The Project Gutenberg EBook of Natur und Mensch, by Ernst Haeckel

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Title: Natur und Mensch
       Sechs Abschnitte aus Werken von Ernst Haeckel

Author: Ernst Haeckel

Editor: Carl W. Neumann

Release Date: September 30, 2015 [EBook #50081]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK NATUR UND MENSCH ***




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               [Illustration: Phot. A. Bischoff, Jena.]

             [Illustration: Unterschrift: Ernst Haeckel.]




                          Natur und Mensch.


                     Sechs Abschnitte aus Werken
                                 von
                            Ernst Haeckel.

           Herausgegeben und mit einer Einleitung versehen
                                 von
                           Carl W. Neumann.

                    Mit dem Bildnis Ernst Haeckels
                 und zahlreichen Abbildungen im Text.

                               Leipzig
               Druck und Verlag von Philipp Reclam jun.




                             Einleitung.


Hunderttausende fhren den Namen Haeckels im Munde, urteilen ber ihn
und sein Lebenswerk und kennen doch nichts von ihm als sein
vielbefehdetes Buch von den Weltrtseln; vielleicht auch noch auerdem
ein paar kleinere Schriften. Was er _vor_ diesen in vierzigjhriger
rastloser Forscherarbeit geschaffen hat, blieb fr die meisten
Geheimnis. Sie wissen, da Haeckels Name aufs engste verknpft ist mit
jener groen Bewegung, die Darwin durch sein epochemachendes Werk Die
Entstehung der Arten im Tier- und Pflanzenreiche (1859) ins Leben rief,
aber sie haben nur unklare Vorstellungen von der besonderen Art der
Verdienste Ernst Haeckels. Ganz zu geschweigen von dem, was er
unabhngig von Darwin in seinen voluminsen Monographien der
Radiolarien, Kalkschwmme, Medusen usw. der Wissenschaft Groes
geschenkt hat. Es ist daher angezeigt, der kleinen Auswahl von
Abschnitten aus den bedeutendsten populren Werken des Jenaer
Naturforschers, die dieses Bndchen vereinigt, wenigstens im Umri ein
Bild seines Lebens und Schaffens voranzustellen.

Ernst Haeckel wurde am 16. Februar 1834 als Sohn des Regierungsrats Karl
Haeckel in Potsdam geboren, wuchs aber in Merseburg auf, wohin noch im
ersten Lebensjahre des Knaben der Vater versetzt worden war. Wer Fden
sucht, die bereits aus den Tagen der Jugend ins sptere Leben und Wirken
des reifen Mannes hinberwehen, kommt nicht in Verlegenheit.
Kraftstrotzender bermut auf der einen Seite, auf der anderen die
Neigung, in einsamen Wanderstunden geheime Zwiesprache zu halten mit
allem, was kreucht und fleucht, grnt und blht, sind von frh an
hervorstechende Zge im Wesen des Knaben. Der Elfjhrige durchstreift
schon die Kreuz und die Quer das Siebengebirge, um die vermeintlich nur
dort wachsende graue Erika ausfindig zu machen. Der Merseburger
Gymnasiast liefert Beitrge zu Garckes ^Flora Hallensis^ und legt sich
in seinen Muestunden ein Doppelherbarium an, eins fr die guten
Arten, die sich hbsch fgsam in Linns System bequemen, und ein
zweites fr die verdchtigen Genera, die dann, in langer Reihe
geordnet, den ununterbrochenen bergang von einer guten Art zur anderen
demonstrieren. Es waren die von der Schule verbotenen Frchte der
Erkenntnis, an denen ich in stillen Muestunden mein geheimes,
kindisches Vergngen hatte. In Wirklichkeit rhrte der Gymnasiast da
schon leise an jenes groe Problem von der Dauer und Wandelbarkeit der
Arten, das freilich vorerst nur in der Luft lag, aber ihn spter so
mchtig erfassen sollte.

Als dieses Spter im Jahre 1859 in greifbare Nhe zu rcken begann,
fischte der fnfundzwanzigjhrige Haeckel im Hafen von Messina nach
allerlei Seetieren, vor allem nach Radiolarien, jenen trotz ihrer
mikroskopischen Kleinheit so beraus reizvollen Strahltierchen mit dem
vielgestaltigen, rhythmisch gewachsenen Kieselskelett, die wenige Jahre
zuvor erst sein groer Lehrer Johannes Mller entdeckt hatte. Haeckel
war Arzt seines Zeichens. Gehorchend dem Wunsche des Vaters -- nicht
seinem eigenen Triebe, der ihn vielmehr mit Macht zur Botanik drngte --
hatte er in Berlin, Wrzburg und Wien das medizinische Brotstudium
absolviert und sich nach bestandenem Staatsexamen als praktischer Arzt
in Berlin niedergelassen. Als Mann der Theorie aber fehlte ihm fr die
Praxis der rechte Sinn, wie er spter oft scherzte, so da ihm der Vater
zur endgltigen Klrung der Berufsfrage noch ein weiteres Studienjahr in
Italien, dem Land seiner Sehnsucht, bewilligte. Und dieses Jahr ward
entscheidend. Das fesselnde Studium des Planktons, dem er schon frher
(1854) als junger Student unter Fhrung Johannes Mllers auf Helgoland
eine Zeitlang obgelegen hatte, schob die Botanik und Medizin nunmehr
definitiv in den Hintergrund. Zoologie hie die Losung, und schneller,
als er's sich trumen mochte, sollte er Fu in ihr fassen. Im Mai 1860
kam er zurck nach Berlin, um seine sizilianischen Planktonschtze,
Zeichnungen und Prparate, im groen Stil zu bearbeiten, und ehe das
Werk noch vollendet war, sa er mit Hilfe seines einstigen Wrzburger
Studienfreundes Karl Gegenbaur als auerordentlicher Professor in Jena.
Im gleichen Jahre (1862) erschien als ein riesiger Folioband mit 35
farbigen Kupfertafeln die _Monographie der Radiolarien_, die seinen
Ruf als zoologischen Facharbeiter mit einem Schlage begrndete, und da
auch das Tipfelchen auf dem i des Triumphes nicht fehle, verband er sich
im August 1862 mit seiner hochbegabten, feinsinnigen Cousine Anna
Sethe zu glcklichster, aber leider nur kurzer Ehe. Schon anderthalb
Jahre spter, gerade an seinem dreiigsten Geburtstag, entri ihm ein
jher Tod die geliebte Frau. Dem hchsten Glck folgte fast auf dem Fue
der schwerste Schicksalsschlag, der ihn treffen konnte. In dieser
trbsten Zeit aber schrieb er -- hchst seltsam zu sagen -- in einem
Zuge das tiefste, bedeutendste Werk seines Lebens, die _Generelle
Morphologie der Organismen_. Zwei starke Bnde mit ber 1200 Seiten
Text.

Noch whrend er an der italienischen Kste in Plankton schwelgte, erfuhr
er, es sei da von England ein ganz verrcktes Buch nach Deutschland
herbergekommen, dessen Verfasser nicht blo das Linnsche Dogma von der
Unvernderlichkeit der Arten bestreite, sondern auch an Stelle des
einmaligen planvollen Schpfungsaktes ein groes Gesetz kontinuierlicher
Entwicklung des Lebens zu knden die Dreistigkeit habe: Darwins
Entstehung der Arten. Dieses ketzerische Buch, das die Fachzoologen
von damals entweder ganz totschwiegen oder schlankweg fr Humbug
erklrten, zog Haeckel gleich bei der ersten Lektre ganz
unwiderstehlich in seinen Bann und lie ihn fortan nicht mehr los.
Bereits in den Radiolarien war er ganz kurz darauf eingegangen, um
dann auf der Stettiner Naturforscherversammlung von 1863 ausfhrlich,
und zwar in zustimmendem Sinne, zu Darwins Ideengang Stellung zu nehmen.
Die groe Mehrzahl der Fachgenossen war freilich noch anderer Ansicht.
Ein angesehener Zoologe erklrte Darwins Buch fr den harmlosen Traum
eines Nachmittagsschlfchens, ein anderer verglich die
naturphilosophischen Phantasien mit dem Tischrcken, ein namhafter
Geologe meinte, da dem vorbergehenden Schwindel bald die
Ernchterung folgen msse, und ein Anatom prophezeite, nach wenigen
Jahren werde kein Mensch mehr davon sprechen. ^Tempora mutantur^!

Auf Haeckel machte die Ablehnung so wenig Eindruck, da er sich, obwohl
tief niedergedrckt durch den Tod der geliebten Gattin (er hat spter,
1868, zum zweitenmal geheiratet), mit fliegender Feder daran machte, die
ganze biologische Wissenschaft, soweit sie zusammenhing mit dem Problem
der Entwicklung, aus der von Darwin geschaffenen Basis ganz neu zu
gruppieren und umzugestalten. Eine Art wissenschaftlichen Testaments
sollte die Generelle Morphologie werden. Auch damals, wie
dreiunddreiig Jahre spter in den Weltrtseln, gedachte er mit dem
Ende des Werkes einen Strich unter seine Lebensarbeit zu machen.
Gelegentlich der Feier seines sechzigsten Geburtstages hat er es selber
so dargestellt: Ich lebte damals ganz als Einsiedler, gnnte mir kaum
drei bis vier Stunden Schlaf tglich und arbeitete den ganzen Tag und
die halbe Nacht. Dabei lebte ich in so strenger Askese, da ich mich
eigentlich wundern mu, heute noch gesund und lebendig vor Ihnen zu
stehen. Durch eifrige, hastige Arbeit wollte er alle die seelischen
Schmerzen betuben, und dann -- ja, was dann kommen sollte, wute er
selbst nicht. Tatsache ist aber, da er in weniger als Jahresfrist die
mehr als zwlfhundert engen Druckseiten aufs Papier brachte. Tatsache
ist ferner, da er in diesem monumentalen Werk alle, aber auch wirklich
_alle_ die wichtigen Konsequenzen schon zog und alle wesentlichen und
entscheidenden Anschauungen seiner monistischen und genetischen
Philosophie schon entwickelte, deren Ausbau im einzelnen sein ganzes
knftiges Leben beschftigt hat. In der Methode naturwissenschaftlicher
Forschung, sagt Blsche sehr treffend, bedeutet das Werk einen
Markstein, an dem man die ganze Geistesarbeit der zweiten Hlfte des 19.
Jahrhunderts charakterisieren und werten kann. Fr die allgemeine
biologische Systematik beginnt mit ihm eine neue Epoche in der Weise,
wie es fnfzig Jahre vorher bei Cuvier und nochmals ber fnfzig weiter
zurck bei Linn der Fall gewesen war. Was es fr die Zoologie im
engeren Sinne ist, hat ein gewi kompetenter Urteiler wie Richard
Hertwig dreiig Jahre spter in das einfache Wort zusammengefat: da
wenige Werke so viel beigetragen haben, das geistige Niveau der Zoologie
zu heben. Im ersten Bande wurden mit Hilfe einer selbstgeschaffenen
wissenschaftlichen Kunstsprache, die heute vielfach zum eisernen
Bestande der Zoologie gehrt, die Grundbegriffe des Lebens, der
Formenbildung und -umbildung, der Individualitt und natrlichen
Verwandtschaft, die Gesetze der Anpassung, Vererbung und Auslese
methodologisch neu festgestellt. Im zweiten Bande wurde auf Grund der
vergleichenden Anatomie, der Stammesgeschichte (Phylogenie) und
Keimesgeschichte (Ontogenie) der dreifache Beweis fr die
Abstammungslehre versucht und das Ganze gekrnt durch das von Haeckel
zum erstenmal scharf formulierte und auf das gesamte Gebiet der
organischen Formenwelt angewandte _biogenetische Grundgesetz_, wonach
die Entwicklungsgeschichte des Einzelwesens eine gedrngte, stark
abgekrzte und hufig abgenderte Wiederholung der Entwicklung des
zugehrigen Stammes ist. Da ein derartig weit in die Zukunft
vorauseilendes wissenschaftliches Werk bei all seinen Vorzgen auch
Unvollkommenheiten und Irrtmer aufweisen mute, braucht kaum noch
ausdrcklich betont zu werden. Kommende Jahre haben manche der
Hypothesen, die Haeckel zum erstenmal aufgestellt hatte, von Grund aus
verndert oder vllig verworfen, und auch er selbst ist nicht mde
geworden, zu bessern und nachzuprfen. Dem Werke selbst aber bleibt doch
der Ruhm unbestritten, zum erstenmal eine markige Skizze der belebten
Natur im neuen Lichte der Entwicklungslehre und zugleich ein ganzes
Programm fr die biologische Forschung der nchsten Zukunft entworfen zu
haben.

Im Herbst 1866 war das groe Werk abgeschlossen. Physisch und geistig
erschpft, ging Haeckel, ohne erst noch das Erscheinen der Morphologie
abzuwarten, auf Reisen, besuchte Darwin auf seinem Landsitze Down bei
London und fuhr danach, den Rat seiner Freunde befolgend, nach
Teneriffa, um dort unter Palmen Erholung zu suchen. In weiterer Folge
ging dann die Reise nach Lanzerote, der kleinen vulkanischen Ozeaninsel,
deren waldlose Kraterlandschaften stark an die Bilder vom Monde
erinnern. Hier wurden in Gemeinschaft mit Richard Greeff und zwei
jngeren Zoologen vor allem Medusen und Siphonophoren (Staatsquallen)
studiert, die das Meer in verschwenderischer Flle herbeitrug, und in
viermonatiger eifriger Arbeit kamen die Schtze zusammen, die Haeckel
spter die Abfassung seiner preisgekrnten _Entwicklungsgeschichte der
Siphonophoren_ (mit 14 Tafeln, 1869) ermglichten.

Sechs Monate blieb er von Jena fern. Wenn er indessen bei seiner
Heimkehr erwartet hatte, die Generelle Morphologie wrde in der
Zwischenzeit die Geister wachgerttelt haben, so sah er sich bitter
enttuscht. Die Fachgenossen ignorierten sie vllig oder verspotteten
sie als ein Konglomerat naturwissenschaftlicher Trumereien, und die
auerhalb der Fachwissenschaft stehende Leserwelt wute auch damals so
wenig wie heute von der Existenz des bedeutsamen Werkes. Generelle
Morphologie. Schon der Titel sah keineswegs aus nach sehr weiter
Verbreitung. Und im brigen galt -- in einem gewissen Sinne -- wohl
wirklich auch das, was der Verfasser selbst spter von seinem Hauptwerke
sagte: es sei zu weitschweifig und schwerfllig geschrieben gewesen.

Indessen enttuscht sein, heit nicht auch entmutigt sein. Wenn man den
naturphilosophischen Kern aus der Morphologie herausschlte,
die Grundzge der Entwicklungtheorie knapp und klar, aller
sachwissenschaftlichen Schwere entledigt, noch einmal fr weitere Kreise
populr darstellte und gleichzeitig den Stoff chronologisch anordnete,
d. h. den Gang der Entwicklung des Weltganzen vom Einfachen zum
Komplizierten, vom Urnebel zum Menschen herauf vorfhrte, so mte es
doch in der Tat seltsam zugehen, wenn einem so beschaffenen Auszug der
Erfolg versagt bleiben sollte. Aus solchen Erwgungen heraus hielt
Haeckel im Wintersemester 1867/68 vor einem aus Laien und Studierenden
aller Fakultten zusammengesetzten Publikum Vortrge, die 1868 als
_Natrliche Schpfungsgeschichte_ auch in Buchform erschienen --
damals ein einzelner schmaler Band, der im Laufe der Zeit sich
verdoppelte und heute in zwlf verschiedenen bersetzungen vorliegt. Und
dieses Buch drang nun tatschlich durch. Es wurde nicht blo von
Gebildeten aller Stnde gelesen, es zwang auch die Fachgenossen des
Verfassers jetzt definitiv, so oder anders sich mit der neuen Auffassung
und Darstellung der Entwicklungslehre auseinanderzusetzen. Das gab dann
den Anla zu bitteren Kmpfen und Debatten, zu krftigen Angriffen und
ebenso krftiger Gegenwehr. Besonders das biogenetische Grundgesetz
war der Zankapfel, der sowohl die Empiriker als auch die Philosophen aus
ihrer anfnglichen Passivitt aufschreckte und auf das Kampffeld rief.

Noch lebhafter aber entbrannte der Streit, als Haeckel im Jahre 1872 in
seiner _Monographie der Kalkschwmme_ (zwei Bnde Text mit einem Atlas
von 60 Bildertafeln) den Versuch zur analytischen Lsung des Problems
von der Entstehung der Arten gemacht und dabei zum erstenmal die
berhmte und fruchtbare _Gastratheorie_ aufgestellt hatte, d. h. die
Zurckfhrung aller hheren Tiere mit Einschlu des Menschen auf eine
uralte gemeinsame Stammform, deren ganzer Krper zeitlebens nur aus zwei
Zellschichten (Haut und Magen) besteht. Das war die hypothetische
Gastra oder das Urdarmtier. Bei seinen Untersuchungen ber die
Keimesgeschichte der Kalkschwmme war Haeckel aufgefallen, da sich das
Kalkschwamm-Individuum in ganz hnlicher Weise aus dem Ei entwickelt,
wie er es frher schon mehrfach bei anderen Tieren beobachtet hatte. Die
befruchtete Eizelle teilt sich, und die neuentstandenen Zellen setzen
die Teilung so lange fort, bis sich ein ganzer Zellhaufen gebildet hat,
ein Maulbeerkeim, wie man ihn seiner ueren Form wegen nannte. In
diesem Maulbeerkeim bildet sich, da smtliche Zellen aus Grnden der
Ernhrung nach auen drngen, eine Hhlung, die grer und grer wird
und schlielich dem ganzen frheren Zellklumpen das Aussehen eines
winzigen Gummiballs gibt; aus dem Maulbeerkeim ist allmhlich ein
kugeliger Blasenkeim geworden. Nun geht die Entwicklung in der Weise
weiter, da sich an einem Pol die Zellenschicht einsenkt und sich
zuletzt vllig an die innere Seite der nicht eingestlpten Wand
anschmiegt, so da ein doppelwandiger Becher mit einer ffnung zustande
kommt, eine sogenannte Gastrula. Die uere Zellenschicht funktioniert
als Leibes-, die innere als Darmhaut; die Becherffnung bildet den
Gastrulamund. Ganz plump veranschaulichen kann man sich diesen
Gastrulationsproze, indem man einen durchstochenen Gummiball so tief
einbeult, da Wand an Wand zu liegen kommt.

Eine Gastrulation wie die geschilderte vollzieht sich aber nicht blo
bei einer Anzahl von Schwmmen, sondern auch bei vielen Nesseltieren
(Polypen, Medusen), bei Wrmern, Stachelhutern und Manteltieren, ja
sogar bei dem niedrigsten Wirbeltier, dem Lanzettfisch. hnlich -- nur
die Form der Gastrula ndert sich -- spielt sich der Vorgang aber auch
in der Keimesgeschichte aller hheren Tiere ab, und eben auf diesem
durchgngigen Vorkommen der Gastrula begrndete Haeckel seine
hypothetische Gastratheorie. Inzwischen hat man auch wirklich noch
lebende Tierformen entdeckt, die dem Bild jener hypothetischen Gastra
annhernd noch vllig entsprechen.

Es hat lange gedauert, bis die hier flchtig angedeutete Gastratheorie,
die heute allgemein fr eine der wichtigsten und fruchtbarsten in der
ganzen Entwicklungsgeschichte gilt, sich durchsetzen konnte. Ihr
Entdecker aber lie sich auch hier durch die Gegnerschaft nicht beirren.
Nachdem er die Theorie in der Monographie der Kalkschwmme mitgeteilt
und in den _Studien zur Gastratheorie_ nher begrndet hatte, lie er
sie einstweilen selbst fr ihren Sieg sorgen und wandte sich inzwischen
einer neuen groen Aufgabe zu: dem schwierigen Versuch, das
biogenetische Grundgesetz in seinem ganzen Umfang auf den
_Menschen_ anzuwenden und aus den empirischen Tatsachen seiner
Keimesgeschichte den historischen Stufengang seiner Stammesgeschichte
hypothetisch zu ergrnden. Das geschah in der _Anthropogenie oder
Entwicklungsgeschichte des Menschen_, die 1874 herauskam. Erst die
beiden folgenden Jahre brachten dann zwei weitere Hefte der Studien zur
Gastratheorie.

Die Anthropogenie war zugleich eine geniale und -- khne Tat. Nicht
genug, da Haeckel als erster die gesamte Entwicklungsgeschichte des
Menschen unter groen philosophischen Gesichtspunkten historisch
darlegte und damit anfing, die genetische Betrachtung auch auf die
Zellen, Gewebe, Organe und Funktionen auszudehnen, er besa auch die in
den Augen der Exakten unerhrte Khnheit, den sprden Stoff
gemeinverstndlich zu fassen, die wissenschaftlichen Geheimnisse der
Embryologie einem greren Leserkreise auszuliefern und den gebildeten
Zeitgenossen schonungslos ihren tierischen Ursprung klarzumachen. Bis
dahin hatte man sich begngt, die sicheren, weil direkt wahrnehmbaren
Tatsachen mglichst genau zu beschreiben; nun kam da wieder der
popularisationswtige Jenenser Professor und verknpfte auch auf dem
Gebiet der menschlichen Entwicklungsgeschichte mit Tatsachen khne
genealogische Hypothesen! Die Wrde der Wissenschaft war in Gefahr,
und die Angriffe fielen abermals, wie nach dem Erscheinen der
Schpfungsgeschichte, schneeflockendicht auf das neue Werk. In
Wirklichkeit hat die Wrde der Wissenschaft in den vier Jahrzehnten, die
seit dem Erscheinen der Anthropogenie jetzt verflossen sind, so wenig
darunter gelitten, wie das Werk selbst an Bedeutung verloren hat. Die
beiden reich illustrierten Prachtbnde, die fortgesetzt neue
Auflagen erleben, gelten immer noch unbestritten als die beste
zusammenhngende Darstellung des groen Wundergebiets der menschlichen
Entwicklungsgeschichte, die in der gesamten naturwissenschaftlichen
Literatur existiert.

Auch in der Folgezeit hat Haeckel fast unausgesetzt im schrfsten
Kreuzfeuer der durch die Entwicklungslehre erzeugten Debatten gestanden.
Besonders wiederum nach dem 18. September 1877, wo er in Mnchen auf der
50. Versammlung der deutschen Naturforscher und rzte ber _Die heutige
Entwicklungslehre im Verhltnis zur Gesamtwissenschaft_ sprach und
unter anderem forderte, die Deszendenztheorie msse als wichtiges
Bildungsmittel auch in der Schule ihren berechtigten Einflu geltend
machen -- eine Rede, die Rudolf Virchow zu seinem vielbesprochenen
Gegenvortrage ber Die Freiheit der Wissenschaft im modernen Staate
Veranlassung gab. Im Jahre vor jener Mnchener Naturforscherversammlung
hatte Haeckel in seiner Schrift: _Die Perigenesis der Plastidule_ oder
die Wellenzeugung der Lebensteilchen bereits zu erweisen versucht, da
das unbewute Gedchtnis eine allgemeine Funktion nicht blo der
Zelle, sondern auch aller Protoplasma-Molekle der Zelle (Plastidule)
sei, mit anderen Worten: da die Zellseele, die Grundlage der
erfahrungsmigen Psychologie, selbst wieder zusammengesetzt sei aus den
psychischen Ttigkeiten der kleinsten Teilchen des Protoplasmas: die
Plastidule ist demnach der letzte Faktor des organischen Seelenlebens.
Das zog er auch jetzt, in der Mnchener Rede, mit Nachdruck heran bei
der Besprechung des bedeutungsvollen Umschwungs in der Beurteilung der
Seelenfrage; ist doch die Annahme der Beseelung aller Materie ein
notwendiges Postulat fr die folgerichtige Durchfhrung der monistischen
Entwicklungslehre und damit der monistischen Weltanschauung. Virchow war
aber auch damit nicht einverstanden. Die Theorie der Zellseele erklrte
er fr ein bloes Spiel mit Worten, und ganz entschieden bestritt er
das wissenschaftliche Bedrfnis, das Gebiet der geistigen Vorgnge ber
den Kreis derjenigen Krper hinaus auszudehnen, in und an denen wir sie
wirklich sich darstellen sehen. Wir haben keinen Grund, jetzt schon
davon zu sprechen, da die niedrigsten Tiere psychische Eigenschaften
besitzen; wir finden dieselben nur bei den hheren, ganz sicher nur bei
den hchsten usw. Und dann kam im Anschlu an die Bekmpfung der
Zellseelentheorie die Bekmpfung der Deszendenztheorie berhaupt, nicht
mit Grnden der Wissenschaft, sondern -- im Staatsinteresse! Nun
stellen Sie sich einmal vor, rief der Redner emphatisch aus, wie sich
die Deszendenztheorie heute schon im Kopfe eines Sozialisten darstellt!
Ja, meine Herren, das mag manchem lcherlich erscheinen, und ich will
hoffen, da die Deszendenztheorie fr uns nicht alle die Schrecken
bringen mge, die hnliche Theorien wirklich im Nachbarlande angerichtet
haben. Immerhin hat auch diese Theorie, wenn sie konsequent durchgefhrt
wird, eine ungemein bedenkliche Seite, und da der Sozialismus mit ihr
Fhlung genommen hat, wird Ihnen hoffentlich nicht entgangen sein.
Zuletzt resumierte sich Virchow dahin, da man _nicht_ lehren und es
_nicht_ als eine Errungenschaft der Wissenschaft bezeichnen knne, da
der Mensch vom Affen oder von irgendeinem anderen Tier abstamme. Heute
schtteln wir lchelnd den Kopf ber all diese Velleitten. Damals
jedoch galt die Virchowsche Rede fr eine moralische Tat
sondergleichen, die auf Jahrzehnte hinaus allen grundstzlichen Gegnern
der Abstammungslehre ein Ansporn zu doppeltem Eifer in ihrer Bekmpfung
wurde.

Haeckel hat im Jahre 1878 in seiner Schrift _Freie Wissenschaft und
freie Lehre_ ausfhrlich auf Virchows Mnchener Rede geantwortet, im
brigen aber auch die Entscheidung dieses Streites der Zukunft
anheimgegeben. Nur ganz gelegentlich ist er spter auf die Debatten
zurckgekommen, vor allem in seinen Berliner Vortrgen; _Der Kampf um
den Entwicklungsgedanken_ (1905). Ihn lockten zunchst wieder
wichtigere und fruchtbarere Aufgaben.

Schon 1864 und 1865 waren im Anschlu an die Monographie der
Radiolarien die ersten Teile eines umfangreichen Prachtwerkes ber die
Medusen erschienen, deren Studium Haeckel seit den Tagen von Helgoland
immer von neuem entzckt hatte. Jetzt galt es nicht blo den Abschlu
_dieses_ Werkes, dessen erster Band 1879 unter dem Titel _Das System
der Medusen_ (mit 40 Tafeln in Farbendruck) und dessen zweiter (mit 32
Tafeln) 1881 unter dem Titel _Die Tiefsee-Medusen der Challengerreise_
und der Organismus der Medusen herauskam, jetzt galt es auch die
mikroskopische Durchforschung der riesigen Radiolarienschtze und weiter
der Siphonophoren und Tiefsee-Hornschwmme, die die berhmte
wissenschaftliche Expedition der englischen Korvette Challenger in den
Jahren 1873 bis 1876 gesammelt und deren Bearbeitung die englische
Regierung Haeckel anvertraut hatte. Zehn Jahre mhsamer Arbeit
verflossen, bis das neue groe _Radiolarienwerk_ (2750 Seiten Text und
140 Tafeln) zum Abschlu gebracht war, zwei weitere Jahre, bis auch das
_System der Siphonophoren_ (mit 50 Farbendrucktafeln) und die
_Tiefsee-Hornschwmme_ (mit 8 Tafeln) erscheinen konnten. Besonders
das Radiolarienwerk ist bewundernswert. 810 Arten waren bekannt, als
Haeckel 1877 die Arbeit in Angriff nahm; als er zehn Jahre spter den
Abschlustrich machte, hatte er 3508 neue Arten hinzuentdeckt! Alle
diese zauberhaft schnen, mikroskopisch kleinen Meeresgeschpfe hatte
sein Ordnungssinn nicht nur benannt und beschrieben, sondern nach
wissenschaftlichen Grundstzen auch bersichtlich gruppiert und nach
Verwandtschaftsgraden in ein System von 85 Familien, 20 Ordnungen, 4
Legionen und 2 Unterklassen gebracht. Welch beispielloses Gedchtnis,
welch kritisches Unterscheidungsvermgen war dazu ntig! Und welch ein
knstlerisch geschulter Blick war erforderlich, um die subtilen und
schwierigen Formen dann auch im Bilde noch festzuhalten! Nur einmal noch
in seinem spteren Leben gelang ihm ein gleich phnomenales Werk, wenn
auch anderer Art: die dreibndige _Systematische Phylogenie_, der
Entwurf eines natrlichen Systems der Organismen auf Grund ihrer
Stammesgeschichte, der 1896 vollendet wurde. Man mag im einzelnen, ja
in Hauptpunkten verschiedener Ansicht sein, sagt darber der Zricher
Zoologe Professor Arnold Lang, aber staunend und bewundernd mssen wir
stehen vor diesem Werke, staunend ber die ungeheure Flle des Wissens,
die sich in diesem Umfange vielleicht nie mehr in einem Kopfe vereinigen
wird, bewundernd vor der geistigen Arbeit, mit welcher einerseits die
unzhligen Einzelerscheinungen verknpft werden und anderseits der ganze
riesige Stoff in formal vollendeter Weise bersichtlich gegliedert
wird.

Von allen diesen hervorragenden Gaben des unermdlichen Spezialforschers
und Detailarbeiters Haeckel wei in der Regel der Laie nichts oder so
gut wie nichts. Fr ihn kommt zunchst nur der populre Verfasser der
Natrlichen Schpfungsgeschichte, der _Weltrtsel_ und
_Lebenswunder_ in Frage. Zumal der Verfasser der Weltrtsel, der
sich verma, ber irdische und himmlische Dinge so temperamentvoll sein
Urteil abzugeben. Hchstens da dieser und jener auch noch das
verdienstvolle Tafelwerk der _Kunstformen der Natur_ kennt, in dem vom
Standpunkt des sthetikers die wundersamen Kunstgebilde der Radiolarien,
Schwmme, Siphonophoren usw., aber auch die aus der hheren Tier- und
Pflanzenwelt als vorbildlicher Ornamentenschatz fr das moderne
Kunstgewerbe zusammengestellt sind. Kein Wunder deshalb, da man auch
unter Gebildeten vielfach den schiefsten und ungerechtesten Urteilen
begegnet, sobald einmal auf Haeckel und dessen Wirken und Schaffen die
Rede kommt.

Allein schon die rein quantitative Arbeitsleistung dieses Mannes mu mit
Bewunderung erfllen. Wenn man erwgt, da auer den genannten populren
und wissenschaftlichen Werken, die er von Auflage zu Auflage stets neu
zu bearbeiten und zu verbessern bestrebt war, noch eine Menge kleinerer
Aufstze und Abhandlungen seiner Feder entflossen sind, und da neben
all diesem noch seine Lehrttigkeit an der Jenaer Hochschule und seine
alljhrlichen Forschungsreisen einhergingen, so mu angesichts solcher
Schaffenskraft selbst den Arbeitsfreudigsten ein gelindes Gruseln
anwehen. Hinzu kommt aber noch, da Haeckel auch die Originale seiner
wundervollen Farbendrucktafeln, von denen allein die groen Monographien
rund 360 an der Zahl aufweisen, groenteils selbst aquarelliert hat,
wobei ihm sein hochentwickeltes Zeichen- und Maltalent sehr zustatten
kam.

Wie sehr brigens Haeckel stets Forscher und Knstler in einer Person
war, das zeigen am besten seine weit ber tausend farbenprchtigen
_Wanderbilder_, von denen ein kleiner Teil unter diesem Titel
erschienen ist. Wohin seine Forschungsreisen ihn immer auch fhrten --
und er hat mehr als dreiig in seinem Leben gemacht -- immer und berall
war das Malzeug sein Weggefhrte. Hatte die Feder ihr Pensum vollendet
oder fhlte der Forscher sich abgespannt von der mhsamen zoologischen
Facharbeit, so drstete die Seele des Knstlers, des sthetikers dann um
so glhender nach einem Trunk aus dem sprudelnden Quell der Gesamtnatur,
und er ruhte nicht eher, als bis er ihr irgendein Stck ihrer Schnheit
mit Stift oder Pinsel entwunden hatte. Auf dem blauen Meer wie auf
ragenden Berggipfeln, unter den sengenden Strahlen der Tropensonne wie
im Schatten des Urwalddickichts, in den russischen Steppen wie im
nordischen Fjord -- allberall war der nimmersatte Schnheitssucher in
Haeckel dem Forscher ein steter Begleiter. Seine mit Hildebrandtscher
Farbenglut gemalten Wanderbilder mu man gesehen, seine formvollendeten
reichillustrierten Reisebcher _Arabische Korallen_, _Indische
Reisebriefe_ und _Aus Insulinde_ mu man gelesen haben, um seinen
heiligen Enthusiasmus fr alles Wahre, Schne und Gute dem ganzen
Umfange nach zu begreifen.

In wundervoller Geschlossenheit liegt heute das arbeits- und
frchtereiche Lebenswerk Haeckels vor unseren Augen, das Lebenswerk
eines Forschers, Knstlers und Philosophen. Und das eines Kmpfers, wie
man hinzufgen darf. Niemand kann leugnen, da er bei all seiner
Genialitt recht oft auch gefehlt hat wie ein ganz sterblicher Mensch,
da ihm sein heies Temperament oft die Sehweite krzte und da seine
Philosophie, seine Weltanschauung an Lcken und Schwchen nicht arm ist.
Jeder hat die Philosophie, die in ihm ist. Er hat die seine, die aus dem
fruchtbaren Boden der Erfahrungswissenschaften hervorgewachsen und
deshalb allen rein spekulativen Erkenntnistheorien wenig hold ist. Er
hat sie zum Abschlu gebracht und ist glcklich darin. Ihm ist es genug,
das Unerforschte so in die Enge getrieben zu haben, da es sich wie von
selbst ihm ergeben mu. Aber niemand, der wirklich sein Lebenswerk
kennt, kann auch leugnen, da Haeckels ganze fnfzigjhrige
Beschftigung mit der Natur und Hingebung an die Natur, da sein ganzes
Forschen und Denken nichts anderes war als ein Ausflu religisen
Sehnens, als Herzenssache, Gemtssache. Ihm, der der Wahrheit um ihrer
selbst willen nachsprte, war ganz notwendig das Wahre identisch mit dem
Gttlichen.

Ernst Haeckel kann, wenn er die Inventur seines Lebens macht, wohl
zufrieden sein. Das hchste Glck der Erdenkinder hat er erreicht und
gewhrt: das Glck der Persnlichkeit, und seinen Namen hat er mit
unvergnglichen Lettern tief eingegraben in die Annalen der
Menschheitsgeschichte. Sptere Generationen, sagt Wilhelm Blsche, auf
dessen ausgezeichnete Biographie des Gelehrten der Leser ausdrcklich
verwiesen sei, werden uns um einen Mann wie Haeckel beneiden. Von
anderen wird man Folianten wlzen, zum Nachschlagen, ohne auf das
Titelblatt mit dem Namen zu achten. Bei ihm wird man den Namen suchen.
Von seiner geistigen Persnlichkeit wird man sich erzhlen. Da man mit
ihm streiten konnte, wird man verstehen. Da Zeitgenossen seine Gre
nicht sahen -- dafr wird man nur ein Achselzucken haben.

                   *       *       *       *       *

Die sechs kurzen Abschnitte aus einigen der bedeutendsten
gemeinverstndlichen Werke Ernst Haeckels, die dieses Sammelbndchen
vereinigt, vermgen natrlich nur einen schwachen Begriff von der
wissenschaftlichen Gesamtleistung des berhmten Naturforschers zu
vermitteln. Wenn sie dem einen oder anderen Weltrtsel-Leser, dem einen
oder anderen fr Fragen der Naturwissenschaft Interessierten zum Anla
werden, die Werke selbst in die Hand zu nehmen, ist ihr Hauptzweck
erreicht. Nichtsdestoweniger ist zu erwarten, da die Lektre der
einzelnen Kapitel auch an und fr sich jedem Leser genureiche und
anregende Stunden bescheren wird.

Die ersten beiden Abschnitte Inhalt und Bedeutung der Abstammungslehre
und Schpfungsperioden und Schpfungsurkunden sind der Natrlichen
Schpfungsgeschichte (11. Auflage, 1911, Verlag von Georg Reimer in
Berlin) entnommen. Es sind zwei von den dreiig darin vereinigten
Vortrgen ber die Entwicklungslehre im allgemeinen und die von Darwin,
Goethe und Lamarck im besonderen, Vortrge, die selbst dem ohne jede
wissenschaftliche Vorbildung an sie herantretenden Laien verstndlich
sind. Der dritte Abschnitt ber Die Gastratheorie dagegen will schon
ein bichen studiert sein, wie klar und anschaulich Haeckel das
schwierige Thema auch zu behandeln verstanden hat. Wenn wir unter den
dreiig Vortrgen der Anthropogenie oder Entwicklungsgeschichte des
Menschen (6. Auflage, 1911. Verlag von Wilhelm Engelmann in Leipzig)
gerade diesen zum Abdruck erwhlten, so geschah es, weil er im Rahmen
des zweibndigen Werkes noch wiederum ein Stck besonderen Eigenwerks
darstellt, insofern Ernst Haeckel selbst, wie schon ausgefhrt wurde,
der Entdecker der bedeutsamen Gastratheorie ist. Der Abschnitt
Erfahrung und Erkenntnis, in dem der Verfasser im Anschlu an
Schleiden und Johannes Mller ein fr allemal programmatisch seinen
Standpunkt zur Naturphilosophie festlegte, entstammt der 1866
erschienenen Generellen Morphologie (von der ein teilweiser,
unvernderter Abdruck unter dem Titel Prinzipien der Generellen
Morphologie der Organismen 1906 bei Georg Reimer herausgekommen ist),
der Abschnitt Arabische Korallen dem kleinen, durch zahlreiche
Abbildungen und farbenfreudige Aquarell-Reproduktionen geschmckten
Prachtbande gleichen Titels, in dem Ernst Haeckel 1875 seinen Ausflug
nach den Korallenbnken des Roten Meeres beschrieb, zugleich einen Blick
in das Leben der Korallentiere erschlieend (Verlag von Georg Reimer).
In dieser unbertrefflich lebendigen Schilderung, nicht minder in der
ihr folgenden ber Brussa und den asiatischen Olymp, kommt neben dem
Naturforscher in Haeckel vor allem der feinempfindende sthetiker zur
Geltung, der schnheitsuchende Knstler wie der Meister des Worts.

Fr die Erlaubnis zur Wiedergabe des Aufsatzes ber Brussa, der 1875
in der Deutschen Rundschau erschien und seitdem nicht wieder abgedruckt
wurde, bin ich Sr. Exzellenz Herrn Geheimrat Haeckel zu besonderem Danke
verpflichtet, fr die Genehmigung zum Nachdruck der brigen Abschnitte
auerdem den Herren Verlagsbuchhndlern Dr. de Gruyter (i. Fa.: Georg
Reimer) und Wilhelm Engelmann.

_Leipzig_, Ostern 1912.

                                                      Carl W. Neumann.




                          Natur und Mensch.





                                  I.
                       Inhalt und Bedeutung der
                          Abstammungslehre.


Die geistige Bewegung, zu welcher der englische Naturforscher Charles
Darwin im Jahre 1859 durch sein berhmtes Werk ber die Entstehung der
Arten[1] den Ansto gab, hat whrend des seitdem verflossenen kurzen
Zeitraums eine beispiellose Tiefe und Ausdehnung gewonnen. Allerdings
ist die in jenem Werke dargestellte naturwissenschaftliche Theorie
(gewhnlich kurzweg die Darwinsche Theorie oder der Darwinismus genannt)
nur ein Bruchteil einer viel umfassenderen Wissenschaft, nmlich der
universalen Entwicklungslehre, welche ihre unermeliche Bedeutung ber
das ganze Gebiet aller menschlichen Erkenntnis erstreckt. Allein die Art
und Weise, in welcher Darwin die letztere durch die erstere fest
begrndet hat, ist so berzeugend, und die entscheidende Wendung, welche
durch die notwendigen Folgeschlsse jener Theorie in der gesamten
Weltanschauung der Menschheit angebahnt worden ist, mu jedem tiefer
denkenden Menschen so gewaltig erscheinen, da man ihre allgemeine
Bedeutung nicht hoch genug anschlagen kann. Ohne Zweifel mu diese
ungeheure Erweiterung unseres menschlichen Gesichtskreises unter allen
den zahlreichen und groartigen wissenschaftlichen Fortschritten unserer
Zeit als der bei weitem folgenschwerste und wichtigste angesehen werden.

[Funote 1: Universal-Bibliothek Nr. 3071-76.]

Wenn man das 19. Jahrhundert mit Recht das Zeitalter der
Naturwissenschaften nennt, wenn man mit Stolz auf die unermelich
bedeutenden Fortschritte in allen Zweigen derselben blickt, so pflegt
man dabei gewhnlich weniger an die Erweiterung unserer allgemeinen
Naturerkenntnis, als vielmehr an die unmittelbaren praktischen Erfolge
jener Fortschritte zu denken. Man erwgt dabei die vllige und unendlich
folgenreiche Umgestaltung des menschlichen Verkehrs, welche durch das
entwickelte Maschinenwesen, durch die Eisenbahnen, Dampfschiffe,
Telegraphen, Telephone und andere Erfindungen der Physik hervorgebracht
worden ist. Oder man denkt an den mchtigen Einflu, welchen die Chemie
in der Heilkunst, in der Landwirtschaft, in allen Knsten und Gewerben
gewonnen hat. Wie hoch Sie aber auch diese Einwirkung der neueren
Naturwissenschaft auf das praktische Leben anschlagen mgen, so mu
dieselbe, von einem hheren und allgemeineren Standpunkt aus gewrdigt,
doch hinter dem ungeheuren Einflu zurckstehen, welchen die
theoretischen Fortschritte der heutigen Naturwissenschaft auf das
gesamte Erkenntnisgebiet des Menschen, auf seine ganze Weltanschauung
und Geistesbildung notwendig ausben. Denken Sie nur an den
unermelichen Umschwung aller unserer theoretischen Anschauungen,
welchen wir der allgemeinen Anwendung des Mikroskops verdanken. Denken
Sie allein an die Zellentheorie, die uns die scheinbare Einheit des
menschlichen Organismus als das zusammengesetzte Resultat aus der
staatlichen Verbindung von Milliarden elementarer Lebenseinheiten, der
Zellen, nachweist. Oder erwgen Sie die ungeheure Erweiterung unseres
theoretischen Gesichtskreises, welche wir der Spektralanalyse, der Lehre
von der Wrmemechanik und von der Erhaltung der Kraft verdanken. Unter
allen diesen bewunderungswrdigen theoretischen Fortschritten nimmt aber
jedenfalls unsere heutige Entwicklungslehre bei weitem den hchsten Rang
ein.

Jeder von Ihnen wird den Namen Darwin gehrt haben, aber die meisten
werden wahrscheinlich nur unvollkommene Vorstellungen von dem
eigentlichen Werte seiner Lehre besitzen. Denn wenn man alles
vergleicht, was seit dem Erscheinen seines epochemachenden Hauptwerks
ber dasselbe geschrieben worden ist, so mu demjenigen, der sich nicht
nher mit den organischen Naturwissenschaften befat hat, der nicht in
die inneren Geheimnisse der Zoologie und Botanik eingedrungen ist, der
Wert jener Theorie doch zweifelhaft erscheinen. Die Beurteilung
derselben ist voll von Widersprchen und Miverstndnissen. Daher hat
selbst jetzt, fnfzig Jahre nach dem Erscheinen von Darwins Werk,
dasselbe noch nicht allgemein diejenige volle Bedeutung erlangt, welche
ihm von Rechts wegen gebhrt, und welche es jedenfalls frher oder
spter erlangen wird. Die meisten von den zahllosen Schriften, welche
fr und gegen den Darwinismus whrend dieses Zeitraums verffentlicht
wurden, lassen den erforderlichen Grad von biologischer, und besonders
von zoologischer Bildung vermissen. Obwohl jetzt alle bedeutenden
Naturforscher der Gegenwart zu den Anhngern jener Theorie gehren,
haben doch nur wenige derselben Geltung und Verstndnis in weiteren
Kreisen zu verschaffen gesucht. Daher rhren die befremdenden
Widersprche und die seltsamen Urteile, die man noch heute vielfach ber
den Darwinismus hren kann. Gerade dieser Umstand hat mich vorzugsweise
bestimmt, die Darwinsche Theorie und die damit zusammenhngenden
weiteren Lehren zum Gegenstand allgemein verstndlicher Vortrge zu
machen. Ich halte es fr die Pflicht der Naturforscher, da sie nicht
allein in dem engeren Kreise ihrer Fachwissenschaft auf Verbesserungen
und Entdeckungen sinnen, da sie sich nicht allein in das Studium des
Einzelnen mit Liebe und Sorgfalt vertiefen, sondern da sie auch die
wichtigen, allgemeinen Ergebnisse ihrer besonderen Studien fr das Ganze
nutzbar machen, und da sie naturwissenschaftliche Bildung in weiten
Kreisen verbreiten helfen. Der hchste Triumph des menschlichen Geistes,
die wahre Erkenntnis der allgemeinsten Naturgesetze, darf nicht das
Privateigentum einer privilegierten Gelehrtenkaste bleiben, sondern mu
segensreiches Gemeingut der ganzen gebildeten Menschheit werden.

Die Theorie, welche durch Darwin an die Spitze unserer Naturerkenntnis
gestellt worden ist, pflegt man gewhnlich als Abstammungslehre oder
Deszendenztheorie zu bezeichnen. Andere nennen sie Umbildungslehre oder
Transmutationstheorie oder auch kurz: Transformismus. Beide
Bezeichnungen sind richtig. Denn diese Lehre behauptet, da alle
verschiedenen Organismen (d. h. alle Tierarten und Pflanzenarten, welche
jemals auf der Erde gelebt haben, und noch jetzt leben) von einer
einzigen oder von wenigen hchst einfachen Stammformen abstammen, und
da sie sich aus diesen auf dem natrlichen Wege allmhlicher Umbildung
langsam entwickelt haben. Obwohl diese Entwicklungstheorie schon im
Anfange unseres Jahrhunderts von verschiedenen groen Naturforschern,
insbesondere von Lamarck und Goethe, aufgestellt und verteidigt wurde,
hat sie doch erst im Jahre 1859 durch Darwin ihre vollstndige
Ausbildung und ihre urschliche Begrndung erfahren. Dies ist der Grund,
weshalb sie oft ausschlielich (obwohl nicht ganz richtig) als Darwins
Theorie bezeichnet wird.

Der unschtzbare Wert der Abstammungslehre erscheint in verschiedenem
Lichte, je nachdem Sie blo deren nhere Bedeutung fr die organische
Naturwissenschaft, oder aber ihren weiteren Einflu auf die gesamte
Welterkenntnis des Menschen in Betracht ziehen. Die organische
Naturwissenschaft oder die Biologie, welche als Zoologie die Tiere, als
Botanik die Pflanzen zum Gegenstand ihrer Erkenntnis hat, wird durch die
Abstammungslehre von Grund aus umgestaltet. Denn durch die
Deszendenztheorie lernen wir die wahren wirkenden Ursachen der
organischen Formerscheinungen erkennen, whrend die bisherige Tier- und
Pflanzenkunde sich berwiegend mit der Kenntnis ihrer Tatsachen
beschftigte. Man kann daher auch die Abstammungslehre als die
mechanische Erklrung der organischen Form-Erscheinungen oder als die
Lehre von den wahren Ursachen in der organischen Natur bezeichnen.

Da ich nicht voraussetzen kann, da Ihnen allen die Ausdrcke
organische und anorganische Natur gelufig sind, und da uns die
Gegenberstellung dieser beiderlei Naturkrper in der Folge noch
vielfach beschftigen wird, so mu ich ein paar Worte zur Verstndigung
darber vorausschicken. Organismen oder organische Naturkrper nennen
wir alle Lebewesen oder belebten Krper, also alle Pflanzen und Tiere,
den Menschen mit inbegriffen, weil bei ihnen fast immer eine
Zusammensetzung aus verschiedenartigen Teilen (Werkzeugen oder
Organen) nachzuweisen ist; diese Organe mssen zusammenwirken, um die
Lebenserscheinungen hervorzubringen. Eine solche Zusammensetzung
vermissen wir dagegen bei den Anorganen oder anorganischen Naturkrpern,
den sogenannten toten oder unbelebten Krpern, den Mineralien oder
Gesteinen, dem Wasser, der atmosphrischen Luft usw. Die Organismen
enthalten stets eiweiartige Kohlenstoffverbindungen in weichem oder
festflssigem Zustande, whrend diese den Anorganen stets fehlen. Auf
diesem wichtigen Unterschiede beruht die Einteilung der gesamten
Naturwissenschaft in zwei groe Hauptabteilungen, in die Biologie oder
Wissenschaft von den Organismen (Anthropologie, Zoologie und Botanik)
und die Anorgologie oder Abiologie, die Wissenschaft von den Anorganen
(Mineralogie, Geologie, Hydrographie, Meteorologie usw.).

Die unvergleichliche Bedeutung der Abstammungslehre fr die Biologie
liegt also vorzugsweise darin, da sie uns die Entstehung der
organischen Formen auf mechanischem Wege erklrt und deren wirkende
Ursachen nachweist. So hoch man aber auch mit Recht dieses Verdienst der
Deszendenztheorie anschlagen mag, so tritt dasselbe doch fast zurck vor
der unermelichen Wichtigkeit, welche eine einzige notwendige Folgerung
derselben fr sich allein in Anspruch nimmt. Diese unvermeidliche
Folgerung ist die Lehre von der tierischen Abstammung des
Menschengeschlechts.

Die Bestimmung der Stellung des Menschen in der Natur und seiner
Beziehungen zur Gesamtheit der Dinge, diese Frage aller Fragen fr die
Menschheit, wie sie Huxley mit Recht genannt hat, wird durch jene
Erkenntnis der tierischen Abstammung des Menschengeschlechts endgltig
gelst. Wir gelangen also durch den Transformismus oder die
Deszendenztheorie zum erstenmal in die Lage, eine natrliche
Entwicklungsgeschichte des Menschengeschlechts wissenschaftlich
begrnden zu knnen. Sowohl alle Verteidiger als alle denkenden Gegner
Darwins haben anerkannt, da die Abstammung des Menschengeschlechts
zunchst von affenartigen Sugetieren, weiterhin aber von niederen
Wirbeltieren, mit Notwendigkeit aus seiner Theorie folgt.

Allerdings hat Darwin diese wichtigste von allen Folgerungen seiner
Lehre nicht sofort selbst ausgesprochen. In seinem Werke von der
Entstehung der Arten ist die tierische Abstammung des Menschen nicht
errtert. Der ebenso vorsichtige als khne Naturforscher ging damals
absichtlich mit Stillschweigen darber hinweg, weil er voraussah, da
dieser bedeutendste von allen Folgeschlssen der Abstammungslehre
zugleich das grte Hindernis fr die Verbreitung und Anerkennung
derselben sein werde. Gewi htte Darwins Buch von Anfang an noch weit
mehr Widerspruch und rgernis erregt, wenn sogleich diese wichtigste
Konsequenz darin klar ausgesprochen worden wre. Erst zwlf Jahre
spter, in dem 1871 erschienenen Werke ber Die Abstammung des Menschen
und die geschlechtliche Zuchtwahl[2] hat Darwin jenen weitreichendsten
Folgeschlu offen anerkannt, und ausdrcklich seine volle
bereinstimmung mit den Naturforschern erklrt, welche denselben
inzwischen schon selbst gezogen hatten. Offenbar ist die Tragweite
dieser Folgerung ganz unermelich, und keine Wissenschaft wird sich den
Konsequenzen derselben entziehen knnen. Die Anthropologie oder die
Wissenschaft vom Menschen, und infolgedessen auch die ganze Philosophie,
wird in allen einzelnen Zweigen dadurch von Grund aus umgestaltet.

[Funote 2: Universal-Bibliothek Nr. 3216-25.]

Um es mit einem Satze auszudrcken, so ist jene bedeutungsvolle, aber
die meisten Menschen von vornherein abstoende Folgerung nichts weiter
als ein besonderer Deduktionsschlu, den wir aus dem sicher begrndeten
allgemeinen Induktionsgesetze der Deszendenztheorie nach den strengen
Geboten der unerbittlichen Logik notwendig ziehen mssen.

Vielleicht ist nichts geeigneter, Ihnen die ganze und volle Bedeutung
der Abstammungslehre mit zwei Worten klarzumachen, als die Bezeichnung
derselben mit dem Ausdruck: Natrliche Schpfungsgeschichte. Jedoch
ist dieselbe nur in einem gewissen Sinne richtig; denn streng genommen
schliet der Ausdruck natrliche Schpfungsgeschichte einen inneren
Widerspruch, eine ^contradictio in adjecto^ ein. Lassen Sie uns, um dies
zu verstehen, einen Augenblick den zweideutigen Begriff der Schpfung
etwas nher ins Auge fassen. Wenn man unter Schpfung die Entstehung
eines Krpers durch eine schaffende Gewalt oder Kraft versteht, so kann
man dabei entweder an die Entstehung seines Stoffes (der krperlichen
Materie) oder an die Entstehung seiner Form (der krperlichen Gestalt)
denken.

Die Schpfung im ersteren Sinne, als die Entstehung der Materie, geht
uns hier gar nichts an. Dieser Vorgang, wenn er berhaupt jemals
stattgefunden hat, ist gnzlich der menschlichen Erkenntnis entzogen, er
kann daher auch niemals Gegenstand naturwissenschaftlicher Erforschung
sein. Die Naturwissenschaft hlt die Materie fr ewig und unvergnglich,
weil durch die Erfahrung noch niemals das Entstehen oder Vergehen auch
nur des kleinsten Teilchens der Materie nachgewiesen worden ist. Da wo
ein Naturkrper zu verschwinden scheint, wie z. B. beim Verbrennen, beim
Verwesen, beim Verdunsten usw., da ndert er nur seine Form, seinen
physikalischen Aggregatzustand oder seine chemische Verbindungsweise.
Ebenso beruht die Entstehung eines neuen Naturkrpers, z. B. eines
Kristalles, eines Pilzes, eines Infusoriums nur darauf, da
verschiedene Stoffteilchen, welche vorher in einer gewissen Form
oder Verbindungsweise existierten, infolge von vernderten
Existenzbedingungen eine neue Form oder Verbindungsweise annehmen. Aber
noch niemals ist der Fall beobachtet worden, da auch nur das kleinste
Stoffteilchen aus der Welt verschwunden, oder nur ein Atom zu der
bereits vorhandenen Masse hinzugekommen wre. Der Naturforscher kann
sich daher ein Entstehen der Materie ebensowenig als ein Vergehen
derselben vorstellen; er betrachtet die in der Welt bestehende Quantitt
der Materie als eine gegebene feste Tatsache. Fhlt jemand das
Bedrfnis, sich die Entstehung dieser Materie als die Wirkung einer
bernatrlichen Schpfungsttigkeit, einer auerhalb der Materie
stehenden schpferischen Kraft vorzustellen, so haben wir nichts
dagegen. Aber wir mssen bemerken, da damit auch nicht das geringste
fr eine wissenschaftliche Naturkenntnis gewonnen ist. Eine solche
Vorstellung von einer immateriellen Kraft, welche die Materie erst
schafft, ist ein Glaubensartikel, welcher mit der menschlichen
Wissenschaft gar nichts zu tun hat. Wo der mystische Glaube anfngt,
hrt die echte Wissenschaft auf. Beide Ttigkeiten des menschlichen
Geistes sind scharf voneinander zu halten. Der Glaube an bernatrliche
Vorgnge hat seinen Ursprung in der dichtenden Einbildungskraft, das
klare Wissen dagegen in dem erkennenden Verstande des Menschen. Die
Wissenschaft hat die segenbringenden Frchte von dem Baume der
Erkenntnis zu pflcken, unbekmmert darum, ob dadurch die dichterischen
Einbildungen der Glaubenschaft beeintrchtigt werden oder nicht.

Wenn also die Naturwissenschaft sich die natrliche
Schpfungsgeschichte zu ihrer hchsten, schwersten und lohnendsten
Aufgabe macht, so kann sie den Begriff der Schpfung nur in der zweiten,
oben angefhrten Bedeutung verstehen, als die Entstehung der Form
der Naturkrper. In diesem Sinne kann man die Geologie die
Schpfungsgeschichte der Erde nennen; denn sie sucht die Entstehung der
geformten anorganischen Erdoberflche und die mannigfaltigen
geschichtlichen Vernderungen in der Gestalt der festen Erdrinde zu
erforschen. Ebenso kann man die Entwicklungsgeschichte der Tiere und
Pflanzen, welche die Entstehung der belebten Formen und den
mannigfaltigen historischen Wechsel der tierischen und pflanzlichen
Gestalten untersucht, die Schpfungsgeschichte der Organismen nennen. Da
jedoch in den Begriff der Schpfung sich immer leicht die
unwissenschaftliche Vorstellung von einem auerhalb der Materie
stehenden und dieselbe umbildenden Schpfer einschleicht, so wird es in
Zukunft wohl besser sein, denselben durch die strengere Bezeichnung der
Entwicklung zu ersetzen.

Der hohe Wert, welchen die Entwicklungsgeschichte fr das
wissenschaftliche Verstndnis der Tier- und Pflanzenformen besitzt, ist
seit einem halben Jahrhundert allgemein anerkannt; man kann ohne sie in
der organischen Morphologie oder Formenlehre keinen sicheren Schritt
mehr tun. Jedoch hat man vor 1866 unter Entwicklungsgeschichte nur einen
Teil dieser Wissenschaft, nmlich diejenige der organischen Individuen
oder Einzelwesen verstanden, die sogenannte Embryologie, richtiger und
umfassender _Ontogenie_ genannt. Auer dieser gibt es aber auch noch
eine Entwicklungsgeschichte der organischen Arten, Klassen und Stmme
(Phylen); und diese steht zu der ersteren in den wichtigsten
Beziehungen. Das Material dafr liefert die Versteinerungskunde oder
Palontologie. Diese lehrt uns, da jedes organische Phylum, jeder Stamm
des Tier- und Pflanzenreichs, whrend der verschiedenen Perioden der
Erdgeschichte durch eine Reihe von ganz verschiedenen Klassen und Arten
vertreten wird. So ist z. B. der Stamm der Wirbeltiere durch die Klassen
der Fische, Amphibien, Reptilien, Vgel und Sugetiere vertreten und
jede dieser Klassen zu verschiedenen Zeiten durch ganz verschiedene
Arten. Diese palontologische Entwicklungsgeschichte der Organismen kann
man als Stammesgeschichte oder _Phylogenie_ bezeichnen; sie steht in den
wichtigsten und merkwrdigsten Beziehungen zu dem anderen Zweige der
organischen Entwicklungsgeschichte, zur Keimesgeschichte oder Ontogenie.
Die letztere luft der ersteren im groen und ganzen parallel. Um
es kurz mit einem Satze zu sagen, so ist die individuelle
Entwicklungsgeschichte eine schnelle, durch die Gesetze der Vererbung
und Anpassung bedingte Wiederholung der langsamen palontologischen
Entwicklungsgeschichte; die Ontogenie ist ein kurzer Auszug oder eine
Rekapitulation der Phylogenie. Das ist unser _biogenetisches
Grundgesetz_ (1866), das einzig und allein durch die Abstammungslehre
erklrt und in seinen Ursachen verstanden werden kann; ohne dieselbe
bleibt es ganz unverstndlich und unerklrlich.

Die Deszendenztheorie zeigt uns zugleich, _warum_ berhaupt die
einzelnen Tiere und Pflanzen sich entwickeln mssen, _warum_ dieselben
nicht gleich in fertiger und entwickelter Form ins Leben treten. Keine
bernatrliche Schpfungsgeschichte vermag uns das groe Rtsel der
organischen Entwicklung irgendwie zu erklren. Ebenso wie auf diese
hochwichtige Frage gibt uns der Transformismus auch auf alle anderen
allgemeinen biologischen Fragen befriedigende Antworten, und zwar sind
diese Antworten rein mechanisch-kausaler Natur; sie weisen lediglich
natrliche, physikalisch-chemische Krfte als die Ursachen von
Erscheinungen nach, die man frher gewohnt war, der unmittelbaren
Einwirkung bernatrlicher, schpferischer Krfte zuzuschreiben. Mithin
entfernt der Transformismus aus allen Gebietsteilen der Botanik und
Zoologie, und namentlich auch aus dem wichtigsten Teile der letzteren,
aus der Anthropologie, den Wunderglauben; er lftet den mystischen
Schleier des Wunderbaren und bernatrlichen, mit welchem man bisher die
verwickelten Erscheinungen dieser natrlichen Erkenntnisgebiete zu
verhllen liebte. Das unklare Nebelbild mythologischer Dichtung kann vor
dem klaren Sonnenlicht naturwissenschaftlicher Erkenntnis nicht lnger
bestehen.

Von ganz besonderem Interesse sind unter jenen biologischen
Erscheinungen diejenigen, welche die gewhnliche Annahme von der
Entstehung eines jeden Organismus durch eine zweckmig bauende
Schpferkraft widerlegen. Nichts hat in dieser Beziehung der frheren
Naturforschung so groe Schwierigkeiten verursacht, als die Deutung der
sogenannten _rudimentren Organe_, derjenigen Teile im Tier- und
Pflanzenkrper, welche eigentlich ohne Leistung, ohne physiologische
Bedeutung, und dennoch formell vorhanden sind. Diese Teile verdienen das
allerhchste Interesse, obwohl die meisten Leute wenig oder nichts davon
wissen. Fast jeder hher entwickelte Organismus, fast jedes Tier und
jede Pflanze, besitzt neben den scheinbar zweckmigen Einrichtungen
seiner Organisation andere Einrichtungen, die durchaus keinen Zweck,
keine Funktion in dessen Leben haben knnen.

Beispiele davon finden sich berall. Bei den Embryonen mancher
Wiederkuer, unter anderen bei unserem gewhnlichen Rindvieh, stehen
Schneidezhne im Zwischenkiefer der oberen Kinnlade, welche niemals zum
Durchbruch gelangen, also auch keinen Zweck haben. Die Embryonen mancher
Walfische, welche spterhin die bekannten Barten statt der Zhne
besitzen, tragen, solange sie noch nicht geboren sind und keine Nahrung
zu sich nehmen, dennoch zahlreiche Zhne in ihren Kiefern; auch dieses
Gebi tritt niemals in Ttigkeit. Ferner besitzen die meisten hheren
Tiere Muskeln, die nie zur Anwendung kommen; selbst der Mensch besitzt
solche rudimentre Muskeln. Die meisten von uns sind nicht fhig, ihre
Ohren willkrlich zu bewegen, obwohl die Muskeln fr diese Bewegung
vorhanden sind; aber einzelnen Personen, die sich andauernd Mhe geben,
diese Muskeln zu ben, ist es in der Tat gelungen, ihre Ohren wieder in
Bewegung zu setzen. In diesen noch jetzt vorhandenen, aber verkmmerten
Organen, welche dem vollstndigen Verschwinden entgegengehen, ist es
noch mglich, durch besondere bung, durch andauernden Einflu der
Willensttigkeit des Nervensystems, die beinahe erloschene Ttigkeit
wieder zu beleben. Dagegen vermgen wir dies nicht mehr in den kleinen
rudimentren Ohrmuskeln, welche noch am Knorpel unserer Ohrmuschel
vorkommen; diese bleiben immer vllig wirkungslos. Bei unseren
langohrigen Vorfahren aus der Tertirzeit, Affen, Halbaffen und
Beuteltieren, welche gleich den meisten anderen Sugetieren ihre groe
Ohrmuschel frei und lebhaft bewegten, waren jene Muskeln viel strker
entwickelt und von groer Bedeutung. So haben in gleicher Weise auch
viele Spielarten der Hunde und Kaninchen, deren wilde Vorfahren ihre
steifen Ohren vielseitig bewegten, unter dem Einflusse des Kulturlebens
sich jenes Ohrenspitzen abgewhnt; sie haben dadurch verkmmerte
Ohrmuskeln und schlaff herabhngende Ohren bekommen.

Auch noch an anderen Stellen seines Krpers besitzt der Mensch solche
rudimentre Organe, welche durchaus von keiner Bedeutung fr das Leben
sind und niemals funktionieren. Eines der merkwrdigsten, obwohl
unscheinbarsten Organe der Art ist die kleine halbmondfrmige Falte,
welche wir am inneren Winkel unseres Auges, nahe der Nasenwurzel
besitzen, die sogenannte ^Plica semilunaris^. Diese unbedeutende
Hautfalte bietet fr unser Auge gar keinen Nutzen; sie ist nur der ganz
verkmmerte Rest eines dritten, inneren Augenlides, welches neben dem
oberen und unteren Augenlide bei anderen Sugetieren, bei Vgeln und
Reptilien sehr entwickelt ist. Ja sogar schon unsere uralten Vorfahren
aus der Silurzeit, die Urfische, scheinen dies dritte Augenlid, die
sogenannte Nickhaut, besessen zu haben. Denn viele von ihren nchsten
Verwandten, die in wenig vernderter Form noch heute fortleben, viele
Haifische nmlich, besitzen eine sehr starke Nickhaut, und diese kann
vom inneren Augenwinkel her ber den ganzen Augapfel hinbergezogen
werden.

Zu den schlagendsten Beispielen von rudimentren Organen gehren die
Augen, welche nicht sehen. Solche finden sich bei sehr vielen Tieren,
welche im Dunkeln, z. B. in Hhlen, unter der Erde leben. Die Augen sind
hier oft wirklich in ausgebildetem Zustande vorhanden; aber sie sind von
dicker, undurchsichtiger Haut bedeckt, so da kein Lichtstrahl in sie
hineinfallen kann, mithin knnen sie auch niemals sehen. Solche Augen
ohne Gesichtsfunktion besitzen z. B. mehrere Arten von unterirdisch
lebenden Maulwrfen und Blindmusen, von Schlangen und Eidechsen, von
Amphibien und Fischen; ferner zahlreiche wirbellose Tiere, die im
Dunkeln ihr Leben zubringen: viele Kfer, Krebstiere, Schnecken, Wrmer
usw.

Eine Flle der interessantesten Beispiele von rudimentren Organen
liefert die vergleichende Osteologie oder Skelettlehre der Wirbeltiere,
einer der anziehendsten Zweige der vergleichenden Anatomie. Bei den
allermeisten Wirbeltieren finden wir zwei Paar Gliedmaen am Rumpf, ein
Paar Vorderbeine und ein Paar Hinterbeine. Sehr hufig ist jedoch das
eine oder das andere Paar derselben verkmmert, seltener beide, wie bei
den Schlangen und einigen aalartigen Fischen. Aber einige Schlangen, z.
B. die Riesenschlangen (^Boa^, ^Python^), haben hinten noch einige
unntze Knochenstckchen im Leibe, welche die Reste der verloren
gegangenen Hinterbeine sind. Ebenso haben die walfischartigen Sugetiere
(^Cetaceen^), welche nur entwickelte Vorderbeine (Brustflossen)
besitzen, hinten im Fleische noch ein Paar ganz berflssige Knochen,
die berbleibsel der verkmmerten Hinterbeine. Dasselbe gilt von vielen
echten Fischen, bei denen in gleicher Weise die Hinterbeine
(Bauchflossen) verloren gegangen sind. Umgekehrt besitzen unsere
Blindschleichen (^Anguis^) und einige andere Eidechsen inwendig ein
vollstndiges Schultergerst, obwohl die Vorderbeine, zu deren
Befestigung dasselbe dient, nicht mehr vorhanden sind. Ferner finden
sich bei verschiedenen Wirbeltieren die einzelnen Knochen der beiden
Beinpaare in allen verschiedenen Stufen der Verkmmerung, und oft die
rckgebildeten Knochen und die zugehrigen Muskeln stckweise erhalten,
ohne doch irgendwie eine Verrichtung ausfhren zu knnen. Das Instrument
ist wohl noch da, aber es kann nicht mehr spielen.

Fast ganz allgemein finden Sie ferner rudimentre Organe in den
Pflanzenblten vor, indem der eine oder der andere Teil der mnnlichen
Fortpflanzungsorgane (der Staubfden und Staubbeutel), oder der
weiblichen Fortpflanzungsorgane (Griffel, Fruchtknoten usw.) mehr oder
weniger verkmmert oder fehlgeschlagen (abortiert) ist. Auch hier
knnen Sie bei verschiedenen, nahe verwandten Pflanzenarten das Organ in
allen Graden der Rckbildung verfolgen. So z. B. ist die groe
natrliche Familie der lippenbltigen Pflanzen (^Labiaten^), zu welcher
Melisse, Pfefferminze, Majoran, Gundelrebe, Thymian usw. gehren,
dadurch ausgezeichnet, da die rachenfrmige zweilippige Blumenkrone
zwei lange und zwei kurze Staubfden enthlt. Allein bei vielen
einzelnen Pflanzen dieser Familie, z. B. bei verschiedenen Salbeiarten
und beim Rosmarin, ist nur das eine Paar der Staubfden ausgebildet, und
das andere Paar ist mehr oder weniger verkmmert, oft ganz verschwunden.
Bisweilen sind die Staubfden vorhanden, aber ohne Staubbeutel, so da
sie keinen Nutzen haben knnen. Seltener findet sich sogar noch das
Rudiment oder der verkmmerte Rest eines fnften Staubfadens, ein
physiologisch (fr die Lebensverrichtung) ganz nutzloses, aber
morphologisch (fr die Erkenntnis der Form und der natrlichen
Verwandtschaft) uerst wertvolles Organ. In meiner Generellen
Morphologie der Organismen habe ich in dem Abschnitt von der
Unzweckmigkeitslehre oder Dysteleologie noch eine groe Anzahl von
anderen Beispielen angefhrt.

Keine biologische Erscheinung hat wohl jemals die Zoologen und Botaniker
in grere Verlegenheit versetzt als diese rudimentren oder abortiven
(verkmmerten) Organe. Es sind Werkzeuge auer Dienst, Krperteile,
welche da sind, ohne etwas zu leisten, zweckmig eingerichtet, ohne
ihren Zweck in Wirklichkeit zu erfllen. Wenn man die Versuche frherer
Naturforscher zur Erklrung dieses Rtsels betrachtet, kann man sich in
der Tat kaum eines Lchelns ber ihre seltsamen Vorstellungen erwehren.
Auerstande, eine wirkliche Erklrung zu finden, kamen einige z. B. zu
dem Endresultate, da der Schpfer der Symmetrie wegen diese Organe
angelegt habe. Nach der Meinung anderer mute es dem Schpfer unpassend
oder unanstndig erscheinen, da diese Organe bei denjenigen Organismen,
bei denen sie nicht leistungsfhig sind und ihrer ganzen Lebensweise
nach nicht sein knnen, vllig fehlten, whrend die nchsten Verwandten
sie besen; und zum Ersatz fr die mangelnde Funktion verlieh er ihnen
wenigstens die uere Ausstattung der leeren Form. Sind doch auch die
uniformierten Zivilbeamten bei Hofe oft mit einem unschuldigen Degen
ausgestattet, den sie niemals aus der Scheide ziehen. Ich glaube aber
kaum, da Sie von einer solchen dekorativen Erklrung befriedigt sein
werden.

Nun wird gerade diese allgemein verbreitete und rtselhafte Erscheinung
der rudimentren Organe, an welcher alle brigen Erklrungsversuche
scheitern, vollkommen erklrt, und zwar in der einfachsten und
einleuchtendsten Weise erklrt durch Darwins Theorie von der _Vererbung_
und von der _Anpassung_. Wir knnen die wichtigen Gesetze der Vererbung
und Anpassung an den Haustieren und Kulturpflanzen, welche wir knstlich
zchten, empirisch verfolgen, und es ist bereits eine Reihe solcher
Gesetze festgestellt worden. Ohne jetzt auf diese einzugehen, will ich
nur sagen, da einige davon auf mechanischem Wege die Entstehung der
rudimentren Organe vollkommen erklren, so da wir das Auftreten
derselben als einen ganz natrlichen Proze ansehen mssen, bedingt
durch den Nichtgebrauch der Organe. Durch Anpassung an besondere
Lebensbedingungen sind die frher ttigen und wirklich arbeitenden
Organe allmhlich nicht mehr gebraucht worden und auer Dienst getreten.
Infolge der mangelnden bung sind sie mehr und mehr verkmmert, trotzdem
aber immer noch durch Vererbung von einer Generation auf die andere
bertragen worden, bis sie endlich grtenteils verschwanden. Wenn wir
nun annehmen, da alle oben angefhrten Wirbeltiere von einem einzigen
gemeinsamen Stammvater abstammen, welcher zwei sehende Augen und zwei
wohlentwickelte Beinpaare besa, so erklrt sich ganz einfach der
verschiedene Grad der Verkmmerung und Rckbildung dieser Organe bei
solchen Nachkommen desselben, welche diese Teile nicht mehr gebrauchen
konnten. Ebenso erklrt sich vollstndig der verschiedene
Ausbildungsgrad der ursprnglich (in der Bltenknospe) angelegten fnf
Staubfden bei den Lippenbltern, wenn wir annehmen, da alle Pflanzen
dieser Familie von einem gemeinsamen, mit fnf Staubfden ausgestatteten
Stammvater abstammen.

Ich habe Ihnen die Erscheinung der rudimentren Organe etwas
ausfhrlicher vorgefhrt, weil dieselbe von der allergrten allgemeinen
Bedeutung ist; denn sie fhrt uns auf die groen, allgemeinen,
tiefliegenden Grundlagen der Philosophie und der Naturwissenschaft hin,
fr deren Lsung die Deszendenztheorie nunmehr der unentbehrliche
Leitstern geworden ist. Sobald wir nmlich, dieser Theorie entsprechend,
die ausschlieliche Wirksamkeit physikalisch-chemischer Ursachen ebenso
in der lebenden (organischen) Krperwelt, wie in der sogenannten
leblosen (anorganischen) Natur anerkennen, so rumen wir damit jener
Weltanschauung die ausschlieliche Herrschaft ein, welche man mit dem
Namen der mechanischen bezeichnen kann, im Gegensatze zu der
hergebrachten teleologischen Auffassung. Wenn Sie die Weltanschauungen
der verschiedenen Vlker und Zeiten miteinander vergleichend
zusammenstellen, knnen Sie dieselben schlielich alle in zwei
gegenberstehende Gruppen bringen: eine kausale oder mechanische und
eine teleologische oder vitalistische. Die letztere war in der Biologie
frher fast allgemein herrschend. Man sah danach das Tierreich und das
Pflanzenreich als Produkte einer zweckmig wirkenden schpferischen
Ttigkeit an. Bei dem Anblick jedes Organismus schien sich zunchst
unabweislich die berzeugung aufzudrngen, da eine so knstliche
Maschine, ein so verwickelter Bewegungsapparat, wie es der Organismus
ist, nur durch eine zweckttige Schpferkraft hervorgebracht werden
knne; durch eine Ttigkeit, welche analog, obwohl unendlich viel
vollkommener ist, als die Ttigkeit des Menschen bei der Konstruktion
seiner Maschinen. Wie erhaben man auch die frheren Vorstellungen des
Schpfers und seiner schpferischen Ttigkeit steigern, wie sehr man sie
aller menschlichen Analogie entkleiden mag, so bleibt doch im letzten
Grunde bei der teleologischen Naturauffassung dieser Vergleich
unabweislich und notwendig. Man mu sich im Grunde dann immer den
Schpfer selbst als einen Organismus vorstellen, als ein Wesen, welches
hnlich dem Menschen, wenn auch in unendlich vollkommenerer Form, ber
seine bildende Ttigkeit nachdenkt, den Plan der Maschinen entwirft, und
dann mittels Anwendung geeigneter Materialien diese Maschinen
zweckentsprechend ausfhrt. Alle diese Vorstellungen leiden notwendig an
der Grundschwche des Anthropomorphismus oder der Vermenschlichung.
Stets werden dabei, wie hoch man sich auch den Schpfer vorstellen mag,
demselben die menschlichen Eigenschaften beigelegt, einen Plan zu
entwerfen und danach den Organismus zweckmig zu konstruieren. Das wird
auch von derjenigen Schule, welche Darwins Lehre am schroffsten
gegenbersteht, und welche unter den Naturforschern ihren bedeutendsten
Vertreter in Louis Agassiz gefunden hat, ganz klar ausgesprochen. Das
berhmte Werk von Agassiz (^Essay on classification^), welches dem
Darwinschen Werke vollkommen entgegengesetzt ist und fast gleichzeitig
erschien (1858), hat ganz folgerichtig jene absurden anthropomorphischen
Vorstellungen vom Schpfer bis zum hchsten Grade ausgebildet.

Was nun berhaupt jene vielgerhmte _Zweckmigkeit in der Natur_
betrifft, so ist sie nur fr denjenigen vorhanden, welcher die
Erscheinungen im Tier- und Pflanzenleben durchaus oberflchlich
betrachtet. Schon die rudimentren Organe muten dieser beliebten Lehre
einen harten Sto versetzen. Jeder aber, der tiefer in die Organisation
und Lebensweise der verschiedenen Tiere und Pflanzen eindringt, der sich
mit der Wechselwirkung der Lebenserscheinungen und der sogenannten
konomie der Natur vertrauter macht, mu sie notwendig fallen lassen.
Die vielgrepriesene Weisheit und Zweckmigkeit existiert ebensowenig
als die vielgerhmte Allgte des Schpfers. Diese optimistischen
Anschauungen haben leider ebensowenig wirkliche Begrndung als die
beliebte Redensart von der sittlichen Weltordnung, welche durch die
ganze Vlkergeschichte in ironischer Weise illustriert wird. Im
Mittelalter ist dafr die sittliche Herrschaft der christlichen Ppste
und ihrer frommen, vom Blute zahlloser Menschenopfer dampfenden
Inquisition nicht weniger bezeichnend, als in der Gegenwart der
herrschende Militarismus mit seinem sittlichen Apparate von Zndnadeln
und anderen raffinierten Mordwaffen; oder der Pauperismus als
untrennbarer Anhang unserer verfeinerten Kultur.

Wenn Sie das Zusammenleben und die gegenseitigen Beziehungen der
Pflanzen und der Tiere (mit Inbegriff der Menschen) nher betrachten, so
finden Sie berall und zu jeder Zeit das Gegenteil von jenem gemtlichen
und friedlichen Beisammensein, welches die Gte des Schpfers den
Geschpfen htte bereiten mssen; vielmehr sehen Sie berall einen
schonungslosen, hchst erbitterten _Kampf aller gegen alle_. Nirgends in
der Natur, wohin Sie auch Ihre Blicke lenken mgen, ist jener
idyllische, von den Dichtern besungene Friede vorhanden -- vielmehr
berall Kampf, Streben nach Selbsterhaltung, nach Vernichtung der
direkten Gegner und nach Vernichtung des Nchsten. Leidenschaft und
Selbstsucht, bewut oder unbewut, bleibt berall die Triebfeder des
Lebens. Das bekannte Dichterwort:

   Die Natur ist vollkommen berall,
   Wo der Mensch nicht hinkommt mit seiner Qual

ist schn, aber leider nicht wahr. Vielmehr bildet auch in dieser
Beziehung der Mensch keine Ausnahme von der brigen Tierwelt. Darwin hat
gerade dieses wichtige Verhltnis in seiner hohen und allgemeinen
Bedeutung uns erst recht klar vor Augen gestellt, und derjenige
Abschnitt seiner Lehre, welchen er selbst den Kampf ums Dasein nennt,
ist einer ihrer wichtigsten Teile.

Wir mssen also jener vitalistischen oder teleologischen Betrachtung der
lebendigen Natur, welche die Tier- und Pflanzenformen als Produkte eines
gtigen und weisen Schpfers oder einer zweckmig ttigen
schpferischen Naturkraft ansieht, durchaus entgegentreten; dagegen sind
wir gezwungen, uns entschieden jene Weltanschauung anzueignen, welche
man die mechanische oder kausale nennt. Man kann sie auch als die
monistische oder einheitliche bezeichnen, im Gegensatze zu der
zwiespltigen oder dualistischen Anschauung, welche in jener
teleologischen Weltauffassung notwendig enthalten ist. Die mechanische
Naturbetrachtung ist seit Jahrzehnten auf gewissen Gebieten der
Naturwissenschaft so sehr eingebrgert, da hier ber die
entgegengesetzte kein Wort mehr verloren wird. Es fllt keinem Physiker
oder Chemiker, keinem Mineralogen oder Astronomen mehr ein, in den
Erscheinungen, welche ihm auf seinem wissenschaftlichen Gebiete
fortwhrend vor Augen kommen, die Wirksamkeit eines zweckmig ttigen
Schpfers zu erblicken oder aufzusuchen. Man betrachtet jene
Erscheinungen vielmehr allgemein und ohne Widerspruch als die
notwendigen und unabnderlichen Wirkungen der physikalischen und
chemischen Krfte, welche an dem Stoffe oder der Materie haften; und
insofern ist diese Anschauung rein materialistisch, in einem gewissen
Sinne dieses vieldeutigen Wortes. Wenn der Physiker die
Bewegungserscheinungen der Elektrizitt oder des Magnetismus, den Fall
eines Krpers oder die Schwingungen der Lichtwellen zu erklren sucht,
so ist er bei dieser Arbeit durchaus davon entfernt, das Eingreifen
einer bernatrlichen schpferischen Kraft anzunehmen. In dieser
Beziehung befand sich bisher die Biologie, als die Wissenschaft von den
sogenannten belebten Naturkrpern, in vollem Gegensatze zu jenen
vorher genannten anorganischen Naturwissenschaften (der
Anorgologie). Zwar hat die neuere Physiologie, die Lehre von den
Bewegungserscheinungen im Tier- und Pflanzenkrper, den mechanischen
Standpunkt der letzteren vollkommen angenommen; allein die Morphologie,
die Wissenschaft von der Gestaltung der Tiere und Pflanzen, schien
dadurch gar nicht berhrt zu werden. Die Morphologen behandeln nach wie
vor, im Gegensatze zu jener mechanischen Betrachtung der Leistungen, die
Formen der Tiere und Pflanzen als Erscheinungen, die durchaus nicht
mechanisch erklrbar seien, die vielmehr notwendig einer hheren,
bernatrlichen, zweckmig ttigen Schpferkraft ihren Ursprung
verdanken mten. Dabei war es ganz gleichgltig, ob man diese
Schpferkraft als persnlichen Gott anbetete, oder ob man sie
Lebenskraft (^vis vitalis^) oder Endursache (^causa finalis^) nannte. In
allen Fallen flchtete man hier, um es mit einem Worte zu sagen, zum
Wunder als der Erklrung. Man warf sich einer mystischen
Glaubensdichtung in die Arme und verlie somit das sichere Gebiet
naturwissenschaftlicher Erkenntnis.

Alles nun, was vor Darwin geschehen ist, um eine natrliche, mechanische
Auffassung von der Entstehung der Tier- und Pflanzenformen zu begrnden,
vermochte diese nicht zum Durchbruch und zu allgemeiner Anerkennung zu
bringen. Dies gelang erst Darwins Lehre, und hierin liegt ein
unermeliches Verdienst derselben. Denn wir werden dadurch zu der
berzeugung von der Einheit der organischen und der anorganischen Natur
gefhrt. Auch derjenige Teil der Naturwissenschaft, welcher bisher am
lngsten und am hartnckigsten sich einer mechanischen Auffassung und
Erklrung widersetzte, die Lehre vom zweckmigen Bau der lebendigen
Formen, von der Bedeutung und Entstehung derselben, wird dadurch mit
allen brigen naturwissenschaftlichen Lehren auf einen und denselben Weg
der Vollendung gebracht. Die Einheit _aller_ Naturerscheinungen wird
dadurch endgltig festgestellt.

Diese Einheit der ganzen Natur, die Beseelung aller Materie, die
Untrennbarkeit der geistigen Kraft und des krperlichen Stoffes hat
Goethe mit den Worten behauptet: Die Materie kann nie ohne Geist, der
Geist nie ohne Materie existieren und wirksam sein. Von den groen
monistischen Philosophen aller Zeiten sind diese obersten Grundstze der
mechanischen Weltanschauung vertreten worden. Schon Demokritos von
Abdera, der unsterbliche Begrnder der Atomenlehre, sprach dieselben
fast ein halbes Jahrtausend vor Christus klar aus, ganz vorzglich aber
der erhabene Spinoza und der groe Dominikanermnch Giordano Bruno. Der
letztere wurde dafr am 17. Februar 1600 in Rom von der christlichen
Inquisition auf dem Scheiterhaufen verbrannt, an demselben Tage, an
welchem 36 Jahre frher sein groer Landsmann und Kampfgenosse Galilei
geboren wurde. Auf dem Campo di Fiori in Rom, wo jener Scheiterhaufen
stand, hat jetzt das freie neuerstandene Italien dem groen monistischen
Mrtyrer ein Denkmal errichtet (am 9. Juni 1889), ein beredtes Zeichen
des gewaltigen Umschwungs der Zeit.

Durch die Deszendenztheorie wird es uns zum erstenmal mglich, die
monistische Lehre von der Einheit der Natur fest zu begrnden; danach
bietet eine mechanisch-kausale Erklrung auch der verwickeltsten
organischen Erscheinungen, z. B. der Entstehung und Einrichtung der
Sinnesorgane, in der Tat nicht mehr prinzipielle Schwierigkeiten fr das
allgemeine Verstndnis, als die mechanische Erklrung irgendwelcher
physikalischen Prozesse, wie z. B. der Erdbeben, des Erdmagnetismus, der
Meeresstrmungen usw. Wir gelangen dadurch zu der uerst wichtigen
berzeugung, da _alle Naturkrper_, die wir kennen, _gleichmig
belebt_ sind, da der Gegensatz, welchen man zwischen lebendiger und
toter Krperwelt aufstellte, im Grunde nicht existiert. Wenn ein Stein,
frei in die Luft geworfen, nach bestimmten Gesetzen zur Erde fllt, oder
wenn in einer Salzlsung sich ein Kristall bildet, oder wenn Schwefel
und Quecksilber sich zu Zinnober verbinden, so sind diese Erscheinungen
nicht mehr und nicht minder mechanische Lebenserscheinungen, als das
Wachstum und das Blhen der Pflanzen, als die Fortpflanzung und die
Sinnesttigkeit der Tiere, als die Empfindung und die Gedankenbildung
des Menschen. Insbesondere ist auch das Bewutsein des Menschen und der
hheren Tiere keineswegs ein besonderes bernatrliches Weltrtsel,
wie Du Bois-Reymond 1872 in seiner Ignorabimus-Rede irrtmlich
behauptet hatte. Vielmehr beruht dasselbe ebenso auf der mechanischen
Arbeit der Ganglienzellen im Gehirn, wie die brigen Seelenttigkeiten;
den Beweis dafr habe ich im zehnten Kapitel meines Buches ber die
Weltrtsel gefhrt. Die Naturkrfte treten auch im Seelenleben nur in
verschiedenen Verbindungen und Formen auf, bald einfacher, bald
zusammengesetzter; aber immer sind sie auch hier dem allgemeinen
Substanzgesetz unterworfen. Gebundene Spannkrfte werden frei und gehen
in lebendige Krfte ber, oder umgekehrt. Das groe Gesetz von der
Erhaltung der Kraft oder Energie (Robert Mayer 1842) und das damit
verknpfte Gesetz von der Erhaltung des Stoffes oder der Materie
(Lavoisier 1789) gelten beide in gleicher Weise fr alle organischen wie
fr alle anorganischen Naturkrper. In dieser Herstellung der
einheitlichen oder monistischen Naturauffassung liegt das hchste und
allgemeinste Verdienst unserer neuen, die Krone der heutigen
Naturwissenschaft bildenden Entwicklungslehre.

                              (Aus Natrliche Schpfungsgeschichte.)




                                 II.
              Schpfungsperioden und Schpfungsurkunden.


Die geschichtliche Auffassung des organischen Lebens, welche die
Abstammungslehre in die biologischen Wissenschaften eingefhrt hat,
frdert nchst der Anthropologie keinen anderen Wissenschaftszweig so
sehr, als den beschreibenden Teil der Naturgeschichte, die systematische
Zoologie und Botanik. Die meisten Naturforscher, die sich bisher mit der
Systematik der Tiere und Pflanzen beschftigten, sammelten, benannten
und ordneten die verschiedenen Arten dieser Naturkrper mit einem
hnlichen Interesse, wie die Altertumsforscher und Ethnographen die
Waffen und Gertschaften der verschiedenen Vlker sammeln. Viele erhoben
sich selbst nicht ber denjenigen Grad der Wibegierde, mit dem man
Wappen, Briefmarken und hnliche Kuriositten zu sammeln, zu
etikettieren und zu ordnen pflegt. In hnlicher Weise wie diese Sammler
an der Formenmannigfaltigkeit, Schnheit oder Seltsamkeit der Wappen,
Briefmarken usw. ihre Freude finden, und dabei die erfinderische
Bildungskunst des Menschen bewundern, in hnlicher Weise ergtzten sich
die meisten Naturforscher an den mannigfaltigen Formen der Tiere und
Pflanzen und erstaunten ber die reiche Phantasie des Schpfers, ber
seine unermdliche Schpfungsttigkeit und ber die seltsame Laune, in
welcher er neben so vielen schnen und ntzlichen Organismen auch eine
Anzahl hlicher und unntzer Formen gebildet habe.

Diese kindliche Behandlung der systematischen Zoologie und Botanik wird
durch die Abstammungslehre grndlich vernichtet. An die Stelle des
oberflchlichen und spielenden Interesses, mit welchem die meisten
bisher die organischen Gestalten betrachteten, tritt das weit
hhere Interesse des erkennenden Verstandes, welcher in der
_Formverwandtschaft_ der Organismen ihre wahre _Stammverwandtschaft_
erblickt. Das natrliche System der Tiere und Pflanzen, welches man
frher entweder nur als Namenregister zur bersichtlichen Ordnung der
verschiedenen Formen oder als Sachregister zum kurzen Ausdruck ihres
hnlichkeitsgrades schtzte, erhlt durch die Abstammungslehre den
ungleich hheren Wert eines wahren Stammbaumes der Organismen. Diese
Stammtafel soll uns den genealogischen Zusammenhang der kleineren und
greren Gruppen enthllen. Sie soll zu zeigen versuchen, in welcher
Weise die verschiedenen Klassen, Ordnungen, Familien, Gattungen und
Arten des Tier- und Pflanzenreichs den verschiedenen Zweigen, sten und
Astgruppen ihres Stammbaums entsprechen. Jede weitere und hherstehende
Kategorie oder Gruppenstufe des Systems (z. B. Klasse, Ordnung) umfat
eine Anzahl von greren und strkeren Zweigen des Stammbaums, jede
engere und tieferstehende Kategorie (z. B. Gattung, Art) nur eine
kleinere und schwchere Gruppe von stchen. Nur wenn wir in dieser Weise
das natrliche System als Stammbaum betrachten, knnen wir den wahren
Wert desselben erkennen. Dieser genealogischen Auffassung des
organischen Systems gehrt ohne Zweifel allein die Zukunft.

Wie knnen wir uns aber den wirklichen Stammbaum der tierischen und
pflanzlichen Formengruppen aus den drftigen und fragmentarischen, bis
jetzt darber gewonnenen Erfahrungen konstruieren? Die Antwort hierauf
liegt schon zum Teil in demjenigen, was wir frher ber den
Parallelismus der drei Entwicklungsreihen bemerkt haben, ber den
wichtigen urschlichen Zusammenhang, welcher die palontologische
Entwicklung der ganzen organischen Stmme mit der embryologischen
Entwicklung der Individuen und mit der systematischen Entwicklung der
Gruppenstufen verbindet.

Zunchst werden wir uns zur Lsung dieser schwierigen Aufgabe an die
_Palontologie_ oder Versteinerungskunde zu wenden haben. Denn wenn
wirklich die Deszendenztheorie wahr ist, wenn wirklich die versteinerten
Reste der vormals lebenden Tiere und Pflanzen von den ausgestorbenen
Urahnen und Vorfahren der jetzigen Organismen herrhren, so mte uns
eigentlich ohne weiteres die Kenntnis und Vergleichung der
Versteinerungen den Stammbaum der Organismen aufdecken. So einfach und
einleuchtend dies nach dem theoretisch entwickelten Prinzip erscheint,
so auerordentlich schwierig und verwickelt gestaltet sich die Aufgabe,
wenn man sie wirklich in Angriff nimmt. Ihre praktische Lsung wrde
schon sehr schwierig sein, wenn die Versteinerungen einigermaen
vollstndig erhalten wren. Das ist aber keineswegs der Fall. Vielmehr
ist die handgreifliche Schpfungsurkunde, welche in den Versteinerungen
begraben liegt, ber alle Maen unvollstndig. Daher erscheint es jetzt
vor allem notwendig, diese Urkunde kritisch zu prfen und den Wert,
welchen die Versteinerungen fr die Entwicklungsgeschichte der
organischen Stmme besitzen, zu bestimmen.

In der Regel finden wir Versteinerungen oder Petrefakten nur in
denjenigen Gesteinen eingeschlossen, welche schichtenweise als Schlamm
im Wasser abgelagert wurden, und welche man deshalb neptunische,
geschichtete oder sedimentre Gesteine nennt. Die Ablagerung solcher
Schichten konnte natrlich erst beginnen, nachdem im Verlaufe der
Erdgeschichte die Verdichtung des Wasserdampfes zu tropfbar-flssigem
Wasser erfolgt war. Seit diesem Zeitpunkt begann nicht allein das
organische Leben auf der Erde, sondern auch eine ununterbrochene und
hchst wichtige Umgestaltung der erstarrten anorganischen Erdrinde. Das
Wasser begann seitdem jene auerordentlich wichtige mechanische
Wirksamkeit, durch welche die Erdoberflche fortwhrend, wenn auch
langsam, umgestaltet wird. Ich darf wohl als bekannt voraussetzen,
welchen auerordentlich bedeutenden Einflu in dieser Beziehung noch
jetzt das Wasser in jedem Augenblick ausbt. Indem es als Regen
niederfllt, die obersten Schichten der Erdrinde durchsickert und von
den Erhhungen in die Vertiefungen herabfliet, lst es verschiedene
mineralische Bestandteile des Bodens chemisch auf und splt mechanisch
die locker zusammenhngenden Teilchen ab. An den Bergen herabflieend
fhrt das Wasser den Schutt derselben in die Ebene und lagert ihn als
Schlamm im stehenden Wasser ab. So arbeitet es bestndig an einer
Erniedrigung der Berge und Ausfllung der Tler. Ebenso arbeitet die
Brandung des Meeres ununterbrochen an der Zerstrung der Ksten und an
der Auffllung des Meerbodens durch die herabgeschlmmten Trmmer. So
wrde schon die Ttigkeit des Wassers allein, wenn sie nicht durch
andere Umstnde wieder aufgewogen wrde, mit der Zeit die ganze Erde
nivellieren. Es kann keinem Zweifel unterliegen, da die Gebirgsmassen,
welche alljhrlich als Schlamm dem Meere zugefhrt werden und sich auf
dessen Boden absetzen, so bedeutend sind, da im Verlauf einer lngeren
oder krzeren Periode, vielleicht von wenigen Millionen Jahren, die
Erdoberflche vollkommen geebnet und von einer zusammenhngenden
Wasserschale umschlossen werden wrde. Da dies nicht geschieht,
verdanken wir der fortdauernden Schrumpfung und Faltung der erhrteten
Erdrinde und der vulkanischen Gegenwirkung des feurigflssigen
Erdinneren. Diese Reaktion des geschmolzenen Kerns gegen die feste Rinde
bedingt ununterbrochen wechselnde Hebungen und Senkungen an den
verschiedensten Stellen der Erdoberflche. Meistens geschehen dieselben
sehr langsam; allein indem sie Jahrtausende hindurch fortdauern, bringen
sie durch Summierung der kleinen Einzelwirkungen nicht minder groartige
Resultate hervor, wie die entgegenwirkende und nivellierende Ttigkeit
des Wassers.

Indem die Hebungen und Senkungen verschiedener Gegenden im Laufe von
Jahrmillionen vielfach miteinander wechseln, kommt bald dieser bald
jener Teil der Erdoberflche ber oder unter den Spiegel des Meeres. Es
gibt vielleicht keinen Oberflchenteil der Erdrinde, der nicht
infolgedessen schon wiederholt ber oder unter dem Meeresspiegel gewesen
wre. Durch diesen vielfachen Wechsel erklrt sich die Mannigfaltigkeit
und die verschiedenartige Zusammensetzung der zahlreichen neptunischen
Gesteinschichten, welche sich an den meisten Stellen in betrchtlicher
Dicke bereinander abgelagert haben. In den verschiedenen
Geschichtsperioden, whrend deren die Ablagerung stattfand, lebte eine
mannigfach verschiedene Bevlkerung von Tieren und Pflanzen. Wenn die
Leichen derselben auf den Boden der Gewsser herabsanken, drckten sie
ihre Krperform in dem weichen Schlamme ab, und unverwesliche Teile,
harte Knochen, Zhne, Schalen usw. wurden unzerstrt in demselben
eingeschlossen. Sie blieben in dem Schlamm, der sich zu neptunischem
Gestein verdichtete, erhalten, und dienen nun als Versteinerungen zur
Charakteristik der betreffenden Schichten. Durch sorgfltige
Vergleichung der verschiedenen bereinander gelagerten Schichten und der
in ihnen erhaltenen Versteinerungen ist es so mglich geworden, sowohl
das relative Alter der Schichten und Schichtengruppen zu bestimmen, als
auch gewisse Hauptmomente der Phylogenie oder der Entwicklungsgeschichte
der Tier- und Pflanzenstmme empirisch festzustellen.

Die verschiedenen bereinander abgelagerten Schichten der neptunischen
Gesteine, welche in sehr mannigfaltiger Weise aus Kalk, Ton und Sand
zusammengesetzt sind, haben die Geologen gruppenweise in ein ideales
System zusammengestellt, welches dem ganzen Zusammenhange der
_organischen Erdgeschichte_ entspricht, d. h. desjenigen Teiles der
Erdgeschichte, whrend dessen organisches Leben existierte. Wie die
sogenannte Weltgeschichte in grere oder kleinere Perioden zerfllt,
welche durch den zeitweiligen Entwicklungszustand der bedeutendsten
Vlker charakterisiert und durch hervorragende Ereignisse voneinander
abgegrenzt werden, so teilen wir auch die unendlich lngere organische
Erdgeschichte in eine Reihe von greren oder kleineren Perioden ein.
Jede dieser Perioden ist durch eine charakteristische Flora und Fauna,
durch die besonders starke Entwicklung bestimmter Pflanzen- oder
Tiergruppen ausgezeichnet, und jede ist von der vorhergehenden und
folgenden Periode durch einen auffallenden teilweisen Wechsel in der
Zusammensetzung der Tier- und Pflanzenbevlkerung getrennt.

Fr die nachfolgende bersicht des historischen Entwicklungsganges, den
die groen Tier- und Pflanzenstmme genommen haben, ist es notwendig,
zunchst hier die systematische Klassifikation der neptunischen
Schichtengruppen und der denselben entsprechenden greren und kleineren
Geschichtsperioden anzugeben. Wie Sie sogleich sehen werden, sind wir
imstande, die ganze Masse der bereinanderliegenden Sedimentgesteine in
fnf oberste Hauptgruppen oder _Terrains_, jedes Terrain in mehrere
untergeordnete Schichtengruppen oder _Systeme_, und jedes System von
Schichten wiederum in noch kleinere Gruppen oder _Formationen_
einzuteilen; endlich kann auch jede Formation wieder in Etagen oder
Unterformationen, und jede von diesen wiederum in noch kleinere Lagen,
Bnke usw. geschieden werden. Jedes der fnf groen Terrains wurde
whrend eines groen Hauptabschnittes der Erdgeschichte, whrend eines
_Zeitalters_, abgelagert; jedes System whrend einer krzeren _Periode_,
jede Formation whrend einer noch krzeren Epoche usw. Indem wir so die
Zeitrume der organischen Erdgeschichte und die whrend derselben
abgelagerten neptunischen und versteinerungsfhrenden Erdschichten in
ein gegliedertes System bringen, verfahren wir genau wie die Historiker,
welche die Vlkergeschichte in die drei Hauptabschnitte des Altertums,
des Mittelalters und der Neuzeit, und jeden dieser Abschnitte wieder in
untergeordnete Perioden und Epochen einteilen. Wie aber der Historiker
durch diese scharfe systematische Einteilung und durch die bestimmte
Abgrenzung der Perioden durch einzelne Jahreszahlen nur die bersicht
erleichtern und keineswegs den ununterbrochenen Zusammenhang der
Ereignisse und der Vlkerentwicklung leugnen will, so gilt ganz dasselbe
auch von unserer systematischen Einteilung, Spezifikation oder
Klassifikation der organischen Erdgeschichte. Auch hier geht der rote
Faden der zusammenhngenden Entwicklung berall ununterbrochen hindurch.
Wir verwahren uns also ausdrcklich gegen die Anschauung, als wollten
wir durch unsere scharfe Abgrenzung der greren und kleineren
Schichtengruppen und der ihnen entsprechenden Zeitrume irgendwie an
Cuviers irrige Lehre von den Erdrevolutionen und von den wiederholten
Neuschpfungen der organischen Bevlkerung anknpfen.

Die fnf groen Hauptabschnitte der organischen Erdgeschichte oder der
palontologischen Entwicklungsgeschichte bezeichnen wir als
primordiales, primres, sekundres, tertires und quartres Zeitalter.
Jedes ist durch die vorwiegende Entwicklung bestimmter Tier- und
Pflanzengruppen in demselben bestimmt charakterisiert, und wir knnten
demnach auch die fnf Zeitalter einerseits durch die natrlichen
Hauptgruppen des Pflanzenreichs, andererseits durch die verschiedenen
Klassen des Wirbeltierstammes anschaulich bezeichnen. Dann wre das
erste oder primordiale Zeitalter dasjenige der Tange und Schdellosen,
das zweite oder primre Zeitalter das der Farne und Fische, das dritte
oder sekundre Zeitalter das der Nadelwlder und Reptilien, das vierte
oder tertire Zeitalter das der Laubwlder und Sugetiere, endlich das
fnfte oder quartre Zeitalter dasjenige des Menschen und seiner Kultur.
Die Abschnitte oder Perioden, welche wir in jedem der fnf Zeitalter
unterscheiden, werden durch die verschiedenen Systeme von Schichten
bestimmt, in die jedes der fnf groen Terrains zerfllt. Lassen Sie uns
jetzt noch einen flchtigen Blick auf die Reihe dieser Systeme und
zugleich auf die Bevlkerung der fnf groen Zeitalter werfen.

Den ersten und lngsten Hauptabschnitt der organischen Erdgeschichte
bildet die _Primordialzeit_ oder das Zeitalter der Tangwlder, das auch
das archische, archolithische oder archozoische Zeitalter genannt wird.
Es umfat den ungeheuren Zeitraum von der ersten Urzeugung, von der
Entstehung des ersten irdischen Organismus, bis zum Ende der silurischen
Schichtenbildung. Whrend dieses unermelichen Zeitraums, welcher
wahrscheinlich lnger war, als alle brigen vier Zeitrume
zusammengenommen, lagerten sich die drei mchtigsten von allen
neptunischen Schichtensystemen ab, nmlich zu unterst das laurentische,
darber das kambrische und darber das silurische System. Von den
meisten Geologen wird das silurische System, und von vielen auch noch
das kambrische System zu den palolithischen Terrains gestellt; indessen
erscheint es aus biologisch-historischen Gesichtspunkten zweckmiger,
sie mit den archozoischen zu vereinigen. Die ungefhre Dicke oder
Mchtigkeit dieser drei Systeme zusammengenommen betrgt 70000 Fu.
Davon kommen ungefhr 30000 auf das laurentische, 18000 auf das
kambrische und 22000 auf das silurische System. Die durchschnittliche
Mchtigkeit aller vier brigen Terrains, des primren, sekundren,
tertiren und quartren zusammengenommen, mag dagegen etwa hchstens
60000 Fu betragen, und schon hieraus, abgesehen von vielen anderen
Grnden, ergibt sich, da die Dauer der Primordialzeit wahrscheinlich
viel lnger war, als die Dauer der folgenden Zeitalter bis zur Gegenwart
zusammengenommen. Viele Millionen von Jahren mssen zur Ablagerung
solcher Schichtenmassen erforderlich gewesen sein. Leider befindet sich
der bei weitem grte Teil der primordialen Schichtengruppen in dem
sogleich zu errternden metamorphischen Zustande, und dadurch sind die
in ihnen enthaltenen Versteinerungen, die ltesten und wichtigsten von
allen, grtenteils zerstrt und unkenntlich geworden. Nur in einem
Teile der kambrischen und silurischen Schichten sind Petrefakten in
grerer Menge und in kenntlichem Zustande erhalten worden.

Trotzdem die primordialen oder archozoischen Versteinerungen uns nur zum
bei weitem kleinsten Teile in kenntlichem Zustande erhalten sind,
besitzen dieselben dennoch den Wert unschtzbarer Dokumente fr diese
lteste und dunkelste Zeit der organischen Erdgeschichte. Zunchst
scheint daraus hervorzugehen, da whrend dieses ganzen ungeheuren
Zeitraums fast nur Wasserbewohner existierten. Wenigstens sind bis jetzt
unter allen archozoischen Petrefakten nur sehr wenige gefunden worden,
welche man mit Sicherheit auf landbewohnende Organismen beziehen kann:
die ltesten von diesen sind einige silurische Farne und Skorpione. Fast
alle Pflanzenreste, die wir aus der Primordialzeit besitzen, gehren zu
der niedrigsten von allen Pflanzengruppen, zu der im Wasser lebenden
Klasse der Tange oder Algen. Diese bildeten in dem warmen Urmeere der
Primordialzeit mchtige Wlder, von deren Formenreichtum und Dichtigkeit
uns noch heutigen Tages ihre Epigonen, die Tangwlder des atlantischen
Sargassomeeres, eine ungefhre Vorstellung geben mgen. Die kolossalen
Tangwlder der archozoischen Zeit ersetzten damals die noch fehlende
Waldvegetation des Festlandes. Gleich den Pflanzen lebten auch fast alle
Tiere, von denen man Reste in den archozoischen Schichten gefunden hat,
im Wasser. Von den Gliedertieren finden sich nur Krebstiere und einzelne
Skorpione, noch keine Insekten. Von den Wirbeltieren sind nur sehr
wenige Fischreste bekannt, welche sich in den jngsten von allen
primordialen Schichten, in der oberen Silurformation, vorfinden. Dagegen
mssen wir annehmen, da Wrmer und schdellose Wirbeltiere (Akranier),
die Ahnen der Fische, massenhaft whrend der Primordialzeit gelebt
haben. Daher knnen wir sie sowohl nach den Schdellosen als nach den
Tangen benennen.

Die _Primrzeit_ oder das Zeitalter der Farnwlder, der zweite
Hauptabschnitt der organischen Erdgeschichte, welchen man auch das
palolithische oder palozoische Zeitalter nennt, dauerte vom Ende der
silurischen Schichtenbildung bis zum Ende der permischen
Schichtenbildung. Auch dieser Zeitraum war von sehr langer Dauer und
zerfllt wiederum in drei Perioden, whrend deren sich drei mchtige
Schichtensysteme ablagerten, nmlich zu unterst das devonische System
oder der alte rote Sandstein, darber das karbonische oder
Steinkohlensystem, und darber das permische System oder der neue rote
Sandstein und der Zechstein. Die durchschnittliche Dicke dieser drei
Systeme zusammengenommen mag etwa 42000 Fu betragen, woraus sich schon
die ungeheure Lnge der fr ihre Bildung erforderlichen Zeitrume
ergibt. Die meisten Geologen rechnen zur Palozoischen ra noch die
silurische und viele auch die kambrische Periode.

Die devonischen und permischen Formationen sind vorzglich reich an
Fischresten, sowohl an Urfischen als an Schmelzfischen. Aber noch fehlen
in der primren Zeit gnzlich die Knochenfische. In der Steinkohle
finden sich schon verschiedene Reste von landbewohnenden Tieren, und
zwar sowohl Gliedertieren (Spinnen und Insekten) als Wirbeltieren
(Amphibien). Im permischen System kommen zu den Amphibien noch die hher
entwickelten Schleicher oder Reptilien, und zwar unseren Eidechsen
nahverwandte Formen (^Proterosaurus^ usw.). Trotzdem knnen wir das
primre Zeitalter das der Fische nennen, weil diese wenigen Amphibien
und Reptilien ganz gegen die ungeheure Menge der palozoischen Fische
zurcktreten. Ebenso wie die Fische unter den Wirbeltieren, so
herrschten unter den Pflanzen whrend dieses Zeitraums die Farnpflanzen
oder Filicinen vor, und zwar sowohl echte Farnkruter und Farnbume
(Laubfarne oder Filikarien) als Schaftfarne (Kalamarien) und
Schuppenfarne (Selagineen). Diese landbewohnenden Farne oder Filizinen
bildeten die Hauptmasse der dichten palozoischen Inselwlder, deren
fossile Reste uns in den ungeheuer mchtigen Steinkohlenlagern des
karbonischen Systems und in den schwcheren Kohlenlagern des devonischen
und permischen Systems erhalten sind. Sie berechtigen uns, die
Primrzeit ebensowohl das Zeitalter der Farne als das der Fische zu
nennen.

Der dritte groe Hauptabschnitt der palontologischen
Entwicklungsgeschichte wird durch die _Sekundrzeit_ oder das Zeitalter
der Nadelwlder gebildet, welches auch das mesolithische oder
mesozoische Zeitalter genannt wird. Es reicht vom Ende der permischen
Schichtenbildung bis zum Ende der Kreideschichtenbildung und zerfllt
abermals in drei groe Perioden. Die whrenddessen abgelagerten
Schichtensysteme sind zu unterst das Triassystem, in der Mitte das
Jurasystem und zu oberst das Kreidesystem. Die durchschnittliche Dicke
dieser drei Systeme zusammengenommen bleibt schon weit hinter derjenigen
der primren Systeme zurck und betrgt im ganzen nur ungefhr 15000
Fu. Die Sekundrzeit wird demnach wahrscheinlich nicht halb so lang als
die Primrzeit gewesen sein.

Wie in der Primrzeit die Fische, so herrschen in der Sekundrzeit die
Schleicher oder Reptilien ber alle brigen Wirbeltiere vor. Zwar
entstanden whrend dieses Zeitraums die ersten Vgel und Sugetiere;
auch lebten damals die riesigen Labyrinthodonten; und zu den zahlreich
vorhandenen Urfischen und Schmelzfischen der lteren Zeit gesellten sich
die ersten echten Knochenfische. Aber die charakteristische und
berwiegende Wirbeltierklasse der Sekundrzeit bildeten die hchst
mannigfaltig entwickelten Reptilien. Neben solchen Schleichern, welche
den heute noch lebenden Eidechsen, Krokodilen und Schildkrten
nahestanden, wimmelte es in der mesozoischen Zeit berall von
abenteuerlich gestalteten Drachen. Insbesondere sind die merkwrdigen
fliegenden Eidechsen oder Pterosaurier, die schwimmenden Seedrachen oder
Halisaurier und die kolossalen Landdrachen oder Dinosaurier der
Sekundrzeit eigentmlich, da sie weder vorher noch nachher lebten. Man
kann demgem die Sekundrzeit das Zeitalter der Schleicher oder
Reptilien nennen. Andere bezeichnen sie als das Zeitalter
der Nadelwlder, genauer eigentlich der Gymnospermen oder
Nacktsamenpflanzen. Diese Pflanzen, vorzugsweise durch die beiden
wichtigen Klassen der Nadelhlzer oder Koniferen und der Farnpalmen oder
Zycadeen vertreten, setzten whrend der Sekundrzeit ganz berwiegend
den Bestand der Wlder zusammen. Die farnartigen Pflanzen traten dagegen
zurck und die Laubhlzer entwickelten sich erst gegen Ende des
Zeitalters, in der Kreidezeit.

Viel krzer und weniger eigentmlich als diese drei ersten Zeitalter war
der vierte Hauptabschnitt der organischen Erdgeschichte, die
_Tertirzeit_ oder das Zeitalter der Laubwlder. Dieser Zeitraum,
welcher auch znolithisches oder znozoisches Zeitalter heit,
erstreckte sich vom Ende der Kreideschichtenbildung bis zum Ende der
plioznen Schichtenbildung. Die whrenddessen abgelagerten Schichten
erreichen nur ungefhr eine mittlere Mchtigkeit von 3000 Fu und
bleiben demnach weit hinter den drei ersten Terrains zurck. Auch sind
die drei Systeme, welche man in dem tertiren Terrain unterscheidet, nur
schwer voneinander zu trennen. Das lteste derselben heit eoznes oder
alttertires, das mittlere mioznes oder mitteltertires und das jngste
plioznes oder neutertires System.

Die gesamte Bevlkerung der Tertirzeit nhert sich im ganzen und im
einzelnen schon viel mehr derjenigen der Gegenwart, als es in den
vorhergehenden Zeitaltern der Fall war. Unter den Wirbeltieren berwiegt
von nun an die Klasse der Sugetiere bei weitem alle brigen. Ebenso
herrscht in der Pflanzenwelt die formenreiche Gruppe der
Decksamen-Pflanzen oder Angiospermen vor; ihre Laubhlzer bilden die
charakteristischen Laubwlder der Tertirzeit. Die Abteilung der
Angiospermen besteht aus den beiden Klassen der Einkeimblttrigen oder
Monokotylen und der Zweikeimblttrigen oder Dikotylen. Zwar hatten sich
Angiospermen aus beiden Klassen schon in der Kreidezeit gezeigt, und
Sugetiere traten schon im letzten Abschnitt der Triaszeit auf. Allein
beide Gruppen, Sugetiere und Decksamenpflanzen, erreichen ihre
eigentliche Entwicklung und Oberherrschaft erst in der Tertirzeit, so
da man diese mit vollem Rechte danach benennen kann.

Den fnften und letzten Hauptabschnitt der organischen Erdgeschichte
bildet die _Quartrzeit_ oder Kulturzeit, derjenige, gegen die Lnge der
vier brigen Zeitalter verschwindend kurze Zeitraum, den wir gewhnlich
in komischer Selbstberhebung die Weltgeschichte zu nennen pflegen. Da
die Ausbildung des Menschen und seiner Kultur mchtiger als alle
frheren Vorgnge auf die organische Welt umgestaltend einwirkte, und da
sie vor allem dieses jngste Zeitalter charakterisiert, so knnte man
dasselbe auch die Menschenzeit, das anthropolithische oder
anthropozoische Zeitalter nennen. Es knnte allenfalls auch das
Zeitalter der Kulturwlder heien, weil selbst auf den niederen Stufen
der menschlichen Kultur ihr umgestaltender Einflu sich bereits in der
Benutzung der Wlder und ihrer Erzeugnisse, und somit auch in der
Physiognomie der Landschaft bemerkbar macht. Geologisch wird der Beginn
dieses Zeitalters, welches bis zur Gegenwart reicht, durch das Ende der
plioznen Schichtenablagerung begrenzt.

Die neptunischen Schichten, welche whrend des verhltnismig kurzen
quartren Zeitraums abgelagert wurden, sind an den verschiedenen Stellen
der Erde von sehr verschiedener, meist aber von sehr geringer Dicke. Man
bringt dieselben in zwei verschiedene Systeme, von denen man das ltere
als diluvial oder pleistozn, das neuere als alluvial oder rezent
bezeichnet. Das Diluvialsystem zerfllt selbst wieder in zwei
Formationen, in die lteren glazialen und die neueren postglazialen
Bildungen. Whrend der lteren Diluvialzeit nmlich fand jene
auerordentlich merkwrdige Erniedrigung der Erdtemperatur statt, welche
zu einer ausgedehnten Vergletscherung der gemigten Zonen fhrte. Diese
Eiszeit oder Glazialperiode hat fr die geographische und
topographische Verbreitung der Organismen hohe Bedeutung gewonnen. Auch
die auf die Eiszeit folgende Nacheiszeit, die postglaziale Periode
oder die neuere Diluvialzeit, whrend welcher die Temperatur wiederum
stieg und das Eis sich nach den Polen zurckzog, war fr die
gegenwrtige Gestaltung der chorologischen Verhltnisse hchst
bedeutungsvoll.

Der biologische Charakter der Quartrzeit liegt wesentlich in der
Entwicklung und Ausbreitung des menschlichen Organismus und seiner
Kultur. Weit mehr als jeder andere Organismus hat der Mensch
umgestaltend, zerstrend und neubildend auf die Tier- und
Pflanzenbevlkerung der Erde eingewirkt. Aus diesem Grunde -- nicht weil
wir dem Menschen im brigen eine privilegierte Ausnahmestellung in der
Natur einrumen -- knnen wir mit vollem Rechte die Ausbreitung des
Menschen und seiner Kultur als Beginn eines besonderen letzten
Hauptabschnitts der organischen Erdgeschichte bezeichnen. Wahrscheinlich
fand allerdings die krperliche Entwicklung des Urmenschen aus
menschenhnlichen Affen bereits in der jngeren oder plioznen,
vielleicht sogar schon in der mittleren oder mioznen Tertirzeit statt.
Allein die eigentliche Entwicklung der menschlichen Sprache, welche wir
als den wichtigsten Hebel fr die Ausbildung der eigentmlichen Vorzge
des Menschen und seiner Herrschaft ber die brigen Organismen
betrachten, fllt wahrscheinlich erst in jenen Zeitraum, welchen man aus
geologischen Grnden als pleistozne oder diluviale Zeit von der
vorhergehenden Plioznperiode trennt. Jedenfalls ist derjenige Zeitraum,
welcher seit der Entwicklung der menschlichen Sprache bis zur Gegenwart
verflo, mag derselbe auch viele Jahrtausende und vielleicht
Hunderttausende von Jahren in Anspruch genommen haben, verschwindend
gering gegen die unermeliche Lnge der Zeitrume, welche vom Beginn
des organischen Lebens auf der Erde bis zur Entstehung des
Menschengeschlechts verflossen.

Die tabellarische bersicht Seite 69 zeigt die Reihenfolge der
palontologischen Terrains, Systeme und Formationen, d. h. der greren
und kleineren neptunischen Schichtengruppen, welche Versteinerungen
einschlieen, von den obersten oder alluvialen bis zu den untersten oder
laurentischen Ablagerungen hinab. Die Tabelle Seite 68 fhrt die
historische Einteilung der entsprechenden Zeitrume vor, der greren
und kleineren palontologischen Perioden, und zwar in umgekehrter
Reihenfolge.

                              bersicht
           der palontologischen Perioden oder der greren
                            Zeitabschnitte
                    der organischen Erdgeschichte.

              Erster Zeitraum: Archozoisches Zeitalter.
                           Primordial-Zeit.
           (Zeitalter der Schdellosen und der Tangwlder.)

    1.  ltere Archolithzeit       oder  Laurentische Periode.
    2.  Mittlere Archolithzeit      "    Kambrische Periode.
    3.  Neuere Archolithzeit        "    Silurische Periode.

              Zweiter Zeitraum: Palozoisches Zeitalter.
                             Primr-Zeit.
                (Zeitalter der Fische und Farnwlder.)

    4.  ltere Palolithzeit       oder  Devonische Periode.
    5.  Mittlere Palolithzeit      "    Steinkohlen-Periode.
    6.  Neuere Palolithzeit        "    Permische Periode.

              Dritter Zeitraum: Mesozoisches Zeitalter.
                            Sekundr-Zeit.
            (Zeitalter der Reptilien und der Nadelwlder.)

    7.  ltere Mesolithzeit        oder  Trias-Periode.
    8.  Mittlere Mesolithzeit       "    Jura-Periode.
    9.  Neuere Mesolithzeit         "    Kreide-Periode.

              Vierter Zeitraum: Znozoisches Zeitalter.
                            Tertir-Zeit.
            (Zeitalter der Sugetiere und der Laubwlder.)

   10.  ltere Znolithzeit        oder  Eozne Periode.
   11.  Mittlere Znolithzeit       "    Miozne Periode.
   12.  Neuere Znolithzeit         "    Pliozne Periode.

            Fnfter Zeitraum: Anthropozoisches Zeitalter.
                            Quartr-Zeit.
            (Zeitalter der Menschen und der Kulturwlder.)

   13.  ltere Anthropolithzeit    oder  Eiszeit. Glaziale Periode.
   14.  Mittlere Anthropolithzeit   "    Postglaziale Periode.
   15.  Neuere Anthropolithzeit     "    Kultur-Periode.

   (Die Kultur-Periode ist die historische Zeit oder die Periode der
                          berlieferungen.)

                              bersicht
              der palontologischen Formationen oder der
                       versteinerungsfhrenden
                       Schichten der Erdrinde.

  =============================================================================
  Terrains             |     Systeme       |   Formation     |  Synonyme der
                       |                   |                 |   Formationen
  -----------------------------------------------------------------------------
  V. Anthropolithische { XIV. Rezent       { 36. Prsent       Oberalluviale
     Terrains oder     {   (Alluvium)      { 35. Rezent        Unteralluviale
    anthropozoische    {
      (quartre)       { XIII. Pleistozn  { 34. Postglazial   Oberdiluviale
    Schichtengruppen   {   (Diluvium)      { 33. Glazial       Unterdiluviale

  IV. Znolithische    { XII. Pliozn      { 32. Arvern        Oberpliozne
    Terrains oder      {   (Neutertir)    { 31. Subapennin    Unterpliozne
     znozoische       {
     (tertire)        { XI. Miozn        { 30. Falun         Obermiozne
    Schichtengruppen   {   (Mitteltertir) { 29. Limburg       Untermiozne
                       {
                       { X. Eozn          { 28. Gips          Obereozne
                       {   (Alttertir)    { 27. Grobkalk      Mitteleozne
                       {                   { 26. Londonton     Untereozne

  III. Mesolithische   { IX. Kreide        { 25. Weikreide    Oberkreide
    Terrains oder      {                   { 24. Grnsand      Mittelkreide
     mesozoische       {                   { 23. Neokom        Unterkreide
     (sekundre)       {                   { 22. Wealden       Wlderformation
    Schichtengruppen   {
                       { VIII. Jura        { 21. Portland      Oberoolith
                       {                   { 20. Oxford        Mitteloolith
                       {                   { 19. Bath          Unteroolith
                       {                   { 18. Lias          Liasformation
                       {
                       { VII. Trias        { 17. Keuper        Obertrias
                       {                   { 16. Muschelkalk   Mitteltrias
                       {                   { 15. Buntsand      Untertrias

  II. Palolithische   { VI. Permisches    { 14. Zechstein     Oberpermische
    Terrains oder      {   (Dyas)          { 13. Neurotsand    Unterpermische
    palozoische       {
     (primre)         { V. Karbonisches   { 12. Kohlensand    Oberkarbonische
    Schichtengruppen   {   (Steinkohle)    { 11. Kohlenkalk    Unterkarbonische
                       {
                       { IV. Devonisches   { 10. Pilton        Oberdevonische
                       {   (Altrotsand)    {  9. Ilfracombe    Mitteldevonische
                       {                   {  8. Linton        Unterdevonische

  I. Archolithische    { III. Silurisches  {  7. Ludlow        Obersilurische
    Terrains oder      {                   {  6. Landovery     Mittelsilurische
    archozoische       {                   {  5. Landeilo      Untersilurische
    (primordiale)      {
   Schichtengruppen    { II. Kambrisches   {  4. Potsdam       Oberkambrische
                       {                   {  3. Longmynd      Unterkambrische
                       {
                       { I. Laurentisches  {  2. Labrador      Oberlaurentische
                       {                   {  1. Ottawa        Unterlaurentische

   ---------------------------------------------------------------------
  |                              Tabelle                                |
  |                                                                     |
  |  zur bersicht der neptunischen versteinerungsfhrenden Schichten-  |
  |      Systeme der Erdrinde mit Bezug auf ihre verhltnismige       |
  |           durchschnittliche Dicke.  (130000 Fu zirka.)             |
  |=====================================================================|
  |   IV. Znozoische Schichten-Systeme.    |      Eozn, Miozn,       |
  |             Zirka 3000 Fu.             |        Pliozn.           |
  |-----------------------------------------+---------------------------|
  |                                         |     IX. Kreide-System.    |
  |  III. Mesozoische Schichten-Systeme.    |---------------------------|
  |       Ablagerungen der Sekundrzeit.    |   VIII. Jura-System.      |
  |       Zirka 15000 Fu.                  |---------------------------|
  |                                         |    VII. Trias-System.     |
  |-----------------------------------------+---------------------------|
  |                                         |     VI. Permisches        |
  |   II. Palozoische Schichten-Systeme.   |         System.           |
  |                                         |---------------------------|
  |       Ablagerungen der Primr-Zeit.     |      V. Steinkohlen-      |
  |                                         |         System.           |
  |       Zirka 42000 Fu.                  |---------------------------|
  |                                         |     IV. Devonisches       |
  |                                         |         System.           |
  |-----------------------------------------+---------------------------|
  |                                         |    III. Silurisches       |
  |                                         |           System.         |
  |    I. Archozoische Schichten-Systeme.   |       Zirka 22000 Fu.    |
  |                                         |---------------------------|
  |       Ablagerungen der Primordial-Zeit. |     II. Kambrisches       |
  |                                         |           System.         |
  |       Zirka 70000 Fu.                  |        Zirka 18000 Fu.   |
  |                                         |---------------------------|
  |                                         |      I. Laurentisches     |
  |                                         |           System.         |
  |                                         |        Zirka 30000 Fu.   |
   ---------------------------------------------------------------------

Man hat viele Versuche angestellt, die Zahl der Jahrtausende, welche
diese Zeitrume zusammensetzen, annhernd zu berechnen. Man verglich die
Dicke der Schlammschichten, welche erfahrungsgem whrend eines
Jahrhunderts sich absetzen, und welche nur wenige Linien oder Zolle
betragen, mit der gesamten Dicke der geschichteten Gesteinsmassen, deren
ideales System wir soeben berblickt haben. Diese Dicke mag im ganzen
durchschnittlich ungefhr 130000 Fu betragen, und hiervon kommen 70000
auf das primordiale oder archozoische, 42000 auf das primre oder
palozoische, 15000 auf das sekundre oder mesozoische und endlich nur
3000 auf das tertire oder znozoische Terrain. Die sehr geringe und
nicht annhernd bestimmbare durchschnittliche Dicke des quartren oder
anthropozoischen Terrains kommt dabei gar nicht in Betracht. Man kann
sie hchstens durchschnittlich auf 500-700 Fu anschlagen.
Selbstverstndlich haben aber alle diese Maangaben nur einen ganz
durchschnittlichen und annhernden Wert und sollen nur dazu dienen, das
_relative_ Maverhltnis der Schichtensysteme und der ihnen
entsprechenden Zeitabschnitte ganz _ungefhr_ zu berblicken. Auch
werden die Mae sehr verschieden abgeschtzt.

Wenn man nun die gesamte Zeit der organischen Erdgeschichte, d. h. den
ganzen Zeitraum seit Beginn des Lebens auf der Erde bis auf den heutigen
Tag, in hundert gleiche Teile teilt, und wenn man dann, dem angegebenen
durchschnittlichen Dickenverhltnis der Schichtensysteme entsprechend,
die relative Zeitdauer der fnf Hauptabschnitte oder Zeitalter nach
Prozenten berechnet, so ergibt sich folgendes Resultat. (Vergl. Seite
70.)

     I.  Archozoische oder Primordialzeit  53,6
    II.  Palozoische oder Primrzeit      32,1
   III.  Mesozoische oder Sekundrzeit     11,5
    IV.  Znozoische oder Tertirzeit       2,3
     V.  Anthropozoische oder Quartrzeit   0,5
                                         ------
                                   Summa: 100,0

Es betrgt demnach die Lnge des archozoischen Zeitraums, whrenddessen
fast noch keine landbewohnenden Tiere und Pflanzen existierten, mehr als
die Hlfte, mehr als 53 Prozent, dagegen die Lnge des anthropozoischen
Zeitraums, whrenddessen der Mensch existierte, kaum ein halbes Prozent
von der ganzen Lnge der organischen Erdgeschichte. Es ist aber ganz
unmglich, die Lnge dieser Zeitrume auch nur annhernd nach Jahren zu
berechnen.

Die Dicke der Schlammschichten, welche whrend eines Jahrhunderts sich
in der Gegenwart ablagern, und welche man als Basis fr diese Berechnung
benutzen wollte, ist an den verschiedenen Stellen der Erde unter den
ganz verschiedenen Bedingungen, unter denen berall die Ablagerung
stattfindet, natrlich ganz verschieden. Sie ist sehr gering auf dem
Boden des hohen Meeres, in den Betten breiter Flsse mit kurzem Laufe
und in Landseen, welche sehr drftige Zuflsse erhalten. Sie ist
verhltnismig bedeutend an Meeresksten mit starker Brandung, am
Ausflu groer Strme mit langem Lauf und in Landseen mit starken
Zuflssen. An der Mndung des Mississippi, welcher sehr bedeutende
Schlammassen mit sich fortfhrt, wrden in 100000 Jahren wohl etwa 600
Fu abgelagert werden. Auf dem Grunde des offenen Meeres, weit von den
Ksten entfernt, werden sich whrend dieses langen Zeitraums nur wenige
Fu Schlamm absetzen. Selbst an den Ksten, wo verhltnismig viel
Schlamm abgelagert wird, mag die Dicke der dadurch whrend eines
Jahrhunderts gebildeten Schichten, wenn sie nachher sich zu festem
Gesteine verdichtet haben, doch nur wenige Zoll oder Linien betragen.
Jedenfalls aber bleiben alle auf diese Verhltnisse gegrndeten
Berechnungen ganz unsicher, und wir knnen uns auch nicht einmal
annhernd die ungeheure Lnge der Zeitrume vorstellen, welche zur
Bildung jener neptunischen Schichtensysteme erforderlich waren. Nur
relative, nicht absolute Zeitmae sind hier mit Vorsicht anwendbar.

Man wrde brigens auch vollkommen fehlgehen, wenn man die Mchtigkeit
jener Schichtensysteme allein als Mastab fr die inzwischen wirklich
verflossene Zeit der Erdgeschichte betrachten wollte. Denn Hebungen und
Senkungen der Erdrinde haben bestndig miteinander gewechselt, und aller
Wahrscheinlichkeit nach entspricht oft der mineralogische und
palontologische Unterschied, den man zwischen je zwei aufeinander
folgenden Schichtensystemen und zwischen je zwei Formationen derselben
wahrnimmt, einem betrchtlichen Zwischenraum von mehreren Jahrtausenden,
whrenddessen die betreffende Stelle der Erdrinde ber das Wasser
gehoben war. Erst nach Ablauf dieser Zwischenzeit, als eine neue Senkung
diese Stelle wieder unter Wasser brachte, fand die Ablagerung einer
neuen Bodenschicht statt. Da aber inzwischen die anorganischen und
organischen Verhltnisse an diesem Orte eine betrchtliche Umbildung
erfahren hatten, mute die neugebildete Schlammschicht aus verschiedenen
Bodenbestandteilen zusammengesetzt sein und ganz verschiedene
Versteinerungen einschlieen.

Die auffallenden Unterschiede, die zwischen den Versteinerungen zweier
bereinander liegenden Schichten so hufig stattfinden, sind einfach und
leicht nur durch die Annahme zu erklren, da derselbe Punkt der
Erdoberflche _wiederholten Senkungen und Hebungen_ ausgesetzt wurde.
Noch gegenwrtig finden solche Hebungen und Senkungen, welche man teils
der Faltung der schrumpfenden Erdrinde, teils der Reaktion des
feuerflssigen Erdkerns gegen die erstarrte Rinde zuschreibt, in weiter
Ausdehnung statt. So steigt z. B. die Kste von Schweden und ein Teil
von der Westkste Sdamerikas bestndig langsam empor, whrend die Kste
von Holland und ein Teil von der Ostkste Sdamerikas allmhlich
untersinkt. Das Steigen wie das Sinken geschieht nur sehr langsam und
betrgt im Jahrhundert bald nur einige Linien, bald einige Zoll oder
hchstens einige Fu. Wenn aber diese Bewegung Hunderte von
Jahrtausenden hindurch ununterbrochen andauert, kann sie die hchsten
Gebirge bilden.

Offenbar haben hnliche Hebungen und Senkungen whrend des ganzen
Verlaufes der organischen Erdgeschichte ununterbrochen an verschiedenen
Stellen miteinander gewechselt. Das ergibt sich mit Sicherheit aus der
geographischen Verbreitung der Organismen. Nun ist es aber fr die
Beurteilung unserer palontologischen Schpfungsurkunde auerordentlich
wichtig, sich klarzumachen, da bleibende Schichten sich blo whrend
langsamer Senkung des Bodens unter Wasser ablagern knnen, nicht aber
whrend andauernder Hebung. Wenn der Boden langsam mehr und mehr unter
den Meeresspiegel versinkt, so gelangen die abgelagerten
Schlammschichten in immer tieferes und ruhigeres Wasser, wo sie sich
ungestrt zu Gestein verdichten knnen. Wenn sich dagegen umgekehrt der
Boden langsam hebt, so kommen die soeben abgelagerten Schlammschichten,
welche Reste von Pflanzen und Tieren umschlieen, sogleich wieder in den
Bereich des Wogenspiels und werden durch die Kraft der Brandung alsbald
nebst den eingeschlossenen organischen Resten zerstrt. Aus diesem
einfachen, aber sehr gewichtigen Grunde knnen also nur whrend einer
andauernden Senkung des Bodens sich reichlichere Schichten ablagern, in
denen die organischen Reste erhalten bleiben. Wenn je zwei verschiedene
bereinander liegende Formationen oder Schichten mithin zwei
verschiedenen Senkungsperioden entsprechen, so mssen wir zwischen
diesen letzteren einen langen Zeitraum der Hebung annehmen, von dem wir
gar nichts wissen, weil uns keine fossilen Reste von den damals lebenden
Tieren und Pflanzen aufbewahrt werden konnten. Offenbar verdienen aber
diese spurlos dahingegangenen Hebungszeitrume nicht geringere
Bercksichtigung als die damit abwechselnden Senkungszeitrume, von
deren organischer Bevlkerung uns die versteinerungsfhrenden Schichten
eine ungefhre Vorstellung geben. Wahrscheinlich waren die ersteren
durchschnittlich von nicht geringerer Dauer als die letzteren; fr diese
Annahme sprechen viele gewichtige Grnde.

Schon hieraus ergibt sich, wie unvollstndig unsere Urkunde notwendig
sein mu, um so mehr, da sich theoretisch erweisen lt, da gerade
whrend der Hebungszeitrume das Tier- und Pflanzenleben an
Mannigfaltigkeit zunehmen mute. Denn indem neue Strecken Landes ber
das Wasser gehoben werden, bilden sich neue Inseln. Jede neue Insel ist
aber ein neuer Schpfungsmittelpunkt, weil die zufllig dorthin
verschlagenen Tiere und Pflanzen aus dem neuen Boden im Kampf ums Dasein
reiche Gelegenheit finden, sich eigentmlich zu entwickeln und neue
Arten zu bilden. Die Bildung neuer Arten hat offenbar whrend dieser
Zwischenzeiten, aus denen uns leider keine Versteinerungen erhalten
bleiben konnten, vorzugsweise stattgefunden; umgekehrt gab die langsame
Senkung des Bodens eher Gelegenheit zum Aussterben zahlreicher Arten und
zu einem Rckschritt in der Artenbildung. Auch die Zwischenformen
zwischen den alten und den neu sich bildenden Spezies werden
vorzugsweise whrend jener Hebungszeitrume gelebt haben und konnten
daher ebenfalls keine fossilen Reste hinterlassen.

Zu den sehr bedeutenden und empfindlichen Lcken der palontologischen
Schpfungsurkunde, welche durch die Hebungszeitrume bedingt werden,
kommen nun leider noch viele andere Umstnde hinzu, welche den hohen
Wert derselben auerordentlich verringern. Dahin gehrt vor allen der
metamorphische Zustand der ltesten Schichtengruppen, gerade derjenigen,
welche die Reste der ltesten Flora und Fauna, der Stammformen aller
folgenden Organismen enthalten, und dadurch von ganz besonderem
Interesse sein wrden. Gerade diese Gesteine, und zwar der grere Teil
der primordialen oder archolithischen Schichten, fast das ganze
laurentische und ein groer Teil des kambrischen Systems, enthalten gar
keine kenntlichen Reste mehr, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil
diese Schichten durch den Einflu des feuerflssigen Erdinnern
nachtrglich wieder verndert oder metamorphosiert wurden. Durch die
Hitze des glhenden Erdkerns sind diese tiefsten neptunischen
Rindenschichten in ihrer ursprnglichen Schichtenstruktur gnzlich
umgewandelt und in einen kristallinischen Zustand bergefhrt worden.
Dabei ging aber die Form der darin eingeschlossen organischen Reste ganz
verloren. Nur hier und da wurde sie durch einen glcklichen Zufall
erhalten, wie es bei manchen der ltesten bekannten Petrefakten aus den
untersten kambrischen Schichten der Fall ist. Jedoch knnen wir aus den
Lagern von kristallinischer Kohle (Graphit) und kristallinischem Kalk
(Marmor), welche sich in den metamorphischen Gesteinen eingelagert
finden, mit Sicherheit auf die frhere Anwesenheit von versteinerten
Pflanzen- und Tierresten in denselben schlieen. Neuerdings sind fossile
Radiolarien auch in prkambrischen Schichten entdeckt.

Auerordentlich unvollstndig wird unsere Schpfungsurkunde durch den
Umstand, da erst ein sehr kleiner Teil der Erdoberflche genauer
geologisch untersucht ist, vorzugsweise Europa und Nordamerika; auch von
Sdamerika und Ostindien sind einzelne Stellen der Erdrinde
aufgeschlossen; der grte Teil derselben ist uns aber unbekannt.
Dasselbe gilt vom grten Teil Asiens, des umfangreichsten aller
Weltteile, auch von Afrika (ausgenommen das Kap der Guten Hoffnung und
die Mittelmeerkste) und von Australien wissen wir nur sehr wenig. Im
ganzen ist wohl kaum der hundertste Teil der gesamten Erdoberflche
grndlich palontologisch erforscht. Wir knnen daher wohl hoffen, bei
weiterer Ausbreitung der geologischen Untersuchungen, denen namentlich
die Anlage von Eisenbahnen und Bergwerken sehr zu Hilfe kommen wird,
noch einen groen Teil wichtiger Versteinerungen aufzufinden. Ein
Fingerzeig dafr ist uns durch die merkwrdigen Versteinerungen gegeben,
die man an den wenigen genauer untersuchten Punkten von Afrika und
Asien, in den Kapgegenden und am Himalaja, sowie neuerdings in
Patagonien aufgefunden hat. Eine Reihe von ganz neuen und sehr
eigentmlichen Tierformen ist uns dadurch bekannt geworden. Freilich
mssen wir anderseits erwgen, da der ausgedehnte Boden der jetzigen
Meere vorlufig fr die palontologischen Forschungen fast unzugnglich
ist; den grten Teil der hier seit uralten Zeiten begrabenen
Versteinerungen werden wir entweder niemals oder erst nach Verlauf
vieler Jahrtausende kennen lernen, wenn durch allmhliche Hebungen der
gegenwrtige Meeresboden mehr zutage getreten sein wird. Wenn Sie
bedenken, da die ganze Erdoberflche zu ungefhr drei Fnfteilen aus
Wasser und nur zu zwei Fnfteilen aus Festland besteht, so knnen Sie
ermessen, da auch in dieser Beziehung die palontologische Urkunde eine
ungeheure Lcke enthalten mu.

Nun kommen aber noch eine Reihe von Schwierigkeiten fr die
Palontologie hinzu, welche in der Natur der Organismen selbst begrndet
sind. Vor allem ist hier hervorzuheben, da in der Regel nur harte und
feste Krperteile der Organismen auf den Boden des Meeres und der sen
Gewsser gelangen und hier in Schlamm eingeschlossen und versteinert
werden knnen. Es sind also namentlich die Knochen und Zhne der
Wirbeltiere, die Kalkschalen der Weichtiere, die Chitinskelette der
Gliedertiere, die Kalkskelette der Sterntiere und Korallen, ferner die
holzigen, festen Teile der Pflanzen, die einer solchen Versteinerung
fhig sind. Die weichen und zarten Teile dagegen, welche bei den
allermeisten Organismen den bei weitem grten Teil des Krpers bilden,
gelangen nur sehr selten unter so gnstigen Verhltnissen in den
Schlamm, da sie versteinern, oder da ihre uere Form deutlich in dem
erhrteten Schlamme sich abdrckt. Nun bedenken Sie, da ganze groe
Klassen von Organismen, wie z. B. die Medusen, die Platoden, die nackten
Mollusken, welche keine Schale haben, ein groer Teil der Gliedertiere,
die meisten Wrmer und selbst die niedersten Wirbeltiere gar keine
festen und harten, versteinerungsfhigen Krperteile besitzen. Ebenso
sind gerade die wichtigsten Pflanzenteile, die Blten, meistens so weich
und zart, da sie sich nicht in kenntlicher Form konservieren knnen.
Von allen diesen wichtigen Lebensformen werden wir naturgem auch gar
keine versteinerten Reste zu finden erwarten knnen. Ferner sind die
Embryonen und Jugendzustnde fast aller Organismen so weich und zart,
da sie gar nicht versteinerungsfhig sind. Was wir also von
Versteinerungen in den neptunischen Schichtensystemen der Erdrinde
vorfinden, das sind im Verhltnis zum Ganzen nur wenige Formen, und
meistens nur einzelne Bruchstcke.

Sodann ist zu bercksichtigen, da die Meerbewohner in einem viel
hheren Grade Aussicht haben, ihre toten Krper in den abgelagerten
Schlammschichten versteinert zu erhalten, als die Bewohner der sen
Gewsser und des Festlandes. Die das Land bewohnenden Organismen knnen
in der Regel nur dann versteinert werden, wenn ihre Leichen zufllig ins
Wasser fallen und auf dem Boden in erhrtenden Schlammschichten begraben
werden, was von mancherlei Bedingungen abhngig ist. Daher kann es uns
nicht wundernehmen, da die bei weitem grte Mehrzahl der
Versteinerungen Organismen angehrt, die im Meere lebten, und da von
den Landbewohnern verhltnismig nur sehr wenige im fossilen Zustande
erhalten sind. Welche Zuflligkeiten hierbei ins Spiel kommen, mag Ihnen
allein der Umstand beweisen, da man von vielen fossilen Sugetieren,
insbesondere von den meisten Sugetieren der Sekundrzeit, weiter nichts
kennt als den Unterkiefer. Dieser Knochen ist erstens verhltnismig
fest und lst sich zweitens sehr leicht von dem toten Krper, der auf
dem Wasser schwimmt, ab. Whrend die Leiche vom Wasser fortgetrieben und
zerstrt wird, fllt der Unterkiefer auf den Grund des Wassers hinab und
wird hier vom Schlamm umschlossen. Daraus erklrt sich allein die
merkwrdige Tatsache, da in einer Kalkschicht des Jurasystems bei
Oxford in England, in den Schiefern von Stonesfield, bis jetzt fast nur
die Unterkiefer von zahlreichen Beuteltieren gefunden worden sind; sie
gehren zu den ltesten Sugetieren, welche wir kennen. Von dem ganzen
brigen Krper derselben war auch nicht ein Knochen mehr vorhanden. Die
exakten Gegner der Entwicklungstheorie wrden nach der bei ihnen
gebruchlichen Logik hieraus den Schlu ziehen mssen, da der
Unterkiefer der einzige Knochen im Leibe jener merkwrdigen Tiere war.

Fr die kritische Wrdigung der vielen unbedeutenden Zuflle, die unsere
Kenntnis der Versteinerungen in der bedeutendsten Weise beeinflussen,
sind ferner auch die Fuspuren sehr lehrreich, welche sich in groer
Menge in verschiedenen ausgedehnten Sandsteinlagern, z. B. in dem roten
Sandstein von Connecticut in Nordamerika, finden. Diese Futritte rhren
offenbar von Wirbeltieren, wahrscheinlich von Reptilien her, von deren
Krper selbst uns nicht die geringste Spur erhalten geblieben ist. Die
Abdrcke, welche ihre Fe im Schlamm hinterlassen haben, verraten uns
allein die vormalige Existenz von diesen uns sonst ganz unbekannten
Tieren.

Welche Zuflligkeiten auerdem noch die Grenzen unserer
palontologischen Kenntnisse bestimmen, knnen Sie daraus ermessen, da
man von sehr vielen wichtigen Versteinerungen nur ein einziges oder nur
ein paar Exemplare kennt. Im Jahre 1861 wurde im lithographischen
Schiefer von Solnhofen das unvollstndige Skelett des ltesten bis jetzt
bekannten Vogels entdeckt; ^Archaeopteryx lithographica^; 1877 wurde
ebendaselbst ein zweites Exemplar gefunden, welches das erste in
glcklichster Weise ergnzt. Die Kenntnis dieses einzigen Vogels aus dem
Jurasystem besitzt fr die Phylogenie der ganzen Vogelklasse die
allergrte Wichtigkeit. Alle bisher bekannten Vgel stellten eine sehr
einfrmig organisierte Gruppe dar, und zeigten keine auffallenden
bergangsbildungen zu anderen Wirbeltierklassen, auch nicht zu den
nchstverwandten Reptilien. Jener fossile Vogel aus dem Jura dagegen
besa keinen gewhnlichen Vogelschwanz, sondern einen Eidechsenschwanz,
und besttigte dadurch die aus anderen Grnden vermutete Abstammung der
Vgel von den Eidechsen. Durch dieses Petrefakt wurde also nicht nur
unsere Vorstellung von dem Alter der Vogelklasse, sondern auch von ihrer
Blutsverwandtschaft mit den Reptilien wesentlich erweitert. Ebenso sind
unsere Kenntnisse von anderen Tiergruppen oft durch die zufllige
Entdeckung einer einzigen Versteinerung wesentlich umgestaltet worden.
Da wir aber wirklich von vielen wichtigen Petrefakten nur sehr wenige
Exemplare oder nur Bruchstcke kennen, so mu auch aus diesem Grunde die
palontologische Urkunde hchst unvollstndig sein.

Eine weitere und sehr empfindliche Lcke derselben ist durch den Umstand
bedingt, da die _Zwischenformen_, welche die verschiedenen Arten
verbinden, in der Regel nicht erhalten sind, und zwar aus dem einfachen
Grunde, weil dieselben (nach dem Prinzip der Divergenz des Charakters)
im Kampfe ums Dasein ungnstiger gestellt waren als die am meisten
divergierenden Varietten, die sich aus einer und derselben Stammform
entwickelten. Die Zwischenglieder sind im ganzen immer rasch
ausgestorben und haben sich nur selten vollstndig erhalten. Die am
strksten divergierenden Formen dagegen konnten sich lngere Zeit
hindurch als selbstndige Arten am Leben erhalten, sich in zahlreichen
Individuen ausbreiten und demnach auch leichter versteinert werden.
Dadurch ist jedoch nicht ausgeschlossen, da nicht in vielen Fllen auch
die verbindenden Zwischenformen der Arten sich so vollstndig
versteinert erhielten, da sie noch gegenwrtig die systematischen
Palontologen in die grte Verlegenheit versetzen und endlose
Streitigkeiten ber die ganz willkrlichen Grenzen der Spezies
hervorrufen.

Ein ausgezeichnetes Beispiel der Art liefert die berhmte vielgestaltige
Swasserschnecke aus dem Stubental bei Steinheim in Wrttemberg, welche
bald als ^Paludina^, bald als ^Valvata^, bald als ^Planorbis
multiformis^ beschrieben worden ist. Die schneeweien Schalen dieser
kleinen Schnecke setzen mehr als die Hlfte von der ganzen Masse eines
tertiren Kalkhgels zusammen und offenbaren dabei an dieser einen
Lokalitt eine solche wunderbare Formenmannigfaltigkeit, da man die am
meisten divergierenden Extreme als wenigstens zwanzig ganz verschiedene
Arten beschreiben und diese sogar in vier ganz verschiedene Gattungen
versetzen knnte. Aber alle diese extremen Formen sind durch so
massenhafte verbindende Zwischenformen verknpft, und diese liegen so
gesetzmig ber- und nebeneinander, da Hilgendorf daraus auf das
klarste den Stammbaum der ganzen Formengruppe entwickeln konnte. Ebenso
finden sich bei sehr vielen anderen fossilen Arten (z. B. vielen
Ammoniten, Terebrateln, Seeigeln, Seelilien usw.) die verknpfenden
Zwischenformen in solcher Masse, da sie die fossilen Spezieskrmer
zur Verzweiflung bringen.

Wenn Sie nun alle vorher angefhrten Verhltnisse erwgen, so werden Sie
sich nicht darber wundern, da die palontologische Schpfungsurkunde
ganz auerordentlich lckenhaft und unvollstndig ist. Aber dennoch
haben die wirklich gefundenen Versteinerungen den grten Wert. Ihre
Bedeutung fr die natrliche Schpfungsgeschichte ist nicht geringer als
die Bedeutung, welche die berhmte Inschrift von Rosette und das Dekret
von Kanopus fr die Vlkergeschichte, fr die Archologie und Philologie
besitzen. Wie es durch diese beiden uralten Inschriften mglich wurde,
die Geschichte des alten gyptens auerordentlich zu erweitern und die
ganze Hieroglyphenschrift zu entziffern, so gengen uns in vielen Fllen
einzelne Knochen eines Tieres oder unvollstndige Abdrcke einer
niederen Tier- oder Pflanzenform, um die wichtigsten Anhaltspunkte fr
die Geschichte einer ganzen Gruppe und die Erkenntnis ihres Stammbaums
zu gewinnen. Ein paar kleine Backzhne, die in der Keuperformation der
Trias gefunden wurden, waren lange Zeit hindurch der einzige Beweis
dafr, da schon in der Triaszeit Sugetiere wirklich existiert haben.

Von der Unvollkommenheit des geologischen Schpfungsberichtes sagt
Darwin, in bereinstimmung mit Lyell, dem berhmten Geologen: Der
natrliche Schpfungsbericht, wie ihn die Palontologie liefert, ist
eine Geschichte der Erde, unvollstndig erhalten und in wechselnden
Dialekten geschrieben, wovon aber nur der letzte, blo auf einige Teile
der Erdoberflche sich beziehende Band bis auf uns gekommen ist. Doch
auch von diesem Bande ist nur hier und da ein kurzes Kapitel erhalten,
und von jeder Seite sind nur da und dort einige Zeilen brig. Jedes Wort
der langsam wechselnden Sprache dieser Beschreibung, mehr oder weniger
verschieden in der ununterbrochenen Reihenfolge der einzelnen
Abschnitte, mag den anscheinend pltzlich wechselnden Lebensformen
entsprechen, welche in den unmittelbar aufeinander liegenden Schichten
unserer weit voneinander getrennten Formationen begraben liegen.

Wenn Sie diese auerordentliche Unvollstndigkeit der palontologischen
Urkunde sich bestndig vor Augen halten, so wird es Ihnen nicht
wunderbar erscheinen, da wir noch auf so viele unsichere Hypothesen
angewiesen sind, indem wir wirklich den Stammbaum der verschiedenen
organischen Gruppen entwerfen wollen. Jedoch besitzen wir
glcklicherweise auer den Versteinerungen auch noch andere historische
Urkunden; und diese sind in vielen Fllen von nicht geringerem und in
den meisten sogar von viel hherem Werte als die Petrefakten. Die bei
weitem wichtigste von diesen anderen Schpfungsurkunden ist ohne Zweifel
die _Ontogenie_ oder Keimesgeschichte; denn sie wiederholt uns kurz in
groen, markigen Zgen das Bild der Stammesgeschichte oder _Phylogenie_.

Allerdings ist die Skizze, welche uns die Ontogenie der Organismen von
ihrer Phylogenie gibt, in den meisten Fllen mehr oder weniger
verwischt, und zwar um so mehr, je mehr die Anpassung im Laufe der Zeit
das bergewicht ber die Vererbung erlangt hat, und je mchtiger das
Gesetz der abgekrzten Vererbung und das Gesetz der wechselbezglichen
Anpassung eingewirkt haben. Allein dadurch wird der hohe Wert nicht
vermindert, welchen die wirklich treu erhaltenen Zge jener Skizze
besitzen. Besonders fr die Erkenntnis der frhesten palontologischen
Entwicklungszustnde ist die Ontogenie von ganz unschtzbaren Werte,
weil gerade von den ltesten Entwicklungsstufen der Stmme und Klassen
uns gar keine versteinerten Reste erhalten worden sind und auch schon
wegen der weichen und zarten Krperbeschaffenheit derselben nicht
erhalten bleiben konnten. Keine Versteinerung knnte uns von der
unschtzbar wichtigen Tatsache berichten, welche die Ontogenie uns
erzhlt, da die ltesten gemeinsamen Vorfahren aller verschiedenen
Tier- und Pflanzenarten ganz einfache Zellen, gleich den Eiern waren.
Keine Versteinerung knnte uns die unendlich wertvolle, durch die
Ontogenie festgestellte Tatsache beweisen, da durch einfache
Vermehrung, Gemeindebildung und Arbeitsteilung jener Zellen die
unendlich mannigfaltigen Krperformen der vielzelligen Organismen
entstanden. Allein schon die Gastrulation ist eine der wichtigsten
Stammesurkunden. So hilft uns die Ontogenie ber viele und groe Lcken
der Palontologie hinweg.

[Illustration: Hand von neun verschiedenen Sugetieren. 1. Mensch. 2.
Gorilla. 3. Orang. 4. Hund. 5. Seehund. 6. Delphin. 7. Fledermaus. 8.
Maulwurf. 9. Schnabeltier.]

Zu den unschtzbaren Schpfungsurkunden der Palontologie und Ontogenie
gesellen sich nun drittens die nicht minder wichtigen Zeugnisse fr die
Blutsverwandtschaft der Organismen, welche uns die _vergleichende
Anatomie_ liefert. Wenn uerlich sehr verschiedene Organismen in ihrem
inneren Bau nahezu bereinstimmen, so knnen wir daraus mit voller
Sicherheit schlieen, da diese bereinstimmung ihren Grund in der
Vererbung, jene Ungleichheit dagegen ihren Grund in der Anpassung hat.
Betrachten Sie z. B. vergleichend die Hnde oder Vorderpfoten der neun
verschiedenen Sugetiere, welche auf Seite 87 abgebildet sind, und bei
denen das kncherne Skelettgerst im Innern der Hand und der fnf Finger
sichtbar ist. berall finden sich bei der verschiedensten ueren Form
dieselben Knochen in derselben Zahl, Lagerung und Verbindung wieder. Da
die Hand des Menschen (Fig. 1) von derjenigen seiner nchsten
Verwandten, des Gorilla (Fig. 2) und des Orang (Fig. 3), sehr wenig
verschieden ist, wird vielleicht sehr natrlich erscheinen. Wenn aber
auch die Vorderpfote des Hundes (Fig. 4), sowie die Brustflosse (die
Hand) des Seehundes (Fig. 5) und des Delphins (Fig. 6) ganz denselben
wesentlichen Bau zeigt, so wird dies schon mehr berraschen. Und noch
wunderbarer wird es Ihnen vorkommen, da auch der Flgel der Fledermaus
(Fig. 7), die Grabschaufel des Maulwurfs (Fig. 8) und der Vorderfu des
unvollkommensten aller Sugetiere, des Schnabeltieres (Fig. 9) ganz aus
denselben Knochen zusammengesetzt ist. Nur die Gre und Form der
Knochen ist vielfach gendert. Die Zahl und die Art ihrer Anordnung und
Verbindung ist dieselbe geblieben. Es ist ganz undenkbar, da irgendeine
andere Ursache als die gemeinschaftliche Vererbung von gemeinsamen
Stammeltern diese wunderbare Homologie oder Gleichheit im wesentlichen
inneren Bau bei so verschiedener uerer Form verursacht habe. Und wenn
Sie nun im System von den Sugetieren weiter hinuntersteigen und finden,
da sogar bei den Vgeln die Flgel, bei den Reptilien und Amphibien die
Vorderfe wesentlich in derselben Weise aus denselben Knochen
zusammengesetzt sind, wie die Arme des Menschen und die Vorderbeine der
brigen Sugetiere, so knnen Sie schon daraus auf die gemeinsame
Abstammung aller dieser Wirbeltiere mit voller Sicherheit schlieen. Der
Grad der inneren Formverwandtschaft enthllt Ihnen hier, wie berall,
den Grad der wahren Stammverwandtschaft.

                              (Aus Natrliche Schpfungsgeschichte.)




                                 III.
                         Die Gastratheorie.


Die ersten Vorgnge der individuellen Entwicklung, welche nach erfolgter
Befruchtung der Eizelle und Bildung der Stammzelle eintreten, sind im
ganzen Tierreiche wesentlich dieselben; sie beginnen berall mit der
sogenannten Eifurchung und Keimbltterbildung. Nur die niedersten und
einfachsten Tiere, die Urtiere oder Protozoen, machen davon eine
Ausnahme; denn sie bleiben zeitlebens einzellig. Zu diesen Urtieren
gehren die Amben, Gregarinen, Rhizopoden, Infusorien usw. Da ihr
ganzer Organismus nur durch eine einzige Zelle reprsentiert wird,
knnen sie niemals Keimbltter, d. h. bestimmt geformte
Zellenschichten bilden. Alle brigen Tiere dagegen, alle Gewebetiere
oder Metazoen (wie wir sie im Gegensatz zu jenen Protozoen nennen)
bilden durch wiederholte Teilung der befruchteten Eizelle echte
Keimbltter. Das gilt ebensowohl von den niederen Nesseltieren und
Wurmtieren, wie von den hher entwickelten Weichtieren, Sterntieren,
Gliedertieren und Wirbeltieren.

Bei allen diesen Metazoen oder vielzelligen Tieren sind die wichtigsten
Vorgnge der Keimung im wesentlichen gleich, obwohl sie, uerlich
betrachtet, oft sehr verschieden erscheinen. berall zerfllt die
Stammzelle, welche aus der befruchteten Eizelle hervorgegangen ist,
zunchst durch wiederholte Teilung in eine groe Anzahl von einfachen
Zellen. Diese Zellen sind alle direkte Nachkommen der Stammzelle und
werden aus spter zu errternden Grnden als Furchungszellen oder
Furchungskugeln bezeichnet (^Blastomera^ oder ^Segmentella^). Der
wiederholte Teilungsproze der Stammzelle, durch welchen die
Furchungszellen entstehen, ist schon lange unter dem Namen der
_Eifurchung_ oder schlechtweg Furchung (^Segmentatio^) bekannt. Frher
oder spter treten die Furchungszellen zur Bildung einer runden
(ursprnglich kugeligen) _Keimblase_ (^Blastula^) zusammen; dann aber
sondern sie sich in zwei wesentlich verschiedene Gruppen und ordnen sich
in zwei getrennte Zellenschichten: die beiden _primren Keimbltter_.
Diese umschlieen eine Verdauungshhle, den _Urdarm_, mit einer ffnung,
dem _Urmund_. Die bedeutungsvolle Keimform, welche diese ltesten
Primitivorgane besitzt, nennen wir _Gastrula_, den Vorgang ihrer
Entstehung _Gastrulation_. Dieser ontogenetische Vorgang besitzt die
hchste Bedeutung und ist der eigentliche Ausgangspunkt fr die
Gestaltung des vielzelligen Tierkrpers.

Die fundamentalen Keimungsprozesse der Eifurchung und der
Keimbltterbildung sind erst in den letzten dreiig Jahren vollkommen
klar erkannt und in ihrer wahren Bedeutung richtig gewrdigt worden. Sie
bieten in den verschiedenen Tiergruppen mancherlei auffallende
Verschiedenheiten dar, und es war nicht leicht, die wesentliche
Gleichheit oder Identitt derselben im ganzen Tierreiche nachzuweisen.
Erst nachdem ich 1872 die Gastratheorie aufgestellt und spter (1875)
alle die einzelnen Formen der Eifurchung und Gastrulabildung auf eine
und dieselbe Grundform zurckgefhrt hatte, konnte jene wichtige
Identitt als wirklich bewiesen angesehen werden. Es ist damit ein
_einheitliches Gesetz_ gewonnen, welches die ersten Vorgnge der Keimung
bei smtlichen Tieren beherrscht.

Der Mensch verhlt sich in bezug auf diese ersten und wichtigsten
Vorgnge jedenfalls durchaus gleich den brigen hheren Sugetieren, und
zunchst den Affen. Da der menschliche Keim oder Embryo selbst noch in
einem viel spteren Stadium der Ausbildung, wo bereits Gehirnblasen,
Augen, Gehrorgane, Kiemenbogen usw. angelegt sind, nicht wesentlich von
dem gleichgeformten Keime der brigen hheren Sugetiere verschieden
ist, so drfen wir mit voller Sicherheit annehmen, da auch die ersten
Vorgnge der Keimung, der Eifurchung und Keimbltterbildung dieselben
sind. Wirklich beobachtet sind diese Verhltnisse allerdings bisher noch
nicht. Da aber sowohl die jngsten wirklich beobachteten menschlichen
Embryonen (in Form von Keimblasen), als auch die darauf folgenden weiter
entwickelten Keimformen mit denjenigen des Kaninchens, des Hundes und
anderer hherer Sugetiere wesentlich bereinstimmen, so wird kein
vernnftiger Mensch daran zweifeln, da auch die Eifurchung und
Keimbltterbildung hier geradeso wie dort verluft.

Nun ist aber die besondere Form, welche die Eifurchung und
Keimbltterbildung bei den Sugetieren besitzt, keineswegs die
ursprngliche, einfache und palingenetische Form der Keimung. Vielmehr
ist dieselbe infolge von zahlreichen embryonalen Anpassungen sehr stark
abgendert, gestrt oder cenogenetisch modifiziert. Wir knnen dieselbe
daher unmglich an und fr sich allein verstehen. Vielmehr mssen wir,
um zu diesem Verstndnis zu gelangen, die verschiedenen Formen der
Eifurchung und Keimbltterbildung im Tierreiche vergleichend betrachten;
und vor allem mssen wir die ursprngliche, _palingenetische_ Form
derselben aufsuchen, aus welcher die abgenderte, _cenogenetische_ Form
der Sugetierkeimung erst viel spter allmhlich entstanden ist.

Diese ursprngliche, palingenetische Form der Eifurchung und
Keimbltterbildung besteht im Stamme der Wirbeltiere, zu welchem der
Mensch gehrt, heutzutage einzig und allein noch beim niedersten und
ltesten Gliede dieses Stammes, bei dem wunderbaren Lanzettierchen oder
Amphioxus. Dieselbe palingenetische Form der Keimung finden wir aber in
ganz gleicher Weise auch noch bei vielen niederen, wirbellosen Tieren
vor, so z. B. bei der merkwrdigen Seescheide (^Ascidia^), bei der
Teichschnecke (^Limnaeus^), beim Pfeilwurm (^Sagitta^), ferner bei sehr
vielen Sterntieren und Nesseltieren, so z. B. beim gewhnlichen Seestern
und Seeigel, bei vielen Medusen und Korallen und bei den einfachsten
Schwmmen (^Olynthus^). Wir wollen hier als Beispiel die palingenetische
Eifurchung und Keimbltterbildung einer achtzhligen Einzelkoralle
betrachten, welche ich 1873 im Roten Meere entdeckt und in meinen
Arabischen Korallen als ^Monoxenia Darwinii^ beschrieben habe.

[Illustration: Fig. 1. Gastrulation einer Koralle (^Monoxenia
Darwinii^).]

Die befruchtete Eizelle dieser Koralle (siehe die Abbildungen S. 93)
zerfllt zunchst durch Teilung in zwei gleiche Zellen (C). Zuerst teilt
sich der Kern der Stammzelle und das anhngende Centrosoma in zwei
gleiche Hlften, diese stoen sich ab, weichen auseinander und wirken
als Anziehungsmittelpunkte auf das umgebende Protoplasma; infolgedessen
schnrt sich das letztere durch eine Ringfurche ringsherum ein und geht
ebenfalls in zwei gleiche Hlften auseinander. Jede der beiden so
entstandenen Furchungszellen zerfllt auf dieselbe Weise wiederum in
zwei gleiche Zellen, und zwar liegt die Trennungsebene dieser beiden
letzteren senkrecht auf derjenigen der beiden ersteren (Fig. D). Die
vier gleichen Furchungszellen (die Enkelinnen der Stammzelle) liegen in
einer Ebene. Jetzt teilt sich jede derselben abermals in zwei gleiche
Hlften, und wiederum geht die Teilung des Zellkernes derjenigen des
umhllenden Protoplasma voraus. Die so entstandenen acht Furchungszellen
zerfallen auf die gleiche Weise wieder in sechzehn. Aus diesen werden
durch abermalige Teilung 32 Furchungszellen. Indem jede von diesen sich
halbiert, entstehen 64, weiterhin 128 Zellen usw. Das Endresultat dieser
wiederholten gleichmigen Zweiteilung ist die Bildung eines kugeligen
Haufens von gleichartigen Furchungszellen, und diesen nennen wir
_Maulbeerkeim_ (^Morula^). Die Zellen liegen so dicht gedrngt
aneinander, wie die Krner einer Maulbeere oder Brombeere, und daher
erscheint die Oberflche der Kugel im ganzen hckerig.

Nachdem die Eifurchung dergestalt beendigt ist, verwandelt sich der
dichte Maulbeerkeim in eine hohle kugelige Blase. Wsserige Flssigkeit
oder Gallerte sammelt sich in der Mitte der dichten Kugel an; die
Furchungszellen weichen auseinander und begeben sich alle an die
Oberflche derselben. Hier platten sie sich durch gegenseitigen Druck
vielflchig ab, nehmen die Gestalt von abgestutzten Pyramiden an und
ordnen sich in eine einzige Schicht regelmig nebeneinander (Fig. F,
G). Diese Zellenschicht heit die _Keimhaut_ (^Blastoderma^); die
gleichartigen Zellen, welche dieselbe in einfacher Lage zusammensetzen,
nennen wir _Keimhautzellen_, und die ganze hohle Kugel, deren Wand die
letzteren bilden, heit _Keimhautblase_, auch kurz Keimblase oder
Blasenkeim (^Blastula^). Der innere Hohlraum der Kugel, der mit klarer
Flssigkeit oder Gallerte gefllt ist, heit Furchungshhle oder
_Keimhhle_.

Bei unserer Koralle, wie bei vielen anderen niederen Tieren, beginnt
schon jetzt der junge Tierkeim sich selbstndig zu bewegen und im Wasser
umherzuschwimmen. Es wchst nmlich aus jeder Keimhautzelle ein dnner
und langer, fadenfrmiger Fortsatz hervor, eine Peitsche oder Geiel;
und diese fhrt selbstndig langsame, spter raschere Schwingungen aus
(Fig. F). Jede Keimhautzelle wird so zu einer schwingenden
Geielzelle. Durch die vereinigte Kraft aller dieser schwingenden
Geieln wird die ganze kugelige Keimhautblase drehend oder rotierend im
Wasser umhergetrieben. Bei vielen anderen Tieren, insbesondere bei
solchen, wo sich der Keim innerhalb geschlossener Eihllen entwickelt,
bilden sich die schwingenden Geielfden an den Keimhautzellen erst
spter oder kommen berhaupt nicht zur Ausbildung. Die Keimhautblase
kann wachsen und sich ausdehnen, indem sich die Keimhautzellen durch
fortgesetzte Teilung (in der Kugelflche!) vermehren und im inneren
Hohlraum noch mehr Flssigkeit ausgeschieden wird. Es gibt noch heute
einige Organismen, welche auf der Bildungsstufe der Blastula zeitlebens
stehenbleiben, Hohlkugeln, welche durch Flimmerbewegung im Wasser
umherschwimmen und deren Wand aus einer einzigen Zellenschicht besteht:
die Kugeltierchen (^Volvox^), die Flimmerkugeln (^Magosphaera^,
^Synura^) und andere.

Jetzt tritt ein sehr wichtiger und merkwrdiger Vorgang ein, nmlich die
_Einstlpung der Keimblase_ (Fig. H). Aus der Kugel mit einschichtiger
Zellenwand wird ein Becher mit zweischichtiger Zellenwand (Fig. G, H,
I). An einer bestimmten Stelle der Kugeloberflche bildet sich eine
Abplattung, die sich zu einer Grube vertieft. Diese Grube wird tiefer
und tiefer; sie wchst auf Kosten der inneren Keimhhle oder
Furchungshhle. Die letztere nimmt immer mehr ab, je mehr sich die
erstere ausdehnt. Endlich verschwindet die innere Keimhhle ganz, indem
sich der innere, eingestlpte Teil der Keimhaut (oder die Wand der
Grube) an den ueren, nicht eingestlpten Teil derselben innig anlegt.
Zugleich nehmen die Zellen der beiden Teile verschiedene Gestalt und
Gre an; die inneren Zellen werden mehr rundlich, die ueren mehr
lnglich (Fig. I). So bekommt der Keim die Gestalt eines becherfrmigen
oder krugfrmigen Krpers, dessen Wand aus zwei verschiedenen
Zellenschichten besteht, und dessen innere Hhlung sich am einen Ende
(an der ursprnglichen Einstlpungsstelle) nach auen ffnet. Diese
hchst wichtige und interessante Keimform nennen wir Becherkeim oder
_Becherlarve_ (^Gastrula^, Fig. 1 I im Lngsschnitt, K von auen).

_Die Gastrula halte ich fr die wichtigste und bedeutungsvollste
Keimform des Tierreichs._ Denn bei allen echten Tieren (nach Ausschlu
der einzelligen Protozoen) geht aus der Eifurchung entweder eine reine,
ursprngliche, palingenetische Gastrula hervor, oder doch eine
gleichbedeutende cenogenetische Keimform, die sekundr aus der ersteren
entstanden ist und sich unmittelbar darauf zurckfhren lt. Sicher ist
es eine Tatsache von hchstem Interesse und von der grten Bedeutung,
da Tiere der verschiedensten Stmme: Wirbeltiere und Manteltiere,
Weichtiere und Gliedertiere, Sterntiere und Wurmtiere, Nesseltiere und
Schwammtiere sich aus einer und derselben Keimform entwickeln. Als
redende Beispiele stelle ich hier einige reine Gastrulaformen aus
verschiedenen Tierstmmen nebeneinander:

[Illustration: Fig. 2 (B). Gastrula eines Wurmes (Pfeilwurm, ^Sagitta^)
nach Kowalevsky. -- Fig. 3 (C). Gastrula eines Echinodermen (Seestern,
^Uraster^), nicht vllig eingestlpt (^Depula^), nach Alexander Agassiz.
-- Fig. 4 (D). Gastrula eines Arthropoden (Urkrebs, ^Nauplius^) (wie 3).
-- Fig. 5. (E). Gastrula eines Mollusken (Teichschnecke, ^Limnaeus^),
nach Karl Rabl. -- Fig. 6 (A). Gastrula eines einfachsten Urdarmtieres,
einer Gastrade (^Gastrophysema^), Haeckel. -- Fig. 7 (F). Gastrula
eines Wirbeltieres (Lanzettierchen, ^Amphioxus^), nach Kowalevsky.
(Frontal-Ansicht.) -- berall bedeutet: d Urdarmhhle. o Urmund. s
Furchungshhle. i Entoderm (Darmblatt). e Ektoderm (Hautblatt).]

Bei dieser auerordentlichen Bedeutung der Gastrula mssen wir die
Zusammensetzung ihrer ursprnglichen Krperform auf das genaueste
untersuchen. Gewhnlich ist die typische reine Gastrula sehr klein, mit
bloem Auge nicht sichtbar oder hchstens unter gnstigen Umstnden als
ein feiner Punkt erkennbar, meistens von 1/20-1/10, seltener von 1/5-1/2
mm Durchmesser (bisweilen mehr). Ihre Gestalt gleicht meistens einem
rundlichen Becher, bald ist sie mehr eifrmig, bald mehr ellipsoid oder
spindelfrmig; bei einigen mehr halbkugelig oder fast kugelig, bei
anderen wiederum mehr in die Lnge gestreckt oder fast zylindrisch. Sehr
charakteristisch ist die geometrische Grundform des Krpers, welche
durch eine einzige Achse mit zwei verschiedenen Polen bestimmt wird.
Diese Achse ist die Hauptachse oder Lngsachse des spteren Tierkrpers;
der eine Pol ist der Mundpol; der entgegengesetzte der Gegenmundpol. Bei
den Bilaterien oder den hheren Tieren mit zweiseitiger Grundform nimmt
die cenogenetisch abgenderte Gastrula gewhnlich schon frhzeitig
ebenfalls die bilaterale (dreiachsige) Grundform an. Durch die
einachsige Grundform unterscheidet sich die Gastrula sehr wesentlich von
der kugeligen Blastula und Morula, bei denen alle Krperachsen gleich
sind. Der Querschnitt der primren Gastrula ist kreisrund.

Die innere Hhle des Gastrulakrpers bezeichne ich als _Urdarm_
(^Progaster^) und seine ffnung als _Urmund_ (^Prostoma^). Denn jene
Hhle ist die ursprngliche Ernhrungshhle oder Darmhhle des Krpers,
und diese ffnung hat anfnglich zur Nahrungsaufnahme in denselben
gedient. Spter allerdings verhalten sich Urdarm und Urmund in den
verschiedenen Tierstmmen sehr verschieden. Bei den meisten Nesseltieren
und vielen Wurmtieren bleiben sie zeitlebens bestehen. Bei den meisten
hheren Tieren hingegen, und so auch bei den Wirbeltieren, geht nur der
grere mittlere Teil des spteren Darmrohrs aus dem Urdarme hervor; die
sptere Mundffnung bildet sich neu, whrend der Urmund zuwchst oder
sich in den After umwandelt. Wir mssen also wohl unterscheiden zwischen
dem Urmund und Urdarm der Gastrula einerseits und zwischen dem Nachdarm
und Nachmund des ausgebildeten Wirbeltieres anderseits.

Von der grten Bedeutung sind die beiden Zellenschichten, welche die
Urdarmhhle umschlieen und deren Wand allein zusammensetzen. Denn diese
beiden Zellenschichten, die einzig und allein den ganzen Krper bilden,
sind nichts anderes als die beiden primren Keimbltter oder die
_Urkeimbltter_ (^Blastophylla^). Die uere Zellenschicht ist das
_Hautblatt_ oder ^Ektoderma^ (Fig. 2-7 e); die innere Zellenschicht ist
das _Darmblatt_ oder ^Entoderma^ (i). Ersteres wird auch oft als
Ektoblast oder Epiblast, letzteres als Endoblast oder Hypoblast
bezeichnet. _Aus diesen beiden primren Keimblttern allein baut sich
der ganze Krper bei allen Metazoen oder vielzelligen Tieren auf._ Das
Hautblatt liefert die uere Oberhaut, das Darmblatt hingegen die innere
Darmhaut. Zwischen beiden Keimblttern bildet sich spter das mittlere
Keimblatt (^Mesoderma^) und die mit Blut oder Lymphe erfllte
Leibeshhle (^Coeloma^).

Die beiden primren Keimbltter wurden zuerst im Jahre 1817 von Pander
beim bebrteten Hhnchen klar unterschieden, das uere als serses, das
innere als mukses Blatt oder Schleimblatt. Aber ihre volle Bedeutung
wurde erst von Baer erkannt, welcher in seiner klassischen
Entwicklungsgeschichte (1828) das uere als animales, das innere als
vegetatives bezeichnete. Diese Bezeichnung ist insofern passend, als aus
dem ueren Blatte vorzugsweise (wenn auch nicht ausschlielich) die
animalen Organe der Empfindung: Haut, Nerven und Sinnesorgane entstehen;
hingegen aus dem inneren Blatte vorzugsweise die vegetativen Organe der
Ernhrung und Fortpflanzung, namentlich der Darm und das
Blutgefsystem. Zwanzig Jahre spter (1849) wies dann Huxley darauf
hin, da bei vielen niederen Pflanzentieren, namentlich Medusen, der
ganze Krper eigentlich zeitlebens nur aus diesen beiden primren
Keimblttern besteht. Bald darauf fhrte Allman (1853) fr dieselben die
Benennung ein, die bald allgemein angenommen wurde; er nannte das uere
Ektoderm (Auenblatt), das innere Entoderm (Innenblatt). Aber erst seit
dem Jahre 1867 wurde (vorzugsweise von Kowalevsky) durch vergleichende
Beobachtung der Nachweis gefhrt, da auch bei wirbellosen Tieren der
verschiedensten Klassen, bei Wurmtieren, Weichtieren, Sterntieren und
Gliedertieren, der Krper sich aus denselben beiden primren
Keimblttern aufbaut. Endlich habe ich selbst auch bei den niedersten
Gewebetieren, bei den Schwmmen oder Spongien, dieselben (1872)
nachgewiesen und zugleich in meiner Gastratheorie den Beweis zu fhren
gesucht, da diese Grenzbltter berall, von den Schwmmen und
Korallen bis zu den Insekten und Wirbeltieren hinauf (also auch beim
Menschen) als gleichbedeutend oder homolog aufzufassen sind. Diese
fundamentale Homologie der primren Keimbltter und des Urdarms ist im
Laufe der letzten dreiig Jahre durch die sorgfltigen Untersuchungen
zahlreicher vortrefflicher Beobachter besttigt und jetzt fr smtliche
Metazoen fast allgemein anerkannt worden.

[Illustration: Fig. 8. Gastrula eines niederen Schwammes (^Olynthus^). A
von auen, B im Lngsschnitte durch die Achse. g Urdarm (primitive
Darmhhle). o Urmund (primitive Mundffnung). i innere Zellenschicht der
Krperwand (inneres Keimblatt, Entoderm, Endoblast oder Darmblatt). c
uere Zellenschicht (ueres Keimblatt, Ektoderm, Ektoblast oder
Hautblatt).]

Gewhnlich bieten auch schon am Gastrulakeim die Zellen, welche die
beiden primren Keimbltter zusammensetzen, erkennbare Verschiedenheiten
dar. Meistens (wenn auch nicht immer) sind die Zellen des Hautblattes
oder Ektoderms (Fig. 8c, 9e) kleiner, zahlreicher, heller, hingegen die
Zellen des Darmblattes oder Entoderms (i) grer, weniger zahlreich und
dunkler. Das Protoplasma der Ektodermzellen ist klarer und fester als
die trbere und weichere Zellsubstanz der Entodermzellen, letztere sind
meist viel reicher an Dotterkrnern (Eiwei- und Fettkrnchen) als
erstere. Auch besitzen die Darmblattzellen gewhnlich eine strkere
Verwandtschaft zu Farbstoffen und frben sich in Karminlsung, Anilin
usw. rascher und lebhafter als die Hautblattzellen. Die Kerne der
Entodermzellen sind meistens rundlich, diejenigen der Ektodermzellen
hingegen lnglich.

Diese physikalischen, chemischen und morphologischen Unterschiede der
beiden Keimbltter, welche ihrem physiologischen Gegensatze entsprechen,
sind auch insofern von hohem Interesse, als sie uns den ersten und
ltesten Vorgang der Sonderung oder Differenzierung im Tierkrper vor
Augen fhren. Die Keimhaut (^Blastoderma^), welche die Wand der
kugeligen Keimhautblase oder Blastula bildet, besteht blo aus einer
einzigen Schicht von gleichartigen Zellen. Diese Keimhautzellen oder
Blastodermzellen sind ursprnglich sehr regelmig und gleichartig
gebildet, von ganz gleicher Gre, Form und Beschaffenheit. Meistens
sind sie durch gegenseitigen Druck abgeplattet, sehr oft regelmig
sechseckig. Sie bilden das _erste Gewebe_ des Metazoen-Organismus, ein
einfaches Zellenpflaster oder Epithelium. Die Gleichmigkeit dieser
Zellen verschwindet frher oder spter whrend der Einstlpung der
Keimhautblase. Die Zellen, welche den eingestlpten, inneren Teil
derselben (das sptere Entoderm) zusammensetzen, nehmen gewhnlich schon
whrend des Einstlpungs-Vorganges selbst eine andere Beschaffenheit an
als die Zellen, welche den ueren, nicht eingestlpten Teil (das
sptere Ektoderm) konstituieren. Wenn der Einstlpungs-Proze vollendet
ist, treten die histologischen Verschiedenheiten in den Zellen der
beiden primren Keimbltter meist sehr auffallend hervor.

Wir haben bisher nur diejenige Form der Eifurchung und der Gastrula ins
Auge gefat, welche wir aus vielen und gewichtigen Grnden als die
_ursprngliche_, die primordiale oder palingenetische aufzufassen
berechtigt sind. Wir knnen sie die quale oder gleichmige Furchung
nennen, weil die Furchungszellen zunchst gleich bleiben. Die daraus
hervorgehende Gastrula bezeichnen wir als _Glocken_-Gastrula oder
^Archigastrula^. In ganz gleicher Form, wie bei unserer Koralle treffen
wir dieselbe auch bei den niedersten Pflanzentieren an, bei
Gastrophysema (Fig. 6) und bei den einfachsten Schwmmen (^Olynthus^,
Fig. 8); ferner bei vielen Medusen und Hydrapolypen, bei niederen
Wrmern verschiedener Klassen (Brachiopoden, ^Sagitta^, Fig. 2), bei
Manteltieren (^Ascidia^); sodann bei vielen Sterntieren (Fig. 3),
niederen Gliedertieren (Fig. 4) und Weichtieren (Fig. 5); endlich ein
wenig modifiziert auch beim niedersten Wirbeltiere (^Amphioxus^).

[Illustration: Fig. 9. Zellen aus den beiden primren Keimblttern d.
Sugetieres (aus den beiden Schichten der Keimhaut). i grere dunklere
Zellen der inneren Schicht, des vegetativen Keimblattes od. Entoderms. e
kleinere hellere Zellen der ueren Schicht, des animalen Keimblattes
oder Ektoderms.]

Die _Gastrulation des Amphioxus_ ist deshalb von besonderem Interesse,
weil dieses niederste und lteste aller Wirbeltiere die grte Bedeutung
fr die Phylogenie dieses Stammes, also auch fr unsere Anthropogenie
besitzt. Wie die vergleichende Anatomie der Wirbeltiere die verwickelten
Verhltnisse im Krperbau der verschiedenen Klassen durch divergente
Entwicklung aus jenem einfachsten Urwirbeltier ableitet, so fhrt die
vergleichende Ontogenie die verschiedenen sekundren Gastrulationsformen
der Wirbeltiere auf die einfache, primre Keimbltterbildung des
Amphioxus zurck. Obwohl diese letztere, im Gegensatze zu den
cenogenetischen Modifikationen der ersteren, im ganzen als
palingenetisch zu betrachten ist, so unterscheidet sie sich doch schon
in einigen Punkten von der ganz ursprnglichen Gastrulation, wie sie z.
B. bei Monoxenia und bei Sagitta vorliegt. Aus der mustergltigen
Darstellung von Hatschek (1881) geht hervor, da die beiderlei
Zellenarten der Keimbltter beim Amphioxus, wie bei vielen anderen
Tieren, schon frhzeitig whrend des Furchungsprozesses ungleiche
Beschaffenheit annehmen. Nur die vier ersten Furchungszellen, welche
durch zwei vertikale, sich rechtwinklig schneidende Teilungsebenen
getrennt werden, sind vollkommen gleich. Die dritte horizontale
Furchungsebene liegt nicht im quator des Eies, sondern ein wenig
oberhalb desselben, so da sie jene vier Blastomeren in ungleiche
Hlften teilt: vier obere kleinere und vier untere grere; jene bilden
die animale, diese die vegetale Hemisphre. Hatschek sagt daher mit
Recht, da die Eifurchung des Amphioxus keine streng quale, sondern
eine adquale oder fastgleiche sei und sich der inqualen nhere. Auch
im weiteren Verlaufe des Furchungsprozesses bleibt der Grenunterschied
der beiderlei Zellgruppen bemerkbar; die kleineren, animalen Zellen der
oberen Halbkugel teilen sich rascher als die greren vegetalen Zellen
der unteren Hemisphre (Fig. 10 A, B). Daher besteht denn auch die
Keimhaut, welche am Ende des Furchungsprozesses die einschichtige Wand
der kugeligen Keimblase bildet, nicht aus lauter gleichartigen und
gleich groen Zellen, wie bei Sagitta und Monoxenia; sondern die Zellen
der oberen Blastodermhlfte sind zahlreicher und kleiner (Mutterzellen
des Ektoderms), die Zellen der unteren Hlfte weniger zahlreich, aber
grer (Mutterzellen des Entoderms); mithin ist auch die Furchungshhle
der Keimblase (Fig 10 C, h) nicht vollkommen kugelig, sondern ein
abgeplattetes Sphroid, mit ungleichen Polen der vertikalen Achse.
Whrend am Vegetalpole der Achse die Blastula eingestlpt wird, nimmt
der Grenunterschied der Keimhautzellen bestndig zu (Fig. 10 D, E); er
ist am auffallendsten, nachdem die Invagination vollendet und die
Furchungshhle verschwunden ist (Fig. 10 F). Die greren vegetalen
Zellen des Entoderms sind reicher an eingelagerten Krnern und daher
trber als die kleineren und helleren animalen Zellen des Ektoderms.

[Illustration: Fig. 10. Gastrulation des Amphioxus, nach Hatschek
(vertikale Durchschnitte durch die Eiachse). A, B, C drei Stadien der
Blastulabildung; D, E Einstlpung der Blastula; F fertige Gastrula. h
Furchungshhle. g Urdarmhhle.]

[Illustration: Fig. 11. Gastrula des Amphioxus in der Seitenansicht von
links (optischer Medianschnitt). Nach Hatschek. g Urdarm, u Urmund, p
peristomale Polzellen, i Entoderm, e Ektoderm, d Rckenseite, v
Bauchseite.]

Aber nicht nur durch diese frhzeitige (oder cenogenetisch vorzeitige!)
Sonderung der beiderlei Keimblattzellen, sondern auch noch durch eine
andere wichtige Eigentmlichkeit entfernt sich die adquale Gastrulation
des Amphioxus von der typischen qualen Eifurchung der Sagitta, der
Monoxenia und des Olynthus. Die reine Archigastrula dieser letzteren ist
einachsig, ihr Querschnitt in der ganzen Lnge kreisrund. Der Vegetalpol
der vertikalen Achse liegt genau in der Mitte des Urmundes. Bei der
Gastrula des Amphioxus ist das nicht der Fall. Schon whrend der
Einstlpung seiner Keimblase wird die ideale Achse nach einer Seite
gekrmmt, indem das Wachstum des Blastoderms (oder die Vermehrung seiner
Zellen) an einer Seite lebhafter ist als an der entgegengesetzten; die
rascher wachsende und daher strker gekrmmte Seite (Fig. 11 v) ist die
knftige Bauchseite, die entgegengesetzte flachere ist die Rckenseite
(d). Der Urmund, welcher ursprnglich, bei der typischen Archigastrula,
am Vegetalpole der Hauptachse lag, ist aus diesem auf die Rckenseite
verschoben; und whrend seine beiden Lippen ursprnglich in einer auf
der Hauptachse senkrechten Ebene lagen, sind sie jetzt so verschoben,
da diese Ebene (die Urmundebene) die Achse unter einem schiefen Winkel
schneidet. Die dorsale Lippe liegt daher mehr oben und vorn, die
ventrale Lippe mehr unten und hinten. In dieser letzteren, am ventralen
bergang des Entoderms in das Ektoderm, liegen nebeneinander ein paar
auffallend groe Zellen, eine rechte und eine linke (Fig. 11p); das sind
die bedeutungsvollen Urmundpolzellen, oder die Urzellen des Mesoderms.

Durch diese wichtigen, schon im Laufe der Gastrulation auftretenden
Sonderungen ist die ursprngliche einachsige Grundform der Archigastrula
bei Amphioxus bereits in die _dreiachsige_ bergegangen und somit schon
die _zweiseitige_ oder bilateralsymmetrische Grundform des
Wirbeltieres bestimmt. Die senkrechte Mittelebene oder Sagittalebene
geht zwischen den beiden Urmundpolzellen der Lnge nach durch den Krper
hindurch und teilt ihn in zwei gleiche Hlften, rechte und linke. Der
Urmund liegt am spteren Hinterende, etwas oberhalb des Aboralpols der
Lngsachse. Senkrecht auf dieser Hauptachse steht in der Medianebene die
Pfeilachse (Sagittalachse) oder Dorsoventralachse, welche die
Mittellinien der flachen Rckenseite und der gewlbten Bauchseite
verbindet. Die horizontale Querachse oder Lateralachse, senkrecht auf
den beiden (ungleichpoligen) Achsen, ist gleichpolig und geht quer
herber von rechts nach links. Somit zeigt bereits die Gastrula des
Amphioxus die charakteristische bilaterale oder zweiseitige Grundform
des Wirbeltierkrpers, und diese hat sich von ihr aus auf alle anderen
modifizierten Gastrulaformen dieses Stammes bertragen.

Abgesehen von dieser zweiseitigen Grundform gleicht die Gastrula des
Amphioxus darin der typischen Archigastrula der niederen Tiere (Fig.
2-8), da beide primre Keimbltter noch aus einer einzigen einfachen
Zellenschicht bestehen. Offenbar ist das die lteste und ursprnglichste
Form des Metazoenkeims. Obgleich die vorhergenannten Tiere den
verschiedensten Klassen angehren, so stimmen sie doch untereinander und
mit vielen anderen niederen Tieren darin berein, da sie diese von
ihren ltesten gemeinsamen Vorfahren berkommene palingenetische Form
der Gastrulabildung durch konservative _Vererbung_ bis auf den heutigen
Tag beibehalten haben. Bei der groen Mehrzahl der Tiere ist das aber
nicht der Fall. Vielmehr ist bei diesen der ursprngliche Vorgang der
Keimung im Laufe vieler Millionen Jahre allmhlich mehr oder minder
abgendert, durch _Anpassung_ an neue Entwicklungsbedingungen gestrt
und modifiziert worden. Sowohl die Eifurchung als auch die darauf
folgende Gastrulation haben infolgedessen ein mannigfach verschiedenes
Aussehen gewonnen. Ja, die Verschiedenheiten sind im Laufe der Zeit so
bedeutend geworden, da man bei den meisten Tieren die Furchung nicht
richtig gedeutet und die Gastrula berhaupt nicht erkannt hat. Erst
durch ausgedehnte vergleichende Untersuchungen, welche ich in den Jahren
1866-1875 bei Tieren der verschiedensten Klassen angestellt habe, ist es
mir gelungen, in jenen anscheinend so abweichenden Keimungsprozessen
denselben gemeinsamen Grundvorgang nachzuweisen und alle verschiedenden
Keimungsformen auf die eine, bereits beschriebene, ursprngliche Form
der Keimung zurckzufhren. Im Gegensatze zu dieser primren
palingenetischen Keimungsform betrachte ich alle brigen, davon
abweichenden Formen als sekundre, abgenderte oder cenogenetische. Die
mehr oder minder abweichende Gastrulaform, welche daraus hervorgeht,
kann man allgemein als sekundre, modifizierte Gastrula oder
Metagastrula bezeichnen.

Unter den zahlreichen und mannigfaltigen cenogenetischen Formen der
Eifurchung und Gastrulation unterscheide ich wieder drei verschiedene
Hauptformen: 1. die ungleichmige Furchung; 2. die scheibenfrmige
Furchung und 3. die oberflchliche Furchung. Aus der ungleichmigen
Furchung entsteht die _Hauben_gastrula; aus der scheibenfrmigen
Furchung geht die _Scheiben_gastrula hervor; aus der oberflchlichen
Furchung entwickelt sich die _Blasen_gastrula. Bei den Wirbeltieren
kommt die letztere Form gar nicht vor; diese ist dagegen die
gewhnlichste bei den Gliedertieren (Krebsen, Spinnen, Insekten usw.).
Die Sugetiere und Amphibien besitzen die ungleichmige Furchung und
die Haubengastrula; ebenso die Schmelzfische (Ganoiden) und die
Rundmuler (Pricken und Inger). Hingegen finden wir bei den meisten
Fischen und bei allen Reptilien und Vgeln die scheibenfrmige Furchung
und die Scheibengastrula.

Der weitaus wichtigste Vorgang, welcher die verschiedenen
cenogenetischen Formen der Gastrulation bedingt, ist die _vernderte
Ernhrung des Eies_ und die Anhufung von _Nahrungsdotter_ in der
Eizelle. Unter diesem Begriffe fassen wir verschiedene chemische
Substanzen zusammen (hauptschlich Krner von Eiwei- und Fettkrpern),
welche ausschlielich als Reservestoff oder Nahrungsmaterial fr den
Keim dienen. Da der Keim der Metazoen in der ersten Zeit seiner
Entwicklung noch nicht imstande ist, selbstndig sich Nahrung zu
verschaffen und daraus den Tierkrper aufzubauen, mu das ntige
Material dazu bereits in der Eizelle aufgespeichert sein. Wir
unterscheiden daher in den Eiern allgemein als zwei Hauptbestandteile
den aktiven _Bildungsdotter_ (^Protoplasma^) und den passiven
_Nahrungsdotter_ (^Deutoplasma^) auch schlechtweg Dotter genannt. Bei
den kleinen palingenetischen Eiern sind die Dotterkrnchen so klein und
so gleichmig im Protoplasma der Eizelle verteilt, da die regelmige
wiederholte Teilung derselben dadurch nicht beeinflut wird. Bei der
groen Mehrzahl der Tiereier hingegen ist die Masse des Dottervorrats
mehr oder weniger ansehnlich, und derselbe ist in einem bestimmten Teile
der Eizelle angehuft, so da man schon am unbefruchteten Ei diese
Proviantkammer von dem Bildungsdotter deutlich unterscheiden kann.
Gewhnlich tritt dann eine polare Differenzierung der Eizelle in der
Weise ein, da eine Hauptachse an derselben sichtbar wird und da der
Bildungsdotter (mit dem Keimblschen) an einem Pole, der Nahrungsdotter
hingegen am entgegengesetzten Pole dieser Eiachse sich anhuft; ersterer
heit dann der _animale Pol_, letzterer der _vegetale_ Pol der
vertikalen Eiachse.

Bei solchen telolecithalen Eiern erfolgt dann allgemein die
Gastrulation in der Weise, da bei der wiederholten Teilung des
befruchteten Eies die animale (gewhnlich obere) Hlfte sich rascher
teilt als die vegetale (untere). Die Kontraktionen des aktiven
Protoplasma, welche die fortgesetzte Zellteilung bewirken, finden in der
unteren vegetalen Hlfte greren Widerstand des passiven Deutoplasma
als in der oberen animalen Hlfte. Daher finden wir in der letzteren
zahlreichere, aber kleinere, in der ersteren weniger zahlreiche, aber
grere Zellen. Die animalen Zellen liefern das uere, die vegetalen
das innere Keimblatt.

Obgleich diese ungleichmige Furchung der Rundmuler, Ganoiden und
Amphibien von der ursprnglichen gleichmigen Furchung (z. B. der
Monoxenia) sich auf den ersten Blick unterscheidet, haben doch beide
Arten der Gastrulation das gemein, da der Teilungsproze fortdauernd
die ganze Eizelle betrifft. Remak nannte sie daher totale Eifurchung und
die betreffenden Eier _holoblastisch_. Anders verhlt es sich bei der
zweiten Hauptgruppe der Eier, welche er jenen als meroblastische
gegenberstellte; dazu gehren die bekannten groen Eier der Vgel und
Reptilien, sowie der meisten Fische. Die trge Masse des passiven
Nahrungsdotters wird hier so gro, da die Protoplasma-Kontraktionen des
aktiven Bildungsdotters ihre Teilung nicht mehr zu bewltigen vermgen.
Es erfolgt daher nur eine _partielle Eifurchung_. Whrend das
Protoplasma im animalen Bezirk der Eizelle sich unter lebhafter
Vermehrung der Kerne fortdauernd teilt, bleibt das Deutoplasma im
vegetalen Bezirk mehr oder weniger ungeteilt, es wird einfach als
Nahrungsmaterial von den sich bildenden Zellen aufgezehrt. Je grer die
Masse des angehuften Proviants, desto mehr erscheint der
Furchungsproze lokal beschrnkt. Jedoch kann derselbe noch lange Zeit
(selbst nachdem schon die Gastrulation mehr oder weniger vollendet ist)
in der Weise fortdauern, da die im Deutoplasma verteilten vegetalen
Zellkerne sich durch Teilung langsam vermehren; da jeder derselben von
einer geringen Menge Protoplasma umhllt ist, kann er sich spter eine
Portion des Nahrungsdotters aneignen und so eine wahre _Dotterzelle_
bilden. Wenn diese vegetale Zellbildung sich noch lngere Zeit
fortsetzt, nachdem bereits die beiden primren Keimbltter gesondert
sind, bezeichnet man den Proze als _Nachfurchung_ (Waldeyer).

Die meroblastischen Eier finden sich blo bei greren und hher
entwickelten Tieren, und nur bei solchen, deren Embryo lngerer Zeit und
reichlicher Ernhrung zu seiner Entwicklung innerhalb der Eihllen
bedarf. Je nachdem der Nahrungsdotter zentral im Innern der Eizelle oder
exzentrisch, an einer Seite derselben, angehuft ist, unterscheiden wir
zwei Gruppen von teilfurchenden Eiern, periblastische und
diskoblastische. Bei den ersteren, den _periblastischen_ Eiern, ist der
Nahrungsdotter zentral, im Innern der Eizelle eingeschlossen; der
Bildungsdotter umgibt ersteren blasenfrmig, und daher erfhrt derselbe
eine oberflchliche Furchung; eine solche findet sich im Stamme der
Gliedertiere, bei den Krebsen, Spinnen, Insekten usw. Bei den
_diskoblastischen_ Eiern hingegen huft sich der Nahrungsdotter
einseitig, am vegetalen oder unteren Pole der senkrechten Eiachse an,
whrend am oberen oder animalen Pole der Eikern und die Hauptmasse des
Bildungsdotters liegt. Die Eifurchung beginnt hier am oberen Pole und
fhrt zur Bildung einer dorsalen Keimscheibe. Das ist der Fall bei allen
meroblastischen Wirbeltieren, bei den meisten Fischen, den Reptilien und
Vgeln, und den eierlegenden Sugetieren (Schnabeltieren).

Die Gastrulation der diskoblastischen Eier bietet der mikroskopischen
Untersuchung und der einheitlichen Erkenntnis auerordentliche
Schwierigkeiten dar. Diese zu berwinden ist erst den
_vergleichend_-ontogenetischen Untersuchungen gelungen, welche
zahlreiche ausgezeichnete Beobachter whrend der letzten Dezennien
angestellt haben; vor allen die Gebrder Hertwig, Rabl, Kupffer,
Selenka, Rckert, Goette, Rauber u. a. Diese eingehenden und
sorgfltigen, mit Hilfe der vervollkommneten modernen Technik (Frbungs-
und Schnittmethoden) ausgefhrten Untersuchungen haben in erfreulichster
Weise die Anschauungen besttigt, welche ich zuerst 1875 in meiner
Abhandlung ber die Gastrula und die Eifurchung der Tiere ausgefhrt
hatte. Da das klare Verstndnis dieser phylogenetisch begrndeten
Anschauungen nicht allein fr die Entwicklungsgeschichte im allgemeinen,
sondern auch fr die Anthropogenie im besonderen von fundamentaler
Bedeutung ist, gestatte ich mir, dieselben hier nochmals kurz mit
Beziehung auf den Wirbeltierstamm zusammenzufassen.

1. Alle Wirbeltiere, mit Inbegriff des Menschen, sind phylogenetisch
verwandt, Glieder eines einzigen natrlichen Stammes. 2. Daher mssen
auch die ontogenetischen Grundzge ihrer individuellen Entwicklung
phylogenetisch zusammenhngen. 3. Da die Gastrulation des Amphioxus die
einfachsten Verhltnisse in der ursprnglichen palingenetischen Form
zeigt, mu diejenige der brigen Wirbeltiere sich von der ersteren
ableiten lassen. 4. Die cenogenetischen Abnderungen der letzteren
werden um so bedeutender, je mehr Nahrungsdotter sich im Ei ansammelt.
5. Obgleich die Masse des Nahrungsdotters in den Eiern der
diskoblastischen Wirbeltiere sehr gro werden kann, geht doch in allen
Fllen aus der Morula ebenso eine Keimblase oder Blastula hervor, wie
bei den holoblastischen Eiern. 6. Ebenso entsteht in allen Fllen aus
der Keimblase durch Einstlpung oder Invagination die Gastrula. 7. Die
Hhle, welche durch diese Einstlpung im Keim entsteht, ist in allen
Fllen der Urdarm und seine ffnung der Urmund. 8. Der Nahrungsdotter,
gleichviel ob gro oder klein, liegt stets in der Bauchwand des Urdarms,
die Zellen, welche nachtrglich (durch Nachfurchung) in demselben
entstehen knnen, gehren ebenso dem inneren Keimblatt oder Endoblast
an, wie die Zellen, welche die Urdarmhhle unmittelbar einschlieen. 9.
Der Urmund welcher ursprnglich unten am Basalpol der vertikalen Achse
liegt, wird durch das Dotterwachstum nach hinten und dann nach oben, auf
die Dorsalseite des Keimes gedrngt; die vertikale Achse des Urdarms
wird dadurch allmhlich in horizontale Lage gedrngt. 10. Der Urmund
kommt bei allen Wirbeltieren frher oder spter zum Verschlusse und geht
nicht in die bleibende Mundffnung ber; vielmehr entspricht der
Urmundrand der spteren Aftergegend. Von dieser bedeutungsvollen Stelle
geht weiterhin die Bildung des mittleren Keimblattes aus, das von hier
aus zwischen die beiden primren Keimbltter hineinwchst.

Die ausgedehnten vergleichenden Untersuchungen der vorher erwhnten
Forscher haben ferner ergeben, da bei den diskoblastischen hheren
Wirbeltieren (Reptilien, Vgel, Sugetiere) der lange vergeblich
gesuchte _Urmund_ der Keimscheibe berall an deren Hinterende sich
findet und nichts anderes ist als die lngst bekannte _Primitivrinne_.
Das ist eine in der hinteren Rckenflche der scheibenfrmigen Gastrula
gelegene Rinne, die frher irrtmlich mit dem Hinterteil des
Medullarrohrs verwechselt wurde. Allerdings steht sie mit diesem eine
Zeitlang in direktem Zusammenhang; allein ursprnglich ist sie nach
Anlage und Bedeutung ganz davon verschieden. Die beiden parallelen
Lngswlste, welche diese schmale, in der Mittellinie gelegene
Primitivrinne einschlieen, sind die beiden _Urmundlippen_, rechte und
linke. Der Urmund, der ursprnglich (bei den holoblastischen
Wirbeltieren) eine kleine kreisrunde ffnung ist, ndert also (infolge
der wachsenden Anhufung des Nahrungsdotters und der dadurch bedingten
Ausdehnung der Bauchwand des Urdarms) nicht allein seine Lage und
Richtung, sondern auch seine Gestalt und Ausdehnung. Er verwandelt sich
zunchst in eine sichelfrmige Querspalte (Sichelrinne), an der wir
eine untere und eine obere Urmundlippe unterscheiden. Die breite
Querspalte wird aber bald schmler und verwandelt sich in eine
Lngsspalte (hnlich einer Hasenscharte), indem rechte und linke
Hlfte der Sichelrinne sich verkrzen, der Mittelteil sich nach vorn
verlngert und die beiden Hlften der dorsalen Oberlippe nach vorn
auswachsen. Letztere berhren sich spter in der Medianlinie und bilden
den wichtigen sogenannten Primitivstreif.

Die Gastrulation lt sich somit bei allen Wirbeltieren auf einen und
denselben Vorgang zurckfhren. Ebenso lassen sich auch die
verschiedenen Formen derselben bei den wirbellosen Metazoen immer auf
eine von jenen vier Hauptformen der Eifurchung reduzieren. Mit Bezug auf
die Unterscheidung der totalen und partiellen Eifurchung stellt sich das
Verhltnis der vier Eifurchungsformen zueinander folgendermaen:

   I. Palingenetische { 1. Gleichmige Furchung   }
     (ursprngliche)  {    (Glockengastrula).      }
     Furchung         {                            }
                                                   } A. Totale Furchung
                                                   }    (ohne selbstndigen
                                                   }    Nahrungsdotter).
                      { 2. Ungleichmige Furchung }
                      {    (Haubengastrula).       }
                      {
  II. Cenogenetische  {
     (durch           {
     Anpassung        { 3. Scheibenartige Furchung }
     abgenderte)     {    (Scheibengastrula).     } B. Partielle Furchung
     Furchung.        {                            }    (mit selbstndigem
                      { 4. Oberflchliche Furchung }    Nahrungsdotter).
                      {    (Blasengastrula).       }

Die niedersten Metazoen, welche wir kennen, nmlich die niederen
Pflanzentiere (Schwmme, einfachste Polypen usw.), bleiben zeitlebens
auf einer Bildungsstufe stehen, welche von der Gastrula nur sehr wenig
verschieden ist; ihr ganzer Krper ist nur aus zwei Zellenschichten oder
Blttern zusammengesetzt. Diese Tatsache ist von auerordentlicher
Bedeutung. Denn wir sehen, da der Mensch, und berhaupt jedes
Wirbeltier, rasch vorbergehend ein zweibltteriges Bildungsstadium
durchluft, welches bei jenen niedersten Pflanzentieren zeitlebens
erhalten bleibt. Wenn wir hier wieder unser Biogenetisches Grundgesetz
(Seite 35) anwenden, so gelangen wir sofort zu folgendem hochwichtigen
Schlusse: _Der Mensch und alle anderen Tiere, welche in ihrer ersten
individuellen Entwicklungsperiode eine zweibltterige Bildungsstufe oder
eine Gastrulaform durchlaufen, mssen von einer uralten einfachen
Stammform abstammen, deren ganzer Krper zeitlebens (wie bei den
niedersten Pflanzentieren noch heute) nur aus zwei verschiedenen
Zellenschichten oder Keimblttern bestanden hat._ Wir wollen diese
bedeutungsvolle uralte Stammform _Gastra_ (d. h. Urdarmtier) nennen.

Nach dieser Gastratheorie ist ein Organ bei allen vielzelligen Tieren
ursprnglich von derselben morphologischen und physiologischen
Bedeutung: der _Urdarm_, und ebenso mssen auch die beiden primren
Keimbltter, welche die Wand des Urdarms bilden, berall als
gleichbedeutend oder homolog angesehen werden. Diese wichtige
_Homologie der beiden primren Keimbltter_ wird einerseits dadurch
bewiesen, da berall die Gastrula ursprnglich auf dieselbe Weise
entsteht, nmlich durch Einstlpung der Blastula; und anderseits
dadurch, da berall dieselben fundamentalen Organe aus den beiden
Keimblttern hervorgehen. berall bildet das uere Keimblatt, das
Hautblatt oder Ektoderm, die wichtigsten Organe des animalen Lebens:
Hautdecke, Nervensystem, Sinnesorgane usw. Hingegen entstehen aus dem
inneren Keimblatt, aus dem Darmblatt oder Entoderm, die wichtigsten
Organe des vegetativen Lebens: die Organe der Ernhrung, Verdauung,
Blutbildung usw.

Bei denjenigen niederen Pflanzentieren, deren ganzer Krper zeitlebens
auf der zweibltterigen Bildungsstufe stehenbleibt, bei den Gastraden,
den einfachsten Schwmmen (^Olynthus^) und Polypen (^Hydra^), bleiben
auch diese beiden Funktionsgruppen, animale und vegetative Leistungen,
scharf auf die beiden einfachen primren Keimbltter verteilt.
Zeitlebens behlt hier das uere Keimblatt die einfache Bedeutung einer
umhllenden Decke (einer Oberhaut) und vollzieht zugleich die Bewegungen
und Empfindungen des Krpers. Hingegen das innere Keimblatt besitzt
zeitlebens die einfache Bedeutung einer ernhrenden Darmzellenschicht
und liefert auerdem hufig noch die Fortpflanzungszellen.

Das bekannteste von diesen Gastraden oder gastrulahnlichen Tieren
ist der gemeine Swasserpolyp (^Hydra^). Allerdings besitzt dieses
einfachste aller Nesseltiere noch einen Kranz von Tentakeln oder
Fangfden, welcher den Mund umgibt. Auch ist das uere Keimblatt
bereits etwas histologisch differenziert. Aber diese Zutaten sind erst
sekundr entstanden, und das innere Keimblatt ist eine ganz einfache
Zellenschicht geblieben. In der Hauptsache hat auch die Hydra den
einfachen Krperbau unserer uralten Stammutter Gastra bis auf den
heutigen Tag durch zhe Vererbung getreu konserviert.

Bei allen brigen Tieren, und namentlich bei allen Wirbeltieren,
erscheint die Gastrula nur als ein rasch vorbergehender Keimzustand.
Hier verwandelt sich vielmehr bald das zweibltterige Stadium der
Keimanlage zunchst in ein dreibltteriges und dann in ein
vierbltteriges Stadium. Mit dem Zustandekommen von vier bereinander
liegenden Keimblttern haben wir wieder einen festen und sicheren
Standpunkt gewonnen, von welchem aus wir die weiteren, viel
schwierigeren und verwickelteren Vorgnge der Ausbildung beurteilen und
verfolgen knnen.

       (Aus Anthropogenie oder Entwicklungsgeschichte des Menschen.)




                                 IV.
                      Erfahrung und Erkenntnis.


Die wichtigsten Wahrheiten in den Naturwissenschaften sind weder allein
durch Zergliederung der Begriffe der Philosophie, noch allein durch
bloes Erfahren gefunden worden, sondern durch eine denkende Erfahrung,
welche das Wesentliche von dem Zuflligen in der Erfahrung unterscheidet
und dadurch Grundstze findet, aus welchen viele Erfahrungen abgeleitet
werden. Dies ist mehr als bloes Erfahren, und wenn man will, eine
philosophische Erfahrung. (Johannes Mller, Handbuch der Physiologie
des Menschen.)

Vergleichen wir die morphologischen Wissenschaften mit den
physikalischen Theorien, so mssen wir uns gestehen, da erstere in
jeder Hinsicht unendlich weit zurck sind. Die Ursache dieser
Erscheinung liegt nun allerdings zum Teil in dem Gegenstande, dessen
verwickeltere Verhltnisse sich noch am meisten der mathematischen
Behandlung entziehen, aber groenteils ist auch die groe Nichtachtung
methodologischer Verstndigung daran schuld, indem man sich einerseits
durchaus nicht um scharfe Fassung der leitenden Prinzipien bekmmert,
anderseits selbst die allgemeinsten und bekanntesten Anforderungen der
Philosophie hintangesetzt hat, weil bei dem weiten Abstande ihrer
allgemeinen Aussprche von den Einzelheiten, mit denen sich die
empirischen Naturwissenschaften beschftigen, die Notwendigkeit ihrer
Anwendung sich der unmittelbaren Auffassung entzog. So sind gar viele
Arbeiter in dieser Beziehung durchaus nicht mit ihrer Aufgabe
verstndigt, und die Fortschritte in der Wissenschaft hngen oft rein
vom Zufall ab. (Schleiden, Grundzge der wissenschaftlichen Botanik.)

Wir erlauben uns, dieses methodologische Kapitel,[3] welches die Mittel
und Wege zur Lsung unserer morphologischen Aufgaben zeigen soll, mit
zwei vortrefflichen Aussprchen von den beiden grten Morphologen
einzuleiten, welche im fnften Dezennium des neunzehnten Jahrhunderts
die organische Naturwissenschaft in Deutschland beherrschten. Wie
Johannes Mller fr die Zoologie, so hat Schleiden damals fr die
Botanik mit der klarsten Bestimmtheit den Weg gewiesen, welcher uns
allein auf dem Gebiete der Biologie, und insbesondere auf dem der
Morphologie, zu dem Ziele unserer Wissenschaft hinzufhren vermag.
Dieser einzig mgliche Weg kann natrlich kein anderer sein als
derjenige, welcher fr alle Naturwissenschaften -- oder, was dasselbe
ist, fr alle wahren Wissenschaften -- ausschlieliche Gltigkeit hat.
Es ist dies der Weg der denkenden Erfahrung, der Weg der philosophischen
Empirie. Wir knnten ihn ebensogut als den Weg des erfahrungsmigen
Denkens, den Weg der empirischen Philosophie bezeichnen.

[Funote 3: Im vierten Kapitel seiner 1866 erschienenen generellen
Morphologie behandelt Haeckel kritisch die naturwissenschaftlichen
Methoden, welche sich gegenseitig notwendig ergnzen mssen. Es sind
dies 1. Empirie und Philosophie (Erfahrung und Erkenntnis), 2. Analyse
und Synthese und 3. Induktion und Deduktion. Wir geben hier den ersten
Abschnitt dieser Methodik der Morphologie der Organismen wieder, weil
die darin niedergelegten unerschtterlichen berzeugungen fr das
gesamte sptere Lebenswerk des Jenaer Naturforschers magebend geblieben
sind. Aus der innigen Verbindung von empirischer Beobachtung und
philosophischer Theorie beruhen seine smtlichen wissenschaftlichen
Werke. (Anm. d. H.)]

Absichtlich stellen wir die bedeutenden Aussprche dieser beiden groen
empirischen und exakten Naturforscher an die Spitze dieses
methodologischen Kapitels, weil wir dadurch hoffen, die Aufmerksamkeit
der heutigen Morphologen und der Biologen berhaupt intensiver auf einen
Punkt zu lenken, der nach unserer innigsten berzeugung fr den
Fortschritt der gesamten Biologie, und der Morphologie insbesondere, von
der allergrten Bedeutung ist, der aber gerade im gegenwrtigen
Zeitpunkte in demselben Mae von den allermeisten Naturforschern vllig
vernachlssigt wird, als er vor allen anderen hervorgehoben zu werden
verdiente. Es ist dies die gegenseitige Ergnzung von Beobachtung und
Gedanken, der innige Zusammenhang von Naturbeschreibung und
Naturphilosophie, die notwendige Wechselwirkung zwischen Empirie und
Theorie.

Einer der grten Morphologen, den unser deutsches Vaterland erzeugt
hat, Karl Ernst v. Br, hat dem klassischen Werke, durch welches er die
tierische Ontogenie, eine sogenannte rein empirische und deskriptive
Wissenschaft, neu begrndete, den Titel vorangesetzt: ber
Entwicklungsgeschichte der Tiere. _Beobachtung und Reflexion._ Wenn
seine Nachfolger diese drei Worte stets bei ihren Arbeiten im Auge
behalten htten, wrde es besser um unsere Wissenschaft aussehen, als es
jetzt leider aussieht. Beobachtung und Reflexion sollte die
berschrift jeder wahrhaft _naturwissenschaftlichen_ Arbeit lauten
knnen. Bei wie vielen aber ist dies mglich? Wenn wir ehrlich sein
wollen, knnen wir ihre Zahl kaum gering genug anschlagen und finden
unter Hunderten kaum eine. Und dennoch knnen nur durch die innigste
Wechselwirkung von Beobachtung und Reflexion wirkliche Fortschritte in
jeder Naturwissenschaft, und also auch in der Morphologie, gemacht
werden. Hren wir weiter, was K. E. v. Br, der empirische und exakte
Naturforscher, in dieser Beziehung sagt:

Zwei Wege sind es, aus denen die Naturwissenschaft gefrdert werden
kann: Beobachtung und Reflexion. Die Forscher ergreifen meistens fr den
einen von beiden Partei. Einige verlangen nach _Tatsachen_, andere nach
Resultaten und allgemeinen _Gesetzen_, jene nach _Kenntnis_, diese nach
_Erkenntnis_, jene mchten fr besonnen, diese fr tiefblickend gelten.
Glcklicherweise ist der Geist des Menschen selten so einseitig
ausgebildet, da es ihm mglich wird, nur den einen Weg der Forschung zu
gehen, ohne auf den anderen Rcksicht zu nehmen. Unwillkrlich wird der
Verchter der Abstraktion sich von Gedanken bei seiner Beobachtung
beschleichen lassen; und nur in kurzen Perioden der Fieberhitze ist sein
Gegner vermgend, sich der Spekulation im Felde der Naturwissenschaft
mit vlliger Hintansetzung der Erfahrung hinzugeben. Indessen bleibt
immer, fr die Individuen sowohl als fr ganze Perioden der
Wissenschaft, die eine Tendenz die vorherrschende, der man mit
Bewutsein des Zwecks sich hingibt, wenn auch die andere nicht ganz
fehlt.

Mit diesen wenigen Worten ist das gegenseitige Wechselverhltnis von
Beobachtung und Reflexion, die notwendige Verbindung von empirischer
Tatsachenkenntnis und von philosophischer Gesetzeserkenntnis treffend
bezeichnet. Aber auch die Tatsache, da in den einzelnen Naturforschern
sowohl als in den einzelnen Perioden der Naturwissenschaft selten beide
Richtungen in harmonischer Eintracht und gegenseitiger Durchdringung
zusammenwirken, vielmehr eine von beiden fast immer bedeutend ber die
andere berwiegt, ist von Br sehr richtig hervorgehoben worden, und
gerade dieser Punkt ist es, auf den wir hier zunchst die besondere
Aufmerksamkeit lenken mchten. Denn wenn wir einerseits berzeugt sind,
da wir nur durch die gemeinsame Ttigkeit beider Richtungen dem Ziele
unserer Wissenschaft uns nhern knnen, und wenn wir anderseits zu der
Einsicht gelangen, welche von beiden Richtungen im gegenwrtigen Stadium
unserer wissenschaftlichen Entwicklung die einseitig berwiegende ist,
so werden wir auch die Mittel zur Hebung dieser Einseitigkeit angeben
und die Methode bestimmen knnen, welche die Morphologie gegenwrtig
zunchst und vorzugsweise einzuschlagen hat.

Es bedarf nun keines allzu tiefen Scharfblicks und keines allzu weiten
berblicks, um alsbald zu der berzeugung zu gelangen, da in dem ganzen
zweiten Viertel des neunzehnten Jahrhunderts und darber hinaus bis
jetzt, und zwar vorzglich vom Jahre 1840-1860, die rein empirische und
exakte Richtung ganz berwiegend in der Biologie und vor allem in der
Morphologie geherrscht, und da sie diese Alleinherrschaft in
fortschreitendem Mae dergestalt ausgedehnt hat, da die spekulative
oder philosopische Richtung im fnften Dezennium vorigen Jahrhunderts
fast vollstndig von ihr verdrngt war. Auf allen Gebieten der Biologie,
sowohl in der Zoologie als in der Botanik, galt whrend dieses Zeitraums
allgemein die Naturbeobachtung und die Naturbeschreibung als die
eigentliche Naturwissenschaft, und die Naturphilosophie wurde als
eine Verirrung betrachtet, als ein Phantasiespiel, welches nicht nur
nichts mit der Beobachtung und Beschreibung zu tun habe, sondern auch
gnzlich aus dem Gebiete der eigentlichen Naturwissenschaft zu
verbannen sei. Freilich war diese einseitige Verkennung der Philosophie
nur zu sehr gefrdert und gerechtfertigt durch das verkehrte und
willkrliche Verfahren der sogenannten Naturphilosophie, welche im
ersten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts die Naturwissenschaft zu
unterwerfen suchte, und welche, statt von empirischer Basis auszugehen,
in der ungemessensten Weise ihrer wilden und erfahrungslosen Phantasie
die Zgel schieen lie. Die namentlich von Oken, Schelling usw.
ausgehende Naturphantasterei mute ganz natrlich als anderes Extrem den
krassesten Empirismus hervorrufen. Der natrliche Rckschlag gegen diese
letztere in demselben Grade einseitige Richtung trat erst im Jahre 1859
ein, als Charles Darwin seine groartige Entdeckung der natrlichen
Zchtung verffentlichte und damit den Ansto zu einem allgemeinen
Umschwung der gesamten Biologie und namentlich der Morphologie gab. Die
gedankenvolle Naturbetrachtung, der im besten Sinne philosophische, d.
h. naturgem denkende Geist, welcher sein epochemachendes Werk
durchzieht, wird der vergessenen und verlassenen Naturphilosophie wieder
zu dem ihr gebhrenden Platze verhelfen und den Beginn einer neuen
Periode der Wissenschaft bezeichnen. Freilich ist dieser gewaltige
Umschwung bei weitem noch nicht zu allgemeinem Durchbruch gelangt; die
Mehrzahl der Biologen ist noch zu sehr und zu allgemein in den Folgen
der vorher berall herrschenden einseitig empirischen Richtung befangen,
als da wir die Rckkehr zur denkenden Naturbetrachtung als eine bewute
und allgemeine bezeichnen knnten. Indes hat dieselbe doch bereits in
einigen Kreisen begonnen, an vielen Stellen feste Wurzel geschlagen, und
wird voraussichtlich nicht allein in den nchsten Jahren schon das
verlorene Terrain wieder erobern, sondern in wenigen Dezennien sich so
allgemeine Geltung verschafft haben, da man (wohl noch vor Ablauf des
neunzehnten Jahrhunderts) verwundert auf die Beschrnktheit und
Verblendung zahlreicher Naturforscher zurckblicken wird, die heute noch
die Philosophie von dem Gebiete der Biologie ausschlieen wollen. Wir
unsererseits sind unerschtterlich davon berzeugt, da man in der
wahrhaft erkennenden Wissenschaft die Empirie und die Philosophie gar
nicht voneinander trennen kann. Jene ist nur die erste und niederste,
diese die letzte und hchste Stufe der Erkenntnis. _Alle wahre
Naturwissenschaft ist Philosophie und alle wahre Philosophie ist
Naturwissenschaft._ _Alle wahre Wissenschaft aber ist in diesem Sinne
Naturphilosophie._

In der Tat knnte heute schon die allgemein bliche einseitige
Ausschlieung der Philosophie aus der Naturwissenschaft jedem objektiv
dies Verhltnis betrachtenden Gebildeten als ein befremdendes Rtsel
erscheinen, wenn nicht der Entwicklungsgang der Biologie selbst ihm die
Lsung dieses Rtsels sehr nahe legte. Wenn wir die Geschichte unserer
Wissenschaft in den allgemeinsten Zgen berblicken, so bemerken wir
alsbald, da die beiden scheinbar entgegengesetzten, in der Tat aber
innig verbundenen Forschungsrichtungen in der Naturwissenschaft, die
beobachtende oder empirische und die denkende oder philosophische, zwar
stets mehr oder minder eng verbunden nebeneinander herlaufen, da aber
doch, wie es Br sehr richtig ausdrckt, immer die eine der beiden
Richtungen ber die andere bedeutend berwiegt, und zwar sowohl fr die
Individuen, als fr ganze Perioden der Wissenschaft. So finden wir ein
bestndiges Oszillieren, einen Wechsel der beiden Richtungen, der uns
zeigt, da niemals in gleichmigem Fortschritt, sondern stets in
wechselnder Wellenbewegung die Biologie ihrem Ziele sich nhert. Die
Exzesse, welche jede der beiden Forschungsrichtungen begeht, sobald sie
das bergewicht ber die andere gewonnen hat, die Ausschlielichkeit,
durch welche jede in der Regel sich als die allein richtige, als die
eigentliche Methode der Naturwissenschaft betrachtet, fhren nach
lngerer oder krzerer Dauer wieder zu einem Umschwung, welcher der
berlegenen Gegnerin abermals zur Herrschaft verhilft.

Wie dieser regelmige Regierungswechsel von empirischer und
philosophischer Naturforschung auf dem gesamten Gebiete der Biologie uns
berall entgegentritt, so sehen wir ganz besonders bei einem allgemeinen
berblick des Entwicklungsganges, den die Morphologie vom Anfang des
achtzehnten Jahrhunderts an genommen, da die beiden feindlichen
Schwestern, die doch im Grunde nicht ohne einander leben knnen, stets
abwechselnd die Herrschaft behauptet haben. Nachdem Linn die
Morphologie der Organismen zum ersten Male in feste wissenschaftliche
Form gebracht und ihr das systematische Gewand angezogen hatte, wurde
zunchst der allgemeine Strom der neubelebten Naturforschung auf die
rein empirische Beobachtung und Beschreibung der zahllosen neuen Formen
hingelenkt, welche unterschieden, benannt und in das Fachwerk des
Systems eingeordnet werden muten. Die systematische Beschreibung und
Benennung, als Mittel des geordneten berblicks der zahllosen
Einzelformen, wurde aber bald Selbstzweck, und damit verlor sich die
Formbeobachtung der Tiere und Pflanzen in der gedankenlosesten Empirie.
Das massenhaft sich anhufende Rohmaterial forderte mehr und mehr zu
einer denkenden Verwertung desselben auf, und so entstand die Schule der
Naturphilosophen, als deren bedeutendsten Forscher, wenn auch nicht
(wegen mangelnder Anerkennung) als deren eigentlichen Begrnder wir
Lamarck bezeichnen mssen.[4] In Deutschland vorzglich durch _Oken_ und
_Goethe_, in Frankreich durch _Lamarck_ und Etienne _Geoffroy S.
Hilaire_ vertreten, war diese ltere Naturphilosophie eifrigst bemht,
aus dem Chaos der zahllosen Einzelbeobachtungen, die sich immer mehr zu
einem unbersehbaren Berge huften, allgemeine Gesetze abzuleiten und
den Zusammenhang der Erscheinungen zu ermitteln. Wie weit sie schon
damals auf diesem Wege gelangte, zeigt die klassische ^Philosophie
zoologique^ von Lamarck (1809) und die bewunderungswrdige Metamorphose
der Pflanzen von _Goethe_ (1790). Doch war die empirische Basis, auf
welcher diese Heroen der Naturforschung ihre genialen Gedankengebude
errichteten, noch zu schmal und unvollkommen, die ganze damalige
Kenntnis der Organismen noch zu sehr blo auf die ueren
Formverhltnisse beschrnkt, als da ihre denkende Naturbetrachtung die
festesten Anhaltspunkte htte gewinnen und die darauf gegrndeten
allgemeinen Gesetze schon damals eine weitere Geltung htten erringen
knnen. Entwicklungsgeschichte und Palontologie existierten noch nicht,
und die vergleichende Anatomie hatte kaum noch Wurzeln geschlagen. Wie
weit aber diese Genien trotzdem ihrer Zeit vorauseilten, bezeugt vor
allem die (in der ersten Hlfte des 19. Jahrhunderts fast allgemein
ignorierte) Tatsache, da beide, sowohl Lamarck als Goethe, die
wichtigsten Stze der Deszendenztheorie bereits mit voller Klarheit und
Bestimmtheit aussprachen. Erst ein volles halbes Jahrhundert spter
sollte _Darwin_ dafr die Beweise liefern.

[Funote 4: Selten ist wohl das Verdienst eines der bedeutendsten Mnner
so vllig von seinen Zeitgenossen verkannt und gar nicht gewrdigt
worden, wie es mit Lamarck ein halbes Jahrhundert hindurch der Fall war.
Nichts beweist dies vielleicht so schlagend als der Umstand, da Cuvier
in seinem Bericht ber die Fortschritte der Naturwissenschaften, in
welchem auch die unbedeutendsten Bereicherungen des empirischen
Materials aufgefhrt werden, des bedeutendsten aller biologischen Werke
jenes Zeitraums, der ^Philosophie zoologique^ von Lamarck, mit keinem
Worte Erwhnung tut!]

Die eigentliche Bltezeit der lteren Naturphilosophie fllt in die
ersten Dezennien des neunzehnten Jahrhunderts. Aber schon im zweiten und
noch schneller im dritten nherte sie sich ihrem jhen Untergange, teils
durch eigene Verblendung und Ausartung, teils durch Mangel an
Verstndnis bei der Mehrzahl der Zeitgenossen, teils durch das rasche
und glnzende Emporblhen der empirischen Richtung, welche in _Cuvier_
einen neuen und gewaltigen Reformator fand. Gegenber der willkrlichen
und verkehrten Phantasterei, in welche die Naturphilosophie bald sowohl
in Frankreich als in Deutschland damals ausartete, war es dem exakten,
strengen und auf der breitesten empirischen Basis stehenden Cuvier ein
leichtes, die verwilderten und undisziplinierten Gegner aus dem Felde zu
schlagen. Bekanntlich war es der 22. Februar 1830, an welchem der
Konflikt zwischen den beiden entgegengesetzten Richtungen in der Pariser
Akademie zum ffentlichen Austrage kam und damit definitiv geendigt zu
sein schien, da Cuvier seinen Hauptgegner E. Geoffroy S. Hilaire mit
Hilfe seiner berwiegenden empirischen Beweismittel in den Augen der
groen Mehrheit vollstndig besiegte. Dieser merkwrdige ffentliche
Konflikt, durch welchen die Niederlage der lteren Naturphilosophie
besiegelt wurde, ist in mehrfacher Beziehung von hchstem Interesse,
vorzglich auch deshalb, weil er von _Goethe_ in der meisterhaftesten
Form in einem kritischen Aufsatze dargestellt wurde, welchen derselbe
wenige Tage vor seinem Tode (im Mrz 1832) vollendete. Dieser hchst
lesenswerte Aufsatz, das letzte schriftliche Vermchtnis, welches der
deutsche Dichterfrst uns hinterlassen, enthlt nicht allein eine
vortreffliche Charakteristik von Cuvier und Geoffroy S. Hilaire, sondern
auch eine ausgezeichnete Darstellung der beiden entgegengesetzten von
ihnen vertretenen Richtungen, des immerwhrenden Konfliktes zwischen
den Denkweisen, in die sich die wissenschaftliche Welt schon lange
trennt; zwei Denkweisen, welche sich in dem menschlichen Geschlechte
meistens getrennt und dergestalt verteilt finden, da sie, wie berall,
so auch im Wissenschaftlichen, schwer zusammen verbunden angetroffen
werden, und wie sie getrennt sind, sich nicht wohl vereinigen mgen.
Haben wir die Geschichte der Wissenschaften und eine eigene lange
Erfahrung vor Augen, so mchte man befrchten, die menschliche Natur
werde sich von diesem Zwiespalt kaum jemals retten knnen.

Die Niederlage der lteren Naturphilosophie, welche Cuvier als der
Heerfhrer der neu erstehenden exakten Empirie herbeigefhrt und in
jenem Konflikt offenbar gemacht hatte, war so vollstndig, da in den
folgenden drei Dezennien, von 1830-1860, unter der nun allgemein sich
ausbreitenden empirischen Schule von Philosophie gar keine Rede mehr
war. Mit den Trumereien und Phantasiespielen jener ausgearteten
Naturphantasterei wurden auch die wahren und groen Verdienste der alten
Naturphilosophie vergessen, aus der jene hervorgegangen war, und man
gewhnte sich sehr allgemein an die Vorstellung, da Naturwissenschaft
und Philosophie in einem unvershnlichen Gegensatze zueinander stnden.
Dieser Irrtum wurde dadurch insbesondere begnstigt, da die
verbesserten Instrumente und Beobachtungsmethoden der Neuzeit, und vor
allem die sehr verbesserten Mikroskope, der empirischen Naturbeobachtung
ein unendlich weites Feld der Forschung erffneten, aus welchem es ein
leichtes war, mit wenig Mhe und ohne groe Gedankenanstrengung
Entdeckungen neuer Formverhltnisse in Hlle und Flle zu machen.
Whrend die Beobachtungen der ersten empirischen Periode, welche sich
aus _Linns_ Schule entwickelte, vorzugsweise nur auf die _ueren_
Formverhltnisse der Organismen gerichtet gewesen waren, wandte sich nun
die zweite empirische Periode, welche aus _Cuviers_ Schule hervorging,
vorwiegend der Beobachtung des _inneren_ Baues der Tiere und Pflanzen
zu. Und in der Tat gab es hier, nachdem Cuvier durch Begrndung der
vergleichenden Anatomie und der Palontologie ein weites neues Feld der
Beobachtung geffnet, nachdem _Br_ durch Reformation der
Entwicklungsgeschichte und _Schwann_ durch Begrndung der Gewebelehre
auf dem tierischen, _Schleiden_ auf dem pflanzlichen Gebiete neue und
groe Ziele gesteckt, nachdem _Johannes Mller_ die gesamte Biologie mit
gewaltiger Hand in die neugeffneten Bahnen der exakten Beobachtung
hineingewiesen hatte, berall so unendlich viel zu beobachten und zu
beschreiben, es wurde so leicht, mit nur wenig Geduld, Flei und
Beobachtungsgabe neue Tatsachen zu entdecken, da wir uns nicht wundern
knnen, wenn darber die leitenden Prinzipien der Naturforschung
gnzlich vernachlssigt und die erklrende Gedankenarbeit von den
meisten vllig vergessen wurde. Da noch im gegenwrtigen Augenblick
diese rein empirische Richtung die allgemein berwiegende ist, da
die Bezeichnung der Naturphilosophie noch in den weitesten
naturwissenschaftlichen Kreisen nur als Schimpfwort gilt und selbst von
den hervorragendsten Biologen nur in diesem Sinne gebraucht wird, so
haben wir nicht ntig, die grenzenlose Einseitigkeit dieser Richtung
noch nher zu erlutern und werden nur noch insofern nher darauf
eingehen, als wir gezwungen sind, unseren Zeitgenossen ihr
exakt-empirisches, d. h. gedankenloses und beschrnktes Spiegelbild
vorzuhalten. Wir wollen hier nur noch auf die seltsame Selbsttuschung
hinweisen, in welcher die neuere Biologie befangen ist, wenn sie die
nackte gedankenlose Beschreibung _innerer_ und feinerer, insbesondere
_mikroskopischer_ Formverhltnisse als _wissenschaftliche Zoologie_
und _wissenschaftliche Botanik_ preist und mit nicht geringem Stolze
der frher ausschlielich herrschenden reinen Beschreibung der _ueren_
und grberen Formverhltnisse gegenberstellt, welche die sogenannten
Systematiker beschftigt. Sobald bei diesen beiden Richtungen, die
sich so scharf gegenberzustellen belieben, die Beschreibung an sich das
Ziel ist (gleichviel ob der inneren oder ueren, der feineren oder
grberen Formen), so ist die eine genau so viel wert als die andere.
Beide werden erst zur Wissenschaft, wenn sie die Form zu erklren und
auf Gesetze zurckzufhren streben.

Nach unserer eigenen innigsten berzeugung ist der Rckschlag, der gegen
diese ganze einseitige und daher beschrnkte Empirie notwendig frher
oder spter erfolgen mute, bereits tatschlich erfolgt, wenn auch
zunchst nur in wenigen engen Kreisen. Die 1859 von _Charles Darwin_
verffentlichte Entdeckung der natrlichen Zuchtwahl im Kampfe
ums Dasein, eine der grten Entdeckungen des menschlichen
Forschungstriebes, hat mit einem Male ein so gewaltiges und klrendes
Licht in das dunkle Chaos der haufenweis gesammelten biologischen
Tatsachen geworfen, da es auch den krassesten Empirikern fernerhin,
wenn sie berhaupt mit der Wissenschaft fortschreiten wollen, nicht mehr
mglich sein wird, sich der daraus emporwachsenden neuen
Naturphilosophie zu entziehen. Indem die von Darwin neu begrndete
Deszendenztheorie die ganze gewaltige Flle der seither empirisch
angehuften Tatsachenmassen durch einen einzigen genialen Gedanken
erleuchtet, die schwierigsten Probleme der Biologie aus dem einen
obersten Gesetze der wirkenden Ursachen vollstndig erklrt, die
unzusammenhngende Masse aller biologischen Erscheinungen auf dieses
eine einfache groe Naturgesetz zurckfhrt, hat sie bereits tatschlich
die bisher ausschlielich herrschende Empirie vllig berflgelt und
einer neuen und gesunden Philosophie die weiteste und fruchtbarste Bahn
geffnet. Es ist eine Hauptaufgabe der generellen Morphologie zu
zeigen, wie die wichtigsten Erscheinungsreihen der Morphologie sich mit
Hilfe derselben vollstndig erklren und auf groe und allgemeine
Naturgesetze zurckfhren lassen.

Wenn wir das Resultat dieses flchtigen berblickes ber den inneren
Entwicklungsgang der Morphologie in wenigen Worten zusammenfassen, so
knnen wir fglich von Beginn des achtzehnten Jahrhunderts an bis jetzt
vier abwechselnd empirische und philosophische Perioden der Morphologie
unterscheiden, welche durch die Namen von Linn, Lamarck, Cuvier, Darwin
bezeichnet sind, nmlich: I. Periode: _Linn_, (geb. 1707). _Erste
empirische Periode_ (achtzehntes Jahrhundert). Herrschaft der
empirischen ueren Morphologie (Systematik). II. Periode: _Lamarck_
(geb. 1744) und _Goethe_ (geb. 1749).[5] _Erste philosophische Periode_
(erstes Drittel des neunzehnten Jahrhunderts). Herrschaft der
phantastisch-philosophischen Morphologie (ltere Naturphilosophie). III.
Periode: _Cuvier_ (geb. 1769).[6] _Zweite empirische Periode_ (zweites
Drittel des neunzehnten Jahrhunderts). Herrschaft der empirischen
inneren Morphologie (Anatomie). IV. Periode: _Darwin_ (geb. 1809).
_Zweite philosophische Periode_. Begonnen 1859. Herrschaft der
empirisch-philosophischen Morphologie (neuere Naturphilosophie).

[Funote 5: Wir nennen hier absichtlich Lamarck und Goethe als die
geistvollsten Reprsentanten der lteren Naturphilosophie, wenngleich
sie sich entfernt nicht desselben Einflusses und derselben Anerkennung
zu erfreuen hatten, wie Etienne Geoffroy S. Hilaire (geb. 1771) und
Lorenz Oken (geb. 1779), die gewhnlich als die Koryphen dieser
Richtung vorangestellt werden.]

[Funote 6: Als hervorragende Koryphen dieser Periode wrden wir hier
noch Johannes Mller, Schleiden und einige andere hervorzuheben haben,
wenn nicht gerade diese bedeutendsten Mnner, als wahrhaft
philosophische Naturforscher, sich von der groen Einseitigkeit
freigehalten htten, welche Cuviers Schule und der groe Tro der
Zeitgenossen zum extremsten Empirismus ausbildete.]

Indem wir die beiden Richtungen der organischen Morphologie, die
empirische und philosophische, so schroff einander gegenberstellen,
mssen wir ausdrcklich bemerken, da nur die groe Masse der
beschrnkteren und grber organisierten Naturforscher es war, welche
diesen Gegensatz in seiner ganzen Schrfe ausbildete und entweder die
eine oder die andere Methode als die allein seligmachende pries und fr
die eigentliche Naturwissenschaft hielt. Die umfassenderen und seiner
organisierten Naturforscher, und vor allen die groen Koryphen, deren
Namen wir an die Spitze der von ihnen beherrschten Perioden gestellt
haben, waren stets mehr oder minder berzeugt, da nur eine innige
Verbindung von Beobachtung und Theorie, von Empirie und Philosophie, den
Fortschritt der Naturwissenschaft wahrhaft frdern knnte. Man pflegt
gewhnlich Cuvier als den strengsten und exklusivsten Empiriker, als den
abgesagtesten Feind jeder Naturphilosophie hinzustellen. Und sind nicht
seine besten Arbeiten, seine wertvollsten Entdeckungen, wie z. B. die
Aufstellung der vier tierischen Typen (Stmme), die Begrndung des
Gesetzes von der Korrelation der Teile, von den ^Causes finales^,
Ausflsse der reinsten Naturphilosophie? Ist nicht die von ihm neu
begrndete vergleichende Anatomie ihrem ganzen Wesen nach eine rein
philosophische Wissenschaft, welche das empirische Material der Zootomie
blo als Basis braucht? Ist es nicht lediglich der _Gedanke_, die
Theorie, welche auf der rein empirischen Zootomie als notwendiger
Grundlage das philosophische Lehrgebude der vergleichenden Anatomie
errichten? Und wenn _Cuvier_ aus einem einzigen Zahne oder Knochen eines
fossilen Tieres die ganze Natur und systematische Stellung desselben mit
Sicherheit erkannte, war dies Beobachtung oder war es Reflexion?
Betrachten wir anderseits den Stifter der lteren Naturphilosophie,
_Lamarck_, so brauchen wir, um den Vorwurf der Einseitigkeit zu
widerlegen, blo darauf hinzuweisen, da dieser eminente Mann seinen Ruf
als groer Naturforscher grtenteils einem vorwiegend deskriptiven
Werke, der berhmten ^Histoire naturelle des animaux sans vertbres^
verdankte. Seine ^Philosophie zoologique^, welche die Deszendenzlehre
zum ersten Male als vollkommen abgerundete Theorie aufstellte, eilte mit
ihrem prophetischen Gedankenfluge seiner Zeit so voraus, da sie von
seinen Zeitgenossen gar nicht verstanden und ein volles halbes
Jahrhundert hindurch (1809-1859) totgeschwiegen wurde. _Johannes
Mller_, den wir Deutschen mit gerechtem Stolz als den grten Biologen
der ersten Hlfte des neunzehnten Jahrhunderts unser eigen nennen, und
der in den Augen der meisten jetzt lebenden Biologen als der strengste
Empiriker und Gegner der Naturphilosophie gilt, verdankt die Flle
seiner zahlreichen und groen Entdeckungen viel weniger seinem
ausgezeichneten sinnlichen Beobachtungstalent, als seinem kombinierenden
Gedankenreichtum und der natrlichen Philosophie seiner wahrhaft
denkenden Beobachtungsmethode. _Charles Darwin_, der grte aller jetzt
lebenden Naturforscher, berragt uns alle nicht allein durch
Ideenreichtum und Gedankenflle seines die ganze organische Natur
umfassenden Geistes, sondern ebensosehr durch die intensiv und extensiv
gleichbedeutende und fruchtbare Methode seiner empirischen
Naturbeobachtung.

Nach unserer festesten berzeugung knnen nur diejenigen Naturforscher
wahrhaft frdernd und schaffend in den Gang der Wissenschaft eingreifen,
welche, bewut oder unbewut, ebenso scharfe Denker als sorgfltige
Beobachter sind. Niemals kann die bloe Entdeckung einer nackten
_Tatsache_, und wre sie noch so merkwrdig, einen wahrhaften
Fortschritt in der Naturwissenschaft herbeifhren, sondern stets nur der
Gedanke, die _Theorie_, welche diese Tatsache erklrt, sie mit den
verwandten Tatsachen vergleichend verbindet und daraus ein _Gesetz_
ableitet. Betrachten wir die grten Naturforscher, welche zu allen
Zeiten auf dem biologischen Gebiete ttig gewesen sind, von Aristoteles
an, Linn und Cuvier, Lamarck und Goethe, Br und Johannes Mller und
wie die Reihe der glnzenden Sterne erster Gre, bis auf Charles Darwin
herab, weiter heit -- sie alle sind ebenso groe Denker, als Beobachter
gewesen, und sie alle verdanken ihren unsterblichen Ruhm nicht der Summe
der einzelnen von ihnen entdeckten Tatsachen, sondern ihrem denkenden
Geiste, der diese Tatsachen in Zusammenhang zu bringen und daraus
Gesetze abzuleiten verstand. Die rein empirischen Naturforscher, welche
nur durch Entdeckung neuer Tatsachen die Wissenschaft zu frdern
glauben, knnen in derselben ebensowenig etwas leisten, als die rein
spekulativen Philosophen, welche der Tatsachen entbehren zu knnen
glauben und die Natur aus ihren Gedanken konstruieren wollen. Diese
werden zu phantastischen Trumern, jene im besten Falle zu genauen
Kopiermaschinen der Natur. Im Grunde freilich gestaltet sich das
tatschliche Verhltnis berall so, da die reinen Empiriker sich mit
einer unvollstndigen und unklaren, ihnen selbst nicht bewuten
Philosophie, die reinen Philosophen dagegen mit einer ebensolchen,
unreinen und mangelhaften Empirie begngen. Das Ziel der
Naturwissenschaft ist die Herstellung eines vollkommen architektonisch
geordneten Lehrgebudes. Der reine Empiriker bringt statt dessen einen
ungeordneten Steinhaufen zusammen; der reine Philosoph auf der andern
Seite baut Luftschlsser, welche der erste empirische Windsto ber den
Haufen wirft. Jener begngt sich mit dem Rohmaterial, dieser mit dem
Plan des Gebudes. Aber nur durch die innigste Wechselwirkung von
empirischer Beobachtung und philosophischer Theorie kann das Lehrgebude
der Naturwissenschaft wirklich zustande kommen.

Wir schlieen diesen Abschnitt, wie wir ihn begonnen, mit einem
Ausspruch von Johannes Mller: Die Phantasie ist ein unentbehrliches
Gut, denn sie ist es, durch welche neue Kombinationen zur Veranlassung
wichtiger Entdeckungen gemacht werden. Die Kraft der Unterscheidung des
isolierenden Verstandes sowohl, als der erweiternden und zum Allgemeinen
strebenden Phantasie sind dem Naturforscher in einem harmonischen
Wechselwirken notwendig. Durch Strung dieses Gleichgewichts wird der
Naturforscher von der Phantasie zu Trumereien hingerissen, whrend
diese Gabe den talentvollen Naturforscher von hinreichender
Verstandesstrke zu den wichtigsten Entdeckungen fhrt.

                   (Aus Generelle Morphologie der Organismen. 1866.)




                                  V.
                         Arabische Korallen.


Die zauberhaften Korallenbnke des Roten Meeres aus eigener Anschauung
kennen zu lernen, war schon seit langer Zeit mein lebhafter Wunsch. Als
daher im Mrz 1873 eine lange gehegte Hoffnung in Erfllung ging und ich
eine zweimonatige Reise in den Orient antreten konnte, lag es in meinem
Plane, wenn irgend mglich, von Suez aus einen Abstecher nach den
nchstgelegenen Korallenriffen zu machen. Ein solcher Ausflug erscheint
auf der Landkarte sehr leicht, ist aber fr einen einzelnen Reisenden
mit vielen und groen Schwierigkeiten verknpft. Denn die Zahl der
bewohnten Orte an den langgestreckten, den und unwirtlichen Ksten des
Roten Meeres ist sehr gering, und diese wenigen Orte selbst sind
meistens nur von armen, halbwilden Mohammedanern bewohnt. Man mu Zelte,
Diener, Lebensmittel und Trinkwasser selbst mitbringen, um
dort existieren zu knnen. Auch gibt es keine regelmige
Dampfschiffverbindung zwischen Suez und diesen elenden Kstenorten.
Keiner derselben wird von den groen europischen Dampfern berhrt, die
allwchentlich durch das Rote Meer fahren und die berlandpost nach
Indien befrdern.

In der nchsten Umgebung von Suez und berhaupt im nrdlichsten Teile
des Roten Meeres fehlen die Korallenbnke, die sonst ber den grten
Teil beider Ksten desselben sich ausdehnen. Der nchstgelegene Ort, an
welchem man schne Korallenriffe beobachten und den man in krzester
Zeit erreichen kann, ist das arabische Drfchen Tor oder Tur, an der
Westkste der Sinaihalbinsel gelegen. Hier hatten frher schon
Ehrenberg, Ransonnet, Frauenfeld und andere Naturforscher der Korallen
wegen sich lngere oder krzere Zeit aufgehalten. Um von Suez aus nach
Tur zu gelangen, mu man entweder ein eigenes Segelschiff mieten, oder
zu Kamel durch die arabische Wste reiten. Zu diesem Landweg auf dem
Wstenschiff, der 55 Reitstunden betrgt, sind mindestens vier bis fnf
Tage erforderlich. Dazu reichte aber meine Zeit nicht aus; auch wre der
Transport der Korallen, die ich zu sammeln wnschte, auf dem Kamel sehr
milich gewesen. Es blieb also nichts brig, als ein Segelschiff zu
mieten. Aber auch das erwies sich als untunlich. Denn die gewhnlichen,
halbgedeckten arabischen Segelboote sind bse Fahrzeuge, im hchsten
Grade unbequem und unreinlich, berfllt mit parasitischen Insekten
aller Art; und dabei war der geforderte Preis unerschwinglich hoch.
Auerdem htte ich mich der Gefahr ausgesetzt, bei widrigem Winde acht
Tage und lnger in einem solchen erbrmlichen Fahrzeug auf dem Roten
Meere zu kreuzen, ohne mein Ziel erreichen zu knnen.

So wre denn mein sehnlicher Wunsch, die Korallenbnke von Tur zu
besuchen, schwerlich in Erfllung gegangen, wenn nicht der
sterreichische Generalkonsul in Kairo, Herr von Cischini, der mich
whrend meines dortigen Aufenthaltes mit Freundlichkeiten aller Art
berhufte, mir ein Fahrzeug verschafft htte, das zu erlangen ich mir
frher nie hatte trumen lassen. Er bewog nmlich den Vizeknig von
gypten, Ismail Pascha, fr den beabsichtigten Ausflug nach Tur die
Benutzung eines in Suez stationierten Dampfschiffes der gyptischen
Kriegsflotte zu gestatten. Zugleich wurden meine Freunde und
Reisegefhrten, Professor Straburger aus Jena und Professor Panceri aus
Neapel, eingeladen, als Gste des Khedive an der Expedition
teilzunehmen.

Am 22. Mrz verlieen wir Kairo, die wunderbare Metropole des Nillandes,
in der wir die Mrchen aus Tausend und einer Nacht lebendig vor uns
gesehen hatten. Die Eisenbahn fhrte uns von dort in elf Stunden nach
Suez. Unsere interessante Reisegesellschaft bestand zum grten Teile
aus einer bunten Karawane von Mekkapilgern. Namentlich bot ein
Haremwaggon dritter Klasse, in welchen ein glcklicher Zufall uns einen
Einblick gewhrte, ein merkwrdiges Bild. Die Bahnfahrt selbst ist
hchst originell. Wir durchschneiden zuerst in nordstlicher Richtung
den stlichen Rand des ppig fruchtbaren Nildelta und passieren
zahlreiche Fellah-Drfer. Da bieten uns die niederen braunen Lehmhtten,
von Dattelpalmen umgeben, mit ihrer charakteristischen Staffage von
verschleierten Weibern, nackten Kindern, Bffeln, die Schpfrder
treiben, Kamelen usw. eine Flle von malerischen Motiven. In Benha
wendet sich die Bahn nach Osten, vereinigt sich mit dem von Alexandrien
nach Suez gehenden Schienenweg, der die ostindische berlandpost
befrdert, und geht nun eine Strecke weit mitten durch die Wste.
Ringsum erblicken wir eine Zeitlang nichts als gelben Sand und blauen
Himmel. Um uns den vollen Eindruck einer Wstenreise zu geben, wehte den
ganzen Tag hindurch ein heftiger Chamsin, jener erstickend heie
Wstenwind, der als Samum der Schrecken der Karawanen ist. Sein
glhender Odem warf ganze Regenschauer feinen Wstensandes gegen die
Fenster unseres Coups, und wir wnschten uns Glck, im geschlossenen
Waggon und nicht drauen auf dem Rcken der Kamele zu sitzen.

Abends um sieben Uhr in Suez angelangt, wurden wir von dem dortigen
sterreichischen Konsul, Herrn von Remy-Berzenkovich, freundlichst
empfangen und sogleich zum Gouverneur Hassan-Bey gefhrt. Hier erfuhren
wir zu unserer Freude, da unser Kriegsschiff, die Dampferkorvette
Khartoum, zur Fahrt bereit drauen auf der Reede liege. Der Kommandant
derselben, Kapitn Ali Schukri, ein stattlicher brauner Araber in
gyptischer Marineuniform, wurde uns vorgestellt und bot uns mit
orientalischer Unterwrfigkeit seine Dienste an. In dem groartigen
englischen Peninsular-Hotel, das noch vor wenigen Jahren von den
Englndern als das ppigste und komfortabelste Hotel der Welt gepriesen
wurde, war fr uns Quartier bereitet. Wir wurden als Gste des Khedive
mit grter Aufmerksamkeit bedient und frstlich verpflegt.

Am anderen Morgen wollten wir unsere Seereise antreten. Leider steigerte
sich aber der heftige Chamsin in der Nacht zu einem frmlichen Sturme,
so da wir den ganzen Tag in Suez bleiben muten. Obgleich diese Stadt
weder durch Naturschnheiten, noch durch besondere Sehenswrdigkeiten
ausgezeichnet ist, so ist ein kurzer Aufenthalt in derselben interessant
genug. Denn als Knotenpunkt des lebendigsten Verkehrs zwischen drei
Weltteilen und als Hafenort der Mekkapilger bietet es in dem bunten
Leben seiner Straen und Basare eine reiche ethnographische Musterkarte.
Mit europischen Reisenden und Matrosen aller Nationen mischen sich
Neger aus dem Osten und Sden Afrikas, Berber und gypter, Araber und
Levantiner aller Klassen, Mekkapilger aus allen Lndern des Ostens,
persische und indische Kaufleute. Dazwischen drngen sich verschleierte
braune Weiber und unverschleierte Frchteverkuferinnen, Kamele und
Pferde, schne orientalische Esel und zahllose Hunde.

Nicht minder interessant als dieser bunte Vlkermarkt war fr uns
Naturforscher der Fischmarkt von Suez. Denn obwohl derselbe weder
besonders gro noch reichhaltig ist, so erkannten wir doch auf den
ersten Blick, da wir uns in einem vllig neuen Gebiete der marinen
Fauna, ja schon mitten in der wunderbaren Tierwelt des Indischen Ozeans
befanden. Die schmale Landenge von Suez trennt nmlich zwei gewaltige
Seereiche, die schon seit vielen Jahrtausenden auer allem Zusammenhange
stehen und in denen sich demgem, der Darwinschen Theorie entsprechend,
eine vllig verschiedene Tier- und Pflanzenwelt entwickelt hat. Die
Fauna und Flora des Mittelmeeres, die zum groen Gebiete des
Atlantischen Ozeans gehrt, ist gnzlich verschieden von der Tier- und
Pflanzenbevlkerung des Roten Meeres, das eine Provinz des Indischen
Ozeans bildet. Unter hundert Korallenarten des Roten Meeres findet sich
nicht eine einzige Art, die auch im Mittelmeere vorkme. Nur ein ganz
kleiner Bruchteil von Tierarten ist beiden benachbarten Meeren
gemeinsam. Wenn wir daher gestern frh den Fischmarkt von Alexandrien
und heute morgen, kaum vierundzwanzig Stunden spter, denjenigen von
Suez besuchen, so finden wir den auffallenden Gegensatz zwischen beiden
ebenso gro, als ob wir gestern den Fischmarkt von Barcelona oder
Marseille und heute denjenigen von Kalkutta oder Singapore gesehen
htten. Diese merkwrdige Erscheinung erklrt sich ganz einfach aus den
Konsequenzen der Deszendenztheorie und der damit verbundenen
Migrationstheorie.

Der Sturm, der uns diesen interessanten, obwohl unerwnschten Aufenthalt
in Suez verursachte, legte sich erst am Morgen des zweiten Tages, und
gegen Mittag erschien der Gouverneur, um uns in seiner Dampfjolle nach
dem fast eine Stunde von der Stadt entfernt auf der Reede ankernden
Kriegsschiffe Khartoum hinberzufahren. Die Wellen gingen immer noch
so hoch, da sie das ganze Verdeck berfluteten, und brachten beim
Anlegen beide Dampfschiffe in so unsanfte Berhrung, da das Bugspriet
und die Schanzkleidung des kleineren Dampfers vollstndig
zersplitterten. Auch das Hinberklettern vom einen zum anderen war
ebenso wie der Transport unserer Glserkisten, Netze und Instrumente,
mit ziemlichen Schwierigkeiten verbunden und wurde unter heillosem
Geschrei der Matrosen bewerkstelligt, welches das Toben von Wind und
Wellen bertnte. Das hllische Konzert wurde vollstndig durch das
ohrenzerreiende Trommeln, Pfeifen und Klappern des Musikkorps von
Khartoum. Die ganze Mannschaft desselben, 126 Kpfe stark, war nmlich
zu unserem feierlichen Empfange unter Gewehr getreten und salutierte.
Der Kapitn empfing uns mit grter Unterwrfigkeit und stellte uns das
Offizierkorps vor. Jedoch blieb die Unterhaltung ziemlich mangelhaft, da
wir kaum ein Dutzend arabischer Worte und unsere neuen Freunde ungefhr
ebensoviel englische Vokabeln kannten. Die eigentliche Unterhaltung
wurde durch den sterreichischen Konsul von Remy vermittelt, der
gelufig Arabisch sprach. Er hatte die Gte, uns zu begleiten und auf
der ganzen Fahrt die Rolle des Dolmetschers zu spielen.

Wegen des fortdauernden hohen Wellenganges, der erst gegen Abend
schwcher wurde, konnte unser Dampfer erst um Mitternacht die Anker
lichten und gen Sden steuern. Den ganzen folgenden Tag fuhren wir
zwischen Asien und Afrika durch den Golf von Suez, zu unserer Rechten
die gyptische, zur Linken die arabische Kste; malerische
langgestreckte de Gebirgsketten auf beiden Seiten im Hintergrunde.

Da wir erst spt in der Nacht unser Reiseziel erreicht haben wrden,
wegen der gefhrlichen Korallenriffe aber doch in den Hafen von Tur
nicht htten einlaufen knnen, ging unsere Korvette um vier Uhr
nachmittags, etwa 20 Seemeilen von Tur entfernt, in einer geschtzten
kleinen Bucht der arabischen Kste vor Anker. Wir lieen uns sofort im
Boote ans Land setzen, und voll Ehrfurcht betraten wir zum erstenmal den
heiligen Boden der alten Asia. Die Kste war vllig de und einsam, aber
groartig wild. Mchtige, 3000 bis 4000 Fu hohe Berge der Sinaikette
erhoben sich steil ber dem schmalen sandigen Kstensaum.

Alle berragt der gewaltige Djebel Serbal, dessen wildzerklftete rote
Granitwlle, von zahlreichen Diorit- und Porphyrgngen durchsetzt, sich
bis ber 6000 Fu erheben. Durch die zahlreichen zerrissenen Spitzen,
die steilen Abstrze, die phantastischen Kluftbildungen erhebt sich
dieser malerische Djebel Serbal zu dem groartigsten und prchtigsten
unter allen den gewaltigen Berghuptern der Sinaihalbinsel. Auch hat er
lange Zeit als Nebenbuhler der eigentlichen Sinaikuppe, des Mosesberges
(Djebel Musa) dagestanden; und viele frommen Seelen glauben noch heute,
da auf ersterem, nicht auf letzterem die Gesetztafeln der zehn Gebote
publiziert und der alte Bund zwischen Jehova und seiner auserwhlten
Semitenrasse geschlossen wurde. In den ersten Jahrhunderten des
Christentums war diese Ansicht herrschend, und zahlreiche Einsiedler,
Mnche und Nonnen, wohnten damals in den Grotten und Felsenhhlen des
zerklfteten Berges der Gesetzgebung. Zahlreiche Prozessionen
pilgerten zu seinen Hhen und erfreuten sich der mannigfachen Gensse,
welche die dichtbelaubten und quellenreichen Fruchtgrten des
Wadi-Feiran darboten. Letzteres ist ein herrliches Tal am Fue des
Djebel Serbal, das wegen seiner ppigen Fruchtbarkeit als Perle der
Sinaihalbinsel gepriesen wird, ein greller Gegensatz zu der umgebenden
den Steinwste.

Als wir aus dem Boote ans Land sprangen, berhrte unser Fu zuerst
reinen Korallenfelsen. berall im Sande des Strandes lagen tote,
gebleichte Korallenblcke umher, pilzfrmige Fungien, sternbedeckte
Astren, labyrinthische Mandrinen, verstelte Madreporen, dunkelrote
Orgelkorallen oder Tubiporen. Mit Ausnahme einiger niederer
Strandpflanzen mit fleischigen Blttern und eines zwischen den Felsen
wachsenden Kappernstrauches war nichts von Vegetation zu sehen. Lautlose
Stille rings umher; von menschlicher Existenz keine Spur weit und breit.
Kste und Gebirge sahen aus, als ob sie nie ein Menschenfu betreten
htte.

Der Sonnenuntergang war prchtig und bergo die gewaltigen roten
Granitmauern mit den glhendsten Farben. Rasch brach die Dunkelheit ein
und der wolkenlose Himmel bedeckte sich mit einem Sternengewand, das wir
nie zuvor in solchem Glanze hatten funkeln sehen. Wir lieen uns durch
unseren indischen Koch unsere Abendmahlzeit vom Schiffe an den Strand
holen und genossen sie auf Korallenblcken sitzend in gehobenster
Stimmung. Unser edler Gastfreund, der Khedive, hatte unsere Kche aufs
beste versorgt, und unter anderem auch mit einer Champagnerkiste
ausgestattet. Dieses schumende Getrnk ist bei den Orientalen sehr
beliebt und wird, da der Koran nur den Genu des Weines verbietet, als
eine Art Bier angesehen. So konnte denn auch der arabische
Schiffsleutnant, der unsere Schaluppe fhrte, unbeschadet seiner
Frmmigkeit, uns helfen, den ersten Abend auf asiatischem Boden in
Champagnerbier zu feiern. Erst spt abends kehrten wir in heiterster
Stimmung an Bord des Khartoum zurck, wo uns ein herrliches Lager auf
den ber Verdeck gelegten Polstern unter dem funkelnden Sternenzelt
erwartete. Um Mitternacht lichtete das Schiff die Anker und lief am
anderen Morgen kurz nach Sonnenaufgang im Hafen von Tur ein.

Die Kstenlandschaft von Tur ist ein echtes Charakterbild vom Strande
des steinigen Arabiens. Die gelbe Sandwste, die sich lngs des
dunkelblauen Meeres hinzieht, ist von Vegetation vllig entblt; mit
Ausnahme einzelner Dhumpalmen und einiger kleiner Gruppen von
Dattelpalmen, die teils in der unmittelbaren Umgebung von Tur ein wenig
drftigen Schatten spenden, teils eine entfernte Oase bezeichnen. In
imposanter Majestt erhebt sich aber im Hintergrunde der Wste das
gewaltige Gebirge des Sinai, mit seinen khn geformten Gipfeln und
zerklfteten Felsrcken. Tur selbst ist ein drftiges Drfchen mit kaum
zwei Dutzend Htten und wenig ber hundert Einwohnern. Ein kleines
Zeltlager, von einer eben jetzt am Strande lagernden Karawane errichtet,
steigerte den orientalischen Charakter des originellen Bildes. Das
Drfchen Tur liegt an der Umrandung eines kleinen, flachen,
hufeisenfrmigen Hafenbeckens. Die Felsenriffe, welche dieses Becken
umfassen und nur eine schmale Einfahrt freilassen, sind Korallenbnke.
Der ganze Hafen ist ein reizender Korallengarten. Als wir in der
Schaluppe ber die flachen Bnke hinglitten und in zehn bis zwanzig Fu
Tiefe durch die kristallklare Flut hindurch den Boden betrachteten,
entzckten uns die prchtigsten, nie zuvor lebend gesehenen
Korallenbsche, auf dem gelben Sande berall in bunter Mannigfaltigkeit
zerstreut, wie exotische Zierstrucher in einem schnen Blumengarten.
Der Hafendamm, an dem unser Boot anlegt, ist ganz aus Korrallenblcken
erbaut, und als wir uns den niederen wrfelfrmigen Htten nhern,
werden wir durch die Wahrnehmung berrascht, da auch diese fast ganz
aus Korallenstein bestehen. Als ob es gewhnliche Sandsteine wren,
liegen da die herrlichsten schneeweien Blcke von Sternkorallen,
Mandrinen, Madreporen usw. bereinander gehuft. Manche von diesen
elenden Htten birgt in einer einzigen Wand eine grere Sammlung von
schnen Korallenblcken, als in vielen europischen Museen zu finden
ist. Am liebsten htten wir das ganze Dorf aufgekauft, zusammengepackt
und in die Heimat geschickt.

Augenblicklich sind jedoch die herrlichen lebenden Korallentiere im
Hafen fr uns von grerem Interesse als die toten Steingerste in den
Httenwnden, und begierig besteigen wir die flachen arabischen Boote,
die inzwischen fr unsere Korallenjagd ausgerstet und mit Tauchern
bemannt worden sind. Die bei weitem zweckmigste Methode nmlich,
lebende Korallen vom Meeresgrunde zu erhalten, ist die Anwendung von
Tauchern. Unser gewhnliches Schleppnetz, mit dem wir sonst die
zoologischen Schtze vom Meeresboden heraufholen, ist hier ganz
unbrauchbar. Die kleinen und zierlichen Korallenstcke werden durch das
Schleppnetz zerbrochen und verdorben; die groen und schweren Blcke
zerreien selbst das Netz und sind nicht damit heraufzuheben. Hingegen
bewhrten sich die arabischen Taucher, deren wir uns in Tur bedienten
und die durch den Betrieb der Perlenfischerei im lngeren Verweilen
unter Wasser sehr gebt waren, als uerst geschickte Korallenfnger.
Sie waren weder mit Taucherglocken noch mit Skaphandern oder anderen
Tauchapparaten ausgerstet; sie schwammen aber so ausgezeichnet, konnten
so lange unter Wasser bleiben und wuten so geschickt selbst grere
Korallen von ihren Ansatzpunkten abzulsen, da sie niemals wieder
emportauchten, ohne uns mit neuen prchtigen Korallengeschenken zu
berraschen.

Die Korallenfischerei mit diesen Tauchern, die uns whrend unseres
Aufenthaltes in Tur fast den ganzen Tag beschftigte, war hchst
anziehend und unterhaltend. Das Wasser in dem seichten und stillen,
durch das vorliegende Korallenriff gegen die Brandung geschtzten Hafen
ist so kristallhell, da wir bis auf zehn und zwanzig Fu Tiefe jeden
kleinen Krebs und Seestern, jede Muschel und Schnecke auf dem Boden
zwischen den Korallenbschen erkennen knnen. Sobald wir unseren
Tauchern den gewnschten Gegenstand bezeichnet haben, springen sie
hinab. Vorsichtig die spitzen Ecken und scharfen Kanten der
Korallenstcke vermeidend, huschen die schlanken braunen Jnglinge wie
Fische zwischen denselben umher und lsen die gewnschten Stcke vom
Boden ab. Blo mit den Fen rudernd, die Beute mit beiden Armen
umschlungen haltend, tauchen sie wieder empor. In wenigen Stunden sind
unsere Boote mit den kostbarsten Schtzen gefllt.

Die groen Glasgefe, die wir in Fcherkisten aus Triest mitgebracht
haben, sind bald ganz voll von lebenden Korallen. Vorsichtig aus dem
Meere genommen und in das ruhige Wasser der Gefe versetzt, entfalten
sie allmhlich ihre zarten, zurckgezogenen Blumenleiber. Da schauen wir
zum erstenmal in nchster Nhe das unbeschreiblich schne Schauspiel,
welches diese herrlichen, scheinbar aus dem Korallenstein
hervorwachsenden Blumentiere mit ihren wundervollen Farben, zierlichen
Formen und grazisen Bewegungen gewhren. Die prchtigen bunten Aktinien
des Roten Meeres, die blauen Xenien, die grnen Ammotheen und die gelben
Sarkophyten wetteifern an leuchtender Farbenpracht mit den in allen
Irisfarben strahlenden Blumenkelchen, die wie durch Zauber aus den
scheinbar toten Kalkgersten der Steinkorallen hervorsprossen. Besonders
fallen uns unter diesen die glnzenden Sternkorallen oder Astren und
die merkwrdigen Orgelkorallen oder Tubiporen auf. Aus den purpurroten
Kalkrhren der letzteren, die gleich Orgelpfeifen dicht nebeneinander
gereiht stehen, stecken zierliche grasgrne Personen ihre acht
gefiederten Fangarme aus.

Wir beschrnken uns aber nicht auf den Hafen von Tur, sondern segeln
weiter hinaus, wo an den greren Korallenriffen lngs der Kste neue
berraschungen unserer harren und wo wir die vielgerhmte Pracht der
indischen Korallenbnke in ihrem vollen Farbenglanze schauen. Das
kristallklare Wasser ist hier unmittelbar an der Kste fast immer so
ruhig und bewegungslos, da man die ganze wunderbare Korallendecke des
Bodens mit ihrer mannigfaltigen Bevlkerung von allerlei Seetieren
deutlich erkennen kann. Hier, wie im grten Teile des Roten Meeres,
zieht parallel der Kste ein langer Damm von Korallenriffen hin,
ungefhr eine Viertelstunde vom Lande entfernt. Diese Wallriffe oder
Barrierenriffe sind wahre Wellenbrecher. Der Wogenandrang zerschellt an
ihrer unebenen zackigen Oberflche, welche bis nahe unter den
Wasserspiegel ragt; und ein weier Schaumkamm kennzeichnet so deutlich
ihren Verlauf. Auch wenn drauen auf dem Meere der Sturm tobt, ist hier
in dem durch das Riff geschtzten Kanale oder Graben das Wasser
verhltnismig ruhig, und kleinere Schiffe knnen darin ungestrt ihre
Fahrt lngs der Kste fortsetzen. Nach auen gegen das hohe Meer fllt
das Korallenriff steil hinunter. Nach innen gegen die Kste dagegen
flacht es sich allmhlich ab, und meist bleibt die Tiefe des Kanals so
gering, da man die ganze Farbenpracht der Korallengrten auf seinem
Boden erblicken kann.

Diese Pracht zu schildern vermag keine Feder und kein Pinsel. Die
begeisterten Schilderungen von Darwin, Ehrenberg, Ransonnet und anderen
Naturforschern, die ich frher gelesen, hatten meine Erwartungen sehr
hoch gespannt; sie wurden aber durch die Wirklichkeit bertroffen. Ein
Vergleich dieser formenreichen und farbenglnzenden Meerschaften mit den
blumenreichsten Landschaften gibt keine richtige Vorstellung. Denn hier
unten in der blauen Tiefe ist eigentlich alles mit bunten Blumen
berhuft und alle diese zierlichen Blumen sind lebendige Korallentiere.
Die Oberflche der greren Korallenblcke, von sechs bis acht Fu
Durchmesser, ist mit Tausenden von lieblichen Blumensternen bedeckt. Auf
den verzweigten Bumen und Struchern sitzt Blte an Blte. Die groen
bunten Blumenkelche zu deren Fen sind ebenfalls Korallen. Ja sogar das
bunte Moos, das die Zwischenrume zwischen den greren Stcken
ausfllt, zeigt sich bei genauerer Betrachtung aus Millionen winziger
Korallentierchen gebildet. Und alle diese Bltenpracht bergiet die
leuchtende arabische Sonne in dem kristallhellen Wasser mit einem
unsagbaren Glanze!

In diesen wunderbaren Korallengrten, welche die sagenhafte Pracht der
zauberischen Hesperidengrten bertreffen, wimmelt auerdem ein
vielgestaltiges Tierleben der mannigfaltigsten Art. Metallglnzende
Fische von den sonderbarsten Formen und Farben spielen in Scharen um die
Korallenkelche, gleich den Kolibris, die um die Blumenkelche der
Tropenpflanzen schweben. Unter ihnen fllt uns vor allen der sonderbare
Halbmondfisch auf (^Platax Ehrenbergii^). Sein platt zusammengedrckter,
sichelfrmiger Krper, der je nach dem Lichtfalle bald in gelbgrnlichem
Bronzeglanz, bald in prachtvollem Blau strahlt, ist oben in eine lange
dreieckige gekrmmte Rckenflosse, unten in eine gleiche Analflosse
ausgezogen. So erscheint der ganze Fisch als leuchtende Sichel im
Halbdunkel der Korallenwlder, als das Symbol des trkischen Halbmondes,
der jetzt noch diese arabischen Ksten beherrscht. Gleich einem
leuchtenden Kometenschweife zieht durch die blaue Tiefe ein silberweier
Bandfisch von der Gestalt eines silbernen Schuppengrtels
(^Trichiurus^). Ein rotbrauner, mit seltsamem Helmschmuck an dem
gepanzerten Haupte ausgestatteter Drachenkopf (^Scorpaena^) jagt eine
ganze Schar von kleinen goldgelben Lippfischen vor sich her
(^Labroiden^). Aber auch der grimme Menschenhai, der Schrecken des
Meeres, fehlt nicht, und bisweilen erscheinen im Hafen von Tur solche
Haifische von zehn bis zwanzig Fu Lnge.

Noch viel mannigfaltiger und interessanter als die Fische sind die
wirbellosen Tiere der verschiedensten Klassen, welche auf den
Korallenbnken ihr Wesen treiben. Zierliche durchsichtige Krebse aus der
Garnelengruppe schnellen haufenweise vorber und bunte Krabben klettern
zwischen den Korallenzweigen. Auch rote Seesterne, violette
Schlangensterne und schwarze Seeigel klettern in Menge auf den sten der
Korallenstrucher; der Scharen bunter Muscheln und Schnecken nicht zu
gedenken. Reizende Wrmer mit bunten Kiemenfederbschen schauen aus
ihren Rhren hervor. Da kommt auch ein dichter Schwarm von zarten
violetten Medusen geschwommen, und zu unserer berraschung erkennen wir
in der zierlichen Glocke eine alte Bekannte aus der Ostsee und Nordsee,
die Aurelia.

Man knnte glauben, da in diesen bezaubernden Korallenhainen, wo jedes
Tier zur Blume wird, der glckselige Friede der elysischen Gefilde
herrsche. Aber ein nherer Blick in ihr buntes Getriebe lehrt uns bald,
da auch hier, wie im Menschenleben, bestndig der wilde Kampf ums
Dasein tobt, oft zwar still und lautlos, aber darum nicht minder
furchtbar und unerbittlich. Die groe Mehrzahl des Lebendigen, das hier
in ppigster Flle sich entwickelt, wird bestndig vernichtet, um die
Existenz einer bevorzugten Minderzahl zu ermglichen. berall lauert
Schrecken und Gefahr. Um uns davon zu berzeugen, brauchen wir blo
selbst einmal unterzutauchen. Rasch entschlossen springen wir ber Bord
und schauen nun erst, von wunderbarem, grnem und blauem Glanze
umgossen, die Farbenpracht der Korallenbnke ganz in der Nhe. Aber bald
erfahren wir, da der Mensch ungestraft so wenig unter Korallen als
unter Palmen wandelt. Die spitzen Zacken der Steinkorallen erlauben uns
nirgends festen Fu zu fassen. Wir suchen uns einen freien Sandfleck zum
Standpunkt aus. Aber ein im Sande verborgener Seeigel (^Diadema^) bohrt
seine fulangen, mit seinen Widerhaken bewaffneten Stacheln in unseren
Fu; uerst sprde zersplittern sie in der Wunde und knnen nur durch
vorsichtiges Ausschneiden entfernt werden. Wir bcken uns, um eine
prchtige smaragdgrne Aktinie vom Boden aufzuheben, die zwischen den
Schalenklappen einer toten Riesenmuschel zu sitzen scheint. Jedoch zur
rechten Zeit noch erkennen wir, da der grne Krper keine Aktinie,
sondern der Leib des lebenden Muscheltieres selbst ist; htten wir es
unvorsichtig angefat, so wre unsere Hand durch den krftigen Schlu
der beiden Schalenklappen elend zerquetscht worden. Nun suchen wir einen
schnen violetten Madreporenzweig abzubrechen, ziehen aber rasch die
Hand zurck; denn eine mutige kleine Krabbe (^Trapezia^), die
scharenweise zwischen den sten wohnt, zwickt uns empfindlich mit den
Scheren. Noch schlimmere Erfahrungen machen wir bei dem Versuche, die
daneben stehende Feuerkoralle (^Millepora^) abzubrechen. Millionen
mikroskopischer Giftblschen entleeren bei der oberflchlichen Berhrung
ihren tzenden Saft auf unsere Haut, und unsere Hand brennt, als ob wir
ein glhendes Eisen angefat htten. Ebenso heftig brennt ein zierlicher
kleiner Hydrapolyp, der hchst unschuldig aussieht. Um nicht auch noch
mit einem brennenden Medusenschwarme in unliebsame Berhrung zu kommen
oder gar einem der nicht seltenen Haifische zur Beute zu fallen, tauchen
wir wieder empor und schwingen uns in die Barke.

Welche fabelhafte Flle des buntesten Tierlebens auf diesen
Korallenbnken durcheinander wimmelt und miteinander ums Dasein kmpft,
davon kann man sich erst bei genauerem Studium ein annherndes Bild
machen. Jeder einzelne Korallenstock ist eigentlich ein kleines
zoologisches Museum. Wir setzen z. B. einen schnen Madreporenstock
(^Stylopora^), den eben unser Taucher emporgebracht hat, vorsichtig in
ein groes, mit Seewasser geflltes Glasges, damit seine Korallentiere
ruhig ihren zierlichen Blumenkrper entfalten. Als wir eine Stunde
spter wieder nachsehen, ist nicht nur der vielverzweigte Stock mit den
schnsten Korallenblten bedeckt, sondern auch Hunderte von greren und
Tausende von kleineren Tierchen kriechen und schwimmen im Glase herum:
Krebse und Wrmer, Kraken und Schnecken, Tascheln und Muscheln,
Seesterne und Seeigel, Medusen und Fischchen; alle vorher im Geste des
Stockes verborgen. Und selbst wenn wir den Korallenstock herausnehmen
und mit dem Hammer in Stcke zerschlagen, finden wir in seinem Inneren
noch eine Menge verschiedener Tierchen, namentlich bohrende Muscheln,
Krebse und Wrmer verborgen. Und welche Flle unsichtbaren Lebens
enthllt uns erst das Mikroskop! Welcher Reichtum merkwrdiger
Entdeckungen harrt hier noch zuknftiger Zoologen, denen das Glck
beschieden ist, Monate und Jahre hindurch an diesen Korallenksten zu
verweilen.

Uns war leider nur ein paar kurze Tage lang der Genu dieser feenhaften
Korallengrten beschieden. Glcklicherweise begnstigte uns das
herrlichste Frhlingswetter, so da wir unsere Korallenfischerei mit dem
glnzendsten Erfolg betreiben konnten. Die mitgenommenen Kisten mit
Glsern und Weingeist waren in kurzer Zeit vllig mit Korallen und
anderen Seetieren gefllt. Unsere Boote schleppten ganze Ladungen von
Korallenblcken zur Korvette, deren Verdeck bald vollstndig damit
berhuft war. Schwerlich ist wohl noch ein Kriegsschiff, und sicher
niemals ein gyptisches, so ber und ber mit Korallen bedeckt gewesen.
Wir konnten spter von Suez aus nur zwlf Kisten damit fllen und nach
Hause schicken; der bei weitem grte Teil mute zurckbleiben und ziert
jetzt den Garten unseres dort wohnenden Freundes, des Konsuls Remy.

Ein letzter Besuch am Lande schlo unseren kurzen Aufenthalt in Tur. Mit
dankbarem und gerhrtem Herzen nahmen wir Abschied von Land und Leuten,
von Meer und Korallenbnken. Die Bewohner von Tur, halb griechischen,
halb arabischen Ursprungs, sind arme Fischer; gute unverdorbene
Menschen, die selten mit Fremden in Berhrung kommen. Der gnstige
Eindruck, den sie uns gleich beim ersten Besuch gemacht hatten, wurde
durch nhere Bekanntschaft nur verstrkt, und wir erinnern uns mit
lebhaftem Vergngen der herzlichen Gastfreundschaft, die wir in ihren
niederen Korallenhtten genossen.

Ganz besonderen Dank schulden wir dem braven Hennaen, dem eingeborenen
Naturforscher von Tur; einem Fischer, der schon den frher hier
anwesenden deutschen Naturforschern die wesentlichsten Dienste geleistet
hatte und sich auch bei unserer Korallenfischerei vorzglich bewhrte.
Mit den Lokalitten der Korallenbnke von Tur und mit ihren zahlreichen
Bewohnern genau vertraut, vermochte er uns in krzester Zeit die
reichste zoologische Ernte zu verschaffen. Er besitzt ein Dokument, in
welchem von den frheren Besuchern seine vortrefflichen Dienstleistungen
dankbarst anerkannt sind, und auch ich konnte nur ein gleich ehrenvolles
Zeugnis hinzufgen. Auf Hennaens ausdrckliche Bitte muten wir am
letzten Nachmittag vor unserer Abreise nochmals in seine niedere
Korallenhtte kommen, wo er uns, umgeben von den angesehensten
Einwohnern des Ortes, mit Kaffee und Datteln bewirtete. Auch
verschiedene hbsche Korallen, Sterntiere und Mollusken, die wir nicht
selbst erbeutet hatten, machte er uns hier noch zum Geschenk. Dann
machten wir noch einen gemeinsamen Spaziergang nach dem kleinen, eine
halbe Stunde vom Dorfe entfernten Palmenhain, wo neben prchtig
entwickelten Dattelpalmen (^Phoenix^) auch einzelne Exemplare von der
schnen, gabelig verzweigten Dhumpalme Obergyptens sich finden
(^Hyphaene^). Bei der Rckkehr an den Strand besuchten wir noch die
Ruine eines kleinen alten Forts, in der Nhe des Dorfes.

Wie gerne htten wir noch lnger bei unseren neuen arabischen Freunden
verweilt und htten mit der kleinen, vor dem Dorfe liegenden
Kamelkarawane eine Wstenreise angetreten! Wie gerne htten wir die so
nahe vor uns liegenden gewaltigen Bergkuppen des Sinai und des Serbal
erklommen; und in dem Mosestal das uralte berhmte Sinaikloster oder in
dem Feirantal die wundervollen Fruchtgrten der Sinaiperle besucht!
Aber unsere Uhr ist leider abgelaufen! Schon raucht der Schornstein
unseres Dampfers. Die blauen Schatten der Palmen im gelben Sande neigen
sich stark nach Osten und die Gebirgskuppen des Sinai beginnen sich in
magischen Purpurglanz zu hllen. Noch erquicken wir uns nach des Tages
schwerer Arbeit durch ein letztes, herrliches Bad in der blauen, jetzt
aber im Abendglanze wirklich purpurschimmernden Flut des Roten Meeres.
Nach herzlichstem Abschiede von den guten Turbewohnern und besonders von
Hennaen und von unseren braven Tauchern besteigen wir zum letztenmal die
Schaluppe und rudern zum Khartoum hinber.

Whrend unsere Korvette die Anker lichtet und sich nach Norden wendet,
genieen wir den unvergelichen Anblick eines Sonnenunterganges, wie man
ihn nur in diesen Breiten und nur in dieser Luft sehen kann. Gleich dem
Zauberbilde einer Fata Morgana strahlt die ganze Sinaikette mit ihren
zackigen Gipfeln in glhendem Purpur; die Schatten ihrer Klfte
schimmern in magischem Blau. Am Fue des Gebirges gehen diese herrlichen
Farbentne in ein zartes Violett ber, das durch eine gesttigte Lage
von tiefem Braun sich vom gelben Wstensande abhebt. Die glhenden
Farben werden durch das tiefe, fast schwarze Blau des Meeres kraftvoll
gehoben. Die Kronen der Palmen am Strande, leise im lauen Abendwinde
schwankend, senden uns einen letzten Gru, und die rasch hereinsinkende
Nacht entzieht das mrchenhafte Bild unseren scheidenden Blicken. Addio
Arabia!

                                           (Aus Arabische Korallen.)




                                 VI.
                   Brussa und der asiatische Olymp.


Wenn man auf dem Seewege nach Konstantinopel den Hellespontos passiert
hat und das Marmarameer ostwrts durchschneidet, erblickt man am
sdlichen Gestade des letzteren in blauer Ferne langgestreckte Bergzge.
In mehrfach unterbrochenen, edelgeformten Linien stufenweise ansteigend,
finden dieselben in einer majesttischen, mit ewigem Schnee bedeckten
Kuppel ihren malerischen Abschlu. Diese stolze Gebirgskuppel ist der
Olympos der asiatischen Griechen, der musische Olymp des Herodot, der
bithynische Olmyp anderer klassischer Autoren. Allerdings erfreut sich
dieser asiatische Olympos nicht des hohen Rufes wie sein europischer
Namensbruder, der auf der Grenze von Mazedonien und Thessalien liegt und
auf den die altgriechischen Sagen den Sitz der Gtter verlegen. Aber
dennoch wird der abendlndische Wanderer durch den Besuch des ersteren
weit mehr als durch die Besteigung des letzteren befriedigt werden. Denn
der wenig besuchte asiatische Olymp und seine nhere Umgebung ist mit
einer Flle von Naturschnheiten geschmckt, welche dem europischen
Gtterberge abgehen, und die historischen Erinnerungen, welche sich an
die von ersterem beherrschte Schaubhne weltgeschichtlicher Dramen
knpfen, verleihen ihm einen besonderen Reiz. Unmittelbar am Fue des
asiatischen Olymps liegt Brussa, die von Hannibal gegrndete Hauptstadt
Bithyniens, die Wiege der osmanischen Dynastie, eine von trkischen
Dichtern vielbesungene Perle des Orients, welche an hohem Reiz der Lage
mit Damaskus und mit Granada wetteifert.

Im Abendlande ist Brussa heutzutage ein wenig bekannter und wenig
genannter Ort. Fr den Geschichtsforscher knpfen sich freilich an
diesen Namen hochwichtige Begebenheiten; dem Arzt ist Brussa durch seine
heilkrftigen, weitberhmten heien Quellen bekannt, das Baden des
Orients, und fr den Kaufmann ist diese ansehnlichste Handelsstadt
Anatoliens durch ihre Seidenwaren und Samtfabriken von groer Bedeutung.
Aber von den hohen Naturschnheiten Brussas, von den malerischen Reizen
seiner Lage, von dem ppigen Schmucke seiner sdlichen Vegetation, von
der Flle rauschender Quellen in seinen khlen Felsentlern ist in
Europa wenig bekannt; unter Tausenden von Touristen, die jetzt
alljhrlich nach Konstantinopel reisen, gelangen nur sehr wenige nach
dem kaum eine Tagereise davon entfernten Brussa. Und doch ist sicher ein
Besuch dieses herrlichen Ortes weit lohnender, als viele berhmte
Sehenswrdigkeiten des Orients.

Der Besuch, den ich selbst im April 1873 dem asiatischen Olymp und
Brussa abstattete, ist mir unter den vielen anmutigen Erinnerungen, die
ich von meiner damals unternommenen Orientreise mit nach Hause brachte,
eine der wertvollsten geblieben; und wenn ich hier eine flchtige Skizze
davon mitteile, so hoffe ich, dadurch manchen Leser, den sein
Glcksstern nach den reizenden Ufern des Bosporus fhrt, zu veranlassen,
von der trkischen Hauptstadt aus diesen hchst lohnenden Ausflug nach
der Residenz der ersten Sultane des Osmanenreiches zu unternehmen.
Insbesondere mchte ich aber dadurch diesen oder jenen Landschaftsmaler
auf die ungehobenen Schtze aufmerksam machen, die sein Auge in Brussa
und seiner Umgebung reicher als in den ausgebeuteten Gefilden von
Neapel, Palermo oder Granada finden wird.

Wenige Wochen, bevor ich nach Brussa kam, hatte ich in Kairo die Mrchen
von Tausend und einer Nacht lebendig an mir vorberziehen sehen, hatte
von der Pyramide des Cheops einen Blick in die Libysche Wste getan und
von Suez auf einem Kriegsschiffe des Khedive einen hchst interessanten
Ausflug zu den Korallenbnken des Roten Meeres am Fue des Sinai
unternommen. Von Alexandrien war ich darauf nach Smyrna gefahren, von wo
ich in Gesellschaft liebenswrdiger deutscher Landsleute Exkursionen
nach dem klassischen Trmmersttten von Magnesia und Ephesus unternahm,
in ersterem das uralte, in den Felsen gehauene Riesenbild der Niobe, in
letzterem die krzlich ausgegrabenen Substruktionen des weltberhmten
Dianatempels bewundernd. Wenige Tage spter geno ich auf der Akropolis
von Athen und auf den Tempelruinen von Eleusis unvergeliche Stunden
lebendiger Erinnerung an die Blte des klassischen Altertums; und
abermals nach wenigen Tagen erfreute ich mich an den Ufern des Bosporus
und am Goldenen Horn von Konstantinopel der Flle von Natur- und
Kunstgenssen, von historischen Reminiszenzen und ethnographischen
Bildern, mit denen die gewaltige Hauptstadt des Trkenreiches noch heute
geschmckt ist. Und doch, nachdem alle diese wunderbaren Gemlde des
Orients in der raschen Folge weniger Wochen an meinem Auge
vorbergegangen waren, nachdem die Phantasie durch das berma der
genossenen groartigen und mannigfaltigen Bilder bersttigt erschien,
vermochte zuletzt noch das herrliche Brussa einen so tiefen Eindruck zu
hinterlassen, da ich mir keinen schneren und harmonischeren Abschlu
zu der langen Reihe der bunten vorhergegangenen Orientbilder wnschen
knnte.

Es war ein heiterer, wolkenloser Frhlingsmorgen, als ich am 25. April
1873 in Gesellschaft des bekannten Landschaftsmalers Ernst Krner aus
Berlin die Fahrt nach Brussa antrat. Der Kanzler am deutschen
Generalkonsulat in Konstantinopel, Herr Rohnstock, welcher der
trkischen Sprache vollkommen mchtig ist, begleitete uns und hatte die
Gte, die Rolle eines Dolmetschers zu bernehmen. Whrend die
aufsteigende Morgensonne mit ihren ersten Strahlen die Fenster von
Skutari und von den kleineren Ortschaften am asiatischen Ufer des
Bosporus vergoldete, stiegen wir nach der groen Brcke hinunter, welche
an der Ausmndung des Goldenen Horns das frnkische Pera mit dem
alttrkischen Stambul verbindet. In der Nhe dieser Brcke ankern die
kleinen Dampfboote, welche mehrmals wchentlich von Konstantinopel nach
dem Golfe von Mudania fahren. Die kleine Stadt Mudania liegt am
sdlichen Gestade des Marmarameeres, in gerader Linie etwa sechs
deutsche Meilen sdwrts von Stambul entfernt. Sie ist der Hafenort von
Brussa und steht durch eine gute, vier Meilen lange Fahrstrae mit ihm
in Verbindung.

Ein leichter Kaik, einer venezianischen Gondel hnlich, fhrt uns von
der Perabrcke zu dem kleinen Dampfer hinber; wir finden sein Verdeck
bereits dicht besetzt mit trkischen Landleuten in buntfarbiger Tracht,
mit zerlumpten Fischern und verschleierten Weibern. Um acht Uhr lichtet
unser Schiff die Anker und bahnt sich mhsam seinen Weg durch das dichte
Gewhl von Fahrzeugen aller Nationen, welche den grten Hafen des
Orients erfllen. Rasch durchkreuzen wir das sdliche Ende des Bosporus,
lassen die malerische, mit Zypressen bedeckte Serailspitze von Stambul
zu unserer Rechten, den alten Leanderturm und den riesigen
Begrbnisplatz von Skutari mit seinem berhmten Zypressenwald zu unserer
Linken liegen, und ergtzen uns an dem wundervollen Bilde, welches das
alte Stambul hier von der Sdseite gewhrt. Je weiter wir uns von ihm
entfernen, desto imposanter tritt die gewaltige Husermasse der
trkischen Hauptstadt auf ihren Hgeln hervor; die Kuppeln ihrer
zahlreichen Moscheen und die schlanken Minarette daneben schimmern
golden im Glanze der Morgensonne. Unten am Strande zieht sich der Rest
der alten Stadtmauer hin, deren westliches Ende mit dem malerischen
Schlosse der sieben Trme abschliet. Dieses mchtige alte Kastell
spielte lange Zeit als Zitadelle der Hauptstadt eine wichtige Rolle bei
den Belagerungen und erinnert uns mit seinen mittelalterlichen
Mauerkrnzen und Turmzinnen an die gewaltigen Ereignisse, die hier im
Laufe von zwei Jahrtausenden vorbergezogen sind. Doch werden wir in
diesen historischen Betrachtungen bald durch den modernen Pfiff der
Lokomotive gestrt, die lngs der Mauern hindampft; sie befhrt den
neuen Schienenweg nach Adrianopel, welcher wenige Monate nach unserer
Anwesenheit dem Verkehr bergeben wurde; ein wichtiger Fortschritt zur
abendlndischen Kultur und somit zur Auflsung des altersschwachen
Osmanenreiches.

Whrend wir sdwrts steuern, entschwindet das glnzende Bild der
Konstantins-Stadt allmhlich unseren Blicken. Wir fahren ziemlich nahe
an den Prinzeninseln vorber, den lieblichen, mit Villen und Grten
bedeckten Eilanden, auf denen im heien Sommer die vornehmen Bewohner
von Pera und Stambul sich vom staubigen Gewhl des Alltagstreibens
erholen. Scharen von Delphinen umspielen unser Schiff und tauchen mit
ihren Rckenflossen sich tummelnd empor. Unser Kurs geht gerade auf eine
steile, links weit vorspringende Landspitze zu, das Bos burun oder das
Vorgebirge des Eises. Zwischen diesen und den Prinzeninseln ffnet
sich zu unserer Linken ein tief einschneidender, von bewaldeten Bergen
umgebener Meerbusen, der Golf von Nikomedia, der Sinus Astacenus der
alten Rmer. Tief im Grunde desselben liegt das unbedeutende Stdtchen
Isnikmid, der letzte Rest des mchtigen alten Nikomedia, jener frheren
Residenz der bithynischen Knige, die durch zahlreiche Erdbeben
verwstet wurde.

Zu unserer Rechten taucht jetzt aus der blauen Flut das schne Eiland
Kalolimni auf; wir fahren zwischen ihm und dem Eiskap hindurch und
werden durch den herrlichen Anblick des Golfs von Mudania berrascht.
Rings von langgestreckten, schngeformten Bergketten umschlossen, deren
Fe kulissenartig vorspringen, gleicht dieser Golf, der Sinus Cianus
der Alten, einem groen, stillen Landsee. An seinen Gestaden landete
Jason auf der Argonautenfahrt. Am sdlichen Ufer des Golfs, wo er sich
in das Marmarameer ffnet, liegt das Stdtchen Mudania, eine Doppelreihe
rmlicher Holzhuser, von vielen pyramidenfrmigen Lebensbumen
(^Thuja^) berragt. Ihre Bewohner sind zum grten Teile griechische
Grtner und Weinbauer. Die Tochter eines solchen war die hier geborene
Sophia Witt, die spter durch ihre Schnheit und ihren Geist berhmt
gewordene Grfin Potocka.

Um zwlf Uhr mittags legt unser Boot an der Landungsbrcke von Mudania
an. Nachdem wir uns bei den Polizeibeamten mittels unseres trkischen
Passes legitimiert haben, besteigen wir einen der bereitstehenden
offenen Wagen, der mit zwei schmucken Schimmeln bespannt ist, und im
munteren Trab fahren wir auf der Landstrae nach Brussa.

Die Mittagssonne entsendete jetzt glhende Strahlen vom wolkenlosen
Aprilhimmel Kleinasiens herab, und zu unserer Linken schlugen die
pltschernden Wellen des spiegelklaren Meeres so verfhrerisch auf den
weichen Sand des schmalen Strandes, da wir der Versuchung nicht
widerstehen konnten, unsere Fahrt nach kurzer Dauer zu unterbrechen und
ein improvisiertes Bad zu nehmen. Kstlich erfrischt von den khlen
Wellen und von einem frischen Trunk aus einer Felsenquelle, die nach
kurzem Lauf sich ins Meer ergiet, gingen wir jetzt eine Strecke neben
dem Wagen aufwrts. Die Strae steigt zwischen Olivengrten und
Weinbergen in vielen Windungen bergan. Je hher wir hinaufkommen, desto
schner gestaltet sich der Blick auf den blauen Golf zu unseren Fen
und auf die edelgeformten, teils bebauten, teils bewaldeten Berge, die
denselben in stattlichem Kranze umschlieen. Besonders werden unsere
Blicke durch den hohen, sdstlich gelegenen Berg Usuntschar gefesselt,
seine ungemein schne Form erinnert auffallend an den berhmten Monte
Pellegrino bei Palermo.

Nachdem wir anderthalb Stunden gestiegen, haben wir den Sattel des
langgestreckten Bergrckens erreicht, welcher den Golf von Mudania und
die Ebene von Brussa trennt, und wir fahren nun, nach einem letzten
Rckblick auf das Marmarameer, hinter dem trkischen Dorfe Tschakirchan
durch eine felsige Schlucht bergab. Am Ausgange der letzteren berrascht
uns pltzlich die groartige Aussicht auf den weiten grnen Talkessel
von Brussa, berragt von der gewaltigen, den ganzen sdlichen
Hintergrund ausfllenden Granitpyramide des schneegekrnten Olympos. Das
frischeste Frhlingsgrn schmckt die lachende Ebene zu unseren Fen,
mitten hindurch windet sich in weitem S-frmigen Doppelbogen der
anmutige Flu Nilufer. Er umgrtet den Fu des Olymps und nimmt in sein
Bett die zahllosen Bergbche und Quellen auf, die den westlichen und
nrdlichen Abhngen des Berges entstrmen. Den schnen Namen Nilufer --
d. h. Lotosblume (^Lotos Nenufar^) -- verdankt der Flu einer
griechischen Prinzessin, die durch ihre Schnheit und Anmut weit berhmt
war. Diese unglckliche Frstin wurde whrend ihres Hochzeitsfestes auf
dem festen Schlosse Biledschik von dem Sultan Osman, dem Grnder der
Osmanendynastie, berfallen, ruberisch entfhrt und in den Harem seines
Sohnes Orchan eingesperrt. Hier wurde sie spter die Mutter des
kriegerischen Sultan Murad I.

Nach halbstndiger heier Fahrt durch die Ebene, deren Wiesen
stellenweise ganz blau von Irisblten waren, hatten wir das Gestade des
Nilufer erreicht und hielten Rast im Schatten eines anmutigen
Eichenhaines; ein trkisches Kaffeehaus erquickte uns mit kstlichem
Mokkatrank. Hier zog auf der Strae eine lange Karawane von schweren
anatolischen Lastkameelen an uns vorber, wie man sie in den Straen von
Smyrna so oft sieht. Mit Ballen von kostbarer Brussaseide belastet,
gingen die schwerflligen Tiere gravittisch hintereinander her, durch
Stricke zu einer langen Kette verbunden. Den Kopf der langen Kolonne
bildete ein kleiner kluger Esel, wie er hier gewhnlich als Fhrer der
Kamelzge auftritt. Denn das Langohr vertritt hier im Morgenlande die
leitende Intelligenz der Huftiere, im Gegensatze zu den im Abendlande
herrschenden Anschauungen.

Je mehr wir uns auf unserer weiteren Fahrt dem Olympgebirge nherten,
desto mehr entfalteten sich die landschaftlichen Reize der Gegend. In
freundlichem Gegensatze zu den dunkeln, waldigen Schluchten des Gebirges
zeigte sich die ppige Fruchtbarkeit des Tales in lachendem
Frhlingsgrn. Pltschernde Brunnen und mchtige Platanen an den Seiten
des Weges verbreiteten Khlung und Schatten.

Die Sonne neigte sich schon stark gen Westen, als wir in die Stadt
einfuhren. Unsere Ankunft gestaltete sich dadurch besonders festlich,
da gerade ein griechischer Feiertag war. Die ganze griechische
Bevlkerung, in die buntesten Festgewnder gekleidet, lustwandelte vor
der Stadt und erfreute sich des schnen warmen Frhlingsabends. In
heiteren Gruppen lagerten viele Familien auf den blumigen Hgeln vor den
Mauern und ergtzten sich mit Musik, Spiel und Tanz. Keine schnere
Staffage htte den Vordergrund des herrlichen Bildes zieren knnen, das
die prchtige Stadt mit ihren zahllosen Minaretten und Kuppeln, im
Glanze der Abendsonne funkelnd, unseren entzckten Augen darbot.

In dem schn gelegenen Hotel du Mont Olymp, dem einzigen europischen
Gasthofe von Brussa, fanden wir freundlichste Aufnahme und beste
Verpflegung. Der treffliche Wirt desselben, Don Franzesco Franchi aus
Florenz, war in jeder Weise bemht, uns unseren Aufenthalt so angenehm
als mglich zu machen. Seine kstlichen Orangen und Feigen, die
vorzglichen ^Maccaroni con pomi d'oro^ und die leckeren Forellen aus
den Olymposbchen, gewrzt durch den edlen, rosenroten, am Fue des
Gtterberges gewachsenen Wein, mundeten uns so vortrefflich, als ob es
Nektar und Ambrosia von der olympischen Gttertafel selbst gewesen wre.
Dabei ergtzten sich unsere Geruchsnerven an den aromatischen
Blumendften der zahlreichen benachbarten Grten, in denen Rosen und
Lilien, Jasmin und Nelken, Daphne und Balsamine in ppigster Flle
blhten; und als ob Vater Zeus am Tore seiner Gtterwohnung alle Sinne
gleichmig entzcken wolle, wurden wir noch am spten Abend durch ein
unerwartetes Konzert berrascht. Denn als wir das Verlangen nach Speise
und Trank gesttigt hatten, unsere Schlafzimmer aufsuchten und auf deren
Balkon hinaustraten, um die wrzige Abendluft zu atmen, tnte uns aus
der benachbarten Waldschlucht der melodische Gesang zahlreicher
Nachtigallen entgegen. Whrend diese liebliche Sngerin bei uns meistens
die Einsamkeit aufsucht, wohnt sie in Kleinasien scharenweis in den
Grten und scheint im Wettgesange besondere Kunst zu entfalten. Jeden
Abend, wenn wir in Brussa unser Lager aufgesucht hatten, lauschten wir
noch lange ihren entzckenden Liedern und wurden erst spt dadurch in
den sesten Schlaf gesungen.

Waren so schon die ersten Eindrcke, die wir am Abend unserer Ankunft in
Brussa empfingen, hchst angenehm, so berzeugten uns unsere Wanderungen
in der Stadt und in der nheren Umgebung bald, da eine lieblichere
Sommerfrische im Orient wohl nicht gefunden werden kann. Frwahr, die
trkischen Dichter haben recht, wenn sie diese Stadt als ein irdisches
Paradies besingen. Reizend schn, lieblich und groartig zugleich ist
die ganze Lage und Umgebung der Stadt, in vieler Beziehung derjenigen
von Granada hnlich. Als ich auf der alten Schloruine von Brussa, auf
steilem Felsen hoch ber der Stadt stand, und als mein Blick ber die
Husermassen, Kuppeln und Grten zu meinen Fen schweifte, und weiter
hinaus ber die ausgedehnte, ppige grne Ebene und in blauer Ferne ber
den umschlieenden Kranz von malerischen Hhenzgen, da tauchte lebendig
die Erinnerung an das herrliche Panorama in mir auf, das ich vor Jahren
auf der Alhambra und ber der berhmten Vega von Granada genossen hatte.
Wie die andalusische Hauptstadt von den schneegekrnten Hhen der Sierra
Nevada, so wird Brussa von dem gewaltigen Schneehaupte des Olymp
berragt. Hier wie dort erhlt die Lage der Stadt ihren besonderen Reiz
durch die Anlehnung an das wilde und groartige Gebirge, durch den
Quellenreichtum der buschigen Felsenschluchten und durch die ppige
Vegetation der von vielen Bchen bewsserten Ebene. Auch bieten die
beiden Stdte viele Vergleichungspunkte in den zahlreichen und
prchtigen Denkmlern islamitischer Kunst und Geschichte, mit denen sie
noch heute geschmckt sind. Aber die Verhltnisse sind in Brussa
groartiger und gewaltiger als in Granada. Die anatolische
Osmanenresidenz mit ihren vielen hundert glnzenden Kuppeln, weien
Minaretten und schwarzen Zypressen daneben ist weit malerischer als die
berhmte andalusische Kalifenresidenz, und auch in bezug auf die
sprudelnde Wasserflle und die ppigkeit der sdlichen Vegetation ist
die erstere der letzteren weit berlegen. Im brigen aber hat doch der
landschaftliche Charakter beider Gegenden sehr viel hnlichkeit, und es
legt ein gutes Zeugnis fr den Schnheitssinn und das feine Naturgefhl
der mohammedanischen Frsten ab, da sie ebenso in Kleinasien wie in
Spanien die mit den hchsten Naturreizen geschmckte Stadt zum
bleibenden Herrschersitz whlten. Das Gegenteil gilt von den
christlichen Knigen Spaniens, den Gnnern der heiligen Inquisition;
denn diese erwhlten zu ihrer Residenz das traurige Madrid, mitten auf
der den Hochebene von Kastilien, ohne Wald und ohne Wasser.

Die ppige Ebene von Brussa, die sdlich vom Olympgebirge, nrdlich von
den Hhenzgen des Arganthonios (jetzt Katirli) umschlossen wird, ist
ungefhr vier deutsche Meilen lang, eine Meile breit, und fast in ihrer
ganzen Ausdehnung teils mit fruchtbaren Wiesen, teils mit
Maulbeerpflanzungen bedeckt. Dieser Maulbeerwald ist das groe
Proviantmagazin fr die Seidenraupen, welche Brussas wichtigsten
Handelsartikel, die kostbare Brussaseide, spinnen. Zahlreiche, aus dem
Olymp hervorquellende Bche sorgen fr bestndige Bewsserung der Ebene.
Whrend die Hauptmasse des Olymp nach Sden steil abfllt, strahlen nach
Norden von seinem Fue zwlf gewaltige Bergrcken aus, zwischen denen
ebensoviele Schluchten liegen. In jeder Schlucht rauscht ein Bergstrom,
der aus tausend Quellen das schmelzende Schneewasser des Olympgipfels
sammelt. Diese Bergstrme fhren auch im heiesten Sommer eine nie
versiegende Wasserflle in das Tal, und darin liegt bei dem kstlichen
Klima die Hauptursache der ppigen Vegetationsflle, wie des poetischen
Reizes der herrlichen Gegend. berall rieseln kalte und warme Quellen
aus den Schluchten des Gtterberges, Wasserflle strzen von seinen
jhen Felswnden, pltschernde Brunnen versorgen alle Teile der Stadt,
und hier wird der Koranspruch zur Wahrheit:

   Das Wasser hat Leben
   Allen Dingen gegeben.
      (^Min el -- mai^
      ^Kllun schejun hai.^)

Eine von den erwhnten Schluchten, wegen ihrer himmelhohen Felswnde das
Himmelstal (Gkdereh) genannt, geht durch den stlichen Teil der Stadt
mitten hindurch und ist von einer khnen Brcke berspannt. Im Grunde
rauscht der wilde Bergstrom ber Felsentrmmer, whrend die Felsenmauern
an beiden Seiten, unterhalb der Huser, mit Buschwerk und
Schlingpflanzen behangen sind. Eine andere, kleinere, aber ebenfalls
sehr malerische Schlucht (Kodocha Naib) durchschneidet den westlichen
Teil der Stadt. Zwischen diesen beiden Schluchten erheben sich, mitten
ber Brussa, auf einer gewaltigen, fast senkrecht abfallenden
Felsenterrasse, die Ruinen der Zitadelle und der ltesten osmanischen
Herrscherpalste, derjenigen von Muhammed I. und Murad I., daneben die
Moschee Sultan Orchans und die Grabkapellen von Orchan und Osman. Auch
vom Marmorbade des Harems sind noch bedeutende Reste vorhanden. Von der
alten Festung, der ltesten des osmanischen Reiches, sind nur noch ein
paar Mauern und Turmruinen brig, und im Grase versteckt liegen vier
uralte, verrostete, eiserne Kanonenlufe. Wilder Wein und Efeu
berziehen wuchernd das zerfallene Trmmerwerk. Gleich hinter der
Zitadelle liegt Bunarbaschi, das Quellenhaupt, einer der beliebtesten
ffentlichen Spaziergnge Brussas. Hier trifft man jederzeit, besonders
aber gegen Abend, lustwandelnde oder auf den Rasenpltzen gelagerte
Gruppen, die im Schatten alter Platanen ihren Tschibuk rauchen, Kaffee
schlrfen und dem Gemurmel der vorbereilenden Bergbche lauschen.

Unmittelbar an diese reizende Promenade stt ein Friedhof mit mchtigen
alten Zypressen, und wenn wir diesen durchschreiten und dann auf einem
anmutigen Felsenpfade den Berg eine Viertelstunde hinansteigen, so
kommen wir zu den berhmten Wallfahrtsorten zweier mohammedanischer
Heiligen, Murad Abdal und Seid Nassir. Von hier genieen wir bei
Abendbeleuchtung eine der schnsten Aussichten ber die ganze, zu
unseren Fen liegende Stadt, ber die weite grne Ebene und ber die
fernen Arganthoniosberge, die im Glanze der Abendsonne sich in das
zarteste rosige Gewand hllen.

Nicht weniger als 365 malerische Aussichtspunkte und anmutige
Spaziergnge zhlen die Bewohner von Brussa mit Stolz in ihrer
herrlichen Umgebung auf, und ebenso gro soll auch die Zahl der
glnzenden Kuppeln, der Moscheen und Gruftkirchen sein, die aus dem
bunten Husermeer der Stadt und aus den berall eingestreuten grnen
Grten hervorragen. Doch ist wohl die Mehrzahl derselben jetzt halb
verfallen oder ganz zerstrt. Immerhin drften noch gegen 200 Kuppeln
vorhanden sein, und diese gehren nebst den schlanken Minaretten und den
uralten Zypressen zu den charakteristischen Zierden der Stadt. Die
weien Minarette, die gleich hohen Marmorsulen ber die
metallglnzenden Kuppeln der Moscheen emporstreben, stehen in
lichtvollem Kontrast zu den dstern, schwarzgrnen Zypressen, welche
berall einzeln und gruppenweise in der Stadt und ihrer nchsten
Umgebung zerstreut sind. Nie habe ich gewaltigere und ehrwrdigere
Zypressen gesehen als hier in Brussa. Verglichen mit diesen mchtigen,
uralten Riesen, erschienen mir die berhmten Zypressen der Villa d'Este
in Tivoli bei Rom als schlanke Jnglinge. beraus wirkungsvoll heben
sich ihre dichten, schwarzen Nadelpyramiden auf der lichtvollen und
farbenprchtigen Landschaft von Brussa ab, besonders wenn die
untergehende Sonne diese mit einem zauberhaften roten Glanze berzieht.

Gleich allen anderen Stdten des Orients ist auch Brussa im Innern viel
weniger anziehend als von auen. Doch zeichnen sich die engen Straen
durch verhltnismige Reinlichkeit aus, und die blumenreichen Grten
hinter den Husern geben ihnen einen freundlichen Charakter. Die Stadt
zieht sich ber eine Stunde lang am Olympabhange hin, ist aber kaum eine
Viertelstunde breit. Die Einwohnerzahl, frher weit ber hunderttausend,
betrgt jetzt kaum 70000, darunter ungefhr 10000 Armenier, 6000
Griechen und 3000 Juden. Auch einige deutsche Kaufleute leben in Brussa,
darunter ein Badenser, namens Schwab, der zugleich das Amt eines
deutschen Vizekonsuls vertritt. Wir lernten in ihm einen ebenso
liebenswrdigen als fein gebildeten und poetisch begabten Landsmann
kennen und denken mit Vergngen an die hchst angenehmen Abende zurck,
die wir in seinem gastfreien Hause verlebten. Ganz besonders erfreut war
ich, in Herrn Schwab einen warmen Freund der Natrlichen
Schpfungsgeschichte zu entdecken und zu hren, da er dem
Darwinismus unter den Anwohnern des asiatischen Olympos schon manchen
Anhnger geworben hat.

Unter den ffentlichen Gebuden von Brussa sind vor allen die von den
ltesten Osmanen-Sultanen gegrndeten Moscheen und Grabdenkmler von
Interesse, sowohl durch ihren architektonischen Schmuck als durch die
daran geknpften historischen Erinnerungen. Alle die lteren Herrscher
der Osmanen-Dynastie haben sich hier durch schne Kuppeldome verewigt:
voran Osman, Ertoghruls Sohn, der als Grnder des Osmanenreichs sich
welthistorische Bedeutung erwarb; dann Orchan, der nach langer
hartnckiger Belagerung im Jahre 1326 Brussa eroberte, kurz vor dem Tode
seines Vaters Osman; darauf Murad I., welcher den Schrecken der
trkischen Waffen nach Europa trug und 1389 in der siegreichen Schlacht
auf dem Amselfeld in Serbien fiel. Murads Sohn war Childrim Bajasid, der
Blitzstrahl, der gewaltige Krieger, der bis in das westliche Ungarn
vordrang, 1396 bei Nikopolis den deutschen Kaiser Sigismund schlug,
selbst aber 1402 in der furchtbaren Schlacht bei Angora von dem Mongolen
Timur geschlagen und gefangengenommen wurde. Auf Bajasid folgte sein
Sohn Mohammed I., auf diesem Murad II. und dann Mohammed II., der 1453
Konstantinopel eroberte. Alle diese mchtigen Sultane des
Osmanenreiches, die das ganze Abendland mit ihrer furchtbar wachsenden
Macht in Schrecken setzten, haben in Brussa eine Zeitlang residiert und
Moscheen gestiftet; die meisten sind auch dort begraben.

Auf der Ostseite der Stadt hat Childrim Bajasid seine Moschee erbaut,
durch edle Einfachheit ausgezeichnet. Daneben steht sein Grabmal, im
ltesten und einfachsten Stil der osmanischen Baukunst. Nicht weit davon
erhebt sich auf einem Hgel mit herrlicher Aussicht die prachtvolle
Moschee Mohammeds I., die fr die schnste des ganzen osmanischen
Reiches gilt. Polierte Platten von buntfarbigem Marmor schmcken die
Auenwnde, so da der Dom schon von fern wie ein Edelstein glnzt. Ein
wundervolles Tor, mit den zierlichsten Marmorarabesken, fhrt in das
Innere, das mit blauen und grnen Porzellanplatten getfelt ist; darauf
prangen Koraninschriften in weiem Schmelz. Der Mirab (die Nische, worin
der Koran liegt) ist von rotem Marmor, mit Gold verziert. Auch die
Kuppeln und Minarettes dieser wundervollen Moschee waren ehedem ganz mit
grnem persischen Porzellan bekleidet, weshalb sie den Namen der grnen
Moschee erhielt.

Am anderen Ende von Brussa, nahe dem westlichen Eingang, liegt an einem
hchst malerischen Platze, von hohen Platanen und Zypressen umgeben, die
^Muradieh^, die Moschee und Gruftkirche Murads II., daran stoend ein
Dutzend Mausoleen, Kapellen und Schulen. In den Gruftkirchen hngen noch
Kleider und Waffen der Sultane und ihrer Familien. Auf den Sarkophagen
liegen schwarze Samtdecken, mit Silber und Gold gestickt, davor der
Koran und Gebetbcher in prchtigen alten Pergamentbnden mit feiner
Malerei. Reizend ist der Garten vor dieser Moschee, in welchem jetzt
eben Rosen, Lilien und Jasmin ihre Wohlgerche ausstrmen.

Die grte Moschee von Brussa, auf dem hchsten Punkte der Stadt
gelegen, ist vom Sultan Murad I. angefangen, von seinem Sohn Bajasid I.
fortgefhrt und erst von seinem Enkel Mohammed I. vollendet. Sie bildet
ein Quadrat von 200 Fu Seitenlnge, und ihr Dach ist aus 19 Kuppeln
zusammengesetzt. An Stelle der zwanzigsten befindet sich ein mchtiges
kreisrundes Fenster und darunter ein groes viereckiges Wasserbecken, in
dem Forellen spielen; eine Eigentmlichkeit dieser Moschee. Mirab und
Estrade sind mit Marmorarabesken, Pfeiler und Wnde mit seltsamen
Schriftzgen, Sprchen aus dem Koran geschmckt. Frher wurde diese
Moschee in den Ramasannchten mit 700 Lampen erleuchtet.

Viele von den Moscheen und den andern merkwrdigen Gebuden Brussas, die
Hammer in seinem Umblick auf einer Reise von Konstantinopel nach
Brussa (1818) genau beschrieben hat, sind gelegentlich der wiederholten
Verheerungen der schnen Stadt durch Krieg, Feuersbrnste und Erdbeben,
insbesondere durch das letzte groe Erdbeben von 1855, zerstrt worden.
Unter den wohlerhaltenen Gebuden sind besonders noch die warmen Bder
zu erwhnen, schn gewlbte Kuppeldome, in denen mchtige warme Quellen
sprudeln. Diese Thermalquellen, sieben an der Zahl, brechen aus den
Tiefen des Olymp hervor; sie waren schon im Altertum wegen ihrer
Heilkraft berhmt und wurden vielleicht fr Hannibal die Veranlassung,
hier die Stadt zu grnden, die er seinem Gastfreunde und Gnner, dem
Knige Prusias von Bithynien zu Ehren Prusa nannte. Noch jetzt werden
die Heilquellen Brussas alljhrlich von mehreren tausend Patienten aus
allen Teilen des Orients besucht. In manche der Bder werden heie und
kalte Quellen nebeneinander geleitet und nach Bedrfnis in den
Marmorbassins gemischt. Die Temperatur ist teilweise ausnehmend hoch und
betrgt bei den vier mchtigen Hauptquellen 66 Grad R.

Unter den Ausflgen, die wir von Brussa aus unternahmen, war der
weiteste und interessanteste die Ersteigung des Olymp. Am 26. April um 5
Uhr morgens bestiegen wir die starken trkischen Bergpferde, welche uns
auf den ungefhr 8000 Fu hohen Gtterberg hinauftragen sollten. Zwei
berittene und bewaffnete Trken dienten uns als Fhrer und als Eskorte.
Der klare wolkenlose Himmel und die empfindlich kalte Morgenluft
versprachen uns einen schnen Tag, und sie hielten Wort. Nachdem wir die
Stadt am stlichen Ende verlassen und eine kurze Strecke durch
Weingrten geritten waren, fhrte uns ein steiler und steiniger Pfad in
dem Walde aufwrts, der als dichter grner Mantel den ganzen unteren
Teil des gewaltigen Berges einhllt. Der nrdliche Abhang des Olymp
gliedert sich in drei verschiedene Terrassen, von denen die unterste
gegen 2000, jede der beiden oberen ungefhr 3000 Fu hoch ist. Die
oberste Terrasse ist fast ohne Baumwuchs, die mittlere mit Nadelholz,
die untere mit Laubholz bedeckt; hier unten bestand auf unserem Wege der
Laubwald grtenteils aus edlen Kastanien und Nubumen, weiter oben
gesellten sich dazu viele Buchen und Eichen. Wilder Wein, Waldreben,
Brombeeren und andere Schlingpflanzen winden sich in zierlichen
Girlanden von Baum zu Baum und dichtes Efeugewand umschliet die
altersgrauen Stmme. Der Boden zwischen den Baumwurzeln ist mit einem
lachenden Teppich bunter Frhlingsblumen geziert: roten Anemonen,
violetten Hyazinthen, blauen Veilchen, gelben Ranunkeln und weien
Narzissen. Der gelbe Jasminstrauch verbreitet mit seinen zierlichen
Bltentrauben ringsum balsamischen Duft. Der Weg fhrt eine lange
Strecke an dem steilen stlichen Rande des Gkdereh oder Himmelstales
empor, dessen gewaltiger Felsenkessel mit senkrecht abfallenden Wnden
in schwindelnder Tiefe zu unseren Fen liegt. Die granitische
Felsenmasse des Olymp ist auf dieser ersten Terrasse zum grten Teile
von einem Grtel von schiefrigem Gnei umgeben, jedoch ist derselbe an
vielen Stellen von weiem Marmor durchsetzt. Auf der zweiten Terrasse
tritt fast berall der Granit zutage. Auf der dritten Terrasse ist der
rote Granit wieder vielfach von grauem und weiem Marmor bedeckt, der
auch den Gipfel bildet.

Nachdem wir etwa eine Stunde lang an der oberen Kante der
Himmelsschlucht emporgestiegen waren, erreichten wir an der Grenze der
ersten und zweiten Terrasse einen sehr anmutigen Platz. Der Wald ist
hier auf eine ausgedehnte Strecke gelichtet und der quellenreiche
Felsboden mit ppigem Rasen bedeckt. Das Gebell groer zottiger
Wolfshunde, die uns entgegensprangen, lenkte unsere Blicke auf eine
Ziegenherde, die in einiger Entfernung am Felsenhang weidete, und
daneben wurden wir einige sonderbare Zelte von halbtonnenfrmiger
Gestalt gewahr. Es waren die Sennhtten turkomanischer Hirten, die den
Sommer ber auf den Abhngen des Olymp Alpenwirtschaft treiben. Im
Winter ziehen sie als unstete, halbwilde Nomaden in der Ebene umher.
Ihre Schafe und Ziegen sollen von den Herden Sultan Osmans abstammen,
der an 40000 Lmmer auf dem Olymp weiden lie.

Auf dieser Turkmenenplatte genossen wir einen herrlichen Rckblick ber
die ganze grne Ebene von Brussa, tief unten im Grunde der blaue See von
Jenischehr, rechts im Hintergrunde die schne Bergkette des
Arganthonios, links jh zu unserer Seite das groartige Gkdereh. Von
der Turkmenenplatte aufwrts fhrte uns der Weg fast drei Stunden lang
ber die Granitgehnge der zweiten Terrasse, deren Walddecke meist aus
Nadelholz, grtenteils Edeltannen und Lrchenfichten, besteht.
Namentlich unter ersteren finden sich prachtvolle alte Stmme von
gewaltiger Hhe und Strke, mit langen, grauen Bartflechten behangen.
Groe Strecken des Forstes waren durch Waldbrnde zerstrt, und wie
riesige Gespenster ragten die nackten, gebleichten Stmme der hohen
Edeltannen mit ihren halbverkohlten Zweigen aus den ppigen
Farnkrautbschen hervor, die sich auf der Brandsttte angesiedelt
hatten. Zwischen den Aschenhaufen und den umherliegenden verkohlten
Baumtrmmern sprote neues reiches Pflanzenleben aus den Ruinen der
vorhergegangenen Generation empor. Hunderte von kleinen Bchen, von dem
schmelzenden Olymposschnee gespeist, rieselten zwischen den
Felsentrmmern, und mehrmals muten unsere Pferde durch reiende
Bergwasser schreiten, deren schumende Wellen bis zu unserem Sattel
emporreichten.

Der gewaltige Bergspalt des Himmelstales, auf dessen stlichem Rande
sich unser Pfad bisher meistens hielt, findet jetzt seinen Abschlu
durch eine kolossale Mauer von himmelhohen Felswnden, die von dem
untern Rande der dritten Olympterrasse fast senkrecht abstrzen.

Prchtige Wasserflle schumen donnernd zwischen den zerklfteten
Granitpfeilern in die furchtbare Tiefe hinab und lsen sich unten in
feinen Wasserstaub auf. ppige weiche Moospolster bekleiden die
hervorragenden Kpfe des triefenden Gesteins. Unser beschwerlicher Pfad
weicht der unersteiglichen Felsenmauer, die sdwrts von uns liegt, aus
und wendet sich mehr gegen Osten, ber einen zerklfteten Abhang hinweg,
der ber und ber mit den groartigsten Felsentrmmern bedeckt ist. Die
riesigen Granitblcke, die hier chaotisch durcheinander und bereinander
liegen, sind von frheren Reisenden treffend mit den Wurfgeschossen
verglichen, deren sich die Giganten bei ihrem milungenen Sturme auf die
Gtterburg bedienten; oder auch mit den zerrissenen Gliedern der
Giganten selbst, die Jupiter mit seinem Blitzstrahl zerschmetterte und
in Stein verwandelte.

Mhsam zwischen diesem Granitgetrmmer uns hindurchwindend, gelangen wir
zu einer steilen Felsentreppe, ber welche unsere wackeren Rosse mit
bewunderungswrdiger Geschicklichkeit und Vorsicht hinanklettern. Nur an
wenigen Stellen mssen wir absteigen und den guten Tieren selbst mit
heraufhelfen. Nachdem wir die steilen, zum Teil in eine senkrechte
Felswand gehauenen Stufen glcklich erklommen haben, stehen wir
pltzlich vor einem neuen berraschenden Bilde. Vor uns liegt die dritte
Terrasse, eine ausgedehnte Hochebene, mit Tausenden von riesigen
Granitblcken bedeckt, hier und da auch mit einigen niederen, ganz
verkmmerten Tannen. ber denselben aber steigt in erhabener Majestt
der gewaltige Dom des Olympgipfels auf, eine schn gewlbte Kuppe, von
oben bis unten in einen schimmernden Schneemantel gehllt. Zu unserer
Rechten liegt am oberen Waldrande vorn ein kleiner, von Gebsch
umgebener, Forellen enthaltender Alpensee. Mein Freund Krner hat diese
groartige Szenerie in einem prchtigen lbilde verewigt, das jetzt mein
Studierzimmer schmckt.

In munterem Galopp reiten wir nun auf dem weichen Moosboden gerade auf
unser Ziel los. Doch nimmt der Wasserreichtum des von tausend Quellen
getrnkten Hochmoores bald so sehr zu, da unsere Rosse bei jedem
Schritte tief in den Schlamm sinken. Wir mssen absteigen und sie
vorsichtig hinter uns herziehen, bis wir wieder festen Granitboden unter
den Fen haben. Wir begegnen hier einer langen Karawane von Eseln, die
in Zwerchscken Olymposschnee herabholen, in Brussa und Konstantinopel
die Hauptquelle fr das schne Fruchteis, das die Bewohner im heien
Sommer erquickt.

Langsam ber eine fast geneigte, teilweise mit Schnee bedeckte Berglehne
aufsteigend, haben wir endlich um 10 Uhr den nrdlichen Fu des
kegelfrmigen Gipfels erreicht. Hier liegt eine halb verfallene
steinerne Htte, die im Sommer von turkmenischen Hirten bewohnt wird.
Sie erinnerte mich an die ^Casa inglese^ am Fue des obersten
Aschenkegels des tna, in der ich im Oktober 1859 bernachtete, und an
die hnliche Steinhtte, in der ich im November 1866 oben auf dem Pik
von Teneriffa rastete, bevor ich die Besteigung des obersten, damals
ebenfalls ganz mit Schnee bedeckten Kegels begann. Obgleich die elende
Turkmenenhtte uns wenig mehr als ein trockenes Pltzchen inmitten der
umgebenden Schneelandschaft gewhrte, so war uns doch eine halbstndige
Rast in derselben nach dem ununterbrochenen, anstrengenden,
fnfstndigen Reiten und Klettern sehr willkommen.

Wir zumten unsere Pferde ab, breiteten die Satteldecken auf dem
zerfallenen Gemuer aus und zndeten aus umherliegendem Wurzelwerk und
mitgebrachten Kohlen ein wohltuendes Feuer an. Bald kochte ber
demselben ein krftiger Kaffee, und mit ausgezeichnetem Appetit
verzehrten wir den Inhalt unserer Satteltaschen: olympischen Kse und
anatolische Hhnereier, Smyrnafeigen und zyprische Orangen. Der
treffliche rosenrote Feuerwein aus dem Olymphotel go neue Kraft in
unsere ermdeten Glieder. Whrend dieses herzerfreuenden Mahles
bewunderten wir den groartigen Ernst der Alpenlandschaft, die uns
umgab, und beratschlagten, ob und wie wir die Ersteigung des unmittelbar
vor uns liegenden Schneekegels bewerkstelligen knnten. Unsere Freunde
unten in Brussa hatten uns zwar vorher schon versichert, da in dieser
Jahreszeit an eine Besteigung des Gipfels nicht zu denken sei und da
wir des Schnees wegen hchstens bis zur dritten Terrasse kommen wrden.
Auch wollten unsere Fhrer davon nichts wissen und verweigerten jeden
Versuch zur Mitwirkung; ja sie prophezeiten uns sogar sicheren Untergang
im Schnee, wenn wir unbegreiflicherweise auf den Gipfel klettern
wollten. Indessen lag der schneeblinkende Doppelgipfel so verlockend vor
uns, da wir wenigstens den Versuch einer Ersteigung beschlossen, zumal
ein glcklicher Erfolg hnlicher frherer Wagnisse uns ermutigte. War
ich den hheren und steileren Schneekegel des Pik von Teneriffa vor
sieben Jahren allein und gegen den Willen der Fhrer glcklich
hinaufgekommen, so mute auch dieses, offenbar viel weniger schwierige
Unternehmen glcken; und so traten wir denn wohlgemut nach halbstndiger
Rast unsere Wanderung an.

Das glckliche Gelingen mute davon abhngen, ob die vor uns liegende
steile Schneewand, die in ununterbrochener Flucht von der Turkmenenhtte
bis zum Doppelgipfel aufstieg, zugnglich war; ob der Schnee weich genug
war, um darin festen Fu zu fassen, hart genug, um nicht zu tief
einzusinken. In der Tat war dies der Fall, und wir konnten ohne Gefahr,
wenn auch nur langsam und beschwerlich, im Zickzack ber die glnzende
Lehne emporsteigen. Unsere kleine Gesellschaft kam jedoch bald
auseinander, da sich jeder seinen eigenen Weg suchte. Ich hielt mich am
weitesten stlich, zog die krzeste und steilste Richtung vor und hatte
nach anderthalbstndigem anstrengenden Klettern glcklich den hchsten
Gipfel erreicht; es war gerade 12 Uhr mittags. Eine halbe Stunde spter
traf auch der Maler Krner oben ein, der sich seinen Pfad auf einer
etwas flacher geneigten Schneelehne gesucht und dadurch einen Umweg
gemacht hatte. Unsere anderen Reisegefhrten, die eine ungnstigere, zu
sehr von der Sonne aufgeweichte Schneehalde betreten hatten, erreichten
die Hhe nicht und kehrten nach vergeblichen Versuchen zur
Turkmenenhtte zurck, wo unsere Fhrer bei den Pferden geblieben waren.

Eigentmlich erhebend und groartig war die gewaltige Rundsicht, die wir
nun auf dem Gipfel des asiatischen Olymp, in ungefhr 8000 Fu Hhe ber
dem Meere, genossen, und die durch das herrlichste, klarste Sonnenlicht
begnstigt wurde. Wir standen auf einem anatolischen Dreiherrenspitz,
denn der Gipfel des Olympos bezeichnet die Grenze dreier Provinzen des
alten rmischen Weltreiches. Bithynien im Norden und Osten, Phrygien im
Sden, Mysien im Westen. Vor allem groartig und prchtig ist der Blick
nach Norden, wo unser Auge ber die grne Ebene von Brussa und den
blauen Golf von Mudania hinber auf das Marmarameer schweift, auf die
Prinzeninseln und weiter bis zum Bosporus, ja bis zu dem Husermeer und
dem Kuppelwald von Konstantinopel, das wir eben noch erkennen knnen.
Westwrts erfreut sich das Auge an den herrlichen grnen Gefilden des
fruchtbaren und frher reich bevlkerten mysischen Kstenlandes, aus
denen die beiden groen Landseen von Apollonia und Manija wie zwei
blinkende Augen glanzvoll hervorschauen. Im Sden hingegen erblicken wir
weit und breit nur dunkles Waldgebirge, Kuppen ber Kuppen gehuft, die
Gipfel noch mit Schnee bedeckt, ohne eine Spur von menschlichen
Wohnsitzen. Ostwrts ist die Rundsicht groenteils durch die
benachbarten niederen Hhen des Olymprckens verdeckt.

Welche Ereignisse vollzogen sich auf der welthistorischen Schaubhne,
welche unser Auge hier mit einem Blicke meilenweit berfliegt! Welche
Flle der grten historischen Erinnerungen knpft sich allein an die
Wasserstrae zu unseren Fen, die gleich einem Zauberbande zwei
Weltteile trennt und verbindet! Hier fhrten Xerxes und Darius ihre
persischen Heeresmassen nach Griechenland hinber; hier traten die
rmischen Legionen von Europa nach Asien ber, um die Knigreiche von
Bithynien und Mysien der Universalherrschaft Roms zu unterwerfen; aus
demselben Boden sammelten die ersten Osmanensultane, deren Wiege in
Brussa stand, ihre Trkenheere, die in kurzer Zeit der Schrecken Europas
wurden; und ebenda strmten wiederum die bunten Scharen der Kreuzfahrer
aus allen Landen Europas nach dem Heiligen Lande, um das leere Phantom
der Grabeskirche zu erobern!

Nachdem wir uns an dem wunderbaren Panorama gesttigt und die daran sich
knpfenden Erinnerungen in raschem Phantasiefluge an uns hatten
vorberziehen lassen, warfen wir noch einen Blick auf die nchste
Umgebung, auf die weien Marmorblcke, die den Gipfel des Olymp
bedecken, und auf die winzige Alpenflora, die zwischen denselben den
Boden bekleidet. Da erkannten wir, unter der Schneedecke versteckt,
zierliche kleine Saxifragen und Gentianen, niedliche Kruziferen und
Primeln, Alpenpflanzen, deren schne, farbenreiche Blten im Hochsommer
den Gipfel des Gtterberges mit buntem Schmucke zieren. Gegenwrtig
waren nur das im Winterschlaf versunkene Kraut der Zwergflora sichtbar
und trockene Frchte aus dem vorigen Jahre. Aber ein Schwarm von
niedlichen roten, schwarz getpfelten Marienkferchen (^Coccionella^)
tummelte sich im Sonnenschein auf dem schneebedeckten Rasen. Auch eine
der beliebtesten und am meisten charakteristischen Pflanzen unserer
Hochalpen fehlte nicht: das Edelwei, oder doch eine diesem nahe
verwandte, mit weitem Filz bedeckte ^Gnaphalium^-Art.

Als bleibendes Andenken an die gelungene Olympbesteigung schlug ich mir
die Spitze des am hchsten vorragenden Marmorblockes ab und steckte sie
zu den Alpenpflanzen in die Wandertasche; vertrauend, da Vater Zeus
darber nicht zrnen werde, wenn sein Gtterberg um einen halben Fu
niedriger ist. Dann trat ich mit meinem Gefhrten Krner wohlgemut den
Rckweg an. ber die glatte Schneewand herabrutschend, waren wir in
kurzer Zeit wieder bei der Turkmenen-Htte und banden uns hier noch
einen schnen Strau von den bunten Blumen, die unmittelbar am Rande des
schmelzenden Schnees blhten: gelber und violetter Safran (^Crocus^),
blaue Meerzwiebel (^Scilla^) und rote Aurikeln (^Primula^). Dann setzten
wir uns wieder zu Pferde, genossen auf dem Rckwege, der mit mehr Mue
zurckgelegt wurde, noch eine prachtvolle Abendbeleuchtung und waren um
8 Uhr abends wieder in Brussa.

                                Ende.




                          Natur und Mensch.
                               Inhalt.


                                                    Seite
         Einleitung: Ernst Haeckel                      3
         Natur und Mensch:                             23
     I.  Inhalt und Bedeutung der Abstammungslehre     25
    II.  Schpfungsperioden und Schpfungsurkunden     51
   III.  Die Gastratheorie                            89
    IV.  Erfahrung und Erkenntnis                     119
     V.  Arabische Korallen                           138
    VI.  Brussa und der asiatische Olymp              159






                     Georg Reimer, Berlin W. 35.

                            Ernst Haeckel

                   Natrliche Schpfungsgeschichte.

       Gemeinverstndliche wissenschaftliche Vortrge ber die
                       Entwicklungsgeschichte.

           Ausgabe in einem Bande. Mit 30 Tafeln. Geb. 8 M.

        Prinzipien der Generellen Morphologie der Organismen.

   Wrtlicher Abdruck eines Teiles der 1866 erschienenen Generellen
   Morphologie. (Allg. Grundzge der organischen Formen-Wissenschaft
   mechanisch begrndet durch die von Charles Darwin reformierte
   Deszendenz-Theorie.)

        Mit einem Portrt. Geheftet 12 M. Halbfranz geb. 14 M

                      Systematische Phylogenie.

      Entwurf eines natrlichen Systems der Organismen auf Grund
                       ihrer Stammesgeschichte.

   1. Teil: Protisten und Pflanzen. 10 M.
   2. Teil: Wirbellose Tiere (Invertebrata). 17 M.
   3. Teil: Wirbeltiere (Vertebrata). 16 M.

                  Drei Halbfranzbnde gebunden 49 M.

                         Arabische Korallen.

   Ein Ausflug nach den Korallenbnken des Roten Meeres und ein
   Blick in das Leben der Korallentiere. Populre Vorlesung mit
   wissenschaftlichen Erluterungen.

      Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 20 Holzschnitten. Geheftet
                                15 M.

                          Selektionsprinzip
                     und Probleme der Artbildung.

                     Ein Handbuch des Darwinismus
                                 von
                           Dr. Ludwig Plate
      Professor der Zoologie an der Landw. Hochschule und an der
                         Universitt Berlin.

                   Dritte, sehr vermehrte Auflage.

                       Mit 60 Figuren im Text.

      VIII u. 493 S. Gr. 8. Geh. M 12.--, in Leinen geb. M 13.--

   Von allen neueren Arbeiten ber die Selektionstheorie ist
   vorliegende unstreitig die bedeutendste ... Zum Schlusse mchten
   wir noch auf den Gegensatz dieser im besten Sinne
   wissenschaftlichen Kritik zu den tendenzisen Entstellungen
   Fleischmanns, Dennerts usw. hinweisen, ein Gegensatz, der so
   auffallend ist, da selbst der Laie sofort sehen wird, zu wessen
   Fhrung er am meisten Vertrauen haben darf.

                                                          Die Umschau.

                              Einfhrung
                    in die Vererbungswissenschaft.

               In zwanzig Vorlesungen fr Studierende,
                          rzte, Zchter von
                       Dr. Richard Goldschmidt
       a. o. Professor der Zoologie an der Universitt Mnchen.

                     Mit 161 Abbildungen im Text.

      IX u. 502 S. gr. 8. Geh. M 11.--; in Leinen geb. M 12.25.

   Das fesselnd und klar geschriebene Buch mu dringend allen denen
   empfohlen werden, welche in die moderne Ausgestaltung der
   Vererbungslehre, ihre Methoden, Ergebnisse und theoretischen
   Vorstellungen eindringen wollen.

                                            Zentralbl. f. Physiologie.

     Zu beziehen durch jede Buchhandlung oder direkt vom Verlage
                    Wilhelm Engelmann in Leipzig.

                            Anthropogenie
                     oder Entwickelungsgeschichte
                            des Menschen.

                    Keimes- und Stammesgeschichte
                                 von
                            Ernst Haeckel.

                    Sechste, verbesserte Auflage.

                             Zwei Teile:

                             Erster Teil:
                   Keimesgeschichte oder Ontogenie.

                            Zweiter Teil:
                  Stammesgeschichte oder Phylogenie.

     Mit 30 Tafeln, 512 Textfiguren und 60 genetischen Tabellen.
       In zwei Leinenbnden M 20.--; in zwei Halbfranzbnden M
                                24.--.

     Zu beziehen durch jede Buchhandlung oder direkt vom Verlage
                    Wilhelm Engelmann in Leipzig.

                    Reclams Universal-Bibliothek.

                    Preis jeder Nummer 20 Pfennig.

                     Bcher der Naturwissenschaft
            herausgegeben von Prof. Dr. Siegmund Gnther.

   1. Band. Grundri der Naturphilosophie v. Prof. Dr. Wilh.
   Ostwald. Mit dem Bildnis des Verfassers. Nr. 4992/93. Geb. 80 Pf.
   In Leder- od. Pergamentbd. M. 1.50.

   2. Band. Geschichte d. Naturwissenschaften v. Prof. Dr. Siegm.
   Gnther. Erster Teil. Mit dem Bildnis des Verfassers, 2 farbigen
   u. 4 schwarzen Tafeln. Nr. 5069/70.

   3. Band. Geschichte d. Naturwissenschaften v. Prof. Dr. Siegm.
   Gnther. Zweiter Teil. Mit 2 farbigen und 8 schwarzen Tafeln. Nr.
   5071-74. (1. u. 2. Teil zus. in 1 Band geb. M. 1.50. In Lederbd.
   M. 2.50.)

   4. Band. Strahlungserscheinungen, Ionen, Elektronen und
   Radioaktivitt von Dr. G. Bugge. Mit 4 Tafeln und 20 Zeichnungen
   im Text. Nr. 5151/52. Geb. 80 Pf. In Lederband M. 1.50.

   5. Band. Licht und Farbe v. Prof. Dr. Rob. Geigel. Mit 1 Portrt,
   4 bunten Tafeln u. 75 Zeichnungen im Text. Nr. 5188-90. Geb. 1 M.
   In Lederband M. 1.75.

   6. Band. Der Sternenhimmel v. Prof. Dr. I. B. Messerschmitt. Mit
   dem Bildnis des Verfassers, 4 farbigen, 9 schwarzen Tafeln und 24
   Zeichnungen im Text. Nr. 5228-30. Geb. M. 1.--. In Lederband M.
   1.75.

   7. Band. Die Abstammungslehre v. Prof. Dr. Kurt Lampert. Mit dem
   Bildnis des Verfassers, 4 bunten, 7 schwarzen Tafeln und 9
   Abbildungen im Text. Nr. 5241-43. Geb. M. 1.--. In Lederband M.
   1.75.

   8. Band. Die chemischen Grundstoffe v. Dr. Max Speter. Mit 4
   bunten, 6 schwarzen Tafeln und 10 Figuren im Text. Nr. 5269/70.
   Geb. 80 Pf.

   9. Band. Die Elektrizitt von Prof. Franz Adami. Erster Teil. Mit
   einem Portrt, 4 schwarzen Tafeln und 29 Textfiguren. Nr.
   5298/99.

   10. Band. Die Wrme v. Robert Geigel. Mit 4 Tafeln und 32
   Zeichnungen im Text. Nr. 5321-23. Geb. M. 1.--. In Leder- oder
   Pergamentband M. 1.75.

   11. Band. Chemie u. Technik v. Dr. Gnther Bugge. Mit 7 Tafeln
   und 14 Zeichnungen im Text. Nr. 5348-50. Geb. M. 1.--. In Leder-
   oder Pergamentband M. 1.75.

                          Miniatur-Ausgaben
                 in modernen Leinenbnden aus Reclams
                         Universal-Bibliothek

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   Abaelard u. Heloise, Briefwechsel                                 100
   Achleitner, Eisenbahnstreik                                        80
   Adami, Die Elektrizitt                                           150
   Adlersfeld-Ballestrem, Violet                                      80
   Aeschylos, Smtliche Dramen                                       150
   Albrecht, Abri der rmischen Literaturgeschichte                 120
   Albumbltter                                                       60
   Alt, Das Klima                                                     80
   Alexis, Cabanis. 2 Bnde                                          220
   --, Hosen d. Herrn v. Bredow                                      100
   --, Der Roland von Berlin                                         175
   --, Der Werwolf                                                   120
   --, Der falsche Woldemar. 2 Bde.                               je 100
   Andersen, Bilderbuch ohne Bilder                                   60
   --, Glckspeter                                                    60
   --, Der Improvisator                                              120
   --, Nur ein Geiger                                                120
   --, Smtliche Mrchen. 2 Lnbde.                                   250
   --, O. Z.                                                         100
   -- Sein oder Nichtsein                                            100
   Anschtz, Erinnerung. aus dessen Leben und Wirken                 100
   Anthologie, Griechische                                           120
   Apel u. Laun, Gespensterbuch                                      150
   Archenholtz, Gesch. d. 7 jhr Krieg.                              120
   Ariosto, Rasender Roland. 2 Bde.                                  225
   Aristoteles, Die Poetik                                            60
   --, Verfassung von Athen                                           60
   Arndt, Erinnerungen                                               100
   --, Gedichte                                                       80
   --, Wanderungen mit Stein                                          80
   Arnim, Bettina von, Goethes Briefwechsel mit einem Kinde          150
   Arnim-Brentano, Des Knaben Wunderhorn                             175
   Arnold, Die Leuchte Asiens                                         80
   Auerbach, Barfele                                               100
   --, Die Frau Professorin                                           80
   --, Diethelm von Buchenberg                                       100
   --, Joseph im Schnee                                               80
   Augustinus, Bekenntnisse                                          120

   Balzac, Die Chouans                                               120
   --, Die Frau von 30 Jahren                                         80
   Bandlow, Stratenfegels. 5 Bnde zus. in 1 Band                    150
   --, Lustig Tgs. 5 Bde. zus. in 1 Bd.                             150
   Bartels, Hebbel-Biographie                                         60
   Basedows Vorstellung an Menschenfreunde                            60
   Baudelaire, Gedichte u. Skizzen                                    60
   Beecher-Stowe, Onkel Toms Htte                                   150
   Beetschen, Flegeljahre der Liebe                                   60
   Beitzke, Geschichte des Russischen Krieges im Jahre 1812          120
   Bell, Jane Eyre                                                   150
   Bellamy, Ein Rckblick                                             80
   --, Dr. Heidenhoffs Wunderkur                                      60
   --, Mi Ludingtons Schwester                                       80
   Benzmann, Mod. deutsche Lyrik                                     150
   Brangers Lieder                                                   80
   Berges, Amerikana. Bd. 1-5 zus.                                   150
   Bern, Deklamatorium                                               150
   Bernhard, Die Glcklichen                                          60
   Bierbaum, Reife Frchte                                            80
   Bier-Komment (Tascheneinband)                                      40
   Biernatzki, Die Hallig                                             80
   Bismarck, Goldene Worte                                            60
   --, Reden. 13 Bnde                                            je 100
   Bismarcks Humor                                                    60
   Bjrnson, Erzhlungen                                             175
   --, Schauspiele                                                   225
   Bleibtreu, Bei Jena u. a. Nov.                                     60
   --, Friedrich d. Groe bei Kolin                                   80
   Blumauer, Aeneis                                                   80
   Blumenthal, Scherzgedichte                                         60
   Blthgen, Aus grender Zeit                                       120
   Bock, Mefahrt u. and. Novellen                                    60
   Botius, Trstungen d. Philos.                                     80
   Bojardo, Verliebt. Roland. 2 Bde.                                 225
   Boner, Der Edelstein                                               80
   Brne, Skizzen u. Erzhlungen                                     100
   Brner, Raimund-Biographie                                         60
   Btticher, Alfanzereien                                            60
   --, Allerlei Schnick-Schnack                                       60
   --, Allotria                                                       60
   --, Neue Allotria. (Illustr.)                                      60
   --, Weiteres Heiteres                                              60
   --, Leichte Ware                                                   60
   --, Humoristisches Allerlei. Zus. geb. in 2 Bnden             je 120
   Bourget, Der Luxus der Andern                                      80
   Boy-Ed, Aus Tantalus Geschlecht                                   120
   Boyesen, Faust-Kommentar                                           80
   Brachvogel, Friedem. Bach. 2 Bde.                              je 100
   Brant, Narrenschiff                                                80
   Bremer, Die Nachbarn                                              120
   --, Friedrich, Musiklexikon                                       175
   Brendicke, Bilder aus der Geschichte der Leibesbungen             80
   Brentano, Heitere Geschichten. Bd. 1-5 zus. in 1 Band             150
   Bret Harte, Gabriel Conroy                                        150
   --, Kalifornische Erzhlungen. 2 Bnde                         je 120
   --, Geschichte einer Mine                                          80
   --, Thankful Blossom                                               60
   Briesen, Gemtsmenschen. 1. u. 2. Band zus. in 1 Band              80
   Brillat-Savarin, Physiologie des Geschmacks                       120
   Brinckman, Kasper-Ohm un ick                                       80
   Brcke, Sugetierorganismus                                       175
   Brugsch, Aus dem Morgenlande                                       80
   Brmmer, Lexikon deutsch. Dichter bis Ende des 18. Jahrh.         150
   --, Lexikon der deutschen Dichter des 19. Jahrh. 8 Bde.        je 150
   Bruno, Von der Ursache, dem Prinzip und dem Einen                  80
   Buchanan, Der Deserteur                                           120
   Bcher der Naturwissenschaft. Hrsg. v. Prof. Dr. S. Gnther:
   Bd. 1. Ostwald, Naturphilosophie                                   80
   " 2/3. Gnther, Geschichte der Naturwissenschaft                  150
   " 4. Bugge, Strahlungserschein.                                    80
   " 5. Geigel, Licht und Farbe                                      100
   " 6. Messerschmitt, Sternenhimmel                                 100
   " 7. Lampert, Abstammungslehre                                    100
   " 8. Speter, Chem. Grundstoffe                                     80
   " 9. u. 14. Adami, Elektrizitt                                   150
   " 10. Geigel, Wrme                                               100
   " 11. Bugge, Chemie u. Technik                                    100
   " 12. Alt, Klima                                                   80
   " 13. Messerschmitt, Physik der Gestirne                          100
   " 14. s. Bd. 9.
   " 15. Lampert, Vom Keim zum Leben                                 100
   " 16. Wieleitner, Schnee und Eis der Erde                         100
   " 17. Speter, Chem. Verwandtsch.                                   80
   " 18/19. Hempelmann, Wirbeltierkrper                             150
   " 20. Pahde, Meereskunde                                          100
   " 21. Leiser, Welt der Kolloide                                    80
   " 22/23. Brcke, Sugetierorg.                                    175
   " 24. Halbfa, Swass. d. Erde                                   100
   Buddhas Leben und Wirken                                          100
   Bugge, Chemie und Technik                                         100
   --, Strahlungserscheinungen (Radioaktivitt)                       80
   Blows Reden. 4 Bde.                                           je 100
   Bulwer, Eugen Aram                                                150
   --, Nacht und Morgen                                              150
   --, Pelham                                                        150
   --, Rienzi                                                        150
   --, Die letzten Tage von Pompeji                                  150
   Brger, Gedichte                                                  100
   --, Mnchhausens Abenteuer                                         60
   Burnett, Lord Fauntleroy                                           80
   Burns' Lieder und Balladen                                         60
   Busch, Gedichte                                                    60
   Busse, Der dankb. Heilige u. a. Nov.                               60
   Byron, Briefe                                                     100
   --, Gesang. v. Chillon. -- Mazeppa                                 60
   --, Der Gjaur                                                      60
   --, Der Korsar                                                     60
   --, Manfred                                                        60
   --, Ritter Harold                                                  80

   Calderon, Das Leben ein Traum                                      60
   Camoes, Die Lusiaden                                              100
   Carlyle, ber Helden, Heldenverehrung und das Heldentmliche      100
      in der Geschichte
   Carmen Sylva, Aus dem Leben                                        60
   Csar, Der Brgerkrieg                                             80
   --, Der Gallische Krieg                                           100
   Cervantes, Don Quijote. 2 Bde.                                    250
   Chamisso, Gedichte                                                120
   --, Peter Schlemihl                                                60
   Chateaubriand, Atala. -- Ren. -- Der letzte Abencerrage           80
   Cherbuliez, Reich geworden                                        100
   Chiavacci, Wiener Bilder                                           80
   Cholmondeley, Diana                                               120
   Chop, Richard Wagners Tondramen. Komplett in 2 Bnden             300
   --, Beethovens Symphonien                                         100
   Cicero, Gesprche in Tuskulum                                     100
   Claudius' Ausgewhlte Werke                                       150
   Clestin, Forsthausgeschichten                                     80
   Collius, Ohne Namen                                               150
   Cooper, Der letzte Mohikan                                        100
   --, Der Spion                                                     100
   Cornelius, Peter, Gedichte                                         60
   Cremer, Hollndische Novellen                                     150
   draka, Vasantasn                                               80

   Dadone, Wie ich z. mein. Frau kam                                  80
   Damm, Arthur Schopenhauer                                         100
   Dante, Gttliche Komdie                                          150
   --, Das Neue Leben                                                 60
   Darwin, Die Abstammung des Menschen. 2 Bde.                    je 150
   --, Entstehung der Arten                                          175
   Daudet, A., Briefe a. mein. Mhle                                  80
   --, Fromont jun. & Risler sen.                                    100
   --, Jack                                                          175
   --, Knstler-Ehen                                                  60
   --, Tartarin aus Tarascon                                          60
   --, E., Die Frau des Botschafters                                 120
   Daumer, Hafis                                                      80
   David, Der Bettelvogt u. a. Erz.                                   60
   --, Ein Poet u. a. Erzhlungen                                     60
   Davids, Der Buddhismus                                             80
   Defoe, Robinson Crusoe                                            100
   Denison, So'n Mann wie mein Mann                                   80
   Descartes, Methode des richtigen Vernunftgebrauchs                 60
   Dessauer, Gtzendienst                                            100
   Detmold, Randzeichnungen. -- Anleitung zur Kunstkennerschaft       60
   Deutscher Minnesang                                                80
   Dickens, Copperfield. 2 Leinenbde.                                225
   --, Dombey & Sohn. 2 Bde.                                      je 150
   --, Harte Zeiten                                                  100
   --, Heimchen am Herde                                              60
   --, Der Kampf des Lebens                                           60
   --, Klein Dorrit. 2 Leinenbnde                                   250
   --, Londoner Skizzen                                              120
   --, Martin Chuzzlewit. 2 Leinbde.                                 225
   --, Nikolas Nickelby. 2 Leinenbde.                                225
   --, Oliver Twist                                                  120
   --, Die Pickwickier. 2 Lnbde.                                     200
   --, Zwei Stdte                                                   120
   --, Die Silvester-Glocken                                          60
   --, Der Verwnschte                                                60
   --, Der Weihnachtsabend                                            60
   --, Weihnachtsgeschichten in 1 Bd.                                150
   Diers, Frau Elsbeth                                                80
   Dittrich, Tages-Chronik v. 1870/71                                 80
   Dokumente zur Geschichte des Krieges 1914/15. 3 Bnde           je 60
   Dombrowski, Grne Brche. 2 Bde.                                je 60
   Donnelly, Csars Denksule                                        100
   Dostojewskij, Erzhlungen                                          60
   --, Memoiren aus einem Totenhaus                                  100
   --, Schuld und Shne                                              150
   Doyle, Onkel Bernac                                                80
   Droste-Hlshoff, Gedichte                                         120
   Dufresne, Damespiel                                                80
   --, Schachaufgaben. 5 Teile                                     je 80
   --, Schachmeisterpartien. 1. Teil (2.-4. s. Mieses)                80
   --, Schachspiel                                                   150
   Dumas, Die drei Musketiere                                        175
   --, Zwanzig Jahre spter. 2 Bde.                                  250

   Eberhard, Hannchen und die Kchlein                                60
   Eckermann, Gesprche m. Goethe                                    175
   Eckstein, Der Besuch im Karzer                                     60
   Edda. Deutsch von Wolzogen                                        120
   v. Eichendorff, Gedichte                                          100
   --, Aus d. Leben e. Taugenichts                                    60
   --, Marmorbild. -- Schlo Drande                                  60
   Ekkehard von St. Gallen, Das Waltharilied                          60
   Eliot, Adam Bede                                                  175
   --, Die Mhle am Flo                                             175
   --, Silas Marner                                                   80
   Emerson, Essays                                                    80
   --, Reprsentanten des Menschengeschlechts                         80
   Enking, Heine Stlting u. a. Erz.                                  60
   Etvs, Der Dorfnotar                                             150
   Epiktets Handbchlein d. Moral                                     60
   Erckmann-Chatrian, Freund Fritz                                    80
   --, Geschichte eines Anno 1813 Konskribierten                      80
   --, Waterloo                                                       80
   --, Geschichte e. Anno 1813 Konskribierten u. Waterloo in 1       120
      Bd.
   Ernst, Vom Strande des Lebens                                      60
   Etlar, Vendetta                                                    80
   Eulenspiegel                                                       80
   Euler, Algebra                                                    120
   Ewald, Bilder aus dem Tier- und Pflanzenleben                      60
   --, Streiflichter                                                  60
   Eyth, Berufstragik                                                 80

   Felder, Liebeszeichen                                              60
   Ferry, Der Waldlufer. 2 Bde.                                     225
   Feth, Gedichte                                                     60
   Feuchtersleben, Ditetik d. Seele                                  60
   Feuerbach, Wesen d. Christentums                                  150
   Feuerwehrliederb. (Tascheneinbd.)                                  40
   Fichte, Bestimmung d. Menschen                                     80
   --, Reden an die deutsche Nation                                   80
   Fielding, Tom Jones. 2 Bde.                                       225
   Fischart, Die Flohhatz                                             60
   Flaubert, Madame Bovary                                           150
   --, Salambo                                                       120
   Fleming, Ausgewhlte Dichtungen                                    80
   Flygare-Carlen, Rose von Tistel                                  150
   Fofanow, Gedichte                                                  60
   Forster, Ansichten vom Niederrhein. 3 Teile. Zus. geb.            175
   Fouqu, Undine                                                     60
   France, Prof. Bonnards Schuld                                      80
   Franklins Leben                                                    80
   Franzsische Lyrik                                                150
   Faungruber, Ausseer G'schichten                                    80
   Freidanks Bescheidenheit                                           80
   Freiligrath, Gedichte                                              80
   Frenzel, Das Abenteuer                                             60
   --, Die Berliner Mrztage und andere Erinnerungen                  60
   --, Der Hausfreund                                                 60
   --, Die Uhr                                                        60
   Freund, Rtselschatz                                              150
   Fried, Lexikon deutscher Zitate                                   100
   --, Lexikon fremdsprachl. Zitate                                  100
   Friedrichs des Groen ausgewhlte Briefe                          120
   Fritze, Indische Sprche                                           60

   Gaedertz, Fritz Reuter-Biogr.                                      80
   Gallet, Kapitn Satan                                             120
   Gaudy, Schneidergesell                                             60
   --, Venezianische Novellen                                        100
   Geibel, Gedichte                                                  100
   Geigel, Licht und Farbe                                           100
   --, Die Wrme                                                     100
   Geiger, A., Der Blitz -- Die Trommel                               80
   --, L., Chamisso-Biographie                                        60
   Geijer, Gedichte                                                   60
   Gellert, Fabeln u. Erzhlungen                                     80
   --, Oden und Lieder                                                60
   Gensichen, Zu den Sternen!                                         80
   George, Fortschritt und Armut                                     150
   Gerhard, Die Stangenjger u. andere Erzhlungen                    60
   Gerhardts geistliche Lieder                                       100
   Gerstcker, Unter dem quator                                     150
   --, Flupiraten des Mississippi                                   150
   --, Der Kunstreiter                                               120
   --, Die Regulatoren in Arkansas                                   150
   Gerstmann, Der Mhlhofbauer                                        60
   Gesetze: s. unter Reichsgesetze, Preuische, sterreichische
      und Schweizerische Gesetze.
   Gilm, Gedichte                                                    120
   Girschner, Musikal. Aphorismen                                     60
   Gleim, Ausgewhlte Werke                                           80
   Glmer, Schrder-Devrient                                          80
   Gobineau, Asiatische Novellen                                      80
   --, Reisefrchte                                                   80
   --, Die Renaissance                                               150
   --, Das Siebengestirn                                             120
   --, Die Tnzerin von Schemacha                                     60
   Gogol, Phantasien u. Geschichten                                  120
   Goldsmith, Der Landprediger von Wakefield                          80
   Gorjkij, Erzhlungen                                              175
   Goethe, Egmont                                                     60
   --, Faust. 2 Teile in 1 Band                                       80
   --, Gedichte. In Leinen, 2 Bde.                                je 150
   --, Gtz von Berlichingen                                          60
   --, Hermann und Dorothea                                           60
   --, Iphigenie auf Tauris                                           60
   --, Dramatische Meisterwerke (Gtz von Berlichingen. Egmont.      100
      Iphigenie auf Tauris. Tasso)
   --, Reineke Fuchs                                                  60
   --, Torquato Tasso                                                 60
   --, Werthers Leiden                                                60
   --, Briefe an Frau Charlotte von Stein                            175
   Goethe u. Zelter, Briefwechsel. 3 Bnde                        je 150
   Goethe-Schiller Xenien                                             80
   Goethes Mutter, Briefe                                            100
   Gottfried v. Straburg, Tristan und Isolde                        175
   Gotthelf, Uli der Knecht                                          100
   --, Uli der Pchter                                               120
   Gottschall, H. Schachaufg. 2 Teile                              je 80
   --, R., Deutsche Lyrik d. 19. Jahrhdts. bis zur modernen ra      150
   --, Grabbe-Biographie                                              60
   --, Lenau-Biographie                                               60
   --, Schiller-Biographie                                            80
   --, Die Rose vom Kaukasus                                          60
   Grabein, Der tolle Hans                                            80
   --, Wildwasser                                                     60
   Gracians Handorakel                                                80
   Greinz, Lust. Tiroler Geschichten                                  60
   Grillparzer, Gedichte                                              80
   Grimm, Brder, 50 Mrchen (mit 12 Bildern)                         80
   --, Smtl. Mrchen 1. u. 2. Bd.                                   175
   --, -- 3. Bd.                                                     150
   --, M., Aus der Kinderstube                                        60
   Grimmelshausen, Der abenteuerliche Simplizissimus                 150
   Groller, Detektiv Dagoberts Taten und Abenteuer. 2 Bnde       je 100
   --, Vom kleinen Rudi                                               60
   Grosse, Novellen des Architekten                                   60
   Grossi, Marco Visconti                                            120
   Grn, Anastasius, Gedichte                                         80
   --, Spaziergnge e. Wiener Poeten                                  60
   Gruppe, O. F., Gedichte                                            80
   Gudrun. Deutsch von Junghans                                       80
   Gundlach, Franzsische Lyrik                                      150
   --, 1000 Schnadahpfln                                             80
   Gunkel, Ohne Heim                                                  80
   Gnther, Joh. Chr., Gedichte                                       80
   --, Sigm., Geschichte der Naturwissenschaften                     150
   Gussew und Spiro, Gesprche mit Graf Leo Tolstoi                   60
   Gutzkow, Ausgewhlte Novellen                                      80
   --, Der Knigsleutnant                                             60
   --, Urbild des Tartffe                                            60
   --, Uriel Acosta                                                   60
   --, Zopf und Schwert                                               60

   Haarhaus, Goethe-Biographie                                       100
   Habberton, Allerhand Leute                                         80
   --, Frau Marburgs Zwillinge                                        60
   --, Andrer Leute Kinder                                           100
   --, Helenes Kinderchen                                             80
   --, Helenes Kinderchen u. Andrer Leute Kinder in 1 Band           150
   Hacklnder, Augenblick d. Glcks                                  100
   --, Handel und Wandel                                             100
   --, Soldatenleben im Frieden                                       80
   Haeckel, Natur und Mensch                                          80
   Haek, Phantasie- u. Lebensbilder                                   60
   Hagedorn, Poetische Werke                                         100
   Hagen, Norika                                                      80
   Halbfa, Swasser der Erde                                       100
   Hals oder Peinliche Gerichtsordnung                                60
   Hamm, Wilhelm, Gedichte                                            60
   Hammer, Schau um dich                                              60
   Hansjakob, Der Theodor                                             60
   Hartmann, Krieg um den Wald                                        80
   Hartmann v. Aue, Gregorius                                         60
   --, Der arme Heinrich                                              60
   Hauff, Die Bettlerin                                               60
   --, Lichtenstein                                                  100
   --, Der Mann im Monde                                              80
   --, Mrchen                                                       100
   --, Memoiren des Satan                                            100
   --, Phantasien                                                     60
   Haug, Sinngedichte                                                 60
   Haushofer, Der Flomeister. -- Scharka                             60
   Husser, Freiheitskriege. 1. Band                                 120
   --, -- 2. Band                                                    175
   --, Vlkerschlacht b. Leipzig 1813                                 60
   Hebbel, Gedichte                                                  120
   --, Die Nibelungen                                                 80
   Hebel, Allemannische Gedichte                                      60
   --, Schatzkstlein                                                 80
   Hegel, Philosophie der Geschichte                                 150
   Heiberg, Die Andere. -- Einmal im Himmel                           80
   Hein, Adalbert Stifter                                             60
   Heine, Atta Troll -- Deutschland                                   60
   --, Buch der Lieder                                                80
   --, Neue Gedichte                                                  60
   --, Die Harzreise                                                  60
   --, Romanzero                                                      80
   Heliand                                                            80
   Helmer, Prinz Rosa-Stramin                                         60
   Hempelmann, Der Wirbeltierkrper. 1. u. 2. Teil zus. in 1 Bd.     150
   Herbart, Allgemeine Pdagogik                                      80
   --, Pdagogische Vorlesungen                                       80
   Herder, Der Eid                                                    60
   --, Schulreden                                                     80
   --, Stimmen der Vlker                                            100
   Hermannsthal, Ghaselen                                             60
   Herodotos Geschichten. 2 Bnde                                    200
   Herold, Zenab                                                      80
   Herrig, Gesamm. Aufstze ber Schopenhauer                         60
   Hertz, Knig Rens Tochter                                         60
   Hertzka, Reise nach Freiland                                       80
   Herwegh, Gedichte eines Lebendigen                                 80
   Herzog, Komdien des Lebens                                        80
   Hesekiel, Das Buch vom Frsten Bismarck. 2 Bnde                  200
   Heyden, Das Wort der Frau                                          60
   Heyse, Paul, Zwei Gefangene                                        60
   --, Knig Saul                                                     60
   Hilfsbuch, engl.-franz.-deutsches                                 150
   Hille, Aus d. Heiligtum d. Schnh.                                 60
   Hiob, Das Buch                                                    100
   Hippel, ber die Ehe                                               80
   Hitopadesa                                                        100
   Hocking, Im Kampfe m. d. Schicksal                                100
   Hoefer, Erzhlgn. e. alt. Tambours                                 60
   Hoffmann, Elixiere des Teufels                                    100
   --, Kater Murr                                                    120
   --, Klein Zaches                                                   60
   --, Kreisleriana                                                   80
   Hoffmann v. Fallersleben, Ausgewhlte Gedichte                     80
   --, Kinderlieder                                                   60
   Hlderlin, Gedichte                                                60
   Hollaender, Der Pflegesohn und zwei andere Novellen                60
   Holtei, Der letzte Komdiant                                      175
   --, Schlesische Gedichte                                          120
   --, Die Vagabunden. 2 Bnde                                       240
   Hlty, Gedichte                                                    60
   Holzamer, Der Held u. a. Nov.                                      60
   Homer, Werke. Von Vo (Ilias, Odyssee)                            150
   --, Ilias                                                         100
   --, Odyssee                                                       100
   Hopfen, Der Bswirt                                                60
   --, Mein Onkel Don Juan                                           120
   Horaz Werke. Von Vo                                               80
   Hufeland, Makrobiotik                                             120
   Hugo, Victor, Notre-Dame                                          175
   Humboldt, A. v., Ansicht d. Natur                                 100
   --, W. v., Briefe an eine Freundin                                150
   Hume, Eine Untersuchung ber den menschlichen Verstand             80
   Hunt, Leigh, Liebesmr von Rimini. Deutsch v. Meerheimb            60
   Hutten, Gesprchsbchlein                                          80

   Jacobsen, Niels Lyhne                                              80
   --, Sechs Novellen                                                 60
   Jahn, Deutsches Volkstum                                           80
   --, Kleine Schriften                                               80
   --, u. Eiselen, Deutsche Turnkunst                                 80
   Japanische Novellen u. Gedichte                                    60
   Ibsen, Brand                                                       80
   --, Gedichte                                                       60
   --, Gesammelte Werke. 4 Lbd.                                   je 150
   Iden-Zeller, 12000 Kilometer durch Sibirien                        60
   Jean Paul, Flegeljahre                                            120
   --, Hesperus. 2 Leinenbde.                                        200
   --, Immergrn &c.                                                  60
   --, Der Jubelsenior                                                80
   --, Dr. Katzberger                                                 80
   --, Der Komet                                                     120
   --, Levana                                                        100
   --, Quintus Fixlein                                                80
   --, Siebenks                                                     120
   --, Titan. 2 Leinenbnde                                          225
   Jensen, H., Schatten d. Schlachtfeldes                             80
   --, Wilh., Erbin von Helmstede                                    100
   --, Hunnenblut                                                     60
   Jerome, Die migen Gedanken eines Migen                         80
   Jerrold, Frau Kaudels Gardinenpredigten                            80
   Jesaja, Buch vom Propheten                                        100
   Ifflands Briefwechsel                                             100
   Immermann, Die Epigonen                                           150
   --, Mnchhausen                                                   175
   --, Der Oberhof                                                   100
   --, Tristan u. Isolde                                             100
   --, Tulifntchen                                                   60
   Jols Kochbuch                                                    120
   Jkai, Dame mit den Meeraugen                                     100
   --, Schwarze Diamanten                                            150
   --, Ein Goldmensch                                                150
   --, Ein ungarischer Nabob                                         150
   --, Gold. Zeit in Siebenbrgen                                    100
   --, Die Tblabirs                                                120
   --, Traurige Tage                                                 100
   --, Die unsichtb. Sngerin. -- Das Faustpfand                      60
   --, Zoltn Karpthi                                               150
   Irving, Alhambra                                                  100
   --, Skizzenbuch                                                   120
   Jugenderinnerungen eines alten Mannes                             150
   Jugendliederbuch (Tascheneinband)                                  40
   Junggesellenbrevier                                                60
   Jung-Stillings Lebensgeschichte                                   150

   Kalidasa, Sakuntala                                                60
   Kant, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten                        60
   --, Zum ewigen Frieden                                             60
   --, Kritik der Urteilskraft                                       120
   --, Kritik der prakt. Vernunft                                     80
   --, Kritik der reinen Vernunft                                    150
   --, Von der Macht des Gemts                                       60
   --, Allgemeine Naturgeschichte &c.                                 80
   --, Prolegomena                                                    80
   --, Die Religion                                                   80
   --, Streit der Fakultten                                          60
   --, Trume eines Geistersehers                                     60
   Kartenspiele. 3 Bnde                                           je 60
   Kellen, Bienenbuch                                                 60
   Keller, Helen, Auswahl                                             60
   Kennan, Russische Gefngnisse                                      60
   --, Sibirien. 3 Teile                                             150
   --, Zeltleben in Sibirien                                         100
   Kerner, Gedichte                                                   80
   --, Die Seherin von Prevorst                                      150
   Kiesgen, Kleist-Biographie                                         60
   Kinkel, Otto der Schtz                                            60
   Kleist, E. Chr. v., Werke                                          60
   Klepp, Lehrbuch d. Photographie                                    80
   Klopstock, Messias                                                120
   --, Oden und Epigramme                                            100
   Knigge, Umgang mit Menschen                                       100
   Kobell, Gedichte in oberbayrischer Mundart                         80
   --, Gedichte in pflz. Mundart                                     60
   Khler, Fr., s. Taschenwrterbcher.
   --, Fremdwrterbuch                                               100
   --, Br., Trachtenkunde. 2 Bde.                                    400
   Kolzow, Gedichte                                                   60
   Kommersbuch (Tascheneinband)                                       40
   Kommers- u. Studentenliederbuch in 1 Band                          60
   Konrad, Das Rolandslied                                           120
   Kopisch, Gedichte                                                 100
   Koran, Der                                                        150
   Krner, Leier und Schwert                                          60
   --, Zriny                                                          60
   Korolenko, Der blinde Musiker                                      60
   --, Sibirische Novellen                                            80
   Kortum, Die Jobsiade                                              100
   Kosegarten, Jucunde                                                60
   Kriegslieder (Tascheneinband)                                      40
   Krger, Wohnung des Glcks                                         60
   Krummacher, Parabeln                                              100
   Kugler, Geschichte Friedrichs d. Groen                           150
   Khns, Unter Napoleons Joch                                       100
   Krnberger, Der Amerikamde                                       150

   Lafontaines Fabeln                                                100
   Lagerlf, Gsta Berling                                           120
   --, Eine Gutsgeschichte                                            80
   Lamartine, Dichtungen                                              60
   --, Graziella                                                      60
   Lambeck, Engl.-franz.-deutsches Hilfsbuch                         150
   Lampert, Abstammungslehre                                         100
   --, vom Keim zum Leben                                            100
   Lamprecht, Portrtgalerie aus der Deutschen Geschichte             80
   Land, Ja -- die Liebe                                              60
   Lange, Geschichte des Materialismus. 2 Bde.                    je 175
   Lavater, Worte des Herzens                                         60
   Le Braz, Sirenenblut                                               80
   Leffler, Sonja Kovalevsky                                          80
   Lehmann, Fludyer in Cambridge                                      80
   Leibniz, Kleinere philos. Schriften                               100
   --, Die Theodizee. 2 Bde.                                         225
   Leiser, Die Welt der Kolloide                                      80
   Leitner, Gedichte                                                 100
   Lenau, Die Albigenser                                              60
   --, Faust                                                          60
   --, Gedichte                                                      100
   --, Savonarola                                                     60
   Lenk, Gesch. d. Buren (1652-1899)                                 150
   Lennig, Etwas zum Lachen                                           60
   Lenz, Militrische Humoresken                                     120
   Lermontow, Gedichte                                                60
   --, Ein Held unsrer Zeit                                           80
   Lesage, Gil Blas                                                  175
   --, Der hinkende Teufel                                            80
   Lessing, Dramat. Meisterwerke (Nathan der Weise. Emilia            80
      Galotti. Minna von Barnhelm)
   --, Emilia Galotti                                                 60
   --, Laokoon                                                        80
   --, Minna von Barnhelm                                             60
   --, Nathan der Weise                                               60
   Leuthold, Gedichte                                                100
   Lichtenberg, Ausgew. Schriften                                    120
   Lichtstrahlen aus dem Talmud                                       60
   Lie, Die Familie auf Gilje                                         80
   --, Ein Mahlstrom                                                  80
   --, Der Dreimaster Zukunft                                       80
   Liebesbrevier                                                      60
   Liebmann, Christliche Symbolik                                     80
   Lingg, Byzantinische Novellen                                      60
   Linguet, Die Bastille                                             150
   Livius, Rm. Geschichte, 4 Bde.                                je 150
   Locke, ber den menschlichen Verstand, 2 Bde.                  je 150
   Lohengrin, Deutsch v. Junghans                                     80
   Lombroso, Genie und Irrsinn                                       120
   --, Handbuch der Graphologie                                      150
   --, Studien b. Genie u. Entart.                                  100
   --, P., Kodak                                                      80
   Longfellow, Evangeline                                             60
   --, Gedichte                                                       60
   --, Hiawatha                                                       80
   --, Miles Standish                                                 60
   Loti, Die Islandfischer                                            80
   Lucrez, Von der Natur der Dinge                                   100
   Ludwig, Die Heiterethei                                           100
   --, Zwischen Himmel und Erde                                       80
   Ludwig I. von Bayern, Gedichte                                     80
   Luther, Sendbrief v. Dolmetschen                                   60
   --, Tischreden                                                    120
   Lux, Kunst im eigenen Heim                                         60
   Lyrik, Deutsche, des 19. Jahrh. bis zur modernen ra              150
   --, Moderne Deutsche                                              150

   Macchiavelli, Buch vom Frsten                                     80
   Mackay, Letzte Pflicht                                             80
   Madch, Tragdie des Menschen                                      80
   Mahlmann, Gedichte                                                 60
   Maikow, Gedichte                                                   60
   Manzoni, Die Verlobten. 2 Bde.                                    200
   Marc Aurels Selbstbetrachtungen                                    80
   Margueritte, Weltkinder                                           100
   Mark Twain, Ausgew. Skizzen                                       175
   Marryat, Japhet                                                   120
   --, Peter Simpel                                                  150
   Martials Gedichte                                                  60
   Mathesius, Luthers Leben                                          120
   Matthisson, Gedichte                                               60
   Maupassant, Novellen                                              150
   Meerheimb, Psychodram. 2 Bde.                                   je 60
   Mehring, Deutsche Verslehre                                       100
   --, Ungebundenes in geb. Form                                      60
   Meiner, Aus d. Papieren eines Polizeikommissrs                  150
   Mendelssohn, Phdon                                                60
   Mendheim, Uhland-Biographie                                        60
   Merbach, Bismarck                                                  60
   Merker, Wieland-Biographie                                         60
   Messerschmitt, Physik d. Gestirne                                 100
   --, Sternenhimmel                                                 100
   Meyer, Auf der Sternwarte                                          60
   Michelet, Die Frau                                                100
   --, Die Liebe                                                     100
   Mickiewicz, Balladen                                               60
   Mieses, Schachmeisterpartien. Teil 2-4 (Teil 1 f. Dufresne)     je 80
   Mignet, Geschichte der franzsischen Revolution                   150
   Mikszth, Der wunderttige Regenschirm                             80
   Mill, ber Freiheit                                                80
   Milow, Stephan, Drei Novellen                                      60
   Milton, Das verlorene Paradies                                     80
   Minnesang, Deutscher                                               80
   Mbius, Das Nervensystem                                           60
   Molo, Totes Sein                                                   60
   Moltke, Die beiden Freunde                                         60
   Montesquieu, Persische Briefe                                     120
   Moore, Irische Melodien                                            60
   --, Lalla Rukh                                                     80
   Moreto, Donna Diana                                                60
   Mrike, Gedichte                                                   80
   --, Mozart auf d. Reise nach Prag                                  60
   Moritz, Anton Reiser                                              120
   --, Gtterlehre                                                   120
   Mosen, Bilder vom Moose                                           100
   Mser, Patriotische Phantasien                                     80
   Mgge, Afraja. 2 Bde.                                             220
   --, Der Vogt von Sylt                                             100
   Muellenbach, Waldmann und Zampa und andere Novellen                60
   Mller, Curt, Hexenaberglaube                                      80
   --, Wilh., Gedichte                                               120
   Mllner, Dramatische Werke                                        150
   Murger, Zigeunerleben                                             120
   Murner, Narrenbeschwrung                                         100
   Musos, Hero und Leander                                           60
   Mutterherz, Das                                                    60
   Mylius, Die Trken vor Wien                                        80

   Nadler, Frhlich Palz, Gott erhalts!                               80
   Nadson, Gedichte                                                   60
   Namenbuch                                                          80
   Nathusius, Elisabeth                                              150
   --, Tagebuch eines armen Fruleins                                 60
   Nekrassow, Gedichte                                                60
   --, Wer lebt glcklicher in Ruland?                              100
   Nepos' Biographien                                                 80
   Nettelbecks Lebensbeschreibung                                    150
   Neumann, H. K., Nur Jehan                                          60
   --, C. W., Wunder d. Urwelt. 2 Bde.                             je 60
   Neumann-Hofer, Familie Rizzoni                                    120
   Nibelungenlied                                                    120
   Niese, Der verrckte Flinsheim und zwei andere Novellen            60
   Nikitin, Gedichte                                                  60
   Nirwana                                                            60
   Nol, Kleines Volk                                                 60
   Nohl, Musikgeschichte                                             100
   Novalis, Gedichte                                                  60

   Ohnet, Sergius Panin                                              100
   Ossig, Spanisches Taschen-Wrterbuch                              150
   sterreichische Brsenschiedsgerichtsordnungen                     80
   --, Brgerliches Gesetzbuch                                       150
   --, Exekutionsordnung                                             150
   --, Gerichtsorganisationsgesetz                                    80
   --, Personalsteuergesetz                                          100
   --, Vollzugsvorschrift z. Personalsteuergesetz. 1. Hauptstck     120
   2. u. 3. Hauptstck                                               100
   4.-6. Hauptstck                                                  100
   1.-6. Hauptstck zusammen in 1 Band                               250
   --, Zivilprozeordnung                                            150
   Ostwald, H., Landstreichergeschichten                              60
   --, W., Grundri der Naturphilosophie                              80
   Oswald von Wolkenstein, Dichtungen                                 80
   Ouida, Frstin Zouroff                                             80
   Ovid, Heroiden                                                     80
   --, Verwandlungen                                                  80

   Pahde, Meereskunde                                                100
   Parreidt, Zhne u. ihre Pflege                                     60
   Pascal, Gedanken                                                  100
   Pauli, Schimpf und Ernst                                           80
   Perfall, Dmon Ruhm                                               120
   --, Trudenstein. -- Prglmensch                                    80
   Pestalozzi, Lienhard u. Gertrud                                   120
   --, Wie Gertrud ihre Kinder lehrt                                  80
   Peter, Das Aquarium                                                60
   Petersen, Die Irrlichter                                           60
   --, Prinzessin Ilse                                                60
   Petfi, Gedichte                                                   80
   --, Prosaische Schriften                                           80
   Petrarca, Sonette                                                  80
   Pfarrer vom Kalenberg und Peter Leu                                60
   Pfeffel, Poetische Werke                                          120
   Platen Gedichte                                                    80
   Platon, Phdon                                                     60
   Plutarch, Vergleichende Lebensbeschreibungen. 4 Bnde          je 150
   Poe, Novellen. 3 Bde. zus. in 1 Bd.                               100
   Pol de Mont, Zeiten und Zonen                                      60
   Pollock, Gesch. der Staatslehre                                    60
   Polonskij, Gedichte                                                60
   Ptzl, Der Herr von Nigerl                                         80
   --, Hoch vom Kahlenberg. I-III                                    100
   --, Kriminal-Humoresken                                           100
   --, Die Leute von Wien                                             80
   --, Rund um den Stephansturm                                       80
   Presber, Das Eichhorn u. a. Sat.                                   60
   --, Untermensch u. and. Satiren                                    60
   Preuische Gesetze:
   Verfassungsurkunde fr den preuischen Staat                       60
   Wahl-Reglement d. Preuischen Abgeordneten-Hauses                  60
   Properz, Elegieen                                                  60
   Prophet Jesaja                                                    100
   Psalter, Der                                                       60
   Pferhofer, Aus jungen Tagen                                        60
   Puschkin, Gedichte                                                 80
   --, Der Gefangene im Kaukasus                                      60
   --, Die Hauptmannstochter                                          80
   --, Novellen                                                       80
   --, Onegin                                                         80

   Raabe, Zum wilden Mann                                             60
   Rameau, Die Hexe                                                  100
   Rangab, Kriegserinnerungen aus 1870-71                            60
   Ranke, Die Erhebung Preuens im Jahre 1813                         80
   Ruber, Literarische Salzkrner                                   100
   Reclam, Prof. Dr. Carl, Gesundheits-Schlssel                      60
   Rehfues, Scipio Cicala. 2 Lbde.                                   225
   Reichenau, Bilder aus dem Kinderleben                              60
   Reichsgesetze, Deutsche:
   Bankwesen                                                          80
   Binnenschiffahrts- u. Flereigesetz                               60
   Brgerliches Gesetzbuch                                           150
   -- -- Tascheneinbd.                                               125
   Freiwillige Gerichtsbarkeit                                        60
   Gerichtskostenwesen                                                60
   Gerichtsverfassungsgesetz                                          60
   Geschftsordnung f. d. Reichstag                                   60
   Gewerbegerichtsgesetz                                              60
   Gewerbeordnung                                                     80
   Grundbuchordnung                                                   60
   Handelsgesetzbuch                                                  80
   -- u. Wechselordnung zus. geb.                                    100
   Impfgesetz f. d. Deutsche Reich                                    60
   Kaufmannsgerichte                                                  60
   Konkursordnung                                                     60
   Kriegsgesetze                                                     100
   -- Ergnzungsband                                                  80
   Militrversorgungsgesetze fr das Deutsche Reich                   80
   Patentgesetz                                                       60
   Pregesetz und Verlagsrecht                                        60
   Rechtsanwaltsordnung                                               80
   Reichs- und Staatsangehrigkeit                                    60
   Reichsverfassung                                                   60
   Stempelgesetz                                                      80
   Strafgesetzbuch                                                    60
   Strafprozeordnung                                                 80
   Unlauterer Wettbewerb                                              60
   Urheberrechtsgesetze                                               60
   Vereinsgesetz                                                      80
   Verfass. des Deutschen Reiches                                     60
   Versicherungsgesetze:
   Angestelltenversicherung                                          100
   Reichsversicherungsordnung                                        150
   -- Tascheneinband                                                 125
   Versicherungsbehrden [Gewerbeunfallversicherung 2623/24 --        60
      Invalidenversicherung 2571 -- Krankenversicherung 3564/65
      -- Unfallversicherung 4531-33: jetzt in
      Reichsversicherungsordnung, s. oben.]
   Wehrbeitrag u. Besitzsteuergesetz                                  60
   Wechselordnung                                                     60
   Zivilprozeordnung                                                100
   Zuwachssteuergesetz                                                80
   Zwangsversteigerungsgesetz                                         60
   Reinick, Geschichten und Lieder fr die Jugend                     80
   Renan, Die Apostel                                                100
   --, Das Leben Jesu                                                100
   Renard, Ist der Mensch frei?                                       80
   Resa, Weihnachtsgeschichten                                        60
   Reu, Doktors Bescherung u. a. N.                                  60
   Reuter, Christian, Schelmuffskys Reisebeschreibung                 60
   Reuter, Fritz, Drchluchting                                      80
   --, Eine heitere Episode aus einer traurigen Zeit                  60
   --, Hanne Nte un de ltte Pudel                                   80
   --, Julklapp! Polterabendgedichte                                  60
   --, Kein Hsung                                                    80
   --, Luschen un Rimels                                            100
   --, De meckelnbrgschen Montecchi un Capuletti                    100
   --, Meine Vaterst. Stavenhagen                                     80
   --, Ut mine Festungstid                                            80
   --, Ut de Franzosentid                                             80
   --, De Reis' nah Belligen                                          80
   --, Ut mine Stromtid                                              175
   Reuter, Gabriele, Eines Toten Wiederkehr u. andere Novellen        60
   Ricek-Gerolding, Gelehrt. Zecher goldnes Alphabet                  60
   Riehl, Burg Reibeck                                                60
   --, Die 14 Nothelfer                                               60
   Riemann, Brger-Biographie                                         60
   --, Lessing-Biographie                                             60
   Roberts, Um den Namen                                              80
   Rodenbach, Die Eiche am Kreuzweg. -- Berufung                      80
   --, Das tote Brgge                                                60
   Rosegger, Geschichten und Gestalten aus den Alpen                  60
   Rosenberger, Knig der Diebe                                       60
   Roswitha von Gandersheim                                           80
   Rousseau, Bekenntnisse. 2 Bde.                                    225
   --, Emil. 2 Bde.                                                  225
   --, Gesellschaftsvertrag                                           80
   --, Die neue Heloise 2 Bde.                                       225
   Rckert, Gedichte                                                  80
   --, Gedichte fr die Jugend                                        80
   --, Liebesfrhling                                                 80
   --, Weisheit des Brahmanen                                        150
   Rumohr, Geist der Kochkunst                                       120
   Runeberg, Fhnrich Stahl                                           80
   Ruppius, Der Pedlar                                               100
   --, Vermchtnis des Pedlars                                       100
   Ruskin, Vorlesungen ber Kunst                                     80
   Russische Dichterinnen                                             60
   Ruth, Das Buch                                                     60
   Rtzebeck, Dnischer Sommer                                        80
   Rydberg, Venus von Milo                                            60

   Saar, Ginevra. -- Die Troglodytin                                  60
   Sach, Hans, Poet. Werke. 2 Bde.                                 je 80
   --, Dramatische Werke. 2 Bde.                                   je 80
   Sachsen-Spiegel                                                    80
   St. Pierre, Paul und Virginie                                      60
   Salis-Seewis, Gedichte                                             60
   Sallet, Gedichte                                                  100
   --, Laien-Evangelium                                              100
   Sallust, Der Jugurthinische Krieg                                  60
   Sallwrk, Mrike-Biographie                                        60
   Salus, Nachdenkliche Geschichten                                   60
   Salzmann, Ameisenbchlein                                          60
   --, Der Himmel auf Erden                                           80
   --, Krebsbchlein                                                  80
   Saphir, Deklamationsgedichte                                      100
   Sarcey, Belagerung von Paris                                      100
   Schanz, Wolken                                                     80
   Scharling, Zur Neujahrszeit im Pfarrhof von Rddebo               100
   Schaumberger, Im Hirtenhaus                                        80
   --, Bergheimer Musikanten-Gesch.                                  100
   Schefer, Laienbrevier                                             100
   Schelling, Clara                                                   80
   --, Die Weltalter                                                 100
   Schenkendorf, Gedichte                                            100
   Schermann, Firma Murks. Band 1-3 zusammen gebunden                100
   Scherr, Das rote Quartal                                           60
   Schiller, Braut von Messina                                        60
   --, Don Karlos                                                     60
   --, Gedichte. Leinen                                               80
   --, Jungfrau von Orleans                                           60
   --, Dram. Meisterwerke. 2 Bde.                                 je 120
   --, Maria Stuart                                                   60
   --, Die Ruber                                                     60
   --, Wilhelm Tell                                                   60
   --, Wallenstein. 2 Teile                                           80
   Schiller u. Goethe, Briefwechsel. 3 Bnde                      je 100
   Schlaf, Tantchen Mohnhaupt                                         80
   Schleiermacher, Monologen                                          60
   --, Weihnachtsfeier                                                60
   Schmid, Almenrausch u. Edelwei                                    80
   Schmidt, Zeitgenssische Berichte ber die Leipziger Schlacht      60
   Schmied-Kufahl, Fechtbchlein. (Illustriert)                      100
   Schnadahpfln, Tausend                                             80
   Schne, Lehr- und Flegeljahre eines alten Schauspielers            80
   Schnthan, F. v., Der General                                      60
   --, P. v., Kindermund                                              60
   --, Der Ku                                                        60
   Schopenhauer, A., Smtliche Werke. 6 Bnde                     je 150
   --, Aphorismen z. Lebensweisheit                                   80
   --, Briefe                                                        150
   --, Einleitung in die Philosophie nebst Abhandlungen &c.           80
   --, Gracians Handorakel                                            80
   --, Neue Paralipomena                                             150
   --, Philosophische Anmerkungen                                     80
   Schreiner, Hohe Fahrt                                              60
   Schubart, Gedichte                                                120
   Schcking, Eine dunkle Tat                                         80
   --, Die Rheider Burg                                              100
   --, Der Kampf im Spessart                                          80
   Schulze, Die bezauberte Rose                                       60
   Schumann, Ges. Schriften ber Musik u. Musiker. 3 Bde. in 1       175
      Bd.
   Schwab, Gedichte                                                  150
   --, Die deutschen Volksbcher                                     200
   Schwegler, Gesch. d. Philosophie                                  150
   Schweizerische Bundesverfassung                                    60
   -- Kranken- u. Unfallversicherung                                  60
   -- Obligationenrecht                                              100
   -- Zivilgesetzbuch                                                100
   -- -- u. Obligationenrecht in 1 Bd.                               175
   -- -- -- Tascheneinband                                           150
   Scott, Braut von Lammermoor                                       100
   --, Der Herr der Inseln                                            60
   --, Ivanhoe                                                       120
   --, Die Jungfrau vom See                                           80
   --, Kenilworth                                                    120
   --, Letzten Minnesngers Sang                                      60
   --, Quentin Durward                                               150
   --, Waverley                                                      150
   Sealsfield, Das Kajtenbuch                                       100
   Seidl, Ausgewhlte Dichtungen Band 1-3 zusammen                   100
   Seneca, Ausgewhlte Schriften                                     100
   --, Fnfzig ausgewhlte Briefe                                     80
   Seume, Gedichte                                                   100
   --, Spaziergang nach Syrakus                                      100
   Shakespeare, Hamlet                                                60
   --, Der Kaufmann von Venedig                                       60
   --, Othello                                                        60
   --, Romeo und Julia                                                60
   Shelley, Entfesselte Prometheus                                    80
   --, Feenknigin                                                    60
   Sienkiewicz, Familie Polaniecki 2 Bnde                           240
   --, Quo vadis?                                                    175
   --, Zersplittert                                                   80
   Silberstein, Trutz-Nachtigall                                      60
   Smiles, Der Charakter                                             100
   --, Die Pflicht                                                   120
   --, Selbsthilfe                                                   100
   --, Sparsamkeit                                                   120
   Soldatenliederbuch (Tascheneinbd.)                                 40
   Sophokles, Smtliche Dramen                                       150
   Souvestre, Am Kamin                                                80
   --, Ein Philosoph                                                  80
   Spee, Trutznachtigall                                             100
   Speter, Die chemisch. Grundstoffe                                  80
   --, Die chemische Verwandtschaft                                   80
   Spielhagen, Alles fliet                                           60
   --, Dorfkokette                                                    60
   --, Was die Schwalbe sang                                         100
   Spindler, Der Jesuit                                              120
   --, Der Jude                                                      175
   Spinoza, Briefwechsel                                             100
   --, Die Ethik                                                     120
   --, Der politische Traktat                                         80
   --, Der theologisch-politische Traktat                            120
   --, Vervollkommnung d. Verstandes                                  60
   Spitta, Psalter und Harfe                                          60
   Spurgeon, Geistesstrahlen                                         200
   Stal, Corinna oder Italien                                       150
   --, ber Deutschland. 2 Bde                                       225
   Stanley, Wie ich Livingstone fand                                 150
   Stein, v., Goethe und Schiller                                     60
   Steinmller, Baron Kahlebutz. 1. und 2. Bd. zus. in 1 Bd.          80
   Stelzhamer, Ausgew. Dichtungen                                     80
   Stendhal, Novellen                                                100
   Steputat, Deutsches Reimlexikon                                    80
   Stern, Gluck in Versailles. -- Nanon                               60
   Sterne, Empfindsame Reise                                          60
   --, Tristram Shandy                                               150
   Stevenson, Die Schatzinsel                                        100
   --, u. Osbourne, Schiffbruch                                      120
   Stifter, Bergkristall. -- Brigitta                                 60
   --, Der Hochwald                                                   60
   Stirner, Der Einzige und sein Eigentum                            120
   Strachwitz, Gedichte                                               80
   Streicher, Schillers Flucht                                        80
   Striegler, Das deutsche Turnen                                     80
   Strindberg, Die Leute auf Hems                                    80
   Strodtmann, Gedichte. Mit Goldschn.                               120
   Studentenliederbuch (Tascheneinbd.)                                40
   Swift, Gullivers Reisen                                           120

   Tacitus, Die Annalen                                              120
   --, Die Germania                                                   60
   --, Die Historien                                                 100
   Tagebuch eines bsen Buben                                         80
   Taschen-Wrterbcher:
   --, Englisches                                                    150
   Engl.-deutsch. Teil einzeln                                       100
   Deutsch-engl. Teil einzeln                                        100
   --, Franzsisches                                                 150
   Franz.-deutsch. Teil einzeln                                      100
   Deutsch-franz. Teil einzeln                                       100
   --, Italienisches                                                 150
   Ital.-deutsch. Teil einzeln                                       100
   Deutsch-ital. Teil einzeln                                        100
   --, Spanisches                                                    150
   --, Englisch-franzsisch-deutsches Hilfsbuch                      150
   --, Fremdwrterbuch                                               100
   --, Deutsches Wrterbuch                                          100
   Tasso, Befreites Jerusalem                                        120
   Tausend und eine Nacht. 8 Bde.                                 je 150
   Tegnr, Abendmahlskinder                                           60
   --, Axel                                                           60
   --, Frithjofs-Sage                                                 80
   Telmann, In Reichenhall                                            60
   Tennyson, Enoch Arden                                              60
   --, Knigsidyllen,                                                 80
   Testament, Neues. [bersetzt von E. Stage.],                      150
   Tetzner, Deutsche Geschichte in Liedern,                          150
   --, Namenbuch,                                                     80
   --, Deutsches Sprichwrterbuch,                                   150
   --, Deutsches Wrterbuch,                                         100
   --, Wrterbuch sinnverwandter Ausdrcke,                          150
   --, Wrterverzeichnis zur deutschen Rechtschreibung.               40
      (Tascheneinband),
   Thackeray, Der Jahrmarkt des Lebens. 2 Bde.,                      225
   --, Das Snobsbuch,                                                100
   Theokrits Gedichte. Von Bo,                                       60
   Thukydides, Der Peloponnesische Krieg,                            175
   Thmmel, Wilhelmine,                                               60
   Thiedge, Urania,                                                   60
   Tillier, Belle-Plante u. Kornelius,                                80
   --, Mein Onkel Benjamin,                                           80
   Tintschew, Gedichte,                                               60
   Tolstoj Alexej, Gedichte,                                          60
   --, Leo, Anna Karenina. 2 Bde.,                                   250
   --, Auferstehung. 1. u. 2. Bd. zus.,                              150
   --, Chadshi Murat,                                                 80
   --, Evangelium,                                                    80
   --, Zwei Husaren,                                                  60
   --, Kindheit,                                                      80
   --, Die Kosake,                                                    80
   --, Krieg und Frieden 2 Bde.,                                     250
   --, Volkserzhlungen,                                              80
   Torn, Offiziersgeschichten,                                       150
   Torrund, Sein Herzenskind,                                         60
   Trenck, Friedr. von der, Lebensgeschichte,                         80
   Tschabuschnigg, Sonnenwende,                                       60
   Tschechow, Humoresken und Satiren. Band 1-3 zus.,                 100
   Tschudi, Kaiserin Elisabeth,                                       80
   --, Kaiserin Eugenie,                                              80
   --, Knig Ludwig II. v. Bayern,                                   100
   --, Knigin Maria Sophia von Neapel,                               80
   --, Marie Antoinettes Jugend,                                      80
   --, Marie Antoinette und die Revolution,                          120
   --, Napoleons Mutter,                                              80
   --, Napoleons Sohn,                                               100
   Turgenjew, Dunst,                                                  80
   --, Frhlingswogen,                                                80
   --, Gedichte in Prosa,                                             60
   --, Die neue Generation,                                          120
   --, Erste Liebe,                                                   60
   --, Memoiren eines Jgers,                                        100
   --, Vter und Shne,                                              100
   Turnerliederbuch (Tascheneinband),                                 40

   Uhland, Dramatische Dichtungen,                                    60
   --, Gedichte,                                                      80
   Usteri, De Vikari,                                                 80

   Vaka, Harem,                                                       80
   Varnhagen, Frst Leopold,                                          80
   Vely, Mente,                                                       80
   Vergils Aeneide. Von Bo,                                          80
   --, Lndliche Gedichte,                                            60
   Villinger, Die Snde des heiligen Johannes und andre               60
      Novellen,
   Vix, Die Totenbestattung,                                          80
   Vogl, Ausgewhlte Dichtungen,                                      80
   Volney, Die Aninen,                                               100
   Voltaire, Geschichte Karls XII.,                                  100
   --, Zeitalter Ludwig XIV. 2 Bde.,                                 225
   Voneisen, Albumbltter,                                            60
   --, Junggesellenbrevier,                                           60
   --, Kunterbunt,                                                    60
   --, Liebesbrevier,                                                 60
   --, Das Mutterherz,                                                60
   --, Nirwana,                                                       60
   Vo, Idyllen und Lieder,                                           60
   --, Luise,                                                         60
   --, d. J., Goethe und Schiller in Briefen,                         80
   --, R., Amata. -- Liebeopfer,                                      60
   --, Die Auferstandenen. 2 Bde. zus. in 1 Bandm                    175
   --, Kentaurenliebe. -- Die Toteninsel,                             60
   --, Narzissenzauber. -- Das Wunderbare,                            60
   --, Rolla,                                                        120
   Vrchlicky, Gedichte,                                               80

   Wagner, Rich., Autobiogr. Skizze. Mitteilung an meine              80
      Freunde,
   --, Bayreuth,                                                      60
   --, Ein deutscher Musiker in Paris,                                80
   --, Erinnerungen,                                                  60
   --, ber das Dirigieren. -- Bericht ber eine deutsche             80
      Musikschule,
   --, Tondramen. 2 Bde. je,                                         150
   Wahlreglement des preuischen Abgeordnetenhauses,                  60
   Waiblinger, Gedichte aus Italien,                                 100
   Waldmller, Walpra,                                                60
   Waldow, Wera,                                                      80
   Wallace, Ben Hur. 2 Bnde je,                                     100
   Walther von der Vogelweide, Smtliche Gedichte,                    80
   Weber, C. M. v., Ausgew. Schriften,                                80
   --, L., Shakespeare-Biographie,                                    60
   Weddigen, Geistliche Oden,                                         60
   Weiser, Jesus. Teil 1-4 zus.,                                     120
   Weibuch, Deutsch. (Dokumente I),                                  60
   Westkirch, Der Brgermeister von Immelheim u. and. Nov.,           60
   --, Diebe                                                          60
   --, Die Gletschermhle,                                            60
   --, Der Knecht von Wrpedamm,                                      60
   --, Recht der Liebe u. 2 and. Nov.,                                60
   --, Timm Bredenkamps Glck,                                        80
   --, Urschels Fundgut,                                              60
   --, Erzhlungen. Zus. geb. in 2 Bdn. je,                          150
   Whitman, Grashalme,                                                80
   Wichert, Am Strande,                                               60
   --, Fr tot erklrt,                                               60
   --, Eine Geige. -- Drei Weihnachten,                               60
   --, Nur Wahrheit. -- Sie verlangt ihre Strafe,                     60
   --, Die gndige Frau von Paretz,                                   60
   Wickenburg, Franz Mooshammer,                                      80
   Wieland, Die Abderiten,                                           100
   --, Oberon,                                                        80
   Wieleitner, Schnee u. Eis der Erde,                               100
   Wilbrandt, Knig Teja,                                             60
   Wildberg, Dunkle Geschichten,                                      60
   --, Neben der Welt u. a. Erzhl.,                                  80
   Wilde, Die Ballade vom Zuchthaus zu Reading,                       60
   --, Dorian Gray,                                                  100
   Wildermuth, Hagestolze,                                            60
   --, Schwbische Pfarrhuser,                                       60
   Wilhelm II. Reden. 4 Bnde je,                                    100
   Willomitzer, Nacht im Mittelalter,                                 60
   Winter, Ohne Fehl,                                                100
   Wiseman, Fabiola,                                                 120
   Witschel, Morgen- und Abendopfer,                                  80
   Wolf, Prolegomena zu Homer,                                       100
   Wolff, Allgemeine Musiklehre,                                      60
   --, Elementar-Gesanglehre,                                         60
   Wolfram von Eschenbach, Parzival. 2 Bde.,                         225
   Wrterbcher s. Taschenwrterbcher.
   Woude, Traudel und ich,                                            80
   Wundt, Zur Psychologie u. Ethik,                                   80
   Wrttemberg, Alex. Graf von, Smtliche Gedichte,                  100

   Xenophon, Anabasis,                                                80
   --, Erinnerungen an Sokrates,                                      80
   --, Griechische Geschichte,                                       100
   --, Kyrupdie,                                                    120

   Zaleski, Die heilige Familie,                                      60
   Zangerle, Meraner Geschichte,                                      60
   Zedlitz, Gedichte,                                                 80
   --, Waldfrulein,                                                  60
   Zipper, Grillparzer-Biographie,                                    60
   --, Krner-Biographie,                                             60
   Zittel, Entstehung der Bibel,                                      80
   Zobeltitz, H. v., Knig Pharaos Tochter,                           60
   Zola, Das Fest in Coqueville und andere Novellen,                  80
   --, Germinal,                                                     150
   --, Herrn Chabres Kur u. a. N.,                                    80
   --, Sturm auf die Mhle u. a. N.,                                  80
   Zschokke, Alamontade,                                              80

   Durch jede Buchhandlung oder direkt vom Verleger Philipp Reclam
   jun. in Leipzig unberechnet zu beziehen

                 Prospekte der Universal-Bibliothek:

   Vollstndiges Verzeichnis nach Autoren geordnet.

   Vollstndiges Verzeichnis nach Materien geordnet.

   Verzeichnis der dramatischen Werke mit Angabe der Personenzahl
   und des Theatervertriebes.

   Verzeichnis von 100 einaktigen Lustspielen mit Angabe des Inhalts
   und der Besetzung.

   Verzeichnung von Reise- und Unterhaltungslektre.

   Ausfhrliches Verzeichnis der Neuerscheinungen.

                         Die Helios-Klassiker

   sind von bedeutenden Literarhistorikern herausgegeben und mit
   knstlerisch ausgefhrten Portrt-Beilagen geschmckt. Die Werke
   sind in geschmackvollen biegsamen Leinen- und in prchtigen
   Ganzleder-Bnden mit echtem Goldschnitt vorrtig. -- Durch
   erstaunliche Wohlfeilheit bei modern-geschmackvoller Ausstattung
   werden sie die Freude an den Bchern der Klassiker immer mehr
   verbreiten.

                  Verzeichnis der Helios-Klassiker:

   Brne. Gesammelte Schriften. 3 Bnde mit Bildnis. In Leinen M.
   5.--.

   Byron. Smtl. Werke. 3 Bde. mit Bildn. In Lein. M. 5.--.

   Chamisso. Smtliche Werke. 2 Bde. mit 2 Bildn. In Lein. M.
   2.50, in Leder M. 6.--.

   Chamisso. Auswahl. 1 Band mit Bildn. In Lein. M. 1.25.

   Eichendorff. Gesamm. Werke. 2 Bde. mit 2 Bildn. In Lein. M.
   3.--, in Leder M. 6.--.

   Gaudy. Ausgew. Werke. 2 Bde. mit Bildn. In Lein. M. 3.50.

   Goethe. Smtl. Werke. 10 Bde. mit 3 Bildnissen. In Leinen M.
   15.--, in Leder M. 30.--.

   Goethes Werke in 4 Hauptbdn. u. einer Folge v. Ergnzungsbdn.
   M. Abb., Portr., Faksim. Preis der 4 Hauptbde. in Lein. M.
   5.--, in Leder M. 12.--. Ergnzungsbde. in Leinen je M. 1.25,
   in Leder je M. 2.--.

   Grabbe. Smtl. Werke. 2 Bde. m. Bildn. In Leinen M. 3.50.

   Grillparzer. Smtliche Werke. 3 Bde. mit 3 Bildn. In Lein. M.
   5.--, in Leder M. 9.--.

   Hauff. Smtl. Werke. 2 Bde. mit Bildn. In Lein. M. 3.--, in
   Leder M. 7.--.

   Hebbel. Smtliche Werke in 4 Bd. u. 2 Ergnzungsbdn. Mit
   Abbildg. u. Faksimiles. Preis der 4 Hauptbnde in Lein. M.
   5.--, in Led. M. 12.--; der 2 Ergnzgsbde. in Leinen M. 2.50,
   in Leder M. 6.--.

   Heine. Smtl. Werke. 4 Bde. mit 2 Bildnissen. In Leinen M.
   5.--, in Leder M. 12.--.

   Herder. Ausgewhlte Werke. 3 Bnde mit 2 Bildnissen. In Leinen
   M. 5.--.

   Kleist. Smtliche Werke. 1 Bd. mit Bildn. In Lein. M. 1.50, in
   Leder M. 3.25.

              Verlag von Philipp Reclam jun. in Leipzig

              Verlag von Philipp Reclam jun. in Leipzig

   Krner. Smtl. Werke. 1 Bd. mit Bildn. In Lein. M. 1.40. in
   Leder M. 3.--.

   Lenau. Smtl. Werke. 1 Band mit Bildn. In Lein. M. 1.50, in
   Leder M. 3.25.

   Lessing. Smtl. Werke 3 Bde. mit 2 Bildnissen. In Leinen M.
   5.--, in Leder M. 9.--.

   Lessing. Auswahl. 1 Bd. mit Bildnis. In Leinen M. 1.75.

   Longfellow. Smtl. poetische Werke. 2 Bnde mit 2 Bildnissen.
   In Leinen M. 3.50.

   Ludwig. Ausgewhlte Werke. 1 Bd. mit Bildn. In Leinen M. 1.75,
   in Leder M. 3.50.

   Milton. Poetische Werke. 1 Bd. mit Bildn. In Lein. M. 2.--.

   Molire. Smtl. Werke. 2 Bde. mit Bildn. In Lein. M. 3.50.

   Mricke. Smtl. Werke. 2 Bde. mit 2 Bildnissen. In Leinen M.
   3.50, in Leder M. 6.--.

   Reuter. Smtl. Werke. 4 Bde. mit zahlreich. Abb. In Lein. M.
   6.--, in Leder M. 12.--.

   Reuter. Auswahl. 2 Bde. mit zahlreich. Abbildgn. In Lein. M.
   3.50, in Leder M. 7.--.

   Rckert. Ausgewhlte Werke. 3 Bde. mit 2 Bildn. In Lein. M.
   5.--, in Leder M. 9.--.

   Schiller. Smtliche Werke in 4 Hauptbdn. u. 2 Ergnzungsbnden.
   Mit Abb., Portr., Faksim. Preis d. 4 Hauptbde. in Lein. M.
   5.--, in Led. M. 12.--, der Gesamtausgabe in Leinen M. 7.50,
   in Leder M. 18.--.

   Shakespeare. Dramat. Werke. 4 Bde. mit Abbild. In Leinen M.
   5.--, in Leder M. 12.--.

   Stifter. Ausgewhlte Werke. 2 Bde. mit Bildn. In Lein. M.
   3.50, in Leder M. 6.--.

   Uhland. Gesammelte Werke. 2 Bde. mit Bildn. In Lein. M. 2.50,
   in Leder M. 6.--.

                Sonderausgaben aus Reclams Klassikern:

   Goethe. Aus meinem Leben. Geh. 90 Pf., Halblein. M. 1.20.

   Goethe. Gedichte. 2 Bde. Geh. je M. 1.--, in Lein. je M. 1.50,
   in Leder m. Goldschn. je M. 2.50.

   Goethe. Italien. Reise. Geh. 90 Pf., in Halbleinen M. 1.20.

   Goethe. Die Wahlverwandtschaften. Geh. 30 Pf., in Halbleinen
   60 Pf.

   Goethe. West-stl. Diwan. Geh. 70 Pf., in Leinen M. 1.--.

   Goethe. Wilhelm Meisters Lehrjahre. Geh. 90 Pf., in Halbleinen
   M. 1.20.

   Goethe. Wilhelm Meisters Wanderjahre. Geh. 60 Pf., in
   Halbleinen 90 Pf.

   Lessing. Hamburgische Dramaturgie. Geh. 90 Pf., in Halbleinen
   M. 1.20.

   Schiller. Gedichte. Geh. 50 Pf., in Leinen 80 Pf., in Leder
   mit Goldschnitt M. 2.--.

   Schiller. Geschichte des 30jhrigen Krieges. Geh. 70 Pf., in
   Leinen M. 1.--.

   Schiller. Geschichte des Abfalls der vereinigten Niederlande.
   Geh. 30 Pf., in Halblein. 60 Pf.




Anmerkungen zur Transkription


Der Originaltext ist in Fraktur gesetzt. Hervorhebungen, die im Original
g e s p e r r t sind, wurden mit Unterstrichen wie _hier_
gekennzeichnet. Textstellen, die im Original in Antiqua gesetzt waren,
wurden ^so^ markiert.

Offensichtliche Fehler wurden berichtigt wie hier aufgefhrt
(vorher/nachher):

   [S. 73]:
   ... miteinander gewechselt, und aller Wahrscheilichkeit nach ...
   ... miteinander gewechselt, und aller Wahrscheinlichkeit nach ...

   [S. 106]:
   ... verschwunden ist (Fig. 40 F). Die greren vegetalen ...
   ... verschwunden ist (Fig. 10 F). Die greren vegetalen ...

   [S. 182]:
   ... jeden Versuch zur Mitwirkung; ja sie prohezeiten uns ...
   ... jeden Versuch zur Mitwirkung; ja sie prophezeiten uns ...

   [S. 185]:
   ... in raschem Phatasiefluge an uns hatten vorberziehen ...
   ... in raschem Phantasiefluge an uns hatten vorberziehen ...






End of the Project Gutenberg EBook of Natur und Mensch, by Ernst Haeckel

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK NATUR UND MENSCH ***

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Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of
computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
from people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
www.gutenberg.org



Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
volunteers and employees are scattered throughout numerous
locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
date contact information can be found at the Foundation's web site and
official page at www.gutenberg.org/contact

For additional contact information:

    Dr. Gregory B. Newby
    Chief Executive and Director
    gbnewby@pglaf.org

Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment. Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements. We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
state visit www.gutenberg.org/donate

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations. To
donate, please visit: www.gutenberg.org/donate

Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
freely shared with anyone. For forty years, he produced and
distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
volunteer support.

Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
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