The Project Gutenberg EBook of Der Eroberer, by Paul Weidmann

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Title: Der Eroberer
       Eine poetische Phantasie in fnf Kaprizzen. Aus alten
       Urkunden mit neuen Anmerkungen

Author: Paul Weidmann

Release Date: September 17, 2015 [EBook #49998]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER EROBERER ***




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                                 Der
                              Eroberer,


                       Eine poetische Phantasie
                          In fnf Kaprizzen.

                                 Aus
                alten Urkunden mit neuen Anmerkungen.

                    Terruit urbem, terruit Gentes.

                                            Horat.

                          Wien und Leipzig,
               in der Buchhandlung der Gelehrten, 1786.




                          Zueignungsschrift.
                     An einen Knig der Antipoden


Seit den uralten Zeiten des furchtbaren Tearkon[1], der die Sulen
Herkules aus Bescheidenheit nicht berschrit, fand sich, unter Eurer
Majestt preiswrdigsten Ahnen zum Wohlseyn der Erde durch eine
besondere Gnade des Himmels kein Eroberer. Eure Majestt treten mit
einer so rhmlichen Menschenliebe, und mit einer so edlen Migung in
die Fustapfen ihrer friedsamen Ahnen, da Sie vielleicht der einzige
Knig sind, der den Titel eines Helden fr den liebenswrdigen Namen
eines Vaters des Vaterlands, und eines Menschenfreundes verkaufet. Eure
Majestt sind also der einzige Monarch, dem ich mein Buch schiksam
zueignen kann, denn jedem andern wrde es eine Satyre scheinen, wie jene
Zueignungsschrift eines Franzosen dem rmischen Pabste[2].

Wenn Eure Majestt, wie einige Reisende behaupten, auch ein Beschtzer
der deutschen Musen sind, welches die Frsten selten wagen; so sind Sie
ein wahrer Antipode von unserm gelehrten Europa, und ein Antipode aller
Knige. Ich sage nicht mehr zum Ruhme Eurer Majestt, weil
ausserordentliche Tugenden durch Stillschweigen am besten gepriesen
werden. Nur gewhnliche Knige werden gelobt, damit sie einige Tage
lnger leben.

Ich lege Eurer Majestt mit warmer Empfindung der hohen Bewunderung mein
Buch ehrerbietig zu Fssen, weil einige Meere und einige tausend Meilen
mir das Vergngen rauben, mich ihrem Throne persnlich zu nhern u. s.
w.

[Funote 1: Die Schrift heit diesen Knig Tharaka, der sich zur Zeit
Senacherib Knigs der Assyrier furchtbar machte.]

[Funote 2: Das Trauerspiel Mahomet oder der Fanatismus ward vom
Voltaire dem Pabste zugeeignet.]




                        Vorrede des Dichters.


Die Musik ist die Mutter der Poesie; alle Eigenschaften erbt also diese
liebenswrdige Tochter. Warum sollte sie die sinnreichste Gabe die
Phantasie entbehren? Sollte die Dichtkunst nicht eben die harmonischen
Freyheiten geniessen, da sich der spielende Tonknstler frey seiner
willkhrlichen Laune berlt, und in ein bewunderungwrdiges Chaos
aller Tonarten sich verwickelt? Von einem taumelnden Wirbeltanze hpft
er zu einer melancholischen Arie; ehe er sie noch zu Stande bringt,
schleicht er tndelnd zum neckischen Rundliedchen, artet rasch in ein
heulendes Ungewitter aus, und donnert blutige Schlachten. Diese
zerstreute Begeisterung ist oft den horchenden Ohren ein seltnes
unerwartetes Vergngen, und man hrt manchen Knstler lieber
phantasiren, als ein regelmiges Concert spielen; die Ursach ist, weil
der khne, und mannichfaltige Wechsel der Gedanken, und die verwgnen
Uebergnge die Zuhrer reizen, hinreissen, erschttern.

Lasset uns versuchen, welchen Eindruck eine poetische Phantasie auf das
menschliche Herz machen wird. Vielleicht bringt die scheinbare
Unordnung, die doch heimlich Ordnung und Verbindung hat, das neue Gewhl
gedrngter Ideen, eben die gute Wirkung in dem Gemthe der Leser hervor.

Es ist wahr, der Gleis ist unbetreten; ich kann meinen dreisten Versuch
weder mit alten noch neuen Schriftstellern vor dem strengen
Richterstuhle der gelehrten Welt rechtfertigen; aber mit ihrer gtigen
Erlaubni meine hochschtzbarsten Herren Kunstrichter und Richterinnen,
mssen wir denn ewig so knechtisch unser Gehirn in Fsseln legen, da
wir nicht einmal einen Schrit ohne Leitbande wie die Kinder wagen
drfen, und bey jeder launichten Streiferey vor dem Hohngelchter
zittern mssen?

Was da immer im Areopagus ber mich verhngt ist, fhle ich doch, da
mein Kopf in einer so freyen Stimmung ist, in welcher er zu einer
Phantasie gleichsam durch ein Instinkt gezogen wird; und weil oft vom
Erfolge das Lob oder der Tadel einer Unternehmung abhanget, und Kolumbus
vor der Reise verspottet, nach der Rckkehr gepriesen wird; so lassen
wir der Zeit ber, ob Dank oder Verachtung meine Arbeit belohnet. Meine
Rechtfertigung bey der Nachwelt sey, da die holden Musen sich allezeit
schwesterlich die Hnde reichen.




                        Anhang des Kommentars.


Da doch jeder Bajazzo mit einem komischen Kniks hervortrit, und Miene
macht, dem hochgeneigten Publikum etwas sagen zu wollen, ohne Ihm etwas
zu sagen; so soll auch mein kleiner Apendix in Ehrfurcht seinen Bckling
machen. Ich habe viele gelehrte Vorgnger, und Wegweiser, die mehr Bogen
Anmerkungen schreiben, als ihr Buch Bltter und Seiten hat. Ich will
mein kleines Aemtchen sehr sittsam verwalten, und nur zu Zeiten dem
Leser in die Ohren lispeln, damit er nicht vergit, da ich auch zugegen
bin. Ich knnte zwar meine Wenigkeit schimmern lassen, aber oft vermuthe
ich hchst wahrscheinlich, da meine Leser mehr Einsicht haben, als ich,
oder ich verstehe selbsten den Grundtext nicht klar genug, und dann
schweige ich aus Bescheidenheit. ^Nemo ultra posse tenetur!^ Ein wahrer
Kommentar erklrt nur das, was jedermann wei.




                                Prolog
                          In Knittelversen.


   Ihr Herren klug und Jungfraun schn,
   Ich bring kein Mhrlein auf die Scen.
   Ich sag nicht blosse Narrenpossen,
   Wie mancher schon hat ausgegossen.
   Ich will Geschichten offenbarn,
   Und dabey nicht der Wahrheit sparn.
   Wenns Euch will also wohl behagen,
   Will ich jetzt kurz und rund aussagen,
   Wie Eduard der Knig gro
   Erobert manche Stadt und Schlo.
   Die Welt hat er fr sich erhalten,
   Damit zu schalten und zu walten.
   Es zeigt sich, wie die Majestat
   Oft manniglich gefochten hat.
   Wie er so vielmal hat gerungen,
   Und Land und Leut hat eingeschlungen:
   Man sieht auch, da sein Widerpart
   Ertrget viel, und leidet hart.
   Ihr knnt Euch selbsten leicht gedenken,
   Das viele saure Herzenskrnken,
   Das jeder Frst erlitten hett,
   Der sich auf seinem Todesbett
   Sein Haab und Gut msst nehmen lassen.
   Ich will die alles hbsch verfassen.
   Man hebt den Knig nicht hervor.
   Bald ist er schwrzer als ein Mohr.
   Man zeigt Euch alle seine Mngel;
   Oft ist er weisser als ein Engel.
   Von Nachbarn will er einen Theil;
   Doch ihnen ist ihr Land nicht feil.
   Da kommen sie dann stracks gelaufen,
   Den Sieg mit Grimmen zu erschnaufen.
   Er aber streckt die Klauen weit,
   Und macht mit ihnen tapfren Streit.
   Doch wie auch insgemein die Gter
   Zu endern pflegen die Gemther;
   Wuxt ihm auch durch den Schatzgewinn
   Gar bald sein Muth und hoher Sinn;
   Man mute seinen stolzen Willen
   Ohn alle Widerred erfllen;
   Und er verga, wies denn geschicht,
   Auch alsobalden seiner Pflicht;
   Hub an selbst Freunde zu verachten,
   Und nach der Tyranney zu trachten.
   Sein hart und bermthigs Herz
   Glaubt nur der Krieg sey blosser Scherz;
   Hat also Menschen viel getdtet,
   Und Vlker viel ins Joch gekettet.
   Doch hungert ihn bestndig sehr,
   Und hett noch gern gegessen mehr,
   Allein er starb durch Weibertcke,
   Und so knackt endlich seine Brcke.
   Da ihn der Tod erhascht beym Bein,
   Ward er so still als wie ein Stein.
   Er hatte stts ein starkes Herze;
   Doch trieb er mit den Jungfern Scherze;
   Veracht den Himmel in der Noth,
   Frcht nicht den Teufel nicht den Tod.
   Am Schlu bereut er seine Snden,
   Das knnt ihr in dem Bchlein finden.
   Nehmt selber jetzt den Augenschein,
   Was da fr Ding enthalten seyn.




                        Die Kindheit Eduards.
                          Erste Kaprizze[3].




                             Einleitung.


   Unter den grossen und kleinen Knigen, welche alle Lnder der vier
   bekannten Welttheile als eine natrliche Erbschaft gromthig unter
   einander vertheilen, lebte Jakob der Friedsame. Sein Reich war so
     gro, da er es bersehen konnte, um alle seine Unterthanen
       zu beglcken. Das Volk und der Monarch wnschte zu ihrer
    Glckseligkeit nur noch einen Thronerben. Die Knigin nherte
     sich eben dem glcklichen Zeitpunkt ihrer ersten Entbindung.




                               Monolog.


     Knig Jakob, indem er aus dem Schlafgemach der Knigin trit.

So wahr ich Knig bin! Mein Sohn soll nicht Alexander, nicht Csar,
nicht Sesostris heissen! -- Schenkt mir die Knigin eine Tochter; so mag
sie ihr einen schicksamen Namen beylegen; aber der Name eines Sohnes ist
mir als Vater und Knig nicht so gleichgltig. Es liegt oft im Namen
gleichsam eine Weissagung. Wie soll ich also diesen sehnlich gewnschten
Gast nennen? -- Hahaha! Was dem guten Weibe beyfllt, Alexander. Hahaha!
-- Eh soll er mir Nero und Attila, wo nicht gar Kartusch heissen! So
wei die Welt, was sie von ihm erwarten soll. Gesetzt ich gebe dem Kinde
den Namen Adam -- Nein! Dieser Name ist mit schwarzen Gedanken vom
Fluche der Erde verknpft. Adam war der erste Ehrgeizige! -- Ich
wnschte einen gutherzigen lchelnden Namen -- Willhelm -- Pfui! So
heit mein unruhiger Nachbar! -- Eduard, Ha! Das Wort klingt sanft.
Eduard, ja Eduard soll mein geliebter Sohn genannt werden.




                               Dialog.


               Knig Jakob, Alsin, hernach ein Hfling.

Jakob. Was bringt mein getreuer Alsin.

Alsin. Einen freudigen Glckwunsch! Die Knigin wird Eure Majestt bald
mit dem schnsten Ehrennamen Vater begren.

Jakob. Dank dir, mein Freund!

Alsin. Betrachten Eure Majestt das seltsame Nordlicht! Ich staunte
schon einige Stunden ber diese wunderbare Lufterscheinung. Das Volk
zieht groe Vorbedeutungen daraus, und ein Schwrmer rief in meiner
Gegenwart: Es wird ein zweyter Alexander gebohren! Der Pbel bleibt
immer Pbel.

Jakob. Lassen wir die Narren reden! Nun, was bringst du so eilends?

Der Hfling. Es lebe der Knig und sein Thronerbe! Ein Prinz hat das
Licht erblickt.

[Funote 3: Da alle neuen Geburten Nachahmer finden; so werden
vermuthlich einige Dichterlinge hastig ber dieses lchelnde Fach
herfallen; ich will Ihnen also durch einen kleinen Auszug aus einem
poetischen Kochbuch Anleitung zu einer Phantasie geben. Man nimmt
Geflgel Rindfleisch, Zwiebeln, Knoblauch, viel Gewrz, lt alles in
einem reinen Topf wohl verkochen, und diese Kraftbrhe heit Phantasie.
Zu oft darf man nicht solche Speisen geniessen, sie geben Anlage zum
gelehrten Podagra.]

Jakob. Die Mutter hat ihn gebohren, und ich habe ihn getauft. Es lebe
Eduard! -- Alsin, das ist ein froher Tag fr mich, und wenn der Himmel
unsern guten Willen segnet, ein froher Tag fr mein Volk! -- Lat uns
den Sugling kssen!




                             Geburts-Ode.


                               Strophe.

   Frstenkind, sey mir gegrt! Lchle Gebhrerinn,
   Hofnungen blhen der Welt schon in dem Suglinge.
   Parze beginne fr ihn einen unsterblichen
   Faden! Reife heran zu den Erwartungen
   Zrtlicher Eltern du Trost, und du Glckseligkeit
   Neuer Geschlechter, die dich Vlker beglcken sehn.
   Jauchzet dem frstlichen Gast, ruft ihn zur Herrlichkeit!
   Gtiger Himmel, bist du sehnlichen Wnschen hold;
   O so gie Segen herab; Weisheit und Tugenden
   Schmcken den Prinzen, der wrdig zum Throne reift;
   Nicht der Krone bedarf, sondern die Krone ziert.


                             Antistrophe.

   Musen begeistert mich izt! Goldenes Saitenspiel,
   Das in dem Lorbeerhain hngt, tne heut lieblicher;
   Sing ein unsterbliches Lied; preise den Jubeltag!
   Hier keimt ein Zweig hervor, der einst die Wolken kt.
   Unter dem Schatten ruht einst sicher der Wanderer,
   Und sein lechzender Mund kostet die ssse Frucht.
   Wenn der Donner ertnt, und das Gewitter drut,
   Strecket der gtige Baum liebreich die Wipfeln aus,
   Nimmt die Heerden in Schutz, schlfert die Hirten ein.
   O du wohlthtiger Baum, wachse zum Segen auf;
   Sey von Vlkern verehrt, und angebetet stts!


                                Epod.

   Darf ich die sssen Ahndungen meines Herzens ergiessen?
   Weissagt mein frohes Gefhl?
   Seh ich die rhmliche Wiege von jenem vergtterten Helden?
   Welche Schlange bekriegt
   Den vom unschuldigen Schlummer gewiegten Sugling? Erwache!
   Rettet das Gtterkind! Eilt!
   Tilget den zischenden Wurm! Doch welch Erstaunen befllt mich!
   Welche Tapferkeit blht!
   Unberwindliche Riesenstrke beseelt die Arme,
   Und der Heldensohn ringt;
   Suglingshnde zermalmen die giftaushauchende Schlange.
   So siegt in Windeln Alcid!




                            Feenmhrchen.


Kaum war die Geburt des Erbprinzen eines grossen Knigreichs in der
neugierigen Feenwelt durch den Ruf ausposaunet; so eilten alle Feen
diesen durchlauchtigen Gast zu bewillkommen, und nach Gewohnheit des
wunderlichen Feenreiches mit allen Gaben zu verherrlichen. Die Thore und
die Pltze der Hauptstadt wurden zu enge, alle Drachenwgen und
magischen Reisekarren der Feen zu beherbergen. Alle Gattungen der
vierfigen, zweybeinigen, und kriechenden Thiere bevlkerten die
jauchzende Residenz. Drachen, Skorpionen, Basilisken, Eidexen, und
tausend Insekten krochen auf den Dchern des kniglichen Pallastes, und
verfinsterten das Tageslicht.

Die Feen nach der lblichen Gewohnheit unserer alltglichen Weiber
machten rings um die goldene Wiege des Kronprinzen einen so entsezlichen
Chor, da der Sugling vom festen Schlaf erwachte, und seine Gnnerinnen
mit einem Zettergeschrey begrte. Zehen Kinderammen wurden gelegentlich
gehrlos, und zum Glck fr die Unterthanen dieses Reichs erschien der
Knig zu spt, sonst wre er nach dem Modebeyspiel vieler Grossen taub
geworden. Die Kniginn der Feen, die grosse und weise Rokatania begann
eben ihre Rede, nachdem sie das Geheule ihrer beredten Schwestern
gemildert hatte, und rief mit Begeisterung: Junger Prinz sey ein Held!

Um des Himmels willen! Madame, unterbrach sie hastig der schnaubende
Knig, halten Sie ein; machen Sie aus dem Kinde, was Sie wollen, nur
keinen Helden! Was soll ich mit einem tolldreisten Thronfolger machen,
der nichts an seinem Orte lt, den jeder Nagel an der Wand irrt, wenn
er ihn nicht nach seinem Eigensinne ordnet? Frau Fee nehmen Sie den
Jungen, ziehen Sie ihn! Seine Mutter kann mit ihrem Schoohunde spielen.
Aber bewahren Sie mich und mein Land vor der leidigen Seuche des
Heroismus! Wer das Kriegsgerusche liebt, findet leicht eine Trommel. In
meinem Lande wrde der Bursche noch in der Wiege zum Alexander. Ich war
auch so ein kleiner Nickel, gleich kamen ein Dutzend einladende
Klopffechter, denen der Kopf wirbelte, und wollten mich ohne Gnade zum
Erzhelden machen; aber ich liebte den Frieden. Freylich schreibt von mir
kein Dichter, und die Geschichte pranget nicht mit meinen unsterblichen
Thaten; aber meine Unterthanen sind glcklich. Ihr Knig hat keine
blutige Lorbeern; aber ein gutes vterliches Herz, das sie liebt. Jeder
Strassenruber, wenn ihn das Glck ein bischen begnstiget, kann ein
Held, ein Eroberer seyn; aber zu einem guten Hirten, zu einem
menschenfreundlichen Landesvater gehrt mehr. Es ist leicht mit einer
halben Million Soldaten die Erde zu zersthren, und Menschen zu
schinden; aber hart ein Volk zu beglcken. Das merken Sie sich Frau
Feenkniginn, und Sie alle meine verehrungswrdigen Damen, wenn Sie
wieder einen Knigssohn segnen; so machen Sie ihn ja zu keinem Henker
und berhmten Taugenichts! So sprach dieser biedere Antiheld.

Rokatania, und die andern Feen berathschlagten sich eine Weile, und
fanden die Grnde des Vaters sehr klug. Endlich nahm die weise
Sapilinia, eine alte Exkniginn der Feen das Wort: Ich finde in meinen
Bchern ein einziges Mittel zur Entheldung des Prinzen, indem man
nmlich seinen Charakter von Jugend auf durch eine ausserordentliche
Erziehung gnzlich vom Gerusche der Waffen entfernet: denn hrt er vor
funfzehn Jahren eine Kriegstrompete; so ist alle Vorsorge vergebens. Ich
will gern die mhsame Arbeit seiner Erziehung auf mich lasten. Ich
bestimme ihm auch aus seiner Nation den weisen Alsin zum Lehrmeister,
und werde beide an einen wunderbaren Ort versetzen, da soll der Prinz
von allen gewhnlichen Menschen entfernt erzogen werden. Ihre Rede fand
Beyfall.

Der Knig umarmte seinen Thronerben, und die Kniginn zerflo bey der
Trennung in Zhren. Der weise Alsin ward gerufen, und die Exkniginn der
Feen, er, und das Kind wurden pltzlich auf einem Feenwagen von sechs
spanischen Fliegen in die Luft getragen. Sie durchstreiften Lnder und
Stdte, bis sie die gewnschten Gestade der Einbildung erreichten.

Sie betraten glcklich die fruchtbare Landschaft Dramaturgia. Die
Hauptstadt Tragdianopel ist sehr antik und majesttisch gebaut. Ihr
Stifter war Knig Thespis. Die Knige Sophokles und Euripides haben sie
sehr erweitert, und die Brgermeister Shakesspear, und Lopez de Vega
haben sie fast zum Ungeheuer gemacht. Die Inwohner gehen auf hohen
Kothurnen, belasten ihre Hupter mit Federbschen, und reden meistens in
Versen. Zum Zeichen ihrer bestndigen Traurigkeit und ihrer
nieversiegenden Thrnen tragen sie weisse Schnupftcher in den Hnden.
Sie ben sich den ganzen Tag auf halsbrechende Flle, tdtliche Sprnge,
und Strze. Sie fallen auf offenem Markte plzlich zur Erde, um ihre
ausserordentliche Kunst im Halsbrechen zu zeigen. Ihre Geberden sind
riesenmig, ihr Gang hochtrabend, und ihr Ton brllend. Alle Minuten
sieht man blutige Schlachten. Sie erwrgen einander, und stechen sich
zum Zeitvertreibe todt. Diese melancholische Stadt ist sehr entvlkert.

Unsere Wanderer enteilten diesem Schauplatze des Schreckens, der mit
Schedeln und Menschenknochen gepflastert war, und erreichten die
anmuthige Stadt Komdienburg. Ein lautes Gelchter, und ein rauschendes
Geklatsche schallte ihnen schon beym Stadttore entgegen. Die Kuppler
hielten Wache. Alle Gattungen Narren und Gaukler machten auf den Pltzen
ihre seltsamen Grimassen. Die Notarien liefen sich ausser Athem in allen
Gssen Heurathsvertrge zu schliessen. Tausend kleine Liebesrnke wurden
berall gespielt, und erzhlt.

Sie verliessen auch diesen lachenden Auffenthalt, und kamen in die
weitschichtige Landschaft Epopea. Sie ist fast von Menschen verlassen,
und wird wechselsweis von alten Gttern und Gttinnen, und bald von
Engeln und Teufeln bewohnet. Sie eilten zur berhmten Stadt Operania;
sie ist in zwey Theile getheilet, wovon einer der Komische, der andere
der Tragische genennt wird. Die Musik ist hier die Seele aller
Handlungen. Man it, trinkt, schlft, geht, sitzt, ficht, liebt und
stirbt hier mit Singen.

Sie durchzogen nur flchtig einige berhmten Stdte, als die
Philosophenburg, wo lauter Weltweise wohnen; Dogmatianopel, der Wohnsitz
der Lehrer, und Redner. Endlich erreichten sie das fruchtbare und
niedliche Arkadien. Diese lchelnde Gegend whlte die Fee zum Wohnsitz
fr den weisen Alsin und seinen Zgling. Auf ihren Wink thrmte sich ein
artiges Landhuschen mit allen Gerthschaften. Alle Bewohner dieser
glcklichen Fluren begrssten ihre willkommenen Gste. Die Fee verlie
den gesegneten Aufenthalt, wo durch die Anstalten des weisen Alsin und
seines liebenswrdigen Schlers die goldenen Zeiten aufblhten.

Eduard wuchs unter den sanften Einflssen eines wohlthtigen
Himmelsstriches. Der Weltweise erhob sein Gemth unter jugendlichen
Spielen zur Tugend und Weisheit, und die unschuldigen Schfersitten
veredelten sein Herz. Eduard whlte sich hier den Schfernamen Tityrus,
und war von allen Gespielen und Gespielinnen geliebt. Funfzehn Sommer
schlichen wie lchelnde Frhlingstage hin. Izt nherte sich der traurige
Zeitpunkt, der seinen Charakter zu andern Beschftigungen entwickelte.

Oridia, eine schwarze neidische Fee kochte in ihrem Busen einen alten
Groll wider die wohlthtige Fee, und wollte das schnste Werk der
Unschuld zerstren. Sie warf durch einen Sturm Kriegsleute an die
glcklichen Gestade dieser seligen Insel, und diese Ruber entfhrten
die schnste Schferinn.




                               Ekloge.


                      Tityrus, Koridon, Tyrsis.

Korid.
   La uns O lndliche Flte mnalische Lieder beginnen!
   Rufet ihr zrtlichen Tne die reizende Daphne zurcke!
   Wer wird im lchelnden Frhling die Felder mit Blumen besen;
   Wer die Gestade der Strme mit grnenden Schatten umgeben,
   Wenn die gttliche Daphne das Antlitz den Schfern entziehet?
   Traure mein Tityrus, weine mit mir, bis wir sie begrssen.
   La uns mit lndlicher Flte mnalische Lieder beginnen!

Tityr.
   Alles besieget die mchtige Liebe; wir weichen der Liebe!
   Nicht so begierig umflattern die Bienen die duftenden Blumen;
   Nicht so hastig besuchen die Lmmer die lockende Quelle,
   Als ich mit Sehnsucht die labenden Blicke der Daphne verschlinge.
   Schon der Gedanke, sie wiederzusehen, begeistert den Busen.
   Wie sind die Fluren so blhend, die meine Geliebte bewohnet!
   Blten enteilen den Zweigen, und Knospen entwickeln sich frher;
   Veilchen und Rosen im bunten Gedrnge belasten die Felder.
   Angenehm suselt der Zephyr durch dickbelaubte Gebsche,
   Und die Nachtigall wirbelt mit Anmuth die zaubernden Lieder.
   Herrlicher pranget mit goldenen Stralen die wrmende Sonne.
   Feyerlich horchet die ganze Natur beym sssen Gesange,
   Das die liebliche Lippe der Daphne harmonisch beginnet.
   Aber ach! Lange schon missen wir alle das siegende Mdchen.
   Seitdem hat sich fr mich die lndliche Gegend verndert.
   Frchterlich rauschen die schwankenden Eschen im traurigen Haine;
   Mich beschleicht kein erquickender Schlummer auf den Gefilden.
   Stechende Bremsen zischen um mich, und Eulen verscheuchen
   Durch weissagende Tne die Ruhe vom strmischen Busen.
   Trume, mein Koridon, schreckliche Trume durchschaudern die Seele.
   Druende Wunder erschttern die Augen. Bald schmettert der Donner
   Wipfel der Bume; bald schwrmen Irrlichter im dmmernden Thale;
   Aechzende Winde durchbrllen die Fluren, und schreyende Dohlen
   Flattern bestndig ber mein Haupt; mein ahnender Busen
   Sieht mit Zittern den nahen Gefahren, O Bruder, entgegen.
   Alles trauert und seufzet; die frliche Gegend entschlummert.
   Rufet ihr zrtlichen Lieder die reizende Daphne zurcke!
   Wer kann sie lieben wie ich, wer kann sie so feurig besingen?

Korid.
   Nur ich mache die Liebe dir streitig, und setze dir Wetten.
   Drey der weissesten Lmmer bestimm' ich zum Preise des Sieges.
   Meine Heerde will ich verspielen, um dich zu besiegen.
   La uns arkadische Lieder mit lndlicher Flte beginnen!
   Nicht so lieblich schimmert das Morgenroth auf den Gebirgen,
   Als die keuscheste Wange der Daphne die Rosen bemalen;
   Nicht so labet der himmlische Thau die durstigen Pflanzen,
   Als ein Lcheln von ihr die gierigen Augen ergtzet.
   Immer erneuert mein treues Gedchtni die selige Stunde,
   In der ich sie das erstemal sah. Wir feyerten damals
   Heilige Feste der glcklichsten Aerndte; die Mdchen erschienen
   Wie die Nymphen mit Blumen geschmcket in festlicher Kleidung
   Meine bezaubernde Daphne besiegte sie alle mit Reizen.
   Wie die Sonne die Sterne verfinstert, so glnzte nur Daphne.

Tityr.
   S und zrtlich hast du gesungen, einschlfernd dem Ohre!
   Aber du sangst nur die Reize des Krpers; ich schildre die Seele.
   Und ich will auch vom Tage der frohen Erscheinung beginnen.
   Keine so heitre Frhlingsnacht kmmt nicht wieder zur Erde.
   Angenehm leuchtete damals der Mond durch stille Gebsche,
   Als der Silberton einer erquickenden Stimme mich reizte.
   Ich fand ein Mdchen im Schatten gegossen; ich sank ihr zu Fssen.
   Gttliches Kind, du hast mich bezaubert! Die Tne sind ssser
   Als der khlende Trunk im heissesten Sommer dem Wandrer,
   Und erquickender als der liebliche Schlummer dem Mden.
   Aber ein ngstliches Winseln zerstrte die zrtlichste Rede.
   Wie ein Pfeil scho Daphne hinzu, die Ursach zu forschen.
   Sie fand ein gebhrendes Weib im tdlichen Kampfe.
   O wie entwickelte sich die reizende Tugend der Schnen!
   Welche Menschlichkeit, welche Gefhle des edelsten Schmerzens
   Strahlten auf dem thrnenden Auge der gtigen Daphne!
   Ihre gastfreundliche Liebe beseelte die himmlischen Thaten;
   Ihre Schnheit bezaubert, doch ihre Sanftmuth vollendet
   Ihre verherrlichten Siege! Sie bleibet bestndig mein Abgott.

Korid.
   Du hast zwar dem Herzen gesungen, doch Tityrus, meine
   Bessern Gesnge weichen nicht deinem erhabenen Liede.
   Dort kmmt Tyrsis, wir wollen ihn beyde zum Richter erwhlen.
   Aber wie weinerlich scheint mir sein Antlitz! Was qult dich O
      Tyrsis?

Tyrs.
   Soll ich wohl lcheln, wann unsere Htten die Zierde verlieren?
   O die ganze betrbte Natur scheint mit mir zu trauren!
   Uns hat der Tod die reizendste Schferin grausam entrissen!
   Ihr erblasset? O weinet mit mir, denn Daphne verdient es!

Tityr.
   Du hast die Wurzeln des Lebens mit tdtlichem Beile gebrochen;
   Daphne verweile, dein Tityrus folgt dir mit hastigen Schritten!

Korid.
   Sag uns die Ursach von ihrer Entfernung, und auch von dem Tode.

Tyrs.
   Hliche Krieger beschlichen zur Nachtzeit die sichersten Htten,
   Raubten gewaltsam, und schleppten die Mdchen zur schwarzen
      Entehrung.
   Umsonst folgten die Ruber der flchtigen Daphne, sie strzte
   In die schumenden Fluten, und ward von den Wellen verschlungen.

Tityr.
   Nicht mehr will ich die Fluren betreten; ich fliehe die Haine.
   O lebet wohl, ihr schattigten Wlder, ihr schnen Gefilde,
   Ihr quellvollen Gebirge lebt wohl! Lebt wohl ihr Bewohner
   Seliger Htten! Ich scheide von euch mit dieser Umarmung.
   Theuerste Brder, lebt wohl! Ich lasse zum spten Gedchtni
   Diese Flte zurck, die oft mit schmachtenden Liedern
   Diese Gegend erfllte. Lebt wohl ihr silbernen Bche,
   Nicht mehr wird mich an euren Gestaden ein Schlummer beschleichen!
   O freundschaftliches Grab empfange den traurigsten Hirten.
   Ich will die seligen Schatten der gttlichen Daphne begrssen.
   Pflanzet, O Brder, der zrtlichsten Liebe zwey Myrthen zum
      Denkmaal!
   Schreibt auf die grnende Rinde die Worte des sterbenden Freundes:
   Tityrus liebte die Daphne mit mehr als irdischer Liebe;
   Sie war sein Leben, sein Licht, er eilte mit ihr zu erblassen!

Tyrs.
   Wie beklag' ich den Tityrus! Koridon, suche die Freunde,
   Sag den harrenden Schfern die traurigste Liebesgeschichte.
   Eilet gesttigte Lmmer, der Abendstern ruft uns zur Htte.




                               Idylle.


                           Alsin, Tityrus.

Alsin. Mein theurer Sohn, ich habe dich behorcht. Gerecht sind deine
Thrnen; aber mige deine Betrbni. Setze dich zu mir unter diese
Eiche, und hre mich aufmerksam. Die Liebe ist eine edle Leidenschaft;
sie vergrssert die Herzen. Aus diesem Grunde billigte ich bisher
stillschweigend deine Zrtlichkeit. Doch es nhern sich izt die
entscheidenden Tage, in welchen erhabnere Pflichten dich rufen. Du bist
nicht zur Weide gebohren. Tityrus erkenne dich selbst! -- Du bist
Eduard, der Thronerbe Jakobs; dessen Geschichte ich dir oft erzhlte. Du
solst ein Volk glcklich machen!

Tityr. Mein Vater, welche Rthsel --

Alsin. Folge mir! Wir werden auf ewig diese Htte verlassen. Willst du?

Tityr. O diese Gegend ist mir izt verhat!

Alsin. Der Himmel bedient sich solcher Zuflle, unsern Willen zu seinen
Absichten zu lenken. Der Aufenthalt des Friedens, der dir sonst so
theuer war, ist dir lstig geworden. Wohlan, wir werden grosse
bevlkerte Stdte sehen. Mein Freund, das Gerusche ganzer Nationen wird
dich betuben. Noch ein Wort, ehe wir gehen. Was ist die Pflicht eines
guten Hirten?

Tityr. Seine anvertraute Heerde auf fetten Auen zu weiden, und sie vor
den gewaltsamen Anfllen der Raubthiere wachsam zu schtzen.

Alsin. Die ist auch das Bild eines guten Knigs! -- Ein Frst mu sein
Volk beglcken und beschtzen. Schwre mir unter diesem gestirnten
Himmel, da dieses dein ewiges Geschfte seyn soll!

Tityr. Ich schwre beym Himmel!

Alsin. Die Menschen werden verschieden regieret. Ich will erst deine
Begriffe erweitern.




                         Dogmatische Poesie.
                             Ein Gesang.


   Muse, besinge die rhmliche Staatskunst der Weltenbeherrscher;
   Zeig die erhabnen Gesetze, womit sie die Erde beglcken!
   Denn die Glckseligkeit jeder Gesellschaft bleibt die Sule
   Niemals erschtterter Throne, und ewigblhender Lnder.
   Selbst die Thiere durch edles Instinkt erwhlen sich Hupter,
   Und die honigzeugenden Bienen leben monarchisch,
   Aristokratisch die Kraniche, die demokratische Herrschaft
   Scheint den Ameisen selbst von der Natur zur Richtschnur gegeben.
   Diese drey Gattungen dienen dem Menschengeschlechtern zur Regel.
   Einige whlen sich einen zum Frsten, doch herrscht er despotisch;
   So wird der Monarch ein Tyrann, das Scheusal der Erde!
   Diese Gefahr zu vermeiden bestimmen die Vlker den Adel
   Zur Handhabung der Landesgesetze; auch dieses zeugt Uebel,
   Denn der Stolz so vieler Gebieter verscheuchet die Freyen.
   Diese gesellen sich brderlich in dem Staat der Republik.
   Einige mischen aus dreyen Gestalten die glcklichste Herrschaft.
   Doch die Monarchie bleibet die Thtigste jeder Regierung.
   Persien hat die wichtige Frage mit Weisheit entschieden,
   Und die Meinung Darius besiegte die klugen Gefhrten.
   Aechte Gesetze mssen dem Volk und dem Lande behagen.
   Wie ein Baumeister die Plane nur nach der Lage bezeichnet;
   So sey bey neuen Gesetzen die Zone, die Sitte des Volkes,
   Und der Charakter der Nation mit Vorsicht geprfet.
   Selbst die Regierungsart soll die Verfassung des Landes bestimmen.
   Durch die Mittel, durch die wir entstehn, sind wir auch erhalten!
   Ist ein Staat kriegerisch; so verderbt ihn ein ewiger Friede.
   Doch den Handelstaat tilget die Flamme verderblicher Kriege.
   Kriege heissen gerecht, wenn die Nothwendigkeit streitet.
   Liebst du den Frieden; so mut du dich immer zum Kriege bereiten!
   Dieses war der geheiligte Grundsatz der siegenden Rmer.
   Ist ein mchtiger Staat mit vielen Provinzen verbunden,
   Knig, so zittere nicht vor seiner gewaltigen Grsse,
   Er fat in sich die hufigen Mittel sich gro zu erhalten.
   Vielleicht machen kleinere Lnder mehr glckliche Brger,
   Denn der Krper der Staaten ist wie der Krper des Menschen;
   Jener ist nicht der strkste zu heissen, der alles verschlinget;
   Der lebt mit blhender Kraft, der mige Speisen verdauet.
   Ein unbersehbares Reich ist schwer zu erhalten.
   Suchet die Menschen in nhrenden Staaten geschikt zu vertheilen;
   Lernet die vollbltigen Adern mit Weisheit zu leeren;
   Mit Pflanzstdten mu man bevlkerte Lnder entlasten.
   Setze dem Wachsthum ein Maa, damit du dein Erbtheil erhaltest.
   Suche Monarch, nur das zu beglcken, was du schon besitzest;
   Sey nicht lstern nach neuer Eroberung; fodre nicht alte
   Langvergessene Rechte von deinen friedliebenden Nachbarn.
   Dieser Eigennutz reisset Vertrge, zerstret das Wohlseyn;
   Mit unersttlicher Habsucht verscheuchst du die Bundesgenossen.
   Fliehet ihr Hirten, die Staatenverbesserer, die euch betrgen!
   In der Monarchie lassen sich Fehler der Frsten verbessern.
   In der Regierung des Volkes fllt der Staat mit den Gesetzen.
   Weh dem unglcklichen Reiche, wo der unbndige Wille
   Eines grausamen Despoten die Landesgesetze beweiset!
   Gold ist das reineste Blut der Reiche; doch setzt es in Umflu;
   Dadurch blhet der Handel, und glcklich ernhrt sich der Brger.
   Weiser Minister, sey wie ein Steuermann immer in Arbeit!
   Sieh, wie er sphet, die Winde belauschet, und Strme voraussieht.
   Bald spannt er Segel, bald zieht er sie ein, bald ndert er Flaggen;
   So mut du mit forschendem Blicke die Welt bersehen.
   Du must wissen, was war, was ist, was eilet zu kommen.
   Der Ostracismus entehret, und strzet die Demokratien.
   Die Republik ist zu langsam zu grossen Geschften.
   Die Regierung der Edlen befrchtet die Grossen und Kleinen;
   Eiferschtig auf ihre Verfassung wird sie oft tyrannisch.
   Die Monarchie gleichet der weisen Regierung der Gottheit,
   Und die Monarchen sollen dem gttlichen Meister sich nhern.
   Suchet, O Frsten, nicht Schtze wie Midas, begehret vom Himmel
   Wie einst Salomon Weisheit, denn Weisheit beglcket die Staaten.
   Selig die Lnder, die Weise regieren, sie schmcken die Krone!
   O wie soll ich genug die Gte den Grossen empfehlen?
   Sie ist die Seele der Staatskunst, der Schmuck und die Sule des
      Thrones.
   Vlker vergttert den gtigen Frsten, der Stunden beweinet,
   Die er nicht mit erquickenden Thaten der Menschheit bezeichnet!
   Wie viel dankende Thrnen fliessen noch auf die Gebeine
   Gtiger Hirten! Sie sind auf der Erde das Ebenbild Gottes,
   Und man heit sie die reizende Wollust des Menschengeschlechtes.
   Du bist zwar mchtig Monarch, doch setze der Eigenmacht Schranken;
   Schme dich nicht, dich unter die weisen Gesetze zu schmiegen.
   Ehre das Recht der Natur, der Vlker, des heiligen Tempels.
   Du bist zwar frey von menschlichen Richtern, doch Gott wird dich
      richten;
   Frh oder spt wird dich die Geissel der Vorsicht bestrafen.
   Ihr seyd nicht Herren, O Frsten, des Lebens, der Gter der Brger;
   Diese Maxime schndet die Throne, brandmarket die Menschheit!
   Nur die Verbrecher knnt ihr des Lebens, der Gter berauben.
   Ihr sollt wie liebende Vter die zrtlichen Kinder beschtzen,
   Und mit segnender Lippe den Shnen die Erbschaft vertheilen.




                         Geheime Nachrichten.


Knig Jakob ward vom Schlage gerhrt, und starb eh er seinen Sohn
umarmen konnte. Die Kniginn bemchtigte sich mit ihren Ministern der
Regierung whrend der Minderjhrigkeit ihres Sohnes, und Alsin, der
diese Zeit zum Nutzen des jungen Prinzen verwenden wollte, fhrte ihn
auf Reisen. Eduard lernte unter seiner weisen Anfhrung die Sitten der
Vlker, und die Geschichte der Knste und Wissenschaften. Bey seiner
Zurckkunft bernahm er das Staatsruder.

Einige glaubwrdige Zeitgenossen erzhlen diese Geschichte mit folgenden
vernderten Umstnden. Unter der Herrschaft Jakobs blhten die Lnder;
aber so glcklich seine Staaten waren, so unglcklich lebte er in seiner
eignen Familie. Emilie seine Gattin ergab sich gnzlich den
Ausschweifungen der Liebe; unter unzhlbaren Buhlern, die heimlich und
ffentlich ihren prchtigen Hofstaat vermehrten, war Feranson der
Glcklichste, und erhielt sich in ihrer Gunst so lange sie herrschte.
Der gtige Jakob war zu liebreich, zu nachsichtig gegen die Fehler
seiner Gattin. Feranson ntzte diese natrliche Gutherzigkeit, flte in
das Herz der Kniginn seinen unbeschrnkten Ehrgeiz, und entwarf ihr
einen schwarzen Plan, der dem Besten der Knige durch ein schleichendes
Gift die Tage verkrzte. Da er den Erbprinzen aus eben den Absichten
hate, entfernte ihn die Kniginn unter dem Vorwand einer schwchlichen
Gesundheit vom Hofe; oder wie andere Biographen schreiben, Alsin ein
wahrer Patriot, der die Lage der Sachen kannte, und wohl einsah, da dem
Reichserben das Schiksal des Vaters bedrohte, entwich heimlich mit
diesem kostbaren Pfande. Gewi ist, da Eduard erst sechs Jahre nach dem
Tode seines Vaters herrschte. Er fand das Reich in einem betrbten
Zustande. Die Kniginn berlie sich ganz der Wollust. Ihr Gnstling
sammelte Schtze. Alles hate und verabscheuete diesen Minister einer
schwelgerischen Frstinn. Die schlauen Nachbarn bedienten sich dieser
gnstigen Gelegenheit, und rissen an sich, was ihnen gefiel. Sie
erkauften den Feranson, der den Krieg aus Zagheit hate. Er verhandelte
die wichtigsten Wrden, gab sie Schmeichlern, Schwelgern, und
wollstigen Hofschranzen, und geno in Ruhe die Frchte seiner Laster.
Izt erschien Eduard. Die Rechtschaffenen fielen ihm zu. In wenig Tagen
gewann alles eine andere Gestalt. Der Gnstling Feranson entfloh mit
seinen Schtzen zu den Feinden. Die Kniginn entfernte sich in eine
Provinz. Eduard bestieg den Thron, und jagte die Schmarutzer vom Hofe.
Jeder Tag seiner Herrschaft ward durch wichtige Zuflle merkwrdig.




                            Scene bey Hof.


                            Eduard, Alsin.

Alsin. Mein Eduard, izt bist du Knig!

Edu. Durch dich! -- Du bist mein Vater, mein Freund, mein Fhrer. Verla
mich nicht, damit ich nicht unter der Last einer Krone zu Boden sinke.
Sag, wie soll ich die Verrther behandeln?

Alsin. Nach deinem Herzen! -- Izt will ich die Frchte meiner Lehren
einrndten. Hr eine Fabel, und dann handle!




                                Fabel.
                       Der Donner und der Thau.


   Hr mich, so sprach der Donner, edler Thau!
   Wenn ich erschalle, bebt der ganze Weltenbau;
   Die Erdenknige betubt ein banges Zittern;
   Ich flsse Schrecken ein den eisernen Gemthern.
   Wenn sich mein Riesenfu von Pol zu Pole hebt,
   Strzt eine schwarze Wolke nieder;
   Der Himmel und die Erde bebt.
   Ich lhme den Geschpfen alle Glieder.
   Vor mir erstaunt, was lebt.
   Ich bin der Herold aller Gtter;
   Vor mir erblat der khne Sptter,
   Und bricht ein Frevler seinen Schwur;
   So strzt mein Blitz herab, und tdtet den Verrther!
   Mir huldigen mit Furcht die Wesen der Natur.
   Ich kenne, sprach der Thau, schon deine grossen Thaten.
   Du kanst nur immer strafen, drun,
   Und willst allein gefrchtet seyn.
   Ich aber bin geehrt in meinen weiten Staaten;
   Ich giesse frh und spt den reichen Segen aus.
   Die ganze Schpfung ist mein Tempel und mein Haus.
   Mich preisen alle Erdenshne.
   Mir dankt so manche fromme Thrne.
   Wie s ist doch der Lohn, wenn man mit Milde giebt;
   Wie sehr bin ich gewnscht, wie sehr bin ich geliebt!
   Ich will mit dir nicht Wrden tauschen,
   Du magst in Wetterwolken rauschen,
   Wenn deine Hand die Blitze lenkt.
   Ich will den stillen Dank, die Segen froh belauschen,
   Die mir mit Lust die Erde schenkt.




              Scene. Ein Vorhof im kniglichen Pallast.


   Ritter Lusian, sein Knecht, hernach die Leibwache und der Knig.

Lus. Fhr meinen Gaul in den nchsten Stall, bewirthe ihn wohl! Ich will
ein wenig sphen, welcher Wind izt bey Hofe weht.

(Der Knecht geht. Lusian sezt sich auf einen Stein bey der Treppe.)

Da will ich erst rasten! ---- Ob mich der junge Knig noch kennt? Damals
war er auf der Reise, izt auf einem Throne ---- Hahaha! Ich sehe
poierlich gnug aus! -- Ich bin mde und schlfrig von der Reise ----

(Er ghnt.)

Die Wache. Hier schlft man nicht! -- Fort! -- Der Knig kmmt! -- Macht
Platz! -- Auf! Fort!

Lus. Ist denn hier kein Gasthof?

(Der Knig Eduard nhert, und horcht lchelnd.)

Die Wache. Ist der Mann toll? Im Pallast des Knigs einen Gasthof suchen
----

Lus. Wer wohnt hier?

Die Wache. Der Knig!

Lus. Wer hat vor dem Knig hier gewohnt?

Die Wache. Des Knigs Vater!

Lus. Und vor des Knigs Vater?

Die Wache. Des Knigs Grovater!

Lus. Beym Henker! So ist es ja eine Herberg, wo ein Pilgrim nach dem
andern ausrastet. Mich soll kein Teufel von der Stelle jagen!

Der Knig. Die Stimme verrth ihn! -- Das ist mein Freund Lusian!

Lus. Und du bist mein Knig! -- Ich bringe dir aus fremden Landen nichts
mit als ein warmes Herz, das zu deinem Dienste bereit ist.

Der Knig. Du vergtterst mich, denn der Gottheit schenkt man Herzen.
Aber wie lang hast du mich deiner werthen Gegenwart beraubt!

Lus. Herr, was soll ein biederer Kerl von meiner Gattung unter den
Reifrcken machen? Die seidenen, kriechenden Hofbuben haben mich
verdrngt. Ich spreche, wie du weist, dreist von der Leber weg. Deine
Mutter fand meine Wahrheiten bitter, und legte mir die Wahl vor,
entweder in das Gefngni, oder auf Reisen zu gehn. Ich whlte freye
Luft, und den Wanderstab, zog von Reich zu Reich, sah Narren in Menge,
und kehre izt mit Ebentheuern verherrlicht zu Dir zurck, weil ich
hrte, da izt ein Mann herrscht! ---- Es giebt Krieg. Brauchst Du
meinen Degen?

Der Knig. Deinen Arm, deinen Kopf, und deine Zunge, denn dein Herz habe
ich schon,. Es giebt ein feines Stck Arbeit. Ich mu meine Unterthanen
demthigen --

Lus. (schttelt den Kopf) Unterthanen? -- Unterthanen! ---- Demthigen,
sagst du? -- (Er nimmt Ihn bey der Hand, und fhrt ihn zu einem
Sulengesimse) Gieb izt wohl Acht! -- Geh leise! -- St! -- St! -- Hier
sitzen ber hundert Fliegen! Ich will sie alle erschlagen? -- Ist das
keine Heldenthat?

Der Knig. Hahaha! Lusian! Ritter Lusian! Hundert Fliegen -- Eine
Heldenthat! -- Das ist eine Narrheit!

Lus. Und du foderst von mir, ich soll deine Unterthanen tdten, die
weniger als Fliegen sind -- Ein Knig mit furchtbaren Kriegsheeren
umringt! -- Monarch, ich bin kein Wolf, ich bin ein guter Schaafhund! --
Weh dem, der deine Heerde angreift, und wenn es ein Lwe ist, ich will
seinen Rachen zerreissen! -- Aber Lmmer, deine eigenen Lmmer, deine
geduldigen Schaafe ----

Der Knig. Du bist immer Lusian! ---- Wohlan, ficht wider meine
auswrtigen Feinde! ---- Ich ernenne dich zum Statthalter aller
Provinzen, die ich einst erobere. ----

Lus. Du lchelst? ---- Ich nehme das Geschenk mit Dank an. Wie viele
Knige fhren den Titel von Lndern, wovon keine Spanne ihnen gehrt!
Komm Knig, wir haben schne Aussichten!




                            Scene bey Hof.


                           Eduard, Marsis.

Edu. Marsis, du lebtest am Hofe meines Vaters, schildre mir die
wichtigsten Personen deiner Zeit! -- Sprich mit deiner gewhnlichen
Freymthigkeit.

Mars. Ich will Eurer Majestt die Charaktere derjenigen entwerfen,
welche die Hauptrolle spielten, denn die Uebrigen waren gleichsam nur
Handlanger und stumme Aufwrter, die sehr wenig auf dem Schauplatz
erschienen, weil stets einer den andern verdrngte.




                             Charaktere.


Knig Jakob war in seiner Jugend schn, und liebenswrdig in seinem
Alter. Gte und Leutseligkeit grten sich auf seinem Antlitz. Er
verabscheute die Rnke und Arglist, und war freygebig. Die Wahrheit
stand stets auf seiner Lippe. Er liebte sein Volk, das ihn anbetete.
Alle gerechten Frsten waren seine Freunde und Bundesgenossen. Dies
hielt einige ehrgeizige Nachbarn im Zaum, und er geno durch seine
Tugend mehr Ruhe, als wenn er immer mit Kriegsheeren gedrohet htte. In
seinem edlen Charakter bemerkte man keinen Flecken, als etwa eine
bertriebene Freygebigkeit, und Nachsicht gegen fremde Fehler.

Emilie, seine Gattinn war die berhmteste Schnheit ihrer Zeit. So
reizend ihr Krper war, so sehr verunstaltete sie ihre Seele durch
Ausschweifungen, die kein Ziel kannten. Sie verbitterte die sanftesten
Tage des Besten der Knige. Ihre zgellosen Begierden berschritten alle
Schranken. Pracht, Verschwendung, Stolz umschwebten sie. Sie liebte
Wechsel in ihren Lsten, und lie sich zu den schwrzesten Handlungen
herab. Unter der unzhlbaren Menge ihrer Buhler spielte die erste Rolle
Feranson.

Feranson war der schlaueste Hofmann seiner Zeit. Er schickte sich in
alle Sttel; er sphte alle Launen, und Schwachheiten der Menschen, und
wuste sich darnach zu bilden. Jeder hielt ihn fr seines Gleichen.
Laster und Tugenden wurden von ihm meisterhaft gefft. Er fhlte nie
das, was man Gewissensbisse heit, und war unempfindlich fr den Ruf der
Ehre. Kein Gnstling hat so wie er den glcklichen und reifen Zeitpunkt
einer Handlung gekannt. Niemand am Hofe durchdrang wie er mit einem
Blick alle Menschen, inde er selbst unergrndlich war. Er handhabte die
Hflinge nach seinem despotischen Willen wie Maschinen. Seine Gnstlinge
waren Verschwender, Schwelger, und Leute, die sich ganz seinem Interesse
aufopferten.




                        Scene. Ein Speisesaal.


    Dornwald, Isidor, Hengist, Nordgau, Edmund, Rasian, und andere
                    Hflinge, Beliam der Hofnarr.

Hengist. (leise) Brder, giebt uns heut der Knig vielleicht das
Henkermahl?

Nordg. Vermuthlich! Ich erwarte meinen feyerlichen Abschied.

Isid. Wir werden die Ehre haben, unsere Wrden niederzulegen. Der Knig
wird ohne Zweifel grosse Wirthschaftsplane entwerfen --

Dornw. O das ist der erste und gewhnliche Schritt aller
Staaten-Verbesserer, die alten Diener zu verabschieden, und den Hof mit
neuen Kreaturen von ihrer Schpfung zu bevlkern.

Ras. Ich habe nichts zu verlieren. Ich war kein Freund des Feranson, und
folglich eine Hofnulle ----

Edm. Wir waren immer von den Speichelleckern der Kniginn verdrngt.

Heng. Vielleicht gewinnen wir beym Wechsel. Ha, da kommt der Hofnarr!

Beliam. (singt)
   Der Knig spielt Triktrak;
   Der Hof ist ein Schnikschnak:
   Wir Frsche schreyn Quikquak!

Heysa, meine Herren Kollegen, lasset uns freuen, trinken, und essen auf
Rechnung des neuen Knigs! -- Den guten Jakob hat sein Weib und ihr
Liebling gefressen. Wir als treue Vasallen wollen seinen Sohn verzehren.
Eduard ist ein Frischling. Von meinem Hunger schliesse ich, da er
wenigstens in drey Tagen rein verschlungen ist. Meine Herren, Sie
lcheln? Glauben Sie etwa, da er uns frit? -- Warum soll er sich mit
Pickelheringen kasteyen? ---- Du armer Beliam, welches Narrenspital wird
dich in deinen grauen Tagen versorgen? ---- Ihr dauert mich alle; bald
werdet ihr hinter dem Ohre kratzen, und rufen -- Wie meynt ihr wohl?
---- Hrt, ich will es euch im Rthsel erzhlen. ----


                              Logogryph.

   Mich kennt zwar jedes Kind;
   Doch will ich izt die Greisen fragen,
   Sie sollen meinen Namen sagen,
   Weil sie so weise Mnner sind.
   Bald werden alle staunend schweigen.
   Hrt meinen Lebenslauf, der recht nach Wundern riecht!
   Mich hat der Sohn, der Vater kennt mich nicht.
   Jedoch bin ich der Gottheit eigen.
   Der Knig stmmelt mich; sein Volk bleibt mir getreu.
   Ich fliehe Zank und Meuterey.
   Ich hasse Weisheit, Laster, Tugend,
   Den frohen Witz, die Munterkeit, und Jugend.
   Der Sommer ist mein theurer Gast.
   Der Winter wird mir eine Last.
   Vergebens suchet mich der Held, und der Gelehrte.
   Den Knstlern war ich niemals hold.
   Ich meide Hauben, Hte, Brte.
   Von den Metallen schtz' ich Gold.
   Man misset mich in allen Elementen.
   Mir ekelt vor Verdienst und vor Talenten.
   Nie kannt' ich Neid, Verlumdung, Fluch,
   Mein Nam' ist freylich schwer zu finden.
   Doch wollet ihr das Rthsel leicht ergrnden:
   So leset euer Namenbuch!

Wisset ihr, was es ist? -- Der kleine Buchstab O! -- Wir werden bald
alle rufen: O! O! O! Der Knig kmmt!




                                Scene.


             Der Knig, Lusian, Marsis, Gefolge, Vorige.

(Die Gegenwrtigen stehen in ngstlicher Erwartung. Beliam versteckt
sich komisch hinter ihnen. Alle neigen sich.)

Eduard. Meine Freunde, da fhr ich Euch meinen werthen Lusian auf. Ihr
kennet seine Verdienste. Ich liebe Harmonie in meinem Hause. Ihr stehet
betroffen? Was beunruhiget Euch? Ich bin der Sohn eures Knigs. Alle
Verdienste, die Ihr bey meinem Vater gesammelt habt, leben heut wieder
auf! ---- Alle Fehler, die etwa nach seinem Tode sich eingeschlichen
haben, werden von diesem Augenblick an vergessen! ---- Erfllet eure
Pflichten als rechtschaffene Mnner, und aus den knftigen Handlungen
will ich jeden von Euch beurtheilen, und belohnen. Mich rufen izt
dringende Geschfte zu Alsin. Gehet zur Tafel, geniesset in Freude den
Segen des Himmels! ----

(Er grsst alle, und tritt zum Gemach.)

(Die Hflinge staunen. Beliam schleicht demthig hervor, und nhert sich
furchtsam dem Knig.)

Beliam (mit Rhrung) Ich war der Narr deines Vaters --

Eduard (beschaut ihn, lchelt, und schlgt ihn auf die Achsel) So bist
du auch der Meinige! ----

(Er geht ab.)

(Beliam macht einen Rundsprung, und kt alle Hflinge.)

Beliam. O du Herzknig! Du sollst leben, und alle Chartenknige stechen!
---- O du Sohn meines lieben Jakobs, Segen auf Dich! Noch die Urenkel
der unsterblichen Narren sollen Dich segnen, weil du mich ihren
Grovater begnadigst. Heut will ich deine Gesundheit trinken, Du grosser
Eduard! -- Ich fodere jeden zum Kampf auf! ---- Ich setze meine Nase zum
Pfande ---- Nicht jeder Edelmann ist so reich wie ich! ----

Hengist. Ich nehme die Ausfoderung an. Ich bin heut in der Freude meines
Herzens! ---- Her die vollen Becher, wenn ich berwunden werde, so soll
mein Sohn mich rchen! ---- Es lebe der Knig!

Alle (trinken) Es lebe Eduard!

Beliam. Schenkt ein!

Hengist. Zum Henker, macht die grosse Freude mich verlegen? Der Bube
haut mich zu Schanden ----


                             Parodie.[4]

   O welche Schande fllt auf meine grauen Haare!
   Erlebt' ich nur mit Ruhm des Alters hchste Jahre,
   Damit ein schwarzer Tag mir edle Lorbeern bricht;
   Damit mein graues Haupt beschmt zur Erde kriecht;
   Die Kehle, die so oft den lauten Beyfall hrte,
   Die der Trompetenschall als Siegerinn beehrte,
   Die Kehle wird besiegt, verliert die Wunderkraft,
   Verschmht den Gttertrank, den sssen Rebensaft.
   Gedchtni schlummre doch, zeig mir nicht grosse Scenen!
   Ich seh' auf sie zurck mit Quaal und heissen Thrnen.
   O damals focht ich noch als Sieger jugendlich.
   Der Ruhm der Jahre flieht, die Schlappe schndet mich.
   Doch la uns nicht so lang von Niederlagen sprechen:
   La uns den Frevel khn an unserm Feinde rchen!
   Ich trage nicht den Schimpf bis in das kalte Grab;
   Zuerst leg ich mein Amt als erster Mundschenk ab.
   Flieg in die Luft Krystall, in dessen klarer Hlle
   Der starke Weingott thront! Dies ist mein letzter Wille.
   Du bist nicht mehr mein Schmuck; ich bin fr dich zu alt.
   Ich trinke nicht als Held; ich kmpfe trg und kalt.
   Ich will nicht mehr dem Ueberwinder lgen.
   Du goldner Kelch leb wohl! Du zeugst von meinen Siegen.
   Eil, such dir einen Freund, erneure das Gefecht,
   Such einen Ritter auf, der meine Schande rcht! ----
   Sprich, hast du Herz mein Sohn?

[Funote 4: Sieh von Korneille das Trauerspiel Cid. Der sechste und
siebente Auftritt enthlt den Stoff der Parodie. Diego wird von seinem
Gegner durch eine Maulschelle entehrt, zieht den Degen, wird entwafnet,
und beseufzet seine Schande. Sein Sohn Roderich bernimmt die Rache.]

Der Sohn.
      Kein andrer sollte fragen,
   Er wrde schon den Lohn von seinem Frevel tragen!

Der Vater.
   Wie schn lt dieser Zorn, wie labt mich deine Glut,
   Denn mein gerechter Schmerz erwartet edle Wuth!
   Du bist mein chtes Blut; in diesen Feuerzgen
   Lebt meine Jugend auf; du sollst den Feind besiegen!

Der Sohn.
   Sprich Vater, wer entehrt dein lorbeerreiches Haupt;
   Wer hat den Ruhm, der dich unsterblich macht, geraubt?

Der Vater.
   Ich fiel, ich fiel, O Sohn, im schndlichsten Gefechte;
   Ich bin bereits zu schwach; beschtze meine Rechte!
   Nimm diesen theuren Kelch, beginn den ersten Krieg,
   Erobere mein Sohn fr mich den ersten Sieg!

Alle Hflinge. Bravo!

Beliam. Noch nie hat ein Sohn fr seinen Vater so willig, so tapfer
gefochten! Ich gebe mich berwunden! Du saufst den Knig arm aus
kindlicher Liebe.

Isidor. Lasset izt euren Witz aufsprudeln! ---- Ihr wackern Brder, hrt
mein Trinklied ----


                             Leberreime.

   Wenn mir die vollen Glser blinken,
   Soll ich denn nicht wacker trinken?
   Holder Weingott, meinen Gru!
   Izt will ich auf Rosen sinken,
   Und dem frohen Amor winken;
   Ssses Mdchen, einen Ku!

Alle. Es lebe der Knig!

(Eduard erscheint, winkt allen zu bleiben, und setzt sich in ihre
Mitte.)

Eduard. Aus eurer Munterkeit, meine Freunde, erkenne ich euer Zutrauen.
Mindert eure Freude nicht, ich will daran Theil nehmen.

Lusian. Izt kann ein ehrlicher Kerl wieder am Hofe lachen. Die Weiber
sind weg. Es lebe der Knig! Ich will meinen Lieblingsgesang singen.


                              Rundlied.

      Htet euch vor Weiberhauben,
      Schliet den Mdchen euer Haus;
      Anfangs girren sie wie Tauben,
      Doch sie brten Geyer aus.

   Spht den Lebenslauf der Schnen;
   Prfet ihr verstelltes Herz!
   Lernt das Spiel von ihren Thrnen,
   Ihre Launen, ihren Scherz.

      Htet euch vor Weiberhauben,
      Schliet den Mdchen euer Haus;
      Anfangs girren sie wie Tauben,
      Doch sie brten Geyer aus.

   Hrt die trotzigen Befehle!
   Welche Strme kocht die Brust!
   Immer nhret ihre Seele
   Neue Wnsche, neue Lust.

      Htet euch vor Weiberhauben,
      Schliet den Mdchen euer Haus;
      Anfangs girren sie wie Tauben,
      Doch sie brten Geyer aus.

Der Knig. Lusian, du bist weit gereiset, erzhle doch der Gesellschaft
deine Ebentheuer.

Lusian. Ein Theilchen liegt auf der Zunge.


                          Reisebeschreibung.

Ich durchwanderte viele Knigreiche, und fand oft wunderbare Geschpfe.
Ein Ungefhr fhrte mich in eine seltsame Insel, die von Mcken und
Grillen wimmelte. Der Handel lag hier meistens danieder, man handelte
nur mit Fliegenwedeln, weil die Bewohner so sehr von den Mcken geplagt
wurden. Ueberall fand man wunderliche Grillen. Die Universitten, die
Schaubhnen, die Schulen, die Tanzsle, die Rathhuser hatten ihre
besondere Gattung von Grillen. Der Knig nhrte seine Grillen, und die
Unterthanen folgten seinem erhabenen Beyspiele. Der oberste
Staatsgrillenkzler versah seine Majestt tglich mit neuen politischen
Grillen. Eines Tags trumte der Knig von einer Originalgrille, die noch
in keiner Grillensammlung zu finden war, und die wenigstens tausend
Tonnen Goldes und eine halbe Million Menschen kostete. Was schiert das
den Monarchen, seine Lieblingsgrille ward ausgefhrt. Es war der
Grillenfngerey kein Ende. Die Unterthanen murrten heimlich ber manche
durchlauchtige Grille, und beschwerten sich, da nicht nur innlndische,
sondern auch fremde Modegrillen ihnen zur Last fielen. Allein der Knig
liebte nichts, als Grillen. Mit einer neuen Grille konnte man bey Hofe
sein Glck machen. Die Grillenprojektanten theilten unter sich die
schnsten Wrden, und erschpften die kniglichen Kassen. Da man wohl
einsah, da man nur mit Grillen sein Glck befrderte; so blhte lang
der Hang zur Grillenfngerey. Die weiblichen Grillen waren die
Vernderlichsten und Artigsten. Die Gelehrten wetteiferten mit den
Schnen, und heckten so ungeheure Grillen aus, da sie nur den hlichen
theologischen Grillen an komischer Gestalt wichen. Ich verlie mit
Unwillen diese grillensieche Insel. Ich eilte fort, und kam in die Stadt
der Klopffechter. Hier war das berhmte und ritterliche Faustrecht noch
in der ersten Mode. Alles geschah mit despotischer Gewaltthtigkeit. Der
Knig des Landes bewies seine gerechten Ansprche auf die Gter seiner
Unterthanen und Nachbarn sonnenklar, indem er seine Patente durch
viermalhunderttausend wohlbewafnete Blutzeugen untersttzte. Mit der
Pistole in der Faust lehrte man auf dem Katheder die Rechte des
Landesfrsten. Weh dem, der nur einen unterthnigen Zweifel nhrte. Die
Gottesgelehrten predigten mit dem blossen Schwerte, und bewiesen die
dunkelsten Stze so grndlich, da sie tglich Proseliten machten. Auf
allen Thren der Rathssle stand die Inschrift: ^Stat pro ratione
Voluntas!^ ---- Ich zog hastig weiter. Hin und wieder sah ich allerhand
Seltenheiten. Die Menschen sind sehr erfindsam. Eine besondere
Lustbarkeit ist an grossen Hfen --


                           Der Maskenball.

Der Maskenball ward am hellen Tage bey Hofe gegeben. Die Masken waren
sinnreich gewhlt. Die Furchtsamen bedeckten sich trotzig mit
Lwenhuten. Die Gleiner trugen den ehrwrdigen Priesterrock. Die
schlauen Hoffchse versteckten sich unter Lammfellen. Die berufensten
Metzen borgten das weisse Brautkleid, und spielten ihre knstlichen
Rollen im jungfrulichen Grazienschmucke. Die Dummkpfe hllten sich in
Staatspercken, und Magistratmntel. Die Miggnger machten sich mit
Ordenszeichen wichtig. Das Alter bedeckte seinen grauen Bart mit einer
jugendlichen Larve. Die Zwergen vergrsserten sich mit Kothurnen zu
Riesen. Alle fften ihre Scheincharaktere so natrlich, da nur Kenner
sie entlarvten.


                           Marionetenspiel.

In den Stdten und an den Hfen unterhlt man sich mit einem sinnreichen
Puppenspiele. Man sucht Figuren von verschiedenen Stnden, Frsten,
Grafen, Baronen, Brger, Beamte, Knstler, Gelehrte. Sie sind so
natrlich gemacht, da man schwren sollte, sie wren chte Menschen;
aber sie haben keine Seele. Sie sitzen, gehen, stehen, schlafen, essen,
trinken, lachen, sprechen, ohne da man die verborgenen Schnre sieht,
welche diese Maschinen in Bewegung setzen. Die Triebfedern sind
verschieden. Oft eine schwache weibliche Hand belebt ungeheure Kolossen.


                            Taschenspiel.

Das Taschenspiel wird am Hofe bis zur Vollkommenheit gebracht. Die
Behndigkeit der Zunge, und der Finger zeugt jene Zauberey. Alles
verwandelt sich, entflieht auf einen Wink; kmmt wieder durch einen
Hauch. Man giebt, ohne zu geben. Man nimmt, ohne da man den Ruber
entdeckt. Alles ist verabredet. Den staunenden Zuschauern wird nicht
Zeit gelassen zu berdenken, durch welche Griffe alles geschieht, und
wenn sie die Ursache untersuchen wollen, ist alles schon geschehen.


                            Schattenspiel.

Dieses ist das Meisterstck der Grossen. Sie versetzen ihre Zuschauer in
eine ewige Nacht; verbergen sich hinter einer Schleyerwand, und gaukeln
ber ein Licht wunderliche Grimassen. Dadurch erhalten alle ihre
Handlungen jene tuschende risenmige Grsse, die fr scharfsichtige
Augen zwar immer Gaukeleyen sind, den bldsinnigen Pbel aber in
Erstaunung setzen, und ihm eine kriechende knechtische Ehrfurcht fr die
grossen Schattenspieler abnthigen.


                 Die Zauberlaterne und der Gukkasten.

Die optischen Maschinen sind auch ein Blendwerk, das man mit Licht und
Schatten am Hofe sehr glcklich anwendet. Das seltsame Gemische von
grotesken Figuren, neuen Masken, phantastischen Scenen, Handlungen,
Geberden der Zauberlaterne zeiget die wunderbaren und flchtigen
Auftritte der kniglichen Burg. Man bedarf eines beredten Einsagers, der
mit rascher Zunge seine Zuschauer zubereitet, denn in einer Minute
verschwinden die Vorstellungen, und neue Begebenheiten verdrngen die
Alten.

Alle. Hahaha! Das war eine feine Satyre!

Mars. Izt etwas von der Liebe, meine Freunde!


                               Sonnet.

      O Amor, schnster Gott, hr meine lezte Bitte!
   Sey meiner Liebe hold, dies soll die Gnade seyn.
   Der Wunsch ist fr mich gro, fr deine Krfte klein;
   Wie oft empfand mein Herz Beweise deiner Gte!
      Du warst mein Busenfreund, du lenktest meine Schritte;
   Wer kann so fromm wie ich dir tglich Weihrauch streun?
   Wen wird dein Lcheln mehr als meine Brust erfreun?
   Sie glte nur fr dich schon in der ersten Blte.
      Von dir beseelt steh ich izt in der Lebensmitte.
   Mich reizt die Grsse nicht: ich geize nicht um Aerz;
   Du labest mich allein; durch dich entflieht der Schmerz.
      Besuche ssses Kind noch einmal meine Htte!
   Dir folget jede Lust, Du bringst den sanften Scherz
   Durch deine Gabe mit; schenk mir Sophiens Herz.

Rasian. Ich zahle dich mit einem ----


                              Madrigal.

   Du buhlest um mein Herz, Rosine?
   Betrachte besser deine Miene;
   Schlag heimlich den Kalender auf,
   Und berdenk den ganzen Lebenslauf!
   Izt sind es volle dreyig Jahre,
   Da warst du mir zur Braut zu jung.
   Ich lud dich spter zum Altare,
   Und hrte mit Demthigung,
   Du seyst bereits, ich wei nicht, wem versprochen.
   So war die Zrtlichkeit bezahlt.
   Izt kmmt die lezte der Epochen.
   Du scheinest mir, ich sag es frey, zu alt,
   Das macht auch meine Liebe kalt.

Der Knig. Wer ist der Verfasser?

Ras. Ein Dichter, der mit den Reifrcken zerfallen ist, und vermuthlich
in einem Krankenspitale hungert.

Der Knig. Der Mann scheint mir Kopf zu haben.

Ras. Er schrieb auf sich selbst dies lezte ----


                               Epigram.

   Die Menschen fliehen ihn wie eine Schlange;
   Was mag die Ursach seyn? Ist er Medusens Schild?
   Zeigt seine Larve sich mit eingeschrumpfter Wange;
   Sind seine Zge hlich wild?
   Macht eine Krankheit ihn so stinkend wie die Leichen?
   Ist er beschwert mit bsen Seuchen?
   Zernagt ihn innerlicher Harm,
   Und macht ihn wild und ungesellig?
   Ist er zu ungestm, zu ungefllig?
   O nein! Erstaunt! Er ist -- zu arm.

Der Knig. Ich will mich seiner erinnern. Verdienste sollen nie darben!
Sucht sie auf, ruft sie aus den Schlupfwinkeln, und es soll mein
schnstes Geschfte seyn, sie zu belohnen!

                      Ende der ersten Kaprizze.




                         Der Jngling Eduard.
                           Zweyte Kaprizze.




                             Biographie.


Das Leben grosser Knige ist das Vorbild, und die Schule der Herrscher.
Sie sehen die Tugenden, die sie erreichen sollen, und die Fehler, die
ihre Vollkommenheiten entstalten, und ihr Gedchtni bey der Nachwelt
verchtlich machen. Der Donner der Wohlredenheit und der Pinsel der
Wahrheit verewiget entweder ihr Lob, oder ihre Schande. Eduard ist einer
von den besondern Frsten, deren edlere Thaten die Aufmerksamkeit
spterer Geschlechter verdienen. Die ersten Jahre seiner glorreichen
Regierung sind rhmliche Beweise der erhabensten Eigenschaften, und das
Muster grosser Monarchen.

Die gtige Natur erschpfte sich gleichsam, in ihm ausserordentliche
Gaben als in einem Mittelpunkte zu vereinigen, und ihn zum Meisterstcke
der erstgebornen Genien zu bilden. Seine erhabene Miene verrieth seinen
kniglichen Stand. Sein Wuchs war schn, seine Zge einnehmend, und
seine Suada bezaubernd. In ihm versammelten sich alle schtzbaren
Eigenschaften seiner wrdigen Ahnen, und vielleicht aller kommenden
Enkel. Sein Herz war gro und zrtlich, und sein Geist durchdringend und
erlaucht. Sein Auge war scharfsichtig; er sphete die Verdienste, und
selten entwischten sie seinem Adlerblicke. Die Rechtschafnen freuten
sich, denn sie sahen in ihm einen billigen Richter, der ihre Treue und
Geschicklichkeit prfte, und belohnte; die Verdienstlosen hingegen
wurden desto mehr beschmt, weil schon die entehrende Ausschliessung von
den Gnaden ihres wohlthtigen Landes-Frsten ihre Schande bezeichnete.
Da er den Charakter der Menschen mit einem Blick bersah; wuste er die
unentbehrliche Kunst weiser Regenten jeden an seinen chten Platz zu
stellen, und jede Fhigkeit zu benutzen. Er kannte andere, ohne sich
selbst ergrnden zu lassen. Doch hate er die alberne Grimasse feiner
Politiker, die aus Kleinigkeiten Geheimnisse machen. Nur Hauptgeschfte,
deren glcklicher Erfolg von einem heiligen Stillschweigen abhieng,
wurden von ihm in eine tiefe Nacht gehllet. Er lie seine Nachbarn
nicht bey jedem Schritte zittern; seine Verheissungen waren
unverbrchliche Schwre, und seine Bndnisse so ehrwrdig wie Eide.
Seine Handlungen blieben allezeit kniglich. Er gab seinen Thaten eine
majesttische Grsse; seine Gedanken und Worte verriethen, aus welcher
vortreflichen Seele sie ihren Ursprung zogen; er nahm nicht Zuflucht zu
bertriebnen Geprnge; aber er wrdigte nie seinen Stand durch geizige
Sparsamkeit ab, damit er den Knstlern die Nahrungswege nicht
beschrnkte. Er liebte in allen Kunst und Geschmack; seine Gebude
prangten als Denkmler, welche den Staat verschnerten, und den
Fremdling in Erstaunung setzten. Sein Leben war einfach, aber
wohlgeordnet.

Im Frieden, den er liebte, theilte er weislich seine Stunden. Frh
begann er die Reichsgeschfte. Er suchte die Krze, und hate die
Weitschweifigkeit und Dunkelheit des Vortrags. Seine Minister und Rthe
muten grndlich von den Gegenstnden unterrichtet seyn. Den Nachmittag
widmete er dem Umgang mit allen Menschen, und hatte jeder Stand seinen
ausgezeichneten Tag, in welchem jeder das Antlitz seines Knigs sehen
konnte. Der erste Tag der Woche ward den Staatsleuten gewidmet; der
zweyte den Kriegern; der dritte den Gelehrten, der vierte den Knstlern,
der fnfte den Kaufleuten, der sechste den Priestern, der siebente den
Ackersleuten, und der achte dem schnen Geschlechte, in dessen Umgang er
die Artigkeit zu suchen pflegte. In diesen Stunden sprach er mit
Jedermann wie ein Bruder zum andern, und klrte sich so auf, da jeder
ihn fr einen Meister in seinem Fache hielt. Die Hflichkeit war jene
Zauberey, womit er alle Herzen fsselte; er schien unwiderstehlich im
Umgang. Seine Reden schlichen so sanft in alle Ohren, und drangen so
rasch zum Herzen, da er alles hinri. Nie sprach er von sich selbst. Er
lobte verdienstvolle Mnner. Nie war er bescheidner, als nach gewonnenen
Schlachten, und niemals demthiger als im Glcke. Selbst seine Feinde
preisen an ihm diese seltne Tugend; aber nie schien seine Seele grsser
und thtiger als in Gefahren, die sein geliebtes Vaterland bedruten. Er
war wie eine Lwin, die ihre Jungen vertheidiget. Seine Augen glten, er
war Tag und Nacht auf den Flgeln, und er ruhte nicht, bis er die Strme
beschwur, und die Wolken zertheilte. Jemehr Feinde wider ihn aufstunden,
destomehr Gelegenheit fand er seinen Ruhm zu vergrssern. Ein Seemann
wird in Ungewittern geprft. Er kannte die Ebbe und Flut des Glckes,
und ntzte die goldenen Augenblicke, in denen es ihm lchelte. Die
Gnaden, die er ertheilte, und versprach, waren so gewi, da man sie
gleichsam schon empfieng, wenn er sie verhie. Nie brach er sein Wort,
weil er nichts ohne reife Ueberlegung zusagte. Geprften Gelehrten gab
er einen Gehalt zur Aufmunterung, um sie in den Stand der nthigen Musse
zu versetzen, die ihr Studium erfoderte. Wrdige Witwen, die Kinder zu
erziehen hatten, konnten Anspruch auf seine Gte machen, und er foderte
Rechenschaft von der Verwendung seiner Gnaden. Wenn rechtschaffene
Mnner durch Unglcksflle darbten: bot er ihnen eilends Hlfe an;
warum, pflegte er zu sagen, wendet ihr euch nicht an mich, und vertraut
eure Bedrfnisse eurem Freunde? Da er wuste, da die Armuth die Mutter
aller Laster ist; so war er der Vater der Armen. Leute, welche das Alter
oder ein gebrechlicher Krper ausser Stand sezte, das Brod zu gewinnen,
wurden von seiner Milde erhalten, und er zhlte sie unter die Suglinge,
die er als Waisen ernhrte. Andern Bedrftigen wies er gute Nahrungswege
an, und sie wohnten in einer Vorstadt beysammen, durften auch so lange
nicht in Stdten sich niederlassen, bis sie durch Flei ein kleines
Vermgen sich erwarben. Er ehrte alle Stnde, wie ein Vater alle seine
Kinder gleich liebt. Er gab keinem Stande eine Vorliebe, und keinem eine
Ausschliessung. Jeder in seiner Gattung war geschtzt, und von ihm
geehrt. Der Vater vieler Kinder geno besondere Vortheile. Er lie dem
Adel fhlen, da ohne eigne Verdienste das Ungefhr einer hohen Geburt
ein blosser Schatten ist, und der Adel nur eine Aneiferung zu
ausserordentlichen Tugenden, nicht aber ein Freybrief des Miggangs
seyn sollte. Er zog die Talente aus der Dunkelheit hervor, und suchte
die schchterne Bescheidenheit auf, wo sie im Winkel darbt. Die Beamten
durften sich durch Wissenschaften aufklren, und er hielt nicht wie
viele barbarische Grosse die Unwissenheit fr ein Zeichen der Treue und
des Fleisses. Jeder konnte Anspruch auf Wrden machen, wenn er nur
Fhigkeit besa. Jeder Brger erfreute sich im Genusse seiner Gter. Ich
bin ein Hausvater, sagte Eduard, die erste Pflicht eines liebreichen
Hausvaters ist, von seinen Kindern geliebt zu werden, ihnen den
Aufenthalt in seinem Hause lchelnd zu machen, damit sie sich nicht um
fremde Wohnungen sehnen, und vergngt sind, in seiner Htte zu leben.
Die Gesetze werden liebreich, wenn er sie berzeugt, da alle zu ihrem
Wohl, und zur allgemeinen Glckseligkeit abzielen. Er liebte zu sagen,
alle Fehler der Knige tragen ihre Unterthanen.

War er im Felde; so bersah er nicht nur die Wrde des Anfhrers,
sondern er ward ein gemeiner Soldat; und wenn er die Heere in
Schlachtordnung stellte, und das Treffen entwarf, theilte er alle
Gefahren mit seinen Kriegern. Seine Unterthanen, die ihn wie einen Vater
liebten, hatten zum Sprchwort: Die Tapferkeit ist unsers Knigs
einziger Feind, die uns fr seine kostbaren Tage zittern macht. Wer die
Geschwindigkeit seiner Thaten bemerkte, glaubte, da Eduard fliegen
mte, und wer die Grsse und Wichtigkeit der Handlungen prfte,
erkannte, da er nicht eilen konnte. Man bedurfte oft mehr Zeit, seine
Thaten zu erzhlen, als er, sie auszufhren. Die Gelassenheit war ein
besonderes Zeichen seines erhabnen Verstandes, und er hatte die grste
Herrschaft ber sich selbst. Die sanfte gtige Art, womit er alle
Handlungen und Worte wrzte, legte ihnen einen doppelten Werth bey; die
Gnaden wurden unschtzbar, und selbst eine verweigerte Bitte ward zur
Gnade.

Er liebte zrtlich sein Volk, und unterschied den Brger weislich vom
Fremdling; dadurch pflanzte er die Liebe zum Vaterland in alle Herzen.
Ein Land, das seine Kinder geringschzt, wird von ihnen verachtet, und
verlassen. Das Glck seines Volks war sein reichster Segen. Er liebte
nicht Leibwachen, und wandelte frey unter seinen Shnen. Seine
Rathschlsse waren meistens bekannt, er lie seine Unterthanen alle
Plane und guten Absichten wissen, und sagte: Ich liebe keine schdlichen
Neuerungen, und habe kein Staatsgeheimni. Ein wohlgeordnetes Heer von
treuen Landeskindern, und der Reichthum meiner Brger ist meine Politik!
Sklaven fechten nur aus Zwang fr Ketten und Gefngni, freye Brger,
die ihr Vaterland lieben, sind die Sttzen eines gerechten Thrones.

Er handhabte mit Standhaftigkeit die Gesetze, die alle nur zum Wohl der
Lnder abzielten, wenig, einfach, und verstndlich waren. Oft weinte er,
wenn er ein Urtheil unterschrieb, und er milderte gern die Strenge. Er
strafte khne bundbrchige Nachbarn: er beschrnkte den Ehrgeiz
habschtiger Knige; er kam unterdrckten Freunden zu Hlfe; er schonte,
wo er Langmuth zeigen konnte; er wog das Blut auf der Goldwage, und zog
nur gezwungen das Schwert. Die Feinde frchteten seine Gerechtigkeit. Er
hungerte nie nach fremden Gtern. Wurden feindliche Schiffe auch in
Kriegszeiten durch Strme an seine Gestade geworfen; so gab er
gromthig Befehl, sie frey zu lassen, und ihnen alle Bedrfnisse zu
reichen, weil er sich keines Ungefhrs zum Vortheil bedienen wollte.
Dies machte ihn zum Mittler und Schiedsrichter aller Nazionen, die seine
Gemthsbilligkeit kannten.

In seinem Pallast hatte jeder freyen Zutritt. Lasset das Volk herein,
rief er oft den Wachen zu: ich bin nicht Knig fr mich, sondern fr
sie! Er strafte freche Zungen. Es sind nur Worte, sagte einst dreist ein
Hfling, und Worte sind keine Pfeile! Desto rger, rief Eduard! Pfeile
durchdringen nur den Krper; aber Worte verwunden die Seele und das
Herz! Die Verschwender waren nie seine Lieblinge. Ein verschuldeter
Edelmann lud ihn auf einer Reise zu Gast. So mssen wir eilen, meine
Freunde, sprach Eduard zu seinem Gefolge, sonst kommen wir zu spt. Da
er in das Haus des Verschwenders trat, fragte er, wem gehrt dieser
Pallast? Dir mein Wirth? Wenn es wahr ist; so wnsche ich dir Glck!

Eduard war gtig, leutselig, sanft und uneigenntzig. Jeder Tag wurde
durch edle Handlungen bezeichnet, und wie eine Meile gepflegtes Land
mehr ist, als eine Wsteney von hundert Parasangen; so ist ein Blatt
seiner Geschichte wichtiger, als ganze Bnde unfruchtbarer Jahrbcher,
die der Nachwelt nichts weiter sagen, als da viele Knige Thoren
gewesen sind.




                                Brief.
                       Lusian an seinen Freund.


Bruder, wir haben Krieg. Unser Eduard beginnt seine Regierung damit, da
er von seinen wilden Nachbarn die Lnder zurckfodert, die sie unter der
schlafschtigen Herrschaft der wollstigen Emilie gewaltsam an sich
rissen. Die feindlichen Knige hren mit Verachtung seine gerechten
Foderungen, behandeln ihn wie einen unweisen Jngling, verspotten dreist
seine Gesandten, und senden ihm einige Kriegsgefangene schndlich
verstmmelt zurck. Der Krieg ist erklrt. Wir fliegen an die feindliche
Grnze, und stehen vielleicht schon auf fremder Erde, wenn unsere Feinde
erst unsere Kriegserklrung lesen. Eduard ist lauter Leben und
Ttigkeit. Ich folge seinen hastigen Schritten, und umarme dich in
Gedanken, u. s. w.




                                Scene.


   Eine Ebne. Eduard, Lusian, viele Krieger, hernach Ritter Piron.

Edu. Mein lieber Lusian, unsere Geschwader werden durch Freywillige
bevlkert, die sich von allen Seiten zu unserer Fahne drngen.

Lus. Ich finde wackere Leute darunter. Betrachten Eure Majestt nur jene
muntere Jugend von Edelleuten, es ist lauter Feuer und Seele in ihnen!
Man mu sie mit gedienten Leuten vermischen.

Edu. In der That, sie entzcken mein Auge! ---- Warum lchelst du?

Lus. Dort eilt auf einem Klepper ein wunderbares Geschpf; welch ein
Kontrast!

Edu. Die Natur hat das arme bucklichte Mnnchen sehr mihandelt. Er
drngt sich zu uns durch die Haufen. Was mu er wollen?

Piron. Ich lege mich Eurer Majestt zu Fssen ----

Edu. Was suchst du, mein Freund?

Piron. Kriegsdienste --

Edu. Du bist ein wenig bel gebaut --

Pir. O sehr bel; aber ich bin kein Parlament, da ich mir selbst
Glieder whlen knnte. Die Natur macht den Krper; aber ich habe meinen
Kopf und mein Herz gebildet!

Edu. Wie heissest du?

Pir. Piron --

Lus. Der Name ist gnug! -- Er ist mein Landsmann, aus einer Familie, die
Helden zeugte, und ich nehme ihn mit Eurer Majestt Erlaubni unter
meine Geschwader. Bruder Piron, la uns zeigen, da nur der Kopf und das
Herz tapfre Krieger macht!




                               Bardiet.


   Arnold, Dietrich, Gotmayer, und andere Hauptleute. Hedwig Arnolds
     Gattin, viele Jungfrauen, Krieger, Druiden, Barden, hernach
                      Adelreich und Gefolge.[5]

(Die Scene ist ein Schlachtfeld und die benachbarten Gegenden.)

Arnold. Lassen wir die Cherusker im Hinterhalt! -- Miget eure
voreilige Hitze! ---- Erwartet das Zeichen des Angriffs! ---- Wir fallen
den Feinden in den Rcken!

Dietr. Khn sind unsre Anschlge, noch khner mein Vorsatz! -- Bruder,
wenn ich falle; so la mich mit meinen Waffen begraben!

Arn. Der Prfungskampf weissaget uns Sieg.[6] Mein jngster Sohn hat den
Rmer besieget!

Dietr. Sind es nicht erst zwey Monden, da du ihm feyerlich die Waffen
reichtest?

Arn. Der Nmliche!

Dietr. Welche Hofnung reifet fr Deutschland heran! Freund, meinen
Glckwunsch! ---- Du bist Vater edler Shne! ---- Ha! Gotmeyer! --
Priester unserer Gtter sey uns gegrt! ---- Was weissagen die Opfer?

Gotm. Sieg! -- Das Blut flo rein wie eine Quelle!

Arn. Bleib mit deinem Gefolge im Rckzug! Ich gebe Euch tapfere Haufen
zum Schutze. Verdoppelt eure Opfer, es ist heut ein entscheidender Tag!
-- Ihr Barden befeuert mit Kriegsgesngen die Herzen der Streiter! --
Die sichersten Grben und die Wagenburg umringen die Freystte der
Weiber und Kinder. ---- Hedwig, meine theure Hedwig, mein Lebewohl! ----
Ich lasse dich von Shnen und Tchtern umringet!

[Funote 5: Den Musen sey Dank! Ich hasche mit Begierde diese gewnschte
Gelegenheit mein bischen Belesenheit in der Nationalgeschichte glnzen
zu lassen. In der ersten Hitze wollte ich einen ganzen Band von den
Sitten und Gebruchen der Deutschen schreiben; aber endlich habe ich bey
klterm Blut meine Leser begnadigt, und mich auf einige Kleinigkeiten
beschrnkt. Welche gromthige Geflligkeit von einem Kommentar! Oft bin
ich willens meine Leser fhlen zu lassen, was es ist, ein Kommentar zu
heissen. Der Dichter geht hier mit einem magischen Sprunge von einer
modernen Schlacht in eine Altdeutsche ber, und verndert nach seinem
Belieben die Namen selbst. Adelreich ist Eduard, und die brigen sind
seine Obersten.]

[Funote 6: Sie liessen einen Deutschen und einen gefangenen Rmer
fechten, und der Ausschlag des Zweykampfes war ihre Weissagung.]

Hedw. Der Segen der Gtter begleite dich, Freund meines Herzens! Das ist
ein Tag wie mein Brauttag! Ich sehe den Gatten und die Shne fr das
Vaterland streiten! -- O mein Sohn Adolph, Segen auf dich! -- Die
mtterliche Thrne ist mein wrmster Glckwunsch! -- Gtter, lasset
seinen Sieg zum allgemeinen Siege werden! -- Junger Adler, flieg den
raschen Fittigen deines Vaters nach!

Arn. Dank Weib fr diesen Segen! -- Meinen Abschiedsku! -- Der Fhrer
kmmt!

Adelr. Willkommen, meine theuren Freunde! -- Der warme brderliche
Handschlag sey unsere Loosung! ---- Der Feind nhert; unsere ersten
Haufen beunruhigen seinen Zug! -- Freymund, wende dich links in das
Eichenthal! -- Tuder, zieh dich gegen das Harzgebsche! Vangio, behaupte
die Spitze des Mondhgels! -- Ihr andern bedeckt die Wagenburg und den
Altar! -- Gotmayer --

Gotm. Wie soll ich die Verbrecher strafen?

Adelr. Verrther hnget auf die Bume; Verzagte ersufet in den Pftzen!
-- So wird der schwarze Frevel an das Licht gebracht, und die Schande
begraben! ---- Ich hre Schlachtgeschrey -- Dort blinken die Adler der
Rmer! ---- Zur Schlacht!

(Er geht ab mit seinen Kriegern.)

Gotm. Druiden beginnet das Schlachtopfer! -- Ihr Jungfrauen befeuert mit
euren Kriegesgesngen die Krieger!

                         Chor der Jungfrauen.

      Sehet die druenden Schaaren! Sie wanken daher
   Wie die goldenen Aerndten im Felde,
   Furchtbar den Feinden, uns aber hochzeitlich schn!
   Seht, sie bevlkern das schreckliche Todesthal,
   Das die Besiegten verschlingt!

      Auf, ihr Cherusker, Gelonen, ihr Heruler auf!
   Katten, ihr Ubier, ihr Markomannen,
   Auf ihr Gothonen, ihr Sueven, ihr Hirrier eilt!
   Ha! Schon brllet das Schlachtgeschrey frchterlich;
   Hufiges Feindeblut fliesst!

      Sehet, sie klettern auf Leichen und Schedeln empor!
   Und die zermalmten Iberier rcheln,[7]
   Unter dem Hufe des schnaubenden Rosses! O jauchzt
   Freudengesnge dem siegenden Helden zu,
   Der unser Vaterland liebt!

      Wodan, durchmhe mit grimmigem Schwerte das Feld;
   Schrecke die staunenden Schaaren der Feinde,
   Mit dem Donnergebrlle der Rder; la sie
   Eilen mit Schande zur ewigen Todesnacht,
   Die nie Vallhalla bewohnt.

Gotm. Unsere feurigen Katten strmen schon unter die Feinde! ----
Opferknabe, steig dort auf die hchste Eiche! ---- Was siehst du?

Der Jngling. Die Rmer weichen! ---- Nein, es sind ihre Bundesgenossen
----

Gotm. Wo ist Adelreich?

Jngl. Er wirft ganze Geschwader zu Boden! ---- Alles weicht seiner
Tapferkeit!

Gotm. Segen auf sein Haupt! Wie geht es am rechten Flgel?

Jngl. Da fechten die Rmer hartnckig!

Gotm. Barden, wendet Euch dahin! Beginnet ein feuriges Schlachtlied!

[Funote 7: Iberier, Spanier als Bundesgenossen Roms vertreten hier auch
einen Theil der Feinde.]

                           Chor der Barden.

      Fasset die goldenen Saiten, ihr Barden;
   Lockt feurige Tne hervor!
   Rchelt ihr Hrner den Feinden zum Schrecken!
   Vaterlandsliebe befeuert
   Uns, und das schlachtenbegierige Heer!

      Die Alrunen[8] weissagten uns Siege;
   Der silberne Vollmond ruft uns![9]
   Suchet ihr Kmpfer das winkende Schlachtfeld,
   Das eure Vter verewigt,
   Und die Rmer mit Schande bedeckt!

      Hier faulen sklavische Zeichen des Liktors,
   Die goldenen Adler sind in
   Morschen Ruinen der Schlsser begraben;
   Rmergebeine bedecket
   Auf der Flche der blutige Sand!

      Da fand einst Caius druende Sieger;[10]
   Der rhmliche Bojorix schlug
   Scaurus den Fhrer der Rmerchohorten;[11]
   Die Ambrionen verhhnten
   Vor dem Antlitz des Marius Rom.[12]

      Denket zurck auf die blutigen Tage,
   Da Deutschland den Fhrer verlor!
   Mitten im feurigsten Treffen erhoben
   Unsere Brder den Khnsten
   Auf den eichenen Schilden empor!

[Funote 8: Alrunen sind Weissagerinnen, und kluge Weiber, die sie bey
Krankheiten und Staatsgeschften zu Rath zogen.]

[Funote 9: Der Vollmond war die gewhnliche Zeit ihrer Schlachten.]

[Funote 10: Caius Longinus ward von dem Fhrer der Tiguriner
geschlagen.]

[Funote 11: Der Feldherr der Cimbrer schlug den Aurelius Scaurus.]

[Funote 12: Marius vermied eine Schlacht. Die Ambrionen wurden so
dreist, da sie gegen Rom zogen, und die Rmer spttisch fragten, ob sie
nichts an ihre Weiber zu bestellen htten?]

      Sehet die Schatten des Brennus, des Hermanns[13]
   Sind Zeugen des ewigen Ruhms,
   Zeugen des Lorbeers, der Euch izt erwartet!
   Fechtet ihr Brder, um Freyheit,
   Lwen, zermalmet die Adler von Rom!

Der Jngl. Unsere Cherusker strzen hastig aus dem Hinterhalt! ----
Welch ein Metzeln! ---- Alles sinkt unter ihren Streichen! Die Rmer
fliehn von allen Seiten!

Gotm. Sieg! ---- O Brder, umarmet mich! ---- Sieg! -- Es lebe Held
Adelreich, es lebe Deutschland! -- Dank unsern Gttern! ---- Singet das
Siegeslied Skalden! Rstet den Othinsbecher![14]

Adelreich. Die Rmer hielten minder Stand! Ihre Bundesgenossen wichen
die Ersten! ---- Dank meine Freunde, ihr habt als Helden fr das
Vaterland gefochten! ---- Ein Lorbeer mehr fr Deutschland und Euch!
---- Die Feinde fliehen; man verfolge die Flchtlinge! ---- Ein schner
Tag! Lasset uns den Gttern die Erstlinge der Beute opfern! ---- Eilet
deutsche Sieger zum festlichen Siegesmahle!

[Funote 13: Die beiden Brenner und Hermann sind berhmte Helden der
Deutschen.]

[Funote 14: Der Othinsbecher ward beym Siegesmahle getrunken.]

                          Chor der Skalden.

      Der Donnerer Manna schuf Wetter,
   Sie wlzten sich ber die Hupter
   Der Rmer und Deutschen hin;
   Die zischenden Blitze durcheilten die Welt;
   Der Donner traf Rom!

      Izt lchelt fr Deutschland die Sonne;
   Izt hhnen die Enkel Tuiskons
   Die Welteneroberer;
   Dort werden die Rmermanipel vertilgt,
   Und fllen das Grab!

                            Alle Krieger.

   Bringet das Urushorn jauchzend zum Mahle;
   Leeret den Othinskelch, Sieger!
   Trinket den Feinden Verderben,
   Trinket Germaniens Heil!




                                Scene.


    In einem Gezelt Lusian, ein Soldat, hernach der Knig Eduard.

Lus. Eil! Ruf mir den Wundarzt! (Der Soldat geht. Lusian setzt sich auf
einen Feldstuhl.) Mein Bein schmerzt mich, die Mhre traf mich gewaltig!
---- Eure Majestt sind Meister vom Schlachtfelde! Adler fangen keine
Fliegen!

Edu. Da ist mein Lusian! Willkommen! ---- Mann, du hast gefochten wie
ein Lwe! ---- Ich habe dich metzeln gesehn. Der Sieg ist unser! Dank,
warmer Dank! (Er schttelt ihm die Hand.) Begehr izt eine Gnade! Fodre
ein Knigreich! Ich bin in der Freude meines Herzens! ---- Sag, was
wnschest du?

Lus. Ich? Wunderbar! -- Mir fehlt izt nichts als ein Stiefelknecht, denn
mein Pferd schlug aus, und streifte meinen Schenkel ----

Edu. Du brauchst eine Kleinigkeit. Heb deinen Fu! ---- Die Nachwelt
wird sagen, nie hat man von einem Knige weniger begehrt! ----

(Er zieht ihm den Stiefel aus.)

Lus. Und nie hat ein Knig mehr geleistet! ---- Izt erkenne ich, da du
ein groer Knig bist, weil du sogar Stiefel ausziehen kannst. La
diesen Stiefel in deine Wappen setzen, und heisse dich khn den Grossen,
denn du hast mehr als alle Knige gethan! ---- Wenn alle Menschen einst
ber deine Hrte schreyen; soll mein Stiefel dein edles Herz
vertheidigen!

Edu. (indem er sich den Schwei von der Stirne wischt) Das ist heut ein
heisser Tag! Schwei auf Schwei! ---- Aber mir ist izt so wohl um das
Herz. Wie die Feinde davon flohen! Freund, welch ein Sieg!

Lus. Freue Dich Held aller Helden, der Stiefel ist Deine grste
Heldenthat! Dort blutet, hier jauchzet die Menschlichkeit! -- Die
Siegeszeichen soll Deine Schatzkammer schmcken!




                                Scene.


             Ein Vorhof. Eduard, Gefolge, ein Pferdjude.

Edu. Die feindliche Reuterey hat uns den Sieg zu leicht gemacht. Sie
wich beym ersten Angriff. Es ist Schande! Die Verrther verdienen
Strafe! Das tapfre Fuvolk des Feindes hat Wunder gethan, und wrde uns
die Wahlstatt streitig gemacht haben. Man halte die Gefangnen gut! Es
sind wackere Leute; aber ihre Reuter sind Schurken! -- Was bringst du
Ephraim?

Der Pferdjude. Eure Majestt ich habe Pferde; so wahr ich lebe,
vortrefliche Stcke! -- Dieser Hengst lauft wie der Wind! Er kmmt aus
der Schlacht ----

Edu. (lchelnd) Das Pferd ist gekauft, wenn es in der Schlacht war, denn
so flchtige Pferde sah ich nicht in meinem Leben.




                                Brief.
                    Marsis an seinen Freund Alsin.


Kann ich genug eilen dir die Thaten deines Eduards zu erzhlen? Er kam,
sah, und siegte! Er berraschte seine Feinde. Lusian ist seine rechte
Hand, und Piron seine Linke. Welche Genien umringen unsern Knig! Ich
wnschte, du wrest Zeuge von der blutigen Hauptschlacht gewesen. Eduard
wirkte Wunder. Nichts widerstand ihm. Lusian und Piron muten das
feindliche Lager beschleichen, und machten beyde feindliche Knige zu
Kriegsgefangenen. Eduard zieht als Sieger in ihren Staaten herum. Du
liebst Anekdoten, die den edlen Charakter deines Durchlauchtigen
Zglings entwickeln. Hr ein Prchen in Eile, denn tausend andere soll
er dir selbst erzhlen.

Die Gattinn eines Kniges hatte sich in eine Festung geflchtet. Wir
zogen vorbey. Eduard hielt nicht Stand. Unsere Obersten erinnerten ihn,
da es nicht gut sey, eine uneroberte Festung im Rcken zu lassen. Ich
wei es, sprach er gelassen; aber ich fhre nicht Krieg mit den Weibern.

Er eilte vor die nchste Stadt, um sie zu belagern. Man rstete schon
das schwere Geschtze. Der Magistrat flehte um Aufschub, bis sie von
ihrem Knige Befehl htten, die Stadt zu bergeben, und baten unsern
Helden, er mchte inde ihre kostbaren Bchersle und Kunstgebude
verschonen. Sie boten ihm Brandschatzungen. Eduard gab alles zurck,
lie die Stadt unberhrt, und gab den Rathsgliedern gtig zur Antwort:
Ich bekriege nicht die Musen!

Geschfte zwingen mich zu schliessen. Ich sehne mich, dich wieder zu
umarmen, und bin u. s. w.




                                Scene.


    Knig Theodor, Knig Friederich, Gefolge, Eduard, hernach ein
                               Dichter.

(Knig Theodor sitzt in einem Kefig, Friederich auf einem
Scheiterhaufen.)

Theod. Soll ich dem Sieger zum Gesptte dienen?

Fried. Will er mein Blut vergiessen?

Edu. Tyrannen, redlich kann ich mein Auge an eurer Strafe weiden! ----
Wie oft habt ihr meine Gte verhhnt, meine Friedensvorschlge
verworfen, und das heilige Vlkerrecht durch eure Grausamkeit entehrt!
Ihr habt meine Gesandten mit Schande und Hohngelchter zurckgesandt,
und meine gefangenen Krieger verstmmelt. -- Kann der Thron solche
Unmenschen schmcken? ---- Sprecht selbsten, wie soll ich nach so viel
Unbilden Euch behandeln?

Theod. Tdte mich!

Fried. La mich sterben!

Edu. Man mache sie frey! ---- Ich habe Euch gedemthiget! Lernet, da
Knige Menschen sind! -- Kehret in eure Staaten, nehmet eure Kronen
zurck, und lschet das Gedchtni eurer vorigen Missethaten durch
glnzende Tugenden aus. Ich bin euer Freund!

Theod. Deine Gromuth ist grsser als alle Siege!

Fried. Ich errthe nicht mehr ber meine Niederlage; es ist rhmlich
unter kniglichen Lwen zu fallen!

Edu. (indem er sie umarmt) Brder, ich empfehle euch die Menschlichkeit!

(Indem Eduard sich entfernet, berreicht ihm ein Dichter eine Schrift.
Eduard liest, zieht einen Ring vom Finger, und berreicht ihn dem
Dichter.)

Edu. Ich vermhle mich mit den Musen!


                                 Ode.

      Welchen der Gtter, und welchen der Helden
   Singet ihr leyerbeherrschenden Lieder?
   Nicht Macedoniens stolzem Eroberer,
   Auch nicht dem weiseren Kmpfer am Rubikon
   Tnet mein Siegespan.

      Ich will zu meinen erhabnen Gesngen
   Meine Grundfeste unsterblich erbauen;
   Wie auf zeittrotzendem Marmor erheben sie
   Sicher das Haupt auf dir rhmlichste Tugend, und
   Lcheln der Ewigkeit zu.

      Viele denkwrdige Thaten entschlummern,
   Weil sie des rhmlichen Dichters beraubt sind.
   Aber Mnemosine, du berreichest mir
   Arbeitbelohnende Lorbeern; ich krne den
   Grsten der Helden, der lebt!

      Auf mein Geist! Spanne den goldenen Bogen;
   La mich die Schnsten der Pfeile verschiessen,
   Und mit beflgelter Eile die rauschendsten
   Tne der Leyer entlocken, die gttliche
   Thaten der Nachwelt posaunt.

      La uns die heilige Rede beginnen!
   Eduard, welcher von Knigen stammet,
   Liebet die Lnderbeschtzende Tapferkeit;
   Ehret die Weisheit stets als die Erhalterinn
   Eines aufblhenden Staats.

      Lang hat sein weltenerschtternder Donner
   Feindliche Stdte bekriegt und zermalmet.
   Staunend erzitterten ringsumher wohnende
   Vlker bey seiner herkulischen Tapferkeit,
   Welche die Heere verschlingt.

      Alle verehrten den Lwenbekmpfer,
   Flehten mit Zittern die mchtige Huld an,
   Und sie entflohn dem alles besiegenden
   Schwerte durch Demuth. Er schonte die Reuigen,
   Die er mit Fssen zertrat.

      Angenehmlchelnder Friede, du Sohn der
   Ewiggepriesenen Gerechtigkeit, bringe
   Den diamantenen Schlssel zum Thore der
   Sssesten Eintracht, und lade gastfreundliche
   Nachbarn an unser Gestad.

      O la den vlkerernhrenden Pflug, das
   Weberschiff, und den kunstliebenden Meissel
   Sichere Mauern bewohnen, und huldige
   Unserm Eroberer, der dich verherrlichet,
   Und dir den Tempel erbaut.

      Aber ich schweige. Von Thaten zu singen,
   Die selbst die gttliche Muse bewundert,
   Ist fr mich Khnheit. Wer preist nicht die Heldenhand,
   Die kein unschuldiges Blut noch entheiliget,
   Weil es dem Vaterland flo.




                                Brief.
                          Eduard, an Alsin.


Die wenigen Augenblicke, welche mir meine hufigen Geschfte frey
lassen, kann ich nicht besser verwenden, als wenn ich sie dem theuersten
meiner Freunde schenke. Aber was soll ich Dir sagen? Wenn ich Dir
wiederhole, wie sehr ich Dich liebe, sage ich Dir eine gewhnliche
Sache. Von was soll also mein Brief handeln? Du liebst den Krieg nicht,
und ich bin mitten unter Feinden. Ein so gutherziger Philosoph wie Du,
hasset die blutige Zerstrung der Menschen. Es ist traurig genug fr
mich Deinen Zgling, da mich barbarische Feinde zwingen, Menschenblut
zu vergiessen.

Wir hatten wieder einen heissen Tag. Wir fochten mit Mnnern, denen ich
zum Ruhme nachsagen mu, da sie tapfere Krieger sind, die Kenntni und
Muth besitzen. Meine theuren Mitbrder und Kriegsgenossen haben Wunder
gethan. Schade ist es, wenn einige Tropfen von so edlem vaterlndischen
Blut vergossen werden! Welche Entschlossenheit, welche Treue, welcher
Gehorsam! Freund, so ein edler Krieger berwiegt hundert feile
Lohnbuben, die beym Anblick der ersten Gefahr zittern und entlaufen.

Ich sehe mich sehr oft in der traurigen Nothwendigkeit, die wackersten
Streiter wegen bertriebenem Eifer zu strafen. Zu einer solchen Schlacht
wnschte ich viele Knige einzuladen, damit sie lernten, was es ist, von
seinem Volke geliebt zu seyn. Wenn ich einst im Treffen falle; so sey
gewi, da kein Mann lebendig vom Schlachtfelde kmmt. Wenn ich winke;
so strzen die Geschwader unter die Feinde. Meine vortreflichen
Kriegsleute rauben mir alles Verdienst. Von der tiefen Einsicht,
Erfahrenheit und Gegenwart des Geistes meiner Anfhrer kann ich nicht
rhmlich genug sprechen. Glckliches Vaterland, das so viele wrdige
Helden hervorbringt, welche ihren Knig beschmen, und mich tglich
berzeugen, wie leicht mein Platz durch zehntausend Wrdigere kann
ersetzt werden.

Das freywillige Geschenk, womit meine geliebten Unterthanen mich
berraschen, hat mich entzckt, es ist ein redender Beweis ihrer Liebe.
Ich habe die Bothen belohnt, und das Geschenk mit dem dritten Theile der
Beute zurckgesandt. Du sollst es meinen theuren Brgern mit dem
regesten Dank austheilen, und sie alle in meinem Namen mit dem
vterlichen Gru segnen. Es ist s Knig ber ein dankbares Volk zu
seyn.

Noch etwas fr dich und deine Weltweisen! ---- Ich habe den besiegten
Feinden den Frieden wie ein Bruder den Brdern angeboten, und wnsche,
da sie weise genug sind, meine redlichen Absichten einzusehen. Mit
dieser frohen Nachricht, wobey du gewi lchelst, schliesse ich meinen
Brief, indem ich Dich tausendmal umarme, und Dich versichere, da Dich
ewig liebt ----

                                                          Dein Eduard.




                                Brief.
                          Lusian an Marsis.


Zwey Worte in Eile! Bald treff' ich dich im Lager. Der Knig verlt
schon das Winterquartier, und will zeitig den Feldzug beginnen. Es wird
ein Stckchen Arbeit geben. Eduard hat sich schon von seinen Freunden
und Freundinnen gelezt. Gelegentlich mu ich dir ein artiges Histrchen
beyfgen. Er besuchte die schne Salinia; sie unterhielt ihn mit
Gesprchen, inde ihr liebkosendes Schoohndchen zu Eduard schlich, und
unter dem sanften Streicheln seiner Hnde entschlief. Er hatte dringende
Geschfte, weil er eben Briefe erhielt. Er verweilte um den kleinen
Schlfer nicht zu erwecken. O! rief Salinia, du giebst den Thieren Ruhe,
und machst den Menschen so viele schlaflose Nchte! ---- Eine schne
Bemerkung fr die wrdige Tochter eines Philosophen ----

Bald mehr! Ich habe dir noch tausend Dinge zu erzhlen. Izt meinen
Bruderku! u. s. w.




                                Scene.


                  Ein Kabinet. Eduard, zu ihm Alsin.

Edu. O Salinia, du Perle deines Geschlechts, berall verfolget mich dein
Bild! ---- Du lehrest mein Herz die siegende Gewalt der reizenden Liebe!
-- Unwiderstehlich sind deine bezaubernden Zge, du hemmest den
schnsten Lauf meiner Siege! -- Ach! Umsonst locken mich die blhenden
Lorbeern, du fsselst mich hier an! ---- Eduard, erwache! Wie lang
schlfst du! ---- Welche feige Ruhe, welche Leidenschaft hlt dich hier
zurck! ---- Weichling, wie niedere Plane schmiedest du! -- Was hoffest
du von Salinia? ---- Willst du sie ihrem Brutigam entreissen? Kannst du
sie zur Kniginn erheben? Gehrest du nicht deinem Volke; bist du nicht
an hhere Pflichten gebunden; knnen Frsten nach ihrem Herzen whlen?
-- Oder willst du den wrdigsten Gegenstand deiner Liebe abwrdigen;
willst du die reine Unschuld schlachten? -- Knntest du gegen deinen
Busenfreund, gegen deinen Lehrer so undankbar handeln, seine Tochter,
die Wollust seiner Tage, zu entehren, sein graues Haupt mit Schande zu
berdecken? ---- Eduard, wo bist du? steh auf! Sey gro! Sey tugendhaft!
-- Ich habe gesiegt! -- Salinia ist vergessen! Ich eile, im Gerusche
der Waffen meine Liebe zu vergessen; ich will Salinia nicht mehr sehen.
Ich werde bey nchtlichen Schatten von ihrem Vater mich letzen.

Alsin. Die kriegerischen Schaaren ziehen mit freudigem Jauchzen und mit
fliegenden Fahnen auf das Schlachtfeld der Ehre ----

Edu. Ich will sie begrssen, und an ihrer Spitze dem Feinde entgegen
eilen.




                              Melodrama.


(Eine Laube. Salinia sitzt bey einem Marmortischchen, sttzt mit einer
Hand ihr mdes Haupt, und hlt mit der andern die Feder. Hernach
Eduard.)

Salinia.
   Wie feurig dieser Busen wallt!
   Wie ist mein Geist entflammt, beflgelt!
   Und doch scheint mir ein jeder Ausdruck kalt ----
   Nein dieser Brief wird nicht versiegelt!

(Sie zerreisst das Blatt und beginnt ein Neues.)

   Wo ist die Flammenschrift,
   Die meine heisse Liebe malet?
   Wo ist ein Pinsel, der sich pralet,
   Da er das Ideal von meiner Sehnsucht trift? ----
   Wie feurig fliegt vom warmen Herzen
   Oft der Gedanke bis zur Hand!
   Wie frostig schildert sie, was ich empfand;
   Wie unempfindlich lallt sie meine Liebesschmerzen!

(Sie wirft die Feder weg.)

   Vergebens ist mein thtiges Bemhn;
   Nur Sylben stehen hier, der Geist fliegt hin!

(Sie steht auf.)

   O Eduard, ich will dir nicht die Glut beschreiben,
   Sie soll geheimnivoll in meinem Busen bleiben!

(Sie betrachtet sein Bild)

   O Meisterstck der zaubernden Natur,
   Wie reissest du mich hin in ein Entzcken!
   Ein sanfter Blick auf dich kann mich beglcken;
   In dir find ich der Grsse seltne Spur.
   Welch stolzes Adleraug, und welche Gtterstirne!
   O schliet man auf das Herz vom frstlichen Gehirne,
   Wie mu es gro und edel seyn! ----
   Wie tuschend wiegt mich oft die ssse Hofnung ein,
   Da einst dein holder Blick mir lchelt! ----
   O Zephyr, der so sanft um meine Haare fchelt,
   Eil, flstre leis ihm meine Triebe zu,
   Der Zeuge meiner Glut, mein Busenfreund bist du!
   Sag, da Salinia die reinste Flamme nhret;
   Stillschweigend sich um seine Gunst bewirbt;
   Da sie die Nachtigall stts neue Seufzer lehret,
   Da sie hinschmachtet, schweigt und stirbt ----
   Jedoch, warum soll mich die schnste Liebe tdten?
   Ist nicht der Gegenstand ein Erdengott?
   Warum soll ich beschmt errthen?
   Wo spricht ein dreister Mund mir Spott?
   Von Eduard entflammt, wer wagt es mich zu hhnen?
   So reine Liebe mu die Tugend selbsten krnen!

(Sie eilt fort, und zgert wieder)

   Ich zeige dir mein Herz in seiner Unschuld blo ----
   Sey stolz mein Geist, dein Freund denkt gro! ----
   Ach! Fr mich viel zu gro! -- Izt fliessen meine Thrnen --
   Der Abstand lockt mir Zhren ab.
   Der stille Harm grbt mir ein schwarzes Grab!
   O der Gedanke macht die Hofnungen verschwinden!
   Verlassen, einsam steh ich hier!
   Wo soll ich Trost, und wo ein Labsal finden?
   Auch nicht die Zukunft schmeichelt mir! ----
   O Liebe, doch kehr ich entzckt zu dir,
   Denn du allein beherrschest grosse Seelen;
   Selbst die Verzweiflung trennt uns nicht! ----
   Hr Eduard, was meine Lippe spricht:
   Izt will ich mich mit dir vermhlen! ----
   Dies sey mein Brautaltar!

(Sie setzt das Bild auf den Tisch)

   Ihr Sterne hrt! Euch ruf ich izt zu Zeugen!
   Dich Laube, die so oft mein Lieblingstempel war;
   Euch Aeste, die sich hold auf meine Scheitel neigen;
   Euch Snger, die ihr auch die stille Nacht
   Mit warmer Zrtlichkeit durchwacht;
   Dich blasser Mond, der mich so freundlich grsset;
   Euch Schatten, die ihr mich in eure Arme schliesset;
   Ihr edlen Zeugen alle hrt!
   Was izt Salinia zum hchsten Himmel schwrt:
   Eh wird mein Geist dies Flammenherz verlassen:
   Eh wird die Brust sich selbsten hassen:
   Als meine Zrtlichkeit fr Eduard sich schwcht!
   Und wre je mein Busen so vermessen,
   Die frommen Schwre zu vergessen;
   So strafe mich der Gott, der Eide rcht!
   Dir Eduard, will ich die ganze Liebe geben;
   Dir schlgt allein mein Herz, dir will ich leben!
   Wenn mich der erste Blick der Sonne frh begrt;
   Und wenn der Abendstern die Tage schliet,
   Will ich von dir erfllt fr dich die Stunden zhlen;
   Auch wenn die Nacht der Welt zum Schlummer winkt,
   Soll nur dein Bild mein Herz beseelen.
   Selbst wenn auf mich ein sanftes Trumchen sinkt,
   Soll mich allein mein Eduard umschweben!
   So will ich ganz allein dir athmen, hauchen, leben!
   Ich bin mit dir vermhlt! ---- Izt mag mein Vater drun!
   Izt mgen die Verwandten wten,
   Und ihre stolzen Plane brten!
   Ihr Freyer mget in Verzweiflung seyn!
   Ich will mein Aug mit Worten nicht entweihn,
   Die von profanen Flammen sprechen;
   Fort Briefe, euer Stoff ist mir zu klein!

(Sie zerreit alle Liebesbriefe)

   Sieh Eduard, so will ich dich an ihnen rchen!
   Mein Abgott, du allein bist warm geliebt;
   Sieh wie Salinia dir stts Beweise giebt.
   Erkenne doch mit Dank die zarten Triebe;
   Ich heische nichts von dir fr so viel Liebe! ----
   Ein Blick auf dieses Bild soll die Belohnung seyn.

(Man hrt in der Ferne ganz leise eine kriegerische Musik)

   Ach Eduard, du wirst uns bald entrissen!
   Bald werd ich dich vom Feind umringet wissen.
   Du eilst zur Schlacht, wo dir so viel Gefahren drun!
   O flieh Geliebtester, die blutigen Trophen!
   Mein Geist begleitet dich in jede Schlacht.
   Oft mu ich dich verwundet sehen;
   Oft schliet dein Auge schon die schwarze Todesnacht;
   Ich rufe ganz bethrnt dem khnen Mrder zu;
   Ich will den raschen Dolch von deinem Nacken reissen!
   O Eduard, wie hart bist du!
   Soll ich Geliebter, dich nicht grausam heissen?
   Da du mir immer Stoff zu neuen Thrnen giebst,
   Und dich mein theures Gut so wenig liebst?
   Jedoch, wie kann ich mich gerecht beklagen?
   Erst mu ich dir die warme Liebe sagen.
   Vielleicht entwafnet dich mein zarter Blick ----
   Ich eile! ---- Ja, er soll die schnste Flamme wissen! ----
   Wo eilst du hin? ---- Halt ein! ----
   Du wirst verschmht, verachtet seyn.
   Soll wohl fr dich sich Eduard entschliessen,
   Den Lorbeer, den er liebt, zu missen?
   Er, der die Liebe hhnt, der keiner Schnheit lacht,
   Und selbsten mein Geschlecht, als schwach, verchtlich macht;
   Der, wenn er nur auf stolzen Palmen thronet,
   Die Zrtlichkeit und Seufzer nicht belohnet.
   Was hilft es, wenn er auch die heisse Liebe wei,
   Verlt er wohl fr mich den Heldengleis? ----
   So lebe wohl! Zieh hin! ---- Nimm meinen Segen,
   Der aus dem Herzen strmt!
   O schone dich; sey nicht verwegen;
   Schenk dich der Thrne Frst, die meine Seufzer hemmt!

(Sie strzt auf die Knie)

   O Himmel, hr geneigt die fromme Bitte!
   Dich fleh ich izt fr ihn um Schutz und Gte;
   Zhl meine Tage seinen bey;
   Und heischt dein Wille sein Verderben,
   So la Salinia fr ihren Gatten sterben,
   La ihn fr dieses Opfer frey! ----
   Geliebter Eduard, erblicktest du die Zhren,
   Und mchtest du die Seufzer hren ----

Eduard (in der Ferne)
   Er hrt den Wunsch, und liebet dich!

Salinia.
   Wer spricht? -- Wer kmmt? Mein Geist verwirret sich --

(Sie springt auf)

   Jedoch wenn ich mich nicht mit Trumen tusche;
   So hrt ich hier ein flchtiges Gerusche ----

(Sie blickt schchtern herum, geht zum Eingang der Laube. Eduard
schleicht durch das Gebsch, ergreift das Bildni, besieht es beym
Monde, und strzt Salinien zu Fssen, welche auf einen Rasensitz sinkt.)

Eduard.
   Du liebest mich! Ich bin entzckt, berauscht!
   Vergieb, ich habe dich von ungefhr belauscht.
   Die Gegenwart soll dich nicht in Verwirrung setzen.
   Ich wollte mich von deinem Vater letzen.
   Ich whlte mir die stillen Schatten aus,
   Und bey der Dmmerung beschlich ich dieses Haus.
   Ich wollte dich und ihn mit regem Danke segnen,
   Und zitterte dem Blick der Gottheit zu begegnen,
   Die dieses Herz allein besiegt ----
   Verschmhe nicht den Freund, der dir zu Fssen liegt ----

Salinia.
   Du liebst mich Eduard? -- Ich fhle mich getrieben --
   Mein Blick verrth das Herz -- O Theurer, la uns lieben!
   Sieh, wie mein Busen dir entzckt entgegen wallt! ----
   Jedoch entrei dich mir! -- Die Kriegstrompete schallt! ----
   Ich hre meinen Vater kommen! ----
   Lebwohl!

Eduard.
      Den ersten Ku! -- Der Abschied ist genommen!
   Ich eile hin, und rndte Lorbeern ein,
   Bald will ich sie zu deinen Fssen streun!

(Sie umarmen sich, und trennen sich gewaltsam.)




                                Scene.


    Ein Holweg. Eduard zu Pferde in einem schlechten Reutrock. Ein
                              Fuhrmann.

Edu. Wohin mein Freund?

Fuhrm. Gerade zum Maul!

Edu. Ist weit dahin?

Fuhrm. Zwey volle Stunden.

Edu. Was ist dein Amt?

Fuhrm. Ich mu Riesen fttern!

Edu. Du sprichst lauter Rthsel ----

Fuhrm. Ich meyne das Kriegsheer. Aber zum Henker! Mit meinem Geschwtze
whlte ich eine falsche Strasse. Meine Kameraden sind dort auf dem
Seitenwege.

Edu. Ich will dir aus dem Holwege heraushelfen.

Fuhrm. Dank Herr! -- Ich bin nicht sicher vor feindlichen Haufen.

Edu. Was sagt man von Knig Eduard?

Fuhrm. O das ist ein Teufelskerl! Wenn er mich hier findet; so lt Er
mich und meine Mitknechte hngen.

Edu. Izt fahr zu! Wenn du zum Lager kmmst, gre die Soldaten, und sag:
Eduard der Teufelskerl hat dir aus dem Holwege geholfen, und schickt
dich und deine Kameraden mit einem Frhstck zu ihnen! Leb wohl.

(Eduard reitet zu seinem Gefolge, und der Kutscher treibt ngstlich
seine Pferde an.)




                                Scene.


     Ein Saal bey Hofe. Knig Willhelm, der Leibarzt, ein Bothe,
                hernach der Barbier und einige Rthe.

(Der Knig liegt auf einem Sopha, hat beyde Fsse in Verbnden, und
zerreit wtend ein Papier.)

Willh. Verdorren soll die Hand, die dieses schrieb! -- Der Feind an
meiner Grnze! Hlle und Teufel! Was machen meine Statthalter?

Der Arzt. Eurer Majestt theure Gesundheit -- Der Puls --

Willh. Ich mchte Sie einen Esel heissen! Mit ihrem verwnschten Puls!
-- Die Feinde sind also vorgerukt?

Bothe. Vorgerukt --

Willh. Haben die Provinzen meiner Nachbarn erobert? --

Bothe. Erobert --

Willh. Werfet den Echo zur Thre hinaus! Kann der Schurke nur
nachplaudern? -- Papagey red anders! Bursche lge mir vor!

Der Bothe. Der junge Knig ist ein Strom, der alles nieder reit ----

Willh. Der Kopf dieses gekrnten Buben macht mir mehr Unruhe als meine
zwey Fsse voll Podagra! -- Aber ich bin geheilt. Ich will ihn
ausfordern! -- Weg verdammte Verbnde! -- Ich bin gesund wie ein Hirsch!
-- Meine Waffen! -- Sattelt mein Reutpferd! -- Er thrmet Sieg auf Sieg,
und ich alte Memme liege hier im Schatten einer Apotheke ---- Ich bin
wieder jugendlich! (Er spiegelt sich und reibt das Kinn.) Nur der graue
Bart verrth mich! ---- Man mu die drren Stoppeln wegmhen! ---- Wo
ist mein Barbier? -- Herein! Geschwind! (Er setzt sich) Eile!

(Der Barbier ergreift seinen Arm.)

Willh. Was will der Narr?

Barbier. Eine Aderlsse ----

Willh. Dummkopf, den Bart weg, oder dein Kopf fliegt! -- Ich will selbst
Adern ffnen, meine Feinde sollen bluten!

(Der Barbier seifet ihn ein, wird pltzlich tiefsinnig, und eilt hastig
fort, indem er das Messer zu Boden wirft.)

Willh. Mach doch geschwind! Ich mu in den Kriegsrath! ---- Mord und
Tod! Da auch die Knige mit solchen Kleinigkeiten goldne Minuten
verlieren! ---- Bursche, du stiehlst mir kostbare Augenblicke! ---- Die
Feinde rcken vor! ---- Wo eilt der Narr hin? Da dich die Pest! -- Holt
den Thoren zurck! ---- Warum luft der Schlingel?

(Der Barbier kehrt zitternd wieder, und wirft sich den Knig zu Fssen.)

Willh. Was machst du?

Barbier. Eure Majestt, ich habe durch meine Flucht ihr Durchlauchtiges
Leben gerettet ----

Willh. Welch ein Anschlag? -- Verrtherey! Mrder sprich --

Barbier. Da ich die Kehle unter dem Messer hatte, gab mir Satan den
Gedanken ein: Mach einen Schnitt, so rettest du viele tausend Leben! Die
Versuchung war so stark, da ich davon lief, um nicht zu fallen ----

Willh. Steh auf! Ich danke dir mein Freund! Du hast mir das Leben
geschenkt! Dein Glck ist gemacht. Du solt kniglich belohnt werden. Du
hast dem Teufel einen Streich gespielt! ---- Aber scheeren sollst du
mich nicht mehr. Ich liebe nicht politische Kannengiesser! (Zu den
Rthen) Was denken Sie meine Herren von den kriegerischen Zeitluften?

Ein Rath. Knnte nicht Friede ----

Willh. Verdammt seyd ihr und euer Steckenpferd der Friede! ---- Ich
sollte den gekrnten Jngling vom Schlachtfeld mit Lorbeern ziehen
lassen? ---- Nein! Da steht noch eine alte trotzige Sule, die sie sich
ihm entgegenstemmet. Junge, der morsche Podagrist soll dich zittern
machen! ---- Sie meine friedsamen Herren Rthe legen sich inde in meine
Flaumfedern, und pflegen Sie mit Beystand meines geschftigen Leibarztes
mein hartnckiges Podagra; ich will inde den Harnisch ergreifen, und
Knig seyn! ---- Wir wollen heut noch im Schlachtfelde tanzen! ---- O
da ich dreyig, nur zwanzig Jahre zurckrufen knnte, ich wollte dem
jungen Adler die Flgel verschneiden! ---- Fort Wnsche! So wie wir
sind, mssen wir die Stirnen messen! ----

(Er eilt fort. Alle folgen.)




                               Elegie.
                          Salinia an Eduard.


      Eilet ihr Bltter, ihr redenden Zeugen der zrtlichsten Thrnen,
   Bringt dem Geliebten den Gru, und mein Lebewohl zu;
   Denn mein trauriges Leben nhert sich hastig dem Tode,
   Weil ich verlassen, verschmht, und beleidiget bin.
   Ach! Ich werde wie Trume vergessen! Wo sind die Beweise,
   Da mir Eduard lebt, da er mich schtzet, und liebt?
   Wie ein Ikarus strz ich herab mit schmelzenden Flgeln,
   Soll ich mir Mitleid erflehn? Welches Donnerwort! Flehn!
   Einst war es Gnade, mich lieben zu lassen; izt bin ich verachtet!
   Dieser Gedanke zernagt mein verwundetes Herz.
   Aber wenn er mich liebte, wenn etwa nur grosse Geschfte,
   Eine Krankheit, Gefahr, vielleicht der schreckliche Tod ----
   O ich sinke zu Boden! Die schwrzesten Ahnungen strmen
   In der bebenden Brust! ---- Ja, mein Eduard stirbt!
   Izt hab ich die Ursach von seinem Stillschweigen ergrndet;
   Welcher neue Verlust presset die Thrnen mir aus!
   Wie die rasenden Winde die schwankenden Schiffe bekriegen,
   So bin ich ewig von Furcht und von Zweifeln bestrmt.
   Diese Bilder verfolgen mich immer vom Morgen zum Abend.
   Sie sind ewig bey mir, und verschonen mich nie,
   Wenn ich beym Monde die stillesten Schatten mit Seufzen durchirre,
   Schenk ich der vorigen Zeit einen verstohlenen Blick,
   Und dann schleichen die sssen Gemlde der seligsten Tage,
   Die mir die Zrtlichkeit gab, tuschend und liebreich zurck.
   Aber pltzlich verscheuchet das Schrecken die reizenden Trume.
   Schwarze Scenen der Angst schwrmen wie Geister um mich.
   Jeder Gegenstand ndert izt seine Natur, und seine Gestalten.
   Der sanftfliessende Strom rauschet wie Meere vorbey;
   Der abkhlende Zephir wird ein wildheulender Nordwind,
   Und der Nachtigall Lied scheint mir ein Leichengesang.
   Das sonst so leise Gezische der Bltter ist Donnergebrlle;
   Und das duftende Gras ducht mir ein glender Sand.
   O kehr wieder Du Sonne, die alles dem Auge verschnert!
   Komm mein Geliebter zurck, schenk den Gefilden den Schmuck!
   Liebe bevlkert die Wsten, und schafft aus der Hlle den Himmel.
   Wie nach dem Winter die Erd um den Frhling sich sehnt;
   Wie die Mutter den Sohn von fernen Gestaden erwartet;
   So ruft mein klagender Mund meinem Eduard zu.
   Bothe des Himmels, du bringst mir das Leben! So lebt mein Geliebter?
   Lebt, und liebet mich noch! So schreibt die gttliche Hand.
   Dank fr das Labsal, und Segen und Liebe fr alle Geschenke!
   Immer Geschenke? Mein Freund, was sind Gaben fr mich?
   Hat je die Grsse, der Reichthum den liebenden Busen bestochen?
   Nimm die glnzende Welt; aber schenk dich mir selbst!
   Liebliche Worte, verstohlne Seufzer, sanftlchelnde Blicke
   Sind ein Gttergeschenk fr mein zrtliches Herz.
   Aber ich spreche von Liebe, von Liebe mit einem Monarchen,
   Dem die Begierde nach Ruhm keinen Augenblick lt.
   Immer von Schlachten zu tdtenden Schlachten, von Siegen zu Siegen
   Schleppet der Ehrgeitz Dich fort! ---- Deine Salinia weint,
   Lebet die traurigsten Stunden, und zittert der Nachricht entgegen
   Da ihr Leben, ihr Licht dort auf dem Kampfplatz verlischt.
   Wie oft reissest du die Einbildungskraft deiner Geliebten
   Auf das schreckliche Feld, wo die Donner dir drun;
   Wo so viel mrdrische Dolche zu deinem Verderben sich rsten;
   Wie oft sterb ich in Dir; wie oft tdtest du mich!
   Wie lang rndest du Lorbeern, wie viel erbeutest du Kronen?
   O ein Myrthenkranz wiegt blutige Palmen hinab!
   Du bist izt Held, und Sieger; o setze dem Ruhme die Schranken!
   Wisse, dann jauchzt dir die Welt, wenn dich Salinia kt.
   Schenk der Erde den Frieden, den weinenden Brgern den Vater;
   Schenk den Freunden den Freund, und der Geliebten dein Herz.




                             Geschichte.


Grosse Begebenheiten, welche das Wohl ganzer Staaten entscheiden, mssen
die Seele der Geschichte seyn. Der Geschichtschreiber berlt einzelne
Thaten dem Biographen, und beschftiget sich nur, der Nachwelt die
Triebfedern zu zeigen, welche mchtige Reiche in Bewegung setzen, und
neue Epochen hervorbringen. Er schildert den Geist ganzer Nazionen, und
entwirft die wichtigen Charaktere jener Knige, die durch
ausserordentliche Thaten den ganzen Klo der Erde in Bewegung bringen
und umbilden. So waren die Epochen Alexanders, Augusts, der Mediceer,
Ludwigs, und anderer Frsten, unter deren Herrschaft die Welt eine neue
Gestalt erhielt.

Eduard begann seine Regierung. Die Thtigkeit in den Geschften, die
Standhaftigkeit in den Gefahren, und der Flei in Ausfhrung seiner
Plane brachte in wenig Jahren ausserordentliche Wirkungen hervor. Er
rief den Adel, der unthtig und despotisch in den Ritterschlssern das
Volk unterdrckte, an seinen Hof. Er machte den Ackerbau, und Handel
blhend. Freyheit und Glckseligkeit ergo sich ber seine Unterthanen.
So ein gewnschter Erfolg erregte den Neid seiner Nachbarn. Selbst seine
Bundesgenossen und Freunde zitterten vor diesem khnen Adler, und
suchten frhzeitig seinen Flug zu hemmen.

Knig Willhelm sein gefhrlichster Nachbar, und geschworner Feind seines
Vaters, mit dem er bestndig im Kriege verwickelt war, und der den Sohn
noch mehr als den Vater hate, weil er ihn als einen Rcher der verbten
Rubereyen ansah, suchte die Zahl der Freunde Eduards durch Rnke zu
schwchen, und die Zahl seiner Feinde von allen Seiten zu vermehren.

Willhelm war ein kriegerischer Frst, khn, hastig, feurig, oft
unberlegt, und unglcklich. Sein Charakter war hart, und unbeugsam; er
sezte fr unmgliche Entwrfe oft das Wohl seiner Lnder auf das Spiel,
und wagte sich unter ihren Ruinen zu begraben. Er war schlau in seinen
Anschlgen, treulos in seinen Bndnissen. Seine schwarze Politik bestand
aus gewaltsamen Grundstzen, welche die Menschlichkeit empren. Er
kannte kein Vlkerrecht; der Eigennutz war sein einziges Gesetz, und
sein Wille entschied. Er hatte sich nur durch ungerechte Kriege
bereichert, und vergrssert. Da er sich selbst zu schwach fand, den
mchtigen Eduard zu bekriegen; so suchte er Helfer, und wiegelte alle
benachbarte Mchte auf. Er fand bald geneigte Ohren.

Knig Philipp, ein junger Prinz, hatte seit zwey Jahren die Herrschaft
selbst bernommen. Er hate in seinem Reiche alle diejenigen, deren
Ansehen lter als seine Regierung war. Er hatte mit Sehnsucht auf den
Tod seines Vaters gewartet, der seine thrichten Rathschlge, die
meistens in jugendliche Chimren ausarteten, weislich verwarf, und
dadurch in das Herz dieses feurigen Jnglings einen so eingewurzelten
Groll pflanzte, den nichts mehr ausrotten konnte. Er entehrte noch im
Grabe die ehrwrdige Asche seines Vaters durch unberlegten und
schndlichen Spott, und suchte das verehrungswrdige Gedchtni eines
geliebten Monarchen zu vertilgen, der in den Herzen aller Unterthanen
und Patrioten lebte. Er verfolgte, da er das Ruder ergrif, alle getreue
Diener seines Vaters, er strzte die Gnstlinge, entwrdete die Beamten,
und verabscheute sogar die Pallste, die einst der Lieblingsaufenthalt
seines Vaters waren. Sobald er seinem Reiche eine andere Gestalt gegeben
hatte, das heit alles verwirrte, berlie er sich stolz als ein
Verbesserer einem weichlichen Leben, das seine Jugend entweder mit einem
bereilten Alter, wo nicht gar mit einem frhen Tode bedrohte. Bey
diesem betubten Wollstling fand der kriegerische Willhelm durch
scheinbare Grnde gewnschtes Gehr, denn Philipp hate die Tugenden
Eduards. Kleine Republiken, und mindere Frsten ketteten sich allmhlich
an diese tongebenden Knige, und der Untergang Eduards war beschlossen.
Aber das Schicksal rstete diese Wetterwolken, damit Eduard wie eine
Sonne desto heller glnzte. Der junge Lwe bot allen Feinden seine
muthigen Klauen. Er hrte die Gefahren, und stand entschlossen im vollen
Kriegsrath auf. Meine Freunde, rief er, wir mssen die Lnder nicht nur
von der Mhseligkeit sondern auch von der Furcht der Gefahren befreyen.
Sehet unsere Feinde druen trotzig an der Grnze. Es werden die Heerden
furchtsam verlassen; die Weiden sind de, die Ackerpflege wird
venachliget; die Schifffahrt der Kaufleute ruht. Der Staat verliert
durch den Schrecken des Krieges seine Einknfte. Lasset uns eilen,
diesem Uebel zu steuren; suchen wir die Feinde in ihrem Lande!

Er flog an die Grnze, und stand mit furchtbarem Heere vor dem Antlitz
der Feinde, ehe sie wusten, da er ausgezogen war. Er nzte die erste
Betubung. Er griff hastig an. Er war Zeuge der Thaten seiner Krieger.
Er eilte durch die Reihen, munterte auf, fhrte an, kam zu Hlfe, wo
seine Haufen wankten. Er war Feldherr und Krieger. Er wechselte die
ermdeten Geschwader. Er war wie ein Blitz. Willhelm wich, und
verwnschte sein widriges Schicksal. Philipp war auf das Haupt
geschlagen, und nahm eine schndliche Flucht. Eduard stand als Sieger
auf der blutigen Wahlstatt, und erbeutete ein reiches Lager. Der
Ueberwinder eilte unter dem Zuruf eines jauchzenden Heeres von Stadt zu
Stadt. Viele sandten ihm die Schlssel entgegen; andere wurden mit
strmender Hand erobert. Welche glnzenden Tage fr einen jungen Knig,
den seine Unterthanen anbeteten, seine Bundesgenossen bewunderten, und
seine Feinde frchteten. Eduard ward nicht stolz und bermthig gemacht,
er bot selbst der erste seinen besiegten Feinden den Frieden unter
solchen Bedingnissen an, die jeder anderer als Willhelm mit Freuden
angenommen htte.

Willhelm wich nicht. Er sammelte die letzten Krfte; er verschanzte sein
Lager, und schmiedete heimliche Rnke. Allein vergebens waren seine
giftigen Anschlge. Eduard schrieb bald seinen Feinden Gesetze vor, und
setzte durch seine glcklichen Unternehmungen alles in Erstaunung. Er
berraschte das verschanzte Lager. Die khnen Krieger erkletterten
siegreich die Anhhen, und verbreiteten Schrecken und Verwirrung unter
den feindlichen Geschwadern. Alles wich der Tapferkeit des
unberwindlichen Eduards. Sein Geist schien in alle Herzen vertheilet.
Das Treffen war anfangs mehr blutig als entscheidend. Willhelm focht als
ein Verzweifelter. Er bot allen seinen Krften auf. Er sammelte den Kern
seiner Krieger; er berfiel seinen Gegner. Er war so glcklich die
tapfersten Schaaren zu Boden zu schleudern. Ein unglcklicher Sturz des
Pferdes brachte den fechtenden Eduard in Lebensgefahr; aber Prinz
Sigismund der Sohn seiner Schwester, ein hofnungsvoller Jngling, der
die knigliche Leibwache fhrte, strzte herzu. Er machte sich selbst
zur Brustwehr des fallenden Knigs. Er fieng die Streiche der
zudringenden Feinde auf, und gab seinen Gefhrten Zeit den Knig zu
retten. Sigismund ward von diesem entscheidenden Tage einer der
Lieblinge des Helden.

Eduard rchte durch neue Thaten die kleine Schlappe. Er warf den rechten
Flgel ber den Haufen; der ganze Klumpen des Heeres zerschmolz. Kein
Streiter hielt mehr Stand. Die Tapfersten fielen unter dem Schwerte des
Siegers. Die Uebrigen suchten das Heil in der Flucht. Diese blutige
Schlacht entschied das Schicksal der Feinde. Viele Fahnen, unzhlbares
Geschtz und viele Kriegsgerthschaften wurden erbeutet. Auf der
Wahlstatt lagen zehntausend Todte, und Willhelm suchte seine Hauptstadt
zu erreichen. Er sah sich gezwungen um Frieden zu bitten. Eduard zeigte
seine erhabne Seele in voller Grsse. Seine Migung setzte seine Feinde
in Erstaunung. Er bewilligte allen alles, und schenkte Kronen. Willhelm
blieb undankbar, und sphte nur auf neue Gelegenheit, sich nachdrcklich
zu rchen. Doch sein Groll kochte heimlich. Der Friede war der Erde
gegeben. Niemand hatte geglaubt, da dieser schdliche, weit sich
erstreckende Krieg durch alle tapfern Befehlshaber in einem Jahre, oder
durch alle Befehlshaber in vielen Jahren zu Ende kommen wrde, und doch
der einzige Eduard siegte in zehn Monden ber alle seine Feinde.




                        Tragisches Singspiel.


    Die Scene ist ein Grabmaal. Die Knigin Sophie[15] ihr kleiner
             Sohn, zwey Tchter, und weibliches Gefolge.

(Sie schmcken den Sarg der kniglichen Leiche mit Blumenkrnzen. Die
Kniginn sitzt in tiefer Schwermuth auf den untersten Stuffen mit ihrem
Sohne.)

                                Chor.

   Theurer Schatten nimm die Thrnen,
   Die der Schmerz vom Auge pret;
   Hr der Kinder banges Stehnen,
   Sieh das schwarze Trauerfest!

[Funote 15: Entweder ist hier im Manuskript eine Lcke, oder aber
entdecken wir hier eine gelehrte Zerstreuung unsers Autors. Ich als ein
scharfsichtiger Kommentar staune meine Leser an, und frage, wer ist
diese Kniginn? Ihr Gatte starb im Kampf, und in vorgehender Geschichte
lesen wir von keinem Knige, der auf dem Schlachtfelde fiel. Vermuthlich
wird hier einer von den Bundesgenossen Willhelms verstanden, die unter
den Hauptpersonen aus beliebter Krze in der Geschichte nicht genannt
sind. Genug, es scheint mir eine dichterische Kaprizze zu seyn.]

                         Die beyden Tchter.

   Ach! Wir suchen unsern Vater!
   Schwester wein, wir sind verwaist!

                      Die Mdchen des Gefolges.

   Ach! Wir suchen den Berather;
   Blick herab gekrnter Geist!

                                Alle.

   Theurer Schatten, nimm die Thrnen,
   Die der Schmerz vom Auge pret;
   Hr der Kinder banges Stehnen,
   Sieh das schwarze Trauerfest!

(Die Kniginn Sophie fhrt auf, blickt wild um sich, und drckt ihren
Sohn an den Busen.)

Soph.
   Noch lebst du mein geliebter Sohn!
   Der Tod entri mir einen Gatten,
   Und dir den Vater und den Thron!
   Er ist des stolzen Siegers Lohn,
   Der theure Prei fr seine Thaten.
   Bald wird sein Aug uns neidisch sehn.
   Bald wird die Staatskunst dich aus meinen Armen reissen.
   Nein! Eh mu ich zu Grabe gehn!
   Dann mag sich unser Feind auch deinen Mrder heissen.
   Zuerst durchbohrt man mich,
   Und dann erwrgt er dich.

                                Arie.

   O Gatte, dessen Geist mich hrt!
   Belohn mein zrtliches Vertrauen!
   Da meine Zhren dich bethauen,
   Bin ich des sanften Blickes werth.
   Entrei den Sohn den Tygerklauen!
   Wirst du als Vater auf uns schauen,
   So sinkt vielleicht das Mrderschwert.

                                Chor.

   Wie sich izt rings um uns der Himmel trbt?
   Da liegen wir bethrnt auf diesen Marmorstufen,
   Und wagen es, die Gottheit anzurufen,
   Da sie uns gtig Beystand giebt.

(Man hrt ein Gerusche. Die Gegenwrtigen zittern, und harren ngstlich
den Kommenden entgegen. Das Gefolge Eduards erscheint gewafnet, die
Kniginn umarmet mit ngstlicher Innbrunst ihren Sohn, und die Mdchen
umgeben sie)

Soph.
   Zurck! entweicht von dieser frommen Sttte,
   Wo mein gekrnter Gatte ruht!
   Vielleicht verhnt ihr mich mit blutigem Gesptte?
   Entflammet Euch die rcherische Wuth;
   Ihr Mrder drstet Ihr nach Menschenblut?
   So kommt, und trinket erst das Meine!
   Verschont den Sohn; entehret nicht Gebeine,
   Die ist der edle Rest, der uns noch heilig ist,
   Schenkt dieser Thrne Huld, die izt von neuem fliet!

(Eduard mit seinem Gefolge erscheint, die Kniginn eilt zu seinen
Fssen.)

Soph.
   Frst Gnade, Gnade!

Edu.
   Wie gttlich schn ist sie!
   So viele Reize sah ich nie!

Soph.
   O sieh, wie ich mich hier in Thrnen bade ----
   Beraub mich meiner Kinder nicht!

Edu. (indem er sein Antlitz von ihr wegwendet.)
   O schnste Kniginn, bedecke dein Gesicht!
   Du knntest meine Tugend schwchen.
   Dann will ich weiter mit dir sprechen.

(Sophie verschleyert sich.)

Edu.
   Dein Schmerz ist edel und gerecht.
   Ich bin ein Mensch, und ehre dein Geschlecht,
   Ich schtze dich, und zhle deine Thrnen.
   Ich komme nicht hieher den Todten zu verhhnen,
   Weil ich sein Sieger bin; Nein, Ehrfurcht fhrt mich her.
   Die Zhre, die ihn nezt, soll seine Thaten krnen!
   Ich fllte manchen Feind, der Wrdigste war er!
   Ruh sanft du edle Leiche! ----
   Wie rhmlich flo dein Heldenlauf!
   Wenn ich dir einst am Ruhme gleiche,
   Und dir auch nicht an Tugend weiche;
   So bin ich stolz darauf.

(Zur Kniginn.)

                                Arie.

   Besteig den Thron als Kniginn!
   Ich schenke deinem theuren Sohne
   Sein weites Reich, und seine Krone!
   Wi, da ich Feind der Stolzen bin;
   Doch die Demthigen verschone.
   Nimm diesen goldnen Zepter hin!

                                Chor.

   Preiset, und ehret ihr rhmlichen Krieger,
   Den mchtigsten Helden, den tapfersten Sieger!

Soph.
   Der grste Frst bist Du!
   Der Himmel schicket uns durch Dich den Segen zu!

Edu.
   Izt hab ich noch den schwersten aller Siege!

(Er blickt sie an, wankt, und sagt entschlossen.)

   Lebwohl ---- Wir haben uns das letztemal gesehn!
   Indem ich rasch aus diesem Grabmaal fliege,
   Wird erst die gute Handlung schn.

(Er geht.)

                                Chor.

   Preiset, und ehret ihr rhmlichen Krieger,
   Den mchtigsten Helden, den tapfersten Sieger.




                            Sendschreiben.
                           Alsin an Eduard.


      Wie, mit Lorbern belastet, in Mitte der glnzendsten Siege
   Eduard, liebst du mich noch, und schreibst mir freundschaftliche
      Briefe?
   Wie kannst du bey soviel Geschften die goldnen Minuten
   Gtig verschenken, den Lehrer zu grssen, der ewig dich liebet,
   Dich in blutige Schlachten mit Zittern begleitet, und seufzet,
   Dich mein erhabner Zgling, von Feinden umringet zu sehn?
   Wie oft wnsch ich dich in die Arme der Musen zurcke;
   Wie oft trum ich mich wieder in jene glckseligen Stunden,
   Da ich mit dir die Lichter der Erde mit Musse besuchte;
   Bald mit dem Honig der Dichtkunst, und bald mit dem Nectar der
      Weisheit
   Deine hungrige Seele durch grosse Gedanken erquickte.
   O schon damals reiften die Keime der edelsten Tugend!
   Welche Wonne durchstrmte mich oft, wenn zrtliche Bilder,
   Sanfte Gemlde des Lebens die Thrnen vom Auge dir lokten!
   Freudiger schlug mir das Herz, und Hofnungen labten den Busen.
   Dieser wird Knig! So sagt ich, wie wird Er die Erde beglcken!
   O weissagend ist dieses Gefhl, und heilig die Regung!
   Menschlichkeit ist die Zierde der Frsten, die Sttze der Throne!
   Dank dir allmchtiger Himmel, du hast die Lehren gesegnet!
   Sieh, schon reifet mein Zgling, mein Liebling zum Frsten der
      Frsten!
   Nicht durch blutige Siege, -- Durch ewige Thaten des Herzens!
   Thaten, die noch unsterblicher werden, wenn Er schon verweset.
   Inde die fressende Zeit die goldnen Trophen verschlinget,
   Die nur ein Denkmaal der harten Zerstrung der Menschen bereiten.
   Knig, du weintest, so schreibst du, nach jenem berufenen Treffen;
   Schick mir die Thrnen, damit ich sie trinke, die gttlichen
      Thrnen!
   Eine von ihnen verdient Obelisken; die Lorbeern verwelken!
   Du hast die Wunden der Feinde gesalbet. O knnt ich dich kssen!
   Wie ein Vater den Sohn mit brnstigen Armen umfassen,
   Dich mit Zhren des Dankes bethauen! Ich danke dir Zgling,
   Du hast den Saamen der Weisheit gesammelt, gepflegt, und genhret.
   Aber was soll ich vom Siege, vom herrlichsten Siege dir sagen?
   Selbst der herzenzerschmelzenden Schnheit der Weiber entfliehst du!
   Nimm die Krone! Sey Knig! Die reizende Tugend bekrnt dich!
   Eduard, liebe die rhmlichen Gleise, sey immer dir hnlich;
   Sey stets ein Bruder der Menschen, ein zrtlicher Vater der Vlker;
   Liebe dein Vaterland mehr als die verwelkenden Palmen!
   Schenk, sobald es die Staatskunst erlaubt, der Erde den Frieden;
   Sey mehr gtig als gro, mehr menschlich, als unberwindlich!
   Nicht nur im Schlachtfeld ist Arbeit, der Friede hat edle Geschfte.
   Einst beglkst du die blhenden Staaten mit weisen Gesetzen;
   Du verherrlichst die Stdte mit Wissenschaft, steigenden Knsten,
   Schnen Pallsten, die deine ruhmwrdige Kenntni bezeichnen.
   Da lebst du von Freunden gepriesen, von Brgern verehret,
   Von den Bundesgenossen geliebt, von Nachbarn bewundert.
   O die reizende Bild verjnget mein silbernes Alter!
   Dann kriech ich mit segnender Lippe zur Stufe des Thrones,
   Bringe Dir lallend den Abschiedgru, preise die selige Stunde,
   Die dich der Erde zum Trost, zum sssesten Labsal geschenkt hat.
   Aber zu weit verliert sich mein Geist in reizenden Trumen!
   Trumen? Nein! Lebende Bilder sind dieses, du wirst sie beseelen!
   Sey nur so thtig wie jener, der jede Minute beweinte,
   Die nicht sein gttliches Herz durch rhmliche Handlungen schmckte.
   Aber dein Anfang beweiset, da du nicht Sekunden verlierest.
   Schenk dich uns bald, mit Sehnsucht erwarten dich schmachtende
      Freunde:
   Nicht mehr mit Briefen, mit jauchzendem Munde will ich dich
      begrssen.




                                Brief.
                           Eduard an Alsin.


Zu Pferde lese ich deinen Brief, und zu Pferde schreibe ich auf meine
Schreibtafel zur Antwort: Meine Feinde sind gedemthiget, und ich komme
dich kindlich zu umarmen, und dir mndlich zu sagen, wie sehr ich dir
fr dein warmes Sendschreiben danke, und dich liebe u. s. w.




                                Scene.


      Ein Saal mit den Schlachtgemlden Eduards. Eduard, einige
                       Hflinge hernach Beliam.

Edu. Der Maler versteht seine Kunst! ---- Lasset ihm die Originalplane
geben! ---- (Er liest) Die unglaubliche Uebersetzung des Flusses ----
Die wunderbare Schlacht bey ---- Lasset diese schwlstigen Aufschriften
weg! Sagt die Sache kurz: die Uebersetzung des Flusses, die Schlacht bey
---- Grosse Aufschriften machen kleine Thaten! ---- Albin, dir bergebe
ich die Besorgung dieses Geschftes; zieh meinen Freund Alsin in allem
zu Rath. Ich kenne deinen guten Geschmack. ---- Beliam, was bringst du
so freudig?

Beliam. Alle gute Dinge sind drey! ---- Das Erste ist mein Gru! Das
Zweyte ist ein wunderbares Ding, und das Dritte diese Rolle Papier.

Edu. Den Gru nehme ich mit Dank. Das Zweyte mut Du mir deutlicher
erklren, und das Dritte will ich lesen.

Beliam. Salinia, das schnste Mdchen am ganzen Hofe, schickt mich zu
dir mit diesem Briefe, und sie gab mir noch Etwas fr dich. Weiser
Knig, rathe selbsten was es ist. Ich will dirs sonnenklar beschreiben.
----


                               Rthsel.

   Bist du mein Held wie einst Oedip bescheiden;
   So lse mir das Rthsel mit Verstand!
   Ein Alexander mag den Knotten schneiden,
   Das zeigt nur Stolz, und eine khne Hand.
   Sprich meinen Namen aus, der allen lieblich klingt,
   Von dem ein jeder Dichter singt.
   Nur Gleiner nennen mich mit Stocken und Errthen.
   Bald darf ich frey in die Gesellschaft treten.
   Man sieht mich gern in grossen Husern blhn.
   Bald mu ich scheu die Sonnenstralen fliehn.
   Einst lebt ich brderlich mit Freunden und Verwandten,
   Bis mich die Schwesterchen verbannten.
   Seitdem bin ich den Liebenden getreu,
   Ich werde seltsam, aber neu.
   Sehr oft misbrauchen mich Verrther.
   Die Nscher machen mich gemein.
   Mich hassen gar zu strenge Vter.
   Den Brnstigen bin ich verchtlich, klein.
   In jenen edlen Heldenzeiten,
   War ich ein unschtzbarer Preis.
   Ich suche den, der mich oft nicht zu schtzen wei.
   Ein andrer mu um meine Freundschaft streiten.
   Ich lohne den, der mich erringen mu.
   Ich lasse mir von Frsten nicht befehlen.
   Oft schenkt man mich nur mit Verdru.
   Die sind nicht thricht, die mich stehlen.
   Doch der erkennt von mir den ganzen Werth,
   Der seine Liebe froh durch mich beschwrt.

                   *       *       *       *       *

Eduard.
   Weil ich dir doch das Rthsel lsen mu;
   So sag ich dir geheim, es ist ein ---- Ku!




                               Cantate.
                        der Salinia an Eduard.


                                Arie.

   Liebe, s sind deine Freuden;
   Mich berauschet dein Genu.
   Reiche mir den Abschiedsku,
   Denn wir mssen ewig scheiden.
   Du bist flchtig wie das Glck.
   Ich befrchte deine Rnke.
   Wenn ich deine List bedenke,
   Beb ich scheu vor dir zurck.

                              Recitativ.

   La mich dem Donner rasch enteilen,
   Die du dem Vater Zevs oft hmisch stihlst.
   Ich weis, da Du mit Herzen spielst,
   Oft Wunden schlgst, um sie nicht mehr zu heilen;
   Und dich am Menschenblute khlst.
   Ich will dein frohes Lcheln ntzen,
   Und fliehe scheu vor deinen Blitzen.

                                Arie.

   So lebe wohl, du ssses Gtterkind!
   Wir trennen uns nicht ohne sanfte Zhren,
   Die nur zu sehr mein armes Herz belehren,
   Wie angenehm selbst deine Fssel sind.
   Izt, da ich dich aus meinem Busen reisse,
   Bleibt meine Seele noch von deinen Reizen voll.
   Indem ich Dir den wrmsten Dank verheisse,
   Wein ich Dir noch mein letztes Lebewohl.

                              Recitativ.

   O wenn du holder Gott, auch so bestndig wrest,
   Als du bezaubernd bist!
   Wie blhte dein Altar, den du zerstrest,
   Und der der schnste Preis von deinen Siegen ist!
   O Liebe, willst du mich mit fester Freundschaft kssen,
   So komm mein Leben zu versssen!
   Ich schwre dir die treusten Dienste zu.
   Mein angenehmster Gott bist du.

                                 Arie

   Jauchze Geist, frohlocke Herz!
   Mich begeistern edle Triebe;
   Mich vergttert izt die Liebe,
   Mir lacht jugendlicher Scherz.
   Amor, du bist meine Sonne,
   Die mein Mund am Morgen grt;
   Mich beseelet deine Wonne
   Wenn der Mond die Tage schliet.




                           Scene bey Hofe.


                Der Knig, und sein Vertrauter Albin.

Edu. Und was wre denn der sehnlichste Wunsch deines Herzens, und meines
Volkes?

Alb. Da der beste Knig seinem Vaterland eine Mutter und einen Erben
----

Edu. Ich verstehe dich! -- Ich hasse politische Verbindungen.

Alb. Eure Majestt sind frey, und knnen whlen.

Edu. Die Wahl ist schwer. Die Sitten, die Charaktere des schnen
Geschlechtes sind abgewrdiget ----

Alb. Tugenden sind allezeit selten; aber doch zu finden.

Edu. Kennst du ein vollkommenes Weib?

Alb. Ich bin so glcklich ----

Edu. Du?

Alb. Ich kann mir schmeicheln, einen solchen Schatz zu besitzen.

Edu. Du entlockst mir ein Lcheln. Mein Freund, ich wnsche dir Glck!
Nhre deinen Wahn!

Alb. Auf die Treue meiner Geliebten setze ich mein Leben!

Edu. Viel gewagt! -- Mann, du sprichst so dreist, da ich Lust htte,
dich ein bischen zu demthigen. Wir wetten ----

Alb. Meine Sidia ist die Krone der Mdchen! Sie liebt mich --

Edu. Bis einer kommt, der sie bezaubert. Ich will sie dir treulos
machen.

Alb. Ohne knigliche Gewalt gewi nicht!

Edu. Wir wetten also! ---- Dieser goldene Orden sey der Preis unserer
Wette! ---- Ich will dir dein getreues Mdchen mit sssen Schmeicheleyen
entfhren. Verlierst du; so soll mein gerechtes Hohngelchter deine
Strafe seyn, und du sollst dich hten, mir ferner von Weibern zu
sprechen. Komm, ich will mit dir im Garten die kleine List verabreden.


                         Poetische Erzhlung.

      Bleibt fern von mir ihr tragischen Erzhler,
   Weil euer Trauerton das Ohr erschreckt!
   Ihr Schnen, die man gern mit feinem Spotte neckt,
   Ich streife nur mit Lcheln eure Fehler.
   Befrchtet nicht, da Euch die Muse hlich macht,
   Wenn auch ihr kleiner Satyr lacht.
   Lat nur den Witz sich an den Mngeln ben,
   Die Mnner mssen Euch doch ewig lieben,
   Dafr hat selbst die Frau Natur gesorgt,
   Die ihren Kindern selten borgt.
   Sie fodert von den Herzen strenge Steuern,
   Und lt den Pfeil der Liebe niemals feyern.
   Jedoch beginnen wir; mit Gunst!
   O Muse, steh mir bey, und male die Geschichte,
   Denn ich verstehe keine Kunst.
   Du giebst mir Stoff und Worte zum Gedichte.
   Albin verschwand bey Hof, und whlte sich das Haus
   Der schnen Sidia zur Zuflucht aus.
   Er kmmt versthrt. Sein scheues Wesen
   Lt schon auf seiner Stirn ein grosses Unglck lesen.
   Sie dringt in ihn; er seufzt, und schweigt.
   Sie fleht so lang, bis sie ihn beugt.
   Zu siegreich sind die sanften Thrnen,
   Besonders bey geliebten Schnen.
   Vergesset nicht, da meine Sidia
   Erst achtzehn Sommer zhlet!
   Denn wenn ein Weib schon sechzig Winter sah,
   Wird ein Versuch mit Zhren ganz verfehlet.
   Albin erfnet ihr, da er beym Knig fiel,
   Da seine stolzen Feinde siegen.
   Du kennst schon, sagt er ihr, der Schranzen Gaukelspiel!
   Du weit, wie leicht sie allzeit Frsten trgen.
   Mein Leben steht izt in Gefahr.
   Die Flucht allein kann mich erretten.
   Hier drun mir Theureste, nur Schand und Ketten.
   Warum die Flucht, rief sie, die ganz versteinert war.
   Wer soll dich aus dem Arm der Liebe reissen?
   Hab ich dir nicht mein Herz verheissen?
   Zuerst erwrgt man mich!
   Warum willst du dich von mir trennen?
   Wer wei den Aufenthalt, den nur wir beyde kennen?
   Hier wohne Freund, die Wchterinn bin ich!
   O dies Geheimni soll mir nicht der Tod entlocken!
   Ich werde nicht bey Martern stocken.
   Du sollst durch mich gerettet seyn!
   Albin umarmet sie, und willigt ein.
   Er singt das Weiberlob aus froher Kehle,
   Inde ertheilt der Frst die druenden Befehle,
   Und will den flchtigen Albin bestrafet sehn.
   Dem Finder werden selbst Belohnungen versprochen.
   Izt sollten wir nach Hofe gehn,
   Da sind fr Hflinge die wichtigsten Epochen,
   Wenn gh ein grosser Gnstling fllt.
   Wie prchtig wird sein Lebenslauf erzhlt!
   Schreyt nur ein Feind, so schreyen alle,
   Und jeder Hfling fllt den Mund mit Galle.
   Wer kann dem Geifer widerstehn?
   Doch weder Ha, noch glnzende Versprechen
   Entdecken unsern Schuldigen.
   Die Neider konnten sich nicht rchen,
   Die Scene blieb stts ohne Blut.
   So stand die Sache, das war gut. ----
   Von ungefhr ergtzt sich Eduard mit Jagen.
   Ein Ungewitter kmmt, und berraschet ihn.
   Da steht mein Frst getauft, mit leerem Magen;
   In welches Zufluchtort soll er in Eile fliehn?
   Er reutet durch Gebsch und schwere Gleise;
   Doch gh zeigt sich ein Waldpallast.
   Er nhert sich dem Thor, und pocht ganz leise.
   Der Pfrtner fragt: Wer da? Die Antwort war: Ein Gast!
   Man lt ihn ein. Der Ruf mit schnellen Flgeln
   Verbreitet sich. Der Knig wird begrt.
   Und Sidia, die Frau von dieser Wohnung ist,
   Eilt sich geschwind zu schmcken, und zu spiegeln,
   Und lt das Schlafgemach Albins verriegeln.
   Der Leser denkt hier kritisch nach.
   Sie will, denkt er, ihr theures Pfand versiegeln;
   Ganz billig schliet sie das Gemach.
   Jedoch die Eitelkeit will ihm nicht recht behagen;
   Mir auch nicht, das will ich ganz im Vertrauen sagen.
   Jedoch das reizende Geschlecht liebt Ziererey,
   Vielleicht wars blosse Tndeley,
   Jedoch ich eile rasch zur Sache.
   Die schne Wirthinn grt den Gast in seiner Sprache.
   Man speist, der edle Rebensaft
   Entflammt allmhlich ihre Busen. ----
   Verlat mich nicht beredten Musen,
   Gebt meiner Feder neue Kraft!
   Zwey Herzen fhlten sanfte Triebe,
   Und Eduard gestand ihr seine Liebe.
   Das Herz der Knige wird nie verschmht.
   Wenn im Roman ein Held durch vierzehn Bcher geht,
   Eilt ein Monarch mit Riesenschritten.
   Genug die Sidia lie sich erbitten.
   Jedoch als Sieger seufzt noch Eduard.
   Was nzt ein Gut, ruft er, das man so schwer bewahrt?
   Kmmt dein Albin einst wieder;
   So wird mein Glck zerstrt.
   Der kleine Zweifel schlgt den grsten Knig nieder?
   Ruft Sidia, die ihn mit sanftem Lcheln hrt.
   Wie soll ich dir den Zweifel denn entreissen?
   Durch eine Probe, sprach der Gast.
   Ich gebe sie, lallt sie, jedoch es reut mich fast;
   Du must mir fr Albin erst deine Huld verheissen.
   Sein Leben ---- Nein! Brach hier der Knig ein,
   So wahr ich izt den goldnen Orden fasse;
   So wahr bleibt es, da ich ihn hngen lasse!
   Ein Knig darf kein Lgner seyn.
   Die Sidia befiel ein banges Zittern.
   Das Mitleid wirkt bey weiblichen Gemthern.
   O Knig, nimm dein Herz, und deine Grsse hin,
   Rief sie als Heldin auf, es lebe mein Albin!
   Ich wrde Dich als seinen Mrder hassen.
   So mssen wir uns denn verlassen?
   Nahm ganz betrbt der Frst das Wort
   O Sidia leb wohl, ich eile fort!
   Es ist, ich fhl es schon, um meine Ruh geschehen.
   Ach! Htt ich Dich doch nicht gesehen!
   Ich kenne Dich zu sehr, Du liebst;
   Das Herz ist schon verschenkt, das Herz, das Du mir giebst!
   Ich habe Dir ein freyes Herz gegeben.
   Ich dachte nur allein fr Dich zu leben.
   Es war ein ssser Traum. Lebwohl! Er seufzt, und geht.
   Die Schne hat bisher sehr hart gefochten.
   Sie ward in einem Streit verflochten,
   Bey dem kein Engel lang besteht.
   Oft fielen Mdchen, die am meisten pochten.
   Bleib doch zurck! Rief sie, nimm hin
   Mein schwaches Herz, und den Albin!
   Izt fhrt sie ihn mit Zittern zum Gemache.
   Hier wohnt der Gegenstand von Deiner Rache!
   Doch wenn Du mich mit wahrer Treue liebst,
   So wirst Du mir die Zrtlichkeit beweisen,
   Wenn Du sein Blut mir zum Geschenke giebst,
   La ihn von hier in Frieden reisen!
   Albin, so rief der Frst, Du hast verspielt!
   Du bist verkauft durch Deinen schnen Wchter.
   Sieh Freund, so sind die hbschen Erdetchter.
   Gestehe mir, da jede schielt!
   Doch ich will meinen Schwur nicht brechen,
   Und ich erflle mein Versprechen.
   Empfange zum Geschenk die goldne Ordensband
   Aus deines Knigs Hand!
   Er soll, so wie ich schwur, an Deinen Nacken hngen!
   Doch sey auch klug, und spiele nicht den Strengen.
   Reicht Euch die Hand, vershnet Euch,
   Es war ein kleiner Liebesstreich!
   Ich will mich heut bey Euch recht lustig machen,
   Ihr mt mit mir von Herzen lachen.
   Was thut Albin? -- Er nimmt sein Mdchen an,
   Denn er war stts ein guter Mann,
   Das sag ich ihm zu seinem Lobe.
   Doch setzt er sie nicht weiter auf die Probe,
   Und das ist gut gethan.
   Gesetzt er hrmte sich, und wrde mager,
   Es hlf ihm nicht.
   Ihn trstet doch ein kniglicher Schwager.
   O Leser, wenn vielleicht auch dein Gehirnchen sticht,
   Sey ohne Sorgen, k, und la dich kssen,
   So lang es dir beliebt!
   Doch hte dich die Kleinigkeit zu wissen,
   Die dein geliebter Schatz dem Nebenbuhler giebt.




                              Lustspiel.
                           Scene bey Hofe.


   Isidor, Dornwald, Edmund, Rasian, andere Hflinge, hernach Albin.

Isid. Albin hat des Knigs Gunst verloren, das ist schon Verbrechen
genug.

Edm. Er ist dem Sturm glklich ausgewichen.

Ras. Seine Flucht ist ein Meisterstreich.

Dornw. Unter uns, ich wnsche euch allen Glck, da ihr von diesem
feinen Schurken befreyt seyd.

Ras. Du hast in meinem Herzen gelesen. Ich kann Euch schwren, da ich
ihn aus ganzer Seele hasse.

Isid. Ich liebe ihn wie den Tod! Der Schleicher war stts ein Eckstein,
woran ich meinen Kopf stie.

Dornw. Er war der erste Taugenichts, den ich kenne.

Isid. Ein Meister in allen Lastern.

Ras. Ein Erzschwelger.

Dornw. Ein Betrger! Wie viel Glubiger werden durch ihn zu Bettlern!

Edm. Ich will mein Leben verwetten, er war auch ein falscher Spieler
----

Isid. O das war er allezeit! Ich kenne auch keinen grssern
Verschwender.

Ras. Er ist ein Wollstling. Wie viel Schlachtopfer verkauften ihm die
Mdchenhndler!

Dornw. Er verdient Verachtung! Lat ihn vergessen!

Isid. Der Knig sollte ihn zum Exempel bestrafen ----

Dornw. Wer weis, was noch geschieht? Ich will alles beytragen.

Isid. Ich go berall Oel in die Flammen.

Edm. Man sollte nur sein Zufluchtort ausspren.

Ras. Er wagt sich sobald nicht an das Licht. ---- Aber sehe ich recht?
---- Da kmmt er! ---- Ich irre nicht ----

Isid. O Bravo! Das wird ein feines Spiel bey Hofe werden.

Dornw. Das ist unverschmt, dreist, bis zur Tollheit dumm!

Isid. Der Stier eilt selbst zur Schlachtbank. Hahaha!

Alle. Hahaha!

Alb. Willkommen meine Freunde!

(Die Hflinge, als wenn sie ihn nicht shen, theilen sich in kleine
Haufen, sprechen leise mit einander.)

Alb. Isidor, ist der Knig schon zu sprechen?

Isid. Das weis ich nicht. Ich trete eben ein. Was giebt es Neues? ----
Eben recht, Dornwald, auf ein Wort!

(Er verlt den Albin, und eilt zu Dornwald.)

Alb. Mein lieber Rasian, wie geht es Dir?

Ras. So so! ---- Edmund, sind deine neuen Gesttpferde noch kuflich?

Alb. Die Herren sind zu sehr beschftiget, ich will eintreten.

(Er geht ab.)

Alle. Hahaha!

Isid. Der Geck! Er wird beym Knig kriechen, und betteln.

Ras. Lat uns horchen! ---- Ein Seufzerkoncert!

Dornw. Er wird eine zrnende Gottheit finden. Der Frst ist heut in
wilder Laune.




              Neuer Auftritt. Der Knig, Albin, Vorige.


Eduard. Meine Freunde, da fhr ich Euch meinen lieben Albin auf! Wir
sind vershnt. Es war ein blosser abgeredeter Scherz. Wnscht ihm Glck
zu neuen Wrden, und Zeichen meiner Gnade. Albin, wir sehn uns heut bey
der Tafel! (Er geht.)

(Alle Hflinge drngen sich zu, den Albin zu umarmen.)

Isid. Seht, unser Albin ist uns endlich wiedergeschenkt! ---- Meinen
herzlichen Glckwunsch!

Edm. Ich nehme den lebhaftesten Antheil.

Ras. Ich bin entzckt!

Dornw. Ich bin hingerissen!

Isid. Ich habe fr Dich wie ein Bruder gearbeitet ----

Edm. Du bist mein Zeuge Isidor, wir beyde ----

Ras. Auch ich war dabey!

Dornw. Der Knig wollte mich lang nicht hren ----

Isid. Endlich wich er unsern dringenden Bitten.

Alb. Welch ein glcklicher Mann bin ich! Wie viel Freunde!


                         Komisches Singspiel.

                        Final. Chor von Allen.

   Seht die Freuden uns umschweben;
   Lasset uns in Freundschaft leben,
   Sie erquicket meine Brust.
   Ihren zrtlichen Befehlen
   Folgen die erhabnen Seelen,
   Freundschaft ist der Menschen Lust!

(Alle lispeln leise fr sich.)

   So verstellt man seine Triebe,
   Und man zeiget warme Liebe,
   Wenn man tdtlich hat.

                               Isidor.

   Ich bin meiner Zge Meister!

                               Rasian.

   Von mir lernen kleine Geister!

                               Edmund.

   Solche Freunde sind zur Last!

                                Albin.

   Ich umarme, ksse, preise,
   Doch die Worte bleiben Dunst.

                           Alle sehr still.

   Wie die Schlangen gehn wir leise,
   Und die zrtlichsten Beweise
   Lehrt uns die Verstellungskunst.

                           Chor von allen.

   Eilt euch liebreich zu umfassen!
   Busen, die die Falschheit hassen,
   Fsselt heut ein Liebesband.
   Schwret itzt mit sanfter Freude,
   Schwrt die angenehmsten Eyde;
   Schenkt die Herzen mit der Hand!

(Sie schlagen die Hnde mit Gerusche einander.)

                      Ende der zweyten Kaprizze.




                           Der Mann Eduard.
                           Dritte Kaprizze.




                                Scene.


              Eine Studierstube. Eduard, und der Weise.

Edu. Mein Besuch ist mir reichlich vergolten! Ich bewundere deine tiefen
Einsichten. Die Philosophen sprechen von vielen Welten. Was denkst du
davon?

Der Weise. Fr den Weisen sind viele Welten; aber fr die Eroberer ist
nur eine. Der Weltweise kann seine gelehrten Eroberungen unendlich
ausdehnen. Sein Adlerblick bersieht wirkliche und mgliche Schpfungen.

Edu. Eine Welt ist dem Ehrgeiz zu klein.

Der Weise. Die Sonne ist neunmahlhunderttausendmal grsser, unser
Ehrgeiz ist also minder beschrnkt.

Edu. Ehe ich dich verlasse, sollst du eine Gnade von mir fodern.

Der Weise. Ich befinde mich jetzt in der Lage eines Diogenes; Der
cynische Weltweise hat dem grossen Alexander, wie mir ducht, als ein
stolzer Narr geantwortet. Ich sage Eurer Majestt fr ihre Gnade Dank.
Ich habe meine wenigen Bedrfnisse so nach der Natur beschrnkt, da ich
in der That nicht geschwind wste, was ich wnschen sollte. Alles was
mir Knige geben knnen, ist mir entbehrlich; und alles, was ich
wnsche, haben die Knige nicht. Doch in Eurer Majestt Staaten leben
viele meiner bedrftigen Brder; giessen Sie ihre Wohlthaten auf die
Armuth aus, und vergrssern Sie meine Glckseligkeit, indem ich hre,
da die Armen erquickt sind.

Edu. Deine Bitte ist schn! ---- Du bist menschlicher als Diogenes.

Der Weise. Und du gtiger als Alexander!




                                Roman.


Es war Friede, und Eduard berlie sich den Freuden der Liebe. Sein Hof
war der Sammelplatz des schnen Geschlechtes, und die artigsten
Liebesgeschichten waren tglich der Gegenstand der lchelnden Kreise.
Der Knig wurde von den Gunstbezeugungen der wohlthtigen Grazien zu
sehr berhufet, und wnschte einmal das seltne Vergngen zu fhlen,
nicht als Knig, sondern blo als Liebhaber zrtlich geliebt zu seyn.
Ein Zufall gab ihm, was er lange vergebens wnschte, eine Geliebte, die
ihn selbst, und nicht seinen Stand liebte.

Eduard hatte einer seiner Freundinnen ein niedliches Landhaus gekauft,
das er oft verkleidet besuchte. Es stand in einer Gegend, wo auf
malerischen Hgeln einige Lusthuser zerstreut lagen. Eines Tags
spazierte er ganz allein, und beschaute alle benachbarten Grten. Er sah
einen, dessen angenehme Aussicht ihn entzckte. Er fand eine kleine
Thre offen. Er schlich durch das Gegitter, trat in die Ebne, und
weidete sein Auge an den zierlichen Blumenbeeten. Er durcheilte den
ganzen Garten, ohne jemand zu finden. Pltzlich trat er in eine duftende
Laube; freundschaftliche Aeste neigten ihre fruchtbaren Wipfel einander
entgegen, und umschatteten ein artiges Rebengelnder. Hier fand er ein
schlummerndes Mdchen, das alle Schnheiten bertraf, die er jemals
gesehn hatte. Sie fuhr beym Gerusche vom Schlummer auf. Er wich
bescheiden zurck, machte ihr die hflichste Entschuldigung, erzhlte
ihr seine gereizte Neugier, und mischte so artige Schmucheleyen in sein
Gesprch, die sie immer sehr geistreich beantwortete, da sie einander
bezauberten. Die Liebe wirkt rasch. Sie bedarf nur weniger Augenblicke
zum Siege, Elisie, so hies die Schne, fhrte ihren Liebhaber durch die
kleinen Stuffen der Zrtlichkeit, und Eduard liebte, ohne den Knig
blicken zu lassen. Er gab sich fr einen Hfling aus, und erfuhr, da
seine Schne die Tochter Alsanders eines bemittelten Edelmannes war. Izt
begann eine geheimnivolle Liebesgeschichte. Man wechselte Herzen, man
bestellte sich zrtlich, und dieses mystische Geprng hatte fr einen
siegreichen Knig besondere Reize.

Eines Tages findet Eduard seine Elisie in Thrnen. Er dringt in sie; er
spht die Ursache; mit Schluchzen erklrt sie ihm, da ihr Vater sie an
einen Nachbar seinen alten Freund vermhlen wollte. Das soll er nicht!
Ich befehle, rief Eduard, der den Liebhaber verga, und den Knig zur
Unzeit spielte. Er fate sich pltzlich, er ersann ein Rettungsmittel;
keines gefiel. Er schlug ihr die Flucht vor; aber Elisie war tugendhaft.
Eine seltsame Lage fr einen verliebten Knig!

Der Vater hatte von der heimlichen Liebe seiner Tochter einige Spur,
doch ohne zu wissen, da dieser Anbeter sein Knig seyn sollte. Er
wollte dem Liebesverstndnisse, das seinen Absichten zuwider war,
Schranken setzen, und hielt seine Tochter sehr eingeschrnkt, lie sie
selten allein, und der durchlauchtige Verehrer mute sich mit kleinen
zrtlichen Briefchen begngen. Eduard war in Verzweiflung, er wollte
seine Geliebte besitzen, und entschlo sich seinen gefhrlichen
Nebenbuhler zu entfernen. Er berief ihn unter einem Vorwande nach Hof,
und verheurathete ihn an ein reiches Frulein. Der Vater Elisiens als
ein Mann von Entschlssung trstete sich damit, da er einen andern
Eidam whlte, und Eduard hatte einen neuen Nebenbuhler. Noch niemals
fand sich ein verliebter Knig in solcher Verlegenheit. Er entwarf
tausend Plane. Bald spielte er den Monarchen, und ri gewaltthtig die
Entwrfe seiner Gegner ber den Haufen; gleich nahm er wieder Zuflucht
zur Sanftmuth um seinen kniglichen Stand nicht zu verrathen.

Endlich nherte der traurige Zeitpunkt, in welchem er alle seine
Hofnungen verschwinden sah. Ein Proze zwang den Alsander in der Stadt
zu erscheinen. Er nahm aus Vorsicht seine Tochter mit sich. Er besuchte
gelegentlich alle Pallste, zeigte ihr alle Seltenheiten, und lie sie
auch den Knig bey der Tafel sehen, um ihr die Pracht eines kniglichen
Mahles begreiflich zu machen. Sie traten in den Speisesaal, viele Fremde
waren zugegen. Alle bewunderten den frstlichen Aufwand, den Geschmack
und die Kunst der goldnen Geschirre; aber der Knig zog alle Augen auf
sich.

Alsander zeigt seiner Tochter den Knig, sie erblickt in ihm ihren
Geliebten, und sinkt ihrem Vater ohnmchtig in die Arme. Der Zufall war
neu. Alle Hofdiener, und Schranzen eilten herzu. Ein Frulein, das mehr
ein Engel, als ein Mensch war, in Ohnmacht zu sehen, war fr galante
Hflinge ein zu wichtiger Gegenstand. Alles war beschftiget. Hundert
Hnde mit Balsamgerchen waren gerstet. Jeder machte sich ein Verdienst
daraus, der erste zu seyn. Eduard selbst sprang von der Tafel auf, und
drngte sich durch; aber welche Erstaunung befiel ihn, seine geliebte
Elisie an seinem Hofe in Gefahr zu sehen. Er lie sie eilends in seinen
Gemchern zur Ruhe bringen. Der knigliche Leibarzt ward gerufen, und
alle Hflinge machten tausend Muthmassungen, und bestimmten das gute
Frulein entweder fr sich selbst, oder fr den Knig zur Geliebten.

Den ganzen Tag ward nur von der unbekannten Schnen und ihrer
wunderbaren Ohnmacht gesprochen. Diese Begebenheit war eine wichtige
Beschftigung fr mige Hofleute. Elisie befand sich in einer
kritischen Lage. Eduard verlie nicht das Vorgemach seiner Gebieterinn,
sphte immer auf alle Zuflle, und empfahl dem Arzte seine Geliebte wie
sein eignes Leben. Er rufte Alsandern zu sich, und entdeckte ihm seine
ganze Liebesgeschichte. Der Vater staunte, und sah wohl ein, da er in
einem schweren Handel verflochten wre; er sagte dem Knig mit der
Entschlossenheit eines rechtschaffenen Mannes: Eure Majestt, nach den
gewhnlichen Sitten der Welt sollte ich sagen, da ich mir die grste
Ehre daraus mache, meine Tochter von einem Knige geliebt zu sehen; aber
ich bin von den ausserordentlichen Menschen, die nach eignen Begriffen
handeln, und ich gestehe Eurer Majestt, da ich zu ihrer eignen Ruhe
und zum Wohl meiner Tochter wnschte, da sie von einem Manne ihres
Standes, nicht aber von einem durchlauchtigen Anbeter geliebt wrde. Ich
bin Unterthan, Eure Majestt sind mein Gebieter. Ihre Gewalt ist grsser
als die Meinige; alles, was ich als Vater thun kann, ist, meiner Tochter
wie ein wahrer Freund zu rathen, und ihrem Herzen die Entscheidung zu
berlassen. Die Folge wird zeigen, ob sie mehr ihren Liebhaber, oder
ihre Ehre und die Tugend liebt. Da ich sie mit schwachen Hnden als
Vater wider einen mchtigen Monarchen schtzen wrde; so soll der Himmel
und ihre Rechtschaffenheit sie wider die Versuchungen der Liebe, der
Gunst, der Grsse, und der Gewalt schtzen!

Sie sprachen noch, als Elisie sich dem Knig, und ihrem Vater zu Fssen
warf, und beide um eine Gnade flehte. Jeder bewilligte die Bitte; aber
wie erstaunten sie, als sie hrten, da sie um die Freyheit bat, in eine
geistliche Freystte sich zu begeben. Ich liebe Eure Majestt; rief sie,
ich errthe nicht ber dis Gestndni, ich habe bey meiner Wahl ihre
persnlichen Eigenschaften nicht ihren erhabnen Stand gekannt. Als Knig
hrt Eduard auf mein Liebhaber zu seyn; aber kein Mann ist wrdig sein
Nebenbuhler zu werden. Ich verlasse Sie auf ewig, weil ich meine Tugend
mehr liebe, und fliehe alle Menschen, weil ich sie allein liebe. So
sprach sie entschlossen, troknete ihre Thrnen ab, fate liebreich die
Hand ihres Vaters, und eilte zur Pforte. Umsonst beschwur sie Eduard,
ihren Entschlu zu ndern; nichts machte sie wanken, und sie flog in die
Einsamkeit. Eduard wollte seine gegebene Verheissung aus Gromuth nicht
brechen, und berlie sich lang einer schwermthigen Laune, bis nach und
nach neue wichtige Zuflle die zrtlichen Regungen aus seinem Herzen
verbannten. Doch blieb die reizende und tugendhafte Elisie ewig der
Gegenstand seiner Bewunderung, und wenn er das schne Geschlecht preisen
wollte, pflegte er zu sagen, schn und tugendhaft wie meine Elisie!

Die Meinungen der Hflinge waren getheilt. Einige bewunderten die
ausserordentliche Entschliessung der schnen Elisie; andere tadelten die
romantischen und strengen Begriffe; die meisten wnschten, da ihre
Tchter, Schwestern und Muhmen in einer so vortheilhaften Lage sich
befnden, die sie und ihre Familie besser benutzt htten. Aber die
Ohnmachten waren sehr selten bey Hofe. Alsander pries seine wrdige
Tochter, und Elisie fand in der stillen Einsamkeit und in der sanften
Beruhigung eines reinen Gewissens die Belohnung, welche der schnste
Preis der Tugend ist.




                                Scene.


               Ein knigliches Gemach. Eduard, Lusian.

Lus. Ich lege Eurer Majestt meine Wrde unterthnig zu Fssen. ----

Edu. Warum willst du mich verlassen?

Lus. Ich liebe mein Vaterland, und werde nie als ein undankbarer Sohn
wieder meine landesmtterliche Erde streiten.

Edu. Mein liebster Lusian, hr die Vernunft! Dein Vaterland zwingt mich
zum Kriege. War nicht die dreiste Antwort des Senats eine neue
Beleidigung? ---- Ich mu die Ehre meiner Krone rchen.

Lus. Schenken mir Eure Majestt wenige Tage, lassen Sie inde ihre
Waffen ruhn, und ich bergebe Ihnen ohne Schwertstreich friedsame
Stdte, die um ihren Schutz flehen sollen. ----

Edu. Da ist meine Hand! Ich kenne deine Treue!

Lus. Ich will mein Vaterland dem schndlichen Joch entreissen, unter dem
es so lange seufzt. Stolze, grausame Senatoren haben die Gesetze
vertilget, und ihren Eigensinn zum Orakel gemacht. Verflucht sey das
Gesetzbuch der Despoten! ---- Unter Eurer Majestt gtigen Zepter soll
die glckliche Heerde ruhen! -- Ich weis gewi, da der gromthige
Eduard nicht ein Land unterdrcken wird, das sich ihm freywillig
ergiebt.

Edu. Es soll mein Vaterland werden! -- Landsmann Lusian grsse deine
Mitbrger in meinem Namen!




                                Scene.


(Ein Platz der Stadt. Lusian, viele Senatoren, bewaffnete Brger,
Krieger, und ein unzhliges Volk, das von allen Seiten zudrnget. Auf
dem Platz ist ein feuriges Gefecht. Hin und wieder werden einige Haufen
zu Boden geschleudert: In der Ferne hrt man Schsse, und einen
schrecklichen Lermen. Die Krieger reissen die Senatoren aus den Husern.
Lusian fliegt daher mit blutigem Schwert. Die Fackeln verschwinden, und
es wird Tag.)

Lus. Schonet das Blut! ---- Meine Brder, besnftiget Euch! ----
Schtzet die Freyheit! ---- Fhrt die Senatoren in das Gefngni! ----
Ihr Tyrannen fort!

Einige Senatoren. Hlfe! ---- Freunde! ---- Brger! Hlfe!

Lus. Hrt diese Tyger nicht! ---- Ihre Klauen triefen von Wittwenthrnen
und Waisenblut! ---- Fort die Zerstrer der Gesetze! ---- Friede meine
Mitbrger! ---- Freyheit! ---- Die Republik ist frey! ---- Die Gesetze
leben auf! (Zu den Hauptleuten) Stillet den Aufruhr! ---- Lasset Gte
und Sanftmuth zurckkehren! ---- Sammelt das Volk! ---- Ich will meine
Brder grssen! Kommet hieher meine Geliebten! ---- Meine Freunde hret
mich! Ihr sollt mein Vorhaben einsehen! Ich liebe Euch, kommet hieher!

(Er steigt auf eine Bhne, und das Volk umringet ihn.)


                                Rede.

Ich sehe alle Augen auf mich gerichtet; ich, der ich unter dem Gerusche
der Waffen graute, trete unbereitet, unerfahren in den bezaubernden
Knsten der edlen Wohlredenheit, mit einer freyen und offenen Stirne,
mit einem zrtlichen, brderlichen Herzen, ohne Schminke, vor das
ehrwrdige Antlitz meiner theuersten Mitbrger, Euch als meinen Brdern
meine ganze Seele zu erfnen, mit Euch mich zu erfreuen, und mit Euch
ber das gemeinschaftliche Wohl mich zu berathschlagen. Erlaubet mir
geliebte Brder, da ich zuerst diese herrliche, grosse, freye,
volkreiche Stadt grsse, und dankbar segne wo ich das erste Licht des
Lebens erblickte. Hier war meine Wiege! Diese Mauern empfiengen mein
erstes kindliches Lcheln! Frh hat das Schicksal mich meinem geliebten
Vaterland entrissen. Ich irrte lang an fremden Gestaden; zrtliche
Liebe, warme Sehnsucht meine Brder zu umarmen, meine edle Vaterstadt
vor meinem Ende noch einmal zu sehen, zu segnen, und ihr meine Asche zu
schenken, fhrt mich hieher. Aber gerechter Himmel, der Du die
Begebenheiten der ganzen Schpfung ordnest, in welchem betrbten
Zustande mu ich diese theuren Wohnungen finden! Darf ich es wagen meine
Mitbrger, Euch nach meinem Gefhle, nach dem natrlichen Eindruck auf
mein empfindsames Herz das hliche grauenvolle Bild dieser
Schreckenscenen zu schildern, und Euch das lchelnde Gemlde der
knftigen Tage entgegen zu setzen?

Ich trage meine Blicke forschend auf diese ehrwrdige Versammlung und
sphe mit einer bangen Erwartung, ob einer ist, dessen Auge mir ein
finsteres Mivergngen weissaget. Gepriesen sey der Allmchtige! Mein
Herz jauchzt, da ich auf euren heitern und brderlichen Mienen jene
Zufriedenheit wahrnehme, welche die Seele heilsamer Rathschlge, die
Sule der Eintracht, und die Sttze des Staates ist.

Selbst der verruchteste Bsewicht thut oft zum Scheine gute Handlungen;
seine Absicht ist, durch gleissende Tugenden die Herzen einzuschlfern,
zu gewinnen, die Augen des Pbels zu blenden, und seine Laster desto
sicherer und ungestrter auszuben; aber eure berufenen Tyrannen legten
auch den Schein der Tugend von sich, und rhmten sich schon mit einer
hernen Unverschmtheit ihrer Schandthaten. Nur wenige ihrer
schwrzesten Rnke begrub die Nacht; aber izt brechen pltzlich alle
ihre Laster an das Licht, sie stehen wider sie auf, sie werden von der
hellsten Sonne beleuchtet, allgemeiner Fluch trift sie; vereinigter Ha
strzt auf sie, und ewige Schande brandmarkt ihr Gedchtni!

Wie der blutbegierige Lwe auf seinen Beuten entschlummert; rings um
seine Hhle stinken die Aeser, und berall faulen die Knochen der
erwrgten Wanderer; so waren die stolzen Pallste eurer Tyrannen, was
sag ich? Pallste, Mrdergruben waren es, wo die verfolgte Unschuld ihr
Grab fand; wo die Thrnen der vertilgten Wittwen, und der gedrckten
Waisen schallten! Hier wohnten die Ruber des Staats, die Feinde des
Vaterlands, die Verderber der heiligen Gesetze! Durch sie liegen die
Knste und Wissenschaften darnieder. Der gehemmte Handel seufzt, der
Fremdling wird verscheucht, und flieht diese blutigen Gestade; er sieht
die traurigen Spuren seiner Mitbrder, und entweicht mit Schauer den
Mihandlungen. Ein despotischer, eiserner Zepter beugt alles nieder. Das
edle Verdienst ist unterdrckt, hindangesetzt, ausgestossen, vergessen!
Die Wrden sind den Meistbietenden oder feilen Dienern der Wollust
angeboten! Die armen Brger sind mit schwerem Joche belastet; sie wagen
es nicht laut zu seufzen; nur ihre schwermthigen Blicke sind Zeugen
ihres innerlichen Schmerzens; brderliche Eintracht, ffentliche
Sicherheit, husliche Ruhe sind zersthrt! Ist dies der Staat, wo die
Brder mit liebreicher Eintracht leben sollten? O meine Freunde, Thrnen
treten mir in die Augen, sehet, da zittert ein Vater fr seine Kinder;
er fhrt hastig vom Schlummer auf, und horcht ngstlich, ob man nicht
seine Shne durch Henker ergreifen lt, ob nicht ein geiler Rathsherr
seine Tchter gewaltsam schndet, oder seine Gattinn, die theure
Gefhrtinn seines Lebens listig beschleichet, entfhret, entehret!
Welchen Richter soll der Mihandelte zu Hlfe rufen? Die Richter, die
Handhaber der heiligen Gesetze sind Meuchelmrder, Ruber,
Weiberschnder, Lasterhafte, die mit allen Verbrechen sich belasten!
---- Die Gesetze schlummern, das Schwert der Gerechtigkeit ist in der
Scheide verrostet! O ihr Hefen, die ihr die Menschlichkeit schndet,
tretet aus von diesen Grnzen, eilet mit euren Mordgesellen, mit euren
Lastergenossen, und reiniget diese edlen Mauren von der Schande, von der
ansteckenden Pest, welche die reinen Sitten der aufkeimenden Jugend
beflecket.

Diese abgehrteten Unmenschen, die alles Gefhl mikannten, sind es
auch, welche dreiste genug sind, die Nachbarn zu mihandeln, und das
Vlkerrecht zu beleidigen. Sie reitzen groe Knige zum Zorn, sie fodern
sie gleichsam auf, Euch zu bekriegen, Euch zu vertilgen! Dort steht
Eduard, ein mchtiger Sieger, seine belorbeerte Stirne ist gerunzelt,
seine unberwindlichen Heere, wenden ihre Schritte an eure Grnzen. Was
werdet Ihr ihnen entgegensetzen? Wo sind eure Bundesgenossen? Die Wuth
der Tyrannen hat sie verscheucht! Wo sind eure Freunde? Die Frevler
haben sie in ewige Feinde verwandelt! Wo sind eure rhmlichen tapfern
Mitbrger? Die Tyger haben sie verbannt, getdtet, und ihrem
schwrzesten Neide aufgeopfert! Da steht Ihr wie eine verlassene Heerde,
den Nachbarn preigegeben, ohne Hirten, ohne Schaafhunde!

Zittert nicht meine geliebten Mitbrger; trauret nicht ihr guten Vter;
weinet nicht trostlos ihr Mtter; richtet eure gesunkenen Herzen empor
ihr edlen Brger! Die gttliche Vorsicht wachet; mit schutzreichen
Flgeln bedeckt sie diese rhmlichen Mauern; Diese Vertilger des Staates
sind zu Boden geschleudert! Alles lebt auf; alles wird beseelt; alles
lchelt um mich! ---- Ich bin wie ein mder Wanderer, der lange durch
die Schreckenscenen des Winters taumelte, Schneegebrge keuchend
berstieg, oder breite Flsse bersetzte; dessen Ohren noch von den
heulenden Nordwinden betubt, und dessen Augen vom schneidenden Gestber
geblendet sind; aber pltzlich tritt er in ein reizendes Eden, wo grne
einladende Fluren seinem Auge gastfreundlich winken, wo die balsamischen
Gerche der Blumen ihn erquicken; er vergit die vorigen Scenen. So bin
ich, der aus dem Schauplatz des Schreckens und des Verderbens in die
heitern Auftritte des wiederauflebenden Staats blicke. Die zrtliche
Stimme des Brutigams schallt mir hochzeitlich entgegen; sicher umarmet
liebreich der Gatte die keusche Gattinn; sicher ksset die Mutter die
unentweihten Tchter; der freudige Handelsmann eilet auf reichbeladenen
Fichten, suchet die Nachbarn, und ldt sie freundschaftlich ein; das
Weberschif ist thtig; der Meissel wird gebt; die Knste und
Wissenschaften blhen auf; die Musen besuchen mit schwesterlicher
Eintracht die majesttischen Lehrsle, und verbreiten Weisheit, und
Glckseligkeit in alle Gemther, der Priester ruchert mit frommer
Andacht den heiligen Altar, und der ruhmbegierige Krieger rstet sein
patriotisches Schwert zum Schutz des geliebten Vaterlands!
Seliggepriesene Mauern, wie viel freudige Brger erblick ich in eurem
Schooe!

Unsterbliche Gottheit, sollte jemals wieder, verzeiht mir theure
Mitbrger, diesen verwgnen, schmhlichen Gedanken; aber sollte jemals
der Geist der Eintracht unter euch verlschen; sollte wieder das Laster
triumphiren, und Tugend und Freyheit unterliegen, O meine Brder, so
tdtet mich erst; lasset mich eure Schande nicht erleben; begrabet meine
morschen Knochen in den Trmmern eurer Ehre! ---- Euer gerechter Unwille
kocht auf bey diesem abwrdigenden Bilde. Dank Euch, ihr edlen, ihr
erhabnen Patrioten! Vaterlandsliebe beseelt Euch, diese rhmlichen
Triebfedern zeichnen eure Handlungen aus, und machen sie unsterblich.
Aber lasset uns nicht unthtig entschlummern; lasset uns unermdet
arbeiten; thuet nichts ohne weisen Endzweck; unternehmet nichts, was
eure Krfte bersteiget; lat uns nicht sicher entschlummern, damit
nicht heimliche Feinde uns berraschen, und das schne Gebude unserer
Glckseligkeit heimlich untergraben, erschttern, zerstren! Verwandelt
durch sanfte Vorschlge eure Feinde in Freunde; macht aus ihnen Schtzer
und Bundesgenossen! Eduard ist schneller als ein Blitz, und mehr
gefrchtet als ein Donner; aber dieser knigliche Lwe verschonet die
Demthigen, und umarmt den tugendhaften Patrioten. Er ist kein geiziger
Eroberer, der auf Beute lauert; der nur Lnder verschlinget; nein, er
verbessert die Staaten seiner Feinde, und giet Frieden auf die
Besiegten aus! Lasset uns versuchen, seinen gereizten Zorn zu
besnftigen, und statt blutige Schlachten friedliche Palmen whlen! Ich
will hingehen, ich will fr euch sprechen, wie fr meine Brder, O
erlaubet mir zu sagen, wie fr meine geliebte Familie, Ihr seyd es, ich
bin kinderlos, ich liebe nur euch!

Ich erstaune meine Freunde ber die rasche Vernderung, ber diese
glckliche Epochen, ber den seligen Frieden, der wie ein Zephyr um mich
hauchet, ber alle glckliche Fgungen, mit so wenigen Krften, so ohne
Blutvergiessen, so ohne Zubereitung, so hastig seh ich mein theures
Vaterland aus den Klauen blutgieriger Tyger, und aus dem Rachen des
Verderbens gerissen! Ich begreife kaum diesen plzlichen Sturz der
Tyrannen; ist es nicht ein sichtbares Wunder der weisen Vorsicht? fhlet
Ihr nicht selbst mit innerlicher Ueberzeugung die mitwirkende Hand der
Gottheit, welche diese fromme Stadt vorzglich beschtzet? ---- Es geht
mit reifen Verbrechern, wie bey verzweifelnden Kranken. Alles ist
verwirrt; die Aerzte selbsten werden mit Blindheit gestraft; so
entschliefen die sichern Despoten, sie hrten die Donner ber ihren
Huptern rollen; sie sahen die Blitze, und sie wurden ohne Rettung wie
zerbrochene Geisseln des bedrngten Volkes in die Flamme geschleudert!
---- Diese herrliche Stadt, euer Leben, eure Gter, eure Weiber, eure
Tchter, eure Shne sind durch den allmchtigen Beystand des Himmels,
durch die weisen Anschlge wahrer Patrioten, und durch die thtige
Mitwirkung edler Brger dem nahen Verderben entrissen, und in den
blhendsten Zustand versetzt, das ist der Tag unserer Wiedergeburt! Ihr
Freygebohrnen lebet auf; theuer und heilig sey Euch ewig der Tag eurer
Erhaltung.

Aber wenn etwa in einem dunklen Winkel hmische Feinde ber den Verlust
ihrer Ketten seufzten, oder es wagten mit giftiger Zunge mich niederer
Absichten anzuklagen; es wrde mich schmerzen, mein Herz wrde bluten;
aber ich wrde sie nicht hassen, sondern ihre Blindheit beweinen. Kommt
her ihr Zweifler, wrde ich ihnen sagen, betrachtet dieses graue Haupt!
Es sehnet sich nach Ruhe; sehet diese Brust voll Narben! Sie hat sich
oft den gersteten Dolchen eurer Feinde entgegengestemmet; der mde
lebenssatte Greis seufzt nach seinem Grabe, und wnscht nichts in die
khle Erde mit sich zu tragen als den sssen Trost, meine Brder
beglckt zu sehen, und mein Vaterland zu befreyen! -- Ja, meine
ewiggeliebten Brder, ich bin ehrgeizig, ich fodre von Euch einen Dank,
eine schne Erkenntlichkeit! ---- Wenn ihr einst meinem Grabhgel
begegnet, wenn Euch die Ringelblume zuwinkt; so zaudert, und ruft euren
Shnen: Hier ruht Lusian unser Bruder, der uns und sein Vaterland liebte
---- Und dann schenkt mir eine brderliche Thrne ----

(Das Schluchzen hemmt die Worte des Redners; er trocknet seine Augen.
Inde weinen die Mtter, und die Brger jauchzen.)

Alle. Es lebe der Patriot! Freyheit! Das Vaterland ist frey!




                                Scene.


(Eine gebirgichte Waldgegend. Eine Zigeunerbande bereitet ihr Lager. Die
ltern Weiber und Mnner sind mit verschiedenen huslichen Verrichtungen
beschftiget. Einige bereiten die Zelter; andre kochen und braten. Die
jungen Burschen und Mdchen singen und tanzen; andere spielen mit ihren
Instrumenten. Eduard mit seinem Jagdgefolge erscheint. Die Zigeuner
begrssen ihn. Didia ein artiges Zigeunermchen erscheinet an der
Spitze.)

Edu. Welche Frhlichkeit herrscht unter diesem armen Volke! ---- Wie
heissest du junges Mdchen?

Didia. Mein Vater gab mir den Namen Didia. Ich will Dir weissagen aus
deinen Gesichtszgen, aus deiner Hand, und aus deinen Trumen.

Edu. Verstehst du auch den Sinn der Trume? ---- Du erinnerst mich auf
einen seltnen Morgentraum, er ist wunderbar. Hr:


                                Traum.

   Aus einer Hhle trat ein Lwe stolz hervor;
   Ihm huldigten mit Zittern alle Thiere;
   Er neigte kniglich sein Ohr,
   Und hrte gtig ihre Schwre.
   Gh zeigte sich in Wolken eine Hand,
   Die warf ihm Lorbeern zu, und goldne Kronen,
   Die Tapferkeit des Lwens zu belohnen.
   Als die Wohlthterinn verschwand,
   Schwang sich ein Adler stolz aus einem Neste,
   Das in der Lwenhhle stand.
   Er bereilte rasch die Wipfeln aller Aeste,
   Nahm alle Kronen mit, und flog in stolzer Ruh
   Der Sonne majesttisch zu.
   Der Lwe lag inde entkrftet auf der Erde,
   Und traurig schien mir seine Heerde.

Was ducht dir von diesem wunderbaren Traume? Du denkst nach? -- Du
scheinst verlegen? ---- Nun kleine Hexe ----

Did. Der Sinn deines Traumes ist sonnenklar!

Edu. Du machst mich neugierig kleine Schwtzerinn ----

Did. Hr die Erklrung:

(Sie singt.)

   Dein Heldenhaupt umgiebt so manche Krone;
   Doch keine lssest Du zur Erbschaft einem Sohne.
   Aus deinem Stamme sprot ein edler Zweig hervor,
   Der trgt als Baum die Wipfel hoch empor.
   Sey gtig Frst, denn du betrbst viel Mtter!
   Du bist den Knigen zur Last,
   Und in der Welt ein bser Gast.
   Viel Feinde hassen dich, und du schenkst deine Gter,
   Dem Feinde, den dein Herz am meisten hat.

Edu. Geh! Du bist eine Lgnerinn!

Did. Die Zeit wird mich rechtfertigen!

Edu. Da nimm diesen Ring! Trag ihn zu meinem Angedenken! Besuch meinen
Hof, und ich will dir und den Deinigen wohl gewogen seyn. Diesen Beutel
schenk ich deinen Brdern und Schwestern. Lebt wohl! ---- Ein
wunderbares Volk! Die artige Sibylla!


                        Moralische Erzhlung.

Voll Verdru ber die Welt legte sich Isidor in das duftende Gras unter
dem Schatten wohlthtiger Eichen. Komm ssser Schlaf, rief er, du
einziger Freund der Armen, la mich die Erde und ihre Narren vergessen!
---- Izt hrt er im nahen Gebsche ein Gerusch; er horcht, und sieht
seinen Neffen mit einer Pistole sich nhern. Der Jngling sprach mit
sich selbst; seine versthrte Miene, die gebrochenen Seufzer, die
Thrnen im Auge, die wilden Geberden machten den alten Edelmann
aufmerksam. Rosalia wird mir geraubt! Ich mu sterben! So schluchzte der
junge Lindor, es ist fr mich kein Trost mehr; von einem Landmanne
verachtet, mihandelt zu seyn; das thut weh! Da bin ich Auswrfling des
Schicksals! Wo soll ich als Bettler Hlfe suchen? Selbst meine edle
Geburt wird mir zum Fluch! Ich will sterben! ---- Lebwohl Rosalia! ----
Halt ein! Rief hastig sein Onkel, indem er aufsprang, und sich der
Pistole bemchtigte, die er in die Luft scho. Thor, was willst du thun?
sterben, wegen einer verliebten Grille sterben? ---- Fa Muth Junge!
Wenn oft die Noth am ussersten ist, lchelt uns Hlfe. Man mu nie
verzweifeln; sieh mich an! ---- Ich bin ein alter Schildknappe, mich hat
das Schicksal durch die Spieruthen des Elendes gejaget; mein Herz ist
morsch von den Streichen des Jammers! ---- Setze dich zu mir in das
Gras, erzhle mir deine Umstnde, vielleicht kann ich dir helfen.

Sie setzten sich, und Lindor begann. Ach! mein theurer Onkel, ich bin
sehr unglcklich! Soll ein Bettler wie ich ein zrtliches Herz haben?
---- Und doch habe ich es wider meinen Willen. Ich liebe Rosalia die
Tochter des reichen Jonas. Sie liebt mich wieder. Ich kann ohne sie
nicht leben. Wir hielten lange Zeit unsere zrtliche Liebe geheim,
allein der alte Bauer beschlich uns; ich warf mich zu seinen Fssen, ich
beschwur ihn bey allem, was heilig ist; aber ich sprach zu einem Felsen.
Jngling, du bist ein Bettler, ein Taugenichts ohne Aussicht! Und was
noch mehr ist, ein Edelmann! ---- Meine Tochter soll einen wackern
Landmann heurathen, der Brod verdienen kann, und hiemit ist der Handel
entschieden! Ein Mann wie ich spricht nur zwey Worte. Meine Tochter ist
schon verheissen. Geh Junge, such Kriegsdienste, wo man Edelleute
braucht; auf meinen Feldern arbeiten fleiige Landburschen. So rief
Jonas trotzig, nahm seine zitternde Tochter zrnend bey der Hand, und
lie mich wie eine Bildsule stehen. Wre er nicht Rosaliens Vater, bey
Gott! ---- Aber eine sanfte Thrne von ihr, ein bittlicher Blick
schmelzt meine Rache nieder! ---- O mein Onkel, fr mich ist kein Trost!

Der Onkel sprang auf. Ich will fr dich etwas wagen, was ich fr mich
selbst nicht thun wrde. Wir sind arm, es ist wahr; aber wir haben alte
gerechte Ansprche bey Hofe. Mein Vetter hat dem Knige wichtige Summen
vorgeschossen; ich habe die Schuldbriefe; ich will dem Knige die
billige Foderung erlassen, um fr Dich einen Dienst zu erhalten. Dann
wollen wir sehen, was der stolze Bauer an Dir zu tadeln findet. La nur
mich gehn, ich bin ein Kerl, der Gehirne im Kopfe hat! Sey ruhig, bis
ich wieder komme! Willst du? ---- K mich guter Neffe, du sollst
glcklich seyn! ---- Wein nicht, leb fr Rosalien! ---- Meine zitternde
Hand schreibt sehr unleserlich, Bursche, du schreibst schn, ich will
dir die Bittschrift an den Knig in die Feder sagen. Sie soll kurz; aber
krftig seyn! ---- Eure Majestt, sollst Du schreiben, ich bin Isidor,
ein alter Invalide, ich habe dreyig Jahre als ein ehrlicher treuer
Soldat gedient! ---- Das mut du gro schreiben! ---- Ich habe einen
Neffen, der gut gewachsen ist, der Mutterwitz besitzt, und den ich
erzogen habe, weil sein Vater ein tapferer Biedermann auf dem Bette der
Ehre gestorben ist; ---- Ich bitte Eure Majestt fr diesen
hofnungsvollen Burschen um ein Aemtchen, damit er ein hbsches Mdchen
heurathen kann, das er liebt, und das ihn wieder liebt. ---- Ich erlasse
Eurer Majestt aus Erkenntlichkeit die alte Foderung von
zweymalhunderttausend Gulden ---- (Ein hbsches Geld!) die mein reicher
Vetter dem Staat in bedrngten Zeiten vorstreckte; ---- Ich, wnsche
Eurer Majestt tausend Segen! ---- Das schreib Junge, und du bist ein
gemachter Mann! ---- Gelt soviel Verstand hast du in diesem alten
Schedel nicht gesucht? Ich bin ein Teufelskerl; fr andere kann ich
alles; aber fr mich selbst bin ich stumm wie ein Stock! ---- Ich wei
nicht, ich bin gleich ein anderer Kerl, wenn ich fr meinen Nchsten
arbeite. Geschwind Neffe, die Schrift, und dann nach Hofe!

Der alte Edelmann mit seiner Schrift und mit tausend Hofnungen beladen
eilte in die Residenz. Die Stdter gafften ihn berall an, und lachten
ber den Schnitt seines Kleides. Die Jungen liefen ihm nach. Er gieng
kaltbltig seinen Schritt weiter, und nherte endlich den kniglichen
Gemchern. Niemand hrt den alten Haudegen; die Wachen verspotten ihn.
So sind die Menschen, seufzt er. Mein Herr ich wnschte ---- Ha, wie der
Kerl lauft! ---- Aber sie mein Herr ---- Eure Gnaden! ---- Nur ein Wort
---- Bin ich denn eine Meerkatze? ---- Blitz und Donner! Die stolzen
Buben! Das sind ja keine Menschen, das sind chte Waldteufel! ---- So
murmelte er unter den Zhnen, als ein Jagdhund durch die Gemcher lief,
und sich ihm freundlich nherte. Komm her du liebes Thier! Du beschmest
die Menschen, du wrdigest einen armen Fremdling deines Blickes! ---- Er
streichelt den Hund, dieser wird dreister, er beriecht die Scke, die
vermuthlich mit einem kalten Braten beschwert waren, er hascht spielend
im Hut die Bittschrift, und eilt wie der Blitz davon. Der Edelmann folgt
hastig mit bangem Geschrey; aber die Wachen stossen ihn zurck.

Die Bittschrift ist beym Henker! Rief der Edelmann; so gar die Hunde bey
Hofe sind Spitzbuben! Was werde ich meinem armen Neffen sagen? Wer
schreibt mir hier eine so krftige Bittschrift? Verdammt! Ich mu wieder
in das Dorf zurck. Auf dem Wege will ich einen Vorwand ersinnen.

Inde eilte der Hund mit seinem Papiere gerade in das Kabinet des
Knigs, und legte es nach seiner Gewohnheit vor seine Fsse, denn Eduard
beliebte oft mit ihm wegen seiner besondern Artigkeit zu scherzen.
Eduard nimmt das Papier von der Erde, will es zusammenballen, beschaut
es neugierig, und liest. Er schttelt den Kopf ber das seltne Begehren,
und fragt die nchsten Hflinge um den Verfasser. Diese schweigen, und
gestehen ihre Unwissenheit. Eine so ausserordentliche Bittschrift lt
mich ausserordentliche Menschen muthmassen, ruft der Knig, ich mu sie
sehen! Der Ort und die Namen sind hier verzeichnet, wir machen einen
Spatzierritt auf das Dorf!

Der Edelmann schlenderte noch griesgramend ber den Zufall auf der
Heerstrasse fort, und verwnschte sein Unglck, als der Knig nur von
einem Hfling begleitet im gemeinsten Reutkleide sich ihm nherte, und
um den nchsten Weg fragte, der zum Dorfe fhrte.

Der Knig. Mein Freund kennst du auch im Dorf einen gewissen Isidor?

Isid. Der bin ich!

Der Knig, (der ihn steif beschaut, und lchelt.) Du selbst? Wo warst Du
mein Freund, wenn ich fragen darf?

Isid. Herr, ich war bey Hofe, wo Menschen und Thiere Spitzbuben sind!
Ich wollte das Nest um viel Geld nicht wieder besuchen. Doch der Knig,
der von allem nichts wei, ist frey gesprochen.

Der Knig. Das ist schn gedacht! Drfte ich wohl um eine Erzhlung
dieser Begebenheit bitten, vielleicht kann ich Dir Dienste leisten.

Der alte Edelmann erzhlte alles mit einer naifen Aufrichtigkeit, die
den Knig ergtzte, und er begehrte von ihm, er sollte ihn unverzglich
zum Hause des alten Jonas fhren. Sie nhern sich allmhlich dem Dorfe.
Schon von ferne lauert auf einem Hgel Lindor auf seinem Stock gelehnt,
und erwartet mit Sehnsucht den Onkel. Er erblickt ihn kaum, so fliegt er
ihm mit zrtlicher Begierde entgegen, und ist voll Hofnung, weil er ihn
mit Stadtleuten erscheinen sieht. Der Onkel, der noch ein bischen
verlegen ist, winkt ihm nur, und sagt ihm einige Hofnungen zu. Der Knig
beschaut mit Vergngen den schnen Jngling, und freut sich schon im
Herzen ber den Segen, den er bald ber so wrdige Geschpfe ausgiessen
wird.

Man nhert dem Hause des alten Jonas. Rosalchen ist die Erste, die den
Fremden gastfreundlich entgegenhpft. Sie war so schn wie ein Engel,
nur eine schwermthige Blsse betrbte ein wenig ihr reizendes Antlitz.
Der Knig liebkosete dem Mdchen, das sanft errthete, und ihrem Vater
rief.

Der Knig. Herr Jonas willkommen! ---- Auf ein Wort im Vertrauen! ----
Ich komm vom Hofe, der Knig ----

Jon. Unser Knig soll leben! ---- Bedarf Er Steuern? Er soll fodern,
mein Gut steht zu seinem Dienste!

Der Knig. Meinen Dank in seinem Namen! ---- Du bist ein Biedermann!

Jon. He! Rosalchen, ein Glas Wein! ---- Von meinem Fa! ---- Nehmen sie
Platz mein Herr! ---- Also was beliebt?

Der Knig. Der Knig befiehlt ihm seine Tochter dem jungen Lindor zu
geben ----

Jon. (springt auf) Der Knig befiehlt mir, meine Tochter dem Lindor zu
geben? ---- Befiehlt? ---- Herr, da hat der Knig unrecht! ---- Ich bin
Vater! ---- Des Herrn Gesundheit! ---- Trink der Herr! ---- Aber der
Knig hat unrecht!

Der Knig. Herr Jonas, sein Wohlseyn! ---- Jungfer Rosalchen soll leben!

Jon. Schnen Dank! Aber der Knig hat unrecht, einem Vater zu befehlen!
---- Bey meiner Seele der Knig hat unrecht!

Der Knig. Mein lieber Jonas, bedenk dich wohl!

Jon. Was bedenken? der Knig hat unrecht! Das ist meine Tochter! Lindor
ist ein Bettler, und der Knig hat unrecht!

Der Knig. Der Knig hat recht! Hr Vater Jonas: Der Knig ist dem
jungen Lindor zweymalhunderttausend Gulden schuldig ----

Jon. Ey mglich?

Der Knig. Der junge Edelmann war so gromthig, dem Knig die Schuld zu
schenken ----

Jon. Er soll leben! ---- Izt hat er meine Gnade!

Der Knig. Der Knig kann von einem armen Unterthan das Geschenk nicht
annehmen ----

Jon. Was thut also der Knig? ---- Unter uns! ---- Trink der Herr!

Der Knig. Er lt ihm das Kapital mit dem Interesse auszahlen, und
schenkt ihm noch zur Belohnung fr die treuen Dienste seiner Ahnen ein
gutes Aemtchen. Dazu wnscht er also ----

Jon. Schn! Sehr schn! Aber der Knig hat doch unrecht! Ich gebe meine
Tochter keinem Edelmann, das habe ich geschworen. Ich bin ein Bauer, der
Knig hat unrecht. (Er schlgt auf den Tisch).

Der Knig. Lieber Jonas, der Knig hat recht! ---- Der Knig hat dich in
den Adelstand erhoben, befreyet dich von allen Steuern, und kann also
deine Tochter als ein Frulein unmglich einem Bauer geben; er whlt
diesen wrdigen Edelmann, der Knig hat recht!

Jonas, (der sich staunend bedenkt.) Der Knig hat mich geadelt? ----
Mich?

Der Knig. Das ist gewi! Es lebe der edle Jonas?

Jon. Meine Tochter wre also ein Frulein?

Der Knig. Wer sie nur ansieht, gesteht es. Sie ist ein Engel!

Jon. Nur noch eine Frage, wenn es erlaubt ist ---- Wer ist der Herr?

Der Knig. Ich bin der Knig!

Jonas (der den Hut vom Kopfe reit, und ihm zu Fssen strzt.) Eure
Majestt izt habe ich unrecht!

Der Knig, (der ihn liebreich emporhebt.) Nein Jonas, du hast recht!
Steh auf! Setze dich! ---- Ich komme nicht dich zu zwingen, du bist
Vater, du kannst die Hand deiner Tochter verschenken, aber ich komme zu
dir als ein Freund, dich zu bitten; sieh ein wrdiger Jngling liebt
dein Kind, und dieses ssse Mdchen liebt ihn. Willst Du als Vater zwey
verbundene Herzen trennen?

Jon. O Eure Majestt, ich habe nur Thrnen zur Antwort! Ich habe
unrecht, Eure Majestt haben allezeit recht! Segen auf Euch meine
Kinder! O welch ein glcklicher Vater bin ich, da mein Landesfrst
selbst mich wrdiget, unter mein Strohdach einzutreten, und mich und
meine Familie zu beglcken. He Rosalia!

Rosalia, Lindor, und Isidor schlichen zu. Andere, Landleute horchten
neugierig, und der Knig verband die jungen Verliebten. Sie strzten zu
seinen Fssen, und die Segenswnsche tnten aus dieser glcklichen Htte
bis zum Throne.




                              Anekdote.


Eduard liebte Salinien tglich mehr. Umsonst war seine angewandte Mhe,
sie zu vergessen; umsonst wandte der bescheidene Alsin und seine schne
Tochter selbst alle Vorsicht an, die siegenden Reize bey allen
Gelegenheiten dem Auge des gekrnten Liebhabers zu entziehen. Eduard
liebte, und entschlo endlich nach langem Kampfe die Tugend dieses
wrdigen Ministers, und seiner Geliebten zu krnen, und seinen Thron mit
diesem weiblichen Kleinod zu schmcken. Der ganze Hof rstete sich
bereits zu dieser Feyerlichkeit, und man erdachte ausserordentliche
Feste. Unter andern Schauspielen erschien ein allegorischer Tanz.




                               Ballet.


Die Scene ist eine gebirgigte Gegend mit Bumen umgeben, in der Mitte
eines Hgels raget ber dem Tempel der Weisheit eine prchtige
Sternwarte hervor. Beym goldenen Thore sitzt der Vorsteher, und
begrsset die ankommenden Weisen und Sternkndigen, welche mit Bchern
und Fernglsern belastet erscheinen. Sie drcken alle ihre Begierde aus,
neue Entdeckungen zu machen, wodurch sie ihre Unsterblichkeit erreichen.

Izt erscheinen viele Weiber mit Bchern und Sehrhren, und wollen ganz
dreist in den Tempel treten. Der Vorsteher erstaunt, und drut den
Verwegnen, die als profane Geschpfe diese Freystte der Weisheit
entheiligen wollen. Er eilt zornig in den Pallast, und verriegelt die
Thore. Umsonst flehen einige Mdchen eingelassen zu werden. Sie stehen
alle beschmt und weinen.

Amor fliegt aus einer Silberwolke von Tubchen umflattert, und trstet
die betrbten Schnen, indem er ihnen einen Plan berreicht, wodurch er
ihnen die nahe Zusammenkunft des Mars und der Venus erfnet. Er pocht
khn an den Tempel, und fodert die stolzen Weisen zum gelehrten Streit
auf. Sie erscheinen mit einem spttischen Lcheln ber den Knaben. Amor
forscht um ihre neuen Entdeckungen, und sie gestehn ihre Unwissenheit.
Izt zeigen die Mdchen ihren Plan mit siegreicher Zufriedenheit. Die
Weisen erstaunen, und umarmen sie als gelehrte Schwestern die wrdig
sind, in ihre mystischen Kreise zu treten. Sie drcken alle ihre Freude
ber diese glckliche Vereinigung aus, und eilen auf die Sternwarte,
diese wichtige Verheissung erfllt zu sehen.

Die Gegend verwandelt sich in einen prchtigen Sternensaal. Der
Abendstern und einige Planeten erscheinen in goldenen Kleidern, welche
von Diamanten blitzen; sie versammeln die mindern Sterne, und rsten
sich zur feyerlichen Bewillkommung ihrer hohen Gste. Mars erscheint
endlich mit einem furchtbaren Kriegsgefolge: Venus von Grazien und
Liebesgttern umgaukelt begegnet ihm. Sie erblicken einander, erstaunen
ber ihre ausserordentliche Schnheit, sind von Freude hingerissen, und
umarmen sich freundschaftlich. Sein kriegerisches Gefolg hlt ihn zwar
zurck; aber sie werden von Grazien entwaffnet, und sinken in die Arme
der Huldgttinnen. Amor erscheinet, und bindet mit duftenden Rosenketten
die edlen Verliebten, und die brutliche Vereinigung der Venus mit dem
Mars giebt Anla zu einem feyerlichen Tanz. Mars und Venus drcken durch
entzckte Geberden ihre zrtlichen Empfindungen aus, und alle Uebrigen
ergiessen ihre Wollust in zierlichen Reihentnzen. Beide Gottheiten
eilen zum Braut-Lager.

Pltzlich verschwindet die Gegend, und unter einem nchtlichen
hellgestirnten Himmel erscheint auf der Erde eine glnzende Denksule.
Alle Sternkndigen, Mnner und Weiber eilen herzu, und umgeben staunend
die Pyramide; der Vorsteher schreibt mit goldenem Griffel die seltne
Begebenheit in feurigen Zgen auf das Ehrenmaal. Amor erscheint, bringt
das Bildni Eduards, und Saliniens unter der Gestalt des Mars und der
Venus, und hngt die Gemlde mit Lorbeern und Myrthenkrnzen auf die
Ehrensule. Alle Gegenwrtigen strzen zur Erde, und schliessen den
Ballet mit einer Huldigung.




                         Allegorische Scene.


         Die Schnheit, Aglaja, Euphrosine, Thalia, und Amor.

Die Schnh.
   Wie, Schwestern, folgt ihr mir?
   Entreit Ihr Euch den mtterlichen Kssen;
   Knnt Ihr wie ich den Gtternektar missen?

Agla.
   Wir leben nie getrennt von dir.
   Doch theure Schnheit, ich erstaune,
   Sprich welche seltne Laune
   Des grossen Jupiters schliet Dich vom Himmel aus?
   Verdient wohl eine Welt Dich zu besitzen?
   Wo ist die Stadt, wo ist ein Haus,
   Wo pranget ein Pallast auf edlen Marmorsttzen,
   Der Dir zum Obdach schiksam ist?
   Wie selig ist der Ort, den deine Lippe grt!

Die Schnh.
   Ich will nicht lange mehr um eine Herberg suchen.
   Die kleine Dorf umringt von hohen Buchen,
   Soll stts mein Aufenthalt auf dieser Erde seyn.

Euph.
   So willst Du Dich o Schwester von uns trennen?
   Whl einen Sitz, wo wir auch wohnen knnen.
   Ich heisse nicht das Landvolk zu gemein;
   Nie schlich der eitle Stolz in unsre Herzen;
   Einst pflegten wir mit Schfern froh zu scherzen;
   Doch jene Zeiten sind nicht mehr.
   Die Dorfmagd kennt nicht unsre Reize.
   Jedoch die Stdterinn sucht uns mit Geize.
   In grossen Stdten wohnt die Schnheit wrdiger.

Thalia.
   O Schwtzerinn, Du machst mich lachen.
   Was sollen wir am faden Putztisch machen?
   Das ist das Grab fr alle Grazien,
   Da wrde man uns sterben sehn.
   Jedoch Freund Amor kmmt; der wird die Wohnung wissen,
   Die wir mit Anstand whlen mssen.
   Lat uns dem holden Gott entgegen gehn.
   Wir wollen ihn recht schwesterlich begrssen.

Amor.
   Willkommen Grazien! Gewnscht besucht ihr mich!
   Kann der galante Zevs Euch einen Tag entrathen?
   Gewi berauscht er sich
   Heut mit Ambrosia bey einem kalten Braten.
   Die Juno, die so oft Euch Schwesterchen beschlich,
   Sah Euch vielleicht mit ihrem Gatten spielen;
   Ihr fchelt oft bey Gttern Feuer an;
   Der Donnerer pflegt selbst auf Euch zu schielen,
   Und seine Majestt beliebt sich abzukhlen.
   Der Zufall freuet mich; ich habe manchen Plan.
   Beym Styx! Ihr kommet mir, als wret Ihr gerufen.
   Die Wohnung whl ich Euch, so gut man whlen kann.
   Sie ist bequem, und ohne hohe Stuffen,
   Auch nicht zu gro, und nicht zu klein.
   Das Aug Saliniens, das selbst die Gtter schufen,
   O Schnheit soll fr Dich die schnste Wohnung seyn?
   Da thronst Du kniglich! Ihr weisser Busen
   Ist schon der Sitz der edlen Musen:
   Und die benachbarten und hbschen Gegenden
   Sind fr Euch theure Grazien!
   So knnt Ihr stts beysammen wohnen,
   Und jeden, der mein Mdchen sieht, belohnen.
   Mein Plan gefllt gewi, weil wir Euch lcheln sehn.
   Besucht Salinien, und machet eine Probe.
   Auf ihrer Wange blht unschuldige Natur.
   Da findet Ihr von Schminke keine Spur,
   Genug ist es, wenn ich der Liebesgott sie lobe.
   Eilt theure Grazien, und ziehet siegreich ein,
   In ihrem Herzen will ich euer Nachbar seyn!


                             Hochzeitode.

   Gttliche Schnheit, und ihr siegenden Tugenden
   Werdet die Sule des Liedes, das ich Euch heilige.
   Sehet, dort nhert die Braut eines Eroberers
      Schchtern, keusch, und jugendlich!

   Nicht so reizend erschien Griechenlands Helena;
   Auch nicht Aegypten dein Schmuck! Rmerbezauberinn,
   Dich beschmet ein Blick einer Salinia,
      Welche die Tugend verherrlichet.

   Tuscht mich ein gaukelnder Traum, nhert sich Venus selbst?
   Aus dem Silbergewlk eilt sie mit Grazien,
   Die Liebesgtterchen, und Tubchen umflattern sie,
      Sie reicht den Grtel Alsinien.

   Tne hochzeitlich und s goldenes Saitenspiel!
   Der schnlokichte Gott reicht ihr den Myrthenkranz;
   Seine Fackel entflammet siegende Zrtlichkeit,
      Welche die Liebe verewiget.

   Schchtern erscheinet der Held, vor dem die Erde bebt,
   Er blikt Salinien an, staunet und huldiget,
   Leget den Lorbeerzweig ihr zrtlich zu Fssen hin,
      Und begrt sie als Kniginn.

   Antlitz verschnernde Scham, zrtliche Liebe stralt
   Auf der Wange der Braut, wie frh das Morgenroth.
   Eduard krnet ihr Herz, den Sitz der Tugenden,
      Sie sind frstlicher Kronen werth.




                                Scene.


                       Kabinet. Eduard, Alsin.

Als. Ich bitte meinen Knig um Gehr! ----

Edu. Du setzest mich in Erstaunung. Bin ich nicht dein Freund Eduard?
---- Sprich!

Als. Izt sind es sechzig Jahre, die ich dem Dienste deines Vaters und
dem Deinigen mit Vergngen widmete. Ich sage dies nicht etwa aus eitler
Ruhmredigkeit, sondern ich fhre meine kleinen Verdienste mit Bedacht
an, damit Du mir meine erste und letzte Bitte gewhrest. Es betrift
meine Ehre, den Ruhm meiner grauen Tage --

Edu. Ich staune! Bitte sagst du? Edler Mann, fodre die Hlfte meiner
Krone, ich schwre beym Himmel ----

Als. Ich kenne dein gtiges Herz. Eduard, besieg deine Liebe! Du liebst
meine Tochter, und bist gromthig genug ihr die Wrde einer Kniginn
anzubieten. Unser Dank ist rege. Beraube mich nicht meines guten Rufes
----

Edu. Ich begreife nicht ----

Als. Die Welt wrde sagen, da mein Eifer, und meine Vaterlandsliebe nur
ehrgeizige Absichten zum Grunde habe. Der Gott, der alle Herzen sieht,
kennt meine Uneigenntzigkeit. Eduard, bester der Knige, la mich mit
Ehre in das Grab meiner Vter eilen; whl eine wrdige Kniginn zum Wohl
deiner Staaten. Vergi eine flchtige Leidenschaft, und sey stts
Eduard! ---- Hr mit Geduld eine kurze Moral ----


                     Das morgenlndische Gemlde.

Die Morgenrthe warf ihre goldnen Stralen ber die Gipfel der Berge, der
Weise wusch sein Antlitz, und grte das schimmernde Tageslicht.
Wohlthtige Sonne, sey den Sterblichen willkommen! Du giessest mit
gleicher Huld auf Fromme und Bse deinen Segen. Wirf deinen gtigen
Schimmer in das Schlafgemach des Knigs, beleuchte seine schlummernden
Augen, und lehr ihn wohlthtig wie Du zu seyn! O Vorsicht, warum lssest
du durch grosse Frsten die Kleinen unterdrcken? So seufzte der Weise,
als ein glnzender Geist vor seinem Auge stand. Ich habe deine Klage
gehrt, ich will dich belehren. Was siehst Du dort? ---- Ich sehe,
sprach der Greis, eine einladende Quelle an einem blumenreichen Gestade;
die Pilgrimme erquicken sich an dem khlenden Wasser. Was erblickst du
izt? fragte ihn der schimmernde Jngling, Sieh, rief der Alte, eben
diese sanfte Quelle schwillt zur strmischen Flut empor, welche die
Fluren verheeret, und die lndlichen Htten niederstrzet. Was siehst du
izt? war die Frage des Genius. Eine wohlthtige Flamme, die mich wrmet,
und meine Speisen zur Verdauung kochet. Blick weiter! Rief der
himmlische Geist. Gott! Ich sehe, jammerte der Greis, eine wtende
Flamme, die alles verschlinget; Huser und Menschen frit! Aber izt
fhle ich eine sanfte Luft, sie khlet mein graues Haupt, und reizt
meine Augen zum Schlummer. Aber ach! Sie wird zum rasenden Sturmwinde!
Sieh, wie die hchsten Cedern zu Boden fallen! Hr dort die zerrissenen
Haine klagen! ---- Sey ruhig! Sprach der Geist lchelnd, was zeigt sich
dir? ---- Ich sehe, rief der Naturforscher eine grne Ebne, welche mit
dem Schmelzwerk der Blumen malerisch pranget. Doch, wie verwildert sich
pltzlich die Eden! Die Erde bebt, die Abgrnde ffnen sich; diese
sonst so gtige Mutter verschlinget grausam ihre Kinder! ---- Was soll O
erhabner Lehrer, die wunderbare Gesicht bedeuten? Welch ein
Widerspruch! ---- Die ist ein Gemlde der Leidenschaften, so schlo der
Genius, sie sind die edelsten Triebfedern aller menschlichen Handlungen;
alle Tugenden keimen hervor, so lange sie von der Vernunft gefhrt und
beherrscht sind; aber weh den Menschen, wenn ihre Leidenschaften die
Grnzlinie verlassen, und die Schleussen durchbrechen, dann vertilgen
sie alles. So rief der belehrende Geist und verschwand. Der Weise
dankte, und segnete die Allmacht.




                           Selbstgesprch.


Eduard. Er verlt mich! Wie bin ich beschmt! Welche erhabne Seele
besitzest Du mein Freund! Du erniederst mich! ---- Ich will dir
nachfliegen khner Adler! ---- Ich eile unter dem Gerusche der Waffen
meine Leidenschaft zu besiegen, zu vergessen! ---- O Salinia, dich
vergessen -- Welchen schweren Kampf ficht mein Herz!




                              Serenade.


                           Erster Auftritt.

                Der Knig, die Ehre mit ihrem Gefolge.

Die Ehre.
   Wie lange wirst Du hier in trger Ruhe schlafen?
   Sieh auf! Dort lchelt Dir ein schner Lorbeerhain!
   Ergreif mit Muth die edlen Waffen,
   Durch sie allein kannst du verewigt seyn!

      Der Weichling mag im Arm der Wollust lenzen,
      Der, wenn er stirbt, vergessen ist;
      Doch Helden, die mit Siegespalmen glnzen,
      Die die Unsterblichkeit begrt,
      Enteilen streitbar ihren Grnzen,
      Weil sie ihr Geist in keine Welt verschliet.

Der Knig.
   Willkommen Kniginn der Erde!
   Durch dich entflammt vergit der Krieger die Beschwerde,
   Die sich ihm stolz entgegenstemmt,
   Und seine Riesenschritte hemmt.
   Umarme mich, Du hast mein Herz bemeistert,
   Ich fhle schon den gttlichen Instinkt,
   Ein Blick von Dir hat mich begeistert.
   Ich eile hin, wo mir dein theurer Lorbeer winkt.


                          Zweyter Auftritt.

             Die Weichlichkeit, und ihr Gefolge, Vorige.

Die Weichl.
   Wohin mein Sohn, entfliehst Du meinen Armen?
   Die Ehre leitet Dich?
   Ich seh Euch beide mit Erbarmen!
   Held zaudre noch, und hre mich!
   Du willst Dich khn in die Gefahren wagen?
   Ich schildre Dir das Bild von meinen sanften Tagen:
   Frh wecket Dich die ssse Harmonie,
   Dann eilst Du zu den Blumengrten,
   Umringt von schmuchelnden Gefhrten.
   Sie lieben dich, dein Blick beseelet sie.
   Inde bewaffnen sich mit Reizen alle Schnen;
   Die Liebe buhlt um Dich in tausend Wollustscenen.
   Ein jedes Wlkchen wird verscheucht.
   Dann ldt Dich Bachus zu den Festen;
   Du taumelst froh mit muntern Gsten,
   Bis sich die Sonne roth zum Meere schleicht.
   Dann rufen Dich Thaliens Spiele,
   Und sie belebt dein Herz mit zrtlichem Gefhle.
   Doch endlich reicht der frohe Tanz
   Dir seinen bunten Blumenkranz.
   Spt eilt der Schlafgott dich zu grssen,
   Und du entschlfst mit Amors sssen Kssen.
   Hat dieses Leben keinen Glanz?

      Was ist mein Freund, der eitle Ruhm?
      Baust Du dein Glck auf Menschenknochen?
      O flieh die blutigen Epochen,
      Denn ihre Gleise sind zu krumm!
      Hier ruhest du am schnsten Busen!
      Hier lcheln Dir die sanften Musen,
      Und hier ist mein Elisium!

(Izt umgaukeln ihn die Liebesgtter; die Grazien schmcken ihn mit
Blumen, und er sinkt entzckt in ihre Arme. Der Friede krnt ihn.)

                 Chor des Gefolges der Weichlichkeit.

   Freudige Chre
   Der Liebe zur Ehre
   Erquicken das Ohr.
   Zrtliche Lieder
   Erheben izt wieder
   Die Herzen empor.


                          Dritter Auftritt.

   Donner und Blitz. Der Eckel und die Zwietracht mit ihrem Gefolge
                           strzen herein.

Der Eckel.
   Wirst du denn nicht der schaalen Lste mde?
   Kannst du gewrmte Lust verdaun?
   Ich sage Dir mein Frst ganz im Vertraun,
   Mir eckelt oft Gesundheit, Wohlseyn, Friede.
   Ich schwre Dir, mich qult die Einerley.

Die Zwietr.
   Wir treten deiner Meinung bey.
   Ich sehe diesen Hof bey allen Freuden ghnen.
   Dein Schauplatz, O Monarch, ist niemals neu.
   Man sieht bestndig alte Scenen.
   Ein altes Lcheln fort, wenn es zu oft erscheint!
   Whl lieber Krieg, wenn auch der Landmann weint,
   So sind es doch ganz neue Thrnen.
   Hr, wie der Krieger murrt, wie frech dein Nachbar drut,
   Und sich bey deinem Schlummer freut!
   Kannst du den Schimpf stts so gelassen tragen?
   Wirst du denn nicht Versuche wagen?
   Begrbt die Weichlichkeit dein grosses Herz;
   Betubt den grossen Geist ein kleiner Liebesscherz?
   Nein! Lnger kann ich Dich nicht so entehret schauen,
   Ich reisse selbst den Wollusttempel ein;
   Ich will dem Ruhm Altre baun!
   Ich steige zum Olymp! Willst du Begleiter seyn?
   Wir mssen Neid, und Ha, und Vorurtheil zerschmettern;
   Dein Zgern heischt von mir izt eine khne That.
   Ich will mit Dir auf jenen Felsen klettern,
   Wo die Unsterblichkeit den schnsten Tempel hat.

      Willst du? So reiche mir die Hand!
      Verla die kleinen Liebesspiele;
      Verwirf die weichliche Gewand!
      Dort nhern wir dem edlen Ziele,
      Wo Herkules einst Lorbeern fand.

Der Knig.
   Empfang von mir die erste Huldigung!
   Ich folge froh dem Heldenwinke.
   Ich bin zwar noch an Thaten jung;
   Jedoch es treffe mich die hrtste Zchtigung,
   Wenn ich als Weichling je zurck zur Ruhe sinke,
   Und je den Taumelkelch der Wollust trinke.

      Auf Ehre! Komm, dein Ruf belebt!
      Mein Blut beginnt izt feuriger zu wallen;
      Ich hre schon die Kriegstrompete schallen,
      O Gtterton, der mich erhebt!
      Lat uns mit Muth das Siegesschwert ergreifen;
      Bald werden uns die schnsten Palmen reifen!
      O Heldengeist, der mich umschwebt,
      Sieh, wie die Welt schon furchtsam bebt!

                   Chor des kriegerischen Gefolges.

   Wir eilen, wir fliegen zum blutigen Kriege!
   Dort pflcken wir Lorbeern, dort rnden wir Siege,
   Die ber die Meere die Fama posaunt,
   Bey denen die spteste Nachwelt erstaunt.




                        Biblische Schreibart.


Aber Willhelm der Knig hrte die Siege seines Feindes, und der Neid
fuhr in ihn, und er sandte zu Philipp seinem Bundesgenossen, und an alle
benachbarte Knige, und foderte sie zum Streit auf wider Eduard ihren
Feind von gestern und ehegestern.

Und es thaten sich alle Gewaltigen zusammen, und das Getmmel der
Kriegsschaaren war wie das Rauschen vieler Wsser.

Und der Herr sprach zu Eduard dem Knig, da er schlief, frchte dich
nicht vor ihnen, denn morgen um diese Stunde will ich sie alle vor
deinem Angesicht vertilgen, und ihre Knige in deine Macht bergeben.
Ihre Rosse sollst du lhmen, und ihre Wgen mit Feuer verbrennen.

Also kamen die Kriegsschaaren des Knigs zusammen, und waren alle eines
Gemthes und eines Vornehmens, und es fanden sich funfzigtausend, die
das Schwert auszogen.

Und alsobald wurden die Kriegstrompeten geblasen, und die Geschwader
zogen auf das Schlachtfeld. Eduard aber trat an ihre Spitze.

Und er sprach zu ihnen: Folget mir, denn der Herr hat unsere Feinde in
unsere Hnde bergeben; und sie folgten ihm, und nahmen die Furth am
Ufer des Flusses, welcher beide Heere trennte, und sie berfielen ihre
Feinde, und erschlugen unzhlbare Haufen, welche alle starke und
streitbare Mnner waren, und keiner konnte entrinnen.

Aber Knig Willhelm strit wider Eduard, und seine Schaaren flohen vor
dem Angesicht der Feinde; ihrer wurden viele niedergeworfen und
erschlagen in der Ebne.

Und die Geschwader Eduards drangen hufig auf die Leibwache Willhelms;
er aber wurde in einer Snfte getragen, denn er war krank, und er stieg
heraus. Und der ganze Last des Streits wendet sich auf Willhelm, und die
Schtzen trafen ihn an, und er ward tdtlich verwundet, und die Seinigen
fielen rings herum.

Da sprach Willhelm der Knig zu seinen Hauptleuten; tdtet mich, damit
ich nicht in die Hnde meiner Feinde falle, und sie ihren Spott mit mir
treiben; aber seine Hauptleute wollten nicht, denn sie waren sehr
erschrocken. Da strzte er wthend unter die zudringenden Feinde,
verwnschte sein Schiksal, und ward im Gefechte getdtet, und von
Pferden zermalmet. Also hat Gott das Bse vergolten, das Willhelm wider
Eduard seinen Knecht gethan hatte. Er und seine Krieger wurden
erschlagen und zertreten, und es gieng ein Gestank aus von ihren Aesern.
Die Thore ihrer Stdte wurden zerbrochen, und die Mauern niedergerissen.

Aber Philipp der Knig floh, und versperrte sich in eine feste Stadt,
und der Hunger und die Noth mehrten sich tglich, denn sie wurden von
Eduard hart belagert. Und die Inwohner assen das Brod nach dem Gewicht,
und mit Sorgen, und tranken das Wasser mit dem Maa und in Aengsten, und
sie verschmachteten. Da trat die Schwester des Knigs mit ihrem Bruder
in ein Verstndni, und sie gieng in das Lager der Feinde, und sie
gefiel den Augen des Knigs.

Alidia warf sich weinend zu den Fssen Eduards, und sprach: Herr, la
mich Gnade finden vor deinen Augen. Willst du denn alles vertilgen, was
von uns brig ist, und deinen Grimm ber mein Volk ausschtten? Mein
Bruder hat deinen Zorn gereizt, seine Missethat ist gro; aber schenk
Gnade deiner Magd, die fr die Schuldigen flehet, du bist der mchtigste
und weiseste Knig, den ich verehre.

Und Eduard gab ihr Gnade, und Verzeihung ihren Freunden. Deine Thrnen,
sprach er, sind ihr Heil, ihr sollet wieder pflgen, und Saamen der Erde
geben; die Stdte sollen bewohnet werden, und die Ruinen sollet ihr
wieder erbauen. Ich will eure Erde mit Menschen und Vieh erfllen; sie
sollen wachsen und blhen, und sich mehren. Die verheerten Felder sollen
mit Korn beladen werden, und die Auen sollen Frchte tragen. Die alles
thue ich um deinetwillen, denn du hast Gnade vor meinen Augen gefunden.

Aber sieh da, ihr Bruder ward mitrauisch auf seine Schwester, und
verzweifelte an seinem Heil.

Und er versammelte alle seine Kebsweiber und Diener, und sezte den
Pallast in Flammen, und verbrannte sich und die Seinigen.

Alidia aber folgte dem Knig, und sie war seine ganze Seele. Er
verschlang ihre Schmucheleyen, und ward stolz und bermthig.

Seine Krieger aber giengen siegreich in ihre Huser, und assen die
Frucht des Weinstockes, und die Frucht der Bume, und tranken das Wasser
ihrer Brunnen in Freude. Und die Vlker jauchzten.




                                Psalm.


Ich will singen, und mit Psalmen den Allmchtigen preisen. Erzhlet
seine ewigen Wunderthaten in den Jahrbchern der Erde.

Machet Euch auf ihr Vlker zum Lobgesange des Herrn; machet Euch auf ihr
Vter, ihr Mtter, und rufet seinen heiligen Namen!

Singet ihr Jnglinge und Jungfrauen sein heiliges Lob!

Er hat ein neues Denkmaal seiner Grsse und Gte errichtet. Zerschlagen
waren unsere Herzen; wir weinten, und wir hiengen traurig unser
Saitenspiel auf die Weiden.

Unsere Feinde waren hoch von Augen, und unersttlich von Herzen; Sie
verliessen sich auf ihre hernen Wgen, und ihre zahlreichen Rosse; wir
aber haben in Demuth unsern Gott angerufen.

Er hat sie geschlagen, und seinen furchtbaren Arm wider sie aufgehoben.
Er hat seinen verschlingenden Zorn in die Schaale unserer Feinde gelegt,
und seine gttliche Gerechtigkeit in unsere Schaale; aber seine
grnzenlose Barmherzigkeit war das Uebergewicht.

Der knigliche Lwe zieht herauf aus seinem Lager, den Feinden entsinkt
das Herz, denn unser Gott ficht mit ihm.

Seht, Er kommt herab wie eine schwarze Donnerwolke; sein feuriger Wagen
ist wie ein heulender Sturmwind; und seine schnaubenden Pferde sind
schneller denn Adler; er nimmt Frieden und Strke von dem feindlichen
Heere.

Wo ist izt die Wohnung der Hochmtigen? Er hat ihre Lagerstatt
zerstret, und ihre Nester zermalmet. Die Stolzen sind verstricket, und
zu Boden gefallen; wir aber stehen auf, und preisen dich wohlthtiger
Gott!

Unser Knig erfreut sich durch deine Strke, und frohlocket ber unser
Heil; du hast ihm gegeben, was sein Herz begehrte, und ihn hoch ber
seine Feinde erhoben.

Sein Volk sitzt in der Schnheit des Friedens, und wohnt in
berschwenglicher Ruhe durch dich O Gott der Herrlichkeit, und des
Sieges; wir danken dir, und lobsingen dir in Ewigkeit.




                         Geheime Nachrichten.
                              Fragment.


Nach so glcklichen Siegen, und so hufigen Eroberungen kannte sich der
mchtige Eduard nicht mehr. Sein ganzer Charakter verwandelte sich. Eine
bertriebene Eigenliebe beherrschte ihn. Seine Leutseligkeit und Gte
verschwand. Die Schmucheleyen kriechender Hofschranzen vergrsserten
tglich seinen Hochmuth. Er kannte nur seinen umschrnkten Willen. Er
schrieb den Nachbarn willkrlich Gesetze vor. Er gebot als Monarch
seinen Bundesgenossen. Er sah auf seine Unterthanen wie auf verchtliche
Sklaven herab, und wollte von der ganzen Erde gefrchtet und angebetet
seyn. Alidia, und ihre Speichellecker umringten ihn stts, verscheuchten
seine patriotischen Rthe, und Freunde, und verdrngten alle treuen
Diener des Vaterlands. Fremdlinge flten in sein Herz Grundstze einer
schwarzen Politik, die alles gewaltsam zertrat, und alles hungrig
verschlang. Das arme Volk fhlte die eiserne Ruthe des despotischen
Eigendnkels eines Tyrannen. Alidia war alles in allem. Sie schlich sich
so in sein Herz, da er beschlo sie zur Knigin zu erheben. Alle Feste
des Hofes wurden ihr mit schwelgerischem Aufwande gefeyert, und alles
staunte die glnzende Sonne an, die an der Seite Eduards glnzte.




                              Pantomime.


                       Ein offener Gartensaal.

   Der Knig, viele Hflinge, Damen, Ankart der Finanzminister, und
                            hernach Losin.

Viele Damen und Kavaliere sitzen beym Frhstck. Der Knig geht auf und
ab, und liest in einem Briefe, lchelt, hlt die Hand auf die Stirne und
denkt nach. Er blickt auf einen andern Brief, fhrt freudig auf, und
erblickt seinen Finanzminister, der sich nur beugt, und ihn nicht
sthren will. Der Knig nimmt einen Schwamm, lt ihn wohl anschwellen,
indem er zu allen Springquellen eilet, und dann drckt er den Schwamm
auf einem Waschbecken, welches er in einen Schrank stellt. Ankart
bemerkt alle Geberden, neigt sich, und geht. Der Knig liest weiter.
Losin trit auf, will wegen gegenwrtiger Gesellschaft wieder abtreten.
Der Knig winkt ihm, fhrt ihn zur Gartenebne, und haut mit einem
Stbchen alle Mohnkpfe von den Blumenbeeten ab. Losin berlegt diese
Handlung ein wenig, verbeugt sich ehrfurchtsvoll, und eilt fort, bringt
eine Schrift, Wachs und Licht. Der Knig drckt sein Siegel auf, und
Losin nimmt Abschied. Die Gegenwrtigen staunen ber die Rthsel, und
ber die Art des Knigs seine geheimen Befehle zu ertheilen. Der Knig
kehrt freudig zur Gesellschaft[16].




                                Scene.


(Der Narr kommt mit einer Rolle und singt.)

Beliam.
   Die wird getauft:
   Etwas zum Lachen,
   In Ehesachen,
   Menschen zu machen,
   In allen Sprachen,
   Heysa! Wer kauft?

(Der Narr hat ein Kleid, welches wie eine Landcharte mit allen Lndern
bemahlt ist. Eduard betrachtet ihn.)

Beliam. Sieh! Ich bin ein neuer Atlas! Ich trage die ganze Welt. Wenn du
mich siehst, hast du alle Knigreiche vor Augen. An der Brust trage ich
deine Erblnder, und am Rcken die Staaten deiner Nachbarn.

[Funote 16: Dem Finanzminister gab der Knig Befehl seine Pchter
bereichern zu lassen, und ihnen hernach den Ueberflu abzunehmen. Dem
Losin ertheilte er Vollmacht in den Stdten, die sich seinem Schutze
vertrauten, alle Groe zu erniedern, und also das Volk zu bejochen. Es
liegt oft viel Beredsamkeit im Geberdenspiele.]




                            Zeitungsblatt.


Hoffeyerlichkeiten. Den zehnten April gab der Knig ein
Universalfeuerwerk, wobey sieben Stdte abgebrannt wurden.

Man warf sechshundertpfndige Raketen nach der neuesten Erfindung, und
ist nie ein Schauspiel von der Gattung mit mehr Pracht und Aufwand
erschienen. Der Herr Feldzeugmeister Attika entzndete dieses knstliche
Feuerwerk. Bey der Verzierung erschien in vollem Feuer das Emblema: ^Et
lux perpetua luceat eis!^ Seine Majestt geruhten ber diese sinnreiche
Erfindung Seiner hochfrstlichen Durchlaucht des Herrn Feldmarschall
Murrat den allerhchsten Beyfall zu ussern.

Den zwanzigsten erlustigten sich Seine Majestt mit einer wohlgeordneten
Menschenjagd. Hunderttausend Kuppelhunde jagten das Wild auf. Es ward
auf beiden Seiten viel Blut vergossen. Nach dieser kleinen
Leibesbewegung hat Seine Majestt einen besondern Hunger zu verspren
geruht, und Allerhchstdieselbe wrdigten sich beym Nachtmahle ein
allerunterthnigstes Rebhuhn zur Freude aller anwesenden hohen Gste
allergndigst zu verdauen.

Da der Herr Erzbischof in diesen kriegerischen Zeitluften den Knig
allerehrerbietigst befragte, ob nicht Betstunden anzuordnen wren, weil
die Unterthanen kein Brod haben; so hat unser allergndigster
Landesvater das allerhchste Placet ertheilet: Beten und Fasten ----

Man will wissen, da wichtige Plane im Kabinet entworfen werden. Laut
sichern Nachrichten wird am Frieden thtig gearbeitet.




                               Pasquil.


An der Pforte des kniglichen Pallastes erschien ein Gemlde. Eduard
trug auf seinem Rcken die Weltkugel, und eilte mit hastigen Schritten.
Dieses Sinnbild fhrte diese satyrische Aufschrift.

   O Weiber, schwchet doch den khnen Riesensohn,
   Sonst trgt er uns und Euch in seiner Welt davon!




                                Scene.


                  (Kabinet.) Eduard, hernach Albin.

Eduard. (indem er ein Buch zur Seite legt.) Wie klein sind noch meine
Thaten, wenn ich sie mit den Riesenplanen Alexanders des Grossen messe!
Was habe ich bisher Merkwrdiges gethan, und wie viel htte ich thun
knnen! Ich bin auf dem schnsten Gleise zum unsterblichen Ruhme! Alles
zittert vor meinen siegreichen Waffen, la uns ewige Palmen erringen!
---- Eine Universalmonarchie lchelt mich an ---- Was hlt mich hier
zurck? ---- Weiberliebe ---- Eduard, steh auf, erobere eine Welt! Trit
die kleinen Knige mit Fssen, bring deine durchlauchtigen Plane zu
Stande ---- und dann ruhe wie Alexander unter dem Schatten unsterblicher
Lorbeern aus! ---- Csar, Pompejus, solche Mnner beherrschten eine
Welt, und ich begnge mich mit einigen Kronen? Ist mein Herz kleiner,
mein Geist geringer, mein Arm schwcher? ---- Fort! La uns alle
Liebesfeste verschieben! ---- Zur Ehre! ---- Albin, was sagen die
Berichte unserer Gesandten?

Alb. Knig Rudolph droht mit grossen Zurstungen --

Edu. Droht? Rudolph droht? ---- Wem droht der kleine Rudolph? Das
Kniglein droht! Droht mir! ---- Sonst nichts von mehr Wichtigkeit als
diese Kleinigkeit?

Alb. Die Republiken machen Vertheidigungsbndnisse ----

Edu. Ich will ihre Vertrge wie Spinnengewebe zerreissen! Heit das
nicht mir trotzen? ---- Ich will diese Nester in Knigreiche
umschmelzen! ---- Zur Arbeit! ---- Man mu seine Feinde mit Ungewittern
berraschen!




                     Stoff einer Kriegserklrung.
                           Kanzleysprache.


Wir Eduard von Gottes Gnaden Mehrer des Reichs und Herr aller mglichen
und unmglichen Welten u. s. w. Geben unsern lieben getreuen und dummen
Sklaven u. s. w.

Wir sind mit allen klugen Staatsmnnern gnzlich berzeugt, da der
Krieg ein nothwendiges Uebel ist; da uns also unser kniglicher Leibarzt
mit Zuziehung unsers geistlichen Gewissenraths eine kleine
Leibesbewegung zur Verdnnung unsers Bluts dringend angerathen hat; so
sind Wir aus landesvterlicher Liebe allergndigst entschlossen,
gelegentlich auch die dicken Sfte des Staatskrpers zu reinigen, und
ein Paar benachbarte Knigreiche, die uns sehr bequem liegen, zum
ntzlichen Zeitvertreibe zu erobern. Vermuthlich wird diese gesunde
Heldenjagd unsern ungeflligen Nachbarn nicht wie uns behagen, und wir
sehen voraus, da die leidige Kriegsflamme sich ausdehnen kann. Unsere
gerechten Waffen sollen also mit Beystand des Himmels unser angeerbtes
Recht vor Gott und der Welt vertheidigen. Wir versprechen uns von Euch
allen unterthnigsten Beystand durch Aufopferung eures Bluts und eurer
Gter u. s. w.[17]




                                Scene.


   Ein Wald. Eduard, ein Anfhrer einer Ruberbande, hernach seine
                              Gefhrten.

Edu. Ich habe mich auf der Jagd von meinem Gefolge getrennt. Guter
Freund, wo ist die Heerstrasse?

Anfh. Fr eine gtige Ritterzehrung will ich Ihnen den Weg zeigen mein
Herr.

Edu. Hier hast du meinen Beutel!

[Funote 17: Dieses ist der wesentliche Inhalt einer sehr langen
Schrift, welche in der deutscharabischen Staatssprache wie alle
Kriegserklrungen zur Aufklrung des Publikums erschien. Die
Freymthigkeit ist wenigstens ihr Verdienst.]

Anfh. Da ist noch ein hbscher Ring, eine Uhr, vermuthlich auch eine
Dose. ---- Ich bitte haben sie die Gte! ---- Ich bin ein Mann von
Lebensart, und be nicht gern Gewalt ----

Edu. Kerl fort! Du bist ein Strassenruber! Ich hielt dich fr einen
Wanderer.

(Er stellt sich zur Gegenwehr.)

Anfh. Keine Gewalt! Ich bitte sehr, oder auf einen Wink erscheinen
meine dienstbaren Geister, und lehren Sie, was es ist, rechtschaffene
Mnner zu beleidigen.

Edu. Kerl, ich lasse dich hngen! Ich bin Eduard, dein Knig!

Anfh. Ach! Herr Bruder willkommen! Izt ndert sich freilich die ganze
Sache. Die Hand her! Meinen warmen Brudergru! Mir war gleich das
Gesicht bekannt. -- Es freut mich ungemein, nher mit dir in
Freundschaft zu treten! -- Hier ist dein Beutel wieder! Wir Helden haben
ein geschenktes Handwerk.

(Er pfeift)

Brder, bringt Erfrischungen, wir haben ein lieben Gast! Nhert Euch
meine Freunde, hier fhr ich Euch unsern Bruder und Kollega Eduard auf,
den Gott noch lange erhalten wolle! Izt bin ich entwrdet, hier heit es
^Cede Majori^!

(Alle Ruber reichen dem Eduard die Hnde)

Willkommen Bruder!

Edu. (heimlich.) In welcher edlen Gesellschaft bin ich! ---- Meine
Herrn, es ist mir eine besondere Ehre in ihre Bekanntschaft zu kommen!

Anfh. Setz dich Brderchen, auf diesen schnen Rasen, und trink ein
Glas Wein! ---- Er ist aus deinem Keller. Wir holen alle Bedrfnisse aus
deiner Burg, denn wir theilen brderlich.

Edu. Es freut mich, wenn meine Kleinigkeiten so wackern Leuten behagen.
Aber seht, der Abend nhert, ich wnschte aus dem Walde zu seyn.

Anfh. Ich werde dich sicher bis an die Stadtthore fhren. Du bist in
den besten Hnden.

Edu. Nimm zur Erkenntlichkeit wenigstens diesen Ring, und fr deine
Untergebenen diese Brse ----

Anfh. Schnen Dank! Wir nehmen nichts; denn wir sind Ehrenmnner, und
lieben gute Sitten. Wir weichen nie von unsern strengen Gesetzen; wir
nehmen dem Wanderer nur den Ueberflu aus Gte ab, um ihnen die Reise zu
erleichtern. Kein Armer wird beraubt, und niemand, der bescheiden ist,
wird mihandelt. Was ducht Dir ----

Edu. Du setzest mich in Erstaunung.

Anfh. Freyheit ist unser System!

Edu. Wollt Ihr dem Vaterland dienen? Werdet freye Krieger! Wollt Ihr?

(Der Anfhrer spricht heimlich mit seinen Brdern.)

Alle. Wir wollen!

Anfh. Gieb uns dein Ehrenwort, unsere treuen Dienste kniglich zu
belohnen!

Edu. So wahr ich Knig bin, will ich Euch nach Verdiensten belohnen!
Folgt mir.




                              Tagebuch.
                  Eines Kriegers aus Eduards Lager.


Wir zogen aus, und suchten den Feind auf. Wir berfielen Rudolphs Lager
unvermuthet. Der Sieg war entscheidend. Wir eilten gegen die Hauptstadt,
nahmen auf dem Wege zehen Festungen ein. Wenige hielten die Belagerung
aus. Rudolph hatte die Ueberbleibsel seiner Vlker mit den Geschwadern
der Bundesgenossen vereiniget, und es kam zum blutigen Treffen. Rudolph
entwich aus seinem Knigreich, und sein Heer wurde gnzlich zerstreut.
Nicht glcklicher gieng es seinen Bundesgenossen. Die benachbarten
Staaten hatten inde zu ihrer Sicherheit ihre Stdte befestiget, und
ihre Grenzen in Vertheidigungsstand gesetzt. Eduard betrachtete die als
eine stille Kriegserklrung, berraschte sie, und unterwarf seinem
Zepter Lnder und Stdte. Er flte durch seinen Ruf so viel Schrecken
in alle Gemther, da sich alles ergab. Unter diesen bestndigen Kriegen
entkrftete er seine eignen Staaten; die Gesetze entschliefen, die
Stdte und Drfer wurden entvlkert; die Knste und Wissenschaften
verfielen, und die Ackerpflege ward vergessen. Seine weitschichtigen
Lnder schmachteten im Elend. Er eilte zurck. Er hatte berall
gefhrliche Aufruhren zu dmpfen, geizige Statthalter zu demthigen, und
es wurden endlich seine eignen Krieger seines unersttlichen Ehrgeizes
mde.




                                Brief.
                           Alsin an Eduard.


Ich schreibe dir, denn eine Unplichkeit verzgert meine Reise. Ich
will hingehen, so sagte ich, ich will vor meiner Auflsung eilen, Ihn
das letztemahl zu sehen, zu segnen, und durch die Rechte der
Menschlichkeit um den Frieden beschwren. Ich werde meine grauen Haare
ber Ihn streuen, und ihn mit Thrnen bethauen. O Frst, O mein Eduard,
will ich sagen, gieb deinem armen Volke den Vater zurck! ---- In diesen
sssen Gedanken begann ich meine Reise, welche Reise war das! ----
Ueberall sah ich das Bild der Zerstrung; jeden Schritt netzte ich mit
meinen Zhren. ----




                            Nachtgedanken.


   O khles Grab, du Trost der Sterblichen!
   Wann labst du mich? so rief ich oft mit Thrnen.
   Die schwarze Nacht lag ber meinem Haupte;
   Nur selten schlich der Mond aus dstern Nebeln;
   Die ganze Schpfung lag im tiefsten Schlummer.
   Nur Eulen heulten wild ihr Abendlied;
   Als ein Gestank von Aesern mich erstikte.
   Ein Schlachtfeld lag vor mir; die Sohlen traten
   Auf Menschenblut, ein Denkmaal deiner Thaten
   O Eduard war das! Ich stand betubt,
   Und bersah beym blassen Sternenlichte
   Dies Mordgefild. O welche Schreckenscene
   Fr so ein weiches Herz, wie meines ist!
   Da lag ein Rumpf, und dort zerstckte Glieder;
   Ein kalter Schauer fuhr durch meine Seele.
   Die Leichen schienen mir noch halbbelebt;
   Ich hrte noch ein leises Sterbercheln!
   Mein graues Haar stieg hochgestrubt empor;
   Mein kaltes Blut verga den trgen Lauf.
   Nur Geyer freuten sich, und hielten Mahl.
   O Menschlichkeit, wein mit mir eine Thrne,
   Und fluch dem Ehrgeiz zu, der Menschen wrgt,
   Um einen Lorbeer mehr fr Blut zu kaufen.
   Ich hrte gleichsam hier zehntausend Wittwen
   Um Rache flehn, um Rache fr die Shne!
   Der Waisen Klaggeschrey schien mir zu tnen,
   Und die Einbildungskraft ri meinen Geist
   Zum Richterstuhl, vor dem die Frsten zittern.
   Die Seelen kamen dort als Klger an,
   Und huften Fluch auf die Eroberer.
   Weh ihnen, wenn einst Gott von ihren Hnden
   Die Menschen heischt, und Blut aus Lorbeern pret.
   O Eduard, was ist dein Wunsch, dein Glck;
   Ein schwarzer Traum, noch schwrzer dein Erwachen!
   Einst, wenn der Wurm, der deine Feinde frit,
   Dein hungriges und hartes Herz zernagt,
   Was sagst du dem, der dich geschaffen hat?
   Geschaffen hat, die Brder stts zu lieben,
   Gekrnet hat, die Vlker zu beglcken!
   Ist denn dein Plan fr diese Welt allein,
   Und trennt ein grosser Geist die Welten?
   O wie begngsam bist Du doch geworden!
   Mir eckelt vor der Welt, die dich so reizt.
   Wenn die die Schpfung ist, die wir hier sehn;
   Wenn die ihr Endzweck ist, den du dir wnschest;
   So ist die Schpfung nichts, der Endzweck nichts!
   Nichts fr ein Herz, das Ewigkeiten suchet!
   Die Welt ist Staub; mein Ziel ist gro wie Gott!
   Frst, wrst du Herr der knftigen Minute;
   Und wre das, was Du durch Mord ersiegst,
   Unsterblich dein, dann knntest du den Klo,
   Der Dich begngt, um einen Himmel kaufen;
   Doch Du bist auch ein Bettler von der Zeit;
   So sey ein Adler, flieg zur Sonne hoch!
   La kleinen Geisterchen die kleine Welt,
   Und such ein Reich, wo man unsterblich lebt!
   Flieg auf verherrlichet durch grosse Thaten
   Der Menschlichkeit, wobey die Schpfung jauchzt;
   Flieg auf mit Lorbeern, die kein Blut beflecket,
   Die fern vom Fluch, durch Segen heilig sind.

                      Ende der dritten Kaprizze.




                          Eduard als Greis.
                           Vierte Kaprizze.




                    Liebes- und Heldengeschichte.


Schwarze nchtliche Wolken hiengen ber den schlummernden Horizont, und
nur blasse Stralen des Mondes brachen durch die duftenden Lauben des
kniglichen Gartens, als die reizende Alidia lustwandelte, und so zu den
Sternen seufzte: Wie lang unerbittliches Schicksal bin ich noch der
Gegenstand deiner Rache? Und du allesbeherrschende Liebe, wie lange soll
noch mein Herz das Spiel deiner muthwilligen Rnke seyn? Alle
diejenigen, die ich hasse, lieben mich, und der einzige, den ich anbete,
verschmht mein Herz. Was soll ich in meiner traurigen Lage beginnen?
Soll ich den Ehrgeiz hren? Er rth mir die Liebe Eduards und mit ihr
seine Krone zu erobern; aber Ach! Wie theuer sind diese Kronen erkauft!
O Sigismund, nur Du bist der Abgott meiner Seele, du bist wrdig meine
Zrtlichkeit ganz zu besitzen! Eil, erobere den Thron, den du allein
verdienst! Doch du hrst nicht meine Wnsche; du verachtest meine
Seufzer, und begegnest nie mit zrtlichem Auge meinen schmachtenden
Blicken. Aber welch ein Gerusch unterbricht meine einsamen Klagen?

Ich bin es gttliche Alidia, rief Prinz Friedrich, indem er sich ihr zu
Fssen warf. Hier liegt der Unglckliche, der ohne dich nicht lnger
leben kann, der dich anbetet, und von dir die Entscheidung seines
Schicksals hren will. Leben und Tod hngt izt auf deinen Lippen. Meine
Verzweiflung fhrt mich hieher. O Alidia, Du bist mir entrissen! Eduard,
der Mrder deines Bruders, der Zerstrer deines Vaterlands, den Feind
meiner Hofnungen, der dich mir raubt, soll Dich als eine kostbare Beute
besitzen? Da ich durch die gtigen Verheissungen deines Bruders schon
die ssse Hofnung nhrte, deine Hand zu erhalten, soll dieser
ruhmschtige Knig mir den unschtzbaren Preis, dein Herz entreissen?
Zuerst mu er mich tdten! ---- Ich komme hieher, dich durch meine
zrtliche Liebe durch den theuren Schatten deines Bruders zu beschwren,
folge mir schnste Alidia! Alles ist zu deiner Freyheit gerstet, la
uns eilen! ---- Du zgerst? Du entweichest? Du bebst zurck bey meiner
Bitte? Ich bin gehat, du liebst meinen Feind! ---- Aber er soll dich
nicht besitzen!

Zurck khner Prinz! Rief Alidia, frchte meine Rache! Ich liebte Dich
nie, und fhle, da ich Dich nie lieben werde. Geh, dank es meiner Gte,
da ich deinen Frevel nicht bestrafe! Du bist hier im Pallast deines
Feindes! ---- Friedrich umfate Alidien; ihr Geschrey ertnte, und
Sigismund strzte herzu. Mit blitzendem Schwerte begrte er den
Entfhrer. Wohin du Ruber? Rief er, hieher zu mir! Ich vertheidige die
Schwachen, die du dreist genug bist, zu beleidigen. Es kam zum blutigen
Gefechte, inde Alidia vor Schrecken in Ohnmacht sank. Friedrich ward
entwafnet, und bat seinen Sieger um den Tod. La mich sterben, tapferer
Krieger, wer du immer bist! Solltest du mein Nebenbuhler seyn, so rche
dich, und tdte mich! Ich bete Alidien an; ich habe gerechte Ansprche
auf ihr Herz, auf ihre Hand; aber die Grausame opfert mich treulos ihrem
Ehrgeize auf. Ich will mein Unglck nicht berleben!

Sigismund ward durch die Klagen dieses unglcklichen Prinzen zum Mitleid
gerhrt. Er trstete ihn, und bat ihn zu seiner Sicherheit eilends den
kniglichen Pallast zu verlassen. Er legte durch viele Trostgrnde
heilenden Balsam auf seine Wunden, und beredete ihn liebreich, da er
endlich entwich. Inde erholte sich die schmachtende Alidia, und sie
dankte ihrem gromthigen Befreyer mit Worten, die mehr Liebe als
Dankbarkeit verriethen. Ach! Seufzte sie, wrest Du mein Entfhrer
gewesen, ich wrde weniger Widerwillen gezeigt haben; aber Sigismund
hrt nur das Jauchzen der wilden Krieger, und sieht nur die blutigen
Lorbeern mit Entzcken. Art vergit nicht ihre Art. Wie deinen Onkel
reizt dich nur die Kriegstrompete. Du bist unempfindlich fr die sanfte
Liebe, und bleibst kalt fr Herzen, die fr dich brennen ----

Reizende Alidia, rief mit Erstaunung Sigismund, Du legest mir Fehler
bey, die mein Herz mikennet. Ich ehre dein Geschlecht! aber nie hat
mich der stolze Eigendnkel so bethret, da ich vergessen sollte, wer
ich bin. Ich bin Sigismund, ein kleiner Auswrfling des Glckes;
Sigismund, der keine Kronen anzubieten hat! Dieser Degen ist mein
Reichthum; dieses Herz ist meine vterliche Erbe! Nackt stie mich das
stiefmtterliche Glck in die Fremde. Die Erde ist mein Vaterland
geworden. Du aber gttliche Alidia bist zu Kronen gebohren, und
gereifet. Ich wnsche dir Glck zu deinem schnsten Siege. Eroberer
liegen in deinen reizenden Fsseln. Ich werde mich nie so vergessen,
meinen Blick zu Dir zu erheben. Du bist der Schatz meines kniglichen
Onkels, der Dir Zepter zu Fssen legt, die Du verdienest!

Was hindert Dich Kronen zu erobern, edler Sigismund, unterbrach ihn
sanftlchelnd Alidia. Ich kenne deine Tapferkeit, und dein
durchlauchtiges Blut. Liebe mich, und ich ffne Dir die Bahn zum Throne!
---- Ich kenne nur rechte Gleise, nahm Sigismund das Wort, und diese
fhren mich zur Pflicht, zum Gehorsam, und zur Unterwrflichkeit. Der
Himmel giebt Kronen! ---- Ich liebe die Tugend, und wnsche, da sie
stets die schnste Perle deiner Krone sey! ---- So sprach er mit
Nachdruck, verneigte sich, und entwich.

Alidia stand lang versteinert. Sie sah sich verlassen, verschmht. Ihr
weiblicher Stolz war beleidiget, und sie beschlo sich blutig zu rchen.
Ich will dich strzen, hochmthiger Jngling, rief sie, ja du sollst
kriechen kleiner Wurm, du sollst dich schmiegen Sklave! Du bist unwrdig
einer Krone, unwrdig meines Herzens! Ich hasse dich und deinen
Kronenschtigen Onkel; aber ich will der alten Schlange schmucheln um
die junge Natter zu verderben! Ssse Rache kocht in meinem Busen! So
donnerte sie, und eilte in den Pallast alle Triebfedern in Bewegung zu
setzen, um ihre beleidigte Liebe zu rchen.

Die Gelegenheit ereignete sich bald. Theodor ein kriegerischer Prinz
wollte den Tod seines Bruders Willhelm rchen, und sammelte in Eile ein
mchtiges Heer. Er berraschte seine Feinde in einer Sicherheit, welche
meistens die Frucht eines guten Erfolges ist. Eduard eilte seinem Feinde
entgegen, und es kam zur Schlacht. Theodor hatte als ein Meister der
Kriegeskunst seinem Heere eine so glckliche Stellung gegeben, welche
alle gewaltsamen Versuche Eduards vereitelte. Die Vereinigung der
Glieder war so unzertrennlich, da alle Angriffe der tapfersten
Geschwader vernichtet wurden. Reuter und Fuknechte fielen. Eduard war
in usserster Verlegenheit. Er sah seine schnste Mannschaft und den
Kern seines Heeres zu Schanden gehauen, und das feindliche Heer stand
siegreich und unerschttert auf der blutigen Wahlstatt. Die Lage des
Ortes, und der feste Bau des ganzen Krpers war seinen Feinden
vortheilhaft. In diesen verzweifelten Umstnden nherte sich ihm
ehrerbietig Sigismund. Es ist noch ein Mittel, sprach er, die Schlacht
zu gewinnen, lassen Eure Majestt eilends das schwere Geschtze gegen
diesen unzertrennlichen Klo des feindlichen Heeres richten, und von
allen Seiten zugleich mit neuen Geschwadern die Feinde muthig bestrmen.
Der Knig erkannte die Wahrheit. Sigismund flog, und in wenigen Minuten
scheiterte die feindliche Maschine. Sie fielen zu tausenden. Alles wurde
getrennt, getdtet und in die Flucht geschlagen. Alles pries die tiefe
Einsicht des jungen Helden.

Dieser gnstigen Gelegenheit bemeisterte sich die listige Alidia; der
junge Adler, rief sie, berholet bereits den alten Lwen! War nicht so
der weissagende Traum meines geliebten Eduards? In der That das
Zigeunermdchen ist eine Prophetinn! Ich irre nicht, die Zeit reifet. Du
staunest mein edler Knig? Ich erfne dir mein ganzes Herz. Es ist meine
Pflicht fr die Sicherheit deiner Tage zu wachen. Sigismund strebt nach
der Krone. Bemerke wohl sein Betragen; sieh, wie er den Kriegern
schmuchelt; wie er den Brgern liebkoset; sich vor Knechten liebreich
verneiget, alle Herzen gewinnet, und durch seine glnzenden Thaten alle
Augen erschttert! Alles spricht nur von ihm; von dir schweigt alles!
Schlfst du mein Eduard? Ueberlssest du so ruhig deine Kronen, deine
theuererkauften Lorbeern dem dreisten Jngling?

Das Gift wirkte in dem Herzen des ehrgeizigen Knigs. Er hatte schon oft
einige Regungen der Eifersucht gefhlt. Der Ehrgeiz vertrgt keinen
Nebenbuhler. Sigismund ward gehat. Er fiel pltzlich in Ungnade, ward
kalt am Hofe empfangen, des Vertrauens und aller Wrden allmhlich
beraubt, und der Dank fr seine rhmlich geleisteten Dienste war, da er
vergessen wurde. So untergrub ein rachschtiges Weib sein aufblhendes
Glck.




                                Brief.
                           Lusian an Piron.


Wir sehen uns! Ja Herzensbruder, wir sehen uns bald! Ich verlasse den
Hof, denn was soll ich hier machen mit meinen strengen Begriffen von
Tugend, Ehre, Redlichkeit? Eduards neue Politik vertrgt sich mit meinen
alten Grundstzen nicht. Wir sind keine Krieger mehr, die das Vaterland
beschtzen, wir sind Menschenmetzger geworden. Wir gehn alle
Gemeinpltze der grausamen Eroberer. Wir rauben, morden, brennen, machen
Wittwen und Waisen, verwsten Stdte und Lnder, und sind am Ende so
hungrig, als wenn wir keine Knigreiche verschlungen htten. ^L'appetit
vient en mangeant!^ Meiner Seele! Der Franzos hat ein weises Sprichwort.
Ich will dir unsere traurige Lage schildern.




                               Satyre.


      Wie viel Narren von Aufgang und Narren von Niedergang seh ich;
   Wie soll ich Myriaden berechnen? Ich bleibe bey Hofe.
   Nur ein Hufchen der glnzendsten Thoren will ich bemerken,
   Thoren, die sich zum Vorbild der Kleinen mit Schweisse bereiten.
   Kaum erscheinet der hpfende Zgling im Schauplatz des Hofes;
   So beginnt er das wichtigste Werk des rhmlichen Adels
   Seine Tage mit thtigem Miggang prchtig zu tdten.
   Dann lernt er die mystische Sprache dem Frsten zu schmucheln;
   Seinen Bewunderern viel zu versprechen, und nichts zu erfllen;
   Seine Gedanken mit gleissendem Firni politisch zu schmcken;
   Nebenbuhler mit Lob zu erheben, und heimlich zu drcken;
   Endlich wird er durch Uebung gebildet, und spielet den Meister.
   Er spricht alles mit knstlichem Lcheln, er krzet die Worte,
   Sagt die Rede nur halb, bedient sich studirter Geberden;
   Jede Grille des Hofes wird ein Geheimni des Staates.
   Er eilt bedeutend zum horchenden Ohre neugieriger Freunde,
   Lallt zwey Silben, und stammelt, das Uebrige winkt er mit Blicken,
   Fliegt geschftig davon; macht Anspruch auf schimmernde Wrden;
   Jede Belohnung erwartet nur er, und er preist die Verdienste;
   Er berholet die fhigsten Mnner, und steigt durch Empfehlung.
   Immer seufzt er, wie wenig der Knig die Treue belohnet,
   Die er mit seinen preiswrdigsten Ahnen dem Staate geweiht hat.
   Er strzt hastig durch alle Gemcher des staunenden Hofes,
   Unterscheidet mit komischen Grssen die Stnde der Menschen.
   Ihr Moralisten, die Ihr bey Grossen die Tugend vermisset,
   Hret, ich will Euch mit seltenen Wundern erschttern, betuben.
   Wie viel Selbstverlugnung bedarf ein listiger Hfling!
   Wie viel Geduld die Narren zu preisen, die er zwar erkennet,
   Und im Herzen verachtet; wie viel gelassene Klte,
   Thrichte Lgen zu hren, und doch aus Absicht zu glauben;
   Wie viel Langmuth, die kochende Galle durch Jahre zu zhmen,
   Sich nicht an mchtigen Feinden zu rchen, sie liebreich zu kssen,
   Bis die goldne Gelegenheit sichere Dolche bereitet.
   Wie viel Beredsamkeit, immer zu reden, und doch nichts zu sagen!
   Zeigt mir ein Beyspiel, wo lebt wohl der Weise, der Khnheit
      besitzet,
   Wie ein Schranze sich selbsten zu loben, und andre zu tadeln;
   Ueber die Knste despotisch zu herrschen, und alles zu richten,
   In zwey Worten den Werth der Dinge mit Khnheit zu sagen?
   Seht dort den Gnstling des Knigs, er lebt nur vom Hauch des
      Gebieters,
   Wie ein Schoohund geschmeidig verlugnet er seine Gesinnung,
   Aeft den Charakter des Frsten, und stralt wie ein Spiegel das
      Antlitz
   Lchelnd zurck, er schmuchelt, er kriechet, und lecket den
      Speichel.
   Kaum hpft der Frosch vom Throne des Knigs, so blht er sich
      selbsten,
   Sieht als Beschtzer auf Kleine herab, und drut den Verwgnen,
   Die sich bey seiner Erscheinung nicht bcken, die dreist ihn
      verachten,
   Die das Ungefhr seiner erhabnen Geburt nicht empfinden,
   Und den Gnstling des Glckes mit stoischer Klte beschauen.
   Sind sie denn blind, wenn er in goldenen Kutschen daherfliegt,
   Und die Buhlerinn mit der Ausbeute des Volkes bereichert?
   Wie entschlossen enterbt er den schnellberraschenden Winter!
   Er verschlingt schon in blhender Jugend die Frchte des Alters,
   Ueberlt sich der Wollust, der Pracht, dem schwelgenden Taumel,
   Und entschliet sich das Spielwerk der geizigen Aerzte zu werden.
   Aber verlassen wir diese Vorsle des Hofes, und eilen
   In das goldne Schlafgemach seines beglckten Monarchen!
   Du hast diesen Beherrscher O Himmel, mit Kronen belastet,
   Und doch hr ich ihn seufzen; gewhr ihm den Letzten der Wnsche!
   Nur ein Hafen des Nachbars macht ihm noch unruhige Nchte.
   Schicksal, du hrest mein Flehn. Ich seh ihn am frohen Gestade!
   Wie wird er jauchzend Dich segnen! Was hr ich? Er schmiedet
      Entwrfe,
   Jene Republik zu tilgen, die seine Lnder zertrennet.
   Sttige Frst auch dieses Verlangen, doch la dich begngen!
   Wie, du hungerst noch immer? Wer fllt den politischen Magen!
   Geh du Nimmersatt! Fri Nationen, verschlinge Provinzen,
   Die Politik ist gleichsam erfunden, dich ewig zu qulen,
   Wie ein gepeinigter Hllengeist bist du der Henker der Menschen!
   Weise Gesetze vertilgen den Mrder, der einen erwrget,
   Was verdienest denn Du, der du Millionen ermordest,
   Eine Spanne von Erde zu mchtigen Lndern zu fgen,
   Die du nicht bersiehst, auch niemals zu sehen verlangest?
   O ihr Groen, ein Seufzer entfuhr mir bey euren Begierden!
   Ihr seyd die Vter des Vaterlands, Ihr seyd Gebieter der Erde,
   Ihr seyd von Vlkern erwhlet die Gter den Shnen zu theilen;
   Izt nehm ich den Tadel zurck, und preise die Ruber.
   Es ist Migkeit, da Ihr so wenig von allem geniesset;
   Ihr bewerbt Euch um goldene Schtze, sie wiederzugeben;
   Ihr erobert Kronen auf Kronen, sie Erben zu lassen,
   Und Ihr begngt Euch mit Arbeit, mit Schwei, mit Thrnen und
      Flchen!
   So viel Gre des Herzens verdient gewi Pyramiden!
   O seyd dankbar ihr Vlker, und baut den Eroberern Tempel!
   Diesen gefrchteten Knig bescheinet die Sonne wie Bettler;
   Seinen durchlauchtigen Magen ersttigen Aeser und Kruter;
   Eben der Wurm und das Schaaf, das Brger bekleidet, bedeckt ihn;
   Schlaf und Ruhe mikennt er, und endlich stirbt er wie Sklaven,
   Und lt, was er den Weinenden raubte, den lachenden Erben.
   Wie viel Gte! Freygebiger Knig, ich will dich vergttern!
   Lebet ihr Helden und Sieger von meiner Apotheosis!




                        Allegorisches Gemlde.


   Aesop, der Staatskrper, und ein Gefolge von Weibern und Kindern.

Aes. Welch ein Ungeheuer nhert sich mir! -- Wer bist Du?

Der Staatsk. Ich bin der kranke Staat ----

Aes. Wie siehst du aus! Ich kenne dich nicht mehr. Einst warst du ein
blhender Jngling; ich sah den May deiner lchelnden Tage. Dein
majesttischer zierlicher Gang gab deiner reizenden Miene eine edle
Grsse; dein wohlgestalteter Wuchs reizte die Augen. Deine jugendlich
blhende Wange war ein beredter Zeuge von dem glcklichen Umlauf deines
gesunden Bluts. Du warest von allen Menschen geliebt, bewundert,
hochgeschzt. Kniginnen buhlten um deine Liebe, ein freundlicher Blick,
ein Druck der Hand, ein sanftes Wort von deiner Lippe war ein Geschenk,
eine Belohnung, um welche deine Gnstlinge buhlten. Aber Ach! Wo sind
izt deine Bewunderer, deine Freunde? Wie bist du von Alter und Krankheit
entstaltet, mihandelt! Faule morsche Knochen hngen nur durch eine
welke Haut zusammen. Dein Athem stinkt, deine triefenden Augen liegen
tief in dem kahlen Hirnschedel. Deine Kleider sind zerrissen, ein
jammerndes Leichengefolge von Wittwen und Waisen schleichet dir nach,
und zerfliesset in Thrnen ----

Der Staatsk. Ach! Ich bin das traurige Schlachtopfer des Ehrgeizes! So
haben mich die unsterblichen Vter des Vaterlands mihandelt. Hungrige
Geyer verschlangen mein Fleisch, Ottern nagten mein Mark, und Tyger
saugten mein Blut. Ich bin meinem Tode nahe. Vergebens suchten einige
patriotische Aerzte meine Tage zu verlngern. Ich welke hin, meine Sfte
sind vertrocknet.

Aes. Wo schleichst du denn hin?

Der Staatsk. Ein schwindelnder Projektant hat mir die Bder verordnet.
Ein anderer schlgt mir die Eselsmilch vor; aber ich denke auf mein
Testament, die Esel und Eselinnen werden mir schwerlich helfen. Ich
fhle meine Auflsung. Meine Wunden sind unheilbar. Leb wohl! Wir sehn
uns nicht mehr!

Aes. Gute Nacht Vaterland!




                            Hofanekdoten.


                              Flugwerk.

Der Bruder der berufenen Grfin Emilie, einer Exsngerinn, die der Knig
vorzglich wegen schnellen Fssen bewunderte, verlie die kleine Klasse
des Pbels, und wuchs vom kleinen Schmiedjungen bis zum Aufseher der
kniglichen Pallste, und Freyherrn von Altberg an. Da sich in zwey
Monaten sein wunderbares Genie, und sein Originalgeschmack in den
Knsten und Wissenschaften durch Wunder entwickelten, sah sich der Knig
genthiget, ihn in den Grafenstand zu erheben, und ihm den Vorsitz im
Tempel der Musen anzuweisen. Er lie sich malen, und der Maler sezte
seinen Helden auf einen Wolkenwagen.


                            Verschwindung.

Auch der Hof hat seine Verschwindungsmaschinen. Graf Tannenwald sprach
zu dreist von der Menschlichkeit in Gegenwart des Knigs. Die Hflinge
entdeckten kleine Runzeln auf der majesttischen Stirne. Die war ein
weissagender Wink fr ihre Adleraugen. Sie eilten wie Fchse mit
brennenden Schweifen zu den Neidern des Grafen. Man verfertigte in Eile
unterirdische Fallen. Tannenwald gleitete aus, und verschwand.


                           Theatermalerey.

Die Hflinge sind die ersten Erfinder der Theatermalerey. Sie
vergrssern mit dreister Hand ihre Pinsel; ihre Geduld ist bald
erschpft, sie eilen hastig zum Zweck, und werfen ihre flchtigen
Gemlde nur verwgen hin. Doch in der Ferne halten die Augen ihre
Malerey fr Miniaturgemlde.


                               Episode.

Losin hatte dem Knig lange und treue Dienste geleistet. Er stand am
Gipfel des Glckes, und der Ehren, als endlich seine mchtigen Feinde am
Hofe seinen plzlichen Sturz bereiteten. Er ward vom Knig zu einer
wichtigen Unternehmung versandt; aber seine Gegner wusten die Sache so
hmisch einzuleiten, da er weder die nthigen Kriegsleute, noch genug
Geld und andere Bedrfnisse zur bestimmten Zeit erhielt. Alles gieng
natrlich unglcklich. Das Glck selbst schien sich gleichsam mit seinen
Widersachern zu vereinigen. Man schrieb alle Fehler dem Obersten Losin
zu. Der Kriegsrath beurtheilte die Handlungen so streng, da Losin zum
Tode verurtheilt wurde. Seine Seele war zu gro, er wrdigte sich nicht
sich zu vertheidigen. Der Knig kennt mein Herz, und meine Dienste. Das
war alles, was er dem erkauften Kriegsrath zur Antwort gab, und es
nherte sich der Tag seines Todes. Niemals war unter dem Volk eine
grssere Ghrung. Losin war von edlen Brgern geliebt, von allen
Kriegern als ein Held bewundert. Man schlo die Kaufmannsgewlber. Die
Handwerker verliessen ihr Gewerbe. Das Volk eilte zur Gerichtstte. Die
Biedermnner zerflossen in Thrnen; die Vter erzhlten den Shnen mit
Schluchzen seine Thaten, und die Mtter wuschen ihre Suglinge mit
Zhren, indem sie den Patrioten segneten. Selbst der Stab zgerte, und
erwartete mit ngstlicher Ungeduld vom Knig ein gewnschtes Zeichen der
Begnadigung; aber vergebens waren alle frommen Wnsche. Unter dem lauten
Zuruf, und von Millionen Segen des zuschauenden Volkes begleitet stieg
Losin auf das Blutgerst; sein ruhiges Antlitz war nach seinem edlen
Herzen gestimmt. Er grte liebreich seine Kriegsgefhrten, und dankte
der Versammlung des Volkes fr die gromthigen Zhren. Er erwartete mit
offenen Augen den Tod, den er so oft in blutigen Schlachten fr das
Vaterland, und fr seinen Knig verachtete. Schon rsteten sich die
Vollzieher der strengen Gerechtigkeit, als ----[18]

[Funote 18: ^Deus ex Machina!^ Eine Geliebte des Knigs rettete das
Leben dieses wrdigen Mannes. Jedoch ein Dichter sagt so etwas nicht
ohne Schwung, er sucht Blumenkrnze und arkadische Tndeleyen.]




                          Maschinenkomdie.


                  Ein Hain am Gestade eines Stromes.

                   Fritz, Lieschen, zu ihnen Amor.

Fritz. Lieschen, setzen wir uns in das Gras ----

Liesch. Aber sey nicht schlimm ----

Fritz. Zu Zeiten einen Blick, und einen Ku ---- Ich will fromm wie ein
Turteltubchen seyn ----

Liesch. Geh, du bist ein loser Schurke! Der Ort ist einsam ---- Mein
Herz ---- Ach mein Herz ----

Fritz. Wann wird es ganz mein Eigenthum? ---- Wr ich reich! ---- O
Liebe gieb mir eine Heerde!

Liesch. Fritz, sieh, es ziehen dort Wetterwolken ber die blauen
Gebirge. O diesem Winkel trau ich nie! Alle Strme kommen daher!

Fritz. Es blitzt wirklich; auch der Donner schleicht schon ferne. Die
Winde heulen. Sieh dort schwellen die Wogen empor ----

Liesch. Wenn etwa unsere Fischer Schaden leiden. Sieh, was ringt dort
mit den Wellen?

Fritz. Ein Kind!

Liesch. O das arme Kind! Hlfe! Geschwind Hlfe! ---- Nimm lieber Fritz
ein Schiffchen! ---- O mein Fritz hundert Ksse!

Fritz. Nur hundert? ---- Willst du zweyhundert geben; so schwimme ich um
den Knaben ---- weniger nicht ----

Liesch. Geh, du bist ein Nimmersatt! ---- So geh nur --

(Fritz springt munter in die Fluten, und haschet den Knaben.)

Am. Hab Dank fr die Hlfe! Begehrt eine Gnade!

Fritz. Wer bist du?

Am. Ich bin ein Geigenmacher, und reise auf meine Kunst.

Liesch. Ich mu fr dich dreyhundert ---- nein zweyhundert will ich
sagen ---- ja richtig zweyhundert Ksse zahlen, schenk mir aus
Erkenntlichkeit eine Geige von deiner Arbeit, denn du bist so artig, da
deine Geigen viel Harmonie versprechen.

Am. Ich will Euch die Liebesgeige schenken. Singt mir inde euer
Lieblingslied. Ich beginne die Arbeit. Seht das Meisterstck. Wenn man
sie spielt; so macht ihre Wunderkraft alle Zuhrer tanzen. Sammelt Geld,
das sey euer Hochzeitgeschenk.




                           Scene Extempore.


Amor verschwindet. Fritz und Lieschen erscheinen in der Stadt mit der
wunderbaren Liebesgeige. Sie sehen viel Volk auf dem Markte, und hoffen
Gewinn. Fritz geigt, alles tanzt. Sie eilen bis zum Gerichtsplatze. Das
Volk, die Krieger beginnen zu tanzen. Die Freunde Losins sphen von
ferne, ntzen den glcklichen Augenblick, und bringen den Verurtheilten
in Sicherheit. Der Pbel tanzt fort. Fritz und Lieschen bereichern sich,
feyern ihre Hochzeit, und kehren in das Dorf, wo noch jhrlich alle
gesunden Beine den Einflu der magischen Liebesgeige fhlen.




                                Scene.


                           Lusian. Marsis.

Lus. Edler Marsis meinen Abschiedsku!

Mars. Auch Lusian verlt uns, da uns alle Patrioten fliehen ----

Lus. Ich will als ein rechtschafner Mann zu Grabe gehen. Eduard mag
seine chimrische Universalmonarchie selbst ausfechten. Ich bin ein
Kerl, der sein Vaterland liebt, nie soll mich der Ehrgeiz zum Unmenschen
machen! Wir fallen wie hungrige Tyger ber unschuldige Nationen her; was
sich nicht knechtisch beugt, wird mit Fssen getreten. Gott im Himmel,
wir stinken von Menschenblut! ---- Leb wohl!

Mars. Warte noch, ich will dem Knige Vorstellungen machen ----

Lus. Er hrt niemand, als seine Speichellecker, seine Weiber, und seinen
unersttlichen Ehrgeiz! ---- O die verdammte Eroberungssucht!




                              Quodlibet.


   Wenn lauter schlaue Spieler wren,
   Wer wrde der Gewinner seyn?
   Wenn alle Mchtige die Welt zersthren,
   Wer zieht den Vortheil ein?
   Gewi ist eine Welt zu wenig,
   Weil alle Frsten Helden sind.
   Izt weht ein kriegerischer Wind.
   Es kleidet sich ein jeder Knig
   So furchtbar wie ein Herkules.
   Die Groen sind izt lauter Krieger.
   Ein jedes Kniglein spielt einen Sieger,
   Als wr er Alcibiades.
   Die Frsten gren auch mit Lcheln nur Soldaten,
   Die dort im Feld die Aernde khn zertraten.
   Gar selten wird fr den ein kalter Gru beliebt,
   Der seinen Staat beglckt, und Vlkern Nahrung giebt.
   Das eiserne Jahrhundert ist erschienen;
   Die Erde scheinet mir ein Waffenhaus.
   Man brttet berall erwrgende Maschinen;
   Werkzeuge, die nur zur Verheerung dienen,
   Denkt izt der Witz der harten Menschen aus,
   Die Erdenshne zu zersthren,
   Als wenn sie nur Insekten wren.
   Wie wird die Menschlichkeit verhrt,
   Und die Vernunft geschndet und entehrt!
   Sind denn die Groen ewig Narren,
   Und bleibt ihr altes Steckenpferd
   Der Lorbeer und ein Siegeskarren?
   Dort hngt ein Ruber. Gute Nacht!
   Du hast die Sache schlecht gemacht,
   Mu man in Wldern Solo fangen?
   Du knntest izt am Hofe prangen,
   Wrst du nur ein Politiker,
   Und stnd um dich ein groes Heer.
   Wer gab die hllischen Gesetze,
   Da jeder rauben kann, was ihm gefllt,
   Wenn sich sein Nachbar nicht mit Macht entgegen stellt?
   Das riecht nicht blo nach Schulgeschwtze,
   Es stinkt nach einem Hflingsbart.
   Das bleibt so ein Geschmeis von Tygerart.
   Sie zischen stts den Frsten in die Ohren,
   Die ganze Schpfung sey zu ihrer Lust gebohren.
   O Himmel schmcke jeden Thron,
   Mit einem weisen Salomon!
   Und strafe nie die Welt mit herrschenden Genien,
   Vor denen Myriaden Sklaven knien.
   Ihr Nachbarn hrt den feinen Frsten nicht,
   Der schmuchelnd von Vertrgen spricht,
   Denn seine Majestt beliebt mit Euch zu scherzen,
   Er hat das Gift in seinem Herzen.
   Glaubt sicher, wenn er Euch nur Hochzeitlieder singt,
   Da er aus Neid schon euer Land verschlingt.
   Groe Lichter, kleine Kerzen!
   Groe Mnner, harte Herzen!
   War Attila des Adams chter Sohn?
   Wie, ehren Henker auch den Thron,
   Die stts nach Beute schielen?
   Du Weib, bleib lieber ohne Frucht,
   Die einen Helden trgt, den man gerecht verflucht.
   Die Frsten lieben sehr im Felde sich zu khlen,
   Und daraus folgert sich,
   Da sie wie Kinder gern Soldaten spielen;
   So jagt man kniglich!
   Ein kleiner Edelmann hetzt seinen Haasen.
   Seht, wie die Krieger froh auf unsern Weiden grasen!
   Wir sen stts, und kauen unsre Noth.
   Die halbe Million der Menschenfeinde
   Beraubet uns der Kinder und der Freunde,
   Und frit in Miggang recht trotzig unser Brod.
   Wird denn der Pbel ewig rasen?
   Wie man die Thoren jauchzen hrt!
   Wenn der Monarch die armen Menschen tdtet,
   Und manche Stadt wie ein Barbar zersthrt;
   Inde der Philosoph still seufzet und errthet.
   Wird wohl die Welt dadurch beglckt,
   Wenn man auf einen Kopf zehn Kronen drckt?
   Verewiget die Wahrheit mit dem Meissel;
   Die Helden sind der Erde schwerste Geissel!
   Das Bild des Titus und Aurelius
   Verdient von Weisen einen Ku.
   Auf Alexander lat uns speyen!
   Stupt Schmeichler, die dem Ehrgeiz Weihrauch streuen,
   Den man verfluchen mu!




                                Scene.


               Eduard, ein Kmmerling, hernach Marsis.

Edu. Lasset ihn nicht vor! Ich hasse seine Strenge; er ist ein harter
unbeugsamer Mann! Fort! ---- Wer trit wider meinen Willen ein?

Mars. Ich habe oft den Zutrit begehrt; aber deine Diener verweigerten
----

Edu. So war mein Befehl!

Mars. Das wollte ich aus deinem Munde wissen. Ich gehe wieder. Ich habe
die Freystte des Friedens verlassen, und bin hieher geeilt, dich zu
sehen, denn du nanntest mich einst deinen Freund. Nur zwey Worte mein
Knig, und dann mein Lebewohl, meinen Abschiedsgru! ---- Ich bin hieher
gekommen meinen kniglichen Freund zu sehen; aber ich finde ihn nicht
mehr. Jenen grossen Eduard kannte ich, dessen Herz der Thron der
Menschlichkeit war; dessen Ohr beym Geschrey des Elendes sich
herabneigte; dessen Augen von edlen Thrnen sanft berflossen, wenn er
seine Brger leiden sah; Frst, das war ein Mann! So einer kmmt nicht
wieder! Er war die Zierde des Thrones, die Sule des Vaterlandes, und
die Wollust seiner Vlker! ---- Aber Ach! Er ist todt! ---- Du kennst
denjenigen, der an seine Stelle trat ----

Edu. Das ist dein Lieblingston, du vernderst dich nie --

Mars. Ich habe diese standhafte Denkungsart meinem Unglcke zu danken.
Wr ich in Weichlichkeit erzogen, vielleicht wrde mein Herz verzagt,
und meine Seele weibisch. Ich wei, da niemand ohne Zittern sich dir
nhert; doch ich bin ganz ruhig hieher gekommen, denn ich frchte
nichts, weil ich nichts zu gewinnen, nichts zu verlieren habe. Dieses
Leben widmete ich tausendmal deinem Dienste, fast reut es mich ----

Edu. Ich dulde deine Khnheit. Ich will dich hren. Ich will bis zu dir
herabsteigen. Was verweisest du deinem Knig? Denn ein Verweis drckt
deine Zunge ----

Mars. Wollte Gott, ich knnte itzt dein Lob absingen! Aber zum
Schmuchler bin ich nicht gebohren. Herr, ich verlasse ein kleines
Landhuschen, ich hre rings um mich das Gewinsel der Elenden. Da rufen
die Waisen um Brod; dort ringen die Wittwen die Hnde; die gedruckte
Armuth seufzet in allen Winkeln; ich schleiche bestrzt in deine Burg;
ich finde sie entvlkert; die treuen Diener sind vom Dienste geworfen;
deine Freunde hast du verscheucht; weise thtige Brger des Staats hast
du des Landes verwiesen; der Patriot segnet weinend sein Vaterland,
schttelt den Staub von den Fssen, und eilet zur Grnze. Alles hat
dich; du hast die Liebe deiner Unterthanen verloren; du bist ein Tyrann
einer gekrnkten Familie, deren Thrnen dich berall anklagen. Hrst du
die Klagen deiner Kinder; weist du den Jammer ----

Edu. Du sagst mir keine Neuigkeit. Ich habe meine Ausspher ----

Mars. Ausspher? ---- Ich wei nicht, ob die Ausspher Despoten, oder
die Despoten Ausspher machen! ---- Im Kriege mgen sie gelten; aber im
Frieden ---- Ein Knig mu wie ein Vater unter seinen Shnen leben, sie
mssen seinen Segen wie den Thau des Himmels fhlen --

Edu. Wer kann den Pbel begngen? Ich giesse meine Wohlthaten
willkrlich aus; ich bin wie ein Gott; Er beglcket, wen Er will.

Mars. Alle haben gleiche Ansprche, gleiches Recht! Du sagst Wohlthaten?
---- Wohlthaten! Das sind ja die Gter deiner Vlker, die dir nur
anvertraut sind, um sie mit Billigkeit zu vertheilen.

Edu. Ich bin Herr ber meine Eroberungen ----

Mars. Die Beute des Glcks, willst du sagen, aber mit wessen Krften
erwarbst du sie? Dein Arm allein? ---- O frchte den Eigensinn des
Glcks! Sieh, mitten unter deinen Siegesgeprngen geht das Vaterland zu
Grunde!

Edu. Geh aus meinen Augen! Ich will dich vergessen ----

Mars. Ich vertheidige das Recht der Menschlichkeit ----

Edu. Deine Pflicht ist zu schweigen!

Mars. Ich eifre fr deine Ehre ----

Edu. Es ist schn den Donner, den man schleudern knnte, zurckzuhalten;
aber geh meinem Jhzorne aus dem Wege! Eil! Entweich! Mein Bogen ist
gespannt! Meine Pfeile ----

Mars. Schrecken mich nicht! Denn ich bettle hier nicht um Gnaden.
Durchbohr diese Brust, die sich so oft dem Feinde blostellte, um dein
Leben zu beschtzen; es reut mich keine That; aber dein Undank schmerzt
mich. Du hast alles vergessen, du bist izt ein liebloser Egoist. Du
lebst dir! Die ganze Welt soll dein Fuschemmel werden. Du tritst alles
mit Fssen; verachtest alle Menschen, und liebst nur dich selbst! Du
vergiessest Menschenblut wie Wasser, um deinen unersttlichen Ehrgeitz
zu befriedigen. Du verwandelst die Welt in eine Brandstte, um deinen
Groll an jedem Nachbar zu weiden; aber zittere, es wacht eine Vorsicht,
sie wird dich herabstrzen und demthigen!




                             Trauerspiel.


(Eduard zieht wthend den Degen, und ersticht den Marsis. Die Wachen
eilen herzu, und untersttzen den Sterbenden. Eduard sieht kaum seinen
Freund bluten; so schleudert er den Degen weg, und steht versteinert.
Pltzlich strzt er sich in die Arme des Marsis)

Mars.
   Ich sammle noch mein Frst, die letzte Kraft,
   Um dich als Freund und Unterthan zu segnen ----
   Ich sterbe ----

Edu.
      Sey verflucht du Mrderschwert.
   Mein Freund, Du stirbst, ich habe Dich getdtet!
   Vergieb mir Theuerster, wenn du vergeben kannst.
   Ich bin dein Mrder, ich, der Dir das Leben dankt.
   O Undank, schwarze That! Nein, keine Reue tilgt
   Verbrechen aus, die unser Herz entehren.
   Ich will dein Rcher seyn, ich selbst will mich bestrafen,
   Und deine Wunde Freund, mit meinem Tode rchen!

(Er fat den blutigen Degen, um sich zu durchbohren. Marsis sammelt die
letzten Krfte, und entreit ihm das Schwert.)

Mars.
   Halt ein, die Thrnen sind mir theurer als dein Blut!
   Die Thrne, die mein Mund begierig trinkt,
   Verwscht die kleine That, die schon vergessen ist.
   Ich sterbe froh, wenn dich mein Tod belehrt.
   O kehre schnell zurck, und such die edlen Gleise,
   Die deine Tugend stts mit khnem Fu betrat.
   Erwhl die Menschlichkeit zur Zierde deines Thrones.
   Bereue jeden Tag, den keine grosse That,
   Die deiner wrdig ist, dir schtzbar macht.
   Die Gte mu aus jeder Handlung blicken.
   Streck deine milde Hand auf Waisen aus,
   Und lchle sanft der armen Wittwe zu.
   Erheb die Knste hoch, ermuntre Wissenschaften.
   Sey wie ein Gott durch lauter Gnaden gro.
   Dann ist mein Blut bezahlt, dann fliet noch Segen
   Aus meinem Grab auf Dich! Du wirst geliebt,
   Als Mensch geliebt, und angebetet seyn.
   Der gute Rath, der mir vom Herzen strmt,
   Soll mein Vermchtni seyn! Nimm hin mein Lebewohl.
   Wie heiter, und wie froh ist meine Sterbescene.
   Ich nehme Freund, die ssse Hofnung mit,
   Mein Vaterland durch dich beglckt zu sehn.
   Die ist mein Abschiedsgru. Lebt wohl ihr Brger!
   Ihr Staaten lebet wohl, die meine Jugend sah!
   Der letzte Schauer naht ---- Mein Blut erstarrt ----
   Auf! -- Hher Geist! -- Zu Gott! -- Zu Gott! -- Ich sterbe ----

Edu.
   Es ist geschehn! ---- O That! O schne That!
   Er segnet mich, und lehret seinen Mrder!
   Der edle Glanz von seiner Tugend stralt,
   Und schleudert mich herab von meiner Hhe!
   Wie hlich schein ich mir! Wie bin ich schwarz!
   Gebrandmarkt ist die Hand von seinem Blute.
   Ein jedes Laster steht izt vor mir auf,
   Und klagt mich an; bang zittert mein Gewissen.
   Kehr wieder theurer Freund, O komm zurck!
   Von deinem Aug ein Blick bringt Leben in mein Herz.
   Ich fhle nichts als Sturm; mein Busen kocht;
   Wo soll ich Trost, wo soll ich Hlfe suchen?
   Im Grabe nur allein will ich vergessen,
   Da ich ein Mrder bin, der seine Freunde wrgt.

(Er sucht das Schwerdt; Die Hflinge halten ihn ab.)

   Lat mich! Zurck! Ich mu mit Marsis sterben!

(Indem er entkrftet auf die Leiche sinkt.)

   Die sey der letzte Ku, den mir dein blasser Mund
   Zum Labsal giebt! Verzeih! Vergieb o Freund!
   Die Thrnen waschen Dich! Sieh meine Reue;
   Nie soll ein Lcheln mehr die Stirne heitern!
   Die schwarze Nacht des Grabes soll mich decken,
   Und unbeweint will ich vergessen seyn!

(Man schleppt ihn gewaltthtig von der Leiche.)




                               Monolog.


(Lusian, indem er einem Hfling nachschreyt.)

Er hat den edlen Marsis getdtet, sagst du? ---- Bravo! (Er schlgt in
die Hnde) Bravo Eure Majestt! ---- Bravo Meister Eduard! ---- Eine
Sule von deiner Universalmonarchie hast du selbst wie ein zweyter
Samson eingestrzt, das Dach fllt sicher auf dich, und zermalmet dich
und deine Schmuchler! ---- Gute Nacht wackerer Marsis! (lacht bitter)
Das ist der Dank fr so viele Dienste! Sechzig Schlachten hat er mit
gefochten; sechzigmal hat er fr dich geblutet, undankbarer Knig! ----
Soll man diesen gekrnten Ungeheuern dienen? ---- O wenn ich izt --
Mige dich Lusian! ---- Hinunter steigende Galle! ---- La den Verstand
siegen! Fort aus diesem Raubneste, wo die Tugend stirbt! ---- He Dibald!
Sattle mein schnellstes Pferd! ---- Ich will fliegen! Wenn ich nur
Flgel htte ---- Eduard mag seine unendlichen Kriege selbst ausfechten.
Er hat ein hbsches Stck Arbeit! ---- Hahaha! Kein Lebewohl von ihm!
Ich hasse die Eroberer ---- Fort! Leb wohl du armes Volk ---- lebt wohl
Freunde! ---- Mein Hohngelchter ber Euch verchtlichen Hofschurken!




                                Laune.


   Flieh Satyr fern von mir, du bist ein loser Bube!
   Wie oft jagt ich dich schon aus meiner Stube!
   Du schleichst dich immer wieder ein,
   Und spielest mir am Hofe tolle Streiche.
   Izt soll der Schlu von unsrer Freundschaft seyn,
   Weil ich nicht lange mehr im Staube keuche;
   Von Stdtern fern, und fern von Dir
   Will ich mir dort in stillen Buchen
   Den chten Busenfreund, Horazens Nachbar suchen;
   Der lacht und scherzt mit mir,
   Nicht so wie wir aus weiter Kehle lachten,
   Wenn wir uns beide lustig machten.
   Wie oft durchwhlten wir das grosse Narrenhaus,
   Und zischten die Bewohner aus!
   Zuerst besphten wir die grossen Staatspercken,
   Und fanden selten ein Gehirn.
   Dann prften wir des Hflings hohe Stirn,
   Und schtzten sie viel kleiner als die Mcken.
   Bey Frulein suchten wir die keusche Jungferschaft,
   Allein sie wohnt nicht mehr in Gold und Taft;
   Wie morsch und wie verwelkt sind ihre Herzen!
   Mit Weibern pflegten wir zu scherzen;
   Wir haben sie ein bischen ausgehhnt,
   Weil jede gern den theuren Gatten krnt;
   Sonst sind sie leidliche Geschpfe.
   Dann sprten wir um die gelehrten Kpfe,
   Allein wir fanden Rauch und Wind.
   Die Schmuchler, die am Hofe hufig sind,
   Verdienen sicher ein Gelchter,
   Denn sie vergttern oft den reichen Pchter;
   Ein goldner Pavian scheint ihnen wie ein Gott.
   Sie fhlten auch Herr Bruder, unsern Spott.
   Die Kriecher wurden nicht verschonet;
   Die Gleiner auch mit Streichen reich belohnet.
   Mit einem Wort ich prfte jeden Stand;
   Es ist gewi das ganze hbsche Land
   Nichts weiter als des Tespis Karren,
   Und stolz im Harlekinsgewand
   Spielt jeder seinen Lieblingsnarren.
   Izt bin ich endlich ihrer satt.
   Ich hasse diese Schellenkappen.
   Ich fliehe ghnend Hof und Stadt,
   Und suche Menschen ohne Wappen.
   Vielleicht schmckt die Natur das Land.
   Ich wnsche Mutterwitz, natrlichen Verstand;
   Ein gutes Herz, und reine Sitten
   Find ich vielleicht in kleinen Htten;
   Und hab ich das, was brauch ich mehr?
   Ich schliesse ruhig meine Tage.
   Die ist, was ich mein Faun, dir sage!
   Die merk, sonst sprech ich deutlicher.
   Zu Zeiten will ich deiner noch gedenken,
   Und unsrer Freundschaft Blicke schenken;
   Mehr aber Satyr fodre nicht,
   Man macht sich Feinde, wenn man sticht.




                            Geisterscene.


(Der Schauplatz ist ein Schlachtfeld. In der Ferne sieht man das
verschanzte Lager der Feinde. In der Ebne liegen die Todten und
Verwundeten. Waffen, Pferde, und Leichen sind aufeinander gethrmet. Von
allen Seiten fliehen die Schaaren Eduards. Panisches Schrecken
verscheucht sie. Eduard erscheint mit fliegenden Haaren und mit blutigem
Schwert in der Hand. Donner rollen, Blitze leuchten; ein frchterliches
Ungewitter wtet. Aus den feindlichen Wllen tnen Stckschsse. Es ist
Mitternacht.)

Edu. Ihr feigen Memmen! Wo eilt ihr hin? Zurck! Wider die Feinde! Ich
bin Eduard, euer Knig! ---- Fechtet! ---- Folget mir nach! Ihr
verzagten, wo fliehet ihr hin?

Ein Hauptmann. Unsere Krfte erliegen, die Feinde sind unberwindlich
----

Edu. Sklave stirb! (Er schleudert ihn zu Boden). Zur Schlacht, zum
Gefechte! Hieher! ---- Alles flieht, alles verlt mich! Tod und
Verderben! Ich mu siegen! Ich mu die Feinde tdten! Ich will allein
fechten!

(Ein kniglicher Schatten mit einem Heere von Geistern in einer
majesttischen Schlachtordnung erscheinet. Eduard erstarrt, und steht
wie eine Bildsule mit gestrubtem Haare, und mit druendem
Schwert.)[19]

Edu. Welche Gespenster erblicken meine Augen? ---- Himmel und Hlle
wafnet sich wider mich! ---- Ich bin besiegt, mein Glck sinkt, aus
meinen Hnden fallen die Zepter, und die Kronen entstrzen meinem
Haupte! Entsetzen!

Der k. Schat.
   Sieh an die Opfer deiner Wuth!
   Wie lang wird noch dein Ehrgeiz wten?
   Wie lange trinkest Du noch Menschenblut?
   Die Rache folget deinen Schritten!
   Du bist zur Strafe schon gereift.
   Die Hand des Winters, die den Baum entblttert,
   Hat auch dein kahles Haupt gestreift.
   Bald wird die hohe Stirn zerschmettert!
   Die weise Vorsicht wiegt
   Mit unbestochener furchtbarer Waage
   Die Thaten aller deiner Tage!
   Erwach! Dein Traum entfliegt!

(Die Geister verschwinden unter Blitz und Donner.)

Edu.
   Das Schicksal hemmt den Lauf von meinen Siegen!
   Ich sollte mich vor meinen Feinden schmiegen?
   Nein! Eduard mikennt den Sklaventon!
   Ich sttze dieses Reich und meinen Thron!
   Der Himmel mag mit seinen Donnern druen;
   Die schwarze Hlle mag auf mich Gespenster speyen;
   Ich hhne nur den Schattentro!
   Ich zittre nicht, mein Geist bleibt gro!

[Funote 19: Da unsere kaltbltigen Deutschen nicht wie splenetische
Englnder von einem Geist gerhrt werden; so bevlkert mein Autor die
Scene mit einer Legion Geister. Der Auftritt mu auf der Bhne
frchterlich lassen, und fr Liebhaber der kriegerischen Taktik sehr
interessant seyn. Die Scene ist historischwarscheinlich, weil unsere
Nationalgeschichte ein feines Prbchen von einem Geisterheere giebt.]

(Er eilt wtend fort.)




                             Neue Epopee.
                         Ein heiliger Gesang.


   Die helikonischen Schwestern besangen die Thaten des Knigs.
   Er sah sich von kriechenden Vlkern und Schmuchlern vergttert.
   Knige bebten vor seinem lnderzermalmenden Donner.
   Eilends beschlich der Stolz den eitelkeitliebenden Busen.
   So wie der heisseste Sommer auf paradiesischen Fluren
   Blumenverzehrende Heere der wilden Insekten erzeuget;
   So gebhren die glcklichsten Tage die hlichsten Laster.
   Eduard kannte sich nicht mehr, er wurde von Hochmuth begeistert.
   Wie der donnerkochende Hekla die Gegend verwstet,
   Auf die benachbarten Htten die brennende Lava verspritzet,
   Und die armen Bewohner der Thler despotisch verscheuchet;
   So zerschlug der siegende Knig die bebenden Brger.
   Eiserne Ruthen bestraften sein Volk, und selbsten die Freunde,
   Die ihr Blut und Leben ihm weihten, enteilten dem Hofe.
   Ich bin der Herrscher, so rief er, ich gebe der Erde Gesetze;
   Mein Wink ist heilig, und alles verehret mein gttliches Antlitz.
   Himmlischbegeisterte Snger verewigen meine Trophen,
   Denn mein Rachschwert hat tglich die tapfersten Feinde gezhlet.
   Durch mich fielen die mchtigsten Heere; mich betet die Welt an!
   So rief der aufgedunsene Sieger am Morgen und Abend,
   Und die Ohren der Gottheit wurden vom Frevel beleidigt.
   Wer ist der Mann vom frstlichen Saamen, der dort wie die Ceder
   Bis zu den Wolken die trotzige Stirne mit Khnheit erhebet?
   Hat er denn nicht die Krone von Mir, und von Mir den Segen?
   Hab Ich nicht Vlker und Lnder in seine Verwaltung gegeben;
   Hab Ich ihm nicht die goldenen Zepter zu Fssen geworfen?
   Wie hat dieser Kameleon sich so plzlich verndert!
   Ich will dem wrgenden Parder die zierlichen Flecken verwischen.
   Ich will dein Horn, du Stolzer zerbrechen, und wieder erniedern!
   Bald soll dein blhender Lorbeer verwelken, und Schande dich decken!
   Deine Hnde sollen erschlappen, dein Herz soll verzagen;
   Nicht mehr werden die glnzenden Stralen der Sonne dir leuchten;
   Ewige Dmmerung soll dein Gedchtni verwirren, umnebeln!
   Wohn in stinkenden Grbern, benetze mit Thrnen die Leichen
   Jener unschuldig erwrgten Schlachtopfer der thrichten Ruhmsucht.
   Ich will in dir den mchtigsten Frsten ein Beyspiel bereiten!
   Gabriel, fasse die blutige Sichel, dort reifet die Aernde!
   So sprach zrnend der Alte der Tage; die rollenden Donner
   Brllten durch die hohen Gewlber des staunenden Himmels.
   Feyerlich horchte die ganze Natur, und die zitternde Schpfung
   Auf die allesbeherrschenden Winke des Gottes der Gtter.
   Und der gehorchende Seraph entflog mit hastigen Schwingen.

      Noch berdeckten den schlummernden Erdkreis die nchtlichen
         Schatten;
   Eduard wlzte sich schlaflos auf goldenem Lager, und webte
   Riesenentwrfe fr kommende Tage der Welt zur Erstaunung.
   Als der druende Herold des Himmels die sichern Gemcher
   Majesttisch betrat, und donnernd den Schlfer begrte:
   Ich will das Nest des himmelhochfliegenden Adlers zerstren!
   So spricht der groe Beherrscher der Schpfung. Wer bist du
      Verwgner,
   Der du so khne Gewebe von knftigen Planen gebhrest?
   Wisse, du sest nur Wind, und rndest nur reifes Verderben!
   Augenblickbettler, was macht dich so stolz? Erzhl mir die Thaten!
   Kennst du die grten und kleinsten Geschpfe? Hast du sie
      erschaffen?
   Gabst du der glnzenden Sonne Befehle, der Erde zu leuchten;
   Bist du zu dem geheiligten Buche des Schicksals getreten;
   Hast du der weisen Natur erstaunliche Wunder ergrndet?
   Wechselt durch deinen allmchtigen Wink der Winter und Sommer;
   Kannst du der trockenen Erde den segnenden Morgenthau schenken?
   Oder ist nur dein grstes Geschfte die Vlker zu tilgen?
   Geissel des Menschengeschlechtes erwache vom tuschenden Traume!
   Ich will deinen verfinsterten Augen die Nebel entreissen;
   Aber dann will ich dich wieder mit ewiger Blindheit bestrafen!
   Nur die Erstlinge deiner Regierung sind Opfer der Tugend.
   Du hast die Wege der Demuth verlassen; aus Undank vergessen,
   Wer die Kronen Euch Sterblichen giebt, und wieder entreisset.
   Du gabst die Ehre dir selbsten, die nur der Gottheit gehret,
   Welche dich aus dem mindesten Staube so gtig erhht hat;
   Eben die Gottheit schleudert dich wieder zum Staube zurcke!
   Du sollst irren in Wldern, und hliche Hhlen bewohnen!
   Wenige Stunden sind dir noch zur Reue, zu Thrnen geschenket.
   Trage die Strafe geduldig, und ntze die goldnen Minuten,
   Vielleicht kannst du durch Zhren und Demuth die Allmacht entwafnen,
   Doch izt trinke den Kelch der Rache bis auf die Hefen!
   So sprach der Bothe des Himmels, und flog durch die schwarzen
      Gemcher,
   Und er betubte das Ohr des niedergedonnerten Frsten.
   Gnade! So rief er, indem er mit Zittern dem Lager entstrzte,
   Und im Staube demthig sich wlzte, Herr, schenk mir Erbarmung!
   Sieh, ich bin schon zu Boden geschleudert, gerichtet, verworfen!
   Selbst der Schatten der vorigen Grsse wird von mir verschwinden.
   Meine Pallste sind de, die goldnen Kronen zersplittern;
   Meine stockenden Nerven erschlappen, der Busen verwelket;
   Hangende Wolken lassen sich nieder auf meinem Gehirne!
   Wer bin ich izt, wo wandelt mein Fu, wo find ich die Ruhe?
   Hlfe! Hret mich niemand? Bin ich von Himmel und Erde
   Grausam verlassen? So rief er betubt, und strzte zur Pforte,
   Irrte durch Wlder, und Grber, und ward den Verbrechern zum
      Schrecken.
   Nur in seltnen Minuten gab ihm das Schicksal die Ruhe;
   Seine Vernunft erwachte zu Zeiten, das Elend zu fhlen,
   Und nieversiegende Thrnen benezten die sterbenden Augen.




                Fortsetzung der geheimen Nachrichten.


Der alte Patriot Alsin starb. Salinia erschien izt wieder am Hofe, denn
der kluge Vater hielt sie entfernet. Die alte Liebesflamme ward im
Herzen Eduards rege. Alidia erkannte bald diese furchtbare
Nebenbuhlerin. Sie beschlo dieselbe zu verderben. Da sie ihr aber mit
offenbarer Gewalt nicht beykommen konnte, schlich sie sich in das
Vertrauen dieser Schnen. Sie besuchte ihre freundschaftlichen Kreise,
wobey der Knig selbst erschien. Sie bemerkte scharfsichtig, da Salinia
in den schwlen Sommertagen sich mit sssen Getrnken erfrischte, sie
sphte glcklich den gnstigen Augenblick Gift in eine Milch zu mischen.
Durch ein trauriges Ungefhr trank auch der Knig davon, und fhlte der
Erste die Wirkung dieses knstlichen Giftes. Die Aerzte wurden zwar
eilends gerufen; aber sie kamen zu spt; eine tdtliche Schwche befiel
den Knig, und die Krankheit artete in eine Verrckung und endlich in
eine Hirnwuth aus. Salinia fhlte bald die nmlichen Anflle, nur mit
minderer Gewalt. Man forschte vergebens nach dem Thter. Alidia verbarg
zwar ihre Schande; aber sie geno nur halb den Sieg ihrer Rache, weil
der Tod Eduards alle ihre ehrgeizigen Absichten vereitelte.




                             Hexenscene.


(Eine weite Ebne. In der Mitte steht auf einem Hgel ein Hochgericht mit
einem Galgen, worauf ein Gehenkter den Raben zum Mahle dient, daneben
ist eine zerstckte Leiche nach dem Henkerkostum auf ein Rad geflochten.
Auf der Erde sind einige Grber gefnet, und Schedel und Knochen liegen
herum. Eulen und Dolen krchzen. Es ist Mitternacht. Der Mond wirft
blasse Stralen.)

      Medea, Megra, hernach Satan, Alcina, Armida, viele Hexen,
                         Teufel, und Geister.

(Medea erscheint auf einem Drachenwagen. Megra fhrt auf feurigen
Basilisken. Die andern Hexen erscheinen standesmig auf Besemen und
Ofengabeln. Ganze Schaaren Fledermuse begleiten sie.)[20]

Medea zur Megra.
   Frau Schwester, wie entehrt ist unsre Zauberkunst!
   Sieh, wie profan sind diese Weiber!

Megra.
   O ihre Kenntni ist auch lauter Dunst!
   Ein blder Geist belebt die wilden Leiber.
   Welch ein Geschmack beherrscht die alten Feenkreise!
   Betrachte nur die pbelhafte Weise,
   Wie man Versammlung hlt.

Med.
   Was seh ich! Pluto wird zum Luzifer entstellt!
   Ich wei mich nicht in den Schnikschnak zu finden;
   Ich werde bald von hier verschwinden;
   Frau Schwester ganz gewi, ich bin aus meiner Welt!

Meg.
   Ich will nur sehn, was denn die Hexen machen;
   Wir wollen heut gelegenheitlich lachen.
   Wie ist das ganze Volk so lppisch dumm!
   Sie wissen nicht einmal die wahre Sprache.
   Ein Besem ist fr sie ein Drache.
   Hahaha! Ich lache mich heut sicher krumm!

Med.
   Und doch sind die Geschfte wichtig.

Meg.
   Die Menschen denken izt zu flchtig,
   Fr sie ist unsre Kunst zu mystisch zu abstrakt:
   Die Hexen stehen izt mit Teufeln in Kontrakt.
   Wir bleiben Geisterkniginnen,
   Und lassen uns nicht mehr vom Vorurtheil umspinnen.
   Jedoch Alidien steh ich aus Freundschaft bey,
   Und mache sie noch heut vom Liebeskummer frey.
   Die Hexen sollen mir die Eselohren spitzen,

[Funote 20: Der Autor bemerkt sehr scharfsinnig den Hexenkostum, und
theilt sie in alte und neue Hexen. Die Alten haben mehr Anstand und
Wrde, wie die alten Furien und Schatten unsere neuen Teufel und Geister
beschmen. Die Damen sprechen brigens wie die Freymurer; die alte Loge
schimpft ber die Neue, und jede behauptet das wahre Geheimni zu
besitzen. So viel ich als ein profaner Kommentar.]

Med.
   Ich bleibe stts in meinen Wagen sitzen,
   Inde man sich vielleicht beym Hexensopha schlgt,
   Bis Meister Satan selbst sich in das Mittel legt.
   Jedoch ich sehe schon die Rathsversammlung glnzen;
   Die Rednerinn beginnt mit gothischen Sentenzen.

Meg.
   Wie hoch sie ihre Nase trgt!

(Alcina neiget sich gegen Satan.)

Alc.
   Das Circular belehrt bereits Euch weise Damen,
   Was unser Zweck in der Versammlung ist.
   Ihr kennet auch den edlen Namen,
   Der Suplikantinn, die uns bittlich grt.
   Selbst Vater Satan will uns heut beehren,
   Das ganze Gremium als Meister zu belehren.

Sat.
   Mesdames, stts theuer ist mir eure Gegenwart,
   Das schwr ich euch, wie Mahomet beym Bart!
   Verzeihet, wenn ich oft die Worte stockend breche,
   Ihr wisset, da ich stts franzsisch spreche.
   Empfanget die Recept zur magischen Arzney.
   Die Geister bringen Euch die Species herbey.
   Ich wei kein Mittel sonst, der Teufel soll mich holen![21]
   Macht eure Sache gut, und hiemit Gott befohlen.

(Armida steht auf.)

Armid.
   Da ich gewi die beste Kchin bin,
   Das werdet Ihr doch nicht in Zweifel ziehn?
   Ich lernte meine Kunst von Wllschen und Franzosen!

Alcin.
   Wir werden um die Wrde loosen!
   Seht, mich hat selbst das Glck gewhlt,
   Ich fhle mich bereits durch ein Instinkt beseelt!

[Funote 21: In einer Shakespearischen Zerstreuung hat der Dichter hin
und wieder sich vergessen. ^Bonus dormitat Homerus!^ wrde ein Warburton
sagen; ich aber glaube, der Dichter wollte schlafen; also gute Nacht!]

(Die Geister setzen einen grossen Kessel auf das Feuer; die Hexen tanzen
herum mit fliegenden Haaren. Die Teufel werfen die gefoderten
Ingredienzen in den Kessel, und eine abscheuliche Musik beginnt.)

Alcina.
   Ihr tanzenden Hexen,
   Werft Schlangen, Eidexen
   In dieses Gef!
   Bringt schwarze Dmonen,
   Noch sechs Scorpionen
   Zum Hexenproze!

                           Chor von allen.

   Von neuen Brochren
   Das Schandprotokoll;
   Sechstausend Vampiren,
   Der Kessel ist voll!

Medea.
   Verjagt den Hexentro aus diesem Schreckenorte!
   Komdiantisch wird die Wissenschaft verhunzt!
   Hr Schwester, wie die Prsidentin grunzt!
   Sind dieses mystische und zauberische Worte?
   Hrt Stmperinnen mich!
   So fnet man die Hllenpforte.
   Wollt Ihr doch Hexen seyn; so sprecht wie ich!

(Eine pathetische Musik beginnt mit seltnen erschtternden Tnen. Eine
feyerliche Stille herrscht.)

Med.
   Hr mich geweihter Styx, strm feurig Acheron!
   Halt deine Fluten ein, erzrnter Phlegeton;
   La deine Schatten izt zu meinen Beystand fliegen!
   O Pluto hre mich! Erscheint ihr Furien!
   Proserpina belohn mit Lcheln dieses Flehn!
   La stts Alidien mit ihrem Reize siegen,
   Und Eduard soll sich in ihre Fssel schmiegen!
   Der Donner rollt; Zevs ist vershnt,
   Und meine Bitten sind gekrnt!

(Sie entflieht mit ihrer Freundinn siegreich, und die Hexenversammlung
geht beschmt auseinander.)




                                Scene.


                         Abt Mauritz, Lusian.

Lus. Wie gesagt, Herr Abt, die arme Salinia ist sehr krank. Vielleicht
leidet sie mehr im Geist als im Krper. Besuchen Sie das gute Frulein,
Mnner wie Sie haben immer Trostgrnde vorrthig.

Maur. Ich mu izt geschwind zum Knige, er will beichten; ich bin gleich
wieder hier ----

Lus. O Herr Abt, die Beicht eines Eroberers wird lang dauern ----

Maur. Nichts weniger! Zu Zeiten giebt man in zwey Minuten den Segen ber
ganze Kriegsheere. Gewisse Handlungen sind zu sehr verwickelt, man mu
sie nicht auflsen, sondern wie Alexander, der ein geschickter Feldpater
war, den Knoten in Stcken hauen. Ich eile ----

Lus. Es lebe die geistliche Krze!




                           Generalbericht.


              Der Knig, Abt Mauritz sein Gewissensrath.

(Der Knig liegt im Bette. Der Beichtvater sizt an der Seite, und fhlt
an den Puls.)

Edu. Mein lieber Abt, ich habe einige ausserordentliche
Gewissenszweifel, die ich sonst nie fhlte ----

Abt. Eure Majestt handeln sehr gromthig mit ihrem Gotte; andere groe
Knige wissen nicht einmal, da ein Gott ist. Die Gewissenszweifel sind
eine Gattung schwerer Trume. So ein Alp entsteht vom dicken Geblte.
Wie befinden sich Eure Majestt?

Edu. Schlecht! Ich werde sterben ----

Abt. Knige sind unsterblich! ---- Ich spreche Eure Majestt los von
allen Snden, die Sie begangen haben, und knftig begehen werden, denn
alles, was wir auf Erden lsen, das ist auch im Himmel gelset! ----
Ueberdie haben die Knige und besonders die Helden und Eroberer gewisse
Freyheiten, wie die Dichter. Was fr den gemeinen Pbel Todsnde wre,
ist fr Durchlauchtige Snder hchstens eine Lliche! Auf ein Paar
Stunden in das Fegfeuer, so ist der Spa gar! Das verstehn wir aus der
Kunst. Ein armer Teufel mu inde in der Hlle zappeln, da wird Heulen
seyn und Zhnklappen!

Edu. Auf meine Zweifel zu kommen ----

Abt. Dafr wei ich geistlichen Seelenrath ----

Edu. Ich liebte das schne Geschlecht ----

Abt. Kleinigkeiten. Der weise Salomon hatte viele hundert Kebsweiber. Es
giebt Schwachheiten, die den Menschen und nicht den Knig betreffen. Man
kann ein schwacher Mensch, und grosser Monarch seyn. Der Gesalbte des
Herrn, David war nicht unempfindlich fr das schne Geschlecht, wie uns
die Schrift sagt. Klopfen Eurer Majestt mit einer politischen Reue an
das Herz mit den Worten: ^mea Culpa, mea maxima Culpa!^ Ich werde einige
Messen lesen, ^multum enim valet deprecatio justi assidua!^ Sagt der
heilige Jakob ---- Enthalten sich auch Eure Majestt der
Gewohnheitssnden, bis Sie wieder genesen ----

Edu. Was denken Sie von meinen Eroberungen?

Abt. Eure Majestt sind Adams Erbe. Er war Knig der Welt. Gott selbst
sezte den Menschen zum Herrscher ber alle Thiere! Ich habe bedchtig
alle Kriegserklrungen durchblttert, sie reden alle von lauter
gerechten Waffen.

Edu. Lieber Abt, glauben Sie also, da ich fr so viel Arbeit den Himmel
erbe?

Abt. Wenn ich Eurer Majestt so viele Welten versprechen knnte, als ich
Ihnen Freuden des Himmels zusagen kann, wie viel Welten wrden Sie
erobern!

Edu. Ich danke fr ihren guten Willen und frommen Wunsch. In meiner Lage
wird mir eine Welt zu schwer.

Abt. Das ist die schnste Verfassung eines Christen. Ihre Seele ist mit
dem Schpfer ausgeshnt. Beten Eure Majestt zwey Vater unser ---- ^et
ego te absolvo a peccatis tuis^ u. s. w.




                           Scene bey Hofe.


                  Der Knig, Beliam, hernach Isidor.

Bel. Ich suchte dich berall! Neuigkeiten ber Neuigkeiten!

Edu. Was bringst du mir Narr?

Bel. Man sagt, du seyst, was ich bin ----

Edu. So sey du das, was ich war!

Bel. Der Tausch gefllt mir.

Edu. Hast du Herz?

Bel. Herz? Willst du ein Metzger werden? Ich habe Herz, so viel ein Narr
bedarf; aber es ist nicht kuflich!

Edu. Du bist mein Mann! ---- Ich suchte lang ein grosses Genie. Ich will
deine treuen Dienste belohnen. Ich ernenne dich in dieser schriftlichen
Vollmacht zum Statthalter ber Jerusalem, das du erobern sollst!

Bel. Ich? Hahaha! Du verschenkst, was du nicht hast. Meister, du sollst
Pabst werden, und den fnften Welttheil verschenken. Ich ein
Statthalter! ---- Ich, in meiner nrrischen Person! -- Vater Eduard,
wach auf! Du schlfst!

Edu. (geheimnivoll) Hr: Es ist ein heiliges Gelbde meiner Kindheit
----

Bel. Kindheit? Ja wohl ---- Die Menschen werden wieder Kinder ----

Edu. Wir mssen die heiligen Lnder dem Erbfeinde der Christenheit
entreissen! Eil, flieg, sammle ein Heer, rei diese heilige Sttte aus
den Hnden der Unglaubigen! Ich bin dein wohlgesinnter Knig!

(Er geht majesttisch ab.)

(Beliam sieht ihm eine Weile nach, betrachtet bald den Knig bald das
Papier, und staunt ber den Auftrag.)

Bel. (Er singt) Einst war der Lwe toll und voll! ---- Hahaha! Leben Sie
wohl Herr Kollega! ---- Ich ein Statthalter! ---- Und warum nicht! ----
Pansa der Grosse hchstseligen Angedenkens spielte auf dem Schauplatz
der nrrischen Welt meine Rolle, und war ein preiwrdiger Statthalter,
der so gut essen, trinken, schlafen, und mehr solche Staatsgeschfte
verrichten konnte, als jede Durchlaucht und Excellenz. Das Glck kt
dich; wenn Knige rasen, machen Narren ihr Glck! ---- Kein Teufel soll
mir meine Wrde entreissen! ---- Aber wo nehme ich Kriegsleute her? -- O
das will ich klger machen, als alle gescheiden Leute! Ich leere alle
Krankenhuser, und Spitler, Krppeln und Ungeheuer, Zwergen und
Migeburten und allen migen Tro menschlicher Hefen will ich in die
Schlacht fhren, diese kann der Feind tdten. Die schnen Leute will ich
aufsparen, die leeren Stdte zu bevlkern. Hahaha! Welch ein grosser
Politiker bin ich geworden! Da mgen die Staatsleute in die Schule gehn;
sie schicken die Riesen der Nation auf die Schlachtbank, und verwandeln
die Stdte in Pygmennester!

Isid. So in Gedanken Narr? Beliam, was macht dein Esel?

Bel. Er ist vorgerkt, der Knig macht ihn zum Hofjunker, er wird dein
Kamerad!

Isid. Mit dir ist nicht gut scherzen ----

Bel. Das kmmt daher, weil ich ein grosser Herr bin, und mit grossen
Herren ist nicht gut Kirschen essen, sie werfen den Gsten die Stengel
in das Gesicht! ---- Ich bin izt Statthalter von Jerusalem!

Isid. Hahaha!

Bel. Nur kein voreiliges Gelchter! Hier ist die knigliche Vollmacht!

Isid. Hahaha! Der Knig ist verrkt ----

Bel. Das ist seine Sache! Ich rede nur von mir. Genug ich bin
Statthalter, und eile meine Staaten in Besitz zu nehmen. Es wird viel
Blut und Tinte kosten! Leb wohl! Ich bleibe dir mit meinen Gnaden
gewogen, wir Beliam der erste Statthalter von Jerusalem, Mehrer des
Reichs und so weiter!

(Er geht stolz ab.)

Isid. Hahaha! Warte Bengel, ich will dir Trken ber den Hals schicken!
---- Vielleicht kann so eine Mummerey den kranken Knig ermuntern.

(Er eilt fort.)




                         Scene im Tollhause.


(Beliam, Rotando ein Maler, Martius ein Mnch, Spilon ein Poet, viel
andere Narren mit allerhand Spielwerk. Es ist die Erholungsstunde.)

Beliam. (rechnet in seiner Schreibtafel) Zweyhundert Buklichte! ----
Sind oft verschmitzte Kpfe! ---- Zweyhundert Lahme! ---- O das sind
standhafte Leute! ---- Vierhundert allerley Tro, Seiltnzer, Gaukler,
ein Ausschu von Halunken! Bravo! Meine Werbung geht hastig! Alles
gelingt! Wem Gott ein Amt giebt, dem giebt er auch Verstand! ---- Euer
Diener meine Herren Kollegen!

(Die Narren umringen ihn.)

Beli. Ich habe vom Knig als sein Statthalter den Auftrag, Jerusalem zu
erobern. Der Ruhm meiner Heldentaten ist Euch gewi zu Ohren gekommen.
Wer hat von Euch Herz genug, meiner Fahne zu Folgen? Ich habe
Knigreiche zu verschenken!

(Martius eilt hastig hervor, umarmet ihn, kniet nieder mit Grimassen,
pocht an sein Herz, hebt die Hnde betend zum Himmel, und nach einem
leisen Schugebethe springt er auf, und drckt den Beliam an seinen
Busen.)

Mart. Dank sey dem gtigen Himmel! Der seinem unwrdigen Knecht Martius
diese heilige Stunde schenkte. Endlich ist er gekommen dieser edle
Befreyer. Ich hatte durch hundert funfzig Nchte Erscheinungen und
Gesichter; alle verkndigten mir die nahe Befreyung der geheiligten
Mauern. Sey mir gesegnet du Zgling des Himmels! Ich habe bereits der
Welt deine Ankunft geweissaget; aber die undankbaren Menschen, ber
welche der Zorn Gottes eine ewige Blindheit gesandt hat, haben meine
Wahrheiten und brderlichen Warnungen zu Lgen gemacht, und mich in das
Tollhaus gesperrt.

Beli. Das ist eben der Sammelplatz grosser Genien! Du hast also bereits
von meinen Siegen getrumt! Desto besser! Wer bist du?

Mart. Ich bin ein Kirchenlehrer!

Beli. Heiliger Vater, du sollst mein Generalfeldpater werden! Wenn wir
keinen Bissen Brod zu kauen haben; so schreibst du dem Heere Fasten vor.

Rot. Auch ich trete in deine Kriegsdienste!

Beli. Wer bist du?

Rot. Ich bin der weltberhmte Maler Rotando! Ich male die Gedanken der
Menschen. Ich werde deine Schlachten und Strme fr die Nachwelt
verzeichnen.

Beli. Du bist mir willkommen! Ich will meinen Heldensaal mit
Schlachtgemlden ausschmcken!

Spil. Auch ich schwre zu deinem heiligen Panier! Ich bin der
unsterbliche Spilon, dessen dichterisches Genie alle Welten bewundern;
selbst im Archiv des Himmels werden meine posthumen Werke als ein Schatz
aufbewahrt. Ich werde wie die alten Barden allen Schlachten beywohnen,
und die blutige Mordgeschichte in Bardenliedern verewigen. Das soll ein
unsterbliches Bardiet werden!

Beli. Nun sind alle Narren beysammen! ^Cuncta licent stultis pictoribus
atque poetis!^ Die Unternehmung verspricht viel. Kommt meine Freunde,
wir wollen noch mehr Proseliten suchen.




                     Scherzhaftes Heldengedicht.


   Gttinnen des Gedchtnisses, die Ihr unsterbliche Thaten
   In dem goldenen Buche der rhmlichsten Helden verzeichnet,
   Spht izt mit forschendem Ohre die weisen Orakel der Musen!
   Niemalsgehrte Geschichten, verstandbersteigende Wunder
   Werden auf der durchlauchtigsten Bhne des Krieges erscheinen.
   Beliam nhert mit jauchzenden Schaaren der tapfersten Krieger.
   Muse, beschreibe du selbsten wie dort bey Troja die Heere,
   Mal mit Homerischem Schwunge die Fhrer der stolzen Geschwader!
   Beliam dieser denkwrdige Feldherr war schreckbar bewaffnet.
   Selbst Donquixote war nicht so tragischkomisch gerstet.
   Und wie der weiseste Pansa sich zu dem Esel herablie;
   So nahm Beliam auf den Rathschlu des heiligen Lehrers,
   Einen arkadischen Enkel aus Demuth zu seinem Gefhrten.
   Nach ihm trabte zu Fusse der grosse Prophet halbbewaffnet.
   Eine Hand fhrte das Kreuz, die andre die blutige Fahne.
   Wunderbar wie ein Centaur betubt er mit beiden Gestalten
   Jedes Auge, das ihn so seltsam vermummet erblickte.
   Ihm folgten zweyhundert der tollesten Ritter der Erde.
   Mancherley waren die komischen Waffen, erfindsam die Kleidung.
   Harlekins witzige Maske, die Wllschland erfand, und vergttert,
   Ist nicht so bunt, und so neu, wie jene der rstigen Haufen,
   Die fr Jerusalems Mauern als Kmpfer das Rachschwerd ergriffen,
   Ihnen folgte Rotando mit einer Riesenpercke,
   Mehr zur Jagd als zur Hochzeit bestimmt, erhob sie die steilen
   Lockengebsche, und streute bey jeder Bewegung des Windes
   Auf das frohlockende Heer die sonnenverfinsternden Wolken.
   Er war im Schlafrock geharnischt, und schreckbar mit Pinseln
      bewaffnet.
   Ihn trug ein bescheidener Gaul, der Haber verschmhte,
   Dem bey philosophischer Migkeit Stoppeln begngten.
   Diese strengere Lebensart schuf ihn zu einem Gerippe.
   Er war mit Rosinante verwandt, und des Bucephalus Enkel.
   Seine Familie fhrte das Schicksal durch Wunderepochen.
   Hundert buklichte Helden, und hundert Ritter auf Krcken
   Folgten als Reisige dem majesttischen Winke des Fhrers.
   Dann kam Spilon ein Barde, gleich edel als Dichter und Fechter.
   Er hat den heiligen Musen, und auch dem Kriegsgott geopfert,
   Und er war zweyfach bewaffnet, bald Blut bald Tinte zu giessen.
   Ihm folgt' ein Tro von Gauklern, und nchternheithassender Zecher.
   Sie berjauchzten mit donnernden Kehlen die schwankenden Schaaren.
   Und der heilige Martius, diese hellleuchtende Fackel
   Des Jerusalemsttzenden Heeres begann izt die Rede:
   Tapfere Kmpfer und Helden des Glaubens uns winken die Lorbeern.
   Entweder tilgen wir heut die mahometanischen Lgen,
   Oder wir sterben als Mrtyrer durch die Hnde der Heyden;
   Engel fhren uns jauchzend in jene Gefilde des Himmels,
   Und die Erde verewigt uns auf frommen Altren.
   Leben und Tod verschnern wir heut, wir werden verewigt!
   So rief dieses erhabne Kirchenlicht zu der Gemeinde.

      Aber ein schwarzes Gewlke von Staube bezeugte die Ankunft
   Feindlicher Schaaren, und Beliam reihte die muntern Geschwader.
   Er gab den Flgeln die Stellung, und whlte sich selbsten die Mitte.
   Er ritt lchelnd und muthig zur glnzenden Spitze des Heeres,
   Und begrte die edlen Gefhrten mit donnernden Worten:
   Brder, ein jeder von Euch ist rhmlich mit Narben bezeichnet!
   Eure gebrochenen Knochen beweisen die edle Verachtung
   Eines gleichgltiggewordenen Lebens; so reift man zum Helden!
   Dort ist der blumichte Gleis, wo wir die Lorbeern erbeuten.
   Unsere Feinde von Wollust entnervet mikennen die Pfade.
   Wie lang sollen noch eure Talente so fruchtlos verwelken!
   Euer Vaterland giebt Euch nur Ketten; dort rnden wir Kronen!
   Lat uns die schndliche Knechtschaft mit goldenen Zeptern
      verwechseln!
   Hier drckt Euch Armuth und Schande, dort lcheln Euch Reichthum und
      Ehre!
   Eure Krcken und Pflaster knnen Euch besser bezeugen,
   Was ich vom schwrzesten Undank des Vaterlands flchtig berhre.
   Welcher Frevel! Mit solchen Genien Spitler bevlkern!
   Eure zermalmten Gebeine, und meine gewichtigen Grnde
   Mssen Euch heut im blutigen Schlachtfeld beharrlicher machen.
   Ihr seyd von der Mutter Natur zu Helden gebohren.
   Hinkte nicht Tamerlan, nikte nicht Alexander der Grosse
   Mit dem Haupte; begreift Ihr die weisesten Schlsse der Vorsicht?
   So sprach der ruhmbegierige Feldherr, und rauschender Beyfall
   Krnte die siegende Rede. Die muthigen Herzen entbrannten,
   Und die Heldentrompete gab schon das Zeichen zum Angriff.

      Komm izt unsterbliche Muse, die Du zu schwarzen Gemlden
   Augenerschtternde Farben vermischest, und Schrecken entlockest,
   Zeichne mit blutigem Pinsel die schauererregende Kmpfe.
   Brllendes Schlachtgeschrey stieg zu den Wolken auf feindlicher
      Seite;
   Isidor fhrte die Trkengeschwader mit rhmlichem Feuer.
   Er begrte Beliams Schaaren mit lautem Gelchter;
   Aber der Spott ward theuer gebsset; sie strzten wie Lwen
   Unter die staunenden Feinde; sie warfen die Reihen zu Boden;
   Und die buklichten Ritter erkletterten Menschengebirge.
   Wie viel gedchtniwrdige Thaten wurden begraben!
   Beliam schleuderte khn den fettesten Trken zur Erde,
   Er fiel wie schmetternde Fichten, und konnte sich nicht mehr
      erheben.
   Er lag wie Elephanten von eignem Gewichte belastet.
   Martius selbsten balgte sich weidlich mit den Saracenen.
   Sieg auf Sieg wurde gethrmet. Schon jauchzten die Christen;
   Riefen den frohen Triumph: als aus der neidischen Hlle
   Eine Furie stieg, und auf die kmpfenden Schaaren
   Pltzlich einen gewaltigen Hagel von Schlossen herabwarf.
   Die mit Beulen belasteten Krieger empfanden die Schlge,
   Einige fielen, andre verliessen mit bangem Geheule
   Das so siegreicherfochtene Schlachtfeld, und liessen die Lorbeern
   Ihren Feinden zur Beute. Die Lahmen vergassen die Krcken.
   Pflaster, Verbnde, Waffen, und Kleider lagen zerstreuet.
   Doch der seltene Zufall, der die grsten Epochen
   Auf dem Schauplatz der Erde mit hastiger Eile bereitet,
   Suchte den schwrmenden Eduard. Du zauderst die Helden zu sttzen,
   Welche die saracenischen Greuel mit Allmacht zerstren.
   Nur ein feindliches Schicksal raubt ihnen erfochtene Palmen.
   Folg mir! Er folgte, und sah die flchtig gewordenen Schaaren.
   Wo eilt Ihr hin? kleinmthigen Memmen, erkennet den Knig!
   Ich bin Eduard, dessen Thaten die Nachwelt bewundert.
   Hrt doch die Stimme der Ehre! Wir fhren Euch wieder zum Siege.
   So rief er, und ri die Krcke dem Ersten vom Arme.
   Kehrte mit ihnen zum Schlachtfeld wie Samson bewaffnet zurcke.
   Izt erfocht er unsterbliche Siege. Die Trken erstaunten,
   Baten um Gnade; sie nannten sich selbst allerchristlichste Sklaven.
   Aber vergebens, ein rasender Ajax, ein zweyter Orlando
   Focht hier verzweifelt; das menschliche Mitleid verwarf er, und
      fllte
   Freund und Feind, bis er entkrftet das blutige Schlachtfeld
   Keuchend kte. Da lag er mit ewigen Lorbeern gekrnet.




                        Scene im Schlachtfeld.


    Eduard. Beliam, Isidor, Spilon, Rotando, Martius, Krieger von
                            beiden Heeren.

(Es regnet. Der Knig erholet sich. Beliam erhebt sich von der Erde.
Rotando gukt aus seiner grossen Percke. Martius winselt, und verbindet
sich den Kopf mit dem Schnupftuch. Andere Narren machen verschiedene
Grimassen.)

Edu. Wo bin ich? Welcher khlende Balsam erquicket mich! Ha! O du Thau
des Himmels, du belebst mich wieder! ---- Wie, auf dem Schlachtfelde!
Welche Leichen sind rings um mich! ---- Welch ein banges Gewinsel
erschttert meine Ohren! ---- O Menschlichkeit, du weinest! ---- Welche
neue blutigen Opfer hab ich meinem Ehrgeize geschlachtet! ---- Fort
hlicher Anblick! ---- Ich enteile meiner Schande! ---- Hier stinkt
Menschenblut! ---- Brderblut.

(Er eilt fort, und gleitet ber Beliam.)

Bel. Guten Morgen Meister! Wir armen Mordgesellen haben deine eiserne
Ruthe gefhlt. Du hast uns wie Stiere geschlachtet, und der Himmel
wssert uns izt zu Stockfischen. Sieh, wie es regnet!

Mart. O weh! Ich bin ein Mrtyrer! Ich habe Lcher im Kopf; aber ich
dulde alles mit Gelassenheit fr den Glauben! ---- O weh!

Rotand. Ich mu das Schlachtfeld abzeichnen! Welche malerische Gruppe!
---- Das wird ein Meisterstck!

Isid. Mein Spa bekmmt mir bel. Alle Ribben sind mir zermalmet ----

(Spilon hebt sich mit tragischen Tone.)

   Sing unsterbliche Muse die ewigen Thaten der Helden,
   Welche mit Lorbeern geschmcket das blutige Schlachtfeld bedecken.

Edu. (indem er starr das Schlachtfeld anstaunet.) Seht! Sie stehen auf!
Sie rufen zum Himmel wider mich! ---- Rache! Rache! ---- Wie das Blut
unter meinen zitternden Fssen strmet! ---- Horcht! ---- Das ist die
Posaune! ---- Der Weltrichter eilet daher! ---- Die Todten stehen auf!
---- Zum Gerichte!

(Er eilt fort.)

Bel. Wunderbare Wirkung des Ehrgeizes! Ihn macht er zum Narren, und mich
heilt er von einer eingewurzelten angebohrnen Narrheit. Die kleine
heilsame Aderlsse, die heldenmige Bewegung hat mein Blut verdnnet,
und mein Gehirn aufgeheitert. Izt bin ich ein gesunder Kerl. Lebwohl
Statthalterschaft, ich liebe den Frieden, und esse mein Stckchen Brod
gern in Ruhe. Ihr meine unsterblichen Schlachtgenossen, kehret in des
Himmels Namen in euer Tollhaus zurck, wo der dankbare Staat eure
Verdienste reichlich belohnen wird, Lebt wohl!




                                Scene.


              Ein Hofplatz. Beliam, Viele Leute, Isidor.

(Beliam hat eine grosse Feldtrommel, eilt mit Lrmen ber den Hauptplatz
der Burg. Das Volk sammelt sich in einen Kreis; er zieht ernsthaft eine
Schrift aus dem Busen, und liest.)

Bel. Kund und zu wissen sey hiemit jedem, der es wissen soll, und Ohren
hat, da Seine Majestt unser allergndigster Monarch Eduard der Grosse
seinen Verstand verloren hat, wer solchen gefunden hat, wird gebeten,
ihn in die Burg zu bringen. Der Finder soll kniglich belohnt werden!

(Das Volk murmelt; viele lachen. Beliam schlgt seine Trommel und geht
weiter.)

Isid. Narr, suchst du einen Schoohund?

Bel. Da mte ich Dich suchen! ---- Ich suche den Verstand des Knigs
----

Isid. Er hat ihn verloren ----

Bel. Er war der Einzige am ganzen Hofe, der noch einen Verstand
verlieren konnte, denn die Uebrigen hatten keinen zu verlieren, oder
haben ihn schon lang verloren. ---- Glckliches Volk, das du einen so
weisen Knig hast, der seinen Verstand verlieren konnte! ---- An wenig
Hfen wird getrommelt. Ich bin der Erste vielleicht auch der Letzte, der
kniglichen Verstand sucht!

(Er eilt fort, ihm folgt lachend das Volk.)

                      Ende der vierten Kaprizze.




                         Der Tod Eduards.[22]
                           Fnfte Kaprizze.




                                Scene.


(Ein abgelegener Theil des kniglichen Pallastes. Im Grunde die Pforte
zur Grabsttte des kniglichen Hauses.)

    Einige Hflinge, der Leibarzt, Hofdiener, und Damen stehen im
      Haufen und sprechen mit einander. Einige kommen von einer
      Seitentreppe herab; andere entfernen sich wieder. Hernach
     schleicht tiefsinnig Eduard daher, er ist seltsam mit bunten
                          Federn geschmckt.

Der Arzt. Ich habe wenig Hofnung zu seiner Genesung! -- Seht da kmmt
dieses zertrmmerte Meisterstck der Natur! O ich mchte weinen!

[Funote 22: Die Zeitgenossen sind ungewi ber den Tod Eduards. Sein
Dichter ntzt also diesen gnstigen Umstand zu einer musikalischen
Variation, und bedient sich dieser Freyheit mit desto grsserm Rechte,
da die Natur selbst ihre theuren Kinder auf verschiedenen Gleisen vom
Leben zurckruft, und die Aerzte als getreue Nachahmer dieser zrtlichen
Mutter noch immer ungewi sind ob sie ihre Kranken bey Gelegenheit der
zehntausend lateinischen, griechischen, englndischen, franzsischen und
unendlichen Gattungen der Krankheiten mit Krutern oder Sften aus der
Welt versenden sollen. Wie sehr die Dichter alles verschnern mssen,
das zeigen uns die empfindsamen Alten. Wir nehmen zum Beyspiele nur die
Geschichte des Herkules her. Wollte eine gemeine Feder seinen Tod
erzhlen; so wrde man lesen: eine Buhlerin beschenkte den Helden mit
einer galanten Krankheit; er vernachligte die ersten Anflle, ward von
einem griechischen Scharlatan bel geheilt, und starb. So wrde ein
kaltbltiger unschmackhafter Geschichtschreiber die wichtigste Epoche
von der Vergtterung des grsten Helden des Alterthums erzhlen. Aber
wie sinnreich wendet der Dichter die ganze Begebenheit! Eine Furie
steigt aus der Hlle, wirft ein vergiftetes Nesseltuch auf die Erde in
dem Schlafgemach der eiferschtigen Geliebten; die Geschenk wird dem
Helden gesandt; ein Feuer durchglht ihn; er wirft sich auf einen
Scheiterhaufen, und wird in den Olymp aufgenommen. Welche
Verschnerung!]

Edu. Wo bin ich denn? ---- Was fr Menschengesichter! -- (Er beschaut
die Hflinge) Es ist meine Gallerie! ---- Lauter Gemlde! ---- Worte
ohne Empfindung! ---- Wenn ich Knig wre, ich wollte Mohren bleichen!
---- Wir alten Leute, Madame, gelten nichts! ---- Andere Kunstwerke
schzt man, wenn sie alt sind; aber alte Exknige ---- Mehr Dunger auf
die Genien! ---- Schttet die Giekanne reicher aus! ---- Seht, wie sie
blhen! ---- Die Gesetze der Weisheit leben auf! (Er fat einen Hfling)
Lebst du auch noch, morsche Schiescheibe? Den kniglichen Spa httet
ihr sehen sollen! Ich malte dieses Mnnchen wie ein Kartenmaler auf
diese runde Tafel; alle Narren schossen auf ihn! Hahaha! Armer Gnstling
eines Knigs! Der Neid ---- Die Schminke ist verboten! Weg ihr Hflinge!
Wascht eure Gesichter! ---- Ist denn heut Maskenball? Ja ja! Hier ist
meine Larve! ---- Wie mich das Unglck in den April schickte! Nicht
wahr, ihr alten Krieger, wir haben Meermuscheln eingesammelt? ---- Eine
prchtige knigliche Sammlung! Kaligula war der erste Naturalist! --
Mein Kopf ist berlastet! -- (Er reisst die bunte Federkrone vom Haupt,
und beschaut sie) Aleid trug eine Lwenhaut, wit ihr warum? ---- Weil
er mit Lwen kmpfte! ---- Wir tragen wie die Mohren Vogelfedern, weil
wir Papageyen und Gmpel rupften! ---- Hahaha! Fort! (Er schleudert sie
weg) Ich habe lange genug diese alberne Krone getragen! ---- Aber mein
Pferd hat mich und die Krone getragen, folglich ist mein Leibpferd nach
allen Rechten mein Thronfolger! ---- Ihr werdet dabey gewinnen; es ist
ein gutes Ro, wenn es Haber hat, bricht und macht es nichts! ---- Mein
Leibkutscher sey Staatsminister! ---- O der Kerl versteht sich auf die
Rder! ---- Wie sind wir in der Zeit? ---- Ich verliere alle Stunden!
---- Meine Freunde, Dmmerung ist rings um mich! Mir geht keine Sonne
auf! ---- Lebt wohl, bis ihr mich wider sehet! Wann glaubt Ihr wohl, da
Ihr mich wiederseht? ---- Versteht mich wohl! ---- Mich! -- Mich selbst!
---- Denn izt bin nicht ich ---- Ach! Meine Brder, ich war! ---- O als
ich war, da lchelten schne Tage! ---- (Er senkt das Haupt und denkt
nach) Ich mchte izt weinen ---- Was sagen die Leute von mir? ---- Reden
sie noch vom Zaunknige? (Er fat eine Hand) Ich will dir wahrsagen!
---- Horch! Alle Haare sollen sich emporstruben! Du mut sterben! ----
Ja sterben! Denn du bist ein Mensch! Wie die Eulen krchzen! ---- Gute
Nacht meine Shne! ---- Wir haben manche Stunde verwacht! ---- Streut
Romarin unter die blutigen Lorbeern! (Er schleicht zur Grabsttte.)

Der Arzt. Eure Majestt, die Luft ist hier schdlich! Hier sind
Grabmler!

Edu. O so flieh! Flieh so weit dich die Fsse tragen, denn aus den
Srgen wrde ber dich ein lautes Gelchter schallen! ---- (Er reit die
Thren auf, und wirft Todtenkpfe heraus, dann thrmet er Pyramiden aus
den Schedeln.) Alexander! -- Herkules! -- Csar! -- Kartusch! ----
Attila! -- Ludwig! ---- Karl! ---- Hahaha! Das war ein nrrischer Kerl!
---- Herr Bruder, du warst ein Schwindelkopf wie ich! ---- Wenn du
gesund bist, freut es mich; ich zwar bin wohl auf, und glcklich wie ein
Knig! ---- Wo sind meine Tonknstler! Macht Musik! Etwas zum
Wirbeltanze! ---- Ich will mit Helden tanzen! ---- Das ist der Kopf des
goldenen Kalbes, die Vergoldung ist weggerieben, und da liegt die leere
Hirnschaale! Schade, da kein Gehirn in diesem Schedel war, ---- Er war
ein groer Mann, er hat viele Dinge ausfhren wollen, die er nicht
verstand. Er hat die Sthle im Rathhaus ganz anders gereihet! (Er nimmt
einen andern Schedel) Ein elender Kopf! -- Die Arbeit eines Schneiders!
Zu schlecht fr einen Steinhauer! (Er wirft ihn weg, und ergreift einen
andern) Hahaha! Dem Bauch ist hart predigen! (Indem er einen andern
fat) Wie er daherschreitet wie ein Riese! Gebirge zittern unter seinen
Fersen, er bildet Nationen um! ---- Und fault! Schnupft Toback! Er
stinckt! Gute Nacht Grosprecher, der Echo war dein Bruder! Viel Kpfe,
viel Sinne! ---- Ich habe die Lebendigen getdtet, izt bin ich Knig der
Todten! -- Dich ernenne ich zu meinem Hofmarschall! ---- Du brauner
Schedel sollst mein Feldherr seyn, dich hat die Sonne verbrannt, du
wirst das Feuer des Geschtzes ertrglich finden. ---- Du bist mein
erster Kmmerling, so leer ist dein Schedel, wie ein Kmmerling
natrlich seyn mu. ---- Ihr zwlf morschen Schedel seyd meine geheimen
Rthe! Widersprche habe ich nicht zu befrchten, ihr liebt das
Geheimni, und sagt es nicht einmal euren Metzen! O die wakern Rthe!
Kein Knig ist besser bedient als ich! ---- Der Schedel ist
unbestechlich, er nimmt kein Geschenk mehr; er sey Richter! ---- Das
Wetter trbt sich? Seht, wie die Winde ihre Pausbacken aufschwellen! Sie
werden die Erde verschlingen. Frchtet Euch nicht, es sind fade
Politiker, die bey einem unsinnigen Zeitungsblatt trumen! ---- Wie
sanft alle ruhen! Keiner regt sich mehr! ---- O hier will ich auch
rasten! ---- (Er legt sich auf die Stuffen der Treppe) Khle Erde, wiege
einen deiner mden Shne ein! ---- Geht alle! Lasset mich allein! ----
Ich will schlafen! Ein angenehmer Traum soll mich betuben! ---- Lscht
das Licht aus! ---- Gute Nacht! ---- (Er entschlft.)

(Der Arzt legt den Finger auf den Mund, und spricht leise)

Der Schlaf ist ein Balsam, wir wollen von ferne lauschen.




                                Drama.


(Ein groer Saal bey Hofe. Viele Hflinge stehen im Haufen beysammen,
und sind im eifrigen Gesprche. Salinia und Amanda ihre Zoffe treten
ein. Salinia in einem weissen Nachtkleide mit aufgelsten Haaren. Einen
Arm hat sie entblt, und hngen noch von einer Aderlsse die Binden
daran. Sie eilt hastig in den Saal, staunt pltzlich, schleicht
furchtsam zu allen Schaaren der Hflinge, blickt ihnen unter die Augen,
schttelt mivergngt den Kopf, um dadurch anzudeuten, da sie nicht
findet, was sie sucht. Die Zoffe folgt ihr traurig, will sie wieder
zurckfhren, und die Verbnde in Ordnung bringen. Die Hflinge sind
durch den Auftritt gerhrt. Ein alter Hofmann grt sie.)

Hofm. Aber mein liebes Frulein, sie bluten ja.

Salin. Bluten? ---- O ja, izt erinnere ich mich (indem sie ihm zum Ohre
schreyt) Sie haben mich tdten wollen! ---- Aber ich bin den Mrdern
glcklich entkommen! ---- Amanda, hast du meinen Eduard nicht gefunden?
---- Die Schwalbe hat das Nest verlassen ----

Hofmann zur Zoffe. Fhren Sie das gute Frulein zurk!

Amand. Sie ist den Wundrzten entlaufen. Man wollte ihr die Ader ffnen,
denn ihr Verstand ---- Ach! Das Schicksal des Knigs hat ihr zrtliches
Herz angegriffen ---- Sehen Sie! Sie sucht ihn berall! ---- O ich mu
weinen ----

Hofm. Das arme Tubchen girrt ----

Salin. Die Gesichter sind mir verdchtig! ---- Freund oder Feind? Er ist
nirgends! ---- Eduard nirgends! ---- O Amanda, die Schlange hat ihn
vergiftet! Und ich reichte ihm den Becher ---- O mein Kopf! ---- Wie es
hier pocht! ---- (Sie lehnt ihr Gesicht auf den Busen ihrer Zoffe und
weint.)

Am. Englisches Frulein, weinen Sie nicht! Kommen Sie mit mir! Ich fhre
Sie zu Eduard! ---- Geben Sie mir den Arm!

Salin. (lchelnd) Zu Eduard? ---- Du lgst immer! ---- Sie haben ihn
getdtet! ---- Gemordet wie seinen Vater! ---- Gute Nacht Eduard! (Sie
sinkt allmhlig zur Erde.)

Hofm. Das entgangene Blut hat sie geschwcht; man mu sie zu Bette
bringen!

Sal. Lasset mich schlafen! ---- Werft Erde auf mich! ---- Da werden
Ringelblumen und Maalieben auf meinem Hgel wachsen! ---- Sanft, sanft
will ich ruhen! ---- Gute Nacht armer Eduard! ---- Ich lade dich zu
meiner Hochzeit ---- Ich bin eine Braut ---- ----

(Sie wird fortgetragen.)




                              Oratorium.


   Ein ffentlicher Platz der Hauptstadt. Auf einigen Stuffen erhht
   thrmet sich in der Mitte ein prchtiger Tempel. Aus allen Gassen
   eilet das Volk. Die Hallen sind mit Bethern erfllt. Die Mtter
    mit den Suglingen, die Vter mit den Shnen drngen sich zu.

                           Chor der Bether.

   Da liegen wir auf den bethrnten Stuffen,
   O Gott! Hr deine Kinder rufen!
   Dein Zorn schlug unser Haupt.
   Die Heerde weint um ihren theuren Hirten;
   Die Hnde, die uns liebreich fhrten,
   Sind uns durch Dich geraubt!

                        Ein Greis. Recitativ.

   Wir chzen am verwaisten Throne;
   Die Wittwe seufzt, der Waise schreyt,
   Sie suchen Hlfe bey der Krone.
   Sieh, wie uns berall das Elend drut!
   Bald werden Wlfe sich in unsre Htten schleichen;
   Denn unser Jammer ldt sie ein.
   Bald wird das Schwert des Feindes uns erreichen,
   Und die bedrngte Volk wird seine Beute seyn.

                       Ein Jngling. Recitativ.

   Was kann izt unsre Quaalen lindern?
   Verzweiflung herrscht bey Greisen und bey Kindern.
   Der Jngling ist mit Schmerzen ganz vertraut;
   Ihm tnen nicht die sssen Hochzeitlieder;
   Er schlgt die mden Augen nieder,
   Und lchelt nicht der Braut.

                                Arie.

   Ich sehe tglich Trauerscenen;
   Wenn mich die holde Sonne grt,
   Entsinken meinem Auge Thrnen,
   Und Thrnen, wenn der Abend schliet.

                        Der Greis. Recitativ.

   Doch horcht! Wer unterbricht das fromme Stehnen?
   Wer sthrt das heilige Gebet?
   Der Vater kmmt, um den sich alle sehnen,
   Um dessen Heil das Volk zum Tempel geht.

(Eduard wird auf einer offenen Snfte getragen; weinende Schaaren folgen
in stiller Betubung dem schlummernden Knig.)

                           Chor des Volkes.

   O Gott! La uns die Bitte wagen,
   Schenk unserm Vater deine Huld;
   La uns fr ihn die Strafe tragen,
   Und leg auf uns allein die Schuld!

(Der Donner rollt; die Blitze leuchten; die Erde bebt. Der Tempel
zittert; die Vlker strzen anbetend zur Erde. Eine feyerliche Stille
herrscht. Eduard erwacht aus einem tiefen Schlummer, blickt auf, weint
und segnet sein Volk.)

                          Eduard. Recitativ.

   Wo bin ich! ---- Welch ein Licht beleuchtet mich!
   Ich irre nicht, dies sind des Tages erste Keime!
   Von meinem Auge fliehn die schwarzen Trume.
   O theures Volk, mein Mund begrsset dich!
   Der grosse Gott, der die Tyrannen hhnet,
   Scheint izt durch meine Reu vershnet.
   In Thrnen flo mein Leben hin;
   In Schmerzen hat mein Alter zugenommen!
   O Grab, izt bin ich doch zu Dir gekommen,
   Ich fhle da ich reif zum Tode bin!

                                Arie.

   Warum bist du so traurig meine Seele;
   Warum betrbst du dich mein Geist?
   Izt, da ich mich zu den Vershnten zhle,
   Und da mein Mund den Schpfer preist.
   Nicht mehr drut uns der Gottheit Donnerrache;
   Nicht mehr verschlinget uns ihr Zorn;
   Sie lchelt sanft und gtig auf uns Schwache,
   Und strzet nur ein stolzes Horn.
   Warum bist du u. s. w.

                           Chor des Volkes.

   Preist den Allmchtigen, jauchzet ihr Brder!
   Er schenkt den zrtlichsten Vater uns wieder.

                          Eduard. Recitativ.

   Dank theure Shne! Dank fr eure Liebe!
   Gott segne dieses Volk! ---- Mein Herz zerbricht --
   Die Seele bebt -- Mein Auge wird izt trbe ----
   Mir winkt ein schreckliches Gericht ----

                                Arie.

   Ich fhle schon die letzte Todeswunde;
   Es eilt, es fliegt die schwarze Trennungsstunde
   Mit raschen Fittigen herbey,
   Und macht den Geist von Banden frey.

                              Recitativ.

   O lebet wohl ihr frommen Shne,
   Zum Erben la ich Euch ---- Den Wrdigsten! ----
   Komm Sigismund, verwische deine Thrne,
   Ich kenne Dich, dein Herz ist gro und schn! ----
   Verwandle nie die edle Sitte;
   Herrsch ber dieses Volk mit Sanftmuth und mit Gte;
   Doch wenn Du hoch und stark auf meinem Throne bist,
   Vergi nicht, da ein Gott der Frsten Richter ist! ----
   Ich segne noch zum letztenmal Euch Kinder! ----
   Lebt wohl, lebt ewig wohl! -- Die Krfte werden minder --
   Mein mattes Licht verlischt ----

(Zu Sigismund.)

   Es ist der Todesschweis, den deine Hand verwischt.
   Leb wohl! -- Mein Geist kmpft schon, und unterlieget --
   O Gott, die Schreckenwage wankt! ----
   Du legst dein Mitleid zu, und deine Gnade sieget! ----
   Dir sey Allmchtiger gedankt! ----
   Wer drut mir dort? ---- Seht Millionen Seelen! ----
   Ihr Myriaden klagt, um mich zu qulen ----
   Vergebt, weil Gott vergiebt!
   Als Vater mir verzeiht -- mich ruft -- und -- liebt --

(Er stirbt.)

(Ein ngstlicher Schmerz betubt das Volk. Nur ein banges Winseln
unterbricht das schauervolle Schweigen.)




                                Scene.


               Ein Saal. Alidia, Simena ihre Vertraute.

Alid. Verfinstere mein Schlafgemach! Es soll kein Stral der Sonne die
Dmmerung durchbrechen. Schlie sorgfltig die Thren, und schwre mir,
da du mich heimlich begraben lssest. Ich will dich bereichern, schwre
mir.

Simena. Ich schwre! ---- Aber theure Gebieterinn --

Alid. Keine Vorstellungen! ---- Es ist geschehen. Ich sterbe freywillig.
Ich will nicht meinen Feind auf dem Thron erblicken. Eduard ist todt.
Sigismund ist sein Thronerbe. Er rndet die Frchte meiner Rache. Der
Gedanke verbittert mir den Tod. Es werde niemand vorgelassen! Man soll
nicht die Verwstung meiner Gesichtszge bey Annherung des Todes sehen.
Ausserordentliche Wesen mssen gro auf der Welt erscheinen, und
pltzlich von der Erde verschwinden. Alles ducht den Augen der Menschen
klein, was gebohren wird, und stirbt. Ich will meinen Feinden wenigstens
die Freude des Hohngelchters entreissen. Leb wohl! Gedenke deines
Eides! ---- Ich schliesse mich in mein Schlafgemach!




                             Alte Epopee.
                             Ein Gesang.


      Eduards trauriger Schatten durcheilte die schwarzen Gestade.
   Und die feurigen Fluten des schumenden Acherons brllten
   An dem Fue des felsichten Ufers, und schreckten den Pilgrim
   Zehnmal zurcke. Bald druten ihm grliche Hllengespenster,
   Und bald begrub ihn der glende Dampf in Schwefelgewlke.
   Wie wenn der Wandrer bey nchtlicher Stille die Wlder durchirret,
   Er beym mindsten Gerusche verweilet, und zitternd erwartet,
   Ob ein menschenblutwitternder Lwe die Klauen bereitet,
   Ihn zu zerreissen, oder ob ein stillschleichender Ruber
   Seine beschleunigten Schritte belauschet, um Beute zu haschen.
   Eben so bebend und horchend durcheilte der Knig die Hlle,
   Endlich erreicht er den heiligen Styx, er sieht Myriaden
   Harrende Seelen den schwanckenden Nachen des Charons erwarten.
   Wie die weiwolligten Lmmer, wenn sie die Weide verlassen,
   Und der lndlichen Htte sich nhern, einander verdrngen,
   Sich bald in schwankende Haufen versammeln, bald wieder zertrennen,
   Und mit Ungeduld ihren lang zaudernden Hirten erwarten;
   Eben so huften sich hier zehntausendfach stehende Reihen.

      Millionen erkannten und grten mit Ehrfurcht den Helden.
   Seht ihr, so riefen sie staunend, da kmmt der Beherrscher der Erde!
   Vor ihm bebten die Knige, vor ihm erblaten die Krieger;
   Er hat Lnder zertreten, und mchtige Stdte zermalmet.
   Endlich hat ihn die wrgende Sense des Todes gemhet.
   So die Geister. Der grauende Schiffer belastet den Nachen,
   Und beherbergt auf faulenden Brettern den Weltenbeherrscher.
   Selbst die stygischen Wogen trugen mit Ehrfurcht den Wandrer.
   Banges Gewinsel von nahen Gestaden betubte die Ohren.
   Eduard sah auf brennenden Inseln das schwarze Gefngni
   Der vom Schicksal verworfenen Geister. Hier wohnten die Laster.
   Charon entschlich mit flchtigem Ruder dem Schauplatz der Rache.
   Endlich begrten sie sanftere Fluren, und Minos der Richter
   Gab hier die hohen Befehle. Hier zitterten selbst die Gerechten.
   Knige bebten bey seinem allesentscheidenden Urtheil.
   Er wog Eduards Thaten mit Vorsicht, und fand sie gewichtig,
   Deine Tugenden rief er, haben die Laster besieget.
   Eil in die glcklichen Wohnungen, wo dich die Helden umarmen.
   Eduard dankte den Gttern, und suchte die goldene Pforte.
   Ewiggrnende Fluren zeigten sich pltzlich dem Auge;
   Wohlgeruchduftende Blumen schmckten die grnen Gefilde;
   und harmonische Snger der Lfte durchkreuzten die Haine.
   Izt sah er die seligsten Schaaren der tapfersten Helden.
   Lchelnd und gastfreundlich begrten sie alle den Fremdling,
   Sahen in ihm den edlen Gefhrten der knftigen Tage,
   Wie die wolkenansteigende Fichte das kleine Gebsch berholet,
   So stieg Eduards frstliche Stirne weit ber die Seelen.

      Alexanders erhabener Schatten umfat ihn der Erste.
   Sey mir willkommen! So rief er entzckt, du Liebling der Ehre!
   Du hast mit wrmesten Eifer die Lorbeern des Sieges erfochten.
   Sieh mich gekrnt! Die Gte der Gtter belohnt hier die Thaten,
   Welche durchlauchtige Geister zu Lichtern der Menschen erheben.
   Kleinere Herzen mikennen die feurigen Triebe des Ruhmes.
   Andere Frsten drngten sich zu den Neuling zu kssen,
   Und der weise Lykurg belehrte den staunenden Knig.
   Mir sind Elisiums alte Bewohner seit Jahren vertrauter;
   Ich will Dir die glnzendsten Thaten von ihnen erzhlen.
   Ich will dir sagen, was sie beglcket, erhhet, vergttert.
   Hier ist Kodrus die unberwindliche Sule des Staates!
   Er hat sein edelstes Blut dem Vaterland wrdig geopfert,
   Und das grazienliebende Griechenland hat ihn verewigt.
   Dort kmmt der gtige Titus, sein antlitzverschnerndes Lcheln
   Trgt die heiligen Spuren von seinem wohlthtigen Herzen.
   Er hielt die Stunde verloren, in der er nicht Menschen beglckte.
   Sieh dort den weisen Aurel; die reichthumverschmhende Seele
   Blikt aus den gttlichen Augen. Er liebte nur Tugend und Weisheit.
   Dort trabt der Riesenbekmpfer Alcid mit siegender Keule.
   Seine herkulischen Thaten verzeichnet die Nachwelt den Enkeln.
   Niemand schlummert sich gro, nur Arbeit und Sorge verherrlicht;
   Glnzende Lorbeern sind Preise des Sieges, des rhmlichsten
      Schweisses.
   Dort ruht Belisar in dem Haine von Palmen, er siegte
   Ueber die Rnke der Neider; die ihn mit Geifer vertilgten.
   Sieh die ehrwrdigbeschneyten Hupter der thtigsten Frsten,
   Unter den Krnzen fchelt der Zephir die silbernen Locken.
   Dieser verlie noch in blhenden Jahren die mchtigsten Throne,
   Wie viel grsser ist er als jener, der Kronen erobert!
   Dieser hat Menschen aus Thieren gebildet, durch gute Gesetze
   Gleichsam die unwirthliche Sandbank mit Brgern bevlkert.
   Jener schmckte sein Reich durch lnderbeglckenden Frieden;
   Er schlo in sssester Ruhe sein neidmikennendes Leben.
   Niemals betrat er aus Ehrgeiz das menschenvertilgende Schlachtfeld.
   Dieser unsterbliche Kronenverfechter verdient auch ein Denkmaal.
   Er ist einer der ehreverfolgenden Kmpfer der Vorwelt,
   Welche die Staaten wie rhmliche Sulen durch Tapferkeit sttzen,
   Und nicht wie jene ruhmschtigen Erdenerschtterer wten.
   Dieser schnlockichte Jngling fiel fr das Vaterland edel.
   Diesen Greisen erhebt die gtigerlassene Rache.
   Er hat die darbenden Staaten gerettet, und Undank gerndet.
   Sein Blut hat die goldene Krone des Oelzweigs gebrandmarkt.
   Diese Knige siegten mit edeldenkenden Brgern.
   Ihre Herzen entbrannten beym Rufe der Vaterlandsliebe;
   Aber sie ist verchtlich geworden. Izt fechten nur Sklaven,
   Oder nur feile Sldlinge, die der Ehrgeiz befeuert.
   Mchtige Staaten haben wie Menschen auch Jugend und Alter.
   Glckliche Tage beschleunigen oft den eilenden Winter.
   So sprach der honigtrchtige Mund des weisesten Redners,
   Und Erstaunung bemchtigte sich des gierigen Hrers;
   Eduard lebte mit ihm in ununterbrochener Freundschaft.




                                Scene.


   Platz der Stadt. Lusian, das ganze knigliche Leichengefolge, und
             eine unendliche Menge Volks, hernach Beliam.

(Lusian sprenget mit verhngtem Zgel daher, strzt hastig von seinem
Pferde, und eilt zur Leiche Eduards.)

Lus. Ich mu meinen Knig sehen ---- Haltet! ---- Ich mu meinen Eduard
mit Thrnen waschen! ---- (Er kt die Leiche und weint) Du bist todt!
---- Auf der Reise fiel mir der Stiefel in die Augen, den ich als ein
Denkmaal deiner Grsse bewahre ---- Diesen Stiefel, sagt ich zu mir
selbst, hat er von meinen Fssen als Knig gezogen, und du Lusian
verlssest ihn? ---- Ich zog zurck von Liebe und Dankbarkeit beflgelt
---- Ich komme zu spt! ---- Ich finde Dich nicht mehr! ---- Da liegst
Du in einem schmalen Huschen! ---- Welch ein durchlauchtiges Gehirn
veredelte Dich! Was fr ein grosses Herz schlug in deinem Busen! ---- O
meine Freunde, weinet, weinet mit mir um unsern Freund, um unsern Vater!
---- Unser Eduard ist todt! ---- Erinnert Euch aller seiner Thaten! Wie
viel Gte, wie viel Gromuth, wie viel Standhaftigkeit! Wo ist ein Geist
von seinem Umfang, von diesem erhabnen Schwunge? wo hnliche Krften,
seine Riesenarbeiten auszufhren? ---- Wie hat er uns geliebt! O!
unsterblich httest du seyn sollen mein Eduard! Verflucht sey die Hand,
die dich getdtet hat! Weiber! O Weiber! ---- Gute Nacht mein lieber
Knig! Schlummre sanft, ruh aus von deinen Heldenarbeiten! Die Nachwelt
soll bey deinem Gedchtnisse staunen, und weinen! ---- Das ist mein
Abschiedsku, eine Leichenrede von warmen Herzen! ---- Sezt nur den
Stiefel auf sein Grabmaal, und alle aufgedunsenen Knige sollen
errthen; die stolzen Riesen sollen zusammenschrumpfen, wenn man ihnen
den Namen Eduard entgegen ruft. ---- Meine Thrnen hemmen die Worte ----
Gute Nacht lieber Eduard?

(Das Volk weinet; eine traurige Stille herrscht berall. Beliam
schleicht traurig daher, zieht sein Kleid aus, und hngt es an die
Pforte des Grabmaals.)

Bel. Das Lustspiel ist aus; lat den Aufzug herab! ---- Morgen werden
wir die Ehre haben aufzufhren die Krnung Sigismund, ein
Originallustspiel in fnf Aufzgen; wir bitten um einen zahlreichen
Zuspruch.

(Das Volk lacht und zerstreut sich.)

Bel. So sind die Menschen, bald weinen, bald lachen sie! ---- Ich als
ein Narr thue, was ich kann. Ein treuer Diener berlebt seinen Herrn
nicht. (Er pocht an die Trdlerbude.) He Mann! Bring mir einen Domino!
Da ist Geld! Geschwind! Das soll mein Leichengewand seyn! (Er zieht den
Domino an.) ^Felices illi, qui moriuntur in Domino^, pflegte mein Vater
zu sagen, der ein Narr war, wie ich. Izt gute Nacht! Ich will meinen
Arzt besuchen, bringt er mich nicht um; so sollen die Weiber, die mit
Riesen selbsten nur spielen, mich kleinen Zwergen bermeistern, und der
langsamen Natur die Arbeit meiner Zersthrung erleichtern. ---- Eduard
gute Nacht! ---- Du warst ein guter Kerl, ich habe dich sehr lieb
gehabt, also gute Nacht! ---- Beliam fhlt sich, und stirbt bald; zum
letztenmal allerseits gute Nacht!

(Er geht traurig ab.)




                          Metamorphose[23].


[Funote 23: Ich habe bereits erinnert, da die Meinungen ber die
Todesart Eduards verschieden sind. Die Meisten sagen Alidia habe ihm
durch Salinien Gift beygebracht; einige schreiben die That der
Eifersucht Saliniens selbsten zu. Der Dichter benutzt jeden Umstand.]

      Stehet mir bey unsterbliche Gtter bey meinem Gesange!
   Ich will eure Verwandlungen singen; womit ihr die Menschen
   Bald bestrafet, bald belohnet, und eure Gerechtigkeit zeiget.
   Salinia geno noch der Wollust der sssesten Rache.
   Ich bin gerchet, so rief sie, am schwrzesten Frevler gerchet!
   Mag er doch sterbend die Buhlerinn krnen! Die Siege verschwinden
   Wie ein Traumgesicht. Doch wer nhert? Was bringt mir Amanda?
   Gttliches Blatt, du zeugest von Liebe, wie war ich geblendet!
   Eduard liebt mich, und stirbt durch meine voreilige Rache.
   Sie schlug den Busen, und eilte mit fliegenden Haaren zur Pforte.
   Sie strzt zur Leiche des Knigs, und nezt sie mit zrtlichen
      Thrnen.
   O mein Eduard, ewiggeliebter, erffne die Lippe!
   Ich hab aus Liebe gefehlt, aus Eifersucht thricht gehandelt;
   Theurer vergieb; ich eile dein Blut durch Meines zu rchen!
   So sprach sie wtend, und fate den Dolch mit hastigen Hnden;
   Amor entwaffnete sie, und gab ihr die schmuchelnde Hofnung.
   Wie einst den Orpheus will ich zur Pforte der Hlle dich leiten
   Deine bezaubernden Thrnen sollen die Geister besiegen.
   So sprach Amor, und fhrte die Schne zum schwarzen Gestade.
   Cerberus brllte, die Schatten erstaunten beym Anblick der Fremden.
   Pluto verga sein trotziges Wesen, und forschte die Ursach.
   Knig der Schatten, aus dessen Gebiete nie Sterbliche kehren,
   Vor dir kniet die Unglcklichste, die dein Mitleid erflehet.
   Gieb mir den theuren Geliebten zurck, wo nicht so vertilge
   Meine Gebeine, damit ich den seligen Schatten begrsse.
   Ich bin die Mrderinn Eduards! Ach unseliger Irrthum!
   Tausendmal tdtet mich schon der Schreckengedanke des Lasters.
   La durch die heissesten Thrnen dich rhren, und hr mein Begehren!
   Und der Hllenfrst gab ihr zu Antwort; Ich will dich belohnen!
   Deine Reue vertilgt das Verbrechen; du sollst ihn besitzen.
   Doch solang Ihr beym finstern Gestade der Hlle verweilet,
   Soll ein heiliges Schweigen Euch beiden die Lippen verschliessen!
   Eine neugierige Sylbe wird eure Gelbde zerbrechen;
   Eduard wird dir wieder entrissen! Geh, frchte die Gtter!
   So rief der Schattenbeherrscher, und gab ihr den Eduard wieder.
   Sie umarmte mit Innbrunst den wiederbelebten Geliebten;
   Und sie eilte von Liebe berauscht zur schrecklichen Pforte.
   Aber grinsende Haufen der Furien standen im Wege,
   Schreckten sie zehnmal vom Gleise zurcke; sie druten vergebens,
   Denn die Liebenden eilten entschlossen durch tausend Gefahren.
   Grosse Geschwader der Geister erregten ein lautes Gelchter,
   Und die Neugier begrte die Wandrer mit spttischen Worten.
   Welch ein Phantom entfhrst du der Hlle betrogene Schne?
   Eine Larve betrgt dich! Die Stimme beweiset das Leben.
   Kann den ungtigen Pluto die weibliche Thrne bewegen?
   Siehst du denn nicht den schlauen Betrug aus seinen Befehlen?
   Ihr sollt schweigen, damit nicht ein Wrtchen den Irrthum
      zersthret.
   Zweifel und Angst bemchtigten sich der zitternden Wandrer,
   Da sie die listige Rede der prfenden Neugier verschlangen.
   Sprich nur ein Sylbchen, so sprach Salinia zu dem Geliebten,
   Nur ein Athem ist Trost fr mein Herz, und Labsal dem Busen.
   La die Thrne, die selbsten die hllische Gottheit besiegte,
   Dich mein Eduard rhren, und flstre mir labende Worte!
   Eduard lie sich erweichen, er sprach, und fiel in die Arme
   Seiner getuschten Salinia. Sie sah ihn pltzlich erstarren,
   Und sie sank leblos zur Erde. Da lagen die schnen Ruinen.
   Amor vom Mitleid durchdrungen begrte den Vater der Gtter,
   Und Zeus wandelt den Helden in einen berhmten Kometen.
   Noch in seiner vernderten Miene bedrut er die Menschen,
   Und weissaget der Erde Verderben, und blutige Kriege.
   Alle Geschpfe bewundern sein Antlitz; so lebt er verewigt.
   Aber Salinia wandelte Zeus in Rosengebsche.
   Und noch tragen sie deutliche Spuren von ihrem Charakter;
   Sie verwunden mit Drnern, sie laben mit sssen Gerchen,
   Und sie bleiben das ewige Sinnbild der zrtlichen Liebe.




                             Leichenode.


   Euphrosine wein, streue die goldenen
   Locken hin auf das Grab dieses Eroberers!
   Jede Tugend posaunt seinen unsterblichen
      Ruhm den sptesten Enkeln zu.

   Zepterwrdiger Frst, Lorbeern verewigen
   Deine Tapferkeit nicht; Musengesnge sind
   Die Herolde der Zeit; sie nur verherrlichen
      Und entreissen dem Tode Dich.

   Schn war dein Aufgang O Stern! Minder dein Niedergang!
   Deinen Frhling erhhn Thaten der Menschlichkeit.
   Zrtliche Thrnen, und Dank glcklicher Sterblichen
      Preisen dein gtiges Vaterherz.

   Wenn das blutige Feld Mrder bevlkerten,
   Hufiges Bruderblut flo, und der vertilgende
   Donner die Schedel zerschlug; gossest Du Thrnen hin,
      Und warst Mensch und Bruder noch.

   Wollte die Schnheit durch Reiz dein Herz abwrdigen;
   Schlo dein Auge sich zu. Grsser als Scipio,
   Weiser als jener Uly hhnst du die Weichlichkeit,
      Und bekrnest die Tugenden.

   Du hast rhmlich als Hirt Heerden vertheidiget;
   Schchtern entschleichet der Wolf; Friede nur heiliget
   Deine Htte, dein Feld; Ueberflu giessest du
      Auf die frohe Lmmerschaar.

   Du hast die Musen geliebt; herrliche Tempel sind
   Ihnen zur Ehre gethrmt; Griffel und Meissel und
   Gttlicher Dichtergeist hebt deinen unsterblichen
      Namen fr die Nachtwelt auf.

   Halt ein o Meucheldolch! Ach! mit diamantenen
   Ketten fesselt der Tod ihn in dem Schattenreich;
   Weine verlassene Burg, Stdtebeherrscherinn,
      Um den Vater des Vaterlands;

   O Du verherrlichter Geist hre die Weinenden;
   Sieh mit Redlichkeit die Herzen Dir huldigen;
   Kehre zur Erde zurck; unberwindlicher
      Feldherr, schtze dein Knigreich!

   Welch ein pltzliches Licht, Himmel! bestralet mich!
   Eduards Schatten umschwebt glnzend die Knigsstadt.
   Sein weissagender Mund segnet sein theures Volk;
      Hrt den frommen Orakelspruch!

   Wnscht ihr die goldene Zeit, wnscht ihr den himmlischen
   Frieden; so krnt die Stirn Sigismunds; ewige
   Palmen schmcken sein Haupt; wrdige Tugenden
      Machen ihn siegreich, und kronenwerth.

   So rief der Schatten, und flo zu den Belohnungen
   Wrdiger Knige, wo die Unsterblichkeit
   Helden und Sieger belohnt, und die getrsteten
      Vlker bauen sein Ehrenmaal.




                             Grabschrift.


      Hier ruht ein Held, der goldne Kronen trug;
   Der stolz im Mittelpunkt der Nationen thronte;
   Dem Sieger, den die Welt nicht mehr begngen konnte,
   Ist izt ein kleiner Sarg genug.

                         Ende der Phantasie.




                               Epilog.


                vom Geist des Roscius gesprochen[24].

   Der Dichter dankt den Gnnern fr die Huld,
   Fr ihre Nachsicht und Geduld,
   Und wnscht nicht ganz den Endzweck zu verfehlen.
   Knnt er sich selbst den schnsten Preis erwhlen;
   So wrde dieser Lohn der frohe Beyfall seyn.
   In diesem Wunsch schliet jeder Wunsch sich ein.
   Ein Dichter wandelt stts in seiner Lieblingssphre,
   Er sucht Unsterblichkeit und Ehre.
   Doch oft, sehr oft betrgt ihn nur ein ssser Wahn,
   Denn auch die Bcher sind dem Glcke preisgegeben.
   Selbst Meisterstcken raubt der Neid oft Ruhm und Leben,
   Und lacht aus Eigensinn die Migeburten an.
   Oft ist die Nachwelt erst gerechter.
   Ein Werk, auf dem schon dreist die Motte kriecht,
   Rcht erst die Zeit, und bringt es an das Licht.
   Ihm zeugen weisere Geschlechter
   Beschtzer, Gnner, und Verfechter.
   Genug, mein Mhrchen ist nun ganz erzhlt.
   Sagt laut, was Euch davon behaget, und mifllt;
   Erinnert Euch auf das, was Euch belehren knnte;
   Sprecht frey, wo mein Gesang Euch unharmonisch tnte.
   Behauptet dieser Stoff sey bel ausgewhlt;
   Zeigt euren ganzen Ha; lat eure Galle glen!
   Zergliedert meinen Bau zu kleinen Rapsodien;
   Denn Lob und Tadel steht in eurer freyen Wahl;
   Doch wnscht zur Phantasie nur kein ---- Original!

[Funote 24: Da vermuthlich kein Schauspieler in Deutschland lebte, der
einen Vers ertrglich deklamirte, so nahm der Dichter Zuflucht zum
unsterblichen Roscius.]

                                Ende.




                             Privilegium.


Wir durch die Gnade der Gtter erwhlter Frst der Musen und Vorsteher
aller Gelehrten, machen hiemit allen Kunstgenossen, Versammlungen, und
Znften kund, da uns unser lieber Getreuer demthig gebeten hat, sein
neugebornes Kind in unsern mchtigen Schutz zu nehmen, und gegen alle
Verstmmlungen durch einen Freybrief zu sichern: wenn Wir aber erwgen,
wie sehr die leidige Seuche der Verschneidungen um sich frit, und wie
einem zrtlichen Vater das Herz bluten mu, wenn er wie eine Niobe seine
Kinder unter den Hnden grausamer Dramenhenker erwrgen sieht; auch
zugleich die treugeleisteten Dienste dieses patriotischen Dichters
besonders durch ein Merkmaal unserer Hochachtung belohnen wollen; so
verbieten Wir in Kraft unserer erhabenen Wrde allen Kindermrdern,
Lokalisirern, Verstmmlern, Scharfrichtern, Flickschneidern, Vampiren,
Nachahmern, Verkrzerern und Vergrsserern, ihre profanen Klauen an
dieses Werk zu legen, bey Strafe unserer ewigen Ungnade, und eines
frchterlichen Bannes. Sollten aber, welches die keuschen Musen verhten
mgen! auch weibliche Grazien so unedel ihre schnen Hnde mit hlicher
Tinte entweihen; so verurtheilen wir sie zu einer jhrlichen
Leibesstrafe von tausend Kssen, deren eine Hlfte dem beleidigten
Dichter, die andere aber unserer poetischen Schatzkammer heimfllt.
Gegeben in unserer Residenz Parna.

                                                                Apoll.




Anmerkungen zur Transkription


Der Originaltext ist in Fraktur gesetzt. Textstellen, die im Original in
Antiqua gesetzt sind, wurden ^so^ markiert.

Die krftig variierende und inkonsistente Schreibweise und Grammatik des
Originals wurden weitgehend beibehalten. Offensichtliche Auslassungen
von Satzzeichen wurden stillschweigend korrigiert. Alle weiteren
nderungen sind hier aufgefhrt (vorher/nachher):

   [S. 24]:
   ... Sieh von Korneille das Trauerspeil Cid. Der sechste und
       siebente ...
   ... Sieh von Korneille das Trauerspiel Cid. Der sechste und
       siebente ...

   [S. 63]:
   ... Wilhelm wich nicht. Er sammelte die letzten Krfte; er
       verschanzte ...
   ... Willhelm wich nicht. Er sammelte die letzten Krfte; er
       verschanzte ...

   [S. 124]:
   ... zu dmpfen, geizige Stadthalter zu demthigen, und es wurden ...
   ... zu dmpfen, geizige Statthalter zu demthigen, und es wurden ...

   [S. 132]:
   ... Seine Tage mit thtigem Migang prchtig zu tdten. ...
   ... Seine Tage mit thtigem Miggang prchtig zu tdten. ...

   [S. 136]:
   ... Man verfertigte in Eile unterirdische Fallen. Tannewald
       gleitete ...
   ... Man verfertigte in Eile unterirdische Fallen. Tannenwald
       gleitete ...

   [S. 140]:
   ... Die Groen sind izt lauter Kieger. ...
   ... Die Groen sind izt lauter Krieger. ...

   [S. 156]:
   ... Arnid. ...
   ... Armid. ...

   [S. 161]:
   ... Isid. So in Gedanken Narr? Belaam, was macht dein Esel? ...
   ... Isid. So in Gedanken Narr? Beliam, was macht dein Esel? ...

   [S. 167]:
   ... Eduard. Beliam, Isidor, Spilon, Rotondo, Martius, ...
   ... Eduard. Beliam, Isidor, Spilon, Rotando, Martius, ...






End of the Project Gutenberg EBook of Der Eroberer, by Paul Weidmann

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER EROBERER ***

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The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
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Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
date contact information can be found at the Foundation's web site and
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