The Project Gutenberg EBook of Die Ratten, by Gerhart Hauptmann

This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
whatsoever.  You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
www.gutenberg.org.  If you are not located in the United States, you'll have
to check the laws of the country where you are located before using this ebook.

Title: Die Ratten
       Berliner Tragikomdie

Author: Gerhart Hauptmann

Release Date: September 1, 2016 [EBook #52952]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE RATTEN ***




Produced by Peter Becker, Jens Sadowski, and the Online
Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net. This
file was produced from images generously made available
by The Internet Archive.









                                  Die
                                 Ratten


                         Berliner Tragikomdie

                                  von
                           Gerhart Hauptmann




                          S. Fischer / Verlag
                                 Berlin
                                  1911




                           Siebente Auflage.

      Alle Rechte, insbesondere das der bersetzung, vorbehalten.
             Den Bhnen und Vereinen gegenber Manuskript.
               Copyright 1911 S. Fischer, Verlag, Berlin.




                               Personen:


   Harro Hassenreuter, ehemaliger Theaterdirektor
   Seine Frau
   Walburga, seine Tochter
   Pastor Spitta
   Erich Spitta, Kandidat der Theologie, sein Sohn
   Alice Rtterbusch, Schauspielerin
   Nathanael Jettel, Hofschauspieler
   Kferstein, Schler Hassenreuters
   Dr. Kegel, Schler Hassenreuters
   John, Maurerpolier
   Frau John
   Bruno Mechelke, ihr Bruder
   Pauline Piperkarcka, Dienstmdchen
   Frau Sidonie Knobbe
   Selma, ihre Tochter
   Quaquaro, Hausmeister
   Frau Kielbacke
   Schutzmann Schierke
   Zwei Suglinge




                               Erster Akt


   Im Dachgescho einer ehemaligen Kavalleriekaserne zu Berlin. Ein
   fensterloses Zimmer, das sein Licht von einer brennenden Lampe
   erhlt, die von der Mitte der Decke ber einen runden Tisch
   herunterhngt. In die Hinterwand mndet ein gerader Gang, der den
   Raum mit der Entreetr verbindet: einer eisenbeschlagenen Tr mit
   einer primitiven Schelle, die der Eintritt Begehrende von auen
   durch einen Drahtzug in Bewegung setzt. Eine Tr in der Wand links
   schliet ein Nebengemach ab. An der Wand rechts fhrt eine Treppe
   auf den Dachboden.

   Auf diesem Dachboden, sowie in den sichtbaren Rumlichkeiten, hat
   der _Ex-Theaterdirektor Harro Hassenreuter_ seinen Theaterfundus
   untergebracht.

   Man kann, bei dem ungewissen Licht, in Zweifel sein, ob man sich in
   der Rstkammer eines alten Schlosses, in einem Antiquittenmagazin
   oder bei einem Maskenverleiher befindet.

   Zu beiden Seiten des Ganges sind auf Stndern Helme und
   Brustharnische Pappenheimscher Krassiere aufgestellt, ebenso in je
   einer Reihe an der rechten und linken Wand des vorderen Raums. Die
   Dachbodentreppe steht zwischen zwei Geharnischten. Die Decke darber
   schliet die bliche Bodenklappe ab.

   Ein Stehpult ist vorn links an die Wand gerckt. Tinte, Federn, alte
   Geschftsbcher und ein Kontorbock, sowie einige Sthle mit hohen
   Lehnen um den runden Mitteltisch lassen erkennen, da der Raum zu
   Bureauzwecken dienen mu. Wasserflasche mit Glsern auf dem Tisch
   und einige Photographien ber dem Stehpult. Die Photographien zeigen
   Direktor Hassenreuter als Karl Moor, sowie in verschiedenen anderen
   Rollen.

   Einer der Pappenheimschen Krassiere trgt einen ungeheuren
   Lorbeerkranz um den Nacken gehngt, mit einer Schleife, deren Enden
   in goldenen Lettern die Worte tragen: Unserem genialen Direktor
   Hassenreuter! Die dankbaren Mitglieder. Eine Serie mchtiger, roter
   Schleifen trgt nur die Aufschrift: Dem genialen Karl Moor ... Dem
   unvergleichlichen, unvergelichen Karl Moor ... usw. usw.

   Der Raum ist nach Mglichkeit zu Magazinzwecken ausgenutzt. Wo
   irgend angngig, hngen an Kleiderhaken deutsche, spanische und
   englische Kostmstcke aus verschiedenen Jahrhunderten. Man sieht
   schwedische Reiterstiefel, spanische Degen und deutsche Flamberge.

   Die Tr links hat die Aufschrift: Bibliothek.

   Das ganze Gemach zeigt eine malerische Unordnung. Alte Scharteken
   und Waffen, Pokale, Becher usw. liegen umher.

   Es ist eines Sonntags, Ende Mai.

                   *       *       *       *       *

   Frau John, ber Mitte der Dreiig hinaus, und das blutjunge
   Dienstmdchen Piperkarcka sitzen am Mitteltisch. Die John, den
   Oberkrper weit ber den Tisch gelehnt, redet lebhaft auf das
   Dienstmdchen ein. Die Piperkarcka, dienstmdchenhaft aufgedonnert,
   mit Jackett, Hut und Schirm, sitzt aufrecht. Ihr hbsches, rundes
   Lrvchen ist verweint. Ihre Gestalt zeigt Spuren noch nicht
   vollendeter Mutterschaft. Sie malt mit der Schirmspitze auf der
   Diele.

                               Frau John

Na ja doch! Freilich! Ick sag't ja, Pauline.

                            Die Piperkarcka

Nu ja. Ick will nu also Schlachtensee oder Halensee. Mu jehn un mu
nachsehn, ob ick ihm treffe! --

   Sie trocknet ihre Trnen und will sich erheben.

                               Frau John
                verhindert die Piperkarcka am Aufstehen.

Pauline! Um Jottes Willen, blo det nich! Det nich, um keenen Preis von
de Welt. Det macht Skandal, kost Jeld und bringt nischt. Wat woll'n Se
woll, und wo Se noch in den Zustande sind! dem schlechten Halunken noch
weiter nachlofen!?

                            Die Piperkarcka

Denn soll meine Wirtin heute soll warten umsonst verjeblich auf mir. Ick
spring im Landwehrkanal und versaufe.

                               Frau John

Pauline! Warum denn? warum denn, Pauline? Jeben Se Obacht, heren Se
jetzt blo um Jotteswillen 'n janz'n eenziges ... blo ma 'n janzen
kleenen Ochenblick uf mir, und passen Se dadruf uf, wat ick Ihn
vorstelle! Det wissen Se doch, ick hab et Ihn doch bei de Normaluhr, wo
ick an Alexanderplatz aus de Marchthalle bin jekomm, jleich anjesehn und
hab et Ihn uf'n Kopp druf jesacht. Wat hab ick jesacht? Jeld, hab ick
Ihn uf'n Kopp druf jefragt, jeld, kleenet Aas, er will nischt von
wissen! -- Det jeht hier vielen, det jeht hier allen, det jeht hier
vielen Millionen Mchens so! Und denn hab ick jesacht ... wat hab ick
jesacht? komm, hab ick jesacht, ick will dir helfen.

                            Die Piperkarcka

Zu Hause darf ick mir nu janz natrlich nich blicken lassen, wie ick
verndert bin. Mutter schreit doch auf's ersten Blick! Vater haut mir
Kopf an die Wand und schmeit mir Strae. Jeld hab ick nu ebenfalls och
weiter nu weiter keens nich! als wie Stcker zwei Joldstcke, was ick
mich Jackettfutter einjenht. Htte mich, schlechter Mensch nich Mark
nich Pfennig brig gelassen.

                               Frau John

Freilein, mein Mann ist Mauerpolier. Freilein: wenn Se blo wollten
Obacht jebn ... jebn Se doch um Jotteswillen Obacht, wat ick Ihn for
Vorschlge unterbreiten tu. Freilein, denn is doch uns beede jeholfen.
Ihn is jeholfen und so desselbijen jleichen och mir. Auerden is Pauln,
wat mein Mann is, jeholfen, wo sterbensjerne een Kindeken will, weil det
uns doch unser eenziget, unser Adelbertchen, an de Brune jestorben is.
Ihr Kind hat et jut wie'n eechnet Kind. Denn kenn Se jehn Ihrem Schatz
wieder ufsuchen, kenn wieder in'n Dienst, kenn wieder bei Ihre Eltern
jehn, det Kind hat et jut und keen Mensch uf die janze Welt nich braucht
wat von wissen.

                            Die Piperkarcka

I jrade! Ick strze mir Landwehrkanal! -- (sie steht auf.) -- Ick
schreibe Zettel, ick lasse Zettel in mein Jackett zurck: du hast mit
deine verfluchte Schlechtigkeit deine Pauline im Wasser jetrieben! dann
setze vollen Namen Alois Theophil Brunner, Instrumentenmacher zu. Denn
soll er sehn, wie er mit sein Mord auf Jewissen man meinswegen fertig
wird.

                               Frau John

Warten Se, Freilein, ick mu erst ufschlieen.

   Frau John stellt sich, als wolle sie die Piperkarcka
   hinausbegleiten.

   Noch bevor beide Frauen den Gang erreichen, tritt Bruno Mechelke
   langsam forschend aus der Tr links und bleibt stehen. Bruno
   Mechelke ist eher klein, als gro, hat einen kurzen Stiernacken und
   athletische Schultern. Niedrige, weichende Stirn, brstenfrmiges
   Haar, kleiner runder Schdel, brutales Gesicht mit eingerissenem und
   vernarbtem linken Nasenflgel. Die Haltung des etwa neunzehnjhrigen
   Menschen ist vornbergebeugt. Groe, plumpe Hnde hngen an langen,
   muskulsen Armen. Die Pupillen seiner Augen sind schwarz, klein und
   stechend. Er bastelt an einer Mausefalle herum.

                                 Bruno
                pfeift seiner Schwester wie einem Hunde.

                               Frau John

Ick komme jleich, Bruno. Wat wiste denn?

                                 Bruno
                    scheinbar in die Falle vertieft.

Ick denke, ick soll hier Fallen ufstellen.

                               Frau John

Haste dem Speck denn rinjemacht? -- (zur Piperkarcka) -- 'T is blo mein
Bruder. Erschrecken sich nicht, Freilein.

                                 Bruno
                              wie vorher.

Ick ha heute dem Kaisa Wilhem jesehn, Jette. Ick war mit de Wachparade
jejang.

                               Frau John
    zur Piperkarcka, die durch Brunos Erscheinung angstvoll gebannt
                                  ist.

Et is blo mein Bruder, bleiben Se man. -- (zu Bruno) -- Junge, wie
siehst du blo wieder aus? Det Freilein mu sich ja von dich Angst
kriejen.

                                 Bruno
                     wie vorher. Ohne aufzublicken.

Schuberle buberle, ick bin 'n Jespenst.

                               Frau John

Mach uf'n Boden und stell deine Mausefallen.

                                 Bruno
                wie vorher. Tritt langsam an den Tisch.

Jawoll, det is och man wieder so'n Jeschft zum Vahungern. Wenn ick mit
Streichhlzer handeln du, denn ha ick wahrhaftig mehr Pinke von.

                            Die Piperkarcka

Atje, Frau John.

                               Frau John
                       wtend auf den Bruder los.

Wiste woll jehn und wist mir in Frieden lassen.

                                 Bruno
                                geduckt.

Hab dir man nich. Ick jeh ja schonn.

   Er zieht sich folgsam wieder in das anstoende Zimmer zurck, dessen
   Tr Frau John resolut hinter ihm schliet.

                            Die Piperkarcka

Den mecht ick Tierjarten Jrunewald nich bejejnen. Bei Nacht nich und
nich ma bei Dage nich.

                               Frau John

Jnade Jott, wo ick Brunon hetze und der ma hinter een hinter is.

                            Die Piperkarcka

Atje. Hier jefllt mir nich. Wenn mich wieder sprechen wollen, lieber
Bank bei Wasserkunst Kreuzberg, Frau John.

                               Frau John

Pauline, ick ha Brunon mit Sorje un Kummer Tag un Nacht jrojebracht.
Ihr Kindeken hat et noch zwanzigmal besser. Also Pauline, wenn et
jeboren is, nehm ick det Kind un, bei meine in Jott vastorbene Eltern,
wo ick an Totensonntag immer noch und keen Mensch mich zurckhlt nach
Rdersdorf jeh und Lichter uf beede Jrber ansteche: det kleene Wurm
soll et madich jut habn, wie et besser keen jeborener Prinz und keene
jeborene Prinzessin haben tut.

                            Die Piperkarcka

Ick jeh, mit meine letzten Pfennig kaufen mir Vitriol -- trefft wen
trefft! -- un jieen dem Weibsbild, wo mit ihm jeht -- trefft wen
trefft! ... mitten in Jesicht! trefft wen trefft! brennt ihm janze
verfluchte hbsche Visage kaput! Mir jleich! Brennt ihm Bart kaput!
Brennt ihm Augen kaput! wenn er mit andres Frauenzimmer jeht. Trefft wen
trefft! Hat mir betrogen! zu Jrunde jerichtet! hat mir Jeld jeraubt! hat
mich Ehre jeraubt! hat mich verfluchtiger Hund verfhrt, verlassen,
belogen, betrogen, in Elend jestoen! Trefft wen trefft! Soll blind
sein! Nase soll wegjefressen sein! soll jar nich mehr berhaupt auf Erde
sein!

                               Frau John

Freilein Pauline, bei meine ewige Seligkeit, von Stund an, wo det kleene
Wurm erstma uf de Welt is ... von den Augenblick an! ... det soll et
haben, als wenn et, ick wee nich wo! in Samt und Seide jeboren wr.
Blo jutes Zutrauen! und, det Se ja sachen! -- Ick habe mir allens
ausjedacht. Et jeht zu machen, Pauline, et jeht, et jeht sach ick Ihn!
Und weder 'n Dokter, noch Polizei, noch Ihre Wirtin merkt wat von. --
Und denn kriegen Se erst ma hundertunddreiundzwanzig Mark, wat ick mir
von det Reinmachen hier beim Direkter Hassenreuter abjespart habe,
ausjezahlt.

                            Die Piperkarcka

Denn lieber bei die Jeburt erwrgen! verkaufen nich!

                               Frau John

Wer redet denn von verkofen, Pauline?

                            Die Piperkarcka

Wat hab ick Oktober vorijen Jahr bis heutijen Tag for Himmelsangst
ausjestanden. Brutijam stet mir fort! Mietsfrau stet mir fort.
Schlafbodenstelle is mich jekindigt. Wat du ick denn, da man mir so
verachtet und von die Leute verflucht un ausstoen mu?

                               Frau John

Det sach ick ja, det kommt, weil der Deibel unsern Herrn Christus
Heiland noch immer ieber is.

   Ohne bemerkt zu werden ist, bastelnd wie vorher, Bruno geruschlos
   wiederum in die Tr getreten.

                                 Bruno
        sagt in eigentmlicher Weise, scharf, aber wie nebenbei.

Lampen!

                            Die Piperkarcka

Der Mensch erschrickt mir. Lassen mir fort.

                               Frau John
                       geht heftig auf Bruno los.

Willst du woll jehn wo de hinjeherst! Ick ha dir jesacht, ick wer' dir
rufen.

                                 Bruno
                              wie vorher.

Na Jette, ick ha doch blo Lampen jesacht.

                               Frau John

Biste verrickt? Wat heest denn det: Lampen? --

                                 Bruno

Na, klinkt et denn nich an de Einjangstir?

                               Frau John
    erschrickt, horcht, hlt die Piperkarcka zurck, die im Begriff
                          ist, davon zu gehen.

Pst, Freilein! Halt! Warten Se man noch 'n Ogenblick.

   Bruno schnitzelt weiter. Die beiden Frauen horchen.

                               Frau John
                      leise, angstvoll, zu Bruno.

Ick her nischt.

                                 Bruno

Du ollet vatrockentes Kichenspinde, denn schaff da man bessare Lauscha
an.

                               Frau John

Det wr in det janze Vierteljahr det erstema, det der Direkter kommt,
wenn Sonntag is.

                                 Bruno

Wenn der Theatafritze kommt, kann a mir meinswejen jleich angaschieren.

                               Frau John
                                heftig.

Quatsch nich!

                                 Bruno
                       grinsend zur Piperkarcka.

Jlobens et, Freilein, ick ha bei Zirkus Schumann 'n dummen Aujust sein
Esel dreimal rum die Manesche jebracht. Det mach ick allens! Ick wer'
mir woll furchten.

                            Die Piperkarcka
    scheint die phantastische Sonderbarkeit der Umgebung erst jetzt
              zu bemerken, erschrocken, stark beunruhigt.

Josef Maria, wo bin ick denn?

                               Frau John

Wer kann denn det sind?

                                 Bruno

Da Direkta nich, Jette. Det is eha 'ne Tlle, wo elejante Trittlinge
hat.

                               Frau John

Freilein, jehn Se man zwee Minuten, sein so jut, hier uf 'n Oberboden.
'S kommt eener, kann sind, der blo wat wissen will.

   In ihrer zunehmenden Angst tut die Piperkarcka das Verlangte. Sie
   klettert ber die Treppe auf den Oberboden, dessen Klappe geffnet
   ist. Frau John hat sich so gestellt, da im Notfalle die Piperkarcka
   gegen die Entreetr gedeckt ist. Die Piperkarcka verschwindet. Frau
   John und Bruno bleiben allein.

                                 Bruno

Wat wiste denn mit die barmherzige Schwester?

                               Frau John

Det jeht dir nischt an, verstehste mich.

                                 Bruno

Ick frage ja man, weil det de vor det Mchen so ngstlich 'ne Wand
machen dust. Sonst is et mich doch wahaftig Pomade.

                               Frau John

Det soll dir och immer Pomade sind.

                                 Bruno

Danke Komma, denn kann ick woll abtippeln.

                               Frau John

Lump, weest du woll, wat du mir schuldig bist?

                                 Bruno
                                pomadig.

Wat regste dir denn uf? Wo sto ick dir denn? Wat wiste? Ick mu jetzt
zu meine Braut. Mir schlfert. Vorichte Nacht hab ick unter Strucher in
Tierjarten platt jemacht. Und juterletzt is Kohlmarcht bei mich. -- (Er
kehrt seine Hosentaschen um.) -- Foljedessen mu ick jehn 'n Stck Brod
verdienen.

                               Frau John

Hier jeblieben! -- und nich von de Stelle! -- oder du krist und wenn det
de jaulst wie 'n kleener Hund, kriste nimmermehr wenn't blo 'n Pfennich
is, krist de von mich! Bruno, du jehst uf schlechte Weche.

                                 Bruno

Ick wer' woll immer jejen de janze Welt ... noch wat! ... wer' ick der
Potsdammer sind. Soll ick etwa nich jehn, wo ick scheen bei Hulda'n zu
leben kriege? -- (Er zieht eine schmutzige Brieftasche.) -- Nich ma 'n
dreckigen Pfandschein ha ick mehr in de Plattmullje drin. Wat wiste von
mich, un denn la mir abschrenken.

                               Frau John

Von dir? Wat ick will? For wat wrst du woll nitze? Du bist zu nischt
weiter nitze, als det eene Schwester, wo nich richtig in Koppe is, mit
so'n Lump un Tagedieb Mitleid hat.

                                 Bruno

Kann sind, det de in Koppe manchmal nich richtig bist.

                               Frau John

Unser Vater hat oft zu mich jesacht, wo du schonn mit fnf, sechs Jahre
alt schlechte Dinge jetrieben hast, det mit dir in Leben keen Staat
weiter nich zu machen is un det ick dir sollte lofen lassen. Un mein
Mann, wo richtig un orntlich is ... vor so'n juten Mann: du darfst dir
nich blicken lassen.

                                 Bruno

Jewi doch, det wee ick ja allens, Jette! Aber so eenfach schiebt sich
det nu eemal nu eben nich. Wat wiste? Ick wee, ick bin mit 'n Ast uf'n
Puckel, wenn det'n och det'n keener sieht, un nich in Zangzuzih uf de
Welt jekomm. Ick mu sehn un mir mit mein Ast mang mang helfen. Na jut
so! wat wiste? von wechen de Ratten brauchst du mir nich. Du wist blo
wat mit die Dohle vertussen.

                               Frau John
                  die Faust drohend unter Brunos Nase.

Verrat du een eenziget kleenet Sterbenswort: denn mach ick dir kalt.
Denn bist du 'ne Leiche!

                                 Bruno

Na weete, vastehste, ick mache mir dinne. -- (Er steigt die Treppe
hinauf.) -- Womeglich komm ick, mir nischt dir nischt, noch ma in
Schokoladenkasten rin. --

   Er verschwindet durch die Bodenklappe. Frau John lscht eilig die
   Lampe und tappt sich zur Bibliothekstr. Sie geht in die Bibliothek,
   schliet aber die Tr hinter sich nicht ganz.

   Die Gerusche eines verrosteten Schlosses und Schlssels, der darin
   umgedreht wurde, sind vernehmlich gewesen. Ein leichter Schritt
   kommt nun den Gang herauf. Vorbergehend war der Berliner
   Straenlrm, auch Kindergeschrei aus den Hausfluren vernehmlich
   geworben. Leierkastenmusik vom Hof herauf.

   Mit scheuen Bewegungen erscheint Walburga Hassenreuter. Das Mdchen
   ist noch nicht sechzehn Jahre alt und sieht hbsch und unschuldig
   aus. Sonnenschirm, fufreies helles Sommerkleidchen.

                                Walburga
                  stutzt, horcht, sagt dann ngstlich.

Papa! -- Ist schon jemand hier oben? -- Papa! Papa! -- (Sie horcht lange
gespannt und sagt dann): -- Es riecht ja hier so nach Petroleum! -- (Sie
findet Streichhlzer, entzndet eines davon, will die Lampe anstecken
und verbrennt sich an dem noch heien Zylinder.) -- Au! -- Donnerwetter,
wer ist denn hier? --

   Sie hat aufgeschrien und will fortlaufen.

   Frau John erscheint wieder.

                               Frau John

I, Freilein Walburga, wer wird denn jleich Lrm machen! Sein Se man
friedlich! Det bin ja blo ick.

                                Walburga

Gott, hab ich aber einen ganz entsetzlichen Schreck bekommen, Frau John.

                               Frau John

Weshalb denn, Freilein? Wat suchen Se denn heit an Sonntag hier?

                                Walburga
                          Hand auf dem Herzen.

Mir steht noch immer das Herz ganz still, Frau John.

                               Frau John

Wat hat's denn, Freilein Walburga? Wer ngstigt Se denn? Sie missen det
doch von Ihren Herrn Vater wissen, det ick Sonntag und Wochentag hier
oben mang die Kisten und Kasten zu tun habe, mit Staub abbrsten und
Motten auskloppen. In drei, vier Wochen, wenn ick jlicklich mit die
zwlf- oder achtzehnhundert Theaterlumpen eemal 'rum bin und fertig bin,
fngt et doch immer wieder von frischen an.

                                Walburga

Ich hab' mich erschrocken, weil sich der Lampenzylinder noch ganz hei
anfate, Frau John.

                               Frau John

Nu ja, de Lampe hat ebent jebrannt un ick hab se vor eene halbe Minute
ausjepustet. -- (Sie hebt den Zylinder ab.) -- Mir brennt et nich! Ick
hab harte Hnde! -- (Sie zndet das Docht auf.) -- Na, nu wird Licht! Nu
hab ick se wieder anjestochen. Wat is nu Jefhrliches los? Ick sehe
nischt.

                                Walburga

Hu, Sie sehen ja aus wie ein Geist, Frau John.

                               Frau John

Wie soll ick aussehn?

                                Walburga

Das ist, wenn man so aus der prallen Sonne ins Finstere kommt ... in
diese muffigen Kammern hinein, da ist man wie von Gespenstern umgeben.

                               Frau John

Na, kleenet Jespenst, weshalb kommen Se denn? -- Sind Se alleene oder is
noch jemand? -- Kommt am Ende Papa noch nach?

                                Walburga

Nein! Papa ist heute zu einer wichtigen Audienz nach Potsdam hinaus.

                               Frau John

Und wat suchen denn also Sie nu woll hier?

                                Walburga

Ich? Ich bin einfach spazieren gewesen.

                               Frau John

Na, denn sehn Se man wieder, det Se fortkomm. In Papa'n seine
Rumpelkammer scheint keene Pfingstsonne nich.

                                Walburga

Sie sollten auch, so grau wie Sie aussehen, mal lieber 'raus an die
Sonne gehn.

                               Frau John

I, Sonne is blo for feine Leite! Wenn ick man alle Tache meine paar
Pfund Staub und Dreck uf de Lunge krieje. -- Jeh man, Kindken, ick mu
an de Arbeet! -- mehr brauch ick nich: ick lebe von Mllstob und
Mottenpulver. --

   Sie hustet.

                                Walburga
                               ngstlich.

Sie brauchen Papa nicht sagen, da ich hier oben gewesen bin.

                               Frau John

Ick? Ick habe woll sonst nischt besseret zu tun.

                                Walburga
                          scheinbar leichthin.

Und sollte Herr Spitta nach mir fragen ...

                               Frau John

Wer?

                                Walburga

Der junge Herr, der bei uns im Hause Privatstunde gibt ...

                               Frau John

Na, und?

                                Walburga

Sind Sie so freundlich und sagen Sie ihm, da ich hier gewesen aber
gleich wieder gegangen bin.

                               Frau John

Also Herrn Spitta soll ick et sagen, Papa'n nich?

                                Walburga
                             unwillkrlich.

Um Gottes willen nicht, liebste Frau John.

                               Frau John

Na wacht du, wacht! Jib du blo man Obacht. Manch eene hat ausjesehn,
wie du, und is aus die Jejend jekomm wie du, wo nachher in de
Drajonerstrae in Rinnsteen oder jar in de Barnimstrae hinter
schwedsche Jardinen zujrunde jejangen is.

                                Walburga

Sie werden doch damit nicht sagen wollen, Frau John, oder glauben
wollen, da in meiner Beziehung zu Herrn Spitta etwas Unerlaubtes oder
Ungehriges ist?

                               Frau John
                          in hchstem Schreck.

Mund zu! -- Et hat jemand dem Schlssel im Schlo jestochen.

                                Walburga

Auslschen!

                               Frau John
                      blst schnell die Lampe aus.

                                Walburga

Papa!

                               Frau John

-- Freilein, ruf uf'n Oberboden.

   Sie und Walburga verschwinden ber die Treppe durch den
   Bodenverschlag, der verschlossen wird.

   Zwei Herren, der Direktor Harro Hassenreuter und der Hofschauspieler
   Nathanael Jettel, erscheinen durch die Flurtr im Gange. Der
   Direktor ist mittelgro, glattrasiert, fnfzig Jahre alt. Er pflegt
   groe Schritte zu nehmen und bekundet ein lebhaftes Temperament.
   Sein Gesichtsschnitt ist edel, das Auge von khnem Ausdruck. Sein
   Betragen ist laut. Sein Wesen berhaupt durchaus feurig. Er trgt
   einen hellen Sommerberzieher, den Zylinder nach hinten gerckt und
   brigens Frackanzug und Lackschuhe. Der leger geffnete Paletot
   enthllt eine mit Ordensternen berdeckte Brust. -- Hofschauspieler
   Jettel trgt unter dem leichtesten Sommerberzieher einen weien
   Flanellanzug. Er hat einen Strohhut nebst elegantem Stock in der
   linken Hand, gelbe Schuhe an den Fen. Er ist ebenfalls
   glattrasiert und ber die fnfzig alt.

                         Direktor Hassenreuter
                                 ruft.

John! -- Frau John! -- Ja, das sind nun hier meine Katakomben, lieber
Jettel! _Sic transit gloria mundi!_ Hier hab ich nun alles, _mutatis
mutandis_, untergebracht, was von meiner ganzen Theaterherrlichkeit
brig geblieben ist: alte Scharteken! alte Lappen und Lumpen! -- John!
John! Sie ist hier gewesen, denn der Lampenzylinder ist hei! -- (Er
zndet mit einem Streichholz die Lampe an.) -- _Fiat lux pereat mundus!_
So! Jetzt knnen Sie mein Motten-, Ratten- und Flohparadies bei Lichte
besehen.

                            Nathanael Jettel

Haben Sie also meine Karte bekommen, bester Direktor?

                         Direktor Hassenreuter

Frau John! -- Ich werde mal sehn, ob sie auf dem Boden ist. -- (Er
steigt sehr gewandt die Treppe hinauf und rttelt an der Bodenklappe.)
-- Verschlossen! Den Schlssel hat die Kanaille natrlich am
Schrzenband. -- (Er pocht wtend mit der Faust gegen die Klappe.) --
John! John!

                            Nathanael Jettel
                           etwas ungeduldig.

Direktor, geht es nicht ohne die John?

                         Direktor Hassenreuter

Was? Glauben Sie, da ich Ihnen den miserablen Lappen, den Sie gerade da
fr Ihr Gastspiel brauchen, aus meinen dreihundert Kisten und Kasten,
ohne die John, im Frack und mit smtlichen Orden, so wie ich vom Prinzen
komme, selber heraussuchen kann.

                            Nathanael Jettel

Erlauben Sie mal! In Lappen absolviere ich meine Gastreisen nicht.

                         Direktor Hassenreuter

Mensch, spielen Sie doch in Unterhosen! meinethalben! Mich strt das
nicht! Nur vergessen Sie nicht, wer vor Ihnen steht. Deshalb, wenn der
Hofschauspieler Jettel -- na wenn schon! -- gndigst zu pfeifen geruhen,
springt der Direktor Harro Hassenreuter noch lange nicht. _Sapristi!_
wenn irgendein Komdiant einen schbigen Turban oder zwei alte
Transtiefel braucht, mu sich ein _pater familias_, ein Familienvater
den einzigen Sonntagnachmittag unter den Seinen abknapsen? Soll
womglich wie 'n Tackel auf allen Vieren in alle Bodenwinkel hinein?
Nein, Freundchen, da mt Ihr Euch andere aussuchen.

                            Nathanael Jettel
                              sehr ruhig.

Knnten Sie mir nicht sagen, Direktor, wer Ihnen in Gottes Namen auf die
Krawatte getreten hat?

                         Direktor Hassenreuter

Mein Junge, ich habe noch vor kaum einer Stunde die Beine unterm Tisch
eines Prinzen gehabt: _post hoc, ergo propter hoc!_ -- Ich setze mich
Ihretwegen in einen verfluchten Omnibus und kutsche in diese verfluchte
Gegend ... wenn Sie meine Geflligkeit nicht zu wrdigen wissen: scheren
Sie sich!

                            Nathanael Jettel

Sie haben mich auf vier Uhr hierher bestellt. Sie haben mich eine volle
geschlagene Stunde in dieser entsetzlichen Mietskaserne, auf diesem
lieblichen Korridore unter dem Kinderpbel warten lassen ... Ich habe
gewartet, Ihnen nicht den geringsten Vorwurf gemacht! und jetzt sind Sie
geschmackvoll genug, mich als eine Art Spucknapf zu betrachten ...

                         Direktor Hassenreuter

Mein Junge ...

                            Nathanael Jettel

In's Teufels Namen, der bin ich nicht! Eher mache ich Sie zu meinem
Hanswurst und lasse Sie fr sechs Groschen Purzelbaum schieen!

   Er nimmt entrstet Hut und Stock und geht.

                         Direktor Hassenreuter
      stutzt, bricht dann in ein tolles Gelchter aus und schreit
                           hinter Jettel her:

Machen Sie sich nicht lcherlich! -- Und brigens bin ich kein
Maskenverleiher.

   Man hrt die Flurtr ins Schlo knallen.

                         Direktor Hassenreuter
                             zieht die Uhr.

-- Rindvieh verdammtes! -- Schafskopf verfluchter! -- Ein Segen, da das
Rindvieh, verdammte, gegangen ist!

   Er steckt die Uhr ein, zieht sie gleich darauf wiederum und lauscht.
   Hierauf geht er unruhig hin und her, bleibt stehen, blickt in den
   Zylinderhut, dessen Inneres einen Spiegel enthlt, und kmmt sich
   sorgfltig. Er tritt an den Mitteltisch und ffnet einige von den
   Briefschaften, die dort gehuft liegen. Dazu singt er trllernd:

      O Straburg, o Straburg,
      du wunderschne Stadt.

   Abermals sieht er nach der Uhr. Pltzlich geht die Trschelle ber
   seinem Kopf.

                         Direktor Hassenreuter

Auf die Minute! Was doch die Dinger, wenn es drauf ankommt, pnktlich
sind!

   Er eilt und ffnet die Flurtr, jemand laut und frhlich begrend.
   Die Trompetentne seiner Stimme werden bald von glckchenartigem
   Lachen einer weiblichen akkompagniert. Sehr bald erscheint der
   Direktor wieder, von einer eleganten jungen Dame begleitet, Alice
   Rtterbusch.

                         Direktor Hassenreuter

Alice! Kleine Alice! Komm erst mal nher, kleine Alice! Komm mal ans
Licht! Ich mu doch sehen, ob du noch dieselbe kleine, schockscharmante,
tolle Alice aus den besten Tagen meiner reichslndischen
Direktionsperiode bist!? Mdel, ich hab' dich ja gehen gelehrt! ich hab
deine ersten Schritte gegngelt ... das Sprechen! Du sagtest ja immer
Cheef statt Chef! Ha ha ha! Hoffentlich hast du das nicht vergessen.

                           Alice Rtterbusch

Schaun's Direktor, Sie glauben doch net, da i undankbar bin?

                         Direktor Hassenreuter
                       nimmt ihr den Schleier ab.

Mdel, du bist ja noch jnger geworden!

                           Alice Rtterbusch
                           hochrot, beglckt.

Da mt einer auch gehrig daher lgen, wenn einer behaupten wollt, da
du dich zum Nachteil verndert hast. Aber weit, arg finster hast's bei
dir oben und a bissel -- Harro, wenns d' mechst a Fenster aufmachen! --
so a bissel a schwere Luft.

                         Direktor Hassenreuter

Pillycock sa auf Pillycocks Berg!

   Doch Mus' und Ratten und solch Getier
   A Thoms sieben Jahr lang fr und fr.

Im Ernst, ich hab' finstere und schwere Zeiten durchgemacht! Du wirst ja
schlielich, trotzdem ich dir lieber nichts geschrieben habe, liebe
Alice, davon unterrichtet sein.

                           Alice Rtterbusch

Das war aber net grad, weit, sehr freindschaftlich, da d' mir auf alle
die sauberen und langen Brief kein Wrtel geantwort' hast.

                         Direktor Hassenreuter

Wozu, ha ha ha, einem kleinen Mdchen antworten, wenn man genug mit sich
selber zu tun hat und in keiner Beziehung was ntzen kann? Sessa! _E
nihilo nihil fit!_ Das heit auf Deutsch: aus nichts kann nichts werden!
Motten und Staub! Staub und Motten! ha ha ha! Das ist alles, was ich von
meiner deutschen Kulturarbeit an der westlichen Grenze geerntet habe.

                           Alice Rtterbusch

Du hast also den Fundus net an den Direktor Kurz abgetreten.

                         Direktor Hassenreuter

O Straburg, o Straburg, du wunderschne Stadt. Nein, meine Kleine,
ich habe den Fundus nicht in Straburg gelassen! Dieser ehemalige
Kellner, Kneipwirt und Pchter von anrchigen Tanzlokalen, der mein
Nachfolger wurde ... dieser Kretin, dieser _bte imbcil_, wollte den
Fundus nicht! -- Sessa, den Fundus hab' ich nicht dort gelassen: dafr
aber vierzigtausend Mark sauerverdientes Geld, von Gastspielreisen aus
meiner Mimenzeit! auerdem fnfzigtausend Mark zugebrachtes Vermgen
meiner braven Frau. Sessa! -- brigens, da ich den Fundus behielt, war
ein Glck fr mich. -- Da! -- Ha ha ha! Diese Kerle hier ... -- (er
berhrt einige der Geharnischten) -- du kennst sie doch? ...

                           Alice Rtterbusch

I kenn' doch meine Pappenheimer.

                         Direktor Hassenreuter

Nun also: diese Pappenheimschen Kerle hier, und was drum und dran
baumelt, haben den alten Lumpensammler und Maskenverleiher Harro
Eberhard Hassenreuter nach seiner Hedschra tatschlich ber Wasser
gehalten! -- Aber reden wir lieber von heiteren Dingen: ich habe mit
Vergngen aus der Zeitung ersehen, da du von Exzellenz fr Berlin
engagiert werden wirst.

                           Alice Rtterbusch

I mach mir nix draus! I mcht lieber bei dir spielen, und das mut mir
versprechen, wanns du wieder eine Direktion ibernehmen tust ... das
versprichst mir, da i augenblickli kontraktbrchig werden kann! -- (Der
Direktor bricht in Lachen aus.) -- I hab mi drei Jahre lang gnua auf die
Provinzschmieren rumgergert. Berlin mag i net! und a Hoftheater schon
lang net. Jessas die Leit! das Komdiespielen! -- Weit, i g'hr zum
Fundus, i hab immer blo daher g'hrt! --

   Sie nimmt unter den Pappenheimern Aufstellung.

                         Direktor Hassenreuter

Ha ha ha ha! Also komm, du getreuer Pappenheimer.

   Er ffnet die Arme weit, sie fliegt hinein, und beide begren
   einander mit einigen lange anhaltenden Kssen.

                           Alice Rtterbusch

Geh Harro, jetzt sagst mir: was macht deine Frau?

                         Direktor Hassenreuter

Therese geht's gut, auer da sie trotz Kummer und Sorgen von Tag zu Tag
dicker wird. -- Mdel, Mdel, wie du duftest! -- (Er drckt sie an
sich.) -- Weit du auch, da du teufelsmig gefhrlich bist?

                           Alice Rtterbusch

Meinst, da i bld bin? Freili bin i gefhrlich.

                         Direktor Hassenreuter

Sakra!

                           Alice Rtterbusch

Meinst, i sollt mir in der schnen Gegend, drei Stiegen hoch, unter an
muffigen Dach, mit dir a Rendezvous geben, wann ich net wit, da das
fr uns zwei, ans wie's andere, gefhrlich is. Ibrigens hab' i ja, Gott
sei Dank, weil i halt immer a Glck haben mu, wann i schon amal auf
Schleichwegen geh, auf der Treppen den Nathanael Jettel troffen, bin dem
Herrn Hofschauspieler bei ei'm Haar direkt in die Arme g'rannt. Wird
schon sorgen, da das nicht unter uns bleibt, da i di b'sucht hab.

                         Direktor Hassenreuter

Ich mu das Datum verschrieben haben: der Mensch behauptet, ha ha ha,
ich htte ihn ganz ausdrcklich fr heut nachmittag herbestellt.

                           Alice Rtterbusch

Das war aber net etwa die einzige Bassermannsche Gestalt, der i auf die
sechs Treppenabstz begegnet bin, und was mir die lieben kleinen
Kinderln, die auf die Stufen rumkugeln, nachgeschrien haben, das is
dermaen unparlamentarisch, das is von solche Krten, noch net drei Ks'
hoch sind, schon die allergrte Gemeinheit, die mir noch vorkommen is.

                         Direktor Hassenreuter
                        lacht, wird dann ernst.

Ja, siehst du: daran gewhnt man sich: was so hier in diesem alten
Kasten mit schmutzigen Unterrcken die Treppe fegt und berhaupt
schleicht, kriecht, chzt, seufzt, schwitzt, schreit, flucht, lallt,
hmmert, hobelt, stichelt, stiehlt, treppauf treppab allerhand dunkle
Gewerbe treibt, was hier an lichtscheuem Volke nistet, Zither klimpert,
Harmonika spielt -- was hier an Not, Hunger, Elend existiert und an
lasterhaftem Lebenswandel geleistet wird, das ist auf keine Kuhhaut zu
schreiben. Und dein alter Direktor, _last not least_, rennt, chzt,
seufzt, schwitzt, schreit und flucht, ha ha ha, wie der Berliner sagt,
immer mitten mang mit. Ha ha ha, Mdel, mir ist es recht dreckig
gegangen.

                           Alice Rtterbusch

Weit ibrigens, wen i, wie i grad auf den Bahnhof Zoologischer Garten
zusteuer, troffen hab? Den alten guten Frst Statthalter hab i troffen.
Und sixt, unverfroren wie i amal bin, bin i zwanzig Minuten lang neben
ihm hergschwenkt und hab ihn in an langen Diskurs verwickelt und, auf
Ehre, Harro, wie ich dir sag, so is es buchstblich tatschlich
g'schegn. Auf'n Reitweg is pltzlich Majestt mit groer Suite
vorbergritten. I denk, i versink! Und hat bers ganze Gesicht gelacht
und Durchlaucht so mit dem Finger gedroht. Aber g'freit hab i mi, das
kannst mir glauben. Aber jetzt kommt d'Hauptsach. Jetzt pa auf. -- Ob i
mi freun tt, hat mi Durchlaucht pltzli g'fragt, und ob i wieder nach
Straburg mecht, wann der Direkter Hassenreuter das Theater tt wieder
bernehmen. Na weit: beinah hab i an Sprung getan!

                         Direktor Hassenreuter
      Er wirft seinen berzieher ab und steht in seinen Orden da.

Du hast wahrscheinlich bemerken mssen, da die kleine Durchlaucht
vorzglich gefrhstckt hat. Sessa! Wir haben zusammen gefrhstckt. Wir
haben ein exquisites kleines Herrenfrhstck beim Prinzen Ruprecht
drauen in Potsdam gehabt. Ich leugne nicht, da sich vielleicht eine
Wendung zum Guten im miserablen Geschicke deines Freundes vorbereitet.

                           Alice Rtterbusch

Liebster, wie a Staatsmann, wie a Gesandter, siehst du ja aus.

                         Direktor Hassenreuter

Ah, du kennst diese Brust voll hoher und hchster Orden noch nicht!?
Klrchen und Egmont! Hier magst du dich satt trinken! --

   Neue Umarmung.

_Carpe diem!_ geniee den Tag! Sekt, kleine Naive, steht allerdings auf
dem jetzigen Repertoire deines alten Direktors, Erweckers und Freundes
nicht! -- (Er ffnet eine Truhe und entnimmt ihr eine Flasche Wein.) --
Aber dieser Stiftswein ist auch nicht von Pappe! -- (Er zieht den
Korken. Die Trschelle geht.) -- Was? -- Pst! -- Wer hat denn die
ungeheure Dreistigkeit, am Sonntag nachmittag hier anzuklingeln? -- (Es
klingelt strker.) -- Kleine, zieh dich doch mal in die Bibliothek
zurck. -- (Alice eilt in die Bibliothek ab. Es klingelt wieder.) --
Donnerwetter noch mal, der Kerl ist ja irrsinnig. -- (Er eilt nach der
Tr.) -- Gedulden Sie sich oder scheren Sie sich! -- (Man hrt ihn die
Tr ffnen.) -- Wer? Wie? Ich bin's, Frulein Walburga? Was? Frulein
Walburga bin ich nicht. Ich bin nicht die Tochter! Ich bin der Vater!
Ach, Sie sind's, Herr Spitta! Gehorsamer Diener, ich bin der Vater! Ich
bin der Vater! Was wnschen Sie denn?

   Im Gange erscheint wiederum der Direktor, geleitet von Erich Spitta,
   einem einundzwanzigjhrigen jungen Menschen, der Brille und Zwicker
   trgt und brigens scharfe und nicht unbedeutende Zge hat. Spitta
   gilt als Kandidat der Theologie und ist entsprechend gekleidet. Er
   hlt sich nicht gerade, und seiner Krperentwicklung ist die
   Studierstube und mangelhafte Ernhrung anzumerken.

                         Direktor Hassenreuter

Wollten Sie meiner Tochter Walburga hier auf dem Speicher Privatstunde
geben?

                                 Spitta

Ich fuhr im Pferdebahnwagen vorber und glaubte wirklich, ich htte
Frulein Walburga unten durch das Portal in's Haus eilen sehen.

                         Direktor Hassenreuter

Gar keine Ahnung, mein lieber Spitta. Meine Tochter Walburga ist
augenblicklich mit ihrer Mutter in der englischen Kirche, ich glaube, zu
einem liturgischen Gottesdienst.

                                 Spitta

Dann verzeihen Sie vielmals, wenn ich gestrt habe. Ich nahm mir die
Freiheit, heraufzukommen, weil ich mir sagte: eine Begleitung in dieser
Gegend, vielleicht auf dem Rckwege nach dem Westen, wre Frulein
Walburga am Ende nicht unangenehm.

                         Direktor Hassenreuter

Wohl, wohl, aber sie ist nicht hier, bester Spitta. Ich bedauere sehr.
Ich selber bin nur zufllig hier: der Post wegen! und ich habe auch
leider andere dringende Sachen vor. -- Wnschen Sie sonst was, mein
guter Spitta?

   Spitta putzt seinen Kneifer und gibt Zeichen von Verlegenheit.

                                 Spitta

Man gewhnt sich nicht gleich an die Dunkelheit.

                         Direktor Hassenreuter

Sie bentigen vielleicht Ihr Stundengeld. Schade: ich habe leider die
Gewohnheit, nur mit einem Notpfennig in der Westentasche auf die Strae
zu gehn. Ich mu Sie schon bitten, sich zu gedulden, bis ich wieder in
meiner Wohnung bin.

                                 Spitta

Hat durchaus keine Eile, Herr Direktor.

                         Direktor Hassenreuter

Ja, das sagen Sie so: aber ich bin ein gehetztes Wild, guter Spitta ...

                                 Spitta

Und doch mchte ich, da ich dieses Zusammentreffen wirklich als eine Art
hherer Fgung ansehen mu, um eine Minute Ihrer kostbaren Zeit bitten.
Drfte ich, kurz, eine Frage tun?

                         Direktor Hassenreuter
             mit den Augen auf der Uhr, die er gezogen hat.

Genau eine Minute. Die Uhr in der Hand, bester Spitta.

                                 Spitta

Frage und Antwort wird, denk' ich, kaum von so langer Dauer sein.

                         Direktor Hassenreuter

Also los!

                                 Spitta

Habe ich wohl Talent zum Schauspieler?

                         Direktor Hassenreuter

Um Gottes willen, Mensch, sind Sie denn irrsinnig? -- Verzeihen Sie,
bester Herr Kandidat, wenn ich in einem solchen Fall bis zur
Unhflichkeit auer dem Huschen bin. Es heit zwar _natura non facit
saltus_, aber Sie haben da einen unnatrlichen Sprung gemacht. Da mu
ich mal erst zu Atem kommen. Und nun Schlu davon! Denn glauben Sie mir,
wenn wir beide jetzt ber diese Frage zu diskutieren anfangen, so wrden
wir in drei bis vier Wochen, sagen wir Jahren, darber noch nicht zum
Schlu gekommen sein.

Sie sind doch Theologe, mein Bester, und stammen aus einem Pastorhaus:
wie kommen Sie denn auf solche Gedanken? wo Sie doch Konnexionen haben
und Ihnen die Wege zu einer behaglichen Existenz geebnet sind.

                                 Spitta

Ja, das ist eine lange innere Geschichte, eine lange Geschichte schwerer
innerer Kmpfe, Herr Direktor, die allerdings bis zu dieser Stunde nur
mir bekannt und also absolutes Geheimnis gewesen sind. Da hat mich das
Glck in Ihr Haus gefhrt und von diesem Augenblick an fhlte ich, wie
ich dem wahren Ziel meines Lebens nher und nher kam.

                         Direktor Hassenreuter
                        mit peinlicher Ungeduld.

Das ehrt mich. Das ehrt mich und meine Familie! -- (Er legt ihm die
Hnde auf die Schulter.) -- Dennoch mu ich Ihnen jetzt die ganz
instndige Bitte vortragen, von der Errterung dieser Angelegenheit im
Augenblicke abzusehen. Meine Geschfte sind unaufschieblich.

                                 Spitta

Dann mchte ich nur noch so viel hinzusetzen, damit Sie wissen, da ich
absolut fest entschlossen bin.

                         Direktor Hassenreuter

Aber mein lieber Herr Kandidat: wer hat Ihnen denn diese Raupen in den
Kopf gesetzt? Ich habe mich ber Sie gefreut. Habe Sie schon im Geist
Ihres friedlichen Pfarrhauses wegen beneidet. Gewissen literarischen
Ambitionen, die einem hier in der Grostadt anfliegen, habe ich keinen
Wert beigelegt. Das ist nur so nebenbei und verliert sich zweifellos
wieder bei ihm, dachte ich mir! -- Mensch, und nun wollen Sie Komdiant
werden? Kurz: Gnade Gott, wenn ich Ihr Vater wr! Ich wrde Sie bei
Wasser und Brot einsperren und Sie nicht eher herauslassen, als bis
Ihnen jede Erinnerung an diese Torheit entschwunden wre. _Dixi!_ und
nun adieu, guter Spitta.

                                 Spitta

Einsperren oder irgendeine andere Gewaltmaregel wrde bei mir durchaus
nichts helfen, frcht ich.

                         Direktor Hassenreuter

Aber Mensch: Sie wollen Schauspieler werden? Mit Ihrer schiefen Haltung,
mit Ihrer Brille und vor allem mit Ihrem heiseren und scharfen Organ
geht das doch nicht.

                                 Spitta

Wenn es im Leben solche Kuze gibt, wie ich, warum soll es
nicht auch auf der Bhne solche Kuze geben? Und ich bin der
Ansicht, ein wohlklingendes Organ, womglich verbunden mit der
Schiller-Goethisch-Weimarischen Schule der Unnatur, ist eher schdlich,
als frderlich. Die Frage ist nur: wrden Sie mich, wie ich nun einmal
bin, als Schler annehmen?

                         Direktor Hassenreuter
                zieht hastig seinen Sommerpaletot ber.

Nein! denn erstens ist meine Schule auch nur eine Schule
Schillerisch-Goethisch-Weimarischer Unnatur! Zweitens knnte ich es vor
Ihrem Herrn Vater nicht verantworten! Und drittens zanken wir uns so
schon genug, jedesmal nach den Privatstunden, die Sie in meinem Hause
geben, beim Abendbrot. Das wrde dann bis zur Prgelei ausarten. Und nun
Spitta: ich mu auf die Pferdebahn.

                                 Spitta

Mein Vater ist bereits informiert. Ich habe ihm in einem zwlf Seiten
langen Brief Punkt fr Punkt die Geschichte meiner inneren Wandlung
erffnet ...

                         Direktor Hassenreuter

Sicherlich wird der alte Herr uerst davon geschmeichelt sein! Mensch
und nun kommen Sie mit mir, ich werde sonst wahnsinnig.

   Der Direktor zieht Spitta gewaltsam mit sich fort und hinaus. Man
   hrt die Tr ins Schlo fallen.

   Es wird still bis auf das ununterbrochene Rauschen Berlins, das nun
   lauter hervortritt. Nun wird die Bodenklappe geffnet und Walburga
   Hassenreuter steigt in wahnsinniger Hast, gefolgt von Frau John, die
   Treppe herunter.

                               Frau John
                           flsternd, heftig.

Wat is denn? Et is doch jar nischt jeschehn.

                                Walburga

Frau John, ich schreie! Ich mu gleich losschreien! -- Um Gottes willen,
ich kann gar nicht an mich halten, Frau John.

                               Frau John

Taschentuch mang die Zhne, Mchen! -- Et is ja jar nischt! Wat haste
dir denn?

                                Walburga
           zhneklappernd, ihr Rcheln gewaltsam bezwingend.

Ich bin ja des Todes ... ich bin ja des Todes erschrocken, Frau John!

                               Frau John

Wenn ick man wite, for wat du erschrocken bist?

                                Walburga

Haben Sie nicht diesen schrecklichen Menschen gesehn?

                               Frau John

Wat is denn da schrecklich? Det is doch mein Bruder! wo mich manchmal
bei Papans seine Sachen auskloppen helfen dut.

                                Walburga

Und das Mdchen, was mit dem Rcken am Schornstein sitzt und wimmert.

                               Frau John

Det is deine Mutter nich anders jejangen, eh det du zur Welt jekommen
bist.

                                Walburga

Ich bin hin. Ich bin tot, wenn Papa wiederkommt.

                               Frau John

Na denn sieh, det de fortkommst, und fackel nich lange.

   Frau John begleitet die entsetzte Walburga den Gang hinunter und
   lt sie hinaus. Dann kommt sie wieder.

                               Frau John

Det Mchen wee, Jott sei Dank, von hellichten Dache nischt.

   Sie nimmt die entkorkte Weinflasche, giet einen der Rmer voll und
   nimmt ihn mit auf den Boden, wo sie verschwindet. Kaum ist das
   Zimmer leer, so erscheint der Direktor wieder.

                         Direktor Hassenreuter
                       noch an der Tr, singend.

Komm herab, o Madonna Theresa! -- (Er ruft.) -- Alice! -- (Noch immer
an der Tr.) -- Komm mal! Hilf mir mal die eiserne Stange mit dem
doppelten Schlo vor die Tr legen. -- Alice! -- (Er kommt nach vorn.)
-- Wer jetzt noch unsere Sonntagsruhe zu stren wagt: _anathema sit!_ --
Heda! Kobold! Wo steckst du, Alice? -- (Er wird auf die Weinflasche
aufmerksam und hebt sie in die Hhe.) -- Was? -- Halb leer? --
Schlingel! -- (Man hrt eine hbsche weibliche Singstimme hinter der
Bibliothekstr sich in Koloraturen ergehen.) -- Ha ha ha ha! Himmel! sie
hat sich schon einen Schwips angetrunken.




                              Zweiter Akt


   Die Wohnung der Frau John im zweiten Stock des gleichen Hauses, in
   dessen Dachgescho der Fundus des Direktors Hassenreuter
   untergebracht ist: ein weitlufiges, ziemlich hohes, graugetnchtes
   Zimmer, das seine frhere Bestimmung als Kasernenraum verrt. Die
   Hinterwand enthlt eine zweiflgelige Tr nach dem Flur. ber ihr
   ist eine Schelle angebracht, die von auen an einem Draht gezogen
   werden kann. Rechts von der Tr beginnt eine etwas mehr als
   mannshohe Tapetenwand, die geradlinig nach vorn geht, hier einen
   rechten Winkel macht und wiederum geradlinig mit der rechten
   Seitenwand verbunden ist. So ist eine Art von Verschlag abgeteilt,
   ber den einige Schrankgesimse hervorragen, und der das Schlafzimmer
   der Familie ist.

   Tritt man durch die Flurtre ein, so hat man zur Linken ein Sofa,
   berzogen mit Wachsleinwand. Es ist mit der Rcklehne an die
   Tapetenwand geschoben. Diese ist ber dem Sofa mit kleinen
   Familienbildchen geschmckt. Maurerpolier John als Soldat, John und
   Frau als Brautpaar usw. Vor dem Sofa steht ein ovaler Tisch, mit
   einer verblichenen Baumwolldecke. Man mu von der Tr aus an Tisch
   und Sofa vorbergehen, um den Zugang zum Schlafraum zu erreichen.
   Dieser ist mit dem Sofa an einer Wand und mit einem Vorhang aus
   buntem Kattun verschlossen.

   An der nach vorn gekehrten Schmalwand des Verschlages steht ein
   freundlich ausgestatteter Kchenschrank. Rechts davon, an der
   wirklichen Wand, der Herd. Wie denn der hier verfgbare kleine Raum
   vornehmlich zu Kchen- und Wirtschaftszwecken dienen mu.

   Ein etwa auf dem Sofa Sitzender blickt gerade gegen die linke
   Zimmerwand und zu den beiden groen Fenstern hinaus. Am vorderen
   Fenster ist ein saubergehobeltes Brett als eine Art Arbeitstisch
   angebracht. Hier liegen zusammengerollte Kartons (Bauplne), Pausen,
   Zollstock, Zirkel, Winkelma usw. Am hinteren Fenster ein
   Fenstertritt, darauf ein Stuhl und ein Tischchen mit Glsern. Die
   Fenster haben keine Gardinen, sind aber einige Fu hoch mit buntem
   Kattun bespannt.

   Das ganze Gela, dessen drftige Einrichtung ein alter Lehnstuhl aus
   Rohr und eine Anzahl von Holzsthlen vervollstndigt, macht brigens
   einen sauberen und gepflegten Eindruck, wie man es bei kinderlosen
   Ehepaaren des fteren trifft.

   Es ist gegen fnf Uhr am Nachmittag, Ende Mai. Die warme Sonne
   scheint durch die Fenster.

   Maurerpolier John, ein vierzigjhriger, brtiger, gutmtig
   aussehender Mann, steht behaglich am vorderen Fenstertisch und macht
   sich Notizen aus den Bauplnen.

   Frau John sitzt mit einer Nharbeit auf dem Fenstertritt des anderen
   Fensters. Sie ist sehr bleich, hat etwas Weiches und Leidendes an
   sich, zugleich aber einen Ausdruck tiefer Zufriedenheit, der nur
   zuweilen von einem flchtigen Blick der Unruhe und der lauernden
   Angst unterbrochen wird. An ihrer Seite steht ein Kinderwagen
   (sauber, neu und nett), darin ein Sugling gebettet ist.

                                  John
                              bescheiden.

Mutter, wie wr det, wenn ick det Fenster 'n Ritzen ufmachen dte und
ick machte mir dann 'n biken de Pipe an?

                               Frau John

Mute denn rauchen? sonst la et man lieber.

                                  John

I, ick mu ja nich, Mutter! Ick mechte blo jern! Aber la man! 'N
Priem, Mutter, tut et am Ende in selbijenjleichen och.

   Er prpariert sich mit behaglicher Umstndlichkeit einen neuen
   Priem.

                               Frau John
                      nach einigem Stillschweigen.

Wat? Du mut noch ma hin uft Standesamt?

                                  John

Det hat er jesacht, det ick noch ma hin mte und janz jenau anjeben ...
det ick det mte janz jenau anjeben Ort und Stunde, wo det Kindchen
jeboren is.

                               Frau John
                             Nadel am Mund.

Warum haste denn det nich anjejeben?

                                  John

Wee ick et denn? Ick wee et doch nich.

                               Frau John

Det weete nich?

                                  John

Bin ick dabei jewesen?

                               Frau John

Na, wenn de mir hier in meine Berliner Wohnung sitzen lt und lichst
det janze jeschlagene Jahr in Altona, kommst hechstens ma monatlich mir
besuchen: wat wiste denn wissen, wat in deine Behausung vorjehn dut.

                                  John

Wo soll ick nich jehn, wo der Meester de mehrschte Arbeet hat? Ick jeh
dorthin, wo ick schen verdiene.

                               Frau John

Ick ha et dir doch in Briefe jeschrieben, det unser Jungeken hier in de
Wohnung jeboren is.

                                  John

Det wee ick. Det hab ick ihm och jesacht! Det is doch janz natierlich,
hab ick jesacht, det et in meine Wohnung jeboren is. Da hat er jesacht:
det is jar nich natierlich! Na denn, sach ick, mag et meinswegen uf'n
Oberboden bei de Ratten und Muse jewesen sind! So kreppte ick mir, weil
er doch sachte, det et womeglich jar nich sollte in meine eijene Wohnung
sind jewesen. Denn schrie er: wat sind det for Redensarten! Wat? sag
ick: ick bin for Lohn un Brot! for Redensarten Herr Standesbeamter bin
ick nich! un nu sollte ick Tag und Stunde anjeben ...

                               Frau John

Ick hab et dir doch sojar jenau uf'n Zettel jeschrieben, Paul.

                                  John

Wenn eener jekreppt is, denn is er verjelich. Ick jloobe, wenn er mir
htte jefracht: sind Sie Paul John, der Mauerpolier? ick htte
jeantwort: ick wee et nich. Na, nu war ick doch 'n biken verjngt
jewesen un hatte mit Fritzen eenen jekippt! denn war noch Schubert und
Schindlerkarl zujekomm! denn hie et: ick mu nun 'ne Lage jeben, weil
ick doch Vater jeworden bin! -- Na! un die Brieder wollten mir och nich
loslassen un warteten unten an de Tr von't Standesamt. Un nu dachte
ick, det se unten stehen! und wo er mir frachte an welchen Dache det
meine Frau entbunden is, denn wute ick nischt un mute laut loslachen.

                               Frau John

Hste man nachher jetrunken, Paul, un hste vorher besorcht, wat netig
is.

                                  John

Det sachste so? Aber wenn du uf deine ollen Dache noch so 'ne Zicken
machst! denn wa ick verjngt! denn freut ick mir, Mutter.

                               Frau John

Nu jehste und sachst bein Standesamt, det dein Kindeken an
fnfundzwanzigsten Mai von deine Ehefrau in deine Wohnung jeboren is.

                                  John

War et denn nich an sechsundzwanzigsten? Ick ha nmlich schlankweg dem
sechsundzwanzigsten Mai jesacht! denn hie et, weil er doch merkte, det
ick an Ende nich so janz sicher war: stimmt's denn is jut! sonst komm Se
wieder.

                               Frau John

I, denn la et man wie et is.

   Die Tr wird geffnet und Selma Knobbe schiebt einen elenden
   Kinderwagen herein, der im traurigsten Gegensatz zu dem der Frau
   John steht, darin liegt, in jmmerlichsten Lumpen, ebenfalls ein
   Sugling.

                               Frau John

Nee nee Selma, mit det kranke Kind bei uns in de Stube rieber, det jing
woll vordem, nu jeht det nich.

                                 Selma

Et keucht so ville mit sein Husten. Drieben bei uns wird zu ville
jeroocht, Frau John.

                               Frau John

Ick ha dir jesacht, Selma, du kannst immer komm, ma Milch un ma Brot
holen. Aber wo hier mein Adelbertchen womechlich mit Auszehrung oder
derjleichen anfliejen dut, la du det arme Wurm drieben bei seine feine
Mama drieben.

                                 Selma
                              weinerlich.

Mutter is jestern und heut nich zu Hause jekomm. Ick kann nachts nich
schlafen mit det Kind. Helfjottchen quarrt de janze Nacht iber. Ick mu
doch ma schlafen. Ick spring zum Fenster 'raus, oder ick la
Helfjottchen mitten uf de Strae und nehme Reiaus, det mir keen
Polizist nich mehr finden kann.

                                  John
                      betrachtet das fremde Kind.

Sieht bese aus! Mutter nimm dich ma mit det Hufchen Unglick 'n biken
an.

                               Frau John
           resolut, drngt Selma mit dem Kinderwagen hinaus.

Marsch, fort aus der Stube. Det jeht nich, Paul. Wer Eegnet hat, kann
sich mit Fremde nich abjeben. Soll de Knobben sehn, wo se bleiben dut.
Wat anders is Selma! Du kannst immer rieber komm. Du kannst dir hier och
hernach 'n biken uf's Ohr lechen.

   Selma mit dem Kinderwagen ab. Frau John verschliet die Tr hinter
   ihr.

                                  John

Hast dir doch frieher mit die Knobbeschen Rotznsen immer bekmmert!

                               Frau John

Det vastehste nich. Det sich Adelbertchen womechlich mit schlimme Ochen
un Krmpfe von een andret anstecken dut.

                                  John

Det mag sind. Blo nenn ihm nich Adelbertchen, Mutter. Det dut nich jut,
'n Kind 'n selbichten Namen zu jeben, wie een andret, det mit acht
Dache, unjedoft, mit Dot abjejang'n is. Det la man! davon ha' ick
Manschetten, Mutter.

   Es wird an die Tr geklopft. John will ffnen.

                               Frau John

Wat denn?

                                  John

Na, Jette, 't will eener rin.

                               Frau John
                   dreht hastig den Schlssel herum.

Ick wer' mir woll, wo ick marode bin, von alle Welt ieberlofen lassen.
-- (Sie horcht und ruft dann): -- Ick kann nich ufmachen: wat wollen Se
denn?

                           Eine Frauenstimme
                        aber tief und mnnlich.

Ich bin Frau Direktor Hassenreuter.

                               Frau John
                              berrascht.

Ach Jott nee! -- (Sie ffnet die Tr.) -- Nehm Se 't nich iebel, Frau
Direkter! Ick ha ja nich ma jewut, wer 't is.

   Frau Direktor Hassenreuter ist nun, gefolgt von Walburga,
   eingetreten. Sie ist eine kolossale, asthmatische Dame, lter als
   fnfzig. Walburga ist ein wenig unscheinbarer gekleidet als im
   ersten Akt. Sie trgt ein ziemlich umfangreiches Paket.

                       Frau Direktor Hassenreuter

Guten Tag, Frau John! Ich wollte doch nun -- obgleich mir das
Treppensteigen schwer wird ... wollte doch nun mal sehen, wie's nach dem
frohen Ereignis ... ja ... Ereignis mit Ihnen beschaffen ist.

                               Frau John

Et jeht mir, Jott sei Dank, wieder so hallweche, Frau Direkter.

                       Frau Direktor Hassenreuter

-- Das ist doch wahrscheinlich Ihr Mann, Frau John? Das mu man sagen
... mu man sagen -- da Ihre liebe Frau -- sich in der langen Wartezeit
niemals beklagt und immer ... immer frhlich und guter Dinge -- ihre
Arbeit oben bei meinem Mann im Theatermagazin verrichtet hat.

                                  John

Det is och. Se hat ihr mchtig jefreit, Frau Direkter.

                       Frau Direktor Hassenreuter

Nun, da wird man wohl auch ... da wird Ihre Frau wohl die Freude haben
-- Sie fters ... fters als wie bisher -- zu Hause zu sehn.

                               Frau John

Ick ha'n juten Mann, Frau Direkter, wo sorjen dut und solide is. Und
deshalb, weil Paul auswrts uf Arbeet jeht, denn hat er mir lngst nich
sitzen lassen. Aber for so 'n Mann, wo 'n Bruder schon 'n Jungen von
zwlf in de Unteroffiziersschule hat ... det is och keen Leben, ohne
Kinder! denn kricht er Jedanken! denn macht er in Hamburg schenet Jeld!
denn is alle Dache Jelejenheet, un denn will er fort nach Amerika
auswandern.

                                  John

I, Jette, det war ja man blo so 'n Jedanke.

                               Frau John

Sehn Se, det is mit uns kleene Leite ... det is 'n sauer verdientes
Durchkommen, wo unsereens hat, aber jedennoch ... -- (Sie fhrt John
schnell mit der Hand durchs Haar.) -- Wenn och eener mehr is un Sorchen
mehr sin -- sehn Se, det Wasser luft ihm de Backen runter! -- denn
freut er sich.

                                  John

Det is, wir haben schon vor drei Jahre 'n Jungchen jehabt, und det is
mit acht Dache einjejang.

                       Frau Direktor Hassenreuter

Das hat mir mein Mann ... mein Mann bereits ... hat mir mein Mann
bereits gesagt -- wie sehr Sie sich -- um den Sohn gegrmt haben. Sie
wissen ja ... wissen ja, wie mein braver Mann -- Aug' und Herz ... Herz
und Auge fr alles hat. Und wenn es sich gar ... gar um Leute handelt --
die um ihn sind und ihm Dienste leisten -- da ist alles Gute ... und
Schlimme ... alles Gute und Schlimme ... was ihnen zustt ... zustt,
so, als wr' es ihm selbst passiert.

                               Frau John
                     klopft John auf die Schulter.

Ick seh ihm noch, wie er mit det kleene Kindersrgiken uf beede Knie
dazumal in Kinderleichenwachen jesessen hat. Det durfte d'r Dotenjrber
nich anrihren.

                                  John
                   wischt sich Wasser aus den Augen.

Det war och so. Det jing och nich.

                       Frau Direktor Hassenreuter

Denken Sie ... denken Sie, heute mittag bei Tisch -- muten wir ...
muten wir pltzlich Wein trinken. Wein! wo Leitungswasser in den
letzten Jahren ... Karaffen mit Leitungswasser -- unser einziges ...
einziges Getrnk bei Tische ist. Liebe Kinder, sagte mein Mann. -- Er
ist, wie Sie wissen, elf oder zwlf Tage in den Elsa verreist gewesen!
... Also ich trinke, sagte mein Mann, auf meine gute, brave Frau John,
weil ... rief er mit seiner schnen Stimme! ... weil sie ein sichtbares
Zeichen dafr ist, da unserem Herrgott ... Herrgott der Schrei eines
Mutterherzens nicht gleichgltig ist. -- Und da haben wir auf Sie
angestoen! -- So! -- und nun bringe ich ... bringe ich Ihnen hier im
ganz besonderen ... ganz besonderen Auftrage meines Mannes einen
sogenannten Soxhlet-Kinder-Milchapparat. -- Walburga, du magst den
Kessel mal auspacken.

   Direktor Hassenreuter tritt ohne Umstnde durch die nur angelehnte
   Flurtr herein. Er trgt Zylinder, Sommerpaletot, Handschuhe,
   spanisches Rohr mit Silbergriff, im ganzen die etwas abgeschabte
   Garnitur des Wochentags. Er spricht hastig und fast ohne Pausen.

                         Direktor Hassenreuter
                sich den Schwei von der Stirn wischend.

Hei! Berlin macht hei, meine Herrschaften! In Petersburg ist die
Cholera! Sie haben meinen Schlern Spitta und Kferstein gegenber
geklagt, da Ihr Kindchen nicht zunehmen will, Frau John. Eigentlich ist
es ja ein Verfallssymptom unserer Zeit, da die meisten Mtter ihre
Kinder selber zu nhren nicht mehr fhig oder nicht willens sind. Sie
haben schon einmal einen Jungen am Brechdurchfall eingebt, Mutter
John. Hilft alles nichts: wir mssen hier deutsch reden! Damit Sie nun
diesmal nicht wieder Pech haben und nicht etwa gar in die Scheren von
allerlei alten Basen fallen, deren gute Ratschlge meistens fr
Suglinge tdlich sind, hat Ihnen meine Frau auf meine Veranlassung
diesen Milchkochapparat mitgebracht. Ich habe damit meine ganze kleine
Gesellschaft, auch die Walburga, grogezogen ... Sapristi! da sieht man
ja auch mal wieder den Herrn John! Bravo! der Kaiser braucht Soldaten!
und Sie hatten einen Stammhalter ntig, Herr John! Gratuliere Ihnen von
ganzem Herzen.

   Er schttelt John krftig die Hand.

                       Frau Direktor Hassenreuter
                            am Kinderwagen.

Wieviel ... wieviel hat es gewogen bei der Geburt?

                               Frau John

Et hat jenau acht Pfund und zehn Jramm jewogen.

                         Direktor Hassenreuter
                        jovial, laut und lrmig.

Ha ha ha, strammes Produkt! Acht Pfund zehn Gramm frisches
deutschnationales Menschenfleisch.

                       Frau Direktor Hassenreuter

Die Augen! das Nschen! der ganze Vater! -- Das Kerlchen ist Ihnen
wirklich ... wirklich wie aus dem Gesicht geschnitten, Herr John.

                         Direktor Hassenreuter

Sie werden den Bengel doch hoffentlich in die Gemeinschaft der
christlichen Kirche aufnehmen lassen.

                               Frau John
                        glcklich und gewichtig.

Det wird richtig in de Parochialkirche, richtig am Taufstein, richtig
von Jeistlichen wird et jetauft.

                         Direktor Hassenreuter

Sessa! Und welche sind seine Taufnamen?

                               Frau John

Det hat natierlich, wie Mnner nu eemal sind, 'n langet Jerede
abjesetzt. Ick dachte Bruno! Det will er nich.

                         Direktor Hassenreuter

Aber Bruno ist doch kein bler Name.

                                  John

Det mag immer sind, det Bruno weiter keen iebler Name is. Da will ick
mir weiter drieber nich ausdricken.

                               Frau John

Wat sachste nich, det ick 'n Bruder habe, wo Bruno heest und wo zwlf
Jahre jinger is: und jeht manchmal 'n biken uf leichte Weche. Det is
blo de Verfhrung! Der Junge is jut! Det jloobste nich!

                                  John
                       bekommt einen roten Kopf.

Jette ... Du weet, wat det mit Brunon for 'n Kreuz jewesen is! -- Wat
wiste?! Soll unser Jungeken so 'n Patron krichen? -- Et is 'n Patron!
Aber eener, ick kann et nich ndern ... eener, wo unter polizeiliche
Ufsicht is.

                         Direktor Hassenreuter
                                lachend.

Um's Himmels willen, dann suchen Sie ihm einen anderen Patron!

                                  John

Jott soll mir bewahren ... ick ha mir bei Brunon anjenommen, in de
Maschinschlosserei Stellung verschafft, nischt davon jehat, als rjer un
Schande! Jott soll bewahren, det er womeglich kommt un mein Jungeken
anfassen dut! -- (Er krampft die Faust.) -- denn Jette ... denn kennt
ick nich for mir jut sachen.

                               Frau John

Immerzu doch, Paul. Bruno kommt ja nich! -- So viel kann ick dir aber
jewilich sachen, det mein Bruder mich in die schweren Stunden redlich
beiseite jewesen is.

                                  John

Warum haste mir nich lassen kommen, Jette?

                               Frau John

So 'n Mann, wo Angst hat, mocht ick nich.

                         Direktor Hassenreuter

Sind Sie nicht Bismarckverehrer, John?

                                  John
                     kratzt sich hinter den Ohren.

Det kann ick nu so jenau nich sachen: aber, wat meine Jenossen in't
Mauerjewerbe sind, die sind et nich.

                         Direktor Hassenreuter

Dann habt Ihr kein deutsches Herz im Leibe! Ich habe meinen ltesten
Sohn, der bei der Kaiserlichen Marine ist, Otto genannt! Und glauben Sie
mir, -- (er weist auf das Kindchen) -- diese neue knftige Generation
wird wissen, was sie dem Schmiede der deutschen Einheit, dem gewaltigen
Heros, schuldig ist. -- (Er nimmt den Blechkessel des Milchapparates,
den Walburga ausgepackt hat, in die Hnde und hebt ihn hoch.) -- Also,
die ganze Geschichte mit diesem Milchapparat ist kinderleicht: das ganze
Gestell mit smtlichen Flaschen -- jede Flasche zunchst ein Drittel mit
Milch und zwei Drittel mit Wasser gefllt! -- wird in diesen Kessel mit
kochendem Wasser gestellt. Auf diese Weise, wenn man das Wasser im
Kessel anderthalb Stunde lang auf dem Siedegrade hlt, wird der Inhalt
der Flaschen keimfrei gemacht: die Chemiker nennen das sterilisieren.

                                  John

Jette, bei de Frau Mauermeester ihre Milch, womit sie die Zwillinge
ufziehen dut, wird et och sterilililililisiert.

   Die Schler des Direktors Hassenreuter, Kferstein und Dr. Kegel,
   zwei junge Leute im Alter zwischen zwanzig und fnfundzwanzig, haben
   angeklopft und die Tr geffnet.

                         Direktor Hassenreuter
                     der seine Schler bemerkt hat.

Geduld, meine Herren, ich komme gleich. Ich arbeite hier einstweilen
noch im Fache der Suglingsernhrung und Kinderfrsorge.

                               Kferstein
   ausgesprochener Kopf, groe Nase, bleich, ernster Gesichtsausdruck,
          bartlos, ein immer schalkhafter Zug um den Mund. Mit
                  Grabesstimme, weich, zurckhaltend.

Wir sind nmlich die drei Knige aus dem Morgenlande.

                         Direktor Hassenreuter
      der noch immer den Milchkochapparat hoch in den Hnden hlt.

Was sind Sie?

                               Kferstein
                              wie vorher.

Wir wollen das Kindelein gren.

                         Direktor Hassenreuter

Ha ha ha ha! Wenn Sie schon Knige aus dem Morgenlande sind, meine
Herren, dann fehlt doch, soweit ich sehn kann, der dritte.

                               Kferstein

Der dritte ist unser neuer Mitschler auf dem Felde dramaturgischer
Ttigkeit, Kandidat der Theologie Erich Spitta, der durch einen
gesellschaftspsychologischen Zwischenfall einstweilen noch Ecke Blumen-
und Wallnertheaterstrae festgehalten ist.

                               Dr. Kegel

Wir machten uns eiligst aus dem Staube.

                         Direktor Hassenreuter

Sehen Sie, es steht ein Stern ber Ihrem Hause, Frau John! -- Aber sagen
Sie mal, hat sich etwa unser braver Kurpfuscher Spitta wieder mal
ffentlich an die Heilung sogenannter sozialer Schden gemacht? Ha ha ha
ha! _Semper idem!_ das ist ja ein wahres Kreuz mit dem Menschen.

                               Kferstein

Es war ein Auflauf, und da hat er wohl, wie es scheint, in der
Volksmenge eine Freundin wieder erkannt.

                         Direktor Hassenreuter

Meiner unmageblichen Meinung nach wrde der junge Spitta viel besser
zum Sanittsgehilfen oder zum Heilsarmeeoffizier geeignet sein. Aber so
ist es: der Mensch wird Schauspieler.

                       Frau Direktor Hassenreuter

Der Lehrer der Kinder, Herr Spitta, wird Schauspieler?

                         Direktor Hassenreuter

Wenn du erlaubst, Mama, hat er mir die Erffnung gemacht. -- Aber nun,
wenn Sie Weihrauch und Myrrhen bringen, packen Sie aus, lieber
Kferstein. Sie sehen, Ihr Direktor ist vielseitig. Bald verhelfe ich
meinen Schlern, die ihr nach dem Inhalt der Brste der Musen durstig
seid, zu geistiger Nahrung, _nutrimentum spiritus!_ bald ...

                               Kferstein
                     klappert mit einer Sparkasse.

Nun, ich stelle also das Ding, es ist eine feuersichere Sparkasse, hier
neben die Equipage des jungen Herrn Maurerpolier, mit dem Wunsche, da
er es mindestens mal bis zum Regierungsbaumeister bringen mge.

                                  John
     hat Schnapsglschen auf den Tisch gestellt, nimmt und entkorkt
                   eine unangebrochene Likrflasche.

Na, nu mu ick det Danziger Joldwasser ufmachen.

                         Direktor Hassenreuter

Wer da hat, Sie sehen, dem wird gegeben, Frau John.

                                  John
                          whrend er eingiet.

Det is nich jesacht, det for Mauerpolier John sein Kind nich jesorcht
wre, meine Herrn! Aber ick rechen et mir an, meine Herrn. -- (Frau
Direktor und Walburga ausgenommen, ergreifen alle die Glser.) --
Wohlsein! -- Mutter, nu komm, wir wolln och ma anstoen.

   Es geschieht, sie trinken.

                         Direktor Hassenreuter
                            im Ton der Rge.

Mama, du mut selbstverstndlich mittrinken.

                                  John
                 nachdem er getrunken hat, aufgerumt.

Ick jeh nu och nich mehr nach Hamburg hin. D'r Meester mag ma 'n andern
hinschicken. Ick zerjle mir schonn mit 'n Meester deswechen drei Dache
rum. Ick mu mir nu wieder jleich mein Hut nehmen, hat mir wieder ma
jejen sechs uf's Bro bestellt! Wenn er nich will, denn lat er't
bleiben: det jeht nich, det 'n Familienvater immer un ewich wech von
seine Familie is. Ick ha 'n Kollegen ... et kost mir een Wort, da wer'
ick, wo se de Fundamente lechen, bei't neue Reichstagsjebude
einjestellt. Zwlf Jahre bin ick bei meinen Meester! Et kann ja och ma
wo anders sind.

                         Direktor Hassenreuter
                klopft John ebenfalls auf die Schulter.

Sessa! ganz Ihrer Ansicht, Herr Maurerpolier. Unser Familienleben ist
eine Sache, die man uns mit Geld und guten Worten nicht abkaufen kann.

   Kandidat Erich Spitta tritt ein. Sein Hut ist beschmutzt, sein Anzug
   trgt Schmutzflecken. Er ist ohne Schlips. Er sieht bleich und
   erregt aus und subert mit dem Taschentuch seine Hnde.

                                 Spitta

Verzeihung. Knnte ich mich bei Ihnen mal eben 'n bichen subern, Frau
John?

                         Direktor Hassenreuter

Ha ha ha! Um Gottes willen, was haben Sie denn angebahnt, guter Spitta?

                                 Spitta

Ich habe nur eine Dame nach Hause begleitet, Herr Direktor, weiter
nichts.

                         Direktor Hassenreuter
       der an einem allgemeinen Lachausbruch ob der Worte Spittas
                           teilgenommen hat.

Na hren Sie mal an! Und da setzen Sie noch hinzu: weiter nichts? Und
verknden es offen vor allen Leuten?

                                 Spitta
                               verblfft.

Wieso nicht? Es handelte sich um eine gutgekleidete Dame, die ich hier
im Hause auf der Treppe schon fters gesehen hatte, und die leider auf
der Strae verunglckt ist.

                         Direktor Hassenreuter

Ach, was Sie sagen: erzhlen Sie mal, bester Spitta. Augenscheinlich hat
die Dame Ihnen Flecke auf den Anzug und Schrammen auf die Hnde gemacht.

                                 Spitta

Ach nein. Das war wohl hchstens der Janhagel. Die Dame erlitt einen
Anfall. Ein Schutzmann griff sie dabei so ungeschickt, da sie auf den
Straendamm, und zwar dicht vor einem Paar Omnibuspferde niederfiel. Ich
konnte das absolut nicht mit ansehen, obgleich der Samariterdienst auf
der Strae im allgemeinen, wie ich zugebe, unter der Wrde
gutgekleideter Leute ist.

   Frau John schiebt den Kinderwagen hinter den Verschlag und kommt
   wieder mit einem Waschbecken voll Wasser, das sie auf einen Stuhl
   setzt.

                         Direktor Hassenreuter

Gehrte die Dame vielleicht jener internationalen guten Gesellschaft an,
die man je nachdem nur reglementiert oder auch kaserniert.

                                 Spitta

Das war mir in diesem Falle ebenso gleichgltig, wie ich sagen mu, Herr
Direktor, wie dem Omnibusgaul, der seinen linken Vorderhuf geschlagene
fnf, sechs oder acht Minuten lang, um die Frau nicht zu treten, die
unter ihm lag, in der Schwebe gehalten hat. -- (Spitta erhlt eine
Lachsalve zur Antwort.) -- Sie lachen! Fr mich ist das Verhalten des
Gauls nicht lcherlich. Ich konnte ganz gut verstehen, da einige Leute
ihm Bravo zuriefen, Beifall klatschten, andre eine Bckerei strmten und
Semmeln herausholten, womit sie ihn ftterten.

                               Frau John
                               fanatisch.

I, htt' er man feste zujetreten! -- (Die Bemerkung der John lst wieder
allgemeines Gelchter aus.) -- Und ieberhaupt, wat die Knobben is: die
jehrt ffentlich uf 'n Schandarmenmarkt, ffentlich uf de Bank
jeschnallt und jehrig mit Riemen durchjefuchtelt! Stockhiebe det det
Blut man so spritzt.

                                 Spitta

Ich habe mir niemals eingebildet, da das sogenannte Mittelalter eine
berwundene Sache ist. Es ist noch nicht lange her. Man hat eine Witwe
Mayer noch im Jahre achtzehnhundertundsiebenunddreiig hier in Berlin,
auf dem Hausvogteiplatz, von untenherauf geradebrecht. -- (Er zieht
Scherben einer Brille hervor.) -- brigens mu ich sofort zum Optiker.

                                  John
                               zu Spitta.

Entschuldijen Se man. Se haben die feine Dame doch hier am Flur
jejenieber rinjebracht? Na ja! Det hat Mutter ja jleich jemerkt, det det
keen andrer Mensch wie de Knobben jewesen is, wo bekannt for is, det se
Mdel mit zwlf uf de Jasse schickt, selber fortbleibt, trinkt und
allerhand Kundschaft hat, um Kinder nich kmmert und wo berauscht is und
ufwachen dut, allens mit Fuste und Schirme durchprijelt.

                         Direktor Hassenreuter
                      sich raffend und besinnend.

Allons, meine Herren, wir mssen zum Unterricht. Es fehlt uns schon eine
Viertelstunde. Meine Zeit ist gemessen. Unser Stundenschlu mu leider
heute ganz pnktlich sein. Komm Mama. Auf Wiedersehn, meine
Herrschaften.

   Der Direktor gibt seiner Frau den Arm und geht, gefolgt von
   Kferstein, und Dr. Kegel ab. Auch John nimmt seinen Kalabreser.

                                  John
                            zu seiner Frau.

Adje, ick mu och zum Meester hin.

   Auch John geht.

                                 Spitta

Knnten Sie mir mal einen Schlips leihen?

                               Frau John

Ick will mal sehn, wat sich bei Paul in de Schublade vorfinden duht. --
(Sie ffnet den Tischschub und verfrbt sich.) -- Jesus! -- (Sie nimmt
ein durch ein buntes Band zusammengehaltenes Bschelchen Kinderhaar aus
der Schublade.) -- Da hab ick ja 'n Bschelschen Haar jefunden, wo mein
Jungeken, wo mein Adelbertchen schon in Sarch mit Vaters Papierschere
abjeschnitten is. -- (Tiefe, kummervolle Traurigkeit zieht pltzlich
ber ihr Gesicht, das sich aber ebenso pltzlich wieder aufhellt.) -- Un
nu liecht et doch wieder in Kinderwagen! -- (Sie geht mit eigentmlicher
Frhlichkeit, das Haarbschel in der Hand, den jungen Leuten vorweisend,
zur Tr des Verschlages, wo der Kinderwagen, zwei Drittel sichtbar, sich
befindet. Dort angelangt, hlt sie das Haarbschel an das
Kinderkpfchen.) -- Na nu kommt mal, kommt mal! -- (Sie winkt mit
seltsamer Heimlichkeit Walburga und Spitta, die auch neben sie an den
Kinderwagen treten.) -- Seht mal det Harchen und det! --? ob det nich
detselbiche ... ob det nich janz und jnzlich een und datselbiche
Harchen is.

                                 Spitta

Richtig! Bis auf die kleinste Nuance, Frau John.

                               Frau John

Jut so! jut so! mehr wollt ick nich!

   Sie, mit dem Kinde, verschwindet hinter dem Verschlag.

                                Walburga

Findest du nicht, Erich, da das Betragen der John eigentmlich ist?

                                 Spitta
        fat Walburgas Hnde und kt sie scheu und inbrnstig.

Ich wei nicht, wei nicht -- ... oder ich zhle heut nicht mit, weil
ich alles von vornherein subjektiv dster gefrbt sehe. Hast du den
Brief bekommen?

                                Walburga

Jawohl. Aber ich konnte nicht herausfinden, warum du so lange nicht bei
uns gewesen bist.

                                 Spitta

Verzeih, Walburga, ich konnte nicht kommen.

                                Walburga

Warum nicht?

                                 Spitta

Weil ich innerlich zu zerrissen bin.

                                Walburga

Du willst Schauspieler werden? Ist's wahr? Du willst umsatteln?

                                 Spitta

Was schlielich noch mal aus mir wird, steht bei Gott! Nur niemals ein
Pastor! niemals ein Landpfarrer!

                                Walburga

Du, ich habe mir lassen die Karten legen.

                                 Spitta

Das ist Unsinn, Walburga. Das sollst du nicht.

                                Walburga

Ich schwre dir, Erich, es ist kein Unsinn. Sie hat mir gesagt, ich
htte einen heimlichen Brutigam, und der sei Schauspieler. Natrlich
hab' ich sie ausgelacht und gleich darauf sagt Mama, du wirst
Schauspieler.

                                 Spitta

Tatschlich?

                                Walburga

Tatschlich! Und dann hat mir die Kartenlegerin noch gesagt, wir wrden
durch einen Besuch viel Not haben.

                                 Spitta

Mein Vater kommt nach Berlin, Walburga, und das ist allerdings wahr, da
uns der alte Herr etwas zu schaffen machen wird. -- Vater wei das
nicht, aber ich bin mit ihm innerlich lngst zerfallen, auch ohne diese
Briefe, die mir hier in der Tasche brennen und mit denen er meine
Beichte beantwortet hat.

                                Walburga

ber unserm verunglckten Rendezvous hat wirklich ein bser, neidischer,
giftiger Stern geschwebt. Wie habe ich meinen Papa bewundert! Aber seit
jenem Sonntag werde ich aller Augenblick rot fr ihn, und so sehr ich
mir Mhe gebe, ich kann ihm seitdem nicht mehr gerade und frei ins Auge
sehn.

                                 Spitta

Hast du mit deinem Papa auch Differenzen gehabt?

                                Walburga

Ach, wenn es blo das wre! Ich war stolz auf Papa! Und jetzt mu ich
zittern, wenn du es wtest, ob du uns berhaupt noch achten kannst.

                                 Spitta

Ich und verachten! Ich wte nicht, was mir weniger zukme, gutes Kind.
Sieh mal: ich will mit Offenheit gleich mal vorangehn. Eine sechs Jahr
ltere Schwester von mir war Erzieherin, und zwar in einem adligen
Hause. Da ist etwas passiert ... und als sie im Elternhaus Zuflucht
suchte, stie mein christlicher Vater sie vor die Tr. Er dachte wohl:
Jesus htte nicht anders gehandelt! Da ist meine Schwester allmhlich
gesunken, und nchstens werden wir beide mal nach dem kleinen
sogenannten Selbstmrderfriedhof bei Schildhorn gehn, wo sie schlielich
gelandet ist.

                                Walburga
                             umarmt Spitta.

Armer Erich, davon hast du ja nie ein Wort gesagt.

                                 Spitta

Das ist eben nun anders: ich spreche davon. Ich werde auch hier mit Papa
davon sprechen und wenn es darber zum Bruche kommt. -- Du wunderst dich
immer, wenn ich erregt werde, und wenn ich mich manchmal nicht halten
kann, wo ich sehe, wie irgendein armer Schlucker mit Fen gestoen
wird, oder wenn der Mob etwa eine arme Dirne mihandelt. Ich habe dann
manchmal Halluzinationen und glaube am hellichten Tage Gespenster, ja
meine leibhaftige Schwester wiederzusehn.

   Pauline Piperkarcka, ebenso wie frher gekleidet, tritt ein. Ihr
   Gesichtchen erscheint bleicher und hbscher geworden.

                            Die Piperkarcka

Jun Morchen.

                               Frau John
                         hinter dem Verschlage.

Wer ist denn da?

                            Die Piperkarcka

Pauline, Frau John.

                               Frau John

Pauline? -- Ick kenne keene Pauline.

                            Die Piperkarcka

Pauline Piperkarcka, Frau John.

                               Frau John

Wer? -- Denn wachten Se man 'ne Minute, Pauline.

                                Walburga

Adieu, Frau John.

                               Frau John
     erscheint vor dem Verschlage, schliet sorgfltig den Vorhang
                              hinter sich.

Jawoll! Ick ha mit det Freilein wat zu verabreden. Seht ma, det ihr
'naus uf de Strae kommt.

   Spitta und Walburga schnell ab. Frau John schliet die Tr hinter
   beiden.

                               Frau John

Sie sind et, Pauline? Wat wollen Se denn?

                            Die Piperkarcka

Wat werde wollen? Et hat mir herjetrieben. Habe nich lnger warten
knnen. Mu sehn, wie steht.

                               Frau John

Wat denn? Wat soll denn stehn, Pauline?

                            Die Piperkarcka
                     mit etwas schlechtem Gewissen.

Na, ob jesund is, ob jut in Stand.

                               Frau John

Wat soll denn jesund? wat soll denn in Stande sind?

                            Die Piperkarcka

Dat sollen woll wissen von janz alleine.

                               Frau John

Wat soll ick denn von alleene wissen?

                            Die Piperkarcka

Ob Kind auch nich zujestoen is.

                               Frau John

Wat for'n Kind? un wat zujestoen? Reden Se deitsch! Se blubbern ja man
keen eenziget richtiget deitsches Wort aus de Fresse raus.

                            Die Piperkarcka

Wenn ick nur sagen, was wahr is, Frau John.

                               Frau John

Na wat denn?

                            Die Piperkarcka

Mein Kind ...

                               Frau John
                  haut ihr eine gewaltige Backpfeife.

... Det sache nochmal, un denn kriste so lange den Schuh um de Ohren,
bis et dir vorkommt, det du 'ne Mutter von Drillinge bist. Nu raus! Un
nu la dir nich wieder blicken!

                            Die Piperkarcka
       will fort. Rttelt an der Tr, die aber verschlossen ist.

Hat mir jeschlagen, zu Hilfe, zu Hilfe! Brauche mir nich jefallen zu
lassen! -- (weinend) -- Aufmachen! Hat mir mihandelt, Frau John!

                               Frau John
     vollkommen umgewandelt, umarmt Pauline, sie so zurckhaltend.

Pauline, um Jottet willen, Pauline! Ick wee nich, wat in mir jefahren
hat! Sein Se man jut, ick leiste ja Abbitte! Wat soll ick tun? Pauline,
soll ick fufllig uf de Knie, Pauline, Pauline! Abbitte tun?

                            Die Piperkarcka

Was haben mir ins Jesicht jeschlagen? Ick jehe zu Wache und zeigen an,
det mir hier ins Jesicht jeschlagen hat. Ick zeigen an, ick gehen zu
Wache.

                               Frau John
                         hlt ihr Gesicht hin.

Da! hauste mir wieder in't Jesicht! denn is et jut! denn is er
verjlichen.

                            Die Piperkarcka

Ick jehe zu Wache ...

                               Frau John

Denn is et verjlichen. Ick sache, Mchen, denn is et, Mchen, sag ick,
akkurat mit de Wage verjlichen! Wat wiste nu, Mchen? Nu jeradezu.

                            Die Piperkarcka

Wat soll mich ntzen, wenn Backe jeschwollen is.

                               Frau John
                  haut sich selbst ein Backenstreich.

Da! Meine Backe is och jeschwollen. Mchen, hau zu, und jeniere dir
nich. -- Un denn komm, denn raus, watte uf 'n Herzen hast. Ick will
mittlerweile ... ick koche inzwischen for Sie und for mir, Freilein
Pauline, 'n rechten juten Bohnenkaffee, Jott wee et, und keene
Zichorientunke.

                            Die Piperkarcka
                                weicher.

Warum sin denn auf einmal so niedertrchtig und jrob zu mich armes
Mchen, Frau John?

                               Frau John

Det is et! det mecht ick alleene wissen! Komm Se, Pauline, setzen sich.
So! Scheenecken sag ick! Setzen sich! Scheen, det Se mich ma besuchen
komm! Wat ha ick von meine Mutter deswechen schon for Schmisse jekricht,
ick bin doch aus Brickenberch jebrtig! weil ick mir manchmal ja nich
jekannt habe. Die hat mehr wie eemal zu mich jesacht: Mdel pa uf: du
machst dir ma unglcklich. Det kann och sin, det se recht haben dut. Wie
jeht's, Pauline, wat machen Se denn?

                            Die Piperkarcka
     legt Scheine und Silbergeld, die Handvoll, ohne zu zhlen, auf
                               den Tisch.

Hier is det Jeld: ick brauchen ihm nicht.

                               Frau John

Ick wee doch von keenen Jelde, Pauline.

                            Die Piperkarcka

Oh, werden woll janz jut wissen von Jeld! Et hat mir jebrannt. Et war
mich wie Schlange unter Kopfkissen ...

                               Frau John

I wo denn ...?

                            Die Piperkarcka

Is vorjekrochen, wo ick mde bin einjeschlafen. Hat mir jepeinigt, hat
mir umringt! hat mir jequetscht, wo ick habe laut aufjeschrien und meine
Wirtin hat mir jefunden, wo ick fast abjestorben, lngelang auf Diele
jelegen bin.

                               Frau John

Lassen Se det man jut sind, Pauline! -- Trinken Se erst ma 'n kleenen
Schnaps! -- (Sie giet ihr Kognak ein.) -- Un dann essen Se erst ma 'n
Happen-Pappen: mein Mann hat jestern Jeburtstag jehat.

   Sie holt einen Streuelkuchen, von dem sie Streifen schneidet.

                            Die Piperkarcka

I wo denn, ick mag nich essen, Frau John.

                               Frau John

Det strkt, det dut jut, det mussen Se essen! Aber ick mu mir doch
freuen, Pauline, det Se doch wieder mit Ihre jute Natur bei Ihre Krfte
jekommen sin.

                            Die Piperkarcka

Nu will ick et aber mal sehn, Frau John.

                               Frau John

Wat denn, Pauline? Wat woll'n Se denn sehn?

                            Die Piperkarcka

Htt' ick laufen jekonnt, wr' ick frher jekomm. Das will jetzt sehn,
warum jekommen bin.

   Frau John, deren fast kriechende Freundlichkeiten von angstvoll
   bebenden Lippen gekommen sind, erbleicht auf eine unheilverkndende
   Weise und schweigt. Sie geht nach dem Kchenschrank, reit die
   Kaffeemhle heraus und schttet heftig Kaffeebohnen hinein. Sie
   setzt sich, quetscht die Kaffeemhle energisch zwischen die Knie,
   fat die Kurbel und starrt mit einem verzehrenden Ausdruck
   namenlosen Hasses zur Piperkarcka hinber.

                               Frau John

So? -- Ach! -- Wat wite sehen? -- Wat wite nu jetzt uf eemal sehn? --
Det, det wat te hast mit deine zwee Hnde erwrchen jewollt.

                            Die Piperkarcka

Ick? --

                               Frau John

Wite noch liechen? Ick werde dir anzeigen.

                            Die Piperkarcka

Nu haben mir aber jenug jeqult und bis auf't Blut jemartert, Frau John.
Mir nachjestellt! mir Schritt und Tritt nich Ruhe jelassen. Bis haben
Kind auf Oberboden auf Haufen alter Lumpen zu Welt jebracht. Mich
Hoffnung jemacht, mich schlechten Spitzbubenjungen Angst jemacht. Mich
Karten jelegt von wegen mein Brutigam un weiterjehetzt, bis bin wie
verrckt jeworden.

                               Frau John

Det bist du och noch! Jawoll: du bist janz und jar verrckt! Wat, ick
hab dir jeqult? Wat hab ick? Ick habe dir aus 'n Rinnstein jelesen! Ick
hab dir jeholt bei Schneejestber, bei de Normaluhr, wo de hast mit
verzweifelte Ochen -- un wie de hast ausjesehen! -- hintern
Lanternanznder herjestarrt. Jawoll: denn ha ick dir nachjestellt, det
dir der Schutzmann, det dir der jrne Wagen, det dir der Deibel nich hat
holen jekonnt! Ick habe dir keene Ruhe jelassen, ick ha dir jemartert,
bis det de nich sollst mit dein Kind unterm Herzen in't Wasser jehn. --
(fft ihr nach.) -- Ick jeh im Landwehrkanal, Mutter John! Ick erwrche
det Kind! Ick ersteche det Wurm mit meine Hutnadel! Ick jeh, ick lauf,
wo der Lump von Vater sitzen un Zither spielen dut, mitten in't Lokal,
und schmei ihn det tote Kind vor die Fie. Det hae jesacht, so haste
jesprochen, so jing et den lieben langen Dach, un manchmal de halbe
Nacht noch dazu, bis ick dir hab hier ins Bette jebracht un so lange
jestreichelt, det de bist endlich einjeschlafen un bist mittags um
zwlf, wie die Glocken von alle Kirchen jelut't haben, an andern Dache
erst wieder ufjewacht. Jawoll, so ha ick dir angst jemacht, wieder
Hoffnung jemacht, so ha ick dir keene Ruhe jelassen! Haste det allens
verjessen! wat?

                            Die Piperkarcka

Aber et is doch mein Kind, Mutter John ...

                               Frau John
                                schreit.

Denn hol et dir aus'n Landwehrkanale!

   Sie springt auf, luft umher und nimmt bald diesen, bald jenen
   Gegenstand in die Hand, um ihn sogleich wieder wegzuwerfen.

                            Die Piperkarcka

Soll ick mein Kind nich ma sehen drfen?

                               Frau John

Spring in't Wasser un such et! denn haste et! Wee Jott, ick halte dir
nu weiter nich.

                            Die Piperkarcka

Jut! Mejen mich schlajen, mejen mir prgeln, mejen mir schmeien
Wasserflasche an Kopp: eh' nich wei wo Kind is, eh' nich haben mit
Augen jesehn, bringen mich keiner und niemand von Stelle fort.

                               Frau John
                              einlenkend.

Pauline, ick ha et in Flege jejeben!

                            Die Piperkarcka

Lieche! Ick hr et doch schmatzen, wo et janz jenau hintern Vorhang is!
-- (Das Kind hinter dem Tapetenverschlag beginnt zu schreien. Die
Piperkarcka eilt auf den Vorhang zu, dabei nicht ohne falsche Note, ein
wenig pathetisch weinerlich rufend): -- Weine nicht, armes, armes
Jungchen, jutes Mutterchen kommen schon!

                               Frau John
      fast von Sinnen, ist vor den Eingang gesprungen, den sie der
                         Piperkarcka verstellt.

                            Die Piperkarcka
              ohnmchtig wimmernd, mit geballten Fusten.

Soll mir jetzt zu mein Kinde reinlassen.

                               Frau John
                          furchtbar verndert.

Sieh mir ma an, Mchen! Mchen, sieh mir ma in't Jesicht! -- Jlobst du,
det mit eene, die aussieht wie ich ... det mit mir noch zu spaen is? --
(Die Piperkarcka hat wimmernd Platz genommen.) -- Setz dir! flenne!
wimmere! bis dir, ick we nich wat ... jammere, bis det dir die Jurjel
verschwollen is! det, wenn de hier rin willst -- denn bist du tot oder
ick bin tot -- un denn is och det Jungchen nich mehr am Leben!

                            Die Piperkarcka
                       erhebt sich entschlossen.

Denn jeben acht, was jeschehen, Frau John.

                               Frau John
                          wiederum einlenkend.

Pauline, die Sache is zwischen uns richtig un abjemacht. Wat wollen Se
sich mit det Kindchen behngen, wo jetzt mein Kindeken und in beste
Hnde jeborjen is? Wat wollen Se denn mit det Kindeken ufstellen? Jehn
Se zu Ihren Breitijan! da sollen Se woll mit den Besseres zu tun haben
als Kinderjeschrei, Kindersorchen und Kimmernis.

                            Die Piperkarcka

Erst recht! Nu jerade! Nu mu er mir heiraten! -- Haben alle ... hat
Frau Kielbacke, als ick mir mussen haben behandeln lassen, zu mich
jesacht. Soll nich nachjeben! Mu mir heiraten. Auch Standesbeamte gab
mich Rat. Hat jesacht, janz wtend, als ick haben erzhlt, wohin
jekrochen un habe Kind auf Dachboden Welt jebracht ... schreit janz
wtend: ick mu nich nachlassen. Hat jesacht: arme jeschundene Kreatur
zu mich, Tasche jejriffen, Taler zwei Jroschen Jeld jeschenkt. Jut!
lasse mir weiter nich ein, Frau John. Adje! Bin blo jekommen, sowieso,
da morjen nachmittag fnf zu Hause sind. Warum? weil morjen
einjesetzter Pfleger von Jemeinde nachsehn kommt. Ick werde mir weiter
hier noch rumrgern.

                               Frau John
                          starr, entgeistert.

Wat? du hast et jemeld uf't Standesamt?

                            Die Piperkarcka

Etwa nich? Ick soll woll Jefngnis komm?

                               Frau John

Wat hast du jemeldet beim Standesbeamten?

                            Die Piperkarcka

Sonst janischt, als det mit Knaben niederjekommen bin. Ick hab mir
jeschmt, o Jott! bin ber un ber rot jeworden! Mir is, ick sink jleich
in de Erde rin.

                               Frau John

So! -- Wenn de dir so jeschmt hast, Mchen, warum haste's denn aber
anjezeigt?

                            Die Piperkarcka

Weil mich meine Wirtin und och Frau Kielbacke, wo mich hinjefhrt hat,
mich partout nich Ruhe jejeben.

                               Frau John

So! -- Denn wissen se't also uf't Standesamt?

                            Die Piperkarcka

Na ja, det mussen se wissen, Frau John.

                               Frau John

... Aber ha ick dir dat nich einjeschrft ...? ...

                            Die Piperkarcka

Det mu man melden! Soll ick denn abjefhrt Untersuchung und Pltzensee
gesteckt?

                               Frau John

Ick ha doch jesacht: ick jeh et anmelden.

                            Die Piperkarcka

Habe jleich bei Standesbeamte jefracht. Is keene jekommen hat anjemeldt.

                               Frau John

Un wat haste nu also anjejeben?

                            Die Piperkarcka

Da Aloisius Theophil heien soll un da bei Sie, Frau John, in Pflege
is.

                               Frau John

Un morjen will eener nachsehn komm?

                            Die Piperkarcka

Det is een Herr von de Vormundschaft. Was is denn weiter? Nun sin doch
ruhig un sin vernnftig. Haben mich wirklich vorher Schrecken in alle
Jlieder jejagt.

                               Frau John
                               abwesend.

Nu freilich: det is nu nich mehr zu ndern. Det is ja nu och in
Jottesnamen nu jro weiter nischt.

                            Die Piperkarcka

Gelt, un kann nu mein Kindchen auch sehn, Frau John.

                               Frau John

Heute nich! Morjen, morjen, Pauline.

                            Die Piperkarcka

Warum nich heut?

                               Frau John

Weil det det Beschreien nich jut dut, Pauline! Also morjen, um Uhre
fnfen nachmittag?

                            Die Piperkarcka

Steht jeschrieben, sagt mir Wirtin, da Herr von die Stadt, Uhren fnfen
morjen nachsehn kommt.

                               Frau John
   indem sie die Piperkarcka hinausschiebt und selbst mit hinausgeht,
                        im Tone der Abwesenheit.

Jut so. La er man kommen, Mchen.

   Frau John ist einen Augenblick auf den Flur hinausgetreten und kommt
   ohne die Piperkarcka wieder herein. Sie ist seltsam verndert und
   geistesabwesend. Sie tut einige hastige Schritte gegen die
   Verschlagstr, steht jedoch pltzlich wieder still mit einem
   Gesichtsausdruck vergeblichen Nachsinnens. Dieses Grbeln
   unterbricht sie, heftig gegen das Fenster zu eilend. Hier wendet sie
   sich und wieder erscheint der hilflose Ausdruck schwerer
   Bewutlosigkeit. Langsam, wie eine Nachtwandlerin, tritt sie an den
   Tisch und lt sich daran nieder, das Kinn in die Hand sttzend. Nun
   erscheint Selma Knobbe in der Tr.

                                 Selma

Mutter schlft, Frau John. Ick ha solchen Hunger. Kann ick 'n Happen
Brot kriejen?

   Frau John erhebt sich mechanisch und schneidet ein Stck von einem
   Laib Brot, wie unter dem Einflu einer Suggestion.

                                 Selma
                 der die Verfassung der Frau auffllt.

Ick bin's! -- Wat is denn? -- Schneiden sich man blo nich etwa mit
Brotmesser.

                               Frau John
    mit trockenem Rcheln, das sie mehr und mehr berwltigt, indem
     sie Brot und Brotmesser willenlos auf den Tisch gleiten lt.

Angst! -- Sorje! -- Da wit Ihr nischt von!

   Sie zittert und sucht einen Halt, um nicht umzusinken.




                              Dritter Akt


   Alles wie im ersten Akt. Die Lampe brennt. Auf dem Gange schwaches
   Ampellicht.

   Direktor Hassenreuter gibt seinen drei Schlern, Spitta, Dr. Kegel
   und Kferstein, dramatischen Unterricht. Er selbst sitzt am Tisch,
   ffnet fortgesetzt Briefe und schlgt skandierend mit dem Falzbein
   auf den Tisch. Vorn stehen auf der einen Seite Kegel und Kferstein,
   auf der anderen Spitta einander als beide Chre der Braut von
   Messina gegenber. Ihre Fe befinden sich innerhalb eines Schemas
   aufgestellt, das mit Kreide auf den Fuboden gezeichnet ist und
   diesen in die vierundsechzig Felder des Schachbretts einteilt. Auf
   dem Kontorbock am Stehpult sitzt Walburga, in ein groes Kontobuch
   eintragend. Im Hintergrund, wartend, steht der Vizewirt oder
   Hausmeister Quaquaro, ein vierzigjhriger, vierschrtiger Mensch,
   der Inhaber eines wandernden Zirkus und, als Athlet, Hauptmitglied
   desselben sein knnte. Seine Sprache ist tenorhaft guttural. Er
   trgt Schlafschuhe. Die Beinkleider durch einen gestickten Grtel
   gehalten. Ein offenes Hemd, nicht unsauber, ein leichtes Jackett und
   die Mtze in der Hand.

                        Dr. Kegel und Kferstein
                        mit gewaltiger Pathetik.

   Dich begr ich in Ehrfurcht,
   Prangende Halle,
   Dich, meiner Herrscher
   Frstliche Wiege,
   Sulengetragenes herrliches Dach.
   Tief in der Scheide ...

                         Direktor Hassenreuter
                            schreit wtend.

Pause! Punkt! Punkt! Pause! Punkt! Sie drehen doch keinen Leierkasten!
Der Chor aus der Braut von Messina ist doch kein Leierkastenstck! Dich
begr ich in Ehrfurcht nochmal von Anfang an, meine Herren! Dich
begr ich in Ehrfurcht, prangende Halle! Etwa so, meine Herren! Tief
in der Scheide ruhe das Schwert. Punktum! Herrliches Dach wollt' ich
sagen: punktum! Meinethalben fahren Sie fort.

                        Dr. Kegel und Kferstein

   Tief in der Scheide
   Ruhe das Schwert,
   Vor den Toren gefesselt
   Liege des Streits schlangenhaarigtes Scheusal.
   Denn ...

                         Direktor Hassenreuter
                              wie vorher.

Halt! Wissen Sie nicht, was ein Punkt bedeutet, meine Herren? Haben Sie
denn keine Elementarkenntnisse? Schlangenhaarigtes Scheusal. Punkt!
Denken Sie sich einen Pfahl eingerammt: halt! Punkt! Alles ist
totenstille! als wenn Sie gar nicht mehr in der Welt wren, Kferstein!
Und dann raus mit der Posaunenstimme aus der Brust! Halt! Um Gottes
willen nicht lispeln! -- Denn ... weiter! los!

                        Dr. Kegel und Kferstein

   Denn des gastlichen Hauses
   Unverletzliche Schwelle
   Htet der Eid, der Erinnyen Sohn ...

                         Direktor Hassenreuter
                   springt auf, brllt, luft umher.

Eid, Eid, Eid, Eid!! Halt! Wissen Sie nicht, was ein Eid ist,
Kferstein? Htet der Eid!! -- der Erinnyen Sohn. Der Eid ist der
Erinnyen Sohn, Dr. Kegel! Stimme heben! Tot! Das Publikum, bis zum
letzten Logenschlieer, ist eine einzige Gnsehaut! Schauer durchrieselt
alle Gebeine! Passen Sie auf: Denn des Hauses Schwelle htet der Eid!!!
-- der Erinnyen Sohn, der furchtbarste unter den Gttern der Hlle! --
-- Nicht wiederholen, weiter im Text! Sie knnen sich aber jedenfalls
merken, da ein Eid und ein Mnchner Bierrettich zwei verschiedene Dinge
sind.

                                 Spitta
                              deklamiert.

   Zrnend ergrimmt mir das Herz im Busen ...

                         Direktor Hassenreuter

Halt! -- (Er luft zu Spitta und biegt an seinen Armen und Beinen herum,
um eine gewnschte tragische Pose zu erzielen.) -- Erstlich fehlt die
statuarische Haltung, mein lieber Spitta. Die Wrde einer tragischen
Person ist bei Ihnen auf keine Weise ausgedrckt. Dann sind Sie nicht,
wie ich ausdrcklich verlangt habe, von Feld I D mit dem rechten Fu auf
II C getreten! Endlich wartet Herr Quaquaro: unterbrechen wir einen
Augenblick! -- (Er wendet sich an Quaquaro.) -- So, jetzt steh' ich zu
Diensten, Herr Vizewirt! das heit, ich habe Sie bitten lassen, weil mir
leider, wie sich bei der Inventur herausstellt, mehrere Kisten mit
Kostmen abhanden gekommen, mit andern Worten gestohlen sind. Bevor ich
nun meine Anzeige mache, wozu ich natrlich entschlossen bin, wollte ich
erst mal Ihren Rat hren. Um so mehr, da sich auch sonst noch etwas, wie
soll ich sagen, eine sonderbare Bescherung, statt der verlornen
Kleiderkisten, in einem Winkel des Bodens angefunden hat: ein Fund, um
Virchow zu benachrichtigen. Erstlich ein blaukariertes Plumeau, wahrhaft
prhistorisch, und eine unaussprechliche Scherbe, deren Bestimmung im
ganzen harmlos, aber ebenfalls unaussprechlich ist.

                                Quaquaro

Herr Direkter, ick kann ja ma oben steigen.

                         Direktor Hassenreuter

Tun Sie das. Sie finden oben Frau John, die durch den Fund eigentlich
noch mehr wie ich selbst beunruhigt ist. Diese drei Herren, die meine
Schler sind, lassen es sich partout nicht ausreden, da da oben etwas
wie eine Mordgeschichte vorgefallen ist. Aber bitte: wir wollen keinen
Skandal schlagen.

                               Kferstein

Wenn bei meiner Mutter in Schneidemhl im Laden irgend etwas abhanden
kam, hie es immer, das htten die Ratten gefressen. Und wirklich, was
man in diesem Hause von Ratten und Musen sieht -- auf der Treppe htt'
ich beinahe eine totgetreten! -- warum sollten Kisten und
Theatergarderobe, Seide schmeckt s! nicht ebenfalls von ihnen vertilgt
worden sein?

                         Direktor Hassenreuter

Geschenkt, geschenkt! Alle weiteren Schnittwarenladen-Phantasien, ha ha
ha ha! sind Ihnen geschenkt, bester Kferstein. Es fehlt nur noch, da
Sie uns Ihre Gespenstergeschichten nochmals auftischen, vom
Kavalleristen Sorgenfrei, der sich nach Ihrer Behauptung seinerzeit, als
das Haus noch Reiterkaserne war, mit Sporen und Schleppsbel auf meinem
Boden erhangen hat. Und da Sie den noch in Verdacht nehmen.

                               Kferstein

Sie knnen den Nagel noch sehn, Herr Direktor.

                                Quaquaro

Det wird in janzen Hause rum erzhlt von den Soldat, namens Sorjenfrei,
der sich irgendwo hier oben in Dachstuhl mit 'ne Schlinge jeendigt hat.

                               Kferstein

Die Tischlersfrau auf dem Hof und eine Mntelnherin aus dem zweiten
Stock haben ihn wiederholt bei hellichtem Tage aus dem Dachfenster
nicken und militrisch stramm heruntergren gesehn.

                                Quaquaro

Een Unteroffizier hat dem Soldaten Sorjenfrei ja woll eene Dunstkiepe
jenannt und 'n aus Feez eene 'rinjelangt. Det hat sich der Dmlack zu
Herzen jenomm.

                         Direktor Hassenreuter

Ha ha ha! Militrmihandlungen und Geistergeschichten! Diese Verquickung
ist originell, aber zur Sache gehrt sie nicht. Ich nehme an, der
Diebstahl oder was sonst in Frage kommt, ist whrend jener elf oder
zwlf Tage vor sich gegangen, als ich in Geschften im Elsa gewesen
bin. Also sehen Sie sich die Geschichte mal an und, bitte, Sie werden
mir nachher Bescheid sagen!

   Der Direktor wendet sich seinen Schlern zu. Quaquaro steigt ber
   die Bodentreppe und verschwindet in der Bodenluke.

                         Direktor Hassenreuter

Allright, bester Spitta: schieen Sie los.

                                 Spitta
                rezitiert nur sinngem und ohne Pathos.

   Zrnend ergrimmt mir das Herz im Busen,
   Zu dem Kampf ist die Faust geballt,
   Denn ich sehe das Haupt der Medusen,
   Meines Feindes verhate Gestalt.
   Kaum gebiet' ich dem kochenden Blute
   Gnn' ich ihm die Ehre des Worts?
   Oder gehorch' ich dem zrnenden Mute?
   Aber mich schreckt die Eumenide,
   Die Beschirmerin dieses Orts,
   Und der waltende Gottesfriede.

                         Direktor Hassenreuter
       hat sich niedergelassen und lauscht, den Kopf in die Hand
    gesttzt, voll Ergebenheit. Erst einige Sekunden, nachdem Spitta
            geendet hat, blickt er wie zu sich kommend auf.

Sind Sie fertig, Spitta?! -- Ich danke sehr! --

Sehen Sie, lieber Spitta, ich bin nun Ihnen gegenber wieder mal in die
allerverzwickteste Lage geraten: entweder, ich sage Ihnen frech ins
Gesicht, da ich Ihre Vortragsart schn finde -- und dann habe ich mich
der allerniedertrchtigsten Lge schuldig gemacht! oder ich sage, ich
finde sie scheulich, und dann haben wir wieder den schnsten Krach.

                                 Spitta
                              erbleichend.

Ja, alles Gestelzte, alles Rhetorische liegt mir nicht. Deshalb bin ich
ja von der Theologie abgesprungen, weil mir der Predigerton zuwider ist.

                         Direktor Hassenreuter

Da wollen Sie wohl die tragischen Chre wie der Gerichtsschreiber ein
Gerichtsprotokoll oder wie der Kellner die Speisekarte herunterhaspeln?

                                 Spitta

Ich liebe berhaupt den ganzen sonoren Bombast der Braut von Messina
nicht.

                         Direktor Hassenreuter

Sagen Sie das nochmal, lieber Spitta.

                                 Spitta

Es ist nicht zu ndern, Herr Direktor: unsre Begriffe von dramatischer
Kunst divergieren in mancher Beziehung total.

                         Direktor Hassenreuter

Mensch, Ihr Gesicht in diesem Augenblick ist ja geradezu ein Monogramm
des Grenwahns und der Dreistigkeit. Pardon! aber jetzt sind Sie mein
Schler und nicht mehr mein Hauslehrer! Ich! und Sie!? Sie blutiger
Anfnger! Sie und Schiller! Friedrich Schiller! Ich habe Ihnen schon
zehnmal gesagt, da Ihr pueriles bichen Kunstanschauung nichts weiter
als eine Paraphrase des Willens zum Bldsinn ist.

                                 Spitta

Das mte mir erst bewiesen werden.

                         Direktor Hassenreuter

Sie beweisen es selbst, wenn Sie den Mund auftun! -- Sie leugnen die
Kunst des Sprechens, das Organ, und wollen die Kunst des organlosen
Qukens dafr einsetzen! Sie leugnen die Handlung im Drama und
behaupten, da sie ein wertloses Akzidenz, eine Sache fr Grndlinge
ist. Sie negieren die poetische Gerechtigkeit, Schuld und Shne, die Sie
als pbelhafte Erfindung bezeichnen: eine Tatsache, wodurch die
sittliche Weltordnung durch Euer Hochwohlgeboren gelehrten und
verkehrten Verstand aufgehoben ist. Von den Hhen der Menschheit wissen
Sie nichts. Sie haben neulich behauptet, da unter Umstnden ein Barbier
oder eine Reinmachefrau aus der Mulackstrae ebensogut ein Objekt der
Tragdie sein knnte als Lady Macbeth und Knig Lear.

                                 Spitta
                      bleich, putzt seine Brille.

Vor der Kunst wie vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich, Herr
Direktor.

                         Direktor Hassenreuter

So? Ach!? Wo haben Sie diesen hbschen Gemeinplatz her?

                                 Spitta
                               unbeirrt.

Dieser Satz ist mir zur zweiten Natur geworden. Ich befinde mich dabei
vielleicht mit Schiller und Gustav Freytag, aber keinesfalls mit Lessing
und Diderot im Gegensatz. Ich habe die letzten zwei Semester mit dem
Studium dieser wahrhaft groen Dramaturgen zugebracht, und der gestelzte
franzsische Pseudoklassizismus bleibt mir durch sie endgltig
totgeschlagen, sowohl in der Dichtkunst als in den grenzenlos lppischen
spteren Goetheschen Schauspielervorschriften, die durch und durch
mumifizierter Unsinn sind.

                         Direktor Hassenreuter

So!

                                 Spitta

Und wenn sich das deutsche Theater erholen will, so mu es auf den
jungen Schiller, den jungen Goethe des Gtz und immer wieder auf
Gotthold Ephraim Lessing zurckgreifen: dort stehen Stze, die der Flle
der Kunst und dem Reichtum des Lebens angepat, die der Natur gewachsen
sind.

                         Direktor Hassenreuter

Walburga! Ich glaube, Herr Spitta verwechselt mich. Herr Spitta, Sie
wollen Privatstunden halten. Bitte, zieh dich doch mit Herrn Spitta zur
Privatstunde in die Bibliothek zurck! -- Wenn die menschliche Arroganz
und besonders die der jungen Leute kristallisiert werden knnte, die
Menschheit wrde darunter wie eine Ameise unter den Granitmassen eines
Urgebirges begraben sein.

                                 Spitta

Ich wrde dadurch aber nicht widerlegt werden.

                         Direktor Hassenreuter

Mensch! Ich habe nicht nur zwei Semester knigliche Bibliothek hinter
mir, sondern ich bin ein ergrauter Praktiker und ich sage Ihnen, da der
Goethesche Schauspielerkatechismus A und O meiner knstlerischen
berzeugung ist. Pat Ihnen das nicht, so suchen Sie sich einen anderen
Lehrmeister.

                                 Spitta
                               unbeirrt.

Goethe setzte sich mit seinen senilen Schauspielerregeln, meiner Ansicht
nach, zu sich selbst und zu seiner eigenen Natur in kleinlichsten
Gegensatz. Und was soll man sagen, wenn er dekretiert: jede spielende
Person, gleichviel welchen Charakter sie darstellen soll -- wrtlich! --
msse etwas Menschenfresserartiges in der Physiognomie zeigen --
wrtlich! -- wodurch man sogleich an ein hohes Trauerspiel erinnert
werde. --

   Kferstein und Kegel versuchen Menschenfresserphysiognomien.

                         Direktor Hassenreuter

Ziehen Sie doch das Notizbuch, mein guter Spitta, und schreiben Sie,
bitte, hinein, da Direktor Hassenreuter ein Esel ist! Schiller ein
Esel! Goethe ein Esel! natrlich auch Aristoteles -- (er fngt pltzlich
wie toll zu lachen an) -- und, ha ha ha! ein gewisser Spitta ein
Nachtwchter!

                                 Spitta

Es freut mich, Herr Direktor, da Sie doch wenigstens wieder bei guter
Laune sind.

                         Direktor Hassenreuter

Nein, Teufel, ich bin bei sehr schlechter Laune! Sie sind ein Symptom.
Also nehmen Sie sich nicht etwa wichtig! -- Sie sind eine Ratte! aber
diese Ratten fangen auf dem Gebiete der Politik -- Rattenplage! -- unser
herrliches neues geeinigtes Deutsches Reich zu unterminieren an. Sie
betrgen uns um den Lohn unserer Mhe! und im Garten der deutschen Kunst
-- Rattenplage! -- fressen sie die Wurzeln des Baumes des Idealismus ab:
sie wollen die Krone durchaus in den Dreck reien. -- In den Staub, in
den Staub, in den Staub mit euch!

   Kferstein und Dr. Kegel wollen ernst bleiben, brechen indessen bald
   in lautes Gelchter aus, in das der Direktor hineingerissen wird.
   Walburga macht groe Augen. Spitta behlt seinen Ernst.

   Nun steigt Frau John ber die Leiter vom Boden herunter, nach
   einiger Zeit folgt ihr Quaquaro, der Vizewirt.

                         Direktor Hassenreuter
     bemerkt Frau John, weist heftig mit beiden Armen auf sie, wie
                 wenn er eine Entdeckung gemacht htte.

Da kommt Ihre tragische Muse, Spitta.

                               Frau John
         die sich unter dem Gelchter des Direktors, Kegels und
                  Kfersteins genhert hat, verdutzt.

Wat ha ick denn an mir, Herr Direkter?

                         Direktor Hassenreuter

Alles Gute und Schne, beste Frau John! Danken Sie Gott, wenn Ihr
stilles, eingezogenes, friedliches Leben Sie zur tragischen Heldin
ungeeignet macht. -- Aber sagen Sie, haben Sie etwa Gespenster gesehen?

                               Frau John
                       mit unnatrlicher Blsse.

I, weshalb denn nu det?

                         Direktor Hassenreuter

Etwa gar wieder den famosen Soldaten Sorgenfrei, der dort oben als
Deserteur ins bessere Jenseits seine Militrkarriere beschlossen hat?

                               Frau John

I, wenn't 'n lebendicher Mensch wr, det kennte sind: vor tote Jeister
furcht ick mir nich.

                         Direktor Hassenreuter

Na, wie war's, Herr Quaquaro, unter den Bleidchern?

                                Quaquaro
            der einen schwedischen Reiterstiefel mitbringt.

Ick habe mir allens jut umjesehen un bin zur Iberzeijung jekomm, det
mindestens obdachloses Jesindel oben, durch wat for'n Zujang wee ick
noch nich, jenchtigt hat. Un denn hab ick det hier in Stiefel jefunden.
--

   Er zieht aus dem Reiterstiefel ein Kinderflschchen mit
   Gummipfropfen, halb mit Milch gefllt.

                               Frau John

Det erklrt sich: ick ha oben zu'n rechten jesehn und ha Adelbertchen
bei mich jehat. -- Ick bin an die janze Jeschichte unschuldig!

                         Direktor Hassenreuter

Das Gegenteil hat wohl auch niemand behauptet, Frau John.

                               Frau John

Wo Adelbertchen zur Welt kam ... wo Adelbertchen jestorben war ... der
soll ma komm und soll mir sachen, wat eene richtiche Mutter is ... aber
nu mu ick fort, Herr Direkter ... Nu kann ick zweer Tage och drei nich
oben komm. Atje! ick mu ma biken mit Adelbertchen bei meine Schwchern
zeichen uf Sommerfrische. --

   Sie trottet durch die Flurtr ab.

                         Direktor Hassenreuter

Was hat sie da durcheinander gefaselt?

                                Quaquaro

Schon wo se det erste Kindeken hatte, nu jar nachdem, wie et jestorben
is, wa eene Schraube los bei die John. Seit se nu jar det Zweete hat,
wackeln zweee. Hinjejen, deswechen, rechnen kann se. Die hat manchen
juten Jroschen bei schene Prozente uf Fnder ausjeborcht.

                         Direktor Hassenreuter

Was soll ich nun als Bestohlener tun?

                                Quaquaro

Det kommt druf an, wo Verdacht hin is.

                         Direktor Hassenreuter

In diesem Hause? -- Sagen Sie selbst, Herr Quaquaro ...

                                Quaquaro

Det is ja nu wahr, aber et is nu doch och so weit, det nchstens biken
jesubert wird. De Witwe Knobbe mit ihren Anhang wird rausjeschmissen!
Und denn is eene Blase uf Flijel B, wo Schutzmann Schierke mir hat
jesacht, det sich schwere Jungen mang mang befinden: wo de Polizei
nchstens ausheben wird.

                         Direktor Hassenreuter

Irgendwo hier im Hause ist doch ein Gesangverein. Ich hre wenigstens
manchmal wirklich hbsche Mnnerstimmen Deutschland, Deutschland ber
alles, Wer hat dich, du schner Wald, In einem khlen Grunde und
dergleichen absingen.

                                Quaquaro

Det sind se! det sind se! die singen so jut wie de blaue Zwiebel! det
sind se, jewi! Wo man singt, da la dir jeruhig nieder, heet et zwar,
aber det wollt ick keenen raten ... Ick wage mir och man mit mein Prinz,
wat meine Bulldogge is, mang die feine Jesellschaft rin. Immer
anzeichen, anzeichen, Herr Direkter.

   Quaquaro geht ab.

                         Direktor Hassenreuter

Sein Auge blitzt Kaution. Sein Wort heischt Preuisch-Kurant. Seine
Faust bedeutet Kndigung. Wer um Ultimo nicht von ihm trumt, kann von
Glck sagen. Wer von ihm trumt, der brllt nach Hilfe. Ein
scheulicher, schmalziger Kerl! aber ohne ihn bekmen die Pchter dieser
Staatsbaracke die Miete nicht, und der Militrfiskus knnte die Pacht in
den Rauchfang schreiben. -- (Die Trschelle geht.) -- Das ist Frulein
Alice Rtterbusch! die junge Naive, die ich leider bei dem Hangen und
Bangen auf die Entscheidung der Straburger Stadtvter mir noch immer
kontraktlich nicht sichern kann. Nach meiner Ernennung, zu der Gott mir
helfe, wird ihr Engagement meine erste direktoriale Handlung sein. --
Walburga und Spitta, marsch auf den Oberboden. Zhlt die sechs Kisten
durch, wo der Vermerk Journalisten steht, da wir im geeigneten
Augenblick mit der Inventur fertig sind. -- (Zu Kferstein und Dr.
Kegel) -- Sie mgen derweil in die Bibliothek treten.

   Er geht, um die Flurtr zu ffnen.

   Walburga und Spitta verschwinden eilig und sehr bereitwillig auf den
   Oberboden. Kferstein und Kegel gehen in die Bibliothek.

                         Direktor Hassenreuter
                            im Hintergrund.

Bitte, kommen Sie nur herein, meine Gndige! Pardon! Bitte sehr um
Pardon, mein Herr! Ich erwartete eine Dame ... ich erwartete eine junge
Dame ... Aber bitte, treten Sie doch herein.

   Der Direktor kommt mit Pastor Spitta wieder nach vorn. Pastor
   Spitta, sechzig Jahre alt, ist ein etwas verbauerter kleiner
   Landpfarrer. Man knnte ihn ebensogut fr einen Feldmesser oder
   kleinen Gutsbesitzer nehmen. Er ist von krftiger Erscheinung,
   kurznackig, wohlgenhrt und hat ein etwas zusammengequetschtes,
   breites Luthergesicht. Er trgt Schlapphut, Brille, Stock, einen
   Lodenmantel berm Arm; ungeschlachte Stiefel und die Verfassung
   seiner brigen Kleidung zeigt, da sie an Wetter und Wind schon seit
   lange gewhnt sind.

                             Pastor Spitta

Wissen Sie, wer ich bin, Herr Direktor?

                         Direktor Hassenreuter

Nicht durchaus bestimmt, aber ...

                             Pastor Spitta

Wagen Sie's nur daraufhin, Herr Direktor: nennen Sie mich bis auf
weiteres Pastor Spitta aus Schwoiz in der Uckermark, dessen Sohn Erich
Spitta, jawohl, in Ihrer Familie als Hauslehrer oder so hnlich, ttig
gewesen ist. Erich Spitta: das ist mein Sohn. Das sag' ich mit schwerer
Bekmmernis.

                         Direktor Hassenreuter

Zunchst freue ich mich, Sie begren zu knnen. Ich mchte Sie aber im
gleichen Atem bitten, Herr Pastor, des bewuten Seitensprunges wegen,
den Ihr Sohn Erich sich leistet, nicht allzu bekmmert, nicht allzu
besorgt zu sein.

                             Pastor Spitta

O ich bin sehr besorgt. Ich bin sehr bekmmert! -- (Er sieht sich mit
groem Interesse, auf einem Stuhl sitzend, in dem seltsamen Raume um.)
-- Es ist schwer zu sagen, uerst schwer begreiflich zu machen, bis zu
welchem hohen Grade ich bekmmert bin. Aber verzeihen Sie eine Frage,
Verehrtester: ich war im Zeughaus. -- (Er berhrt mit dem Stock einen
der Pappenheimschen Krassiere.) -- Was sind das fr Rstungen?

                         Direktor Hassenreuter

Das sind Pappenheimsche Krassiere.

                             Pastor Spitta

Ah ah, ich stellte mir Schiller ganz anders vor! -- (Sich sammelnd.) --
O dieses Berlin! Es verwirrt mich ganz! Sie sehen in mir einen Mann,
Herr Direktor, der nicht nur bekmmert, nicht nur durch dieses Sodom
Berlin im Innersten aufgewhlt, sondern geradezu durch die Tat seines
Sohnes gebrochen ist.

                         Direktor Hassenreuter

Eine Tat? Welche Tat?

                             Pastor Spitta

Das fragen Sie noch? Der Sohn eines redlichen Mannes und ... und ...
Schauspieler.

                         Direktor Hassenreuter
                         gereckt, mit Haltung.

Mein Herr, ich billige den Entschlu Ihres Sohnes nicht. Aber ich
selbst, der ich, _hony soit qui mal y pense_, der Sohn eines redlichen
Mannes und selber, will ich hoffen, ein Mann von Ehre bin, ich, wie ich
hier stehe, ich war selbst Schauspieler und habe noch vor kaum sechs
Wochen bei einem Lutherfestspiel in Merseburg .... ich bin
Kulturkmpfer! nicht nur als Regisseur, sondern auch als Schauspieler
meinen Fu auf die weltbedeutenden Bretter gestellt. In bezug auf
brgerliche Ehre und vom Standpunkt der allgemeinen Ehrenhaftigkeit
drfte also, nach meinen Begriffen wenigstens, der Entschlu Ihres Herrn
Sohnes nicht zu beanstanden sein. Aber es ist ein schwerer Beruf, und
man mu auch auerdem dazu sehr viel Talent haben. Auch geb' ich zu: fr
schwache Charaktere ist es ein Beruf, der besonders gefhrlich ist. Und
schlielich habe ich selbst die ungeheure Mhsal meines Standes so bis
auf die Nagelprobe kennen gelernt, da ich jeden davor behten mchte.
Deshalb gebe ich meinen Tchtern Ohrfeigen, sobald auch nur der leiseste
Gedanke zur Bhne zu gehen sich geltend macht, und eh' ich sie an einen
Mimen verheiratete, wrde ich jeder von ihnen einen Stein um den Hals
hngen und sie ertrnken im Meer, wo es am tiefsten ist.

                             Pastor Spitta

Ich wollte niemand zu nahe treten. Ich gebe auch zu, ich habe als
schlichter Landpfarrer von alledem keine Vorstellung. Aber denken Sie
sich einen Vater an, eben einen solchen armen Landpfarrer, der seine
Pfennige mhsam zusammenkratzt, um seinem Sohne das Studium zu
ermglichen. Denken Sie, da dieser Sohn kurz vor seinem Examen steht
und da Vater und Mutter -- ich hab eine kranke Frau zu Haus! -- mit
Schmerzen oder mit Sehnsucht, wie Sie wollen, auf den Augenblick warten,
jawohl, wo er in irgendeiner Pfarre seiner Bestimmung von der Kanzel die
Probepredigt halten wird. Und nun kommt dieser Brief! der Junge ist
wahnsinnig. --

   Die Erregung des Pastors ist nicht gerade gespielt, aber beherrscht.
   Das Zittern, womit er nach seinem Briefe in die Brusttasche greift
   und ihn dem Direktor hinhlt, ist nicht ganz berzeugend.

                         Direktor Hassenreuter

Junge Leute suchen. Allzusehr drfen wir uns nicht wundern, wenn eine
Krise im Leben eines jungen Mannes zuweilen nicht zu vermeiden ist.

                             Pastor Spitta

Nun, diese Krise war zu vermeiden. Sie werden aus diesem Briefe unschwer
erkennen, wer verantwortlich fr den verderblichen Umschwung in der
Seele eines so jungen, braven und immer durchaus gehorsamen Menschen zu
machen ist. Ich htte ihn nie sollen nach Berlin schicken. Jawohl: die
sogenannte wissenschaftliche Theologie, die mit allen heidnischen
Philosophen liebugelt, und die uns den lieben Herrgott in Rauch, den
Herrn und Heiland in Luft verwandeln will, die mache ich fr den
schweren Fehltritt meines Kindes verantwortlich. Und nun kommen dazu die
anderen Verfhrungen: Herr Direktor, ich habe Dinge gesehen, wovon zu
sprechen mir ganz unmglich ist! Hier habe ich Zettel in allen Taschen:
Elite-Ball! Fesche Damenbedienung! und so fort. Ich gehe halb ein Uhr
nachts ganz ruhig durch die Passage zwischen Linden und Friedrichstrae,
schmeit sich ein scheulicher Kerl an mich an, halbwchsig und fragt
mit einer schmierigen, scheuen Dreistigkeit: ob der Herr vielleicht
etwas Pikantes will? Und nun diese Schaufenster, wo neben den Bildern
der hohen und Allerhchsten Herrschaften nackte Schauspielerinnen,
Tnzerinnen, kurz die anstigsten Nuditten zu sehen sind! Und dann
dieser Korso, dieser Korso! wo die geschminkte, aufgedonnerte Snde die
Brgersfrau vom Brgersteig auf die Strae drngt! Das ist einfach
Weltuntergang, Herr Direktor!

                         Direktor Hassenreuter

Ach Herr Pastor, die Welt! die geht nicht unter! nicht wegen der
Nuditten und ebensowenig der heimlichen Snde wegen, die Nachts durch
die Straen schleicht. Sie wird mich und wahrscheinlich das ganz skurile
Menschheitsintermezzo noch berleben.

                             Pastor Spitta

Was diese jungen Leute vom rechten Wege ablenkt, ist das bse Beispiel,
ist die Gelegenheit.

                         Direktor Hassenreuter

Mit Erlaubnis, Herr Pastor: ich habe eigentlich eine Neigung zum
Leichtsinn in Ihrem Sohne niemals bemerkt. Er hat einen Zug zur
Literatur, und er ist nicht der erste Pastorensohn -- Lessing, Herder
_etcetera_, der in den Weg der Literatur und Poeterei eingebogen ist.
Mglicherweise hat er schon Stcke im Schubfach liegen. Allerdings mu
ich sagen: die Ansichten, die Ihr Herr Sohn auch auf dem Felde der
Literatur vertritt, sind selbst fr mich mitunter bengstigend.

                             Pastor Spitta

Das ist ja furchtbar! das ist ja entsetzlich! und geht ber meine
schlimmsten Befrchtungen weit hinaus. Und so sind mir die Augen denn
aufgegangen. -- Mein Herr, ich habe acht Kinder gehabt, von denen Erich
unsre schnste Hoffnung, seine nchstlteste Schwester unsre schwerste
Prfung von Gott bedeutete und die nun, dem Anschein nach, beide von der
gleichen verruchten Stadt als Opfer gefordert worden sind. Das Mdchen
war frh entwickelt, war schn! -- doch -- Jetzt mu ich zu etwas
anderem kommen. -- Ich bin seit drei Tagen in Berlin und habe Erich noch
nicht gesehen. Als ich ihn heute aufsuchen wollte, war er in seiner
Wohnung nicht anwesend. Ich habe eine Weile gewartet und mich natrlich
dabei in seiner Behausung umgesehen. Nun: betrachten Sie dieses Bild,
Herr Direktor!

   Er hat eine kleine Photographie, indem er Erichs Brief zurcklegt,
   aus der Brieftasche genommen und hlt sie dem Direktor unter die
   Augen.

                         Direktor Hassenreuter
    nimmt und betrachtet das Bild, bald wie ein Kurzsichtiger, bald
                     wie ein Weitsichtiger, stutzt.

Wieso?

                             Pastor Spitta

An dem albernen Lrvchen liegt weiter nichts. Aber lesen Sie bitte die
Unterschrift.

                         Direktor Hassenreuter

Wo?

                             Pastor Spitta
                                 liest.

Ihrem einzigen Liebsten, seine Walburga.

                         Direktor Hassenreuter

Erlauben Sie mal! -- Was heit das, Herr Pastor?

                             Pastor Spitta

Irgendein Nhmdchen heit das! Wenn nicht gar irgendeine obskure
Kellnerin!

                         Direktor Hassenreuter
                              sehr bleich.

Hm. -- (Steckt das Bild ein.) -- Ich werde das Bild behalten, Herr
Pastor.

                             Pastor Spitta

In solchem Schmutz wlzt sich dieser Sohn. Und nun denken Sie sich in
meine Lage: mit welchen Gefhlen, mit welcher Stirn soll ich knftig vor
meiner Gemeinde auf der Kanzel stehn ......?

                         Direktor Hassenreuter

Donnerwetter, was geht mich das an, Herr Pastor! Was habe ich mit Ihrem
Sprengel, mit Ihren verlorenen Shnen und Tchtern und dergleichen zu
tun? (Er zieht wieder die Photographie.) -- Und brigens, was dieses
kernige, tchtige Mdchen betrifft, Kellnerin und dergleichen, so
irren Sie sich! Weiter sage ich nichts! Alles weitere wird sich finden,
Herr Pastor. Adieu.

                             Pastor Spitta

Ich gestehe frei, ich begreife Sie nicht. Wahrscheinlich ist das der
Ton, der in Ihren Kreisen der bliche ist. Ich gehe und werde Sie nicht
mehr belstigen. Aber ich habe als Vater das Recht vor Gott, Sie, Herr
Direktor, zu verpflichten: verweigern Sie knftig, oder ich werde Mittel
und Wege zu finden wissen, meinem verblendeten Sohne diesen sogenannten
dramatischen Unterricht!

                         Direktor Hassenreuter

Nicht nur das, Herr Pastor: sondern ich werde ihm ganz direkt den Stuhl
vor die Tr setzen.

   Er geleitet den Pastor hinaus, schlgt die Tr zu und kommt ohne ihn
   wieder.

                         Direktor Hassenreuter
                    schleudert die Arme in die Luft.

Hier kann man nur sagen: Neandertaler! -- (Er strmt die Bodentreppe
hinauf.) -- Spitta, Walburga, kommt mal herab.

   Walburga und Spitta kommen.

                         Direktor Hassenreuter
                 zu Walburga, die ihn fragend ansieht.

Geh auf deinen Kontorbock. Setz dich auf deinen humoristischen
Krperteil! -- Na, und Sie, lieber Spitta, was wollen Sie noch?

                                 Spitta

Sie hatten gerufen, Herr Direktor.

                         Direktor Hassenreuter

Gut. Sehen Sie mir ins Angesicht!

                                 Spitta

Bitte.

   Er tut es.

                         Direktor Hassenreuter

Ihr macht einen dumm! Aber mich sollt ihr nicht dumm machen! Still! --
Kein Wort! Ich htte mich von Ihnen eines anderen versehen, als eines so
exemplarischen Beweises von Undankbarkeit! -- Still! -- Im brigen war
ein Herr hier! er frchtet sich! Vorwrts! Gehen Sie ihm nach! --
Begleiten Sie ihn auf die Strae hinunter. Suchen Sie ihm begreiflich zu
machen, da ich nicht Euer Schuhputzer bin.

                                 Spitta
             zuckt die Achseln, nimmt seinen Hut, geht ab.

                         Direktor Hassenreuter
       schreitet energisch auf Walburga zu und zieht sie am Ohr.

Und du meine Liebe, du bekommst Ohrfeigen, wenn du mit diesem Schlingel
von verkrachtem Theologen noch jemals ohne meine Erlaubnis zwei Worte
sprichst.

                                Walburga

Au au, Papa.

                         Direktor Hassenreuter

Dieser Wicht, der mit Vorliebe schafsdumme Gesichter macht, als ob er
kein Wsserchen trben knnte, und dem ich den Zutritt in mein Haus zu
erffnen so unvorsichtig war, ist leider ein Mensch, hinter dessen Maske
die unverschmteste Frechheit lauert. Ich und mein Haus, wir dienen dem
Geiste der Wohlanstndigkeit. Willst du den Schild unserer Ehre
beflecken, etwa wie die Schwester von diesem Burschen, die zur Schande
ihrer Eltern, wie es scheint, in Gasse und Gosse geendigt ist?

                                Walburga

ber Erich bin ich nicht deiner Ansicht, Papa.

                         Direktor Hassenreuter

Was?! Nun jedenfalls kennst du meine Ansicht! und weit, einen Appell
gegen meine Ansichten gibt es nicht! Du gibst ihm den Laufpa oder
siehst selber zu, wo du auerhalb deines Elternhauses mit deinem ehr-
und pflichtvergessenen lockeren Lebenswandel durchkommen wirst! Dann
fort mit dir! von solchen Tchtern mag ich nichts wissen!

                                Walburga
                            bleich, finster.

Du sagst ja immer Papa, du hast dir deinen Weg auch ohne deine Eltern
selbstndig suchen mssen.

                         Direktor Hassenreuter

Du bist kein Mann.

                                Walburga

Gewi nicht. Aber denke doch mal an Alice Rtterbusch.

   Vater und Tochter sehen einander fest in die Augen.

                         Direktor Hassenreuter

Wieso? -- Bist du hei? was? oder bist du irrsinnig? -- (Er lenkt ab,
merklich aus dem Konzept und pocht an die Bibliothek.) -- Wo blieben wir
stehen? Setzen Sie ein.

   Kegel und Kferstein erscheinen.

                           Kegel, Kferstein
                              deklamieren.

   Weisere Fassung
   ziemet dem Alter.
   Ich, der Vernnftige
   gre zuerst.

   Gefhrt von Spitta erscheint die Piperkarcka, straenmig
   gekleidet, und Frau Kielbacke, die einen Sugling im Steckkissen
   trgt.

                         Direktor Hassenreuter

Was wollen Sie? Mit was fr Weibsleuten berlaufen Sie mich?

                                 Spitta

Es ist nicht meine Schuld, Herr Direktor, die Frauen wollten zu Ihnen
hinein.

                             Frau Kielbacke

Nee. Wir wollen man blo Frau Mauerpolier John sprechen.

                            Die Piperkarcka

Ist doch immer bei Sie hier oben, Frau John?!

                         Direktor Hassenreuter

Ja! Aber ich fange an zu bedauern, da das so ist, und wnschte
jedenfalls, da sie ihre privaten Empfnge nicht hier bei mir, sondern
unten bei sich erledigt. Sonst richte ich nchstens vor der Tr
Selbstschsse oder Fuangeln ein. -- Wo fehlt's Ihnen eigentlich, bester
Spitta? Sie mssen jetzt schon die Gnade haben und diese Damen nach
unten zurechtweisen.

                            Die Piperkarcka

Unten in ihre Wohnung war nich zu finden, Frau John.

                         Direktor Hassenreuter

Hier oben bei uns ist sie auch nicht zu finden.

                             Frau Kielbacke

Det junge Freilein hat nmlich ihr Shneken bei die Frau Mauerpolier
John in Flege jehat.

                         Direktor Hassenreuter

Freut mich! Ohne Umstnde los! Retten Sie mich, Kferstein.

                             Frau Kielbacke

Nun is 'n Herr von de Stadt als wie vormundschaftswechen, nachsehn
jekomm: wie't steht mit det Kind und det jut versorcht und in Stande is.
Und denn is er, denn sind wir bei Frau John mitsamt den Herrn sind wir
rinjejang. Denn stand det Kind und 'n Zettel bei, det Frau John hier
oben uf Arbeet is.

                         Direktor Hassenreuter

Wo ist das Kind in Pflege gewesen?

                             Frau Kielbacke

Bei de Frau Mauerpolier John.

                         Direktor Hassenreuter
                              ungeduldig.

Das ist vollkommen bldsinnig! Das ist unrichtig! -- Htten Sie doch
lieber den alten humorvollen Herrn begleitet, dem ich Sie nachgesendet
habe, Spitta, statt mir diese Damen hier auf den Hals zu ziehn.

                                 Spitta

Ich suchte den Herrn, aber er war schon verschwunden.

                         Direktor Hassenreuter

Die Damen scheinen mir nicht zu trauen. Sagen Sie ihnen doch, meine
Herren, da Frau John kein Kind in Pflege hat, und da sie also
bezglich des Namens im Irrtum sind.

                               Kferstein

Ich soll Ihnen sagen, meine Damen, da Sie wahrscheinlich bezglich des
Namens im Irrtum sind.

                            Die Piperkarcka
                           heftig, verweint.

Hat Kindchen in Flege! Hat mein Kindchen in Flege jehabt. Is Herr von
die Stadt jekommen, hat jesacht, da Kindchen in schlechte Hnde,
verwahrlost is. Hat mich mein Kindeken zujrunde jerichtet.

                         Direktor Hassenreuter

Sie mssen unbedingt, meine Damen, bezglich des Namens der Frau, von
der Sie reden, im Irrtum sein. Frau Maurerpolier John hat kein Kind in
Pflege.

                            Die Piperkarcka

Hat mein Kindchen in Klauen jehabt, hat verhungern lassen, zujrunde
jerichtet! Will sehn Frau John. Will auf Kopf draufsagen! Soll mich
jesund machen kleinet Kind! Mu vor Jericht! Herr hat jesacht, mussen
jehn an Jerichtstelle anzeichen.

                         Direktor Hassenreuter

Ich bitte Sie, sich nicht aufzuregen. Tatsache ist: Sie irren sich! Wie
kommen Sie nur auf den Gedanken, meine Damen, da Frau John ein Kindchen
in Pflege hat?

                            Die Piperkarcka

Weil ick ihr selbst berjeben habe.

                         Direktor Hassenreuter

Frau John hat aber doch ihr eigenes Kind, mit dem sie, wie mir jetzt
einfllt, auf Besuch zu der Schwester ihres Gatten zu gehen
beabsichtigte.

                            Die Piperkarcka

Hat kein Kind. Janz und jar nich, Frau John. Ick jeh unten auf
Polizeibureau. Hat jelogen, betrogen. Hat kein Kind. Hat mich mein
Aloischen zujrunde jerichtet.

                         Direktor Hassenreuter

Bei Gott, meine Damen, Sie irren sich.

                            Die Piperkarcka

Glaubt mich kein Mensch, da ich Kindchen jehabt habe. Hat mich mein
Brutijam Brief jeschrieben, da nich wahr is, da schlechtes,
verlogenes Frauenzimmer bin. -- (Sie berhrt das Tragbettchen.) -- Is
mein! will nachweisen vor Jericht! Will schwren bei heilige Mutter
Jottes.

                         Direktor Hassenreuter

Decken Sie doch mal auf, das Kind. -- (Es geschieht. Direktor
Hassenreuter betrachtet den Sugling aufmerksam.) -- Hm! Die Sache wird
sich bald aufklren, sicherlich! -- Erstens ... ich kenne Frau John! --
htte Frau John diesen Sugling in Pflege gehabt, er knnte ganz
unmglich so aussehn! ganz einfach, weil Frau John, soweit Kinder in
Frage kommen, das Herz auf dem rechten Flecke hat.

                            Die Piperkarcka

Will sprechen Frau John. Weiter sagen nichts. Brauche mir nicht vor alle
Welt aufdecken. Alles will haarklein vor Jericht will aussagen, Tag,
Stunde, auch janz jenau Ort, wo jeboren is! Jlauben mir: sollten wohl
Augen aufreien.

                         Direktor Hassenreuter

Sie meinen also, mein Frulein, wenn ich Sie recht verstehe, die Frau
John besitze kein eigenes Kind, und das, was dafr gegolten hat, wre
das Ihre.

                            Die Piperkarcka

Schlag Blitz mich nieder, wenn nich so is.

                         Direktor Hassenreuter

Und dies hier sei eben das strittige Kind? Gott mge Sie diesmal nicht
beim Wort nehmen! -- Nmlich, wie Sie mich sehen, ich bin der Direktor
Hassenreuter, und ich habe persnlich das Kind meiner Aufwartefrau, der
Frau John, drei- oder viermal in Hnden gehabt. Ich hab' es sogar auf
der Wage gewogen. Es wiegt ber acht Pfund. Dieses arme Wurm hier drfte
noch nicht zwei Kilo wiegen. Auf Grund dieses Umstandes versichere ich
Ihnen, dies hier ist in der Tat nicht das Kind der Frau John. Es mag
richtig sein, da es das Ihre ist. Ich knnte das schlechterdings nicht
bezweifeln. Das Kind der Frau John aber kenne ich und bin sicher, da es
mit diesem durchaus nicht identisch ist.

                             Frau Kielbacke
                              respektvoll.

Nee nee, det mu wahr sind: et is nich identisch.

                            Die Piperkarcka

Det Kindken is janz jenug identisch, wenn och bichen schlecht jenhrt
und schwchlich is. Det is janz richtig hier mit det Kind! Will Eid
schwren, da richtig identisch is.

                         Direktor Hassenreuter

Ich bin sprachlos. -- (Zu den Schlern.) -- Unser Unterricht steht heute
unter einem feindlichen Stern, werte Jnglinge! Ich wei nicht wieso,
aber der Irrtum der Damen beschftigt mich. -- (Zu den Frauen.) -- Sie
werden sich in der Tr geirrt haben.

                             Frau Kielbacke

Ick ha selbst mit det Freilein und mit den Herrn von die Vormundschaft
det Kindeken aus die Stube mit Schild Frau Mauerpolier John uf'n
Hausflur jeholt. Frau John war nich da und Mauerpolier John ist in
Altona abwesend.

   Schutzmann Schierke kommt, behbig und gemtlich.

                         Direktor Hassenreuter

Ah, da ist ja Herr Schierke! Was wnschen Sie denn?

                                Schierke

Herr Direkter, ick habe erfahren, det zwee Frauensleute hier oben
jeflichtet sind.

                         Direktor Hassenreuter

Zwei Frauen sind hier. Aber wieso denn geflchtet?

                             Frau Kielbacke

Wir sind nich jeflichtet.

                         Direktor Hassenreuter

Sie fragten nach meiner Aufwrterin.

                                Schierke

Erlauben Se, det ich se och mal wat frache.

                         Direktor Hassenreuter

Bitte.

                            Die Piperkarcka

La er man frachen. Deswechen kann ruhig sind.

                                Schierke
                          zur Frau Kielbacke.

Wie heien Sie?

                             Frau Kielbacke

Ick bin Frau Kielbacke.

                                Schierke

Woll von det Landeskindererziehungsheim. Wo wohnen Sie?

                             Frau Kielbacke

In de Linienstrae neun.

                                Schierke

Ist das Ihr Kind, was Sie bei sich haben?

                             Frau Kielbacke

Det is Freilein von Piperkarcka ihr Kind.

                                Schierke
                            zur Piperkarcka.

Ihr Name?

                            Die Piperkarcka

Paula von Piperkarcka aus Skorzenin.

                                Schierke

Die Frau will behaupten, das wre Ihr Kind. Wollen Sie das also auch
behaupten?

                            Die Piperkarcka

Herr Schutzmann, ick mu erjebenst um Schutz bitten, weil hier
unrechtmigerweise verdchtigt bin. Is Herr von die Stadt mit mich hier
jewesen. Haben mein Kind aus Stube Frau John, wo in Flege jewesen,
rausjeholt ...

                                Schierke
                       mit durchbohrendem Blick.

Et kann och die Tire jejenber bei de Restaurateurswitwe Knobbe jewesen
sind. Wer wee, wat Sie mit det Kindeken vorhaben, wovon Sie abjesandt
und bestochen sind. 'N jutes Jewissen haben Se nich. Jenommen un denn
hier rufjeschlichen, weil det die rechtmige Mutter, Witwe Knobbe, wo
bestohlen is, Treppen und Jnge absuchen, und weil schrg jejenber
Polizeiwache is.

                            Die Piperkarcka

Is mich janz jleichgiltig Polizeiwache, bin ...

                         Direktor Hassenreuter

Sie sind widerlegt, meine beste Person! Wollen Sie denn das gar nicht
begreifen? Sie sagen, unsere John htte kein Kind. Sie sagen, wollen Sie
bitte geflligst aufpassen, Sie htten Ihr Kind, das angeblich fr das
von Frau John gegolten habe, aus Frau Johns Zimmer herausgeholt! Nun
also: wir alle hier kennen Frau Johns Kind und das, was Sie da haben,
ist ein anderes! Verstanden?! Was Sie behaupten also, kann, nach Adam
Riese unter gar keinen Umstnden zutreffend sein! -- brigens wr mir's
jetzt lieb, Herr Schierke, Sie nehmen die Damen mit sich fort, und ich
knnte hier meinen Unterricht fortsetzen.

                                Schierke

Ja, denn kommen wir blo mang die Knobben mit ihren Anhang rin. Nmlich
das Kind ist jestohlen worden.

                            Die Piperkarcka

Aber nich von mich. Is jeraubt von Frau John.

                                Schierke

Schon jut! -- (Unbeirrt zum Direktor.) -- Und es soll ja, wie't heet,
von Vaters Seite, blaubltig sind. Die Knobbe meent ja, et is 'n
Komplott von Feinde, weil man ihr die Rente un womeglich
Kadettenerziehung in 'ne jewisse Jejend nich jennen dut. -- (Es wird mit
Fusten an die Tr geschlagen.) -- Det is de Knobbe. Da is se schonn.

                         Direktor Hassenreuter

Herr Schierke, Sie sind mir verantwortlich: dringen die Leute bei mir
ein und erleide ich eine Schdigung, so wende ich mich an den
Polizeiprsidenten: ich bin mit Herrn Maddei gut bekannt. Keine Furcht,
liebe Kinder, ihr seid meine Kronzeugen.

                                Schierke
                              an der Tr.

Drauen jeblieben! Hier rin kommen Se nich.

   Ein kleiner Janhagel heult auf.

                            Die Piperkarcka

Soll schreien, was will, blo mein Kindchen nich nah kommen.

                         Direktor Hassenreuter

Es ist besser so. Treten Sie einstweilen hier in die Bibliothek hinein.
-- (Er bringt die Piperkarcka, die Kielbacke und das Kind in die
Bibliothek.) -- Und jetzt, Herr Schierke, wollen wir meinethalben diese
Megre da drauen herein lassen.

                                Schierke
                     der die Tr ein wenig ffnet.

So! Aber blo de Knobben! Komm Se mal rin.

   Frau Sidonie Knobbe erscheint. Sie ist eine hohe, abgezehrte
   Erscheinung mit stark ramponierter modischer Sommertoilette. Ihr
   Gesicht trgt die Stigmata der Strae, zeugt aber brigens nicht von
   schlechter Abkunft. Ihre Allren sind merkwrdig damenhaft. Sie
   redet mit Affektation, ihre Augen deuten auf Alkohol und Morphium.

                              Frau Knobbe
                    indem sie hereingesegelt kommt.

Es ist keine Ursache zur Besorgnis, Herr Direktor. Vorwiegend sind es
kleine Jungens und kleine Mdchen, da ich kinderlieb bin, wie Sie
wissen, die mit mir gekommen sind. Verzeihen Sie gtigst, wenn ich hier
eindringe. Eines der Kinder sagte mir, es htten sich zwei Frauen mit
meinem Shnchen zu Ihnen heraufgeschlichen. Ich suche mein Shnchen,
genannt Helfgott Gundofried, da es tatschlich aus meiner Wohnung
verschwunden ist. Ich mchte Sie aber nicht inkommodieren.

                                Schierke

Darum wollt' ick och janz jehorsamst bitten, verstehn Se mich.

                              Frau Knobbe
          diese Worte mit hochmtiger Kopfbewegung bergehend.

Ich habe unten im Hof zu meinem Leidwesen einen gewissen Lrm erregt.
Man berblickt von da aus die Fenster, und ich habe mich bei den Leuten
erkundigt, bei der armen Zigarrenarbeiterin im zweiten Stock, bei der
kleinen schwindschtigen Nherin am Fenster im dritten Stock, ob meine
Selma mit meinem Shnchen etwa bei ihnen ist. Es liegt mir fern, Skandal
zu erregen. -- Sie mssen wissen, Herr Direktor -- ich wei sehr wohl,
da ich hier unter den Augen eines Mannes von Bedeutung, ja, eines
berhmten Mannes bin! -- Sie mssen wissen, ich bin, was Helfgott
Gundofried angeht, gezwungen, auf meiner Hut zu sein! -- (Mit
schwankender Stimme, das Taschentuch zuweilen an die Augen fhrend.) --
Ich bin eine arme, vom Schicksal verfolgte Frau, mein Herr, die gesunken
ist und die bessere Tage gesehen hat. Aber ich will Sie damit nicht
langweilen. Ich werde verfolgt! man will mir die letzte Hoffnung nun
auch rauben.

                                Schierke

Sagen Se kurz, wat Se wnschen. Sputen Se sich.

                              Frau Knobbe
                              wie vorher.

Nicht genug: man hat mich veranlat, hat mich gezwungen, meinen
ehrlichen Namen abzulegen. Ich habe dann in Paris gelebt und schlielich
einen brutalen Menschen geheiratet, den Pchter von einem sddeutschen
Schtzenhaus, weil ich den blden Gedanken hatte, in meinen
Angelegenheiten dadurch gebessert zu sein. O diese Schurken von Mnnern,
Herr Direktor!!

                                Schierke

Det fihrt zu weit. Menagieren Se sich.

                              Frau Knobbe

Es freut mich, da ich Gelegenheit finde, endlich mal wieder einem Manne
von Bildung und Geist in die Augen zu sehn. Mein Herr, ich knnte Ihnen
eine Geschichte vortragen ... im Volksmund heie ich hier die Grfin,
und Gott ist mein Zeuge, in meiner frhen Jugend war ich nicht weit
entfernt davon! Eine Zeitlang war ich auch Schauspielerin! Wie sagte
ich: eine Geschichte vortragen aus meinem Leben, aus meiner
Vergangenheit, die den Vorzug hat, nicht erfunden zu sein.

                                Schierke

Na wer wee och.

                              Frau Knobbe
                              mit Emphase.

Mein Elend ist nicht erfunden. Trotzdem es erfunden klingt, wenn ich
sage, wie ich eines Nachts im tiefsten Abgrunde meiner Schande einen
Vetter, einen Jugendgespielen, der jetzt Garderittmeister ist, nachts
auf der Strae traf. Er lebt oberirdisch, ich unterirdisch, seit mich
mein adelstolzer Herr Vater verstie, nachdem ich als junges Ding einen
Fall getan hatte. O Sie ahnen nicht, welcher Stumpfsinn, welche Roheit,
welche Gemeinheit in meinen Kreisen blich ist. Ich bin ein zertretener
Wurm, Herr Direktor, und doch, dorthin, nach diesem glnzenden Elend,
sehne ich mich nicht eine Sekunde zurck.

                                Schierke

Nun woll'n wir jeflligst zur Sache kommen.

                         Direktor Hassenreuter

Bitte, Herr Schierke, mich interessiert das! unterbrechen Sie zunchst
mal die Dame nicht -- (zur Knobbe) -- Sie hatten von Ihrem Vetter
gesprochen. Sagten Sie nicht, da er Garderittmeister ist?

                              Frau Knobbe

Er war in Zivil. Er ist Garderittmeister. Er erkannte mich, und wir
feierten schmerzlich selige Stunden alter Erinnerung. In seiner
Begleitung befand sich -- ich nenne den Namen nicht! -- ein blutjunger
Leutnant. Kerlchen wie Milch und Blut, aber zart und schwermtig. Herr
Direktor, ich habe die Scham verlernt! man hat mich neulich sogar aus
einer Kirche herausgewiesen: warum soll eine so zertretene, entehrte,
verlassene, mehrmals vorbestrafte Person vor Ihnen nicht offen bekennen,
da er der Vater meines Helfgott Gundofried geworden ist.

                         Direktor Hassenreuter

Des Kindes, das Ihnen entwendet wurde?

                              Frau Knobbe

Wie die Leute sagen. Es kann ja sein! ich selbst, obgleich meine Feinde
mchtig sind und jedwedes Mittel in der Hand haben, ich bin noch nicht
ganz berzeugt davon. Vielleicht ist es aber doch ein Komplott, von den
Eltern des Vaters angezettelt, Menschen, die, Sie wrden erstaunen,
Trger eines der ltesten und berhmtesten Namens und Geschlechtes sind.
Adieu! Herr Direktor, was Sie auch von mir hren sollten, denken Sie
nicht, mein besseres Fhlen ist in dem Sumpfe total erstickt, in den ich
mich strzen mu. Ich brauche den Sumpf, wo ich gleich und gleich mit
dem Abschaum der Menschheit bin. Da, hier -- (sie weist ihren nackten
Arm vor) -- vergessen! Betubung! Ich verschaffe es mir mittels Chloral,
mittels Morphium! Ich finde es in den menschlichen Abgrnden. Warum
nicht? wem bin ich verantwortlich? Einst wurde meine geliebte Mama
meinetwegen von meinem Vater heruntergemacht! Die Bonne bekam
meinetwegen Krampfanflle! Mademoiselle und eine englische Mi rissen
sich, weil jede behauptete, da ich sie mehr liebte, in der Wut
gegenseitig die Chignons vom Kopf. Jetzt ...

                                Schierke

Sage ick Ihnen, jetzt hren Se uf: wir kenn hier Leute nich Freiheit
berauben. -- (Er ffnet die Bibliothekstr.) -- Jetzt sagen Se, ob det
hier Ihr Kindeken is.

   Zuerst tritt die Piperkarcka mit haerfllten Augen, Frau Knobbe
   anstarrend, aus der Tr. Die Kielbacke mit dem Kinde folgt. Schierke
   nimmt das Tuch von dem Kindchen.

                            Die Piperkarcka

Was wollen von mich? Was kommen mir nachsetzen? Bin ick Zijeuner? Sollen
wohl Kinder stehlen in Huser jehn? Was? Sind nich gescheit! Werden mich
schn hten! Hab' selber fr mich und mein Kind kaum Essen jenug! Wer
'rumjehn, wer fremde Kinder auflesen und jro fttern, wo eijnes mir
schon jenug Kummer und rjer macht.

                              Frau Knobbe
       glotzt, sieht sich fragend und hilfesuchend um. Holt dann
     schnell ein Flakon aus der Tasche und giet den Inhalt auf ihr
    Schnupftuch. Das Schnupftuch fhrt sie dann an Mund und Nase und
       saugt den Duft des Parfms, um nicht ohnmchtig zu werden.
                     Hierauf glotzt sie wie vorher.

                         Direktor Hassenreuter

Ja warum sprechen Sie nicht, Frau Knobbe? Das Mdchen behauptet, da sie
selbst und nicht Sie, Frau Knobbe, Mutter des kleinen Kindes ist.

                              Frau Knobbe
     erhebt den Schirm, um damit zu schlagen. Man fllt ihr in den
                                  Arm.

                                Schierke

Det jibt's nich! Det is hier nich Kindererziehung! Det machen Se, wenn
Se unter sich in de Kinderstube alleene sind! -- Die Hauptsache bleibt,
wen jehert hier det Kind? -- Und nu ... und jetzt ... Frau verwitwete
Knobbe, ieberlechen Se sich, det Se hier reenste Wahrheit sachen! So! Is
et Ihret? oder 'n fremdet Kind?

                              Frau Knobbe
                              bricht los.

Ich schwre bei der heiligen Mutter Gottes, bei Jesus Christus, Vater,
Sohn und heiliger Geist, da ich Mutter von diesem Kinde bin.

                            Die Piperkarcka

Und ick schwre bei heilije Mutter Jottes ...

                         Direktor Hassenreuter

Halt, Frulein, retten Sie Ihre Seele! -- Es mag meinethalben ein Fall
von den allerverwickeltsten Umstnden sein! Sie schwren dabei
vielleicht vollstndig gutglubig, aber Sie werden mir das gewi
zugeben: jede von Ihnen knnte zwar die Mutter von Zwillingen sein --
ein Kind mit zwei Mttern ist nicht zu denken!

                                Walburga
     die unverwandt und starr, gleich Frau Knobbe, aus der Nhe das
                            Kind betrachtet.

Papa! Papa! So sieh doch mal erst das Kind.

                             Frau Kielbacke
                         weinerlich, entsetzt.

Ja, det Kindeken stirbt schon jlob ick, seit ick hier drin im Zimmer
jewesen bin.

                                Schierke

Wat?

                         Direktor Hassenreuter

Wie? -- (Er tritt energisch nher und betrachtet einige Zeit ebenfalls
das Kind.) -- Das Kindchen ist tot! Das ist ohne Frage! -- Hier ist ohne
Zweifel einer gewesen, unsichtbar, der ber das unbeteiligte arme,
kleine Streitobjekt ein wahrhaft salomonisches Urteil gesprochen hat.

                            Die Piperkarcka
                            versteht nicht.

Wat jiebt denn?

                                Schierke

Ruhe! -- Komm Sie mit.

   Frau Knobbe scheint die Sprache verloren zu haben. Sie steckt ihr
   Taschentuch in den Mund. Tief in ihrer Brust rchelt es. Schierke,
   die Kielbacke mit dem toten Kinde, gefolgt von Frau Knobbe und der
   Piperkarcka ab. Man hrt Gemurmel auf dem Flur.

   Der Direktor kommt wieder, nachdem er hinter den Abgehenden die Tr
   verschlossen hat.

                         Direktor Hassenreuter

_Sic eunt fata hominum._ Erfinden Sie so was mal, guter Spitta.




                              Vierter Akt


   Die Wohnung des Maurerpoliers John, wie im zweiten Akt. Es ist frh
   gegen acht Uhr Sonntags.

   Maurerpolier John befindet sich unsichtbar hinter dem Verschlage.
   Man kann aus seinem Planschen und Prusten entnehmen, da er bei der
   Morgenwsche ist. Quaquaro ist eben eingetreten und hat die Klinke
   der Flurtr in der Hand.

                                Quaquaro

Sache ma, is deine Frau zu Hause, Paul?

                                  John
                           hinterm Verschlag.

Noch nich, Emil. Meine Frau is mit den Jungen bei meine verheirate
Schwester in Hangelsberg. Will aber heut morchen noch wiederkomm. --
(John erscheint, sich abtrocknend, in der Tr des Verschlages.) Schen
juten Morchen, Emil.

                                Quaquaro

Morchen, Paul.

                                  John

Na wat jibt et Neies? Ick bin vor 'ne halbe Stunde erst von de Bahn aus
Hamburch jekomm.

                                Quaquaro

Ick sah dir ins Haus jehn un Treppe rufsteichen.

                                  John
                              aufgerumt.

Na ja, Emil, du bist eben so 'n richticher Zerberus.

                                Quaquaro

Sache ma, Paul: wie lange is deine Frau mit det Kleene in Hangelsberg?

                                  John

I, det mu so um die acht Dache so rum sind, Emil. Wiste wat von ehr?
Miete hat se doch woll richtich abjefhrt. Ibrigens kann ick jleich
kindigen, Emil. Denn et is nu so weit: wir ziehn an erschten Oktober.
Ick ha Muttern nu endlich breit jekricht, det wir aus det olle wacklige
Staatsjebude raus und in 'ne bere Jejend ziehn.

                                Quaquaro

Nach Altona wiste nu nich mehr zurick?

                                  John

Nee! bleibe in Lande und nhre dir redlich! Ick jeh nich mehr auswrts!
Nich in die Hand! -- Schon erstlich: immer uf Schlafstelle rumdricken!
und denn och: jinger wird eener nich! De Mchens wolln och all nich mehr
recht mehr so anbeien ... Nee nee, et is jut so, det ma det ewiche
Wanderleben zu Ende is.

                                Quaquaro

Deine Frau hat et jut anjeschlachen, Paul.

                                  John
                              gut gelaunt.

Na, junge Ehe, wo ebent erst Kindchen jekomm is!? Ick ha zum Meester
jesacht: ick bin jung verheirat! Denn hat er jefracht, ob meine erschte
Frau jestorben is? O kontrr! Janz in't Jejenteil, hab' ick jeantwort:
die is so lebendig und quietschfidel, die hat sojar noch 'ne
quietschfidelen kleenen Berliner zujekricht! -- Wie ick heute Morchen,
Berlin--Hamburg--Stendal--ltzen zum letztenmal uf'n Lehrter Bahnhof mit
mein janzes Zeug aus de vierte Klasse jestiegen bin, hab' ick 'n lieben
Jott, der Deibel hol mir! so alt wie ick bin, mit een Seufzer jedankt.
Er wird ihm wohl bei den Lrm uf'n Lehrter nich jehert haben.

                                Quaquaro

Haste jehert, Paul, det drieben de Knobbe ihr Jngstes och wieder mit
Dot abjejang is?

                                  John

Nee! Wie soll ick da von wat jehert haben. Aber wenn et dot is, denn is
et doch jut, Emil. Als ick det Wurm vor acht Dache jesehn habe, wo
Krmpfe hatte und Selma jekomm is und ick und Mutter haben ihm noch'n
Lffel Zuckerwasser injejossen, da war et doch schon reichlich reif
for't Himmelreich.

                                Quaquaro

Sache ma, haste denn von die Umstnde jar nich jehert, wie und wo det
Kindchen zu Dode jekomm is?

                                  John

Nee! -- (Er zieht eine lange Tabakspfeife hinter dem Sofa hervor.) --
Wart ma! ick brenne mir erst ma 'ne Pipe an. Nee! wo soll ick da von wat
jehert haben.

                                Quaquaro

Ick verwunder mir aber doch, det deine Frau dir nischt von jeschrieben
hat.

                                  John

I, mit Jette und mit die Knobbekinder is det, seit det mir 'n eegnet
Kind haben, bei Muttern uf eema wie abjeschnappt.

                                Quaquaro
                                lauernd.

Deine Frau wollte ja doch immer brennend jerne 'n Sohn haben.

                                  John

Na det is och! Meenste woll etwa, ick nich? For wat rackert eens denn?
For wat schind ick mir denn? Det is doch wat anders, wenn 'n scheenet
rundet Stck Jeld for'n eijnen Sohn oder for Schwesterkinder ufjespart
bleiben dut.

                                Quaquaro

Weeste denn nich, det 'n fremdet Mchen jekomm is, Paul, und hat
behauptet, det det Kind von de Knobbe jar nich ihr eechnet, sondern det
Kind von det fremde Mchen jewesen is?

                                  John

Nanu? De Knobben und Kinderstehlen? Wenn't Mutter wr! aber de Knobben
doch nich. Sach ma, Emil, wat is denn det for 'ne Jeschichte.

                                Quaquaro

Na, nu, d'r eene sagt so, d'r andre sagt so. De Knobben sagt, det von
een Komplott mit Detektivs aus jewisse Kreise det kleene Balch
nachjestellt worden is. Un det is nu ja och richtig janz festjestellt:
et war det Kind von de Knobben jewesen! -- Kannst du mich irgendeenen
Wink jeben, wo de letzten Dache dein Schwager is?

                                  John

Meenste dem Schlachtermeester in Hangelsberg?

                                Quaquaro

I nee, durchaus nich wat der Mann von deine Schwester, sondern von deine
Frau der Bruder is.

                                  John

Da meenst du Brunon?

                                Quaquaro

Jewi doch.

                                  John

Na, noch wat, da kimmere ick mir noch wat eher drum, ob de Hunde noch
immer bei Prellsteine jehn. Von Brunon will ick weiter nischt wissen.

                                Quaquaro

Her mich ma zu, Paul. rjer dir nich. Nmlich uf Polizeistelle is
bekannt, det Bruno mit det polnische Mchen, wo uf det Kindeken Anspruch
machen wollte, jleich neulich hier vor de Haustr und dann och an eene
jewisse Stelle von de Uferstrae, wo de Jerber de Felle wegschwimmen,
jemeinsam jesichtet is. Nu is det Mchen janz jnzlich verschwunden.
Weiter wat Nheres wee ick nu freilich nich! Blo det se von Polizei
wechen det Mchen suchen.

                                  John
    stellt entschlossen die lange Pfeife weg, die er sich angesteckt
                                 hatte.

Ick wee nich, ick ha keen Justo heut morchen! -- Ick wee nich, wat in
mir jefahren hat, ick war so verjngt wie'n Eckensteher. Uf eemal is
mich so kodderig zumut, det ick an liebsten jleich wieder nach Hamburg
mechte un jar nischt weiter heren und sehn! -- Wat kommst de denn mir,
Emil, mit so 'ne Jeschichten?

                                Quaquaro

Ick wollte dir man blo biken ufklren, wat inzwischen, wo ja du un
wohl ja och deine Frau auswrts jewesen is, in deine Behausung jeschehn
is.

                                  John

In meine Behausung?

                                Quaquaro

Det is ja! Jawoll! Selma hatte ja, heet et, det Knobbesche Jungchen in
Kinderwachen hier rieberjeschoben, wo et det fremde Frauenzimmer mit
ihre Begleitung aus deine Wohnung jenommen und wechjetragen hat. Oben
bei de Kammedienspieler is se ja dann noch jlicklich jestellt worden.

                                  John

Wat is se?

                                Quaquaro

Und da haben sich och de Knobbe un det fremde Mchen ieber det dote Kind
bei de Haare jekricht.

                                  John

Wenn ick man wite, wat mir det soll, Emil, wo doch alle Ochenblicke
hier mit Frauenzimmer een Jewrge is. La se man kampeln! Mir is det
jleichjiltig! Nmlich, Emil, wenn da nich sonst wat dahinter is!?

                                Quaquaro

Deshalb komm ick ja, Paul! Et is wat dahinter! Det Mchen hat nmlich
mehrmals vor Zeuchen ausjesacht: erstlich, det Wurm von de Knobbe, det
wr ihr Kind und det htt' se ausdricklich bei deine Frau, Paul, in de
Flege jejeben.

                                  John
                         stutzt, lacht befreit.

Der pickt et! der is woll ma nich janz unwohl jeworden!

   Erich Spitta kommt.

                                 Spitta

Guten Morgen, Herr John.

                                  John

Juten Morchen, Herr Spitta. -- (Zu Quaquaro, der noch in der geffneten
Tr steht.) -- 'S jut, Emil! Ick wer mir wissen zu richten nach.

   Quaquaro ab.

                                  John
                              fhrt fort.

Nu sehn Se ma so 'n Mnneken, Herr Spitta! Mit een Fu steht er in't
Jefngnis, mit 'n andern is er Liebkind beim Bezirkskommissar uf't
Polizeibro! un denn jeht er bei ehrliche Leute rumschnffeln.

                                 Spitta

Hat Frulein Walburga Hassenreuter nach mir gefragt, Herr John?

                                  John

Bis jetzt noch nich. Nee, det ick nich wite! -- (Er ffnet die
Flurtr.) -- Selma! -- Entschuldjen Se mir ma 'n Ojenblick. -- Selma! --
Ick mu ma det Mchen wat aushorchen.

   Selma Knobbe kommt.

                                 Selma
                            noch in der Tr.

Wat is?

                                  John

Mach ma de Tir zu, komm ma 'n biken 'rin! Un nu sach mal, Mchen, wat
det hier in de Stube mit dein kleenet verstorbenet Briderchen und mit
det fremde Weibsbild jewesen is.

                                 Selma
   die, mit merkbar schlechtem Gewissen, lauernd nher getreten ist,
                        jetzt sehr wortgewandt.

Ick hatte den Kinderwachen hier rieber jeschoben. Ihre Frau war nicht da
und da dacht ick, det hier drieben, wo doch det Briderken sowieso krank
war und immer schrie, det hier drieben bei Sie mehr Ruhe is. Nu kam een
Herr un kam eene Dame un noch 'ne Frau kam uf eemal hier rin. Und denn
ha'm se det Kindeken hier aus 'n Wachen raus, frische Wsche jewickelt
un mit fortjenomm.

                                  John

Und denn hat die Dame jesacht, et wr ihr Kind und se htt' et bei
Muttern, als wie det meine Olle is, htt' se's, sagt se, in Flege
jejeben?

                                 Selma
                                 lgt.

I, jar keene Ahnung, da wit ick wat von.

                                  John
                         schlgt auf den Tisch.

Na zum Kreuzdonnerwetter, det wr ja och bledsinnig.

                                 Spitta

Erlauben Sie mal, das hat sie gesagt: wenn nmlich von dem Vorfall
zwischen den beiden Frauen oben bei Direktor Hassenreuter die Rede ist.

                                  John

Det haben Se mit anjesehn, Herr Spitta, wo de Knobben und de andere um
det Wrmchen jezerjelt hat?

                                 Spitta

Allerdings. Das hab' ich mit angesehn.

                                 Selma

Weiter kann ick nischt sachen, und wenn mir och Schutzmann Schierke und
meinswechen der lange Polizeileitnam janzem zwee Stunden und lnger
verhren dut. Ick wee eben nischt. Ick kann eben nischt sachen.

                                  John

'N Polizeileitnam hat dir ausjefracht?

                                 Selma
                               knutscht.

Se wollen doch Maman in Kasten bringen, weil et Leute anjezeicht un
jelogen haben, det unser Kindeken vahungert is.

                                  John

Ach! so! -- Na Selma, jeh, la ma 'n Kaffee durchlofen.

   Selma begibt sich an den Herd, wo sie den Kaffee fr John
   zubereitet. John selbst geht an den Arbeitstisch, nimmt den Zirkel
   und zieht dann mit der Schiene einige Linien.

                                 Spitta
                            mit berwindung.

Eigentlich hoffte ich Ihre Frau hier zu treffen, Herr John. Mir hat
jemand gesagt, Ihre Frau htte gegen Sicherheit mitunter kleine Betrge
an Studenten geliehen. Ich bin nmlich in Verlegenheit.

                                  John

Det mag sind. Aber det is Mutterns Sache, Herr Spitta.

                                 Spitta

Ganz offen gesagt, wenn ich bis heute abend kein Geld schaffe, werden
meine paar Bcher und Habseligkeiten von meiner Zimmerwirtin mit
Beschlag belegt und man setzt mich eigentlich auf die Strae.

                                  John

Ick denke Ihr Vater ist Paster, Herr Spitta.

                                 Spitta

Das ist er. Aber gerade deshalb, und weil ich selber nicht Pastor werden
mag, habe ich gestern abend einen furchtbaren Krach mit meinem Vater
gehabt. Ich werde von ihm keinen Pfennig mehr annehmen.

                                  John
                               arbeitend.

Det jeschieht Vatern recht, wenn ick verhungern tu oder 'n Hals breche.

                                 Spitta

Ein Mensch wie ich, wird nicht verhungern, Herr John. Geh ich aber
zugrunde, so ist mir's auch gleichgltig.

                                  John

Det jlobt eener nich, wat unter euch Studenten for ausjehungerte arme
Ludersch sind. Aber keener will wat Reelles anfassen. -- (Ferner Donner.
John blickt durchs Fenster.) -- Heute wird schwule. Et donnert schon.

                                 Spitta

Von mir drfen Sie das nicht sagen, Herr John, da ich etwas Reelles
nicht anfassen mchte: Stunden geben! fr Geschfte Adressen schreiben!
Ich habe das alles schon durchgemacht und damit, wie mit manchem anderen
Versuch, nicht nur Tage sondern auch Nchte um die Ohren geschlagen.
Dabei hab' ich gebffelt und Bcher gewlzt.

                                  John

Mensch, jeh nach Hamburg und la dir als Maurer instellen! Wie ick so
alt war wie Sie, ha ick in Altona in Akkord schon bis zwelf Mark tglich
verdient.

                                 Spitta

Das mag sein. Aber ich bin Geistesarbeiter.

                                  John

Det kennt man.

                                 Spitta

So?! Mir scheint nicht, da Sie das kennen, Herr John. Vergessen Sie
aber bitte nicht: Ihre Herrn Bebel und Liebknecht sind auch
Geistesarbeiter.

                                  John

Na jut! Denn komm Se! denn wollen wir man wenigstens frhstcken. Allens
sieht sich janz andersch an, wenn det eener 'n Happenpappen jefrhstckt
hat. Se haben woll noch nich jefrhstckt, Herr Spitta?

                                 Spitta

Nein, offen gestanden, heute noch nicht.

                                  John

Na denn machen Se man det Se wat Warmes in Leib kriechen.

                                 Spitta

Das hat Zeit.

                                  John

I nee, Se sehen sehr vakatert aus. Und ick ha och die Nacht uf de Bahn
jelejen. -- (Zu Selma, die ein Leinwandsckchen mit Semmeln hereingeholt
hat.) -- Bring ma schnell noch 'ne Tasse ran.

   Er hat breit auf dem Sofa Platz genommen, tunkt Semmel ein und
   trinkt Kaffee.

                                 Spitta
                      der noch nicht Platz nimmt.

Eine Sommernacht bringt man doch lieber im Freien zu, wenn man im
brigen doch nicht schlafen kann. Und ich habe nicht eine Minute
geschlafen.

                                  John

Dem wollt ick ma sehn, der in Dalles is und jut schlafen kann! Wer in
Dalles is, hat och in Freien de meeste Jesellschaft. -- (Er vergit
pltzlich zu kauen.) -- Komm ma her, Selma, sache nochma janz jenau, wie
det mit det fremde Mchen und det fremde Kind, det se hier aus de Stube
jeholt hat, jewesen is.

                                 Selma

Ick wee nich, det frcht mich 'n jeder, frcht mir Mama jetzt 'n lieben
langen Dach! ob ick Brunon Mechelke jesehn habe! ob ick wissen soll, wer
oben uf'n Boden bei de Kammedienspieler Kleider jestohlen hat! Wenn det
so fortjeht ...

                                  John
                               energisch.

Mchen, wat haste nich Lrm jeschlagen, wie der Herr und det Freilein
dir dein Brderken aus'n Wachen jenommen hat?

                                 Selma

Jeschieht ihm ja nischt, dacht ick! krist ma reene Wsche.

                                  John
                      fat Selma beim Handgelenk.

Na nu komm ma mit, wollen ma rieber bei deine Mutter jehn.

   John mit Selma an der Hand ab.

   Sobald John verschwunden ist, fllt Spitta ber das Frhstck her.
   Bald darauf erscheint Walburga. Sie ist in groer Eile und sehr
   aufgeregt.

                                Walburga

Bist du allein?

                                 Spitta

Augenblicklich ja. Guten Morgen, Walburga.

                                Walburga

Komm ich zu spt? Ich habe mich ja nur mit der allergrten Schlauheit,
mit der allergrten Entschlossenheit, mit der allergrten
Rcksichtslosigkeit, komme was wolle, von Hause losgemacht. Meine
jngere Schwester hat mir die Tr vertreten. Das Dienstmdchen! Ich
sagte aber zu Mama, wenn sie mich nicht durch das Entree hinauslieen,
so mchten sie nur die Fenster vergittern: sonst wrde ich drei Stock
hoch durchs Fenster direkt auf die Strae gehn. Ich fliege. Ich bin mehr
tot wie lebendig. Aber ich bin zum letzten bereit. Wie war es mit deinem
Vater, Erich?

                                 Spitta

Wir sind auseinander. Er meinte, ich wrde Treber fressen wie weiland
der verlorene Sohn, und ich mchte mir ja nicht einfallen lassen, als
Luftspringer oder Kunstreiter, wie er sich auszudrcken beliebt, jemals
wieder die Schwelle des Vaterhauses betreten zu wollen. Fr Gesindel
ffne sich seine Haustr nicht. Ich werd's verwinden! Nur meine arme
gute Mutter bedaure ich. -- Du kannst dir nicht denken, mit welchem
abgrundtiefen Ha ein solcher Mann gegen alles und alles, was mit dem
Theater zusammenhngt, geladen ist! Der schrecklichste Fluch ist ihm
nicht stark genug. Ein Schauspieler ist in seinen Augen von vornherein
der allerverchtlichste, schlechteste Lumpenhund, der sich denken lt.

                                Walburga

Ich habe auch nun herausgekriegt, wie Papa dahintergekommen ist.

                                 Spitta

Mein Vater hat ihm dein Bild gegeben.

                                Walburga

Erich, Erich, wenn du wtest, mit welchen schrecklichen, mit welchen
grauenvollen Ausdrcken mich Papa in der Wut berschttet hat, und ich
mute zu allem stillschweigen. Ich htte ihm etwas sagen knnen, das
htte ihn vielleicht mit seinen Tiraden von hoher Moral stumm und
hilflos vor mir gemacht. Beinahe wollt' ich es auch: doch ich schmte
mich so entsetzlich fr ihn! Meine Zunge versagte! Ich konnte nicht,
Erich! Mama mute schlielich dazwischentreten. Er hat mich geschlagen.
Er hat mich acht oder neun Stunden lang in den finsteren Alkoven
eingesperrt, um meinen Trotz zu brechen, wie er sagt, Erich. Nun, das
gelingt ihm nicht, Erich! Er bricht ihn nicht.

                                 Spitta
                       nimmt Walburga in den Arm.

Du Brave! du Tapfere! Siehst du, jetzt wei ich erst, was ich an dir
besitze! wei ich erst, was fr ein Schatz du eigentlich bist. -- (hei)
-- Und wie schn du aussiehst, Walburga.

                                Walburga

Nicht! Nicht! -- Ich vertraue dir, Erich, weiter ist es doch nichts.

                                 Spitta

Und du sollst dich nicht tuschen, se Walburga. Sieh mal, ein Mensch
wie ich, in dem es grt und der was Besonderes, Dunkles, Groes will,
was er einstweilen noch nicht recht deutlich machen kann, hat mit
zwanzig Jahren die ganze Welt gegen sich und ist aller Welt lstig und
lcherlich. Aber glaub' mir: einst wird das anders werden. In uns liegen
die Keime. Der Boden lockert sich schon! Wir sind, wenn auch noch
unterirdisch, die knftige Ernte! Wir sind die Zukunft! Die Zeit mu
kommen, da wird die ganze weite, schne Welt unser sein.

                                Walburga

Sprich weiter, Erich, das ist mir so wohlttig.

                                 Spitta

Walburga, ich habe gestern abend meinem Vater auch von der Leber weg die
Anklage des Verbrechens an meiner Schwester ins Gesicht geschleudert.
Das hat den Bruch unheilbar gemacht. Er sagte verstockt: von einer
Tochter, wie der von mir geschilderten, wisse er nichts. Sie existiere
in seiner Seele nicht und, wie es den Anschein habe, werde auch bald
sein Sohn dort nicht mehr existieren. O diese Christen! O diese Diener
des guten Hirten, der das verlorene Schaf doppelt zrtlich in seine Arme
nahm! O du lieber Heiland, wie sind deine Worte verkehrt, deine ewigen
Lehren in ihr Gegenteil umgeflscht worden. Aber als ich heut nacht bei
Donnerrollen und Wetterleuchten auf einer Bank im Tiergarten sa und
gewisse Berliner Hynen um mich herumschlichen, da fhlte ich die
ruhelose und zertretene Seele meiner Schwester neben mir. Wie oft mag
sie selbst im Leben Nchte hindurch obdachlos auf solchen Bnken und
vielleicht auf derselben Tiergartenbank gesessen haben, um in ihrer
Verlassenheit, Ausgestoenheit und Entwrdigung darber nachzudenken,
wie triefend von Menschenliebe, triefend von Christentum zweitausend
Jahre nach Christi Geburt diese allerchristlichste Welt sich
manifestiert. Aber was sie auch dachte, ich denke so: Die arme Dirne,
die Snderin, die vor neunundneunzig Gerechten geht, die von dem Drucke
der Snde der Welt belastet ist, die arme Ausstzige und ihre
frchterliche Anklage soll in meinem Inneren lebendig sein! Und alles
Elend, allen Jammer der Gemihandelten und Entrechteten werfen wir mit
in die Flamme hinein! Und so soll die Schwester leben, Walburga, und
soll Herrlicheres wirken vor Gott durch das Ethos, das meine Seele
beflgelt, als die ganze kalte, herzlos bse Moralpfafferei der Welt
nicht vermag.

                                Walburga

Du warst die Nacht im Tiergarten, Erich? Deshalb sind deine Finger noch
so eiskalt, und du siehst so entsetzlich mde aus. Erich, du mut mein
Portemonnaie nehmen! Erich! nein bitte, du mut! Ich versichere dich!
Was mein ist, ist dein! Sonst liebst du mich nicht, Erich! Erich, du
darbst! Wenn du meine paar Groschen nicht nimmst, verweigere ich zu
Hause jede Nahrung! bei Gott, ich tu's! bis du vernnftig wirst.

                                 Spitta
                wrgt Trnen hinunter. Mu sich setzen.

Ich bin nur nervs. Ich bin abgespannt.

                                Walburga
             steckt ihr Portemonnaie in seine Hosentasche.

Nun sieh mal, Erich, deshalb habe ich dich eigentlich hier zu Frau John
bestellt. Zu allem Unglck bekomme ich gestern noch hier diese
gerichtliche Vorladung.

                                 Spitta
         betrachtet ein Schriftstck, das sie ihm gereicht hat.

Du? Und weshalb denn das, sag' mal, Walburga.

                                Walburga

Ich bin mir sicher, da es mit den gestohlenen Sachen auf dem Oberboden
zusammenhngt. Aber es macht mich furchtbar unruhig. Wenn Papa das
erfhrt ... ja, was tu ich dann?

   Frau John, das Kind auf dem Arm, straenmig angezogen, sehr
   gehetzt, sehr verstaubt, kommt herein.

                               Frau John
                  erschrocken, mitrauisch, halblaut.

Nu? Wat wollt ihr hier? Is Paul schon zu Hause? Ick war eben ma 'n
biken mit det Kindken uf de Jasse jejangn.

   Sie trgt das Kind hinter den Verschlag.

                                Walburga

Bitte, Erich, sprich doch mal ber meine Vorladung mit Frau John.

                               Frau John

Paul is ja zu Hause, da liejen ja seine Sachen.

                                 Spitta

Frulein Hassenreuter wollte Sie gern mal sprechen. Sie hat nmlich,
wahrscheinlich wegen der gestohlenen Sachen, Sie wissen ja, auf dem
Oberboden, eine gerichtliche Vorladung.

                               Frau John
                       tritt aus dem Verschlage.

Wat? Eene Vorladung ham Sie jekricht, Freulein Walburga? Na, denn nehm
sich in Obacht! Ick spae nich! un phantasieren Se womeglich von
schwarzen Mann.

                                 Spitta

Was Sie da sagen, Frau John, ist unverstndlich.

                               Frau John
                zur huslichen Beschftigung bergehend.

Habt ihr jehert, det drauen in eene Laubenkolonie vor't Hallesche Tor
der Blitz heute morchen Mann, Frau und 'n Mchen von sieben unter eene
hohe Pappel erschlagen hat?

                                 Spitta

Nein, Frau John.

                               Frau John

Et pladdert schon wieder.

   Man hrt, wie ein Regenschauer niedergeht.

                                Walburga
                               ngstlich.

Komm Erich, wir wollen trotzdem ins Freie gehn.

                               Frau John
                       lauter und lauter werdend.

Und wissen Se wat: ick habe die Frau kurz vorher noch jesprochen, wo
nachher von Blitze erschlachen is. Die hat jesacht -- nu hern Se ma zu,
Herr Spitta .... een dotet Kindeken, det man in Kinderwachen legt und
raus in die warme Sonne rickt -- det mu aber Sommersonne und
Mittagssonne sind, Herr Spitta! -- det zieht Atem! det schreit! det is
wieder lebendig! -- Det jloben Se nich? wat? det ha ick mit meine Ochen
jesehn.

   Sie geht in eigentmlicher Weise im Kreise herum, ohne scheinbar
   mehr etwas von der Gegenwart der beiden jungen Leute zu wissen.

                                Walburga

Du, die John ist unheimlich, komm!

                               Frau John
                              noch lauter.

Det jloben Se nich, det det wieder lebendig is? Denn kann Mutter kommen
und nehmen. Denn mu et jleich Brust kriejen.

                                 Spitta

Adieu, Frau John.

                               Frau John
                              noch lauter.

   Bringt, seltsam aufgeregt, die beiden jungen Leute bis zur Tr.

Sie jloben det nich! Det is aber heilig so, Herr Spitta.

   Spitta und Walburga ab.

                               Frau John
        hlt die Tr in der Hand, ruft noch auf den Flur hinaus.

Wer det nich jlobt, der wee von det janze Jeheimnis, wo ick entdeckt
habe, nischt.

   Maurerpolier John steht in der Tr und tritt gleich darauf ein.

                                  John

I, da bist du ja, Mutter! Schen willkomm! Von wat for'n Jeheimnis
sprichst du denn?

                               Frau John
                 wie aufwachend, fat sich an den Kopf.

Ick? -- Ha ick denn von 'n Jeheimnis jesprochen?

                                  John

Na ick denke doch, wenn ick nich schwerherig bin. Biste nu 'n Jeist oder
bistes wirklich?

                               Frau John
                         befremdet, ngstlich.

Woso soll ick 'n Jeist sind?

                                  John
              schlgt seine Frau gutmtig auf den Rcken.

Jette, bei mir man nich. Ick freu mir ja reichlich deswechen, det de nu
wieder mit dein Patenjeschenk bei mich bist! -- (Er geht hinter den
Verschlag.) -- Et sieht aber 'n biken miserich aus, Jette.

                               Frau John

Et vertrug de Milch nich. Det kommt, weil drauen uf'n Lande de Khe
schon jrienet Futter kriejen. Hier von de vereinichte Molkerei ha ick
wieder welche, wo trocken jefttert is.

                                  John
                           erscheint wieder.

Ick sag's ja, was biste erst mit det Kind uf de Bahn und raus aus de
Stadt jeturnt! Ick spreche, die Stadt is an allerjesindsten.

                               Frau John

Nu bleib ick och wieder zu Hause, Paul.

                                  John

In Altona, Jette, is och nu allet in't reene jebracht. Jejen Mittag
treff' ick mit Karln zusamm, und denn will er mir sachen, wenn ick beim
neuen Meester antreten kann! -- Hr ma: ick ha och wat mitjebracht.

   Er schttelt eine kleine Kinderklapper, die er aus der Hosentasche
   nimmt.

                               Frau John

Wat denn?

                                  John

Det Leben wird in de Kinderstube, weil et doch in Berlin manchma immer
'n biken zu stille is! -- Horch ma, wie't krht. -- (Man hrt das
Kindchen allerlei vergngte Gerusche machen.) -- Nee Mutter, wenn so 'n
Kindeken krht, dafor jeb ick Amerika.

                               Frau John

Haste schonn jemand jesprochen, Paul?

                                  John

Nee! -- Ick ha hechstens heut morchen Quaquaron jesprochen.

                               Frau John
                            scheu, gespannt.

Nu? und?

                                  John

I, la man, jar nischt, et war weiter nischt.

                               Frau John
                              wie vorher.

Wat hat er jesacht?

                                  John

Wat soll er jesacht haben? -- Na, wenn de schon keene Ruhe jeben dust --
wat soll det nitzen an Sonntag morchen? -- er hat mir ma wieder nach
Brunon jefracht.

                               Frau John
                            hastig, bleich.

Wat soll denn Bruno wieder jemacht haben?

                                  John

Jar nischt! -- Hier, komm und trink 'n Schluck Kaffee, Jette, und rjer
dir nich! -- Wat kannst de dafr, wenn eener so 'n sauberet Brderken
hat? -- Wat brauchen wir uns um andre bekimmern?

                               Frau John

Det mecht ick wissen, wat so 'ne olle duliche Dromlade, wo 'n janzen
Tag spionieren dut, immer von Brunon zu quasseln hat.

                                  John

Jette, mit Brunon la mir in Frieden! -- -- -- Sieh ma ... i wat denn?
... lieber nich! ... Aber wenn ick da wieder wat sollte von sachen: det
soll mir nich wundern, wo mit Bruno ma jelejentlich in Jefngnishof,
haste nich jesehn! ma'n schnellet Ende is. -- (Frau John lt sich am
Tisch nieder, wird grau im Gesicht, sttzt sich auf beide Ellenbogen und
atmet schwer.) -- Vielleicht och nich! nimm et dir man nich jleich so zu
Herzen! -- -- Wat macht denn de Schwester?

                               Frau John

Ick wee et nich.

                                  John

Na ick denke, de bist bei se drauen jewesen.

                               Frau John
                     sieht ihn geistesabwesend an.

Wo bin ick jewesen?

                                  John

Siehste woll, Jette, det is mit euch Weiber! de schudderst ja! bein Arzt
und bein Doktor wiste nich hinjehn! womeglich det de noch nachtrglich
zum Liechen kommst. Det is wenn eens die Natur vernachlssigt.

                               Frau John
                     fllt ihrem Mann um den Hals.

Paul, du wist mir verlassen! Jott in Himmel, Paul, sach et! sach et
blo, tu mir nich hinters Licht fihren! Sach et! Fihr mir nich hinters
Licht.

                                  John

Wat is mit dich heute los, Henerjette?

                               Frau John
                          pltzlich verndert.

Hr man nich druf, Paul, wat ick so herschwatze. Ick ha wieder die Nacht
keene Ruhe jehat! Und denn war ick frh uf, und denn is et nich anders,
als wie det ick 'n biken von Krfte bin.

                                  John

Denn leg dir man lang und ruh dir 'n biken. -- (Frau John wirft sich
lang auf das Sofa und starrt gegen die Decke.) -- Kannst dir dann och ma
'n biken kmmen, Jette! -- -- Uf de Bahn war et wohl sehr staubig
jewesen, det de so ieber und ieber mit Sand injepulvert bist? -- -- --
(Frau John antwortet nicht, sie starrt gegen die Decke.) -- Ick mu ma
det Bengelchen 'n biken an't Licht holen.

   Er begibt sich hinter den Verschlag.

                               Frau John

Wie lange sind wir verheirat, Paul?

                                  John
            Die Kinderklapper geht hinterm Verschlag, dann:

Det war achtzehnhundertundzweeundsiebzig, jleich wie ick bin aus'n
Kriege jekomm.

                               Frau John

Nich, denn kamst de zu Vater hin? -- und denn hast de in Positur
jestanden? -- und denn hast de't eiserne Kreuz an de linke Brust jehat.

                                  John
   erscheint, das Kind im Steckkissen auf dem Arme, die Kinderklapper
                      schwingend. Er sagt lustig:

Jawoll! det ha ick och heute noch, Mutter! Und wenn de't sehn willst,
denn stech ick's mir an.

                               Frau John
                     noch immer lang ausgestreckt.

Und denn kamst de zu mich, und denn hast de jesacht: ick sollte nich
immer so fleiig ... nich immer so hin und her, treppuf, treppab ... ick
sollte ma 'n biken pomadich sind.

                                  John

Det sach ick so jut och heute noch, Jette.

                               Frau John

Und denn haste mir mit dein Schnurrbart jekitzelt und hast mir links
hinter't Ohr jekt! -- Und denn ...

                                  John

Denn sind wir wohl einig jeworden? --

                               Frau John

Denn ha ick jelacht und ha mir nach und nach, apee apee von oben bis
unten in alle Uniformknppe abjespiejelt. Und da ha ick noch anders
ausjesehn! -- Und denn haste jesacht ...

                                  John

I Mutter, de kannst dir wahrhaftig sehn lassen, det jlobt eener nich,
wat du for'n Jedchtnis hast.

                               Frau John

Und denn haste jesacht: wenn ick nu bald 'n Jungen krieje, der soll och
ma mit Jott fr Kenig und Vaterland und Wacht am Rhein hinter de
Fahne her zu Felde ziehn.

                                  John
                 singt, ber das Kindchen, zur Klapper.

   Er blickt hinauf in Himmels Aun
   wo Heldenvter niederschaun:
   zum Rhein, zum Rhein, zum deutschen Rhein! ...

Nu ha ick so'n Kerlchen, und nu bin ick wahrhaftig jar nich so wilde
druf, det ick ihm mechte womeglich als Kanonenfutter in Krieg schicken.

   Er geht mit dem Kindchen in den Verschlag.

                               Frau John
                              wie vorher.

Paulicken, Paulicken, det allens is hundert Jahre her!

                                  John
            kommt, ohne das Kind, wieder aus dem Verschlag.

Janz so lange woll doch nich, Jette.

                               Frau John

Sach ma, wie wr det? du nhmst mir mit und jingst mit mich und mein
Kindeken jingst du fort nach Amerika?

                                  John

Na nu her ma, Jette: wat is mit dich? Wat is det? Bin ick denn hier von
Jespenster umjeben? Du weet, det ick uf'n Bau, und wenn de Arbeeter mit
Klamotten ibereinander her sind, ieberhaupt mir nich ufrege und, wat se
mir nennen, Paul is immer jemitlich, bin! Aber nu: wat is det? De Sonne
scheint! et is hellichter Tag! ick wee nich: sehen kann ick et nich!
Det kichert, det wispert, det kommt jeschlichen! und wenn ick nach
jreife, denn is et nischt. Nu will ick ma wissen, wat an die Jeschichte
mit det fremde Mchen hier in de Stube Wahret is.

                               Frau John

Paul, du hast jehert, det Freilein is ieberhaupt jar nich mehr
wiederjekomm. Da draus kannst de sehn ...

                                  John

Det sachst de zu mich mit blaue Lippen und machst Augen, wie wennste
jerdert bist.

                               Frau John
                               verndert.

Jawoll! Wat lte mir jahrelang alleene, Paul? wo ick in mein Kfiche
sitzen mu und keen Mensch nich is, mir ma auszusprechen. Manch liebet
Mal hab' ick hier jesessen und jefracht, warum det ick immer rackern du?
warum det mir abdarbe, Jroschens mhsam zusammenscharre, dein Verdienst
jut anleche und wie ick uf jede Art wat zuzuverdien mir abjrbeln du.
Warum denn? Det soll allens for fremde Leite sind? Paul, du hast mir
zujrunde jerichtet!

   Sie legt den Kopf auf den Tisch und bricht in Schluchzen aus.

   In diesem Augenblick ist, katzenartig leise, Bruno Mechelke
   eingetreten. Er hat seine Sonntagskluft an, hat Flieder an der Mtze
   und einen groen Fliederzweig in der Hand. John trommelt ans Fenster
   und bemerkt ihn nicht.

                               Frau John
      hat Bruno wie eine Geistererscheinung nach und nach ins Auge
                                gefat.

Bruno, bist du's?

                                 Bruno
         der blitzschnell den Maurerpolier erkannt hat, leise.

Na jewi doch, Jette.

                               Frau John

Wo kommst de denn her? Wat wiste denn?

                                 Bruno

Na, ick habe de Nacht durchjescherbelt, Jette. Det siehste doch, det ick
bei jute Laune bin.

                                  John
    hat Bruno bis jetzt unverwandt angesehen, wobei eine gefhrliche
   Blsse sein Gesicht berzogen hat. Jetzt geht er langsam zu einem
    kleinen Schrank und zieht einen alten Kommirevolver hervor, den
          er ladet. Dies wird von Frau John nicht beobachtet.

Du! -- Hr ma! -- Nu will ick dir ma wat sachen! -- Wat, wat de
vielleicht verjessen hast -- det de weiter nu keene Ausrede hast, wenn
ick det Dinges hier uf dir abdricke! -- Du Lump! Unter Menschen jeherst
du nich! Ick ha dir jesacht, det ick dir niederknalle, det war vorichten
Herbst, wo du mich jemals wieder uf meine Schwelle unter de Auchen
trittst -- Nu jeh! sonst kracht et! -- Hast de verstanden?

                                 Bruno

Vor deine Musspritze furcht ick mir nich.

                               Frau John
    die bemerkt, da John, seiner selbst nicht mchtig, den Revolver
                      langsam gegen Bruno erhebt.

Denn mach mir dot, Paul! Et is mein Bruder!

   Sie ist John in den Arm gefallen, so da sein Revolver gegen sie
   gerichtet ist.

                                  John
     sieht sie lange an, scheint zu erwachen, wird anderen Sinnes.

Jut! -- (Er legt den Revolver wieder sorgfltig in das Schrnkchen.) --
Hast och recht, Jette! -- Pfui Deibel, Jette, det dein Name och in de
Fresse von so 'n Schubiack is! -- Jut! -- Det Pulver wr och zu schade!
-- Det Dinges hat Blut von zwee franzesche Reiter jekost! Zwee Helden!
-- Nu soll et am Ende Dreck saufen.

                                 Bruno

Det kann immer sind, det Dreck ... in dein Schdel ist! Und wenn du nich
jerade, det de bei meine Schwester uf Schlafstelle wrscht, denn htt'
ick dir woll ma wat Luft jemacht, Rotzjunge, det de hst vierzehn Dache
't Loofen jekricht.

                                  John
                            gewaltsam ruhig.

Sach noch ma, Jette, det det dein Bruder is.

                               Frau John

Paul, jeh man, ick wer' ihm schon wieder fortschaffen! Det weet de
doch, det ick et nu ma doch nich ndern kann, det Bruno von mich der
Bruder is.

                                  John

Na, denn bin ick hier iebrig, denn schnbelt euch man. -- (Er ist fertig
gekleidet und schickt sich zum Gehen an. Dicht bei Bruno steht er
still.) -- Schuft! du hast deinem Vater im Jrabe jergert! Deine
Schwester htte dir sollen hinterm Zaune in Jraben verhungern lassen,
statt jrojezogen, und det eenen Lumpenkanaille mehr uf de Erde is. In
eene halbe Stunde komm ick zurck! aber nich alleene! Ick komm mit'n
Wachmeester!

   John geht durch die Flurtr ab, seinen Kalabreser aufstlpend.

   Bruno wendet sich, sowie John hinaus ist, und spuckt ihm nach, gegen
   die Eingangstr.

                                 Bruno

Wenn ick dir ma in de Wuhlheide htte.

                               Frau John

Woso kommste nu, Bruno? Sache, wat is!

                                 Bruno

Pinke mute mich jeben, sonst jeh ick verschtt, Jette.

                               Frau John
                verschliet und verriegelt die Flurtr.

Wacht ma, ick schliee die Diere zu! -- Nanu, wat is? -- Wo kommste her?
Wo biste jewesen?

                                 Bruno

Jetanzt ha ick, Jette, de halbe Nacht, und denn wa' ick 'n biken jejen
Morchenjrauen in't Jrne jejang.

                               Frau John

Hat dir Quaquaro sehn reinkomm, Bruno? Denn nimm dir in Obacht, det de
nich in de Falle sitzt.

                                 Bruno

I Jott bewahre. Ick bin ieber'n Hof, denn bei mein Freind durch'n
Knochenkeller und hernach ieber'n Oberboden rinjekomm.

                               Frau John

Na? Und wat is nu jewesen, Bruno?

                                 Bruno

Wuddel nich, Jette. Jieb Reisejeld! Ick jeh verschtt, oder ick mu
abtippeln.

                               Frau John

Und wat haste nu mit det Mchen jemacht?

                                 Bruno

I, et hat Rat jejeben, Jette!

                               Frau John

Wat heet det?

                                 Bruno

Ick ha ihr soweit wenigstens biken jefiege jemacht.

                               Frau John

Und det se nich wiederkommt is nu sicher!

                                 Bruno

Jawoll! Det se nu nochma kommt, jlob ick nich! Aber det wa keen leichtet
Stick Arbeet, Jette. Du hast mich mit deine verdammte Pillenkrajerei --
ick ha Durscht, Jette, jieb mich zu saufen, Jette! ... hast du mir
kochend hee jemacht.

   Er trinkt eine Wasserflasche leer.

                               Frau John

Se haben dir vor de Diere jesehn mit det Mchen.

                                 Bruno

Ick ha mir mit Artur verabred, Jette. Von mich wollt se nischt wissen.
Denn is Artur in feine Kluft anjetnzelt jekomm und hat ihr och richtig
verschleppt in Bolljongeller. Det hat se jejlobt, uf dem Leim is se
jekrochen, det ihr Breitjam dort warten tut!

   Er trllert und tnzelt krampfhaft.

   Unser janzet Leben lang
   von det eene Ristorang
   in det andre Ristorang

                               Frau John

Na und denn?

                                 Bruno

Denn wollt se fort, weil Adolf jesacht hat, det ihr Breitjam jejangen
is! Denn ha ick wollen ihr noch 'n Stickchen bejleiten, Artur und Adolf
sind mitjejang. Denn sind wir bei Kalinich in de Hinterstube injefallen,
und denn is se ja och von den vielen Nippen an Groch und Schnpse molum
jeworn. Und denn hat se in'n Bullenwinkel bei eene jenchtigt, wo Arturn
seine Jeliebte is. Den nchsten Dach sind wir immer zwee drei Jungs
hinterher jewesen, nich losjelassen, immer von frischen Quinten jemacht,
und in de Schublade is et ja nu och lustig zujejang.

   Die Kirchenglocken des Sonntagmorgens beginnen zu luten.

                                 Bruno
                              fhrt fort.

Aber 't Jeld is futsch. Ick brauche Mrker und Pfenniche, Jette.

                               Frau John
                            kramt nach Geld.

Wieviel mute haben?

                                 Bruno
                          lauscht den Glocken.

Wat denn?

                               Frau John

Jeld!

                                 Bruno

Der olle Verkmmler unten in Knochenkeller meent, det ick an liebsten
mu ieber de russische Jrenze jehn! -- Her ma, Jette, de Jlocken luten.

                               Frau John

Weshalb mute denn ieber de Jrenze jehn?

                                 Bruno

Nimm ma 'n nasses Handtuch, Jette, un du och 'n biken Essig druf. Ick
wee nich, wat mich det Nasenbluten janze Nacht schon jerjert hat.

   Er drckt sein Taschentuch an die Nase.

                               Frau John
                  holt ein Handtuch, atmet krampfhaft.

Wer hat dir an Handjelenk so 'ne Striemen jekratzt, Bruno?

                                 Bruno
                          lauscht den Glocken.

Heute morchen halb viere htt' se det Jlockenluten noch heren jekonnt.

                               Frau John

O Jesus, mein Heiland, det is ja nich wahr! det kann ja nich
menschenmeglich sein! Det ha ick dir nich jeheeen, Bruno! Bruno! ick
mu mir setzen, Bruno. -- (Sie tut es.) -- Det hat ja Vater noch uf'n
Sterbebette zu mich vorausjesacht.

                                 Bruno

Mit Brunon is nich zu spaen, Jette. Wenn de zu Minnan hinjehst, denn
sache, det ick ma och uf sowat vastehe und det mit Karln und Fritzen det
Jehnsel 'n Ende hat.

                               Frau John

Bruno, wenn se dir aber festsetzen.

                                 Bruno

Na jut, denn mache ick Bammelmann, und denn ha'm se uf Charit wieder ma
wat zum Sezieren.

                               Frau John
                             gibt ihm Geld.

Det is ja nich wahr! Wat hast du jetan, Bruno?

                                 Bruno

Du bist 'ne olle vadrehte Person, Jette. -- (Er fat sie nicht ohne
Gemtsanwandlung.) -- Ihr sagt immer, det ick zu jar nischt nitze bin,
aber wenn't jar nich mehr jeht, denn braucht ihr mir, Jette.

                               Frau John

Na und wie denn? Haste den Mchen jedroht, det se soll nich mehr blicken
lassen? -- Det haste jesollt, Bruno. Haste det nich?

                                 Bruno

De halbe Nacht hab' ick mit ihr jetanzt. Nu sind wir uf de Strae
jejang. Denn war 'n Herr mitjekomm, vastehste! Und wie det ick jesacht
habe, det ick von meinswechen mit die Dame 'n Hihnchen zu pflicken habe
und 'n Schneiderring aus de Bucksen jezogen, hat er natierlich Reiaus
jenomm. -- Nu ha ick zu ihr jesacht: ngsten sich nich, Freilein! wo
jutwillig sind und wo keen Lrm schlachen, und nie nich mehr bei meine
Schwester nachfrachen nach ihr Kind, soll allet janz jitlich in juten
vereinigt sind! und denn is se mit mich jejondelt 'n Sticksken.

                               Frau John

Na und?

                                 Bruno

Na und? -- Und da wollte se nich! -- Und da fuhr se mit eemal nach meine
Jurjel, det ick denke ... wie 'n Beller, der toll jeworden is! und hat
noch Saft in de Knochen jehabt ... det ick jleich denke, det ick soll
alle werden! Na, und da ... da war ick nu och 'n biken frisch -- und
denn war et -- denn war et halt so jekomm.

                               Frau John
                          in Grauen versunken.

Um welche Zeit war et?

                                 Bruno

So 'rum zwischen vier und drei. Der Mond hat 'n jroen Hof jehat. Uf'n
Zimmerplatz hinter de Planken is een Luder von Hund immer rufjesprung
und anjeschlagen. Denn dreppelte et und denn is 'n Jewitter
niederjejang.

                               Frau John
                           verndert, gefat.

'S jut! Nu jeh! Die verdient et nich besser.

                                 Bruno

Atje! Na nu sehn wa uns ville Jahre nich.

                               Frau John

Wo wiste denn hin?

                                 Bruno

Erst mu ick ma Stunde zweee lngelang uf'n Ricken liechen. Ick och! Ick
jeh zu Fritzen, wo eene Kammer in't olle Polizeijefngnis jejenieber de
Fischerbrcke zu Miete hat. Dort bin ick sicher. Wo Ufsto is, kannste
mich Nachrich zukomm lassen.

                               Frau John

Wiste det Kindeken nochma ankieken?

                                 Bruno
                                zittert.

Nee.

                               Frau John

Warum nich?

                                 Bruno

Nee Jette, in diesen Leben nich! Atje Jette! -- Wacht ma Jette: hier is
noch 'n Hufeisen! -- (Er legt ein Hufeisen auf den Tisch.) -- Det ha ick
jefunden! Det bringt Glick! Ick brauche ihm nich.

   Bruno Mechelke, katzenartig, wie er gekommen, ab. Frau John blickt
   mit entsetzt aufgerissenen Augen nach der Stelle, wo er verschwunden
   ist, wankt dann einige Schritte zurck, pret die wie zum Gebet
   verkrampften Hnde gegen den Mund und sinkt in sich zusammen, immer
   mit dem vergeblichen Versuch, Gebetsworte gegen den Himmel zu
   richten.

                               Frau John

Ick bin keen Merder! ick bin keen Merder! det wollt ick nich!




                              Fnfter Akt


   Zimmer bei Johns. Frau John liegt schlafend auf dem Sofa. Walburga
   und Spitta treten vom Flur her ein. Man vernimmt von der Strae
   herauf laute Militrmusik.

                                 Spitta

Es ist niemand hier.

                                Walburga

Frau John! Doch Erich! Hier liegt ja Frau John.

                                 Spitta
                   mit Walburga an das Sofa tretend.

Schlft sie? Wahrhaftig. Das begreife einer, wie man bei diesem Lrm
schlafen kann. --

   Die Militrmusik ist verklungen.

                                Walburga

Ach Erich, pst! diese Frau ist mir grausenvoll. Verstehst du denn
brigens, weshalb unten am Eingang Polizeiposten stehn und weshalb sie
uns nicht auf die Strae lassen? Ich hab' eine solche furchtbare Angst,
da man womglich arretiert wird und mit zur Wache mu.

                                 Spitta

Aber gar keine Idee! Du siehst ja Gespenster, Walburga.

                                Walburga

Als der Mann in Zivil auf dich zutrat und uns anblickte und du ihn
fragtest, wer er sei und er seine Legitimationsmarke aus der Tasche
nahm, wahrhaftig, da fing sich Treppe und Flur auf einmal um mich im
Kreise zu drehen an.

                                 Spitta

Sie suchen einen Verbrecher, Walburga. Das ist eben eine sogenannte
Razzia, eine Art Kesseltreiben auf Menschen, wie die Kriminalpolizei sie
zuweilen veranstalten mu.

                                Walburga

Und auerdem kannst du mir glauben, Erich, ich habe Papa'ns Stimme
gehrt, der laut mit jemand geredet hat.

                                 Spitta

Du bist nervs. Du kannst dich getuscht haben.

                                Walburga
            die John spricht im Schlaf, Walburga erschrickt.

Horch mal, die John.

                                 Spitta

Groe Schweitropfen stehen ihr auf der Stirn. Komm mal, sieh mal das
alte rostige Hufeisen, das sie mit beiden Hnden umklammert hat.

                                Walburga
                     horcht und erschrickt wieder.

Papa!

                                 Spitta

Ich verstehe dich nicht. La ihn doch kommen, Walburga. Die Hauptsache
ist, da man wei, was man will und da man ein reines Gewissen hat. Ich
bin bereit. Ich ersehne die Aussprache.

   Es wird laut an die Tr geklopft.

                                 Spitta
                                 fest.

Herein!

   Frau Direktor Hassenreuter erscheint, mehr als sonst auer Atem.
   ber ihr Gesicht geht ein Ausdruck der Befreiung, als sie ihrer
   Tochter ansichtig wird.

                       Frau Direktor Hassenreuter

Gott sei gelobt! Da seid ihr ja, Kinder. -- (Walburga fliegt zitternd in
ihre Arme.) -- Mdel, wie du deine alte Mutter gengstet hast! --

   Lngeres Atmen und Stillschweigen.

                                Walburga

Verzeih, Mama: ich konnte nicht anders.

                       Frau Direktor Hassenreuter

Nein! Solche Briefe mit solchen Gedanken schreibt man an eine Mutter
nicht. Besonders an eine Mutter wie mich nicht, Walburga! Hast du
Seelensnte, so weit du auch, da du mich noch immer mit Rat und Tat
dir zur Seite hast. Ich bin kein Unmensch und auch frher mal jung
gewesen. Aber ins Wasser springen ... ins Wasser springen und so
dergleichen, mit solchen Drohungen spielt man nicht. Ich habe doch
hoffentlich recht, Herr Spitta. Und nun auf der Stelle ... wie seht ihr
denn aus? -- auf der Stelle kommt mit mir beide nach Hause mit! -- Was
hat denn Frau John?

                                Walburga

Ja hilf uns! steh uns bei! nimm uns mit, Mama! Ich bin so froh, da du
da bist. Ich hab' pltzlich eine so lhmende Angst gehabt.

                       Frau Direktor Hassenreuter

Also kommt, das wre noch schner, da man sich von Ihnen, Herr Spitta,
und diesem Kinde solcher verzweifelter Torheiten zu gewrtigen hat. Man
hat Mut in Ihren Jahren! Man verfllt nicht auf Ausflchte, wenn alles
nicht gleich nach dem Schnrchen geht, bei denen man nur -- man lebt ja
nur einmal! -- zu verlieren und nichts zu gewinnen hat.

                                 Spitta

O ich habe Mut! Ich denke auch nicht daran, etwa als Lebensmder feige
zu endigen! auer wenn mir Walburga verweigert wird. Dann freilich ist
mein Entschlu gefat! Da ich vorlufig arm bin und meine Suppe hie und
da in der Volkskche essen mu, untergrbt meinen Glauben an mich und
eine bessere Zukunft nicht. Auch Walburga ist sicherlich berzeugt, es
mu ein Tag kommen, der uns fr alle trben und schweren Stunden
entschdigt.

                       Frau Direktor Hassenreuter

Das Leben ist lang. Und ihr seid heut noch Kinder. Es ist vielleicht
nicht so schlimm, wenn ein Student oder Kandidat in der Volkskche essen
mu. Fr Walburga als Ehefrau wre das rger. Und ich mchte doch fr
euch beide hoffen, da da erst etwas vorher wie ein eigner Herd mit dem
ntigen Holz und der ntigen Kohle und so weiter geschaffen wird. Im
brigen habe ich bei Papa eine Art Waffenstillstand fr euch ausgewirkt.
Es war nicht leicht und wre vielleicht unmglich gewesen, wenn nicht
die Morgenpost seine definitive Ernennung und Wahl zum Direktor in
Straburg gebracht htte.

                                Walburga
                                freudig.

Mama! ach Mama! das ist ja ein Sonnenblick.

                               Frau John
                hat sich mit einem Ruck emporgerichtet.

Bruno!

                       Frau Direktor Hassenreuter
                            entschuldigend.

Wir haben Sie aufgeweckt, Frau John.

                               Frau John

Is Bruno wech?

                       Frau Direktor Hassenreuter

Wer? Welcher Bruno?

                               Frau John

Na Bruno! Kenn Se denn Brunon nich?

                       Frau Direktor Hassenreuter

Richtig, so heit ja Ihr jngerer Bruder.

                               Frau John

Ha ick jeschlafen?

                                 Spitta

Fest! Aber Sie haben eben im Schlaf laut aufgeschrien, Frau John.

                               Frau John

Ham Se jesehn, Herr Spitta, wo Jungs in Hof ... ham Se jesehn, wo Jungs
in Hof Adelbertchen sein Jrbken jesteenicht ham? Aber ick war zwischen,
wat? und ha rechts und links jar nich schlecht Maulschellen ausjeteilt.

                       Frau Direktor Hassenreuter

Demnach haben Sie also von Ihrem ersten verstorbenen Kindchen getrumt,
Frau John?

                               Frau John

Nee nee, det war wahr, ick ha nich jetraumt, Frau Direktor. Und denn
jing ick mit Adelbertchen, jing ick bein Standesbeamten hin.

                       Frau Direktor Hassenreuter

Aber wenn Adelbertchen nicht mehr am Leben ist ... wie knnen Sie denn
...

                               Frau John

I, wenn een Kindchen meinswechen jeboren is, denn is et jedennoch noch
in de Mutter, und wenn es meinswechen jestorben is, denn is et immer
noch in de Mutter. Ham Se den Hund jehert hintern Plankenzaun? Der Mond
hat'n jroen Hof jehat! Bruno, du jehst uf schlechte Weche.

                       Frau Direktor Hassenreuter
                           rttelt Frau John.

Wachen Sie auf, gute Frau! Frau John! Frau John! Sie sind krank! Ihr
Mann soll mit Ihnen zum Arzte gehen.

                               Frau John

Bruno, du jehst uf schlechte Weche. -- (Die Glocken beginnen wieder zu
luten.) -- Sind det de Jlocken? --

                       Frau Direktor Hassenreuter

Der Gottesdienst ist zu Ende, Frau John.

                               Frau John
                    erwacht vllig, starrt um sich.

Warum wach ick denn uf? Warum habt ihr mir denn in Schlaf nich mit de
Axt iebern Kopp jehaut? -- -- -- -- -- -- Wat ha ick jesacht? Pst! Blo
zu niemand een Sterbenswort, Frau Direktor. --

   Sie ist aufgesprungen und ordnet ihr Haar mit vielen Haarnadeln.

   Der Direktor erscheint durch die Flurtr.

                         Direktor Hassenreuter
                   stutzt beim Anblick der Seinigen.

Sieh da, sieh da Timotheus, die Kraniche des Ibikus! -- Sagten Sie
nicht, es wohne hier ganz in der Nhe ein Spediteur, Frau John? -- (zu
Walburga.) -- Jawohl, mein Kind: whrend du in deinem jugendlichen
Leichtsinn auf dein Vergngen und wieder auf dein Vergngen denkst, ist
dein Papa schon wieder drei Stunden lang in Geschften herumgelaufen. --
(zu Spitta.) -- Sie wrden es nicht so eilig haben, junger Mann, eine
Familie zu begrnden, wenn Sie auch nur die geringste Ahnung davon
htten, wie schwer es ist, es durchzusetzen, von Tag zu Tag mit Weib und
Kind wenigstens nicht ohne das elende und verschimmelte bichen
tglichen Brotes dazustehn. Mge das Schicksal jeden davor bewahren,
sich eines Tages mittellos in die Suburra Berlins geschleudert zu
finden, um mit andern Verzweifelten, Brust an Brust, in unterirdischen
Lchern und Rhren, um das nackte Leben fr sich und die Seinen zu
ringen. Gratuliert mir! In acht Tagen sind wir in Straburg. -- (Frau
Direktor, Walburga und Spitta drcken ihm die Hand.) -- Alles brige
findet sich.

                       Frau Direktor Hassenreuter

Papa, du hast wirklich fr uns, und zwar ohne dir etwas zu vergeben, die
Jahre einen heroischen Kampf gekmpft.

                         Direktor Hassenreuter

Wie bei Schiffbruch, wenn der Kampf um die Balken im Wasser beginnt.
Meine edlen Kostme, gemacht, um die Trume der Dichter zu
veranschaulichen, in welchen Lasterhhlen, auf welchen schwitzenden
Leibern haben sie nicht, _odi profanum vulgus!_ damit nur der Groschen
Leihgebhr im Kasten klang, ihre Nchte zugebracht. Sessa! Wenden wir
uns zu heiteren Bildern. Der Rollwagen, alias Thespiskarren ist schon
angeschirrt, um den Transport unsrer Penaten in hoffentlich glcklichere
Gefilde zu bewerkstelligen. -- (pltzlich zu Spitta.) -- Und da ihr
beide nicht etwa aus sogenannter Verzweiflung irreparable Dummheiten
macht, darauf verlang ich Ihr Ehrenwort, werter Herr Spitta. Zur
Kompensation verspreche ich Ihnen jeder wirklich vernnftigen uerung
Ihrerseits gegenber nicht taub zu sein. -- Im brigen komme ich zu Frau
John: erstlich weil Schutzleute in den Eingngen niemanden auf die
Strae lassen, ferner, weil ich gerne von Ihnen wissen will, weshalb ein
Mann wie ich, gerade in diesem Augenblick, wo seine Wimpel wieder
flattern, Gegenstand einer niedertrchtigen Zeitungskampagne geworden
ist.

                       Frau Direktor Hassenreuter

Lieber Harro, Frau John versteht dich nicht.

                         Direktor Hassenreuter

Dann wollen wir also _ab ovo_ anfangen. Hier habe ich Briefe, -- (er
zeigt einen Sto Briefschaften) -- eins, zwei, drei, fnf, zirka ein
Dutzend Stck! Darin wird mir in boshafter Weise von Unbekannten zu
einem Ereignis gratuliert, das angeblich oben auf meinem Magazinboden
vor sich gegangen ist. Ich wrde die Sache nicht beachten, wenn nicht
gleichzeitig diese Lokalnotiz, wonach in der Bodenkammer eines
Maskenverleihers, _sic!_ ... eines Maskenverleihers in der Vorstadt ein
neugeborenes Kindchen gefunden worden ist! ... Ich sage, wenn diese
Lokalnotiz mich nicht stutzig machte. Zweifellos handelt sich's hier um
eine Verwechselung. Dennoch mag ich die Sache nicht auf mir sitzen
lassen. Besonders da dieser Lmmel von einem Reporter von dem Herrn
Maskenverleiher auch noch als einem verkrachten Schmierendirektor
spricht. Lies Mama: Adebar beim Maskenverleiher. Der Kerl bekommt
Ohrfeigen! Heut abend soll meine Ernennung in Straburg durch die
Zeitungen gehn und gleichzeitig werde ich _urbi et orbi_ als
humoristischer Bissen ausgeliefert. Als ob man nicht wte, da von
allen Flchen der Fluch der Lcherlichkeit der schlimmste ist.

                               Frau John

An Hauseingang stehn Schutzleute, Herr Direktor?

                         Direktor Hassenreuter

Ja! Und zwar so, da sogar das Kinderbegrbnis der Witfrau Knobbe ins
Stocken gekommen ist. Man lt sogar den kleinen Sarg mit dem greulichen
Kerl von der Piett, der ihn trgt, nicht in den Wagen hinaus.

                               Frau John

Wat wr' denn det for'n Kinderbejngnis?

                         Direktor Hassenreuter

Wissen Sie das nicht? Das Shnchen der Knobbe, das auf eine mysterise
Weise von zwei fremden Weibsbildern zu mir heraufgebracht wurde und
frmlich unter meinen Augen, wahrscheinlich an Entkrftung gestorben
ist. A propos ...

                               Frau John

Det Kind von de Knobbe is jestorben?

                         Direktor Hassenreuter

A propos, Frau John, wollt' ich sagen, Sie sollten doch eigentlich
wissen, wie die Sache mit den beiden bergeschnappten Frauenspersonen,
die sich des Kindchens bemchtigt hatten, schlielich verlaufen ist?

                               Frau John

Nu sachen Se, is det nich Jottes Finger, det se womglich nich
Adelbertchen erwischt haben und det nich mein Adelbertchen mit Dot
abjejang is?

                         Direktor Hassenreuter

Wieso? Diese Logik verstehe ich nicht. Dagegen habe ich mich schon
gefragt, ob nicht die wirren Reden des polnischen Mdchens, der
Kleiderdiebstahl auf meinem Boden und das Milchflschchen, das Quaquaro
im Stiefel herunterbrachte, irgendwie mit der Zeitungsnotiz
zusammenzubringen sind.

                               Frau John

Da mang, Herr Direkter, is jar keen Zusammenhang. Haben Se Pauln jesehn,
Herr Direkter?

                         Direktor Hassenreuter

Paul? Ach so: Ihren Mann! jawohl! und zwar, wenn ich recht gesehen habe,
im Gesprch mit dem fetten Kriminalinspektor Puppe, der wegen des
Diebstahls auch schon mal bei mir gewesen ist.

   Maurerpolier John tritt ein.

                                  John

Na Jette, ha ick nu recht? Det is schnell jekomm.

                               Frau John

Wat denn?

                                  John

Soll ick mich tausend Marcht verdien, wo mit Anschlche von
Polizeiprsidium an de Litfasulen als Belohnung for Denungsiation is
bekannt jejeben?

                               Frau John

Woso denn?

                                  John

Weete denn nich, det det janze Manver mit Schutzleute und
Jeheimpolizisten Brunos wechen in Jange is?

                               Frau John

Wie denn? Wo denn? Wat denn? Warum denn in Jange?

                                  John

Det Kinderbejngnis is sistiert und zwee Burschen von de Leidtrajenden,
wat richtig dufte Kunden sind, festjenomm! jawoll! Det is nu so weit,
Herr Direktor! Ick bin nu'n Mann, wo mit eene Frau verkuppelt is, wo een
Bruder hat, wo hinterher sind, mit Rejierungsrte und Mordkommission,
weil er drauen, nich weit von de Spree unter een Fliederstrauch eene
hat umjebracht.

                         Direktor Hassenreuter

Aber werter Herr John: das mag Gott verhten.

                               Frau John

Det is jelochen! Mein Bruder tut so wat nich.

                                  John

I, det is det Neieste, Jette. Herr Direkter, ick ha neilich schonn
jesacht, wat det for'ne Sorte Bruder is. -- (Er bemerkt und nimmt einen
Fliederstrauch vom Tisch.) -- Sehen Se ma det hier! Det Unjeheuer is
hier jewesen. Wo wiederkommt, bin ick der erschte, wo ihm, Hnde und
Fe jebunden, an der Jerechtigkeet ausliefern dut.

   Er sucht den Raum ab.

                               Frau John

Mach du Rotznsen wat wee von Jerechtigkeet. Jerechtigkeet is noch nich
ma oben in Himmel. Keen Mensch nich war hier! Und det bisken Flieder ha
ick von Hangelsberg mitjebracht, wo'n jroer Strauch hinter'n Hause bei
deine Schwester is.

                                  John

Du warst ja jar nich bei meine Schwester, Jette. Det hat mich Quaquaro
ja ebent jesacht! det ham se uf Polizei ja festjestellt. Se ham dir
jesehn bei de Spree in de Anlachen ...

                               Frau John

Lieche!

                                  John

Und och in de Laubenkolonie wo du in 'ne Laube jenchtigt hast.

                               Frau John

Wat? Kommst du in dein eechnet Haus allens kurz und kleen demolieren?

                                  John

Jut so! recht so! det so weit jekommen is. Nu is det mit uns weiter keen
Verstecken! Det ha ick allens vorausjewut.

                         Direktor Hassenreuter
                             mit Spannung.

Hat sich das polnische Mdchen wieder gezeigt, das neulich wie eine
Lwin um das Knobbesche Kindchen gestritten hat?

                                  John

Eben det is et. Det ham se heut morchen dot jefunden. Und det sach ick
so hin, ohne det mir de Zunge in Maule absterben dut: det Mchen hat
Bruno Mechelke ums Leben jebracht.

                         Direktor Hassenreuter
                                schnell.

Dann ist es wohl seine Geliebte gewesen.

                                  John

Fragen Se Muttern! Det wee ick nich! Det war meine Angst, deshalb bin
ick schonn lieber jar nich zu Hause jekomm, det mein eechnet Weib mit
so'ne Jesellschaft behaftet is und hat keene Kraft nich abzuschtteln.

                         Direktor Hassenreuter

Kommt Kinder!

                                  John

Warum denn? Immer bleiben Se man.

                               Frau John

De brauchst nich jehn und Fenster ufreien und alle Welt uf de Jasse
schrein! Det is schlimm jenug, wenn uns Schicksal mit so'n Unjlck
jetroffen hat. Plrr! aber dann siehste mir bald nich mehr wieder.

                                  John

Jerade! Nu jerade! Ick rufe wer't wissen will von de Jasse, von Flur,
dem Tischler vom Hof, de Jungs, de Mchens, wo in de Konfirmationsstunde
jehn, die ruf ick rin und erzhle, wie weit eene Frau mit ihre
Affenliebe zu ihren Lump von Bruder jekommen is.

                         Direktor Hassenreuter

Diese hbsche junge Person, die das Kind beanspruchte, ist heute
tatschlich tot, Herr John?

                                  John

Kann sind, det se hibsch is, ick wee et nich, ob se hibsch oder hlich
jewesen is. Aber det se in Schauhaus liecht, det is sicher.

                               Frau John

Ick wee et, wat se jewesen is! Een schlechtet jemeinet Weibstick is et
jewesen! Wo mit Kerle hat abjejeben und von een Tiroler, der nischt hat
von wissen jewollt, hat Kind jehat! Det hat se an liebsten in
Mutterleibe schon umjebracht. Denn is se 't holen jekomm mit de
Kielbacke, wo als Engelmachersche schon ma anderthalb Jahre Pltzensee
abjesessen hat. Ob se mit Brunon och wat jehabt hat, wo soll ick det
wissen? Kann sind, kann och nich sind! Und wat soll mir det allens
ieberhaupt anjehn, wat Bruno meinswechen verbrochen hat.

                         Direktor Hassenreuter

Also haben Sie doch das Mdchen gekannt, Frau John.

                               Frau John

Woso? ick ha jar nich jekannt, Herr Direkter! Ick sache blo, wat'n
jeder, wie'n jeder von det Mchen jeuert hat.

                         Direktor Hassenreuter

Sie sind eine ehrenhafte Frau, Sie ein ehrenhafter Mann, Herr John. Die
Sache mit Ihrem miratenen Schwager und Bruder ist schlielich etwas,
was meinethalben eine furchtbare Tatsache ist, aber Ihr Familienleben
doch im Grunde nicht ernstlich erschttert ... aber bleiben Sie ehrlich
...

                                  John

Nich in de Hand! In so'ne Nhe, bei solchet Jesindel bleib ick nich. --
(Er schlgt mit der Faust auf den Tisch, klopft an die Wnde, stampft
auf den Fuboden.) -- Horchen Se ma, wie det knackt, wie Putz hinter de
Tapete runterjeschoddert kommt! Allens is hier morsch! Allens faulet
Holz! Allens unterminiert, von Unjeziefer, von Ratten und Muse
zerfressen! -- (Er wippt auf der Diele.) -- Allens schwankt! Allens kann
jeden Ojenblick bis in Keller durchbrechen. -- (Er ffnet die Tr.) --
Selma! Selma! -- Hier mach ick mir fort, eh' det allens een Schutthaufen
drunter und drieber zusammenbricht.

                               Frau John

Wat wite mit Selma?

                                  John

Selma nimmt det Kind und ick reise mit Selman und det Kind und bringe
mein Kind zu meine Schwester.

                               Frau John

Denn sote Bescheid kriechen! Versuch det man!

                                  John

Soll mein Kind in so'ne Umjebung jrowachsen, womeglich det ma wie Bruno
ieber Dcher jehetzt und det och ma womeglich in Zuchthaus endet?

                               Frau John
                            schreit ihn an.

Det is jar nich dein Kind! Vastehste mich?

                                  John

So? Det wolln wir ma sehn, ob een rechtlicher Mann nich Herr sollte sind
ieber sein eechnet Kind, wo Mutter nich bei Verstande is und in de Hnde
von Mordjesindel. Det will ick ma sehn, wer in Rechte is un wer strker
is! Selma!

                               Frau John

Ick schrei! ick reie det Fenster uf! Frau Direkter, se wollen eene
Mutter ihr Kind rauben! Det is mein Recht, det ick Mutter von mein
Kindeken bin! Det is doch mein Recht? Ha ick nich recht, Frau Direkter?
Se umzingeln mir! Se wollen mir mein Recht versetzen! Soll mir det nich
jeheren, wat ick vor Wegwurf ufjelesen, wo vor Tod in Lumpen jelechen
hat und wo ick ha mihsam erscht missen reiben und kneten, bis bisken
Atem jeholt und langsam lebendig geworden is? Wo ick nich war, det wre
schonn vor drei Wochen lngst in de Erde verscharrt jewesen.

                         Direktor Hassenreuter

Herr John, zwischen Eheleuten den Schiedsmann spielen ist meine Sache im
allgemeinen nicht. Dazu ist dies Geschft zu undankbar und man macht
dabei meistens bse Erfahrungen. Sie sollten aber in Ihrem zweifellos
mit Recht verwundeten Ehrgefhl sich nicht zu bereilungen hinreien
lassen. Denn schlielich ist doch Ihre Frau fr die Tat ihres Bruders
nicht verantwortlich. Lassen Sie ihr das Kind! Machen Sie nicht das
Unglck schlimmer durch eine berflssige Hrte, die Ihre Frau aufs
empfindlichste krnken mu.

                               Frau John

Paul, det Kind is aus meinen Leibe jeschnitten! Det Kind is mit meinen
Blute erkoft. Nich jenug, alle Welt is hinter mich her und will et mich
abjagen! Nu kommst och du noch und machst et nich anders, det is der
Dank! als wenn det ick ringsum von hungrige Welfe umjeben bin. Mir
kannste dot machen! mein Kindeken sote nich anfassen.

                                  John

Ick komme zu Hause, Herr Direkter! Ick bin heut morchen erst mit mein
ganzes Zeug quietschverjngt von de Bahn jekomm! Hamburg, Altona, allens
abjebrochen. Wenn och Verdienst jeringer is, dachte ick, wit lieber bei
deine Familie sind! Biken Kind uf'n Arm nehmen! Biken Kind uf'n Knie
nehmen! Det war unjefhr so meine Inbildung ...

                               Frau John

Paul! Hier Paul! -- (Sie tritt ihm ganz nahe.) -- Rei mir det Herz
aus'n Leibe! --

   Sie starrt ihn lange an, dann luft sie in den Verschlag, wo man sie
   laut weinen hrt.

   Selma kommt vom Flur. Sie trgt Trauerkleidung und einen kleinen
   Grabkranz in der Hand.

                                 Selma

Wat soll ick? Se ham mir jeruft, Herr John.

                                  John

Zieh dir an, Selma. Frach deine Mutter, ob det de kannst mit mir jehn zu
meine Schwester nach Hangelsberg. Kannst dir'n Jroschen Jeld bei
verdienen. Nimmst mein Kindeken uf'n Arm und bejleitest mir.

                                 Selma

Nee! det Kind fa ick nu nich mehr an, Herr John.

                                  John

Woso nich?

                                 Selma

Nee, ick furcht mir, Herr John. Ick ha so'ne Angst, so hat mir Mama und
Polizeileutnam anjeschrien.

                               Frau John
                               erscheint.

I, weshalb ham se dir anjeschrien?

                                 Selma
                               heult los.

Schutzmann Schierke hat mich sojar eene runterjehaut.

                               Frau John

I, dem wer' ick nochma ... det soll der nochma versuchen.

                                 Selma

Wat soll ick denn wissen, warum mich det polsche Mchen hat mein
Brderken wegjenomm. Htt ick jewut, det mein Brderken sterben soll,
ick htt' ihr ja lieber an Hals jesprung. Nu steht Jundofriedchen in
Srjiken uf de Treppe. Ick jlobe, Mama hat Krmpfe jekricht und liecht
bei Quaquaron hinten in Alkoven. Mir wolln se in Firsorche schaffen,
Frau John. --

   Sie flennt.

                               Frau John

Denn freu' dir! Schlimmer kann et nich komm, als et bei dich zu Hause
is.

                                 Selma

Ick komm vor Jericht! womeglich wer' Moabit jeschafft.

                               Frau John

Woso det?

                                 Selma

Weil ick soll haben det Kindeken, wat det polsche Freilein jeboren hat,
von Oberboden runter bei Sie, Frau John, in de Wohnung jetrachen.

                         Direktor Hassenreuter

Also ist tatschlich oben ein Kindchen geboren worden?

                                 Selma

Jewi.

                         Direktor Hassenreuter

Auf welchem Boden?

                                 Selma

Na, bei de Kamedienspieler doch! Wat jeht det mich an? Wat soll ick von
wissen? Ick kann blo sachen ...

                               Frau John

Nu mach det de fortkommst! Selma, du hast'n reenet Jewissen! Wat de
Leute quasseln, kimmert dir nich.

                                 Selma

Ick will ja och nischt verraten, Frau John.

                                  John
          packt Selma, die fortlaufen will, und hlt sie fest.

Et wird nich jejang! et wird herjekomm! -- Wahrheet! Ick verrate nischt,
hast du jesacht: det ham Se doch och jehert, Frau Direkter? Hat Herr
Spitta und hat det Freilein jehert! -- Wahrheet! -- Bevor ick nich wee,
wat mit Bruno und seine Jeliebte is und wo ihr womeglich det Kindchen
habt wechjeschafft, det is mich ejal, kommst du nich von de Stelle!

                               Frau John

Paul, ick schwere vor Jott, wechjeschafft ha ick et nich.

                                  John

Na, und? ... Raus wat du weet, Mchen! Det ha ick schon lange jemerkt,
det zwischen dich und meine Frau een jeheimet Jestecke is. Det Zwinkern
und Anplinkern is jetzt verjebliche Mihe. Is det Kind tot oder lebt et
noch?

                                 Selma

Nee, det Kind is lebendich, Herr John.

                         Direktor Hassenreuter

Was du unter deine Schrze oder sonstwie hier hast heruntergebracht?

                                  John

Wenn et dot is, denn rechne druf, denn wirst du wie Bruno een Kopp
krzer jemacht.

                                 Selma

Ick sach't ja: det Kindeken is lebendich.

                         Direktor Hassenreuter

Ich denke, du hast gar kein Kind vom Boden heruntergebracht?

                                  John

Und von die janze Jeschichte, Mutter, wit du nischt wissen? -- (Frau
John sieht ihn starr an, Selma blickt hilflos und verwirrt auf Frau
John.) -- Mutter, du hast det Kindchen von Brunon und die polsche Person
beiseite jeschafft und denn wo se jekomm is, haste det Wrmiken von de
Knobbe unterjeschoben.

                                Walburga
                     sehr bleich, mit berwindung.

Sagen Sie mal, Frau John, was ist denn an jenem Tage geschehen, wo ich
dummerweise, als Papa kam, mit Ihnen auf den Boden geflchtet bin? Ich
will dir das spter erklren, Papa. Damals habe ich, wie mir nach und
nach deutlich geworden ist, das polnische Mdchen und zwar erst mit Frau
John und dann mit ihrem Bruder zusammengesehn.

                         Direktor Hassenreuter

Du, Walburga?

                                Walburga

Ja, Papa. Bei dir war damals Alice Rtterbusch und ich hatte mich mit
Erich verabredet, der dann auch, aber ohne mich zu treffen, denn ich
blieb versteckt, zu dir gekommen ist.

                         Direktor Hassenreuter

Ich kann mich dessen nicht mehr erinnern.

                       Frau Direktor Hassenreuter
                             zum Direktor.

Das Mdel hat um dieser Sache willen, Papa, wirklich schon schlaflose
Nchte gehabt.

                         Direktor Hassenreuter

Wenn Ihnen an dem Rate eines ehemaligen Juristen, der durchs
Referendarexamen gepurzelt und dann erst zur Kunst abgesprungen ist ...
wenn Ihnen an dem Rat eines solchen Mannes irgendwie etwas liegt, so
lassen Sie sich jetzt sagen, Frau John, da in Ihrem Fall ganz
rcksichtslose Offenheit die beste Verteidigung ist.

                                  John

Jette, wo habt ihr dem Kindeken hinjeschafft? Kriminalinspektor hat mich
jesacht, det fllt mir jetzt in, det se nach det Kind von de dote Person
suchen. Jette, um Jottet Himmelswillen! mag sind wat will, blo det du
dir nich in Verdacht kommen dust, det du um Folchen von Liederlichkeit
von dein Bruder womeglich aus de Welt zu schaffen, dir an det Neujeborne
vergriffen hast.

                               Frau John
                                 lacht.

Ick? und mir an Adelbertchen vergreifen, Paul.

                                  John

Hier redet keener von Adelbertchen -- (zu Selma) -- Ick dreh dir den
Hals um oder du sachst, wo det Kleene von Brunon und det polsche Mchen
-- uf de Stelle! -- jeblieben is.

                                 Selma

Et is doch bei Sie in Verschlage, Herr John.

                                  John

Wo is et, Jette?

                               Frau John

Det sach ick nich. --

   Das Kind beginnt zu schreien.

                                  John
                               zu Selma.

Wahrheet! oder ick iberliefer dir uf de Polizei, vastehst de! siehste
dem Strick! an Hnde und Fiee zusammenjebunden.

                                 Selma
                   in hchster Angst, unwillkrlich.

Et schreit doch! Se kenn doch det Kindeken janz jut, Herr John.

                                  John

Ick? --

   Er sieht verstndnislos erst Selma, dann den Direktor an. Ihn
   durchblitzt eine Ahnung, als er seine Frau ins Auge fat. Er glaubt
   zu begreifen und gert ins Wanken.

                               Frau John

La dir von so'ne niedertrchtiche Lieche nich umjarnen, Paul. Det is
allens von ihre feine Mutter aus Rache blo mit det Mchen anjestellt!
Paul, wat dust du mir denn so ankieken?

                                 Selma

Det is Jemeenheet, det Se mich nu och noch wolln schlecht machen, Mutter
John. Dann wer' ick mir hieten, noch Blatt vorn Mund nehmen. Wissen janz
jut, det ick ha det Kindchen von det Freilein runterjetragen und ha bei
Ihn hier in frisch jemachte Bettchen jelegt. Det kann ick beschwren!
det will ick beeidigen!

                               Frau John

Lieche! Du sagst, det mein Kind nich mein Kindeken is?

                                 Selma

Sie haben iberhaupt jar keen Kind nich jehat, Frau John.

                               Frau John
                         umklammert Johns Knie.

Det is ja nich wahr.

                                  John

La mich in Ruh! beschmutze mir nich, Henerjette.

                               Frau John

Paul, ick konnte nich anders, ick mute det tun. Ick war selber
betrochen, denn hat ick dir in Brief nach Hamburg Bescheed jesacht. Denn
warste vajngt, und denn mocht ick nich mehr zurick und denn dacht ick,
et mu sind! Et kann och uf andere Weise sind, und denn ...

                                  John
                           unheimlich ruhig.

La mir man iberlechen, Jette. -- (Er geht an eine Kommode, zieht
einen Schub auf und schleudert allerlei Kinderwsche und
Kinderkleidungsstcke, die er daraus nimmt, mitten in die Stube.) --
Versteht eener det, wat se Woche um Woche, Monat um Monat, janze Tage
und halbe Nchte lang mit blutige Finger jestichelt hat?

                               Frau John
    sammelt in wahnsinniger Hast die Wsche und Kleidungsstcke auf
       und versteckt sie sorgfltig im Tischschub oder wo sonst.

Paul det nich! Allens kannste dun! aber rei mich nich Fetzen von
nackten Leibe!

                                  John
       hlt inne, fat sich an die Stirn, sinkt auf einen Stuhl.

Wenn det wahr is, Mutter, da schm ick mir ja in Abjrund rin. --

   Er kriecht in sich zusammen, legt die Arme ber den Kopf und
   verbirgt sein Gesicht. Es tritt eine Stille ein.

                         Direktor Hassenreuter

Wie konnten Sie sich nur auf einen solchen Weg des Irrtums und des
Betruges drngen lassen, Frau John? Sie haben sich ja verstrickt auf das
allerfurchtbarste! Kommt Kinder! Wir knnen hier leider nichts weiter
tun.

                                  John
                               steht auf.

Nehm Se mir man mit, Herr Direkter.

                               Frau John

Jeh! immer jeh! ick brauche dir nich!

                                  John
                           wendet sich, kalt.

Also det Kind haste dich beschafft und wie Mutter hat wieder haben
jewollt, hast se lassen von Brunon umbringen?

                               Frau John

Du bist nich mein Mann! Wat soll det heeen? Du bist von de Polizei
jekoft! Du hast Jeld jekricht, mir an't Messer zu liefern! Jeh Paul! du
bist jar keen Mensch! Du bist eener wo Jift in de Ochen, und Hauer wie
Welfe hat! Immer pfeif, det se kommen und det se mir festnehmen! Immer
zu doch! Nu seh' ick dir, wie det du bist! Ick verachte dir bis zun
Jngsten Dache.

   Frau John will durch die Tr davonlaufen. Da erscheinen Schutzmann
   Schierke und Quaquaro.

                                Schierke

Halt! Aus die Stube raus kommt keener nich.

                                  John

Immer komm rin, Emil! Herr Schutzmann, immer komm Se ruhig rin. Et is
allens in Ordnung! Allens is richtich.

                                Quaquaro

Reg dir nich uf, Paul, dir betrifft et ja nich.

                                  John
                       mit aufsteigendem Jhzorn.

Hast du jelacht, Emil?

                                Quaquaro

I, Menschenskind! Herr Schierke soll blo det Kleene per Droschke in't
Waisenhaus wechschaffen.

                                Schierke

Jawoll. So is et. Wo steckt det Kind?

                                  John

Soll ick wissen, wo jedet ausgestoppte Balch von Lumpenspeicher, womit
olle Hexen mit Besen Fets treiben, an Ende hinjekomm is? Pat ma uf
Schornstein uf, det se nich oben rausfliechen.

                               Frau John

Paul!! -- Nu soll et nich leben! Nu jerade! Nu och nich! Nu brauch et
nich leben! Nu mu et mit mich mit unter de Erde komm.

   Frau John war blitzschnell hinter den Verschlag gelaufen. Sie kommt
   mit dem Kinde wieder und will mit ihm zur Tr hinaus. Der Direktor
   und Spitta werfen sich der Verzweifelten entgegen, in der Absicht,
   das Kind zu retten.

                         Direktor Hassenreuter

Halt! Hier greife ich ein! Hier bin ich zustndig! Wem das Knblein hier
auch immer gehren mag -- um so schlimmer, wenn seine Mutter ermordet
ist! -- es ist in meinem Fundus geboren! Vorwrts, Spitta! Kmpfen Sie,
Spitta! Hier sind Ihre Eigenschaften am Platz! Vorwrts! Vorsicht! So!
Bravo! Als wr' es das Jesuskind! Bravo! Sie selber sind frei, Frau
John! Wir halten Sie nicht. Sie brauchen uns nur das Jungchen hier
lassen.

   Frau John strzt hinaus.

                                Schierke

Hier jeblieben!

                       Frau Direktor Hassenreuter

Die Frau ist verzweifelt! Aufhalten! Festhalten!

                                  John
                          pltzlich verndert.

Jebt uf Muttern acht! Mutter! Ufhalten! Festhalten! -- Mutter! Mutter!

   Selma, Schierke und John eilen Frau John nach. Spitta, der Direktor,
   Frau Direktor und Walburga sind um das Kind bemht, das auf den
   Tisch gebettet wird.

                         Direktor Hassenreuter
             der das Kind sorgfltig auf den Tisch bettet.

Meinethalben mag diese entsetzliche Frau doch verzweifelt sein! Deshalb
braucht sie das Kind nicht zugrunde richten.

                       Frau Direktor Hassenreuter

Aber liebster Papa, das merkt man doch, da diese Frau ihre Liebe,
nrrisch bis zum Wahnsinn, gerade an diesen Sugling geheftet hat.
Unbedachtsame harte Worte, Papa, knnen die unglckselige Person in den
Tod treiben.

                         Direktor Hassenreuter

Harte Worte habe ich nicht gebraucht, Mama.

                                 Spitta

Mir sagt ein ganz bestimmtes Gefhl: erst jetzt hat das Kind seine
Mutter verloren.

                                Quaquaro

Det stimmt. Vater is nich, will nischt von wissen, hat jestern in de
Hasenheide mit eene Karussellbesitzerswitwe Hochzeit jemacht! Mutter war
liederlich! Und bei de Kielbacken, wo Kinder in Fleje hat, sterben von's
Dutzend mehrschtens zehn. Nu is et so weit: det jeht jetzt och zujrunde.

                         Direktor Hassenreuter

Sofern es nmlich bei dem Vater dort oben, der alles sieht, nicht anders
beschlossen ist.

                                Quaquaro

Meen Se Pauln? den Mauerpolier! Nu nicht mehr! dem kenn' ick! wo der
uf'n Ehrenpunkt kitzlich is.

                       Frau Direktor Hassenreuter

Wie das Kindchen da liegt! es ist unbegreiflich. Feine Leinwand! Spitzen
sogar! Schmuck und frisch wie ein Pppchen. Es wendet sich einem das
Herz um, zu denken, wie es so pltzlich zu einer von aller Welt
verlassenen Waise geworden ist.

                                 Spitta

Wre ich Richter in Israel ...

                         Direktor Hassenreuter

Sie wrden der John ein Denkmal setzen! Mag sein, da in diesen
verkrochenen Kmpfen und Schicksalen manches heroisch und manches
verborgen Verdienstliche ist. Aber Kohlhaas von Kohlhaasenbrck konnte
da mit seinem Gerechtigkeitswahnsinn auch nicht durchkommen. Treiben wir
praktisches Christentum! Vielleicht knnen wir uns des Kindchens
annehmen.

                                Quaquaro

Lassen Se da blo de Finger von!

                         Direktor Hassenreuter

Warum?

                                Quaquaro

Auer det Se Jeld wollen los werden und uf de Quengeleien und
Scherereien mit de Armenverwaltung, mit Polizei und Jericht womechlich
happich sind.

                         Direktor Hassenreuter

Dazu htte ich allerdings keine Zeit brig.

                                 Spitta

Finden Sie nicht, da hier ein wahrhaft tragisches Verhngnis wirksam
gewesen ist?

                         Direktor Hassenreuter

Die Tragik ist nicht an Stnde gebunden. Ich habe Ihnen das stets
gesagt.

   Selma, atemlos, ffnet die Flurtr.

                                 Selma

Herr John, Herr John, Herr Mauerpolier.

                       Frau Direktor Hassenreuter

Herr John ist nicht hier. Was willst du denn, Selma?

                                 Selma

Herr John. Se solln uf de Strae kommn.

                         Direktor Hassenreuter

Nur Ruhe, Ruhe. Was gibt's denn, Selma?

                                 Selma
                                atemlos.

Ihre Frau ... Ihre Frau ... Janze Strae steht voll ... Omnibus,
Pferdebahnwagen is jar keen Durchkommen ... Arme ausjestreckt ... Ihre
Frau liecht lang uf Jesichte unten.

                       Frau Direktor Hassenreuter

Was ist denn geschehen?

                                 Selma

Herrjott, Herrjott in Himmel, Mutter John hat sich umjebracht.


                                 Ende.




          Gerhart Hauptmanns Gesammelte Werke in sechs Bnden


   1. Bd.: Soziale Dramen: Einleitung / Vor Sonnenaufgang / Die Weber /
   Der Biberpelz / Der rote Hahn.

   2. Bd.: Soziale Dramen und Prosa: Fuhrmann Henschel / Rose Bernd /
   Bahnwrter Thiel / Der Apostel.

   3. Bd.: Familiendramen: Das Friedensfest / Einsame Menschen /
   Kollege Crampton / Michael Kramer.

   4. Bd.: Mrchendramen: Hanneles Himmelfahrt / Die versunkene Glocke
   / Der arme Heinrich.

   5. Bd.: Historische Dramen: Florian Geyer.

   6. Bd.: Mrchendramen und Fragmentarisches: Elga / Schluck und Jau /
   Und Pippa tanzt / Helios / Das Hirtenlied.

       In einer alten Frakturschrift auf bestem Papier sorgfltig
     gedruckt. Titel und Einband von E. R. Wei. Preis geheftet 24
       Mark, in Halbpergament gebunden 30 Mark, in Ganzpergament
                           gebunden 36 Mark.




               Gerhart Hauptmanns Werke in Einzelausgaben


   Vor Sonnenaufgang. Soziales Drama. 13. Auflage.
   Das Friedensfest. Bhnendichtung. 7. Auflage.
   Einsame Menschen. Drama. 24. Auflage.
   De Waber. Schauspiel. (Originalausgabe.) 2. Auflage.
   Die Weber. Schauspiel. (bertragung.) 40. Auflage.
   Kollege Crampton. Komdie. 8. Auflage.
   Bahnwrter Thiel -- Der Apostel. Novellistische Studien. 8. Auflage.
   Der Biberpelz. Eine Diebskomdie. 14. Auflage.
   Hanneles Himmelfahrt. Eine Traumdichtung. 20. Auflage.
   Florian Geyer. 9. Auflage.
   Die versunkene Glocke. Ein deutsches Mrchendrama. 75. Auflage.
   Fuhrmann Henschel. Schauspiel. (Originalausg.) 16. Aufl.
   Fuhrmann Henschel. Schauspiel. (bertragung.) 16. Aufl.
   Schluck und Jau. Spiel zu Scherz und Schimpf. 10. Auflage.
   Michael Kramer. Drama. 10. Auflage.
   Der rote Hahn. Tragikomdie. 8. Auflage.
   Der arme Heinrich. Eine deutsche Sage. 23. Auflage.
   Rose Bernd. Schauspiel. 16. Auflage.
   Elga. 7. Auflage.
   Und Pippa tanzt! Ein Glashttenmrchen. 10. Auflage.
   Die Jungfern vom Bischofsberg. Lustspiel. 4. Auflage.
   Kaiser Karls Geisel. Ein Legendenspiel. 6. Auflage.
   Griselda. 6. Auflage.
   Griechischer Frhling. 7. Auflage.
   Der Narr in Christo Emanuel Quint. Roman. 18. Aufl.


                         Druck der Spamerschen
                        Buchdruckerei in Leipzig




Anmerkungen zur Transkription


Die Schreibweise und Zeichensetzung des Originales wurden weitgehend
beibehalten. Nur offensichtliche Fehler wurden korrigiert wie hier
aufgefhrt (vorher/nachher):

   [S. 110]:
   ... skurile Menscheitsintermezzo noch berleben. ...
   ... skurile Menschheitsintermezzo noch berleben. ...

   [S. 154]:
   ... wrgt Trnen hinuter. Mu sich setzen. ...
   ... wrgt Trnen hinunter. Mu sich setzen. ...






End of the Project Gutenberg EBook of Die Ratten, by Gerhart Hauptmann

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE RATTEN ***

***** This file should be named 52952-8.txt or 52952-8.zip *****
This and all associated files of various formats will be found in:
        http://www.gutenberg.org/5/2/9/5/52952/

Produced by Peter Becker, Jens Sadowski, and the Online
Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net. This
file was produced from images generously made available
by The Internet Archive.

Updated editions will replace the previous one--the old editions will
be renamed.

Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright
law means that no one owns a United States copyright in these works,
so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United
States without permission and without paying copyright
royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part
of this license, apply to copying and distributing Project
Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm
concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark,
and may not be used if you charge for the eBooks, unless you receive
specific permission. If you do not charge anything for copies of this
eBook, complying with the rules is very easy. You may use this eBook
for nearly any purpose such as creation of derivative works, reports,
performances and research. They may be modified and printed and given
away--you may do practically ANYTHING in the United States with eBooks
not protected by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the
trademark license, especially commercial redistribution.

START: FULL LICENSE

THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK

To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
distribution of electronic works, by using or distributing this work
(or any other work associated in any way with the phrase "Project
Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full
Project Gutenberg-tm License available with this file or online at
www.gutenberg.org/license.

Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project
Gutenberg-tm electronic works

1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
and accept all the terms of this license and intellectual property
(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all
the terms of this agreement, you must cease using and return or
destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your
possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a
Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound
by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the
person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph
1.E.8.

1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
used on or associated in any way with an electronic work by people who
agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
even without complying with the full terms of this agreement. See
paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this
agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm
electronic works. See paragraph 1.E below.

1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the
Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection
of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual
works in the collection are in the public domain in the United
States. If an individual work is unprotected by copyright law in the
United States and you are located in the United States, we do not
claim a right to prevent you from copying, distributing, performing,
displaying or creating derivative works based on the work as long as
all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope
that you will support the Project Gutenberg-tm mission of promoting
free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg-tm
works in compliance with the terms of this agreement for keeping the
Project Gutenberg-tm name associated with the work. You can easily
comply with the terms of this agreement by keeping this work in the
same format with its attached full Project Gutenberg-tm License when
you share it without charge with others.

1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
what you can do with this work. Copyright laws in most countries are
in a constant state of change. If you are outside the United States,
check the laws of your country in addition to the terms of this
agreement before downloading, copying, displaying, performing,
distributing or creating derivative works based on this work or any
other Project Gutenberg-tm work. The Foundation makes no
representations concerning the copyright status of any work in any
country outside the United States.

1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:

1.E.1. The following sentence, with active links to, or other
immediate access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear
prominently whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work
on which the phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the
phrase "Project Gutenberg" is associated) is accessed, displayed,
performed, viewed, copied or distributed:

  This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
  most other parts of the world at no cost and with almost no
  restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it
  under the terms of the Project Gutenberg License included with this
  eBook or online at www.gutenberg.org. If you are not located in the
  United States, you'll have to check the laws of the country where you
  are located before using this ebook.

1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is
derived from texts not protected by U.S. copyright law (does not
contain a notice indicating that it is posted with permission of the
copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in
the United States without paying any fees or charges. If you are
redistributing or providing access to a work with the phrase "Project
Gutenberg" associated with or appearing on the work, you must comply
either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or
obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg-tm
trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9.

1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
with the permission of the copyright holder, your use and distribution
must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any
additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms
will be linked to the Project Gutenberg-tm License for all works
posted with the permission of the copyright holder found at the
beginning of this work.

1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
License terms from this work, or any files containing a part of this
work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.

1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
electronic work, or any part of this electronic work, without
prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
active links or immediate access to the full terms of the Project
Gutenberg-tm License.

1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including
any word processing or hypertext form. However, if you provide access
to or distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format
other than "Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official
version posted on the official Project Gutenberg-tm web site
(www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense
to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means
of obtaining a copy upon request, of the work in its original "Plain
Vanilla ASCII" or other form. Any alternate format must include the
full Project Gutenberg-tm License as specified in paragraph 1.E.1.

1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.

1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works
provided that

* You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
  the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
  you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed
  to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he has
  agreed to donate royalties under this paragraph to the Project
  Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid
  within 60 days following each date on which you prepare (or are
  legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty
  payments should be clearly marked as such and sent to the Project
  Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in
  Section 4, "Information about donations to the Project Gutenberg
  Literary Archive Foundation."

* You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
  you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
  does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
  License. You must require such a user to return or destroy all
  copies of the works possessed in a physical medium and discontinue
  all use of and all access to other copies of Project Gutenberg-tm
  works.

* You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of
  any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
  electronic work is discovered and reported to you within 90 days of
  receipt of the work.

* You comply with all other terms of this agreement for free
  distribution of Project Gutenberg-tm works.

1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project
Gutenberg-tm electronic work or group of works on different terms than
are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing
from both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and The
Project Gutenberg Trademark LLC, the owner of the Project Gutenberg-tm
trademark. Contact the Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
works not protected by U.S. copyright law in creating the Project
Gutenberg-tm collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm
electronic works, and the medium on which they may be stored, may
contain "Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate
or corrupt data, transcription errors, a copyright or other
intellectual property infringement, a defective or damaged disk or
other medium, a computer virus, or computer codes that damage or
cannot be read by your equipment.

1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
written explanation to the person you received the work from. If you
received the work on a physical medium, you must return the medium
with your written explanation. The person or entity that provided you
with the defective work may elect to provide a replacement copy in
lieu of a refund. If you received the work electronically, the person
or entity providing it to you may choose to give you a second
opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If
the second copy is also defective, you may demand a refund in writing
without further opportunities to fix the problem.

1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO
OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT
LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of
damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement
violates the law of the state applicable to this agreement, the
agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or
limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or
unenforceability of any provision of this agreement shall not void the
remaining provisions.

1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in
accordance with this agreement, and any volunteers associated with the
production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm
electronic works, harmless from all liability, costs and expenses,
including legal fees, that arise directly or indirectly from any of
the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this
or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or
additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any
Defect you cause.

Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of
computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
from people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
www.gutenberg.org



Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
volunteers and employees are scattered throughout numerous
locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
date contact information can be found at the Foundation's web site and
official page at www.gutenberg.org/contact

For additional contact information:

    Dr. Gregory B. Newby
    Chief Executive and Director
    gbnewby@pglaf.org

Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment. Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements. We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
state visit www.gutenberg.org/donate

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations. To
donate, please visit: www.gutenberg.org/donate

Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
freely shared with anyone. For forty years, he produced and
distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
volunteer support.

Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
edition.

Most people start at our Web site which has the main PG search
facility: www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.

