The Project Gutenberg EBook of Der Weltkrieg, III. Band, by Karl Helfferich

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Title: Der Weltkrieg, III. Band
       Vom Eingreifen Amerikas bis zum Zusammenbruch

Author: Karl Helfferich

Release Date: May 25, 2016 [EBook #52159]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER WELTKRIEG, III. BAND ***




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                              Der Weltkrieg

                                   von

                             Karl Helfferich

                                III. Band


                         Vom Eingreifen Amerikas
                          bis zum Zusammenbruch


                             [Illustration]

                                  1919

                   Verlegt bei Ullstein & Co in Berlin


  =Alle Rechte=, insbesondere das Recht der bersetzung, =vorbehalten=.

        =Amerikanisches Copyright 1919 by Ullstein & Co, Berlin=

                    *       *       *       *       *




                                 Inhalt


  Vorwort                                                              11

  Vom U-Bootkrieg bis zur Friedensresolution des   Reichstags      15-135

   =Der U-Bootkrieg und die Neutralen=                              17-22
      Erklrung des Kriegszustandes mit Deutschland durch den
      amerikanischen Kongre 17, 18. Druck auf die Neutralen 19,
      20. Kriegserklrungen Chinas, Siams und amerikanischer
      Staaten 21, 22.

   =Die russische Revolution=                                       23-27
      Das revolutionre Ruland zwischen Krieg und Frieden 23,
      24. Erklrung der russischen Regierung 25. Umbildung des
      Kabinetts 26. Neue russische Offensive 27.

   =Der Fortgang der militrischen Operationen=                     28-30
      Offensivttigkeit der Feinde im Westen 28, in Italien,
      Mazedonien, Palstina 29 und im Osten 30.

   =Der U-Bootkrieg im ersten Halbjahr= 1917                        30-43
      Aussichten des uneingeschrnkten U-Bootkriegs 30-34. Die
      ersten Ergebnisse 35, 37. Englische Gegenmanahmen 38-39.
      Die Hilfe Amerikas 40, 41. Englands Bedrngnis 42.
      Enttuschung 43.

   =Unser Verhltnis zu sterreich-Ungarn=                          44-74

   =Die Stellung Deutschlands und sterreich-Ungarns zum Krieg=     44-49
      Czernin ber sterreich-Ungarns Beitritt zum U-Bootkrieg
      44, 45. Der Krieg ein sterreichisch-ungarischer
      Verteidigungskrieg fr Deutschland 46. Hilfsbedrftigkeit
      sterreich-Ungarns auf militrischem, wirtschaftlichem und
      finanziellem Gebiet 47, 48.

   =Die polnische Frage=                                            49-58
      Stellung der Polen in sterreich 49, 50. sterreichs
      polnische Wnsche 51, 52. Proklamation eines selbstndigen
      Knigreichs Polen 53, 54. sterreichische Absichten auf
      Angliederung 55, 56. Deutschlands entgegengesetzte
      Interessen 57, 58.

   =Die Bestrebungen auf wirtschaftliche Annherung zwischen
    Deutschland und sterreich-Ungarn=                              58-60
      Naumanns Mitteleuropa 58. Schwierigkeiten der
      handelspolitischen Einigung 59. Verhandlungen 60.

   =Die sterreichisch-ungarischen Friedensbestrebungen=            61-74
      Kriegsmdigkeit sterreich-Ungarns 61. Handschreiben Kaiser
      Karls an Kaiser Wilhelm und Immediatbericht des Grafen
      Czernin 62-64. Brief Kaiser Karls an den Prinzen Sixtus von
      Parma 65-67. Erwiderung des Reichskanzlers auf den Bericht
      Czernins 68-73.

   =Die innere Lage=                                               74-102

   =Der Verfall des Burgfriedens=                                   74-85
      Politische Forderungen der Sozialdemokratie 75. nderung
      des Vereinsgesetzes 76-78. Der Streit um die Kriegsziele
      79, 80. Ablehnung des Budgets durch die Sozialdemokratie
      81-84.

   =Innerpolitische Wnsche und Forderungen=                        85-92
      Schwierige Lage der Regierung 85-87. Milderung des
      Belagerungszustandes 88-90. Die Neuorientierung 91, 92.

   =Die Gestaltung der innerpolitischen Lage unter Einwirkung der
    russischen Revolution=                                         93-102
      Die Frage der innerpolitischen Reformen 93-95. Das
      preuische Wahlrecht 96, 97. Die Osterbotschaft des Kaisers
      98, 99. Forderung der Parlamentarisierung 100-102.

   =Die Julikrisis=                                               102-136
      Sozialdemokratische Angriffe im Hauptausschu 103 bis 109.
      Vorsto Erzbergers und Abwehr 110-113. Motive Erzbergers
      114, 115. Die Frage des gleichen Wahlrechts fr Preuen
      116, 117. Kronrat vom 9. Juli 118, 119. Reichsrat 120.
      Das gleiche Wahlrecht durch knigliche Order gesichert 121,
      122. Friedensresolution und Kanzlerkrisis 123-126.
      Hindenburg und Ludendorff gegen das Verbleiben Bethmanns
      127. Bethmanns Rcktritt, Michaelis Nachfolger 128-131. Die
      Friedensresolution vorzeitig verffentlicht 132.
      Verhandlungen mit den Parteien 133. Antrittsrede des neuen
      Kanzlers 134, 135. Ergebnis der Krisis 135, 136.


  Die Kanzlerschaft des Herrn Michaelis                           137-241

   =Die Friedensresolution des Reichstags und ihre Wirkungen=     139-153
      Wortlaut der Resolution und Wirkung auf unsere Feinde 139,
      140. Besprechungen des Prinzen Sixtus von Parma in Paris
      und London 141-144. Anzeichen aufkeimender Friedensneigung
      bei den Westmchten 145-147. Umschwung infolge der
      Erzberger-Aktion und der Julikrisis 148-151.
      Ergebnislosigkeit der Sozialistenkonferenz in Stockholm
      152, 153.

   =Die Bildung der Regierung des Herrn Michaelis=                153-161
      Mangelnde politische Erfahrung des neuen Kanzlers 153-155.
      Wechsel in den Reichsmtern 156-159. Kaiser und Reichstag
      160, 161.

   =Die militrische und politische Entwicklung unter der
    Kanzlerschaft Michaelis=                                      162-181
      Besprechungen mit Czernin 162, 163. Rundschreiben des
      Papstes vom 1. August 1917 164-167. Stellung des Kanzlers
      erschttert 168. Siebenerkommission 169, 170. Kronrat ber
      die belgische Frage 171, 172. Englands Friedensfhler ein
      Miverstndnis 172. Die Antwort auf die Papstnote 172-174.
      Wirkungen der Papstnote bei der Entente 175-177. Czernins
      Friedensprogramm 178. Khlmann zur elsa-lothringischen
      Frage 179. Ttigkeit an den Fronten 180, 181.

   =Die zweite Kanzlerkrisis=                                     181-202
      Die Vaterlandspartei 182, 183. Interpellationen im
      Reichstag gegen alldeutsche Propaganda 184-191. Agitation
      der Unabhngigen Sozialdemokraten in der Marine,
      Verschwrung unter den Mannschaften der Hochseeflotte
      192-195. Der Kanzler gegen die unabhngige
      sozialdemokratische Partei 196, 197. Die brgerlichen
      Mittelparteien und Mehrheitssozialisten gegen den Kanzler
      198-202.

   =Von Michaelis zu Graf Hertling=                               202-216
      Die Mehrheitsparteien fr das Mitbestimmungsrecht bei
      Ernennung eines neuen Kanzlers 202-206. Unhaltbarkeit der
      Stellung des Kanzlers Michaelis 207-209. Kandidatur des
      Grafen Hertling 210, 211. Mein Rcktrittsanerbieten 212,
      213. Ernennung des Grafen Hertling zum Reichskanzler
      214-216.

   =Die Parlamentarisierung=                                    217-234
      Fortdauer der Krisis 217, 218.
      Parlamentarisierungsforderungen 219-223. Der Posten des
      Vizekanzlers 224-226. Mein Entlassungsgesuch genehmigt 227.
      Von Payer Stellvertreter des Reichskanzlers 228. Der
      bergang zum parlamentarischen Regime 229-233.

   =Die Anfnge des Grafen Hertling=                              234-241
      Stellung der Parteien zum neuen Kanzler 234-237. Ttigkeit
      an den Fronten 238, 239. Russisches
      Waffenstillstandsangebot 240, 241.


  Der Ost-Friede                                                  243-351

   =Der Waffenstillstand von Brest-Litowsk=                       245-252
      Funksprche 245-248. Russische Forderungen 249.
      Waffenruhe 249, 250. Der Waffenstillstandsvertrag
      unterzeichnet 251, 252.

   =Die Vorbereitungen fr die Friedensverhandlungen=             252-260
      Vorbereitung der wirtschaftlichen Verhandlungen 252 bis
      256. Die politischen und territorialen Fragen 257.
      Dualismus unserer Vertretung in Brest 258-260.

   =Die erste Phase der Brester Friedensverhandlungen=            260-272
      Erffnungsansprache Khlmanns 261, 262. Das Programm
      Czernins 263-266. Eingreifen der Obersten Heeresleitung
      267. Das Selbstbestimmungsrecht der Nationalitten 268,
      269. Ruland gegen die deutsche Formulierung 270. Verlegung
      der Verhandlungen nach Stockholm abgelehnt 271, 272.

   =Die zweite Phase der Brester Friedensverhandlungen=           272-278
      Anerkennung der ukrainischen Delegation 272, 273.
      Diskussion Trotzki-Khlmann 274, 275. Eingreifen des
      Generals Hoffmann 275, 276. Neue Vorschlge Deutschlands
      276, 278.

   =Spannung zwischen der politischen Leitung und der
    Heeresleitung=                                                278-280
      Meine Unterredungen mit dem deutschen Kronprinzen und
      General Ludendorff 279, 280.

   =Der Friedensvertrag mit der Ukraine=                          281-286
      Die Wnsche der Ukraine 281, 282. Die ostgalizische Frage
      283. Trotzki gegen einen Sonderfrieden der Ukraine 284,
      285. Unterzeichnung des Friedensvertrages 286.

   =Die letzte Phase der Brester Friedensverhandlungen=           286-297
      Ruland erklrt den Kriegszustand fr beendet 287. Stellung
      der Verbndeten zu dieser Erklrung 288, 289. Kronrat in
      Homburg 290. Wiederaufnahme der Kriegshandlungen 290-292.
      Unterzeichnung der Vertrge ohne Verhandlungen 293, 294.
      Bolschewistische Propaganda 295-297.

   =Der Friede von Bukarest=                                      298-316
      Haltung der rumnischen Regierung 298, 299.
      sterreichisch-ungarische Sonderinitiative 300-302.
      Interessenkonflikte der Vierverbandmchte 302-306. Die
      wirtschaftlichen Forderungen 307-309.
      Meinungsverschiedenheiten zwischen politischer Leitung und
      Oberster Heeresleitung 310-314. Unterzeichnung des
      rumnischen Friedensvertrages 315, 316.

   =Ergebnis und Folgen der stlichen Friedensschlsse=           316-351
      Die Bestimmungen der Friedensvertrge 317-319. Zerfall des
      russischen Reiches 320-324. Die Frage der Randstaaten
      325-331. Finnland, Ukraine 332, 333. Anschlubestrebungen
      des Baltenlandes 334-338. Ein unabhngiges Litauen 339,
      340. Die polnische Frage 341, 342. Die Verhltnisse in der
      Ukraine 343-345. Finnland 345, 346. Kaukasusgebiete
      346-348. Unbefriedigende wirtschaftliche Ergebnisse
      349-351.


  Die Entscheidung                                                353-572

   =Diplomatisches Zwischenspiel=      355-396
      Brief Lansdownes 355, 356. Botschaft Wilsons vom 5.
      Dezember 1917 357-360. Dezemberreden Lloyd Georges 360,
      361. Die Entente gegen Friedensverhandlungen 362, 363.
      Lloyd George ber die Kriegsziele 364, 365. Wilsons
      vierzehn Friedensprogrammpunkte 366-371. Fr Deutschland
      unannehmbar 372. Rede Balfours 373, 374. Schwierigkeiten
      und Gegenstze bei den Alliierten 376-378. Czernins
      Erwiderung auf Wilson 378, 379. Graf Hertling ber das
      Programm Wilsons 380-384. Note des Obersten Kriegsrates der
      Entente 385. Rede Wilsons vom 11. Februar 1918 386-389.
      Erklrung Hertlings 390. Rede Balfours 391. Neuer
      Verhandlungsversuch Czernins gescheitert 392, 393.
      Schiffsraumnot der Alliierten 394. Englische Vergewaltigung
      Hollands 395, 396.

   =Die groe Offensive=                                          397-416
      Vorsto auf Amiens 397, 398. Vorsto an der Lys 399, 400.
      Zher Widerstand der Feinde 400, 401. Hilfeleistung
      Amerikas 401-403. Energische Kriegsmanahmen in England und
      Frankreich 404, 405. Deutsche Offensive vom Damenweg bis
      zur Marne 406-408. Besorgnis in Paris 409. Eingreifen der
      amerikanischen Truppen 410, 411. Miglckte sterreichische
      Offensive am Piave 412, 413. Fortschreitende Paralysierung
      der Wirkungen des U-Bootkriegs 414-416.

   =Neue innere Krisen=                                           417-435
      Aussichtslosigkeit der rein militrischen Beendigung des
      Krieges 417, 418. Mangelnde militrisch-politische
      Zusammenarbeit 419, 420. Rede Khlmanns vom 24. Juli 1918
      421-424. Wirkungen der Rede 424-427. Khlmanns Abschied
      428. Zuspitzung der inneren Lage 428, 429. Das preuische
      Landtagswahlrecht 429. Opposition der Konservativen und
      eines Teiles der Nationalliberalen 430. Die
      Sozialdemokraten gegen den Etat 431-433. Von Hintze
      Staatssekretr des Auswrtigen 434, 435.

   =Der Wendepunkt=                                               436-441
      Neue Offensive an der Marne und beiderseits Reims 436, 437.
      Feindliche Gegenangriffe 438, 439. Erzwungener Rckzug 440,
      441.

   =Meine Moskauer Mission=                                       442-493
      Graf Mirbach, diplomatischer Vertreter in Moskau 442, 443.
      Die Lage in Sowjetruland 444-446. Graf Mirbach ermordet
      446, 447. Meine Ernennung zu seinem Nachfolger 448-450.
      Zusatzvertrge zum Brester Vertrage 451-453. Die Frage der
      Lostrennung Estlands und Livlands 454, 455. Bedrohte Lage
      der deutschen Vertretung 456-458. Meine Ankunft in Moskau
      459 bis 462. Erste Unterredung mit Tschitscherin 463, 464.
      uere und innere Krisis in Sowjetruland 465-467.
      Bolschewikiherrschaft 468 bis 472. Indirekte Untersttzung
      der Bolschewisten durch Deutschland 473. Zwiespltigkeit
      der deutschen Ostpolitik 474-479. Meinungsverschiedenheit
      mit Berlin 480, 481. Ermordung Generalfeldmarschalls von
      Eichhorn 482. Geplante Anschlge auf die deutsche Mission
      483-485. Verlegung der deutschen Mission 486. Meine Abreise
      487, 488. Die Zusatzvertrge gegen meinen Einspruch
      paraphiert 489, 490. Mein Rcktritt 491-493.

   =Der Zusammenbruch=                                            493-572

   =Unser Verhltnis zu Sowjetruland und unseren Bundesgenossen= 493-499
      Konsolidierung der Bolschewikiherrschaft 493, 494. Joffes
      Ttigkeit in Berlin 495. Ratifikation der Brester
      Zusatzvertrge 496. Mistimmung bei unseren Bundesgenossen
      497, 498.

   =Die Entscheidungskmpfe im Westen=                            499-508
      Unsere militrische Lage 499-501. Weitere
      Rckzugsbewegungen 502, 503. Durchbrechung der
      Siegfriedstellung 504, 505. Neue Frontverkrzung erzwungen
      506-508.

   =Der Zusammenbruch Bulgariens und der Trkei=                  509-512
      Durchbruch der Alliierten zwischen Doiransee und Monastir
      509. Waffenstillstandsgesuch Bulgariens 510. Niederlage der
      Trken in Palstina 511 und in Mesopotamien 512.

   =Der sterreichisch-ungarische Friedensschritt=                512-517
      Note Graf Burians an die Kriegfhrenden 512-514. Wirkung in
      Berlin 515, 516. Ablehnung bei den Feinden 516, 517.

   =Kritische Zuspitzung in Berlin=                               517-522
      Anklagen der Mehrheitsparteien gegen die Regierung 517-519.
      Ein Systemwechsel gefordert 520-522.

   =Die Lage im Groen Hauptquartier=                             522-527
      Kritische Zuspitzung 523. Notwendigkeit politischer
      Schritte 524. Die Oberste Heeresleitung fr
      Waffenstillstandsverhandlungen 525-526. Rcktritt des
      Grafen Hertling 527.

   =Das Reichskabinett des Prinzen Max von Baden=                 527-533
      Prinz Max von Baden Reichskanzler 528, 529. Die
      Demokratisierung der Regierung 530, 531. Das Programm der
      neuen Regierung 532, 533.

   =Das Ersuchen um Waffenstillstand und Frieden=                 533-541
      Die Verhandlungen ber das Waffenstillstandsersuchen
      534-536. Note des Prinzen Max an Wilson 537-540.

   =Der Notenwechsel mit Wilson=                                  541-552
      Wilsons Forderungen przisieren und steigern sich 541-544.
      Meine Stellung zu den Bedingungen 545. Die deutsche
      Antwortnote vom 20. Oktober, Einstellung des U-Bootkriegs
      546, 547. Wilson endlich zur Einleitung von
      Waffenstillstandsverhandlungen bereit 548. Deutschland
      sieht Vorschlgen entgegen 549. Abreise der
      Bevollmchtigten 551.

   =Die Kapitulation unserer Verbndeten=                         552-555
      Auflsung sterreich-Ungarns 552, 553. Waffenstillstand
      zwischen sterreich-Ungarn und den Alliierten 554.
      Kapitulation Bulgariens und der Trkei 555.

   =Das Ende=                                                     556-573
      Demokratische Reform 556, 557. Die Revolution im Anmarsch
      557, 558. Wirkung der Friedenspropaganda 559-561. Erla des
      Kaisers vom 28. Oktober 562, 563. Abdankung des Kaisers
      gefordert 563. Revolution in Kiel 564, in Mnchen und
      andern Stdten 565, in Berlin 565-568. Kampfloser Sieg der
      Revolution 569. Der Waffenstillstand 569-571.
      Schlubetrachtung 572, 573.


  Nachtrag

    Graf Czernins Geheimbericht und Erzbergers Aktion im
    Reichstag                                                     575-594


  Zeittafeln                                                      597-636

  Personenverzeichnis                                             637-646

  Sachverzeichnis                                                 647-658

                *       *       *       *       *




                             Vorwort


Mit diesem Bande fhre ich meine Darstellung des Weltkrieges zu Ende: bis
zur Revolution und zum Abschlu des Waffenstillstandes.

In den Vorgngen, die das Buch schildert, liegt das Schicksal unseres
deutschen Vaterlandes umschlossen. Im Niederschreiben habe ich alles noch
einmal durchlebt, was in den beiden letzten Kriegsjahren mein ganzes Sein
ausgefllt und mich in allem Denken und Fhlen tiefer ergriffen hat, als
das schwerste persnliche Schicksal den Menschen ergreifen kann.

Es ist die grte Tragdie der Vlkergeschichte. Sie hat unser Volk aus
verzweifeltem Ringen zu aufatmendem Hoffen gefhrt, sie hat ihm das
Wunder der Selbstbehauptung gegen die bermacht einer ganzen Welt zum
Greifen nahe gebracht, sie hat unser Volk schlielich aus der Gipfelnhe
des Sieges in den tiefsten Abgrund von Not und Schmach gestrzt.

Ich habe diese Tragdie geschrieben, wie ich sie erlebt habe. Mein
einziges Streben bei der Darstellung war, durch mein Zeugnis dem
deutschen Volke zu helfen, Klarheit ber das ungeheure Geschehen zu
gewinnen, das wie ein furchtbares Naturereignis betubend und
sinnverwirrend ber das lebende Geschlecht niedergegangen ist. Was ich in
der Vorrede zum ersten Bande als meinen Leitsatz aufgestellt habe, ist
mein Leitsatz geblieben: der aufrichtige Wille zur Wahrheit. Zwar bin ich
mir darber klar, da der Einzelne, auch wenn er den Dingen noch so nahe
gestanden hat, heute nur ein Teilbild der gewaltigen Vorgnge zu geben
und nur eine subjektive Wahrheit zu erreichen vermag. Aber ich will
zufrieden sein, wenn es mir gelingen sollte, in dieser Begrenzung die
Erkenntnis der Ursachen und der inneren Zusammenhnge der groen
Vlkertragdie zu frdern und damit der Gesundung unseres armen deutschen
Volkes zu dienen.

                *       *       *       *       *

Der vorliegende Band war abgeschlossen und bereits gesetzt, als die in
der Sitzung der Nationalversammlung vom 25. Juli 1919 vorgebrachten
Enthllungen ber das angebliche englische Friedensangebot vom Herbst
1917 den Anla zu einer eingehenden Errterung der Vorgnge jener Zeit
gaben. Es war nicht mehr mglich, meine sehr kurze Darstellung jener
Vorgnge auf den Seiten 170 bis 172 so zu erweitern, wie es auf Grund der
jetzt verffentlichten Aktenstcke und stattgehabten Diskussionen
erwnscht gewesen wre. Ich gebe deshalb eine ausfhrlichere Darstellung
jener Episode in einem diesem Bande beigefgten Nachtrag.

Dagegen hat das von der Reichsregierung der Nationalversammlung am 31.
Juli 1919 vorgelegte Weibuch ber die Vorgnge zwischen dem 14. August
1918 und dem Abschlu des Waffenstillstandes meine Darstellung in allen
wesentlichen Punkten besttigt und mir keinen Anla zu nennenswerten
nderungen oder Ergnzungen gegeben.

    Berlin, im August 1919
                                                        =Karl Helfferich=

                *       *       *       *       *




   =Vom U-Bootkrieg bis zur Friedensresolution des Reichstags=

                Der U-Bootkrieg und die Neutralen


Mit dem Scheitern der Friedensbemhungen und der Erklrung des
uneingeschrnkten U-Bootkriegs ist der Vlkerkrieg in ein neues Stadium
eingetreten. Der Anschlu der Vereinigten Staaten an unsere Feinde, der
fr eine Anzahl berseeischer Neutraler ein Vorbild zu gleichem Tun war,
hat den Krieg eigentlich erst zum Weltkrieg gemacht.

Wilson beantwortete die Mitteilung ber die Erffnung des
uneingeschrnkten U-Bootkriegs nicht sofort mit einer Kriegserklrung;
dazu wre er nach der Verfassung der Vereinigten Staaten ohne Zustimmung
des Kongresses nicht berechtigt gewesen. Er antwortete zunchst nur mit
dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen. Am 3. Februar 1917 machte er
in einer Botschaft dem Kongre von diesem Schritt Mitteilung. Er fgte
hinzu, da er sich bis zum Beweis des Gegenteils weigere, zu glauben, da
Deutschland seine Ankndigung, die mit seinen in der Note vom 4. Mai 1916
gegebenen feierlichen Versprechungen in Widerspruch stehe, tatschlich
wahr machen werde; sollte er sich darin irren, so werde er den Kongre
um die Ermchtigung ersuchen, die Mittel anwenden zu knnen, die
notwendig sind, um unsere Seeleute und Brger bei der Verfolgung ihrer
friedlichen und legitimen Unternehmungen auf dem offenen Meer zu
schtzen.

Am 26. Februar richtete Wilson an den Kongre eine Botschaft, die sich
auf den Boden der bewaffneten Neutralitt stellte und die Besttigung
seiner Vollmachten zur Bewaffnung der amerikanischen Handelsschiffe und
zur Inanspruchnahme der erforderlichen Kredite nachsuchte. In einer
weiteren Botschaft vom 3. April 1917 erklrte er die bewaffnete
Neutralitt fr mehr als unntz. Es entspreche der gewhnlichen
Klugheit, die deutschen U-Boote zu zerstren, ehe sie die Absicht eines
Angriffs erkennen lieen; zudem leugne die deutsche Regierung das Recht
der Neutralen, in der Sperrzone berhaupt Waffen anzuwenden, um die
Rechte zu verteidigen, die kein moderner Jurist jemals bestritten habe.
Er schlug vor, der Kongre mge beschlieen, den Kriegszustand
anzunehmen, der Amerika von Deutschland auferlegt sei, und sofort alle
Manahmen zu ergreifen, nicht nur um das Land in vollen
Verteidigungszustand zu setzen, sondern auch um Deutschland die
Bedingungen zur Beendigung des Krieges aufzuerlegen.

Die Erklrung des Kriegszustandes mit Deutschland wurde am 4. April vom
Senat mit 82 gegen 6, am 5. April vom Reprsentantenhaus mit 374 gegen
80 Stimmen beschlossen. Mit hnlich starken Mehrheiten wurde am 29. April
von beiden Husern des Kongresses ein Gesetz angenommen, das die
allgemeine Wehrpflicht einfhrte. Gleichzeitig wurde ein Kriegskredit von
7 Milliarden Dollar bewilligt, aus dem sowohl die eigenen Kriegsausgaben
gedeckt, wie auch die Alliierten finanziell untersttzt werden sollten.
Niemand konnte mehr im Zweifel sein, da die Vereinigten Staaten ihre
volle Kraft aufbieten wrden, um der Koalition unserer Feinde zu helfen,
uns niederzuzwingen.

So erfllten sich die Befrchtungen derjenigen, die von der Erffnung des
uneingeschrnkten U-Bootkriegs nicht nur den Abbruch der diplomatischen
Beziehungen, sondern auch den Krieg mit Amerika, nicht nur eine
Untersttzung der Entente mit Geld und Waffen, sondern auch das Einsetzen
der ganzen amerikanischen Volkskraft erwartet hatten.

Aber Herr Wilson ging noch weiter: er machte den Versuch, die ganze
bisher noch neutrale Welt gegen die Mittelmchte mobil zu machen.

Schon in seiner Botschaft vom 3. Februar 1917 hatte er verkndet, er
nhme als ausgemacht an, da alle neutralen Regierungen denselben Weg
einschlagen wrden wie die Vereinigten Staaten. Alsbald nach dem Abbruch
der Beziehungen wandte sich die amerikanische Regierung an die
Regierungen der neutralen Lnder mit der Aufforderung, sich ihrem
Vorgehen anzuschlieen. Die europischen Neutralen beschrnkten sich
jedoch darauf, unmittelbar bei der deutschen Regierung gegen den
uneingeschrnkten U-Bootkrieg Einspruch zu erheben, ohne weitere
Konsequenzen zu ziehen. Am meisten gefhrdet erschienen unsere
Beziehungen zu Spanien; es gelang jedoch durch einige nicht unerhebliche
Zugestndnisse, auch dieses Land so weit zu beschwichtigen, da ein Bruch
vermieden wurde.

Die Aufforderung der Vereinigten Staaten zu einem gemeinsamen Vorgehen
wurde am schrfsten von der schwedischen Regierung zurckgewiesen. Sie
erinnerte die Regierung in Washington daran, da sie, die schwedische
Regierung, mehrfach Vorschlge zu einem Zusammenarbeiten der Neutralen
zwecks Aufrechterhaltung des Vlkerrechts gemacht habe (Vorschlge, die
in der Hauptsache gegen die vlkerrechtswidrige Seekriegfhrung Englands
gerichtet waren). Mit Bedauern habe sie aber feststellen mssen, da die
Interessen der Vereinigten Staaten ihnen nicht gestatteten, sich diesen
Vorschlgen anzuschlieen. In dem Ziel der Abkrzung der bel des
Krieges sei die schwedische Regierung mit der amerikanischen einig. Aber
das von der amerikanischen Regierung gewhlte Verfahren stehe durchaus im
Gegensatz zu den Prinzipien, die bisher die Politik der schwedischen
Regierung geleitet htten; diese wolle in der Zukunft wie in der
Vergangenheit den Weg der Unparteilichkeit und Neutralitt gegenber den
beiden kriegfhrenden Gruppen weiter verfolgen und ihn nur dann
verlassen, wenn die Lebensinteressen des Landes und die Wrde der Nation
dazu zwngen.

Auch in der Folgezeit bewahrten die europischen Neutralen trotz der
schwierigen Lage, in die sie durch den doppelten Druck des Handelskrieges
unserer Feinde und des deutschen U-Bootkriegs gerieten, ihre Neutralitt.

Dagegen folgten eine Reihe berseeischer Lnder dem Beispiel der
Vereinigten Staaten. Den Reigen erffnete China, das sich schon im
Februar 1917 auf den amerikanischen Standpunkt stellte, Mitte Mrz auch
formell die Beziehungen zu Deutschland abbrach und uns spter (Anfang Mai
1917) den Krieg erklrte. China wurde durch den U-Bootkrieg unmittelbar
kaum berhrt. Es folgte lediglich dem Druck der Vereinigten Staaten, in
denen es gegenber den Gefahren, die seinem Bestande von Japan und
anderen Angehrigen der uns feindlichen Koalition drohten, den einzigen
Beschtzer sah. Eine unmittelbare Untersttzung konnten unsere Feinde aus
dem Beitritt Chinas kaum ziehen. Aber die Kriegserklrung Chinas an
Deutschland erffnete die namentlich von England hei gewnschte
Mglichkeit, alles, was die Tchtigkeit und Intelligenz deutscher
Kaufleute in Jahrzehnten auf chinesischem Boden an Handelsniederlassungen
und geschftlichen Beziehungen aufgebaut hatten, in Grund und Boden zu
zerstren.

hnlich zu beurteilen ist auch das Abschwenken weiterer berseeischer
Neutraler in das Lager unserer Feinde. Bolivia hatte sich schon gleich
nach dem 3. Februar 1917 den Vereinigten Staaten angeschlossen. Cuba und
Panama traten Anfang April der Erklrung des Kriegszustandes durch die
Union bei. Kurz darauf, am 11. April, brach Brasilien aus Anla der
Versenkung eines brasilianischen Dampfers die Beziehungen zu uns ab. Es
folgten eine Reihe mittel- und sdamerikanischer Republiken, so da auf
dem amerikanischen Erdteil schlielich nur noch Mexiko, Argentinien,
Chile, Paraguay, Columbia, Venezuela und Salvador in der Neutralitt
verharrten. Auch das Knigreich Siam, in dessen Hfen Deutschland seit
langem bedeutende Handelsniederlassungen gegrndet und entwickelt hatte,
fgte sich dem Druck der Entente und erklrte uns ohne jeden Anla Ende
Juli den Krieg.

In Europa vermochte Griechenland der von der Entente ausgebten
Erpressung nicht zu widerstehen. Am 11. Juni 1917 sah sich Knig
Konstantin, der mit bewundernswerter Unerschrockenheit an der Neutralitt
festgehalten hatte, zur Abdankung und zum Verlassen des Landes gezwungen.
Damit war Griechenlands bergang in das Lager unserer Feinde besiegelt.

So stand schlielich gegen uns und unsere drei Verbndeten die ganze Welt
im Kampf, bis auf die drei skandinavischen Staaten, die Niederlande, die
Schweiz, Spanien, Persien, Mexiko und einige sdamerikanische
Republiken.


                    Die russische Revolution

Whrend die berseeische Welt mehr und mehr in den Krieg mit uns
hineingezogen wurde, erffnete der Ausbruch der Revolution in Ruland im
Mrz 1917 die Aussicht auf eine Durchbrechung der feindlichen Koalition.
Erinnerungen an den Siebenjhrigen Krieg wurden wach, in dem in der
Stunde der hchsten Gefahr dem groen Knig die Kunde kam von dem Tod
seiner unvershnlichen Feindin, der Kaiserin Elisabeth, und von dem
Entschlu des neuen Zaren, den Krieg mit Preuen alsbald einzustellen.

Solche Hoffnungen sollten sich jedoch frs nchste nicht erfllen. Zwar
waren die sozialistischen Massen, deren Aufstand das alte Regime gestrzt
hatte, Gegner des Krieges. Aber die Regierung des Frsten Lwoff, die sich
auf den Trmmern der zaristischen Autokratie bildete, war eher eine
Regierung der imperialistischen Liberalen als eine Regierung der den
Frieden begehrenden Massen. Vor allem der neue Minister des Auswrtigen,
Herr Miljukow, versicherte gegenber den Ententebotschaftern und in
ffentlichen Reden, da Ruland den Krieg bis zum Endsieg ber
Deutschland fortsetzen werde. Am 22. Mrz 1917 erklrte er vor den
Vertretern der russischen Presse: Fr uns ist ein entscheidender Sieg
unerllich; die Liquidierung des Deutschen Reichs, ohne die eine
Festigung der Ideen, fr die wir kmpfen, unmglich ist, ist heute
notwendiger und wichtiger denn je.

Die Entente suchte die Kriegsstimmung des revolutionren Ruland mit
allen Mitteln zu steigern. Der Prsident Wilson sprach in seiner
Kongrebotschaft vom 2. April 1917 von den wunderbaren und ermutigenden
Ereignissen in Ruland, durch die ein neuer wrdiger Teilnehmer an dem
Ehrenbund der Nationen entstanden sei. Jetzt, nachdem die
Zarenherrschaft gestrzt war, die weder das demokratische England noch
das republikanische Frankreich von dem Bndnis mit Ruland abgehalten
hatte, ertnte in den Reihen unserer Feinde noch lauter als zuvor das
heuchlerische Feldgeschrei Demokratie gegen Autokratie; den Russen
wurde eingeredet, da ein Sieg Deutschlands den Verlust ihrer neuen
republikanischen Freiheit bedeute. Der Reichskanzler bezeichnete in
seiner Reichstagsrede vom 29. Mrz 1917 diese Ausstreuungen als eitel
Lge und Verleumdung und betonte, da wir nicht beabsichtigten, uns in
die inneren Angelegenheiten Rulands einzumengen. Er fgte hinzu, da wir
nichts anderes begehrten, als mglichst bald wieder mit dem russischen
Volk in Frieden zu leben, in einem Frieden, der auf einer fr alle Teile
ehrenvollen Grundlage aufgebaut ist.

Einen Augenblick lang schien es, als ob die Friedenssehnsucht in Ruland
die Oberhand gewinnen sollte. Unter dem Druck der in den Arbeiter- und
Soldatenrten organisierten Massen beschlo die russische Regierung am
10. April eine Erklrung, in der es hie:

Die Verteidigung unseres eigentlichen nationalen Vaterlandes bildet die
hauptschlichste Aufgabe unseres Krieges. Die provisorische Regierung
berlt es dem Willen des Volkes, in enger Gemeinsamkeit mit unseren
Verbndeten alle den Weltkrieg und seine Beendigung betreffenden Fragen
endgltig zu entscheiden, hlt es aber fr ihr Recht und ihre Pflicht,
schon jetzt zu erklren, da das freie Ruland nicht das Ziel hat, andere
Vlker zu beherrschen, ihnen ihr nationales Erbe wegzunehmen und
gewaltsam fremdes Gebiet zu besetzen, da es vielmehr einen dauerhaften
Frieden auf Grund des Rechtes der Vlker, ihr Schicksal selbst zu
bestimmen, herbeifhren will. Das russische Volk erstrebt nicht die
Steigerung seiner Macht auf Kosten anderer Vlker, es hat nicht das Ziel,
irgendein Volk zu unterjochen oder zu erniedrigen.

Aber obwohl die deutsche und die sterreichisch-ungarische Regierung in
offizisen Erklrungen alsbald von dieser Kundgebung Akt nahmen und deren
bereinstimmung mit ihren eigenen Absichten feststellten, kam die Sache
des Friedens nicht vom Fleck. Auch da die deutschen Sozialdemokraten
eine Resolution des russischen Kongresses der Arbeiter- und Soldatenrte,
die am 14. April zugunsten eines allgemeinen Friedens ohne Annexionen und
Entschdigungen gefat wurde, am 20. April mit einer Entschlieung
beantworteten, die sich fr das gleiche Ziel aussprach, blieb ohne
Wirkung; desgleichen die vom Reichskanzler am 15. Mai im Reichstag
abgegebene Erklrung:

Wenn Ruland weiteres Blutvergieen von seinen Shnen fernhalten will,
wenn es alle gewaltsamen Eroberungsplne fr sich aufgibt, wenn es ein
dauerndes Verhltnis friedlichen Nebeneinanderlebens zu uns herstellen
will -- ja dann ist es doch eine Selbstverstndlichkeit, da wir, die wir
diesen Wunsch teilen, das dauernde Verhltnis der Zukunft nicht
zerstren, seine Entwicklung nicht durch Forderungen unmglich machen
werden, die sich mit der Freiheit und dem Willen der Vlker selbst nicht
vertragen und die in das russische Volk selbst nur den Keim zu neuer
Feindschaft legen wrden.

Zwar erzwang der Arbeiter- und Soldatenrat Mitte Mai eine Umbildung des
Kabinetts, bei der Miljukow ausschied und Kerenski das Kriegs- und
Marineministerium bernahm. Zwar stellte sich die neue Regierung
grundstzlich auf den Boden eines Friedens ohne Annexionen und
Entschdigungen und des Selbstbestimmungsrechts der Vlker. Aber in
derselben Kundgebung, die diese Grundstze proklamierte, lehnte das neue
russische Kabinett jeden Gedanken an einen Sonderfrieden ab und sprach
die Erwartung aus, da das revolutionre Heer Rulands nicht die
Vernichtung seiner westlichen Alliierten durch die deutschen Truppen
gestatten wird, damit sich diese dann mit ganzer Macht auf Ruland
werfen.

Da die neue russische Regierung gleichzeitig Schritte in Aussicht
stellte, um ihre Verbndeten fr einen Frieden ohne Annexionen und
Entschdigungen und des Selbstbestimmungsrechts der Vlker zu gewinnen,
konnte die Tatsache nicht aus der Welt schaffen, da auch nach diesem
Umschwung an einen Sonderfrieden mit Ruland, und damit an Frieden
berhaupt, noch nicht zu denken war.

Eine in der ersten Maihlfte aus den Kreisen des russischen Arbeiter- und
Soldatenrates angeregte vertrauliche Aussprache mit deutschen Vertretern
an der Dnafront verlief unter diesen Umstnden ergebnislos. Ja es gelang
dem Druck der Ententemchte, das neue russische Kabinett zu veranlassen,
gegen Ende Juni 1917 die russischen Heere zu einer neuen groen Offensive
gegen Deutschland vorzuschicken. Die Offensive war von Kerenski, der als
Vertreter der revolutionren Massen in das Kabinett eingetreten war,
vorbereitet und befohlen worden. Wenige Wochen nach ihrem Beginn ersetzte
Kerenski den Frsten Lwoff als Ministerprsident. Die Auflehnung der
Anhnger Lenins, der Bolschewisten, gegen die Kriegspolitik wurde blutig
unterdrckt, Lenin selbst mute sich lngere Zeit hindurch verborgen
halten.

So war es um die Mitte des Jahres 1917 offenkundig, da der Friede mit
Ruland, den man von der Revolution erhofft hatte, nur durch einen neuen
Schlag gegen die russische Armee gebracht werden konnte.


           Der Fortgang der militrischen Operationen

Im Westen hatten sich unterdessen neue gewaltige Kmpfe abgespielt.

Hindenburg war dem erwarteten groen Offensivsto der Feinde ausgewichen,
indem er unsere zwischen Arras und der Aisne in weitem Bogen
vorspringende Front auf eine fast gerade Linie zurckgenommen hatte, die
von der Gegend stlich Arras ber St. Quentin nach den Hhen nrdlich von
Vailly fhrte. Die Zurcknahme unserer Truppen auf diese neue, stark
befestigte Linie war Mitte Mrz unbemerkt vom Gegner durchgefhrt worden.
Durch planmige Zerstrung aller Verkehrswege und Sttzpunkte in dem
gerumten Gebiet war fr den Feind die Annherung gegen die neue Front
auerordentlich erschwert worden. Dafr unternahmen Englnder und
Franzosen im April eine mit strkstem Einsatz gefhrte Flgeloffensive.
Die Englnder stieen vom 9. April an bei Arras vor, whrend die
Franzosen etwa eine Woche spter an der Aisne und in der Champagne nach
sechstgiger strkster Artillerievorbereitung zum Angriff auf breiter
Front vorgingen. Die Offensiven hatten das Schicksal aller frheren: sie
kamen ber bescheidene Anfangserfolge nicht hinaus, unsere Truppen
vermochten in heldenhafter Gegenwehr den Durchbruch zu verhindern.

Anfang Juni holten die Englnder zu einem neuen wuchtigen Stoe aus,
dieses Mal in Flandern. Ihr Ziel war, die Hhenkette um Ypern zu nehmen,
die flandrische Ebene zu gewinnen und damit unsere Stellung an der
flandrischen Kste, die als Basis fr den U-Bootkrieg von der grten
Wichtigkeit war, unhaltbar zu machen. Auch hier errangen die Englnder,
vor allem durch gewaltige unterirdische Sprengungen im Wytschaetebogen,
Anfangserfolge, die jedoch bald an dem eisernen Widerstand unserer
Truppen ins Stocken kamen. Mit ungeheurer Zhigkeit setzten die Englnder
hier ihre Angriffe fort bis in den November hinein.

Gleichzeitig mit diesen schweren Kmpfen an der Westfront holten die
Gegner auf allen brigen Kriegsschaupltzen zu neuen Vorsten aus. Die
Italiener faten ihre Krfte zu neuen gewaltigen Angriffen am Isonzo
zusammen, die abermals an den sterreichischen Stellungen sich brachen.
In Mazedonien versuchten die Verbndeten die bulgarisch-deutschen Linien
zu sprengen, um doch noch unsere Verbindung mit der Trkei zu
durchschneiden und den Rumnen, die sich in der Moldau noch tapfer
wehrten, Entlastung und Hilfe zu bringen. ber die Halbinsel Sinai hinaus
stieen die Englnder gegen Palstina vor, wurden jedoch im Mrz und
April in Gefechten bei Gaza von den Trken zurckgewiesen. Dagegen gelang
ihnen die Erneuerung des im Jahre 1916 bei Kut-el-Amara so klglich
gescheiterten mesopotamischen Feldzuges. Nach grndlicher Vorbereitung
nahmen sie mit Beginn des Winters 1916/17 den Vormarsch nach Norden
wieder auf, schlugen die an dem Mangel rckwrtiger Verbindungen
leidenden Trken in einer Anzahl von Gefechten, besetzten am 11. Mrz
1917 Bagdad und drangen in den folgenden Wochen und Monaten weiter nach
Norden hin vor.

Dazu kam nun Ende Juni die neue Kerenskische Offensive, die sich in der
Hauptsache gegen die sterreichischen Stellungen in Ostgalizien und
Wolhynien richtete. Mit Menschenopfern, die kaum hinter denjenigen der
Brussilow-Offensive vom Juni 1916 zurckblieben, gelang es den Russen,
nicht unerhebliche Anfangsvorteile zu erzielen, bis in der
zweiten Julihlfte ein wuchtiger Gegensto der deutschen und
sterreichisch-ungarischen Truppen einsetzte.


             Der U-Bootkrieg im ersten Halbjahr 1917

Diese hchste Steigerung des Ringens der Landheere wurde begleitet durch
den Vernichtungskampf unserer U-Boote gegen die feindlichen
Handelsflotten.

Die Aussichten des U-Bootkrieges waren in wichtigen Punkten erheblich
gnstigere als in irgendeinem frheren Zeitpunkt.

Am 1. Januar 1917 betrug die Anzahl der U-Boote (Torpedo- und
Minen-U-Boote) 148 gegen nur 62 ein Jahr zuvor. Die neu hinzugekommenen
Boote zeichneten sich vor dem alten Bestande aus einmal durch eine
strkere Bewaffnung mit Torpedos und Artillerie, dann durch einen
erheblich greren Aktionsradius. Die Leistungsfhigkeit unserer
Tauchbootflotte war also im Laufe des letztverflossenen Jahres in noch
weit strkerem Mae als im Verhltnis von 62 zu 148 gestiegen. Fr das
erste Halbjahr 1917 wurde die Fertigstellung von weiteren 50 U-Booten
erwartet.

Die guten Ergebnisse des seit dem Monat Oktober wieder aufgenommenen
Kreuzerkriegs der U-Boote in den britischen Gewssern waren ein Beweis
der erheblich gesteigerten Leistungsfhigkeit unserer Tauchboote. Die
monatlichen Versenkungen hatten seit dem November 1916 den Satz von
400000 Bruttotonnen berschritten. Das Ergebnis des U-Boot-Kreuzerkriegs
war damit ein wesentlich besseres, als es jemals zuvor in den schrferen
Formen des U-Bootkriegs erreicht worden war. Der verschrfte
U-Bootkrieg hatte eine monatliche Hchstleistung von nur 225000
Bruttotonnen im April 1916 zu verzeichnen gehabt.

Die im Dienst unserer Feinde fahrende Handelsflotte hatte im bisherigen
Verlauf des Krieges und namentlich in den letzten vier Monaten vor dem
Beginn des uneingeschrnkten U-Bootkrieges eine immerhin merkbare
Schwchung erfahren. Nach den Angaben unseres Admiralstabs waren vom
Kriegsausbruch bis Ende Januar 1917 insgesamt etwa 5 Millionen
Bruttotonnen versenkt worden, davon 1660000 Tonnen in den letzten vier
Monaten. Der Bedarf an Handelstonnage fr die Zwecke der Kriegfhrung war
unausgesetzt stark. Die Neubauten blieben weit hinter denjenigen des
Friedens zurck. Whrend England im letzten Friedensjahr rund 2 Millionen
Bruttotonnen Schiffsraum vom Stapel hatte laufen lassen, erreichten seine
Neubauten im Jahre 1916 nur etwa 580000 Tonnen. Der sich aus allen diesen
Umstnden ergebende starke Druck auf den britischen Seeverkehr kam in
einem ansehnlichen Rckgang der in den Hfen Grobritanniens und Irlands
ein- und auslaufenden Schiffe zum Ausdruck. Im letzten Friedensjahr hatte
der Ein- und Ausgang beladener Schiffe in den britischen Hfen 117
Millionen Tonnen (netto) betragen, im Jahre 1916 stellte er sich nur noch
auf 66 Millionen Tonnen. Der Eingang war allein von 49 auf 30 Millionen
Tonnen gesunken. Insbesondere die letzten Monate zeigten einen scharfen
Rckgang, von 2787000 Tonnen im August auf 2214000 Tonnen im Dezember
1916 und 2221000 Tonnen im Januar 1917. Der Monatsdurchschnitt des
letzten Friedensjahres hatte 4090000 Tonnen betragen. Der Eingang
beladener Schiffe in den britischen Hfen war also gegenber der
Friedenszeit um 45 vom Hundert abgedrosselt. Von dem uneingeschrnkten
U-Bootkrieg durfte man eine weitere scharfe Einschrnkung erwarten.

Dabei war, soweit es sich aus amtlichen Statistiken, Berichten von
Sachverstndigen, der britischen Fachpresse und anderen Quellen
entnehmen lie, die Versorgung der britischen Inseln mit Nahrungsmitteln,
insbesondere mit Brotgetreide, knapper als in irgendeinem der frheren
Kriegsjahre. Um die Mitte des Januar stellten sich nach dem ersten
englischen Fachblatte, dem Grain Seed and Oil Reporter, die sichtbaren
Bestnde Englands an Weizen und Mehl auf 5258000 Quarters gegen 6336000
und 5882000 Quarters in den beiden Vorjahren. Infolge der schlechten
Welternte, ber die ich bereits frher gesprochen habe, waren die
Zufuhren andauernd ungengend. In den sechs Wochen von Anfang Dezember
bis Mitte Januar hatten die Einfuhren von Weizen nur 2,1 Millionen
Quarters erreicht, gegen 3,4 und 3,3 Millionen Quarters in den beiden
Vorjahren. Wenn diese an sich schon knappen Zufuhren durch den
uneingeschrnkten U-Bootkrieg noch weiter eingeschrnkt werden konnten,
dann trat der Hungerkrieg gegen England aus dem Bereich der Phantasie
heraus und wurde eine praktische Mglichkeit.

Trotz dieser erheblich gebesserten Aussichten hatte ich die Erffnung des
uneingeschrnkten U-Bootkriegs am 1. Februar 1917 bis zum letzten
Augenblick mit allem Nachdruck bekmpft. Ich hatte es fr notwendig
gehalten, die volle Wirkung der Friedensaktion abzuwarten und nicht durch
berstrzung eine noch so schwache Mglichkeit, doch noch zum Frieden zu
kommen, zu zerstren. Ich war ferner der berzeugung, da nichts
versumt werden drfe, um Amerika drauen zu halten, und ich konnte
schlielich die Befrchtung nicht berwinden, da die allzurasch auf
unseren Friedensschritt und die Friedensanregung Wilsons folgende
Erffnung des uneingeschrnkten U-Bootkriegs den falschen, aber in seiner
Wirkung auf die Neutralen fr uns beraus nachteiligen Eindruck erwecken
werde, als seien unsere Friedensbemhungen nicht ernst gemeint, sondern
nur eine Maskierung unserer U-Bootkriegs-Absichten gewesen.

Nachdem nun einmal die Entscheidung gefallen war und es kein Zurck mehr
gab, stand unser Schicksal auf der Hoffnung, da unter den
verhltnismig gnstigen Vorbedingungen die Wirkungen des U-Bootkriegs
England innerhalb einer krzeren Zeit friedensbereit machen wrden, als
sie Amerika brauchte, um das volle Gewicht seiner gewaltigen Hilfskrfte
gegen uns in die Wagschale zu werfen. Ich konnte und wollte diese
Hoffnung, die in den geschilderten Verhltnissen unserer eignen
Tauchbootflotte, der Entwicklung des britischen Schiffsverkehrs und der
Welternte eine starke Begrndung hatte, nicht von mir weisen. In den
Verhandlungen des Hauptausschusses des Reichstags vom 31. Januar und 1.
Februar 1917 habe ich dieser Hoffnung Ausdruck gegeben und sie mit dem
vorliegenden Tatsachenmaterial, das im wesentlichen oben wiedergegeben
worden ist, begrndet. Einen Termin fr die Niederkmpfung Englands habe
ich nicht genannt und htte ich nach meiner Beurteilung der Sachlage
auch nicht nennen knnen. Vorwrfe, die spter von nicht uninteressierter
Seite in diesem Punkte gegen mich erhoben worden sind, haben in meinen,
in dem Stenogramm des Hauptausschusses festliegenden Ausfhrungen keine
Begrndung. Ich habe im Gegenteil dem Ausdruck meiner Hoffnung, da es
uns gelingen werde, England friedensbereit zu machen, bevor Amerika in
der Lage sei, effektiv in den Krieg gegen uns einzutreten, im bewuten
Gegensatz zu den von anderer Seite in Aussicht gestellten bestimmten
Fristen den Zusatz hinzugefgt: Eine Garantie kann natrlich niemand
bernehmen.

Die Hoffnung wurde bestrkt durch die guten Anfnge des U-Bootkriegs.

Zunchst bertrafen die Leistungen der U-Boote die Schtzungen. Statt der
angenommenen 600000 Tonnen, die ja schon nach den Leistungen des
U-Bootkreuzerkriegs als zu gering erscheinen muten, erreichte nach den
Angaben unseres Admiralstabs die Versenkung im Monat April 1091000 Tonnen
und im Monat Juni 1016000 Tonnen. Das Gesamtergebnis der ersten sechs
Monate des uneingeschrnkten U-Bootkriegs war -- immer nach den Angaben
unseres Admiralstabs -- 5-1/2 Millionen Tonnen. Auch die Abschreckung der
neutralen Schiffahrt vom Verkehr mit England, auf die der Admiralstab so
stark gerechnet hatte, schien Tatsache zu werden. Die Schiffsbewegung im
Neuen Wasserweg (Rotterdam), die in der ersten Januarwoche 1917 noch
einen Eingang von 79000 Nettotonnen aufgewiesen hatte, ging auf 6000
Tonnen in der dritten Mrzwoche zurck. Die Entwicklung des britischen
Schiffsverkehrs lie sich leider nicht mehr unmittelbar verfolgen, da vom
Februar 1917 die Verffentlichung der Schiffsstatistik eingestellt wurde.
Aber die starken Versenkungen, verbunden mit dem Fernbleiben eines groen
Teils der neutralen Handelsschiffe, konnten nicht ohne Wirkung bleiben.

Auch die Ziffern der britischen Einfuhr wurden vom Februar an nicht mehr
in der alten Vollstndigkeit verffentlicht. Vor allem wurden fr die
Nahrungsmitteleinfuhr die Mengenangaben geheimgehalten. Aber die Daten,
die noch publiziert wurden, zeigten eine sehr erhebliche Einschrnkung
fast auf der ganzen Linie. Die Einfuhr des Monats Februar 1917 betrug dem
Werte nach nur noch 70 Millionen  gegen 90 Millionen im Januar. Die
Einfuhrmenge des Februar 1917 wies gegenber derjenigen des Februar 1916
einen Rckgang auf: bei Wolle um 17%, bei Baumwolle um 27%, bei Eisen und
Stahl um 59%, bei Holz um 42%, bei Rindfleisch um 17%, bei Butter und
Schmalz um 21%, bei Eiern um 39%. Im Mrz 1917 stellte sich der Rckgang
der Einfuhrmenge: bei Wolle auf 33%, bei Baumwolle auf 53%, bei Eisen und
Stahl auf 62%, bei Holz auf 64%. ber Fleisch, Butter und Eier wurden vom
Mrz ab Mengenzahlen nicht mehr bekanntgegeben.

Die schwierige Lage der britischen Getreideversorgung ergab sich aus den
knappen Bestnden in dem Hauptbezugslande, den Vereinigten Staaten. Das
Ackerbaudepartement schtzte am 1. Mrz 1917 die noch in den Hnden der
Farmer befindlichen Bestnde an Weizen auf nur 101 Millionen Bushels (=
ca. 2-1/2 Millionen Tonnen) gegen 241 Millionen Bushels um die gleiche
Zeit des Vorjahres. Die Ernteaussichten auch fr das Jahr 1917 waren
schlecht.

Alle diese Ziffern erhielten ihren Hintergrund durch uerungen der
britischen Staatsmnner und der britischen Zeitungen sowie durch
Informationen der verschiedensten Art ber den Stand der Dinge in
England. Lloyd George hatte zu Anfang des Krieges als Schatzkanzler das
geflgelte Wort von den silbernen Kugeln gesprochen, mit denen England
siegen werde; er hatte dann als Munitionsminister alle Hoffnungen auf die
Massenherstellung von Kriegsmaterial und Munition gesetzt; als er jetzt
am 12. April 1917 eine Begrungsansprache an den neuen amerikanischen
Bundesgenossen hielt, da lautete sein Hilferuf: Schiffe, Schiffe und
noch einmal Schiffe! Schon im Februar 1917 hatte Lloyd George im
Unterhaus bekannt, die britischen Getreidebestnde seien geringer als
jemals seit Menschengedenken. Im April erklrte der Unterstaatssekretr
des britischen Kriegsernhrungsamts, Captain Bathurst, der Verbrauch an
Brotstoffen gehe um 50 vom Hundert ber die noch vorhandenen und die
noch zu erwartenden Vorrte hinaus; er stellte auerdem in Aussicht, da
die Kartoffelvorrte in vier Wochen aufgebraucht sein wrden.

Die englische Regierung griff zu tief einschneidenden Manahmen. Um die
Zufuhr der fr die Volksernhrung und Kriegfhrung wichtigsten Gter nach
Mglichkeit zu sichern, stellte sie die Einfuhr aller irgendwie
entbehrlichen Dinge unter Verbot. Den gesamten britischen Schiffsraum
stellte sie unter eine einheitliche Kontrolle; aus den nicht unmittelbar
dem Verkehr mit England dienenden Linien zog sie so viel Schiffe fr die
Versorgung Englands heraus, da nach dem Ausspruch des britischen
Handelsministers von der internationalen Schiffahrt Grobritanniens nur
noch ein Skelett verblieb. Der strkste Druck wurde auf die Neutralen
ausgebt, um ihre Schiffahrt in den Dienst Grobritanniens zu zwingen.
berall, wo es gelang, einen neutralen Staat zur Kriegserklrung an
Deutschland zu bewegen, wurden die in seinen Hfen liegenden deutschen
Schiffe konfisziert. Nach jeder Mglichkeit wurde auf eine Hebung der
Produktion im eigenen Lande hingearbeitet. Eine Steigerung der Frderung
einheimischer Eisenerze sollte den Ausfall an fremden Zufuhren decken;
gesteigerter Holzschlag in den eigenen, nicht sehr ausgedehnten Wldern
sollte Ersatz schaffen fr den Ausfall in der Zufuhr fremden
Grubenholzes; vor allem aber wurde ein groartiges landwirtschaftliches
Programm aufgestellt, das durch die Umwandlung von Grasland in Ackerland
die britischen Inseln von der auslndischen Getreidezufuhr unabhngig
machen sollte. Natrlich wurden auch die grten Anstrengungen gemacht,
um den whrend des Krieges so stark zusammengeschrumpften Bau von
Handelsschiffen wieder hochzubringen. Die vorhandenen Lebensmittel wurden
durch scharfe Vorschriften ber die Ausmahlung und ber Zusatzmittel
gestreckt, der Verbrauch wurde durch eine knapp zugemessene Verteilung
empfindlich eingeschrnkt.

Amerika suchte nach Mglichkeit zu helfen. Vor allem im Schiffbau, der
nach anfnglichen Fehlschlgen, so mit dem massenhaften Bau von
Holzschiffen, in der Tat einen groen Aufschwung nahm; dann aber auch mit
der Zufuhr von Lebensmitteln. Hier geschah, was ich von Anfang an
gefrchtet hatte. Die amerikanische Regierung lie sich weitgehende
Vollmachten fr die Regelung der inneren Lebensmittelverteilung und der
Lebensmittelausfuhr erteilen. Auf Grund dieser Vollmachten gelang es
gegen die Mitte des Jahres 1917, fr die Versorgung Englands grere
Mengen von Getreide verfgbar zu machen.

Von der zweiten Aprilhlfte an bis in den Juli hinein stieg die Besorgnis
in England auf ihren Hhepunkt. Wir erhielten in jener Zeit aus einer
unbedingt zuverlssigen Quelle Nachrichten, da Lloyd George bei seinem
Besuch in Paris sich geradezu verzweifelt ber die Ernhrungslage
Englands ausgesprochen habe. Es schien in der Tat, als sei dem
U-Bootkrieg der Erfolg beschieden. Wie nahe er damals seinem Ziele war,
das werden wir zweifellos aus den englischen Darstellungen ber die
Entwicklung des Krieges besttigt erhalten.

Die amerikanische Hilfe brachte in letzter Stunde die Rettung. Es gelang,
fr die kritischen Monate Juni und Juli gengende Mengen von Brotgetreide
im letzten Augenblick verfgbar zu machen. Amerika gab auf Grund der
Einschrnkung seines eigenen Verbrauchs aus seinen knappen Bestnden
Getreide fr England ab und deckte die dadurch entstehende Lcke in der
eigenen Versorgung zum Teil durch Zufuhren aus Australien. Der vorhandene
Schiffsraum wurde unter Zurckstellung aller anderen Bedrfnisse auf die
Getreidezufuhr konzentriert; sogar Schiffe mit Gefriereinrichtungen fr
den Fleischtransport wurden in die Getreidefahrt geworfen. Ziffern ber
die Getreideeinfuhr sind, wie erwhnt, seit dem Februar 1917 nicht mehr
verffentlicht worden; aber aus zuverlssigen Angaben privater Herkunft
lt sich schlieen, da die Getreideeinfuhr Englands in dem einen Monat
Juni 1917 kaum viel niedriger gewesen sein mu, als in den fnf
vorhergehenden Monaten zusammen.

So gelang es England, den Zusammenbruch seiner Ernhrungswirtschaft vor
dem Hereinkommen der neuen Ernte zu verhindern. Ebensowenig wie alle die
groen militrischen Aktionen zu Land hatte der U-Bootkrieg vermocht,
eine rasche Entscheidung herbeizufhren. Die von mir immer bezweifelten
und in den internen Beratungen wie in den Verhandlungen des
Hauptausschusses des Reichstages bekmpften Berechnungen der
wirtschaftlichen Sachverstndigen des Admiralstabs, nach denen der
uneingeschrnkte U-Bootkrieg in fnf Monaten zum Ziel fhren sollte,
hatten sich als trgerisch erwiesen. So staunenswert die Leistungen
unserer U-Boote waren, so sehr der von ihnen versenkte Schiffsraum den
Voranschlag des Admiralstabs bertraf -- auch diese Leistungen gengten
nicht, die Versorgung Englands so weit einzuschrnken, da innerhalb der
fnf Monate seine Volksernhrung oder seine Kriegstchtigkeit
entscheidend getroffen worden wre. Auch im U-Bootkrieg konnte nur auf
lange Sicht gearbeitet werden. Der U-Bootkrieg wurde zum aufregenden
Wettlauf zwischen Neubau von U-Booten und Vervollkommnung der Sicherungs-
und Abwehrmittel, zwischen Versenkung von Frachtraum und Neubau von
Handelsschiffen, zwischen Herabminderung der britischen Zufuhren und
Hebung der eigenen britischen Produktion, schlielich zwischen der
Organisation des amerikanischen Millionenheeres und der Vernichtung der
Widerstandsfhigkeit der feindlichen Armeen, denen wir an der Westfront
gegenberstanden.

Es mute ein zher Kampf werden.

Da unsere Aussichten in diesem Kampf nicht ungnstig waren, dafr war
eine Besttigung eine halbamtliche Auslassung der britischen Regierung,
die Anfang August 1917 ausgegeben wurde. Sie besagte im wesentlichen
folgendes:

England hatte bei Kriegsausbruch eine Handelsflotte von Ozeandampfern im
Umfang von 17-18 Millionen Tonnen; davon waren ber 15 Millionen Tonnen
regelmig fr das Mutterland beschftigt, der Rest diente dem Verkehr
zwischen fremden Lndern, Kolonien usw. Ein groer Teil dieses
internationalen Verkehrs mute den unmittelbaren Bedrfnissen des
britischen Mutterlandes geopfert werden. Gegenwrtig besitzt
Grobritannien einschlielich der weggenommenen feindlichen Schiffe etwas
ber 15 Millionen Tonnen, davon 14 Millionen im unmittelbaren Dienste des
Mutterlandes. Von diesen 14 Millionen Tonnen ist aber nur etwa die Hlfte
fr den Handel verfgbar, da die andere Hlfte in den Dienst der Marine,
des Heeres, der Verbndeten und der Kolonien hat gestellt werden mssen.
-- Das bedeutete also, da damals dem Handelsverkehr der britischen
Inseln nur noch etwa 7 Millionen Tonnen Schiffsraum gegen 15 in
Friedenszeiten zur Verfgung standen. -- Die britische Einfuhr im letzten
Jahr vor dem Kriege habe 58 Millionen Gewichtstonnen betragen; im Jahre
1916 sei die Einfuhrmenge auf 43 Millionen Tonnen zurckgegangen, und im
laufenden Jahre werde sie noch erheblich niedriger sein. Von den 58
Millionen Tonnen der Friedenseinfuhr seien weniger als ein Viertel auf
Nahrungsmittel entfallen, der ganze Rest auf Bedrfnisse des Handels und
der Industrie. Im Jahre 1916 dagegen habe die Einfuhr von
Nahrungsmitteln, Munition und Materialien fr die Herstellung von
Kriegsbedarf nicht weniger als zwei Drittel der Gesamteinfuhr
beansprucht. Einer Einfuhr von Industrie- und Handelswaren in Hhe von 40
Millionen Tonnen im Jahre 1913 habe also im Jahr 1916 nur eine Einfuhr in
Hhe von 14 bis 15 Millionen Tonnen gegenbergestanden. Im laufenden
Jahre knne man in keiner Weise hoffen, auch nur annhernd diese
verkrzte Menge zu erhalten.

Die Frankfurter Zeitung bemerkte damals zu dieser Verffentlichung:
Was in aller Welt, so mu man sich fragen, will diese Offenheit? Damit
wird doch Punkt fr Punkt das besttigt, was von ruhigen Beobachtern der
englischen Verhltnisse lngst gesagt, was aber fast in der ganzen
englischen Presse bis vor kurzem leidenschaftlich bestritten wurde. Was
will diese Darstellung? Will sie allmhlich abbauen oder abwiegeln?

Aber auch wenn man die Aussichten auf den schlielichen Erfolg des
U-Bootkriegs noch so hoffnungsvoll beurteilte -- die allzu bestimmten
Voraussagen, da der uneingeschrnkte U-Bootkrieg innerhalb von fnf oder
sechs Monaten zur Niederwerfung Englands fhren werde, waren in zu weite
und zu tiefe Kreise gedrungen, als da nach Ablauf der genannten Zeit das
Ausbleiben des entscheidenden Erfolges nicht eine Enttuschung und einen
Stimmungsrckschlag htte hervorrufen mssen.


              Unser Verhltnis zu sterreich-Ungarn

   Die Stellung Deutschlands und sterreich-Ungarns zum Krieg

ber den Beitritt sterreich-Ungarns zum uneingeschrnkten U-Bootkrieg
hat sich Graf Czernin in einer ffentlichen Rede vom 11. Dezember 1918,
auf die ich in der weiteren Darstellung noch fters zurckkommen werde,
wie folgt geuert:

Meine damaligen Ministerkollegen Tisza und Clam sowohl wie meine
Wenigkeit waren mit Kaiser Karl in der Ablehnung dieses Vorschlages
vollstndig einig, und rckhaltlos zugestimmt hat dem Gedanken nur der
damalige Admiral Haus. Es mu hier konstatiert werden, da die deutsche
Motivierung nicht so sehr darauf ging, England durch Hunger zu besiegen,
sondern darin gipfelte, da die Westfront nur zu halten sei, wenn die
amerikanischen Munitionstransporte versenkt wrden, da also ein rein
technisch-militrisches Moment in den Vordergrund geschoben wurde. Ich
habe damals ernstlichst die Absicht ventiliert, uns in dieser Frage von
Deutschland zu trennen, und die geringe Zahl unserer U-Boote htte unser
Nichtmitmachen kaum bemerkbar gemacht. Aber ein anderer Umstand fiel in
die Wagschale. Sollte der U-Bootkrieg in den nrdlichen Gewssern mit
Erfolg gefhrt werden, dann mute er gleichzeitig im Mittelmeer
einsetzen. Blieb dieses frei, so wren die Transporte ber Italien,
Frankreich und Dover nach England gegangen und htten den nrdlichen
U-Bootkrieg paralysiert. Um aber den U-Bootkrieg in der Adria fhren zu
knnen, muten wir den Deutschen unsere Sttzpunkte, wie Pola, Triest und
Cattaro, berlassen. Taten wir dies, so machten wir de facto den
U-Bootkrieg mit. Unterlieen wir es, so fielen wir damit Deutschland in
den Rcken und verhinderten seinen U-Bootkrieg, d. h. wir kamen in
direkten Konflikt mit Deutschland. So gaben wir zu diesem Vorschlag mit
schwerem Herzen unsere Einwilligung, nicht gewonnen durch Argumente, aber
bezwungen durch die Ohnmacht, anders handeln zu knnen.

Diese uerung zeigt, mit welchem Widerstreben man sich in Wien zur
Beteiligung an dem uneingeschrnkten U-Bootkrieg entschlo; sie zeigt
aber noch mehr: Die Bemerkung des Grafen Czernin, da er damals ernstlich
die Absicht ventiliert habe, sich in dieser Frage von Deutschland zu
trennen, wirft ein Streiflicht auf die Gestaltung der Beziehungen
zwischen den beiden Bundesgenossen.

Das Verhltnis zwischen Deutschland und sterreich-Ungarn stand seit dem
Ausbruch des Krieges unter der Wirkung starker, sich teilweise
widerstreitender Einflsse.

Der Krieg war entstanden aus einem Anla, der von den
sterreichisch-ungarischen Staatsmnnern als eine unmittelbare
Lebensfrage der Donaumonarchie aufgefat worden war, whrend er uns nur
mittelbar dadurch berhrte, da die Erhaltung sterreich-Ungarns von der
deutschen Politik als ein vitales Interesse auch fr uns aufgefat
wurde. Aber die Koalition, die alsbald gegen uns auf den Plan trat,
richtete ihre Spitze in erster Linie gegen Deutschland, whrend sie
sterreich-Ungarn gewissermaen als Feind zweiten Grades behandelte.

Graf Czernin sagte in seiner erwhnten Rede:

Wir hatten fters den Eindruck, einen Separatfrieden ohne Deutschland
schlieen zu knnen, jedoch niemals wurden uns die Bedingungen genannt,
unter welchen Deutschland seinerseits Frieden schlieen knne. Niemals
wurde uns vor allem erklrt, da Deutschland seinen vorkriegerischen
Besitzstand wrde behalten knnen, und immer wurden wir dadurch in der
Situation belassen, einen =Verteidigungskrieg fr Deutschland= fhren zu
mssen. Wir waren durch unseren Vertrag zur gemeinsamen Verteidigung des
vorkriegerischen Besitzstandes gezwungen; dadurch, da die Entente
niemals erklren wollte, da sie mit einem Deutschland sprechen wolle,
das keine Eroberungsabsichten habe, da die Entente immer erklrte, sie
wolle Deutschland vernichten, zwang sie uns gewaltsam den
Verteidigungskrieg fr Deutschland auf.

Aus dem Krieg, in dem der deutsche Bundesgenosse der in ihren
Lebensgrundlagen bedrohten sterreichisch-ungarischen Monarchie
beisprang, war also, nicht etwa nur in dem Kopf des Mannes auf der
Strae, sondern auch in der Vorstellung des die auswrtige Politik der
Monarchie leitenden Staatsmannes ein sterreichisch-ungarischer
Verteidigungskrieg fr Deutschland geworden!

Auf der anderen Seite stand die militrische Gestaltung mit dieser
politischen Auffassung des Krieges keineswegs im Einklang. Seit der
Hilfe, die sterreichisch-ungarische Truppen uns im Herbst 1914 fr den
Schutz von Schlesien geleistet hatten, war stets die deutsche Armee der
gebende und helfende Teil. Nicht sterreichisch-ungarische Truppen
verteidigten die deutschen Grenzen, sondern deutsche Truppen wehrten
wiederholt das uerste von sterreich-Ungarn ab. Nur mit deutscher
Untersttzung wurden im Winter 1914/15 die Russen vom Einbruch ber die
Karpathen in die ungarische Tiefebene abgehalten. Nur der Einsatz einer
groen deutschen Armee gewann im Frhjahr 1915 die Schlacht bei Gorlice
und befreite Galizien. Nur die Hilfe deutscher Truppen warf im Herbst
1915 die Serben nieder und machte damit sterreich-Ungarn nach Sdosten
hin Luft. Nur deutsche Divisionen brachen im Sommer 1916 die
Brussilow-Offensive und bewahrten so wenigstens Mittel- und Westgalizien
vor erneuter Eroberung. Und schlielich hielt nur die aus den schwersten
Kmpfen im Westen herbergeholte deutsche Armee im September 1916 den
Vormarsch der Rumnen in Siebenbrgen auf, um dann das Land unseres
Bundesgenossen abermals zu befreien und den neuen Feind auf seinem
eigenen Boden niederzuwerfen.

Mochte es also auch politisch eine gewisse Berechtigung haben, von einem
Verteidigungskrieg sterreich-Ungarns fr Deutschland zu sprechen,
militrisch blieb Deutschland der Verteidiger sterreich-Ungarns.

Die Hilfsbedrftigkeit der Donaumonarchie blieb nicht auf das
militrische Gebiet beschrnkt. Von Anfang an und dauernd sah sich
sterreich-Ungarn auf die finanzielle Untersttzung Deutschlands
angewiesen. Zwar brachten die sterreichischen und ungarischen
Kriegsanleihen recht gute Ergebnisse; aber fr die Zahlungen an
Deutschland und das neutrale Ausland bedurfte sterreich-Ungarn
fortgesetzt erheblicher Valutakredite. Ebenso nahm auf dem Gebiet der
Volksernhrung die sterreichische Reichshlfte wiederholt unsere
Untersttzung in Anspruch, so knapp es auch mit uns selbst bestellt war.

Wir haben getan, was wir konnten, um unserem Bundesgenossen in seinen
Bedrngnissen zu helfen. Aber wir vermochten bei der bundesfreundlichsten
Gesinnung und beim besten Willen nicht alle seine Wnsche zu erfllen,
und wir muten im eigenen Interesse an unsere Hilfe Bedingungen knpfen,
die nicht immer als angenehm empfunden wurden. So muten wir die
Gewhrung der Valutakredite davon abhngig machen, da sterreich-Ungarn
fr seinen Zahlungsverkehr mit dem Auslande eine hnlich strenge
Devisenordnung erlie, wie wir sie erlassen hatten; ferner davon, da
sterreich-Ungarn sich bei seinen Einkufen im Ausland dieselben
Beschrnkungen auferlegte wie wir; denn andernfalls wre der von uns
erstrebte Zweck, den Rckgang des Kurses der Reichsmark auf den neutralen
Pltzen aufzuhalten, durch die sterreichisch-ungarischen Verfgungen
ber die von uns gewhrten Markkredite geradezu vereitelt worden. Und
wenn in kritischen Augenblicken von den sterreichern unsere knappen
Bestnde an Brotgetreide und Mehl in Anspruch genommen wurden, so muten
wir darauf bestehen, da in sterreich eine hnlich straffe Organisation
der Volksernhrung durchgefhrt wurde wie bei uns; denn wir konnten es
vor dem eigenen Volke nicht verantworten, seine kargen Rationen noch
weiter zu krzen, um die sterreicher vor den Folgen ihres Wirtschaftens
aus dem Vollen zu bewahren. Aber alles das ging natrlich nicht immer
ohne Reibung und Verstimmung.


                       Die polnische Frage

Kompliziert wurde das Verhltnis vor allem durch die polnische Frage.

An der Gestaltung der polnischen Dinge nahm sterreich-Ungarn ein ganz
besonders lebhaftes Interesse. Im sterreichischen Staatsleben spielten
die Polen infolge des unberbrckbaren Gegensatzes zwischen Deutschen und
Tschechen eine hervorragende Rolle: die Untersttzung des Polenklubs war
fr jede verfassungsmige Fhrung der Staatsgeschfte eine
Notwendigkeit. Darber hinaus hatte man in Wien die klare Erkenntnis, da
Erhaltung oder Verlust Galiziens von der Lsung der Frage abhnge, was
aus Russisch-Polen werden solle. Die Wiener Politik zog daraus die
Folgerung, da sie sich fr die Ordnung der polnischen Verhltnisse die
Vorhand sichern msse; es schwebte ihr dabei wohl von Anfang an eine
Vereinigung Russisch-Polens mit Galizien und die Angliederung dieses
neuen Gebildes in einer mehr oder weniger losen Form an sterreich-Ungarn
vor. Als Baron Burian den Reichskanzler Mitte April 1916 in Berlin
besuchte, uerte er halb im Scherz, halb im Ernst, er werde erst nach
Wien zurckreisen, wenn er Polen in seinem Handkoffer mitnehmen knne.
Sein Handkoffer war fr Polen doch etwas zu klein, und er hat es nicht
mitgenommen. Die polnische Frage blieb zwischen Deutschland und
sterreich-Ungarn ungeklrt. Die Wiener Regierung benutzte diesen
Zustand, um in Polen selbst fr ihr Ziel eine rege Propaganda zu
entfalten, und zwar nicht nur in dem von sterreichisch-ungarischen
Truppen besetzten sdlichen Teil, dem Bezirk von Lublin, sondern auch in
dem von unseren Truppen besetzten Generalgouvernement Warschau.

Die sich aus diesem Zustand ergebenden Verhltnisse wurden allmhlich
unhaltbar.

Nach der schweren Niederlage der sterreicher in Wolhynien und Galizien
im Juni 1916 schien Herrn von Bethmann die Gelegenheit gekommen, eine
Klrung herbeizufhren. Der Kanzler reiste mit Herrn von Jagow am 10.
August 1916 nach Wien, um dort mit Baron Burian auf einer Grundlage ins
Reine zu kommen, die vor allem die von sterreich beanspruchte
Prponderanz in den polnischen Angelegenheiten beseitigen und uns
Bewegungsfreiheit geben sollte. Die beiden Herren kamen zurck mit einer
Vereinbarung, die ein autonomes Knigreich Polen mit Anlehnung an die
beiden Zentralmchte ins Auge fate. In den militrischen Dingen sollte
Deutschland den ausschlaggebenden Einflu haben; ber die Regelung der
wirtschaftlichen Beziehungen Polens zu den beiden Zentralmchten sollte
zunchst noch zwischen mir und der Wiener Regierung verhandelt werden.

Ich hatte, ebenso wie der Unterstaatssekretr Zimmermann, ernstliche
Bedenken gegen jede Festlegung auf die Errichtung eines autonomen und
selbstndigen Polen. Ich frchtete, da ein solches Polen fr uns ein
unzuverlssiger Nachbar sein werde, da es seine Begehrlichkeit alsbald
auch auf unsere teilweise polnisch bevlkerten Ostmarken richten werde,
da es notwendigerweise zum Zankapfel zwischen uns und unserem
Verbndeten werden msse und da die geplante Autonomieerklrung der
immerhin noch denkbaren Verstndigung mit Ruland einen schweren Stein in
den Weg rollen knne. Von der Idee, da ein autonomes Polen noch whrend
des Krieges fr uns nutzbar gemacht werden knnte, die damals schon in
manchen Kpfen spukte, hielt ich nichts. Es war mir eine Beruhigung, da
in Wien ein bestimmter Zeitpunkt fr die Autonomieerklrung nicht
festgelegt worden war und da der Kanzler den Wert der Wiener
Verstndigung hauptschlich in dem negativen Ergebnis sah, da Polen der
Wiener Regierung aus den Zhnen gezogen sei und wir bei allen knftigen
Entschlieungen an erster Stelle mitzusprechen htten. Auch der Kaiser
sprach sich in jener Zeit in einem Telegramm an den Kanzler, spter auch
persnlich mir gegenber, sehr entschieden dahin aus, da von jeder
Proklamation einer polnischen Autonomie vorlufig abzusehen sei,
hauptschlich um nicht einen Frieden mit Ruland zu erschweren.

Dagegen drngte das Wiener Kabinett unausgesetzt auf einen baldigen Erla
der Autonomieerklrung. Es fand Untersttzung in deutschen politischen
und parlamentarischen Kreisen, so bei gewissen Abgeordneten des Zentrums
und der Freisinnigen Volkspartei -- ich nenne nur die Namen Freiherr von
Rechenberg, Erzberger und Friedrich Naumann --, vor allem aber bei dem
Generalgouverneur von Beseler. Der Generalgouverneur hoffte, auf Grund
einer Autonomieerklrung in kurzer Zeit eine ansehnliche polnische Armee
aufstellen, ausbilden und im Kampf fr die Unabhngigkeit Polens Schulter
an Schulter mit den Zentralmchten ins Feld stellen zu knnen. Angesichts
der schweren Kmpfe, die uns fr das kommende Frhjahr bevorstanden, war
diese Aussicht fr die Oberste Heeresleitung eine groe Verlockung; die
Oberste Heeresleitung schlo sich dem General Beseler an und forderte
eine schleunige Entscheidung.

Der Kanzler war zu der berzeugung gekommen, da ein Separatfriede mit
Ruland auch von Strmer, der im Juli Ssasonoff als Minister des
Auswrtigen ersetzt hatte, nicht zu erlangen sei. Alle bisher dem Zaren
und der russischen Regierung auf den verschiedensten Wegen gemachten
Andeutungen, da wir fr einen billigen Frieden zu haben seien, auch die
Andeutung, da eine dem russischen Interesse Rechnung tragende Regelung
der Meerengenfrage bei unserem trkischen Bundesgenossen zu erreichen
sei, hatten kein Ergebnis gehabt. Insbesondere war eine im Frhjahr 1916
durch Vermittlung eines deutschen Groindustriellen und des japanischen
Gesandten in Stockholm gemachte Sondierung entgegen der getroffenen
Abrede von der russischen Regierung alsbald den Ententeregierungen
mitgeteilt worden.

Auerdem war Herr von Bethmann von der Notwendigkeit und Mglichkeit der
Errichtung eines sich an die Mittelmchte anlehnenden polnischen
Pufferstaates berzeugt. Er sah die groe Zukunftsgefahr fr Deutschland
in der gewaltigen und auch knftighin weiter wachsenden russischen Masse,
gegen deren Ansturm wir ein politisches und militrisches Vorfeld
schaffen mten.

Den Ausschlag dafr, da die im Grundsatz Mitte August in Wien
vereinbarte Proklamation der beiden Kaiser ber die Errichtung eines
selbstndigen Knigreichs Polen nicht lnger hinausgeschoben, sondern am
5. November 1916 verkndet wurde, gab jedoch das Drngen der
militrischen Stellen. Mein Bestehen darauf, da vorher zum mindesten
zwischen sterreich und uns, womglich aber auch zwischen der
prsumptiven polnischen Regierung und den beiden Mittelmchten alle
grundstzlichen Fragen politischer, militrischer und wirtschaftlicher
Art geregelt sein mten, war erfolglos.

Die Proklamation der beiden Kaiser war zunchst nur ein Programm und
sollte nur ein Programm sein; sie schuf den polnischen Staat noch nicht,
sondern stellte seine Errichtung als Ziel auf. Die Durchfhrung sollte
zwischen den beiden Mittelmchten und einflureichen polnischen Kreisen
erst noch vereinbart werden.

Die Wiener Regierung suchte sich sofort bei den Polen noch einen
besonderen Stein im Brett zu sichern, indem sie gleichzeitig mit dem
Zwei-Kaiser-Manifest ber die Errichtung des polnischen Staates, aber
ohne vorherige Verstndigung der deutschen Regierung, ein Kaiserliches
Manifest ber die Gewhrung einer erweiterten Autonomie an Galizien
verffentlichte.

Auf der anderen Seite griff der Generalgouverneur von Beseler den
weiteren Verhandlungen vor; er erlie, ohne vorherige Verstndigung mit
dem sterreichisch-ungarischen Generalgouverneur in Lublin und mit den
Berliner Stellen, am 13. November 1916 eine Verordnung ber die Bildung
eines Staatsrates und eines Vereinigten Landtages im Knigreich Polen.
Mit diesem nicht mehr rckgngig zu machenden Schritte, den der General
von Beseler mit der Notwendigkeit erklrte, den Boden fr die Werbung der
polnischen Freiwilligen-Armee vorzubereiten, war der polnische Staat aus
dem Stadium des Programms ohne weiteres in das Stadium der Durchfhrung
hinbergefhrt worden.

Zu dem Nebeneinander der sterreichischen Verwaltung im Lubliner Bezirk
und der deutschen Verwaltung im Warschauer Bezirk kam nun noch das
Kondominium der beiden Zentralmchte beim Staatsrat. Die Polen, die gar
nicht genug auf dem einmal betretenen Weg des Ausbaues ihres Staates
weiterdrngen konnten, hatten die schnste Gelegenheit, die deutschen und
die sterreichischen Vertreter gegeneinander auszuspielen. Die
Verhltnisse waren bald so unerquicklich wie nur mglich.

Es wurde im weiteren Verlauf der Dinge immer klarer, da sterreich,
trotz der bei den Verhandlungen vor dem Erla der Novemberproklamation
gegebenen Zusagen, auch weiterhin darauf ausging, sich Polen in
irgendeiner Form anzugliedern, und da es fr diese Lsung in Polen
selbst eine umfangreiche Agitation entfalten lie.

Zunchst wurde von sterreichischer Seite die Ernennung des Erzherzogs
Karl Stephan zum Regenten und spterhin zum Knig von Polen eifrig
propagiert.

ber diesen Gedanken wurde in den ersten Apriltagen 1917 im deutschen
Hauptquartier zwischen den beiden Kaisern eine Unterhaltung gefhrt. Nach
Wien zurckgekehrt, suchte Kaiser Karl auf dem Wege telegraphischer
Korrespondenz den Kaiser Wilhelm auf die alsbaldige Ernennung des
Erzherzogs zum Regenten und seine Designation zum Knig von Polen
festzulegen. Kaiser Wilhelm wiegelte jedoch ab mit dem Hinweis, da nach
seiner Ansicht jeder weitere Schritt vermieden werden msse, der eine
Verstndigung mit dem neuen Ruland erschweren knne.

Spterhin wurde von sterreichischer Seite die sogenannte
austro-polnische Lsung angeregt, nach der das neue aus Russisch-Polen
und Galizien bestehende Knigreich zum mindesten durch Personalunion mit
der sterreichisch-ungarischen Monarchie verbunden werden sollte; nachdem
die sterreichische Regierung das Gefhl gewonnen hatte, da die deutsche
Regierung diesen Gedanken nicht a limine abweisen wrde, ging sie weiter
und verlangte auch die wirtschaftliche, insbesondere die zollpolitische
Angliederung Polens an die sterreichisch-ungarische Monarchie. Die
groen deutschen Interessen, die in der polnischen Frage auf dem Spiel
standen, konnten bei aller Geneigtheit, dem Bundesgenossen in einer so
tief in seine staatlichen Verhltnisse einschneidenden Frage Verstndnis
und Entgegenkommen zu zeigen, nicht mit einer leichten Handbewegung zur
Seite geschoben werden.

sterreich suchte seinen Wnschen den Boden zu bereiten vor allem durch
eine eifrige Untersttzung der polnischen Forderungen auf einen
beschleunigten Ausbau des polnischen Staatswesens.

Wir hatten klglich das entgegengesetzte Interesse. Nicht nur, da wir
uns die Mglichkeit einer Verstndigung mit Ruland ber Polen auch jetzt
noch offenhalten muten -- wir durften auch nicht bersehen, da Polen,
das fr sterreich abseits seiner Etappenstraen lag, fr uns
Etappengebiet war, das, solange der Krieg mit Ruland dauerte, im
Interesse des Zentrums unserer Ostfront unter allen Umstnden fest in
unserer Hand bleiben mute; wir durften ebensowenig bersehen, da die
Gesinnung der Polen gegenber ihren deutschen Befreiern auch nach der
Zwei-Kaiser-Proklamation keineswegs eine solche war, da wir unser Haupt
ruhig in ihren Scho legen konnten. Die Werbung des Generals von Beseler
war mehr als klglich gescheitert; die groe Masse der polnischen
Bevlkerung sah in uns nach wie vor den Feind.

Trotzdem fand das polnische und sterreichische Drngen auf einen
beschleunigten Ausbau des polnischen Staates im deutschen Reichstag
eifrige Befrworter. Im August 1917, in einem Augenblick, in dem der
polnische Staatsrat sich demonstrativ aufgelst hatte, weil die zu mehr
als drei Vierteln aus sterreichischen Staatsangehrigen bestehende
Polnische Legion Befehl zum Abmarsch an die russische Front erhalten
hatte, brachten Zentrum, Freisinnige und Sozialdemokraten im
Hauptausschu des Reichstags einen Antrag ein, der u. a. die sofortige
Schaffung eines polnischen Ministeriums und die unverzgliche Umwandlung
des Staatsrates in eine Volksvertretung verlangte. Einer der Herren
Antragsteller verlangte in seiner Begrndung sogar die bertragung der
Polizei an die Polen; ein anderer, der heute ein hohes Staatsamt
bekleidet, hatte sogar die Naivitt, uns vorzuhalten, ein hervorragendes
Mitglied des polnischen Staatsrates habe ihm gesagt, Graf Czernin habe
erklrt, die Wiener Regierung sei zur Erfllung der polnischen Wnsche
bereit, wenn nur die deutsche Regierung nicht Widerstand leiste -- das
alles noch dazu in Gegenwart der fhrenden Mitglieder der polnischen
Fraktion des Reichstages!

Eine Einigung zwischen Berlin und Wien ber die polnische Frage wurde
auch spterhin nicht erzielt. Die Meinungsverschiedenheiten erfuhren
vielmehr in der kritischen Zeit des Krieges, wie ich weiter unten
darstellen werde, eine erneute Zuspitzung.


    Die Bestrebungen auf wirtschaftliche Annherung zwischen
                Deutschland und sterreich-Ungarn

Whrend die unselige polnische Frage eine Quelle von Reibungen und
Verstimmungen zwischen den beiden Verbndeten war, schienen die
Bestrebungen nach einem wirtschaftlichen Zusammenschlu ein neues und
starkes Band um Deutschland und sterreich schlingen zu wollen. Das
Naumannsche Buch ber Mitteleuropa fand nicht nur in Deutschland, sondern
wohl noch mehr in sterreich eine begeisterte Leserschaft. Als Naumann in
Wien in einer groen Versammlung persnlich seine Gedanken entwickelte,
wurde er von den Zuhrern wie der Knder einer neuen Zeit gefeiert.

Der alte Kaiser Franz Joseph hat mir damals, im Februar 1916, ber das
Wirtschaftsbndnis ein nachdenkliches Wort gesagt: Es wird ber die
Sache zu viel geredet, und das ist schade. Das war in der Tat schade;
denn die groen Schwierigkeiten, die in der Sache lagen, konnten mit den
Mitteln der Beredsamkeit nicht berwunden, wohl aber gelegentlich noch
vergrert werden.

Diese Schwierigkeiten erhellten schon aus der Tatsache, da von dem
gesamten Auenhandel Deutschlands nur etwa 9 Prozent auf den Handel mit
sterreich-Ungarn kamen, von dem sterreichisch-ungarischen Auenhandel
dagegen nicht weniger als 42 Prozent auf den Handel mit Deutschland. Eine
handelspolitische Einigung zwischen Deutschland und sterreich-Ungarn
lie also fr Deutschland die Sorge fr neun Zehntel seines Auenhandels
offen, fr sterreich-Ungarn dagegen nur fr zwei Fnftel. Fr
Deutschland war infolgedessen eine Einigung auf Grundlagen, die seine
Handelsbeziehungen mit den brigen Lndern erschweren muten, also vor
allem eine Einigung auf Grund eines Systems von Vorzugszllen,
schlechthin unannehmbar, whrend die sterreichischen und ungarischen
Anhnger des Gedankens der wirtschaftlichen Annherung gerade auf ein
System gegenseitiger Vorzugszlle hinarbeiteten.

Mein eigener Gedanke, den ich den sterreichisch-ungarischen
Prferenzideen gegenberstellte, kam hinaus auf die Schaffung einer
weitgehenden wirtschaftlichen Gemeinschaft zwischen den beiden Reichen,
die nicht nur das Zollwesen, sondern auch das Niederlassungsrecht, das
Handelsrecht (einschlielich des Rechtes der Handelsgesellschaften) und
das Verkehrswesen (Eisenbahnen und Binnenwasserstraen) umfassen sollte.
Speziell auf dem Gebiet des Zollwesens erstrebte ich ein einheitliches
Zolltarifgesetz mit einem einheitlichen Zolltarifschema und mit im groen
ganzen einheitlichen Zollstzen nach auen und wenigen Ausgleichszllen
im Innern. Den starken Widerstand der sterreichischen und der mit
knstlichen Mitteln grogezogenen ungarischen Industrie hoffte ich durch
Manahmen auf dem Gebiete der Syndizierung und Kartellierung berwinden
zu knnen. Es ist mir schlielich auch gelungen, den Grafen Tisza, der
vorher dem Gedanken der wirtschaftlichen Annherung durchaus ablehnend
gegenbergestanden hatte, fr Verhandlungen auf dieser Grundlage zu
gewinnen.

Die Verhandlungen, bei denen die sterreichischen und ungarischen
Kommissare mit groer Hartnckigkeit immer wieder auf das fr uns
schlechterdings unannehmbare Prferenzsystem zurckkamen, zogen sich
lange ber mein Ausscheiden aus meinen mtern hin und waren noch nicht
abgeschlossen, als im Herbst 1918 die Katastrophe eintrat.


       Die sterreichisch-ungarischen Friedensbestrebungen

In diesem Nebeneinander von Interessengemeinschaften und
Interessengegenstzen trat eines immer klarer zutage: die
zunehmende Kriegsmdigkeit unseres Verbndeten. Die Vlker der
sterreichisch-ungarischen Monarchie litten infolge der laxeren
Verwaltung und schlechteren Organisation noch strker unter dem Druck des
Krieges als das deutsche Volk. Ihre moralische Widerstandskraft gegenber
diesem Druck war geringer; denn fr den Tschechen, Polen, Slowaken,
Rumnen war der Krieg nicht, wie fr das deutsche Volk, ein Kampf um das
nationale Dasein. Dazu kam fr die leitenden Kreise der Monarchie
zweifellos das durch die Entwicklung des Krieges ausgelste drckende
Gefhl der Abhngigkeit von Deutschland. Der durch den U-Bootkrieg
veranlate Eintritt Amerikas in den Kampf gegen die Mittelmchte, ferner
die russische Revolution, die auf die sterreichischen Slawen
unmittelbarer einwirkte als auf die deutschen Massen, muten die
Kriegsmdigkeit unseres Bundesgenossen noch steigern.

Gegen Ende Mrz 1917 war Graf Czernin fr zwei Tage in Berlin. Er sprach
bei dieser Gelegenheit sehr offen aus, da sterreich-Ungarn den Krieg
nicht mehr lange werde fortsetzen knnen; ein weiterer Winterfeldzug sei
jedenfalls eine Unmglichkeit.

In den ersten Apriltagen kam Graf Czernin in Begleitung des Kaisers Karl
und der Kaiserin Zita nach dem deutschen Hauptquartier, wohin sich auch
der Kanzler und der Staatssekretr Zimmermann begaben. Kaiser Karl gab
eine hnliche Schilderung der Lage, wie sie Graf Czernin in Berlin
gegeben hatte. Bestimmte Vorschlge machte er jedoch ebensowenig wie sein
Minister des uern. Soweit ich unterrichtet bin, fiel nur in Form einer
sondierenden Andeutung die Bemerkung: am besten wre es, wenn wir
Elsa-Lothringen den Franzosen anbten, um auf diese Weise zum Frieden zu
kommen; sterreich-Ungarn sei an sich bereit, ganz Galizien und auch das
Trentino herzugeben, das habe aber keinen praktischen Zweck, denn der
Friede knne nur im Westen gemacht werden. Die Kriegslage wurde bei uns,
zumal da die russische Revolution uns die Befreiung von unserm groen
stlichen Feinde in Aussicht stellte, in keiner Weise als derartig
angesehen, da die Preisgabe der Reichslande auch nur htte in Erwgung
gezogen werden knnen.

Am 14. April lie Kaiser Karl durch einen persnlichen Adjutanten an
Kaiser Wilhelm ein Handschreiben berbringen, dem ein Bericht des Grafen
Czernin vom 12. April beigefgt war.

In diesem Berichte fhrte Graf Czernin im wesentlichen aus:

Die militrische Kraft der Monarchie gehe ihrem Ende entgegen. Die
Rohmaterialien fr die Munitionserzeugung gingen zur Neige. Dumpfe
Verzweiflung habe sich aller Volksschichten bemchtigt. Im Sptsommer
oder Herbst msse um jeden Preis Schlu gemacht werden. Der Krieg, der in
der Weltgeschichte ohne Vorbild sei, habe fr ganz Europa die
revolutionre Gefahr heraufbeschworen. Auf die sterreichischen Slawen
wirke die russische Revolution strker als auf die Reichsdeutschen; aber
auch die innere Situation Deutschlands sei nicht wesentlich anders als
diejenige sterreich-Ungarns. Eine weitere Winterkampagne werde auch in
Deutschland Umwlzungen hervorrufen, die dem verantwortlichen Verteidiger
des dynastischen Prinzips viel rger erscheinen mten als ein von den
Monarchen geschlossener schlechter Friede. Die amerikanische
Kriegserklrung habe die Situation zweifellos wesentlich verschrft. Der
Fortgang der russischen Ereignisse lasse sich noch nicht bersehen. Eine
franzsisch-englische, wahrscheinlich auch eine italienische Offensive
stnden unmittelbar bevor. Wenn es gelungen sei, in etwa zwei bis drei
Monaten diese Angriffe abzuschlagen, dann mssen wir, bevor Amerika das
militrische Bild neuerdings zu unseren Ungunsten verschiebt, einen
weitergehenden detaillierten Friedensvorschlag machen und uns nicht davor
scheuen, eventuell groe und schwere Opfer zu bringen. Die deutschen
Hoffnungen auf den U-Bootkrieg halte er fr trgerisch. Admiral von
Holtzendorff habe vorausgesagt, der verschrfte U-Bootkrieg werde England
binnen sechs Monaten mattsetzen. Es seien seither zweieinhalb Monate
vergangen, und an einen Niederbruch Englands sei auch nicht einmal zu
denken. Auch in einigen Monaten werde England nicht gezwungen sein, die
Waffen niederzulegen, aber es werde sich dann vielleicht die Rechnung
stellen, ob es klug und vernnftig sei, diesen Krieg  outrance zu
fhren, oder ob es nicht staatsmnnischer sei, goldene Brcken zu
betreten, wenn ihm dieselben von den Zentralmchten gebaut werden; dann
wre der Augenblick gekommen fr weitgehende schmerzliche Opfer der
Zentralmchte. Der Kaiser Karl habe die wiederholten Versuche der
Feinde, ihn von seinem Bundesgenossen zu trennen, abgelehnt; aber
gleichzeitig habe der Kaiser ihn, den Grafen Czernin, beauftragt, den
deutschen Staatsmnnern zu sagen, da sterreich-Ungarn am Ende seiner
Krfte sei und da Deutschland ber den Sommer hinaus nicht mehr auf
sterreich-Ungarn werde rechnen knnen. Er habe diesen Befehl ausgefhrt,
und die deutschen Staatsmnner htten ihm keinen Zweifel darber
gelassen, da auch fr Deutschland eine weitere Winterkampagne ein Ding
der Unmglichkeit sei. Wenn sich nicht in einigen Wochen die Mglichkeit
ergbe, mit Paris oder Petersburg zu sprechen, dann msse noch
rechtzeitig die letzte Karte ausgespielt und die angedeutete uerste
Proposition gemacht werden.

Dieser Schritt des sterreichischen Kaisers und des Grafen Czernin, der
wie die Drohung einer befristeten Aufkndigung der Waffenbrderschaft
aussah, berraschte um so mehr, als die Befrwortung weitgehender
schmerzlicher Opfer Hand in Hand ging mit den sterreichischen
Aspirationen auf Polen. Bei demselben Besuch im deutschen Groen
Hauptquartier, bei dem Kaiser Karl den Deutschen Kaiser auf die
sofortige Ernennung des Erzherzogs Karl Stephan zum Regenten und seine
Designierung zum Knig von Polen festzulegen suchte, machte er uns mit
dem Grafen Czernin die Zumutung, da wir Elsa-Lothringen herausgeben
sollten. Und an demselben 13. April, an dem der Kaiser Karl die
Denkschrift des Grafen Czernin an Kaiser Wilhelm abschickte, sandte er
ihm ein Telegramm, in dem er die Zustimmung des Deutschen Kaisers erbat,
dem Erzherzog Karl Stephan Mitteilung von den ihn betreffenden Absichten
machen zu drfen!

Bekannt war uns ferner, da seit einiger Zeit der frhere
sterreichisch-ungarische Botschafter in London, Graf Mensdorff, in der
Schweiz weilte, um dort mit Vertrauensleuten der Entente Fhlung zu
nehmen.

Nicht bekannt dagegen war uns damals der im Frhjahr 1918 von der
franzsischen Regierung verffentlichte Brief des Kaisers Karl an seinen
Schwager, den Prinzen Sixtus von Parma. In diesem Briefe hie es nach der
franzsischen Version, die zunchst von der Wiener Regierung als
verflscht bezeichnet worden ist, an deren Richtigkeit aber nach dem
Verlauf der Auseinandersetzung zwischen Herrn Clemenceau und dem Grafen
Czernin ein Zweifel wohl kaum mehr mglich ist:

Mein lieber Sixtus! -- Das Ende des dritten Jahres des Krieges, der so
viel Trauer und so viel Schmerzen in die Welt brachte, rckt heran. Alle
Vlker meines Reiches sind enger als je vereint im gemeinsamen Willen,
die Integritt der Monarchie selbst um den Preis der schwersten Opfer zu
erhalten... Niemand drfte die von meinen Truppen davongetragenen
militrischen Vorteile bestreiten, besonders die auf dem
Balkankriegsschauplatz. Seinerseits hat Frankreich eine prchtige
Widerstandskraft und Begeisterung gezeigt. Wir alle bewundern rckhaltlos
die wunderbare traditionelle Tapferkeit seiner Armeen und den Opfergeist
des ganzen franzsischen Volkes. Deshalb ist es mir besonders angenehm,
zu sehen, da, obwohl wir augenblicklich Gegner sind, kein
Auseinandergehen der Gesichtspunkte oder Aspirationen mein Reich von
Frankreich trennt. Ich bin berechtigt, hoffen zu drfen, da meine
lebhaften Sympathien fr Frankreich, vereint mit jenen, die in der
Monarchie herrschen, auf immerdar die Rckkehr eines Kriegszustandes
vermeiden werden, fr den mir keine Verantwortung zufllt. Zu diesem
Zweck und um die Echtheit dieser Gefhle auf bestimmte Art kundzutun,
bitte ich Dich, geheim und inoffiziell Herrn Poincar, dem Prsidenten
der franzsischen Republik, mitzuteilen, da ich mit allen Mitteln und
unter Aufbietung alles meines persnlichen Einflusses bei meinem
Verbndeten die gerechten franzsischen Ansprche hinsichtlich
Elsa-Lothringens untersttzen werde.

Der Brief sprach dann ber Belgien, das wiederhergestellt und entschdigt
werden msse, und ber Serbien, das gleichfalls wiederhergestellt werden
und einen Ausgang nach der Adria erhalten solle, allerdings unter der
Bedingung, da es sich unter Garantie der Ententemchte zur Unterdrckung
jeder gegen sterreich-Ungarn gerichteten Agitation verpflichte.
Vorschlge ber Ruland mten bis zur Konstituierung einer gesetzlichen
und endgltigen Regierung vorbehalten bleiben. Der Brief schlo:

Nachdem ich meine Gedanken dargelegt habe, bitte ich Dich, mir
Deinerseits nach Besprechung mit den beiden Mchten zuerst die Meinung
Frankreichs, dann diejenige Englands auseinanderzusetzen, um dergestalt
eine Grundlage vorzubereiten, auf der offizielle Besprechungen begonnen
werden knnen.

Dieser Brief wurde von dem Prinzen Sixtus dem Prsidenten Poincar in
Urschrift vorgelegt; mit Zustimmung des Prinzen wurde eine Abschrift an
den franzsischen Ministerprsidenten und Minister des ueren Herrn
Ribot weitergegeben; er war vom 31. Mrz 1917 datiert, war also
geschrieben und abgesandt wenige Tage vor dem Besuch des sterreichischen
Kaiserpaares im deutschen Hauptquartier, bei dem die polnische Krone fr
den Erzherzog Karl Stephan gesichert werden sollte und bei dem Kaiser
Karl und Graf Czernin beilufig die Abtretung Elsa-Lothringens als
Mittel zur Beendigung des Krieges empfahlen; zwlf Tage vor der
bersendung der Denkschrift des Grafen Czernin, in der von weitgehenden
schmerzlichen Opfern zwecks Herbeifhrung des Friedens gesprochen
wurde.

Der Brief des Kaisers Karl lt erkennen, da dieser fr sich die
Integritt der Monarchie erhalten wollte, selbst um den Preis der
schwersten Opfer; da er sich andererseits gegenber den Franzosen
bereit erklrte, auf uns wegen der Herausgabe Elsa-Lothringens den
strksten Druck auszuben; dies, nachdem unsere Truppen ihm die Monarchie
vor den Russen und Rumnen gerettet, Galizien und Siebenbrgen
wiedererobert hatten!

Aber der Kaiserbrief war damals noch nicht bekannt. Bei allem Mitrauen,
das auch schon aus dem fr uns sichtbaren Verhalten des sterreichischen
Kaisers und seiner Umgebung sich ergeben mute, erforderte die
Denkschrift des Grafen Czernin eine sachliche Prfung und eine sachliche
Erwiderung.

Auch bei uns war man von dem fortdauernden und zunehmenden Ernst der Lage
durchdrungen, und gerade das zweifelhafte Verhalten unseres
Bundesgenossen war dazu angetan, den Ernst der Lage noch zu verschrfen.
Aber man sah bei uns weder die militrische, noch die maritime, noch die
innere Lage so hoffnungslos an, wie Graf Czernin sie seinem Kaiser zum
Zwecke des Druckes auf Deutschland gemalt hatte. Ich glaube auch nicht,
da irgendein deutscher Staatsmann dem Grafen Czernin gegenber einen
weiteren Winterfeldzug fr ein Ding der Unmglichkeit erklrt haben
kann, so sehr wir alle mit dem Grafen Czernin darber einig waren, da
man, wenn irgend mglich, den Krieg vor dem Winter zu Ende bringen
msse. Das erschien jedoch nur erreichbar, wenn es gelang, einen
moralischen Zusammenbruch sowohl des eigenen Volkes wie des
sterreichisch-ungarischen Bundesgenossen zu verhindern und in der
entscheidenden Zeit die Zuversicht aufrechtzuerhalten.

Die oberste Heeresleitung hob in ihrer Stellungnahme zu der Denkschrift
des Grafen Czernin die starke militrische Entlastung hervor, die damals
schon die russische Revolution fr die Ostfront bedeutete; im Westen sei
es gelungen, die groe Offensive der Feinde aufzufangen, unsere Position
sei so stark und achtunggebietend, da wir jedem militrischen Ereignis
mit vollem Vertrauen entgegensehen knnen und auch in der Lage sein
werden, den Kampf auch ohne sterreich fortzusetzen. Durch die
Entlastung im Osten werde aber auch sterreich-Ungarn gengende Truppen
fr die Durchfhrung der Kmpfe an der italienischen Front bis zur
Beendigung des Krieges haben. Der Ausgang des Krieges sei mehr wie je
eine Nervenfrage geworden. Auch bei unseren Gegnern sei das
Friedensbedrfnis stark; zeigten wir jetzt zu viel Entgegenkommen, so
wrden sie glauben, da unser Friedensbedrfnis grer sei als das
ihrige, und sich ablehnend verhalten. Nur indem wir unseren Willen zum
Weiterkmpfen offen bekundeten, wrden wir zu aussichtsvollen
Friedensverhandlungen gelangen.

Der Admiralstab wies auf die bis dahin erzielten groen Erfolge des
uneingeschrnkten U-Bootkriegs hin; in den zweieinhalb Monaten seit
seiner Erffnung seien 2 Millionen Tonnen, etwa ein Fnftel des auf
England fahrenden Schiffsraums, versenkt worden. Ein Monat U-Bootkrieg
vernichte mehr Tonnage, als England im ganzen Jahr 1916 ausgebaut habe.
Die angekndigten tausend amerikanischen Holzschiffe wrden nur den
Verlust von vier Monaten decken, wenn sie schon da wren; sie wrden aber
zu spt kommen. Die aus England vorliegenden Nachrichten zeigten, da
Vorrte, die eine Lcke in der Zufuhr berbrcken knnten, nicht
vorhanden seien. Schon jetzt, nach zweieinhalb Monaten, msse den
verantwortlichen Personen in England klar werden, da der U-Bootkrieg die
Lebenshaltung der Bevlkerung auf ein unertrgliches Ma herabdrcken und
die Kriegsindustrie so beeintrchtigen werde, da die Hoffnung,
Deutschland durch bermacht an Munition und Geschtzen zu schlagen,
aufgegeben werden msse.

Die Erwiderung des Reichskanzlers auf die Denkschrift des Grafen Czernin
wurde am 4. Mai dem Kaiser vorgelegt. Sie sttzte sich in ihren
Ausfhrungen ber die militrische Lage und den U-Bootkrieg auf die
uerungen der Obersten Heeresleitung und des Admiralstabs und nahm
auerdem Bezug auf eine Rede, die ich am 28. April im Hauptausschu des
Reichstages in Kenntnis der sterreichischen Zweifel ber die Wirkungen
des U-Bootkriegs und nicht zum wenigsten in der Absicht, diesen Zweifeln
entgegenzuwirken, gehalten hatte. Sie fgte hinzu:

Geheimen, aber sicheren Nachrichten zufolge hat Ministerprsident Ribot
krzlich zum italienischen Botschafter in Paris geuert, Frankreich
ginge der Erschpfung entgegen. Unsere eigene innere Lage sei infolge
des langen Krieges und der Abgeschlossenheit vom Weltmeer schwierig, aber
er, der Kanzler, habe das feste Vertrauen, da es gelingen werde, die
Schwierigkeiten ohne dauernde Gefhrdung der Volkskraft und ohne
Bedrohung des staatlichen Gefges zu berwinden. Gleichwohl stimme er mit
dem Grafen Czernin voll berein in der Verfolgung des Zieles, einen
ehrenvollen, den Interessen des Reiches und unserer Bundesgenossen
gerechtwerdenden Frieden so bald wie mglich herbeizufhren. Er teile
auch die Ansicht, da das wichtige Moment der Schwchung Rulands
ausgenutzt und da eine erneute Friedensaktion zu einem Zeitpunkt
eingeleitet werden mu, an dem die militrische und politische Initiative
noch in unseren Hnden ruht. Graf Czernin selbst habe den Zeitpunkt
hierfr in zwei bis drei Monaten ins Auge gefat, an dem die feindlichen
Offensiven ihr Ende gefunden htten. In der Tat wrde gegenwrtig bei den
weitgespannten Erwartungen der Franzosen und Englnder eine zu stark
unterstrichene Friedensbereitschaft nicht nur zur Erfolglosigkeit
verdammt sein, sondern auch durch den in ihr ruhenden Schein der
hoffnungslosen Erschpfung der Mittelmchte die Krfte der Gegner neu
beleben. Augenblicklich wre ein allgemeiner Friede nur durch
Unterwerfung unter den Willen unserer Feinde zu erkaufen. Ein solcher
Friede aber wrde vom Volke nicht ertragen werden und verhngnisvolle
Gefahren fr die Monarchie heraufbeschwren. Die Entwicklung der
Ereignisse in Ruland drnge den Kampf der (russischen) Parteien immer
mehr auf die Friedensfrage; diese Entwicklung msse aufmerksam verfolgt
und begnstigt, kommende russische Sondierungsversuche mten zwar ohne
zur Schau getragenes Empressement, aber doch sachlich so behandelt
werden, da sie zu tatschlichen Friedensverhandlungen fhrten.

Da der hier gezeigte Weg -- unabhngig von der Frage des Erfolges des
U-Bootkriegs -- unter den damaligen Verhltnissen der einzig mgliche
war, hat die Entwicklung der nchsten Monate gezeigt; mehr noch die erst
spter bekanntgewordene und auch heute in deutschen Kreisen noch
auffallend wenig bekannte Folge, die die franzsische Regierung mit ihren
Verbndeten dem Brief des Kaisers Karl gegeben hat. Davon spter!

Graf Czernin selbst kam fr lngere Zeit nicht auf seine Anregung des mit
weitgehenden und schmerzlichen Opfern anzubietenden Friedens zurck. Im
Gegenteil, die Besprechungen, die er am 17. und 18. Mai 1917 erneut in
unserem Hauptquartier zu Kreuznach fhrte, bewegten sich auf ganz anderen
Grundlagen als denjenigen des Verzichtens und Opferns; es drehte sich bei
ihnen um politische Kompensationen von sehr erheblichem Umfang, die fr
den Fall einer Erweiterung des deutschen Machtbereiches nach Osten die
sterreichisch-ungarische Monarchie fr sich in Rumnien beanspruchte.

Auch hat sowohl der Gang der militrischen Ereignisse wie die Entwicklung
der inneren Verhltnisse in Deutschland und sterreich-Ungarn gezeigt,
da die Zentralmchte in ihren Heeren und Vlkern damals noch sehr
erheblicher Leistungen fhig und noch nicht darauf angewiesen waren, Hals
ber Kopf einen Frieden um jeden Preis zu schlieen. Die militrische wie
die innere Lage, so schwer sie war, gestattete, die Entwicklung in
Ruland abzuwarten und die sich aus dieser ergebenden Vorteile
wahrzunehmen. Sie gestattete auch noch die glnzende Herbstoffensive in
Venetien, den von dem Grafen Czernin als Ding der Unmglichkeit erklrten
Winterfeldzug und darber hinaus die gewaltige deutsche
Frhjahrsoffensive im Westen.

Es war also im Frhjahr 1917 noch kein Grund zu der von dem Grafen
Czernin propagierten Panikstimmung vorhanden. Die Diplomatie hatte fr
ihre Bettigung zur Herbeifhrung des Friedens noch einen reichlich
bemessenen Spielraum. Es kam jetzt in der Tat alles darauf an, da
Regierende und Regierte die Nerven behielten und da die Politik die sich
ihr im weiteren Verlauf der Ereignisse bietenden Gelegenheiten klug und
besonnen zur Herbeifhrung eines ertrglichen Friedens ausnutzte.
Besonnenheit und Klugheit war fr die deutsche Politik jetzt um so mehr
geboten, als der Schritt des Grafen Czernin vom April 1917 zeigte, da
auf unseren sterreichisch-ungarischen Bundesgenossen kein unbedingter
Verla mehr war.


                         Die innere Lage

                  Der Verfall des Burgfriedens

Als Ende Juli 1914 das gewaltige Schicksal des Krieges ber Deutschland
hereinbrach, fand es ein einiges Volk. Die berzeugung, da es gelte,
Haus und Herd gegen einen frevelhaften Angriff zu verteidigen, war,
ebenso wie der entschlossene Wille zur Verteidigung, Gemeingut aller
Stnde und Schichten. Alles Trennende trat hinter den einen Gedanken
zurck, da es gelte, das Vaterland aus schwerster Bedrngnis zu retten.

Das Wort des Kaisers: Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur
Deutsche war der Ausdruck der Stimmung, die das ganze Volk erfllte. Der
Burgfriede war das Kriegsgesetz der Heimat.

Auch diejenige Partei, die unsere Staats- und Gesellschaftsordnung
grundstzlich bekmpfte und ihre Ziele auf internationaler Grundlage zu
erreichen suchte, die Sozialdemokratie, stellte sich schtzend vor das
bedrohte Vaterland.

Am 4. August 1914 erklrte der Abgeordnete Haase als Sprecher der
Sozialdemokratischen Partei im Reichstag:

Es gilt, die Kultur und die Unabhngigkeit des eigenen Landes
sicherzustellen. Da machen wir wahr, was wir immer betont haben: Wir
lassen in der Stunde der Gefahr das eigene Vaterland nicht im Stich.

Der Kriegskredit und alle Kriegsgesetze wurden in jener Reichstagssitzung
einstimmig angenommen.

Der groe Aufschwung vaterlndischer Gesinnung verlor jedoch mit der
Dauer des Krieges an Kraft. Die Enttuschung der Hoffnungen auf ein
rasches und gutes Ende des Krieges, die schweren Verluste, von denen kaum
eine Familie verschont blieb, die Vernichtung zahlreicher Existenzen, die
wachsenden Schwierigkeiten der Volksernhrung, der Druck des
Belagerungszustandes -- das alles wirkte zusammen, um die Geschlossenheit
der inneren Front zu lockern.

Als der Reichstag am 10. Mrz 1915 den Etat fr 1915 und den dritten
Kriegskredit beriet, da kndigte die Sozialdemokratie bereits eine Reihe
politischer Forderungen an; es kam auch aus Anla einer Rede des
Abgeordneten Ledebour zu einem heftigen Auftritt. Aber Etat und
Kriegskredit wurden schlielich dieses Mal noch ohne Widerspruch
angenommen.

Bei dieser Gelegenheit wurde vom Bundesratstisch aus zum erstenmal das
Wort Neuorientierung ausgesprochen. Gegenber den aus dem Hause
geuerten Wnschen nach politischen Reformen fhrte mein Vorgnger im
Reichsamt des Innern, der Staatssekretr Delbrck, aus, der
Reichskanzler und die verbndeten Regierungen erkannten an, da die
groen Ereignisse, die der Krieg gebracht hat, uns vor die Notwendigkeit
stellen werden, zu prfen, inwieweit unsere innere Politik einer
Neuorientierung bedarf. Aber -- fgte er hinzu -- es ist auch
wiederholt darauf hingewiesen worden, da der Herr Reichskanzler und die
Verbndeten Regierungen der Meinung sind, da eine solche Prfung nicht
wohl angngig ist whrend des Krieges, mit Rcksicht darauf, da alle
Gegenstze, die die einzelnen Teile und Parteien unseres Volkes bewegen
und getrennt haben, soweit als mglich nicht diskutiert werden sollten,
solange unsere Heere an den Grenzen kmpfen; und an diesem Grundsatz
mssen die Verbndeten Regierungen festhalten.

Eine Neuorientierung wurde also in Aussicht gestellt, aber erst fr die
Zeit nach dem Kriege; solange der Krieg dauerte, sollte der Burgfriede
allem andern vorgehen.

Schon im Sommer 1915 verlie der Reichstag seinerseits diesen Standpunkt,
indem er einem Initiativantrag auf nderung des Vereinsgesetzes seine
Zustimmung gab. Die Reichsleitung hatte sich gegen die bisherige
Gepflogenheit an den Verhandlungen ber diesen Initiativantrag beteiligt.
Den Beschlssen des Reichstages stimmten zwar die Verbndeten Regierungen
nicht zu; aber sie brachten im Frhjahr 1916 ihrerseits eine Novelle zum
Vereinsgesetz an den Reichstag, durch die vorgesehen wurde, da die
Gewerkschaften und die entsprechenden Vereine der Arbeitgeber nicht den
fr politische Vereine geltenden Beschrnkungen unterliegen sollten. Die
Bedeutung der Novelle war in erster Linie eine deklaratorische; denn es
handelte sich darum, der ursprnglichen Absicht des Gesetzgebers
gegenber einer zu engen Auslegung des Vereinsgesetzes durch die Gerichte
und Verwaltungsbehrden Geltung zu verschaffen.

Dieser Gesetzentwurf war in parlamentarischer Behandlung, als ich am 1.
Juni 1916 das Reichsamt des Innern bernahm. Ebenso war damals schon die
Zustimmung der Verbndeten Regierungen zu einem schon vor Jahren vom
Reichstag angenommenen Initiativantrag behufs Aufhebung des
Jesuitengesetzes in die Wege geleitet.

Der Reichstag drngte weiter. Ich kam schon am 5. Juni bei der zweiten
Lesung der Novelle zum Vereinsgesetz in die Lage, zu diesem Drngen
Stellung zu nehmen. Ich fhrte damals aus:

Die Verbndeten Regierungen htten zwar geglaubt, berechtigten Wnschen
durch eine Deklaration des bestehenden Gesetzes Rechnung tragen zu
knnen, aber sie glaubten nicht, auf umstrittenem Boden nderungen
bestehender Gesetze vornehmen zu sollen, solange der Krieg noch dauere.
Bis dahin gehrten alle unsere Krfte der Verteidigung des Vaterlandes
und der Sicherstellung eines Friedens, der uns gestatte, unbehelligt von
auen unser Haus neu zu bestellen und die Arbeit an der Hebung des
gesamten Lebensstandes unseres Volkes wieder aufzunehmen. Die
Neubestellung unseres Hauses werde sich vollziehen auf der Grundlage des
Erlebnisses, das dieser Krieg fr unser Volk und fr jeden einzelnen von
uns bedeute. Im brderlichen Zusammenhalten, in der Gemeinsamkeit der
Taten und Opfer msse sich das gegenseitige Verhltnis der einzelnen
Berufsstnde, Klassen und Konfessionen wandeln und klren. Dem neuen
Inhalt unseres militrischen und staatlichen Daseins wrden sich neue
Formen anpassen. Die Aufgaben, die uns hier bevorstehen, sind so
umfassend und so weitschichtig, sie hngen auch so eng miteinander
zusammen, da es nicht angeht, die eine oder die andere Frage, mag sie
dem einzelnen auch noch so brennend und wichtig erscheinen, getrennt fr
sich vorweg zu behandeln.

Dieser Standpunkt wurde auch von der Mehrheit des Reichstags damals noch
geteilt.

Aber die groen Risse und Sprnge im Burgfrieden waren gleichwohl
unverkennbar. Nicht etwa nur auf dem Gebiet der inneren Politik, sondern
auch in der Frage der Kriegsziele und in der Frage der Kriegsmittel,
namentlich des U-Bootkriegs.

Von der einen Seite, die man sich gewhnt hat als alldeutsch zu
bezeichnen, wurden weitgesteckte Kriegsziele proklamiert, groe
territoriale Erwerbungen in West und Ost, zum mindesten die politische,
militrische und wirtschaftliche Beherrschung wichtiger, unseren Grenzen
vorgelagerter Gebiete. Vor allem wurde verlangt, da wir, um uns zu
sichern und um England jederzeit in Schach setzen zu knnen, Belgien und
die flandrische Kste fest in der Hand behalten mten; manche
verlangten darber hinaus, da wir durch die dauernde Festsetzung in
Calais und Boulogne die Ungunst der geographischen Lage Deutschlands zum
Weltmeer verbessern, aus dem nassen Dreieck herauskommen und den freien
Ausgang zum Kanal und Atlantischen Ozean gewinnen mten. Es waren nicht
die Schlechtesten der Nation, die fr solche Ziele sich einsetzten; ich
nenne nur den Grafen Zeppelin, der mir einmal sagte, der Krieg sei fr
uns verloren, wenn er uns nicht zum mindesten die belgische und
franzsisch-flandrische Kste bis ber Boulogne hinaus bringe. Es waren
auch nicht etwa nur die Alldeutschen, die sich fr so weitgehende Ziele
einsetzten; unter anderen hat z. B. Herr Erzberger, spter einer der
schrfsten Bekmpfer der alldeutschen Kriegsziele, im September 1914 in
einer an die Spitzen der Reichs- und Heeresleitung gerichteten
Denkschrift nicht nur die Annexion des Erzgebietes von Longwy und Briey,
die deutsche Oberherrschaft ber Belgien und das franzsische
Kstengebiet bis nach Boulogne, sondern auch den bergang der Cherbourg
vorgelagerten normannischen Inseln aus britischen in deutschen Besitz
verlangt!

Auf der anderen Seite wuchs in dem langen Krieg die Friedenssehnsucht.
Die pazifistische Propaganda fand von Monat zu Monat einen
aufnahmefhigeren Boden. Der einfache Mann aus dem Volke sah die
glnzenden Siege unserer Heere, er sah, da unsere Feinde von unseren
Grenzen ferngehalten oder, wo sie eingebrochen waren, wieder vertrieben
wurden; er sah, da wir in Ost und West weit in Feindesland standen.
Diese handgreiflichen Wahrnehmungen, die ber unsere wirkliche Lage
hinwegtuschten, fhrten auf der einen Seite zu der berspannung der
Kriegsziele; auf der anderen Seite aber bereiteten sie den Boden fr den
Eindruck, unser ursprngliches Verteidigungsziel sei erreicht,
Deutschland knne jeden Augenblick einen ehrenvollen, seinen Bestand und
seine Zukunft sichernden Frieden haben, wenn nur auf Eroberungsplne
Verzicht geleistet werde. Der wahre Sachverhalt, da unsere Feinde, trotz
unserer Abwehr- und Angriffserfolge auf den verschiedenen europischen
Kriegsschaupltzen, in keinem Augenblick bereit waren, mit uns einen
Frieden auf Grund unseres Standes vor dem Krieg zu machen -- dieser auch
von dem Grafen Czernin in seiner bereits mehrfach angefhrten Rede vom
Dezember 1918 ausdrcklich besttigte Sachverhalt --, war bei uns nur
wenigen klar und wollte jedenfalls dem einfachen Manne aus dem Volke
nicht in den Kopf.

Verschrft wurde der Streit um die Kriegsziele unverkennbar dadurch, da
der Gegensatz von Unternehmertum und Arbeiterschaft in diese
auenpolitische Frage stark hineinspielte. Die Fhrer und Verbnde
unserer groen Industrien, vor allem der Schwerindustrie, setzten sich
mit Nachdruck fr weitgespannte Kriegsziele ein, whrend die groe Masse
der Arbeiter vor allem den Frieden herbeisehnte. Eine hliche Agitation
brachte die Haltung des groindustriellen Unternehmertums in der Frage
der Kriegsziele in Zusammenhang mit den Gewinnen der Industrie aus
Kriegsauftrgen. Die Worte Kriegsgewinnler und Kriegsverlngerer
begannen die ffentliche Errterung der Kriegsziele zu vergiften.

Der Streit um den U-Bootkrieg, der vom Frhjahr 1916 an immer schrfere
Formen annahm, tat ein briges, um den Burgfrieden zu erledigen.

Diese Entwicklung mute natrlich auch in den parlamentarischen
Verhandlungen zum Ausdruck kommen.

Das Jahr 1915 war auf diesem Felde im groen ganzen noch friedlich
verlaufen. Aber schon am 24. Mrz 1916 richtete bei der Beratung des
Notetats fr das Rechnungsjahr 1916 der Abgeordnete Haase -- wie im
Verlauf der Sitzung durch den Abgeordneten Scheidemann festgestellt
worden ist, ohne von der sozialdemokratischen Fraktion dazu beauftragt zu
sein und ohne dieser auch nur Kenntnis von seiner Absicht zu
geben -- die heftigsten Angriffe gegen die Reichsregierung und die
Kriegsverlngerer; er erklrte, da er mit einer Anzahl von Freunden
den Notetat, ebenso wie spter den Hauptetat, ablehnen werde. Das
Auftreten Haases fhrte zu einem groen Tumult. Das Haus entzog ihm, von
dem Prsidenten befragt, das Wort, und sein Fraktionskollege Scheidemann
schttelte ihn unter Beifall und Hndeklatschen ab. Es kam zur Spaltung
der sozialdemokratischen Fraktion: der linke Flgel, die heutigen
Unabhngigen Sozialdemokraten schieden aus und schlossen sich als
Sozialdemokratische Arbeitsgemeinschaft zu einer besonderen Fraktion
zusammen.

Aber auch die alte sozialdemokratische Partei, die
Mehrheitssozialdemokraten machten eine wichtige Schwenkung. Sie hatten
schon gegen die Kriegssteuern gestimmt, soweit diese den Verbrauch und
Verkehr belasteten. Nun erklrte am 7. Juni 1916 bei der dritten Lesung
des Hauptetats fr das Jahr 1916 der Abgeordnete Ebert namens der
sozialdemokratischen Fraktion, da die Aufnahme der neuen Steuern in den
Etat sie veranlasse, gegen den Etat zu stimmen. Er fgte hinzu,
mitbestimmend fr diesen Entschlu der Etatsverweigerung sei gewesen, da
in der inneren Politik die notwendigsten Forderungen politischen und
sozialen Fortschritts unbercksichtigt geblieben seien. In der ersten
Periode des Krieges habe noch mit einem Schein von Berechtigung gesagt
werden knnen, da ein Ausbau der politischen Zustnde mitten im Krieg
allzu groe Schwierigkeiten bereite. In den zweiundzwanzig Kriegsmonaten
sei es jedoch sehr wohl mglich gewesen, die Bahn zum Neuen frei zu
machen. Noch immer verlaute nichts von der Reform des Klassenwahlrechtes
in Preuen und in anderen Bundesstaaten. Auf dem Gebiet der
Volksernhrung habe die Regierung nicht die ntige Entschlossenheit
aufgebracht. Statt durch die Aufhebung des Belagerungszustandes und der
Zensur dem deutschen Volke Vertrauen zu beweisen, dulde man Willkr und
Ausschreitungen der Behrden. In der Entwicklung von Recht und Freiheit
wie in der Besserung der wirtschaftlichen und sozialen Verhltnisse msse
dem Volke endlich ein weiteres Entgegenkommen bewiesen werden; da es die
Regierung bisher daran habe fehlen lassen, ergbe sich fr seine Fraktion
die Schlufolgerung, den Etat abzulehnen.

Die Mehrheitssozialdemokraten haben in der Folgezeit zwar den
Kriegskrediten zugestimmt, freilich niemals mehr ohne Schwanken und ohne
Verhandlungen; aber bei der Etatsverweigerung sind sie geblieben. Sie
haben damit ihre grundstzliche Oppositionsstellung wieder scharf
unterstrichen.

Diese Schwenkung der Sozialdemokratie mute als ein ernstes
Symptom genommen werden, zumal da bei ihr die Fhrer der
Mehrheitssozialdemokraten allem Anschein nach weniger die Fhrenden als
die von der Masse ihrer Partei Geschobenen waren. Die Wirkungen der
Leiden und Entbehrungen des langen und sich immer weiter verlngernden
Krieges auf die breiten Schichten des Volkes uerten sich in wachsender
Verdrossenheit und Unzufriedenheit. Wie immer in solchen Zeiten fanden
sich Leute, die ihren Beruf darin erblickten, unbekmmert um das Wohl des
Ganzen, die Mistimmung zu schren und die Massen aufzureizen. Die
Fhrer der Mehrheitssozialdemokraten gaben zwar durch ihre Haltung
gegenber den Leuten um Haase und Ledebour zu erkennen, da sie die
Politik der Aufreizung nicht mitmachen wollten; auch die Haltung der
sozialdemokratischen Gewerkschaften zeigte im groen ganzen Einsicht,
guten Willen und vaterlndische Gesinnung. Aber die Verweigerung des
Budgets fr 1916 und die von dem Abgeordneten Ebert gegebene Begrndung
besttigte, da diese Kreise es fr notwendig hielten, in ihrem Verhalten
zur Regierung und zu den anderen Parteien der Stimmung der den
Aufwiegelungen der Radikalen unterliegenden Massen Konzessionen zu
machen.

Ich brauche kein Wort darber zu verlieren, wie wichtig es fr den Gang
des Krieges und fr das Schicksal Deutschlands war, die Millionen der
sozialdemokratischen Arbeiterschaft bei der Fahne des Vaterlandes
festzuhalten. Jedem denkenden Menschen mute es als geradezu unmglich
erscheinen, den Krieg zu einem guten Ende zu fhren, wenn ein groer und
gut organisierter Teil des werkttigen Volkes grollend beiseite trat oder
gar dem Durchkmpfen des Krieges sich feindlich widersetzte. Hier lag
unsere grte Sorge. Vor allem Herr von Bethmann Hollweg war durchdrungen
davon, da die Erhaltung des guten Willens der Sozialdemokratie die
Schicksalsfrage des deutschen Volkes sei.

Mit dem Festhalten an starren Formeln und der grundstzlichen Ablehnung
einer jeden Forderung war diese groe und entscheidende Aufgabe
ebensowenig zu lsen wie mit hemmungsloser Nachgiebigkeit. Die
Aufrechterhaltung des festen Gefges unserer staatlichen Ordnung, die
Erhaltung der Disziplin und der Kampfesfreudigkeit unseres Heeres, die
Sicherung der Kriegsarbeit in der Heimat -- das waren die Grenzen, die
jeder Nachgiebigkeit gezogen waren. Darber, was innerhalb dieser Grenzen
notwendig und mglich sei, konnten allerdings die Meinungen erheblich
auseinandergehen.


             Innerpolitische Wnsche und Forderungen

Als ich das Reichsamt des Innern bernahm und alsbald bei der Beratung
der Novelle zum Vereinsgesetz vor weitgehende Antrge gestellt wurde,
vertrat ich zwar den bisher von der Reichsleitung und den Verbndeten
Regierungen eingenommenen Standpunkt, da die von meinem Vorgnger mit
dem ebenso unbestimmten wie verheiungsvoll klingenden Wort von der
Neuorientierung der inneren Politik in Aussicht gestellten Reformen
erst nach Sicherung des Friedens in Angriff genommen werden knnten. Aber
eine ernste Prfung war unausweichlich geworden, ob dieser Standpunkt
sich bei einer lngeren Dauer des Krieges aufrechterhalten lasse und was
geschehen knne, um die groen Massen des Volkes angesichts der
wachsenden Erschwerungen des tglichen Lebens und des immer zunehmenden
physischen und psychischen Druckes des Krieges fhig und willig zu Kampf
und Arbeit zu erhalten.

Dieses Ziel war nur erreichbar, wenn sich die breitesten Schichten des
Volkes davon berzeugten, da der Friede nicht an uferlosen
Eroberungsplnen scheiterte, sondern an dem Vernichtungswillen unsrer
Gegner. Die Aufgabe war eine schwierige und heikle. Denn die Beruhigung
des deutschen Volkes darber, da seine besten Shne nicht fr
Eroberungs- und Unterjochungsziele bluteten, da alle Leiden des Krieges
um unserer Verteidigung und Erhaltung willen getragen werden mten,
durfte nicht zur Ermutigung des Feindes und zur Zermrbung der eigenen
Kampfkraft werden, wenn anders sie nicht gerad kriegsverlngernd wirken
sollte. Deshalb bedurfte das deutliche Abrcken von berspannten
Kriegszielen als Gegengewicht eine ebenso krftige Abweisung der
bertriebenen Schwarzseherei und des Geistes der Niederlage. Die
schwierige Lage der Reichsleitung, deren an das eigene Volk sich
richtenden Worte stets auch vom Ausland gehrt und dort geschickt
ausgenutzt wurden, fand weder rechts noch links volles Verstndnis. Der
Kanzler sah sich bald in eine Kampfstellung gegenber den ihn scharf
angreifenden Alldeutschen gedrngt, whrend ich als Stellvertreter des
Reichskanzlers in meinem Bestreben, hier ergnzend zu wirken, je lnger
desto mehr die Angriffe der pazifistisch gerichteten Gruppen, namentlich
der Sozialdemokraten beider Richtungen, auf mich zog.

Auf dem Gebiet der Volksernhrung war angesichts der in ihrer Wirksamkeit
sich steigernden Hungerblockade eine durchgreifende Verbesserung der
Verhltnisse nicht zu erhoffen. Durch die mit meiner bernahme des
Reichsamts des Innern zusammenfallende Schaffung des Kriegsernhrungsamts
sollte die Organisation der Volksversorgung nach Mglichkeit
vervollkommnet werden. In dem Oberprsidenten von Batocki erhielt das
neue Amt einen ungewhnlich ideen- und kenntnisreichen, beweglichen und
ttigen Mann als Leiter. Aber niemand machte sich eine Illusion darber,
da auch die beste Organisation und die trefflichste Leitung kein
Kornfeld auf der flachen Hand wachsen lassen kann und da bis zum Ende
des Krieges und darber hinaus die Knappheit der Lebensmittel die
Widerstandskraft unseres Volkes auf die hrteste Probe stellen werde.

Blieb das Gebiet der inneren Politik.

Hier gingen die Beschwerden und Forderungen nach zwei verschiedenen
Richtungen: einmal auf Aufhebung oder Milderung der auf Grund des
Kriegszustandes verhngten Beschrnkungen der persnlichen Freiheit und
des politischen Lebens; dann auf eine freiheitliche Ausgestaltung unserer
gesamten politischen und sozialen Verhltnisse.

In ersterer Beziehung war es die Handhabung des Belagerungszustandes auf
Grund des alten und veralteten preuischen Gesetzes von 1851, die starke
Unzufriedenheit erregte, nicht nur bei den Sozialdemokraten, sondern
auch bei den brgerlichen Parteien. Besonders stark waren die Beschwerden
ber die Handhabung der Schutzhaft und der Zensur. Ich mute mich
berzeugen, da hier in der Tat schwere Mistnde vorlagen, die
Abstellung verlangten. Auf der anderen Seite war das -- brigens nur von
der uersten Linken geforderte -- Radikalmittel der gnzlichen Aufhebung
des Belagerungszustandes nicht anwendbar. Kein kriegfhrendes Land ist in
diesem Weltkrieg, der alle nationalen Krfte einspannte und auf alle
Gebiete des Lebens bergriff, ohne Beschrnkungen der persnlichen
Freiheit und der politischen Rechte ausgekommen. Praktisch in Betracht
kamen also nur Milderungen in der Handhabung. Darber waren recht
schwierige Verhandlungen mit den militrischen Stellen ntig, bei denen
so gut wie ausschlielich die Handhabung des Belagerungszustandes lag.
Solche Verhandlungen waren bereits unter meinen Vorgngern eingeleitet
worden. Ich habe mich bemht, sie zu einem guten Abschlu zu bringen.

Schon in den ersten Tagen nach der bernahme des Reichsamts des Innern
habe ich mich im Reichstag bereit erklrt, auf einen allmhlichen Abbau
der Zensur hinzuwirken. Ich mute mich allerdings bald berzeugen, wie
schwer es war, eine halbwegs vernnftige Handhabung der Zensur zu
erreichen. Bei allen Vorschriften ber eine Einschrnkung der Gebiete,
auf denen die Zensur ihres Amtes walten sollte, und bei allen
Verbesserungen der Organisation blieb die Durchfhrung abhngig von dem
oft mangelhaften Urteil und dem mitunter gleichfalls mangelhaften guten
Willen der zahlreichen ausfhrenden Organe.

Als im Herbst 1916 im Reichstag Initiativantrge auf Milderung des
Belagerungszustandes gestellt wurden, habe ich erklrt, da die Tendenz
der Antrge in der Richtung der Absichten der Verbndeten Regierungen
liege. Zu den Ausschuberatungen ber die Antrge habe ich Kommissare
entsandt, und schlielich habe ich die Annahme des vom Reichstag
beschlossenen Gesetzes ber die Schutzhaft gegen starke Bedenken und
Widerstnde der militrischen Stellen bei der preuischen Regierung und
im Bundesrat durchgesetzt. Aber auch nach dem Erla dieses Gesetzes
bedurfte es groer und fortgesetzter Anstrengungen, um die in dem Gesetz
gewhrleistete mildere Handhabung und die neuen Rechtsgarantien auch
tatschlich zu verwirklichen. Besonders schwierig lagen in dieser
Beziehung die Verhltnisse in Elsa-Lothringen, das zum grten Teil
Operationsgebiet war; hier bestanden die fr die Operationen
verantwortlichen militrischen Stellen auf unbedingter Bewegungsfreiheit
fr die von ihnen im militrischen Interesse fr notwendig gehaltenen
Manahmen.

Meine Bemhungen, auf dem Gebiet des Belagerungszustandes eine Besserung
herbeizufhren, wurden mir durch das Verhalten des Reichstags nicht
gerade erleichtert. Als Ende Oktober 1916 der Abgeordnete Dittmann von
der Unabhngigen Sozialdemokratie eine von bertreibungen strotzende und
sichtlich auf agitatorische Zwecke und aufreizende Wirkung berechnete
Rede hielt und ich ihm mit einiger Schrfe entgegentrat, hielt es der
nationalliberale Abgeordnete Dr. Paasche fr angezeigt, mir unter dem
Jubel der Sozialdemokraten und dem Beifall auch eines groen Teils der
brgerlichen Parteien in den Rcken zu fallen, weil ich ihm nicht genug
Entrstung ber die unerwiesenen Vorgnge ausgesprochen und mich
geweigert hatte, die beteiligten Beamten ungehrt zu verurteilen. Die
Unabhngigen Sozialdemokraten haben spterhin die Rede des Herrn Dittmann
und dessen Untersttzung durch Herrn Paasche in vielen Tausenden von
Druckheften fr ihre Agitation verwendet, namentlich auch innerhalb der
Marine.

Hinter der zum Teil berechtigten Erregung ber die Handhabung des
Belagerungszustandes traten noch in der ersten Zeit meiner Wirksamkeit
als Staatssekretr des Innern die Forderungen nach politischen und
sozialen Reformen zurck. Das Wort von der Neuorientierung war
allerdings zum Schlagwort geworden und spielte als solches in den
politischen Diskussionen eine groe Rolle. Aber wenn ich in
Unterhaltungen mit politischen Persnlichkeiten zu ergrnden versuchte,
was man sich an konkreten Reformen unter der Neuorientierung denke, so
stie ich doch meistens auf ziemlich nebelhafte Vorstellungen. Der Krieg
hatte das deutsche Volk und das Deutsche Reich nicht im Zustand der
Stagnation und Verrottung, sondern im Zustand krftigen Fortschritts auf
allen Gebieten des ffentlichen Lebens getroffen. Manche Schlacken der
Vergangenheit hafteten unseren innerpolitischen Zustnden noch an, die
abgestoen werden muten. Aber alles in allem erfreute sich bei uns der
Staatsbrger derselben Rechtsgarantien fr seine persnliche Freiheit wie
der Franzose oder Englnder; wir hatten, wenigstens im Reich, ein
freieres Wahlrecht als unsere westlichen Nachbarn; wir hatten, wenn man
Reich, Einzelstaaten und Kommunen zusammennimmt, ein System der
Besteuerung, das dem franzsischen an Gerechtigkeit weit berlegen war
und dem England erst kurz vor dem Krieg durch die Reform seiner
Einkommenbesteuerung sich angenhert hatte; wir marschierten schlielich
in der Sozialpolitik unbestritten an der Spitze der europischen Staaten.
Das Deutsche Reich von 1914 war ein anderes Gebilde als das Preuen von
1806. Der unklare Vergleich dessen, was da kommen msse, mit den
Stein-Hardenbergschen Reformen hatte also keine innere Berechtigung.

Damit will ich nicht sagen, da nicht vieles und Wichtiges in unserem
Staatsleben zu bessern gewesen wre. Ein groer Teil davon lag auf dem
Weg der ruhigen Fortentwicklung des bereits Vorhandenen; das gilt
namentlich von den sozialpolitischen Problemen. In anderen Fragen waren
gesetzgeberische Eingriffe und Verfassungsnderungen notwendig; so
namentlich in der lngst flligen Reform des preuischen Wahlrechts. In
manchen und nicht den unwichtigsten Dingen konnten entscheidende
Besserungen auf Grund der geltenden Gesetze und Verfassungsbestimmungen
im Wege der Handhabung herbeigefhrt werden; so vor allem in dem
Verhltnis von Regierung und Volksvertretung.

Aber unter den unmittelbar drckenden Sorgen und Aufgaben des Krieges
traten die nach diesen Richtungen gehenden Wnsche zunchst zurck, nicht
nur bei der Reichsleitung, sondern auch bei den Parteien. Vielleicht
sogar bei den Parteien noch mehr als bei der Reichsleitung. Wenigstens
hat der Kanzler schon frhzeitig Vorarbeiten fr eine grndliche Reform
des preuischen Wahlrechts veranlat; ebenso hat er zum Zweck einer
engeren Fhlung zwischen Reichsleitung und Reichstag die Berufung
geeigneter Abgeordneter in die Regierung schon zu einer Zeit in Erwgung
gezogen, als aus der Mitte des Reichstags noch keine Wnsche nach dieser
Richtung hin laut geworden waren.

Erst mit der russischen Revolution im Mrz 1917 traten die
innerpolitischen Fragen auch fr Deutschland neben den bisher alles
beherrschenden Kriegsfragen in den Vordergrund.


  Die Gestaltung der innerpolitischen Lage unter der Einwirkung
                    der russischen Revolution

Ein Zufall wollte es, da der Kanzler in seiner Eigenschaft als
preuischer Ministerprsident am 14. Mrz, an dem Tage, an dessen Abend
die ersten Nachrichten ber den Ausbruch der russischen Revolution bei
uns eintrafen, und ehe er von diesem Ereignis Kenntnis hatte, im
Abgeordnetenhaus erschien und dort ein ebenso berzeugtes wie
berzeugendes Bekenntnis fr die Notwendigkeit innerpolitischer Reformen
ablegte. Veranlat wurde er zu diesem Auftreten durch Errterungen, die
kurz zuvor aus Anla der Ditenvorlage im Preuischen Herrenhaus
stattgefunden hatten; dabei hatten die Sprecher der Rechten mit groem
Nachdruck den altkonservativen Standpunkt hervorgekehrt, und zwar unter
scharfen Angriffen auf die Bestrebungen nach parlamentarischer
Machterweiterung und auf den Kanzler, der diesen Bestrebungen nicht den
ntigen Widerstand entgegensetze.

Der Kanzler sprach in seiner Erwiderung die unerschtterliche berzeugung
aus, da das Erleben des Krieges zu einer Umgestaltung unseres
politischen Lebens fhren msse, allen Widerstnden zum Trotz. Er fgte
hinzu:

Wren wir nicht gewillt, alle die Folgerungen, die sich aus dem Erleben
dieses Krieges ergeben, entschlossen zu ziehen in allen Fragen des
politischen Lebens, in der Regelung des Arbeitsrechtes, in der Regelung
des preuischen Wahlrechts, bei der Ordnung des Landtags im ganzen --
wenn wir nicht das tun, dann gehen wir inneren Erschtterungen entgegen,
deren Tragweite kein Mensch bersehen kann. Ich werde diese Schuld nicht
auf mich laden.

Zwei Wochen spter, am 29. Mrz 1917, hatte der Reichstag seine erste
groe innerpolitische Aussprache seit dem Beginn des Krieges. Die Debatte
stand sichtlich unter dem Eindruck der Vorgnge in Ruland. Nicht nur die
Sozialdemokraten forderten eine sofortige Inangriffnahme innerer Reformen
-- ihr Sprecher verlangte vor allem die Einfhrung des allgemeinen,
gleichen und geheimen Wahlrechts in den Bundesstaaten und eine
Neueinteilung der Wahlkreise im Reich --, sondern auch die Freisinnigen
und Nationalliberalen bekannten ihre Abkehr von der Ansicht, da die
Neuorientierung erst nach dem Abschlu des Krieges verwirklicht werden
knne. Besonders fiel auf, da der nationalliberale Abgeordnete Dr.
Stresemann das preuische Wahlrecht als eine deutsche Frage bezeichnete
und da er sich, wenn auch nicht ausgesprochen fr das parlamentarische
System, so doch sehr entschieden fr die Herstellung eines engeren
Zusammenhanges zwischen Parlament und Regierung aussprach.

Der Kanzler lehnte es in jener Reichstagssitzung ab, die innerpolitischen
Reformen, und insbesondere die Reform des preuischen Wahlrechts, sofort
aufzunehmen. Er bezeichnete es als ein eigenes Ding, ein staatliches
Fundament wie das Wahlrecht in einer Zeit zu ndern, wo Millionen Mnner,
deren Wahlrecht gendert werden soll, in den Schtzengrben lgen. Ein
Wahlkampf um die Wahlreform sei unter diesen Verhltnissen praktisch
unmglich. Die Oktroyierung eines neuen Wahlrechts wies er mit
Entschiedenheit zurck.

Der Reichstag beschlo am Ende der Diskussion mit 228 gegen 33 Stimmen
die Bildung eines aus 28 Mitgliedern bestehenden Verfassungsausschusses
zur Prfung verfassungsrechtlicher Fragen, insbesondere der
Zusammensetzung der Volksvertretung und ihres Verhltnisses zur
Regierung. Dem Verfassungsausschu wurden alle die Verfassung
berhrenden Antrge berwiesen, darunter ein Antrag der Fortschrittlichen
Volkspartei, den Reichskanzler zu ersuchen, unverzglich dahin zu wirken,
da in allen deutschen Bundesstaaten eine konstitutionelle Verfassung
geschaffen werde mit einer Volksvertretung, die auf allgemeinem,
direktem, gleichem und geheimem Wahlrecht beruht.

Damit war die Frage des preuischen Wahlrechts beim Deutschen Reichstag
anhngig gemacht.

Inzwischen hatte unsere innere Lage eine neue Erschwerung erfahren: Die
Aufnahme der Getreidebestnde hatte die Notwendigkeit ergeben, die
Brotration von Mitte April an nicht unerheblich herabzusetzen. Bei den
Beratungen ber die zu treffenden Manahmen einigte man sich dahin, da
der Bevlkerung ein Ausgleich in einer Erhhung der Fleischration gegeben
werden msse, und zwar zu Preisen, die durch Reichszuschsse verbilligt
werden sollten. Trotzdem war zu erwarten, da die Bekanntgabe der
Herabsetzung der Brotration die ohnedies vorhandene Erregung noch
erheblich steigern werde. Schon seit einiger Zeit flammten in den
Industriegebieten, bald hier, bald dort, lokale Streiks auf; stellenweise
kam es auch zu Lebensmittelkrawallen; politische Forderungen liefen mit
unter, und jedenfalls wurde berall unter der Arbeiterschaft mit
politischen Beschwerden, namentlich mit Angriffen auf das
Dreiklassenwahlrecht, agitiert.

Dazu kam nun am 3. April die Erklrung des Kriegszustandes durch die
Vereinigten Staaten, durch die der letzte Rest einer jeden Hoffnung auf
baldigen Frieden beseitigt wurde. Prsident Wilson schlo seine Botschaft
an den Kongre ber den Kriegszustand mit Wendungen, die bestimmt waren,
das deutsche Volk gegen seinen Kaiser und die Bundesfrsten mobil zu
machen. Der Krieg, so fhrte er aus, sei von den deutschen Machthabern
ohne Kenntnis und Billigung des deutschen Volkes im Interesse der
Dynastien und einer kleinen Gruppe ehrgeiziger Mnner provoziert und
gefhrt worden; Amerika stehe im Begriff, den Kampf mit den natrlichen
Feinden der Freiheit aufzunehmen, um die Menschenrechte zu sichern. --
Bei der durch die russische Revolution hervorgerufenen Erregung der
Geister lag die Gefahr vor, da die durchsichtige Absicht unserer Feinde,
unsere Widerstandskraft mit der Parole Demokratie gegen Autokratie von
innen heraus zu sprengen, Erfolg haben knnte.

Noch am Abend des 30. Mrz 1917, an dem der Reichstag die Einsetzung des
Verfassungsausschusses beschlossen hatte, fand beim Reichskanzler eine
Besprechung mit den meistbeteiligten preuischen Ministern und
Staatssekretren statt, bei der Herr von Bethmann sich dahin aussprach,
da angesichts der Zuspitzung der inneren Lage die nicht mehr zu
umgehende Reform des preuischen Wahlrechts, ehe der Krone durch
Parlamentsbeschlsse die Initiative genommen werde, von dem Knig in
feierlicher Form verkndet werden msse. Er hoffte, da eine solche vom
Knig erlassene und vom Ministerprsidenten gegengezeichnete Ankndigung
Beruhigung schaffen, die Lage entlasten und die Stellung des Kaisers und
Knigs festigen werde.

In den nchsten Tagen reiste der Kanzler zu der schon erwhnten
Zusammenkunft mit dem Kaiser von sterreich in das Groe Hauptquartier.
Bei dieser Gelegenheit hielt er dem Kaiser eingehenden Vortrag auch ber
die innere Lage und schlug dem Kaiser den Erla einer Botschaft vor, die
neben anderen Reformen eine Umbildung des preuischen Landtags und eine
freiheitliche Gestaltung des Wahlrechts zum Abgeordnetenhaus ankndigen
sollte. Der Kaiser lie sich von der Notwendigkeit berzeugen und
erfate den Gedanken der Ankndigung so lebhaft, da er den Kanzler
beauftragte, die Vorbereitungen so zu beschleunigen, da die Botschaft
bereits am Ostersonntag, den 8. April, verffentlicht werden knne.

Das preuische Staatsministerium beriet die Angelegenheit am
Grndonnerstag und Karfreitag. Der Widerstand gegen die sofortige
Ankndigung des gleichen Wahlrechts war stark; aber darber herrschte
bereinstimmung, da neben dem gleichen Wahlrecht nur ein sehr
demokratisches Pluralwahlrecht mit Zusatzstimmen, die fr jedermann
erreichbar seien, in Frage kommen knne.

Am Sonnabend, den 7. April, unterzeichnete der Kaiser die sogenannte
Osterbotschaft an den Reichskanzler und Prsidenten des
Staatsministeriums. Sie bekundete den Entschlu des Kaisers und Knigs,
den Ausbau unseres inneren politischen, wirtschaftlichen und sozialen
Lebens, sowie es die Kriegslage gestattet, ins Werk zu setzen, und
sprach den Wunsch aus, da in Erwartung des Friedens und der Heimkehr
unserer Krieger die Vorbereitungen unverweilt abgeschlossen wrden. Der
Passus ber den preuischen Landtag lautete:

Mir liegt die Umbildung des Preuischen Landtags und die Befreiung
unseres gesamten innerpolitischen Lebens von dieser Frage besonders am
Herzen. Fr die nderung des Wahlrechts zum Abgeordnetenhause sind auf
meine Weisung schon zu Beginn des Krieges Vorarbeiten gemacht worden.
Ich beauftrage Sie nunmehr, mir bestimmte Vorschlge des
Staatsministeriums vorzulegen, damit bei der Rckkehr unserer Krieger
diese fr die innere Gestaltung Preuens grundlegende Arbeit schnell im
Wege der Gesetzgebung durchgefhrt werde. Nach den gewaltigen Leistungen
des =ganzen= Volkes in diesem furchtbaren Kriege ist nach meiner
berzeugung fr das Klassenwahlrecht in Preuen kein Raum mehr. Der
Gesetzentwurf wird ferner unmittelbare und geheime Wahl der Abgeordneten
vorzusehen haben. Die Verdienste des Herrenhauses und seine bleibende
Bedeutung fr den Staat wird kein Knig verkennen. Das Herrenhaus wird
aber den gewaltigen Anforderungen der kommenden Zeit besser gerecht
werden knnen, wenn es in weiterem und gleichmigerem Umfange als bisher
aus den verschiedenen Kreisen und Berufen des Volkes fhrende, durch die
Achtung ihrer Mitbrger ausgezeichnete Mnner in seiner Mitte vereinigt.
-- Ich handle nach den berlieferungen groer Vorfahren, wenn ich bei
Erneuerung wichtiger Teile unseres festgefgten und sturmerprobten
Staatswesens einem treuen, tapferen, tchtigen und hochentwickelten Volke
das Vertrauen entgegenbringe, das es verdient.

Die Osterbotschaft fand im groen ganzen eine gute Aufnahme und
erreichte, wenigstens fr den Augenblick, das Ziel, einige Beruhigung zu
schaffen. Zwar lie sich der schon vorher fr den 16. April, den Tag der
Herabsetzung der Brotration, beschlossene Streik nicht ganz verhindern;
aber schon nach zwei Tagen kehrten die feiernden Rstungsarbeiter fast
vollzhlig zur Arbeit zurck, ohne da ein gewaltsames Einschreiten ntig
geworden wre.

Bald jedoch spitzte sich die innerpolitische Lage von neuem zu.

Am 2. Mai konstituierte sich der Verfassungsausschu. Die Vertreter des
Zentrums, der Nationalliberalen und der Fortschrittlichen Volkspartei,
mit denen ich am folgenden Tage eingehende Besprechungen hatte, gaben mir
beruhigende Zusicherungen. Man werde der Osterbotschaft Rechnung tragen
durch Zurckstellung der das preuische Wahlrecht berhrenden Fragen und
zunchst nur einige Fragen von geringerer Bedeutung vornehmen.

Als ich jedoch am Tage darauf zu der Sitzung des Ausschusses kam, fand
ich einen langen gemeinschaftlichen Antrag des Zentrums, der
Nationalliberalen und der Freisinnigen Volkspartei vor, der eine Anzahl
von Punkten von grundstzlicher Bedeutung enthielt, so den Ausbau der
Verantwortlichkeit des Reichskanzlers und seiner Staatssekretre
gegenber Bundesrat und Reichstag, die Errichtung eines
Staatsgerichtshofs und vor allem die Gegenzeichnung des Kriegsministers
fr Offiziersernennungen, wodurch eine parlamentarische
Verantwortlichkeit fr diese Ernennungen begrndet werden sollte. Ich war
durch diesen berfall der drei Parteien, mit deren Vertretern ich noch
tags zuvor eine ebenso eingehende wie offene Aussprache gehabt hatte, auf
das peinlichste berhrt und beschrnkte mich auf die Erklrung, da ich
der Stellungnahme der Verbndeten Regierungen in Fragen, die an die
Grundmauern unserer Verfassung rhrten und das Verhltnis der Verbndeten
Regierungen zu der Reichsleitung wie zum Reichstag so nahe angingen, in
keiner Weise vorgreifen knne; da ich mich also fr den Augenblick
darauf beschrnken msse, von den Meinungsuerungen des Ausschusses
Kenntnis zu nehmen und durch meine Kommissare erforderlichenfalls
sachliche Aufklrungen geben zu lassen.

Den Parteifhrern gegenber machte ich aus meiner Beurteilung ihres
Verhaltens kein Hehl. Ich wies sie auerdem darauf hin, da die gnzlich
berflssige Aufrollung der die Kommandogewalt des Kaisers berhrenden
Frage der Gegenzeichnung der Offiziersernennungen in weiten Kreisen des
Offizierkorps, das drauen vor dem Feinde sein Leben tglich in die
Schanze schlage, ernstliche Verstimmung hervorrufen werde; da auerdem
durch diesen Antrag bekannte Empfindlichkeiten des Kaisers getroffen
wrden, die ohne Not zu verletzen gerade nach der Osterbotschaft mir
wenig angebracht erscheine; da schlielich die Stellung des Kanzlers,
dessen Verhltnis zur Obersten Heeresleitung sich neuerdings verschrft
hatte, durch solche Improvisationen ernstlich gefhrdet werde.

Die drei Parteien gossen nun in der Tat etwas Wasser in den Wein des
Verfassungsausschusses. Als der Reichstag am 10. Mai fr einige Zeit in
Ferien ging, waren seine Arbeiten noch nicht abgeschlossen. Ich hatte den
Eindruck, da bei den drei Mittelparteien die ernsthafte Absicht bestehe,
nichts zu berstrzen und den Verfassungswagen in ruhiger Fahrt zu
halten. Der Kanzler fate seinerseits in jener Zeit die Aufnahme von
fhrenden Abgeordneten in die Reichsleitung ernstlich ins Auge und lie
wegen der dem Kaiser in Vorschlag zu bringenden Persnlichkeiten
vertraulich sondieren. Ich konnte ihn in dieser Absicht nur bestrken.
Denn die schweren Zeiten, die uns unter allen Umstnden noch
bevorstanden, waren nur von einer Regierung zu berwinden, die durch die
Herstellung eines engen Vertrauensverhltnisses zur Volksvertretung die
parlamentarischen Schwierigkeiten und Reibungen nach Mglichkeit
ausschaltete, die uns im letzten Jahre so viel Zeit und Kraft gekostet,
das Volk erregt und unseren Feinden die Hoffnung auf einen inneren
Konflikt und Zusammenbruch gegeben hatten.


                         Die Juli-Krisis

Um die Mitte des Jahres 1917 schien sich die ungeheure Woge des
Weltkriegs endlich berschlagen und brechen zu wollen. Die groe
flandrische Offensive, die England vom Druck des U-Bootkriegs entlasten
sollte, war nach den ersten Anfangserfolgen steckengeblieben; die
Franzosen verhielten sich nach dem Scheitern ihrer Aisne- und
Champagne-Offensive verhltnismig ruhig; im Osten spielte die russische
Kriegspartei unter Kerenski ihre offensichtlich letzte Karte aus. Eine
wirksame Hilfe Amerikas war fr die nchste Zeit noch nicht zu erwarten.
Der U-Bootkrieg begann, wie oben (S. 39ff.) gezeigt, einen ernstlichen
Druck auf England auszuben. Unter der Wirkung dieser Verhltnisse schien
ein Umschwung in dem bisher starren Kriegswillen der Entente sich
vorzubereiten. Es wurden die ersten Fhler von dort zu uns und zu
sterreich-Ungarn ausgestreckt (S. 145ff.) Mehr denn je kam es in diesen
Wochen nach Hindenburgs Wort darauf an, die Nerven zu behalten und
unseren Feinden die durch die Lebensmittelschwierigkeiten, Streiks und
Krawalle im April erweckte Hoffnung auf unseren inneren Zusammenbruch zu
nehmen.

Es traf sich deshalb sehr unglcklich, da der Reichsschatzsekretr Graf
Roedern infolge der enormen Steigerung der monatlichen Kriegsausgaben in
der zweiten Junihlfte erklren mute, da er mit seinen Kriegskrediten
etwa Mitte Juli zu Ende sein werde und da infolgedessen der Reichstag
schon in der ersten Julihlfte wieder zusammenberufen werden msse.
Gerade der Verlauf der letzten Tagung hatte gezeigt, wie sehr auch der
Reichstag und seine Parteien unter dem nervenzerrttenden Einflu der
allgemeinen Hochspannung standen und wie sehr man, trotz aller
Bemhungen um eine enge Fhlung, auf Unberechenbares gefat sein mute.

In meinen Besprechungen mit den Parteifhrern in den letzten Junitagen
setzte ich mich deshalb fr eine mglichst kurze Tagung unter
Ausschaltung aller innerpolitischen Streitfragen ein. Ich fand dafr beim
Zentrum, bei den Nationalliberalen und der Rechten Verstndnis. Dagegen
machten die Vertreter der Fortschrittlichen Volkspartei einige Bedenken
geltend, ob es mglich sein werde, sich einfach auf die Bewilligung des
neuen Kriegskredits zu beschrnken. Die Sozialdemokraten schlielich
erklrten eine neue grndliche Errterung sowohl der ueren wie der
inneren Fragen fr unerllich.

Was speziell den Verfassungsausschu anlangt, so bestand bei den
brgerlichen Parteien Geneigtheit, auf die Wiederaufnahme seiner
Beratungen whrend der Julitagung berhaupt zu verzichten. Die
Sozialdemokraten schufen jedoch, ohne sich mit den anderen Parteien in
Verbindung zu setzen, eine vollendete Tatsache: Der Abgeordnete
Scheidemann lud in seiner Eigenschaft als Vorsitzender den
Verfassungsausschu fr den 3. Juli zu einer Sitzung ein, auf deren
Tagesordnung er die verschiedenen Wahlrechtsantrge setzte; gleichzeitig
verffentlichte er die Tatsache der Einberufung mit der Bezeichnung der
Tagesordnung im Vorwrts.

Es gelang mir nicht ohne Mhe, am Nachmittag des 2. Juli eine Einigung
darber herbeizufhren, da die Errterung der einzelstaatlichen
Wahlrechte zurckgestellt werden sollte; dafr konnte ich auf Grund
meiner inzwischen mit den Bundesregierungen gefhrten Verhandlungen eine
entgegenkommende Erklrung hinsichtlich der Vermehrung der Mandate der
groen Reichstagswahlkreise in Aussicht stellen.

Der Hauptausschu des Reichstags begann seine Beratungen ber den neuen
Kriegskredit am 3. Juli mit einer allgemeinen Aussprache. Gleich am
ersten Tage machte der Abgeordnete Ebert Ausfhrungen, in denen er unsere
Lage schwarz in schwarz malte; er erklrte klipp und klar, das deutsche
Volk sei am Ende seiner Kraft, ein weiterer Winterfeldzug sei unmglich,
es msse jetzt Frieden gemacht werden. Er wurde untersttzt von dem
Abgeordneten Erzberger, der insbesondere den Nachweis zu erbringen
versuchte, da der U-Bootkrieg ein Fehlschlag sei und nicht zum Ziele
fhren knne. Die leider bekannt gewordenen Voraussagen des Admiralstabs,
da der U-Bootkrieg innerhalb von fnf bis sechs Monaten England
friedensbereit machen wrde, kamen ihm dabei zu Hilfe.

Ich mu hier erwhnen, da der Abgeordnete Erzberger mir bei den
vertraulichen Vorbesprechungen seine Ansichten ber den U-Bootkrieg
bereits entwickelt hatte. Ich hatte dabei die Bemerkung gemacht, ich
drfe wohl annehmen, da er nicht beabsichtige, seine Ansichten, die ich
fr zu pessimistisch halten mte, im Hauptausschu oder gar im Plenum
des Reichstags zu entwickeln; denn solche Ausfhrungen mten in einer
Zeit, wo alles auf die Nerven gestellt sei, bei uns die Zuversicht
erschttern, bei unseren Gegnern die offenbar sinkende Stimmung neu
beleben und sie in der Absicht, den Krieg bis zum bitteren Ende
fortzusetzen, bestrken. Herr Erzberger hatte es weit von sich gewiesen,
seine Kritik in einem weiteren Kreise darzulegen. Er htte um so leichter
auf seinen Vorsto verzichten knnen, als ihm die Auffassung des
Reichskanzlers ber die Notwendigkeit, wenn irgend mglich, vor dem
Winter zum Frieden zu kommen, genau bekannt war.

Der Kanzler blieb den Sitzungen des Hauptausschusses fern. Er hatte sich
in einer vertraulichen Besprechung mit den Fraktionsfhrern am Vormittag
des 2. Juli eingehend ber die gesamte Lage ausgesprochen und wollte es
vermeiden, durch seine Anwesenheit im Hauptausschu eine groe politische
Debatte zu provozieren, die auch bei Proklamierung der Vertraulichkeit
angesichts der erfahrungsgem durchlssigen Wnde des Sitzungssaals nur
inopportun und schdlich sein konnte. Leider hat er mit seinem
Fernbleiben diesen Zweck nicht erreicht.

Die Aufgabe der Abwehr lag auf dem Staatssekretr Zimmermann, dem
Staatssekretr v. Capelle und mir. Zimmermanns Position im Reichstag, die
frher recht gut gewesen war, hatte einen bedenklichen Sto erhalten
durch den Optimismus, mit dem er die Mglichkeit eines Krieges mit den
Vereinigten Staaten aus Anla unseres uneingeschrnkten U-Bootkrieges
behandelt hatte; ferner durch die unglckliche Affre seines
Bndnisangebots an den mexikanischen Prsidenten Carranza, das von den
Amerikanern aufgefangen und dechiffriert worden war; schlielich durch
die Angelegenheit der durch einen Kurier des Auswrtigen Amtes, aber ohne
Vorwissen des Amtes, nach Christiania eingeschmuggelten Bomben.

Der Admiral von Capelle hatte sich, hnlich wie der Admiralstab, in den
Voraussagen ber die Wirkungen des U-Bootkriegs zu weit vorgewagt; er
hatte vor allem amerikanische Munitions- und Truppentransporte greren
Stiles als unmglich erklrt, eine bessere Jagdbeute knnten sich unsere
U-Boote nicht wnschen. Auch mir wurde der Vorwurf gemacht, da ich die
fr den Erfolg des U-Bootkriegs magebenden Verhltnisse falsch beurteilt
und durch mein Votum den Ausschlag fr die Erffnung des
uneingeschrnkten U-Bootkriegs gegeben htte. Ich konnte damals in
Rcksicht auf die Sache die von mir bis zur Entscheidung ber den
U-Bootkrieg eingenommene Stellung nicht klarlegen. So hatte auch ich
gegenber dem Ansturm dieser Tage einen doppelt schweren Stand.

Am 4. und 5. Juli wurden die von den Herren Ebert und Erzberger
eingeleiteten Vorste mit gesteigerter Heftigkeit von den
sozialdemokratischen Abgeordneten David, Noske und Hoch fortgesetzt,
whrend die Sprecher der brgerlichen Parteien sich eine anerkennenswerte
Zurckhaltung auferlegten.

Ich versuchte den Ansturm abzuwehren und den Mitgliedern des Ausschusses
zum Bewutsein zu bringen, da nur Ruhe, Besonnenheit und
Entschlossenheit uns zu einem ertrglichen Frieden helfen knnten, da
dagegen ein Nervenzusammenbruch uns rettungslos dem Untergang ausliefern
msse.

Schon am ersten Tage der Ausschuberatung fhrte ich gegenber den
Abgeordneten Ebert und Erzberger aus:

Wir sind nicht am Ende unserer Kraft. Wir sind es nicht, weil wir es
nicht sein drfen. Es steht fr uns alles auf dem Spiel. Da wir heute
=keinen= Frieden haben knnen, keinen Hindenburg-Frieden und keinen
Scheidemann-Frieden, das wissen wir alle. Wenn wir heute Frieden
machen wollen, dann gibt es einen Kapitulationsfrieden, einen
Unterwerfungsfrieden, der uns fr ein Jahrhundert zu Sklaven unserer
Feinde macht. Und weil das eine Unmglichkeit ist, weil eine Nation eher
zugrundegehen als ein solches Schicksal auf sich nehmen kann, darum fehlt
uns die Kraft nicht, wenn es gilt, auch noch einen vierten Winter
durchzuhalten...

Dem Abgeordneten Noske, der auf die schleunige Durchfhrung der inneren
Reformen drngte und dabei mich als die Seele des Widerstands scharf
angriff, entgegnete ich:

Ich stehe auf dem Boden dessen, was der Kanzler bei den verschiedensten
Gelegenheiten wiederholt und eindringlich gesagt hat, und auf dem Boden
der Osterbotschaft des Kaisers und Knigs. Der Kaiser hat die
Osterbotschaft mit den Worten geschlossen, er handele nach den
berlieferungen groer Vorfahren, wenn er einem treuen, tapferen,
tchtigen und hochentwickelten Volke das Vertrauen entgegenbringe, das es
verdient. Meine Herren, erwidern Sie Vertrauen mit Vertrauen! Suchen Sie
dazu beizutragen, da dieses Vertrauen nicht erschttert wird! Treten Sie
den Zweiflern entgegen! Auf diesem Wege kommen wir zusammen und wird es
uns gelingen, durch die schweren Zeiten, in denen wir leben,
hindurchzukommen und unser Vaterland ber die schweren Gefahren
hinberzuretten.

Am Tage darauf hatte ich einen Vorsto des sozialdemokratischen
Abgeordneten Hoch zu parieren, der noch schrfer als die Herren Ebert und
Noske ein weiteres Durchhalten fr unmglich erklrte und deutlich mit
der Revolution drohte. In meiner Antwort sagte ich:

Die jetzige Generation trgt in diesen Monaten und in den Monaten, die
kommen werden, die Zukunft des deutschen Volkes fr Jahrhunderte in ihrer
Hand, und die jetzige deutsche Generation mu sich dieser Stunde
gewachsen zeigen; sonst gehen wir unter... Unser Kaiser ist auch in
diesem Krieg der Friedenskaiser geblieben, der den Frieden erstrebt, wie
nur irgendeiner im deutschen Volk. Aber unser Kaiser wird nur einen
Frieden machen, der das deutsche Volk erhlt und seine Zukunft sichert,
keinen Frieden, der unseren Untergang bedeutet. Weil die groe Mehrheit
des deutschen Volkes von den Worten, die ich gesprochen habe, ebenso
durchdrungen ist wie ich selbst, schreckt es mich auch nicht, wenn der
Abgeordnete Hoch mehrfach die Revolution an die Wand gemalt hat. Dieses
Spielen mit der Revolution kann mich und die verantwortlichen Leute im
Reich in ihrer Pflichterfllung auch nicht einen Augenblick irremachen.
Wir werden den schweren Weg gehen, den wir gehen mssen, mit der
Aufopferung unserer Persnlichkeit bis zum Letzten, und alles, was Sie
sagen, wird uns nur darin bestrken, unsere Pflicht zu tun.

Es schien, als ob die Bemhungen, die aufgeregten Gemter zu beruhigen,
Erfolg haben sollten. Da erhob sich in der Ausschusitzung vom 6. Juli
der Abgeordnete Erzberger zu einem neuen Vorsto. Er begann mit der
Behauptung, kein einziges Ausschumitglied habe sich der Wucht der
Ausfhrungen des Abgeordneten Hoch entziehen knnen oder vermge die
Richtigkeit seiner Ausfhrungen zu bestreiten. Unsere Lage schilderte er
als so gut wie aussichtslos. Die Fronten wrden mit Mhe und Not
gehalten, aber auch das werde immer schwerer. Die Hoffnung auf den
U-Bootkrieg sei erledigt. Unsere Verbndeten wrden wohl nicht mehr lange
mitmachen knnen. Auch er wolle keinen Unterwerfungsfrieden. Aber die
entscheidende Frage sei fr ihn, ob wir bers Jahr einen besseren Frieden
bekommen knnten als jetzt, und diese Frage msse er verneinen. Unter
diesen Umstnden bleibe nur die Rckkehr auf den Ausgangspunkt des
Krieges, die Proklamierung des reinen Verteidigungskrieges und die
Abweisung eines jeden Eroberungszieles. Die groe Mehrheit des Reichstags
msse sich in einer Kundgebung auf den Boden des 4. August 1914 stellen.

Whrend der Vorsitzende des Ausschusses, der Zentrumsabgeordnete Dr.
Spahn, mich fragte, ob dieser Vorsto seines Fraktionskollegen Erzberger
etwa mit dem Reichskanzler vereinbart sei, was ich natrlich nur
verneinen konnte, erhob sich der Abgeordnete Ebert und beantragte, die
Sitzung zu vertagen, um den Fraktionen Gelegenheit zu geben, zu dem
hochwichtigen Vorschlage des Abgeordneten Erzberger Stellung zu nehmen.

Im Ausschu entstand eine ungeheure Erregung, da offenbar auer einigen
Sozialdemokraten niemand wute, was den Abgeordneten Erzberger zu seinem
Vorgehen bestimmt hatte und worauf er hinauswollte. Angesichts der
bekannten Beziehungen Erzbergers zum Kanzler und zum Auswrtigen Amt
hielten es viele, ebenso wie der Vorsitzende Dr. Spahn, geradezu fr
ausgeschlossen, da Erzberger eine solche Aktion ohne vorherige
Verstndigung mit dem Reichskanzler unternommen haben knnte; man sah
deshalb in seinen Ausfhrungen die Ankndigung eines vollstndigen
Niederbruches aller Hoffnungen auf einen guten Ausgang des Krieges.

Ich hielt es fr notwendig, dem Abgeordneten Erzberger sofort
entgegenzutreten, um den geradezu niederschmetternden Eindruck nach
Mglichkeit abzuschwchen. Zunchst wies ich darauf hin, da der Boden
des 4. August, auf den uns der Abgeordnete Erzberger zurckfhren wolle,
von der deutschen Politik niemals verlassen worden sei. Der Reichskanzler
habe stets sich auf den Standpunkt gestellt: wir fhren einen
Verteidigungskrieg, keinen Eroberungskrieg. Niemals habe der
Reichskanzler von Eroberungen gesprochen. Allerdings von Sicherheiten.
Aber diese Sicherheiten seien eine Frage des Erreichbaren; sie wrden
abgewogen werden mssen gegen die Opfer, die gebracht worden und noch zu
bringen seien. Ich wandte mich dann gegen Erzbergers Kritik der
Ergebnisse und Aussichten des U-Bootkriegs, den wir uns nicht selbst
entwerten drften. Vor allem aber betonte ich, da unsere Feinde das, was
sie durch Berennen von auen nicht erreichen knnten, jetzt durch
Sprengung von innen heraus zu erreichen suchten. Es gelte, die Englnder
von unserer Entschlossenheit zu berzeugen, den Krieg bis zu einem fr
uns annehmbaren Frieden durchzukmpfen, ungeachtet aller inneren
Meinungsverschiedenheiten. Dies sei die Voraussetzung unserer Zukunft.
Aber wenn das Umgekehrte eintritt, wenn die Englnder sehen: in
Deutschland kommt die alte Uneinigkeit zum Durchbruch; whrend das Haus
brennt, whrend der Feind vor den Toren steht, brechen in Deutschland
schwere innere Krisen aus; whrend sie, die Englnder, die schwere
Bedrohung, vor der sie stehen, mit einer bewunderungswrdigen Nervenkraft
ertragen, kommt man in Deutschland ins Wanken, fangen uns in Deutschland
die Knie an zu zittern und zu schlottern -- dann sind wir verloren. Dann
knnen Sie jetzt machen, was Sie wollen. Einerlei welche Aktionen jetzt
eingeleitet werden, einerlei welche Beschlsse Sie jetzt fassen, -- keine
Beschlsse und keine Aktionen werden den Erfolg haben, den wir alle
wnschen, wenn sie nicht nach auen von dem Bewutsein der Strke und dem
Entschlu, durchzuhalten, getragen werden.

Die von dem Abgeordneten Ebert beantragte Vertagung wurde angenommen. Ich
begab mich mit den Staatssekretren Zimmermann, von Capelle und Graf
Roedern sofort zum Kanzler, um ihm ber das Vorgefallene zu berichten und
die einzunehmende Haltung zu besprechen.

Der Kanzler war von Herrn Erzberger ber die Absicht seines Vorstoes,
der auf ein Friedenspronunciamiento des Reichstags hinauskam, ebensowenig
unterrichtet worden wie irgendein anderes Mitglied der Reichsleitung. Wir
alle fanden es geradezu ungeheuerlich, da ein Abgeordneter, der seit
Beginn des Krieges fortgesetzt zu diplomatischen Aktionen herangezogen
worden und vom Kanzler wie vom Auswrtigen Amt eines geradezu
uneingeschrnkten Vertrauens gewrdigt worden war -- brigens gegen meine
immer wiederholten Warnungen --, in der auf das schrfste zugespitzten
internationalen Lage eine solche hochpolitische Aktion ohne Verstndigung
mit dem Kanzler ffentlich in die Wege leiten konnte.

ber die Motive Erzbergers bestand damals Unklarheit. Glaubte er mit
seinem Vorsto den ihm bekannten ppstlichen Friedensbemhungen zu
sekundieren? Oder waren es sterreichische Einflsse, die ihn zu seinem
Vorsto bestimmt hatten? Inzwischen hat Graf Czernin ausdrcklich diesen
letzteren Zusammenhang besttigt. In seiner Rede vom 11. Dezember 1918
sagte Graf Czernin:

Einer meiner Freunde hatte auf mein Ersuchen mehrere Unterredungen mit
den Herren Sdekum und Erzberger und bestrkte sie durch meine
Schilderung unserer Lage in ihren Bestrebungen zur Erreichung der
bekannten Friedensresolution. Es war auf Grund dieser Schilderungen, da
die beiden genannten Herren die Reichstagsresolution fr einen
Verstndigungsfrieden durchsetzten... Ich hoffte damals einen Augenblick,
im Deutschen Reichstag einen dauernden und krftigen Verbndeten gegen
die Eroberungsplne der Militrs zu finden.

Herr Erzberger hatte sich also nicht gescheut, mit sozialdemokratischer
Untersttzung im Einvernehmen mit dem auswrtigen Minister der uns
verbndeten Donaumonarchie und ohne Kenntnis und Zustimmung der eigenen
Regierung eine groe politische Aktion zu unternehmen, deren Tragweite zu
bersehen er trotz seiner Vielgeschftigkeit gar nicht in der Lage war;
eine Aktion, die -- statt dem wankenden Verbndeten den Rcken zu strken
-- Verwirrung in die eigenen Reihen tragen und die Hoffnungen der Feinde
auf unseren inneren Zusammenbruch neu beleben mute.

Der nchste Erfolg des Erzbergerschen Vorgehens, das alsbald in einem
Teil unserer Presse zu einer groen Sensation aufgebauscht wurde, war --
gewollt oder ungewollt -- der Ausbruch der Kanzlerkrisis. Zwar besuchte
Herr Erzberger am Nachmittag des 6. Juli den Kanzler und bestritt jede
Spitze gegen diesen, ja behauptete, eine groe Mehrheit auf eine dem
Kanzler genehme Friedensresolution vereinigen zu wollen. Das hinderte ihn
nicht, am Tag darauf einem fhrenden nationalliberalen Abgeordneten,
dessen Gegnerschaft zu Herrn von Bethmann bekannt war, auf dessen
Befragen zu erklren, da er den Rcktritt Bethmanns fr notwendig halte,
und mit diesem Abgeordneten sowie einem Offizier aus dem Stabe der
Obersten Heeresleitung in mehrfachen Zusammenknften zu vereinbaren, da
alles getan werden msse, um Bethmanns Abdankung zu erzwingen. Herr
Erzberger sprach dabei die Zuversicht aus, bis zum nchsten Dienstag
werde Herr von Bethmann besorgt sein.

Der Kanzler empfing am Nachmittag des 6. Juli als Vertreter der
Mittelparteien die Herren Dr. Spahn, Dr. Schiffer und von Payer. Er
gewann aus der Unterhaltung mit den Herren den Eindruck, da zur
Aufrechterhaltung der Geschlossenheit der inneren Front ein offenes
Bekenntnis des Kaisers zum gleichen Wahlrecht fr Preuen unumgnglich
sei. Am Abend nach neun Uhr erschien bei ihm eine Delegation der
Mehrheitssozialdemokraten, bestehend aus den Herren Ebert, Scheidemann,
David, Hoch und Hoffmann (Kaiserslautern), um das Bekenntnis zu einem
Frieden ohne Annexionen und Entschdigungen und das gleiche Wahlrecht fr
Preuen zu verlangen. Der Kanzler erzhlte mir, die Herren htten nicht
von Bedingungen fr die Bewilligung des anstehenden Kriegskredites
gesprochen, auch nicht die Parlamentarisierung der Regierung, von der
in den Kreisen der Mittelparteien wieder eifrig gesprochen wurde,
berhrt; aber sie htten keinen Zweifel daran gelassen, da die
Nichtbercksichtigung ihrer Forderungen den Sozialdemokraten eine weitere
Untersttzung der Kriegspolitik der Regierung unmglich machen wrde.

Am folgenden Tag, Sonnabend, den 7. Juli, beabsichtigte der Kaiser, von
einem Besuch in Wien kommend, zu kurzem Aufenthalt in Berlin
einzutreffen. Dort fanden sich auch der Generalfeldmarschall von
Hindenburg und General Ludendorff ein, die sich auf die Vorgnge im
Hauptausschusse hin zusammen mit dem Kriegsminister beim Kaiser zum
Vortrag angesagt hatten, wovon dem Kanzler durch den Kriegsminister
Mitteilung gemacht worden war. Der Kanzler bat den Kaiser telegraphisch
um seine Zuziehung. Der Kaiser kam nachmittags um dreieinhalb Uhr an und
fuhr vom Bahnhof direkt zum Kanzler, der ihm ber die innerpolitische
Lage Vortrag hielt; der Kaiser behielt sich seine Stellungnahme vor. Dann
empfing der Kaiser im Schlosse Bellevue die Generale zur Entgegennahme
eines Vortrages, der sich jedoch auf militrische Angelegenheiten
beschrnkte. Hindenburg und Ludendorff reisten am Abend nach dem
Hauptquartier zurck.

Auf einen weiteren Vortrag, den der Kanzler am Sonntag vormittag dem
Kaiser hielt, setzte dieser fr den Montag abend einen Kronrat ber die
Frage des gleichen Wahlrechts an. Am Abend fand im Kreise des
Staatsministeriums eine Vorbesprechung statt, in der Herr von Bethmann
erklrte, er halte die Notwendigkeit der Gewhrung des gleichen
Wahlrechts fr so zwingend, da er, falls die Entscheidung der Krone
gegen das gleiche Wahlrecht ausfallen sollte, nicht mehr in der Lage sein
wrde, die Geschfte weiterzufhren.

Der Kronrat fand Montag, den 9. Juli, abends sechs Uhr, im Kongresaal
des Reichskanzlerhauses unter Vorsitz des Kaisers statt. Auer den
Staatsministern waren smtliche Staatssekretre des Reiches zugezogen
worden. Der Kaiser beschrnkte sich auf eine kurze Ansprache, in der er
auf die Notwendigkeit einer ruhigen, von keiner Gewitterstimmung
beeinfluten Prfung der fr das preuische Staatsleben so wichtigen
Wahlrechtsfrage hinwies und von uns allen die offenste und
rckhaltloseste Meinungsuerung verlangte. In der Aussprache, die bis
neuneinhalb Uhr dauerte, wurden alle Grnde fr und gegen mit
Lebhaftigkeit und Nachdruck ins Feld gefhrt.

Ich trat mit dem Reichskanzler fr die Ergnzung der Osterbotschaft durch
das gleiche Wahlrecht ein. Aus allen Diskussionen und Unterhaltungen der
letzten Zeit hatte ich den bestimmten Eindruck gewonnen, da die
innerpolitische Atmosphre dringend dieser Entspannung bedurfte, da
ferner ein weiteres Zgern nur zur Folge haben werde, da der Krone die
Initiative -- und dann nicht nur die Initiative in der Wahlrechtsfrage --
aus der Hand gleiten werde. Auerdem hatte meine Prfung der
wahrscheinlichen Ergebnisse der verschiedenen Wahlsysteme mich zu dem
Schlu gefhrt, da der praktische Unterschied zwischen dem gleichen
Wahlrecht und einem -- neben dem gleichen Wahlrecht allein in Frage
kommenden -- stark demokratischen Pluralwahlrecht nicht gro genug sei,
um in einer so entscheidungsschweren Zeit einen schweren inneren Konflikt
zu rechtfertigen.

Von den elf Staatsministern sprachen sechs fr, fnf gegen die Gewhrung
des gleichen Wahlrechts.

Der Kaiser folgte den Vortrgen mit der gespanntesten Aufmerksamkeit. Er
selbst nahm keine Stellung, sondern behielt sich seine Entscheidung vor.

In der auf den Kronrat folgenden zwanglosen Unterhaltung sagte mir der
Kaiser:

Allen Respekt vor meinem Staatsministerium! Jeder einzelne von Ihnen hat
seine Sache ausgezeichnet vertreten. Aber man mu mir Zeit lassen, mit
mir selbst fertig zu werden.

Er fgte hinzu, da er eine Entscheidung auch nicht wohl treffen knne,
ohne in einer fr das Staatsganze und die Dynastie so wichtigen
Angelegenheit dem Kronprinzen Gelegenheit gegeben zu haben, Stellung zu
nehmen. Der Kronprinz wurde noch in der Nacht telegraphisch aufgefordert,
alsbald nach Berlin zu kommen.

Der Hauptausschu hatte Sonnabend und Montag in Gegenwart des Kanzlers
weitergetagt, ohne da ber die Fragen gesprochen wurde, die jetzt mit
einemmal ganz in den Vordergrund der Ereignisse gerckt waren. Der
Kanzler verteidigte seine Politik gegen Angriffe von den verschiedenen
Seiten, besonders gegen eine starke Offensive des Abgeordneten Dr.
Stresemann; er sprach gut, fand aber keine Resonanz. Am Dienstag
vormittag stellte zu Beginn der Sitzung der Abgeordnete Ebert die
Anfrage, ob der Kanzler Mitteilungen ber das Ergebnis des Kronrats
machen knne; als der Kanzler verneinte, beantragte Herr Ebert die
Vertagung, die angenommen wurde. Meinerseits veranlate ich die Vertagung
des Verfassungsausschusses, der an dem gleichen Tage ber die
Wahlrechtsantrge abstimmen sollte.

Die unterdessen gefhrten Besprechungen mit den Fraktionsfhrern ber die
Herstellung einer besseren Fhlung zwischen Reichsleitung und Parlament
ergaben, da die Besetzung wichtiger Reichsmter mit Vertrauensleuten der
Parteien sich nicht ohne weiteres in einer die verschiedenen Wnsche
befriedigenden und dabei der Sache gerecht werdenden Weise durchfhren
lie. Ich hatte mein Amt dem Kanzler zur Verfgung gestellt, um in keiner
Weise ein Hindernis fr die berwindung der inneren Schwierigkeiten zu
sein; das gleiche hatten einige meiner Kollegen getan. Aber im
allgemeinen zeigten die Parteifhrer weder fr sich selbst noch fr ihre
Kollegen ein allzu heies Begehren nach verantwortungs- und dornenvollen
mtern. Aus den Besprechungen ergab sich das Projekt der Errichtung eines
Reichsrates, dem auer dem Reichskanzler und den Staatssekretren
Vertrauensmnner der greren Parteien und eine gleiche Anzahl von
Bundesratsmitgliedern angehren sollten; der Reichsrat sollte ber die
wichtigeren Vorgnge der Politik auf dem Laufenden gehalten und vor
wichtigeren Entscheidungen in der ueren und inneren Politik gehrt
werden. Der Reichsrat wre also ein Organ dauernder Fhlungnahme
zwischen Reichsleitung, Bundesrat und Reichstag gewesen. Die Berufung
einzelner geeigneter Parlamentarier in leitende Stellungen sollte dadurch
nicht ausgeschlossen werden.

Am Morgen des 11. Juli traf der Kronprinz in Berlin ein. Er hatte am
Vormittag eine lange Aussprache mit dem Kaiser. Von dort begab er sich
zum Kanzler. Whrend der Kronprinz noch unterwegs war, telephonierte der
Kaiser an den Kanzler, der Kronprinz habe sich von der Notwendigkeit der
Gewhrung des gleichen Wahlrechts berzeugt, ebenso von der
Notwendigkeit, da der Kanzler, der dem Kaiser sein Amt unabhngig von
der Entscheidung ber die Wahlrechtsfrage zur Verfgung gestellt hatte,
im Amte bleibe. Er bitte ihn, die Order wegen des gleichen Wahlrechts
alsbald vorzulegen und die Geschfte weiterzufhren.

In der am Nachmittag stattfindenden Staatsministerialsitzung berichtete
der Kanzler ber die von dem Kaiser und Knig getroffenen Entscheidungen
und legte den Entwurf einer Kniglichen Order vor, laut welcher der dem
Landtag vorzulegende Gesetzentwurf wegen nderung des Wahlrechts zum
Abgeordnetenhaus auf der Grundlage des gleichen Wahlrechts aufgestellt
werden sollte. Der Vizeprsident des Staatsministeriums regte daraufhin
an, da angesichts der Tragweite dieser Entscheidung fr das
Verfassungsleben des Preuischen Staates die Staatsminister insgesamt
ihre mter zur Verfgung stellen mchten, um die schwierige Aufgabe der
kaum zu umgehenden Neugestaltung des Staatsministeriums zu erleichtern.
Die smtlichen Staatsminister erklrten, dieser Anregung entsprechen zu
wollen, einige mit dem Hinzufgen, da sie angesichts der von dem Knig
getroffenen Entscheidung sich nicht imstande fhlten, die Verantwortung
ihres Amtes weiterzutragen, und deshalb den Knig unter allen Umstnden
um ihre Entlassung bitten wurden.

Die Order ber das gleiche Wahlrecht wurde am Abend des 11. Juli vom
Knig unterzeichnet und dem Ministerprsidenten zugestellt. Sie wurde am
nchsten Morgen verffentlicht.

Damit war in dem wichtigsten und umstrittensten Punkt der
Neuorientierung das entscheidende Zugestndnis gemacht. Die groe
innerpolitische Forderung, um die jahrzehntelang erbittert gekmpft
worden war, hatte ihre Erfllung gefunden.

Schon vorher, am 6. Juli, hatte ich im Reichstag namens der
Verbndeten Regierungen die Vermehrung der Mandate fr die groen
Reichstagswahlkreise in aller Form zugesagt.

Fr die von allen Seiten als notwendig erkannte engere Fhlung zwischen
Reichsleitung und Volksvertretung schien in dem Reichsrat eine
praktische Lsung gefunden zu sein.

Aber die groen Zugestndnisse auf dem Gebiet der inneren Politik, gro
genug, um eine neue ra heraufzufhren, gengten nicht mehr, um die
erregten Gemter zu beschwichtigen und das Reichsschiff wieder in ruhiges
Fahrwasser zu steuern. Es blieb die Frage der Friedensresolution und
neben ihr die Frage des Kanzlers.

ber eine Resolution des Reichstags zur Friedensfrage beriet eine
interfraktionelle Kommission, zu der sich Vertreter der
Mehrheitssozialisten, der Fortschrittler und des Zentrums zusammengetan
hatten. Die Nationalliberalen waren anfangs gleichfalls vertreten,
schieden dann aber aus, da sie in Sachen der Friedensresolution sich mit
den anderen Parteien nicht einigen konnten. Die beiden Rechtsparteien
standen abseits. Auch Vertreter der Reichsleitung wurden nicht zugezogen.
Die Parteien wollten jetzt selbst die Politik machen.

Gleichzeitig wurde in allen Fraktionen, die bisher dem Kanzler ihr
Vertrauen gewhrt hatten, gegen Herrn von Bethmann Sturm gelaufen. Auch
der sonst bei den Linksparteien nicht gerade beliebte Militarismus
wurde als Sturmbock benutzt: berall wurde unter Berufung auf Offiziere
vom Groen Hauptquartier verbreitet, da Hindenburg und Ludendorff es
ablehnten, mit Bethmann Hollweg weiter zusammenzuarbeiten. Daneben
versicherte Herr Erzberger mit der Miene des Eingeweihten, da Bethmann
fr Friedensverhandlungen unmglich sei.

In meinen Verhandlungen mit den Parteien suchte ich auch jetzt noch zu
verhindern, da die nach unseren Wahrnehmungen heranreifende
Friedensmglichkeit durch eine schwere innere Krisis und einen
Kanzlerwechsel zerstrt wrde. Fast schien es, als ob ich damit Erfolg
haben sollte. Noch am Mittwoch, 11. Juli, erklrten mir die Fhrer der
Fortschrittlichen Volkspartei und der Sozialdemokraten, kein Interesse an
einem Kanzlerwechsel zu haben. Fr das Zentrum gab mir in Gegenwart des
Abgeordneten Dr. Spahn der Abgeordnete Fehrenbach ein Resum wieder, in
dem er nach einer langen Aussprache in der Fraktion deren Meinung
zusammengefat habe. Das Resum lautete etwa: Das Zentrum she in seiner
groen Mehrheit kein Bedenken gegen das Verbleiben des Kanzlers im Amte.
Die Fraktion vertraue jedoch darauf, da der Kanzler, falls sich
herausstellen sollte, da seine Person eine Erschwerung fr
Friedensverhandlungen sei, daraus die Konsequenzen ziehen werde. Sogar
von den Konservativen, den erklrten Bethmann-Gegnern, gewann ich den
Eindruck, da sie fr eine geruschlose Erledigung der Kriegskredite
unter Zurckstellung ihrer Wnsche nach einem Kanzlerwechsel zu haben
sein wrden.

Mit den Vertretern der Nationalliberalen konnte ich erst am Donnerstag
vormittag sprechen. Als deren Vertreter besuchten mich die Herren Dr.
Schiffer, Dr. Stresemann und List (Elingen). Dr. Stresemann erklrte,
ein groer Teil seiner Partei betrachte Bethmanns Abgang als eine
Notwendigkeit. Dr. Schiffer machte nur den Einwand, da nicht alle in der
Partei so dchten. Auf meinen Hinweis auf die auenpolitischen Umstnde,
die im gegenwrtigen Moment gegen einen Kanzlerwechsel und fr eine
glatte Bewilligung des Kriegskredits sprchen, machte Herr Dr.
Stresemann etwa folgende Bemerkung: Fr die Haltung der nationalliberalen
Fraktion gegenber Herrn von Bethmann msse doch auch die Stellungnahme
der Obersten Heeresleitung von groer Bedeutung sein. Es knne auf seine
Fraktion nicht ohne Eindruck bleiben, wenn er heute gentigt sei, ihr
mitzuteilen, da der General Ludendorff entschlossen sei, seinen Abschied
zu nehmen, wenn Bethmann Kanzler bleibe.

Jetzt sah ich allerdings jede Hoffnung schwinden, die Situation zu halten
und in einer Lage, in der alles auf innere Festigkeit und Geschlossenheit
ankam, einen Kanzlerwechsel zu vermeiden. Zunchst weigerte ich mich, an
die Richtigkeit der Information des Herrn Dr. Stresemann zu glauben; im
brigen wrde ich sofort den Kanzler veranlassen, sich mit dem General
Ludendorff unmittelbar in Verbindung zu setzen.

Als ich mich nach dieser Besprechung zum Kanzler begab, erfuhr ich, da
der Kronprinz an demselben Vormittag zu frher Stunde die Abgeordneten
Graf Westarp, Mertin, Erzberger, Dr. Stresemann, von Payer und Dr. David
der Reihe nach empfangen und sie ber die politische Lage und die
Stellung des Kanzlers eingehend befragt habe, ohne sich selbst zu uern.
Die Wahl der Abgeordneten Erzberger und David, die in ihren Fraktionen in
der vordersten Reihe der Kanzlerstrzer standen, lie eine geschickte
Regie erkennen. Der Kronprinz hatte im weiteren Verlauf des Vormittags
den sterreichisch-ungarischen Botschafter Prinzen Hohenlohe und den
bulgarischen Gesandten Rizoff besucht, die beide mit grtem Nachdruck
fr ein Verbleiben Bethmanns eintraten.

Ferner erfuhr ich beim Kanzler, da Herr von Payer berichtet hatte, ein
Offizier aus dem Groen Hauptquartier habe einem seiner
Fraktionskollegen gesagt, er mge in der Fraktion verbreiten, Hindenburg
und Ludendorff knnten nicht lnger mit Herrn von Bethmann
zusammenarbeiten; den gleichen Auftrag htten Erzberger, Dr. Stresemann
und wohl auch Dr. David fr ihre Fraktionen erhalten.

Auf die telegraphische Mitteilung dieser Behauptungen lie General
Ludendorff am Abend desselben Tages an den Kanzler zurcktelegraphieren:

Ich habe keinen Offizier beauftragt, einem Abgeordneten zu bermitteln,
da ich mit dem Herrn Reichskanzler von Bethmann Hollweg nicht
weiterarbeiten knne.

Das Dementi bezog sich jedoch nur auf die Beauftragung eines Offiziers
mit einer solchen Mitteilung, nicht auf die Sache selbst. Denn zu der
Stunde, als dieses Telegramm an die Reichskanzlei abgesandt wurde, war in
der Sache der entscheidende Schritt bereits geschehen und Herrn von
Bethmann bekannt: Generalfeldmarschall von Hindenburg und General
Ludendorff hatten den Kaiser fr den Fall des Verbleibens des Herrn von
Bethmann im Laufe des Nachmittags telegraphisch um ihre Entlassung
gebeten. Der unheilvolle Gegensatz, in den die beiden Generale, je
lnger desto mehr, zu Herrn von Bethmann geraten waren, kam so im
ungeeignetsten Augenblick zur Explosion.

Ohne Kenntnis von diesem Vorgang zu haben, verhandelte ich an demselben
Nachmittag im Reichstag ber die Friedensresolution.

Dort erhielt ich ein Schreiben des Herrn Dr. Stresemann, der mir unter
Bezugnahme auf die Unterhaltung vom Vormittag mitteilte, da die
nationalliberale Fraktion beschlossen habe, durch ihren stellvertretenden
Vorsitzenden, den Prinzen Schnaich-Carolath, dem Chef des Zivilkabinetts
des Kaisers mitteilen zu lassen, da nach ihrer Ansicht eine Lsung der
Krisis ohne den Rcktritt des Reichskanzlers nicht denkbar sei.

Dann wurde mir durch den Abgeordneten Fehrenbach mitgeteilt, das Zentrum
habe seine Stellung von gestern unter der Einwirkung gewisser
Mitteilungen aus dem Groen Hauptquartier gendert und sich gegen eine
kleine Minderheit dahin ausgesprochen, der Kanzler sei ein
Friedenshindernis und msse gehen. Der Fraktionsvorsitzende Dr. Spahn
hatte whrend der Sitzung einen schweren Ohnmachtsanfall erlitten und
mute in ein Krankenhaus transportiert werden.

Die inzwischen in der interfraktionellen Fraktion fertiggestellte
Friedensresolution schickte ich an den Kanzler, der im Schlo Bellevue
beim Kaiser zum Vortrag war, mit der dringenden Bitte, sich nicht auf
diese Resolution festzulegen.

Der Abgeordnete von Payer, der von den Mehrheitsparteien beauftragt war,
die Resolution dem Kanzler zu berreichen, erklrte mir, es sei an der
Resolution kein Wort zu ndern. Auch habe er den Auftrag, vom Kanzler zu
verlangen, da er in seiner im Reichstag abzugebenden Erklrung die
Resolution glatt annehme, ohne irgendeinen erklrenden oder
umschreibenden Zusatz, auch ohne jede Berufung auf seine bisherige
Politik. Ich antwortete Herrn von Payer: Wenn ich Kanzler wre, wrde
ich unter keinen Umstnden unter ein solches kaudinisches Joch gehen; da
ich nur Stellvertreter des Kanzlers bin, werde ich meinen ganzen Einflu
bei dem Kanzler aufbieten, um ihn zu veranlassen, ein solches Ansinnen
kategorisch zurckzuweisen.

Der Kanzler hatte sich Herrn von Payer fr neun Uhr abends zur Verfgung
gestellt. Es war halb neun Uhr, als meine Unterhaltung mit Herrn von
Payer zu Ende war. Ich fuhr zum Kanzler. Dieser war gerade vom Kaiser
zurckgekommen. Er teilte mir mit: Der Kaiser habe den Wortlaut der
Friedensresolution an den Feldmarschall telephoniert. Dieser habe
geantwortet, die Oberste Heeresleitung msse von dieser Resolution eine
Schdigung der Schlagkraft des Heeres befrchten, fr die sie die
Verantwortung nicht bernehmen knne. Der Kaiser habe ihn, den Kanzler,
beauftragt, Herrn von Payer zu erklren, in der vorliegenden Fassung sei
die Resolution aus den von der Obersten Heeresleitung angegebenen
Grnden unannehmbar. Im brigen habe der Kaiser Hindenburg und Ludendorff
zu weiteren Besprechungen nach Berlin befohlen; sie wrden am nchsten
Vormittag eintreffen.

Der Kanzler fgte hinzu, er habe dem Kaiser die Unhaltbarkeit seiner
Stellung zu den Parteien und zur Obersten Heeresleitung
auseinandergesetzt und erneut um seine Entlassung gebeten. Whrend des
Vortrags habe der Chef des Militrkabinetts General von Lyncker
besttigt, da Hindenburg und Ludendorff telegraphisch um ihre Entlassung
nachgesucht htten. Der Kaiser habe ihn zwar seines ungeminderten
Vertrauens versichert und erklrt, gegenber den beiden Generalen werde
er die Sache am nchsten Tage in Ordnung bringen. Er sei aber unbedingt
entschlossen, auf seinem Rcktritt zu bestehen.

Ich konnte Herrn von Bethmann in diesem Entschlu nur bestrken. Man
mochte ber die sachliche Berechtigung und die Zweckmigkeit der
Stellungnahme der Herren von der Obersten Heeresleitung gegen Herrn von
Bethmann denken, wie man wollte -- eine weitere Zusammenarbeit war jetzt
in der Tat unmglich, und einen Rcktritt von Hindenburg und Ludendorff
htte weder die Armee noch das Volk vertragen.

Inzwischen war Herr von Payer im Reichskanzlerhause eingetroffen, um sich
des Auftrags der Mehrheitsparteien zu entledigen. Der Kanzler teilte ihm
mit, da die Resolution in der vorliegenden Fassung unannehmbar sei, und
da sich am nchsten Tage Gelegenheit geben werde, die Sache in Berlin
unter Mitwirkung von Hindenburg und Ludendorff zu besprechen.

Am nchsten Morgen -- Freitag, 13. Juli -- bersandte der Kanzler in
aller Frhe dem Kaiser sein schriftliches Abschiedsgesuch, ohne die
Ankunft der beiden Generale abzuwarten.

Der Kaiser lie mir im Lauf des Vormittags mitteilen, er habe Hindenburg
und Ludendorff ersucht, sich mit mir und dem Chef der Reichskanzlei wegen
einer Besprechung mit den fhrenden Abgeordneten in Verbindung zu setzen.
Um 4 Uhr nachmittags besprach ich zusammen mit dem Unterstaatssekretr
Wahnschaffe im Generalstabsgebude mit den beiden Generalen die
parlamentarische Lage. Von fnf Uhr ab wurden der Reihe nach die
Vertreter der einzelnen Fraktionen empfangen. Der Feldmarschall machte
seine Ausstellungen an der Resolution und bezeichnete die Stellen, die
nach seiner Ansicht einer nderung bedurften. Es wurde verabredet, da
bei mir am nchsten Tage weiter verhandelt werden sollte. Der Abgeordnete
Scheidemann sagte mir beim Abschied: Verhandeln knnen wir, aber
gendert kann nichts mehr werden. Ich entgegnete: Das ist nicht das
letzte Wort.

Die Besprechungen dauerten bis neun Uhr abends. Whrend der Besprechungen
war Hindenburg abgerufen worden; er kam nach etwa einer halben Stunde
wieder. Er war im Schlo Bellevue gewesen, wo inzwischen ber den
Kanzlerwechsel entschieden worden war.

Von Herrn von Bethmann, zu dem ich mich vom Generalstab begab, erfuhr ich
das Nhere. Der Kaiser hatte seine Entlassung genehmigt und den
bisherigen Unterstaatssekretr im preuischen Finanzministerium und
preuischen Staatskommissar fr Volksernhrung Herrn Dr. Georg Michaelis
zu seinem Nachfolger ernannt.

Herr Michaelis war mir als vorzglicher Verwaltungsbeamter bekannt, aber
zum Leiter der Reichspolitik, zumal in dieser schwierigen Zeit, fehlten
ihm nach meiner Ansicht die wichtigsten Voraussetzungen. Ich fragte Herrn
von Bethmann, ob er etwa Herrn Michaelis als seinen Nachfolger
vorgeschlagen habe. Herr von Bethmann verneinte und fgte hinzu, er sei
ber die Nachricht genau so erstaunt gewesen wie ich. Volle Klarheit
darber, wer Herrn Michaelis beim Kaiser in Vorschlag gebracht hat, habe
ich nie gewinnen knnen. Nur so viel steht fest, da der Kaiser wnschte,
in Zukunft die Reibungen zwischen der politischen Leitung und der
Obersten Heeresleitung nach Mglichkeit vermieden zu sehen, und
infolgedessen Wert darauf legte, einen auch der Obersten Heeresleitung
genehmen Mann in das Amt des Reichskanzlers zu berufen.

Ich fand das Vorgehen bei der Berufung des neuen Kanzlers unbegreiflich
und brachte dies gegenber dem Chef des Zivilkabinetts, Herrn von
Valentini, der sich noch am spten Abend mit Herrn Michaelis im
Reichskanzlerpalais einfand, mit einiger Heftigkeit zum Ausdruck. Ich
sagte voraus, da der neue Kanzler sich nicht bis Weihnachten werde im
Amte halten knnen, und ersuchte Herrn von Valentini, dem Kaiser meine
Bitte um Entlassung zu bermitteln. Auch dem neuen Kanzler, der mich bat,
ihm meine Mitarbeit zu gewhren, erklrte ich meinen Entschlu, meine
Entlassung zu nehmen; auf sein Drngen sagte ich ihm schlielich zu, fr
eine bergangszeit, bis er selbst eingearbeitet sei und fr mich einen
geeigneten Nachfolger gefunden habe, die Geschfte weiterzufhren.

Unterdessen hatte Wolffs Telegraphisches Bureau der Reichskanzlei
telephonisch mitgeteilt, es habe aus dem Reichstag den Wortlaut der
Friedensresolution zur sofortigen Verbreitung erhalten. Da mit den
Parteien verabredet worden war, da am nchsten Tag ber die Resolution
weiter verhandelt werden sollte, lag hier ein offensichtlich illoyaler
Akt und Gewaltstreich vor. Der neue Reichskanzler ordnete an, da Wolff
ersucht werden solle, die Verbreitung zu unterlassen und durch Rundruf
die Presse zu bitten, von einer Verffentlichung der Friedensresolution,
falls ihr diese von anderer Seite zugehen sollte, Abstand zu nehmen.
Trotzdem wurde der Text der Friedensresolution am nchsten Morgen im
Vorwrts publiziert.

In der Frhe des 14. Juli teilte mir der neue Kanzler mit, da er
versuchen wolle, die Friedensresolution durch eine eigene Erklrung
berflssig zu machen. Ebenso telephonierte mir der General Ludendorff,
da er trotz der illoyalen Verffentlichung der Resolution im Vorwrts
die fr den Nachmittag in Aussicht genommene Besprechung mit den
Vertretern der Mehrheitsparteien fr zweckmig halte, um einige
nderungen durchzusetzen.

Die Besprechung fand in zwangloser Form bei mir im Garten des Reichsamts
des Innern statt. Ich suchte die Sache so zu fhren, da die Parteien im
Falle einer sie befriedigenden Erklrung des Kanzlers auf die
verschiedenen Resolutionen -- es lag auch eine der Konservativen und der
Nationalliberalen vor -- verzichteten. Es schien einen Augenblick lang,
als ob ich damit Erfolg haben sollte. Herr von Payer, der als
Vertrauensmann des Mehrheitsblockes durch die vorzeitige Verffentlichung
der Resolution sich in einer sehr schiefen Position fhlte -- die
Verffentlichung war brigens ohne sein Wissen geschehen --, suchte
offensichtlich einen anstndigen Ausweg; sogar Herr Erzberger schien fr
einen Augenblick schwankend zu werden und es fr einen gangbaren Weg zu
halten, nach der Rede des Kanzlers -- Verstndigung ber diese
vorausgesetzt -- ber alle vorliegenden Resolutionen zur Tagesordnung
berzugehen. Aber die Sozialdemokraten blieben steif. Schlielich
erklrte Herr Michaelis, er sehe ein, da kaum mehr etwas zu machen sei,
und er glaube sich mit der Resolution abfinden zu knnen.

Damit war die Angelegenheit erledigt. Die fr den nchsten Nachmittag in
Aussicht genommene Zusammenkunft mit den Rechtsparteien und den
Nationalliberalen konnte sachlich nichts mehr ndern.

Am Donnerstag, 19. Juli, erschien der neue Kanzler zum erstenmal im
Reichstag. In seiner Antrittsrede gab er einen kurzen berblick ber die
Kriegslage und entwickelte dann in Stzen, die den Mehrheitsparteien
durch den Chef der Reichskanzlei vorher mitgeteilt worden waren, seine
Stellung zur Friedensfrage. Deutschland habe den Krieg nicht gewollt. Es
strebe nicht nach Eroberungen, nicht nach gewaltsamer Vergrerung seiner
Macht. Darum werde es nicht einen Tag lnger Krieg fhren, wenn ein
ehrenvoller Friede zu haben sei. Das Gebiet des Vaterlandes sei fr uns
unantastbar. Der Friede msse uns die Grenzen des Deutschen Reiches fr
alle Zeit sicherstellen. Wir mten im Wege der Verstndigung und des
Ausgleichs die Lebensbedingungen des Deutschen Reiches auf dem Kontinent
und ber See garantieren. Der Friede msse die Grundlage fr eine
dauernde Vershnung der Vlker bieten, der weiteren Verfeindung der
Vlker durch wirtschaftliche Absperrung vorbeugen und uns davor sichern,
da sich der Waffenbund unserer Gegner zu einem wirtschaftlichen
Trutzbunde gegen uns auswachse. Diese Ziele lassen sich im Rahmen Ihrer
Resolution, wie ich sie auffasse, erreichen.

Die Worte wie ich sie auffasse waren eine Improvisation; sie standen
nicht in dem vor der Sitzung den Mehrheitsparteien mitgeteilten Wortlaut
und wurden spterhin dem Kanzler zum groen Vorwurf gemacht.

                *       *       *       *       *

Wir hatten also einen neuen Kanzler, hatten die Friedensresolution und
berdies die Zusage des gleichen Wahlrechts in Preuen. Das waren die
sichtbaren Ergebnisse der Julikrisis. Sie waren in sich widerspruchsvoll,
wie die ganze Krisis selbst.

Die Koalition, der Herr von Bethmann Hollweg zum Opfer gefallen war,
hatte mit der andern Koalition, die fr die Friedensresolution und das
gleiche Wahlrecht gekmpft hatte, nichts gemein als das der Fhrung
Erzbergers folgende Zentrum. Diejenigen Elemente und Faktoren, die in der
Frage des Kanzlerwechsels die Entscheidung herbeigefhrt hatten, standen
innerlich im schrfsten Gegensatz zu denjenigen, die fr die
Friedensresolution und das gleiche Wahlrecht eingetreten waren.

Deshalb konnte die Lsung der Krisis niemanden befriedigen.

Die Sozialdemokraten und Fortschrittler hatten zwar die Zusage des
gleichen Wahlrechts und die Friedensresolution durchgesetzt, aber der
neue Kanzler stand ihren auen- und innerpolitischen Auffassungen
wesentlich ferner als Herr von Bethmann.

Die Nationalliberalen, die Rechtsparteien und die Oberste Heeresleitung
waren zwar mit dem Kanzlerwechsel zufrieden; aber die Nationalliberalen
hatten infolge der Friedensresolution den Anschlu an den sich bildenden
Block der Mehrheitsparteien nicht erreicht, die Rechtsparteien waren in
den beiden Fragen des Wahlrechts und der Friedensresolution unterlegen,
und die Oberste Heeresleitung mute schlielich nicht nur die von ihr als
schdlich erachtete Friedensresolution in Kauf nehmen, sondern mehr als
das: die Bildung des in der Friedensresolution sein Glaubensbekenntnis
findenden Mehrheitsblocks, der von nun an den Reichstag bis zu seinem
wenig ruhmvollen Ende am 9. November 1918 beherrschen und den Gegensatz
zwischen Heeresleitung und Reichskanzler mehr und mehr durch den
Gegensatz zwischen Heeresleitung und Reichstagsmehrheit ersetzen sollte.

Die Krisis hatte also nur eine Scheinlsung gefunden; die ihr zugrunde
liegenden Gegenstze waren nicht ausgeglichen worden. Die Krisis war
beendigt, aber der kritische Zustand dauerte fort.




              Die Kanzlerschaft des Herrn Michaelis

    Die Friedensresolution des Reichstags und ihre Wirkungen


Die Friedensresolution des Reichstags, mit deren Annahme Herr Michaelis
das Kanzleramt antrat, lautete:

    Wie am 4. August 1914 gilt fr das deutsche Volk auch an der
    Schwelle des vierten Kriegsjahres das Wort der Thronrede: 'Uns treibt
    nicht Eroberungssucht.' Zur Verteidigung seiner Freiheit und
    Selbstndigkeit, fr die Unversehrtheit seines territorialen
    Besitzstandes hat Deutschland die Waffen ergriffen.

    Der Reichstag erstrebt einen Frieden der Verstndigung und der
    dauernden Vershnung der Vlker. Mit einem solchen Frieden sind
    erzwungene Gebietserwerbungen und politische, wirtschaftliche und
    finanzielle Vergewaltigungen unvereinbar. Der Reichstag weist auch
    alle Plne ab, die auf eine wirtschaftliche Absperrung und
    Verfeindung der Vlker nach dem Kriege ausgehen. Nur der
    Wirtschaftsfriede wird einem freundschaftlichen Zusammenleben der
    Vlker den Boden bereiten. Der Reichstag wird die Schaffung
    internationaler Rechtsorganisationen tatkrftig frdern. Solange
    jedoch die feindlichen Regierungen auf einen solchen Frieden nicht
    eingehen, solange sie Deutschland und seine Verbndeten mit Eroberung
    und Vergewaltigung bedrohen, wird das deutsche Volk wie ein Mann
    zusammenstehen, unerschtterlich ausharren und kmpfen, bis sein und
    seiner Verbndeten Recht auf Leben und Entwicklung gesichert ist. In
    seiner Einigkeit ist das deutsche Volk unberwindlich. Der Reichstag
    wei sich darin eins mit den Mnnern, die in heldenhaftem Kampfe das
    Vaterland schtzen. Der unvergngliche Dank des ganzen Volkes ist
    ihnen sicher.

Die Resolution wurde mit 212 gegen 126 Stimmen bei 17 Stimmenthaltungen
angenommen. Dafr stimmten das Zentrum bis auf wenige Ausnahmen, die
Fortschrittliche Volkspartei und die Mehrheitssozialdemokraten; dagegen
die Konservativen, die Nationalliberalen und die unabhngigen
Sozialdemokraten; die deutsche Fraktion war geteilt; die
Stimmenthaltungen kamen in der Hauptsache auf die Polen. --

Die von den Vtern der Resolution gewnschte und erwartete Wirkung auf
unsere Feinde blieb aus, ja es trat das Gegenteil dieser Wirkung ein. Die
Resolution, und mehr noch die Begleiterscheinungen, unter denen sie
zustande gekommen war, erweckten bei unseren Feinden den Eindruck der
Kriegsmdigkeit und der inneren Zerrttung des deutschen Volkes.

Von einer hervorragenden, uns durchaus wohlgesinnten neutralen
Persnlichkeit fiel damals die uerung: Die Entente kann Herrn
Erzberger zum Ehrenmitglied ernennen.

Aus anderen neutralen Lagern wurde berichtet, da die in unterrichteten
englischen Kreisen vor kurzem noch herrschende unsichere und
pessimistische Auffassung neuer Zuversicht gewichen sei; jetzt glaube
man, Deutschland werde durch innerpolitische Kmpfe um die Regierungsform
und durch eine zunehmende Kriegsmdigkeit zum Frieden gezwungen sein, ehe
England sich in der gleichen Zwangslage sehe.

Was wir heute ber gewisse tatschliche Vorgnge im Lager unserer Feinde
wissen, besttigt dieses Urteil.

Noch Anfang April 1917 war die Siegeszuversicht bei unseren Feinden,
namentlich in Frankreich, offenbar sehr hochgestimmt gewesen. Das ergibt
sich aus der Behandlung, die der Brief des Kaisers Karl von sterreich an
den Prinzen Sixtus von Parma durch den Prsidenten der Franzsischen
Republik und die franzsische Regierung erfuhr.

In diesem Briefe[1] hatte der sterreichische Kaiser dem Prsidenten
Poincar nicht mehr und nicht weniger angeboten, als da er unter
Aufbietung seines ganzen persnlichen Einflusses bei seinen Verbndeten
die gerechten franzsischen Ansprche hinsichtlich Elsa-Lothringens
untersttzen wolle.

  [1] Siehe oben S. 65ff.

Herr Poincar hatte ber den Inhalt des Briefes mit dem Prinzen eine
Aussprache, ber die er brieflich an den Ministerprsidenten und Minister
des uern Herrn Ribot Mitteilung machte. Danach hat Herr Poincar den
Prinzen ersucht, dem Kaiser Karl mitzuteilen, da es sich fr Frankreich
nicht um das Elsa-Lothringen mit den Grenzen von 1870 handle, sondern um
das Elsa-Lothringen von 1814, d. h. Elsa-Lothringen einschlielich des
Saargebiets. Letzteres hatte im Lauf der letzten tausend Jahre nur
whrend zweier ganz kurzer Episoden zu Frankreich gehrt, nmlich zur
Zeit des Hochstandes der franzsischen Eroberungspolitik Ludwigs XIV. von
1680 bis 1697 und Napoleons I. von 1801 bis 1815. Auerdem verlange
Frankreich Wiedergutmachung und Entschdigungen, ferner Garantien auf dem
linken Rheinufer.

Von Paris reiste Prinz Sixtus nach London. Lloyd George erschienen seine
Mitteilungen in hohem Mae beachtenswert, und er empfahl der
franzsischen Regierung, sie in wohlwollende Erwgung zu ziehen. Es kam
darber zu Meinungsverschiedenheiten zwischen dem englischen Premier und
dem franzsischen Prsidenten. Die Angelegenheit wurde am 17. April in
der Konferenz der Ententemchte in St. Jean de Maurienne in persnlicher
Aussprache behandelt. An dieser Aussprache nahm auch der auswrtige
Minister Italiens, Herr Sonnino, teil. Er widersetzte sich auf das
uerste einem Friedensschlu, der nicht die italienischen Wnsche auf
dem Boden der Londoner Abmachungen befriedige. Lloyd George vertrat
die Ansicht, da in diesem Augenblick eine Diskussion der
sterreichisch-italienischen Territorialfragen vermieden werden msse,
weil sich sonst unvermeidlich die Verhandlungen zerschlagen wrden. Die
Hauptsache sei, Deutschland zu erledigen; alles andere werde sich dann
schon finden. Schlielich aber gab Lloyd George dem Verlangen Frankreichs
auf Einbeziehung des Saargebiets und dem Drngen Italiens nach. Ob dann
Herr Poincar, wie der Manchester Guardian nach anscheinend guten
Informationen spter erzhlte, dem sterreichischen Kaiser in der Tat
vorgeschlagen hat, das Trentino und Triest an Italien abzutreten und sich
dafr an Schlesien schadlos zu halten, lasse ich dahingestellt; ebenso
die dem Kaiser Karl zugeschriebene Antwort, es bestehe gegen diese Lsung
das Bedenken, da zwar die Monarchie das von ihr an Italien
herauszugebende Gebiet in Hnden habe, nicht aber Frankreich Schlesien;
ebenso, ob Kaiser Karl, nachdem er den Bericht des Prinzen Sixtus ber
das Ergebnis seiner Besprechungen in Paris und London erhalten hatte, an
diesen den von Wien aus spter bestrittenen zweiten Brief geschrieben
hat, in dem er die berzeugung aussprach, da, falls Frankreich seine
territorialen Forderungen auf Elsa-Lothringen beschrnke, es ihm
gelingen werde, Deutschland zum Friedensschlu zu bewegen. Wesentlich fr
die Beurteilung der Lage ist lediglich, da Frankreich damals, Mitte
April 1917, die Mglichkeit eines Friedens, der ihm =nur=
Elsa-Lothringen bringen sollte, zurckwies und die Erwerbung des
Saargebietes sowie Garantien auf dem linken Rheinufer zur Voraussetzung
von Friedensverhandlungen machte. Die Ablehnung der Anregung des Kaisers
Karl erfolgte, ohne da das franzsische Kabinett mit dem Kaiserbrief
befat worden war; nur Herr Ribot wurde von Herrn Poincar mit
ausdrcklicher Zustimmung des Prinzen Sixtus unterrichtet. Desgleichen
wurden weder Belgien, noch Ruland, noch die Vereinigten Staaten vor der
Ablehnung ber die Angelegenheit orientiert oder befragt.

Was unter den Garantien auf dem linken Rheinufer, die Frankreich
forderte, zu verstehen war, ergibt sich aus der im Februar 1917
getroffenen, von der Bolschewistenregierung verffentlichten Abmachung
zwischen der franzsischen und russischen Regierung. Nach dieser
Abmachung sollte Frankreich Elsa-Lothringen und das Saargebiet erhalten;
der brige Teil des linken Rheinufers sollte von Deutschland politisch
und wirtschaftlich abgetrennt und zu einem neutralen Pufferstaat gemacht
werden.

Nachdem an so unerhrten Forderungen, wie sie nur einem gnzlich
geschlagenen und wehrlos gemachten Deutschland zugemutet werden konnten,
der private, in seinem springenden Punkte vor dem eigenen Minister des
Auswrtigen geheimgehaltene Friedensversuch des sterreichischen Kaisers
gescheitert war, scheint allerdings in Frankreich ein Stimmungsumschwung
eingetreten zu sein. Darauf deutet die oben (S. 71) erwhnte, schwer
besorgte uerung Ribots zu dem italienischen Botschafter; ferner die
Tatsache, da nicht allzu lange nach der Ablehnung der kaiserlichen
Anregung von franzsischer Seite Versuche gemacht wurden, nicht nur
Unterhaltungen mit der sterreichisch-ungarischen Regierung aufzunehmen,
sondern auch mit einem Vertrauensmann der deutschen Regierung in Fhlung
zu kommen.

Aus einer ein Jahr spter zwischen Herrn Clemenceau und dem Grafen
Czernin entstandenen ffentlichen Polemik, auf die ich weiter unten noch
zu sprechen komme, wurde bekannt, da im Juli 1917 der sterreichische
Legationsrat Graf Revertera von einer neutralen Mittelsperson namens der
franzsischen Regierung befragt wurde, ob er in der Lage sei, Erffnungen
dieser Regierung an die sterreichisch-ungarische Regierung
entgegenzunehmen. Graf Revertera wurde vom Grafen Czernin ermchtigt, die
Besprechungen mit dem Vertrauensmann der franzsischen Regierung, dem
Major Grafen Armand, aufzunehmen, um festzustellen, ob Grundlagen fr die
Herbeifhrung eines allgemeinen Friedens geschaffen werden knnten.
Daraufhin trafen sich die beiderseitigen Vertrauensleute im Lauf des
Monats August -- also nach der Juliresolution -- in der Schweiz. Aber die
Besprechungen fhrten zu keinerlei Ergebnis.

Schon vorher hatte eine der ersten politischen Persnlichkeiten
Frankreichs durch eine neutrale Mittelsperson bei einer mit den
franzsischen Verhltnissen und Personen durch langjhrige Ttigkeit in
Paris besonders genau vertrauten deutschen politischen Persnlichkeit die
Geneigtheit erkennen lassen, eine persnliche Aussprache ber die
Friedensmglichkeiten in der Schweiz zu arrangieren. Die ber Ort und
Zeit des Zusammentreffens eingeleiteten Verhandlungen waren im Gang, als
die Kanzlerkrisis ausbrach. Um dieselbe Zeit war auch bei magebenden
belgischen Persnlichkeiten ein lebhaftes Interesse fr die Aufnahme
einer vertraulichen Fhlung ber die Friedensmglichkeiten festzustellen.

Ich habe dem damaligen Fhrer der Zentrumspartei, Herrn Dr. Spahn, im
Laufe der Verhandlungen ber die Friedensresolution und die Kanzlerfrage
-- soweit ich es angesichts des mir auf die Seele gebundenen Geheimnisses
tun konnte -- angedeutet, da bei einem unserer westlichen Gegner gewisse
Zeichen des Einlenkens hervorgetreten seien, da ich aber befrchten
msse, da durch den Erzbergerschen Vorsto und die Vorgnge, die sich an
diesen anschlossen, sowie durch die sensationelle Behandlung dieser
Vorgnge in einem Teil der deutschen Presse diese Friedensgeneigtheit im
Keime erstickt und der Kriegswille unserer Gegner neu gestrkt werden
wrde. Diese Andeutung an Herrn Dr. Spahn habe ich einige Tage spter
Herrn Erzberger auf eine Anfrage schriftlich besttigt.

Es unterliegt heute fr mich keinem Zweifel, da bei unseren westlichen
Gegnern auf die Ablehnung der Anregung des Kaisers Karl, der sich Lloyd
George ohnedies nur ungern gefgt hatte, eine Reaktion eingetreten war;
da die groen Erfolge unseres U-Bootkriegs und namentlich die akute
Bedrngnis, in die England fr die Zeit bis zur neuen Ernte sich versetzt
sah und der Lloyd George damals in Paris einen geradezu alarmierenden
Ausdruck gab, bei unseren westlichen Feinden der Neigung fr einen
billigen Frieden der Verstndigung Raum zu schaffen begannen. Auch die
Kurie sah gerade zu jener Zeit die Aussichten fr Friedensverhandlungen
gnstiger an. Der neuernannte Nuntius am Mnchener Hof, Monsignore
Pacelli, kam Ende Juni nach Berlin und knpfte mit Herrn von Bethmann
Besprechungen ber eine Friedensaktion des Papstes an, wobei er
andeutete, da der Papst Grund habe, eine solche Aktion nicht fr
aussichtslos zu halten. Der Nuntius war von der Aussprache mit Herrn von
Bethmann, wie er mir selbst erzhlte, in hohem Mae befriedigt.

Nach der Julikrisis und der Friedensresolution war die Lage merklich
verndert.

Die angebahnten Friedensgesprche kamen nicht zustande oder verliefen
ergebnislos.

Keine Hand rhrte sich bei unseren Feinden, um in die vom Deutschen
Reichstag ausgestreckte Friedenshand einzuschlagen. Alles was vom
feindlichen Ausland zu uns herberschallte, gab denjenigen recht, die als
Wirkung der Friedensresolution das Gegenteil von Friedensbereitschaft bei
unseren Feinden befrchtet hatten.

So erklrte der englische Minister Carson am 20. Juli in Dublin, da
Verhandlungen mit Deutschland erst mglich seien, wenn die deutschen
Truppen hinter den Rhein zurckgezogen seien.

Am 25. Juli erklrte das britische Kabinett durch den Mund des Herrn
Bonar Law, meines Wissens zum erstenmal, da England mit Frankreichs
Forderung der Rckgabe Elsa-Lothringens solidarisch sei.

An demselben 25. Juli wurde im Britischen Unterhaus eine von Mac Donald
und Trevelyan eingebrachte Friedensresolution mit 148 gegen 19 Stimmen
abgelehnt.

Am 30. Juli besttigte der franzsische Ministerprsident Herr Ribot in
der Franzsischen Kammer die aus Petersburg kommende Enthllung, da die
franzsische Regierung nicht nur die Rckgabe Elsa-Lothringens, sondern
auch die Errichtung eines linksrheinischen Pufferstaates erstrebe; die
Kammer selbst zeigte sich allerdings etwas bescheidener: sie wollte sich
mit Elsa-Lothringen und einer Kriegsentschdigung begngen.

An dem gleichen 30. Juli legte Balfour im Britischen Unterhaus England
erneut auf das elsa-lothringische Kriegsziel der Franzosen fest;
auerdem verlangte er die Demokratisierung Deutschlands und sprach den
Satz aus, da die Sicherheit Europas nicht eher garantiert sei, als bis
Deutschland machtlos oder frei gemacht sei.

Am 11. August zwang Lloyd George den Arbeiterfhrer Henderson, aus dem
Kabinett auszuscheiden, weil er sich fr die Beschickung der Stockholmer
Friedenskonferenz durch Delegierte der britischen Arbeiterschaft
eingesetzt hatte.

Selbst der Vorwrts mute damals zugestehen, da die Westmchte eben
die Entscheidung der Waffen wollen, und da uns darum gar nichts anderes
brig bleibt.

Das war das Ergebnis der groen Friedensaktion des Deutschen Reichstags!

Dazu kam, da der Rcktritt des Herrn von Bethmann Hollweg, der angeblich
das Friedenshindernis gewesen sein soll, von aufrichtigen
Friedensfreunden im Auslande sehr bedauert wurde. Mir ist eine uerung
des ppstlichen Nuntius in Mnchen, der -- wie erwhnt -- mit Herrn von
Bethmann kurz vor dessen Abgang Fhlung ber die Friedensmglichkeiten
genommen hatte, hinterbracht worden: ohne den Rcktritt des Kanzlers
seien die Friedensaussichten damals gute gewesen. Und Herr Gerard, der
Berliner Botschafter der Vereinigten Staaten, denen gegenber Herr von
Bethmann die Sache des Friedens besonders schwer kompromittiert haben
soll, uert in seinem Buche (S. 292):

It would have been easier for Germany to make peace with von Bethmann
Hollweg at the helm. The whole world knows him and honours him for his
honesty. Zu deutsch: Es wrde fr Deutschland leichter gewesen sein,
Frieden zu machen mit Bethmann Hollweg an der Spitze. Die ganze Welt
kennt ihn und achtet ihn wegen seiner Ehrenhaftigkeit.

Gerade diejenigen, welche am strksten durchdrungen waren von dem Ernst
der Lage und am strksten bemht waren, so bald wie mglich einen
ertrglichen Frieden herbeizufhren, muten deshalb in dem von Herrn
Erzberger im Verein mit den Sozialdemokraten unternommenen Vorsto, der
Bethmanns Kanzlerschaft ein Ende setzte und die Friedensresolution
zeitigte, eine Strung der Friedensbemhungen und eine Beeintrchtigung
der Friedensmglichkeiten erblicken.

Auch innerpolitisch konnte ich die Friedensresolution nur fr schdlich
halten. Die Resolution hatte ihren Boden in der falschen Meinung, da
unsere Gegner lediglich durch die Furcht vor bertriebenen deutschen
Kriegszielen in ihrem Kriegswillen und ihrer Abneigung gegen
Friedensverhandlungen bestrkt wrden. Dabei htte jeder, der die Dinge
mit offenen Augen sah, sich darber klar sein mssen, da das einzige
Friedenshindernis die fr uns schlechthin unertrglichen Kriegsziele
waren, von denen sich unsere Feinde nicht trennen wollten, es sei denn,
da sie sich von der Unmglichkeit ihres Sieges berzeugten. Dies mute
in alle Kpfe gehmmert und der verhngnisvolle Irrtum mute ausgerottet
werden, als ob es nur der Bekundung eines aufrichtigen Friedenswillens
von unserer Seite bedrfe, um den Frieden herbeizufhren. Ich habe mich
darum bemht, soweit mir die Mglichkeit dazu gegeben war. Nicht nur in
geschlossenen Ausschusitzungen, auch in den ffentlichen
Reichstagsverhandlungen habe ich immer und immer wieder, wo sich die
Gelegenheit dazu gab, das Meinige getan, um den Wahn von der
Friedensbereitschaft unserer Feinde zu bekmpfen und das wahre
Friedenshindernis ins Licht zu rcken. So habe ich am 5. Mai 1917 dem
Abgeordneten Cohn auf eine seiner Friedensreden mit dem Ruf nach
Frieden, Freiheit und Brot geantwortet:

Glaubt jemand ernstlich, da der Friedensschlu heute eine Frage der
Bedingungen ist? Nein! Er ist eine Frage des Siegeswillens, und der
Siegeswille ist bei den anderen noch nicht gebrochen. Einen Frieden, wie
=wir= ihn wollen und brauchen, schaffen Sie uns mit Ihren Reden nicht!
Und der Friede, den Sie mchten, der bedeutet nicht Brot, sondern Hunger
fr unser Volk; er bedeutet nicht Freiheit, sondern er bedeutet
Knechtschaft. Das spreche nicht ich aus; das sind die Worte unserer
Feinde. Lesen Sie nur ihre Reden und Zeitungen! Ich habe neulich im
Ausschu einen Artikel des franzsischen Senators Humbert verlesen, der
mit den Worten schliet: 'Zu Sklaven mssen wir diese Rasse von Sklaven
machen, die von Weltherrschaft trumte.' -- So sieht der Friede aus, den
unsere Feinde uns gnnen und geben wollen!

Das Vorgehen des Reichstagsausschusses und dann des Reichstags unter der
Fhrung des Herrn Erzberger und der Sozialdemokraten mute aber in
unserem Volk den Irrtum ber das wahre Friedenshindernis verstrken,
statt ihn auszurotten. Es mute den Eindruck erwecken, da die
Volksvertretung und ihre erleuchteten Fhrer, darunter Mnner, denen man
so viel Einblick in die Geheimnisse der internationalen Lage zutraute wie
dem Abgeordneten Erzberger, das wahre Friedenshindernis in der mangelnden
Friedensbereitschaft der deutschen Regierung erblickten; den Eindruck,
da der Reichstag es fr zwingend ntig gehalten habe, hier nach dem
Rechten zu sehen und die ungengende Friedenswilligkeit der Regierung
durch eine dieser aufzuzwingende eigene Kundgebung zu ersetzen. Je
strker dieser Eindruck wurde, desto grer wurde die Unzufriedenheit im
deutschen Volke, desto strker wurde die Gefahr des Auseinanderbrechens
der inneren Front und die Lhmung des Kampfeswillens unserer Truppen.

Wenn irgend etwas, auer dem vlligen Versagen der Reichstagsresolution
in ihrer Wirkung auf unsere Feinde, die Augen htte ffnen knnen, dann
war es das Schicksal der Stockholmer Sozialistenkonferenz, das sich um
die gleiche Zeit erfllte, in der im Reichstag um die Friedensresolution
gekmpft wurde. Es war ein groer Gedanke, die internationale Macht des
Sozialismus ins Feld zu rufen, um der leidenden und blutenden Menschheit
den Frieden zu bringen. Wir und unsere Verbndeten haben diesem Versuch
-- trotz mancher Bedenken -- kein Hindernis in den Weg gelegt. Die
demokratischen Regierungen der Westmchte und Amerikas waren es, die
ihren Sozialisten die Psse nach Stockholm verweigerten; die Sozialisten
dieser Lnder waren es, die sich wohl oder bel dieser Weigerung fgten.
Fr jedermann, der Augen hatte zu sehen, erwies sich damit in diesen
demokratischen Lndern der sozialistische Friedensgedanke schwcher als
der nationale Kriegs- und Siegeswille.

Aber auch aus diesem vlligen Versagen der internationalen Solidaritt
des Proletariats hat man bei uns nichts gelernt. Immer eifriger wurde
unser Volk in die Suggestion versetzt, das Friedenshindernis sei der
Kriegswille der Alldeutschen, der Militrpartei, der von den
Militrs abhngigen Regierung. Immer weiter fra der Wahnsinn um sich:
Wenn wir nur unsern Friedenswillen durch Handlungen zeigen, dann werden
auch unsere Feinde die Waffen niederlegen und uns in die Arme fliegen.

Die im Juli 1917 gelegte Saat ist im November 1918 frchterlich
aufgegangen.


              Die Bildung der Regierung des Herrn Michaelis

Bei der ersten Besprechung mit fhrenden Reichstagsabgeordneten im Garten
des Reichsamts des Innern hatte der neue Kanzler die Bemerkung gemacht,
da er bisher als mehr oder weniger unbeteiligter Zeitgenosse neben dem
Wagen der Reichspolitik hergelaufen sei. Das war ehrlich, aber es wurde
dem Kanzler, wie hufig im politischen Leben die Ehrlichkeit, von manchen
Seiten als Zeichen von Ungewandtheit verdacht. Es mag erstaunlich
erscheinen, da ein Mann, der ber seine mangelnde Erfahrung in
politischen Dingen sich selbst durchaus im klaren war, den Mut aufbringen
konnte, das Reichskanzleramt in jener schwierigen Zeit zu bernehmen. Ich
selbst habe in jener nchtlichen Besprechung im Reichskanzlerhause, die
unmittelbar auf seine Ernennung folgte, eine Andeutung meines Erstaunens
nicht unterdrcken knnen. Herr Michaelis antwortete mir darauf, der
Abgang des Herrn von Bethmann werde zweifellos eine starke Entspannung
herbeifhren und ihm die Arbeit erleichtern; im brigen vertraue er auf
Gott, mit dessen Hilfe er die Aufgabe, zu der er berufen sei, auch
bewltigen werde.

Dieses starke Gottvertrauen mag es erklren, da Herr Michaelis trotz
seiner unzureichenden Vertrautheit mit dem groen Felde, auf das er nun
gestellt war, von Anfang an eine groe Selbstndigkeit bei seinen
Entschlssen und eine auffallende Neigung zu Improvisationen entwickelte.

Seine Mitarbeiter mute er sich zu einem erheblichen Teil neu whlen.
Dazu zwang ihn schon das innerpolitische Programm, das er am 19. Juli im
Reichstag entwickelte. Er sagte damals nach einem kurzen Bekenntnis zu
der Kniglichen Botschaft ber das gleiche Wahlrecht:

Ich halte es fr ntzlich und fr notwendig, da zwischen den groen
Parteien und der Regierung eine engere Fhlung herbeigefhrt wird, und
bin bereit, soweit es mglich ist, ohne den bundesstaatlichen Charakter
und die konstitutionellen Grundlagen des Reiches zu schdigen, alles zu
tun, was dieses Zusammenarbeiten lebens- und wirkungsvoller machen kann.
Ich halte es auch fr wnschenswert, da das Vertrauensverhltnis
zwischen dem Parlament und der Regierung dadurch enger wird, da Mnner
in leitende Stellen berufen werden, die neben ihrer persnlichen Eignung
fr den betreffenden Posten auch das volle Vertrauen der groen Parteien
in der Volksvertretung genieen. Selbstverstndlich ist alles das nur
unter der Voraussetzung mglich, da von der anderen Seite anerkannt
wird, da das verfassungsmige Recht der Reichsleitung zur Fhrung der
Politik nicht geschmlert werden darf. Ich bin nicht willens, mir die
Fhrung aus der Hand nehmen zu lassen.

Trotz des starken Wortes am Schlu war mit dieser Erklrung die
Parlamentarisierung der Regierung zugesagt. Der Rcktritt fast der
Hlfte der preuischen Staatsminister und die Bereitwilligkeit der
brigen, wie der smtlichen Staatssekretre des Reiches, auf ihre mter
zu verzichten, gab Gelegenheit, mit der Parlamentarisierung einen Anfang
zu machen. Der Gedanke des Reichsrats wurde zunchst nicht
weiterverfolgt.

Ich selbst hatte am 14. Juli mein Entlassungsgesuch eingereicht. Ich
hatte es damit begrndet, da der neue Reichskanzler freie Hand brauche;
da ferner das Reichsamt des Innern in seiner bisherigen Gestalt nicht
werde erhalten bleiben knnen und der Rcktritt des Staatssekretrs des
Innern fr die Umgestaltung und Aufteilung des Amtes freie Bahn schaffe;
da schlielich die Gegnerschaften in Parlament und Presse, die ich mir
im Kampf des letzten Jahres zugezogen hatte, den neuen Kanzler auch nicht
mittelbar belasten drften.

Der Kaiser lehnte die Entgegennahme meines Entlassungsgesuches ab. Von
den verschiedensten Seiten, auch von den Vertretern der mit uns
verbndeten Regierungen, wurden bei mir Schritte unternommen, um mich zum
Bleiben zu bewegen; es wurde mir geradezu als Fahnenflucht ausgelegt,
wenn ich mich jetzt zurckziehen wollte. Auch Herr Michaelis insistierte
von neuem darauf, da ich ihm meine Mitarbeit nicht vorenthalten drfe.

Dem Kaiser wie dem Kanzler kam es in erster Linie darauf an, da ich fr
die Vorbereitungen der Friedensverhandlungen und spter fr die
Mitwirkung bei den Verhandlungen selbst verfgbar bliebe. Als ich auf
meinem Entschlu, unter keinen Umstnden das Reichsamt des Innern oder
einen Teil davon zu behalten, gegenber allen Einwirkungen bestehen
blieb, und als sich fr die Besetzung des durch Zimmermanns Rcktritt
frei werdenden Auswrtigen Amtes Schwierigkeiten ergaben, lie mich der
Kaiser fragen, ob ich bereit sei, das Auswrtige Amt zu bernehmen. Ich
bat mir Bedenkzeit aus, kam aber zu dem Schlu, da mir die Annahme der
Friedensresolution durch den neuen Kanzler die bernahme des Auswrtigen
Amtes so gut wie unmglich mache; da berdies der Staatssekretr des
Auswrtigen seiner schweren Aufgabe nur gerecht werden knne, wenn er in
Parlament und Presse ber einen strkeren und einheitlicheren Rckhalt
verfge, als ich ihn erwarten durfte. Der Kanzler meinte zwar zu diesen
letzteren Bedenken in scherzhaftem Tone, vielleicht knne ich einiges
verbessern, wenn ich den Abgeordneten Erzberger darber vergewissere, da
das Auswrtige Amt auch unter meiner Leitung in derselben Weise wie
bisher von seinen Diensten Gebrauch machen werde; ich antwortete, und
zwar nicht im Scherz, meine erste Handlung als Staatssekretr des
Auswrtigen wrde die Beseitigung des Herrn Erzberger aus allen
auswrtigen Geschften sein.

Dies war am Montag, den 16. Juli.

Wie recht ich hatte, zeigte schon der folgende Tag. Es war bereits etwas
ber die Absicht, mir das Auswrtige Amt zu bertragen, durchgesickert.
In der interfraktionellen Kommission, die in Permanenz tagte, entstand
groe Erregung, als Herr Erzberger besttigte, da diese Absicht bestehe.
Noch am gleichen Tage begann gegen mich in der Presse ein wahres
Trommelfeuer.

Mein Entschlu, auf das Auswrtige Amt zu verzichten, war ohnedies
gefat. Die Kandidatur des Botschafters in Konstantinopel, Herrn von
Khlmann, trat in den Vordergrund. Ich bat, mich an seiner Stelle als
Botschafter nach der mir wohlbekannten und vertrauten Trkei zu schicken.
Aber Kaiser und Kanzler wnschten mich in Berlin zu halten. Die
schlielich gefundene Lsung war, da ich meinem Wunsche entsprechend von
der Leitung des Reichsamts des Innern, sobald dessen ins Auge gefate
Teilung durchgefhrt sei, befreit werden, jedoch allgemeiner
Stellvertreter des Reichskanzlers und Mitglied des preuischen
Staatsministeriums bleiben sollte; als besondere Aufgabe war mir dabei
die einheitliche Leitung der Vorbereitungen fr die Friedensverhandlungen
zugedacht.

Mit dieser Lsung habe ich mich abgefunden; Freude habe ich nicht an ihr
erlebt.

Whrend meine eigene Angelegenheit noch schwebte, wurde die Neubesetzung
der freigewordenen und freiwerdenden Reichsmter und preuischen
Ministerien verhandelt. Dabei erhielt der Zentrumsfhrer Dr. Spahn das
preuische Justizministerium, der nationalliberale Landtagsabgeordnete
Dr. v. Krause das Reichsjustizamt; der nationalliberale
Reichstagsabgeordnete Dr. Schiffer wurde Unterstaatssekretr im
Reichsschatzamt; der der Fortschrittlichen Volkspartei nahestehende und
ihr genehme Straburger Brgermeister Dr. Schwander wurde als
Staatssekretr des aus dem Reichsamt des Innern auszuscheidenden
Reichswirtschaftsamts ins Auge gefat, ebenso der dem Zentrum
nahestehende Klner Oberbrgermeister Wallraf als Staatssekretr fr das
verbleibende Reichsamt des Innern; der Sozialdemokrat August Mller
wurde zum Unterstaatssekretr im Kriegsernhrungsamt ernannt. Auch
abgesehen von diesen mit der Parlamentarisierung zusammenhngenden
Ernennungen gab es einen starken Wechsel: Herr von Khlmann
wurde Staatssekretr des Auswrtigen Amts; der Prsident des
Kriegsernhrungsamts von Batocki wurde durch den bisherigen
Oberprsidenten von Pommern, Herrn von Waldow, ersetzt; an die Stelle des
Herrn Krtke wurde der Eisenbahndirektionsprsident Rdlin an die Spitze
des Reichspostamts berufen; das Finanzministerium bernahm an Stelle des
Herrn Lentze der Regierungsprsident Hergt.

Auch in seine allernchste Umgebung zog der Kanzler neue Leute. Vor allem
ernannte er zum Unterstaatssekretr in der Reichskanzlei an Stelle
des Herrn Wahnschaffe seinen frheren Mitarbeiter in der
Reichsgetreidestelle, Herrn von Grvenitz. Der Chef der Reichskanzlei hat
unter anderem die schwierige Aufgabe, den dauernden Kontakt zwischen dem
Reichskanzler und den Parteien des Reichstags aufrechtzuerhalten, den
Reichskanzler ber Stimmungen und Verstimmungen; ber Beschwerden und
Wnsche des Parlaments zu unterrichten und den Absichten des
Reichskanzlers bei den Parteien vorzuarbeiten. Fr die Erfllung dieser
Aufgabe ist eine genaue Kenntnis des parlamentarischen Parketts und der
parlamentarischen Persnlichkeiten erforderlich, zudem eine gute
diplomatische Veranlagung. Herr von Grvenitz war, wie sein Herr und
Meister selbst, ein guter preuischer Verwaltungsbeamter, brachte aber
nicht die Eigenschaften mit, die ihn zum Chef der Reichskanzlei
qualifiziert htten. Dieser Mangel ist in der kurzen Zeit der
Kanzlerschaft des Herrn Michaelis sehr fhlbar gewesen.

Herr Michaelis stand mit dem Herzen zweifellos auf der Seite der
rechtsgerichteten Minderheit des Reichstags. Trotzdem war
er von dem ehrlichen Willen beseelt, loyal mit den aus Zentrum,
Freisinnigen und Sozialdemokraten bestehenden, gelegentlich durch den
Hinzutritt der Nationalliberalen verstrkten Mehrheitsparteien
zusammenzuarbeiten. Spter, bei seiner Abschiedsrede an die
stimmfhrenden Bundesratsbevollmchtigten, hat er selbst bekannt, da er
whrend seiner ganzen Kanzlerschaft schwer unter diesem Zwiespalt
gelitten habe.

Zunchst hatte er mit seiner Unterwerfung unter die Friedensresolution
und mit der Ankndigung der Parlamentarisierung einen gewissen Erfolg. Am
Tag nach seiner Antrittsrede, am 20. Juli, wurde der Kriegskredit, an
dessen Bewilligung sich alle die schweren Diskussionen angeknpft hatten,
mit allen Stimmen gegen diejenigen der Unabhngigen Sozialdemokraten
bewilligt.

An demselben Tag sah der Kaiser bei mir im Reichsamt des Innern in
Gegenwart der Minister, Staatssekretre und stimmfhrenden
Bundesratsbevollmchtigten die Fhrer der einzelnen Reichstagsfraktionen
einschlielich der Mehrheitssozialdemokraten. Es war das erstemal, da
der Kaiser in dieser Weise mit dem Reichstag in Berhrung trat. Er
unterhielt sich nahezu drei Stunden lang auf das angeregteste und
unbefangenste mit den einzelnen Abgeordneten, ohne jedoch die akuten
Fragen des Kanzlerwechsels, der Friedensresolution und der inneren
Politik zu berhren.

Es war das einzige Mal, da der Kaiser mit dem heutigen Reichsprsidenten
Ebert zusammentraf. Ich hatte ihm erzhlt, da Herr Ebert vor kurzem
seinen zweiten Sohn auf dem Schlachtfelde verloren habe. Nach der
allgemeinen Begrung und Vorstellung sprach der Kaiser als einen der
ersten Abgeordneten Herrn Ebert an und drckte ihm in schlichten und
herzlichen Worten seine Teilnahme aus.

Nachtrglich habe ich fast bedauert, dem Kaiser zu dieser Zusammenkunft
geraten zu haben, die eine persnliche Fhlung zwischen Kaiser und
Reichstag anbahnen und dadurch zum Ausgleich mancher Gegenstzlichkeiten
beitragen sollte; denn es kam mir zu Ohren, da Teilnehmer an der
Zusammenkunft einige uerungen, die der Kaiser in seiner zwanglosen und
burschikosen Art getan hatte, in vergrberter und entstellter Form
verbreiteten, um Stimmung gegen den Kaiser zu machen.


          Die militrische und politische Entwicklung unter der
                         Kanzlerschaft Michaelis

In der Reichstagssitzung vom 19. Juli, in der Herr Michaelis sein
Einverstndnis mit der Friedensresolution erklrte, konnte er ein
Telegramm des Feldmarschalls von Hindenburg vorlesen, in dem dieser ber
den erfolgreichen Beginn des Gegenstoes gegen die in Galizien und
Wolhynien vorgedrungenen Russen berichtete. In wenigen Tagen wuchs dieser
Gegensto zu einem groen Siege. Schon am 25. Juli verloren die Russen
Tarnopol, das sie ununterbrochen seit den ersten Wochen des Krieges
gehalten hatten. Am 3. August wurde Czernowitz zurckerobert. In den
folgenden Tagen und Wochen wurden die Russen fast berall ber die
ehemalige Reichsgrenze zurckgeworfen. So endete die Kerenski-Offensive
in einer schweren Niederlage und in einer starken Demoralisation der
russischen Sdarmee. Durch tatkrftige deutsche Hilfe war abermals eine
sterreichische Niederlage gutgemacht, und die nordstlichen Grenzlande
unseres Verbndeten waren bis auf schmale Streifen vom Feinde befreit.

In jener Zeit, am 14. August, erschien der Graf Czernin zu Besprechungen
ber die Lage und die zu fassenden Beschlsse in Berlin. Er brachte einen
neuen Vorschlag zur Beendigung des Krieges mit: sterreich sei bereit,
Galizien an Polen zu geben und sich an Gesamtpolen zugunsten Deutschlands
zu desinteressieren, in der Weise, da Deutschland berechtigt sein solle,
sich Gesamtpolen politisch, militrisch und wirtschaftlich in jeder uns
gut scheinenden Form anzugliedern. Dafr sollte sterreich-Ungarn in
Rumnien die Vorhand haben -- ein Gedanke, der schon bei den Kreuznacher
Besprechungen im Monat Mai eine Rolle gespielt hatte --, und auerdem
sollte -- darauf lag der Nachdruck -- Deutschland zugunsten Frankreichs
auf Elsa-Lothringen verzichten. Jedoch msse eine solche Abmachung in
Rcksicht auf die sterreichischen Polen vorlufig streng geheim bleiben.

Sowohl Herr Michaelis wie Herr von Khlmann lehnten dieses quid pro quo
ab. Der Verzicht auf Elsa-Lothringen erschien bei der damaligen
militrischen Lage als eine Ungeheuerlichkeit, fr die kein Anla vorlag
und die dem deutschen Volk nicht zugemutet werden konnte. Auch die
polnische Versuchung, die uns Graf Czernin vorfhrte, konnte uns nicht
beeindrucken. Wir alle waren der berzeugung, da Polen fr uns in keiner
Form eine wnschenswerte Erwerbung sein wrde. Niemand gelstete es
danach, im Westen altes deutsches Land mit einer fast ausschlielich
deutschen Bevlkerung preiszugeben, um dafr im Osten ein Mehrfaches an
nichtdeutschem Land mit einer nichtdeutschen Bevlkerung einzutauschen.

Graf Czernin war ber die Ablehnung seines Vorschlags enttuscht. Er
richtete am Schlusse dieser Aussprache an uns die Frage, wie Deutschland
sich stellen werde, wenn unsere Feinde uns den Status quo anbieten
sollten. Der Reichskanzler erklrte seine Bereitwilligkeit, alsbald mit
jedem feindlichen Staate in Verhandlungen einzutreten, der seine
Forderungen auf deutsche Gebietsteile oder auf Gebietsteile unserer
Bundesgenossen fallen lasse. Graf Czernin nahm von dieser Erklrung Akt.

Am Tage der Ankunft des Grafen Czernin in Berlin war dort das vom 1.
August 1917 datierte Rundschreiben des Papstes Benedikt XV. an die
Staatsoberhupter der kriegfhrenden Vlker bergeben worden. Das war
offenbar die Aktion, wegen der Monsignore Pacelli schon Ende Juni Herrn
von Bethmann sondiert hatte.

In diesem Rundschreiben richtete der Papst an diejenigen, welche die
Geschicke der Nationen in ihren Hnden halten, unter Berufung auf seine
politische Uninteressiertheit eine dringende Mahnung zum Frieden. Seine
Aufforderung beschrnkte sich nicht auf allgemeine Wendungen; sie
bezeichnete vielmehr bestimmte Punkte, deren Klrung ihm als notwendige
Grundlage fr einen gerechten und dauerhaften Frieden erschien.

Voran stellte er den Grundgedanken, da an die Stelle der materiellen
Kraft der Waffen die moralische Kraft des Rechtes treten msse; daraus
folge ein billiges Einvernehmen zum Zweck gleichzeitiger und
gegenseitiger Verminderung der Rstungen, ferner die Einfhrung einer
internationalen Schiedsgerichtsbarkeit. Auf Grund dieser Vorherrschaft
des Rechts sei jedes Hindernis fr den Verkehr der Vlker durch Sicherung
der Freiheit und Gemeinsamkeit der Meere zu beseitigen. -- Von diesem
Programm fr das knftige Zusammenleben der Vlker auf die Beendigung des
gegenwrtigen Krieges bergehend, schlug das Rundschreiben vor, in der
Frage der Kriegskosten den Grundsatz eines vollstndigen und
gegenseitigen Verzichts aufzustellen; ferner die beiderseitige Herausgabe
der besetzten Gebiete zuzugestehen, was fr Deutschland die Herausgabe
Belgiens mit Garantie seiner vollen politischen, militrischen und
wirtschaftlichen Unabhngigkeit gegenber gleichviel welcher Macht
bedeute, desgleichen die Rumung von Nordfrankreich; ebenso fr die
anderen kriegfhrenden Parteien eine hnliche Herausgabe der deutschen
Kolonien. Das Rundschreiben wandte sich dann zu den strittigen
territorialen Fragen, die zwischen Italien und sterreich, Deutschland
und Frankreich schwebten; hier sprach es die Hoffnung aus, da die
streitenden Parteien in Anbetracht der unermelichen Vorteile, die ein
mit Abrstung verbundener, dauerhafter Friede bringt, gewillt seien,
diese Fragen aus einer vershnlichen Gesinnung heraus zu prfen, dabei
den Bestrebungen der Vlker nach Magabe des Gerechten und Mglichen
Rechnung zu tragen und die Sonderinteressen dem Allgemeinwohl der groen
menschlichen Gemeinschaft einzuordnen. Derselbe Geist der Billigkeit und
Gerechtigkeit werde die Prfung der anderen territorialen und
politischen Fragen leiten mssen, namentlich der armenischen, der
balkanischen und der polnischen Frage; insbesondere dem ehemaligen
Knigreich Polen mten seine edlen geschichtlichen berlieferungen und
die von ihm whrend des Krieges erduldeten Leiden gerechterweise das
Mitgefhl der Nationen gewinnen.

Das Rundschreiben war gewi nicht von Parteinahme fr den Bund der
Mittelmchte eingegeben. Denn die Wiederherstellung des Status quo wurde
nur zugunsten der Westmchte in der Forderung der unbedingten und
vollstndigen Rckgabe des von uns besetzten belgischen und
nordfranzsischen Gebietes in vollem Umfang erhoben. Dagegen wurden
Elsa-Lothringen und das von Italien geforderte sterreichische Gebiet
als strittige Fragen behandelt, in denen ein vershnliches und
vershnendes Entgegenkommen empfohlen wurde. Auch die polnischen Wnsche,
die ohne Beeintrchtigung des sterreichischen und auch des deutschen
Besitzstandes nicht zu erfllen waren, erhielten eine vorsichtige, aber
unverkennbare Untersttzung. Im brigen erwhnte das ppstliche
Rundschreiben die Ostfragen nicht; das konnte als eine stillschweigende
Andeutung aufgefat werden, da Deutschland sich fr Opfer im Westen
Kompensationen im Osten suchen mchte.

Trotz des fr Deutschland und sterreich nicht unbedenklichen Inhalts der
ppstlichen Vorschlge bestand in den Berliner Besprechungen mit dem
Grafen Czernin bereinstimmung darber, da man versuchen msse, auf
Grund der ppstlichen Vorschlge zu Friedensverhandlungen zu kommen. Es
wurde vereinbart, da eine Verstndigung ber Inhalt und Zeitpunkt der zu
erteilenden Antwort zwischen den beiden Regierungen stattfinden sollte.

Noch ehe die in Aussicht genommenen weiteren Besprechungen mit Wien ber
die Beantwortung der Papstnote eingeleitet werden konnten, bemchtigte
sich der Hauptausschu des Reichstags der Angelegenheit. Herr Dr.
Sdekum, der damals den Vorsitz fhrte, berief den Hauptausschu --
soviel ich wei, ohne vorherige Verstndigung mit dem Reichskanzler --
auf den 22. August 1917. Ich erinnere daran, da Graf Czernin in seiner
Rede vom 11. Dezember 1918 Herrn Dr. Sdekum neben Herrn Erzberger als
denjenigen deutschen Abgeordneten bezeichnet hat, mit dem er vor der
Friedensresolution des Reichstags Fhlung genommen hatte, um im Deutschen
Reichstag einen dauernden und krftigen Verbndeten gegen die
Eroberungsplne der Militrs zu gewinnen.

In der vertraulichen Vorbesprechung, die am 21. August stattfand, war die
Papstnote und die auf sie von der deutschen Regierung zu erteilende
Antwort natrlich der wichtigste Gegenstand. In der Ablehnung einer
Preisgabe Elsa-Lothringens bestand Einigkeit. Dagegen gingen die
Meinungen in der belgischen Frage erheblich auseinander. Die
Mehrheitsparteien stellten ferner den Kanzler wegen der Worte wie ich
sie auffasse in seiner Reichstagserklrung vom 19. Juli zur Rede. Der
Kanzler erklrte, da diese Worte eine Augenblickseingebung gewesen seien
und da es ihm ferngelegen habe, die Loyalitt gegenber den
Mehrheitsparteien zu verletzen.

In der Sitzung des Hauptausschusses vom 21. August kam der Kanzler ohne
zwingenden Anla auf diese Angelegenheit zurck, und zwar in Wendungen,
die dahin verstanden wurden, er habe sich niemals vorbehaltlos auf den
Boden der Friedensresolution des Reichstags gestellt und habe sich fr
verpflichtet gehalten, dies in seiner Erklrung zum Ausdruck zu bringen.
Da er beim Verlesen seiner Erklrung das Gefhl gehabt habe, da der den
Mehrheitsparteien mitgeteilte Text dies vielleicht nicht gengend
erkennen lasse, habe er jene beanstandeten Worte hinzugefgt.

Von diesem Augenblick an war die Stellung des neuen Kanzlers bei den
Mehrheitsparteien so schwer erschttert, da man die neue Kanzlerkrisis
vom 22. August datieren kann. Mit Mhe und Not wurde die Angelegenheit am
Nachmittag durch einen Austausch von Erklrungen fr den Augenblick
zurechtgezogen. Dagegen fand der neue Staatssekretr des Auswrtigen
Amts, Herr von Khlmann, mit einer sehr geschickten und formgewandten
Rede bei den Mehrheitsparteien groen Beifall. Sein in Anlehnung an die
Papstnote formulierter Satz, da in der Politik nicht nur die Macht,
sondern auch das Recht eine Rolle spiele, und da eine nur auf Macht
begrndete Politik zum Scheitern verurteilt sei, offenbarte zwar keine
neue Weisheit, wurde aber von den Mehrheitsparteien als eine
programmatische Absage an einen Gewaltfrieden und als ein
grundstzliches und klares Bekenntnis zu dem Frieden der Verstndigung
und des Ausgleichs der Reichstagsresolution aufgefat.

An demselben 22. August machte der Reichskanzler dem Reichstag ein
weitgehendes Zugestndnis: Er kndigte an, da er beabsichtige, zum Zweck
der Herstellung einer engeren Fhlung und eines besseren
Vertrauensverhltnisses zwischen Reichsleitung und Reichstag in den
Fragen der auswrtigen Politik einen aus Vertretern der Parteien
bestehenden Beirat zu berufen, dessen Aufgabe es sein sollte, mit der
Reichsleitung Dinge, die im Werden sind, durchzuberaten und zu einer
Lsung zu fhren, die der ffentlichkeit bergeben werden kann. Als
erste Aufgabe sollte diesem Beirat die Feststellung der Antwort auf die
Papstnote zugewiesen werden. In dieser nicht unbedenklichen Form nahm
also der Kanzler den Gedanken des Reichsrats, den er zunchst hatte
fallen lassen, wieder auf. Den Parteien des Reichstags wurde damit auf
die Leitung der auswrtigen Politik des Reiches grundstzlich ein
bestimmender Einflu eingerumt.

Auf Grund dieser Zusage des Reichskanzlers wurde von den
Reichstagsparteien die sogenannte Siebenerkommission eingesetzt, in der
das Zentrum und die Sozialdemokraten durch je zwei, die Konservativen,
Nationalliberalen und Freisinnigen durch je ein Mitglied vertreten waren.
Zur dauernden Einrichtung ist die Siebenerkommission nicht geworden.
Soviel ich wei, wurde sie nur ein einziges Mal, eben zur Feststellung
der Antwort auf die Papstnote, einberufen, und zwar auf Montag, 10.
September 1917.

Ich habe dieser Sitzung nicht beigewohnt, da ich am 5. September -- zum
erstenmal, seit ich Anfang 1915 das Reichsschatzamt bernommen hatte --
in Urlaub gegangen war und das Telegramm des Kanzlers, das mich zu der
Sitzung zurckrief, nicht mehr rechtzeitig erhalten hatte.

Ich kam erst am Abend des 10. September in Berlin an und erfuhr, da die
Errterung sich hauptschlich um die Frage gedreht habe, ob in der
Antwort an den Papst ein ausdrcklicher Verzicht auf Belgien
ausgesprochen werden solle oder nicht. Der Kanzler und der Staatssekretr
des Auswrtigen hatten erneut erklrt, und zwar auf Grund eines Vortrages
beim Kaiser, da keinerlei Erwerbung belgischer Gebietsteile beabsichtigt
sei; aus taktischen Grnden empfahlen sie jedoch, von einer
ausdrcklichen Erklrung dieses Standpunktes in der im brigen allgemein
gehaltenen Antwort an den Papst abzusehen, und sie fanden hierfr die
Zustimmung der Mehrheit des Siebenerausschusses. Entscheidendes Gewicht
legten dagegen die Mehrheitsparteien darauf, da in der Antwort auf die
Papstnote ausdrcklich auf die Friedensresolution des Reichstags Bezug
genommen werde.

Fr den nchsten Tag hatte der Kaiser im Schlo Bellevue eine Beratung
ber die allgemeine Lage und insbesondere ber die belgische
Angelegenheit angesetzt, zu der auer dem Reichskanzler und mir die
Staatssekretre von Khlmann und Graf Roedern, die Staatsminister von
Breitenbach und von Waldow, der Generalfeldmarschall von Hindenburg, der
General Ludendorff, der Chef des Admiralstabs von Holtzendorff, der
Staatssekretr des Reichsmarineamts von Capelle und der Generalgouverneur
von Belgien Generaloberst von Falkenhausen befohlen waren. Auch der
Kronprinz nahm an der Beratung teil. Der Reichskanzler und
Herr von Khlmann machten geheimnisvolle Andeutungen ber eine
Friedensmglichkeit, die sich neuerdings erffnet habe, und zwar durch
Mitteilungen eines von England beauftragten neutralen Vertreters.
Voraussetzung fr Friedensverhandlungen sei unser vlliger und
bedingungsloser Verzicht auf Belgien; sie befrworteten diesen Verzicht.
Demgegenber setzte sich der Chef des Admiralstabs dafr ein, da jeder
Friede uns die flandrische Kste bringen msse. Die Herren von der
Obersten Heeresleitung gaben zwar die flandrische Kste preis, General
Ludendorff betonte jedoch die militrische Wichtigkeit einer Angliederung
der Festung Lttich und ihrer Umgegend. Der Kaiser entschied schlielich
im Sinne des Kanzlers, mit dem Vorbehalt, da die belgische Frage erneut
geprft werden msse, wenn der Verzicht auf Belgien nicht bis zum
Jahresende den Friedensschlu ermgliche. Der Kronprinz, der in der
Sitzung selbst nicht das Wort ergriff, sprach sich nach der Beratung mir
gegenber dahin aus, da nach seiner Ansicht jede Mglichkeit, zu einem
anstndigen Frieden zu kommen, ergriffen werden msse, und da der Friede
an keiner an sich noch so wichtigen Einzelforderung scheitern drfe.

Die angebliche Friedensbereitschaft Englands entpuppte sich bald als ein
Miverstndnis. Es entspann sich spter ein Streit darber, ob
Deutschland oder England die Initiative zu einem neuen Friedensschritt
ergriffen habe. Die englische Regierung lehnte es kategorisch
ab, irgendeiner neutralen Regierung Andeutungen ber ihre
Friedensbereitschaft gemacht zu haben[2].

  [2] Siehe die Mitteilungen von Wolffs Telegraphischem Bureau vom 13.
      und 17. Dezember 1917. -- Im =Nachtrag= komme ich eingehender auf
      diese Angelegenheit zurck.

Unsere Antwort auf die Papstnote wurde am 21. September verffentlicht.
Sie betonte die in 26 Jahren segensreicher Regierung bewhrte
Friedensliebe des Deutschen Kaisers und den werkttigen Willen zum
Frieden des deutschen Volkes; eine unheilvolle Verkettung von
Ereignissen habe im Jahre 1914 einen hoffnungsvollen Entwicklungsgang
jh unterbrochen und Europa in einen blutigen Kampfplatz umgewandelt. Die
Kaiserliche Regierung habe die in der Kundgebung des Papstes gegebenen
Anregungen einer ernsten und gewissenhaften Prfung unterzogen; die
besonderen Manahmen, die sie in engster Fhlung mit der Vertretung des
deutschen Volkes fr die Beratung und Beantwortung der aufgeworfenen
Frage getroffen habe -- gemeint war die Heranziehung des
Siebenerausschusses --, legten davon Zeugnis ab, wie sehr es ihr am
Herzen liege, im Einklang mit den Wnschen des Papstes und der
Friedenskundgebung des Reichstags vom 19. Juli brauchbare Grundlagen fr
einen gerechten und dauerhaften Frieden zu finden. Mit besonderer Wrme
eignete sich die Antwort die in der Note des Papstes ausgesprochene
berzeugung an, da knftig an die Stelle der materiellen Macht der
Waffen die moralische Macht des Rechts treten msse. Wir teilen die
Auffassung Seiner Heiligkeit, so hie es weiter, da bestimmte Regeln
und gewisse Sicherheiten fr eine gleichzeitige und gegenseitige
Begrenzung der Rstungen zu Wasser, zu Land und in der Luft sowie fr die
wahre Freiheit und Gemeinsamkeit der hohen See diejenigen Gegenstnde
darstellen, bei deren Behandlung der neue Geist, der knftig im
Verhltnis der Staaten zueinander herrschen soll, den ersten
verheiungsvollen Ausdruck finden mte. Es wrde sich sodann ohne
weiteres die Aufgabe ergeben, auftauchende internationale
Meinungsverschiedenheiten nicht durch das Aufgebot der Streitkrfte,
sondern durch friedliche Mittel, insbesondere auf dem Wege des
Schiedsverfahrens, entscheiden zu lassen, dessen hohe friedenstiftende
Wirkung wir mit Seiner Heiligkeit voll anerkennen. Die Kaiserliche
Regierung wird dabei jeden Vorschlag untersttzen, der mit den
Lebensinteressen des Deutschen Reiches und Volkes vereinbar ist. Wenn
die Vlker zu ihrem Heil erkannt haben wrden, da es gelte, mehr das
Einigende als das Trennende in ihren Beziehungen zu betonen, werde es
ihnen gelingen, auch die einzelnen noch offenen Streitpunkte so zu
regeln, da jedem Volke befriedigende Daseinsbedingungen geschaffen
wrden und damit eine Wiederkehr der groen Vlkerkatastrophe
ausgeschlossen erscheine. Diese ernste und aufrichtige berzeugung --
so schlo die Note -- ermutigt uns zu der Zuversicht, da auch unsere
Gegner in den von Seiner Heiligkeit zur Erwgung unterbreiteten Gedanken
eine geeignete Unterlage sehen mchten, um unter Bedingungen, die dem
Geiste der Billigkeit und der Lage Europas entsprechen, der Vorbereitung
eines knftigen Friedens nherzutreten.

Die deutsche Regierung nahm also, ohne in eine Errterung der
Einzelheiten einzutreten, die in der ppstlichen Note ausgesprochenen
Gedanken als eine geeignete Unterlage fr Verhandlungen ber den
Frieden an, obwohl die Vorschlge des Papstes in der elsa-lothringischen
Frage die Integritt des Deutschen Reiches, in der Sdtiroler und
Triestiner Frage die Integritt der sterreichisch-ungarischen Monarchie
als offene Fragen behandelten. Ja, indem unsere Antwortnote mit
Bezugnahme auf das ppstliche Rundschreiben ausdrcklich von noch
offenen Streitpunkten sprach, setzte sie sich der Deutung aus, da sie
ihrerseits die elsa-lothringischen Forderungen Frankreichs und die
Aspirationen Italiens auf sterreichische Gebietsteile als offene Fragen
anerkenne. Im brigen wurde durch die Bezugnahme dieses diplomatischen
Dokuments auf die Friedenskundgebung des Reichstags vom 19. Juli diese
von der Reichsregierung in betonter Weise als magebend fr ihre
Friedenspolitik besttigt.

Trotzdem blieb die Papstnote, und ebenso unsere Antwort, ohne Widerhall
bei den Regierungen unserer Feinde. Nur der Prsident Wilson gab -- schon
Ende August -- eine formelle Antwort, die aber lediglich in einer
heftigen Polemik gegen die deutschen Machthaber bestand. Diese
Machthaber htten erst heimlich ein Komplott der Unterjochung geschmiedet
und dann ohne Achtung fr Vertrge, Recht und Ehre seine Durchfhrung
versucht. Diese Macht knne nicht nach den Vorschlgen des Papstes
behandelt werden. Das Wort der gegenwrtigen Machthaber Deutschlands
knne keine Grundlage fr einen dauernden Frieden der Gerechtigkeit und
Menschlichkeit sein. Wir mssen irgendeinen neuen Beweis der Ziele der
groen Vlker der Mittelmchte abwarten. Gott gebe, da dieser Beweis
bald erbracht werde!

Die Ententeregierungen gaben dem Papst berhaupt keine Antwort. In
Frankreich lehnten die Herren Painlev, der neue Ministerprsident, und
Ribot, der das Auswrtige in dem neuen Kabinett erhalten hatte, am 18.
und 19. September jede uerung zur Papstnote ab, da die Ententemchte
seinerzeit Wilsons Frage nach ihren Kriegszielen ausfhrlich beantwortet
htten, whrend die Antwort der Zentralmchte noch ausstehe. Im brigen
sprachen sie viel von der Desannexion von Elsa-Lothringen, der neuen
Formel, die das franzsische Begehren nach den Reichslanden mit der
russischen Formel von dem Frieden ohne Annexionen in Einklang bringen
sollte. In England uerte sich zu der Papstnote nur der frhere
Premierminister Asquith in einer Rede vom 26. September, die in ihrem
positiven Inhalt kaum etwas anderes war als eine Umschreibung der
Ententenote an den Prsidenten Wilson vom 10. Januar 1917. In Ruland
wies der neue Minister des Auswrtigen, Herr Tereschtschenko, am 28.
September in einer Erklrung an die Presse die deutsche Antwort auf die
Papstnote als ungengend zurck und sprach Deutschland den ehrlichen
Willen zum Frieden ab.

So fhrte der Schritt des Papstes nur zur Besttigung der mit der
Friedensresolution des Reichstags gemachten Erfahrung: Unsere eifrig
dokumentierte Bereitwilligkeit, auf der vom Papst vorgeschlagenen, fr
uns nichts weniger als gnstigen Grundlage in Friedensverhandlungen
einzutreten, hatte auf der Gegenseite nur verstrkte Ablehnung und
gesteigerten Kriegswillen zur Folge.

Der Reichskanzler und auch der Staatssekretr des Auswrtigen hatten fr
die Gefahren dieser Wirkung noch ein gewisses Gefhl. Ihre uerungen in
dem Ende September abermals zusammengetretenen Hauptausschu des
Reichstags zeigten immerhin insofern eine gewisse Zurckhaltung, als sie
sich auf Einzelheiten nicht festlegten und es ausdrcklich ablehnten, da
unsere Antwort auf die Papstnote etwa ein neues Friedensangebot bedeuten
solle. Der Reichskanzler erklrte in der Sitzung vom 28. September, da
die Reichsleitung fr mgliche Friedensverhandlungen, auch hinsichtlich
Belgiens, in jeder Weise freie Hand habe. Dies war ein Versuch, die
unerwnschte Wirkung abzuschwchen, die das rckhaltlose Bekenntnis zur
Friedensresolution des Reichstags bei unseren Feinden auslste. Aber ein
Versuch mit untauglichen Mitteln. Die Vorgnge in der Beratung mit dem
Siebenerausschu vom 10. September, ja sogar die wesentlichen Punkte aus
der Beratung beim Kaiser am 11. September, waren sehr bald der deutschen
und der internationalen ffentlichkeit bekannt geworden. Jedermann, der
sich mit den politischen Dingen beschftigte, wute, da die freie
Hand, von der Herr Michaelis sprach, im Falle ernsthafter Verhandlungen
von dieser Freiheit nur den Gebrauch des Nachgebens gemacht htte.

Solche taktischen Vorbehalte konnten unsere Feinde um so weniger
beeindrucken, als am 2. Oktober, wenige Tage nach den Ausfhrungen der
Herren Michaelis und von Khlmann im Hauptausschu des Deutschen
Reichstags, der sterreichisch-ungarische Minister des Auswrtigen Graf
Czernin in Budapest in Gegenwart des neuernannten ungarischen
Ministerprsidenten Dr. Wekerle in einer groes Aufsehen erregenden
Tischrede ein Friedensprogramm entwickelte, das ein uneingeschrnktes
Bekenntnis zu einer neuen, auf internationalen Schiedsgerichten,
Abrstung und Freiheit der Meere aufgebauten Weltordnung und den
erklrten Verzicht auf alle territorialen Sicherungen enthielt, und zwar
in Formen, die nur als ein neues Friedensangebot aufgefat werden
konnten.

In alldem trat immer mehr das Fehlen einer klaren Linie in unserer
eigenen Politik und das Abhandenkommen der einheitlichen Marschroute mit
unserem grten Bundesgenossen hervor. Es konnte gar nicht anders sein,
als da unsere Feinde aus diesen Anzeichen der Unsicherheit und
Uneinigkeit immer neuen Mut schpften.

Darin wurde auch nichts gebessert durch die Rede ber unsere auswrtige
Politik, die Herr von Khlmann acht Tage nach der Czerninschen
Kundgebung, am 9. Oktober 1917, im Plenum des Deutschen Reichstags hielt.
Diese Rede war zunchst bemerkenswert durch das, was Herr von Khlmann
nicht sagte. Er sprach mit keinem Wort von den stlichen Fragen;
ebensowenig von den Kriegszielen unserer Bundesgenossen. Scharf pointiert
bezeichnete er die elsa-lothringische Frage als das einzige
Friedenshindernis, und in dieser Frage rief er ein stark betontes
Niemals! in die Welt. Alle anderen Fragen, die in dem weitschichtigen
Koalitionskrieg eine Rolle spielten, mochten sie uns angehen oder unseren
Bundesgenossen, wurden damit als diskutabel bezeichnet, und gleichzeitig
wurde der deutsch-franzsische Gegensatz fr uns und unsere Mchtegruppe
als der entscheidende Grund fr die Fortfhrung des Krieges hingestellt.
Herr von Khlmann stellte sich also in der Beurteilung des entscheidenden
Friedenshindernisses auf den seit dem Frhjahr 1917 von dem Grafen
Czernin vertretenen Standpunkt, lehnte aber die von diesem gezogene
Konsequenz des Verzichts auf Elsa-Lothringen kategorisch ab. Frankreich,
das um die Mitte des Jahres Zeichen von Verhandlungsbereitschaft gegeben
hatte, wies jetzt jede Preisgabe seiner elsa-lothringischen Forderungen
weit von sich, England hatte sich auf Frankreichs elsa-lothringische
Forderung festgelegt, und auch die Vereinigten Staaten lieen erkennen,
da die Wiederangliederung Elsa-Lothringens an Frankreich auch fr sie
eines der wesentlichen Kriegsziele sei.

Ein Versuch, der elsa-lothringischen Frage durch Zugestndnisse an die
elsa-lothringische Bevlkerung, etwa durch die Gewhrung der
bundesstaatlichen Autonomie die Spitze abzubrechen, lag nahe. Die
Mehrheitsparteien des Reichstags drngten auf eine solche Lsung, und
Herr Michaelis hatte auch bereits gegen Ende August zugesagt, da er sich
ber diese Frage mit den Verbndeten Regierungen ins Benehmen setzen
werde. Die in einem frheren Stadium des Krieges errterte Aufteilung
der Reichslande unter Preuen, Bayern und vielleicht einige anderen
Bundesstaaten war damals abgetan. Herr von Khlmann schien der
Autonomiegewhrung zuzuneigen. Die gesamte Kriegslage hatte sich so
zugespitzt, da in dieser Frage alle die nicht geringen Bedenken
innerpolitischer und militrischer Natur hinter den Erfordernissen der
auswrtigen Politik htten zurcktreten mssen, wenn solche Erfordernisse
mit Entschiedenheit geltend gemacht worden wren. Aber daran fehlte es,
und so blieb auch diese Frage in Schwebe, nicht nur whrend der kurzen
Kanzlerschaft des Herrn Michaelis, sondern darber hinaus auch whrend
der ganzen Regierung des Grafen Hertling.

Unterdessen erneuerten die Westmchte ihre militrischen Anstrengungen.
Die Anfang Juni eingeleitete, aber nach verhltnismig geringen
Anfangserfolgen ins Stocken geratene Schlacht in Flandern lebte von neuem
auf und erreichte Mitte August einen Hhepunkt. Um die gleiche Zeit
setzte eine starke franzsische Offensive bei Verdun ein, in der die
Franzosen rtliche Erfolge errangen. In Flandern lieen die englischen
Angriffe vorbergehend nach. Die Offensive begann in der zweiten
Septemberhlfte von neuem und dauerte mit kurzen Pausen bis in den
November. Die Englnder gewannen in unsagbar blutigem Ringen Schritt fr
Schritt Boden, kamen aber schlielich auf den Hhen von Paschendaele zum
Stehen. Um die Mitte des Oktober erfolgten starke franzsische Angriffe
bei Soissons und am Chemin des Dames. Auch hier gelang es den Franzosen,
in unsere Linien einzubrechen und uns vom Rcken des Damenweges
herabzudrcken; aber unser System der elastischen Verteidigung
vereitelte jeden entscheidenden Erfolg.

In der gleichen Zeit erneuerte unser Ostheer den Druck auf die Russen.
Anfang September wurden die russischen Truppen an der Dna geworfen; am
3. September fiel Riga in unsere Hand. Um die Mitte des Oktober wurden
sel und die benachbarten Inseln des Rigaischen Meerbusens besetzt. Die
russische Front zeigte eine fortschreitende Auflsung. Auch die aus dem
Innern Rulands kommenden Nachrichten lieen einen baldigen Zusammenbruch
der russischen Widerstandskraft erwarten.


                        Die zweite Kanzlerkrisis

Ehe der russische Zusammenbruch eintrat, kam die in Deutschland seit dem
22. August unter der Oberflche schwelende Kanzlerkrisis zum offenen
Ausbruch.

Schon in den Sitzungen des Hauptausschusses in den letzten Septembertagen
hatten die Mehrheitsparteien zwar die Ausfhrungen des Staatssekretrs
von Khlmann mit groem und demonstrativem Beifall begrt, diejenigen
des Reichskanzlers dagegen mit bemerkenswerter Klte aufgenommen. Nicht
nur, da die Mehrheitsparteien Herrn Michaelis den miglckten Versuch
vom 22. August nachtrugen, die Fesseln der Friedensresolution zu lockern,
-- es kam vielmehr hinzu, da sie aus seinem bisherigen Auftreten den
Schlu zogen, da er dem schweren Amte des Reichskanzlers nicht gewachsen
sei, und weiter, da sich bei ihnen das zutreffende Gefhl verstrkt
hatte, da Herr Michaelis im Grunde seines Herzens den Rechtsparteien
nherstehe als der Reichstagsmehrheit, mit der zu regieren er bernommen
hatte.

Die hieraus sich ergebenden Konfliktsmglichkeiten wurden verschrft
durch die Gegenwirkung, die sich gegen die in der Friedensresolution des
Reichstags zum Ausdruck gekommene Politik eingestellt hatte. Die Grndung
der Vaterlandspartei, die den Kampf gegen die Resolutionsmehrheit und
den Verzichtfrieden auf ihre Fahnen schrieb, der starke Zulauf, den die
Vaterlandspartei gleich nach ihrer Grndung zu verzeichnen hatte, ihre
eifrige Propaganda und ihre scharfen Angriffe gegen die Trger der
Mehrheitspolitik, -- das alles erhitzte die Gemter. Der Verdacht der
Begnstigung der Vaterlandspartei durch die Reichsleitung und die
preuische Staatsregierung oder zum mindesten durch deren Organe, vor
allem aber durch die oberste Heeresleitung und die Militrverwaltung gab
der tglich heier werdenden Kampfstimmung eine Richtung gegen den fr
die Leitung der Reichspolitik verantwortlichen und ohnedies in seiner
Gesinnung nicht unverdchtigen Reichskanzler.

In der Erregung der Mehrheitsparteien ber die Agitation der
Vaterlandspartei zeigte sich wieder einmal der unpolitische Sinn des
Deutschen. Einer jeden Regierung, auch einer solchen, die einen
Verstndigungsfrieden, ja einen Verzichtfrieden zu machen entschlossen
ist, kann eine starke nationale Bewegung nur willkommen sein. Sie steht
bei allen Verhandlungen ungleich besser da, wenn sie dem anderen Teil
vorhalten kann, wie schwer es ihr werden wird, Zugestndnisse vor dem
eigenen Volke zu vertreten und zu rechtfertigen, als wenn der andere Teil
in der Lage ist, sie darauf hinzuweisen, da ihr Volk sich lngst mit
jedem Zugestndnis abgefunden habe, ja um des Friedens willen die
weitestgehenden Zugestndnisse verlange. Angriffe, die aus einer, sei es
auch berspannten nationalen Gesinnung kommen, mssen in solchen
entscheidungsschweren Lagen hingenommen und ertragen werden, wenn sie die
eigene Position gegenber dem Verhandlungsgegner strken; sie mssen
hingenommen und ertragen werden nicht nur von den leitenden
Staatsmnnern, sondern auch von den Parteifhrern, die den Ehrgeiz haben,
die Politik mitzubestimmen. Darber habe ich mich in den kritischen Tagen
des Herrn Michaelis mehrfach mit leitenden Persnlichkeiten der
Mehrheitsparteien ausgesprochen, um ihre Erregung gegen die
Vaterlandspartei zu mildern und um ihnen begreiflich zu machen, da der
Kanzler, ohne der deutschen Sache zu schaden, gar nicht in der Lage sei,
in der von ihnen gewnschten Weise gegen die Vaterlandspartei Stellung
zu nehmen.

Fr den 6. Oktober 1917 waren auf die Tagesordnung des Reichstags zwei
Interpellationen gesetzt worden, die sich auf die angebliche Agitation
durch Vorgesetzte im Heer zugunsten alldeutscher Politik und auf
Verordnungen von Stellvertretenden Generalkommandos bezogen, durch die
das Vereins- und Versammlungsrecht einseitig zugunsten alldeutscher
Propaganda gehandhabt wird.

Es war zu erwarten, da diese Interpellationen zu einer groen
politischen Auseinandersetzung Anla geben wrden, deren Ausgang fr die
Stellung des Reichskanzlers von entscheidender Bedeutung werden wrde.
Ich riet deshalb dem Reichskanzler auf das dringendste, die Beantwortung
der Interpellationen selbst zu bernehmen. Herr Michaelis zeigte dafr
keine Neigung. Er beabsichtigte, in der folgenden Woche ber die
auswrtige Politik zu sprechen, und blieb dabei, da die Beantwortung der
Interpellationen sich streng im Rahmen ihres lediglich das Verhalten
militrischer Stellen betreffenden Wortlautes zu halten habe; deshalb
msse die Beantwortung in erster Linie durch den Kriegsminister erfolgen;
ntigenfalls knne durch den als Staatssekretr des Innern in Aussicht
genommenen, zunchst als Unterstaatssekretr im Reichsamt des Innern
fungierenden Herrn Wallraf eine kurze ergnzende Erklrung abgegeben
werden. Es gelang mir nicht, den Reichskanzler zu berzeugen, da sich
die Debatte nicht im Rahmen des Wortlauts der Interpellation werde halten
lassen und da sein persnliches Eingreifen um der Sache und um seiner
selbst willen sich als notwendig herausstellen werde. Ich erreichte nur,
da Herr Michaelis zusagte, sich fr alle Flle whrend der Sitzung in
seinem Arbeitszimmer im Reichstag bereithalten zu wollen.

Es kam, wie ich vorausgesehen hatte. Der sozialdemokratische Abgeordnete
Landsberg begrndete die Interpellationen in einer langen Rede. Gegen die
leitenden Mnner der Vaterlandspartei richtete er Vorwrfe, wie den, da
sie sich von einem Eintreten fr Verlngerung des Krieges nicht dadurch
abhalten lassen, da der Krieg ihnen materielle Vorteile bringt; da sie
ungeheure Mittel aufwendeten, um diejenige Atmosphre in Deutschland zu
erzeugen, in der der richtige Kriegsgewinnler sich erst wohl fhlt; er
gestatte sich, die Mnner, deren Vermgensverhltnisse durch eine
Verlngerung des Krieges gnstig beeinflut wrden, zur Scham zu rufen;
es gelte diesen Herren, dem Volke die Parteien zu verekeln, die erkannt
haben, da Staat und Volk eine Einheit bilden mssen. Nach lngeren
Ausfhrungen ber die Kriegsziele und ber den Streit um die
Friedensresolution des Deutschen Reichstags stellte er die Behauptung
auf, da die Agitation der Vaterlandspartei und hnlicher Gebilde durch
die militrischen und zivilen Behrden begnstigt werde. An einer Reihe
von Einzelfllen, in denen tatschlich bergriffe und Verste
vorgekommen sein mochten, versuchte er diese Behauptung zu begrnden. Mit
besonderer Schrfe wandte er sich gegen den seit lngerer Zeit von der
obersten Heeresleitung organisierten vaterlndischen Aufklrungsdienst in
der Armee, den er zu Unrecht mit der Agitation der Vaterlandspartei in
Verbindung brachte. Als spter im Hauptausschu des Reichstags die fr
diesen Aufklrungsdienst ausgegebenen Richtlinien in ihrem vollen Umfang
mitgeteilt und erlutert wurden, wurde diese Organisation bis in die
Reihen der Sozialdemokraten hinein als zweckmig, ja als notwendig
anerkannt; jede politische Agitation war in diesen Richtlinien
ausdrcklich verboten. Aber der Abgeordnete Landsberg hielt sich auch
hier an Einzelflle, die im Augenblick grtenteils nicht nachzuprfen
waren. Zum Schlu wendete er sich an den abwesenden Reichskanzler, der
sich durch die Antwort auf die Papstnote, die gute Arbeit gewesen sei,
auf die Politik der Reichstagsmehrheit festgelegt habe; das Schwert drfe
nicht verderben, was die Feder gutgemacht habe. Die Wirkung der
alldeutschen Agitation knne sein, da man den Noten des Reichskanzlers
jeden Wert abspreche und ihn der Zweideutigkeit beschuldige. Deshalb
msse der Reichskanzler in seinem Interesse und im Interesse des Reiches
gegen diese Agitation einschreiten. Der Reichskanzler habe gesagt, da er
sich die Fhrung nicht aus der Hand nehmen lasse; jetzt mge und msse
er beweisen, da er fhren wolle und fhren knne.

Schon whrend der Rede des Abgeordneten Landsberg zeigte die Linke eine
starke Erregung; mehrfach ertnten Rufe nach dem Reichskanzler. Whrend
der Beantwortung der Interpellation durch den Kriegsminister von Stein
wuchs die Erregung der Linken zu einem wahren Sturm an. General von Stein
sprach in seiner kurzen, soldatischen, etwas barsch klingenden Art.
Wiederholt wurde er minutenlang unterbrochen. Der Prsident mute whrend
seiner kurzen Darlegungen das Haus nicht weniger als achtmal zur Ruhe
mahnen und zwei Ordnungsrufe an sozialdemokratische Zwischenrufer
erteilen. Dabei sagte der Kriegsminister nichts, was auf eine normale
Hrerschaft htte herausfordernd wirken knnen. Aber der See raste wieder
einmal. Den Hhepunkt erreichte die Szene, als der Kriegsminister von
einem Flugblatt sprach, in dem selbst unsere toten Helden aus dem
Deutsch-Franzsischen Kriege mit Schmutz beworfen wrden. Als er ber
einen Zuruf, er solle das Flugblatt vorzeigen, mit Achselzucken
hinwegging -- einfach weil er das Flugblatt im Augenblick nicht zur Hand
hatte --, ertnten aus den sozialdemokratischen Reihen Rufe: Er kneift!
Er kneift!

Schon gegen Schlu der Rede des Abgeordneten Landsberg hatte ich dem
Reichskanzler sagen lassen, da die Notwendigkeit seines persnlichen
Eintretens vorliege. Whrend der Rede des Kriegsministers lie ich diese
Mitteilung durch den Chef der Reichskanzlei wiederholen. Aber als der
General von Stein unter allgemeinem Aufruhr seine kurzen Ausfhrungen
beendet hatte, war weder der Reichskanzler erschienen noch der Chef der
Reichskanzlei zurckgekommen. Ich hatte den Eindruck, da es ganz
unmglich sei, in dieser Lage durch den Unterstaatssekretr Wallraf die
vereinbarte Erklrung verlesen zu lassen. Wenn der Kanzler nicht kam,
mute sein Stellvertreter einspringen und den allerdings kaum
aussichtsvollen Versuch machen, der Besinnung wieder zu ihrem Rechte zu
verhelfen.

Ich bat also an Stelle des bereits gemeldeten Herrn Wallraf ums Wort.
Noch ehe ich anfing zu sprechen, wurde ich von der Linken mit lrmenden
Zurufen und mit erneuten Rufen nach dem Reichskanzler begrt. Ich
stellte in Krze fest, da der Reichskanzler mit dem Kriegsminister und
allen militrischen Stellen darber einig sei, da die Politik nicht in
die Armee hineingetragen werden drfe; ich setzte aus gutem Grunde hinzu:
von keiner Seite, weder von rechts noch von links! Das unterstreiche ich
mit allem Nachdruck. Damit sei der Rahmen fr den Aufklrungsdienst in
der Armee gegeben; wo die Grenze berschritten werde, sei es Sache der
vorgesetzten Stellen, einzuschreiten; da dies geschehen solle, habe der
Kriegsminister ausdrcklich und bestimmt zugesagt. Was die Beamten
anlange, so wolle ich den Begrnder der Interpellation nicht dahin
verstehen, da er beabsichtige, den Beamten die Freiheit der politischen
Gesinnung und Bettigung abzusprechen; das wrde ja auch im Widerspruch
stehen zu den Traditionen seiner Partei. Den Beamten msse es freistehen,
innerhalb der Grenzen, die ihnen durch ihren Treueid, ihre
Beamtenpflicht, ihren Takt und ihre Zugehrigkeit zu unserer
staatsbrgerlichen Gemeinschaft gezogen seien, ihre politische Gesinnung
zu bettigen. Eine weitere Grenze sei dieser Bettigung darin gezogen,
da kein Beamter seine amtliche Stellung durch Ausbung eines politischen
Druckes auf die ihm unterstellten oder sonstwie von ihm abhngigen
Personen mibrauchen drfe. Wo ein solcher Mibrauch sich zeige, sei der
Reichskanzler entschlossen, fr Remedur zu sorgen. In dieser seiner
Auffassung wisse sich der Reichskanzler einig auch mit den
Bundesregierungen, speziell mit der preuischen Regierung. Zu der
Stellung des Reichskanzlers gegenber der Vaterlandspartei bergehend,
lehnte ich es gem den Intentionen des Reichskanzlers ab, aus Anla der
Interpellation in eine groe politische Debatte ber die Kriegsziele usw.
einzutreten; zu dieser Debatte werde in der kommenden Woche in Gegenwart
des Reichskanzlers Gelegenheit sein. Als ich am Schlu meiner fortgesetzt
von Zwischenrufen unterbrochenen Ausfhrungen die Hoffnung aussprach, da
meine Erklrungen die Interpellanten beruhigen knnten, umtoste mich
lrmender Widerspruch. Ich antwortete:

Meine Herren, wenn Sie in die Mnner, die an der Spitze der
Heeresverwaltung und an der Spitze der Reichsleitung stehen, nicht das
Vertrauen haben, da sie ihre Worte wahrmachen -- abermals ertnten
heftige Nein!-Rufe -- dann hat es keinen Zweck, da ich vor Ihnen
Worte mache.

Ich hatte gegen meine Gewohnheit nicht von meinem Platz am
Bundesratstische, sondern von der Tribne aus gesprochen, wohin ich mich
whrend der Rede des Kriegsministers begeben hatte, um in der
herrschenden Unruhe besser verstehen zu knnen. Nachdem ich unter
lebhaftem Beifall von rechts und lrmenden Zurufen von links geschlossen
hatte, ging ich an meinen Platz zurck. Es wurde mir spter nachgesagt,
mein Abgang von der Tribne sei mit einer Geste erfolgt, die an Gtz von
Berlichingen erinnert habe. Einer solchen Geste bin ich mir nicht bewut;
aber allerdings verlie ich die Tribne stark degoutiert. Die
Beschimpfungen des Kriegsministers, der als Heerfhrer in der
Somme-Schlacht unter den schwierigsten Verhltnissen seinen Mann
gestanden hatte und der als gerader und aufrechter Charakter auch
gegenber dem schrfsten politischen Gegner Anspruch auf persnliche
Achtung hatte; die Unmglichkeit einer sachlichen und ruhigen Behandlung
innerer Fragen im Angesicht der ueren Feinde und in einem Zeitpunkt, in
dem drauen an der Flandernfront neue Kmpfe schwerster Art entbrannt
waren; das wste Schreien und Toben bei meinen in der Sache
entgegenkommenden, in der Form ruhigen und in keiner Weise
herausfordernden Ausfhrungen; die erbrmliche Heuchelei der
linkssozialistischen Lrmmacher, die -- wie mir bekannt war -- in Heer
und Flotte eine skrupellose Agitation betrieben und sich nun ber die
angebliche Frderung der alldeutschen Propaganda entrsteten, -- das
alles erfllte mich mit Bitterkeit und Widerwillen.

Der Vorfall wurde von den zahlreichen Gegnern, die ich auch auerhalb der
Sozialdemokratie im Reichstag hatte, eifrig ausgenutzt; dazu kam, da man
die Diskussion in Gegenwart des Reichskanzlers zu Ende zu fhren
wnschte. Die Debatte ber die Interpellation wurde deshalb nicht zu Ende
gefhrt, sondern in verhltnismig frher Stunde vertagt.

In der nchsten Sitzung am Montag, 8. Oktober, wurde der zur dritten
Lesung anstehende Nachtragsetat, der die Teilung des Reichsamts des
Innern und die Schaffung einer besonderen Stelle fr mich als
Stellvertreter des Reichskanzlers vorsah, an den Hauptausschu
zurckverwiesen. Man wollte sich dort darber unterhalten, ob man nach
dem Vorgefallenen die fr mich bestimmte Stelle nun doch noch ablehnen
sollte, und auerdem wollte man vor einer Fortsetzung der
Interpellationsdebatte im Plenum weitere Mitteilungen vom Kriegsminister
ber den Aufklrungsdienst im Heer, vom Reichskanzler ber seine Stellung
zur alldeutschen Agitation.

Die Aussprache in der Kommission verlief befriedigend. In meiner
persnlichen Angelegenheit wurde anerkannt, da sachlich an meiner
Beantwortung der Interpellation kaum etwas auszustellen sei; aber es sei
der Ton, der die Musik mache. Ich konnte meinerseits nur darauf
hinweisen, da in diesem Fall die von einem Teil des Reichstags gemachte
Musik nicht ganz ohne Einflu auf meinen Ton habe bleiben knnen. Der
Nachtragsetat mit dem Vizekanzlerposten wurde schlielich vom
Hauptausschu erneut mit allen Stimmen gegen diejenigen der
Sozialdemokraten angenommen. Der Weg fr die Erledigung der
Interpellation und des Nachtragsetats im Plenum schien auf das beste
vorbereitet.

Aber die Plenarverhandlung des folgenden Tages brachte einen neuen
unerwarteten Zwischenfall, der fr die Kanzlerschaft des Herrn Michaelis
verhngnisvoll werden sollte.

Zum Verstndnis dieses Zwischenfalles mu ich vorausschicken, da im Juli
oder August unter den Mannschaften der Hochseeflotte eine Verschwrung
entdeckt worden war, die darauf hinausging, in einem noch zu bestimmenden
Augenblicke durch gemeinschaftliche Gehorsamsverweigerung die Flotte
lahmzulegen und dadurch den Frieden zu erzwingen. Von den Rdelsfhrern
wurden einige zum Tode verurteilt -- wenn ich mich recht erinnere, sechs,
wovon drei begnadigt wurden; andere erhielten schwere Freiheitsstrafen.
Die Untersuchung ergab, da die Rdelsfhrer dieses Komplotts smtlich
Mitglieder der Unabhngigen Sozialdemokratischen Partei waren, und da
ihre Werbung fr das Komplott Hand in Hand ging mit der Werbung fr die
Unabhngige Sozialdemokratie; da ferner die Rdelsfhrer des Komplotts
in persnliche Beziehungen zu fhrenden Mitgliedern der Unabhngigen
Sozialdemokratie, insbesondere den Abgeordneten Haase, Dittmann und
Vogtherr getreten waren und von diesen reichlich mit Agitationsmaterial
versehen worden waren. Nicht schlssig erwiesen war, da die Rdelsfhrer
des Marinekomplotts die genannten sozialistischen Abgeordneten auch in
ihre aufrhrerischen und landesverrterischen Plne eingeweiht hatten und
von diesen nicht nur fr die Werbettigkeit zugunsten der Unabhngigen
Sozialdemokratischen Partei, sondern auch fr jene verbrecherischen Plne
Aufmunterung und Untersttzung erhalten hatten. Der Reichsanwalt war
infolgedessen zu der Ansicht gekommen, da das Material zu einem
strafrechtlichen Einschreiten gegen die drei Reichstagsabgeordneten nicht
ausreiche.

Der Reichskanzler hatte im Laufe des September Vertrauensleuten der
Reichstagsfraktionen von den Vorkommnissen eingehende Mitteilungen
gemacht und ihnen durch den Reichsanwalt die Akten vortragen lassen. Man
war zu der Ansicht gekommen, da vor allem Weiteren eine
Vervollstndigung der Untersuchung und bis zu deren Abschlu -- schon in
Rcksicht auf das Ausland -- die strengste Geheimhaltung notwendig sei.
Die Vervollstndigung der Untersuchung stie insofern auf groe
Schwierigkeiten, als die Todesurteile an den Hauptrdelsfhrern, die mit
den drei Abgeordneten in Verbindung getreten waren, bereits vollstreckt
waren. Bis zu der Tagung des Reichstags im Oktober war neues belastendes
Material jedenfalls nicht zutage gefrdert worden.

Fr die Sitzung des Reichstags vom 9. Oktober war als erster Redner in
der Fortsetzung der Interpellationsdebatte der Abgeordnete Dittmann
vorgemerkt. Es war zu erwarten, da er in der von ihm gewohnten scharfen
Weise gegen das Hineintragen der alldeutschen Agitation in das Heer
vorgehen werde, ohne sich dadurch beirren zu lassen, da er selbst und
seine Parteigenossen eine zum mindesten auf die Erschtterung der
Disziplin und die Lhmung der Kampfeskraft gerichtete Agitation in die
Marine hineingetragen hatten. Um hier vorzubeugen und zu warnen, hatte
ich in meinen Ausfhrungen vom 6. Oktober ausdrcklich betont, da die
Politik von keiner Seite in die Armee hineingetragen werden drfe, weder
von rechts noch von links. Der Reichskanzler, der beabsichtigte, bei der
Fortsetzung der Debatte seine in dem Hauptausschu abgegebenen und dort
als befriedigend anerkannten Erklrungen zu wiederholen, wollte nicht als
erster das Wort ergreifen, sondern erst nach dem Abgeordneten Dittmann
sprechen und diesem gegenber den Standpunkt mit Nachdruck vertreten, da
der Abgeordnete Dittmann und seine Parteigenossen am allerwenigsten
berechtigt seien, ber politische Agitation im Heer Klage zu fhren, und
da er, der Reichskanzler, am allerwenigsten eine politische Agitation in
der bewaffneten Macht dulden werde, die auf eine Erschtterung des festen
Gefges und des guten Geistes von Heer und Flotte hinausgehe.

Htte der Kanzler sich darauf beschrnkt, so wre er sowohl von den
Unabhngigen Sozialdemokraten wie auch von den brigen Parteien, deren
Fhrer ja ber die Vorkommnisse in der Marine und die Rolle des Herrn
Dittmann bei diesen Vorkommnissen unterrichtet waren, verstanden worden
und der allgemeinen Zustimmung sicher gewesen. Der Kanzler ging jedoch
ber diese Linie hinaus. Dem Abgeordneten Dittmann, der in seiner Rede
auer den erwarteten Malosigkeiten auch die Todesurteile und
Zuchthausstrafen gegen Matrosen, die angeblich wegen Bekundung ihrer
politischen Gesinnung gefllt worden seien, vorgebracht hatte,
antwortete er, indem er einmal Mitteilungen des Staatssekretrs von
Capelle ankndigte, die begrnden sollten, da Herr Dittmann der letzte
sei, der ber Agitation im Heer und in der Marine sprechen drfe; dann,
indem er erklrte, sein Wort, da er allen Parteien mit voller
Objektivitt gegenberstehen wolle, gelte nur mit der Einschrnkung,
sofern diese Parteien nicht staatsgefhrdende Ziele verfolgten; die
Partei der Unabhngigen Sozialdemokratie stehe fr ihn jenseits dieser
Linie.

Nach dem Kanzler erhob sich der Staatssekretr von Capelle, um ber die
Vorkommnisse in der Marine zu sprechen. Er enthllte die geplante
Verschwrung und fgte hinzu:

Es ist eine Tatsache, da diese Leute Beziehungen mit der Unabhngigen
Sozialdemokratischen Partei angeknpft haben. Es steht aktenmig fest,
da der Hauptagitator hier im Reichstag im Fraktionszimmer der
Unabhngigen Sozialdemokraten den Abgeordneten Dittmann, Haase und
Vogtherr seine Plne vorgetragen und Billigung gefunden hat. Die
Abgeordneten haben zwar auf das uerst Gefhrliche des Vorgehens
hingewiesen und zur grten Vorsicht gemahnt, aber ihre volle
Untersttzung durch bermittlung von Agitationsmaterial zur Aufreizung
der Flotte zugesagt.

Diese Erklrung mute dahin verstanden werden, da die Rdelsfhrer der
Matrosenverschwrung den drei Abgeordneten ihren Plan der Lahmlegung der
Flotte durch gemeinschaftliche Gehorsamsverweigerung mitgeteilt und fr
die Ausfhrung dieses Planes deren Billigung und Untersttzung erhalten
htten. Das war aber gerade der Punkt, fr den auch jetzt noch ein
schlssiger Beweis nicht vorlag.

Des Reichstags bemchtigte sich eine gewaltige Aufregung, die sich
zunchst gegen die Unabhngigen Sozialdemokraten richtete, dann aber, als
sich herausstellte, da fr den Hauptpunkt der schlssige Beweis fehlte,
gegen den Kanzler und den Staatssekretr des Reichsmarineamts. Die
Erregung wurde dadurch verschrft, da Herr Michaelis die von ihm im
September ber die Vorflle in der Marine orientierten Parteien mit
keinem Wort davon unterrichtet hatte, da er im Gegensatz zu der damals
mit ihnen vereinbarten Linie die Angelegenheit im Plenum des Reichstags
vorbringen wolle. Es war wieder einmal eine unglckliche Improvisation.
Der Kanzler hatte auch mir gegenber, der ich noch unmittelbar vor der
Sitzung mit ihm ber die Entgegnung auf die zu erwartenden Dittmannschen
Angriffe gesprochen hatte, kein Wort von einer Absicht gesagt, die
Marineangelegenheit jetzt zu einem Vorsto gegen die Unabhngigen
Sozialdemokraten zu benutzen. Anderenfalls htte ich ihm dringend
abgeraten, die Angelegenheit in dieser Form und berhaupt ohne
Vereinbarung mit den Parteien ber eine gemeinschaftliche Stellungnahme
im Reichstag zur Sprache zu bringen. Auf meine erstaunte Frage ber den
Anla zu diesem doch offenbar mit dem Staatssekretr des Reichsmarineamts
verabredeten Vorsto antwortete mir der Kanzler, auf dem Wege zu dem
Sitzungssaale habe er Herrn von Capelle getroffen, der ihm gesagt habe,
der Abgeordnete Dittmann werde die Verurteilungen in der Marine
vorbringen, da msse er doch klaren Wein einschenken; er habe sich damit
einverstanden erklrt; seinerseits habe er es fr richtig gehalten, in
seiner Erwiderung auf die Dittmannsche Rede im voraus auf die
Erklrungen des Herrn von Capelle hinzuweisen.

Ich tat whrend des Fortgangs der Sitzung in Unterhaltungen mit Fhrern
der brgerlichen Parteien mein mglichstes, um diese davon abzuhalten,
aus dem vorliegenden Anla einen neuen Sturm gegen den Reichskanzler zu
inszenieren. Man mochte das Vorgehen des Reichskanzlers und des
Staatssekretrs des Reichsmarineamts vom Standpunkt der Taktik, der
Zweckmigkeit und der Rcksicht auf die Reichstagsparteien beurteilen
wie man wollte, -- ber die schweren Gefahren der Agitation der
Unabhngigen Sozialdemokraten in der Marine und im Heer konnte sich kein
politisch denkender Mensch einem Zweifel hingeben. Zudem sprach im
vorliegenden Fall, wenn auch das letzte Glied in der Beweiskette fehlte,
ein so hoher Grad von Wahrscheinlichkeit mindestens fr eine moralische
Mitschuld der Unabhngigen Sozialdemokraten an der Marineverschwrung,
da es mir geradezu ungeheuerlich erschien, wenn jetzt ein groer Teil
der brgerlichen Parteien sich anschickte, die Unabhngigen
Sozialdemokraten als die gekrnkte Unschuld zu schtzen und sich gegen
den Reichskanzler und Herrn von Capelle zu wenden. Und doch lie die
Mehrheit des Reichstags auch diesen Anla, ihre politische Unreife zu
zeigen, nicht vorbergehen.

Den Reigen erffnete namens des Zentrums Herr Trimborn, der es in noch
verhltnismig milder Form als recht bedenklich und nicht angngig
bezeichnete, die Partei der Unabhngigen Sozialdemokraten in ihrer
Gesamtheit ohne weiteres mit den gegen die drei Abgeordneten erhobenen
Beschuldigungen in Zusammenhang zu bringen; er sprach ferner die
Erwartung aus, da fr diese Beschuldigungen hinreichend schlssiges
Material vorliege, das die Mglichkeit gebe, gegen die drei Abgeordneten
wegen Hoch- und Landesverrats vorzugehen. Auch der Fhrer der
Nationalliberalen, Dr. Stresemann, verlangte, da gegen die drei
Abgeordneten ein strafrechtliches Verfahren eingeleitet werde. Der
Abgeordnete Naumann, der fr die Fortschrittliche Volkspartei sprach,
ging erheblich weiter. Er protestierte feierlich dagegen, da man aus
einem nicht vollzogenen Verfahren hier entehrende Folgerungen gegen
jemand zieht, der zur deutschen Reichs- und Volksvertretung gehrt, und
da ein Vorgehen einzelner, selbst wenn es bewiesen sei, auf eine ganze
Partei ausgedehnt werde; er fgte hinzu: Durch das, was der Herr
Reichskanzler vorhin gesagt hat, sind wir alle gentigt worden, nun fr
diese Partei und ihre Existenz recht einzutreten.

Der Sprecher einer brgerlichen Partei brachte es also zuwege, aus falsch
verstandener Gerechtigkeit zu verlangen, da der Reichstag, weil vom
Regierungstisch eine Ungeschicklichkeit begangen worden war, fr die
Unabhngige Sozialdemokratische Partei eintreten msse, deren Agitation
in Heer und Flotte, wie die Marineverschwrung gezeigt hatte, zum
mindesten den Boden bereitete fr eine Bewegung, die uns mitten im Krieg
wehrlos machen mute. Vergeblich bemhte sich der Reichskanzler, der in
jener Sitzung noch zweimal das Wort nahm, seine miverstndlichen und
miverstandenen Worte von der auerhalb der Linie stehenden
Unabhngigen Sozialdemokratischen Partei auf den ihnen zugedachten Sinn
zurckzufhren; vergeblich hob er hervor, da es sich bei der ganzen
Debatte um die Frage der politischen Agitation in der bewaffneten Macht
handele, und da er angesichts des Nebeneinandergehens der Werbung fr
den Aufruhr und Kriegsverrat und der Werbung fr die Unabhngige
Sozialdemokratische Partei eine Agitation der Unabhngigen
Sozialdemokraten in Heer und Flotte nicht dulden knne, -- es blieb
dabei, da die Reichstagsmehrheit den von der Regierungsbank gemachten
taktischen Fehler weit bertrumpfte, indem sie, statt der Regierung
beizuspringen, den Unabhngigen Sozialdemokraten als den zu Unrecht
Angegriffenen Deckung gegen die Reichsregierung gewhrte. Die, wenn auch
der Mitwisserschaft und Mittterschaft an dem Verbrechen des
militrischen Aufruhrs und des Landesverrats nicht berfhrten, so doch
immerhin schwer blogestellten und in ihrer Gefhrlichkeit entlarvten
Fhrer der Unabhngigen Sozialdemokratie standen dank des Versagens der
brgerlichen Mehrheitsparteien am Schlu jener verhngnisvollen
Reichstagssitzung als die Triumphatoren da.

Da bei diesem Verhalten der brgerlichen Mehrheitsparteien die
Mehrheitssozialisten einen doppelten Eifer zeigten, fr die gekrnkte
Unschuld ihrer feindlichen Brder einzutreten, konnte nicht wundernehmen.
Der Abgeordnete Ebert ging mit ungewhnlicher Schrfe mit dem
Reichskanzler ins Gericht. Es sei unerhrt, ohne die Angeschuldigten
vorher zu unterrichten, pltzlich mit so schweren Anklagen vor aller
ffentlichkeit im Parlament hervorzutreten. Nach dem vorgetragenen
Material seien die erhobenen Anklagen nicht gerechtfertigt. Wenn die
Heeresleitung selbst die Politik in das Heer hineintrage, dann drfe sie
sich nicht beschweren, wenn andere Parteigruppen ebenfalls im Heer
Propaganda trieben. Der Reichskanzler habe mit seiner Erklrung der
ganzen Sache die Krone aufgesetzt: er habe kurzerhand eine ganze Partei
auerhalb des Rechts gestellt (wovon gar keine Rede war). Dies sei ein
Rckfall in die Ausnahmegesetzgebung. Eine solche Erklrung habe nur von
einer Regierung erfolgen knnen, die sich ihrer groen Verantwortung
nicht bewut und ihrer groen Aufgabe in keiner Weise gewachsen sei; und
ich spreche es weiter offen aus, fgte er hinzu, jeder Tag, der das
deutsche Volk frher von dieser Regierung befreit, wird von uns begrt
werden.

Das war eine Kampfansage in aller Form. Wer das Bestreben der
brgerlichen Mehrheitsparteien kannte, unter allen Umstnden die
geschlossene Front mit den Mehrheitssozialisten aufrechtzuerhalten, wer
auerdem Bescheid wute ber die starken Krfte, die in den brgerlichen
Mehrheitsparteien gegen die Kanzlerschaft des Herrn Michaelis am Werke
waren, der konnte nicht im Zweifel sein, welche Stunde geschlagen hatte.

Zwar wurde ein von den Sozialdemokraten beider Richtungen beantragtes
Mitrauensvotum gegen den Kanzler von den brgerlichen Parteien
abgelehnt, jedoch nur, weil man einen Kanzlersturz in offener
Reichstagssitzung zu vermeiden wnschte; aber die brgerlichen
Mehrheitsparteien, einschlielich der Nationalliberalen, kamen berein,
nach der unmittelbar bevorstehenden Vertagung des Reichstags Herrn
Michaelis zu erffnen, da er nach ihrer Ansicht nicht Kanzler bleiben
knne.


                     Von Michaelis zu Graf Hertling

Im November sollte der Reichstag zur Bewilligung eines neuen
Kriegskredits abermals zusammentreten. Schon am 22. Oktober versammelte
sich die interfraktionelle Kommission der Mehrheitsparteien, diesmal
unter Hinzutritt der Nationalliberalen, um ber die Kanzlerkrisis zu
beraten. Am folgenden Tag besuchten die Vertreter der Mehrheitsparteien
den Chef des Zivilkabinetts des Kaisers, Herrn von Valentini, um diesem
ihre Auffassung ber die Lage darzulegen. Der Rcktritt des Herrn
Michaelis wurde dabei als etwas Unvermeidliches behandelt. Die Herren
lieen Herrn von Valentini ein Schriftstck zurck, das folgendermaen
lautete:

    Nach Rcksprache von Vertretern verschiedener Parteien des
    Reichstags mit dem Herrn Reichskanzler ber die gesamte uere und
    innere Lage sind wir gemeinschaftlich zu folgender Auffassung
    gelangt:

    Sollte Seine Majestt der Kaiser zu dem Entschlusse kommen, einen
    Kanzlerwechsel eintreten zu lassen, so dient es dem hchsten
    Staatsinteresse, fr ruhige innerpolitische Entwicklung bis
    Kriegsende volle Gewhr zu schaffen. Nur hierdurch kann diejenige
    Geschlossenheit hergestellt werden, deren das Volk in Waffen und in
    der Heimat dringend bedarf.

    Der Weg zu diesem Ziel ist eine vertrauensvolle Verstndigung ber
    die uere und innere Politik des Reiches bis zum Kriegsende. Die
    innerpolitischen Schwierigkeiten der letzten Monate sind auf den
    Mangel einer solchen Verstndigung zurckzufhren.

    Seine Majestt den Kaiser bitten wir daher, vor der von ihm zu
    treffenden Entschlieung die zur Leitung der Reichsgeschfte in
    Aussicht genommene Persnlichkeit zu beauftragen, sich mit dem
    Reichstag zu besprechen.

In diesem Schriftstck wie in den mndlichen Unterhaltungen der
Parteifhrer mit Herrn von Valentini wurde der Versuch gemacht, die
Personenfrage, die in dem Sinn der Verabschiedung des Herrn Michaelis
ohne weiteres als entschieden angenommen wurde, gleichzeitig zu einer
verfassungsrechtlichen Frage zu machen: Die Parteien wnschten bei der
bevorstehenden Ernennung des neuen Reichskanzlers vor der Kaiserlichen
Entscheidung mitsprechen zu drfen, und zwar in Form einer Verhandlung
mit dem neuen Reichskanzler ber eine vertrauensvolle Verstndigung ber
die uere und innere Politik des Reiches bis zum Kriegsende. Dieser
Wunsch war in die Form einer Bitte an den Kaiser gekleidet und trug so
dem verfassungsmigen Rechte des Kaisers zur Ernennung des
Reichskanzlers Rechnung. Auch sachlich war gegen den Wunsch, da der neue
Reichskanzler vor seiner endgltigen Ernennung mit den Parteien des
Reichstags Fhlung nehmen mchte, nichts einzuwenden. Jeder, der in
voller Kenntnis der Verhltnisse sich vor den Entschlu gestellt sah, die
Leitung der Reichsgeschfte zu bernehmen, mute ohnedies aus sich heraus
das Bedrfnis fhlen, vor seiner eigenen Entschlieung ber die Annahme
des Kanzlerpostens sich darber zu vergewissern, ob er mit dem Reichstag
werde zusammenarbeiten knnen oder nicht. Immerhin wurde, wenn der Kaiser
dem Wunsche der Fhrer der Mehrheitsparteien des Reichstags entsprechend
die als neuen Reichskanzler in Aussicht genommene Persnlichkeit
beauftragte, sich vor ihrer endgltigen Ernennung mit dem Reichstag zu
besprechen, ein Vorgang geschaffen, der angesichts der groen Rolle, die
Tradition und bung im Verfassungsleben aller Vlker spielen, knftighin
als neues Recht in Anspruch genommen werden wrde. Insofern war die
Angelegenheit von nicht geringer Tragweite. Auerdem aber hatte der
Kaiser sich erst noch zu entscheiden, ob er Herrn Michaelis, der noch
kein Entlassungsgesuch eingereicht hatte und dazu auch keine Neigung
zeigte, veranlassen wollte, um seinen Abschied zu bitten.

Und auch diese letztere Frage lag keineswegs einfach. Es handelte sich
nicht nur um die Eignung des Herrn Michaelis zur Fhrung der
Reichsgeschfte, sondern auch um die Frage, ob der Anla fr die
Verabschiedung des Herrn Michaelis ein geeigneter war. Ich vertrat
gegenber Herrn von Valentini, der mich am 24. Oktober besuchte, den
Standpunkt, da der Anla der denkbar ungeeignetste sei. Die Krisis war
unmittelbar veranlat durch das Auftreten des Reichskanzlers gegen die in
ihrer Gefhrlichkeit gar nicht hoch genug einzuschtzende Agitation der
Unabhngigen Sozialdemokraten in Heer und Flotte. Es war schon schlimm
genug, da die brgerlichen Mehrheitsparteien, verstrkt durch die
Nationalliberalen, zusammen mit den Mehrheitssozialisten in dieser Frage
gegen den Reichskanzler Stellung genommen hatten; schon das war eine
unverantwortliche Frderung dieser unsere nationale Existenz
untergrabenden Whlarbeit. Der Schaden mute aber ins Unermeliche
gesteigert werden, wenn der Kaiser einen Kanzler in die Wste schickte,
weil dieser es gewagt hatte -- wenn auch in nicht ganz geschickter Form
--, gegen diese Whlarbeit aufzutreten. Bei aller Loyalitt, die ich dem
Reichskanzler schuldete, konnte ich Herrn von Valentini nicht verhehlen,
was ich auch gegenber dem Kanzler selbst offen ausgesprochen hatte, da
auf die Dauer Herr Michaelis als Kanzler nicht zu halten sein werde; aber
ebenso bestimmt sprach ich mich dahin aus, da Herr Michaelis nicht vor
den Triumphwagen der Unabhngigen Sozialdemokraten gespannt werden drfe.
Bei einiger Besonnenheit auf seiten der Reichstagsparteien htte sich ein
ertrglicher Ausweg finden lassen mssen.

An der ntigen Besonnenheit aber fehlte es ganz und gar.

Schon zwei Tage nach dem ersten Schritt der Mehrheitsparteien bei Herrn
von Valentini erschien dort der Zentrumsabgeordnete Trimborn als
Beauftragter der Mehrheitsparteien von neuem, um das Erstaunen
auszusprechen, da trotz der bei Herrn von Valentini erhobenen
Vorstellungen behauptet werde, Herr Michaelis solle bleiben, und um zu
fragen, ob und wann die Mehrheitsparteien berhaupt eine Antwort zu
erwarten htten. Herr von Valentini zeigte sich seinerseits erstaunt ber
das Drngen; nachdem man zwei Tage zuvor ausdrcklich betont habe, man
wolle dem Kaiser die Freiheit der Entschlieung lassen, msse man ihm
auch die Zeit fr eine Entschlieung gewhren.

An dem Nachmittag desselben 25. Oktober besuchte mich der Abgeordnete
Conrad Haumann im Auftrag seiner in der interfraktionellen Besprechung
vereinigten Kollegen, um folgende Anfragen an mich zu richten:

1. ob es richtig sei, da ich mich dem Abgang des Herrn Michaelis
widersetze, oder da ich ihn jedenfalls noch bis zum Dezember halten
wolle;

2. ob es richtig sei, da ich einen Plan entworfen habe oder wenigstens
befrdere, der bezwecke, die Mehrheitssozialdemokraten aus Anla des
nchsten Kriegskredits in die Opposition zu drngen und dann eine neue
Mehrheit mit scharfer Frontstellung nach links zu bilden.

Ich habe Herrn Haumann, der diese Fragen sehr offiziell an mich
richtete, zunchst privatim und persnlich -- ich stand mit ihm
persnlich stets auf einem guten Fu -- meine Meinung ber den Takt und
die Klugheit solcher Fragen gesagt und ihm dann offiziell erklrt:

1. da ich es ablehnen mte, als Stellvertreter des Reichskanzlers und
Staatssekretr irgendwelche Erklrungen ber meine Stellung zu dem
Bleiben oder Gehen des Reichskanzlers abzugeben;

2. da ich es stets als einen wesentlichen Erfolg der Politik des Herrn
von Bethmann Hollweg angesehen htte, da es gelungen sei, die Massen der
sozialdemokratischen Arbeiterschaft und ihre parlamentarische Vertretung
in der vaterlndischen Front zu halten; ich hoffte, da dieses auch
weiterhin mglich sein werde.

Herr Haumann gab sich die erdenklichste Mhe, mir die Unhaltbarkeit der
Stellung des Herrn Michaelis und die unbedingte Einigkeit der
Mehrheitsparteien und der Nationalliberalen in diesem Punkte
klarzumachen. Als Reichskanzler empfahl er -- damals schon! -- in erster
Reihe den Prinzen Max von Baden, an zweiter Stelle den Staatssekretr von
Khlmann. Gegen den Frsten Blow, fr den von den Herren Erzberger und
Stresemann starke Propaganda gemacht werde, seien der grte Teil des
Zentrums, seine eigenen Parteifreunde und mit der grten Entschiedenheit
die Sozialdemokraten.

Herr Michaelis hielt unterdessen an der Hoffnung fest, da es ihm
gelingen werde, einen Umschwung in der Stimmung der Parteien
herbeizufhren. Er rechnete dabei auf die Untersttzung
sozialdemokratischer Gewerkschaftskreise, mit denen er glaubte in guter
Fhlung zu stehen.

Fr Freitag, 26. Oktober, vormittag, wurden der Vizeprsident des
Staatsministeriums von Breitenbach und ich zum Kaiser nach Potsdam zum
Vortrag befohlen. Ich war auch jetzt noch entschlossen, dem Kaiser zu
raten, Herrn Michaelis aus dem vorliegenden Anla nicht zu verabschieden,
sich vielmehr Zeitpunkt und Umstnde nach den Erfordernissen der ueren
und inneren Politik auszusuchen.

Vor der Fahrt nach Potsdam besuchte ich den Reichskanzler, um diesen von
der Tatsache, da der Kaiser mich zum Vortrag befohlen habe, zu
unterrichten. Ich fand Herrn Michaelis in seiner bisherigen
Zuversichtlichkeit stark erschttert. Dazu hatte beigetragen eine
Zeitungsmeldung ber eine Audienz des bayrischen Gesandten Grafen
Lerchenfeld beim Kaiser, die in Wirklichkeit berhaupt nicht
stattgefunden hatte. Herr Michaelis sagte mir, da er krzlich bei einer
Unterredung mit dem Grafen Lerchenfeld den bestimmten Eindruck gehabt
habe, da auch dieser ihn fr reif zum Abgang halte. Das war keine
Tuschung; auch mir gegenber hatte sich Graf Lerchenfeld sehr
entschieden in diesem Sinne ausgesprochen. Herr Michaelis nahm an, da
Graf Lerchenfeld auch dem Kaiser in diesem Sinne vorgetragen haben werde.
Vor allem aber war Herr Michaelis zu der berzeugung von der
Unhaltbarkeit seiner Stellung dadurch gekommen, da seine Verhandlungen
mit den Gewerkschaftlern sich zerschlagen hatten. Diese hatten ihm eine
Liste von Forderungen prsentiert, die, wie Herr Michaelis mir sagte,
auerordentlich weit gingen und auch, soweit sie an sich vielleicht
annehmbar wren, nicht als Bedingung fr das Verbleiben des Kanzlers
aufgestellt werden drften.

Aus dieser Lage zog Herr Michaelis die Folgerung, indem er mich
beauftragte, dem Kaiser den Vorschlag zu unterbreiten, da der bayrische
Ministerprsident Graf Hertling zum Reichskanzler ernannt werden solle,
whrend er, Herr Michaelis, als preuischer Ministerprsident, wenigstens
bis zur Erledigung der Wahlreform, auf seinem Posten bliebe.

Ich hob gegenber Herrn Michaelis die Bedenken der Trennung des
Reichskanzleramtes und des preuischen Ministerprsidiums hervor; aber
ich konnte mich dem Argument nicht ganz verschlieen, da die Trennung
als eine vorbergehende Ausnahmemaregel, um den durch die Reichspolitik
voll in Anspruch genommenen Kanzler von der Last der Durchbringung der
preuischen Wahlreform zu befreien, schlielich hingenommen werden knne.
Gegen den Grafen Hertling, der schon bei Bethmanns Abgang an erster
Stelle in Betracht gezogen worden war, damals aber abgelehnt hatte,
sprach sein hohes Alter. Fr ihn sprach, da er als Vorsitzender des
Bundesratsausschusses fr auswrtige Angelegenheiten in der auswrtigen
Politik kein Neuling war; ferner da er in den parlamentarischen Kreisen
als alter und erfahrener Parlamentarier ein hohes Ansehen geno und in
dem Zentrum, der strksten Partei des Reichstags, auf einen sicheren
Rckhalt rechnen konnte, ein Umstand, der die dringend ntige Wiederkehr
einigermaen stabiler innerpolitischer Verhltnisse erhoffen lie. Wenn
Herr Michaelis als preuischer Ministerprsident im Amte blieb, so war
berdies der fatale Eindruck, als ob er den Unabhngigen Sozialdemokraten
geopfert werde, wenigstens einigermaen abgeschwcht.

Der Kaiser erklrte sich nach einer Errterung der inneren und ueren
Lage mit dieser Lsung einverstanden und beauftragte mich, Herrn
Michaelis davon zu verstndigen, whrend er Herrn von Valentini den
Auftrag gab, durch den Grafen Lerchenfeld den Grafen Hertling alsbald
nach Berlin bitten zu lassen.

Graf Hertling kam am Sonntag, 28. Oktober, in Berlin an und hatte
zunchst eine eingehende Aussprache mit Herrn Michaelis. Fr den
Nachmittag war er zum Kaiser befohlen. Ich sprach ihn vor der Audienz
beim Grafen Lerchenfeld. Er war geneigt, den Kanzlerposten anzunehmen.
Wegen der Fhlungnahme mit den Parteien riet ich ihm, sich beim Kaiser
Bedenkzeit fr seine endgltige Entschlieung auszubitten und dann den
Parteifhrern zu sagen: Der Kaiser beabsichtigt, mich zum Reichskanzler
zu ernennen; ich bin geneigt, anzunehmen, lege aber Wert darauf, mich vor
meiner endgltigen Antwort an den Kaiser mit Ihnen ber die Linien der zu
verfolgenden Politik auszusprechen.

Um dem Grafen Hertling keinen Zweifel daran zu lassen, da ich nicht
wnschte, ihm mit meiner Person irgendwie ein Hindernis zu sein, schrieb
ich ihm den nachstehenden Brief, den er bei der Rckkehr von der Audienz
beim Kaiser vorfand:

                                            Berlin, den 28. Oktober 1917.

    Euer Exzellenz bitte ich, in dem Augenblick, in dem Sie im Begriffe
    sind, sich ber die Annahme des Reichskanzleramtes zu entscheiden,
    nachstehendes vortragen zu drfen.

    Angesichts der schweren Euer Exzellenz bevorstehenden Aufgabe halte
    ich es fr meine Pflicht, soweit es an mir liegt, jedes Hindernis,
    das einer gedeihlichen Wirksamkeit Eurer Exzellenz im Wege stehen
    knnte, beseitigen zu helfen. Meine Person in der Stellung als
    Stellvertreter des Reichskanzlers kann ein solches Hindernis sein. In
    den fast drei Jahren meiner Ttigkeit im Reichsdienst und namentlich
    in den siebzehn Monaten meiner Ttigkeit als Staatssekretr des
    Innern und allgemeiner Stellvertreter des Reichskanzlers habe ich mir
    in Parlament und Presse Gegnerschaften zugezogen, die bei meinem
    Verbleiben im Amte fr Euer Exzellenz eine ebenso unerwnschte wie
    vermeidbare Belastung bilden knnen. Euer Exzellenz brauchen auerdem
    in der Auswahl Ihrer Mitarbeiter und namentlich Ihres ersten
    Mitarbeiters volle Bewegungsfreiheit. Ich stelle deshalb mein Amt
    Euer Exzellenz zur Verfgung und erklre mich bereit, Seiner Majestt
    dem Kaiser mein Entlassungsgesuch einzureichen, sobald Euer Exzellenz
    sich berzeugt haben sollten, da mein Ausscheiden im Interesse der
    Sache liegt und Euer Exzellenz die Bewltigung der neuen groen
    Aufgabe erleichtert.

    In der ausgezeichnetsten Hochachtung habe ich die Ehre zu sein

                       Euer Exzellenz ergebenster

                                                           Helfferich.

Graf Hertling antwortete mir noch am gleichen Abend mit folgendem
Schreiben:

                                                Berlin, 28. Oktober 1917.

    Euer Exzellenz hochgeschtztes Schreiben vom Heutigen habe ich zu
    erhalten die Ehre gehabt und beeile mich, Euer Exzellenz meinen
    herzlichsten Dank dafr auszusprechen. Die von Euer Exzellenz zum
    Ausdruck gebrachte Absicht, mir fr den Fall der bernahme des
    Reichskanzlerpostens die meiner harrenden Aufgaben in jeder Weise zu
    erleichtern, wei ich im vollsten Mae aufs dankbarste zu wrdigen.
    Wenn Euer Exzellenz dabei sogar an ein Ausscheiden aus Ihrer jetzigen
    Stellung denken, um dadurch etwaige Schwierigkeiten zu beheben, so
    mchte ich nicht sumen, Euer Exzellenz zu versichern, wie
    auerordentlich Wert ich darauf legen wrde, die hervorragende
    Arbeitskraft Eurer Exzellenz nicht missen zu mssen oder sie jedoch
    fr alle Flle mir im Interesse des Reiches in irgendeiner Form
    erhalten zu wissen. In dem jetzigen Zeitpunkt, in dem die zur
    Entscheidung stehenden Fragen auch fr mich noch vollkommen ungeklrt
    sind, bitte ich Euer Exzellenz nur nochmals, meinen
    alleraufrichtigsten Dank fr die mir bezeugte wahrhaft
    freundschaftliche Gesinnung entgegenzunehmen.

    In der ausgezeichnetsten Hochachtung habe ich die Ehre zu sein

                       Euer Exzellenz ergebenster

                                                             Hertling.

Ich sah den Grafen Hertling auf seinen Wunsch noch einmal an demselben
Abend und wiederholte ihm nicht nur meine Bereitwilligkeit, sondern
sprach ihm jetzt meinen dringenden Wunsch aus, von jeder amtlichen
Stellung befreit zu werden. Sein Antwortschreiben hatte mich in dieser
Absicht nur bestrkt. Er seinerseits ersuchte mich angelegentlich, keinen
vorzeitigen Entschlu zu fassen und meine Geschfte so weiterzufhren,
als ob eine nderung nicht in Betracht kme.

Die Audienz beim Kaiser hatte den erwarteten Verlauf genommen.
Insbesondere hatte Graf Hertling die Erlaubnis erhalten, sich vor seiner
endgltigen Entscheidung mit den Parteifhrern in Verbindung zu setzen.

Die Unterhaltung mit den Parteifhrern stie zunchst auf die
Schwierigkeit, da die Vertreter der Mehrheitsparteien, trotz der von
ihnen heraufbeschworenen Kanzlerkrisis, zum Teil von Berlin abwesend
waren; vor allem war fr das Zentrum nur der Abgeordnete Erzberger
anwesend, dessen Verhltnis zu dem Grafen Hertling kein ungetrbtes war
und der bisher offen fr die Kandidatur des Frsten Blow eingetreten
war. Die Nachteile der Trennung des Kanzlerpostens und des preuischen
Ministerprsidiums wurden in den Vordergrund geschoben. Am Dienstag, 30.
Oktober, erklrte deshalb Graf Hertling Herrn von Valentini und mir, da
er seine Mission als gescheitert ansehe und am Abend nach Mnchen
zurckreisen wolle. Die Berliner Abendbltter erklrten die Kandidatur
Hertling auf Grund seiner Besprechungen mit den Parteifhrern fr
erledigt.

Graf Hertling lie sich jedoch dazu bestimmen, zunchst noch die fr den
nchsten Tag in Aussicht genommene Unterredung mit dem Zentrumsfhrer
Trimborn abzuwarten; auerdem bernahm es der Staatssekretr von Khlmann
im Einverstndnis mit den Herren Michaelis und Graf Hertling, auf die
Fhrer der Mehrheitsparteien einzuwirken.

Herr Trimborn sagte dem Grafen Hertling die volle Untersttzung des
Zentrums zu, sprach sich aber dabei mit Entschiedenheit gegen die
Trennung des preuischen Ministerprsidiums vom Amte des Reichskanzlers
aus. Graf Hertling, der mir ursprnglich gesagt hatte, da gerade die
Entlastung von den Geschften und Verantwortlichkeiten des preuischen
Ministerprsidiums ihm die Annahme des Reichskanzleramtes ermgliche,
erklrte sich jetzt nach der Unterhaltung mit Herrn Trimborn bereit,
Reichskanzler zu werden, wenn der Stein des Anstoes beseitigt und ihm
entsprechend den Wnschen der Mehrheitsparteien auch das preuische
Ministerprsidium bertragen werde. Sehr schweren Herzens entschlo sich
der Kaiser, der angesichts der bevorstehenden Verfassungskmpfe in
Preuen das Ministerprsidium in preuische Hnde zu legen wnschte, im
Interesse einer glatten Erledigung der Kanzlerkrisis das Opfer seiner
berzeugung zu bringen und den Grafen Hertling auch als preuischen
Ministerprsidenten in Aussicht zu nehmen.

Die Position des Grafen Hertling war nun sehr stark. Er hatte das Zentrum
hinter sich, ohne das die Mehrheitsparteien keine Mehrheit mehr waren;
Herrn Erzberger, der die Kandidatur Hertling nicht offen bekmpfen konnte
und der zu den eifrigsten Vertretern der Unmglichkeit der Trennung der
Gewalten gehrte, war mit der Entschlieung des Kaisers und Knigs, dem
Grafen Hertling auch das preuische Ministerprsidium zu bertragen, der
Wind aus den Segeln genommen. Den anderen Mehrheitsparteien hatte Graf
Hertling die Erfllung ihrer sachlichen Forderungen zugesagt, vor allem
die alsbaldige Einbringung der preuischen Wahlrechtsvorlage, die
Milderung der Handhabung des Belagerungszustandes in bezug auf Zensur und
Beschrnkungen der Versammlungsfreiheit, die Wiedereinbringung des vor
einigen Jahren gescheiterten Arbeitskammergesetzes und die Aufhebung des
den Gewerkschaften anstigen  153 der Gewerbeordnung; dazu in der
ueren Politik die Innehaltung der in der Antwortnote an den Papst
festgesetzten Richtlinien.

Am 1. November wurden mir die Allerhchsten Orders ber die
Verabschiedung des Herrn Michaelis und die Ernennung des Grafen Hertling
zum Reichskanzler zur Gegenzeichnung vorgelegt. Am gleichen Tage wurde
die Ernennung des Grafen Hertling zum Prsidenten des Preuischen
Staatsministeriums vollzogen.


                        Die Parlamentarisierung

Mit der Ernennung des Grafen Hertling war jedoch die Krisis nicht zu
Ende. Denn nun prsentierten die Mehrheitsparteien, einschlielich der
Nationalliberalen, mit groem Nachdruck ihre Forderungen auf
Parlamentarisierung der Regierungen im Reich und in Preuen, indem sie
sich auf Zusicherungen beriefen, die ihnen in den Verhandlungen ber die
Kandidatur des Grafen Hertling, insbesondere in den Besprechungen mit dem
Staatssekretr von Khlmann, gemacht worden seien.

Herr von Khlmann hatte allerdings am 30. Oktober den Auftrag erhalten,
den Fhrern der Mehrheitsparteien die in der auswrtigen Politik
liegenden Grnde fr eine glatte und rasche Erledigung der Kanzlerkrisis
und speziell fr die Kanzlerschaft des Grafen Hertling klarzumachen. Er
hatte keinerlei Auftrag, Fragen der inneren Politik und Fragen der
Besetzung von Minister- und Staatssekretrsposten mit den Parteifhrern
zu besprechen. Es stellte sich heraus, da Herr von Khlmann sich
gleichwohl in eine solche Errterung eingelassen hatte, und zwar so weit,
da die Mehrheitsparteien behaupteten, von ihm bestimmte Zusicherungen
empfangen zu haben. So beriefen sich die Nationalliberalen darauf, da
ihnen die Ernennung des preuischen Abgeordneten Dr. Friedberg zum
Vizeprsidenten des Preuischen Staatsministeriums zugesagt worden sei,
und die Sozialdemokraten wie die Fortschrittler wollten verstanden haben,
da der Wunsch, den Abgeordneten von Payer zum Vizekanzler ernannt zu
sehen, auf keine Schwierigkeiten stoen werde. Als mir das zu Ohren kam,
bat ich erneut den Grafen Hertling, mein Abschiedsgesuch dem Kaiser zu
unterbreiten, erhielt aber noch am 31. Oktober abends vom Grafen Hertling
die Antwort, von meinem Rcktritt knne gar keine Rede sein; in seinen
Verhandlungen mit den Parteifhrern sei von meiner Person und einem
Wechsel in dem Posten des Vizekanzlers berhaupt mit keinem Wort
gesprochen worden. Auch der Kaiser lie mich wissen, da er fest auf mein
Verbleiben in meinem Amt als Stellvertreter des Reichskanzlers rechne und
nur in dieser Voraussetzung sich mit der Kombination Hertling
einverstanden erklrt habe.

In den folgenden Tagen beauftragte mich der nun zum Reichskanzler
ernannte Graf Hertling mit der Leitung der Besprechungen ber die
stlichen Kriegsziele, die fr den 2. und 3. November angesetzt waren und
an denen auer den Chefs der smtlichen Reichsmter und preuischen
Ministerien auch der Generalfeldmarschall von Hindenburg und General
Ludendorff teilnahmen. Die Besprechungen waren um so wichtiger, als fr
den 5. November Graf Czernin seinen Besuch angesagt hatte, um in erneute
Verhandlungen ber die polnische Frage, und zwar im Sinne der
Angliederung Polens an die habsburgische Monarchie, einzutreten. Ebenso
bertrug mir der Reichskanzler die Leitung der Besprechungen mit dem
Grafen Czernin, die am 6. November im Beisein des Feldmarschalls von
Hindenburg und des Generals Ludendorff stattfanden.

Diese Verhandlungen fhrten zu keinem endgltigen Ergebnis. Zwar hatte
der Kaiser in einem am Montag, 5. November, im Schlo Bellevue
stattgehabten Kronrat unter gewissen Voraussetzungen, die sich auf
Grenzregulierung und Sicherung unserer Wirtschafts- und
Verkehrsinteressen in Polen bezogen, seine grundstzliche Zustimmung zu
der sogenannten austro-polnischen Lsung gegeben, in der Absicht, dadurch
ernste Friktionen mit der Donaumonarchie zu vermeiden und
sterreich-Ungarn fr das herannahende letzte und schwerste Stadium des
Krieges so fest wie mglich an uns zu binden. Aber ber diese
Voraussetzungen lie sich in den Besprechungen mit dem Grafen Czernin, da
dieser weder in den Fragen der militrischen Grenzsicherung noch in den
Wirtschafts- und Verkehrsangelegenheiten eine endgltige Stellung nehmen
konnte, eine Einigung nicht erzielen. Es wurden vielmehr weitere
Verhandlungen unter Zuziehung auch der sterreichisch-ungarischen
militrischen Stellen und der Ministerprsidenten der beiden
Reichshlften ins Auge gefat.

Unterdessen versteiften sich die Mehrheitsparteien immer mehr auf ihre
Parlamentarisierungsforderungen. Schon am Sonntag, 4. November, teilte
mir der Abgeordnete Haumann mit, diese Wnsche, die auf Grund der
Unterhaltungen mit Herrn von Khlmann Gestalt angenommen htten, mten
im Interesse eines ruhigen Zusammenarbeitens von Reichsleitung und
Reichstag erfllt werden. Die Fortschrittler htten ursprnglich dem
Verlangen nach Ministerposten khl gegenbergestanden; als aber Dr.
Friedberg nach Khlmanns Erklrungen ernstlich als Vizeprsident des
Preuischen Staatsministeriums in Betracht gekommen sei, und nachdem die
Sozialdemokraten, fr sich selbst auf einen Ministerposten verzichtend,
den Fortschrittlern ihre Untersttzung fr die Forderung nach einem
preuischen Ministerposten und dem Posten des Vizekanzlers angeboten
htten, knne die Fortschrittliche Volkspartei nicht bei ihrer
Zurckhaltung bleiben; seine Freunde wnschten aber, da ich dem
Reichsdienst erhalten bliebe, und ich msse helfen, eine Lsung zu
finden.

Am Montag, 5. November, ermchtigte der Kaiser den Grafen Hertling, mit
Herrn Dr. Friedberg wegen bernahme des Vizeprsidiums des Preuischen
Staatsministeriums in Verbindung zu treten. Am Abend des folgenden Tages
teilte Graf Hertling in einer Besprechung, an der die meisten
Staatssekretre und preuischen Minister teilnahmen, mit, da Herr
Friedberg abgelehnt habe, und zwar weil ihm die inzwischen angemeldeten
Ansprche der Mehrheitsparteien zu weit zu gehen schienen und er sich
nicht als Druckmittel fr bertriebene Forderungen mibrauchen lassen
wolle. In dieser Besprechung erklrte ich dem Kanzler erneut, da ich
nichts sehnlicher wnschte als meinen Rcktritt; ich fgte aber hinzu,
da ich nicht daran dchte, ihn oder gar die Krone im Stich zu lassen;
wenn man glaube, mich zu brauchen, stehe ich zur Verfgung; dann aber
mte ich fr mich die ungeminderte Autoritt meiner bisherigen Stellung
als Vizekanzler beanspruchen.

Einen Augenblick schien es so, als ob die Ablehnung des preuischen
Ministerprsidiums durch Herrn Friedberg und die scharf gegen links Front
nehmende Begrndung dieses Schrittes durch die Nationalliberale
Korrespondenz ein Abrcken der Nationalliberalen von den
Mehrheitsparteien zur Folge haben wrde. Aber den Bemhungen einiger
Parteifreunde des Herrn Friedberg, die unter allen Umstnden die
Parlamentarisierung herbeifhren wollten, gelang es, einen neuen
Umschwung herbeizufhren. Am Tag nach seiner Ablehnung war Herr Friedberg
bereit, das Vizeprsidium, falls die anderen schwebenden Fragen
befriedigend erledigt wrden, doch noch anzunehmen.

Ich hatte am Nachmittag des gleichen Tages, des 7. November, abermals den
Besuch des Abgeordneten Haumann, der mir u. a. berichtete, da in der
interfraktionellen Kommission eine von ihm veranlate Errterung ber
meine Person stattgefunden habe; dabei sei von allen Seiten, auch von den
Sozialdemokraten, zum Ausdruck gebracht worden, da keinerlei
persnliche Animositt gegen mich vorliege, da man meine Leistungen
anerkenne und wnsche, da ich auch unter der neuen Ordnung der Dinge an
leitender Stelle im Reichsdienst bleibe. Da nun aber einmal
bereinstimmung darber bestehe, da Herr von Payer Vizekanzler werden
msse, sei man auf den Gedanken der Schaffung eines neuen Reichsamtes
gekommen, dem die Bearbeitung der Angelegenheiten der besetzten Gebiete
und der auf die Friedensverhandlungen bezglichen Fragen zugewiesen
werden solle. Dieses neue Reichsamt solle mir angeboten werden, und
gleichzeitig sollte ich die Mitgliedschaft des Preuischen
Staatsministeriums behalten. Die Mitglieder der interfraktionellen
Kommission seien ausnahmslos mit diesem Vorschlage einverstanden gewesen,
und der Vorschlag solle am Abend den vom Reichskanzler mit den weiteren
Verhandlungen beauftragten Staatssekretren Graf Roedern und von Khlmann
berbracht werden.

Ich antwortete Herrn Haumann, da mir das Einverstndnis derjenigen
Person zu fehlen scheine, auf die es doch in erster Linie ankomme, und
das sei ich selbst. Ich sei bereit, zu gehen, wenn Kanzler und Kaiser
mich gehen lieen; aber ich sei nicht bereit, ein anderes Amt zu
bernehmen.

Nach dem Besuch des Herrn Haumann begab ich mich zum Grafen Hertling;
ich bestand darauf, da im Interesse der Sache wie auch meiner Person
endlich in dem einen oder anderen Sinne Klarheit geschaffen werden
msse. Ich htte nach wie vor in erster Linie den Wunsch, meinen Abschied
zu erhalten; aber ich htte keine Neigung, mich weiterhin in
parlamentarischen Besprechungen und Verhandlungen zwischen meinen
Kollegen und den Parteifhrern als corpus vile behandeln und mich
tglich dreimal in der Berliner Presse als lstigen Kleber hinstellen zu
lassen. Ich knne mir auch nicht denken, da die Autoritt des Kanzlers
und der Krone aus dieser Art der Behandlung der Besetzung wichtiger
Reichs- und Staatsmter ohne starke Einbue hervorgehen knne. Graf
Hertling antwortete mir, er teile vollkommen meine Ansicht; es msse
unter allen Umstnden jetzt Schlu gemacht werden; um sechs Uhr abends
sollten die Staatssekretre Graf Roedern und von Khlmann die
Parteifhrer empfangen, aber lediglich, um sie anzuhren und ihnen fr
den nchsten Tag die endgltigen Entschlieungen in Aussicht zu stellen.
Ich mchte mich durch keine Zeitungsangriffe und Zwischentrgereien
irremachen lassen; er wie der Kaiser rechneten unbedingt darauf, da ich
in meinem Amte ausharrte.

Um sechs Uhr erffneten die Vertreter der Mehrheitsparteien und der
Nationalliberalen den Staatssekretren Graf Roedern und von Khlmann, sie
wnschten die Ernennung Friedbergs zum preuischen Vizeprsidenten und
Payers zum Vizekanzler; beide Herren seien zur bernahme dieser Posten
bereit; die Besetzung eines preuischen Ministerpostens mit einem
Fortschrittler sei einstweilen zurckgestellt, aber nicht aufgegeben;
ich solle Staatssekretr fr die besetzten Gebiete und die
Friedensvorbereitungen werden. In diesen Forderungen seien
Nationalliberale, Fortschrittler, Zentrum und Mehrheitssozialdemokraten
solidarisch.

Am Abend teilte mir Graf Roedern mit, der Kanzler habe ihn und Herrn von
Khlmann beauftragt, am nchsten Vormittag den Parteifhrern folgende
Lsung als endgltig mitzuteilen: Friedberg wird Vizeprsident des
Preuischen Staatsministeriums; Helfferich bleibt Vizekanzler; von Payer
wird Staatssekretr ohne Portefeuille mit der speziellen Aufgabe der
Pflege der Beziehungen zwischen Reichsleitung und Parlament. Wenn die
Fraktionsfhrer sich damit nicht befriedigt erklrten, so solle ihnen
gesagt werden, da der Kanzler die Wnsche des Parlaments nicht ber die
sachlichen Erwgungen stellen knne, die schlielich bei der Besetzung
der wichtigsten Reichs- und Staatsmter ausschlaggebend bleiben mten,
und da er unter den obwaltenden Umstnden darauf verzichten msse, jetzt
berhaupt irgendwelche Personalvernderungen dem Kaiser und Knig
vorzuschlagen. Graf Roedern schlo an diese Mitteilung die erneute
dringende Bitte, ich mchte von der Einreichung eines Abschiedsgesuchs
Abstand nehmen.

ber Nacht jedoch besann sich Graf Hertling eines andern. Am nchsten
Morgen lie er mich zu sich bitten und sagte mir, es falle ihm furchtbar
schwer, aber nach reiflicher berlegung aller Umstnde msse er sich doch
dazu entschlieen, von meinem wiederholten Anerbieten, den Posten des
Vizekanzlers freizugeben, Gebrauch zu machen. Er msse, wenn wieder Ruhe
einkehren solle, den Mehrheitsparteien das Zugestndnis machen, den
Vizekanzlerposten an Herrn von Payer zu geben. Meine Person msse aber
dem Reiche erhalten bleiben, und er bitte mich deshalb, alle Bedenken und
Empfindlichkeiten zurckzustellen und das neu zu schaffende Reichsamt fr
die besetzten Gebiete und die Friedensvorbereitungen zu bernehmen.

Ich erklrte mich bereit zur sofortigen Einreichung meines
Abschiedsgesuchs, das ich bisher nur auf den bestimmten Wunsch des Grafen
Hertling zurckgehalten hatte, lehnte es aber ab, ein neues Amt zu
bernehmen. Speziell die Vorbereitung der Friedensverhandlungen msse
angesichts des alle Ressorts umfassenden Arbeitsbereichs in den Hnden
des Kanzlers selbst oder des Vizekanzlers liegen; wenn ersterer durch
seine anderen Geschfte an der Wahrnehmung dieser Aufgabe verhindert sei
und der Vizekanzler wegfalle oder aus anderen Grnden fr die
Vorbereitung der Friedensverhandlungen nicht in Betracht komme, so bliebe
nach meiner Ansicht nur brig, diese Aufgabe einer dem Auswrtigen Amt zu
attachierenden Stelle zu bertragen. Als ich bei meiner bestimmten
Ablehnung blieb, bat mich Graf Hertling, als Minister ohne Portefeuille
Mitglied des Preuischen Staatsministeriums zu bleiben. Ich glaubte auch
dieses Angebot ablehnen zu mssen, da eine Persnlichkeit, die weder ein
preuisches Ressort noch ein Reichsamt vertritt, nach meiner Ansicht in
dem Preuischen Staatsministerium nichts zu suchen und zu sagen habe.
Auerdem aber gehe die jetzt vom Reichskanzler und Ministerprsidenten
ins Auge gefate Beendigung der ber fast zwei Wochen hingeschleppten
Verhandlungen so sehr gegen meine konstitutionelle Staatsauffassung, da
ich es ablehnen msse, durch mein Verbleiben im Preuischen
Staatsministerium eine Mitverantwortung fr den Weg zu bernehmen, den
die Krone gefhrt worden sei.

Graf Hertling war etwas betroffen. Er bekannte, die Erledigung der Sache
gehe auch gegen seine Staatsauffassung. Aber er sehe keinen anderen Weg
als diesen, oder seinen Rcktritt mit der Konsequenz der Militrdiktatur.
Deshalb glaube er, zu einem sacrificio dell'intelletto gezwungen zu
sein. Er kam dann auf meine Person zurck und stellte die Form, in der
ich bleiben wolle, ganz in meine freie Wahl. Ich bat erneut, mich rein
und glatt gehen zu lassen. Er fragte, ob ich bereit sei, den
Botschafterposten in Konstantinopel oder in Wien anzunehmen. Ich lehnte
auch dieses ab mit dem Hinweis darauf, da beide Posten besetzt seien und
ich niemand verdrngen wolle. Ich knne nur wiederholen, da, wie die
Dinge sich entwickelt htten, mein einziger Wunsch sei, ins Privatleben
zurckzukehren; als freier Privatmann wrde ich meinen Rat und meine
Mitwirkung, wo sie verlangt wrden, nicht versagen.

Graf Hertling bat mich schlielich um die Ermchtigung, meinen an ihn
gerichteten Brief vom 28. Oktober dem Kaiser vorlegen zu drfen. Ich
erklrte mich nicht nur damit einverstanden, sondern erklrte mich
bereit, soviel an mir liege, den Kaiser von der Unhaltbarkeit meiner
Stellung zu berzeugen.

Eine halbe Stunde spter hatte der Reichskanzler mein an den Kaiser
gerichtetes Gesuch um Entlassung aus meinen mtern als Stellvertreter des
Reichskanzlers und Mitglied des Preuischen Staatsministeriums in Hnden.

Dem Kaiser, der den Grafen Hertling am Nachmittag empfing, stellte dieser
vor, da er, falls Seine Majestt mein Gesuch um Enthebung von dem Amte
des Vizekanzlers und die Berufung des Herrn von Payer auf diesen Posten
ablehne, seine Mission als gescheitert ansehen und sein Amt als
Reichskanzler niederlegen msse. Graf Hertling hat mir spter erzhlt,
der Kaiser habe erst, nachdem er von meinem Brief vom 28. Oktober
Kenntnis genommen hatte, sich zu der Bewilligung meines Abschieds bereit
gefunden. Der Kaiser teilte mir die Genehmigung meines Abschiedsgesuches
in einem ungewhnlich herzlichen Handschreiben mit, an dessen Schlu er
die Erwartung ausdrckte, da ich mich zur Erfllung besonderer Aufgaben
zu seiner Verfgung halten wrde. Er hat mir diese Erwartung auch
persnlich ausgesprochen mit dem ausdrcklichen Hinzufgen, da er
insbesondere fr die Friedensverhandlungen auf meine Dienste rechne.

Mit meiner Entlassung und der Ernennung des Herrn von Payer zu meinem
Nachfolger als Stellvertreter des Reichskanzlers war die Krisis
abgeschlossen. Der bergang von dem sogenannten konstitutionellen
Regime zum parlamentarischen Regime war in der Sache vollzogen. An der
Spitze der Regierung des Reiches und Preuens stand als Reichskanzler und
Ministerprsident nunmehr ein Mann, der lange Jahre hindurch als
Abgeordneter der Fhrer der Zentrumspartei gewesen war. Sein Vertreter im
Reich war der anerkannte Fhrer der Fortschrittlichen Volkspartei und
gleichzeitig der Mann des Vertrauens der Mehrheitssozialisten, die mehr
noch als seine eigenen Parteigenossen auf seiner Ernennung zum
Vizekanzler bestanden hatten. Vizeprsident des Preuischen
Staatsministeriums war der nationalliberale Parteifhrer Dr. Friedberg.
Soweit das Reich in Betracht kam, stellte diese Kombination eine
Vertretung der parlamentarischen Mehrheitsgruppierung dar, wie sie sich
seit dem Beginn der Julikrisis entwickelt hatte. Fr Preuen allerdings
stand hinter dem Kabinett Hertling keine parlamentarische Mehrheit,
zumal da weder die Nationalliberalen noch das Zentrum des Preuischen
Abgeordnetenhauses geschlossen hinter dem wichtigsten Programmpunkte der
neuen Regierung, dem gleichen Wahlrecht, standen. Die das
parlamentarische System vertretenden Parteien gingen hier ber das auf
Grund des Dreiklassenwahlrechts gewhlte Parlament zur Tagesordnung ber
und antizipierten die knftige, auf Grund des gleichen Wahlrechts zu
whlende Volksvertretung, in der sie fr sich die Mehrheit glaubten
erwarten zu knnen.

Ich wei mich frei von persnlicher Empfindlichkeit und stehe nicht an zu
bekennen, da in den mehr als drei Kriegsjahren das alte
konstitutionelle Regime versagt hatte. Mehr als jemals in
Friedenszeiten war die Regierung in diesem Kriege, der vom deutschen
Volke das Hchste und Letzte verlangte, auf die gutwillige und
verstndnisvolle Untersttzung durch die Volksvertretung angewiesen. In
den ersten Kriegsjahren wurde ihr diese Untersttzung in dem Schwunge
vaterlndischer Begeisterung und in der Erkenntnis der Hochgefahr fr
Reich und Volk ohne Mkeln und Markten gewhrt. Aber allmhlich wurde in
der Empfindung des Volkes und seiner Vertretung das Auerordentliche zum
Alltglichen. Der erste Grundsatz des Burgfriedens, da whrend des
Krieges von keiner Seite eine Vernderung des innerpolitischen Status quo
verlangt, geschweige denn erzwungen werden sollte, wurde preisgegeben,
und damit wurde neben dem Krieg nach auen der Kampf im Innern
entfesselt. Ein Kampf unter ungleichen Bedingungen. Denn in ihm waren
diejenigen Volksteile und Parteien die strkeren, die sich nicht
scheuten, fr die Durchsetzung ihrer Forderungen die Not- und Zwangslage
auszunutzen, die der Krieg ber das Reich verhngte. Die Sozialdemokratie
war es, die -- treibend und getrieben -- hier voranging. Ihre Fhrer
haben schon frhzeitig in dringlicher Form innerpolitische Forderungen
prsentiert, sicherlich zum Teil in der guten und ehrlichen Absicht, die
unter dem Druck des Krieges immer schwerer leidenden Massen gegenber der
gefhrlichen Agitation der Unabhngigen Sozialdemokraten nicht nur bei
der Partei, sondern auch bei der Sache des Vaterlandes festzuhalten. Die
Fortschrittliche Volkspartei, das Zentrum und die Nationalliberalen
folgten mehr oder minder zgernd, teils in der berzeugung, da nur eine
Erweiterung der Volksrechte unser Volk moralisch zum Durchhalten
befhigen knne, teils aber auch aus Parteikonkurrenz, vor allem aber aus
dem Gesichtspunkt heraus, da der Krieg verloren sei, wenn die
Sozialdemokratie mit ihrer Gefolgschaft abschwenke und etwa die
Kriegskredite verweigere.

Mit dem Aufwerfen der innerpolitischen Streitfragen und dem
Wiederaufleben des Parteikampfes hrte auch die reibungslose
Untersttzung der Regierung durch den Reichstag auf. Die alte bung der
Friedenszeit trat wieder in Kraft, nach der die Reichstagsparteien in der
Reichsleitung den natrlichen Gegner sahen, nach der jede Kritik und
jeder Angriff gegen die Regierungsvertreter eine lobenswerte
parlamentarische Tat war und der Abgeordnete es fast als eine
Verlegenheit empfand, fr die Regierung als freiwilliger
Regierungskommissar eintreten zu mssen. Schon im Frieden lie sich mit
diesem System nur schwer regieren, im Krieg wurde es zur Unmglichkeit.
Eine Regierung, die den grten Krieg der Weltgeschichte zu fhren hatte,
durfte nicht durch Reibungen mit dem Parlament, oft der kleinlichsten
Art, bis nahezu an die Grenze ihrer Leistungsfhigkeit in Anspruch
genommen werden; sie durfte nicht fortgesetzt durch Angriffe aus der
Volksvertretung heraus und von der an den Vorgngen in der
Volksvertretung sich erregenden Presse und ffentlichen Meinung gegenber
dem Ausland in ihrer Autoritt geschwcht werden. Beides aber trat mit
der zunehmenden Dauer des Krieges in steigendem Mae ein. Es wurde mir
mitunter als Unfreundlichkeit gegenber dem Reichstag verdacht, wenn ich
mir erlaubte, darauf aufmerksam zu machen, da die Reichsleitung, und
namentlich die Herren des wirtschaftlichen Reichsressorts, in diesem
Kriege noch etwas anderes zu tun htten, als tagaus tagein in meist recht
fruchtlosen Verhandlungen im Reichstag und seinen Ausschssen ihre Zeit
zu verbringen. In Wirklichkeit ist durch die Zeit und Kraft, die der
Reichstag mir und meinen Mitarbeitern berflssigerweise entzogen hat,
die wirtschaftliche Kriegfhrung immer empfindlicher geschdigt und
beeintrchtigt worden. Und das gewohnheitsmige Betonen und
Unterstreichen eines jeden Gegensatzes zur Reichsleitung, dazu der mit
der Dauer des Krieges immer fhlbarer werdende Mangel an
Selbstbeherrschung seitens groer Teile der Volksvertretung muten dazu
fhren, im feindlichen Auslande nicht nur das Wort und die Handlungen
unserer leitenden Staatsmnner zu entwerten, sondern auch das Bild
unserer inneren Zerrttung hervorzurufen und die Hoffnung zu erwecken,
da sich das deutsche Volk gegen seinen Kaiser, gegen seine Regierung und
gegen eine angeblich herrschende Kaste werde ausspielen lassen. Wir haben
dem Prsidenten Wilson sein gefhrlichstes Stichwort selbst geliefert.

Ich habe persnlich unter diesen Zustnden seit der bernahme des
Reichsamts des Innern auf das schwerste gelitten, zumal da fr mich die
Reibungen mit dem Parlament durch die im Verlauf dieser Darstellung
angedeuteten Reibungen mit der Obersten Heeresleitung empfindlich
verschrft wurden. Es war deshalb nicht eine Redensart, sondern mein
bitterer Ernst, wenn ich schon gelegentlich der Verabschiedung des Herrn
von Bethmann Hollweg den Kaiser bat, mir in Rcksicht auf die
Gegnerschaften in Parlament und Presse, die ich mir zugezogen hatte,
meine Entlassung zu gewhren, und wenn ich dem Grafen Hertling, als er
zur bernahme des Reichskanzleramtes nach Berlin berufen wurde, mndlich
und schriftlich diese Gegnerschaft als eine fr ihn ebenso unerwnschte
wie vermeidbare Belastung bezeichnete.

Es gab in der Tat nur zwei Wege: entweder den Konflikt mit der Mehrheit
des Reichstags entschlossen aufzunehmen, oder den Versuch zu machen,
durch die persnliche Zusammensetzung der Regierung ein mglichst
reibungsloses Hand-in-Hand-Arbeiten von Reichsleitung und Volksvertretung
zu sichern.

Es mag sein, da es berhaupt nicht zum Konflikt gekommen wre, wenn es
Kaiser und Kanzler ernstlich auf einen Konflikt htten ankommen lassen.
Aber das Wagnis eines ernstlichen Konfliktes in einem Krieg, in dem wir
nicht nur auf die unbedingte Pflichterfllung des Heeres, sondern auch
auf die gutwillige Mitarbeit aller schaffenden Hnde in der Heimat
angewiesen waren, erschien zu gro.

Man beschritt also den zweiten Weg.

Von Anfang an habe ich auf das tiefste bedauert, da sich die als
notwendig erkannte Fortbildung unserer verfassungsmigen Zustnde in
Formen und unter Begleitumstnden vollzogen hat, die unwrdig waren und
die geradezu demoralisierend wirken muten. Graf Hertlings Position war
durch den Rckhalt, den er beim Zentrum hatte, stark genug, um die
Mglichkeit zu haben, die Fhrung bei der parlamentarischen Ausgestaltung
seiner Regierung in die eigene Hand zu nehmen. Er hatte es nicht ntig,
sich und die Krone nach langem Hin und Her einfach dem Diktat der
interfraktionellen Kommission zu unterwerfen. Aber zur eigenen Fhrung in
schwierigen Lagen reichte die Kraft des alten Herrn offenbar nicht mehr
aus.

So wurde Entstehung, Verlauf und Ende dieser zweiten Kanzlerkrisis zu
einer schweren Erschtterung der Staatsautoritt, zu einer Ermutigung der
radikalen, ja umstrzlerischen Elemente im eigenen Lande und zu einer
neuen Hoffnung fr unsere Feinde.


                     Die Anfnge des Grafen Hertling

Gleichwohl schien der Kanzlerschaft des Grafen Hertling in ihren Anfngen
ein guter Stern zu leuchten.

Innerpolitisch war nach der nahezu restlosen Befriedigung der sachlichen
und persnlichen Wnsche der Mehrheitsparteien eine Beruhigung
eingetreten. Als Graf Hertling am 29. November 1917 zum erstenmal als
Reichskanzler im Reichstag erschien und sein mit den Mehrheitsparteien
vereinbartes Programm entwickelte, da hrte er von allen Seiten
freundliche Worte. Zwar betonte er, da an den Grundlagen der
Reichsverfassung, die recht eigentlich aus dem historisch gewordenen
Charakter des deutschen Volkes und seiner verschiedenen Stmme
hervorgewachsen sei, nichts gendert werden knne und solle. Aber man
nahm seine Handlungen fr gewichtiger als seine Worte. Zwar beachtete er
in der Form die Grenzen der Kompetenz von Reich und Einzelstaaten so
genau, da er die preuische Wahlreform, die nach wie vor im Brennpunkte
des innerpolitischen Interesses stand, berhaupt nicht beim Namen
nannte, sondern vorsichtig umschrieb: Sie alle wissen, in welch
grozgiger Weise in dem mchtigsten deutschen Bundesstaat die Initiative
zu einer weitgreifenden Reform von der hchsten Stelle aus ergriffen
worden ist; ich habe jetzt und hier ber diesen Gegenstand weiter nichts
zu sagen. Die Linksparteien konnten diese formelle Korrektheit
hinnehmen; denn inzwischen hatten sie auf Grund der ihnen in den
Verhandlungen ber die Hertlingsche Kanzlerschaft gegebenen Zusagen den
Erfolg erreicht, da dem Preuischen Landtag das Gesetz ber die
Wahlreform zugegangen war.

Aber nicht nur bei den Sprechern der Mehrheitsparteien fand Graf Hertling
ein freundliches Willkommen, sondern auch der Wortfhrer der
Konservativen, Graf Westarp, gab, bei allen Vorbehalten gegenber den
Vorgngen bei der Ernennung des Grafen Hertling, namens seiner
politischen Freunde der uneingeschrnkten Wertschtzung fr die Person
des jetzigen Reichskanzlers Ausdruck.

Auffallend und bezeichnend war die Haltung der Mehrheitssozialdemokraten.
Sie hatten am strksten auf die Parlamentarisierung der Regierung
gedrckt und, wenn sie auch fr sich selbst auf eine Vertretung in der
neuen Regierung verzichteten, darauf bestanden, da Herr von Payer als
Vertrauensmann der Mehrheitsparteien zum Vizekanzler ernannt wurde. Schon
der Verzicht auf den Eintritt eines ihrer Fhrer in die neue Regierung
hatte klar gezeigt, da die Sozialdemokratie zwar einen entscheidenden
Einflu ausben, jedoch keine Verantwortung fr die neue Regierung
mitbernehmen und sich fr alles Weitere die Hnde frei halten wollte.
Wer das nicht begriffen hatte, dem wurde es jetzt durch die Rede des
Herrn Scheidemann klar vor Augen gefhrt. Herr Scheidemann war so gtig,
die neue Regierung als einen Fortschritt zu bezeichnen, mit dem Zusatz:
vorausgesetzt, da sie ihr Programm hlt. Da die neue Regierung die
erste in der Hauptsache parlamentarische Regierung sei, das sei fr die
Sozialdemokratie ein Grund gewesen, ihr Zustandekommen zu frdern. Er
fgte jedoch hinzu:

Es wre aber sehr inkonsequent, wenn wir sagen wrden, diese Regierung
untersttzen wir, mit ihr gehen wir durch dick und dnn, weil sie in der
Hauptsache eine parlamentarische Regierung ist. Gerade im Wesen des
parlamentarischen Systems liegt es, da eine Regierung in erster Linie
aus den Parteien untersttzt wird, aus denen sie gebildet worden ist, und
erst in zweiter Linie vielleicht auch von solchen Parteien, die an dem
Fortbestand einer solchen Regierung ein sachliches Interesse haben, weil
das Regierungsprogramm bis zu einem gewissen Grade mit ihren eigenen
Wnschen und Auffassungen bereinstimmt. Die Sozialdemokratie habe nicht
die Absicht, der neuen Regierung Opposition um jeden Preis zu machen;
sollten sich aber unberbrckbare Meinungsverschiedenheiten
herausstellen, so werde sie die Regierung entschieden bekmpfen mssen.
Wir wollen diesen Kampf gewi nicht unntigerweise suchen, und wenn die
Politik der Regierung sich so gestaltet, da wir ihn vermeiden knnen,
dann wird das fr unser Land zweifellos das Beste sein.

Die Sozialdemokratie, die den strksten Druck auf die Umbildung der
Regierung und den bergang zum parlamentarischen System ausgebt hatte,
behielt sich also ihre Stellung zu der neuen, nach ihren Wnschen
gebildeten parlamentarischen Regierung vor. Bei den Forderungen hatte sie
sich den Mehrheitsparteien, die ohne sie berhaupt keine Mehrheit
darstellten, zugezhlt; bei der bernahme von Verpflichtungen stellte sie
sich auerhalb der Mehrheitsparteien. Das war der hippokratische Zug, der
dem neuen parlamentarischen Regime von Anfang an aufs Gesicht geschrieben
war.

                    *       *       *       *       *

Militrisch erhielt die Lage zur Zeit der zweiten Kanzlerkrisis und der
ersten Wochen der Hertlingschen Kanzlerschaft ihr Geprge durch die von
uns und unserem sterreichisch-ungarischen Bundesgenossen vereint
durchgefhrte glnzende Offensive an der italienischen Front. Am 24.
Oktober hatte der Angriff an der Isonzofront begonnen. In wenigen Tagen
waren den Italienern wieder alle Vorteile entrissen, die sie in
zweiundeinhalb Kriegsjahren und in den elf blutigen Isonzoschlachten
errungen hatten. Es folgte der Einbruch unserer Truppen in die
italienische Ebene. Am 30. Oktober fiel Udine, am 5. November wurde der
Tagliamento berschritten. Wenige Tage spter standen unsere Truppen am
Piave. Die italienische Armee war auf das schwerste erschttert und durch
groe Verluste an Menschen und Material geschwcht. Italien mute sich an
seine Verbndeten um Hilfe wenden.

Im Westen boten Englnder, Franzosen und ihre Hilfsvlker alle Kraft auf,
um den Krieg vor dem Winter zur Entscheidung zu bringen. Aber die
gewaltigen Vorste in Flandern, am Chemin des Dames und vor Verdun kamen
ber rtliche Erfolge nicht hinaus und liefen sich im Laufe des November
tot. Die nicht unwesentlichen Vorteile, die gegen Ende November die
Englnder in einem berraschend angesetzten, mit zahlreichen Tanks
arbeitenden Angriff bei Cambrai errangen, wurden ihnen durch einen
mchtigen deutschen Gegensto wieder entrissen. Als der Winter kam, hatte
sich berall im Westen der gewaltige Anprall der feindlichen Massen und
Maschinen unter den schwersten Verlusten an dem elastischen System
unserer Verteidigung gebrochen. Wie unsere Oberste Heeresleitung die Lage
im Westen beurteilte, ergab sich fr mich aus einer uerung, die General
Ludendorff, als ich im Laufe der zweiten Novemberhlfte das Groe
Hauptquartier besuchte, mir gegenber tat. Er bezeichnete es als mglich,
da der Augenblick kommen werde, wo wir an der Westfront aus der
Verteidigung zum Angriff bergehen und dadurch vielleicht die
Entscheidung des Krieges herbeifhren knnten.

In Frankreich uerte sich die Erregung ber die italienische Niederlage
und die Erfolglosigkeit der gewaltigen eigenen Anstrengungen und Opfer in
einer neuen Ministerkrisis, die an Stelle des Herrn Painlev Herrn
Clemenceau ans Ruder brachte. Bei der bekannten Stellung Clemenceaus zu
den Kriegs- und Friedensfragen mute man in diesem Wechsel den Ausdruck
des zum uersten entschlossenen Willens der Franzosen sehen, den Krieg
ohne Rcksicht auf Opfer und Gefahren mit allen Mitteln bis zum uersten
durchzukmpfen.

Ausgesprochen ungnstig war die Entwicklung der Dinge bei unserem
trkischen Bundesgenossen, namentlich an der sogenannten Sinaifront.
Noch im Frhjahr 1917 hatten die Trken starke englische Angriffe bei
Gaza, an der Grenze zwischen der Halbinsel Sinai und Palstina, siegreich
zurckgeschlagen. Jetzt, mit Beginn der gnstigen Jahreszeit, griffen die
Englnder nach groen Vorbereitungen erneut an. Schon Anfang November
mute die Sinaifront zurckgenommen werden. Die Englnder drngten scharf
nach. Am 10. Dezember 1917 besetzten sie das von den Trken aufgegebene
Jerusalem.

Das wichtigste Ereignis jener Zeit spielte sich jedoch in Ruland ab.
Dort war in den ersten Novembertagen die zweite Revolution, die
Revolution der Bolschewisten, ausgebrochen. Am 8. November war Kerenski
gestrzt und geflohen; der Kongre der Arbeiter- und Soldatenrte konnte
von Petersburg aus verknden, da er alle Gewalt in seine Hand genommen
habe. Am Tage darauf verffentlichte die neue Regierung ihr Programm, an
dessen Spitze die sofortige Herbeifhrung eines Waffenstillstands an
allen Fronten und der Abschlu eines demokratischen Friedens stand. Die
folgenden Wochen waren mit inneren Kmpfen ausgefllt, in denen sich die
Bolschewikiregierung mit Lenin als Prsident und Trotzki als
Volkskommissar fr die auswrtigen Angelegenheiten behauptete. Am 23.
November teilte Trotzki den russischen Botschaftern telegraphisch,
gleichzeitig mit der Konstituierung des Rates der Volksbeauftragten als
der neuen Regierung, den Vorschlag mit, da alle kriegfhrenden Vlker
sofort einen Waffenstillstand schlieen und in Friedensverhandlungen
eintreten mchten; als Grundlage fr die Verhandlungen wurde bezeichnet
die Unabhngigkeit der Vlker und ihr Recht, ihre Entwicklung selbst zu
bestimmen, sowie der Ausschlu von Annexionen und Kontributionen. An
demselben Tage begann die neue russische Regierung die Geheimvertrge
zwischen Ruland und seinen Verbndeten zu verffentlichen zugleich mit
der Erklrung, da diese Vertrge fr das russische Volk unverbindlich
seien. Das war ein deutlicher Beweis der Entschlossenheit der neuen
russischen Regierung, den Weg zum Frieden ntigenfalls ohne Rcksicht auf
die Ententegenossen zu gehen.

Am 29. November konnte Graf Hertling in seiner Antrittsrede dem Reichstag
mitteilen:

Die russische Regierung hat gestern von Zarskoje-Selo aus ein von dem
Volkskommissar fr auswrtige Angelegenheiten, Herrn Trotzki, und dem
Vorsitzenden des Rates der Volkskommissare, Herrn Lenin, unterzeichnetes
Funkentelegramm an die Regierungen und Vlker der kriegfhrenden Lnder
gerichtet, worin sie vorschlgt, zu einem nahen Termin in Verhandlungen
ber einen Waffenstillstand und einen allgemeinen Frieden einzutreten.
Ich stehe nicht an zu erklren, da in den bisher bekannt gewordenen
Vorschlgen der russischen Regierung diskutable Grundlagen fr die
Aufnahme von Verhandlungen erblickt werden knnen, und da ich bereit
bin, in solche einzutreten, sobald die russische Regierung hierzu
bevollmchtigte Vertreter entsendet. Ich hoffe und wnsche, da diese
Bestrebungen bald festere Gestalt annehmen und uns den Frieden bringen
werden.




                             Der Ost-Friede


In jenen Novembertagen des Jahres 1917, in denen die Frieden heischenden
Funksprche der neuen Mnner Rulands in die Welt hinausgingen, schien
sich endlich die Hoffnung zu erfllen, die acht Monate zuvor mit dem
Ausbruch der russischen Revolution aufgedmmert war: die Hoffnung auf das
Zurckebben der blutigen Hochflut des Krieges. Damals war diese Hoffnung
gescheitert. Das Ruland der Miljukow und Kerenski vermochte sich ebenso
wenig von den Ideen des panslawistischen Imperialismus zu trennen, wie
sich von der Furcht vor dem deutschen Imperialismus zu befreien und sich
aus der Gebundenheit an die Entente zu lsen. Der Krieg nach Osten ging
weiter, und der Eintritt der Vereinigten Staaten in den Krieg, der kurz
auf den Ausbruch der russischen Revolution folgte, kndigte die grte
Ausdehnung und hchste Steigerung des Vlkerringens an.

Jetzt aber sprachen alle Zeichen dafr, da die Rckbildung des Krieges
Ernst werden solle, da zum erstenmal eine der ganz groen Mchte, dazu
die Macht, die damals im Juli 1914 die Brandfackel in das Haus der
Vlker geschleudert hatte, die Waffen niederlegen werde. Alle Nachrichten
von der russischen Front und aus dem Inneren Rulands stimmten dahin
berein, da des russischen Volkes Kraft und Wille zum Krieg endgltig
gebrochen sei, und da nur eine Regierung sich werde halten und
durchsetzen knnen, die dem russischen Volke den Frieden bringe.

Endlich wurde die Aussicht auf die Sprengung des feindlichen Ringes, die
Aussicht auf die Befreiung von dem ungeheuren russischen Druck und auf
die Beendigung des Zweifrontenkrieges in greifbare Nhe gerckt. Und
mehr als das! Nach dem furchtbaren Schlage, den unsere und unseres
sterreichisch-ungarischen Verbndeten Herbstoffensive dem italienischen
Heere in Venetien versetzt hatte, war fr uns auch an der Sdfront die
seit zweieinhalb Jahren drohende Gefahr abgewendet und freiere Hand
gewonnen. Zum erstenmal seit Kriegsausbruch zeigte sich fr uns die
Mglichkeit, unsere Kraft im wesentlichen auf dem fr das Schicksal des
Krieges entscheidenden westlichen Kriegsschauplatz zu konzentrieren, wo
uns fast die gesamte Macht der Franzosen und Briten mit ihren
Hilfsvlkern gegenberstand und wo wir das Eingreifen der Amerikaner zu
erwarten hatten. Dazu versprach der Friede im Osten endgltig die
Hungerblockade zu brechen, die immer schwerer auf unserem Volke lastete
und unsere Kraft zum Kmpfen und Durchhalten empfindlich zu schwchen
drohte. Diese Mglichkeiten muten nicht nur unsere Aussichten fr einen
militrischen Endkampf erheblich verbessern; sie erschienen auch
geeignet, unsere westlichen Feinde zum Nachdenken zu veranlassen und
ihnen das Betreten des Weges einer billigen Verstndigung nahezulegen.

Der gute Geist unseres Volkes und der Menschheit schien den Weg zu
weisen, der aus dem vlkerzermalmenden Elend des Krieges herausfhrte.


                 Der Waffenstillstand von Brest-Litowsk

In dem Funkspruch der neuen russischen Regierung vom 28. November 1917
hie es:

Der Friede, den wir beantragt haben, soll ein Vlkerfriede sein, er soll
ein Ehrenfriede des Einverstndnisses sein, der einem jeden Volke die
Freiheit der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung sichert... Wir
haben die Geheimvertrge des Zaren und der Bourgeoisie mit den
Verbndeten verffentlicht und diese Vertrge fr unverbindlich fr das
russische Volk erklrt. Wir beantragen, mit allen Vlkern ffentlich
einen neuen Vertrag auf der Grundlage des Einverstndnisses und der
Zusammenarbeit zu schlieen. Unseren Antrag haben die offiziellen und
offizisen Vertreter der regierenden Klassen der verbndeten Lnder mit
der Weigerung beantwortet, die Rteregierung anzuerkennen und sich mit
ihr ins Einvernehmen ber die Friedensverhandlungen zu setzen. Die
Regierung der siegreichen Revolution entbehrt die Anerkennung der
professionellen Diplomatie; aber wir fragen die Vlker, ob die
reaktionre Diplomatie ihre Gedanken und Bestrebungen zum Ausdruck
bringt, ob die Vlker ihrer Diplomatie erlauben, die groe
Friedensmglichkeit, die durch die russische Revolution erffnet wurde,
fallen zu lassen.

Hierauf antwortete die sterreichisch-ungarische Regierung am 29.
November mit einem Telegramm, in dem sie die von der russischen Regierung
bekanntgegebenen Richtlinien fr den abzuschlieenden Waffenstillstand
und Friedensvertrag als geeignete Grundlagen fr die Einleitung von
Verhandlungen bezeichnete und sich bereit erklrte, in Verhandlungen ber
einen sofortigen Waffenstillstand und allgemeinen Frieden einzutreten.
Die deutsche Regierung lie die am gleichen Tage vom Reichskanzler im
Reichstag abgegebene Erklrung gleichen Sinnes durch Funkspruch
verbreiten.

Bereits am 3. Dezember begannen in Brest-Litowsk, dem Hauptquartier des
Oberbefehlshabers-Ost, des Prinzen Leopold von Bayern, die Verhandlungen
zwischen Vertretern der Mchte des Vierbundes und der russischen
Sowjetrepublik.

Die russische Delegation versuchte zunchst, eine Diskussion ber einen
allgemeinen Frieden und einen Waffenstillstand an allen Fronten
herbeizufhren. Da die Verbndeten Rulands berhaupt nicht vertreten
waren, konnte eine solche Diskussion kein praktisches Ergebnis haben. Die
Delegationen des Vierbundes, deren Vollmachten nur auf den Abschlu eines
Waffenstillstandes mit Ruland lauteten, bestanden deshalb auf dieser
Beschrnkung des Verhandlungsgebietes, die allein Erfolg versprach. Die
russische Delegation fgte sich widerstrebend. Schon jene erste
Besprechung lie den Verdacht aufkommen, da es den Russen mindestens
ebenso sehr auf eine Propaganda fr ihre revolutionre Weltanschauung wie
auf die Erzielung eines unmittelbar praktischen Ergebnisses im Sinne
des Friedens ankam. Sie behielten sich das Recht vor, die
Verhandlungsprotokolle unverkrzt zu verffentlichen. Von diesem Recht
haben sie den ausgiebigsten Gebrauch gemacht und ihre Ausfhrungen bei
den Verhandlungen von vornherein weniger auf den unmittelbaren
Verhandlungszweck als auf die propagandistische Wirkung zugeschnitten.

In der Frage des Waffenstillstands selbst stellten die Russen zunchst
bertriebene Bedingungen. Vor allem verlangten sie die Erstreckung des
Waffenstillstands auf sechs Monate, womit ihnen jedes Interesse an dem
baldigen Abschlu eines endgltigen Friedens genommen gewesen wre.
Auerdem forderten sie die Rumung der Inseln des Rigaischen Meerbusens
durch unsere Truppen. Als sie mit diesen Forderungen bei unseren
Verhndlern auf unberwindlichen Widerstand stieen, begngten sie sich
zunchst mit dem Abschlu einer Waffenruhe, die vom 7. bis zum 17.
Dezember laufen sollte, und reisten zur Einholung weiterer Instruktionen
nach Petersburg zurck.

Auch an der rumnischen Front wurde Waffenruhe vereinbart.

Die Verhandlungspause wurde von der russischen Regierung ausgiebig
benutzt, um im Weg der Funkspruchpropaganda die Arbeiter und Soldaten der
kriegfhrenden Mchte zu bearbeiten. In einem Funkspruch An Alle vom
12. Dezember 1917 fhrte sie aus: Die Verantwortung fr den
Sondercharakter des Waffenstillstands treffe die Regierungen, die sich
weigerten, sich an den Verhandlungen zu beteiligen. Der Friede drfe
keine gewaltsamen Annexionen bringen. Alle Vlker, die sich unterdrckt
fhlten, mten die Mglichkeit erhalten, in freier Volksabstimmung ber
ihr ferneres Schicksal Bestimmung zu treffen. Dieser Grundsatz msse auf
die Gebiete aller kriegfhrenden Staaten ausgedehnt werden, sowohl auf
die Mutterlnder wie auch auf die Kolonien. Die Gebiete, die besonders
schwer unter dem Krieg gelitten htten, mten aus einem internationalen
Fonds entschdigt werden, der von den kapitalistischen Klassen der
kriegfhrenden Lnder aufzubringen sei. Die arbeitenden Klassen der mit
Ruland verbndeten Lnder seien jetzt durch die Geschichte berufen, ihre
ganze Kraft in die Wagschale zu werfen, um ihre Teilnahme an den
Friedensverhandlungen zu sichern. Eine nicht minder hohe Pflicht des
Proletariats Deutschlands, sterreich-Ungarns, Bulgariens und der Trkei
sei die Schaffung solcher Bedingungen, welche die tatschliche
Anerkennung der Grundlagen des demokratischen Friedens durch die
Vertreter dieser Lnder sicherten. Jetzt habe die Stunde geschlagen, in
der die Vlker selbst den Vertrag unterzeichnen sollten, der auf
allgemeiner Zusammenarbeit und gegenseitiger Achtung begrndet sei. Fr
die sozialistischen Parteien sei die Stunde gekommen, den vor siebzig
Jahren verkndeten groen Ruf zu verwirklichen: Proletarier aller Lnder,
vereinigt euch!

Am 13. Dezember wurden in Brest-Litowsk die
Waffenstillstandsverhandlungen wieder aufgenommen. Die Russen kamen auf
die Rumung der Rigaischen Inseln nicht mehr zurck. Hinsichtlich der
Friedensfrage teilten sie lediglich mit, da ihre Regierung
wnsche, sofort nach Unterzeichnung des Waffenstillstandes in
Friedensverhandlungen einzutreten, was sich mit unseren eigenen Wnschen
durchaus deckte. In der Frage der Truppenverschiebungen whrend des
Waffenstillstands, die bei den ersten Verhandlungen einige
Schwierigkeiten gemacht hatte, wurde die Formel vereinbart, da keine
operativen Truppenverschiebungen stattfinden sollten, es sei denn, da
diese Verschiebungen im Augenblick der Unterzeichnung des
Waffenstillstands bereits eingeleitet seien.

In der Nacht vom 16. zum 17. Dezember wurde der Waffenstillstandsvertrag
unterzeichnet. Der Waffenstillstand erstreckte sich danach auf die
gesamte Landfront von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer sowie auf den
trkisch-russischen Kriegsschauplatz in Asien, ferner auf das Schwarze
Meer und auf die Ostsee stlich des 15. Lngengrades. Der
Waffenstillstand sollte vom 17. Dezember 1917, mittags 12 Uhr, bis zum
14. Januar 1918 dauern, vom 21. Tag an mit siebentgiger Frist kndbar
sein und mangels Kndigung automatisch weiterlaufen. Die
Friedensverhandlungen sollten sofort aufgenommen werden.


            Die Vorbereitungen fr die Friedensverhandlungen

Nachdem mein Abschiedsgesuch am 9. November bewilligt worden war, hatte
ich mich als bayrischer Reserveoffizier a. D. dem bayrischen
Kriegsministerium fr eine militrische Verwendung zur Verfgung
gestellt. Ehe jedoch hierber eine Bestimmung getroffen war, trat Anfang
Dezember der Reichskanzler Graf Hertling an mich heran und ersuchte mich,
angesichts der durch die Novemberrevolution in Ruland in nahe Sicht
gerckten Friedensverhandlungen die einheitliche Zusammenfassung der
Vorarbeiten der einzelnen Ressorts fr den wirtschaftlichen Teil der
Friedensverhandlungen zu bernehmen. Ich stellte meine Bedenken gegen die
bernahme einer solchen Aufgabe durch eine nicht mit der Autoritt des
Reichskanzlers oder seines Vertreters ausgestattete Persnlichkeit
zurck, nachdem mir auch von denjenigen meiner frheren Kollegen in der
Reichsleitung und im Preuischen Staatsministerium, die am strksten an
den Vorarbeiten fr die Friedensverhandlungen beteiligt waren, der
dringende Wunsch ausgesprochen worden war, da ich mich dem Ruf des
Reichskanzlers nicht entziehen mchte, und nachdem ich mich berzeugt
hatte, da seit meinem Ausscheiden nichts mehr fr die einheitliche
Leitung dieser Vorarbeiten geschehen war. Ich sprach meinerseits den
Wunsch aus, den neuen Auftrag im Ehrenamt und ohne irgendwelche Besoldung
oder Vergtung bernehmen zu drfen.

Am 4. Dezember wurde mir der Auftrag der Zusammenfassung der
wirtschaftlichen Friedensvorarbeiten der Ressorts durch einen Erla des
Reichskanzlers erteilt.

Auf Grund mndlicher Besprechungen mit den Ressortchefs machte ich dem
Reichskanzler am 10. Dezember fr die Gestaltung meiner Ttigkeit
folgenden Vorschlag:

Ich denke mir die Ausfhrung des Auftrags so, da ich mich ber das in
den einzelnen Ressorts vorliegende Material unterrichte, dieses Material
bei mir sammle und ordne, da ich ferner die Vorarbeiten auf ihre
Vollstndigkeit sowie daraufhin einer Durchsicht unterziehe, ob zwischen
den Absichten und Wnschen der einzelnen Ressorts bereinstimmung
besteht. Anregungen und Vorschlge, die ich zur Erwgung nach beiden
Richtungen hin etwa fr notwendig erachte oder die sich sonst aus der
sachlichen Zusammenfassung ergeben, beabsichtige ich dann, sei es im Wege
des Schriftverkehrs, sei es im Wege der mndlichen Errterung, mit den
Herren Ressortchefs oder ihren Vertretern zur Erledigung zu bringen.
Dadurch, da ich mich auf Anregungen und Vorschlge dieser Art
beschrnke, wird von vornherein berflssige Doppelarbeit und ein
Eingriff in die sachliche Bearbeitung, die ausschlielich den beteiligten
Ressorts gem ihrer Zustndigkeit berlassen bleibt, vermieden werden.

Ebenso wie die Vorbereitung der wirtschaftlichen Verhandlungen mit
Ruland wurde mir spter (25. Dezember 1917) der gleiche Auftrag fr
die Gesamtheit der Wirtschaftsfragen erteilt, die bei den
Friedensverhandlungen mit allen gegen uns im Kriege stehenden Staaten zu
regeln sein wrden.

Die Zeit, die von der Erteilung des Auftrags fr Ruland bis zum Beginn
der Friedensverhandlungen zur Verfgung stand, war auerordentlich knapp
bemessen. Trotzdem gelang es, vor der Abreise unserer Unterhndler eine
Einigung der Ressorts auf ein Programm fr die Regelung der
deutsch-russischen Wirtschafts- und Rechtsfragen herbeizufhren, das den
schwierigen durch den Wirtschaftskrieg und die sozialistische Revolution
in Ruland geschaffenen Verhltnissen Rechnung tragen sollte. Es war
dies keine leichte Aufgabe; denn die Wiederherstellung der deutschen
Rechte und des deutschen Eigentums und die Vereinbarung der Entschdigung
fr den Fall der Unmglichkeit oder Untunlichkeit dieser
Wiederherstellung, ferner die Wiederherstellung der vertragsmigen
Grundlagen fr die beiderseitigen Wirtschaftsbeziehungen erforderte
angesichts der von der bolschewistischen Regierung Rulands erstrebten
und teilweise bereits in Angriff genommenen Sozialisierung von
Unternehmungen sowie von Produktions- und Betriebsmitteln auf dem Gebiete
der Landwirtschaft, des Bergbaues, der Industrie und des Handels das
Einschlagen neuer Wege, fr die es bisher kein Vorbild gab. Unser
Programm fand in den wesentlichen Punkten die Zustimmung und spter bei
den Verhandlungen die Untersttzung unserer Bundesgenossen, namentlich
sterreich-Ungarns.

Dagegen stimmte es mich sehr bedenklich, als ich kurz vor der Abreise
unserer Delegation gelegentlich einer am 17. Dezember beim Reichskanzler
abgehaltenen Besprechung mich berzeugen mute, da in den wichtigsten
politischen und territorialen Fragen eine klare bereinstimmung weder
zwischen uns und unseren Bundesgenossen, noch auch zwischen unserer
politischen Leitung und der Obersten Heeresleitung vorlag.

Die Anfang November noch von mir geleiteten Besprechungen mit dem Grafen
Czernin, bei denen Polen im Vordergrund stand, hatten zu keinem Ergebnis
gefhrt. Graf Czernin hatte damals die alsbaldige Mitteilung von
Gegenvorschlgen und die Wiederaufnahme der Besprechungen im Beisein des
sterreichischen und des ungarischen Ministerprsidenten und
sachverstndiger Berater fr eine nahe Frist in bestimmte Aussicht
gestellt. Ich erhielt nunmehr auf meine Anfrage die Auskunft, da die
Besprechungen bisher nicht wieder aufgenommen worden seien, da Graf
Czernin einen geplanten weiteren Besuch in Berlin im letzten Augenblick
infolge einer Erkrankung habe aufgeben mssen. Auch auf anderem Wege war
eine Verstndigung mit unserem Bundesgenossen ber die Ostfragen und die
Festlegung einer einheitlichen Marschroute fr die Verhandlungen mit der
russischen Regierung nicht erzielt worden. Wir hatten also damit zu
rechnen, da sterreich die Erreichung seines Zieles, das ehemals
russische Polen fr den Anschlu an die Donaumonarchie in irgendeiner
Form zu gewinnen, durch ein Zusammenspielen mit den Russen und eventuell
auch den Polen versuchen wrde, ohne uns die von uns fr ntig gehaltenen
Sicherungen zu gewhren.

Die Gefahr eines Zusammenspielens der sterreichischen Diplomatie mit den
Russen und Polen war um so grer, als die sterreicher davon berzeugt
waren, ihr polnisches Ziel auf dem Wege der vorbehaltlosen Anerkennung
des von den Russen wie von den Polen gewnschten Selbstbestimmungsrechts
der Vlkerschaften der besetzten russischen Gebiete erreichen zu knnen;
denn man war in sterreich sicher, da um den Preis Galiziens der
Anschlu des neuen Polen an das Reich der Habsburger zu haben sein werde.

Ich habe die undefinierte und damit uneingeschrnkte Anerkennung des
Selbstbestimmungsrechts der Nationalitten stets fr eine Gefahr
gehalten, nicht nur fr das Deutsche Reich hinsichtlich seiner
Grenzmarken im Osten, Westen und Norden, sondern vor allem auch fr die
habsburgische Monarchie, fr die es kein strkeres Sprengpulver geben
konnte. Der Gedanke, da man die Anwendung des einmal in der Sache
uneingeschrnkt anerkannten Grundsatzes territorial auf die von uns und
unseren Verbndeten besetzten russischen Gebiete werde beschrnken
knnen, war angesichts der Kundgebungen der neuen russischen Regierung
und auch gewisser von dem Prsidenten Wilson aufgestellter Thesen, vor
allem aber angesichts der in unverhllter Deutlichkeit zutage tretenden
Bestrebungen der Polen, der Tschechen und Slowenen, geradezu naiv.

Unsere deutsche Politik hatte sich in ihrer Praxis auch nur mit starken
Vorbehalten zu dem Selbstbestimmungsrecht der Vlkerschaften der
besetzten russischen Gebiete bekannt, indem sie das Recht, an der
Gestaltung der Neuordnung der unmittelbar vor unserer Haustr liegenden
Gebiete mitzusprechen, tatschlich ausbte und in den Staatsrten,
Landesversammlungen und Landesrten Polens, Litauens und Kurlands hatte
Organe schaffen helfen, deren Beschlsse sie als Ausbung des
Selbstbestimmungsrechts der Bewohner jener Gebiete anzusehen gewillt war.

Man mag diese von unserer Regierung befolgte Politik hinsichtlich der
russischen Randstaaten fr richtig oder fr falsch halten,
-- falsch war es auf jeden Fall, in die Friedensverhandlungen mit
Ruland hineinzugehen, ohne da vorher wenigstens mit unserem
sterreichisch-ungarischen Bundesgenossen eine nochmalige Aussprache
stattgefunden hatte und mit ihm eine klare Einigung ber die in den
Verhandlungen einzunehmende Haltung erzielt war.

Auch zwischen dem Kanzler und dem Staatssekretr des Auswrtigen Amtes
auf der einen Seite, der Obersten Heeresleitung auf der anderen Seite
war, als am 17. Dezember die Besprechung im Reichskanzlerpalais
stattfand, ein festes Einverstndnis ber die Linie, die bei den
Verhandlungen ber den Ostfrieden innegehalten werden sollte, noch nicht
vorhanden. Kanzler und Staatssekretr reisten am Abend desselben Tages
nach dem Groen Hauptquartier, um dort, unmittelbar vor der Abreise des
Herrn von Khlmann nach Brest-Litowsk, noch einmal die wichtigsten Fragen
zu besprechen. Ich habe spterhin nicht den Eindruck gewonnen, da in
jener letzten Aussprache vor den Verhandlungen die ntige Klarheit und
Einigkeit herbeigefhrt worden wre.

Der Dualismus der Auffassungen und Ziele, der hier fortbestand, kam schon
in einer Besonderheit unserer Vertretung bei der Friedenskonferenz in
Brest zum Ausdruck. Der Kaiser erteilte dem Reichskanzler das Mandat zum
Abschlu der Friedensverhandlungen und bestellte Herrn von Khlmann zum
bevollmchtigten Unterhndler. Neben Herrn von Khlmann nahm aber an den
Verhandlungen als Vertreter der Obersten Heeresleitung der Chef des
Generalstabs des Oberbefehlshabers Ost, Generalmajor Hoffmann, teil, der
mitunter ausdrcklich namens der Obersten Heeresleitung in die
Verhandlungen eingriff und auch die Vertrge als Vertreter der Obersten
Heeresleitung unterzeichnete. Dieses Verhltnis ist sowohl bei den
Verhandlungen selbst von dem Chef der russischen Delegation wie auch
spterhin im Reichstag beanstandet worden, zweifellos mit Recht; denn bei
Friedensverhandlungen zwischen zwei Staaten gibt es als zur Abgabe von
Erklrungen und zur Unterzeichnung der Vertrge berechtigte Personen nur
bevollmchtigte Vertreter der einheitlichen Staatsgewalt. Es htte nichts
im Wege gestanden, da der Kaiser neben Herrn von Khlmann den
Generalmajor Hoffmann als Unterhndler bevollmchtigt htte; fr einen
Vertreter der Obersten Heeresleitung war jedoch bei der Verhandlung und
bei der Unterzeichnung der Friedensvertrge kein Raum. Aber diese kleine
formale Unkorrektheit, infolge deren das Deutsche Reich bei den
Verhandlungen in Brest zwiespltig vertreten war, hatte ihren tieferen
Grund in der Zwiespltigkeit, die zwischen der politischen Leitung und
der Obersten Heeresleitung nun einmal bestand und deren Ausgleich nicht
restlos gelungen war.

Mir blieb nichts brig, als eindringlich auf die Gefahren des Fehlens
einer einheitlichen Linie hinzuweisen. Ich berschritt damit, da die
unausgeglichenen Meinungsverschiedenheiten auf politischem und
territorialem Gebiet lagen, ohnedies schon den Rahmen meiner auf die
wirtschaftlichen Vorbereitungen beschrnkten Befugnisse. Zu meiner Sorge
mute ich auch hier wieder die Beobachtung machen, da der Graf Hertling
nicht mehr ber die Kraft verfgte, um solcher Situationen Herr zu werden
und das von ihm als richtig Erkannte durchzusetzen. Von Herrn von
Khlmann gewann ich den Eindruck, da er sich zu sehr auf seinen guten
Stern verlie und darauf rechnete, es werde sich schlielich doch alles
zurechtziehen.


            Die erste Phase der Brester Friedensverhandlungen

Am 22. Dezember 1917 fand in Brest die erste Verhandlung ber den Frieden
statt. Die Leiter der auswrtigen Politik smtlicher beteiligten Staaten
waren, abgesehen von dem russischen Volkskommissar fr die auswrtigen
Angelegenheiten, der sich durch Herrn Joffe, den spteren russischen
Botschafter in Berlin, vertreten lie, persnlich anwesend.

In seiner Erffnungsansprache fhrte Herr von Khlmann u. a. aus:

Unsere Verhandlungen werden erfllt sein von dem Geist vershnlicher
Menschenfreundlichkeit und gegenseitiger Achtung. Sie mssen Rechnung
tragen einerseits dem historisch Gegebenen und Gewordenen, um nicht den
festen Boden der Tatsachen unter den Fen zu verlieren, andererseits
aber auch getragen sein von jenen neuen und groen Leitgedanken, auf
deren Boden die hier Versammelten zusammentreffen.

Mit dem Hinweis auf das historisch Gegebene und Gewordene waren die
Vorbehalte angedeutet, die unsere Unterhndler in der Frage des
Selbstbestimmungsrechts der Nationalitten machen muten, sobald die
praktische Anwendung dieses Prinzips in Frage kam.

Schon in jener ersten Sitzung entwickelte die russische Delegation ihr
Programm. Sie schlug vor, folgende sechs Punkte den Verhandlungen
zugrundezulegen:

1. Keine gewaltsame Angliederung von eroberten Gebieten; die Truppen
werden die von ihnen besetzten Gebiete alsbald rumen.

2. Volle Wiederherstellung der politischen Selbstndigkeit der Vlker,
die ihre Selbstndigkeit im Kriege verloren haben.

3. Den nationalen Gruppen, die vor dem Kriege keine politische
Selbstndigkeit besaen, wird die Mglichkeit gewhrleistet, die Frage
ihrer Zugehrigkeit zu diesem oder jenem Staat oder ihrer staatlichen
Selbstndigkeit durch freie Volksabstimmung zu entscheiden.

4. Gewhrleistung der Rechte der nationalen Minderheiten in national
gemischten Gebieten.

5. Keine Kriegsentschdigung. Privatschden sind aus einem besonderen
Fonds, zu dem alle kriegfhrenden Lnder proportional beisteuern, zu
entschdigen.

6. Die kolonialen Fragen werden unter Beachtung der in den Punkten 1-4
enthaltenen Grundstze entschieden.

Die russische Delegation schlug weiter vor, jede Art versteckter
Bekmpfung der Freiheit schwcherer Nationen durch strkere
auszuschlieen, so den wirtschaftlichen Boykott, die wirtschaftliche
Unterjochung eines Landes durch ein anderes im Wege aufgezwungener
Handelsvertrge, die Verhngung von Seeblockaden, die nicht unmittelbare
Kriegszwecke verfolgen.

Die Vertreter der Mchte des Vierbundes erklrten ihre Bereitwilligkeit,
in eine Prfung der russischen Vorschlge einzutreten.

Auch Graf Czernin hatte sein Programm fr die Verhandlungen mitgebracht.
Es kam demjenigen der russischen Delegation sehr nahe, insbesondere auch
in der Anerkennung des Selbstbestimmungsrechts der Bewohner Polens,
Litauens und des Baltikums und in der Frage der Rumung der besetzten
Gebiete. Jetzt war also die Zwangslage da, in der die Vertreter des
Deutschen Reiches und sterreich-Ungarns in der allerkrzesten Frist
angesichts des Verhandlungsgegners die bisher versumte Einigung
wenigstens insoweit nachholen muten, da eine einheitliche Antwort auf
die russischen Vorschlge formuliert werden konnte.

Graf Czernin selbst hat in seiner Rede vom 11. Dezember 1918 ber diese
Lage wie folgt berichtet:

Bei Besprechung dieses (des sterreichisch-ungarischen) Entwurfs mit den
deutschen Unterhndlern ergaben sich besonders in zwei Punkten groe
Schwierigkeiten. Die eine betraf die Rumungsfrage. Die deutsche
Heeresleitung erklrte kategorisch, da sie einer Rumung der besetzten
Gebiete vor Abschlu des allgemeinen Friedens unter keinen Umstnden
zustimmen knne. Der zweite Gegensatz tauchte in der Behandlung der
besetzten Gebiete auf. Deutschland bestand nmlich darauf, es solle im
Friedensvertrag mit Ruland blo festgestellt werden, da Ruland den
Vlkerschaften auf seinen Gebieten das Selbstbestimmungsrecht gewhrt
habe, und da diese Nationen von diesem Rechte bereits Gebrauch gemacht
htten. Den in unserem Entwurf eingenommenen klaren Standpunkt vermochten
wir nicht durchzusetzen, obwohl dieser auch von den anderen Verbndeten
geteilt wurde. Immerhin kam bei Redigierung der dann am 25. Dezember 1917
auf die russischen Friedensvorschlge erteilten Antwort unter unserem
beharrlichen Drngen eine Kompromilsung zustande, die wenigstens
vorerst den ablehnenden deutschen Standpunkt in diesen beiden Fragen
nicht zum Durchbruch kommen lie. In der Frage der Rumung der besetzten
Gebiete wurde deutscherseits das Zugestndnis gemacht, da ber die
Zurckziehung einzelner Truppenteile eventuell schon vor dem allgemeinen
Frieden Vereinbarungen getroffen werden knnten. In der Annexionsfrage
konnte eine befriedigende Formulierung dadurch erzielt werden, da sie
auf den Fall des allgemeinen Friedens abgestellt wurde. Wre damals die
Entente zu einem allgemeinen Frieden bereit gewesen, so wre das Prinzip
'keine Annexionen' vollkommen durchgedrungen.

Am 25. Dezember 1917 verlas Graf Czernin in der Besprechung mit den
russischen Bevollmchtigten namens des Vierbundes die also
zustandegekommene Kompromierklrung. Sie stellte voran die
Bereitwilligkeit der Mchte des Vierbundes, unverzglich einen
allgemeinen Frieden ohne gewaltsame Gebietserwerbungen und ohne
Kriegsentschdigungen zu unterschreiben; es msse aber ausdrcklich
darauf hingewiesen werden, da sich smtliche jetzt am Kriege beteiligten
Mchte innerhalb einer angemessenen Frist ausnahmslos ohne jeden Rckhalt
zur genauesten Beachtung der alle Vlker in gleicher Weise bindenden
Bedingungen verpflichten mten, wenn die Voraussetzungen der russischen
Delegation erfllt sein sollten.

Im einzelnen erklrte Graf Czernin zu den sechs Punkten des russischen
Vorschlags:

1. Gewaltsame Aneignung von Gebieten, die whrend des Krieges besetzt
worden sind, liege nicht in der Absicht der verbndeten Regierungen. ber
die Truppen in den zurzeit besetzten Gebieten werde im Friedensvertrage
Bestimmung getroffen werden, soweit nicht ber die Zurckziehung an
einigen Stellen vorher Einigkeit erzielt wird.

2. Es liege nicht in der Absicht der Verbndeten, eines der Vlker, die
in diesem Kriege ihre politische Selbstndigkeit verloren haben, dieser
Selbstndigkeit zu berauben.

3. Die staatliche Zugehrigkeit nationaler Gruppen, die keine staatliche
Selbstndigkeit besitzen, knne nicht zwischenstaatlich geregelt werden,
sondern sei von jedem Staat mit seinen Vlkern selbstndig auf
verfassungsmigem Wege zu lsen.

4. Der Schutz des Rechtes der nationalen Minderheiten bilde einen
wesentlichen Bestandteil des Selbstbestimmungsrechts der Vlker.

5. Die verbndeten Mchte htten mehrfach die Mglichkeit eines
wechselseitigen Verzichtes auf Ersatz sowohl von Kriegskosten als auch
von Kriegsschden betont. Hiernach wrden von jeder kriegfhrenden Macht
nur die Aufwendungen fr ihre in Kriegsgefangenschaft geratenen
Angehrigen sowie die im eigenen Gebiet durch vlkerrechtswidrige
Gewaltakte den Zivilangehrigen des Gegners zugefgten Schden zu
ersetzen sein.

6. Die Rckgabe der whrend des Krieges besetzten Kolonialgebiete sei ein
wesentlicher Bestandteil der deutschen Forderungen. Dagegen sei die
Anwendung des Selbstbestimmungsrechts der Bewohner auf die Kolonien in
den von der russischen Delegation vorgeschlagenen Formen zurzeit nicht
durchfhrbar.

Auerdem erklrte Graf Czernin die uneingeschrnkte Zustimmung der
Vierbundmchte zu den von der russischen Delegation vorgeschlagenen
Grundstzen der Ausschlieung jedweder wirtschaftlichen Vergewaltigung.

In Erwiderung auf diese Erklrung machte der Fhrer der russischen
Delegation zwar einige Vorbehalte, erklrte jedoch zum Schlu, da die in
der Antwort der Vierbundmchte enthaltene offene Ablehnung aller
aggressiven Absichten die Mglichkeit biete, sofort zu Verhandlungen ber
einen allgemeinen Frieden unter allen kriegfhrenden Staaten zu
schreiten. Mit Rcksicht hierauf schlage er vor, eine zehntgige
Unterbrechung der Verhandlungen eintreten zu lassen, um den brigen
kriegfhrenden Vlkern die Mglichkeit zu geben, sich auf der jetzt
gewonnenen Grundlage den Verhandlungen anzuschlieen. Nach Ablauf dieser
Frist mten die Verhandlungen unter allen Umstnden fortgesetzt werden.
Auf den Vorschlag des Grafen Czernin und des Herrn von Khlmann erklrte
er sich jedoch bereit, sogleich in die Besprechung der Einzelfragen
einzutreten, die auch im Falle eines allgemeinen Friedens zwischen
Ruland und den vier Verbndeten zu regeln wren.

Durch die von dem Grafen Czernin abgegebene Erklrung waren, soweit das
Selbstbestimmungsrecht der Nationalitten der besetzten Gebiete in Frage
kam, die Meinungsverschiedenheiten nicht beseitigt, sondern nur verdeckt.
Die knstlich aufgerichtete Kulisse mute sptestens fallen, wenn -- wie
vorauszusehen war -- aus den allgemeinen Friedensverhandlungen nichts
wurde. Sie fiel aber schon vorher, und zwar auf Grund des Eingreifens der
Obersten Heeresleitung. Diese fand die von dem Grafen Czernin abgegebene
Erklrung nicht im Einklang mit den im Groen Hauptquartier mit dem
Reichskanzler und Herrn von Khlmann getroffenen Absprachen und bersah
wohl auch nicht ganz die taktische Verhandlungslage. Sie remonstrierte
scharf.

Der Leiter der deutschen Friedensdelegation, so berichtet Graf Czernin,
geriet in Gefahr, gestrzt zu werden, in welchem Falle wahrscheinlich
ein Exponent der schrfsten militrischen Auffassung die Leitung der
deutschen auswrtigen Politik in die Hand bekommen htte. Da dies aber
auf den weiteren Gang der Friedensverhandlungen nur eine ungnstige
Wirkung ausben konnte, mute unsererseits alles aufgeboten werden, Herrn
von Khlmann zu halten. Zu diesem Zweck wurde ihm zur Weitergabe nach
Berlin mitgeteilt, da, wenn Deutschland bei seiner scharfen Politik
beharren werde, sterreich-Ungarn sich veranlat sehen wrde, mit Ruland
einen Separatfrieden abzuschlieen. Diese Erklrung ist in Berlin nicht
ohne Eindruck geblieben und hat wesentlich dazu beigetragen, da Khlmann
sich damals behaupten konnte.

Die Wirkung des Eingreifens der Obersten Heeresleitung war, da bei der
Beratung ber die mit Ruland zu regelnden Einzelfragen Herr von Khlmann
im Einverstndnis mit dem Grafen Czernin am 27. Dezember 1917 einen
Vorschlag fr die Artikel 1 und 2 des mit Ruland abzuschlieenden
Friedensvertrages machte, der im wesentlichen besagte:

1. Ruland und Deutschland erklren die Beendigung des Kriegszustandes.
Deutschland wrde bereit sein, sobald der Frieden mit Ruland geschlossen
und die Demobilisierung der russischen Streitkrfte durchgefhrt ist, die
besetzten russischen Gebiete zu rumen, soweit sich nicht aus 2 ein
anderes ergibt.

2. Nachdem die russische Regierung fr alle im Verband des Russischen
Reiches lebenden Vlker ein bis zur vlligen Absonderung gehendes
Selbstbestimmungsrecht proklamiert hat, nimmt sie Kenntnis von den
Beschlssen, worin der Volkswille ausgedrckt ist, fr Polen, sowie fr
Litauen, Kurland, Teile von Estland und Livland die volle staatliche
Selbstndigkeit in Anspruch zu nehmen und aus dem russischen
Reichsverbande auszuscheiden. Da in diesen Gebieten die Rumung nicht
gem den Bestimmungen unter 1 vorgenommen werden kann, so werden
Zeitpunkt und Modalitten der nach russischer Auffassung ntigen
Bekrftigung der schon vorliegenden Lostrennungserklrungen durch ein
Volksvotum auf breiter Grundlage, bei dem irgendein militrischer Druck
in jeder Weise auszuschalten ist, der Beratung und Festsetzung durch eine
besondere Kommission vorbehalten.

Demgegenber hielt die russische Regierung an ihrem Standpunkt fest, da
als Ausdruck des Volkswillens nur das Ergebnis einer gnzlich freien, in
Abwesenheit jeglicher fremden Truppen erfolgenden Volksabstimmung
angesehen werden knne; sie erklrte sich jedoch damit einverstanden, da
zur Prfung der technischen Bedingungen fr die Verwirklichung eines
derartigen Referendums sowie zur Festsetzung bestimmter Rumungsfristen
eine Spezialkommission eingesetzt werde.

Sodann wurde entsprechend dem russischen Vorschlage die Vertagung bis zum
4. Januar ausgesprochen, um Rulands Verbndeten die Mglichkeit des
Beitritts zu den Verhandlungen zu geben.

Die sachliche Meinungsverschiedenheit zwischen dem deutschen und dem
russischen Standpunkt in der Frage der Rumung des besetzten Gebietes und
der Selbstbestimmung der Nationalitten, die durch die vom Grafen Czernin
am 25. Dezember vorgetragene allgemeine Formulierung verdeckt worden war,
hatte nunmehr durch den Khlmannschen Vorschlag vom 27. Dezember eine
scharfe Beleuchtung erfahren. Immerhin war die Verhandlung bis zu dem am
28. Dezember gefaten Vertagungsbeschlu in guten Formen gefhrt worden.

In Petersburg dagegen schlug man sofort eine andere Tonart an. Durch die
offizise Petersburger Telegraphenagentur wurde ber die Sitzung vom 28.
Dezember ein Bericht verbreitet, der dem Vorsitzenden der russischen
Delegation im Wege freier Erfindung die schrfsten Worte der Kritik und
des Protestes gegen die Khlmannsche Formulierung in den Mund legte, in
der Absicht, die deutsche Vertretung eines illoyalen und unanstndigen
Vorgehens zu beschuldigen. Auerdem lie die Petersburger Regierung eine
wahre Flut von Funksprchen und Aufrufen los, die grbliche
Beschimpfungen der deutschen Heerfhrer und Heereseinrichtungen sowie
Aufforderungen revolutionren Charakters an die deutschen Truppen und
Arbeitermassen enthielten.

Der schon bei Beginn der Waffenstillstandsverhandlungen durch das
Verhalten der russischen Delegation und, mehr noch, der russischen
Regierung entstandene Verdacht, da es den fhrenden Mnnern des
bolschewistischen Ruland in erster Linie auf die Propaganda fr die
Revolutionierung der breiten Massen und der Armeen der anderen
kriegfhrenden Lnder ankomme, wurde jetzt zur unabweisbaren Gewiheit.
Wenn irgend etwas diese Gewiheit weiter verstrken konnte, so war es der
am 2. Januar 1918, zwei Tage vor dem fr den Wiederbeginn der
Verhandlungen in Brest-Litowsk vereinbarten Termin, an die Regierungen
der Vierbundmchte gefunkte Vorschlag, die Friedensverhandlungen nach
Stockholm zu verlegen, zumal da dieser Vorschlag von der summarischen
Feststellung begleitet war, da die russische Regierung den vom Grafen
Czernin am 25. Dezember 1917 gemachten Vorschlag -- also nicht etwa erst
die Khlmannsche Formulierung vom 27. Dezember -- als dem Grundsatz der
freien Selbstbestimmung der Vlker widersprechend ansehe.

Graf Hertling teilte daraufhin in dem am 4. Januar 1918
zusammengetretenen Hauptausschu des Reichstags mit, er habe Herrn von
Khlmann ermchtigt, die Verlegung der Friedensverhandlungen nach
Stockholm abzulehnen; abgesehen davon, da wir nicht in der Lage seien,
uns von den Russen den Ort der Verhandlungen vorschreiben zu lassen,
sprchen gegen Stockholm technische Schwierigkeiten der telegraphischen
Verbindung mit den Hauptstdten der beteiligten Staaten sowie die Gefahr
von Machenschaften der Entente. Graf Hertling konnte seiner Mitteilung
hinzufgen, da inzwischen bevollmchtigte Vertreter der Ukraine, die
sich am 19. Dezember 1917 zur selbstndigen Volksrepublik erklrt hatte,
in Brest-Litowsk eingetroffen seien, und da wir ganz ruhig mit den
Vertretern der Ukraine weiterverhandeln wrden.

Die feste Haltung Deutschlands und seiner Verbndeten hatte zur Folge,
da bereits am 5. Januar die Petersburger Regierung mitteilte, da
angesichts des Eintreffens der Delegationen des Vierbundes am alten
Verhandlungsort auch die russische Delegation, dieses Mal unter der
Fhrung des Volkskommissars fr die auswrtigen Angelegenheiten, des
Herrn Trotzki selbst, nach Brest-Litowsk kommen werde in der berzeugung,
da man sich dort ber die Verlegung der Verhandlungen auf neutralen
Boden unschwer einigen werde.


           Die zweite Phase der Brester Friedensverhandlungen

In Erwartung der Ankunft Trotzkis und seiner Delegation wurden in
Brest-Litowsk zunchst mit den Vertretern der ukrainischen Volksrepublik
die Verhandlungen begonnen.

Bei der Wiederaufnahme der Verhandlungen mit der russischen Delegation am
9. Januar erklrte Trotzki zunchst, angesichts der grundstzlichen
Anerkennung des Selbstbestimmungsrechts jeder Nation bis zur vlligen
Lostrennung kein Hindernis fr die Teilnahme der ukrainischen Delegation
an den Friedensverhandlungen zu sehen. Die Frage, ob die ukrainische
Delegation eine Unterabteilung der russischen Delegation darstelle oder
ob sie in diplomatischer Beziehung als Vertretung eines selbstndigen
Staates zu behandeln sei, erklrte Herr Trotzki als erledigt, da die
ukrainische Delegation als eine selbstndige Vertretung erschienen sei,
da diese Vertretung von der russischen Delegation anerkannt und von
keiner Seite ein anderer Vorschlag gemacht worden sei.

Am 12. Januar erklrte Graf Czernin namens der Vierbundmchte: Wir
erkennen die ukrainische Delegation als selbstndige Delegation und als
bevollmchtigte Vertretung der selbstndigen ukrainischen Volksrepublik
an. Die formelle Anerkennung der ukrainischen Volksrepublik als
selbstndiger Staat durch die vier verbndeten Mchte bleibt dem
Friedensvertrag vorbehalten.

Herr Trotzki erklrte in der Sitzung vom 10. Januar ferner, da Ruland
die Friedensverhandlungen weiterfhren werde, unabhngig davon, ob die
Entente sich anschliee oder nicht. Er nahm Akt von einer Erklrung
Khlmanns, da mit dem Nichtbeitritt der Entente die Erklrung des Grafen
Czernin vom 25. Dezember 1917 hinfllig sei, und stellte dem das
unbedingte Festhalten der russischen Delegation an den von ihr
dargelegten Grundlagen eines demokratischen Friedens entgegen. Auf die
Verlegung der Verhandlungen nach einem neutralen Platz verzichtete er,
um den Mchten des Vierbundes den Vorwand eines Abbruchs der
Verhandlungen aus technischen Grnden zu entziehen.

In den folgenden Tagen entwickelte sich in der fr die politischen
territorialen Fragen gebildeten Kommission, an deren Sitzungen die
Vorsitzenden der einzelnen Delegationen persnlich teilnahmen, ein
hartnckiger Zweikampf Khlmann-Trotzki um die Fragen der Rumung und des
Selbstbestimmungsrechts der besetzten Gebiete.

Die Diskussion wurde von Herrn Trotzki in einer unverkennbar fr die
Auenwelt bestimmten aufreizend-agitatorischen Weise, dabei dialektisch
sehr gewandt und in vollendeter Rabulistik gefhrt. Die innere
Unaufrichtigkeit seines Eintretens fr die reine und unverflschte, vor
jeder Beeinflussung und jedem Druck zu behtende, nur in freier und
allgemeiner Volksabstimmung zu verwirklichende Selbstbestimmung der
Nationalitten der besetzten Gebiete wurde in das hellste Licht gesetzt
durch das Verhalten des bolschewistischen Ruland gegenber den dem
Bolschewismus abgeneigten eigenen Landes- und Bevlkerungsteilen. Whrend
Herr Trotzki in Brest-Litowsk den in freier Abstimmung sich bekundenden
Volkswillen als die hchste Norm im Vlkerleben proklamierte, jagte seine
Regierung in Petersburg die aus freien Volkswahlen hervorgegangene
verfassunggebende Nationalversammlung mit bewaffneter Hand am Tage nach
ihrem Zusammentritt auseinander (20. Januar 1918). Abgesehen von dem
unerhrten Terror, den die bolschewistischen Machthaber im Sowjetruland
selbst ausbten, versuchten sie in denjenigen Gebieten, die -- wie die
russische Regierung selbst anerkennen mute -- auf Grund einwandfreier
Ausbung des Selbstbestimmungsrechts sich von dem bolschewistischen
Ruland zu trennen wnschten, so in Finnland und der Ukraine, mit Feuer
und Schwert, mit jedem Schrecken und jeder Gewalttat die Selbstbestimmung
zu unterdrcken und gegen den Willen der Mehrheit der Bevlkerung die
bolschewistische Herrschaft aufrechtzuerhalten oder herzustellen. Am
entsetzlichsten wteten die Roten Garden und bolschewistischen Banden in
den jenseits der deutschen Stellungen liegenden Teilen Livlands und
Estlands. Ununterbrochen kamen von dort die herzergreifenden Hilferufe
der auf das schwerste bedrckten und mihandelten Einwohnerschaft,
insbesondere des deutschstmmigen Teiles der Bevlkerung, auf dessen
vllige Vernichtung und Ausrottung die bolschewistischen Machthaber
Rulands auszugehen schienen. Und inmitten der bedrohten und
vergewaltigten Nationalitten wagte es einer der Urheber aller dieser
Schrecken, das Selbstbestimmungsrecht der Vlkerschaften der von uns
besetzten Gebiete Tag fr Tag in stundenlangen Agitationsreden fr seine
weltrevolutionre Propaganda auszuschlachten!

Whrend Herr von Khlmann mit Zhigkeit und einer geradezu phlegmatischen
Ausdauer Herrn Trotzki an der Klinge blieb, ri dem General Hoffmann die
Geduld. In der Sitzung vom 12. Januar ergriff er, nachdem die russische
Delegation in reichlich anmaendem Ton abermals ihre Forderungen
formuliert hatte, das Wort und fhrte aus: Die russische Delegation
spreche, als ob sie siegreich in unserem Lande stehe und uns die
Bedingungen diktieren knne; die Tatsachen lgen umgekehrt. Die russische
Delegation fordere fr die besetzten Gebiete die Anwendung eines
Selbstbestimmungsrechts, wie sie es im eigenen Lande nicht anwende. Die
russische Regierung sei lediglich begrndet auf Gewalt, die rcksichtslos
jeden Andersdenkenden unterdrcke. Die deutsche Oberste Heeresleitung
msse eine Einmischung in die Angelegenheiten der besetzten Gebiete
ablehnen. Fr uns htten deren Vlker ihrem Wunsch der Lostrennung von
Ruland bereits klar und unzweideutig Ausdruck gegeben.

Am nchsten Tag versuchte Herr von Khlmann auf Grund einer Verstndigung
mit dem Grafen Czernin, der nichts mehr frchtete als den Abbruch, die
Verhandlungen wieder in ein ruhigeres Geleise zu bringen. Er lehnte zwar
namens der deutschen und der sterreichisch-ungarischen Delegation die
russischen Vorschlge als unannehmbar ab, machte jedoch Gegenvorschlge,
die dem russischen Standpunkt immerhin entgegenkamen. Vor allem stellte
die neue Formulierung fest, da Deutschland und sterreich-Ungarn nicht
die Absicht htten, sich die jetzt von ihnen besetzten Gebiete
einzuverleiben oder sie zur Annahme einer bestimmten Staatsform zu
zwingen; allerdings mten sie fr sich und die Vlker jener Gebiete
freie Hand fr den Abschlu von Vertrgen aller Art behalten. Die
Zurckziehung der Truppen sei zwar, solange der Weltkrieg andauere,
unmglich; aber die Verminderung der Truppen auf eine fr die
Aufrechterhaltung der Ordnung und die Weiterfhrung der technischen
Betriebe ntige Zahl knne angestrebt werden. Auerdem wurde zugestanden,
da den gewhlten Vertretern der Bevlkerung der besetzten Gebiete mit
fortschreitender Annherung an den allgemeinen Frieden in steigendem
Umfang die Mitwirkung an den Verwaltungsaufgaben eingerumt werden, sowie
da ein Volksvotum auf breiter Grundlage die Beschlsse ber die
staatliche Zugehrigkeit der Bevlkerung der besetzten Gebiete
sanktionieren solle. -- Diese Vorschlge wurden als der uerste Rahmen
fr eine friedliche Verstndigung bezeichnet.

Die Verhandlungen waren mit diesen Vorschlgen auf einem toten Punkt
angekommen. Graf Czernin htte unsere Vertretung gern zu weitergehenden
Zugestndnissen gedrngt, dies um so mehr, als es ihm, wie er selbst
bekannt hat, im allgemeinen und speziell auch wegen Polens durchaus
erwnscht gewesen wre, die Territorialfragen auf Grund des vollstndigen
Selbstbestimmungsrechts zu lsen. Er wurde jedoch an der Ausbung eines
strkeren Druckes auf Deutschland durch den Ausbruch einer akuten
Ernhrungskrisis in sterreich verhindert, die ihn zwang, von Deutschland
eine Ausfuhr an Lebensmitteln zur Errettung Wiens vor einer
Hungerkatastrophe zu erbitten. Unter diesen Verhltnissen, so hat Graf
Czernin ausgefhrt, konnte in diesem Zeitpunkt den deutschen
Unterhndlern gegenber der Gedanke nicht mehr ausgespielt werden, da
sterreich-Ungarn gegebenenfalls mit Ruland einen Separatfrieden
schlieen wrde, wollte man nicht die deutsche Lebensmittelhilfe
gefhrden; dies um so weniger, als der Vertreter der deutschen Obersten
Heeresleitung damals erklrte, es sei gleichgltig, ob sterreich-Ungarn
Frieden mache oder nicht; Deutschland werde unter allen Umstnden nach
Petersburg marschieren, falls die russische Regierung nicht nachgebe.
Auf der anderen Seite will Graf Czernin damals Herrn Trotzki bewogen
haben, die Ausfhrung der Absicht seiner Regierung, die russische
Delegation wegen mangelnder Aufrichtigkeit auf deutscher und
sterreichisch-ungarischer Seite abzuberufen, in Schwebe zu lassen.


     Spannung zwischen der politischen Leitung und der Heeresleitung

Das Auftreten des Generals Hoffmann am 12. Januar hat den Zustand
schwerer Spannung blogelegt, die sich im Laufe der Verhandlungen mehr
und mehr zwischen unserer politischen und militrischen Leitung
herausentwickelt hatte. Eine unter dem Vorsitz des Kaisers am 2. Januar
im Schlo Bellevue abgehaltene Beratung hatte die Gegenstze nicht
ausgeglichen, sondern nur fr den Augenblick berkleistert. Damals schon
schwirrten Gerchte ber eine ernstliche Krisis durch die Luft, die sich
bis zur Nachricht von dem Entlassungsgesuch des Generals Ludendorff
verdichteten. Der Verlauf, den die Verhandlungen in Brest nach dem
Eintreffen Trotzkis nahmen, entsprach in keiner Weise den Wnschen der
Obersten Heeresleitung, die wegen der Notwendigkeit, fr die
Frhjahrsoperationen auf dem westlichen Kriegsschauplatz ihre
Dispositionen zu treffen, auf eine rasche Entscheidung drngte und in der
Trotzkischen Verhandlungsmethode nur den Versuch der Verschleppung und
der revolutionren Propaganda erblickte.

Am Sonntag, 13. Januar, am Tag nach der Hoffmannschen Erklrung in Brest,
besuchte mich in der Frhe vor neun Uhr unangesagt der Kronprinz, der --
ebenso wie Hindenburg und Ludendorff -- in Berlin eingetroffen war. Er
wollte offen und ungeschminkt meine Meinung ber Herrn von Khlmann
hren, dem von der Obersten Heeresleitung die schwersten Vorwrfe wegen
seiner Verhandlungsleitung gemacht wrden. Ich legte dem Kronprinzen die
auerordentlichen Schwierigkeiten dar, unter denen Khlmann zu verhandeln
hatte und die meines Erachtens von der Obersten Heeresleitung nicht in
vollem Umfang erkannt und gewrdigt wrden. Khlmann habe im Kampf mit
einem so gerissenen, skrupellosen und zielbewuten Gegner wie Trotzki
stets auch unsere Bundesgenossen und unsere eigene innere Lage im Auge zu
behalten. Ich machte kein Hehl daraus, da nach meiner Ansicht der
Kardinalfehler darin liege, da wir in diese schwierigen Verhandlungen
hineingegangen seien, ohne da vorher eine klare Verstndigung zwischen
unserer politischen und militrischen Leitung und zwischen uns und
sterreich-Ungarn herbeigefhrt worden sei. Daraus msse man fr knftige
Verhandlungen lernen; ich knne aber nur auf das dringendste widerraten,
jetzt Herrn von Khlmann abzuhalftern. Das Wesentlichste sei, da
Reichskanzler und Oberste Heeresleitung sich endlich aufrichtig und
vollstndig ber das verstndigten, was sie von den Russen wollten;
ntigenfalls msse der Kaiser ein Machtwort sprechen und eine klare
Parole ausgeben.

Der Kronprinz sagte mir am Schlu der zweistndigen Unterhaltung, er
halte es fr dringend geboten, da ich mit Ludendorff ber die Sache
sprche. Als ich es ablehnte, meinerseits in einer Angelegenheit, die
auerhalb meines Aufgabenkreises liege, einen Schritt bei dem General
Ludendorff zu tun, antwortete er, dann werde er Ludendorff veranlassen,
sich an mich zu wenden. Auf diese Weise hatte ich Gelegenheit, noch an
dem gleichen Nachmittag dem General Ludendorff meine Ansichten ber Sache
und Personen darzulegen und so dazu beizutragen, da damals in der
kritischen Zuspitzung der Brester Verhandlungen ein Wechsel in der
Leitung unserer auswrtigen Politik und in der Fhrung der
Friedensdelegation vermieden wurde.


                   Der Friedensvertrag mit der Ukraine

In Brest-Litowsk wurden angesichts der Stockung, die in den Verhandlungen
mit der russischen Delegation infolge der Unvereinbarkeit der
beiderseitigen Formulierungen eintrat, Sonderverhandlungen mit der
ukrainischen Delegation gefhrt.

Eine am 13. Januar stattgehabte vertrauliche Aussprache zwischen der
deutschen und der ukrainischen Delegation ergab, da die ukrainische
Delegation in Anwendung des Selbstbestimmungsrechts des ukrainischen
Volkes auf die Regelung zweier Fragen einen besonders groen Wert legte:
auf die Einbeziehung des frher zu Kongrepolen gehrigen und erst im
Jahre 1911 von der russischen Regierung aus dem Generalgouvernement
Warschau ausgesonderten Gouvernements Cholm in das Gebiet der
ukrainischen Volksrepublik; ferner auf Autonomie fr den ganz vorwiegend
von Ukrainern (Ruthenen) bevlkerten stlichen Teil Galiziens und
nrdlichen Teil der Bukowina.

Hinsichtlich Ostgaliziens verlangte in jener Unterredung der ukrainische
Staatssekretr Holubowitsch in erster Linie sogar eine Volksabstimmung
ber die Zugehrigkeit zum sterreichischen oder zum ukrainischen Staat.
Herr von Khlmann behielt sich seine Stellungnahme zur Cholmer Frage vor;
hinsichtlich Ostgaliziens erklrte er, jede Macht, die nicht die
territoriale Integritt unserer Bundesgenossen als erste Voraussetzung
jeder Verhandlung unbedingt annehme, erklre damit, da sie nicht den
Frieden, sondern den Krieg wnsche.

Die ukrainische Delegation kam bei den weiteren Verhandlungen auf den
Wunsch einer Angliederung sterreichischer Gebiete nicht zurck, bestand
aber auf der Angliederung des grtenteils von Ukrainern bewohnten
Gouvernements Cholm und auf besonderen Sicherungen fr die nationalen und
politischen Rechte der ukrainischen Bevlkerung des sterreichischen
Staatsgebietes. Graf Czernin lehnte zwar anfangs jede Einmischung in die
inneren Verhltnisse der Monarchie ab, zeigte auch Neigung, das Cholmer
Gouvernement fr das knftige Polen zu beanspruchen, gab aber dann in
beiden Punkten nach. Ausschlaggebend war offenbar fr ihm die Hoffnung,
durch einen raschen Friedensschlu mit der Ukraine der schwierigen
Ernhrungslage sterreichs wirksam abhelfen zu knnen. Dieser
Gesichtspunkt war fr ihn so wichtig, da er um seinetwillen die sicher
zu erwartende tdliche Feindschaft der in sterreich so einflureichen
Polen in Kauf nahm.

Hinsichtlich des Gouvernements Cholm begngte er sich mit der Kautel, da
die Grenze zwischen der Ukraine und Polen im einzelnen nach den
ethnographischen Verhltnissen und unter Bercksichtigung der Wnsche der
Bevlkerung durch eine gemischte Kommission festgesetzt werden solle.

Hinsichtlich der ostgalizischen Frage schlug Graf Czernin eine
Deklaration vor, nach der sterreich der innerhalb seiner Grenzen
wohnenden ukrainischen Bevlkerung und die Ukraine den in ihren Grenzen
bleibenden polnischen Minoritten die freie nationale und kulturelle
Entwicklung gewhrleisteten. Er fgte hinzu, da er sich diese
Gewhrleistung so denke, da die Ukrainer Ostgaliziens eine eigene
Provinz innerhalb sterreichs bilden wrden.

Auf dieser Grundlage kam die Einigung zustande. Die Vereinbarung ber die
Gewhrung der Autonomie an die sterreichischen Ukrainer sollte in
Rcksicht auf den zu erwartenden heftigen Widerstand der galizischen
Polen einstweilen geheimgehalten werden; sie wurde deshalb auch nicht in
den ffentlichen Friedensvertrag aufgenommen. Auerdem wurde dieses
Zugestndnis an einige wichtige Bedingungen gebunden, vor allem an das
Zustandekommen des Friedensvertrages innerhalb einer kurzbemessenen Frist
und an die Lieferung von mindestens einer Million Tonnen Getreide durch
die Ukraine bis zum 1. August 1918. Das Wort Brotfriede, das Graf
Czernin spter fr den Frieden mit der Ukraine prgte, war bezeichnend;
denn soweit sterreich in Betracht kam, ging dieser Friede in der Tat
nach Brot.

Im brigen war fr den Friedensvertrag mit der Ukraine, namentlich fr
seinen wirtschaftlichen und seinen rechtlichen Teil, in den
Kommissionsverhandlungen ber den russischen Friedensvertrag bereits
wertvolle technische Vorarbeit geleistet worden. Da auerdem auf beiden
Seiten der gute Wille vorhanden war, rasch zu einem Abschlu zu kommen,
wurde in der kurzen Zeit bis zum 20. Januar so weit bereinstimmung ber
die Grundlagen des abzuschlieenden Friedens erzielt, da die
Delegationen zur letzten Besprechung mit ihren Regierungen nach Hause
reisen konnten.

Als Ende Januar die Chefs der Delegationen nach Brest zurckgekehrt waren
und die Verhandlungen wieder aufgenommen wurden, bot Trotzki alles auf,
um das Zustandekommen des Friedens mit der Ukraine zu verhindern. Er
fhrte zwei Vertreter der ukrainischen Arbeiter-, Bauern- und
Soldatendeputierten, die sich inzwischen in Charkow als Gegenregierung
gegen die Zentralrada in Kiew konstituiert hatten, als Mitglieder der
russischen Delegation ein und erklrte, nachdem der grte Teil der
Kiewer Garnison zur ukrainischen Sowjetregierung bergegangen sei, werde
die Kiewer Rada, mit deren Delegierten die Vertreter des Vierbundes
bisher verhandelt hatten, berhaupt nur noch wenige Tage existieren.
Jedenfalls knnten nur solche mit der Ukraine getroffenen Abmachungen
anerkannt werden, die durch die Regierung der fderativen russischen
Republik ihre formelle Besttigung erhielten.

Demgegenber erklrte die ukrainische Delegation, da die ukrainische
Volksrepublik sich ursprnglich bemht habe, eine Fderation der
verschiedenen auf dem Gebiet des frheren russischen Kaiserreiches
entstandenen Republiken zu schaffen, da aber, nachdem diese Versuche
gescheitert seien, die ukrainische Zentralrada die ukrainische
Volksrepublik am 24. Januar zu einem ganz selbstndigen und von niemand
abhngigen Staat proklamiert habe. Die Differenzen mit den ukrainischen
Bolschewisten seien eine innere Angelegenheit der ukrainischen
Volksrepublik, die auf deren vlkerrechtliche Stellung keinen Einflu
haben knne. Die Unruhen in der Ukraine seien von der Petersburger
bolschewistischen Regierung mit Hilfe nichtukrainischer Soldaten, die in
einzelnen Stdten Soldatenrte gebildet htten, hervorgerufen worden. Die
Wahlen zur russischen Konstituierenden Nationalversammlung htten in der
Ukraine eine Mehrheit von mehr als drei Vierteln zugunsten der
ukrainischen Zentralrada ergeben, und eine Minderheit von nur zehn
Prozent fr die Bolschewisten.

Graf Czernin erklrte im Namen der Delegationen der vier verbndeten
Mchte, da fr diese kein Anla vorliege, die am 12. Januar
ausgesprochene Anerkennung der ukrainischen Delegation als einer
selbstndigen Delegation und als einer bevollmchtigten Vertretung der
ukrainischen Volksrepublik zurckzunehmen oder einzuschrnken; die
Regierungen des Vierbundes shen sich vielmehr weiter veranlat, die
ukrainische Volksrepublik schon jetzt als unabhngigen, freien,
souvernen Staat anzuerkennen, der in der Lage sei, selbstndig
internationale Abmachungen zu treffen.

Am 9. Februar morgens zwei Uhr wurde der Friedensvertrag zwischen den
Regierungen des Vierbundes und der ukrainischen Volksrepublik
unterzeichnet. Es war der erste Friedensschlu im Weltkrieg. Er betraf
den wirtschaftlich wichtigsten Teil des Russischen Reiches; denn die
Ukraine hatte in Friedenszeiten von der Getreideausfuhr Rulands 40 vom
Hundert, von seiner Zuckerausfuhr sogar 80 vom Hundert aufgebracht, und
von der russischen Kohlenfrderung und Eisengewinnung entfielen etwa zwei
Drittel auf die ukrainischen Gruben und Werke.


           Die letzte Phase der Brester Friedensverhandlungen

An dem gleichen Tag, in dessen ersten Morgenstunden der ukrainische
Friedensvertrag unterzeichnet worden war, erklrte Herr Trotzki: Vom
russischen Standpunkt sei die Anwendung, die von der Gegenseite dem
Grundsatz der Selbstbestimmung der Vlker gegeben werde, gleichbedeutend
mit der Ablehnung dieses Grundsatzes. Auerdem sei eine neue
Schwierigkeit entstanden durch die Stellungnahme des Vierbundes gegenber
der Ukraine. Er protestierte gegen den Abschlu des ukrainischen
Friedensvertrages und bemerkte, die Handlungsweise des Vierbundes msse
Zweifel hervorrufen, ob die Mittelmchte zu einer Verstndigung mit der
Regierung des fderativen Ruland gelangen wollten.

Noch einmal versuchte Graf Czernin durch einen Kompromivorschlag die
Fortsetzung der Verhandlungen zu retten. Aber auch die neue Formulierung,
die Herr von Khlmann im Einverstndnis mit dem Grafen Czernin den
russischen Delegierten vorschlug, fand nur Ablehnung.

Schlielich fhrte Herr Trotzki in der Sitzung vom 10. Februar aus, da
nach Ansicht seiner Delegation jetzt die Entscheidungsstunde gekommen
sei. Ruland wolle keinen Teil mehr am Krieg haben; deshalb fhre Ruland
sein Heer und Volk aus dem Kriege heraus. Unter Verzicht auf die
Unterzeichnung eines Friedensvertrages erklre Ruland den Kriegszustand
mit Deutschland, sterreich-Ungarn, der Trkei und Bulgarien fr beendigt
und erteile gleichzeitig den Befehl zur vlligen Demobilisation der
russischen Streitkrfte an allen Fronten. Fr die aus dieser Lage sich
ergebenden weiteren Besprechungen zwischen den Mchten des Vierbundes und
Ruland ber die Gestaltung der wechselseitigen diplomatischen,
konsularischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Beziehungen verwies Herr
Trotzki auf den Weg unmittelbaren Verkehrs zwischen den beteiligten
Regierungen und auf die bereits in Petersburg befindlichen Kommissionen
des Vierbundes.

Herr von Khlmann hatte die Geistesgegenwart, sofort die durch diese
berraschende Erklrung geschaffene Situation zu przisieren. Er stellte
fest, da der Vierbund mit der russischen Regierung im Kriege stehe, da
die Kriegshandlungen zwar durch den Waffenstillstand eingestellt seien,
bei Wegfall dieses Vertrages aber wieder aufleben wrden. Der
Waffenstillstandsvertrag bezeichne als seinen Zweck den Abschlu des
Friedens. Komme dieser Zweck des Waffenstillstandsvertrages in Wegfall,
so wrden die Kriegshandlungen nach Ablauf der vorgesehenen Frist wieder
aufleben. Die Tatsache, da die eine von den beiden Parteien
demobilisiere, wrde hieran weder tatschlich noch rechtlich etwas
ndern. Im Anschlu an diese Feststellung schlug er fr den nchsten Tag
eine Vollsitzung vor, in der die Stellungnahme der Verbndeten zu den
neuesten Mitteilungen der russischen Delegation bekanntgegeben werden
sollte.

Herr Trotzki erwiderte, die russische Delegation habe jetzt alle ihre
Vollmachten erschpft und halte es fr notwendig, nach Petersburg
zurckzukehren. Die Mitteilungen, welche die Delegationen des Vierbundes
machen wrden, werde die Regierung der fderativen russischen Republik
beraten und darauf die Antwort erteilen.

Bei der auf diese Sitzung folgenden Aussprache zwischen den
diplomatischen und militrischen Unterhndlern Deutschlands und
sterreich-Ungarns stellte sich Graf Czernin auf den Standpunkt, da der
durch die Erklrung Trotzkis geschaffene Zustand, der den Frieden via
facti herbeifhre, akzeptiert werden msse. Er behauptete spter, da
auch Herr von Khlmann, trotz seines vorsichtigen Vorbehaltes in der
Sitzung selbst, sich dieser Auffassung angeschlossen habe, und da einzig
und allein der General Hoffmann eine abweichende Haltung eingenommen und
die Kndigung des Waffenstillstandes, den Vormarsch nach Petersburg und
die militrische Untersttzung der Ukraine gefordert habe.

In der Tat vertrat Herr von Khlmann, der alsbald nach Deutschland
zurckkehrte, gegenber den Forderungen der Obersten Heeresleitung einen
Standpunkt, der sich demjenigen des Grafen Czernin nherte. Demgegenber
verlangte das Groe Hauptquartier, da Trotzkis Erklrung als Kndigung
des Waffenstillstandes behandelt und sofort nach Ablauf der siebentgigen
Frist mit dem Vormarsch der deutschen Heere in Estland und Livland und
dem Einmarsch in die von den Sowjettruppen auf das uerste bedrngte
Ukraine beantwortet werden msse. Die offizise Norddeutsche
Allgemeine Zeitung dagegen verffentlichte eine Zuschrift eines
Staatsrechtslehrers, in der ausgefhrt wurde, die Erklrung Trotzkis habe
hinsichtlich des Waffenstillstandes zur Folge, da die Feindseligkeiten
erst wieder aufgenommen werden knnten, wenn der Waffenstillstand unter
Einhaltung der vertragsmigen Fristen ausdrcklich gekndigt worden
sei.

Die Entscheidung wurde in einer Beratung herbeigefhrt, die am 13.
Februar unter Vorsitz des Kaisers im Groen Hauptquartier zu Homburg
stattfand. Sie fiel zugunsten der Auffassung und des Programms der
Obersten Heeresleitung, nachdem auch der Reichskanzler Graf Hertling sich
schlielich auf deren Standpunkt gestellt hatte. Herr von Khlmann, der
ursprnglich die Kabinettsfrage gestellt hatte, entschlo sich auf
Drngen des Reichskanzlers zum Bleiben.

Am 16. Februar verffentlichte das Wolffsche Bureau eine offizise Note,
die besagte: Durch die einseitige Erklrung Trotzkis sei
selbstverstndlich der Kriegszustand nicht beseitigt; vielmehr habe die
Weigerung Trotzkis, einen Friedensvertrag zu unterzeichnen, die
Herstellung des Friedens unmglich gemacht. Gerade zur Herbeifhrung des
Friedens aber sei der Waffenstillstandsvertrag, wie seine Einleitung
ausdrcklich hervorhebe, abgeschlossen worden. Der Verzicht auf den
Frieden sei deshalb der Kndigung des Waffenstillstandes gleichzuachten;
die Kndigung sei als am 10. Februar erfolgt anzusehen. Die deutsche
Regierung msse sich deshalb nach Ablauf der vertraglich vorgesehenen
siebentgigen Frist freie Hand nach jeder Richtung vorbehalten.

Am gleichen Tag berreichte die ukrainische Delegation in Brest-Litowsk
der deutschen Regierung eine Botschaft an das deutsche Volk, in der sie
die Hilfe des deutschen Heeres gegen die russischen Bolschewisten erbat,
die in die Ukraine eingerckt waren.

Ebenfalls an demselben Tag verlieen die Kommissionen der verbndeten
Regierungen, die nach Abschlu des Waffenstillstandes im Dezember 1917
zur Regelung des Austausches der Zivilgefangenen und dienstuntauglichen
Kriegsgefangenen sowie zur Wiederherstellung des wirtschaftlichen
Verkehrs nach Petersburg entsandt worden waren, die russische Hauptstadt.
Bezeichnend war, da ein Wiener Communiqu diesen Schritt mit der durch
die Anarchie bedingten Unsicherheit begrndete und hinzufgte: Sobald
die Sicherheitsverhltnisse in Petersburg es gestatten, wird sich die
Kommission wieder dorthin zurckbegeben.

Am 17. Februar begannen die deutschen Truppen im Baltikum und in
Wolhynien ihren Vormarsch. In wenigen Tagen war ganz Livland, fast ganz
Estland und ein groer Teil Wolhyniens besetzt.

Am 20. Februar lie die russische Regierung einen Funkspruch ergehen,
lautend: Der Rat der Volkskommissare sieht sich veranlat, in Anbetracht
der geschaffenen Lage sein Einverstndnis zu erklren, den Frieden unter
den Bedingungen zu unterzeichnen, die von den Delegierten des Vierbundes
in Brest-Litowsk gestellt wurden.

Nun schwenkte auch Graf Czernin ein und lie erklren: Die neue Wendung
sei ausschlielich dem ohne Zgern erfolgten militrischen Vorgehen gegen
die grorussische Republik zu danken; es sei selbstverstndlich, da
diese Aktion auf dem Einvernehmen der beiden Mittelmchte beruhe; wenn
bisher nur das Vorgehen deutscher Krfte gemeldet werde, so
ergebe sich das aus der Tatsache, da das Schwergewicht der
sterreichisch-ungarischen Streitkrfte an dem sdlichen Teil der
Ostfront liege. -- Diese Begrndung war natrlich nur ein durchsichtiger
Vorwand; denn fr die sterreichisch-ungarischen Truppen hatte durchaus
die Mglichkeit bestanden, sich an dem Einmarsch in die Ukraine zu
beteiligen.

Die deutsche Regierung beantwortete den russischen Funkspruch mit einem
achtundvierzigstndigen Ultimatum, das die in Brest-Litowsk gestellten
Bedingungen ergnzte und in einigen wesentlichen Punkten verschrfte.
Insbesondere wurde neu verlangt, da die aus der russischen
Territorialhoheit ausscheidenden Gebiete in der Gegend von Dnaburg bis
zur Ostgrenze Kurlands erweitert wrden; ferner da Livland und Estland
von den russischen Truppen gerumt und von deutscher Polizeimacht besetzt
werden sollten, bis Landeseinrichtungen die Sicherheit gewhrleisteten
und die staatliche Ordnung hergestellt sei. Auerdem hatte sich Ruland
zu verpflichten, sofort Frieden mit der ukrainischen Volksrepublik zu
schlieen und sofort seine Truppen sowohl aus der Ukraine wie aus
Finnland zurckzuziehen.

Dieses Ultimatum wurde am 24. Februar von dem Vollzugsrat
der grorussischen Sowjets mit 126 gegen 85 Stimmen bei 26
Stimmenthaltungen angenommen. Dagegen stimmten insbesondere die linken
Sozialrevolutionre.

Am 2. Mrz trafen die Delegationen Rulands und der Vierbundmchte in
Brest-Litowsk wieder zusammen.

Bereits am folgenden Tag unterzeichneten die russischen Bevollmchtigten
die ihnen vorgelegten Vertrge unter ausdrcklichem Verzicht auf eine
Durchberatung und auf Abnderungsantrge. Einen frmlichen Protest
erhoben sie gegen einen von der trkischen Delegation mit Untersttzung
der brigen Vierbunddelegationen erst bei dieser neuen Zusammenkunft
verlangten Zusatz, nach dem die kaukasischen Bezirke Erdehan, Kars und
Batum ohne Verzug von den russischen Truppen gerumt werden sollten und
Ruland sich zu verpflichten hatte, sich in die Neuordnung der
staatsrechtlichen und vlkerrechtlichen Verhltnisse dieser Bezirke nicht
einzumischen, sondern es der Bevlkerung dieser Bezirke zu berlassen,
die Neuordnung im Einvernehmen mit den Nachbarstaaten, namentlich der
Trkei, durchzufhren. Aber die russische Delegation lie es bei dem
Protest bewenden und unterzeichnete auch diese Bestimmung. Der Fhrer der
russischen Delegation, Herr Sokolnikow, erklrte: Ruland weiche der
Gewalt, der Friede sei kein Verstndigungsfriede. Die Randvlker wrden
unter dem Vorwand des Selbstbestimmungsrechts dem Einflu des Gegners
unterstellt, um die dort herrschenden Klassen gegen die Revolution zu
schtzen und die Krfte der Gegenrevolution zu strken. Auch in Finnland
und der Ukraine schtze der Vierbund die revolutionsfeindlichen
Bestrebungen. Ruland, durch den Bruch des Waffenstillstandes
vergewaltigt, unterzeichne den Friedensvertrag ohne Verhandlung, nachdem
es vergeblich an die deutschen Arbeiter appelliert habe.

Der letzte Satz besttigte erneut die Taktik Trotzkis und seiner Genossen
in der russischen Regierung. Die bolschewistischen Machthaber brauchten
den Frieden; denn durch das Friedensbedrfnis des vllig zerrtteten und
erschpften russischen Volkes waren sie zur Macht gekommen, und nur durch
die -- wenigstens scheinbare -- Erfllung des Friedensbedrfnisses
konnten sie sich an der Macht halten. Das russische Heer lief ihnen unter
den Hnden auseinander. Es demobilisierte von selbst, lngst ehe Trotzki
am 10. Februar die Demobilisation ankndigte. Aber die Lenin und Trotzki
hofften die Friedensverhandlungen so fhren zu knnen, da ihnen in den
deutschen Mannschaften und Arbeitermassen eine Hilfstruppe erwchse und
da die von ihnen erstrebte Weltrevolution Deutschland erfasse. Spter,
Anfang Juli 1918, hat Lenin auf dem Sowjetkongre in Moskau gesagt:
Zwischen dem Sieg der Oktoberrevolution und der internationalen
sozialistischen Revolution ist ein weiter Weg. Die Ausbrche mssen in
anderen Lndern beginnen. Wir haben whrend der Verhandlungen von Brest
alles Mgliche getan, um diese Ausbrche zu beschleunigen.

Die Bolschewisten sind in ihrer Hoffnung durch gewisse Vorgnge in
Deutschland und sterreich-Ungarn zweifellos bestrkt worden. Die
Sozialistische Korrespondenz berichtete Anfang Januar 1918, es sei ihr
aus Stockholm aus einer vollkommen unanfechtbaren Quelle die Mitteilung
zugegangen, da die Bolschewiki in den Tagen vor Weihnachten von Fhrern
der deutschen Unabhngigen Sozialdemokratie die dringende Mahnung
erhalten htten, die Friedensverhandlungen zu verschleppen, da die
Entwicklung in Deutschland sich in ihrem, d. h. im revolutionren Sinn
vollziehe; der Abschlu eines Separatfriedens zwischen Deutschland und
Ruland wre verwerflich, weil er diese Entwicklung in Deutschland
beeintrchtigen und die herrschenden Schichten strken wrde. -- Eine
Besttigung solcher Aussichten mochten die Bolschewistenfhrer vor allem
in der Streikbewegung erblicken, die in der letzten Januarwoche zuerst in
Wien und den sterreichischen Industriegebieten zum Ausbruch kam und
alsbald auf Berlin bersprang. Der Streik in Berlin entstand gegen den
Willen der Gewerkschaften und der alten Sozialdemokratie; aber die
Sozialdemokraten traten in die Streikleitung ein, um die Fhrung zu
gewinnen und den Streik in geordnete Bahnen zu leiten. Die Streikenden
erhoben nicht nur wirtschaftliche, sondern auch weitgehende politische
Forderungen. Die Reichsleitung, vertreten durch den Staatssekretr des
Innern Wallraf, erklrte sich bereit, ber die politischen Forderungen
der Streikenden zwar mit den sozialdemokratischen Abgeordneten, nicht
aber mit der Streikleitung oder dem Arbeiterrat zu verhandeln, und
hielt diesen Standpunkt auch aufrecht. Der verschrfte Belagerungszustand
wurde verfgt, ein Verbot von Versammlungen, auch von solchen der
Streikleitung und des Arbeiterrats, wurde erlassen. Eine Anzahl von
Agitatoren wurde verhaftet, darunter auch der Reichstagsabgeordnete
Dittmann. Die Provinz verhielt sich in der Hauptsache ablehnend. Am 4.
Februar war der Streik im wesentlichen zu Ende.

Auch in sterreich, wo auf Grund der Nahrungsmittelkrisis die
Streikbewegung einen greren Umfang und einen bedenklicheren Charakter
annahm, gelang es, ihrer Herr zu werden.

Als Trotzki am 10. Februar die Verhandlungen abbrach, hatte er wohl noch
eine letzte Hoffnung, da die deutschen Truppen gegen das revolutionre
Ruland nicht marschieren wrden. Der rasche Vormarsch belehrte die
Petersburger Machthaber eines anderen. Die bisher fr unmglich gehaltene
Besetzung Petersburgs rckte mit einemmal in nahe Sicht. Sie htte, wie
die Dinge damals lagen, voraussichtlich den Zusammenbruch der
Bolschewistenherrschaft gebracht und damit die Hoffnungen auf die
Weltrevolution vernichtet. Unter diesem Druck entschlossen sich die
Bolschewisten auf das Drngen Lenins, auf jede Bedingung hin
einzulenken, nicht in der Absicht, zu einem dauernden Frieden zu kommen,
sondern um, wie Lenin selbst sich ausdrckte, eine Atempause zu
gewinnen.

Auch der schrfste Gegner der Bolschewisten kann der Politik der Lenin
und Trotzki starkes Zielbewutsein, zhe Tatkraft und verschlagene
Gewandtheit nicht absprechen. Inmitten des katastrophalen russischen
Zusammenbruchs vermochten sie in den Verhandlungen mit den militrisch
siegreichen Gegnern sich zunchst die Initiative zu sichern. Sie
vermochten ihr Programm zur Grundlage der Brester Verhandlungen zu machen
und damit ihre siegreichen Gegner von vornherein in eine
Verteidigungsstellung zu zwingen. Ja, sie fanden die Kraft zu einer
aggressiven Bedrohung des Rckens ihrer Verhandlungsgegner, indem sie
deren Vlker zum Kampf gegen deren Staats- und Gesellschaftsordnung
aufriefen und indem sie den Versuch machten, den Krieg zwischen den
Vlkern durch den Klassenkampf des internationalen Proletariats gegen den
Kapitalismus zu beendigen. Wenn auch dieser khne Versuch im Augenblick
durch den Gegenzug des Friedensschlusses mit der Ukraine und unser
entschlossenes militrisches Vorgehen durchkreuzt wurde, so war dieser
Versuch doch keineswegs vereitelt. Er wurde vielmehr auch whrend der
Atempause mit Zhigkeit und in stiller Arbeit weitergefhrt; die
Ereignisse seit dem November 1918 haben gezeigt, mit welchem Erfolg.


                         Der Friede von Bukarest

An den Schluverhandlungen in Brest-Litowsk hatten Herr von Khlmann und
Graf Czernin nicht mehr teilgenommen. Sie hatten sich noch im Februar
nach Bukarest begeben, um dort in Friedensverhandlungen mit der
rumnischen Regierung einzutreten.

Die rumnische Armee hatte gleichzeitig mit der russischen Anfang
Dezember 1917 Waffenruhe und Waffenstillstand mit der Heeresleitung der
Vierbundmchte abgeschlossen. Aber bald war es zwischen den rumnischen
Truppen, denen sich der russische Oberbefehlshaber an der rumnischen
Front, General Tscherbatscheff, mit einem Teil seiner Truppen anschlo,
und den bolschewistisch gesinnten, nach der Heimat zurckflutenden
russischen Verbnden zu Streitigkeiten und Feindseligkeiten gekommen, die
zu scharfen russischen Noten an die rumnische Regierung, vorbergehend
zur Verhaftung des rumnischen Gesandten in Petersburg, schlielich zu
Ultimaten und Ende Januar 1918 zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen
zwischen Sowjetruland und Rumnien fhrten. General Tscherbatscheff
wurde zum Feind des Volkes erklrt und auerhalb des Gesetzes gestellt.

Die Haltung der rumnischen Regierung und des rumnischen Heeres zu
Deutschland und seinen Verbndeten war in jener Zeit undurchsichtig. Eine
Zeitlang schien es, als ob die auf die Moldau zusammengedrngte,
zwischen die Heere des Vierbundes und Rulands eingekeilte rumnische
Armee den Kampf wieder aufnehmen wolle. Nach dieser Richtung arbeitete
insbesondere die rumnische Knigin, untersttzt von General
Tscherbatscheff und den Militrmissionen der Entente. Gegen diese Politik
machte sich in Rumnien selbst eine starke Gegenstrmung geltend. Eine
Gruppe angesehener rumnischer Politiker, die sich um den alten Peter
Carp und den langjhrigen Gesandten in Berlin, Herrn Beldiman, scharte,
hatte das Eintreten Rumniens in den Krieg gegen Deutschland stets
verurteilt und nahm jetzt scharfe Front gegen das rumnische Knigshaus,
dessen verrterische Politik all das Unglck ber das Land gebracht
hatte. Diese Gruppe trat mit der deutschen Regierung in Fhlung, um sich
darber zu vergewissern, ob Deutschland geneigt sei, mit einer neuen
rumnischen Regierung, die den Knig und sein Haus fr des Thrones
verlustig erklren wrde, in Verhandlungen einzutreten und einen fr
Rumnien ertrglichen Frieden abzuschlieen.

Die nach dieser Richtung gehenden Plne wurden jedoch durchkreuzt durch
einen Schritt der sterreichisch-ungarischen Politik. Kaiser Karl
schickte, soviel ich wei, ohne die Berliner Regierung zu befragen oder
auch nur zu benachrichtigen, Ende Januar 1918 den frheren Militrattach
in Bukarest, den Obersten Randa, in geheimer Mission zu dem Knig von
Rumnien und lie diesen seiner Bereitwilligkeit versichern, Rumnien
einen ehrenvollen Frieden zu bewilligen.

Graf Czernin hat in seiner Rede vom 11. Dezember 1918 den Versuch
gemacht, diesen auffallenden Schritt wie folgt zu begrnden:

Mit der Mglichkeit, zu Friedensverhandlungen mit Rumnien zu gelangen,
wurde schon damals gerechnet, als die Verhandlungen mit der russischen
Friedensdelegation in Brest-Litowsk ihren Anfang nahmen. Um zu
verhindern, da auch Rumnien sich diesen Verhandlungen anschliee, lie
man deutscherseits die rumnische Regierung wissen, da man mit dem
gegenwrtigen Knig und der gegenwrtigen Regierung nicht verhandeln
wolle. Dieser Schritt hatte jedoch nur den Zweck, gesonderte
Verhandlungen mit Rumnien zu ermglichen, da Deutschland befrchtete,
da die Einbeziehung Rumniens in die Brester Verhandlungen die Chancen
des Friedens gefhrden knnte. Daraufhin schien der Gedanke Rumniens,
den Krieg dennoch fortfhren zu wollen, die Oberhand zu gewinnen. Ende
Januar wurde daher seitens sterreich-Ungarns die Initiative ergriffen,
um die Verhandlungen mit Rumnien zu ermglichen.

Diese Darstellung ist durchaus schief. Das ergibt sich schon daraus, da
bei dem sich bis zum Abbruch der Beziehungen und Kriegsdrohungen
steigernden schlechten Verhltnis zwischen Sowjetruland und dem
offiziellen Rumnien eine gemeinschaftliche Verhandlung in
Brest-Litowsk, auf deren Verhinderung es der deutschen Regierung
angeblich ankam, auerhalb des Bereiches der Mglichkeit lag. Die Frage
der rumnischen Dynastie und der rumnischen Regierung wurde von der
deutschen Regierung lediglich von dem sachlichen Gesichtspunkte aus
behandelt, ob eine aufrichtige Verstndigung und ein dauernder Friede mit
Rumnien unter der schwer kompromittierten Dynastie und der
verrterischen, von Grund aus deutschfeindlichen Regierung der Bratianu
und Take Jonescu berhaupt mglich sei. Die sterreichisch-ungarische
Politik hatte es um so weniger ntig, deutsche Verschleppungsabsichten zu
durchkreuzen, als -- wie Graf Czernin feststellt -- die deutsche Oberste
Heeresleitung in Rcksicht auf ihre geplante Offensive auf dem westlichen
Kriegsschauplatz auf einen raschen Abschlu mit Rumnien drngte. Die
wirklichen Motive der sterreichisch-ungarischen Initiative bei Knig
Ferdinand mgen einmal in gewissen dynastischen Erwgungen bestanden
haben; man sprach damals von der Befrchtung, da die Absetzung des
rumnischen Knigs eine weitere Erschtterung des monarchischen Gedankens
zur Folge haben und nicht ohne Rckwirkung auf die Stellung der Dynastien
in den Mittelmchten bleiben werde. Ferner mag mitgespielt haben die alte
Eifersucht sterreich-Ungarns auf Deutschlands Position in Rumnien, die
durch eine neue Regierung einer ausgesprochen deutschfreundlichen Gruppe
und durch die Einsetzung einer neuen, Deutschland zugeneigten Dynastie
eine Strkung htte erfahren mssen.

Wie dem aber auch sei -- nachdem der Kaiser von sterreich und mit ihm
die sterreichisch-ungarische Politik sich auf die Erhaltung der
rumnischen Dynastie festgelegt hatte, lie man auf deutscher Seite --
zur groen Enttuschung und Verstimmung, ja Erbitterung der
deutschfreundlichen rumnischen Politiker, die sich bereits stark gegen
die Dynastie engagiert hatten -- die Bedingung der Abdankung des Knigs
fallen. Ein Boden fr aussichtsreiche Verhandlungen war aber erst
vorhanden, nachdem am 10. Februar das Kabinett Bratianu demissioniert
hatte und durch eine neue Regierung unter dem Vorsitz des Generals
Avarescu ersetzt worden war; und erst, nachdem spterhin, am 19. Mrz,
der den Mittelmchten zuneigende konservative Fhrer Marghiloman als
Ministerprsident an die Stelle von Avarescu getreten war, kamen die
Verhandlungen in rascheren Flu.

Die Verhandlungslage war von Anfang an eine uerst schwierige, da
deutsche, sterreichisch-ungarische, bulgarische und trkische Interessen
kreuz und quer durcheinanderliefen und vielfach miteinander in
Widerstreit standen.

Deutschland war territorial nicht interessiert. Dagegen war es fr uns
von Wichtigkeit, uns sowohl fr die Fortdauer des Krieges mit den
Westmchten und Amerika, wie auch fr die Eventualitt eines
Wirtschaftskrieges nach dem Kriege den Bezug von Getreide und
Futtermitteln sowie von Petroleum aus Rumnien nach jeder Mglichkeit zu
sichern. Auerdem mute unserem Interesse an den durch Rumnien nach der
Levante fhrenden Verkehrswegen, sowohl an den Eisenbahnen wie an dem
Donauwege, Rechnung getragen werden. Die Frage der Bahn von Cernavoda
nach Constantza und der dem Zug dieser Bahn folgenden Rhrenleitung fr
Petroleum, ebenso die Frage des Hafens von Constantza waren in dieser
Beziehung besonders wichtig, und zwar sowohl fr Deutschland und
sterreich-Ungarn als auch fr Rumnien. Denn wenn die Dobrudscha, wie
Bulgarien dies wnschte, an Bulgarien kam, beherrschte dieses die
gesamten Eisenbahnwege der Mittelmchte nach dem Schwarzen Meer und war
Rumnien von jeder eigenen Bahnverbindung nach dem Meere abgeschlossen.
Es muten deshalb hier besondere Abmachungen zur Sicherung des
Verkehrsinteresses der Mittelmchte und Rumniens vorgesehen werden.

sterreich-Ungarn war an den rumnischen Verkehrswegen sowie an der
Sicherung des Bezugs von rumnischem Getreide in hnlicher Weise
interessiert wie wir. In der Petroleumfrage war die Position der
Donaumonarchie insofern von der unsrigen verschieden, als
sterreich-Ungarn in Galizien ber eigene groe Petroleumvorkommen
verfgte, die mit den rumnischen in Konkurrenz standen, und als
sterreichisch-ungarisches Kapital in der rumnischen Petroleumindustrie,
in der groe deutsche Kapitalien investiert waren, bisher nicht
interessiert war. Aber die sterreichisch-ungarische Regierung suchte die
Friedensverhandlungen zu benutzen, um auch ihrerseits einen starken
Einflu in der Gewinnung und Verwertung des rumnischen Petroleums zu
gewinnen. Ihre Wnsche und Interessen und diejenigen Deutschlands gingen
in nicht unwesentlichen Punkten auseinander. Auerdem aber erschien
sterreich-Ungarn, dessen Staatsmnner Deutschland gegenber nie genug
Enthaltsamkeit predigen konnten, mit sehr erheblichen territorialen
Wnschen auf dem Plan. Die ungarische Regierung, das ungarische Parlament
und die ungarische ffentliche Meinung verlangten, angeblich aus
strategischen Grnden, sehr umfangreiche Grenzrektifikationen, durch
die eine Anzahl von Stdten, wie Turn-Severin, Sinaia und Ocna, auerdem
wertvolle Erdlgebiete in der Moldau an Ungarn gekommen wren. Graf
Czernin erhob zwar gegen diese auerordentlich weitgehenden Forderungen
Widerspruch, sah sich aber infolge des starken ungarischen Druckes
gentigt, diese Forderungen zu prsentieren und zu vertreten. Erst
nachdem Marghiloman, der vorher dem Grafen Czernin befriedigende Zusagen
ber seine Politik gegenber der Donaumonarchie gegeben hatte, an die
Spitze der rumnischen Regierung getreten war, lie Czernin einen groen
Teil seiner territorialen Forderungen gegen das Zugestndnis des immer
noch erheblichen Restes fallen. Fr dieses Zugestndnis sicherte Graf
Czernin der rumnischen Regierung seine diplomatische Untersttzung der
rumnischen Wnsche auf Bessarabien zu.

Bulgariens Forderungen gingen auf Angliederung der ganzen Dobrudscha.
Zugesagt worden war Bulgarien von den beiden Mittelmchten vor seinem
Eintritt in den Krieg gegen Rumnien, da es den ihm von Rumnien im
zweiten Balkankrieg abgenommenen sdlichen Teil der Dobrudscha mit einer
Grenzberichtigung zurckerhalten solle. Deutschland und sterreich-Ungarn
waren nun bereit, fr die berlassung der ganzen Dobrudscha an Bulgarien
einzutreten; die deutsche Regierung knpfte jedoch daran die Bedingung,
da eine befriedigende Einigung ber die Eisenbahn Cernavoda-Constantza
und den Hfen Constantza erfolge, sowie da die deutschen
wirtschaftlichen Interessen in den Bulgarien auf Kosten Serbiens
zufallenden Gebieten bercksichtigt und sichergestellt wrden.

Durch den Anspruch Bulgariens auf die Dobrudscha entstanden ferner
erhebliche Schwierigkeiten mit der Trkei. Die Trkei hatte ein nicht
unbetrchtliches Kontingent zu der Armee gestellt, die im Laufe des
rumnischen Feldzuges die Dobrudscha erobert hatte. Darauf gesttzt,
verlangte die trkische Regierung fr den Fall der berlassung der
Dobrudscha an Bulgarien nicht nur die Rckgabe des Gebietes, das sie im
Jahre 1915 an Bulgarien als Preis fr dessen Eintreten in den Krieg hatte
herausgeben mssen, sondern darber hinaus noch einen Teil der Bezirke,
die sie in den Balkankriegen an Bulgarien verloren hatte. Bulgarien
seinerseits setzte diesen Forderungen den strksten Widerstand entgegen.

Diese Lage barg so starke und gefhrliche Konfliktsmglichkeiten, da mir
angesichts des Fortganges des Krieges mit der Koalition unserer Feinde,
die auch nach dem Ausscheiden Rulands und Rumniens eine erdrckende
bermacht darstellte, die rasche und glatte Beilegung der rumnischen
Fragen als eine zwingende Notwendigkeit erschien. Dazu kam, da einmal
die Oberste Heeresleitung die noch an der rumnischen Front stehenden
Truppen fr die Durchfhrung der von ihr im Westen geplanten Offensive
dringend bentigte und auf einen raschen Abschlu mit Rumnien
hindrngte; da ferner die Vorteile, die man sich fr Deutschland und
namentlich auch fr sterreich-Ungarn auf dem Gebiet der Volksernhrung
von dem Friedensschlu mit der Ukraine versprach, nur dann voll
ausgenutzt werden konnten, wenn durch den Friedensschlu mit Rumnien der
Weg ber die Moldau nach den wichtigsten ukrainischen Getreidebezirken
freigemacht wurde.

Auerdem schien es mir geboten, den Frieden so zu gestalten, da fr die
Zukunft ein gutes Verhltnis zwischen Deutschland und Rumnien wieder
mglich gemacht wrde. Wir hatten, wenn erst der Friede wiederhergestellt
war, mangels direkter Grenzen mit Rumnien keine Mglichkeit, mit
militrischen Machtmitteln auf Rumnien zu drcken, und waren deshalb,
mehr als sterreich-Ungarn, darauf angewiesen, die Sicherung unserer
groen wirtschaftlichen und auch politischen Interessen in Rumnien in
der Herstellung von Beziehungen zu suchen, bei denen auch Rumnien seinen
Vorteil finden konnte.

Mit diesen Gesichtspunkten schien mir ein erheblicher Teil der
Forderungen, die fr die Friedensverhandlungen mit Rumnien aufgestellt
worden waren, nicht in Einklang zu stehen. Vor allem schienen mir die
teilweise von dem Auswrtigen Amt, teilweise von der Obersten
Heeresleitung ausgearbeiteten Vertragsbestimmungen ber die
Petroleumfrage und das Eisenbahnwesen ber das Ziel hinauszuschieen. Der
Entwurf der handelspolitischen Abteilung des Auswrtigen Amtes verlangte
nichts weniger als die berlassung des gesamten Bergregals, natrlich
einschlielich der Schrf- und Ausbeuteberechtigungen auf Petroleum, an
das Deutsche Reich. Auerdem sollte Rumnien sein ganzes Eisenbahnnetz an
eine von Deutschland zu kontrollierende Gesellschaft abtreten. Wenn
daneben die Oberste Heeresleitung die heikle Frage der Bahn
Cernavoda-Constantza und des Hafens Constantza durch den territorialen
Erwerb der Bahn und des Hafens und eines Gelndestreifens zu beiden
Seiten der Bahn regeln wollte, so mute das einen schweren Konflikt mit
Bulgarien und, wenn wir fr den Augenblick diese Forderung durchsetzten,
eine dauernd schwere Belastung unseres Verhltnisses zu diesem
Balkanstaat bilden.

Nachdem ich mir eine bersicht ber die Wnsche der einzelnen deutschen
Stellen hinsichtlich des rumnischen Friedens verschafft hatte,
veranlate ich deshalb den Reichskanzler, die Ressortchefs zu einer
Besprechung der beim Friedensschlu mit Rumnien zu verfolgenden
Richtlinien einzuladen. Ich erklrte in dieser Besprechung, die mir
bertragene Aufgabe der einheitlichen Zusammenfassung der Vorarbeiten fr
den wirtschaftlichen Teil der Verhandlungen nicht durchfhren zu knnen,
wenn nicht der Reichskanzler eine klare Parole ausgebe. Meinerseits
sprach ich mich mit den oben angedeuteten Grnden fr eine billige
Verstndigung unter Vermeidung jeder berflssigen Hrte aus.

Der Reichskanzler schlo sich meinem Standpunkt an. Infolgedessen wurden
die Absichten, Rumnien seine Bodenschtze und seine Eisenbahnen
wegzunehmen und den Verkehrsweg Cernavoda-Constantza mit dem Hafen
Constantza durch eine territoriale Erwerbung zu sichern, aufgegeben und
vereinbart, da die Sicherung unserer sehr wichtigen Petroleuminteressen
durch ein Petroleumhandelsmonopol erfolgen solle, an dem die rumnische
Regierung uns eine magebende Mitwirkung und Beteiligung zuzugestehen
htte; da hinsichtlich der rumnischen Eisenbahnen lediglich
vertragsmige Abmachungen ber die Tarifpolitik usw. getroffen werden
sollten; da schlielich der Hafen von Constantza zum Freihafen gemacht
und der Betrieb dieses Freihafens sowie der Betrieb der Eisenbahn
Cernavoda-Constantza an eine das Durchfuhrinteresse der Mittelmchte und
Rumniens sichernde Betriebsgesellschaft bertragen werden sollte.

Die fr die Verhandlungen mit Rumnien bestimmten Vertreter reisten ab,
ehe die neuen Richtlinien im einzelnen durchgearbeitet waren. Das galt
insbesondere fr die schwierige Regelung der Petroleumfrage. Da auch die
Vertreter der an der rumnischen Petroleumindustrie beteiligten deutschen
Unternehmungen sich nach Bukarest begaben, wurde vereinbart, da die
weitere Durcharbeitung und endgltige Feststellung unserer in Sachen des
Petroleums zu machenden Vorschlge in Bukarest in Fhlungnahme mit den
deutschen Interessenten und Sachverstndigen erfolgen solle. Leider hat
diese Fhlungnahme nicht, oder jedenfalls nicht in dem im Interesse der
Sache gebotenen Umfange, stattgefunden. Meine eigene Einwirkung auf das,
was in Bukarest vorging, war -- ebenso wie das schon bei den Brester
Verhandlungen der Fall war -- nur gering. Ich sah mich im Laufe der
Verhandlungen gentigt, bei dem Reichskanzler nachdrcklich darauf
hinzuweisen, da die von mir im Rahmen meines Auftrages geleistete Arbeit
durch die ungengende Art der Berichterstattung ber den Gang der
Verhandlungen und die mangelhafte Beachtung der in Berlin unter meiner
Leitung getroffenen Vereinbarungen grtenteils entwertet werde und da
ich fr meine Person eine Verantwortung fr das Ergebnis der
Verhandlungen ablehnen msse.

Vor allem aber litten die Bukarester Verhandlungen unter dem gleichen
Fehler, der vor dem Beginn der Verhandlungen mit Ruland gemacht worden
war: es war auch hier versumt worden, vor dem Eintritt in die
Verhandlungen mit Rumnien eine Einigung mit unseren Verbndeten
herbeizufhren. Die Folge war, da die Bukarester Verhandlungen auf das
schwerste beeintrchtigt wurden durch die unausgeglichen gebliebenen
starken Interessenkonflikte zwischen den Bundesgenossen. Insbesondere die
bulgarisch-trkischen Differenzen spitzten sich in einer fr den Bestand
des Bndnisses geradezu gefhrlichen Weise zu. Die Lage wurde dadurch
verschrft, da auch hier zwischen unserer politischen Leitung und der
Obersten Heeresleitung keine bereinstimmung bestand; die Oberste
Heeresleitung trat fr eine sehr weitgehende Untersttzung der trkischen
Wnsche auf Herausgabe bulgarischen Gebiets gegen berlassung der
Dobrudscha an Bulgarien ein, whrend das Auswrtige Amt der berzeugung
war, da der von der Obersten Heeresleitung gewnschte Druck auf
Bulgarien den Rcktritt des Ministeriums Radoslawow und seine Ersetzung
durch ein deutschfeindliches Kabinett, damit die unmittelbare Gefahr
eines Ausscheidens Bulgariens aus dem Vierbund zur Folge haben werde.
Diese Gefahr wurde dadurch erhht, da die Oberste Heeresleitung auch in
anderen Punkten die berlassung der Dobrudscha an Bulgarien an
Bedingungen knpfen wollte, gegen die sich in Bulgarien eine starke
Opposition regte. Auf der anderen Seite wollten die Bulgaren die Lage
benutzen, um sich von der Rckzahlungspflicht fr die von uns gewhrten
sehr erheblichen Vorschsse ganz oder wenigstens zu einem groen Teil zu
befreien. In diesem Punkt entstanden Meinungsverschiedenheiten zwischen
dem Auswrtigen Amt, dem Reichsschatzamt und der Obersten Heeresleitung.

Die Lage hatte sich gegen Ostern so stark verwirrt und verschrft, da
Herr von Khlmann, um eine Klrung zu versuchen, nach Berlin zurckreiste
und die Ankunft des bulgarischen Finanzministers Tontschew ankndigte,
der von seiner Regierung beauftragt wurde, in Berlin in direkter
Verhandlung mit der Reichsregierung eine Verstndigung herbeizufhren.

Zu meiner berraschung bertrug mir der Reichskanzler am Ostersamstag,
30. Mrz, auf Antrag des Staatssekretrs von Khlmann schriftlich die
Leitung der Verhandlungen mit dem bulgarischen Bevollmchtigten, dessen
Eintreffen bereits fr die nchsten Tage erwartet wurde: Ich begab mich
alsbald zum Kanzler und erklrte ihm zunchst, diesen Auftrag nicht
bernehmen zu knnen, da ich in die mit Bulgarien streitigen Fragen nur
teilweise eingeweiht sei. Der Kanzler bestand darauf, da ich mich nicht
versagen drfe, zumal da die magebenden Mnner der bulgarischen
Regierung, denen ich von frheren Verhandlungen her bekannt war, auf
meine Person ein besonderes Vertrauen setzten und eine durch mich
herbeigefhrte Vermittlung auch auf die gleichfalls in mich Vertrauen
setzende trkische Regierung nicht ohne Einflu bleiben werde. Ich
erklrte mich schlielich bereit, den Auftrag zu bernehmen, jedoch unter
der ausdrcklichen Voraussetzung, da mir in den Stand der Streitfragen
alsbald voller Einblick gegeben werde und da ferner vor dem Beginn
meiner Verhandlungen mit Herrn Tontschew eine klare politische Direktive
festgestellt und ein einheitliches Verhalten smtlicher an den
Streitfragen mit Bulgarien beteiligten deutschen Stellen, einschlielich
der Obersten Heeresleitung, gesichert werde.

Die Prfung der Sachlage zeigte, wie scharf die Meinungsverschiedenheiten
zwischen Reichskanzler und Auswrtigem Amt einerseits, der Obersten
Heeresleitung andererseits sich zugespitzt hatten. Unglcklicherweise
wurde der Kanzler am Ostersonntag von einem Unwohlsein befallen, das ihn
fr einige Tage von allen Geschften ausschaltete; der Staatssekretr des
Auswrtigen hatte sich zu einem Vortrag beim Kaiser nach Sddeutschland
begeben. Als gegen Ende der Woche nach Ostern ein gemeinschaftlicher
Vortrag beim Kanzler wieder mglich wurde, empfahl ich auf das
dringendste, vor der Einleitung irgendwelcher materieller Verhandlungen
mit dem inzwischen in Berlin eingetroffenen Herrn Tontschew die zu
verfolgende Linie durch eine persnliche Aussprache mit Hindenburg und
Ludendorff herbeizufhren, eventuell Herrn Tontschew gleich mit nach dem
Groen Hauptquartier zu nehmen. Nach meiner Erfahrung war in solchen
Lagen die unmittelbare Aussprache der einzige Weg zur Einigung; mit mehr
oder weniger gereizten Telegrammen verhandelte man sich nur immer weiter
auseinander. Man stimmte mir zu; aber weder der Kanzler, der ohnedies im
Lauf der folgenden Woche nach Spa reisen wollte, noch auch Herr von
Khlmann zeigten Neigung, ihrerseits die notwendige Besprechung mit den
Herren von der Obersten Heeresleitung zu fhren; Herr von Khlmann meinte
resigniert, wenn er einen Vorschlag mache, sei dies fr die andere Seite
schon ein gengender Grund zur Ablehnung. Unter diesen Umstnden bestand
der Kanzler darauf, da ich zu Hindenburg und Ludendorff reisen und eine
Einigung versuchen solle.

Dieser Vorgang beleuchtete mir grell die Unhaltbarkeit der Verhltnisse
in unserer politischen Leitung: Wir hatten in der schwersten Zeit unserer
Geschichte einen Kanzler, der zum mindesten krperlich seinem Amte in
keiner Weise mehr gewachsen war und der geistig jedenfalls nicht mehr die
Spannkraft besa, schwierige Fragen aufzunehmen und durchzukmpfen. Wir
hatten einen Staatssekretr des Auswrtigen, der resigniert den Kampf mit
der Obersten Heeresleitung fr die von ihm fr richtig gehaltene Politik
aufgegeben hatte. Die taktisch geschickte Behandlung der
Reichstagsparteien, in der Graf Hertling Meister geblieben war, und
Khlmanns wiederholte Bekenntnisse zu den Ideen der Reichstagsmehrheit
tuschten die deutsche ffentlichkeit ber diesen unmglichen Zustand
hinweg; ja ich habe aus den Kreisen unserer Volksvertreter mitunter die
lobende Feststellung gehrt, da unter dem Grafen Hertling die unter
Herrn von Bethmann nie aufhrenden rgerlichen Reibereien mit der
Obersten Heeresleitung glcklicherweise ein Ende gefunden htten, und da
jetzt eine erfreuliche Harmonie zwischen den drei groen politischen
Faktoren, Reichsleitung, Reichstag und Oberster Heeresleitung bestehe!
Diese Harmonie bestand nur auf der Oberflche, und auch da nur um einen
allzu hohen Preis.

Ich kam im Groen Hauptquartier mit Hindenburg und Ludendorff zu einer
nach meiner Ansicht sowohl fr Bulgarien, wie fr die Trkei und auch fr
uns ertrglichen Einigung. Aber der Mangel an Einheitlichkeit in unserer
Politik hatte bei den Bulgaren und bei den Trken Hoffnungen geweckt, die
miteinander schlechthin unausgleichbar waren; und in dem wochenlangen
Hin- und Herzerren hatten sich beide Teile so sehr auf ihre Forderungen
festgerannt, da der Vermittlungsversuch jetzt auf beiden Seiten eine
starke Unnachgiebigkeit fand. Zwar konnte unser Gesandter in Sofia
berichten, da die Darlegungen des Herrn Tontschew ber seine Berliner
Verhandlungen im bulgarischen Ministerrat eine gewisse Entspannung der
Lage herbeigefhrt htten; aber in Rcksicht auf die erregte ffentliche
Meinung lehnten schlielich Herr Radoslawow und sein Kabinett in der mit
den Trken streitigen territorialen Frage auch das bescheidene Ma von
Entgegenkommen ab, das unser Vermittlungsvorschlag ihnen zumutete,
whrend auf der anderen Seite der trkische Widerstand gegen jede
Einschrnkung der territorialen Forderungen sich erheblich versteift
hatte.

Bei der Fortsetzung der Verhandlungen in Bukarest gelang es unserem
Staatssekretr des Auswrtigen nicht, diese Widerstnde zu berwinden. So
mute der Friedensvertrag mit Rumnien schlielich am 7. Mai 1918
unterzeichnet werden, ohne da die Streitfrage zwischen Bulgarien und der
Trkei geregelt war. Infolgedessen konnte der bulgarische Wunsch, die
ganze Dobrudscha im Friedensvertrag zu erhalten, nicht erfllt werden.
Der Vertrag gab vielmehr Bulgarien nur die von ihm im zweiten
Balkankriege an Rumnien verlorene Sddobrudscha mit einer ansehnlichen
Grenzberichtigung nach Norden hin, also das, was Bulgarien auf Grund der
im September 1915 getroffenen Vereinbarungen zu beanspruchen berechtigt
war. Der nrdliche Teil der Dobrudscha mit Constantza und Cernavoda wurde
an die vier verbndeten Mchte zu gemeinsamer Hand abgetreten, wobei mit
Bulgarien Einverstndnis darber bestand, da alsbald nach Behebung des
trkischen Widerstands auch dieser Teil mit den fr Constantza-Cernavoda
vereinbarten Sicherungen an Bulgarien bergeben werden sollte.

Sachlich konnte sich Bulgarien mit dieser Lsung abfinden. Aber whrend
des unglcklichen Laufes der Verhandlungen hatte die Forderung der
sofortigen berlassung der ganzen Dobrudscha sich so fest in den
bulgarischen Gemtern als nationale Ehrensache festgesetzt, da jetzt die
ffentliche Meinung Bulgariens in der vorlufigen Lsung nur einen
enttuschenden Mierfolg sah. Als auch in den auf die Unterzeichnung des
rumnischen Friedensvertrags folgenden Wochen die Zustimmung der Trkei
zur berlassung der nrdlichen Dobrudscha an Bulgarien nicht
herbeigefhrt wurde und als zudem die Unzufriedenheit in Bulgarien durch
ernstliche Ernhrungsschwierigkeiten vermehrt wurde, sah sich das
Kabinett Radoslawow gentigt, zurckzutreten. Radoslawow wurde Mitte Juni
1918 durch den in seinen Gesinnungen fr Deutschland zum mindesten
zweifelhaften Fhrer der Opposition Malinow ersetzt.

So fanden die Bukarester Verhandlungen ihren Ausklang in einer
offenkundigen Erschtterung der bulgarischen Bundesfreundschaft, die fr
den Ausgang des Krieges verhngnisvoll werden sollte.


           Ergebnis und Folgen der stlichen Friedensschlsse

Die Friedensvertrge mit der ukrainischen Volksrepublik vom 9. Februar
1918, mit Ruland vom 3. Mrz 1918 und mit Rumnien vom 7. Mai 1918, die
durch einen am 7. Mrz 1918 zu Berlin unterzeichneten Friedensvertrag
mit Finnland ergnzt wurden, brachten die offizielle Beendigung des
Kriegszustandes auf unserer ganzen Ostfront.

Die Vertrge verkndigten den Grundsatz, da die vertragschlieenden
Nationen fortan miteinander in Frieden und Freundschaft leben wollten.
Sie trafen Bestimmung ber die Demobilmachung der feindlichen
Streitkrfte, ber die Wiederaufnahme der diplomatischen und
konsularischen Beziehungen, ber das Wiederaufleben der durch den
Kriegszustand auer Kraft gesetzten Staatsvertrge, ber die
Wiederherstellung der whrend des Krieges aufgehobenen oder
beeintrchtigten Privatrechte, ber die Herausgabe der whrend des
Krieges in die Gewalt des Gegners geratenen Handelsschiffe, ber den
Austausch der Kriegsgefangenen und der Zivilinternierten. Sie stellten
fest, da mit der Beendigung der Feindseligkeiten der Krieg auch auf dem
Gebiet der Wirtschaft und der Finanzen sein Ende gefunden habe,
untersagten jede direkte oder indirekte wirtschaftliche oder finanzielle
Kriegsmanahme und vereinbarten die sofortige Wiederaufnahme des
Handelsverkehrs. Um diesem eine feste Grundlage zu geben, wurden die
alten Handelsvertrge mit gewissen nderungen und Ergnzungen
wiederhergestellt, und zwar fr die Ukraine, fr Ruland und Finnland fr
eine bergangszeit, fr Rumnien unter Verlngerung der ursprnglichen
Geltungsdauer bis zum Ende des Jahres 1930. ber den Rahmen der bisher
blichen Handelsvertrge hinaus wurden Vereinbarungen ber
Warenaustausch und Warenlieferung getroffen, durch die uns gegenber dem
Wirtschaftskrieg der Entente eine Erleichterung verschafft werden sollte.
Hierher gehrten insbesondere die von der ukrainischen Volksrepublik in
dem Geheimabkommen bernommene Verpflichtung, an die Mittelmchte bis
Ende Juli 1918 mindestens eine Million Tonnen Getreide zu liefern, ferner
einige wichtige Bestimmungen in dem Friedensvertrag mit Rumnien, die uns
die Verfgung ber die rumnische Petroleumproduktion und die rumnischen
berschsse der Erzeugung von Lebens- und Futtermitteln geben sollten.
Abmachungen ber die Verkehrsmittel (Eisenbahnen, Post und Telegraph,
Donauschiffahrt usw.) ergnzten die handelspolitischen Vereinbarungen.

Von einer eigentlichen Kriegskostenentschdigung wurde abgesehen. Die
Frage der Kriegsschden wurde verschieden behandelt. Mit der Ukraine,
Ruland und Finnland wurde neben dem Verzicht auf den Ersatz der
Kriegskosten auch ein gegenseitiger Verzicht auf den Ersatz der
Kriegsschden vereinbart, wobei die Kriegsschden als solche Schden
definiert wurden, die den kriegfhrenden Staaten und ihren Angehrigen in
den Kriegsgebieten durch militrische Manahmen mit Einschlu aller in
Feindesland vorgenommenen Requisitionen entstanden sind. Vorbehalten
blieb jedoch einmal die Erstattung der Kosten des Unterhalts der
Kriegsgefangenen; ferner der Ersatz der Schden, die den beiderseitigen
Angehrigen aus der Durchfhrung von Kriegsgesetzen erwachsen waren;
desgleichen der Schden, die Zivilangehrigen jedes Teiles whrend des
Krieges auerhalb der Kriegsgebiete von den staatlichen Organen oder der
Bevlkerung des anderen Teiles durch vlkerrechtswidrige Gewaltakte an
Leben, Gesundheit oder Vermgen zugefgt worden waren. Ruland gegenber
wurde auerdem eine weitere Vereinbarung ber den Ersatz der deutschen
Vermgenswerte, die nicht durch Kriegsgesetze, sondern durch
revolutionre Enteignungsgesetze geschdigt worden waren, ausdrcklich
vorbehalten. Whrend der grundstzliche Verzicht auf Erstattung der
Kriegskosten und Kriegsschden gegenber der Ukraine, Ruland und
Finnland ein gegenseitiger war, verzichtete Rumnien im Bukarester
Frieden einseitig auf den Ersatz der auf seinem Gebiet durch militrische
Manahmen der Gegenpartei mit Einschlu aller Requisitionen und
Kontributionen verursachten Schden, whrend es sich gleichzeitig
verpflichtete, den Angehrigen der anderen Parteien alle Schden zu
ersetzen, die ihnen auf seinem Gebiet durch militrische Manahmen eines
der kriegfhrenden Staaten entstanden waren. Ebenso bernahm Rumnien die
Einlsung der Noten der Banca Generala Romana, deren Ausgabe in der
Hauptsache durch die in Rumnien zu deckenden Bedrfnisse der Operations-
und Besetzungstruppen notwendig geworden war.

ber die territorialen Fragen habe ich bereits bei der Darstellung der
Friedensverhandlungen ausfhrlich gesprochen.

Rumnien mute sterreich-Ungarn eine nicht unerhebliche
Grenzregulierung zugestehen und verlor die ganze Dobrudscha; dafr
suchte es Ersatz durch die Angliederung Bessarabiens, deren Frderung ihm
bei den Friedensverhandlungen von den Mittelmchten in Aussicht gestellt
worden war.

Aber diese Gebietsvernderung trat in den Hintergrund gegenber dem
gewaltigen Ereignis des Auseinanderbrechens des in mehrhundertjhriger
Politik und Kriegfhrung aufgebauten russischen Kolosses. Es ist nicht
der Brester Friede, der den russischen Kolo zerschlagen hat. Das
urschliche Verhltnis ist umgekehrt: Der Brester Friede ist in seinen
die territorialen Fragen behandelnden Teilen erst mglich geworden und in
seinem wichtigsten Inhalt bestimmt worden durch das Auseinanderfallen des
Russenreiches. Und dieser Zerfall hat sich von innen heraus vollzogen als
Wirkung der Revolution. Wenn irgendein staatliches Gebilde, dann war das
Ruland, wie es bis zum Mrz 1917 bestand, ein Gebilde der Autokratie und
des Militarismus, deren eiserne Reifen alle die Rand- und Fremdvlker,
die den grorussischen Kern umgeben, mit schwerem Druck zusammenhielten.
Die Revolution, die das zaristische Selbstherrschertum zertrmmerte und
das unter den deutschen Schlgen zusammenbrechende russische Heer
vollends auflste, hat die zentrifugalen Krfte freigemacht, die der
russische Reichskrper trotz aller zusammenhaltenden geographischen
Momente in sich barg. Der Sieg des Bolschewismus in Petersburg und Moskau
hat die zentrifugalen Krfte um einen wichtigen Faktor vermehrt: um die
Auflehnung der nicht grorussischen Reichsteile gegen das
bolschewistische Gewalt- und Schreckensregiment. Die bolschewistische
Herrschaft in Groruland erwies sich als das strkste Hindernis fr den
Neuaufbau des Russischen Reiches auf fderativer Grundlage. Ein solcher
Neuaufbau lag ursprnglich ebensosehr in der Absicht der
bolschewistischen Machthaber in Petersburg und Moskau, wie in der Absicht
wichtiger Reichsteile, insbesondere der ukrainischen Volksrepublik. Aber
die terroristische Unduldsamkeit des grorussischen Bolschewismus, der
trotz aller schnen Redensarten von der Selbstbestimmung der Vlker bis
zur vlligen Absonderung berall gewaltsam die Diktatur des
Proletariats, in Wirklichkeit die Gewaltherrschaft bolschewistischer
Minderheiten, aufzurichten suchte, dazu die Zerstrung der
wirtschaftlichen Organisation und der wirtschaftlichen Arbeit, die sich
aus der Anwendung der bolschewistischen Grundstze ergab, haben den
fderativen Gedanken im Keim erstickt, vielleicht nicht fr alle Zeiten,
aber jedenfalls fr den Zeitraum, mit dem wir fr die Fortsetzung und
Beendigung des Krieges zu rechnen hatten.

Wir haben gesehen, wie die ukrainische Zentralrada, die ursprnglich den
bundesstaatlichen Zusammenschlu der auf dem Boden des frheren
russischen Kaiserreichs entstandenen Freistaaten angestrebt hatte,
whrend der Brester Verhandlungen in der Gegenwehr gegen die
bolschewistischen Machenschaften sich zur vlligen Lossagung von
Groruland und zur Proklamation ihrer uneingeschrnkten staatlichen
Selbstndigkeit entschlo.

Ein hnlicher Proze spielte sich in Finnland ab. Die Unabhngigkeit
Finnlands wurde von seiner Volksvertretung im Dezember 1917 proklamiert
und zunchst auch von der bolschewistischen Regierung in Petersburg
formell anerkannt; in Wirklichkeit aber griff die Petersburger Regierung
alsbald in die inneren Verhltnisse Finnlands ein und suchte mit
militrischer Gewalt den Bolschewismus auch dort zur Herrschaft zu
bringen mit dem Erfolg, da in Finnland selbst Brgerkrieg und Anarchie
genhrt wurden und da zwischen der sich auf die Mehrheit der
Volksvertretung sttzenden finnischen Regierung und Sowjetruland der
Kriegszustand eintrat.

Im Sden und Sdosten Rulands setzte sich das Dongebiet unter der
Fhrung von Kosakengeneralen gegen das bolschewistische Groruland zur
Wehr und erklrten die Vlkerschaften des Kaukasus ihre Unabhngigkeit.
Im Osten weigerte sich Sibirien, die Herrschaft der grorussischen
Bolschewisten anzuerkennen; auch hier kam es schlielich zur
Autonomieerklrung und zur Bildung einer eigenen Regierung.

Der Zerfall des Russischen Reiches war also ein allgemeiner.

In diesem Zusammenhange mu die Frage der westlichen Randstaaten
betrachtet werden, an denen Deutschland als unmittelbarer Angrenzer ein
besonderes Interesse nehmen mute. Die deutsche Politik konnte an der
Tatsache des allgemeinen Zerfalls des Russischen Reiches unmglich
achtlos vorbergehen; auch solche Politiker, denen nichts ferner lag als
ein Eintreten fr gewaltsame Gebietserwerbungen und die Angliederung
fremdstmmiger Bevlkerungsteile an das Deutsche Reich, verschlossen sich
nicht der Notwendigkeit, bei der Neugestaltung der Verhltnisse in den
unserer Ostgrenze vorgelagerten Gebieten der Tatsache des
Auseinanderfallens des Russischen Reiches Rechnung zu tragen. So schrieb
die Frankfurter Zeitung, die gewi annexionistischer Bestrebungen
unverdchtig ist, unmittelbar nach Unterzeichnung des Brester Friedens am
3. Mrz 1918:

Sieht man genauer zu, so ergibt sich, da der Zerfall Rulands sich
vollzogen hat zwar unter der Einwirkung des Krieges, aber doch von innen
heraus als eine Wirkung der Revolution. Worauf die russische Regierung
jetzt verzichtet, das haben nicht die Mittelmchte weggenommen, das hat
sich von selbst losgelst im Verlauf eines Prozesses, den vermutlich die
gleiche Revolution auch ohne diesen Krieg ausgelst htte. Ein Ruland,
das auf den Imperialismus des Zarenreiches verzichtet, braucht die
Loslsung der Auengebiete nicht als eine Verstmmelung anzusehen.

Und weiter in demselben Artikel:

Was Deutschland braucht, ist Ruhe und Stetigkeit an seinen Ostgrenzen.
Eine Zone unruhiger und miteinander hadernder Vlker wre die denkbar
unglcklichste Lsung der groen Probleme, die an diesen Gebieten hngen.
Die Klrung und Beruhigung wird sich erst allmhlich vollziehen knnen.
Es wird wesentlich von unserer knftigen Ostpolitik abhngen, ob sie sich
rasch und sicher vollzieht.

In hnlicher Richtung bewegten sich die Ausfhrungen des Abgeordneten
Friedrich Naumann bei der ersten Beratung des Brester Friedensvertrags im
Reichstag am 18. Mrz 1918. Er fhrte aus:

... Nachdem in Ruland einmal der Zustand der Zerbrckelung und Anarchie
vorhanden ist, jener Zustand des Kampfes aller gegen alle, mu irgendwo
eine Linie gezogen sein, an der dieser anarchistische Zustand aufhrt und
ein Zustand der Ordnung -- ganz gleichgltig ob sozialistischer oder
brgerlicher Ordnung usw. -- eintritt. Es ist eine unmittelbar zwingende
Notwendigkeit, eine solche Grenze zu setzen... Wenn wir uns um die neue
Lage der russischen Hinterlassenschaft nicht kmmern, so wird damit die
Entwicklung nicht stillstehen. Wohin wir nicht kommen, dahin kommt
England. Beispielsweise werden ohne unser Eingreifen die Ostseeksten
englisch oder amerikanisch besetzt. Erst wenn man sich diesen Zustand des
allgemeinen Drngens der menschlichen Energie an den Platz der
ausgeschalteten Energie ganz verdeutlicht hat, dann wird man ohne
Rcksicht auf Parteistandpunkte, die unter uns vertreten sind, den Boden
einer reellen Zustimmung gegenber dem Frieden bekommen knnen, der hier
geschieht. Wir verwahren uns gegen diejenigen Meinungen, als ob wir etwa
blo aus beliebiger Annexionslust alldeutscher Frbung zur Aneignung von
Land bergegangen sind, nur weil es uns so gefllt und weil es der
Machttradition entspricht. Nein, diese Organisationsaufgabe, die heute
drben vor uns liegt, wird als unentrinnbare Entwicklung spter auch von
den Russen instinktiv begriffen werden.

Auch die Sozialdemokraten stellten sich bei aller Kritik der bei den
Brester Verhandlungen angewandten Methoden und der im Brester
Friedensvertrag vereinbarten Abmachungen ber die Randstaaten nicht auf
den Standpunkt, da Deutschland sich an der knftigen Gestaltung der
Randstaaten vllig htte desinteressieren knnen.

Allerdings ist es richtig, da die deutsche Politik schon vor der
russischen Revolution und der durch diese herbeigefhrten Sprengung des
Russischen Reiches auf eine aktive Anteilnahme an der knftigen
Gestaltung der im Laufe des Krieges von unseren Truppen besetzten
westrussischen Randgebiete gerichtet war. Schon am 5. April 1916 hatte
der Reichskanzler von Bethmann Hollweg im Reichstag unter Berufung auf
das damals von Herrn Asquith verkndigte Prinzip der Nationalitten die
Frage gestellt, ob Herr Asquith annehmen knne, Deutschland wrde jemals
freiwillig die von ihm und seinen Bundesgenossen befreiten Vlker
zwischen der Baltischen See und den Wolhynischen Smpfen der Herrschaft
des reaktionren Ruland wieder ausliefern, -- mgen sie nun Polen,
Litauer, Balten oder Letten sein. Und am 5. November war mit der
Zweikaiserproklamation ber die Errichtung eines selbstndigen polnischen
Staates ein positiver Eingriff in die Verhltnisse der westrussischen
Randvlker geschehen. Auf dieser Grundlage konnte spter, am 25. Januar
1918, Herr von Khlmann mit einem gewissen Recht von der
Zwangslufigkeit und Bedingtheit der deutschen Ostpolitik durch das,
was vorher geschaffen und getan worden ist, sprechen. Aber abgesehen von
Polen, hinsichtlich dessen wir durch offizielle Akte und durch
Vereinbarung mit unserem sterreichisch-ungarischen Bundesgenossen
festgelegt waren, hatte die deutsche Politik bis zum Beginn der
russischen Revolution sich ihrer Bewegungsfreiheit nicht entuert; das
ausschlaggebende Moment war hier die Auflsung des Russischen Reiches,
die uns die schon bisher von der deutschen Politik beabsichtigte
Anteilnahme an der knftigen Gestaltung der Randgebiete geradezu als
Notwendigkeit auferlegte. Die Frage der Randstaaten war, als wir in die
Brester Verhandlungen eintraten, zu einem fr uns besonders wichtigen
Teil, aber immerhin zu einem Teil des weit greren Problems geworden,
wie sich die deutsche Politik zu verhalten habe zu dem Auseinanderfallen
Rulands, zu den Krften und Strmungen, die in dem Chaos des russischen
Zusammenbruchs zutage traten, zu den neuen Gebilden, die sich auf den
Trmmern des alten Russischen Reiches zu formen begannen.

Die Lage war uerst schwierig und verwickelt. Nicht nur, da die
Entwicklung der Dinge in Ruland selbst undurchsichtig und unbersehbar
war, da die Nachrichten ber die tatschlichen Vorgnge und die Urteile
ber die fr die weitere Gestaltung bestimmenden Krfte auseinandergingen
und sich in den wichtigsten Punkten widersprachen, -- auch unsere eigenen
Interessen an den russischen Fragen waren vielgestaltig und schwer auf
eine einheitliche Linie zu bringen.

Das dringende Gebot, das sich aus der Fortdauer des Krieges gegen unsere
westlichen Feinde ergab, war die mglichst ausgiebige militrische
Entlastung im Osten und die mglichst wirksame wirtschaftliche Hilfe aus
dem Osten. Eine ber den Krieg hinausdenkende Politik mute auf die
knftige Sicherung unserer Ostgrenzen und gleichzeitig auf ein politisch
und wirtschaftlich gutes Verhltnis zu Ruland oder den an seiner Stelle
entstehenden Gebilden Bedacht nehmen; in welchem Mae, darber gingen die
Meinungen allerdings erheblich auseinander: Die Anhnger der stlichen
Orientierung, die in einem starken, zu Deutschland in freundschaftlichen
Beziehungen stehenden Ruland fr die Zukunft ein notwendiges
Gegengewicht gegen das Angelsachsentum erblickten, standen zu der Frage,
ob wir das Auseinanderfallen des Russischen Reiches und die innere
Schwchung Grorulands begnstigen oder hemmen sollten, naturgem
anders als diejenigen Politiker, die in dem Wiedererstehen des russischen
Kolosses die grte Gefahr fr Deutschland erblickten und die Solidaritt
der westeuropischen Kultur gegenber dem halbasiatischen Russentum
hochhielten. Dazu kamen die vlkischen Verpflichtungen, die uns die
Stammesverwandtschaft der Deutschbalten auferlegte. Auerdem hatte unsere
Politik in den russischen Fragen Rcksichten zu nehmen auf unsere
Bundesgenossen, von denen vor allem sterreich-Ungarn, aber auch die
Trkei ihre eigenen unmittelbaren Interessen an der Lsung des russischen
Problems wahrnahmen. Schlielich wurden die Ostfragen berschattet von
dem ganz neuen Problem des russischen Bolschewismus, der nach seinen
eigenen Kundgebungen sich in seiner Auswirkung nicht auf Ruland
beschrnken wollte, sondern die Revolutionierung der Welt erstrebte.

Der Brester Friede hat nichts weniger als eine endgltige Lsung dieser
Probleme gebracht. Er konnte sie nicht bringen, weil fr eine endgltige
Lsung die Entwicklung der Dinge in Ruland selbst noch nicht reif war
und weil die endgltige Lsung der stlichen Fragen nicht auer
Zusammenhang gestellt werden konnte mit der noch ausstehenden
Entscheidung nach Westen hin und mit der Gestaltung unseres knftigen
Verhltnisses zu den brigen Gromchten. Er konnte sie aber auch nicht
bringen, weil -- wie ich an einer anderen Stelle ausgefhrt habe --
unsere Verhndler, als sie in die Brester Verhandlungen hineingingen,
mangels einer Einigung sowohl zwischen den magebenden Faktoren in
Deutschland, als auch zwischen den einzelnen Teilhabern des Vierbundes,
ein klares Programm berhaupt nicht mitbrachten, auch nicht in den
konkreten Punkten, in denen ein solches einheitliches Programm mglich
und notwendig gewesen wre.

So schuf der Brester Friede gerade in denjenigen territorialen Fragen,
die Deutschland am nchsten angingen, nur einen unfertigen
bergangszustand. Er beschrnkte sich auf die Feststellung, da die
Gebiete westlich einer genauer bezeichneten Linie -- es handelte sich um
Polen, Litauen, Kurland und einen Teil von Livland -- der russischen
Staatshoheit nicht mehr unterstehen und da diesen Gebieten aus der
ehemaligen Zugehrigkeit zu Ruland keinerlei Verpflichtungen gegenber
Ruland erwachsen sollten. Ruland verzichtete auf jede Einmischung in
die inneren Verhltnisse dieser Gebiete. ber das Verhltnis der
Mittelmchte zu den so von Ruland abgetrennten Gebieten wurde lediglich
gesagt: Deutschland und sterreich-Ungarn beabsichtigen, das knftige
Schicksal dieser Gebiete im Benehmen mit deren Bevlkerung zu bestimmen.
Auerdem verpflichtete sich Ruland auf Grund der Bedingungen, die nach
Abbruch der Verhandlungen durch Trotzki in dem deutschen Ultimatum
gestellt wurden, das gesamte Gebiet von Estland und Livland, dessen
Grenze nher bezeichnet wurde, ohne Verzug durch Zurckziehung der
russischen Truppen und der Roten Garde zu rumen. Estland und Livland
sollten von einer deutschen Polizeimacht besetzt werden, bis dort die
Sicherheit durch eigene Landeseinrichtungen gewhrleistet und die
staatliche Ordnung wiederhergestellt sein wrde.

Polen, Litauen und Kurland wurden also endgltig von Ruland abgetrennt;
aber ber die knftige Gestaltung dieser Gebiete wurde im Friedensvertrag
nur festgesetzt, da sie durch die Mittelmchte im Benehmen mit der
Bevlkerung dieser Gebiete bestimmt werden sollte. Das Wie? der
knftigen Gestaltung lie der Friedensvertrag offen. Estland und Livland
wurden, im Gegensatz zu Polen, Litauen und Kurland, nicht von dem
russischen Staatsgebiet abgetrennt. Diese Gebiete sollten nur fr einen
bergangszustand von deutschen Polizeitruppen besetzt werden. Mit der
Schaffung eigener Landeseinrichtungen und der Wiederherstellung der
staatlichen Ordnung sollte dieser bergangszustand sein Ende finden. Wie
die eigenen Landeseinrichtungen gedacht waren, vor allem, wie sie sich
zu der russischen Staatsgewalt verhalten sollten, darber enthielt der
Friedensvertrag nichts. Jedenfalls blieb hinsichtlich Estlands und
Livlands die russische Regierung als Inhaberin der Staatshoheit ber jene
Gebiete berechtigt, bei der knftigen Gestaltung mitzusprechen, whrend
das Recht Deutschlands auf eine Mitwirkung bei dieser Gestaltung nicht
vorgesehen war; allerdings mute in einem knftigen Zeitpunkt eine
Verstndigung zwischen Ruland und Deutschland darber ntig werden, ob
die Voraussetzungen der Rumung Estlands und Livlands von der deutschen
Polizeimacht gegeben seien.

Der Brester Vertrag schuf also fr die uns benachbarten Randgebiete nur
einen Rahmen, der vorlufig noch des Bildes entbehrte. Die Politik der
Mittelmchte und insbesondere Deutschlands hatte es in der Hand, wann und
wie sie diesen Rahmen ausfllen wollte; sie hatte durchaus die
Mglichkeit, sich dabei der weiteren Gestaltung der Dinge in Ruland und
der weiteren Entwicklung des Krieges anzupassen.

ber die uns benachbarten Randgebiete hinaus nahm die deutsche Politik
whrend der Brester Verhandlungen positiv Stellung zu der Frage der
Lostrennung Finnlands und der Ukraine vom russischen Reichskrper.

Schon Ende Dezember 1917 hatte der Reichskanzler eine finnische
Delegation empfangen, die um die Anerkennung der Unabhngigkeit Finnlands
nachsuchte. Der Reichskanzler hatte bei diesem Empfang sich darauf
beschrnkt, die Sympathien des deutschen Volkes und der deutschen
Regierung fr die Bestrebungen des finnlndischen Volkes zum Ausdruck zu
bringen und darauf aufmerksam zu machen, da die Anerkennung der
Selbstndigkeit Finnlands durch Deutschland von der Verstndigung
Finnlands mit der russischen Regierung abhngig sei, mit der Deutschland
sich in Friedensverhandlungen befinde. Er konnte dabei hinzufgen, da
der russische Volkskommissar fr das Auswrtige den deutschen Delegierten
in Brest-Litowsk auf eine Anfrage hin habe erklren lassen, da Ruland
den finnischen Wnschen entgegenkommen werde, wenn sich Finnland an die
russische Regierung wenden wrde. Nachdem die finnische Regierung den
erforderlichen Schritt in Petersburg unternommen hatte und nachdem die
franzsische Regierung mit der Anerkennung der Unabhngigkeit Finnlands
vorausgegangen war, erklrte der Reichskanzler der finnischen Delegation
bei einem erneuten Empfang am 6. Januar 1918 im Namen des Deutschen
Reiches die Anerkennung der Unabhngigkeit. Der Abschlu eines besonderen
Friedensvertrags mit Finnland war die notwendige Konsequenz dieser
Anerkennung.

Unter welchen Umstnden whrend der Verhandlungen in Brest-Litowsk die
Anerkennung der Unabhngigkeit der ukrainischen Volksrepublik durch die
Mchte des Vierbundes und der Abschlu des Friedens zwischen Vierbund und
Ukraine erfolgte, ist bei der Schilderung der Brester Verhandlungen
bereits dargelegt worden. Die Anerkennung der Selbstndigkeit der
ukrainischen Volksrepublik und der Abschlu des Friedens mit deren
Regierung erfolgte nicht zum wenigsten als taktische Kampfmanahme gegen
die Regierung Sowjetrulands in einem Augenblick, als Trotzki die
ursprngliche Anerkennung der Selbstndigkeit der Delegation der Kiewer
Zentralrada bereits zurckgezogen hatte, und gegen den erklrten
Einspruch der russischen Vertreter. Bei der Ukraine handelte es sich
nicht mehr um ein Randgebiet, sondern um ein an Bevlkerung und mehr
noch an natrlichen Hilfsquellen hochbedeutendes Stck des Zentrums des
Russischen Reiches. Deshalb war die Anerkennung der Selbstndigkeit der
Ukraine und der Abschlu eines Sonderfriedens mit diesem neuen
Staatswesen in viel hherem Mae als die Abtrennung der westlichen
Randlnder einschlielich Polens eine aktive Beteiligung der Mittelmchte
an der Zertrmmerung des russischen Kolosses.

Der russischen Regierung selbst wurde die Anerkennung der also
geschaffenen Rechts- und Sachlage in dem Brester Vertrag ausdrcklich
auferlegt. Ruland mute sich verpflichten, sofort Frieden mit der
ukrainischen Volksrepublik zu schlieen, den Friedensvertrag zwischen der
Ukraine und den Mchten des Vierbundes anzuerkennen, das ukrainische
Gebiet unverzglich zu rumen und jede Agitation oder Propaganda gegen
die Regierung oder die ffentlichen Einrichtungen der ukrainischen
Volksrepublik einzustellen. Die gleiche Verpflichtung der Rumung und des
Unterlassens jeder Propaganda wurde der russischen Regierung hinsichtlich
Finnlands auferlegt.

                    *       *       *       *       *

Aber die Entwicklung blieb nicht bei diesen vertragsmigen Abmachungen
stehen. Die Bevlkerung des Baltikums und Litauens drngte auf die
Schaffung endgltiger Verhltnisse, und weder die Ukraine noch auch
Finnland vermochten aus eigener Kraft die von ihnen verkndigte
Unabhngigkeit zu erhalten.

Wenige Tage nach Abschlu des deutsch-russischen Friedensvertrags, am 8.
Mrz 1918, fate der kurlndische Landesrat einen Beschlu, der unter
Bezugnahme auf frhere Beschlsse der allgemeinen Landesversammlung vom
21. September 1917 folgende Wnsche aussprach:

1. Der Deutsche Kaiser und Knig von Preuen mchte fr sich und seine
Nachfolger die Herzogskrone Kurlands annehmen.

2. Durch Konventionen ber Militr-, Zoll-, Verkehrs-, Ma- und
Gewichtswesen und weitere Vertrge mchte eine mglichst enge
militrische und wirtschaftliche Verbindung Kurlands mit dem Deutschen
Reiche hergestellt werden.

3. Das gesamte Baltenland, also Kurland, Estland und Livland, mchte zu
einer staatlichen Einheit zusammengefat und dem Deutschen Reiche dauernd
angegliedert werden.

Der Beschlu wurde durch eine Delegation des Landesrats am 15. Mrz 1918
dem Reichskanzler Grafen von Hertling berreicht. In seiner Antwort
uerte sich dieser zur Frage der Personalunion dahin, da die
Allerhchste Entscheidung nach Anhrung der zur Mitwirkung berufenen
Stellen getroffen werden wrde. Er sprach ferner namens des Kaisers die
Anerkennung der Freiheit und Unabhngigkeit Kurlands aus, sagte Schutz
und Beistand des Deutschen Reiches bei der Einrichtung des Staatswesens
und dem Ausbau der Verfassung Kurlands zu, wobei er ausdrcklich
erwhnte, da die Verfassung eine Landesvertretung auf breiter
Grundlage vorsehen msse; wegen der Festlegung und Formulierung der vom
Landesrat beschlossenen engen Verbindung mit dem Deutschen Reiche sei er
vom Kaiser beauftragt, das Weitere zu veranlassen. Hinsichtlich des
dritten Punktes, der Zusammenfassung des gesamten Baltenlandes zu einer
an das Deutsche Reich anzugliedernden staatlichen Einheit, drckte sich
der Kanzler sehr vorsichtig aus: er wies darauf hin, da die deutsche
Anteilnahme an dem Schicksal der brigen baltischen Gebiete bereits im
deutsch-russischen Friedensvertrag zum Ausdruck gekommen sei, und
versicherte, da die Gestaltung der Verhltnisse in diesen Gebieten auch
weiterhin von der ganzen Anteilnahme Seiner Majestt des Kaisers und
Knigs getragen sein werde.

Diese vorsichtige Zurckhaltung hinsichtlich der Lostrennung des ganzen
Baltenlandes bis hinauf nach Narwa von Ruland und seiner Angliederung
an Deutschland war geboten nicht nur durch den Brester Friedensvertrag,
der Estland und den grten Teil von Livland bei Ruland belie, sondern
auch durch die Erwgung, da Ruland zwar die Abtrennung Kurlands wrde
verschmerzen knnen, da aber die Abtrennung des gesamten Baltenlandes
dem russischen Hinterland den Zugang zur Ostsee in einer kaum
ertrglichen Weise blockieren wrde. Noch am 25. Februar 1918 hatte Graf
Hertling im Reichstag mit der grten Bestimmtheit erklrt: Wir denken
nicht daran, uns in Estland oder Livland festzusetzen.

Aber die einmal ausgelste Bewegung drngte weiter. Nationale
Bestrebungen, wirtschaftliche Bedrfnisse und der bolschewistische
Schrecken wirkten zusammen in der Richtung der Erhaltung der Einheit des
Baltenlandes und der Anlehnung an Deutschland. In Deutschland fanden
diese Bestrebungen einen lebhaften Widerhall. Im April trat zu Riga ein
Vereinigter Landesrat von Livland, Estland, Riga und sel zusammen und
fate den Beschlu, an das Deutsche Reich die Bitte zu richten, die
baltischen Lnder dauernd unter seinem militrischen Schutz zu behalten
und sie bei der endgltigen Durchfhrung ihrer Loslsung von Ruland zu
untersttzen. Der Beschlu sprach ferner den Wunsch aus, da
die smtlichen baltischen Gebiete zu einem einheitlichen
monarchisch-konstitutionellen Staat zusammengeschlossen, durch
Personalunion mit Preuen und durch militrische und wirtschaftliche
Konventionen mit dem Deutschen Reiche verbunden werden mchten.

Der Kaiser antwortete dem Vorsitzenden des Vereinigten Landesrats auf die
Mitteilung dieses Beschlusses am 14. April 1918, die Bitte um Anschlu an
das Deutsche Reich unter seinem Zepter werde mit Wohlwollen geprft
werden; er nehme sie als ein Zeichen des Vertrauens zu seiner Person, zu
seinem Hause und zu Deutschlands Zukunft.

Am 21. April 1918 wurde eine Deputation des Vereinigten Landesrates vom
Grafen Hertling empfangen. Graf Hertling teilte mit, der Kaiser sei
bereit, den baltischen Lndern den Schutz des Deutschen Reiches zu
gewhren, sie bei der Durchfhrung ihrer Loslsung von Ruland wirksam zu
untersttzen und sie nachher auch formell als selbstndige Staaten
anzuerkennen. Die kaiserliche Zusage einer wohlwollenden Prfung des
Wunsches nach Anschlu an das Deutsche Reich und Preuen wurde durch den
Mund des Reichskanzlers wiederholt.

Diese Antwort trug dem Umstande Rechnung, da eine Anerkennung der
Selbstndigkeit Estlands und Livlands und die Durchfhrung des
Anschlusses dieser Gebiete an das Deutsche Reich ohne Verletzung des
Brester Friedens so lange nicht mglich war, als Ruland sich nicht mit
dem Ausscheiden dieser Gebiete aus dem Verband des Russischen Reiches
einverstanden erklrt hatte. Die Untersttzung, die Kaiser und Kanzler
dem Vereinigten Landesrat fr die Durchfhrung seiner Bestrebungen
zugesagt hatten, mute also in erster Linie eine diplomatische
Untersttzung bei der russischen Regierung sein, an die sich die Balten
verwiesen sahen. Fr diese Untersttzung ergab sich bald eine
Gelegenheit. Am 13. Mai 1918 erschienen Vertreter der baltischen
Provinzen bei dem diplomatischen Vertreter der russischen Sowjetrepublik
in Berlin, Herrn Joffe, um ihm eine Note zu bergeben, in der mitgeteilt
wurde, da die Bevlkerung Livlands und Estlands durch die Erklrung
ihrer Vertretungen von dem Recht der Selbstbestimmung Gebrauch gemacht
und die Loslsung von Ruland vollzogen htten. Herr Joffe verweigerte
die Entgegennahme dieser Note und verwies die Abordnung auf den Weg einer
direkten Mitteilung nach Moskau oder auf die Vermittlung des deutschen
Auswrtigen Amtes. Die Abordnung whlte den letzteren Weg, und das
Auswrtige Amt fand sich bereit, die Note der baltischen Abordnung Herrn
Joffe amtlich zu bermitteln. In seiner Antwort an den Staatssekretr des
Auswrtigen Amtes erinnerte Herr Joffe an einen bereits frher erhobenen
Einspruch dagegen, da ber das Schicksal Estlands und Livlands ohne
vorheriges Einvernehmen mit der russischen Regierung entschieden werden
knne; er sprach auerdem der baltischen Delegation, die er als
Vertreter der Ritterschaft bezeichnete, das Recht ab, im Namen des
estnischen und lettischen Volkes zu sprechen. Unter voller Wahrung
dieses Standpunktes habe er seiner Regierung die ihm vom Auswrtigen Amt
zugestellten Schriftstcke bermittelt.

Im weiteren Verlauf wurde die Angelegenheit in die Ende Mai von der
russischen Regierung angeregten Verhandlungen ber gewisse mit der
Auslegung und Durchfhrung des Brester Friedens zusammenhngende Fragen
einbezogen, auf die ich weiter unten zu sprechen kommen werde.

In Litauen hatte der Landesrat schon am 11. Dezember 1917 die
Wiederherstellung eines unabhngigen litauischen Staates mit der
Hauptstadt Wilna proklamiert und den Schutz und die Hilfe des Deutschen
Reiches erbeten. Der Beschlu hatte sich ferner fr ein ewiges, festes
Bundesverhltnis des litauischen Staates mit dem Deutschen Reiche
ausgesprochen, das seine Verwirklichung hauptschlich in einer Militr-
und einer Verkehrskonvention sowie in einer Zoll- und Mnzgemeinschaft
finden sollte. Mitte Februar 1918 befate sich der litauische Landesrat
abermals mit der Errichtung des litauischen Staates. Er proklamierte
erneut die Wiederherstellung eines auf demokratischer Grundlage
aufgebauten unabhngigen litauischen Staates mit der Hauptstadt Wilna und
seine Abtrennung von allen staatlichen Verbindungen, die mit anderen
Vlkern bestanden haben. Die Grundlagen dieses Staates und seine
Beziehungen zu den anderen Staaten sollten durch eine von allen
Einwohnern auf demokratischer Basis zu whlende konstituierende
Versammlung endgltig festgelegt werden. Der Beschlu wurde durch den
obersten Litauischen Nationalrat in Bern allen in der Schweiz
beglaubigten diplomatischen Vertretungen bermittelt.

Auf deutscher Seite vermite man in diesem Beschlu die ausdrckliche
Wiederholung des Wunsches einer engeren militrischen und
wirtschaftlichen Verbindung mit dem Deutschen Reiche. Nachdem von
litauischer Seite anerkannt worden war, da der Beschlu vom Februar
denjenigen vom Dezember nicht aufhebe, empfing der Reichskanzler am 23.
Mrz 1918 eine Abordnung des litauischen Landesrats und sprach vor dieser
auf Grundlage der Erklrung des Landesrats vom 11. Dezember 1917 namens
des Deutschen Reiches die Anerkennung Litauens als eines freien und
unabhngigen Staates aus. Mit dieser Formulierung war die enge
militrische und wirtschaftliche Verbindung des neuen litauischen
Staatswesens mit dem Deutschen Reiche zur Voraussetzung der Anerkennung
der litauischen Unabhngigkeit gemacht.

Die deutsche Politik arbeitete also im Anschlu an den Brester Frieden
auf eine militrische und wirtschaftliche Angliederung sowohl Litauens
als auch der baltischen Provinzen an das Deutsche Reich. Man ging dabei
ber die Widerstnde hinweg, die sich sowohl in Litauen wie auch
teilweise bei den Letten und Esten gegen eine solche Lsung zeigten. Die
Angliederung dieser Randstaaten wurde bei uns namentlich auch von den
militrischen Stellen betrieben, die in dieser Lsung am einfachsten
einen besseren Grenzschutz nach Osten hin zu erreichen hofften und fr
den Fall des Unterbleibens der Angliederung nicht unerhebliche
Grenzregulierungen zugunsten Deutschlands fr notwendig erklrten.

Gleichzeitig gestalteten sich die Dinge in Polen sehr unerfreulich. Die
Selbstndigkeit Polens mit Anlehnung an die beiden Kaiserreiche war seit
dem Zwei-Kaiser-Manifest vom 5. November 1916 ein erklrter Grundsatz der
deutschen und sterreichisch-ungarischen Politik. Aber whrend die Polen
immer strmischer auf den Ausbau ihrer Selbstndigkeit und ihrer eigenen
staatlichen Einrichtungen noch whrend des Krieges drngten und dabei von
der Wiener Politik wie von der deutschen Reichstagsmehrheit untersttzt
wurden, verflchtigte sich die Anlehnung an die Mittelmchte mehr und
mehr. Noch unter der Kanzlerschaft des Herrn Michaelis war den Polen in
dem Patent vom 12. September 1917 ein Regentschaftsrat, ein Ministerium
und ein erweiterter Staatsrat mit gesetzgeberischen Befugnissen
zugestanden worden; dagegen blieb das knftige Verhltnis Polens zu den
Zentralmchten nach wie vor ungeklrt. Whrend Berlin und Wien sich ber
die Gestaltung dieses Verhltnisses nicht einigen konnten und die von
Wien nach wie vor mit Hartnckigkeit vertretene austro-polnische Lsung
diskutierten, entfachte der Abschlu des Friedens mit der Ukraine bei den
Polen einen Sturm der Entrstung, der deutlicher, als es bisher
geschehen war, deren wahres Gesicht zeigte. Die Bestimmungen des
Friedensvertrags ber das Gouvernement Cholm veranlaten das polnische
Ministerium zur Demission und den polnischen Regentschaftsrat zu einem
Manifest an das polnische Volk, das in heftigen Worten gegen die neue
Teilung protestierte und verkndete, da der Regentschaftsrat das Recht
zur Ausbung der obersten Staatsgewalt, das er wenige Monate zuvor aus
den Hnden der beiden Kaiser entgegengenommen hatte, aus dem Willen des
Volkes herleite in der berzeugung, da das polnische Volk ein Symbol der
Unabhngigkeit haben wolle und sich um dieses zu scharen beabsichtige.
Schon kurz zuvor, am 22. Januar, hatte der Polenklub im sterreichischen
Abgeordnetenhaus eine Resolution eingebracht, die erklrte, da sich das
Selbstbestimmungsrecht der Polen auf alle Polen ohne Rcksicht auf die
politischen Grenzen beziehen msse und da die einzig mgliche Lsung der
polnischen Frage die Vereinigung aller polnischen Gebiete mit Zutritt zum
Meere sei. Jetzt, nach dem Abschlu des Friedens mit der Ukraine,
erklrte das Prsidium des Polenklubs, da der ganze Polenklub sich
gentigt sehe, im Reichsrat und in der sterreichischen Delegation zur
Opposition berzugehen. Auch eine nachtrgliche fr Polen gnstige
Modifikation der das Cholmer Gebiet betreffenden Bestimmung des
Friedensvertrags brachte keine Beschwichtigung der kochenden polnischen
Volksseele. Dieses edle Volk, das lediglich den Waffenerfolgen
Deutschlands und seiner Verbndeten und dem Blute vieler Tausender von
Deutschen und sterreichern die Aussicht auf seine staatliche
Wiederauferstehung verdankte, das fr dieses groe nationale Ziel keine
Hand gerhrt und keinen Tropfen Blut vergossen, sondern in diesem grten
Krieg aller Zeiten abwartend beiseitegestanden hatte, wandte sich,
nachdem es von Ruland nichts mehr zu befrchten hatte, immer deutlicher
gegen seine Befreier. Die polnische Frage, das schwierigste aller
stlichen Probleme, wurde also durch die Brester Friedensvertrge nicht
nur nicht gelst, sondern geradezu verschrft.

Auch hinsichtlich der Ukraine und Finnlands schuf der Brester Friede
keine endgltigen Verhltnisse.

Die Ukraine hatte, wie oben dargestellt ist, alsbald nach Abschlu ihres
Friedens mit den Mittelmchten diese um Hilfe gegen Sowjetruland bitten
mssen. Deutschland hatte seine Truppen sofort in die Ukraine einrcken
lassen; sterreichisch-ungarische Truppen waren gefolgt, nachdem der
deutsche Vormarsch und das deutsche Ultimatum die russische Regierung
gezwungen hatten, ihre Vertreter wieder nach Brest-Litowsk zu schicken.
Aber auch nach Abschlu des Friedens mit Ruland hrten die Kmpfe in der
Ukraine nicht auf, obwohl Ruland sich zur Zurckziehung seiner Truppen,
einschlielich der Roten Garden, hatte verpflichten mssen. Unsere
Militrs vertraten nachdrcklich die Ansicht, da die Ukraine den von
ihr bernommenen Verpflichtungen wirtschaftlicher Art, von deren
Erfllung die Mittelmchte eine wesentliche Entlastung ihrer schwierigen
Ernhrungslage erwarteten, wenn berhaupt, so nur dann wrde nachkommen
knnen, wenn durch eine Suberung des Landes von den bolschewistischen
Unruhestiftern Ordnung und Sicherheit wiederhergestellt werden wrden. Im
Laufe der Monate Mrz, April und Mai wurde in hufigen Kmpfen mit
bolschewistischen Truppen und Banden das ganze Gebiet der Ukraine bis zum
Don, einschlielich der Halbinsel Krim, von unseren Truppen, zu deren
Oberbefehlshaber Anfang April der Feldmarschall von Eichhorn ernannt
wurde, durchzogen und besetzt.

Schlielich sah sich der deutsche Oberbefehlshaber veranlat, auch in die
inneren Verhltnisse der Ukraine mit bewaffneter Hand einzugreifen. Die
Zentralrada erwies sich immer mehr als unfhig, ihre Autoritt
durchzusetzen; vor allem gelang es ihr weder die von ihr bernommenen
Getreidelieferungen sicherzustellen noch auch fr eine ausreichende
Frhjahrsbestellung zu sorgen. Es kam zu starken Reibungen mit der
Zentralrada, ja zu Anschlgen gegen das Leben der deutschen Offiziere und
zu scharfen Manahmen des deutschen Oberbefehlshabers, unter anderem zur
Verhaftung einzelner kompromittierter Radamitglieder aus einer Sitzung
dieser Krperschaft heraus. Gleichzeitig kam es zu einer Auflehnung der
Bauernschaft, die mit den kommunistischen Enteignungsgesetzen der Rada,
nicht einverstanden war. Eine Versammlung von Bauerndelegierten in Kiew
sagte sich von der Rada los und rief den General Skoropadski zum Hetman
und Diktator der Ukraine aus. Der Hetman erhielt die deutsche Anerkennung
und die tatkrftige Untersttzung des in der Ukraine stehenden deutschen
Militrs.

Fr unser Verhltnis zu Sowjetruland war dieser Umschwung in der Ukraine
von groer Bedeutung. Der russische General und ehemalige Flgeladjutant
des Zaren Skoropadski galt dort als Vorkmpfer der grorussischen
Gegenrevolution; die ihm von Deutschland gewhrte Untersttzung wurde
namentlich von den Linken Sozialrevolutionren, die in der Ukraine den
Hauptteil ihrer Anhngerschaft hatten, voller Erbitterung als eine
feindselige Handlung Deutschlands gegen die russische Revolution
hingestellt und zu einer erneuten Aufpeitschung der Volksstimmung gegen
Deutschland benutzt.

Ebensowenig wie in der Ukraine fanden in Finnland die Kmpfe der von den
Mittelmchten anerkannten einheimischen Regierung mit den russischen
Truppen und Roten Garden durch den Abschlu des Friedensvertrags ein
Ende. Wenige Tage vor der Unterzeichnung des Friedensvertrags zwischen
den Vierbundmchten und Sowjetruland, der diesem die sofortige Rumung
Finnlands auferlegte, hatte die finnische Regierung durch ihre Berliner
Bevollmchtigten ein offizielles Hilfegesuch an die deutsche Regierung
gerichtet. Nachdem trotz der von Ruland im Brester Frieden
bernommenen Verpflichtung die Kmpfe in Finnland unter Mitwirkung
russisch-bolschewistischer Truppen fortdauerten, landeten Anfang April
deutsche Truppen in Hang. Mit deren Untersttzung gelang es der
finnischen Regierung, der Rotgardisten Herr zu werden. Mitte Mai waren
alle wichtigen Pltze Finnlands in den Hnden der von den Deutschen
untersttzten finnischen Regierungstruppen; aber an eine vllige
Zurckziehung der deutschen Truppen war hier, wenn nicht der erzielte
Erfolg sofort wieder aufs Spiel gesetzt werden sollte, ebensowenig zu
denken wie in der Ukraine.

Ganz besonders schwierig gestalteten sich die Verhltnisse im
Kaukasusgebiet. Trkische Truppen bemchtigten sich alsbald nach dem
Abschlu des Friedens der nach dem Brester Vertrag von den russischen
Truppen zu rumenden Bezirke Erdehan, Kars und Batum. Sie machten auch an
den Grenzen dieser Bezirke nicht halt; es bedurfte eines fortgesetzten
starken Druckes von deutscher Seite, um die trkischen Armeefhrer, die
sich auf strategische Notwendigkeiten, namentlich in Rcksicht auf den
Fortgang der Kmpfe mit den Englndern im mittleren Mesopotamien,
beriefen, einigermaen zurckzuhalten. Aus dem Vlkergewirr des Kaukasus
entstanden nach der Auflsung der russischen Herrschaft neue Gebilde.
Georgier, Armenier und Tataren suchten eigene Freistaaten zu bilden und
sich dann zu einer transkaukasischen Republik zusammenzuschlieen. Eine
festere Form nahm jedoch von diesen Gebilden nur Georgien an,
dessen Unabhngigkeit gegen Ende Mai 1918 durch den in Tiflis
zusammengetretenen georgischen Landtag proklamiert wurde. Der neue
georgische Staat suchte alsbald durch die Entsendung seines auswrtigen
Ministers nach Berlin freundschaftliche Beziehungen mit Deutschland
anzuknpfen, die deutsche Anerkennung seiner Unabhngigkeit zu erlangen
und sich die deutsche Untersttzung zu sichern. Herr von Khlmann teilte
am 24. Juni 1918 im Reichstag mit, da das Deutsche Reich den Staat
Georgien durch diplomatischen Notenwechsel als de facto bestehend
anerkannt habe; fr seine juristisch-diplomatische Anerkennung glten
dieselben Grundstze wie hinsichtlich Estlands und Livlands. Das deutsche
Interesse an Georgien wurde dadurch betont, da der General von Kre mit
einer starken Schutzwache in diplomatischer Mission nach Tiflis entsandt
wurde. In der Tat waren die Petroleumvorkommen von Baku, die durch eine
durch Georgien fhrende Rhrenleitung mit Batum am Schwarzen Meer in
Verbindung standen, vor allem aber die reichen georgischen Lager von
Manganerz sowohl unmittelbar fr die Fortsetzung des Krieges wie auch
spterhin fr die bergangs- und Friedenszeit fr Deutschlands Versorgung
mit diesen beiden wichtigen Produkten von besonderer Bedeutung.

Das Interesse, das unsere Regierung und Heeresleitung an den kaukasischen
Dingen nahm, brachte uns Reibungen nicht nur mit Sowjetruland, sondern
auch mit unserem trkischen Bundesgenossen, der geneigt war, das ganze
Gebiet Kaukasiens als seine besondere Interessensphre zu betrachten und
zu behandeln. Der ganze mit den kaukasischen Angelegenheiten
zusammenhngende Fragenkomplex wurde schlielich einer Konferenz
berwiesen, die im Juni in Konstantinopel zusammentreten sollte.

Nimmt man hinzu, da der Bukarester Friede die Dobrudschafrage und die
Maritzafrage offengelassen hatte und da die Durchfhrung wichtiger
seiner Bedingungen die Fortdauer der Besetzung der Walachei durch eine
ansehnliche Truppenmacht zur Voraussetzung hatte, so liegt zutage, da
die stlichen Friedensschlsse den Krieg nach Osten weder diplomatisch
noch militrisch vollstndig liquidiert hatten. Schwierige Fragen, die
nicht nur unser Verhltnis zu den bisherigen Feinden, sondern auch zu den
neu entstehenden staatlichen Gebilden und vor allem auch zu unseren
Bundesgenossen betrafen, blieben offen, wurden zum Teil erheblich
verschrft oder tauchten neu auf. Wenn auch die kriegerischen Aktionen
groen Ausmaes ihr Ende gefunden hatten, so nahm doch der Kleinkrieg
seinen Fortgang und erstreckte sich von Finnland bis zur Krim und dem
Kaukasus, ber erheblich weitere Gebiete als vorher die eigentlichen
Feldzge. Wohl konnte schon vor den Waffenstillstands- und
Friedensverhandlungen und erst recht nach den Friedensschlssen die groe
Masse der bisher im Osten kmpfenden Truppen fr die Entscheidungskmpfe
im Westen freigemacht werden; aber was in den weit ausholenden
Expeditionen zu Kampfzwecken und in den kaum bersehbaren Gebieten zu
Besatzungszwecken gebunden blieb, stellte immer noch eine stattliche
Armee dar. Dazu kam, da auch jetzt noch, nach dem Ausscheiden Rumniens
aus der Reihe unserer kriegfhrenden Feinde, das durch die griechische
Armee verstrkte Ententeheer in Saloniki als dauernde Bedrohung unseres
in hohem Mae erschpften und auf unsere Hilfe angewiesenen bulgarischen
Bundesgenossen verblieb und da die gleichfalls stark erschpfte
trkische Armee in Syrien wie in Mesopotamien einen schweren Stand gegen
die Englnder hatte und, ebenso wie das bulgarische Heer, auf unsere
Hilfe Anspruch machte.

Auch wirtschaftlich brachten uns die stlichen Friedensschlsse
keineswegs in vollem Umfang die erwartete Entlastung. Die Ukraine blieb
mit den vertragsmig zugesagten Getreidelieferungen erheblich im
Rckstand. Nicht nur, da die von der Zentralrada mit Hartnckigkeit
versuchte Verstaatlichung des Handels es nahezu unmglich machte, das bei
den Bauern noch vorhandene Getreide herauszuholen, da die Zeit in
endlosen Verhandlungen ber die Gestaltung des Austausches verloren
wurde, da die Wiederherstellung der Verkehrsmittel groe Schwierigkeiten
machte und da die politischen und sozialen Unruhen einen geregelten
Wirtschaftsverkehr nicht aufkommen lieen, -- es stellte sich auch
heraus, da die ukrainischen Vertreter bei den Friedensverhandlungen die
noch vorhandenen Bestnde an Lebensmitteln bedeutend berschtzt hatten.
Der vierjhrige Krieg und schlielich die Revolution hatten die
landwirtschaftliche Erzeugung selbst der wunderbaren Schwarzen Erde
stark herabgedrckt. Der ukrainische Brotfriede erwies sich als eine
Illusion.

In Rumnien standen die Dinge nicht viel gnstiger. Der Feldzug hatte die
Ernte des Jahres 1916 groenteils aufgebraucht und die Bestellung fr das
Jahr 1917 beeintrchtigt. Die Ernteaussichten fr 1918 waren infolge
anhaltender Trockenheit ausgesprochen schlecht. Die andere groe Hilfe,
auf die wir bei Rumnien rechneten, das Petroleum und seine Erzeugnisse,
stand zunchst auch nur in beschrnktem Umfang zur Verfgung; denn die
Rumnen hatten die Anlagen und Vorrichtungen zur Gewinnung und
Verarbeitung des Petroleums mit Hilfe englischer und amerikanischer
Fachleute mit einem solchen Raffinement und einer solchen Grndlichkeit
zerstrt, da die Wiederherstellung lange Zeit erforderte.

Am wenigsten befriedigend gestalteten sich die wirtschaftlichen
Beziehungen zu Sowjetruland. Die von dort erwartete Hilfe in Nahrungs-
und Futtermitteln wie in kriegswichtigen Rohstoffen blieb vllig aus. Es
gelang nicht, auch nur den bescheidensten Warenaustausch in Gang zu
bringen. Die inneren, in den Verhltnissen selbst begrndeten
Schwierigkeiten wurden gesteigert durch eine passive Obstruktion, die
unverkennbar von den Mnnern der bolschewistischen Regierung, so sehr
diese fortgesetzt ihren guten Willen betonte, untersttzt und geleitet
wurde.

Die weitere Entwicklung der Dinge in Ruland erforderte unsere grte
Aufmerksamkeit. Die Friedensschlsse im Osten hatten zwar den
militrischen Zusammenbruch unseres auf dem Kontinent strksten Gegners
besiegelt. Aber an Stelle der gewaltigen Militrmacht des Zaren war uns
ein neuer gefhrlicher Feind erstanden: der Bolschewismus. In Finnland
und der Ukraine standen wir mit ihm in offenem Kampf, in Sowjet-Ruland
verhinderte er die Auswirkung des Friedensschlusses, im eigenen Lande
zehrte er als schleichendes Gift an den Wurzeln unserer Kraft. Mit diesem
Feinde im Rcken hatten wir im Westen die Entscheidung herbeizufhren.




                            Die Entscheidung

                      Diplomatisches Zwischenspiel


Zu derselben Zeit, als Ruland endgltig zusammenbrach und die
bolschewistische Regierung sich zu Friedensverhandlungen bereit erklrte,
richtete Lord Lansdowne, der Leiter der britischen Auenpolitik in dem
letzten konservativen Kabinett, einen Brief ber Krieg und Frieden an die
Times, der einen Umschwung in der Gesinnung der politischen Kreise
Englands anzukndigen schien. Die Times verweigerten den Abdruck des
Briefes. Lord Lansdowne lie ihn daraufhin im Daily Telegraph
verffentlichen. Der Brief war eine besorgte Warnung vor der berspannung
der Kriegsziele und der Parole des Krieges bis zum uersten. Der
Wirtschaftskrieg sei als Kriegsmittel gerechtfertigt; aber kein
Vernnftiger knne auf die Dauer die feindlichen Mchte vom Welthandel
ausschlieen wollen. Von den territorialen Kriegszielen sei manches, was
frher an erster Stelle gestanden habe, in die zweite Reihe gerckt; an
erster Stelle stehe die Wiederherstellung Belgiens. Wir werden den
Krieg nicht verlieren, aber seine Weiterfhrung wrde den Untergang der
Kulturwelt herbeifhren. Der Krieg mu zu Ende gebracht werden, um die
Welt vor einer Katastrophe zu bewahren.

Solche Worte aus der Feder eines britischen konservativen Fhrers,
eines Mannes, dem pazifistische Gedankengnge fernlagen, der
auf den Grundstzen des britischen Imperialismus stand und
praktisch-imperialistische Politik gemacht hatte, erregten natrlich in
der ganzen Welt das grte Aufsehen. Beifall und Widerspruch waren in den
alliierten Lndern geteilt. Am heftigsten griff die franzsische Presse
Lord Lansdowne an, da sie ein Abrcken der britischen Politik von den
franzsischen Eroberungszielen befrchtete. Bei uns und unseren
Verbndeten erweckten die uerungen des Lords neue Hoffnung auf einen
gerechten Verstndigungsfrieden. Der Staatssekretr von Khlmann uerte
im Hauptausschu des Reichstags am 30. November 1917, vielleicht knne
der Lansdowne-Brief als ein hoffnungsvolles Zeichen dafr aufgefat
werden, da auch in England gemigte Stimmen Boden gewinnen.

Aber bald erwies sich der Brief Lansdownes als die Stimme eines Predigers
in der Wste. In England selbst wurde er, ohne Widerspruch bei seinem
Urheber zu finden, in einer Weise zurechtkommentiert, die den
ursprnglichen Eindruck nahezu in sein Gegenteil verkehrte. Am 15.
Dezember erklrte Lloyd George in ffentlicher Rede, der Brief
Lansdownes sei bei Freund und Feind miverstanden worden und habe auf der
Pariser Konferenz der Alliierten, die zur Zeit seiner Verffentlichung
tagte, eine peinliche berraschung hervorgerufen. In Wirklichkeit habe
Lord Lansdowne nichts anderes sagen wollen als etwa Asquith oder Wilson.

Der Hinweis auf Wilson zielte auf die Botschaft, die Wilson am 5.
Dezember 1917 an den Kongre gerichtet hatte mit dem Antrag, der Kongre
mge auch gegenber sterreich-Ungarn, mit dem bisher nur die
diplomatischen Beziehungen abgebrochen worden waren, den Kriegszustand
erklren. Dieser Schritt, fr den ein besonderer Anla auf der Seite
sterreich-Ungarns nicht vorlag, war offenbar auf das Drngen Frankreichs
und Italiens zurckzufhren, die durch eine solche amerikanische
Demonstration -- mehr war die formelle Erklrung des Kriegszustandes
seitens der Union an die Adresse der Donaumonarchie nicht -- ein
moralisches Gegengewicht gegen den bedenklichen Eindruck der
italienischen Niederlage in Venetien und des russischen Friedensschrittes
schaffen wollten. Als unmittelbare Begrndung fr seinen Antrag gab
Wilson an, es sei eine unbestreitbare Tatsache, da sterreich-Ungarn im
Augenblick nicht Herr seiner selbst, sondern lediglich ein Vasall der
deutschen Regierung sei.

In derselben Botschaft machte der Prsident Ausfhrungen allgemeiner Art,
die sich in der schon in seiner Kundgebung aus Anla der Erklrung des
Kriegszustandes gegen Deutschland und in seiner Antwort auf die
Friedensnote des Papstes eingeschlagenen Richtung bewegten und fr die
Auffassungen und Ziele dieses fr die weitere Entwicklung des Krieges so
wichtigen Mannes in hohem Mae bezeichnend waren. Er sprach von der
unertrglichen Erscheinung, deren hliches Gesicht die Herren
Deutschlands uns zeigen, von der Drohung durch Intrige, verbunden mit
Gewalt, als welche wir die deutsche Macht jetzt deutlich sehen, ohne
Gewissen, Ehre oder Eignung fr einen durch Vertrag geschlossenen
Frieden. Es gelte, diese Macht zu Boden zu schlagen und, wenn nicht
vllig aus der Welt zu schaffen, so doch von dem friedlichen Verkehr der
Vlker auszuschlieen. Wenn aber diese Erscheinung besiegt sei und das
deutsche Volk Sprecher habe, deren Worten man trauen knne, wenn ferner
diese Sprecher bereit sein wrden, namens ihres Volkes ein allgemeines
Urteil der Nationen darber anzunehmen, was knftig Grundlage fr Gesetz
und Vertrge unter den Vlkern sein solle, dann werde man freudig bereit
sein mssen, den vollen Preis fr den Frieden zu zahlen. Dieser Preis sei
die volle und unparteiische Gerechtigkeit, Gerechtigkeit in jeder
Beziehung und fr jedes Volk. Er ergnzte diese Ausfhrungen durch den
Ausdruck der Bewunderung fr Deutschlands Wissenschaft und Industrie und
durch die Versicherung, niemand wolle sich in Deutschlands innere
Angelegenheiten einmischen, niemand bedrohe Deutschlands Existenz,
Unabhngigkeit und friedliche Entwicklung. Aber fr die edle und
gerechte Sache, fr die Amerika seinen Traditionen gem in den Krieg
eingetreten sei, werde es sich schlagen, bis der letzte Schu verhallt
sei.

Wie schon in seiner Antwort auf den Friedensvorschlag des Papstes, so
suchte der Prsident Wilson bei dem deutschen Volke, fr dessen Ohren
diese Botschaft mindestens ebensosehr bestimmt war wie fr die Ohren
seiner unmittelbaren Zuhrerschaft, den Eindruck zu erwecken, als gelte
der Krieg Amerikas nur den Herren Deutschlands, und diesen in aller
Unerbittlichkeit, nicht aber dem deutschen Volke selbst, fr das er seine
Sympathie und Bewunderung ausdrckte; als hnge es nur von dem deutschen
Volk ab -- in dessen innere Angelegenheiten er sich beileibe nicht
einmischen wolle! --, durch Davonjagen seiner Herren zu einem Frieden
der unparteiischen, Freund und Feind mit gleichem Mae messenden
Gerechtigkeit zu kommen. In spteren Reden und Botschaften hat er
denselben Faden weitergesponnen. Das hart geprfte, unter den Opfern und
der Last des Krieges schwer leidende deutsche Volk horchte allmhlich
auf. Nicht nur in einfltigen Gemtern fanden die verfhrerischen Worte
Wilsons Eingang; auch ein groer Teil der Intelligenz und derjenigen
Leute, die bei uns die Rolle von Politikern spielten, sich selbst fr
Politiker hielten und dafr halten lieen, kam allmhlich dazu, in
Wilsons Worten Offenbarungen zu hren. Mit besonderer Aufdringlichkeit
spielte sich Herr Maximilian Harden, einer der schlimmsten Verderber des
deutschen Geistes, als Wilsons Prophet auf. Immer kleiner wurde die Schar
derjenigen, die in Wilsons Ausfhrungen nichts anderes erblickten als den
entschlossenen Willen der Fortsetzung des Krieges bis zur Niederwerfung
Deutschlands und die mit Doktrinarismus und Unkenntnis europischer
Verhltnisse gepaarte Absicht der Bemntelung dieses Kriegswillens mit
vlkerbeglckenden Ideen, dazu den Versuch, das deutsche Volk in sich
selbst zu entzweien und es gegen die Monarchie und ihre Trger
aufzuwiegeln.

Nichts anderes als dieser Wilson hatte nach Lloyd Georges Bekundung Lord
Lansdowne in seinem Briefe sagen wollen. Und Lloyd George selbst? -- Er
machte in seiner Rede vom 15. Dezember aus seinem Herzen wahrhaft keine
Mrdergrube. Er warnte eindringlich vor den Pazifisten, die auf allerhand
Schleichwegen England zu einem voreiligen Frieden zu bewegen suchten. Er
erklrte es fr einen Wahn, man knne den Krieg durch einen Vlkerbund
beenden. Das sei zwar eine gute Sache nach dem Siege, aber jetzt klinge
der Vorschlag wie ein Scherz. Wolle man ohne Sicherheit gegen die
Wiederholung des von Deutschland begangenen Vertragsbruches ein neues
Abkommen schaffen, so sei das aber kein Witz mehr, sondern ein
Trauerspiel. Er gebe nichts auf Worte ohne die Kraft und Macht des
Sieges. Die Preuen -- er sprach mit Absicht nicht von den Deutschen
-- bezeichnete er als Verbrecher und Banditen. Die sichere Hoffnung
auf den Sieg trotz des Ausscheidens Rulands begrndete er mit dem
Hinweis darauf, da an die Stelle Rulands, das sich als der am
schlechtesten organisierte Staat erwiesen habe, jetzt die Vereinigten
Staaten mit ihrer ganzen Kraft getreten seien.

Einige Tage spter, am 21. Dezember, nahm Lloyd George Gelegenheit, sich
im Unterhaus in einer groen Rede ber die Lage auszusprechen. Er
verhehlte nicht die Gefahren: Der Lebensmittelmangel bei den Alliierten
sei grer als erwartet. Die zu Anfang des Jahres gehegten militrischen
Hoffnungen seien nicht in Erfllung gegangen; zwar htten die Deutschen
auf dem westlichen Kriegsschauplatz Niederlagen erlitten und htten die
Englnder Bagdad und Jerusalem erobert; aber die Lage sei bedrohlicher
geworden durch die unerwartete Niederlage Italiens, dem seine Verbndeten
htten zu Hilfe kommen mssen, und durch Rulands Eintritt in
Waffenstillstands- und Friedensverhandlungen. Die kommenden Wochen wrden
die sorgenvollsten des ganzen Krieges sein. Auf Grund dieser Lage
kndigte er Maregeln zur Vergrerung des Heeres an. Von
Friedensbereitschaft war auch aus dieser Rede nicht der leiseste Klang
herauszuhren. Zwar wies er den Gedanken als lcherlich weit von sich,
England habe am Krieg teilgenommen, um Gebietsteile zu erwerben. Aber er
blieb dabei, der Krieg sei verursacht worden durch die ruchlose Arroganz
der deutschen Militrkaste, und solange der Geist dieser Kaste nicht
gebrochen sei, werde kein Friede in der Welt sein. Der Sieg sei das
einzige Mittel, den Friedensbedingungen Kraft zu verleihen.

Nun kam die Unterbrechung der Brester Friedensverhandlungen auf zehn Tage
mit der ausdrcklichen Begrndung, da Rulands Verbndeten Gelegenheit
gegeben werden solle, den Verhandlungen beizutreten und so den Weg zum
allgemeinen Frieden zu ffnen. Fr diesen Fall hatten die Mchte des
Vierbundes ausdrcklich die Grundlage: Keine gewaltsamen
Gebietserwerbungen, keine Kriegsentschdigungen, Selbstbestimmungsrecht
der Vlker durch die Erklrung des Grafen Czernin vom 25. Dezember als
magebend angenommen. Die russische Regierung wandte sich mit ihrer
Aufforderung, den allgemeinen Frieden auf diesem Boden herbeizufhren, an
die Vlker. Es konnte kaum mehr zweifelhaft sein, da im Falle einer
Weigerung der alliierten Regierungen, den Friedensverhandlungen
beizutreten, Ruland mit den Mchten des Vierbundes in krzester Zeit
einen Sonderfrieden abschlieen wrde.

Wir wissen bereits, da die Ententeregierungen es ablehnten, sich auf
Friedensverhandlungen einzulassen.

Am meisten beeilte man sich mit der Ablehnung in Paris. Der Minister des
Auswrtigen, Herr Pichon, teilte bereits am 27. Dezember in der Kammer
mit, da die Vertreter der Alliierten in Petersburg erklrt htten, an
dem Tage, an dem in Ruland eine regelrecht konstituierte Regierung
bestehen werde, seien sie bereit, mit dieser ihre Kriegsziele und die
eventuellen Bedingungen eines dauerhaften und gerechten Friedens zu
besprechen. Herr Pichon erging sich dann auf eigene Rechnung in
Beschuldigungen gegen Deutschland, das Ruland von seinen Verbndeten
trennen, es zerstckeln und berauben, schlielich die Revolution
niederwerfen und das autokratische Regime unter preuischer Hegemonie
wieder aufrichten wolle. Er wiederholte ferner Frankreichs Ansprche auf
Elsa-Lothringen und schlo mit Clemenceaus Parole: Zuerst siegen!

In Rom lehnte der Ministerprsident Orlando in einer Rede vor dem Senat
die Friedensgrundlagen, wie sie in Brest-Litowsk przisiert worden waren,
ab, da sie Frankreich Elsa-Lothringen und Italien die unerlsten
Provinzen vorenthielten. Es handle sich bei den Mittelmchten nicht um
ein aufrichtiges Streben nach Frieden, sondern um eine hinterlistige
Friedensoffensive, die den Geist der kriegfhrenden Vlker zersetzen und
vergiften wolle.

Nicht ganz einfach war die Lage fr die britische Regierung. Der Ernst
der Situation, von dem Lloyd George am 21. Dezember im Unterhause offen
und freimtig gesprochen hatte, und die Notwendigkeit noch strkerer
Anstrengungen, gegen die in der Arbeiterschaft sich Widerstnde geltend
machten, verstrkten sichtlich die Geneigtheit groer Teile der
Bevlkerung, einen billigen Frieden anzunehmen. Hochfahrende Worte, wie
sie Lloyd George noch vor kurzem gegen Deutschland, das Land der
Verbrecher und Banditen, gebraucht hatte, waren in dieser Lage nicht
ganz angebracht. Der Reichskanzler hatte in einem Interview geantwortet,
nach jenen Schmhungen des britischen Premiers sei klar, da fr uns ein
Verhandeln mit Mnnern derartiger Gesinnung ausgeschlossen sei. Lloyd
George mute sich in Rcksicht auf Strmungen in seinem eigenen Lande
hten, den Bogen zu berspannen.

Als er am 5. Januar vor den Vertretern der Gewerkschaften erschien, um
bei diesen Stimmung fr die geplanten groen militrischen Neuforderungen
zu machen, dmpfte er merklich den Ton. Seiner Rede gab er besonderen
Nachdruck durch die Erklrung, da sie das Ergebnis von Besprechungen mit
Vertretern der Arbeiterpartei, ferner mit Asquith und Grey sowie mit
Vertretern der groen Dominions sei, also nicht nur die Meinung der
Regierung, sondern des ganzen Britischen Reiches wiedergebe. Er fhrte
aus: Mit dem grten Widerstreben sei England in den Krieg eingetreten,
nur um die Vertrge aufrechtzuerhalten, auf denen die Ordnung Europas
beruhe und die Deutschland zertreten habe. Es sei nicht Englands Absicht,
Deutschlands Stellung in der Welt zu erschttern und zu vernichten; nur
Deutschlands Streben nach einer militrischen Vorherrschaft msse
gebrochen werden. Auch sei England nicht in den Krieg gegangen, um die
monarchische Verfassung Deutschlands zu zerstren; es sei allerdings
seine Meinung, da die Annahme eines wahrhaft demokratischen Systems
durch Deutschland der berzeugendste Beweis vom Verschwinden des alten
Geistes militrischer Vorherrschaft wre und es leichter machen wrde,
einen auf breiter demokratischer Grundlage beruhenden Frieden zu
schlieen. -- Lloyd George blies also in diesem Punkte dieselbe Melodie
wie Wilson. -- Als Kriegsziele bezeichnete er: die vollkommene
Wiederherstellung Belgiens und Schadenersatz fr seine verwsteten Stdte
und Provinzen; die Wiederherstellung Serbiens, Montenegros und der
besetzten Teile Frankreichs, Italiens und Rumniens. Er fgte hinzu,
England werde die franzsische Demokratie bis in den Tod untersttzen bei
ihrer Forderung auf eine reconsideration (Wiedererwgung oder
Wiedergutmachung?) des groen Unrechtes von 1871. Er sprach sich ferner
fr ein unabhngiges Polen aus, das alle Gebiete umfasse, die sich ihm
anzuschlieen wnschten. sterreich-Ungarn solle nicht zerrissen werden,
msse aber seinen Nationalitten Selbstregierung gewhren. Das Trkische
Reich mit Konstantinopel als Hauptstadt knne bleiben, aber die Meerengen
mten neutralisiert werden, und Armenien, Arabien, Mesopotamien und
Syrien mten das Recht auf Anerkennung ihrer besonderen nationalen
Verhltnisse erhalten. ber die deutschen Kolonien msse eine Konferenz
entscheiden, die in erster Linie die Wnsche und Interessen der
Eingeborenen zu bercksichtigen habe. Schlielich msse ein ernsthafter
Versuch gemacht werden, eine friedliche Regelung internationaler Fragen
an die Stelle des Krieges, dieses Restes alter Barbarei, zu setzen.

Auf diese Rede Lloyd Georges erfolgte am 8. Januar eine Botschaft des
Prsidenten Wilson an den Kongre, die in ihrem Gedankengang eine
auffallende bereinstimmung mit der drei Tage zuvor gehaltenen Rede Lloyd
Georges zeigt. Diese Botschaft sollte spterhin dadurch eine besondere
historische Bedeutung erlangen, da die deutsche Regierung Anfang Oktober
1918 bei ihrem Ersuchen um Waffenstillstand und Frieden auf die in ihr
entwickelten 14 Programmpunkte des Weltfriedens zurckgriff und da die
alliierten Regierungen diese 14 Punkte mit zwei Vorbehalten als Grundlage
des abzuschlieenden Friedens annahmen.

Wilson ging sehr geschickt aus von den inneren Unstimmigkeiten, die aus
dem Verhalten der Vertreter der Zentralmchte bei den Brester
Verhandlungen zutage traten. Er stellte die Frage: Wem haben wir nun
eigentlich zugehrt? Denen, die den Geist und die Absicht der Resolution
des Deutschen Reichstags vom 19. Juli 1917, den Geist und die Absicht der
liberalen Fhrer Deutschlands verkndeten, oder denen, die diesem Geist
und dieser Absicht Widerstand leisten, sie verachten und auf Eroberung
und Unterwerfung bestehen? Oder hren wir am Ende beide unvershnt und in
offenem und hoffnungslosem Widerspruch? Aber einerlei, wie diese Frage
sich beantworte, es bestehe kein Grund, die Aufforderung der
Mittelmchte nach Bekanntgabe der Kriegsziele nicht mit der uersten
Offenheit zu beantworten. Die Vereinigten Staaten seien in den Krieg
eingetreten, weil Rechtsverletzungen vorgekommen seien, die an ihren
Lebensnerv rhrten. Sie verlangten in diesem Kriege nichts fr sich
selbst; sie verlangten nur, da das Leben in der Welt wrdig und sicher
gemacht werde, und dieses Interesse sei allen Vlkern gemeinsam. Das
Programm der Vereinigten Staaten sei daher das Programm des Weltfriedens,
und dieses einzig mgliche Programm enthalte die folgenden Punkte:

1. Offene und ffentlich zustandegekommene Friedensvertrge, nach deren
Zustandekommen es keine geheimen internationalen Abmachungen
irgendwelcher Art mehr geben solle; vielmehr solle die Diplomatie immer
offen und vor aller Welt getrieben werden.

2. Vollkommene Freiheit der Schiffahrt auf den Meeren auerhalb der
territorialen Gewsser sowohl im Frieden wie im Krieg, soweit nicht etwa
die Meere durch eine internationale Aktion zwecks Durchsetzung
internationaler Vertrge ganz oder teilweise geschlossen werden sollten.

3. Die Beseitigung, soweit sie mglich ist, aller wirtschaftlichen
Schranken und die Errichtung einer Gleichheit der Handelsbedingungen
unter allen Nationen, die sich dem Frieden anschlieen und sich zu seiner
Aufrechterhaltung zusammenfinden.

4. Es sollen geeignete Garantien gegeben und genommen werden, da die
nationalen Rstungen auf das niedrigste mit der inneren Sicherheit
vertrgliche Ma herabgesetzt werden.

5. Eine freie, offenherzige und unbedingt unparteiische Regelung aller
kolonialen Ansprche, beruhend auf der strikten Beobachtung des
Grundsatzes, da bei der Entscheidung solcher Souvernittsfragen die
Interessen der betroffenen Bevlkerung ein ebensolches Gewicht haben
sollen wie die berechtigten Ansprche der Regierung, deren Rechtstitel
bestimmt werden sollen.

6. Rumung aller russischen Gebiete und eine Regelung aller Ruland
betreffenden Fragen, die Ruland die beste und freieste Mitwirkung aller
anderen Nationen der Welt zum Zweck der Erlangung einer unbehinderten und
unbeeintrchtigten Mglichkeit der unabhngigen Bestimmung der eigenen
politischen Geschicke und der nationalen Politik sichert und Ruland eine
herzliche Aufnahme in die Gesellschaft der freien Nationen gewhrleistet,
desgleichen jede Hilfe, die Ruland ntig haben und wnschen sollte.

7. Belgien mu gerumt und wiederhergestellt werden, und zwar ohne jeden
Versuch der Beschrnkung seiner Souvernitt, deren es sich in gleicher
Weise wie alle anderen freien Nationen erfreuen soll.

8. Alles franzsische Gebiet mte befreit werden, und das besetzte
Gebiet und das im Jahre 1871 Frankreich in Sachen Elsa-Lothringens von
Preuen zugefgte Unrecht, das nahezu fnfzig Jahre lang den Weltfrieden
in Frage gestellt hat, mte in Ordnung gebracht werden, damit im
Interesse aller noch einmal Friede gemacht werden kann[3].

  [3] Der englische Text lautet reichlich unklar:

      All french territory should be freed, and the invaded portions and
      the wrong done to France by Germany in 1871 in the matter of
      Alsace-Lorraine -- which has unsettled the peace of the world
      nearly fifty years -- should be righted in order that peace may
      once more be made in the interest of all.

9. Eine Berichtigung der italienischen Grenzen sollte bewirkt werden nach
den klar erkennbaren Linien der Nationalitt.

10. Den Vlkern sterreich-Ungarns, dessen Platz wir unter den Nationen
gewahrt und gesichert zu sehen wnschen, mte die erste Gelegenheit
einer autonomen Entwicklung gegeben werden.

11. Rumnien, Serbien und Montenegro mten gerumt, die besetzten
Gebiete wiederhergestellt werden, Serbien mte einen freien und sicheren
Zugang zum Meere erhalten, und die gegenseitigen Beziehungen der
Balkanstaaten mten durch freundschaftliche Beratung gem den
geschichtlich gewordenen Grundlinien von Zusammengehrigkeit und
Nationalitt bestimmt werden; auerdem mten internationale Garantien
fr die politische und wirtschaftliche Unabhngigkeit und die
territoriale Integritt der einzelnen Balkanstaaten geschaffen werden.

12. Den trkischen Teilen des gegenwrtigen Ottomanischen Reiches mte
eine sichere Souvernitt gewhrleistet werden. Aber die anderen
Nationalitten, die jetzt unter trkischer Herrschaft stehen, mten eine
unzweifelhafte Sicherheit des Lebens und eine vollkommen
unbeeintrchtigte Mglichkeit der autonomen Entwicklung erhalten; die
Dardanellen mten unter internationalen Garantien dauernd als freie
Durchfahrt fr die Schiffe und den Handel aller Nationen geffnet werden.

13. Ein unabhngiger polnischer Staat mte errichtet werden, der die von
einer unbestreitbar polnischen Bevlkerung bewohnten Gebiete
einschlieen, einen freien und gesicherten Zugang zum Meer erhalten und
dessen politische und wirtschaftliche Unabhngigkeit und territoriale
Integritt durch internationalen Vertrag garantiert werden sollte[4].

  [4] Englischer Text: An independent Polish State should be erected
      which should include territories inhabited by indisputably Polish
      population, which should be assured a free and secure access to
      sea, and whose political and economic independance and territorial
      integrity should be garanteed by international covenant.

14. Es mu eine allgemeine Vereinigung der Nationen unter bestimmten
Vertragsbedingungen gebildet werden zum Zweck gegenseitiger Garantie
politischer und territorialer Unabhngigkeit auch fr kleine Staaten.

Wilson erklrte, da die Vereinigten Staaten mit ihren Verbndeten bis
zur Erfllung dieser Forderungen kmpfen wrden, lediglich aus dem
Wunsche, das Recht zum Siege zu fhren und einen gerechten und
dauerhaften Frieden herbeizufhren. Er betonte erneut, da den
Vereinigten Staaten jede Eifersucht auf Deutschlands Gre fernliege und
da diese durch nichts in seinem Programm beeintrchtigt werde. Wir
neiden Deutschland keine Errungenschaft oder Auszeichnung in der
Wissenschaft oder in friedlichen Unternehmungen. Wir wollen Deutschland
nicht schdigen oder irgendwie seinen rechtmigen Einflu oder seine
Macht beschrnken. Wir wnschen nicht, Deutschland zu bekmpfen, sei es
mit den Waffen, sei es mit wirtschaftlichen Kriegsmanahmen, wenn es
bereit ist, sich mit uns und anderen friedliebenden Nationen der Welt in
Vertrgen ber Recht, Gerechtigkeit und anstndigen Handel (fair trading)
zu einigen. Wir wnschen nur, da Deutschland einen Platz der
Gleichberechtigung unter den Vlkern der Welt einnimmt -- der neuen Welt,
in der wir leben -- statt eines Herrscherplatzes. Ebensowenig vermessen
wir uns, Deutschland irgendeine nderung seiner Staatseinrichtungen
vorzuschlagen; aber es ist notwendig -- wir mssen das offen aussprechen
-- und notwendig als Voraussetzung fr jedes vertrauensvolle Verhandeln
von unserer Seite, da wir wissen, fr wen seine Wortfhrer sprechen,
wenn sie mit uns reden, ob fr die Reichstagsmehrheit oder fr die
Militrpartei und die Leute, deren Credo imperialistische Herrschaft
ist.

Ebenso wie die Rede Lloyd Georges vom 5. Januar unterschied sich diese
Botschaft Wilsons im Ton vorteilhaft von frheren Kundgebungen. Dem
Inhalt nach mute jedoch das Wilsonsche Programm bei dem damaligen Stande
des Krieges in wichtigen Punkten unannehmbar, ja undiskutierbar
erscheinen. Deutschland, das jetzt gerade mit seinem unter gewaltigen
Anstrengungen und Opfern zu Boden geworfenen russischen Nachbarn
verhandelte, sollte seine Ostmarken, die durch mehr als ein Jahrhundert
deutscher Kulturarbeit zur Blte gebracht und mit dem Reiche
zusammengewachsen waren, an den durch die deutschen Siege erst wieder
mglich gewordenen und durch die Proklamation der beiden verbndeten
Kaiser erst wieder ins Leben gerufenen polnischen Staat herausgeben?
Deutschland, das einen groen Teil von Nordfrankreich besetzt hielt, das
jetzt nach dem Ostfrieden ein Heer von nie gesehener Strke auf dem
westlichen Kriegsschauplatz vereinigte, sollte Elsa-Lothringen, ein Land
mit 87% deutschsprechender Bevlkerung, an Frankreich ausliefern? Ein
unbesiegtes Deutschland sollte seine Bundesgenossen treulos im Stich
lassen, sich mit der Zertrmmerung der Trkei und der Einmischung der
Westmchte in die inneren Verhltnisse der Donaumonarchie einverstanden
erklren? Das alles angesichts der Tatsache, da der Grundsatz des
Selbstbestimmungsrechts der Nationalitten in dem Wilson-Programm
lediglich zum Nachteil Deutschlands und seiner Verbndeten angewendet
wurde, nicht aber auf das britische Weltreich, fr das seine Anwendung
ebenso verhngnisvoll wirken mute wie fr sterreich-Ungarn und die
Trkei, und angesichts Irlands jedenfalls verhngnisvoller als fr das im
groen ganzen national geschlossene Deutschland.

Die Erkenntnis der gewaltigen Kluft, die auch bei gutem Willen zwischen
den beiden Mchtegruppen lag, fehlte auch auf der anderen Seite nicht.
Balfour sprach am 11. Januar in Edinburgh aus, die Kriegsziele der beiden
Parteien seien offenbar nicht miteinander zu vershnen. Deutschland fhre
seine Jugend zur Schlachtbank, nur um zu verhindern, da das Unrecht von
1871 rckgngig gemacht, da Belgien wieder in seinen frheren Zustand
gebracht, da das Werk der Einheit Italiens vollendet, da die Missetat
der Teilung Polens wieder gutgemacht werde; Deutschland wolle, da
Mesopotamien, Arabien und Jerusalem wieder unter die Gewalt der Trken
kmen; die Wunden Serbiens, Montenegros und Rumniens sollten nicht
geheilt, und Griechenland solle denen ausgeliefert werden, die es
verraten htten. -- Das war durch die britische Brille gesehen und fr
den Gebrauch der ffentlichen Meinung der Ententestaaten gefrbt. Aber
wenn man von den tendenzisen Behauptungen ber Belgien und die
Balkanstaaten absieht -- Fragen, ber die wir zu verhandeln bereit waren
und an denen von uns aus, wie Balfour wissen konnte, niemals der Friede
gescheitert wre --, was blieb dann als die Feststellung, da
Deutschland und seine Verbndeten einen Verteidigungskrieg fr ihren
Bestand fhrten, da aber die Alliierten Elsa-Lothringen und die Ostmark
vom Deutschen Reich, die Gebiete der Irredenta und Galizien von
sterreich, Mesopotamien, Arabien und Syrien von der Trkei losreien
wollten? Und dabei gestand Balfour nur einen Teil der wirklichen
Kriegsziele der Alliierten ein. Von Englands Absicht der Zerstrung aller
weltwirtschaftlichen Beziehungen und Sttzpunkte Deutschlands -- einer
Absicht, die es seit dem ersten Tag des Krieges berall, wohin sein Arm
reichte, hatte zur Tat werden lassen, -- war mit keinem Wort die Rede. In
diesem Konflikt zwischen den Verteidigungszielen des Vierbundes und den
Eroberungs- und Vernichtungszielen der Alliierten lag immer und immer
wieder das Friedenshindernis!

War dieser Konflikt unlsbar? Durfte auf den Versuch verzichtet werden,
den Frieden vor neuen furchtbaren Kmpfen durch eine Fortsetzung der
Friedensgesprche anzubahnen?

Die neuesten Kundgebungen Lloyd Georges, Balfours und Wilsons schienen
wenigstens in ihrem Ton nicht alle Aussichten zu verschlieen. Auerdem
sprachen gewisse Anzeichen fr eine weitere Zunahme der Schwierigkeiten
der Alliierten, Schwierigkeiten, von denen man eine Frderung der
friedensfreundlichen Tendenzen vielleicht erwarten konnte.

Vor allem steigerten sich infolge des U-Bootkriegs auch fr die Entente
erneut die Ernhrungssorgen, die nach der Einbringung der neuen Ernte
zunchst behoben schienen. Die amerikanische Regierung sah sich gentigt,
unerwartet starken Anforderungen ihrer Verbndeten zu entsprechen. Reuter
meldete am 12. Januar 1918 aus Washington, da die Hchstmenge der
normalen Weizenausfuhr der Union schon gegen Ende Dezember verladen
gewesen sei, da aber gleichwohl die Unionsregierung angesichts des bei
den Alliierten herrschenden Mangels Vorbereitungen fr die Lieferung von
weiteren 90 Millionen Bushels (gleich 2-1/2 Millionen Tonnen) treffe. Zu
diesem Zweck seien weitere Einschrnkungen des amerikanischen Verbrauches
geplant. Reuter fgte hinzu: Die Entscheidung, ob das Abkommen mit den
Alliierten ber den Transport amerikanischer Truppen nach Europa dadurch
berhrt wird, bleibt den Alliierten berlassen. Einzelne amerikanische
Beamte sind der Ansicht, da die Alliierten vorerst der Lieferung von
Getreide den Vorzug geben werden.

Daneben machte der Heeresersatz der britischen Regierung fortgesetzt
groe Schwierigkeiten. Sir Auckland Geddes teilte am 15. Januar dem
Unterhause mit, da die Mittelmchte durch das Ausscheiden Rulands einen
Krftezuwachs von mindestens 1-1/2 Millionen Mann erhalten htten, von
denen sie die Mehrzahl an die Westfront werfen knnten; demgegenber
msse England sofort 400-500000 Mann aus denjenigen Gruppen ausheben,
die jetzt noch im brgerlichen Leben stnden. Lloyd George sah sich
gentigt, an die Gewerkschaften, deren Zustimmung und Mitwirkung fr das
Aufbringen des Heeresersatzes unerllich war, am 19. Januar einen neuen
dringenden Appell zu richten. Wir stehen vor der Alternative, sagte er,
entweder den Kampf mit allen Krften fortzusetzen, oder es zu machen wie
das russische Heer und nach Hause zu gehen... Wenn wir nicht bereit sind,
mit aller Macht Widerstand zu leisten, werden die Deutschen die
Herrschaft ber die Welt antreten, und die Demokratie Englands,
Frankreichs, ja ganz Europas wre der grausamsten Militrautokratie
ausgeliefert. Resolutionen machen auf Hindenburg keinen Eindruck; das
tuen nur Kanonen. Der Kampf gegen die preuische Militrkaste, so fuhr
Lloyd George fort, sei derselbe, den er mit den Arbeitern in England
gegen die Aristokratie und die Privilegierten gefhrt habe, und er hoffe,
da sie auch in Zukunft zusammen gegen alle Privilegien kmpfen wrden.
Er schlo mit den Worten: Wenn jemand irgendeine gerechte und ehrenhafte
Lsung zu finden wei, um aus diesem Krieg ohne weiteren Kampf
herauszukommen, so mag er dies um Gottes willen sagen. Meine berzeugung
ist, da wir nur die eine Wahl haben: Weiterkmpfen oder unterliegen.

Noch niemals hatte man bisher im Laufe des Krieges solche Worte von dem
den Mund leicht etwas voll nehmenden Walliser gehrt.

Bemerkenswert wie diese Rede war auch die sich daran anschlieende
Debatte. So erklrte Lloyd George auf eine Anfrage, die
elsa-lothringische Frage msse Frankreich entscheiden, aber England
msse auf der Seite Frankreichs stehen. Das war eine etwas mattherzige
Untersttzung des franzsischen Kriegsziels. Auf eine weitere Anfrage
erklrte er, sobald die Deutschen die geringste Geneigtheit zeigten, ber
einen Frieden auf billiger Grundlage zu verhandeln, werde auf englischer
Seite nicht der geringste Widerspruch gegen die Anbahnung von
Friedensverhandlungen vorhanden sein. Das klang wesentlich weicher als
die harten Worte des Hohnes, mit denen die britische Regierung den
deutschen Friedensvorschlag zurckgewiesen hatte.

Dazu kamen Anzeichen von Meinungsverschiedenheiten zwischen den
Alliierten. Whrend die Kundgebungen Wilsons und Lloyd Georges genau
aufeinander abgestimmt waren, kamen aus Frankreich andersklingende Tne.
Am 12. Januar hatte Herr Pichon in der franzsischen Kammer eine
Interpellation ber die Kriegsziele der Alliierten und ber die
Verweigerung der Psse an die franzsischen Sozialisten, die in
Petersburg mit der Sowjetregierung Fhlung nehmen wollten, zu
beantworten. Whrend Herr Wilson Worte hoher Sympathie fr Sowjetruland
und die von Trotzki proklamierten Friedensgrundstze gesprochen hatte,
erklrte Herr Pichon, die bolschewistische Regierung werde von den
Alliierten nicht anerkannt; sie habe die Vertrge mit ihren Verbndeten
fr nichtig erklrt und Friedensbedingungen aufgestellt, denen
zuzustimmen sowohl Pflicht wie Interesse verbten. Weiter teilte er mit,
er habe nach seiner -- obenerwhnten -- Rede vom 27. Dezember bei den
Alliierten angefragt, ob es nicht angezeigt sei, eine zu vereinbarende
gemeinschaftliche Erklrung ber die Kriegsziele abzugeben. Die Antwort
habe verneinend gelautet. Die Forderung auf Verffentlichung der
Antworten knne er nicht erfllen. --

Die feindlichen Staatsmnner hatten gesprochen. Jetzt hatten die Leiter
unserer politischen Geschicke das Wort.

An einem und demselben Tag, am 24. Januar, sprachen Graf Czernin in Wien
vor dem sterreichischen Delegationsausschu, Graf Hertling in Berlin vor
dem Hauptausschu des Reichstags.

Graf Czernin sprach die berzeugung aus, da nicht nur die Brester
Verhandlungen zu einem guten Ende kommen wrden, sondern da auch der
allgemeine Friede im Reifen sei. In dieser berzeugung sei er bestrkt
worden durch Wilsons Friedensangebot, in dem er eine bedeutende
Annherung an den sterreichisch-ungarischen Standpunkt erblicke.
Allerdings werde die Donaumonarchie ihre Bndnispflichten getreu erfllen
und den vorkriegerischen Besitzstand ihrer Bundesgenossen verteidigen wie
den eigenen; ferner lehne er Ratschlge, wie sterreich im Innern zu
regieren sei, hflich, aber entschieden, ab. Er uerte sich dann
groenteils zustimmend zu den einzelnen Punkten des Wilsonschen
Programms. Hinsichtlich der auf Italien und die Balkanstaaten bezglichen
Punkte bemerkte er, da er sich weigere, als Assekuranz fr feindliche
Kriegsabenteuer zu figurieren und einseitig Konzessionen zu machen, die
nur den Feinden ermglichten, den Krieg ins Endlose fortzuschleppen.
Italien habe vor seinem Eintritt in den Krieg Gelegenheit gehabt, ohne
Schwertstreich einen groen territorialen Erwerb zu machen; es habe
abgelehnt und Hunderttausende an Toten und Milliarden an Werten verloren,
nur um das, was es umsonst haben konnte, auf immer zu verlieren. In bezug
auf das polnische Problem nhere er sich den Auffassungen Wilsons, ebenso
in anderen Punkten, so da die Erwgung nahe liege, ob nicht ein
Gedankenaustausch zwischen sterreich-Ungarn und den Vereinigten Staaten
den Ausgangspunkt fr eine allgemeine vershnliche Aussprache bilden
knne.

Graf Hertling erkannte in seiner Rede an, da sowohl Lloyd George als
auch Wilson den Ton ihrer Ausfhrungen gendert htten. Aber dem
Optimismus, wie er sich daraufhin namentlich in manchen Stimmen des
neutralen Auslandes zeige, knne er nicht ganz folgen. Nach allgemeinen
Ausfhrungen ber die Friedfertigkeit der deutschen Politik besprach er
der Reihe nach die 14 Punkte des Wilson-Programms.

Mit den Punkten 1, 2, 3 und 4 -- Ausschlu der Geheimdiplomatie, Freiheit
der Meere, Wirtschaftsfreiheit, Rstungsbeschrnkung -- erklrte er sich
grundstzlich einverstanden.

Zu Punkt 5, betreffend die kolonialen Fragen, bemerkte er, da die
praktische Durchfhrung des von Wilson aufgestellten Grundsatzes in der
Welt der Wirklichkeit einigen Schwierigkeiten begegnen werde; zunchst
knne es jedenfalls dem groen Kolonialreiche England berlassen bleiben,
wie es sich mit dem Vorschlage seines Verbndeten abfinden wolle. Bei der
unbedingt auch von Deutschland geforderten Neugestaltung des
Weltkolonialbesitzes werde von diesem Programmpunkt seinerzeit die Rede
sein.

Zu Punkt 6, der Rumung der besetzten russischen Gebiete, stellte er
fest, da die Ententestaaten es abgelehnt htten, sich den Verhandlungen
zwischen den Vierbundmchten und Ruland anzuschlieen, und da er
deshalb eine nachtrgliche Einmischung ablehnen msse; er halte an der
Hoffnung fest, da es unter Anerkennung des Selbstbestimmungsrechts der
westlichen Randvlker des ehemaligen russischen Kaiserreiches gelingen
werde, zu einem guten Verhltnis sowohl mit den neuen Randstaaten als
auch mit dem brigen Ruland zu gelangen.

Zu Punkt 7, der belgischen Frage, sei von seinen Amtsvorgngern
wiederholt erklrt worden, da zu keiner Zeit whrend des Krieges die
gewaltsame Angliederung Belgiens an Deutschland einen Programmpunkt der
deutschen Politik gebildet habe. Die belgische Frage gehre zu dem
Komplex der Fragen, deren Einzelheiten durch die Friedensverhandlungen
zu ordnen sein wrden. Solange unsere Gegner sich nicht rckhaltlos auf
den Boden stellten, da die Integritt des Gebietes der Verbndeten die
einzig mgliche Grundlage von Friedensverhandlungen bilden knne, msse
er an dem bisher stets eingenommenen Standpunkt festhalten und eine
Vorwegnahme der belgischen Angelegenheit aus der Gesamtdiskussion
ablehnen.

Punkt 8. Die besetzten Teile Frankreichs seien ein wertvolles Tauschpfand
in unserer Hand. Auch hier bilde die gewaltsame Angliederung keinen Teil
der deutschen Politik. Die Bedingungen und Modalitten der Rumung, die
den vitalen Interessen Deutschlands Rechnung tragen mten, seien
zwischen Deutschland und Frankreich zu vereinbaren. Er knne nur nochmals
ausdrcklich betonen, da von einer Abtretung von Reichsgebiet nie und
nimmer die Rede sein knne.

Die Punkte 9, 10 und 11 -- italienische Grenzen, Nationalittsfragen der
Donaumonarchie, Balkanstaaten -- berhrten Fragen, bei denen zum grten
Teil die politischen Interessen sterreich-Ungarns berwgen; er mchte
deshalb die Beantwortung dieser Punkte in erster Linie dem auswrtigen
Minister sterreich-Ungarns berlassen. Ebensowenig wolle er hinsichtlich
der in Punkt 12 behandelten trkischen Angelegenheiten der Stellungnahme
der trkischen Staatsmnner vorgreifen. Unsere Verbndeten knnten bei
der Wahrnehmung ihrer berechtigten Ansprche auf unsern nachdrcklichsten
Beistand rechnen.

Zu Punkt 13, Polen, fhrte der Reichskanzler aus, nicht die Entente,
sondern das Deutsche Reich und sterreich-Ungarn htten Polen von dem
seine nationale Eigenart unterdrckenden zaristischen Regiment befreit;
so mge man denn auch Deutschland, sterreich-Ungarn und Polen es
berlassen, sich ber die zuknftige Gestaltung dieses Landes zu einigen.

Zu Punkt 14, Vlkerbund, erklrte er, da er jedem Gedanken sympathisch
gegenberstehe, der fr die Zukunft die Mglichkeit und
Wahrscheinlichkeit von Kriegen ausschalte. Wenn der vom Prsidenten
Wilson stammende Gedanke des Vlkerbundes bei nherer Ausfhrung
und Prfung ergebe, da er wirklich im Geiste vollkommener
Vorurteilslosigkeit gefat sei, so sei die Kaiserliche Regierung gern
bereit, wenn alle anderen schwebenden Fragen geregelt sein wrden, einer
Prfung der Grundlagen eines solchen Vlkerbundes nherzutreten.

Im Anschlu an diese Stellungnahme zu den Einzelpunkten des
Wilson-Programms erkannte Graf Hertling an, da Wilsons und Lloyd Georges
Ausfhrungen Grundstze fr einen allgemeinen Weltfrieden enthielten,
denen wir zustimmen und die Ausgangs- und Zielpunkte fr Verhandlungen
bilden knnten; aber in den konkreten Punkten sei der Friedenswille
weniger bemerkbar. Unsere Gegner erklrten zwar, sie wollten Deutschland
nicht vernichten, aber sie schielten begehrlich nach Teilen des Reichs
und unserer Verbndeten; sie sprchen mit Achtung von Deutschlands
Stellung, aber dazwischen dringe immer wieder die Auffassung durch, als
seien wir die Schuldigen, die Bue tun und Besserung geloben mten. So
spricht der Sieger zum Besiegten; so spricht derjenige, der alle unsere
frheren uerungen von Friedensbereitschaft als bloe Zeichen der
Schwche deutet. Von dieser Tuschung mten sich die Fhrer der Entente
frei machen. Unsere militrische Lage war niemals so gnstig, wie sie
jetzt ist. Unsere genialen Heerfhrer sehen mit unverminderter Zuversicht
in die Zukunft. Durch die ganze Armee, durch Offiziere und Mannschaften
geht ungebrochene Kampfesfreude. Wenn die Fhrer der feindlichen Mchte
wirklich zum Frieden geneigt seien, so mchten sie ihr Programm nochmals
revidieren. Wenn sie mit neuen Vorschlgen kommen, dann werden wir sie
auch ernstlich prfen; denn unser Ziel ist kein anderes als die
Wiederherstellung eines dauernden allgemeinen Friedens. Aber dieser
dauernde allgemeine Friede ist so lange nicht mglich, als die Integritt
des Deutschen Reiches, als die Sicherung unserer Lebensinteressen und die
Wrde unseres Vaterlandes nicht gewahrt bleibt.

Die Ausfhrungen der beiden leitenden Staatsmnner des Zweibundes
stellten also den Programmpunkten Wilsons nur dort ein glattes Nein
entgegen, wo diese mit der Erhaltung der territorialen Integritt und der
Souvernitt unvertrglich waren. In allen anderen Punkten stimmten sie
ausdrcklich zu oder wiesen sie wenigstens eine Errterung nicht von
vornherein ab. Das gilt namentlich auch von Hertlings Erklrung zur
belgischen Frage. Der Reichskanzler stellte fest, da die gewaltsame
Angliederung Belgiens an Deutschland niemals Ziel der deutschen Politik
gewesen sei. Die positive Ordnung der belgischen Frage wollte er aber
nicht aus dem Gesamtkomplex der Friedensfragen herausnehmen lassen,
solange die Gegner die Integritt des Gebietes der Vierbundmchte nicht
ihrerseits als Grundlage fr die Friedensverhandlungen anerkannten.

Damit war wieder einmal fr jeden, der hren wollte, hinreichend
klargestellt, da einer ernsthaften und konkreten Friedensdiskussion als
einziges Hindernis die Eroberungs- und Zerstckelungswnsche unserer
Feinde entgegenstanden. Es handelte sich darum, ob unsere Feinde sich
wrden entschlieen knnen, auf diese gegen den Bestand und die
Unabhngigkeit der Vierbundmchte gerichteten Wnsche zu verzichten, oder
ob Deutschland und seine Verbndeten, die gerade jetzt die russische
Flanke frei bekamen, nach dreieinhalb Jahren heldenhafter Gegenwehr in
dem Augenblick der strksten Erleichterung, die ihnen der Krieg bisher
gebracht hatte, die Waffen niederlegen, alle errungenen Vorteile aufgeben
und freiwillig Gebiete ausliefern wrden, die unsere Feinde uns mit der
Gewalt der Waffen nicht hatten entreien knnen.

Letzteres war eine offensichtliche Unmglichkeit.

Aber auch unsere Feinde konnten sich nicht entschlieen, ihre Kriegsziele
einzuschrnken. Vom 30. Januar bis 2. Februar 1918 tagte in Versailles
der Oberste Kriegsrat der Entente. ber das Ergebnis seiner Beratungen
wurde eine amtliche Note verffentlicht, in der es hie:

Der Oberste Kriegsrat habe die jngsten Erklrungen des deutschen
Reichskanzlers und des sterreichisch-ungarischen Ministers des uern
sorgfltig geprft; er habe in diesen Erklrungen keinerlei Annherung an
die von smtlichen Regierungen der Alliierten formulierten mavollen
Bedingungen zu erkennen vermocht. Der Eindruck, den der Kontrast zwischen
den angeblich idealen Zielen, zu deren Verwirklichung die Mittelmchte
die Verhandlungen von Brest-Litowsk erffnet haben, und ihrem nun offen
zutage liegenden Streben nach Raub und Eroberung hervorrufe -- wie soll
man heute nach diesen Worten die Versailler Friedensbedingungen der
Alliierten kennzeichnen? --, sei nur geeignet, diese berzeugung zu
befestigen. Unter diesen Umstnden erachte es der Oberste Kriegsrat als
seine unmittelbare Pflicht, die Fortdauer des Krieges mit uerster
Energie und durch die straffste und wirksamste Vereinheitlichung der
militrischen Aktion der Alliierten sicherzustellen.

Diese Kundgebung bedeutet die denkbar schroffste Abweisung jedes
Friedensgedankens, schrieb damals die demokratische Frankfurter
Zeitung, und sie hatte recht. Die Intransigenten hatten in Versailles
triumphiert.

Der Prsident Wilson antwortete auf die Reden des Grafen Czernin und des
Grafen Hertling am 11. Februar in einer neuen Ansprache an den Kongre.
Da auch diese Ansprache als eine der von uns und den Feinden angenommenen
Grundlagen des abzuschlieenden Friedens von Bedeutung ist, sei das
Wesentliche ihres Inhalts wiedergegeben.

Er machte zunchst eine Unterscheidung zwischen den beiden gegnerischen
Staatsmnnern. Graf Czernin bekam eine gute Zensur: Er habe in
freundlichem Ton gesprochen, scheine die Grundlagen des Friedens mit
klarem Blick zu erkennen und fhle offenbar, da sterreich auf die von
den Vereinigten Staaten aufgestellten Kriegsziele leichter als
Deutschland eingehen knne; er wrde wahrscheinlich noch weitergegangen
sein, wenn er nicht auf sterreichs Bndnis und seine Abhngigkeit von
Deutschland Rcksicht htte nehmen mssen. Graf Hertling bekam eine
schlechte Zensur: Seine Antwort sei sehr unbestimmt und sehr verwirrend;
sie sei voll von zweideutigen Stzen; es sei unklar, worauf sie
hinauswolle; aber sicher sei, da sie in einem ganz anderen Ton als
diejenige des Grafen Czernin gehalten sei, und offensichtlich verfolge
sie auch einen entgegengesetzten Zweck. Die Rede besttige den
unglcklichen Eindruck der Brester Verhandlungen. Hertlings Errterung
und Annahme von Wilsons allgemeinen Grundstzen fhre ihn nirgends zu
einer greifbaren Folgerung; er weigere sich, sie auf die wesentlichen
Punkte anzuwenden, die den Inhalt einer jeden endgltigen Regelung bilden
mten. Er sei mitrauisch gegenber einer internationalen Aktion und
einer internationalen Beratung. Die von dem Kanzler vorgeschlagenen
Methoden seien diejenigen des Wiener Kongresses. Dahin gebe es keine
Rckkehr. Der Kampf gehe um eine neue internationale Ordnung, aufgebaut
auf den weiten und allumfassenden Grundstzen von Recht und
Gerechtigkeit, nicht um einen bloen Flickfrieden. Der Weltfrieden hnge
von der gerechten Schlichtung eines jeden der verschiedenen von ihm
formulierten Probleme ab. Diese Probleme knnten nicht getrennt fr sich
und in verschiedenen Ecken behandelt werden; was den Frieden berhre, das
berhre die Menschheit. Auf die Reichstagsresolution vom 19. Juli 1917
hinweisend, erklrte er: Es soll keine Annexionen geben, keine
Kriegsentschdigungen, keinen strafweisen Schadenersatz. Kein Volk soll
durch eine internationale Konferenz oder durch Abmachungen zwischen
Rivalen und Gegnern von einer Staatshoheit an eine andere ausgeliefert
werden. Nationale Ansprche mssen beachtet werden, die Vlker drfen nur
noch mit ihrer eigenen Zustimmung beherrscht und regiert werden. Das
Selbstbestimmungsrecht ist nicht eine bloe Redensart. Es ist ein
gebieterischer Grundsatz des Handelns, den die Staatsmnner knftig nur
noch auf eigene Gefahr miachten werden.

Auf die auffallende Anregung des Grafen Czernin, ob nicht ein
Meinungsaustausch zwischen sterreich-Ungarn und der Union den Weg zu
allgemeinen Friedensverhandlungen bereiten knne, antwortete Prsident
Wilson: Die Prfung, ob es fr die beiden Regierungen mglich sein werde,
in dem Austausch der Meinungen irgendwie weiter zu gehen, sei einfach und
klar. Die anzuwendenden Grundstze seien folgende:

1. Jeder Teil der endgltigen Regelung msse beruhen auf der wesentlichen
Gerechtigkeit des besonderen Falles und auf einem solchen Ausgleich, von
dem es am wahrscheinlichsten sei, da er einen dauerhaften Frieden
bringen werde.

2. Vlker und Provinzen drften nicht von einer Staatshoheit in die
andere herumgeschoben werden, als wenn es sich um Figuren oder Steine in
einem Spiel handle, auch wenn dieses Spiel das groe, aber jetzt fr
immer diskreditierte Spiel des Gleichgewichts der Krfte sei; vielmehr
mte.

3. jede Gebietsfrage, die durch diesen Krieg aufgeworfen worden sei, im
Interesse und zum Vorteil der betreffenden Bevlkerung gelst werden und
nicht als ein Teil eines bloen Ausgleichs oder Kompromisses zwischen
rivalisierenden Staaten.

4. Allen klar umschriebenen nationalen Ansprchen msse die
weitestgehende Befriedigung gewhrt werden, die ihnen gegeben werden
knne, ohne Elemente der Zwietracht und Feindschaft zu verewigen oder neu
einzufhren, die geeignet wren, den Frieden Europas und damit den
Frieden der Welt bald wieder zu stren.

Diese als fundamental zu betrachtenden Grundstze seien, soweit er sehe,
bereits berall als zwingend anerkannt auer von den Wortfhrern der
deutschen Annexionisten und Militaristen. Der tragische Zustand sei, da
diese eine Partei in Deutschland gewillt und imstande sei, Millionen von
Mnnern in den Tod zu senden, um zu verhindern, was alle Welt jetzt als
gerecht anerkenne. Die Union sei in den Krieg nicht wegen eines geringen
Anlasses eingetreten und knne auf dem eingeschlagenen Wege nicht
umkehren. Die ganze Kraft der Vereinigten Staaten wrde eingesetzt werden
in diesem Krieg der Befreiung von der Drohung der Herrschaftsgelste
selbstschtiger Gruppen und autokratischer Herrscher.

Auch diese Kundgebung war ein merkwrdiges Gemisch von Doktrinarismus und
Parteilichkeit, von Unkenntnis europischer Verhltnisse und
Verschlagenheit. Sie stellte allgemeine Grundstze auf und verlangte
deren Anwendung nur zu Lasten der Vierbundmchte. Sie ignorierte die
historisch gewordenen Verhltnisse und die Gemengelage der Nationalitten
im deutschen Osten, in sterreich-Ungarn, auf dem Balkan und in der
Trkei, die eine praktische Anwendung der Grundstze unmglich machten.
Sie suchte die in hchstem Mae selbstschtigen Ziele der Ententemchte
mit dem Mantel eines groen menschenfreundlichen Prinzips zu verhllen.
Sie bewies alles in allem den Mangel an gutem Willen und an Fhigkeit,
den Auffassungen und Lebensnotwendigkeiten der Mittelmchte Verstndnis
zu zeigen und ihnen gerecht zu werden. Erneut zeigte sich, da der
arbiter mundi trotz seiner hohen Worte dem hohen Beruf nicht gewachsen
war, zu dem ihn das Schicksal gefhrt hatte.

Was wollte es angesichts der Sachlage bedeuten, wenn vereinzelte Stimmen
bei unseren Gegnern sich fr einen Frieden im Wege der Verstndigung
erhoben, wenn nach Lansdowne z. B. der frhere britische Minister
Runciman sich fr einen unmittelbaren Gedankenaustausch zwischen
Vertretern der kriegfhrenden Parteien als den einzigen Weg aussprach,
der den Weg zum Frieden erschlieen knne!

An der Sachlage wurde auch nichts dadurch gendert, da Graf Hertling am
25. Februar im Reichstag den vier von dem Prsidenten Wilson in seiner
Kongreansprache vom 11. Februar formulierten Stzen ausdrcklich und
grundstzlich beistimmte und unter Bewegung des Hauses erklrte, da ein
allgemeiner Friede auf solchen Grundlagen errtert werden knne. Er
machte allerdings einen Vorbehalt, da diese Grundstze nicht nur von dem
Prsidenten der Union vorgeschlagen, sondern von allen Staaten und
Vlkern tatschlich anerkannt werden mten.

Die Aussichtslosigkeit der Sache des Friedens wurde drei Tage nach dieser
Erklrung durch eine Errterung im britischen Unterhaus besttigt. Auf
eine Anfrage aus dem Hause, die von der grundstzlichen Zustimmung des
Grafen Czernin zu den vierzehn Punkten des Wilson-Programms ausging,
erklrte Balfour, die Rede des Grafen Czernin sei offenbar miverstanden
worden; man knne sich kein Polen denken ohne die ihm von Deutschland
entrissenen Provinzen, aber deren Rckgabe werde sicherlich nicht in den
Absichten des Grafen Czernin liegen. -- Mit dieser Wendung erkannte
Balfour an, da fr gewisse Punkte des Wilson-Programms eine Annahme
seitens der Mittelmchte berhaupt nicht erwartet werden konnte. --
Weiter fhrte Balfour aus, da auch die letzte Rede des Grafen Hertling
keine Grundlage fr Verhandlungen biete. Wenn man Verhandlungen beginnen
wolle, bevor man die Aussicht auf ihre erfolgreiche Durchfhrung habe, so
wre das das grte Verbrechen gegen den Weltfrieden.

Mit anderen Worten, die Entente-Staatsmnner waren sich klar darber, da
ihre Kriegsziele nicht durch Verhandeln mit einem unbesiegten Gegner,
sondern nur durch Diktieren nach errungenem Siege erreichbar seien; und
deshalb waren sie entschlossen, in dem Vertrauen auf die allmhlich
wirksam werdende amerikanische Hilfe weiterzukmpfen.

Kein anderes Ergebnis als die ffentlichen Friedensgesprche der
leitenden Staatsmnner hatten vertrauliche Sondierungen und
Unterhaltungen.

Durch sptere Mitteilungen des Grafen Czernin -- in einer Rede vom 2.
April 1918 -- ist bekannt geworden, da die im August 1917 ergebnislos
verlaufenen Besprechungen zwischen dem Major Grafen Armand und dem
Grafen Revertera[5] im Februar 1918 in der Schweiz wiederaufgenommen
worden sind; Graf Czernin hat behauptet, auf Initiative des Herrn
Clemenceau. Herr Clemenceau hat nicht die Tatsache dieser neuen
Verhandlungen und deren vom Grafen Czernin dargestellten Verlauf, aber
seine Initiative auf das heftigste bestritten und den Grafen Czernin
einen Lgner genannt. Im weiteren Verlauf dieses Streites hat dann Herr
Clemenceau den Brief des Kaisers Karl an den Prinzen Sixtus von Parma vom
31. Mrz 1917 verffentlicht und dadurch den kaiserlichen Herrn des
Grafen Czernin und diesen selbst in eine so schwierige Lage gebracht, da
Graf Czernin sich gentigt sah, am 14. April 1918 seinen Abschied zu
nehmen.

  [5] Siehe oben S. 145.

Aber die Frage der Initiative ist hier gleichgltig. Wesentlich ist
lediglich die nicht bestrittene Tatsache, da Graf Czernin im
Einvernehmen mit der deutschen Regierung die Anfrage des Grafen Armand,
die er als im Auftrage Clemenceaus gestellt ansah, in den letzten Tagen
des Februar 1918 zum Zweck der Mitteilung an Herrn Clemenceau dahin
beantworten lie, Graf Czernin sei zu einer Aussprache mit einem
Vertreter Frankreichs bereit und halte ein Gesprch mit Aussicht auf
Erfolg fr mglich, sobald Frankreich nur auf seine Eroberungsabsicht
betreffs Elsa-Lothringens verzichte. Dem Grafen Revertera wurde hierauf
namens des Herrn Clemenceau erwidert, dieser sei nicht in der Lage, die
vorgeschlagene Verzichtleistung Frankreichs auf die Desannexion
anzunehmen. Unter diesen Umstnden erschien auf beiden Seiten jede
weitere Verhandlung zwecklos.

So hatte sich abermals das Wort als ohnmchtig erwiesen, dem Kriege ein
Ziel zu setzen, sowohl das ffentliche Wort der leitenden Staatsmnner,
wie die vertrauliche Aussprache von Mittelspersonen. Nun lag die letzte
Entscheidung beim Schwert. Auf beiden Seiten wurden alle Krfte
angespannt zu dem grten und schwersten Vlkerringen, unter dessen Wucht
jemals die Erde erzitterte.

Deutschlands Heerfhrer vermochten, wenn auch eine nicht unbetrchtliche
Truppenmacht infolge der mangelhaft geklrten Verhltnisse im Osten
gebunden blieb, auf dem westlichen Kriegsschauplatz ein Heer zu
versammeln, wie es niemals in der Geschichte ein einziges Volk ins Feld
gestellt hat. Lloyd George hat spter -- am 10. April 1918 -- im
Unterhaus erklrt, noch im Sptherbst sei das Verhltnis der deutschen
Truppen zu denen der Alliierten auf dem westlichen Kriegsschauplatz wie
2:3 gewesen; diese zahlenmige berlegenheit der Alliierten sei infolge
der Heranziehung deutscher Truppen aus dem Osten nahezu ausgeglichen
worden.

Seit der Marneschlacht hatten wir in Frankreich einem weit berlegenen
Gegner in der Verteidigung standhalten mssen. Zum erstenmal stand jetzt
wieder die Partie auf dem westlichen Kriegsschauplatz zahlenmig
annhernd gleich auf gleich.

Auch in der Ausrstung mit Kriegsgert aller Art waren wir aus dem
Zustand unbedingter Unterlegenheit herausgekommen; einmal dadurch, da
das Hindenburg-Programm, nach den anfnglichen bertreibungen, der
Leistungsfhigkeit der deutschen Arbeit und der deutschen Hilfsquellen
besser angepat worden war; ferner ohne Zweifel auch dadurch, da der
U-Bootkrieg die Ausstattung der feindlichen Heere mit Kriegsgert
empfindlich beeintrchtigte. Die Nahrungssorgen konkurrierten scharf mit
dem Heeresbedarf an Munition. Die britischen Staatsmnner richteten
dringende Hilferufe an Amerika, zur Ersparung von Frachtraum Stahl statt
Erz und Granaten statt Stahl zu schicken.

Wie weit damals, unmittelbar vor unserer groen Offensive, die
Schiffsraumnot bei unseren Feinden gestiegen war, das zeigte sich in dem
Verhalten der Entente und der Vereinigten Staaten gegen die Niederlande.
In der ersten Mrzhlfte verlangte die Entente von den Niederlanden, da
sie ihren Schiffsraum den Zwecken der Alliierten dienstbar machen
sollten. Es wurde nicht nur die Auslieferung der smtlichen in den Hfen
Amerikas und der Ententelnder liegenden niederlndischen Schiffe
verlangt, sondern darber hinaus noch die Auslieferung von 300000
Bruttotonnen in Schiffen, die in den Niederlanden selbst aufgelegt worden
waren. Um dieser unerhrten Forderung Nachdruck zu geben, drohten die
Alliierten den Niederlanden mit der Requisition aller in ihren Hfen
liegenden und auf hoher See befindlichen hollndischen Schiffe sowie mit
einer Sperrung der Zufuhr von Lebensmitteln fr die niederlndische
Bevlkerung.

Die niederlndische Regierung zeigte sich zunchst entschlossen, sich
diesem Zwang nicht zu fgen. Die Knappheit von Brotgetreide und die
dadurch bedingte Abhngigkeit von auswrtigen Zufuhren erschwerten ihr
jedoch ihre Stellung im hchsten Mae. Sie wandte sich an die deutsche
Regierung mit der Anfrage, ob Deutschland in der Lage und bereit sei, mit
Getreide auszuhelfen. Die Zusage von 100000 Tonnen Getreide htte damals
gengt, um Holland das Durchhalten gegenber dem Druck der Alliierten zu
ermglichen. Zwar wren auch in diesem Fall die in den feindlichen Hfen
liegenden und die auf hoher See schwimmenden hollndischen Schiffe in der
Gewalt der Alliierten gewesen; aber die 300000 Bruttotonnen Schiffsraum,
die in den Niederlanden selbst lagen, wren unseren Feinden vorenthalten
worden. Die 100000 Tonnen Getreide, die Holland als Rckendeckung von uns
verlangte, htten fr unsere Bevlkerung, verteilt auf die nahezu fnf
Monate bis zur neuen Ernte, etwa 10 g auf den Kopf und Tag ausgemacht.
Gewi angesichts der ohnehin schmalen Kopfrate eine empfindliche
Einschrnkung. Aber auf der anderen Seite stand die Mglichkeit, unseren
Feinden in jener entscheidenden Zeit den Schiffsraum vorzuenthalten,
dessen Wichtigkeit, ja Unentbehrlichkeit sie gerade durch ihr brutales
Vorgehen gegen die Niederlande anerkannten. Ich habe mich damals an den
Reichskanzler gewendet und ihm auf das dringendste geraten, die von den
Niederlanden erbetene Zusage zu geben. Sie wurde jedoch nach Befragen des
Kriegsernhrungsamts abgelehnt, und nun blieb den Niederlanden nichts
anderes brig, als vor den Alliierten unter Protest zu kapitulieren. Am
18. Mrz nahm die hollndische Regierung das von den Alliierten gestellte
Ultimatum an und gab den von diesen verlangten Schiffsraum fr deren
Zwecke frei. Zwar machte sie dabei den Vorbehalt, da die Schiffe keine
Truppen oder Kriegsmaterial transportieren drften und nicht bewaffnet
werden sollten; aber die englische und amerikanische Regierung gingen
auch ber diesen Vorbehalt zur Tagesordnung ber.

So schlo der letzte Versuch, vor dem Anheben des groen Endkampfes
vielleicht doch noch zu einem Frieden des Ausgleiches und der
Verstndigung zu kommen, mit der brutalen Vergewaltigung eines Staates,
der in diesem Kriege keinen anderen Wunsch hatte, als seine Neutralitt
auf das peinlichste zu bewahren. Dieser Gewaltakt bekundete und
besttigte mit einer Deutlichkeit, die alle Reden bertnte, die
unbeugsame, vor keinem Opfer und keiner Gewalttat zurckschreckende
Entschlossenheit unserer Feinde, bis ans Ende zu gehen und alles an den
Sieg ihrer Sache zu setzen. Nur die Verderber der ffentlichen Meinung in
Deutschland wollten nicht sehen noch hren.


                           Die groe Offensive

Whrend die Staatsmnner beider Parteien ber Land und Meer hinweg von
Krieg und Frieden redeten, rollten im Westen auf beiden Seiten der groen
Grabenlinien Tag und Nacht die Eisenbahnzge zur Front mit
Hunderttausenden von Kriegern und mit ungezhltem Material. In gespannter
Erwartung, wie kaum je seit Kriegsbeginn, harrten die Armeen und harrten
die Vlker des Erdenrundes des gewaltigen Sturmes. Tiefes Geheimnis lag
ber den Plnen derer, die berufen waren, die grte Schlacht aller
Zeiten zu lenken. Zwar stand das deutsche Heer allein -- nur hier und
dort stand sterreichische Artillerie zwischen seinen Reihen -- fast der
gesamten Macht der Franzosen, Englnder, Belgier mit ihren Hilfsvlkern
und den sich allmhlich in grerer Zahl einfindenden Amerikanern
gegenber. Aber niemand bei Freund und Feind, der nicht gefhlt htte,
da dieses Mal der Deutsche auf dem weiten Kampfgelnde Frankreichs nach
dreieinhalb Jahren des Abwartens und der Verteidigung den ersten Schlag
fhren und das Gesetz des Handelns vorschreiben wrde.

In der Nacht zum 21. Mrz begannen zwischen Scarpe und Oise auf der 80
Kilometer langen Front gegenber den Englndern die deutschen Geschtze
zu donnern. Es war nicht die Einleitung zu einem tage- und wochenlangen
Trommelfeuer, wie es unsere Gegner ihren Angriffen vorauszuschicken
liebten; es war ein einziger ungeheuerer Feuerschlag, der acht Stunden
lang die Erde schttelte. Inzwischen war es Tag geworden. Aber in dichten
Schwaden lag der Nebel noch ber der bebenden Erde, als kurz vor zehn Uhr
von Arras bis La Fre die deutschen Sturmkolonnen aus ihren Grben
aufstanden und gegen die zerfetzten feindlichen Linien losbrachen. Die
ersten Stellungen wurden genommen und berrannt. Unsere Batterien folgten
der vorwrtsstrmenden Infanterie. Zher Kampf um die zweiten Stellungen.
Auch hier wurden die Englnder geworfen. Die folgenden Tage lieen den
Einbruch zum Durchbruch werden. Die in aller Eile herangeholten
englischen und franzsischen Reserven wurden geschlagen. Im Fluge wurde
das ein Jahr zuvor im Rckzug preisgegebene Schlachtgelnde an der Somme
zurckgewonnen. Pronne und Bapaume, Ham und Nesle, Roye und Noyon,
Albert und Montdidier wurden mit strmender Hand genommen. Bis 20
Kilometer vor Amiens wurde der Angriff vorgetragen. Gegen 100000
Gefangene und mehr als 1300 Geschtze wurden erbeutet. Der Bann des
Stellungskriegs schien nun auch im Westen gebrochen, die feindlichen
Verbnde schienen auf das schwerste erschttert. Durch das deutsche Volk
ging ein groes Aufatmen von langem und starkem Druck. Auch die Zweifler
begannen zu glauben, nun knne es mglich werden, den langen und
berlangen Krieg mit kurzen und wuchtigen Schlgen dem Ende zuzufhren.

Nach einigen Tagen des Vorwrtsstrmens kam jedoch die Bewegung ins
Stocken. Die Krfte von Mann und Ro begannen nach der ungeheueren
Anspannung zu ermden, die Schwierigkeiten des Nachschubs von Material,
Munition und Proviant wuchsen mit jeder Meile, die nach vorwrts gewonnen
wurde. Die Eignung der modernen Waffen, namentlich des Maschinengewehrs,
zur Verteidigung und zum Aufhalten eines nachdrngenden Feindes, bewhrte
sich aufs neue. So gelang es Englndern und Franzosen, sich in dem weiten
Bogen Arras-Montdidier-La Fre zu setzen. Ein am 28. Mrz von unseren
Truppen gegen die starken englischen Stellungen bei Arras unternommener
Vorsto, der diesen wichtigen Sttzpunkt dem Feinde entreien und damit
den nrdlichen Flgel der feindlichen Stellung aus den Angeln heben
sollte, schlug fehl und wurde alsbald abgebrochen.

Die Pause, die unsere Heeresleitung den Gegnern gnnte, war nicht von
langer Dauer. Schon am 6. April wurde ein Angriff auf die feindlichen
Stellungen sdlich der Oise angesetzt, der uns in kurzer Zeit in den
Besitz der Hhen zwischen Oise und Aisne mit dem festungsartig
ausgebauten Schlo von Coucy brachte. Der Hauptschlag wurde jedoch dieses
Mal im Norden an der Front gegenber Lille gefhrt. Am 9. April warfen
unsere Truppen nach kurzer Artillerievorbereitung in berraschendem
Angriff die Englnder und Portugiesen aus ihren Stellungen zwischen
Armentires und dem La-Basse-Kanal und drngten ihnen ber die von der
Lys durchstrmte wasserreiche Niederung nach. Bereits am 11. April mute
Armentires, von drei Seiten eingeschlossen, kapitulieren. Am 16. April
wurden die Hhen des Wytschaetebogens und Paeschendaele gestrmt und die
wichtige Stadt Bailleul genommen. In wenigen Tagen war die ganze Gegend
um Ypern, die uns Englnder und Belgier in den fnfmonatigen Kmpfen der
zweiten Hlfte des Jahres 1917 mit ungeheuren Opfern Schritt fr Schritt
abgerungen hatten, wieder in unseren Hnden. Am 25. April strmten
preuische und bayrische Truppen die beherrschende Hhe des Kemmelberges
und das Dorf Kemmel.

Aber auch hier kam jetzt in dem schwierigen Gelnde die Bewegung ins
Stocken. Es gelang den Feinden, den Bogen Ypern-Hazebrouck-Bthune zu
halten. Die berschwenglichen Hoffnungen, die nach dem glnzenden
Anfangserfolge auf einen Durchbruch bis zur Kste und ein Aufrollen der
flandrischen Front gesetzt wurden, erfllten sich nicht. Auch eine
Flankierung der feindlichen Stellungen bei Arras, wie sie wohl im Plane
unserer Obersten Heeresleitung gelegen haben mag, mit der Wirkung, da
dieser Frontteil ins Wanken gebracht und damit die Einheit der Aktion mit
dem groen Vorsto zwischen Scarpe und Oise hergestellt worden wre,
wurde nicht erreicht. Auch hier gelang es dem Feind, sich in rckwrtigen
Stellungen festzusetzen und rechtzeitig ausreichende Reserven
heranzuholen. Abermals zeigte sich, da die Masse unserer Feinde noch
stark genug war, um mit Hilfe der Verteidigungskraft der modernen Waffen
auch eine schwere Zerreiung der Front auszugleichen und den beginnenden
Bewegungskrieg wieder in die starren Formen des Stellungskriegs zu
zwingen. Alles spitzte sich darauf zu, ob die moralische Widerstandskraft
und die Reserven des Feindes einem neuen wuchtigen Schlag gewachsen
seien, und ob die Offensivkraft des deutschen Heeres ausreichen werde, um
in neuen Schlgen die Lockerung des Gefges der feindlichen Front zur
vlligen Zerreiung, die Schwchung der feindlichen Verbnde zur
Zertrmmerung auszugestalten.

In dieser schweren Bedrngnis wandte sich der Appell der englischen und
franzsischen Staatsmnner in erster Linie an die amerikanische Hilfe. Am
28. Mrz gab der britische Botschafter in den Vereinigten Staaten, Lord
Reading, ein Telegramm Lloyd Georges bekannt, in dem es hie:

Wir wurden in der Krisis des Krieges von einer berwltigenden berzahl
deutscher Truppen angegriffen und gezwungen, uns zurckzuziehen. Der
Rckzug geht planmig vor sich unter dem ununterbrochenen Druck immer
frischer deutscher Reserven, die gewaltige Verluste erleiden. Der
Sturmlauf der Deutschen sei augenblicklich zum Stillstand gebracht. Aber
die Schlacht, die grte und wichtigste der Weltgeschichte, stehe erst in
ihrem Anfang; denn England und Frankreich wten, da die groe Republik
im Westen keinen Kraftaufwand sparen werde, um Truppen und Schiffe so
rasch wie mglich nach Europa zu senden. Zeit ist alles in diesem Krieg.
Es ist unmglich, die Bedeutung zu berschtzen, die das Heranfhren
amerikanischer Verstrkungen ber den Atlantischen Ozean in der
krzestmglichen Zeit hat.

Anfang April konnte als Ergebnis der Verhandlungen zwischen den
Staatsmnnern und Generalen der Westmchte und der Vereinigten Staaten
mitgeteilt werden: Amerika werde nicht nur eine groe Anzahl von
Bataillonen whrend der nchsten Monate auf den europischen
Kriegsschauplatz werfen, sondern es sollten auch die amerikanischen
Regimenter, die nicht zu eigenen Divisionen vereinigt werden knnten, als
Brigaden in die franzsischen und englischen Formationen eingereiht
werden. Dies solle geschehen vor allem mit denjenigen amerikanischen
Truppen, die fr ein selbstndiges Auftreten noch nicht hinlnglich
geschult seien.

Wilson erklrte sich zu jeder mglichen moralischen und materiellen Hilfe
bereit. Schrfer denn jemals bisher betonte er die Entschlossenheit
Amerikas, Deutschland niederzuwerfen. In einem Brief an den
methodistischen Bischof Henderson, der in allen methodistischen Kirchen
der Union verlesen wurde, sagte Wilson: Die deutsche Macht, ohne
Gewissen, Ehre und Verstndnis fr einen Verstndigungsfrieden, mu
zerschmettert werden. Unsere dringendste und brennendste Pflicht ist es,
den Krieg zu gewinnen, und nichts wird uns erlahmen lassen, ehe dieses
Ziel erreicht ist. Und am 6. April hielt er in Baltimore bei der
Jahresfeier des Eintritts der Vereinigten Staaten in den Krieg jene Rede,
die mit den Worten schlo:

Deutschland hat noch einmal gesagt (wer, wo und wann?), da die Macht
allein entscheiden soll, ob das Recht, wie Amerika es auffat, die
Geschicke der Menschheit bestimmen soll, oder die Oberherrschaft, wie
Deutschland sie auffat. Wir knnen deshalb nur eine Antwort geben, und
die ist: Gewalt, Gewalt bis zum uersten, Gewalt ohne Ma und Grenzen,
triumphierende Gewalt, die die Gesetze der Welt wieder zur Geltung bringt
und jede selbstschtige Oberherrschaft in den Staub schleudert.

Aber England und Frankreich verlieen sich nicht nur auf die
amerikanische Hilfe, sie spannten auch ihre eigenen Krfte bis zum
uersten an.

Zunchst wurde unter dem Druck der hchsten Gefahr die seit langem
angestrebte, schon oft angekndigte, aber niemals wirklich durchgefhrte
Einheit des Oberbefehls endlich verwirklicht. Die franzsische und
britische Regierung kamen dahin berein, den General Foch zum
Oberbefehlshaber ihrer Heere an der Westfront fr die Dauer der jetzigen
Operationen, wie es in der Bekanntgabe einschrnkend hie, zu ernennen.
Die amerikanische Regierung trat fr ihre Truppen diesem Beschlusse bei.

Ferner wurden sowohl in England wie in Frankreich energische Manahmen
zur Schaffung neuer Reserven ergriffen. Die britische Regierung machte
Ernst mit ihren Plnen, durch Auskmmen der Betriebe neue Reserven
verfgbar zu machen. Sie benutzte die durch die Niederlage zwischen
Scarpe und Oise pltzlich handgreiflich gewordene Gefahr, um die
Arbeiterorganisationen fr ihre Plne zu gewinnen.

Die britische Regierung beantragte ferner die Erhhung der Altersgrenze
fr die Dienstpflicht auf 50 und in besonderen Fllen auf 55 Jahre, sowie
die Ausdehnung der Dienstpflicht auf Irland unter gleichzeitiger
Gewhrung von Home-Rule. In der Begrndung dieses Antrags, die Lloyd
George am 10. April im Unterhaus gab, fhrte er u. a. aus: Die Amerikaner
htten erwartet, im Frhjahr ein groes Heer in Europa einsetzen zu
knnen; die Ausbildung habe aber mehr Zeit gekostet, als man angenommen
habe. Wir wurden von einem starken Bundesgenossen verlassen, und ein
anderer noch strkerer Bundesgenosse ist noch nicht bereit, alle seine
Krfte einzusetzen. Wenn wir knftige Kriege vermeiden wollen, mssen wir
diesen Krieg gewinnen. Dazu mssen wir aber die notwendigen Opfer auf uns
nehmen.

Der Antrag auf Ausdehnung der Dienstpflicht auf Irland stie auf starken
Widerstand, nicht nur bei den Iren selbst, sondern auch bei den
Liberalen. Asquith und seine Anhnger enthielten sich der Abstimmung.
Trotzdem wurde das Gesetz im Unterhaus mit groer Majoritt, im Oberhaus
sogar einstimmig angenommen. Der Widerstand in Irland war jedoch ber
alle Erwartungen stark. Die irischen Bischfe beschlossen, ihren
Gemeinden das Gelbnis abzunehmen, da sie sich mit den strksten Mitteln
der Dienstpflicht widersetzen wrden. Schlielich wurde Ende April die
Ausfhrung des Dienstpflichtgesetzes fr Irland durch ein knigliches
Dekret aufgeschoben. Man wollte ein Home-Rule-Gesetz vorlegen und
zunchst dessen Wirkung abwarten; inzwischen wollte man durch Werbung
Freiwilliger die Krfte Irlands ausnutzen, was nur in engen Grenzen
gelang.

Immerhin erwartete die englische Regierung von der Ausdehnung der
Dienstpflicht einen Zugang von rund 500000 Mann.

In Frankreich hatten die Erfolge der deutschen Offensive die Wirkung, da
die Deputiertenkammer am 29. Mrz unter Zurckstellung aller
Interpellationen und aller anderen Vorlagen das von der Regierung
eingebrachte Gesetz ber die sofortige Einstellung des Rekrutenjahrgangs
1919 annahm. Die Sozialisten erklrten, da sie im Gegensatz zu ihrer
frheren Haltung dieses Mal fr die vorzeitige Einstellung der Rekruten
stimmen wrden, weil sie anerkennen mten, da diese Manahme fr die
Rettung des Vaterlands ntig sei. Das Gesetz wurde mit 490 gegen 7
Stimmen angenommen.

In diesem Mae schrfte der Rckschlag und die Gefahr unseren Feinden das
nationale Gewissen und die Tatkraft.

Natrlich konnten auch die grten Kraftanstrengungen der Franzosen,
Englnder und Amerikaner die Lage auf dem Kriegsschauplatz nicht sofort
entscheidend beeinflussen. Sie brauchten Zeit fr ihre Auswirkung.
Zunchst waren jedenfalls die Heere unserer Feinde so stark mitgenommen,
da sie in der langen Pause, die nach dem Festlaufen unserer flandrischen
Offensive eintrat, keinen ernstlichen Versuch machten, die Initiative
wieder an sich zu reien oder wenigstens durch strkere Angriffsaktionen
die deutsche Heeresleitung in der Vorbereitung eines neuen
Offensivschlages ernstlich zu stren.

Auch die deutschen Heere waren durch die beiden groen Angriffe
geschwcht. Die Verbnde muten aufgefllt werden und sich erholen,
Material und Munition muten ergnzt werden. Jeder neue Schlag bedurfte
zudem der sorgfltigsten Vorbereitung, um einen dem groen Aufwand und
den unvermeidlich groen Opfern entsprechenden Erfolg nach Mglichkeit zu
sichern.

So kam das Ende des Monats Mai heran, ohne da seit der Erstrmung des
Kemmelbergs eine der beiden Parteien eine grere Kampfhandlung
unternommen htte.

Dann aber brach der Sturm von neuem los, dieses Mal mit einer Wucht, die
selbst den furchtbaren Anprall der Mrzoffensive bertraf.

In der Frhe des 27. Mai zerhmmerten die deutschen Geschtze mit
gewaltigem Feuerschlag die franzsisch-englischen Stellungen zwischen
Laon und Reims. Dem Feuerschlag folgte unmittelbar der Angriff unserer
Infanterie. Der Feind wurde im ersten Ansturm berrannt. Der Ailettegrund
wurde berschritten, der langgestreckte Rcken des Chemin des Dames, um
den jahrelang gekmpft worden war, wurde in wenigen Stunden gestrmt, der
bergang ber die Aisne erzwungen, die sdlichen Hhen genommen und der
Feind bis an den Veslebach zurckgeworfen. Das alles in einem einzigen
Tag. Die folgenden Tage erweiterten den Erfolg. Schon am 29. Mai wurde
Soissons genommen, ebenso die Forts der Nordwestfront von Reims. Am 30.
Mai erreichten unsere Truppen sdlich von Fre-en-Tardenois die Marne. Am
1. Juni wurde der auf dem Nordufer der Marne gelegene Teil von
Chteau-Thierry vom Feinde gesubert. Der Kampf dehnte sich nach Westen
hin bis in die Gegend von Noyon aus. Auch hier wurde der sich tapfer
wehrende Feind zurckgedrckt: am 2. Juni standen unsere Truppen am
Ostrand des Waldes von Villers-Cotterets.

Ergnzt wurde der Erfolg durch einen am 9. und 10. Juni durchgefhrten
Angriff auf der west-stlich verlaufenden Front zwischen Montdidier und
Noyon, der die wichtigen Hhenstellungen zwischen Oise und Matz in unsere
Hand brachte und uns bis auf 9 Kilometer an Compigne heranfhrte.

Abermals war es gelungen, einen groen und whrend des Krieges geradezu
festungsartig ausgebauten Teil des feindlichen Stellungssystems zu
zertrmmern und zu durchbrechen, in wenigen Tagen eine klaffende Lcke
in die feindliche Front zu schlagen und in raschem Vordringen groen
Raumgewinn zu erzielen, dem Feinde schwere Verluste an Toten, Verwundeten
und Gefangenen zuzufgen und ihm nahezu unbersehbare Mengen an Material,
Munition und Vorrten aller Art abzunehmen. Von der 250 Kilometer langen
Frontlinie zwischen Dnkirchen und Reims hatten jetzt die deutschen
Offensiven seit dem 21. Mrz etwa vier Fnftel zerschlagen. Nur noch die
kurzen Linien zwischen Arras und dem Kanal von La Basse und von der See
bis nrdlich Ypern waren intakt. Tausende von Quadratkilometern an
Bodenflche, teilweise vom Krieg bisher noch unberhrtes Land von groer
Fruchtbarkeit, waren dem Feinde entrissen, wichtige Straen und
Eisenbahnen waren durchbrochen oder lagen unter dem Feuer unserer
Geschtze; bei Chteau-Thierry war unsere Stellung auf wenig mehr als 60
Kilometer an Paris herangerckt, das schon seit dem Beginn unserer
Frhjahrsoffensive aus einem weittragenden Geschtz beschossen wurde.
Allein an Gefangenen hatten unsere Feinde seit Beginn der Offensive mehr
als 200000 Mann eingebt; die von uns eroberten Geschtze erreichten die
Zahl von 2800.

In Paris stieg die Erregung auf einen Siedepunkt, wie er seit den ersten
Septembertagen des Jahres 1914 nicht mehr erreicht worden war. Zum
erstenmal wieder hrten die Pariser das dumpfe Rollen des
Schlachtendonners, zum erstenmal wieder brachten Tausende von
Flchtlingen aus den neuen Kriegsgebieten den Jammer des Krieges und die
Nhe der Gefahr unmittelbar vor die Augen der Pariser Bevlkerung. Aber
gegenber dem Sturm tdlicher Besorgnis bewahrte die franzsische
Regierung und, ihr folgend, die groe Mehrheit des Parlaments und des
Volkes auch in dieser schweren Lage ruhige Nerven und feste
Entschlossenheit. Clemenceau selbst reiste sofort nach Eingang der ersten
Hiobsbotschaften zur Front und entging mit knapper Mhe der Gefangennahme
durch eine deutsche Kavalleriepatrouille. Von der Kammer, die ihn ber
die militrische Lage interpellieren wollte, verlangte er Mut und
Vertrauen. Er knne keine Erklrungen ber die militrische Lage abgeben.
Der Augenblick sei furchtbar, aber der Heldenmut der franzsischen
Soldaten stehe auf der Hhe der Lage. Die Regierung werde nicht die
Feigheit begehen, Befehlshaber zu strafen, die sich fr das Vaterland
verdient gemacht htten. Die franzsischen und englischen Krfte
erschpften sich, aber das gleiche gelte auch von den Deutschen. Die
amerikanische Hilfe sei jetzt der entscheidende Faktor, und die
Amerikaner seien entschlossen, ihre ganze Kraft an den Sieg zu setzen.
Clemenceau schlo mit den Worten:

Wenn ich meine Pflicht nicht getan habe, dann jagen Sie mich fort. Wenn
ich aber Ihr Vertrauen besitze, dann lassen Sie mich das Werk unserer
Toten vollenden!

Die Kammer besttigte ihm ihr Vertrauen und beschlo mit 377 gegen 110
Stimmen, die Interpellation auf unbestimmte Zeit zu vertagen.

An der Front selbst begann die amerikanische Hilfe sich fhlbar zu
machen. Marschall Foch hat spter einige interessante Zahlen ber das
Eintreffen der amerikanischen Truppen in Frankreich gegeben. Danach
zhlte die in Frankreich stehende amerikanische Armee Anfang Mrz 1918
erst etwa 300000 Mann, die grtenteils noch in der Ausbildung begriffen
waren. Im Mrz kamen 69000 Mann, im April 94000 Mann hinzu. Der eine
Monat Mai brachte jedoch bereits einen Zugang von nicht weniger als
200000 Mann, der Juni sogar einen solchen von 245000 Mann. In den vier
Monaten von Anfang Mrz bis Ende Juni wurde also das in Frankreich
stehende amerikanische Heer von 300000 Mann auf rund 900000 Mann
verstrkt! Soweit die amerikanischen Truppen noch nicht unmittelbar an
der Front verwendet werden konnten, machten sie hinter der Front bisher
gebundene Krfte der Franzosen und Englnder frei. Zum groen Teil aber
konnten sie jetzt bereits in die Front eingesetzt werden, nicht nur
eingesprengt in englische und franzsische Divisionen, sondern bereits
als selbstndige Formationen. Wenn ihre Ausbildung auch nicht auf der
Hhe war, so zeichneten sie sich doch durch unverbrauchtes Draufgngertum
aus und schlugen sich vorzglich.

Der amerikanischen Hilfe hatte die Entente schon damals ihre Rettung zu
verdanken. Sie allein machte es dem General Foch mglich, dem deutschen
Vordringen nach den berraschenden Erfolgen der ersten Angriffstage in
dem Bogen Noyon-Chteau-Thierry-Reims nicht nur zhen Widerstand
entgegenzustellen, sondern auch zu energischen, wenn auch zunchst
erfolglosen Gegenangriffen zu schreiten. Bei diesen Gegenangriffen trat
an der neuen Front nordwestlich von Chteau-Thierry am 7. Juni zum
erstenmal eine geschlossene amerikanische Division in Erscheinung.

Die Gegenangriffe des Feindes verstrkten sich nach unserem Vorsto vom
9. Juni sdlich von Noyon. Schon am 11. Juni fhrten hier die Franzosen
mit starkem Aufgebot und groem Einsatz auch von Tanks und
Schlachtfliegern einen wuchtigen Gegenschlag, der uns am 12. Juni
stellenweise zurckdrngte und uns Gefangene und Geschtze abnahm, jedoch
alsbald zum Stocken gebracht wurde.

Die Lage blieb also auch nach dem gewaltigen Schlag der dritten Offensive
unentschieden. Das Ziel und der Zweck unseres Angriffs -- Ziel und Zweck,
die allein dieser grten militrischen Aktion aller Zeiten und den
ungeheuren Opfern, die sie uns auferlegte, Sinn und Berechtigung geben
konnten -- waren auch mit der Erstrmung des Damenweges und unserem
Vorsto von der Ailette bis zur Marne nicht erreicht. Weder war die
moralische Widerstandskraft unserer Gegner gebrochen, noch war es
gelungen, ihre Reserven aufzuzehren, das langgestreckte Band der
feindlichen Linien endgltig zu zerreien und die feindlichen Heere zu
Paaren zu treiben. Im Gegenteil, ein Vergleich des Auslaufens der neuen
Offensive mit derjenigen vom Mrz zeigte bei unseren Feinden eher eine
verstrkte Kraft in Abwehr und Gegensto.

Diese trotz der groen Einzelerfolge fr uns schwierig gewordene Lage
wurde nicht verbessert durch die Angriffsunternehmung, die von der
sterreichisch-ungarischen Armee am 15. Juni gegen die Italiener begonnen
wurde. Zwar gelang es den Truppen unseres Bundesgenossen, den Piave zu
berschreiten und sich in dem Hhenblock des Montello festzusetzen; aber
die gleichzeitigen Angriffe an der Gebirgsfront beiderseits der Brenta
und in den Sieben Gemeinden blieben in den Anfngen stecken und lsten
Gegenangriffe der Italiener aus, deren sich die sterreichischen Truppen
nur mit Mhe erwehrten. Bald setzten auch an der Piavefront heftige
Gegenangriffe ein. Am 23. Juni mute der Wiener Heeresbericht melden, da
der durch gewaltige Wolkenbrche zu einem reienden Strom gewordene Piave
den Verkehr zwischen den beiden Ufern auf das schwerste behindere und den
Nachschub an Proviant und Munition zu den jenseits des Flusses im Kampfe
stehenden Truppen nahezu unmglich mache. Am folgenden Tage wurde die
Rumung des Montello und der anderen auf dem rechten Piaveufer erkmpften
Stellungen mitgeteilt. Die Italiener gingen ihrerseits zum Angriff
an der ganzen Piave- und Gebirgsfront ber und fgten den
sterreichisch-ungarischen Truppen groe Verluste an Menschen und
Material zu. Wenn auch der italienische Gegensto ohne nennenswerten
Gelndegewinn stlich des Piave und am Gebirgsrand zum Stehen kam, so war
doch der moralische Eindruck der Niederlage bei unseren Bundesgenossen
doppelt stark angesichts des Zusammentreffens der Unglcksnachricht mit
einer sehr schweren Zuspitzung der Ernhrungslage. Der Aufschwung an Mut
und Vertrauen, den der groe Erfolg der Isonzo-Offensive in der
Donaumonarchie herbeigefhrt hatte, war schon lngst verblat; er brach
jetzt, beim ersten Rckschlag, gnzlich in sich zusammen.

Die Gestaltung der militrischen Lage mute ernstliche Zweifel daran
erwecken, ob das Ziel unserer groen Angriffsaktion, die Niederkmpfung
der feindlichen Armeen, mit den uns zur Verfgung stehenden Krften
berhaupt erreichbar sei. Unsere Truppen waren stark gelichtet und
ermdet. Vor allem war ein groer Teil unserer besten Offiziere und
Unteroffiziere gefallen oder verwundet, ohne da ausreichender und
gleichwertiger Ersatz htte beschafft werden knnen. Auch der
Mannschaftsersatz machte immer grere Schwierigkeiten; auerdem waren
die jetzt von Osten herbergeholten Truppen zum Teil bolschewistisch
verseucht, und auch der Ersatz aus der Heimat lie in seinem Geiste sehr
zu wnschen brig. Unseren Feinden dagegen fhrte Amerika stndig neue,
unverbrauchte und kampflustige Krfte zu, deren Zahlen man zwar bei uns
nicht kannte und wohl auch unterschtzte, deren Anwesenheit und
Eingreifen auf den Schlachtfeldern sich aber fr die militrischen
Operationen bereits fhlbar machte. Jedenfalls muten wir mit weiteren
erheblichen Verstrkungen des Feindes durch amerikanischen Zuzug rechnen,
nachdem sich gezeigt hatte, da die U-Boote, entgegen den Voraussagungen
der Marineautoritten, nicht in der Lage waren, den gut gesicherten
Truppen- und Materialtransporten nennenswerten Eintrag zu tun.

Auch abgesehen von dem Versagen in der Verhinderung amerikanischer
Militrtransporte hatte der U-Bootkrieg enttuscht. Die Monatsleistung an
versenkter Tonnage hatte in den Monaten April und Juni 1917 mit mehr als
1 Million Bruttotonnen ihren Hhepunkt erreicht. Die Vervollkommnung der
Abwehrmanahmen verringerte die monatliche Versenkung erheblich. Im Juni
1918 wurden nach den Angaben unseres Admiralstabs nur noch wenig mehr als
600000 Bruttotonnen versenkt, im Juli 1918 nur noch 550000 Tonnen. Nach
den britischen Angaben waren die Versenkungen noch erheblich niedriger.
Dagegen nahm die Fertigstellung von Schiffen auf den Werften unserer
Gegner jetzt sehr betrchtlich zu. Whrend in den Jahren 1915 und 1916 in
England nur 651000 und 542000 Bruttotonnen neu gebaut wurden, stiegen
die Ablieferungen im Jahre 1917 auf 1123000 Tonnen und im ersten
Halbjahr 1918 allein auf 763000 Tonnen. Noch viel strker war die
Steigerung des Schiffsbaues in den Vereinigten Staaten. Das dort
aufgestellte Schiffsbauprogramm sah nicht weniger als 2693 Einheiten mit
einem Raumgehalt von insgesamt 16305000 Bruttotonnen vor. Davon wurden in
den ersten acht Monaten des Jahres 1918 277 Schiffe mit 1637000
Bruttotonnen abgeliefert, whrend der gesamte Schiffsbau der Vereinigten
Staaten im Jahre 1913 erst 31 Schiffe mit 190000 Bruttotonnen geliefert
hatte. Im ganzen Jahr 1918 lieferten die Werften der Welt 1866 Schiffe
mit einem Raumgehalt von 5557000 Bruttotonnen ab, also eine Flotte, die
derjenigen Deutschlands vor Kriegsausbruch gleichkam. Von den Neubauten
des Jahres 1918 kamen mehr als 3 Millionen Tonnen auf die amerikanischen
Werften und 1628000 Tonnen auf die englischen Werften. Nachdem der
U-Bootkrieg nicht innerhalb des ersten Jahres die von ihm erwartete
Wirkung herbeigefhrt hatte, war es unseren Gegnern gelungen, mit diesen
gewaltigen Anstrengungen der Schiffsbauttigkeit ein beachtenswertes
Gegengewicht zu schaffen. Die Behinderung und Schdigung, die Wirtschaft
und Kriegfhrung unserer Feinde durch den U-Bootkrieg erlitten, fiel auch
jetzt noch schwer ins Gewicht; abgesehen von der empfindlichen
Einschrnkung der Zufuhren an Nahrungsmitteln, Rohstoffen und
Kriegsmaterial jeder Art fr England und seine europischen Verbndeten,
nahm die durch den U-Bootkrieg erzwungene Steigerung des Schiffsbaues
gewaltige Mengen von Material und Hunderttausende von Arbeitskrften in
Anspruch, die sonst der Herstellung von Kriegsgert und der kmpfenden
Front unmittelbar zugutegekommen wren und die berlegenheit unserer
Feinde noch weiter gesteigert htten; ebenso band die Notwendigkeit der
immer weiteren Ausdehnung der U-Boot-Abwehr ungezhlte Fahrzeuge,
Flugzeuge, Geschtze und sonstiges Gert aller Art, nicht zum mindesten
auch ein umfangreiches Personal, das der unmittelbaren Verwendung auf den
Schlachtfeldern entzogen wurde. Niemand kann sagen, wie die Dinge
gelaufen wren, wenn nicht der U-Bootkrieg seit dem Beginn des Jahres
1917 diese einschrnkende und brachlegende Wirkung auf die Krfte unserer
Feinde ausgebt htte. Aber alle diese Erwgungen konnten die Tatsache
nicht aus der Welt schaffen, da der U-Bootkrieg die von ihm erwartete
kriegsentscheidende Wirkung nicht gebracht hatte und da sich nach der
Entwicklung der technischen Momente des U-Boot-Neubaues und der
U-Boot-Verluste, des Neubaues von Handelsschiffen und der Versenkung von
Handelsschiffen, von dem U-Bootkrieg eine kriegsentscheidende Wirkung
kaum mehr erwarten lie.

Die Entwicklung der militrischen Aktionen zu Lande und zu Wasser stellte
also sowohl unsere Kriegfhrung wie auch unsere Politik gegen die Mitte
des Jahres 1918 vor neue Erwgungen und Entscheidungen schwerster Art.


                           Neue innere Krisen

Im Juni 1918, gleich nach der Offensive vom Damenwege bis zur Marne,
verffentlichte die Kreuzzeitung einige L. H. gezeichnete Artikel, in
denen zur Untersttzung der militrischen Operationen von der deutschen
politischen Leitung eine Friedensoffensive gefordert wurde. Die Artikel
erregten erhebliches Aufsehen schon deshalb, weil sie in einem Blatte
erschienen, das bisher sich in scharfer Kampfstellung gegen jede Art von
Friedensaktionen und Friedensangeboten befunden hatte. Die Redaktion der
Kreuzzeitung betonte allerdings, da die Artikel nicht redaktionellen
Ursprungs seien, aber sie unterstrich damit nur, da sie von einer auch
fr die Kreuzzeitung und ihren Kreis hochangesehenen Seite herrhrten.
Das Aufsehen wurde gesteigert durch einen schweren Angriff, den die
Klnische Zeitung gegen die Lethargie der politischen Leitung
richtete, die auf dem diplomatischen Kampffelde die Initiative nach wie
vor den Feinden berlasse.

Ich hatte am 17. Juni zufllig Gelegenheit zu einer Unterhaltung mit
einem der Obersten Heeresleitung nahestehenden hheren Offizier. Ganz im
Sinne der Kreuzzeitungsartikel setzte mir dieser auseinander, die
politische Ausnutzung unserer militrischen Erfolge sei gleich Null; wir
wrden den Krieg nie beendigen, geschweige denn gewinnen knnen, wenn in
diesem unmglichen Zustand nicht Wandel geschaffen werde. Die fr die
Sicherung eines guten Friedens unbedingt notwendige Zusammenarbeit
zwischen der militrischen und politischen Leitung habe aber einen
Personenwechsel zur Voraussetzung. Graf Hertling sei infolge seines
Alters und seiner Krnklichkeit aktionsunfhig, und zwischen Herrn von
Khlmann, dem damit die politische Leitung zufalle, und den Herren von
der Obersten Heeresleitung sei ein vertrauensvolles und enges
Zusammenarbeiten, wie es die Lage mehr denn je erfordere, von beiden
Seiten her unmglich. Wie mehrfach in der letzten Zeit, so trat mir auch
bei dieser Unterhaltung die Frage entgegen, ob ich nicht geneigt sein
wrde, gegebenenfalls das Auswrtige Amt zu bernehmen.

Auf diese letztere Frage antwortete ich mit dem Hinweis darauf, da
Parlament und Presse bei der Gegnerschaft, die sich seit meinem Rcktritt
nicht abgeschwcht, sondern eher noch verstrkt hatte, mir eine
gedeihliche Fhrung der auswrtigen Politik unmglich machen wrden. ber
den Inhalt der Unterhaltung selbst erstattete ich am folgenden Tage dem
Grafen Hertling Bericht, ohne in dem springenden Punkte, da die Oberste
Heeresleitung selbst die Hoffnung auf eine rein militrische Beendigung
des Krieges offenbar aufgegeben habe, und da diese neue Lage alsbald
eine auf den Grund der Dinge gehende Aussprache zwischen den beiden
Faktoren erfordere, auf volles Verstndnis zu stoen.

Ein von der Obersten Heeresleitung dem Auswrtigen Amt zugeteilter
Offizier hatte in diesen Tagen dem Staatssekretr von Khlmann eine
schriftliche Ausarbeitung bergeben, in der er die Aussichtslosigkeit
einer rein militrischen Beendigung des Krieges und die Notwendigkeit
einer die Kriegfhrung untersttzenden diplomatischen Aktion darlegte. Es
liegt auf der Hand, da diese Denkschrift nicht ohne die Billigung der
Obersten Heeresleitung, insbesondere auch des Generals Ludendorff,
berreicht wurde.

Die Kritik an der Passivitt unserer politischen Leitung war berechtigt.
Seit den diplomatischen Distanzgesprchen in den ersten beiden Monaten
des Jahres 1918 war, soweit ich sehen kann, nach Westen hin von unserer
Diplomatie berhaupt nichts mehr geschehen. Das lag zum groen Teil
daran, da die Leiter der politischen Geschicke der Zentralmchte vom
Dezember an bis in den Mai hinein sich so gut wie ausschlielich durch
die Verhandlungen ber die stlichen Friedensschlsse in Anspruch nehmen
lieen und in jener Zeit nur zu seltenen und kurzen Besuchen aus
Brest-Litowsk und Bukarest an dem Sitz der politischen Leitung
erschienen. Ich habe es von Anfang an fr einen Fehler gehalten, da die
Herren von Khlmann und Graf Czernin, statt sich auf die Erteilung
allgemeiner Direktiven und Instruktionen fr die stlichen
Friedensverhandlungen zu beschrnken, sich persnlich als Unterhndler
nach Brest und Bukarest begaben und sich dort fr viele Monate in
langwierigen Einzelverhandlungen festhalten lieen. Obwohl ich mich dem
Verdacht aussetzte, die Leitung der Friedensdelegationen fr mich selbst
zu erstreben, habe ich diese meine Bedenken schon im Dezember 1917 sowohl
dem Grafen Hertling wie Herrn von Khlmann dargelegt. Als die
Friedensverhandlungen mit Rumnien im Februar 1918 in Flu kamen, habe
ich bei beiden Herren angeregt, die Rumnen und die anderen Beteiligten
nach Berlin kommen zu lassen. Aber ich drang nicht durch; man setzte mir
vor allem entgegen, da Graf Czernin fest entschlossen sei, die
Verhandlungen fr sterreich-Ungarn persnlich zu leiten und zu diesem
Zweck nach Brest und Bukarest zu gehen, was uns keine Wahl lasse, als den
Staatssekretr des Auswrtigen gleichfalls dorthin zu entsenden. Wie
erschwerend berdies die Zuspitzung des persnlichen Verhltnisses
zwischen Herrn von Khlmann und den magebenden Mnnern der Obersten
Heeresleitung fr jede intimere Aussprache war, hatte sich schon
anllich der trkisch-bulgarischen Schwierigkeiten gezeigt.

Auch jetzt, nachdem der Reichskanzler und der Staatssekretr des
Auswrtigen deutlich auf die Notwendigkeit einer militrisch-politischen
Zusammenarbeit hingewiesen worden waren, geschah nicht das einzige, was
in dieser Lage htte geschehen mssen: eine sofortige Aussprache zwischen
den leitenden militrischen und politischen Persnlichkeiten ber den
Stand des Krieges und die zu fassenden Entschlsse.

Dagegen lste die Herrn von Khlmann bergebene Denkschrift eine andere
Wirkung aus: die Reichstagsrede des Staatssekretrs vom 24. Juni, die
den Anla zu seiner Verabschiedung gab.

Fr Montag, den 24. Juni, war der Etat des Reichskanzlers und des
Auswrtigen Amtes auf die Tagesordnung des Reichstags gesetzt worden. In
der Woche zuvor hatte die erste Beratung des Friedensvertrags von
Bukarest stattgefunden; es hatte dabei in den Kreisen der
Reichstagsabgeordneten einiges Mifallen erregt, da weder Graf Hertling
noch Herr von Khlmann den Vertrag in einer einleitenden Rede dem Hause
prsentiert hatten, da vielmehr Herr von Khlmann erst, nachdem die
Vertreter der Parteien gesprochen hatten, einige Ausfhrungen machte. Die
Parteifhrer legten nun dem Grafen Hertling nahe, er mchte am 24. Juni
bei der Beratung seines Etats Gelegenheit nehmen, ber die politische
Lage, wie sie durch die stlichen Friedensschlsse und die militrischen
Operationen sich gestaltet habe, sich auszusprechen. Der Reichskanzler
hatte fr seine Person keine Neigung, diesem Wunsche zu entsprechen; als
jedoch die Parteifhrer auf ihrem Verlangen bestanden, beauftragte er im
letzten Augenblick Herrn von Khlmann, an seiner Stelle zu sprechen, und
zwar -- wie mir damals gesagt wurde -- unter Beschrnkung auf
Tatschliches und unter Vermeidung irgendwelcher allgemeiner und
programmatischer Ausfhrungen.

Khlmann gab in seiner sichtlich zum groen Teil improvisierten Rede
zunchst eine kurze Darlegung unserer Beziehungen zu unseren Verbndeten
sowie zu Ruland und den sich auf dem Boden des alten Kaiserreichs neu
entwickelnden Staatswesen und ging dann mit wenigen Worten auf unser
Verhltnis zu den europischen Neutralen ein. Im Anschlu daran sagte er
ber die militrische Lage, da infolge des glnzenden Verlaufs der
Operationen in Frankreich die Initiative vollkommen bei unserer Obersten
Heeresleitung liege, und da wir hoffen knnten, der Sommer und der
Herbst wrden unseren Waffen neue Erfolge bringen. An dieses
zuversichtliche Urteil knpfte er eine Bemerkung, die Bewegung und groes
Aufsehen erregte: Man msse sich fragen, ob der Krieg noch ber den
Herbst und Winter und ber das nchste Jahr hinaus dauern werde. Der
Feldmarschall Graf Moltke habe im Jahre 1890 ausgefhrt, der nchste
Krieg knne ein siebenjhriger, ja ein dreiigjhriger Krieg werden; nach
seiner -- Khlmanns -- Ansicht sei es unmglich, mit Sicherheit
irgendeinen Augenblick fr das Ende des Krieges ins Auge zu fassen. Das
Auge mu nach den politischen Motiven aussphen, welche eventuell
Friedensmglichkeiten erffnen knnten, und nach dieser Richtung hin mu
ich sagen, da trotz der glnzenden Erfolge unserer Waffen auf seiten
unserer Gegner Friedenswilligkeit, an mageblichen Stellen
Friedensbereitschaft noch nirgends klar erkennbar hervorgetreten sind.
Er lie eine Polemik mit Balfour folgen, der kurz zuvor wieder einmal die
alte Legende erneuert habe, da Deutschland den Krieg entfesselt habe,
um die Weltherrschaft an sich zu reien. Diese Legende werde durch
fortgesetzte Wiederholung nicht wahrer. Der Krieg zeichne sich immer
deutlicher ab als das Werk Rulands; da Frankreich dabei als
Kriegshetzer auf das schlimmste mitgespielt, da die englische Politik
sehr dunkle Seiten in dieser Beziehung aufzuweisen habe, dafr gebe es
Beweise genug. Er halte es fr ntzlich und notwendig, gegenber den
feindlichen Behauptungen ber Deutschlands angebliche Kriegsziele nicht
in der Negation zu verharren, sondern ganz einfach und leicht
verstndlich fr alle zu sagen, was wir positiv wollten: wir wollen auf
der Welt fr das deutsche Volk -- und das gilt mutatis mutandis auch fr
unsere Verbndeten -- innerhalb der Grenzen, die uns die Geschichte
gezogen hat, sicher, frei, stark und unabhngig leben, wir wollen ber
See den Besitz haben, welcher unserer Gre, unserem Reichtum und unseren
bewiesenen kolonialen Fhigkeiten entspricht, wir wollen die Mglichkeit
und die Freiheit haben, auf freier See unseren Handel und unseren Verkehr
in alle Weltteile zu tragen. Die Unversehrtheit des Grundgebiets des
Deutschen Reiches und seiner Verbndeten sei nach wie vor eine notwendige
Voraussetzung fr die Aufnahme irgendwelcher Friedensgesprche oder
Friedensverhandlungen; darber hinaus knnten smtliche Fragen Gegenstand
der Beratung und Einigung sein. Der englische Vorwurf, da wir nicht
bereit seien, in der belgischen Frage ffentlich Stellung zu nehmen, sei
unberechtigt, wir betrachteten aber im Gegensatz zu der englischen
Auffassung Belgien als eine der Fragen im Gesamtkomplex der Fragen und
mten es ablehnen, in der belgischen Frage, sozusagen als Vorleistung,
Erklrungen abzugeben, die uns binden wrden, ohne die Gegner auch nur im
geringsten festzulegen. Was unsere Friedensbereitschaft anlange, so
knnten wir uns genau die Worte des Herrn Asquith zu eigen machen, da
die Tr fr Schritte in der Richtung eines ehrenvollen Friedens nicht
zugeschlagen sei. Aber die Vorbedingung fr einen Gedankenaustausch sei
ein gewisses Ma von Vertrauen in die gegenseitige Anstndigkeit und
Ritterlichkeit; solange jede Erffnung von der anderen Seite als
Friedensoffensive und als Falle aufgefat und denunziert werde, sei
nicht abzusehen, wie ein zum Frieden fhrender Gedankenaustausch
eingeleitet werden knne. Ohne solchen Gedankenaustausch wird bei der
ungeheuren Gre dieses Koalitionskrieges und bei der Zahl der in ihm
begriffenen auch berseeischen Mchte durch rein militrische
Entscheidungen allein ohne alle diplomatischen Verhandlungen ein
absolutes Ende kaum erwartet werden knnen.

Der aus dieser Rede haftenbleibende Eindruck war: Der Staatssekretr hat
bekannt, da trotz der glnzenden Erfolge unserer Offensive ein Ende des
Krieges nicht abzusehen ist, da rein militrisch der Krieg berhaupt
nicht zu Ende gefhrt werden knne, da hierzu vielmehr diplomatische
Verhandlungen notwendig seien, zu denen aber auf der anderen Seite bisher
noch keinerlei Geneigtheit sich zeige. Ein Bekenntnis von vollstndiger
Trostlosigkeit und Resignation ohne die leiseste Andeutung, was die
deutsche Politik tun wolle, um sich einen Weg zu bahnen.

Nach dem Staatssekretr sprachen die Herren Grber und Dr. David,
letzterer an die zwei Stunden lang. Sie hielten, wie das im Reichstag
blich war, ihre vorbereiteten Monologe, die an Khlmanns uerungen
vorbergingen, wie wenn der Staatssekretr berhaupt nicht gesprochen
htte. Dagegen ging der Fhrer der Konservativen zum Angriff gegen Herrn
von Khlmann vor, dessen Ausfhrungen unser Vertrauen in den Sieg, die
erste Voraussetzung fr ein gutes Ende, in Zweifel zu stellen und den
Geist unserer Truppen nachteilig zu beeinflussen geeignet seien.

Am nchsten Vormittag lie mich Graf Hertling aus einer anderen
Veranlassung zu sich bitten. Er uerte sich ungehalten ber Khlmanns
Rede; er selbst habe nichts von Khlmanns Absicht gewut, Ausfhrungen
dieser Art zu machen; ebensowenig habe sich Khlmann mit der Obersten
Heeresleitung ber seine das militrische Interesse doch stark
berhrenden Ausfhrungen in Verbindung gesetzt; die Oberste Heeresleitung
habe bereits einen scharfen Protest erhoben. -- In der Pressekonferenz
desselben Vormittags lie die Oberste Heeresleitung auf Anfrage erklren,
da sie durch die Rede des Staatssekretrs auf das peinlichste
berrascht worden sei.

Am Nachmittag erschien Graf Hertling zur Fortsetzung der Debatte im
Reichstag und nahm alsbald das Wort. Er habe zunchst nicht die Absicht
gehabt, unter den gegenwrtigen Verhltnissen zu sprechen, und zwar wegen
der Erfahrungen mit dem Erfolg der bisherigen Reden bei den feindlichen
Staatsmnnern. Am 25. Februar habe er seine grundstzliche Zustimmung zu
den in der Botschaft des Prsidenten Wilson vom 11. Februar aufgestellten
vier Punkten erteilt; irgendeine Antwort sei darauf nicht erfolgt; ja die
aus Amerika herbergedrungenen Auslassungen htten erkennen lassen, da
der wahre Zweck des propagierten Vlkerbundes sei, das unbequeme,
aufstrebende Deutschland zu isolieren und ihm durch wirtschaftliche
Abschnrung den Lebensodem auszulschen. Es habe also keinen Zweck
gehabt, den damals angesponnenen Faden weiterzuspinnen. Dagegen habe er
es fr angemessen gehalten, da der Staatssekretr des Auswrtigen
Mitteilungen ber die Einzelheiten unserer politischen Lage im Osten
machen mge; dieser Aufgabe habe sich der Staatssekretr nach seiner
Ansicht in durchaus sachgemer Weise unterzogen; dagegen htten einige
seiner uerungen zu seinem, des Kanzlers, Bedauern in weiten Kreisen
eine mehr oder minder unfreundliche Aufnahme erfahren. Auf die von dem
Staatssekretr gestreifte Schuldfrage wolle er nicht eingehen; man knne
diese getrost der Geschichte berlassen. Er wolle ein Miverstndnis
ausrumen, das in der Auffassung des zweiten Teiles der Ausfhrungen des
Staatssekretrs augenscheinlich obgewaltet habe. Die Tendenz dieser
Ausfhrungen sei lediglich gewesen, die Verantwortung fr die Fortsetzung
und unabsehbare Verlngerung des entsetzlichen Krieges den Feinden
zuzuschieben; denn von einem Erlahmen unseres energischen Abwehrwillens,
von einer Erschtterung unserer Siegeszuversicht knne doch
selbstverstndlich nicht die Rede sein.

Nach dem Kanzler erhob sich Herr von Khlmann zu einer Abwehr der
Angriffe, die Graf Westarp tags zuvor gegen ihn gerichtet hatte; auch er
habe den Schwerpunkt auf die militrischen Entscheidungen gelegt und die
diplomatischen Verhandlungen als das Sekundre und Nachfolgende klar
gekennzeichnet. Der Verlauf werde immer sein: der militrische Erfolg ist
die Voraussetzung und Grundlage der diplomatischen Verhandlungen.

Herr von Khlmann war nach der Rede des Kanzlers und nach seinen eigenen
Ausfhrungen als Staatssekretr des Auswrtigen erledigt. Was im
Reichstag und in der Presse weiter folgte, war nur noch ein Kampf um
seine politische Leiche.

Herr von Khlmann selbst gab sich ber die Unhaltbarkeit seiner Stellung
keiner Tuschung hin; aber er wnschte noch den Bukarester Frieden im
Reichstag unter Dach und Fach zu bringen. Am 6. Juli wurde er jedoch
nach dem Hauptquartier gerufen, wohin der Kanzler bereits vorher gereist
war. Dort fiel am 8. Juli die Entscheidung. Der Kaiser nahm Herrn von
Khlmann gegenber die Initiative, indem er ihm rundheraus erklrte, nach
dem Vorgefallenen werde man sich wohl trennen mssen. Daraufhin stellte
Herr von Khlmann natrlich sofort sein Amt zur Verfgung. Der Admiral a.
D. von Hintze, zuletzt Gesandter in Norwegen, der sich bereits im Groen
Hauptquartier befand, wurde zu seinem Nachfolger ernannt.

                    *       *       *       *       *

Diese Vorgnge fielen zusammen mit einer ohnedies nicht unbedenklichen
Zuspitzung der inneren Lage.

Graf Hertling hatte bei den Verhandlungen, die er vor der endgltigen
Annahme des Kanzleramts mit den Mehrheitsparteien gefhrt hatte,
bestimmte Zusagen innerpolitischer Art gemacht: vor allem die Milderung
des Belagerungszustandes und der Zensur, die Beseitigung des  153 der
Gewerbeordnung und die Einbringung eines Gesetzes ber Arbeitskammern,
die Vermehrung der Mandate der groen Reichstagswahlkreise und
schlielich die alsbaldige Einbringung einer Vorlage ber das allgemeine,
direkte, geheime und gleiche Wahlrecht in Preuen.

Die Versprechungen waren weniger leicht zu verwirklichen, als sie gemacht
worden waren.

Einigermaen glatt vonstatten ging nur die Aufhebung des  153 der
Gewerbeordnung und das Gesetz ber die groen Reichtagswahlkreise.
Dagegen stie das Arbeitskammergesetz schon im preuischen
Staatsministerium und dann im Bundesrat auf groe Schwierigkeiten; als es
glcklich an den Reichstag kam, wurde es zum Gegenstand scharfer
Auseinandersetzungen, die den Entwurf schlielich auf ein totes Gleis
brachten.

Ganz unerquicklich gestaltete sich die Frage des preuischen Wahlrechts.

Zwar wurden die Vorlagen, die an Stelle des Dreiklassenwahlrechts das
allgemeine und gleiche Wahlrecht setzen und in Verbindung damit auch das
Herrenhaus reformieren sollten, im Herbst 1917 an den Landtag gebracht.
Aber der Erledigung dieser Vorlagen trmten sich Hemmnisse entgegen, die
zu berwinden die Regierung nicht stark genug war. Ich hatte, als im
Staatsministerium die Reform des preuischen Wahlrechts vor der
Osterbotschaft des Kaisers und Knigs diskutiert wurde, mich dahin
ausgesprochen, da das gleiche Wahlrecht, wenn es jetzt von Knig und
Regierung als Ziel aufgestellt werde, auch so bald wie mglich
durchgesetzt werden msse; denn es erschien mir im hchsten Mae
bedenklich, bei einer lngeren Dauer des Krieges diese einmal von oben
aufgenommene Frage auf unabsehbare Zeit den Gegenstand scharfer
innerpolitischer Kmpfe bilden zu lassen. Die Richtigkeit dieser
Empfindung ist leider durch den Verlauf der Dinge besttigt worden. In
endlosen Verhandlungen beschftigten sich erst das Abgeordnetenhaus und
seine Kommission, dann auch das Herrenhaus mit den Reformvorlagen, ohne
zu einem Schlu zu kommen. Nicht nur die Konservativen und der grte
Teil der Freikonservativen, sondern auch ein Teil des Zentrums und der
Nationalliberalen, die man durch die Ernennung des Herrn Dr. Friedberg
zum Vizeprsidenten des Staatsministeriums hatte gewinnen wollen, blieben
in der Opposition gegen das gleiche Wahlrecht. Als die zweite Lesung im
Abgeordnetenhause zu einem ungnstigen Schlu zu kommen schien, empfing
der Kanzler eine Delegation von Vertretern der Arbeiterorganisationen und
gab ihnen die beruhigende Zusicherung, da er mit dem gleichen Wahlrecht
stehe und falle. Das war am 27. April. Am 2. Mai lehnte das
Abgeordnetenhaus das gleiche Wahlrecht ab. Die dritte Lesung hatte kein
besseres Ergebnis; sie kam mit 236 gegen 185 Stimmen zur Ablehnung,
brachte aber auch keine Mehrheit fr irgendeinen anderen Antrag, so da
der wichtigste Punkt der Vorlage offen blieb. Herr Dr. Friedberg
erklrte, die Staatsregierung halte am gleichen Wahlrecht unverrckbar
fest und sei entschlossen, zu seiner Durchfhrung alle verfassungsmigen
Mittel in Anwendung zu bringen; aber auch das Herrenhaus msse noch
Stellung nehmen; sollte dieses dem Gang der Gesetzgebung entsprechende
Verfahren innerhalb angemessener Frist nicht zum Ziel fhren, so werde
die Auflsung des Abgeordnetenhauses zu dem ersten Zeitpunkt erfolgen, zu
dem dies nach dem pflichtgemen Ermessen der Staatsregierung mit der
Kriegslage vereinbar sei.

Auch diese Erklrung brachte die Sache nicht vorwrts. Am 11. Juni wurde
das gleiche Wahlrecht in vierter Lesung abermals abgelehnt; und zwar war
dieses Mal die Minderheit fr das gleiche Wahlrecht noch weiter -- von
185 auf 164 Stimmen -- zusammengeschmolzen.

Es war den Mnnern des Kabinetts Hertling nicht gegeben, die
widerstrebenden Parteien und Parteigruppen davon zu berzeugen, da das
einmal auf Grund einer feierlichen Ankndigung der Krone eingebrachte
gleiche Wahlrecht unter keinen Umstnden abgelehnt werden knne und da
jede Verzgerung in seiner Annahme die ohnedies schwierige innere Lage
noch weiter belasten msse.

Zu alldem kam der immer schwerer werdende Druck der Knappheit an den
Gegenstnden des dringendsten Bedarfs und der immer krasser
zutagetretende Unfug des Schleichhandels und des Preiswuchers.

Die Agitation der Unabhngigen Sozialdemokraten fand in diesen
Verhltnissen einen gnstigen Boden. Sie nahm nicht nur in der heimischen
Bevlkerung berhand, sondern griff auch mehr und mehr auf die Armee und
Marine ber. Die Regierung htte durch die Vorkommnisse in der Flotte im
August 1917 gewarnt sein knnen. Aber sie lie die Dinge gehen, offenbar
nicht nur in einer Unterschtzung der tatschlichen Gefahr, sondern auch
weil sie die Harmonie mit den Mehrheitsparteien als ein politisches
Aktivum ansah, das nicht durch ein scharfes Zugreifen auf Grund des
ohnedies so stark angefochtenen Belagerungszustandes gefhrdet werden
sollte.

Aber auch das Ziel, die Mehrheitsparteien zusammenzuhalten und damit den
Burgfrieden auf einer neuen Grundlage zu sichern, wurde nicht erreicht.
Die Mehrheitssozialisten hatten sich, wie ich oben dargestellt habe,
trotz ihrer intensiven Mitwirkung bei der Bildung des Kabinetts
Hertling freie Hand vorbehalten. Von dieser freien Hand machten sie
jetzt Gebrauch. Die Konkurrenz mit ihren unabhngigen Brdern um die
Seele der Massen drngte sie erneut in die Opposition.

Noch vor dem Rcktritt Khlmanns hielt Herr Scheidemann bei der dritten
Lesung des Reichsetats am 3. Juli eine Rede, die nur als eine Absage an
die Regierung Hertling-Payer aufgefat werden konnte.

Er richtete heftige Beschwerden gegen die Handhabung der Zensur und des
Belagerungszustandes; der Verfassungszustand, in dem wir lebten, sei doch
nur der militrische Absolutismus, gemildert durch die Furcht vor dem
parlamentarischen Skandal. Das darbende Volk fhle sich im Zustand der
allerbittersten Not und Knechtschaft. In den kritischsten Wochen der
Volksernhrung erlebten wir das Trauerspiel der preuischen Wahlreform;
dieses Zusammentreffen nicht durch rechtzeitige Auflsung des
Abgeordnetenhauses verhindert zu haben, sei einer der schwersten
Vorwrfe, die sich gegen die Regierung richteten. Einer Regierung, die
den Belagerungszustand nach vier Kriegsjahren immer noch nicht hat
beseitigen knnen, vermgen wir nicht einmal den Etat zu bewilligen.

Fr Herrn von Payer, der auf das kategorische Verlangen der
Sozialdemokraten die Stellvertretung des Reichskanzlers bernommen hatte,
entstand nun die Aufgabe, dem Wortfhrer dieser selben Sozialdemokraten
entgegenzutreten. Er tat das mit tapferen und aufrichtigen Worten. Aber
es blieb dabei: die erste parlamentarische Regierung Deutschlands sah
sich bei der Durchbringung des Reichsetats von der zweitgrten Partei
der Mehrheit, die ihre parlamentarische Existenzgrundlage bildete,
verlassen; und zwar wurde die Ablehnung des Etats von dem Wortfhrer
dieser Partei in einer Weise begrndet, die nichts anderes als ein
Mitrauensvotum darstellte. Das Zustandekommen des Etats war abhngig
geworden von der Zustimmung der rechtsstehenden Parteien, die gegen die
Regierung in der Opposition standen und von der Regierung ngstlich in
der Opposition gehalten worden waren. In jedem wirklich parlamentarisch
regierten Lande htte ein solcher Vorgang zum Rcktritt und zur
Neubildung der Regierung gefhrt. Bei uns nicht. Denn die Regierung
Hertling-Payer war entschlossen, die Fiktion der Mehrheitsparteien auch
gegen die handgreifliche Tatsache der Etatsverweigerung durch die
Sozialdemokraten aufrechtzuerhalten.

In diese Lage fiel der Rcktritt Khlmanns, desjenigen Mitglieds der
Regierung Hertling, das in den kritischen Tagen des November 1917 mehr
als jedes andere die Herrschaft der Mehrheitsparteien hatte errichten
helfen und das nicht nur als erster Vorkmpfer des parlamentarischen
Regimes, sondern auch als erster Vorkmpfer des Verstndigungsfriedens
galt.

Die Nachricht von der Entlassung des Herrn von Khlmann und seiner
Ersetzung durch Herrn von Hintze, dem alldeutsche Neigungen nachgesagt
wurden, schlug in den Kreisen der Mehrheitsparteien wie eine Bombe ein.
Man erregte sich nicht nur ber den Wechsel an sich, sondern auch
darber, da die Mehrheitsparteien vor der Ernennung des neuen
Staatssekretrs nicht gehrt worden seien. Diesen Versto gegen den Geist
des Parlamentarismus versuchte man zu reparieren, indem man in der
offiziellen Ankndigung des Wechsels die endgltige Entscheidung ber die
Ernennung des Herrn von Hintze als noch nicht erfolgt bezeichnete. Die
Ernennung wurde in der Tat formell erst vollzogen, nachdem Herr von
Hintze den Parteifhrern vorgestellt worden war und der Reichskanzler im
Hauptausschu des Reichstags Aufklrungen gegeben hatte.

Der Reichskanzler fhrte bei dieser Gelegenheit aus, er habe sich von
Herrn von Khlmann, dessen politische Erfahrung und diplomatische
Gewandtheit er lobend anerkannte, trennen mssen, da das notwendige
Vertrauensverhltnis zwischen Khlmann und anderen Faktoren nicht
bestanden habe, ein Vertrauensverhltnis, das fr eine reibungslose
Fhrung der Geschfte nicht entbehrt werden knne. Herr von Hintze sei
ein sehr genauer Kenner der russischen Verhltnisse, sei lange als
Militrbevollmchtigter in Petersburg gewesen und habe groe Reisen durch
Ruland gemacht. Aber es versteht sich von selbst, so fuhr der Kanzler
fort, da ich meine Gegenzeichnung zu der Ernennung des Herrn von Hintze
nur gebe, wenn Herr von Hintze =meine= Politik und nicht seine eigene
verfolgt. Dafr habe ich aber bereits in den Zusagen des Herrn von Hintze
-- die Ernennung ist noch nicht erfolgt -- meinerseits die feste
Brgschaft. =Ich= mache die Politik.

Stolze Worte. Die Auguren lchelten und gaben sich zufrieden. Nur Herr
Scheidemann erklrte, er knne nach den Ausfhrungen des Reichskanzlers,
nach denen sich in unserer Politik nichts gendert habe, nicht verstehen,
warum Herr von Khlmann den Abschied erhalten habe. Aber die
Mehrheitsparteien, einschlielich der Mehrheitssozialisten, wollten keine
offene Krisis. Sie wollten, ebenso wie die Regierung, trotz der
Etatsverweigerung seitens der Sozialdemokraten und der Verabschiedung
Khlmanns, die ihnen erwnschte und bequeme Fiktion einer
Mehrheitsregierung aufrechterhalten und lieen infolgedessen einen
Zustand bestehen, der in sich selbst unmglich geworden war.


                             Der Wendepunkt

Die durch die drei Offensiven an der Westfront geschaffene Lage drngte
auf eine Klrung. Unsere Front, die vor dem 21. Mrz von der Nordsee bis
Verdun einen gleichmig geschwungenen flachen Bogen gezeigt hatte,
verlief jetzt in grotesken Kurven. Keilartig markierten sich die Erfolge
unserer Offensiven gegen Hazebrouck, gegen Amiens, gegen die Marne, und
keilartig sprangen die von den Feinden gehaltenen Stellungsteile in
unsere neue Front hinein, zusammengehalten von wichtigen und starken
Sttzpunkten, wie Ypern, Arras, Compigne, Reims. Schon da unseren
Frontkeilen solche Sttzpunkte und die nach diesen zusammenlaufenden
gnstigen Eisenbahnverbindungen fehlten, gab dem Feind einen Vorsprung.
Auerdem aber mute die Verlngerung der Front fr uns ungnstig wirken
angesichts der Tatsache, da die zahlenmige berlegenheit des Feindes,
die wir niemals ganz hatten ausgleichen knnen, durch die amerikanischen
Verstrkungen immer grer wurde.

Unttiges Abwarten verbot sich in dieser Lage von selbst. Die Oberste
Heeresleitung stand vor der Wahl, entweder den Versuch zu machen, durch
einen neuen groen Angriff eine Verbesserung der Front nach vorwrts
herbeizufhren und womglich die Entscheidung zu erzwingen; oder die
Offensiven abzubrechen, durch Verkrzung der Front nach rckwrts in die
Defensive berzugehen, in gnstigeren Stellungen den Feind anlaufen und
womglich verbluten zu lassen.

Die Oberste Heeresleitung entschlo sich fr die Fortsetzung der
Offensive.

Der neue Angriff wurde am frhen Morgen des 15. Juli auf langgestreckten
Frontteilen beiderseits Reims angesetzt, von unseren Stellungen an der
Marne an bis westlich Reims und von dem Fort La Pompelle im Sdosten von
Reims bis zu den seit Jahren heftig umstrittenen Hhen von Massiges.

Die berraschung glckte dieses Mal nicht. Der Feind hatte den Angriff
erwartet und umfangreiche Manahmen zur Abwehr getroffen.

Vor allem hatte die feindliche Heeresleitung, die in den drei Offensiven
des Frhjahrs die Unwiderstehlichkeit unserer Feuerwalze kennengelernt
hatte, den Schwerpunkt ihrer Verteidigung von vornherein in ihre zweiten
Stellungen verlegt und die ersten Stellungen nur schwach besetzt. So
stie unser Angriff auf die erste feindliche Linie gewissermaen in die
Luft, whrend der Feind in seinen durch unser Zerstrungsfeuer nur wenig
mitgenommenen zweiten Stellungen unserem weiteren Vordringen die ganze
Wucht seiner Verteidigungsmittel entgegenstellte.

Es gelang uns zwar, im ersten Anlauf einige wichtige Stellungen der
Fronten stlich und sdwestlich von Reims zu nehmen und die Marne an
mehreren Stellen zu berschreiten; aber die Versuche, den Angriff
weiterzutragen, scheiterten und wurden in richtiger Erkenntnis der
Sachlage nicht fortgesetzt. Die nach umfangreichen Vorbereitungen und mit
groen Mitteln unternommene Operation, von deren Gelingen so unendlich
viel abhing, endete mit einem unverkennbaren und empfindlichen Mierfolg.

Drei Tage nach dieser milungenen Offensive holte der Feind zu einem
gewaltigen Gegenschlag aus. Aus dem Waldgebiet von Villers-Cotterets
heraus brachen am 18. Juli Franzosen, Englnder, Amerikaner und Italiener
auf der etwa 45 Kilometer langen Front zwischen Aisne und Marne zum
Angriff gegen den nord-sdlich verlaufenden Teil des durch unsere dritte
Offensive geschaffenen Stellungsbogens vor. Gegen ihre sonstige
Gewohnheit hatte die feindliche Heeresleitung dieses Mal auf eine
langwierige Artillerievorbereitung verzichtet; dagegen wurde der Vorsto
ihrer Infanteriemassen gedeckt und begleitet von bisher unerhrten Massen
von Schlachtfliegern und leichtbeweglichen Tanks.

Der Angriff traf mit voller Wucht die nicht sehr starke rechte Flanke
unserer Angriffsfront vom 15. Juli. Unsere vordersten Linien wurden im
ersten Anlauf berrannt, und der Feind gelangte bis in unsere
Artilleriestellungen. In zhem Ringen gelang es hier, ihn aufzuhalten.
Aber die folgenden Tage brachten nicht nur eine unverminderte Fortsetzung
des Ansturms auf dem Frontteil Soissons--Chteau-Thierry, sondern auch
heftige Angriffe auf unsere Stellungen sdwestlich von Reims. Unser ber
die Marne hinausreichender Stellungskeil wurde so auf beiden Seiten an
seinen Wurzeln zwischen die Zange genommen.

Unter dem Druck dieser gewaltigen Angriffsaktion entschlo sich unsere
Oberste Heeresleitung, in dem gefhrdeten Marnebogen die Front zu
verkrzen. Erst wurden in der Nacht auf den 20. Juli die ber die Marne
vorgedrungenen Truppenteile ber den Flu zurckgenommen. Dann wurde noch
im Verlauf des 20. Juli Chteau-Thierry preisgegeben. Vor den Angriffen,
die auch in der folgenden Woche mit ungebrochenem Nachdruck weitergefhrt
wurden, gingen wir auf die Linie Fre-en-Tardenois--Ville-en-Tardenois
zurck. Am 3. August mute Soissons aufgegeben werden. Die Zurcknahme
unserer Front hinter den Vesle-Abschnitt war damit zur Notwendigkeit
geworden.

Damit war an diesem Teil der Front unsere Rckwrtsbewegung zunchst
abgeschlossen. Der Feind hatte in rcksichtslosem Einsatz seiner
Truppenmassen zweifellos betrchtliche Einbuen erlitten; aber auch
unsere Verluste an Toten, Verwundeten und Gefangenen sowie an
Kriegsmaterial waren gro. Noch grer aber war der moralische Eindruck
auf Front und Heimat bei Freund und Feind. Unsere in den ersten Anfngen
steckengebliebene Offensive und der mit furchtbarer Wucht angesetzte und
mit groer Zhigkeit in dreiwchigen Kmpfen durchgefhrte feindliche
Gegenangriff machten aller Welt deutlich, da es den Feinden gelungen
sei, unsere unwiderstehlich scheinende Angriffskraft zu brechen und die
Initiative an sich zu reien.

Jedem deutschen Herzen mute sich die bange Frage aufdrngen, ob es dem
Genie unserer groen Heerfhrer und der Spannkraft unserer Truppen
gelingen werde, noch einmal das Schicksal zu wenden, oder ob wir an der
ganzen Westfront aufs neue in eine die Hoffnungen auf ein baldiges
Kriegsende gnzlich zerstrende Defensive zurckgeworfen werden wrden.

Diese bange Frage erhielt eine niederschmetternde Antwort, als zwei Tage
nach der Zurcknahme unserer Truppen hinter die Vesle, am 8. August, die
Englnder beiderseits der Somme in einem wuchtigen berraschungsangriff,
der durch dichten Morgennebel begnstigt wurde, in unsere Stellungen
eindrangen und den ganzen in der Mrzoffensive gewonnenen, gegen Amiens
vorspringenden Frontbogen zwischen Arras und Soissons ins Wanken
brachten. Mit ungezhlten Panzerwagen berrannte der Feind unsere Linien.
Eine ganze Anzahl von Stben wurde weit hinter den Grben von Tanks
berrascht und gefangengenommen; die planmige Leitung der
Abwehroperationen wurde dadurch unmglich gemacht, schwere Verwirrung
wurde in unsere Reihen getragen. Der Feind schlug gleich am ersten Tage
eine klaffende Lcke von groer Breite und Tiefe in unsere Front sdlich
der Somme. Zahlreiche Gefangene und groe Mengen von Geschtzen und
sonstigem Kriegsmaterial fielen in seine Hand. Sein Erfolg wurde
vervollstndigt, als am folgenden Tage der Franzose auf der Front
sdstlich des von uns bereits gerumten Montdidier gleichfalls zum
Angriff berging. Erst in der geraden Linie Albert--Roye--Lassigny, die
bis zu 30 Kilometer hinter unserer ursprnglichen Stellung lag, gelang
es, die Schlacht einigermaen zum Stehen zu bringen und die Verteidigung
wieder zu organisieren. Aber die Notwendigkeit einer weiteren
Rckwrtsbewegung, etwa auf die alte Siegfriedstellung, von der unsere
Mrzoffensive ausgegangen war, wurde schon um die Mitte des Monats August
von der Obersten Heeresleitung als unvermeidlich ins Auge gefat.

Im ganzen bisherigen Verlauf des Krieges hatten die Ereignisse, die sich
vom 18. Juli bis etwa 12. August 1918 zwischen Arras und Reims
abspielten, nur in der Marneschlacht vom September 1914 annhernd
ihresgleichen. Der im Mrz 1918 mit dem strksten Aufgebot an
Mannschaften und Material so glnzend eingeleitete Feldzug war verloren.
Wir waren nach bermenschlichen Anstrengungen und beispiellosen
Waffentaten unter malos erschwerten Verhltnissen in die Verteidigung
zurckgeworfen. Die Wagschale des Schicksals hatte sich gegen uns
geneigt.


                         Meine Moskauer Mission

Auch im Osten hatten sich inzwischen die Dinge uerst unerfreulich
gestaltet.

Nach der Ratifikation des Friedens von Brest-Litowsk war Herr Joffe als
Diplomatischer Vertreter der Russischen Sozialistischen Fderativen
Sowjetrepublik in Berlin eingezogen und hatte nach einigem Hin und Her
in dem Palast der ehemals Kaiserlich Russischen Botschaft Unter den
Linden sein Quartier aufgeschlagen. Eine groe blutrote Fahne wehte ber
dem Gebude, dessen neue Bewohner alsbald im intimsten Verkehr mit
unseren ihre revolutionren Absichten kaum mehr verhllenden Unabhngigen
Sozialdemokraten und Liebknecht-Anhngern standen.

Als Diplomatischer Vertreter des Deutschen Reiches wurde Graf Mirbach
nach Moskau entsandt. Der Graf war vor dem Krieg lange Jahre hindurch
Botschaftsrat in Petersburg gewesen, und er hatte nach Abschlu des
Waffenstillstandes an der Spitze der Kommission fr die Wiederherstellung
des wirtschaftlichen Verkehrs, den Austausch der Zivilinternierten usw.
in Petersburg gewirkt. Es wurde ihm jetzt ein umfangreicher Stab von
Mitarbeitern, Sachverstndigen, Kommissaren und Kommissionen beigegeben.
Seine Aufgabe war nicht nur die Wiederherstellung normaler diplomatischer
Beziehungen, die Beobachtung der weiteren Entwicklung und die
Wahrnehmung der deutschen politischen Interessen, sondern auch die Sorge
fr die mglichst rasche Zurckfhrung unserer Kriegsgefangenen und
Zivilinternierten, fr die Sammlung und den Abtransport der
Rckwanderer aus den zahlreichen deutschen Niederlassungen in Ruland,
schlielich die Sorge fr die Herstellung guter, fr Deutschland wie fr
Ruland vorteilhafter wirtschaftlicher Beziehungen und die Nutzbarmachung
der Warenbestnde und Hilfsquellen Rulands fr das wirtschaftlich schwer
kmpfende Deutschland.

Die Lage, die Graf Mirbach vorfand, als er Ende April 1918 in Moskau
eintraf, war uerst schwierig und verworren.

Die Bolschewikiregierung konnte, wie der Ausfall der Wahlen zu der
Konstituierenden Duma gezeigt hatte, nur auf eine bescheidene Minderheit
der russischen Bevlkerung -- auch der grorussischen -- als ihre
unmittelbare Anhngerschaft zhlen. Allerdings leistete ihr auch die
Partei der Linken Sozialrevolutionre zunchst Gefolgschaft. Aber schon
in der Frage: Annahme oder Ablehnung des Brester Friedens? war es
zwischen den beiden verbndeten Parteien zu Meinungsverschiedenheiten
gekommen, die sich in der Folgezeit verschrften.

An Machtmitteln standen der Sowjetregierung zur Verfgung vor allem eine
Anzahl gut disziplinierter und kampferprobter lettischer Regimenter; die
sogenannte Rote Garde war in der Hauptsache noch ein bunt
zusammengewrfelter Haufen, der erst noch organisiert und ausgebildet
werden mute.

Nach auen stand die Sowjetrepublik im Kampf mit Finnland, mit der
Ukraine, mit den Donkosaken, den Stmmen des Kaukasus und einem
groen Teil Sibiriens. Auerdem tauchten als neue Gefahr die
tschecho-slowakischen Truppen auf, Kriegsgefangene und berlufer, die im
Mrz 1918 von der russischen Regierung die Erlaubnis erhalten hatten,
bewaffnet ber Wladiwostok zur franzsischen Front zu gehen, es dann aber
-- im Laufe des Mai -- unter der Einwirkung von Entente-Einflssen
vorzogen, sich an der Sibirischen Bahn festzusetzen und ihre Waffen gegen
Sowjetruland zu kehren. Ferner drangen die Trken im Kaukasusgebiet weit
ber die Grenzen der Kreise von Kars, Erdehan und Batum vor; sie
bedrohten vor allem das fr die Versorgung Rulands mit Brennstoff
auerordentlich wichtige Erdlgebiet von Baku. Schlielich zeigten sich
im Laufe des Monats Juni Ententetruppen an der Murmankste.

Deutschland hatte gegenber Sowjetruland fr die Finnen und Ukrainer
offen Partei genommen und diesen Waffenhilfe geleistet; auch durch den
offiziellen Friedensschlu, der Ruland die Anerkennung Finnlands und der
Ukraine auferlegte, waren diese Kmpfe nicht beendet. Denn im Innern
dieser Lnder ging der Kampf zwischen Regierungsgewalt und Bolschewisten
weiter, wobei wir der Regierungsgewalt, Sowjetruland den Bolschewisten
Hilfe gewhrten. Auerdem untersttzten die in Sdruland stehenden
deutschen Truppen die unter dem General Krasnow gegen Sowjetruland
kmpfenden Donkosaken. Schlielich frderte Deutschland die
Selbstndigkeitsbestrebungen der Georgier und Grusinier.

Die Tatsache, da wir mit den Bolschewiki und ihrer Roten Garde auerhalb
der noch ganz flssigen territorialen Grenzen Grorulands nach wie vor
die Waffen kreuzten, mute natrlich die Aufgabe, gute Beziehungen zu dem
unter der Sowjetregierung stehenden Groruland zu schaffen und dadurch
die Nutzbarmachung seiner Hilfsquellen und Vorrte fr Deutschland zu
ermglichen, in einer ganz besonderen Weise erschweren. Aber abgesehen
von dieser Komplikation mute es von Anfang an zweifelhaft erscheinen, ob
die Erreichung unseres Zieles in Groruland berhaupt mglich wre mit
einer Regierung, die den von ihr mit uns abgeschlossenen Frieden ganz
offen nur als Atempause bezeichnete und immer wieder die
Weltrevolution, beginnend mit der Revolutionierung Deutschlands, als ihr
Ziel proklamierte.

Jedenfalls zeigte sich bald, da die Durchfhrung des Brester Vertrages
und die erstrebte Anbahnung von wirtschaftlichen Beziehungen auf die
grten Schwierigkeiten stie. Unser Bestreben, die russischen
Warenvorrte fr uns nutzbar zu machen, scheiterte, und zwar nicht nur
hinsichtlich der Nahrungsmittel, die in Sowjetruland selbst
auerordentlich knapp waren, sondern auch hinsichtlich der tatschlich
vorhandenen und brachliegenden kriegswichtigen Rohstoffe, wie Kupfer,
Nickel, Gummi, le usw. Nach auen erschienen die Schwierigkeiten in der
Hauptsache als Folge der von den Bolschewiki in Angriff genommenen
Sozialisierung der Betriebe und Warenvorrte, durch die der freie
Handel so gut wie unmglich gemacht wurde. Die inneren Widerstnde aber
zeigten sich in der Tatsache, da die geschftlichen Verhandlungen mit
der Bolschewikiregierung, die fr sich die Verfgung ber die in Ruland
vorhandenen Bestnde in Anspruch nahm, von dieser ausnahmslos dilatorisch
behandelt wurden und steckenblieben.

In diesem ungeklrten und unerquicklichen Stand der Dinge kam am 6. Juli
1918 die Nachricht, da Graf Mirbach in dem Hause der deutschen
Vertretung ermordet worden sei und da im unmittelbaren Anschlu an das
Attentat die Linken Sozialrevolutionre versucht htten, durch einen
Aufstand, der indessen rasch niedergeworfen wurde, sich der Gewalt zu
bemchtigen. Die Nachrichten aus den verschiedenen Quellen ber die
Zusammenhnge lauteten zunchst widerspruchsvoll und gaben kein klares
Bild; aber die Tatsache des Verbrechens warf fr sich allein schon ein
blitzartiges Licht auf die prekren, ja unhaltbaren Verhltnisse, mit
denen wir in Ruland zu rechnen hatten.

Mich hatte die Sorge um die Gestaltung unserer Beziehungen zu dem Osten
seit den Brester Verhandlungen nicht einen Augenblick verlassen. Sie war
gesteigert worden durch alle Nachrichten, die von unseren Missionen in
Moskau, in Helsingfors, in Kiew und im Kaukasus zu uns herberkamen; noch
mehr durch die Beobachtung, da unserer Politik nach dem Osten jede
einheitliche Linie fehlte, da sie in sich widerspruchsvoll war und nur
zu einer Festlegung und Zersplitterung wertvoller Krfte, dagegen zu
keinem irgendwie gearteten positiven Nutzen fhrte. Der alte Fehler, der
die Verhandlungen in Brest-Litowsk so malos erschwert und den Brester
Frieden so unglcklich beeinflut hatte -- der Mangel an bereinstimmung
zwischen der politischen und der militrischen Leitung --, erwies sich
auch weiterhin als das Grundbel. Graf Mirbach und seine Mitarbeiter
hatten nach allem, was ich damals wahrnehmen konnte und spter auch
besttigt fand, sich fr die richtige Politik eingesetzt und versucht,
fr eine einheitliche Marschroute im Sinne der Vorbereitung eines
allmhlichen Umschwenkens und Abbauens zu wirken. Das Auswrtige Amt,
dessen Chef wohl die Auffassungen des Grafen Mirbach teilte, vermochte
jedoch nicht, diesen Standpunkt durchzusetzen, ja es hat schlielich
selbst die Hand zu einer wesentlichen Verschrfung des Brester Friedens
geboten. Die Klrung der stlichen Fragen erschien mir in doppeltem Mae
als eine gebieterische Notwendigkeit, seitdem der Verlauf unserer
militrischen Operationen im Westen die Hoffnung auf den entscheidenden
Sieg auf dem westlichen Kriegsschauplatz schwinden lie und seitdem ich
wute, da unsere Oberste Heeresleitung fr die Beendigung des Krieges
diplomatischen Sukkurs verlangte.

Das Bedrfnis, ber die Ostfragen durch eigenen Augenschein Klarheit zu
gewinnen und meine Person fr eine uns nach Osten hin Luft und
Rckendeckung schaffende Politik einzusetzen, war in mir so stark, da
ich mich dem Reichskanzler als Nachfolger fr den Grafen Mirbach zur
Verfgung stellte.

Dieser Schritt wurde mir um so leichter, als ich nach den bisherigen
Erfahrungen, namentlich whrend der Verhandlungen in Brest-Litowsk und
Bukarest, wenig Neigung hatte, die mir bertragene Aufgabe der
Zusammenfassung der Vorarbeiten fr die wirtschaftlichen
Friedensverhandlungen fortzusetzen. Ich hatte noch einen Versuch gemacht,
den knftigen Verhandlungen eine bessere Grundlage zu geben durch eine
planmige Heranziehung der sachverstndigen Kreise unseres
Wirtschaftslebens. Zu diesem Zweck hatte ich die Veranstaltung einer
umfassenden Enquete beantragt. Auf Grund sorgfltig ausgearbeiteter
Fragebogen sollten kompetente Vertreter der einzelnen Zweige unserer
Volkswirtschaft ber ihre bei den kommenden Friedensschlssen zu
bercksichtigenden Wnsche und Bedrfnisse in kontradiktorischem
Verfahren gehrt werden, und zwar in Gegenwart und unter Mitwirkung der
fr die wirtschaftlichen Friedensverhandlungen in Aussicht zu nehmenden
Persnlichkeiten. Im Vordergrund standen dabei die Bestimmungen und
Manahmen, die zur Sicherung unseres Bezuges von auslndischen
Rohstoffen und Nahrungsmitteln und zur Wiederherstellung unserer
Ausfuhrmglichkeiten angesichts der sowohl durch die selbstttigen
Wirkungen des Krieges, als auch durch die Kriegsmanahmen unserer Gegner
geschaffenen Verhltnisse getroffen werden muten. Nachdem ich die
Veranstaltung dieser Enquete durchgesetzt und das Reichswirtschaftsamt
als das zustndige Ressort deren Durchfhrung bernommen hatte, schien
mir eine sachliche Notwendigkeit fr die Aufrechterhaltung des mir
erteilten besonderen Auftrages nicht mehr zu bestehen. Es erschien mir im
Gegenteil zweckmig, die Aufgabe der Zusammenfassung der Vorarbeiten fr
die Friedensverhandlungen derjenigen Behrde zu bertragen, in deren Hand
die Friedensverhandlungen selbst lagen und knftig liegen sollten. Nur
auf diese Weise lieen sich die Schwierigkeiten und Reibungen vermeiden,
die whrend der Brester und Bukarester Verhandlungen zum Schaden der
Sache entstanden waren. Ich empfahl deshalb die Eingliederung des von mir
geschaffenen Bureaus mit seinem Personal in das Auswrtige Amt.

Mein Angebot, den Moskauer Posten zu bernehmen, wurde vom Reichskanzler
beim Kaiser befrwortet und von diesem angenommen, nachdem auch der
neuernannte Staatssekretr des Auswrtigen Amtes, Herr von Hintze, nach
seiner Rckkehr aus Christiania, wo er sein Abberufungsschreiben
berreicht hatte, am 20. Juli seine Zustimmung erklrt hatte.

Die Lage hatte sich inzwischen weiter kompliziert.

Auf Veranlassung des russischen Volkskommissars fr das Auswrtige waren
in Berlin Besprechungen eingeleitet worden, um gewisse mit dem Brester
Frieden zusammenhngende Fragen zu klren. Die Verhandlungen waren von
deutscher Seite von dem Leiter der Rechtsabteilung des Auswrtigen Amtes,
Ministerialdirektor Dr. Kriege, gefhrt worden, den ich als
scharfsinnigen und unbertroffen kenntnisreichen Vlkerrechtler stets
ebensosehr geschtzt habe, wie ich in die Sicherheit seines politischen
Blickes Zweifel setzen mute. Soweit es sich um rein finanzielle
Angelegenheiten handelte, hatte mich Herr Kriege, schon ehe meine
Entsendung nach Moskau in Betracht kam, in groen Zgen unterrichtet. In
die Gesamtheit der geplanten Abmachungen, die neben finanziellen und
wirtschaftlichen Vereinbarungen auch sehr wichtige politische und
territoriale Abnderungen des Brester Friedensvertrags enthielten, bekam
ich erst jetzt Einblick.

Der wesentliche Inhalt dieser =Zusatzvertrge= war der folgende:

               1. Politische und territoriale Bestimmungen

Deutschland sollte sich verpflichten, sich knftighin in die Beziehungen
zwischen Ruland und seinen Teilgebieten in keiner Weise einzumischen,
also insbesondere die Bildung selbstndiger Staatswesen in diesen
Gebieten weder zu veranlassen noch zu untersttzen.

An Ausnahmen wurden jedoch vorgesehen:

Ruland, das im Brester Vertrag auf die Staatshoheit ber Kurland,
Litauen und Polen verzichtet hatte, sollte nunmehr den gleichen Verzicht
auch fr ganz Livland und Estland aussprechen. Das knftige Schicksal von
Estland und Livland sollte von Deutschland im Einvernehmen mit der
Bevlkerung bestimmt werden.

Ruland sollte sich mit der Anerkennung Georgiens als selbstndiges
Staatswesen einverstanden erklren.

Dafr sollte sich Deutschland verpflichten, die von seinen Truppen
besetzten Gebiete stlich von Estland und Livland alsbald nach Festlegung
der Grenzen dieser Lnder zu rumen; desgleichen die Gebiete stlich der
Beresina nach Magabe der Leistung der Barzahlungen, die Ruland in den
Zusatzvertrgen bernehmen sollte. Ebenso sollte Deutschland seine
Truppen aus den russischen Schwarzmeergebieten nach der Ratifikation des
zwischen Ruland und der Ukraine abzuschlieenden Friedensvertrags
zurckziehen. Deutschland sollte sich ferner verpflichten, Operationen
der trkischen Streitkrfte in Kaukasien auerhalb des im Brester
Vertrag von Ruland preisgegebenen Gebietes nicht zu untersttzen, und es
sollte die Gewhr bernehmen, da trkische Truppen in einen gewissen um
Baku gezogenen Kreis nicht einmarschierten.

             2. Finanzielle und wirtschaftliche Bestimmungen

Ruland sollte seine smtlichen aus dem Brester Vertrag sich gegenber
dem Deutschen Reich und deutschen Staatsangehrigen ergebenden
finanziellen Verpflichtungen durch die Zahlung einer festen Pauschalsumme
von sechs Milliarden Mark abgelten, die teilweise in Gold, in Rubeln und
in Warenlieferungen, teilweise durch eine neue von Deutschland an Ruland
zu gewhrende Anleihe beglichen werden sollte. Eingeschlossen in die auf
diese Weise abzugeltenden russischen Verpflichtungen sollten sein die
Zins- und Amortisationsraten der in deutschem Besitz befindlichen
russischen Anleihen, deren grundstzliche Annullierung von der
Sowjetregierung gleich nach der Novemberrevolution ausgesprochen worden
war; ferner die Entschdigungen fr die vor einem bestimmten Termin
erfolgte Enteignung deutschen Vermgens irgendwelcher Art. Die bis dahin
erfolgten Enteignungen wurden damit von uns anerkannt; weitere
Enteignungen sollten nur in der gleichen Weise wie gegen russische
Landeseinwohner und dritte Staatsangehrige und nur gegen bare
Entschdigung erfolgen drfen.

Auerdem sollten Bestimmungen getroffen werden ber die Herausgabe der
beiderseitigen Bankdepots und Bankguthaben, ber die Rechtsverhltnisse
aus Wechseln, Schecks und Valutageschften, ber gewerbliche
Schutzrechte, ber Verjhrungsfristen und ber die Errichtung eines
Schiedsgerichts fr zivil- und handelsrechtliche Streitigkeiten.

In der juristischen Technik zeichneten sich die in der Rechtsabteilung
des Auswrtigen Amtes ausgearbeiteten Entwrfe durch sorgfltige
Genauigkeit und Przision aus. Auch materiell konnte ich mich mit einem
wesentlichen Teil ihres Inhalts einverstanden erklren. Insbesondere
erschien mir die Pauschalierung der russischen finanziellen
Verpflichtungen, die unendliche Einzelverhandlungen mit der russischen
Regierung und damit eine unabsehbare Verzgerung der Abwicklung in
glcklicher Weise vermied, als ein guter Gedanke, soweit sich die
Pauschalierung auf Verpflichtungen bezog, die zur Zeit des Beginns der
Verhandlungen bereits bestanden oder durch bereits durchgefhrte
Manahmen der russischen Regierung auf dem Gebiet der Enteignung bereits
begrndet waren. Ich warnte damals schon vor der von den russischen
Unterhndlern angeregten Ausdehnung der Pauschalierung auf die
Entschdigungspflicht auch fr solche Enteignungen deutscher Betriebe
oder Vermgenswerte, die =knftighin= bis zu einem noch festzusetzenden
Zeitpunkt etwa noch durchgefhrt werden sollten; denn eine solche
Pauschalierung =pro futuro= erschien mir geradezu als eine Prmie auf
die radikale und berstrzte Enteignung der in Ruland noch vorhandenen
deutschen Unternehmungen und Werte.

Bedenklich erschienen mir aber vor allem die Bestimmungen ber die
endgltige Lostrennung Livlands und Estlands vom Russischen Reich.

In Verbindung mit der Unabhngigkeitserklrung Finnlands mute der
Verlust von Livland und Estland das Russische Reich bis auf den schmalen,
im Winter nicht schiffbaren Zugang bei Petersburg gnzlich von der Ostsee
abschnren. Keine Vereinbarung ber freie Durchfahrt auf den baltischen
Eisenbahnen und ber freie Benutzung der baltischen Hfen konnte nach
meiner Ansicht das knftige Ruland, einerlei welche Gestalt es annehmen
sollte, diesen Verlust verschmerzen lassen. Mit Naturnotwendigkeit htte
das knftige Ruland auf die Gebiete, die es von der Ostsee abriegelten,
und auf Deutschland, das diesen Riegel in der Hand hielt, den strksten
Druck ausben mssen. Die Herstellung eines guten Verhltnisses zu dem
knftigen Ruland, die durch den Brester Frieden schon stark erschwert
war, mute durch die Lostrennung von Estland und Livland geradezu
unmglich gemacht werden. Ich konnte eine solche Fhrung unserer Politik
nur fr verhngnisvoll halten. Die notwendige Sicherung der deutschen
Bewohner jener Gebiete und ihrer materiellen, nationalen und kulturellen
Interessen lie sich nach meiner Ansicht auch auf anderen Wegen
erreichen.

Bei der einzigen Besprechung ber den Inhalt der geplanten
Zusatzvertrge, die ich -- kurz vor meiner Abreise nach Moskau -- mit dem
neuen Staatssekretr hatte, gewann ich den Eindruck, da Herr von Hintze
in diesem wichtigen Punkte im Grunde seines Herzens der gleichen Meinung
sei wie ich, und da die Angelegenheit nur auf Wunsch der Obersten
Heeresleitung betrieben werde. Da alles noch im Flusse war, brauchte ich
die Hoffnung nicht aufzugeben, von Moskau aus im Sinne meiner Auffassung
einen entscheidenden Einflu auf die endgltige Gestaltung der
Zusatzvertrge ausben zu knnen. Ich habe mir nachtrglich allerdings
den Vorwurf gemacht, da ich den Moskauer Posten berhaupt angetreten
habe, ehe dieser Punkt einwandfrei im Sinne meiner Auffassung geklrt und
entschieden war.

Nicht minder bedenklich wie die Lostrennung von Estland und Livland
erschien mir die Gewhr, die das Deutsche Reich Ruland gegenber fr das
Fernhalten trkischer Streitkrfte von dem Gebiet um Baku bernehmen
sollte. Ich machte darauf aufmerksam, da die bernahme dieser Gewhr,
falls sie ohne vorherige Verstndigung mit der Trkei und ohne deren
ausdrckliche Zustimmung erfolge, uns gegebenenfalls zu einem aktiven
Vorgehen gegen unsere trkischen Bundesgenossen im Bunde mit dem
bisherigen gemeinsamen Feinde zwingen knne. Auch abgesehen von der
ausdrcklichen Garantiebernahme fr Baku erschien es mir bedenklich, in
den kaukasischen Angelegenheiten mit Ruland irgendwelche Abmachungen
hinter dem Rcken der Trkei und mit einer Spitze gegen die Trkei zu
treffen. Ich bezweifelte, ob unser Bndnis mit der Trkei nach all dem
Druck, den wir in der bulgarisch-trkischen Streitfrage hatten ausben
mssen, einer solchen Belastung gewachsen sein wrde.

Diesen Bedenken ist bei den weiteren Verhandlungen des Auswrtigen Amtes
mit der russischen Delegation wenigstens insoweit Rechnung getragen
worden, als in dem endgltigen Text von der bernahme einer Gewhr
nicht mehr gesprochen, sondern die mildere Form gewhlt wurde:
Deutschland wird dafr eintreten, da in Kaukasien Streitkrfte einer
dritten Macht die nher bezeichnete Linie nicht berschreiten. Aber auch
in dieser Fassung blieb die Vereinbarung nach meiner Ansicht, die sich
spterhin besttigen sollte, eine bedenkliche Belastung unseres
Bundesverhltnisses mit der Trkei.

Whrend in Berlin zwischen dem Auswrtigen Amt und der russischen
Delegation friedlich ber die Zusatzvertrge verhandelt wurde, hatten
sich in Moskau, wo nach der Ermordung des Grafen Mirbach die Geschfte
unserer diplomatischen Vertretung von dem Geheimen Legationsrat Dr.
Riezler gefhrt wurden, die Verhltnisse einigermaen zugespitzt.

Die beiden Personen, die den Grafen Mirbach ermordet hatten, Blumkin und
Andrejew, waren bekannte Mitglieder der Partei der Linken
Sozialrevolutionre und Angestellte der Auerordentlichen Kommission
zur Bekmpfung der Gegenrevolution, die stark mit Anhngern dieser
Partei durchsetzt war. Unmittelbar vor dem Attentat war in Versammlungen
der Linken Sozialrevolutionre unter Berufung auf die Untersttzung, die
Deutschland in der Ukraine dem gegenrevolutionren Hetman Skoropadski
gewhre, sowie auf die Lebensmittel- und Warenlieferungen, die
Deutschland dem russischen Volke abpresse, stark gegen die deutsche
Vertretung gehetzt worden. Am Tage vor dem Attentat hatten auf dem
allrussischen Rtekongre namhafte Fhrer der Partei, vor allem Frau
Spiridonowa, leidenschaftliche und aufreizende Reden gegen Deutschland
gehalten und tosende Kundgebungen gegen den Grafen Mirbach hervorgerufen.
Jetzt, nach dem Attentat hatten sich die Mrder des Grafen Mirbach in das
Hauptquartier der Linken Sozialrevolutionre, in die groe Kaserne am
Pokrowski-Boulevard, geflchtet, waren dort mit einer Anzahl ihrer
Gesinnungsgenossen eingeschlossen und belagert worden, aber schlielich
unter einigermaen rtselhaften Begleitumstnden entkommen. Die russische
Regierung zeigte zwar groen Eifer in der Entschuldigung fr das
Attentat, jedoch wesentlich geringeren Eifer in der Verfolgung der Tter
und der Anstifter. Zwar berreichte sie schlielich unserem
Geschftstrger eine Liste von mehr als hundert Leuten, die wegen
angeblicher Beteiligung an dem Attentat erschossen worden seien; aber die
Tter und Hauptanstifter waren nicht darunter.

Die Lage erfuhr eine weitere Verschrfung durch Vorgnge an der
tschecho-slowakischen Front. Dort hatte der Oberbefehlshaber der Roten
Garden, General Murawiew, den Versuch gemacht, seine Truppen zum Abfall
von der Sowjetregierung und zum bertritt auf die Seite der Gegner zu
veranlassen. Eine Zeitlang schien es, als ob dieser Versuch Erfolg haben
sollte. Murawiew wandte sich mit einem Teil seiner Truppen gegen Moskau
und proklamierte den Wiederbeginn des Krieges gegen Deutschland. An der
Front entstand eine heillose Verwirrung, unter deren Eindruck auch die
Sowjetregierung in Moskau ihre letzte Stunde gekommen glaubte. Der
Versuch scheiterte jedoch schlielich an der Haltung der lettischen
Truppen, und Murawiew wurde von seinen eigenen Leuten am 8. Juli
erschossen. Aber immerhin zeigte auch dieser Vorfall, wie die
Verhltnisse auf des Messers Schneide standen.

Angesichts der ungeklrten Lage und der fortdauernden Bedrohung des
Personals der deutschen Vertretung stellte der deutsche Geschftstrger
im Einverstndnis mit dem Auswrtigen Amt bei der russischen Regierung
den Antrag auf Zulassung eines kriegsstarken deutschen Bataillons als
Gesandtschaftswache. Die russische Regierung zeigte ber diesen Antrag
groe Erregung. Herr Joffe intervenierte beim Auswrtigen Amt in Berlin,
das den Antrag fallen lie und sich mit der Zusage der Zulassung von
dreihundert deutschen Soldaten -- aber in Zivil! -- als Schutzwache fr
die Gesandtschaft begngte. Dem geschickten und energischen Auftreten des
deutschen Geschftstrgers gelang es, bei dieser Gelegenheit wenigstens
die Entfernung der Militrmissionen der Entente, die bisher immer noch in
Moskau ihr Unwesen getrieben hatten, durchzusetzen.

Das alles war geschehen, ehe ber meine Ernennung entschieden war; ich
habe von diesen Vorgngen das Wesentliche erst erfahren, als ich in den
wenigen Tagen von meiner Ernennung bis zu meiner Abreise nach Moskau mich
im Auswrtigen Amt zu informieren suchte. Dabei erfuhr ich auch, da
whrend der durch den Abfall Murawiews entstandenen Krise der
Geschftstrger mit Untersttzung des Militrattachs die Ermchtigung
erbeten hatte, im Falle der Not mit dem gesamten Personal der Mission
Moskau zu verlassen. Der Staatssekretr des Auswrtigen Amtes hat damals
diese Ermchtigung erteilt und, als die Moskauer Vertretung angesichts
der raschen Niederwerfung der Murawiewschen Revolte keinen Gebrauch von
ihr machte, sie fr knftige Eventualitten aufrechterhalten. Dagegen
erfuhr ich erst in Moskau aus den Mitteilungen des Geschftstrgers, da
die Moskauer Vertretung in der Ermordung des Grafen Mirbach den wichtigen
Anla hatte sehen wollen, um uns aus der doch unhaltbaren Verbindung mit
dem Bolschewismus zu befreien und den Weg zu einer einheitlichen Politik
der Verstndigung mit dem nichtbolschewistischen Ruland freizumachen.
Diese Politik hatte in Berlin kein Verstndnis gefunden. Der
Staatssekretr von Hintze suchte mir gegenber die offenbar schwebenden
Differenzen durch eine bertriebene Nervositt der Moskauer Herren zu
erklren; die anderen an den Zusatzvertrgen mit besonderem Eifer
arbeitenden Herren erweckten mir indessen schon damals den Eindruck, da
sie in den Moskauer Berichten nur eine unerwnschte und lstige Strung
ihrer Verhandlungen ber die Zusatzvertrge sahen. Die Vertrge selbst
waren, wie ich spter in Moskau feststellte, der dortigen Vertretung
trotz mehrfach wiederholter Reklamationen nicht mitgeteilt worden. Das
Exemplar der Entwrfe, das ich nach Moskau mitbrachte, war das erste, das
die dortigen Herren berhaupt zu sehen bekamen. ber die schweren
Bedenken, die bei der Moskauer Vertretung gegen wesentliche Punkte der
Zusatzvertrge bestanden, konnte man im Berliner Auswrtigen Amt nicht im
Zweifel sein.

Jedenfalls wnschte der Staatssekretr, da ich meine Abreise nach Moskau
nach jeder Mglichkeit beschleunigen mchte, um mir so bald wie mglich
an Ort und Stelle ein Urteil zu bilden. Die ber die Verlegung des Sitzes
der deutschen Vertretung zu treffende Entscheidung gab er dabei ganz in
meine Hand.

So reiste ich bereits wenige Tage nach meiner Ernennung, am 26. Juli, von
Berlin nach Moskau ab. Ich hatte mir vorbehalten, nach Gewinnung eines
berblicks zur Berichterstattung und zur Ordnung meiner persnlichen
Verhltnisse nach Berlin zurckkommen zu drfen.

An der Militrgrenze, Bahnhof Orscha, erwartete mich ein Vertreter des
Volkskommissariats fr das Auswrtige mit einem Extrazug und einer schwer
bewaffneten lettischen Schutzwache. Die Reise auf russischem Gebiet ging
glatt und rasch vonstatten. Wir htten bequem zwischen sieben und acht
Uhr abends in Moskau sein knnen: Etwa hundert Kilometer vor Moskau
erhielt jedoch der Zugfhrer die Weisung, der Zug drfe unter keinen
Umstnden vor zehn Uhr in Moskau einlaufen. Wir fuhren dementsprechend im
Schneckentempo. Kurz vor Kunzewo, etwa vierzehn Kilometer vor Moskau,
erhielt der Zug Haltesignal. Dr. Riezler erschien an meinem Wagen und
forderte mich auf, mit meinem Begleiter, dem der Moskauer Vertretung
zugeteilten Legationsrat Grafen Bassewitz, den Zug zu verlassen. Man
wolle es vermeiden, mich im Moskauer Bahnhof aussteigen zu lassen. Auf
der Strae erwartete uns Herr Radek, damals Chef der mitteleuropischen
Sektion des Volkskommissariats fr das Auswrtige, mit seinem Auto und
brachte uns unbemerkt nach der Stadt hinein zu der am Djeneshnij, einer
ruhigen Seitenstrae des Arbat, gelegenen Villa Berg, in der unsere
Vertretung ihren Sitz genommen hatte. Herr Radek erwhnte, es liege zwar
nichts Besonderes vor, aber meine Ankunft knne bekannt geworden sein,
und Vorsicht knne nichts schaden.

Ich hatte noch am gleichen Abend und am nchsten Vormittag Gelegenheit,
meine wichtigsten Mitarbeiter kennenzulernen, mir von ihnen ber den
Stand ihrer Geschfte berichten zu lassen und ihre Ansicht ber die Lage
zu hren. Alle, Militr und Zivil, stimmten darin berein, da die
Bolschewikiregierung von innen und auen schwer bedroht sei; da es ihr
an jeder Spur von gutem Willen fehle, aufrichtig mit Deutschland
zusammenzugehen; da sie zwar in der ernsten Lage, in der sie sich
befinde, einen Bruch mit uns vermeiden, ja nach Mglichkeit sich unsere
moralische und materielle Untersttzung sichern wolle, jedoch jede
Deutschland zugutekommende Manahme unter dem Anschein und dem
Versprechen des Entgegenkommens durch den zhesten passiven Widerstand
vereitele; da das offensichtliche Bestreben gewisser im Auswrtigen Amt
einflureicher Leute, mit der Bolschewikiregierung intim
zusammenzuarbeiten und namentlich mit ihr die Zusatzvertrge
abzuschlieen, das ganze nichtbolschewistische Ruland geradezu gegen
Deutschland aufpeitsche, ohne uns den geringsten greifbaren Vorteil zu
bringen; da schlielich die deutsche Vertretung in Moskau, trotz
verstrkter Bewachung durch ein Lettenkommando, nach wie vor ernstlich
bedroht und ein gedeihliches Arbeiten nicht mglich sei. Die von Berlin
in Aussicht genommene Entsendung von dreihundert Mann in Zivil wurde von
den Militrs als ein gnzlich unzureichender Schutz bezeichnet.

Mein erster Besuch galt dem Volkskommissar fr das Auswrtige, Herrn
Tschitscherin, der sein Quartier im Hotel Metropol am Theaterplatz
aufgeschlagen hatte. Dem Drngen meiner Berater folgend, besuchte ich ihn
unangesagt; auch benutzte ich nicht das Gesandtschaftsauto, sondern ein
Dogcart. Nach wenigen Minuten verlor das Pferd ein Eisen. Ich ging mit
Dr. Riezler, der mich begleitete, unerkannt und unbeobachtet zu Fu durch
die gefhrliche Stadt, die kaum einen anderen Eindruck machte als spter
das revolutionre Berlin.

Herr Tschitscherin, in seinem ueren ein verhrmter und verschchterter
Gelehrter mit schwermtigen, traurigen Augen, sprach mir sofort von
seinen Sorgen um Baku, das von den trkischen Truppen unmittelbar bedroht
sei, und berief sich auf die Zusagen, die von unserer Regierung Herrn
Joffe wegen des Schutzes von Baku gemacht worden seien. Ich bezweifelte
auf Grund meiner Berliner Informationen, da die Trken einen Schlag
gegen Baku beabsichtigen knnten, und gab die Versicherung, da die
deutsche Regierung von den mit ihrem Bundesverhltnis zur Trkei
vertrglichen Mitteln Gebrauch machen werde, um die Trken zur
Zurckhaltung zu veranlassen. ber die Zusatzvertrge sagte
Tschitscherin, da er noch nicht im Besitz der in Berlin zwischen den
beiderseitigen Delegationen vereinbarten Redaktion sei; da nach deren
Eingang die Vertrge von dem Rat der Volkskommissare einer eingehenden
Prfung unterzogen werden mten, bevor er Stellung nehmen knne. Warm
wurde er, als er auf die inneren Verhltnisse zu sprechen kam. Die
Industrieproletarier htten die Revolution gemacht; aber sie seien in
Ruland der Zahl nach eine geringe Minderheit. Deshalb hnge das
Schicksal der Revolution vom Dorfe ab, das sich bisher indolent oder gar
feindlich gezeigt habe. Sie seien jetzt dabei, die Dorfarmen gegen die
Dorfreichen zu mobilisieren. berall auf dem Dorfe wrden jetzt Sowjets
gebildet und in die Macht eingesetzt. Zu diesen Sowjets drften natrlich
nur die Besitzlosen whlen. Auf diese Weise werde es der Sowjetregierung
gelingen, auch das Land in ihre Gewalt zu bekommen.

In den folgenden Tagen suchte ich mir in intensivster Arbeit und in
Besprechungen mit meinen Mitarbeitern wie mit anderen fr mich
erreichbaren landeskundigen Personen ein genaues Bild von der Lage und
den sich aus ihr fr die deutsche Politik erffnenden Mglichkeiten zu
machen. Das Bild, das sich fr mich ergab, war folgendes:

Sowjetruland stand in einer schweren ueren und inneren Krisis.

Im Osten machten die Tschecho-Slowaken und die mit ihnen kooperierenden
Sibirier bedrohliche Fortschritte. Sie bemchtigten sich der mittleren
Wolga mit den wichtigen Stdten Kasan, Simbirsk, Samara, Sysran und
bedrohten Saratow. Gerade in der Zeit, in der ich in Moskau eintraf, kam
von der Ostfront eine Hiobspost nach der anderen.

Im Sdosten waren die Kosaken unter Alexejew, Dutow, Denikin und Krasnow
im Vordringen. Die Gefahr war gro, da sie sich bei Zarizyn am Wolgaknie
mit den Tschecho-Slowaken vereinigen und so das bolschewistische Ruland
von der Verbindung mit dem Kaspischen Meer und Baku abschneiden knnten.
Mit Baku selbst waren die Verbindungen unterbrochen. Genaues ber das
Schicksal der Stadt war nicht zu erfahren. Bald hie es, die Armenier
htten sich der Herrschaft bemchtigt und die Englnder, die in Rescht,
an dem persischen Sdufer des Kaspischen Meeres standen, herbeigerufen,
bald sollten die Trken unmittelbar vor Baku stehen oder gar Baku bereits
genommen haben.

Im Norden rckten Ententetruppen von der Murmankste aus in Richtung
Petrosawodsk und Petersburg vor. Anfang August besetzten die Englnder
Archangelsk am Weien Meer und setzten sich von dort in Marsch gegen
Wologda.

Die Rote Garde schlug sich fast berall schlecht. Aus Petersburg und
Moskau wurden die Lettenregimenter abgezogen und als Korsettstangen
zwischen den Rotgardisten eingesetzt. Unter den Letten selbst herrschte
zunehmende Unzufriedenheit mit dem bolschewistischen Regiment, dessen
strkste und treueste Sttze sie bisher gewesen waren. Die
Unzufriedenheit ging so weit, da angesehene Lettenfhrer bei uns Fhlung
suchten und sich bereit erklrten sich mit ihren Truppen zu unserer
Verfgung zu stellen, wenn wir ihnen fr spter die Rckkehr in das von
uns besetzte Lettland gestatteten und sie in ihren Grundbesitz wieder
einsetzten.

Wie ernst die Sowjetregierung selbst die Lage ansah, ergab sich mir aus
Erffnungen, die mir Herr Tschitscherin, unangesagt und direkt aus einer
Beratung im Kreml kommend, am Abend des 1. August im Auftrag des Rates
der Volkskommissare machte.

Zunchst teilte er mir mit, da angesichts des Vormarschs der
Ententetruppen von Murmansk und der Landung der Englnder in Archangelsk
seine Regierung kein Interesse mehr an ihrem in Berlin ausgesprochenen
Wunsch habe, ein deutsch-finnisches Eingreifen in Karelien gegen die
Murmankste mchte aufgeschoben werden. Ein offenes militrisches Bndnis
mit uns sei allerdings in Rcksicht auf die ffentliche Meinung
unmglich; mglich aber sei eine tatschliche Parallelaktion. Seine
Regierung beabsichtige, ihre Truppen um Wologda zu konzentrieren, um
Moskau zu decken. Bedingung fr eine Parallelaktion sei allerdings, da
wir Petersburg nicht besetzten; auch Petrosawodsk sei besser zu
vermeiden. -- Tatschlich bedeutete diese Erffnung, da die
Sowjetregierung, um Moskau zu schtzen, gentigt war, uns um die Deckung
von Petersburg zu bitten. Das wurde besttigt, als mir Tschitscherin am
5. August mitteilte, da seine Regierung ihre Truppen auch von
Petrosawodsk nach Wologda abziehen msse, so da der Weg von Murman nach
Petersburg frei und ein schleuniges Eingreifen unsererseits erwnscht
sei; da ferner in Wologda der Kriegszustand erklrt sei und er mich
bitten msse, unsere Unterkommission fr Kriegsgefangene von dort
zurckzuziehen.

Nicht minder Sorge machte ihm der Sdosten. Seine Regierung habe sich
entschlossen, auf der bisher von ihr mit allem Nachdruck verlangten
Rumung von Rostow und Taganrog durch unsere Truppen nicht zu bestehen,
sondern sich mit der von uns angebotenen freien Benutzung der Bahnlinien
zu begngen, vorausgesetzt, da sie durch uns von Krasnow und Alexejew
befreit wrde. Beide Generale spielten unter einer Decke, obwohl
Alexejew ententefreundlich sei und Krasnow sich den Anschein gebe, zu uns
zu halten, und von uns Untersttzung annehme. Auf meine Fragen
przisierte er schlielich unser von ihm gewnschtes Eingreifen dahin:
Aktives Eingreifen gegen Alexejew, keine weitere Untersttzung an
Krasnow. Auch hier komme aus denselben Grnden wie im Norden kein
offenes Bndnis, sondern nur eine tatschliche Kooperation in Frage;
diese aber sei notwendig. -- Mit diesem Schritt erbat also die
Bolschewikiregierung die bewaffnete deutsche Intervention auf
grorussischem Gebiet. Ein schlagender Beweis dafr, wie hoch ihr das
Wasser stand.

Nicht trstlicher war die Lage fr die Sowjetregierung im Innern.

Die kommunistischen Experimente der Bolschewikiregierung hatten zu einer
vlligen Desorganisation und Lhmung des russischen Wirtschaftslebens
gefhrt. Eine neue Ordnung zu schaffen war den Bolschewiki nicht
gelungen. Ein groer Teil der industriellen Betriebe stand still. Die
Weiterarbeitenden konnten sich nur mit Hilfe groer Zuschsse des Staates
halten. Auch die landwirtschaftliche Produktion war schwer
beeintrchtigt. Auerdem machten die Bauern schon seit langer Zeit
Schwierigkeiten, ihre Erzeugnisse gegen das entwertete Papiergeld
abzugeben. Der Versuch der Einrichtung eines systematischen Austauschs
von gewerblichen Erzeugnissen gegen landwirtschaftliche Produkte war
gescheitert. Zwischen den hungernden Stdten und dem Land, das seine
keineswegs reichlichen Nahrungsmittel zurckhielt, bestand eine starke
Spannung. Vielfach zog das Industrieproletariat nach dem Lande, um sich
dort gewaltsam in den Besitz von Nahrungsmitteln zu setzen. Das Land
setzte sich zur Wehr; an zahlreichen Stellen flammten Bauernunruhen auf.
Die Bolschewisierung des Landes durch die Organisation der Dorfarmen
hatte erst begonnen.

Der alte Verwaltungsapparat war zerbrochen. Ein neuer war noch nicht
aufgebaut. Die Macht der Moskauer Zentralregierung war eng begrenzt. Die
lokalen Sowjets, die sich berall gebildet hatten, taten und lieen, was
ihnen gefiel.

In Moskau selbst stand die Bolschewikiherrschaft auf schwachen Fen. Das
Verhltnis der Bolschewiki zu den Linken Sozialrevolutionren war nach
wie vor ungeklrt. Die Sowjetregierung wagte augenscheinlich nicht, gegen
diese Gruppe vorzugehen. In der Verfolgung der an dem Attentat gegen den
Grafen Mirbach beteiligten Personen dieses Kreises blieb sie trotz meines
Drngens unttig. In Deutschland wurde allerdings aus den Kreisen des
Herrn Joffe verbreitet, die Sowjetregierung habe auf Verlangen
Deutschlands Kamkow und Frau Spiridonowa, die ffentlich zu dem Attentat
aufgefordert hatten, verhaften und erschieen lassen. Graf Harry Keler,
der mit Herrn Joffe intime Beziehungen unterhielt, hatte mich noch am
Abend vor meiner Abreise in Berlin besucht und mir diese angebliche
Tatsache als Beweis des guten Willens der Sowjetregierung vorgefhrt. Als
aber deutsche Zeitungen diese Nachricht brachten, lie das
Volkskommissariat fr das Auswrtige in der russischen Presse eine Note
verffentlichen, diese Nachricht sei selbstverstndlich erfunden, die
deutschen Zeitungen weigerten sich aber, unter dem Druck der deutschen
Zensur, ein Dementi zu bringen. Ich teilte diese Note nach Berlin mit und
bat um Aufklrung. Das Auswrtige Amt antwortete, da keine deutsche
Stelle ein solches Dementi verhindert habe. Als ich nun Herrn Radek auf
diese merkwrdige Sache stellte, bekannte er sich als Verfasser der Note;
auf eine Verhinderung des Dementis durch die deutsche Zensur habe er
daraus geschlossen, da auf den nach Berlin gerichteten Auftrag, die
Nachricht von der Erschieung des Kamkow und der Spiridonowa zu
dementieren, die Antwort gekommen sei, dem Dementi stnden
unberwindliche Hindernisse entgegen. Nach meiner Rckkehr nach Berlin
habe ich von deutschen Journalisten erfahren, da Herr Joffe selbst
ersucht habe, die Nachricht nicht zu dementieren, und da auch von einer
Stelle des Auswrtigen Amtes ein Dementi als unerwnscht bezeichnet
worden war! Man wollte bei uns im Interesse des Zustandekommens der
Zusatzvertrge augenscheinlich die durch die Nichtverfolgung der
Attentter gegen die Bolschewikiregierung erregte ffentliche Meinung
beschwichtigen. Erst auf mein Eingreifen hat das Wolffsche
Telegraphenbureau ein Dementi verffentlicht.

Die Sowjetregierung nahm aber nicht nur Abstand von jedem
ernsthaften Schritt gegen die in das Attentat verwickelten Linken
Sozialrevolutionre, sondern sie nahm auch in den ersten Tagen meines
Moskauer Aufenthalts die Mitglieder dieser Gruppe, die sie unmittelbar
nach dem Attentat und dem Putsch aus der Auerordentlichen Kommission
und anderen wichtigen Krperschaften entfernt hatte, wieder in Gnaden
auf.

Dagegen bte sie gegen alle weiter rechts stehenden Parteien und Gruppen
eine wahre Schreckensherrschaft aus. An Zeitungen wurden nur
bolschewistische und links-sozialrevolutionre Organe geduldet; alle
anderen wurden schonungslos unterdrckt. Jede Art von Versammlungen, die
nicht von Bolschewisten oder Linken Sozialrevolutionren veranstaltet
wurden, waren verboten. Die Auerordentliche Kommission zur Bekmpfung
der Gegenrevolution, deren Befugnisse ber Leib und Leben unbeschrnkt
waren, wtete gegen alles, was nicht zur Partei der Bolschewisten und der
Linken Sozialrevolutionre gehrte, in einer geradezu entsetzlichen
Weise. In der Provinz waren es die lokalen Sowjets, die den Terror
ausbten. Die Mitte Juli erfolgte Hinrichtung des Zaren durch den Sowjet
von Jekaterinburg, die von dem Zentralexekutivkomitee in Moskau
nachtrglich gebilligt wurde, war nur ein durch die Person des
Betroffenen Aufsehen erregender Einzelfall.

Trotzdem, oder vielleicht gerade infolge dieses unertrglichen Terrors,
machten die gemigteren Elemente einen letzten Versuch, sich
zusammenzuschlieen. Es hatte damals den Anschein, als ob es einer
Koalition der brgerlichen Parteien bei der zweifelhaften Haltung der
bolschewistischen Kerntruppen, der tiefgehenden Erbitterung der
hungernden Arbeiter in den Stdten und der von gewaltsamen Requisitionen
bedrohten Bauernschaft gelingen knnte, die zersprengten Ordnungselemente
um sich zu sammeln.

Die Sowjetregierung selbst war ernstlich in Sorge. Sie traf in den ersten
Augusttagen umfassende Vorkehrungen gegen eine gegenrevolutionre
Erhebung. Die oberen Stockwerke in den Quartieren um den Kreml, in dem
Lenin und der Rat der Volkskommissare ihren Sitz hatten, wurden
grtenteils gerumt und mit Maschinengewehren zur Verteidigung
eingerichtet. Die Razzias nach gegenrevolutionren Elementen, vor allem
nach Offizieren, wurden Tag und Nacht mit verdoppeltem Eifer betrieben.
Schlielich wurde fr den 7. August eine Registration der smtlichen
Offiziere angeordnet; bei dieser Gelegenheit wurden Tausende der sich
Meldenden in Haft genommen. Wie viele von diesen erschossen worden sind,
wird man wohl niemals erfahren.

Die Sowjetregierung hatte allen Grund, ihre Lage fr gefhrdet zu halten;
denn ihre eigenen Machtmittel in Moskau waren in jenen Tagen schwach und
die Bevlkerung war gleichgltig oder schwankend. Um den ueren Feind
abzuwehren, hatte die Regierung die Lettenregimenter fast restlos zu den
Fronten schicken mssen; auch meine Lettenwache, deren Belassung mir
ausdrcklich zugesagt worden war, wurde vorbergehend abgezogen und durch
ziemlich bel aussehende Rotgardisten ersetzt. Die Bevlkerung litt auf
das schwerste unter dem Mangel an Lebensmitteln. Es herrschte in Moskau
die nackte Hungersnot. Was an Nahrungsmitteln berhaupt hereinkam, wurde
groenteils von der Roten Garde fr sich in Anspruch genommen. Brot gab
es berhaupt nicht mehr. Das Brot fr das Personal der deutschen
Vertretung muten wir uns durch den Kurier aus Kowno bringen lassen.

Die strkste Sttze der Bolschewikiregierung in jener kritischen Zeit
war, wenn auch unbewut und unbeabsichtigt -- die deutsche Regierung.
Schon die Tatsache, da die deutsche Regierung mit den Bolschewisten den
Frieden abgeschlossen und die diplomatischen Beziehungen aufgenommen
hatte, war in den nichtbolschewistischen Kreisen Rulands als eine
moralische Untersttzung des bolschewistischen Regiments aufgefat
worden. Das offenkundige Bestreben der Berliner Politik, in Groruland
mit den Bolschewisten loyal zusammenzuarbeiten, die Leichtigkeit, mit der
die Herren, die in Berlin mit Herrn Joffe verhandelten, sich mit der
Schdigung und Vernichtung deutschen Eigentums und deutscher Betriebe
durch die kommunistischen Manahmen der Bolschewisten abfanden, die
Leichtfertigkeit, mit der gewisse deutsche Publizisten den Gedanken
propagierten, Deutschland msse durch Frderung des Bolschewismus das
Russische Reich endgltig zertrmmern und ohnmchtig machen, das alles
erzeugte und verstrkte in Ruland den an sich unzutreffenden Eindruck,
da Deutschland entschlossen sei, das bolschewistische Regime in
Groruland zum Zwecke der endgltigen Zerstrung der russischen Kraft
aufrechtzuerhalten. Man hielt in den russischen Kreisen diese Politik im
eigensten Interesse Deutschlands fr verkehrt; denn man sah als ihre
Folge an, da der Bolschewismus schlielich gegen uns selbst schlagen
werde -- eine Warnung, die ich whrend meines kurzen Aufenthalts in
Moskau wiederholt und eindringlich von russischer Seite gehrt habe --;
aber man rechnete mit unserer Untersttzung des bolschewistischen Regimes
als mit einer Tatsache, die schwer auf jeden Gedanken einer eigenen
Erhebung drckte.

Die Ermordung des Grafen Mirbach und die daraufhin von dem deutschen
Geschftstrger unternommenen Schritte erweckten die Hoffnung auf ein
Umschwenken der deutschen Politik. Die antibolschewistischen, und zwar
nicht nur die reaktionren Elemente suchten Anlehnung und Ermutigung bei
uns. Herr Miljukow, der frher zu den schrfsten Gegnern Deutschlands
gehrt und noch als Minister des Auswrtigen in der revolutionren
Regierung des Frsten Lwoff in der entschiedensten Weise Stellung gegen
jede Verstndigung mit Deutschland genommen hatte, sprach sich jetzt
ffentlich fr ein Zusammengehen mit Deutschland aus.

Die Enttuschung war gro, als die Berliner Regierung die Forderung auf
Zulassung eines kriegsstarken deutschen Bataillons fallen lie und sich
mit dem laxen Vorgehen gegen die Mrder des Grafen Mirbach zufriedengab.
Sie wurde noch grer, als in Ruland Einzelheiten ber die Berliner
Verhandlungen zwischen dem Auswrtigen Amt und Herrn Joffe bekannt
wurden. In der geplanten Abtrennung Estlands und Livlands vom russischen
Reichskrper sah man eine Besttigung dafr, da Deutschland zur
Ausfhrung seines Vernichtungswillens gegen Ruland sich mit den
Bolschewisten verbndet habe. Die gleiche Besttigung sah man in den
wirtschaftlichen und finanziellen Vereinbarungen, die der
Bolschewikiregierung, auch soweit deutsches Eigentum und deutsche Rechte
in Betracht kamen, gegen eine Pauschalvergtung freie Hand fr die
Durchfhrung ihrer ruinsen Enteignungs- und Sozialisierungsideen gaben.
Dieser Anschein mute um so mehr erweckt werden, als seit meiner Abreise
von Berlin Herr Joffe durchgesetzt hatte, da die uns zu gewhrende
Pauschalsumme auch die Entschdigung fr diejenigen Enteignungen
enthalten sollte, die durch ein nach Beginn der Verhandlungen rasch noch
erlassenes Gesetz vom 28. Juni 1918 zwar generell angeordnet, aber im
einzelnen noch nicht durchgefhrt waren. Das Zugestndnis, das der
Sowjetregierung gestattete, mit der Enteignung deutschen Besitzes =
discretion= zu schalten, war gegen meine ausdrckliche, schon in Berlin
ausgesprochene und von Moskau aus telegraphisch wiederholte Warnung vor
einer solchen Pauschalierung =pro futuro= gemacht worden. Es wurde in
Ruland geradezu als eine Ermunterung der Enteignungs- und
Sozialisierungspolitik der Bolschewisten aufgefat.

Darber habe ich in Moskau nur eine Stimme gehrt, da der Abschlu der
Zusatzvertrge auf der in Berlin in Aussicht genommenen Grundlage uns das
ganze nichtbolschewistische Ruland fr absehbare Zeit zum bittersten
Feinde machen msse.

Hatten wir mit dem nichtbolschewistischen Ruland ernsthaft zu rechnen,
oder konnten wir es fr unsere Politik als =quantit ngligeable=
behandeln?

Die Bolschewikiherrschaft stand gerade damals sichtbarlich auf zu
schwachen Fen, als da die Mglichkeit eines Umschwungs, auch eines
nahen Umschwungs, als nicht vorhanden betrachtet werden durfte. Auch
heute noch, nachdem gegen alles Erwarten und auch gegen meine damals
gewonnene Ansicht die Lenin und Trotzki -- nicht zuletzt dank der von den
magebenden Personen in Berlin verfolgten Politik! -- sich an der
Herrschaft gehalten haben, kann ich eine Politik nicht fr richtig
halten, die Ruland und den Bolschewismus identifizierte und das im
Augenblick unterdrckte nicht bolschewistische Ruland glaubte ignorieren
zu knnen. Kam aber der Umschwung, ohne da wir vorher das Tischtuch
zwischen uns und den Bolschewiki zerschnitten hatten, dann kam er gegen
uns, und zwar unter unmittelbarer Fhrung der Entente, die offensichtlich
auf eine solche Entwicklung hinarbeitete, um uns vor eine neue Ostfront
zu stellen.

Die Meinung von der schwer gefhrdeten Stellung der Bolschewikiherrschaft
erfuhr fr mich eine Besttigung in dem Ersuchen Tschitscherins um unsere
bewaffnete Hilfe. Nur wenn die Sowjetregierung selbst zu der Ansicht
gekommen war, da sie ohne unsere Hilfe verloren sei, konnte sie sich zu
einem solchen Schritt entschlossen haben.

Sollten wir ihr diese Hilfe leihen, nicht nur gegen die Entente im
Norden, sondern auch gegen die Kosaken im Sdosten, und uns damit auf
Gedeih und Verderb mit den Bolschewiki verbinden? Oder sollten wir sie
fallen lassen und den Anschlu, der von dem nichtbolschewistischen
Ruland bei uns gesucht wurde, gewhren?

Die weit berwiegenden Grnde schienen mir fr die letztere Alternative
zu sprechen.

Wir muten endlich aus der Zwiespltigkeit heraus, da wir in den von uns
besetzten baltischen Gebieten, in Finnland, in der Ukraine, im Dongebiet
und im Kaukasus die Bolschewiki bekmpften und in Groruland
gemeinschaftliche Sache mit ihnen machten.

Wir durften unser Verhltnis zu dem knftigen Ruland nicht durch ein
Kleben an den Bolschewiki aufs Spiel setzen.

Nur wenn es gelang, in Groruland selbst die Bolschewikiherrschaft zu
berwinden, konnten wir auf ruhigere Verhltnisse im Osten und auf das
Freiwerden eines groen Teiles der dort verzettelten Divisionen rechnen.

Nur wenn an die Stelle des Bolschewikiregiments eine neue Ordnung der
Dinge trat, die das von den Bolschewiki in Grund und Boden ruinierte
russische Wirtschaftsleben wieder aufrichtete und uns die von den
Bolschewiki fortgesetzt sabotierte Mglichkeit der Anknpfung von
Handelsbeziehungen gab, konnten wir hoffen, aus den russischen
Hilfsquellen und Vorrten Erleichterungen fr unsere Wirtschaft und
unsere Kriegfhrung zu gewinnen. Bisher war alle Arbeit der zahlreichen
wirtschaftlichen Sachverstndigen, die unserer Vertretung in Moskau
zugeteilt waren, ebenso alle Bemhungen der Kaufleute, die wir
herangeholt oder zugelassen hatten, in allen den Monaten seit dem
Abschlu des Brester Friedens gnzlich fruchtlos gewesen. Nicht eine
einzige Sendung von Nahrungsmitteln, Rohstoffen oder sonstigen Waren
irgendwelcher Art war fr Deutschland frei zu bekommen. Die ganze
Ttigkeit unseres groen Wirtschaftsstabes war nichts als ein
Leeres-Stroh-Dreschen. Niemand sah eine Aussicht, da sich unter der
Herrschaft der Bolschewiki hieran etwas ndern wrde.

Dazu kam schlielich, da die Bolschewiki nach wie vor mit einer kaum zu
bertreffenden Offenheit ihre Absicht verkndigten -- auch mir persnlich
gegenber --, Deutschland mit allen Mitteln zu revolutionieren, und da
wir nach den bisherigen Proben, die Lenin, Trotzki, Radek und Konsorten
an Zielbewutsein und Tatkraft abgelegt hatten, in keiner Weise
berechtigt waren, diese Ankndigungen in den Wind zu schlagen.

Freilich, wenn wir von den Bolschewiki abrcken und nicht ins Leere
fallen wollten, dann muten wir uns rechtzeitig mit den Elementen
verstndigen, die fr den Aufbau der neuen Ordnung in Betracht kamen.

Voraussetzung dafr war allerdings -- das trat uns berall entgegen --,
da wir nicht nur diejenigen Teile der Zusatzvertrge fallen lieen, die
eine weitere territoriale Verstmmelung Rulands bedeuteten und als eine
wirtschaftliche Ausplnderung und Sabotierung Rulands aufgefat wurden,
sondern da wir darber hinaus unsere grundstzliche Bereitwilligkeit
aussprachen, ber einzelne Bestimmungen des Friedens von Brest-Litowsk
mit uns reden zu lassen. Vor allem wurde die Loslsung von Estland und
Livland sowie die Aufrechterhaltung der Trennung der Ukraine von
Groruland als unmglich, dagegen eine Verstndigung ber Polen, Litauen
und Kurland als mglich bezeichnet.

Im brigen war man der Ansicht, da bei der akuten Zuspitzung der Lage
ein deutliches Abrcken unsererseits von den Bolschewiki gengen werde,
um die Bewegung in Flu zu bringen; gegebenenfalls wrde eine
militrische Demonstration unserer Streitkrfte in der von den
Bolschewikitruppen fast gnzlich gerumten Gegend von Petersburg gengen,
um den Sturz der Bolschewiki zu besiegeln.

Ich berichtete ber meine Eindrcke und meine Auffassung an das
Auswrtige Amt und bat um die Ermchtigung, mit den Letten, Sibiriern und
den Anschlu an uns suchenden politischen Gruppen auf Grund der von
diesen als notwendig angedeuteten Zugestndnissen Verhandlungen zu fhren
und der Sowjetregierung zu dem mir als richtig erscheinenden Zeitpunkt
die Verlegung der deutschen Vertretung nach Petersburg oder einem anderen
nahe an der Grenze gelegenen Platz anzukndigen.

Ich hielt es fr notwendig, die Ermchtigung fr die Verlegung unserer
Vertretung von Moskau in diesem Zusammenhang noch einmal ausdrcklich zu
erbitten, obwohl mir der Staatssekretr des Auswrtigen Amtes vor meiner
Abreise von Berlin in diesem Punkt freie Hand gegeben hatte. Denn damals
wurde in der Besprechung zwischen dem Staatssekretr und mir die Frage
der Wegverlegung nur vom Standpunkt der persnlichen Sicherheit des
Personals der Mission betrachtet, whrend nunmehr der politische Zweck
eines solchen Schrittes -- das demonstrative Abrcken von den Bolschewiki
--, der bei den Antrgen der Moskauer Mission in Berlin bisher berhrt
worden war, wieder in den Vordergrund rckte.

Das Auswrtige Amt erteilte mir die nachgesuchte Ermchtigung zu den von
mir empfohlenen Verhandlungen nicht, machte vielmehr das rasche
Zustandekommen der Zusatzvertrge zum Angelpunkt seiner Politik; ferner
wiederholte es das Anheimstellen, Moskau mit dem Personal der Vertretung
zu verlassen, wenn mir das aus Sicherheitsgrnden angezeigt erscheine.

Ich antwortete, da nach meiner Ansicht die Zusatzvertrge mitsamt dem
Brester Friedensvertrag bei der Fortsetzung der von Berlin befohlenen
Politik Makulatur werden wrden; ein Verlassen Moskaus durch mich und das
engere Personal der Mission werde, auch wenn mit Sicherheitsgrnden
motiviert, als Abrcken von den Bolschewiki wirken; nur aus persnlichen
Sicherheitsgrnden wrde ich deshalb Moskau nicht verlassen.

Auch gegenber meinen erneuten Vorstellungen beharrte das Auswrtige Amt
auf seinem Standpunkt; in der Frage des Wegganges von Moskau erteilte es
mir jedoch jetzt die formelle Weisung, im Falle der Lebensgefahr fr mich
oder das Personal der Mission Moskau zu verlassen und einen gesicherteren
Ort aufzusuchen. Schlielich erhielt ich am 5. August die telegraphische
Weisung, alsbald zur mndlichen Berichterstattung nach Berlin zu kommen
und die Geschfte an Dr. Riezler zu bertragen, fr den hinsichtlich des
weiteren Verbleibens oder des Verlassens von Moskau die in dem
obenerwhnten Telegramm erteilte Weisung in Kraft bleibe.

Durch meine Berufung nach Berlin war die Frage meiner persnlichen
Sicherheit ausgeschaltet. Es blieb mir aber die mir durch das Auswrtige
Amt ausdrcklich auferlegte Verantwortung fr die Sicherheit meines
umfangreichen Personals.

Bisher htte man mir bei einer Wegverlegung der Mission von Moskau den
Vorwurf machen knnen, da ich mich bei einem Entschlu von politischer
Tragweite durch Grnde meiner persnlichen Sicherheit htte beeinflussen
lassen. Allein schon dieser Gedanke hatte mich bestimmt, dem Drngen
meiner Mitarbeiter, sowohl der Offiziere wie auch der Zivilbeamten,
ebenso den gutgemeinten Ratschlgen anderer Personen, wie meines mit den
Moskauer Verhltnissen gut vertrauten bulgarischen Kollegen
Tschapratschikoff, zu widerstehen, obwohl die Dinge, wie sich aus
folgender Tagesbersicht ergibt, sich stark zugespitzt hatten.

Am Montag, 29. Juli, dem Tag nach meiner Ankunft in Moskau, beschlo das
Zentralkomitee der Linken Sozialrevolutionre in ffentlicher Versammlung
eine Resolution, die die Ermordung des Grafen Mirbach billigte und zur
Nachahmung aufforderte; die Resolution wurde am folgenden Tage in dem
Moskauer Organ der Linken Sozialrevolutionre, der Znamja Borby,
verffentlicht.

Am Mittwoch, 31. Juli, erhielt ich am frhen Morgen die Nachricht von der
Ermordung des Generalfeldmarschalls von Eichhorn in Kiew mit dem Zusatz,
da der unmittelbar nach der Tat festgenommene Mrder angebe, von dem
Moskauer Komitee der Linken Sozialrevolutionre zu der Tat bestimmt
worden zu sein.

Ich besuchte am Mittwoch nachmittag Herrn Tschitscherin, um ihn auf den
unerhrten Beschlu der Linken Sozialrevolutionre aufmerksam zu machen
sowie um ihm von der Aussage des Mrders Eichhorns Kenntnis zu geben
und ihm die notwendigen Konsequenzen anheimzustellen. Herr
Tschitscherin sprach zunchst formell sein Bedauern ber
den Tod des Generalfeldmarschalls aus. Im brigen hatte er nur ein
Achselzucken: Ruland sei ein revolutionrer Staat mit Pre- und
Versammlungsfreiheit; er habe keine Mittel, um gegen Resolutionen der
Linken Sozialrevolutionre einzuschreiten. Er konnte sich dabei nicht die
Bemerkung versagen, es habe dem Generalfeldmarschall von Eichhorn nichts
gentzt, da in Kiew eine groe deutsche Garnison stehe; ich knne daraus
entnehmen, was das von uns ursprnglich verlangte Bataillon fr Moskau
bedeute.

Am Vormittag des gleichen Tages hatte ich meinen trkischen Kollegen
Ghalib Kemal Bey besucht und ihm zugesagt, da ich den Abend bei ihm in
einem kleineren Kreise verbringen werde. Wir hatten auf seinen Vorschlag
verabredet, die Tatsache, da ich zu ihm kommen wrde, geheimzuhalten.
Kurz vor der verabredeten Zeit erhielt ich von einer russischen Seite die
Mitteilung, es sei bekannt, da ich zur trkischen Gesandtschaft fahren
wolle; unterwegs werde ein Anschlag auf mich verbt werden. Die Herren
meiner Umgebung baten mich dringend, die Warnung ernst zu nehmen. Ich
fgte mich widerstrebend und blieb zu Hause. Gleich nach elf Uhr knallten
Gewehrschsse und wurde Alarm geschlagen. Es war ein berfall auf den
Lettenposten am Garteneingang unseres Gebudes versucht worden. Etwa eine
Stunde spter wurde aus der gleichen Ursache nochmals alarmiert.

In den nchsten Tagen huften sich die Mitteilungen, da ein Anschlag auf
mich persnlich und auf das Gebude der deutschen Vertretung geplant sei.
Die Sowjetregierung verstrkte nicht nur ihre Wachen -- allerdings durch
zweifelhafte Rotgardisten, da die Lettenregimenter nach der Front
abgezogen wurden --, sondern entzog mir auch mit peinlicher Sorgfalt jede
Veranlassung, dienstlich meinen Bau zu verlassen. Herr Tschitscherin
besuchte mich, sooft ein Anla zu einer Besprechung vorlag, statt -- wie
es der bung entspricht -- meinen Besuch zu erwarten oder zu erbitten.
Als ich ihm vorstellte, da mir dies nicht konveniere, entgegnete er:
Ich denke, Sie sind gewarnt worden. Die berreichung meines
Beglaubigungsschreibens an den Vorsitzenden des Vollzugsausschusses der
Sowjets, Swerdloff, sollte nach der bei meinem ersten Besuch getroffenen
Verabredung im Kreml in Gegenwart der smtlichen Volksbeauftragten
stattfinden. Die Zeremonie wurde schlielich auf Montag, 5. August,
verschoben; im letzten Augenblick jedoch lie mich Herr Tschitscherin
bitten, mich mit der berreichung noch weiter zu gedulden. Die
Sowjetregierung getraue sich nicht, die Verantwortung zu bernehmen, da
ich von meiner Wohnung nach dem Kreml fhre!

Die Lage fing an, unwrdig und unmglich zu werden.

Sie wurde verschrft dadurch, da die Znamja Borby ungehindert die
Ermordung des Feldmarschalls von Eichhorn in fetten Lettern als eine
Grotat der Moskauer Linken Sozialrevolutionre feiern konnte. Ich
remonstrierte bei Herrn Tschitscherin gegen diesen Zustand auf das
nachdrcklichste. Ich tat dies auf meine eigene Initiative und
Verantwortung; denn von Berlin erhielt ich trotz meiner Berichte
keinerlei Auftrag, wegen der auf Moskau zurckweisenden Bluttat und ihrer
offenen Glorifikation irgendwelche Schritte zu unternehmen. Die
Ermordung eines sterreichischen Erzherzogs hatte die Veranlassung zu dem
Krieg gegeben. Der Ermordung eines deutschen Feldmarschalls durften sich
jetzt die Tter ungestraft rhmen!

Wenn ich jetzt nach Berlin berufen wurde, so vermochte ich nicht den von
allen meinen Beratern als notwendig erachteten Entschlu der Verlegung
unserer diplomatischen Vertretung meinem Vertreter zu berlassen. Ich
wre mir vor mir selbst als Feigling erschienen, wenn ich die
Verantwortung fr diesen Entschlu nicht auf mich selbst genommen htte,
gerade weil fr mich persnlich jetzt mit meiner Abreise das Moment der
persnlichen Sicherheit wegfiel. Ich habe spter in Berlin mit einigem
Erstaunen den Vorwurf gehrt: Nachdem Sie nach Berlin gerufen waren,
htten Sie die Sache doch ruhig in Schwebe lassen knnen. Ich habe
darauf geantwortet, da ich nicht gewohnt sei, nach dem Vers zu handeln:
Wr' ich mit guter Art davon, knnt' Euch der Teufel holen.

Ich betrachtete es allerdings nicht nur als meine Pflicht, entsprechend
der mir vom Auswrtigen Amt ausdrcklich erteilten Weisung fr die
Sicherheit meines Personals zu sorgen, sondern es kam mir auch darauf an,
unserer Regierung fr alle etwa von ihr zu fassenden Entschlsse dadurch
freie Hand zu schaffen, da ich die zahlreichen bei unserer Vertretung
beschftigten Personen aus der Moskauer Mausefalle, in der sie einfach
Geiseln der Bolschewiki waren und aus der es im Ernstfall kein Entrinnen
gab, rechtzeitig entfernte.

Dagegen lag mir der mir spter vielfach zugeschriebene Gedanke fern,
einen Staatsstreich zu machen und den Entschlssen meiner Regierung
durch die Schaffung der vollendeten Tatsache eines Bruches mit der
Sowjetregierung vorzugreifen. Ich einigte mich deshalb mit Herrn
Tschitscherin in aller Gte ber die Verlegung der Mission nach
Petersburg, die ich mit der offenkundigen Unhaltbarkeit der Situation des
deutschen Vertreters in Moskau begrndete; auch wies ich auf die Tatsache
hin, da die smtlichen Botschafter und Gesandten der neutralen Mchte
nach wie vor ihren Sitz in Petersburg htten. Ich verstndigte mich
ferner mit ihm ber die zur Erleichterung des Geschftsverkehrs zwischen
Petersburg und Moskau zu treffenden Manahmen und Einrichtungen. Herr
Tschitscherin nahm meine Erffnung ohne berraschung auf und uerte nur
einigen Zweifel, ob die Sicherheitsverhltnisse in Petersburg besser
seien als in Moskau. Darin mag er recht gehabt haben, soweit die
Attentatsgefahr fr einen Einzelnen in Betracht kam; dagegen war fr die
Gesamtheit des Personals die unmittelbare Nhe unserer Grenzposten an der
auf eine Autostunde an Petersburg heranreichenden finnischen und
estlndischen Grenze gegenber der sechshundert Kilometer langen
Entfernung, die Moskau von der deutschen Militrgrenze trennte, eine
entschiedene Erleichterung.

Ich reiste am Abend des 6. August von Moskau mit dem Kurierzug ab. Es war
mir ein besonderer Wagen zur Verfgung gestellt und ein Kommando von
Rotgardisten beigegeben worden.

Die Reise verlief nicht ganz programmgem. Am Nachmittag des 7. August
hatte der Zug in Jarzewo, der Station vor Smolensk, einen langen
Aufenthalt. Pltzlich machten sich Eisenbahnarbeiter daran, meinen Wagen,
den Wagen der Bedeckungsmannschaft und den Kurierwagen, die als letzte
dem langen Zug angehngt waren, abzukoppeln. Auf meine Anfrage erhielt
ich vom Stationsvorstand die Antwort, es sei aus Smolensk der Befehl
gekommen, diese Wagen zurckzuhalten. Als ich ber die Grnde keine
Auskunft erhielt, erhob ich Einspruch. Der Kommandant meiner Wache
stellte sich auf meine Seite und erklrte, er werde das Abkoppeln der
Wagen mit Gewalt verhindern. Nach lngerem Parlamentieren und einer
telegraphischen Anfrage in Moskau erhielt der Stationsvorstand ein
Telegramm des Volkskommissars fr Eisenbahnen, die Wagen seien
abzukoppeln und nach Wiasma zurckzubringen; dort wrden sie weitere
Befehle zu erwarten haben. Ich bestand nun darauf, durch den
Bahntelegraphen mit dem Volkskommissar fr das Auswrtige in Verbindung
gesetzt zu werden. Nach lngerem Warten erschien der Stellvertreter
Tschitscherins, Herr Karachan, am Telegraphen und teilte mir mit: der
Befehl zur Zurckfhrung der Wagen sei im Einverstndnis mit dem
deutschen Geschftstrger erteilt worden, da in Orscha, der Grenzstation,
Militrunruhen ausgebrochen seien, die eine Weiterfahrt gefhrlich
erscheinen lieen; in Wiasma werde mich Radek erwarten, mit dem ich das
Weitere besprechen knne.

In der Tat hatte die russische Garnison von Orscha, die Befehl zum
Abmarsch nach der Tschecho-Slowaken-Front erhalten hatte, gemeutert, die
bolschewistischen Behrden teils erschossen, teils verjagt, eine
sozialrevolutionre Republik erklrt und den deutschen Grenztruppen
mitgeteilt, sie betrachte sich als mit Deutschland im Kriegszustand
befindlich. Die Sowjetregierung sandte sofort Truppen aus Smolensk und
Witebsk, um die Ordnung wiederherzustellen. ber die weitere Entwicklung
der Dinge lagen angeblich Nachrichten noch nicht vor. Ich verlangte von
Herrn Radek, gleichwohl nach Orscha gebracht zu werden. Bei unserer
Ankunft hatten sich die meuternden Truppen aus der Stadt zurckgezogen
und auf einer benachbarten Hhe eingegraben. Auf der deutschen Seite
hatte man sich ber mein Verbleiben beunruhigt und bereits Vorkehrungen
getroffen, um mich ntigenfalls herauszuhauen.

Als ich am Morgen des 10. August in Berlin eintraf, erfuhr ich zu meinem
nicht geringen Erstaunen, da der Staatssekretr des Auswrtigen Amtes,
ohne meine Ankunft abzuwarten, die Weiterverlegung unserer Vertretung von
Petersburg nach dem hinter der deutschen Militrgrenze liegenden und von
unseren Truppen besetzten Pleskau angeordnet hatte, da nach seiner
Ansicht auch Petersburg keine Gewhr fr grere Sicherheit als Moskau
biete. Auf meine Meldung lie mir der Staatssekretr sagen, da er mich,
da er unwohl sei, erst am nchsten Nachmittag um fnf Uhr empfangen
knne. Im Amt erfuhr ich, da der Staatssekretr beabsichtigte, am
nchsten Abend nach Spa zum Vortrag beim Kaiser und Reichskanzler zu
reisen. Ich teilte daraufhin dem Staatssekretr mit, da ich mich
gleichfalls nach Spa begeben wrde.

Ich erfuhr ferner, da die Zusatzvertrge fertiggestellt seien und da
Herr Kriege beabsichtige, sie im Laufe des Nachmittags mit Herrn Joffe zu
paraphieren. Der Weggang der deutschen Vertretung von Moskau hatte
offenbar die russische Delegation stark beunruhigt und sie bestimmt,
alles zu tun, um durch das sofortige Zustandekommen der Zusatzvertrge
den anscheinend wankenden Rckhalt bei der deutschen Regierung neu zu
befestigen. Herr Joffe bernahm es, alsbald nach der Paraphierung mit den
Vertrgen nach Moskau zu reisen, um dort ihre sofortige und unvernderte
Annahme durchzusetzen. Auch der Sowjetregierung in Moskau, die
ursprnglich den Weggang der deutschen Vertretung von Moskau ruhig
aufgenommen hatte, kamen die ernstlichsten Sorgen wegen der
Aufrechterhaltung der damals fr sie unentbehrlichen Rckendeckung durch
die deutsche Politik. Sie entschlo sich, Herrn Radek in besonderer
Mission nach Berlin zu entsenden, um jedes etwa mgliche Miverstndnis
zu beseitigen. Nachdem jedoch Herr Radek auf der Fahrt nach Berlin in
Orscha mit Herrn Joffe zusammengetroffen war, der mit den paraphierten
Zusatzvertrgen in der Tasche seine Besorgnisse ohne weiteres zerstreuen
konnte, brauchte sich Herr Radek nicht weiter zu bemhen und konnte mit
Herrn Joffe nach Moskau zurckreisen. Mein Einspruch gegen die
Paraphierung, ehe ich Gelegenheit gehabt htte, meinen Standpunkt zu
vertreten, war vergeblich gewesen. Die Vertrge waren in der Tat am Abend
des 10. August paraphiert worden.

Meine Unterhaltung mit Herrn von Hintze am nchsten Nachmittag war
gleichfalls ergebnislos. Der Staatssekretr blieb auf seinem Standpunkt,
da die Zusatzvertrge unter allen Umstnden zustandekommen und da wir
uns mit den Bolschewiki verhalten mten. Dieses Verhalten mit den
Bolschewiki ging so weit, da das Auswrtige Amt Berichte deutscher
Korrespondenten ber die Zustnde in Ruland und ber das wahre Gesicht
des Bolschewismus unterdrckte.

Ebensowenig gelang es mir, im Groen Hauptquartier meinen Standpunkt
durchzusetzen, obwohl der General Ludendorff erklrte, er nehme an dem
Zustandekommen der Zusatzvertrge und insbesondere auch an der Abtrennung
Estlands und Livlands nach der Entwicklung der Gesamtlage kein Interesse
mehr. Der Kanzler behielt sich formell seine Entscheidung vor bis zu
seiner fr den 26. August in Aussicht genommenen Rckkehr nach Berlin.
Ich lie keinen Zweifel daran, da ich bei der -- kaum mehr zweifelhaften
-- Entscheidung gegen mich meinen Abschied nehmen wrde. Den Kaiser bat
ich, eine schriftliche Darlegung meiner Gesichtspunkte geben zu drfen.
Ich sandte diese Denkschrift am 20. August an den Kanzler mit der Bitte
um Weitergabe an Seine Majestt, habe aber Grund zu der Annahme, da die
Denkschrift dem Kaiser niemals vorgelegt worden ist.

Der Kanzler kam erst am 29. August nach Berlin zurck. Am Tage vorher
waren die am 10. August paraphierten Vertrge unterschrieben worden. Ich
bergab dem Kanzler am 30. August mein eingehend begrndetes
Abschiedsgesuch. In diesem hob ich noch einmal die Gefahren hervor, die
ich in wichtigen Punkten der entgegen meinem dringenden Abraten
unterzeichneten Zusatzvertrge fr die Gestaltung unseres knftigen
Verhltnisses zu Ruland und fr unser eigenes Bndnissystem erblicken
msse. Ich begrndete ferner die Unmglichkeit eines gedeihlichen, uns
tatschliche Entlastung und Erleichterung verschaffenden Zusammengehens
mit der Bolschewikiherrschaft und fgte hinzu:

Ich sehe die Rckschlge kommen, nicht nur in auenpolitischer
Beziehung, sondern auch innerpolitisch. Die systematisch-
schnfrberischen Darstellungen des in seinen Ausschreitungen kaum von
den Jakobinern bertroffenen Bolschewistenregimes in der deutschen
Presse, die ostensible Behandlung dieses Regimes auf gleichem Fue, die
Solidarisierung oder mindestens der Anschein der Solidarisierung mit
diesem Regime bis zur Duldung der laxen Verfolgung, richtiger
Nichtverfolgung der an der Ermordung des Grafen Mirbach und des
Feldmarschalls von Eichhorn beteiligten Personen und Gruppen, -- das
alles kann auf die deutsche Volksseele und unsere eigenen
innerpolitischen Verhltnisse nicht ohne gefhrlichen Einflu bleiben.

Die Genehmigung meines am 30. August eingereichten Entlassungsgesuchs
wurde mir erst am 22. September zugestellt. Aus bestimmten Andeutungen
hatte ich den Eindruck, da man es fr zweckmig hielt, mich solange wie
mglich unter dem Druck des Arnim-Paragraphen zu halten, um mir eine
ffentliche Bekmpfung der von mir fr verhngnisvoll gehaltenen
Regierungspolitik unmglich zu machen. Meinem Wunsch, da bei der
Verffentlichung meiner Verabschiedung offen die unberbrckbare
Meinungsverschiedenheit ber die Fragen unserer Ostpolitik als Grund
angegeben werden mchte, wurde nicht entsprochen.

Gleichzeitig wurden vom Auswrtigen Amt den fhrenden
Reichstagsabgeordneten und der Presse Informationen ber die Vorgnge in
Moskau erteilt, die geeignet waren, mein Verhalten in ein falsches Licht
zu setzen. Der Staatssekretr des Auswrtigen Amtes uerte in einer
Besprechung mit Journalisten unter anderem, ich htte ihn zum Verrat an
der Bolschewikiregierung anstiften wollen! In einer Anzahl von
Zeitungen, die sich offen auf Mitteilungen der zustndigen Stelle
beriefen, wurde mir vorgeworfen, ich htte aus Grnden meiner
persnlichen Sicherheit den Moskauer Schtzengraben verlassen. Das
Stichwort wurde von Blttern, die mir von meiner frheren Ttigkeit her
ihr Wohlwollen bewahrt hatten, mit Behagen aufgenommen.

Die persnlichen Angriffe berhrten mich nicht; ich war abgebrht. Aber
ich litt auf das schwerste unter dem Verhngnis, das ich kommen sah und
das ich mit allen meinen Warnungen nicht abwenden konnte.

So endete meine Moskauer Mission fr mich nicht nur mit einer starken
persnlichen Enttuschung, sondern mit dem niederdrckenden Gefhl, da
die Gtter unser Verderben wollten.


                            Der Zusammenbruch

      Unser Verhltnis zu Sowjetruland und unseren Bundesgenossen

Die deutsche Politik hatte in eigensinniger Verkennung der Sachlage dem
Bolschewismus ber seine schwerste Krisis hinausgeholfen. In Ruland
begriff jedermann, da die deutsche Regierung ihren Moskauer Vertreter
der Freundschaft mit dem Bolschewistenregime geopfert hatte. Das gab der
wankenden Sowjetregierung einen starken Rckhalt und schmetterte im
Lager der Nichtbolschewisten alle Hoffnungen nieder. Die
Auerordentliche Kommission konnte jetzt ungestrt ihres Amtes walten
und die Trger des Gedankens einer Erhebung gegen den Bolschewismus
einzeln ausrotten. Der Terror erfuhr eine grauenhafte Steigerung nach dem
miglckten Attentat auf Lenin und der Ermordung des Petersburger
Sowjetgewaltigen Uritzky Ende August 1918.

Das bolschewistische Heer, das einen Augenblick lang der Auflsung nahe
zu sein schien, konsolidierte sich. Nachdem die Lettenfhrer bei uns den
gesuchten Rckhalt nicht gefunden hatten, betrachteten sie sich erneut
als mit den Bolschewiki auf Gedeih und Verderb verbunden. Trotzki
entfaltete als Kriegsminister eine gewaltige Werbettigkeit, und mehr als
das: es gelang ihm, Organisation und Disziplin in die Rote Armee zu
bringen. Die Gefahr des Ententevormarschs von Norden her trat in den
Hintergrund, und die Tschecho-Slowaken erlitten einige Rckschlge. Kurz,
die Bolschewikiherrschaft, zu deren Sturz es Anfang August nur eines
leichten Anstoes zu bedrfen schien, war aufs neue befestigt.

In Berlin legte man augenscheinlich Wert darauf, die Trbung, die durch
mich dem guten Verhltnis zu der Bolschewikiregierung gedroht hatte,
durch eine demonstrativ-freundschaftliche Behandlung des Herrn Joffe und
seiner Leute wieder gutzumachen. Die bisher noch gebte gesellschaftliche
Zurckhaltung gegenber den Herren der russischen Vertretung wurde
aufgegeben; Herr Joffe wurde durch Frhstcke und Diners gefeiert. Mehr
denn je hielt man sich an das Wort, das Graf Hertling im Hauptausschu
des Reichstags ausgesprochen hatte: Wir sind geneigt, an die Loyalitt
der russischen Regierung uns gegenber zu glauben; wir sind insbesondere
geneigt, an die Loyalitt des Vertreters der russischen Regierung hier in
Berlin zu glauben.

Vergeblich mahnte ich zur Vorsicht. Vergeblich brachte ich zum Ausdruck,
da ich nach meinen Wahrnehmungen nicht daran zweifeln knne, da unter
Herrn Joffe die russische Botschaft Unter den Linden das exterritoriale
Hauptquartier unserer deutschen Revolutionre geworden sei. Vergeblich
bat ich, den auffallend starken Kurierverkehr der russischen Vertretung
zu berwachen. Das alles galt nur als Gespensterseherei. Erst kurz vor
Ausbruch der Berliner Revolution gab die mit revolutionren Aufrufen und
Flugschriften gefllte Kiste des russischen Kuriergepcks, die im Bahnhof
Friedrichstrae den Aufzug hinunterfiel und platzte, den Anla, Herrn
Joffe zu entlarven und mit der Sowjetregierung die Beziehungen
abzubrechen. Es war zu spt.

Wir wissen heute, da in der Tat in der Berliner russischen Botschaft von
dem loyalen Herrn Joffe alles geschehen ist, um die deutsche Revolution
vorzubereiten und zu organisieren, da dort unsere Unabhngigen und
Spartakisten sich Rat, Belehrung und Geld holten, da dort erfahrene
russische Agitatoren und Konspiratoren zur Verfgung gestellt wurden.
Unter der blinden und unbegreiflich vertrauensseligen Duldung der
deutschen Regierung ist so das bolschewistische Gift, das schlielich
unsern Zusammenbruch so verhngnisvoll beeinflut hat, durch die
russische Botschaft in den deutschen Volkskrper planmig eingefhrt
worden. Der russische Bolschewismus hat sich fr die rettende Hilfe der
deutschen Regierung durch die revolutionre Unterwhlung Deutschlands
bedankt.

Aber nicht nur, da wir um der Zusatzvertrge und des guten Verhltnisses
zu der Bolschewikiregierung willen achtlos ber die uns von dem
Bolschewismus drohenden inneren Gefahren hinweggingen, -- wir gefhrdeten
auch ernstlich unsere Beziehungen zu unseren Bundesgenossen.

An sich schon erschien mir die bertreibung des Brester Friedens durch
die Zusatzvertrge geradezu als eine verblendete Hybris, als eine
unverantwortliche Herausforderung des Schicksals zu einer Zeit, in der
die Entwicklung der Dinge im Westen die dringlichste Mahnung war,
abzubauen, sich in den Zielen zu bescheiden und die Krfte zu
konzentrieren. Diese Herausforderung des Schicksals wurde in einer mir
geradezu unbegreiflichen Weise gesteigert durch die Behandlung, die das
Auswrtige Amt in Ansehung der Zusatzvertrge unseren Bundesgenossen
zuteil werden lie, mit denen wir nun doch einmal den Brester Frieden
gemeinschaftlich abgeschlossen hatten. Das Auswrtige Amt hielt es
zunchst nicht fr ntig, den Bundesgenossen von den Verhandlungen ber
die Ergnzung und Abnderung des gemeinschaftlich abgeschlossenen Brester
Vertrags irgendwelche Kenntnis zu geben. Ja, als sterreich-Ungarn und
die Trkei gegen gewisse Bestimmungen der trotzdem zu ihrer Kenntnis
gekommenen Vertrge Bedenken erhoben, glaubte man, ber diese ohne
weiteres hinweggehen zu knnen.

Die Trkei, die an den Kaukasien berhrenden Punkten der Zusatzvertrge
ein groes Interesse hatte, nahm die Angelegenheit so ernst und wichtig,
da der Growesir Talaat Pascha seinen Besuch in Berlin ankndigte, um
die Dinge vor der Ratifikation der Vertrge persnlich zu besprechen. Als
er am Morgen des 7. September in Berlin eintraf, las er in den Zeitungen,
da die Ratifikationsurkunden der Zusatzvertrge am Abend vorher
ausgetauscht worden waren. Er wollte sofort, ohne den Kanzler und den
Staatssekretr des Auswrtigen berhaupt zu besuchen, nach Konstantinopel
zurckreisen und konnte nur mit groer Mhe bewogen werden, von diesem
einen offenen Bruch markierenden Schritt Abstand zu nehmen. Aber eine
schwere Verstimmung blieb.

Auch der sterreichisch-ungarische Botschafter hatte noch unmittelbar vor
dem Austausch der Ratifikation gegen die Zusatzvertrge beim Auswrtigen
Amt remonstriert. Da man darber glaubte hinweggehen zu knnen, ist um
so unbegreiflicher, als schon bei den Besprechungen, die Mitte August
gelegentlich des Besuchs des Kaisers Karl und des Grafen Burian im
Groen Hauptquartier stattgefunden hatten, es nur mit Mhe gelungen war,
sterreich-Ungarn noch einmal bei der Stange zu halten und ihm einen
gesonderten Friedensschritt auszureden; als ferner unsere abermalige
Ablehnung der polnischen Wnsche des sterreichischen Kaisers eine
sichtliche Verstimmung hervorgerufen hatte.

Noch bedenklicher standen unsere Beziehungen zu Bulgarien. Die
Verrgerung ber die Vorenthaltung der nrdlichen Dobrudscha wirkte fort
und richtete sich -- ebenso wie die Verstimmung ber die Ansprche der
Trken auf das Maritzagebiet, die wir nicht rechtzeitig eingedmmt hatten
-- in der Hauptsache gegen uns. Die bedenkliche Zuspitzung der
Ernhrungsverhltnisse verstrkte die Kriegsmdigkeit. Die Armee wurde
unter der Duldung des unzuverlssigen Kabinetts Malinoff
parteipolitischer Zersetzung preisgegeben, whrend sich der Druck der
durch die griechischen Truppen verstrkten Ententestreitkrfte an der
Saloniker Front immer mehr steigerte. Die bulgarischen Hilferufe um Brot
und Truppen glaubte man bei uns nicht erfllen zu knnen. Als am 12.
September der Vizekanzler von Payer in einer ffentlichen Rede die
Wiederherstellung des territorialen Standes vom 1. August 1914 nicht nur
fr uns, sondern ausdrcklich auch fr alle unsere Bundesgenossen als
Kriegsziel erklrte, bemchtigte sich das bulgarische Mitrauen auch
dieser uerung, in der es ein Abrcken Deutschlands von den Bulgarien
vor seinem Eintritt in den Krieg gemachten Zusicherungen territorialer
Art (Bulgarisch-Mazedonien und Morawatal) erblicken wollte.


                    Die Entscheidungskmpfe im Westen

Wir hielten und htschelten unsern Todfeind, den Bolschewismus, und
verprellten in jeder Weise unsere eigenen ohnedies kriegsmden und
schwankenden Bundesgenossen zu einer Zeit, in der auf dem
Hauptkriegsschauplatz des Westens die Aussicht auf den Sieg endgltig
verlorenging, die bermacht der Feinde immer schwerer auf uns drckte und
die Widerstandskraft von Heer und Volk bedrohliche Zeichen des Verfalls
verriet.

Ich hatte in Spa am 15. August eine Unterhaltung mit dem Feldmarschall
von Hindenburg und im Anschlu daran eine lange Aussprache mit dem
General Ludendorff. Die unmittelbare Gefahr der Katastrophe, die aus der
schweren Niederlage des 8. August zu erwachsen drohte, war frs nchste
abgewehrt. Der beginnenden Desorganisation unserer Verbnde war Einhalt
geboten, unsere Truppen standen wieder, und die Oberste Heeresleitung
hatte die Zgel wieder in die Hand bekommen. Aber die Generale rechneten
mit neuen schweren Anstrmen der Feinde und vermochten diesen nicht die
alte Zuversicht gegenberzustellen. Weitere Rckwrtsbewegungen waren
notwendig, um eine einigermaen gesicherte Verteidigungsfront
wiederherzustellen, Rckwrtsbewegungen unter dem unmittelbaren Druck
des Feindes. Und wenn diese Bewegungen ohne allzu groen Verlust an
Menschen und Material gelangen, so war damit nach den Erfahrungen des 8.
August noch keineswegs eine Garantie gegen die Wiederholung eines solchen
berraschenden Einbruchs geschaffen. Ludendorff machte mir die
bezeichnende Bemerkung: Es war am 8. August, wie wenn alles sich gegen
uns verschworen htte. Wir haben alles getan, was wir knnen, damit so
etwas sich so leicht nicht wiederholen kann. Aber -- was einmal mglich
war, wer sagt mir, da das nicht auch ein zweites Mal passieren kann!

An den beiden vorhergehenden Tagen hatten eingehende Besprechungen
zwischen den beiden Generalen, dem Reichskanzler und Herrn von Hintze
stattgefunden, am 14. August unter Vorsitz des Kaisers. Ich war, obwohl
in diesen Konferenzen die gesamte militrische und politische Lage
einschlielich der Ostfragen errtert werden sollte, ebensowenig
zugezogen worden, wie der gleichfalls in Spa anwesende Staatssekretr des
Reichswirtschaftsamts Freiherr von Stein. Ich bin damals auch weder von
dem Grafen Hertling oder Herrn von Hintze, noch von den beiden Generalen
ber den Verlauf der Besprechungen unterrichtet worden. Nach den
inzwischen erfolgten amtlichen Verffentlichungen haben in jenen
Besprechungen die beiden Generale dargelegt, da es nicht mehr mglich
erscheine, den Krieg militrisch zu gewinnen, und da daher eine
Verstndigung mit den Feinden herbeigefhrt werden msse. Der Kaiser hat
damals entschieden: es msse auf einen geeigneten Zeitpunkt geachtet
werden, wo wir uns mit dem Feinde zu verstndigen htten. (Weibuch ber
die Vorgeschichte des Waffenstillstands.)

Ohne Kenntnis von diesen Erffnungen unserer Heerfhrer zu haben, hielt
ich mich fr verpflichtet, unmittelbar nach meiner Unterhaltung mit
General Ludendorff zum Reichskanzler zu fahren und ihm ber diese
Unterhaltung zu berichten, mit dem eindringlichen Hinzufgen, da ich
nach meiner Kenntnis der Art Ludendorffs, sich ber solche Dinge zu
uern, den Eindruck gewonnen habe, da die militrische Lage
auerordentlich ernst sei. Mein Eindruck war, da Graf Hertling meine
Auffassung fr bertrieben hielt.

Die von der Obersten Heeresleitung erwarteten neuen Angriffe setzten am
16. August beiderseits Roye ein. Der Feind vermochte hier in mehrtgigen
erbitterten Kmpfen keine nennenswerten Vorteile zu erzielen.

Den Erfolg, der ihm bei diesem Frontalangriff versagt blieb, erkmpfte er
sich jedoch am 20. August in den zwischen der Oise und Aisne und tags
darauf in der Gegend Bapaume--Arras einsetzenden Flgelangriffen. An
beiden Stellen wurden wir in schweren Kmpfen zurckgedrckt. Der flache
Frontbogen Bapaume--Chaulnes--Roye--Noyon kam dadurch in Gefahr. Unsere
Heeresleitung entschlo sich, um dieser Gefahr vorzubeugen, diesen
Frontteil zurckzunehmen. In den letzten Augusttagen wurden deshalb die
viel umkmpften Stdte Roye, Noyon, Bapaume und Pronne dem
nachdrngenden Feinde berlassen. Gleichzeitig wurde der in der
Apriloffensive gewonnene, auf Hazebrouck vorspringende Keil zwischen
Ypern und La Basse, mit ihm auch der Kemmelberg, aufgegeben.

Whrend diese Rckwrtsbewegungen in leidlicher Ordnung vor sich gingen,
gelang den Englndern am 2. September ein mit groer Wucht gefhrter
Schlag gegen unsere Front an der Strae Arras--Cambrai. Sie drangen hier
in das nrdliche Schulterstck der alten Siegfriedstellung ein, um das
sie im Jahre 1917 vergeblich mit dem strksten Einsatz gekmpft hatten.
Der Keil, den sie nrdlich des Sensebaches vortrieben, war eine
empfindliche Flankendrohung sowohl fr die sich nrdlich anschlieende,
zunchst unverndert gebliebene Front Arras--Lens--La Basse als auch fr
die sich nach Sden erstreckende Siegfriedstellung, in die unsere Truppen
im Begriff waren einzurcken.

Am 8. September meldete der Bericht der Obersten Heeresleitung, da
unsere Truppen an der Schlachtfront berall ihre neuen Stellungen bezogen
htten. Seit dem unheilvollen 8. August, der die Zurcknahme unserer
Streitkrfte veranlat hatte, war also genau ein Monat vergangen.
Englnder, Franzosen und Amerikaner hatten, trotz ihrer gewaltigen
berlegenheit an Menschen und Material, einen vollen Monat gebraucht, um
uns ber das Gelnde zurckzudrngen, das wir im Mrz im Lauf von sechs
Tagen ihnen abgenommen hatten. Rckzug bleibt Rckzug, und die
Notwendigkeit der Preisgabe des in den Mrzoffensiven erstrittenen
Gewinnes wurde in Heer und Heimat als ein groes Unglck empfunden. Der
Rckzug vollzog sich auch nicht ohne groe Verluste an Menschen und
Material. Aber die Tatsache, da es gelang, diesen Rckzug unter dem
stndigen Druck eines weit berlegenen Feindes Schritt fr Schritt und
planmig durchzufhren, war ein glnzendes Zeugnis fr Truppe und
Fhrung.

Whrend aber unsere Feinde in den Amerikanern immer neuen und frischen
Zuzug erhielten -- im August kamen allein 335000 amerikanische Soldaten
in Frankreich an --, wurde bei uns der Ersatz fr die groen Lcken, die
durch die schweren Angriffe in unsere Verbnde gerissen wurden, immer
sprlicher und immer schlechter. Die groe zahlenmige berlegenheit an
Menschen und Material hatte dem Marschall Foch eine Mglichkeit in die
Hand gegeben, die unseren Heerfhrern, die mit beschrnkteren Mitteln
rechnen muten, nie gewhrt worden ist: eine groe Offensive gleichzeitig
an mehreren Stellen anzusetzen. Die Ausnutzung dieser Mglichkeit -- die
gleichzeitige Offensive im Raume zwischen der Oise und der Aisne und im
Raume Arras--Bapaume -- hatte ihm den Erfolg unseres Rckzugs auf die
Siegfriedlinie eingebracht. Jetzt gab ihm die Flle seiner Reserven an
Menschen und Material eine zweite Mglichkeit, die gleichfalls den
deutschen Heerfhrern in ihrer Offensive auf dem westlichen
Kriegsschauplatz nie zuteil geworden ist: die Mglichkeit, einem kaum
abgeschlossenen Angriff alsbald neue Schlge von nicht geringerer Wucht
folgen zu lassen.

Schon wenige Tage, nachdem wir in die Siegfriedstellung eingerckt waren,
ging der Englnder beiderseits der von Arras und Pronne nach Cambrai
fhrenden Straen mit neuen Angriffen schwerster Art vor und machte der
Franzose einen neuen heftigen Vorsto zwischen Ailette und Aisne in der
Richtung auf Allemant, der einen Keil zwischen die Siegfriedstellung und
unsere Linien am Chemin des Dames zu treiben drohte. Gleichzeitig fhrten
-- am 12. September -- Amerikaner und Franzosen einen starken Angriff
gegen unseren stlich der Maas auf St. Mihiel vorspringenden Frontteil
aus. Die feindlichen Berichte sprachen hier zum erstenmal von einer
Beteiligung einer amerikanischen Armee; nicht weniger als tausend Tanks
sollen hier gegen uns eingesetzt worden sein. Die schon seit langer Zeit
von unserer Heeresleitung ins Auge gefate Rumung der vorspringenden
Michelstellung erfolgte nun unter dem Druck dieses Angriffs, und wenn
auch der feindliche Plan, die in dem Bogen von St. Mihiel stehenden
Truppen durch den Angriff von beiden Seiten her in die Zange zu nehmen
und abzukneifen, nicht gelang, so konnten die Feinde die Eroberung dieser
seit dem September 1914 von uns gehaltenen Stellung als groen Sieg
verknden und sich einer groen Beute an Gefangenen und an Material
rhmen.

Am 18. September begannen dann die entscheidenden Kmpfe um die
Siegfriedstellung in ihrer ganzen Ausdehnung zwischen Cambrai und La
Fre. In immer wiederholtem Ansturm trieben Englnder und Franzosen,
verstrkt durch amerikanische Truppenteile, ihre von ungezhlten Tanks
und Kampfflugzeugen begleiteten Massen gegen unsere Linien vor. In dem
ununterbrochenen Ringen, bei dem der Feind immer wieder frische Reserven
einsetzen konnte, erlahmte allmhlich die Widerstandskraft der
Verteidiger. In den letzten Tagen des September erzielte der Feind den
entscheidenden Erfolg: es gelang ihm, unmittelbar sdlich von Cambrai und
nrdlich von St. Quentin den Scheldekanal zu forcieren und damit schwere
Breschen in unsere Stellung zu schlagen. St. Quentin wurde in der Nacht
zum 1. Oktober gerumt. In den folgenden Tagen erweiterten die Englnder
den Einbruch durch neue wuchtige Vorste in Richtung Le Cateau. Sie
durchbrachen das ganze ausgebaute Stellungssystem und gewannen das freie
Feld. So wurde in zwei Wochen der schwersten Kmpfe das Hauptstck
unserer Westfront, die Siegfriedstellung, zerbrochen, die whrend des
ganzen Jahres 1917 allen feindlichen Anstrmen getrotzt hatte.

Als dieses Ringen um unsere Zentralstellung seinen Hhepunkt noch nicht
erreicht hatte, holten unsere Feinde zu Flgelangriffen grten Stiles
aus. Am 26. September kam die ganze Front zwischen Reims und der Mosel in
Bewegung. Der Schwerpunkt des Angriffs lag an der alten Champagnefront in
der Gegend Somme-Py bis Tahure und nordwestlich von Verdun zwischen
Argonnen und Maas. Hier setzten die Amerikaner, dort die Franzosen die
volle Wucht ihrer Massen und Kriegsmittel ein. Gleichzeitig erneuerten
die Franzosen ihren Angriff zwischen Ailette und Aisne gegen die
Westflanke des Chemin des Dames und begannen im Norden Englnder und
Belgier einen neuen Ansturm gegen unsere flandrische Front. Von der
Nordsee bis zu den Vogesen schttelte jetzt ein einziger Orkan die in
ihrem Mittel- und Hauptstck bereits wankenden deutschen Stellungen.

Unsere zum groen Teil bermdeten, vielfach auch bereits in ihrem Geist
erschtterten Truppen schlugen sich ungleichmig. Zwischen den Argonnen
und der Maas gelang es, die Amerikaner nach einigen nicht unerheblichen
Anfangserfolgen zum Stehen zu bringen; ebenso die Franzosen in der
Champagne. Dagegen gelang es den Englndern und Belgiern in den letzten
Septembertagen, unsere flandrische Front im Ypernbogen zu berrennen.
Zwei Kampftage brachten ihnen hier den Erfolg, den sie whrend des Jahres
1917 in fnf Monaten des schwersten und opferreichsten Ringens nicht zu
erreichen vermochten: den Durchbruch durch unsere Hhenstellungen um
Ypern bis in die flandrische Ebene.

Wenn durch diese Einbrche und Durchbrche im Zentrum und auf den Flgeln
unsere Front nicht in hilflose Teile auseinandergerissen und unser Heer
nicht zersprengt und zertrmmert werden sollte, war jetzt eine
energische Konzentration nach rckwrts notwendig. Diese wurde in den
ersten drei Oktoberwochen Schritt fr Schritt durchgefhrt.

Zunchst wurde der infolge des Einbruchs im Ypernbogen im Norden und in
der Gegend Cambrai im Sden weit vorspringende Bogen Armentires--Lens in
der Nacht zum 2. Oktober gerumt und unsere Front in jener Gegend hart an
Lille herangelegt. Dann wurden vom 3. Oktober ab unsere Stellungen bei
Reims, in der Champagne, am Damenwege, bei La Fre und Laon
zurckgenommen. Um den 9. Oktober wurde das zur Deckung der
Rckwrtsbewegung lange zh verteidigte Cambrai gerumt und unsere Front
auf Le Cateau zurckgelegt. Nachdem Englnder und Belgier um die Mitte
des Oktober ihre Angriffe stlich Ypern erneut aufgenommen und ber
Roussellaere hinaus vorgestoen waren, wurde in den folgenden Tagen die
seit lngerer Zeit vorbereitete Rumung sowohl des flandrischen
Kstengebietes mit Ostende, Zeebrgge und Brgge, als auch des Gebietes
von Lille und Douai durchgefhrt. Um den 20. Oktober verlief unsere Front
von Ecloo an der belgisch-hollndischen Grenze in sdlicher Richtung ber
Tournai, Valenciennes, Le Cateau, dann in flachem Bogen nach Rethel, von
da stlich mit leichter Abbiegung nach Sden ber Vouziers nach Sivry an
der Maas, um schlielich nach Sdosten an Verdun vorbei in der Gegend von
Pont--Mousson Anschlu an unsere alte Vogesenlinie zu gewinnen.

In diesem gegenber der alten Front stark verkrzten flachen Bogen kam
die Bewegung zu einer Ruhepause. Auch dem Laien leuchtete ein, da sie
damit nicht abgeschlossen war, da vielmehr eine weitere Zurcknahme --
zunchst auf die Linie Antwerpen--Namur--Maas, spter vielleicht auf die
noch wesentlich krzere Linie Lttich--Metz -- in der Konsequenz der
strategischen Entwicklung lag, die uns die Verteidigung des
vaterlndischen Bodens auf einer mglichst kurzen Front zum Gebot machte.
Da die Durchfhrung einer solchen Verteidigung auf absehbare Zeit hinaus
auch jetzt noch keineswegs aussichtslos war, uns vielmehr noch immer die
Mglichkeit bot, das Schlimmste von unserm Vaterland abzuwenden, hatte
die Tatsache gezeigt, da es gelungen war, unsere Truppen, die um die
Wende des September und Oktober auseinandergerissen und
durcheinandergeworfen waren, auf einer einheitlichen Linie zu ordnen und
zum Stehen zu bringen.

Die weitere Rckwrtsbewegung auf die Antwerpen-Maas-Linie wurde Anfang
November eingeleitet, nachdem die Englnder und Belgier mit neuen
Angriffen gegen unsere Scheldestellung zwischen Gent und Tournai einige
Erfolge erzielt hatten und den Amerikanern und Franzosen am 31. Oktober
ein Schlag gegen unsere Stellungen zwischen Aisne und Maas gelungen war.
Als am 11. November der Waffenstillstand in Kraft trat, verlief unsere
Front die Maas entlang von nrdlich Verdun bis Charleville, dann weiter
nordwestlich nach dem Gebiet von Mons, von dort nrdlich ber Gent nach
der hollndischen Grenze.


               Der Zusammenbruch Bulgariens und der Trkei

Um die Mitte des September, als im Westen die entscheidenden Kmpfe um
die Siegfriedstellung neu einsetzten und sich zu unseren Ungunsten
wandten, verlie das Kriegsglck auch unsere stlichen Bundesgenossen.

Die bulgarische Armee hatte nach der Niederwerfung Rumniens und dem
Abschlu des Bukarester Friedens nur noch einen Feind zu bekmpfen: die
durch Serben und Griechen verstrkte Ententearmee, der sie seit langer
Zeit in wenig vernderten Stellungen in der Linie Struma--
Doiransee--nrdlich Monastir--Ochridasee gegenberstand. Die bulgarische
Stellung war von Natur stark und in den wichtigsten Punkten gut
ausgebaut. Dagegen war der Kampfwert und die Widerstandskraft des
bulgarischen Heeres unterwhlt; die Zersetzung des Geistes der Truppen
hatte seit der bernahme der Regierung durch Malinoff zweifellos starke
Fortschritte gemacht.

Am 15. September begannen die Alliierten einen wuchtigen Vorsto gegen
die starke Zentralstellung der Bulgaren auf den hohen Bergen zwischen dem
Doiransee und Monastir in dem durch den Zusammenflu der Tscherna und des
Vardar gebildeten Dreieck. Die Bulgaren hielten dem berraschend
gefhrten Schlage nicht stand. Die schwachen zwischen den bulgarischen
Truppen noch eingesetzten deutschen Bataillone versuchten vergeblich,
die Lage zu retten. In wenigen Tagen wurde der Einbruch zum Durchbruch.
Unter Zurcklassung ihres Kriegsmaterials gaben die Bulgaren in
ungeordnetem Rckzug den ganzen Tscherna-Vardar-Bogen preis. Die
Ententetruppen rissen den stlichen und westlichen Teil der bulgarischen
Front auseinander; sie durchschnitten talaufwrts der Vardar-Enge von
Demirkapu die wichtigste rckwrtige Verbindung der stlich von Doiran
stehenden Struma-Armee, desgleichen in der Gegend von Prilep die
wichtigsten nach dem westlichen Frontteil fhrenden Straen. Die
bulgarische Armee, deren Oberbefehlshaber Schekow um jene Zeit krank in
Wien lag, geriet in vllige Auflsung. Im Laufe einer Woche war, obwohl
die deutsche Heeresleitung auf die ersten Nachrichten von der Niederlage
sieben Divisionen nach der bedrohten Front auf den Weg brachte, der
Zusammenbruch besiegelt. Die Ententetruppen drangen bis zu der
mazedonischen Hauptstadt Ueskueb vor und brachen in altbulgarisches
Gebiet ein. Im bulgarischen Hauptquartier selbst kam es zu revolutionren
Ausbrchen.

Die bulgarische Regierung sah sich durch diese Gestaltung der Dinge am
25. September, also zehn Tage nach Beginn der Offensive, veranlat, ein
Gesuch um Waffenstillstand und Einleitung von Friedensverhandlungen an
den Oberbefehlshaber der Entente-Streitkrfte in Saloniki zu richten, und
zwar ohne sich ber diesen Schritt mit ihren Verbndeten ins Benehmen zu
setzen.

Eine kaum minder schwere Katastrophe als das bulgarische Heer traf die
trkische Armee in Syrien.

Nach der Einnahme Jerusalems im Dezember 1917 waren die britischen
Operationen im Laufe des Frhjahrs 1918 etwa in der Linie von Jaffa
stlich nach dem Jordan zum Stehen gekommen. Die heie Jahreszeit
benutzten die Englnder zu Vorbereitungen eines neuen groen Schlages.

In der Nacht zum 19. September gingen die britischen Truppen auf der
ganzen Linie zum Angriff vor. Whrend das trkische Zentrum und der sich
an den Jordan anlehnende linke Flgel standhielten, brach der an der
Kste stehende rechte Flgel zusammen. Britische Kavallerie drngte
scharf nach und schwenkte sdlich des Sees Tiberias nach Osten ein, um
das Zentrum der trkischen Armee im Rcken zu fassen. Dazu wurde die Lage
im Ostjordanland durch Aufstnde der Araberstmme gefhrdet. Ende
September erzwangen die Englnder den bergang ber den oberen Jordan und
vereinigten sich mit den Arabertruppen des von ihnen zum Knig von
Hedschas ausgerufenen Scheiks Hussein. Die trkische Niederlage wurde zum
Zusammenbruch. Whrend sich die deutschen Abteilungen zum groen Teil mit
Aufgebot aller Kraft durchschlugen, ergab sich der grte Teil der
trkischen Verbnde in sein Schicksal und kapitulierte. Am 2. Oktober
konnten die Englnder die Einnahme von Damaskus melden. Dem weiteren
Vormarsch nach Norden stand kein Hindernis mehr entgegen. In der letzten
Oktoberwoche besetzten die Englnder ohne Kampf Aleppo und
durchschnitten damit die einzige Eisenbahnverbindung zwischen Kleinasien
und Mesopotamien. Auch die in Mesopotamien stehenden trkischen Truppen
erlitten gleichzeitig eine vernichtende Niederlage.

Unter der Wirkung der Katastrophe war schon am 9. Oktober der
deutschfreundliche Growesir Talaat Pascha mit seinem Kabinett
zurckgetreten und hatte dadurch den Weg fr Verhandlungen mit der
Entente freigemacht.


              Der sterreichisch-ungarische Friedensschritt

Unser nchster und strkster Bundesgenosse, sterreich-Ungarn, hatte in
den schicksalsschweren Wochen des August und September an seiner einzigen
Front, der venezianischen, keine Grokmpfe zu bestehen. Zwar griffen die
Italiener immer wieder sowohl an der Gebirgsfront als am Piave an, ohne
jedoch ihren Vorsten einen besonderen Nachdruck zu geben. Die
sterreichisch-ungarische Armee stand seit ihrer verunglckten
Piave-Offensive auf dem Ostufer des Flusses in guten Stellungen und
konnte -- ebenso wie dies seitens der Italiener geschah -- einzelne
Verbnde fr den westlichen Kriegsschauplatz abgeben. Dort haben sich
sterreichisch-ungarische Regimenter namentlich in den Kmpfen vom 12.
September um den Stellungskeil bei St. Mihiel ausgezeichnet.

Trotz seiner verhltnismig gesicherten und gnstigen militrischen Lage
nahm sterreich-Ungarn mit einem aufsehenerregenden Schritt fr sich
allein und ohne Verbindung mit seinen Bundesgenossen die Initiative zu
einer neuen Friedensaktion.

Am 14. September richtete der sterreichisch-ungarische Minister des
Auswrtigen, Graf Burian, an die Regierungen der smtlichen
Kriegfhrenden, Freund wie Feind, eine gleichlautende Note, in der er
vorschlug, zu einer vertraulichen und unverbindlichen Aussprache ber
die Grundprinzipien des Friedensschlusses an einem Ort des neutralen
Auslandes und zu einem nahen Zeitpunkt, ber den man noch Vereinbarungen
zu treffen htte, Delegierte zu entsenden, die beauftragt wren, die
Auffassungen ihrer Regierungen ber ihre Prinzipien bekanntzugeben,
analoge Mitteilungen entgegenzunehmen, sowie offene und freimtige
Aufklrungen ber alle jene Punkte, die der Przisierung bedrfen, zu
erbitten und zu erteilen. Mit einer besonderen Note wurde dieser
Friedensschritt auch zur Kenntnis des Papstes gebracht; ebenso wurden die
Regierungen der neutralen Staaten verstndigt.

Die Note wurde am gleichen Tage von der Wiener Regierung verffentlicht,
zugleich mit einem umfangreichen Promemoria, dessen Gedankengang war:

Alle Vlker ersehnten das baldige Ende des blutigen Kampfes. Trotzdem sei
es bisher nicht gelungen, die Kluft, die die Kriegfhrenden noch trenne,
zu berwinden. Der Friedensschritt der Mittelmchte vom Dezember 1916
habe nicht zu dem erhofften Erfolg gefhrt, habe aber wenigstens bewirkt,
da die Friedensfrage seither nicht mehr von der Tagesordnung
verschwunden sei. Wenn auch die seither vor dem Tribunal der
ffentlichkeit gefhrte Diskussion die Gegenstzlichkeit bewiesen habe,
die jetzt noch die Auffassung der kriegfhrenden Mchte von den
Friedensbedingungen trenne, so habe sich doch eine Atmosphre gebildet,
welche die Errterung des Friedensproblems nicht mehr ausschliee. Ohne
bertriebenen Optimismus knne man aus den uerungen verantwortlicher
Staatsmnner mindestens so viel konstatieren, da der Wille, zu einer
Verstndigung zu gelangen und den Krieg nicht ausschlielich durch die
Macht der Waffen zur Entscheidung zu bringen, auch bei den alliierten
Staaten allmhlich doch durchzudringen beginne.

Der Schritt des Grafen Burian wirkte als Sensation. Er wurde allgemein
dahin gedeutet, da sterreich-Ungarn nicht mehr in der Lage oder nicht
mehr gewillt sei, weiterzukmpfen, und da es sich, um zum Frieden zu
kommen, entschlossen habe, ohne Rcksicht auf seine Bundesgenossen
selbstndig den Weg zum Frieden zu gehen.

Der Staatssekretr von Hintze war noch in der Woche zuvor zu
Besprechungen mit dem Grafen Burian in Wien gewesen. Es war ihm weder
gelungen, den Sonderschritt, den Graf Burian schon Mitte August in Spa
angekndigt hatte, abermals zu verhindern, noch ihm eine fr Deutschland
ertrglichere Form zu geben. Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, da
der von uns bei dem Abschlu der Zusatzvertrge mit Ruland gezeigte
Mangel an Rcksicht auf unsere sterreichisch-ungarischen Bundesgenossen
nicht ganz ohne Rckwirkung auf das Verhalten der Wiener Regierung uns
gegenber in dieser Frage geblieben ist. Am 6. September war der
Austausch der Ratifikationen der Zusatzvertrge ber die Wiener
Vorstellungen hinaus erfolgt; am 14. September lie Graf Burian seine
Note ergehen.

                    *       *       *       *       *

In Berlin hatten sich einige Tage vor der Verffentlichung der
Burianschen Note die Fhrer der Mehrheitsparteien erneut zu
interfraktionellen Besprechungen zusammengefunden. Es wehte wieder einmal
ausgesprochene Krisenluft. Auerhalb des Zentrums war die Empfindung, da
die Regierung des Grafen Hertling der schwierigen Lage des Reiches nicht
gewachsen sei, wohl allgemein. Im Zentrum selbst hatte Graf Hertling nach
wie vor einen starken Rckhalt; aber der Einflu der Erzbergerschen
Gegenarbeit war doch auch hier unverkennbar. In diese Krisenstimmung
hinein fiel die Buriansche Note. Die Parteifhrer wurden, noch ehe die
Note in den deutschen Blttern zur Verffentlichung freigegeben wurde, am
Abend des 14. September nach dem Auswrtigen Amt eingeladen, wo der
Staatssekretr von Hintze ihnen vom Text der Note Kenntnis gab und sie zu
beruhigen versuchte. Die Beruhigung gelang nur mangelhaft. Die Tatsache,
da es in der schweren Lage, in die wir durch die militrischen
Rckschlge versetzt waren, zu einem die Festigkeit unseres
Bndnissystems diskreditierenden Sonderschritt hatte kommen knnen, gab
dem wankenden Vertrauen in die Reichsleitung einen neuen Sto.

Zunchst begngte man sich mit dem Beschlu der alsbaldigen Einberufung
des Hauptausschusses des Reichstags.

Noch ehe der Hauptausschu zusammentrat, gab die Reichsregierung eine
offizielle Antwort auf die Wiener Friedensnote; sie ging dahin, da die
Aufnahme frherer Friedensschritte bei unseren Gegnern nicht ermutigend
sei, da aber die Kaiserliche Regierung den neuen Versuch mit dem
aufrichtigen Wunsch begleite, da er dieses Mal den erhofften Erfolg
finden mchte; Deutschland sei bereit, an dem vorgeschlagenen
Gedankenaustausch teilzunehmen.

Sehr eilig mit seiner Stellungnahme hatte es der Prsident Wilson. Schon
am 17. September lie er durch den Staatssekretr Lansing die Antwort an
die Wiener Regierung verffentlichen. Sie lautete: Er habe wiederholt die
Bedingungen bekanntgegeben, auf Grund deren die Vereinigten Staaten einen
Frieden in Erwgung ziehen wollten. Die Unions-Regierung knne und wolle
keinen Vorschlag zur Abhaltung einer Konferenz annehmen in einer
Angelegenheit, in der sie ihre Haltung und ihre Absichten deutlich zu
erkennen gegeben habe.

Auch Herr Clemenceau sumte nicht. Er hielt am 18. September im Senat
eine Rede, in der er erklrte, es gebe keine Straffreiheit fr die von
den Mittelmchten begangenen Verbrechen; eine schreckliche Rechnung sei
aufgelaufen und msse bezahlt werden. Dem schweizerischen Gesandten in
Paris stellte Herr Pichon eine Nummer des Journal Officiel, das diese
Rede enthielt, mit dem Bemerken zu, das sei die Antwort der Republik auf
die Note des Wiener Kabinetts.

In London hatte Herr Balfour schon am 17. September in ffentlicher Rede
erklrt, die Buriansche Note sei nichts als ein Versuch, die Alliierten
zu spalten und zu schwchen, sie bringe den Frieden um keinen Schritt
nher.

Der gnzliche Mierfolg des von dem Wiener Kabinett unternommenen
Sonderschrittes stand also bereits fest, als sich der Hauptausschu des
Reichstags am 24. September versammelte.


                     Kritische Zuspitzung in Berlin

Es war bezeichnend, da der Ausschu, der wegen der so bedrohlich
gewordenen auswrtigen Lage des Reiches frher als geplant
zusammengerufen worden war, nach den einleitenden Erklrungen und
Mitteilungen des Reichskanzlers, des Vizekanzlers, des Staatssekretrs
des Auswrtigen und eines Vertreters des Kriegsministers den Schwerpunkt
seiner Errterungen alsbald auf das Gebiet der inneren Politik verlegte.
Schon am Tage vor seinem Zusammentritt hatte die Fortschrittliche
Volkspartei eine Fraktionssitzung abgehalten, deren wesentliches Ergebnis
bereinstimmung darber war, da der Eintritt der Sozialdemokratie in die
Regierung, von dem seit einiger Zeit viel gesprochen wurde, zu begren
sei, da eine weitere Verschleppung der preuischen Wahlreform nicht mehr
geduldet werden drfe und da der Artikel 9 der Reichsverfassung, der
verbot, da jemand gleichzeitig Mitglied des Bundesrats und Mitglied des
Reichstags sein drfe, aufzuheben sei. Die sozialdemokratische
Reichstagsfraktion hatte am gleichen Tag beschlossen, den Eintritt von
Sozialdemokraten in eine etwa neu zu bildende Regierung unter einer Reihe
von Bedingungen zu billigen, die zu einem groen Teil gleichfalls auf dem
Gebiet der inneren Politik lagen.

In diesem Rahmen bewegte sich auch, was die Fraktionsfhrer im
Hauptausschu vorbrachten. Die Reden der Wortfhrer der Mehrheitsparteien
waren, bei aller Schonung der Person des Grafen Hertling, eine einzige
Anklage gegen die Versumnisse, namentlich die innerpolitischen
Versumnisse, der von ihnen selbst vor nicht ganz einem Jahr gekrten und
mit ihren Vertrauensmnnern durchsetzten Regierung. Der Einflu der
Militrs auf die Politik, die Handhabung der Zensur und des Vereinsrechts
unter dem Belagerungszustand, die Verschleppung der preuischen
Wahlreform waren die wichtigsten Beschwerdepunkte. Von derjenigen
inneren Frage, die in Wirklichkeit alles Interesse in Anspruch nahm, von
der Bildung einer neuen Regierung durch die Mehrheitsparteien, sprach man
im Hauptausschu auffallenderweise nicht, wohl deshalb, weil ber das Los
des Grafen Hertling zwischen dem Zentrum, das ihn halten wollte, und den
anderen Mehrheitsparteien, die seinen Kopf verlangten, noch keine
bereinstimmung bestand.

Da traf am 26. September die Nachricht von dem Ersuchen Bulgariens an die
Entente um Waffenstillstand und Einleitung von Friedensverhandlungen in
Berlin ein. Die Bestrzung ber diesen offenen Abfall des bulgarischen
Verbndeten war gro. Herr von Hintze gab zwar im Hauptausschu am 27.
September Erklrungen ab, da weder fr Bulgarien noch fr uns ein Anla
vorliege, das Spiel bereits verlorenzugeben; die militrische Lage in
Mazedonien lasse sich durch die alsbald entsandten deutschen und
sterreichisch-ungarischen Verstrkungen nach dem Urteil der
militrischen Sachverstndigen wiederherstellen; auch stehe noch nicht
fest, ob Herr Malinoff den Knig, die bulgarische Heeresleitung und die
Sobranje hinter sich habe, oder ob er auf eigene Faust vorgegangen sei;
eine Gegenaktion der bundestreuen Elemente in Sofia scheine
bevorzustehen. -- Aber die Klarheit lie nicht lange auf sich warten.
Knig Ferdinand, der gewillt war, an dem Bndnis festzuhalten, sah sich
gezwungen, zugunsten seines Sohnes abzudanken und den Dingen ihren Lauf
zu lassen.

Der Abfall des bulgarischen Bundesgenossen gab der Kanzlerschaft des
Grafen Hertling den Gnadensto. Auch das Zentrum gab ihn preis. Der
Reichstagsprsident Fehrenbach gab dem Kanzler am 28. September,
unmittelbar ehe dieser mit Herrn von Hintze zur Besprechung der Lage nach
dem Groen Hauptquartier reiste, zu verstehen, da auch im Zentrum die
Auffassung an Boden gewonnen habe, da die Lsung der Krisis durch seinen
freiwilligen Rcktritt erleichtert werden knne.

Aber dieses Mal wollten die Mehrheitsparteien grndliche Arbeit machen.
Ein Personenwechsel gengte ihnen nicht mehr, sie wollten einen
Systemwechsel: die volle Verwirklichung des parlamentarischen Regimes.

Es ist eine Gewohnheit der Vlker, da sie fr schwere Schicksale
Sndenbcke brauchen. Zum Sndenbock machte man jetzt bei uns nicht nur
Personen, nicht einmal in erster Linie Personen, sondern das System.
Darin kam das groe Ma der vom Persnlichen abstrahierenden Objektivitt
des Deutschen zum Ausdruck, und gleichzeitig auch das groe Ma des dem
Deutschen eigenen Doktrinarismus. Denn der Systemwechsel wurde jetzt als
Allheilmittel und als Rettung aus der Not des Vaterlands von denselben
Mehrheitsparteien -- und ihnen folgend von ihren Anhngern im Lande --
verlangt, die seit einem Jahr in der Reichsregierung durch ihre
Vertrauensmnner vertreten waren und die Snden der Reichsregierung im
Begehen und Unterlassen mitgemacht, geduldet und gedeckt hatten. Der
Obrigkeitsstaat sollte jetzt durch den Volksstaat ersetzt werden. Vom
Volksstaat und seiner Volksregierung erwartete der Idealismus der
deutschen Demokratie das groe Wunder. Ich setze, um diesen Gedankengang
deutlich zu machen, eine bezeichnende Stelle aus einem Artikel der
Frankfurter Zeitung vom 27. September 1918 hierher:

Die Lage Deutschlands, unseres Staates und unseres Volkes, ist heute so
ernst und so schwer wie niemals zuvor. Niemand darf sich darber
tuschen, niemand auch die Pflicht verkennen, die ihm daraus erwchst.
Spannen wir jetzt nicht alle Krfte bis zum uersten, in stoischem
Ertragen und in heroischer Leistung, dann kann es kommen, da die Gegner
doch noch ihr Ziel erreichen. Was bringt unser Volk jetzt zu so hchster
Krafthergabe? -- Nur das Volk selbst aus eigenem, innerstem Impulse kann
sich dazu erheben! Nur indem es endgltig sein Schicksal in die eigene
Hand nimmt, wird es das ungeheure Ma von Verantwortungsgefhl und
Opferbereitschaft finden, das jetzt nottut. Der Masse, der eine Obrigkeit
zuredet und befiehlt, wird das nicht abzuringen sein; dem Volke, das die
Entscheidung ber seine Gegenwart und seine ganze Zukunft sich selbst
anvertraut fhlt, wird und mu es gelingen. Das ist der gewaltige Sinn
der Demokratie und der ungeheure Kraftstrom, der aus ihr fliet. Und
diesen Kraftstrom gilt es jetzt zu entfesseln.

Von diesem Gedanken waren jetzt manche durchdrungen, die an sich der
demokratischen Weltanschauung fernerstanden. Zu seinem Anwalt machten
sich jetzt im Groen Hauptquartier nicht nur Graf Hertling selbst, der
dem Kaiser seine Entlassung anbot, sondern auch der Staatssekretr des
Auswrtigen von Hintze und der gleichfalls zu den Beratungen zugezogene
Reichsschatzsekretr Graf Roedern. Auch die Generale der Obersten
Heeresleitung schlossen sich diesem Gedanken an. Und in der Tat, wer
wollte leugnen, da jetzt, wo die schwersten Stunden des Vaterlandes
nahten, alles darauf ankam, alle Kraft des deutschen Volkes aufzurufen
und der einen groen Sache dienstbar zu machen? Nur gengt es in solchen
Zeiten der hchsten Not nicht, Krfte zu entfesseln; die Krfte mssen
auch gefhrt werden. Dazu gehren Persnlichkeiten. Persnlichkeiten aber
haben die Parteien, die sich jetzt anschickten, als Mandatare des
deutschen Volkes die Regierung in die Hand zu nehmen, weder
hervorgebracht noch vertragen.


                    Die Lage im Groen Hauptquartier

Im Groen Hauptquartier trafen die am Vormittag des 29. September aus
Berlin ankommenden Herren eine beraus schwere Lage. Die Entwicklung der
letzten Wochen hatte die Aussicht auf eine siegreiche Beendigung des
Krieges zerstrt. Eine neue Wendung des Kriegsglcks zu unseren Gunsten
war nicht mehr zu erwarten. Das sich immer mehr verstrkende bergewicht
unserer Feinde war nicht mehr auszugleichen. Unter dem Druck dieser
Erkenntnis, der auch der letzte Mann sich nicht verschlieen konnte, und
unter den blen Einwirkungen aus der Heimat, die durch eine mit den
raffiniertesten Mitteln betriebene Propaganda des Feindes in unseren
Reihen verstrkt wurden, begann der Geist der Truppe sich greifbar zu
verschlechtern. Die Flle, da unsere Leute auch gegenber schwachen
Angriffen nicht mehr hielten oder gar kampflos zum Feinde berliefen,
hatten sich gemehrt; ja es kam vor, da den neu eingesetzten Verbnden
aus den Reihen der zurckflutenden Truppen das bse Wort Streikbrecher
zugerufen wurde.

Gerade in jenen letzten Septembertagen war die militrische Lage in einer
akuten Krisis. Der Kampf um die Siegfriedstellung war auf seinem
Hhepunkt: es ging um die Kanalstellungen, die wir vergeblich vor einem
Durchbruch zu bewahren suchten. Auerdem hatte am 28. September die
englisch-belgische Offensive in Flandern unsere Stellungen um Ypern
durchbrochen und damit eine schwere Bedrohung fr unsere Positionen an
der flandrischen Kste und in der Gegend von Lille geschaffen.
Schlielich ntigte uns die Offensive der Franzosen und Amerikaner,
unsere Stellungen zwischen Reims und der Maas nicht unerheblich
zurckzunehmen. Die ganze Front, die wir vom Herbst 1914 an bis zum
Beginn unserer eigenen Offensive im Frhjahr 1918 gegen die strksten
Angriffe gehalten hatten, war auf das schwerste erschttert und drohte
zusammenzubrechen. Dazu kam der Abfall Bulgariens, der den Zusammenbruch
der Trkei beschleunigen mute, und die zweifelhafte Haltung
sterreich-Ungarns.

Die Heeresleitung stand vor den schwersten Entschlssen. Sie stand
gleichzeitig vor der Frage, ob die Fortsetzung eines nicht mehr zu
gewinnenden Krieges noch zu verantworten sei und ob die Lage nicht dazu
zwinge, die sofortige Herbeifhrung des Friedens selbst unter groen
Opfern zu versuchen.

Die ersten Hinweise der Obersten Heeresleitung auf die Notwendigkeit
politischen Handelns zur Herbeifhrung des Friedens gehen, wie ich oben
dargestellt habe, auf den Monat Juni 1918 zurck. Sie hatten leider nur
die Wirkung gehabt, da Herr von Khlmann von der Tribne des Reichstags
herab erklrte, der Krieg knne rein militrisch nicht zu Ende gebracht
werden. Zum zweitenmal hatte die Oberste Heeresleitung bei den
Besprechungen im Groen Hauptquartier Mitte August auf den Ernst der
militrischen Lage hingewiesen und die Aussichtslosigkeit einer rein
militrischen Beendigung des Krieges betont. Es ist mir nicht bekannt,
was darauf unsere politische Leitung zur Herbeifhrung eines Friedens
getan hat, der allerdings auch damals schon, wie berhaupt whrend des
ganzen Krieges, nur um den Preis empfindlicher Zugestndnisse
unsererseits, namentlich in der elsa-lothringischen Frage, zu haben
gewesen wre. Auch fr den Nahestehenden trat sichtbar nur in
Erscheinung die Forcierung der Zusatzvertrge zum Brester Frieden, damit
verbunden die Markierung unseres guten Verhltnisses zur
Bolschewikiregierung und die Belastung unseres Bundesverhltnisses zu
sterreich-Ungarn und der Trkei. Auch das Weibuch ber die
Vorgeschichte des Waffenstillstands gibt keinen genauen Aufschlu. Unter
dem sterreichischen Druck und angesichts der immer bedenklicher
werdenden militrischen Lage wurde am 11. September im Groen
Hauptquartier die sofortige Einleitung einer Friedensdemarche bei einer
neutralen Macht beschlossen. Es wurde der Versuch gemacht,
sterreich-Ungarn und die anderen Bundesgenossen zum Anschlu an einen
solchen Schritt zu gewinnen. Dieser Versuch wurde durch den
sterreichisch-ungarischen Sonderschritt vom 14. September erledigt.

Nun waren seit jener Besprechung am 13. und 14. August sechs schwere
Wochen in die Welt gegangen; wir waren militrisch und politisch an den
Rand des Abgrundes gedrngt. In dieser Lage trug General Ludendorff am
28. September dem Feldmarschall von Hindenburg vor, da der Zeitpunkt
gekommen sei, an die Reichsregierung die Forderung zu stellen, in
sofortige Friedensverhandlungen einzutreten und zu diesem Zweck der
Entente einen Waffenstillstand vorzuschlagen.

Als Graf Hertling und die Staatssekretre Graf Roedern und von Hintze am
29. September im Groen Hauptquartier mit ihren Sorgen eintrafen, sahen
sie sich vor den Antrag der Obersten Heeresleitung auf sofortige
Herbeifhrung eines Waffenstillstands und Einleitung von
Friedensverhandlungen gestellt.

Graf Hertling, der mit dem Entschlu angekommen war, vom Kaiser seinen
Abschied zu erbitten, trat bei den weiteren Besprechungen nicht mehr in
Ttigkeit.

Die beiden Staatssekretre, die den Reichskanzler begleitet hatten, um
den Kaiser von der Notwendigkeit der Neubildung der Regierung auf
breitester parlamentarischer Grundlage sowie der Reform der
Reichsverfassung im Sinne der demokratischen Forderungen zu berzeugen,
wurden in ihrer Auffassung und Absicht durch die Erffnungen der Obersten
Heeresleitung nur bestrkt. Sie erklrten, da ein Friedensangebot, wie
es die Oberste Heeresleitung verlangte, nur von einer neuen Regierung,
die vom Vertrauen des ganzen Volkes und seiner Vertretung, des
Reichstages, getragen sei, gemacht werden knne; der verhngnisvolle
Rckschlag, den dies von niemand in Deutschland erwartete pltzliche
Ersuchen um Waffenstillstand und Frieden in der Stimmung des deutschen
Volkes hervorrufen werde, knne nur ausgeglichen werden durch weitgehende
demokratische Reformen, die Revolution von unten knne nur vermieden
werden durch eine Revolution von oben.

Die Oberste Heeresleitung und der Kaiser schlossen sich dieser Auffassung
an.

Am Montag, 30. September, wurde ein an Graf Hertling gerichteter Erla
des Kaisers bekanntgegeben, in dem der Kaiser den Rcktritt des Grafen
Hertling genehmigte und dann fortfuhr:

Ich wnsche, da das deutsche Volk wirksamer als bisher an der
Bestimmung der Geschicke des Vaterlands mitarbeite. Es ist daher mein
Wille, da Mnner, die von dem Vertrauen des Volkes getragen sind, in
weiterem Umfang teilnehmen an den Rechten und Pflichten der Regierung.


              Das Reichskabinett des Prinzen Max von Baden

Graf Roedern, der am Abend des 29. September zusammen mit Herrn von
Hintze und einem Vertreter der Obersten Heeresleitung nach Berlin
zurckreiste, erhielt vom Kaiser den Auftrag, in Berlin die fr die
Bildung der neuen Regierung erforderlichen Schritte zu tun.

Die Initiative ging jedoch sofort in die Hnde der Mehrheitsparteien
des Reichstags ber. Die den Intentionen des Kaisers entsprechende
Anregung des Grafen Roedern, in der uersten Not des Vaterlands alle
Parteigegenstze zurckzustellen und durch die Bildung eines die
smtlichen groen Parteien umfassenden Koalitionskabinetts die Einheit
des deutschen Volkes zum Ausdruck zu bringen, wurde kurzerhand und
schroff abgelehnt. Die Mehrheitsparteien machten sich daran, ein
Kabinett aus ihren Mitgliedern zu bilden.

Als neuer Kanzler wurde von ihnen zunchst der bisherige Vizekanzler von
Payer in Aussicht genommen. Dieser lehnte jedoch ab, sei es, weil er sich
der ungeheuren Aufgabe nicht gewachsen fhlte, sei es, weil aus den
Reihen seiner eigenen Parteifreunde heraus Stimmung fr einen anderen
Kandidaten gemacht wurde: fr den Prinzen Max von Baden. Dieser war mir
schon in den letzten Tagen der Kanzlerschaft des Herrn Michaelis von dem
Abgeordneten Conrad Haumann als der gegebene Reichskanzler bezeichnet
worden. Er war inzwischen durch einige Reden, die er als Prsident der
Badischen Ersten Kammer gehalten hatte, in der politischen Welt als ein
Anhnger eines Vershnungsfriedens und als ein Mann von liberalen
Anschauungen bekannt geworden. Schon im Dezember 1917 hatte er das Wort
von dem Weltgewissen gesprochen, das hinter unserer Kraft stehen msse,
um die Welt mit uns zu vershnen. In einer seiner spteren Reden rief er
das Verantwortungsgefhl gegenber der Menschheit an, das erfordert
htte, da man die Hlle dieses Krieges nicht noch einmal loslie, bevor
der ehrliche Versuch gemacht wurde, ob nicht die Differenzen zwischen den
Kriegfhrenden schon so weit geschwunden sind, da Verhandlungen sie
berbrcken knnten. Und in seiner Rede aus Anla der Jahrhundertfeier
der badischen Verfassung bezeichnete er die Demokratisierung als das
Ziel unserer politischen Entwicklung, mit dem Hinzufgen: Heute enthlt
die Forderung nach uerer Kraftentfaltung zugleich die Forderung nach
innerer Freiheit.

Solche Worte waren eine starke Empfehlung bei den Fhrern der
Mehrheitsparteien, die hier Geist von ihrem Geist zu spren glaubten. In
den persnlichen Unterhaltungen, die der alsbald nach Berlin gerufene
Prinz mit den Parteifhrern hatte, verstrkte er diesen Eindruck durch
seine gewinnende Liebenswrdigkeit. Sogar die Sozialdemokraten setzten
sich ber ihre anfnglichen Bedenken gegen die Inaugurierung der
demokratischen Epoche durch einen Prinzen und Thronfolger hinweg. Ob der
Prinz die Kraftnatur sei, der allein in dem schwersten Sturm das
Steuerruder des Vaterlands anvertraut werden durfte, danach fragte
niemand; im Gegenteil, die sich beim ersten Gesprch aufdrngende
Wahrnehmung, da der liebenswrdige und wohlmeinende Prinz alles eher sei
als eine Kraftnatur, hat wohl nicht unwesentlich dazu beigetragen, die
Begeisterung fr seine Kandidatur bei gewissen Fhrern der
Mehrheitsparteien zu erhhen.

Am 3. Oktober wurde Prinz Max von Baden zum Reichskanzler und zum
preuischen Minister der Auswrtigen Angelegenheiten ernannt. Der Posten
des preuischen Ministerprsidenten blieb unbesetzt! Beigegeben wurden
ihm als Staatssekretre ohne Portefeuille die Zentrumsfhrer Grber und
Erzberger sowie der Sozialdemokrat Scheidemann, derselbe, der vor Jahren
den Verrat als die Familientradition der Hohenzollern bezeichnet hatte.
Einige Tage spter wurde auch der fortschrittliche Abgeordnete Conrad
Haumann, nachdem er den Posten des Unterstaatssekretrs in der
Reichskanzlei abgelehnt hatte, zum Staatssekretr ohne Portefeuille
ernannt.

Die Staatssekretre ohne Portefeuille, die kein bestimmtes Arbeitsbereich
und damit um so mehr Zeit zum Reden und Raten hatten, bildeten zusammen
mit dem Vizekanzler von Payer und dem Vizeprsidenten des preuischen
Staatsministeriums, Dr. Friedberg, die ihre mter beibehielten, unter dem
Vorsitz des Reichskanzlers das Kriegskabinett, das jetzt in dunkler
Stunde das Schicksal Deutschlands in seine Hand nahm.

Auch sonst gab es einigen Wechsel. Vor allem wurde in der Leitung des
Auswrtigen Amtes Herr von Hintze, der auch durch die lebhafte
Befrwortung der Demokratisierung in den entscheidenden Besprechungen
im Groen Hauptquartier das nun einmal gegen ihn bestehende Mitrauen
nicht hatte berwinden knnen, durch den bisherigen Staatssekretr des
Reichskolonialamts, Dr. Solf, ersetzt, der fr dieses Amt manche Qualitt
mitbrachte, nur die eine nicht, die zur Ergnzung des neuen Kanzlers fr
den deutschen Auenminister in dieser Zeit doppelt ntig gewesen wre:
harte Kraft. Herrn Dr. Solf wurde als Unterstaatssekretr der
sozialdemokratische Abgeordnete Dr. David beigegeben. Der Kriegsminister
von Stein rumte seinen Platz dem General Schech. Das Reichsamt des
Innern bernahm an Stelle des zurcktretenden Herrn Wallraf der
Zentrumsfhrer Trimborn. An die Spitze des von dem Reichswirtschaftsamt
abgetrennten Reichsarbeitsamts wurde ein Sozialdemokrat gestellt, der
heutige Reichsministerprsident Bauer. Zum Statthalter von
Elsa-Lothringen, dessen bundesstaatliche Autonomie einen der Punkte des
zwischen dem Prinzen Max und den Mehrheitsparteien vereinbarten Programms
bildete, wurde der altelsssische Brgermeister von Straburg, Dr.
Schwander, zum Staatssekretr von Elsa-Lothringen der elsssische
Abgeordnete Hau ernannt. Wo noch ein Nichtparlamentarier an der Spitze
eines Reichsamts blieb, wurde ihm ein parlamentarischer
Unterstaatssekretr zur Seite gestellt.

Zu dem Programm der neuen Regierung hatten die Sozialdemokraten
vorausschauend schon am 23. September das Konzept gemacht, als sie die
Bedingungen festlegten, unter denen sie den Eintritt ihrer
Parteimitglieder in die Regierung billigen wollten. Das Programm, zu dem
Prinz Max in seiner ersten Rede vor dem Reichstag sich Punkt fr Punkt
ausdrcklich bekannte, enthielt:

1. Das Festhalten an der Antwort der Reichsregierung auf die Papstnote
vom 1. August 1917 und das uneingeschrnkte Bekenntnis zur
Friedensresolution des Reichstags vom 19. Juli 1917.

2. Erklrung der Bereitschaft, einem Vlkerbund beizutreten, dessen Zweck
die Sicherung eines dauernden Friedens und der freien wirtschaftlichen
Entfaltung der Vlker sein sollte.

3. Einwandfreie Erklrung ber die Wiederherstellung Belgiens und
Verstndigung ber Entschdigung.

4. Die bisher geschlossenen Friedensvertrge (Brest-Litowsk und Bukarest)
drfen kein Hindernis fr den allgemeinen Friedensschlu bilden. Im
Baltikum, in Litauen und Polen sind alsbald Volksvertretungen auf
breitester Grundlage zu schaffen, die ihre Verfassung und ihre
Beziehungen zu den Nachbarstaaten regeln.

5. Schaffung eines selbstndigen Bundesstaates Elsa-Lothringen.

6. Unverzgliche Durchfhrung der Wahlreform in Preuen; gleiches
Anstreben solcher Reformen in denjenigen Bundesstaaten, die sie noch
entbehren.

7. Einheitlichkeit der Reichsleitung, Berufung von Regierungsvertretern
aus dem Parlament zur Durchfhrung einer einheitlichen Reichspolitik,
strenge Einhaltung aller verfassungsmigen Verantwortlichkeiten,
Beseitigung aller militrischen Einrichtungen, die der politischen
Beeinflussung dienen.

8. Zum Schutze der persnlichen Freiheit, des Versammlungsrechts und der
Pressefreiheit sofortige nderung der Bestimmungen ber den
Belagerungszustand, Beschrnkung der Zensur, Einrichtung einer
politischen Kontrolle fr alle Manahmen, welche auf Grund des
Belagerungszustandes verhngt werden.

Diesem Programm trat auch die nationalliberale Reichstagsfraktion
nachtrglich bei und gewann damit wieder ihren zeitweilig unterbrochenen
Anschlu an die Mehrheitsparteien. Abseits standen die Konservativen
und die Deutsche Fraktion auf der Rechten, die Unabhngigen
Sozialdemokraten auf der Linken und schlielich die polnische Fraktion,
die sich in Erwartung der kommenden Dinge alles vorbehielt.

Die Bildung der neuen Regierung aus der Initiative und nach dem Willen
der Reichstagsmehrheit und der Inhalt des zwischen Reichsregierung und
Mehrheitsparteien festgelegten Programms sind als eine unblutige
Revolution bezeichnet worden. Der Umschwung war in der Tat gewaltig: die
Krone hatte auf die Ausbung ihrer wichtigsten politischen Befugnisse zu
Hnden der Parlamentsmehrheit verzichtet. Eine Revolution war der
Umschwung zwar nicht; denn er hielt sich noch in den Bahnen des Gesetzes.
Aber er war das unmittelbare Vorspiel zur wirklichen Revolution; denn er
brachte Mnner an die Spitze der Reichsgeschfte, von denen ein
ernstlicher Widerstand gegen den drohenden Aufruhr und Umsturz nicht zu
erwarten war.


              Das Ersuchen um Waffenstillstand und Frieden

Fr den deutschen Patrioten trat jedoch dieser gewaltige Umschwung im
Innern, so bedeutungsvoll und folgenschwer er sich darstellte, noch
zurck hinter der alles berschattenden Schicksalsfrage: Wie sichern wir
in der furchtbaren Zwangslage, in die wir durch die militrischen
Ereignisse gebracht worden sind, annehmbare Bedingungen fr
Waffenstillstand und Frieden?

Ich kam am 1. Oktober von einer kurzen Reise nach Berlin zurck. Was ich
am Vormittag im Auswrtigen Amt, am Nachmittag vom Grafen Roedern ber
die militrische und politische Lage und ber die im Werden begriffenen
Entschlsse hrte, erschtterte mich auf das tiefste. Die Darstellung
ging dahin, da wir nach den Erklrungen der Obersten Heeresleitung auf
dem westlichen Kriegsschauplatz vor einer Katastrophe stnden, da jeder
Augenblick den Durchbruch des Feindes und die vllige Zertrmmerung
unseres Heeres bringen knne. Unter diesen Umstnden bleibe nur das von
Ludendorff ungestm verlangte sofortige Ersuchen um Waffenstillstand. Der
Zusammenbruch im Innern knne nur durch die sofortige und vllige
Demokratisierung unserer staatlichen Einrichtungen verhindert werden. Um
auf dem sichersten und raschesten Wege den Waffenstillstand
herbeizufhren, sei ein Schritt bei dem Prsidenten Wilson geplant, der
unter grundstzlicher Annahme der 14 Programmpunkte seiner Rede vom 8.
Januar 1918 um seine Vermittlung gebeten werden solle.

Alles in mir lehnte sich gegen den Gedanken auf, da Hindenburg und
Ludendorff mit ihrem Stab es dahin htten kommen lassen knnen, da wir
jetzt unter dem Druck eines unmittelbar bevorstehenden Zusammenbruchs
zum Ersuchen um sofortigen Waffenstillstand, das unter diesen
Verhltnissen nur die Einleitung zur schmhlichsten Kapitulation sein
konnte, gezwungen sein sollten. Ich verwies auf Ludendorffs heftiges
Temperament, dem er starken und mitunter bertreibenden Ausdruck zu geben
liebe. Ich beschwor meine Freunde, dahin zu wirken, da nicht unter einem
vielleicht falschen Eindruck, wie ihn Ludendorffs Art bei Leuten, die ihn
nicht genau kannten, leicht hervorrufen knne, in einer Panikstimmung
Entschlsse gefat wrden, die das Verderben unentrinnbar machten. Wenn
aber Ludendorff es wirklich habe dahin kommen lassen, da wir jetzt mit
dem Rcken am Abgrund um sofortigen Waffenstillstand betteln mten, dann
habe er einen solchen Mangel an Augenma gezeigt, da auch sein Urteil
ber die jetzige Situation nicht magebend sein knne fr die schwersten
Entschlsse, die je von der Reichspolitik zu fassen waren; dann mten
sofort und vor allem weiteren die Armeefhrer darber gehrt werden, wie
sie die Mglichkeit einer weiteren schrittweisen Verteidigung whrend der
fr die Verhandlungen ntigen Zeit beurteilten.

Auch heute noch bin ich der Meinung, da eine Politik, die uns vor dem
Schlimmsten bewahrt htte, damals noch mglich gewesen wre. Der
Feldmarschall von Hindenburg hat sich nach den Mitteilungen des Obersten
Bauer -- was das Weibuch vom 31. Juli 1919 nicht erwhnt -- bei den am
3. Oktober 1918 in Berlin stattgehabten Beratungen dahin ausgesprochen:
Gegenwrtig steht das deutsche Heer fest. Gezwungen wird es von
Abschnitt zu Abschnitt, sich zh an den feindlichen Boden klammernd,
ausweichen. Die Dauer solcher Rckwrtsbewegungen ist nicht genau vorher
zu bestimmen. Man kann aber hoffen, da sie bis zum nchsten Frhjahr
deutsches Gebiet schtzen werden. Gleichwohl blieb auch der
Feldmarschall auf der Forderung der sofortigen Herausgabe eines
Friedensangebotes bestehen; es sei keine Aussicht mehr, den Feinden den
Frieden aufzuzwingen; die Lage verschrfe sich tglich und knne die
Oberste Heeresleitung zu schwerwiegenden Beschlssen zwingen; unter
diesen Umstnden sei es geboten, den Kampf abzubrechen, um dem deutschen
Volke nutzlose Opfer zu ersparen; jeder versumte Tag koste Tausenden von
tapferen Soldaten das Leben. --

Vor allem warnte ich vor der Anrufung der Vermittlung des Prsidenten
Wilson. Ich konnte diesem Manne nach allen bisher mit ihm gemachten
Erfahrungen nicht das fr eine solche Rolle erforderliche Ma von
Unvoreingenommenheit und gutem Willen zutrauen; die 14 Punkte bedeuteten
zudem fr uns die sofortige Opferung Elsa-Lothringens und unserer
Ostmarken, ohne da diese Opfer wirksam zugunsten eines sofortigen
Waffenstillstandes oder Friedensschlusses ins Spiel gesetzt wurden. Im
Gegenteil, die geplante Form des Ersuchens an Wilson mute
notwendigerweise Rckfragen bei uns und Rckfragen bei den Ententestaaten
veranlassen und so gerade das Ziel, das die Oberste Heeresleitung
anscheinend in allererster Linie erstrebte, den Abschlu eines
Waffenstillstandes in den allernchsten Tagen, vereiteln. Wenn die Lage
tatschlich so aussichtslos sei, da sie schmerzliche Opfer von uns
erfordere, z. B. Zugestndnisse in bezug auf Elsa-Lothringen, so msse
ich es fr den einzig richtigen Weg halten, diese Opfer unmittelbar
gegenber den an erster Stelle interessierten Kriegfhrenden mglichst
wirksam ins Spiel zu setzen; das habe allerdings zur Voraussetzung, da
hinter das Angebot solcher Zugestndnisse von vornherein die unbeugsame
Entschlossenheit gestellt werde, ntigenfalls auf jede Gefahr hin
weiterzukmpfen und unsere Feinde fr alles, was sie ber unsere
Zugestndnisse hinaus von uns erkmpfen wollten, einen Preis von Blut und
Trmmern zahlen zu lassen, dessen Hhe ihren Vlkern die Augen ffnen
msse.

In der Nacht zum 4. Oktober lie der neue Reichskanzler an die Schweizer
Regierung folgende Note zur bermittlung an die Regierung der Vereinigten
Staaten abgehen:

    Die deutsche Regierung ersucht den Prsidenten der Vereinigten
    Staaten von Amerika, die Herstellung des Friedens in die Hand zu
    nehmen, alle kriegfhrenden Staaten von diesem Ersuchen in Kenntnis
    zu setzen und sie zur Entsendung von Bevollmchtigten zwecks Aufnahme
    der Verhandlungen einzuladen. Sie nimmt das von dem Prsidenten der
    Vereinigten Staaten von Amerika in der Kongrebotschaft vom 8. Januar
    1918 und in seinen spteren Kundgebungen, namentlich vom 27.
    September, aufgestellte Programm als Grundlage fr die
    Friedensverhandlungen an.

    Um weiteres Blutvergieen zu vermeiden, ersucht die deutsche
    Regierung, den sofortigen Abschlu eines allgemeinen
    Waffenstillstandes zu Lande, zu Wasser und in der Luft
    herbeizufhren.

Die besondere Bezugnahme auf Wilsons Rede vom 27. September 1918 in der
um Waffenstillstand und Friedensverhandlungen bittenden Note macht es
ntig, darauf hinzuweisen, da der Prsident in dieser Rede unter anderem
gesagt hatte:

Wir sind uns alle einig darber, da es keinen Frieden geben darf, der
durch irgendeine Art von Handel oder Kompromi mit den Regierungen der
Mittelmchte erreicht wird... Sie haben uns davon berzeugt, da sie ohne
Ehre sind und nicht Gerechtigkeit wollen. Sie beobachten keine Vertrge
und erkennen keinen Grundsatz an als den der Gewalt und ihres eigenen
Interesses... Dem deutschen Volk mu jetzt klar geworden sein, da wir
nicht den Worten derjenigen trauen knnen, die uns diesen Krieg
aufgezwungen haben.

Faustschlge in das deutsche Gesicht! Aber die neue deutsche Regierung
nahm in ihrer Note an den Mann, der diese Faustschlge ausgeteilt hatte,
ausdrcklich auch die Rede vom 27. September als Grundlage fr
Friedensverhandlungen an. Man kann sich ausmalen, in welchen Respekt sie
sich damit bei dem Empfnger der Note setzte!

Prinz Max brachte die Note an den Prsidenten Wilson in seiner Rede vom
5. Oktober zur Kenntnis des Reichstags und des deutschen Volkes.

Zur Begrndung fhrte er aus, er habe diesen Schritt bei dem Prsidenten
Wilson getan, weil das von diesem aufgestellte Programm fr den
allgemeinen Frieden von uns als Verhandlungsgrundlage angenommen werden
knne, und weil die auf das knftige Glck der Vlker gerichteten
Gedanken, die Herr Wilson verknde, sich vllig mit den allgemeinen
Vorstellungen im Einklang befinden, in denen sich auch die neue deutsche
Regierung und mit ihr die weit berwiegende Mehrheit des deutschen Volkes
bewegt.

Er machte einen Versuch, mit dem Ersuchen an Wilson einen Anschein der
Entschlossenheit zu verbinden: Er wisse, da das Ergebnis seiner ersten
Handlung, wie es auch ausfallen mge, Deutschland fest entschlossen und
einig finden werde sowohl zu einem redlichen Frieden als auch zu dem
Endkampf auf Leben und Tod, zu dem unser Volk ohne eigenes Verschulden
gezwungen wre, wenn die Antwort der mit uns im Kriege stehenden Mchte
von dem Willen, uns zu vernichten, diktiert sein sollte.

Noch am 22. Oktober sprach der Reichskanzler Prinz Max im Reichstag die
Worte:

Wer sich ehrlich auf den Boden des Rechtsfriedens gestellt hat, der hat
zugleich die Pflicht bernommen, sich nicht kampflos einem Gewaltfrieden
zu beugen. Eine Regierung, die hierfr kein Empfinden hat, wre der
Verachtung des kmpfenden und arbeitenden Volkes preisgegeben.

Auch der Fhrer der Sozialdemokraten, Herr Ebert, bekannte sich in der
gleichen Reichstagssitzung angesichts der Mglichkeit, da die
Herrschenden der feindlichen Lnder uns einen bedingungslosen Frieden
aufzwingen wollten, zu der Politik der Landesverteidigung, heute, wie
am 4. August 1914, getreu uns selbst, getreu unserem Volke und seiner
Zukunft.

Aber hinter diesen Worten des Kanzlers und des Sozialistenfhrers wie
hinter hnlichen Worten der anderen Mehrheitsparteiler stand keine Kraft
und keine Tat. Alle die wunderbaren Volkskrfte, die nach den Worten der
Frankfurter Zeitung durch die demokratischen Reformen entfesselt werden
sollten, entfesselt zur Rettung des Vaterlandes, blieben ungenutzt. Die
neue Volksregierung tat nichts, um das Volk aufzurtteln, nichts, um das
Volk zur Verteidigung seiner hchsten Gter zu fhren. Im Gegenteil! Die
neuen Herren wendeten ihr ganzes Interesse den inneren Reformen zu, und
die Leitung unserer auswrtigen Politik tat das Schlimmste, was sie tun
konnte: in einer Lage, in der nur eine rasche Entscheidung uns die
Mglichkeit wahren konnte, Volk und Heer zusammenzuhalten und zu einem
letzten Kampf um Freiheit und Dasein zu entflammen, setzte sie Volk und
Heer fnf lange Wochen hindurch der Zermrbung aus, indem sie mit Wilson
einen Notenaustausch fhrte, der an Klglichkeit in der Weltgeschichte
wohl kaum seinesgleichen hat. Die unerhrtesten Demtigungen wurden
hflich quittiert und Schritt fr Schritt wurde in stndigem
Zurckweichen als Voraussetzung fr Waffenstillstands-Verhandlungen alles
zugestanden, was uerstenfalls Inhalt des Waffenstillstandsvertrages
htte sein drfen; ja mehr als das! Ganz besonders verheerend auf die
moralische Kraft des Volkes mute die Tatsache wirken, da die Organe der
jetzt die Geschicke des Reiches lenkenden Mehrheitsparteien sich zur
eigenen Deckung ffentlich darauf beriefen, da die Oberste Heeresleitung
die militrische Lage als aussichtslos ansehe und mit allem Nachdruck auf
der sofortigen Herbeifhrung des Waffenstillstandes bestehe.


                       Der Notenwechsel mit Wilson

Schon in seiner ersten Antwort auf unser Ersuchen, die am 8. Oktober
erteilt wurde, verlangte Herr Wilson die Besttigung dafr, da die
deutsche Regierung die in seiner Kongrebotschaft vom 8. Januar 1918 und
seinen folgenden Kundgebungen aufgestellten Bedingungen in dem Sinne
annehme, da der Zweck der Verhandlungen nur die Verstndigung ber die
praktischen Einzelheiten ihrer Anwendung sein wrde.

Diese Besttigung wurde von der deutschen Regierung in ihrer Antwort vom
12. Oktober gegeben. Damit war die Illusion zerstrt, da Herr Wilson mit
der Benutzung seines Programms als Grundlage der Friedensverhandlungen
zufrieden sein und ber einzelne Punkte mit sich reden lassen werde. Ja,
nach der von Herrn Wilson verlangten Besttigung mute man damit rechnen,
da er auch das Recht der Auslegung seiner sich keineswegs durch
kristallene Klarheit auszeichnenden Leitstze fr sich allein
beanspruchen werde.

Der Prsident verlangte ferner in seiner Antwort vom 8. Oktober als
Voraussetzung fr die Weitergabe des Vorschlags eines Waffenstillstandes
an seine Verbndeten die Rumung der smtlichen von den Truppen der
Mittelmchte noch besetzten Gebiete. Die deutsche Regierung erklrte sich
auch hierzu bereit. Die elementarste Klugheit htte erfordert, diese
Rumung nicht als Voraussetzung fr Waffenstillstandsverhandlungen,
sondern hchstens als Bedingung des Waffenstillstandes zuzugestehen.
Htten wir unsere Feinde damals noch vor die Wahl zwischen der kampflosen
Preisgabe der besetzten Gebiete und deren Verwstung durch einen im
zhesten Ringen erfolgenden Rckzug gestellt, so htte sich auch bei
unseren Feinden manche Stimme fr einen billigen Waffenstillstand geregt,
die sich jetzt gestatten konnte, zu schweigen.

Der Prsident fragte schlielich an, ob der Kanzler nur fr diejenigen
Gewalten des Reiches spreche, die bisher den Krieg gefhrt htten.
Gemeint waren offenbar der Kaiser und die Oberste Heeresleitung. Die
deutsche Antwort verwies auf den parlamentarischen Charakter der
Regierung des Prinzen Max. Der Reichskanzler spreche im Namen der
deutschen Regierung und des deutschen Volkes. Der Deutsche Kaiser, der
doch immerhin auch noch ein Faktor im deutschen Verfassungsleben war,
wurde unterschlagen.

Herr Wilson nahm zu der deutschen Antwort vom 12. Oktober in einer
weiteren Note seines Staatsdepartements vom 14. Oktober Stellung. Er
stellte zunchst die uneingeschrnkte Annahme der von ihm in seinen
Botschaften niedergelegten Bedingungen fest. Er erklrte ferner, da die
Modalitten der Rumung der besetzten Gebiete sowie die Bedingungen des
Waffenstillstandes Angelegenheiten seien, die dem Urteil und dem Rat der
militrischen Berater der Regierung der Vereinigten Staaten und der
Alliierten berlassen werden mten und da er und die mit ihm
verbndeten Regierungen keine Regelung annehmen wrden, die nicht vllig
befriedigende Sicherheiten und Brgschaften fr die Fortdauer der
gegenwrtigen militrischen berlegenheit der Armeen der Vereinigten
Staaten und der Alliierten an der Front schafft. Weiter verlangte er als
Voraussetzung fr einen Waffenstillstand die Einstellung des U-Bootkriegs
und das Unterlassen der angeblichen unmenschlichen Handlungen,
Plnderungen und Verwstungen, die sich die deutschen Heere auf ihrem
Rckzuge in Flandern und Frankreich zuschulden kommen lieen. Schlielich
wurde der Prsident deutlicher in seinen den Deutschen Kaiser und die
deutsche Verfassung betreffenden Forderungen. Er verwies auf seine Worte
vom 4. Juli 1918, in denen er als Programmpunkt fr den Frieden
aufgestellt hatte:

Die Vernichtung jeder willkrlichen Macht berall, die fr sich, geheim
und nach eigenem Belieben den Frieden der Welt stren kann, oder -- wenn
sie jetzt nicht vernichtet werden kann -- mindestens ihre Herabminderung
zu tatschlicher Machtlosigkeit.

Die Macht, die bisher die deutsche Nation beherrscht habe, so fhrte er
jetzt aus, sei von der hier beschriebenen Art. Die deutsche Nation habe
die Wahl, dies zu ndern. Das sei natrlich eine Bedingung, die vor dem
Frieden erfllt sein msse, wenn der Friede durch das Vorgehen des
deutschen Volkes selbst kommen solle.

Diese Note erklrte uns also klipp und klar, da uns die
Waffenstillstandsbedingungen von den militrischen Autoritten unserer
Feinde diktiert werden wrden, und zwar in einem Sinne, da sie uns
wehrlos machten. Als weitere Vorleistung unsererseits neben der bereits
zugesagten Rumung der besetzten Gebiete verlangte sie die Einstellung
des U-Bootkriegs, natrlich ohne dafr die Einstellung der
vlkerrechtswidrigen Handels- und Hungerblockade, die den U-Bootkrieg
herausgefordert hatte, in Aussicht zu stellen. Schlielich verlangte sie
die Abschaffung oder vllige Entrechtung der kaiserlichen Gewalt; dies
als Forderungen eines Prsidenten, der erheblich mehr an Machtbefugnissen
besa, als dem Deutschen Kaiser nach den inzwischen durchgefhrten oder
eingeleiteten Verfassungsnderungen noch verblieb.

Wir standen vor dem Biegen oder Brechen. Wenn jetzt die deutsche
Regierung weiter nachgab und sich weiter demtigte, dann war Volk und
Heer nicht mehr zu halten, dann mute auch der Tapferste sich fragen:
Wofr noch kmpfen und wofr noch leiden?

Ich versuchte in jenen entscheidenden Tagen wiederholt, den Prinzen Max
und den Staatssekretr des Auswrtigen zu sprechen und ihnen meine
Ansicht vorzutragen. Als mir dies nicht gelang, wandte ich mich
schriftlich an Herrn Dr. Solf und schlug ihm vor, Herrn Wilson etwa in
folgendem Sinn zu antworten:

Nachdem ber die Friedensbedingungen auf Grund des von Herrn Wilson
selbst verkndeten Programms eine grundstzliche Einigung erzielt sei,
habe die Fortsetzung des Menschenmordens jede Rechtfertigung verloren;
sie sei unsinnig und verbrecherisch. Der deutschen Regierung, die ihre
Hnde frei von diesem Verbrechen zu halten wnsche, komme es darauf an,
zu erfahren, ob die Vereinigten Staaten und ihre Verbndeten auf Grund
der ber die Friedensbedingungen erzielten Einigung und der sonstigen von
der deutschen Regierung gegebenen Zusagen und Aufklrungen bereit seien,
alsbald in Waffenstillstandsverhandlungen einzutreten oder nicht. Sie
msse Wert darauf legen, auf diese Frage ohne Verzug eine klare Antwort
zu erhalten, um danach ihre Dispositionen zu treffen.

ber die an Herrn Wilson zu erteilende Antwort wurden im Kriegskabinett
unter Zuziehung des Generals Ludendorff und des Chefs des Admiralstabs,
des Admirals Scheer, eingehende Beratungen gepflogen. Bei diesen
Beratungen erklrte General Ludendorff, da sich die militrische Lage
gebessert habe, da er die Gefahr einer unmittelbaren Katastrophe nicht
als gegeben erachte, da die Verteidigung mit Aussichten auf Erfolg
fortgesetzt werden knne und da eine bedingungslose Unterwerfung unter
allen Umstnden abgelehnt werden msse. Gegen die von Wilson verlangte
Einstellung des U-Bootkriegs sprach sich Ludendorff mit Entschiedenheit
aus; ebenso der Admiral Scheer.

Aber von der Mehrzahl der Mitglieder des Kriegskabinetts wurde die
Besserung der militrischen Lage, die brigens auch von unseren Feinden
zugegeben werden mute, mit starken Zweifeln aufgenommen. Noch lange
hinterher wurde gegen den General Ludendorff der Vorwurf erhoben, da er
bei jenen Beratungen nun mit einem Mal die Situation an der Westfront
gnstiger dargestellt habe als drei Wochen zuvor.

Jedenfalls kam das Kriegskabinett ber das Votum Ludendorffs und Scheers
hinaus zu dem Beschlu, auch den neuen Forderungen Wilsons zu
entsprechen. Auch eine eindringliche Vorstellung, die der Feldmarschall
von Hindenburg noch in der Nacht zum 20. Oktober unternahm und in der er
insbesondere seine Zustimmung zu der Einstellung des U-Bootkriegs
ausdrcklich verweigerte, vermochte den Entschlu des Kriegskabinetts
nicht zu ndern. Vergeblich hatte Hindenburg die Frage gestellt: Will
das deutsche Volk um seine Ehre nicht nur in Worten, sondern tatschlich
bis zum letzten Mann kmpfen und sich damit die Mglichkeit des
Widerstehens sichern, oder will es sich zu der Kapitulation und damit zum
Untergang =vor= der uersten Kraftanstrengung drngen lassen?

Die deutsche Antwortnote vom 20. Oktober enthielt die erneute Bitte, Herr
Wilson mchte zur Regelung der Einzelheiten der Rumung der besetzten
Gebiete Gelegenheit schaffen, und sprach dabei das Vertrauen aus, der
Prsident werde keine Forderung gutheien, die mit der Ehre des
deutschen Volkes und der Anbahnung eines Friedens der Gerechtigkeit
unvereinbar sein wrde. Da die =deutsche Regierung= keine solche
Forderung gutheien wrde, wagte man bereits nicht mehr auszusprechen.
Die Note enthielt ferner eine lahme Verwahrung gegen den von Wilson gegen
die deutschen Land- und Seestreitkrfte erhobenen Vorwurf ungesetzlicher
und unmenschlicher Handlungen. Wo trotzdem Ausschreitungen vorkommen,
werden die Schuldigen bestraft. Die deutsche Regierung schlage vor, den
Sachverhalt durch neutrale Kommissionen aufklren zu lassen. Um alles zu
verhten, was das Friedenswerk erschweren knnte, sind auf Veranlassung
der deutschen Regierung an smtliche U-Bootkommandanten Befehle
ergangen, die eine Torpedierung von Passagierschiffen ausschlieen. --
In Wirklichkeit war die vllige Einstellung des U-Bootkriegs gegen
Handelsschiffe angeordnet worden. -- Die Note machte ferner dem
Prsidenten Wilson Mitteilungen ber den grundlegenden Wandel, der im
deutschen Verfassungsleben eingetreten sei; die neue Regierung sei in
vlliger bereinstimmung mit den Wnschen der Volksvertretung aus den
Fhrern der groen Reichstagsparteien gebildet, und auch knftig werde
keine Regierung ihr Amt antreten oder weiterfhren knnen, ohne das
Vertrauen der Mehrheit des Reichstags zu besitzen. Die Verantwortung des
Reichskanzlers gegenber der Volksvertretung werde gesetzlich ausgebaut
und sichergestellt. Die erste Tat der neuen Regierung sei eine Vorlage
gewesen, die zur Entscheidung ber Krieg und Frieden die Zustimmung
der Volksvertretung erforderlich mache. Das Friedens- und
Waffenstillstandsangebot gehe also aus von einer Regierung, die, frei von
jedem willkrlichen und unverantwortlichen Einflu, getragen werde von
der Zustimmung der berwltigenden Mehrheit des deutschen Volkes.

Nun endlich erklrte der Prsident Wilson in einer weiteren Note vom 23.
Oktober, da er auf Grund der von der deutschen Regierung abgegebenen
Erklrungen glaube, es nicht ablehnen zu knnen, mit den Regierungen
seiner Verbndeten die Frage eines Waffenstillstandes aufzunehmen. Mit
Zugestndnissen von kaum hoch genug zu veranschlagendem Gewicht, die
wertvolle Trmpfe in den Verhandlungen ber die Bedingungen eines
Waffenstillstandes htten sein knnen, und um den Preis von Demtigungen,
die im deutschen Volk die letzte Widerstandskraft zerstren muten, hatte
die deutsche Regierung nun also erreicht, was sie am ersten Tage htte
haben knnen, wenn sie sich mit bestimmten Vorschlgen direkt an die
Kriegfhrenden gewandt htte. Aber Herr Wilson legte Wert darauf, jede
Illusion grndlich zu zerstren. Er erffnete uns, da nur ein
Waffenstillstand in Frage kommen knne, der unsere Feinde in der Lage
beliee, jede zu treffende Vereinbarung zu erzwingen und eine Erneuerung
der Feindseligkeiten deutscherseits unmglich zu machen. Das hie
bergabe auf Gnade und Ungnade. Es war bitterer Hohn, wenn der Prsident
hinzufgte, die Annahme eines solchen Waffenstillstandes durch
Deutschland werde der beste Beweis dafr sein, da Deutschland die
Grundbedingungen und Grundstze der ganzen Friedensaktion unzweideutig
annehme. Im brigen zeigte sich der Prsident mit den ihm notifizierten
deutschen Verfassungsnderungen noch nicht befriedigt; er msse es offen
aussprechen, da die Vlker der Welt kein Vertrauen in die Worte
derjenigen setzten, die bisher die Herren der deutschen Politik gewesen
seien, und da beim Friedensschlu die Vertreter der Vereinigten Staaten
einzig und allein mit echten Vertretern des deutschen Volkes wrden
verhandeln knnen. Wenn die Vereinigten Staaten jetzt mit den
militrischen Beherrschern Deutschlands und monarchischen Autokraten
verhandeln sollen, werden sie nicht Friedensverhandlungen, sondern
bergabe verlangen.

Als Antwort schlugen Hindenburg und Ludendorff den Abbruch der
Verhandlungen vor. Unser Heer stehe unbesiegt auf feindlichem Boden und
drfe nicht kapitulieren. Hindenburg erklrte in einer Besprechung am 25.
Oktober: Wir sind ber den Berg gekommen.

Die deutsche Antwort vom 27. Oktober lautete jedoch:

Der Prsident kennt die tiefgreifenden Wandlungen, die sich in dem
deutschen Verfassungsleben vollzogen haben und vollziehen. Die
Friedensverhandlungen werden von einer Volksregierung gefhrt, in deren
Hnden die entscheidenden Machtbefugnisse tatschlich und
verfassungsmig ruhen. Ihr sind auch die militrischen Gewalten
unterstellt. Die deutsche Regierung sieht nunmehr den Vorschlgen fr
einen Waffenstillstand entgegen, der einen Frieden der Gerechtigkeit
einleitet, wie ihn der Prsident in seinen Kundgebungen gekennzeichnet
hat.

Das Schlustck in diesem Notenwechsel war die Rckuerung des
Prsidenten Wilson in der Note vom 5. November. Der Prsident teilte mit,
da er den Notenwechsel den mit den Vereinigten Staaten verbundenen
Regierungen mitgeteilt habe; darauf habe er ein Memorandum der alliierten
Regierungen erhalten, in dem es heie:

Die alliierten Regierungen erklren mit den folgenden Einschrnkungen
ihre Bereitschaft zum Friedensschlu mit der deutschen Regierung auf
Grund der Friedensbedingungen, die in der Ansprache des Prsidenten
Wilson an den Kongre vom 8. Januar 1918, sowie der Grundstze, die in
seinen spteren Ansprachen niedergelegt sind.

Die Einschrnkungen bezogen sich auf Wilsons Forderung der Freiheit der
Meere, hinsichtlich deren sich die alliierten Mchte alles vorbehalten
mten; ferner auf die Wiederherstellung der besetzten Gebiete, worunter
sie verstehen wollten, da Deutschland fr allen durch seinen Angriff zu
Land, zu Wasser und in der Luft der Zivilbevlkerung und ihrem Eigentum
zugefgten Schaden Ersatz leisten soll.

Der Prsident fgte hinzu, da nunmehr der Marschall Foch von der
Regierung der Vereinigten Staaten und den alliierten Regierungen
ermchtigt worden sei, Vertretern der deutschen Regierung die
Waffenstillstandsbedingungen mitzuteilen.

Am 6. November reisten die deutschen Bevollmchtigten unter Fhrung des
Staatssekretrs Erzberger nach dem Groen Hauptquartier, um sich von dort
an den von dem General Foch zu bestimmenden Verhandlungsort zu begeben.

Inzwischen hatte der General Ludendorff seinen Abschied eingereicht und
war am 26. Oktober zur Disposition gestellt worden. Zu seinem Nachfolger
war der General Grner ernannt worden, der sich bei den Beratungen ber
das Hilfsdienstgesetz das besondere Wohlwollen der Mehrheitsparteien
erworben hatte.


                  Die Kapitulation unserer Verbndeten

sterreich-Ungarn und die Trkei hatten sich unserm Schritt vom 5.
Oktober bei dem Prsidenten Wilson angeschlossen. Herr Wilson hatte
jedoch den weiteren Notenwechsel ausschlielich mit Deutschland gefhrt
und bekanntgeben lassen, da er mit unseren Bundesgenossen einzeln und
fr sich die Friedensangelegenheit behandeln werde.

Ehe Herr Wilson berhaupt an sterreich-Ungarn eine Antwort erteilte,
hatte Kaiser Karl sich veranlat gesehen, einen Schritt zu tun, der die
Auflsung der Donaumonarchie einleitete. Am 17. Oktober hatte er ein
Manifest erlassen, berschrieben: An meine getreuen sterreichischen
Vlker. In diesem Manifest fhrte er aus, der Neuaufbau sterreichs
msse auf zuverlssigen Grundlagen in Angriff genommen und dabei mten
die Wnsche der Vlker untereinander in Einklang gebracht werden; er sei
entschlossen, dieses Werk unter Mitwirkung der Vlker und im Geiste des
Friedensangebots der Mittelmchte durchzufhren. Demgem solle
sterreich in einen Bundesstaat umgewandelt werden; dem Anschlu der
polnischen Gebiete an ein unabhngiges Polen solle damit nicht
vorgegriffen werden; Triest mit seinem Gebiet werde eine Sonderstellung
erhalten.

Der sterreichische Kaiser beeilte sich also, Herrn Wilsons mglichen
Wnschen in bezug auf die Selbstbestimmung der Vlker zuvorzukommen. Aber
er wurde grausam enttuscht.

Einmal waren seine getreuen Vlker so wenig mehr getreu, da ihre
Vertreter zu der Obmnnerkonferenz, in der das Programm des Manifestes
durch den Ministerprsidenten erlutert werden sollte, grtenteils
berhaupt nicht erschienen: die Tschechen, Polen und Sdslawen blieben
fern. Dann aber sandte der Prsident Wilson um dieselbe Zeit, in der
Kaiser Karl sein Manifest erlie, endlich seine Antwortnote auf das
sterreichisch-ungarische Friedensersuchen ab: das Todesurteil fr die
Donaumonarchie. Er, der Prsident Wilson, knne auf die Vorschlge der
Wiener Regierung nicht eingehen; denn seit seiner Kongrebotschaft vom 8.
Januar habe die Regierung der Vereinigten Staaten die Tschecho-Slowaken
als kriegfhrende Macht und den tschecho-slowakischen Nationalrat als
kriegfhrende Regierung anerkannt; desgleichen habe sie in der
weitestgehenden Weise die Gerechtigkeit der nationalen Bestrebungen der
Jugoslawen anerkannt. Die bloe Autonomie der sterreichischen Vlker sei
mithin als Grundlage fr den Frieden berholt. Diese Vlker selbst mten
jetzt Richter darber sein, wie ihre Aspirationen als Mitglieder der
Familie der Nationen befriedigt werden knnten.

Die folgenden Tage brachten die Proklamation selbstndiger Staaten
der Tschecho-Slowaken, der Sdslawen und der Ruthenen. Die
Deutsch-sterreicher folgten dem Beispiel und proklamierten in einer
Vollversammlung aller deutschen Reichsratsabgeordneten am 21. Oktober den
Staat Deutsch-sterreich. Die Auflsung und das Chaos waren da. In
Budapest legte Herr Wekerle, in Wien Herr von Hussarek das
Ministerprsidium nieder. Ebenso trat Graf Burian als Minister des
Auswrtigen zurck. Zu seinem Nachfolger ernannte der Kaiser den Grafen
Julius Andrassy, obwohl fr einen gemeinsamen Minister des ueren bei
dem offenkundigen Zerfall der Monarchie kein Raum mehr war.

Die einzige Amtshandlung des Grafen Andrassy war der Verrat an dem
deutschen Bundesgenossen. In einer Note vom 28. Oktober an die
Regierung der Vereinigten Staaten teilte er die Zustimmung der
sterreichisch-ungarischen Regierung zu der Auffassung Wilsons ber die
Rechte der Vlker sterreich-Ungarns, speziell der Tschecho-Slowaken und
der Jugoslawen, mit und schlo daran die Erklrung der Bereitwilligkeit,
ohne das Ergebnis anderer Verhandlungen abzuwarten, in Verhandlungen
ber den Frieden und ber einen sofortigen Waffenstillstand an allen
Fronten sterreich-Ungarns einzutreten. Dieses Angebot eines
Sonderfriedens und eines Sonderwaffenstillstandes wurde ohne vorherige
Vereinbarung mit Deutschland, ja ohne vorherige Verstndigung des
deutschen Botschafters und der Reichsregierung abgesandt. So wurde das
von dem Vater Andrassy gezeichnete Bndnis zwischen den beiden Reichen
durch den Sohn Andrassy in der Stunde hchster Not, die hchste Treue
gefordert htte, zerrissen. Die Donaumonarchie wurde durch diesen Verrat
nicht gerettet, ihr Untergang wurde nur besiegelt. berall flammte die
Revolution auf. Arbeiter- und Soldatenrte wurden gebildet, die sich der
ffentlichen Gewalt zu bemchtigen suchten. In Budapest wurde am 31.
Oktober die Republik ausgerufen und der frhere Ministerprsident Graf
Tisza, der strkste Mann der ehemaligen Donaumonarchie, ermordet.

Am 3. November kam der von dem Grafen Andrassy nachgesuchte
Waffenstillstand zwischen sterreich-Ungarn und den Alliierten zustande.
Er war in der Sache eine bedingungslose Kapitulation. Die Unterwerfung
ging so weit, da den Alliierten das unbedingte Recht eingerumt wurde,
alle Straen, Wasserwege, Eisenbahnen und Transportmittel
sterreich-Ungarns fr die freie Bewegung ihrer Truppen zu benutzen, also
auch zu einem Aufmarsch gegen Deutschland; da ferner die Internierung
der deutschen Truppen zugestanden wurde, die sterreich-Ungarn nicht
innerhalb der unmglich einzuhaltenden Frist von fnfzehn Tagen verlassen
haben sollten.

Die Trkei war mit der Kapitulation um drei Tage, Bulgarien um mehrere
Wochen vorangegangen.


                                Das Ende

Deutschland war jetzt auf sich allein gestellt.

Aber auch Deutschland war in seinen Grundfesten erschttert.

Die seit den schwarzen Tagen am Ende des September verflossenen fnf
Wochen hatten im deutschen Volke in Heer und Heimat den letzten Rest von
Widerstandskraft gebrochen.

Zwar wurden jetzt im Sturmwind der Zeit alle Bltentrume der Demokraten
Wirklichkeit. Das gleiche Wahlrecht in Preuen war gesichert, nachdem
auch die konservativen Parteien in Rcksicht auf die Lage des Vaterlands
ihren Widerstand aufgegeben hatten. Die Reichstagsabgeordneten durften
ohne Verlust ihres Mandats Mitglieder der Reichsleitung werden. Die
Verantwortlichkeit des Reichskanzlers und seiner Stellvertreter, der
Staatssekretre, gegenber dem Reichstag wurde unzweideutig und
einwandfrei festgelegt. Dem Reichstag wurde das volle Mitbestimmungsrecht
bei den Entscheidungen ber Krieg und Frieden gegeben. Die mit der
Handhabung des Belagerungszustandes betrauten militrischen Befehlshaber
wurden in ihren Manahmen und Anordnungen an die Zustimmung des
Reichskanzlers oder dessen fr diese Geschfte bestellten Stellvertreters
gebunden. Die verfassungsmige Verantwortlichkeit der Kriegsminister fr
die Verwaltung ihrer Kontingente wurde festgelegt. Darber hinaus wurde
eine weitgehende Amnestie fr die wegen politischer Verbrechen oder
Vergehen verurteilten Personen erlassen. Unter anderen wurden Karl
Liebknecht und der Abgeordnete Dittmann in Freiheit gesetzt. Manchem von
ihnen -- sagte der Prinz Max am 22. Oktober im Reichstag -- hat die
Regierung die Gnade erst nach berwindung ernster vaterlndischer Sorgen
vermittelt. Die berzeugung von der Heilkraft einer Politik des
Vertrauens hat den Ausschlag gegeben.

Diese Politik des Vertrauens hat nach innen nicht minder Schiffbruch
gelitten wie nach auen. Denn diese Politik des Vertrauens war nach
innen wie nach auen nichts anderes als eine Politik der Schwche und der
Illusionen.

Fr die nationale Verteidigung, das hchste Gebot der Stunde, wurde durch
alle diese Volksrechte nichts gewonnen; ja es wurde von den neuen
Machthabern durch ihre Behandlung der innen- und auenpolitischen Dinge
geradezu jeder patriotische Aufschwung im Keim erstickt. Dagegen wurden
die letzten Dmme gegen die revolutionre Flut, die bereits die
Grundmauern des Reiches untersplte, hinweggerumt und allen zerstrenden
Krften die Bahn freigemacht. Die aus den Gefngnissen befreiten
Propheten des gewaltsamen Umsturzes begaben sich, umstrahlt von der
Glorie des Mrtyrertums, erneut an ihre Arbeit und predigten ffentlich
die Revolution. Der rote Generalstab in der russischen Botschaft
entfaltete mit russischen Agitatoren und russischem Gelde eine
fieberhafte Ttigkeit. Das Bewutsein, da niemand mehr es wagen wrde,
einem revolutionren Ausbruch tatkrftig entgegenzutreten, drang in die
Massen des Volkes und der bewaffneten Macht.

Der Boden war fr die revolutionre Saat auf das beste bereitet. Die
schweren Opfer und Leiden des Krieges, die berspannung der Krfte gegen
eine Welt hatten das Volk moralisch und physisch mehr und mehr zermrbt.
Das Vertrauen in die staatlichen Autoritten, die sich den unerhrt
schweren Anforderungen der Zeit nicht gewachsen gezeigt hatten, war
schwer erschttert. Die bewut revolutionre Whlarbeit hatte auch bei
Parteien, die auf dem Boden der Staatsordnung standen, allzu bereite
Untersttzung gefunden. Die allzu oft deutlich herausgekehrte scharfe
Kritik der Mnner der Obersten Heeresleitung an den Personen und
Manahmen der Zivilregierung hatte zweifellos dazu beigetragen, die
Achtung vor den staatlichen Behrden zu untergraben. Nun kam, fr die
groe Masse des Volkes wie der Blitz aus heiterem Himmel, der Sturz von
der Hhe unserer militrischen Erfolge in den Abgrund der Niederlage.
Volk und Heer waren gegenber diesem Sturz vllig unvorbereitet. Die
Heeresberichte hatten zwar fr den Urteilsfhigen, der sie Tag fr Tag in
Kenntnis der Verhltnisse auf der Karte verfolgte, nicht aber fr die
groe Masse des Volkes den verhngnisvollen Umschwung in seiner ganzen
Schwere erkennen lassen. Die groe Masse des Volkes aber lebte noch in
den Hoffnungen der groen Siege des Frhjahrs, und es klangen jedermann
noch die stolzen und zuversichtlichen Worte im Ohr, die er bis in die
letzte Zeit von unseren Heerfhrern gehrt hatte. Mit dem pltzlichen und
furchtbaren Rckschlage sank die einzige groe Autoritt in den Staub,
auf die das Volk whrend des ganzen Krieges ein unbeschrnktes Vertrauen
gesetzt hatte.

Dazu machte sich jetzt die verheerende Wirkung der Friedenspropaganda
geltend, wie sie unter der Fhrung der Mehrheitsparteien des Reichstags
-- von den Unabhngigen Sozialdemokraten ganz zu schweigen! -- seit der
Mitte des Jahres 1917 betrieben worden war. Mit allen Mitteln war in Volk
und Heer der Wahn grogezchtet worden, wir knnten lngst einen
ehrenhaften Frieden haben, wenn nicht die bertriebenen Kriegsziele der
Alldeutschen und der Militrs, denen der Kaiser sich anschliee und die
Reichsleitung sich unterwerfe, hindernd im Wege stnden. Ein Erzberger,
dessen Kredit durch den militrischen Rckschlag stark gehoben wurde,
hatte sich anheischig gemacht, in einer kurzen Unterredung mit Lloyd
George den Frieden herbeizufhren. Da mute es doch wohl an der
Untchtigkeit oder dem bsen Willen der Regierenden liegen, wenn der
Friede trotzdem nicht gekommen war! Der ganze Groll des leidenden und
hungernden Volkes war von den Einblsern der ffentlichen Meinung, statt
gegen die Unerbittlichkeit unserer Feinde, gegen die Unersttlichkeit der
Annexionisten und Kriegsgewinnler des eigenen Landes gelenkt worden.
Diese verhngnisvolle Stimmung wurde dadurch noch gesteigert, da
gewissenlose Agitatoren und verblendete Flagellanten das Gift des
Zweifels an der Reinheit und Gerechtigkeit unserer Sache in die Herzen
des Volkes trufelten. In Handzetteln und Flugblttern, in durchsichtigen
Andeutungen und allmhlich auch in offener Rede wurde die deutsche
Regierung und wurde vor allem der Kaiser beschuldigt, den Krieg
herbeigefhrt zu haben. Der Elende, der bald nach Kriegsbeginn in feiger
Anonymitt und im sicheren Schutz eines neutralen Landes mit seinem
J'accuse als falscher Anklger gegen das eigene Vaterland aufgetreten
war, fand immer mehr Nachahmer und Glubige.

Das alles erzeugte den verhngnisvollen Wahn, da wir uns nur zur
deutschen Schuld zu bekennen, die Hand gegen die Schuldigen zu
erheben und die Waffen niederzulegen brauchten, um unsere Feinde zu
vershnen und einen gerechten Frieden herbeizufhren.

Die feindlichen Staatsmnner und die feindliche Presse wuten diesen Wahn
vortrefflich zu nhren und zu zchten. Vor allem waren die Worte des
Prsidenten Wilson raffiniert darauf berechnet, das deutsche Volk gegen
seine Machthaber aufzureizen und ihm den Frieden der Vlkervershnung
zu verheien, wenn es sich nur seiner militrischen Herren und
monarchischen Autokraten entledigen, seine Waffen niederlegen und seine
Sache vertrauensvoll dem hohen Gerechtigkeitssinn seiner Feinde
bergeben wollte. Es verschlug nichts, da die Taten mit diesen
gleienden Worten nicht im Einklang standen; es verschlug nichts, da
seit unserem Ersuchen um Waffenstillstand vom 5. Oktober Woche auf Woche
verging, ohne da unsere Feinde sich beeilten, dem sinnlos gewordenen
Morden ein Ende zu machen; es verschlug nichts, da jene edlen
Menschenfreunde das deutsche Heer, dessen kampfloser Rckzug hinter die
Reichsgrenze ihnen angeboten war, Stunde fr Stunde mit einem
unaufhrlich niederprasselnden Hagel von Geschossen aller Kaliber
berschtteten, da sie Woche auf Woche durch hinhaltende Rckfragen den
Zeitpunkt hinausschoben, der den verderbenspeienden Feuerschlnden
Einhalt gebieten sollte. Unser Volk war in seinen blind gewordenen Massen
auch durch diesen handgreiflichen Beweis des Kriegs- und
Vernichtungswillens unserer Feinde nicht mehr zu belehren. Im
Gegenteil, statt da jenes Hinauszgern von Waffenstillstand und
Friedensverhandlungen und die offenbar absichtliche Verlngerung des
Menschenmordens unserem Volk die Augen ber die wahre Gesinnung und die
wahren Plne unserer Feinde geffnet htte, vollendete der ber Heimat
und Heer verhngte Druck der Ungewiheit im Verein mit der hilflosen und
jammervollen Haltung unserer Volksregierung gegenber den uns von Herrn
Wilson mit jeder seiner Noten angesonnenen Demtigungen das Werk der
Zermrbung und des Zusammenbruchs.

Der Kaiser, der alsbald nach der Verabschiedung des Grafen Hertling zur
Beratung des Weiteren in Berlin eingetroffen war, hatte gegenber dem
strmischen Verlangen der Mehrheitsparteien und ihrer Regierung nach
nderungen der Verfassung, die den grten und wichtigsten Teil der
Kronrechte auf die Volksvertretung bertrugen und das Deutsche
Reich aus einem konstitutionell-monarchischen Staate zu einer
radikal-demokratischen Schattenmonarchie machten, keinerlei Widerstand
geleistet. Er hatte die Verfassungsnderungen nicht nur hingenommen und
gebilligt, er war auch -- niemand zweifelte daran -- gewillt und
entschlossen, sie loyal durchzufhren und sich ehrlich und aufrichtig dem
neuen Zustand anzupassen. Bei der Vollziehung der Reformgesetze am 28.
Oktober richtete er an den Prinzen Max einen Erla, in dem er dies zum
Ausdruck brachte. In diesem Erla sagte er:

Vorbereitet durch eine Reihe von Regierungsakten tritt jetzt eine neue
Ordnung in Kraft, welche grundlegende Rechte von der Person des Kaisers
auf das Volk bertrgt. Damit wird eine Periode abgeschlossen, die vor
den Augen knftiger Geschlechter in Ehren bestehen wird. Trotz aller
Kmpfe zwischen berkommenen Gewalten und emporstrebenden Krften hat sie
unserem Volke jene gewaltige Entwicklung ermglicht, die sich in den
wunderbaren Leistungen dieses Krieges unvergnglich offenbart. In den
furchtbaren Strmen der vier Kriegsjahre aber sind alte Formen
zerbrochen, nicht um Trmmer zu hinterlassen, sondern um neuen
Lebensgestaltungen Platz zu machen. Nach dem Vollbringen dieser Zeit hat
das deutsche Volk den Anspruch, da ihm kein Recht vorenthalten wird, das
ihm eine freie und glckliche Zukunft verbrgt. Dieser berzeugung
verdanken die jetzt vom Reichstag angenommenen und erweiterten Vorlagen
der verbndeten Regierungen ihre Entstehung. Ich aber trete diesen
Beschlssen der Volksvertretung mit meinen hohen Verbndeten bei, in dem
festen Willen, was an mir liegt, an ihrer vollen Auswirkung
mitzuarbeiten, berzeugt, da ich damit dem Wohle des deutschen Volkes
diene. Das Kaiseramt ist Dienst am Volke.

Dieser am 28. Oktober vom Kaiser unterzeichnete Erla ist aus Grnden,
die noch der Aufklrung bedrfen, erst fnf Tage spter, am 2. November,
verffentlicht worden, in einem Zeitpunkt, zu dem sich der Kaiser wieder
in das Groe Hauptquartier begeben hatte und zu dem im Anschlu an die
nicht mehr verhllten Ausfhrungen der Wilsonschen Note vom 23. Oktober
die Frage der Abdankung des Kaisers unter Duldung der Reichsregierung
bereits zum Gegenstand einer heftigen Errterung in voller ffentlichkeit
geworden war. Die Abdankung des Kaisers und der Thronverzicht des
Kronprinzen wurden mit der Begrndung verlangt, da durch einen solchen
Schritt die dem deutschen Volke drohenden Friedensbedingungen erleichtert
werden wrden. Die Frage der Staatsform wurde geflissentlich
beiseitegelassen; ja die Befrworter der Abdankung des Kaisers
behaupteten, da allein die Erfllung ihrer Forderung die Dynastie der
Hohenzollern und die Monarchie retten knne.

Es waren nicht einmal die Sozialdemokraten gewesen, die mit der
ffentlichen Behandlung der Kaiserfrage vorangegangen waren, sondern
demokratische Bltter, wie die Frankfurter Zeitung und das Berliner
Tageblatt. Die Mehrheitssozialisten scheinen sogar anfnglich
geschwankt zu haben, ob eine Abdankung des Kaisers unter den
obwaltenden Verhltnissen erwnscht und ntzlich sei. Erst nachdem
brgerlich-demokratische Bltter und brgerlich-demokratische
Versammlungen -- so am 31. Oktober in Mnchen -- laut und ungestraft nach
der Abdankung des Kaisers und des Kronprinzen gerufen hatten, scheint der
Sozialdemokratie voll zum Bewutsein gekommen zu sein, was sie jetzt
wagen knne. Sie bernahm nun in dieser neuen Umsturzbewegung die
Fhrung. Herr Scheidemann brachte die Abdankungsfrage vor das
Kriegskabinett.

Ehe noch das Kriegskabinett zu einem Entschlu kam, vollzogen sich in der
Flotte die Ereignisse, die zur offenen Revolution fhrten.

In den letzten Oktobertagen sollte die Hochseeflotte auslaufen, um die
durch die Einstellung des U-Bootkriegs gegen Handelsschiffe fr rein
militrische Zwecke freigewordene Tauchbootflotte bei einer Aktion gegen
die britische Kriegsflotte zu untersttzen. Auf einem Teil der Schiffe
verweigerten die durch die revolutionre Propaganda aufgewiegelten
Mannschaften die Ausfahrt. Es war die Ausfhrung des Programms, das schon
dem Komplott vom Sommer 1917 zugrundegelegen hatte. Der Versuch, gegen
die meuternden Mannschaften vorzugehen, fhrte zu dem Aufruhr in Kiel,
der alsbald auch auf andere Seestdte, vor allem auf Hamburg und Bremen,
bersprang. Nach russischem Muster wurden Soldaten- und Arbeiterrte
gebildet, die sich der politischen Gewalt bemchtigten. Auch die in jenen
Stdten garnisonierenden Landtruppen erwiesen sich als unzuverlssig. Die
Regierung verlegte sich gegenber den Meuterern und Aufstndischen auf
das Verhandeln; sie whlte damit den sichersten Weg, um aus Revolten die
Revolution entstehen zu lassen.

Am 7. November kam es in Mnchen zum gewaltsamen Umsturz. Soldaten-,
Arbeiter- und Bauernrte proklamierten die Absetzung des Knigs und die
Errichtung einer demokratisch-sozialistischen Republik. Auch aus anderen
Stdten des Reiches kamen Nachrichten von Tumulten und Revolten.

Berlin selbst war verhltnismig ruhig. Der Oberstkommandierende in den
Marken suchte die Bewegung durch seine Manahmen -- Verbot der fr den 7.
November von den Unabhngigen Sozialdemokraten angekndigten
Massenversammlung und Verbot der Bildung von Arbeiterrten -- im Keim zu
ersticken. Die Zivilregierung, der er seit Inkraftsetzung der neuen
Ordnung unterstellt war, desavouierte ihn jedoch.

Die Parteileitung der Mehrheitssozialisten frchtete jetzt offenbar, den
Anschlu an die Revolution zu versumen. Sie beauftragte am 7. November
den Staatssekretr Scheidemann, im Kriegskabinett zu fordern, da die
Versammlungsverbote aufgehoben und da Polizei und Militr zur uersten
Zurckhaltung angehalten wrden; ferner verlangte sie die sofortige
Umbildung der preuischen Regierung im Sinne der Reichstagsmehrheit, die
Verstrkung des sozialdemokratischen Einflusses in der Reichsregierung
und die Abdankung des Kaisers sowie den Thronverzicht des Kronprinzen bis
zum nchsten Mittag. Dieses Ultimatum, bei dessen Nichterfllung die
Mehrheitssozialisten mit ihrem Austritt aus der Regierung, d. h. ihrem
bergang zur Revolution drohten, wurde am folgenden Tage verlngert, und
zwar bis zum Abschlu des Waffenstillstandes, dessen Unterzeichnung fr
die nchsten Tage erwartet wurde und dessen Zustandekommen die
Sozialdemokraten durch ihren Austritt aus der Regierung zu gefhrden
frchteten.

Ein Zufall lie mich dem Staatssekretr Scheidemann am Abend des 8.
November im Vestibl des Reichskanzlerhauses begegnen. In sichtlicher
Erregung sagte er mir: Wenn nur der Kaiser endlich einen Entschlu fat
und abdankt -- heute noch! Sonst kann ich keine Garantie bernehmen. Auf
meine Frage: Und wenn der Kaiser abdankt, welche Garantie knnen Sie
dann bernehmen? -- war ein Achselzucken die einzige Antwort.

Der nchste Tag brachte die Revolution in Berlin.

Als am Vormittag des 9. November die Nachricht an das unter dem Vorsitz
des Prinzen Max im Reichskanzlerhaus versammelte Kriegskabinett gelangte,
da sich demonstrierende Arbeiterzge nach dem Innern der Stadt bewegten
und da ein Teil der in Berlin garnisonierenden Truppen, vorwiegend
Ersatzbataillone, sich der revolutionren Bewegung angeschlossen habe, da
lie der Reichskanzler Prinz Max von Baden die Abdankung des Kaisers und
Knigs und den Thronverzicht des Kronprinzen ffentlich bekanntmachen,
obwohl die Verhandlungen mit dem Kaiser ber seine Abdankung noch nicht
abgeschlossen waren und eine Abdankungserklrung noch nicht vorlag, und
obwohl mit dem Kronprinzen wegen eines Thronverzichtes berhaupt noch
nicht Fhlung genommen worden war. Gleichzeitig fate das Kriegskabinett,
wie mir von einem seiner Mitglieder am Nachmittag mitgeteilt worden ist,
den spter angezweifelten Beschlu, da den Demonstranten und Aufrhrern
kein bewaffneter Widerstand entgegengesetzt werden drfe. Schon vorher
hatte der Oberstkommandierende in den Marken aus eigener Initiative einen
hnlichen Befehl ausgegeben.

So kapitulierten die brgerlichen und militrischen Behrden kampflos, ja
ohne jeden Versuch eines Widerstandes.

Prinz Max hatte noch in seiner Bekanntmachung ber die angebliche
Verzichtleistung des Kaisers und des Kronprinzen erklrt, er werde als
Reichskanzler so lange im Amte bleiben, bis die mit dieser
Verzichtleistung und der Einsetzung der Regentschaft verbundenen Fragen
geregelt seien; er beabsichtige, dem Regenten die Ernennung des
Abgeordneten Ebert zum Reichskanzler und die Vorlage eines Gesetzentwurfs
wegen der sofortigen Ausschreibung allgemeiner Wahlen fr eine
verfassunggebende deutsche Nationalversammlung vorzuschlagen, der es
obliegen wrde, die knftige Staatsform des Deutschen Reiches endgltig
festzustellen. Der Vizekanzler von Payer, den ich am Nachmittag besuchte,
sprach sich mir gegenber dahin aus, da eine nderung der
Reichsverfassung nicht beabsichtigt sei und nur die Ernennung eines
Regenten und die Bildung eines neuen Reichskabinetts unter
sozialdemokratischer Fhrung in Frage komme; es sei nur noch die Frage
offen, ob in dem neuen Kabinett auch die Unabhngigen Sozialdemokraten
vertreten sein wrden, die ihren Eintritt von der Bedingung abhngig zu
machen schienen, da die Regierung unter Ausschlu aller brgerlichen
Elemente lediglich aus Sozialdemokraten zusammengesetzt werden solle.

Inzwischen aber hatte Herr Scheidemann um zwei Uhr nachmittags von der
groen Freitreppe des Reichstags herab die Republik proklamiert. Prinz
Max hatte die Wahrnehmung der Geschfte des Reichskanzlers, ohne die
Einsetzung der am Vormittag von ihm angekndigten Regentschaft zu
betreiben, dem Abgeordneten Ebert bertragen und schickte sich an, Berlin
zu verlassen, um sich nach seiner badischen Heimat zu begeben. Die
beiden sozialdemokratischen Gruppen einigten sich und bildeten fr die
Regierung des Reiches einen Rat der Volksbeauftragten, der aus je drei
Mehrheitssozialisten und Unabhngigen zusammengesetzt wurde.

Der Sieg der Revolution wurde durch den offiziellen Telegraphen alsbald
der Welt mitgeteilt; vor allem dem deutschen Heer in der Heimat, in den
Etappen und an der Front, und zwar mit der Aufforderung, sofort berall
Soldatenrte zu bilden. Whrend die Fronttruppen in ihrer berwiegenden
Mehrzahl den Nachrichten aus der Heimat verstndnislos gegenberstanden
und sich gegenber der Aufforderung zur Zertrmmerung der militrischen
Organisation und Disziplin ablehnend verhielten, gingen die in den
Etappen stehenden, durch die sozialistische und bolschewistische
Agitation zersetzten Verbnde alsbald mit fliegenden Fahnen zur
Revolution ber. Was in jenen Tagen in den besetzten Gebieten des Ostens
und Westens angesichts von Polen, Belgiern und Franzosen an
Kopflosigkeit, an Feigheit, an nationaler Gesinnungs- und Wrdelosigkeit
geleistet worden ist, wird fr alle Zeiten ein Schandfleck auf dem
deutschen Namen sein.

So wurde in dem Augenblick, in dem die deutschen Unterhndler im
Walde von Compigne aus den Hnden des Marschalls Foch die
Waffenstillstandsbedingungen unserer Feinde entgegennahmen, das Gefge
des deutschen Heeres zerschlagen und damit die letzte Mglichkeit eines
Widerstandes gegen die von unseren Feinden uns zugedachte Knebelung und
Vernichtung zerstrt.

Der Kaiser, dessen Abdankung ber seinen Kopf hinaus von dem Prinzen Max
verffentlicht und von den revolutionren Machthabern in Berlin dem Heere
mitgeteilt worden war, fgte sich dem Drngen seiner Umgebung; um dem
deutschen Volke in seiner schwersten Stunde den Brgerkrieg zu ersparen,
verzichtete er auf jeden Versuch eines Widerstandes und begab sich am
Abend des 9. November nach Holland. Der Kronprinz, dessen Anerbieten,
auch unter der neuen Regierung weiterzudienen und seine Armee nach der
Heimat zu fhren, von der revolutionren Berliner Regierung abgelehnt
wurde, folgte dem Beispiel seines kaiserlichen Vaters.

Inzwischen waren die Waffenstillstandsbedingungen in Berlin eingetroffen.
Sie verlangten von uns innerhalb kurzbemessener Fristen die Rumung der
von unseren Truppen besetzten Gebiete und des linken Rheinufers sowie der
mit einem Halbkreis von 30 Kilometer Halbmesser auf das rechte Rheinufer
hinberreichenden Brckenkpfe von Mainz, Koblenz und Kln; ferner die
Rumung Ostafrikas von unserer Schutztruppe, die sich dort in dem mehr
als vierjhrigen Kampfe gegen eine vielfache bermacht ehrenvoll
behauptet hatte; weiter die Auslieferung eines groen Teils unseres
Kriegsmaterials an Geschtzen, Maschinengewehren, Minenwerfern,
Flugzeugen; desgleichen die Auslieferung eines groen Teils unserer
Kriegsflotte einschlielich smtlicher U-Boote, und die Desarmierung des
uns zunchst belassenen Restes von Kriegsschiffen; auerdem die
Auslieferung eines ansehnlichen Teiles unseres Bestandes an Lokomotiven,
Gterwagen und Lastautomobilen. Dabei wurde die gegen Deutschland
verfgte Handels- und Hungerblockade aufrechterhalten und die Versorgung
Deutschlands mit Lebensmitteln whrend des Waffenstillstandes in dem fr
notwendig erachteten Mae in die Hnde unserer Feinde gelegt.

Was von uns verlangt wurde, war nichts anderes als eine bedingungslose
Unterwerfung. Der Ausbruch der Revolution, die Entthronung des Kaisers
und die Beseitigung der Hohenzollerndynastie haben uns weder damals noch
spterhin die von unseren Pazifisten und Illusionisten erhofften
Milderungen gebracht.

Die erste Tat des Rates der Volksbeauftragten war ein offenes Telegramm
an die deutsche Waffenstillstandsdelegation, da die Bedingungen des
Marschalls Foch anzunehmen seien.

Um die Mittagszeit des 11. November 1918 trat der Waffenstillstand in
Kraft. Die Geschtze, die bis zum letzten Augenblick mit ungeschwchter
Wut ihr Vernichtungswerk verrichtet hatten, verstummten auf allen
Fronten. Der grte und blutigste Krieg der Weltgeschichte war zu Ende.

                    *       *       *       *       *

Lnger als vier Jahre hindurch hatte das deutsche Volk, von fremder Hilfe
fast vllig abgeschnitten, die ungeheure Last des Krieges getragen, hatte
das deutsche Heer, nur von wenigen und schwcheren Bundesgenossen
untersttzt, in wunderbaren Waffentaten sich der erdrckenden bermacht
an Menschen und Kriegsmaterial erwehrt. Das Aufgebot und die Anspannung
aller Tugenden des deutschen Volkstums waren nahe daran, das Wunder des
siegreichen Widerstandes gegen eine Welt zu verwirklichen.

Unsere physischen und moralischen Krfte haben nicht ausgereicht, um das
Hchste zu vollbringen. Sie haben uns vor dem Ziel im Stich gelassen. So
ist das deutsche Volk von den Hhen, die es in Jahrzehnten und
Jahrhunderten friedlicher Arbeit erklommen, die es in dem Ringen des
Krieges in unvergleichlicher Gegenwehr behauptet hatte, hinabgestrzt in
den dunklen Abgrund, in dem es jetzt wehrlos in den Klauen
erbarmungsloser Feinde um Sein oder Nichtsein ringt.

Und doch, so schwer uns das Schicksal geschlagen hat, durch unsere Feinde
und mehr noch durch uns selbst -- die Hoffnung will uns nicht verlassen.
Besiegt und gedemtigt, entwaffnet und verarmt gehen wir aus der
Vlkerdmmerung hervor, sehen wir uns in eine Welt gestellt, die ihr
Angesicht von Grund aus verndert hat. Aber wir knnen in uns das
Bewutsein tragen, da keine der Nationen, die sich des Sieges rhmen, in
diesem Kriege ein solches Ma von innerer Kraft und Tchtigkeit entfaltet
hat wie unser deutsches Volk. Ein ungeheurer Druck von Zahl und Masse,
wie er niemals in der Geschichte aller Zeiten von einem einzelnen Volk zu
tragen war, hat schlielich unsere Kraft erlahmen lassen, hat uns gebeugt
und allen bsen Geistern Gewalt ber uns gegeben. Aber dieser Niederbruch
kann nicht das Ende sein. Wir denken zurck an die schwersten Zeiten
unserer Geschichte. Wir denken an die grauenhafte Verwstung des
Dreiigjhrigen Krieges, die nach dem Worte Treitschkes den Untergang des
deutschen Namens anzukndigen schien und der Anfang eines neuen Lebens
geworden ist. Wir denken an die Wiedergeburt deutscher Gesittung und
deutscher Macht, in der unser Volk sich mehr als einmal aus tiefstem
Elend und niedrigster Schmach erhoben hat. In aller Not und Bedrckung
des Tages richten wir den Blick auf den weiten Horizont der Zukunft,
glauben wir an die Unzerstrbarkeit des deutschen Wesens und den
unveruerlichen Beruf des deutschen Volkes in dem Aufstieg der
Menschheit.




                                Nachtrag


Veranlat durch die Rede des Reichsfinanzministers Erzberger in der
Nationalversammlung vom 25. Juli 1919 ist eine Errterung ber die auf
den Seiten 171 und 172 dieses Bandes kurz behandelte Episode eines
vermeintlichen englischen Friedensfhlers im September 1917 entstanden,
die ber die diplomatischen Vorgnge jener Zeit und darber hinaus auch
auf den Hintergrund der Aktion des damaligen Abgeordneten Erzberger vom
Juli 1917 genauere Aufklrung gebracht hat. Diese Aufklrung hat die von
mir in diesem Bande gegebene Darstellung vollauf besttigt. Sie hat sie
aber gleichzeitig durch so wichtige Einzelheiten ergnzt, da es mir
notwendig erscheint, in Form dieses Nachtrags die wichtigsten Ergebnisse
zusammenzufassen.

Ich habe oben auf den Seiten von 144 an die Anzeichen erwhnt, die vom
Mai 1917 an eine aufkeimende Geneigtheit der Westmchte zu
Friedensgesprchen erkennen lieen:

die uerung des franzsischen Auenministers Ribot zu dem italienischen
Botschafter in Paris, da Frankreich der Erschpfung entgegengehe;

die franzsischen Versuche, Besprechungen mit Vertrauensleuten der
Zentralmchte aufzunehmen;

die alarmierenden Mitteilungen, die Lloyd George in Paris ber die
Wirkungen des U-Bootkriegs auf die Ernhrungslage Englands machte.

Diese meine Mitteilungen haben jetzt eine Besttigung erfahren in den
Verffentlichungen des frheren deutschen Botschafters in Wien, Grafen
Botho Wedel. Dieser berichtet, da nach den Mitteilungen eines
franzsischen Diplomaten in jener kritischen Zeit Lloyd George und Ribot
drauf und dran waren, nach Rom zu reisen, um mit der italienischen
Regierung wegen Einleitung von Friedensschritten zu verhandeln.

Desgleichen hat sich besttigt, da diese aufkeimende Friedensneigung bei
unsern Feinden zerstrt wurde durch die Aktion, die der Abgeordnete
Erzberger mit einem scharfen Vorsto im Hauptausschu des Reichstags am
6. Juli 1917 einleitete und die in ihrem Ergebnis zum Rcktritt des
Reichskanzlers von Bethmann Hollweg und zur Friedensresolution des
Reichstags vom 19. Juli 1917 fhrte.

Wir sehen heute tiefer in die Zusammenhnge dieser Erzbergerschen Aktion.
Wir wissen durch den Grafen Czernin, da Herr Erzberger in den Besitz des
Geheimberichts des Grafen an den Kaiser Karl vom 12. April 1917 (S. 62
ff.) gelangte, der von seinem Verfasser ausschlielich fr die beiden
Kaiser und den deutschen Reichskanzler bestimmt war. Dieser Bericht, der
den Zweck verfolgte, den deutschen Kaiser fr einen Verzicht auf
Elsa-Lothringen geneigt zu machen, stellte die Lage sterreich-Ungarns
in den schwrzesten Farben dar. Jede Indiskretion mute deshalb besonders
gefhrlich wirken.

Herr Erzberger hat diesen Geheimbericht, wie Graf Czernin sagt, von einer
nichtverantwortlichen Seite erhalten, und zwar hinter dem Rcken des
fr die sterreichisch-ungarische Auenpolitik verantwortlichen Grafen.
Wir wissen heute, da die nichtverantwortliche Seite Kaiser Karl selbst
war, derselbe, der wenige Wochen zuvor jenen mit dem Bundesverhltnis
zwischen den beiden Reichen nicht zu vereinbarenden Brief an seinen
Schwager, den Prinzen Sixtus von Parma, gleichfalls hinter dem Rcken
seines Auenministers, geschrieben hatte. Herr Erzberger behauptet, den
Bericht ohne einen andern Auftrag als den der Geheimhaltung seiner
Herkunft erhalten zu haben. Das hat offenbar seine Richtigkeit; denn auch
Graf Czernin, der in bereinstimmung mit dem Grafen Wedel feststellt, da
Herr Erzberger den Geheimbericht nicht geheimgehalten habe, sagt
ausdrcklich, da Herr Erzberger dabei im Sinne seiner Auftraggeber
gehandelt habe.

Insbesondere hat Herr Erzberger den Geheimbericht des Grafen Czernin in
einer Sitzung des Reichsausschusses der Zentrumspartei, die unmittelbar
nach der Beschlufassung des Reichstags ber die Juliresolution in
Frankfurt a. M. stattfand, zur Verlesung gebracht. Graf Wedel und Graf
Czernin sagen aus, da durch die Erzbergersche Indiskretion der
Geheimbericht zur Kenntnis unserer Feinde kam. Mit Recht sagt Graf
Czernin:

Ein jeder, der meinen Bericht liest, kann sich eine Vorstellung von den
Folgen machen.

Die Folgen waren handgreiflich.

Die durch die Kenntnis des Czerninschen Geheimberichts verstrkte Wirkung
der Erzbergerschen Aktion im deutschen Reichstag war, da bei unsern
Feinden die berzeugung hervorgerufen wurde, die Zentralmchte stnden
unmittelbar vor dem inneren Zusammenbruch. Man habe es infolgedessen
nicht mehr ntig, mit ihnen zu verhandeln, der volle Sieg werde der
Entente in kurzer Zeit als reife Frucht in den Scho fallen.

Unter diesen Umstnden unterblieb die Romreise der Herren Lloyd George
und Ribot, und es folgten unmittelbar auf die Friedensresolution des
Reichstags die oben (S. 147 und 148) aufgezhlten Erklrungen der
Ententeminister, die jeden Verstndigungsfrieden auf Grund des
Besitzstandes vor dem Krieg weit von sich wiesen.

Die neu bekanntgewordenen Tatsachen haben also die Auffassung besttigt,
da die Aktion des Herrn Erzberger im Sommer 1917 die damals aufkeimende
Friedensgeneigtheit unserer westlichen Feinde zerstrte und in ihr
Gegenteil, in den entschlossenen Willen zum Durchkmpfen des Krieges,
verkehrte.

Offenbar, um den Eindruck dieser Feststellungen abzuschwchen, hat Herr
Erzberger als Reichsfinanzminister und stellvertretender Vorsitzender des
Reichsministeriums in der Sitzung der Nationalversammlung vom 25. Juli
1919 den Versuch gemacht, nachzuweisen:

da eine ernste Friedensmglichkeit, geschaffen durch ein die Vermittlung
des Vatikans benutzendes englisches Angebot[6], noch im August und
September 1917 an die deutsche Regierung herangekommen sei,

da aber dieses englische, angeblich nur an die Wiederherstellung der
territorialen Integritt und der Souvernitt Belgiens geknpfte
Friedensangebot von der politischen Leitung des Reichs unter dem Druck
der obersten Heeresleitung, der Schwerindustrie und der Alldeutschen
ausgeschlagen worden sei.

  [6] Herr Erzberger hat spter bestritten, von einem englischen
      Friedensangebot gesprochen zu haben. Nach dem im Reichsanzeiger
      verffentlichten ersten Bericht ber seine Rede hat er ausdrcklich
      von einem Angebot Englands gesprochen, dem die franzsische
      Regierung sich angeschlossen habe. Im amtlichen stenographischen
      Bericht, der erst etwa 10 Tage spter ausgegeben wurde, sind diese
      Worte allerdings nicht enthalten; wohl aber ist dort an einer
      spteren Stelle die Rede von der von England mit Vermittlung des
      Heiligen Stuhles eingeleiteten Friedensaktion.

Es handelt sich hier um die oben (S. 171 und 172) behandelten Vorgnge.

Die inzwischen verffentlichten Dokumente geben ein vollstndiges Bild,
das sich folgendermaen darstellt:

Die angebliche englische Friedensaktion steht im engsten Zusammenhang mit
der vom 1. August 1917 datierten, an alle kriegfhrenden Mchte
gerichteten Friedensnote des Papstes und kann nur im Zusammenhang mit
der ppstlichen Friedensaktion betrachtet und verstanden werden.

Die Anfnge der ppstlichen Friedensaktion reichen in den Monat Juni 1917
zurck. Die Seite 147 von mir erwhnten Besprechungen des apostolischen
Nuntius Pacelli mit dem Reichskanzler von Bethmann Hollweg, denen eine
Audienz des Nuntius beim Kaiser im Groen Hauptquartier folgte, dienten
offensichtlich dem Zweck, den Boden fr die damals schon geplante
ppstliche Friedensaktion zu sondieren. Es kann nicht zweifelhaft sein,
da um die gleiche Zeit hnliche Sondierungen von vatikanischer Seite
auch bei unsern Gegnern vorgenommen wurden.

Das Ergebnis seiner Sondierung bei den fr die deutsche Politik
magebenden Mnnern beurteilte der Nuntius Pacelli gnstig; er selbst hat
sich mir gegenber, wie oben (S. 147) erwhnt, in hohem Mae befriedigt
ber seine Unterhaltungen mit Herrn von Bethmann ausgesprochen und hat
spterhin, wie gleichfalls oben (S. 149) erwhnt, sich dahin geuert,
da ohne den -- durch die Erzbergersche Aktion herbeigefhrten -- Abgang
des Herrn von Bethmann die Friedensaussichten gute gewesen seien.

Es ist anzunehmen, da auch die Sondierungen des Vatikans bei unsern
Gegnern damals ein gnstiges Ergebnis hatten; andernfalls wre der
ppstliche Friedensschritt wohl unterblieben. Es deckt sich auch ganz
mit meiner Auffassung ber die damals bei unsern Feinden aufkeimende
Friedensneigung, da die Ende Juni erfolgenden ppstlichen Sondierungen
auch bei unsern Gegnern auf Ermunterung stoen muten.

Vom Ende des Monats Juni bis zu dem offiziellen Vorgehen des Papstes mit
seiner Friedensnote ist dann ein lngerer Zeitraum vergangen. Die
ppstliche Note ist vom 1. August datiert und ist am 14. August in Berlin
und um dieselbe Zeit in smtlichen Hauptstdten der kriegfhrenden
Gromchte berreicht worden. Der Aufschub drfte seine Erklrung wohl in
der durch den Erzbergerschen Vorsto vom 6. Juli heraufbeschworenen
inneren Krisis in Deutschland und dem Kanzlerwechsel finden. Die Kurie
mute sich nun erst darber vergewissern, ob auch unter der Kanzlerschaft
des Herrn Michaelis in Deutschland dieselbe Friedensbereitschaft wie
unter Herrn von Bethmann fortbestehe.

Das war der Fall.

Aber inzwischen hatte sich gerade infolge der krisenhaften Vorgnge in
Deutschland und infolge der Erzbergerschen Indiskretion mit dem
Geheimbericht des Grafen Czernin bei unsern westlichen Feinden die
Auffassung gendert: Als die ppstliche Note Mitte August berreicht
wurde, war die Verhandlungsbereitschaft, die einige Wochen vorher bei der
vorbereitenden Sondierung noch bestanden hatte, infolge der
Erzbergerschen Aktion verschwunden.

Es lt sich denken, da die britische Regierung bei dieser vernderten
Sachlage durch den offiziellen Friedensschritt des Papstes in eine
gewisse Verlegenheit gesetzt wurde: sie hatte vor wenigen Wochen zu einem
solchen Schritt ermuntert oder sich jedenfalls nicht abgeneigt gezeigt,
ihn mit Sympathie aufzunehmen; jetzt war sie entschlossen, an ihren
alten, nur von einem niedergeworfenen Deutschland erzwingbaren
Kriegszielen festzuhalten und infolgedessen dem ppstlichen Schritt keine
Folge zu geben.

Diese Verlegenheit der britischen Regierung hat die Mitteilung des
Foreign Office an den britischen Gesandten beim Vatikan, den Grafen
Salis, vom 21. August 1917, die spter als Friedensangebot ausgegeben
worden ist, offensichtlich diktiert. Hier der Wortlaut:[7]

    Wir haben noch keine Gelegenheit gehabt, unsere Verbndeten ber die
    Note seiner Heiligkeit zu befragen, und sind nicht in der Lage, uns
    ber eine Beantwortung der Vorschlge Seiner Heiligkeit betreffend
    Bedingungen eines dauernden Friedens zu uern. Unserer Ansicht nach
    besteht keine Wahrscheinlichkeit dafr, diesem Ziele nherzukommen,
    solange sich nicht die Zentralmchte und ihre Verbndeten in
    offizieller Form ber ihre Kriegsziele und darber geuert haben, zu
    welchen Wiederherstellungen und Entschdigungen sie bereit sind,
    durch welche Mittel in Zukunft die Welt vor der Wiederholung der
    Greuel, unter denen sie jetzt leidet, bewahrt werden knnte: Selbst
    hinsichtlich Belgiens (und in diesem Punkte haben die Zentralmchte
    anerkannt, im Unrecht zu sein) ist uns niemals eine bestimmte
    Erklrung ber ihre Absicht bekannt geworden, die vllige
    Unabhngigkeit wiederherzustellen und die Schden wieder gutzumachen,
    die sie es hat erdulden lassen. Seiner Eminenz drften zweifellos die
    Erklrungen gegenwrtig sein, die von den Alliierten in Beantwortung
    der Note des Prsidenten Wilson abgegeben worden sind. Weder von
    sterreich noch von Deutschland ist jemals eine solche (equivalent)
    Erklrung erfolgt. Ein Versuch, die Kriegfhrenden in bereinstimmung
    zu bringen, erscheint so lange vergeblich, als wir nicht ber die
    Punkte im klaren sind, in denen ihre Ansichten auseinandergehen.

  [7] Der nachstehend wiedergegebene Wortlaut ist der von der deutschen
      Regierung bekanntgegebene und entspricht nach einer
      Verffentlichung der Kurie in der Florentiner Unit Cattolica dem
      von dem Grafen Salis dem Kardinalstaatssekretr berlassenen Text.
      Der von der britischen Regierung in dem Weibuch vom 12. August
      1918 wiedergegebene englische Text zeigt nicht unerhebliche
      Abweichungen. So lautet dort der Eingang:

        Da die Regierung Seiner Majestt noch nicht in der Lage war,
        ihre Verbndeten ber die Vorschlge Seiner Heiligkeit zu
        befragen, kann sie nicht sagen, ob es irgendeinen Zweck hat, eine
        Antwort darauf zu geben, oder, bejahendenfalls, welche Form einer
        solchen Antwort zu geben sein wrde.

      Am Schlu steht der bezeichnende Satz:

        Sie wollen, wenn sich eine geeignete Gelegenheit bietet, dies
        Seiner Eminenz auseinandersetzen.

In ihrem Wortlaut und in ihrem Sinn ist diese Instruktion des Foreign
Office an seinen vatikanischen Gesandten das Gegenteil eines
Friedensangebots. Es ist die in hfliche Form gekleidete Ablehnung einer
Beantwortung der ppstlichen Friedensnote unter dem durchsichtigen
Vorwand, da die Alliierten ja ihre Kriegsziele bereits in ihrer
Antwortnote vom 10. Januar 1917 an den Prsidenten Wilson (Band II, S.
375-378) niedergelegt htten, von Deutschland aber quivalente
Erklrungen bisher nicht erfolgt seien. Allein schon der Hinweis auf jene
Antwortnote an den Prsidenten Wilson, die den Versailler Vertrag bereits
=in nuce= enthielt -- mitsamt dem Schuldbekenntnis Deutschlands und
mitsamt der Weigerung, mit Deutschland auf gleichem Fu zu verkehren --,
stellt den Charakter der Depesche auer Zweifel.

Gerade weil die Depesche diesen Sinn hatte, sprach die franzsische
Regierung den Wunsch aus, sich gegenber dem Vatikan den in der Depesche
enthaltenen Gesichtspunkten anschlieen zu drfen. Auch hiervon wurde der
Graf Salis benachrichtigt.

Der Papst und sein Kardinalstaatssekretr, geleitet von dem brennenden
Wunsch, der Welt zum Frieden zu verhelfen, sahen die Depesche, die der
britische Gesandte dem Kardinalstaatssekretr vorzeigte, mit andern Augen
an. Sie wollten in dem Hinweis auf Belgien, der bestimmt war, die Anklage
gegen Deutschland besonders zu unterstreichen, eine Mglichkeit der
Anknpfung sehen. Der Kardinalstaatssekretr erbat sich von dem
britischen Gesandten das Dechiffr des Telegramms, und der Gesandte
berlie es ihm, nachdem er, wie italienische Zeitungen berichtet haben,
Kopf und Unterschrift weggeschnitten und es so in ein Aide-Memoire, wie
der diplomatische Fachausdruck heit, verwandelt hatte.

Dieses Aide-Memoire wurde nun der deutschen Regierung mitgeteilt, und
zwar mit dem Schreiben des Nuntius Pacelli vom 30. August, das erwhnte,
da die franzsische Regierung sich den Darlegungen des Telegramms
angeschlossen habe, die Aufmerksamkeit des Reichskanzlers in besonderer
Weise auf den Belgien betreffenden Passus hinlenkte und zum Ausdruck
brachte, da nach der Meinung des Kardinalstaatssekretrs durch eine
befriedigende Erklrung der deutschen Regierung zu diesem Punkte ein
bedeutender Schritt zur weiteren Entwicklung der Verhandlungen gemacht
wrde.

Nach den von dem Unterstaatssekretr im Foreign Office, Herrn Harmsworth,
Anfang August 1919 abgegebenen Erklrungen und nach dem britischen
Weibuch vom 12. August 1919 hat der Kardinalstaatssekretr dem
britischen Gesandten mitgeteilt, er werde antworten, wenn er von der
deutschen Regierung die von dieser erbetene Erklrung ber Belgien
erhalten habe. Um seine Meinung befragt, uerte sich der Gesandte rein
persnlich dahin, da eine solche Erklrung ber Belgien wnschenswert
sei, aber immerhin sei dieser Punkt nur einer unter vielen Streitpunkten
zwischen den Kriegfhrenden. Das Foreign Office jedoch lie seinen
Gesandten wissen, da es inopportun sei, sich in eine Teildiskussion
dieser Frage einzulassen. Der Gesandte erhielt am 26. August den
Auftrag, in keiner Weise in die Verhandlungen zwischen dem Vatikan und
Deutschland einzugreifen und seine Meinung zurckzuhalten, wenn man ihn
von neuem danach frage. -- Der britische Gesandte wurde also vom Foreign
Office in aller Form zurckgepfiffen. Vorausgegangen war ein dringender
Schritt des franzsischen Geschftstrgers, der erklrte: Seine Regierung
habe sich der von dem Grafen Salis dem Vatikan zu machenden Mitteilung
angeschlossen, in der Annahme, da diese Mitteilung eine mndliche sei
und eine ausfhrlichere Antwort auf die Papstnote berflssig machen
werde. Jetzt habe Graf Salis dem Papst ein schriftliches Dokument in die
Hand gegeben, und seine Aktion habe eine Diskussion ber das Schicksal
Belgiens erffnet. Das sei nicht, was die franzsische Regierung wnsche.
Herr Ribot vertraue, da die britische Regierung seine Ansicht teile und
dem Grafen Salis Instruktionen geben werde, die alle weiteren Versuche
des Kardinalstaatssekretrs zu einer halboffiziellen Intervention
zwischen den Kriegfhrenden entmutigen wrden. -- Am 30. August -- also
unter dem Datum des Pacelli-Briefs -- teilte das Foreign Office den
britischen Vertretungen bei den verbndeten Regierungen mit, da nach
seiner Ansicht in Rcksicht auf die -- gnzlich ablehnende -- Note
Wilsons an den Papst keinerlei weitere Antwort irgendwelcher Art an den
Vatikan ntig sei.

Die ppstliche Anfrage an Deutschland ist mithin nicht nur nicht auf
Veranlassung des Foreign Office und der franzsischen Regierung, sondern
gegen deren Willen erfolgt.

Das Schreiben des Nuntius Pacelli erweckte im Auswrtigen Amte in Berlin
den Eindruck, da hier immerhin die Mglichkeit eines von der
franzsischen Regierung ausdrcklich gebilligten Friedensfhlers der
britischen Regierung vorliege. Da aber der Inhalt des dem Schreiben
beigefgten britischen Telegramms sowie andere Wahrnehmungen dem zu
widersprechen und zu beweisen schienen, da die britische Regierung und
ihre Verbndeten zu ihrem in der Antwortnote an den Prsidenten Wilson
vom 10. Januar 1917 eingenommenen Standpunkt, der jede Verhandlung
ausschlo, zurckgekehrt seien, hielt es der Reichskanzler, dem Rate des
Staatssekretrs von Khlmann folgend, fr geboten, zunchst einmal durch
einen absolut vertrauenswrdigen spanischen Diplomaten, der ber
ausgezeichnete Beziehungen zur englischen Regierung verfgte, in London
sondieren zu lassen, ob dort berhaupt Geneigtheit zu Verhandlungen auf
einer fr uns annehmbaren Grundlage bestehe. Wie berechtigt diese
Vorsicht war, ergibt die oben geschilderte Haltung des Foreign Office und
der franzsischen Regierung gegenber dem vatikanischen Schritt.

Um sich die notwendige Bewegungsfreiheit fr die weitere Aktion zu
sichern, hielt der Reichskanzler eine fr alle Instanzen bindende
Entscheidung des Kaisers ber Belgien fr notwendig. Diese Entscheidung
wurde in dem Kronrat vom 11. September 1917 herbeigefhrt, der so
verlief, wie ich das oben (S. 171) geschildert habe. Der Kaiser entschied
zugunsten des Antrags des Reichskanzlers und entgegen den von dem Chef
des Admiralstabs und den beiden Vertretern der Obersten Heeresleitung
dargelegten Wnschen dahin, da die politische Leitung ermchtigt sei,
gegebenenfalls die Wiederherstellung der territorialen Integritt und der
Souvernitt Belgiens zuzugestehen, mit dem Vorbehalt einer erneuten
Prfung, falls der Verzicht auf Belgien nicht bis zum Jahresschlu den
Frieden sichere und so einen neuen Kriegswinter erspare.

Auf der Grundlage dieser kaiserlichen Entscheidung ist der spanische
Vertrauensmann des Herrn von Khlmann informiert worden. Es wurde ihm
weiter mitgeteilt, da unsrerseits Voraussetzung fr Verhandlungen sei:

1. die Erhaltung unsres vorkriegerischen Besitzstandes einschlielich der
Kolonien,

2. der Verzicht auf Entschdigungen,

3. die Abstandnahme von dem Wirtschaftskrieg nach dem Krieg.

Der spter von der Reichsregierung verffentlichte Briefwechsel zwischen
dem Reichskanzler Michaelis und dem Feldmarschall von Hindenburg vom 12.
und 15. September 1917 ist eine innere deutsche Angelegenheit, die mit
den Auftrgen des spanischen Vertrauensmanns und der ihm gegebenen
Information nicht das mindeste zu tun hatte. Es handelte sich hierbei um
militrische Wnsche, die ebenso wie die wirtschaftlichen Wnsche, die
hinsichtlich Belgiens bestanden, nicht als Vorbehalte gegenber England
in Betracht kamen, sondern lediglich als Ziele, die in Verhandlungen mit
Belgien angestrebt werden sollten. Die Aktion des neutralen
Vertrauensmanns bei der britischen Regierung ist jedenfalls durch diese
Wnsche in keiner Weise eingeengt oder erschwert worden.

Dagegen stellten sich dieser Aktion andere Hindernisse in den Weg, die
auerhalb des guten Willens der deutschen Stellen lagen und die entgegen
der ursprnglichen Absicht dazu fhrten, da die Sondierung des
britischen Kabinetts nicht unmittelbar erfolgte, sondern ihren Weg ber
Madrid nahm. Wir wissen aus dem durch die Sowjetregierung
verffentlichten Geheimbericht des russischen Geschftstrgers in London
vom 6. Oktober 1917, da damals der spanische Minister des Auswrtigen
dem britischen Botschafter in Madrid Erffnungen ber Deutschlands
Geneigtheit zu Friedensverhandlungen machte und da Balfour diese
Erffnung am 6. Oktober den diplomatischen Vertretern der verbndeten
Gromchte zur Kenntnis brachte. Die Erffnung des spanischen Ministers
wurde dabei als eine deutsche Friedens-Initiative -- um nicht zu sagen
Friedens-Offensive -- aufgefat, in einer Weise, die jeden Gedanken an
eine wenige Wochen zuvor versuchte englische Friedens-Initiative
vollkommen ausschliet. Der Bericht des russischen Geschftstrgers
ergibt weiter, da man dem deutschen Schritt mit groem Unbehagen und
starkem Mitrauen gegenberstand. Man stand unter dem Eindruck,
Deutschlands Absicht sei, die Alliierten in eine Prfung der
Friedensbedingungen Deutschlands hineinzuziehen. Das wollte man
vermeiden. Auf der andern Seite glaubte man, die deutsche Anfrage nicht
gnzlich unbeantwortet lassen zu knnen, da man befrchtete, dadurch die
Stellung der deutschen Regierung im eignen Lande zu befestigen und, was
noch wichtiger ist, die schon ohnehin reichlich verwerfliche Agitation in
Ruland zu strken, in dem Sinn, da England direkt die vllige
Vernichtung Deutschlands wnsche und Ruland und die andern Verbndeten
mitziehe. Aus diesen taktischen Erwgungen heraus wurde beschlossen, da
die englische Regierung durch ihren Botschafter in Madrid folgende
Antwort geben solle:

Die Regierung Seiner Majestt wre bereit, eine =Mitteilung=
entgegenzunehmen, welche die deutsche Regierung ihr ber den Frieden
abzugeben wnsche, und diese Mitteilung mit ihren Verbndeten zu
beraten.

Das war weniger als nichts. Es war die Besttigung dafr, da auf der
Seite Englands und seiner Verbndeten keine Geneigtheit bestand, in
zweiseitige Verhandlungen einzutreten oder irgendwelche Bedingungen zu
przisieren, unter denen es zu solchen zweiseitigen Verhandlungen, die
allein Aussicht auf Erfolg boten, bereit sei.

Auch auf spanischer Seite hatte man offenbar sehr stark diesen Eindruck.
Die britische Antwort auf die spanische Erffnung wurde dort so wenig als
eine Antwort empfunden, da spter, als Balfour im Unterhaus auf eine
Anfrage des Abgeordneten King diese Antwort bekanntgab, Herr von Khlmann
erklren mute, die deutsche Reichsregierung habe von der
Bereitwilligkeit des britischen Kabinetts, eine deutsche Mitteilung ber
den Frieden entgegenzunehmen, berhaupt erst durch die Erklrung Balfours
im Unterhaus Kenntnis erhalten. Der spanische Vertrauensmann hatte sich
darauf beschrnkt, Herrn von Khlmann wissen zu lassen, da seine
Sondierung des britischen Kabinetts auf die vermutete Bereitschaft zu
Friedensverhandlungen ein gnzlich negatives Ergebnis gehabt habe.

Damit steht fest, da die von Herrn Erzberger spterhin konstruierte
englische Friedensaktion, die mit Ermchtigung der franzsischen
Regierung und durch Vermittlung des Heiligen Stuhles eingeleitet worden
sein soll, mit den wirklichen Vorgngen in vollendetem Widerspruch steht.
Auch der Vatikan hat in der bereits erwhnten Verffentlichung in der
Unit Cattolica ausdrcklich festgestellt, da es sich damals nicht um
von England oder anderen Ententestaaten ausgehende Friedensvorschlge
handelte. Eine Bereitschaft Englands, mit uns auf der Grundlage
der Freigabe Belgiens von gleich zu gleich in Verhandlungen
ber einen Verstndigungsfrieden einzutreten, war in jener
Zeit nicht mehr vorhanden. Die im Frhsommer 1917 mglicherweise
vorhandene Friedensbereitschaft Englands war kurz zuvor durch die
habsburgisch-bourbonisch beeinfluten Quertreibereien des Herrn Erzberger
im Keime erstickt worden. Seit dieser Zeit rechnete England auf den Sieg,
wollte England den Sieg und war England entschlossen, allen Verhandlungen
aus dem Wege zu gehen, die ihm die Frchte des Sieges htten verkmmern
knnen. Und seine Verbndeten dachten und handelten genau ebenso.

Es ist das Verhngnis Deutschlands geworden, da unser Volk diese Lage
nicht erkannt hat, da es vielmehr unter der Einwirkung parteipolitischer
Agitation das Friedenshindernis, statt in dem Vernichtungswillen des
Feindes, im eignen Lande gesucht hat.

                    *       *       *       *       *




                 Zeittafeln und Schlagwortverzeichnisse

                        Zeittafel zum ersten Band


  1878 Berliner Kongre

  1879 Deutsch-sterreichisches Bndnis

  1880 Madrider Konvention (Internation. Marokko-Konferenz)

  1881 Tunis von Frankreich okkupiert

  1882 gypten von England okkupiert

  1882 Zustandekommen des Dreibundes durch Hinzutritt Italiens

  1884 Neutralittsvertrge zwisch. Deutschland, Ruland und
       sterreich-Ungarn

  1884 Beginn der deutschen kolonialen Erwerbungen -- Kongo-Konferenz

  1887 Erste Erneuerung des Dreibundes

  1887 Deutsch-russischer Rckversicherungsvertrag

  1887 Englisches Markenschutz-Gesetz (Made in Germany)

  1887 Septennats-Vorlage

  1888 Tod Kaiser Wilhelms I. und Kaiser Friedrichs III., Wilhelms II.
       Thronbesteigung und Romreise

  1888 Suezkanal-Vertrag

  1888 Erste Eisenbahn-Konzession in Kleinasien an eine deutsche
       Gesellschaft (Deutsche Bank)

  1889 Erste russisch-franzsische Anleihe

  1890 Bismarcks Rcktritt -- Caprivi Reichskanzler
       -- Helgoland-Sansibar-Vertrag

  1890 Deutsch-marokkanischer Handelsvertrag

  1892 Franzsisch-russische Militrkonvention

  1893 Einfhrung der zweijhrigen Dienstzeit in der deutschen Armee

  1894 Franzsisch-russisches Bndnis

  1894/95 Japanisch-chinesischer Krieg

  1895 Erffnung des Nordostseekanals

  1895 Jameson-Reid

  1896/97 Burenkrieg

  1896 Bahnstrecke Eskischehir--Konia (Anatolische Bahn) erffnet

  1897 Tirpitz Staatssekretr des Reichsmarineamts

  1897 Griechisch-trkischer Krieg

  1897 Deutsche Festsetzung in Kiautschou -- Russische Festsetzung in
       Port Arthur

  1898 Englische Festsetzung in Wei-hai-wei -- Franzsische
       Festsetzung in Huangtschouwan

  1898 Erstes Flottengesetz

  1898 Schmach von Faschoda

  1898 Spanisch-amerikanisch. Krieg

  1898 Deutsch-englisches Geheimabkommen ber den portugiesischen
       Kolonialbesitz

  1899 Samoa-Vertrag

  1899 Windsor-Vertrag (englisch-portugiesisches Geheimabkommen)

  1899 Einvernehmen zwischen der Deutschen Bank und der franzsischen
       Gruppe der Ottomanischen Bank ber die kleinasiatischen
       Eisenbahnfragen

  1899/1902 Burenkrieg

  1899 Erste Haager Friedenskonferenz

  1900 Boxer-Krieg -- Yangtse-Abkommen

  1900 Zweites Flottengesetz

  1901 Knigin Viktoria [gestorben] -- Eduards VII. Thronbesteigung
       -- Reise nach Portugal

  1902 Dreibund erneuert

  1902 Englisch-japanisch. Bndnis

  1902/03 Venezuela-Affre

  1903 Beginn der Einkreisungspolitik -- Viktor Emanuel in Paris

  1903 Deutschland berflgelt England in der Roheisenproduktion

  1904 Entente cordiale

  1904 8. 4. Englisch-franzsisches Marokko-Abkommen
       7. 10. Franzsisch-spanisches Marokko-Abkommen

  1904 Eduard VII. in Kiel

  1904/05 Neuorganisation der englischen Flotte (1905 Dreadnought im
       Bau)

  1904/05 Russisch-japanisch. Krieg

  1905/08 Russische Revolution

  1905 Franzsische Sondergesandtschaft nach Marokko -- Kaiser Wilhelm
       in Tanger -- Delcasss Sturz -- Algeciras-Konferenz

  1907 Englisch-russisches Abkommen ber Mittelasien

  1907 Zweite Haager Friedenskonferenz

  1907 Optanten-Vertrag

  1908 Revaler  Zusammenkunft zwischen Eduard VII. und Nikolaus II.
       -- Vollendung des dreifachen Einverstndnisses -- Nordsee- und
       Ostsee-Abkommen

  1908 Trkische Revolution

  1908 sterreich-Ungarn verkndigt die formelle Annexion von Bosnien und
       der Herzegowina

  1908 Bulgariens Unabhngigkeitserklrung

  1908 Japanisch-amerikanischer Vertrag ber den Stillen Ozean

  1908 Zwischenfall von Casablanca

  1909 Londoner Seerechts-Konferenz

  1909 sterreichisch-trkische Verstndigung ber die bosnische Frage

  1909 Deutsch-franzsisches Marokko-Abkommen

  1909 Bethmann Hollweg Reichskanzler, Kiderlen-Wchter Staatssekretr
       des Auswrtigen

  1909 Nikolaus II. bei Viktor Emanuel in Racconigi (Balkanfrage)

  1910 Nikolaus II. und Ssasonow in Potsdam (Bagdadbahn- und Persische
       Frage)

  1910 Eduard VII. [gestorben], Georgs V. Thronbesteigung

  1911 Marokkokrisis -- 21. 5. Fez von den Franzosen besetzt
       -- 1. 7. Panther vor Agadir -- 21. 7. Rede des englischen
       Schatzkanzlers Lloyd George ber Englands Stellung in Europa
       -- 4. 11. Deutsch-franzsischer Marokko-Vertrag

  1911/12 Trk.-italienischer Krieg

  1912 Lord Haldanes Sendung

  1912 Entstehung d. Balkanbundes

  1912 Dreibund erneuert -- Kaiser Wilhelm in Venedig bei Viktor Emanuel

  1912/13 Deutsch-englische und deutsch-franzsische Verhandlungen ber
       die vorderasiatischen Eisenbahn- und Wirtschaftsfragen

  1912 (November) Briefwechsel zwischen Sir Edward Grey und M. Paul
       Cambon ber englisch-franzsische Waffenhilfe

  1912 Franzsisch-russisch. Marine-Konvention

  1912/13 Balkankrieg

  1913 Deutsche Militrvorlage

  1913 Frankreich fhrt die dreijhrige Dienstzeit ein

  1913 Deutsche Militrmission nach Konstantinopel

  1914 (April) Knig Georg in Paris

  1914 28. 6. Ermordung des sterreichisch-ungarischen Thronfolgerpaares
       -- 23. 7. sterreichisch-ungarisches Ultimatum an Serbien
       -- 25. 7. Serbische Antwort -- 28. 7. Kriegserklrung
       sterreich-Ungarns an Serbien -- 30. bis 31. 7. Russische
       Generalmobilmachung zu Land und zur See


                 Zeittafel zum zweiten und dritten Band

      =Militrische     |     =Politische       |   =Wirtschaftliche
       Ereignisse=      |     Ereignisse=       |      Ereignisse=
          1914          |        1914           |         1914
                        |                       |
  =August=              |  =August=             |  =August=
                        |                       |
   1. Deutsche          |  1. Jaurs ermordet   |  3. Schlieung der
      Mobilmachung      |                       |     deutschen Brsen
                        |  2. Kriegserklrung   |     -- Der franzsische
   3. Luxemburg besetzt |     Deutschlands an   |     Finanzminister
                        |     Ruland           |     verfgt ein
   6. Durchbruch der    |                       |     Moratorium fr
      Goeben und      |  3. Kriegserklrung   |     Kontokorrent- und
      Breslau         |     Deutschlands an   |     Lombarddarlehen
                        |     Frankreich        |     bis zum 31. August
   7. Einnahme von      |                       |
      Lttich           |  4. Kriegstagung      |  7. Bundesratsbeschlsse
                        |     des Reichstages   |     zur Vorbeugung
  10. Sieg bei          |     -- Erklrung des  |     eines allgemeinen
      Mlhausen --      |     Burgfriedens --   |     Moratoriums
      Schlacht bei      |     Ermchtigungs-    |
      Lagarde           |     gesetz            |  9. Grndung der
                        |     -- Bewilligung    |     Reichszentrale
  14. Einmarsch nach    |     eines Fnf-       |     fr
      Serbien           |     Milliarden-       |     Arbeitsnachweise
                        |     Kredits           |
                        |                       | 10. Englisches Gesetz
  20. Besetzung von     |  5. Kriegserklrungen |     zur Bekmpfung der
      Brssel           |     Englands und      |     Lebensmittelpanik
                        |     Belgiens an       |
  20.-27. Schlacht in   |     Deutschland       | 11. Die serbische
      Deutsch-          |                       |     Skuptschina
      Lothringen, Siege |  6. Kriegserklrung   |     nimmt ein
      bei Charleroi,    |     sterreich-       |     zweimonatiges
      Valenciennes und  |     Ungarnsan Ruland |     Moratorium an
      Longwy            |     u. Serbiens       |
  23. Sieg bei Krasnik  |     an Deutschland    | 13. Errichtung der
                        |                       |     Kriegsrohstoff-
  26. Einnahme von      |  7. Kriegserklrung   |     Abteilung --
      Namur und Longwy  |     Montenegros an    |     Zentralstelle fr
      -- Sieg bei       |     sterr.-Ungarn    |     Heeresverpflegung
      Komarw-Samostje  |                       |     gegrndet
      -- Sieg bei       | 11. bzw. 12.          |
      Tannenberg        |     Kriegserklrungen | 15. Panamakanal fr
                        |     Frankreichs       |     den Verkehr von
  26. 27. Sieg bei      |     und Englands an   |     Schiffen mit
      Maubeuge u.       |     sterreich-Ungarn |     nicht mehr als
      Cambrai           |                       |     30 Fu Tiefgang
                        | 13. Belgien lehnt     |     freigegeben
  26.-30. Schlacht bei  |     deutsche          |
      Lemberg           |     Vorschlge wegen  |
                        |     friedlich.        |
  27. Teilweise         |     Durchmarsches ab  |
      Einscherung von  |                       |
      Lwen             | 18. Die belgische     |
                        |     Regierung         |
  28.-30. Sieg bei St.  |     bersiedelt       |
      Quentin           |     nach Le Havre     |
                        |                       |
                        | 19. Ultimatum Japans  |
                        |     an Deutschland    |
                        |                       |
                        | 20. Papst Pius X.     |
                        |     [gestorben].      |
                        |     Nachfolger        |
                        |     Benedikt XIV.     |
                        |                       |
                        | 23. Kriegserklrung   |
                        |     Japans an         |
                        |     Deutschland       |
                        |                       |
                        | 25. Kriegserklrung   |
                        |     sterreich-Ungarns|
                        |     an Japan --       |
                        |     Generalfeldmar-   |
                        |     schall von der    |
                        |     Goltz General-    |
                        |     gouverneur von    |
                        |     Belgien           |
                        |                       |
                        | 27. Kriegserklrung   |
                        |     sterreich-Ungarns|
                        |     an Belgien        |
                        |     -- Neues          |
                        |     Ministerium       |
                        |     Viviani           |
                        |                       |
  =September=           |  =September=          |  =September=
                        |                       |
   1. Sieg in der       |  3. Die franzsische  |  1. Verlngerung
      Champagne -- Sieg |     Regierung         |     des bestehenden
      der Armee         |     bersiedelt       |     englischen
      Auffenberg bei    |     nach Bordeaux     |     Moratoriums
      Komarw           |                       |
                        |  6. Abkommen Englands,| 10. Gesetz ber
   4. Einnahme von      |     Frankreichs und   |     vorbergehende
      Reims             |     Rulands, keinen  |     Erleichterungen
   5.-9. Marneschlacht  |     Sonderfrieden zu  |     auf dem Gebiete
                        |     schlieen         |     des Patent-,
   7. Einnahme von      |                       |     Gebrauchsmuster- u.
      Maubeuge          |  7. Telegrammwechsel  |     Warenzeichenrechts
                        |     zwischen Kaiser   |
   9. Zweite Schlacht   |     Wilh. II. und     | 17. Verlngerung
      bei Lemberg       |     Prsident Wilson  |     des bestehenden
                        |     wegen der         |     belgischen
   8.-11. Sieg bei      |     Verwendung von    |     Moratoriums durch
      Goldap-Angerburg- |     Dumdumgeschossen  |     das deutsche
      Gerdauen          |     durch die         |     Generalgouvernement
                        |     Franzosen         |
  15. Zweit. Vormarsch  |                       | 30. Deutsches
      nach Serbien      | 13. Bethmann Hollwegs |     Zahlungsverbot
                        |     Verffentlichung  |     an England
  22. Weddigen versenkt |     durch Ritzaus     |
      Aboukir,        |     Telegraphenbureau |
      Hogue und       |     gegen England als |
      Cressy          |     Beschtzer der   |
                        |     kleineren Staaten|
                        |                       |
  =Oktober=             |  =Oktober=            |  =Oktober=
                        |                       |
   2. Kmpfe bei Suwalki|  5. u. 7.             |  8. Ergebnis
                        |     Kriegserklrungen |     der 1. deutschen
   3. Sieg bei Augustowo|     Englands und      |     Kriegsanleihe:
                        |     und Belgiens      |     4460701400 M.,
   9. Einnahme von      |     an die Trkei     |     bei 1177235
      Antwerpen         |                       |     Einzelzeichnungen
                        | 10. Knig Karol von   |
  11. Befreiung         |     Rumnien          | 20. Deutsches
      Przemysls         |     [gestorben]       |     Zahlungsverbot
      -- Vormarsch auf  |                       |     geg. Frankreich
      Warschau und      | 13. Verffentlichung  |
      Iwangorod         |     der Brsseler     | 28. Bundesratsverordnung
                        |     Dokumente ber    |     ber die
  14. Einnahme von      |     den belgischen    |     Hchstpreise
      Lille             |     Neutralittsbruch |
                        |                       |
  20.-Ende Dezember     | 25. Deutsche          |
      Kmpfe in Flandern|     Denkschrift ber  |
                        |     die Stellung      |
  23.-31. Kmpfe bei    |     Englands und      |
      Arras-Soissons-   |     Frankreichs zu    |
      Reims             |     der Londoner      |
                        |     Seekriegserklrung|
                        |                       |
  =November=            |  =November=           |  =November=
                        |                       |
   1. Seeschlacht an    |  3. England erklrt   |  Grndung der
     der Coronelkste   |     die ganze Nordsee |  Kriegsgetreide-
                        |     als Kriegsgebiet  |  gesellschaft
   4. Niederlage der    |     -- Einsetzung des |  (endgltige
      Englnder bei     |     Khediven Hussein  |  Form 28. 6. 1915
      Tanga in Ostafrika|     Kemal durch       |  als
                        |     England           |  Reichsgetreide
   7. Tsingtau gefallen |     -- Kriegserklrung|  -stelle)
                        |     Rulands an die   |
  10. Dixmuiden genommen|     Trkei            |  5. Festsetzung von
                        |                       |     Hchstpreisen
  13. u. 14. Sieg bei   |  5. Kriegserklrung   |     fr Hafer
      Wloclawek         |     Frankreichs an    |
                        |     die Trkei        | 23. Festsetzung von
  15. Besetzung von     |                       |     Hchstpreisen
      Valjevo           | 14. Verkndung des    |     fr Kartoffeln
                        |     Heiligen Krieges  |     -- Ergebnis der
  16.-23. Kmpfe an     |     i. Konstantinopel |     1. sterreichisch-
      der Yser          | 19. Der ungarische    |     ungarischen
                        |     Ministerprsident |     Kriegsanleihe:
  23. Durchbruch bei    |     Graf Tisza        |     3376 Millionen
      Bresiny           |     im deutschen      |     Kronen
                        |     Hauptquartier     |
  26. Mackensens Sieg   |                       |
      bei Lodz und      | 28. Freiherr von      |
      Lowicz            |     Bissing           |
                        |     Generalgouverneur |
  26.-30. Kmpfe um     |     von Belgien       |
      La-Basse         |                       |
                        | 28. Ernennung         |
                        |     Hindenburgs zum   |
                        |     Generalfeld-      |
                        |     marschall         |
                        |                       |
  =Dezember=            |  =Dezember=           |  =Dezember=
                        |                       |
   2. Einnahme von      |  1. Verffentlichung  |  Ergebnis der 1.
      Belgrad           |     des franzs.      |  Kriegsanleihe: engl.
                        |     Gelbbuches b. d. |  400 Mill. Pfund
   6. Einnahme von      |     Anfnge d. Krieges|  Sterling
      Lodz              |                       |
      Seeschlacht bei   |  2. Zweite            |  Vertrge des Reichs
      den               |     Kriegstagung      |  mit den
      Falklandsinseln   |     des 8. Deutsch.   |  Stickstoffwerken
                        |     Reichstags;       |  Ludwigshafen und
   9.-12. Schlacht bei  |     der zweite        |  Knapsack
      Limanowa          |     Fnf-Milliarden-  |
                        |     Kredit bewilligt  | 10. Festsetzung von
  14. Rumung von       |     -- Errterung der |     Hchstpreisen
      Belgrad           |     dem Reichstage    |     fr Metalle
                        |     von den           |
  16.-23. Kmpfe in     |     verbndeten       | 19. Vereinheitlichung
      Westflandern      |     Regierungen       |     d. Hchstpreise
                        |     vorgelegten       |     fr Gerste
  19. Beginn d. Kmpfe  |     Denkschrift ber  |     -- Der belgischen
      an der Bzura,     |     wirtschaftliche   |     Nationalbank
      Rawka, Pilica,    |     Maregeln  aus    |     wird das Recht,
      Nida              |     Anla d. Krieges  |     Noten auszugeben,
                        |                       |     vom
  21.-26. Kmpfe in     | 17. England erklrt   |     Generalgouverneur
      der Champagne     |     das Protektorat   |     entzogen
                        |     ber gypten      |
  27.-31. Kmpfe bei    |                       |
      Ypern             | 18. Malmer           |
                        |     Zusammenkunft     |
                        |                       |
                        |                       |
          1915          |        1915           |         1915
                        |                       |
  =Januar=              |  =Januar=             |  =Januar=
                        |                       |
   2. Beginn der        | 13. Baron Burian statt| 13. Zentraleinkaufs-
      Dardanellenkmpfe |     Graf Berchtold    |     gesellschaft
                        |     sterreich.-      |     gegrndet
  12.-14. Schlacht bei  |     ungarischer       |
      Soissons          |     Minister des      | 26. Beschlagnahme
                        |     uern            |     der Getreidevorrte
  19. Hartmannsweiler-  |                       |     in Deutschland
      kopf genomm.      | 17. Erffnung der     |     durch
                        |     internationalen   |     Bundesratsbeschlu
  24. Seetreffen  bei   |     sozial-           |
      Helgoland         |     demokratischen    | 31. Verordnung ber
                        |     Friedenskonferenz |     die Verwendung
  28. Versenkung des    |     in Kopenhagen     |     der Mehlvorrte
      amerikanischen    |                       |
      Schiffes William |                       |
      P. Freye         |                       |
                        |                       |
  Mitte Januar -- Ende  |                       |
  April: Winterschlacht |                       |
  in den Karpathen      |                       |
                        |                       |
  =Februar=             |  =Februar=            |  =Februar=
                        |                       |
  Belfort beschossen    |  1. Dr. Helfferich    |  Errichtung d.
                        |     Reichsschatz-     |  Reichsstickstoffwerke
   7.-15. Winterschlacht|     sekretr          |
      in Masuren        |                       |  Vertrge mit
                        |  4. Denkschrift mit   |  den bayrischen
  18. Beginn der        |     Bekanntmachung    |  Stickstoffwerken
      U-Bootsblockade   |     des U-Boot-       |  und den Lonzawerken
      gegen England     |     Handelskriegs an  |
                        |     die neutralen     |  Unterbindung der
  19.-28. Mrz:         |     und feindlichen   |  Wollausfuhr aus
      Winterschlacht    |     Mchte gesandt    |  Amerika nach
      in der Champagne  |                       |  Deutschland
                        | 12. Amerikanische     |
  24. Einnahme von      |     Protestnote gegen | 15. Bundesratsverordnung
      Prasznysz         |     den U-Boot-       |     ber Einschrnkung
                        |     Handelskrieg      |     der Malzverwendung
                        |                       |     in den
                        | 16. Deutsche Antwort  |     Bierbrauereien
                        |     auf den           |
                        |     amerik. Protest   | 23. Beschlagnahme
                        |                       |     der  Getreide-
                        | 22. Amerik. Note an   |     und Mehlvorrte in
                        |     Deutschland und   |     sterreich-Ungarn
                        |     Engl. z. U-Boot-  |
                        |     Handelskrieg      |
                        |                       |
                        | 28. Deutsche Antwort  |
                        |                       |
  =Mrz=                |  =Mrz=               |  =Mrz=
                        |                       |
   1. Franzsische      |  1. England und       |  9. Beschlagnahme
      Angriffe in der   |     Frankreich        |     der Gerstevorrte,
      Champagne         |     erklren, da sie |     die bei dem
                        |     alle verdchtigen |     einzelnen Besitzer
   9. u. 10. Sieg am    |     Handelsschiffe    |     10 Doppelzentner
      Augustower Wald   |     anhalten wrden   |     bersteigen
                        |                       |
  10.-14. Vergeblicher  | 10. Dritte Kriegs-    | 21. Ergebnis der
      Durchbruchs-      |     tagung d.         |     2. deutsch.
      versuch d.        |     Reichstags        |     Kriegsanleihe:
      Neuve Chapelle    |                       |     9060 Millionen Mark
      Englnder bei     | 13. Englische Antwort |     bei 2691060
      -- Mitte Mrz     |     auf die           |     Einzelzeichnungen
      bis Mitte April:  |     amerikanische Note|
      Osterschlacht in  |     v. 22. Februar    | 25. Verlngerung
      den Karpathen     |                       |     des bestehenden
                        | 23. Greys Rede ber   |     ungarischen
  18.-21. Besetzung     |     den Ursprung      |     Moratoriums
      Memels durch die  |     des Krieges       |
      Russen und deren  |                       | 26. Einfhrung
      Vertreibung       | 30. Note der Neutralen|     eines schrferen
                        |     gegen die         |     Schutzzolltarifes
  20. Karpathenschlacht |     Erklrung Englands|     in Ruland
                        |     und Frankreichs   |
  22. Fall von Przemysl |     v. 1. Mrz 1915   |
                        |                       |
  28. Falaba versenkt |                       |
                        |                       |
  =April=               |  =April=              |  =April=
                        |                       |
   6.-11. Kmpfe um     |  4. Deutsche Note mit | 17. Verlngerung
      die Combreshhe   |     einer Denkschrift |     des franzsischen
                        |     ber die          |     Moratoriums auf
  22. Deutscher Vorsto |     Handhabung der    |     Handelspapiere
      ber den          |     Neutralitt       |
      Yserkanal         |     Amerikas in       | 27. Englisches
                        |     Washington        |     Ausfuhrverbot
  25. Englisch-         |     berreicht        |     fr Rohbaumwolle
      franzsische      |                       |     und Maschine
      Truppen landen    | 22. Amerikanische     |     zur Bearbeitung
      auf Gallipoli     |     Antwortnote:      |     von Metallen
                        |     Staatssekretr    |
  28. Cushing         |     des Auswrtigen   |
      (amerikanisch.    |     Bryan lehnt das   |
      Schiff)           |     vom deutschen     |
      durch Flugzeug    |     Botschafter       |
      angegriffen       |     geforderte        |
                        |     Ausfuhrverbot ab  |
  30. Vorsto nach      |                       |
      Kurland           |                       |
      -- Schlacht       |                       |
      bei Schaulen      |                       |
                        |                       |
  =Mai=                 |  =Mai=                |  =Mai=
                        |                       |
   1. Gulflight       |  4. Italien kndigt d.|  Schaffung  einer
      (amerikanisches   |     Dreibundvertrag   |  Wirtschafts-
      Schiff) versenkt  |                       |  kommission
                        |  8. sterreich-Ungarn |  durch den
   2.-12. Durch-        |     bietet Italien    |  Generalgouverneur
      bruchsschlacht    |     weitgehende       |  von Belgien
      bei               |     Gebietsabtretungen|
      Gorlice-Tarnow    |     an                |
                        |                       |
   7. Lusitania       | 15. berreichung d.   |
      versenkt          |     amerikanischen    |
                        |     Lusitania-Note  |
   8. Einnahme von      |     in Berlin         |
      Libau             |                       |
                        | 18. Vierte            |
  10.-21. Loretto-      |     Kriegstagung      |
      Schlacht.         |     d. Reichstags     |
      Englisch-         |                       |
      franzsische      | 23. Kriegserklrung   |
      Durch-            |     Italiens an       |
      bruchsversuche    |     sterreich-Ungarn |
                        |                       |
  20.-Ende Juli         | 26. sterreich-Ungarn |
      Schlacht b.       |     verffentlicht    |
      Sedd-ul-Bahr und  |     diplomat.         |
      Ari Burun -- Ende |     Aktenstcke       |
      Mai bis Anfang    |     nebst Denkschrift |
      Juni Schlacht bei |     ber die          |
      Stryj             |     Verhandlungen     |
                        |     mit Italien vor d.|
                        |     Kriegserklrung   |
                        |                       |
                        | 28. Deutsche Antwort  |
                        |     auf die           |
                        |     amerikanische     |
                        |     Note vom 15. Mai  |
                        |                       |
  =Juni=                |  =Juni=               |  =Juni=
                        |                       |
   1.-6. Kmpfe bei     |  9. Rcktritt Bryans; | 24. Bundesratsver-
      Arras             |     Lansing           |     ordnung ber den
                        |     Staatssekretr    |     Verkauf von Fleisch
   3. Einnahme von      |     des Auswrtigen   |     und Fettwaren
      Przemysl          |                       |     durch die
                        | 10. Zweite            |     Gemeinden
  15.-21. Kmpfe um     |     amerikanische     |
      die               |     Lusitania-Note  | 26. Anordnung einer
      Grodekstellung    |                       |     Bestandsaufnahme
                        | 24. Englisches        |     von
  22. Einnahme von      |     Munitionsgesetz   |     Verbrauchszucker
      Lemberg           |                       |
                        |                       |
  30.-5. Juli. Erste    |                       |
      Isonzoschlacht    |                       |
                        |                       |
  =Juli=                |  =Juli=               |  =Juli=
                        |                       |
   9. Kapitulation der  |  8. Deutsche Antw. auf| 12. Bekanntmachung ber
      deutschen Truppen |     d. zweite         |     d. Errichtung von
      in Deutsch-       |     Lusitania-Note  |     Vertriebsgesell-
      Sdwestafrika     |                       |     schaften fr den
                        | 20. Englisches Regi-  |     Steinkohlen- und
  13. u. 14. Argonnen-  |     strierungsgesetz  |     Braunkohlenbergbau
      kmpfe            |                       |
                        | 23. Amerikanische     | 14. Ergebnis der 2.
  15. Beginn der        |     Note betreffend   |     englisch. Kriegs-
      deutschen         |     U-Bootkrieg       |     anleihe: 600
      Offensive in      |                       |     Millionen Pfd.
      Polen             | 29. sterreichisch-   |     Sterl. -- Ergebnis
                        |     ungarische Note   |     der 2. sterr.-
  18. Windau besetzt    |     an Amerika wegen  |     ungar.
                        |     der amerikanischen|     Kriegsanleihe:
  18.-27. Zweite        |     Waffenlieferung   |     3820 Mill. Kron.
      Isonzoschlacht    |                       |
                        | 29. u. 31. Verffent- | 23. Festsetzung von
  23. Schlacht bei      |     lichungen der     |     Hchstpreisen fr
      Schaulen          |     Nordd. Allg. Ztg. |     Brotgetreide, Gerste
                        |     aus belgischen    |     u. Hafer --
  28. Weichselbergang  |     Archiven zur      |     Errichtung einer
      zwischen          |     Vorgeschichte des |     Reichsfutter-
      Iwangorod         |     Krieges           |     mittelstelle
      und Warschau --   |                       |
      Kmpfe bei        | 31. Rcktritt d.      |
      Souchez           |     Kabinetts Okuma   |
                        |                       |
  30. Lublin besetzt    |                       |
                        |                       |
  =August=              |  =August=             |  =August=
                        |                       |
   4. Einnahme von      |  4. Fortsetzung der   |  Russisch. Stdtetag
      Warschau          |     Verffentlichung  |  beschliet
                        |     von Aktenstcken  |  Einsetzung eines
   5. Einnahme von      |     aus belgischen    |  Hauptausschusses f.
      Iwangorod         |     Archiven durch die|  d. Versorgung
                        |     Nordd. Allg. Ztg. |  des Landes
  10. Einnahme von      |                       |
      Lomza             | 16. Venizelos wieder  | 20. Reichstagsverhandl.
                        |     Ministerprsident |     ber Stickstoff-
  18. Einnahme von      |                       |     handelsmonopol --
      Kowno -- Arabic | 19. Fnfte            |     Ausmahlungs-
      versenkt          |     Kriegstagung      |     verhltnisse
                        |     d. Reichstags     |     fr Brotgetreide
  19. Ermordung der     |                       |     auf 75 v. H.
      Besatzung  des    | 21. Italiens          |     festges.
      deutschen         |     Kriegserklrung   |
      U-Bootes          |     an die Trkei     | 21. sterr.-ungar.
      U. 27 durch die |                       |     Moratorium fr
      Mannschaften des  | 27. General von       |     Zahlungen nach
      Baralong        |     Beseler           |     d. Ausl. verlng.
                        |     Generalgouverneur |
  20. Einnahme von      |     in Warschau       | 22. Engl. erkl.
      Nowogeorgiewsk    |                       |     Baumwolle z. Bannw.
                        |                       |
  26. Einnahme von      |                       | 31. Ablauf des inneren
      Brest-Litowsk     |                       |     Moratoriums
                        |                       |     i. sterr.-Ungarn
  31. Einnahme von      |                       |
      Luck              |                       |
                        |                       |
  =September=           |  =September=          |  =September=
                        |                       |
  Fehlschlagen der      |  1. Bericht Greys     | 22. Ergebnis der 3.
  russischen            |     ber die deutsch- |     deutsch.
  Durchbruchsversuche   |     englischen        |     Kriegsanleihe:
  in Wolhynien          |     Verhandlungen     |     12030 Mill. Mark
                        |     vom Jahre 1912    |     bei 3966418
   3. Einnahme von      |                       |     Einzelzeichnungen
      Grodno            | 23. Wilson verlangt   |
                        |     Abberufung des    | 25. Bundesratsver-
   8. Einnahme von      |     k. u. k.          |     ordnung zur
      Dubno             |     Botschafters Dumba|     Errichtung von
                        |                       |     Preisprfungs-
  15. Einnahme von      | 28. Grey sagt         |     stellen
      Pinsk             |     unbedingte und    |
                        |     unbeschrnkte     | 28. Aufnahme einer
  18. Einnahme von      |     Hilfe             |     englisch-
      Wilna             |     fr Serbien zu    |     franzsischen
                        |                       |     Anleihe von
  25. Beginn d.         |                       |     2 Milliarden
      Herbstschlacht    |                       |     in Amerika
      im Artois und in  |                       |
      der Champagne     |                       |
                        |                       |
  =Oktober=             |  =Oktober=            |  =Oktober=
                        |                       |
   4.-30. Engl.         |  6. Venizelos tritt   |  1. Verlngerung
      Durchbruchs-      |     zurck; Zaimis    |     des bestehenden
      versuch           |     Ministerprsid.   |     russischen
      bei Ypern und     |                       |     Moratoriums
      Loos -- Vorste  |  7. Bulgarien lehnt   |     auf ein
      der Franzosen     |     das russische     |     weiteres Jahr
      bei Souchez       |     Ultimatum ab      |
                        |                       |  2. Verbot des
   5. Landung englisch- | 14. Bulgariens        |     Verschrotens von
      franzsischer     |     Kriegserklrung   |     Getreide zu
      Truppen in        |     an Serbien        |     Futterzwecken
      Saloniki          |                       |
                        | 15., 16. u. 20.       |  9. Errichtung der
   6. Beginn des neuen  |     Englands,         |     Reichskartoffel-
      Feldzuges gegen   |     Frankreichs,      |     stelle
      Serbien           |     Italiens u.       |
                        |     Rulands          | 21. Festsetzung von
   8. Einnahme von      |     Kriegserklrungen |     Grundpreisen fr
      Belgrad           |     an Bulgarien      |     Butter
                        |                       |
  10.-15. Zurckwerfung | 25. Botschafter von   | 28. Bundesrats-
      der Russen        |     Wangenheim in     |     verordnung zur
      in Ostgalizien    |     Konstantinopel    |     Beschrnkung des
      und Wolhynien     |                       |     Fleisch- u.
                        | 29. In Frankreich     |     Fettverbrauchs
  14. Zeppelinangriff   |     Ministerium       |
      auf London        |     Briand            |
                        |                       |
  18. Beginn der dritt. |                       |
      Isonzoschlacht    |                       |
                        |                       |
  26. Verbindung der    |                       |
      deutsch-          |                       |
      sterreichischen  |                       |
      mit den           |                       |
      bulgarischen      |                       |
      Truppen           |                       |
                        |                       |
  =November=            |  =November=           |  =November=
                        |                       |
  Kmpfe bei Riga       |  5. Amerikanische     |  4. Bundesratsver-
  u. Dnaburg --        |     Note an die       |     ordnungen ber
  Schlacht an der       |     Entente gegen     |     Milchpreise und
  Strypa                |     deren             |     Milchverbrauch,
                        |     Seekriegfhrung   |     ber Preise fr
   1.-4. Kmpfe bei     |                       |     Schlachtschweine
      Czartorysk        |  6. Skuludis          |     und Schweinefleisch
      (Wolhynien)       |     griechischer      |
                        |     Ministerprsident | 19. Ergebnis der 3.
   5. Einn. von Nisch   |                       |     sterreich.-ung.
                        |                       |     Kriegsanleihe:
  10. Beginn d. vierten | 15. Graf Wolff        |     6173 Millionen
      Isonzoschlacht    |     Metternich        |     Kronen
                        |     deutscher         |
  19. Die Serben vom    |     Botschafter in    |
      letzten Stck     |     Konstantinopel    |
      serbischen Bodens |     -- Erffnung der  |
      vertrieben        |     Warschauer        |
                        |     Hochschule        |
  22. Schwere Kmpfe    |                       |
      bei Ktesiphon     | 20. Italien tritt dem |
                        |     Londoner Abkommen |
  23. u. 24. Schlacht   |     bei, keinen       |
      a. d. Amselfelde  |     Sonderfrieden     |
      -- Einnahme von   |     zu schlieen      |
      Mitrowitza und    |                       |
      Pristina          |                       |
                        |                       |
  =Dezember=            |  =Dezember=           |  =Dezember=
                        |                       |
   4. Einnahme von      |  9. Sechste           |  8. Einfhrung von
      Monastir          |     Kriegstagung      |     Butter- und
                        |     d. Reichstages.   |     Fettkarten.
   7. Einn. von Ipek    |     Reichskanzlerrede |     Ergebnis der
                        |     ber die Friedens-|     1. franzsischen
  13. Beendigung des    |     mglichkeiten     |     Kriegsanleihe
      serb. Feldzuges   |                       |     (Emprunt de la
                        | 10. Deutschland beruft|     victoire): 15139
  19. Rumung der       |     den Militr-      |     Milliarden Frcs.
      Nordseite von     |     und Marineattach |
      Gallipoli durch   |     auf Ersuchen      | 16. Verordnung ber
      die Englnder     |     Amerikas ab       |     die Bereitung
      und Franzosen     |                       |     von Kuchen und
                        | 22. Zehn-Milliarden-  |     ber die
  24.-5. Jan. 1916.     |     Kredit v.         |     Herstellung
      Neujahrsschlacht  |     Reichstag         |     von Sigkeiten
      in Ostgalizien    |     bewilligt         |     und Schokolade
      und der Bukowina  |                       |
                        |                       |
  30. Feindl.           |                       |
      Fliegerangriff    |                       |
      a. Ostende        |                       |
                        |                       |
                        |                       |
          1916          |         1916          |          1916
                        |                       |
  =Januar=              |  =Januar=             |  =Januar=
                        |                       |
   8. u. 9. Rumung     |  4. Englisches        |  8. 1. Sitzg. d. Beirats
      Gallipolis durch  |     Weibuch ber die |     f. Volksernhrg.
      die Englnder     |     Maregeln im      |
      und Franzosen     |     Wirtschaftskrieg  | 15. Abfahrt des ersten
                        |     gegen Deutschland |     Balkanzuges
  10. Erstrmung des    |                       |     von Berlin und
      Lowtschen         | 16. Kapitulation      |     Mnchen
                        |     Montenegros       | 17. u. 18. Mittel-
  13. Unterwerfung      |                       |     europische
      Montenegros       | 18. Kaiser Wilhelm    |     Wirtschafts-
                        |     und Zar Ferdinand |     konferenz
  29.-31. Luftangriffe  |     von Bulgarien     |     in Dresden
      auf Paris und     |     in Nisch          |
      das englische     |                       | 25. Festsetzung von
      Industriegebiet   |                       |     Hchstpreisen
                        |                       |     fr Gemse
                        |                       |
  =Februar=             |  =Februar=            |  =Februar=
                        |                       |
   6. Ganz Kamerun      |  1. Reichsratsmitglied|  1. Beschlagnahme der
      vom Feinde        |     Strmer statt     |     Bekleidungsstoffe
      besetzt           |     Goremkyin russ.   |
                        |     Ministerprsident |  7. Verordnung ber
   9. Kmpfe bei        |                       |     die Einfuhr von
      Souchez           |  8. Denkschrift       |     Kartoffeln
                        |     Deutschlands u.   |
  10.-11. Seegefecht    |     sterreich-Ungarns|  9. Neuregelung
      an der Doggerbank |     an die            |     der Preise fr
                        |     Neutralen ber    |     Schlachtschweine und
  16. Einnahme von      |     die Behandlung    |     Schweinefleisch
      Erzerum durch     |     bewaffneter       |     und der Versorgung
      die Russen        |     Handelsschiffe    |     m. frischem
                        |                       |     Schweinefleisch
  19. Burengeneral      | 23. Asquiths Rede     |
      Smuts beginnt     |     ber englische    |
      den Angriff auf   |     Friedensziele im  |
      Deutsch-Ostafrika |     Unterhaus:        |
                        |     Vernichtung       |
  21. Beginn des        |     der militrischen |
      Angriffs          |     Herrschaft        |
      auf Verdun        |     Preuens          |
                        |                       |
  26. Erstrmung der    |                       |
      Panzerfeste       |                       |
      Douaumont         |                       |
                        |                       |
  =Mrz=                |  =Mrz=               |  =Mrz=
                        |                       |
   2. Dorf Douaumont    |  3. Resolution Gore   |  2. Bekanntmachg.
      genommen          |     im amerikanischen |     ber die
                        |     Senat             |     Preisfestsetzung bei
   6. Luftangriff auf   |                       |     Enteignung von
      die englische     |  9. Deutschlands      |     Kartoffeln
      Ostkste          |     Kriegserklrung   |
                        |     an Portugal       | 20. Errichtung der
  14. Erstrmung des    |                       |     Reichsbeklei-
      Toten Mann      | 11. Admiral von       |     dungsstelle
                        |     Capelle statt von |
  15.-20. Fnfte        |     Tirpitz           | 22. Ergebnis der 4.
      Isonzoschlacht -- |     Reichsmarine-     |     deutschen
      Frhjahrsschlacht |     sekretr          |     Kriegsanleihe:
      1916              |                       |     10767 Milliarden
      auf der Ostfront  | 15. Siebente          |     bei 5279645
                        |     Kriegstagung      |     Einzelzeichnungen
  16.-30. Durch-        |     d. Reichstages    |
      bruchsversuch d.  |                       | 27. Errichtung der
      Russen zwischen   | 23. Englische         |     Reichsfleischstelle
      Jakobstadt und    |     Ablehnung         |
      der Beresina      |     des Lansingschen  |
                        |     Vorschlags        |
  20. Seegefecht bei    |                       |
      Zeebrgge         | 24. Spaltung der      |
                        |     sozial-           |
  24. Sussex versenkt |     demokratischen    |
                        |     Reichstagsfraktion|
  27. Sprengung der     |                       |
      deutschen         | 25. Amerikanisches    |
      Stellung          |     Memorandum        |
      bei St. Eloi      |     zur Frage der     |
      -- Deutscher      |     Behandlung        |
      Luftangriff auf   |     bewaffneter       |
      Saloniki          |     Handelsschiffe    |
                        |                       |
  =April=               |  =April=              |  =April=
                        |                       |
   1.-6. Luftangriffe   |  5. Kriegszielrede    |  4. Verordnungen
      auf England und   |     Bethmann Hollwegs |     ber die Benutzung
      die Kanalkste    |     im Reichstag      |     von Grundstcken
                        |                       |     stdtischen
   2. Brussilow statt   |  7. Deutsches         |     Charakters
      Iwanow Ober-      |     Handelsvertrags-  |     zu landwirtschaftl.
      befehlshaber an   |     abkommen mit      |     u. grtnerischen
      der wolhynisch-   |     Rumnien          |     Zwecken
      galizischen Front |                       |
                        | 14. sterreichisch-   | 12. Festsetzung von
  18. Einnahme          |     ungarischer       |     Hchstpreisen
      Trapezunts        |     Minister des      |     fr die Kriegsdauer
      durch die Russen  |     uern            |     in Frankreich
                        |     Burian in Berlin  |     beschlossen
  24.-25. Luftangriff   |     (Polnische Frage) |
      auf London        |                       | 15. Errichtung der
                        | 20. Sussex-Note       |     Reichsbrannt-
  28. Kapitulation      |     Amerikas an       |     weinstelle
      Townshends in     |     Deutschland       |
      Kut-el-Amara      |                       | 18. Errichtung der
                        | 24. Englische Antwort |     Kriegswirt-
                        |     auf die           |     schaftsstelle
                        |     amerikanische Note|     fr das deutsche
                        |     vom 5. Nov. 1915  |     Zeitungsgewerbe
                        |                       |
  =Mai=                 |  =Mai=                |  =Mai=
                        |                       |
   4. Luftangriffe auf  |  4. Deutsche          |  1. Preisfestsetzung
      die englische     |     Antwortnote       |     fr Fische
      Ostkste          |     zum Sussex-Fall   | 22. Errichtung des
                        |     macht uerstes   |     Kriegsernhrungs-
  15. Beginn der        |     Zugestndnis      |     amts -- Ergebn.
      sterreichisch-   |                       |     d. 4. sterr.-
      ungarischen       | 10. Amerikas Antwort  |     ungar.
      Offensive         |     nimmt die         |     Kriegsanleihe:
      in Sdtirol       |     deutsche Erklrung|     6520 Millionen
                        |     v. 4. Mai an      |     Kronen
  24. Erstrmung von    |                       |
      Cumires          | 17. Englisches        | 29. Runderla an die
                        |     Wehrpflichtgesetz |     Regierungs-
  30. Einnahme von      |     im Unterhaus      |     prsidenten gegen
      Asiago und        |     angenommen        |     die ausschlieliche
      Arsiero           |                       |     Versorgung
      -- Erstrmung     | 22. Dr. Helfferich    |     einzelner
      der Hhe 304      |     Staatssekretr    |     Landesteile
                        |     des Innern und    |     mit Lebensmitteln
  31. Seeschlacht am    |     Stellvertreter des|     zuungunsten
      Skagerrak         |     Reichskanzlers    |     d. Grostdte u.
                        |                       |     Industriegebiete
                        |                       |
                        |  =Mai-Juli=           |
                        |                       |
                        |  Novelle zum          |
                        |  Vereinsgesetz        |
                        |                       |
  =Juni=                |  =Juni=               |  =Juni=
                        |                       |
   4. Beginn der groen |  5. Annahme der       |  8. Verbot des Abteufens
      russischen        |     Kriegssteuervor-  |     v. neuen
      Offensive in      |     lagen             |     Kalischchten
      Wolhynien und     |                       |
      Galizien          |  7. Neuer Kriegskredit| 14.-17. Wirtschafts-
                        |     von 12 Milliarden |     konferenz des
  12. Rumung der       |     bewilligt         |     Vierverbands in
      Linie Asiago und  |                       |     Paris
      Arsiero           | 11. Rcktritt         |
                        |     Salandras; Boselli| 29. Beschrnkung
  16. Beginn von        |     italienischer     |     von Neu- und
      Linsingens        |     Ministerprsident |     Erweiterungsbauten
      Gegenoffensive    |                       |     von Zementfabriken
      in Wolhynien      | 18. Stellvertretender |
                        |     Generalstabschef  |
  23. Erstrmung des    |     Helmut Moltke     |
      Panzerwerks       |     [gestorben]       |
      Thiaumont         |                       |
                        | 22. Ultimatum des     |
                        |     Vierverbands an   |
                        |     Griechenland      |
                        |                       |
  =Juli=                |  =Juli=               |  =Juli=
                        |                       |
   1. Beginn der        |  6. Lloyd  George     |  6. Verbot der Einfuhr
      englisch-         |     englischer        |     entbehrlicher
      franzsischen     |     Kriegsminister    |     Gegenstnde
      Offensive         |                       |
      an der Somme      |  7. Bndnisvertrag    | 10. U-Deutschland
      -- Fortdauer der  |     zwischen  Ruland |     in Baltimore
      Kmpfe vor Verdun |     und Japan         |     angekommen
      und der           |     -- England und    |
      Russenangriffe    |     Frankreich teilen | 21. Verordnung
      in Wolhynien      |     den Neutralen mit,|     betreffend
      und an der        |     da sie sich nicht|     Seifenfabrikation
      nrdlichen Front  |     mehr an die       |     und -handel
      -- Kmpfe bei     |     Londoner          |
      Kolomea           |     Deklaration       |
                        |     halten gebunden   |
                        |                       |
  =August=              |  =August=             |  =August=
                        |                       |
   6.-9. Sechste        | 10.-13. Reichskanzler |  3. Bestellung eines
      Isonzoschlacht    |     Bethmann          |     Reichskommissars
                        |     Hollweg und       |     fr bergangs-
   8. Die Italiener     |     Staatssekretr    |     wirtschaft
      besetzen Grz     |     des Auswrtigen   |     (Senator
                        |     Jagow in Wien     |     Dr. Sthamer)
   9. Russki Oberbe-    |     (Polnische Frage) |
      fehlshaber an der |                       |  7. Einfuhrverbot
      russischen        | 26. Italiens          |     fr Tabak
      Nordfront         |     Kriegserklrung an|
                        |     Deutschland       | 23. Denkschrift des
  29. Hindenburg        |                       |     Vereins deutscher
      Generalstabschef, | 27. Rumniens         |     Eisenhttenleute
      Ludendorff Erster |     Kriegserklrung an|     (Munitionserzeugung
      General-          |     sterreich-Ungarn |     betreffend)
      quartiermeister   |                       |     -- U-Deutschland
                        | 28. u. 31. Kriegser-  |     zurckgekehrt
  31. Hermannstadt      |     klrungen         |
      gerumt           |     Deutschlands      | 26. Einfhrung der
                        |     und der Trkei    |     Reichsfleischkarte
                        |    an Rumnien        |
                        |                       |
  =September=           |  =September=          |  =September=
                        |                       |
   1. Fortdauer der     |  1. Kriegserklrung   | 20. Deutsch-
      Sommeschlacht     |     Bulgariens  an    |     schweizerisches
      -- Beginn der     |     Rumnien          |     Warenaustausch-
      Dobrudscha-       |                       |     abkommen
      offensive         | 28. Achte             |
                        |     Kriegstagung      | 25. Grndung des
   6. Einnahme von      |     d. Reichstages    |     russischen
      Tutrakan          |                       |     Zentralkomitees fr
                        | 29. von Khlmann      |     Lebensmittelver-
   9. Einnahme von      |     Botschafter in    |     sorgung in
      Silistria         |     Konstantinopel    |     Petersburg
                        |                       |
  14.-19.  Siebente     |                       |
      Isonzoschlacht    |                       |
                        |                       |
  29. Sieg bei          |                       |
      Hermannstadt      |                       |
                        |                       |
  =Oktober=             |  =Oktober=            |  =Oktober=
                        |                       |
  Fortdauer d. Somme-   |  8. Japanisches       |  5. Ergebnis der 5.
  schlacht              |     Kabinett Terauchi |     deutsch. Kriegs-
                        |                       |     anleihe: 10699
  Anfang Oktober:       | 21. sterreichischer  |     Milliarden Mark
  Achte                 |     Ministerprsid.   |     bei 3809976
  Isonzoschlacht        |     Graf Strgkh      |     Einzelzeichnungen
                        |     ermordet          |
   8. Einnahme von      |                       | 12. Erricht. v.
      Kronstadt         | 23. Greys Presserede  |     Ernhrungsmtern in
                        |                       |     sterr. u. Ungarn
  23. Einnahme von      | 27. Der  Reichstag    |
      Constantza        |     bewilligt weitere | 21. Bespr. d. Staats-
                        |     12 Milliarden     |     sekr. Dr. Helffe-
  25. Einnahme von      |     Kriegskredite     |     rich m. d. bundes-
      Czernavoda        |                       |     staatlich. Regier.
                        | 30. Generalmajor      |     ber d. Fragen d.
                        |     Grner Leiter des |     Volksernhrung
                        |     neuen  Kriegsamtes|
                        |                       |
  =November=            |  =November=           |  =November=
                        |                       |
   1. Fortdauer  der    |  5. Zwei-Kaiser-      |  1. Errichtung des
      Sommeschlacht     |     Proklamation      |     Kriegsamts
                        |     erklrt Polen fr |
  Anfang Nov.: Neunte   |     autonomen Staat   |  9. Ergebnis der 2.
  Isonzoschlacht        |                       |     franzsischen
                        |  6. Neuwahl Wilsons   |     Kriegsanleihe:
  11. Durchbruch bei    |     zum Prsidenten   |     11-1/3 Milliarden
      Targu Jui         |     der Vereinigten   |     Francs.
                        |     Staaten           |
  15. Alle Luftkriegs-  |                       | 15. u. 16. Lebens-
      mittel werden     | 13. Generalgouverneur |     mitteldebatte im
      einem Kommand.   |     Beselers          |     englischen
      General der       |     Verordnung ber   |     Unterhause
      Luftstreit-       |     die Bildung eines |
      krfte           |     Staatsrats und    |
      unterstellt       |     eines Vereinigten |
                        |     Landtags im       |
  18. Rumung  von      |     Knigreich Polen  |
      Monastir          |                       |
                        |                       |
  21. Einn. v. Kraiova  | 21. Kaiser Franz      |
                        |     Josef [gestorben] |
  23. Donaubergang     |                       |
      bei Swistow --    | 24. Zimmermann        |
      Flottenvorsto    |     Staatssekretr d. |
      geg. die          |     Auswrtigen an    |
      Themsemndung     |     Stelle von Jagow  |
                        |                       |
  29. Russisch-         | 29. Admiral Jellicoe  |
      rumnische        |     Erster Seelord    |
      Gegenoffensive    |                       |
      an der            |                       |
      siebenb. Ostfront |                       |
                        |                       |
  =Dezember=            |  =Dezember=           |  =Dezember=
                        |                       |
  Vormarsch in der      |  6. Asquith u. Grey   |  2. Annahme  des
  Dobrudscha --         |     treten zurck     |     Hilfsdienstgesetzes
  Kmpfe an der         |                       |     im Reichstag
  Maas und bei          | 10. Lloyd George      |     -- Erhhung der
  Verdun                |     englischer        |     Mindeststze der
                        |    Ministerprsident  |     Untersttzung
   1.-3. Schlacht am    |                       |     von Familien in den
      Argesul           | 12. Friedensnote der  |     Dienst eingetretener
                        |     Mittelmchte an   |     Mannschaften
   6. Einnahme von      |     die Alliierten    |     -- Ergebnis der
      Bukarest          |                       |  5. sterreichisch-
                        | 13.-19. Antworten     |     ungarischen
  13. Nivelle Oberbe-   |     der Alliierten    |     Kriegsanleihe:
      fehlshaber an     |                       |     6767 Millionen
      Stelle Joffres    | 21. Amerikanische     |     Kronen
                        |     Friedensnote      |
  22.-27. Durch-        |                       | 14. Verordnung
      bruchsschlacht    | 22. Graf Czernin      |     betreffend
      von Rimnicu-      |     sterreichisch-   |     Stempelpflicht
      Sarat             |     ungarischer       |     auslndischer
      -- Artillerie-    |     Minister des      |     Wertpapiere
      kmpfe bei Ypern  |     Auswrtigen       |
      und im            |     -- Neue Denk-     |
      Wytschaetebogen   |     schrift des       |
                        |     Admiralstabs      |
                        |     zum U-Bootkrieg   |
                        |     -- Wilsons        |
                        |     Senatsbotschaft zu|
                        |     den Antworten d.  |
                        |     kriegfhrenden    |
                        |     Gruppen           |
                        |                       |
                        | 26. Deutsche Antwort  |
                        |     auf die           |
                        |     amerikanische     |
                        |     Friedensnote      |
                        |                       |
                        | 30. Gemeinsame Antwort|
                        |     der Entente       |
                        |     auf die deutsche  |
                        |     Friedensnote v.   |
                        |     12. Dezember      |
                        |                       |
                        |                       |
          1917          |         1917          |         1917
                        |                       |
  =Januar=              |  =Januar=             |  =Januar=
                        |                       |
  Kmpfe an der Ancre   |  6. Festmahl  der     | 15. Bundesratsbeschlu
  und Somme und bei     |     amerikanischen    |     ber Festsetzung
  bei Verdun            |     Handelskammer     |     v. Kursen
                        |     in Berlin         |     fr Wertpapiere
   4. Einnahme von      |                       |
      Braila            |  6.-7. Graf Czernin   | 18. Der sterr.
                        |     in Berlin         |     Ministerprs.
   4.-8. Schlacht an    |                       |     Clam. Martinitz
      der Putna         | 10. Gemeinsame Antwort|     und der ungar.
                        |     der Entente auf   |     Ministerprs.
   6. Einnahme von      |     die amerikanische |     Graf Tisza         |
      Focsani           |     Friedensnote      |     in Berlin zur Be-
                        |                       |     sprech. kriegs-
  24. Deutscher Vorsto | 31. berreichung      |     wirtsch. Fragen
      bei Mitau         |     der deutschen     |     -- Ernennung
                        |     U-Bootnote        |     eines Reichskom-
  Im Januar             |     -- Telegramm      |     missars fr Stick-
  439500 Tonnen         |     an Bernstorff     |     stoffwirtschaft
  versenkt (insgesamt   |                       |
  5 Millionen Tonnen)   |                       |
                        |                       |
  =Februar=             |  =Februar=            |  =Februar=
                        |                       |
  Kmpfe an der Ancre   |  3. Abbruch der       | 16. Ergebnis der 3.
  und Somme und         |     diplomatischen    |     englischen
  bei Verdun            |     Beziehungen       |     Kriegsanleihe:
                        |     Amerikas          |     1000312950
  12. Niederlage der    |     zu Deutschland    |     Lstr. neues Geld
      Italiener im      |                       |
      Czernabogen       | 19. Unterstaats-      | 17. Staatssekretr
                        |     sekretr          |     Dr. Helfferichs
  14. Fliegerangriff    |     Michaelis         |     Rede in der 45.
      auf Dnkirchen    |     preuischer       |     Vollvers. d. Deut-
                        |     Ernhrungs-       |     schen Landwirt-
  25. Kmpfe a. d. Aa   |     kommissar         |     schaftsrats ber
                        |                       |     die Bedeutung
  26. Deutsch. Vorst.   | 23. Der  Reichstag    |     der Landwirtschaft
      i. d. Themsemnd. |     bewilligt weitere |     im Kriege
                        |     15 Milliarden     |
  27. Kut-el-Amara      |     Kriegskredite     | 24. Bekanntm. b. d.
      von den           |                       |     Regelung d.
      Englndern        | 26. Botschaft Wilsons |     Verkehrs
      besetzt           |     an den Senat      |     mit Kohle
                        |                       |
  Im Februar            |                       |
  781500 Tonnen         |                       |
  versenkt              |                       |
                        |                       |
  =Mrz=                |  =Mrz=               |  =Mrz=
                        |                       |
  11. Einnahme von      | 12. Ausbruch  der     |  2. Beginn der Debatte
      Bagdad durch      |     Revolution  in    |     der italienischen
      die Englnder     |     Petersburg        |     Kammer ber die
                        |                       |     wirtschaftliche
  15. Strategischer     | 13. Provisorische     |     Notlage Italiens
      Rckzug auf die   |     russische         |
      Siegfriedstellung |     Regierung         |  5. Interpellation im
                        |     -- Frst Lwoff    |     russisch. Reichsrat
  15.-26. Kmpfe bei    |     Ministerprsident |     ber die
      Monastir          |                       |     katastrophale
                        | 14. Rede Bethmann     |     Verkehrsnot
  27. Alexejew          |     Hollwegs im       |
      russischer        |     Abgeordnetenhaus  | 13. Einfhrung von
      Oberbefehlshaber  |     ber innerpoli-   |     Fleisch-, Fett-,
      -- Englische      |     tische Reformen   |     Zucker-, Mehl-
      Niederlage bei    |                       |     und Brotkarten
      Gaza              | 22. In Frankreich     |     in Italien
                        |     Ministerium Ribot |
  Im Mrz 885000        |                       | 24. Verbot der Einf.
  Tonnen versenkt       | 31. Brief Karls I. an |     von Auslandswaren
                        |     seinen Schwager   |     in Frankr.
                        |     Sixtus            |
                        |                       |
  =April=               |  =April=              |  =April=
                        |                       |
   3. Einnahme des      |  2. Wilsons           |  2. Beratung in der
      Brckenkopfes     |     Kongrebotschaft  |     franzsischen
      von Topoly        |     ber die russische|     Kammer  ber
      (Stochod)         |     Revolution        |     die Einfhrung
                        |                       |     von Hchstpreisen
   9. Beginn der engl.- |  2.-3. Das sterrei-  |     fr Getreide
      franzs.          |     chische Kaiserpaar|
      Frhjahrs-        |     und Czernin       |  5. Verbot der Einfuhr
      offensive         |     im deutschen      |     von Auslandswaren
      im Westen --      |     Hauptquartier     |     in Italien
      Schlacht b. Arras |                       |
                        |  5. Amerikanische     |  9. Einfhrung des
  14. Englischer        |     Erklrung des     |     Staatsmonopols fr
      Fliegerangriff    |     Kriegszustandes   |     den Getreidehandel
      auf Freiburg      |     mit Deutschland   |     in Ruland
      i. B.             |                       |
                        |  7. Osterbotsch.    | 10. Plan des
  16.-21. Schlacht an   |     des Kaisers       |     amerikanischen
      der Aisne und in  |                       |     Schiffahrts-
      der Champagne     | 11. u. 14. Brasilien  |     departements,
                        |     u. Bolivia brech. |     eine Flotte von
  19. Beendigung des    |     die diplomatischen|     1000 Holzschiffen
      Rckzuges auf d.  |     Beziehungen zu    |     zu 3000 Tonnen
      Siegfriedstellung |     Deutschland ab    |     zu bauen
      -- Englische      |                       |
      Niederlage bei    | 14. Russische         | 15. Bestandsaufnahme
      Gaza              |     Arbeiter-         |     des Brotgetreides
                        |     u. Soldatenrte   |     in Frankreich
  21. Deutsch. Vorsto  |     fr allgemeinen   |
      in den Kanal u.   |     Frieden ohne      | 18. Ergebnis der 6.
      die Themsemndung |     Annexionen und    |     deutschen
                        |     Entschdigungen   |     Kriegsanleihe:
  22. Deutsche          |     -- Handschreiben  |     13122069600
      Torpedoboote      |     Karls I.          |     Mark bei 6768082
      beschieen        |     an Wilhelm II.    |     Einzelzeichnungen
      Dnkirchen        |     -- Geheimbericht  |
                        |     d. Graf. Czernin  |
  23.-25. Zweite        |                       |
      Arrasschlacht     | 20. Resolution der    |
                        |     deutsch. Sozial-  |
  27. Deutscher Vorsto |     demokraten        |
      in die            |     entsprechend der  |
      Themsemndung     |     russischen vom    |
                        |     14. dieses Monats |
  28. Dritte            |                       |
      Arrasschlacht     | 26. Aufruf General    |
                        |     Grners an die    |
                        |     Rstungsarbeiter  |
  Im April 1091000      |                       |
  Tonnen versenkt       | 29. Einfhrung der    |
                        |     allgemeinen       |
                        |     Wehrpflicht in    |
                        |     Amerika --        |
                        |     Sieben-Milliard.- |
                        |     Dollar-Kredit     |
                        |                       |
  =Mai=                 |  =Mai=                |  =Mai=
                        |                       |
   3. Vierter englisch. |  2. Konstituierung    |  Debatte in der
      Durchbruchs-      |     des Verfassungs-  |  franzsischen
      versuch           |     ausschusses       |  Kammer ber die
      bei Arras         |                       |  Lebensmittel-
                        |  4. Erwiderung des    |  versorgung
  14.-29. Zehnte        |     Reichskanzlers    |
      Isonzoschlacht    |     auf den Czernin-  |  2. Aufruf d. Knigs
                        |     schen             |     von England an
  24.-25. Luftangriffe  |     Geheimbericht     |     das Volk zur
      auf England       |                       |     Verringerung des
                        | 17. Czernin im        |     Brotverbrauchs
  Im Mai 869000         |     deutschen         |
  Tonnen versenkt       |     Hauptquartier     |  4. Bestandsaufnahme
                        |     in Kreuznach      |     der Getreide-, Mais-
                        |                       |     und Mehlvorrte
                        |                       |     in Italien
                        |                       |
  =Juni=                |  =Juni=               |  =Juni=
                        |                       |
   7. Durchbruchs-      |  5. u. 7. San Domingo |  Ergebnis der 6. ster-
      versuch der       |     u. Hati brechen  |  reichisch.-ungar.
      Englnder am      |     die Beziehgn. zu  |  Kriegsanleihe:
      Wytschaetebogen   |     Deutschland ab    |  7689 Millionen
                        |                       |  Kronen
  10. Italien.          | 11. Knig Konstantin  |
      Offensive bei     |     dankt ab --       | 23. Ergebnis der
      Asiago und im     |     In Spanien konser-|     amerikanischen
      Suganatal         |     vatives           |     Freiheitsanleihe:
                        |     Ministerium Dato  |     3035226850 Doll.
  Ende Juni             |                       |
  Kerenski-             | 22. In sterreich     |
  Offensive             |     provisorisch.     |
                        |     Beamtenkabinett   |
  Im Juni               |     Seidler           |
  1016000 Tonnen        |                       |
  versenkt              |                       |
                        |                       |
  =Juli=                |  =Juli=               |  =Juli=
                        |                       |
   1.-11. Kornilows     |  6. Erzbergers Vorsto|  7. Errterung ber
      Offensive in      |     im Hauptausschu  |     das Ernhrungswesen
      Ostgalizien       |                       |     im sterreichischen
                        |  9. u. 11. Kronrat    |     Abgeordnetenhause
   7. Luftangriff auf   |     und Order ber das|
      London            |     gleiche Wahlrecht |  8. Die amerikanische
                        |                       |     Ausfuhr wird unter
  19. Durchbruch der    | 14. Dr.  Michaelis    |     Regierungskontrolle
      russischen Front  |     Reichskanzler     |     gestellt
      zwischen Sereth   |                       |
      und Slota Lipa    | 18. v. Khlmann       |
                        |     Staatssekretr    |
  25. Einnahme von      |     des Auswrtigen   |
      Tarnopol          |                       |
                        | 19. Friedensresolution|
  26. Einnahme von      |     des Reichstags    |
      Kolomea           |                       |
                        | 25. England tritt fr |
  31. Beginn der ersten |     Frankreichs An-   |
      Flandernschlacht  |     sprche auf Elsa-|
                        |     Lothringen ein -- |
  Im Juli               |     Ablehnung einer   |
  811000 Tonnen         |     englischen        |
  versenkt              |     Friedensresolution|
                        |     im Unterhaus      |
                        |                       |
  =August=              |  =August=             |  =August=
                        |                       |
   1. Kornilow russ.    | 14. Czernin in Berlin | 14. Erhhung der
      Oberbefehlshab.   |     -- sterreich     |     Lebensmittelrationen
                        |     erklrt sich      |     (Mehlprodukte)
   3. Befreiung von     |     desinteressiert   |     in sterr.
      Czernowitz        |     an Polen          |
                        |     (einschlielich   | 16. Lloyd George
   6.-14. Schlacht in   |     Galiziens), falls |     weist im Unterhause
      der Moldau        |     Deutschland       |     auf die
                        |     bereit, auf       |     Notwendigkeit
  14. sterreichisch-   |     Elsa-Lothringen  |     grter Sparsamkeit
      ungarischer       |     zu verzichten --  |     im Verbrauch der
      Fliegerangriff    |     Chinas Kriegs-    |     Lebensmittel hin
      auf Venedig       |     erklrung an      |
                        |     Deutschland       | 22. Grndung einer
  15.-25. Englische     |                       |     schwedisch-
      Massenstrme      | 21. Graf Bernstorff   |     russischen
      bei Lens          |     Botschafter  in   |     Handelskammer
                        |     Konstantinopel    |
  16. Beginn der        |                       | 25. Der russische
      zweiten           | 22. Beginn der neuen  |     Finanzminister
      Flandernschlacht  |     Kanzlerkrise      |     Bernatzki verlangt
                        |     (Michaelis) --    |     Arbeit bis
  16.-25. Schlacht bei  |     Siebener-        |     zum Hchstma
      Verdun            |     Kommission des   |     aller Krfte,
                        |     Reichstags        |     Ruland sei fr
  19. Beginn der elften |     eingesetzt        |     das sozialistische
      Isonzoschlacht    |                       |     Regime noch
                        | 31. Wilsons Ablehnung |     nicht reif
  Im August             |     der Papstnote     |
  808000 Tonnen         |                       |
  versenkt              |                        |
                        |                       |
  =September=           |  =September=          |  =September=
                        |                       |
   3. Einnahme v. Riga  |  Anfang: Grndung der |  4. Beschlu des
                        |  Vaterlandspartei     |     englischen
   8. Kornilow          |                       |     Gewerkschafts-
      abgesetzt         | 12. Deutschland       |     kongresses zugunst.
                        |     gesteht den Polen |     des Freihandels
  20. Beginn d. Herbst- |     einen Regent-     |     nach dem Kriege
      schlachten in     |     schaftsrat, ein   |
      Flandern          |     Ministerium und   |  5. Einfhrung der
                        |     einen erweiterten |     Kohlenkarte in
  29. Luftangriff auf   |     Staatsrat zu      |     sterreich-Ungarn
      Dnkirchen        |                       |
                        |                       | 28. Die russische
  Im September          | 21. Deutsche Antwort  |     Regierung nimmt
  672000 Tonnen         |     auf die Papstnote |     den Entwurf eines
  versenkt              |     vom 1. August --  |     Zuckermonopols an
                        |     Stockholmer       |
                        |     Sozialisten-      |
                        |     Konferenz         |
                        |                       |
  =Oktober=             |  =Oktober=            |  =Oktober=
                        |                       |
  12.-16. Besetzung     |  2. Friedensrede      | 20. Ergebnis der 7.
      der Inseln sel   |     Czernins          |     deutsch.
      und Moon          |     in Budapest       |     Kriegsanleihe:
                        |                       |     12,5 Milliarden
  19.-21. Besetzung     |  6. Interpellation    |     Mark bei
      der Insel Dag    |     ber alldeutsche  |     5213373 Einzel-
                        |     Agitation i. Heer |     zeichnungen
  22. Schlacht am       |                       |
      Chemin des Dames  |  9. Michaelis und     |
                        |     Capelle ber das  |
  24. Beginn der        |     Komplott in der   |
      deutsch-          |     Marine u. die     |
      sterreichisch.   |     Unabhngigen      |
      Offensive am      |     Sozialdemokraten  |
      oberen Isonzo     |     -- Khlmanns Rede |
                        |     im Reichstag      |
  28. Grz              |     (Elsa-Lothringen:|
      zurckerobert     |     Niemals!)         |
                        |                       |
  29. Einnahme von      | 23. Vertreter der     |
      Udine             |     Mehrheitsparteien |
                        |     beim Chef         |
  31. Umfassungs-       |     d. Zivilkabinetts |
      schlacht          |     wegen Kanzler-    |
      am Tagliamento    |     wechsels          |
                        |                       |
  Im Oktober            | 26. Entlassungsgesuch |
  674000 Tonnen         |     des Reichskanzl.  |
  versenkt              |     Michaelis         |
                        |                       |
  =November=            |  =November=           |  =November=
                        |                       |
   2. Zurcknahme       |  1. Entlassung        |  8. Ergebnis der 2.
      der deutschen     |     Michaelis'        |     amerikanischen
      Front am Chemin   |     genehmigt         |     Anleihe:
      des Dames         |     -- Graf Hertling  |     4617 Millionen
                        |     Reichskanzler     |     Dollars
   7. Einnahme von      |                       |
      Gaza durch die    |  5. Kronrat ber die  | 20. Herabsetzung d.+
      Englnder         |     Polnische Frage   |     Malzkontingents
                        |                       |     der Bierbrauereien
   9. Deutsche und      |  6. Czernin in Berlin |     auf 10 Prozent
      sterreicher am   |                       |
      Piave             |  7. Neue russische    |
                        |     Revolution        |
  10. Der italienische  |     (Regierung        |
      Oberbefehlshab.   |      des Rates der    |
      Cadorna durch     |     Volkskommissare)  |
      General Diaz      |                       |
      ersetzt           |  8. Kerenski          |
                        |     gestrzt          |
  17. Englischer        |                       |
      Flottenvorsto    |  9. Helfferichs       |
      in die Deutsche   |     Abschied genehmigt|
      Bucht             |     -- von Payer      |
                        |     stellv. Reichs-   |
  20.-29. Englischer    |     kanzler           |
      Durchbruchs-      |                       |
      versuch           | 16. Ministerium       |
      bei Cambrai       |     Clemenceau        |
                        |                       |
  Im November           | 23. Verffentlichung  |
  607000 Tonnen         |     der Geheimvertrge|
  versenkt              |     Rulands mit      |
                        |     seinen Verbndeten|
                        |                       |
                        | 30. Landsdownes       |
                        |     Brief             |
                        |                       |
  =Dezember=            |  =Dezember=           |  =Dezember=
                        |                       |
   4.-6. Eroberung d.   |  1. Fnfzehn          |  Ergebnis der
      Meletta-Massivs   |     Milliarden        |  3. franzsischen
                        |     Kriegskredite     |  Kriegsanleihe: 10276
   5. Erfolgreicher     |     v. Reichstag      |  Milliard. Francs.
      deutscher         |     bewilligt         |
      Gegensto         |                       |  4. Festsetzung der
      bei Cambrai       |  3. Beginn der Waffen-|     Brotration in
                        |     stillstands-      |     Frankreich
   9. Jerusalem von     |     verhandlungen     |
      den Trken        |     in Brest-Litowsk  | 21. Beratung des
      gerumt           |  7. Amerikas Kriegs-  |     Ernhrungsamts
                        |     erklrung an      |     ber Maregeln
  Im Dezember           |     sterreich-Ungarn |     zur Bekmpfung des
  702000 Tonnen         |                       |     Schleichhandels
  versenkt              | 11. Litauen           |
                        |     proklamiert seine |
                        |     Selbstndigkeit   |
                        |                       |
                        | 16. Waffenstillstand  |
                        |     mit Ruland       |
                        |     unterzeichnet     |
                        |                       |
                        | 22. Beginn der        |
                        |     Friedens-         |
                        |     verhandlungen     |
                        |     in Brest-Litowsk  |
                        |                       |
                        |                       |
          1918          |         1918          |          1918
                        |                       |
  =Januar=              |  =Januar=             |  =Januar=
                        |                       |
   5. Ergnzung der     |  5. Lloyd Georges     |  Ergebnis der 7.
      deutschen Sperr-  |     Rede vor den      |  sterr.-ungar.
      gebietserklrung  |     englischen        |  Kriegsanleihe:
      vom 31. Januar    |     Gewerkschafts-    |  9644 Millionen
      1917              |     vertretern        |  Kronen
                        |                       |
  29. Italienische      |  8. Wilsons Botschaft | 18. Hungerrevolten
      Angriffe im       |     an den Kongre    |     in Petersburg
      Gebiet der Sieben |     (Die 14 Punkte)   |     und Moskau
      Gemeinden         |                       |
                        |  9. Wiederaufnahme    | 24. Ernennung des
  29.-31. Luftangriffe  |     der Friedensver-  |     Reichsausschusses
      auf London und    |     handlungen in     |     zur Wieder-
      Paris             |     Brest-Litowsk     |     herstellung der
                        |     (Trotzki)         |     deutschen
  Im Januar             |                       |     Handelsflotte
  632000 Tonnen         | 11. Wilsons Kongre-  |
  versenkt              |     rede (14 Punkte)  |
                        |                       |
                        | 22. Sprengung der     |
                        |     russischen        |
                        |     Nationalver-      |
                        |     sammlung durch    |
                        |     die Bolschewiki   |
                        |                       |
                        | 27. Streik in         |
                        |     Gro-Berlin       |
                        |                       |
  =Februar=             |  =Februar=            |  =Februar=
                        |                       |
  17. Luftangriff auf   |  9. Friedensvertrag   |  3. Der Zentralexe-
      London u. Dover   |     des Vierbundes    |     kutivausschu
      -- Beginn d.      |     mit der Ukraine   |     in Petersburg
      deutschen         |                       |     beschliet die
      Vormarsches in    | 10. Einseitige        |     Annullierung der
       Groruland      |     Friedenserklrung |     Kriegsanleihen
      u. d. Ukraine     |     Trotzkis          |
                        |     -- Abbruch der    | 16. Alle Ein- und
  19. Einnahme von      |     Verhandlungen     |     Ausfuhr in Amerika
      Dnaburg und      |                       |     unterliegt
      Luck              | 13. Kronrat in        |     ab 16. Februar
                        |     Homburg           |     der Kontrolle des
  23. Rckkehr des      |                       |     Kriegshandelsamts
      Hilfskreuzers     | 19. 10. Kriegstagung  |
      Wolf            |     des Reichstages   | 25. Einfhrung der
                        |                       |     Fleischkarte in
  25. Pernau, Dorpat,   | 20. Russischer        |     London
      Reval und Pleskau |     Funkspruch:       |
      besetzt           |     Annahme der       |
                        |     Friedens-         |
  Im Februar            |     bedingungen des   |
  680000 Tonnen         |     Vierbundes        |
  versenkt              |                       |
                        |                       |
  =Mrz=                |  =Mrz=               |  =Mrz=
                        |                       |
   1. Befreiung von     |  3. Der Friedens-     |  Beschlagnahme der
      Kiew              |     vertragm. Ruland |  hollndischen
                        |     unterzeichnet     |  Handelsschiffflotte
   4. Einnahme von      |                       |  durch den
      Narwa             |  5. Neuer Friedens-   |  Vierverband
      -- Einstellung    |     brief             |
      des deutschen     |     Lord Landsdownes  |
      Vormarsches in    |                       |
      Groruland       |  7. Friedensvertrag   |
                        |     mit Finnland      |
  12. Luftangriff auf   |                       |
      England           |  8. Der kurlndische  |
                        |     Landesrat wnscht |
  13. Einnahme von      |     Anschlu an       |
      Odessa            |     Deutschland       |
                        |                       |
  21. Beginn der        | 15. Hofrat Lammaschs  |
      deutschen         |     Herrenhausrede    |
      Offensive im      |     gegen das Bndnis |
      Westen zwischen   |     mit Deutschland   |
      Scarpe und Oise   |                       |
                        | 16. Der Hauptausschu |
  22. Beginn der        |     des Reichstags    |
      Fernbeschieung   |     beschftigt sich  |
      von Paris         |     mit der           |
                        |     Denkschrift des   |
  23. Einnahme von      |     Frsten Lichnowsky|
      Pronne           |                       |
                        | 19. Neuer 15-Milliar- |
  24. Einnahme von      |     denkredit vom     |
      Bapaume           |     Reichstag         |
                        |     bewilligt         |
  26. Einnahme von      |                       |
      Albert u. Noyon   | 23. Anerkennung       |
                        |     Litauens          |
  27. Einnahme von      |     als freier        |
      Montdidier        |     und unabhngiger  |
                        |     Staat durch       |
  31. Englische Nie-    |     Deutschland       |
      derlage am Jordan |                       |
                        |                       |
  Im Mrz               |                       |
  689000 Tonnen         |                       |
  versenkt              |                       |
                        |                       |
  =April=               |  =April=              |  =April=
                        |                       |
   2. Landung deutscher |  6. Joffe diploma-    |
      Truppen           |     tischerVertreter  |
      in Finnland       |     der russischen    |
                        |     Sowjetrepublik    |
  11. Einnahme von      |     in Berlin         |
      Armentires       |                       |
                        | 14. Graf Czernins     |
  22.-23. Erfolgloser   |     Rcktritt         |
      englischer        |                       |
      Sperrangriff      | 18. Graf Mirbach      |
      auf Ostende       |     deutscher diplo-  |
      und Zeebrgge     |     matisher Vertreter|
                        |     in Moskau         |
  25. Erstrmung des    |                       |
      Kemmelberges      | 21. Der vereinigte    |
                        |     Landesrat von     |
  Im April              |     Livland, Estland, |
  652000 Tonnen         |     Riga und sel     |
  versenkt              |     wnscht Anschlu  |
                        |     an Deutschland    |
                        |                       |
  =Mai=                 |  =Mai=                |  =Mai=
                        |                       |
   3. Niederlage der    | 22. Friedensoffensive-|  Ergebnis der 3.
      finnischen Roten  |     Artikel in        |  amerikanischen
      Garde bei         |     der Kreuzzeitung  |  Freiheitsanleihe:
      Tawastehus        |                       |  4170019659
                        |                       |  Dollar
   4. Neue Niederlage   |                       |
      der Englnder     |                       |  4. Deutsch-
      am Jordan         |                       |     hollndisches
                        |                       |     Wirtschafts-Abkommen
  27. Beginn der        |                       |
      Schlacht zwischen |                       | 18. Ergebnis der 8.
      Aisne und Marne   |                       |     deutsch.
      -- Erstrmung des |                       |     Kriegsanleihe:
      Damenweges        |                       |     15001425400
                        |                       |     Mark
  29. Einnahme von      |                       |
      Soissons          |                       | 22. Deutsch-
                        |                       |     schweizerisch.
  Im Mai                |                       |     Wirtsch.-Abkommen
  614000 Tonnen         |                       |
  versenkt              |                       |
                        |                       |
  =Juni=                |  =Juni=               |  =Juni=
                        |                       |
  15. sterreichische   | 24. Khlmanns Rede    |
      Offensive in      |     im Reichstag ber |
      Norditalien und   |     die Unmglichkeit |
      Rckzug           |     der rein          |
                        |     militrischen     |
  Im Juni               |     Beendigung des    |
  521000 Tonnen         |     Kriegs            |
  versenkt              |                       |
                        |                       |
  =Juli=                |  =Juli=               |  =Juli=
                        |                       |
  15. Neue Offensive    |  4. Bukarester        | 18. Ergebnis der 8.
      an der Marne und  |      Friedensvertrag  |     sterr.-ungar.
      in der Champagne  |      unterzeichnet    |     Kriegsanleihe:
                        |                       |     5763,4 Millionen
  18. Beginn der        |  6. Graf Mirbach      |     Kronen
      Gegenoffensive    |     ermordet          |
      der Entente       |                       |  Ergebnis der
      Aisne-Marne       |  8. Admiral von Hintze|  englischen
                        |     Staatssekretr    |  Siegesanleihe:
  30. Feldmarschall     |     des Auswrtigen   |  708 Mill.
      von Eichhorn in   |                       |  Pfund Sterling
      Kiew ermordet     | 25. Helfferich        |
                        |      Nachfolger des   |
  Im Juli               |     Grafen Mirbach    |
  550000 Tonnen         |     in Moskau         |
  versenkt              |                       |
                        |                       |
  =August=              |  =August=             |  =August=
                        |                       |
   2. Soissons gerumt  |  6. Verlegung der     |
                        |     deutschen         |
   8. Erfolgreiche      |     Botschaft         |
      englische         |     von Moskau        |
      Offensive         |     nach Petersburg   |
      zwischen Ancre    |     -- Helfferich     |
      und Oise --       |     zur mndlichen    |
      Montdidier        |     Berichterstattung |
      gerumt           |     nach              |
                        |     Berlin gerufen    |
  18. Ententeoffensive  |                       |
      zwischen Oise     | 27. Deutsch-russ.     |
      und Aisne         |     Zusatzvertrge    |
                        |     unterzeichnet     |
  20. Englische         |                       |
      Offensive         | 30. Helfferich ersucht|
      b. Bapaume        |     um seine          |
                        |     Entlassung        |
  31. Der Kemmelberg    |     von dem Posten des|
      gerumt           |     diplomatischen    |
                        |     Vertreters b. d.  |
  Im August             |     Sowjetregierung   |
  420000 Tonnen         |                       |
  versenkt              |                       |
                        |                       |
  =September=           |  =September=          |  =September=
                        |                       |
  12. Amerikanische     |  7. Talaat Pascha in  |
      Offensive bei     |     Berlin            |
      Verdun            |                       |
                        | 14. Friedensnote des  |
  15. Ententeoffensive  |     Grafen Burian     |
      in Mazedonien     |                       |
                        | 17. Wilsons u.        |
  19. Englische         |     Balfours Antwort  |
      Offensive in      |                       |
      Palstina         | 18. Clemenceaus       |
                        |     Antwort           |
  26. Ententeoffensive  |                       |
      Champagne-        | 26. Bulgarien bittet  |
      Argonnen          |     um Waffenstill-   |
                        |     stand             |
  29. Waffenstillstand  |                       |
      zwisch. d.        | 30. Graf Hertlings    |
      Entente und       |     Rcktritt -- Erla|
      Bulgarien         |     des Kaisers       |
                        |     (Demokratisierung)|
  Im September          |                       |
  440000 Tonnen         |                       |
  versenkt              |                       |
                        |                       |
  =Oktober=             |  =Oktober=            |  =Oktober=
                        |                       |
   2. Damaskus          |  3. Prinz Max v. Baden|
      gefallen          |     Reichskanzl.      |
      -- Armentires    |                       |
      und Lens gerumt  |  5. Deutsche Friedens-|
                        |     und Waffenstill-  |
   3. Cambrai und St.   |     standsnote an     |
      Quentin gerumt   |     Wilson            |
                        |                       |
  14. Die Italiener in  |  8. Wilsons Antwort   |
      Durazzo           |                       |
                        | 12. Deutsche Note     |
  19. Flandrische       |     an Wilson         |
      Kste u. Brgge   |     (uneingeschrnkte |
      gerumt           |     Annahme der       |
                        |     14 Punkte)        |
  24. Italienische      |                       |
      Angriffe im       | 14. Weitere Note      |
      Gebirge und am    |     Wilsons, Forderung|
      Piave             |     der Einstellung   |
                        |     des U-Bootkriegs, |
  26. Aleppo besetzt    |     deutliche         |
                        |     Anspielung auf    |
  30. sterreich-Ungarn |     Abdankung des     |
      rumt das         |     Kaisers           |
      besetzte Gebiet   |                       |
                        | 17. Manifest Karls I. |
  31. Waffenstillstand  |     An meine getreuen|
      zwischen der      |     Vlker           |
      Entente und der   |                       |
      Trkei            | 20. Deutsche Antwort  |
                        |     an Wilson:        |
                        |     Einstellung       |
                        |     des U-Bootkriegs, |
                        |     Hinweis auf die   |
                        |     grundlegenden     |
                        |     innern Reformen   |
                        |                       |
                        | 23. Note Wilsons:     |
                        |     Bereitschaft,     |
                        |     Frage des         |
                        |     Waffenstillstands |
                        |     mit seinen        |
                        |     Verbndeten       |
                        |     zu beraten        |
                        |                       |
                        | 26. Ludendorff zur    |
                        |     Disposition       |
                        |     gestellt          |
                        |                       |
                        | 27. Deutsche          |
                        |     Antwortnote       |
                        |                       |
                        | 28. Andrassys Sonder- |
                        |     friedensangebot   |
                        |     an Wilson --      |
                        |     Kaiser Wilhelms   |
                        |     Erla ber die    |
                        |     neue Regierung    |
                        |                       |
                        | 30. Zerfall           |
                        |     sterreich-Ungarns|
                        |     in Teilstaaten    |
                        |                       |
                        | 31. Kapitulation der  |
                        |     Trkei            |
                        |                       |
  =November=            |  =November=           |  =November=
                        |                       |
   1. Grner an Stelle  |  3. Waffenstillstand  |  Ergebnis der 9.
      Ludendorffs       |     sterreich-Ungarns|  deutschen
      Erster General-   |     mit den           |  Kriegsanleihe:
      quartiermeister   |     Alliierten --     |  10434 Millionen
                        |     Aufruhr in Kiel   |  Mark bei 2717657
   7. Beginn der        |                       |  Einzelzeichnungen
      Waffenstill-      |  5. Wilsons  Antwort: |
      zwischenstands-   |     Die Alliierten zu |
      verhandl.         |     Waffenstillstands-|
      Deutschland und   |     verhandlungen     |
      der Entente       |     bereit            |
                        |                       |
  11. Unterzeichnung    |  6. Abreise der       |
      des Waffenstill-  |     deutschen         |
      stands            |     Waffenstillstands-|
                        |     bevollmchtigten  |
                        |                       |
                        |  7. Revolution in     |
                        |     Mnchen           |
                        |                       |
                        |  9. Verkndigung      |
                        |     der Abdankung     |
                        |     des Kaisers und   |
                        |     des Kronprinzen   |
                        |     -- Sieg der       |
                        |     Revolution        |
                        |     in Berlin         |

                    *       *       *       *       *




                           Personenverzeichnis


  Abdul Hamid, Sultan. I, 66, 125.

  Aehrenthal, Graf, sterreichisch-ungarischer Minister des Auswrtigen.
    I, 67f.

  Alexejew, russischer General. III, 465ff.

  Andrassy, Graf, sterreich.-ungar. Minister des Auswrtigen. II, 102,
    III, 554ff.

  Armand, Graf, Major. III, 145, 391f.

  Asquith, engl. Premierminister. I, 23, 100f., 207.

  Auguste Viktoria, Deutsche Kaiserin. II, 176.

  Avarescu, rumnischer General und Ministerprsident. III, 302.


  Bachmann, Admiral, Chef des Admiralstabs. II, 322, 325.

  Balfour, engl. Minister des Auswrtigen. I, 130, III, 148, 373, 391,
    517, 591ff.

  Bassermann, Abgeordneter. II, 161.

  Bassewitz, Graf, Legationsrat. III, 461.

  Bathurst, Unterstaatssekretr des englisch. Kriegsernhrungsamtes. III,
    37.

  von Batocki, Prsident des Kriegsernhrungsamtes. II, 179ff., III, 87.

  Bauer, Staatssekretr des Reichsarbeitsamtes. III, 531.

  Beldiman, rumnischer Gesandter. III, 299.

  Benckendorff, Graf, russischer Botschafter. I, 94, 158.

  Benedikt XV., Papst. III, 147, 164, 581ff.

  Berchtold, Graf, sterreich.-ungar. Minister des Auswrtigen. I, 105,
    107f., 202, 204f.

  Bernstorff, Graf, deutscher Botschafter. II, 323, 350, 359, 417ff.,
    421ff.

  von Beseler, General, Generalgouverneur in Warschau. III, 52ff.

  von Bethmann Hollweg, Reichskanzler. I, 74f., 88f., 204ff., II, 58,
    68, 82ff., 95, 100, 103f., 112ff., 162f., 176, 179, 254f., 258,
    261, 266, 290f., 294ff., 302ff., 329f., 335ff., 341ff., 349ff.,
    359ff., 383, 388ff., 396ff., 408ff., III, 24, 50, 70f., 84,
    97, 110, 117ff., 123ff., 130ff., 578, 582.

  Beyens, Baron, belgischer Gesandter. I, 161.

  Bismarck, Reichskanzler. I, 13ff., 32f., 47ff., II, 392.

  Bonar Law, konservativer Fhrer. I, 220; engl. Schatzkanzler. III, 148.

  Botkin, Sekretr der russischen Botschaft. I, 103.

  Bratianu, rumnischer Ministerprsident. II, 78, 102.

  Breitenbach, Eisenbahnminister. II, 176, 262, 269; Vizeprsident des
    preuischen Staatsministeriums. III, 171, 208.

  Briand, franzsischer Ministerprsident. II, 368, 372, 375.

  Buchanan, engl. Botschafter. I, 201, 210.

  Blow, Frst, Reichskanzler. I, 18, 33, 35f., 52, 60, 68, II, 67f.,
    70f., III, 208, 214.

  Burian, Baron, sterreich.-ungar. Minister des Auswrtigen. II, 268,
    357, III, 50, 513f.


  Cambon, Jules, franzsischer Botschafter. I, 79, 157.

  Cambon, Paul, franzs. Botschafter. I, 80, 157, 202, 219ff.

  Campbell-Bannermann, Sir Henry, engl. Ministerprsident. I, 23.

  Canevaro, italienischer Minister des Auswrtigen. I, 28.

  von Capelle, Admiral, Staatssekretr des Reichsmarineamts. II, 337,
    341, 380ff., III, 106f., 110, 161, 195ff.

  Carol, Knig von Rumnien. II, 13, 77f.

  Carp, Peter, rumnischer Staatsmann. III, 299.

  Carranza, Prsident von Mexiko. II, 362, III, 107.

  Carson, engl. Marineminister. III, 147.

  Cassel, Sir Ernest. I, 134f.

  Chamberlain, Josef, engl. Kolonialminister. I, 17, 127.

  Churchill, Erster Seelord. I, 207; Marineminister. II, 61.

  Clausewitz, General von. II, 285.

  Clemenceau, franz. Ministerprsident. III, 65, 145, 239, 392, 409, 516.

  Cohn, Abgeordneter. I, 183, III, 151.

  Conrad von Htzendorff, sterreich.-ungar. Generalstabschef. I, 177,
    II, 101.

  Constans, franzs. Botschafter. I, 124, 127.

  Czernin, Graf, sterreich.-ungar. Minister des Auswrtigen. II, 88,
    398, III, 44f., 61ff., 67ff., 114, 145, 162ff., 178, 218ff., 245ff.,
    281ff., 304, 378ff., 578ff.


  Dr. David, Abgeordneter. III, 108f., 116, 125, 425;
    Unterstaatssekretr. III, 530.

  Davydoff, Prsident der Russischen Bank. I, 103f., 189ff.

  Delbrck, Staatssekretr des Innern. II, 175f., III, 75.

  Delcass, franz. Minister des Auswrtigen. I, 19, 21f., 79, 130.

  Denikin, russischer General. III, 465ff.

  Dernburg, Staatssekretr. II, 150.

  Dittmann, Abgeordneter. III, 90, 193ff., 557.

  Djavid Bey, trkischer Finanzminister. II, 88, 174.

  Doumergue, franz. Minister des Auswrtigen. I, 157.

  von Dusch, badischer Ministerprsident. II, 168.

  Dutow, russischer General. III, 465.


  Ebert, Abgeordneter. III, 82, 105ff., 116, 119, 161, 199, 540, 568.

  Eduard VII., Knig von England. I, 20, 26f., 74, 118.

  von Eichhorn, Feldmarschall. III, 344, 482ff.

  von Einem, General, Kriegsminister. II, 136.

  Eisner, Kurt, bayr. Ministerprsident. I, 177.

  Enver Pascha, trkischer Kriegsminister. I, 110, II, 60, 88.

  Erzberger, Abgeordneter. II, 163, III, 52, 79, 105ff., 146, 157;
    Staatssekretr. III, 551, 559, 577ff.

  de L'Escaille, belgischer Geschftstrger. I, 210.


  von Falkenhausen, Generaloberst, Generalgouverneur von Belgien. III,
    171.

  Falkenhayn, Generalstabschef. II, 58f., 71, 82f., 89, 95f., 100ff.,
    105, 254, 330, 336, 343.

  Fehrenbach, Abgeordneter. III, 124, 127.

  Ferdinand, Knig von Bulgarien. II, 89, III, 519.

  Ferdinand, Knig von Rumnien. III, 301.

  Fisher, Lord John, Erster Seelord. II, 61.

  Foch, franzsischer Marschall. III, 403, 551, 569.

  Franz Ferdinand, Erzherzog. I, 169.

  Franz Joseph, Kaiser von sterreich-Ungarn. I, 179, 182.

  Dr. Friedberg, Abgeordneter. III, 217ff., Vizeprsident des Preu.
    Staatsministeriums. III, 430.

  Friedrich Wilhelm, Deutscher Kronprinz. III, 119ff., 171f., 279f.,
    563, 566f., 570.

  Friedrich, Erzherzog. I, 177.


  Geddes, Sir Auckland, englisch. Rekrutierungsminister. III, 375.

  Georg V., Knig von England. I, 156f., 182.

  Gerard, amerikanischer Botschafter. II, 81, 307, II, 338f., 342ff.,
    350ff., 359f., 401ff., III, 149.

  von der Goltz, Generalfeldmarschall. I, 160; Generalgouverneur. II,
    112.

  Gore, amerikanischer Senator. II, 333.

  von Grvenitz, Unterstaatssekretr in der Reichskanzlei. III, 159f.

  Greindl, Baron, belgischer Gesandter. I, 27.

  Grew, amerikanischer Geschftstrger. II, 353.

  Grey, Sir Edward, Abgeordneter. I, 19; Staatssekretr des Auswrtigen.
    I, 21ff., 55, 71, 79, 85, 89, 96, 100, 120, 143, 156f., 163f., 201ff.,
    210ff., 218ff., II, 355f.

  Dr. Grber, Abgeordneter. III, 425.

  Grner, General. II, 258, 260ff., 268f., 278; Generalquartiermeister.
    III, 552.

  van Grootven, belgischer Gesandter. I, 21.

  Guillaume, Baron, belgischer Gesandter. I, 162f.

  von Gwinner, Direktor der Deutschen Bank. I, 106, 137.


  Haase, Abgeordneter. III, 74, 81, 193.

  Haber, Geheimrat. II, 117.

  Haimerle, Baron, sterr.-ungar. Botschaftsrat. I, 176.

  Hakki Pascha, Growesir. I, 137, 143, 148f.

  Haldane, Lord, englischer Kriegsminister. I, 23, 87ff., 142.

  Harden, Maximilian. III, 361.

  Harmsworth, engl. Unterstaatssekretr d. Auswrtigen. III, 587.

  Hartwich, russischer Gesandter. I, 96.

  Harwey, Sir Paul, englischer Diplomat. I, 109.

  Haumann, Abgeordneter. III, 207, 220ff.; Staatssekretr, III, 530.

  Havenstein, Reichsbankprsident. II, 22, 33, 113, 142.

  Henderson, englischer Arbeiterfhrer. III, 148.

  Hergt, preuischer Finanzminister. III, 159.

  Hertling, Graf, bayrischer Ministerprsident. II, 167; Reichskanzler.
    III, 202ff., 234ff., 335, 378ff., 390ff., 418ff., 514ff., 525f., 562.

  Hindenburg, General. II, 20, 75, 99ff., 105f.; Chef des Generalstabs
    des Feldheeres. II, 254f., 258f., 357, 381f., 392ff., 397, 403ff.,
    III, 116, 123, 129ff., 171, 218, 279, 499, 525, 536ff., 546f., 550,
    590.

  von Hintze, Staatssekretr des Auswrtigen. III, 428, 434f., 450, 460,
    476, 488f., 514ff., 525f.

  Hoch, Abgeordneter. III, 108ff., 116.

  Hoffmann, Generalmajor. III, 259, 275f., 278f., 289.

  Hoffmann, Abgeordneter. III, 116.

  Hohenlohe, Prinz, sterreichisch-ungarischer Botschafter. III, 126.

  von Holtzendorff, Admiral, Chef des Admiralstabs. II, 325, 336, 341,
    381, III, 171.

  Holubowitsch, ukrainischer Staatssekretr. III, 281.

  House, Oberst. II, 417.

  Humbert, franzsischer Senator. III, 151.

  Hussarek, sterreichischer Ministerprsident. III, 554.


  Ickler, Abgeordneter. II, 269ff.

  Iswolski, russischer Minister des Auswrtigen. I, 26, 96, 109, 157,
    161, 163f., 190, 203.


  von Jagow, Staatssekretr des Auswrtigen. I, 106, II, 83, 106, 351
   ff., III, 50f.

  Januschkewitsch, russischer Generalstabschef. I, 198, 209.

  Joffe, russischer diplomatischer Vertreter. III, 260, 338, 442, 448,
    469, 489, 494f.

  Joffre, Marschall, franzsischer Oberbefehlshaber. II, 73, 92.

  Johann Albrecht, Herzog. II, 89.


  Kamkow, russischer Sozialrevolutionr. III, 469.

  Karachan, russischer Volkskommissar. III, 487.

  Karl I., Kaiser von sterreich-Ungarn. III, 55, 61, 65, 141ff., 299,
    552, 578ff.

  Karl Stefan, Erzherzog. III, 55, 65, 67.

  Kemal Bey, Ghalib, trkischer Diplomat. III, 483.

  Kerenski, russischer Kriegs- und Marineminister. III, 26f., 239.

  Keler, Graf Harry. III, 469.

  Kiderlen-Wchter, Staatssekretr des Auswrtigen. I, 73f., 79ff., 93f.,
    96ff., 105.

  von Koch, Admiral. II, 381.

  Kokowzoff, russischer Minister des Innern. I, 198.

  Konstantin, Knig von Griechenland. II, 79f., 95, III, 22.

  Krasnow, russischer General. III, 445, 465ff.

  Dr. von Krause, preuischer Justizminister. III, 158.

  von Kre, General. III, 347.

  Dr. Kriege, Ministerialdirektor im Auswrtigen Amt. III, 476, 489.

  Krupp von Bohlen und Halbach. II, 254.

  von Khlmann, Botschafter. I, 143; Staatssekretr des Auswrtigen. III,
    157, 159, 163, 168ff., 178f., 208, 215, 217ff., 258ff., 279f., 356,
    418ff., 433f., 589f., 593.

  Khn, Reichsschatzsekretr. II, 113.


  von Lancken-Wakenitz, Freiherr, Botschaftsrat. I, 106.

  Landsberg, Abgeordneter. III, 185ff.

  Landsdowne, Lord. I, 220, III, 355ff.

  Lansing, amerikanischer Staatssekretr des Auswrtigen. II, 323, 325
   ff., 334.

  Lee, Arthur, Zivillord der britischen Admiralitt. I, 54.

  Legien, Abgeordneter. II, 270.

  Lenin, Prsident der Bolschewikiregierung. III, 240f., 294.

  Lentze, preuischer Finanzminister. II, 119.

  Leopold von Bayern, Prinz, Oberbefehlshaber Ost. III, 248.

  Lerchenfeld, Graf, bayrischer Gesandter. II, 101, III, 209.

  Lichnowsky, Frst, deutscher Botschafter. I, 143, 177, 203, 213ff.

  Liebknecht, Abgeordneter. III, 557.

  Liman von Sanders, General. I, 160.

  List, Abgeordneter. III, 124.

  Lloyd George, englischer Ministerprsident. I, 55ff., 83ff., 220, II,
    368, III, 142ff., 356ff., 376ff., 578.

  Lohmann, Bremer Grokaufmann. II, 129ff.

  Ludendorff, General. II, 20, 99; 1. Generalquartiermeister. II, 103,
    106, 255, 260, 265, 280, 381, 392ff., 397, III, 116, 123, 125ff.,
    171, 218, 238, 279, 421, 499ff., 525, 534ff., 546, 550ff.

  Ludwig, Knig von Bayern. II, 101.

  Lwoff, Frst, russischer Ministerprsident. III, 23.

  von Lyncker, General, Chef des Militrkabinetts. III, 129.


  Mac Donald, englischer Abgeordneter. III, 148.

  Majorescu, rumnischer Politiker. II, 88.

  Malinoff, bulgarischer Ministerprsident. III, 509, 521.

  Mankiewitz, Direktor der Deutschen Bank. I, 189.

  Marghiloman, rumnischer Ministerprsident. III, 302ff.

  Marschall von Bieberstein, Freiherr, Deutscher Botschafter. I, 66ff.,
    93, 127, 142f.

  Max von Baden, Prinz. III, 208; Reichskanzler und preuischer Minister
    des Auswrtigen. III, 527ff., 545, 557, 567ff., 570.

  Mensdorff, Graf, sterreich.-ungarischer Botschafter. III, 65.

  Mertin, Abgeordneter. III, 125.

  Michaelis, Reichskanzler. II, 182, III, 131ff., 153ff., 162ff.,
    181ff., 194ff., 590.

  Miljukow, russischer Minister des Auswrtigen. III, 23, 474.

  Mirbach, Graf, deutscher Gesandter. III, 442ff., 446ff., 456ff.

  von Moltke, Generaloberst. II, 17ff., 58.

  Dr. Mhlon, Direktor bei Krupp. I, 177.

  von Mller, Admiral, Chef des Marinekabinetts. II, 409.

  Mller, August, Unterstaatssekretr im Kriegsernhrungsamt. III, 159.

  Murawiew, russischer General, Oberbefehlshaber der Roten Garde. III,
    458.


  Naumann, Abgeordneter. III, 52, 199, 324.

  Nicolai Nikolajewitsch, Grofrst. I, 97.

  Nicolson, Sir Arthur, englischer Botschafter. I, 70, 96, 221.

  Nikolas O'Conor, englischer Botschafter. I, 128.

  Nikolaus II., Zar von Ruland. I, 27, 74, 95, 182ff., 199, 209.

  Noske, Abgeordneter. III, 108.


  Oberndorff, Graf, deutscher Gesandter. II, 89.

  Orlando, italienischer Ministerprsident. III, 363.


  Pacelli, Nuntius. III, 147, 149, 582, 586ff.

  Painlev, franzsischer Ministerprsident. III, 175.

  Dr. Pasche, Abgeordneter. III, 90.

  von Payer, Abgeordneter. II, 273ff., III, 116, 125ff., 133, 218ff.,
    433, 498; Vizekanzler. III, 528ff., 568.

  Pichon, franzsischer Minister des Auswrtigen. I, 139, III, 362, 377,
    517.

  Poincar, franzsischer Ministerprsident. I, 99f.; franzsischer
    Prsident. I, 156, III, 66f., 141ff.

  Pokrowsky, russischer Minister des Auswrtigen. II, 368.

  Pourtals, Graf, deutscher Botschafter. I, 197ff.

  Pritsch, Generalkonsul. I, 106.


  Radek, russischer Volkskommissar. III, 461, 469, 488ff.

  Randa, Oberst. III, 299.

  Reading, Lord, englischer Botschafter. III, 401.

  von Rechenberg, Freiherr, Abgeordneter. III, 52.

  Revertera, Graf, sterreichischer Legationsrat. III, 145, 392.

  Revoil, Generaldirektor der Ottomanischen Bank. I, 139ff.

  Ribot, franzsischer Minister des Auswrtigen. III, 67, 71, 142ff.,
    148, 176, 577ff.

  Dr. Riezler, Geheimer Legationsrat. III, 456, 461, 481.

  Rizoff, bulgarischer Gesandter. III, 126.

  Roedern, Graf, Reichsschatzsekretr. III, 103, 113, 161, 220ff., 522,
    525ff., 534.

  Rosebery, Lord, englischer Staatssekretr des Auswrtigen. I, 46f.

  von Rosenberg, Gesandter. II, 89.

  Rudini, italienischer Ministerprsident. I, 29.

  Rdlin, Staatssekretr des Reichspostamts. III, 159.

  Runciman, englischer Handelsminister. III, 390.

  Rupprecht, Kronprinz von Bayern. II, 17.


  Salandra, italienischer Ministerprsident. II, 66.

  Salis, Graf, englischer Gesandter. III, 584, 586, 588.

  Salisbury, Lord, englischer Staatssekretr des Auswrtigen. I, 18, II,
    187.

  Sanderson, englischer Unterstaatssekretr des Auswrtigen. I, 128.

  San Giuliano, italienischer Minister des Auswrtigen. I, 99, II, 66.

  Schebeko, russischer Botschafter. I, 206.

  Scheer, Admiral, Chef des Admiralstabs. III, 546.

  Scheidemann, Abgeordneter. III, 81, 104, 116, 130, 236, 432, 435, 564,
    566, 568.

  Schekow, General, bulgarischer Oberbefehlshaber. III, 510.

  Schech, General, preuischer Kriegsminister. III, 531.

  Dr. Schiffer, Abgeordneter. II, 166f., 273, 281, III, 116, 124, 158.

  von Schlieffen, Graf, Generalfeldmarschall. II, 288f.

  Dr. von Schn, bayrischer Legationsrat. I, 177.

  Schnaich-Carolath, Prinz, Abgeordneter. III, 127.

  von Schorlemer, Freiherr, preuischer Landwirtschaftsminister. II, 119.

  Dr. von Schwabach. I, 106.

  Dr. Schwander, Staatssekretr des Reichswirtschaftsamts. III, 158;
    Statthalter von Elsa-Lothringen. III, 531.

  Dr. von Siemens, Direktor der Deutschen Bank. I, 128.

  Sixtus von Parma, Prinz. III, 65ff., 141ff., 392.

  Skoropadski, General, Hetman. III, 345, 457.

  Sokolnikow, russischer Friedensdelegierter. III, 293.

  Dr. Solf, Minister des Auswrtigen. III, 530, 545.

  Sonnino, italienischer Minister des Auswrtigen. II, 66, 69, 368, III,
    142.

  Dr. Spahn, Abgeordneter. II, 162f., 270, III, 111, 116, 127, 146;
    preuischer Justizminister. III, 158.

  Spiridonowa, russische Sozialrevolutionrin. III, 469.

  Ssasonoff, russischer Minister des Auswrtigen. I, 74, 94, 97, 158,
    197f., 201ff.

  Ssuchomlinoff, russischer Kriegsminister. I, 166, 198, 208f.

  von Stein, General, preu. Kriegsminister. II, 260, III, 187f.

  Stone, amerikanischer Senator. II, 333.

  Dr. Stresemann, Abgeordneter. III, 94, 119, 124ff., 199.

  von Stumm, Dirigent der politischen Abteilung des Auswrtigen Amtes. I,
    207, II, 357.

  Strmer, russischer Ministerprsident und Minister des Auswrtigen.
    III, 52.

  Dr. Sdekum, Abgeordneter. III, 114, 167.

  von Sydow, preuischer Handelsminister. II, 262.

  Szgieny, Graf, sterreichisch-ungarischer Botschafter. I, 179.


  Take Jonescu, rumnischer Staatsmann. II, 78.

  Talaat Pascha, trkischer Growesir. III, 497, 512.

  Tereschtschenko, russischer Minister des Auswrtigen. III, 176.

  von Tirpitz, Groadmiral. I, 89, II, 129, 300, 325, 337.

  Tisza, Graf, ungarischer Ministerprsident. II, 101.

  Tontschew, bulgarischer Finanzminister. III, 311f.

  Trevelyan, engl. Abgeordneter. III, 148.

  Trimborn, Abgeordneter. III, 198, 206, 215; Staatssekretr des
    Reichsamts des Innern. III, 531.

  Trotzki, russischer Volkskommissar. III, 240f., 272ff.;
    Kriegsminister. III, 494.

  Tscharikoff, russischer Botschafter. I, 94.

  Tscherbatscheff, russischer General. III, 298f.

  Tschitscherin, russischer Volkskommissar. III, 463, 466, 482ff.


  Uritzky, russischer Volkskommissar. III, 494.


  von Valentini, Chef des Zivilkabinetts. III, 131, 202ff.

  Venizelos, griechischer Ministerprsident. II, 79f., 93.

  Viktor Emanuel, Knig von Italien. I, 29.

  Viktoria, Knigin von England. I, 20.

  Vogtherr, Abgeordneter. III, 199.

  Volpi, italienischer Diplomat. I, 109.


  Wahnschaffe, Unterstaatssekretr. II, 409, III, 130.

  von Waldow, Staatsminister, Prsident des Kriegsernhrungsamts. II,
    182, III, 159, 171.

  Wallraf, Staatssekretr des Reichsamts des Innern. III, 158, 184, 188.

  von Wangenheim, Freiherr, deutscher Botschafter. II, 53.

  Weddigen, Kapitnleutnant. II, 16, 300.

  Wedel, Graf, deutscher Botschafter. III, 61f., 578f.

  Weizscker, wrttembergischer Ministerprsident. II, 102.

  Wekerle, ungarischer Ministerprsident. III, 554.

  Westarp, Graf, Abgeordneter. III, 125, 235, 427.

  Whitman, Sidney. I, 49.

  Wied, Prinz zu, Frst von Albanien. I, 112.

  Wild von Hohenborn, General. II, 58f., 251, 260, 381.

  Wilhelm II., Deutscher Kaiser. I, 21, 74, 102, 127, 171, 173, 177,
    180ff., 189, 204, 225ff., II, 68, 102, 264f., 272, 299, 302f.,
    342ff., 356ff., 392, III, 55, 65, 101, 116ff., 160f., 227f.,
    337, 543f., 561ff., 570, 589.

  Wilhelm II., Knig von Wrttemberg. II, 101.

  Willcox, Sir William, englischer Ingenieur. I, 153.

  Williams, Mr. Robert. I, 120.

  Wilson, Prsident der Vereinigten Staaten von Nordamerika. II, 320ff.,
    332ff., 344, 350ff., 359ff., 369ff., 414ff., 421ff., III, 17ff., 24,
    357ff., 366ff. (14 Punkte), 385ff., 402ff., 514, 536ff., 560ff., 570.

  Witte, Graf, russischer Finanzminister. I, 26.

  Wyckenburg, Graf, Sektionschef im sterreichisch-ungarischen
    Ministerium des Auswrtigen. I, 107.


  Zimmermann, Unterstaatssekretr des Auswrtigen. I, 195ff., II, 58, 83,
    307, 328; Staatssekretr des Auswrtigen. II, 369, 398ff., 418ff.,
    III, 51, 61, 106, 110.

                    *       *       *       *       *




                             Sachverzeichnis


  Abgeordnetenhaus. III, 93, 98f., 430.

  Abkehrschein. II, 273.

  Abrstungsfrage. I, 35f.

  Abukir, englischer Kreuzer. II, 300.

  Adana. I, 133.

  Adlon-Hotel. II, 399.

  Admiralstab. II, 95, 329ff., 395, III, 69.

  Adrianopel. II, 79, 88f.

  Adriatische Frage. I, 104f.

  Afghanistan. I, 26.

  Agamemnon, englisches Kriegsschiff. II, 62.

  Agitation im Heere. III, 184ff.

  gypten. I, 20, II, 60.

  Aidin. I, 150.

  Ailettegrund. III, 407.

  Albanische Frage. I, 98f., 106f., 112.

  Aleppo. I, 132, III, 512.

  Alexandrette. I, 35, 133, 137.

  Algeciras-Konferenz. I, 22, 29, 79.

  Alldeutsche. III, 78, 86, 153, 559, 581.

  Aluminium. II, 128, 220, 224.

  Amanus. I, 133.

  Amerika. Verhltnis zu Deutschland. I, 31f., II, 150f., 307ff.,
    314ff., 320ff., 332ff., 348ff., 361f., 414ff., III, 17ff.;
    Verhltnis zur Entente, II, 191, 324; Waffenausfuhr, II, 310f.;
    Krieg mit Spanien, I, 31; Eintritt in den Weltkrieg,
    Truppentransporte, III, 39ff., 96f., 402, 410, 503ff.;
    Staatswirtschaft, III, 19.

  Amerikanische Handelskammer. II, 399ff.

  Amiens. III, 398.

  Amnestie. III, 547.

  Anatolische Eisenbahngesellschaft. I, 123, 154.

  Angora. I, 123.

  Antwerpen. II, 19, 197.

  Arabic, englischer Passagierdampfer. II, 323ff.

  Arbeiter- und Soldatenrte, russische. III, 239; deutsche, III, 565.

  Arbeitskammergesetz. III, 216.

  Arbeitslosigkeit. II, 228f.

  Arbeitspflicht. II, 256f., 261ff.

  Archangelsk. III, 465f.

  Argentinien. III, 22.

  Arges-Flu, Schlacht am. II, 107.

  Armeebefehl. II, 365.

  Armentires. III, 399f., 507.

  Arras. III, 28, 399, 502ff.

  Arsiero. II, 97.

  Asiago. II, 97.

  Audacious, englisches Kriegsschiff. II, 303.

  Austro-polnische Lsung. III, 56, 219.


  Badische Anilin- und Sodafabrik. II, 217f.

  Bagdad. III, 30.

  Bagdadbahn. I, 34, 50, 75, 120ff., 137, 144, 150f., II, 44.

  Baku. III, 444, 452, 455, 463ff.

  Balkanbund. I, 95ff., II, 77.

  Balkanfrage. I, 15, 29, 38, 74, 95ff., 98.

  Balkankriege. I, 32, 95ff., 106, 171.

  Balkanpolitik im Weltkriege. II, 77ff., 83ff.

  Banken, Berliner. II, 26ff.

  Bannware. II, 187f., 310f.

  Bapaume. III, 398, 501ff.

  Basra. I, 144, 150f.

  Batum. III, 293, 346, 444.

  Baumwolle. II, 45, 192f., 319f.

  Bauxit. II, 102.

  Bayrische Stickstoffwerke. II, 119ff.

  Belagerungszustand. III, 83, 87ff., 216, 432, 556.

  Belgien: Militrisches Abkommen mit der Entente, I, 24f.; englische
    Landung, I, 24, 85; Neutralitt, I, 213f., 217ff.; Deutscher
    Vormarsch, II, 16ff.; Besetztes Gebiet, II, 196ff.

  Belgische Frage. III, 167ff., 380f.

  Belgrad. II, 59, 91, 94.

  Benguella-Eisenbahn. I, 119f.

  Berliner Kongre. I, 15, 70.

  Berliner Tageblatt. III, 564.

  Bessarabien. III, 305, 320.

  Blaubuch, englisches. I, 193, 203, 214.

  Blockade. II, 38ff., 157, 184ff., 202ff., III, 571.

  Bolivia. III, 22.

  Bolschewisten. III, 239f.

  Bosnien. I, 67.

  Bosnische Krisis. I. 32, 171.

  Brasilien. III, 22.

  Bremen. III, 565.

  Breslau, deutsches Kriegsschiff. II, 54.

  Brest-Litowsker Verhandlungen. III, 247ff.

  Briey. II, 197.

  British India Steamship Navigation Company. I, 145.

  Brotfriede. III, 283.

  Brotgetreide. II, 234ff.

  Bukarest. II, 108.

  Bukarester Friede. I, 110f., III, 298ff., 348.

  Bukowina. II, 21, 97.

  Bulgarien: Unabhngigkeitserklrung, I, 67; Balkanbund, I, 95; uere
    Politik, III, 305ff., 498; Finanzen, II, 169; Wirtschaft, II, 199;
    Verhltnis zu den Mittelmchten, I, 179, II, 57, 77ff., 82ff., 399;
    Eintritt in den Krieg, II, 91ff.; Zusammenbruch, III, 509ff.

  Bulgurlu. I, 131.

  Bundesrat. II, 167, 177f.

  Bunkerkohle, englische. II, 190.

  Burenkrieg. I, 17, 19.

  Burgfriede. II, 156, 162f., III, 74ff.


  Cambrai. III, 238, 507.

  Cauchemar des coalitions. I, 13, 33.

  Cavalla. II, 79, 90.

  Cernavoda. II, 107.

  Champagne. II, 73, 93, III, 28, 506f.

  Chteau-Thierry. III, 408, 439.

  Chemin des Dames. III, 181, 238, 407.

  Chile. III, 22.

  China. III, 21.

  China-Abkommen. I, 18.

  Cholm, Gouvernement. III, 281f., 342.

  Columbia. III, 22.

  Compigne. III, 407.

  Constantza. III, 303ff.

  Coronel-Kste, Schlacht an der. II, 184.

  Cressy, englischer Kreuzer. II, 300.

  Cuba. III, 22.

  Cushing, amerikanisches Schiff. II, 314.

  Czernowitz. II, 97, III, 162.


  Daily Chronicle. I, 54, 56.

  Damaskus. III, 511.

  Dnemark. II, 219f.

  Dardanellen. I, 93, II, 54, 61ff., 81, 84.

  Demokratisierung. III, 528ff.

  Denkschriften des Admiralstabs. II, 301, 335f., 403ff.

  Deutsche Bank. I, 127, II, 23, 32.

  Deutsche Ozean-Rheederei G. m. b. H. II, 130.

  Deutschland: Innere Politik, III, 85ff., 520ff.; uere Politik, I,
    13ff., 34, 41, 53, 68f., 74f., 77ff., 115f., 155f., 183ff., 216ff.,
    III, 241, 325ff., 417ff., 447, 472ff., 493ff.; Marokko-Frage, I,
    20ff., 72ff., 87ff.; Verhltnis zu Japan, I, 29f.; Verhltnis zu
    England, I, 18f., 43, 155; Kolonien, I, 37ff., 81ff.; Armee, I,
    57ff.,; Flotte, I, 20, 50ff., 88f.; Keine Kriegsvorbereitungen, I,
    183ff.; Mobilmachung, I, 216, II, 15; Verhltnis zu den Verbndeten,
    I, 172f., 177f., 180f., 204ff., III, 44ff.; Finanzen, II, 22ff.,
    139ff., 149f., 153ff., 164f.; Kriegsanleihen, II, 33f.;
    Wirtschaftsleben, I, 20, 44ff., II, 39 f., III, 448;
    Kriegswirtschaft, II, 34ff., 202ff., 221ff., III, 95 f.;
    Weltwirtschaft, II, 38f., 200f.; Handelspolitik, II, 177;
    Wirtschaftsbndnis mit sterreich-Ungarn, III, 58ff.; Ein- und
    Ausfuhr, II, 209ff.; Verhltnis zu den Neutralen, II, 200ff., 301 f.;
    Revolution, III, 557ff.; Republik, III, 568.

  Deutsch-sterreich. III, 553.

  Devisenordnung. II, 213.

  Diarbekir. I, 133.

  Diplomatie. II, 285ff.

  Dobrudscha. I, 79, 110, III, 107, 303ff., 315f., 399.

  Donaubergang. II, 107.

  Donauweg. II, 37ff., 63, 200, 208f.

  Douaumont. II, 96, 357.

  Drama. II, 79, 90.

  Dreibund. I, 13ff., 27ff., 32ff., 65, 92, 94, 99f., II, 65ff.

  Dreiverband. I, 19, 27, 30, 33, 61, 65, 74, 76, 157f.


  Einkreisungspolitik. I, 61f., 156.

  Elsa-Lothringen. I, 38, 60, 161, III, 62f., 89, 142, 148, 162f.,
    179f., 363, 377, 531f., 536f.

  England: uere Politik, I, 14ff., 33f., 70f., 76f., 83f., 87,
    100f., 156f., 165, 218ff., II, 53, III, 147; Bndnis mit Japan, I,
    25, 31; englisch-russische Marine-Konvention, I, 157ff.;
    Annherungsversuch an Deutschland, I, 17, 88ff., 117;
    Handelseifersucht, I, 17, 20, 44ff., 60, III, 21; Bagdadbahn, I, 127
    ff., 142ff.; Konferenzidee, I, 201, 206; Finanzen, II, 27ff., 143 f.,
    148, 154ff.; Wirtschaft, II, 304ff., 336, 384f., 404; Verbot des
    Handels mit dem Feinde, II, 191f.; Schiffsraum und Ernhrungsfrage,
    II, 385f., III, 32ff., 375, 394, 415; Dienstpflicht, III, 404f.;
    Friedensfhler, III, 577ff.

  Ententepolitik. II, 90, 368ff.

  Erfindungen. II, 224ff.

  Ermchtigungsgesetz. II, 177.

  Ersatzstoffe. II, 224ff.

  Eskischehir. I, 123.

  Estland. III, 275, 334, 451, 454f.


  Falaba, englischer Passagierdampfer. II, 314.

  Farbstoffe. II, 131.

  Faschoda. I, 16, 19, 26.

  Fez, I, 78f.

  Finnland. III, 316f., 322, 331f., 345f.

  Flaggenmibrauch. II, 301, 313.

  Flandern. II, 19, III, 29, 238, 507, 523.

  Fortschrittliche Volkspartei. III, 95, 124.

  Frank-Carosches Verfahren. II, 117, 123.

  Frankfurter Zeitung. III, 564.

  Frankreich: Festsetzung in Tunis, I, 15, 28; Bndnis mit Ruland, I, 16,
    97; Revanchebedrfnis, I, 13, 19, 32, 38, 60, 162, 166; Kolonien, I,
    39; Marokkopolitik, I, 20ff., 39f.; Tripoliskrieg, I, 93; in
    Kleinasien, I, 122ff.; Bagdadbahn, I, 135f., 138ff.; Kriegsausbruch
    und Mobilmachung, I, 200, 216; Armee, I, 57ff.; Finanzen, II, 27ff.,
    149f.; Besetztes Gebiet, II, 196f.

  Frauenarbeit, II, 231ff.

  Frauendienstpflicht, II, 256ff.

  Freiheit der Meere. II, 318ff., 341f., 346f., 417, III, 551.

  Friedensangebot sterreich-Ungarns. III, 533ff.

  Friedensbedingungen, deutsche. II, 366, 371, 419f.

  Friedensbemhungen. II, 288ff., 349ff., 362f., 369f., III, 60ff.,
    164ff., 240, 512ff., 525f., 581ff.

  Friedensoffensiveartikel in der Kreuzzeitung. III, 417.

  Friedenspropaganda. III, 559ff.

  Friedensresolution. III, 123ff., 139ff., 578.

  Friedensschlsse. III, 316f.

  Futtermittel. II, 225f.


  Galizien. II, 21.

  Gallipoli. II, 62f., 81.

  Geldentwertung. II, 140f.

  Generalkommandos. II, 177.

  Gent. II, 197.

  Georgien. III, 346f., 445, 451.

  Gewerkschaften. III, 84.

  Goeben, deutsches Kriegsschiff. II, 54.

  Gorlice. II, 71, 74.

  Grz. II, 98.

  Griechenland. II, 79f., III, 22.

  Grosserer Societt. II, 195.

  Groes Hauptquartier. II, 43, 58, 83, 102, 104ff., 112, 136, 254f.,
    266, 277, 303, 341f., 350ff., 357, 381, 396ff., 403ff., 418ff., III,
    97, 290, 312ff., 490, 522ff.

  Gulflight, amerikanisches Schiff. II, 314.

  Gummi. II, 192, 224f.


  Haager Landkriegsakte. II, 37.

  Haidar Pascha. I, 35, 123.

  Hamburg. III, 565.

  Hamburg-Amerika-Linie. I, 145.

  Handelsschiffe, bewaffnete. II, 326ff.

  Handels-U-Boote. II, 128ff.

  Hanekin. I, 147.

  Hauptausschu des Reichstages. II, 138, 266ff., 383ff., III, 578.

  Heeresbedarf. II, 133ff., 205ff.

  Heiliger Krieg. II, 55.

  Helgoland-Sansibar-Vertrag. I, 16.

  Hermannstadt. II, 107.

  Herrenhaus. III, 93, 98f., 430.

  Herzegowina. I, 67.

  Hilfsdienstgesetz. II, 249ff., 262, 265.

  Hindenburgprogramm. II, 244, 249ff., 261f., 277ff.

  Hchstpreise. II, 233.

  Hogue, englisch. Kreuzer. II, 300.

  Holland: uere Politik, III, 22; Handelskontrolle, II, 194; Ausfuhr nach
    Deutschland, II, 218f.; Abgabe von Handelsschiffen, III, 394ff.


  Indien. I, 15.

  Inflation. II, 140f., 159.

  Irland. III, 404f.

  Isonzofront. II, 98, III, 29, 237.

  Italien: uere Politik, I, 14ff., 27f., 33, 65; Irredentismus, I,
    42f., 60; Neutralitt, II, 13, 64ff.; Forderungen, II, 67ff.;
    Kriegserklrung, II, 69ff., 81.

  Iwangorod. II, 21, 75.


  Japan. I, 25, 29f., 31, 34.

  Jerusalem. III, 239.

  Julikrisis. III, 102ff.


  Kalibergbau. II, 244.

  Karpathenfront. II, 72, 74, 81.

  Kartoffeln. II, 237.

  Katanga. I, 119.

  Kaukasus. II, 60, III, 346.

  Kautschuk. II, 129ff., 192.

  Kemmelberg. III, 400, 502.

  Kiautschou. I, 30, 34f.

  Kiel. III, 565.

  Knapsacker Stickstoffwerk. II, 117f.

  Kohlenausgleich. II, 278.

  Kohlenfrderung. II, 279.

  Kohlenkrisis. II, 277ff.

  Kolonialfragen, afrikanische. I, 17, 116ff.

  Kolonien, deutsche. I, 37f., 81ff.

  Kommissionen der verbndeten Regierungen in Petersburg. III, 291.

  Kompensationsgeschfte. II, 210ff.

  Kongo-Staat. I, 119.

  Konia. I, 123.

  Konservative Partei. II, 167, 337, 421, III, 556.

  Kontinentalsperre. II, 196.

  Kontrolle des neutralen Handels. II, 185ff., 192ff.

  Kontrollgesellschaften. II, 194ff.

  Kosaken. III, 445, 465.

  Koweit. I, 129.

  Kowno. II, 75.

  Kreditvereinbarungen mit den Neutralen. II, 212f.

  Kreuzerkrieg. II, 15, 184f.

  Kriegsamt. II, 259, 275f.

  Kriegsanleihen. II, 133, 139ff., 152f.

  Kriegsausgaben. II, 132ff., 139f., 146f., 152, 281.

  Kriegsdauer. II, 42ff., 288ff.

  Kriegsernhrungsamt. II, 279ff., III, 87.

  Kriegsgetreidegesellschaft. II, 235.

  Kriegsgewinnsteuer. II, 161, 165.

  Kriegskredite. III, 103ff.

  Kriegsministerium. II, 253, 260.

  Kriegsrohstoffabteilung. II, 127f., 177, 240ff.

  Kriegsschuld. II, 354f., 359, 373.

  Kriegssteuern. II, 140ff., 153ff., 160.

  Kriegssteuervorlagen. II, 161f.

  Kriegswirtschaft. II, 45ff., 180.

  Kriegswirtschaftsstellefr das deutsche Zeitungsgewerbe. II, 247.

  Kriegswucheramt. II, 238.

  Kriegsziele, deutsche. II, 290ff., 296f., III, 78ff.; bulgarische,
    III, 305; feindliche, II, 292f., 363, 366ff., 374ff.

  Kronrat. I, 177f., 183, III, 117, 219, 589.

  Kronstadt. II, 107.

  Krgerdepesche. I, 17.

  Krupp. II, 130.

  Kupfer. II, 193, 220.

  Kurland. II, 75f., 197, III, 329ff, 451.

  Kursbewegung. II, 27ff.

  Kut-el-Amara. III, 29.


  Le Cateau. III. 505.

  Leder. II, 242.

  Lemberg. II, 75.

  Lettische Truppen. III, 465.

  Liautung. I, 30.

  Lille. II, 197.

  Litauen. II, 76, 197, 329ff., III, 451.

  Livland. III, 275, 329ff., 451, 454f.

  Lohntreiberei. II, 275.

  Londoner Deklaration. II, 185ff., 320ff., 349.

  Londoner Konferenz 1912. I, 98, 106.

  Longwy. II, 197.

  Lonzawerke. II, 121.

  Loos. II, 93.

  Lorettohhe. II, 74.

  Lusitania, engl. Passagierschiff. II, 81, 314ff., 328f.

  Lttich. II, 16.

  Luxemburg. II, 17.


  Madrider Konvention. I, 20f.

  Majestic, englisches Kriegsschiff. II, 62.

  Mandschurei. I, 18.

  Marneschlacht. II, 18f.

  Marnebergang. III, 439.

  Marokkofrage. I, 20ff., 32, 39f., 77ff., 87, 171.

  Masurenschlacht. II, 21, 61, 72f.

  Mazedonien. II, 97, 90, 329.

  Mazedonische Frage. I, 27, 95.

  Mehrheitssozialdemokraten, Partei der. III, 82, 161, 201, 235, 432, 566.

  Mersina. I, 133.

  Mesopotamien. I, 144, 148f., 151f., II, 60.

  Mexiko. III, 22.

  Militrvorlage 1913. I, 59.

  Mitteleuropa. III, 58ff.

  Monastir. II, 94, 108, III, 509.

  Montdidier. III, 398f.

  Montenegro. I, 95, II, 94.

  Moratorien. II, 29ff.

  Mwe, deutscher Hilfskreuzer. II, 185.

  Mnchen. III, 565.

  Munitionserzeugung. II, 138, 249ff.

  Murmankste. III, 465f.


  Narewlinie. II, 75.

  Nationalliberale Partei. II, 166, 269ff., 337, 421, III, 100, 104, 124.

  Nationalversammlung. III, 568, 577, 581.

  Nederlandsche Overzee Trust Maatschappy. II, 194.

  Negotiner Zipfel. II, 57, 81.

  Neuorientierung. III, 75f., 85f.

  Neutrale Staaten, Haltung der. II, 189ff., 306ff., III, 19ff.

  Nibelungentreue. I, 71f.

  Nickel. II, 129ff., 220.

  Nisch. II, 94.

  Nordd. Allgem. Zeitung. I, 104, 174.

  Nordsee zum Kriegsgebiet erklrt. II, 300.

  Norwegen. II, 195.

  Novibazar. I. 98.

  Nowogeorgiewsk. II, 75.

  Nyassa Compagny. I, 119.


  Oberste Heeresleitung. II, 57, 81, 83, 89, 101, 255, 257f., 261, 277,
    389ff., III, 259f., 267, 278ff., 312ff., 420f., 425f., 436f., 524ff.,
    558, 581, 590.

  Oberster Kriegsrat der Entente. III, 385.

  Oceanic, englischer Passagierdampfer. II, 303.

  Offensive Brussilows. II, 97.

  Offensive der Entente im Westen. II, 73, 91ff.

  Offensive, Groe, 1918. III, 397ff., 437ff.

  Offensive, Kerenskische. III, 30, 162.

  Orscha. III, 461, 488.

  sel. III, 181.

  Ostende. II, 19.

  Osterbotschaft. III, 98ff., 109.

  sterreich-Ungarn: uere Politik, I, 14ff., 66ff., 95ff., III, 44f.;
    Konflikt mit Serbien, I, 169ff., 175ff., 199; Finanzen, II, 169;
    Wirtschaft, II, 198f., III, 48ff.; Friedensbestrebungen, III, 60 ff.,
    248, 554f.; Auflsung der Monarchie, III, 552f.; Revolution, III,
    555.

  Ostpolitik, deutsche. III, 323ff.

  Ostpreuen. II, 20f.

  Ottomanische Bank. I, 127, II, 170.


  Palstina. III, 511.

  Panama. III, 22.

  Panther, deutsches Kriegsschiff. I, 81f., 140.

  Papierfabrikation. II, 245ff.

  Papstnote. III, 164ff., 172ff.

  Paraguay. III, 22.

  Pariser Finanzkonferenz. I, 109, 147.

  Parlamentarisierung. III, 120, 155, 203ff., 217ff., 235, 530ff.

  Paschendaele. III, 180.

  Pronne. III, 398.

  Persien. I, 26, 75f., III, 22.

  Petrosawodsk. III, 466.

  Philippinen. I, 31.

  Piavefront. III, 412f.

  Piesteritzer Stickstoffwerk. II. 122f.

  Polen: Kmpfe, II, 21; besetztes Gebiet, II, 197; Unabhngigkeit, II,
    416; Bildung eines Staatsrates und vereinigten Landtages, III, 54f.

  Polnische Frage. III, 49ff., 162ff., 218ff., 255f., 341f., 451.

  Polnische Legion. III, 57.

  Port Arthur. I, 30.

  Portugal. I, 117f.

  Postkontrolle. II, 195.

  Potsdamer Entrevue 1910. I, 75, 148.

  Preisprfungsstelle. II, 238.

  Przemysl. II, 72, 75.


  Quittungsstempel. II, 164f.


  Randstaatenpolitik. III, 258, 275f., 323ff., 451, 454f.

  Rat der Volksbeauftragten. III, 569, 571.

  Rationierung der Nahrungsmittel und Rohstoffe. II, 234ff.

  Reichsamt des Innern. II. 175ff.

  Reichsbank, Deutsche. I, 22ff., II, 23, 133, 152, 174.

  Reichsbekleidungsstelle. II, 242.

  Reichserbschaftssteuer. II, 163.

  Reichsgetreidestelle. II, 235f.

  Reichshauptkasse. II, 132.

  Reichskommissarfr Kohle. II, 278.

  Reichsmarineamt. II, 137, 337.

  Reichsrat. III, 120, 155, 169.

  Reichsschatzamt. II, 114f.

  Reichsschatzsekretr. II, 111.

  Reichsstellen fr verschiedene Nahrungsmittel. II, 238.

  Reichsstickstoffwerke. II, 121ff.

  Reichstag, Deutscher. II, 125ff., 160ff., 267ff., 337f., III, 76f.,
    94ff., 103, 161, 231, 516ff.

  Reichszentrale fr Arbeitsnachweise. II, 229.

  Reims. III, 407, 437.

  Relief Commission. II, 198.

  Resolution zum uneingeschrnkten U-Bootkrieg. II, 337.

  Revaler Zusammenkunft. I, 27.

  Revolution, Deutsche. III, 557ff.

  Riga. III, 181.

  Rohstoffe. II, 196f., 240ff.

  Rostow. III, 467.

  Rote Garde, russische. III, 444f., 465.

  Roubaix-Tourcoing. II, 197.

  Roye. III, 501.

  Rckversicherungsvertrag. I, 14ff., 30, 32.

  Rckzug. III, 28, 441, 502.

  Rumnien: uere Politik, I, 179, II, 13, 57, 77ff., 82ff., 96, 102,
    III, 298ff.; Kriegserklrung, II, 104; Getreidelieferung, II, 206;
    Dynastie, III, 299ff.; Friedensbedingungen, III, 302ff.

  Ruland: uere Politik, I, 14ff., 71, 103, 110, 160ff., II, 53;
    Panslawismus, I, 15, 161, 166; Ausdehnungsbestrebungen, I, 15, 18, 25
    f., 40f., 60; Bndnis mit Frankreich, I, 16, 203; Schwchung
    Rulands, I, 22, 25, 72; Krieg mit Japan, I, 27; Armee, I, 57ff.;
    Serbisches Ultimatum, I, 187, 191f.; Mobilmachung, I, 183, 192f.,
    198f., 207ff.; Verluste, II, 76; Revolution, III, 23ff., 239ff.,
    320f.; Bolschewikiregierung, III, 274f., 294f., 443, 462ff., 494ff.

  Ruthenen. III, 553.


  Saargebiet. III, 142ff.

  Saloniki. II, 79, 93, 105, 108.

  Salvador. III, 22.

  Samoa-Abkommen. I, 31.

  Saturday Review. I, 46f.

  Schatzanweisungen. II, 133, 141.

  Schiedsgerichte. II, 353.

  Schleichhandel. II, 239.

  Schlesien. II, 21.

  Schutzhaft. III, 88.

  Schwarze Listen. II, 195f.

  Schweden. II, 195, III, 20.

  Schweiz. II, 194f., 211f.

  Seifenindustrie. II, 245.

  Selbstbestimmungsrecht der Nationalitten. III, 257, 262ff. 276f., 281,
    286f., 293, 387, 553.

  Semendria. II, 91, 94.

  Serajewo. I, 169ff., II, 25.

  Serbien: Groserbische Bewegung; I, 69f., 99, 107, 111f., 169f.;
    Balkanbund, I, 95; uere Politik, I, 187f., II, 90;
    Kriegsschauplatz, II, 59, 63, 94.

  Serres. II, 79, 90.

  Shatt el Arab. I, 145, 151.

  Shimonoseki, Friede von. I, 30, 40.

  Siam. III, 22.

  Sibirien. III, 322.

  Siebenbrgen. II, 78, 106.

  Siebenerkommission. III, 169.

  Siegfriedstellung. III, 502ff., 523.

  Sinaifront. III, 29, 239.

  Skagerrak, Schlacht am. II, 184.

  Smyrna. I, 150, II, 90.

  Smyrna-Aidin-Eisenbahngesellschaft. I, 153f.

  Socit Suisse de Surveillance Economique. II, 195.

  Soissons. III, 181, 407, 439.

  Somme. II, 98f., 106, 251, III, 440f.

  Sonderfriedensangebot sterreich-Ungarns. III, 553f.

  Sozialdemokratische Partei. II, 163, 167, 177, 269ff., 420f., III, 25,
    74ff., 81ff., 104, 124, 230, 325, 433, 518, 531f., 564.

  Sozialisierung. II, 126.

  Sozialrevolutionre. III, 345, 443, 446, 457, 482.

  Spanien. I, 21, III, 22.

  Sparmetalle. II, 240.

  Spartakisten. III, 495.

  Spectator. I, 223.

  Sperrgebiet im U-Bootkriege. II, 413.

  Sprengstoffindustrie. II, 116.

  Staatsgerichtshof. III, 100.

  Stahlindustrie. II, 252f.

  Status quo der Mittelmchte. I, 37f., 61.

  Stellungskrieg. II, 19f., 51.

  Stempelvereinigung. II, 25.

  Stickstoff-Frage. II, 115ff.

  Stickstoff-Handelsmonopol. II, 120ff.

  St. Jean de Maurienne. III, 142.

  Stockholmer Friedenskonferenz. III, 148, 152.

  St. Quentin. III, 505.

  Streik, Berliner. III, 295f.

  Sdslawen. III, 553.

  Suezkanal. II, 61.

  Sussex-Fall. II, 338ff.

  Syndizierung des Handels. II, 238.

  Syrien. I, 132.


  Tagliamento. III, 238.

  Tanganyika Concession Ltd. I, 120.

  Tannenberg. II, 21.

  Tarnopol. III, 162.

  Taurus. I, 132.

  Tel Helif. I, 133.

  Temps. I, 223.

  Textilindustrie. II, 224, 240ff.

  Tibet. I, 26.

  Tigerbai. I, 119.

  Trajanswall. II, 107.

  Transito. II, 195.

  Transportkrisis. II, 277ff.

  Trentino. III, 143.

  Triest. III, 143.

  Tripolis. I, 28, 91ff.

  Triumph, englisches Kriegsschiff. II, 62.

  Trostberger Stickstoffwerk. II, 117.

  Tschechen. III, 553.

  Tschecho-Slowaken. III, 444, 464f., 553f.

  Tschernabogen. III, 510.

  Tunis. I, 15, 28.

  Trkei: uere Politik, I, 34f., 42, 67; Revolution, I, 66, 135;
    Balkankrieg, I, 95ff.; Krieg mit Italien, I, 32, 91ff.; Bagdadbahn,
    I, 120ff.; Finanzen, I, 126, 128, 133ff., 147, II, 169f.; Wirtschaft,
    II, 197f.; als Bundesgenosse, II, 52ff.; Munitionsmangel, II, 63;
    Zusammenbruch, III, 509ff.; Kapitulation, III, 552, 555.


  U-Boote, deutsche. II, 62, 30f.

  U-Bootkrieg: Allgemeines, II, 287f., 299, III, 17; Ergebnisse, II, 300,
    381, 395, III, 31ff., 414f.; Handelskrieg, II, 300f.;
    Deutsch-Amerikanischer Notenwechsel, II, 307ff., 314ff.; verschrfter
    U-Bootkrieg, II, 325ff.; uneingeschrnkter U-Bootkrieg, II, 95,
    335ff., 379ff., 395ff., 403ff., III, 17f., 30ff.; Einstellung, III,
    546ff.

  U-Bremen. II, 128.

  U-Deutschland. II, 128ff.

  Udine. III, 237.

  Ukraine. III, 271ff., 281ff., 316ff., 321f., 333, 343f.

  Ultimatum, serbisches. II, 25.

  Umsatzstempel. II, 164f.

  Unabhngige Sozialdemokraten. III, 82, 196f., 431f., 442, 495, 565,
  568.

  Ungarn. III, 554.

  Unternehmertum im Kriege. II, 227f.


  Valutakredite. II, 169.

  Vaterlandspartei. III, 182f.

  Venezuela. I, 31, III, 22.

  Verbrauchssteuern. II, 161ff.

  Verdun. II, 95ff., 180, 343ff.

  Verein Deutscher Eisenhttenleute. II, 251ff., 254.

  Vereinsgesetznovelle. III, 76f.

  Verfassungsnderung. III, 562f.

  Verfassungsausschu. III, 95ff., 100, 104, 119.

  Verkehrssteuern. II, 161ff.

  Verschwrung unter den Flottenmannschaften. III, 192, 564f.

  Verstndigungsfrieden. II, 294.

  Verviers. II, 197.

  Vierzehn Punkte Wilsons. III, 366ff.

  Villers-Cotterets. III, 407, 438.

  Vlkerbund. II, 355, 416, III, 370, 382.

  Vlkerrecht. II, 41, 184ff., 301f., 307ff., 315f., 332, 336,
    III, 20.

  Volksernhrung. II, 232ff.

  Vorwrts. III, 132f., 149.


  Waffenruhe. III, 250.

  Waffenstillstand. III, 247ff., 533ff., 570f.

  Wahlrecht, preuisches. III, 92, 97, 117ff., 154, 429ff., 518, 556.

  Warschau. II, 21, 75.

  Wehrpflicht. II, 256.

  Wei-hai-wei. I, 30.

  Weiruland. II, 76.

  Wirtschaftlicher Generalstab. II, 36.

  Wirtschaftskrieg. II, 37ff.

  Wolf, deutscher Hilfskreuzer. II, 185.

  Wolffs Telegraphen-Bureau. III, 130.

  Wolhynien. II, 76, 97.

  Wologda. III, 466f.

  Wytschaetebogen. III, 29.


  Yangtse-Abkommen. I, 18.

  Ypern. II, 74, III, 506f.


  Zeitungsgewerbe. II, 246ff.

  Zementindustrie. II, 245.

  Zensur. III, 88, 216, 432.

  Zentraleinkaufsgesellschaft. II. 207f.

  Zentralisation des Einkaufs. II, 204ff.

  Zentralrada. III, 284f.

  Zentralstelle fr Heeresverpflegung. II, 135.

  Zentrums-Partei. II, 166f., 270ff., 382, 390ff., 421, III, 100, 104,
    124, 579.

  Zusatzvertrge zum Brester Frieden. III, 450ff., 497ff.

  Zwangswirtschaft. II, 239.

  Zwei-Kaiser-Manifest. III, 53f.

                    *       *       *       *       *




                Mit dem vorliegenden Band liegt das Werk

                              Der Weltkrieg

                                   von

                           Dr. Karl Helfferich

                             vollstndig vor


                           Die vorhergehenden
                            Bnde enthielten:


                                 Band I

                    Die Vorgeschichte des Weltkrieges
                           Gebunden 7.50 Mark


                                 Band II

                       Vom Kriegsausbruch bis zum
                      uneingeschrnkten U-Bootkrieg
                            Gebunden 15 Mark


                      Verlag Ullstein & Co / Berlin





End of Project Gutenberg's Der Weltkrieg, III. Band, by Karl Helfferich

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