, niemand
    weiss wohin? Daher stockt alles ... man sieht nicht mehr,
    wie ehedem, jene grossen Unternehmungen ... Heut wird nicht
    nur nichts Aehnliches ausgefhrt, man lsst die Werke frherer
    Dynastien gnzlich verfallen ... Der vorbergehende Mandarin
    sagt sich: Wozu soll ich unternehmen was ich doch nicht vollenden
    kann? warum sollte ich sen, damit ein Andrer ernte? ... Die
    Mandarinen sind niemals mit den Angelegenheiten der Oertlichkeit
    vertraut. Am hufigsten sehn sie sich pltzlich inmitten einer
    Bevlkerung versetzt, deren Sprache sie nicht verstehn. Wenn
    die Mandarine in ihrem Mandarinat ankommen, so finden sie dort
    fest angesessene Dolmetscher vor, subalterne Beamte, die, weil
    sie mit den Angelegenheiten der Oertlichkeit vertraut sind, ihre
    Dienste unentbehrlich zu machen wissen; sie sind im Grunde die
    eigentlichen Verwalter.


In den Philippinen ist letzteres Amt unentbehrlich, da der Alkalde
nie die Landessprache versteht; zum Glck fr Spanien muss es in
wichtigen Angelegenheiten der eingeborene Schreiber meist mit dem Cura
theilen, der in vielen Fllen die eigentliche Behrde ist. Er kennt
den Charakter der Insassen, und alle ihre Angelegenheiten, wobei ihm
der intime Verkehr mit den Frauen sehr zu Statten kommt. Wie mir 1867
ein hoher Beamter in Madrid mittheilte, lag damals dem Minister ein
Antrag zur Erwgung vor, wodurch die Beschrnkung der Amtsdauer auf
drei Jahre aufgehoben werden sollte. [117] Die ihr zu Grunde liegende
Furcht, dass der Beamte in einer entfernten Provinz zu mchtig, sein
Einfluss dem Mutterlande gefhrlich werden knne, passt nicht mehr
in die heutigen Verhltnisse. Die Verkehrserleichterungen haben die
frhere Abgeschlossenheit der fernen Provinzen aufgehoben. Die neuen
Zollgesetze, die wachsende Nachfrage nach Kolonialprodukten, das den
Fremden gewhrte Niederlassungsrecht mssen eine bedeutende Steigerung
des Landbaus, des Handels und einen entsprechenden Zuzug von Weissen
und Chinesen zur Folge haben. Dann wird an Stelle jener Bedenken
die Notwendigkeit treten, das Ansehn und den Einfluss der Beamten zu
heben, durch Verminderung ihrer Zahl, sorgfltige Wahl der Personen,
Befrderung nach Fhigkeit und Leistung, angemessene Besoldung und
langen Verbleib in einer Stelle. Voraussichtlich werden besonders
die Beziehungen mit Californien und Australien lebhaft werden. Aus
diesen freien Lndern werden freie Ideen eindringen. Der Wohlstand
der Mestizen wird betrchtlich zunehmen, um so ungeduldiger werden
sie die wirkliche oder eingebildete Zurcksetzung der Regierung,
den Hochmuth ungebildeter Spanier ertragen. Dann wird das Mutterland
ernstlich zu erwgen haben, ob es klug ist, die Kolonie ferner
durch Monopole und Geldentziehungen auszubeuten und einer unntzen,
hungrigen Beamtenschaar preiszugeben. [118] Englische und hollndische
Kolonialbeamte werden fr ihren schwierigen verantwortlichen Dienst
besonders ausgebildet, erlangen ihre Anstellung durch ein strenges
Examen in der Heimat, und rcken in der Kolonie nur allmlig je nach
ihren Fhigkeiten in die hheren Stellen ein. Wie ganz anders werden
die Philippinen mit Beamten versorgt. Ob es aber Spanien gelingen wird,
einen den neuen Verhltnissen gewachsenen Beamtenstand zu schaffen,
ist schwer vorauszusagen, werden doch in Spanien selbst die Aemter
nicht sowohl durch Befhigung und Verdienst als durch politische
Intriguen erlangt und eingebsst. [119]








DREIZEHNTES KAPITEL

    REISEN IN SD-CAMARINES, FORTSETZUNG. -- BATU-SEE. -- INDISCHE
    PRIESTER. -- NIEDERLASSUNG VON WILDEN. -- FEIER DER KREUZBULLE. --
    BUHI-SEE. -- VULKAN YRIGA. -- ANANASFASERN. -- PFEILGIFT. --
    BLUTEGEL. -- SOLFATARE YGABO. -- KIESELSPRUDEL VON TIBI.


Anderthalb Stunden nach der Abfahrt von Polngui erreichten wir den Ort
Btu, in der NW. Ecke des gleichnamigen Sees. Die Leute, besonders die
Frauen fielen mir wegen ihrer Hsslichkeit und geringen Reinlichkeit
auf. Obgleich sie unmittelbar am See wohnen und tglich ihr Trinkwasser
daraus schpfen, scheinen sie nur selten darin zu baden. Die Strassen
des Dorfes sind gleichfalls schmutzig und vernachlssigt, was zum
Theil wohl daran liegt, dass der Geistliche ein Eingeborner ist.

Der Btu-See nimmt im November, zu Ende des Regenmonsun, einen viel
grsseren Raum ein als in der trockenen Jahreszeit und ist dann,
besonders in der SW. Ecke, weit ber seine flachen Ufer getreten. Eine
grosse Menge von Wasserpflanzen wchst an den seichteren Stellen,
namentlich aber ist eine zierliche Alge [120], nicht dicker als
Pferdehaar, aber sehr verstelt und endlos durch einander fortwachsend,
in so ungeheurer Flle vorhanden, dass sie eine hinreichend starke
Decke bildet, um grosse Wasservgel zu tragen. Zu hunderten gehn
sie darauf spazieren und fressen kleine Fische und Garnelen, welche
zwischen den Maschen dieses Netzwerkes wimmeln und ihnen bequem zur
Beute fallen. Auch von den Eingeborenen werden letztere massenhaft
mit gestielten Netzen aus dem Wasser geschpft und theils frisch,
theils wie alter Kse durch Fulniss pikanter gemacht, zum Reis
gegessen. Diese kleinen Krebse sind durchaus nicht auf den Btu-See
beschrnkt. Im Sss- und Brackwasser des philippinischen und indischen
Archipels und hinterindischen Festlandes werden sie (oder verwandte
Arten) in zahllosen Mengen gefangen und bilden gesalzen, gedrrt, in
Salz- oder Gewrzbrhen eingemacht, auch in Form von Pasten wichtige
Nahrungsmittel oder Kondimente. Sie fehlen auf keinem Markte und sind
Gegenstand nicht unbedeutender Ausfuhr nach China. [121] Es gelang mir
nicht von den Wasservgeln zu schiessen, da das dichte Pflanzengewirr
den Nachen nicht hinreichend nahe kommen liess.

Als ich denselben See im Februar wieder besuchte, fand ich sein Wasser
so bedeutend gefallen, dass ringsum ein breiter Saum trocken lag,
der an manchen Stellen ber 100' maass. Das Algengewirr war bei dem
allmligen Zurcktreten des Wassers zu einem dichten, zolldicken, von
der Sonne vllig gebleichten Filzteppich zusammengesunken, der sich
als ein einziges grosses Tuch rings um den Rand des Sees ausspannte
und ber die Strucher fort hing, die bei meinem ersten Besuch unter
Wasser standen. Nie habe ich etwas hnliches gesehn oder erwhnt
gefunden. Der Stoff, der in Streifen von beliebiger Lnge umsonst
zu haben war, erwies sich so vortrefflich zu Flintenpfropfen, zum
Ausstopfen von Vogelblgen und zum Verpacken, dass ich eine grosse
Menge davon mitnahm. Diesmal war auch die Vogeljagd ergiebig.

Der eingeborene Priester von Btu klagt sehr ber seine Pfarrkinder,
die ihm nichts zu verdienen geben: Keine Messen Herr; ja dies ist ein
so elendes Nest, dass kaum Todesflle vorkommen. In D. wo ich Coadjutor
war, hatten wir tglich unsere zwei Beerdigungen zu drei Dollar
das Stck, und Messen zu einem Dollar, mehr als wir lesen konnten;
-- ausserdem Taufen und Trauungen, die doch auch etwas einbringen;
hier aber ist nichts, gar nichts zu verdienen. Er hatte sich daher
mit Eifer auf den Handel gelegt. Die eingeborenen Geistlichen machen
ihrem Stande in der Regel wenig Ehre. Unglaublich unwissend, sehr
liederlich, nur in den Aeusserlichkeiten ihres Dienstes unterrichtet,
bringen sie einen grossen Theil ihrer Zeit mit Spielen, Trinken und
andern sndhaften Dingen zu. Sie bemhen sich nicht einmal den ussern
Anstand zu wahren, ausgenommen bei der Messe, die sie mit drolliger
Wrde lesen, ohne ein Wort davon zu verstehn. Hufig sind Mdchen und
kleine Kinder im Convento, Alles isst mit den Fingern gemeinschaftlich
aus einer Schssel. Der hiesige Priester stellte mir unaufgefordert
zwei hbsche Mdchen als seine beiden armen Schwestern vor, die er
trotz seiner grossen Drftigkeit unterhielte; ihre Tchter wurden
aber von den Dienern ohne Scheu Tchter des Cura genannt.

Der Grundsatz der spanischen Kolonialpolitik, eine Kaste durch die
andere in Schranken zu halten, damit keine zu mchtig werde, scheint
die Ursache, warum ein grosser Theil der Pfarrstellen mit Eingeborenen
besetzt wird (angeblich die Hlfte, nach einer gesetzlichen Bestimmung
die ich vergeblich gesucht habe). Die Klugheit dieser Maassregel mag
wohl zweifelhaft erscheinen. Der spanische Cura hat grossen Einfluss
in seiner Gemeinde und bildet vielleicht das einzige feste Band
zwischen der Kolonie und dem Mutterlande; in beiden Punkten gewhrt der
einheimische Priester keinen Ersatz; er geniesst gewhnlich selbst bei
seinen Landsleuten nur wenig Achtung; Anhnglichkeit an Spanien hat er
nicht, namentlich hasst und beneidet er seine spanischen Amtsbrder,
die ihm die schlechtesten Stellen brig lassen und ihn verachten.

Von Btu reitet man auf guter Strasse N. b. O. in einer halben
Stunde im Schritt nach Nbua. Das Land ist flach, zu beiden Seiten
Reisfelder; whrend aber in Btu der Reis damals gepflanzt wurde, war
er in Nbua fast reif. Ich habe ber diesen auffallenden Umstand keine
gengende Auskunft erhalten knnen und weiss den dadurch angedeuteten
schroffen klimatischen Unterschied zwischen zwei so nahe gelegenen,
durch keine hohe Bergwand getrennten Orten nicht zu erklren. Die
Menschen sind hsslich und schmutzig und unterscheiden sich darin
merklich von den Tagalen. Nbua (10,875 E.) wird von mehreren kleinen
Flssen durchschnitten, die aus den Bergen in Osten kommend hier
einen kleinen See bilden, dessen Ausfluss bei Bo durch Aufnahme
von Bchen abermals zu einem See anschwillt und sich dann in den
Bcol ergiesst. Dicht vor der zweiten Brcke in Nbua wendet sich die
Strasse ostwrts und fhrt in gerader Linie nach Yriga, im Sdwesten
des gleichnamigen Vulkanes belegen.

Auf dem Abhange des letzteren besuchte ich eine kleine Niederlassung
heidnischer Eingeborenen. Von den Bewohnern der Ebene werden sie
abwechselnd Ygorroten, Cimarronen, Remontados, Infieles oder Montesinos
(Waldbewohner) genannt, keiner dieser Namen, mit Ausnahme der beiden
letzten passt aber recht auf sie; der erste kommt eigentlich Stmmen
im Norden der Insel zu, die fr Mischlinge von Chinesen und Indiern
gelten. [122] Cimarron, franzsisch Marron, den amerikanischen
Sklavenkolonien entlehnt, bezeichnet dort einen entsprungenen in
Freiheit lebenden Negersklaven, hier einen Eingeborenen, welcher
die Bequemlichkeiten des Dorfes sammt seinen Steuern und Frohnden
gegen die Entbehrungen und die Unabhngigkeit des Lebens in der
Wildniss vertauscht hat. Die Bezeichnung Remontado (remont) erklrt
sich selbst und ist gleichbedeutend mit Cimarron. Da der Gegensatz
zwischen jenen beiden Zustnden wegen der Milde des Klimas und der
Bedrfnisslosigkeit der Eingeborenen nicht entfernt so gross ist,
als er bei uns sein wrde, so kommen solche Rcktritte fter vor,
als man glauben sollte, gewhnlich in Folge eines Vergehens oder einer
unbequemen Schuld, zuweilen aus blossem Widerwillen gegen Kopfsteuer
und Frohndienste. Der Indier hat eine ausgesprochene Neigung, sich
aus den Publos in die Einsamkeit zurckzuziehn, auf seinem Felde zu
wohnen; und nur dem vereinten Eifer der fr die Kopfsteuer haftbaren
Dorfltesten und der Geistlichen, die, abgesehn von andern Interessen,
auch ihre nach der Kopfzahl berechneten Stipendien zu bercksichtigen
haben, gelingt es zu verhindern, dass sich die Publos in Visitas,
diese in Ranchos auflsen. Nachdem der Verkehr in andern Ranchos
desselben Berges meine ersten Eindrcke bekrftigt, mchte ich die
unabhngigen Bewohner des Yriga fr Mischlinge von Indiern und Negrtos
halten. Die Hautfarbe ist dunkelbraun, nicht schwarz, wohl nicht
dunkler als bei Indianern, die sich der Sonne sehr aussetzen. Einige,
aber durchaus nicht Alle, haben krauses Haar. Whrend sowohl die in
grsseren Truppen zusammenlebenden Negrtos wie die von mir vereinzelt
bei Angat und Marivles angetroffenen keinen Ackerbau treiben, fast
ohne Obdach im Freien hausen, sich von spontanen Naturerzeugnissen
nhren [123], wohnen die Halbwilden des Yriga in bequemen Htten
und bauen verschiedene Knollengewchse und etwas Zuckerrohr. Reine
Negrtos kommen, so weit meine Erkundigungen reichen, in Camarines
nicht vor. Ein zum grossen Theil dicht bevlkertes Gebiet, aus dem sich
die hheren Berge nur in einzelnen Kuppen erheben, drfte wohl kaum
fr ein herumschweifendes Jgerleben ohne Feldbau die erforderlichen
Bedingungen darbieten.

Die wenigen Ranchos des Yriga sind sehr zugnglich, sie stehn im
freundschaftlichsten Verkehr mit den Indiern; andern Falls wren
ihre Bewohner wohl lngst ausgerottet. Trotz dieser nachbarlichen
Beziehungen hatten sie doch noch viel von ihrem ursprnglichen
Wesen bewahrt. Die Mnner waren nackt bis auf ein Schamband, die
Weiber gleichfalls oder trugen einen Schurz, von der Hfte bis zum
Knie reichend. [124] In dem grssten Rancho waren die Frauen sehr
dezent, nach Art der Indianerinnen bekleidet. Ihr Hausrath bestand
aus Bambusgerth, Kokosschalen, einem irdenen Kochtopf, Bogen und
Pfeilen. Bei letzteren, die sehr sorgfltig gearbeitet, war der
Schaft aus Rohr, die Spitze aus einem scharfen Bambusschnitt oder aus
Palmenholz, dreispitzig oder einspitzig; im letzteren Fall war um die
Spitze oft eine spirale Rinne eingeschnitten; zur Schweinejagd werden
vergiftete Pfeile mit eiserner Spitze benutzt. Obgleich die Ygorroten
nicht Christen sind, hatten sie ihre Htten mit Kreuzen verziert, die
ihnen als Talismane dienen. Wenn sie nichts ntzten, meinte eine Alte,
wrden die Castilas sie nicht berall anbringen. [125] Die grsste der
von mir besuchten Rancherien stand unter einem Kapitn, der aber nur
wenig Macht hatte. Auf meinen Wunsch rief er einige nackte Bursche
herbei, die mssig auf Baumstmmen hockten. Sie gehorchten ihm erst
nach langen Errterungen. Kleine Geschenke, messingene Ohrringe
und Kmme fr die Frauen, Zigarren fr die Mnner gewannen leicht
ihre Gunst.

Nach einem vergeblichen Versuch den Yriga von hier aus bis zum Gipfel
zu besteigen, ging ich um seinen Sdwestrand nach Buhi im Sdwinkel
des Buhi-See's. Zehn Minuten nach der Abreise von Yriga kommt man an
eine Stelle, wo der Boden unter dem Hufschlag hohl klingt. Unzhlige
kleine, im Mittel 50 Fuss hohe Hgel erheben sich aus der Ebene. Im
Norden erblickt man den grossen Krater des Yriga, dessen dem See
zugewendete Ostseite eingestrzt ist. Von Yriga her erscheint der
Vulkan als ein geschlossener Kegel. Der See hat etwa 1 1/2 Meilen
Umfang. Die Hgel bestehn an dieser Stelle aus Basalt, bei Buhi aus
grobgeschichteten Rapilli, die Schichten fallen gegen den Yriga ein,
der NW. davon liegt. Von einem der hchsten der Basalthgel betrachtet,
sieht es aus als wren diese kleinen Anhhen Ueberreste eines grossen
ehemaligen Kraters, der, vielleicht durch Erdbeben zertrmmert, spter
durch Erosion in diese zahlreichen kleinen Kuppen umgestaltet wurde.

In Buhi liess der freundliche Pfarrer durch Trommelschlag verknden,
dass der eben angekommene Fremde allerlei Thiere zu haben wnsche,
Thiere der Erde, der Luft und des Wassers, Thiere der Berge, der
Wlder und Felder, und alles baar bezahlen wrde. Es wurden aber von
den zahlreich herbeistrmenden Neugierigen nur Thiere der Huser und
der Leiber, Schaben, Tausendfsse und andres Ungeziefer gebracht, die,
nachdem sie zu Einlasskarten gedient, als seltene Waare verwerthet
werden sollten.

Am folgenden Tage sah ich einen bunten Aufzug: Voran die spanische
Fahne, welcher die Dorfpauke, 74 Reiter in kurzen Jacken und
flatternden Hemden, ein Dutzend Musikanten und schliesslich
als Hauptfigur der Trger einer rothseidenen Standarte folgten;
eine Ehre, die den Bevorzugten nicht wenig stolz macht und zu einem
Schmaus mit reichlichen Spenden von Kokoswein verpflichtet. Er sass
zu Pferde, affenartig aufgeputzt, auf dem Kopf einen Dreimaster,
der statt goldener Tressen, mit buntem Papier beklebt war, ber
dem Frack eine papierene Weiberpelerine, kurze enge gelbe Hosen,
lange weisse Strmpfe und Schuhe. Rock und Hose waren gleichfalls
statt der Tressen mit Papier benht. Auf hnliche Weise war das von
zwei Cabezas gefhrte Pferd verziert. Nachdem der Zug sich durch die
Strassen des Dorfes bewegt, machte er vor der Kirche Halt.

Dieses Fest wird alljhrlich gefeiert zum Gedchtniss der von den
Ppsten dem Knige von Spanien gemachten Konzession, die Ertrge
der Kreuzbulle fr sich zu verwenden. Die spanische Krone besitzt
in Folge davon das Recht, verschiedene Ablsse, auch fr schwere
Verbrechen, im Namen des Papstes zu ertheilen. Sie hat dieses Recht
gewissermassen im Grossen erworben und verschleisst ihren Kunden
die Indulte im Wege des Kleinhandels, frher durch die Pfarrer, seit
1851 im Estanco, zugleich mit andern von ihr monopolisirten Artikeln:
Tabak, Branntwein, Loterieloosen, Stempelpapier etc.; jedoch unter
Mithlfe der Pfarrer. [126] Ohne letztere wrde das Geschft wohl
wenig abwerfen. Die Einnahmen daraus haben immer sehr geschwankt; sie
betrugen 1819: 15,930 Doll., 1839: 36,390 Doll., und waren fr 1860
auf 58,954 veranschlagt; in den beiden Jahren 1844/45 aber stiegen
sie auf 292,115 Doll., weil die Ablassscheine damals den Familien
zwangsweise aufgenthigt wurden, indem sie von den Barangayhuptern
unter Beihlfe und Ueberwachung der Pfarrer und Untersteuerbeamten,
die dafr, bezglich, 8% und 5% Prmie erhielten, in die einzelnen
Huser vertheilt wurden; -- wohl eine der schamlosesten Anwendungen
des Repartimiento Systems. [127]

Der Buhi-See (92 Meter Meereshhe) ist malerisch schn, fast auf allen
Seiten von ber tausend Fuss hohen Bergen umgeben; sein Westrand wird
von dem noch vorhandenen Theil des Yriga-Kraters gebildet. Wie mir
die Pfarrer der umliegenden Ortschaften mittheilten, soll der Vulkan
bis zu Anfang des 17ten Jahrhunderts ein geschlossener Kesselberg
gewesen, und als er bei einem grossen Ausbruch zur Hlfte einstrzte
der See entstanden sein. Uebereinstimmend damit heisst es im Estado
geogr. S. 247 (der wahrscheinlichen Quelle jener Mittheilungen):
Am 4. Januar 1641, einem denkwrdigen Tage, weil zur selben Stunde
alle damals in diesem Archipel bekannten Vulkane ausbrachen, strzte
in der Provinz Camarnes ein grosser, von Unglubigen bewohnter Berg
ein, und an seiner Stelle erschien ein schner See, an welchen die
Bewohner des (damaligen) Dorfes Buhi bersiedelten, weshalb er fortan
Buhi-See genannt ward.

A. Perrey (S. 48) fhrt einen Ausbruch vom Jahre 1628 in Camarnes an,
der gleichfalls auf jenes Ereigniss bezogen werden knnte:

1628 bebte die Erde; nach glaubwrdigen Zeugnissen, an einem Tage
vierzehnmal in Camarnes; viele Gebude strzten ein, ein grosser Berg
barst und es brach aus demselben eine solche Menge Wasser hervor,
dass in den berschwemmten Gefilden die Bume ausgerissen, und eine
Stunde vom Meer (die direkte Entfernung zum Meer betrgt 2 1/2 Leguas),
die Ebene ganz mit Wasser bedeckt war. [128] Sonderbarer Weise aber
stimmt der in einer Note gegebene Originaltext nicht zu A. Perrey's
Uebersetzung. Jener erwhnt nichts vom Hervorbrechen des Wassers
aus dem Berge und sagt im Gegentheil, dass die von der ungeheuren
Gewalt umgestrzten Bume am Strande auf eine Stunde weit die Stelle
des Meeres einnahmen, so dass auf dieser Strecke kein Wasser zu sehn
war. [129]

Die Angabe im Estado geogr. muss deshalb Misstrauen erregen,
weil in dem amtlichen Bericht ber das grosse Erdbeben von 1641
die gleichzeitigen Ausbrche dreier Vulkane, zweier im Sden des
Archipels, einer in Nord-Luzon ausfhrlich geschildert werden,
Camarnes aber ganz unerwhnt bleibt. Das Misstrauen wird durch den
Umstand vergrssert, dass derselbe Autor (Nierembergius), dem obige
Angabe ber den Ausbruch von 1628 in Camarnes entlehnt ist, in einem
andern Werke einen ausfhrlichen Bericht ber das Ereigniss von 1641
giebt, ohne dabei dieser Provinz zu gedenken. [130] Bei der grossen
Gleichgltigkeit, mit welcher die Mnche Naturereignisse behandeln
(waren doch selbst die am Fuss des Albay wohnenden Pfarrer nicht
einmal ber die Daten seiner letzten Ausbrche einig), ist es nicht
unwahrscheinlich, dass der Ausbruch von 1641, bei welchem in Nord-Luzon
ein Berg einstrzte und ein See an die Stelle trat, im Lauf der Zeit
auf den Yriga bertragen wurde.

Auch von Tambong aus, einer kleinen zu Buhi gehrigen Visita
am Seeufer, glckte es mir diesmal nicht die hchste Spitze
zu erreichen. Wir gelangten Abends auf den sdlichen Zacken des
Kraterrandes (1041 Meter nach meiner Bar. Beob.), wo uns eine tiefe
Schlucht am weiteren Vordringen hinderte. Die Ygorroten verliessen
mich, die Indier weigerten sich zu bivuakiren um am folgenden Tage
die Reise fortzusetzen; ich musste umkehren. Spt Abends kamen
wir durch eine Kokospflanzung am Fuss des Berges und fanden Obdach
gegen ein Gewitter bei einer freundlichen Alten, der meine Diener
so viel vorlogen, dass wir trotz unseres Misserfolges, als der
Regen nachgelassen, mit Fackeln nach Tambong geleitet wurden und den
Palmenhain um den kleinen Weiler mit hellstrahlenden Freudenfeuern von
trocknen Kokosblttern zauberhaft schn erleuchtet fanden, zu Ehren der
Conquistadores del Yriga. Ich musste die Nacht in Tambong bleiben,
weil die Leute zu zaghaft oder zu faul waren ber den bewegten See
zu fahren.

Hier sah ich Ananasfasern fr Gewebe bereiten. Den zu diesem Zweck
bestimmten Pflanzen wird gewhnlich der Fruchttrieb ausgebrochen,
wodurch die Bltter an Lnge und Breite betrchtlich zunehmen. Eine
Frau legt ein Brett auf den Boden, darauf ein Ananasblatt, die hohle
Seite nach Oben gekehrt; sie hockt an einem Ende des Brettes, hlt
das Blatt mit den Zehen fest, und schabt mit einem Tellerscherben,
nicht mit der scharfen Bruchkante, sondern mit dem stumpfen Rande des
Umfangs die oberste Schicht des Blattes ab, die sich in Fetzen lst;
dadurch wird eine Lage grober Lngsfasern entblst, die Arbeiterin
fhrt mit dem Nagel des Daumens darunter, hebt sie auf, zieht sie
in einem zusammenhngenden Streifen ab und schabt abermals bis eine
zweite feine Faserschicht blosgelegt ist; dann dreht sie das Blatt um,
schabt etwa eine Handbreit vom untern Ende der jetzt oben liegenden
Rckseite des Blattes bis zur Faserschicht ab, fasst diese mit der
Hand und zieht sie der ganzen Lnge nach auf einmal vom Blattrcken
ab. Nachdem die Fasern gewaschen, um sie von dem noch daran haftenden
Parenchym zu reinigen, trocknet man sie an der Sonne. Spter werden
sie mit einem gewhnlichen Kamm wie Frauenhaar gekmmt, nach ihrer
Feinheit in vier Klassen sortirt, an einander geknpft und ebenso
behandelt wie Lupifasern. [131] Auf diese rohe Weise gewinnt man
die Fden fr die berhmten Gewebe, Nipis de Pia, die von Kennern
fr die feinsten der Welt gehalten werden. Zwei Hemden aus diesem
Stoff sind im Berliner ethnographischen Museum (unter 291 und 292),
feinere Gewebe im Gewerbe-Museum ausgestellt. In den Philippinen,
wo man die Feinheit der Arbeit am besten zu wrdigen versteht, sind
reich gestickte Piakleider mit mehr als 2000 Thaler das Stck bezahlt
worden. [132]

In Buhi, das nicht hinreichend gegen den NO. gedeckt ist, regnete es
fast so viel wie in Darga. Ich hatte mit den Ygorroten ausgemacht,
dass sie einen Pfad durch das hohe Rohr bis zum Gipfel durchschlagen
sollten, es unterblieb aber wegen des anhaltenden Regens, und ich
entschloss mich ber den Malinao zu steigen, lngs der Kste in mein
Standquartier zurckzukehren und neu ausgerstet den Bicolfluss bis
Naga hinabzufahren.

Bevor wir uns trennten bereiteten die Ygorroten noch Pfeilgift fr
mich, aus zwei Baumrinden, von denen sich Proben unter B. 103 und
B. 104 in der botanischen Sammlung der Berl. Universitt befinden. Ich
bekam nur die Rinden zu sehn, weder Bltter noch Blthen. Die
Bastschicht der Rinde B. 103 wurde zerklopft, ausgedrckt, angefeuchtet
und noch einmal ausgedrckt. Dies geschah mit der blossen Hand, die
aber nicht verletzt sein darf. Der Saft sieht wie dnne Erbsensuppe
aus, er wird in einem Topfscherben ber schwachem Feuer eingedampft,
wobei er an den Rndern gerinnt. Das Coagulum lst sich durch
Umrhren wieder in der kochenden Flssigkeit. Ist diese zu Syrupsdicke
eingedampft, so wird von der innern Oberflche der Bastschicht B. 104
eine geringe Menge, etwa 1/10 so viel als B. 103, abgeschabt und ber
dem Topf ausgedrckt; dieser Saft ist dunkelbraun. Wenn das Gemenge
die Konsistenz einer zhen Salbe hat, so wird es mit einem Span aus
dem Scherben herausgekratzt und in einem mit Asche bestreuten Blatt
aufbewahrt. Zum Vergiften eines Pfeils verwendet man ein Stck von der
Grsse einer Haselnuss, das durch Erwrmen gleichmssig ber die breite
eiserne Spitze vertheilt wird. Ein vergifteter Pfeil dient viele Male.

Ende November verliess ich den schnen Buhi-See und fuhr, von seinem
stlichsten Winkel aus, eine kurze Strecke den kleinen Sapafluss hinauf
[133], dessen Anschwemmungen einen betrchtlichen Vorsprung im Umriss
des Sees bilden. Ueber eine feuchte Wiese gelangt man an den Abhang des
Malinao oder Buhi, der schlpfrige Thon des untern Abhanges geht weiter
oben in vulkanischen Sand ber. In dem sehr feuchten Wald wimmelte
es von kleinen Blutegeln; ich hatte sie nie zuvor in solcher Menge
angetroffen. Die Thierchen, ausgestreckt nicht dicker als Zwirnsfden,
sind ausserordentlich behende, setzen sich an alle Stellen des Krpers
fest, dringen selbst in die Nase, in die Ohren, in die Augenlider und
saugen sich, wenn man sie nicht bemerkt, so voll, dass sie kugelrund
werden und wie kleine Kirschen aussehn. Whrend sie saugen empfindet
man keinen Schmerz, aber spter jucken die angegriffenen Stellen oft
noch tagelang. [134] An einer Stelle bestand der Wald berwiegend aus
Feigenbumen mit sechs Fuss langen, an dem Stamm und den dickeren
Aesten hngenden Fruchttrauben. Die Frchte von Kirschengrsse
sassen vereinzelt an den sparrigen holzigen Stielen. Zwischen den
Bumen wucherten kletternde Farne, Aroideen, Orchideen. Nach fast
sechs Stunden erreichten wir um 12 1/2 Uhr die Passhhe (841 Meter)
und stiegen am stlichen Abhang hinab. Der Wald ist auf der Ostseite
des Berges noch prchtiger als auf der westlichen. Von einer Lichtung
hatten wir eine Aussicht auf das Meer, die Insel Catanduanes und die
Ebene von Tabaco. Mit Sonnenuntergang langten wir in Tibi an, wo ich
mich in dem saubern, von starken Bambusen eingefassten Gefngniss
einquartierte, dem wohnlichsten Raum eines langen Schuppens, der
die Stelle des vor zwei Jahren durch Sturm zerstrten Tribunals
vertrat. Von Tibi hatte ich Gelegenheit den Malinao (auch Buhi und
Takt genannt,) zu zeichnen: der von dieser Seite als ein grosser
Vulkan mit deutlichem Krater erscheint, vom Buhi-See aus ist er als
ein solcher nicht mit voller Sicherheit zu erkennen.

Nicht weit von Tibi, genau NO. vom Malinao, liegt eine schwache
Solfatara, Igab genannt: in der Mitte einer rings von Bumen umgebenen
Rasenflche ist eine kahle Stelle von ovaler Form, nahe hundert Schritt
lang, 70 breit. Der ganze Raum ist mit kopfgrossen und grsseren,
durch Zersetzung abgerundeten Steinen bedeckt, beim Zerschlagen lsen
sich von der Oberflche dnne konzentrische Schalen, der Kern ist grau
und besteht aus Trachyt. An einigen Stellen sprudelt aus dem Boden
heisses Wasser, das sich zu einem kleinen Bach sammelt, einige Weiber
waren beschftigt ihre Mahlzeit zu kochen, indem sie mittelst eines
Netzes Caladiumschnitte in das dem Siedepunkt nahe Wasser hingen. An
der untern Flche einiger Steine war ein wenig Schwefel sublimirt,
von Alaun kaum Spuren wahrnehmbar; in einer Vertiefung hatte sich
Kaolin angesammelt; es wird gelegentlich zum Anstrich benutzt.

Von hier begab ich mich zu den nahegelegenen Sinterquellen
von Naglegbeng. [135] Ich hatte Kalksprudel erwartet, und
fand die prachtvollsten Kieselbildungen, in den manchfaltigsten
Aggregatzustnden, in den verschiedensten Stufen der Ausbildung: flache
Kegel mit zylindrischen Aufstzen, Stufenpyramiden, runde Becken mit
geripptem Rande, kochende Teiche. Eine von Bumen entblsste Stelle
zwei bis dreihundert Schritt breit und anderthalb mal so lang, ist,
wenige mit Rasen bewachsene Lcken ausgenommen, mit einer Kruste von
Kieselsinter bedeckt, die zuweilen grosse zusammenhngende Flchen
bildet, gewhnlich aber durch vertikale Sprnge in fliesenartige
Platten zerborsten ist. An unzhligen Stellen dringt siedend heisses,
kieselsurehaltiges Wasser aus dem Boden, verbreitet sich ber
die Flche und setzt sowohl durch Erkaltung als durch Verdampfung
allmlig eine Kruste ab, deren Dicke mit der Entfernung vom Mittelpunkt
regelmssig abnimmt; so entsteht mit der Zeit ein sehr flacher Kegel,
mit einem Becken kochenden Wassers in der Mitte. Durch weiteren
Sinterabsatz verengt sich der Zuflusskanal, es luft weniger Wasser
ber, das schon in unmittelbarer Nhe des Beckenrandes verdampft und
in jedem Tropfen ein feines Krnchen Kieselerde absetzt; dadurch wird
nicht nur der obere Theil des Kegels steiler als seine Basis, es bildet
sich auch zuweilen ein zylindrischer Aufsatz, dessen ussere Seite,
weil das Wasser nicht vllig gleichmssig berfliesst, stalaktitisch
gerippt ist. Ist der Kanal soweit verstopft, dass der Zufluss geringer
ist als die Verdampfung, so luft kein Wasser mehr ber den Rand; der
Sinter setzt sich dann bei der allmligen Abkhlung des Wassers mit
der grssten Gleichmssigkeit am innern Umfang des Beckens ab; in dem
Maasse aber als der Spiegel des Wassers sinkt, hrt die Sinterbildung
im oberen Theil des Beckens auf; daher nimmt die innere Wand an Dicke
zu, und wenn der Kanal gnzlich verstopft, alles Wasser verdampft ist,
so bleibt ein glattes drehrundes, wie von Menschenhand ausgemeisseltes,
umgekehrt glockenfrmiges Becken zurck. In der Abbildung des weissen
Kegels sind drei Indierinnen auf dem Rande eines solchen stehend
dargestellt, ein noch schnerer Beckenrand ist auf der rechten Kuppe
des rothen Kegels wahrzunehmen. Das Wasser sucht sich nun einen
neuen Ausweg, und bricht an der Stelle hervor, wo es den geringsten
Widerstand findet, ohne den schnen von ihm aufgebauten Kegel zu
zerstren. Solcher Beispiele sind mehrere vorhanden. Bei den grssten
Kegeln aber, die aus einer bedeutenden Wassermasse, einem kleinen
Teiche entstanden, erlangen die Dmpfe, wenn ihr Schlot verstopft ist,
solche Spannkraft, dass sie die oberflchliche Kruste in konzentrisch
strahlige Schollen zersprengen. Das Wasser sprudelt nun reichlich aus
der Mitte hervor und richtet, indem es den Sand unter den Schollen
zusammenschwemmt, diese steil, zuweilen fast senkrecht in die Hhe;
so entstehen ringfrmige Stufen, deren horizontale Decke sich erst
allmlig durch neue Abstze aus dem berstrmenden Wasser bildet. An
den auf der Zeichnung dargestellten beiden grossen Kegeln, dem
weissen und dem rothen, sieht man diese Stufenbildung vollendet,
an vielen andern Stellen ist sie im Entstehn. Zuweilen bricht,
nachdem die Stufenpyramide fertig, der Zufluss verstopft ist, das
Wasser auf dem Abhang desselben Kegels aus, dann entsteht ein zweiter
Kegel neben dem ersten auf derselben Basis, die vorstehende Zeichnung
stellt eine solche Bildung im Entstehn dar, die folgende zeigt sie in
der Vollendung. In der Nhe der Kieselbrunnen sieht man Ablagerungen,
weisse, gelbe, rothe, graublaue Thone, in schmalen Bndern wie bunte
Mergel einander berlagern, offenbar Zersetzungsprodukte vulkanischer
Gesteine durch Regen dahingeschwemmt und durch die Oxyde des Eisens
gefrbt. Vielleicht stammen diese Thone von denselben Gesteinen,
aus deren Zersetzung die Kieselerde hervorgegangen, und sind die
letzten festen Ueberreste derselben. Ihre Menge ist aber nur gering,
sie liegen nicht an ihrer ursprnglichen Lagersttte und wrden nur
einen kleinen Theil der ursprnglichen Masse darstellen. Ganz hnliche
Verhltnisse kommen in Island und in Neuseeland vor, aber sehr viel
mannichfaltiger, schner, reiner als die Produkte der islndischen
Geyser sind die der Sprudel von Tibi. Es finden sich Lager von
Pflanzen mit einer so feinen Kruste von Kieselsinter berzogen, dass
alle Blattnerven deutlich zu erkennen, die Galvanoplastik knnte nicht
zierlicher arbeiten. An andern Stellen wechsellagern dnne Schichten
undurchsichtig weissen oder sehr schwach rthlichen Sinters mit Bndern
durchsichtigen gelben Opals und Hyaliths. Zuweilen, wo die Kieselerde
lange in gallertartigem Zustande geblieben, haben die durch die zhe
Masse dringenden Gasblasen Reihen dnnwandiger Zellen gebildet, so
dicht und regelmsig, als wren sie organischen Ursprungs, die Zellen
sind leer oder mit Hyalith erfllt, der zuweilen in ununterbrochenen
Strahlen die Sintermassen durchdringt. [136] An andren Stellen hat
sich der Sinter in dnnen konzentrischen Schalen um feste Krperchen
abgesetzt und Lager von Erbsenstein gebildet. Ueberraschend schn
wirklich monumental aber ist der wunderbare Aufbau des rothen Kegels,
der schwerlich irgend wo in der Welt seines gleichen haben drfte.








VIERZEHNTES KAPITEL

    LEBENSWEISE UND SITTEN DER BICOLINDIER.


Bei der zweiten Reise nach Camarnes, die ich im Februar unternahm,
fuhr ich zu Wasser von Polngui ber Btu bis Nga. Der Quinli,
der SO. in den Batusee fliesst, tritt am Nordrande als Bicolfluss
wieder aus, und luft in NW. Richtung bis zur Bay von S. Migul. Er
vermittelt einen nicht unbedeutenden Handel zwischen Alby und
Camarnes, namentlich in Reis, da der in erster Provinz gewonnene
fr die in Folge des Abacbau's sehr gestiegene Bevlkerung nicht
ausreicht und Camarnes Ueberfluss davon hat. Der Reis wird in
grossen Khnen flussaufwrts bis Quinli geschafft und von dort in
Bffelkarren weiter verfhrt; die Boote gehn leer zurck. Die Breite
des sehr windungsreichen Bicol betrgt in der trocknen Jahreszeit am
Seeausfluss wenig ber 60 Fuss und nimmt nur sehr allmlig zu. Die
Vegetation der Ufer bietet ziemliche Abwechslung, besonders anziehend
ist das Thierleben, namentlich das Treiben der zahlreichen Affen
und Wasservgel. Unter letzteren waren Plotus (P. melanogaster)
besonders hufig -- aber schwer zu schiessen. Bewegunglos sitzen
sie auf den Bumen am Ufer, nur ihr dnner Hals und Kopf ragt wie
eine Baumschlange aus dem Laube hervor. Bei dem Annhern des Bootes
strzen sie jh in's Wasser und erst nach vielen Minuten sieht man
den dnnen Hals wieder empor tauchen, weit entfernt von der Stelle,
wo der Vogel verschwunden war. Im Fliegen scheint der Plotus nicht
minder gewandt als im Schwimmen und Tauchen.

Halbwegs zwischen Batu und Bula steht ein Kalkofen; das Gestein, ein
fester, gelblicher Kalk voll Steinkerne von Korallen (Seriatopora? und
unbestimmbaren Zweischalern), kommt aus einem flachen Hgelzug,
zwei Stunden Bffelschritt WSW, anscheinend einem gehobenen
Korallenriff. Weiter stromabwrts wird die Gegend flacher, nur die
grossen Vulkane ragen ber die von Reisfeldern eingenommene Ebene.

In Nga, der Hauptstadt von Sd-Camarnes, stieg ich im Tribunal ab,
wurde aber alsbald von dem wegen seiner Gastfreundschaft weit ber
die Grenzen seiner Provinz berhmten Administrador in sein Haus geholt
und mit Liebenswrdigkeit und Geflligkeiten berhuft. Der allgemein
beliebte Herr setzte alles in Kontribution um meine Sammlungen zu
bereichern, und that was er konnte um mir den Aufenthalt angenehm zu
machen und meine Zwecke zu frdern.

Nga ist die Hauptstadt von Sd-Camarnes, Sitz eines Bischofs und der
Provinzial-Regierung. In amtlichen Dokumenten wird es Nueva-Cceres
genannt zu Ehren des aus Cceres gebrtigen General-Kapitns
D. Fr. de Sande, der 1578 neben dem Indierdorf Nga eine spanische
Stadt grndete. Zu Anfang des 17ten Jahrhunderts zhlte sie gegen 100
spanische Einwohner (Morga f. 151), gegenwrtig kaum ein Dutzend. Schon
Murillo Velarde (XIII, 272) bemerkt, dass, im Gegensatz zu Amerika,
von allen in den Philippinen gegrndeten Stdten, mit Ausnahme
Manila's, nur noch die Skelette, die Namen ohne die Substanz sich
erhalten haben. Der Grund liegt, wie schon mehrfach hervorgehoben,
darin, dass es bis jetzt an Pflanzungen und mithin an eigentlichen
Ansiedlern fehlt. Frher war Nga Hauptstadt des ganzen stlich von
Taybas gelegenen Theiles von Luzon, der bei zunehmender Bevlkerung in
die drei Provinzen Nord- und Sd-Camarnes und Alby zerlegt wurde. Die
Grenzen dieser Verwaltungsbezirke sind namentlich zwischen Alby und
Sd-Camarnes ziemlich willkrlich gezogen, whrend das Gesammtgebiet,
wie die Karte zeigt, geographisch sehr gut begrenzt ist. Im Verkehr
wird es auch wohl noch gegenwrtig im Zusammenhang Camarnes genannt;
am passendsten knnte man es das Land der Bicol nennen; denn es ist
von einem Volksstamm, den Bicolindiern bewohnt, der sich sowohl durch
seine Sprache, als durch manche Eigentmlichkeiten von seinen Nachbarn,
den Tagalen im Westen und den Bisayern, auf den Inseln im Sden und
Osten unterscheidet.

Die Bicol sind auf das in Rede stehende Gebiet und einige kleine
unmittelbar davor liegende Inseln beschrnkt. Ueber ihre Herkunft geben
die umfangreichen, inhaltlosen Geschichten spanischer Mnche keinen
Aufschluss. Morga hlt sie fr Eingeborene der Insel, dagegen sei durch
Ueberlieferung bekannt, dass die Bewohner von Manila und Umgebung von
vor Zeiten dort eingewanderten Malayen und Bewohnern anderer Inseln
und ferner Provinzen abstammen. [137] So wie ihre Sprache zwischen
der der Tagalen und Bisayer mitten innen steht, so scheinen die Bicols
selbst auch in ihren Fhigkeiten und Sitten einen Uebergang zwischen
beiden zu bilden, den Tagalen krperlich wie geistig im Allgemeinen
nachzustehn, den Bewohnern der stlichen Bisaya-Inseln berlegen zu
sein. Bicol wird nur in beiden Camarnes und Alby auf Luzon, und
auf den Inseln Masbte, Buras, Tico, Catandunes und den kleinen
benachbarten Eilanden gesprochen. Am reinsten sprechen es die Bewohner
des Vulkanes Ysarg und seiner unmittelbaren Umgebung. Von dort gen
Westen nimmt die Bicolsprache immer mehr tagalisch, nach Osten hin
bisaya auf, und geht allmlig, wohl noch ehe sie die Grenzen ihres
ethnographischen Gebietes erreicht, in diese beiden Nachbarsprachen
ber. Es drfte zweckmssig sein, die hervorragendsten Zge in der
Lebensweise der Bicolindier, deren Mehrzahl sie mit den Tagalen und
Bisayern gemein haben, hier an einander zu reihen.

Ein allgemeiner Ueberblick der geographischen Verhltnisse und der
durch sie bedingten Vertheilung der trockenen und nassen Jahreszeiten
ist bereits S. 94 gegeben worden.

Die Aussaat des Reises in Beeten beginnt in Sd-Camarnes im Juni oder
Juli, je nach dem Eintritt der Regenzeit; in knstlich berieselten
Feldern frher, weil die Frucht dann zu einer Zeit reift, wo ihr
Vorrath im Lande gering, ihr Preis hoch ist. Obgleich Rieselfelder
sehr wohl zwei Ernten jhrlich liefern knnten, so werden sie doch
nur einmal bestellt. Im August wird umgepflanzt mit handbreiten
Zwischenrumen zwischen den Linien und den einzelnen Pflanzen, vier
Monate spter ist der Reis reif. Die Felder werden nie gedngt und nur
selten gepflgt, gewhnlich lsst man durch einige Dutzend Bffel das
Unkraut und die Stoppeln in den schon durchweichten Boden eintreten,
der dann nur noch mit einer stachlichten Walze gerollt, oder mit dem
Sorod gelockert wird. Ausser den genannten Ackergerthschaften, sind
noch die spanische Hacke (Azadn) und ein Rechen von Bambus (Kag-kag)
in Gebrauch. Bei der Ernte geht es eigenthmlich zu. Der Reis, welcher
zuerst reift, wird fr 10% geschnitten, d. h. der Arbeiter empfngt fr
seine Mhe das 10te Bndel vom Eigenthmer. Um diese Zeit ist der Reis
sehr knapp, oft ist Noth vorhanden und Arbeitskraft billig; je mehr
Felder aber in Reife kommen, um so theurer wird der Schnitterlohn,
er steigt auf 20, 30, 40 selbst 50%, ja die Behrden halten es
zuweilen fr nthig, die Leute durch Krper- und Gefngnissstrafe
zum Ernten zu zwingen, damit nicht ein grosser Theil auf dem Halm
verfaule. Dennoch geht in sehr fruchtbaren Jahren immer ein Theil
der Ernte verloren. Man schneidet den Reis Halm fr Halm (wie in
Java), mit einem eigentmlich geformten Messer, oder in Ermangelung
eines solchen, mit der scharfrandigen Klappe einer in den Grben der
Reisfelder lebenden Muschel [138]; man braucht sich nur zu bcken,
um sie aufzunehmen.

Ein Quion bestes Reisland gilt 60-100 Dollars (8 bis 13 Thaler per
Morgen). Am theuersten sind Rieselfelder auf Anhhen, die nicht wie die
Felder in der Ebene verheerenden Ueberschwemmungen ausgesetzt sind,
und so bewirtschaftet werden knnen, dass ihre Frucht zur Zeit der
hchsten Preise reift.

Auf vier Topones (1 Topon = 1 Loan) pflanzt man 1 Ganta und erntet 100
Manojos (Bndel), die je 1/2 Ganta Reis geben, also das fnfzigste
Korn. Man darf die alte Ganta von Naga wohl = 1 1/2 Gantas setzen,
dann berechnet sich der Ertrag auf 75 Cabanes per Quion, etwa 9 3/4
Scheffel per Morgen, ungefhr soviel wie in Preussen. [139] In Bchern
werden gewhnlich 250 Cabanes als Ertrag eines Quion angegeben,
als Durchschnitt wohl eine Uebertreibung. Die Ergiebigkeit der
Felder ist allerdings eine sehr verschiedene, aber wenn man erwgt,
dass die Aecker in den Philippinen nie gedngt werden, sondern zur
Erhaltung ihrer Fruchtbarkeit ausschliesslich auf den durch die
Ueberfluthungen aus den Bergen ihnen zugefhrten Schlamm angewiesen
sind, so mgen obige Zahlen dem wirklichen Durchschnitt wohl eher
entsprechen. In Java betrgt in vielen Provinzen die Ernte nur 50
Cabanes per Quion, in manchen freilich das Dreifache [140]; in China
bei sorgfltigster Kultur und reichlicher Dngung 180 Cabanes. [141]
Ausser Reis wird Camote (ssse Kartoffel, Convolvulus batatas) gebaut,
die wie Unkraut wuchert, ja sie wird zuweilen sogar angepflanzt,
um auf dem zum Kaffee-, Cacao- oder Abacbau bestimmten Boden das
Unkraut zu vertilgen. Sie breitet sich zu einem dichten Teppich
aus, und ist, da die Auslufer Wurzel schlagen und Knollen bilden,
eine fast unversiegbare Vorrathskammer fr den Besitzer, der das
ganze Jahr hindurch seinen Bedarf dem Felde entnehmen kann. Auch Gabi
(Caladium), Ubi (Dioscorea), Mais und zwei Arum-Arten sind Gegenstnde
des Feldbaus.

Nach der Reisernte werden Bffel, Pferde und Rinder auf die Felder
gelassen. Whrend des Reisbaues bleiben sie in den Gogonales,
Rohrsteppen, die namentlich dort entstehn, wo fr den Bau von Bergreis
gelichtete Stellen wieder verlassen werden. Gogo ist der Name eines 7
bis 8' hohen Rohres (Saccharum sp.). Transport findet dann fast nicht
statt, weil whrend der Regenzeit die Wege nicht benutzbar sind und
das Vieh nichts zu fressen fnde. Der Indier fttert sein Vieh nicht;
er lsst es verhungern, wenn es sich nicht selbst erhalten kann. In
der nassen Jahreszeit kommt es nicht selten vor, dass ein Bffel,
whrend er den Karren zieht, vor Hunger zusammenstrzt. Ein Bffel
kostet 7-10 Dollars, ein Pferd 10-20, eine Kuh 6-8. Sehr schne Pferde
bezahlt man mit 30-50 Dollars, ausnahmsweise sogar bis 80 Dollar,
doch werden die hiesigen Pferde in Manila nicht geschtzt, weil sie
nicht aushalten; das schlechte Wasser, das schlechte Heu und die
grssere Hitze daselbst, richten sie schnell zu Grunde, sonst wrde
es vortheilhaft sein, Pferde in der guten Jahreszeit nach Manila zu
verschiffen, wo sie etwa das Doppelte kosten. Nach Morga (f. 130) gab
es weder Pferde noch Esel auf der Insel, bis die Spanier sie aus China
und Neu-Spanien einfhrten. [142] Erstere waren klein und bsartig;
auch aus Japan wurden Pferde bezogen, nicht schnell aber stark mit
grossen Kpfen und dicker Mhne, wie Friesen aussehend. [143] Die
Pferde vermehrten sich schnell, die im Lande geborenen, meist von
gekreuzter Rasse, schlugen gut ein.

Das Rindvieh ist gewhnlich in den Hnden Einzelner. Es giebt in
Camarnes Individuen, welche 1000 bis 3000 Stck besitzen, in der
Provinz ist es kaum verkuflich, doch wird es seit einigen Jahren
mit Vortheil nach Manila ausgefhrt. Das Rindvieh der Provinz ist
klein aber wohlschmeckend, zur Arbeit wird es nie benutzt, auch die
Khe werden nicht gemolken. Die Indier ziehen das Bffelfleisch dem
Rindfleisch vor, essen es aber nur an Festtagen, gewhnlich geniessen
sie nur Fische, Krebsthiere, Muscheln und wilde Kruter zum Reis.

Die alte, von den Spaniern vor Jahrhunderten eingefhrte Rasse von
Schafen hlt sich gut und vermehrt sich leicht; die gelegentlich
von Shanghai und Australien gebrachten stehn im Rufe, nicht so gut
auszudauern; sie sollen unfruchtbar sein, gewhnlich bald sterben. In
Manila ist Hammelfleisch tglich zu haben, im Innern aber, wenigstens
in den stlichen Provinzen fast nie, obgleich die Schafzucht ohne
Schwierigkeit, an manchen Orten mit grossem Vortheil getrieben
werden knnte. Man ist aber zu nachlssig, um die jungen Lmmer zu
hten, und klagt, dass sie von den Hunden zerrissen werden, wenn
sie frei herumlaufen. Die Schafe scheinen sich schwer akklimatisirt
zu haben. Morga (f. 130) sagt, dass sie viele male aus Neu-Spanien
mitgebracht wurden, sich aber nicht vermehrten, so dass zu seiner
Zeit diese Art von Hausthieren nicht vorhanden war. Schweinefleisch
wird von wohlhabenden Europern nur dann gegessen, wenn das Schwein
von Jugend auf im Hause erzogen worden ist. Um zu verhten, dass
es sich herumtreibe, wird es gewhnlich in einen Bambuskfig, einen
weitmaschigen zylindrischen Korb, eingeflochten, und geschlachtet,
wenn es denselben ausfllt. Von den Schweinen der Eingeborenen zu
essen ist zu ekelhaft; die Thiere leben unter dem Abtritt, der in
manchen kleinen Husern nur aus den Zwischenrumen der aus Bambuslatten
gebildeten Diele besteht und ernhren sich von seinen Abfllen, die
sie gierig verschlingen; hufig sieht man sie im Dorfe herumlaufen,
Kopf und Hals mit den Resten ihrer Malzeit besudelt.


    Crawfurd (338) bemerkt, dass die Namen aller Hausthiere in den
    Philippinen fremden Sprachen angehren. Hund, Schwein, Ziege,
    Bffel, Katze, selbst Huhn und Ente seien malayisch oder javanisch;
    Pferd, Ochs, Schaf, spanisch. Wenn jene Thiere erst von den Malayen
    eingefhrt wurden, so waren die Ureinwohner bler daran, als die
    Amerikaner, die doch das Alpaca, Llama und Vicua hatten. -- Auch
    die Namen der meisten Kulturpflanzen, Reis, Yams, Zuckerrohr,
    Kokos, Indigo seien malayisch, so wie die fr Silber, Kupfer,
    Zinn. Von den auf Gewerbe bezglichen Wrtern sei ein Drittel
    malayisch, von Handelsausdrcken die grosse Mehrzahl; auch die
    Benennungen fr Maasse, Gewichte, fr den Kalender, soweit ein
    solcher vorhanden, so wie die (sehr entstellten) Zahlwrter, die
    Wrter fr Schreiben, Lesen, Sprache, Erzhlung. Dagegen ist nur
    eine Minderzahl der Ausdrcke, die sich auf den Krieg beziehn,
    dem malayischen entlehnt.

    Aus den cht einheimischen Wrtern schliesst Crawfurd auf den
    Grad der Zivilisation, den die Philippiner vor ihrem Verkehr
    mit den Malayen besassen: sie baueten kein Getreide, ihre
    Pflanzenkost bestand in Bataten (?) und Bananen. Sie besassen
    nicht ein Hausthier, kannten Eisen und Gold, aber kein anderes
    Metall, und kleideten sich in selbst gewebte Baumwollen-
    und Abac-Stoffe. Sie hatten ein eignes phonetisches Alphabet
    erfunden. Ihre Religion bestand im Glauben an gute und bse Geister
    und Hexen, in Beschneidung und etwas Sterndeuterei. Somit waren
    sie den Bewohnern der Sdsee voraus durch den Besitz von Gold,
    Eisen und Geweben und standen ihnen nach, indem sie weder Hund,
    Schwein noch Huhn besassen.

    Lsst man die obige nur mit Hlfe mangelhafter sprachlicher Quellen
    entworfene Skizze des vorchristlichen Kulturzustandes gelten und
    vergleicht damit den gegenwrtigen, so ergiebt sich ein grosser
    Fortschritt, den die Philippiner den Spaniern verdanken. Insofern
    er die gesellschaftlichen Verhltnisse betrifft, ist er bereits
    mehrfach im Text hervorgehoben worden. Die Spanier haben das
    Pferd, das Rind, das Schaf, den Mais, den Kaffee, Rohrzucker,
    Cacao, Sesam, Tabak, Indigo, viele Frchte und wohl auch die
    Bataten eingefhrt, die sie unter dem Namen Camotli in Mexico
    vorfanden. [144] Daraus scheint die in den Philippinen allgemeine
    Benennung Camote entstanden zu sein, die Crawfurd wohl irrthmlich
    fr einheimisch hlt. (Wie mir Dr. Witmack mittheilt, neigt man
    neuerdings zu der Ansicht, dass die Batate nicht nur in Amerika,
    sondern auch in Ostindien heimisch sei, da sie im Sanskrit zwei
    Namen habe: Sharkarakanda und Ruktaloo.)

    In den Gewerben, ausgenommen in der Stickerei, im Weben und
    Mattenflechten haben die Eingeborenen nur geringe Fortschritte
    gemacht. Die Handwerke werden hauptschlich von Chinesen betrieben.


Die Ausfuhr besteht in Reis und Abaca. Die Provinz fhrt etwa zweimal
so viel Reis aus als sie verzehrt, hauptschlich nach Albay, das
zum Reisbau weniger geeignet, fast nur Abac erzeugt. Ein Theil geht
nach Nord-Camarnes, das sehr bergig und wenig fruchtbar ist. Nach
Manila kann der Reis kaum verschifft werden, da eine Landstrasse nach
dem der Hauptstadt nahen Sdrande der Provinz nicht vorhanden und der
Wassertransport vom Nordrande und dem ganzen stlichen Theil von Luzon
das Produkt zu sehr vertheuern wrde. Die Einfuhr beschrnkt sich
auf das Wenige, was chinesische Krmer einfhren. Die Hndler sind
fast alle Chinesen, sie allein besitzen Lden, in denen namentlich
Kleiderstoffe und Tcher, theils inlndischer, theils europischer
Fabrik, gestickte Frauenpantoffeln und unchte Schmucksachen zu haben
sind. Das Gesammtkapital, welches in diesen Lden steckt, erreicht
gewiss nicht 200,000 Dollar. In den brigen Pueblos von Camarnes
giebt es keine chinesischen Handelsleute, sie mssen sich also aus
Naga versorgen.

Das Land gehrt dem Staat, wird aber einem Jeden, der es bebauen will,
umsonst berlassen; der Niessbrauch geht auf die Kinder ber, und
hrt nur dann auf, wenn der Boden zwei Jahre lang unbenutzt liegen
bleibt. Es steht dann der Behrde frei, zu Gunsten eines Andern
darber zu verfgen.

Jede Familie besitzt ihr eignes Haus. Gewhnlich erbaut es der junge
Ehemann mit Hlfe seiner Freunde. An manchen Orten kostet es nicht
ber 4 bis 5 Dollar; zur Noth kann er es auch selbst herstellen,
ohne Auslagen, ohne andres Handwerkzeug als das Waldmesser
(Bolo) und ohne andres Material, als Bambus, spanisches Rohr und
Palmbltter. Dergleichen Huser, die wegen der Feuchtigkeit immer
auf Pfhlen stehn, und oft nur einen einzigen berdachten Raum haben,
in welchem alle Verrichtungen vorgenommen werden, sind Ursache grosser
Liederlichkeit und schmutziger Gewohnheiten; die ganze Familie schlft
darin gemeinschaftlich und jeder Durchreisende ist ein willkommener
Gast. Ein schnes Haus von Brettern fr die Familie eines Cabeza
mag gegen 100 Dollar kosten. Das Vermgen einer solchen Familie
an Immobilien, Mbeln, Schmuck u. s. w. (sie mssen jhrlich ein
Inventarium einreichen) beluft sich auf 100 bis 1000 Dollars. Einige
haben sogar ber 10,000, der Reichste der ganzen Provinz wird auf
40,000 Dollars geschtzt.

Im Allgemeinen lsst sich behaupten, dass jedes Pueblo seine
Bedrfnisse selbst erzeugt und wenig darber hervorbringt. Fr den
indolenten Indier, namentlich fr den der stlichen Provinzen, ist
das Dorf, in dem er geboren worden, die Welt. Er verlsst es nur
unter dringenden Umstnden. Uebrigens wrde das von der Kopfsteuer
unzertrennliche strenge Passwesen der Reiselust, falls sie vorhanden
wre, grosse Schwierigkeiten in den Weg legen.

Der Indier isst tglich dreimal: um 7 Uhr Vormittags, 12 und 7 oder
8 Abends; die krftigsten Arbeiter verzehren bei jeder Malzeit eine
Chupa Reis, gewhnliche Individuen eine halbe zum Frhstck, eine
zum Mittag, eine halbe zum Abend, zusammen 2 Chupas. Jede Familie
erntet ihren Reisbedarf selbst und bewahrt ihn in Scheuern auf, oder
kauft ihn enthlst auf dem Markt, und dann gewhnlich nur den Bedarf
eines Tages oder einer Malzeit auf einmal. Der mittlere Einzel-Preis
ist 3 Cuartos fr 2 Chupas (14 Chupas del Rey fr 1 r.). Fr jede
einzelne Malzeit wird der Reisbedarf in einem hlzernen Mrser von
den Frauen gestossen um ihn zu enthlsen -- aus alter Gewohnheit, und
auch wohl aus Furcht, dass der Vorrath sonst zu schnell verschmaust
werden wrde. Der Reis wird nur halb gar gekocht. Es scheint, dass
dies berall geschieht, wo er einen wesentlichen Theil der Nahrung
ausmacht; schon in Spanien und Italien ist dies wahrzunehmen. An
Wrzen werden Salz und viel spanischer Pfeffer (Capsicum) genossen,
der, ursprnglich aus Amerika eingefhrt, berall um die Huser
wchst. Die Eingeborenen ziehn sogenanntes Steinsalz dem gemeinen
Kochsalz vor; es wird durch Eindampfen von Meerwasser erhalten, das
vorher durch Asche filtrirt worden. Eine Chinanta (12,6 Zoll-Pfund)
kostet 1 1/2 bis 2 r. Der Salzverbrauch ist usserst gering.

Die Genussmittel des Indiers sind Buyo [145] und Zigarren, eine Zigarre
kostet 1, ein Buyo 0,1 cu. Die Zigarre wird fast nie geraucht, sondern
in Stcke zerschnitten und mit dem Buyo gekaut, auch die Frauen kauen
Buyo und Tabak, aber gewhnlich sehr mssig, sie frben sich auch
nicht die Zhne schwarz, wie die Malayen, die jungen und hbschen
putzen sich sogar dieselben fleissig mit der Hlle der Arecanuss, deren
parallel und eng neben einander liegende starre Fasern im Queerschnitt
eine vortreffliche Zahnbrste bilden, baden mehrere male tglich, und
bertreffen an Sauberkeit die Mehrzahl der Europerinnen. Wohl jeder
Indier hlt sich einen Kampfhahn; selbst wenn er nichts zu essen hat,
findet er Geld zum Hahnenkampf.

Hausrath: Zum Kochen dient ein irdener Topf fr 3-10 cu., beim
Reiskochen wird er mit einem Bananenblatt fest zugebunden, so dass
der Dampf einer sehr geringen Wassermenge hinreicht. Ein anderes
Kchengerth ist bei Aermeren nicht vorhanden. Reichere haben auch
einige gusseiserne Pfannen, irdene Tpfe und Schsseln. Der Heerd
besteht in den kleineren Husern aus einer tragbaren irdenen Pfanne
oder einem flachen Kasten, oft einer alten Zigarrenkiste voll Sand,
mit drei Steinen, welche als Dreifuss dienen; in den grossen Husern
hat der Heerd die Form einer Bettstelle, die statt einer Matratze mit
Sand oder Asche gefllt ist. Das Wasser fr kleine Haushaltungen wird
in dicken Bambusen geholt und aufbewahrt; Jedermann besitzt ausserdem
in seinem Bolo (Waldmesser) ein Universalinstrument, das er in einer
selbstgefertigten Holzscheide an einer aus Bastfaser nachlssig
zusammengedrehten Schnur um den Leib trgt. Dies und der Reismrser
(ein Holzklotz mit einer entsprechenden Vertiefung) sammt Stsser und
einige Krbe bilden das gesammte Hausgerth einer rmeren Familie;
zuweilen findet sich noch eine grosse Schnecke mit Binsendocht als
Lampe. Man schlft auf einer Matte von Pandanus oder Buri (Fcherpalme,
Corypha), wenn eine vorhanden, sonst auf den Bambusspliessen, womit
das Haus gedielt ist. Oel zur Beleuchtung wird von den Armen fast gar
nicht verwendet, sondern Harzfackeln, die je 1-2 Tage dauern und auf
dem Markt fr 1/2 cu. verkauft werden.

An Kleidung braucht eine Frau: Camisa de Guinara (kurzes Hemd von
Abacfasern), ein Patadon (Rock der von der Hfte bis zum Knchel
reicht), ein Tuch, einen Kamm. Ein Stck Guinara zu 1 r. giebt 2
Hemden, die grbsten Patadon kosten 3 r., ein Tuch hchstens 1 r.,
Kamm 2 cu, zusammen 4 Realen 12 cu = 24 Sgr. Die Frauen besserer Klasse
tragen Camisa 1 bis 2 r, Patadon 6 r, Tuch 2-3 r., Kamm 2 cu. Der
Mann trgt Hemd 1 r, Hose 3 r, Hut (Tararura), aus spanischem Rohr,
10 cu, oder Salacot (grosser Regenhut, hufig verziert) wenigstens
2 r, oft mit Silberbeschlag bis zum Werthe von 50 Dollar. Es werden
jhrlich wenigstens drei, wohl eher vier Anzge verbraucht, die Frauen
pflegen aber fast den ganzen Bedarf fr die Familie selbst zu weben.

Arbeitslohn: Fr den gewhnlichen Arbeiter 1 r, kein Essen; Arbeitszeit
von 6-12 und von 2-6 Uhr. Die Frauen verrichten in der Regel keine
Feldarbeit, doch pflanzen sie den Reis um und helfen ihn ernten;
in beiden Fllen ist ihr Lohn gleich dem der Mnner. Holz- und
Stein-Arbeiter erhalten 1,5 r. per Tag, Kalfaterer 1,75 r.

Ein ziemlich gebruchlicher Kontrakt bei dem Landbau ist der des
Tercio: der Eigenthmer berlsst das nackte, aber urbar gemachte Land
fr den dritten Theil der Ernte. Einzelne Mestizen besitzen viele
Grundstcke, aber selten zusammenhngend, da sie ihnen gewhnlich
als Schuldpfnder zu einem geringen Theil des Werthes zufallen.

Verdienst einer kleinen Familie: Der Mann verdient tglich 1 r, die
Frau, wenn sie grobe Stoffe webt 1/4 r. und Essen (1 Stck Guinara
kostet 1/2 r. Weberlohn und erfordert 2 Tage Arbeit). Die geschickteste
Weberin feinerer Stoffe erhlt fr das Stck 12 r. Arbeitslohn; und
vollendet es in einem Monat, der aber wegen der vielen Feiertage
im allerhchsten Fall gleich 24 Arbeitstagen zu rechnen ist, sie
verdient also 1/2 r. per Tag und Essen. Fr das Aneinanderknpfen
der Ananasfasern zur Pia-Weberei (Sugot genannt) wird nur 1/8 r. und
Essen bezahlt.

In allen Pueblos sind Schulen vorhanden. Der Schullehrer wird von
der Regierung bezahlt, und erhlt gewhnlich 2 Dollars monatlich,
weder Wohnung noch Bekstigung. In grossen Pueblos steigt das Gehalt
auf 3 1/2 Dollars, davon muss aber ein Gehlfe besoldet werden. Die
Schulen stehen unter Aufsicht des Ortsgeistlichen. Es wird Lesen
und Schreiben gelehrt, die Vorschriften sind spanisch. Der Lehrer
soll eigentlich seine Schler spanisch lehren, er versteht es aber
selbst nicht, andererseits verstehn die spanischen Beamten nicht
die Landessprache, die Priester aber haben keine Neigung an diesen
Zustnden zu ndern, die ihrer Macht sehr frderlich sind. Es knnen
fast nur solche Indier spanisch, die im Dienst von Europern gewesen
sind. Gelesen wird in der Landessprache (bicol) zuerst eine Art
religiser Fibel, spter die Doctrina cristiana, das Lesebuch heisst
Casayayan. Durchschnittlich geht die Hlfte aller Kinder in die Schule,
gewhnlich vom siebenten bis zehnten Jahr, sie lernen etwas lesen,
einige auch ein wenig schreiben, vergessen es aber bald wieder; nur
solche, die spter als Schreiber Dienst nehmen, schreiben gelufig und
haben meist eine gute Handschrift. Einige Pfarrer dulden nicht, dass
Knaben und Mdchen dieselbe Schule besuchen, in diesem Fall besolden
sie noch eine besondere Lehrerin mit 1 Dollar monatlich. Rechnen
lernen die Indier sehr schwer, sie nehmen gewhnlich Muscheln oder
Steine zur Hlfe, die sie in Hufchen legen und dann zhlen.

Die Frauen heirathen selten vor dem vierzehnten Jahre, -- zwlf
Jahre ist der gesetzliche Termin. Im Kirchenbuche von Polangui fand
ich eine Trauung (Januar 1837) verzeichnet zwischen einem Indier und
einer Indierin, die den ominsen Namen Hilaria Concepcion fhrte und
bei Vollziehung der Ehe, wie aus einer Randbemerkung hervorgeht, nur
9 Jahre und 10 Monate alt war. Es kommt vor, dass Leute ungetraut
zusammen leben, weil sie die Kosten der Trauung nicht zahlen
knnen. Mdchen, die als Geliebte von Europern Kinder bekommen,
rechnen es sich fast zur Ehre. Noch mehr ist dies der Fall, wenn das
Kind vom Pfarrer ist; der Cura erhlt immer seine Kinder, aber unter
angenommenen Namen. In Fllen ehelicher Untreue, die nicht selten
sind, wird die schuldige Frau gewhnlich geprgelt, der Verfhrer
geht frei aus; fast nie gelangen Beschwerden an das Gericht. Die
Mnner sind meist liederlich. Eine Frau brachte die Geliebte ihres
Mannes durch Zureden zum Gestndniss ihrer Schuld, und schnitt ihr
darauf mit einer bereit gehaltenen Scheere das ganze Haupthaar ab;
dies ist das einzige Beispiel von Rache, das in den letzten Jahren
vorgekommen war. Europerinnen, ja selbst Mestizinnen, lassen sich,
nach Versicherung ihrer Mnner, nie mit Indiern ein. Die Frauen
werden im Allgemeinen gut behandelt, verrichten nur leichte Arbeit,
Nhen, Weben, Sticken, Besorgung des Haushalts; alle schwere Arbeit
mit Ausnahme des Reisstampfens fllt den Mnnern zu. Oeffentliche
Mdchen verkehren mit allen Frauen und verheirathen sich auch oft,
zuweilen bieten Vter ihre Tchter Europern an, indem sie ein Darlehn
erbitten und die Tochter dafr als Nherin in's Haus bringen.

Flle von hohem Alter sind unter den Indiern, namentlich in Camarnes
hufig. Das Diario de Manila vom 13. Mrz 1866 berichtet ber einen
Alten in Darga (Albay) den ich wohl gekannt habe: Juan Jacob 1744
geboren, 1764 verheirathet, 1845 verwittwet, hat bis 1840 viele
ffentliche Aemter bekleidet, hatte 13 Kinder, von denen 5 leben,
170 direkte Nachkommen, ist mit 122 Jahren noch rstig, hat gute
Augen und Zhne; -- erhielt sieben mal die letzte Oelung!

Die ersten Excremente eines neugeborenen Kindes werden sorgfltig
aufbewahrt und unter dem Namen Triaca (Theriacum) als ein besonders
auch gegen den Biss von Schlangen und tollen Hunden wirksames
Universalheilmittel aufbewahrt. Es wird auf die Wunde gelegt und
zugleich eingenommen.

Eine grosse Anzahl Kinder stirbt in den ersten beiden Wochen nach der
Geburt. Es fehlen darber alle statistischen Daten, aber nach Ansicht
eines der ersten Aerzte in Manila kommt wenigstens ein Viertel um. Die
Ursache soll allein in der grossen Unreinlichkeit und schlechten
Luft liegen, da in den Stuben der Kranken und Wchnerinnen Thren
und Fenster so dicht verschlossen werden, dass vor Gestank und Hitze
Gesunde krank werden, Kranke schwer genesen. Frher verstopfte bei
Geburten der Mann alle Oeffnungen des Hauses, damit Patianac nicht
eindringe, ein bser Geist der den Wchnerinnen Unheil bringt und
die Geburt zu hindern sucht. Der Gebrauch hat sich fort erhalten,
bei Vielen wohl auch der Aberglaube ohne eingestanden zu werden;
wo dieser erloschen, hat man in der Furcht vor Zugluft eine neue
Erklrung fr einen alten Brauch gefunden: Beispiele solcher
Anpassungen finden sich bei allen Vlkern. Eine sehr verbreitete
Krankheit ist die Krtze, doch soll sie nach Versicherung des bereits
erwhnten Arztes weniger allgemein sein, als Nichtrzte glauben, die
jene Bezeichnung auf Hautausschlge berhaupt anwenden; an solchen
haben die Eingeborenen in Folge schlechter Dit sehr zu leiden,
Bicolindier mehr als Tagalen. [146] Unter gewissen Verhltnissen,
welche die darber befragten Aerzte nicht genauer zu bestimmen
vermochten, knnen die Eingeborenen weder Hunger noch Durst ertragen
(davon bin ich mehreremale Zeuge gewesen). Sie sollen, wenn sie in
solchem Zustande gezwungen sind, das Bedrfniss ungestillt vorber
gehn zu lassen, bedenklich erkranken und oft an den Folgen sterben.

Die krankhafte Sucht des Nachahmens, in Java Sakit-latar genannt,
kommt auch hier vor und heisst Mali-mali. In Java glauben Viele, dass
die Krankheit nur Verstellung sei, weil die angeblich damit Behafteten
es vortheilhaft finden, sich vor neu angekommenen Europern sehn zu
lassen. Hier aber beobachtete ich ein Beispiel, bei dem wohl keine
Verstellung vorausgesetzt werden konnte; meine Begleiter benutzten
den krankhaften Zustand einer armen Alten, die uns begegnete, um auf
offener Strasse rohe Spsse mit ihr zu treiben. Die Alte ahmte alle
Bewegungen nach, wie von einem unwiderstehlichen Drang getrieben,
und usserte zugleich ihren lebhaftesten Unwillen ber die Leute,
die ihre Schwche missbrauchten.


    In R. Maak's Reise nach dem Amur (Puteshestie na Amur pg. 83)
    heisst es: Nicht gerade selten, leiden auch die Maniagrer an einer
    hchst sonderbaren Nervenkrankheit, mit welcher wir schon grndlich
    bekannt waren durch die Beschreibungen vieler Reisenden. [147]
    Man begegnet dieser Krankheit bei der Mehrzahl der wilden Vlker
    Sibiriens, so wie auch bei den dort angesiedelten Russen. Im
    Gebiete der Jakuten, wo dieses Leiden sehr hufig vorkommt,
    sind die damit behafteten, sowohl bei den Russen als den Jakuten
    unter dem Namen Emiura bekannt; hier aber (d. h. in dem Theile
    Sibiriens, wo die Maniagri wohnen) werden dergleichen Kranke von
    den Maniagrern Olon, von den Argurischen Kosaken Olgandshi
    genannt. Die Anflle der von mir hier besprochenen Krankheit
    bestehn darin, dass ein daran leidender Mensch, wenn er in
    Schrecken oder Bestrzung gerth, unbewusst und oftmals ohne das
    geringste Schamgefhl alles nachahmt, was vor ihm geschieht. Wird
    ein solcher Mensch gergert, so gerth er in eine Raserei, die
    sich dadurch ussert, dass er ein wildes Geschrei ausstsst, auf
    andre Weise wthet und sich sogar mit einem Messer oder irgend
    einem andern Gegenstand, der ihm gerade in die Hnde fllt, auf
    diejenigen losstrzt, die ihn in diesen Zustand versetzten. Bei den
    Maniagrern leiden vorzugsweise Frauenspersonen an dieser Krankheit,
    besonders sehr alte; brigens sind mir auch Beispiele von Mnnern
    bekannt, welche damit behaftet waren. Bemerkenswerth ist, dass
    die von diesem Leiden heimgesuchten Weiber dessen ungeachtet
    krftig waren, und sich in allen brigen Beziehungen einer guten
    Gesundheit erfreuten.


Es ist vielleicht nur ein zuflliges Zusammentreffen, dass in
den Malayenlndern Sakit latar und Amok, wenn auch nicht bei
demselben Individuum, doch bei denselben Vlkern neben einander
bestehn. Beispiele von Amok scheinen auch in den Philippinen
vorzukommen. [148] Folgenden Bericht finde ich im Diario de Manila
vom 21. Februar 1866: In Cavite drang am 18. Februar ein Soldat vom
8. Regiment in das Haus eines Schullehrers, gerieth mit diesem in
Streit und erstach ihn, mit einem zweiten Dolchstoss tdtet er den Sohn
des Lehrers, strzt auf die Strasse, ersticht zwei junge Mdchen von
10 bis 12 Jahren, verwundet eine Frau in der Seite, einen neunjhrigen
Knaben im Arm, einen Kutscher (tdtlich) im Unterleib, ferner noch eine
Frau, einen Matrosen, drei Soldaten. An seiner Kaserne angekommen,
und von der Schildwache angehalten, stsst er sich selbst den Dolch
in die Brust . . . Leider steht der Fall nicht vereinzelt da . . .

Es ist eine der grssten Beleidigungen ber einen schlafenden
Eingeborenen zu schreiten, oder ihn schroff zu wecken. Sie wecken
einander, wenn es durchaus geschehen muss, mit der grssten Rcksicht
und ganz allmlig. [149]

Der Geruchsinn ist bei den Indiern in so hohem Grade entwickelt, dass
sie im Stande sind durch Beriechen der Taschentcher zu erkennen,
welcher Person sie angehren, (Reisesk. pg. 39). Verliebte tauschen
beim Abschied Stcke getragener Wsche aus, und schlrfen whrend
der Trennung den Geruch des geliebten Wesens ein, ebenso bei dem
Kssen. [150]








FUNFZEHNTES KAPITEL

    VORGESCHICHTLICHE UEBERRESTE. -- HOHER WERTH ALTER GEFSSE. --
    TROPFSTEINHHLEN IM YAMTIK. -- REISEN IN NORD-CAMARINES. --
    BERGBAU. -- GOLD. -- BLEIGLANZ. -- ROTHBLEI. -- KUPFER. --
    HTTENPROZESS DER YGORROTEN. -- ESSBARE VOGELNESTER.


Von Naga aus besuchte ich den Cura von Libmnan (Ligmanan), der
Dichtertalent und den Ruf eines Naturforschers besass. Er sammelte
und taufte hbsche Kfer und Muscheln, und widmete den zierlichsten
kleine Sonette. Er erzhlte mir Folgendes:

1851 wurde beim Anlegen einer Strasse etwas unterhalb Libmnan,
an einer Stelle Poro genannt, 100' vom Fluss entfernt, unter 4'
Dammerde ein Muschellager aufgegraben. Es bestand aus Cyrenen
(C. suborbicularis Busch.) einer zur Familie der Cycladen gehrigen
Gattung von Zweischalern, die nur in warmen Gewssern vorkommt und
namentlich in den brackischen der Philippinen ausserordentlich hufig
ist. Bei dieser Gelegenheit fand man in Tiefen von 1 1/2 bis 3 1/2
Fuss zahlreiche Ueberreste frherer Bewohner: Schdel, Gerippe,
Knochen von Menschen und Thieren, ein Schenkelbein eines Kindes in
einer Spirale von Messingdraht steckend, mehrere Hirschgeweihe, schn
geformte Schsseln und Gefsse, zum Theil bemalt, wahrscheinlich
chinesischen Ursprungs, gestreifte Armbnder aus einem weichen
gypsartigen kupferrothen Gestein, glnzend, als wren sie gefirnisst
[151]; kleine Messer von Kupfer, aber kein Eisengerth, mehrere in
der Mitte durchbohrte breite, flache Steine; [152] auch einen Keil
aus verkieseltem Holz in einem gespaltenen Baumstamme steckend. Die
an einer Vertiefung noch deutlich zu erkennende Stelle drfte,
bei planmssig fortgesetztem Nachgraben, noch manche interessante
Ergebnisse liefern. Was nicht unmittelbar zum Gebrauch geeignet,
wurde an Ort und Stelle vernichtet, das brige verzettelt. Trotz
aller Bemhungen gelang es mir nur durch die Gte des Herrn Focios
in Naga, ein kleines Gefss zu erhalten. An der Mndung des Bgajo,
nicht weit von Libmnan sollen in eben solchem Muschellager hnliche
Reste frherer Bewohner, und an der Mndung des Prlos, westlich
von Stio de Pro, 1840 eine Urne mit einem menschlichen Skelet
gefunden worden sein. Zur Zeit, als ich diese Angaben des Pfarrers
niederschrieb, waren weder ihm noch mir die in Europa bereits seit
einigen Jahren in den Pfahldrfern gemachten Entdeckungen gelufig,
sonst wren diese Aufzeichnungen wohl ausfhrlicher, vielleicht aber
weniger unbefangen ausgefallen.


    Mr. W. A. Franks, der die Gte hatte das Gefss zu untersuchen,
    ist geneigt es fr chinesisch zu halten und erklrt es fr
    sehr alt, ohne jedoch das Alter genauer feststellen zu knnen
    (hnlich sprach sich ein gelehrter Chinese der Burlingame'schen
    Gesandtschaft aus). Ihm ist nur ein Stck, nmlich ein von Kmpfer
    aus Japan mitgebrachter, im British Museum befindlicher Krug von
    noch festerer Masse bekannt, dessen Farbe, Glasur und Glasurrisse
    (Craquels) genau mit dem meinigen bereinstimmen. Nach Kmpfer
    fanden die Japanesen dergleichen Krge im Meer, und schtzten
    sie sehr hoch um ihren Thee darin aufzubewahren.

    Morga (f. 135) meldet: Auf dieser Insel Luzon, besonders in
    den Provinzen Manila, Pampnga, Pangasinn und Ylcos finden
    sich bei den Eingeborenen sehr alte Thonkrge von dunkelbrauner
    Farbe und nicht von gutem Ansehn, einige von mittlerer Grsse,
    und andre kleiner, mit Zeichen und Stempeln. Sie wissen nicht
    anzugeben, woher sie dieselben erhielten noch zu welcher Zeit;
    denn jetzt werden sie nicht mehr gebracht, noch werden sie in den
    Inseln angefertigt; die Japanesen suchen und schtzen dieselben,
    denn sie haben gefunden, dass die Wurzel eines Krautes, welches
    sie Tscha (Thee) nennen und welche heiss getrunken wird als
    grosse Delikatesse und Arznei, bei den Knigen und Herren in
    Japan, sich nicht hlt und konservirt ausser in diesen Krgen,
    die in ganz Japan so hoch geschtzt werden, dass es die grssten
    Kostbarkeiten ihrer Wohnzimmer und Kabinette sind, und hat ein
    solcher Krug einen hohen Werth und sie belegen sie auswendig mit
    feinem, mit grosser Kunst getriebenem Golde und sie stecken sie
    in Futterale von Brokat, und es giebt Krge die auf 2000 Tael zu
    11 Realen, geschtzt und verkauft werden . . . Die Eingeborenen
    dieser Inseln verkaufen sie an die Japanesen so hoch sie knnen,
    und bemhen sich sie zu suchen, dieses Gewinnes halber, obgleich
    jetzt wenige gefunden werden wegen des Eifers, mit dem man sie
    aufgesucht hat.

    Als Carletti 1597 von den Philippinen nach Japan kam, wurden
    auf Befehl des Guvernrs smmtliche Personen an Bord sorgfltig
    untersucht und ward ihnen Todesstrafe angedroht, wenn sie zu
    verheimlichen suchten gewisse irdene Gefsse, die von den
    Philippinen und andern Inseln jenes Meeres gebracht zu werden
    pflegen, da der Knig sie alle kaufen wollte . . . Dergleichen
    Gefsse gelten bis fnf-, sechs- ja bis zehntausend Scudi das
    Stck, whrend man sie nicht auf einen Giulio (etwa 1/2 Paolo)
    schtzen mchte. -- 1615 traf Carletti einen als Gesandten von
    Japan nach Rom geschickten Franziskaner, der ihm versicherte,
    er habe einen der Knige von Japan 130,000 Scudi fr ein solches
    Gefss zahlen sehn -- seine Gefhrten besttigten es. -- Auch
    Carletti giebt als Grund des hohen Preises an, dass sich das Blatt
    Cia oder Thee, dessen Gte mit dem Alter zunhme, in jenen Krgen
    besser konservire als in allen andern Gefssen. Die Japanesen
    erkennen diese Gefsse sogleich an gewissen Schriftzeichen
    und Stempeln. Sie sind sehr alt und sehr selten und kommen
    nur aus Cambodia, Siam, Cochinchina, den Philippinen und andern
    benachbarten Inseln. Nach dem Aussehn wrde man sie auf drei oder
    vier Quatrini (ein paar Dreier) schtzen ... es ist durchaus wahr,
    dass der Knig und die Frsten jenes Reiches eine sehr grosse
    Zahl dieser Gefsse besitzen und sie als ihren kstlichsten
    Schatz, hher als andere Kostbarkeiten schtzen -- dass sie mit
    deren Besitz prahlen und aus Eitelkeit einander durch die Menge
    derartiger Gefsse die sie besitzen zu berbieten suchen. [153]

    Auch bei den Dayaks und den Malayen in Borneo werden von vielen
    Reisenden Krge erwhnt, die aus aberglubischen Ursachen sehr
    bertrieben, zuweilen auf mehrere tausend Dollars geschtzt werden.

    St. John [154] erzhlt, dass der Datu von Tamparuli (Borneo) Reis
    im Werth von fast 700  fr einen Krug hergab, und dass derselbe
    Datu einen zweiten Krug von fast fabelhaftem Werth bessse, dieses
    Gefss sei etwa zwei Fuss hoch, dunkel olivengrn. Der Datu fllt
    beide Krge mit Wasser, setzt Kruter und Blumen dazu, und debitirt
    es an alle Kranke der Umgegend. Der berhmteste Krug in Borneo
    ist aber wohl der des Sultans von Brunei, da er nicht nur alle
    schtzbaren Eigenschaften der brigen Krge besitzt, sondern sogar
    sprechen kann. St. John sah ihn nicht, da er immer im Frauengemach
    verwahrt wird; der Sultan, ein glaubwrdiger Mann, erzhlte ihm
    aber sehr ernsthaft, dass der Krug in der Nacht vor dem Tode
    seiner ersten Frau klglich geheult habe und bei bevorstehenden
    Unglcksfllen hnliche Tne von sich gbe. St. John ist geneigt
    die rthselhafte Erscheinung aus einer vielleicht eigenthmlichen
    Form der Mndung des Gefsses zu erklren, in welcher die darber
    hinstreichende Zugluft hnlich wie bei der Aeolsharfe in tnende
    Schwingungen versetzt wird. Gewhnlich ist das Gefss in Goldbrokat
    eingewickelt und wird nur enthllt, wenn es befragt werden soll,
    daher kommt es vielleicht, dass es nur bei feierlicher Gelegenheit
    spricht. St. John berichtet noch, dass frher sogar die Bisayer dem
    Sultan Geschenke brachten und dafr etwas Wasser aus dem heiligen
    Kruge erhielten um ihre Felder damit zu besprengen und sich dadurch
    reiche Ernten zu sichern. Als man den Sultan fragte, ob er seinen
    Krug wohl um 20,000  hergeben wrde, antwortete er, dass kein
    Gebot in der Welt ihn veranlassen knne sich davon zu trennen.

    Morga's Beschreibung passt weder auf das Gefss von Libmnan
    noch auf den Krug des British Museum, eher noch auf ein unserem
    ethnographischen Museum vor Kurzem aus Japan zugegangenes
    Gefss. Dieses ist aus braunem Thon, unansehnlich, doch von
    geflliger Form, aus vielen Bruchstcken zusammengekittet, die
    Fugen sind vergoldet und bilden auf dem dunklen Grunde eine Art
    Netzwerk. Wie hoch dergleichen alte Tpfe, selbst einheimischen
    Ursprungs noch heut in Japan geschtzt werden, zeigt das von einem
    Dolmetscher des deutschen Konsulats verfasste Begleitschreiben:
    Dieses irdene Gefss wurde in dem Porzellanfabrikorte Tschisuka
    in der Landschaft Odori, im sdlichen Idzumi gefunden, und ist
    ein zu den tausend Grbern gehriger Gegenstand . . . dasselbe ist
    von Giogiboosat (berhmtem Buddhisten-Priester) angefertigt, und
    nachdem es dem Himmel verehrt, von ihm begraben worden. Nach den
    Ueberlieferungen des Volkes wurde dieser Platz von Grabhgeln mit
    einem Gedenksteine versehn, das ist jetzt tausend und mehr Jahre
    her . . . Ich hielt mich zum Zweck meiner Studien lange Jahre
    in dem Tempel Sookuk jenes Dorfes auf und fand das Gefss. Ich
    brachte dasselbe dem Oberpriester Shakudjo, der sehr erfreut
    darber war, und es immer wie ein Kleinod bei sich trug. Als er
    starb, fiel es mir zu, doch konnte ich es nicht finden. Neulich
    nun als Honkai Oberpriester wurde, sah ich es wieder, und es war
    mir, als wre ich dem Geiste Shokudjos wieder begegnet. Gross war
    meine Erregung und staunend klatschte ich in die Hnde, und so
    oft ich das Kleinod betrachte, gedenke ich, dass es ein Zeichen
    ist, dass der Geist Shokudjos in Honkai wieder auflebt. Deshalb
    habe ich die Geschichte dieses Kleinods aufgeschrieben und gut
    gewahrt. Fudji Kuz Dodjin.

    Freiherr Alexander von Siebold macht mir noch folgende Mittheilung:
    Der Werth, den die Japaner auf derartige Gefsse legen, beruht
    auf deren Verwendung bei den geheimnissvollen Theegesellschaften
    Cha-no-yu. Ueber den Ursprung dieser, den Europern fast noch gar
    nicht bekannten Verbindungen bestehen verschiedene Legenden, ihre
    Hauptblthezeit aber war unter der Regierung des Kaisers Taikosama,
    der im Jahre 1588 die Gesellschaft der Cha-no-yu zu Kitano bei
    Myako, mit neuen Statuten versehn, wieder einfhrte. Seine Zwecke
    waren sowohl moralische als politische. In Folge der verheerenden
    Religions- und Brgerkriege war das ganze Volk entartet und
    verwildert, aller Sinn fr Knste und Wissenschaft untergegangen,
    nur die rohe Kraft geachtet, an Stelle der Gesetze herrschte
    das Faustrecht. Der tiefdenkende Taikosama begriff, dass er die
    rohen Gemther besnftigen, sie wieder an die Knste des Friedens
    gewhnen msse, um seinem Lande den Wohlstand, sich und seinen
    Nachkommen die Herrschaft zu sichern. In dieser Absicht rief er
    die Gesellschaft Cha-no-yu auf's Neue in's Leben, versammelte
    die Meister derselben und die Kenner ihrer Gebruche um sich.

    Der Zweck der Cha-no-yu ist, den Menschen den Einflssen des ihn
    umgebenden irdischen Treibens zu entziehn, in seinem Innern das
    Gefhl vollkommener Ruhe herzustellen, ihn zur Selbstbetrachtung
    zu stimmen; smmtliche Gebruche des Cha-no-yu sind auf dieses
    Ziel gerichtet.

    In luftige reine Gewnder gekleidet, ohne Waffen, versammeln sich
    die Mitglieder der Cha-no-yu um den Hausherrn und werden von ihm,
    nachdem sie einige Zeit im Vorsaale ausgeruht, in einen eigens fr
    diese Versammlungen hergerichteten Pavillon gefhrt. Dieser besteht
    aus den kostbarsten Holzarten, ist aber ohne jeden Schmuck, der die
    Gedanken abziehn knnte, ohne Farbe, ohne Firniss, durch kleine
    mit Pflanzen dichtbewachsene Fenster nur sprlich beleuchtet,
    und so niedrig, dass man darin nicht aufrecht stehn kann. Die
    Gste betreten das Gemach mit feierlich gemessenen Schritten,
    werden vom Hausherrn nach den vorgeschriebenen Formeln empfangen,
    und setzen sich dann im Halbkreise zu seinen beiden Seiten. Jeder
    Unterschied des Ranges hrt auf. Nun werden die alten Gefsse
    unter feierlichen Zeremonien aus ihren kostbaren Umhllungen
    hervorgeholt, begrsst und bewundert; mit eben so feierlichen
    genau vorgeschriebenen Formeln wird das Wasser auf dem dazu
    bestimmten Heerde gekocht, der Thee den Gefssen entnommen, und
    in Tassen zubereitet. Der Thee besteht aus den grnen zu Staub
    zerriebenen jungen Blttern des Theestrauchs, und wirkt sehr
    aufregend. Unter tiefem Schweigen wird der Trank genossen, whrend
    Weihrauch auf dem erhabenen Ehrenplatz toko brennt. Nachdem
    sich der Geist gesammelt, beginnt die Unterhaltung, die sich
    aber nur auf abstrakte Gegenstnde erstrecken darf (Politik soll
    indessen nicht immer ausgeschlossen bleiben). Der Preis der bei
    diesen Versammlungen verwendeten Gefsse ist sehr bedeutend,
    und stehn letztere im Werthe unseren theuersten Gemlden nicht
    nach. Taikosama belohnte seine Feldherren oftmals mit dergleichen
    alten Gefssen, statt mit Lndereien, wie sonst blich. Auch nach
    der jngsten Revolution wurden einige der hervorragendsten Daimios
    (Frsten) vom Mikado dafr, dass sie ihm zum Thron seiner Ahnen
    verholfen, mit solchen Cha-no-yu-Gefssen belohnt. Die besten, die
    ich gesehn, waren nicht schn, es waren alte, verwitterte, schwarze
    oder dunkelbraune Krge mit ziemlich breitem Halse zum Aufbewahren
    des Thees, hohe Tassen aus Craquel-Porzellan oder Steingut zum
    Trinken des Aufgusses, tiefe breite Wasserbehlter, und alte
    verrostete eiserne Kessel mit Ringen zum Wasserkochen, alles
    hchst einfach von Ansehn, aber in die kostbarsten Seidenstoffe
    eingewickelt und in vergoldeten Lackkasten aufbewahrt. Unter den
    Schtzen des Mikado und des Taikun's, auch in einigen Tempeln
    werden unter den hchsten Kostbarkeiten dergleichen alte Gefsse
    mit Dokumenten ber ihre Herkunft aufbewahrt.


Von Libmnan besuchte ich den SW. gelegenen Berg Ymtik (Amtik, Hantu)
[155], der aus Kalk besteht und viele Hhlen enthlt. Flussaufwrts
6 Stunden W. und eine Stunde SSW. zu Fuss, bringen uns zu der kleinen
von 1000' hohen Kalkbergen umgebenen Visita Bcal, von wo man im Bett
eines Baches auf einer Sintertreppe zu einer kleinen Hhle emporsteigt,
in welcher Schaaren von Fledermusen und grosse langarmige Spinnen
von der als giftig verrufenen Gattung Phrynus hausen. [156]

Ein dicker, queer ber den Weg liegender Baumstamm war von
einer kleinen Ameise seiner ganzen Ausdehnung nach in Zellen
zerfressen. Mehrere Eingeborene wagten gar nicht, die andern nur
schchtern die Hhle zu betreten, nachdem sie einander die gegen
Calapnitan zu beobachtenden Rcksichten eingeschrft. [157] Eine
der Hauptregeln war, in der Hhle keinen Gegenstand zu nennen, ohne
hinzuzufgen: Herrn Calapnitan's, also nicht schlechtweg: Flinte,
Fackel, sondern Herrn C's Flinte, Fackel . . Tausend Schritt davon
liegt eine andre Hhle San Vicente, welche dieselben Insekten,
aber eine andre Art Fledermuse enthlt. Beide Hhlen waren nur von
geringer Ausdehnung, in Libmnan hatte man mir aber von einer sehr
grossen Tropfsteinhhle gesprochen, deren Beschreibung, trotz aller
beigemischten Erdichtungen, wirkliche Anschauung zu Grunde liegen
musste. Die Fhrer stellten sich unwissend. Erst nach zweitgigem
Herumirren und vielen Errterungen entschlossen sie sich, da ich
auf meinem Vorhaben bestand, zu dem Wagniss, und geleiteten mich zu
meinem grossen Erstaunen nach Calapnitans Hhle zurck, von welcher
eine enge, durch einen Felsenvorsprung verborgene Spalte in eine der
allerprachtvollsten Tropfsteinhhlen der Welt fhrt. Ihr Boden ist
berall fest und bequem zu betreten, meist trocken. Sie luft in viele
Zweige aus, deren Gesammtlnge wahrscheinlich ber eine Meile betrgt,
und machte die Beschreibung, dass sie ganze Reihen von Knigsslen
und Kathedralen mit Sulen, Kanzeln und Altren enthalte, nicht zu
Schanden. Knochen oder andre Reste waren darin nicht zu finden. Meine
Absicht spter mit Arbeitern zurckzukehren um planmssig nachzugraben
kam nicht zur Ausfhrung.

Den Gipfel des Berges zu erreichen, auf dem ein See befindlich sein
soll, wo kme sonst das Wasser her? gelang mir nicht. Zwei Tage
versuchten wir mit grossen Anstrengungen von verschiedenen Seiten
durch den dichten Wald zu dringen, der Fhrer, der in Libmnan
dem Cura versichert hatte, den Weg zu wissen, erklrte jetzt das
Gegentheil. Ich liess den bisher Unbelasteten nun zur Strafe einen
Theil des Gepcks tragen, an der nchsten Wendung des Pfades aber warf
er es ab und entsprang, so dass wir zur Umkehr gezwungen wurden. In
diesen Wldern sind Hirsche und Wildschweine sehr hufig. Sie bildeten
den Hauptbestandtheil unserer Malzeiten, zu denen sich, im Anfang
unseres Zuges, bis gegen 30 Personen einfanden, die angeblich in
den Zwischenzeiten Schnecken und Insekten mit erfolglosem Eifer fr
mich suchten.

Bei meiner Abreise aus Darga hatte ich einen muntern kleinen Jungen
mitgenommen, der Beruf zum Naturforscher fhlte. In Libmnan kam er
pltzlich abhanden, mit ihm zugleich ein Bund Schlssel. Alles Suchen
war vergebens. Er war direkt nach Naga gegangen, hatte sich, durchs
Vorzeigen der entwendeten Schlssel legitimirt, vom Mayordomo meines
Gastfreundes einen weissen Filzhut ausliefern lassen und war damit
verschwunden. Schon einmal hatte ich ihn, mit dem Hut sich im Spiegel
bewundernd, stehn sehn. Die Versuchung war zu gross fr ihn gewesen.

Anfang Mrz hatte ich das Vergngen den Administrador von Camarnes
und einen spanischen Oberst, die ber Daet und Mauban zur Hauptstadt
reisten, nach Nord-Camarnes zu begleiten. Um 5 Nachm. verliessen wir
Butngan am Bicolfluss, 2 Leguas unterhalb Naga, in einer Fala von 12
Rudern, mit einem Sechspfnder und zwei Vierpfndern ausgerstet, von
Bewaffneten begleitet, und erreichten Cabuso, am Ausfluss des Bcol,
bald nach 6, von wo wir gegen 9 in See gingen. Die Fala gehrte der
Steuerverwaltung und hatte im Verein mit einer andern, unter dem Befehl
des Alkalden, die Nordkste der Provinz gegen Schmuggler und Seeruber
zu schtzen, die in dieser Jahreszeit in den Schlupfwinkeln der Bay
von San Migul herum zu liegen pflegen. Zwei hnliche Kanonenboote
versahn den Dienst an der Sdkste der Provinz.

Die Ufer des Bicolflusses sind auf beiden Seiten flach, und dehnen
sich zu weiten Reisfeldern aus; im Osten sieht man gleichzeitig die
schnen Vulkane Mayon, Yriga, Malinao und Ysarog.

Mit Tagesanbruch erreichten wir die Barre von Daet und nach
zweistndigem Marsche die gleichnamige Hauptstadt der Provinz
Nord-Camarnes, wo wir im Hause des Alkalden, eines gebildeten
Navarresen, vortreffliche Aufnahme fanden. -- Nur der zahme Affe,
der auch die Gste seines Herrn bewillkommnen sollte, wandte ihnen
mit angelernter unhflicher Geberde den Rcken und ging auf die Thr
zu. Da stellte der Mayordomo einen Spiritusflakon mit einer kleinen
giftlosen Schlange auf die Schwelle, schnell sprang der Affe zurck
und verbarg sich zitternd hinter seinem Herrn.

Abends war Ball, es waren aber keine Tnzer vorhanden, einige
eingeladene Indierinnen sassen im besten Putz schchtern an einem
Ende des Saales und tanzten mit einander, wenn sie dazu aufgefordert
wurden, ohne von den Spaniern beachtet zu werden, die sich am andern
Ende unterhielten.

Nachdem Festlichkeiten und Regengsse die Abreise um zwei Tage
verzgert, brachen wir auf und trabten in einer Stunde mit den muthigen
Pferden des Alkalden auf ebener Landstrasse NW. nach Talisy, in einer
andern Stunde nach Indang, wo Bad und Frhstck bereit standen. Bisher
hatte ich nie in der Provinz ein Badezimmer im Hause eines Spaniers
getroffen; bei Nordeuropern fehlt es nie. Die Spanier scheinen Bder
als eine Art Heilmittel zu betrachten, das nur mit Vorsicht gebraucht
werden darf, vielleicht halten es auch jetzt noch Manche fr nicht
gut christlich; zur Inquisitionszeit galt bekanntlich hufiges Baden
fr ein Kennzeichen der Mohren und war daher durchaus nicht ohne
Gefahr. Nur in Manila machen die am Pasig Wohnenden eine Ausnahme;
dort herrscht bei den Familien die Sitte, oder Unsitte mit den Freunden
des Hauses zusammen in gerumigen Verschlgen Flussbder zu nehmen.

In Indang endet die Strasse, wir fahren in zwei Khnen flussabwrts
bis zur Barre, und erwarten an einer, durch die Liebenswrdigkeit des
Alkalden reich besetzten Tafel die von unsern Dienern auf schlechten
Wegen dahin gebrachten Pferde. An der den Barre erhebt sich, von
zwei oder drei Fischerhtten und eben so vielen Casuarinen umgeben,
ein Kastell gegen die Moros, die zum Glck fr dasselbe, selten
so weit westlich gehn, denn es besteht nur aus einer offnen, mit
Palmenblttern gedeckten Htte, einer Art Sonnenschirm, auf 15' hohen
armdicken Stangen. Die dazu gehrigen Kanonen sollen, der Sicherheit
wegen, vergraben sein. Wir folgen dem Seeufer, das aus kalkigem
Sande besteht und mit einem Teppich kriechender Strandpflanzen in
voller Blthe berzogen ist. Im Waldrande zur linken, viele blhende
Strucher und Pandanus mit grossen scharlachrothen Frchten. Nach einer
Stunde berschreiten wir den Fluss Longos auf einer Fhre, und kommen
bald darauf an einen Sporn krystallinischen Gebirges, das uns den Weg
versperrt und als Punta Longos in's Meer ragt. Die Pferde klettern mit
Mhe hinber, jenseits finden wir die Fluth schon so hoch gestiegen,
dass wir knietief im Wasser reiten. Nach Sonnenuntergang setzen wir
einzeln mit grossem Zeitaufwand in einer elenden Fhre ber die breite
Mndung des Pulundga, wo ein angenehmer Waldweg ber einen abermals
quer vor uns in's Meer fortsetzenden Bergsporn Malangit uns in 15
Minuten an die Mndung des Paracli bringt. Die lange Brcke ist so
schadhaft, dass wir die Pferde vorsichtig, durch weite Zwischenrume
getrennt, hinber leiten mssen; jenseits liegt der Ort Paracli,
von wo meine Gefhrten die Reise ber Mauban nach Manila fortsetzen.

Paracli und Mambulo sind zwei, allen Mineralogen wegen der dort
vorkommenden Rothbleierze wohlbekannte Oertlichkeiten. Am folgenden
Morgen kehrte ich nach Lngos zurck. Es zhlt nur wenige elende
Htten, von Goldwschern bewohnt, die fast nackt gehn; vielleicht
weil sie den grssten Theil des Tages im Wasser arbeiten: sie sind
aber auch sehr arm.

Der Boden besteht aus Schutt, zersetzten Trmmern krystallinischen
Gesteins, reich an Quarzbruchstcken. Die Arbeiter machen Lcher in den
Boden 2 1/2 Fuss lang, 2 1/2 Fuss breit, bis 30 Fuss tief. 3 Fuss unter
der Oberflche fngt das Gestein gewhnlich an, goldhaltig zu werden,
der Gehalt nimmt bis 18 Fuss Tiefe zu und wird dann wieder geringer;
doch sind diese Verhltnisse sehr unzuverlssig, daher viele fruchtlose
Versuche. Das Gestein wird in Krben auf Bambusleitern aus den Lchern
herauf getragen, das Wasser in kleinen Eimern; in der Regenzeit ist
es aber nicht mglich die Lcher wasserfrei zu halten, da sie am
Bergabhang liegen und sich schneller fllen, als sie ausgeschpft
werden knnen; der Mangel an Wasserhebevorrichtungen ist auch schuld,
dass die Gruben nicht tiefer gemacht werden.

Das Pochen des goldhaltigen Gesteins geschieht zwischen zwei Steinen,
deren einer als Ambos, der andre als Hammer dient. Jener flach, in
der Mitte etwas vertieft, liegt am Boden, dieser von 4  8  8 Zoll,
also von etwa 25 Pfund Gewicht ist mit Rotang an der Spitze eines
schlanken Bumchens befestigt, das schrg in einer Gabel liegt und am
entgegengesetzten Ende im Boden festgemacht ist. Der Arbeiter schnellt
den als Hammer dienenden Stein auf das goldhaltige Gestein und lsst
ihn durch die Federkraft des jungen Baumes wieder in die Hhe fahren.

Eben so roh ist die Vorkehrung zum Zermahlen des gepochten Gesteines:
Aus der Mitte einer kreisfrmigen Unterlage -- aus roh behauenen
Steinen, die mit einem Kranz eben solcher Steine eingefasst ist,
erhebt sich ein dicker Pfahl, oben mit einem eisernen Stift versehn,
um welchen ein in der Mitte horizontaler, an beiden Enden abwrts
gebogener Baum drehbar befestigt ist; durch zwei vorgespannte Bffel
in Bewegung gesetzt, schleift er mehrere schwere Steine, die durch
Rotang an ihn fest gebunden sind, im Kreise herum, und mahlt so das mit
Wasser gemischte vorher gepochte Gestein zu feinem Schlamm. (Bei den
mexicanischen Goldwschern ist dieselbe Vorrichtung unter dem Namen
Rastra in Gebrauch.) Das Auswaschen des Schlammes geschieht durch
Frauen. Sie knieen auf einer Seite einer schmalen bis an den Rand
mit Wasser gefllten Holzrinne, an deren entgegengesetzter Seite,
jeder Arbeiterin gegenber, ein schrges nach abwrts geneigtes
Brett befestigt wird; die Rinne ist an diesen Stellen entsprechend
ausgeschnitten, so dass ein sehr dnner Wasserstreifen ununterbrochen
der ganzen Breite nach ber das Brett fliesst. Die Arbeiterin vertheilt
den goldhaltigen Schlamm mit der Hand ber das am untern Rande mit
einer Querleiste versehene Brett, der leichte Sand wird fortgewaschen,
es bleibt eine dunkle, hauptschlich aus Eisen-Kiesen und -Erzen
bestehende Schicht zurck, die von Zeit zu Zeit mit einem flachen
Span aufgenommen, bei Seite gelegt, und zum Schluss des Tagewerks
in einer flachen Holzschssel (batea), zuletzt in einer Kokosschale,
ausgewaschen wird, wobei sich im glcklichen Fall ein feines gelbes
Pulver am Rande zeigt. [158] Bei der letzten Wsche wird dem Wasser
der schleimige Saft des Gogo zugesetzt, der feine schwere Sand bleibt
darin lnger schweben als in blossem Wasser und lsst sich somit
leichter vom Goldpulver trennen. [159]

Es ist noch zu erwhnen, dass der aus den Gruben kommende Schutt am
obern Ende der Wasserrinne gewaschen wird, damit der Sand, der den zum
Pochen bestimmten Steinen anhaftet, sein Gold in der Rinne oder auf dem
Waschbrett absetzen knne. Um das gewonnene Goldpulver zu einem Klumpen
zusammen zu schmelzen, in welcher Form es die Hndler kaufen, wird
es in die Schale einer kleinen Herzmuschel (Cardium) gesplt und von
einer Handvoll Holzkohlen umgeben, in einen Topfscherben gestellt. Eine
Frau blst durch ein enges Bambusrohr auf die entzndeten Kohlen;
in einer Minute ist die Arbeit vollendet. [160] Nach vielfltigen
Erkundigungen soll der Ertrag per Kopf durchschnittlich nicht ber 1
1/2 r. tglich betragen. Weiter SO. von hier im Berg Malagit sieht man
die Reste eines zu Grunde gegangenen spanischen Aktienunternehmens,
eine Schutthalde, eine 50' tiefe Grube, ein grosses zerfallenes
Haus und einen 4' breiten 6' hohen Stollen. Das Gebirge besteht aus
sehr zersetztem Gneiss mit Quarzgngen, im Stollen mit Ausnahme der
Quarzbnder fast reine Thonerde mit Sand.

An den Wnden hafteten einige essbare Salanganennester, aber nicht
von derselben Art wie in den Hhlen der Sdkste von Java. [161] Die
hiesigen, viel weniger werthvoll als jene, werden nur gelegentlich
fr chinesische Hndler gesammelt, die das Stck angeblich mit 5
Cents bezahlen. Auch von den die Nester bauenden Vgeln, (Collocalia
troglodytes Gray) gelang es einige zu fangen. [162] Ringsum liegt eine
so grosse Zahl von Indiern bearbeiteter, dann verlassener kleiner
Gruben, halb oder ganz zerfallen, mehr oder weniger bewachsen, dass
man sich mit Vorsicht dazwischen bewegen muss. Einige Gruben werden
noch betrieben, hnlich wie bei Longos, jedoch mit einigen kleinen
Verbesserungen. Die Gruben sind doppelt so gross als jene, das
Gestein wird mit einer Winde herauf gefrdert, einem walzenfrmigen
Bambusgerippe, das von einem auf einer hheren Bank sitzenden Jungen
mit den Fssen getreten wird.

Zehn Minuten N. vom Dorf Malagit liegt ein Berg, in welchem Bleiglanz
und Rothblei gewonnen worden sind. Das Gestein besteht aus sehr
zersetztem glimmerreichem Gneiss. Es ist ein ber 100' langer Stollen
vorhanden. Das Gestein scheint sehr arm gewesen zu sein.

Auf der Kuppe dieses selben Hgels, N. 30 W. vom Dorf, sind die
berhmten Rothbleierze gefunden worden. Die Grube war eingestrzt,
vom Regen zugeschwemmt, so dass nur noch eine flache Vertiefung
im Boden zu sehn war; nach langem Suchen gelang es zwischen dem
darauf wachsenden Gestrpp einige kleine Bruchstcke zu finden, auf
denen noch Chrombleierz deutlich zu erkennen war. Kapitn Sabino,
der ehemalige Gobernadorcillo von Paracli, ein wohlunterrichteter
Indier, der mich auf Veranlassung des Alkalden begleitete, hatte aber
vor einigen Jahren graben lassen um Probestcke fr einen Spekulanten
zu erhalten, der darauf ein neues Aktienunternehmen in Spanien zu
grnden beabsichtigte. Die gefundenen Proben wurden indessen nicht
abgenommen, da Philippinische Bergwerksaktien inzwischen an der
Madrider Brse in Misskredit gerathen waren. Leider war, ausser
einigen kleinen Drusen, nur noch ein Kistchen voll Sand vorhanden,
bestimmt, zerklopft, als bunter Streusand verkauft zu werden. Durch
Aussieben wurde alles Brauchbare gerettet.

Auf diesem Hgel kommt eine besonders schne Fcherpalme vor; ihr
Stamm ist 30 bis 40' hoch, zylindrisch, dunkelbraun mit 1/4 Zoll
breiten weissen Ringen in Abstnden von 4 Zoll; und in gleichen
Zwischenrumen kronenartige Bnder von 2 Zoll langen schwarzen
Stacheln; gegen die Blattkrone geht der Stamm in das reiche Braun
der gebrannten Sienna ber.

Von Paracali fhrt ein trotz des sehr schlechten Weges angenehmer Ritt
abwechselnd am Seestrand und durch schnen Wald in 3 1/2 Stunde nach
Mambulo, das W. b. N. liegt. Ich steige im Tribunal ab und richte
mich in dem Raum ein, worin die Munition aufbewahrt wird, dem einzigen
verschliessbaren. Zur grssern Sicherheit soll das Pulver in eine
Ecke getragen, mit einer Bffelhaut zugedeckt werden. Es geschieht,
wie ich angeordnet; mein Diener hlt dabei ein brennendes Talglicht,
sein Gehlfe eine Pechfackel in der Hand. Als ich den eingeborenen
Priester besuche, werde ich von einem jungen Mdchen freundlich
begrsst; ich will ihr die Hand geben, sie dankt mit einem Knicks:
tengo las sarnas (ich habe die Krtze). Die in den Philippinen sehr
verbreitete Krankheit scheint in dieser Gegend ihren Mittelpunkt zu
haben. Ich glaube kaum hier eine Indierin ohne Krtzflecke gesehn zu
haben. (Vergl. S. 130.)

1/4 Legua NNO. stsst man auf die Ruinen einer andern
Aktienunternehmung, der Ancla de Oro. Schacht und Stollen waren
eingefallen und dicht bewachsen; von den betrchtlichen Gebuden
standen nur noch wenige dem Einsturz nahe Reste. Ringsum waren Indier
beschftigt auf ihre Weise einige Goldkrnchen zusammen zu lesen. Das
bis zur Unkenntlichkeit verwitterte Gestein ist Gneiss, einige tausend
Schritt jenseits steht solcher deutlich krystallinisch an.

1/2 Legua N. b. O. von Mambulao liegt der Bleiberg Dininan. Auch
hier waren alle Werke eingestrzt, zugeschlmmt, bewachsen. Erst nach
langem Suchen wurden wenige Bruchstcke mit Spuren von Rothbleierz
aufgefunden. Dieser Berg besteht aus Hornblendegestein, an einer
Stelle sehr schner grosskrystallinischer Hornblendeschiefer.

1 1/2 Legua S. von Mambulao deutet eine flache Bodenvertiefung im
dichten Walde die Stelle einer ehemaligen Kupfergrube an, die 84'
tief gewesen sein soll. Kupfererze finden sich in Luzon an mehreren
Orten. Proben gediegen vorkommenden Kupfers erhielt ich von der Bucht
von Lyang nrdlich der Enseada de Patg, in Caraman.

Sehr betrchtliche Lagersttten von Kupfererzen kommen bei Mancayn,
im Distrikt Lepanto, im Zentralgebirge von Luzon zwischen Cagayn
und Ilcos vor und werden seit Mitte der 50er Jahre von einer
Aktiengesellschaft in Manila ausgebeutet. Das Unternehmen scheint
indessen bis jetzt ziemlich erfolglos. 1867 hatte die Gesellschaft ein
betrchtliches Anlagekapital verausgabt, Schmelzfen und hydraulische
Betriebsmaschinen errichtet, es war ihr aber bis ganz vor Kurzem
wegen der rtlichen Schwierigkeiten, namentlich des Strassenmangels,
nicht gelungen Kupfer darzustellen. [163]

1869 hrte ich in London, der Betrieb sei ganz aufgegeben worden; nach
den neuesten Nachrichten geht er zwar fort, die Aktionre haben aber
nie eine Dividende in unserem Sinne erhalten, auch der Abschluss von
1872 ergiebt wieder Verlust oder wie die schnredenden Spanier sagen,
einen dividendo pasivo.

Was den Europern bisher nicht gelungen zu sein scheint, haben indessen
die wilden Ygorroten, die jenes unwegsame Gebirge bewohnen, schon seit
Jahrhunderten mit Erfolg und in verhltnissmssig grosser Ausdehnung
betrieben und dies ist um so bemerkenswerther als das Metall in jenem
Gebiete fast nur in Form von Kiesen vorkommt, die auch in Europa
nur durch umstndliche Verfahren und nicht ohne Zuschlag verwerthet
werden knnten.

Man schtzt das von 1840 bis 1855 durch die Ygorroten in den Handel
gebrachte Kupfer, theils roh, theils verarbeitet, auf jhrlich
300 Picos; auch die Ausdehnung der unterirdischen Erdarbeiten und
die bedeutende Menge vorhandener Schlacken deuten auf einen lange
bestehenden betrchtlichen Betrieb.

Die Zeichnung stellt einen von jenen wilden Stmmen angefertigten
kupfernen Kessel dar, der sich im Berliner ethnographischen Museum
befindet. Meyen, der ihn mitgebracht, berichtet, dass er von den
Negritos im Innern der Insel verfertigt sei, und zwar mit Hmmern von
Porphyr, da ihnen das Eisen fehle, in der Sammlung des General-Kapitns
der Philippinen habe sich noch ein grosser flacher Kessel von 3 1/2
Fuss Durchmesser befunden, der fr nur 3 Dollar gekauft worden,
woraus zu schliessen sei, dass das Kupfer im Innern der Insel in
grossen Massen vorkommen msse, vielleicht sogar gediegen, denn wie
sollten jene ganz rohen ungebildeten Neger die Kunst das Kupfer zu
schmelzen verstehn? Der Ort jener reichen Gruben war dem Guvernr noch
unbekannt, obgleich die von dort kommenden kupfernen Gerthschaften
nach einem amtlichen Berichte desselben Guvernrs (von 1833) schon
seit zwei Jahrhunderten in Manila gebruchlich waren. Jetzt weiss
man, dass die Kupferschmiede nicht Negritos sondern Ygorroten sind
und zweifelt nicht, dass sie diese Kunst und die viel schwierigere,
metallisches Kupfer aus Kiesen darzustellen, wohl schon lange vor
Ankunft der Spanier bten; wahrscheinlich haben sie dieselbe von den
Chinesen oder Japanesen gelernt. Der Ober-Ingenir Santos [164] und mit
ihm viele Andere sind der Ansicht, dass jener Volksstamm von Chinesen
oder Japanesen abstamme, von denen er nicht nur seine Gesichtszge
(mehrere Reisende erwhnen die schiefstehenden Augen der Ygorroten),
seine Gtzen und einige seiner Gebruche, sondern auch die Kunst
Kupfer zu bereiten herleite.

Jedenfalls ist die Thatsache, dass ein wildes, isolirt im Gebirge
lebendes Volk in der Httenkunde soweit vorgeschritten sei, von so
grossem Interesse, dass eine Beschreibung ihres Verfahrens nach Santos
(im wesentlichen nur eine Wiederholung einer frheren von Hernandez,
in der Revista minera I. 112.) gewiss willkommen sein wird.


    Das gegenwrtig von der erwhnten Aktiengesellschaft, Sociedad
    minero-metalurgica cantabro-filipina de Mancayan, erworbene
    erzfhrende Gebiet war bei den Ygorroten in grssere oder kleinere
    Parzellen, je nach der Volkszahl der anliegenden Dorfschaften
    eingetheilt deren Grenzen eiferschtig gehtet wurden. Das
    Besitzthum eines jeden Dorfes war wiederum unter bestimmte
    Familien vertheilt, weshalb jene Bergdistrikte noch heut den
    Anblick von Honigwaben darbieten. Zur Frderung des Erzes bedienten
    sie sich des Feuersetzens, indem sie an geeigneten Stellen Feuer
    anzndeten, um durch die Spannkraft des in den Spalten enthaltenen
    erhitzten Wassers, mit Zuhlfenahme eiserner Werkzeuge den Fels zu
    zerkleinern. Die erste Scheidung des Erzes wurde in dem Stollen
    selbst vorgenommen, das taube Gestein blieb liegen und hhete
    den Boden auf, so dass bei spterem Feuersetzen die Flamme
    der Holzstsse stets die Decke traf. Wegen der Beschaffenheit
    des Gesteines und der Unvollkommenheiten des Verfahrens fanden
    hufig sehr bedeutende Einstrze statt. Die Erze wurden in reiche
    und quarzhaltige geschieden, jene ohne weiteres verschmolzen,
    diese einer sehr starken und anhaltenden Rstung unterworfen,
    wobei nachdem sich ein Theil des Schwefels, Antimons und Arsen's
    verflchtigt, eine Art Destillation von Schwefelkupfer und
    Schwefeleisen stattfand, die sich als Stein oder in Kugeln an
    der Oberflche des Quarzes festsetzten und zum grssten Theil
    abgelst werden konnten. [165]

    Die Oefen oder Schmelzvorrichtungen bestanden aus einer
    runden Vertiefung in thonigem Boden und hatten 0m[P2: 0m] 30
    Durchmesser bei 0m[P2: 0m] 15 Tiefe. Eine damit in Verbindung
    stehende 30 gegen die Vertiefung geneigte konische Rhre (Dse)
    von feuerfestem Gestein nahm zwei Bambusrohre auf, die in die
    unteren Enden zweier ausgehhlten Fichtenstmme eingepasst waren,
    in denen sich zwei an ihrem Umfange mit trocknem Grase oder Federn
    bekleidete Scheiben abwechselnd auf und ab bewegten, und die fr
    das Schmelzen erforderliche Luft zufhrten.

    Wenn die Ygorroten Schwarzkupfer oder gediegen Kupfer erblasen
    hatten, so beugten sie dem Verlust (durch Oxydation) vor, indem
    sie einen Tiegel aus gutem feuerfesten Thon in Gestalt eines Helmes
    aufsetzten, wodurch es ihnen leichter ward , das Metall in Formen
    zu giessen, die aus demselben Thone bestanden. Nachdem der Ofen
    hergerichtet, beschickten sie ihn mit 18 bis 20 Kg. reichen oder
    gersteten Erzes, das nach Hernandez wiederholten Versuchen ber
    20% Kupfer enthielt, und verfuhren dabei ganz wissenschaftlich,
    indem sie das Erz stets an der Mndung der Dse also dem Luftzuge
    ausgesetzt, die Kohlen aber an den Wnden des Ofens aufgaben, die
    aus losen zur Hhe von 0m50 bereinander geschichteten Steinen
    bestanden. Nachdem das Feuer angezndet und das beschriebene
    Geblse in Gang gesetzt war, entwickelten sich dichte gelbe,
    weisse und oraniengelbe von der theilweisen Verflchtigung des
    Schwefels Arsens und Antimons herrhrende Rauchwolken, bis nach
    Verlauf einer Stunde, sobald sich nur durchsichtige schweflige
    Sure bildete, und die Hitze den hchsten, bei diesem Verfahren
    mglichen Grad erreicht hatte, das Blasen eingestellt und das
    Produkt herausgenommen wurde. Dies bestand aus einer Schlacke
    oder vielmehr aus den eingetragenen Erzstcken selbst, die wegen
    des Kieselgehaltes des Ganggesteines sich bei der Zersetzung
    des Schwefelmetalls in eine porse Masse verwandelten (und sich
    nicht verschlacken und kieselsaure Verbindungen eingehn konnten,
    weil es sowohl an Basen als an der erforderlichen Hitze gebrach);
    ferner aus einem sehr unreinen Stein von 4 bis 5 Kg. Gewicht
    und etwa 50 bis 60% Kupfergehalt.

    Mehrere solcher Steine wurden zusammen 12 bis 15 Stunden lang in
    starkem Feuer niedergeschmolzen und dadurch abermals ein grosser
    Theil der genannten drei flchtigen Krper entfernt. In denselben
    Ofen stellten sie die schon geglhten Steine aufrecht, und zwar
    ebenfalls so, dass sie sich im Kontakt mit der Luft, die Kohlen
    dagegen an den Wnden des Ofens befanden, und erhielten, nachdem
    sie eine ganze oder halbe Stunde geblasen, als Schlacken ein
    Silikat von Eisen mit Antimon und Spuren von Arsen, einen Stein
    von 70 bis 75% Kupfergehalt, den sie in sehr dnnen Scheiben
    abhoben (Konzentrationsstein) indem sie die Abkhlungsflchen
    benutzten. Im Boden der Vertiefung blieb, jenachdem die Masse mehr
    oder weniger entschwefelt war, eine grssere oder geringere Menge
    (stets aber unreines) Schwarzkupfer zurck.

    Die durch diesen zweiten Prozess gewonnenen Konzentrationssteine
    wurden abermals geglht, indem man sie durch Holzschichten trennte,
    damit sie nicht an einander schmelzen konnten bevor sie das Feuer
    von den Unreinigkeiten befreit hatte.

    Das bei der zweiten Beschickung erhaltene Schwarzkupfer und die
    bei eben dieser Operation niedergeschmolzenen Steine wurden in
    demselben (durch Bruchsteine verengten und mit einem Schmelztiegel
    versehenen) Ofen einer dritten Operation unterworfen, die eine
    Schlacke von kieselsaurem Eisen und ein Schwarzkupfer erzeugte,
    das in Thonformen ausgegossen wurde und in dieser Gestalt
    in den Handel kam. Dieses Schwarzkupfer enthielt 92 bis 94%
    Kupfer und war verunreinigt mit einer, durch ihre gelbe Farbe
    gekennzeichneten Kohlenstoffverbindung desselben Metalles, und
    das durch langsame Abkhlung an der Oberflche entstandene Oxyd,
    das sich stets bildete trotz der angewandten Vorsichtsmaasregel,
    die der Oxydation ausgesetzte Oberflche mit grnen Zweigen zu
    peitschen. Wenn das Kupfer zur Anfertigung von Kesseln, Pfeifen
    und anderem huslichen Gerth oder Schmuck dienen sollte, die
    von den Ygorroten mit so grosser Geschicklichkeit und Geduld
    ausgefhrt werden, so wurde es dem Luterungsprozess unterworfen,
    der sich nur dadurch von dem vorhergehenden unterschied, dass
    man die Kohlenmenge verringerte und den Luftstrom vermehrte, in
    dem Maasse als der Schmelzprozess sich seinem Ende nherte, was
    die Fortschaffung der Kohlenstoffverbindung durch Oxydation zur
    Folge hatte. Durch wiederholte Versuche fand Santos, dass selbst
    bei Erzen von 20% mittlerem Gehalt nur 8 bis 10% Schwarzkupfer aus
    der dritten Operation erzielt wurden, so dass also in den Schlacken
    oder porsen Quarzen der ersten Operation 8 bis 12% zurckblieben.


Es war schwierig zur Rckreise nach Paracli die nthigen
Transportmittel fr mein Gepck zu erlangen, da die Wege durch
anhaltende Regen so aufgeweicht waren, dass Niemand sein Vieh hergeben
mochte. In Mambulo ist der Einfluss der westlich angrenzenden
Provinz schon sehr wahrnehmbar: Tagalisch wird fast besser als Bicol
verstanden; unter der Bevlkerung macht sich das tagalische Element
durch hbsche Frauen geltend, die mit ihrer Familie von Lucban und
Mauban hierherkommen um Handel zu treiben. Sie kaufen das Gold auf
und fhren dagegen Stoffe und andre Waaren ein. Das gewonnene Gold
ist in der Regel 15 bis 16 kartig; der Strich entscheidet ber
den Feingehalt. Die Hndler zahlen durchschnittlich fr die Unze 11
Dollar, wenn es aber wie gewhnlich, in geringeren Mengen als eine
Unze feilgeboten wird, nur 10 Dollar [166]; sie wgen mit kleinen
rmischen Wagen und stehn nicht im Ruf grosser Rechtlichkeit.

Nord-Camarnes ist sprlich bewohnt, in den Bergbaudistrikten hat
die Bevlkerung abgenommen, seitdem die vielen durch Aktienschwindel
knstlich in's Leben gerufenen Unternehmungen zu Grunde gegangen. Die
Goldwscher sind meist liederlich und verschuldet, sie hoffen
fortwhrend auf reiche Funde, die nur usserst selten vorkommen
und dann gewhnlich gleich verprasst werden, daher findet man auch
Champagner und andre Luxusgegenstnde in den Lden der sehr rmlichen
Drfer.

Malagit und Matngo sollen in der trocknen Jahreszeit durch einen
ziemlich guten Weg verbunden sein, jetzt trennte eine Schlammpftze,
in welcher die Pferde bis zum Bauch einsanken, beide Ortschaften.

In Lbo, einem Drfchen am rechten Ufer des Laboflusses, der
dem gleichnamigen Berge entspringt, wiederholen sich die oben
mehrfach geschilderten Verhltnisse: schnellverschwindende Spuren
der Werke frherer Aktiengesellschaften, dazwischen kleine von
Indiern bearbeitete Gruben. Rothblei ist hier nicht gefunden
worden, aber Gold und besonders Platina, das sich aber durch
Besichtigung einiger Proben als Bleiglanz erweist. Der Berg Labo
scheint nach seiner Glockenform und den Geschieben im Flussbett aus
Hornblendetrachyt zu bestehn. 1/2 Legua WSW. durch fusstiefen Schlamm
watend erreichen wir den Berg Dallas, wo ehemals Bleiglanz und Gold
von einer Aktiengesellschaft, jetzt Gold von wenigen Indiern auf die
mehrfach erwhnte Weise gewonnen wurde.

Es gelang mir weder in dieser Provinz noch in Manila nheres ber
die Geschichte der vielen verunglckten Bergbauunternehmungen
zu erfahren. So viel aber scheint festzustehn, dass sie nur von
Spekulanten in's Leben gerufen, niemals mit gengenden Mitteln
sachkundig betrieben worden sind und verfallen mussten sobald die
Spekulanten ihre Aktien untergebracht hatten.

Ausser dem wenigen von den Indiern auf so unergiebige Weise gewonnenen
Golde, liefert Nord-Camarnes jetzt kein Metall. Anfnglich erhob
der Knig von Spanien ein Fnftel, dann einen Zehnten vom Golde,
spter hrte die Abgabe auf. Zu Morgas Zeit betrug der Zehnten
durchschnittlich 10,000 Doll. (denn viel wird verheimlicht), die
Ausbeute also ber 100,000 Doll. Gemelli Carreri (S. 443) erfuhr vom
Guvernr von Manila, dass jhrlich 200,000 Doll. Werth an Gold, ohne
Hlfe von Feuer oder Quecksilber gesammelt werde, und dass Paracli
besonders goldreich sei. Zur Schtzung der gegenwrtigen Ertrge fehlen
mir alle Daten. Die auf viele Anfragen erhaltenen Antworten verdienen
keine Erwhnung. Sehr gering sind die Ertrge jedenfalls, sowohl
wegen der Unvollkommenheit des Verfahrens, als der Unbestndigkeit der
Arbeit, denn die Indier arbeiten nur, wenn die Noth sie dazu zwingt.

In einem Nachen kehrte ich stromabwrts nach Indang zurck, einem
verhltnissmssig blhenden Ort, mit geringerer Bevlkerung, aber
bedeutenderem Handel als Daet; die Ausfuhr besteht vorzglich aus
Abaca, die Einfuhr aus Reis.

Nach den Mittheilungen eines alten Schiffers, der viele Jahre lang an
dieser Kste fhrt, herrschen dieselben Winde von Daet bis zum Cap
Engao, der NO. Spitze Luzons: Von Oktober bis Mrz der Nordost,
hier der Regen-Monsun, mit Nordwinden beginnend, die von kurzer
Dauer sind und bald in NO. bergehn; im Januar und Februar treten
Ostwinde ein und beschliessen den Monsun; die strksten Regen fallen
von Oktober bis Januar, im Oktober kommen zuweilen Taifune vor. Sie
fangen an mit N. oder NO., gehn nach NW. wo sie am heftigsten sind,
dann durch N. und O. zuweilen bis SO. und selbst S. -- Mrz, April,
mitunter auch Anfang Mai wehen Wechselwinde, sie leiten den SW.-Monsun,
die von Regenschauern unterbrochene trockene Jahreszeit ein. Am
trockensten sind April und Mai. Gewitter kommen von Juni bis November,
am hufigsten im August vor. Im SW.-Monsun ist das Meer sehr ruhig,
in der Mitte des NO.-Monsuns hrt alle Schifffahrt an der Ostkste
auf. In der Umgegend von Balr wird der Reis im Oktober geset,
im Mrz oder April geerntet. Bergreis wird nicht gebaut.








SECHSZEHNTES KAPITEL

    REISE LNGS DER KSTE VON CAMARINES. -- ANDRINGEN DES MEERES. --
    ZERSTRTER PALMENWALD. -- PASACAO. -- SCHLECHTE STRASSEN.


Von Dat sandte ich mein Gepck in einem Schoner nach Cabuso und
setzte den Weg dahin zu Fuss, an der Kste, dem Westrande der Bay
von S. Migul, fort. Wir fuhren in einem Boote ber die Flussmndung,
die Pferde folgten schwimmend, wurden aber bald wegen Untauglichkeit
zurckgelassen. An der nchsten Flussmndung Scavin war das Wasser so
hoch, dass sich die Trger nackt auszogen und das Gepck auf dem Kopfe
hinbertrugen: in einfacher Jacke und Hose von Kattun fand ich diese
Vorsicht berflssig; es ist im Gegentheil bei hoher gleichmssiger
Temperatur nach meiner Erfahrung erfrischend und zutrglich in nassen
Kleidern zu gehn, auch spart man dadurch manchen Sprung ber Grben,
manchen Umweg um Pftzen, die man, einmal durchnsst, nicht mehr
frchtet. Nachdem wir noch acht kleine Flsse durchwatet, mussten wir
den Strand verlassen und auf steilen schlpfrigen Waldpfaden den Weg
nach Colsi fortsetzen, das gerade in der Mitte des Westrandes der
Bay liegt. Der Seestrand war sehr schn: statt eines einfrmigen,
bei Ebbe belriechenden Rhizophorensaumes, der dort nie fehlt,
wo das Land in's Meer hineinwchst, reichen hier die Wellen an
den Fuss der alten Waldbume, deren viele unterwaschen sind. Am
bemerkenswerthesten war ein Saum alter stattlicher, mit Orchideen
und andern Epiphyten behangener Barringtonien, prachtvolle Bume
wenn sie in Blthe stehn und die 5 Zoll langen rothen Staubfden mit
goldgelben Antheren wie Quasten von den Zweigen herabhngen; durch ihre
faustgrossen Frchte sind sie dem Fischer zwiefach ntzlich, der sie
ihres geringen spezifischen Gewichtes wegen zum Flottiren der Netze,
zerklopft zum Betuben der Fische verwendet. Die vordersten Bume
standen schief gegen das Meer geneigt, und sind wohl schon lngst
verschlungen, gleich vielen andern, deren Wrack noch aus dem Wasser
hervorragte. Die Zerstrung dieser Kste scheint sehr betrchtlich zu
sein. Unter den kletternden Palmen war eine eigenthmliche Art sehr
hufig, deren armdicker Stamm sich bltterlos am Boden hinschleppte
oder in Bgen ber die Aeste hing, und nur an seinem Ende eine
Blattkrone trug. Eine andre, vom Habitus gewhnlicher Calamus, hatte
Caryota-Bltter. Wildschweine sind hier sehr hufig; ein Jger bot
uns deren zwei, das Stck zu einem Real an.

Die Richtung der seit der Spitze von Dat NNW. SSO. streichenden
flachen Kste wird hier durch den nach O. hinaus tretenden kleinen
Pik von Colsi unterbrochen, der so schnell wachsen soll, dass alle
lteren Leute ihn niedriger gekannt haben wollen. In der Visita Colsi,
am Nordabhange des Gebirges, ist das Meer so wild, dass kein Boot sich
halten kann. Die Bewohner treiben zwar Fischfang, ihre Fahrzeuge liegen
aber am Sdabhange des Berges, in der geschtzten Bucht Lalaugan,
die wir nach dreistndigem Marsche ber das Joch erreichten.

Ein hier gemiethetes vierruderiges Baroto wollte uns, da das Wetter
gnstig, in zwei Stunden nach Cabuso, dem Hafen von Naga bringen,
aber der Wind schlug um, es strmte; durchnsst, nicht ohne Haverei,
flchteten wir nach Barcelonta, einer im Drittel der Entfernung
gelegenen Visita. Auch der hier angetroffene einsichtsvolle Teniente
von Colsi besttigte das schnelle Wachsen des kleinen Piks.

Gegen meinen Wunsch den Berg zu besteigen wurden grosse Schwierigkeiten
geltend gemacht; schwerlich knne es in den nchsten Wochen geschehn,
weil Alle mit Vorbereitungen zum Osterfest beschftigt seien. Da
mich diese Einwendungen nicht berzeugten, so fand sich am nchsten
Morgen ein triftigerer Grund. Inlndische Schuhe sind im Schlamm,
namentlich zu Pferde, wohl zu brauchen; beim Bergsteigen aber, auf
rauhem Boden, halten sie nicht einen Tag. Das einzige noch brige Paar
starker europischer Schuhe, das ich fr besondere Zwecke aufgespart,
hatte mein Bedienter, der nicht gern Berge stieg, verschenkt, weil
er frchtete sie mchten viel zu schwer fr mich sein.

Von Barcelonta bis Cabuso behlt der Strand denselben Charakter
wie zwischen Dat und Colsi. Seine Richtung ist aber NS. Der Boden,
sandiger Thon, ist mit einer dicken Schicht zerbrochener Zweischaler
bedeckt. Der Weg war sehr beschwerlich, da die hohe Fluth uns zwang
zwischen Bumen und dichtem Unterholz zu klettern. Unterwegs trafen
wir eine unternehmende Familie, die von Dat abgefahren, um Kokosnsse
nach Naga zu bringen, hier Schiffbruch gelitten hatte. [167] Von 5
Tinajas Oel hatten sie nur eine, die Nsse aber alle gerettet. Sie
lebten in einer kleinen schnell erbauten Htte, von Kokosnssen, Reis,
Fischen und Muscheln, auf gnstigen Wind zur Rckkehr wartend. Es giebt
hier eine grosse Manchfaltigkeit von Strandvgeln, aber meine Flinte
ging nicht los, obgleich sie mein Diener, in Aussicht auf die Jagd,
mit besonderer Sorgfalt geputzt hatte; die Ladung konnte, da er beim
Putzen den Ladestock verloren, erst in Cabuso herausgezogen werden,
wobei sich ergab, dass beide Lufe unten bis ber das Zndloch voll
Sand waren.

Das Gestade war noch schner als am vorigen Tage, namentlich an
einer Stelle, wo die Brandung gegen einen Wald von Fcherpalmen
(Corypha sp.) anprallte. An der dem Meer zugekehrten Seite standen
die Bume, ihrer Kronen beraubt, in Gruppen oder Reihen, oder lagen
umgestrzt, wie Sulen gewaltiger Tempelruinen (einige derselben
hatten drei Fuss Durchmesser). Der Anblick erinnerte unmittelbar an
Pompeji. Ich konnte mir die Ursache der Kahlheit der Stmme nicht
erklren, bis ich mitten unter den Palmen eine Htte entdeckte, in
welcher zwei Mnner bemht waren den Wogen in ihrem Zerstrungswerk
zuvor zu kommen, durch Bereitung von Zucker (tunguleh). Zu dem Zweck
wird nach Entfernung der Bltter, da diese Palme terminal blht, das
obere Ende des Stammes queer abgeschnitten, die Schnittflche ist
ein wenig (etwa 5) gegen den Horizont geneigt und nach dem untern
Rand hin zu einer sehr flachen Rinne ausgetieft. Der Saft quillt aus
der ganzen Schnittflche, mit Ausnahme der durchschnittenen ussern
Blattstiele, sammelt sich in der flachen Rinne und wird von da auf
einem zwei Zoll breiten, vier Zoll langen Stck Bananenblatt in ein
am Stamm hngendes Bambusrohr geleitet. Um den hervorquellenden Saft
gegen Regen zu schtzen, ist jeder angezapfte Baum mit einer Kappe
aus einem dtenfrmig zusammengebogenen Palmenblatt bedeckt. Der
Saft hat einen schwachen, angenehm aromatischen Beigeschmack von
Karamell. Ein Baum liefert tglich im Durchschnitt vier Bambusen
voll Tuba, die Bambusen haben gegen 3 1/2 Zoll innern Durchmesser,
und sind, wenn sie abgenommen werden, etwa 18 Zoll hoch gefllt,
dies gbe etwas ber 10 Quart tglich.

Der Ertrag der einzelnen Bume ist indessen sehr ungleich; er
lsst allmlig nach und hrt nach 2, hchstens 3 Monaten gnzlich
und fr immer auf [168]; aber das Verhltniss der frisch und vor
lngerer Zeit angeschnittenen bleibt dasselbe, mithin auch der
Durchschnittsertrag. Der Saft von 37 Palmen liefert bei jedem
Einsammeln, nachdem er in einer eisernen Pfanne abgedampft,
eine, tglich also vier, wchentlich 28 gantas oder 2 1/3 tinjas
Zucker, der an Ort und Stelle 2 1/2 Doll. die tinja gilt. Diese,
von den Leuten selbst herrhrenden Angaben stellen das Verhltniss
vielleicht etwas ungnstiger dar, als in der Wirklichkeit; doch kann,
nach der Ansicht eines kundigen Mestizen der Unterschied nicht sehr
bedeutend sein. Lsst man obige Zahlen gelten, so wrde ein jeder
dieser herrlichen Bume etwa 1 2/3 Doll., und nach Abrechnung des
Arbeiterlohns (1 r. per Tag) etwa 1 2/3 Thaler geben, freilich nicht
viel, doch mag es zum Troste dienen, dass er ohne die Dazwischenkunft
des Menschen bald der Brandung anheim fiele, und selbst gegen alle
ussern Feinde geschtzt, nach einmaligem Fruchttragen verdorren muss.

Cabuso liegt im Sdwinkel der Bucht von S. Migul, die fast rings
von hohen Bergen umgeben, den Schiffen einen sichern Ankerplatz
gewhrt. -- Von hier begab ich mich ber Naga an die Sdkste. Vier
Leguas von Naga, im Busen von Ragay, am Sdrande Luzons, liegt der
kleine, aber tiefe Hafen von Pasaco. In zwei Stunden erreicht man
zu Wasser die halbwegs liegende Visita Pamplna, von wo der Weg
zu Lande fortgesetzt wird. Der noch vorhandene Rest der frheren
Strasse befand sich in erbrmlichem Zustande, selbst in der damals
trocknen Jahreszeit kaum passirbar; die Brcken ber die vielen kleinen
Grben waren eingestrzt, an manchen Stellen lagen grosse Steine und
Baumstmme queer ber den Weg, die, vor Jahren zum Ausbessern der
Brcken herbeigeschafft, unbenutzt liegen blieben und seitdem die
Strasse sperrten.

In Quitang, zwischen Pamplna und Pasaco, wo sich zwei Bche
zu einem, bei letztem Orte mndenden Flsschen vereinigen, hatte
ein junger Franzose eine Hacienda gegrndet. Er war zufrieden und
hoffnungsvoll, und lobte namentlich den Fleiss und guten Willen seiner
Leute. Auslnder scheinen in der Regel mit den Eingeborenen besser
auszukommen, als Spanier, wohl weil sie weniger Ansprche machen. Unter
letzteren sind namentlich solche aus den untern Klassen sehr geneigt
ungerechtfertigte Anforderungen zu stellen und bitter zu klagen,
wenn sie nicht fr jede Arbeit sofort die nthigen Hnde finden, zu
Lohnstzen, die dem gesteigerten Werthe der Produkte durchaus nicht
entsprechen. Ginge es nach ihnen, so mssten die Eingeborenen von
Amtswegen gezwungen werden fr sie zu arbeiten. [169]

Freilich ist der Indier unabhngiger als der europische Arbeiter, weil
er bedrfnissloser, und als geborener Grundbesitzer nicht gezwungen
ist, sich als Tagelhner eines Anderen sein Brod zu erwerben, dennoch
ist es fraglich, ob, in Bezug auf Lhne, irgend eine Kolonie dem
Pflanzer gnstigere Verhltnisse darbietet, als die Philippinen. In
Hollndisch Indien, wo Privatindustrie durch das Regierungsmonopol
fast ausgeschlossen, erhalten freie Arbeiter 1/3 Gulden, etwas
mehr als 1 r., den blichen Lohn in den wohlhabenden Provinzen der
Philippinen (in den rmeren betrgt er nur die Hlfte) und die Javanen
kommen den Filipinos weder an Kraft, noch an Intelligenz und Geschick
gleich. Wie hoch der Tagelohn in allen ehemaligen Sklavenstaaten ist,
ist bekannt. Mauritius und Ceylon mssen um Zucker und Kaffee zu bauen,
fremde Arbeiter mit grossen Unkosten einfhren und theuer bezahlen,
und stehn sich dennoch gut dabei.

Von Quitang bis Pasaco ist der Weg noch schlechter als vorher und
doch ist dies die wichtigste Strasse der Provinz! Bevor man Pasaco
erreicht, sieht man an den Entblssungen der Kalkwnde deutliche
Zeichen, dass sie frher vom Meer besplt wurden. Pasaco liegt
malerisch am Ende des vom Ituln durchflossenen Thales, welches
sich von Pamplona zwischen bewaldeten Kalkbergen bis an's Meer
erstreckt. Die Ebben sind hier hchst unregelmssig. Von Mittag
bis Abend war kein Unterschied wahrzunehmen, und als die Abnahme
eben sichtbar wurde, stieg die Fluth schon wieder. Unmittelbar
sdlich vor der Ortschaft war eine von den Wellen unterwaschene
Bergwand von 2000' Hhe und ber 1000' Breite zwei Jahre vorher
herabgerutscht. Der Fels besteht aus einer zhen Kalkbreccie voll
Muschel- und Korallenbruchstcken; ich konnte es aber ohne Schuhe
auf dem scharfen Gestein nicht lange genug aushalten, um es nher
zu untersuchen.

Aus demselben Grunde musste auch von dieser Seite die schon von
Libmnan vergeblich versuchte Besteigung des Yamtik unterbleiben. Statt
dessen fuhr ich in Begleitung des geflligen franzsischen Pflanzers
im Boot nordwestlich die Kste entlang. Unser Nachen schwebte ber
Korallengrten hin, von prachtvoll gefrbten Fischen umschwrmt. Nach
zwei Stunden erreichten wir eine Hhle im Kalk Suminabng,
so niedrig, dass man sich nur kriechend darin bewegen konnte. Sie
enthielt einige Schwalben und Fledermuse. Am Flusse Calebyan,
jenseits der Punta Tanun schlugen wir in einem einzeln stehenden
Schuppen unser Nachtlager auf. Hier wird das Kalkgebirge durch
einen am linken Ufer des Flsschens isolirt stehenden Felsen aus
hornblendereichem krystallinischen Gestein unterbrochen, er ist,
ausser an der, dem Wasser zugekehrten Seite, ringsum von Kalk umgeben.

Die umliegenden Berge sollen von Wildschweinen wimmeln: unter dem
Strohdach unserer Htte, die gelegentlichen Jgern zum Obdach dient,
waren ber 150 Unterkiefer als Jagdtrophen aufgesteckt. Der Ort,
an dem wir uns befanden, erschien wie zur Viehzucht geschaffen,
sanfte mit Futtergras und einzelnen Baumgruppen bewachsen, von Bchen
durchrieselte Abhnge, ziehn sich vom Meere aus in die Hhe und
werden von einer steilen Felsenmauer im Halbkreis eingefasst. Das Vieh
wrde dort Gras, Wasser, Schatten und den Schutz einer geschlossenen
Umwallung finden. Lngs der Kste hinfahrend, hatten wir eine Reihe
solcher Oertlichkeiten bemerkt, sie sind aber vllig unbenutzt, aus
Mangel an Unternehmungsgeist, und aus Furcht vor Seerubern. Sobald
unser Abendbrot bereitet war, lschten wir das Feuer sorgsam aus, damit
es den Meerstrolchen nicht als Signal diene, und hielten Nachtwachen.

Am folgenden Morgen wollten wir eine nie zuvor betretene Hhle
besuchen, fanden aber zu unserm Erstaunen keine eigentliche Hhle,
sondern nur eine wenige Fuss tiefe Hhlenpforte; weithin sichtbar, muss
sie den Jgern oft aufgefallen sein, doch hatte sich, wie unsere ber
die Tuschung erstaunten Begleiter versicherten, aus aberglubischer
Scheu bisher Niemand hineingewagt.

Wie mehrfach erwhnt, ist die nrdliche Kste von Camarnes im
NO. Monsun fast unnahbar, whrend die durch vorliegende Inseln
gedeckte Sdkste immer zugnglich bleibt. Die fruchtbarsten Gebiete
der stlichen Provinzen, die im Sommer ihre Erzeugnisse durch die
nrdlichen Hfen ausfhren, bleiben im Winter oft Monate lang von
allem Verkehr mit der Hauptstadt abgeschlossen, weil kein Weg ber den
schmalen Landstreifen zur Sdkste fhrt. Wie viel die Natur fr die
Erleichterung des Verkehrs gethan, wie wenig die Menschen, wird recht
deutlich, wenn man den eben geschilderten Zustand der Strasse nach
Pasacao, in Zusammenhang mit den stlichen Verhltnissen betrachtet,
wie sie die Karte zeigt.

Zwei Flsse, der eine von NW., der andre von SO. kommend, beide
schiffbar, bevor sie die Grenzen der Provinz erreichen, fliessen
mitten durch dieselbe, in einer, wenn man die Windungen nicht
bercksichtigt, mit den Ksten gleichlaufenden Linie und senden,
nachdem sie zusammengetroffen, ihre Wasser gemeinschaftlich durch den
Aestuar von Cabuso in die Bay von S. Migul. Die ganze Provinz wird
also in ihrer Mittellinie von zwei schiffbaren Flssen durchstrmt, die
in Bezug auf den Verkehr nur Einen bilden. Von ihrem Vereinigungspunkt,
an der schmalsten Stelle der Provinz, betrgt die Entfernung bis zur
Sdkste nur 3 Leguas.

Der Hafen von Cabuso im Grunde der Bucht von S. Migul ist aber im
NO. Monsun nicht zugnglich und hat den Nachtheil nur auf dem grossen
Umwege um den ganzen stlichen Theil Luzons mit Manila zu verkehren. An
der Sdkste dagegen liegt der Hafen von Pasaco, in welchen ein, ber
eine Meile weit schiffbares Flsschen mndet, so dass die Entfernung
zwischen dieser Wasserstrasse und dem nchsten Punkte des Bicolflusses
wenig ber eine Meile betrgt. Die 1847 von einem thtigen Alkalden
angelegte, bis 1852 erhaltene, beide Meere verbindende Strasse war
aber zur Zeit meines Besuches so schlecht, dass der Pico Abac auf
dieser kurzen Strecke in der trocknen Jahrszeit 2 r. Fracht zahlte,
in der nassen aber selbst fr den doppelten Preis nicht befrdert
werden konnte. [170]

Es liessen sich viele hnliche Beispiele anfhren: 1861 berichtet
der engl. Vize-Konsul, dass in Yloilo der Pico-Zucker um mehr als 2
r. vertheuert wird (so viel als die Fracht von Yloilo nach Manila
betrgt) durch den schlechten Zustand der Strasse zwischen zwei
Drfern, die nur 1 Legua auseinander liegen.

Wren die Inseln nicht, abgesehn vom Seetransport, so ausserordentlich
begnstigt durch unzhlige Flsse mit schiffbaren Mndungen, so wrde
ein noch viel grsserer Theil ihrer Produkte nicht zu verwerthen
sein. Die Eingeborenen haben kein Verlangen nach Strassen, die sie
selbst durch Frohnarbeit bauen, und nachdem sie vollendet, durch
Frohnarbeit erhalten mssen, auch die Lokalbehrden nicht, denn wo
keine Strassen gebaut werden, sind die Frohnden um so leichter fr
Privatzwecke zu ntzen. Eben so wenig sind die Curas in der Regel der
Anlage von Verkehrswegen gnstig, durch welche Handel, Wohlstand und
Aufklrung in's Land dringen, ihre Autoritt untergraben wird. Ja
die Regierung selbst begnstigte bis vor Kurzem solche Zustnde,
denn schlechte Strassen gehren zum Wesen der alten spanischen
Kolonialpolitik, die immer darauf bedacht war, die einzelnen
Provinzen ihrer grossen berseeischen Besitzungen zu isoliren,
das Gefhl der nationalen Gemeinschaft nicht aufkommen zu lassen,
um sie desto leichter vom fernen Mutterlande aus beherrschen zu knnen.

In Spanien selbst sieht es brigens nicht viel besser aus; es fehlt
dort so sehr an Verkehrswegen, dass z. B. die Waaren von Santandr
nach Barcelna den Seeweg um die ganze iberische Halbinsel dem
direkten, zum Theil mit Eisenbahn versehenen Wege vorziehn. [171]
In Estremadura wurden die Schweine mit Weizen gefttert (lebendes
Schweinefleisch kann ohne Strassen transportirt werden), whrend
gleichzeitig die Seehfen fremdes Getreide einfhrten. [172] Der Grund
dieser Zustnde liegt auch dort weniger in den zerrtteten Finanzen,
als in der Regierungsmaxime, die einzelnen Provinzen zu isoliren.








SIEBENZEHNTES KAPITEL

    DER YSAROG UND SEINE BEWOHNER.


In der Mitte von Camarnes erhebt sich der Ysarog (sprich Issar),
zwischen den Meerbusen von San Migul und Lagony. Whrend sein
stlicher Abhang fast das Meer erreicht, ist er gegen Westen durch
einen breiten Streifen fruchtbaren Schwemmlandes von der Bucht von
S. Migul getrennt. Sein Umfang betrgt wenigstens 12 Leguas, seine
Hhe 1966 Meter. [173] An seiner Basis sehr flach, schwillt er allmlig
zu 16, weiter oben zu 21 Neigung und wlbt sich, von Westen gesehn,
zu einer flachen, domfrmigen Kuppe. Betrachtet man ihn aber von der
Ostseite, so gewahrt man ein durch eine grosse Schlucht zerrissenes
Ringgebirge. Auf Coello's Karte ist diese Schlucht irrthmlich als
von S. nach N. streichend dargestellt; ihre Richtung ist WO. Gerade
vor ihrer Oeffnung liegt, 1/2 Legua S. von Goa, das winzige Drfchen
Rungus; nach welchem sie benannt wird. Die usseren Seiten des Berges
und die Trmmer seines grossen Kraters sind mit undurchdringlichem Wald
bedeckt. Von seinen vulkanischen Ausbrchen meldet die Ueberlieferung
nichts.

Die hheren Abhnge dienen einem kleinen Volksstamme zum Wohnsitz,
der in fast gnzlicher Abgeschlossenheit von den Bewohnern der
Ebene, seine Selbststndigkeit und die Sitten einer frheren Zeit
bewahrt hat. Gelegentlich mgen wohl einzelne Cimarronen (s. S. 106)
zugezogen sein, doch hatte sich kein solcher Fall in der Erinnerung
erhalten. Die Bewohner des Ysarg werden gewhnlich, wenn auch
missbruchlich, Ygorroten genannt, dieser Name ist hier beibehalten,
da ihre Nationalitt noch nicht gengend festgestellt ist. Sie selbst
sind berzeugt, dass ihre Vorfahren immer dort gehaust haben. Sie sind
es, die nach dem Urtheil der Pfarrer von Camarnes die Bicolsprache
am reinsten sprechen (s. S. 120). Ihre Sitten und Gebruche sind in
vielen Punkten denen, welche die Spanier bei ihrer Ankunft vorfanden,
sehr hnlich, andererseits erinnern sie vielfach an diejenigen,
welche noch heut bei den Dayaks in Borneo herrschen. [174] Diese
Umstnde lassen vermuthen, dass sie der letzte Rest eines Stammes
seien, der seine Unabhngigkeit gegen die spanische Herrschaft und
wahrscheinlich auch gegen die kleinen Tyrannen behauptet hat, die
vor Ankunft der Europer in der Ebene herrschten. Als Juan de Salcedo
seinen Siegeszug um das nrdliche Luzon unternahm (s. unten), fand er
berall an den Flussmndungen seefahrende, unter vielen Huptlingen
lebende Vlkerschaften, die nach kurzem Kampf der hhern Mannszucht
und besseren Bewaffnung der Spanier erlagen oder sich freiwillig
der berlegneren Rasse unterwarfen; es gelang ihm aber nicht, die
unabhngigen Stmme im Innern zu besiegen. Noch heut giebt es solche
auf allen grsseren Inseln der Philippinen-Gruppe.

Aehnliche Zustnde findet man vieler Orten im indischen Archipel:
die Handel und Seeraub treibenden Malayen besitzen das Gestade,
dort herrscht auch ihre Sprache; die Eingeborenen sind von ihnen
unterjocht oder in die Wlder gedrngt, deren Unzugnglichkeit ihnen
ein kmmerliches aber unabhngiges Leben sichert. [175]

Um den Widerstand der wilden Stmme zu brechen, verbot die spanische
Regierung ihren Unterthanen bei Strafe von 100 Schlgen und zwei
Jahr Zwangsarbeit, Handel zu treiben und Umgang zu pflegen mit
den Heiden in den Bergen, die seiner katholischen Majestt keinen
Tribut zahlen; denn wenn diese ihr Gold, Wachs u. s. w. gegen andere
Bedrfnisse austauschen knnen, so werden sie sich nie bekehren. [176]
Vielleicht hat gerade dies Gesetz dazu beigetragen, die Wilden, trotz
ihrer geringen Kopfzahl, Jahrhunderte lang vor gnzlicher Ausrottung
zu schtzen; denn freier Verkehr zwischen einem Volke auf der Stufe
des Ackerbaus und einem, das hauptschlich von der Jagd lebt, fhrt
hufig zur Vernichtung des letzteren.

Dennoch hat die Zahl der Ygorroten des Ysarog sehr abgenommen durch
Todtschlgereien zwischen den einzelnen Ranchos, und durch die
Raubzge, welche bis vor Kurzem die Steuerbeamten alljhrlich im
Interesse des Regierungsmonopols gegen die Tabakfelder der Ygorroten
unternahmen. Einzelne sind auch pazifizirt (zu Christenthum und
Tribut bekehrt worden), in welchem Falle sie sich in kleinen Weilern
mit zerstreuten Htten niederlassen mssen, wo sie gelegentlich
vom Geistlichen des nchsten Ortes besucht werden knnen. Um ihnen
den Uebertritt zu erleichtern, werden von dergleichen neugewonnenen
Unterthanen eine Zeitlang geringere Steuern erhoben.

Ich hatte die Besteigung des Berges auf den Eintritt der trockenen
Jahreszeit verschoben, erfuhr aber in Naga, dass mein Wunsch dann
kaum ausfhrbar sein drfte, weil um diese Zeit die schon erwhnten
Expeditionen gegen die Ranchos des Berges stattzufinden pflegen. Da
die Wilden nicht begreifen konnten, warum sie nicht auf ihrem eigenen
Felde eine ihnen zum Bedrfniss gewordene Pflanze bauen sollten,
so sahen sie in den Cuadrilleros nicht Beamte eines zivilisirten
Staates, sondern Ruber, gegen welche sie sich nach Krften wehren
mussten, und das Auftreten dieser trug nicht wenig dazu bei, jene
in ihrem Irrthum zu bestrken; denn sie begngten sich nicht die
Tabakpflanzungen zu zerstren; die Htten wurden niedergebrannt,
die Fruchtbume umgehauen, die Felder verwstet. Solche Raubzge
gingen nie ohne Blutvergiessen ab und arteten oft in einen kleinen
Krieg aus, der dann von den Bergbewohnern noch lange nachher, auch
gegen ganz unbetheiligte Personen, Indier und Europer, fortgesetzt
wurde. Anfangs April sollte die diesjhrige Expedition stattfinden;
die Ygorroten waren daher in grosser Aufregung und hatten einige Tage
vorher einen jungen wehrlosen Spanier in der Nhe von Mabotobto, am
Fuss des Berges, ermordet, indem sie ihn mit einem vergifteten Pfeil
zu Boden streckten, und ihm dann noch 21 Wunden mit dem Waldmesser
beibrachten.

Glcklicher Weise traf bald darauf ein Gegenbefehl von Manila ein,
wo man sich allmlig von der Schdlichkeit solcher Gewaltmassregeln
berzeugt zu haben schien. Es war nicht zu zweifeln, dass diese
Nachricht sich schnell unter den Ranchos verbreiten wrde und auf den
Rath des Kommandanten, dem sehr gegen seine Neigung die Fhrung des
Zuges zugefallen sein wrde, zgerte ich nicht, die zu erwartende
gnstige Stimmung fr meine Zwecke zu benutzen. In der neuesten
Zeit hat die Regierung das verstndige Mittel ergriffen, den Tabak,
den die Ygorroten freiwillig bauen, nach dem allgemeinen Satze zu
bezahlen und sie wo mglich zur Anlage neuer Felder zu ermuntern,
statt die vorhandenen zu zerstren.

Am nchsten Nachmittag ritt ich von Naga ab. Die Pueblos Mogaro,
Canman, Quipyo und Calabnga folgen in diesem fruchtbaren Gebiet
so dicht auf einander, dass sie eine fast ununterbrochene Reihe
von Husern mit Grten bilden. Calabnga liegt 1/2 Legua vom Meer,
zwischen zwei Flussmndungen, deren sdlichste 60' breit und tief
genug fr grosse Lastboote ist. [177]

Um den Fuss des Ysarg wendet sich die Strasse NO. dann O. Bald hren
die blhenden Hecken auf; es folgt eine grosse, kahle Ebene, aus der
sich zahlreiche flache Hgel erheben. Hgel und Ebene dienten damals
als Viehweiden: vom August bis Januar sind sie mit Reis bestellt. Nur
hin und wieder sieht man kleine Batatenfelder. Nach vier Stunden
erreichten wir das Drfchen Maguring (Manguirin), dessen Kirche,
ein dem Einsturz naher Schuppen, auf einem solchen kahlen Hgel
stand und an ihrer Verwahrlosung erkennen liess, dass der Priester
ein Eingeborener sei.

Dieser Hgel, wie alle brigen, die ich untersuchte, bestand aus
Schutt vom Ysarg, mehr oder weniger zersetzten hornblendereichen
Trachyttrmmern, deren Zwischenrume durch rothen Sand ausgefllt
waren. Die Zahl der Flsse, die der Ysarog in die Buchten von S. Migul
und Lagony sendet, ist ausserordentlich gross: Auf der Strecke
hinter Maguring zhlte ich in 3/4 Stunden 5 ansehnliche, d. h. ber
zwanzig Fuss breite Aestuarien, dann bis Ga noch 26, zusammen 31;
es sind aber mehr, da ich die kleinsten nicht aufzeichnete; und doch
betrgt die Entfernung zwischen Maguring und Ga, in gerader Linie,
nicht ber 3 Meilen. Dies lsst auf die enorme Menge von Wasserdampf
schliessen, mit welcher dieser mchtige Kondensator gespeist wird. Bei
keinem andern Berge ist mir diese Erscheinung in so auffallender
Weise entgegengetreten. Ein sehr bemerkenswerther Umstand ist die
Schnelligkeit, mit welcher die wasserreichen Bche in Aestuarien
bergehn, die sie befhigen Lastboote, zuweilen selbst Schiffe zu
tragen, in einem Alter, wenn dieser Ausdruck erlaubt ist, wo ihre
auf die sprlichen Niederschlge in nrdlichen Breiten angewiesenen
Verwandten kaum die Bedeutung eines Mhlbachs erlangt haben. Diese
Gewsser erscheinen der Breite nach als kleine Flsse, ihrem Wesen
nach bestehn sie nur aus einem Bache bis zum Fuss des Berges und
einer Flussmndung in der Ebene; der Mittellauf fehlt ihnen.

Die Landschaft gleicht hier dem merkwrdigen, von Junghuhn
beschriebenen Hgelgebiete des Gelungng [178] in ganz auffallender
Weise; doch ist der Ursprung dieser Anhhen einigermaassen von dem
der javanischen verschieden, denn letztere verdanken ihre Entstehung
dem Ausbruch von 1822, und schon die grosse, ihnen zugekehrte Lcke
in der Kraterwand des Gelungng zeigt deutlich, woher die Stoffe
zu ihrem Aufbau kamen; die grssere Kraterschlucht des Ysarg ist
aber nach O. geffnet und steht daher zu den zahllosen Hgeln im
Nordwesten des Berges in keiner Beziehung. Hinter Maguring rcken sie
dichter zusammen, ihre Kuppen werden flacher, ihre Seiten steiler,
sie gehn allmlig in einen sanft geneigten Abhang ber, zerrissen
von unzhligen Klften, auf deren Boden eben so viele Bche thtig
sind, die eckigen Umrisse dieser kleinen Inseln in jene abgerundeten
Hgel umzuformen. Der dritte Fluss hinter Maguring ist bedeutender
als die frheren; am sechsten liegt eine grssere Visita, Borobd,
am zehnten die von Ragy. Die Reisfelder haben mit dem Hgelland
aufgehrt: auf dem durch tiefe Rinnen wohldrnirten Abhange wachsen
nur wildes Rohr und einzelne Baumgruppen. An vielen Weilern vorber,
deren Htten so vereinzelt und versteckt liegen, dass man sie wohl
bersehn kann, gelangten wir um 5 Uhr nach Tagnton, von wo eine, fr
Bffelkarren fahrbare, zum Transport des in der Umgegend gewonnenen
Abaca's dienende Strasse nach Goa fhrt. In diesem Ort, den wir Abends
erreichten, miethete ich in Folge eines Ruhranfalles ein Huschen,
in dem ich fast vier Wochen lag, da mir keine andre Heilmittel als
Hunger und Ruhe zur Verfgung standen.

Whrend dieser Zeit machte ich die Bekanntschaft einiger neu bekehrten
Ygorroten, und gewann ihr Vertrauen, ohne sie wre es mir spter
schwerlich gelungen den Berg zu ersteigen und ihre Stammesgenossen
ungefhrdet in ihren Ranchos aufzusuchen. [179] Als ich endlich
Goa verlassen konnte, begleiteten mich meine Freunde zunchst nach
ihrer Niederlassung, wo ich leicht die nthige Zahl Begleiter fand,
da ich schon vorher empfohlen war und erwartet wurde, um die fr mich
gesammelten Thiere und Pflanzen in Empfang zu nehmen.

Am folgenden Morgen wurde die Besteigung begonnen. Schon bevor wir
den ersten Rancho erreichten, konnte ich mich berzeugen, welch
guter Ruf mir vorausging: der Hausherr kam uns entgegen, und fhrte
uns auf einem engen Pfade zu seiner Htte, nachdem er die schrg aus
dem Boden ragenden, aber mit Reisig und Blttern geschickt verdeckten
Fusslanzen daraus entfernt hatte. [180] Eine mit Weben beschftigte
Frau setzte auf meinen Wunsch ihre Arbeit fort. Der Webestuhl war von
der allereinfachsten Art, das obere Ende, der Kettenbaum, der in einem
Stck Bambus besteht, wird an zwei Bumen oder Pfhlen befestigt;
die Weberin sitzt auf dem Boden und hakt in die beiden eingekerbten
Enden einer schmalen Latte, welche die Stelle des Zeugbaums vertritt,
einen hlzernen Bgel, in dessen Wlbung ihr Rcken passt. Indem
sie die Fsse gegen zwei Pflcke im Boden stemmt und den Rcken
krmmt, spannt sie vermittelst des Bgels das Zeug straff. Statt
des Weberschiffchens dient eine Netznadel, lnger als die Breite
des Gewebes, die nur mit Ueberwindung bedeutender Reibung und nicht
immer ohne Kettenfden zu zerreissen, durchgeschoben werden kann. Eine
messerartig zugeschrfte Latte aus hartem Holz (Caryota) vertritt das
Schlaggestell und wird nach jedesmaligem Anschlag auf die hohe Kante
gestellt. Dann wird der Kamm vorgeschoben, ein Faden durchgesteckt,
festgeschlagen und so fort. Das Gewebe bestand aus Abacfden, die
nicht gesponnen, sondern an einander geknpft werden.

Die von mir betretenen Htten verdienen keine besondere Beschreibung:
aus Palmenblttern und Bambus zusammengefgt, unterscheiden sie sich
nicht wesentlich von den Wohnungen armer Indier. In der Nhe waren
kleine Felder mit Bataten, Mais, Caladium und Zuckerrohr bepflanzt;
prachtvolle Baumfarne umgaben sie; einer der hchsten, den ich zu dem
Zwecke umhauen liess, maass: Stamm 9m 30, Krone 2m 12, Gesammtlnge
11m 42 (36' 38 Rh.).

Ein junger Bursche machte Musik auf einer Art Laute, Baringbau genannt;
sie bestand aus dem trocknen Schaft einer Scitaminee, die statt der
Sehne (Saite) durch eine dnne Ranke bogenfrmig gespannt war. In
der Mitte des Bogens war eine halbe Kokosschale befestigt, die beim
Spielen gegen den Bauch gesetzt wird und als Resonanzboden dient. Die
Saite gab, mit einem Stbchen geschlagen, einen angenehm summenden
Ton, (Lyra und Plectrum in einfachster Form). Einige begleiteten den
Musiker auf Maultrommeln aus Bambus, genau wie die der Mintras auf
der Malayischen Halbinsel. Ein Andrer spielte auf einer Guitarre,
die er zwar selbst, aber nach einem europischen Muster gemacht
hatte. Ausser Bogen, Pfeilen und Kochtopf enthielt die Htte kein
Gerth. Wer Kleider besass, trug sie am Leibe. Die Frauen fand ich so
dezent gekleidet wie christliche Indierinnen, sie trugen berdies ein
Waldmesser. Als ein Zeichen vollkommenen Vertrauens fhrte man mich
in die wohl verborgenen, durch Fusslanzen vertheidigten Tabakfelder,
die mir sorgfltig gepflegt schienen.

Was ich im Verkehr mit diesen Leuten bisher erfahren hatte und noch
erfuhr, fasse ich kurz zusammen: Sie wohnen auf den hheren Abhngen
des Berges, wohl nie unter 1500', jede Familie fr sich. Wie viel
ihrer noch vorhanden sein mgen, ist schwer zu ermitteln, da unter
ihnen nur geringer Verkehr besteht. Auf dem zum Gebiete von Goa
gehrigen Theile des Berges wird ihre Anzahl auf etwa 50 Mnner
und 20 Weiber mit Inbegriff der Kinder geschtzt. Vor 20 Jahren war
die Bevlkerung zahlreicher. Ihre Nahrung besteht ausser etwas Gabi
(Caladium), vorzglich aus Bataten. Auch ein wenig Mais wird gebaut,
etwas Ubi (Dioscorea) und eine geringe Menge Zuckerrohr zum Kauen.

Zur Anlage eines Batatenfeldes wird ein Stck Wald gelichtet, der Boden
mit dem stumpfen Waldmesser gelockert, in diesen werden Knollen oder
Ableger gepflanzt. Schon nach 3 bis 4 Monaten beginnt die Ernte und
dauert ununterbrochen fort, da die auf dem Boden kriechende Pflanze
Wurzeln schlgt und Knollen bildet. Nach 2 Jahren hat aber der Ertrag
so abgenommen, dass man die alten Pflanzen ausreisst, um fr neue,
aus den Auslufern entstandene Ableger Platz zu machen. Das Feld wird
weder gewechselt oder mit andern Frchten bebaut, noch gedngt. Ein
Stck Land, 50 Brazas lang, 30 breit, gengt fr den Unterhalt
einer Familie. Nur in der nassen Jahreszeit versagt zuweilen diese
Hlfsquelle, dann wird Gabi genossen, das auf trocknem und feuchtem
Boden ziemlich gleich gut zu wachsen scheint, aber nicht so lohnend ist
wie Bataten. Die jungen Schsslinge des Gabi werden in Entfernungen von
einer Vara gepflanzt und drfen, wenn man sie ausgiebig nutzen will,
nicht vor einem Jahre ausgebeutet werden. Jede Familie mag wchentlich
ein oder zwei Wildschweine erlegen. Hirsche sind selten, doch erhielt
ich ein schnes Geweih; ihr Fell wird nicht benutzt. Zur Jagd dienen
Bogen mit Pfeilen und Lanzen (s. Zeichnung) theils giftfrei theils
vergiftet. Jeder Rancho hlt Hunde, die hauptschlich von Bataten
leben, auch Katzen um die Felder gegen Ratten zu schtzen. Einiges
Geflgel ist ebenfalls vorhanden, aber keine Kampfhhne, die in den
Htten der Indier fast nie fehlen. Hahnenkmpfe sind erst durch die
Spanier in die Philippinen eingefhrt worden; die Ysarogbewohner sind
noch frei von dieser Leidenschaft.

Ihre geringen Bedrfnisse an Erzeugnissen einer fortgeschritteneren
Zivilisation erlangen sie durch den Verkauf der freiwilligen
Produkte ihrer Wlder, hauptschlich Wachs und Harze: Pili [181],
Apnik, Dagiangan (eine Art Copal) und etwas Abac. Wachs, das wegen
der Kirchenfeierlichkeiten sehr begehrt ist, wird mit 1/2 Dollar
das Katti bezahlt; die Harze gelten durchschnittlich 1/2 Realen die
Chinanta. Der Handel findet auf die Weise statt, dass ein Indier, der
mit den Ygorroten im Verkehr steht, mit diesen einen Lieferungsvertrag
schliesst; die Ygorroten sammeln die Produkte und bringen sie an
einen bestimmten Ort, wo die Indier sie aufnehmen, nachdem sie den
dafr bedungenen Preis niedergelegt haben.

Aerzte, Zauberer oder Leute, denen geheime Krfte zugetraut werden,
kennt man nicht; jeder hilft sich selbst. Um ber ihre religisen
Ansichten in's Klare zu kommen, wrde lngerer Verkehr nthig sein;
sie glauben an einen Gott, oder sagen es wenigstens, wenn sie von
Christen zudringlich befragt werden, auch haben sie dem Katholizismus
manche usserliche Gebruche aufs Gerathewohl entlehnt, die sie wie
Zauberformeln anwenden.

Jagd und schwere Arbeit ist Sache des Mannes wie in den Philippinen
allgemein. Die fast allen rohen Vlkern eigene, aber auch noch bei
manchen Nationen Europa's (namentlich Basken, Walachen, Portugiesen)
bestehende Sitte, die Frau als Lastthier zu ntzen, scheint in den
Philippinen schon zur Zeit der spanischen Entdeckung verschollen
gewesen zu sein; auch bei den Wilden des Ysarog verrichten die Weiber
nur leichte Arbeit und werden gut behandelt. Jede Familie erhlt
ihre Greise und Arbeitsunfhigen. -- Als herrschende Krankheiten
wurden mir angegeben Kopfweh und Fieber, als Heilmittel: braun
gersteter Reis, der gestossen mit Wasser zu Brei angerhrt, genossen
wird. Bei starkem Kopfweh macht sich der Leidende Einschnitte in die
Stirn. Rhrt die Krankheit davon her, dass jemand erhitzt zu viel
Wasser trank, so trinkt er grosse Mengen warmen Wassers, hatte er
aber in solchem Zustande zu viel Kokoswasser getrunken, so trinkt er
warmes Kokoswasser. Ihre Muskelkraft ist gering; mehr als 50 Pfund
Gewicht vermgen sie nicht eine grssere Strecke weit zu tragen.

Ausser Jagd und Feldbau beschrnken sich ihre Gewerbe auf die
Anfertigung ziemlich roher Waffen, wozu sie das Eisen, falls solches
dazu erforderlich, von den Indiern kaufen, und auf die von den Frauen
verfertigten groben Gewebe und Flechtarbeiten. Jeder Familienvater
ist Herrscher in seinem Hause und erkennt ber sich keine hhere
Gewalt an. In Fllen von Krieg mit benachbarten Stmmen, oder bei den
Raubzgen der Steuerbeamten, stellt sich der Tapferste an die Spitze,
die andern folgen ihm, so lange sie eben mgen; Wahl eines Anfhrers
findet nicht statt.

Sie sind meist friedliebend und ehrlich unter einander; doch stehlen
die Faulen zuweilen Feldfrchte. Wird der Dieb ertappt, so straft
ihn der Bestohlene mit Rotangschlgen, ohne Rache dafr frchten
zu mssen. Stirbt jemand, so ziehn die nchsten Verwandten aus, um
den Tod durch den Tod irgend eines Andern zu vergelten. Fr einen
gestorbenen Mann soll eigentlich ein Mann, fr eine Frau eine Frau,
fr ein Kind ein Kind erschlagen werden, man pflegt aber das erste
sich zufllig darbietende Opfer zu tdten, ausser wenn es ein Freund
ist. In neuer Zeit soll dieser Brauch immer mehr in Verfall kommen,
da es Mnnern von einigem Ansehn hufiger als frher gelingt, den
Todesfall als ein unvermeidliches Geschick darzustellen, in welchem
Falle die Verwandten ihn nicht zu shnen brauchen. Es gelingt dies
namentlich, wenn der Verstorbene eine gleichgltige Person war, stirbt
aber ein geliebtes Kind oder Weib, so wird gewhnlich auch jetzt noch
Rache dafr genommen. Tdtet ein Mann eine Frau aus einem andern Hause,
so sucht der nchste Verwandte der Erschlagenen eine Frau aus dem Hause
des Mrders zu tdten; dem Mrder thut er nichts. Der Leichnam des als
Todtenopfer Erschlagenen wird nicht verscharrt, auch wird ihm nicht
der Kopf abgeschnitten. Die Familie des Erschlagenen sucht den Tod
am Mrder zu rchen; dies ist das ehrenvollste; ist der Mrder aber
zu stark, so wird zur Vergeltung irgend ein Schwcherer erschlagen,
daher vielleicht die geringe Verhltnisszahl der Frauen.

Vielweiberei ist gestattet, aber selbst die Tapfersten und
Geschicktesten haben fast nie mehr als eine Frau. Ein junger Mann,
der heirathen will, beauftragt seinen Vater mit dem Vater der
Braut den Preis zu verabreden, der in neuer Zeit sehr gestiegen
ist (durchschnittlich 10 Waldmesser zu 4 bis 6 r. und 10 bis
12 Doll. baar). Um eine so hohe Summe durch Verkauf von Wachs,
Harz und Abac zu beschaffen, braucht der Brutigam oft zwei
Jahre. Das Brautgeld geht theils an den Vater, theils an die nchsten
Verwandten. Jeder der Letzteren erhlt einen gleichen Antheil. Sind
ihrer Viele, so bleibt fast nichts fr den Vater brig, der einen
grossen Schmaus zu geben hat, bei welcher Gelegenheit viel Palmenwein
getrunken wird.

Ein Mann, der gegen ein Mdchen Gewalt braucht, wird von deren Eltern
getdtet. Ist ihm das Mdchen zu Willen gewesen und der Vater erfhrt
es, so verabredet er mit jenem einen Tag, an welchem er den Brautschatz
bringen soll; weigert er sich, so wird er von den Verwandten gefangen,
an einen Baum gebunden und mit Rohr gepeitscht. Ehebruch findet
fast nie statt; kommt er dennoch vor, so muss entweder die Frau
den Brautschatz zurckerstatten, wodurch sie frei wird, oder der
Verfhrer, dem die Frau dann folgt. Der Ehemann hat nicht das Recht,
sie zurckzuhalten, wenn er das Geld annimmt, wohl aber, wenn er
dasselbe ausschlgt. Der letzte Fall soll aber nie vorkommen, da sich
der Mann fr dasselbe Geld eine neue Frau kaufen knne.

Nachmittags erreichten wir, 973 Meter ber Uacloy, etwa 1134m
Meereshhe, eine grosse Schlucht Basira zwischen hohen, steilen,
bewaldeten Wnden, sie streicht SO. -- NW., ihre Sohle hat 33 Neigung,
besteht aus einer nackten Felsbank und veranlasst nach jedem heftigen
Regen einen Wasserfall, da sie schroff abbricht. Hier wurde biwuakirt;
die Ygorroten bauten in der krzesten Zeit eine Htte und waren
ausgelassen munter. Bei Tagesanbruch zeigte das Thermometer 13,9 R.

Der Weg zum Gipfel ist sehr beschwerlich wegen des schlpfrigen
Thonbodens und des zhen Pflanzengewirres, die letzten 500 Fuss
aber sind unerwartet bequem, denn die sehr steile Spitze ist mit
einem beraus dichten Wuchs von bltterarmen, knorrigen, bemoosten
Thibaudien, Rhododendren und andrem Krppelholz bestanden, deren
zahlreiche starke Aeste in geringer Hhe ber dem Boden und ihm
parallel verlaufend, ein enges sicheres Gitterwerk bilden, auf dem
man, wie auf einer schwach geneigten Leiter emporsteigt. Die Spitze,
die wir erreichten, ist der auf der Zeichnung sichtbare hchste Zacken
der hufeisenfrmigen Bergwand, welche die grosse Schlucht von Rungus
im Norden begrenzt. Die Kuppe hat wohl kaum 50 Schritt Durchmesser,
sie ist so dicht mit Bumen bestanden wie ich hnliches nie gesehn:
wir hatten nicht Raum zum Stehn. Meine rstigen Gastfreunde gingen
aber, obgleich ihnen die Arbeit einen Pfad durch den Wald zu schlagen,
grosse Mhe verursacht hatte, sogleich an's Werk, kappten Aeste und
baueten daraus auf den Wipfeln der abgestutzten Bume eine Warte, von
wo aus ich eine weite Rundsicht und Gelegenheit zu Peilungen gehabt
haben wrde, wre nicht alles in dichten Nebel gehllt gewesen. Nur
auf Augenblicke erschienen die nchsten Vulkane, die Bucht von
S. Miguel und einige Binnenseen. Gleich nach Sonnenuntergang zeigte
das Thermometer 125 R.

Auch am folgenden Morgen blieb es trbe, und als gegen 10 Uhr
die Wolken immer dichter wurden, traten wir den Rckweg an. Ich
wollte die Nacht in einem Rancho zubringen, um am nchsten Tage eine
Solfatara zu besuchen, die eine Tagereise weiter gelegen sein soll;
meine Begleiter waren aber von den Strapazen so angegriffen, dass
sie wenigstens einige Tage Rast verlangten.

Ausser Calamus bemerkte ich keine Palmen auf dem oberen Abhange,
Baumfarne sehr hufig, und eine ausserordentliche Flle von
Orchideen. An einer Stelle waren alle Bume in bequemer Hhe mit
blhenden Arides behangen, man htte sie mhelos zu tausenden sammeln
knnen, die schnste Pflanze war eine Medinella, von so weichem Gewebe,
dass es nicht mglich war sie einzulegen.

Eine Viertelstunde NO. von Uacloy sprudelt eine starke kohlensaure
Quelle (28 R.) aus dem Boden und setzt reichlich Kalksinter
ab. Brennende Fackeln verlschten schnell, und ein mit einer
Zigarrenkiste zugedecktes Huhn starb in wenigen Minuten, beides zum
grssten Erstaunen der Ygorroten, denen diese Erscheinungen bisher
unbekannt geblieben waren.

Meine armen Gastfreunde, die mich nach Uacloy zurckbegleitet hatten,
fhlten sich auch noch am zweiten Rasttage so mde, dass sie zu
keiner Unternehmung tauglich waren. Mit nacktem Kopf und Oberleib
hockten sie sich in die glhende Sonne, um dem Krper die Wrme
wieder zuzufhren, die er durch das Biwuak auf dem Gipfel verloren
hatte; Wein aber mochten sie nicht trinken. Als ich sie endlich am
nchsten Tage verliess, waren wir so gute Freunde geworden, dass man
mir ein gezhmtes Wildschwein zum Geschenk aufnthigen wollte. Ein
Trupp Mnner und Frauen begleiteten mich, bis sie die Dcher von
Maguring schimmern sahen, worauf sie nach herzlichem Abschiede in
ihre Wlder zurckkehrten.

Die aus Goa mitgenommenen Indier hatten sich bei der Expedition so
faul und mrrisch gezeigt, dass fast die ganze Arbeit einen Pfad
durch den Wald zu schlagen, den Ygorroten zugefallen war; selbst das
Trinkwasser hatten die indischen Trger aus Faulheit fortgeschttet,
die Ygorroten mussten fr unser Biwuak auf dem Gipfel aus ziemlicher
Entfernung frisches holen. Bei allen beschwerlichen Mrschen bin ich
immer besser mit Cimarronen, als mit Indiern ausgekommen. Jene fand ich
gefllig, zuverlssig, thtig, ortskundig, whrend diese gewhnlich
die entgegengesetzten Eigenschaften zeigten. Es wre aber ungerecht
daraus auf das beiderseitige Wesen schliessen zu wollen; denn die
Wilden sind im Walde zu Hause, was sie thun, geschieht freiwillig, der
Fremde wird, wenn er ihr Vertrauen besitzt, als Gast behandelt. Die
Indier aber sind gezwungene Begleiter, Polistas, die selbst wenn
man ihnen hheren Tagelohn giebt, von ihrem Standpunkte aus ganz
richtig handeln, wenn sie so wenig als mglich thun. Es ist fr sie
durchaus kein Vergngen, ihr Dorf zu verlassen, um als Gepcktrger
oder Wegbahner anstrengende Mrsche in unwegsame Gebiete zu machen,
und unter Entbehrungen im Freien zu kampiren. Fr sie, mehr noch als
fr den europischen Bauer, ist Ruhe die angenehmste Erholung. Je
weniger Bequemlichkeit Jemand zu Haus geniesst, um so schwerer
verzichtet er darauf. In Europa kann man dieselbe Beobachtung machen.

Da die Ygorroten, um nicht das Monopol der Hacienda zu beeintrchtigen,
keine Kokospalmen zur Bereitung von Wein, Essig und Branntwein
haben durften, so berreichten sie mir eine Bittschrift, damit
ich ihnen diese Gunst erwirken mchte. Das Dokument ist von einem
indischen Schreiber so drollig konfus verfasst, dass ich es als Probe
philippinischen Kanzleistils mittheile [182]: Es hatte brigens den
besten Erfolg, da den Bittstellern doppelt so viel bewilligt wurde
als sie erbaten.

Der SW. Monsun dauert in dieser Gegend (Gebiet von Goa) von April
bis Oktober. Der April ist sehr windstill (navegacion de seoras) am
bestndigsten sind die SW.-Winde von Juni bis August, am trockensten
Mrz, April, Mai. Der NO.-Monsun herrscht von Oktober bis Ende
Februar. Mrz und Anfang April Wechselwinde, Oktober bis Dezember
ist die Zeit der Strme: San Francisco (4. Okt.) bringt schlechtes
Wetter. Der Reis wird im September gepflanzt, im Februar geerntet.








ACHTZEHNTES KAPITEL

    ERSTEIGUNG DES YRIGA UND DES MAZARAGA. -- SEE- UND
    STRASSENRUBER. -- WASSERPFLANZEN VON BERLIN NACH DEN
    PHILIPPINEN. -- MEIN DIENER PEPE.


Vom Ysarg kehrte ich ber Naga und Nbua zum Yriga zurck, den es
mir endlich zu ersteigen gelang.

Der Huptling der Montesinos hatte tglich Rationen fr zweiundzwanzig
Mann erhalten, mit denen er angeblich einen Weg zum Gipfel bahnte. Als
er aber am Abend des dritten Tages selbst nach Yriga kam, um neue
Vorrthe zu holen, da die Arbeit noch einige Zeit erfordere, erklrte
ich, dass ich am folgenden Morgen versuchen wrde den Berg zu besteigen
und forderte ihn zum Fhren auf. Er willigte ein, verschwand aber
Nachts sammt seinem Begleiter, da die Indier im Tribunal sich das
Vergngen gemacht hatten, ihnen schwere Strafen in Aussicht zu stellen
falls die Leistung nicht den Arbeitstagen entsprche. Nach vergeblichem
Bemhn um einen andern Fhrer, verliessen wir Buhi Nachmittags, und
bernachteten im Rancho, wo man uns frher so freundlich aufgenommen
hatte. Die Feuer brannten noch, aber die Bewohner waren bei unserer
Annherung geflchtet. Am folgenden Morgen um 6 Uhr begann die
Besteigung. Nachdem wir mit Benutzung der frher von uns gebahnten
Pfade den Wald durchschritten, ging es durch 3 bis 4 Fuss hohes Gras
mit scharfschneidenden Blttern, dann folgte 7 bis 8' hohes Rohr,
vom Habitus unseres Arundo phragmites (es stand aber nicht in Blthe),
das den ganzen oberen Theil des Berges bis zum Rande einnimmt; nur in
den Schluchten reichten die Bume hoch hinauf. In den untern Gehngen
waren sie mit Aroideen und Farnen, gegen den Gipfel zu mit Flechten
und Moosen bedeckt. Ich fand hier eine schne neue eigenthmlich
gestaltete Orchidee. [183] Die Cimarronen hatten etwas Rohr umgehauen,
weiter bahnten wir uns mit Waldmessern den Weg und erreichten schon
um 10 Uhr die Spitze. Es war sehr trbe. Auf einen klaren Abend
oder Morgen hoffend, liess ich eine Htte bauen, wozu das Rohr sehr
geeignet war. Fr sich selbst ein Obdach zu errichten und Brennholz zum
Wachtfeuer herbeizuschaffen, waren die Indier zu faul. Sie kauerten,
um sich zu erwrmen, dicht an einander gedrckt auf dem Boden, assen
kalten Reis und dursteten dazu, da keiner Wasser holen wollte. Von
zwei Wassertrgern, die ich mitgenommen, hatte der Eine sein Wasser
unterwegs aus Versehn verschttet, der Andre es unten ausgegossen,
weil er geglaubt, dass wir es nicht brauchen wrden.

Ich fand die hchste Spitze des Yriga 1212 Meter, 1120 Meter ber
dem Spiegel des Buhi-See's. Von Buhi ging ich nach Btu.

Der Batu-See (111 Meter Meereshhe) war seit meinem letzten Besuch
im Februar noch tiefer gesunken, der Algenteppich hatte an Breite
betrchtlich zugenommen, sein oberer Rand war an vielen Stellen
zerfetzt, der untere ging allmlig in einen dicken Wulst faulender
Wasserpflanzen ber (Charen, Algen, Pontederien, Valisnerien, Pistien
u. s. w.), der den Wasserspiegel ringsum einfasste und nur durch
einzelne Lcken an das Ufer zu gelangen gestattete. Queer vor der
Mndung des Quinali in den See lag eine Barre von schwarzem Moder, in
welcher einige schmale Wasserrinnen die weichsten Stellen anzeigten. Da
wir mit einem grsseren Boote nicht ber die Barre gelangen konnten,
so wurden zwei kleine schmale Nachen durch einen Bambusrost verbunden,
und mit einem Sonnendach versehn. Vermittelst dieser Vorrichtung,
die von 3 krftigen Bffeln gezogen wurde, whrend die Mannschaft mit
sichtlichem Behagen und lautem Jubel knietief im schwarzen Schlamm
watend, schieben half, gelangten wir, wie auf einem Schlitten ber
das Hinderniss in den Fluss, der bei meinem ersten Besuch an vielen
Stellen die Felder berfluthete, so dass die Htten der Eingeborenen
wie Schiffe aus dem Wasser ragten und jetzt (im Juni) nicht einmal
sein Bett ausfllte. Wir mussten daher die Schlittenfahrt bis dicht
vor Quinali fortsetzen.

In Ligo stieg ich bei einem befreundeten Spanier ab, da seit meinem
letzten Besuch ein grosser Theil der Ortschaft sammt Tribunal und
Convento abgebrannt war. Nachdem die nthigen Vorbereitungen getroffen,
ging ich Abends nach Barayong, einem kleinen Cimarronen-Rancho, am
Fuss des Mazarga, mit dessen Insassen ich am folgenden Morgen den
Berg bestieg. Auch die Frauen begleiteten uns eine gute Strecke und
erhielten die Gesellschaft in munterer Laune. Unterwegs wurde einem
zu dem Zweck mitgenommenen Indier eine Bambuse voll Wasser zum Tragen
bergeben, er warf sie fort, und lief davon, eine Alte trat fr ihn
ein und schleppte das Wasser unverdrossen bis auf den Gipfel. Dieser
Berg war feuchter, als alle die ich je bestiegen, den Semeru in
Java etwa ausgenommen. Auf halbem Wege fand ich einige angefaulte
Rafflesien. [184] Zwei elend aussehende Cimarronenhunde jagten
uns einen jungen Hirsch zu, den einer der Leute durch einen Schlag
mit dem Waldmesser erlegte. Im Drittel der Hhe hrte der Pfad auf,
doch war es nicht schwierig durch den Wald zu gelangen, der mit Rohr
dicht bewachsene obere Theil des Berges verursachte wiederum grosse
Schwierigkeiten. Gegen zwlf erreichten wir die Gipfelplatte, die von
keinem Krater durchbohrt, flach gewlbt, fast horizontal, und dicht mit
Rohr bestanden ist. Ihre Hhe ergab sich = 1354 Meter. In kurzer Zeit
bauten die unermdlichen Cimarronen eine schne grosse Rohrhtte: ein
Zimmer fr mich und das Gepck, einen grossen Vorsaal fr die Leute,
ein besonderes Haus fr die Kche. Leider war das Rohr so nass, dass
es nicht brannte. Um etwas Brennholz zum Reiskochen zu haben, wurden
dicke Aeste aus dem Walde geholt, und ihr verhltnissmssig trockner
Kern mhsam herausgeschlt. Die Schwefelhlzer waren so feucht, dass
der Phosphor sich beim Reiben ablste; auf Lschpapier gesammelt,
mit dem geschwefeltem Ende des Zndholzes geknetet, ward er trocken,
und entzndete sich durch die Reibung. Von anstehendem festem Gestein
war nicht eine Spur zu sehn. Alles, von da ab wo der Pfad aufhrte,
war dicht bewachsen, der Boden mit einer hohen Schicht feuchter
Walderde bedeckt. Der folgende Morgen war hell und gestattete eine
weite Rundsicht, aber noch ehe ich sie fertig gezeichnet, ward es
wieder trbe, und als nach mehrstndigem Warten der Himmel sich mit
dichten Regenwolken bezog, traten wir den Rckweg an.

Auf dem Gipfel schwrmten viele Schmetterlinge umher. Wir konnten
aber nur wenige fangen, da das Gehn zwischen den hohen Rohrstoppeln
fr nackte Fsse sehr beschwerlich war: von zwei Paar, aus Manila
bezogenen neuen Schuhen hatten sich, noch ehe ich die Spitze erreichte,
die nur leicht angehefteten Sohlen abgelst, so dass ich den Weg nach
Ligao barfuss zurcklegen musste.

Am folgenden Tage ging mein spanischer Gastfreund zweimal nach dem
Tribunal, um mir die zur Befrderung meiner Sammlungen nthigen
Bffelkarren zu verschaffen. Seine hflichen Bitten blieben ohne
Erfolg; dem Befehl des Cura, der den Gobernadorcillo zu sich in's
Haus beschied, wurde sogleich gehorcht. Fr spanische Privatleute
haben die einheimischen Behrden in der Regel wenig Rcksichten,
sie begegnen ihnen nicht selten mit deutlicher Geringschtzung. Eine
amtliche Empfehlung des Alkalden ist gewhnlich wirksam, aber nicht
in allen Provinzen, denn manche Alkalden schaden ihrem Ansehn, indem
sie zur Frderung ihrer persnlichen Interessen die Mithlfe oder
Verschwiegenheit der einheimischen Behrden in Anspruch nehmen.

Ich schoss hier einige Pankes, grosse Fledermuse, mit Flgeln
von fast fnf Fuss Spannweite, die im Tagesschlaf an den Aesten
eines Baumes hingen (s. Reisesk. S. 216), darunter zwei Mtter
mit unversehrten sugenden Jungen. Es sah rhrend aus, wie sich
die Thierchen fester und fester an den Krper der sterbenden Alten
klammerten und auch noch nach erfolgtem Tode sie zrtlich zu herzen
schienen; der anscheinenden Innigkeit lag aber nur Selbstsucht
zu Grunde, denn als ihr Milchvorrath erschpft, wurden die Alten
rcksichtslos, wie leere Schluche behandelt. Sobald die Jungen
abgenommen wurden, frassen sie Bananen und lebten mehrere Tage lang
bis ich sie in Spiritus steckte.

Frh Morgens ritt ich auf dem Gaule des Pfarrers nach Legaspi, und
Abends durch tiefen Schlamm zum Alkalden nach Albay. Wir befanden uns
jetzt (Juni) mitten in der sogenannten trocknen Jahreszeit, es regnet
aber fast tglich. Der Weg zwischen Albay und Legaspi war schlechter
als je. Whrend meines Besuches ging vom Kommandanten der Falas an
der Sdkste die Meldung ein, dass er zwei Seeruberboote verfolgte
als pltzlich sechs andre erschienen, um ihm den Rckweg abzuschneiden,
weshalb er schleunig umkehrte. Die Falas sind zwar stark bemannt, und
mit Kanonen versehn, aber die von den Ortschaften der Kste gestellte
Mannschaft ist gnzlich ungebt im Gebrauch der Feuerwaffen, und hat
solche Furcht vor den Moros, dass sie, wenn nur die geringste Hoffnung
zur Flucht vorhanden, mit allen Krften das Land zu erreichen sucht
um davon zu laufen. Die Kstenorte, ohne andre Waffen als hlzerne
Piken, waren den Seerubern vllig preisgegeben, die in Catandunes,
Biri, und mehreren kleinen Inseln festen Stand gefasst hatten und
ungestraft Schiffe kaperten oder am Lande Menschen raubten. Fast
tglich wurden neue Rubereien und Mordthaten aus den Stranddrfern
gemeldet. Die whrend des Raubzuges zum Rudern verwendeten Gefangenen
werden schliesslich als Sklaven verkauft. Bei der Theilung sollen
je zwei dem Dato, der die Schiffe ausgerstet, einer der Mannschaft
zufallen. [185] Zwar sind die Kstenfahrer in diesen Gewssern
grsstentheils mit Geschtzen versehn, doch liegen diese gewhnlich
im Schiffsraum, da Niemand an Bord damit umzugehn weiss. Sind die
Kanonen auf Deck befestigt, so fehlen die Kugeln oder das Pulver, aber
der Kapitn verspricht es das nchste Mal besser einzurichten. [186]
Der Alkalde berichtete die Thaten der Seeruber mit jeder Post nach
Manila, wies auf die grossen dem Handel zugefgten Verluste, und auf
die Pflicht der Regierung ihre Unterthanen zu schtzen, um so mehr, als
diesen keine Feuerwaffen gestattet sind. [187] Von den Bisaya-Inseln
ertnten dieselben Hlferufe. Die Regierung war aber machtlos gegen das
Uebel. Wurden die Klagen gar zu laut, so sandte sie in die am meisten
heimgesuchten Gewsser ein Dampfboot, das fast nie einen Seeruber zu
sehn bekam, obgleich diese dicht vor und hinter ihm ihr Wesen trieben.

In der Hauptstadt Samars traf ich spter einen Regierungsdampfer,
der seit vierzehn Tagen vergeblich gegen Piraten kreuzte; denn
diese, gewhnlich schon durch ihre Spione gewarnt, sehn den
Rauch des Dampfbootes frh genug, um mit ihren flachen Khnen zu
entschlpfen. Die Offiziere wussten von vornherein, dass ihre Fahrt
schwerlich andern Erfolg haben wrde, als den geschdigten Provinzen
zu zeigen, dass ihr Nothschrei nicht unbeachtet blieb. [188]

Es waren indessen damals schon 20 kleine Dampfkanonenboote von geringem
Tiefgang in England bestellt und ihrer Vollendung nahe, sie wurden in
Stcken um das Kap transportirt, die ersten beiden trafen bald darauf
in Manila ein, die brigen folgten, und es gelang ihnen den Archipel
auf einige Zeit von dieser schweren Plage fast zu befreien [189],
wenigstens von den chten Moros, die jhrlich aus der Solosee meist
von der Insel Tavi-tavi kamen, im Mai nach den Bisayas gelangten,
und dann ihre Raubzge im Archipel fortsetzten, bis der Wechsel
des Monsun im Oktober oder November sie zur Rckkehr zwang. [190]
In den Philippinen erhielten sie neuen Zuwachs durch Vagabunden,
Desertre, entlassene Strflinge, ruinirte Spieler. Aus denselben
Elementen werden auch die Banden von Strassenrubern (Tulisnes)
gespeist, die zuweilen sehr zahlreich auftreten und Streiche von
ausserordentlicher Keckheit ausfhren. Nicht lange vor meiner Ankunft
waren sie in eine Vorstadt Manila's eingefallen und hatten in den
Strassen mit dem Militr gekmpft. Ein Theil des letzteren pflegt
regelmssig durch den Dienst gegen Tulisanes in Anspruch genommen zu
werden. Die Ruber sollen in der Regel gegen ihre Opfer nicht grausam
sein, wenn kein Widerstand geleistet wird. [191]

In Legaspi fand ich mehrere Kisten mit Blechfuttern, die mit
der Ueberlandpost nach 16 Monaten, statt nach 7 Wochen, fr mich
angekommen waren, da sie von Berlin ber Triest versandt, wegen des
italienischen Krieges dort liegen geblieben. Ihr fast ausschliesslich
zum Gebrauch in den Philippinen bestimmter Inhalt war mir jetzt
zum grssten Theil berflssig. In einer Kiste befanden sich zwei
mit Glasstpseln verschlossene Flschchen, die eine mit feuchtem
Kohlenpulver, die andre mit feuchtem Lehm gefllt, beide enthielten
Samen von Victoria regia und Knollen rother und blauer Nymphen. Die
in der ersten Flasche waren verdorben -- wie sich erwarten liess;
aber in der mit feuchtem Lehm gefllten hatten zwei Knollen 1/2 Zoll
lange Keime getrieben und sahen ganz gesund aus. Ich pflanzte sie
sogleich; in einigen Tagen entwickelten sie krftige Bltter. Eine
dieser schnen, ursprnglich fr den Buitenzorger Garten in Java
bestimmten Pflanzen blieb in Legaspi, die andre sandte ich nach
Manila, wo ich sie spter in voller Blthe wieder sah. Im Kohlenpulver
hatten zwei Victoriakerne ber einen Zoll lange Wurzeln gemacht,
die aber abgefault, vielleicht auch bei der Zollrevision abgerissen
und dann gefault waren, denn der Hals des Flschchens war zerbrochen;
das Kohlenpulver sah aus als wre darin gerhrt worden. Ich theilte dem
Inspektor des Berliner botanischen Gartens den glnzenden Erfolg seiner
Verpackungsart mit; er machte eine zweite Sendung direkt nach Java,
die im besten Zustande ankam, so dass nicht nur die Victoria, sondern
auch die von einem afrikanischen Vater und einer asiatischen Mutter
in Berlin erzeugten rothen Teichrosen jetzt die Wasserbecken Java's
(letztere Pflanzen vielleicht auch die der Philippinen) schmcken.

Wegen der anhaltenden Regen benutzte ich zwei Backfen, um meine
Sammlungen vor dem Einpacken zu trocknen. Mein Diener verbrannte den
grssten Theil, so dass der Rest in einer gerumigen Kiste Platz fand,
die ich fr einen Dollar erstand. Leider fehlte der Deckel. Um diesen
zu beschaffen, musste ich zuerst einen Zimmermann, der wegen einer
kleinen Schuld gefangen sass, frei machen, dann Vorschuss geben, um ein
Brett zu kaufen und Vorschuss um das versetzte Handwerkzeug auszulsen;
die endlich begonnene Arbeit wurde mehrere Male unterbrochen, weil
ltere Vorschsse ungestmer Glubiger durch Arbeit getilgt werden
mussten. Nach fnf Tagen war der Deckel fertig; er kostete drei Dollar,
hielt aber nicht lange, denn schon in Manila musste er durch einen
neuen ersetzt werden.

In Legaspi fand ich Gelegenheit einen kleinen Schoner nach der Insel
Samar zu benutzen, die SO. von Luzon, jenseits der 3 Leguas breiten
S. Bernardino-Strasse liegt. Im Augenblick der Abreise verliess mich
mein Diener um ein wenig von den Strapazen auszuruhn -- zu meinem
grossen Bedauern, -- denn Pepe war gutmthig, sehr anstellig und immer
guter Laune. Er hatte in seinem Geburtsorte Cavite, wo viele spanische
Soldaten und Seeleute leben, diesen manches abgesehn, und wurde
scherzweis Espaol de Cavite genannt. Das Herumstreichen von einer
Ortschaft zur andern gefiel ihm sehr, er machte schnell Bekanntschaft,
und wusste sich bei den Frauen beliebt zu machen; denn er besass viele
gesellige Talente, verstand auch Guitarre zu spielen und Bffelkhe
zu melken. Kamen wir in ein Pueblo, wo eine Mestizin oder gar eine
Landestochter (Kreolin) wohnte, so requirirte er, wenn es anging,
sogleich eine milchende Bffelkuh, molk sie, brachte der Seora einen
Theil der Milch und hielt, unter dem Vorgeben der Dolmetscher meiner
Gesinnungen zu sein, eine so hfliche wohlgesetzte Rede, pries die
Schnheit und Anmuth der Dame und liess sich mit demthigster Miene
so ungeheuerliche Reiseabenteuer abfragen, dass Ritter und Knappe
in hellem Glanze strahlten. Das Geschenk war immer willkommen, (und
brachte uns manch Krbchen Orangen ein); denn Bffelmilch ist zur
Chocolade sehr beliebt, es kommt aber, wie es scheint, nur selten
jemand auf den Einfall eine Kuh zu melken. Leider mochte Pepe nicht
Berge steigen, und bekam Bauchweh, wenn er mich begleiten sollte,
oder er verschenkte meine starken Schuhe oder liess sie stehlen; die
einheimischen aber blieben unangetastet; denn er wusste wohl, dass
sie fast nur zum Reiten taugen, woran auch er Freude hatte. In meiner
Gesellschaft arbeitete er schnell und gern, aber allein langweilte
es ihn, er fand berall Freunde, die ihn abhielten; dann liess er bei
dem Abbalgen der Vgel das Fleisch in den Beinen sitzen, so dass sie
verfaulten und fortgeworfen werden mussten. Noch unangenehmer war ihm
das Packen, darum that er es so schnell als mglich, doch nicht immer
mit gengender Sorgfalt, wie einmal, wo er Schuhe, Arsenikseife,
Zeichnungen und Chocolade in ein Tuch zusammenband. Trotz solcher
kleinen Mngel war er mir sehr ntzlich und angenehm. Nach einer so
unzivilisirten Insel, wie Samar, ging er aber nicht gern, und als er
gar seinen Lohn fr acht Monate auf einmal erhielt, und pltzlich ein
kleiner Kapitalist war, konnte er der Versuchung nicht widerstehn,
ein wenig von den Strapazen auszuruhn.








NEUNZEHNTES KAPITEL

    REISEN IN SAMAR. -- WETTER. -- BEAMTENWAHL. -- NORDKSTE. --
    CATBALOGAN. -- FLATTERMAKIS. -- SCHLANGENBNDIGER. --
    TERTIRVERSTEINERUNGEN. -- STROMSCHNELLEN DES LOQUILOCUN. --
    GESPENSTERTHIER.


Die Insel Smar, von beinahe rhombischem Umriss, mit wenig ausgezackten
Rndern, erstreckt sich NW.--SO. von 12 37' bis 10 54' N., ist im
Mittel 22 M. lang und halb so breit; ihr Flchenraum betrgt ber 220
quadr. M. Im Sden wird sie durch die schmale San Juanico-Strasse
von der Insel Leyte getrennt, mit welcher sie frher zu einer Provinz
vereinigt war. Jetzt steht jede Insel unter einem besondern Guvernr.

Von ltern Schriftstellern wird die Insel Tendaya, Ybabo, auch Achan
und Philippina genannt, spter hiess die stliche Seite Ybabo,
die westliche Smar, welches jetzt die amtliche Benennung fr die
ganze Insel ist; das stliche Gestade wird als die Contracosta
unterschieden. [192]

Der NO. Monsun berwiegt hier, wie an den Ostksten Luzon's, an
Dauer und Strke den SW.-Monsun, dessen Gewalt durch die sdwestlich
liegenden Inseln gebrochen wird; whrend die NO. Winde mit ihrer ganzen
Kraft und der Wucht ihrer im grossen Ozean aufgesogenen Wassermasse
gegen die Ksten dieser stlichen Inseln anprallen. Im Oktober treten
zwischen NW. und NO. schwankende, vorherrschend nrdliche Winde ein,
Mitte November wird der Nordost bestndig und dauert, nur selten
von Nord unterbrochen, bis zum April. Dies ist auch die Regenzeit;
am nassesten sind Dezember und Januar, wo es zuweilen vierzehn Tage
ohne Unterbrechung regnen soll. An der Nordkste bei Luang dauert die
Regenzeit von Oktober bis Ende Dezember. Januar bis April sind trocken;
Mai, Juni, Juli Regen; August, September trocken. Es giebt also dort
zwei nasse und zwei trockene Jahreszeiten. Von Oktober bis Januar
kommen zuweilen heftige Strme vor (Baguios = Taifun); sie beginnen
gewhnlich mit Nordwind, gehen nach Nordwest, von schwachem Regen
begleitet, dann zurck nach N., mit zunehmender Strke nach NO. und
O., wo sie ihre grsste Gewalt erreichen, und dann mit schwachem
Winde nach Sden bergehen; zuweilen aber drehen sie schnell durch
Ost nach Sd und erlangen erst dort ihre grsste Kraft.

Von Ende Mrz bis Mitte Juni herrschen unbestndige stliche Winde
(NO. O. SO.) mit sehr hoher See an der Ostkste. Der Mai ist gewhnlich
windstill. Im Mai und Juni hufige Gewitter, welche den SW.-Monsun
einleiten, der in den Monaten Juli, August, September zur Geltung
kommt, aber nie so bestndig ist, wie der NO.. Die genannten drei
Monate bilden die trockene Jahreszeit, sie wird aber von hufigen
Gewittern unterbrochen. Es vergeht wohl keine Woche regenlos. In
manchen Jahren findet an jedem Nachmittage ein Gewitter statt. In
dieser Jahreszeit knnen Schiffe an der Ostkste anlegen; whrend
des NO.-Monsun ist Schifffahrt dort nicht mglich. Diese allgemeinen
Verhltnisse sind manchen rtlichen Abweichungen, namentlich an
der Sd- und Westkste unterworfen, wo die Regelmssigkeit der
Luftstrmungen durch die davor liegenden, bergigen Inseln gestrt
wird. Nach dem Estado geogr. 1855 S. 345 tritt alljhrlich bei dem
Monsunwechsel, im September oder Oktober eine ausserordentlich
(unter Umstnden 60 bis 70 Fuss) hohe Fluth ein, Dolo genannt,
die sich mit furchtbarer Gewalt gegen die Ost- und Sdkste wirft,
grossen Schaden anrichtet, aber eine Gezeit nicht berdauert. Das
Klima von Samar und Leyte scheint an den Ksten sehr gesund zu sein
und zu den zutrglichsten des Archipels zu gehren. Ruhr, Durchfall
und Fieber kommen seltener vor als in Luzon; auch Europer sollen
ihren Anfllen hier weniger ausgesetzt sein als dort.

Samar ist fast nur an seinen Rndern von zivilisirten Indiern bewohnt,
und zwar von Bisayern, die durch Sprache und Sitten etwa in demselben
Grade von den Bicols verschieden sind, wie diese von den Tagalen. Im
Innern fehlen Strassen und Drfer beinahe gnzlich; es ist mit dichtem
Walde bedeckt und dient unabhngigen Stmmen zum Aufenthalt, die etwas
Ackerbau treiben (Knollengewchse und Bergreis), und die Produkte des
Waldes sammeln, namentlich Harze, Honig und Wachs, woran die Insel
sehr reich ist.

Am 3ten Juli verliesen wir Legspi, schlichen, durch hufige
Windstillen aufgehalten, am Nordrande von Alby bis zur Punta Montfar,
dann an der kleinen Insel Viri vorbei, und erreichten Luang erst
am 5ten Abends. Das Gebirge von Bcon (Pocdol bei Coello), das mir
auf frheren Reisen durch Nacht oder Nebel verborgen geblieben,
zeigte sich im Vorberfahren deutlich als ein Kegelberg, daneben
ragte eine sehr schroffe tiefgefurchte Bergwand auf, anscheinend der
Rest eines Ringgebirges. Nachdem der Steuermann, ein alter, aus der
Gegend gebrtiger Indier, der die Reise schon oftmals gemacht, uns
zuerst nach einem falschen Hafen gefahren, setzte er das Schiff auf
der Barre fest, obgleich hinreichend Wasser vorhanden war, um bequem
in den Hafen einzulaufen.

Die Ortschaft Luang (Lhuan) von mehr als 4500 Einwohnern, liegt
zusammengedrngt auf dem 40 Fuss hohen Sdwestrande der gleichnamigen
kleinen Insel, durch einen Arm des Catbig von Smar getrennt. Nach
einer verbreiteten Ueberlieferung lag der Ort frher auf Smar
selbst, inmitten seiner noch heut dort vorhandenen Reisfelder, bis
wiederholte Ueberflle von Seerubern die Einwohner bewogen sich
trotz der damit verbundenen Unbequemlichkeiten zu ihrem Schutz auf
der Sdkante der steil aus dem Meer emporsteigenden kleinen Insel
anzusiedeln. [193] Diese besteht aus fast horizontalen, 8 bis 12 Zoll
dicken Tuffbnken. Die an der Fluthgrenze von den Wellen fortwhrend
benagten Schichten veranlassen die obern Bnke abzubrechen, so dass
die ziemlich gleich dicken, durch vertikale Sprnge zerklfteten
Schichtenkpfe wie Festungsmauern erscheinen. Die Kirche und das
Convento haben des beschrnkten Raumes wegen jeden flachen Absatz
des Felsens in verschiedenen Hhen benutzen, sich der Oertlichkeit
anbequemen mssen und sind daher, wohl ohne Absicht des Erbauers,
ganz malerisch geworden.

Der Ort liegt hbsch, die Huser sind aber nicht, wie sonst hufig,
von kleinen Grten umgeben, es herrscht grosser Wassermangel und bler
Geruch. Zwei oder drei sprliche Quellen, fast im Meeresniveau, liefern
ein trbes, brackisches Wasser, mit dem die trgen Leute sich begngen,
so lange es eben ausreicht. Wohlhabende lassen ihr Wasser von Samar
holen, wozu auch die Aermeren zuweilen durch das Versiegen der Quellen
gezwungen werden. Zum Baden reicht das Quellwasser nicht aus, Seebder
sind nicht beliebt, die Leute sind daher sehr schmutzig. Ihre Kleidung
ist dieselbe wie in Luzon, die Frauen tragen aber keinen Tapis, sondern
nur Camisa (ein kurzes, die Brste kaum deckendes Hemd) und Saya, meist
aus grober, strriger Guinara, die hssliche Falten bildet und wenn
nicht schwarz gefrbt, sehr durchscheinend ist. Schmutz und dezentes
Wesen schtzen aber mehr als dichte Gewnder. Die Bewohner von Luang
stehen wohl mit Recht in dem Ruf sehr trge zu sein. Ihr Gewerbfleiss
beschrnkt sich fast auf etwas Landbau, selbst der Fischfang wird so
vernachlssigt, dass es hufig an Fischen mangelt. Eigene Schifffahrt
ist kaum vorhanden, obgleich es keine Landstrassen giebt. Der Handel
wird meist durch Schiffer aus Catbalgan betrieben, die den Ueberschuss
der Ernten gegen andere Erzeugnisse eintauschen.

Vom Convento berblickt man einen Theil der Insel Samar, deren
Bergformen die Fortsetzung der flachen Schichtung anzeigen. In der
Mitte der Landschaft ragt in Entfernung einiger Meilen ein in der
Geschichte der Gegend berhmter Tafelberg hervor. Dorthin hatten sich
die Eingeborenen des nahen Dorfs Palpat, nachdem sie ihren Pfarrer,
einen zu lsternen Jesuitenpater, ermordet, zurckgezogen und Jahre
lang mit den Spaniern Guerillakrieg gefhrt, bis sie endlich durch
Verrath berwltigt wurden.

Das Innere der Insel ist schwierig zu bereisen, da keine Wege
vorhanden sind; die Ksten werden sehr von Seerubern heimgesucht. In
den letzten vierzehn Tagen waren mehrere Pontins und vier mit Abac
beladene Schoner gekapert, die Mannschaft zum Theil grausam ermordet,
ihre Leichname zerstckelt worden, -- eine Abweichung vom Brauch,
denn gewhnlich werden die Gefangenen whrend der Dauer des Raubzuges
zum Rudern benutzt und spter in den Inseln der Solosee als Sklaven
verkauft. Es war gut, dass wir den Piraten nicht begegnet, denn
obgleich wir vier kleine Kanonen an Bord fhrten, verstand Niemand
ihre Behandlung. [194]

Der zur Leitung der Wahlen fr die Gemeindemter erwartete Guvernr
sandte, durch Krankheit verhindert, einen Stellvertreter. Da die Wahlen
alljhrlich im ganzen Lande nach derselben Vorschrift vollzogen werden,
so mag diese, der ich beiwohnte, als Beispiel beschrieben werden:
Sie findet im Gemeindehaus statt; am Tisch sitzt der Guvernr (oder
sein Vertreter), ihm zur Rechten der Pfarrer, links der Schreiber,
der zugleich Dolmetscher ist. Smmtliche Cabezas de Barangay, der
Gobernadorcllo und die es frher gewesen, haben auf Bnken Platz
genommen. Es werden zuerst durch das Loos je 6 von den Cabzas,
und von den Gobernadorcillo's zu Whlern ernannt; der fungirende
Gobernadorcllo ist der dreizehnte, die Uebrigen verlassen den
Saal. Nachdem der Vorsitzende die Statuten verlesen und die Whler
zur gewissenhaften Erfllung ihrer Pflicht ermahnt, treten diese
einzeln an den Tisch und schreiben drei Namen auf einen Zettel. Wer die
meisten Stimmen hat, wird, wenn weder Pfarrer noch Whler begrndeten
Einspruch erheben, sofort zum Gobernadorcllo fr das kommende Jahr
ernannt, vorbehaltlich der Besttigung der Oberbehrde in Manila,
die wohl immer erfolgt, denn schon der Einfluss des Cura wrde eine
missliebige Wahl verhindern. Auf dieselbe Weise findet die Wahl der
brigen Beamten statt, nachdem zuvor der neue Gobernadorcillo in
den Saal gerufen, damit er etwaige triftige Einwendungen gegen seine
aus der Wahl hervorgehende knftige Beamten machen knne. Die ganze
Handlung ging mit grosser Ruhe und Wrde vor sich. [195]

Am folgenden Morgen fuhr ich in Gesellschaft des geflligen Pfarrers,
dem sich fast alle Knaben des Dorfes anschlossen, in einem grossen Boot
nach Samar ber. Von elf krftigen Gepcktrgern, die der Vertreter des
Guvernrs fr mich ausgewhlt hatte, bemchtigten sich vier einiger
Kleinigkeiten und eilten damit voraus, drei andere verbargen sich im
Gebsch, vier waren schon in Luang davongelaufen. Das Gepck wurde
auseinandergenommen, unter die zurckgeholten vier Trger und die zum
Vergngen mitgegangenen kleinen Jungen vertheilt. Wir folgten dem
Seestrand in westlicher Richtung und erreichten sehr versptet die
nchsten Visitas, wo es dem Cura nach vieler Mhe gelang, die fehlenden
Trger zu ersetzen. Westlich von der Mndung des Pambjan springt
eine Landzunge in's Meer, ein Lieblingsaufenthalt der Seeruber, da
sie dort im Walde verborgen, den Strand bersehen knnen, der sich
zu beiden Seiten in weiten Bogen ausdehnt und die einzige Strasse
zwischen Luang und Catrman bildet. Schon viele Menschen sind hier
geraubt worden und nur mit genauer Noth war der mich bis hierher
begleitende Pater vor einigen Wochen dieser Gefahr entgangen.

Der letzte Theil der Tagereise verlief sehr munter. Ein vorausgesandter
Bote hatte an allen Flussmndungen Khne stellen lassen; da man in
diesem Gebiet kaum andre Europer kennt, als Geistliche, so wurde
ich in der Dunkelheit fr einen Kapuziner im Reiseanzug gehalten,
die Mnner leuchteten mir mit Fackeln bei der Ueberfahrt, die Frauen
drngten sich heran um mir die Hand zu kssen. Ich bernachtete
unterwegs und gelangte am folgenden Tage nach Catrman (Caladman auf
Coellos Karte), einem reinlichen, gerumigen Ort von 6358 Seelen, an
der Mndung des gleichnamigen Flusses. Sechs Pontins aus Catbalgan
lagen dort um Reis fr Alby zu laden. Die Bewohner der Nordkste
sind zu schlechte Seefahrer, um ihre Produkte selbst auszufhren;
sie berlassen es den Leuten aus Catbalgan, die, weil es ihnen an
Reisfeldern mangelt, gezwungen sind, ihre Thtigkeit auf anderen
Gebieten zu entfalten.

Frher mndete der Fluss von Catrman weiter stlich und war sehr
verschlmmt. Im Jahre 1851 bahnte er sich in dem lockeren, aus
Quarzsand und Muscheltrmmern bestehenden Boden nach anhaltendem,
heftigen Regen einen neuen, krzeren Ausgang zum Meer, den jetzigen
Hafen, in welchem Schiffe von 200 Tonnen unmittelbar am Lande laden
knnen, zerstrte aber dabei den grssten Theil des Dorfes, auch die
steinerne Kirche und Priesterwohnung. In dem neuen Convento sind zwei
Sle, der eine von 16,28,8, der andre von 97,6 Schritt Inhalt,
mit Brettern aus einem einzigen Ast eines Dipterocarpus (guiso)
gedielt. Den Schritt = 30 Zoll, die Dicke der Bretter mit Inbegriff
der Abflle zu einem Zoll angenommen, entspricht dies einem festen
Holzblock, so hoch wie ein Tisch (2 1/2'), ebenso breit und 18' lang,
etwa 110 Cubikfuss. [196] Die Huser sind von Grten umgeben, zum Theil
auch nur von Einzunungen, in denen Unkraut wuchert. Bei dem Neubau
des Dorfes nach der grossen Wasserfluth wurde die Anlage von Grten
befohlen; es fehlt aber oft der Fleiss, sie zu erhalten. Sdlich vom
Dorf dehnen sich Weidepltze aus, mit feinem kurzem Grase bewachsen,
doch ist mit Ausnahme einiger dem Cura gehrenden Rinder und Schafe,
kein Vieh vorhanden.

Immer noch ohne Diener, fuhr ich mit meinem Gepck in zwei kleinen
Khnen den Fluss hinauf, an dessen beiden Seiten sich Reisfelder
und Kokoshaine ausbreiten, die aber, durch einen dichten Saum von
Nipapalmen und hohem Rohr verborgen, nur durch gelegentliche Lcken
sichtbar sind. Die zuerst flachen, sandigen Ufer werden allmlig
steiler, bald zeigt sich anstehendes Gestein, feste Bnke von
sandigem Thon, mit seltenen Spuren undeutlicher Versteinerungen. Eine
kleine Muschel [197] hat an der Wassergrenze so zahlreiche Lcher
in die Thonbnke gebohrt, dass diese wie Honigwaben aussehn. Um
12 kochten wir unsern Reis in einer einzeln stehenden Htte bei
freundlichen Leuten. Die Frauen, die wir in zerlumpten, schwarzen
Guinragewndern berraschten, zogen sich beschmt zurck und
erschienen bald darauf in sauberen bunten Sayas, messingenen Ohrringen
und Schildkrtenkmmen. Als ich ein kleines nacktes Mdchen zeichnete,
nthigte die Mutter sie ein Hemd anzuziehn. Um 2 bestiegen wir die
Boote wieder, ruderten die ganze Nacht und erreichten um 9 Vormittags
eine kleine Visita, Cobocbo. Nach Abzug der zweistndigen Mittagsrast
hatten die Leute 24 Stunden ununterbrochen gearbeitet und waren guter
Dinge, wenn auch etwas mde.

Um 2 1/2 Uhr traten wir den Landweg ber die Salta Sangley
(Chinesensprung) nach Tragbcan an, welches in gerader Richtung etwa
eine Meile entfernt, an der Stelle liegt, wo der an der Westkste bei
Punta Hibton mndende Calbyot fr Nachen schiffbar wird. Mittelst
dieser beiden Flsse und des kurzen aber beschwerlichen Landwegs
besteht eine Verbindung zwischen den bedeutenden Ortschaften Catrman
an der Nordkste und Calbyot an der Westkste. Der Landweg, im besten
Falle ein schmaler, von der Sonne nicht beschienener Pfad im dichten
Walde, oft nur eine Richtung, fhrt ber schlpfrige Thonrcken,
verschwindet in den Schlammpftzen der dazwischen liegenden Niederungen
und luft zuweilen im Bett der Bche hin. Die Wasserscheide zwischen
dem Catrman und Calbyot wird von der genannten Salta Sangley,
einem flachen, aus Thon- und Sandsteinbnken bestehenden, nach
beiden Seiten treppenfrmig absteigenden Rcken gebildet, von der
das oben angesammelte Wasser in kleinen Kaskaden herabfllt. An den
schwierigsten Stellen sind rohe Bambusleitern angebracht. Ich zhlte 15
Bche auf der NO. Seite, die den Catrman speisen und etwa ebenso viele
Zuflsse des Calbyot auf der SW. Seite. Um 5 Uhr 40 Minuten erreichten
wir den hchsten Punkt der Salta Sangley (etwa 90' Meereshhe). Um 6
Uhr 30 Minuten einen Fluss, den oberen Lauf des Calbyot, in dessen
Bett wir wanderten, bis die zunehmende Tiefe uns zwang, im Dunkeln
unsern Weg mhsam durch das Unterholz an seinem Rande zu bahnen;
um 8 Uhr befanden wir uns der Visita Tragbcan gegenber.

Der Fluss war hier bereits 6 Fuss tief, ein Nachen nicht
vorhanden. Nach langem Rufen, Bitten und Drohen entschlossen sich
die durch einen Revolverschuss aus dem Schlafe geschreckten Leute ein
Bambusfloss zu bauen, auf dem sie uns und unser Gepck bersetzten. Das
nur aus wenigen rmlichen Htten bestehende Oertchen liegt hbsch,
von bewaldeten Hgeln umgeben, auf einer Sandplatte 50 Fuss ber dem
schilfbesumten Fluss.

Dank der Rhrigkeit des mich begleitenden Teniente von Catrman war
in aller Frhe ein Boot herbeigeschafft worden, so dass wir um 7
Uhr die Reise fortsetzen konnten. Die Ufer blieben 20 bis 40 Fuss
hoch. Ausgenommen das Schreien einiger Nashornvgel, die auf den
hchsten Bumen von Ast zu Ast flatterten, nahmen wir keinen Laut,
keine Spur von Thierleben wahr. Um 11 1/2 Uhr gelangten wir an eine
kleine Visita, Taibgo, um 1 Uhr 35 Minuten an eine hnliche, Maguby,
und nach zweistndiger Mittagsrast, um 5 Uhr an eine Stromschnelle, die
wir geschickt, fast ohne Wasser zu schpfen, hinabglitten. Der bisher
im Mittel 30 Fuss breite, wegen vieler hineingestrzter Baumstmme
schwierig zu befahrende Fluss wird hier doppelt so breit. Gegen 11 Uhr
Nachts erreichten wir das Meer und ruderten bei vlliger Windstille
1 Legua weit die Kste entlang nach Calbyot, dessen Convento eine
herrliche Aussicht auf die davorliegenden Inseln gewhrt.

Ein Gewittersturm zwang uns, die Fahrt nach der 7 Leguas entfernten
Hauptstadt Catbalgan (oder Catbalnga) auf den Nachmittag zu
verschieben. Wir fuhren in einem langen, aus einem Baumstamme
gezimmerten, mit Ausriggern versehenen Boote am Strande hin, an welchem
sich eine Reihe niedriger bewaldeter Hgel mit vielen kleinen Visitas
hinzieht, und umschifften mit einbrechender Dunkelheit die Spitze
Napalsan, einen Felsen aus trachytischem Konglomerat, der durch
senkrechte Klfte mit abgerundeten Kanten in eine Reihe thurmartiger
Vorsprnge gegliedert, 60 Fuss hoch wie eine Ritterburg aus dem Meere
hervorragt. Nachts erreichten wir Catbalgan, die Hauptstadt der Insel
(6000 E.) in der Mitte des Westrandes gelegen, in einer kleinen von
Eilanden und Landzungen malerisch umgebenen Bucht, schwer zugnglich
und dennoch wenig geschtzt. -- Nicht Ein Fahrzeug ankerte im Hafen.

Die Huser, darunter viele von Brettern, sind zierlicher als in
Camarnes, die Leute zwar trge, aber bescheidener, ehrlicher,
gutmthiger und von reineren Sitten als die Bewohner Sd-Luzon's. Durch
die gefllige Verwendung des Guvernrs erhielt ich schnell eine
gerumige Wohnung und einen Diener, der Spanisch verstand. Auch traf
ich hier einen sehr intelligenten Indier, der sich grosse Fertigkeit in
den verschiedensten Handwerken angeeignet hatte. Mit dem einfachsten
Werkzeug besserte er manches an meinen Instrumenten und Apparaten,
deren Zweck er schnell begriff, zur vollstndigen Zufriedenheit aus
und gab viele Proben bedeutender geistiger Fhigkeit.

In Samar sind Flattermakis oder Lemure, Kguang der Bisayer,
Galeopithecus, nicht selten. Die Thiere, von der Grsse einer
Hauskatze, gehren zu den Vierhndern, sind aber, hnlich wie die
fliegenden Eichhrnchen, mit einer am Halse entspringenden, ber
Vorder-, Hinterglieder und Schwanz reichenden Flatterhaut versehn,
vermittelst welcher sie von einem Baum zum andern in einem sehr
stumpfen Winkel gleiten knnen. [198] Krper und Flatterhaut sind mit
einem sehr zarten kurzen Pelz bekleidet, der dem Chinchilla an Feinheit
und Weiche wohl kaum nachsteht, und deshalb sehr gesucht ist. Whrend
meiner Anwesenheit trafen zum Geschenk fr den Pfarrer sechs lebende
Kguangs ein (drei hellgraue, ein dunkelbrauner, zwei graubraune,
alle mit kleinen weissen unregelmssig vertheilten Flecken), von
denen ich ein Weibchen mit ihrem Jungen erhielt.

Es schien ein harmloses ungeschicktes Thier. Als es von seinen
Fesseln befreit war, blieb es am Boden liegen, alle vier Glieder
von sich gestreckt, die Erde mit dem Bauch berhrend und hpfte dann
in kurzen schwerflligen Sprngen, ohne sich dabei emporzurichten,
nach der nchsten Wand, die aus gehobelten Brettern bestand. Dort
angekommen tastete es lange mit den einwrts gebogenen scharfen
Krallen seiner Vorderhnde umher, bis ihm endlich die Unmglichkeit
an jener Stelle emporzuklettern klar geworden. Gelang es ihm in
einer Ecke oder mit Benutzung einer gelegentlichen Spalte, einige
Fuss aufwrts zu klimmen, so fiel es alsbald wieder herab, weil es
die verhltnissmssig sichere Stellung seiner Hinterglieder aufgab,
bevor die Krallen der vorderen festen Halt gefunden hatten; es nahm
aber keinen Schaden, da die Jhheit des Falles durch die schnell
ausgespannte Flughaut gebrochen wurde. Diese mit unerschtterlicher
Beharrlichkeit fortgesetzten Versuche zeigten einen auffallenden
Mangel an Urtheil, das Thier muthete sich viel mehr zu, als es
ausfhren konnte; daher blieben seine Bemhungen erfolglos, stets
aber fiel es ohne sich zu verletzen, Dank dem Fallschirm, womit die
Natur es ausgestattet hatte. Wre der Kguang nicht gewhnt sich so
ganz und gar auf diese bequeme Vorrichtung zu verlassen, so htte
er wohl seinen Verstand mehr gebrauchen, seine Krfte richtiger
beurtheilen gelernt. Das Thier hatte seine fruchtlosen Versuche so
oft wiederholt, dass ich es nicht weiter beachtete, -- nach einiger
Zeit war es verschwunden. Ich fand es in einem dunklen Winkel unter
dem Dache wieder, wo es wahrscheinlich die Nacht erwarten wollte,
um seine Flucht fortzusetzen. Offenbar war es ihm gelungen den
oberen Rand der Bretterwand zu erreichen und zwischen dieser und
der festaufliegenden elastischen Decke aus Bambusgeflecht seinen
Krper durchzuzwngen. Das arme Geschpf, das ich voreilig fr dumm
und ungeschickt gehalten, hatte unter den gegebenen Umstnden die
grsstmgliche Geschicklichkeit, Klugheit und Beharrlichkeit gezeigt.

Ein zum Besuch anwesender Padre aus Calbgan versprach mir so viele
Wunder in seinem Gebiet, -- eine Flle der seltsamsten Thiere, hchst
unzivilisirte Cimarronen, -- dass ich ihn am folgenden Tage auf
seiner Heimreise begleitete. Eine Stunde nach der Abfahrt erreichten
wir die kleine Insel Majva, die aus steil aufgerichteten Schichten
eines festen, feinkrnigen vulkanischen Tuffes mit kleinen glnzenden
Hornblendekrystallen besteht. Die Insel Buat (Coello's Karte) wird
von unsern Schiffern Tubgan genannt. In 3 Stunden gelangen wir
nach Umuas, einem Filial von Calbgan. Es liegt 50 Fuss ber dem
Meer in einer Bucht, vor welcher sich, wie so oft an dieser Kste,
eine Reihe kleiner malerischer Inseln hinzieht, 4 Leguas genau
S. von Catbalgan. Calbgan aber, das wir gegen Abend erreichten,
liegt von Reisfeldern umgeben 2 Leguas NNO. von Umuas, 40 Fuss
hoch ber dem gleichnamigen Fluss, fast anderthalb Leguas von dessen
Mndung. An den Ufern des Calbgan ist ein Baum mit schn violblauen
Blthenrispen besonders hufig, er liefert das geschtzteste Bauholz
der Philippinen, das dem Teak gleichgeachtet und wie dieses zu
den Verbenaceen gehrt. Sein inlndischer Name ist Molave. (Vitex
geniculata Blanco.) [199]

Nach der Versicherung glaubwrdiger Mnner soll es in hiesiger Gegend
Schlangenbndiger geben. Sie pfeifen die Schlangen angeblich aus ihren
Schlupfwinkeln herbei, lassen sie nach ihrem Willen sich bewegen oder
innehalten und hantiren sie nach Belieben, ohne von ihnen verletzt
zu werden. Den berhmtesten derselben hatten aber die Seeruber
vor Kurzem fortgeschleppt, ein zweiter war zu den Cimarronen in
die Berge entwichen, ein dritter, dessen Ruf nicht recht begrndet
schien, begleitete mich bei meinen Ausflgen, entsprach aber nicht
den Schilderungen seiner Freunde. Zwei Giftschlangen [200], die
wir unterwegs trafen, fing er, indem er sie geschickt, unmittelbar
hinter dem Kopf packte, so dass sie wehrlos waren, und wenn er
ihnen still zu liegen befahl, so setzte er ihnen zuvor den Fuss
auf den Nacken. Ich verletzte mir auf der Jagd, an einem im Schlamm
verborgenen spitzen Ast, den Fuss so erheblich, dass ich unverrichteter
Sache nach Catbalgan zurckkehren musste. Die Bewohner von Calbgan
gelten fr thtiger und umsichtiger als die brigen der Westkste,
auch ihre Ehrlichkeit wird gerhmt. Ich fand sie sehr anstellig,
das Sammeln und Zubereiten von Pflanzen und Thieren schien ihnen
Freude zu machen, gern htte ich einen Diener von hier mitgenommen;
sie trennen sich aber so schwer von ihrem Dorf, dass alle Bemhungen
des Pfarrers, einen zur Mitreise zu bewegen, erfolglos blieben.

In geringer Entfernung NW. von Catbalgan gewahrt man bei Ebbe in
weniger als 2 Faden Tiefe einen der ppigsten Korallengrten. Auf
einem bunten Teppich von Kalkpolypen und Schwmmen erheben sich wie
Staudengewchse Gruppen von lederartigen, fingerdicken Stielen, deren
oberes Ende dicht mit Polypen besetzt ist (Sarcophyton pulmo Esp.), die
ihre in den schnsten Farben schillernden Tentakelrosen weit geffnet
haben, so dass sie wie Blumen in voller Blthe erscheinen. Sehr grosse
Serpeln strecken aus ihren Kalkrhren zierliche rothe, blaue und gelbe
Fhlerkronen heraus, dazwischen wuchern fein gefiederte Plumularien;
kleine Fische von wunderbar prchtigen Farben tummeln sich in diesen
Nixengrten.

Nachdem Strme und die Flucht meines Dieners, der das ihm anvertraute
Geld beim Hahnenkampf verspielt hatte, mich einige Tage in der
Hauptstadt aufgehalten, fuhr ich die Bucht hinauf, die sich im S. von
Catbalgan, WO. bis Parnas erstreckt. Der Nordrand derselben besteht
aus NS. streichenden, gleich hohen, regelmssigen, von W. sanft
ansteigenden, nach O. steil abfallenden Erdwogen, die gegen das Meer
scharf abschneiden; 9 kleine Drfchen liegen an dieser Kste zwischen
Catbalgan und Parnas, sie ziehn sich unter Kokos- und Betelpalmen
in vereinzelten Husergruppen von den Mulden aus die westlichen,
sanften Abhnge hinauf und endigen, indem sie den Gipfel erreichen,
mit einem kleinen Castillo, das schwerlich Schutz gegen die Seeruber,
aber fast immer einen hbschen landschaftlichen Punkt gewhrt. Vor
dem Sdrande der Bucht und nach SW. hin sieht man viele kleine Inseln
und bewaldete Felsen, im Hintergrunde die Berge von Leyte, sich zu
immer wechselnden Veduten verschieben.

Da die Leute bei schwler Hitze, vlliger Windstille und fast
wolkenlosem Himmel beinahe so viel schliefen als ruderten, so
erreichten wir erst Nachmittags Parnas, ein sauberes zwischen 20
und 150 Fuss Meereshhe an einem Abhang gelegenes Dorf. Die am Meere
senkrechten Wnde bestehn aus grauen gegen das Land einfallenden
Thonbnken, und werden berlagert von einer Schicht Muscheltrmmer,
deren Zwischenrume mit Thon ausgefllt sind; ber dieser liegt eine
festere, durch Kalk verkittete Breccie, aus eben solchen Bruchstcken
bestehend. In den Thonbnken finden sich wohlerhaltene Versteinerungen,
in Farbe, Habitus, und Vorkommen manchen deutschen Tertirbildungen
zum Verwechseln hnlich; die Breccien sind gleichfalls fossil,
vielleicht auch tertir; jedenfalls liess sich die Identitt der
wenigen darin erkennbaren Cerithien, Pecten und Venus mit lebenden
Arten nicht feststellen. [201]

Am folgenden Morgen fuhr ich nrdlich in einem schmalen Kanal
durch einen stinkenden Rhizophorensumpf und setzte dann die Reise
zu Lande nach einem kleinen, im Walde gelegenen Drfchen Loquilcun
fort. Halbwegs durchfurtheten wir einen 20' breiten, OW. strmenden
Fluss, mit steilen durch Leitern zugnglich gemachten Uferwnden.

Da ich noch immer lahmte (Fusswunden heilen sehr schwer in heissen
Lndern), liess ich mich einen Theil des Weges auf landesbliche Weise
tragen: der Reisende liegt in einer an einem Bambusrahmen befestigten
Hngematte; eine III versinnlicht die Vorrichtung: der mittlere Strich
stellt die Hngematte, der Rest den Rahmen dar, dessen hervorragende
Enden vier rstige Polistas auf die Schultern nehmen. Etwa alle zehn
Minuten werden die Trger durch andre abgelst. Zum Schutz gegen
Sonne und Regen ist der Rahmen mit einem leichten Pandanusdach versehn.

Die Wege, die man nach Analogie von Unmensch und Unwetter Unwege nennen
knnte, waren ziemlich so schlecht, wie die bei der Salta-Sangley;
mit Ausnahme des zuweilen bequemen Seestrandes scheinen in Samar keine
bessere vorhanden. Nach 3 Stunden gelangten wir an den Loquilcun,
der von Norden kommend, dort seinen sdlichsten Punkt erreicht, dann
NO. dem grossen Ozean zufliesst. Ich fand hier durch die liebenswrdige
Frsorge des Guvernrs zwei kleine Nachen bereit, die durch je zwei
in den ussersten Spitzen hockende Mnner mit bewundernswrdiger
Gewandtheit getrieben zwischen den Baumstmmen und Felsen im Bett des
reissenden Bergstromes durchschlpften. Unter lautem Jauchzen glitten
beide Khne einen 1 1/2 Fuss hohen Fall hinab, ohne Wasser zu schpfen.

Das Drfchen Loquilcun liegt in drei Husergruppen auf drei
Hgeln. Die Bewohner waren sehr freundlich, gefllig, bescheiden
und so erfolgreich im Sammeln, dass mein mitgefhrter Weingeist
schnell verbraucht war; in Catbalgan konnten meine Boten nur
einige Flaschen auftreiben, und meine eignen Vorrthe waren durch
ungeschickte Zuvorkommenheit eines zu geflligen Freundes in falscher
Richtung gesandt, und erreichten mich erst nach Monaten wieder;
der in Samar kufliche Palmenwein war zu schwach. Tglich fuhren
ein oder zwei Nachen aus, um fr mich zu fischen, doch erhielt ich
nur wenige Individuen, die fast ebenso vielen Arten und Gattungen
angehrten. Wahrscheinlich hat der Missbrauch, die Fische durch
Vergiftung des Wassers zu tdten (es wird hier die zerklopfte Frucht
einer Barringtonia dazu verwendet) den Fluss so fischleer gemacht.

Nach einigen Tagen verliessen wir das Oertchen um 9 Uhr 30 Minuten
Vormittags, enggepackt in zwei kleinen Nachen, und waren, als wir um
1 Uhr 7 Minuten Dini, eine bewohnte Htte im Walde erreichten, ber 40
Stromschnellen von 1 bis 1 1/2 Fuss und mehr Tiefe hinabgestiegen. Die
bedeutendsten derselben haben Namen, die auf der Coelloschen Karte
richtig angegeben sind. Folgendes sind ihre Abstnde nach der Uhr:
10 Uhr enge Felsenschlucht, an deren Ende das Wasser mehrere Fuss tief
in ein grsseres Becken strzt. Die Khne, die bisher mit wunderbarer
Geschicklichkeit, wie gewandte Pferde zwischen allen Hindernissen
des Flussbettes und ber alle Sprudel und Schwellen, fast ohne Wasser
zu schpfen, geglitten, werden ausgeladen, es bleiben nur 2 Mann in
jedem Nachen zurck, die laut jauchzend hinabschiessen, wobei sich
die Khne bis an den Rand fllen.

Dem Wasserfall gegenber war eine Schuttbank angeschwemmt, in welcher
sich, ausser Trmmern des anstehenden Gesteins, sehr abgeschliffene
Gerlle von Porphyr und Jaspis, auch einige Stcke Kohle mit vielem
Schwefelkies fanden, die wohl zur Regenzeit weiter oberhalb in
den Fluss gelangen; ihr Ursprung war den Schiffern unbekannt. --
11 Uhr 56 Minuten bis 12 Uhr: ununterbrochene Reihe von Schnellen,
die mit grsster Gewandtheit, ohne Wasser zu schpfen, berwunden
wurden. Etwas tiefer, um 12 Uhr 3 Minuten nahmen wir so viel Wasser
ein, dass wir landen und ausschpfen mussten. Um 12 Uhr 15 Minuten die
Fahrt fortgesetzt, der Fluss war nun durchschnittlich 60 Fuss breit. Im
Waldrande machen sich eine kaum 10' hohe, schlanke Palme durch
ihre Hufigkeit und viele Phalaenopsis durch seltene Blthenpracht
bemerklich. Weder Vgel noch Affen noch Schlangen wurden wahrgenommen,
doch sollen grosse, bis schenkeldicke Python nicht selten sein.

Um 12 Uhr 36 Minuten gelangten wir an eine der schwierigsten Stellen,
eine Reihe von Schwellen mit vielen aus dem Wasser aufragenden Felsen,
zwischen welchen die in vollem Schuss befindlichen Nachen mit schnellen
Wendungen glcklich durchschlpfen. Das Wagstck wurde von beiden
Mannschaften mit gleicher Meisterschaft unter usserster Anspannung
ihrer Krfte ausgefhrt. -- 1 Uhr 17 Minuten Ankunft bei Dini, dem
bedeutendsten Wasserfall der ganzen Strecke. Hier mussten die Khne
mit Zuhlfenahme der von den hohen Waldbumen wie Taue herabhngenden
Lianen aus dem Wasser gezogen und ber die Felsen geschleppt werden. --
2 Uhr 21 Minuten Fortsetzung der Reise. -- 2 Uhr 28 Minuten bis 2 Uhr
30 Minuten eine unregelmssige, aus vielen Stufen gebildete Treppe
hinabgestiegen, viel Wasser geschpft. Bisher floss der Loquilcun in
einem Felsenbett mit meist steilen Ufern, zuweilen auf lange Strecken
unter einem dichten Laubgewlbe, von welchem mchtige Ranken und
mehr als Klafter lange zierliche Farne herabhingen. Hier ffnet sich
die Gegend etwas; es zeigen sich flache Hgel mit niedrigem Gebsch,
im NW. hhere bewaldete Berge. Whrend der letzten zwei Stunden von
einem Sturzregen begleitet, erreichen wir um 5 Uhr 30 Minuten ein
einzelnes Haus mit freundlichen Leuten, wo Nachtquartier gemacht wird.

Am folgenden Morgen wurde die Fahrt stromabwrts fortgesetzt. Nach
10 Minuten glitten wir den letzten Wasserfall hinunter, zwischen
weissen marmorartigen mit herrlichstem Pflanzenwuchs beladenen
Kalkfelsen. Ganze Aeste voll Phalaenopsis (P. Aphrodite
Reichb. fls.) ragten ber den Fluss; wie grosse prchtige
Schmetterlinge schwebten ihre Blthen ber der schumenden Fluth. Zwei
Stunden spter ist der Strom 200' breit geworden und schleicht,
nachdem er von Loquilcun eine 50 Meter hohe Treppe herabgesprungen,
in gemchlichen Windungen durch flaches Schwemmland der Ostkste zu,
ein breites Aestuar bildend, an dessen rechtem Ufer, eine halbe Legua
vom Meer entfernt, die Ortschaft Jubsan oder Parc (2300 Seelen)
liegt; sie giebt dem untern Lauf des Stromes ihren Namen. Hier
verliessen mich die trefflichen Mnner von Loquilcun, um die sehr
beschwerliche Rckfahrt anzutreten.

Durch Sturm aufgehalten konnte ich mich erst am folgenden Tage
nach Tbig (2858 E.), sdlich von Parc, einschiffen. Immer noch
an anstrengenden Mrschen verhindert, fuhr ich im Ruderboot die
Kste entlang von Tbig nach Borngan (7685 E.), bei dessen eben
so intelligentem als geflligen Pfarrer ich einige Tage verweilte,
und setzte dann die Fahrt nach Guuan (auch Guiuang, Guiguan) fort,
der bedeutendsten Ortschaft Samars (10781 E.), auf einer schmalen
von der SO. Spitze der Insel ins Meer ragenden Landzunge gelegen.

Dicht am Strande bricht bei letzterem Ort aus fnf bis sechs Oeffnungen
eine wasserreiche, schwach nach Schwefelwasserstoff riechende Quelle
aus, die whrend der Fluth vom Meer bedeckt, bei Ebbe frei liegt,
so dass sie dann kaum merklich salzig schmeckt. Zur Untersuchung
des Wassers wurde durch Einsenken eines hohen bodenlosen Topfes ein
Brunnen geschaffen und nachdem das Wasser eine halbe Stunde lang
bergeflossen, eine Probe genommen, die leider spter abhanden
kam. Wrme des Quellwassers 8 Uhr Vorm.: 277., der Luft: 287,
des Meerwassers: 312 C. Die Quelle dient den Frauen zum Frben
ihrer Sarongs. Die mit dem Absud einer gerbestoffreichen Rinde
getrnkten Stoffe (Abaczeuge erhalten zuvor eine Kalkmilchbeize)
werden, nachdem sie an der Sonne getrocknet, bei Ebbe in die Quelle
gelegt, whrend der Fluth herausgenommen, getrocknet, in Rindenabsud
getaucht und nass wieder in die Quelle gelegt; dies wird drei Tage
lang wiederholt. Das Ergebniss ist ein dauerhaftes, aber hssliches
Dintenschwarz (gallussaures Eisenoxyd).

In Loquilcun und Borongan hatte ich Gelegenheit, zwei lebende
Gespensterthiere [202] zu kaufen. Diese usserst zierlichen, seltsamen,
zu den Halbaffen gehrenden Thierchen sollen, wie man in Luzon und
Leyte versicherte, nur in Samar vorkommen und ausschliesslich von
Holzkohle leben. Mein erster Mago musste anfnglich etwas hungern, denn
Pflanzenkost verschmhte er, in Bezug auf Insekten war er whlerisch;
lebende Heuschrecken frass er mit grossem Behagen. [203] Es sah
usserst drollig aus, wie das Thier, wenn es bei Tage gefttert wurde,
aufrecht stehend, auf seine beiden dnnen Beine und den kahlen Schwanz
gesttzt, den grossen kugelrunden, mit gewaltigen gelben Uhuaugen
versehenen Kopf nach allen Richtungen bewegte, wie eine Blendlaterne
auf einem Statif mit Kugelgelenk. Nur allmlig gelang es ihm, seine
Augen auf den dargebotenen Gegenstand richtig einzustellen; hatte es
ihn aber endlich wahrgenommen, so reckte es pltzlich beide Aermchen
seitwrts, etwas nach hinten aus, wie ein Kind, das sich freut, griff
schnell zu, mit Hnden und Maul zugleich, und verzehrte bedchtig die
Beute. Bei Tage war der Mago schlfrig, bldsichtig, und wenn man ihn
strte, mrrisch; mit abnehmendem Tageslicht erweiterte sich seine
Pupille, Nachts bewegte er sich lebhaft und behend mit geruschlosen
schnellen Sprngen, am liebsten seitwrts. Er wurde bald zahm, starb
aber leider nach einigen Wochen. Das zweite Thierchen am Leben zu
erhalten, gelang mir auch nur kurze Zeit.








ZWANZIGSTES KAPITEL

    REISEN IN SAMAR, FORTSETZUNG. -- SDSEE-INSULANER DURCH STRME
    VERSCHLAGEN. -- TODTENHHLEN UND LEICHENBESTATTUNG DER ALTEN
    BISAYER. -- KROKODILE. -- IGNAZBOHNE. -- KOKOSL.


In Guuan erhielt ich Besuch von Mikronesiern, die seit vierzehn
Tagen beschftigt waren, bei Sulngan auf der schmalen Landzunge
SO. von Guiuan nach Perlmuscheln zu tauchen, und eigens zu dem Zweck
die gefahrvolle Reise unternommen hatten. [204]

Sie waren aus Uleai (Uliai 720 N. 14357 O. Gr.) in fnf Booten,
jedes mit 9 Mann Besatzung ausgelaufen, jedes Boot enthielt 40 Krbis
voll Wasser, Kokosnsse und Bataten. Jeder Mann bekam tglich eine
Kokosnuss und zwei in der Asche der Kokosschalen gebackene Bataten. Sie
fingen einige Fische unterwegs und sammelten Regenwasser auf. Bei
Tage steuerten sie nach der Sonne, Nachts nach den Sternen. Ein Sturm
zerstreute die Boote. Zwei derselben gingen sammt der Mannschaft
vor den Augen der Uebrigen zu Grunde, nur eines, wahrscheinlich das
einzige gerettete, erreichte zwei Wochen nach der Abfahrt Tandag an
der Ostkste von Mindanao. In Tandag blieben die Leute zwei Wochen,
verrichteten Feldarbeit fr Tagelohn und fuhren dann nordwrts die
Kste entlang nach Cntilang 825' N., Banuan (bei Coello irrthmlich
Bancuan) 91' N., Taganan 925' N., von da nach Surigo an der
Nordspitze von Mindano und dann mit Ostwind in zwei Tagen gerade
aus nach Guuan. In der deutschen Uebersetzung von Capt. Salmon's
Historie der orientalischen Inseln ... Altona 1733 heisst es Seite 63:


    Man hat neuerlicher Zeit noch etliche andere Inseln Ostwerts von
    den Philippinischen entdecket und selbigen den Namen der neuen
    Philippinischen beigeleget, weil sie in der Nachbarschaft der alten
    und bereits beschriebenen liegen. Der Pater Clan (Clain) giebet
    in einem Brief aus Manila, welcher den Philosophical transactions
    ist einverleibet worden, folgenden Bericht von denselben: Es
    trug sich zu, als er in der Stadt Guivam auf der Insel Samar war,
    dass er daselbst 29 Palaos (es waren 30, einer starb bald darauf
    in Guiuan) oder Einwohner von gewissen erst neulich entdeckten
    Inseln antraff, welche von den stlichen Winden, welche hier
    vom December bis an den Majum wehen, dahin waren verschlagen
    worden. Sie hatten 70 Tage lang nach ihrem Bericht vor dem Winde
    geseegelt, ohne einiges Land in's Gesicht zu bekommen, bis sie vor
    Guivam angelndet waren. Als sie aus ihrem Vaterlande geseegelt,
    waren ihrer zwey Boote gestopft voll, und mit ihren Weibern und
    Kindern, in allen 35 Seelen gewesen: unterschiedliche aber waren
    von dem unter Weges erlittenen Ungemach crepiret. Als einer von
    Guivam zu ihnen an Bord kommen wolte, wurden sie in eine solche
    Angst gesetzet, dass alle Kerls, die in dem einen Fahrzeug waren,
    mit ihren Weibern und Kindern ber Bord sprungen. Wiewohl sie
    doch zuletzt am besten zu seyn befunden in den Hafen einzulaufen,
    so dass sie den 28. Decembris 1696 ans Land kamen. Sie assen
    Cocusnsse und Wurzeln; welche ihnen mildiglich zugetragen, und
    geschenckt wurden: aber den gekochten Reis, die allgemeine Speise
    der asiatischen Vlcker, wollen sie gar nicht einmal kosten. Zwo
    Weiber welche vormals aus denselben Inseln dahin verschlagen waren,
    dieneten ihnen zu Dollmetscherinnen ....

    ... Die Leute des Landes gehen halb nacket und die Mnner schildern
    (malen) ihre Leiber mit Flecken und machen allerhand Figuren darauf
    ... So lange sie auf der See waren, lebten sie von Fischen welche
    sie in einer gewissen Art von Fischkrben fiengen, die einen
    weiten Mund hatten, unten aber spitz zuliefen und hinter ihren
    Booten hergeschleppt wurden. Das Regenwasser so sie etwa auffingen
    (oder wie in dem Brief selber stehet, in den Schalen der Cocusnsse
    aufhuben) diente ihnen zum Getrnk. Als sie vor den Pater sollten
    gebracht werden, welchen sie wegen der Hochachtung, die man ihm
    erwiess, fr den Gouverneur hielten, frbeten sie ihren Leib ganz
    gelb, welches sie fr den grssten Staat halten in welchem sie
    fr ansehnlichen Leuten erscheinen knnen. Im Tauchen sind sie
    sehr erfahren und finden unterweilen Perln in den Muscheln, die
    sie herauf bringen, welche sie aber als unntze Dinge wegwerfen.


Eine der wichtigsten Stellen in Pater Clains Brief hat Capt. Salmon
ausgelassen: Der lteste dieser Fremdlinge war schon einmal an die
Kste der Provinz Caragan auf einer unserer Inseln (Mindanao) geworfen
worden, da er aber nur Unglubige gefunden hatte, die in den Bergen und
auf dem den Strande wohnen, war er in sein Vaterland zurckgekehrt.

In einem Briefe des Pater Cantova an den Pater d'Aubenton,
Agdana (d. h. Agaa, Mariannen) 20. Mrz 1722, der die Carolinen-
und Palosinseln beschreibt, heisst es: das vierte Gebiet liegt
westlich. Yap (9 25' N. 1381' O. Gr.) [205] welches die Hauptinsel
ist, hat ber 40 Leguas Umfang ... Ausser den verschiedenen Wurzeln,
die bei den Eingeborenen der Insel die Stelle des Brodes vertreten,
findet man Bataten, welche sie Camotes nennen und welche sie
von den Philippinen erhalten haben, wie mir einer von unseren
Carolinen-Indiern mittheilt, der von dieser Insel gebrtig ist. Er
erzhlt, dass sein Vater, Namens Coorr ... drei seiner Brder und er
selbst durch den Sturm nach einer der Provinzen in den Philippinen
verschlagen wurden, welche man Bisayas nennt, dass ein Missionr
unserer Gesellschaft (Jesu) sie freundlich aufnahm ... dass sie nach
ihrer Insel zurckkehrend, Samen verschiedener Pflanzen dahin brachten,
unter andern Bataten, die sich so sehr vermehrten, dass sie genug
hatten, um die andern Inseln dieses Archipels damit zu versehn
... Murillo Velarde (f. 378) erwhnt, dass 1708 einige vom Winde
verschlagene Palos in Palapag (Nordkste von Samar) ankamen. Ich
hatte spter Gelegenheit in Manila eine Gesellschaft von Palos und
Carolinen-Insulanern zu photographiren, die ein Jahr zuvor durch Strme
an die Kste von Samar geworfen worden waren. Dies sind, abgesehn von
der freiwilligen Reise, sechs ungesucht sich darbietende Beispiele von
Mikronesiern, die nach den Philippinen verschlagen wurden. Es wrde
vielleicht nicht schwer sein noch mehrere aufzufinden, aber wie oft
mgen vor und nach Ankunft der Spanier Fahrzeuge von jenen Inseln in
den Bereich der NO. Strme gerathen und von diesen unwiderstehlich an
die Ostksten der Philippinen getrieben worden sein, ohne dass die
Kunde davon aufbewahrt blieb. [206] Wie am Westrande des Archipels
der lange Verkehr mit China, Japan, Hinterindien und spter mit
Europa den Typus der Rasse beeinflusst zu haben scheint, so mgen
wohl auch am Ostrande polynesische Beziehungen in hnlicher Weise
gewirkt haben. Auch der Umstand, dass die Bewohner der Ladronen [207]
und die Bisayer [208] die Kunst besassen ihre Zhne schwarz zu frben,
scheint auf frhen Verkehr der Bisayer und Polynesier zu deuten. [209]

In Guiuan schiffte ich mich auf einem unangenehm schwankenden, offenen,
nur mit einem drei mal drei Fuss grossen Sonnendach versehenen Boote
nach Tacloban, der Hauptstadt von Leyte, ein. Ein Windstoss brachte
uns in einige Gefahr, sonst hatten wir fortwhrend Windstille, so
dass die ganze Strecke rudernd zurckgelegt werden musste. Die Fahrt
war fr die durch kein Dach geschtzte Mannschaft sehr ermdend
(Wrme in der Sonne 35R., des Wassers 25R.) und dauerte 31
Stunden, mit kleinen Unterbrechungen fr die Malzeiten; denn die
Leute krzten freiwillig die Pausen ab, um bald nach Taclban zu
kommen, das in lebhaftem Verkehr mit Manila steht und fr die an
der unzugnglichen Ostkste lebenden Mnner den Reiz einer ppigen
Hauptstadt hatte. Es ist fraglich, ob das Meer irgendwo eine Stelle
von so eigenthmlicher Schnheit besplt, als die enge Strasse, die
Samar von Leyte trennt. Nach Westen hin ist sie von steilen Tuffbnken
eingefasst, die keine Mangrove-Smpfe an ihrem Rande dulden. Dort
tritt der hohe Urwald in seiner ganzen Erhabenheit unmittelbar an den
Strand, nur stellenweis von Kokoshainen unterbrochen, in deren scharf
gezeichneten Schatten einzelne Htten liegen. Die dem Meer zugekehrten
steileren Hgel und viele kleine Felseninseln sind mit Kastellen
aus Korallenblcken gekrnt. Am stlichen Eingang der Enge besteht
die Sdkste von Samar aus weissem, marmorartigen, wenn auch sehr
jungem Kalk, der an vielen Stellen steile Klippen bildet. [210] Bei
Nipa-Nipa, einem kleinen Weiler 2 Leguas O. von Basey, setzen sie im
Meere fort, in einer Reihe malerischer, ber hundert Fuss hoher Felsen,
die oben domfrmig abgerundet, dicht bewachsen, an der Basis ringsum
vom Seewasser benagt, wie riesige Pilze aus der Fluth hervorragen. Es
weht ber dieser Oertlichkeit ein eigenthmlicher Zauberhauch, dessen
Wirkung auf den eingeborenen Schiffer um so mchtiger sein muss, wenn
er den draussen vom Nordost gepeitschten Wogen glcklich entronnen,
pltzlich diesen geschtzten stillen Ort erreicht. Kein Wunder,
dass die fromme Einbildungskraft die Sttte mit Geistern bevlkerte.

In den Hhlen dieser Felsen setzten die alten Pintados die Leichname
ihrer Helden und Aeltesten bei in wohlverschlossenen Srgen, umgeben
von den Gegenstnden, die ihnen im Leben am werthvollsten waren. Auch
Sklaven wurden bei ihrem Begrbniss geopfert, damit es ihnen in der
Schattenwelt nicht an Bedienung fehle. [211] Die zahlreichen Srge,
Gerthschaften, Waffen und Geschmeide, welche diese Hhlen enthielten,
waren durch Aberglauben geschtzt Jahrhunderte lang unangetastet
geblieben. Kein Nachen wagte vorber zu fahren, ohne ein aus der
heidnischen Zeit fortgeerbtes religises Zeremoniell gegen die
Hhlengeister zu beobachten, die in dem Rufe standen, Unterlassungen
durch Sturm und Schiffbruch zu bestrafen.

Vor etwa 30 Jahren beschloss ein eifriger junger Geistlicher, dem
diese heidnischen Gebruche ein Gruel waren, sie mit der Wurzel
auszurotten. In mehreren Booten, wohlausgerstet mit Kreuzen, Fahnen,
Heiligenbildern und allem beim Austreiben der Teufel bewhrten
Apparat, unternahm er den Zug gegen die Geisterfelsen, die unter
Musik, Gebeten und Knallfeuerwerk erklommen wurden. Nachdem zuvor
ein ganzer Eimer voll Weihwasser zur Betubung der bsen Geister in
die Hhle geschleudert worden, drang der unerschrockene Priester
mit geflltem Kreuze ein, gefolgt von seinen durch das Beispiel
angefeuerten Getreuen. Ein glnzender Sieg belohnte den wohlangelegten
und muthig ausgefhrten Plan; die Srge wurden zertrmmert, die Gefsse
zerschlagen, die Skelete in's Meer geworfen. Mit gleichem Erfolg wurden
die brigen Hhlen erstrmt. Die Ursache des Aberglaubens ist nun
zwar vernichtet, dieser selbst hat sich aber, wenn auch abgeschwcht,
bis heut erhalten.

Durch den Pfarrer von Basey erfuhr ich spter, dass in einem Felsen
noch Ueberreste vorhanden seien, und einige Tage darauf berraschte
mich der liebenswrdige Mann mit mehreren Schdeln und einem
Kindersarg, die er von dort hatte bringen lassen. Trotz des grossen
Ansehens, das er bei seinen Pfarrkindern genoss, hatte er doch seine
ganze Beredsamkeit aufbieten mssen, um die muthigsten zu einem so
khnen Wagstcke zu bewegen. Ein Boot mit 16 Ruderern bemannt war
zu dem Zweck ausgerstet worden; mit weniger Mannschaft hatte man
die Reise nicht zu unternehmen gewagt. Whrend der Heimfahrt brach
ein Gewitter aus; die Schiffer betrachteten es als eine Strafe fr
ihren Frevel und nur die Furcht, die Sache noch schlimmer zu machen,
verhinderte sie, Sarg und Schdel in's Meer zu werfen. Zum Glck waren
sie dem Lande nahe und ruderten mit aller Kraft demselben zu. Als
sie angekommen waren, musste ich selbst die Gegenstnde aus dem Boote
holen, da kein Eingeborener sie anrhren mochte.

Trotzdem gelang es am folgenden Morgen einige entschlossene Leute zu
finden, die mich nach den Hhlen begleiteten. In den beiden ersten,
die wir untersuchten, fand sich nichts; eine dritte enthielt mehrere
zertrmmerte Srge, einige Schdel, und Scherben von glasirtem,
roh bemalten Steingut, es war aber nicht mglich auch nur zwei
zusammengehrende Stcke zu finden. Ein enges Loch fhrte aus der
grossen Hhle in einen dunklen, so kleinen Raum, dass man mit der
brennenden Fackel kaum einige Sekunden hintereinander darin verweilen
konnte. Dieser Umstand mag die Ursache gewesen sein, weshalb sich dort
in einem sehr verrotteten, von Bohrwrmern zerfressenen Sarge ein
wohl erhaltenes Skelet befand, oder eher eine Mumie, denn an vielen
Stellen war das Gerippe noch mit ausgetrockneter Muskelfaser und Haut
bekleidet. Es lag auf einer immer noch erkennbaren Pandanusmatte, unter
dem Kopf ein mit Pflanzen ausgestopftes, mit Pandanusmatte berzogenes
Kissen. Auch Reste von gewebten Stoffen waren noch vorhanden. Die Srge
waren von dreierlei Gestalt, ohne alle Verzierungen. Die von der ersten
Form aus vortrefflichem Molave-Holz (s. S. 196) zeigten keine Spur
von Wurmstich oder Vermoderung, whrend die brigen bis zum Zerfallen
zerstrt waren, die dritte Art, die hufigste, unterschied sich von der
ersten nur durch weniger geschweifte Formen und schlechtes Material.

Kein Mrchen htte eine verzauberte Knigsgruft mit einem passenderen
Zugang ausstatten knnen, als den zur letzten dieser Hhlen: mit
senkrechten Marmorwnden erhebt sich der Felsen aus dem Meer; nur
an einer Stelle gewahrt man die kaum zwei Fuss hohe Oeffnung eines
natrlichen Stollens, durch welchen der Nachen pltzlich in einen
gerumigen, fast kreisrunden, vom Himmel berwlbten Hof gelangt,
dessen vom Meer bedeckten Boden ein Korallengarten schmckt. Die
steilen Wnde sind dicht mit Lianen, Farnen und Orchideen behangen,
vermittelst deren man zur Hhle, 60 Fuss ber dem Wasserspiegel
emporklimmt. Um die Situation noch mrchenhafter zu machen, fanden wir
gleich beim Eintritt in die Grotte auf einem grossen 2 Fuss ber den
Boden ragenden Felsblock eine Seeschlange, die uns ruhig anstarrte,
aber getdtet werden musste, weil sie wie alle chte Seeschlangen
giftig war. Schon zweimal hatte ich dieselbe Art in Felsenritzen
im Trockenen gefunden, wo sie die Ebbe zurckgelassen haben mochte;
auffallend war es aber sie hier in solcher Meereshhe anzutreffen. --
Jetzt ruht sie, als Platurus fasciatus Daud., im zoologischen Museum
der Berliner Universitt.

In Guuan hatte ich Gelegenheit, vier aus solcher Hhle stammende
reich bemalte chinesische Schsseln zu kaufen und einen goldenen
Ring zu zeichnen; er bestand aus dnnem Goldblech, das zuerst zu
einer Rhre mit klaffender Naht von der Dicke eines Federkiels,
dann zu einem nicht vllig schliessenden Reifen von Thalergrsse
zusammengebogen war. Die Schsseln wurden in Manila gestohlen.

Aehnliche Todtenhhlen befinden sich noch an manchen andern Orten
in dieser Gegend: auf der Insel Andog bei Borongan (bis vor Kurzem
enthielt sie Schdel); auch bei Batinguitan 3 Stunden von Borongan
an den Ufern eines kleinen Baches; bei Guuan auf der kleinen,
wegen der strmischen See schwer zugnglichen Insel Monhon. -- Bei
Catbig sind goldene Geschmeide gefunden, aber in moderne Schmucksachen
umgearbeitet worden. In der ganzen Gegend berhmt ist jedoch eine Hhle
bei Lnang wegen der darin enthaltenen flachgedrckten Riesenschdel
ohne Kopfnhte. [212] [213] Es wird nicht uninteressant sein die
geschilderten Verhltnisse mit den Berichten lterer Schriftsteller
zu vergleichen, weshalb hier einige Auszge folgen mgen:


    Mas (Informe I. 21) beschreibt ohne Quellenangabe die von den
    alten Bewohnern des Archipels bei der Todtenbestattung befolgten
    Gebruche: sie balsamirten ihre Todten zuweilen mit aromatischen
    Stoffen ein ... und legten die Vornehmen in eine Kiste, die
    aus einem ausgehhlten Baumstamme mit gut zugepasstem Deckel
    bestand.... Der Sarg wurde nach dem von dem Verstorbenen vor seinem
    Dahinscheiden ausgesprochenen Willen entweder in den obersten
    Raum des Hauses, wo sie Sachen von Werth verbargen, oder unter
    dem Wohnhause in eine Art Gruft gestellt, die nicht zugedeckt,
    aber mit einem Gitter umgeben wurde; oder in ein abgelegenes Feld,
    oder auf einen erhabenen Ort oder Felsen am Ufer eines Flusses,
    auf dass er von den Frommen verehrt werde. Sie stellten eine
    Wache dabei auf, damit whrend einer gewissen Zeit kein Boot
    vorberfhre, und der Todte nicht die Lebenden nach sich zge.

    Nach Gaspar (S. 169.) wurden die Todten in Tcher gewickelt,
    in einen groben, aus einem Holzblock ausgehhlten Kasten gelegt,
    mit Juwelen und goldenen Ringen und einigen Goldblechen ber Mund
    und Augen und unter ihren Husern mit Mundvorrthen, Schsseln
    und Npfen begraben. Auch pflegten sie Sklaven mit den Vornehmsten
    zu bestatten, um letztere in der andern Welt bedienen zu lassen.

    Ihr Hauptgtzendienst bestand darin, diejenigen ihrer Ahnen,
    die sich am meisten durch Muth und Geist hervorgethan hatten,
    anzubeten und fr Gtter zu halten.... Sie nannten sie humalagar,
    welches dasselbe ist was man lateinisch Manes nennt.... Die Greise
    selbst starben in dieser Eitelkeit, deshalb whlten sie einen
    ausgezeichneten Ort, wie Einer auf der Insel Leyte, der sich
    am Rand des Meeres beisetzen liess, damit die vorberfahrenden
    Schiffer ihn als Gott anerkannten und sich ihm empfahlen.
    (Thvenot Religieux S. 2.)

    Sie legten sie (die Todten) nicht in die Erde, sondern in
    Srge von sehr hartem unzerstrbaren Holz ... man opferte ihnen
    Sklaven und Sklavinnen, damit es ihnen in der andern Welt nicht
    an Bedienung fehle. Starb eine Person von Bedeutung, so wurde
    dem ganzen Volk Stillschweigen auferlegt, das je nach dem Range
    des Verstorbenen dauerte und unter gewissen Umstnden erst dann
    aufhrte, wenn seine Verwandte viele Andre getdtet hatten,
    um den Geist des Todten zu vershnen. (ibid. S. 7).

    Aus diesem Grunde (um als Gtter verehrt zu werden) whlten
    die Aeltesten unter ihnen zum Begrbniss einen bemerkenswerthen
    Ort im Gebirge, und besonders auf Vorgebirgen, die in das
    Meer hineinragen, damit sie von den Schiffern verehrt wrden.
    (Gemelli Careri S. 449).


Von Taclban, das ich des bequemen Tribunals wegen und weil es gut
verproviantirt ist, zum Standquartier whlte, kehrte ich am folgenden
Tage nach Samar zurck, zunchst nach Basey, Taclban gegenber. Die
Leute von Basey sind wegen ihrer Trgheit und geringen Begabung
in ganz Samar berchtigt, sollen sich aber von den Bewohnern von
Taclban durch Sittenreinheit vortheilhaft auszeichnen. Basey liegt
im Delta des nach ihm benannten Flusses. Wir fuhren einen schmalen
Arm hinauf in den Hauptstrom, der sich mit sehr geringem Geflle
durch die Ebene windet; daher reicht das brackische Wasser und der
es begleitende Nipapalmensaum mehrere Leguas landeinwrts. Hinter
demselben breiten sich Kokospflanzungen aus, zwischen welchen die aus
dem engen Felsenbett des obern Flusslaufes zuweilen hervorbrechenden
Wasserfluthen (avendas) grosse Zerstrungen anrichten, wie die
verstmmelten Palmen zeigen, die von ihrem Standort fortgerissen,
mitten aus dem Fluss emporragen. Nach fnfstndigem Rudern gelangten
wir aus dem Flachland in ein enges Thal mit steilen Marmorwnden,
die immer mehr zusammenrcken und hher werden. Sie sind an vielen
Stellen unterwaschen, zerklftet, bereinandergestrzt, und bilden
mit ihren kahlen Seitenwnden einen schnen Gegensatz zu dem blauen
Himmel, der klaren grnlichen Fluth und den ppigen Lianen, die sich
an allen Unebenheiten wo sie haften knnen festgesetzt haben und in
langen Guirlanden ber die Felsen hngen.

Der Strom wird so reissend und so seicht, dass die Leute aussteigen
und das Boot ber das steinige Bett ziehn. Auf diese Weise gelangen
wir durch einen zwlf Fuss hohen, von zwei gegeneinander gestrzten
Felsen gebildeten Spitzbogen in ein ovales stilles Wasserbecken,
rings umgeben von 60 bis 70 Fuss hohen, nach innen einspringenden
Kalkwnden, auf deren oberem Rande ein Ring von Bumen nur gedmpftes
Sonnenlicht durch dichtes Laub schimmern lsst. Dem niedrigen
Eingangsthor gegenber erhebt sich eine prachtvolle 50 bis 60 Fuss
hohe, mit Tropfsteinen reich verzierte Felsenpforte, durch welche
man den in Sonne gebadeten oberen Lauf des Flusses noch eine Strecke
weit berblickt. In der linken Wand des ovalen Hofes, 40 Fuss ber
dem Wasserspiegel, ffnet sich eine leicht zu ersteigende Hhle von
100 Fuss Lnge; sie endet mit einer schmalen Pforte durch die man auf
einen von Tropfsteinen getragenen altanartigen Vorsprung tritt. Von
dort berblickt man sowohl die Landschaft, als den Felsenkessel und
erkennt letzteren als den Rest einer Tropfsteinhhle deren Decke
eingestrzt ist. Die Schnheit und Eigenthmlichkeit des Orts wird
auch von den Eingeborenen empfunden, er heisst Sogton (eigentlich
eine Bucht im Meer). In dem sehr harten marmorartigen Kalk waren Spuren
von Zweischalern und Seeigelstacheln in Menge wahrzunehmen, es gelang
aber nicht, bestimmbare Reste herauszuschlagen. Der Fluss liess sich
noch eine kurze Strecke weiter aufwrts verfolgen. In seinem Bett
kommen Gerlle von krystallinischen Talk- und Chloritgesteinen vor.

Mit vieler Mhe wurden einige kleine Fische erlangt; darunter eine
interessante lebendig gebrende neue Art. [214] Eine verwandte
Art (H. fluviatilis Bleeker), die ich zwei Jahre frher in einer
Kalkhhle auf Nusa Kumbangan bei Java fand, enthielt gleichfalls
lebende Junge. Das zum Fischen verwendete Netz schien der Oertlichkeit,
einem seichten Fluss voll Geschiebe, wohl angepasst: ein feinmaschiges,
lnglich viereckiges Netz, mit den langen Seiten an zwei Bambusstangen
befestigt, die unten mit einer Art von Holzschuhen (krummen aufwrts
nach vorn gerichteten Schnbeln) versehn waren. Der Fischer packt
die obern Enden der Stangen und schiebt das schrg gehaltene Netz vor
sich hin, das mittelst seiner Schnabelschuhe ber die Steine gleitet,
whrend ein Anderer ihm die Fische entgegentreibt.

Am rechten Ufer unterhalb der Hhle kommen 20 Fuss ber dem
Wasserspiegel Bnke von fossilen Pectunculus, Tapes, Placuna vor, die
zum Theil kaum an der Zunge haften, also sehr rezent sein mssen. Ich
bernachtete in einer kleinen, schnell erbauten Htte und versuchte
am folgenden Tage vergeblich flussaufwrts bis an die Grenze des
krystallinischen Gesteins zu gelangen. Nachmittags traten wir die
Rckfahrt nach Basey an, das wir Nachts erreichten.

Basey liegt etwa 50' ber dem Meer, auf einer Thonbank, die im Westen
des Orts in einen mehrere hundert Fuss hohen Hgel mit steilen Wnden
bergeht. Ich fand darin in 25 bis 30' Meereshhe dieselben rezenten
Muschelbnke wie bei der Tropfsteinhhle Sogton. Nach den Aussagen
des Cura und Anderer scheint in dieser Gegend eine schnelle Hebung
der Ksten stattzufinden: vor 30 Jahren konnten Schiffe bei Fluth in
3 Faden Wasser am Lande anlegen, jetzt betrgt die Tiefe dort nicht
viel ber einen Faden. Dicht vor Basey liegen zwei kleine Inseln,
Genamk und Tapontnan, die gegenwrtig bei tiefster Ebbe durch eine
Sandbank verbunden erscheinen. Noch vor zwanzig Jahren war eine solche
nicht wahrnehmbar. Die Richtigkeit dieser Angaben vorausgesetzt,
wre zunchst zu ermitteln, wieviel zu diesen Niveauvernderungen
die Strmungen, wieviel vulkanische Hebungen beigetragen haben, die
nach der nahen thtigen Solfatara auf Leyte zu schliessen immerhin
betrchtlich sein mgen.

Im Baseyfluss sollen nach Versicherung des Pfarrers Krokodile von
ber 30 Fuss Lnge vorkommen, und solche von mehr als 20' hufig
sein. Der gefllige Pater versprach mir eines von wenigstens 24
Fuss, dessen Skelet ich gern mitgenommen htte, und sandte einige
Leute aus, die im Fangen dieser Thiere so gebt sind, dass sie zu
dem Zweck nach entfernten Orten geholt werden. Ihre Fangvorrichtung,
die ich aber nicht selbst sah, besteht in einem leichten Bambusfloss
mit einem Gerst, auf welchem mehrere Fuss ber dem Wasser ein Hund
oder eine Katze angebunden ist. Lngs der Seite des Thieres ist
ein starker eiserner Haken angebracht, der vermittelst Abacfasern
an dem schwimmenden Bambus befestigt ist. Hat das Krokodil den
Kder und damit zugleich den Haken verschlungen, so bemht es
sich vergeblich loszukommen; denn die Nachgiebigkeit des Flosses
verhindert das Zerreissen, die eigne Elastizitt das Durchbeissen
des Faserbndels. Das Floss dient zugleich als Boye fr das gefangene
Thier. Nach Angabe der Jger hausen die grossen Krokodile entfernt von
menschlichen Wohnungen, am liebsten unter dichtem Gebsch, in weichem
Sumpf, worin ihr schleppender Bauch Spuren zurcklsst, die sie dem
Kundigen verrathen. Nach einer Woche meldete der Pfarrer, seine Leute
htten drei Krokodile eingeliefert, deren grsstes aber nur achtzehn
Fuss msse, er habe keines fr mich behalten, da er eines von 30 Fuss
zu erlangen hoffe. Seine Erwartung ging aber nicht in Erfllung.

In der Umgegend von Basey wchst die im Sden Samar's und wohl noch
auf einigen andern Bisaya-Inseln vorkommende Ignazbohne ganz besonders
hufig. Auf Luzon wird sie nicht angetroffen; vielleicht habe ich
sie ohne meinen Willen dort eingefhrt. Ihr Verbreitungsbezirk ist
sehr beschrnkt. Meine Bemhungen sie nach dem botanischen Garten von
Buitenzorg zu bersiedeln, blieben erfolglos; einige dazu bestimmte,
whrend meiner zeitweisen Abwesenheit in Daraga fr mich eintreffende
grssere Pflanzen wurden von einem meiner Gnner seinem eignen Garten
einverleibt. Von mir selbst gesammelte, nach Manila gebrachte kamen
spter abhanden. Alle Versuche, die ber ganz Ostasien als Medikament
verbreiteten Kerne zum Keimen zu bringen, misslingen, weil letztere,
angeblich um sie gegen Verderben zu schtzen (vielleicht auch um das
Monopol zu wahren), vor der Versendung gesotten werden.


    Nach Flckinger [215] enthlt die krbisartige Beerenfrucht
    des hochklimmenden Strauches (Ignatia amara L. Strychnos
    Ignatii Berg. Ignatiana philippinica Lour.) bis 24 zollgrosse,
    unregelmssig eifrmige Samen, die Ignatiusbohnen, die wie
    Brechnsse schmecken, aber noch giftiger sind. In diesen Samen
    wurde 1818 von Pelletier und Caventou das Strychnin entdeckt;
    (spter auch in den Brechnssen). Jene enthalten davon doppelt
    soviel als diese, nmlich 1 1/2%, da sie aber viermal so theuer
    sind, so wird es nur aus letzteren dargestellt.

    In den Philippinen ist die gefhrliche Drogue unter dem Namen
    Pepita de Catbalonga in vielen Haushaltungen als gepriesenes
    Heilmittel vorhanden. Schon Gemelli Careri (S. 420) erwhnt es
    und fhrt 13 verschiedene Verwendungen an. -- Dr. Rosenthal,
    (Synopsis plantarum diaphor. S. 363) sagt: In Indien hat man
    sie unter dem Namen Papecta gegen Cholera angewendet. Papecta
    ist wohl ein Schreibfehler; in K. Lall Dey's Indigenous drugs of
    India wird sie Papeeta genannt, was in der englischen Aussprache
    Pepita lautet. Pepita heisst auf Spanisch Fruchtkern. -- Auch als
    Gegenmittel bei Schlangenbiss steht sie in hohem Ruf. Padre Blanco
    (Flora de Filipinas 61) berichtet, er habe ihre sichere Heilkraft
    in dieser Hinsicht mehr als einmal an sich selbst erprobt; doch
    warnt er vor den Gefahren des innerlichen Gebrauchs, der schon
    sehr viele Todesflle veranlasste. Man solle sie nicht in den
    Mund nehmen, denn verschlucke man den Speichel, so sei der Tod,
    wenn nicht Erbrechen erfolge, unvermeidlich. Der Pfarrer von
    Tabco trug aber fast immer eine Pepita im Munde. Er hatte 1842,
    um sich gegen die Cholera zu schtzen, damit begonnen, von Zeit
    zu Zeit eine Ignazbohne in den Mund zu nehmen, und sich allmlig
    daran gewhnt. Als ich 1860 mit ihm verkehrte, befand er sich
    wohl und schrieb seine Gesundheit und Rstigkeit gern jener
    Gewohnheit zu. Nach seiner Mittheilung wurde bei Cholerakranken
    mit Erfolg der wsserige Absud in geringer Menge als Zusatz zum
    Thee, besonders aber, mit Brantwein vermischt, als Einreibung an
    den von Krampf ergriffenen Stellen angewendet.

    Auch Huc (Thibet I. 252) preist den wsserigen Auszug des kouo-kouo
    (Faba Ign. amar.) sowohl fr den innerlichen als usserlichen
    Gebrauch, und bemerkt, dass er in der chinesischen Medizin eine
    grosse Rolle spiele, in keiner Apotheke fehle. Frher galt die
    giftige Drogue (vielleicht auch jetzt noch bei Vielen) fr ein
    Zaubermittel; so erzhlt Pater Camel [216], die Catbalogan-
    oder Bisaya-Bohne, welche die Indier Igasur oder Mananaog
    (die siegreiche) nennen, werde u. a. als Amulet am Halse
    getragen, schtze gegen Gift, Ansteckung, jederlei Zauber und
    Zaubertrank, ja sogar der leibhaftige Teufel knne dem Trger
    nichts anthun. Besonders wirksam sei sie auch gegen ein Gift, das
    durch Anblasen beigebracht wird, indem sie nicht nur den Trger
    beschtze, sondern denjenigen tdte, der ihm das Gift beibringen
    wolle. Camel fhrt noch eine Reihe von Wunderthaten auf, die der
    Aberglaube der Ignazbohne zuschreibt.


Auf der sdlichen Hlfte des stlichen Kstensaumes, von Borngan ber
Lnang bis Guuan, sind betrchtliche Kokospflanzungen vorhanden,
die in hchst unvollkommener Weise zur Oelgewinnung genutzt
werden. Von Borngan und seinen Visitas gehn jhrlich 12000 Krge
Kokosl nach Manila; die von Menschen und Schweinen verzehrten Nsse
wrden wenigstens zu 8000 Krgen ausreichen. Da 1000 Nsse 3 1/2 Krug
geben, so liefert die Umgegend von Borangan allein jhrlich 6,000,000
Nsse, wozu, den Durchschnittsertrag zu 50 Nssen angenommen, 120,000
volltragende Kokospalmen nthig sind. Die Angabe, dass ihre Zahl in
dem oben erwhnten Gebiete mehrere Millionen betrage, drfte wohl
bertrieben sein.

Das Oel wird auf sehr rohe Weise dargestellt, indem man den aus der
holzigen Schale der Nuss in groben Spnen herausgeraspelten Kern
der Fulniss berlsst. Zu Behltern dienen schadhaft gewordene,
im Freien auf Pfhlen stehende Khne, aus deren Spalten das Oel in
darunter gestellte Krge abtropft. Schliesslich werden die Spne noch
gepresst. Das Verfahren erfordert mehrere Monate Zeit und liefert ein
so schlechtes, dunkelbraunes, dickflssiges, ranziges Produkt, dass
in Manila der Krug nur 2 1/4 Dollar gilt, whrend besser bereitetes
6 Dollar kostet. [217]

Seit einiger Zeit hatte ein junger Spanier in Borngan eine Fabrik
errichtet, um nach einem bessern Verfahren Oel zu bereiten: ein durch
zwei Bffel gedrehter Gpel setzt durch Zahnrder und Treibriemen
eine Anzahl Raspeln in Bewegung. Sie haben etwa die Form eines
Zitronenbohrers und bestehn aus fnf an ihrem Aussenrande gezhnten
eisernen Blttern, die radial am Ende eines eisernen Stieles sitzen
und vorn in eine stumpfe Spitze zusammenlaufen. Das andre Ende des
Stiels geht durch den Mittelpunkt einer Scheibe, die ihm die drehende
Bewegung mittheilt, ragt aber ber dieselbe hinaus. Der Arbeiter
ergreift eine halbirte Kokosnuss mit beiden Hnden, hlt ihre innere
mit dem lhaltigen Kern geftterte Wlbung gegen die rotirende Raspel,
die er fest anpresst, indem er mit seiner durch ein gepolstertes Brett
geschtzten Brust gegen das hervorragende Ende des Stiels drckt. Die
feinen Spne des Kerns bleiben 12 Stunden in flachen Behltern liegen,
damit sich die Zellenwnde theilweise zersetzen. Man presst sie dann
leicht in Handpressen, fngt die aus 1/3 Oel 2/3 Wasser bestehende
Flssigkeit in Kbeln auf, schpft nach 6 Stunden das oben schwimmende
Oel ab und erhitzt es in eisernen Pfannen von hundert Liter Inhalt,
bis alles beigemischte Wasser verdampft ist, was zwei bis drei Stunden
erfordert. Um das Oel schnell abzukhlen, damit es sich nicht brune,
giesst man zwei Eimer voll kalten wasserfreien Oels hinzu und entfernt
schnell das Feuer. Die gepressten Spne werden abermals 6 Stunden
der Luft ausgesetzt, dann unter starkem Druck gepresst. Nachdem beide
Operationen noch zweimal wiederholt worden, hngt man das Geraspel in
Scken zwischen zwei starke vertikale Bretter und presst es mittelst
Klemmschrauben so viel als mglich aus, indem man es mehrere Male
umschttelt. Der Rckstand dient als Schweinefutter. Das aus den
Scken ablaufende Oel ist wasserfrei, daher sehr klar, und wird zum
Abkhlen des zuerst erhaltenen benutzt. [218]

Die Fabrik machte 1500 Tinjas Oel. Sie arbeitete nur 9 Monate. Vom
Dezember bis Februar knnen wegen der hohen See keine Nsse zugefhrt
werden; Landstrassen sind nicht vorhanden. Es war dem Fabrikanten
nicht gelungen, whrend dieser Zeit Nsse aus der nchsten Umgegend
in hinreichender Menge zu erhalten, um ununterbrochen arbeiten zu
knnen, oder in der guten Jahreszeit Vorrthe fr die Wintermonate
zu sammeln, obgleich er den verhltnissmssig hohen Preis von drei
Dollar fr das Tausend zahlte.

Indem die Eingeborenen nach der oben beschriebenen Weise Oel machten,
erzielten sie aus 1000 Nssen 3 1/2 Krug zu 6 r. = 21 r., d. h. 3
r. weniger als ihnen fr die rohen Nsse geboten wurde. Diese vom
Fabrikanten herrhrenden Angaben sind vielleicht bertrieben, im
Wesentlichen mgen sie aber doch wohl begrndet sein. Wer in den
Philippinen reist, hat oft Gelegenheit solche Verkehrtheiten zu
beobachten. In Daet, Nord-Camarines, kaufte ich 6 Kokosnsse fr 1
cuarto = 960 fr 1 Dollar; dies ist dort ihr gewhnlicher Preis. [219]
Auf meine Frage, weshalb man keine Oelfabrik errichte, erhielt ich zur
Antwort, dass die Nsse im Einzelnen billiger seien als im Grossen. Im
ersten Falle verkauft der Indier, wenn er Geld braucht; weiss er aber,
dass der Fabrikant, um seinen Betrieb nicht zu unterbrechen, zu Opfern
bereit ist, so beutet er diesen Umstand rcksichtslos fr Einmal aus,
ohne daran zu denken, sich eine regelmssige Einnahmequelle zu sichern.

In der Provinz Laguna, wo die Indier aus Zuckerrohr groben braunen
Zucker bereiten, tragen ihn die Frauen Leguas weit nach dem Markte
oder bieten ihn an der Landstrasse in kleinen Broden (Panoche)
gewhnlich zugleich mit Buyo feil. Jeder Vorbergehende schwatzt mit
der Verkuferin, wgt die Brode in der Hand, nascht davon und geht
vielleicht ohne zu kaufen weiter. Abends kehrt die Frau mit ihrem
Kram nach Hause zurck, um es am nchsten Tage ebenso zu machen.

Die betreffenden Notizen sind mir verloren gegangen; ich erinnere
mich aber, dass wenigstens in zwei Fllen der Preis des Zuckers in
solchen Broden billiger war als im Pico. Die Regierung ging brigens
den Indiern damals mit dem Beispiel voran und verkaufte Zigarren
einzeln billiger als im Grossen.

In Europa kann ein Unternehmer meist mit ziemlicher Sicherheit
die Herstellungskosten eines Gegenstandes im Voraus berechnen;
in den Philippinen ist dies nicht immer so leicht. Abgesehn von der
Unzuverlssigkeit der Arbeit wird die Regelmssigkeit in der Lieferung
von Rohstoffen nicht nur durch Trgheit und Launenhaftigkeit, sondern
auch durch Neid und Misstrauen gestrt. Die Indier sehen es in der
Regel nicht gern, wenn sich ein Europer unter ihnen niederlsst, um
mit Erfolg die lokalen Reichthmer auszubeuten, die sie selbst nicht
ausgiebig zu nutzen verstehn. Aehnlich verhalten sich die Kreolen den
Auslndern gegenber, die ihnen durch Kapital, Geschftskenntniss und
Thtigkeit gewhnlich sehr berlegen sind. Ausser dem Neide spielt
auch das Misstrauen eine grosse Rolle, das der Mestize sowohl als
der Castila dem Eingeborenen einflsst. Es kommen noch heut Flle
genug vor, die dieses Gefhl durchaus rechtfertigen. Frher aber,
als die verkommensten Subjekte Guvernrstellen kaufen konnten und
ihre Provinzen schamlos ausbeuteten, sollen so arge Missbruche
stattgefunden haben, dass sich das Misstrauen im Laufe der Zeit bei
den Indiern zu einer Art Instinkt ausgebildet hat.








EINUNDZWANZIGSTES KAPITEL

    INSEL LEYTE. -- HEUSCHRECKEN. -- SOLFATARA. --
    SCHWEFELGEWINNUNG. -- BITOSEE. -- KROKODILE.


Die Insel Leyte, zwischen 9 49' und 11 34' N., und 124 7' und 125
9' O. Gr., ist ber 25 Meilen lang, fast 12 Meilen breit und hat 170
quadr. M. Flcheninhalt. Von Samar ist sie, wie mehrfach erwhnt,
nur durch die schmale San Juanico-Strasse getrennt. Die Hauptstadt
Taclban oder Taclbang liegt am stlichen Eingang dieser Strasse,
hat einen sehr guten Hafen und ununterbrochenen Verkehr mit Manila;
daher ist sie zum Stapelplatz fr Leyte, Biliran, Sd- und Ost-Samar
geworden. [220]

Auch der hiesige Guvernr erwies mir viel liebenswrdige
Aufmerksamkeit. Fast ausnahmlos sind mir von meinem Verkehr mit den
spanischen Beamten die angenehmsten Erinnerungen geblieben. Um so
unbefangener konnte ich, wo es mir am Platz schien, ber die Missstnde
der Verwaltung sprechen.

Am Tage nach meiner Ankunft in Taclban entstand Nachmittags ein
Gerusch, wie das Brausen eines Wildbachs; die Luft verfinsterte
sich, es schwebte eine grosse Heuschreckenwolke ber den Ort. [221]
Ich will die oft beschriebene in allen Erdtheilen sich wesentlich
gleichbleibende Erscheinung nicht noch einmal erzhlen und bemerke
nur, dass der ber 500 Schritt breite, gegen 50' tiefe Schwarm, dessen
Ende sich im Walde verlor, fr nicht sehr bedeutend galt. Er brachte
Munterkeit statt Bestrzung hervor. Alt und Jung war eifrig bemht mit
Laken, Netzen, Fahnen mglichst viele der leckeren Thiere zu fangen, um
sie wie Dampier erzhlt in einer irdenen Pfanne ber Feuer zu rsten,
bis ihre Beine und Flgel abfallen, und ihre Kpfe und Rcken die Farbe
gesottener Krebse annehmen, in welcher Zubereitung sie ihm geschmeckt
haben. In Birmah gelten sie noch heut bei Hof als Leckerbissen. [222]

Die Heuschrecken sind eine der grssten Plagen der Philippinen
und vernichten zuweilen die Ernte ganzer Provinzen. Die Legislacion
ultramarina IV. 604 enthlt ein besonderes Gesetz ber die Vertilgung
dieser verheerenden Kerfe. Sobald sie erscheinen, soll die Bevlkerung
der betroffenen Ortschaften in grsster Anzahl unter Leitung der
Behrden zu ihrer Vernichtung ausziehn. Die erprobtesten Mittel
zur Erreichung dieses Zwecks sind in einer amtlichen Vorschrift
enthalten und in der Verordnung, betreffend ausserordentliche
Leistungen bei ffentlichen Nothstnden, stehn die Heuschrecken
zwischen den Seerubern und Feuersbrnsten in der Mitte. Von allen
ersonnenen Mitteln, die sich aber gegen die zuweilen in unglaublicher
Menge erscheinenden verderblichen Thiere in den Philippinen ebenso
unzureichend wie anderwrts erweisen, sei nur eines hier erwhnt:
Am 27. April 1824 beschloss die Sociedad economica den Vogel Martin
(Gracula sp.) einzufhren, der aus Instinkt Heuschrecken frisst. Im
Herbst des folgenden Jahres traf die erste Sendung derselben aus China
ein, 1829 eine zweite, 1852 findet sich abermals ein Posten von 1311
Dollar fr Martinvgel verausgabt.

Am folgenden Tage fuhr ich mit dem Pater von Dagmi (in Leyte giebt es
Strassen) von Taclban sdlich nach Plos und Tanuan, zwei blhenden
Orten an der Ostkste. Kaum 1/2 Legua von letzterem ragt unmittelbar
am Meer aus der bisher ganz flachen sandigen Ebene ein Felsen von
krystallinischem Gestein hervor, graugrner quarziger Chloritschiefer,
aus dem der unternehmende Pater mit bessern Erfolges wrdiger
Beharrlichkeit versucht hatte, Kalk zu brennen. Nach reichlichem
Frhstck im Convento fuhren wir Nachmittags nach Dagami und erst am
folgenden Tage nach Buruen. [223]

Die Gegend bleibt flach; Kokoshaine und Reisfelder unterbrechen
stellenweis den dichten Wald, das Land ist sprlich bewohnt, die
Menschen scheinen aufgeweckter und sind schner und reinlicher als
in Samar. Sdlich von Buruen erhebt sich ein Gebirgszug Manacagan,
an dessen jenseitigem Abhang eine grosse Solfatara liegt, die Schwefel
fr die Pulverfabrik in Manila und den Handel liefert. Ein spanischer
Seemann begleitete mich. Wir ritten, wo der Weg durch Sumpf fhrte, auf
Bffeln; der Schritt der Thiere ist nicht unangenehm, aber das Spreizen
der Schenkel auf dem breiten Rcken der riesigen philippinischen Bffel
ermdend. Eine Viertelstunde hinter Buruen berschritten wir den
SW. NO. fliessenden 100' breiten Dagitan, dessen Bett voll grosser
vulkanischer Blcke liegt, bald darauf einen schmalen Fluss in einem
breiten Bett, einige hundert Schritt weiter einen 150' breiten, beide
letztere, Arme des Buruen; sie fliessen WO. und mnden bei Dulag. Der
zweite Arm war erst im vorigen Jahr bei einer Ueberfluthung entstanden.

Wir bernachteten in einer Htte am nrdlichen Abhang des Manacagan,
welche die Besitzer, als sie uns ankommen sahen, mit Weib und Kind
unaufgefordert gerumt hatten, um anderswo Unterkommen zu suchen. So
erfordert es die Landessitte, wenn der Raum fr beide Theile zu
klein ist -- dafr wird keine Entschdigung beansprucht und wohl nur
selten gewhrt.

Am folgenden Morgen um 6 Uhr brachen wir auf und berstiegen um 6 Uhr
30 Minuten auf angenehmem Waldpfade das Joch des aus hornblendereichem
Trachyt bestehenden Manacagan, um 7 Uhr durchfurteten wir zwei kleine
Flsse, die NW. fliessen und dann in einem Bogen angeblich bei Dulag
die Kste erreichen. Vom Joch aus sieht man im Sden die grosse
weisse Schutthalde des Berges Dnan durch die Bume schimmern. Um 9
Uhr kamen wir durch den dicht bewaldeten Krater des Kasiboi und weiter
sdlich an einige Schuppen, in denen Schwefel ausgeschmolzen wird.

Das aus der Solfatara kommende Rohmaterial wird nach drei Klassen
bezahlt: 1o bereits zu Krusten zusammengeschmolzener Schwefel, 2o
sublimirter, der in seinen Zwischenrumen noch viel Kondensationswasser
enthlt, 3o im Thon mehr oder weniger reichlich vertheilter (aus dem
die berwiegende Menge gewonnen wird). Man setzt zum Schwefelthon
Kokosl,

6 Quart auf 4 Arroben, wirft ihn in flache eiserne Pfannen von 6
Arroben Inhalt und schmilzt unter bestndigem Umrhren. Nachdem
der obenaufschwimmende entschwefelte Thon abgeschpft, wird
neuer Schwefelthon in den Kessel geworfen und so fort. In 2 bis
3 Stunden gewinnt man auf diese Weise aus 24 Arroben Schwefelthon
durchschnittlich etwa 6 Arroben Schwefel, der in hlzerne Kasten
gegossen, zu Blcken von 3 bis 4 Arroben erstarrt. Die Hlfte des
verwendeten Oeles wird wieder gewonnen, indem man den lgetrnkten
Thon in ein Gestell aus zwei einen spitzen Winkel bildenden engen
Bambusgittern wirft. Das Oel trpfelt in eine darunter befindliche
geneigte Bambusrinne, und fliesst von da in einen Topf. Der Preis
des Schwefels in Manila schwankt zwischen 1 1/2 und 4 1/2 Dollar
per Pico. Ich sah die mit Thon gefllten Gestelle, aus denen das
Oel abtropfte, das Verfahren selbst habe ich aber leider nicht mit
angesehn, und weiss nicht zu erklren, weshalb das Oel zugesetzt
wird. Nach einigen im Kleinen, also unter wesentlich andern Bedingungen
und nicht einmal mit demselben Material angestellten Versuchen
scheint es, dass das Oel die Abscheidung des Schwefels beschleunigt,
den Zutritt der Luft zum Schwefel erschwert. Bei den Versuchen war der
im Boden des Tiegels erhaltene Schwefel immer durch Ausscheidung von
Kohle aus dem Oele schwarz gefrbt und wrde erst durch Destillation
gereinigt werden mssen. Von einer solchen erwhnten indessen die
Leyter Schwefelschmelzer nichts, auch waren Apparate dazu nicht
vorhanden, ihr Schwefel war von rein gelber Farbe.

Einige hundert Schritte weiter S. fliesst ein von O. kommender, 12'
breiter heisser Bach (50R.), der an seinen Rndern Kieselsinter
absetzt.

Man folgt einer NS. streichenden Schlucht mit 100 bis 200' hohen
Wnden; der Pflanzenwuchs hrt allmlig auf, das Gestein ist
blendendweiss, oder durch sublimirten Schwefel gelb gefrbt. An
zahlreichen Stellen dringen dichte Dampfwolken mit starkem
Schwefelwasserstoffgeruch aus dem Boden, einige tausend Schritt weiter
biegt die Schlucht nach links (O.) um und erweitert sich zugleich an
der Bucht. Hier brechen zahlreiche Kieselsprudel durch den lockeren
von Schwefel durchdrungenen Thonboden. Diese Solfatara muss frher
viel thtiger gewesen sein als gegenwrtig; die durch Zersetzung des
Gesteins von ihr gebildete Schlucht, voll hoher Schutthaufen, mag
gegen 1000' breit und wohl fnfmal so lang sein; am stlichen Ende
ist eine Anzahl kleiner kochender Schlammpftzen vorhanden, und rings
um diese bricht, wenn man den Stock in den durchwhlten Boden stsst,
Wasser und Dampf hervor. An einigen tiefen Stellen, weiter westlich,
sind graue, weisse, rothe und gelbe Thone in schmalen Bndern ber
einander geschwemmt; sie sehn wie Keupermergel aus.

Im Sden, dem Joch, das nach Buruen fhrt, gerade gegenber sieht man
in einer Hhle im weissen zersetzten Gestein ein 25' breites Becken,
aus welchem kieselsurehaltiges inkrustirendes Wasser reichlich
ausfliesst. Die Decke der Hhle ist mit Tropfsteinen behangen, die
mit gediegenem Schwefel berzogen sind oder gnzlich daraus bestehn.

Am oberen Abhange des Berges Dnan, nahe am Gipfel setzt sich so
viel Schwefel aus den Schwefelwasserstoffdmpfen ab, dass er mit
Kokosschalen abgenommen werden kann. In einigen gegen die khlende
atmosphrische Luft geschtzten Spalten schmilzt er zu dicken braunen
Krusten zusammen. Die Solfatara des Dnan liegt genau S. von jener
unten am Ende der Schlucht des Kasiboi. Die nach Auslaugung der
Kieselsure zurckbleibende Thonerde wird durch den Regen in das
Thal geschwemmt, wo sie eine Ebene bildet, deren grsster Theil
von einem kleinen schwach schwefelsauren See Malaksan (malaksan,
sauer) eingenommen wird. Seinen Spiegel, der wegen der sehr flachen
Ufer, je nach dem Wetter sich merklich verndert, fand ich etwa 500
Schritte lang, 100 breit. Von der Hhe der Solfatara erblickt man
durch eine Kluft genau S. einen etwas grsseren Ssswasser-See von
bewaldeten Bergen umgeben, er heisst Jarunan. Die Nacht wurde in einem
verfallenden Schuppen an der SO. Ecke des Sees Malaksan zugebracht. Am
folgenden Morgen stiegen wir ber das Bergjoch im Sden, dicht neben
der Solfatara des Dnan vorbei, in 1/2 Stunde zum See Jarunan hinab.

Dieser See, so wie der Malaksan flsst den Eingeborenen wegen der
bedenklichen Nachbarschaft der Solfatara aberglubische Furcht
ein; er war daher angeblich noch von keinem Schiffer, Fischer oder
Schwimmer entweiht und sehr fischreich. Um seine Tiefe messen zu
knnen, liess ich ein Floss aus Bambus bauen. Als mich aber meine
Begleiter ungefhrdet im See schwimmen sahen, sprangen sie alle ohne
Ausnahme hinein und tummelten sich im Wasser mit besonderem Behagen
und grossem Jubel, als wollten sie sich fr die lange Zurckhaltung
entschdigen. Das Floss wurde daher erst gegen 3 Uhr fertig. Die
Sondirungen ergaben fr den mittleren Theil des Beckens, das am
Sdrande etwas steiler als am Nordrande, 13 Brazas = 21,7 Meter Tiefe;
die grsste Lnge des Sees betrgt gegen 800 Varas (668 Meter), die
Breite etwa halb so viel. Indem wir Abends bei Fackelschein ber den
Bergrcken nach unserm Nachtquartier am sauren See zurckkehrten,
kamen wir an der sehr bescheidenen Wohnung eines Ehepaares vorber:
drei aus gemeinschaftlichem Stamm auseinander strebende, in gleicher
Hhe abgestutzte Aeste trugen eine Htte von Bambus und Palmenblttern,
8' im Geviert. Ein Loch im Boden bildete den Eingang, sie war in
Zimmer und Vorzimmer getheilt; vier Bambusstangen trugen oben und
unten eine Bambuslage, erstere diente als Balkon, letztere als Laden,
in dem Betel verkauft wurde.

Am Tage nach meiner Rckkehr in Buruen fuhr mich ein geflliger
spanischer Kaufmann durch die mit Reis, Mais und Zuckerrohr bebaute
fruchtbare Ebene von vulkanischem Sand nach Dlag, das gerade westlich
am Strande des stillen Meeres liegt. Die Entfernung (bei Coello 3
Leguas) betrgt wohl kaum 2 Lg. Von hier erscheint Punta Guuan,
die Sdspitze Samars, wie ein von der Hauptinsel getrenntes Eiland,
und weiter sdlich (N. 102,4 bis 103,65 S.) als schmaler Streifen
Jomonjol, die erste Insel des Archipels die Magellan (16. April 1521)
erblickte. In Dlag stiess mein voriger Begleiter zu uns, um die Reise
nach dem Bitosee mitzumachen. Die Beschaffung der Befrderungsmittel
und des Proviants und mehr noch die rcksichtsvolle Berathung aller
Vorschlge dreier Gleichberechtigter nahm viel Zeit und Geduld in
Anspruch. Schliesslich segelten wir in einem grossen Casco (Lastboot)
sdwrts die Kste entlang zur Mndung des Rio Mayo, der nach der Karte
und den eingezogenen Nachrichten aus dem Bitosee herkommen soll. Wir
fuhren in einem Nachen aufwrts, wurden aber an der ersten Htte
belehrt, dass der See nur auf grossen Umwegen durch sumpfigen Wald zu
erreichen sei. Die Mehrheit beschloss umzukehren. Verschiedene durch
Mangel einheitlicher Leitung herbeigefhrte Abenteuer verzgerten
unsere Ankunft in Abyog bis 11 Uhr Nachts. Wir hatten unterwegs
zuerst einen kleinen Nebenarm des Mayo, dann den Bitofluss
zu berschreiten. Die Entfernung des letztern von Abyog, auf
Coello's Karte zu gross angegeben, betrgt nach einer Messung des
Gobernadorcillo 1400 Brazas, was wohl richtig sein mag. [224]

Der folgende Tag wurde, da es stark regnete, benutzt, um Erkundigungen
ber den Weg zum Bitosee einzuziehn. Wir erhielten sehr abweichende
Angaben ber die Entfernung, Alle stimmten aber berein, den Weg dahin
abschreckend zu schildern. Eine beschwerliche Reise von wenigstens
zehn Stunden schien uns das Wahrscheinlichste.

Tags darauf gelangten wir in einer Stunde auf angenehmem Waldwege an
den Bitofluss und fuhren in dort vorgefundenen Nachen flussaufwrts
zwischen flachen, sandigen, mit hohem Rohr und Schilf bestandenen
Ufern. Nach 10 Minuten zwangen uns queer ber den Strom gestrzte
Bume einen Umweg zu Lande zu machen, der uns nach einer halben Stunde
wieder an den Fluss oberhalb der Hindernisse fhrte. Hier bauten wir
Bambusflsse, auf denen wir, da das Material sehr knapp bemessen, einen
halben Fuss tief eintauchend, in 10 Minuten den See erreichten. Wir
fanden ihn mit grnen Conferven bedeckt; ein Doppelsaum von Pistien
und 6 bis 7' hohen breitblttrigen Riedgrsern fasste ihn ein, in
S. und W. erheben sich niedrige Hgel, von der Mitte erscheint er
fast kreisrund, ringsum Wald. Coello giebt den See viel zu gross an
(4 statt 1 Sm.), seine Entfernung von Abyog kann nur wenig ber
1 Legua betragen. Mit Hlfe einer aus Lianen zusammengeknpften
Schnur und alliniirter Stbe fanden wir seine Breite = 585 Brazas =
977 Met. (die breiteste Stelle drfte wenig ber 1000 Met. betragen);
die Lnge berechnete sich nach einigen unvollkommenen Peilungen auf
1007 Brazas (1680 Met.), also weniger als 1 Sm. Sondirungen ergaben
ein sanft geneigtes, in der Mitte 8 Braz. (13m.3) tiefes Becken. Gern
htte ich die Verhltnisse genauer bestimmt, aber Mangel an Zeit,
Unzugnglichkeit des Uferrandes und die elende Beschaffenheit unseres
Flosses erlaubten nur einige rohe Messungen.

Am Strande war keine Spur menschlicher Wohnungen wahrzunehmen, aber
eine Viertelstunde Weges vom Nordrande fanden wir, von tiefem Schlamm
und stacheligen Calamus umgeben, eine bequeme Htte, deren Insassen
zwar als Cimarronen jedoch in Flle und mit grsserer Bequemlichkeit
als manche Dorfbewohner lebten. Man nahm uns sehr gut auf, Fische
waren reichlich vorhanden, auch Tomaten und Capsicum, um sie zu wrzen,
und Teller von englischem Steingut, um sie zu verzehren.

Die Hufigkeit der Wildschweine hatte die Einsiedler zur Erfindung
einer eigenthmlichen Vorrichtung veranlasst, um selbst im Schlaf
von deren Annherung unterrichtet und im Dunkeln auf ihre Spur
geleitet zu werden. Ein ber tausend Fuss langes aus Bananenstreifen
zusammengeknpftes Seil schleppt in gerader Linie am Boden hin, das
eine Ende ist an einer mit Wasser gefllten, ber dem Schlafplatz
des Jgers aufgehngten Kokosschale befestigt. Berhrt ein Schwein
das Seil, so wird durch den Ruck das Wasser ber den Schlfer
ausgeschttet, den das Seil, indem er es durch die Hand gleiten
lsst, zu seiner Beute fhrt. Die Hauptbeschftigung unserer
Wirthe schien der Fischfang zu sein, der so ergiebig ist, dass
die rohesten Vorrichtungen gengten. Nicht einmal ein Nachen war
vorhanden, sondern nur lose zusammengefgte Bambusflsse, auf denen
die Fischer, wie wir auf unserem Floss, halbfusstief einsinkend,
zwischen den Krokodilen umhertrieben, die ich nie in solcher Menge
und in so betrchtlicher Grsse wie in diesem See gesehn habe. Einige
schwammen an der Oberflche mit ihrem Rcken aus dem Wasser ragend
langsam herum. Auffallend war die vllige Sorglosigkeit, mit welcher
selbst zwei kleine Mdchen angesichts der grossen Ungethme im Wasser
wateten. Zum Glck scheinen letztere sich mit ihren reichlichen
Fischrationen zu begngen. Es sollen vier Arten Fische im See
vorkommen, darunter ein Aal; wir erlangten aber nur eine. [225]

Am folgenden Morgen waren unsere einheimischen Begleiter schon in aller
Frhe betrunken. Dies fhrte zur Entdeckung eines andern Gewerbes der
Einsiedler, das ich jetzt nach Aufhebung des Regierungsmonopols wohl
verrathen darf. Sie destillirten heimlich Palmenbrantwein und trieben
damit eintrglichen Handel. Nun begriff ich auch, warum man uns die
Schrecknisse des Weges am Mayofluss und in Abuyog in so lebhaften
Farben geschildert hatte. [226] Wir fuhren auf unsern Flssen bis
zur Stelle zurck, wo wir sie gefunden hatten, eine Strecke von etwa
1500', gingen O. bei N. zu unsern Nachen, durch 16' hohes wildes Rohr
(Saccharum sp.) mit sehr grossen silberweissen Blthenbscheln und
fuhren zur Barre, von wo wir nach 1 1/2 stndigem Marsche Abuyog
erreichten. Von dort kehrten wir zu Wasser nach Dulag, zu Lande
nach Buruen zurck, wo wir Nachts eintrafen, frher als unsere
Pferdeknechte erwartet hatten, weshalb wir sie in unseren Betten
schlafend antrafen.

Bis vor kurzem wurde in dieser Gegend viel Tabak gebaut, und sein
Verkauf unter gewissen Beschrnkungen den Bauern gestattet. Neuerdings
war verboten worden den Tabak anders als an die Regierung zu verkaufen,
und zwar zu einem von ihr selbst bestimmten so usserst niedrigen
Preise, dass der Tabakbau fast ganz aufgehrt hatte. Da aber die
Tabakregie bereits Speicher errichtet und Einnehmer angestellt hatte,
so sahen die Eingeweihten richtig voraus, dass demnchst der Zwangsbau
eingefhrt werden wrde, wie es auf hnliche Weise an andern Orten
geschehen war. -- Die Ostkste von Leyte soll sich heben, whrend
an der Westseite das Meer die Kste zerstrt, bei Ormog soll es in
6 Jahren um 50 Ellen vorgedrungen sein.








ZWEIUNDZWANZIGSTES KAPITEL

    LEBENSWEISE UND SITTEN DER BISAYA-INDIER.


Die Bisayer, wenigstens die Bewohner der Inseln Samar und Leyte
(andre habe ich nicht nher kennen gelernt) gehren Einem Stamme
an. [227] Sie sind krperlich und geistig, in Charakter, Tracht,
Sitten und Gebruchen so hnlich, dass meine ursprnglich an
verschiedenen Punkten der beiden Inseln gemachten Aufzeichnungen durch
Ausscheidung der zahlreichen Wiederholungen zu Einer verschmolzen,
die ein vollstndigeres Bild und zugleich Gelegenheit giebt, kleine
Verschiedenheiten, wo sie stattfinden, deutlicher hervortreten
zu lassen.

Negritos sind weder in Samar noch in Leyte vorhanden, aber viele
Cimarronen, die keinen Tribut zahlen und nicht in Drfern, sondern
unabhngig in den Wldern leben. Ich habe leider keinen persnlichen
Umgang mit ihnen gehabt, und was ich von den christlichen Bewohnern
Samar's ber sie erfahren, ist zu unzuverlssig, um wiederholt zu
werden. Sicher scheint es aber, dass alle diese Cimarronen oder
ihre Vorfahren schon mit den Spaniern verkehrt haben, und dass ihre
Religion manche katholische Formeln aufgenommen hat. So pflegen sie
bei dem Reispflanzen, wo sie nach alter Sitte etwas von der Saatfrucht
absondern, um es an den vier Ecken des Feldes als Opfer darzubringen,
gern einige verstmmelte katholische Gebete herzusagen, die sie fr
wirksamer zu halten scheinen, als ihre alten heidnischen. Einige
lassen sogar ihre Kinder taufen, da es nichts kostet, erfllen aber
sonst keine christlichen oder brgerlichen Pflichten. Sie sind sehr
friedlich, bekriegen einander nicht, haben auch keine vergifteten
Pfeile. Beispiele von Cimarronen, die zum Christenthum und Dorfleben
sammt Tribut und Frohnden bertreten, sind usserst selten. Umgekehrt
ist auch die Zahl der Indier, welche sich in die Wlder zurckziehn,
um Cimarronen zu werden, sehr unbedeutend, wohl noch geringer
als in Luzon, da die Eingeborenen bei dem leidenschaftlosen, fast
pflanzlichen Leben, das sie fhren, nicht leicht in den Fall kommen,
ihr Dorf verlassen zu mssen, das mehr noch als in Luzon fr sie die
Welt bedeutet.

Der Reisbau richtet sich nach den Jahreszeiten. An einigen Orten, wo
grssere Felder vorhanden sind, ist der Pflug (arado) und der Sodsod
(hier surod genannt) in Gebrauch; fast allgemein aber lsst man das
Reisfeld in der Regenzeit nur von Bffeln durchtreten. Man set an der
Westkste im Mai und Juni, pflanzt im Juli und August und erntet von
November bis Januar. Eine Ganta Aussaat giebt zwei, zuweilen drei bis
vier Cabanes (d. h. 50, 75 bis 100 fach). Bei der Hauptstadt Catbalgan
sind nur sehr wenige bewsserte Reisfelder (Tubigan, von Tubig,
Wasser) vorhanden, deren Ertrag fr das Bedrfniss nicht ausreicht, das
Fehlende wird aus andern Kstenpltzen der Insel ergnzt; Catbalgan
fhrt dagegen Abaca, Kokosl, Wachs, Balate (essbare Holothurien),
getrocknete Fische und Gewebe aus. An der Nord- und Ostkste set
man von November bis Januar und erntet sechs Monate spter. Whrend
der brigen sechs Monate dient das Feld als Weide fr das Vieh; an
manchen Orten findet auch whrend dieser Monate, also von Juli bis
Dezember Reisbau, aber auf andern Feldern statt. Von diesem Reis geht
hufig wegen des schlechten Wetters ein grosser Theil verloren.

Kufe von Land kommen nur ausnahmsweise vor; gewhnlich wird es
durch Urbarmachen, Erbschaft oder als verfallenes Pfand erworben. Bei
Catbalgan war bestes Reisland mit 1 Dollar fr eine Ganta Aussaat,
und an der Nordkste bei Luang ein Feld, das jhrlich 100 Cabanes
trgt, mit 30 Dollar bezahlt worden. Rechnet man wie bei Naga, 1
Ganta Aussaat auf 4 Loanes, und 75 Cabanes Ertrag auf 1 Quion, so
kostet der Morgen Reisland im ersten Falle 3 1/3 Thaler, im zweiten
3 Thaler. Bei Verpachtungen leiht der Besitzer den nackten Grund und
Boden und empfngt als Zins die Hlfte der Ernte. [228] Der Reisbau
in Leyte ist von dem in Samar nicht verschieden, hat aber abgenommen,
durch die Abackultur verdrngt, da die Guvernre als sie noch Handel
treiben durften, die Eingebornen zwangen, einen Theil ihrer Felder
und ihrer Arbeit auf diese zu verwenden. Der Reis zur Ausfuhr wird
gewhnlich auf dem Halm zu einem vor der Ernte verabredeten Preise
per Caban verkauft. Dergleichen Vertrge pflegen selbst im Falle
der Vorausbezahlung pnktlich erfllt zu werden. Bleibt ein Bauer im
Rckstand, so ist es im Lande allgemein geltender Brauch, dass er dem
Hndler bei der nchsten Ernte das Schuldiggebliebene doppelt liefere.

Bergreis (bei Catbalgan wird fast nur solcher gewonnen) erfordert
kein andres Ackergerth als das Waldmesser, um den Boden etwas
aufzulockern, und einen spitzen Stock, um Lcher in Entfernungen von
6 Zoll zur Aufnahme von je 5 bis 6 Reiskrnern zu machen. Man set
von Mai bis Juni, jtet zweimal und schneidet nach 5 Monaten Halm
fr Halm. Der Schnitter empfngt 1/2 Real Tagelohn und Kost. Der
Ertrag ist 2 bis 3 Cabanes auf eine Ganta oder 50 bis 75 fach. Das
Land kostet nichts, der Arbeitslohn betrgt gegen 5 Realen per Ganta
Aussaat. Nach einer guten Ernte gilt der Caban 4 Realen. Kurz vor der
Ernte steigt der Preis bis auf 1 Dollar, oft viel hher. Der Boden
wird nur ein einziges Mal fr trocknen Reis benutzt; nach der Ernte
pflanzt man Camote (Bataten), Abaca und Caladium darauf. Der Bergreis
wird besser bezahlt als Wasserreis, etwa im Verhltniss von 9 zu 8.

Nchst Reis sind die Hauptnahrungsmittel Camote (Convolvulus Batatas),
Ubi (Dioscorea), Gabi (Caladium) Palun (ein grosses Arum mit
gefingerten Blttern und geflecktem Stiel). Camote kann das ganze Jahr
gepflanzt werden und reift in 4 Monaten; aber es geschieht gewhnlich,
wenn der Reisbau vorber ist, da whrend desselben wenig Arbeitskrfte
verfgbar sind. Wird der Camotebau beibehalten, so lsst man in der
Regel die alten Pflanzen sich selbst durch ihre Auslufer vermehren
und nimmt nur die Knollen aus dem Boden. Mehr Ertrag erhlt man aber,
wenn man den Boden reinigt und neu pflanzt. Fr 1/2 Real erhlt man
8 bis 15 Gantas Camote, einen Scheffel etwa fr 3 bis 6 Sgr. [229]

Abac, obgleich davon grosse Pflanzungen vorhanden sind, wurde zur
Zeit meiner Anwesenheit, da der Preis nicht lohnend genug war, fast
gar nicht ausgebeutet.

Tabak wird auch gebaut; er durfte frher im Lande verkauft, muss
jetzt aber an die Hacienda abgeliefert werden.

In Samar und Albay, wahrscheinlich auch in andern Provinzen, wird ein
harziges Oel, Balo oder Malapjo gewonnen; man erhlt es von einem
Dipterocarpus (Apton), einem der hchsten Bume des Waldes, indem
man ein breites Loch einen halben Fuss tief in den Stamm schlgt,
es beckenartig aushhlt und von Zeit zu Zeit, um die verstopften
Zuflusskanle wieder zu ffnen, Feuer darin anmacht. Das angesammelte
Oel wird tglich ausgeschpft und ohne weitere Vorbereitung in den
Handel gebracht. Seine interessanteste Verwendung ist zur Konservirung
des Eisens bei dem Schiffbau. Vor dem Einschlagen in Balaol getauchte
Ngel sollen, wie glaubwrdige Leute versicherten, noch nach zehn
Jahren vllig rostfrei sein. Hauptschlich wird Balao als Firniss fr
Schiffe benutzt, die sowohl innen als aussen damit angestrichen werden;
es schtzt auch die Hlzer gegen Termiten und andre Insekten. Das
Balao wird in Albay, die Tinaja von 10 Gantas zu 4 Realen, (das
Liter zu 8 Pfennig) verkauft; nach Europa scheint es bis jetzt nur
in Proben gekommen zu sein. Zum Schutz der Schiffsbden verwendet
man auch ein Zement aus gebranntem Kalk, Elemiharz und Kokosl in
solchem Verhltniss gemischt, dass es vor dem Auftragen einen dicken
Schleim bildet. Der Anstrich hlt sich ein Jahr. [230] Wachs wird von
den Cimarronen eingetauscht. Ganz Samar liefert jhrlich 200 bis 300
Picos, deren Werth 25 bis 50 Dollar per Pico betrgt; in Manila ist
der Preis gewhnlich 5 bis 10 Dollar hher; doch schwankt er sehr,
da dasselbe Erzeugniss von mehreren andern Lokalitten und in sehr
unregelmssigen Zwischenrumen einkommt.

Viehzucht ist trotz des ppigen Graswuchses und der Abwesenheit
reissender Thiere fast gar nicht vorhanden. Pferde und Bffel sind
sehr selten und sollen spt, angeblich erst in diesem Jahrhundert,
eingefhrt sein. Da es in Samar kaum andre Landstrassen giebt als den
Seestrand und seichte Flussbetten (im Norden von Leyte ist es besser),
so wird der Bffel nur gebraucht, um alljhrlich einmal den Boden des
Reisfeldes durchzutreten. Den Rest des Jahres bringt er frei auf der
Weide zu, im Walde oder auf einer kleinen Insel, wenn eine solche in
der Nhe. Nur gelegentlich werden mehrere Bffel vor einen grossen
Baumstamm gespannt, um ihn nach dem Dorfe zu schleifen; ihre Zahl
ist daher usserst gering. Bffel, welche Reisland gut durchtreten,
werden bis zu 10 Dollar bezahlt. Der Mittelpreis ist 3 Dollar fr
einen Bffelstier, 5 bis 6 Dollar fr eine Bffelkuh. Rindvieh
wird nur zuweilen bei Festen als Schlachtvieh benutzt, ist in sehr
geringer Menge vorhanden, unter viele Besitzern vertheilt, lebt halb
verwildert in den Bergen. Handel findet darin kaum statt, aber drei
Dollar fr Jungvieh, fnf bis sechs Dollar fr eine Kuh mag etwa der
Mittelpreis sein. Fast jede Familie besitzt ein Schwein, einige deren
drei bis vier. Ein fettes Schwein kostet sechs bis sieben Dollar,
also mehr als eine Kuh. Rindfleisch wird von vielen Indiern gar
nicht gegessen; bei ihren Schmausereien darf aber Schweinefleisch
nicht fehlen. Auch wird das Schmalz so theuer bezahlt, dass daraus
unter gnstigen Verhltnissen von einem fetten Thiere fr drei bis
vier Dollar erlst werden. Schafe und Ziegen gedeihen vorzglich,
vermehren sich leicht, sind aber auch nur in geringer Zahl vorhanden
und werden fast gar nicht, weder der Wolle noch des Fleisches wegen,
benutzt. Kreolen und Mestizen sind meist zu trge, um selbst Schafe zu
halten, und essen lieber das ganze Jahr tglich Hhnerfleisch. Auch
Shanghai-Schafe, die der Guvernr in Taclban eingefhrt hatte,
gediehen und vermehrten sich sehr gut. Eine Eier legende Henne kostet
1/2 r., ein Hahn dasselbe; ein Kampfhahn bis drei Dollar, oft viel
mehr. Man kauft sechs bis acht Hhner oder 30 Eier fr einen Real.

Eine Familie von Vater, Mutter und fnf Kindern braucht tglich nicht
ganz 24 Chupas Palay (Reis mit der Hlse), welcher enthlst ungefhr
12 Chupas giebt und zum Mittelpreise von 4 r. per Caban, etwa 1/2
r. kostet (nach der Ernte zuweilen 3 r. per Caban, vor derselben
10 r., in Albay 20 bis 30 r.); ausserdem 2 bis 3 cu. fr Zuspeise
(Fische, Krabben, Kruter, etc.), die aber gewhnlich von den Kindern
gesammelt werden, endlich fr Oel 2 cu., Buyo 1 cu., Tabak 3 cu. (3
Blatt fr 1 cu.); letzterer wird geraucht, nicht gekaut. An Buyo und
Tabak verbraucht eine Frau halb so viel als ein Mann. Buyo und Tabak
wird in Leyte weniger genossen als in Samar.

An Kleidungsstcken verwendet ein Mann jhrlich: 4 grobe Hemden von
Guinara zu 1 bis 2 r., 3 bis 4 Hosen zu 1 bis 2 1/2 r., 2 Kopftcher
zu 1 1/2 r. (Hte werden an der Sd- und Westkste nicht getragen)
und fr die Kirchweih gewhnlich: 1 Paar Schuhe 7 r., 1 feines Hemd 1
Dollar oder mehr, 1 feine Hose 4 r. -- Eine Frau hat 4 bis 6 Camisas
von Guinara zu 1 r., 2 bis 3 Sayas von Guinara zu 3 bis 4 r. und 1
oder 2 gedruckte Kattunsayas aus Europa zu 5 r., 2 Tcher zu 1 1/2 bis
2 r., 1 oder 2 Paar Pantoffeln (Chinelas), um in die Messe zu gehen,
zu 2 r. und mehr nthig.

Ausserdem besitzen die Frauen fast immer einige feine Camisas zu
wenigstens 6 r., eine Mantilla zum Kirchgang 6 r.; (sie dauert 4
Jahre), einen Kamm, 2 cu. Manche haben auch Unterrcke (nabuas), 2
Stck zu 4 r., Messing-Ohrringe und einen Rosenkranz, Sachen die nur
einmal angeschafft werden. In den rmeren Ortschaften, in Luang z. B.,
werden nur im Hause gewebte Guinaras getragen. Dort bedarf ein Mann:
3 Hemden und 3 Hosen, die aus 3 Stck Guinara zu 2 r. geschnitten
werden; einen Salacot (Hut) gewhnlich eigener Anfertigung, Werth
1/2 r. Eine Frau braucht jhrlich: 4 Sayas, Werth 6 r., Camisas,
mit Einschluss einer feineren fr das Fest, 8 r. Unterrcke werden
nicht getragen. Die Kleidung der Kinder kann etwa auf die Hlfte der
obigen Preise veranschlagt werden.

Hausrath: Ein Kochtopf -- die Kochtpfe, aus unglasirtem gebrannten
Thon, werden von den Schiffen aus Manila mitgebracht; ihr Inhalt an
Reiskrnern ist ihr Preis; [231] -- mehrere Bambusrohre; Teller,
7 Stck  2 bis 5 cu.; ein Carahai (eiserne Pfanne) 3 bis 4 r.;
Kokosschalen statt der Glser; einige kleine Tpfe, zusammen 1/2 r.;
1 Sundang, 4 bis 6 r., oder Bolo (grsseres Waldmesser) 1 Dollar;
1 Scheere (fr die Frauen) 2 r. Der Webestuhl, den jede Haushaltung
selbst aus Bambus zusammenfgt, veranlasst keine baare Auslagen.

Der Tagelohn unter den Eingeborenen betrgt 1/2 r., keine
Bekstigung. Europer mssen aber immer 1 r. und Kost geben, wenn sie
nicht durch Begnstigung des Gobernadorcillo Polistas zu dem obigen
niedrigen Tagelohn erhalten knnen, der dann ordnungsmssig in die
Gemeindekasse fliessen soll. Ein Zimmermann verdient 1 bis 2 r.,
die besten 3 r. tglich. Der Arbeitstag ist von 6 bis 12 Mittags und
von 2 bis 6 Uhr Abends.

Fast jedes Dorf hat einen rohen Schmied, der Sundangs und Bolos zu
machen versteht; es mssen aber bei jeder Bestellung das Eisen und
die Kohlen dazu geliefert werden. Andre Metallarbeiten werden nicht
angefertigt. Ausser etwas Schiffbau wird kaum ein andres Gewerbe
betrieben als Weberei; der Webestuhl fehlt fast in keinem Hause. Es
werden Guinara fabrizirt, d. h. Abaczeuge, auch etwas Pia und
gemusterte Seidenstoffe; die Seide dazu wird aus Manila bezogen und
ist chinesischen Ursprungs. Alle diese Gewebe werden in den einzelnen
Husern gefertigt, eine Fabrik ist nicht vorhanden.

An Orten, wo es an Reis mangelt, fischen die geringeren Leute,
salzen und trocknen die Fische und tauschen dafr Reis ein. In den
Hauptstdten wird gewhnlich fr baares Geld gekauft; im Innern sind
Gewebe und getrocknete Fische sehr gebruchliche Tauschmittel. Geld ist
dort fast nicht vorhanden. Salz wird durch Abdampfen des Meerwassers
in kleinen eisernen Handpfannen (Carahais) ohne vorherige Verdampfung
an der Sonne gewonnen. Die Schifffahrt zwischen Catbalgan und
Manila dauert von Dezember bis Juli; von Juli bis Dezember liegen die
Schiffe abgetakelt unter Schuppen. Ausserdem findet Kstenschifffahrt
stlich bis Guuan, nrdlich bis Catarman, selten bis Luang statt. Die
Mannschaft besteht zum Theil aus Einheimischen, zum Theil aus Fremden,
da die Bewohner der Inseln sehr ungern zur See gehen, fast nur
gezwungen ihr Dorf verlassen. Ausser der Ksten- und Flussschifffahrt
besitzt Samar beinahe keine Verkehrsmittel; das Innere ist unwegsam,
Lasten knnen nur auf der Schulter getragen werden. Ein starker Trger,
der 1 1/2 r. ohne Kost erhlt, schleppt 3 Arrobas (75 Pfund span.) 6
Leguas weit in einem Tage, kann aber am folgenden Tage nicht dieselbe
Arbeit verrichten und braucht wenigstens einen Tag Ruhe. 1 1/2 Arrobas
trgt ein krftiger Mann tglich 6 Leguas weit eine ganze Woche lang.

Mrkte finden in Samar und Leyte nicht statt; wer etwas kaufen will,
sucht es in den einzelnen Husern; auf dieselbe Weise bietet der
Verkufer seine Waaren an.

Ein Indier, der Geld borgen will, muss reichliches Pfand geben und
den Dollar monatlich mit 1 r. (12 1/2 % pro Monat) verzinsen. Mehr
als 5 Dollar findet er nicht leicht zu borgen, da er gesetzlich nur
bis zu dieser Summe haftbar ist. Im stlichen und nrdlichen Samar
sind Handel und Kreditwesen noch weniger entwickelt als im westlichen
Theile der Insel, der in regerem Verkehr mit den brigen Bewohnern
des Archipels steht. Baares Geld wird dort fast gar nicht geliehen,
sondern nur Waaren zu einem Real per Monat fr jeden Dollar des
Werthes. Kann der Schuldner zur festgesetzten Frist nicht zahlen, so
wird ihm hufig eines seiner Kinder genommen, das bis zur Tilgung der
Schuld bei dem Darleiher ohne Lohn fr die blosse Bekstigung dienen
muss. Ich habe einen jungen Mann gesehn, der wegen 5 Dollar, die sein
Vater, ein ehemaliger Gobernadorcillo von Paranas, einem Mestizen
in Catbalgan schuldete, 5 Jahre lang umsonst gedient hatte, um die
Schuld zu tilgen, und an der Ostkste ein hbsches junges Mdchen,
das wegen einer vterlichen Schuld von 3 Dollar schon seit 2 Jahren
bei einem Eingeborenen diente, der im Ruf eines Wstlings stand. Man
zeigte mir in Borongan eine Kokospflanzung von 300 Bumen; die vor
etwa 20 Jahren wegen einer Schuld von 10 Dollar verpfndet, seitdem
vom Glubiger wie sein Eigenthum genutzt worden war. Vor einigen
Jahren starb der Schuldner, und es gelang den Kindern desselben nur
mit vieler Mhe, gegen Zahlung der ursprnglichen Schuld das Eigenthum
zurckzuerhalten. Es kommt vor, dass ein Eingeborener von einem andren
2 1/2 Dollar borgt, um sich von den 40 Tagen jhrlicher Frohnden
loszukaufen, und dann seinem Glubiger ein ganzes Jahr lang dient,
weil er nicht im Stande ist, das Geld pnktlich zurckzuzahlen. [232]

Die Bewohner von Samar und Leyte sind trger, nicht so reinlich als die
von Luzon, und scheinen hinter den Bicol eben so sehr zurckzustehn,
als diese hinter den Tagalen. Bei Taclban, wo lebhafter Verkehr mit
Manila stattfindet, sind diese Eigenschaften weniger ausgesprochen;
die Frauen dort sind angenehm und baden viel. Uebrigens sind
die Bewohner beider Inseln freundlich, gutmthig, folgsam und
friedfertig. Schimpfreden oder Thtlichkeiten kommen fast nie vor;
wird Einer beleidigt, so verklagt er seinen Gegner im Tribunal. An
der Nord- und Westkste scheint grosse Sittenreinheit zu herrschen,
aber nicht an der Ostkste und in Leyte. Die usserliche Frmmigkeit
ist berall sehr gross; das haben sie von den Priestern gelernt. Die
Familien sind sehr einig, die Frauen haben grossen Einfluss, verrichten
vorzglich die huslichen Geschfte und sind zum Theil sehr geschickt
im Weben, auf dem Felde fallen ihnen nur die leichteren Arbeiten
zu. Das Ansehen der Eltern und des ltesten Bruders ist sehr gross;
die jngeren Geschwister wagen nie, diesem zu widersprechen. Frauen
und Kinder werden sehr gut behandelt.

Die Eingeborenen von Leyte haften eben so sehr an dem heimathlichen
Boden wie die von Samar, haben auch keine Lust zur Schifffahrt,
wenn schon die Abneigung dagegen nicht ganz so ausgesprochen ist,
wie bei den Bewohnern von Samar. [233]

Anstalten der Wohlthtigkeit sind auf keiner der beiden Inseln
vorhanden. Jede Familie erhlt ihre Armen und Krppel und behandelt
sie gut. In Catbalgan, der Hauptstadt der Insel, mit 5 bis 6000
Einwohnern, gab es nur 8 Almosenempfnger (in Albay fehlte es nicht
an Bettlern). In Luang hatte bei einer feierlichen Gelegenheit
ein Spanier ausrufen lassen, dass er Reis unter die Armen vertheilen
wolle; es meldete sich Niemand. Die Ehrlichkeit der Bewohner von Samar
wird sehr gepriesen. Schulden sollen fast immer ohne schriftliche
Dokumente kontrahirt und nie abgeleugnet, wenn auch nicht immer
pnktlich bezahlt werden. Rubereien kommen auf Samar fast nie vor,
Diebstahl hchst selten. Schulen giebt es auch hier in den Pueblos,
sie leisten nicht viel weniger als in Camarnes.

Unter den ffentlichen Vergngungen stehn die Hahnenkmpfe obenan,
werden aber nicht so leidenschaftlich betrieben wie auf Luzon. An den
Kirchweihfesten wird ein aus dem Spanischen bersetztes Schauspiel,
gewhnlich religisen Inhalts aufgefhrt, die Kosten werden durch
freiwillige Beitrge der Principalia gedeckt. Die Hauptlaster der
Bevlkerung sind Spiel und Trunksucht; auch Weiber, selbst junge
Mdchen betrinken sich gelegentlich. Bei den Heirathen dauern
die Festlichkeiten, Gesang und Tanz oft mehrere Tage und Nchte
hintereinander, so lange Speisen und Getrnke ausreichen. Der Freier
muss im Hause der Brauteltern 2, 3, selbst 5 Jahre dienen, bevor er die
Braut heimfhren kann. Durch Geld ist diese Last nicht abzukaufen. Er
speist im Hause der Brauteltern, die den Reis liefern, hat aber die
Zuspeise selbst zu beschaffen. [234] Zu Ende der Dienstzeit baut
er mit Hlfe seiner Verwandten und Freunde das Haus fr die neu zu
grndende Familie.

Ehebruch ist hufig, Eifersucht selten und fhrt nie zu
Gewaltthtigkeiten; der Beleidigte geht mit dem Schuldigen gewhnlich
zum Pfarrer, der mit einer Strafpredigt fr den Einen und Trostworten
fr den Anderen Alles wieder in's Geleise bringt. Ehefrauen
sind leichter zugnglich als Mdchen, aber auch diesen wird die
Aussicht auf Verheirathung durch Fehltritte im ledigen Stande kaum
geschmlert. Mdchen unter vterlicher Gewalt werden in der Regel
streng gehalten, schon um die Dienstzeit des Freiers zu verlngern. Der
ussere Schein wird bei den Bisayern noch mehr gewahrt als bei den
Bicols und Tagalen. Auch hier herrscht die irrthmliche Ansicht, dass
die Zahl der Frauen die der Mnner bersteige (vergl. S. 45). Mtter
von 12 Jahren kommen vor, aber selten. Frauen gebren 12 bis 13 Kinder;
es sterben indessen viele derselben, und Familien mit mehr als 6 oder
8 Kindern sind usserst selten.

Es herrscht viel Aberglauben. Ausser dem katholischen Marienbildchen,
das jede Indierin an einer Schnur um den Hals trgt, haben Viele
auch heidnische Amulete. Ich hatte Gelegenheit, ein solches zu
untersuchen, das einem sehr khnen Verbrecher abgenommen worden
war. Es bestand aus einem Unzenflschchen, vollgestopft mit feinen,
anscheinend in Oel gebratenen Wurzelfasern, war von den heidnischen
Stmmen bereitet und hatte die Eigenschaft, den Besitzer stark und
muthig zu machen. Die Gefangennehmung des Letztern war sehr schwierig;
sobald ihm aber das Flschchen entrissen war, gab er allen Widerstand
auf und liess sich binden. Fast in jedem grssern Dorf giebt es eine
oder mehrere Asun-Familien, die allgemein gefrchtet und gemieden,
wie Ausgestossene behandelt werden und sich nur untereinander
verheirathen knnen. Sie stehen im Rufe, Menschenfresser zu
sein. Vielleicht stammen sie von solchen ab? -- Der Glaube ist sehr
allgemein und festgewurzelt. Darber zur Rede gestellt antworteten
alte einsichtsvolle Indier, sie glaubten allerdings nicht, dass die
Asunen jetzt noch Menschen frssen, aber ohne Zweifel htten ihre
Vorfahren es gethan. [235]

Alte Legenden, Traditionen, Lieder sollen nicht vorhanden sein. Bei
ihren Tnzen singen sie zwar; es sind aber Improvisationen ohne
Geist, meist obszn. Denkmler frherer Zivilisation haben sich nicht
erhalten. Tempel besassen die alten Pintados nicht, jeder machte
sich seine Anitos im Hause selbst, ohne besondere Feierlichkeit.
(Morga f. 145 v.). Pigafetta (S. 92) erwhnt zwar, dass der Knig
von Cebu, als er Christ geworden, viele am Seestrande erbaute Tempel
zerstren liess, es mgen indessen wohl nur Bauten sehr vergnglicher
Art gewesen sein. Bei gewissen Gelegenheiten feierten die Bisayer ein
grosses Fest Pandot, bei welchem sie ihre Gtter in eigens erbauten
mit Blumen und Lampen geschmckten Laubhtten verehrten. Sie nannten
diese Htten Simba oder Simbahan (so heissen jetzt die Kirchen)
und dies ist das einzige, was sie haben, das einer Kirche oder
einem Tempel hnlich sieht. (Informe I. 1. 17). Nach Gemelli Careri,
(S. 449) beteten sie auch einige besondere, ihnen von ihren Vorfahren
hinterlassene, von den Bisayern Davata (Divata), von den Tagalen
Anito genannte Gtter an [236]; es gab auch einen See-Anito und
einen fr das Haus, um die Kinder zu behten. Unter diese Anitos
wurden ihre Grossvter und Urgrossvter versetzt, die sie in allen
Nthen anriefen (s. S. 210), zu ihrem Gedchtniss bewahrten sie kleine
hssliche Bildsulen von Stein, Holz, Gold und Elfenbein, welche sie
Liche oder Laravan nannten. Auch zhlten sie zu ihren Gttern Alle,
die durch das Schwert umkamen, vom Blitz getdtet, oder von Krokodilen
gefressen wurden und glaubten, dass ihre Seelen gen Himmel stiegen auf
einem Bogen, den sie Balangas nannten. Pigafetta (S. 92) beschreibt die
von ihm gesehenen Idole folgendermaassen: Sie sind von Holz, konkav
oder hohl ohne Hintertheile, ihre Arme sind geffnet, auch die Beine,
die Fsse nach oben gekehrt. Sie haben sehr grosse Gesichter mit vier
gewaltigen Zhnen, Eberstosszhnen hnlich, und sind ganz bemalt. [237]

Zum Schluss eine kurze Nachricht ber die Religion der alten
Bisayer nach Fr. Gaspar (Conq. 169): Den Teufel oder Genius, dem
sie opferten, nannten sie Divata was einen Gegensatz der Gottheit,
einen gegen dieselbe Emprten zu bezeichnen scheint ... die Hlle
nannten sie Solad, den Himmel (in ihrer gebildetsten Sprache) Ologan
... die Seelen der Verstorbenen gehn auf einen Berg in der Provinz
Oton, welcher Medias heisst, wo sie sehr gut bewirthet und bedient
werden. Erschaffung der Welt: Ein Geier schwebt zwischen Wasser und
Himmel, findet keine Sttte, um sich zu setzen, das Wasser steigt
gen Himmel. Der Himmel wird zornig, erschafft Inseln. Der Geier
spaltet einen Bambus, daraus entstehn Mann und Frau, sie zeugen viele
Kinder und treiben sie als ihre Zahl zu gross geworden, mit Schlgen
aus. Einige verbergen sich in der Kammer, dies werden die Datos,
einige in der Kche, das werden die Sklaven, die brigen gehn die
Treppe hinab und werden das Volk.








DREIUNDZWANZIGSTES KAPITEL

    DIE NEUEN ZOLLHFEN. -- STEINKOHLE IN CEBU. -- YLOILO. --
    AUFSCHWUNG DES ZUCKERBAUES.


1830 wurden versuchsweise sieben neue Hfen geffnet, wegen grosser
Zolldefraudationen aber bald darauf wieder geschlossen. 1831 Errichtung
eines Zollamtes in Zambonga, SW. Spitze von Mindano. 1855 wurden Sul
im Golf von Lingayen, einer der sichersten Hfen auf der Westkste
Luzon's und Ylolo auf Panay, 1863 Ceb auf der gleichnamigen Insel
fr den direkten Verkehr mit dem Auslande geffnet.

Schon 1635 hatten die Spanier ein Fort in Zambonga errichtet, das
die Seeruberzge gegen die Kolonie zwar nicht ganz verhindern konnte,
sie aber doch sehr einschrnkte. [238] Bis 1848 sollen von den Moros
jhrlich 800 bis 1500 Personen fortgeschleppt worden sein. [239]
Der Grndung dieses Zollamtes lagen daher mehr politische als
kommerzielle Rcksichten zu Grunde: man wollte den Seeruberstaaten
der Solosee einen leicht zugnglichen Platz zum Umsatz ihrer Produkte
ffnen. Der Handel ist bis jetzt hchst unbedeutend; die Ausfuhr
besteht hauptschlich in etwas Kaffee (1871 gegen 6000 Picos), der
wegen seiner nachlssigen Behandlung 30% weniger als Manila-Kaffee
gilt, und in eingesammelten Produkten des Waldes und Wassers
(Wachs, Vogelnester, Schildpatt, Perlen, Perlmutter, und essbare
Holothurien). Dieser Handel wird, so wie der mit Solo nur durch
Chinesen betrieben, welche allein die dafr erforderliche Geduld,
Geschmeidigkeit und Gewandtheit besitzen.

Sul ist besonders fr Reisausfuhr wichtig. Sein Fremdhandel wird daher
vom Ausfall der Ernten in Saigon, Birma, China beeinflusst. 1868, wo in
obigen Lndern die Ernten gut ausgefallen, trieb Sul nur Kstenhandel.

Ceb, 34,000 E., Hauptstadt der Insel desselben Namens, Sitz der
Regierung und des Bischofs fr die Bisayas, in 48 Stunden von Manila
im Dampfboot zu erreichen, hat eine eben so gnstige Lage fr den
stlichen Theil der Bisaya-Gruppe, als Yloilo fr den westlichen und
wird mehr und mehr zum Stapelplatz seiner Produkte. Von Bojl erhlt
es Zucker und Tabak, von Panay Reis, von Leyte und Mindanao Abac, von
Mismis (Mindanao) Kaffee, Wachs, spanisches Rohr, Perlmutter. Es ist
von Samar 26, von Leyte 7 1/2 von Bojol 4, von Negros 18 M. entfernt.

Die Insel Ceb hat 75 quadr. M. Flcheninhalt, ein hohes Gebirge
durchzieht sie von N. bis Sd und scheidet die Ost- von der
Westseite, ihre Einwohnerzahl wird auf 340,000 geschtzt, 4533 auf die
quadr. M. Die Bewohner sind friedfertig und gefgig, Diebsthle kommen
sehr selten, Rubereien nie vor. Die Gewerbe bestehn in Ackerbau,
Fischerei und Weberei fr den eignen Gebrauch. Ceb produzirt Zucker,
Tabak, Mais, Reis u. s. w., in den Bergen auch Kartoffeln, aber
der gewonnene Reis deckt den Bedarf nicht, da nur wenig ebenes Land
vorhanden ist, der fehlende Reis wird von Panay eingefhrt.

Die Insel besitzt betrchtliche Kohlenlager, deren nachdrckliche
Ausbeutung jetzt zu erwarten steht, da der Ausfuhrzoll durch Dekret
vom 5. Mai 1869 aufgehoben worden ist. [240] Whrend in Luzon und
Panay das Land grsstentheils Eigenthum der Bauern, gehrt es in
Ceb meist Mestizen und wird von ihnen in ausserordentlich kleinen
Parzellen nach dem Metayer-System verpachtet. Die Grundbesitzer
wissen die Bauern durch wucherische Vorschsse in Abhngigkeit zu
erhalten; eine der Folgen dieses Missbrauches ist, dass der Ackerbau
auf dieser Insel tiefer steht als in irgend einem andern Theil des
Archipels. [241] Der Gesammtwerth der Ausfuhr 1868 betrug 1,181,050
Dollar, davon 481,127 Dollar Zucker und 378,256 Dollar Abac nach
England, 112,000 Dollar Abac nach Amerika, 188,260 Dollar Tabak
nach Spanien. Die Einfuhr fremder Gter findet ber Manila statt,
grsstentheils durch Chinesen, die von den fremden Importhusern in
Manila kaufen. Der Werth dieser Einfuhren betrug 1868 182,522 Dollar,
davon 150,000 Dollar fr englische Baumwollenstoffe. Die Gesammteinfuhr
der Insel wurde auf 1,243,582 Dollar, die Lokalausfuhr auf 226,989
Dollar geschtzt. Unter den Einfuhren werden 20 Kisten Bilder, ein
Zeichen des tief gewurzelten Marienkultus, aufgefhrt. Frher kauften
die fremden Kaufleute die Ausfuhrprodukte meist durch chinesische
Mestizen auf, jetzt unmittelbar von den Produzenten, welche nun, nach
Wegfall der hohen Maklergebhren, hhere Preise erhalten. Diesem der
Energie der fremden Kaufleute zu dankenden Umstande ist die allmlige
Zunahme des Ackerbaues hauptschlich zuzuschreiben.

Yloilo ist der wichtigste der neu erffneten Hfen, Zentralpunkt der
Bisayas, in einer der volkreichsten, betriebsamsten Provinzen. N. Loney
schtzt die Ausfuhr von Geweben aus Ananasfasern von Yloilo und
den benachbarten Provinzen auf eine Million Dollar jhrlich. Der
Hafen ist ausgezeichnet, vllig geschtzt durch eine queer davor
gelagerte Insel. Die Fahrzeuge liegen in zwei Faden Tiefe (bei Ebbe)
unmittelbar am Strande. Wegen der Barre mssen tiefgehende Schiffe
ihre Ladung ausserhalb derselben vervollstndigen. Vor Erffnung
der neuen Hfen waren alle Provinzen gezwungen, ihre fr die Ausfuhr
bestimmten Produkte nach Manila zu bringen, und ihre auslndischen
Bedrfnisse von dort zu beziehn, wodurch erstere namentlich wegen
der doppelten Schifffahrts-, Umlade-, Makler- und Lagerkosten sehr
erheblich vertheuert wurden. Aus einem handschriftlichen Bericht
N. Loney's geht hervor, wie gnstig die Erffnung von Yloilo schon
nach so wenigen Jahren auf die davon zunchst betroffenen Provinzen
der Inseln Panay und Negros gewirkt hat.

Die hheren Preise, die fr direkt ausgefhrten Zucker gezahlt werden
konnten, die Leichtigkeit und Sicherheit des Geschfts, im Vergleich zu
dem frher von Manila monopolisirten, hatte eine grosse Ausdehnung des
Zuckerbaus zur Folge. Nicht nur in Yloilo, sondern auch in Antque und
Negros entstanden viele neue Pflanzungen; die alten wurden so viel als
mglich vergrssert. Nicht weniger bedeutend war der Fortschritt in der
Fabrikation. 1857 gab es auf der ganzen Insel nicht eine eiserne Mhle;
bei den vorhandenen hlzernen blieben im Rohr, nachdem es dreimal durch
die Walzen gegangen, 30% Saft zurck. Jetzt verdrngen eiserne, durch
Dampf oder Bffel getriebene Pressen die hlzernen. Ihre Anschaffung
wird unbemittelten, auch eingeborenen Pflanzern sehr erleichtert,
da diese jetzt aus den Niederlagen der englischen Importhuser auf
Kredit kaufen knnen. Anstatt der alten chinesischen gusseisernen
Pfannen werden bessere aus Europa eingefhrt. Mehrere grosse,
mit allen Erfordernissen der Neuzeit ausgerstete, durch Dampf
betriebene Fabriken sind entstanden, auch im Feldbau ist reger
Fortschritt bemerkbar. Aus Europa bezogene verbesserte Pflge,
Karren und Ackergerthe werden immer hufiger. Diese Vernderungen
zeigen wie wichtig es war, an verschiedenen Punkten des ber 200
Meilen ausgedehnten Archipels Verkehrszentren zu schaffen, wo sich
Auslnder niederlassen knnen. Ohne Letztere und die durch sie
herbeigefhrten Krediterleichterungen wre der schnelle Aufschwung
Yloilo's nicht mglich gewesen, denn die Handelshuser der Hauptstadt
knnen ihnen unbekannten Pflanzern in fernen Provinzen nicht anders,
als gegen baar verkaufen. Eine grosse Anzahl Mestizen, die frher
mit in Manila gekauften Manufakturwaaren Handel trieben, vermgen,
seitdem die dortigen fremden Firmen ihre Gter direkt in die Provinz
senden, weder diesen, noch den chinesischen Kleinhndlern gegenber
zu bestehn, und haben sich zu ihrem und des Landes grossen Vortheil
auf Zuckerbau verlegt. So sind auf Negros bedeutende Pflanzungen
entstanden, die mit Eingeborenen von Yloilo bewirthschaftet werden,
da es auf jener Insel an Hnden fehlt.

Auslnder knnen jetzt gesetzlich Grund und Boden erwerben und
vollgltige Besitztitel erhalten, was bis vor wenigen Jahren nur durch
Umgehung des in diesem Punkt sehr unbestimmt lautenden Gesetzes mglich
war. Das Land wird durch Kauf oder, wenn es noch unbenutzt ist, durch
Denuncia erworben. In diesem Falle bezeichnet der Denunziant den
betreffenden einheimischen Behrden das Stck Land, das er bebauen
will, und erhlt, falls kein Andrer Anspruch darauf erhebt, einen
Schein darber ausgestellt, auf dessen Einreichung der Alkalde ohne
andre Kosten als Stempel und Gebhren den Besitztitel ausfertigt.

Manche Mestizen und Eingeborene, denen das nthige Kapital zum
erfolgreichen Betriebe einer grossen Pflanzung fehlt, verkaufen ihre
urbar gemachten Felder an europische Kapitalisten und bilden so einen
Vortrab fr bemittelte Pflanzer. Die Kolonial-Regierung ist jetzt
aufrichtig geneigt, die Anlage grosser Pflanzungen zu begnstigen.

Es fehlt noch sehr an guten Strassen. Mit der Zunahme des Landbaus
werden sie sich aber vermehren; auch liegen die meisten Zuckerfabriken
in Negros an Flssen, die hinreichend tief fr flache Lastboote
sind. Der Bodenwerth hatte sich in manchen Gegenden seit zehn Jahren
verdoppelt. [242] Diese Ergebnisse sind der durch Ausfuhrfreiheit so
lukrativ gewordenen Zuckerindustrie zuzuschreiben.

Bis 1854 galt der Pico Zucker 1,25 Dollar bis 1,5 Dollar in Yloilo
und selten ber 2 Dollar in Manila; 1866: 3,25 Dollar, 1868: 4,75
bis 5 Dollar per Pico in Yloilo. Schon zu 1,75 Dollar in Yloilo ist
das Geschft lohnend. [243]

Ende 1866 waren auf der Insel Negros allein, ausser zahlreichen
Mestizen, 20 Europer als Zuckerpflanzer angesiedelt, von denen mehrere
mit Dampfmaschinen und Vacuumpfannen arbeiteten. Der Tagelohn betrug
2,5 Dollar bis 3 Dollar monatlich. Auf einigen Pflanzungen sind
Acsa (Antheil) Kontrakte in Gebrauch: der Eigenthmer berlsst
ein Stck Land sammt Zugvieh und Ackergerth zur Bearbeitung an einen
Eingeborenen, der das gewonnene Rohr in die Mhle zu liefern hat und
einen Theil (gewhnlich ein Drittel) fr sich erhlt. In Negros wird
violettes, bei Manila weisses (Otaheiti) Rohr gebaut; der Boden wird
nicht gedngt. Auf neuem Boden wird das Rohr oft 13 Fuss hoch. Die
grosse Zunahme des Wohlstandes ist auch an den Kleidern ersichtlich;
Stoffe von Pia und Seide werden immer allgemeiner. Die Zunahme von
Luxus ist ein gutes Zeichen: mit den Bedrfnissen wird der Fleiss
steigen.

Wie schon mehrfach erwhnt, scheinen Californien, Japan, China,
Australien die naturgemssen Hauptabnehmer fr die Kolonial-Produkte
der Philippinen. Gegenwrtig freilich ist England der beste Kunde,
aber mehr als die Hlfte seiner Rechnung ist fr Zucker, in Folge
eigenthmlicher Zollgesetze. Nur ein Viertel etwa der Zuckerernte wird
hinreichend gereinigt, um in Californien und Australien mit den Sorten
von Bengalen, Java, Mauritius konkurriren zu knnen; die brigen drei
Viertel mssen sonderbarer Weise die weite Reise nach England machen,
trotz der hohen Fracht und eines Gewichtverlustes auf der Seereise
von 10 bis 12% (durch Auslaufen der Molasse). Gerade seine schlechte
Beschaffenheit empfiehlt den philippinischen Zucker dem englischen
Raffinr, der ihn nur mit 8 Sh. per Cwt. verzollt, whrend reinerer
10 bis 12 Sh. kostet. [244]

So prmiirt das englische Zollgesetz die schlechte
Zuckerfabrikation. Dasselbe that bis 1862 die Kolonial-Regierung,
indem sie den Fabriken nicht gestattete ihre Molassen zu Rum zu
destilliren (s. S. 58). Man hatte daher wenig Lust, dem Zucker mit
Unkosten einen nicht zu verwerthenden Krper zu entziehn. Unter
normalen Verhltnissen deckt die Rumfabrikation nicht nur die Kosten
der Reinigung, sie liefert auch einen erheblichen Gewinn.








VIERUNDZWANZIGSTES KAPITEL

    ABACA ODER MANILA-HANF.


Eines der interessantesten Erzeugnisse jener Inseln ist der sogenannte
Manila-Hanf, von den Franzosen, die aber fast keinen Gebrauch davon
machen, wegen des seidenartigen Glanzes Pflanzenseide genannt. Bei
den Eingeborenen heisst die Faser Bandla, im Handel gewhnlich
Abac, wie die Pflanze von der sie gewonnen wird. Letztere ist eine
in den Philippinen ursprnglich wild wachsende Banane, auch rbol
de camo (Hanfbaum) genannt, Musa textilis Lin. Sie unterscheidet
sich im allgemeinen Anblick nicht merklich von der essbaren Banane,
M. paradisiaca, einer der allerwichtigsten Kulturpflanzen warmer
Erdstriche, die als beliebte Zierpflanze unserer Treibhuser Jedermann
bekannt ist. Ob die an andern Orten des indischen Archipels wild
wachsenden Musen (M. troglodytarum, M. sylvestris und andere),
hufig auch M. textilis genannt, derselben Art angehren, ist noch
nicht festgestellt.

Die Musen sind nur krautartige Pflanzen, der scheinbare Stamm besteht
aus Blattstielen von mondsichelfrmigem Querschnitt, die einander
umschliessend den dnnen zentralen Blthenschaft umgeben. Diese
Blattstiele stecken voll Bastfasern und werden deshalb vielfach statt
Bindfadens benutzt, bilden aber keinen Handelsartikel. Als solcher
dienen bis jetzt ausschliesslich die in dem sdstlichen Theil der
Philippinen gewonnenen Abacfasern.

Besonders geeignet fr den Anbau dieser Pflanze sind die Provinzen
Sd-Camarines und Albay, die Inseln Samar und Leyte und die umliegenden
Eilande, auch Cebu; ein Theil des Cebu-Hanfs kommt aber von
Mindanao. Auf Negros gedeiht die Bastbanane nur im Sden, nicht im
Norden, und Yloilo, das die meisten Abac-Gewebe (Guinras) erzeugt,
muss den Rohstoff von den stlicheren Distrikten einfhren, da er
auf der Insel Panay nicht gedeiht (In Capiz wchst wohl etwas Abac,
es ist aber von geringem Werth). Alle Versuche den Abacbau auch in
den westlichen und nrdlicheren Provinzen heimisch zu machen -- es
soll an ernstlichen Bemhungen nicht gefehlt haben -- sind bisher
misslungen; die Pflanzen wurden kaum zwei Fuss hoch, ihr Ertrag
deckte die Unkosten nicht. Als Ursache des Fehlschlagens gilt die
dort mehrere Monate dauernde trockne Jahreszeit; in den stlichen
Provinzen fallen das ganze Jahr reichliche Niederschlge.

Der grosse Nutzen, den der Manilahanf seit einigen Jahren den
Produzenten abwirft, ermuthigt aber zu immer neuen Versuchen,
und so wird sich wohl bald zeigen, ob der Abacbau wirklich an sein
bisheriges enges Gebiet gebunden ist, whrend die essbaren Arten sich
innerhalb der Wendekreise ber die ganze Erde verbreitet haben. Auf
den vulkanischen Bergen des westlichen Java wchst eine wilde Musa in
grosser Ueppigkeit, die Regierung hat sie aber nicht zum Gegenstand
nachhaltiger Kulturversuche gemacht, und der Privatunternehmungsgeist
ist dort bis jetzt durch das Kultursystem gefesselt. In verschiedenen
Schriften wird angegeben, dass im Norden von Celbes Abac gewonnen
werde. Bickmore sagt aber ausdrcklich, dass die von den Residenten
mit grosser Anstrengung gemachten Versuche wieder aufgegeben wurden,
weil der Kaffeebau sich lohnender erwies. [245] Guadalupe soll auf
vorhergehende Bestellung Abac (Fasern von M. textilis?) liefern
knnen. [246] Pondichery und Guadalupe sollen Abacgewebe und
Franzsisch-Guiana Stoffe von Fasern essbarer Bananen ausgestellt
haben. [247] [248] Alles dies sind aber nur Versuche.

Nach Royle [249] bertrifft die Abacfaser den russischen Hanf an
Festigkeit, Leichtigkeit, Tragkraft und Billigkeit, und steht ihm
nur darin nach, dass die daraus gefertigten Taue bei Regenwetter
steif werden, was aber an der Art des Verspinnens liegen und durch
zweckmssige Behandlung zu vermeiden sein soll. [250] In der That
werden diese Uebelstnde jetzt z. Th. durch bessere Bereitung des
Rohstoffs in Manila vermittelst geeigneter Maschinen beseitigt. Den
Vortheil grsserer Billigkeit hat das Abac gegenwrtig nicht mehr,
da die Nachfrage viel schneller zunimmt, als sie befriedigt werden
kann. Whrend es 1859 in London 22 bis 25  per Tonne galt, kostete
es 1868 45 bis 50 , russischer Hanf 31 , es war also in 9 Jahren
auf das Doppelte gestiegen.

In Albay werden etwa zwlf Abarten von Bastbananen gebaut, deren
Wahl sich nach der Beschaffenheit des Bodens richtet. Die Kultur
ist usserst einfach und von den Jahreszeiten unabhngig. Am besten
gerathen die Pflanzungen auf den Abhngen vulkanischer Berge,
woran Albay und Camarines so reich sind, auf Waldlichtungen, in
denen jedoch schattengebende Bume in Entfernungen von etwa 60 Fuss
stehn bleiben. Auf offenen Flchen gelingen sie weniger, in Sumpfland
gar nicht.

Zur Anlage einer neuen Pflanzung werden gewhnlich junge Triebe
benutzt, die in solcher Flle aus der Wurzel sprossen, dass jedes
Individuum bald zu einem Busch wird. Auf gutem Boden lsst man daher
Abstnde von wenigstens 10 Fuss zwischen den Pflanzen, auf geringerem
6 Fuss. Die ganze Arbeit beschrnkt sich auf gelegentliche Vertilgung
des Unkrautes und Unterholzes whrend der ersten Zeit; spter wuchern
die Pflanzen so ppig, dass sie keine andere neben sich aufkommen
lassen, dann sind auch schattengebende Bume nicht mehr nthig,
da die jungen Triebe unter den wedelartigen Blttern der alten
hinreichenden Schutz gegen die Sonnengluth finden. Nur in seltenen
Fllen, bei Uebersiedelung in entfernte Gebiete, werden Pflanzen
aus Samen gezogen. Zu dem Zwecke schneidet man die Frchte ab und
trocknet sie, doch drfen sie nicht berreif sein, da die Kerne sonst
nicht keimen. Letztere haben die Grsse von Pfefferkrnern (bei den
essbaren Arten sind sie fast bis zum Verschwinden verkmmert). Zwei
Tage vor dem Aussen werden die Kerne aus der Frucht genommen, ber
Nacht in Wasser gelegt, am folgenden Tage im Schatten getrocknet, am
dritten Tage ausgeset, in zolltiefe Lcher, auf frisch umgegrabenen
hinreichend beschatteten Waldboden, mit 6 Zoll Abstand zwischen den
Pflanzen und Reihen. Nach einem Jahre pflanzt man die dann etwa 2'
hohen Smlinge um und behandelt sie weiter wie Wurzeltriebe. Whrend
viele essbare Bananen schon nach einem Jahre Frchte tragen, einige
sogar schon nach 6 Monaten, braucht die Abac im Durchschnitt 3 Jahre
bis zur Bastreife, wenn sie aus Wurzeltrieben; vier Jahre, wenn sie
aus ein Jahr alten Smlingen gezogen wird; unter den gnstigsten
Verhltnissen 2 Jahre.

Bei der ersten Ernte schneidet man von jedem Busch nur einen Stamm,
spter nimmt der Nachwuchs so schnell zu, dass alle paar Monate
geschnitten werden kann; [251] nach einigen Jahren wird die Pflanzung
so dicht, dass es kaum mglich ist, durchzudringen. Am besten ist der
Bast zur Zeit, wo die Blthe ansetzt, doch wird, wenn die Faser hoch
im Preise steht, dieser Zeitpunkt nicht immer abgewartet.

Pflanzen, die geblht haben, werden gar nicht ausgebeutet, angeblich
weil ihre Faser zu schwach ist. Eine so zartfhlende Rcksicht fr
den unbekannten Konsumenten jenseits des Weltmeers trotz dringender
Nachfrage und mangelnder Aufsicht wre befremdend. Auch ist kein
Grund ersichtlich, weshalb die Faser schwcher werden sollte durch
den Vorgang der Fruchtbildung, der doch nur zu den Gefsszellen in
Beziehung steht, die Umwandlung ihres Inhalts in lsliche Stoffe
und ihre allmlige Entleerung zur Folge hat, whrend die Faserzellen
dadurch nicht beeinflusst werden. Diese nehmen im Gegentheil mit dem
Alter der Pflanze an Festigkeit zu; haften aber, weil die entleerten
Zellen, durch Ablagerung harziger Stoffe an einander kleben, so fest
zusammen, dass es nicht mglich sein wrde, sie ohne sehr vermehrten
Kraftaufwand und unzerrissen zu gewinnen. So mag die irrige Meinung
entstanden sein. Durch vorheriges Rsten, wie beim Hanf, liessen
sich vielleicht auch die alten Pflanzen verwerthen, jedoch nicht ohne
betrchtliche Erhhung des Arbeitslohns, der schon jetzt den grssten
Theil der Darstellungskosten ausmacht. [252]

Um den Bast zu erhalten, wird der Stamm dicht ber dem Boden
abgeschnitten und von den Blttern und ussern Hllen befreit; dann
lst man die einzelnen Blattstiele in Streifen ab, macht auf der
innern, konkaven Seite einen Querschnitt durch die Haut und reisst
sie sammt dem daran haftenden fleischigen Theil (dem Parenchym) ab,
so dass nur die ussere Haut mglichst rein zurckbleibt. Oder man
lst den Bast von dem unzertheilten Stamm. Zu dem Zweck macht der
Arbeiter einen schrgen Einschnitt in die Haut am untern Ende des
Stammes, fhrt mit dem Messer unter den Zipfel, zieht einen mglichst
breiten Streifen der ganzen Lnge nach ab, und wiederholt dies so
lange es lohnt. Dies Verfahren, ausgiebiger, aber zeitraubender als
das zuerst beschriebene und daher nur selten angewendet, heisst:
jagot, jenes: luni. Die Baststreifen werden dann unter einem drei
Zoll hohen, sechs Zoll langen Messer durchgezogen, das mit einem
Ende an einem elastischen Stock so befestigt ist, dass die Klinge
senkrecht ber einem gegltteten Block schwebt, und am andern Ende,
dem Griff, mittelst einer an einem Trittbrett angebrachten Schnur
fest aufgedrckt werden kann. Der Arbeiter zieht die mehr oder
weniger gereinigten Bastreifen zwischen Block und Messer durch,
von der Mitte anfangend erst nach der einen, dann nach der andern
Seite. Das Messer darf nicht schartig oder gar sgenfrmig gezhnt
sein, wie Padre Blanco angiebt. [253]

In Lohn arbeitend liefern 3 Mann gewhnlich 25 Pfd. per Tag. Einer
haut den Stamm um, lst die Bltter ab und trgt zu; ein Zweiter,
hufig ein Knabe, bereitet die Streifen, der Dritte zieht sie unter
dem Messer durch. Es kommt vor, dass einzelne Pflanzen bis 2 Pfund
Fasern liefern; der gnstigste Durchschnitt betrgt wohl nur selten
ein Pfund, auf schlechtem Boden kaum den sechsten Theil. Der Besitzer
beutet die Pflanzung entweder selbst aus, oder durch Tagelhner oder,
bei sehr niedrigen Marktpreisen, indem er den Arbeitern die Hlfte
des Ertrages berlsst. In diesem Fall soll ein tchtiger Arbeiter
einen Pico in der Woche liefern knnen. Legt man den bei meiner
Anwesenheit ausnahmsweise niedrigen Preis, 16,5 r. fr den Pico zu
Grunde, so gewinnt der Arbeiter in 6 Tagen den halben Betrag = 8,25
r., tglich 1,375 r. Der Tagelohn war damals 0,5 r. und Bekstigung =
0,25 r., zusammen 0,75 r.


                                   im Tagelohn:   auf halben Antheil:

Der Arbeiter verdiente also tglich     0,75 r.           1,375 r.
Der Arbeitslohn per Pico betrug        12,6  r.            8,25 r.
Der Nutzen des Pflanzers
nach Abzug des Arbeiterlohns            3,9  r.            8,25 r.


Die Rnder der Blattstiele, die viel feinere Fasern enthalten als
die Mitte, werden in zollbreiten Streifen besonders abgelst und
mit starkem Druck mehrere Male unter dem Messer durchgezogen. Ihr
Produkt heisst Lpis, steht hoch im Preise und wird zu feinen
inlndischen Geweben benutzt, whrend die Bandla hauptschlich zu
Tauwerk dient. [254] Das Lupis wird nach der Feinheit der Fasern in
vier Klassen sortirt (1o Binani, 2o Totogna, 3o Sogotan, 4o Cadaclan)
indem man ein Bndel davon in die linke Hand nimmt, und mit der rechten
die drei ersten Sorten in die Zwischenrume der vier Finger einreiht,
die vierte zwischen Daum und Zeigefinger behlt. Diese letztere ist
fr sehr feine Gewebe nicht mehr verwendbar, und wird daher hufig
mit der Bandla verkauft. Nachdem die feinen Sorten im Reis-Mrser
gestampft worden, um die Fasern geschmeidiger zu machen, werden diese
einzeln an einander geknpft und zum Weben verwendet.

Gewhnlich wird die erste Sorte als Einschlag mit der zweiten
als Kette, die dritte als Kette mit der zweiten als Einschlag
verarbeitet. Dergleichen Gewebe sind fast so schn, wie Ananas-Stoffe
(Nipis de pia), kommen den feinsten Batisten an Feinheit gleich,
sind trotz der vielen kleinen vom Verknpfen der Fasern herrhrenden
Kntchen, die man bei genauerer Beschauung entdeckt, noch klarer,
auch starrer, und haben einen wrmeren gelblichen Ton. [255] In Bezug
auf diese letzten drei Eigenschaften, Klarheit, Starrheit und Farbe,
verhalten sie sich zum Batist etwa wie Pauspapier zu Seidenpapier.

Die Herstellung solcher Stoffe auf sehr unvollkommenen Websthlen
ist usserst mhsam, da die nicht gesponnenen, sondern geknoteten
Fasern hufig reissen. Die feinsten Zeuge verlangen einen so grossen
Aufwand von Geschick, Geduld und Zeit, und steigen dadurch so sehr
im Preise, dass sie in Europa der billigen Maschinenarbeit gegenber
keine Kufer finden wrden. Selbst ihr schner warmer Ton wird ihnen
von den an stark geblute Wsche gewohnten Europerinnen zum Vorwurf
gemacht. Im Lande dagegen werden sie von den reichen Mestizinnen,
welche die Arbeit zu wrdigen verstehn, sehr hoch bezahlt.

Die Fasern der innern Blattstiele, die weicher, aber nicht so
stark sind als die der ussern, heissen Tupus und werden mit der
Bandla verkauft, oder zu inlndischen Geweben, besonders zu Tapis
benutzt. Auch die Bandla dient zu Geweben, und in dem Theil des
Archipels, wo die Abackultur einheimisch, besteht oft der ganze Anzug
beider Geschlechter nur aus grober Guinra. Noch grbere starrere
Zeuge werden fr den europischen Markt bereitet, als Krinoline,
oder zum Fassonniren fr Putzmacherinnen.

Schon vor Ankunft der Spanier trugen die Eingeborenen Stoffe von
Abac. Einen wichtigen Ausfuhrartikel bildet es erst seit einigen
Jahrzehnten. Dies ist zum grossen Theil dem Unternehmungsgeist
zweier amerikanischen Huser zu danken und wurde nicht ohne viel
Beharrlichkeit und betrchtliche Geldopfer erreicht.

Da die Pflanzen ohne Pflege fortwachsen, und nur die Gewinnung der
Fasern Mhe macht, so scheut der durch die Freigiebigkeit der Natur
gegen Noth geschtzte Eingeborene diese Mhe, wenn der Marktpreis
nicht sehr lockend ist. Auf regelmssige Lieferungen wre bei niedrigen
Preisen kaum zu rechnen, wenn der Leichtsinn der Indier den Hndlern
nicht eine Handhabe bte, um sie zur Arbeit anzuhalten: man macht
ihnen Vorschsse in Waaren oder Geld, die sie durch Lieferungen
von Bandla aus der eigenen Pflanzung oder durch Arbeit in der des
Glubigers tilgen mssen. [256] So lange das Produkt hoch im Preise
steht, geht alles ziemlich gut, obwohl auch dann durch Unredlichkeit
der Indier, Trgheit, Unwirthschaftlichkeit und Unfhigkeit der nicht
kaufmnnisch geschulten Zwischenhndler zuweilen betrchtliche Verluste
vorkommen. Sinkt aber die Waare bedeutend im Preise, so sucht der
Indier auf jede Weise seine dann sehr unbequeme Verpflichtung zu
umgehn; der nach Prozenten berechnete Nutzen der Zwischenhndler
deckt kaum die Zinsen des geborgten Kapitals; dennoch mssen sie
liefern, da sie kein andres Mittel zur Verzinsung ihrer Schuld
besitzen. Dann fhren die Indier bittre Klage ber die Agenten,
die sie durch Vorschsse unter wucherischen Bedingungen zu harter
unergiebiger Arbeit zwingen, die Agenten (gewhnlich Kreolen und
Mestizen) klagen ber die schlauen habgierigen Fremden, die sich
nicht entblden, sie, die Herren der Kolonie, in ihre Schlinge zu
locken um sie zu Grunde zu richten, die schlauen Fremden endlich
verlieren betrchtliche Kapitalien. Nachdem auf solche Weise eine
der bedeutendsten Firmen sehr hohe Summen eingebsst, soll es den
an diesem Handel vorwiegend betheiligten Amerikanern gelungen
sein dem bisher befolgten Vorschusssystem ein Ende zu machen,
selbst Magazine und Pressen an den Bezugsquellen zu errichten, und
durch ihre Kommis unmittelbar vom Produzenten zu kaufen. Alle frher
dahin zielenden Bestrebungen waren an dem Widerstand der Spanier und
Kreolen gescheitert, denn diese betrachten die Ausbeutung der Kolonie
und besonders den Binnen- und Kleinhandel als ihr ausschliessliches
Recht, sind sehr neidisch auf die fremden Eindringlinge, die sich
auf ihre Unkosten bereichern und legen ihnen jedes Hinderniss in den
Weg. Hinge es von diesen Leuten ab, so mssten alle Fremde aus dem
Lande vertrieben, die Chinesen nur als Kulis zugelassen werden. [257]

In derselben Weise werden die Chinesen als tchtige zuverlssige
Arbeiter von den Indiern gehasst, und alle Versuche, grssere
Unternehmungen mit chinesischen Arbeitern zu betreiben, sind
bisher durch die inlndischen Arbeiter vereitelt worden, die jene
nicht dulden, sie durch offene Gewalt oder heimliche Verfolgung
vertreiben. Auch den Kolonialbehrden wird vorgeworfen, dass sie die
Chinesen nicht wie sie sollten, gegen dergleichen Gewaltthtigkeiten
beschtzen. Dass bisher in den Philippinen grssere Unternehmungen in
der Regel nicht glckten, oder wenigstens keinen bedeutenden Nutzen
abwarfen, ist nicht zu bestreiten, und wird von Vielen vornehmlich
jenen Umstnden zugeschrieben. Manche freilich erklren die Misserfolge
aus andern Ursachen und versichern, dass die Indier gut arbeiten, wenn
sie pnktlich und angemessen bezahlt werden. Die Regierung scheint
allmlig zu der Einsicht gekommen, dass die natrlichen Hlfsquellen
der Kolonie nicht erschlossen werden knnen ohne das Kapital und den
Unternehmungsgeist der Auslnder. Sie hinderte daher in neuer Zeit
ihre Niederlassung in der Provinz durchaus nicht. 1869 ist den Fremden
endlich das Niederlassungsrecht durch ein Gesetz zugestanden worden.

Die nchste Zukunft scheint sich fr die Abackultur sehr glnzend
zu gestalten. Seit Beendigung des amerikanischen Krieges, der
ein bedeutendes Fallen im Werthe dieses hauptschlich in Amerika
verwendeten Produktes zur Folge hatte, sind die Preise fortwhrend
im Steigen. Mas (Informe) giebt an, dass 1840 136,034 Picos Abac zum
Werth von 397,995 Dollar ausgefhrt wurden, wonach sich der Werth per
Pico auf 2,9 Dollar berechnet. Der Preis stieg allmlig und hielt
sich zwischen 4 und 5 Dollar; erreichte whrend des Krimkrieges,
der die Ausfuhr des russischen Hanfs verhinderte, die enorme Hhe
von 9 Dollar, was die Anlage vieler neuen Pflanzungen veranlasste,
deren Produkt, als es nach 3 Jahren bei inzwischen wieder eingetretenen
normalen Verhltnissen auf den Markt kam, die Preise auf 3 1/2 Dollar
herabdrckte, wobei es sich eben noch lohnte, vorhandene Pflanzungen
auszubeuten, nicht aber neue anzulegen. Diese Preise erhielten sich bis
1860, sind seitdem allmlig gestiegen (nur whrend des amerikanischen
Krieges trat eine Stockung ein), stehn jetzt wieder so hoch wie whrend
des Krimkrieges, und es scheint keine Aussicht vorhanden, dass sie
fallen werden, so lange den Philippinen kein Konkurrent erwchst. 1866
kostete in Manila der Pico nie weniger als 7 Dollar, was noch 2 Jahre
vorher als Maximum galt, und stieg bis auf 9 1/2 Dollar fr ordinre
Sorten. Die Produktion hat in manchen Provinzen die usserste Grenze
erreicht, eine Steigerung derselben ist fr das Erste wenigstens
nicht mglich, da die ganze mnnliche Bevlkerung bereits an der
Kultur betheiligt ist ... ein Beleg dafr, dass reichlicher Lohn die
Faulheit der Eingeborenen zu berwinden vermag. [258]

Nachstehende Tabelle scheint die Richtigkeit dieser Ansicht zu
besttigen.


Nach                  1861     1864     1866     1868     1870     1871

Grossbritanien     198,954  226,258   96,000  125,540  131,180  143,498
N.-Amerik. Atlant.
Hfen              158,610  249,106  280,000  294,728  327,728  285,112
Californien           6600     9426            14,200   15,900   22,500
Europa Continent       901     1134               200      244      640
Australien              16     5194            21,144   11,434     6716
Singapore             2648     1932              3646     1202     2992
China                 5531      302                        882     2294
                   =======  =======  =======  =======  =======  =======
Total              273,269  493,352  406,682  460,558  488,560  463,752

                 Balanza    Preuss.  Belg.    Engl.    Marktbericht
                 mercantil. Konsul-  Konsul-  Konsul-  T. H. & Co.
                            Bericht. Bericht. Bericht.


Der Verbrauch im Lande ist in obigen Zahlen nicht enthalten und schwer
zu ermitteln, muss aber sehr bedeutend sein, da die Eingeborenen
ganzer Provinzen in Guinara gekleidet sind; die Gewebe fr den Bedarf
der Familie werden aber gewhnlich im Hause selbst angefertigt.

Als Surrogat fr Abac kommt seit einigen Jahren in zunehmender
Menge Sesal, auch Sesalhanf oder mexicanisches Gras genannt, in den
Handel. Es sieht ungefhr so aus wie Abac, entbehrt aber den schnen
Seidenglanz, ist schwcher, kostet 5 bis 10  per Ton weniger, wird
nur zu Tauwerk verwendet; seine Abflle sind zur Papierfabrikation
gesucht, als Zusatz zu besserem Papierzeug. Eine Notiz ber den
Ursprung dieses Surrogates bringt The Technologist Juli 1865, einen
davon wesentlich abweichenden ausfhrlichen Aufsatz mit Abbildungen
der U. S. Agricultural Report Washington 1870. Bei der zunehmenden
Wichtigkeit des Stoffes und der Unbekanntschaft, die selbst in
London ber seine Herkunft herrscht, drfte ein kurzer Auszug daraus
willkommen sein. Der Bericht erwhnt die grssere Schnheit der
Abacfaser, aber nicht ihre grssere Festigkeit. [259]


    Der Sesalhanf, nach dem Ausfuhrhafen Sisal (im NW. der Halbinsel)
    benannt, ist bei weitem das wichtigste Bodenerzeugniss Yucatan's
    und scheint jenes felsige, von der Sonne verbrannte Land zur
    Hervorbringung dieser Fasern besonders geeignet. In Yucatan
    wird die Faser jenequem genannt, auch wohl die Pflanze, aus
    der sie gewonnen wird. Von letzterer sind 7 Arten oder Abarten
    Gegenstand des Anbaus, nur zwei derselben, die erste und siebente,
    kommen auch wild vor. 1o Chelem, wahrscheinlich identisch mit
    Agave angustifolia, sie nimmt den ersten Rang ein. 2o Yaxci
    (spr. yachki, yax = grn, ki = agave), die zweite im Range, sie
    wird nur fr feine Gewebe verwendet. 3o sacci (spr. Sakki, sac =
    weiss) die wichtigste, ergiebigste, liefert fast ausschliesslich
    die Fasern fr die Ausfuhr, jede Pflanze jhrlich 25 Bltter =
    25 Pfd., davon 1 Pfd. reine Faser. 4o Chucumci, hnlich No. 3,
    aber grber. 5o babci, die Faser sehr gut, aber die Bltter klein,
    daher nicht ausgiebig. 6o citamci (spr. kitamki, kitam = Schwein)
    weder gut noch ausgiebig. 7o cajun oder cajum, wahrscheinlich
    Fourcroya cubensis, Bltter schmal, 4 bis 5' lang.

    Der Sesalbau wird erst in neuester Zeit schwunghaft betrieben, die
    Gewinnung der Faser aus den Blttern und ihr Verspinnen zu Tauwerk
    geschieht zum Theil schon durch grosse Dampfmaschinen. Vorzugsweise
    aber wird das ganze Gewerbe von den Mayaindianern ausgebt,
    Abkmmlingen der Tolteken, die es bei ihrer Einwanderung aus Mexico
    mitbrachten, wo es schon lange vor Ankunft der Spanier bestand.

    Der Sesalbau soll jhrlich 95% Nutzen abwerfen. Ein Mecate =
    576 quadr. Varas enthlt 64 Pflanzen, giebt 64 Pfd. reine Faser,
    Werth 3 Doll. 84 C., nach Abzug der Kosten (1 Doll. 71) 2 Doll. 13
    C. Gewinn. Die Ernten beginnen 4 bis 5 Jahre nach Anlage der
    Pflanzung und halten 50 bis 60 Jahre an.


Da es in tropischen Lndern kaum eine Htte ohne Bananen giebt, so sind
schon Viele auf den Gedanken gekommen, dass es sehr vortheilhaft sein
wrde, die Fasern dieser Pflanzen zu verwerthen, die jetzt gnzlich
verloren gehn und fr den blossen Arbeitslohn zu haben wren, denn die
geringe Mhe des Anbaus vergelten die Bananen schon auf's reichlichste
durch ihren Fruchtertrag. [260] Fr die Philippinen wrde diese
Voraussetzung unter den bestehenden Verhltnissen wohl nicht zutreffen,
da es nicht einmal lohnt den Bast der chten Abacpflanzen zu gewinnen,
sobald diese Frchte getragen haben. Die Faser der essbaren Arten
wre doch wohl nur als Papierstoff zu gebrauchen, ihre Gewinnung
wrde mehr kosten als die der chten Bandla (s. S. 248).

Im Sitzungsbericht der Society of Arts, London 11. Mai 1860 wird
eine von F. Burke in Montserrat erfundene Maschine zur Erzielung von
Bananen- und andern endogenen Pflanzenfasern besprochen. Whrend
frhere Maschinen der Faser parallel wirkten, arbeitet jene queer
gegen dieselben, wodurch sie vorzglich rein erhalten werden; man
soll damit von der Banane 7 bis 9 % Faserstoff gewinnen. Die Tropical
Fibre Company hatte solche Maschinen nach Demarara, auch nach Java und
andern Orten gesandt in der Absicht, die Fasern der essbaren Bananen
zu Gespinnst und Papierstoff zu verwerthen. Auch lagen bereits Proben
also gewonnener Fasern aus Java vor, deren Werth fr den Spinner auf 20
bis 25  geschtzt wurde.(?) Es scheinen aber diese vielversprechenden
Versuche noch nirgends zu nachdrcklichem Betriebe gefhrt zu haben,
wenigstens wird in den mir zu Hnden gekommenen Konsularberichten
nichts davon erwhnt. Bei der Bandalagewinnung in den Philippinen
hat sich die Erfindung nicht Eingang verschafft; selbst noch in
seinem neuesten Bericht (Aug. 1869) klagt der englische Konsul, dass
alle bisher von den Ingeniren ersonnenen Maschinen sich als vllig
unbrauchbar erwiesen.

Der Nutzung des Bastes essbarer Bananen steht aber in den Philippinen
auch noch der Umstand entgegen, dass diese Pflanzen dort, nicht wie
an manchen Orten in Amerika, in grossen Grten, sondern vereinzelt
um die Htten gezogen werden; die Heranschaffung des Rohmaterials,
der Lokaltransport und die hohe Schiffsfracht wrden den doch
immer nur mssig guten Stoff fr Europa zu sehr vertheuern,
wenigstens wohl auf 10  per Tonne, whrend Spartogras (Lygaeum
spartum Loeffl.), das seit einigen Jahren in steigender Menge als
Papierstoff eingefhrt wird, in London nur 5  die Tonne kostet. [261]
Einen andern billigen Papierstoff liefern die Kaffeescke aus Jute
(Corchorus capsularis). Sie dienen namentlich zur Darstellung festen
braunen Packpapiers, da es noch nicht gelingen will, die Faser zu
bleichen. Nach P. Symmonds verwenden die Vereinigten Staaten in
neuester Zeit viel Bambus. Ein sehr gutes Zeug soll die Rinde der
Adansonia digitata geben; besondere Beachtung aber verdiene der
Neu-Seeland-Flachs, da sich daraus gefertigtes Papier wegen seiner
grossen Zhigkeit vorzglich fr Werthpapiere eigne.

Es darf indessen nicht bersehen werden, dass die zur Papierbereitung
verwendeten Lumpen von Leinen- und Baumwollenstoffen, die das
vorzglichste Papier geben, ebenfalls fr die blosse Mhe des
Einsammelns zu haben sind, dass sie die Kosten ihrer Herstellung schon
in der Form von Kleiderstoffen gedeckt, und sogar durch die Abnutzung
und durch vieles Waschen eine weitere Zubereitung erhalten haben,
die sie zur Papierbereitung geeigneter macht.

Je mehr brigens die Papierfabrikation fortschreitet, um so mehr
verdrngen einheimische Holzfasern, namentlich Holz und Stroh,
die schon gegenwrtig recht gute Pasten geben, jeden aus der Ferne
eingefhrten Rohstoff. Dass England so viel Sparto bezieht, hat
wohl mit darin seinen Grund, dass es nur sehr wenig Stroh erzeugt,
weil es einen grossen Theil seines Getreidebedarfs in Krnern vom
Auslande empfngt.








FNFUNDZWANZIGSTES KAPITEL

    DAS TABAKMONOPOL.


Fr die Regierung ist der Tabak das wichtigste aller Landesprodukte;
sie hat den Anbau der Pflanze, ihre Verarbeitung und den Debit zum
Gegenstande eines umfassenden, rcksichtslos gebten Monopols gemacht
und zieht daraus einen betrchtlichen Theil ihrer Einknfte. [262]
Soviel sich auch gegen die Zweckmssigkeit und Moralitt mancher
anderer Einnahmequellen des Kolonialbudgets (Kopfsteuer, Spiel- und
Opiumpacht, Handel mit Brantwein und Ablasscheinen) einwenden lsst,
keine ist so gehssig und verderblich wie das Tabakmonopol.

Oftmals ist im Laufe dieser Reiseberichte die Milde der spanischen
Regierung in den Philippinen gerhmt worden; in grellem Widerspruch
damit steht das Verfahren der Tabakregie: Sie nimmt den Bauern ohne
jegliche Entschdigung die Aecker, die sie zum Anbau notwendiger
Nahrungsmittel urbar gemacht hatten, zwingt sie durch harte
Krperstrafen auf dem konfiszirten Eigenthum ein Produkt zu bauen, das
sehr viel Mhe verlangt und unsichere Ernten giebt; sie klassifizirt
die gewonnenen Bltter willkrlich ohne Appell und zahlt dafr im
gnstigsten Fall einen von ihr selbst festgestellten nominellen Preis
-- im gnstigsten Fall; ein solcher ist aber seit einer Reihe von
Jahren nicht mehr vorgekommen, Spanien bleibt jetzt regelmssig den
unglcklichen Bauern jenen krglichen Lohn Jahre lang schuldig; die
Regierung prmiirt die Beamten, die von der verarmten Bevlkerung der
Tabakdistrikte hhere Ertrge erpressen, und belohnt Denunzianten, die
ihr zum Tabakbau geeignete Felder nachweisen, indem sie die Spione an
Stelle der Eigenthmer in den Besitz der denunzirten Lndereien setzt.

Zur Begrndung dieser Anschuldigungen mgen hier einige . der in
Kraft bestehenden General-Instruktion [263] und weiter unten einige
Auszge aus dem amtlichen Berichte des General-Intendanten Agius an
den Kolonial-Minister folgen: [264]


    Kap. XXV. . 329. Die Zwangskultur in Cagayan, Neu-Vizcaya, Gapan,
    Ygorrotes und Abra bleibt bestehn.

    . 331. Die General-Direktion der Regie ist ermchtigt, die
    Zwangsarbeit auf andere Provinzen auszudehnen, oder da aufzuheben,
    wo solche eingefhrt ist ... sie darf diese Instruktionen ganz
    oder theilweise umndern,

    . 332 die Preise erhhen oder herabsetzen.

    . 337. Ansprche oder Prozesse, die ber den Besitz von
    Tabaklndereien vor den gewhnlichen Gerichten anhngig sind,
    hindern nicht, dass solche Lndereien zum Tabakbau verwendet
    werden, im Gegentheil soll der Besitzer verpflichtet sein, sie
    mit Tabak zu bebauen oder durch einen Stellvertreter bebauen zu
    lassen; geschieht es nicht, so ernennt der Alkalde oder Richter
    einen solchen Stellvertreter.

    . 351. Die Kollektoren haben Denuncias d. h. Anzeigen, dass
    zum Tabakbau fhiges Land brach liege, auch Privatlndereien
    betreffend, entgegenzunehmen, und falls der Boden zum Tabakbau
    geeignet ist, den Besitzer zur Bestellung desselben, vorzugsweise
    mit Tabak, aufzufordern. Nach Ablauf einer gewissen Frist wird
    das Land dem Denunzianten bergeben. Durch diese Verfgung geht
    der Besitz dem Eigenthmer zwar nicht verloren, doch verliert er
    auf 3 Jahre alle Rechte und allen Niessbrauch.

    Kap. XXVII. . 357. Eine Hauptpflicht der Kollektoren ist die
    grsstmgliche Ausdehnung des Tabakbaus auf alle geeigneten
    Lndereien, besonders aber auf den fruchbarsten, zutrglichsten
    Boden. Lndereien, die obgleich zum Tabakbau passend, vorher
    mit Reis oder Korn bestellt waren, sollen so weit thunlich durch
    Waldlichtungen ersetzt werden, um Theuerungen mglichst vorzubeugen
    und das Interesse der Eingeborenen mit dem der Renta in Einklang
    zu bringen.

    . 361. Damit die Eingeborenen, ohne die Arbeiten, welche der
    Tabak verlangt, zu vernachlssigen, auch die zu ihrem Unterhalt
    nthigen Feldarbeiten verrichten knnen, wird die Grsse des von
    je zwei Individuen zu bebauenden Tabaklandes auf 8000 quadr. Varas
    (= 2 1/5 Morgen) festgesetzt.

    . 362. Durch Alter oder Krankheit Unfhige und Wittwen
    trifft obige Vorschrift nicht, sie sollen sich mit dem Pfarrer
    verstndigen, der jedem so viel Arbeit berweisen wird, als
    seine noch vorhandenen Krfte oder die Zahl der noch kleinen
    Kinder gestatten.

    . 369. Ein Kollektor, der von seinem Gebiet 1000 Fardos mehr
    als in den frheren Jahren abliefert, erhlt fr den Ueberschuss
    doppelte Gratifikation; doch nur wenn sich das Verhltniss der
    Bltter I. Klasse zu den brigen nicht verringert hat.

    . 370. Desgleichen wenn die Menge im Ganzen nicht abgenommen
    und die der Bltter I. Klasse um 1/3 zugenommen hat.

    Es folgen . welche die Gratifikationen der Lokalbehrden regeln.

    . 379. Alljhrlich hat jeder Gobernadorcillo eine vom Pfarrer
    revidirte Liste smmtlicher Ortsangehriger beiderlei Geschlechts
    und der Kinder einzureichen, die alt genug sind um auf dem Felde
    zu helfen.

    . 430. Die Beamten sollen die Einwanderung nach Cagayan und
    Neu-Biscaya frdern und werden sogar angewiesen mit 5 Dollar
    die Schulden solcher Individuen zu bezahlen, die ihre Provinz
    schuldenhalber nicht verlassen drfen.

    . 436. denn da durch Verordnungen des Buen Gobierno bestimmt
    ist, dass ein Indier nicht in Anspruch genommen werden kann fr
    eine Summe die 5 Dollar bersteigt, und von einem Darlehn oder
    einer einfachen Schuld herrhrt, so kann die Beanspruchung einer
    hheren Summe kein Hinderniss fr die Auswanderung sein.

    . 437. Die Hacienda bestreitet die Reisekosten und den Unterhalt
    der Einwanderer von Ilocos,

    . 438. schiesst ihnen die Mittel zur Beschaffung von Vieh,
    Gerth etc. bis zur ersten Ernte vor (obgleich der Indier nur
    fr 5 Dollar haftbar ist!).

    . 439. Solche Vorschsse sind zwar persnlich, aber das ganze Dorf
    haftet dafr im Falle des Todes oder der Flucht des Schuldners.


Der Tabak (Nicotiana tabacum L.) wurde in die Philippinen, bald nach
Ankunft der Spanier durch Missionre eingefhrt, die den Samen aus
Mexico mitbrachten. [265] Der Boden, das Klima, der Anklang, den sein
Genuss bei den Eingeborenen fand, wirkten zusammen, um ihm schnell
grosse Verbreitung zu verschaffen. Nach dem Tabak von Cuba (und einigen
trkischen Gewchsen) [266] soll er der beste sein und in der Kolonie
behaupten Sachverstndige, dass er selbst jenen bald bertreffen wrde,
wenn die darauf begrndeten Gewerbe frei wren. Dass Gte und Menge des
Produktes unter solchen Umstnden betrchtlich zunehmen wrden, wird
wohl kein Unbefangener bezweifeln; manche verstockte Beamte behaupten
freilich das Gegentheil. Es kann sich nur um die Frage handeln, bis zu
welchem Grade die an eine solche Maassregel geknpften Erwartungen in
Erfllung gehen wrden, wobei allerdings nicht bersehen werden darf,
dass gerade die Sachverstndigen, vielleicht zu grosse Hoffnungen
an die Abschaffung eines Systems knpfen, das sie verhindert ihre
Fachkenntniss zu verwerthen.

Thatsache ist aber, dass schon jetzt der heimlich gebaute Tabak,
trotz aller vom verbotenen Betriebe unzertrennlichen Mngel, selbst
von den Regiebeamten ihrem eigenen Fabrikat vorgezogen, von Vielen dem
Habana gleichgeschtzt wird und dass die Regie-Zigarren der Philippinen
in ganz Ostasien die beliebtesten sind. Reiche Kaufleute sogar, fr
welche der Preisunterschied nicht in Betracht kommt, ziehen in der
Regel die Manila- den Habana-Zigarren vor.

Nach Agius, (Memoria 1871.) drfte der philippinische Tabak auf den
europischen Mrkten keinen andern Nebenbuhler haben, als den der
Vuelta abajo von Cuba, und msste in den Hfen von Asien und Ozeanien
ohne Rivalen dastehen, (weil der Habana auf der langen Reise nach
jenen Lndern an Gte einbsst), whrend er jetzt von Jahr zu Jahr
an Ruf verliert.

Wenn es den Manila-Zigarren bisher nicht gelingen wollte, sich in
Europa einzubrgern, so liegt die Schuld daran, dass sie unter dem
Einfluss der Zwangsarbeit und der Insolvenz des Kolonial-Fiscus
immer schlechter werden, whrend das Produkt anderer Tabaklnder,
in Folge der freien Konkurrenz sich verbessert. Ein wenig leidet ihr
Ruf wohl auch durch den sehr verbreiteten irrigen Glauben, dass sie
Opium enthalten.

Wie sehr die Produktion durch Freigebung des Gewerbes zunehmen wrde,
zeigt unter anderen das Beispiel von Cuba: Zur Zeit als die Regierung
den Tabak dort monopolisirte, reichten die Ernten nur ein einziges Mal
zur Deckung des innern Bedarfs, whrend sie gegenwrtig alle Mrkte
der Welt versehen. [267] Hchst beachtenswerth in diesem Punkte
ist auch der Ausspruch des General-Kapitns de la Gndara [268],
in einer Denkschrift die Maassregeln zur Verschrfung des Monopols
vorschlgt: ginge der Tabakbau an das Privatgewerbe ber, so wrde
dieses vielleicht in wenigen Jahren dahin gelangen, fast alle Mrkte
der Welt zu beherrschen. Fast smmtliche Inseln erzeugen Tabak; nach
der Gte des Produktes nehmen die Tabakgebiete folgenden Rang ein:
1o Cagayan und Ysabel, 2o Ygorrotes, 3o Insel Mindanao, 4o Bisayas,
5o Neu-cija.

Aus R. O. 20. Nov. 1625 (Razon general 11) ist ersichtlich,
dass schon damals der Verkauf von Betel, Palmwein, Tabak
u. s. w. Regierungsmonopol war. Es wurde aber wohl nicht streng
durchgefhrt. Das Tabakmonopol in seinem jetzigen Umfang, welches
das ganze Gewerbe von der Aussaat der Pflanze bis zum Verkauf der
fertigen Produkte in die Hnde der Regierung legt, ist erst durch den
General-Kapitn Jos Basco y Bargas eingefhrt. R. O. 9. Jan. 1780
(besttigt durch R. D. 13. Dec. 1781) verfgt, dass die Tabakregie,
so wie in allen spanischen Besitzungen in dieser und jener Welt
(de uno y otro mundo), auch auf die Philippinen ausgedehnt werden soll.

Bis zur Verwaltung dieses sehr eifrigen Guvernrs, zweihundert Jahre
lang, empfing die Kolonie jhrlich Zuschsse aus Neu-Spanien (Situado
de Nueva Espaa). Um die spanischen Finanzen von dieser Last zu
befreien, fhrte Basco, den damals herrschenden national-konomischen
Ansichten entsprechend, die unmittelbare Ausbeutung der natrlichen
Hlfsquellen durch den Staat, ein Vorbild des fnfzig Jahre spter
in Java gegrndeten Kultursystems ein. In den Philippinen waren die
Verhltnisse dafr aber weniger gnstig. Abgesehn von der geringeren
Unterwrfigkeit der Bevlkerung, lagen zwei Haupthindernisse im
Widerstand der Priester und im Mangel zuverlssiger Beamten. Von allen
durch Basco knstlich in's Leben gerufenen lndlichen Gewerben hat
sich nur die Indigobereitung als Privatindustrie, der Tabakbau als
Regierungsmonopol erhalten. [269]

Zunchst beschrnkte Basco das Monopol auf die unmittelbar um die
Hauptstadt gelegenen Provinzen, in welchen der Tabakbau allen, von
der Regierung nicht besonders dazu ermchtigten und verpflichteten
Personen bei strenger Strafe verboten wurde. [270] In den brigen
Provinzen blieb der Anbau Jedem gestattet, doch durfte das Produkt
nach Abzug des Selbstverbrauchs nur an die Regierung verkauft werden.

In den Bisayas kauften die Alkalden den Tabak fr die Regierung und
lieferten ihn zu vorher festgesetzten Preisen an die k. Fabriken
in Manila; es war ihnen gestattet die Ueberschsse der k. Kassen
zu diesem Zwecke zu benutzen. Ein schlechteres System htte kaum
ersonnen werden knnen: der nur auf seinen Privatvortheil bedachte
Beamte duldete keinen Konkurrenten in seiner Provinz, benutzte seine
amtliche Gewalt, um den Produzenten auf das hrteste zu drcken, und
hemmte dadurch die Produktion; die k. Kassen aber erlitten hufige
Verluste durch Bankerotte, da die Alkalden, welche 600 Dollar Gehalt
bezogen, und fr die Berechtigung Handel treiben zu drfen, eine
Patentsteuer von 100 bis 300 Dollar entrichteten, sich, um schnell
reich zu werden, in die gewagtesten Unternehmungen einliessen. Erst
1814 ward diesem Unwesen ein Ende gemacht. Alsbald stiegen auch die
Tabaklieferungen aus den Bisayas, da die Konkurrenz der Privathndler,
denen nun erst thatschlich der Ankauf zufiel, obgleich ihn das Gesetz
schon seit 1839 gestattete, dem Pflanzer hhere Preise verschaffte,
als ihm die Habsucht des monopolisirenden Alkalden gewhrte.

Gegenwrtig gelten im Allgemeinen folgende Bestimmungen, an deren
Einzelheiten aber fortwhrend gendert wird: Durch R. D. 5. Sept. 1865
wird der Tabakbau in allen Provinzen gestattet, doch darf der Ertrag
nur an die Regierung zu einem von ihr festgesetzten Preise verkauft
werden. Der Aufkauf geschieht in Luzon und den angrenzenden Inseln nach
Fardos [271] durch Colleccion, d. h. direkt durch die Finanzbeamten,
welche den Bau der Pflanze von der Aussaat an zu leiten haben; in den
Bisayas durch Acopio, indem Regiebeamte den ihnen angebotenen Tabak
vom Bauer oder vom Spekulanten und zwar nach Quintales aufkaufen.

In den Bisayas und in Mindanao ist Jedem erlaubt, Zigarren fr seinen
eignen Bedarf selbst zu fabriziren, doch darf er keinen Handel damit
treiben. Dort werden den Tabakbauern auch Vorschsse gemacht. In Luzon
und den benachbarten Inseln theilt die Regierung Samen und Smlinge
aus. In Luzon und den Nachbar-Inseln darf auf Land, das zum Tabakbau
geeignet ist, nichts andres als Tabak gepflanzt werden.

Da die Finanzverwaltung den Tabak nicht, wie freie Konkurrenz thun
wrde, nach seinem wirklichen Werthe klassifiziren kann, so hat sie
den Ausweg ergriffen, die Preise nach der Blattgrsse festzusetzen;
auch soll die auf Erziehung der Pflanze verwendete Sorgfalt bis zu
einem gewissen Grade die Grsse der Bltter bedingen, die demnach
wenigstens ein Kennzeichen fr die sorgsame Behandlung, wenn auch
nicht gerade fr die Gte ist. [272]

Wohl weiss man in Madrid, wie sehr das Tabakmonopol das Gedeihen
der Kolonie hemmt, die betroffene Bevlkerung drckt; dennoch sind
bisher die Regierungsmaassregeln darauf gerichtet gewesen, immer
hhere Einnahmen aus dieser bedenklichen Steuerquelle zu erpressen.

R. O. 14. Januar 1866 befiehlt den Tabakbau in den Philippinen
so viel als irgend mglich auszudehnen um dem Bedarf der Kolonie,
des Mutterlandes und der Ausfuhr zu gengen, ohne dass Rcksichten
untergeordneter Art, die einer spteren Lsung vorbehalten bleiben
knnen, diese unbegrenzte Ausbreitung hemmen oder verzgern. In
der bereits zitirten Memoria schlgt der General-Kapitn Reformen
vor, die an die Geschichte der Gans mit den goldenen Eiern erinnern
(Pfropfen neuer Monopole auf die schon bestehenden, Ausbeutung durch
Generalpchter) und glaubt dadurch in weniger als drei Jahren den
Tabakertrag von 182,102 Quintales (Mittel der Jahre 1860/67) auf
600,000 und selbst 800,000 Q. steigern zu knnen. Einstweilen aber
solle die Regierung, um hhere Preise zu erzielen, ihren Tabak selbst
nach den Konsumtionslndern exportiren und dort verkaufen. Im Jahre
1868 ist dieser Vorschlag wirklich ausgefhrt worden, der nach London
gesandte fand einen so guten Markt, dass in Folge davon verordnet
wurde, fortan in Manila keinen Tabak unter 25 Dollar p. Quintal
loszuschlagen. [273] Diese Bestimmung kann sich aber nur auf Tabak
der ersten drei Klassen beziehen, deren relative Menge in dem Maasse
abnimmt, als der Druck auf die Bevlkerung gesteigert wird. Selbst
aus den de la Gndara's Denkschrift beigefgten Tabellen ergiebt sich
dies deutlich: Whrend die Gesammternte von 1867 (176,018 Quintales)
nicht viel unter dem Mittel der Jahre 1860/67 (182,102 Q.) bleibt,
ist der Tabak I. Klasse von mehr als 13,000 Q. 1862, auf weniger als
5000 Q. 1867, gesunken.

Die IV., V., VI. Klasse, die frher grsstentheils verbrannt wurden,
jetzt aber einen nicht unbetrchtlichen Theil der Gesammternte bilden,
sind im freien Verkehr geradezu unverkuflich und knnen nur als
Geschenk fr Spanien verwendet werden, das alljhrlich unter dem
Titel atenciones a la peninsula ber 100,000 Zentner empfngt. Wre
die Kolonie aber nicht gezwungen, die Hlfte der Fracht fr ihr
Geschenk zu bezahlen, so wrde Spanien genthigt sein, sich diese
Aufmerksamkeiten zu verbitten, denn nach dem Ausspruch des Chefs
der Regie ist jener Tabak grssten Theils von solcher Beschaffenheit,
dass er zu keinem Preise Kufer finden wrde, da sein Werth weder die
Unkosten des Zolles noch der Fracht zu decken vermchte. Dennoch ist
dieser Tabaktribut eine grosse Last fr das Kolonialbudget, das trotz
seines Defizits nicht nur den Tabak zu beschaffen, sondern auch die
Verpackung, den Lokaltransport und die Hlfte der Fracht nach Europa
zu tragen hat.

Vom Mrz 1871, der goldenen Zeit, im Fall de la Gndara's Vorschlge
ausgefhrt worden, seine Verheissungen in Erfllung gegangen wren,
liegt ein trefflicher Bericht des General-Intendanten der Hacienda
an den Kolonial-Minister vor (s. S. 258 Anmerkung), der als Chef der
Regie die Schden dieses Verwaltungszweiges schonungslos aufdeckt,
und auf die schleunige Aufhebung des Monopols dringt. Zunchst
wird auf amtliche Belge gesttzt, der Beweis gefhrt, dass der
Gewinn am Tabakmonopol viel geringer sei, als gewhnlich angenommen
wird. Das Mittel smmtlicher Einnahmen der Tabakregie fr die 5 Jahre
1865/69 betrug nach amtlichen Rechnungen 5,367,262 Dollar, (fr die
Jahre 1866/70 nur 5,240,935 Dollar) die Ausgaben sind nicht genau
festzustellen, weil darber keine Berechnungen vorhanden sind, addirt
man aber die im Kolonialbudget aufgefhrten betreffenden Ausgaben
zusammen, so erhlt man 3,717,322 Dollar, wovon 1,812,250 Dollar
fr Ankauf des Rohtabaks. Zu obigen die Tabakregie ausschliesslich
treffenden Ausgaben mssen aber noch verschiedene andere Posten
gerechnet werden, an denen dieser Verwaltungszweig betheiligt ist,
die sogar gnzlich oder zum grssten Theil wegfallen wrden, wenn der
Staat das Tabakmonopol aufgbe. Die Summe der Unkosten muss wenigsten
auf 4 Millionen Dollar veranschlagt werden, so dass dem Staate nur
ein Reingewinn von etwa 1,367,000 Dollar verbliebe, aber selbst auf
diesen ist in Zukunft nicht zu rechnen, denn wenn die Regierung
nicht schleunigst diesen Gewerbebetrieb aufgiebt, so wird sie zu
sehr bedeutenden unabweisbaren Ausgaben gezwungen sein. Namentlich
mssten dann Fabriken und Magazine neu errichtet, oder verbesserte
Maschinen gekauft, die Gehalte bedeutend erhht, vor Allem aber
Mittel geschafft werden, nicht nur um die enorme Summe von 1,600,000
Dollar zu zahlen, welche die Regierung den Bauern fr die Ernten von
1869 und 70 schuldet, sondern auch um die Baarzahlung der knftigen
Ernten sicher zu stellen, denn dies ist die einzige Mglichkeit,
den Verfall des Tabakbaus in den betreffenden Provinzen in dem Maasse,
als das Elend seiner unglcklichen Bewohner zunimmt, zu verhindern.

Nachdem Agius nachgewiesen, wie gering in Wirklichkeit jene
Ueberschsse sind, wegen welcher die Regierung die Zukunft der
Kolonie preisgiebt, schildert er die aus dem Monopol hervorgehenden
Uebelstnde, von denen ich hier nur einige in zusammengedrngter
Krze zur Ergnzung des Eingangs Gesagten anfhre:

Die Bevlkerung der Tabakdistrikte, die nach Aufhebung der Regie die
reichste und glcklichste des gesammten Archipels sein wrde, befindet
sich im tiefsten Elend. Sie wird grausamer behandelt als die Sklaven
von Cuba, die, wenn auch aus selbstschtiger Absicht, gut genhrt und
verpflegt werden, whrend erstere die Produkte der Zwangsarbeit dem
Staate hergeben muss zu einem von ihm willkrlich bestimmten Preise,
einem Preise den er zahlt, wenn die immer schwierige und bedrngte
Lage des Schatzes es gestattet. Hufig fehlt es an Nahrungsmitteln,
da ihr Anbau verboten ist. Die unglckliche Bevlkerung, die keine
andere Mittel besitzt, um ihre dringendsten Bedrfnisse zu befriedigen,
ist gezwungen mit ungeheuren Verlusten die Schuldverschreibungen eines
Schuldners zu verussern, welcher ihm die Frucht der Zwangsarbeit zwar
abkauft, aber nicht bezahlt. Wegen eines so geringfgigen Nutzens
(1 1/3 Million) wird die Bevlkerung der reichsten Provinzen in
furchtbares Elend gestrzt, tiefgehender Hass zwischen Regierten und
Regierenden erzeugt, ununterbrochener Krieg zwischen Behrden und
Unterthanen. Es wird eine hchst gefhrliche Klasse von Schmugglern
erzogen, die sich schon jetzt nicht auf blosses Schmuggeln beschrnken,
und um die sich bei der ersten Gelegenheit die brigen Unzufriedenen
wie um einen festen Kern schaaren werden. Die Regiebeamten werden
grober Bestechungen und Betrgereien beschuldigt, die wahr oder
unwahr grosses Aergerniss geben und zunehmende Missachtung der
Kolonialverwaltung sowohl, als des gesammten spanischen Volks
erzeugen. [274]

Dass obige Denkschrift nicht nur geschrieben, sondern auch gedruckt
worden, scheint anzudeuten, dass man sich in Spanien allmlig
auch in weiteren Kreisen von der Unhaltbarkeit des Tabakmonopols
berzeugt. Trotz der vernichtenden Kritik von kompetentester Stelle
ist es aber dennoch fraglich, ob es aufgehoben werden wird, so lange es
auch nur Scheinertrge giebt. Im Kolonialministerium sind die gergten
Schden lngst bekannt, aber wegen der hufigen Ministerwechsel und
der zunehmenden Geldnoth, welche die Regierenden, so lange sie im
Amte sind, zur rcksichtslosen Ausbeutung aller greifbaren Mittel
zwingt, unterbleiben selbst die dringendsten Reformen, wenn dadurch
augenblickliche Ausflle entstehn. In Bezug auf das Tabakmonopol
pflegt man sich berdies mit der Hoffnung zu trsten, dass zunehmende
Nachfrage die Preise fortwhrend steigern, einige besonders gute Ernten
und gnstige Konjunkturen die Kolonialkasse von ihren Verlegenheiten
befreien wrden, dann wolle man gern die Tabakregie aufgeben.

Ein Umstand der in haushlterisch verwalteten Staaten zur
Beseitigung, des Monopols treiben wrde, in Spanien aber vielleicht
gerade umgekehrt wirkt, ist das zahlreiche Beamtenheer, welches die
Tabakregie erfordert. Der Unzahl von Stellenjgern gegenber muss es
den jeweiligen Ministern sehr willkommen sein, Gelegenheit zu haben,
ihren Kreaturen eintrgliche Posten zu verschaffen, oder unbequeme
Personen auf eine ehrenvolle, fr das Mutterland kostenfreie Art zu den
Antipoden senden zu knnen. (Die Kolonie muss nicht nur die Besoldung,
sondern auch die Kosten fr die Hin- und Rckreise tragen.) Jedenfalls
machen sie so reichlichen Gebrauch davon, dass zuweilen in Manila neue
Aemter erfunden werden mssen, um die Ankmmlinge unterzubringen. [275]

Zur Zeit meiner Anwesenheit konnten die k. Fabriken nicht so viel
Zigarren liefern als der Handel verlangte und es trat der sonderbare
Fall ein, dass die Grosshndler, welche die Zigarren in bedeutenden
Posten auf den Regierungs-Auktionen kauften, mehr dafr zahlten, als
dieselben Zigarren, einzeln gekauft, im Estanco kosteten. Um nun zu
verhindern, dass die Kaufleute ihren Bedarf den Estancos entnhmen,
war fr diese ein Maximum festgesetzt, das kein Kufer berschreiten
durfte und eine komplizirte Kontrolle mit Spionage hatte darber zu
wachen, dass Niemand durch verschiedene Boten in verschiedenen Estancos
grssere Mengen zusammenkaufte. Im Fall der Entdeckung konfiszirte
man dem Uebertreter den ganzen Vorrath. Jedem stand frei Zigarren
im Estanco zu kaufen, Niemand aber durfte einem Bekannten eine Kiste
Zigarren zum Kostenpreise ablassen.

Mehrere Spanier, mit denen ich ber diese auffallende Maassregel
sprach, billigten sie ganz entschieden, da ihnen sonst die Fremden
alle Zigarren fortholen wrden, und sie nicht einmal in ihrer eignen
Kolonie eine preiswrdige Zigarre rauchen knnten. Es war aber,
wie ich spter erfuhr, noch ein zweiter, triftigerer Grund fr diese
Verordnung vorhanden. Da die Regierung in ihren Kassen die Goldunze
zu 16 Dollar Silber annahm, whrend sie im Handel weniger galt und
die Silberprmie einmal sogar auf 33 % gestiegen war, da ausserdem
wegen der unzureichenden Menge von Kupfergeld fr den kleinen Verkehr,
die Scheidemnze abermals eine Prmie gegen den Silberdollar genoss,
so zwar, dass man bei jedem Einkauf der nicht wenigstens einen halben
Dollar betrug, 5 bis 15 % Abzug erlitt, wenn man einen Dollar gab, so
war es vortheilhaft im Estanco fr eine Goldunze Zigarren zu kaufen,
und diese in kleineren Posten, wenn auch zum nominellen Preise des
Estanco wieder zu verkaufen, denn beide Prmien zusammen konnten im
extremen Falle 33 % + 10 % = 43 % betragen. [276]

Eine Beschreibung des Tabakbaues nach eigener Anschauung kann ich
nicht geben; ich lasse einen kurzen Auszug aus der amtlichen Anweisung
(Cartilla agricola) folgen.


    Anweisung wie die Samenbeete anzulegen. Ein geeignetes Stck
    Land wird vierseitig abgegrenzt, zwei oder dreimal gepflgt,
    von Unkraut und Wurzeln gesubert, etwas abschssig gemacht,
    mit einem flachen Graben umgeben, durch Abzugsgrben in Beete von
    zwei Fuss Breite getheilt. Die Erde auf demselben muss sehr fein,
    fast zu Pulver zerrieben werden, sonst wrde sie mit dem usserst
    feinen Tabaksamen nicht in innige Berhrung kommen. Der Same
    wird gewaschen, zum Ablaufen des Wassers in Tchern aufgehngt,
    Tags darauf, mit gleicher Menge Asche gemischt, auf die Beete
    gestreut. Von der sorgfltigen Ausfhrung dieser Arbeit hngt
    der sptere Erfolg ab. Nach einer Woche keimt der Same, die Beete
    mssen sehr rein gehalten, bei trocknem Wetter tglich besprengt,
    durch Decken mit Dornen gegen Geflgel und andre Thiere, durch
    leichte Matten gegen Strme und starke Regen geschtzt werden. Nach
    etwa zwei Monaten haben die fnf bis sechs Zoll hohen Pflanzen
    gewhnlich vier bis sechs Bltter und werden umgesetzt. Dies
    geschieht, da die Samenbeete im September angelegt werden, Anfang
    oder Mitte November. Eine zweite Aussaat findet am 15. Oktober
    statt, sowohl aus Vorsicht gegen mgliche Misserfolge, als um
    Pflanzen fr die Niederungen zu erhalten.

    Von dem fr den Tabak zutrglichsten Boden und seiner Bestellung;
    vom Umpflanzen der Smlinge. Man whle Boden von mittlerem Korn,
    ziemlich schwer; besonders empfiehlt sich der kalkhaltige, wenn er
    reichlich mit verwesten Pflanzenresten gemischt und nicht weniger
    als zwei Fuss tief ist, denn je tiefer die Wurzel eindringt, um so
    hher erhebt sich die Pflanze. Daher sind in Cagayan diejenigen
    Lndereien fr den Tabakbau am besten, die alle Jahre durch die
    Ueberschwemmungen des dortigen grossen Stromes unter Wasser
    gesetzt werden, und alljhrlich neue Schichten fruchtbaren
    Schlammes erhalten. Auf solchem Boden angelegte Pflanzungen
    unterscheiden sich daher sehr merklich von hher belegenen,
    nicht also begnstigten. In jenen schiessen die Pflanzen,
    sobald sie Wurzel geschlagen, schnell empor, in diesen wachsen
    sie langsam und erreichen nur mittlere Hhe; dort entwickeln
    sie in Menge grosse starke saftreiche Bltter, die eine reiche
    Ernte versprechen, hier bleiben die Bltter kleiner und wachsen
    sprlich. Aber die Niederungen sind Ueberschwemmungen ausgesetzt,
    besonders im Januar und Februar, selbst noch im Mrz, wenn
    der Tabak schon umgepflanzt und ziemlich hoch geworden ist. In
    solchem Falle ist alles rettungslos verloren, namentlich wenn
    die Ueberschwemmungen zu einer Zeit eintreten, wann es zu spt
    ist neue Pflanzungen anzulegen. Desshalb mssen auch hochgelegene
    Felder bebaut werden, die bei gehriger Pflege vielleicht denselben
    Ertrag geben wrden. Solche Felder sollten im Oktober drei bis
    viermal gepflgt und 2 bis 3 mal geeggt werden. Die Felder in
    den Niederungen knnen wegen der Ueberschwemmungen nicht vor Ende
    Dezember oder Mitte Januar gepflgt werden, ihre Bearbeitung ist
    dann leicht und einfach. Man whlt nun die strksten Pflanzen in
    den Saatbeeten aus, und versetzt sie mit Ballen in Entfernungen
    von einer Elle in den zubereiteten Boden.

    Von der auf die Pflanzen zu verwendenden Sorgfalt. Im Osten jeder
    Pflanze ist ein kleiner Schirm aus zwei Erdschollen aufzurichten,
    damit sie gegen die Morgensonne geschtzt, den Thau lnger
    geniesse. Sorgfltige Vertilgung des Unkrauts, Entfernung der
    wilden Triebe. Besonders gefhrlich ist auch ein Wurm der zuweilen
    in Menge erscheint. Kurz vor der Reife sind Regen sehr schdlich,
    denn um diese Zeit ist die Pflanze nicht mehr im Stande, die fr
    den Tabak so wesentliche gummiartige Substanz auszuscheiden,
    die in Wasser lslich, ihr durch den Regen entzogen wird. Der
    dem Unwetter preisgegebene Tabak bleibt immer ohne Saft, ohne
    Gte und ist voll weisser Flecke, ein sicheres Zeichen seiner
    schlechten Beschaffenheit. Der Schaden ist um so grsser, je
    nher der Tabak seiner Reife. Die auf den Boden hngenden Bltter
    faulen, und werden entfernt. Ist der Untergrund nicht tief genug,
    so vergilbt eine gut gepflegte Pflanzung und vertrocknet fast. In
    nassen Jahren kommt dies nicht leicht vor, da die Wurzeln dann
    auch in geringer Tiefe hinreichende Feuchtigkeit finden.

    Abschneiden und Behandeln der Bltter im Trockenschuppen. Die
    obersten Bltter reifen zuerst, sie sind dann dunkelgelb und
    sprde. In dem Maasse als sie zeitigen, werden sie geschnitten,
    in Bndel gesammelt, in bedeckten Karren nach den Schuppen
    gebracht. An nassen, selbst an trben Tagen, wenn die Sonne den
    nchtlichen Thau nicht vllig verdampft, darf nicht geschnitten
    werden. In den Schuppen zieht man die Bltter auf Schnre oder
    gespaltenes spanisches Rohr mit gengenden Zwischenrumen zum
    Lften und Trocknen. Die trocknen Bltter werden in Haufen
    gelegt, die nicht zu gross sein drfen, und fter umgepackt. Es
    muss sorgfltig darauf geachtet werden, dass sie sich nicht zu
    sehr erhitzen und zu stark ghren. Diese fr die Gte des Tabaks
    usserst wichtige Behandlung verlangt grosse Aufmerksamkeit und
    Geschicklichkeit und muss so lange fortgesetzt werden, bis die
    Bltter nur noch einen aromatischen Tabakgeruch wahrnehmen lassen.

    Das nthige Geschick fr diese Hantirung ist aber nur durch lange
    Uebung, nicht durch Vorschriften zu erwerben.








SECHSUNDZWANZIGSTES KAPITEL

    DIE CHINESEN.


Es bleibt noch von einem wichtigen Theile der Bevlkerung zu sprechen,
den Chinesen, die wohl bald eine bedeutendere Rolle spielen werden,
da die vom zunehmenden Verkehr geforderte Entwickelung des Landbaues
kaum anders als durch chinesischen Fleiss zu erlangen sein drfte. Von
jeher ist Manila ein Lieblingsziel chinesischer Einwanderung gewesen,
weder Feindseligkeit der Bevlkerung, noch Bedrckungen und Verbote
seitens der Regierung, ja nicht einmal wiederholte Massenschlchtereien
vermochten sie zu verhindern. Die Lage der Inseln S. O. der zwei
seetchtigsten Provinzen China's musste schon frh den Verkehr
zwischen beiden Lndern wachrufen, da Schiffe sowohl im S. W. als
N. O. Monsun die Reise in jeder Richtung mit halbem Winde machen
knnen. In einigen lteren Schriftstellern findet sich sogar die
Angabe, dass die Philippinen einstmals der chinesischen Herrschaft
unterworfen waren [277] und Pater Gaubil (Lettres difiantes) erwhnt,
dass Joung-lo (Ming Dynastie) eine Flotte von 30,000 Mann hielt, die zu
verschiedenen Zeiten nach Manila ging. Auch die bei Magellan's Ankunft
selbst im ussersten Osten des Archipels vorhandenen, so wie die in den
Grabhhlen gefundenen Porzellanschsseln und Thongefsse zeigen, dass
der Handel mit China sich schon lange zuvor bis in die fernsten Inseln
des Archipels erstreckte. Fr die junge spanische Kolonie bildete er
die Hauptquelle und, nachdem die Encomiendas aufgehoben (s. folgendes
Kapitel), fast die einzige Quelle des Wohlstandes. Es war zu frchten,
dass die Junken ihre Frachten den Hollndern bringen wrden, wenn man
ihnen in Manila Hindernisse in den Weg legte; auch konnte die Kolonie
nicht ohne die Sangleyes bestehn, [278] die alljhrlich in grosser
Zahl in den Junken aus China kamen und sich als Krmer, Handwerker,
Grtner, Fischer ber Stadt und Land verbreiteten, denn sie waren
die einzigen geschickten und fleissigen Arbeiter; da die Indier
unter spanischem Priesterregiment sogar manche Gewerbe verlernten,
die sie frher betrieben hatten (Morga).

Trotzdem sind die Spanier von Anfang an bemht, die Zahl der Chinesen
auf das usserste Maass zu beschrnken; denn damals wie heut wurden
letztere von den Indiern beneidet und gehasst wegen ihrer grossen
Betriebsamkeit, Sparsamkeit, Schlauheit, wodurch sie schnell reich
wurden; den Geistlichen waren sie ein Gruel als verstockte Heiden
deren Umgang die Eingeborenen hinderte, Fortschritte im Christenthum
zu machen; die Regierung aber frchtete sie wegen ihres festen
Zusammenhaltens und als Angehrige des grossen Reiches, dessen
bedenkliche Nhe dem kleinen Huflein Spanier Verderben drohte. [279]
Zum Glck fr letztere dachte die damals dem Untergange entgegeneilende
Mingdynastie nicht an Eroberungen, aber selbst die bei ihrem Sturze
frei werdenden bsen Mchte brachten die Kolonie in usserste Gefahr.

Bei dem Angriff des grossen Seerubers Limahong 1574 entging sie
nur wie durch ein Wunder der Vernichtung; neues Verderben drohte
ihr bald darauf: 1603 kamen einige Mandarine nach Manila, unter
dem Vorwande sehn zu wollen, ob der Boden bei Cavite wirklich
von Gold sei? Man hielt sie fr Spione und schloss aus ihrer
sonderbaren Mission, dass die Chinesen einen Angriff auf die
Kolonie beabsichtigten. Der Erzbischof und die Priester schrten das
Misstrauen gegen die zahlreichen in Manila angesiedelten Chinesen;
Hass und Verdacht wuchsen auf beiden Seiten, beide Theile frchteten
sich vor einander und rsteten sich. Die Chinesen griffen zuerst an,
unterlagen aber den vereinten Spaniern, Japanern und Indiern; 23,000,
nach andern 25,000 Chinesen wurden erschlagen oder in die Wildniss
getrieben. Wie diese Metzelei in China aufgenommen worden, geht aus
dem Brief des kaiserlichen Kommissars an den Guvernr von Manila
hervor. Das merkwrdige Dokument zeigt in so berraschender Weise,
wie hohl das grosse Reich damals war, dass ich es am Schlusse des
Kapitels in wrtlicher Uebersetzung mittheile.

Nach der Vertilgung der Chinesen fehlte es in Manila wegen der
Unbetriebsamkeit der Indier an Nahrungsmitteln und allen andern
Lebensbedrfnissen, aber schon 1605 hat die Zahl der Chinesen wieder
so zugenommen, dass ein Gesetz [280] sie auf 6000 beschrnkt, denn
diese reichen aus fr die Bebauung des Bodens; zugleich wird als
Grund ihrer schnellen Zunahme der Eigennutz des General-Kapitns
gergt, der fr die Erlaubniss zum Verbleib von jedem Chinesen 8
Dollar erhebt. 1639 ist die chinesische Bevlkerung auf 30,000 (nach
Andern auf 40,000) gestiegen, sie revoltiren und werden bis auf 7000
niedergemacht. Die sonst so gleichgltigen Eingeborenen zeigten den
grssten Eifer beim Todtschlagen der Chinesen, mehr aus Hass gegen
dies betriebsame Volk als aus Liebe zu den Spaniern. [281]

Schnell fllt die chinesische Einwanderung die entstandene Lcke
wieder aus. 1662 droht der Kolonie aufs neue grosse Gefahr durch den
chinesischen Seeruber Kog-seng, der ber 80 bis 100,000 Mann gebot
und Formosa bereits den Hollndern entrissen hatte. Er forderte die
Philippinen zur Unterwerfung auf; sein pltzlicher Tod rettete die
Kolonie und gab zugleich das Zeichen zu einem neuen Wuthausbruch
gegen die in Manila angesiedelten Chinesen; eine grosse Zahl wird
in ihrem Ghetto niedergemetzelt [282], andre vertrieben, einige
strzen sich vor Schreck in's Wasser, oder erhngen sich; eine
grosse Zahl flchtet in kleinen Booten nach Formosa [283]. 1709
hat der Neid gegen die Chinesen abermals solche Hhe erreicht, dass
sie der Emprung und besonders des Monopolisirens beschuldigt, mit
Ausnahme der nothwendigsten Handwerker und solcher, die im Dienste
der Regierung stehn, vertrieben werden. Spanische Schriftsteller
preisen die Heilsamkeit dieser Maassregel: denn unter dem Vorwande
des Ackerbaues treiben die Chinesen Handel, sie sind schlau und
rcksichtslos, werden reich, und schicken ihr Geld nach China; so
betrgen sie die Philippinen jhrlich um ungeheure Summen. Sonnerat
klagt aber, dass Knste und Gewerbe sich nie von diesem Schlage erholt
htten; zum Glck, fgt er hinzu, kehrten die Chinesen, trotz des
Verbotes, durch Bestechung der Guvernre und Beamten zurck.

Noch heut werden sie des Monopolisirens beschuldigt, besonders von
den Kreolen, und in der That haben sie durch Fleiss und kaufmnnisches
Geschick den Kleinhandel fast ganz an sich gerissen. Der Verkauf der
von Europa eingefhrten Waaren ist ausschliesslich in ihren Hnden,
den Aufkauf der Kolonialprodukte in den Provinzen fr die Ausfuhr
theilen sie etwa zur Hlfte mit Indiern und Mestizen, da bis jetzt
nur diesen letzteren gestattet ist, Schiffe zu halten, um die Produkte
nach Manila zu fhren.

1757 erwirkt der Neid der Spanier einen neuen Befehl aus Madrid zur
Vertreibung der Chinesen, 1759 werden die wiederholt ergangenen
Verbannungsdekrete ausgefhrt. Da aber das Privatinteresse der
Beamten mit dem der kreolischen Krmer nicht zusammenfllt, so
strmen die Chinesen bald wieder in unglaublicher Menge herbei
und machen bei der Invasion der Englnder (1762) gemeinschaftliche
Sache mit diesen. Deshalb befiehlt Seor Anda [284], dass alle
Chinesen in den philippinischen Inseln aufgehngt werden sollen,
welcher Befehl sehr allgemein ausgefhrt wird. [285] Die letzte
grssere Chinesen-Schlchterei fand 1819 statt, als die Fremden im
Verdacht standen durch Vergiftung der Brunnen die Cholera erzeugt zu
haben; auch der grsste Theil der Europer fiel damals in Manila der
Volkswuth zum Opfer, die Spanier wurden meist geschont.

Von jeher galt die Missgunst der Spanier und Kreolen besonders den
chinesischen Handelsleuten, die sie in der bequemen Ausbeutung des
Eingeborenen stren; daher waren die beschrnkenden Gesetze besonders
gegen diese Klasse gerichtet. Zum Landbau mchte man Chinesen wohl
zulassen, die Feindseligkeit der Indier verhindert es aber gewhnlich.

Ein Gesetz von 1804 befiehlt alle chinesischen Handelsleute aus Manila
binnen 8 Tagen auszuweisen, nur Verheirathete drfen in ihrem Parian
einen Laden halten. Ausschliesslich um Ackerbau zu treiben, soll
ihnen der Aufenthalt in den Provinzen gestattet werden; Alkalden die
ihnen in ihrem Gebiet herum zu reisen gestatten, sollen 200 Dollar,
Gobernadorcillos 25 Dollar Strafe zahlen, die betroffenen Chinesen
aber 2, bezglich 3 Jahre Kettenstrafe erleiden.

1839 werden die Strafen gegen die Chinesen gemildert, die gegen die
Alkalden aufrecht erhalten, was auf deren Bestechlichkeit schliessen
lsst. 1843 werden die chinesischen Schiffe andern auslndischen
Schiffen gleichgestellt. (Leg. ult. II. 476) 1850 versucht der
General-Kapitn Urbiztondo chinesische Ackerbau-Kolonien einzufhren,
indem er den zum Zweck des Landbaues Einwandernden Erleichterung der
Abgaben verspricht. [286] Viele Chinesen benutzen den gebotenen Vorwand
um der hohen Kopfsteuer zu entgehen, wenden sich aber gewhnlich bald
dem Handel zu.

In der neuesten Zeit werden die Chinesen nicht mehr in Massen
geschlachtet oder vertrieben; man begngt sich damit, ihre Thtigkeit
durch drckende Steuern zu hemmen. So wurde Ende 1867 den chinesischen
Hndlern in Pangasinn ausser der bisherigen Gewerbesteuer von 12
bis 100 Dollar eine Abgabe von 60 Dollar jhrlich fr Beschickung
der Wochenmrkte aufgelegt, und ihnen zugleich befohlen, ihre Bcher
fortan spanisch zu fhren (engl. Kons. Ber. 1869).

Die Chinesen bleiben wie berall, so auch in den Philippinen,
ihren Sitten treu, ihr Christenthum, falls sie bertreten, ist nur
usserlich angenommen, um zu heirathen oder aus andern weltlichen
Rcksichten. Sie lassen es bei der Heimkehr nach China, zuweilen
sammt ihrer Frau, in Manila zurck. Sehr viele aber grnden Familien,
sind gute Hausvter und ihre Kinder bilden den unternehmendsten,
fleissigsten, wohlhabendsten Theil der stehenden Bevlkerung.

Durch den hrtesten Lebenskampf in ihrer bervlkerten Heimat erstarkt,
scheinen die Chinesen unter jedem Himmelsstrich ihre Arbeitsfhigkeit
ungeschwcht zu bewahren. Kein Volk kommt ihnen gleich an Fleiss,
Gengsamkeit, Ausdauer, Schlauheit, Geschick und Rcksichtslosigkeit
in brgerlichen Geschften. Wo sie einmal Fuss fassen, reissen sie
allmlig den Handel an sich. In allen Lndern Hinterindiens verdrngen
sie auf diesem Felde nicht nur die einheimischen, sondern mehr und
mehr auch ihre europischen Mitbewerber. Nicht minder anstellig und
erfolgreich sind sie im Betriebe des Ackerbaus und der Gewerbe.

Die Auswanderung aus dem mit Menschen berfllten Riesenreich hat
kaum begonnen, ist sie erst einmal in Fluss gekommen, so wird sie
sich als ein gewaltiger Strom zunchst ber die tropischen Lnder
des Ostens ergiessen, und alle kleinlichen Schranken fortschwemmen,
die Neid oder ohnmchtige Vorsicht ihr entgegenstellen.

Auf dem hinterindischen Festlande, in der Sdsee, im indischen
Archipel, in den Sdstaaten Amerika's scheinen die Chinesen bestimmt,
mit der Zeit jedes andere Element zu verdrngen, oder fruchtbare
Mischrassen zu bilden, denen sie ihren Stempel aufdrcken.

In den westlichen Staaten der Union ist ihre Zahl in schnellem Zunehmen
begriffen, die Fabriken in Californien werden nur mit chinesischen
Arbeitern betrieben, da europische unerfllbare Ansprche stellen.

Eine der interessantesten unter den vielen Fragen von grosser
Tragweite, die sich an das Eindringen der mongolischen Rasse in Amerika
knpfen, das bisher als ein Erbtheil der kaukasischen betrachtet zu
werden pflegte, ist die der relativen Leistungsfhigkeit dieser beiden
grossen Rassen, die in den westlichen Staaten der Union zum erstenmale
ihre Krfte im friedlichen Wettkampfe messen. Beide sind dort durch
ihre thatkrftigsten Individuen vertreten. [287] Der Kampf wird mit
Anstrengung aller Krfte gefhrt, denn kein anderes Land belohnt
die Arbeit mit so hohen Prmien. Die Bedingungen sind aber nicht
gleich, denn den Chinesen legt das Gesetz Hindernisse in den Weg,
die Behrde schtzt sie nicht gegen rohe, zuweilen bis zum tckischen
Morde gesteigerte Misshandlungen des Pbels, der sie als bescheidene
Arbeiter tdtlich hasst. Dennoch nimmt die chinesische Einwanderung
stetig zu. Die westliche Strecke der Pazifik-Bahn ist hauptschlich
von Chinesen erbaut worden, die nach dem Zeugniss der Ingenire die
Arbeiter aller anderen Nationalitten durch Fleiss, Nchternheit
und gutes Betragen bertrafen; was ihnen etwa an Krperkraft abging,
ersetzten sie durch Ausdauer und intelligentes Zusammenwirken. Die
einzig dastehende, fast unglaubliche Leistung, dass am 28. April 1869
in 11 Arbeitsstunden 10 englische Meilen Eisenbahn auf einer durch
keine Vorarbeiten zugerichteten Bodenstrecke ausgefhrt wurden, und
zwar in einer den Anforderungen der Regierungs-Kommission gengenden
Weise, ist von Chinesen vollbracht worden, und war nur durch sie
ausfhrbar. [288]

Im Gebiete der hchsten geistigen Thtigkeit ist das Uebergewicht
der Europer wohl nicht zu bezweifeln; auf dem Felde der brgerlichen
Gewerbe aber, wo Geschick und ausdauernder Fleiss den Ausschlag geben,
scheint der Preis den Chinesen zu gebhren. Auch bis zu uns drfte
sich der Einfluss der Chinesen in dem zwischen Kapital und Arbeit
entbrannten Kampfe frher oder spter fhlbar machen und maasslos
wachsenden Ansprchen Schranken setzen.

Dem amerikanischen Staatsmanne drngt die sich mehrende chinesische
Einwanderung schon gegenwrtig Fragen von hchster sozialer und
politischer Bedeutung auf. Welchen Einfluss wird dieses neue gnzlich
fremde Element auf die Gestaltung der amerikanischen Verhltnisse
ben? Werden die Chinesen einen Staat im Staate bilden oder, den
andern Brgern politisch gleichgestellt, in der Union aufgehn, sich
mit dem kaukasischen Elemente zu einer neuen Rasse mischen? Welche
Rckwirkung werden die chinesischen Kolonisten andererseits auf die
Zustnde in China ben?

Diese Probleme, die hier nur vorbergehend angedeutet werden knnen,
hat Pumpelly mit Meisterschaft in seinem Werke Across America and
Asia London 1870 behandelt.



Brief des General-Kommissars von Chincheo an Don Pedro de Acuia,
Guvernr der Philippinen.


    An den grossen General-Kapitn von Luzon. Da ich in Erfahrung
    gebracht, dass die Chinesen, die in das Knigreich Luzon gingen,
    um zu kaufen und verkaufen, von den Spaniern umgebracht worden
    sind, so habe ich nach der Ursache dieser Tdtungen geforscht
    und den Knig gebeten, Gerechtigkeit zu ben gegen diejenigen,
    die so grosses Uebel veranlasst, damit knftig Abhlfe geschafft
    werde und die Kaufleute Ruhe und Frieden haben. In den vergangenen
    Jahren, bevor ich als kniglicher Kommissar hierher gekommen, ist
    ein chinesischer Kaufmann Namens Tioneg sammt drei Mandarinen mit
    Erlaubniss des Knigs von China nach Luzon, nach Cabit gegangen,
    um Gold und Silber zu suchen, was alles erlogen war, denn er
    fand weder Gold noch Silber, und deshalb bat ich ihn (den Knig)
    diesen Betrger Tioneg zu bestrafen, damit kund werde die strenge
    Gerechtigkeit die in China gebt wird.

    Es war zur Zeit des Ex-Vizeknigs und Eunuchen, als Tioneg und
    sein Begleiter Namens Yanglion die erwhnte Unwahrheit sprachen,
    und ich bat spter den Knig, dass er sich alle Papiere in der
    Angelegenheit Tioneg's bersenden und besagten Tioneg sammt den
    Prozess-Akten kommen liesse und ich selbst sah die erwhnten
    Papiere ein und erkannte, dass alles, was besagter Tioneg
    gesprochen, erlogen war. Und ich schrieb an den Knig und sagte,
    dass wegen der Unwahrheit, die Tioneg gesprochen, die Castilier
    den Verdacht geschpft, wir wollten sie bekriegen, und dass sie
    deswegen mehr als 30,000 Chinesen in Luzon umgebracht htten;
    und der Knig that, wie ich gebeten und bestrafte den besagten
    Yanglion, indem er befahl ihn zu tdten; und dem Tioneg befahl
    er den Kopf abzuschlagen und in einen Kfig zu stecken, und
    die chinesischen Leute, die in Luzon umgekommen, hatten keine
    Schuld. Und ich und andre verhandelten dies mit dem Knig, damit er
    befinde was sein Wille sei, in dieser Angelegenheit und in einer
    andern; nmlich, dass zwei englische Schiffe an diese Ksten von
    Chincheo (Fukien) gekommen waren, eine sehr gefhrliche Sache
    fr China, und dass der Knig entscheide, was in diesen beiden
    so ernsten Angelegenheiten geschehen solle. Auch schrieben wir
    an den Knig, dass er Befehl geben mge, die beiden Chinesen zu
    bestrafen, und nachdem wir die beiden vorerwhnten Dinge dem Knig
    geschrieben, antwortete er uns, wegen der englischen Schiffe,
    die nach China gekommen, falls sie gekommen, um zu rauben, so
    solle man ihnen unverzglich befehlen, von dort nach Luzon zu
    gehn, und denen von Luzon solle man sagen, sie mchten Schelmen
    und Lgnern aus China keinen Glauben schenken, und unverzglich
    die beiden Chinesen umbringen, welche den Englndern den Hafen
    gezeigt htten, und in allem brigen, was wir ihm geschrieben,
    wolle er unsern Willen thun. Und nachdem wir diese Botschaft
    empfangen, der Vizeknig, der Eunuch und ich, senden wir jetzt
    diese unsere Botschaften an den Guvernr von Luzon, damit seiner
    Herrlichkeit kund werde die Grsse des Knigs von China und des
    Knigreichs; denn er ist so gross, dass er alles beherrscht, was
    Mond und Sonne bescheinen; und auch damit der Guvernr von Luzon
    wisse, mit wie viel Weisheit dieses grosse Reich regiert wird,
    welches grosse Reich seit langer Zeit Niemand zu beleidigen wagte;
    und obgleich die Japaner versucht haben, Coria zu beunruhigen,
    welches zur Regierung von China gehrt, sind sie damit nicht zu
    Stande gekommen, im Gegentheil sind sie daraus vertrieben worden,
    und Coria ist in grosser Ruhe und Frieden verblieben, wie die
    von Luzon von Hrensagen wohl wissen.

    Im vergangenen Jahre, nachdem wir erfahren, dass wegen der Lge
    Tioneg's so viele Chinesen in Luzon umgekommen, traten viele
    von uns Mandarinen zusammen, und beschlossen dem Knig anheim zu
    stellen Rache zu nehmen wegen so vieler Tdtungen; und wir sagten:
    das Land von Luzon ist ein elendes Land von geringer Bedeutung, und
    war vor Alters nur ein Wohnsitz fr Teufel und Schlangen und weil
    (seit einigen Jahren bis jetzt) eine so grosse Anzahl Chinesen
    dorthin gegangen, um mit den Castillas zu handeln, hat es sich
    so sehr veredelt, wobei die besagten Sangleyes viel gearbeitet,
    indem sie Mauern aufgefhrt, Huser und Grten angelegt, und andre
    Dinge von grossem Nutzen fr die Castillas; und da dies also ist,
    warum haben die Castillas nicht Rcksicht auf diese Dinge genommen,
    und diese guten Werke mit Dank erkannt, ohne so viele Menschen
    grausam zu tdten? und obgleich wir zwei oder dreimal an den Knig
    ber die besagten Angelegenheiten geschrieben, antwortete er uns,
    da er ber die oben erwhnten Dinge zornig war, und sagte: aus
    drei Grnden sei es nicht angemessen Rache zu nehmen, noch Krieg
    zu fuhren gegen Luzon. Der erste Grund, weil die Castillas (seit
    langer Zeit bis jetzt) Freunde der Chinesen sind, und der zweite
    Grund war, weil man nicht wissen knne, ob die Castillas oder die
    Chinesen den Sieg erlangen wrden, und der dritte und letzte Grund,
    weil die Leute, welche die Castillas getdtet hatten, schlechtes
    Volk wren und undankbar gegen China, ihre Heimat, ihre Aeltern und
    Verwandten, da sie schon seit so vielen Jahren nicht nach China
    zurckgekehrt, welche Leute, so sagte der Knig, er wenig achte,
    aus den oben erwhnten Grnden; und er befahl nur dem Vizeknig,
    dem Eunuchen und mir, diesen Brief durch diesen Gesandten zu
    schicken, damit die von Luzon wissen, dass der Knig von China
    ein grosses Herz hat, grosse Langmuth und viel Barmherzigkeit,
    denn er hat nicht befohlen die von Luzon zu bekriegen, und seine
    Gerechtigkeit tritt wohl zu Tage, da er auch die Lge Tioneg's
    bestraft hat. Und da die Spanier weise und verstndig sind,
    wie kommt es, dass es ihnen nicht leid thut, so viele Menschen
    umgebracht zu haben, und dass sie nicht Reue darber empfinden und
    milde sind gegen die Chinesen, die brig geblieben? Denn wenn die
    Castillas Wohlwollen zeigen, und die Chinesen und Sangleyes die
    vom Kriege brig geblieben, zurckkehren, und das schuldige Geld
    erstattet wird und das Eigenthum, was den Sangleyes fortgenommen
    worden, so wird Freundschaft bestehn zwischen diesem Knigreich und
    jenem, und alle Jahre werden Handelsschiffe kommen und wenn nicht,
    so wird der Knig nicht erlauben, dass Handelsschiffe abgehn, im
    Gegentheil wird er Befehl geben tausend Kriegsschiffe zu bauen,
    mit Soldaten und Verwandten der Getdteten bemannt und mit den
    brigen Leuten und Knigreichen, welche Tribut an China zahlen, und
    sie werden Krieg fhren ohne irgend Jemand zu schonen. Und darauf
    wird man das Knigreich Luzon an die Leute geben, welche Tribut
    an China zahlen. Der Brief ist geschrieben vom General-Visitadr
    am zwlften des zweiten Monats.



    Einen denkwrdigen Gegensatz bildet ein etwa gleichzeitiger Brief
    des Herrschers von Japan:

    Brief Daifusama's, des Herrschers von Japan, an den Guvernr Don
    Pedro de Acua im Jahre 1605. Ich habe von Eurer Herrlichkeit
    zwei (Briefe) erhalten und alle Gaben und Geschenke, entsprechend
    dem Verzeichniss. Unter dem was ich erhalten, war der Wein aus
    Trauben gemacht; ich habe mich daran sehr erfreut. In frheren
    Jahren bat Eure Herrlichkeit, dass sechs Schiffe kommen drften,
    und im vergangenen Jahre bat sie um vier, welche Bitten ich immer
    gewhrte. Das aber erregt mein grosses Missfallen, dass unter
    den vier Schiffen, um die E. H. bittet, eines von Antonio ist,
    welcher die Reise gemacht, ohne dass ich es befohlen; dies war
    eine Sache von grosser Keckheit, und eine Geringschtzung fr
    mich. Will E. H. etwa das Schiff, das sie nach Japan senden
    mchte, ohne meine Erlaubniss senden? Abgesehen davon haben
    E. H. und Andre vielemal wegen der Sekten in Japan verhandelt
    und viele Dinge diese betreffend erbeten, welches ich eben so
    wenig gestatten kann; denn dieses Gebiet heisst Xincoco, welches
    bedeutet den Gtzen geweiht, die seit unsern Vorfahren bis heut
    mit hchsten Lobpreisungen verehrt worden sind, deren Thaten ich
    allein nicht ungeschehn machen und vernichten kann. Weshalb es
    in keiner Weise statthaft ist, dass in Japan Euer Gesetz (Lehre)
    verbreitet und gepredigt werde; und wenn E. H. Freundschaft halten
    will mit diesen Reichen von Japan und mit mir, so thue sie das
    was ich will, und das was mir nicht gefllt, das thue sie niemals.

    Endlich haben mir Viele gesagt, dass viele Japanesen, schlechte,
    verdorbene Menschen, die in jenes Knigreich gehn und viele
    Jahre dort bleiben, darauf nach Japan zurckkehren, welches
    meinen grossen Unwillen erregt; und deshalb gestatte E. H. von
    jetzt fortan nicht, dass einer von den Japanesen in dem Schiffe
    mitkomme, welches hierher geht und in den brigen Dingen wolle
    E. H. mit Ueberlegung und Vorsicht verfahren und solcher Art,
    dass sie fortan nicht mein Missfallen errege.








SIEBENUNDZWANZIGSTES KAPITEL

    KURZER ABRISS DER GESCHICHTE. -- SCHLUSSBETRACHTUNGEN.


Die Philippinen wurden von Magellan am 16. Mrz 1521, dem
S. Lazarus-Tage entdeckt, [289] aber erst 1564, nachdem mehrere
frhere Versuche fehlgeschlagen, gelang es Legaspi, der mit fnf
Schiffen von Neu-Spanien auslief, den Archipel fr Philipp II. in
Besitz zu nehmen. Der Entdecker hatte die Inseln nach dem heiligen
Lazarus getauft, dieser Name wurde indessen nicht gebruchlich; die
Spanier nannten sie hartnckig die westlichen, islas del poniente
(s. S. 2), die Portugiesen islas del oriente; Legaspi gab ihnen ihren
gegenwrtigen Namen zu Ehren Philipps II., der ihnen seinerseits den
spter wieder verschollenen Titel Neu-Castilien beilegte. [290]
Zunchst nahm Legaspi Cebu, dann Panay in Besitz, erst sechs
Jahre spter (1571) eroberte er Manila, damals ein von Palissaden
umgebenes Dorf und begann sofort den Bau einer befestigten Stadt. Die
Unterwerfung der brigen Gebiete geschah so schnell, dass sie bei
Legaspis Tode (Aug. 1572) im Wesentlichen vollendet war. Zahlreiche
wilde Stmme im Innern, die Muhamedaner-Staaten Mindanaos und
der Sulugruppe haben bis heut ihre Unabhngigkeit bewahrt. Der
Charakter der Bevlkerung sowohl als ihre politischen Einrichtungen
begnstigten die Besitznahme. Es gab kein mchtiges Reich, keine alte
Dynastie, keine einflussreiche Priesterkaste zu berwltigen, keine
nationalstolzen Ueberlieferungen zu unterdrcken. Die Eingeborenen
waren Heiden oder seit Kurzem oberflchlich zum Islam bekehrt und
lebten unter vielen kleinen Huptlingen, die mit grosser Willkr
herrschten, einander befehdeten und leicht berwunden wurden. Eine
solche Gemeinschaft hiess Barangay; sie bildet noch heut, wenn auch
in sehr vernderter Form, die Grundlage der Gemeindeverfassung.

Die Spanier beschrnkten die Gewalt der eingeborenen Huptlinge,
hoben die Sklaverei auf und verwandelten den Erbadel in einen
Dienstadel; sie fhrten aber alle diese Vernderungen mit Vorsicht,
sehr allmlig aus. [291] Die alten Gebruche sofern sie nicht
gegen das natrliche Recht verstiessen, blieben zunchst bestehn und
hatten bei Prozessen Gesetzeskraft; in Kriminalsachen galt spanisches
Recht. Heut haben die Cabezas de Barangay ausser dem Titel Don und
der Befreiung von Kopfsteuer und Frohnden keine Vorrechte; sie sind,
abgesehn von Ausnahmen, zu unbesoldeten, aber mit ihrem Privatvermgen
haftbaren Steuereinnehmern geworden, -- eine Maasregel, deren Klugheit
bezweifelt werden mag; denn abgesehn davon, dass sie die Huptlinge zu
Unterschleifen und Erpressungen verleitet, entfremdet sie der Regierung
eine Klasse von Eingeborenen, die eine Sttze ihrer Macht sein knnte.

Wenn die vorgefundenen Verhltnisse die Eroberung ausserordentlich
erleichterten, so scheinen auch die ersten Guvernre und ihre
Begleiter, die der Zeit angehrten, wo Spanien reich an Helden war,
sich durch Muth und Klugheit ausgezeichnet zu haben. Legaspi besass
beide Eigenschaften in hohem Grade. Angelockt wurden jene khnen
Abenteurer, wie in Amerika, durch Privilegien, die ihnen die Krone
gewhrte, und durch gehofften, zum Glck fr das Land aber nicht
besttigten Goldreichthum. In Luzon, so meldet Hernando Riquel [292],
sind viele Goldminen, an vielen Orten, die von Spaniern gesehn wurden;
das Erz ist so reichlich, dass ich nicht darber schreibe, damit ich
nicht in den Verdacht der Uebertreibung komme; aber ich schwre als
Christ, dass auf dieser Insel mehr Gold ist als Eisen in Biscaya. Von
der Krone erhielten sie keinen Sold, aber das frmliche Recht die
von ihnen eroberten Lnder auszubeuten. Einige unternahmen solche
Eroberungszge fr eigene Rechnung, andere waren zur Verfgung des
Guvernrs und wurden von ihm je nach Verdienst mit Kommenden, Aemtern
und Benefizien (Encomindas, ofcios y aprovechamintos) belohnt.

Die Kommenden wurden anfnglich fr drei Generationen gewhrt
(in Neu-Spanien fr vier), aber sehr bald auf zwei Generationen
beschrnkt; denn schon di los Rios [293] hebt dies als eine der
Krone sehr nachtheilige Maassregel hervor, da sich nur wenige bereit
finden Sr. Majestt zu dienen, indem ihre Enkel in das usserste Elend
gerathen. Nach dem Tode des Belehnten fielen die Encomiendas an den
Staat zurck, der Guvernr verfgte von neuem darber. Das ganze
Land war brigens gleich Anfangs in Encomiendas getheilt worden,
deren bei Weitem grssten Theil die Krone zur Bestreitung ihrer
Ausgaben behielt. Dergleichen Lehne bestanden in einem mehr oder
weniger grossen Gebiet, dessen Bewohner dem Komthur (Encomendro)
Tribut zahlen mussten; letzterer wurde aber in Produkten des Landbaues
zu einem vom Lehnsherrn selbst festgesetzten sehr geringen Werth
erhoben und mit grossem Vortheil an die Chinesen verkauft. Auch
begngten sich die Lehnsherren nicht mit diesen Einnahmen, sondern
hielten die Eingeborenen als Sklaven, bis es durch R. C. und Breve
des Papstes [294] verboten wurde. Kaffern- und -Negersklaven, welche
die Portugiesen ber Indien einfhrten, blieben noch gestattet. [295]

Die alten Komthure beuteten ihre Lehne rcksichtslos aus. Schon
vom Interims-Guvernr Labezares (1572-75) meldet Zuniga (S. 115),
dass er die Bisayas besuchte und die Habgier der Encomendros
zgelte, so dass sie wenigstens whrend seiner Anwesenheit in ihren
Erpressungen nachliessen. Gegen Ende von Lasnde's Regierung (1575-80)
bricht heftiger Streit zwischen Priestern und Komthuren aus, erstere
predigen gegen die Bedrckungen der letzteren und berichten darber
an Philipp II., der Knig befiehlt die Indier zu schtzen, da die
Habsucht ihrer Lehnsherren alle Schranken bersteige. Es ward nun
den Eingeborenen freigestellt ihren Tribut in Geld oder in natura
zu entrichten. In Folge dieser wohlmeinenden Verordnung scheinen
Ackerbau und Gewerbfleiss abgenommen zu haben, da die Indier ohne
Zwang nicht ber das usserste Bedrfniss arbeiten mochten.

In Krze mgen hier noch die Thaten Jun's de Salcdo erwhnt werden,
des ausgezeichnetsten jener Conquistadoren. Von seinem Grossvater
Legaspi mit 45 spanischen Soldaten untersttzt, rstete er auf eigene
Kosten eine Expedition aus, schiffte sich im Mai 1572 in Manila ein,
zog die ganze Westkste der Insel hinauf, lief in alle, seinen kleinen
Schiffen zugnglichen Buchten und wurde an den meisten Orten von den
Eingeborenen gut aufgenommen. Grsseren Widerstand fand er gewhnlich,
wenn er in das Innere drang, doch unterwarfen sich auch viele Stmme
des Binnenlandes, und als er die NW.-Spitze Luzon's, Kap Bogeadr
erreichte, erkannten die ausgedehnten Gebiete, welche gegenwrtig
die Provinzen Zambles, Pangasinn, Nord- und Sd-Ylcos bilden, die
spanische Herrschaft an. Die Ermdung seiner Soldaten zwang Salcdo
zur Umkehr. In Bgan, der jetzigen Hauptstadt von Sd-Ylcos, baut
er ein Fort und lsst darin seinen Lieutenant mit 25 Mann zurck, er
selbst aber kehrt um, begleitet von nur 17 Soldaten in drei kleinen
Fahrzeugen. So erreicht er den Cagaynfluss an der Nordkste, und fhrt
denselben hinauf bis die grosse Zahl feindlicher Eingeborener ihn zur
Rckkehr an das Meer zwingt. Die Reise an der Ostkste fortsetzend,
gelangt er endlich nach Paracali, von da zu Lande an den See von Bay,
dort schifft er sich auf einem Nachen nach Manila ein, schlgt um
und wird, dem Ertrinken nahe, durch vorberfahrende Indier gerettet.

Inzwischen war Legaspi gestorben; von Labezares, der provisorisch die
Regierung fhrte, erfhrt Salcdo krnkende Zurcksetzung. Als er
ber seine Neider gesiegt, wird ihm die Unterwerfung von Camarines
aufgetragen, die er in kurzer Zeit vollbringt. 1574 kehrt er nach
Ylcos zurck, um seinen Soldaten Encomiendas auszutheilen und die ihm
zufallenden zu bernehmen. Noch mit dem Bau von Bgan beschftigt,
sieht er die Flotte des grossen chinesischen Seerubers Limahn,
der sich der Kolonie bemchtigen wollte, 62 Schiffe mit zahlreicher
Mannschaft, an der Kste vorberfahren. Sofort eilt er mit allen
in der Nachbarschaft zusammengerafften Anhngern nach Manila, wo er
an Stelle des bereits gefallenen Maestro de Campo zum Befehlshaber
der Truppen ernannt, die Chinesen aus der von ihnen zerstrten Stadt
vertreibt. Sie ziehn sich nach Pangasinn zurck, Salcedo verbrennt
ihre Flotte; nur mit genauer Noth gelingt es ihnen zu entkommen.

1576 starb dieser Cortes der Philippinen. (Zuiga)

Abgesehen von den Geistlichen, bestanden die ersten Ankmmlinge nur
aus Beamten, Land- und Seesoldaten (Morga 159); ihnen fiel daher
auch der hohe Gewinn am Chinahandel zu. Manila war der Stapelplatz
desselben und zog einen grossen Theil des hinterindischen an sich,
den die Portugiesen durch ihre Grausamkeiten aus Malacca verscheucht
hatten. Die Portugiesen sassen zwar in Macao und in den Molukken, es
fehlte ihnen aber die von den Chinesen fast ausschliesslich begehrte
Remesse, das Silber nmlich, das Manila aus Neu-Spanien erhielt.

1580 fiel berdies Portugal mit allen seinen Kolonien an die spanische
Krone. Der Zeitraum von diesem Ereigniss bis zum Abfall Portugals
(1580-1640) bezeichnet zugleich die hchste relative Machtstellung
der Philippinen. Der Guvernr von Manila gebot ber einen Theil
von Mindanao, Sulu, die Molukken, Formosa, und die ursprnglich
portugiesischen Besitzungen in Malacca und Vorderindien. Alles was
vom Kap v. Sincapura bis Japan liegt, hngt von Luzon ab; seine Schiffe
befahren die Meere, gehn nach China, nach Neu-Spanien, und treiben so
reichen Handel, dass man ihn, wenn er frei wre, den bedeutendsten
der Welt nennen knnte. (Grav 30). Es ist unglaublich, welchen
Ruhm diese Inseln der spanischen Krone verleihen. Der Guvernr der
Philippinen unterhandelte mit den Knigen von Cambodia, Japan,
China, ersterer war sein Verbndeter, letzterer sein Freund,
sowie der von Japan. Er erklrte Krieg und Frieden ohne Befehl
aus dem fernen Spanien abzuwarten. -- Aber schon begannen die
Niederlnder den Kampf, den sie gegen Philipp II. fhrten, in jenen
fernen Erdwinkel zu tragen, und bereits 1610 klagt di los Rios,
dass er seit 30 Jahren das Land wegen der Fortschritte der Hollnder
sehr verndert fnde. Auch die Moros von Mindanao und Sulu wurden,
von den Niederlndern untersttzt, immer unbequemer (Carillo 3). Mit
dem Abfall Portugals gingen auch die portugiesischen Kolonien wieder
verloren. Die spanische Politik, das Priesterregiment, der Neid der
spanischen Kaufleute und Gewerbetreibenden that das Uebrige um die
Entwickelung des Ackerbaus und des Verkehrs zu hemmen -- vielleicht
zum Glck fr die Eingeborenen.

Die sptere Geschichte der Philippinen ist in ihren Einzelheiten eben
so uninteressant und unerfreulich als die der spanisch-amerikanischen
Besitzungen. Fruchtlose Expeditionen gegen Seeruber, Streitigkeiten
zwischen den geistlichen und weltlichen Behrden, bilden den
Hauptstoff. [296]

Als die ersten Zeiten des Glaubens und Waffenruhmes vorber waren,
ergriff elende Selbstsucht die Gemther, Veruntreuungen wurden zur
Regel, die meisten derjenigen, die spter nach diesen entlegenen
Besitzungen gingen, pflegten aus der Hefe der Nation zu bestehen. [297]
-- Die spanischen Schriftsteller sind voll von Schilderungen jener
traurigen Gesellschaft, die hier nicht wiederholt zu werden brauchen.

Von ussern Feinden, ausgenommen von Seerubern, ist die Kolonie kaum
belstigt worden. In frhester Zeit unternahmen die Hollnder einige
Angriffe gegen die Bisayas. 1762 (im Kriege ber den Bourbonischen
Familienpakt) erschien pltzlich eine englische Flotte vor Manila und
bemchtigte sich ohne Mhe der berraschten Stadt. Die Chinesen hielten
zu den Englndern, unter den Indiern bricht ein grosser Aufstand aus,
die Kolonie von einem schwachen Erzbischof interimistisch regiert,
schwebt in grosser Gefahr. Einem energischen Patrioten, dem Kanonikus
Anda gelingt es aber, die Indier der Provinz gegen die Fremden
aufzureizen. Von den Geistlichen eifrig geschrt, wchst der Widerstand
so, dass die thatschlich in der Stadt eingeschlossenen Englnder froh
sind, abziehen zu knnen, als im folgenden Jahre die Nachricht des
Friedensschlusses aus Europa eintrifft. Inzwischen hatten die durch
die Invasion hervorgerufenen Aufstnde sehr an Ausdehnung gewonnen;
erst 1765 gelang es durch Aufhetzen der verschiedenen Stmme gegen
einander, ihrer Herr zu werden. Die Provinz Ylocos soll dabei 269,270
Personen, die Hlfte ihrer Bevlkerung, verloren haben. (Zuiga).

Hrten und Taktlosigkeiten der Regierung und ihrer Werkzeuge, auch
aberglubische Missverstndnisse haben unter den Eingeborenen manchen
Aufstand hervorgerufen, wohl keinen indessen von ernster Gefahr fr
die spanische Herrschaft. Die Unruhen blieben immer auf einzelne
Gebiete beschrnkt, denn die Eingeborenen bilden keine einheitliche
Nation, weder das Band Einer Sprache, noch das gemeinsamer Interessen
verbindet die verschiedenen Stmme, die staatliche Gemeinschaft reicht
bei ihnen kaum ber die Grenzen des Dorfes und seiner Filiale.

Ein fr die ferne Metropole viel bedenklicheres Element als die
gleichgltigen, der augenblicklichen Eingebung folgenden, politisch
zerrissenen, ziellosen Indier sind die Mestizen und Kreolen,
deren Unzufriedenheit mit ihrer Zahl, ihrem Wohlstande und ihrem
Selbstgefhl zunimmt. Schon die 1823 ausgebrochene Militrrevolte,
deren Hauptanstifter zwei Kreolen waren, htte leicht verhngnissvoll
fr Spanien enden knnen. Viel gefhrlicher nicht nur fr die
spanische Herrschaft, sondern fr die gesammte europische Bevlkerung
scheint der jngste von Mestizen ausgegangene Aufstand gewesen zu
sein: Am 20. Januar 1872 zwischen 8 und 9 Uhr Abends emprten sich
in Cavite, dem Kriegshafen der Philippinen, die Artillerie, die
Marine-Soldaten und die Zeughauswache und machten ihre Offiziere
nieder. Ein Lieutenant, der die Kunde nach Manila bringen wollte,
fiel einem Haufen von Eingeborenen in die Hnde; erst am nchsten
Morgen gelangte die Nachricht nach der Hauptstadt. Sofort wurden die
verfgbaren Truppen abgesandt, aber erst nach heftigem Kampfe glckte
es am folgenden Tage die Zitadelle zu erstrmen. Ein furchtbares
Blutbad folgte, alles wurde nieder gemacht, niemand verschont. In
Manila wurden zahlreiche Verhaftungen vorgenommen.

Nicht Ein Europer war unter den Verschworenen, aber viele Mestizen,
darunter eine Anzahl Geistlicher und Advokaten. Wenn die unter dem
Eindruck des Schreckens geschriebenen ersten Berichte vielleicht auch
manches bertreiben, so stimmen doch amtliche sowohl als Privatbriefe
berein, das Komplot als lange geplant, weitverzweigt und wohl angelegt
zu schildern. Die gesammte Flotte und ein zahlreiches Truppenkorps
befand sich damals auf dem Feldzuge gegen Solo abwesend (s. S. 181),
ein Theil der Garnison von Manila sollte sich gleichzeitig mit der
von Cavite erheben, und Tausende von Eingeborenen waren bereit sich
auf die caras blancas (die weissen Gesichter) zu strzen und alle zu
ermorden. Das Scheitern des Komplots war, wie es scheint, nur einem
glcklichen Zufall zu danken, dem Umstnde nmlich, dass ein Theil der
Verschworenen einige bei Gelegenheit eines Kirchenfestes abgebrannte
Raketen fr das verabredete Signal hielt und zu frh losbrach.



Zum Schluss sei es gestattet, einige meist schon im Text zerstreut
vorkommende Bemerkungen ber das Verhltniss der Philippinen zum
Auslande zusammenzustellen und kurze Betrachtungen daran zu knpfen.

Spanien gebhrt der Ruhm, die auf niederer Kulturstufe vorgefundene,
von kleinen Kriegen zerfleischte, der Willkr preisgegebene Bevlkerung
in verhltnissmssig hohem Grade zivilisirt, ihre Lage erheblich
verbessert zu haben. Wohl mgen die gegen ussere Feinde geschtzten,
von milden Gesetzen regierten Bewohner jener herrlichen Inseln im
Ganzen genommen whrend der letzten Jahrhunderte behaglicher gelebt
haben als die irgend eines andern tropischen Landes unter einheimischer
oder europischer Herrschaft. Die Ursache lag zum Theil an den mehrfach
errterten eigentmlichen Verhltnissen, welche die Eingeborenen
vor rcksichtsloser Ausbeutung schtzten. Einen wesentlichen Antheil
an dem Erfolge hatten aber auch die Mnche. Aus dem niederen Volke
hervorgegangen, an Armuth und Entbehrungen gewhnt, waren sie auf den
nahen Verkehr mit den Eingeborenen angewiesen und daher besonders
geeignet ihnen die fremde Religion und Sitte fr den praktischen
Gebrauch anzupassen. Auch als sie spter reiche Pfarren besassen
und ihr frommer Eifer in dem Maasse nachliess als ihre Einknfte
zunahmen, hatten sie den wesentlichsten Antheil an der Gestaltung
der geschilderten Zustnde mit ihren Licht- und Schattenseiten;
denn ohne eigene Familie und ohne feinere Bildung blieb ihnen der
intime Umgang mit den Landeskindern Bedrfniss, und selbst ihr
hochmthiger Widerstand gegen die weltlichen Behrden kam in der
Regel den Eingeborenen zu Statten.

Die alten Zustnde sind aber unter den vernderten Bedingungen der
Gegenwart nicht mehr haltbar. Die Kolonie kann nicht lnger gegen
Aussen abgeschlossen werden. Jede Verkehrserleichterung ist ein Riss
in das alte System und fhrt nothwendig zu weiteren freisinnigen
Reformen. Je mehr fremdes Kapital und fremde Ideen eindringen,
Wohlstand, Aufklrung und Selbstgefhl zunehmen, um so ungeduldiger
werden die vorhandenen Misstnde ertragen.

England mag seine Besitzungen unbekmmert dem Auslande ffnen,
Fremde den Nationalen gleichstellen; die britischen Kolonien sind
durch das Band gegenseitiger Vortheile, Erzeugung von Rohstoffen mit
englischem Kapital, Austausch derselben gegen englische Fabrikate
an das Mutterland gebunden, Englands Reichthum ist so gross, seine
Einrichtungen zum Betriebe des Welthandels so vollkommen, dass die
Auslnder in den britischen Besitzungen zumeist Agenten des englischen
Handels werden, dessen altgewohnte Geleise selbst ein Aufhren des
politischen Verbandes kaum merklich verrcken drfte. Anders ist es
mit Spanien, das die Kolonie wie ein ererbtes Gut besitzt, ohne sie
zweckmssig bewirthschaften zu knnen.

Schonungslos gehandhabte Regierungsmonopole, krnkende Zurcksetzung
der Kreolen und reichen Mestizen und das Beispiel der Vereinigten
Staaten waren die Hauptveranlassungen des Abfalls der amerikanischen
Besitzungen. Dieselben Ursachen drohen auch in den Philippinen. Von
den Monopolen ist hinreichend im Text die Rede gewesen. Mestizen und
Kreolen werden zwar nicht wie ehemals in Amerika von allen Aemtern
ausgeschlossen, fhlen sich aber tief verletzt und geschdigt
durch die Schaaren von Stellenjgern, welche die hufigen
Madrider Ministerwechsel nach Manila fhren. Auch der Einfluss
des amerikanischen Elementes ist wenigstens am Horizonte erkennbar
und wird mehr in den Vorgrund treten, wenn die Beziehungen beider
Lnder zunehmen. Gegenwrtig sind diese noch gering, der Handel folgt
einstweilen seinen alten Bahnen, die nach England und den atlantischen
Hfen der Union fhren.

Wer indessen versuchen will sich ber die knftigen Geschicke der
Philippinen ein Urtheil zu bilden, darf nicht einseitig ihr Verhltniss
zu Spanien ins Auge fassen, er wird auch die gewaltigen Vernderungen
bercksichtigen mssen, die sich seit einigen Jahrzehnten auf jener
Seite unseres Planeten vollziehn. Zum ersten male in der Weltgeschichte
beginnen die Riesenreiche zu beiden Seiten des Riesenmeeres in
unmittelbaren Verkehr zu treten: Russland, fr sich allein grsser als
zwei Welttheile zusammengenommen, China das ein Drittel aller Menschen
in seinen engen Grenzen einschliesst, Amerika mit Kulturboden genug
um fast die dreifache Gesammtbevlkerung der Erde zu ernhren. --
Russlands knftige Rolle im stillen Ozean entzieht sich zur Zeit jeder
Schtzung. Der Verkehr der beiden andern Mchte wird voraussichtlich
um so folgenschwerer sein, als der Ausgleich zwischen unermesslichem
Bedrfniss an menschlichen Arbeitskrften einerseits und entsprechend
grossem Ueberfluss daran auf der andern Seite ihm zur Aufgabe fallen
wird. (s. S. 176).

Die Welt der Alten war der Rand des Mittelmeeres, unserem
Welthandel gengten der atlantische und indische Ozean. Erst wenn
das stille Meer vom lebhaften Verkehr seiner Gestade wiederhallt,
wird von Welthandel und Weltgeschichte im wahren Sinne die Rede
sein knnen. Der Anfang dazu ist gemacht. Vor nicht langer Zeit war
der grosse Ozean eine Wasserwste, den die einzige Nao alljhrlich
Einmal in beiden Richtungen durchzog. Von 1603 bis 1769 hatte kaum ein
Schiff Californien besucht, jenes Wunderland, das vor 25 Jahren, mit
Ausnahme weniger Stellen des Kstensaumes, eine unbekannte Einde war,
heut mit blhenden Stdten bedeckt, von Eisenbahnen durchschnitten,
dessen Hauptstadt unter den Hfen der Union bereits den dritten
Rang einnimmt, schon jetzt ein Zentralpunkt des Welthandels, und
wahrscheinlich bestimmt bei Erschliessung des grossen Ozeans, eine
der Hauptrollen zu bernehmen.

In dem Maasse aber als die Schifffahrt der amerikanischen Westkste
den Einfluss des amerikanischen Elementes ber die Sdsee ausbreitet,
wird der bestrickende Zauber, den die grosse Republik auf die
spanischen Kolonien bt [298], nicht verfehlen sich auch in den
Philippinen geltend zu machen. Die Amerikaner scheinen berufen, die
von den Spaniern gelegten Keime zur vollen Entfaltung zu bringen. Als
Conquistadoren der Neuzeit, Vertreter des freien Brgerthums im
Gegensatz zum Ritterthum folgen sie mit der Axt und dem Pfluge des
Pioniers, wo jene mit Kreuz und Schwert vorangegangen.

Ein betrchtlicher Theil des spanischen Amerika's gehrt bereits
den Vereinigten Staaten an und hat seitdem eine Bedeutung erlangt,
die weder unter der spanischen Herrschaft noch whrend der auf sie und
aus ihr folgenden Anarchie geahnt werden konnte. Auf die Dauer kann das
spanische System nicht neben dem amerikanischen bestehn. Whrend jenes
die Kolonien durch unmittelbare Ausbeutung, zu Gunsten bevorzugter
Klassen, die Metropole durch Entziehung der besten Krfte, bei ohnehin
schwacher Bevlkerung erschpft, zieht Amerika aus allen Lndern die
thatkrftigsten Elemente an sich, die auf seinem Boden von jeglicher
Fessel befreit, rastlos vorwrtsstrebend, seine Macht und seinen
Einfluss immer weiter ausdehnen. Die Philippinen werden der Einwirkung
der beiden grossen Nachbarreiche um so weniger entgehn, als weder sie
noch ihre Metropole sich im Zustande stabilen Gleichgewichtes befinden.

Fr die Eingeborenen scheint es wnschenswerth, dass die oben
ausgesprochenen Ansichten nicht schnell zu Thatsachen werden, denn
ihre bisherige Erziehung hat sie nicht gengend vorbereitet um den
Wettkampf mit jenen rastlos schaffenden, rcksichtslosesten Vlkern
zu bestehn; sie haben ihre Jugend vertrumt.








ANHANG.


KOPFSTEUER UND FROHNDEN.

(Tributo, Polos y servicios.)


Der Tribut ist eine ehemals auch in Amerika bestehende Kopfsteuer,
welche die der spanischen Herrschaft unterworfenen Eingeborenen
zahlen. Die gleich nach der Eroberung eingefhrte Steuer hatte
ursprnglich einen doppelten Zweck: 1. Dotirung von Encomiendas zu
Gunsten von Spaniern, denen fr hervorragende Verdienste um die Krone
eine Anzahl Indier berwiesen wurde, die ihnen Tribut zahlen mussten;
2. Bildung eines Fonds zur Bestreitung der Kolonial-Verwaltung.

Ein ganzer Tribut umfasst immer zwei Personen, gewhnlich Mann und
Frau, und ist daher ziemlich gleichbedeutend mit Familiensteuer. Die
Einwohnerzahl der Ortschaften wird nach Tributen angegeben; frher
wurden auf einen Tribut (wohl zu niedrig) 4 1/2 Seelen gerechnet,
gegenwrtig 6 Seelen, was eher zu hoch sein drfte. Ein Einzelner
bezahlt einen halben Tribut.

Ursprnglich betrug ein voller Tribut 1 Dollar = 8 r., 1611 wurde
er auf 10 Realen erhht (1 1/2 r. Zuschlag fr das Heer, 1/2 r. fr
den Klerus [299]) und, trotz mehrfacher Gegenverordnungen, von den
Provinzialbehrden meist in Produkten erhoben -- zu ihrem Nutzen,
aber zum Schaden der einheimischen Bevlkerung und der Regierung;
da die Einnehmer nur wenn der Markt ungnstig war, die Produkte mit
grossen Unkosten belastet nach Manila schickten, wo die Flle sie noch
werthloser machte. Erst 1841 wurden Baarzahlungen allgemein eingefhrt.

Seit 1852 betrgt ein Tribut 12 r. (in einigen Distrikten gelten
besondre Bestimmungen). Dazu kommen noch: Sanctorum 3 r., Comunidad
1 r., Recargo 1/2 r, so dass die Gesammtabgabe 16 1/2 r. oder fr
den Einzelnen 1 Dollar + 1/4 r. betrgt.

Sanctorum ist fr den Kultus, wird aber an die Regierung entrichtet,
welche die Pfarrer nach dem Maassstabe von 180 Dollar fr 500 Tributos
besoldet.

Comunidad ist ein Zuschlag zum Gemeindefond (s. unten, Brgerliche
Einrichtungen).

Recargo ist ein seit Aufhebung des Brantweinmonopols eingefhrter
Zuschlag zur Deckung des dadurch veranlassten Ausfalls. -- In Mindanao
und den Bisayas wird kein Zuschlag erhoben.

Nach Agius (Memoria, Documento 5) steuert der einzelne Tributant jetzt
6.25 r. + 0.55 r. Recargo, zusammen 6.s, abgesehen von Sanctorum und
Comunidad. Die Bewohner von Abra, Ilocos, Union, zahlen ausserdem
noch 1 1/2 bis 2 1/4 r. fr die Bewilligung ihren Tabak ausserhalb
des Estanco's kaufen zu drfen.

Jeder Eingeborene ohne Unterschied des Geschlechts ist tributpflichtig
vom zurckgelegten 18. Jahre an, wenn unter vterlicher Gewalt,
vom 16. falls selbststndig.

Ausgenommen sind die Nachkommen der ersten Christen auf Cebu,
Neubekehrte (letztere gnzlich oder fr eine Reihe von Jahren),
Gobernadorcillos und ihre Frauen, Barangay-Vorsteher, ihre Frauen
und Erstgeborene. So heissen die vom Barangay-Vorsteher erwhlten
Assistenten, die zur Annahme des Amtes gezwungen und gleichfalls
mit ihrem Vermgen haftbar sind, weshalb auch ihr Eigenthum jhrlich
inventarisirt wird (s. S. 181). Manche ziehn sechs Monate und selbst
ein Jahr Gefngniss solchem Ehrenamte vor. (Barrantes 51. Anm.)

Ferner sind befreit Beamte mit festem Solde nebst Frau und Kindern
unter vterlicher Gewalt; Mestizen und Abkmmlinge von Spaniern;
Indierinnen die sich mit Chinesen verheirathen, weil sie auch als
Wittwen wie Mestizinnen bezahlen, und verschiedene Andre; endlich
Eingeborene die ber 60 Jahre alt sind; arbeitsunfhige Krppel;
Kranke bis zu ihrer Wiederherstellung.

Reservados: Die durch Privilegium (spanische Mestizen), durch Alter
oder Krankheit von der Kopfsteuer Befreiten zahlen 1/2 Realen per
Kopf an die Regierung, wofr diese die Unkosten fr ihr Seelenheil
bernimmt, angeblich mit einem Schaden von 1/2 r. fr den Kopf, da
der Pfarrer fr die Seele des Reservado dieselben Sporteln erhlt,
wie fr die des Tributanten.

Mestizen von einem Chinesen und einer Indierin zahlen seit 1852
jhrlich 3 Dollar an Tribut, frher weniger.

Die mit einem solchen Mestizen verheirathete Indierin steuert
wie dieser whrend der Ehe, als Wittwe aber nur wie eine
Indierin. Mestizen, die wie Eingeborene eigenhndig Feldbau treiben,
zahlen auch nur wie diese. Die Mestizen bilden eigene Barangays,
wenn ihrer 25 bis 30 Tributos zusammenwohnen, andernfalls gehren
sie zu dem nchst gelegenen Barangay der Eingeborenen.

Jeder Chinese (Landbauer ausgenommen, von welchen nur 12 r. erhoben
werden) zahlt seit 1852 6 Dollar Kopfsteuer und ausserdem eine
Gewerbesteuer von 100 Dollar, 60 Dollar, 30 Dollar oder 12
Dollar. [300]

Der Gesammtertrag der Kopfsteuer ergab


                          1862               1867

        Indier       1,740,637 Dollar   1,814,850 Dollar
        Mestizen       141,206   -        149,900   -
        Chinesen       100,356   -        117,550   -
        Unglubige      11,998   -         11,750   -
                     =========          =========
                     1,994,197 Dollar   2,094,050 Dollar


Der Tribut wird von den Alkalden oder Guvernren der Provinzen
durch die Barangay-Vorsteher erhoben, unter der wirksamen Mithlfe
des frommen und fiskalischen Eifers der Pfarrer, die ein direktes
Interesse an der Zunahme der Kopfsteuer haben, da ihre Stipendien
sich danach beziffern.

Jeder Barangay-Vorsteher hat in der Regel 45 bis 50 Tribute einzuziehn
und in die Hauptkasse der Provinz abzuliefern. Fr Erhebung der
Kopfsteuer erhlt er 1 1/2%, der Gobernadorcillo 1/2% und der Deputirte
der Hacienda (d. h. der Alkalde oder Provinzial-Guvernr) 3%.

Die Barangay-Hauptmannschaften sind erblich und whlbar, bedrfen
aber in beiden Fllen der Besttigung der Hacienda, die nur den
zuverlssigsten und wohlhabendsten Leuten ertheilt wird. Die
Amtsdauer ist drei Jahre, nach deren Ablauf dasselbe Individuum
wieder gewhlt, aber niemals, ausser in Folge gesetzlich begrndeter
Ursachen, abgesetzt werden kann. In Wirklichkeit ist das Amt freilich
oft ein gezwungenes, (s. oben). Der Cabeza wird von der Regierung
ernannt und whlt sich einen Erstgeborenen. Den Cabeza liegt ausser
Eintreibung der Kopfsteuer das Aufrechthalten der guten Ordnung unter
den Tributanten ihres Barangay ob. Sie haben auch alle Leistungen,
welche die Gemeinschaft treffen, unter die Mitglieder derselben zu
vertheilen und diese gesetzlich zu vertreten. Der Tribut wird jhrlich
in drei Raten entrichtet, es finden dabei grosse Unterschleife,
Ungerechtigkeiten und Bedrckungen seitens der Einnehmer statt.

Ausser dem Tribut hat jeder Indier jhrlich 40 Tage ffentlicher
Arbeiten zu leisten (Plos y servicios), eine Woche Dienst im Tribunal
(Tanora), eine Woche Nachtwachen (Gurdia). Die Plos y servicios
bestehn in Arbeiten und Leistungen fr Staats- und Gemeinde-Zwecke
(Strassen- und Brckenbau, Botendienst u. s. w.). [301] Da die
Arbeitskrfte aber nur zum Theil zur Verwendung kommen, so sind die
Frohnden in Geld ablsbar; im Allgemeinen fr 3 Dollar. Die Summe
ndert sich nach dem Wohlstande der Provinz; in den rmeren betrgt
sie 2 Dollar, in einigen sogar nur 1 Dollar (42 1/2 Silbergr. fr
40 Arbeitstage).

Die Tanora besteht in einer Woche Dienst im Tribunal, der sich in
der Regel auf Reinhaltung des Gebudes, Bewachung der Gefangenen und
hnliche leichte Leistungen beschrnkt. Die Semanros mssen aber
eine Woche im Gemeindehause anwesend und verfgbar sein. Auch von der
Tanora kann man sich loskaufen fr 3 r.; von den Nachtwachen fr 1
3/4 r.

Von allen persnlichen Leistungen befreit sind die Principales (und
ihre Familien) nmlich Ex-Gobernadorcillos, Juces-mayores und Cabezas
von wenigstens 10 Jahren Amtsthtigkeit. Sie bilden einen inlndischen
Adel und werden Don titulirt.

Ein Gesetz vom 3. Novbr. 1863 (L. ult. III.) bestimmt zwar, dass alle
mnnlichen Einwohner der Philippinen, Europer oder Eingeborene,
Spanier oder Auslnder, jhrlich vier und zwanzig Tage persnliche
Dienste zu verrichten oder deren Ablsung in Geld zu bewirken
haben. Dieses Gesetz ist aber nicht zur Ausfhrung gekommen; Europer
sind von allen Abgaben frei. Mestizen von einem Spanier und einer
Indierin gleichfalls, zahlen aber 7 r. Sanctorum und 1/2 r. Diezmo
fr die Regierung. Mit der Zahlung der Mestizen, namentlich der
Mestizinnen wird es indessen nicht genau genommen.

Noch grssere Missbruche als bei Einziehung des Tributes finden
bei Vertheilung der Frohnden und ihrer Ablsung in Geld statt;
da hierbei eine genaue Kontrolle um so weniger mglich ist, als die
Vertheilung und Ueberwachung der Arbeit gnzlich von den inlndischen
Ortsbehrden, die immer zusammenhalten, abhngt. Ueberdies wagt ein
Plebejer nicht leicht gegen seinen Cabeza zu klagen. Hufig sollen
auch spanische Beamte sich an jenen Unterschleifen und ihren Ertrgen
betheiligen. Sehr allgemein ist die missbruchliche Verwendung der
Polistas zu Privatdiensten.

Die Gemeindeverfassung der Philippinen [302], welche die Spanier bei
ihrer Ankunft schon vorgebildet fanden und geschickt abnderten,
indem sie die erblichen Huptlinge mehr und mehr durch einen
Adel ersetzten, der nur im Regierungsdienst erworben werden kann,
dessen Mitglieder zwar von den Eingeborenen, aber doch nur nach den
Wnschen der Regierung gewhlt werden, ist gewiss im Ganzen als eine
glckliche Umgestaltung vorgefundener Verhltnisse zu betrachten. Die
Regierung verkehrt nur mittelbar durch diesen unbesoldeten Adel mit
den Eingeborenen; ihm liegt die Gemeindeverwaltung, die Polizei, die
Eintreibung der Steuern ob. Das von Manchen bermssig gepriesene
System hat aber auch grosse Nachtheile: die von ihren Genossen
gewhlten inlndischen Beamten, welche von der spanischen Regierung
keine Besoldung erhalten, keine Dienstbefrderung, zu erwarten haben,
stehn dieser sehr unabhngig gegenber und der Verband ist um so
loser, als die spanischen Beamten so schnell wechseln, dass es ihnen,
wenn nicht an den brigen Eigenschaften, schon an Zeit mangelt,
um das Vertrauen, die Zuneigung und Achtung der Eingeborenen zu
erwerben. Da die unbesoldeten Cabezas berdies mit ihrem Vermgen fr
die Kopfsteuer ihrer Barangays haften, so werden sie leicht verleitet,
sich durch Unterschleife gegen mgliche Ausflle vorweg reichlich zu
decken. Ein noch grsserer Uebelstand ist es, dass die Polizei whrend
der Amtsdauer zwar von Kopfsteuer und Frohnden befreit bleibt, brigens
aber weder von der Gemeinde, noch von der Regierung besoldet wird,
und daher freigebigen Uebertretern des Gesetzes sehr zugnglich ist.

Als der Tribut bei Grndung der Kolonie eingefhrt wurde, um zur
Deckung der Verwaltungskosten beizutragen, war in den Philippinen
kein besteuerbares Eigenthum vorhanden; seine Beibehaltung unter den
gegenwrtigen Verhltnissen erscheint weder geschickt noch gerecht. Die
Steuer nimmt keine Rcksicht auf die Erwerbsfhigkeit, ja sie trifft
nicht einmal den Armen und den Reichen gleich, sondern lsst Letztern
gewhnlich frei.

Nur diejenigen Europer, die Lndereien besitzen, zahlen davon eine dem
Zehnten des angeblichen Bruttoertrages entsprechende Abgabe (diezmos
prediales). Der Gesammtertrag dieser Abgabe bersteigt nicht 7000
Dollar jhrlich! Andrerseits berechnet Herr Agius (General-Intendant
der Hacienda) die Summe, welche der Staat den Krppeln, Altersschwachen
und andern auf die ffentliche Wohlthtigkeit angewiesenen Individuen
abpresst, auf 12,600 Dollar.

Schon lange wnschen die einsichtsvolleren Beamten den Tribut
durch eine Steuer auf Grundbesitz und Gewerbe zu ersetzen, und alle
davon Betroffenen vom Tribut zu befreien. Die Ausfhrung einer so
heilsamen Maassregel ist aber unmglich, so lange die Verhltnisse
des Grundbesitzes nicht geordneter sind. Auch fehlen nicht nur alle
statistischen Daten, sondern auch die Personen, von denen das mangelnde
Material in irgend zuverlssiger Weise beschafft werden knnte. Die
Schwierigkeit wird noch bedeutend dadurch vermehrt, dass wenige
Spanier die Landessprachen, wenige Eingeborene spanisch verstehn,
dass letztere im hchsten Grade misstrauisch sind und sich der Lge
fast instinktmssig als einer immer bereiten Schutzwehr gegen Jeden
bedienen, der sie ausfragen will. Um so schwieriger wrde es sein,
richtige Angaben zu erlangen, wenn es sich um ihren Geldbeutel handelt.

Ein Hinderniss sonderbarer Art, fr eine Volkszhlung in den
Philippinen ist das fast gnzliche Fehlen aller Familiennamen und
die geringe Manchfaltigkeit der angenommenen Namen. Frher scheint
das Uebel noch grsser gewesen zu sein, wie aus folgendem Dekret des
General-Kapitns vom Novbr. 1849 (Leg. ult. I. 449) hervorgeht:

Die Indier haben gewhnlich keine Familiennamen, nehmen beliebige
Namen meist von Heiligen an, wodurch die Polizei-Kontrolle und das
Einsammeln des Tributes erschwert werden. Es werden daher an die
Provinzialbehrden Verzeichnisse passender Namen geschickt, auch
solcher aus dem Mineral-, Pflanzen- und Thierreich damit jeder
Familie eines Pueblo ein Name ertheilt werde, den sie zu fhren
und zu behalten hat. Die Eingeborenen welche bereits Familiennamen
besitzen, behalten dieselben. Solche, die schon vier Generationen
hindurch einen Heiligennamen gefhrt haben, knnen ihn behalten,
ausgenommen sind aber Namen wie Sa. Cruz und los Santos u. s. w.,
die wegen ihrer grossen Hufigkeit Anlass zu Verwirrungen geben.








BRGERLICHE EINRICHTUNGEN.

(Nach einem handschriftlichen Aufsatz im Ultramar-Ministerium.)


Es wrde eine sehr eingehende Durchforschung der im
Kolonial-Ministerium vorhandenen Prjudizien nthig sein, um alle
diejenigen, welche sich [L. ult. III. 64.] auf die brgerlichen
Einrichtungen der Philippinen beziehen, vor Augen zu haben, und selbst
dann wrde man vielleicht nicht dazu gelangen, sie vollstndig kennen
zu lernen, da die provinzielle Einheit kaum besteht und die stdtische,
mit der alleinigen Ausnahme von Manila, gnzlich unbekannt ist. Da
aber diese Notizen nur zum Zweck haben in grossen Zgen zu schildern,
welche Einrichtungen dort in Bezug auf lokale Fonds sowohl in ihrem
Bestande, als in ihrer Verwaltung und Verwendung gelten, so soll
hier nur summarisch besprochen werden, aus welchen Elementen das
Ayuntamiento (Gemeinderath) der Hauptstadt besteht und durch welche
Beamten in den brigen Ortschaften (pueblos) der Mangel stdtischer
Krperschaften ersetzt wird. Das Ayuntamiento von Manila besteht
aus zwei Alkalden und zwlf Regidoren, welche letztere unabsetzbar
waren, bis durch R. C. 3. Dez. 1677 verfgt wurde, dass sie aus der
freien Wahl der abtretenden Kapitulare (d. h. Regidoren) hervorgehn
sollten. Diese am 1. Januar unter dem Vorsitz eines K. Rathes des
obersten Gerichtshofes vereinigt, ernennen auch die beiden Alkalden,
den Einen aus zwlf im Voraus bezeichneten Eingesessenen, nach
Besttigung ihrer Befhigung durch eine von der Ober-Zivilbehrde
genehmigte Ausfertigung, den Andern aus den Regidoren, die den
neuen Gemeinderath bilden sollen. Falls sich bis Mitternacht die
Regidoren nicht ber die Ernennung der Alkalden einigen knnen, so
[L. ult. III. 129.] erfolgt dieselbe durch die Ober-Zivilbehrde;
wenn letztere aus triftigen Grnden glauben sollte, den zu ihrer
Kenntniss gebrachten Ernennungen die Besttigung versagen zu mssen,
so setzt sie ihre Grnde dem Ayuntamiento auseinander, damit dasselbe
beschliesse, was ihm sachgemss scheint.

Zur besseren Verwaltung der verschiedenen stdtischen Geschfte
und Leistungen werden diese unter die Regidoren vertheilt; drei
der letzteren versehn die Aemter des Alferez real, Procurador und
Obrero mayor. Zwei sind deputirt fr ffentliche Feste, zwei fr die
Polizei, zwei andre fr die Verproviantirung. Es wrde natrlich
erscheinen, dass das Ayuntamiento ber alle Angelegenheiten der
Stadtgemeinde zu erkennen htte: dies ist indessen nicht der Fall,
denn nur die Angelegenheiten innerhalb der Stadtmauern gehren zu
seinem Wirkungskreise, die brigen zu dem des Ober-Alkalden von
Tondo (jetzt Provinz Manila). Der Gobernador-Corregidor von Manila
(ein durch R. D. Sept. 1859 gestiftetes Amt) fhrt den Vorsitz im
Ayuntamiento, die Friedensrichter der Vorstdte handeln hinsichtlich
der Zivilverwaltung als seine Abgeordnete. Er fhrt die Beschlsse
besagter Krperschaft aus, und sorgt fr Alles was sich auf stdtische
Polizei, Zufuhren, stdtische Anlagen bezieht, ernennt auf Vorschlag
des Ayuntamiento die Beamten desselben, vertritt es vor Gericht und
bringt dessen Vorlagen an die Oberbehrde. Seine Befugnisse darf er
auf einen der Alkalden oder Regidoren bertragen. Als Zivil-Guvernr
fhrt er die Anordnungen der Oberbehrde aus, ordnet den Gesetzen
entsprechend alle Maasregeln an, welche die persnliche Sicherheit,
das Eigenthum und die Erhaltung der ffentlichen Ordnung betreffen,
ertheilt Psse und Erlaubnisscheine zur Fhrung von Waffen, untersttzt
mit allen Krften die Einziehung des Tributes und vollstreckt die in
der Polizei-Ordnung festgesetzten Strafen. Diese Strafen drfen nach
R. D. 29. Sept. 1862 im Einzelfalle nicht bersteigen 600 Esc., wenn
sie die Ober-Zivilbehrde, 300 Esc., wenn sie die Guvernre von Manila,
Bisaya, Mindanao, und 100 Esc. wenn sie die politisch-militrischen
Guvernre der Provinzen oder die Ober-Alkalden verhngen. Das Maximum
der Arrest- oder Gefngnissstrafe soll 2 Monate sein, wenn sie von
den obersten Behrden, einen Monat, wenn sie von den zweiten, 15 Tage,
wenn sie von den dritten verfgt wird.

Ursprung der Lokalfonds. Zur Bestreitung der rtlichen Bedrfnisse in
den Philippinen dienen die [Leg. ult. III. 136.] Fondos de Propios,
Arbitrios y Comunidad, Gemeinde- Eigenthum- und Geflle-Gelder. Die
ersteren bestehn aus jeder Art beweglicher und unbeweglicher Gter
und Gerechtsame, deren Eigenthum oder Niessbrauch den Stdten,
Ortschaften und Weilern gehrt. Sie zerfallen je nach ihrem Ursprung
in provinzielle und rtliche und werden demnach zu den Lasten einer
Provinz oder einer bestimmten Oertlichkeit verwendet. Arbitrios
nennt man das Produkt der Abgaben fr Schlachtvieh, Stempel, Wagen,
Reitpferde, Wege und Brcken, Fhren, Billards u. s. w. Von diesen
Abgaben sind einige zur Bildung eines Provinzialfonds bestimmt, andre,
wie der Loskauf von den persnlichen Leistungen (Polos y servicios),
Wege- und Fhrgelder und andre kleine Einnahmen, werden besondern
Ortschaften oder Oertlichkeiten berwiesen. Frher hatten auch einige
Abgaben den Zweck, ausschliesslich zur Deckung bestimmter Leistungen
zu dienen, sie hiessen especiales; aber durch R. O. 21. Oct. 1858
wurde ihre Einzahlung in die k. Kassen angeordnet. Seitdem fllt
ihre Erhebung sowohl, als die Leistungen, zu welchen sie bestimmt
waren, der Verwaltungsbehrde zur Last. Zu dieser Klasse gehrten die
Gebhren fr Lagerhuser, Reinigung des Hafens, Haverei, Leuchtthurm,
der Aufschlag auf Reis u. s. w.

Die Fondos de comunidad (Gemeinde-Fonds) entspringen aus dem Zuschlag
zum Tribut, welchen die k. Kassen erheben. Dieser Zuschlag betrgt
1/2 Real fr Eingeborene und Mestizen von Chinesen, und 2 r. fr
Chinesen. Aus den Fonds der Propios und Arbitrios wird eine einzige
Masse gebildet, die ohne Unterschied zur Bestreitung der Ausgaben
der lokalen, allgemeinen oder provinzialen Verwaltung, oder der der
Pueblos dient, so weit das Kapital eines jeden dieser Verbnde reicht.

Die Fonds der Gemeindekassen dagegen sind von denen der Propios und
Arbitrios gnzlich getrennt und haben eine besondere Verwendung; sie
tragen mit dem Staate (hier so viel als k. Kasse) und den Propios
und Arbitrios je zu einem Drittheil die Kosten der Erbauung und
Instandhaltung der Casas reales (R. O. 24. Mai 1855), betheiligen
sich an der Unterhaltung der allgemeinen Asyle und Krankenhuser,
kommen den Steuerzahlern bei allgemeinen Nothstnden zu Hlfe und
entrichten fr dieselben den Tribut, wenn diese ihn aus eben dieser
Ursache nicht zahlen knnen. Sollte indessen die Kasse der Propios
und Arbitrios einer Provinz oder einer Ortschaft zur Bestreitung
ihrer Ausgaben nicht hinreichen, so ergnzt die General-Kasse des
Verwaltungszweiges das Fehlende; eben so wie diese, wenn sie nicht
hinreichendes Kapital besitzt, um ihre Ausgaben zu decken, von den
Gemeindekassen unter Bedingung der Rckzahlung untersttzt wird.

Die General-Kasse, welcher, wie erwhnt, die allgemeinen Ausgaben der
Verwaltung zur Last fallen, besteht aus zwei Theilen: erstens dem
Kapital der Gemeindekassen, deren Verpflichtungen angefhrt worden
sind, zweitens aus den Ertrgen dieses Kapitals und der zwei Prozente
von den jhrlichen Einnahmen der drei Zweige.

Obgleich in der Regel die Lokal-Kassen 2/3 der Unkosten fr die
Wohnungen [Leg. ult. III. 480, I. 219.] der Provinzial-Guvernre
trugen, wurde durch R. O. 4. und 21. Januar 1863 verfgt, dass
genannte Beamte diese Unkosten aus den 2 Prozenten zu bestreiten
htten, welche sie fr Erhebung der Abgaben erhalten.

Desgleichen wurde verordnet, dass sowohl der Unterhalt als der
Transport armer Gefangener aus den Munizipal-Fonds bestritten werde
(R. O. 2. Oct. 1859); [Leg. ult. II. 11 & 113.] durch eine andre
bereits angefhrte R. O. 24. Mrz 1855 wird verfgt, dass die
[Leg. ult. IV. 260.] Ausgaben fr Erbauung und Instandhaltung der
Gefngnisse von den Ortschaften aus den Fonds der Propios und Arbitrios
bestritten werden, und in Ermangelung solcher aus den Gemeindekassen;
durch R. D. 20. Dec. 1863 wird befohlen, dass die Normalschule
von Manila aus der Zentralkasse der Propios und Arbitrios und die
Provinzialschulen aus dem Lokalbudget erhalten werden. [303]

Verwaltung der lokalen Fonds. Seit Publikation der R. O. 2. April
1846 galt in der Verwaltung der Grundsatz, dass die Fonds der Propios,
Arbitrios und Comunidad auf die lokalen Bedrfnisse verwendet werden
und eine von den Staatsfonds getrennte, der Verwaltungsbehrde
anvertraute Masse bilden. Folge davon war die Bildung (R. O. 17. Mrz
1854 und 1. August 1856) einer Sektion fr Propios und Arbitrios
in der Verwaltung der Tribute und einer Sektion in der Kanzlei der
Ober-Zivil-Regierung, indem zugleich vorlufige Bestimmungen fr die
gute Verwaltung dieser Fonds erlassen wurden.

[Leg. ult. III. 135.] Spter gingen laut Verfgung vom 30. Aug. 1858
sowohl die Propios y arbitrios als die Gemeindefonds in die
Verwaltung der Ober-Zivilbehrde ber; es wurde eine dirigirende
Junta der lokalen Verwaltung gebildet, welche unter dem Vorsitze
jener Behrde, aus dem Staatsanwalt und einem Rath des obersten
Gerichtshofes, dem General-Administrator des Tributes und dem Direktor
der Lokalverwaltung bestand, mit dem zuerst genannten Beamten
als Schriftfhrer. Zugleich wurde das Personal des Letzteren und
eine Rechenkammer fr die Lokalverwaltung, durch Umformen der im
Sekretariat der Ober-Zivilbehrde und der General-Verwaltung des
Tributs vorhandenen Sektionen geschaffen.

[Leg. ult. III. 137.] Die Obliegenheiten dieser Direktion bestehn in
Ermittelung der Propios und Arbitrios der einzelnen Ortschaften und
Provinzen, der Abgaben fr den Gemeindefonds, und der auf diesen Fonds
ruhenden Lasten; in Erforschung angemessener Vernderungen in diesen
Abgaben, Revision der veranschlagten Einnahmen und Ausgaben, welche
die Ortschaften und Chefs der Provinzen nach diesen Voranschlgen
entwerfen und endlich in Ausarbeitung und Einreichung eines
allgemeinen Planes (formar los generales) an die Zivil-Regierung,
damit diese nach erfolgter Besttigung durch die dirigirende
Junta der lokalen Verwaltung, der obersten Behrde Abschrift davon
ertheile. Die Besttigung ist der Rechenkammer (tribunal de cuentas)
der Inseln vorzulegen, welcher die monatlichen (halbjhrlichen
laut R. O. 5. Okt. 1863) und die jhrlichen Rechnungen zur Prfung
einzureichen sind, auf dass sie mit beiden gemss Instruktion vom
31. Okt. 1859 (besttigt durch R. O. 19. Mai 1861) verfahre.

Desgleichen hat die genannte Direktion die Versteigerung der
verpachtungsfhigen Abgaben zu verfgen, welche die Ober-Zivilbehrde
besttigen oder verwerfen kann. Auch wird diese Behrde der hchsten
Regierung die Einfhrung neuer Abgaben oder die Abnderung bestehender,
wenn es angemessen erscheint, vortragen indem sie einstweilen den
Ausfall einiger Provinzen, vorbehaltlich der gelegentlichen Rckgewhr,
aus den Ueberschssen anderer deckt. Nach R. O. 29. April 1860 muss,
so oft ein Werk mit den lokalen Fonds ausgefhrt werden soll, vorher
der betreffende Anschlag gemacht werden, und wird die Ober-Zivilbehrde
durch R. O. 23. Juli 1861 und 6. Juli 1863 ermchtigt, nach Vernehmung
des Verwaltungsrathes Ausgaben zu bewilligen, welche 20,000 Dollar fr
Einmal und 10,000 Dollar, wenn es sich um wiederkehrende Anweisungen
handelt, nicht bersteigen, und sollen die Arbeiten in derselben
Form wie die aus Staatsgeldern bezahlten, in ffentlicher Lizitation
vergeben und die Regierung davon in Kenntniss gesetzt werden, jedoch
ohne die Akten einzusenden, wie R. O. 24. Juli 1862 vorschrieb. Falls
diese Behrde von dem Ermessen der dirigirenden Lokalbehrde abweicht,
bleibt die Ausgabe bis zur Erlangung der k. Genehmigung, welche
ebenfalls nthig ist fr Alles was eine fortdauernde Belastung dieser
lokalen Fonds herbeifhrt, schweben.

[Leg. ult. I. 164.] Durch andre R. O. 1. Aug. 1861 wurde die Bildung
einer von der Regierungs-Kanzlei abhngigen Sektion genehmigt,
welche in Angelegenheiten der Verwaltung der Propios und Arbitrios
und der Ueberschsse der General-Kasse befindet, und ward ihr
aufgetragen eine Verordnung fr die gute Verwaltung besagter
Gelder zu entwerfen. In der Absicht diese zu sichern, und da die
Kassen der Ortschaften, wo sie aufbewahrt wurden, keine Gewhr
boten, verfgte die [Leg. ult. III. 224.] oberste Zivilbehrde
(19. April 1858) ihre Zentralisirung in den Hauptstdten
der Provinzen zu Lasten der Ober-Alkalden und politischen
Militr-Guvernre. [Leg. ult. III. 215.] (Der Alkalde mayor sammelt
die Gelder und schickt sie an die Haupt-Kasse in Manila.) Spter
(R. O. 21. Oct. 1858) ward verfgt, dass die Einnahmen aus den
Zweigen der sogenannten Agenos und der Propios und Arbitrios in den
ffentlichen Schatz flssen. Fr diese Dienstleistung behlt der
Staat 20 % von den Propios (der Staat erhebt auch in Spanien 20 % von
jedem Verkauf eines Gemeinde-Grundstcks oder andern Propios) und 10 %
von den Arbitrios und Gemeindegeldern der Ortschaften und Provinzen.

Ausserdem beziehn die Chefs der Provinzen, welche Brgschaft geleistet
haben, (R. O. 21. Dez. 1860) 2 % und die Gobernadorcillos 1/2 % fr die
Mhe der Erhebung. In Folge dieser Maasregel trgt der Staatsschatz die
Unkosten fr die Direktion und die Rechenkammer der lokalen Verwaltung.

[Leg. ult. III. 256.] Voranschlge. Damit die Veranschlagung der
Einnahmen und Ausgaben nach festen Regeln erfolge, sind solche durch
R. O. 18. Mai 1861 aufgestellt und sollen jene nach den einzelnen
Provinzen, und zwar die fr die Propios und Arbitrios getrennt von
denen fr die Gemeindekassen entworfen werden. Letztere Fonds sind
fr die besonderen Erfordernisse der Ortschaften bestimmt, die der
Propios und Arbitrios fr die der Provinzen und Distrikte. Die
Einnahmen zerfallen in ordentliche und ausserodentliche je nach
ihrer Art; die Ausgaben in nothwendige und freiwillige. Zunchst
bestimmte die oberste Zivilbehrde ber die Klassifikation der
ersteren, unbeschadet der einzuholenden Besttigung Ihrer Majestt
und der jhrlichen Einsendung ihrer Voranschlge (im Monat Juli)
zur Kenntnissnahme der hchsten Regierung. Spter wurde angeordnet,
dass die Veranschlagungen klar und in's Einzelne gehend abgefasst
sein, dass die Ausgaben die Einnahmen nicht bersteigen, und dass
am Schluss jedes Geschftsjahres die Ueberschsse der Gemeinde-,
Propios und Arbitrios-Gelder in die betreffende Zentralkasse des
Zweiges fliessen sollen.

Die Verordnung des Intendanten von 1786 verfgt (Art. 47), dass jede
Ortschaft ihre jhrlichen Ueberschsse aus den Propios und Arbitrios
oder Gemeindegtern zum Ankauf von Immobilien und zinsbaren Anlagen
verwende, um unnthige Geflle (Arbitrios) zu beseitigen oder, falls
keine vorhanden, genannte Ueberschsse zur Frderung ntzlicher
Anstalten fr den Ort oder die Provinz zu benutzen.

Bisher sind die Regeln ber die Verwendung besagter Ueberschsse noch
nicht festgestellt worden; R. O. 18. Mrz 1861 bestimmt nur, dass sie
zentralisirt und ber ihre Anlegung durch die Ober-Zivil-Verwaltung
oder die Staatsregierung je nach Umstnden, und gemss den in Kraft
bestehenden Vorschriften verfgt werden soll. [304]








UEBER DEN BODENKREDIT.

(Nach Aufstzen im Diario de Manila, Dezember 1866.)


Ausgenommen einige grosse, durch Schenkungen in frherer Zeit
erworbene Besitzungen ist das Grundeigenthum meist durch das Recht
der Besitzergreifung und Urbarmachung entstanden, welches noch
jetzt durch die Gesetze von Indien (Leyes de India) zu Gunsten
der Eingeborenen anerkanntes Gemeinderecht ist. In Ausbung dieses
Gemeinderechts nimmt der Eingeborene das zu seiner Wohnung und zum
Feldbau benthigte unbenutzte Land in Besitz und verliert es nur dann,
wenn er es zwei Jahre lang nicht bearbeitet. Abgesehn von diesen
geborenen und trotzdem sehr armen Grundeigenthmern, ist Grundbesitz
gesetzlich auf folgende Weise zu erwerben: durch Kauf eines bestimmten
Flchenraumes unbenutzten Kronlandes vom Staat; durch wirklichen Kauf
von den Eingeborenen welche Lndereien besitzen; durch Vertrge, pactos
de retro genannt, die mit den Eingeborenen geschlossen werden; durch
Verpfndung oder Hypothezirung von Schuldverschreibungen, welche eben
diese Eingeborenen besonders bei Handelsgeschften einzugehn pflegen.

Das erste Mittel sollte eine Quelle von Reichthmern sein, ist es
aber aus verschiedenen Grnden nicht. Nur Wenige sind heut mit der
Gesetzgebung ber unbebautes Kronland vertraut, die aus einer Unzahl
einzelner Beschlsse besteht und ein kasuistisches, unzusammenhngendes
verwirrtes Durcheinander bildet. Es wurde daher durch R. O. 1864
der Entwurf einer Verordnung fr den Verkauf unbenutzter Lndereien
befohlen, und mssen wir annehmen, dass diese Arbeit ziemlich weit
vorgeschritten sei ... Nach einer Beschreibung der dabei stattfindenden
Weitlufigkeiten heisst es weiter: das Ergebniss war, dass nach Verlauf
von 2 oder 3 Jahren, wenn es gelang den Widerstand der Ortschaft zu
besiegen, in deren Gerichtsbezirk das beanspruchte (pedido) Land lag,
die betreffende Person einen Besitztitel darber ausgefertigt erhielt,
gegen Erlegung der unbedeutenden Summe von 4 r. fr den Quion (weniger
als 2 sgr. fr den Morgen), einer Summe die nicht sowohl die Bedeutung
eines Kaufpreises, als einer Anerkennung des Besitzes hatte. Diese
Bestimmung war in Anbetracht der grossen Unkosten erlassen, welche
das Ausroden und Urbarmachen in den Philippinen verursacht. Durch
R. O. 1857 wrde das Angebot fr unbebautes Kronland auf 50 Doll. per
Quion festgesetzt, und konnte der Zuschlag (concesion) nicht ohne
vorhergehende ffentliche Lizitation erfolgen. Von jener Zeit an
hielten sich Privatleute von derartigen Gesuchen fern: zu den alten
Uebelstnden gesellte sich der hohe Preis und die Gefahr berboten
zu werden und dadurch Mhe und Kosten fr Untersuchung des Terrains
zu verlieren. 1859 wurde das Dekret abgendert, der alte Preis von 4
r. per Quion als Angebot wieder eingefhrt; dieses Dekret ist aber
noch nicht publizirt.

Damit dem Ackerbau Kapitalien zufliessen, ohne welche er sich unmglich
entfalten, Korn und Kolonialwaaren fr die Ausfuhr erzeugen kann,
ist es durchaus nthig alle Hindernisse zu beseitigen, die Vermgende
abschrecken. Unter diesen Hindernissen stehn in erster Reihe die
Lokalgerichtsbarkeit bei Bewilligung unbebauter Kronlnder; in zweiter
die Hindernisse, welche Nationalen sowohl als Auslndern, die in
Landgemeinden Niederlassungs- und Brgerrecht (radicacion y vecindad)
erwerben wollen, in den Weg gelegt werden. Ausser der Schwierigkeit
grosse Besitzungen zu erwerben, sind noch andre vorhanden. Der
Pflanzer kann leicht Arbeiter finden, denen er bedeutende Vorschsse an
Kleidern, Korn, Vieh und Geld machen muss; aber die Indier halten ihre
Kontrakte schlecht; die dem Pflanzer zu Gebot stehenden gesetzlichen
Mittel, um sie zur Erfllung der eingegangenen Verpflichtungen zu
zwingen, sind so schwerfllig und so verderblich wie das Aufgeben
des Rechtes selbst. Wenn der Alkalde nicht thtig ist und guten
Willen zeigt, so ziehn die Pflanzer gewhnlich vor, ihre Ansprche
nicht geltend zu machen; sie tragen den Verlust und manche werden
dadurch bewogen ihre Unternehmungen aufzugeben. Dieser Krebsschaden der
Landwirtschaft wird verschwinden, sobald jeder Indier einen Brgerbrief
(cedula de vecindad) besitzt. Ist das erste Jahr berstanden, so sind
spter Strme, Heuschrecken, Handelskrisen, die den Preis der Produkte
herabdrcken, zu gewrtigen. In solchen Fllen wird es fr den Pflanzer
zum grossen Uebelstand, dass kein Kredit vorhanden. Hypotheken giebt es
nicht, wenigstens keine obligatorische Hypothekenregister; daher wagt
Niemand sein Geld auf dergleichen Grundstcke auszuleihn, oder thut es
nur gegen erdrckende Wucherzinsen. Eine Besserung in dieser Beziehung
wird in den Philippinen von der grossen und kleinen Landwirthschaft,
vom Handelsstand, vom grossen und kleinen Besitz dringend verlangt;
sie wrde dem Pacto de retro so wie den wucherischen Vertrgen, die
in Luzon tacalanan, in Bisaya alili heissen (Darlehn auf den Ertrag
der nchsten Ernte) und denen an vielen Orten das herrschende Elend,
das Zurckbleiben zugeschrieben werden muss, fr immer ein Ziel setzen.

Es mssen klare, schnell ausfhrbare Bestimmungen erlassen werden,
durch welche die mit den Kolonen geschlossenen Vertrge zur Wahrheit
werden; den Eigenthmern muss durch Eintragung ihrer Grundstcke
in ein Hypothekenbuch die Mglichkeit gegeben werden, Darlehen ohne
andre Sicherheit unter mssigen Bedingungen zu erlangen.

Pacto de retro ist eine der gebruchlichsten Formen durch welche
lndliche Besitzungen aus den Hnden der Eingeborenen an Andre
bergehn. Ein betrchtlicher Theil von Pampnga, Batan, Manila,
Laguna, Batngas und anderen Provinzen hat innerhalb weniger Jahre
auf diese Weise die Besitzer gewechselt. Auf diese Weise erwerben
gewhnlich die unbeschreiblich schlauen und sparsamen Mestizen ihre
Lndereien, deren Kultur sie dann verbessern; was aber nicht hindert
dass dieser Gebrauch fr den Volkswohlstand verderblich ist.

Der Eingeborene, der ein Stck Land durch Urbarmachung und
Besitzergreifung, aber fast nie oder sehr selten durch Kauf
von einem andern Eigenthmer inne hat, bietet, wenn er sich in
drckender Geldnoth befindet, sein Land zum Pfande fr ein vom
Kapitalisten begehrtes Darlehn, da er aber keine Urkunde besitzt,
um sein gutes Recht zu beweisen und zu zeigen, dass es von allen
Lasten und Verpflichtungen frei ist, so ist keine Grundlage fr ein
hypothekarisches Darlehn unter billigen Bedingungen vorhanden.

Der Kapitalist sucht daher seine Sicherheit im unmittelbaren
Besitz. Die Hypothek verwandelt sich in ein antichretisches Pfand
(prenda pretoria), und da es sehr schwer ist, oder wenigstens sehr
selten vorkommt, dass der Indier, der das Geld empfngt, es freiwillig
zur festgesetzten Zeit zurckzahlt, und es nicht im Interesse des
Darleihers liegt, ihn zur Zahlung zu zwingen, so geschieht es, dass
fr die einem hypothekarischen Darlehn entsprechende Summe, d. h. fr
den halben oder drittel Werth des Pfandes, das Grundstck definitiv
den Besitzer wechselt; nicht selten geschieht es, dass der ehemalige
Eigenthmer dann als Kolon (Arbeiter, thatschlich Schuldsklave) auf
dem Grundstck verbleibt. Hufig wird der Indier in Folge seiner Sucht
fr Hahnenkmpfe und Hasardspiele zu dergleichen Kontrakten verleitet.

Die Landesgesetze verlangen, dass die Indier in Ortschaften leben,
ihre Gehfte zu Drfern vereinigen, damit sie berwacht und ihre
Leistungen erhoben werden knnen. Unter gewhnlichen Umstnden
baut sich der Indier eine Htte auf seinem Acker, wo er zur Zeit
der Feldarbeiten wohnt, und geht Samstag Abend nach dem Dorf um
am Sonntag die Messe zu hren. Sein Feld hat fr ihn keinen grossen
Werth, da er immer wieder ein andres Stck urbar machen kann; so gross
ist der Ueberfluss an Land bei allen von der Hauptstadt entfernten
Ortschaften. Die Leichtigkeit, mit der ein Grundstck aufgegeben,
ein andres in Besitz genommen werden kann, ist der Entwicklung des
Landbaus sehr schdlich. Ein kleiner Grundbesitzer, der ohne Jemand um
Erlaubniss zu fragen ein wstes Stckchen Land mit Reis oder Bataten
bepflanzt hat, erhebt ein Geschrei, wenn es von einer Kuh oder einem
Pferde, das seit Jahren dort graste, betreten wird, und lsst sich,
da das Gesetz zu seinen Gunsten lautet, vom Eigenthmer des Viehs
einen oftmals imaginren Schadenersatz zahlen, whrend doch der
Schaden von demjenigen getragen werden sollte, der sein Feld baut,
ohne es einzuhegen.

Derselbe kleine Eigenthmer macht zu seinen Gunsten alle Vorrechte
und Gerechtsame eines ganzen Dorfes voll Indier geltend, wenn ein
vermgender Mann in seiner Nachbarschaft eine Pflanzung anlegen
will. Oft findet der zu solcher Anlage entschlossene Kapitalist,
dass in dem vorher vllig unbebauten oder wsten, gegen Zahlung einer
gewissen Summe nach langen Weitlufigkeiten von der Hacienda erworbenen
Gebiete einige Indier ein Saatfeld angelegt haben und durch Zeugnisse,
die mit Unterschriften bedeckt aus dem Tribunal kommen, bekrftigen,
dass sie dieselben von ihren Vtern geerbt und nie unterlassen haben,
sie zu bearbeiten.

Eine Abhlfe dieser Missbruche wrde in der Begrenzung des Gebietes
und der Gerichtsbarkeit der Gemeinden liegen, so dass zum Behuf
der Vermehrung des lndlichen Eigenthums, fr die Insassen eines
Pueblo so viel Land frei bliebe, als sie gegenwrtig vernnftiger
Weise beanspruchen knnen; mehr oder weniger, als die sogenannte
Gemeinde-Feldmark (legua comunal), deren brigens kein Gesetz Erwhnung
thut. Alles brige im Gerichtsbezirk belegene Land msste aber fr
Kronland erklrt, alle gegenwrtig ausserhalb des Gemeindegebiets
belegene Besitzungen fr rechtsgltig erworben; in der Folge aber
alles nicht nach den vorgeschriebenen Regeln Besessene fr ungltig
erklrt werden; innerhalb des Gemeindebezirkes oder rechtmssigen
Eigenthums der Ortschaften, welches nicht ber die Schallweite
der Kirchenglocke hinausreichen darf, muss dem einheimischen Bauer
gestattet sein, ausserhalb des Pueblo in Mitten des von ihm bebauten
Landes zu wohnen; und nur falls er letzteres verussert oder aufgiebt,
muss er gezwungen sein, im Pueblo zu leben; die Eingeborenen mssen
innerhalb des Gemeindegebietes neue Grundstcke urbar machen und
erwerben knnen, indem sie einen kleinen Erbzins an die Gemeinde-Kasse,
oder eine mssige Summe fr Einmal erlegen.

Dergleichen Beleihungen mssen von der Gesammtheit der Dorfltesten
(Principales) mit voller Oeffentlichkeit, unter Mitwirkung des Pfarrers
erfolgen und in ein von jedem Pueblo zu haltendes Buch eingetragen
werden; sie drfen nie mehr Raum umfassen, als der Bewerber mit seinen
eignen Bffeln bearbeiten kann.

Wenn solche Beleihungen von Staatslndereien nicht ber ein Quion
betragen, so sollen sie nach vorgeschriebenen Formen vom Alkalden
der Provinz, wenn von grsserem Umfange, in der Hauptstadt der
Kolonie ausgefertigt werden. Alle aber mssen in das Grundbuch
der betreffenden Provinz und des betreffenden Pueblo eingetragen
werden. Die zur Begnstigung der Eingeborenen und zur Frderung der
Viehzucht erlassenen, aber das Gegentheil bewirkenden Bestimmungen
mssen aufgehoben werden.

Der Landbau bedarf, wie jedes andre Gewerbe keines Schutzes, als
Klarheit und Sicherheit in seinen Lebensbedingungen. --








DIE GEMEINNTZIGE GESELLSCHAFT DER LANDESFREUNDE.

(Sociedd de los Amgos del pas.)


Der Schpfer des Tabakmonopols Basco y Vargas, der durch knstliche
Reizmittel die Trgheit der Kolonisten zu berwinden und Sinn
fr das Gemeinwohl zu erwecken hoffte, grndete 1781 die Sociedd
econmica de los Amgos del pas zur Frderung des Ackerbaus und der
Gewerbe. Die von der Gesellschaft selbst 1860 verffentlichten Akten
ber ihren Ursprung und ihre denkwrdigen Thaten (hechos notables)
sind so bezeichnend fr die Erfolglosigkeit derartiger Bestrebungen
in einer Kolonie, wo es gnzlich an Gemeinsinn fehlt, dass ein Auszug
gerechtfertigt scheint.

Bald nachdem die Gesellschaft ihre Statuten entworfen, gerieth ihr
Eifer in's Stocken und 1797 fasste ihr Prsident auf eigene Hand den
Beschluss, die Sitzungen einzustellen und das 6000 Dollar betragende
Gesellschaftsvermgen dem Handelsgericht zu bergeben. Erst 1820 gelang
es einem Generalkapitn, sie wieder in's Leben zu rufen. Bei ihrer
Stiftung war der Gesellschaft das Vorrecht eingerumt worden, in der
Nao von Acapulco (siehe S. 14) bis zum Betrage von 2 Tonnen Handel
zu treiben oder dieses Privilegium zu verkaufen. Der daraus erzielte
Gewinn war bei der Wiedererffnung auf 41,749 Dollar, beinahe 60,000
Thaler, angewachsen. Die wiederentstandene Gesellschaft revidirte
ihre Statuten, theilte sich in 4 Sektionen: Naturgeschichte, Ackerbau,
Gewerbe, Handel, jede mit Vizedirektor, Vizezensor, Vizeschatzmeister,
und stellte abermals ihre Thtigkeit ein. 1822 ermunterte sie sich noch
einmal und gab auch whrend einer Reihe von Jahren fast alljhrlich
einige Lebenszeichen s. S. 219. Neuerdings ist sie indessen wiederum
mde geworden, denn in ihrer Sitzung vom 24. August 1866 beschloss
sie, ihr Vermgen als patriotisches Geschenk den von der Bombardirung
Callao's zurckkehrenden Schiffen darzubringen, und diese besonders
gnstige Gelegenheit zu benutzen, um einen Akt patriotischer
Aufopferung zu begehn und dem Staate einen Dienst zu leisten.

Die Gesellschaft besitzt 25 bis 30,000 Dollar; aber Reichthum
macht Sorgen. Von diesem Vermgen, dessen genauer Betrag den
Mitgliedern unbekannt, ist seit vielen Jahren nicht die geringste
Summe auf Frderung des Gemeinwohls verwendet worden, obgleich die
Gesellschaft nur zu diesem Zweck besteht. Der grsste Theil der fr
die Sitzungen bestimmten Zeit geht gewhnlich mit Fragen, betreffend
die Anlage und Einziehung dieser Kapitalien, verloren. Frmlichkeiten
und Rechnungsfhrung haben Jahre lang die ganze Aufmerksamkeit der
Gesellschaft beschftigt. Auch ist es vorgekommen, dass einige mit dem
Zensorenamte beehrte Mitglieder die Schlssel der Kasse nicht annehmen
wollten, welche letztere seit vielen Jahren nicht geffnet werden
konnte wegen der Schwierigkeit, die brigen Inhaber der Schlssel
(conclaveros) zu vereinigen.

Der damalige eifrige Generalkapitn Don Jose de la Gandara tadelte
die Gesellschaft in einer Ansprache vom 17. Januar 1867 fr ihren
patriotischen Beschluss und forderte sie auf, ihr Geld zur Grndung
eines botanischen Gartens verbunden mit einer Ackerbauschule
zu verwenden und eine zur Verbreitung im Auslande bestimmte
Denkschrift auszuarbeiten, worin die Fruchtbarkeit der Philippinen,
die Leichtigkeit mit welcher dort Pflanzungen angelegt werden knnten,
hervorgehoben werde, um Familien, welche das nthige Kapital und
praktische Kenntnisse besitzen, zur Einwanderung zu veranlassen.

Die wahrscheinlich aus einem sehr ausgebildeten Schicklichkeitsgefhl
hervorgegangene Kunst, fr etwas, das man zu thun oder zu unterlassen
entschlossen, einen schnen Beweggrund aufzufinden, offenbart sich
fter in amtlichen spanischen Dokumenten. Auch das folgende Stck
ber Einfhrung der Opium-Regie kann als Beispiel dienen.








EINFHRUNG DER OPIUM-REGIE.


Die Opium-Regie ist seit 1. Januar 1844 in den Philippinen eingefhrt,
nachdem die Mehrheit einer zur Berathung dieser Maasregel berufenen
Junta sich dafr ausgesprochen hatte. In der Einleitung zu dem
betreffenden Gesetz (Autos acordados I. 392) lobt der Generalkapitn
diese Mehrheit und tadelt die dissentirende Minderheit, die sich,
durch veraltete Vorurtheile und gemeine Ueberlieferungen irre geleitet,
gegen alle Verbesserungen, selbst die ntzlichsten, strubt, whrend
die Fortschritte der Volkswirthschaft und das Beispiel der zivilisirten
Nationen dergleichen Bedenken lngst beseitigt haben. In einem Bericht
des Consejo pleno an den Generalkapitn vom 22. September 1864 ber
dieselbe Angelegenheit heisst es (im Auszuge): Nachdem der Rath alle
Grnde fr und gegen die Opium-Regie wohlerwogen, kommt er zu dem
Schluss, dass das Opiumrauchen zu erlauben sei.... Zuerst werden die
gegen die Maasregel sprechenden Ansichten von eilf bedeutenden Aerzten,
Volkswirthen und Gesellschaften angefhrt; gegen alle diese Autoritten
aber giebt der Ausspruch des spanischen Konsuls in China [305] den
Ausschlag, wonach die Chinesen, die nach Belieben Opium rauchen,
dennoch stark und arbeitskrftig sind. Auch sei das Opium in der
Trkei, in ganz Britisch-Indien, Cochinchina und China gesetzlich
erlaubt. Ferner sage Dr. Pedro Mata in seiner Medicina legal y
toxicologia 1846, welche in den medizinischen Anstalten Spaniens
als Lehrbuch diene, geistige Getrnke, gewisse Medikamente und zu
angestrengtes Studiren fhrten zur Impotenz; das Opium erwhne er aber
nicht. Der Consejo schliesst weiter: fhrte das Opium zur Impotenz,
so wrden es die reichen Chinesen gewiss nicht rauchen; in Europa
seien mehrere Personen von grossen Fhigkeiten Opiumraucher gewesen,
Opium sei nicht schlimmer als Brantwein, verbiete man das Eine,
so msse man auch das Andere verbieten ...

In der Antwort des Generalkapitns auf diesen Bericht heisst
es unter Anderem ... Beim Abwgen der Grnde fr und gegen die
Zulassung des Opiums hat der Rath die Zeugnisse gegen diese Maasregel
angefhrt und ihnen andere, wenigstens so achtbare aber amtlichere
gegenbergestellt ... Sicherlich, wenn das Opium gegen die Religion,
die Moral, die Humanitt verstiesse, so wrden Nationen wie Frankreich
und England, die einen so hohen Rang in der allgemeinen Zivilisation
einnehmen, es nicht gestatten; da aber das Gegentheil stattfindet,
so msse man natrlich zu dem Schluss kommen, dass jene aller
wichtigsten und heiligsten Dinge nicht, wie Manche andeuten mchten,
davon betroffen werden; der Trkei und China's solle hier gar nicht
gedacht werden ...

Weiter heisst es: Da keine Statistik vorhanden ist, welche nachweist,
dass Chinesen in Singapore vom Opiumgebrauch gestorben sind, so mssen
die Grnde der Opiumgegner offenbar bertrieben sein, und kann man
ihre, der Renta nachtheilige Meinung nicht gelten lassen. Wre das
Opium so giftig, wie sie sagen, so mssten die Chinesen daran zu
Dutzenden sterben, was jedoch nicht zutrifft ... Es sind aber auch
wichtige politische Grnde fr die Gestattung vorhanden: Die Chinesen
sind jedenfalls in unsern Archipel gekommen in der Voraussetzung,
dass sie hier Opium rauchen drfen; wollte man nun das Opium pltzlich
verbieten, wie in den frheren Eingaben vorgeschlagen worden, und
die Uebertreter mit Geld- und Gefngnissstrafen belegen, wie dies
vor Einfhrung dieser Renta geschehn, so wrden die meisten Chinesen
in die Gefngnisse kommen oder auswandern, was gewiss nicht recht und
billig wre und auf keinen Fall geschehen darf. Eine so unzweckmssige
Maasregel wre gerade gegenwrtig hchst unpolitisch. Wir wollen
mit China Vertrge schliessen zur Erleichterung des Handels;
was wrde die chinesische Regierung sagen, wenn wir mit ihren
Unterthanen also umgingen? ... Fr unsere Kassen ist die Opiumrente
unentbehrlich. Dennoch tritt diese Erwgung ganz in den Hintergrund
gegen die volkswirthschaftliche und politische Frage, betreffend
die Einwanderung der Chinesen, fr welche der Opiumgebrauch eine
Lebensnothwendigkeit ist ..

Durch Gesetz vom 29. September 1864 wird die Beibehaltung der
Opium-Regie genehmigt. Mestizen und Indier drfen nicht Opium rauchen.

In einer vertraulichen Comunicacion des Generalkapitns de la Gandara
an den Kolonial-Minister, Februar 1867, die mir im Ultramar-Ministerium
vorgelegt worden, klagt derselbe, dass das Opiumrauchen sehr
zugenommen habe, was grossentheils den ungeschickten Maasregeln oder
der Unehrlichkeit der Beamten zuzuschreiben sei. Entweder um die
Einnahmen aus dieser unlautern Steuerquelle zu vermehren, oder aus
Eigennutz haben jene Beamten ausser den 478 ffentlichen Opiumlden
(Fumaderos) wahren Heerden der Immoralitt und immer mit Chinesen
angefllt, Hunderten von chinesischen Privaten die Erlaubniss
verkauft, zu Hause Opium zu rauchen, was durchaus dem Gesetz und den
Absichten der Regierung widerspricht.

Nach dem Presupuesto betrug die Einnahme der Opium-Regie 1860 98,000
Esc., 1865/66 140,000 Esc. und 1866/67 207,000 Esc. Wie wenig
Opium die Chinesen brauchten, bevor es ihnen von den Englndern
aufgedrungen wurde, zeigt folgende Stelle aus dem Briefe des Pater
Parennin v. 20. Sept. 1740: Was die indischen Gummi betrifft, so
machen die chinesischen Aerzte und Chirurgen fast keinen Gebrauch
davon. Ich glaube nicht, dass in Pekin in einem ganzen Jahre ein
halbes Pfund Yapien (Opium) verwendet wird. (Lettres difiantes).








BESCHREIBUNG DER SCHIFFE, BARANGAY GENANNT, DIE BEI ANKUNFT DER
SPANIER IN GEBRAUCH WAREN.

Nach Morga 128 v.


Ihre Schiffe und Fahrzeuge sind von vielerlei Art, denn in den
Flssen und ihren Mndungen gebrauchen sie sehr grosse Khne aus
Einem Baumstamm und Bancas von Planken mit einem Kiel, und Vireyes
und Barangayes welches schnelle, leichte Schiffe sind, niedrig von
Bord, mit hlzernen Bolzen zusammengefgt, hinten so spitz wie vorn,
zu beiden Seiten viele Ruderer fassend, die mit Paddeln und Rudern
ausserhalb Bord rudern und den Schlag nach dem Schall einiger andern
regeln, welche in ihrer Sprache passende Dinge singen, wodurch sie
sich verstndigen ob das Rudern beschleunigt oder verlangsamt werden
soll. Ueber den Ruderern ist eine Gallerie aus Bambus welche die
streitbaren Mnner trgt, ohne jene zu belstigen, und auf welche eine,
der Grsse des Fahrzeuges entsprechende Schiffsmannschaft steigt. Von
da wird das Segel, welches viereckig und von Segeltuch ist, an einem
Krahn aufgezogen, der aus zwei grossen Bambusen besteht, und als
Mast dient. Wenn das Schiff gross ist, hat es auch einen Vormast
von derselben Gestalt; und beide Krhne haben ihr Takelwerk, um die
Masten auf die Gallerie niederzulassen, wenn der Wind entgegen ist,
und Steuermnner auf dem Hintertheil um es zu lenken. Es trgt noch
ein Gerst von Bambus auf der Gallerie, ber welches wenn die Sonne
scheint oder wenn es regnet, ein Zelt von Matten, Kayanes genannt,
gespannt wird, die aus Palmenblttern sehr dick und dicht geflochten
sind, wodurch das ganze Schiff und die Mannschaft desselben bedeckt
und geschtzt wird. Es ist noch ein andres Gestell aus dicken Bambusen
auf beiden Seiten des Schiffes in seiner ganzen Lnge angebracht,
und stark befestigt, welches das Wasser eben berhrt ohne im Rudern
zu hindern und als Gegengewicht dient, damit das Schiff nicht kentern
oder scheitern kann, wie hoch auch die See gehe, und wie stark der
Wind in das Segel blase. Es kommt vor, dass sich das Schiff mit Wasser
fllt, sein ganzer Rumpf, (denn sie sind ohne Verdeck) und bis es
ausgeschpft ist zwischen zwei Wassern schwimmt, ohne unterzugehn,
wegen der Gegengewichte (Ausrigger).








DAS TAGALISCHE VATER UNSER.


 Ama  namin sung  ma  sa langit ca,    sambahin     ang ngala
Vater unser der  bist im Himmel du, werde geheiligt der Name

 mo,  napa  sa amin ang cahavian  mo.   sundin  ang loob  mo
dein, komme zu uns  das  Reich   dein. geschehe der Wille dein

    aqui    sa  lupa  para nang sa langit,    Bigyan       mo
desgleichen auf Erden  so  wie  im Himmel, werde gegeben von dir

cami ngaion nang  amin   canin sa    arao    arao at      patavarin
uns  jetzt  von  unserem Brod  von Tag (fr) Tag  und  werden vergeben

  mo    cami nang  aming  manga otang  pava  nang pagpapatravar
von dir wir  von  unseren  Schulden   ebenso wie    vergeben

namin  sa   nangag caca   otang   sa amin at  hovag   mo    caming
 wir  denen welche haben Schulden an uns  und nicht von dir  wir

      ipahintolot      sa   tocso    at      iadya       mo
werden gelassen fallen in Versuchung und werden erlst von dir

cami sa  dilan masama.
wir  von allen Uebeln. Amen.








DAS NEUE ZOLLDEKRET.

Zu S. 9.


Das Seite 9 gepriesene freisinnige Zolldekret ist bereits durch
ein anderes ersetzt, das wiederum Differenzialzlle einfhrt und die
wichtigsten Erzeugnisse der Kolonie mit Ausfuhrabgaben beschwert. Gegen
die alte Zollordnung ist die neue am 1. Juli 1872 in Kraft getretene
immerhin ein bedeutender Fortschritt. Ihre Hauptzge sind: Vereinfachte
Nomenklatur; statt 766 zhlt der Tarif nur noch 122 zollpflichtige
Artikel auf. -- Erhebung des Zolles vom Gewicht statt vom Taxwerth
der Waaren (fr einige Artikel sind ad valorem Zlle beibehalten). --
Zollfreiheit spanischer Waaren, in spanischen Schiffen, -- Zollrabatt
fr fremde Waaren in spanischen Schiffen. Der Rabatt betrgt 25%,
soll nach je 2 Jahren um 5% ermssigt werden und Juli 1879 aufhren
(vorausgesetzt natrlich, dass bis dahin der Einfluss der spanischen
Rheder aufgehrt hat). -- Baumwollengarne ohne Unterschied der
Nummern, der Zahl der Drhte (und der Farbe) zahlen 10 Cents per
Kg. -- Eiserne sowohl als hlzerne Fahrzeuge knnen gegen Erlegung
einer Abgabe eingefhrt werden. -- Zollfreiheit fr allen Bedarf
zu Schiffbau- und -Ausbesserung, wogegen die Prmie fr grssere
in Manila gebaute Schiffe wegfllt. -- Die wichtigsten Ausfuhrzlle
sind: Zucker 14 Cents, Abaca 20 Cents, Indigo 100 Cents, flssiger
desgl. 10 Cents, Reis 5 Cents, Kaffee 30 Cents, Farbehlzer 4 Cents
per 100 Kg. (durchschnittlich etwa 2% vom Werth.) --

Alle Abgaben fr Leuchtthurm, Hafenreinigung u. s. w. werden in eine
einzige, nach dem Tonnengehalte der ausgeladenen Gter zu entrichtende
Ausladegebhr umgewandelt. Schiffe in Noth und solche die ihre Fracht
in andere Fahrzeuge umladen, oder lschen um sie wieder einzunehmen,
sind frei, Dampfboote die periodisch verkehren gleichfalls. Die Einfuhr
hlzerner und eiserner Schiffe ist gegen Erlegung eines Eingangszolles
gestattet. Jedes spanische Schiff kann in jedem fremden Platz frei
gekielholt und besichtigt werden.

Einige Erluterungen werden die Wichtigkeit der im neuen Tarif
enthaltenen Reformen deutlicher machen:


    Der Zoll auf weisse, schwarze und rosa Baumwollengarne betrug 40
    Proz. vom Werth in spanischen, 50 Prozent in Schiffen fremder
    Flagge. Dieser hohe Zoll war vor mehr als 30 Jahren eingefhrt
    worden zum Schutz einer kaum vorhandenen, spter aber durch
    Zuckerpflanzungen fast ganz verdrngten Baumwollenkultur und einer,
    von einem Mestizen eingerichteten Maschinenspinnerei, die aber
    bald darauf wieder einging. Der Zoll blieb fortbestehn und traf
    gerade den blhendsten Gewerbzweig der Philippinen, die Weberei;
    er wrde ihn vernichtet haben, wenn die Kaufleute nicht Mittel
    gefunden htten, die Zlle zu umgehen. Das spanische Sprichwort
    sagt: Quien hizo la ley, hizo la trampa (wer das Gesetz macht,
    macht auch das Schlupfloch). Garne von gewissen Farben zahlten nur
    den allgemeinen Zoll von 7, beziehungsweise 14 Prozent. Man frbte
    daher die Garne in England so, dass die Farbe leicht auszuwaschen
    war, oder umgab einen Ballen weisser Garne mit einer Kruste
    gefrbter, oder webte Stoffe mit so losem, sprlichem Einschlag,
    dass die Kettenfden leicht herausgezogen und als Garn benutzt
    werden konnten. 50 Prozent Steuer konnten die Garne nicht tragen,
    daher wurde fast nicht ein Stck zu diesem Satz eingefhrt. Schon
    Dampier bemerkt: die Spanier knnen und wollen schmuggeln so
    gut als irgend eine Nation, die ich kenne. (Pinkerton XI. 3).

    Ein anderer Uebelstand war, dass die Zlle nicht nach dem
    jeweiligen Werthe der Waaren, sondern nach einem vor mehr als 30
    Jahren festgesetzten, in den meisten Fllen hheren Werth, als
    heut, berechnet wurden. Auch hiervon hatte die Regierung keinen
    Vortheil, denn da solche Gegenstnde, fr welche im Tarif keine
    Werthbestimmung enthalten war, wirklich abgeschtzt wurden, so
    benutzten die Kaufleute diesen Umstand, um zu hohe Schtzungen
    zu umgehen. Waren z. B. feste Werthe fr Shirting von 36'' und
    37'' Breite angegeben, so wurden solche von 36 1/2'' eingefhrt,
    deren Zoll nach den wirklich geltenden Marktpreisen viel geringer
    ausfiel.

    Zum Schutz des ganz unbedeutenden, einheimischen Schiffsbaues
    durfte kein hlzerner Dampfer von weniger als 400 Tonnen
    eingefhrt werden, ein sehr schlimmes Gesetz fr eine Kolonie,
    in welcher fast der ganze Verkehr zu Wasser stattfindet, deren
    schmale Meeresstrassen das Kreuzen gegen den Wind sehr erschweren;
    es kam einem Verbot gleich da grosse Dampfer den gegenwrtigen
    Bedrfnissen des Verkehrs nicht entsprechen. Die kleinen aber
    knnen in unzhlige Flussmndungen und Buchten dringen, um
    Produkte zu holen oder vor einem pltzlichen Sturm Schutz zu
    suchen. Eiserne Dampfschiffe mussten eine hohe Summe zahlen fr
    das Recht, die spanische Flagge zu fhren.

    Sehr verderblich fr den Wohlstand der Kolonie ist die
    Wiedereinfhrung der durch R. D. 5. April 1869 aufgehobenen
    Differenzial- und Ausfuhrzlle. Von ersteren hat ausser den
    spanischen und kolonialen Rhedern Niemand Vortheil. Handel zwischen
    den Philippinen und dem Mutterlande ist kaum vorhanden. Nach der
    Balanza mercantil betrug 1863 zwischen Spanien und den Lndern
    stlich vom Kap, die Einfuhr in Spanien 650,000 Doll., die Ausfuhr
    weniger als 500,000 Doll., zusammen 1,150,000 Doll., wovon 61,000
    Doll. nach englischen und hollndischen Besitzungen. Nach den
    Philippinen gehen vorzglich Bcher und Papier 150,000 Doll.,
    Gemse, Frchte, Eingemachtes 168,000 Doll., Spirituosen 125,000
    Doll. (Diario 23. 7. 66.)


Die berwiegende Menge der Einfuhren kommt aus England, aber ein
betrchtlicher Theil derselben (von Einigen wird er auf die Hlfte
geschtzt) ist deutschen und schweizer Ursprunges. Unmittelbar aus
deutschen Hfen wird nichts verschifft, da die spanischen Schiffe,
denen bis jetzt allein die Einfuhr zufllt, nur in England laden.

Die Differenzialzlle waren es, welche die Peninsular- und
Oriental-Company veranlassten, den Postdienst, den sie so regelmssig
im Anschluss an die grosse Ueberland-Post besorgt hatte, trotz des
Zuschusses von der Kolonial-Regierung, aufzugeben. Aus demselben Grunde
weigerten sich die Messageries impriales den Dienst zu bernehmen. Die
Regierung bertrug ihn ihren eignen Dampfern, die denselben aber,
wenigstens im Anfange, auf eine Weise versahen, dass die Kaufleute
vorzogen, sogar ihre Briefe mit Segelschiffen zu senden. Packete,
ja selbst Muster, wurden gar nicht befrdert; hufig auch keine
Passagiere. Damals kam es auch vor, dass ein Kapitn, der mehrere Tage
in Hongkong auf eine versptete Ueberland-Post gewartet hatte, in dem
Augenblicke wo sie eintraf, als stolzer Castilier nach Hause dampfte,
ohne die Briefe und den brigen geschftlichen Plunder mitzunehmen.

Die Ausfuhrzlle htten lngst aufgehoben werden sollen. Schon wegen
der durch die Differenzialzlle verteuerten Manilafrachten konnten die
Landeserzeugnisse nur schwer mit denen anderer Kolonien konkurriren,
welche durch Kapital, verbesserte Produktionsmethoden, westlichere
Lage und freisinnigere Handelspolitik bevorzugt waren.

Mehr aber als die Ausfuhrzlle wirkte vielleicht die rgerliche Art
ihrer Erhebung nachtheilig auf den Verkehr. Dieser Umstand wurde im
Vergleich zur Schnelligkeit und Leichtigkeit, mit der die Schiffer
in Singapore und China abgefertigt werden, doppelt empfunden und hat
den Hafen von Manila in Verruf gebracht.








HANDEL MIT CHINA VOR ANKUNFT DER SPANIER.

Zu S. 9.


Vor Ankunft der Spanier scheint der Handel zwischen Manila und
China unbedeutend gewesen zu sein. Alonzo Barrera (Sevilla 1574;
Hakluyt Morga 390) berichtet aus Manila: seit einem Jahre wo das
Lager auf der Insel Luzon aufgeschlagen, sind drei Schiffe aus China
angekommen, welche einige Gter von dort brachten wie ihre Gewohnheit
ist . . da sie alle Jahre nach diesen Inseln kommen um zu handeln
. . sie brachten aber nur Kleinigkeiten in geringer Menge; denn
die Moren gebrauchen hauptschlich grosse Krge, grobe Thonwaaren,
Eisen und Kupfer, dieses in Flle; die Huptlinge einige Stck Seide,
feines Porzellan, feine Thonwaaren.








HANDEL MIT CHINA NACH ANKUNFT DER SPANIER.

Zu S. 10.


Morga (Bl. 161 v.) giebt folgendes interessante Verzeichniss der zu
seiner Zeit von den Chinesen eingefhrten Waaren:

Diese (chinesischen) Schiffe kommen an mit Waaren beladen und
bringen grosse Kaufleute, denen sie zugehren, und Diener und
Agenten Anderer, die in China verbleiben. Und sie kommen von dort
mit Erlaubniss und Bewilligung ihrer Vizeknige und Mandarine, und
was sie gewhnlich mitbringen und an die Spanier verkaufen, ist:
Rohseide in Ballen, feine (Seide) von zwei Strhnen (?) und andere
von geringerem Gehalt; feine Stickseide, weiss und von allen Farben
in kleinen Strhnen, viel Sammet, glatt und gestickt, von allerlei
Art und allen Farben und Mustern, und Goldstickerei auf Goldgrund,
Stoffe und Brokate von Gold und Silber auf Seide von verschiedenen
Farben und Mustern; viele Gold- und Silberfden in Strhnen, auf
Zwirn und Seide, aber der Ueberzug von Gold und Silber ist falsch
und auf Papier (diese Goldfden bestehen aus einem schmalen Streifen
Goldpapier, das spiralfrmig um einen Faden gerollt ist; im Deutschen
Gewerbe-Museum in Berlin sind solche Stickereien ausgestellt), Damast,
Atlas, Taffet und Govarane, Picote (dies kann Stoff aus Ziegenhaar
oder sehr glnzendes Seidenzeug heissen) und andere Zeuge von allen
Farben, einige feiner und besser als die andern; eine grosse Menge
Grasleinen (aus den Fasern der Boehmeria nivea) und weisse baumwollene
Decken verschiedener Gattungen und Sorten zu allen Zwecken; Bisam,
Benzoe, Elfenbein, viele Verzierungen fr Betten, Vorhnge, Decken und
Gardinen, auf Sammet gestickt; Damast und Govaran in Schattirungen,
Tischdecken, Kissen und Teppiche, dergleichen Pferdegeschirre und
mit Glasperlen und Samenperlen gestickt; einige Perlen, Rubine,
Saphire und Krystallsteine; Becken, Kessel und andere Gefsse von
Kupfer und Gusseisen; viele Ngel von allen Sorten, Eisenblech,
Zinn, Blei, Salpeter und Pulver; Weizenmehl, Konfekt von Orangen
und von Pfirsich; Skorzoneren, Birnen, Muskatnuss, Ingwer und andre
chinesische Frchte; Schinken und Rauchfleisch, lebendige Hhner von
guter Rasse und sehr schne Kapaune, viel frisches Obst, Orangen von
allen Sorten, sehr gute Kastanien, Wallnsse, Birnen und Chicueyes,
frische und getrocknete, welches eine sehr kstliche Frucht ist
[306]; viel feinen Zwirn von allen Sorten, Nhnadeln, Nippssachen,
Kstchen und Schreibzeuge, Bettstellen, Tische und Sthle, Bnke,
vergoldet und mit Marmor eingelegt, mit vielen Verzierungen; zahme
Bffel, Gnse wie Schwne, Pferde, einige Maulthiere und Esel, und
selbst Vgel in Kfigen, deren einige sprechen und andre singen,
und sie lassen sie tausend Kunststckchen machen; und tausenderlei
andre Spielereien und Flittern von geringem Werth und Preis, die von
den Spaniern geschtzt werden; ausserdem viel feine Thonwaaren von
allerlei Art, Canganes und Sines; schwarze und blaue Umschlagetcher;
Tacley, d. h. Glasperlen von allen Sorten, aufgezogene Karniole und
allerlei andre Perlen auf Schnren, und Steine in allen Farben;
Pfeffer und andre Gewrze und Kuriositten; sie alle aufzhlen,
hiesse nie fertig werden, und viel Papier wrde dazu nicht ausreichen.








HAUPT-AUSFUHR-ARTIKEL AUS DEN HFEN MANILA, CEBU UND YLOILO, 1871.


=============================+=============+==========+============+=========+===========+==========+=============+==================
                             |Atlantische  |  Gross-  |Californien.|Kontinent|Australien.|Singapore.|China, Japan,|
                             |Hfen der    |Britanien.|            |   von   |           |          |  Molucken   |      Total.
                             |Ver. Staaten.|          |            | Europa. |           |          | und Habana. |
=============================+=============+==========+============+=========+===========+==========+=============+=========+========
                             |     1871    |   1871   |    1871    |   1871  |    1871   |   1871   |      1871   |   1871  |    1870
                             |             |          |            |         |           |          |             |         |
Abac                  Picos |   285112    |  143498  |    22500   |     640 |     6716  |    2992  |       2294  |  463752 |  488560
Zucker                  ,,   |   545929    |  555907  |    99844   |   57476 |   139787  |     ,,   |        491  | 1399434 | 1251416
Sapanholz               ,,   |    10520    |    5301  |      320   |     660 |     ,,    |    1631  |      58050  |   76482 |  176924
Zigarren            Tausende |     1453    |   10080  |      378   |      13 |     2930  |   35089  |      26849  |   76792 |   77526
Kaffee                 Picos |     1451    |   31434  |     3700   |   10653 |     ,,    |    1415  |       4717  |   53370 |   34120
Tauwerk                 ,,   |     ,,      |     220  |      484   |      87 |      114  |    2640  |       8389  |   11934 |   11307
Indigo             Quintales |     3390    |    1715  |      ,,    |    ,,   |     ,,    |     186  |       ,,    |    5291 |    5662
Bltter-Tabak          Picos |     ,,      |   27773  |      ,,    |   25775 |     ,,    |     ,,   |       ,,    |   53548 |  136680
Perlmutter              ,,   |     2037    |     503  |      ,,    |    ,,   |     ,,    |     ,,   |         45  |    2585 |    3022
Schildpatt            Kattis |     ,,      |     100  |      ,,    |    ,,   |     ,,    |     ,,   |        902  |    1002 |    1043
Hute                  Picos |      777    |    1053  |      ,,    |    ,,   |     ,,    |     325  |        971  |    3126 |    3859
Desgl. Abflle          ,,   |     5833    |    ,,    |      ,,    |    ,,   |     ,,    |     ,,   |       1908  |    7741 |    4303
Almciga-Harz           ,,   |     ,,      |    9506  |      ,,    |    ,,   |     ,,    |     309  |       ,,    |    9815 |   11028
Cowries                      |             |          |            |         |           |          |             |         |
  (Cypraea moneta)      ,,   |     ,,      |    1577  |      ,,    |    ,,   |     ,,    |     ,,   |       ,,    |    1577 |    3887
Reis                  Cabans |     ,,      |    ,,    |     1805   |    6370 |     ,,    |     130  |      28522  |   36807 |   28560
Flssiger Indigo   Quintales |     ,,      |    ,,    |      ,,    |    ,,   |     ,,    |     416  |      19328  |   19744 |   14262
=============================+=============+==========+============+=========+===========+==========+=============+=========+========
 Uebersicht           Abaca. |    1869     |  293692  |    94568   |   22000 |       60  |   13458  |       2396  |    174  |  426348
   der                       |    1868     |  294728  |   130060   |   14200 |      200  |   21144  |       3646  |   1102  |  465080
 Ausfuhr                     |    1867     |  287570  |   113030   |   17602 |     1318  |   12100  |       2398  |    786  |  435804
   von                       |    1866     |  278888  |    96432   |   15120 |     1614  |   12244  |       1250  |   1156  |  406704
                             |    1865     |  289444  |    79316   |   13600 |     3342  |    9550  |       1100  |   1445  |  397797
                     ========+=============+==========+============+=========+===========+==========+=============+=========+========
                     Zucker  |    1869     |  343959  |   512578   |  120741 |      6992 |  115239  |        136  |   1436  | 1101081
                             |    1868     |  185613  |   819462   |   44050 |     10559 |   96980  |        ,,   |  28627  | 1185291
                             |    1867     |   98502  |   507432   |   81783 |     28610 |  121871  |        ,,   | 194758  | 1032956
                             |    1866     |   85842  |   470676   |  131749 |     10959 |   57709  |         88  | 120444  |  877467
                             |    1865     |   68640  |   324676   |  131235 |     15026 |  184686  |        ,,   | 158568  |  882826
=============================+=============+==========+============+=========+===========+==========+=============+=========+========








FLCHENINHALT DER GRSSEREN INSELN DES PHILIPPINISCHEN ARCHIPELS [307].

Zu S. 39.

==================+=======================+============+====================
                  | Berechnet nach        |            | Nach dem Anuario
                  |           | der       | Nach       | estadistico de
                  | Coello's  | hydrogra- | Engelhardt | Espaa 1858.
                  | Karte     | phischen  | [308]      | Behm's geograph.
                  |           | Karte     |            | Jahrbuch I. 1869.
                  |  q. M.    | q. M.     | q. M.      | q. M.   | q. Kilom.
==================+===========+===========+============+=========+==========
Luzon             | 1934.2    |   1932.9  |    1937.31 |  2014.8 |  110.940
Mindano          | 1569.9    |   1625.7  |            |  1538.8 |   84.730
Paluan (Pargua) |  265.8    |    235.4  |            |   251.5 |   13.850
Smar             |  236.5    |    228    |     229.50 |   221.1 |   12.175
Pany             |  223.2    |    317.4  |     233    |   214.1 |   11.790
Mindro           |  185.3    |    182    |     188    |   175.3 |    9.650
Ngros            |  163.7    |    227.8  |     174.33 |   158.1 |    8.705
Lyte             |  168.9    |    163.3  |     192    |   172.5 |    9.500
Ceb              |  104.2    |     76.1  |      88.8  |   107.6 |    5.925
Bojl             |   55.9    |     55.9  |      59.6  |    59   |    3.250
Masbte           |   62.3    |     55.6  |            |         |    3.637
Catandunes       |   30.4    |     29.7  |            |         |
Polllo           |   14.2    |     16.8  |            |         |
Marindque        |   14.1    |     13.8  |            |         |
Tblas            |   13.2    |     15.2  |            |         |
Buras            |   11.3    |      8.6  |            |         |
Tico             |    6.8    |      6.4  |            |         |
==================+=======================+============+====================
Der ganze Archipel| 5293[309] |   5392.7  |            |  5368   |  295.585








1867 BERSICHTS-TABELLE DER METEOROLOGISCHEN VERHLTNISSE

zu S. 41.


Luftdruck:       Mittel 755,50 Millimeter.
Maximum                 760,75 Millimeter. (13. Dez.)
Minimum                 746,77 Millimeter. (24. Sept.)
Aeusserster Unterschied  13,96 Millimeter.

Luftwrme:       Mittel 27.9 C.
Maximum                 37.7 C. (15. Apr.)
Minimum                 19.4 C. (14. Dez. 30. Jan.)
Aeusserster Unterschied 18.3 C.

Feuchtigkeit der Luft: Mittel 63,93%
Maximum                       97,81% (21. Aug.)
Minimum                       22,12% (16. Mai).
Aeusserster Unterschied       75,69%.

Regenmenge                                  3072,8mm
Regentage                                    168
Mittlere Verdunstung in 24 Stunden             6,3mm.
Gesammt-Verdunstung                         2307,3mm.
Heitere Tage                                  49
theilweis heitere                            144
bedeckt                                      172
Winde    NO                                  554
Winde    SO                                  561
Winde    SW                                  512
Winde    NW                                  453
Mittlere Geschwindigkeit der Winde in der Sekunde
         NO                                    2,1 Meter.
         SO                                    3,1 Meter.
         SW                                    3,6 Meter.
         NW                                    2,8 Meter.


Mittel der Jahre 1865/1869.


                Januar. Februar.  Mrz.   April.   Mai.   Juni.   Juli. August. September. Oktober. November. Dezember.
                   mm.      mm.     mm.     mm.    mm.     mm.     mm.     mm.        mm.      mm.       mm.       mm.

Barometer:       757,19   756,78  756,58  755,30  751,5  753,95  753,50  753,07     752,02   754,78    755,75    756,37
Spannkraft der
Dmpfe:           14,71    14,27   15,53   16,25  18,48   20,42   20,70   20,92      21,77    18,53     17,41     15,24
Trockene Luft.
(Barometerstand
minus
Spannkraft der
Dmpfe):         742,48   742,51  741,05  739,05 734,69  734,32  733,33  732,89     729,75   733,08    736,25    738,87
Regen:             24,2    13,46   14,56   16,46  110,3  243,08  255,08  281,22     723,42    236,9    143,97     11,47  2074,84
                                                                                                                         (1867: 3072,8).
Verdunstung:      17,18    18,25  250,35  273,32 217,67  243,33  171,27  186,77     163,53    196,7     189,0    201,35  2402,14.

                                                                                                         
Temperatur C.    26,39    27,02    28,6    30,1  29,25   27,85   27,38   27,95      27,48     28,1     26,83     26,33








UEBERSICHT DER VOLKSMENGE, DER ORTSCHAFTEN U. S. W. IN DEN PHILIPPINEN.

Vergl. S. 43.

(Nach den neuesten amtlichen Erhebungen mitgetheilt von
Dr. A. B. Meyer.)


Unter den Ortschaften sind 81 Rancherien (Ansiedelungen) Neubekehrter
mitgezhlt. Die Seelenzahl ist (abgesehn von Schreibfehlern), = 6
mal Zahl der Tribute angenommen. Frher galt 4 mal Zahl der Tribute =
Seelenzahl. (S. 43).

Ein Plan zur bessern Eintheilung der Philippinen liegt der Madrider
Regierung vor. Er lautet: . 1. Das Gebiet der philippinischen Inseln
wird in 18 Provinzen getheilt, die nach ihrer Wichtigkeit in drei
Rangstufen zerfallen. Die Inseln Mindanao, Basilan, Iolo, Samales,
Balabac werden nach besondern Gesetzen regiert und sind in obiger
Eintheilung nicht einbegriffen (die spanische Herrschaft ist nmlich
in jenen Gebieten, mit Ausnahme einiger Distrikte Mindanao's, nichts
weniger als begrndet). . 2. Provinzen I. Klasse sind: Manila, Yloilo,
Ceb, Ilcos und Cagayn. II. Klasse: Pangasinn, Pampnga, Lagna,
Cavte, Batngas, Alby, Neu-cija. III. Klasse: Bulacn, Camarnes,
Cpiz, Ngros, Leyte und Marinas. . 3. Die heut bestehenden, im
vorgehenden  nicht aufgefhrten Provinzen werden mit den neu zu
errichtenden verschmolzen. . 4. Die Provinzen knnen in so viele
Distrikte getheilt werden als ihre zweckmssige Verwaltung erfordert.


Insel Luzon.

Namen der Provinzen.                        Zahl
                      der          der           der Seelen.  Tribute.
                      Ortschaften  Frohnarbeiter
                      (Pueblos.)   (polistas.)

Abra                          8       4678          6211         37266
Alby                        38      44050         56915 1/2    341493
Batan                       12      10865         11227         67362
Batngas                     21      64482         72084        432504
Bulacn                      24      45783         57719 1/2    346317
Cagayn                      19      19059         19066        114396
Camarnes Norte               9       6327         7087 1/2      42525
Camarnes Sur                34      29558         72336        434016
Cavte                       19      26031         28865 1/2    173193
Ilcos Norte                 15      30449         36673        220038
Ilcos Sur                   21      38821         44205 1/2    265233
Isabla                       9       5461          7844 1/2     47067
Lagna                       28      29921         36072 1/2    216435
Lepnto                      81       9384          . .          56088
Manila                       29      44138         59058        354348
Morng                       12      11333         12180         73080
Nueva cija                  23      28780         27887 1/2    167325
Nueva Vizcya                 6       3399          3578 1/2     21471
Pampnga                     29      36409         50094 1/2    300567
Pangasinn                   30      65036         71948 1/2    431691
Taybas                      17      20856         25880        155280
Unin                        13      18885         22242        133452
Zambles                     23      16284         18174        109044

Inseln zwischen Luzon und Mindanao.

Antque                      19      15231         21981        131886
Bojl                        36      18853         47252 1/2    283515
Buras                        1        420           405          2430
Cpiz                        32      29780         45382        272292
Ceb                         51      35369         71226        427356
Ilolo                       41      80325        108068        648408
Leyte                        43      46069         47582 1/2    285495
Masbte und Tico             9       2573          2865         17190
Mindro                      18       9630         11821         10926
Ngros                       43      32204         42645 1/2    255873
Rombln                       9       4909          5689 1/2     34137
Smar                        35      41363         41677        250062

Mindanao.

Cotabat                      1        200           200          1200
Mismis                      32      12574         16733        100398
Surigo                      28      12295         12295         73770
Zambonga                     2       2303          2429         14574
Davo                         1        332           310          1860
Basiln                       1         95           100           600
Fernere Inseln.
Batnes                       6       2000          2000         12000
Calamines                    5        940          4531 1/2     27189
                            ===    =======     =========     =========
                            933    957,427     1,232,544     7,451,352


Von den S. 43 genannten Distrikten sind einige in vorstehender Liste
als Provinzen erwhnt, andre scheinen ihre Selbststndigkeit verloren
zu haben. Bei Mindanao ist die kleine Insel Basilan selbststndig
aufgefhrt, die frher zur Verwaltung von Zambonga gehrte. Unter
den Ferneren Inseln fehlt die Bevlkerung der Mariannen; in einer
Anmerkung wird sie auf 8 bis 9000 geschtzt, indem man wahrscheinlich
die Zahl der Tribute mit 6 statt mit 4 multiplizirte.








BEVLKERUNG VON MINDANAO.

Die folgenden Angaben sind noch weniger verlsslich, als die obigen,
aus amtlicher Quelle stammenden, auch nicht mehr ganz neu.


1) Unglubige:

Negritos, zerstreut in den Wldern (unsicher ob
unvermischt)                                           etwa  10,000
Manobos, in der Nhe von Butuan                         ,,   10,000
Manguangas, von Tingog bis Mismis und in den Wldern
bis an den See von Buhayen oder Maguindanao             ,,   80,000
Mandayas, von Linao bis an die Seen von Liguasin und
Butuan                                                  ,,   40,000
Mischlinge aus den beiden letzten in der Nhe des
Meerbusens von Davao                                    ,,     7000
Guiangas und Bagobos, vom Vulkan Apo (?) bis an die
Ebenen des Meerbusens von Davao                         ,,   12,000
Tagacaolos, Sanguiles, Bilanes, vom Vulkan Apo bis an
die SO.-Kste                                           ,,   76,000
Subanos, von Msamis bis Zamboanga                      ,,   70,000
                                                            -------
                                                        ,,  305,000
2) Moros (Mohamedaner):

Meerbusen von Davao 6000; Meerbusen von
Sarangani 15,000                                        ,,   21,000
Am Fluss Painan und an den Seen im Sden                ,,   45,000
Bay von Illana bis Sibugnay 30,000; Bay von Sindangan
und Iligan 40,000                                       ,,   70,000
Misamis nach Osten 10,000; See v. Buhayen und an den
aus dems. fliessenden Flssen 60,000 in 30 Orten        ,,   70,000
Im Innern, im Sden der Prov. Misamis viele Unglubige
welche zum Islam hinneigen                              ,,   30,000
                                                            -------
                                                        ,,  541,000

3) Christen in 64 Ortschaften:                          ,,  191,802
                                                            =======
    Zusammen                                            ,,  732,802








GLEICHZEITIGER AUSBRUCH DREIER VULKANE 1641.

(Zu S. 110.)


Die ber dieses Ereigniss vorhandenen Angaben sind sehr
ungengend. A. Perrey giebt S. 53 eine ausfhrliche Beschreibung
nach J. E. Nierembergius, dessen Obras filosoficas einen Abdruck des
amtlichen Originalberichtes enthalten. Da letzterer usserst selten
(ich verdanke seine Mittheilung dem Professor Don P. de Gayangos),
und auch Perrey's Documents (Mm. Acad. Dijon) wenig verbreitet sind,
so lasse ich eine genaue Uebersetzung der wesentlichen Stellen jenes
interessanten Schriftstckes folgen; das Nebenschliche ist abgekrzt
oder ausgelassen. Wo Perrey's Uebersetzung nicht mit dem Originaltexte
bereinstimmt (unwesentliche Abweichungen sind nicht hervorgehoben),
ist der spanische Text sowohl als der franzsische in [] beigefgt.

Der Titel lautet:

Succeso raro de tres Volcanes dos de fuego, y uno de agua, que
rebentaron a 4 de Enero deste ao de 641 a un mismo tiempo, en
diferentes partes de estas islas Filipinas, con grande estruendo por
los ayres, como de artilleria y mosquetaria.

Averiguado por orden y comission del Seor Don Fray Pedro Are obispo
de Zebu y Gobernador del Arobispaso de Manila JHS en la compaia de
Jesus. Manila Ao MDCXXXXI por Raymundo Magisa.

Ende Dezember 1640 fiel zweimal Asche bei Zamboanga und bedeckte die
Felder leicht wie Reif. Am 1. Januar legte ein von Manila nach Ternate
bestimmtes Geschwader mit Hlfstruppen dort an. Am 3. Januar um 7 Uhr
Nachm. vernahm man pltzlich in Zamboanga ein anscheinend 1/2 Stunde
entferntes Gerusch, das Besorgniss erregte. Es klang wie Arkebusier-
und Artilleriefeuer, man glaubte ein Feind wolle die Kste beunruhigen,
und bereitete sich darauf vor. Der General der Ruderflotte sandte
ein leichtes Boot aus um zu sehn ob es etwa eines der Schiffe des
Hlfsgeschwaders sei, das zu Grunde ginge: es fand nichts.

Am folgenden Tage, dem 4. gegen 9 Uhr Vm. [el dia siguiente a 4,
como a las 9 de la maana -- le lendemain  quatre heures et 
neuf heures du matin] nahm das (vermeintliche) Geschtzfeuer so
zu, dass man frchtete das Hlfsgeschwader sei auf hollndische
Galeonen gestossen. Es dauerte etwa eine halbe Stunde. -- Aber bald
berzeugte man sich, dass das Gerusch von einem Vulkan herrhre, der
sich aufgethan; denn gegen Mittag sah man von Sden her eine grosse
Finsterniss hereinbrechen, die sich allmlig ber jene Hemisphre
verbreitete und das ganze Gesichtsfeld verdeckte, so dass man sich um 1
Uhr NM. in wahrer Nacht, und um 2 Uhr in so dichter Finsterniss befand,
dass man nicht die Hand vor Augen sehn konnte . . . grosse Bestrzung,
Alles luft in die Kirchen, betet und beichtet, zndet Kerzen an.

Diese Finsterniss, whrend welcher im ganzen Gesichtskreis kein Licht
wahrzunehmen, dauerte bis 2 Uhr Morgens, als sich etwas Mondschein
blicken liess [se commenzo a descubrir alguna claridad de la luna --
ce ne fut qu'alors qu'on commena  dcouvrir la Laguna] zur grossen
Freude der Spanier und Indier die befrchtet hatten, unter der Menge
von Asche begraben zu werden, welche seit 2 Uhr [que desde las dos
-- qui ds le deux] begonnen hatte auf sie herabzufallen. Dieselbe
Nacht brachte zur selben Stunde auch das Geschwader in Verwirrung,
welches der Kste von Mindanao folgend, sich bereits unfern Cap
San Agustin befand, in der Nhe einer Insel Sanguil genannt (Pater
Nieremberger schreibt Sanguiz) wo der Vulkan [el volcan -- un volcan]
ausgebrochen war. Fr sie wurde es frher Nacht als in Zambonga,
denn um 10 Uhr Vormittags befanden sie sich in so dichter Dunkelheit
und schrecklicher Finsterniss, dass sie den Tag des jngsten Gerichts
gekommen glaubten. Es begann so viele Steine, Erde und Asche zu regnen,
dass sich die Schiffe in Gefahr sahen und genthigt waren Licht
anzuznden, und sich schnell der schweren Last von Erde und Asche zu
entledigen; und die Galera nahm ihr Zelt ab und zndete Laternen an,
als ob es Nacht wre. Man beobachtete geraume Zeit von den Schiffen
aus, wie aus besagter Insel Sanguil schnell nach einander feurige
Federbsche und Sulen hervorbrachen die sich gen Himmel erhoben
und im Herabfallen die benachbarten Wlder in Brand steckten. Die
Finsterniss verbreitete sich ber den grssten Theil besagter Insel
Mindanao, welche sehr gross ist, die Asche flog bis nach Zebu, Panay
und andern umliegenden Inseln, und besonders nach der von Jolo, die
wohl mehr als vierzig Leguas von Sanguil, wo der Vulkan ausgebrochen,
entfernt sein mag; und obgleich man zur Zeit wegen der Finsterniss
und des Aufruhrs des Wetters, in Jolo nicht wahrnahm, wo das was vom
Himmel herabstrzte, herkam, so bemerkte man, als es hell wurde,
dass um dieselbe Zeit wo in Mindanao und Sanguil der erste Vulkan
ausgebrochen [y aunque entonces por la escuridad y revolucion del
tiempo, no repararon en Jolo de donde les venia lo, que el cielo
arrojava, despues de sereno advertieron que al mismo tiempo que
en Mindanao y Sanguil avia rebentado el primer volcan -- quoique
l'obscurit eut empch les navires d'observer ce qui se passait
alors  l'le d' Jolo (die Schiffe waren ja ber 100 Leguas von Jolo
entfernt!) au dessus de laquelle le ciel paraissait tout rouge, ils ont
appris depuis, que dans le mme moment, o le premier volcan faisait
ruption  Sanguiz et lanait ses cendres jusqu'  Mindanao] sich auch
dort die Elemente emprt, und noch ein zweiter Vulkan aufgethan hatte,
auf einer kleinen Insel, welche der Barre des Hauptflusses von Jolo,
wo sich unser Presidio befindet, gegenber liegt. Dort ffnete sich
(wie spter festgestellt) die Erde unter grossen Erschtterungen
und spie feurige Flammen aus und dazwischen Bume und grosse Steine
[Llamas de fuego y entre ellas -- des flammes de feu, qui entranrent
avec elles des arbres]. So gross war der Aufruhr der Elemente, dass
er, durch die Eingeweide der Erde bis in die des Meeres dringend,
durch eben den Mund, der sich auf dem Lande aufgethan, eine Menge
grosser Muscheln und verschiedene andre Dinge ausspie, die das Meer
auf seinem Boden erzeugt. Heute steht die Mndung dieses Vulkans offen;
sie ist sehr weit, und hat die ganze Umgebung jener Insel verbrannt.

Aber was am meisten Bewunderung erregt, ist, dass in der Provinz
Ilocos, auf der Insel Manila, die wenigstens 150 Leguas in gerader
Linie von der Stelle entfernt ist, an demselben Tage und zur selben
Stunde, wo die erwhnten beiden Feuervulkane ausbrachen, in einigen
Ortschaften der Igoloten, welche letztere noch unglubig sind, ein
anderer Sturm stattfand und der dritte Vulkan ausbrach, welcher von
Wasser war und so furchtbar, wie man aus einem Kapitel des Briefes von
Fray Gonzalo de Palma, General Procurators der Augustiner, ersehn wird,
welches im Wesentlichen lautet: Bei den Igoloten, die in Bezug auf die
Ilocos fnf Tagereisen weiter stlich landeinwrts wohnen, erlitt die
Erde am 4. Januar ein so furchtbares und erschreckliches Erdbeben wie
der vorausgegangene wthende Orkan es angekndigt. Die Erde verschlang
3 Berge von denen einer, an dessen Abhang drei Ortschaften lagen,
unzugnglich war. Diese ganze aus ihren Grundfesten gerissene Masse
flog in die Luft zugleich mit vielem Wasser, so dass die Lcke einen
weiten See bildete ohne irgend ein Zeichen zurckzulassen, weder der
Ortschaften noch der hohen Berge, die dort gestanden hatten. Wind und
Wasser zersprengten die Eingeweide der Erde mit so ausserordentlicher
Wuth, dass Bume und Berge (montes) in Bruchstcken zwlf Piken hoch
geschleudert wurden und bei dem Aneinanderstossen in der Luft und
im Herabfallen ein so furchtbares Gerusch machten, dass es viele
Stunden weit gehrt wurde.

Nach langen religis-aberglubischen Errterungen heisst es weiter:

Das letzte ausserordentlichste und allgemeinste Wunder dieses
4. Januartages ist das in diesem Briefe hervorgehobene Getse,
welches zwischen 9 und 10 Uhr in der Luft entstand und nicht nur
in Manila und den wohl 130 Leguas entfernten Provinzen Ilocos und
Cagayan, sondern auch in smmtlichen philippinischen Inseln und den
Molukken gehrt wurde. Und es drang bis in das Festland von Asien, in
die Reiche von Cochinchina, Champa, Cambodia, wie durch verschiedene
Geistliche und andre glaubwrdige Personen, die aus diesen Reichen
nach Manila gekommen, kund wurde. Eine Entfernung die wohl einen Kreis
von mehr als 300 Leguas Durchmesser und 900 Leguas Umfang bildet,
und in dieser ganzen Entfernung hrte man das Gerusch gleichmssig an
demselben Punkte und demselben Orte. Alle vermutheten, dass es starkes
Artillerie- und Gewehrfeuer sei, und glaubwrdige Leute fgen hinzu,
dass sie einen Schall wie von Trommeln unterschieden [discernieron
sonido como de caxas de guerra -- distingaient le son comme celui
de botes d'artifice] und alle hrten es solcher Art, und in solcher
Entfernung, dass sie meinten es sei 2 oder 3 Leguas von der Stelle wo
sie sich befanden. In Manila whnten sie, es sei im Hafen von Cavite,
und in Cavite, dass es in Manila sei, . . . und es wurden Depeschen von
einem Ort zum andern gesandt. . . . Und so geschah es in allen Inseln,
Stdten und Ortschaften innerhalb des Umkreises von 900 Leguas,
eine wunderbare Sache, die, wie es scheint die Grenzen der Natur
berschreitet und den Grundstzen der Philosophie widerstrebt . . .

Es folgen wieder aberglubische Betrachtungen, darunter eine von
chronologischem Interesse: Da nmlich Malacca, das am 13. Januar von
den Hollndern erobert wurde, am 4. schon hart bedrngt war, so meinten
viele, als sie spter die Kunde erhielten, der Himmel habe durch die
Vulkane Lrm schlagen lassen, um die Spanier auf den grossen Schaden
aufmerksam zu machen den der Verlust dieser vornehmen Stadt allen jenen
Archipelen, Ksten und davorliegenden Inseln bringen wrde. Auch wird
angefhrt dass der 5. Januar in Macao dem 4. in Manila entspricht,
weil die Portugiesen von W. nach O., die Spanier von O. nach W. nach
ihren indischen Kolonien gehn. Die Missionre von Cochinchina gaben
nmlich den 5. Januar als Datum der Ausbrche.

Perrey kommt zu dem Schluss, dass Nieremberg's Sanguiz ident sei
mit Sanguil oder Sanguir (man findet auch Sangin, Sangi, Sanghir,
Sangir, Sangil, Sanguili) und dass derjenige der drei Ausbrche der
das Geschwader in Gefahr brachte, auf der Insel Sanguir stattfand,
die etwa 36 Leguas S. von Mindanao liegt. Die erste Annahme wird
durch den Originalbericht besttigt, gegen die zweite aber erheben
sich manche Bedenken. Dafr scheint der Name der Insel zu sprechen
und ihre Lage zwischen Zamboanga und Ternate.

Aber nur gar zu hufig sind in jenen Lndern verschiedene
Oertlichkeiten mit demselben Namen benannt, wodurch grosse Verwirrung
entsteht. (Ein auffallendes Beispiel davon wird am Schluss dieses
Artikels mitgetheilt.) Auch auf der Insel Mindanao ist zweifellos
wenigstens ein Vulkan Sanguil vorhanden den indessen verschiedene
Schriftsteller an verschiedene Stellen versetzen. Im Originaltext
heisst es nicht, wie in der Uebersetzung, dass der erste Vulkan in
Sanguil ausbrach und seine Asche bis Mindanao schleuderte, sondern
dass er in Mindanao und Sanguil ausbrach, eine schwer zu verstehende
Stelle, die aber nach Ansicht spanischer Autoritten nur bedeuten
kann: in Mindanao und zwar in Sanguil. Der Umstand, dass unter
den Bewohnern von Mindanao Sanguiles aufgefhrt werden (s. unten),
lsst vermuthen, dass noch heut ein Gebiet Sanguil dort vorhanden ist.

Nach Berghaus (Hydro-geog. Mem. 62) liegt der Vulkan Sanguili auf der
Halbinsel Sarangani, der Sdspitze Mindanao's; auf einer M. S. Karte
aus Forster's Nachlass (Neue berichtigte und verbesserte Karte der
Philippinischen Inseln 1772, K. Bibliothek Berlin) ist ein Vulkan
Sanguil ungefhr an der Stelle eingetragen wo Berghaus den Gunong
Tibangan setzt, etwa 6 30' N., 124 30' O. Gr. Nach Magisa liegt der
Vulkan auf einer Insel (?) Sanguil bei Kap San Agustin, welches nach
Allg. Historie (s. unten) Kap Serangani sein kann; nach Perrey auf
der Insel Gross-Sangir. Nach Combes im Gerichtsbezirk von Mindanao
(was sich nach Semper nicht auf den sdlichen Theil der Insel beziehen
kann), der Vulkan aber, der (1641) den furchtbaren Ausbruch hatte,
im Gerichtsbezirk von Buhayen, 60 Leguas von Zamboanga, was recht gut
auf den der Sdspitze Mindanaos, Kap Sarangani passt. Nach Murillo
Velarde S. 124 giebt es in Sanguil, welches im Sden von Mindanao
liegt, einen Vulkan. Prof. Semper identifizirt S. 5 und auf seiner
Karte den Sanguil mit dem Serangani, bezweifelt aber die Identitt
in einer Anmerkung S. 92.

Gegen Perreys zweite Annahme spricht ferner der Umstand, dass sich
das Geschwader lngs der Kste bewegte. Befand es sich wirklich bei
Kap S. Agustin so war es sehr aus seinem Kurs gekommen, wofr kein
Grund ersichtlich ist, da Strme vor dem Ausbruch nicht gemeldet
werden. Dem angegebenen Kurse wrde es besser entsprechen, dass sich
das Geschwader zur Zeit des Ausbruches an der Sdspitze von Mindanao
bei Kap Sarangani in unmittelbarer Nhe des dortigen Vulkanes befand
und dass die Namen der Kaps verwechselt sind. Auch in der Allgemeinen
Historie der Reisen, XVIII, 391 ist zu lesen, dass das unter 5
30' N. liegende Kap den Namen Sarangan oder des heiligen Augustin
trage. Indessen weder in dem einen, noch in dem andern Fall konnte sich
das Geschwader gleichzeitig in solcher Nhe der 52, bezglich 36 Leguas
entfernten Insel Gross-Sanguir und der ber 100 Leguas entlegenen Insel
Jolo befinden um von ersterer aus mit Erde und Steinen beschttet zu
werden und wahrnehmen zu knnen was auf letzterer vorging.

Perrey fhrt zwar auch noch einen dritten Grund an, den Umstand
nmlich, dass sich in Zamboanga die Finsterniss von Sden aus
verbreitete; die Insel Gross-Sanguir liegt aber SO. Wahrscheinlicher
ist es, dass der in Zamboanga beobachtete Aschenregen von Jolo kam,
wo gleichzeitig ein Ausbruch stattfand. Dr. Neumayer macht mich darauf
aufmerksam, dass der Januar in jenen Meeren frei von Strmen ist, dass
in den Berichten nur lokale Strme und Unwetter erwhnt werden, das zur
Zeit herrschende Windsystem, der NO.-Monsun, also wohl nicht allgemein
gestrt war. Die Asche des Joloausbruches konnte also wie solches bei
andern gewaltigen Eruptionen vorgekommen, durch den untern Luftstrom
in den darber SW. oder WSW. wehenden Aequatorialstrom geschleudert
und von diesem nach Zamboanga und den Bisayas getragen werden.

Gegen Perrey's Annahme muss es auch Bedenken erregen, dass Valentyn
Beschrijving der Moluccos S. 2 in Oud en Nieuw Oost Indie der eine
ausfhrliche Beschreibung der Insel Gross-Sanguir giebt, und alle
spteren hollndischen Schriftsteller keinen frheren Ausbruch dort
erwhnen als den von 1711. Doch war die Insel den Hollndern lange
bekannt: 1625 hatten sie das Schiff Trouw daselbst verloren, 1664,
nur 23 Jahre nach den drei gleichzeitigen Ausbrchen kam berdies
Ternate und damit auch die Insel Sanguir in ihren Besitz.

Am wahrscheinlichsten ist wohl der Vulkan auf der sdlichsten
Spitze Mindanao's (Halbinsel Sarangani) als der Heerd des Ausbruchs
anzunehmen, doch ist es nach dem Bericht des Jesuiten Magisa nicht
mglich den Ort mit Bestimmtheit festzustellen. Die Position des
Geschwaders ist unklar, die Richtung in welcher es die Erscheinungen
beobachtete nicht angegeben. Die angefhrten Entfernungen bekannter
Punkte, meist um die Hlfte zu gering, zeigen nur dass diese Angaben
werthlos sind. Der Verfasser berichtet vom Hrensagen, seinem Stande
und seiner Zeit entsprechend, nicht geologisch sondern theologisch.

Durch eine hnliche Betrachtung muss man sich trsten wenn in der
sechsbndigen Historia de los P. P. Dominicos en las islas filipinas
(Madrid 1870) mit Stolz hervorgehoben wird, dass allein Aduarte
(der Dominikaner war) ein am 30. November stattgefundenes grosses
Erdbeben beschreibe und dann seine Schilderung abgedruckt wird,
jedoch mit der Jahrszahl 1619 statt 1610 (s. S. 6).

In Geschichten von Mnchsorden sind solche Irrthmer hufig und
ziemlich unschdlich. Schlimmer ist es wenn sehr gelesene Zeitungen
falsche Angaben in einer Form verbreiten, die den Stempel hchster
Zuverlssigkeit trgt.

Die Illustrated London News 7. Oktober 1871 giebt die Abbildung eines
neuen auf der Insel Camiguin in den Philippinen entstandenen Vulkanes
und dazu folgende Erluterung: Der ehrenwerthe F. C. P. Vereker,
Lieutenant zur See, Kommandr des zu hydrographischen Aufnahmen
detachirten K. Grossbrit. Schiffes Nassau erfreut uns mit einer
Skizze des vulkanischen Ausbruchs auf der kleinen Insel Camiguin,
einer der nrdlichsten der Philippinen in 19 N. und etwa 122 O. Gr.

Darauf folgt eine kurze Beschreibung des Ausbruches vom 1. Mai
1871 ohne Angabe des Datums . . Als der Nassau den Vulkan im Juli
besuchte war er noch thtig, grosse Massen Dampf und Rauch drangen
aus den Seiten und dem Gipfel, hin und wieder wurden auch Steine
ausgeworfen. Zwei Offiziere die den Vulkan ersteigen wollten, mussten
es wegen der Hitze des Bodens aufgeben.

Der Bericht hat einen fast amtlichen Klang, ist aber dennoch falsch;
denn die gesperrt gedruckte Stelle ist vom Redaktr nach eigenem
Ermessen eingeschoben, die vom Nassau besuchte und skizzirte Insel
Camiguin liegt 9 N. 124 20' O. Gr., d. h. ber 200 Leguas von der
gleichnamigen Insel der Babuyanesgruppe entfernt, nach welcher der
Redaktr das Ereigniss verlegt.

Nach Berichten aus Manila besteht sie aus drei Bergrcken: Catarman,
Sigay und Maginog. Schon am 17. Februar wurden heftige Erdstsse
mit starkem unterirdischen Gerusch wahrgenommen. Am 1. Mai 1871
bemerkten die Bewohner des kleinen Bergdorfes Catarman eine aus dem
Boden aufsteigende Rauchsule; um 7 Uhr NM. desselben Tages hrten sie
pltzlich einen lauten Knall, und sahen sich von einer Wolke von Feuer
und Steinen umgeben. Einige die sich in grsserer Entfernung befanden,
wurden von dieser Wolke erreicht und an verschiedenen Stellen des
Krpers verbrht und verbrannt. Alles flchtete an die Kste um die
Insel zu verlassen, es waren aber nur wenige Fahrzeuge vorhanden. Die
Zahl der Opfer muss sehr betrchtlich gewesen sein. Noch am 12. spie
der Vulkan aus fnf Oeffnungen Rauch und Flammen aus.

Es scheint auf dem Gipfel des Berges von Catarman ein Kratersee
vorhanden gewesen zu sein, dessen Wasserstand grossen Schwankungen
unterlag. Zuweilen trocknete der See ein, einigemale floss er ber
und berschwemmte die Umgebung, so namentlich in den Jahren 1827 und
1862. Hufig wurde er durch Gasausstrmungen in Wallung versetzt. Ein
eigentlicher Ausbruch hatte in geschichtlicher Zeit nicht statt
gefunden.








ZUSTZE UND BERICHTIGUNGEN

nach Dr. A. B. Meyer und einigen andern krzlich aus den Philippinen
zurckgekehrten Freunden.



Zu S. 4. Es existirt jetzt direkte Dampfschiffahrt zwischen Spanien
und Manila, die Gesellschaft ist eine englische, die Schiffe gehn von
Liverpool nach Spanien und durch den Suezkanal nach Manila; es sind
grosse Dampfer von 2-3000 Tons. Diese Linie wird jetzt meist zu Aus-
und Heimreisen von den spanischen Beamten benutzt.

Zu S. 4 Anm. 5. Auch zwischen Singapore und Manila ist jetzt eine
direkte Dampfschiffverbindung vorhanden. Alle 14 Tage trgt ein
Schiff die Post von Manila nach Singapore und bringt die europische
zurck. Dieses ist jetzt auch die meist benutzte Passagierlinie:
Die Ueberfahrt soll in 6 Tagen gemacht werden. Die Regierung
zahlt der Gesellschaft 5000 Doll. fr jede Reise, bt aber kein
Aufsichtsrecht. Die Schiffe sind oft nicht seetchtig. Dr. A. B. M. war
13 Tage statt 6 unterwegs. Sein Schiff musste zwei Tage in den
Cuyo-Inseln Schutz suchen und wurde auf der nchsten Fahrt im Hafen
von Labuan, den es mit Mhe erreichte, kondemnirt. Ausserdem gehn noch
von Zeit zu Zeit Handelsdampfschiffe zwischen verschiedenen Hfen
Chinas (Amoy, Hongkong etc.) und Manila. Die Passagierbefrderung
mit spanischen Kriegsschiffen hat daher ganz aufgehrt.

S. 5 unten. Noch 1872 sieht man sehr viele Trmmerhaufen an den
verschiedensten Orten in Manila und Vorstdten, herrhrend von dem
Erdbeben von 1863. Der Hauptplatz ist noch in demselben Zustande,
wie auch die Brcke an deren Herstellung (s. Anm. S. 19) ich zweifle.


Zu Seite 6. Erdbeben in den Philippinen von Oktober 1871 bis Mrz 1872.


  1871:   8-9. Oktober Mindanao, Pollok; es entstanden neue
                                 Schwefelquellen.
  1871:   8-14. Dezember Mindanao, Cotabatu zerstrt.
  1871:   Dezember    Provinz Albay, Ausbrche des Mayon.
  1872:   Januar         ,,   Albay, desgleichen.
  1872:   29. Januar     ,,   Manila 7 Uhr Nm. O. W. schwach.
  1872:   29.   ,,       ,,   Zambales         O. W. stark.
  1872:    7. Februar    ,,   Camarines sur 2 Mal.
  1872:    5. Mrz       ,,   Manila 9 Uhr Vm.
  1872:    6.  ,,        ,,   Laguna 9 Uhr Vm. (vielleicht auch am 5.)
  1872:   22.  ,,        ,,   Manila, stark.
  1872:   22.  ,,        ,,   Batangas.


In der Epoca vom 20. und 21. Mrz 1872 werden die Erdbeben von
Pollok und Cotabatu als furchtbar in ihren Wirkungen geschildert. Am
8. Dezember 1871 um 6 Uhr 10 Minuten Nachm. war Cotabatu ein frhliches
Dorf, um 6 Uhr 20 Minuten ein Schutthaufen. Ein viel heftigeres
Erdbeben fand am 9. um 7 1/2 Uhr Vorm. statt, die Erde schien zu
kochen; dies wiederholte sich noch 5 Mal.

Zu S. 23. Botanischer Garten. Er ist in demselben Zustand wie Sie
ihn sahen. Der Direktor bekommt zwar 2000 Dollar Gehalt oder mehr,
aber seine einzige Thtigkeit besteht darin, Blumen zu Strussen
zu ziehen. Der grssere Theil des Bodens ist mit Mais und Bananen
bestanden. Wieder ein Beweis fr den Mangel an Kontrolle.

Zu S. 59. Die Strasse zwischen Majaijai und Lucban und zwischen
Lucban und Mauban ist jetzt in so schlechtem Zustande, dass ich sie
nur mit Lebensgefahr passirte, und dennoch herrscht zwischen Mauban
und St. Cruz sehr viel Handel und Verkehr.

Zu S. 61. Der Wasserfall ist zwischen Lucban und Majaijai, nicht
zwischen Mauban und Lucban. -- Ich machte eine grosse Anzahl von
Versuchen dort um durch Herabwerfen von Steinen die Hhe des Falles
zu messen und fand das Mittel von 5 Secunden. Darnach wrde die Hhe
390'5 betragen.

Zu S. 76. Die Philippinen produziren jetzt mehr Cacao und gengend
fr ihren eignen Gebrauch, so dass die Sendungen von Ternate sehr
schlechte Preise erzielen. Nur durch die Rckfracht von Zigarren knnen
die Kaufleute sich bezahlt machen. Der Cacao muss aber auf Celebes und
Batjan fast ebenso theuer eingekauft werden, wie er in Manila verkauft
wird. Von Ternate kommt er nur indirekt; Kaufleute von Ternate senden
Schiffe nach Batjan, nach der Bucht von Tomini (Celebes) und nach
den Togian oder Schildpattinseln in der Bucht von Tomini und tauschen
dort Cacao ein, den sie entweder direkt nach Manila schicken oder an
Manilahndler in Ternate oder Menado verkaufen. Die Anpflanzungen in
der Bucht von Tomini und auf den Togianinseln sah ich, sie sind in sehr
schlechtem Zustand und die Ausfuhr drfte in kurzer Zeit ganz aufhren,
wenn die Verhltnisse sich nicht ndern. Der Celebes-Cacao ist von
besonderer Gte, leidet aber seit Jahren ebenfalls an einer Krankheit.

Zu S. 123. Hammelfleisch ist in Manila nicht tglich zu haben,
sondern nur wenn jemand Hammel aus Shanghai kommen lsst.

Zu S. 251. Das Vorschuss-System schleicht sich wieder ein und wird
schwerlich dauernd zu beseitigen sein, so lange es an regelmiger,
sttiger Lohnarbeit mangelt. Daran wird es aber wohl immer fehlen so
lange jedermann Eigenthmer sein kann.








ABGEKRZT ZITIRTE SCHRIFTEN.


Aduarte          Historia de la provincia del S. Rosario de Filipinas,
                 Zaragoza 1693.

Albo             in Navarrete.

Anson            R. Walter, A Voyage round the world in the years
                 1740-1744 by G. Anson. London 1748.

Apuntes          D. de Ormacheo, Islas filipinas, Apuntes para la
                 razon general de su hacienda. Madrid 1858.

Arenas com.      Memoria sobre el comercio de las Filipinas 1838.

Arenas hist.     Memorias historicas y estadisticas de
                 Filipinas. Manila 1850.

Autos acordados  Coleccion de autos acordados de la real Audiencia
                 chancilleria de Filipinas. Manila 1861-65.

Carillo          Relation des isles philippines faite par l'amirante
                 D. Hieronimo de Banuelos y Carillo in Thvenot.

v. Chamisso      Bemerkungen und Ansichten auf einer Entdeckungsreise.

Combes           Historia de las islas de Mindanao. Madrid 1667.

Comyn            Tomas de Comyn, Estado de las Islas Filipinas en
                 1810. Madrid 1820.

Crawfurd         A descriptive Dictionary of the Indian islands. London
                 1856.

De Guignes       Voyage  Pking, Manille .. 1784-1801. Paris 1808.

Depons           Reise in den stlichen Theil von Terra firma 1801-4
                 deutsch von Wyland.

di los Rios      Relation et mmorial de l'estat des isles philippines
                 et des isles molucques par F. di los Rios in Thvenot.

Estado geog.     Estado geografico, topografico, estadistico, historico
                 -- religioso .. por Huerta .. convento de San Francisco.
                 Manila 1855.

Fray Gaspar      Fray Gaspar de S. Augustin Conquistas de las Islas
                 Philipinas. Madrid 1698.

Gemelli Careri   A voyage round the world in Awnshaw & Churchill,
                 a Collection of travels vol IV. London 1704.

Grav             Grav y Monfalcon Mmoire pour le commerce des
                 philippines in Thvenot.

Hernandez        F. Hernandi medici atque historici .. opera cum
                 edita tum inedita. Madrid 1790.

Informe          Informe sobre el estado de las islas filipinas
                 (S. Mas) Madrid 1842.

Kottenkamp       Geschichte der Kolonisation Amerika's.

Laprouse        Voyage de Laprouse autour du Monde par
                 Milet-Mureau. Paris 1797.

Legentil         Voyage dans les mers des Indes. Paris 1779. 40.

Leg. ult.        Legislacion ultramarina concordada y anotada por
                 D. Joaquin Rodriguez San Pedro. Madrid 1865.

Mas              siehe Informe.

Morga            Sucesos de las Islas Filipinas. Mexico 1609.

Morga Hakl       Englische Uebersetzung des vorigen, Hakluyt Society.

Navarrete        Coleccion de los viages y descubrimientos, Madrid
                 1825-37.

Nierembergius    Historia naturae maxime peregrinae, Antwerpen 1635.

Perrey           Documents sur les tremblements de terre et les
                 phnomnes volcaniques dans l'Archipel des
                 Philippines. Extrait des mmoires de l'Acad. de Dijon.

Pigafetta        Primo viaggio intorno al globo terraqueo .. dal
                 cavaliere Antonio Pigafetta .. da un codice M. S.
                 della biblioteca Ambrosiana di Milano. Milano 1800.

Rappt. Jury      Rapport du jury international de l'Exposition
                 universelle de Paris. Paris 1868.

Ste. Croix       Renouard de Ste. Croix. Voyage commercial et
                 politique aux Indes orientales, aux isles
                 Philippines 1803-7. Paris 1810.

Recopilacion     Recopilacion de las leyes de los Reynos de las
                 Indias. Madrid 1774.

Reiseskizzen     Singapore, Malacca, Java. Reiseskizzen von F. Jagor.

Thvenot         Relation de divers voyages curieux. Paris 1664.

Thvenot, Religieux  Relation des isles philippines par un religieux
                 qui y a demeur 18 ans. in Thvenot.

Torrubia         Disertacion historico-politica y en mucha parte
                 geografica de las Islas philipinas. Madrid 1753.

U. S. Expl. Ex.  C. Wilkes Narrative of the U. S. Exploring Expedition
                 during the years 1838-42.

Velarde          Murillo Velarde, Historia de la provincia de
                 Philipinas. Manila 1749.

Zuiga           Historia de las Islas philippinas Sampaloc (Manila
                 1803).

Zuiga Mavers    Englische Uebersetzung des vorigen von Mavers.








UEBER DIE GEOLOGISCHE BESCHAFFENHEIT DER PHILIPPINEN

von J. Roth.


Mit Ausnahme von Java -- Dank zunchst den Untersuchungen Junghuhn's --
ist die Kenntniss der geologischen Beschaffenheit der ostasiatischen
Inselwelt eine geringe. Sie beschrnkt sich auf einzelne Angaben
und vereinzelte Punkte. In diesem Betracht ist daher jeder neue
Beitrag willkommen zu heissen. Die von Herrn Dr. Jagor 1859 und
1860 auf einer Reise durch die Philippinen gesammelten und mir
zur Untersuchung mitgetheilten Gesteine gestatten Einiges schrfer
anzugeben als es bisher geschehen konnte. Die geologische Literatur
ber die Philippinen ist nicht berreich. Ausser einzelnen Angaben
von A. von Chamisso [310], E. Hofmann [311], Meyen [312], Sainz de
Baranda [313], Chevalier [314], Dana [315] sind zunchst zu nennen
die Aufzhlung der Vulkane durch L. von Buch in seinem Werke ber
die Canarischen Inseln, die Berichte von Hochstetter's [316] bei
Gelegenheit der Novara-Reise, der Aufsatz von Richthofen's ber das
Vorkommen der Nummulitenformation [317], die Aufstze von C. Semper
[318] und dessen 6 Skizzen: die Philippinen und ihre Bewohner. Wrzburg
1869. Im Folgenden habe ich versucht, Alles zusammenzustellen, was
sich aus den bisherigen Beobachtungen ergiebt.

Als einem Stck des grossen Vulkangrtels des stillen Meeres hat sich
schon frh die Aufmerksamkeit den Vulkanen der Philippinen zugewandt,
dem Verbindungsgliede der Reihe Kurilen-Japan-Formosa und der Reihe,
welche ber Mindanao und die Sangirinseln in die Molucken fortsetzend
dort einen Zweig westlich nach Java hinsendet, einen anderen nach
Osten, die seit L. von Buch sogenannte westaustralische, bis nach
Neuseeland sich erstreckende Reihe. Viel geringer ist die Kenntniss
der auf den Philippinen vorhandenen neptunischen Ablagerungen, und
auch hier werden nur wenige Beitrge dazu geliefert.

Es ergiebt sich als Resultat des bisher Bekannten, dass in
den Philippinen auf einen Grundstock krystallinischer Schiefer
junge, z. Th. sicher tertire (eocne) und reichlich noch jngere
Ablagerungen folgen, gehobene Kstenbnke und Korallenriffe mit
den noch heut im stillen Ocean lebenden Mollusken. Die gehobenen
Korallenriffe schliessen sich den lebenden vollstndig an und reichen
zu betrchtlichen Hhen, nach Dana's Angabe bei Punta S. Diego,
S. von Manila, bis zu 600 Fuss Meereshhe. Dass die Hebung noch jetzt
fortdauert, ist zwar nicht durch genaue Messungen sicher gestellt,
erscheint aber hchst wahrscheinlich. Nach von Richthofen ist ein
Theil der vulkanischen Gesteine jnger als der Nummulitenkalk,
welcher mit den Trachyten grobe Breccien bildet und von ihnen
eingeschlossen wird. In und auf den vulkanischen Gebilden liegen
jngere Sedimente, deren Bildung ebenso wie die vulkanische Thtigkeit
bis jetzt fortdauert. Die letztere ussert sich in heftigen und
hufigen Erdbeben. Im grossen Ganzen eine gute Parallele zu dem Bau
der Insel Java.

Von lteren Formationen liegen von den durch Herrn Dr. Jagor bereisten
Inseln Luzon, Samar und Leyte keine Gesteine vor. Nach Semper scheinen
im Norden Luzon's und in Cebu vorkommende Petrefakten ein etwas hheres
Alter anzudeuten. Aeltere Eruptivgesteine, von denen A. von Humboldt
[319] Granit im nrdlichen Theile von Luzon erwhnt, wurden von Herrn
Dr. Jagor beobachtet, aber nur in Geschieben. Diese Eruptivgesteine
durchbrechen wohl die krystallinischen Schiefer [320].

Wie berall, wo die vulkanische Thtigkeit noch heut in grsserem
Maassstabe auftritt, wo also Ausbrche von Lava aus den Feuerbergen
stattfinden, sieht man daneben auch auf den Philippinen erloschene
Vulkane, entweder ganz unthtig oder in dem Zwischenzustande
der Solfatara verharrend. Man darf annehmen, was sich aus den
Gesteinsproben und den Angaben nicht ausmachen lsst, dass es an
modernen Eruptivgesteinen nicht gefehlt hat, an Auftreten von Trachyten
-- diesen Ausdruck im weitesten Sinne genommen -- und Doleriten in
der Weise der alten Eruptivgesteine, also ohne vulkanisches Gerst,
wofr namentlich einzelstehende Kegelberge zu sprechen scheinen. Bei
manchen der erloschenen Vulkane ist es schwer Sicherheit zu gewinnen
ber die Zeit und die Grsse der Ausbrche, ja ber die Thatsache,
ob in historischen Zeiten Eruptionen stattfanden.

Abgesehen von Mindanao [321] und Negros, auf welcher Insel Semper den
nach seiner Schtzung mindestens 5000 Fuss hohen, im Nordtheil der
Insel befindlichen Vulkan (Malespina der hydrogeographischen Karte der
Philippinen) stark rauchen sah, sind nur auf Luzon, den nrdlich von
Luzon gelegenen Babuyanes-Inseln und auf der kleinen Insel Camiguin
(zwischen Mindanao und Siquijor) thtige Vulkane bekannt. Auf Camiguin
fand nach einem Briefe aus Manila (Spenersche Zeitung 1871. No. 167)
am 1. Mai 1871 ein vulkanischer Ausbruch statt. Seit Monaten htten auf
Bojol, Cebu und Camiguin wiederholte Erdbeben stattgefunden, Camiguin
war von dem grssten Theil seiner Bewohner verlassen worden. Am 1. Mai
um 5 Uhr Abends spaltete sich unter Donnergetse und heftigen Stssen
ein ber dem Dorf Catarman gelegener Berg. Rauch, Asche, Erde und
Steine wurden ausgeworfen; der Krater hatte bei einer Lnge von etwa
1500 Fuss eine Breite von 150 und eine Tiefe von 27 Fuss. Um 7 Uhr
Abends erfolgte ein zweiter Ausbruch. Von einem Lavastrom ist nicht
die Rede. Noch im Juli 1871 war der Krater thtig.

Auf der Insel Babuyan Claro liegt ein wie es scheint in bestndiger
Eruption begriffener Vulkan [322] und auf der sdstlichsten Insel
der Babuyanes, auf Camiguin, ein im Solfatarazustand befindlicher. Auf
den stlich von Camiguin gelegenen Didicaklippen, die nach Semper
wohl nichts Anderes sind als Ueberbleibsel des Kraterrandes eines
frheren Vulkans, hat sich 1856 ein im October 1860 mindestens 700
Fuss hoher Vulkan gebildet. Nachdem zwischen zwei Klippen Rauch
aufgestiegen war, hat sich zwischen ihnen, deren obere Hlfte
eingestrzt war, eine kleine Insel gebildet, welche sich durch
Aufschttung vergrsserte. Begleitet von heftigen Erdbeben fand dort
1857 ein starker Ausbruch statt.

Don Claudio Montero hat auf der Nordspitze von Luzon nahe unter
dem Cabo Engao (Provinz Cagayan) einen 2489 p. Fuss hohen Vulkan
aufgefunden, den Monte Cagua [323]. Semper sah ihn im October 1860
von Aparri aus rauchen. In weitem Abstande von diesen vier auf engen
Raum zusammengedrngten Vulkanen, getrennt von einander durch weite
Strecken, aber durch eine Reihe erloschener Vulkane verbunden,
liegen die brigen drei noch thtigen Vulkane Luzon's: der Taal,
der Albay oder Mayon und auf der ussersten Sdspitze der Insel
der Bulusan, an dessen Fuss nach von Hochstetter heisse Quellen
entspringen. Herr Dr. Jagor sah ihn rauchen, leider sind die dort
gesammelten Gesteinsproben verloren gegangen.

Viel zahlreicher sind die erloschenen Vulkane. Nach Semper finden sie
sich auf allen Inseln der Philippinen mit Ausnahme von Cebu und Bojol,
welche nach ihm aus gehobenen Korallenriffen und neptunischen Schichten
gebildet scheinen. Auch auf Panay sah Dana nichts an vulkanische Berge
Erinnerndes. Die Angaben lassen jedoch oft Zweifel, ob man erloschene
Vulkane oder ungeffnete Dome vor sich hat. An der Ostseite der
Insel Leyte ist ein erloschener Vulkan, der Dagami, sicher gekannt,
an dessen Ostfuss eine Solfatara sich findet; auf Samar kennt man
keinen, eine ganze Reihe dagegen auf Luzon. Mit der Sdspitze der Insel
beginnend den M. Pocdol bei Bacon, zwischen dem Bulusan und dem Albay
gelegen; nordwestlich vom Albay den Mazaraga, von welchem nrdlich
der Malinao oder Buhi und der Yriga auftreten. Ihnen folgt im Norden
der mchtige Ysarog. In der Provinz Camarines norte sind der Labo und
der Pic von Colasi zu nennen; sdlich der Laguna de Bay der Majayjay,
der Sosoncambing und der Malarayat, der von diesen sdlich gelegene
Tanabon (wohl Monte Tombol bei von Hochstetter), endlich der Maquiling
[324], durch grosse Solfataren ausgezeichnet. An seinem Fusse treten
die heissen Schwefelquellen von los Baos, der Kesselsee Dagatan, der
Schlammvulkan von Nataos, der Krater von Maicap u. s. w. auf. Zwischen
ihm und dem Majayjay liegt das vulkanische Gebiet von San Pablo mit
zahlreichen kleinen Kraterseen. Nordstlich vom Majayjay finden sich
zwischen Lucban und Mauban Dolerite und Tuffe. Die Doleritlaven der
Insel Talim in der Laguna de Bay und die der Halbinsel Jalajala, die
Obsidianstrme der Halbinsel und Bucht von Binangonan deuten dort
einen grossen vulkanischen Mittelpunkt an. Die Bay von Manila wird
westlich durch die Kette des Pico Butilao und die Sierra de Mariveles,
letztere mit Doleritlaven begrenzt; auf der Insel Corregidor sah von
Kotzebue [325] einen alten Krater. Die Umgebung von Manila zeigt
mchtige Tuffmassen, welche auch als niedriger Damm die Laguna di
Bombon vom Meer trennen.

Ob die bei S. Mateo und die stlich zwischen Antipolo und Bosoboso
mit dem Kalk zusammenkommenden, bei von Richthofen als Trachyt
bezeichneten Gesteine, ebenso die von ihm bei Zamboanga mit Kalk
zusammen gesehenen einfach eruptiv sind oder Laven angehren,
ist nicht zu ermitteln. Aus der kaum 90 Fuss hoch ber dem Meere
erhabenen Ebene von Pampanga, NW. von Manila, steigt steil und schroff
der 3150 Fuss hohe trachytische Doppelkegel des Monte Arayat auf,
an dessen Fuss heisse Quellen hervortreten. Im Norden der centralen
Ebene von Luzon zwischen dem M. Arayat und S. Toms steigen, isolirt
von allen Bergketten, vier kleine vulkanische Berge auf, darunter der
M. Cujaput. Gehren diese Berge, der Arayat, der M. Data bei Mancayan
(NW. Luzon), der Subig in der Kette von Zambales zu den erloschenen
Vulkanen? Am 4. Januar 1641, dem Tage des Ausbruches des Sanguir
[326] (ob am Sdcap von Mindanao oder auf der sdlich gelegenen
Sanguirinsel?) entstand nach spanischen Berichten zugleich ein Vulkan
auf der Insel Sulu [327] (Jolo) und ein Vulkan Aringay oder Monte
Santo Toms am Golf von Lingayen. Wenn dort wirklich ein Vulkan sich
bildete, so ist er jetzt erloschen. Nach Claudio Montero's Messung
ist er 6948 Fuss hoch.

Ein Versuch, die Vulkane, die thtigen wie die erloschenen, auf
ein oder mehrere Spaltensysteme zurckzufhren, scheitert an der
mangelnden Kenntniss, nicht nur von Luzon, sondern namentlich der
brigen Inseln. Dass die Nord-Sdrichtung vorwiegend erscheint,
folgt aus der topographischen Configuration der gesammten Inselkette.

Von den thtigen Vulkanen Luzon's ist der kaum 840 Fuss hohe Taal,
der demnach zu den niedrigsten [328] thtigen Vulkanen gehrt,
ausgezeichnet durch seine Lage auf einer aus Schlacken gebildeten Insel
in der sehr tiefen Laguna die Bombon und durch einen Kratersee, aus
welchem der Ausbruchskegel mit einem zweiten Krater sich erhebt. A. von
Chamisso [329] fand den Vulkan 1818 schwach thtig, E. Hofmann 1825,
Wilkes [330] 1842 sahen ihn in voller Thtigkeit. Delamarche [331], der
ihn am 25. October 1842 unthtig fand, hat eine genaue Beschreibung des
Berges gegeben. Semper, der den Taal am 30. April 1859 bestieg, sah den
Krater bestndig rauchen. Der Kraterboden, auf dem zahlreiche kleine
Erhhungen hervortraten, war mit Thon und Gypskrystallen bedeckt,
berall brach heisser saurer Wasserdampf hervor; Alaun, Schwefel und
hnliche Bildungen waren reichlich vorhanden, kleine Bche kochenden
Wassers traten an einzelnen Stellen aus. Den Krater fand Semper mit
kochendem milchweissem Wasser erfllt, es entstiegen ihm schweflige
Dmpfe. Demnach befand sich der Taal in dem Solfatarazustand. Am
Nordwestende der Insel liegt ein ganz erloschener, aus Tuff bestehender
regelmssiger Kegelberg mit Krater, der Binintiang grande, am
Sdende liegt der kleine Binintiang. Das Gestein des Berges zeigt
nach L. von Buch [332] in dunkelbrauner, feinsplittriger Grundmasse
kleine Feldspthe. Ob es zu den Sanidintrachyten oder zu den Gesteinen
mit triklinen Feldspathen gehrt, lsst sich nach den vorliegenden,
stark zersetzten Gesteinsproben nicht bestimmen, wahrscheinlich ist
es Dolerit. Der Hauptausbruch des Berges 1754 (der letzte Ausbruch
hatte 1716 stattgefunden) war ein heftiger Aschenausbruch, dem spter
viele kleine Eruptionen gefolgt sind. Lavastrme scheint der Berg
seit langer Zeit nicht gegeben zu haben.

Im Gegensatz dazu liefert der 7000 Fuss hohe Albay oder Mayon nicht nur
Aschenausbrche und die sie begleitenden zerstrenden Schlammstrme,
sondern auch Strme von Lava. Seine Hauptausbrche fallen in die
Jahre 1766, 1800 und 1814. Er warf 1857 viel Asche aus, 1858 war der
Krater voll Dampf, Herr Dr. Jagor fand ihn 1859 erfllt mit heissen
schwefligsauren Dmpfen.

Wie berall mit thtigen und erloschenen Vulkanen stehen auch hier mit
ihnen Tuffe in Verbindung. Weiter unten ist ihr Vorkommen genauer
erwhnt. Von ihrer grossen Verbreitung um Manila war schon die
Rede. Diese graugrnen Tuffe, fest genug um als Baustein zu dienen,
bilden am Flussufer des Pasig nach der Laguna de Bay hin an manchen
Stellen 40 bis 60 Fuss mchtige Ablagerungen. Es sind nach G. Rose
(Meyen Reise II. 202) Bimsteinconglomerate, die in rauher, grauer,
leicht ritzbarer Grundmasse eckige, brunlich-graue Bimsteinstcke
umschliessen. Sie fuhren nach Dana Blattabdrcke und verkieselte
Hlzer, meist Palmen und zwar lebende Arten. In der Nhe der
thtigen Vulkane treten lose vulkanische Sande auf, in der Umgebung
der erloschenen sind sie verkittet zu mehr oder minder festen
Massen, hie und da auch umgelagert und mit der Unterlage gemengt
oder am Meeresstrande durch Kalk, den Muschelschalen entnommen,
cementirt. Das Korn wechselt in hohem Maasse, ebenso die Zahl und
die Grsse der eingeschlossenen Gesteinstrmmer. Wo sie und die Tuffe
durch Verwitterung oder Fumarolenwirkung gelitten haben, werden aus
ihnen Thone ausgewaschen, die, im nchsten Verband stehend, bisweilen
mchtige Ablagerungen bilden.

Unter den sehr zahlreichen vulkanischen Gesteinen, die vom sdlichen
Luzon, Samar und Leyte vorliegen, und in den zu ihnen gehrigen Tuffen
sind, mit sehr geringen Ausnahmen, nur zwei und noch dazu einander
sehr nahe stehende Gesteinstypen vertreten: beide mit triklinem
Feldspath, einer mit Hornblende, einer mit Augit, Hornblendeandesit
und Augitandesit oder Dolerit. Die Analyse der Feldspthe wird
zeigen, ob man in manchen Gesteinen, wie man nach dem Habitus und
der Aehnlichkeit mit Aetnalaven schliessen darf, Labrador oder einen
kieselsurereicheren Feldspath vor sich hat. In den Amphibolandesiten
ist noch Magneteisen und meist Olivin vorhanden, bisweilen tritt
noch sparsamer grner Augit dazu. Diese Gesteine finden sich in der
Berggruppe des Labo, Colasi, Ysarog, auf der Insel S. Miguel, am Dagami
und Danaan auf Leyte und zwar meist mit sehr hnlichem, porphyrischem
Habitus. Zu den Doleriten gehren die Laven des Albay, Yriga,
Mazaraga, Malinao und der ganzen Umgebung der Laguna de Bay. Neben
dem Augit treten in ihnen Olivin und Magneteisen, seltener noch dunkle
Glimmerblttchen auf. In den entsprechenden Tuffen und Sanden kehren
die Mineralien der Gesteine wieder. Wenn auch einzelne Bimsteinstcke
in jenen sich finden, so gehren doch grssere Ablagerungen rein aus
Bimstein bestehend zu den Ausnahmen. Ebenso ist Mandelsteinbildung und
Auftreten von Zeolithen sehr sparsam vorhanden. Glasige Gesteine kommen
kaum vor; v. Hochstetter sah an der in die Laguna de Bay hineinragenden
Halbinsel Binangonan sulig zerklftete Obsidianstrme. Ob berhaupt
in dem genannten Gebiet chte Sanidintrachyte auftreten, erscheint
zweifelhaft. Ueber das relative Alter der beiden Andesite lsst sich
ebensowenig eine Vermuthung aussprechen als ber die chronologische
Folge der einzelnen vulkanischen Berge.

Auch hier ergiebt sich eine gute Parallele mit Java, in so fern die
Andesite dort reichlich, wenn nicht ausschliesslich, vertreten sind. Es
liegen jedoch von Luzon, Samar und Leyte dichte basaltische Gesteine,
die in Java so hufig sind, nur von einer Stelle vor, und zwar,
wie die Uebergnge beweisen, von Amphibolandesit.

Als hchst bezeichnend ist ferner hervorzuheben, dass bei der
hufigen Fumarolenthtigkeit nur Einwirkungen von Schwefelwasserstoff,
resp. schwefliger Sure und Sublimation von Schwefel beobachtet sind;
daneben die diesen Agentien entsprechende Bildung von Gyps, Alaun,
Alunogen, Bianchetto; je nach der Strke und der Dauer der Einwirkung
die vollstndige Entfernung der Thonerde oder ihre Umwandlung in
schwefelsaure Salze. Die reiche Gypsbildung erklrt sich aus dem
Kalkgehalt der Hornblende, des Augites und des Feldspathes. Ebenso
wenig fehlt die Bildung basischschwefelsaurer Eisenoxyde, und
die Rthung des Rckstandes durch Eisenoxyde, endlich die durch
Bunsen's schne Versuche erluterte Bildung von Schwefelkies, dessen
Verwitterung die Zerstrung der Gebirsgsarten untersttzt. Dagegen
mangelt jede Spur salzsaurer Fumarolen. Wenn auch der Absatz leicht
lslicher Chlorverbindungen nicht zu erwarten war, so erscheint
doch keine Spur von sublimirtem und zu Eisenglanz zersetztem
Chloreisen. Auch Bildung von Palagonit ist nirgend beobachtet,
wozu die (freilich oft grobkrnigen) Tuffe Gelegenheit zu bieten
scheinen. Zahlreich dagegen sind Abstze von Kieselsinter, Opal
und Hyalith aus der letzten Phase der vulkanischen Thtigkeit, aus
Kohlensure und Alkalibikarbonat enthaltenden Quellen, hnlich wie
in Island, Madeira, Neuseeland, Californien, Nevada, Montana-Wyoming
u. s. w., Abstze, die ihre Erluterung in den Arbeiten Bunsen's ber
Island finden. Auf denselben Ursprung mssen auch die Jaspisvorkommen
der vulkanischen Gegenden zurckgefhrt werden. Geisirhnliche
Erscheinungen wurden nicht beobachtet.

Der Antheil der vulkanischen Bildungen an dem Aufbau der Philippinen
darf jedoch nicht zu hoch angeschlagen werden, rumlich sind
sie untergeordnet gegenber den krystallinischen Schiefern und
den Sedimenten. Gneiss, Glimmerschiefer, Hornblendeschiefer,
Hornblendegneiss, Talk- und Chloritschiefer, Serpentin sind von
den ersteren beobachtet. Im nrdlichen Theil von Luzon sind
sie verbreitet. Meyen beobachtete in S. Mateo und bei Balate
(N. von S. Mateo) feinkrnigen Hornblendeschiefer, auf dem der
Kalk von S. Mateo aufliegt. Die von Semper erwhnten Goldwschen
im Flussthal des Agno grande im Land der Ygoroten deuten ebenfalls
auf krystallinische Schiefer, hnlich wie die Eisenerze bei Angat
(Provinz Bulacan); nach Chevalier giebt es Serpentin in der Provinz
Bataan (W. der Bai von Manila). Die Nordostkste der Provinz Camarines
norte zwischen Paracali, Mambulao und Lungos wird von Gneissen und
den dazu gehrigen Hornblendeschiefern, Talkschiefern und Serpentinen
gebildet, welche bis nach Indang und Labo fortsetzen, wahrscheinlich
auch die jenseits der Bai von S. Miguel gelegenen Sierra de Caramuan
zusammensetzen. An der Sdkste derselben Provinz bei Pasacao treten
Hornblendegneisse und Hornblendeschiefer auf. Im Nordwesttheile der
Insel Samar, ferner bei Loquilocun, bei Basey und auf der Insel Leyte
bei Tanauan (Ostkste) sind sie ebenfalls beobachtet.

Nach Sainz de Baranda tritt Serpentin auf in Mindanao bei Camahat,
Provinz Caraga und bei Pigtao, Provinz Misamis. Am Westende bei
la Caldera (NW. von Zamboanga) sah Dana Geschiebe von Hornblende
und Talkschiefer, auf der Insel Lubang (SW. von Manila) Talk- und
Chloritschiefer, die nach der Insel Mindoro fortsetzen und dort
in Serpentin bergehen. In S. Jos, Westkste von Panay, sah Dana
Geschiebe von Talkschiefer und Quarz. Nach Meyen (l. c. 245) ist
Talkschiefer auf Cebu besonders hufig.

Nach ihrer Zertrmmerung und Verwitterung gaben die krystallinischen
Schiefer das Material zu sedimentren Abstzen, welche, mehr oder
minder sandig und thonig, und petrographisch zwischen Thonlagern und
Sandsteinen schwankend, die Mineralien der ursprnglichen Gesteine,
zunchst Quarz, Feldspath, Glimmer, Magneteisen erkennen lassen.

Die Angaben ber das Vorkommen lterer Eruptivgesteine auf den
Philippinen erscheinen wenig genau. In Nordluzon wird Granit und
Porphyr angegeben. In Pual (Sual der Karte, 16 10' N. B. am Golf von
Lingayen) wechsellagern nach Callery [333] Euphotid, Serpentin und
Petrosilex. Itier [334] fand bei Angat (Provinz Bulacan) Geschiebe
von Diorit, Mandelsteinen, Spiliten, Epidot und Porphyren.

Unter den Sedimenten treten neben Kalken Sandsteine und Thonschichten
hervor, deren Ursprung, wie erwhnt, z. Th. auf krystallinische
Schiefer, z. Th. auf vulkanische Tuffe zurckzufhren ist. Die von
Semper beobachtete schnelle Umwandlung der gehobenen, weithin sich
erstreckenden Korallenbnke in sehr harten, dichten Korallenkalk
lehrt, dass die dichten sprden Kalke wenigstens nicht berall,
wie von Richthofen annimmt, diese Umwandlung den Trachyten
verdanken. In manchen der dichten Kalke lassen sich noch Spuren der
Korallen auffinden, obwohl in Folge der Umwandlung die Erhaltung der
organischen Reste in den Kalken eine sehr schlechte ist. Bei Binangonan
(N. der Laguna de Bay) fand von Richthofen in den dort gebrochenen
Kalken neben undeutlichen Austern zahlreiche Nummuliten [335]. Im Kalk
von S. Mateo suchte Meyen vergeblich nach Versteinerungen. Zwischen
beiden Punkten sah von Richthofen den Kalk zwischen Antipolo
und Bosoboso einen allseitig schroff ansteigenden, zerklfteten,
oben verebneten Berg bilden. Wahrscheinlich bestehen aus demselben
Kalke die schroffen Gipfel der Sierra de Zambales (NW. der Pampanga,
NW. Manila). Callery (l. c.) sah 4 Lieues von Sual ein zwei Lieues
breites Band von Grobkalk und Travertin horizontal auf dem Euphotid
lagern. Er fand im Grobkalk die decapoden Kruster Portunus leucodon
Desmarest und Noptacus Latreillei. Im Thal von Benguet und in der
Provinz Batangas (Nordluzon), an der Nord- und Ostkste von Luzon,
an der Ostkste von Camiguin (Babuyanes) fand Semper Korallenkalk.

An der Westseite der grossen Cordillere in Nordluzon sammelte Semper
in etwa 800 Fuss Meereshhe mitten im Lande mrbe Sandsteine mit
marinen Muscheln (Conus sp.), im Oberlauf des Agno (Nordluzon)
in etwa 400 Fuss Meereshhe Korallen in einem porphyrischen
Gestein, dessen Hauptbestandtheile granitische und trachytische
Rollsteine waren [336]. An der Sdspitze des westlichen Theils von
Mindanao bei Zamboanga fand v. Richthofen in den Kalken Massen
von Austernschalen. Daneben kommen dort unreine Sandsteine mit
Pflanzenabdrcken, blaue Kalkmergel und dunkle weiche Schiefer
vor. Auch an manchen anderen Punkten enthalten Thone und Sandsteine
Blattabdrcke; die Sandsteine fhren bisweilen Braunkohle: bei
Mauban ist sie kiesig und kommt auch in der Gegend von Aringay nach
D. Jos de Santos (Citat bei Semper) vor. Auch in Caramuan soll
Kohle sich finden. In Samar wurde bei Loquilocun angeschwemmte
Braunkohle gefunden; auf Cebu findet sich im Gebiet von Naga im
Gebirge Alpaco (Revista minera 1863. 17. 244) Braunkohle; ebenso
nach von Richthofen auf Mindanao stlich von Zamboanga im Seno de
Sibugey, nach Sainz de Baranda auf der Insel Siargao (Nordostende von
Mindanao). Die Sedimente sind also nur z. Th. marinen Ursprungs. Als
Vergleich fr die Sedimente mchte die durch von Hochstetter
(Novara-Reise. Geol. Theil. Bd. II.) aufgestellte Gliederung in Java
heranzuziehen sein.

Von den auf den Philippinen vorkommenden Erzen gehren die Eisenerze
den krystallinischen Schiefern an: das Magneteisen am Fuss der
Sierra de Bacacay (S. von Paracali) und die Eisenerze in der Nhe
von Angat-Kupang, Provinz Bulacan. Ueber das reiche Vorkommen
von Kupfererzen in Nordluzon ist nichts Genaueres bekannt. Sehr
betrchtliche Lagersttten von Kupfererzen liegen dort bei Mancayan
im Distrikt Lepanto zwischen Cagayan und Ylocos. Nach Zerrenner
(Berg- und Httenm. Zeit. 28. 105 und 113. 1869) kommt dort auf
Quarzgngen in Trachytporphyr Kupferkies mit Enargit vor. In Spanischen
Schriften wird das Gestein als Trapp bezeichnet. Auf der Insel Lubang
(SW. von Manila) enthalten nach Dana die Talk- und Chloritschiefer
Kupferkies. Quarzgnge, die in den krystallinischen Schiefern, zumeist
in Talkschiefer und Serpentin auftreten, fhren neben Schwefelkies,
Bleiglanz und Kupferkies gediegen Gold und Chrombleispath. So
wenigstens ist das Vorkommen bei Mambulao und Paracali (Provinz
Camarines norte, Luzon). Das Vorkommen entspricht also ganz dem
uralischen von Beresowsk.

Goldhaltige Sande, reich an Magneteisen, aus krystallinischen
Schiefern werden an vielen Orten gewaschen. Nach Sainz de Baranda
[337] kommt Gold ausser auf Luzon auch in Mindanao, Sibuyan, Panay,
Dinagat vor; Quecksilber angeblich in Leyte; Kupfer (cobre nativo
en polvo finisimo y pirita de cobre) auf Mindanao. Er giebt ferner
schne Krystalle von Rutil auf der Insel Bigat an, wohl ein Beweis
fr das Vorkommen krystallinischer Schiefer.

Nach dieser allgemeinen Uebersicht ist in dem Folgenden die specielle
Beschreibung der von Herrn Dr. Jagor gesammelten Gesteine gegeben.




I. Luzon.

Provinz Bulacan.

Das Ufer des Rio Quingoa bei Angat (N. von Bulacan) bilden feste,
gelbgraue, conglomeratische Tuffe mit grsseren grauweissen
Bimsteinstcken, kleineren dunklen Schlacken- und Lavastckchen,
einzelnen triklinen Feldspathen, Augiten und Magneteisen. Sie sind
bisweilen fest genug um als Bausteine zu dienen und werden bei Tubagan
und Buenavista (zwischen Balinag und Angat) gebrochen. An einzelnen
Stellen wird das Gestein etwas dunkler durch Zunahme der Schlacken-
und Lavastcke.

Der Bach Banavon zeigt N. von Angat nach Kupang hin viele Gerlle eines
Kalkes mit Korallenresten und eines sehr verwitterten, plutonischen,
Quarzbnder fhrenden Gesteins [338] .. In der Nhe kommen Eisenerze
vor.

An den Uferbnken des Rio Quingoa bei Calumpit (W. von Angat) lsst
sich auf lange Strecken hin ein Thonabsatz mit Cyrena verfolgen.



Provinz Bataan.

Die grossen Blcke, welche an der Kste von Mariveles sdlich vom
Dorf liegen, sind Doleritlaven, usserst hnlich den jngsten Laven
des Aetna und der Insel Stromboli. In etwas porser, feinkrniger,
blulichgrauer Grundmasse sind trikline Feldspathe, Augit, Magneteisen
und Olivin ausgeschieden. Vorzugsweise sind die Augite von bedeutender
Grsse. Ein Quarzkorn wurde als Einschluss beobachtet.

Man darf wohl annehmen, dass die ganze Gebirgskette, zu welcher der
Pico Butilao, die Sierra de Mariveles, die Insel Corregidor und der
sdlich gelegene Pico de Loro gehren, aus demselben Gesteine besteht.

Nach Chevalier (l. c. 222) findet sich bei Mariveles eine Bank
faserigen, rthlichen Aragonites ber den Laven.



Provinz Laguna.

Das Sdende der Halbinsel Jalajala, welche in die Laguna de Bay
hineinragt, wird von festen gelbgrauen Tuffen gebildet, welche graue
Bimstein- und Lavastcke einschliessen. Die grsseren Lavastcke
enthalten in matter, feinkrniger, von Parallelrissen durchzogener
Grundmasse trikline Feldspathe und wenige grne, durch Verwitterung
braun gewordene Augite. Magneteisen ist nur sparsam vorhanden, Olivin
auch unter dem Mikroskop nicht zu finden. Diese Tuffe streichen h. 12
und fallen 20 W.

Der Westabhang des in Nordsdrichtung durch die Halbinsel fortlaufenden
Bergrckens wird von hnlichen Tuffen und durch Schwefelwasserstoff
zersetzten Doleriten gebildet, hnlich denen der nahen Insel
Talim. In den Tuffen kommen an beiden Punkten bis 3/4 Zoll grosse,
mandel- bis kugelfrmige, concentrisch schalige Gebilde vor, welche
ganz aus denselben hellgelbgrauen Tuffen bestehen und keinen festen
Kern zeigen. Die auf der Hhe des Joches frischen, dunkelblaugrauen,
Feldspath, Augit und Magneteisen fhrenden Dolerite sind weiter abwrts
an vielen Punkten durch Schwefelwasserstoff zersetzt und bisweilen
mit rothen, durch Eisenoxyd gefrbten Bndern durchzogen. Schliesslich
werden sie vollstndig gebleicht und in eine thonige Masse umgendert,
aus welcher Natronkarbonat reichlich Kieselsure lset. In den
ersten Stadien der Zersetzung lassen sich bisweilen noch einzelne
kleine frische Feldspthe und grssere grne Augite erkennen oder
man sieht einen unzersetzten Augitkern in weicher gelber Hlle;
endlich sind die Augite vollstndig in eine gelbe, weiche Masse
umgewandelt. In den gebleichten und zersetzten Gesteinen findet
sich Schwefelkies in feinen Pnktchen, oder in den Spalten dnne,
bisweilen faserige Gypslagen, deren Bildung aus dem Kalkgehalt der
Augite und des Feldspathes sich erklrt. Die aus diesen zersetzten
Gesteinen ablaufenden Gewsser setzen reichlich Vitriolocker (basisch
schwefelsaures wasserhaltiges Eisenoxyd) ab, und das Wasser des
Baches schmeckt adstringirend. Aus diesen Gesteinen hat sptere
Einwirkung von Alkalibikarbonat enthaltenden Lsungen Eisenkiesel
geliefert, welche aus einem Gemenge von gelben und blutrothem Quarz
bestehen, aber auch noch etwas Opal fhren. Ebenso kommen grosse
Blcke grauweissen dichten Quarzes mit Schwefelkiespartien vor, deren
Drusen Quarzkrystalle enthalten. Weiter abwrts findet sich rothbrauner
Jaspis mit Drusen und Adern, welche mit Quarzkrystallen erfllt sind.

Man sieht 1/4 Meile ONO. von der Hacienda auf dem Tuff grobes
vulkanisches Gerll 3-4 Fuss mchtig lagern, darber folgt 5 Fuss
Dammerde. Das ist die Formation der Strandebene, zwischen der
Hgelkette und der Laguna. Endlich sieht man auf der Westseite der
Sdspitze der Halbinsel Muschelbnke, und zwar 15 Fuss ber das
jetzige Niveau der Laguna gehoben. Von den Arten, welche alle den
lebenden angehren, und von Dr. von Martens bestimmt wurden, ist neben
Tapes virgineus L. Phil. Cerithium moniliferum Kien. sehr hufig. Am
Strande der Insel Talim erhebt sich eine 20 Fuss hohe Tuffbank,
auf dem Plateau wurden nur Tuffe gesehen. Am Strande liegen grosse
vulkanische Blcke gereihet. Diese Dolerite enthalten in dichter
blaugrauer Grundmasse triklinen glasigen Feldspath, grnen Augit
und Magneteisen. Das keineswegs frische Gestein fhrt zahlreiche
grosse rundliche Hohlrume, welche theilweise mit Eisenoxydhydrat
(aus ausgelaugtem Eisenkarbonat entstanden) erfllt sind. Spuren von
Schwefelkies, den auch G. Rose in den Gesteinen von Talim beobachtete,
deuten auf Einwirkung von Schwefelwasserstoff hin und erklren den
Absatz von Eisenverbindungen; von Hochstetter beobachtete auf der nur
durch einen schmalen Canal von der Insel Talim getrennten Halbinsel
von Binangonan sulenfrmig zerklftete Obsidianstrme.

Der Dolerit, welcher 1/4 Meile sdlich von los Baos (Sdufer der
Laguna) als Gerll im Bach Malauin vorkommt, also weiter oben ansteht,
enthlt in feinkrniger, dunkelblaugrauer, mit feinen Parallelrissen
durchzogener Grundmasse glasigen triklinen Feldspath, grnen Augit,
einige dunkle z. Th. sechsseitige Glimmerblttchen, etwas Magneteisen
und Olivin. Die Lngsaxe der 3-4 Millimeter langen Feldspathe ist
meist nach derselben Richtung orientirt. Der zugehrige, graugelbe,
wenig feste, feinkrnige Tuff, welcher die Uferbank des Baches Malauin
bildet, enthlt neben erbsengrossen, rundlichen, grauen Bimsteinstcken
sparsam rundum krystallisirte grne Augite, zahlreiche Augittrmmer,
triklinen Feldspath, Olivin, Glimmer und Magneteisen.

Die frischen Dolerite des Schlammvulkans Nataos, 2 1/2 Leguas
S. von Los Baos, sind von derselben Beschaffenheit wie die von dort
erwhnten, nur etwas dunkler gefrbt, wohl eine Wirkung des etwas
grsseren Gehaltes an Magneteisen. Wie die z. Th. vollstndig
gebleichten Gesteine bezeugen, wurde die Zersetzung durch
Schwefelwasserstoff bewirkt. An manchen Stellen ist das Gestein in
eine brckliche, thonige, gelbgraue oder auch durch Eisenoxyd braun
gefrbte Masse umgewandelt, in deren Hohlrumen und Klften Opal sich
findet. Auf dem Gestein hat das Wasser rindenfrmigen Sinter abgesetzt,
dessen Oberflche wellig ist. Die blaugrauen Lagen des zunchst aus
lslicher, wasserhaltiger Kieselsure und geringen Mengen basisch
schwefelsauren Eisenoxydes bestehenden Sinters wechsellagern mit
eisenreicheren rothgelben Lagen. Die blaugraue Farbe rhrt von feinem
eingemengtem Gesteinsstaub her, wie man sich durch Behandlung mit Sure
und Alkali berzeugt. Der Sinter ist demnach hnlich zusammengesetzt
wie der von Bickell untersuchte Kieseltuff von Island; eine weitere
Besttigung fr die an beiden Orten hnlich vor sich gehenden
Prozesse. Das eben erwhnte gelbgraue zersetzte Gestein giebt an
Wasser Gyps, das rothbraune Gestein an Salzsure eine reichliche
Menge Schwefelsure ab, das Eisen ist also als basisch schwefelsaure
Verbindung vorhanden.

Nrdlich vom Schlammsee von Nataos bildet graublauer, etwas rissiger
Dolerit die Ufer des Baches Malauin. Die Risse sind mit gelbbraunem,
kurzfaserigem Bimstein ausgekleidet. In der feinkrnigen Grundmasse
ist glasiger trikliner Feldspath, grner Augit, etwas Olivin und
Magneteisen ausgeschieden.

Den Rand des kleinen Kesselsees Dagatan bei los Baos bildet ein
lockerer, grauer, grobkrniger Tuff, der neben kleinen Doleritstcken
Feldspath und Augit fhrt. Grosse, lose, wahrscheinlich vom Berge
Maquiling herabgerollte Doleritblcke, zusammengesetzt wie die von
Nataos, sind durch Schwefelwasserstoff gebleicht und enthalten
Hyalith in den Klften.

Von C. Semper am Maquiling gesammelte Handstcke zeigen, dass dort
Schwefelwasserstofffumarolen und nach ihnen alkalische Bikarbonate
enthaltende, Kieselsure lsende und absetzende Quellen in grossem
Maassstabe thtig sind. Dafr legen gebleichte, z. Th. mit Eisen
durchzogene, und bis zu Bianchetto zersetzte Tuffe und Gesteine,
Bildung von Gyps, z. Th. in schnen Krystallen, atlasglnzender
faseriger Alunogen und Alaun, Abstze von Kieselsinter und weissem
Opal sicheres Zeugniss ab.

Sdlich von los Baos bei Calauan liegt ein Eruptionskrater, dessen
Wnde mehrere hundert Fuss hoch sind, (Llanura de Imuc) mit einer
Kaffeepflanzung des Herrn Scott. Vom Sdwestrand und vom Boden des
Kraters liegen Rapilli vor: bis zollgrosse, unregelmssig begrenzte
Bruchstcke schlackiger Doleritlava, welche triklinen Feldspath, Augit
und Magneteisen erkennen lassen. Die zugehrigen, feinkrnigen, grauen
Doleritlavastrme von der gewhnlichen mineralogischen Beschaffenheit
und ohne Glimmer bilden neben der Hacienda eine 100 Fuss hohe Felswand,
in welcher neben compakteren rissigen auch porse Laven vorkommen. Die
zugehrigen, feinkrnigen, grauen, zwei Fuss mchtigen Tuffe mit
Blattabdrcken von lebenden tropischen Pflanzen, deren Arten sich
jedoch nicht sicher bestimmen lassen, liegen horizontal ausgebreitet
in der Ebene von Calauan. Sie werden von 3 Fuss Dammerde bedeckt und
ruhen auf einer ber 5 Fuss mchtigen Thonschicht.

Der obere Rand des zur Hlfte von einem See eingenommenen, 100 Fuss
tiefen Kraters Mar de Tigui (neben der Strasse von Calauan nach
dem sdlich gelegenen San Pablo) wird von Lapilli gebildet, die
den oben beschriebenen gleichen. Das Plateau, in welchem der Krater
aufgebrochen ist, besteht aus einem feinkrnigen, gelbbraunen Tuff,
in dem einige stark verwitterte Gesteinsstcke zu erkennen sind.

Die Tuffe, welche den Krater Macap, eine Legua SO. von Calauan, und
den Krater Palacpacan bilden, sind grobkrniger, enthalten zahlreiche
Doleritstcke, z. Th. bimsteinartig aufgeblht und lassen einzelne
glasige trikline Feldspathe und grne Augite erkennen. Beide Krater
enthalten Seen.

Weiter stlich am Wasserfall Butucan am Abhang des Vulkans Banajao
bei dem Dorf Majayjay tritt zwischen zwei mchtige Tuffmassen
eingeschaltet eine schwache Bank eines dem Piperno hnlichen
Gesteins auf. Unregelmssig begrenzte Streifen schwarzen Obsidians,
dessen dnne Splitter gelbbraun durchsichtig sind, durchziehen ein
feinkrniges, gelbgraues Gestein, in dem man einzelne Stckchen grauen
feldspathhaltigen Gesteins, trikline Feldspathe, etwas dunklen Glimmer
und grnen Augit erkennt. Man darf wohl annehmen, dass dieses Gestein
durch Eindringen einer feurigflssigen Masse in die Tuffe entstand.



Provinz Tayabas.

An der neuen Strasse, welche am rechten Ufer des Flusses Mapon von
Lucban nach Mauban fhrt, stehen, bevor sie den Fluss erreicht,
in grosse prismatische Blcke abgesondert feinkrnige, compakte,
dunkelblaugraue Dolerite an. Ihre Grundmasse enthlt ausgeschieden
zahlreiche kleine trikline Feldspathe, etwas Augit und reichlich
Olivin. Das Gestein wirkt stark auf die Magnetnadel. Weiter am Weg
finden sich stark verwitterte, wenig feste, graue bis gelbgraue,
sehr feinerdige, thonige Tuffe, welche, ausser undeutlichen Resten,
Blattabdrcke und nach der Bestimmung des Herrn Dr. von Martens Melania
asperata Lam. var. M. dactylus Lea enthalten. Diese Melania stimmt am
meisten mit lebenden Exemplaren aus Samar (Loquilocun) berein. Sie
kommt auch auf Luzon, Mindanao, Guimares, Leyte vor. Diese Tuffe
wechsellagern mit Kalkgerllen, welche an einigen Stellen durch
grobkrystallinischen Kalkspath zu grobem Kalkconglomerat verkittet
sind. Hie und da sieht man in dem feinkrnigen gelblichgrauen Kalk
undeutliche organische Reste. Inmitten der verwitterten Tuffe und der
Kalkgerllbnke kommt ein lockeres hellfarbiges Gestein vor, dessen
Kalkbindemittel abgerundete erbsen- bis nussgrosse Kalkstcke und
die Mineralien des vulkanischen Gesteins verkittet. Unter den oben
angefhrten verwitterten Tuffen liegen etwas grbere und festere,
grnlichgraue Tuffe mit Kalkbindemittel, in denen Feldspath, Augit,
Olivin, z. Th. in verwittertem Zustande, zu erkennen sind. Dieselben
Tuffe liegen weiter stlich auch ber den verwitterten Tuffen.



Provinz Camarines norte.

An der Nordostkste der Provinz wird der Landstrich zwischen Paracali
und Mambulao von Gneissen und Hornblendeschiefern gebildet, in denen
Quarzgnge mit reicher Erzfhrung auftreten. Der Berg 1/4 Legua
N. von Mambulao und der Berg NNO. von Mambulao, durch den Bach vom
Berg Dinaan getrennt, bestehen aus Gneiss, in welchem die weissen,
aus feinkrnigem Quarz und Feldspath gemischten Lagen mit einzelnen
weissen Orthoklasen und triklinen Feldspathen durch schwache, nicht
continuirliche und wechselnd breite Lagen von tombakbraunem Glimmer
gesondert werden. Das Gestein soll goldhaltig sein.

Der Berg 1/2 Legua NW. von Paracali, der Berg Dinaan und der
Strich zwischen Paracali und Mambulao werden von Hornblendeschiefer
gebildet. Das frische Gestein des Berges Dinaan ist dunkel gefrbt
durch die berwiegende, ziemlich grobkrnige Hornblende, in welcher
schmale, nicht zusammenhngende Lagen meist kleinkrystallinischen,
weissen, triklinen Feldspathes weisse unterbrochne Streifen
bilden. Ausserdem tritt noch etwas Schwefelkies und brauner Glimmer
auf. Aus dem Pulver zieht der Magnetstab kein Magneteisen aus. Das
verwitterte Gestein, dessen Streichen zwischen Paracali und Mambulao
als ostwestlich, dessen Fallen als 40 nach Sd bestimmt wurde, ist
graugrn, weich, reichlich mit Magneteisen durchzogen, und bald als
serpentinhaltiger Talkschiefer, bald als talkhaltiger Serpentinschiefer
umgebildet. Den Ursprung aus Hornblende verrth der Kalkberzug der
Klfte. Gelblichgrne, weiche, scharf begrenzte Partien scheinen
verwitterte Feldspthe zu sein.

In diesen Serpentingesteinen vorzugsweise (ob im Gneiss ebenfalls steht
nicht fest) treten Quarzgnge auf, z. Th. mit schnen Quarzdrusen,
meist mit Schwefelkies, oft mit Kupferkies und Bleiglanz und
den Verwitterungsprodukten dieser Mineralien (wie Brauneisen,
manganhaltiges und mit Salzsure und Chlor entwickelndes Eisenoxyd,
Kupferindig u. s. w.), in denen Gold dendritisch vorkommt. Aus den
zelligen verwitterten und dann eisenschssig gewordenen Quarzgngen
wird das Gold durch Waschen gewonnen.

Von denselben Mineralien begleitete und durchaus hnliche Quarzgnge
(z. B. am Berge Dinaan) fhren Chrombleispath [339]. Dieser ist nicht
selten mit einem zeisiggrnen, amorphen, pulverigen Ueberzuge von
Vauquelinit versehen. Das Vorkommen entspricht also dem Uralischen.

Bisweilen nimmt der Gehalt an Kupferkies so sehr zu, dass das Kupfer
den Betrieb der Gruben bedingt; an anderen Stellen berwiegt der
Bleiglanz.

Am Strande zwischen Paracali und Mambulao bildet sich aus zertrmmerten
Muschelschalen, Korallentrmmern, einzelnen Quarzen ein Conglomerat.

Oestlich von Paracali bei Lungos steht weisser, specksteinartiger
Talkschiefer an, dessen frheren Eisen- und Kupfergehalt, wohl in Form
von Kiesen, braune und grne Frbungen einiger Partien beweisen. Die
Indier waschen daraus Gold. Bei Lungos treten goldfhrende Quarze
auf, ebenso wird aus dem magneteisenreichen Sande des Strandes Gold
gewaschen.

Nach den in der Visita Colasi im Bach Colasi gesammelten Geschieben
besteht der grosse Berg Colasi (nicht der kleine Pic von Colasi) aus
Amphibolandesiten. In grauer, feinkrniger, fast dichter Grundmasse
liegen neben triklinen Feldspathen grosse, braune, sparsame Hornblenden
und etwas Magneteisen. Die Gesteine sind sehr wenig frisch, strker
verwitterte nehmen einen rthlichen Schein an. Aus denselben Gesteinen
besteht der Hgel, welcher die sdlich, etwa auf dem Drittel des
Weges nach Cabuso gelegene Visita Barceloneta trgt. Sie gehren
demnach mit den Gesteinen des NW. liegenden Labo in dieselbe Gruppe.

Die Grenze der an der Nordwestkste beobachteten krystallinischen
Schiefer mit den Tuffen des sdlich weiter landeinwrts gelegenen
Vulkanes Labo wird etwa zwischen Indan und Labo zu suchen sein. Der
Labofluss fhrt dort neben zertrmmerten krystallinischen Schiefern die
Mineralien des vulkanischen Gesteins: glasigen triklinen Feldspath,
Hornblende und kleine Geschiebe von Amphibolandesit. Im Fluss selbst
stehen feste, rothbraune Tuffe an mit meist zersetzten, gebleichten
Amphibolandesitstckchen, aber auch mit rundlichen Quarzgeschieben
und einzelnen rundum auskrystallisirten Hornblenden. Der Tuff macht
nicht den Eindruck eines umgelagerten, auf sekundrer Lagersttte
befindlichen Gesteins.

An dem zweiten Aestuar zwischen der Barre von Dat und Colasi,
gleich hinter dem Rio Fungbo, treten Felsen an's Meer, die bis dahin
flache, mit zertrmmerten Muscheln bedeckte Kste steigt an. Es sind
vulkanische, gelbgraue, lockere Tuffe gemengt mit Muscheltrmmern.

Geschiebe des Flusses Labo, in Pueblo Labo gesammelt, geben Auskunft
ber die Zusammensetzung des 1 1/2 Tagereisen sdlich liegenden
Berges Labo.

Es sind zunchst Amphibolandesite. In weissgrauer, etwas bimsteinig
aufgeblhter, den Ausscheidungen etwa das Gleichgewicht haltender
Grundmasse liegen rundliche oder doch schlecht begrenzte glasige
trikline Feldspthe, deren Lngsaxe bis 6 Millimeter erreicht,
in etwas grsserer Menge als die etwas kleineren dunkelbraunen
Hornblenden. Ausserdem sind einzelne grssere Blttchen tombakbrauner
Glimmer vorhanden, Augit, Titanit und Olivin scheinen nicht
aufzutreten. In einigen Handstcken tritt die Hornblende fast ganz
zurck, die blaugraue dichte Grundmasse wird stark berwiegend
und sieht z. Th. wie durch Fumarolenwirkung zersetzt aus. In noch
anderen Handstcken liegen in gelbbrauner, schaumiger, reichlicher
Grundmasse grssere, glasige, trikline Feldspthe neben kleineren
sparsamen braunen Hornblenden und einzelnen grossen tombakbraunen
Glimmerblttchen, die z. Th. eine Vernderung der Farbe durch erhhte
Temperatur erlitten haben. Endlich finden sich vereinzelt ganz dichte,
schwrzlichgraue Gesteine, in denen man mit der Loupe kaum noch die
Gemengtheile unterscheiden kann. Vermge der Uebergnge lassen sich
diese Gesteine als dichte Amphibolandesite auffassen.

Das Vorkommen dichter weissgrauer, rthlicher und graublauer
Quarzmassen mit einzelnen Quarzkrnern deutet hin auf Absatz heisser
Kieselquellen.

Das 1/2 Legua SSW. vom Pueblo Labo im Bach am Hgel Dalas vorkommende
Gestein ist durch die Verwitterung des darin reichlich vorhandenen
Schwefelkieses ziemlich unkenntlich geworden. Man darf es wohl fr
Gneiss nehmen; fr quarz- und feldspathhaltigen Hornblendeschiefer
die ebenfalls durch verwitterte Schwefelkiese zersetzte, behufs
der Goldgewinnung am Berge Dalas gefrderten Gesteine. Der daselbst
gefrderte Sand enthlt neben Schwefelkies nicht wenig Bleiglanz und
Blende. Aus einer andern jetzt verlassenen Grube Lugas wurde zum Zweck
der Gold- und Bleigewinnung ein blaugrauer Thon gefrdert, der neben
Schwefelkies verwitterte Kupferkiese enthlt. Festere Gesteinsstcke
eben daher sind reich an Bleiglanz.



Provinz Camarines sur.

Die Umgebung des Vulkans Ysarog ist ausgezeichnet durch das Auftreten
von Amphibolandesiten. Es sind hellfarbige, mit nur sehr wenig
Grundmasse ausgebildete, feldspathreiche, etwas porse Gesteine
mit grsseren oder kleineren, ziemlich unregelmssig begrenzten,
dunkelbraunen Hornblenden, etwas Magneteisen und wenig Olivin. An
manchen Punkten wie z. B. an dem Hgel, auf dem die Kirche von
Maguiring steht, findet sich neben der Hornblende sparsam grner
Augit vor. Die Uferwnde des Flusses Goa am Fuss des Ysarog werden
von sehr lockeren, bimsteinartig aufgeblhten, einzelne Augite
fhrenden, rthlichgrauen Amphibolandesiten gebildet, die leicht
zu einem rthlichweissen Sande zerfallen. Dieser Sand fllt die
Zwischenrume zwischen den grsseren Gesteinsstcken aus; dasselbe
Gestein kommt auch am Fuss des Ysarog bei Ra-Ra und Uacloy vor. Aus
den sehr zersetzten, lockeren, porsen, gelblichen Gesteinen bei der
Visita Uacloy tritt eine heisse Quelle hervor, welche eisenhaltigen,
brunlichweissen Kalksinter absetzt. Die Schluchten zwischen Maguiring
und Ra-Ra, welche die hgelige Ebene zerschneiden, enthalten
dieselben lockeren zersetzten Gesteine, die jedoch nicht das Ansehen
von Tuffen haben. Aus dem Fluss von Uacloy liegen graue, feste,
wenig porse Amphibolandesite vor, welche neben brauner Hornblende
etwas grnen Augit fhren, deren Zersetzung oder Verwitterung jene
lockeren Gesteinsmassen geliefert haben wird. Von der halben Hhe
des Ysarog bis zum Gipfel herrscht dasselbe hellgrne, schwach porse
Gestein, das neben brauner Hornblende untergeordnet grnen Augit und
etwas Olivin erkennen lsst. Es erscheint nicht wahrscheinlich, wenn
auch mglich, dass die Analyse der Feldspathe aus den Gesteinen des
Ysarog neben dem herrschenden glasigen triklinen Feldspathe Sanidin
nachweisen wrde. Mit diesem Nachweis wrde die Einordnung des Gesteins
unter die Amphibolandesite fraglich werden und eine Nherung an die
Trachyte gegeben sein.

Die gewaltige Bergmasse des Ysarog nimmt den ganzen Raum zwischen
der Bai von S. Miguel und dem Meerbusen von Lagonoy in einer Breite
von 18 Seemeilen ein oder hat nach v. Hochstetter den Isthmus erst
gebildet, indem sie die Insel, welche einst die wahrscheinlich aus
krystallinischen Schiefern bestehende Sierra di Caramuan [340] bildete,
mit Sdcamarines verband.

Weiter sdlich vom Ysarog folgt der am See von Buhi gelegene erloschene
Vulkan von Yriga. Der isolirte Hgel westlich von Yriga an der
Strasse nach Nabua besteht aus blaugrauem, etwas porsem Dolerit,
in dessen feinkrniger Grundmasse neben kleinen, triklinen, glasigen
Feldspathen reichlich gelblicher Olivin, ausserdem grner Augit und
Magneteisen ausgeschieden ist. Der Augit kommt in den Rapilli in
losen rundum ausgebildeten Krystallen vor, welche durch die grade
Endflche (hnlich wie die Krystalle vom Bufaure und vom Forstberg)
ausgezeichnet sind. Manche dieser Krystalle sind in der Richtung
der Hauptaxe so stark verkrzt, dass die Krystalle fast als Tafeln
erscheinen, in denen die Sulenflchen deutlich, aber klein ausgebildet
sind. Die bald compakten, bald porsen Doleritlaven des Vulkans Yriga
sind z. Th. rmer an Olivin, die Feldspthe erreichen jedoch grssere
Dimensionen. An einigen dieser Laven ist die Oberflche stellenweise
geschmolzen, so dass man auf Wirkungen des Blitzes gefhrt wird. Die
etwas schlackigen Laven von der Visita Tambong am See Buhi zeichnen
sich durch reichliche und grosse Olivine aus. Rothe Doleritschlacken
mit triklinen Feldspthen und grnen Augiten bilden eine Wand von
250 Fuss unter dem Gipfel des Yriga, den ziemlich frische, compakte,
graubraune, an Olivin reiche Dolerite zusammensetzen. Die Blcke auf
dem westlichen hchsten Zacken des Kraterrandes sind grobkrniger
und porser.

Aus denselben Doleriten, meist mit grossen Augiten und kleineren
triklinen Feldspthen bei wechselndem Gehalt an Olivin, bestehen die
vielen kleinen etwa 50 Fuss hohen Hgel zwischen Yriga und Buhi. Am
Wege zwischen diesen beiden Orten tritt weisser Bimsteintuff auf,
welcher sparsam unregelmssig begrenzte, dunkle Glimmerblttchen
enthlt. Der Feldspath scheint Sanidin zu sein und somit das
Gestein dem Trachyt anzugehren. Die Hgel nchst Buhi bestehen
aus grobgeschichteten Rapilli, die gegen den Ysarog einfallen, sich
also auf ein anderes Eruptionscentrum beziehen. In dem am Ostfuss des
Yriga liegenden See von Buhi wird die Felsinsel von einem hellgrauen,
porsen, feinkrnigen Gestein gebildet, in dessen berwiegender
Grundmasse neben brauner Hornblende grner Augit, Olivin, Magneteisen
und trikliner Feldspath sichtbar ist. Die im grossen Ganzen nach
Einer und derselben Richtung langgestreckten Poren des Gesteins,
das von den brigen des Yriga abweicht, sind oft mit dnnen Tafeln
triklinen Feldspathes ausgekleidet. Dnnschliffe zeigen die Grundmasse
berwiegend aus dem Feldspath zusammengesetzt, daneben Hornblende,
Augit, Olivin und Magneteisen.

In Folge des Hornblendegehaltes findet sich im Sande des Strandes
des Buhisees Hornblende neben Augit.

Der Bergrcken zwischen Buhi und Tibi d. h. der Abhang des erloschenen
Vulkans Malinao oder Buhi besteht aus Dolerit, welcher am Joch frisch,
weiter abwrts nach Sdwest hin sehr stark durch Schwefelwasserstoff
zersetzt auftritt. Sie werden nach Buhi hin von vulkanischen,
z. Th. zersetzten Sanden bedeckt. Der frische, nicht sehr feste,
hellgraue, etwas porse, feinkrnige Dolerit zeigt triklinen Feldspath,
grnen Augit, etwas Olivin und Magneteisen. In den ziemlich groben
vulkanischen Sanden findet sich ausserdem noch braune Hornblende,
die in dem Dolerit nicht zu sehen ist. Einzelne Augite des Sandes
sind rundum auskrystallisirt. Die durch Schwefelwasserstoff zersetzten
Dolerite haben durch das ausgeschiedene Eisenoxyd einen rthlichweissen
Schein erhalten. Die Grundmasse und die Feldspathe sind viel strker
angegriffen als die Augite, welche ihre grne Farbe noch bewahrt
haben. Von Olivin ist in ihnen nichts mehr zu sehen.

An der Sdwestkste der Provinz sind westlich von Pasacao bei
Calbajan die krystallinischen Schiefer wieder beobachtet. Sie treten
hier als sehr grobkrnige, nicht schiefrige Gesteine auf, welche
aus vorherrschender, schwarzer, sehr schn spaltbarer Hornblende,
weisslichgrauem, nicht sehr deutlich spaltbarem, triklinem Feldspath,
etwas Magneteisen und Schwefelkies bestehen. Der Feldspath zersetzt
sich mit kochender Salzsure behandelt vollstndig, gehrt also den
basischen an, gelatinirt jedoch nicht.

Neben diesem grobkrnigen Hornblendegneiss kommt feinkrniger, ebenso
zusammengesetzter, ebenfalls nicht schiefriger Hornblendegneiss
vor. Andere verwitterte Gesteine eben daher, im Niveau der Ebbe und
Flut wunderbar zerfressen, bestehen aus dichtem Feldspath mit etwas
Quarz; die Spalten sind mit Kalkspath erfllt. Darauf legt sich
ein junges Conglomerat mit Kalkbindemittel, das von zertrmmerten
Conchylien herrhrt. Man erkennt darin weisse rundliche Quarze,
Hornblendeschiefer, Kalkstckchen und einzelne braune Glimmerblttchen.

Oestlich des Hhenzuges, welcher an der Sdwestseite der Provinz
hinzieht, tritt (N. von Pasacao) am Ufer des Flusses Libmanan
zwischen Libmanan und Naga ein gelblichweisses, lockeres Gestein
auf. Nach Abschlmmung des reichlichen Thones bleiben gelblichbraune
Glimmerblttchen, etwas Magneteisen, sparsam grner Augit, etwas
mehr braune Hornblende und durchsichtige Quarzsplitter zurck. In der
Umgebung von Libmanan stehen mrbe, gelblichgraue vulkanische Tuffe an,
in denen Hornblende und Feldspath hervortritt. Diese Beschaffenheit
weiset auf den Ysarog als Ursprungsort hin.

SW. von Libmanan bietet der aus grauweissem, kleinkrystallinischem
Kalkstein bestehende Berg Iamtik viele Tropfsteinhhlen dar. Die
Uferbnke des Flusses Bicol bei Visita Sibucat bestehen aus mrben,
gelbbraunen, vulkanischen Tuffen mit Geschieben an Amphibolandesit,
unter denen wiederum das eben angefhrte mrbe, gelblichgraue Gestein
liegt. Es ist hier viel thonreicher als zwischen Naga und Libmanan,
der Rckstand nach Abschlmmung des Thones ist daher viel geringer
und besteht aus Hornblende, Glimmer, Magneteisen, etwas grnem
Augit und Quarzsplittern. Weiter oben stehen am Rio Bicol Thone
mit Muschelresten an. Der ziemlich feste, fein porse, gelbweisse,
rundliche Massen von weissem feinkrnigem Kalkspath fhrende Kalkstein,
der am Kalkofen Palsong (zwischen Naga und Batu) gesammelte Kalkstein
steht SSW. an und enthlt undeutliche Versteinerungen, von denen sich
manche mit Wahrscheinlichkeit auf Abdrcke der Korallenzweige der
noch im indischen Ocean lebenden Gattung Seriatopora beziehen lassen.

Ein angeblich von Montecillo bei Libon (S. vom See von Batu)
herrhrender, gelblichgrauer, feinerdiger, bituminser Kalkstein
fhrt ktenoide Fischschuppen. Er wird auf dem Rio Quinali als Baustein
verfhrt.



Provinz Albay.

Die durch die schwache Solfatara von Igabo (NO. vom Gipfel des oben
angefhrten erloschenen Vulkans Buhi oder Malinao gelegen und etwa
250 Fuss im Durchmesser haltend) zersetzten, vllig abgerundeten
und schalig gewordenen Steine, welche den ganzen Boden der Solfatara
bedecken, bestehen, wie die frischen Kerne der Steine zeigen, aus einem
hellgrauen Dolerit. Er fhrt neben berwiegendem triklinem Feldspath
grnen Augit, sparsam Olivin und dunkeln Glimmer. Schliesslich wird
das Gestein zu einem weissen, mit Eisenoxyd durchzogenen oder rothen
Kaolin zersetzt, in welchem Schwefel und Gyps sich findet.

Der bei Tibi liegende Kieselbrunnen Naglegbeng liefert sehr schne
Kieselsinter, z. Th. mit Blattabdrcken. In dem lockeren porsen
Gestein kommen einzelne Anhufungen von Hyalith vor. Nach einer
geflligen Analyse von Herrn Professor Rammelsberg enthlt das
Wasser in 100000 Theilen 7,5 Kieselsure, 25,4 Kalk mit Spuren von
Eisen, 0,2 Magnesia, eine reichliche Menge von Chloriden, aber keine
Sulphate. Das Wasser hatte eine geringe Menge (0,02) Kieselsure
(ohne organische Formen) in der Flasche abgesetzt. Manche der
Kieselsinterabstze bilden schalige Rhren, deren rundliche Enden
der Oberflche das Aussehen eines Erbsensteines geben. Man darf ihre
Bildung wohl von aufsteigenden Gasblasen ableiten. Wo sie schliesslich
mit gelblichweissem Hyalith erfllt werden, geben sie dem Absatz eine
gewisse Aehnlichkeit mit Korallenbildungen, die freilich verschwindet,
wenn die ganze Bildung in Hyalith umgesetzt ist. Bei strkerem Erhitzen
sieht man in der scheinbar homogenen Hyalithmasse die ursprnglichen
Rhren wieder hervortreten, indem ihre Frbung eine etwas andere ist
als die der Fllmasse.

Von den Doleriten des Mazaraga S. von Malinao und N. vom Vulkan
Albay liegen von der halben Hhe entnommen compakte, brunlichgraue,
feinkrnige, feldspathreiche, an Olivin und Augit arme Gesteine
vor. Die etwas porsen, sonst hnlich beschaffenen Dolerite des Gipfels
sind gebleicht und zersetzt durch saure Fumarolen. Die Rapilli eines
grossen Barranco weisen grssere trikline Feldspathe, z. Th. rundum
krystallisirte Augite, aber kaum Olivin auf.



Insel S. Miguel.

Die stlich von Malinao und Tabaco gelegene Insel S. Miguel
zeigt an der Sdkste einen sehr schmalen, mit vulkanischem Sand
bedeckten Kstenstreifen. Der Sand besteht entweder vorzugsweise aus
Magneteisen mit wenig Augit und Olivin oder aus Feldspath, grnem,
z. Th. rundum auskrystallisirtem Augit, etwas Olivin und Magneteisen,
dessen Oktaeder bisweilen deutliche Granatoederflchen zeigen. Um den
ganzen Strand bilden grosse Blcke von frischem, compaktem, hellgrauem
Amphibolandesit, weiter NW. von blaugrauem compaktem Dolerit einen
Saum. Der Andesit zeigt in feinkrniger Grundmasse neben zahlreichen,
grossen, braunen Hornblenden glasige trikline Feldspathe, einzelne
Augite und Magneteisen. Das Gestein gleicht ganz dem des Ysarog. Der
Dolerit enthlt in der feinkrnigen Grundmasse vorzugsweise triklinen
Feldspath neben grnem Augit und etwas Magneteisen.

Hinter dem Kstenstreifen erheben sich Bnke eines wenig festen,
grngelben, sandigen, etwas thonigen, tuffhnlichen Gesteins
mit Kalkcement. Ausser bimsteinartigen grauweissen Partien
sieht man Feldspath, gelbe und dunkle Glimmerblttchen, etwas
Magneteisen. Im Rckstand nach Behandlung mit Sure erkennt man
etwas Augit und Stckchen eines grauen dichten, feldspathfhrenden
Gesteins. Eingelagert in diese Bnke sind blulichgraue,
ziemlich homogene und feste Thonbnke mit einzelnen gelblichen
Glimmerschuppen. Sie werden in Tabaco als Fliesen benutzt, die
oberste, weisse, 2 Fuss mchtige, einzelne gelbe Glimmerschuppen und
Bimsteinfragmente fhrende Bank als Baustein. Nach oben geht diese Bank
in einen gelbe Glimmerschuppen, Stckchen grauen feldspathhaltigen
Gesteins, glasigen Feldspath und weisse Bimsteinfragmente fhrenden,
wenig festen, weissen Tuff ber, der auch weiter nordwestlich mit
faustgrossen Geschieben ansteht. Alle diese wechsellagernden Thon-
und Tuffbnke streichen h. 4 und fallen nach Nord.

Weiter sdstlich stehen ltere, gelblichgraue, feste Thonbnke mit
einzelnen gelblichen Glimmerschuppen an.

Die Mitte der Insel besteht aus eisenschssigem Sand und aus Kies. An
der Nordkste liegen Sande, vulkanische Blcke und thonige Bnke
hnlich wie an der Sdkste.

Ueber den Ursprungsort der vulkanischen Gesteine von S. Miguel lsst
sich vorlufig nichts Genaueres angeben.

Der stlich vom Mazaraga gelegene, noch thtige Vulkan Albay oder Mayon
hat hell- bis dunkelgraue, compakte bis porse Doleritlaven geliefert,
welche in der feinkrnigen Grundmasse hellgrauen triklinen Feldspath,
grnen Augit, etwas Olivin und Magneteisen zeigen. Sie sind z. Th. den
Doleriten von Mariveles und also auch denen des Aetna zum Verwechseln
hnlich. Durch grsseren Gehalt an Feldspath wird das Gestein
bisweilen heller, ebenso sinkt die Menge des Olivins bisweilen auf
ein Minimum. Die Laven des Gipfels sind durch die mchtigen Fumarolen
-- heisse Wasserdmpfe und Schwefelwasserstoff -- stark zersetzt;
Gyps findet sich daher dort in reichlicher Menge. Eine Variett von
faseriger bimsteinhnlicher Struktur gemengt mit zersetzten Silikaten
analysirte de la Trobe, Rammelsberg Handb. d. Mineralchemie 263. Das
untere Ende eines nahe am Gipfel beginnenden Lavastroms, liegt etwa am
obersten Viertel des Berges. Es hat sich hier etwas aufgestauet und
beim Erkalten in concentrisch schalige Bnke von etwa 1 Fuss Strke
abgesondert. Die Kluftflchen stehen senkrecht auf dem unterliegenden
Gestein und gehen, Bogen bildend, allmhlich in 20-30 Neigung gegen
den Horizont ber. Der grobe vulkanische Sand vom Sdabhang zeigt nur
Bruchstcke von Feldspath, Augit, Olivin, Magneteisen, keine rundum
ausgebildeten Krystalle; daneben finden sich kleine Schlackenstcke und
in geringer Menge Scherbchen braunen vulkanischen Glases. Am Sdfuss
des Vulkans bei Camalig treten durch Schwefelwasserstoff gebleichte
und mit Gyps erfllte Gesteine auf.

Der isolirte Hgel zwischen Legaspi, Daraga und Albay besteht
aus dunkelem, etwas schlackigem Dolerit von der gewhnlichen
Zusammensetzung. Unter den Lapilli von der Oberflche des Hgels
finden sich hufig lose, rundum auskrystallisirte Augite in der
gewhnlichen Form. Diese, die gewhnlichen Augitzwillinge und mit
Flchen versehene Olivine kommen, mit triklinem Feldspath verbunden,
in einzelnen festeren helleren Gesteinsstcken vor, aus denen die
losen Krystalle wahrscheinlich durch Verwitterung hervorgehen. In
einem Wasserriss des Hgels stehen rothe schlackige Dolerite an mit
kleinen verwitterten Feldspathen und grossen grnen Augiten.

Auf der schmalen Landzunge zwischen dem Meerbusen am Albay und
von Sorsogon liegt der wahrscheinlich vulkanische Berg Pocdol,
der etwa die Mitte zwischen den thtigen Vulkanen Albay und Bulusan
einnimmt. Um Bacon, stlich von Pocdol, liegt vulkanischer Schutt
und Thon, letzterer Zersetzungsprodukt durch vulkanische Gase. Die
gypsfhrenden Thone aus dem grossen Bergrcken zwischen Bacon
und dem sdstlichen gelegenen Gubat lassen schliessen, dass dort
doleritische Tuffe durch Fumarolenthtigkeit zersetzt wurden. Vor
dem thtigen, wenigstens dampfenden Vulkan Bulusan wurden an 100 Fuss
hohe Bimsteintuffe beobachtet.



II. Samar.

Im Rio Catarman (Nordkste der Insel [341]) stehen zwischen Catarman
und Cobo-Cobo Bnke eines ziemlich festen, eisenschssigen hellbraunen,
kalkfreien Thones an mit Resten verkohlter Pflanzen und zahlreichen
Bohrlchern, welche nach Dr. von Martens von der noch oft in den
Bohrlchern vorhandenen Modiola striatula Hanley herrhren. Nach dem
Abschlmmen hinterlassen die Thone wechselnde Mengen eines Rckstandes,
der aus Quarz, zum Theil in eisenschssigen, rundlichen Krnern und
eckigen Splittern, etwas Magneteisen, weissem, braunem und grnem
Glimmer, und aus Feldspath besteht. Einzelne eisenhaltige, braune,
fast rein sandige Lagen von ziemlich grobem Korn zeigen dieselbe
Zusammensetzung. Aehnliche, aber grnliche, sandige Schichten stehen
weiter oberhalb im Rio Catarman an. Nach Behandlung mit Salzsure sieht
man im Rckstand neben etwas Magneteisen reichlich weissen Quarz,
hie und da mit etwas dunkelem Glimmer, ferner Feldspath, weisse und
dunkle Glimmerblttchen. An der weiter sdlichen Salta Sangley kommen
blaugraue Thone mit sandigen, grnlichen Lagen vor, welche die eben
angefhrten Mineralien enthalten. Aus dem weiter sdlich und nahe
der Salta Sangley entspringenden Fluss, der von Visita Tragbukan
nach Calbayog fhrt, liegen, dem Ursprung des Flusses entnommen,
gerundete mrbe Geschiebe eines ganz verwitterten Gesteins vor. Man
erkennt in ihnen weissen und etwas dunkeln Glimmer und erhlt nach
Abschlmmen des Thones einen Rckstand mit zum Theil eisenschssigem
Quarz, Feldspath und etwas Magneteisen. Darnach rhren diese Geschiebe
wohl von Gneiss oder feldspathreichem Glimmerschiefer her.

Weiter flussabwrts unterhalb der Visita Tragbukan stehen wieder
grne und braune, eisenschssige, wenig feste Sandsteine von grobem
Korn und der angefhrten Beschaffenheit an, welche Bnke wie die oben
genannten von verwittertem Gneiss oder feldspathreichem Glimmerschiefer
herzuleiten sind. In allen diesen Thon- und Sandsteinlagen ist kein
grsseres Gesteinsbruchstck zu finden, das weitere Auskunft gbe.

Noch weiter unten folgen braune, feinerdige, feste, kalkhaltige
Thonbnke mit undeutlichen Versteinerungen. Der Rckstand nach
Behandlung mit Sure zeigt nur einige Glimmerblttchen und Quarzkrner.

Weiter sdstlich an der Kste treten bei Catbalogan und auf der nahen
Insel Majava vulkanische Tuffe auf. Die letzteren sind ziemlich fest,
wenig thonig, grobkrnig und grnlich grau. Sie enthalten neben
den zahlreichen Augitbruchstcken einige rundum auskrystallisirte
Augite, reichlich Magneteisen, weissen Feldspath und sparsam kleine
Gesteinsstcke, welche ident sind mit einzelnen vorliegenden grsseren
Gesteinstrmmern. Das graue, dichte und compakte Gestein enthlt
in Feldspathgrundmasse zahlreiche grne Augite und Magneteisen
ausgeschieden. Nach Behandlung mit kochender Salzsure wird die
Grundmasse weiss und ist stark angegriffen. Dieses Verhalten und die
sehr sparsamen, kleinen, triklinen Feldspathe des Gesteins zeigen,
dass man einen porphyrisch ausgebildeten Dolerit oder Pyroxenandesit
vor sich hat. Ein denselben Conglomeratblcken entnommenes gerundetes
Geschiebe fhrt in dichter brauner Grundmasse grnen Augit. Die
zahlreichen rundlichen Hohlrume sind mit Strahlzeolith und Opal
erfllt, die Tuffe streichen h. 2,5 und fallen 80 N.

Bei Catbalogan stehen graue und braune, etwas thonige, zum Theil sehr
feinsandige Bnke an. Das Pulver gibt an den Magnetstab Magneteisen
ab. Sie enthalten sparsam triklinen Feldspath, Augit und Bimstein
hnliche Trmmer, bisweilen auch Bruchstcke eines ganz dunkeln,
dichten Gesteins, in welchem einzelne trikline Feldspathe zu erkennen
sind. Im Anschluss an das Vorkommen von Majava darf man diese Bildungen
wohl betrachten als aus doleritischen Gesteinen entstanden.

Diese Bnke werden von z. Th. mrbem gelblichgrauem, feinkrnigem
Kalkstein berlagert. Er hinterlsst nach Behandlung mit Salzsure
einen aus vielen thonigen Partikeln, etwas Feldspath, Augit und
Magneteisen und kleinen, grauen Gesteinstheilchen bestehenden
Rckstand; z. Th. sind die Kalke, welche h. 5-5 1/2 streichen und 35
N. einfallen, dicht, fest, weisslichgrau. Die unteren Schichten sind
aus vulkanischen Tuffen und Kalk gemengt.

Hart am Meeresstrande bei dem am Ostende der Bucht gelegenen Paranas
sieht man harte Muschelbreccie, durch Kalk verkittete Muscheltrmmer,
in grossen zertrmmerten Schollen auf weicheren Bnken derselben Art
liegen. Aus letzteren lsst sich unter den vielen Bruchstcken nach
Dr. von Martens die im indischen Ocean lebende Plicatula depressa
Lam. erkennen. Die unter diesen horizontal ausgebreiteten Schichten
liegenden gelblichgrauen Thone fallen landeinwrts. Von ihren
ziemlich wohlerhaltenen Muscheln und Pteropoden lsst sich nach
Herrn Dr. von Martens ein Theil bestimmen als den noch im indischen
Ocean lebenden Gattungen Yoldia, Pleurotoma, Cuvieria, Creseis,
Dentalium angehrig. Die Pleurotoma-Art stimmt mit keiner lebenden
berein. Mit lebenden Arten stimmen berein: Venus (Hemitapes)
hiantina Lam.; Venus squamosa L.; Arca (Scapharca) Cecillei Phil.;
Arca inaequivalvis Brug. var. [342]; Arca chalcanthum Rv.?; Corbula
crassa Rv.; Natica unifasciata Lam. var. lurida Phil.

Im Walde zwischen Paranas und dem nach NO. landeinwrts gelegenen
Loquilocun stehen Felsen an aus einem festen, graulichweissen,
mit Kalkspathadern durchzogenen, breccienartigen Kalkstein, in
dem undeutliche organische Reste, wohl von Korallen, zu erkennen
sind. Im Loquilocunfluss, der seinen Lauf nach NO. an die Ostkste
der Insel richtet, stehen unterhalb der Visita Loquilocun in grossen
ungeschichteten Massen stark verwitterte, mrbere, brunlichgelbe
Kalke an. Die bei der sechsten Stromschnelle unterhalb Loquilocun
angeschwemmte, schwefelkiesreiche, mit Gyps durchzogene Kohle gleicht
den Hlzern der Braunkohle. Sie lsst die Holzstruktur mit blossem
Auge erkennen und giebt ein braunes Pulver.

Aus einer grossen Anschwemmung von Kies und Gerllen gegenber der
Stromschnelle unterhalb Loquilocun, wo zum ersten Mal die Khne
entleert und das Gepck ber Land getragen werden muss, liegen
vor: ein stark verndertes, mit Epidot durchzogenes, krniges,
rothgraues Gestein, in dem neben Quarz und triklinem Feldspath
ziemlich viel Magneteisenpunkte zu sehen sind; es macht nicht den
Eindruck eines Eruptivgesteins und mchte der feldspathigen Reihe
der Hornblendeschiefer angehren; ein blaugraues, porphyrisches
Gestein, dessen glasige, nicht doppelbrechende Grundmasse mit
kleinen Sphrulithen erfllt ist und sparsam kleine Quarzkrner und
Magneteisen neben grsseren mattweissen Feldspathen enthlt. Nur
an einem der Krystalle liess sich mit Sicherheit trikline Streifung
erkennen. Ist wohl das Gestein ein jungeruptives, so bleibt doch die
weitere Bezeichnung zweifelhaft; immerhin ist das Auftreten von Quarz
in der glasigen Grundmasse von Interesse. Als Einschlsse kann man
die Quarzkrner nicht auffassen. Ferner milchweisser Achat, der einer
Mandelsteinerfllung angehrt hat, wie die Oberflche nachweiset;
rothbrauner Jaspis mit feinen Quarzadern durchzogen.

Geschiebe aus dem Baseyflusse (Sdkste der Insel) an der Grotte
Sogoton gesammelt bestehen aus einem alten Eruptivgestein. Es fhrt
in feinkrniger, dunkelgraugrner Grundmasse mattweisse trikline
Feldspathe, sparsam Magneteisen und einige undeutliche grnliche
Krystalle, die man fr Augit halten darf. Nach diesem Bestande und dem
Verhalten des Gesteins und der Feldspathe gegen kochende Salzsure
wird man das Gestein den Oligoklasaugitporphyren zuzhlen. Das
neben demselben vorkommende, rothbraune, eisenschssige, mit Suren
brausende, mrbe Gestein mit einem durch Sure ganz zersetzbaren
Feldspath mag ein Tuff eines hnlichen Porphyrs sein. Im Bett des
Flusses Sogoton N. von Basey finden sich Gerlle von Talk- und
Chloritgesteinen.

Die Grotte Sogoton wird von Kalkfelsen gebildet, in denen man Spuren
von Zweischalern und Echinitenstacheln erkennt. Vor der Grotte
liegen 20 Fuss hoch ber dem Fluss am rechten Ufer Bnke mit marinen
Muscheln. Es sind noch lebende Arten; nach Herrn Dr. von Martens Venus
(Hemitapes) hiantina Lam., Arca (Scapharca) Cecillei Phil., Arca
uropygmelana Bory; Placuna placenta L. Die Schalen haften z. Th. kaum
an der Zunge, die Ablagerung muss also sehr recent sein. An einer der
kleinen Inseln bei Nipa-Nipa (Basey) finden sich in den 60 Fuss hoch
ber dem Meer liegenden, gehobenen Muschelbnken nach Herrn Dr. von
Martens die noch lebenden Arten: Chama sulfurea Rv., Pinna cf. nigrina
Lam. Ostrea denticulata Born; O. Cornucopiae Chemn.; O. rosacea
Desh. Am Strand westlich von Basey steht ein lockeres Aggregat von
Muscheltrmmern mit einzelnen gerundeten, kleinen Geschieben an.



III. Leyte.

Von der Ostkste der Nordspitze der Insel liegen aus der Gegend
von Dagami und Tanauan Gesteine vor. Am Joch des Berges Dagami
steht frischer Amphibolandesit an. Die fast compakte, feinkrnige,
graulichweisse Grundmasse, welche sich durch Verwitterung brunlichgrau
frbt, enthlt zahlreiche, grosse braune Hornblendesulen,
kleinere trikline glasige Feldspathe, etwas Magneteisen; die in
dnnen Splittern grnlich durchscheinende Hornblende schliesst oft
Feldspath ein. Das Gestein gleicht dem vom Ysarog vollstndig. Daran
schliesst sich nrdlich ein Rapilliberg und weiter unten vulkanischer
Sand. Am Ostfuss des Dagami liegt eine Solfatara, aus welcher ein
Bach mit 50 R. hervortritt. Den Rand des Baches umsumen rthliche
Kieselsinterkrusten, deren Oberflche stige Fortstze trgt: hnliche,
mit braunem basisch schwefelsaurem Eisenoxyd berzogene Abstze
finden sich am Rande des Kieselsprudels Nol. In den einerseits bis zu
Bianchetto, andererseits zu Thon zersetzten Gesteinen der Solfatara
fehlt es nicht an Ueberzgen von basisch schwefelsaurem Eisen und an
Ablagerungen von Schwefelkrystallen. Die weniger zersetzten Gesteine
zeigen noch Ueberzge von Gyps. Neben den fast intakten Hornblenden
zeigt sich die Grundmasse viel strker angegriffen als Magneteisen
und Feldspath.

Die Solfatara am Berg Danaan zeigt dieselben Erscheinungen: einen
Kieselsprudel, Schwefelabstze und Alaunbildung in den gebleichten und
zersetzten Amphibolandesiten. Am Meer bei Tanauan sdlich vom Pueblo
stehen jenseits des Aestuars graugrne quarzige Chloritschiefer an,
in welchen Epidotadern auftreten.








UEBER ALTE UND NEUE SCHDEL VON DEN PHILIPPINEN

von Rud. Virchow.

(Hierzu Taf. I-III.)


Herr Jagor hatte die grosse Gte, mir die von ihm auf den Philippinen
gesammelten und von dort mitgebrachten Schdel zur Bearbeitung zu
berlassen. Ich legte die erste Reihe derselben in der Sitzung der
Berliner anthropologischen Gesellschaft am 15. Januar 1870 vor und
bemerkte darber Folgendes:

Als Herr Jagor mir die Mittheilung machte, dass er eine grssere
Anzahl von Schdeln von den Philippinen mitgebracht habe, welche
er meiner Untersuchung unterbreiten wolle, machte ich mich alsbald
daran, um wenigstens Einiges ber ihre anatomische Beschaffenheit
seinem Vortrage hinzufgen zu knnen. Der erste Blick zeigte,
dass eine der seltensten knstlichen Verunstaltungen des Schdels,
welche berhaupt bekannt ist, in ausgezeichneten Exemplaren hier
vorliegt, und dass diese Schdel ein ganz besonderes Interesse in
Anspruch nehmen. Ein Theil von ihnen hat wesentlich dieselbe Form,
welche sich im nordwestlichen Nordamerika findet, und unter dem
Namen des Flachkopfes (Flathead) bekannt ist. Namentlich einer der
von Herrn Jagor mitgebrachten Schdel aus der Hhle von Lanang ist
ein Flachkopf von musterhafter Ausbildung; er ist von oben und vorn
her flachgedrckt, wie ein Kuchen, und von den weit nach hinten
geschobenen Seitenbeinhckern (Tubera parietalia) luft das fast
ganz abgeplattete Hinterhaupt in einer Ebene schrg nach unten gegen
das grosse Hinterhauptsloch (Taf. I. fig. 3-4). Einige der anderen
Schdel verhalten sich hnlich, wenngleich ihre Verunstaltung keinen
so hohen Grad erreicht hat.

Dass auf den Inseln Asiens hnliche Gebruche geherrscht haben, wie
in Amerika, ist allerdings, wie sich bei genauerer Nachforschung
gezeigt hat, von einzelnen Schriftstellern berichtet, indess ist
die Thatsache doch so verborgen geblieben, namentlich ist sie so
wenig durch authentische Funde belegt worden, dass davon auch in den
Werken der Specialschriftsteller kaum die Rede ist. Nur Thvenot,
dessen Werk [343] am Ende des 16. Jahrhunderts erschienen ist, lsst
einen Geistlichen in einer Beschreibung der Philippinen berichten,
dass die Eingebornen auf einigen dieser Inseln die Gewohnheit htten,
den Kopf ihrer neugebornen Kinder zwischen zwei Bretter zu legen und
so zusammenzupressen, dass er nicht mehr rund bliebe, sondern sich in
die Lnge ausdehne. Er fgt hinzu, dass sie auch die Stirn abplatteten,
indem sie glaubten, dass diese Form ein besonderer Zug von Schnheit
sei. Eine genauere Betrachtung der vorliegenden Schdel ergiebt in
der That deutlich die doppelte Compression, welche einerseits schrg
von hinten und unten her, andererseits von vorn und oben her auf den
Schdel ausgebt ist, und man braucht sich diese beiden Druckflchen
nur verlngert zu denken, so bekommt man die nach vorn zusammengehende
Stellung der Druckbretter, welche noch heute bei gewissen wilden
Stmmen der nordamerikanischen Westkste im Gebrauch ist.

Die Sache hat gegenwrtig eine ganz besondere Bedeutung, weil die
Zahl der Fundstellen solcher verunstalteter Schdel im Laufe der
letzten Jahre immer grsser geworden ist, und zwar auch in Europa. Was
insbesondere Deutschland anbetrifft, so sind am meisten bekannt die
in der Nhe von Wien gefundenen difformen Schdel, ber welche lange
und gelehrte Streitigkeiten stattgefunden haben, indem die eine Partei
meinte, es handele sich um Awarenschdel, mglicher Weise um direkte
Ueberreste der alten Hunnen, whrend auf der anderen Seite sogar
die Frage auftauchte, ob nicht bei der grossen Aehnlichkeit, welche
diese Schdel mit gewissen Peruaner-Schdeln zeigen, anzunehmen sei,
dass durch die Beziehungen der alten Habsburger zu Peru Schdel von
da nach Deutschland gekommen und hier verloren gegangen sein knnten.

Diese letzte Frage, die immerhin discussionsfhig war, hat ihren Boden
gnzlich verloren, seitdem in den letzten Zeiten hnliche Funde auch
an anderen Orten Europas gemacht worden sind. Nachdem schon Blumenbach
in seiner berhmten Schrift De generis humani varietate nativa, 1776,
p. 63 eines derartigen Schdels aus einem Gttinger Grabe gedacht
hat, ist neulich von Hrn. Ecker in Freiburg im ersten Bande des
Archives fr Anthropologie S. 75 ein solcher Fund aus Rheinhessen
genauer beschrieben worden. Der Schdel wurde gefunden in der Nhe
von Niederolm, zwischen Mainz und Alzey, innerhalb einer grsseren
Grberreihe, welche dort aufgedeckt worden ist. Diese Beschreibung hat
Hrn. Barnard Davis Veranlassung gegeben, auf einen schon frher von ihm
in seinen Crania britannica bezeichneten Schdel aufmerksam zu machen
(Archiv f. Anthropologie II. S. 17), welcher auf einem seiner Meinung
nach angelschsischen Kirchhofe zu Harnham bei Salisbury, Wiltshire,
aufgefunden worden ist.

Es wird daher wohl kaum noch zweifelhaft sein knnen, dass in der That
auch in Europa einheimische Stmme hnliche Gebruche gehabt haben,
und wenn wir nun auf der anderen Seite das Gebiet dieser Difformitten
sich weit ber die bisher gekannten Grenzen auf die Inseln Ostasiens
ausdehnen sehen, -- bisher war Tahiti der von Osten her am meisten
vorspringende Punkt, von welchem derartige Schdel bekannt waren,
-- wenn wir sehen, dass dasselbe Verfahren auf den Philippinen gebt
worden ist, so wird man sich wohl darein finden mssen, anzunehmen,
dass durch eine gewisse Uebereinstimmung des menschlichen Geistes,
wie sie uns auch sonst oft genug berrascht, derartige Gebruche
sich an den verschiedensten Orten festgestellt haben, ohne dass man
daraus Folgerungen auf einen direkten Zusammenhang der Vlker ziehen
darf, und ohne dass man, was meiner Meinung nach das Wichtigste ist,
von dem Vorkommen gewisser Schdel-Difformitten berechtigt ist auf
die Abstammung der Vlkerschaften und auf prhistorische Wanderung
derselben zurckzuschliessen. Ich betone dies namentlich gegenber
den Ausfhrungen des Herrn Gosse (Mm. de la soc. d'anthrop. de
Paris. 1861 T. II. p. 567), welcher aus gewissen bereinstimmenden
Verunstaltungen der Schdelform darthun will, dass von Florida eine
alte Bevlkerung in Mexiko eingewandert sei und sich spter bis nach
Peru ausgebreitet habe.

Von besonderem Interesse sind die sehr hnlichen Schdel, welche in
der Krim gefunden worden sind, und die Herr v. Baer zum Gegenstande
einer besonderen Abhandlung [344] gemacht hat. Es ist dies eine
klassische Gegend, denn schon Hippokrates hat uns Nachrichten von einer
Vlkerschaft an der stlichen Ecke des schwarzen Meeres hinterlassen,
welche er Makrocephalen nennt, die sich nach seiner Aussage durch die
Gestalt ihres Schdels vor allen anderen Vlkern auszeichnete. Durch
Anlegung von Binden und Maschinen zwangen sie, wie er sagt, schon
den Kopf des neugebornen Kindes, in die Lnge zu wachsen, und zwar
deshalb, weil sie die Lnge des Kopfes fr ein Zeichen des Adels
hielten. Nach Hippokrates haben verschiedene andere Schriftsteller
ber diese Vlkerschaft berichtet.

Ueberall, von wo wir seitdem Nachrichten ber die Entstehung dieser
Difformitt erhalten haben, kommen sie darin berein, dass die
neugebornen Kinder entweder auf ein Brett gelegt werden und ihnen dann
durch Binden der Kopf gegen dasselbe angezogen wird, oder dass ihr Kopf
zwischen zwei Bretter gezwngt und dadurch ein Druck auf zwei Punkte
desselben ausgebt wird, oder endlich, dass an bestimmte Stellen des
Kopfes Compressen angelegt und darber Binden in allerlei Zirkeltouren
um den Kopf herumgefhrt werden, so dass durch die Compresse eine
Abplattung, durch die Binden circulre Eindrcke hervorgebracht werden.

Die ersten ikonographischen Mittheilungen ber diese Verhltnisse
hat der berhmte amerikanische Reisende Catlin verffentlicht; bei
ihm finden wir auch Abbildungen der Compressionsmaschine. In seiner
Beschreibung der Chinook's an der Westkste Nordamerikas zeichnet er
auf der einen Tafel eine flachkpfige Dame, welche ihr neugebornes
Kind im Druckapparate hlt, auf der nchstfolgenden Tafel ein kleines
kahnartiges Werkzeug, in welchem das Kind eingewickelt liegt, und
welches so eingerichtet ist, dass es auf den Rcken gehngt werden
kann, um so die Wanderungen mitzumachen, welche diese wenig sesshaften
Vlkerschaften unternehmen.

Dass hnliche, wenn auch nicht so complicirte, aber doch nicht minder
wirksame Operationen noch gegenwrtig in Europa vorgenommen werden,
ist namentlich durch verschiedene Beobachtungen in sdfranzsischen
Departements festgestellt worden. Man kennt 3-4 solche Gegenden,
wo noch gegenwrtig durch Druckeinwirkungen der Kopf der Neugebornen
verunstaltet wird. Da nun auch in verschiedenen Gegenden Deutschland's
hnliche Schdel gefunden worden sind, so erlaube ich mir ganz
besonders die Aufmerksamkeit auf diesen Punkt zu lenken, da es
wnschenswerth wre, darauf Acht zu geben, ob etwa Rckstnde dieser
Gebruche auch in der norddeutschen Bevlkerung anzutreffen sind,
worauf eine Notiz bei Blumenbach (De generis humani varietate nativa,
p. 60) speciell fr Hamburg hindeutet.

Nachdem wir die Analogie der difformen Schdel von den Philippinen mit
denen der Chinooks und verschiedener anderer flachkpfiger Bevlkerung
constatirt haben, so fragt es sich: Was mag der Volksstamm, welchem
diese Schdel angehrten, fr eine primre Gestaltung des Schdels
besessen haben? wie wrden diese Schdel ausgesehen haben, wenn sie
nicht knstlich missgestaltet worden wren?

In dieser Beziehung bemerke ich, dass Herr Gosse, ein Genfer
Arzt, der eine sehr verdienstvolle Abhandlung ber die knstliche
Verunstaltung des Schdels [345] geschrieben hat, die schon von
Hippokrates aufgestellte Meinung wiederholt hat, es knne sich
allmhlich eine erbliche Fortpflanzung dieser Form einstellen, und es
bedrfe in der Folge der Generationen nicht mehr einer ausgiebigen
Einwirkung, um sie zu erzeugen; sie erhalte sich von selbst auf dem
Wege der Hereditt. Dagegen sprechen alle sonstigen Erfahrungen: bei
Catlin sind Chinook-Indianer abgebildet aus der neueren Zeit, wo diese
Bruche nicht mehr herrschen, deren Schdel sich nicht difform zeigt;
ja, unter den stlicheren Stmmen Amerika's giebt es einzelne, wie die
Choctaws, die ursprnglich mitten in dem jetzt cultivirten Nordamerika
gewohnt haben, unter denen frher hnliche Sitten herrschten, und
in deren Grbern man noch abgeflachte Schdel gefunden hat, bei
denen jedoch jetzt jede Spur dieser Schdelform geschwunden ist,
nachdem sie die Compression aufgegeben haben. Dazu kommt, dass in
manchen Stmmen die Verunstaltung ein Vorzug der mnnlichen und zwar
der adeligen mnnlichen Bevlkerung war und dass ausser den Sklaven
auch die Frauen davon ausgeschlossen waren, -- ein Umstand, welcher
der Vererbungstheorie keineswegs gnstig ist. Man darf daher nirgends
annehmen, dass sich diese Difformitt von selber fortgepflanzt hat,
und es wird berall, wo man sie antrifft, die Frage aufgeworfen
werden mssen: giebt es Schdel, aus welchen man die ursprngliche
Form erkennen kann?

Fr die Errterung dieser Frage an den Philippinen-Schdeln ist
ein Umstand von besonderem Nutzen. Ausser dem Eingangs erwhnten
Muster-Schdel gehren noch 4 andere demselben Fundorte an. Sie
sind smmtlich in der Hhle bei Lanang unter Verhltnissen gefunden,
welche ein grosses Alter andeuten. Ich erwhne zuerst einen ringsum
mit starken Kalkmassen incrustirten und dadurch colossal vergrsserten
Schdel, welcher ein ganz formidables Aussehen darbietet und als
richtiger fossiler Schdel erscheint. Trotz der Kalkmassen, die ihn
umhllen, kann man sehr wohl erkennen, dass er wesentlich derselben
abgeplatteten Form angehrt oder ihr jedenfalls sehr nahe steht. An
einem dritten Schdel dagegen ist keine Spur jener knstlichen Form
vorhanden, so dass durchaus kein Zweifel darber bestehen kann, dass
er niemals einem Druckverfahren unterlegen hat, und da er an derselben
Stelle mit den anderen gefunden worden ist, so ist meiner Meinung nach
auf dies Verhltniss ein grosser Werth zu legen. Endlich die letzten
beiden Schdel, obwohl sie deutliche Spuren der Abplattung an sich
tragen, zeigen dieselbe doch in abnehmendem Maasse, so dass man, wenn
man einen nach dem andern mit jenem ersten vergleicht, eine ziemlich
regelmssige Stufenfolge der Verunstaltung erkennt. Ich habe von diesen
letzteren Schdeln den Kalkberzug grossentheils abgesprengt, worauf
sich ergab, dass man schon auf eine mehr natrliche Form gelangt,
welche weit davon entfernt ist, eine augenfllige Aehnlichkeit mit
den Chinook-Kpfen darzubieten; freilich der schnelle und ebene Abfall
des Hinterhauptes deutet immer noch darauf hin, dass eine knstliche
Einwirkung stattgefunden hat (Taf. I, fig. 1-2).

Noch wichtiger ist es, dass aus einer anderen und zwar aus einer von
der eben erwhnten ziemlich entfernten Lokalitt, nmlich aus der
von Herrn Jagor (Zeitschrift fr Ethnologie I. S. 80) beschriebenen
Felsklippe von Nipa-Nipa, welche in der Strasse zwischen Samar und
Leyte gelegen ist, zwei andere Schdel (Taf. I, fig. 5-6) von ihm
mitgebracht worden sind, von denen der eine dieselbe Verunstaltung,
wie die besprochenen, in hohem Maasse darbietet (fig. 6). Ich erwhne
nur aus der Mittheilung des Herrn Jagor, dass vom Meere aus eine
Art Thor in die Klippe hineingeht, durch welches man in eine innere
Bucht gelangt, die von steilen Felswnden umgeben ist; an einer der
letzteren befindet sich hoch ber dem Meere die schwer zugngliche
Hhle, aus welcher die Schdel genommen sind.

Auch an diesen beiden Schdeln aus der Hhle von Nipa-Nipa zeigt sich
eine entschiedene Differenz: an dem einen bemerken wir eine positive
Abplattung, einen steilen Abfall, von den Tubera parietalia nach unten,
wie er niemals an einem natrlichen Schdel vorkommt (Taf. I, fig. 5),
und von unmittelbar derselben Lokalitt rhrt ein anderer Schdel von
brigens ganz hnlicher Frbung und Beschaffenheit der Knochen her,
der vielleicht einer leichten Abplattung unterlegen hat, worauf eine
gewisse Verschiebung nach der einen Seite hin deutet, der aber im
Uebrigen ganz offenbar dem gewhnlichen oder ursprnglichen Zustande
sich nhert (Taf. I, fig. 6).

Auf diese Weise kann man, wie mir scheint, seinen Weg von den knstlich
erzeugten zu den ursprnglichen Verhltnissen zurckfinden, und es
ist mglich, zu Schdelformen zu gelangen, bei welchen man wenigstens
annhernd richtig gewisse Verhltnisszahlen aufstellen kann, welche
zur Vergleichung mit anderen Befunden dienen drfen. Unsere Zuversicht
in die Richtigkeit der Schlussfolgerungen ist um so grsser, als die
Zahlen beider Beobachtungsreihen sich gegenseitig controliren.

Fr diejenigen, welche nicht Anatomen sind, bemerke ich, dass es
in neuerer Zeit Gebrauch geworden ist, die ethnologisch wichtigsten
Maassverhltnisse des Schdels zunchst in der Weise zu bestimmen,
das man Verhltnisszahlen zwischen Lnge, Breite und Hhe des Schdels
sucht, in der Art dass die Lnge = 100 gesetzt und Breite und Hhe
darnach reducirt werden. Der Krze wegen kann man die gefundene
procentische Zahl fr die Breite als Breitenindex, diejenige fr die
Hhe als Hhenindex bezeichnen. Das Verhltniss von Hhe zu Breite wird
gleichfalls auf eine Breite von 100 berechnet und die Zahl fr die Hhe
als Breitenhhenindex aufgefhrt. Thut man dies nun an den am wenigsten
difformen Schdeln der Philippinen, so kommt man immer noch auf einen
Breitenindex, welcher nach den bisher bekannten Erfahrungen fr die
ostasiatische Inselbevlkerung ganz unerhrt ist. Bei dem einen relativ
normalen Schdel aus der Hhle von Nipa-Nipa betrgt der Breitenindex
89,1, der Hhenindex 78,9, der Breitenhhenindex 88,5; bei dem
einen Lanang-Schdel ist der Breitenindex 80,1, der Hhenindex 77,8,
der Breitenhhenindex 97,1. Solche Breitenverhltnisse sind berall
ungewhnlich; z. B. die usserste Grenze der Breitenverhltnisse in
Europa finden wir bei den Lappen, wo sie zwischen 82 und 83 schwankt.

Es ergiebt sich zunchst aus diesen Verhltnissen in ganz
unzweifelhafter Weise, dass diese in ausgezeichnetem Sinne
brachycephale Bevlkerung, die doch, wie es scheint, einer lange
vergangenen [346] Zeit angehrt, nichts zu thun hat mit den
Negritos, insofern diese, soviel bis jetzt angenommen wird, mit
den Melanesiern in Beziehung stehen, welche sich alle auszeichnen
durch die relativ geringe Breite ihres Schdels im Vergleich zu einer
relativ betrchtlichen Lnge. Einige andere polynesische Stmme sind
geradezu ausgezeichnet durch die geringe Breite des Schdels bei
einer ungewhnlichen Hhe und Lnge (Hypsistenocephali).

Man ist daher fr unsere Schdel darauf angewiesen, andere
Verwandtschaften aufzusuchen, und die nchste Frage, welche sich
hier aufwirft, ist die: ist es eine malaische Bevlkerung gewesen,
mit der wir es zu thun haben? Auch fr die malaische Rasse im Ganzen
liegen die angefhrten Verhltnisse ausser aller Erfahrung. Es giebt
allerdings ein paar Punkte im Gebiete der Malaien, an welchen erheblich
breite Schdel gefunden worden sind. Welcker (Archiv fr Anthropologie
II. S. 154-156) hat die extremsten Verhltnisse an den von Madura,
einer nrdlich von Java gelegenen Insel, hergebrachten Schdeln
nachgewiesen, bei denen aber doch solche Verhltnisse nicht vorkommen,
wie wir sie hier vor uns finden. Nach seinen Mittheilungen betrug der
Breitenindex der Maduresen, der brigens dem Hhenindex gleich war,
82 [347]. Nchstdem stehen in der Liste von Welcker die Menadaresen
mit einem Breitenindex von 80 und einem Hhenindex von 81. Fr die
Javanesen berechnet er einen Breitenindex von 79, whrend freilich
andere Autoren 82-84 haben. Immerhin ist durch die neuere Untersuchung
constatirt, dass innerhalb der malaischen Reihe eine gewisse Breite
der Schwankungen nach Stmmen existirt, und dass man bei einzelnen
derselben zu Breitenindices kommt, welche denen der Lappen nahezu
analog sind.

Unter den vorliegenden Schdeln stammt nur einer, derjenige nmlich,
welchen Herr Jagor am Ysarog auf der Insel Luzon ausgegraben hat,
nach den Nachrichten, welche er erhielt, von einem der heutigen
Eingebornen; es war bekannt, dass der betreffende Mann, ein Cimarrone,
durch einen Hieb am Hinterhaupte sein Leben verloren hat. Dieser
Schdel ist unglcklicherweise der einzige unter den von Herrn Jagor
mitgebrachten, von welchem man sicher ist, dass er einer noch jetzt
bestehenden Race angehrt, und da wir auch sonst wenig Nachrichten ber
die Craniologie der Philippinen [348] haben, so bin ich nicht in der
Lage, etwas Bestimmtes ber seine Stellung zu sagen. Sein Breitenindex
betrgt 76,9, der Hhenindex 76,1, der Breitenhhenindex 98,9, die
Capacitt 1315 Cub.-Cm. Auch wenn man die einzelnen Schdelknochen
mit denen der Lanang- und Nipa-Nipa-Schdel vergleicht, so sind
seine Verhltnisse so wesentlich abweichend, dass in der That keine
Beziehungen des modernen Schdels zu den Hhlen-Schdeln aufgefunden
werden knnen. Dagegen kann ich allerdings nach den sonst vorliegenden
Messungen sagen, dass der Cimarronen-Schdel eine gewisse Aehnlichkeit
mit Malaien-Schdeln von den benachbarten Sunda-Inseln, namentlich
mit Dajak-Schdeln [349] darbietet.

Es bleibt aber noch eine Reihe von Schdeln, 6 an der Zahl,
zu betrachten, welche zwar smmtlich aus einer anderen Hhle
genommen sind, als die bisher besprochenen, aber doch von demselben
Felsencomplex von Nipa-Nipa stammen, in welchem die eine der
vorhin erwhnten Hhlen liegt. Diese Schdel (Taf. II, fig. 1-3)
haben namentlich durch die hufige Erhaltung der Unterkiefer einen
besonderen Werth. Sie gehren ihrer ganzen Erscheinung nach einer
anderen Kategorie an und machen, namentlich durch ihre gute Erhaltung,
den Eindruck einer mehr modernen Gruppe. Fr das chronologische
Datum, welches man ihnen beilegen kann, tragen sie noch ein besonderes
Indicium an sich: es sind nmlich zwei derselben exquisit syphilitisch,
so dass sie wirklich als Musterspecimina in einem pathologischen
Museum aufgestellt zu werden verdienen. An dem einen findet sich eine
Durchbohrung des harten Gaumens und eine Zerstrung im Umfange des
Naseneinganges an dem Oberkiefer und den Nasenbeinen, welche jedoch
offenbar geheilt gewesen ist; der andere (Taf. II. fig. 3) bietet
ein mustergltiges Beispiel von Caries sicca, welche die Gegend der
Stirn einnimmt und von da auf die Nasenwurzel bergreift, so dass
kein Zweifel sein kann, dass es sich um eine chronische Periostitis
gummosa des Stirnbeines und der Nasenbeine gehandelt hat.

Nun giebt es freilich ber das Alter der Syphilis verschiedene
Meinungen, indess ist bis jetzt weder die Meinung aufgestellt worden,
dass die Syphilis ursprnglich auf den Philippinen geherrscht habe,
noch ist irgend eine Thatsache an einem alten Schdel entdeckt worden,
welche darthte, dass syphilitische Vernderungen in der alten Zeit
bestanden htten. Man wird also immerhin annehmen knnen, dass diese
Schdel erst zu einer Zeit in die Hhle gebracht worden sind, als schon
ein lngerer Contact mit europischen Vlkern stattgefunden hatte,
also wahrscheinlich nach dem Anfange des 16. Jahrhunderts. Andererseits
darf man nicht wohl annehmen, dass eine christianisirte Bevlkerung
noch diese Hhle benutzt habe, da, wie Herr Jagor berichtet, die
christlichen Priester mit grosser Heftigkeit gegen diese Ueberreste
gewthet haben. Es lsst sich daher wohl mit ziemlicher Sicherheit
schliessen, dass die Zeit, innerhalb deren diese Leichen in der Hhle
von Nipa-Nipa deponirt worden sind, nicht allzu lange nach demjenigen
Zeitpunkte zu suchen ist, in welchem eine hufigere Beziehung mit
Europern hergestellt worden war, und man wird vielleicht annehmen
drfen, dass die Schdel dem Ende des 16. oder dem Anfange des
17. Jahrhunderts angehren; denn diese Zeit ist es, wo die spanische
Herrschaft sich ausbreitete, und es ist nicht wahrscheinlich, dass
derartige Bestattungs-Gebruche von dieser Zeit ab gerade unter der
Kstenbevlkerung, von der ein grosser Theil vorher muhamedanisirt
worden war, weiter fortbestanden haben.

Da nun die Stmme, welche an der Kste ihren Sitz haben, mit denjenigen
im Innern des Landes in loserer Berhrung stehen, so wird in der Regel
wohl der Fundort der Schdel dem Sitze der Bevlkerung, von welcher
sie stammen, entsprechen. Handelt es sich also, wie bei der Hhle von
Nipa-Nipa, um eine Ksten-Lokalitt, so wird man auch annehmen knnen,
dass der betreffende Volksstamm an der Kste gewohnt hat. Es liegt
daher nahe zu schliessen, dass diese Gruppe von Schdeln eine Beziehung
zu den noch jetzt vorhandenen Stmmen der Kste hat, und in der That,
wenn man diese Schdel betrachtet und damit die Physiognomien der
Leute auf den Abbildungen des Herrn Jagor vergleicht, so zeigen sich
gerade bei den Bisayos gewisse Eigenschaften, welche an allen diesen
Schdeln wiederkehren: die verhltnissmssige Krze bei relativer
Breite der Schdel findet sich bei der Vergleichung der Profil-
und Frontalansichten der Bisayerinnen leicht wieder; dazu kommt
die charakteristische Bildung der Stirn- und Nasengegend, die von
der kaukasischen gnzlich verschieden ist, insofern die strkste
Wlbung der Stirn gerade da liegt, wo bei uns eine flache Vertiefung
(Glabella) besteht; endlich sind die ungewhnliche Niedrigkeit der
Nase und der stark prognathe Zustand der Kiefer berall deutlich zu
erkennen. Wenn man die Profile mit einander vergleicht, so ist so viel
Aehnlichkeit vorhanden, wie man berhaupt zwischen einem Schdel und
einem lebendigen Gesichte nur erwarten kann.

Auch diese Schdel besitzen eine ungewhnliche Breite; sie haben
im Mittel gerechnet einen Breitenindex von 83,3 bei einer Hhe
von 76,5, ein nach den Messungen von Davis und Schetelig auch
bei Bisayos-Schdeln gefundenes Verhltniss, welches sonst noch
von keiner andern hinterasiatischen Bevlkerung bekannt ist. Noch
weniger findet es sich bei der Bevlkerung der polynesischen Inseln;
in Australien, Neukaledonien, Neuseeland, Tahiti treten ganz andere
Stammeseigenthmlichkeiten hervor, so dass dieser Theil der Bevlkerung
der Philippinen als ein ganz eigenthmlicher und charakteristischer
erscheint. Ich bemerke zu ihrer Charakteristik noch, dass sie eine
Hhlung von durchschnittlich 1282 Cub.-Cm. Inhalt besitzen, dass der
Breitenhhenindex ihrer Orbitae 94,7, der Hhenbreitenindex ihrer
Nasen 41,3 und der Breitenhhenindex ihrer Schdel berhaupt 91,7
betrgt. Auch ist erwhnenswerth, dass weder an diesen Schdeln, noch
an den brigen etwas von knstlicher Feilung der Zhne zu bemerken ist,
die doch sonst bei Malaien so hufig vorkommt und die auch auf den
Philippinen von Thvenot noch erwhnt wird. Nur an einzelnen zeigen
die Zhne die Betelfrbung.

Ich verzichte auf die weiteren Details der Schdelfrage; ich will nur
noch auf ein besonders wichtiges Verhltniss hinweisen. Wenn es sich
feststellen lassen sollte, dass innerhalb des Gebietes der malaischen
Rasse eine in so eminentem Grade brachycephalische Bevlkerung an einer
verhltnissmssig gut gegen fremde Einwanderung geschtzten Stelle sich
lange erhalten hat, whrend nicht bloss auf den benachbarten Inseln
(Borneo, Java, Sumatra) eine sich mehr den Dolichocephalen annhernde
Bevlkerung vorkommt, sondern auch dicht daneben im Innern von Luzon
noch jetzt nicht civilisirte, dolichocephalische Stmme leben, wie
der beschriebene Cimarronen-Schdel zu beweisen scheint, so wrde man
anerkennen mssen, dass in einer und derselben Rasse die ussersten
Schwankungen der Schdelformen vorkommen, und es wrde damit ein sehr
erheblicher Einwand gegeben sein gegen die Bemhungen, ganzen Rassen
durch die Aufstellung der Breitenindices ihre Stelle anzuweisen;
es wrde vielmehr auf das Unzweideutigste dargethan sein, dass nur
durch eine grssere Menge von Vergleichungszahlen die ethnologische
Position eines Schdels gefunden werden kann.

Es sind endlich noch zwei Schdel zu erwhnen, welche von den bisher
besprochenen wesentlich verschieden sind. Der eine ist in der zweiten
Hhle von Nipa-Nipa unmittelbar bei einem Holzsarge gefunden worden,
welchen Herr Jagor mitgebracht hat, und in welchem noch ein zum Theil
mit mumificirten Resten von Weichtheilen und Fetzen zerfallender
Bekleidung bedecktes, jedoch schdelloses Skelet liegt [350]. Dieser
Schdel zeichnet sich durch eine grssere Lngenentwicklung aus,
aber nichtsdestoweniger betrgt sein Breitenindex 80,2 (bei einem
Hhenindex von 76); er schliesst sich auch sonst in vielfacher
Beziehung, namentlich wegen seiner betrchtlichen Capacitt von 1450
Cub.-Cm., der zuerst besprochenen Gruppe an. Der andere Schdel ist
ungewhnlich klein; seine Capacitt betrgt nur 1160 Cub.-Cm. Er ist
nebst anderen Knochen in einem Walde auf Samar, 1 Legua landeinwrts
von Borangan, ausgegraben worden und von unbekannter Abkunft. Manches
trennt ihn in seiner Entwicklung von den anderen Schdeln, aber auch
sein Breitenindex betrgt 79,3 bei einem Hhenindex von 75,7.

Diese ziemlich grosse Reihe untereinander verschiedener Schdel hat
jedoch, von dem Cimarronen abgesehen, in sich eine nhere Beziehung,
als sie zu irgend einer der benachbarten Rassen hat, und wenngleich
die einzelnen Gruppen wieder so viele Differenzen haben, dass ich wohl
geneigt bin, anzunehmen, dass die Stmme, von welchen sie stammen,
unter sehr verschiedenen Verhltnissen gelebt haben mssen, so wird man
doch nicht umhin knnen, sie einer grsseren Familie zuzurechnen. Von
den beiden Hauptgruppen der Hhlenschdel kann man sagen, dass die
aus der zweiten Nipa-Nipa-Hhle, welche durchweg geringere Dimensionen
haben, den Eindruck einer zarteren, sesshaften und mehr civilisirten
Bevlkerung machen, whrend an den Schdeln aus der ersten Nipa-Nipa-
und denen aus der Lanang-Hhle sich eine grosse Energie, eine gewisse
Massenhaftigkeit und Krftigkeit der Entwicklung zeigt, welche einem
mehr wilden Volke anzugehren scheint.

Was die Grssenverhltnisse betrifft, so zeigt der erste Blick, dass
die Schdel der letzteren Gruppe bei ihrer grossen Breite auch eine
relativ grosse Hhe haben. Auch die knstliche Verunstaltung hebt dies
Verhltniss nicht ganz auf, denn selbst der am strksten abgeplattete
Schdel hat bei einem Breitenindex von 94,8 noch immer einen Hhenindex
von 80. Dies begrndet einen wesentlichen Unterschied von den
Chinook-Schdeln. Mit dieser Grsse hngt zusammen die betrchtliche
Capacitt der Philippinen-Flachkpfe. Die in der That makrocephalen
Schdel von Lanang besitzen eine durchschnittliche Capacitt von
1510 Cub.-Cm., die aus der ersten Hhle von Nipa-Nipa von 1380,
whrend die mehr runden Schdel aus der zweiten Hhle von Nipa-Nipa,
wie erwhnt, im Durchschnitt nur 1282 Cub.-Cm. fassen. Es sind dies
Grssen-Differenzen, deren Bedeutung nicht unterschtzt werden darf.

Ich will fr diesmal nicht genauer darauf eingehen, inwiefern die
knstlichen Vernderungen des Schdels einen Einfluss auf das Gehirn
haben. Ganz kurz erwhne ich, dass derselbe Herr Gosse, welcher die
schon erwhnte Monographie geschrieben hat, die Meinung vertritt,
welche sich hauptschlich auf tahitische Tradition sttzt, dass
es mglich sei, durch die Gestaltung des Schdels den psychischen
Eigenschaften eines Individuums eine ganz bestimmte Richtung zu
geben. Es wird nmlich erzhlt, dass man auf Tahiti zwei Arten von
Deformation des Schdels erzeugt habe; den Kriegern habe man die Stirn
eingedrckt, dagegen, wie sich ein Redner in der anthropologischen
Gesellschaft zu Paris ausdrckte, den Senatoren das Hinterhaupt. Herr
Gosse erklrt dies so, dass man beabsichtigt habe, bei den Kriegern
die energischen Eigenschaften des hinteren, bei den Staatsmnnern
die mehr intellektuellen Eigenschaften des vorderen Abschnitts des
Gehirns ganz besonders zur Ausbildung zu bringen, und er ist ernsthaft
der Meinung, dass dieser Versuch als Muster fr moderne Pdagogik
empfehlenswerth sei. Ich kann dieser Ansicht nicht beistimmen,
insofern die Erfahrung ergiebt, dass auch das Gehirn so gut wie
der Schdel dislocirt werden kann, dass also das Vorderhirn sich
zurckschiebt, wenn die Stirn zurckgedrngt wird, und ebenso die
hinteren Theile des Gehirns sich vorschieben bei einer Abflachung der
hinteren Partie des Schdels. Wie ich frher nachgewiesen habe, pflegt
einer Verkrzung des Schdels eine compensatorische Verbreiterung und
umgekehrt zu entsprechen. Es kann wohl kein Zweifel darber bestehen,
dass eine Abflachung einzelner Schdeltheile an sich eine Verminderung
der Hirnmasse nicht zur nothwendigen Folge hat, und es stimmt damit
berein die Angabe namhafter Beobachter, dass die Flatheads in der
That keinen Mangel an Intelligenz wahrnehmen lassen.

Diese Mittheilung hatte das glckliche Ergebniss, die Aufmerksamkeit
auf die so lange vernachlssigte Craniologie jener entfernten Inseln
zu lenken. Zunchst erhielt unsere anthropologische Gesellschaft von
dem hollndischen Residenten in Gorontalo auf Celebes, Hrn. Riedel die
Mittheilung, dass noch gegenwrtig bei den Bewohnern der Landschaften
Buool, Kaidipan und Bolaangitam die Sitte der knstlichen Verunstaltung
des Schdels bei den neugebornen Kindern gebt wird (Zeitschr. fr
Ethnologie Bd. III. S. 110. Taf. V.). Sodann besprach Hr. Barnard
Davis eingehender die Negrito-Schdel. Da mir selbst inzwischen neues
Material zugegangen war, so machte ich in der Sitzung der Gesellschaft
am 10. Dezember 1870 folgende weiteren Mittheilungen:

Die interessanten Mittheilungen aus Celebes, welche uns heute
von Hrn. Riedel zugegangen sind, haben dargethan, dass mein erster
Bericht ber die Philippinen-Schdel in der Sitzung vom 15. Januar
1870 zu rechter Zeit die Aufmerksamkeit auf ein Gebiet gelenkt hat,
welches gerade in ethnologischer Beziehung die hchste Wichtigkeit
hat und welches doch noch so wenig erforscht ist. Nichts konnte mehr
berraschend sein, als dass fr eine Weltgegend, aus der seit lnger
als zwei Jahrhunderten keine Nachricht ber knstliche Verunstaltungen
der Schdel zu uns gelangt ist, durch eine in Europa ausgefhrte
craniologische Untersuchung die Thatsache des Fortbestehens einer
solchen Sitte gleichsam erschlossen worden ist. Leider benimmt uns
der Brief des Hrn. Riedel alle Aussicht, entsprechende Schdel von
Celebes zu erhalten, denn er besagt, dass die dortige Volkssitte dem
zu sehr widerstrebe. Wir werden uns daher vor der Hand noch an die
Philippinen-Schdel halten mssen.

Glcklicherweise habe ich seit der Zeit, wo ich zuerst ber
die Philippinen zu sprechen die Ehre hatte, Gelegenheit gehabt,
meine Erfahrungen zu vervollstndigen. Zunchst hatte Hr. Jagor
noch eine gewisse Zahl zertrmmerter Schdel aus einer grossen
Hhle von Caramuan auf der Insel Luzon. Dieselben waren so vielfach
zerbrckelt, dass es kaum mglich schien, daraus etwas zu machen. Es
ist mir jedoch gelungen, den grsseren Theil der Stcke wieder
zusammenzusetzen und auf diese Weise wenigstens die vorderen
Hlften von drei Schdeln, mit Einschluss des grssten Theils des
Gesichtes, wiederherzustellen. Dieselben sind von etwas verschiedener
Beschaffenheit: zwei (E. 319-20) sind mit einer rauhen Kalkschicht
berzogen, welche an vielen Punkten durch Eisenbeimischung brunlich
erscheint; die Knochen selbst sind sehr brchig, kleben an der Zunge
und sehen auf dem Bruche kreidig aus; ein anderer (E. 318) ist viel
glatter, die Knochen selbst sind tief braun geworden, ja am rechten
Theil der Stirn sehen sie vollstndig grnlich aus.

Alle drei zeigen sehr deutliche Spuren knstlicher Abplattung. Es ist
dadurch das Vorkommen dieses Gebrauches, welchen wir bis dahin nur
von der Insel Samar kannten, auch fr die Insel Luzon dargethan. Am
strksten ist die Abplattung an den beiden erstgenannten. Bei
dem einen (E. 319) ist freilich nur der Vorderkopf vorhanden,
indess beginnt die Abflachung sofort hinter den Superciliarbogen;
die Stirnhcker sind fast ganz verschwunden, die Stirn selbst sehr
breit und erst kurz vor der Kranznaht endet die knstlich hergestellte
Flche mit einer rundlichen Wlbung. Obwohl nicht so stark, so doch
ungleich mehr charakteristisch ist der zweite Schdel (E. 320),
bei welchem glcklicherweise die Basis cranii und der Anfang der
Hinterhauptsschuppe erhalten sind. Hier lsst sich deutlich die
doppelte Abplattung erkennen: eine ziemlich steile hintere und eine
schrg zurckgehende vordere. Bei dem dritten Schdel (E. 318) ist die
Stirn so rundlich gewlbt, dass man ohne Kenntniss der anderen Formen
schwerlich eine Abplattung vermuthen wrde, obgleich doch auch hier
die Breite der Stirn und die geringe Prominenz der Stirnhcker sehr
auffllig sind. Dagegen lsst sich am Hinterhaupte, trotzdem dass der
Schdelgrund fehlt, eine sehr starke, steil abfallende Deformation
erkennen, welche eine fast winklige Einbiegung der Seitenwandbeine
hervorgebracht hat. Ganz besonders interessant ist jedoch das Stirnbein
eines etwa zweijhrigen Kindes, welches aus derselben Hhle stammt,
usserlich gleichfalls einen gelbbraunen Beschlag zeigt, brigens
sehr stark an der Zunge klebende Oberflchen besitzt. Innerlich
zeigt dasselbe sogenannte osteophytische Auflagerungen als Zeichen
einer inneren Entzndung und dem entsprechend ist es verhltnissmssig
dick. Ganz deutlich lassen sich die Spuren der Abplattung erkennen. Bis
zu den niederen Hckern ist die Stirn wenig verndert; oberhalb
derselben weicht sie aber sofort, fast unter einem Winkel, zurck,
und was besonders charakteristisch ist, kurz vor der Kranznaht liegt
eine strkere Wlbung, von der aus gegen die Naht zu die Flche sich
wieder senkt.

Ob diese Schdel einer Zeit und einem Stamme angehrt haben,
wage ich nicht zu entscheiden. Der erstgenannte zeigt eine
solche Uebereinstimmung mit einem der frher von mir beschriebenen
Hhlenschdel aus Lanang (Z. 842), dass ihre Zusammengehrigkeit kaum
bezweifelt werden kann. Aehnlich verhlt sich der zweite Schdel von
Caramuan (E. 320), der mit einem Schdel aus der Hhle von Nipa-Nipa
(Z. 873) parallel gestellt werden kann. Dagegen gleicht der dritte
Schdel (E. 318) weit mehr den neueren Schdeln aus der grossen Hhle
von Nipa-Nipa, welche Zeichen der Syphilis tragen. Namentlich stimmt
mit diesen die Gesichtsbildung sehr berein. Dasselbe gilt von dem
kindlichen Stirnbein, sowie von einem zarten Unterkiefer (E. 322),
der vielleicht zu dem Schdel E. 318 gehrt und der sich durch den
colossalen Prognathismus seines Mittelstckes auszeichnet, whrend ein
anderer, nach Form und Incrustation zu E. 319 gehriger Unterkiefer
von grosser Strke ganz wenig prognath ist und eine ganz andere,
weit gerumigere Ausrundung zeigt.

Ich mchte es daher fr wahrscheinlich halten, dass auch in der
Hhle von Caramuan lngere Zeit hindurch Beerdigungen stattgefunden
haben und dass daselbst neben einander Personen verschiedener Stmme
niedergesetzt worden sind. Was die Form der Abplattung betrifft,
so entspricht sie in hohem Grade einer peruanischen, wie ich spter
darthun werde; keines der Beispiele erreicht jedoch die Verhltnisse,
welche wir frher an Beispielen aus der Hhle von Lanang kennen
gelernt haben. --

Eine zweite Gruppe von Philippinen-Schdeln wurde mir durch die Gte
des Hrn. Dr. Schetelig, der gleichfalls lngere Zeit in Asien war, zur
Verfgung gestellt. Es sind dies 8 Schdel, grossentheils gut erhalten,
darunter 4 mit Unterkiefern; zu dem einen gehrt ein vollstndiges
Skelet. In Verbindung mit den von Hrn. Jagor mitgebrachten Schdeln
ergiebt diese Sammlung ein recht bedeutendes Material.

Nach den Mittheilungen des Hrn. Schetelig stammt der grssere Theil
seiner Schdel, nmlich 5, von Kirchhfen. Er bemerkt in seinem
Briefe, dass man dort in den spanischen Lndern die Sitte habe, die
Grber alle 3 Jahre zu leeren, falls nicht die erforderliche Zahl
von Seelenmessen gelesen oder die Kirchhofsteuer jhrlich entrichtet
werde. Wie es scheint, huft man dann die Schdel auf, wie es auch
in manchen katholischen Lndern Europas geschieht. Dann unterliegen
sie natrlich manchen atmosphrischen Einflssen. Hr. Schetelig
verweist auf diese wegen der Verschiedenheit in dem usseren Verhalten
der Schdel. Ich hatte namentlich die Frage aufgeworfen, ob nicht
einer dieser Schdel, der usserlich mit einer weissen, hier und da
grnlichen Incrustation berzogen ist, gleichfalls aus der Kalkschicht
einer Hhle stamme; er hat es aber in Abrede gestellt. Vier Schdel
sind von ihm im Mai 1867 in Tabaco (Provinz Albay, Luzon) gesammelt;
nach seiner Angabe sind es ganz bestimmt Bicol-Schdel. Darunter
ist ein jugendlicher, wahrscheinlich weiblicher, mit noch nicht
hervorgetretenen Weisheitszhnen und noch offener Synchondrosis
spheno-occipitalis. Ein anderer Schdel, mit einer gut erhaltenen
Sutura frontalis, scheint einem erwachsenen Weibe angehrt zu
haben. (Es ist der oben erwhnte incrustirte.) Der fnfte (April
1867) stammt ebenfalls von einem Kirchhofe und zwar aus Tibi, einem
Orte in der Nhe von Tabaco; Hr. Schetelig erklrt ihn auch fr
einen Bicol-Schdel. Sodann finden sich zwei, an der Oberflche
stark vernderte, sehr leichte und vielfach verletzte Schdel,
welche als Cimarronen-Schdel [351] bezeichnet sind, aus der Nhe
von Albay; auch sie stammen aus der Erde. Hr. Schetelig schreibt sie
einer Mischlingsrace von Negritos und Bicols zu. Endlich der letzte
Schdel ist derjenige, welcher das grsste Interesse beansprucht,
insofern er einem Negrito-Huptling angehrt haben soll. Dazu ist
auch das in seinen Haupttheilen erhaltene Skelet vorhanden.

In seinem Vortrage vom 15. Januar hatte Hr. Jagor erwhnt, dass im
Innern und an der Nordostkste der Insel Luzon noch ein schwarzer
Menschenstamm von kleiner Statur und mit krausem Haar existirt,
der ganz verschieden von den Kstenvlkern ist, von denen wiederum
verschiedene Stmme (Tagalen, Bicols, Bisayos u. s. w.) unterschieden
werden. Die ethnologische Stellung jener sogenannten Negritos
war bis jetzt vllig dunkel geblieben. Gewhnlich hat man sie den
Papuas zugerechnet. In diesem Sinne hatte sich auch Hr. Semper (Die
Philippinen und ihre Bewohner. Wrzb. 1869. S. 48) ausgesprochen,
indem er zugleich eine eingehende Schilderung von ihnen entwarf. Seine
Angaben sowohl, als die in unserer Gesellschaft gemachten Mittheilungen
haben Hrn. Barnard Davis Veranlassung gegeben, in dem Journal of
Anthropology (Lond. 1870, Oct., p. 139) eine kritische Besprechung
ber die Negrito-Frage zu veranstalten. Er betont darin mit Recht,
dass alle frheren Angaben ber diese Rasse willkrlich gewesen seien,
weil man sich nur auf Aeusserlichkeiten eingelassen habe und daraus
allerlei verwandtschaftliche Verhltnisse mit anderen ostasiatischen
und australischen Vlkern hergeleitet habe. Er macht auch mir, und
wohl mit Recht, den Vorwurf, dass ich mich von diesem Vorurtheile
habe leiten lassen; ich muss wenigstens anerkennen, dass nach dem,
was er selbst ber Negrito-Schdel von Luzon berichtet, und nach
dem, was die von Hrn. Schetelig mitgebrachten Schdel ergeben, keine
Beziehung zwischen den Schwarzen der Philippinen und denen Melanesiens
und Australiens aufrecht erhalten werden kann. Ihre Schdel sind
ganz verschieden von einander, und, wenn sie als massgebend angesehen
werden drfen, so kann auf sonstige verwandtschaftliche Verhltnisse
kein Werth mehr gelegt werden.

Diese Frage hat aber ein beraus grosses wissenschaftliches Interesse,
da nach den bisherigen Vorstellungen es in der That nahe lag, wie
auch Hr. Semper angenommen hat, in den Negritos das Urvolk der Insel
zu sehen, welches sich im Innern der Gebirge noch erhalten habe,
nachdem es durch eine sptere Einwanderung von den Ksten mehr und
mehr zurckgedrngt sei. Erinnert man sich, dass auf den benachbarten
Inseln anthropoide Affen vorkommen, die in ganz hnlicher Weise in die
Gebirge zurckgedrngt sind, so kann sich leicht der Gedanke daran
schliessen, dass im Sinne der Descendenztheorie gerade hier eine
Uebergangs-Rasse construirt werden drfe. Allein schon Hr. Jagor
hat sein Bedenken ber jene Auffassung der Negritos ausgedrckt,
und Hr. Davis schliesst aus den von mir gegebenen Beschreibungen
der Hhlen-Schdel, dass eben so viel Grund vorhanden sei, gewisse
weisse Stmme, welche sich von der malaischen Rasse unterschieden,
mindestens neben den Negritos als autochthon anzunehmen.

Es scheint mir, dass dies zu weit gegangen ist. Nachdem Hr. Jagor
dargethan hat, ein wie weiter Seeverkehr von Alters her zwischen
den Inselgruppen stattgefunden hat, welcher mit den gebrechlichsten
Fahrzeugen bewerkstelligt wurde, so wird man sich dem Gedanken
Forster's nicht verschliessen knnen, dass die Wahrscheinlichkeit
eines Zurckdrngens der Urbevlkerung in die Gebirge durch eine
eingewanderte Kstenbevlkerung nahe liegt. Mag man immerhin
zwei Aboriginer-Stmme annehmen, so kann dies doch zunchst
nur soviel heissen, dass das Kstenvolk schon vor sehr langer
Zeit eingewandert ist und dass im historischen Sinne beide als
Urbevlkerung gelten mssen. Ich will jedoch zugestehen, dass dies
lauter Wahrscheinlichkeitsrechnungen sind, denen man, ehe man nicht
genauere Kenntniss ber die Einzelheiten hat, keinen zu grossen Werth
beilegen darf.

Hr. Davis hat in seiner Besprechung einen Negrito-Schdel
von Panay auf Luzon abbilden lassen, und er erwhnt, dass er
ausserdem noch zwei andere besitze. Er findet, was brigens
schon d'Omalius d'Halloy (Des races humaines ou lments
d'ethnographie. Brux. 1869. p. 103.) angenommen hatte, am meisten
Uebereinstimmung mit den Schdeln der Andamanen-Insulaner, jedoch
auch Verschiedenheiten genug, um beide Rassen von einander zu
trennen. Seiner Abbildung nach zu urtheilen, hat der von Hrn. Schetelig
mitgebrachte Schdel in seinem Kopftheile manche Aehnlichkeit mit dem
von Hrn. Davis erwhnten, aber die Gesichtsbildung erscheint ziemlich
verschieden. Der letztere hat einen starken Unterkiefer und ist sehr
bedeutend prognath; der erstere zeigt, trotz einer gewissen Verletzung
am Oberkiefer, das Gegentheil.

Hier kommt nun freilich die schwierige Frage nach der Reinheit der Race
in Betracht. Hr. Dr. Schetelig theilt mir mit: Ich habe das Skelet
dieses mir von seinem Stamme verkauften Huptlings eigenhndig am
Abhange des malerischen ausgestorbenen Vulkans von Buhi, des Arituktuk
[352] ausgegraben. Der Stamm ist, wie die meisten der sogenannten
Negritostmme, nicht mehr rein-melanesisch, sondern betrchtlich mit
Bicol-Elementen versetzt. Doch haben die Leute noch sehr krauses Haar,
das keine Eigenthmlichkeit der Malaien bildet. Hr. Davis giebt
ber die Herkunft seiner Negritos-Schdel nichts Genaueres an. Es
ist das um so mehr zu bedauern, als dieselben unter sich verschieden
sind. Zwei davon sind dolichocephal und einer brachycephal, so dass der
eigentliche Rassen-Typus schwer gefolgert werden kann. Hr. Davis selbst
schwankt daher ber die Bedeutung der Form. Es liegt auf der Hand,
dass, wenn es sich um einen exquisit dolichocephalen Typus handelte,
die Aehnlichkeit mit den brigen schwarzen Rassen gross sein wrde.

Was nun den Schdel von Arituktuk (oder Yriga) betrifft, so gehrt er
einem ausgewachsenen, aber wahrscheinlich jngeren Manne an. Es fand
sich freilich an dem zugehrigen Skelet, dass die Knorpelfuge zwischen
dem Handgriffe des Brustbeins und dem Krper desselben noch offen war,
allein dies war die einzige Stelle, welche sich so verhielt. Ausserdem
war ein mit betrchtlicher Verkrzung (um 3,5 Centim.) geheilter
Knochenbruch am rechten Oberschenkel vorhanden. Nicht unwahrscheinlich
trgt der beraus zarte und gracile Knochenbau einen Theil der Schuld
an der Fraktur. Die Knochen sind nmlich durchweg wenig ausgebildet
[353] und von nahezu kindlichem Aussehen. Zugleich zeigen einzelne
leichte Krmmungen, jedenfalls strkere, als wir sonst zu sehen gewohnt
sind, so dass mancher, namentlich der franzsischen Ethnologen, auf
eine rachitische Form derselben zurckzugehen geneigt sein mchte. Ich
will in dieser Beziehung besonders darauf aufmerksam machen, dass
bei den Debatten ber die prhistorische Bevlkerung Frankreichs
vor allen anderen Knochen das Schienbein die Aufmerksamkeit auf sich
gezogen hat. Auch bei der Negrito-Tibia hat die seitlich comprimirte
Form ihrer oberen Hlfte etwas sehr Aufflliges. Der Knochen ist hier
fast so platt, wie eine Sbelscheide; er hat eine hintere Crista,
welche beinahe so beschaffen ist, wie sonst die vordere. Dagegen ist
die Fossa supracondyloidea humeri undurchbohrt. Besonders abweichend
von den bekannten Formen ist die Gestalt des vorderen Randes des
Darmbeines; hier steht die Spina ant. inferior so stark nach innen
(hinten) und die ber ihr liegende Incisura iliaca minor ist so
betrchtlich, dass dadurch eine ganz specifische Bildung entsteht.

Der Schdel besitzt dem entsprechend eine nur mssige Capacitt; er hat
nur 1350 Ccm. Gehalt, immerhin genug, um ihn von den Australierschdeln
zu trennen. Seine Gestalt ist eine ziemlich gleichmssig rundliche:
die Stirn ist voll, der Scheitel hoch gewlbt, die Schlfengegend
ausgelegt, die Hinterhauptsschuppe stark gerundet. An letzterer
findet sich rechts ein besonderer Processus paracondyloideus mit
berknorpelter Gelenkflche; da der Atlas leider fehlt, so lsst
sich nicht genau sagen, in welcher Weise die Verbindung mit dem
Querfortsatze des Atlas stattgefunden hat. Bei der Messung hat der
Schdel sich als wesentlich brachycephal ergeben; der Breiten-Index
betrgt 83,4 bei einem Hhen-Index von 77,10 (Hhe zu Breite = 93,2
: 100). Obwohl er sich in diesen Verhltnissen den frher von mir
vorgelegten Philippinen-Schdeln, namentlich den jngeren aus der
Hhle von Nipa-Nipa nhert, so bietet er doch Manches dar, was ihn von
jenen unterscheidet. Insbesondere ist die Bildung des Gesichtsskelets
hchst abweichend; nur einer der frheren Schdel (Z. 865) steht
ihm nher. Ich erwhne hier vor Allem die ungewhnliche Zartheit der
Knochen des Gesichts, die selbst, wenn man eine jugendliche Entwicklung
annehmen wollte, sehr auffllig sein wrde. Wenn man jedoch die
Zhne vergleicht, so ergiebt sich eine sehr merkliche Abschleifung
der Schneide- und Mahlzhne, welche beweist, dass das Individuum
nicht im Jugendalter gewesen ist. Ausserdem sind die Synchondrosis
spheno-occipitalis vollstndig, der untere Abschnitt der Sutura
coronaria links und die unteren Abschnitte der Sutura lambdoides
beiderseits verknchert; der Processus styloides rechts hat eine
ungewhnliche Lnge und Strke; alle Muskelinsertionen sind durch tiefe
Unebenheiten, Gruben und Vorsprnge bezeichnet; die Superciliargegend
ist durch dicke und porse Wlste ausgezeichnet, welche ber der Nase
zusammengehen. Nimmt man zu diesen anatomischen Merkmalen die Angabe
des Hrn. Schetelig, dass der Mann ein Huptling gewesen sei, so wird
kein Zweifel bleiben knnen, dass dieser Schdel einem vollkommen
ausgewachsenen Individuum angehrte. Keiner von den anderen Schdeln
hat eine so verkmmerte Gesichtsbildung, wie dieser; sie erinnert fast
an die von mir beschriebene Physiognomie des Lappengesichts. Die ganze
Hhe (Nasenwurzel bis Kinn) betrgt nur 103 Millim., die Hhe der Nase
46, die mediane Hhe des Unterkiefers 25, der Maxillar-Durchmesser
60. Nur die Orbita (37,4 breit und 34,6 hoch) ist stark entwickelt und
ihre mehr quer-viereckige Gestalt unterscheidet sie wesentlich von
den Augenhhlen aller anderen Philippinen-Schdel. Dem entsprechend
ist auch die Nasenwurzel schmal, der Nasenrcken scharf vortretend
und scheinbar eine Adlernase andeutend. Der Oberkiefer hat leider in
der Mitte des Alveolarrandes einen kleinen Defect; trotzdem kann man
ziemlich sicher erkennen, das nur ein sehr geringer Prognathismus
des Oberkiefers vorhanden war. Am Unterkiefer fehlt derselbe
gnzlich. Dies ist wohl der grsste Unterschied von den vorliegenden
Bicol-Schdeln. Es ist weiterhin in der Schdelbildung dieses
Mannes auffallend, so wenig Uebereinstimmung mit den gewhnlichen
Verhltnissen der wilden Rassen zu finden: die Plana semicircularia
reichen nicht weit hinauf, die obere Wlbung zwischen den Anstzen
der Schlfenmuskeln ist sehr gross, die Jochbeine treten nicht sehr
stark hervor, der Kieferast ist von geringer Strke. Es lsst sich
daher nicht verkennen, dass die ganze Form den usseren Verhltnissen
nach nichts Wildes an sich trgt, und wenn man hinzunimmt, dass auch
die Lnge der Schdelknochen ziemlich gute Verhltnisse darbietet, so
muss man sagen, dass die Schdelform sich deutlich den civilisirten
annhert. Schon aus diesem Grunde muss eine mgliche Verwandtschaft
mit der australischen Rasse entschieden abgelehnt werden. Andererseits
ist es gewiss bemerkenswerth, dass in Beziehung auf die Zartheit der
Gesichtsbildung wohl die jngeren Schdel aus der Nipa-Nipa-Hhle
eine gewisse Uebereinstimmung darbieten, aber keineswegs die
Kirchhofsschdel von Tabaco und Tibi. Bei allen diesen ist das
Gesichtsskelet sehr stark entwickelt, namentlich die Jochbeine sehr
vorspringend, der Oberkiefer und die Nasenwurzel breit, das Gesicht
hoch und vor allen Dingen ein beraus starker Prognathismus des Ober-
und Unterkiefers, so dass besonders am Oberkiefer der Alveolarfortsatz
sich fast der horizontalen Stellung nhert. Selbst der jugendliche,
im Ganzen sehr zarte und kleine Schdel von Tabaco zeigt in Beziehung
auf die Gesichtsbildung die grsste Differenz, und namentlich die
vorspringenden Zhne bilden den geraden Gegensatz gegenber den
Verhltnissen bei dem Arituktuk-Schdel. Bei den Bicols ist in der
That eine affenartige Construction der Fresswerkzeuge vorhanden.

Im Uebrigen bilden diese Kirchhofs-Schdel eine vortreffliche
Ergnzung des von Hrn. Jagor mitgebrachten Materials, insofern sie
uns die Osteologie der neueren Bevlkerung kennen lehren. Alle fnf
bieten unter sich eine grosse Uebereinstimmung dar: neben einem hchst
aufflligen Prognathismus zeigen sie eine Brachycephalie, so stark,
wie wir sie nur irgend an ostasiatischen Vlkern kennen. Der Schdel
von Tibi hat einen Breitenindex von 80,2 bei einem Hhenindex von 78,5;
die 4 Schdel von Tabaco haben Breiten-Indices von 81,1 -- 83,3 --
83,1 --84,6 bei Hhen-Indices von 79,7 -- 82,4 -- 80,5 -- 80,5. Dabei
hat der Tibi-Schdel eine Capacitt von 1595, die Tabaco-Schdel
von 1505, 1330, 1350 und der jugendliche von 1290 Ccm. Dem
entsprechend betrgt die Circumferenz bei dem Tibi-Schdel 514,
bei den Tabaco-Schdeln 514, 490, 478, 495. Smmtliche Schdel sind
schn gewlbt, haben volle Stirnen und Schlfen, sehr hohe und stark
ausgelegte Hinterhauptsschuppen und grosse Plana semicircularia. Ueber
ihre Gesichtsbildung habe ich schon vorher gesprochen und die relative
Grsse und namentlich Breite derselben hervorgehoben. Der Tibi-Schdel
hat einen formidablen Unterkiefer von 18,5 Centim. Umfang und 34,5
Centim. medianer Hhe.

Vergleichen wir nun diese Bicol-Schdel mit den frher beschriebenen
Hhlen-Schdeln, so zeigt sich eine nicht geringe Aehnlichkeit zwischen
dem Schdel von Tibi und dem von Hrn. Jagor neben einem Holzsarge
in der Hhle Nipa-Nipa gefundenen, whrend die Tabaco-Schdel den
jngeren und zum Theil syphilitischen Schdeln der Nipa-Nipa-Hhle
nher stehen. Nur der weibliche Tabaco-Schdel schliesst sich an
die mehr brachycephalen Schdel aus der anderen Hhle von Nipa-Nipa
(Z. 873. 874), welche Spuren knstlicher Missstaltung zeigen, und es
ist bemerkenswerth, dass gerade bei ihm gleichfalls derartige Zeichen
hervortreten. Das Hinterhaupt fllt nmlich unmittelbar hinter den
Tubera parietalia ab, die Gegend der hinteren seitlichen Fontanellen
ist abgeplattet, und daher die Hinterhauptsgruben fr das Kleinhirn
und fr die Hinterlappen des Grosshirns strker vorgewlbt. Die
gleiche seitliche Compression zeigt auch der Mdchenschdel von Tabaco.

Ein noch erhhtes Interesse haben die Cimarronen-Schdel von Albay,
welche ihrem usseren Ansehen nach lter sind und einige Analogie mit
den Schdeln von Lanang bieten, welche Hr. Jagor mitgebracht hat. Die
beiden sind allerdings unter sich sehr verschieden. Ob diese Differenz
sich nur durch das verschiedene Geschlecht erklrt, ist mir in hohem
Maasse zweifelhaft; handelt es sich um ein Mischvolk, so liesse sich
die Vererbung wohl mit mehr Recht anrufen. Der Schdel des Weibes
(Omang) ist kurz und breit, der des Mannes (Baringeag) breit und lang;
beide lassen aber deutlich eine knstliche Deformation erkennen.

Der weibliche Schdel schliesst sich einerseits den Lanang-Formen,
andererseits dem weiblichen Tabaco-Schdel und den ihm verwandten
Nipa-Nipa-Formen an. Er hat einen Breitenindex von 87, einen
Hhenindex von 79,7, eine Circumferenz von 488, eine Capacitt von
1380. Das Gesicht ist breit, die Nase abgeplattet, der Oberkieferrand
stark vorspringend. Dabei zeigt sich eine starke Vernderung
des Hinterhauptes, welche aber anders ist als die an den alten
Flachschdeln von Lanang. Whrend an diesen eine einfache Abplattung
der Stirn und des Hinterhauptes vorhanden ist, bemerkt man bei der
Cimarrona, hnlich wie bei dem Tabaco-Weibe, jedoch viel strker, dass
jederseits ein seitlicher Druck von hinten und oben her eingewirkt
hat; ja, es ist sehr merkwrdig zu sehen, wie der Druck nur auf die
Gegend ausgebt worden ist, wo die Lambda-Naht mit der Mastoidal-
und Schuppen-Naht zusammenstsst, also dort, wo die seitliche hintere
Fontanelle liegt. Die Folge davon ist gewesen, dass sich nach drei
Richtungen, nach oben in der Mitte, nach unten rechts und links,
also gleichsam kleeblattfrmig, kuglige Protuberanzen gebildet haben,
welche offenbar dadurch entstanden sind, dass das comprimirte Gehirn
genthigt gewesen ist, sich anderweit Raum zu verschaffen. Es ist
dies eine sehr auffllige Form. Sehr bezeichnend ist brigens, dass
der laterale Druck ausserdem noch schief gewesen ist, rechts strker,
als links, so dass das ganze Hinterhaupt dadurch verschoben worden ist.

Der mnnliche Schdel (Baringeag) ist lang und entschieden
dolichocephal. Bei ihm betrgt der Breitenindex 75,4, der
Hhenindex 77,7, der grsste Umfang 515, die Capacitt 1470. Alle
Muskelanstze sind sehr stark, das Gesicht eher etwas schmal,
der Nasenrcken gleichfalls schmal, der Kieferrand jedoch stark
vorspringend. Dieser Schdel bietet entschiedene Beziehungen mit
dem von Hrn. Jagor mitgebrachten Schdel eines Ygorroten vom Berge
Ysarog, der 1856 mit einem Taco (Waldmesser) erschlagen war. Auch
bei ihm muss man annehmen, dass ein seitlicher Druck stattgefunden
hat; denn es erstreckt sich jederseits von den Tubera parietalia
eine ganz steil abfallende Seitenflche herab, und es sind ausserdem
hnliche, wenngleich kleinere kuglige Vortreibungen an der Schuppe des
Hinterhaupts. Die obere ist nur dadurch maskirt, dass eine ungewhnlich
starke Protuberantia occipitalis externa darber sitzt.

Ich bin daher der Meinung, dass man in beiden Fllen, trotz
ihrer ursprnglichen Verschiedenheit, genthigt ist anzunehmen,
dass eine gewisse Deformation stattgefunden hat, welche jedoch
wesentlich anders angelegt gewesen ist, wie bei den Flachkpfen
von Lanang. Stammen sie, wie Hr. Schetelig angiebt, gleichfalls von
einem Negrito-Mischvolk, so wird man kaum zweifeln knnen, dass der
dolichocephalische Mannesschdel dem erblichen Typus der Ygorroten
entspricht, dass dagegen der brachycephale Weiberschdel und der
Huptlingsschdel, obwohl unter einander nicht wenig verschieden,
sich mehr dem Bicol-Typus annhern. Was in dem einen oder andern
Falle speciell Negrito-Eigenthmlichkeit ist, kann ich nicht sagen;
indess mchte bis auf Weiteres der Huptlingsschdel als der reinere
angesehen werden drfen, zumal da die Architectur des Skelets im
Ganzen mit den Beschreibungen der Reisenden von der usseren Gestalt
der Negritos am meisten harmonirt.

Werfen wir nunmehr einen kurzen Rckblick auf die gewonnenen
Resultate, so zeigt sich uns, mit Ausnahme zweier dolichocephaler
Schdel von Cimarronen, eine durchweg brachycephale Reihe mit mehr
oder weniger ausgesprochenem Prognathismus. Am meisten tritt dieser in
den Hintergrund bei dem auch sonst in vielen Beziehungen abweichenden
Schdel des sogenannten Negrito-Huptlings. Die modernen Bicol-Schdel
fllen dagegen die frher bemerkte Lcke zwischen den lteren und mehr
oder weniger deformirten Lanang-Schdeln und den offenbar jngeren,
durch Syphilis ausgezeichneten Schdeln von Nipa-Nipa, zumal wenn
man die Hhlenschdel von Caramuan hinzunimmt. Eine durchgehende
Verwandtschaft lsst sich nicht verkennen. Hchst auffllig bleibt
dabei die grosse Verschiedenheit in der Gesammt-Architectur. Die
Lanang-Schdel zeigen einen sehr starkknochigen, die jngeren
Nipa-Nipa-Schdel einen ebenso ausgeprgt schwachknochigen Stamm. Die
modernen Bicols stehen auch hier in der Mitte, so dass man nicht mehr
berechtigt ist, wie frher, aus der blossen Zartheit der Formen auf
einen Fortschritt in der Civilisation zu schliessen. Mglicherweise
drfen wir in dem schwachknochigen Stamme den Bisayer-Typus annehmen,
indess fehlt es fr diese feineren Entscheidungen noch immer an dem
nthigen Material, das erst von weiteren Zusendungen erwartet werden
darf. Fr einen wirklichen Stammes-Unterschied spricht natrlich
auch die verschiedene Art der Abplattung, welche wir constatirt
haben. Whrend die Hhlenschdel von Lanang und Caramuan eine
vordere und hintere Abplattung erfahren haben, zeigen die modernen
Kirchhofsschdel eine seitliche, so dass die Beschreibung von Thevnot
im Ganzen weit mehr fr sie zutrifft.

Ich habe noch zu erwhnen, dass Hr. Davis in Beziehung auf das Alter
der Funde, die ich frher besprochen habe, einen Zweifel aufgeworfen
hat, der dahin fhren wrde, die fraglichen Schdel um ein Jahrhundert
jnger zu machen. Ich hatte nmlich angenommen, dass die Flachschdel
sptestens dem Ende des 16. Jahrhunderts angehren mchten. Ich
war dabei auf die einzige Nachricht ber knstliche Verunstaltung
des Schdels, welche uns noch erhalten ist, die von Thvenot [354]
zurckgegangen. Hr. Davis sagt nun, dass das Buch von Thvenot
zwischen 1663 und 1672 erschienen sei, und er folgert daraus, dass die
Schdel erst aus dem Ende des 17. Jahrhunderts stammten. Ich muss hier
allerdings einen Fehler zugestehen: ich war verleitet dadurch, dass
ein sonst sehr zuverlssiger Autor, Gosse (Annales d'hygine publique
et de mdecine lgale. 1855. Juill. p. 375.) folgendes Citat giebt:
Relations de divers voyages curieux, par Melchisdec Thvenot. Nouvelle
dition, 2 vol. in-fol., Paris 1591. Ich habe mich nun berzeugt,
dass Melchisedek Thvenot ( 1692) erst gegen 1620 geboren, das Citat
von Gosse also offenbar falsch ist. Indessen folgt daraus doch noch
keineswegs, dass die fragliche Beobachtung erst der zweiten Hlfte des
17. Jahrhunderts angehrt. Thvenot giebt in seinem grossen Sammelwerk
den Bericht eines Geistlichen, der 18 Jahre auf den Philippinen
gelebt hatte. Letzterer spricht an einer Stelle davon, dass vor drei
Jahren die Einnahme der Insel Mindanao durch Don Sebastian Hurtado de
Corcuera erfolgt sei (p. 3.) Diese Einnahme muss nach einem folgenden
Berichte (p. 15) um das Jahr 1636 geschehen sein: es ergiebt sich
also, dass der Geistliche in der ersten Hlfte des 17. Jahrhunderts
schrieb. Damit stimmt auch die Bemerkung am Schlusse der Relation,
wonach dieselbe die Uebersetzung einer 1638 in Mexico gedruckten
spanischen Schrift ist. Nun findet sich aber darin ausser der Angabe,
dass die Leute ihren Kindern die Kpfe verdrckten, noch der andere
Gebrauch erwhnt, dass sie die Zhne feilten und mit schwarzem und
glnzendem oder feuerfarbenem Firniss frbten [355], und da keiner der
von Hrn. Jagor mitgebrachten Schdel diese Zeichen darbot, so hatte ich
geschlossen, dass die Leichen beigesetzt sein mssten zu einer Zeit,
als diese noch jetzt auf den benachbarten Inseln sehr verbreitete
Sitte noch nicht bestand. Denn es schien mir weniger wahrscheinlich,
dass die Leute eine derartige Sitte schnell aufgegeben haben sollten,
als dass dieselbe erst spter von den benachbarten Malaien importirt
worden sei. Indess muss ich zugestehen, dass auch diese Argumente
zweifelhafter Natur sind, und nachdem wir durch Hrn. Riedel erfahren
haben, dass auf einer benachbarten Insel die Deformirung der Schdel
noch heute betrieben wird, so liegt die Frage nahe, ob nicht auch
die Lanang-Schdel einer neueren Zeit angehren, als ich angenommen
hatte. Immerhin ist es bemerkenswerth, dass jene starke Abplattung,
wie sie sich bei den Schdeln aus der Hhle von Lanang findet, unter
der ganzen Reihe der brigen Schdel nicht wiederkehrt, und wenn man
dazu die brigen, sehr bemerkenswerthen Charaktere der Lanang-Schdel
nimmt, so halte ich es immer noch fr sehr wahrscheinlich, dass sie
ein hohes Alter haben.

Zum Schlsse will ich noch auf einen Punkt aufmerksam machen,
worauf ich bei einer spteren Besprechung der Peruanerschdel noch
zurckkommen werde. Es findet sich nmlich bei dem Mdchen-Schdel
von Tabaco, der auch deutliche Zeichen der seitlichen Abplattung
darbietet, jenes grosse Schalt-Stck zwischen den Scheitelbeinen und
der Hinterhauptsschuppe (Os epactale) vor, welches man mit dem Namen
Os incae belegt hat. Dasselbe ist fast vollkommen dreieckig und misst
an der Basis 115, an den Schenkeln 76-78 Millim. Ich urgire dieses
Vorkommen deshalb, weil in der neueren Zeit durch Gosse (Bull. de
la soc. d'anthropol. de Paris 1860, Vol. I. p. 549. Mmoires de la
mme soc. T. I. p. 165) und Jacquart (Bullet. 1865. T. VI. p. 720)
der Bedeutung dieses Knochens meiner Meinung nach etwas zu wenig
Werth beigelegt worden ist. Man hat sich bemht zu zeigen, dass diese
Trennung in einer einfachen Entwicklungs-Hemmung beruhe, weil in
einer frheren Zeit des Ftallebens diese Trennung stets vorhanden
sei. Allein daraus folgt meiner Meinung nach nichts Erhebliches fr
die Bedeutung eines solchen Vorkommens nach der Geburt. Ich habe
in der letzten Zeit eine grosse Anzahl von Schdeln neugeborner
Kinder maceriren lassen; es war kein einziger darunter, bei welchem
eine solche Trennung noch existirte. Diese ist eine solche Raritt,
dass jedesmal, wo sie vorkommt, die Frage nach der Ursache derselben
aufgeworfen werden muss. Nun ist es doch nicht gering anzuschlagen,
dass unter 8 Philippinen-Schdeln sich einer mit einem solchen Beine
befindet. Noch bedeutungsvoller wird dieser Fund dadurch, dass auch
unter den von Hrn. Jagor mitgebrachten 16 Schdeln ein gleicher ist und
zwar einer aus der zweiten Hhle von Nipa-Nipa auf Samar (Z. 865). Er
gehrt einem erwachsenen, krftigen Manne an. Der Zwischenknochen ist
50 Millim. hoch, an der Basis 115, an den Schenkeln 25-28 Millim. lang,
reicht bis dicht ber die Protuberantia occipitalis externa und ist
hier durch eine starke Zackennaht abgesetzt. Was aber noch merkwrdiger
ist, der einzige Negrito- oder Aita-Schdel von Manila, der sich in der
anthropologischen Gallerie des Jardin des Plantes zu Paris befindet,
besitzt nach Jacquart gleichfalls ein Os epactale.

Das Alles mag Zufall sein, aber es wre doch ein sonderbarer Zufall. So
hat man auch Zweifel ber die Bedeutung des Os incae bei den Peruanern
aufgestellt. Wir haben neulich aus Peru zwei alte Schdel bekommen;
einer davon hat das Schaltbein in vollster Ausbildung. Nirgends
sonst, soweit es uns bekannt ist, zeigt sich dasselbe in einer
solchen Hufigkeit, und ich mchte daher wohl annehmen, dass hier
eine ethnologische Eigenthmlichkeit hervortritt, die nicht als eine
gewhnliche und nichtssagende Erscheinung aufgefasst werden darf. Es
wird ein Gegenstand unserer spteren Betrachtung sein, wie dieses
Vorkommen zu erklren ist und ob daraus irgend welche Aufschlsse in
Bezug auf die Vlkerbeziehungen ber den stillen Ocean zu gewinnen
sind.

Seit der Zeit dieses Vortrages ist nun das Material noch ungleich
mehr angewachsen, indem Hr. Dr. A. B. Meyer eine grssere Anzahl von
Philippinen-Schdeln und Skeleten mitgebracht und der Gesellschaft
berlassen hat. In der Sitzung vom 15. Juni 1872 konnte ich
ber 6 Negrito-Skelete und einen Ygorrotenschdel berichten
(Correspondenzblatt der deutschen anthropologischen Gesellschaft
1872. No. 8). Eine sptere Sendung brachte hauptschlich moderne
Schdel von einem Kirchhof bei Manila.

Von diesen Objekten stimmt zunchst der Ygorrotenschdel mit dem durch
Herrn Jagor berbrachten vom Ysarog (und dem einen Cimarronen-Schdel
von Albay aus der Sammlung des Hrn. Schetelig) am meisten berein,
obwohl er in einem noch viel hheren Maasse lang und zugleich schmal
ist. Er besitzt einen Breitenindex von 68,8 bei einem Hhenindex
von 73,1, ist also in hchstem Grade dolichocephal und zugleich
niedrig. Die Verhltnisse der drei Schdel werden am besten durch
eine Zusammenstellung der Zahlen sich ergeben:


                           Breitenindex.   Hhenindex.   Capacitt.

    Cimarrone vom Ysarog           76,9          76,1         1315
    Cimarrone vom Albay            75,4          77,7         1470
    Ygorrote (Meyer)               68,8          73,1         1400


Sehr bemerkenswerth sind bei dem letztern Schdel ferner der
geringe Prognathismus des Alveolarrandes, die verhltnissmssig
hohen Augenhhlen, die hohe Nase mit schmaler Wurzel und der
starke Wulst ber der letzteren. Giebt dieser Wulst dem Schdel den
Ausdruck einer gewissen Wildheit, so wird diese gesteigert durch
die stark abstehenden Jochbogen und die bedeutend hinaufgerckten
Plana temporalia, deren Abstand, ber den Schdel gemessen, an der
Kranznaht nur 105 Millim. betrgt: also eine colossale Entwickelung
der Kaumuskeln. Es besttigt sich demnach die Existenz einer wilden
dolichocephalen Rasse, welche den Hypsistenocephalen der Inseln
Polynesiens und der Sundagruppe nher steht.

Die Negrito-Schdel sind davon gnzlich verschieden. Ich beschrnke
mich darauf, die entsprechenden Zahlen fr 4 derselben zu geben:


                   Breitenindex.   Hhenindex.   Capacitt.

            I.             90,6          77,6         1310
            II.            80,8          75,6         1200
            III.           83,8          77,8         1250
            IV.            86,7          82,3         1150



Von diesen ist No. II. ein mnnlicher und, wie mir scheint,
verhltnissmssig typischer Schdel, whrend vornmlich bei
No. I. knstliche Deformation bemerklich ist. Man sieht hier eine
ausgezeichnet brachycephale Rasse, deren Schdel eine mssige Hhe
und durchschnittlich eine geringe Capacitt besitzen. Zugleich
sind sie stark prognath, jedoch betrifft die Vorschiebung mehr
die Alveolarfortstze, whrend die Ansatzstelle des unteren
Nasenstachels dem grossen Hinterhauptsloche nher liegt, als
die Nasenwurzel. Letztere befindet sich fast senkrecht unter der
Nasenwurzel.

Die Zusammengehrigkeit dieser Negritoschdel wird in deutlichster
Weise dargelegt durch ein hchst characteristisches Zeichen,
nmlich durch die vermittelst Feilung in eine Sgenform gebrachten
Zahnreihen. Es sind die Zhne, namentlich die vorderen und von diesen
wieder am meisten die des Oberkiefers seitlich abgefeilt, so dass sie
in scharfe Spitzen, wie Raubthierzhne, auslaufen, -- eine Art der
Feilung, welche der bisher bekannten malaischen gerade widerstreitet,
indem diese auf der vorderen Flche der Zhne stattfindet und zugleich
der untere Rand der letzteren geebnet wird. Hchst merkwrdig ist es,
dass beide Arten der Feilung schon von dem alten Thvenot angegeben
sind: les vns rendent les dents gales, les autres les affilent en
pointes, en leur donnant la figure d'une scie. Nur von der mit Gold
gefllten Oeffnung in der oberen Zahnreihe, welche er gleichfalls
beschreibt, ist nichts wahrzunehmen. Indess mag das lngst aufgegeben
sein, da Gold unter den Negritos wohl eine Seltenheit ist. Jedenfalls
stammen die Schdel, welche Hr. Dr. Meyer selbst unter grosser Gefahr
auf dem ihm bekannt gewordenen Begrbnissplatze eines Negrito-Stammes
in der Provinz Bataan (Zambales), im Nordwesten von Luzon, ausgegraben
hat, aus neuer Zeit [356].

Spuren knstlicher Verunstaltung finden sich an der Mehrzahl der
Schdel, jedoch erreichen sie auch nicht entfernt das Maass, wie
diejenigen an den Hhlenschdeln von Lanang und Caramuan. In der Regel
ist das Hinterhaupt sehr steil und die Seitenwandbeine sind dicht
hinter den Tubera parietalia fast rechtwinklig herab gebogen. Nur der
eine und zwar mnnliche Schdel zeigt gar nichts von Deformation:
sein Hinterhaupt springt stark vor, und zwar findet sich die
strkste Vorwlbung an der Schuppe oberhalb der Linea nuchae suprema
(vgl. Taf. II, fig. 5-6). Wenn dieser letztere Schdel gegenber
den weiblichen und deformirten (Taf. II, fig. 4) als der am meisten
typische angesehen werden darf, so knnte es doch sein, dass ihm an
einer andern Stelle die knstliche Verunstaltung nicht fehle. Er zeigt
nmlich eine ungemein breite und platte Nasenwurzel, und die Nasenbeine
sind seitlich mit den Processus nasales des Oberkiefers verwachsen. Da
sich dieselbe Synostose noch bei einem andern Negrito-Schdel findet,
so entsteht die Frage, ob hier eine blosse Rassen-Eigenthmlichkeit
oder ein pathologisches Ereigniss vorliegt. Wenn nun an sich der
ganze Habitus der Stelle diesen Eindruck hervorbringt, so hat mich
eine Mittheilung des franzsischen Missionrs Montrouzier noch
mehr fr diese Ansicht gewonnen. Derselbe berichtet nmlich, dass
in ganz Neu-Caledonien nach der Geburt eines Kindes Wasser heiss
gemacht, die Finger in dasselbe getaucht und mit denselben die Nase
des Neugebornen zerquetscht wird. Freilich ist von den Philippinen
bis jetzt nichts Aehnliches bekannt, aber vielleicht wird es damit,
wie mit der Schdelverunstaltung, gehen.

Ich muss endlich noch eine besondere Eigenthmlichkeit der
Negrito-Schdel erwhnen, nmlich die ausgezeichnet ogivale Form,
welche sowohl in der Stirn-, als Hinterhaupts-Ansicht bemerkbar
wird und welche auch in den Photographien (Taf. III.) zu Tage
tritt. Namentlich bei der mnnlichen Bevlkerung ist die dachfrmige
Gestalt des Vorderkopfes leicht erkennbar. Die Glabella ist an diesen
Schdeln ungewhnlich voll, die Stirnhcker schwach entwickelt, in der
Mitte fter die Andeutung einer Crista frontalis. Damit hngt zusammen
die auffllige Hhe der Plana temporalia, welche sich bei dem Manne
(Taf. II, fig. 5 und 6) bis ber die Tubera parietalia erstrecken
und hinter der Kranznaht nur 95 Millim. von einander entfernt sind.

Es lsst sich daher nicht verkennen, dass der Schdeltypus der Negritos
etwas Bestiales, wenn man will, etwas Affenartiges an sich hat. Die
grosse Breite der unteren Theile der Nase, welche in den Photographien
(vergl. die Tafel III.) so auffllig hervortritt, trgt nicht wenig
dazu bei, den Eindruck der Hsslichkeit zu erhhen. Hr. de la Gironire
(Aventures d'un gentilhomme breton aux les Philippines. Paris 1855
p. 321) mag daher wohl einen ersten Eindruck, richtig wiedergeben,
wenn er in seiner lebhaften und etwas bertreibenden Weise sagt:
Les hommes -- me paraissaient plutt une grande famille de singes
que des cratures humaines.

Um das osteologische Bild zu vervollstndigen, will ich noch
hervorheben, was auch die brigen Skeletknochen bezeugen und
alle Reisende berichten, dass die Negritos von niedrigem und
gracilem Bau sind. Ihre Schienbeine sind seitlich abgeplattet, wie
zusammengedrckt. Ihre Oberarmbeine haben fters ein Loch ber den
Gelenktheilen der Ellenbeuge und zeigen berdiess eine andere Drehung
in der Continuitt, als die europischen. Kurz, alles vereinigt sich,
um uns das Bild einer niedrigeren Entwickelung zu geben, aber einer
Entwickelung, welche weder mit derjenigen der afrikanischen Neger,
noch mit denen der Papuas und der Australneger, soviel bis jetzt
ersichtlich, irgend eine Aehnlichkeit zeigt.

Wenn wir nun, nachdem wir im Innern der Philippinen sowohl
dolichocephale, als brachycephale wilde Stmme kennen gelernt haben,
zu der Kstenbevlkerung zurckkehren, so mchte ich zuerst daran
erinnern, dass nach dem Zeugnisse der verschiedensten Reisenden hier
zahlreiche, durch Einwanderung bedingte Kreuzungen stattgefunden
haben. Namentlich werden chinesische und japanesische Beimischungen
als sehr einflussreich geschildert. Es wird daher nothwendig sein,
hier sehr vorsichtig zu sein, und ich mchte namentlich darauf
aufmerksam machen, dass auch Mischungen zwischen der wahrscheinlich
malaiischen Kstenbevlkerung und den erwhnten Bergstmmen sorgfltig
in Betracht gezogen werden mssen. Gerade in dieser Beziehung drften
die von Hrn. Jagor mitgebrachten Hhlenschdel von Samar sowohl wegen
ihres Alters, als auch wegen der Kstenlage der Hhlen und der mehr
sdlichen Lage dieser Insel eine besondere Bedeutung beanspruchen,
da sie vermuthlich reineren Elementen der Bevlkerung angehrten,
als die Kirchhofsschdel, nach denen wir die heutige Kstenbevlkerung
meist zu beurtheilen haben.

Auf den beigegebenen Tafeln sind geometrische Linearzeichnungen der 3
Hhlengruppen von der Insel Samar zusammengestellt, welche ausreichen
werden, um ein bersichtliches Bild dieser Kstenschdel zu geben und
deren Vergleichung mit den Negrito-Schdeln anschaulich zu machen. Es
sind dies folgende:

1) Aus der Hhle von Lanang ist auf Taf. I, fig. 3-4 (z. 841)
der am meisten verdrckte Flachkopf, fig. 1-2 (z. 839) ein nur
massig vernderter Schdel abgebildet. Es sind dies Beispiele eines
ungewhnlich grosskpfigen und wahrscheinlich starken Stammes, welcher,
obgleich brachycephal, doch nur mssig prognath ist und am weitesten
von den Negritos abweicht.

2) Aus der ersten Hhle von Nipa-Nipa stammen zwei Schdel Taf. I,
fig. 5 (z. 873) und fig. 6 (z. 874), beide stark brachycephal und
mehr prognath, beide, namentlich fig. 6 betrchtlich, von hinten
her abgeplattet.

3) Aus der zweiten Hhle von Nipa-Nipa zwei Schdel Taf. II, fig. 1-2
(z. 867) und fig. 3 (z. 870). Sie gehren jenem zarten und mehr
kleinkpfigen, brachycephalen und eminent prognathen Stamme an,
unter dem die Syphilis verbreitet war.

Ich stelle auch hier, wie frher, einige Zahlen zusammen, indem
ich zugleich die modernen, von Hrn. Schetelig mitgebrachten
Kirchhofsschdel bercksichtige:


        Lanang         Breitenindex.   Hhenindex.   Capacitt.

        No. 839                93,0          78,6         1510
        No. 841                94,8          80,0         1470
        Nipa-Nipa B.
        No. 873                89,1          78,9         1360
        No. 874                96,2          83,6         1400
        Nipa-Nipa A.
        No. 867                78,4          74,5         1210
        No. 870                86,6          77,0         1351
        Tabaco
        No. III.               83,3          82,4         1320
        No. IV.                81,1          79,7         1505
        Tibi                   80,2          78,5         1595


Man ersieht leicht, dass die Brachycephalie durch die ganze Reihe
durchgeht und dass auch die Hhe verhltnissmssig berall betrchtlich
ist. Am meisten schwankt die Capacitt, weniger jedoch in den einzelnen
Gruppen der Hhlenschdel, als unter den modernen. Eine endgltige
Entscheidung ber die Stellung der verschiedenen Gruppen zu einander
drfte daher noch immer verfrht sein. Die Schwierigkeit, welche durch
die knstliche Deformation so vieler diese Schdel herbeigefhrt wird,
ist zu gross, um fr die einzelnen Gruppen sichere gesetzliche Normen
zu finden. Wie ich schon frher anfhrte, so zeigen die Indices fr
die modernen Kirchhofs-Schdel, welche von Bicols stammen, am meisten
Uebereinstimmung mit den Hhlenschdeln von Nipa-Nipa A, welche jedoch
weit hinter ihnen zurckbleiben in Bezug auf die Capacitt. Allein
die hier in Betracht kommenden Hhlenschdel sind auch am wenigsten
durch knstliche Verunstaltung betroffen und es liegt daher nahe, dass
jeder von ihnen den Typus deutlicher wiedergiebt, als die Schdel
der beiden anderen Hhlengruppen. Hoffentlich wird eine weitere
Durchforschung des nun reichlicher zustrmenden Materials bald eine
vollstndigere Darlegung gestatten, und so eines der interessantesten
ethnographischen Gebiete klar legen.








ANMERKUNGEN


[1] Navarrete IV. 97. Obs.2a.

[2] Nach Albo's Schiffsjournal wurde er den Unterschied an den
Capverdischen Inseln gewahr, am 9. Juli 1522. y este dia fue
miercoles, y este dia tienen ellos por jueves.

[3] In einer Anmerkung zu Seite 18 der meisterhaften englischen
Uebersetzung Morga's finde ich die auffallende Angabe, dass
gleichzeitig eine hnliche Berichtigung in Macao vorgenommen wurde,
wo die Portugiesen, die von Osten gekommen waren, den entgegengesetzten
Fehler von einem Tage hatten.

[4] Zu Ende des 16ten Jahrhunderts belief sich die Abgabe von den aus
China eingefhrten Waaren auf 40,000 Doll., die Einfuhr also wenigstens
auf 1 1/3 Million. 1810 nach 250-jhriger ungestrter Herrschaft der
Spanier war letztere auf 1.150.000 Doll. gesunken. Seit dem steigt
sie allmlig und betrug 1861: 2.130.000 Doll.

[5] Navarrete IV. 54. Obs. 1a.

[6] Nach Gehler's Phys. Lex. VI, 450 wird das Log zuerst von Purchas
auf einer Reise nach Ostindien 1608 erwhnt. Pigafetta fhrt es nicht
an in seinem Trattato di Navigazione, aber S. 45 seiner Erzhlung
heisst es: Secondo la misura che facevamo del viaggio colla cadena
a poppa, noi percorrevamo 60 a 70 leghe al giorno. Das wre so viel
wie unsere schnellsten Dampfer, 10 Knoten.

[7] Die europische Post geht ber Singapore und Hongkong nach
Manila. Ersteres ist von beiden Orten etwa gleich entfernt. Man konnte
die Briefe also eben so schnell in den Philippinen haben als in China,
wenn man sie direkt aus Singapore holte. In diesem Falle wrde aber
die Dampfverbindung mit Hongkong beibehalten werden mssen, doch ist
bis jetzt der Verkehr noch zu unentwickelt, um die doppelte Ausgabe
tragen zu knnen.

Nach dem Bericht des engl. Konsuls (Mai 1870) luft gegenwrtig
ausser dem Regierungsschiff auch ein Privat-Dampfer zwischen Hongkong
und Manila. Die Zahl der Passagiere nach China betrug 1868: 441
Europer. 3048 Chinesen, zusammen 3489. Nach Manila 330 Europer,
4664 Chinesen, zusammen 4994. Der Fahrpreis ist 80 Doll. fr Europer,
20 Doll. fr Chinesen.

[8] Zuiga, Mavers I. 225.

[9] Zuiga XVIII, M. Velarde f. 139.

[10] Capt. Salmon, Goch. S. 33.

[11] Die Oeffnung dieser Hfen hat sich so erspriesslich erwiesen, dass
darber einige interessante Thatsachen in einem besonderen Kapitel
mitgetheilt werden sollen, -- grsstentheils nach mndlichen und
schriftlichen Bemerkungen des vor drei Jahren verstorbenen englischen
Vizekonsuls N. Loney und nach spteren Konsulatsberichten.

[12] 1868 liefen 112 fremde Schiffe von 74,054 Tonnen, 93 spanische
von 26,762 Tonnen in Manila ein; erstere kamen fast alle in Ballast,
und verliessen den Hafen mit Ladung; letztere kamen und gingen
beladen. (Ber. d. engl. Konsuls 1869.)

[13] 1868 14,013,108 Doll. Gesammtausfuhr, England 4,857,000 Doll.,
das ganze brige Europa 102,477 Doll., wobei freilich der von der
Kolonie nach Spanien gesandte Tabakstribut (3,169,114 Doll.) nicht
mitgerechnet wird (Ber. engl. Kons. 1869).

[14] Laprouse nennt Manila die vielleicht am glcklichsten gelegene
Stadt der Welt.

[15] Nheres ber das Zollwesen s. im Anhange.

[16] Sapn oder Sibucao, Caesalpinia Sappan. Das Fernambuk- oder
Brasilholz, dem das Kaiserreich Brasilien seinen Namen verdankt,
kommt von C. echinata und C. brasiliensis. (Die lteste Karte
von Amerika bemerkt vom Lande des Brasil[holzes]: hier giebt es
weiter nichts brauchbares als Brasil.) Das Sapan der Philippinen ist
reicher an Farbstoff als die brigen ostasiatischen, steht aber dem
von Brasilien nach. In neuer Zeit hat es seinen Ruf verloren, da es
aus Unverstand hufig zu frh geschnitten wird. Es geht vorzglich
nach China, dient zum Rothfrben und -drucken. Das vorher mit Alaun
gebeizte Zeug wird dort zum Schluss in ein schwach alkoholhaltiges
Alkalibad getaucht. Das in den Kleidern der rmeren Chinesen so
hufige Braunroth ist mit Sapan dargestellt.

[17] Ein interessantes Verzeichniss der zu jener Zeit von den Chinesen
eingefhrten Waaren findet sich im Anhang.

[18] Schon damals gingen grosse Mengen kleiner Muscheln (Cypraea
moneta) nach Siam, wo sie noch heut als Mnze dienen.

[19] Berghaus Geo-hydrogr. Memoir.

[20] Manila wurde erst 1571 gegrndet, aber schon 1565 glckte
es Urdaneta, Legaspi's Steuermann, den Rckweg durch das Stille
Meer zu finden, indem er in hheren nrdlichen Breiten N.W. Winde
aufsuchte. Genau genommen war brigens Urdaneta nicht der Erste, dem
die Rckfahrt gelang; denn eines der fnf Schiffe Legaspi's, unter dem
Befehl Don Alonso de Arellano's, das einen Mulatten, Lope Martin, als
Steuermann an Bord hatte, trennte sich von der Flotte, nachdem diese
die Inseln erreicht, und kehrte nach Neu-Spanien auf einem nrdlichen
Kurs zurck, um die fr diese Entdeckung ausgesetzte Belohnung zu
verdienen, was durch das baldige Eintreffen Urdaneta's vereitelt wurde.

[21] Grav. No. 6.

[22] Vgl. Kottenkamp I. 1594.

[23] Gesttzt auf Leyes de India 1a u. 6a, C. 4, L. 9.

[24] Zuerst wurde nur die Einfuhr durch Festsetzung eines Werthmaximums
beschrnkt, die Manila-Kaufleute halfen sich durch Angabe viel zu
geringer Werthe; um diesem Missbrauch ein Ende zu machen, wurde ein
Maximum fr Silberausfuhr festgesetzt. Nach Mas (Informe I, 3, 60)
betrug aber das geschmuggelte Silber sechs bis acht Mal soviel.

[25] Informe Hist. 2.

[26] Informe I. 4. 6.

[27] Laprouse (358) erwhnt 1787 ein franzsisches Handelshaus
(Sebis), das seit mehreren Jahren in Manila etablirt war.

[28] Informe, Comercio 2.

[29] R. Cocks to Thos. Wilson (Calendar of State Papers (India)
No. 823) . . the English will obtain a trade in China, so they bring
not in any padrese (as they term them) which the Chinese cannot abide
to hear of, because heretofore they came in such swarms and are always
begging without shame.

[30] Noch 1857 werden ltere, gegen die Niederlassung von Auslndern
gerichtete strenge Erlasse durch ein Gesetz (L. ult. II 512)
erneut. Eine R. O. von 1844 (L. ult. II 465) verbietet, Fremde unter
irgend welchem Vorwande das Innere der Kolonie betreten zu lassen.

[31] Pinkerton XI, 85.

[32] II, 201.

[33] Von 5  2 1/2  1 1/2 = 18,75 span. Cub.-Fuss (St. Croix II, 360).

[34] Comercio exterior 47.

[35] Die Obras pias sind fromme Vermchtnisse, bei denen in der Regel
bestimmt war, dass zwei Drittel zu kaufmnnischen Unternehmungen im
Seehandel gegen Zinsen ausgeliehen werden sollten, bis durch die
Prmien, die fr das Risiko nach Acapulco 50 Prozent, nach China
25 Prozent, nach Indien 35 Prozent betrugen, das ursprngliche
Kapital auf eine gewisse Summe angewachsen war, deren Zinsen dann,
fr das Seelenheil des Stifters, zu frommen oder wohlthtigen Zwecken
verwendet wurden. (Arenas hist. 397.) Ein Drittel blieb gewhnlich als
Reservefond zurck, zur Deckung etwaiger Verluste. (Diese Reservefonds
sind lngst von der Regierung als Zwangsanleihen fr sich in Anspruch
genommen, werden aber noch als vorhanden angesehn.)

Als der Acapulcohandel ein Ende nahm, konnten die Kapitalien nicht mehr
nach der Bestimmung der Stifter angelegt werden, und wurden anderweitig
auf Zinsen ausgeliehen. Durch R. O. 3. Novbr. 1854 (Leg. ult. II, 205)
wird eine Junta administradora eingesetzt, um die Gelder der Obras
pias zu verwalten. Das Gesammtkapital der fnf Stiftungen (eigentlich
nur vier, da eine derselben kein Kapital mehr besitzt) betrgt etwas
weniger als 1 Million Dollars. Der aus den Darlehen erzielte Gewinn
wird nach Hhe des Einlagekapitals vertheilt, welches aber nicht mehr
baar vorhanden ist, weil die Regierung darber verfgt hat.

[36] Thevenot Religeux 12.

[37] 14-15 Morga 171.

[38] Nach Legentil 32-34.

[39] De Guignes, Pinkerton XI, Anson X.

[40] Anson X.

[41] Edmund Randolph, Hist. of California.

[42] Zu Morga's Zeit 70 Tage bis zu den Ladronen, 10-12 Tage bis Cap
Espiritu Santo, 8 Tage bis Manila.

[43] Eine sehr gute Beschreibung der Naofahrten findet man in Anson
Kap. X. Dasselbe Werk enthlt die Kopie einer an Bord der Cavadonga
erbeuteten Seekarte, auf welcher die Reise dieser Galeon von den
Philippinen nach Acapulco und zurck eingetragen ist.

[44] de Guignes.

[45] Dem Befehlshaber, der den Titel General hatte, war ein Kapitn
untergeordnet, dessen Gewinn auf jeder Reise 40,000 Doll. betrug. Fr
den Steuermann belief sich der Nutzen auf 20,000 Doll. Der erste
Lieutenant (Maestre) hatte 9 Prozent vom Verkauf der Waaren und lste
daraus und aus seinem besonderen Handel ber 350,000 Doll. (Arenas
hist. 394.)

[46] Die von Anson erbeutete Ladung betrug 1,313,000 Doll., abgesehen
von 35,682 Unzen Feinsilber und Cochenille. Die von Drake mitten
im Frieden zwischen England und Spanien geraubte 1 1/2 Millionen
Doll. Th. Candish (s. oben) verbrannte die reiche Ladung der Sa. Ana,
da er keinen Raum mehr fr sie hatte.

[47] So fand z. B. 1786 die Nao S. Andrs, die fr 2 Millionen
Doll. Fracht enthielt, keinen Markt in Acapulco; ebenso erging es
1787 der S. Jos, und 1789 abermals der S. Andrs. (Informe 1. 4. 33.)

[48] 1855: 586 Spanier aus Europa, 1378 Kreolen, 6323 Indier
und Mestizen, 332 Chinesen, 2 Hamburger, 1 Portugiese, 1
Afrikaner. (Com. centr. de Estadistica. Heft I.)

[49] Das Erdbeben von 1863 zerstrte die alte Brcke, sie wird jetzt
wieder hergestellt; die Pfeiler sind vollendet, das eiserne Gerst
soll demnchst aus Europa eintreffen (April 1872).

[50] Vergl. Roscher's Kolonien.

[51] Folgende Maasse werden einen Schluss auf den Gehalt der Zeitungen
erlauben: ich whle nicht das Boletin oficial, da es zu amtlichen
Ankndigungen bestimmt ist und diesen gegenber sein sonstiger Inhalt
nicht in Betracht kommt. Die mir vorliegende Nummer des wchentlich
6 mal erscheinenden Comercio (vom 29. Nov. 1858) hat 4 Seiten, deren
bedruckter Raum je 1117, im Ganzen also 748 Quadratzoll betrgt. Sie
vertheilen sich wie folgt:

Titel, 27 1/2 Quadratzoll; Aufsatz ber die Volksmenge in Spanien,
aus einem Buche abgedruckt, 102 1/2 Quadratzoll. -- Unter dem Titel:
Nachrichten aus Europa, ein Artikel, abgedruckt aus den Anales de la
Caridad, ber die Zunahme der Barmherzigkeit und des katholischen
Unterrichts in Frankreich, 40 1/2 Quadratzoll; ber die Kunst und
ihren Ursprung (allgemeine Redensarten), 1. Abschnitt, 70 Quadratzoll;
Auszug aus dem amtlichen Blatt, 20 1/2 Quadratzoll; alte Anekdote, 59
Quadratzoll. -- Religiser Theil: dieser zerfllt in eine amtliche und
eine nichtamtliche Abtheilung, in der ersten werden die Heiligen des
Tages und die des folgenden, sowie die Kirchenfeste bekannt gemacht;
der zweite Theil enthlt die Anzeige einer glnzenden Prozession und
den 1sten Abschnitt einer 3 Jahre frher, bei Gelegenheit desselben
Festes gehaltenen Predigt, die so schn war, dass sie den Lesern
unverkrzt mitgetheilt werden soll, 99 Quadratzoll. -- Stck eines
alten Romans in vielen Kapiteln, 154 und Anzeigen, 175, zusammen 748
Quadratzoll. In den letzten Jahren enthielten die Zeitungen zuweilen
gediegene Aufstze, jedoch nur usserst selten.

[52] Pigafetta 111.

[53] In den Ordenanzas de Buen Gobierno von Hurtado Corcuero,
Mitte des 17ten Jahrhunderts, werden Kampfhhne nicht erwhnt. 1779
wurden sie zuerst als Steuerquelle ausgebeutet; 1781 verpachtete
die Regierung das Recht, Eintrittsgelder zu den Galleras (von Gallo,
Hahn) zu erheben fr 14,798 Doll. jhrlich. 1863 ist der Ertrag der
Galleras mit 106,000 Doll. im Budget ausgeworfen.

[54] Es giebt eine besondere Verordnung von 100 . ber die
Hahnenkmpfe (Madrid, 21. Mrz 1861).  1 bestimmt, dass die Kmpfe,
da sie eine Staatseinnahme bilden, nur auf ffentlichen Schaupltzen
stattfinden drfen;  6. sie sind an Sonn- und Festtagen zu gestatten;
 7. von Schluss der Hauptmesse bis Sonnenuntergang;  12. mehr
als 50 Doll. drfen nicht auf einmal gewettet werden.  38. Jeder
Hahn darf nur ein Messer und zwar am linken Sporn tragen.  52. Der
Kampf ist beendet, wenn beide Hhne oder einer derselben stirbt,
oder wenn einer von beiden aus Feigheit davonluft. In Daily News
vom 30. Juni 1869 findet sich die Notiz, dass in Leeds, fnf Mnner
jeder zu 2 Monaten Gefngniss verurtheilt wurden, weil sie sechs,
mit metallenen Sporen bewaffnete Kampfhhne gegen einander hatten
kmpfen lassen. Danach scheint in England das frher sehr beliebte
Schauspiel nicht mehr gestattet zu sein.

[55] Der Pflanzer de la Gironire hat den Rohstoff, Al. Dumas angeblich
die Ausschmckung dazu geliefert.

[56] Botanische Grten scheinen unter Spaniern nicht zu
gedeihen. Chamisso (S. 71) klagt, dass zu seiner Zeit von dem vom
gelehrten Cuellar bei Cavite angelegten botanischen Garten keine
Spur mehr vorhanden war. Der Madrider Garten ist in einem traurigen
Zustande, die Glashuser stehen meist leer. Auch der von einem reichen
Patrioten in Orotava (Teneriffa) mit grossen Kosten geschaffene, der
als Akklimatisations-Station wichtige Dienste leisten knnte, geht
schnell zu Grunde. Es soll alljhrlich eine nicht unbetrchtliche Summe
dafr im Budget ausgeworfen werden, von der aber nur selten Spuren bis
Orotava gelangen. Bei meiner Anwesenheit 1867 hatte der Grtner seit
22 Monaten keinen Gehalt bekommen, alle Arbeiter waren entlassen, sogar
der unumgnglich nthige Zufluss des Wassers war eingestellt worden.

[57] Proben im Berl. ethnogr. Mus. No. 294. 295.

[58] Bertillon (Acclimatement & Acclimatation, Dict. encycl. des
sc. md.) schreibt die Fhigkeit der Spanier, sich in heissen Lndern
zu akklimatisiren, vorzglich ihrer starken Vermischung mit syrischem
und afrikanischem Blut zu: die alten Iberer scheinen aus Chaldaea ber
Afrika gekommen zu sein, Phoenizier und Carthager hatten blhende
Kolonien in Spanien, in neuerer Zeit haben die Mauren Jahrhunderte
lang das Land besessen und grossen Glanz entfaltet, was der Kreuzung
frderlich sein musste. So hat sich zu drei Malen afrikanisches Blut
reichlich mit spanischem gemischt. Das heisse Klima der Halbinsel
mag wohl auch dazu beitragen, ihre Bewohner fr das Leben in den
Tropenlndern geschickt zu machen. Unvermischten Indo-Europern ist
es nie gelungen, am Sdrande des Mittelmeers sich fortzupflanzen,
noch weniger in heisseren Lndern.

In Martinique, wo 8-9000 Weisse von der Ausbeutung 125,000 Farbiger
in Flle leben, nimmt die Bevlkerung trotzdem nicht zu, sondern
ab. Die franzsischen Kreolen haben die Eigenschaft verloren,
sich im Verhltniss der vorhandenen Lebensmittel zu erhalten und
zu vermehren. Familien, die nicht von Zeit zu Zeit durch Zufhrung
neuen europischen Blutes gestrkt werden, erlschen in drei bis
vier Generationen. Ebenso geht es in den englischen Antillen, nicht
aber in den spanischen, obwohl Klima und natrliche Verhltnisse
dieselben sind. Nach Ramon de la Sagra ist die Zahl der Todesflle
unter den Kreolen geringer, die der Geburten grsser als in Spanien;
die Sterblichkeit bei der Garnison aber sehr bedeutend. Danach
scheint bei der spanischen Rasse eine chte Akklimatisation durch
Auswahl stattzufinden: die ungeeigneten Individuen sterben, die
andern gedeihen.

[59] Ueber die in Amerika zu demselben Zweck angewendeten Mittel
bemerkt Depons S. 171: Man ist von jeher davon berzeugt gewesen,
dass man der christlichen Religion auf keine andre Weise bei den
Indianern Eingang verschaffen knnte, als wenn man ihre eigenen
Neigungen und Gewohnheiten mit dem Christenthum vermischte; dies ist
so weit gegangen, dass sogar in frheren Zeiten die Theologen die
Frage aufgeworfen haben, ob es wohl erlaubt wre, Menschenfleisch zu
essen? Das allersonderbarste aber hierbei ist, dass die Frage wirklich
zu Gunsten der Anthropophagen entschieden worden ist.

[60] Thatschlich ist urbares Land freilich immer in festen Hnden
und an manchen Orten hoch im Preise. Bei Manila und in Bulacn ist
der Morgen schon vor Jahren ber 150 Thaler bezahlt worden.

[61] Journ. Ind. Arch. IV. 307.

[62] Im Buitenzorger Garten, Java, sah Verfasser einige in Ssswasser
gezogene Exemplare.

[63] Boyle (Adventures among the Dayaks, S. 67) fand sogar pneumatische
Feuerzeuge aus Bambus bei den Dayaks in Gebrauch, Bastian traf
solche in Birma. Auch sah Boyle einen Dayak etwas Zunder auf einen
Porzellanscherben legen, ihn mit dem Daumen fest halten und einen
scharfen Schlag damit gegen ein Bambusrohr fhren: der Zunder fing
Feuer. Dieselbe Art Feuer zu schlagen beobachtete Wallace in Ternate.

[64] Eine Berechnung des Flcheninhalts der einzelnen Inseln befindet
sich im Anhange.

[65] Eine Uebersichtstabelle der Witterungsverhltnisse, und eine
zweite, enthaltend die aus fnfjhrigen Beobachtungen (1865-69)
gewonnenen Mittel, befinden sich im Anhange.

[66] Reiseskizzen S. 143.

[67] Nach Tylor (Anahuac 227) petlatl (mexikan.) eine Matte, in den
Philippinen: petate; petla-calli mexikanisch. Mattenhaus, davon petaca,
geflochtene Zigarrentasche.

[68] Voyage en Chine II, 33.

[69] Informe II, 37.

[70] Nach dem Berichte eines Ingenirs sind die Barren dadurch
entstanden, dass der Rio S. Mateo, der bald nach dem Ausfluss des
Pasig aus der Laguna rechtwinklig auf diesen stsst, ihm in der
Regenzeit eine grosse Menge Schlamm zufhrt, welcher durch die dann
herrschenden SW. Winde aufgestaut wird. Es wrde daher wenig ntzen
die Barre fortzurumen, ohne zugleich durch Ablenkung der S. Mateo
in den See, die Ursache ihrer Entstehung zu beseitigen.

[71] .. ils se baignent aussi dans leurs maladies et ont des sources
d'eau chaude pour cet effet, particulirement au bord de l'Estang du
Roy (Laguna del Rey statt de Bay offenbar in Folge eines Lesefehlers)
qui est dans l'le de Manille. Thvenot, Religieux.

[72] Vom Maquiling bis zu der Stelle Bacon genannt, die im Osten
von Los Baos liegt, kann man kaum 30 Schritte gehn, ohne auf sehr
verschiedenartige Wasserbche zu stossen: sehr heisse, lauwarme,
natrliche und sehr kalte. In einer in unserm Archiv aufbewahrten
Beschreibung dieser Ortschaft, vom Jahre 1739 heisst es: dass SSO. 1/4
S. vom Dorf ein Hgel Natognos liegt, auf dessen Platte eine Stelle
von 400 quadr. Fuss in fortwhrender Bewegung ist wegen des heftig
ausstrmenden Dampfes. Der von den Dmpfen durchdrungene Krper ist
eine ausserordentlich weisse Erde, die zuweilen 1 bis 1 1/2 Ellen
hoch geschleudert wird, und wenn sie die Klte fhlt, in kleinen
Stcken herabfllt. (Estado geogr. 1865).

[73] Laurineen, Scitamineen, Fcherpalmen, Dombeyaceen, Araliaceen.

[74] Pigafetta sagt (S. 55), dass man, um den Kokoswein zu gewinnen,
den Wipfel der Palme bis auf das Mark (den Trieb), durchbohrte und den
aus der Wunde quellenden Saft auffing. Nach Regnaud (Hist. nat. du
cocotier p. 120) befolgen die Neger von St. Thomas noch heut ein
hnliches Verfahren, das dem Baum sehr schdlich ist und ein weniger
gutes Produkt liefern soll.

Hernandez, I, 344, beschreibt ein eigenthmliches Verfahren, um aus
der Sacsac-Palme, deren kurze Charakteristik so ziemlich auf Arenga
saccharifera zu passen scheint, Wein, Honig und Sago zu gewinnen. Sie
wird dicht an der Blattkrone gekappt, der Stamm, jedoch nur so weit
er zart ist, ausgehhlt, in der Vertiefung sammelt sich der ssse
Saft. Ist aller Saft abgezapft, so lsst man den Baum vertrocknen,
zerschneidet ihn dann in dnne Stcke, die an der Sonne gedrrt zu
Mehl zerrieben werden.

[75] Schon Pigafetta erzhlt, dass die Eingeborenen aus den Kokospalmen
Oel, Essig, Wein und Milch bereiteten und viel Kokoswein tranken,
die Knige berauschten sich mehreremale bei den Gelagen.

[76] In der Londoner Illustrirten Zeitung von Ende 1857 oder Anfang
1858 befindet sich eine drastische Darstellung des Reisens auf dieser
Strasse von einem talentvollen Knstler unter dem Titel: a macadamized
road in Manilla.

[77] Vergl. Reiseskizzen.

[78] Erd und Pickering. (U. S. Expl. Exp. V 314,) fanden die Hhe =
6500' engl. also 7143' span., bei ihren unvollkommenen Hlfsmitteln
kein unbefriedigendes Resultat.

Im Estado geogr. Manila 1865 S. 150 wird ohne Quellenangabe die Hhe =
7030' 7'' gesetzt. An derselben Stelle heisst es: der grosse Vulkan
ist seit 1730 erloschen, in welchem Jahre sein letzter Ausbruch
stattfand; er barst an der Sdseite, stiess Strme von Wasser und
brennender Lava aus und Steine von ungeheurer Grsse, deren Spuren
bis zum Dorf Sariaya zu verfolgen sind. Der Krater mag gegen eine
Legua im Umfang haben, ist im Norden hher, hat im Innern die Form
einer Eischale; diese Vertiefung scheint die Hlfte der Berghhe
zu betragen.

[79] Von Ponte, Verdeck, zweimastige Schiffe mit Mattensegeln von
etwa 100 Tonnen.

[80] Estado geogr. S. 314.

[81] Amtlich Cagsua genannt, denn das alte, hher am Berge belegene
durch den Ausbruch von 1814 zerstrte Cagsua wurde an dieser Stelle
wieder aufgebaut, wo frher ein unbedeutendes Oertchen, Darga stand.

[82] Wie mir Herr Paton brieflich mittheilt, hatte man ihnen in Albay
das Unternehmen als unausfhrbar dargestellt. Weder einem Spanier
noch einem Indier sei es jemals gelungen den Gipfel zu erreichen,
sie wrden trotz aller Vorsichtsmaassregeln vom Sande verschttet
werden. Von einem grossen Reiterzuge begleitet, brachen sie um 5 Uhr
auf und gelangten bis an den Fuss des Schlackenkegels, von wo sie
in Begleitung zweier Landsleute, die aber unterwegs zurckblieben,
den Berg zu erklimmen begannen. Auf halber Hhe rastend, sahen sie
in hufigen Gipfelausbrchen ausgestossene glhende Lava den Berg
hinabgleiten. Mit grosser Anstrengung erreichten sie zwischen 2 und
3 Uhr den Gipfel, konnten aber wegen der schwefligen Gase nur 2 oder
3 Minuten verweilen. Beim Hinabsteigen erfrischten sie sich durch
Nahrungsmittel, die ihnen Herr Muoz entgegen gesandt, und gelangten
Abends nach Albay, wo sie whrend der paar Tage ihres Aufenthalts
als Helden gefeiert wurden, und ber ihre Conquista ein amtliches
Beglaubigungsschreiben erhielten, fr welches sie mehrere Dollar zu
erlegen hatten.

[83] Francisco Aragoneses Suceso espantoso y memorable acaecido en
la provincia de Camarines el dia 1de Febrero 1814.

[84] Blanco Flora 420.

[85] [Der Cacaoverbrauch in Europa betrgt jhrlich 36 bis 40 Millionen
Pfd. (Humboldt schtzte ihn 1818 auf 23 Millionen Pfund--H. und Bonpl
Reise III., 206), wovon 1/3 fr Frankreich, dessen Bedarf sich von 1853
(6,215,000 Pfd.) bis 1866 (12,973,534 Pfd., Werth 2,681,000 Thaler)
mehr als verdoppelt hat. Venezuela liefert den feinsten Cacao fr den
europischen Markt: Porto Cabello und Carcas; am besten und theuersten
ist der Carcas in 4 Sorten: 1 Chuao, 2 Ghoroni, 3 O'Cumar, 4
Rio chico; sie werden auf vorzglich gepflegten Pflanzungen von lange
dort angesiedelten Basken gewonnen.

England verbraucht den in seinen eigenen Kolonien erzeugten Cacao,
obgleich der Zoll (1 d. per Pfund) fr alle gleich ist; Spanien,
das bedeutend konsumirt, bezieht seinen Bedarf besonders aus Cuba,
Portorico, auch Ecuadr, Mexico, Trinidad. Sehr betrchtliche neue
Pflanzungen sind neuerdings in Nicaragua von Franzosen angelegt
worden: 250,000 Bume von denen 60,000 1867 schon trugen. (Rapp. du
Jury XI, 268.)

Mehr noch als die feinsten Venezula-Sorten sind die Bohnen von
Soconusco (Zentr.-Amer.) und Esmeraldas (Ecuadr) geschtzt; sie werden
aber im Lande selbst verbraucht, kommen kaum in den Handel. Deutschland
begngt sich mit geringeren Sorten; Guayaqul, der im Mittel etwa halb
soviel als Carcas kostet, wird bei uns am meisten, mehr als von allen
brigen Sorten zusammen, eingefhrt. (Vergl. A. Mitscherlich S. 39-46,
wo reiches Material ber den Cacaohandel in bersichtlicher Krze
zusammengestellt ist.)

[86] [Nach C. Scherzer, Central-Amerika p. 554 giebt der Baum 20 Jahre
lang je 30 bis 40 Loth Ertrag; 1000 Pflanzen 1250 Pfund Cacao = 250
Doll. (zu 20 Doll. der Zentner) also 1 Baum 1/4 Doll. -- Mitscherlich
nimmt 4 bis 6 Pfd. frische Bohnen als den mittleren Ertrag an. Ein
Liter Cacaobohnen wiegt lufttrocken 630 Gr., gerstet und geschlt
610 Gr. (Jordan und Timus).

[87] 1727 zerstrte ein Orkan die durch langjhrige Bemhungen
geschaffenen bedeutenden Cacaopflanzungen von Martinique mit einem
Schlage; dasselbe geschah auf Trinidad. Mitscherlich S. 14.

[88] F. Engel (Unsere Zeit 1. Dez. 67) nennt auch eine Krankheit
(Mancha), welche in Amerika an der Wurzelbasis mit Zerstrung der
Cambiumschicht beginnend, den Baum schnell tdtet und sich so rasch
verbreitet, dass ganze Cacaowlder niedergehauen und in Weidepltze
fr das Vieh verwandelt wurden, um ihr Einhalt zu thun. Selbst
in den begnstigsten Gebieten wurden nach langem ruhigen Besitz
in einer einzigen Nacht kurz vor der Ernte, tausende von Bumen
durch diese Krankheit getdtet. Ein fast ebenso gefhrlicher, den
Anbau einschrnkender Feind ist eine Motte, deren Larve die fertigen
Cacaobohnen gnzlich zerstrt; man kennt nur ein Mittel sie zu tdten,
Klte und Luftzug. Schon Humboldt fhrt an, dass Cacaobohnen, die
ber den kalten Kamm der Cordilleren gefhrt wurden, auf immer von
dieser Plage frei blieben.

[89] G. Bernoulli (Uebersicht der bis jetzt bekannten Arten
von Theobroma. Zrich 1869) fhrt im Ganzen 18 Arten an; fr die
Philippinen nur eine: Theobroma Cacao, Lin., nach Blthen und Frchten
aus meinem Garten in Darga bestimmt.

[90] Pili, ein Canarium, dessen Species wohl noch nicht gengend
feststeht, ist in Sd-Luzon, Samar und Leyte sehr verbreitet, es fehlt
dort wohl in keinem Dorfe. (Die vom Verfasser eingesandten Blthen
sind im Berliner Herbar bei dessen vielen Wanderungen von einem Ort
zum andern aus massig gerumigen in immer engere Lokalitten verlegt
worden.)

Die Frucht von der Grsse einer Pflaume, aber spitzer, enthlt eine
harte Mandel, deren Kern roh, in Syrup eingemacht, oder kandirt
genossen wird, wie Pinienkerne, denen sie im Geschmack sehr hnlich
ist. Die von Pigafetta (S. 55) auf Jomonjol angetroffenen grossen
Bume mit Frchten etwas kleiner als Mandeln, Pinienkernen hnlich,
sind wohl Pili gewesen. Aus den Kernen wird ein Oel gepresst, dem aus
sssen Mandeln vergleichbar. Aus Einschnitten des Stammes erhlt man
reichlich ein weiches, angenehm riechendes, weisses Harz, das unter dem
Namen Piliharz, oder Brea blanca, im Lande zum Kalfatern der Schiffe,
mit Reishlsen durchknetet zu Fackeln verwendet wird. Auch als Pflaster
steht es bei Rheumatischen in gutem Ruf. Seit etwa zwanzig Jahren
kommt es nach Europa. Die ersten Sendungen brachten grossen Gewinn,
da das in seiner Heimath sehr billige Produkt bei uns als ein neues
beliebtes Elemiharz Stellung nahm.

[91] Der allgemeine Name war aber Cacahoa-atl (Cacao-Wasser), Chocolatl
bezeichnete eine besondere Sorte. F. Hernandez (opera omnia II, 155,
vergl. auch E. Nierembergius Cap. XV.) kannte bei den Azteken vier
Cacaoarten, (eine fnfte Pflanze, die er nennt, lieferte wohl nur ein
Surrogat) und beschreibt vier Sorten daraus bereiteter Trnke, deren
dritte Chocolatl hies, und angeblich auf folgende Weise bereitet wurde:
Gleiche Maasstheile von Fruchtkernen des Baumes Pochotl (Bombax ceiba)
und cacahoatl (Cacao) wurden fein gerieben, in einem irdenen Gefss
erhitzt, das oben sich ansammelnde Fett abgesondert. Zum Rckstand
setzte man gequollenen zermalmten Mais, und bereitete daraus einen
Trank, der warm genossen wurde, nachdem das vorher abgesonderte Fett
wieder beigemischt worden.

[92] M. Wagner, Centr. Amer. 146.

[93] Rappt. du Jury XI.

[94] Nheres bei Mitscherlich und F. Engel.

[95] Berthold Seemann (Nicaragua pg. Ausland 16.7.67) berichtet von
einem Baum mit fingerfrmigen Blttern und kleinen runden Kernen,
die zuweilen von Indianern zum Verkauf angeboten werden. Man macht
Chocolade daraus, die an Wohlgeschmack die gewhnliche aus Cacao
bereitete bertrifft. Der Baum wird gewiss mit der Zeit von Europern
in grosser Menge angepflanzt werden.

[96] Remarks on the Philippine Islands, Calcutta 1828.

[97] Reiseskizzen S. 157.

[98] Bericht des franz. Konsuls v. 1866.

[99] Mysore und Mokka erzielen die hchsten Preise: ersterer 80 bis
90 Sch., Mocca, wenn 5 bis 6 Jahr alt, bis 120 Schilling.

[100] Kaffeeeinfuhr in S. Francisco 1865, 66, 67 = 3 1/2, 8, 10
Million Pfd., davon 2, 4, 5 Million Pfd. Manila-Kaffee. 1868 soll
England die grsste Menge Kaffee eingefhrt haben.

[101] Rappt. Cons. Belge.

[102] Kaffee ist ein so vorzglichstes Getrnk und wird so selten gut
bereitet, dass folgende von Sachverstndigen gegebene Winke [Rappt. du
Jury] gewiss nicht unwillkommen sein werden: 1) Wahl guter Sorten,
2) Mischung derselben im besten, durch Erfahrung festgestellten
Verhltniss, 3) Vollstndiges Austrocknen der Bohnen, da sonst der
whrend des Brennens aus ihnen entwickelte Wasserdampf einen Theil des
Aromas mit fortreisst, 4) Brennen in heisser Luft, wobei der Hitzegrad
genau bemessen werden kann. Jede Sorte muss fr sich gebrannt werden,
5) schnelles Abkhlen der Bohnen. Wer seinen Kaffee aus einer allen
diesen Bedingungen entsprechenden Quelle beziehn kann, thut wohl am
besten, die gebrannten Bohnen in Tagesrationen zu kaufen. Mit Ausnahme
der 4ten sind aber die obigen Vorschriften in jeder Haushaltung zu
erfllen, und die kleinen in Berlin kuflichen Brennapparate, die
ohne Unbequemlichkeit, sehr geringe Mengen ber der Spiritusflamme zu
rsten und dabei zu berwachen gestatten, bieten einigen Ersatz. Der
Vorschrift 3. gengt man am besten, wenn man den Kaffee vor dem
Gebrauch mehrere Jahre lang an einem trocknen Orte aufbewahrt.

[103] Lygodium circinatum (?) Swartz, nicht ein kletternder, sondern
ein wirklich rankender Farn, wohl die einzige Gattung in der Familie.

[104] Anahuac p. 24.

[105] Siehe Anhang Brgerliche Einrichtungen.

[106] Nach amtlichen, in der Alkaldie erhaltenen Nachrichten 21
Menschen in den beiden letzten Wochen.

[107] Histor. de las islas. Cap. XI.

[108] St. Croix (II, 157) erzhlt, dass sich zu seiner Zeit die Curas
von jungen Mdchen bedienen liessen. Ein Franziskaner am See von Bay
hatte deren zwanzig zu seiner Verfgung, von denen ihm immer zwei
zur Seite waren.

[109] Die Mnche sind Herren in den Provinzen . . . regieren dort
als Herrscher . . . sind so unumschrnkt, dass kein Spanier sich dort
niederzulassen wagt. . . Die Mnche wrden ihm zu viele Schwierigkeiten
bereiten. Legentil 1, 183.

[110] Leg. ult. I, 266 . 87, 89.

[111] Namentlich durch No. 26 Tit. 6, 54 Tit. 16, Bch. II. und 5
Tit. 2 Recop.

[112] R. C. 17. Juli 1754.

[113] St. Croix II, 124.

[114] St. Croix II, 336.

[115] Die Alkaldien zerfallen in 3 Rangstufen: entrada, ascenso,
termino. (R. O. 31 Mrz 1837 Tit. I, 1.) In jeder dient der Alkalde
3 Jahre. (Tit. II, Art. 11, 12, 13) Niemand darf unter irgend einem
Vorwand in der Magistratur der Provinzen von Asien lnger als 10
Jahre dienen. (Art. 16.)

[116] Chine I, 360.

[117] Das Gesetz rhrt aus der frhesten Zeit der Kolonisation
Amerika's her, daneben bestanden noch eine Anzahl argwhnischer
Vorkehrungen, um zu verhindern, dass die hheren Beamten in ein
freundschaftliches Verhltniss zu den Kolonisten trten. Weder sie
noch ihre Shne durften in der Kolonie heirathen, liegende Grnde
erwerben etc. vergl. Kottenkamp I, 509.

[118] Ein Weltgeistlicher in den Philippinen erzhlte mir ganz
unbefangen, was ihn zur Wahl seines Berufes veranlasst habe. Als
Unteroffizier spielte er einst Karten auf einem schattigen Balkon:
Seht, rief einer seiner Kameraden, wie die Esel dort schwitzen,
damit wir hier faulenzen knnen, indem er auf die Bauern wies, die
in voller Sonnengluth den Acker bestellten. Der glckliche Gedanke die
Esel fr sich arbeiten zu lassen, machte einen so tiefen Eindruck auf
ihn, dass er sofort beschloss, Geistlicher zu werden, wobei ihm sein
ehemaliger Besuch einer lateinischen Schule zu Statten kam. Derselbe
Gedanke hat wohl auch manchen mittellosen Caballero zur Wahl des
Beamtenstandes gefhrt. Die geringe Achtung der brgerlichen Arbeit
in Spanien und Portugal, die Aussicht auf Nebenverdienste namentlich
in den Kolonien tragen das Ihrige dazu bei.

[119] Ausbeutung des Staates durch die Parteien, Ausbeutung der
Parteien durch die Personen . . . das eigentliche Geheimniss aller
Revolutionen, ein ber alle Maassen widerwrtiger Aemterkrieg . . . Man
mag nicht arbeiten und will doch glnzend leben. Man kann es nur auf
Kosten des Staats, den man gewissenlos ausbeutet. . . Es gab Orte wo
(nach Vertreibung Isabela's) das Amt eines Alkalden dreimal an einem
Tage gewechselt wurde. . . (Preuss. Jahrb. Januar 1869.)

[120] Nach Grunow, der sie bestimmt hat, Cladophora anisogona
Ktzing. = Conferva anisogona Montagne.

[121] Giebel und Siewert Ztschrft. f.d. ges. Naturw. 1870 Bd. 1,
377 enthlt einen interessanten Aufsatz von Rob. Pott ber Javanische
Fleisch-, Fisch- und Krebsextrakte.

[122] Dr. Semper, der sie nach eigner Anschauung schildert (Skizzen
57), scheint bei den Ygorroten eine solche Mischung nicht anzunehmen.

[123] S. Semper 52.

[124] Genau eben so fand Pigafetta die Musikmdchen des Knigs
von Cebu ganz nackt oder mit einem Schurz aus Baumrinde bekleidet
(S. 82). Die Hofdamen trugen ausser Hut und kurzem Schleier nur ein
kleines Schamband. (S. 89.)

[125] Aus denselben Grnden haben vielleicht die Chinesen bei ihrem
ersten Verkehr mit den Portugiesen den spter wieder aufgegebenen
Gebrauch der Kreuze angenommen. Pigafetta (187) bemerkt: Die Chinesen
sind weiss und tragen Kleider, sie essen von Tischen, wie wir. Sie
haben Kreuze, man weiss aber nicht wozu.

[126] Die Kirchenprlaten sollen ihren Untergebenen ausdrcklich
vorschreiben, den Indiern hufig zu predigen, und sie zu berreden
... dass es Pflicht der Gerechtigkeit und des Gewissens sei, ihren
Tribut zu zahlen, und dass sie eine Flle von Ablass gewinnen,
indem sie die heilige Kreuz-Bulle kaufen, ... wegen der geringen
Aufklrung und Wissenschaft besagter Indier ber diese beiden, fr
ihre Erlsung eben so wichtigen, als dem Sinne unseres katholischen
Monarchen entsprechenden Punkte. Leg. ult. I, 266 . 90.

[127] Der Ursprung dieser Bullen liegt in den von den Ppsten
des zwlften und dreizehnten Jahrhunderts zu Gunsten derjenigen
Personen erlassenen geistlichen Gnaden, die sich persnlich oder
durch Spenden an den Kreuzzgen betheiligten. Julius II. berliess
die Einnahmen daraus auf drei Jahre den spanischen Knigen, sptere
Ppste verlngerten den Termin; 1750 erhielt Ferdinand VI. fr sich und
seine Nachfolger das Recht die Ertrge der Kreuzbulle selbststndig zu
erheben und zu verausgaben. Die Kreuzbulle besteht in einer Bulle fr
Lebende (de vivos), deren Besitzer durch jeden Priester sogar wegen
verheimlichter Verbrechen frei gesprochen werden knnen; einer Bulle
fr Todte (de difuntos) zur schnelleren Erlsung aus dem Fegefeuer;
einer Bulle den Genuss von Milch, Eiern und Fleisch an Fasttagen
gestattend (de lacticinios), Abfindungsbullen (de composicion), wodurch
u. a. Diebe, Betrger, Erbschleicher, Alle, die fremdes Gut nehmen oder
behalten, wenn ihnen der eigentliche Besitzer unbekannt ist, Buhler,
solche die um Geld falsches Urtheil sprechen, Frauen, die fr Geld
Ehebruch treiben, falsche Zeugen u.s.w. vollkommenen Ablass erhalten,
und das schlecht erlangte Gut in gutem Glauben und mit ruhigem Gewissen
als rechtmssig erworbenes Eigenthum behalten drfen. Doch drfen
jene Verbrechen nicht begangen sein mit der Absicht, sich durch den
Kauf der Bulle von der Schuld frei zu machen; denn in solchem Falle
msste der Kasse der heiligen Kreuzbulle das Ganze herausgegeben
werden. Nach dem ersten amplifizirten spanischen Text des ppstlichen
Kommissars gengte ein Ablasschein von 2 r. fr Veruntreuungen bis
zur Hhe von 2000 Maravedis. Fr solche von ber 100,000 Maravedis
war mit dem Kommissar zu akkordiren. (R. P. And. Mendo Bullae Sanctae
Crucis Elucidatio.). Seit 1801 gilt in den Philippinen ein bedeutend
hherer Tarif.

[128] En 1628, d'aprs des rapports dignes de foi, la terre trembla
14 fois le mme jour dans les Camarnes; beaucoup d'difices furent
renverss, une grande montagne se fendit et il en sortit une telle
quantit d'eau, que dans les campagnes inondes les arbres furent
arrachs et qu' une lieue de la mer la plaine tait toute couverte
d'eau.

[129] Apud Camarines quoque terram eodem die quatuor decies
contremuisse, fide dignis testimoniis renuntiatum est: multa interim
aedificia diruta. Ingentem montem medium crepuisse immani hiatu,
ex immensa vi excussisse arbores per oras pelagi, ita ut leucam
occuparent aequoris, nec humor per illud intervallum appareret. Accidit
hoc anno 1638. S. Eusebius Nierembergius, Historia Naturae lib. XVI,
383. Antwerpiae 1635 Fol. (1638 ist bei Perrey, nicht aber im Original
verdruckt fr 1628).

[130] Siehe Anhang: Succeso raro.

[131] Siehe weiter unten bei Abac.

[132] Im Fort William, Calcutta, angestellte Versuche haben
die ausserordentliche Festigkeit der Ananasfaser dargethan. Ein
Kabel von 8 Cm. Umfang zerriss erst bei einem Gewicht von 2850
Kilogr. (Rappt. Exp. Lond. II. 62.)

[133] Sapa heisst flach.

[134] Hooker (Himalayan Journ. I, 167) schreibt der ausserordentlichen
Hufigkeit dieser Annulaten in Sikkim den Tod vieler Thiere zu,
auch das fr Rinderpest geltende Viehsterben, wenn es nach einer
sehr nassen Jahreszeit eintritt, in deren Folge die Blutegel in
unglaublichen Mengen erscheinen . . . Es ist eine bekannte Thatsache,
dass diese Wrmer Tage lang in den Nasenlchern, im Schlund und Magen
von Menschen gelebt, unsgliche Schmerzen und den Tod veranlasst haben.

[135] Gemelli Careri erwhnt sie schon.

[136] In ausserordentlicher Schnheit und Ausdehnung fand ich diese
Aggregationsform bei den grossen Kieselablagerungen von Steamboat
Springs, Nevada Territory.

[137] Arenas (Memorias 5. 9) glaubt, dass vielleicht die alten
Jahrbcher der Chinesen, da dieses Volk schon frh mit dem Archipel
verkehrte, Aufschluss ber die Herkunft seiner heutigen Bewohner
enthalten. Ist dies aber nicht der Fall, so drfen wir nicht danach
forschen, denn Gott will uns den Ursprung dieser Indier verbergen,
und seine Beschlsse mssen wir achten.

[138] Wahrscheinlich Anodonta purpurea Val. nach v. Martens.

[139] Das Mittel der Durchschnittsernten in den zwlf preussischen
Provinzen ist 9,211 Scheffel Getreide per Morgen. (Nassau und
Hohenzollern nur 7,98 und 7,19).

[140] 650 Pfund per Bnder. -- De Rijst, Maatsch. tot nut S. 13.

[141] Scherzer, Fachmnnische Berichte A. 91.

[142] Mehr als hundert Jahre spter berichtet Pater Taillandier:
die Spanier haben aus Amerika Khe, Pferde und Schafe kommen lassen,
aber diese Thiere knnen dort nicht leben, wegen der Feuchtigkeit und
der Ueberschwemmungen. Letzteres soll sich wohl nur auf die Schafe
beziehen. -- (Taillandier au pre Willard, Lettres difiantes.)

[143] Gegenwrtig sollen die chinesischen Pferde plump, grosskpfig,
buschig, behaart, die japanischen zierlich, ausdauernd, den arabischen
hnlich sein. Gute Manilapferde entsprechen letzterem Typus und werden
in den chinesischen Hafenpltzen von den Europern sehr geschtzt.

[144] Vergl. Hernandez Opera omnia; Torquemada, Monarchia Indica.

[145] Buyo nennt man in den Philippinen die mundgerechte Zurichtung
des Betels. Ein Blatt Betelpfeffer (Chavica betel) von der Form und
Grsse eines Bohnenblattes, wird mit einem erbsengrossen Stckchen
gebrannten Kalkes bestrichen, und von beiden Rndern nach der
Mittellinie hin zusammengerollt; dann wird das eine Ende der Rolle
in das andere gesteckt, so dass ein Ring entsteht; in diesen wird
ein flaches Stck Arecanuss von entsprechender Grsse eingepasst.

[146] Im Lande glaubt man, dass Fleisch von Schweinen, die sich auf
die S. 124 angegebene Weise nhren, oft diese Krankheit hervorrufe;
ein befreundeter Physiologe vermuthet die Ursache eher in reichlichem
Genuss sehr fetten Schweinefleisches -- Indier essen aber gewhnlich
nicht viel Fleisch und die Schweine sind selten sehr fett.

[147]  Vergl. A. Erman Reise um die Erde durch
Nordasien. Abth. I. Bd. 3, S. 191.

[148] Nach Semper S. 69 in Zamboanga und Basilan.

[149] Die Scheu den Schlafenden zu wecken beruht wohl auf dem sehr
verbreiteten Aberglauben, dass im Traume die Seele den Krper verlasse
(zahlreiche Beisp. davon in Bastian's Werken). Bei den Tinguianes
(Nord-Luzon) lautet der rgste aller Flche: mgest Du schlafend
sterben (Informe I, 14).

[150] Lewin, (Chittagong Hill tracts 1869. S. 46,) erzhlt von den
dortigen Bergvlkern: Ihre Art zu kssen ist sonderbar: statt Lippe
an Lippe zu pressen, legen sie Mund und Nase auf die Wange, und ziehn
den Athem stark ein. In ihrer Sprache heisst es nicht: Gieb mir einen
Kuss, sondern: rieche mich.

[151] Vielleicht Topfstein, der in China zur Anfertigung billigen
Schmucks dient; gypsartig bezieht sich wohl nur auf den Hrtegrad.

[152] In der Christy'schen Sammlung in London sah ich an einer
Vorrichtung aus den Schifferinseln einen derartigen Stein geschickt
verwendet, um Vorrthe gegen Ratten und Muse zu schtzen: man zieht
eine Schnur durch den Stein, befestigt das eine Ende derselben an der
Decke der Wohnung, hngt am andern die aufzubewahrenden Gegenstnde
auf. Ein Knoten in der Mitte der Schnur verhindert ihn weiter
hinabzugleiten, jede Berhrung bringt ihn aus dem Gleichgewicht, es
ist den Ratten nicht mglich ber ihn fort zu klettern. Eine hnliche
auf den Viti-Inseln gebruchliche Vorrichtung, aber von Holz, ist im
Atlas zu Dumont d'Urville Voy. au Pole sud I. 95 abgebildet.

[153] Carletti Viaggi 2. 11.

[154] Life in the Forests of the Far East 1. 300.

[155] Nach Pater Camel (Philos. transact. London vol. XXVI. pg. 246):
hantu schwarze Ameise von der Grsse einer Wespe, amtig kleinere
schwarze, hantic rothe Ameise.

[156] Nach Dr. Gerstcker wahrscheinlich Phrynus Grayi Walck
Gerv., lebendig gebrend. S. Sitzungsb. Ges. Naturf. Freunde
Berl. 18. Mrz 1862 und Abbildung und Beschreibung in G. H. Bronn
Ord. Class. Bd. V. 184.

[157] Calapnit, tagal. und bicol: die Fledermaus, Calapnitan also wohl:
Herr der Fledermuse.

[158] Von mehreren in der Berliner Bergakademie untersuchten Proben
Goldsand enthielt nur eine 0,014 Gold, auch in einer Probe des auf
dem Schlammbrett zurckgebliebenen schweren Sandes fand sich kein Gold.

[159] Der Gogo ist eine in den Philippinen sehr hufige kletternde
Mimose (Entada purseta) mit grossen Schoten; der zerklopfte Stamm wird
wie die chilenische Seifenrinde (Quillaja saponaria) beim Waschen
verwendet und fr manche Zwecke, z. B. beim Baden und Waschen des
Haupthaares der Seife vorgezogen.

[160] Ein auf diese Weise gewonnenes Goldkgelchen bestand nach einer
in der Berliner Bergakademie angestellten Analyse aus:

                    Gold          77,4
                    Silber        19,0
                    Eisen          0,5
                    Kieselerde     3,0
                    Verlust        0,1
                                 =====
                                 100,0

war also ber 18 kartig.

[161] S. Reiseskizzen S. 198.

[162] Nest und Vogel sind in Gray's genera of birds abgebildet;
das Nest entspricht aber nicht den hier gefundenen. Diese sind
halbkugelfrmig und bestehn zum grossen Theil aus Coir (Kokosfaser);
wahrscheinlich von Menschenhand zubereitet, das ganze Innere ist
mit einem unregelmssigen Netzwerk feiner Fden der glutinsen,
essbaren Substanz berzogen, ebenso der obere Rand, der von
der Mitte nach den Seiten hin, allmlig anschwillt und sich zu
zwei einander berhrenden flgelartigen Fortstzen ausbreitet,
womit das Nest an der Wand festgeheftet ist. -- Die Zeichnung ist
in 1/3 Grsse der Originale ausgefhrt die sich unter B 3333 im
Berl. Zool. Mus. befinden. Dr. v. Martens vermuthet, die Bezeichnung
Salangane komme von langayan, Schwalbe, und dem malayischen Praefix
sa und bedeute eigentlich das Nest als etwas von der Schwalbe
herrhrendes. (Journ. f. Ornith. Jan. 66. S. 19).

[163] Spanischer Katalog der Pariser Ausstellung 1867.

[164] Informe sobre las minas de Cobre, Manila 62.

[165] Nach dem Katalog kommen folgende Erze vor: Buntkupfererz
(cobre gris abigarrado), Arsenkupfer (c. gris arsenical), Kupferglas
(c. vitreo), Kupferkies (pirita de cobre), gediegen Kupfer (mata
cobriza), Schwarzkupfer (c. negro). Die am hufigsten auftretenden
Erze haben folgende Zusammensetzung, A nach einer in der Escuela de
Minas in Madrid analysirten Probe, B nach Santos' Analysen, Mittel
mehrerer verschiedenen Stellen entnommener Proben:

                                      A         B

                     Kieselsure    25,800    47,06
                     Schwefel       31,715    44,44
                     Kupfer         24,640    16,64
                     Antimon         8,206     5,12
                     Arsen           7,539     4,65
                     Eisen           1,837     1,84
                     Kalk          Spuren
                     (Verlust)       0,263     0,25
                                   =======   ======
                                   100,000   100,00

[166] Nach den bei uns geltenden Preisen wrde sich der Werth auf
etwa 12 Dollar berechnen, der Werth der analysirten Probe (S. 143)
auf 14 1/4 Dollar.

[167] In Dat galten damals 6 Nsse 1 cuarto, in Naga, das zu Wasser
nur 15 Leguas entfernt, hofften die Leute 2 fr 9 c. zu verkaufen
(das 27fache); eine Nuss kostete damals in Naga 2 c., 12mal so viel
als in Dat.

[168] Seitlich blhende Palmen knnen eine lange Reihe von Jahren
ununterbrochen oder indem man sie zeitweis Frchte tragen lsst,
abgezapft werden.

[169] N. Loney versichert in einem seiner trefflichen Berichte, dass es
bei angemessener Bezahlung nie an Arbeitern fehle. Als beispielsweise
zum Ausladen von Schiffen in Yloilo viele Leute auf einmal gebraucht
wurden, lockte die geringe Lohnerhhung von 1 auf 1 1/4 r. deren
mehr herbei als beschftigt werden konnten. Der belgische Konsul
berichtet seinerseits, dass in den Provinzen, wo das Abaca wchst,
die gesammte mnnliche Bevlkerung bei dieser Kultur betheiligt ist
in Folge einer geringen Lohnerhhung.

[170] Ein unvollendeter Kanal soll vom Bicol- zum Pasacaofluss fhren,
wie man glaubt vor Zeiten von Chinesen gegraben, deren Schiffe dort
zahlreich verkehrten. (Arenas S. 140.)

[171] La Situation conomique de l'Espagne, Delmarre pg. 7.

[172] Lesage Coup d'oeil, in Journ. des Economistes Sept. 68.

[173] Nach meinen Barometermessungen:

                Goa am Nordabhang des Ysarog     32m.
                Uacly, Ygorroten-Ansiedlung    161m.
                Schlucht Basira                1134m.
                Gipfel des Ysarog              1966m.

[174] Ein von einem erschlagenen Ygorroten herrhrender Schdel
hat nach Prof. Virchow's Untersuchung eine gewisse Aehnlichkeit mit
Malayen-Schdeln von den benachbarten Sundainseln, namentlich mit
Dayakschdeln.

[175] Pigafetta fand Amboina von Mohren (Muhamedanern) und Heiden
bewohnt aber die ersten sitzen am Seegestade, die zweiten im
Innern. Im Hafen von Brune (Borneo) sah er zwei Stdte, eine von
Mohren, und eine, grsser als jene und ganz in Salzwasser stehend,
von Heiden bewohnt. Wie der Herausgeber bemerkt, fand Sonnerat spter
(Voy. aux Indes) dass die Heiden vom Meer verdrngt, sich in die
Berge zurckgezogen hatten.

[176] Leg. ult. I. 256 . 75.

[177] Auf Coello's Karte sind diese Verhltnisse falsch angegeben.

[178] Java, seine Gestalt, .. II. 125.

[179] Auch ein intelligenter Mestize besuchte mich fter whrend
meiner Krankheit. Nach seiner Aussage wird dicht bei Caraman ausser
dem bereits S. 145 erwhnten Kupfer, an drei Stellen Kohle gefunden;
auch Gold und Eisen soll vorhanden sein. Demselben Manne verdanke
ich auch die von Prof. Virchow im Anhange besprochenen Schdel
von Caraman, die angeblich aus einer Hhle bei Umang, 1 Legua von
Caraman stammen. Auch auf der Spitze der Halbinsel, bei der Visita
Paniniman und auf einer kleinen Insel, dicht bei der Visita Guilo,
sollen hnliche Schdel vorkommen.

[180] Sie bestehn aus Bambus.

[181] Der wild wachsende Pili hat ungeniessbare Frchte. Vergl. Anm. 48
S. 79.

[182] Sor Inspector por S. M.

Nosotros dos Capnes actuales de Rancerias de Lalud y Uacloy
comprension del pueblo de Goa prova de Camarines Sur. Ante los pies
de vmd postramos y decimos. Que portan de plorable estado en que nos
hallabamos de la infedelidad recienpoblados esta visitas de Rancerias
ya nos Contentamos bastantemente eu su felis ilegada y suvida de este
eminente monte de Ysarog loque havia con quiztado industriamente
de V. bajo mis consuelos, y alibios para poder con seguir a doce
ponos (i. e. arboles) de cocales de mananguiteria para Nuestro uso y
alogacion a los demas. Ygorotes, o montesinos q. no quieren vendirnos;
eta utilidad publica y reconocer a Dios y a la soberana Reyna y Sora
Doa Isabel 2a (que Dios Gue) Y por intento.

A. V. pedimos, y suplicamos con humildad secirva, proveer y mandar,
si es gracia segun lo q. imploramos etc. Domingo Tales . Jose
Laurenciano .

[183] Dendrobium ceraula n. sp. Reichenbach fil.

[184] Rafflesia Cumingii R. Brown nach Dr. Kuhn.

[185] Nach E. Bernaldez (Guerra al Sur) betrug die Zahl der innerhalb
30 Jahren geraubten und getdteten Spanier und Indier 20,000.

[186] Die reichbeladene Nao machte es eben so. s. S. 16.

[187] Auszug aus einem Brief des Alkalden an den Generalkapitn
20. Juni 60:

Seit 10 Tagen liegen zehn Seeruberboote ungestrt auf der Insel
S. Miguel, 2 Leguas von Tabaco, und unterbrechen den Verkehr mit
der Insel Catanduanes und dem stlichen Theil von Albay .. sie haben
viele Rubereien begangen, 6 Menschen fortgeschleppt .. Es ist ihnen
nichts anzuhaben, da es den Drfern gnzlich an Feuerwaffen fehlt;
die beiden einzigen Falas sind in der San Bernardino-Strasse durch
Strme zurckgehalten.

Brief vom 25. Juni: Ausser den obigen Seeruberbooten sind 4 grosse
Pancos und 4 kleine Vintas in der Bernardino-Strasse erschienen
... ihre Besatzung betrgt 450 bis 500 Mann, sie haben ... zusammen
16 Menschen getdtet, 10 geraubt, 1 Schiff gekapert.

[188] Zu Chamissos Zeit war es schlimmer: Die Expeditionen auf
bewaffneten Booten, die von Manila aus geschickt werden um gegen den
Feind (die Seeruber) zu kreuzen, ... frhnen nur dem Schleichhandel
und Christen und Mauren weichen dabei einander aus mit gleichem Fleiss
(v. Ch. Bemerkungen und Ansichten S. 73). Mas (I. IV. 43) berichtet
dasselbe nach Notizen aus dem General-Sekretariat in Manila und fgt
hinzu, dass die Kreuzer sogar die ihnen anvertrauten knigl. Waffen und
Munitionen verkauften, wovon viel in die Hnde der Mohren gelangte. Die
Alkalden sollten die Befehlshaber der Kreuzer, diese die Alkalden
berwachen, sie machten aber gewhnlich gemeinschaftliche Sache. --
Laprouse erzhlt sogar (II. S. 357), dass die Alkalden eine sehr
grosse Anzahl der von den Seerubern (in den Philippinen) gemachten
Sklaven kauften, so dass diese nicht nach Batavia gebracht zu werden
brauchten, wo sie viel weniger galten.

[189] Nach dem Diario de Manila 14. Mrz 1866 hat die Seeruberei
zwar abgenommen, aber nicht aufgehrt. Paragua, Calamines, Mindoro,
Mindanao, die Bisayas, haben noch darunter zu leiden. Hufig werden
auch Rubereien und Menschenraub von Handelsprauen ausgefhrt, wenn
die Gelegenheit gnstig. Solche Gelegenheitspiraten sind am schwersten
auszurotten. Nach meinen neuesten Berichten ist die Seeruberei wieder
im Zunehmen.

[190] Die Spanier versuchten die Eroberung der Suluinseln 1628, 1629,
1637, 1731, 1746. Spter haben hufig Expeditionen stattgefunden,
um Repressalien zu ben. Auch im Oktober 1871 wurde eine grosse
Expedition gegen Sulu ausgesandt, um die in neuer Zeit wieder
sehr berhand nehmende Seeruberei zu bndigen, ein oder zwei
Jahre vorher hatten sich die Piraten bis in die Nhe von Manila
gewagt. Im April dieses Jahres (1872) kehrte die Flotte aber wiederum
unverrichteter Sache nach Manila zurck. Die Spanier hatten zu dieser
Unternehmung fast die ganze Seemacht der Kolonie, vierzehn Schiffe,
meist Kanonendampfer, aufgeboten; sie bombardirten die Hauptstadt,
ohne besonderen Schaden anzurichten, die Moros zogen sich in's Innere
zurck und erwarteten die Spanier, die indessen nicht zu landen wagten,
mit einem wohl ausgersteten Heer von 5000 Mann. Nach monatelanger
Unthtigkeit brannten die Spanier einen wehrlosen Kstenplatz nieder,
verbten dabei viele Grausamkeiten, zogen sich aber zurck, als die
Krieger zum Kampfe heranrckten. Die Hfen des Suluarchipels sind
jetzt durch Dekret dem Handel verschlossen, doch ist es fraglich ob
alle Schiffer dies bercksichtigen werden. Vor nicht langer Zeit hat
der Sultan von Sulu dem Knige von Preussen die Oberherrschaft ber
sein Gebiet angetragen, sein Anerbieten ist abgelehnt worden.

[191] Das Diario de Manila vom 9. Juni 1866 berichtet: Gestern hat
die durch Verordnung vom 3. August 1865 eingesetzte Militrkommission
ihre Thtigkeit eingestellt. Es funktioniren wieder die ordentlichen
Gerichte. Die zahlreichen Banden von 30, 40 und mehr, bis an die
Zhne bewaffneten Individuen, die ihre Spuren von Blut und Feuer an
den Thoren von Manila und an so vielen andern Orten zurckgelassen,
sind vernichtet ... Mehr als 50 Ruber haben ihr Verbrechen am Galgen
gebsst, 140 sind zum Presidio (Zwangsarbeit) oder zu andern Strafen
verurtheilt worden.

[192] Nach Arenas (Memorias 2 1) hiess Albay frher Ibalon; Tayabas,
Calilaya; Batangas, Comintan; Negros, Buglas; Cebu, Sogbu; Mindoro,
Mait; Samar, Ybabao; Basilan, Taguima, Mindanao wird von B. de la
Torre Cesarea; Samar in R. Dudleo, Arcano del mare (Florenz 1761)
Camlaia genannt. In Hondiv's his map of the Indian Ilands, (Purchas
605) wird Luzon Luconia; Samar, Achan; Leyte, Sabura; Camarines, Nebui
genannt. In Albo's Tagebuch heisst Cebu Suba, Leyte Seilani. Pigafetta
erwhnt eine Stadt Cingapola auf Zubu, Leyte ist auf seiner Karte im
Norden Baybay, im Sden Ceylon benannt.

[193] Im Estado geogr. der Franziskaner, Manila 1855, ist nichts
davon erwhnt.

[194] Kleine Schiffe, die keine Kanonen haben, sollen Krge, mit Wasser
und den Frchten der Arenga sacharifera gefllt an Bord nehmen, in
der Absicht mit der tzenden, heftiges Brennen verursachenden Brhe,
die Seeruber bei einem etwaigen Angriffe zu bespritzen. Dumont
d'Urville erzhlt, dass die Bewohner von Solo bei seinem Besuch die
Brunnen mit dergleichen Frchten vergiftet hatten. Die in Zucker
eingemachten Kerne sind ein angenehmes Konfekt.

[195] Es wurden noch gewhlt ein Teniente mayr (Stellvertreter
des Gobernadorcillo), ein Juz mayr (Oberrichter) fr die Felder,
immer ein Excapitan, ein zweiter Richter fr die Polizei, ein dritter
Richter fr Streitigkeiten, die das Vieh betreffen, ein zweiter und
dritter Teniente und erster und zweiter Polizeidiener; endlich noch
fr jede Visita ein Teniente, ein Richter, ein Polizeidiener. Alle
drei Richter knnen Excapitano's sein, kein Excapitan kann Teniente
werden. Der erste Teniente muss aus der Principala sein; die brigen
knnen dieser oder der Plebe angehren; die Polizeidiener (Alguacls)
sind immer aus letzterer.

[196] G. Squier (States of Central Amerika 192) erwhnt einen
Mahagonyblock, 17 Fuss lang, der im unteren Queerschnitt 5 Fuss 6
Zoll im Geviert, im Ganzen 550 Cubikfuss maass.

[197] Nach Dr. v. Martens: Modiola striatula Hanley, der denselben
Zweischaler auch zu Singapore in Brackwasser bedeutend grsser
fand. Reeve bildet die von Cumming in den Philippinen, ohne nhere
Ortsangabe gesammelte Art auch grsser ab (38 mm), die vom Catarman
hat 17mm.

[198] In Sumatra sah Wallace in der Dmmerung einen Lemur einen
Baumstamm hinauf laufen, und dann in schiefer Richtung durch die Luft
nach einem andern Stamm gleiten, den er nahe dem Boden erreichte;
die Entfernung beider Bume betrug 210 Fuss, der Hhenunterschied
nicht ber 35 oder 40 Fuss, also weniger als 1 : 5. (Malay Archipelago
I. 211.)

[199] Die dem Berliner Herbar eingesandten Exemplare sind nicht
aufzufinden.

[200] Nach W. Peters Tropidolaenus philippinensis Gray.

[201] v. Martens erkannte unter den Tertir-Muscheln der Thonbnke
die noch jetzt im indischen Ozean lebenden Arten Venus (Hemitapes)
hiantina Lam., V. squamosa L., Arca cecillei Phil., A. inaequivalvis
Brug., A. chalcanthum Rv. und die Gattungen Yoldia, Pleurotoma,
Cuvieria, Dentalium; ohne ihre Uebereinstimmung mit lebenden Arten
verbrgen zu knnen.

[202] Tarsius spectrum Tem., in der Landessprache: Mago.

[203] Schon der alte Pater Camel fhrt an, dass das Thierchen
angeblich nur von Kohlen lebe, dies sei indessen ein Irrthum, es
frsse Ficus indica (worunter hier wohl Bananen zu verstehn) und
andere Frchte. (Camel de quadruped. Philos. trans. 1706/7 London). --
Auch ber den Kaguang (s. S. 194) giebt Camel einen interessanten
noch heut passenden Bericht. ibid. 2. S. 2197.

[204] Nachstehende Mittheilung ist zuerst in den Sitzungsberichten
der Berliner Anthropologischen Ges. erschienen, nur waren meine
Besucher dort Palosinsulaner genannt. Da aber Prof. Semper, der
lngere Zeit auf den eigentlichen Palos (Pelew)-Inseln zugebracht
hat, im Corresp.-Bl. f. Anthropol. 1871 No. 2 mit Recht hervorhebt,
dass Uliai zur Gruppe der Carolinen gehre, so habe ich hier den
allgemeineren Ausdruck Mikronesier gewhlt, obwohl jene Mnner,
ber deren Herkunft aus Uliai kein Zweifel bestand, sich nicht
Carolinen-Insulaner, sondern Palos nannten. Wie mir Dr. Grffe
mittheilt, der viele Jahre in Mikronesien verweilte, ist Palos ein
hnlich loser Begriff wie Kanaka und so viele andere und bezeichnet
durchaus nicht ausschliesslich die Bewohner der Pelewgruppe.

[205] Dumont d'Urville, Voy. pole sud. V. 206 bemerkt, dass die
Eingeborenen ihre Insel Gouap oder Ouap, aber niemals Yap nennen,
und dass der Ackerbau dort alles bertreffe, was er je in der Sdsee
gesehn hatte.

[206] Die Reisen der Polynesier wurden auch durch die Tyrannei
der siegreichen Parteien veranlasst, welche die Ueberwundenen zur
Auswanderung zwangen (Ausland 29. Jan. 70.).

[207] Pigafetta S. 51.

[208] Morga f. 127.

[209] Die Bisayer berziehn ihre Zhne mit glnzend schwarzem oder
feuerfarbenem Firniss, und so werden ihre Zhne schwarz oder roth wie
Zinnober, und in der oberen Reihe machen sie eine kleine Oeffnung und
fllen sie mit Gold, das auf dem schwarzen oder rothen Grunde um so
mehr glnzt (Thvenot, Religieux 54). Ein Knig aus Mindanao, der
Magellan auf Massana besucht: in ogni dente haveva tre machie d'oro,
che parevano fosseno legati con oro, woraus Ramusio gemacht hat:
in ciascun dito avea tre anelli d'oro. (Pigafetta S. 66). Vergl. auch
Carletti Viaggi 1. 153.

[210] In einer dieser Klippen, 60 Fuss ber dem Meer, fanden sich
Muschelbnke: Ostrea, Pinna, Chama .. nach Dr. v. M.: O. denticulata
Bron., O. cornu copiae Chemn., O. rosacea Desh., Chama sulfurea Reeve,
Pinna nigrina Lam.(?).

[211] Im Athenaeum 7. Jan. 71 ist nach Capt. Ullmann eine Todtenfeier
(Tiwa) der Dayaks beschrieben, die in vielen Punkten mit der der
alten Bisayer bereinstimmt. Der Sarg wird vom nchsten mnnlichen
Anverwandten aus einem Baumstamme ausgehhlt, so eng, dass der
Leichnam hineingepresst werden muss, damit nicht bald darauf ein andres
Familienglied sterbe, um die Lcke zu fllen. Es werden mglichst viele
Habseligkeiten auf den Todten gehuft, um seinen Reichthum darzuthun,
und sein Ansehn in der Geisterstadt zu erhhen, unter den Sarg wird
ein Gefss mit Reis, eines mit Wasser gestellt.

Eine der Hauptfeierlichkeiten des Tiwa bestand vormals (auch jetzt
noch an einigen Orten) in Menschenopfern. Wo die hollndische
Regierung gebietet, knnen solche nicht stattfinden, es werden aber
zuweilen Bffel oder Schweine auf grausame Weise getdtet, mit deren
Blut die Hohepriesterin Stirn, Brust und Arme des Familienhauptes
bemalt. Aehnliche Opfer von Sklaven oder Schweinen mit eigenthmlichen
Zeremonien durch Priesterinnen (Catalona's) fanden bei den alten
Philippinern statt. (s. Informe I. 2. 16.)

[212] Ein Aufsatz von Professor Virchow ber die von mir aus den
Philippinen mitgebrachten Schdel befindet sich im Anhange.

[213] In dem Kapitel de Monstris et quasi monstris ... des Pater
Camel, Lond. Philos. Trans. Bd. XXV. p. 2269 wird erwhnt, dass in
den Bergen zwischen Guuan und Borongan Fusstapfen, dreimal so gross,
als die gewhnlicher Menschen, gefunden worden seien. Vielleicht
haben die sehr breit gedrckten, mit einer dicken Kalksinterkruste
berzogenen Schdel von Lnang, die Riesenschdel, Veranlassung zur
Sage der Riesenfussspuren gegeben.

[214] Hemiramphus viviparus W. Peters (Berl. Monatsb. 16. Mrz 1865).

[215] Lehrbuch der Pharmakognosie des Pflanzenreichs S. 608.

[216] Philos. trans. 1699 No. 249. S. 44, 87.

[217] In Borngan kostet die Tinja von 12 Gantas 6 r. (ein Quart
etwa 10 Pfennige), das Gefss 2 r., die Fracht nach Manila 3 r.,
oder wenn der Produzent als Matrose mitgeht, 2 1/2 r. Der Preis in
Manila bezieht sich auf die Tinja von 16 Gantas.

[218] Frisch bereitetes Kokosl dient zum Kochen, es wird aber schnell
ranzig. Als Brennl findet es sehr allgemeine Verwendung. In Europa,
wo es selten flssig erscheint, da es erst bei 16 R. schmilzt,
dient es zur Darstellung von Kerzen, besonders aber von Seife, wozu
es vorzglich geeignet; denn Kokosseife ist sehr hart, glnzend-weiss
und leichter als alle andre Seifen in Salzwasser lslich. In neuerer
Zeit wird auch der lhaltige Kern unter dem Namen Copperah, namentlich
aus Brasilien in England eingefhrt und heiss ausgepresst.

[219] In Legaspi, dem besuchtesten, im Sommer leicht zugnglichen
Hafen kostete im Juni 1 Kokosnuss 8 bis 10 c., d. h. 50 bis 60 mal
so viel als in Daet oder Buhi, Pltze die leicht zu erreichen sind.

[220] Auf Pigafetta's Karte ist Leyte in zwei Theile getheilt,
der nrdliche heisst Baibay, der sdliche Ceylon. Als Magellan in
Massana (Limasana) nach den bedeutendsten Handelspltzen der Gegend
fragt, nennt man ihm Ceylon (d. h. Leyte), Calagan (Caraga) und Zubu
(Cebu). Pigaf. 70.

[221] Nach Dr. Gerstcker: Oedipoda subfasciata de Haan, Acridium
manilense Meyen. Meyen's Name, den die Systematiker bersehn haben
mssen, hat die Prioritt vor dem de Haan's, msste aber in Oedipoda
manilensis umgendert werden, da die Art nicht zur Gattung Acridium
im modernen Sinne gehrt. Sie kommt auch in Luzon und in Timor vor
und ist nahe verwandt mit unserer europischen Wanderheuschrecke,
Oedipoda migratoria.

[222] Nachdem sich der Knig zurckgezogen, .. wurde Zuckerwerk und
Kuchen in Flle gebracht, auch gebratene Heuschrecken, die den Gsten
als grosse Delikatessen aufgenthigt wurden. (Col. Fytche Mission
to Mandalay Parlament. Papers June 1869.)

[223] Die Namen dieser beiden Ortschaften sind auf Coello's Karte
vertauscht, Buruen liegt S. von Dagami.

[224] 950 Brazas sdlich vom Kastel von Abuyog mndet ein kleiner
Fluss.

[225] Gobius Giuris Buch. Ham

[226] Der See hatte damals nur einen Ausfluss; in der nassen Jahreszeit
mag er aber wohl mit dem Mayo in Verbindung stehn, da sein NO-Rand
ganz flach ist.

[227] Pintados oder Bisayos, nach einem einheimischen Worte,
welches dasselbe bedeutet, sollen die Bewohner der Inseln zwischen
Luzon und Mindanao von den Spaniern genannt worden sein, weil sie
die Gewohnheit hatten sich zu tatuiren. Crawfurd (Dict. 339) meint,
diese Thatsache stehe nicht fest, sicherlich werde sie von Pigafetta
nicht erwhnt. Pigafetta sagt aber S. 80: Egli (il re di Zubu) era
... dipinto in differente guisi col fuoco. -- Purchas (Pilgrimage
fol. I. 603): the king of Zubut had his skinne painted with a hot iron
pensill, und Morga f. 4: traen todo el cuerpo labrado con fuego. Danach
scheinen sie sich nach Art der Papuas, durch Einbrennen von Flecken und
Streifen in die Haut, tatuirt zu haben. Aber an einer andern Stelle
(f. 138) berichtet Morga: Sie unterscheiden sich (von den Bewohnern
Luzons) durch ihr Haar, das die Mnner zu einem Zopf schneiden
nach der alten spanischen Art und bemalen ihre Krper mit vielen
Mustern ohne das Gesicht zu berhren. Der Gebrauch des Tatuirens,
der mit Einfhrung des Christenthums aufgehrt zu haben scheint,
denn schon der oft zitirte Geistliche (Thvenot S. 4) erwhnt ihn als
verschollen, kann aber nicht fr ein Kennzeichen der Bisayer gelten;
Stmme des nrdlichen Luzons tatuiren sich noch heut.

[228] Mezzeria, (Italien), Metayer, (Frankreich).

[229] Bei uns kostet der Scheffel Kartoffeln durchschnittlich auf
dem Lande 10, in der Stadt 20 Sgr.

[230] In China wird aus den Samen von Vernicia montana ein Oel
gewonnen, das durch Zusatz von Alaun, Bleigltte und Steatit bei
gelinder Wrme leicht in einen kostbaren Firniss bergeht, der,
mit Harz vermischt, zum Wasserdichtmachen der Schiffsbden verwendet
wird. (P. Champion Indust. anc. et mod. de l'Emp. Chinois 114.)

[231] Petzholdt (Kaukasus I, 203) erwhnt, dass in Bosslewi so viel
Maiskrner als ein Thongefss fassen kann, seinen Preis bestimmen.

[232] Wie allgemein derartige Missbruche, geht aus einem auf dem
Papier vorhandenen, aber nicht in die Praxis gedrungenen Gesetz von
1848 (Leg. ult. I. 144) hervor, welches wucherische Kontrakte mit
Dienern oder Gehlfen verbietet, und diejenigen mit strengen Strafen
bedroht, die unter dem Vorwande, Vorschsse geleistet, oder Schulden
oder die Kopfsteuer, oder Ablsung von Frohnden gezahlt zu haben,
Eingeborene oder ganze Familien in immerwhrender Abhngigkeit bei
sich erhalten, und ihre Schuld fortwhrend erhhen, indem sie ihnen
fr ihre Leistungen keinen hinreichenden Lohn gewhren.

[233] Frher scheinen sie anders gewesen zu sein: Diese Bisayer sind
Leute, dem Ackerbau weniger zugethan, gewandt in der Schifffahrt,
lstern nach Krieg und Seezgen, wegen der Plnderungen und Prisen,
welche sie Mangubas nennen, was dasselbe ist, wie Ausziehn um zu
stehlen. Morga f. 138.

[234] Der Missbrauch dauert fort, obwohl ein strenges Gesetz ihn
verbietet und die Alkalden, welche unterlassen es anzuwenden mit
100 Dollar Geldbusse fr jeden einzelnen Fall bedroht werden. In
manchen Provinzen zahlt der Brutigam, ausser der Aussteuer, eine
Entschdigung an die Mutter der Braut fr die von letzterer genossene
Muttermilch (Bigay susu). Nach Colin (Labor evangelico S. 129) betrug
der Penhimuyat, das Geschenk, welches die Mutter fr die Nachtwachen
und Sorgen bei Erziehung der Braut empfing, ein Fnftel der Aussteuer.

[235] Eigentliche Menschenfresser werden in den Philippinen von den
alten Schriftstellern nicht erwhnt. Pigafetta (S. 127) hat gehrt,
dass an einem Fluss, am Cap Benuian (N.-Spitze von Mindanao), Leute
wohnen, die von ihren gefangenen Feinden nur das Herz und zwar mit
Zitronensaft essen. Dr. Semper (Philippinen 62) fand denselben Brauch
mit Ausnahme des Zitronensaftes an der Ostkste von Mindanao.

[236] Der Anito kommt bei den Vlkern des malayischen Archipels
als Antu vor, der Anito der Philippinen ist aber wesentlich ein
Schutzgeist, der malayische Antu mehr dmonischer Art.

[237] Mir sind dergleichen Gtzenbilder nie vor Augen gekommen. Die
in Bastian und Hartmann's Zeitschrift fr Ethnologie B. I. Tafel
VIII. abgebildeten Idole aus den Philippinen, deren Originale
sich im Berliner ethnographischen Museum befinden, sind zwar in den
Philippinen erworben, gehren aber nach A. W. Franks unzweifelhaft
den Salomons-Inseln an. Im Katalog des Prager Museums Abth. II-VIII
S. 46 sind aufgefhrt: vier hlzerne Gtzenkpfe von den Philippinen,
welche der bhmische Naturforscher Thaddus Hnke, der im Auftrage
des Knigs von Spanien im Jahre 1817 die Sdseeinseln bereiste,
mitgebracht hat. Die auf meinen Wunsch von der Direktion des Museums
gtigst hergestellten Photographien entsprechen aber durchaus nicht
obiger Beschreibung, deuten vielmehr auf die Westkste von Amerika, das
Hauptfeld der Thtigkeit Hnke's. Auch die aus seinen nachgelassenen
Papieren hervorgegangenen Reliquiae botanicae geben keinen Aufschluss
ber die Herkunft jener Idole.

[238] Als beispielsweise wegen des erwarteten Angriffes von Cogseng
(s. unten), alle verfgbaren Krfte, auch die von Zambonga, um Manila
zusammengezogen worden waren, fielen die Moros mit 60 Schiffen ber
die Inseln her, whrend sonst ihre Ausrstungen 6 bis 8 Schiffe nicht
zu bersteigen pflegten. Torrubia S. 363.

[239] Hakl. Morga Append. 360.

[240] Nach der Revista minera, Madrid 1866 XVII. 244 sind die Kohlen
vom Berge Alpac, im Gebiet von Nga in Ceb, trocken, rein und fast
frei von Schwefelkiesen; sie brennen leicht und mit starker Flamme. Bei
den, im Laboratorium der Bergschule zu Madrid angestellten Versuchen
gaben sie 4% Asche und eine Heizkraft von 4825 Calorien, d. h. durch
Verbrennung von 1 Gewichtstheil wurden 4825 Gewichtstheile Wasser um 1
C. erwrmt -- gute Steinkohle giebt 6000 Cal. Die ersten Kohlengruben
in Ceb wurden im Massngathal betrieben, die Arbeiten aber 1859,
nachdem bedeutende Kosten darauf verwendet, wieder eingestellt. Spter
entdeckte man im Thal von Alpac und im Berg Oling bei Nga vier
Schichten von betrchtlicher Mchtigkeit.... Die Kohle von Cebu ist
anerkannt besser, als die von Australien und Labuan, besitzt aber
nicht hinreichende Heizkraft um ungemischt fr lngere Seereisen
verwendet zu werden.

Nach dem Katalog der Produkte der Philippinen (Manila 1866) haben die
Kohlenschichten in Ceb an vielen Stellen des NS. durch die ganze Insel
streichenden Gebirges eine durchschnittliche Mchtigkeit von 2 m. Die
Kohle ist von mittlerer Gte, sie wird in den Regierungsdampfern,
mit Cardiffkohle gemischt, verbrannt. Ihr Preis in Ceb ist
durchschnittlich 6 Dollar per Tonne.

[241] Engl. Konsular Bericht 217.

[242] In Jar hat sich der Pachtzins in 6 Jahren verdreifacht, Vieh,
das 1860 10 Dollar galt, kostete 1866 25 Dollar. Grundstcke an der
Ria von Yloilo sind in wenigen Jahren von 100 Dollar auf 500, sogar
auf 800 Dollar gestiegen (Diario Febr. 1867).

[243] 1855 fhrte Yloilo, einschliesslich 3000 Picos von Negros, 11,700
Picos aus, 1860 schon 90,000 P., 1863: 176,000 P. (in 27 auslndischen
Schiffen), 1866: 250,000 P., 1871: 312,379 Picos von beiden Inseln.

[244] Der fr den englischen Markt bestimmte Zucker kostete in
Manila 1868/69 15 bis 16  per Ton und stellt sich in London auf
20 . Best gereinigter, wie ihn Manila fr Australien bereitet,
wre in London wegen des hheren Zolles nur 3  per Ton mehr werth,
aber 5  theurer als der schlechte, der mithin eine Prmie von 2 
geniesst. Manila exportirt hauptschlich den Zucker von Pangasinn,
Pampnga und Lagna. (Nach Privatberichten.)

[245] The Islands of the East-Indian Archip. 1868. S. 340.

[246] Catalogue de l'Expos. perman. des Colonies franaises
1867. S. 80.

[247] Rapport du Jury, Exp. 1867 IV. 102.

[248] Die Indier Sd-Amerika's verwenden angeblich schon lange die
Bananenfaser zur Anfertigung von Kleiderstoffen (The Technologist
Sept. 1865 S. 89. ohne Quellenangabe.) und in Lu-tschu soll von der
Banane fast nur die Faser benutzt werden. (Faits commerciaux No. 1514
S. 36.)

[249] Fibrous plants of India.

[250] Das Abac nimmt auch keinen Theer an, und kann daher nur zu
laufendem nicht zu stehendem Tauwerk gebraucht werden.

[251] Eine Pflanzung im vollen Betriebe liefert jhrlich 30 Zentner
Bandla vom Preuss. Morgen. Vom Morgen Lein gewinnt man nur 2 bis
4 Ztr. reinen Flachs, 2 bis 8 Ztr. Samen. Lein kann aber, da er den
Boden erschpft, nicht alle Jahre gebaut werden.

[252] Wie mir Dr. Wittmack mittheilt, kann man auch vom Hanf nur
Fasern oder Samen gewinnen, da der reife Hanf zu sprde, grobe Fasern
besitzt. Beim Flachsbau wird freilich hufig Same und Faser verwerthet,
doch sind dann beide von geringer Gte.

[253] Flora de Filipinas.

[254] Lupis wurde 1868 in London 100  per Tonne bezahlt, jedoch nur
in geringer Menge, etwa 5 Tons jhrlich, eingefhrt und angeblich in
Frankreich zu einer besonderen Art von Unterrcken verwendet; die Mode
soll bald wieder aufgehrt haben. Quitol, eine geringe Sorte Lupis,
soll 75  bezahlt worden sein.

[255] Die Starrheit ist allen Fasern von Monokotyledonen eigen,
weil sie aus dickwandigeren Zellen bestehn, whrend die eigentlichen
Bastfasern der Dikotyledonen (Flachs z. B.) geschmeidiger sind.

[256] Auch bei andern Ackerbauerzeugnissen pflegen Mestizen und
Indier sich die Arbeit ihrer Landsleute zu sichern, indem sie diesen
Vorschsse machen und sie erneuern, bevor die alten abgetragen
sind. So gerathen Unbesonnene immer tiefer in Schulden und werden
thatschlich zu Sklaven ihrer Glubiger, wenn es ihnen nicht gelingt,
zu entfliehn. Dasselbe findet bei Antheilkontrakten statt, wo der
Grundbesitzer dem Bauer Boden, Ackergerth und Zugvieh zu liefern
hat, oft schiesst er dann auch noch Kleidung und Nahrungsmittel fr
die ganze Familie vor; bei Theilung der Ernte deckt der Antheil des
Bauers nicht seine Schuld. Gesetzlich sind die Indier freilich nur
bis zu 5 Dollar haftbar, ein besonderes Gesetz verbietet berdies
ausdrcklich dergleichen wucherische Geschfte, sie sind aber allgemein
in Gebrauch. s. S. 234 Anm. 127.

[257] Dieser Neid htte beinahe die Schliessung der neuen Hfen
(s. Kap. 23) bald nach ihrer Erffnung zur Folge gehabt.

[258] Rapport Consulaire Belge XIV. 68.

[259] Im Agricultural Report fr 1869, S. 232 wird eine andre Faser
sehr gepriesen, die von einer dem Sesal sehr nahe verwandten Pflanze
(Bromelia sylvestris) stammt, vielleicht nur eine Abart derselben;
ihren einheimischen Namen jxtle soll sie wegen der Aehnlichkeit ihrer
flachen, stacheligen Bltter mit den gezhnten Obsidianmessern (iztli)
der Azteken erhalten haben.

[260] Die Bananen sind bekanntlich eine der allerwerthvollsten Pflanzen
fr den Menschen, sie liefern unreif Strkemehl, reif eine angenehme
nahrhafte Frucht, die selbst in Menge genossen weder widerlich wird,
noch nachtheilige Folgen hat. Einige der besten essbaren Abarten tragen
schon Frchte 5 oder 6 Monate nachdem sie gepflanzt worden und treiben
immer neue Schsse aus der Wurzel, so dass sie eine unausgesetzte
Fruchtfolge geben und die Mhe des Menschen fast auf das Umhauen der
alten Pflanzen und das Pflcken der Frchte beschrnkt ist. Die breiten
Bltter gewhren andern jungen Pflanzen den in tropischen Lndern so
nthigen Schatten, werden vielfach in der Haushaltung verwendet und
manche Htte hat es nur ihrem Bananengrtchen zu danken, wenn sie
die Feuersbrunst bersteht, die gelegentlich das Dorf in Asche legt.

Ich mchte hier auf einen Irrthum aufmerksam machen, der einige
Verbreitung erlangt hat. In Bischof Pallegoix's trefflichem Werke
Description du royaume Thai on Siam I. 144 heisst es: L'arbre  vernis,
qui est une espce de bananier et que les Siamois appellent rak,
fournit ce beau vernis qu'on admire dans les petits meubles qu'on
apporte de Chine. -- Als ich in Bangkok den fast neunzigjhrigen
liebenswrdigen Greis ber diese auffallende Angabe zur Rede stellte,
meinte er kopfschttelnd, das knne er nicht geschrieben haben; --
ich zeigte ihm die Stelle. -- Ma foi j'ai dit une btise; -- j'en
ai dit bien d'autres, flsterte er mir in's Ohr, indem er die Hand
vorhielt, als frchtete er behorcht zu werden.

[261] 1862 bezog England aus Spanien 156 Tons, 1863: 18,074 t., 1866:
66,913 t., 1868: 95,000 t. Die Lumpeneinfuhr fiel von 24,000 t., 1866;
auf 17,000 t., 1868. In Algier wchst auch sehr viel Sparto (Alfa), der
Transport nach Frankreich ist aber zu theuer, um es dort zu verwenden.

[262] Der englische Konsul schtzt die Einnahme aus diesem
Monopol fr das Jahr 1866/67 auf 8,418,939 Dollar, smmtliche
Ausgaben auf 4,519,866, den Reinertrag also auf 3,899,075 Dollar. Im
Kolonialbudget fr 1867 war der Gewinn am Tabak auf 2,627,976 Dollar,
die Gesammtausgaben der Kolonie, nach Abzug der durch die Tabakregie
veranlassten, auf 7,033,576 veranschlagt. Nach den amtlichen Tabellen
des Chefs der Regie, Manila 1871 betrugen die Gesammteinnahmen der
Tabakregie in den Jahren 1865/69 durchschnittlich 5,367,262 Doll.,
die wegen mangelnder Spezialrechnungen nicht genau festzustellenden
Ausgaben wenigstens 4 Million Dollar, so dass nur ein Reingewinn von
1,367,262 verbleibt.

[263] Instruccion general para la direccion, administracion y
intervencion de las rentas estancadas 1849.

[264] Memria sobre el desestanco del tabaco en las islas filipinas
.. Don J. S. Agius Binondo (Manila) 1871.

[265] Von den Philippinen scheint der Tabak nach China gekommen zu
sein: Die von Wang-tao entdeckten Notizen lassen keinen Zweifel, dass
er zuerst in Sd-China im 16. und 17. Jahrhundert von den Philippinen
aus eingefhrt wurde; wahrscheinlich ber Japan. (Notes & Queries China
und Japan, May 31 67.) Nach Schlegel, Batavia, wurde er 1573-91 von
den Portugiesen nach Japan gebracht, und verbreitete sich in China
so schnell, dass schon 1638 der Verkauf mit der Strafe des Kpfens
bedroht wurde. Nach N. & Q. Chin. Jap. 31 Juli 67, war der Gebrauch
des Tabaks 1641 im Mantchu-Heer allgemein. In einem chinesischen Werk
Naturgeschichtliche Miscellen heisst es: Yen-t'sao (die Rauchpflanze)
wurde gegen Ende der Regierung Wan-li zwischen 1573-1620 in Fukien
eingefhrt und auch Tan-pa-ku (von Tombaku) genannt.

[266] West-Cuba erzeugt den besten Tabak, die berhmte Vuelta abajo
400,000 Ztnr. zu 20 bis 140 Thlr. Ausgewhlte Sorten werden bis zu 800
selbst 1000 Thlr. p. Zentner bezahlt. Cuba produzirt 640,000 Ztnr. Die
in Paris 1867 ausgestellten Zigarren waren im Werth von 35 bis 570
Thlr. das Tausend. Die jhrliche Zigarren-Ausfuhr wird auf 500 Million
geschtzt. (Rappt. Jury V. 375) ... In Jenidje-Karasu (Salonich)
werden jhrlich 17,500 Ztnr. gewonnen, wovon 2500 erster Qualitt,
2 Thlr. 12 Sgr. die Oka (etwa 1 Thaler das Pfd.) gelten. Ausgewhlte
Sorten werden bis 5 Thlr. per Pfd. und hher bezahlt. Salaheddin Bey
La Turquie  l'Exposition S. 91.

[267] In Cuba ist die Tabakindustrie durchaus frei. Der
ausserordentliche Aufschwung des Gewerbes, die zunehmende Gte der
Waare werden zum grossen Theil dem regen Wetteifer der Fabrikanten
zugeschrieben, die von der Regierung keinen andern Schutz als den
ihrer Fabrikzeichen erhalten. (Rappt. Jury 67. V. 375.)

[268] Handschriftlicher Bericht an den Kolonial-Minister, Mrz 1868.

[269] Basco fhrte auch den Seidenbau ein und pflanzte in Camarnes
4 1/2 Million Maulbeerbume, die man alsbald nach seinem Rcktritt
wieder eingehn liess.

[270] Nach Laprouse rief diese Maassregel auf allen Punkten der
Insel Emprungen hervor, die durch bewaffnete Macht unterdrckt werden
mussten. Ebenso veranlasste das um dieselbe Zeit in Amerika eingefhrte
Monopol gefhrliche Aufstnde, brachte Venezuela an den Bettelstab
und wurde eine Hauptursache des spteren Abfalls der Kolonien.

[271] Ein Fardo (Pack) enthlt 40 Manos (Bund). 1 Mano = 10 Manojtos,
1 Manojto = 10 Bltter. Reglement . 7.

[272] Reglement fr alle Sammelstellen von Luzon: . 1. Der Tabak
wird nach vier Klassen bezahlt. . 2. Zur I. Klasse gehren Bltter
von wenigstens 18 Zoll von Burgos (0m 418) Lnge, zur II. solche
von 18 bis 14 Zoll (0m 325), zur III. von 14 bis 10 Zoll (0m 232)
zur IV. Bltter von wenigstens 7 Zoll (0m 163); kleinere werden nicht
angenommen. (Letztere Beschrnkung ist jetzt aufgehoben. Da sich die
Qualitt des Tabaks in den Hnden der Regie immer mehr verschlechtert,
so sind jetzt noch zwei geringere Klassen (V. und VI.) eingefhrt). --


Ein Fardo I.   Kl. wiegt 60 Pfd. und wurde von der Regierung (1867) bezahlt 9 Doll 50 C.
,,   ,,   II.  Kl.  ,,   46 Pfd. ,,    ,,  ,,  ,,     ,,       ,,      ,,   6  ,,  -  C.
,,   ,,   III. Kl.  ,,   33 Pfd. ,,    ,,  ,,  ,,     ,,       ,,      ,,   2  ,,  75 C.
,,   ,,   IV.  Kl.  ,,   18 Pfd. ,,    ,,  ,,  ,,     ,,       ,,      ,,   1  ,,  -  C.


(Bericht engl. Kons.)

Folgende Tabelle giebt die von der Regierung fabrizirten Sorten,
und die Preise, zu welchen sie 1867 im Estanco zu haben waren.


Menas (Klassen).     Folgenden                      PREIS               Zahl der
                     Habana-Klassen      einer    von 1000    einer     Zigarren
                     assimilirt.         Arroba   Zigarren    Zigarre   in einer
                                         Doll.    Doll.       Cents.    Arroba.

Imperiales           derselben Klasse    37,50    30          4,80
Prima veguro        do.        do.      37,50    30          4,80
Segunda do.          Regala                      26
Prima superir
  filipino           Regala                      26
Segunda do. do.      ohne Assimilirung   38       19          3,4
Tercra do. do.      Lndres                      15
Prima filipino       Superir habano     21       15          2,40       1400
Segunda do.          Segunda superir
                       habano            24        8,57 1/8   1,37 3/8   2800
Prima corldo        derselben Klasse    21       15          2,40       1400
Segunda do.          derselben Klasse    24        8,57 1/8   1,37 3/8   2800
Mista                Segunda batdo      20,50
Prima batdo lrga   ohne Assimilirung   18,75                1,66 2/3   1800
Segunda do. do.      do.      do.        18,75                0,80       3750


[273] Es gehn im Mittel 407 1/2 Million Zigarren und 1,041,000
Kg. Rohtabak jhrlich in's Ausland, zusammen dem Gewichte nach etwa
56,000 Quintales, abgesehn von dem geschenkten Tabak.

[274] ... Der in diese Lage gebrachte Bauer findet es schwer seine
Familie zu erhalten, ist gezwungen Geld zu bertriebenen Zinsen zu
borgen und gerth immer tiefer in Schulden und Elend .. die Furcht
vor Geld- und Krperstrafen, mehr als die Aussicht auf hohe Preise,
ist die Haupttriebfeder, durch welche die Lieferungen aufrecht erhalten
werden knnen .. (Bericht des engl. Konsuls.)

[275] Von Dezember 1853 bis November 1854 hatte die Kolonie
4 General-Kapitne (2 effektive und 2 provisorische). 1850 soll
ein neu ernannter Oidor, (Mitglied des obersten Gerichtshofes) mit
seiner Familie den Weg nach Manila um das Kap genommen und bei seiner
Ankunft bereits seinen inzwischen ber Suez gereisten Nachfolger im
Amte getroffen haben. Solche Zustnde werden nicht befremden, wenn
man damit vergleicht, wie es in Spanien selbst zugeht. Nach einem
Aufsatz in der Revue nationale April 1867 hat Spanien von 1834 bis
1862, d. h. seit dem Regierungsantritt Isabella's 4 Konstitutionen,
28 Parlamente, 47 Premierminister, 529 Minister mit Portefeuilles,
darunter 68 Minister des Innern gehabt, so dass jeder der letztern
durchschnittlich nur 6 Monate im Amte war. Die Finanzminister sollen
seit 10 Jahren nicht lnger als 2 Monate geblieben sein. Seitdem und
namentlich seit 1868 erfolgen die Wechsel viel schneller.

[276] Der Grund des hohen Silberagios lag darin, dass die Chinesen
alle spanischen und mexikanischen Dollar aufkauften, um sie nach
China auszufhren, wo sie mehr gelten als andre Dollar, weil sie,
von den Reisen der Nao her, seit alten Zeiten bekannt sind und
auch in den innern Provinzen Kurs haben. (Am hchsten werden dort
Carlos III. bezahlt). Eine seitdem in Manila errichtete Mnzanstalt,
die sich selbst erhlt, wenn sie auch der Regierung keinen andern
Nutzen abwirft, hat jenen Uebelstand gnzlich beseitigt. Die Chinesen
pflegen das Silber und Gold gewhnlich als Geld mit auslndischem
Geprge nach Manila zu bringen, indem sie Landesprodukte dafr kaufen,
die einheimischen Kaufleute lassen es umprgen. Anfnglich waren in
Manila fast nur Silberunzen vorhanden, Goldunzen usserst selten. Das
hohe Agio, das sie genossen, hatte eine so starke Einfuhr zur Folge,
dass sich das Verhltniss umkehrte, in den Regierungskassen wurde
aber die Goldunze immer der Silberunze gleich gerechnet.

[277] Es haben vor der Zeit diese Insulen alle in gemein gehrt
vnder die kron China, sie haben sich aber umb gewisse vrsachen daruon
abgesondert, Dannen her kein Regiment oder Policey ordnung vnder
ihnen war, vnd diejenige welche am mchtigsten waren, behielten
die Oberhandt, lebten vndereinander wie dz Viehe ... Die von China
treiben in den Insuln gross Gewerb. (J. H. Lindschotten 1596, deutsch
Gebr. Brey Frkft. 1613 S. 58). Vergl. auch The Dutch memor. Embassies
I. 140; Morga Hakl. 18, Anm.; Purchas 602; Don Juan Grav y Monfalcon
Mem. al Rey No. 6; Calendar of State Papers, China & Japan No. 266;
Manrique Itinerario de las Misiones, Roma 1653 S. 282.

[278] In den Philippinen werden die Chinesen gewhnlich Sangleyes
genannt. Nach Professor Schott: sang-li (im Sden szang-li auch
senng-li) mercatorum ordo; sang heissen besonders die ambulanten
Hndler, im Gegensatz zu den K, tabernarii.

[279] .. Es ist ein schlechtes lasterhaftes Volk, .. und da
ihrer so viele, und sie grosse Esser sind, so vertheuern sie die
Lebensmittel und verzehren sie ... es ist wahr, dass die Stadt ohne
die Chinesen nicht bestehn kann, denn sie sind die Arbeiter in allen
Beschftigungen, sie sind sehr fleissig und schaffen um geringen Lohn,
aber dafr wrde eine geringere Anzahl ausreichen. (Morga f. 349.)

[280] Recopilacion Lib. IV. Tit. XVIII. ley 1.

[281] Informe I, III. 73.

[282] Die Chinesen durften nicht in der Stadt, sondern nur in einem
besondern Bezirk Parian wohnen.

[283] Velarde 274.

[284] s. folgendes Kapitel.

[285] Zuniga XVI.

[286] Autos acordados II. 272. 279.

[287] Kein einzelnes Volk in Europa kann sich auch nur entfernt mit
der Bevlkerung Californiens messen, die aus allen Lndern auserlesen,
in den ersten Jahren wenigstens nur aus strebsamsten Mnnern in der
Flle ihrer Kraft bestand, ohne Greise, ohne Weiber, ohne Kinder, --
deren Thtigkeit in einem Lande, wo alles geschaffen werden musste, (da
auf hunderte von Meilen kein zivilisirter Nachbar wohnte) und wo alles
Schaffen mrchenhaften Gewinn brachte, auf die usserste Grenze des
Mglichen gesteigert war. Ohne hier auf Einzelheiten ihrer Leistungen
einzugehn, mag nur daran erinnert werden, dass sie in 25 Jahren einen
mchtigen Staat gegrndet, dessen Ruf die ganze Welt erfllt, an dessen
Rndern ringsum junge Territorien krftig aufsprossen, deren zwei schon
zu Staaten herangewachsen sind. Nachdem die Californischen Goldgrber
die Konfiguration des Bodens ganzer Provinzen gendert, indem sie
mit Titanengewalt die Erdmassen ausgedehnter Hgellandschaften ins
Meer schwemmten, um sich durch sinnreich ersonnene Vorrichtungen
die feinsten darin enthaltenen Goldstubchen anzueignen, setzen sie
die Welt jetzt in Erstaunen als Ackerbauer, deren Erzeugnisse auf
die fernsten Mrkte gehn und berall unbestritten den ersten Rang
einnehmen. So Grosses hat ein Volk geleistet, dessen Gesammtzahl
heut wohl kaum eine halbe Million bersteigt, und dennoch wird es
ihm nicht leicht, den Wettkampf mit den Chinesen zu bestehn.

[288] Smmtliche Schienen in einer Gesammtlnge von fast 103,000 Fuss
Rh. und von 20,000 Ztr. Gericht wurden von acht Chinesen gelegt, die
in Gruppen von vier Mann einander ablsten. Aus zehntausend Arbeitern
waren sie als die tchtigsten ausgewhlt.

[289] Am 27. April fiel Magellan, von einem vergifteten Pfeil
getroffen, auf der kleinen Insel Mactan, vor dem Hafen von Cebu. Sein
Lieutenant Sebastian de Elcano umschiffte das Kap der guten Hoffnung,
brachte am 6. September 1522 eines der fnf Schiffe, mit denen Magellan
1519 aus San Lcar ausgelaufen, und 18 Mann, darunter Pigafetta,
nach demselben Hafen zurck und vollendete so die erste Weltreise,
in 3 Jahren weniger 14 Tagen.

[290] Morga f. 5. -- Nach spteren Schriftstellern sollen sie schon
von Villalobos 1543 also benannt worden sein.

[291] Nach Morga (f. 140 v.) gab es in jenen Inseln weder Knige
noch Herren, sondern in jeder Insel und Provinz viele Vornehme,
deren Anhnger und Unterthanen in Quartiere (Barrios) und Familien
eingetheilt waren. Solchen Huptlingen wurden Abgaben von der Ernte
(Buiz) und Frohnden geleistet, ihre Verwandten aber waren von den
Leistungen der Plebejer (Timauas) befreit. Die Huptlingschaften waren
erblich, der Adel ging auch auf die Frauen ber. Zeichnete sich ein
Huptling besonders aus, so folgten ihm die Uebrigen, behielten aber
die Herrschaft ber ihre durch besondere Beamte verwaltete Barangays.

Ueber das unter den Eingeborenen bestehende System der Sklaverei
berichtet Morga (f. 141 -- abgekrzt): Die Bewohner dieser Inseln
zerfallen in drei Klassen: Adelige, Timauas oder Plebejer, und Sklaven
der Adeligen und der Timauas. Es giebt verschiedene Arten von Sklaven,
einige in ganzer Sklaverei (Saguiguilires); sie dienen im Hause,
ihre Kinder desgleichen. Andre bewohnen mit ihren Familien eigene
Huser und leisten ihrem Herrn Dienste zur Saat- und Erntezeit,
auch als Ruderknechte und beim Hausbau etc. Sie mssen kommen so oft
sie gerufen werden, und diese Dienste leisten ohne Bezahlung oder
Entschdigung, sie heissen Namamahayes, ihre Verpflichtungen gehn
auf ihre Nachkommen ber. Von diesen Saguiguilires und Namamahayes
sind einige Vollsklaven, andre Halbsklaven und andere Viertelsklaven.

Wenn nmlich der Vater oder die Mutter frei war, so wird der einzige
Sohn halb frei und halb Sklave; bei mehreren Shnen erbt der erste den
Stand des Vaters, der zweite den der Mutter, bei unpaarigen Kindern,
ist das letzte halb frei und halb Sklave; die Nachkommen solcher
Halbsklaven mit einem oder einer Freien sind Viertelsklaven. Die
Halbsklaven, gleichviel ob Saguiguilires oder Namamahayes, dienen
ihrem Herrn einen um den andern Monat. Halb- und Viertelsklaven
knnen auf Grund des freien Theiles, der in ihnen ist, ihren Herrn
zwingen sie fr einen festgesetzten Preis frei zu lassen. Vollsklaven
haben dieses Recht nicht. Ein Namamahaya gilt halb so viel als ein
Saguiguilir. Alle Sklaven sind Eingeborene.

f. 143 v.: Eine Sklavin, die von ihrem Herrn Kinder hatte, wurde
dadurch frei sammt diesen Kindern. Letztere galten aber nicht fr
wohlgeboren, nahmen nicht an der Erbschaft Theil, auch die Vorrechte
des Adels, falls der Vater diesem Stande angehrte, gingen nicht auf
sie ber.

[292] Sehr wahrhafte und gewisse Beschreibung von dem, was
neulich bekannt geworden ber die neuen Inseln des Westens ... von
H. R. Sekretr der Regierung dieser Inseln. Sevilla 1574. Morga
Hakl. 389.

[293] Relation et Mm. de l'estat des isles Ph. Thvenot 28.

[294] Bulle Gregor XIV. 18. Apr. 1591.

[295] Morga Hakl. 328.

[296] v. Chamisso (Bemerkungen und Ansichten S. 72) weiss es dem
Uebersetzer des Zuiga Dank, dass er ihn der Pflicht berhoben bei
dieser eklen Geschichte zu verweilen; doch ist Zuiga's Erzhlung immer
noch verhltnissmssig kurz und sachlich; die mit Recht abgekrzte
engl. Uebersetzung enthlt viele Fehler.

[297] Herzog von Almodovar Informe I. III. 199.

[298] Ich erlaube mir ein Beispiel anzufhren: Als ich mich 1861 an der
Westkste von Mexico befand, bestand der zur Zeit durch die Invasion
europischer Mchte vereitelte Plan ein Dutzend nordamerikanischer
Hinterwldlerfamilien im Yaquithal (Sonora), einer Oase in der Wste,
anzusiedeln. Grosse einheimische Hacendros erwarteten die Ankunft
dieser Einwanderer, um sich unter ihrem Schutz anzusiedeln. Der
Bodenwerth war nach Verlautbarung des Projektes betrchtlich gestiegen.

[299] Morga f. 156.

[300] 1867 wurde die Zahl der gewerbesteuerpflichtigen Chinesen auf
2589 geschtzt, davon gehrten 30 zur 1ten, 517 zur 2ten, 812 zur
3ten, 746 zur 4ten Steuerklasse. Von einer Gesammtbevlkerung von
18600 waren etwa 525 Landbauer. (Engl. Kons. 1869.)

[301] Zu Morga's Zeit wurde den spanischen Beamten und Geistlichen
wchentlich eine Anzahl Leute zugewiesen (Polistas), die ihnen fr
geringen Lohn (1/4 r. tglich und Reis) husliche Dienste verrichten
mussten.. Alle brigen, Spaniern geleisteten Dienste, auch bei der
Schifffahrt, bei Bauten u. s. w. waren freiwillig und nach Verabredung
zahlbar. (Morga 156 v.)

[302] Crawfurd (Dict. 345) verweist auf die Aehnlichkeit der Barangays
mit den angelschsischen Hundreds and tithings.

[303] Diese Zentralkasse (caja central = caja del ramo = caja
real) enthlt zu Zeiten bis 40 Millionen Realen (fast 3 Millionen
Thlr.). Dieser, aus den Ueberschssen entstandenen Kasse entlehnt
die spanische Regierung Geld, wenn sie es gebraucht, beispielsweise
war der Bestand der Kommunalkasse im Oktober 1866 = 83,137 Esc.,
der der Propios und Arbitrios = 413,534 Esc., zusammen = 4,966,710
Realen. Eine mir zur Einsicht mitgetheilte R. O. vom 6. Mrz 1866
befahl Anstalt zu treffen, um eine vom Staatsschatz geschuldete Summe
von 2,250,364 Realen an die Zentralkasse der Kolonie zurckzuzahlen.

[304] Die Verordnung von 1786 ist nie zur Ausfhrung gekommen,
weil sie dem Wesen der spanischen Kolonialpolitik widerspricht;
thatschlich werden solche Ueberschsse nach Madrid gesandt und
dort zur Deckung der dringendsten Bedrfnisse verwendet. In den
Philippinen wird fast nichts, wie bereits mehrfach erwhnt, fr
produktive Anlagen verausgabt.

[305] (Sinibaldo Mas) La Chine et les puissances chrtiennes,
Paris 1861.

[306] Vermuthlich Lei-tschi, Nephelium litchi Wight.

[307] Es schien angemessen hier nur den Flcheninhalt der grsseren
Inseln zu geben. Die mehrere Seiten umfassende, von einem Hlfsarbeiter
des Generalstabes, auf Grundlage der Coello'schen und der spanischen
hydrographischen Karte ausgefhrten Berechnungen smmtlicher Inseln
haben nur fr Geographen Interesse, und sollen daher unverkrzt in
einem der nchsten Hefte der Berliner Zeitschrift der Gesellschaft
fr Erdkunde erscheinen.

[308] F. B. Engelhardt, Der Flchenraum der einzelnen Staaten in
Europa und der brigen Lnder auf der Erde. Berlin 1853.

[309] Rechnet man hierzu, wie im Anuario, die thatschlich unabhngigen
Inseln Basilan 23.2, Sulu 14.5, Taui-taui etc., zusammen 27.5
quadr. M., so erhlt man 6365.5 quadr. M.

[310] Bemerkungen und Ansichten auf der Entdeckungsreise von O. von
Kotzebue 1821.

[311] Geognostische Beobachtungen auf der Reise von O. von Kotzebue
1829.

[312] Reise um die Erde. Berlin 1835.

[313] Constitucion geognostica de las Islas filipinas. Anales de
minas. 2. 197-212. 1841. Sptere Bnde habe ich nicht einsehen knnen.

[314] Voyage de la Bonite. Gologie. Paris 1844.

[315] U. S. Exploring expedition under the command of
C. Wilkes. Geology by Dana. Philadelphia 1849.

[316] Wiener Akad. Ber. 36. 121. 1859.

[317] Zs. geol. Ges. 14. 358. 1862.

[318] Zs. f. allgem. Erdkunde. N. F. 10. 249. 1861 u. 13. 81. 1862.

[319] Kosmos. Bd. 4. 405.

[320] Auch auf Java fand L. Horner (J. Miner. 1838. 2) in einigen
der Sdsee zufallenden Flssen granitische, syenitische und
dioritische Gesteine, ber welche ich bei Junghuhn keine Angabe
finde. Vgl. Jahrb. geol. Reichsaust. 9. 291 und 294. 1858.

[321] Die Lage des Serangani in oder bei Mindanao erscheint nicht
sicher festgestellt. Ob der Vulkan von Davao, an der Bai von Davao
oder Tagloc, und der von Sujut (O. der Bai von Ilana) thtig sind
oder nicht, ist ungewiss. Von einem Vulkan auf der zwischen Mindanao
und Negros gelegenen Insel Siquijor oder de Fuegos ist nichts Genaues
bekannt.

[322] Semper Skizzen, p. 14.

[323] Horsburgh (Citat in Berghaus, geohydrographischem Memoir von
den Philippinen 1832) spricht von einer Lava oder Cap islet genannten
Insel mit Lavamassen, nrdlich vom Cabo Engao. Bezieht sich diese
Angabe auf Camiguin?

[324] Vom Mainit, der eng verbunden zu sein scheint mit dem Maquiling,
sagt de la Gironire (Citat in Perrey Documents sur les tremblements
de terre dans l'archipel des Philippines), dass er bisweilen Flammen
und Rauch ausstsst. Dieser Berg wre demnach in die Reihe der thtigen
Vulkane zu stellen.

[325] Entdeckungsreise. II. 137.

[326] Vgl. auch Zs. f. allg. Erdkunde. N. F. 6. 71. 1859.

[327] Dana l. c. 545 sah dort Blcke zelliger Lava und graue Tuffe,
denen von Manila hnlich.

[328] A. von Humboldt. Kosmos IV. 522 u. 287.

[329] S. die Abbildung in Choris Voyage pittoresque. 1820.

[330] U. S. Explor. Expedition V. 317.

[331] Bull. soc. gogr. 19. 79. 1842, im Auszuge in d'Archiac
hist. d. progrs de la gologie. 1. 544. 1847.

[332] Description physique des les Canaries. Paris 1836. 437.

[333] Citat bei Chevalier p. 227.

[334] d'Archiac histoire de la gologie 3. 520.

[335] Die Nummuliten von Borneo beschrieb Verbeek im
Jahrb. Miner. 1871. 1.

[336] Zs. f. allg. Erdkunde. N. F. 13. 86.

[337] l. c. 204.

[338] Vgl. die Angabe von Itier. S. 7.

[339] Vgl. die krystallographischen Bestimmungen von
Dauber. Wien. Akad. Ber. 42. 26.

[340] Es liegt dort gewonnenes Kupfer vor.

[341] Weiter stlich sollen 6 Stunden von Lauang flussaufwrts bei
Binontuan marmorartige Kalke anstehen.

[342] Die Zhne sind etwas zahlreicher und schmaler als bei
A. inaequivalvis Brug.

[343] M. Thvenot, Rlations de divers voyages curieux. Paris
1591. (Wie spter angefhrt wird, war die Jahreszahl irrig.)

[344] Die Makrocephalen im Boden der Krym und Oesterreichs. Mm. de
l'acad. imp. des sciences de St. Ptersbourg. Sr. VII. T. II. No. 6.

[345] L. A. Gosse, Essai sur les dformations artificielles du
crne. Annal. d'hygine publique et de md. lgale. Paris 1855. Juill.

[346] Da seit Thvenot kein neuerer Autor von der Flathead-Mode auf
den Philippinen spricht, so wird man diese Schdel mindestens nicht
hinter das 16. Jahrhundert verlegen. Die Kalkincrustation konnte sich
in einigen Jahrhunderten ganz wohl gebildet haben, doch ist es auch
denkbar, dass nach ihrer Bildung die Schdel beliebig lange unverndert
bleiben, und dass sie dennoch einer sehr viel lteren Zeit angehren.

[347] Fr zwei Schdel von Madura bei J. van der Hoeven
(Catal. craniorum p. 38) berechne ich den Breitenindex zu 80,4 und
78,4, den Hhenindex zu 79,7 und 84,6.

[348] Meyen (Nova
Act. Acad. Leop. Car. 1834. Vol. XVI. suppl. I. p. 47), der auch
den Schdel einer Tagalin von Manila abbildet, rechnet diesen Stamm
nebst den Bewohnern der Carolinen, Marianen u. s. w. zur Rasse der
Oceanier. Schetelig (Transact. Ethnol. Soc. 1868. VII.) stellt die
Luzonesen bestimmt zu den Malaien. Nach seinen Messungen hat ihr
Schdel einen Breitenindex von 83,5 bei einem Hhenindex von 77;
Davis habe bei Bisayer-Schdeln 80 und 79 berechnet.

[349] Welcker berechnet fr diese einen Breitenindex von 75 bei einem
Hhenindex von 77. Einer der Dajak-Schdel bei van der Hoeven hat
einen Breitenindex von 75,2, ein zweiter von 78,7.

[350] Schdel und Skelet gehren jedoch offenbar nicht zusammen.

[351] Der eine trgt die Inschrift Semarrona Ilamada Omang, der andere
Semarron Ilamado Baringeag (?).

[352] Die von Hrn. Jagor geusserte Meinung, dass dieser Berg identisch
mit dem Vulkan Yriga sein msse, der in der Provinz Camarines auf
Luzon am See Bugi oder Buhi liegt, ist spter von Hrn. Schetelig
besttigt worden. In einem frheren Briefe nennt Hr. Schetelig den
Huptling Capitn Juan Galapnid.

[353] Das Os femoris ist 38 Centim. lang, die Tibia 30,5, das Os
humeri 27, der Radius 21.

[354] Die Stelle steht in Relations de divers voyages curieux, Paris
1664, II., und zwar in der Relation des Isles Philipines, faite
par un religieux qui y a demeur 18 ans, p. 6. Es heisst daselbst:
ils auoient accoustum dans quelques-unes de ces Isles, de mettre
entre-deux ais la teste de leurs enfans, quand ils venoient au monde,
et la pressoient ainsi, afin qu'elle ne demeura pas ronde, mais
qu'elle s'estendit en long; ils luy applatissoient aussi le front,
croyant que c'estoit un trait de beaut de l'auoir ainsi.

[355] Pour ce qui est des dents, elles (les femmes) imitent en tout
les hommes: ils se les liment ds leur plus tendre jeunesse, les vns
les rendent par l esgales, les autres les affilent en pointes, en
leur donnant la figure d'une scie, et ils couvrent d'un vernis noir
et lustr, ou de couleur de feu, et ainsi leurs dents deuiennent
noires ou rouges comme du vermillon; et dans le rang d'en haut,
ils font vne petite ouuerture qu'ils remplissent d'or, qui brille
d'avantage sur le fond noir ou rouge de ces vernis.

[356] Nach einer Mittheilung des Hrn. Semper feilen nur die Negritos
von Mariveles und der Nachbarbezirke die Zhne in der angegebenen
Weise. Bei den brigen Negrito-Stmmen, welche er besuchte, fand er
diese Sitte nicht.






End of Project Gutenberg's Reisen in den Philippinen, by Andreas Fedor Jagor

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