Project Gutenberg's Das Stuttgarter Hutzelmnnlein, by Eduard Mrike

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Title: Das Stuttgarter Hutzelmnnlein

Author: Eduard Mrike

Editor: Edmund von Sallwrk

Release Date: March 12, 2015 [EBook #48464]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS STUTTGARTER HUTZELMNNLEIN ***




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                                 Das
                      Stuttgarter Hutzelmnnlein


                             Mrchen von
                            Eduard Mrike

                Herausgegeben und mit einer Einleitung
                             versehen von
                      Prof. Dr. Edm. v. Sallwrk

                               Leipzig
               Druck und Verlag von Philipp Reclam jun.




                             Einleitung.


Eduard Mrike, 1804 in Ludwigsburg geboren, 1875 in Stuttgart gestorben,
ist zuerst mit einem Prosawerk, dem Roman Maler Nolten in die
Literatur eingetreten. Technisch stand er damals, vor 1832, vor allem im
Bannkreis der Novellistik des alternden Goethe und der Romantik, whrend
er sich durch den Inhalt seines Buches als selbstndige Kraft bewies.
Auch die kleinen Novellen, die er dann zum Teil in Zeitschriften
verffentlichte, bedeuteten noch nicht den Hauptschlag, der seinen Ruhm
als Dichter htte begrnden knnen. Erst durch die Herausgabe seiner
Gedichte bernahm er als Lyriker die Nachfolge Goethes. Da er aber durch
und durch von Stimmungen abhngig war und eine gewaltsame Leistung von
sich nicht fordern konnte, trat in der Hhe seines Lebens ein Stillstand
der Produktion ein, der befrchten lie, da sein dichterisches Ingenium
versiegt sei. Aber in angenehmer und geistig regsamer Umgebung zu
Stuttgart fand er wieder Lust und Kraft zur Arbeit und er schrieb Das
Stuttgarter Hutzelmnnlein, das 1853 im Frhjahr bei dem Verleger des
Nolten, Schweizerbart, erschien. Schon in die Zeit, wo er Pfarrer in
Cleversulzbach war (1834-1843), fllt das Erwachen der Idee des
Mrchens, aber erst 1852 wurde es geschrieben, und im November dieses
Jahres erprobte der Dichter die Wirkung der neuen Arbeit in den
Vortragsabenden, die er fr die Museumsgesellschaft in Stuttgart hielt.
Mrike war zunchst um die Aufnahme bang, die das Werkchen erfahren
wrde; bald aber liefen von allen Seiten begeisterte uerungen der
Freude bei ihm ein. Das Bchlein wurde viel verlangt und erfuhr bald
eine neue Titelauflage, der weitere folgten.

Der Geist der Erzhlung ist den mittelalterlichen Volksbchern entnommen
und so geschickt in allen Einzelheiten festgehalten, da selbst ein so
genauer Kenner der deutschen Literatur wie Uhland zunchst glaubte, eine
Bearbeitung alten Sagenstoffs vor sich zu haben, whrend Mrike einzig
aus den Quellen seiner Phantasie geschpft hatte. In treuherziger,
gemtlicher Art schildert er, was er zu sagen hat und opfert dem
knstlerischen Behagen gern zuweilen die Rcksicht auf eine straffe
Komposition. So ist die eingefgte reizende Historie von der schnen
Lau zwar eine selbstndige Erzhlung im Rahmen des Ganzen, aber in der
liebenswrdigsten Art eingefhrt und schlielich auch knstlerisch fein
mit dem Gang der Handlung verknpft. Dies Mrchen entzckte vor allem
einen mit Mrikes Geistesrichtung innig vertrauten deutschen Meister,
den Mnchner Maler Moriz von Schwind, so sehr, da er voll Lust und
Freude sieben Umrizeichnungen dazu fertigte, die eine feinsinnige,
selbstndig wertvolle Huldigung fr den Dichter bedeuten. Eine solche
Begeisterung ist wohl begreiflich, denn der Dichter zeigt sich hier auf
der hchsten Hhe seiner Kunst; er hat die beengende Abhngigkeit von
Vorbildern geradeso abgestreift, wie er darauf verzichtet, einem
schulmigen Programm Genge zu tun. Vielmehr folgt er nur den Geboten
einer selbstsichern, vollendeten Kraft, die sich selbst Gesetz ist. So
ist das Bchlein, das hiermit den weitesten Kreisen zugnglich gemacht
wird, ein Meisterwerk der Dichtung geworden und als solches geeignet,
den frhlichen und herzlichen Grundcharakter von Mrikes Dichtung ins
hellste Licht zu setzen.

                                                  Edmund von Sallwrk.




                   Das Stuttgarter Hutzelmnnlein.


   Ein Kobold gut bin ich bekannt
   In dieser Stadt und weit im Land;
   Meines Handwerks ein Schuster war
   Gewi vor siebenhundert Jahr.
   Das Hutzelbrot ich hab' erdacht,
   Auch viel seltsame Streich' gemacht.

Wohl vor fnfhundert und mehr Jahren, zu denen Zeiten, als Graf Eberhard
von Wirtemberg, ein tapferer Kriegsheld und ruhmvoller Herr, nach
langen, schrecklichen Fehden mit des deutschen Reichs Huptern, mit dem
Habsburger Rudolf und dessen Nachfolgern, zumal auch mit den Stdten,
das Schwabenland nun wieder zu Ruh' und Frieden kommen lie, befand sich
in Stuttgart ein Schustergesell, namens Seppe, bei einem Meister, der
ihm nicht gefiel, deshalb er ihm aufsagte; und weil er nie gar weit vor
seine Vaterstadt hinaus gekommen, nicht Eltern noch Geschwister mehr
hatte, so war er jetzt willens zu wandern.

Die letzte Nacht, bevor er reiste, sa er allein in der Gesellenkammer
auf (die andern waren noch beim Wein oder sonst zu Besuch); sein Ranzen
lag geschnrt vor ihm, sein Wanderstab daneben, der hbsche Bursche aber
hing den Kopf -- er wute nicht so recht, warum -- und auf dem Tisch die
Ampel brannte einen groen, groen Butzen. Indem er jetzt aufschaute und
nach dem Klmmchen griff, dem Zochen zu helfen, sah er auf seiner leeren
Truche ein fremdes Mnnlein sitzen, kurz und stumpig, es htte ihm nicht
bis zum Grtel gereicht. Es hatte ein schmutziges Schurzfell um,
Pantoffeln an den Fen, pechschwarze Haare, dazu aber hellblaue,
freundliche Augen.

Gott gr dich, Seppe! Kennst mich nit? Ich bin der Pechschwitzer, das
Hutzelmnnlein, der Trster. Ich wei, du bist ein braves Burgerskind,
sorgst immerdar fr anderer Leute Fuwerk und gehst doch selbst nicht
auf dem besten Zeug. Da du nun morgen reisen willt, so hab' ich dir
statt einem Wanderpfennig etwas mitgebracht von meiner eigenen Arbeit:
sind Glcksschuh', zwei Paar, schau her! Die einen legst du an, gleich
morgen; sie ziehen sich nach dem Fu und reien nicht dein Leben lang;
die andern aber nimm und stell' sie unterwegs an eine Strae, versteh'
mich, unbeschrien, wo niemand zusieht! Vielleicht, da dir dein Glck
nach Jahr und Tag einmal auf Fen begegnet. Auch hast du hier noch
obendrein etwas zum Naschen, ein Laiblein Hutzelbrot. So viel du davon
schneid'st, so viel wachst immer wieder nach im Ranzen oder Kasten, wenn
du auch nur ein Rnftlein fingersbreit brig behltst. Ganz sollt du's
nie aufzehren, sonst ist es gar. Beht' dich Gott, und tu' in allem, wie
ich sagte! Noch eins: kommst du etwa ins Oberland, Ulm zu und gen
Blaubeuren, und find'st von ungefhr ein Kltzlein Blei, nimm es
zuhanden und bring's mir! -- Der Seppe versprach's und dankte geziemend
fr alles; das Mnnlein aber war in einem Hui verschwunden.

Nun jauchzte der Geselle berlaut, beschmeckte bald das Brot, beschaute
bald die zwei Paar Schuhe. Sie sahen ziemlich aus, wie er sie selber
machte, nur da sie feine wunderliche Stiche hatten und hbsch mit einem
zarten, roten Leder ausgefttert waren. Er zog sie an, spazierte so ein
dutzendmal die Kammer auf und ab, da ihm denn in der Krze freilich
nichts Besonderes von Glck passieren wollte. Danach ging er zu Bett und
schlief, bis der Morgen rot wurde. Da deucht' es ihn, als wenn ihm
jemand klopfte, zwei-, dreimal, recht vernehmlich, da er jhlings
erwachte. Die andern hrten's auch, doch schliefen sie gleich wieder
ein. Das haben meine vier Rappen getan! dachte er und horchte hin,
allein es rhrte und regte sich nichts mehr.

Als er nun fix und fertig angezogen stand und gar vergngt auf seine
Fe niedersah, sprach er: Jetzt laufen wir dem Teufel ein Bein weg!
Jetzt tausche ich mit keinem Grafen! -- Wohl und gut; nur eine
Kleinigkeit hat er versehen: er hat den einen Schuh von seinem Paar mit
dem einen vom andern verwechselt. Ach, wer ihm das gesagt htte!

So schlich er denn leis die Stiege hinunter, die Meistersleute nicht zu
wecken; denn Abschied hatte er gestern genommen, und statt der Suppe a
er gleich ein tchtiges Stck Schnitzbrot in whrendem Gehen. So etwas
hatte er noch niemals ber seinen Mund gebracht, wohl aber oft von
seiner Gromutter gehrt, da sie einmal in ihrer Jugend bei einer
Nachbarsfrau ein Stcklein vom echten bekommen, und da es eine Ungte
vom Brot drum sei.

Wie er jetzt vor dem obern Tor drauen war, zween Bogenschsse oder
drei, kam er an eine Brcke: da mute er ein wenig niedersitzen, die
Trme seiner Vaterstadt, das Grafenschlo, die Huser und Mauern noch
einmal in der Morgensonne besehen; dann, eh' er weiterging, fiel ihm
noch ein: Hier knnt' ich das Paar Schuh auf den Brckenrand stellen. Er
tat's und zog frba. -- Eine Stunde ber die Weinsteig hinaus kommt er
in einen grnen Wald. Von ungefhr hrt er auf einer Eiche den blauen
Montag schreien, welches ein kurzweiliger Vogel ist, der seinen Namen
davon hat, da er immer einen Tag in der Woche mit der Arbeit aussetzt;
da singt er nichts als Schelmenlieder und schaut gemchlich zu, wie
andere Vgel ihre Nester richten, brten und ihre Jungen tzen; die
seinigen krepieren ihm auch ordinr, deswegen er ein Rarittsvogel ist.
So einen mu ich haben! denkt der Seppe; ich biet' ihn einem groen
Herrn an unterwegs. Ein sonderer Vogel ist oft gern zwei Klber wert,
die Hepsisauer haben ihre Kirchweih um einen Guckigauch verkauft: wenn
ich nur einen Taler lse, tut mir's wohl. Wie komm ich nur gleich da
hinauf? -- Seiner Lebtage hat er nie klettern knnen, diesmal aber
ging's, als htten ihrer sechs an ihm geschoben, und wie er droben ist,
da sieht er sieben Junge flgg, mit blauen Kpfen im Nest! Er streckt
schon eine Hand danach -- krach! bricht ein fauler Ast, und drunten
liegt der Schuster -- da er nicht Hals und Bein brach, war ein Wunder.
Ich wei nicht, sagte er, indem er aufstand und die Platte rieb, was
ich von dem Pechschwitzer denken soll; das ist kein mutiger Anfang!

Zu seinem Trost zog er sein Schnitzbrot aus dem Ranzen und fand dasselbe
wahrlich beinah schon wieder rund und ganz gewachsen. Er sprach dem
Laiblein aber im Marschieren solang zu, bis ihm ganz bel ward, und
deuchte ihn, er habe sich fr alle Zeit Urdrutz daran gegessen. Sei's
drum! ein Sprchlein sagt: Es ist nur geschlecket, das nimmer klecket.

Sein Sinn war allermeist auf Augsburg oder Regensburg gerichtet, denn
diese Stdte hatte er vor manchen andern rhmen hren; zuvrderst wollte
er aber nach Ulm.

Mit groen Freuden sah er bald von der Bempflinger Hhe die Alb als eine
wundersame blaue Mauer ausgestreckt. Nicht anders hatte er sich immer
die schnen blauen Glasberge gedacht, dahinter, wie man ihm als Kind
gesagt, der Knigin von Saba Schneckengrten liegen. Doch war ihm wohl
bekannt, da oben weithin wieder Drfer seien, als Bhringen, Zainingen,
Feldstetten, Suppingen, durch welche smtlich nacheinander er passieren
mute.

Jetzt hing sich auf der Strae ein Schnfrbergesell an ihn, gar sehr
ein naseweises Brschchen, spitzig und witzig, mit Backen rosenrot,
Glitzugelein, ein schwarzes Kruselhaar dazu, und schwatzte oder pfiff
in einem weg. Der Seppe achtete nicht viel auf ihn, zumal ihm eben jetzt
etwas im Kopf umging, das htte er sich gern allein im stillen berlegt.
Am Weg stand eine Kelter, mit einem umgelegten Trog davor, auf diesen
setzt' er sich, der Meinung, sein Weggeno soll weiter gehen. Der aber
warf sich seitwrts hinter ihm ins Gras und schien bald eingeschlafen,
von der Hitze md'. Da war es still umher; ein einziges Heimlein sang am
staubigen Rain so seine Weise ohn' Aufhren fort.

Endlich da fing der Seppe vor sich selbst, doch laut genug, zu sprechen
an: Jetzt wei ich, was ich tu': ich werd' ein Scherenschleifer! Wo ich
halt geh' und steh', juckt's mich, ein Rad zu treten, und sollt's ein
Spinnrad sein! (Dem war auch richtig so und konnte gar nicht anders
sein, denn einer seiner Schuhe war fr ein Mdchen gefeit und gesegnet.)
Die Art von Schleiferei, so sprach der Seppe weiter, mu einer doch
bald knnen, und so ein Kerl fhrt seine Werkstatt lustig auf einem
Schubkarrn durch die Welt, sieht alle Tage eine andere Stadt, da pflanzt
er sich im Schatten an einem Markteck auf und dreht seinen Stein, da
die Funken wegfliegen. Die Leute mgen sprechen, was sie wollen, das ist
jetzt einmal mein Beruf und mein Genie, ich spr's in allen Gliedern;
und wo mir recht ist, hat mein Ehni seliger einmal gesagt: Der Seppe ist
unter dem Zeichen des Wetzsteins geboren.

Bei diesen Reden richtete sich das Frberlein halb in die Hh'. Der ist
ein Letzkopf, dachte es, und ich bin meines Lebens neben ihm nicht eines
Glaubens Lnge sicher; stand sachte auf, schlich sich hinweg in einem
guten Bogen ber das Ackerfeld und fuete sodann der geraden Strae
nach, als brennte ihm der Stei, Metzingen zu. Der Schuster, welcher
endlich auch aufbrach, sah ihn von weitem rennen, argwhnte aber nichts
und zog, seines Vorsatzes herzlich vergngt, demselben Flecken zu.
Allein wie schaute er hoch auf, da alle Leute dort die Kpfe nach ihm
aus den Fenstern streckten und ihm die Kinder auf der Gasse, an zwanzig,
mit Geschrei nachsprangen und sangen:

   Scherr^aschleifer, wetz, wetz, wetz,
   La dei Rdle schnurr^a!
   Stu^agart ist ^a graue Stadt,
   Lauft ^a G^nsbach dur^a.

Der Seppe hatte einen Stiefelszorn, schwang fter seinen Knotenstock
gegen den Schwarm: sie schrien aber nur um desto rger, und also macht'
er sich, so hurtig er nur konnte, aus dem Wespennest hinaus. Noch vor
der letzten Htte drauen hrte er ein Stimmlein verhallend im Wind:

   Scherr^aschleifer, wetz, wetz, wetz!

Er htte fr sein Leben gern den Frber, welcher ihm den Possen spielte,
dagehabt und ihm das Fell geruckt, wie er's verdiente; der aber blieb im
Ort zurck, wo er in Arbeit stand. Sonst war der Wicht in Bingen
daheim, wie er dem Seppe sagte.

Derselbe lie sich den erlittenen Schimpf nicht allzulang' anfechten,
noch seinen Vorsatz dadurch beugen. Er machte seinen Trott so fort, und
widerfuhr ihm diesen Tag nichts weiter von Bedeutung, als da er
etlichmal rechts ging, wo er links gesollt htte, und hinwiederum links,
wo es rechts gemeint war; das freilich nach dem Zeugnis aller
Reis'beschreiber schon gar die Art nicht ist, um zeitig und mit wenig
Kosten an einen Ort zu kommen.

Einstweilen langte es doch eben noch bis Urach, wo er zur Nachtherberge
blieb. Am Morgen ging's hinauf die hohe Steig auf das Gebirg, nicht ohne
vieles Sthnen, denn sein einer Schuh -- er merkte es schon gestern --
hatte ihm ein Hhneraug' gedrckt, das machte ihm zu schaffen. Da wo die
Steig am End ist, holte er zum Glck ein gutes Buerlein aus Suppingen
auf einem Wagen mit etwas Schreinwerk ein, das hie ihn ungebeten bei
ihm aufsitzen.

Als sie nun eine Weile so, die groe Ebene hinfahrend, beieinander
saen, fing der Bauer an: Mit Vergunst, i mu^a jetzt doch frwitzig
frog^a: Gelt, Ihr sind g'wi a Dreh^ar? -- Warum? -- Ei, sprach das
Buerlein und sah auf des Gesellen Fu, do der Kamrad arbeit't allfort,
ma moi^nt er m^a all' mei' vier Rder trett^a!

Der Seppe schmte sich ein wenig, im Herzen war er aber selig froh und
dachte: Hat mir der Bauer da ein Licht aufstecken mssen! Auf einen
Drehstuhl will's mit dir hinaus und anderst nirgends hin!

Von nun an war der Schuster wie ein umgewend'ter Handschuh, ganz ein
andrer Mensch, gesprchig, lustig, langte den Schnitzlaib heraus, gab
ihn dem Buerlein bis auf den Anschnitt, sagend: Lieber Mann, des bin
ich froh, da Ihr mir angesehen, da ich ein Dreher bin! -- Ha,
sprach der andere, sell ist gu^at merk^a. -- Der Alte kaute einen
Bissen und machte ordentlich die Augen zu dabei, so gut schmeckte es
ihm; das brige hob er als Heimbringens auf fr Weib und Kinder. Danach
ward er redselig, erzhlte dem Gesellen allerlei: vom Hanf- und
Flachsbau auf der Alb; wie sie im Winter gut in ihren strohgedeckten
Htten sen, ingleichen wie man solche Dcher mit besonderer Kunst
verfertige. Auch wute er ihm viel zu sagen von Blaubeuren, einem
Stdtlein und Kloster im Tal, zwischen mchtigen Felsen gelegen; da
komme er hindurch und mge er sich ja den Blautopf auch beschauen, wie
alle Fremde tun.

Du aber, wohlgeneigter Leser, lasse dich, derweil die beiden so zusammen
diskurrieren, auch etlicher Dinge besonders berichten, die, ob sie sich
zwar lang' vor Seppes Zeit begeben, nichtsdestoweniger zu dieser
Geschichte gehren! Vernimm hiernach die wahre und anmutige

                   _Historie von der schnen Lau._

Der Blautopf ist der groe runde Kessel eines wundersamen Quells bei
einer jhen Felsenwand gleich hinter dem Kloster. Gen Morgen sendet er
ein Flchen aus, die Blau, welche der Donau zufllt. Dieser Teich ist
einwrts wie ein tiefer Trichter, sein Wasser ist von Farbe ganz blau,
sehr herrlich, mit Worten nicht wohl zu beschreiben; wenn man es aber
schpft, sieht es ganz hell in dem Gef.

Zu unterst auf dem Grund sa ehemals eine Wasserfrau mit langen
flieenden Haaren. Ihr Leib war allenthalben wie eines schnen
natrlichen Weibs, dies eine ausgenommen, da sie zwischen den Fingern
und Zehen eine Schwimmhaut hatte, blhwei und zarter als ein Blatt von
Mohn. Im Stdtlein ist noch heutzutag ein alter Bau, vormals ein
Frauenkloster, hernach zu einer groen Wirtschaft eingerichtet, und hie
darum der Nonnenhof. Dort hing vor sechzig Jahren noch ein Bildnis von
dem Wasserweib, trotz Rauch und Alter noch wohl kenntlich in den Farben.
Da hatte sie die Hnde kreuzweis auf die Brust gelegt, ihr Angesicht sah
weilich, das Haupthaar schwarz, die Augen aber, welche sehr gro waren,
blau. Beim Volk hie sie die arge Lau im Topf, auch wohl die schne Lau.
Gegen die Menschen erzeigte sie sich bald bse, bald gut. Zuzeiten, wenn
sie im Unmut den Gumpen bergehen lie, kam Stadt und Kloster in Gefahr;
dann brachten ihr die Brger in einem feierlichen Aufzug oft Geschenke,
sie zu begtigen, als Gold- und Silbergeschirr, Becher, Schalen, kleine
Messer und andere Dinge, dawider zwar, als einen heidnischen Gebrauch
und Gtzendienst, die Mnche redlich eiferten, bis derselbe auch endlich
ganz abgestellt worden. So feind darum die Wasserfrau dem Kloster war,
geschah es doch nicht selten, wenn Pater Emeran die Orgel drben schlug
und kein Mensch in der Nhe war, da sie am lichten Tag mit halbem Leib
heraufkam und zuhorchte; dabei trug sie zuweilen einen Kranz von breiten
Blttern auf dem Kopf und auch dergleichen um den Hals.

Ein frecher Hirtenjung' belauschte sie einmal in dem Gebsch und rief:
Hei, Laubfrosch! git's gu^at Wetter? Geschwinder als ein Blitz und
giftiger als eine Otter fuhr sie heraus, ergriff den Knaben beim Schopf
und ri ihn mit hinunter in eine ihrer nassen Kammern, wo sie den
ohnmchtig gewordenen jmmerlich verschmachten und verfaulen lassen
wollte. Bald aber kam er wieder zu sich, fand eine Tr und kam ber
Stufen und Gnge durch viele Gemcher in einen schnen Saal. Hier war es
lieblich, glusam mitten im Winter. In einer Ecke brannte, indem die Lau
und ihre Dienerschaft schon schlief, auf einem hohen Leuchter mit
goldenen Vogelfen als Nachtlicht eine Ampel. Es stand viel kstlicher
Hausrat herum an den Wnden, und diese waren samt dem Estrich ganz mit
Teppichen staffiert: Bildweberei in allen Farben. Der Knabe hurtig nahm
das Licht herunter von dem Stock, sah sich in Eile um, was er noch sonst
erwischen mchte, und griff aus einem Schrank etwas heraus, das stak in
einem Beutel und war mchtig schwer, deswegen er vermeinte, es sei Gold;
lief dann und kam vor ein erzenes Pfrtlein, das mochte in der Dicke gut
zwo Fuste sein, schob die Riegel zurck und stieg eine steinerne Treppe
hinauf in unterschiedlichen Abstzen, bald links, bald wieder rechts,
gewi vierhundert Stufen, bis sie zuletzt ausgingen und er auf
ungerumte Klfte stie; da mute er das Licht dahinten lassen und
kletterte so mit Gefahr seines Lebens noch eine Stunde lang im Finstern
hin und her, dann aber brachte er den Kopf auf einmal aus der Erde. Es
war tief Nacht und dicker Wald um ihn. Als er nach vielem Irregehen
endlich mit der ersten Morgenhelle auf gnge Pfade kam und von dem
Felsen aus das Stdtlein unten erblickte, verlangte ihn am Tag zu sehen,
was in dem Beutel wre: da war es weiter nichts als ein Stck Blei, ein
schwerer Kegel, spannenlang, mit einem Oehr an seinem obern Ende, wei
vor Alter. Im Zorn warf er den Plunder weg ins Tal hinab und sagte
nachher weiter niemand von dem Raub, weil er sich dessen schmte. Doch
kam von ihm die erste Kunde von der Wohnung der Wasserfrau unter die
Leute.

Nun ist zu wissen, da die schne Lau nicht hier am Ort zu Hause war:
vielmehr war sie, als eine Frstentochter, und zwar von Mutter Seiten
her halbmenschlichen Geblts, mit einem alten Donaunix am Schwarzen Meer
vermhlt. Ihr Mann verbannte sie darum, da sie nur tote Kinder hatte.
Das aber kam, weil sie stets traurig war ohn' einige besondere Ursach'.
Die Schwiegermutter hatte ihr geweissagt, sie mge eher nicht eines
lebenden Kindes genesen, als bis sie fnfmal von Herzen gelacht haben
wrde. Beim fnftenmal mte etwas sein, das drfe sie nicht wissen noch
auch der alte Nix. Es wollte aber damit niemals glcken, so viel auch
ihre Leute deshalb Flei anwendeten; endlich da mochte sie der alte
Knig ferner nicht an seinem Hofe leiden und sandte sie an diesen Ort,
unweit der obern Donau, wo seine Schwester wohnte. Die Schwiegermutter
hatte ihr zum Dienst und Zeitvertreib etliche Kammerzofen und Mgde
mitgegeben, so muntere und kluge Mdchen, als je auf Entenfen gingen
(denn was von dem gemeinen Stamm der Wasserweiber ist, hat rechte
Entenfe); die zogen sie, pur fr die Langeweile, sechsmal des Tages
anders an (denn auerhalb dem Wasser ging sie in kstlichen Gewndern,
doch barfu), erzhlten ihr alte Geschichten und Mren, machten Musik,
tanzten und scherzten vor ihr. An jenem Saal, darin der Hirtenbub
gewesen, war der Frstin ihr Gaden oder Schlafgemach, von welchem eine
Treppe in den Blautopf ging. Da lag sie manchen lieben Tag und manche
Sommernacht der Khlung wegen. Auch hatte sie allerlei lustige Tiere,
wie Vgel, Kllhasen und Affen, vornehmlich aber einen possigen Zwerg,
durch welchen vormals einem Ohm der Frstin war von eben solcher
Traurigkeit geholfen worden. Sie spielte alle Abend Damenziehen,
Schachzagel oder Schaf und Wolf mit ihm; so oft er einen ungeschickten
Zug getan, schnitt er die raresten Gesichter, keines dem andern gleich,
nein, immer eines rger als das andere, da auch der weise Salomo das
Lachen nicht gehalten htte, geschweige denn die Kammerjungfern oder du
selber, liebe Leserin, wrst du dabei gewesen; nur bei der schnen Lau
schlug eben gar nichts an, kaum da sie ein paarmal den Mund verzog.

Es kamen alle Jahr um Winters Anfang Boten von daheim, die klopften an
der Halle mit dem Hammer, da frugen dann die Jungfern:

   Wer pochet, da einem das Herz erschrickt?

Und jene sprachen:

   Der Knig schickt.
   Gebt uns wahrhaftigen Bescheid,
   Was Guts ihr habt geschafft die Zeit!

Und sie sagten:

   Wir haben die ferndigen Lieder gesungen
   Und haben die ferndigen Tnze gesprungen,
   Gewonnen war es um ein Haar. --
   Kommt, liebe Herren, bers Jahr!

So zogen sie wieder nach Haus. Die Frau war aber vor der Botschaft und
danach stets noch einmal so traurig.

Im Nonnenhof war eine dicke Wirtin, Frau Betha Seysolffin, ein frohes
Biederweib, christlich, leutselig, gtig; zumal an armen reisenden
Gesellen bewies sie sich als eine rechte Fremdenmutter. Die Wirtschaft
fhrte zumeist ihr ltster Sohn, Stephan, welcher verehlicht war; ein
anderer, Xaver, war Klosterkoch, zwo Tchter noch bei ihr. Sie hatte
einen kleinen Kchengarten vor der Stadt, dem Topf zunchst. Als sie im
Frhjahr einst am ersten warmen Tag dort war und ihre Beete richtete,
den Kappis, den Salat zu sen, Bohnen und Zwiebel zu stecken, besah sie
sich von ungefhr auch einmal recht mit Wohlgefallen wieder das schne
blaue Wasser berm Zaun und mit Verdru daneben einen alten garstigen
Schutthgel, der schndete den ganzen Platz; nahm also, wie sie fertig
war mit ihrer Arbeit und das Gartentrlein hinter sich zugemacht hatte,
die Hacke noch einmal, ri flink das grbste Unkraut aus, erlas etliche
Krbiskern' aus ihrem Samenkorb und steckte hin und wieder einen in den
Haufen. (Der Abt im Kloster, der die Wirtin, als eine saubere Frau, gern
sah -- man htte sie nicht ber vierzig Jahr geschtzt, er selber aber
war, gleich ihr, ein starkbeleibter Herr -- stand just am Fenster oben
und grte herber, indem er mit dem Finger drohte, als halte sie zu
seiner Widersacherin.) Die Wstung grnte nun den ganzen Sommer, da es
eine Freude war, und hingen dann im Herbst die groen gelben Krbis an
dem Abhang nieder bis zu dem Teich.

Jetzt ging einsmals der Wirtin Tochter, Jutta, in den Keller, woselbst
sich noch von alten Zeiten her ein offener Brunnen mit einem steinernen
Kasten befand. Beim Schein des Lichts erblickte sie darinnen mit
Entsetzen die schne Lau, schwebend bis an die Brust im Wasser, sprang
voller Angst davon und sagt's der Mutter an; die frchtete sich nicht
und stieg allein hinunter, litt auch nicht, da ihr der Sohn zum Schutz
nachfolge, weil das Weib nackt war.

Der wunderliche Gast sprach diesen Gru:

   Die Wasserfrau ist kommen
   Gekrochen und geschwommen
   Durch Gnge steinig, wst und kraus
   Zur Wirtin in das Nonnenhaus.
   Sie hat sich meinethalb gebckt,
   Mein' Topf geschmckt
   Mit Frchten und mit Ranken,
   Das mu ich billig danken.

Sie hatte einen Kreisel aus wasserhellem Stein in ihrer Hand, den gab
sie der Wirtin und sagte: Nehmt dieses Spielzeug, liebe Frau, zu meinem
Angedenken! Ihr werdet guten Nutzen davon haben. Denn jngsthin habe ich
gehrt, wie Ihr in Eurem Garten der Nachbarin klagtet, Euch sei schon
auf die Kirchweih angst, wo immer die Brger und Bauern zu Unfrieden
kmen und Mord und Totschlag zu befahren sei. Derhalben, liebe Frau,
wenn wieder die trunkenen Gste bei Tanz und Zeche Streit beginnen,
nehmt den Topf zur Hand und dreht ihn vor der Tr des Saals im Oehrn, da
wird man hren durch das ganze Haus ein mchtiges und herrliches Getne,
da alle gleich die Fuste werden sinken lassen und guter Dinge sein,
denn jhlings ist ein jeder nchtern und gescheit geworden. Ist es an
dem, so werfet Eure Schrze auf den Topf! da wickelt er sich alsbald ein
und lieget stille.

So redete das Wasserweib. Frau Betha nahm vergngt das Kleinod samt der
goldenen Schnur und dem Halter von Ebenholz, rief ihrer Tochter Jutta
her (sie stand nur hinter dem Krautfa an der Staffel), wies ihr die
Gabe, dankte und lud die Frau, so oft die Zeit ihr lang wr, freundlich
ein zu fernerem Besuch; darauf das Weib hinabfuhr und verschwand.

Es dauerte nicht lang', so wurde offenbar, welch einen Schatz die
Wirtschaft an dem Topf gewann. Denn nicht allein, da er durch seine
Kraft und hohe Tugend die beln Hndel allezeit in einer Krze dmpfte,
er brachte auch dem Gasthaus bald erstaunliche Einkehr zuwege. Wer in
die Gegend kam, gemein oder vornehm, ging ihm zulieb; insonderheit kam
bald der Graf von Helfenstein, von Wirtemberg und etliche groe
Prlaten; ja ein berhmter Herzog aus Lombardenland, so bei dem Herzoge
von Bayern gastweis war und dieses Wegs nach Frankreich reiste, bot
vieles Geld fr dieses Stck, wenn es die Wirtin lassen wollte. Gewi
auch war in keinem andern Land seinesgleichen zu sehen und zu hren.
Erst, wenn er anhub sich zu drehen, ging es doucement her, dann klang es
strker und strker, so hoch wie tief, und immer herrlicher, als wie der
Schall von vielen Pfeifen, der quoll und stieg durch alle Stockwerke bis
unter das Dach und bis in den Keller, dergestalt da alle Wnde, Dielen,
Sulen und Gelnder schienen davon erfllt zu sein, zu tnen und zu
schwellen. Wenn nun das Tuch auf ihn geworfen wurde und er ohnmchtig
lag, so hrte gleichwohl die Musik sobald nicht auf, es zog vielmehr der
ausgeladene Schwall mit starkem Klingen, Drhnen, Summen noch wohl bei
einer Viertelstunde hin und her.

Bei uns im Schwabenland heit so ein Topf aus Holz gemeinhin eine
Habergeis; Frau Betha ihrer ward nach seinem vornehmsten Geschfte
insgemein genannt der Bauren-Schwaiger. Er war gemacht aus einem groen
Amethist, des Name besagen will: Wider den Trunk, weil er den schweren
Dunst des Weins geschwinde aus dem Kopf vertreibt, ja schon von Anbeginn
dawider tut, da einen guten Zecher das Selige berhre; darum ihn auch
weltlich und geistliche Herren sonst hufig pflegten am Finger zu
tragen.

Die Wasserfrau kam jeden Mond einmal, auch je und je unverhofft zwischen
der Zeit, weshalb die Wirtin eine Schelle richten lie oben im Haus mit
einem Draht, der lief herunter an der Wand beim Brunnen, damit sie sich
gleichbald anzeigen konnte. Also ward sie je mehr und mehr zutunlich zu
den wackeren Frauen, der Mutter samt den Tchtern und der Shnerin.

Einsmals an einem Nachmittag im Sommer, da eben keine Gste kamen, der
Sohn mit den Knechten und Mgden hinaus in das Heu gefahren war, Frau
Betha mit der Aeltesten im Keller Wein ablie, die Lau im Brunnen aber
Kurzweil halben dem Geschft zusah und nun die Frauen noch ein wenig mit
ihr plauderten, da fing die Wirtin an: Mgt Ihr Euch denn einmal in
meinem Haus und Hof umsehn? Die Jutta knnte Euch etwas von Kleidern
geben; ihr seid von _einer_ Gre.

Ja, sagte sie, ich wollte lange gern die Wohnungen der Menschen sehn,
was alles sie darin gewerben, spinnen, weben, ingleichen auch wie Eure
Tchter Hochzeit machen und ihre kleinen Kinder in der Wiege schwenken.

Da lief die Tochter frhlich mit Eile hinauf, ein rein Leintuch zu
holen, bracht' es und half ihr aus dem Kasten steigen; das tat sie
sonder Mh' und lachenden Mundes. Flugs schlug ihr die Dirne das Tuch um
den Leib und fhrte sie bei ihrer Hand eine schmale Stiege hinauf in der
hintersten Ecke des Kellers, da man durch eine Falltre oben gleich in
der Tchter Kammer gelangt. Allda lie sie sich trocken machen und sa
auf einem Stuhl, indem ihr Jutta die Fe abrieb. Wie diese ihr nun an
die Sohle kam, fuhr sie zurck und kicherte. War's nicht gelacht? frug
sie selber sogleich. -- Was anders? rief das Mdchen und jauchzte:
Gebenedeiet sei uns der Tag! ein erstes Mal wr' es geglckt! -- Die
Wirtin hrte in der Kche das Gelchter und die Freude, kam herein,
begierig, wie es zugegangen, doch als sie die Ursach' vernommen -- du
armer Tropf, so dachte sie, das wird ja schwerlich gelten! -- lie sich
indes nichts merken, und Jutta nahm etliche Stcke heraus aus dem
Schrank, das Beste was sie hatte, die Hausfreundin zu kleiden. Seht!
sagte die Mutter, sie will wohl aus Euch eine Susann Preisnestel
machen. -- Nein, rief Lau in ihrer Frhlichkeit, la mich die
Aschengruttel sein in deinem Mrchen! nahm einen schlechten runden
Faltenrock und eine Jacke; nicht Schuh noch Strmpfe litt sie an den
Fen, auch hingen ihre Haare ungezpft bis auf die Knchel nieder. So
strich sie durch das Haus von unten bis zu oberst, durch Kche, Stuben
und Gemcher. Sie verwunderte sich des gemeinsten Gertes und seines
Gebrauchs, besah den rein gefegten Schenktisch und darber in langen
Reihen die zinnenen Kannen und Glser, alle gleich gestrzt, mit
hngendem Deckel, dazu den kupfernen Schwenkkessel samt der Brste und
mitten in der Stube an der Decke der Weber Zunftgeschmuck, mit
Seidenband und Silberdraht geziert, in dem Kstlein von Glas. Von
ungefhr erblickte sie ihr eigen Bild im Spiegel, davor blieb sie
betroffen und erstockt eine ganze Weile stehn, und als darauf die
Shnerin sie mit in ihre Stube nahm und ihr ein neues Spiegelein, drei
Groschen wert, verehrte, da meinte sie Wunders zu haben; denn unter
allen ihren Schtzen fand sich dergleichen nicht.

Bevor sie aber Abschied nahm, geschah's, da sie hinter den Vorhang des
Alkoven schaute, woselbst der jungen Frau und ihres Mannes Bett sowie
der Kinder Schlafsttte war. Sa da ein Enkelein mit rotgeschlafenen
Backen, hemdig und einen Apfel in der Hand, auf einem runden Sthlchen
von guter Ulmer Hafnerarbeit, grnverglaset. Das wollte dem Gast auer
Maen gefallen; sie nannte es einen viel zierlichen Sitz, rmpft' aber
die Nase mit eins, und da die drei Frauen sich wandten zu lachen,
vermerkte sie etwas und fing auch hell zu lachen an, und hielt sich die
ehrliche Wirtin den Bauch, indem sie sprach: Diesmal frwahr hat es
gegolten, und Gott schenk Euch einen so frischen Buben, als mein Hans da
ist!

Die Nacht darauf, da sich dies zugetragen, legte sich die schne Lau
getrost und wohlgemut, wie schon in Jahren nicht, im Grund des Blautopfs
nieder, schlief gleich ein, und bald erschien ihr ein nrrischer Traum.

Ihr deuchte da, es war die Stunde nach Mittag, wo in der heien
Jahreszeit die Leute auf der Wiese sind und mhen, die Mnche aber sich
in ihren khlen Zellen eine Ruhe machen, daher es noch einmal so still
im ganzen Kloster und rings um seine Mauern war. Es stund jedoch nicht
lange an, so kam der Abt herausspaziert und sah, ob nicht etwa die
Wirtin in ihrem Garten sei. Dieselbe aber sa als eine dicke Wasserfrau
mit langen Haaren in dem Topf, allwo der Abt sie bald entdeckte, sie
begrte und ihr einen Ku gab, so mchtig, da es vom Klostertrmlein
widerschallte, und schallte es der Turm ans Refektorium, das sagt' es
der Kirche, und die sagt's dem Pferdestall, und der sagt's dem
Waschhaus, und im Waschhaus da riefen's die Zuber und Kbel sich zu. Der
Abt erschrak bei solchem Lrm; ihm war, wie er sich nach der Wirtin
bckte, sein Kpplein in Blautopf gefallen; sie gab es ihm geschwind,
und er watschelte hurtig davon.

Da aber kam aus dem Kloster heraus unser Herrgott, zu sehn, was es gebe.
Er hatte einen langen weien Bart und einen roten Rock. Und frug den
Abt, der ihm just in die Hnde lief:

   Herr Abt, wie ward Euer Kpplein so na?

Und er antwortete:

   Es ist mir ein Wildschwein am Wald verkommen,
   Vor dem hab' ich Reiaus genommen;
   Ich rannte sehr und schwitzet' ba,
   Davon ward wohl mein Kpplein so na.

Da hob unser Herrgott, unwirs ob der Lge, seinen Finger auf, winkt' ihm
und ging voran, dem Kloster zu. Der Abt sah hehlings noch einmal nach
der Frau Wirtin um, und diese rief: Ach, liebe Zeit! ach, liebe Zeit!
jetzt kommt der gut' alt' Herr in die Prison!

Dies war der schnen Lau ihr Traum. Sie wute aber beim Erwachen und
sprte noch an ihrem Herzen, da sie im Schlaf sehr lachte, und ihr
hpfte noch wachend die Brust, da der Blautopf oben Ringlein schlug.

Weil es den Tag zuvor sehr schwl gewesen, so blitzte es jetzt in der
Nacht. Der Schein erhellte den Blautopf ganz, auch sprte sie am Boden,
es donnere weitweg. So blieb sie mit zufriedenem Gemte noch eine Weile
ruhen, den Kopf in ihre Hand gesttzt, und sah dem Wetterblicken zu. Nun
stieg sie auf, zu wissen, ob der Morgen etwa komme: allein es war noch
nicht viel ber Mitternacht. Der Mond stand glatt und schn ber dem
Rusenschlo, die Lfte aber waren voll vom Wrzgeruch der Mahden.

Sie meinte fast der Geduld nicht zu haben bis an die Stunde, wo sie im
Nonnenhof ihr neues Glck verknden durfte, ja wenig fehlte, da sie
sich jetzt nicht mitten in der Nacht aufmachte und vor Juttas Tre kam
(wie sie nur einmal Trostes wegen in bergroem Jammer nach der jngsten
Botschaft aus der Heimat tat), doch sie besann sich anders und ging zu
besserer Zeit.

Frau Betha hrte ihren Traum gutmtig an, obwohl er ihr ein wenig
ehrenrhrig schien. Bedenklich aber sagte sie darauf: Baut nicht auf
solches Lachen, das im Schlaf geschah! der Teufel ist ein Schelm. Wenn
Ihr auf solches Trugwerk hin die Boten mit frhlicher Zeitung entlieet,
und die Zukunft strafte Euch Lgen, es knnte schlimm daheim ergehen.

Auf diese Rede hing die schne Lau den Mund gar sehr und sagte: Frau
Ahne hat der Traum verdrossen! nahm kleinlauten Abschied und tauchte
hinunter.

Es war nah bei Mittag, da rief der Pater Schaffner im Kloster dem Bruder
Kellermeister eifrig zu: Ich merk', es ist im Gumpen letz! Die Arge
will Euch Eure Fa wohl wieder einmal schwimmen lehren. Tut Eure Lden
eilig zu, vermachet alles wohl!

Nun aber war des Klosters Koch, der Wirtin Sohn, ein lustiger Vogel,
welchen die Lau wohl leiden mochte. Der dachte ihren Jst mit einem
Schnak zu stillen, lief nach seiner Kammer, zog die Bettscher aus der
Lagersttte und steckte sie am Blautopf in den Rasen, wo das Wasser
auszutreten pflegte, und stellte sich mit Worten und Gebrden als einen
viel getreuen Diener an, der mchtig Aengsten htte, da seine
Herrschaft aus dem Bette fallen und etwa Schaden nehmen mchte. Da sie
nun sah das Holz so recht mit Flei gesteckt und ber das Bchlein
gespreizt, kam ihr in ihrem Zorn das Lachen an, und lachte berlaut, da
man's im Klostergarten hrte.

Als sie hierauf am Abend zu den Frauen kam, da wuten sie es schon vom
Koch und wnschten ihr mit tausend Freuden Glck. Die Wirtin sagte: Der
Xaver ist von Kindesbeinen an gewesen als wie der Zuberklaus, jetzt
kommt uns seine Torheit zustatten.

Nun aber ging ein Monat nach dem andern herum: es wollte sich zum
dritten- oder viertenmal nicht wieder schicken. Martini war vorbei, noch
wenig Wochen, und die Boten standen wieder vor der Tr. Da ward es den
guten Wirtsleuten selbst bang, ob heuer noch etwas zustande kme, und
alle hatten nur zu trsten an der Frau. Je grer deren Angst, je
weniger zu hoffen war.

Damit sie ihres Kummers eher vergesse, lud ihr Frau Betha einen
Lichtkarz ein, da nach dem Abendessen ein halb Dutzend muntre Dirnen und
Weiber aus der Verwandtschaft in einer abgelegenen Stube mit ihren
Kunkeln sich zusammensetzten. Die Lau kam alle Abend in Juttas altem
Rock und Kittel und lie sich weit vom warmen Ofen weg in einem Winkel
auf dem Boden nieder und hrte dem Geplauder zu, von Anfang als ein
stummer Gast, ward aber bald zutraulich und bekannt mit allen. Um
ihretwillen machte sich Frau Betha eines Abends ein Geschft daraus, ihr
Weihnachtskripplein fr die Enkel beizeiten herzurichten: die Mutter
Gottes mit dem Kind im Stall, bei ihr die drei Weisen aus Morgenland,
ein jeder mit seinem Kamel, darauf er hergereist kam und seine Gaben
brachte. Dies alles aufzuputzen und zu leimen, was etwa lotter war, sa
die Frau Wirtin an dem Tisch beim Licht mit ihrer Brille, und die
Wasserfrau mit hchlichem Ergtzen sah ihr zu, so wie sie auch gerne
vernahm, was ihr von heiligen Geschichten dabei gesagt wurde, doch nicht
da sie dieselben dem rechten Verstand nach begriff oder zu Herzen nahm,
wie gern auch die Wirtin es wollte.

Frau Betha wute ferner viel lehrreicher Fabeln und Denkreime, auch
spitzweise Fragen und Rtsel; die gab sie nacheinander im Vorsitz auf zu
raten, weil sonderlich die Wasserfrau von Hause aus dergleichen liebte
und immer gar zufrieden schien, wenn sie es ein und das andre Mal traf
(das doch nicht allzu leicht geriet). Eines derselben gefiel ihr vor
allen, und was damit gemeint ist, nannte sie ohne Besinnen:

   Ich bin eine drre Knigin,
   Trag' auf dem Haupt eine zierliche Kron',
   Und die mir dienen mit treuem Sinn,
   Die haben groen Lohn.

   Meine Frauen mssen mich schn frisieren,
   Erzhlen mir Mrlein ohne Zahl.
   Sie lassen kein einzig Haar an mir,
   Doch siehst du mich nimmer kahl.

   Spazieren fahr' ich frank und frei,
   Das geht so rasch, das geht so fein;
   Nur komm ich nicht vom Platz dabei --
   Sagt Leute! was mag das sein?

Darber sagte sie, in etwas frhlicher denn zuvor: Wenn ich dereinstens
wiederum in meiner Heimat bin und kommt einmal ein schwbisch
Landeskind, zumal aus Eurer Stadt, auf einer Kriegsfahrt oder sonst
durch der Walachen Land an unsere Gestade, so ruf er mich bei Namen,
dort wo der Strom am breitesten hineingeht in das Meer -- versteht! zehn
Meilen einwrts in dieselbe See erstreckt sich meines Mannes Reich, so
weit das se Wasser sie mit seiner Farbe frbt -- dann will ich kommen
und dem Fremdling zu Rat und Hilfe sein. Damit er aber sicher sei, ob
ich es bin und keine andere, die ihm schaden mchte, so stelle er dies
Rtsel. Niemand aus unserem Geschlechte auer mir wird ihm darauf
antworten, denn dortzuland sind solche Rocken und Rdlein, als Ihr in
Schwaben fhret, nicht gesehn, noch kennen sie dort Eure Sprache; darum
mag dies die Losung sein.

Auf einen andern Abend ward erzhlt vom Doktor Veylland und Herrn Konrad
von Wirtemberg, dem alten Gaugrafen, in dessen Tagen es noch keine Stadt
mit Namen Stuttgart gab. Im Wiesental, da wo dieselbe sich nachmals
erhob, stund nur ein stattliches Schlo mit Wassergraben und Zugbrcke,
von Bruno, dem Domherrn von Speyer, Konradens Oheim, erbaut, und nicht
gar weit davon ein hohes steinernes Haus. In diesem wohnte dazumal mit
einem alten Diener ganz allein ein sonderlicher Mann, der war in
natrlicher Kunst und in Arzneikunst sehr gelehrt und war mit seinem
Herrn, dem Grafen, weit in der Welt herumgereist in heien Lndern, von
wo er manche Seltsamkeit an Tieren, vielerlei Gewchsen und Meerwundern
heraus nach Schwaben brachte. In seinem Oehrn sah man der fremden Sachen
eine Menge an den Wnden herum hangen: die Haut vom Krokodil sowie
Schlangen und fliegende Fische. Fast alle Wochen kam der Graf einmal zu
ihm; mit andern Leuten pflegte er wenig Gemeinschaft. Man wollte
behaupten, er mache Gold; gewi ist, da er sich unsichtbar machen
konnte, denn er verwahrte unter seinem Kram einen Krackenfischzahn.
Einst nmlich, als er auf dem Roten Meer das Bleilot niederlie, die
Tiefe zu erforschen, da zockt' es unterm Wasser, da das Tau fast ri.
Es hatte sich ein Krackenfisch im Lot verbissen und zween seiner Zhne
darinnen gelassen. Sie sind wie eine Schustersahle, spitz und glnzend
schwarz. Der eine stak sehr fest, der andere lie sich leicht ausziehen.
Da nun ein solcher Zahn, etwa in Silber oder Gold gefat und bei sich
getragen, besagte hohe Kraft besitzt und zu den grten Gtern, so man
fr Geld nicht haben kann, gehrt, der Doktor aber dafr hielt, es zieme
eine solche Gabe niemand besser als einem weisen und wohldenkenden
Gebieter, damit er berall, in seinen eigenen und Feindes Landen, sein
Ohr und Auge habe, so gab er einen dieser Zhne seinem Grafen, wie er ja
ohnedem wohl schuldig war, mit Anzeigung von dessen Heimlichkeit, davon
der Herr nichts wute. Von diesem Tage an erzeigte sich der Graf dem
Doktor gndiger als allen seinen Edelleuten oder Rten, und hielt ihn
recht als seinen lieben Freund, lie ihm auch gern und sonder Neid das
Lot zu eigen, darin der andere Zahn war, doch unter dem Gelbnis, sich
dessen ohne Not nicht zu bedienen, auch ihn vor seinem Ableben entweder
ihm, dem Grafen, erblich zu verlassen oder auf alle Weise der Welt zu
entrcken, wo nicht ihn gnzlich zu vertilgen. Der edle Graf starb aber
um zwei Jahre eher als der Veylland und hinterlie das Kleinod seinen
Shnen nicht; man glaubt, aus Gottesfurcht und weiser Vorsicht hab' er
es mit in das Grab genommen oder sonst verborgen.

Wie nun der Doktor auch am Sterben lag, so rief er seinen treuen Diener
Kurt zu ihm ans Bett und sagte: Lieber Kurt! es gehet diese Nacht mit
mir zu Ende, so will ich dir noch deine guten Dienste danken und etliche
Dinge befehlen. Dort bei den Bchern in dem Fach zu unterst in der Ecke
ist ein Beutel mit hundert Imperialen, den nimm sogleich zu dir! Du
wirst auf Lebenszeit genug daran haben. Zum zweiten, das alte
geschriebene Buch in dem Kstlein daselbst verbrenne jetzt vor meinen
Augen hier in dem Kamin! Zum dritten findest du ein Bleilot dort, das
nimm, verbirg's bei deinen Sachen, und wenn du aus dem Hause gehst in
deine Heimat gen Blaubeuren, la es dein erstes sein, da du es in den
Blautopf wirfst! -- Hiermit war er darauf bedacht, da es ohne Gottes
besondere Fgung in ewigen Zeiten nicht in irgendeines Menschen Hnde
komme. Denn damals hatte sich die Lau noch nie im Blautopf blicken
lassen und hielt man selben berdies fr unergrndlich.

Nachdem der gute Diener jenes alles teils auf der Stelle ausgerichtet,
teils versprochen, nahm er mit Trnen Abschied von dem Doktor, welcher
vor Tage noch das Zeitliche gesegnete.

Als nachher die Gerichtspersonen kamen und allen kleinen Quark
aussuchten und versiegelten, da hatte Kurt das Bleilot zwar beiseit'
gebracht, den Beutel aber nicht versteckt (denn er war keiner von den
Schlauesten) und mute ihn dalassen, bekam auch nach der Hand nicht
einen Deut davon zu sehen, kaum da die schnden Erben ihm den
Jahreslohn auszahlten.

Solch Unglck ahnete ihm schon, als er, auch ohnedem betrbt genug, mit
seinem Bndelein in seiner Vaterstadt einzog. Jetzt dachte er an nichts,
als seines Herrn Befehl vor allen Dingen zu vollziehen. Weil er seit
dreiundzwanzig Jahren nimmer hier gewesen, so kannte er die Leute nicht,
die ihm begegneten, und da er gleichwohl einem und dem andern guten
Abend sagte, gab's ihm niemand zurck. Die Leute schauten sich, wenn er
vorber kam, verwundert an den Husern um, wer doch da gegrt haben
mchte; denn keines erblickte den Mann. Dies kam, weil ihm das Lot in
seinem Bndel auf der linken Seite hing; ein andermal, wenn er es rechts
trug, war er von allen gesehen. Er aber sprach fr sich: Zu meiner Zeit
sind di^a Blaubeur^am^ar so grob ett gw!

Beim Blautopf fand er seinen Vetter, den Seilermeister, mit dem Jungen
am Geschft, indem er lngs der Klostermauer, rckwrts gehend, Werg aus
seiner Schrze spann, und weiterhin der Knabe trillte die Schnur mit dem
Rad. -- Gott gr^a di, Vetter Seiler! rief der Kurt und klopft' ihm
auf die Achsel. Der Meister guckt sich um, verblat, lt seine Arbeit
aus den Hnden fallen und lauft, was seine Beine mgen. Da lachte der
andere, sprechend: Der denkt, mei' Seel, i wandele geistweis! D'Leut
hant g'wi mi fr tot hi^a g'sait, anstatt mein' Herr^a -- ei so
schlag!

Jetzt ging er zu dem Teich, knpfte sein Bndel auf und zog das Lot
heraus. Da fiel ihm ein, er mchte doch auch wissen, ob es wahr sei, da
der Gumpen keinen Grund noch Boden habe (er wr' gern auch ein wenig so
ein Spiriguckes wie sein Herr gewesen), und weil er vorhin in des
Seilers Korb drei groe, starke Schnrbund liegen sehn, so holte er
dieselben her und band das Lot an einen. Es lagen just auch
frischgebohrte Teichel, eine schwere Menge, in dem Wasser bis gegen die
Mitte des Topfs, darauf er sicher Posto fassen konnte, und also lie er
das Gewicht hinunter, indem er immer ein Stck Schnur an seinem
ausgestreckten Arm abma, drei solcher Lngen auf ein Klafter rechnete
und laut abzhlte: 1 Klafter, 2 Klafter, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10 -- da
ging der erste Schnurbund aus und mute er den zweiten an das Ende
knpfen, ma wiederum ab und zhlte bis auf 20. Da war der andere
Schnurbund gar. -- Heid^aguguk, ist dees ^a Ti^afe! -- und band den
dritten an das Trumm, fuhr fort zu zhlen: 21, 22, 23, 24 --
Hllelement, mei' Arm will nimme! -- 25, 26, 27, 28, 29, 30 -- Jetzet
gu^at Nacht, 's Me hot ^a End! Do heit's halt, mir nex, dir nex,
rappede kappede, so isch usgang^a! -- Er schlang die Schnur, bevor er
aufzog, um das Holz, darauf er stand, ein wenig zu verschnaufen, und
urteilte bei sich: Der Topf ist whrle bod^alaus.

Indem der Spinnerinnen eine diesen Schwank erzhlte, tat die Wirtin
einen schlauen Blick zur Lau hinber, welche lchelte; denn freilich
wute sie am besten, wie es gegangen war mit dieser Messerei; doch
sagten beide nichts. Dem Leser aber soll es unverhalten sein.

Die schne Lau lag jenen Nachmittag auf dem Sand in der Tiefe, und, ihr
zu Fen, eine Kammerjungfer, Aleila, welche ihr die liebste war,
beschnitt ihr in guter Ruh die Zehen mit einer goldenen Schere, wie von
Zeit zu Zeit geschah.

Da kam hernieder langsam aus der klaren Hh' ein schwarzes Ding, als wie
ein Kegel, des sich im Anfang beide sehr verwunderten, bis sie
erkannten, was es sei. Wie nun das Lot mit neunzig Schuh den Boden
berhrte, da ergriff die scherzlustige Zofe die Schnur und zog gemach
mit beiden Hnden, zog und zog so lang', bis sie nicht mehr nachgab.
Alsdann nahm sie geschwind die Schere und schnitt das Lot hinweg,
erlangte einen dicken Zwiebel (der war erst gestern in den Topf gefallen
und war fast eines Kinderkopfes gro) und band ihn bei dem grnen
Schossen an die Schnur, damit der Mann erstaune, ein ander Lot zu
finden, als das er ausgeworfen. Derweile aber hatte die schne Lau den
Krackenzahn im Blei mit Freuden und Verwunderung entdeckt. Sie wute
seine Kraft gar wohl, und ob zwar fr sich selbst die Wasserweiber oder
-Mnner nicht viel danach fragen, so gnnen sie den Menschen doch so
groen Vorteil nicht, zumalen sie das Meer und was sich darin findet von
Anbeginn als ihren Pacht und Lehn ansprechen. Deswegen denn die schne
Lau mit dieser ungefhren Beute sich dereinst, wenn sie zu Hause kme,
beim alten Nix, ihrem Gemahl, Lobs zu erholen hoffte. Doch wollte sie
den Mann, der oben stund, nicht lassen ohn' Entgelt, nahm also alles,
was sie eben auf dem Leibe hatte, nmlich die schne Perlenschnur an
ihrem Hals, schlang selbe um den groen Zwiebel, gerade als er sich
nunmehr erhob; und daran war es nicht genug: sie hing zuteuerst auch die
goldene Schere noch daran und sah mit hellem Aug', wie das Gewicht
hinaufgezogen ward. Die Zofe aber, neubegierig, wie sich das
Menschenkind dabei gebrde, stieg hinten dem Lot in die Hhe und weidete
sich zwo Spannen unterhalb dem Spiegel an des Alten Schreck und
Verwirrung. Zuletzt fuhr sie mit ihren beiden aufgehobenen Hnden ein
maler viere in der Luft herum, die weien Finger als zu einem Fcher
oder Wadel ausgespreizt. Es waren aber schon zuvor auf des Vetters
Seilers Geschrei viel Leute aus der Stadt herausgekommen, die standen um
den Blautopf her und sahn dem Abenteuer zu, bis wo die grausigen Hnde
erschienen; da stob mit eins die Menge voneinander und entrann.

Der alte Diener aber war von Stund an irrsch im Kopf ganzer sieben Tage,
und sah der Lau ihre Geschenke gar nicht an, sondern sa da bei seinem
Vetter hinterm Ofen und sprach des Tags wohl hundertmal ein altes
Sprchlein vor sich hin, von welchem kein Gelehrter in ganz Schwabenland
Bescheid zu geben wei, woher und wie oder wann erstmals es unter die
Leute gekommen. Denn von ihm selber hatte es der Alte nicht; man gab es
lang' vor seiner Zeit, gleichwie noch heutiges Tags, den Kindern
scherzweis auf, wer es ganz hurtig nacheinander ohne Tadel am ftesten
hersagen knne; und lauten die Worte:

   's leit ^a Kltzle Blei glei bei Blaubeur^a,
   glei bei Blaubeur^a leit ^a Kltzle Blei.

Die Wirtin nannt' es einen rechten Leirenbendel und sagte: Wer htte
auch den mindesten Verstand da drin gesucht, geschweige eine
Prophezeiung!

Als endlich der Kurt mit dem siebenten Morgen seine gute Besinnung
wiederfand und ihm der Vetter die kostbaren Sachen darwies, so sein
rechtliches Eigentum wren, da schmunzelte er doch, tat sie in sichern
Verschlu und ging mit des Seilers zu Rat, was damit anzufangen. Sie
achteten alle frs beste, er reise mit Perlen und Schere gen Stuttgart,
wo eben Graf Ludwig sein Hoflager hatte, und biete sie demselben an zum
Kauf. So tat er denn. Der hohe Herr war auch nicht karg und gleich
bereit, so seltene Zier nach Schtzung eines Meisters fr seine Frau zu
nehmen; nur als er von dem Alten hrte, wie er dazu gekommen, fuhr er
auf und drehte sich voll Aerger auf dem Absatz um, da ihm der
Wunderzahn verloren sei. Ihm war vordem etwas von diesem kund geworden,
und hatte er dem Doktor, bald nach Herrn Konrads Hintritt, seines
Vaters, sehr darum angelegen, doch umsonst.

Dies war nun die Geschichte, davon die Spinnerinnen damals plauderten.
Doch ihnen war das Beste daran unbekannt. Eine Gevatterin, so auch mit
ihrer Kunkel unter ihnen sa, htte noch gar gern gehrt, ob wohl die
schne Lau das Lot noch habe, und was sie damit tue, und red'te so von
weitem darauf hin; da gab Frau Betha ihr nach ihrer Weise einen kleinen
Stich und sprach zur Lau: Ja, gelt, jetzt macht Ihr Euch bisweilen
unsichtbar, geht herum in den Husern und guckt den Weibern in die
Tpfe, was sie zu Mittag kochen? Eine schne Sach' um so ein Lot fr
frwitzige Leute!

Inmittelst fing der Dirnen eine an, halblaut das nrrische Gesetzlein
herzusagen; die andern taten ein gleiches, und jede wollt' es besser
knnen, und keine brachte es zum dritten oder viertenmal glatt aus dem
Mund; dadurch gab es viel Lachen. Zum letzten mute es die schne Lau
probieren: die Jutta lie ihr keine Ruh. Sie wurde rot bis an die
Schlfe, doch hub sie an und klglicherweise gar langsam:

   's leit ^a Kltzle Blei glei bei Blaubeur^a.

Die Wirtin rief ihr zu, so sei es keine Kunst; es msse gehen wie
geschmiert! Da nahm sie ihren Anlauf frisch hinweg, kam auch alsbald vom
Pfad ins Stoppelfeld, fuhr buntberecks und wute nimmer gicks noch
gacks. Jetzt, wie man denken kann, gab es Gelchter einer Stuben voll,
das httet ihr nur hren sollen, und mitten draus hervor der schnen Lau
ihr Lachen, so hell wie ihre Zhne, die man alle sah!

Doch unversehens, mitten in dieser Frhlichkeit und Lust, begab sich ein
mchtiges Schrecken.

Der Sohn vom Haus, der Wirt -- er kam gerade mit dem Wagen heim von
Sonderbuch und fand die Knechte verschlafen im Stall -- sprang hastig
die Stiege herauf, rief seine Mutter vor die Tr und sagte, da es alle
hren konnten: Um Gottes willen, schickt die Lau nach Haus! Hrt Ihr
denn nicht im Stdtlein den Lrm? Der Blautopf leert sich aus, die
untere Gasse ist schon unter Wasser, und in dem Berg am Gumpen ist ein
Gets und Rollen, als wenn die Sintflut kme! -- Indem er noch so
sprach, tat innen die Lau einen Schrei: Das ist der Knig, mein Gemahl,
und ich bin nicht daheim! -- Hiermit fiel sie von ihrem Stuhl sinnlos
zu Boden, da die Stube zitterte. Der Sohn war wieder fort, die
Spinnerinnen liefen jammernd heim mit ihren Rocken, die andern wuten
aber nicht, was anzufangen mit der armen Lau, welche wie tot dalag. Eins
machte ihr die Kleider auf, ein anderes strich sie an, das dritte ri
die Fenster auf, und schafften doch alle miteinander nichts.

Da streckte unverhofft der lustige Koch den Kopf zur Tr herein,
sprechend: Ich hab' mir's eingebildet, sie wr' bei euch! Doch, wie ich
sehe, geht's nicht allzu lustig her. Macht, da die Ente in das Wasser
kommt, so wird sie schwimmen! -- Du hast gut reden! sprach die Mutter
mit Beben. Hat man sie auch im Keller und im Brunnen, kann sie sich
unten nicht den Hals abstrzen im Geklft? -- Was Keller! rief der
Sohn, was Brunnen! Das geht ja freilich nicht. Lat mich nur machen!
Not kennt kein Gebot: ich trag' sie in den Blautopf. -- Und damit nahm
er, als ein starker Kerl, die Wasserfrau auf seine Arme. Komm, Jutta --
nicht heulen! -- geh mir voran mit der Latern'! -- In Gottes Namen!
sagte die Wirtin. Doch nehmt den Weg hinten herum durch die Grten! Es
wimmelt die Strae mit Leuten und Lichtern. -- Der Fisch hat sein
Gewicht, sprach er im Gehn, schritt aber festen Tritts die Stiege
hinunter, dann ber den Hof und links und rechts, zwischen Hecken und
Zunen hindurch.

Am Gumpen fanden sie das Wasser schon merklich gefallen, gewahrten aber
nicht, wie die drei Zofen, mit den Kpfen dicht unter dem Spiegel,
ngstlich hin und wieder schwammen, nach ihrer Frau ausschauend. Das
Mdchen stellte die Laterne hin, der Koch entledigte sich seiner Last,
indem er sie behutsam mit dem Rcken an den Krbishgel lehnte. Da
raunte ihm sein eigener Schalk ins Ohr: Wenn du sie ktest, freute
dich's dein Leben lang, und knntest du doch sagen, du habest einmal
eine Wasserfrau gekt. -- Und eh' er es recht dachte, war's geschehen.
Da lschte ein Schuck Wasser aus dem Topf das Licht urpltzlich aus, da
es stichdunkel war umher, und tat es dann nicht anders, als wenn ein
ganz halb Dutzend nasser Hnde auf ein paar kernige Backen fiel, und wo
es sonst hintraf. Die Schwester rief: Was gibt es denn? --
Maulschellen heit man's hier herum! sprach er. Ich htte nicht
gedacht, da sie am Schwarzen Meer sottige Ding' auch kenneten! -- Dies
sagend stahl er sich eilends davon, doch weil es vom Widerhall drben am
Kloster auf Mauern und Dchern und Wnden mit Maulschellen brazzelte,
stund er bestrzt, wute nicht recht wohin, denn er glaubte den Feind
vorn und hinten. (Solch einer Witzung brauchte es, damit er sich des
Mundes nicht berhme, den er gekt, unwissend zwar, da er es _mssen_
tun der schnen Lau zum Heil.)

Inwhrend diesem argen Lrm nun hrte man die Frstin in ihrem
Ohnmachtschlaf so innig lachen, wie sie damals im Traum getan, wo sie
den Abt sah springen. Der Koch vernahm es noch von weitem, und ob er's
schon auf sich zog und mit Grund, erkannte er doch gern daraus, da es
nicht weiter Not mehr habe mit der Frau.

Bald kam mit guter Zeitung auch die Jutte heim, die Kleider, den Rock
und das Leibchen im Arm, welche die schne Lau zum letztenmal heut' am
Leibe gehabt. Von ihren Kammerjungfern, die sie am Topf in Beisein des
Mdchens empfingen, erfuhr sie gleich zu ihrem groen Trost, der Knig
sei noch nicht gekommen, doch mg' es nicht mehr lang' anstehn; die
groe Wasserstrae sei schon angefllt. Dies nmlich war ein breiter,
hoher Felsenweg, tief unterhalb den menschlichen Wohnsttten, schn grad
und eben mitten durch den Berg gezogen, zwo Meilen lang von da bis an
die Donau, wo des alten Nixen Schwester ihren Frstensitz hatte.
Derselben waren viele Flsse, Bche, Quellen dieses Gaues dienstbar; die
schwellten, wenn das Aufgebot an sie erging, besagte Strae in gar
kurzer Zeit so hoch mit ihren Wassern, da sie mit allem Seegetier,
Meerrossen und Wagen fglich befahren werden mochte, welches bei
festlicher Gelegenheit zuweilen als ein schnes Schaugeprng mit vielen
Fackeln und Musik von Hrnern und Pauken geschah.

Die Zofen eilten jetzo sehr mit ihrer Herrin in das Putzgemach, um sie
zu salben, zpfen und kstlich anzuziehen, das sie auch gern zulie und
selbst mithalf; denn sie in ihrem Innern fhlte, es sei nun jegliches
erfllt zusamt dem Fnften, so der alte Nix und sie nicht wissen durfte.

Drei Stunden wohl, nachdem der Wchter Mitternacht gerufen (es schlief
im Nonnenhof schon alles), erscholl die Kellerglocke zweimal mchtig,
zum Zeichen, da es Eile habe, und hurtig waren auch die Frauen und die
Tchter auf dem Platz.

Die Lau begrte sie wie sonst vom Brunnen aus, nur war ihr Gesicht von
der Freude verschnt, und ihre Augen glnzten, wie man es nie an ihr
gesehen. Sie sprach: Wit, da mein Ehgemahl um Mitternacht gekommen
ist! Die Schwieger hat es ihm voraus verkndigt ohnelngst, da sich in
dieser Nacht mein gutes Glck vollenden soll, darauf er ohne Sumen
auszog mit Geleit der Frsten, seinem Ohm und meinem Bruder Synd und
vielen Herren. Am Morgen reisen wir. Der Knig ist mir hold und gndig,
als hie' ich von heute an erst sein Gespons. Sie werden gleich vom Mahl
aufstehn, sobald sie den Umtrunk gehalten. Ich schlich auf meine Kammer
und hierher, noch meine Gastfreunde zu gren und zu herzen. Ich sage
Dank, Frau Ahne, liebe Jutta, Euch Shnerin und Jngste dir. Gret die
Mnner und die Mgde! In jedem dritten Jahr wird euch Botschaft von mir;
auch mag es wohl geschehn, da ich noch blder komme selber: da bring'
ich mit auf diesen meinen Armen ein lebend Merkmal, da die Lau bei euch
gelacht. Das wollen euch die Meinen allezeit gedenken, wie ich selbst.
Fr jetzo, wisset, liebe Wirtin! ist mein Sinn, einen Segen zu stiften
in dieses Haus fr viele seiner Gste. Oft habe ich vernommen, wie Ihr
den armen wandernden Gesellen Guts getan mit freier Zehrung und
Herberg'. Damit Ihr solchen fortan mgt noch eine weitere Handreichung
tun, so werdet Ihr zu diesem Ende finden beim Brunnen hier einen
steinernen Krug voll guter Silbergroschen: davon teilt ihnen nach
Gutdnken mit! und will ich das Gef, bevor der letzte Pfennig
ausgegeben, wieder fllen. Zudem will ich noch stiften auf alle hundert
Jahr fnf Glckstage (denn dies ist meine holde Zahl) mit
unterschiedlichen Geschenken also, da wer von reisenden Gesellen der
erste ber Eure Schwelle tritt am Tag, der mir das erste Lachen brachte,
der soll empfangen aus Eurer oder Eurer Kinder Hand von fnferlei
Stcken das Haupt. Ein jeder, so den Preis gewinnt, gelobe, nicht Ort
noch Zeit dieser Bescherung zu verraten. Ihr findet aber solche Gaben
jedesmal hier nchst dem Brunnen. Die Stiftung, wisset! mache ich fr
alle Zeit, solang' ein Glied von Eurem Stamme auf der Wirtschaft ist.

Nach diesen Worten nahm sie nochmals Abschied und kte ein jedes. Die
beiden Frauen und die Mdchen weinten sehr. Sie steckte Jutten einen
Fingerreif mit grnem Schmelzwerk an und sprach dabei: Ade, Jutta! Wir
haben zusammen besondere Holdschaft gehabt, die msse fernerhin
bestehen! -- Nun tauchte sie hinunter, winkte und verschwand.

In einer Nische hinter dem Brunnen fand sich richtig der Krug samt den
verheienen Angebinden. Es war in der Mauer ein Loch mit eisernem
Trlein versehen, von dem man nie gewut, wohin es fhre; das stand
jetzt aufgeschlagen, und war daraus ersichtlich, da die Sachen durch
dienstbare Hand auf diesem Weg seien hergebracht worden, deshalb auch
alles wohl trocken verblieb. Es lag dabei ein Wrfelbecher aus
Drachenhaut, mit goldenen Buckeln beschlagen, ein Dolch mit kostbar
eingelegtem Griff, ein elfenbeinen Weberschifflein, ein schnes Tuch von
fremder Weberei und mehr dergleichen. Aparte aber lag ein Kochlffel aus
Rosenholz mit langem Stiel, von oben herab fein gemalt und vergoldet,
den war die Wirtin angewiesen dem lustigen Koch zum Andenken zu geben.
Auch keins der andern war vergessen.

Frau Betha hielt bis an ihr Lebensende die Ordnung der guten Lau heilig,
und ihre Nachkommen nicht minder. Da jene sich nachmals mit ihrem Kind
im Nonnenhof zum Besuch eingefunden, davon zwar steht nichts in dem
alten Buch, das diese Geschichten berichtet, doch mag ich es wohl
glauben.

                   *       *       *       *       *

Es waren seit der Frstin Abschied nah bei hundert Jahr vergangen, als
unser Seppe, der Schuster, im Drflein Suppingen vom Wagen stieg, dem
Buerlein noch vielmals dankte und sich von ihm den Weg Blaubeuren zu
nachweisen lie. Bis Mittag, sagte der Mann, knne er gar wohl dort
sein.

Das htte sich auch nicht gefehlt, bald aber fing sein Hhneraug' ihn
wieder zu buksieren an. Er mute alle fnfzig Schritt hinsitzen, und
wenn er einmal sa, trat er das Rad so fleiig, als wenn er auf
Bestellung zu arbeiten htte. Endlich zum letztenmal ri er sich auf und
hinkte vollends die Steig hinab.

Sie luteten im Kloster drei, da er ins Stdtlein kam.

Whrend er nun auf die Herberge zuging, lief eben Jrg Seysolff, der
Wirt und Brumeister, ber den Hof und sprach zu seinem Weib, die auf
der Hausbank sa und ihren Salat zum Abendessen putzte: Schau, Emerenz,
da kommt auch schon der dritt'! -- Ei, wei Gott! sagte sie, und ist
ein Unterlnder. -- Ach mein, knappt der daher! dem sei es 'gunnt.

Der Seppe sah hoch auf, als ihn die Leute so mit sonderlicher
Freundlichkeit begrten. Sie gingen alle beide gleich mit ihm hinauf.
Er lie sich eine Halbe geben, ein Sauerkraut mit Schweinefleisch
aufwrmen.

Der Wirt, wie er vernahm, da er von Stuttgart kme, frug ihn nach dem
und jenem: ob sie auch Hagelwetter drunten htten, was jetzt die Gerste
gelte, bis wann des Grafen Jngste Hochzeit habe, von deren Schnheit
man berall hre. Der Seppe diente ihm auf alles ordentlich, dagegen er
sich bers Essen manches von hiesigen Geschichten, besonders von dem
Wasserweib, erzhlen lie. Auch zeigte ihm der Wirt das alte Konterfei
von ihr im Hausgang an der Stiege sowie das herrliche Kunstwerk, den
Bauren-Schwaiger, an welchem er sich nicht satt sehen und hren konnte.
Der den gemacht hat, sagt' er, den lat mir einmal einen Dreher
heien! -- Ja, meinte Jrg, die Arbeit ist auch nicht an einem Tag
gemacht. -- Will's glauben! sagte der Seppe und seufzte, denn er
gedachte an seine Dreherei.

Nachdem er nun gegessen und getrunken, frug er nach seiner Schuldigkeit.
Zween Batzen! war die Antwort. Die legte der Seppe auf den Tisch.
Bekmt Ihr sechzehn Kreuzer 'naus, sagte der Wirt, zhlte sie hin und
steckte die zween Batzen ein, wie wenn es sich so in der ganzen Welt von
selbst verstnde. Es war jedoch ein alter Brauch von der Frau Betha
Zeiten her, den Reisenden auf solche Weise ihren Zehrpfennig zu reichen.
Der Schuster lchelte, als wollt' er fragen: Wie ist das gemeint? --
Lat's gut sein, lieber Gesell! sprach Jrg Seysolff. Kommt mit zu
meinem Ehni! der sagt Euch schon mehr.

Er fhrte ihn durch einen langen Gang an eine stille Tr, die tat er vor
ihm auf. Da sa in einer suberlichen Stube ein gar schner Greis von
achtzig Jahr in einem Sorgenstuhl beim Fenster. Die Sonne fiel eben ein
wenig zwischen den Vorhnglein durch auf einen kleinen Tisch, so vor ihm
stand, schneewei gedeckt, darauf nichts weiter denn ein blauer Topf mit
Wasser und noch etwas in einem Tuche war. Der Alte aber war der kleine
Hans, Frau Bethas Herzblatt gewesen. Er redete den Schuster in Gegenwart
des Wirtes also an:

   Hab' Gott zum Gru auf dieser Schwell'!
   Obwohl das Glck dein Reis'gesell,
   Ob solches mit dir in der Wiegen
   Von Mutterleib aus kam zu liegen,
   Ob du es in dem Grtel hegest,
   Ob du es in den Sohlen trgest.

Hierauf behndigte der Greis dem Seppe das Tchlein und sprach: Du
magst es einmal, wenn du Meister bist und grndest deinen eignen Herd,
deiner Liebsten verehren, am Heiratstag, dazu dir aller Segen werde.

Was aber war im Tuch? Eine silberne Haube; man konnte nichts Schneres
sehen. Der Seppe wre deckenhoch gesprungen, wenn sich's geschickt
htte.

Nun sagte ihm der Alte, wem er das Angebind verdanke; dann lie er ihn
Verschwiegenheit geloben, zu dessen sichtlicher Bekrftigung er einen
Finger in dem Topf netzen und auf den Mund legen mute. Auch gab er dem
Gesellen noch eine christliche Vermahnung, empfing den Dank desselben,
und ganz am End' empfahl er ihm, wenn er ein Kltzlein Blei von ungefhr
wo finde hier herum, so mge er solches daher in den Nonnenhof bringen.
In seines Herzens Freude fast htte er's versprochen: da fiel ihm zum
Glck noch der Pechschwitzer ein; deswegen er sagte: Ich will sehn.

Jetzt machte er sich auf die Bahn und lenkte seine Schritte zuvrderst
hinter das Kloster, wo ihm der Quell gleich in die Augen strahlte. So
viel man ihm davon gerhmt, doch htte er sich solche Wunderpracht in
seinem Sinn nicht eingebildet, und meinte er bei sich, es sei nicht
anders denn als wenn zum wenigsten ein Stcker sechs Blaufrber samt
einem vollen Kessel eben erst darin ersoffen wren.

Wie er sich recht daran ersttigt und im Andenken an das Wasserweib
etliche Vaterunser aus gutem Herzen fr ihr Heil gebetet hatte (denn er
der Meinung war, sie sitze schon bei hundert Jahr samt andern armen
Heidenseelen auf der hellen Wiese, da sie in Wahrheit jung und schn wie
ehedem noch bei den Ihren lebte), verga er auch das Kltzlein nicht,
nach welchem so viel Fragens war. Er hatte von dem Doktor Veylland und
dem Lot schon als ein kleiner Bube den Urgrovater hren erzhlen. Der
Bauer wute nichts davon; den Wirt im Nonnenhof befrug er aber nicht,
weil ihm erst jetzt einkam, es sei mit dem Blei wohl gar dasselbe Lot
gemeint. Nun sah er hinter manchen Busch und Baum und weiterhin an
seiner Strae hier und dort in einen Graben, fand aber nichts
dergleichen und lie sich endlich deshalb keine grauen Haare wachsen.

Der Schmerzen seines Fuwerks ganz und gar vergessen und nichts als
Glcksgedanken und Habergeisen in dem Kopf, hinkt' er so immerfort das
Blautal hinunter. Bisweilen, wenn es ihm sein Linker zu arg machte,
hockt' er auf einen Stein, packte die silberne Haube heraus und legte
sie vor sich aufs Knie, an seinen zuknftigen Schatz dabei denkend. Es
war nur gut, da ihm nicht wissend, was schon zween andere Gesellen, ein
Feilenhauer und ein Nagelschmied, nur eine halbe Stunde, eh' er kam, aus
dem Nonnenhof davongetragen: er htte seine Haube nur noch mit halben
Freuden angesehen. Die beiden Bursche waren auf der Steig hinter der
Stadt an dem Schuster vorbergekommen und hatten ihn gegrt, doch weil
er eben sa und in Gedanken mit dem Rad im besten Werken war, so sah er
gar nicht auf und brummte nur so fr sich hin: Schn guten Morgen! --
obzwar die Sonne ihm von Abend auf den Buckel schien. Ja, Morgen nach
dem Bad! sagte der eine, und lachten sich beide die Haut voll darber.

Mit sinkender Nacht kam er wohl- oder belbehalten nach Ulm.

Es war gerade Markt und hie und da Musik und Tanz. Er trat in eins der
nchsten Wirtshuser, wo ihrer sechs Gesellen beim Wein an einem Tisch
beisammen saen und einen Rundgesang anstimmten. Mann fr Mann sang
einzeln sein Gesetz, darauf mit Macht der Chor einfiel und sie alle die
Glser anstieen. Der Leser mag wohl so viel Verse vernehmen, als sie
eben jetzt sangen; das Lied im ganzen ist viermal so lang.

   _Erster Gesell_: Seid ihr beisammen all'?
                    Ihr Freund', auf allen Fall
                    Zeigt eure Professionen an,
                    Da wir nach Sitten stoen an
                    Mit groem Freudenschall!

   _Chor_:          Zeigt eure Professionen an,
                    Da wir nach Sitten stoen an!

   _Zweiter_:       Eine Wiege vor die Freud',
                    Eine Bahre vor das Leid:
                    Meinem Hobel ist das alles gleich,
                    Der denkt: Ich mach' den Meister reich,
                    Spn' gibt es allezeit.

   _Chor_:          Seinem Hobel ist usw.

   _Dritter_:       Meine Arbeit ist wohl fein,
                    Von Gold und Edelstein!
                    Allein das kriegt man bald gar satt,
                    Zumal man es nicht eigen hat:
                    Gebt mir so gldnen Wein!

   _Chor_:          Ich glaub's ihm schon, das wird man satt usw.

   _Vierter_:       Wen freut ein kecker Mut,
                    Nicht dau'rt sein junges Blut,
                    Ich schaff' ihm Wehre mannigfalt,
                    Zu Scherz und Ernst, wid'r Feindsgewalt;
                    Mein Zeug ist allweg gut.

   _Chor_:          Und gilt es wider Feindsgewalt,
                    Ein Spie und Schwert uns auch gefallt.

   _Fnfter_:       Der Schneider sitzt am Glas:
                    Vom Wirt nehm' ich die Ma.
                    Zu Hause schaff' ich gar nicht viel,
                    Meine Stich' mach' ich beim Kartenspiel,
                    Da wei ich doch, fr was.

   _Chor_:          Ei, Bruder Leipziger, bessr' Er sich!
                    Denn, sieht Er, das ist liederlich.

   _Sechster_:      Meine Kunst, das glaubt gewi!
                    Schreibt sich vom Paradies.
                    Von Mgdlein bin ich wertgeschtzt,
                    Ich hab' ja, was ihr Herz ergtzt:
                    Veiel und Rslein s.

   _Chor_:          Von Mgdlein ist er usw.

Jetzt kam die Reihe an den Schuster, und da derselbe sein Gesetzlein so
aus froher Kehle sang, ward es dem Seppe um den Brustfleck weh, da er
sein gutes Handwerk lassen sollte. Dabei vermerkte er, wie ihn sein
rechter Schuh zweimal ganz weidlich vor Vergngen zwickte, so zwar, wie
wenn er sagen wollte: Hrst du, Narr?

   _Erster_: Gebt meinem Stand die Ehr'!
             Den Schuster braucht man sehr.
             Zwar fhr' ich nicht den besten Gout,
             Allein wer macht euch Hochzeitschuh,
             Wenn ich kein Schuster wr'?

   _Chor_:   Zwar fhrt er nicht usw.

Dem Seppe quoll bereits das Wasser in den Augen; er sprach bei sich mit
ingrimmigen Schmerzen: Du bist kein Schuster und bist auch kein Dreher,
du bist der wirtembergisch Niemez! Und schwur in seiner Seele, hinfort
zu bleiben, was er war.

   _Zweiter_: Und wer kein Pietist
              Und auch kein Hundsfott ist,
              Der mag sich wohl beim Wein erfreun.
              Mein letzter Schluck soll ehrlich sein!
              So meint's ein guter Christ.

   _Chor_:    Stot an, Kameraden, stimmet ein:
              Mein letzter Schluck soll ehrlich sein!

Hier stand der Seppe auf, trat hin zu den Kompanen und grte mit
bescheidener Ansprache. Da machten sie ihm Platz an ihrem Tisch, tranken
ihm zu und hrten, was fr ein Landsmann er sei, welches Gewerbs, wohin
er wollte. Warum bleibt Ihr nicht hier? sagte Vinzenz, der Schuster:
In Ulm ist es schn, und Arbeit findet Ihr dermal genug. -- Er lie
sich nicht schwer berreden, und schon den andern Tag stand er bei einer
jungen Witwe ein, von welcher ihm der Herbergvater sagte.

Als er das erstemal in deren Haus einging, empfing er eine Warnung: sein
Rechter wollte nicht ber die Schwelle; doch achtete er weiter nicht
darauf.

Die Witwe war eine schne Person, und wie der Seppe schon nicht leicht
mehr eine ansah, da ihm nicht einfiel, was der Pechschwitzer sagte:
Vielleicht begegnet dir dein Glck einmal auf Fen, so prfte er auch
jetzt, obwohl mit schchternen Blicken, die stattliche Frau. Sie sah
sehr bla, nicht gar vergngt und sparte ihre Worte gegen jedermann. Ihr
Tun in allen Dingen war aber sanft und klug, so da sie einen jungen
Mann wohl locken konnte.

Es mag zuvor schon manchem so mit ihr gegangen sein, beim Seppe blieb es
auch nicht aus, und desto minder, da ihm nach den ersten Wochen deuchte,
er gelte vor den andern etwas bei der Meisterin. Geschah es, da sie
ihrer einen ntig hatte zu einer kleinen Hilfe auerhalb der Werkstatt,
dann rief sie immer zehnmal gegen eines ihn vom Stuhl hinweg, und wenn
er Samstags fr die Kche Holz klein sgte, sie aber backte eben
Zwiebelkuchen, da trug sie ihm gewi ein Stck, warm von dem Ofen weg,
zum voraus in den Schopf hinaus; das schmeckte zu solchem Geschft aus
der Faust ganz auer Maen.

Von dort an aber gebrdeten sich des Hutzelmanns lederne Shne sehr
bel; insonderheit auf der Gesellenkammer war oft die halbe Nacht in
Seppes Kasten, wo sie standen, ein Gepolter und Gerutsch, als htten sie
die rgsten Hndel miteinander, und die Gesellen schimpften und fluchten
nicht wenig deshalb. Es ist der Marder, sagten sie. Er hat den alten
Schlupf zwischen den Dielen wieder gefunden; wird nicht viel fehlen, hat
er Junge; wir brechen morgen auf und bescheren ins Kindbett. -- Der
Seppe schwieg dazu; am andern Morgen aber holt' er in der Stille einen
schweren platten Stein aus einem Bhnenwinkel vor, den stellte er
bedachtsam mit dem Rand auf sie, quer ber den Reihen. So, sprach er,
jetzt, ihr Ketzer, ihr schwerntige, jetzt bocket, gampet und
durnieret, wenn ihr knnt! -- Da molestierten sie hinfort auch niemand
mehr.

                   *       *       *       *       *

Nun, lieber Leser, ist es Zeit, da du erfahrest, wie es derweil
ergangen mit dem andern Paar, das der Gesell an jenem Morgen auf der
Brcke lie, als er aus Stuttgart wanderte.

Nicht tausend Schritt war er hinweg, kam eine Buerin von Hslach her
und sah die Schuh. Die hat der Bse hingestellt mir zur Versuchung!
dachte sie, bekreuzte sich und lief ihrer Wege. Spazierte drauf -- denn
es war Feiertag -- ein Seifensieder aus der Stadt gemchlich, nach
seinem Weinberg auszuschauen. Derselbe aber war ein Frommer. Wie er die
herrenlose Ware sieht, denkt er: Wie geht das zu? Die wren meiner Frau
wie angemessen! Ich will mich nicht vergreifen, das sei fern: nur wenn
ich wiederkomme und sie stehn noch da, mag mir's ein Zeichen sein, da
sie der liebe Gott mir schenkt fr meine Christel. Damit das Prlein
aber nicht etwan von der Sonnenhitze leide, nahm es der kluge Mann und
stellte es unter die Brcke in Schatten, wo es nicht leicht ein Mensch
entdecken mochte.

Bald darauf kommt aus dem Tor ein sauberes Brgermdchen, Vrone
Kiderlen, einer Witfrau Tochter; trug ein Grttlein am Arm und wollte
Himbeeren lesen im Bupsinger Wald (der hatte seinen Namen von einer
Ortschaft auf dem Berg, von welcher heutzutag die Spur nicht mehr
vorhanden ist, doch heit der Wald daher noch jetzo der Bopser). Indem
sie nun ber das Brcklein geht, patscht etwas unten, und so ein paarmal
nacheinander. Was mag das sein? denkt sie und steigt hinunter an den
Bach. Heilige Mutter! nagelneue Schuh! ruft sie und schaut sich um, ob
sie nicht jemand sehe, der sie vexieren wollte oder ihr den schnen Fund
tun lie, weil eben heut' ihr Wiegentag war. Sie nahm das Paar, zog es
zur Probe einmal an und freute sich, wie gut es ihr pate, und wie gar
leicht sich darin gehen lie. Bald aber kam ihr ein Bedenken an, und
schon hat sie den einen wieder abgestreift; der andere hingegen wollte
ihr nicht mehr vom Fu. Sie drckte, zog und prete, da ihr der Schwei
ausbrach, half nichts -- und war sie doch so leicht hineingekommen!

Je mehr sie diesem Ding nachdachte, desto verwunderlicher kam's ihr vor.
So eine verstndige Dirne sie war, am Ende glaubte sie gewi, die Schuhe
seien ihr von ihrer Namensheiligen Veronika auf diesen Tag beschert, und
dankte alsbald der Patronin aus ehrlichem Herzen. Dann zog sie ohne
weiteres auch den andern wieder an, schob ihre alten in den Deckelkorb
und stieg getrost den Berg hinauf.

Im Wald traf sie ein altes Weib bereits im Himbeerlesen an. Diese
gesellte sich zu ihr, obwohl sie einander nicht kannten. Whrend aber
nun beide so hin und her suchten, geschah's, da sich der Vrone an den
linken Fu eine kostbare Perlenschnur hing, die da im Moos verloren lag.
Das Mdchen merkt' es nicht und trat beim nchsten Schritt von ungefhr
sich mit dem andern Schuh die Schnur vom linken los; das sah das Weib
von hinten, hob heimlich das Geschmeide auf und barg's in ihrem Rock.

Die Schnur war aber keine andere denn jene von der schnen Lau und war
an die Tochter des jetzigen Grafen, die schne Irmengard, von dessen
Frau Ahne vererbt.

Als endlich die zwei nacheinander heimgingen, verkndigte just in den
Straen des Grafen Ausrufer, da gestern im Bupsinger Forst unfern dem
Lusthaus ein Nuster mit Perlen verloren gegangen, und wer es wieder
schaffe, dem sollten fnfzehn Goldgulden Finderlohn werden. Da freute
sich das Weib, zog eilig ihre besten Kleider daheim an, kam in das
Schlo und ward sogleich vor die junge Grfin gelassen. Ach Frau, ach
liebe Frau! rief diese ihr schon in der Tr entgegen, Ihr habt wohl
mein Nuster gefunden? Gebt her, ich will es Euch lohnen!

Nun zog das Weib ein Schchtelein hervor, und wie das Frulein es
aufmachte, lagen sechs oder sieben zierliche Mausschwnze darin, nach
Art eines Halsbands knstlich geschlungen. Das Frulein tat einen Schrei
und fiel vor Entsetzen in Ohnmacht. Das Weib, in Todesngsten, lief
davon, ward aber von der Wache auf den Gngen festgenommen und in Haft
zu peinlichem Verhr gebracht. Darin bekannte sie nichts weiter, als da
sie da und da den Perlenschmuck vom Boden aufgehoben und ihn, so schn,
wie er gewesen, daheim in die Schachtel getan, der guten und ehrlichen
Meinung, das gndige Frulein damit zu erfreuen. Im Wald sei aber eine
Dirn an sie geraten, die mss' es mit dem Bsen haben; von dieser sei
der Streich. -- Weil nun der Graf nicht wollte, da man bei so bewandten
Sachen viel Aufhebens mache, da mit Gewalt hier nichts zu richten sei,
lie man das Weib mit Frieden. Zum Glck kam nichts von ihren Reden an
die Vrone: sie wre ihres guten Leumunds wegen drob verzweifelt.

Auch anderweits erlebte sie in ihren Wunderschuhen viel Unheil, obwohl
der Segen nicht ganz mangelte. Als zum Exempel ging sie Sonntag
nachmittag gern ber einen Wiesplatz hinter ihrem Haus, eine Gespielin
zu besuchen, da stie sie sich ein wie das anderemal an so ein kleines
verwnschtes Ding von einem Stotzen, wie sie pflegen auf Bleichen im
Wasen zu stecken, fiel hin, so lang sie war, hub aber sicher einen Fund
vom Boden auf: nicht allemal ein Stcklein altes Heidengold, einen
silbernen Knopf oder Wirtel, dergleichen oft der Maulwurf aus der Erde
stt, doch war ihr ein ehrliches Gnsei, noch warm vom Legen, gewi.
Besonders ging es ihr beim Tanz: da sah man sie zuweilen so kontrre,
wiewohl kunstreiche Sprnge tun, da alles aus der Richte kam und sie
sich schmen mute. Als ein gutes und frhliches Blut zwar zog sie
sich's nicht mehr als billig zu Gemt und lachte immer selbst am ersten
ber sich; nur hie es hinterdrein: Schad' um die hbsche Dirne, sie
wird mit einem Mal ein ganzer Dapp! Die eigne Mutter schttelte den
Kopf bedenklich, und eines Tages sagte sie, als ginge ihr ein Licht wie
eine Fackel auf, zur Tochter: Ich wette, die vertrackten Schuh allein
sind schuld! Der Alfanz hat mir gleich nur halb gefallen; wer wei, was
fr ein Rauner sie hingestellt hat! -- Das Mdchen hatte selber schon
an so etwas gedacht, jedoch verstand sie sich nicht leicht dazu, sie
gnzlich abzuschaffen; sie waren eben gar zu gut und dauerhaft. Indes
ging sie noch jenen Tag zum Meister Blse, sich ein Paar neue zu
bestellen. Es war derselbige, bei welchem es der Seppe nicht aushalten
mgen. Die Vrone sah auf dessen Sthlchen ungern einen andern sitzen;
sie hatte ihn gekannt und gar wohl leiden knnen.

Wie nun der alte Blse ihr das Ma am Fu nahm, stachen ihm die fremden
Schuhe alsbald in die Augen. Er nahm den einen so in seine feiste Hand,
betrachtete ihn stillschweigend lang' und sagte: Da hat Sie was
Apartes. Darf man fragen, wo die gemacht sind? -- Das Mdchen, welches
bis daher von ihrem Fund noch weiter niemand hatte sagen wollen, gab
scherzweis zur Antwort: Ich hab' sie aus dem Bach gezogen. -- Die fnf
Gesellen lachten, der Alte aber brummte vor sich hin: Das knnt' erst
noch wahr sein!

Am Abend in der Feierstunde sprach er zu seinem Weib und seiner Tochter
Sara: Ich will euch etwas offenbaren. Die Kiderlen hat ein Paar
Glcksschuh am Fu; ich kenne das Wahrzeichen. -- Ei, meinte die
Tochter aus Neid, sie haben ihr noch keinen Haufen Geld und auch noch
keinen Mann gebracht. -- Es kann noch kommen, versetzte der Alte. --
Wohl, sagte die Mutter, wenn man sie ihr nur abfhren knnt'! Ich
wollte so etwas der Sare gnnen. -- Da beschlossen sie dann
miteinander, der Vater solle ein Paar Schuh wie diese machen und die
Sare sie heimlich verwechseln.

Der Mann begab sich gleich den andern Morgen an die Arbeit. So hkelig
sie war, dennoch, die feinen, wundersam gezackten Nhte, die rote
Ftterung mit einem abgetragenen Stck Leder, alles zumal geriet so
wohl, da er selbst sein Vergngen dran hatte. Die bse List ins Werk zu
setzen, ersannen sie bald auch Mittel und Wege.

Dicht bei der Stadt, wo man herauskommt bei dem Tor, welches nachmals,
von dortiger Schiestatt her, das Bchsentor hie, sah man zu jener Zeit
noch einen schnen, ansehnlichen Weiher, hnlich dem Feuersee, der eine
gute Strecke weiter oben dermalen noch besteht. Am Ufer war ein Balken-
und Brettergerst mit Tischen und Bnken hinein in das Wasser gebaut, wo
die Frauen und Dirnen der Stadt ihre Wsche rein zu machen pflegten.
Hier stunden sie manchmal zu vierzig oder fnfzig, seiften und rieben um
die Wette und hatten ein Gescherz und Geschnatter, da es eine Lust war,
alle mit bloen Armen und Fen. Nun paten des Schusters wohl auf, bis
die Vrone das nchstemal wusch; denn Blses Haus lag hart am See, und
stie das Wasser unten an die Mauer. Auf einen Mittwoch Morgen, da eben
schnes warmes Wetter war, kam denn die junge Kiderlen mit einer Zaine:
geschwind sprang auch die Sare mit der ihren und traf es glcklich,
neben sie an einen Tisch zu kommen. Da stellten beide ihre Schuh, wie es
der Brauch war, unter die Bank. Die Vrone hatte seit acht Tagen heute
das erstemal ihr Glckspaar wieder angelegt, mit Flei: denn weil sie
richtig dieser ganzen Zeit das Melkfa nimmer umgestoen, das Spinnrad
nimmer ausgetreten noch sonst einen bsen Tritt getan, so wollte sie,
des Dinges ganz gewi zu sein, jetzo die Gegenprobe machen. Die falsche
Diebin war mit den paar Laken, so sie mitgenommen, in einer Krze
fertig, schlug sie zusammen, bckte sich, stak in einem Umsehn in des
Pechschwitzers Schuhen, schob ihres Vaters Wechselblge dafr hin und:
Bht' Gott, Vronele! mach' au bald ein End! -- mit diesen Worten lief
sie fort, frohlockend ihrer wohlvollbrachten Hinterlist. Und als die
andre nach drei Stunden, um die Essenszeit, vergngt auch heimging unter
den letzten, nahm sie der Tuscherei nicht im geringsten wahr.

Der Pechschwitzer aber, der wute den Handel haarklein und dachte jetzt
darauf, wie er dem Blse gleich die nchste Nacht den Teufel im Glas
zeigen wolle.

Derselbe hatte allezeit, besonders auf die Krmermrkte, dergleichen
eben wieder einer vor der Tre war, einen groen Vorrat seiner Ware in
einer obern Kammer, die nach dem See hinausging, liegen. Nach zwlfe in
der Nacht vernahm die Schusterin ein seltsamliches Pflatschen auf dem
Wasser, stie und erweckte ihren Mann, damit er sehe, was sei. -- Ei,
was wird's sein! Die Fisch' hant fters solche Possen. -- Er war nicht
wohl bei Mute, hatte gestern beim Wein einen Bsen getan, und hub gleich
wieder an zu schnarchen und zu raunsen. Sie lie ihm aber keine Ruh, bis
er herausfuhr und ein Fenster auftat. Erst rieb er sich die Augen,
alsdann sprach er verwundert: Der See ist schwarz und g'rutzelt voll
mit Wasserratten, weit hinein, wohl fnfzehn Ellen von der Mauer. Junge
und alte, Kerl wie die Ferkel sind darunter! Man sicht's perfekt, es ist
sternhell. Ei, ei, sieh, sieh! die garstige Kogen! Wie sie die Schwnz'
fr Wohlsein schwenken, schlurfen, rudern und schwimmen! Ursach ist
aber, weil es diese Zeit so hei gewesen, da bad't das Schandvolk gern.

Dem Blse kam es so besonder und kurzweilig vor, da er sich einen Stuhl
ans Fenster ruckte, die Arme auf den Simsen legte und das Kinn darauf.
So wollte er der Sache noch eine Weile warten. Die Augen wurden ihm
allgemach schwer und fielen ihm gar zu, doch fuhr er fort zu seinem Weib
zu sprechen, welches inmittelst wieder eingedoset war, unsinnige
verkehrte Reden, wie einer fhrt im Traum und in der Trunkenheit. Du
Narr, sprach er, was Armbrust, Bolz und Spie in solchen Haufen! das
wrd' viel batten ... Mordsakerlot, ich wollt', das Bulver wr' erfunden
allbereits! Mit drei, vier Traubenschu aus einer Quartan-Schlang' oder
Tarras wollt' ich nicht schlecht aufrumen da unter der Bagasche!

Jetzt aber tat es wiederum Patsch auf Patsch. Der Schuster streckte
seinen Kopf hinaus und wute nicht, woran er sei mit allen seinen fnf
Sinnen. Denn es flog nur so mit den Tieren aus dem Kammerladen ber ihm,
ja unversehens fuhr ihm deren eines an den Schdel, und wie er's packt
in seiner Faust, da sah es wahrlich einem schweren Bauernstiefel von
seiner eigenen Arbeit gleich aufs Haar! Voll Schrecken rief er seinem
Weib, schrie die Gesellen aus dem Schlaf, und bis sie kamen, pflanzet'
er sich mit einem Prgel an der Tr der obern Bodenstiege, damit ihm der
Spitzbuben keiner entkomme. Allein es lie sich niemand sehn noch hren,
und als die Gesellen erschienen, die Bhne wohl umstellten und der
beherzteste von ihnen die Kammertr aufri und keine Menschenseele zu
verspren war, fiel dem Blse das Herz in die Hosen. Er sagte leis zu
seiner Frau: Die Sach' steht auf Saufedern, Weib! Es steckt, schtz'
ich, ein anderer dahinter, der ist mir zu gewaltig! Und nannt' ihr den
Pechschwitzer. Die Schusterin, die sonst ein Maul als wie ein Scharsach
fhrte, war da auf einmal zahm, bebte an allen Gliedern, und so die
Tochter auch. Der Blse aber sprach zu den Gesellen: Macht keinen Lrm!
Geht vor in Nachbar Lippens Hof, des Fischers, macht in der Stille ein
paar Nachen los, nehmt, was ihr findet an Stangen und Netzen! Wir mssen
alle Waren noch vor Tag zusammenbringen, sonst hab' ich Schand und Spott
der ganzen Stadt.

Indem sie gingen, rannte schon der Fischer ber die Gasse und auf sie
zu. Der hatte eben auf den See gehn wollen etlicher Karpfen wegen auf
die Freitagsfasten, sah das wunderliche Wesen und lief, es dem Schuster
zu melden. Indem sie nun zu sieben samt dem Lipp, in zwei Schifflein
verteilt, bald hier, bald dorthin stachen, faheten und suchten, begann
es von neuem zu werfen, und war es damit merklich auf ihre Kpfe
abgezielt. Zwar kamen weder Schuh noch Stiefel mehr, dafr aber Leisten,
deren auch eine Last droben lag: nicht alte, garstige Kltze allein,
vernutzet und vom Wurm zerstochen, auch schne, neue zum Verkauf,
smtlich von gutem hartem Holz, und kamen tapfer nacheinander durch die
Luft daher. Da schrie denn einer bald in dem, bald in dem andern
Schifflein: Hopp! schaut auf! -- und schlug doch links und rechts ein
mancher Donnerkeil nicht unrecht ein.

Der Fischer sagte zu dem Blse: Auf solche Weis', Gevatter, mcht' ich
mein Handwerk nicht das ganz Jahr treiben. In allweg aber sei's bezeugt,
Ihr wisset mit dem Netz wohl umzugehen. Von heut' an mget Ihr als
Obermeister einer ehrsamen Schuhmacherzunft ganz kecklich einen Hecht so
kreuzweis bern Leist in Euer Zeichen lassen malen, dem Sprichwort zum
Trutz!

Der Morgen kam schon hell herbei, als sie nach vielem Schwei, Angst,
Not und Schrecken den Weiher wieder glatt und sauber hatten. Der grte
Nachen wurde voll des nassen Zeuges, auch war wieder ziemlich alles
beisammen, nur da und dort fand man am Tag ein und das andre Stck noch
im Rhricht versteckt.

Von dieser Geschichte erging das Gercht natrlicherweise gar bald an
die Einwohnerschaft. Die mehrsten achteten's fr Satanswerk, und ahnete
es dem Meister schon, da sich ein manches scheuen werde, ihm seine Ware
abzunehmen, wie sich's in Wahrheit auch nachher befand. Nach einem
Scherzwort etlicher Fazvgel aber hat man von dort an lange Zeit eine
besondere Gattung grober Schuhe, so hier gemacht und weit und breit
versendet wurden, nicht anderst mehr verschrieben oder ausgeboten als
mit dem Namen: Echte, genestelte Stuttgarter Wasserratten.

Jetzt war des Meisters erste Sorge, da das gestohlene Gut nur wieder
fort aus seinem Haus und an die Eigentmerin komme. Zwar seiner Frau war
am lichten Tag der Mut wieder gewachsen; ja, meinte sie, es sollte
lieber alles, Kundschaft und Haus und Hof, hinfahren; nur diese Schuh'
wenn sie behielten, da rindere ihnen (wie ein Sprichwort sagt) der
Holzschlegel auf der Bhne. Der Blse aber schttelte das Haupt: Meinst
du, er knne uns nicht auch am Leib was schaden? Beht' uns Gott vor
Gabelstich! Dreimal gibt neun Lcher. -- Er drohte seinem Weib mit
Schlgen, wenn sie noch etwas sage, ging unmig im ganzen Haus herum,
von einem Fenster zum andern, und wollte fast verzwatzeln, bis es dunkel
ward, wo seine Tochter die vermaledeiten Schuhe unter den Schurz nahm
und forttrug.

Sie schlich sich damit an der Kiderlen Scheuer von hinten und stellte
sie in eine Fensterluke, wo sie die Vrone, als sie frh in Stall ging,
ihre Kuh zu fttern, auch sicherlich gefunden htte, wenn sie vom
Pechschwitzer nicht ber Nacht wren wegstipitzt worden.

Indessen trug die gute Dirne das falsche Gemcht sonder Schaden, und
wenn ein Tag herum war, hie es beim Bettgehn allemal: Jetzt aber,
Mutter, glaubt Sie doch, da es nicht Not gehabt hat selletwegen? --
Die Mutter sprach: Beschrei es nicht! -- Auf solche Weise kam denn
alles wiederum in sein Geleis, und galt die Vrone wie vordem fr ein
kluges, anstelliges Mdchen.

Geraume Zeit, nachdem sich dies zugetragen, sa der Blse in seinem
Weinberg drauen beim Herdweg auf der Bank am Gartenhaus, bekmmerten
Gemts, weil es die Zeit her stark hinter sich ging in seinem Geschft.
Indem er nun so in Gedanken den heurigen Herbst berschlug, was er
ertragen knne, samt den Zwetschgen, davon die Bume schwer voll hingen
-- horch! wispert etwas hinter ihm, und wer steht da? der Pechschwitzer,
der Hutzelmann, der Trster. Mein Schuster wurde ksebleich. --
Erschreckt nicht, Zunftmeister! Ich komme nicht im Bsen. Wir haben
einen Stu miteinander gehabt, das ist ja wieder gut, und wr' es nicht,
will ich's vergten, soviel an mir ist. Jetzt aber htte ich ein kleines
Anliegen, Obermeister. -- Und in was Stcken, liebes Herrlein, kann
ich Euch dienstlich sein? -- Mit Erlaubnis, sprach der Hutzelmann und
nahm Platz auf der Bank und hie den andern zu ihm sitzen. Seht!
jensmal in der Nacht, da ich auf Eurem obern Boden war und Ihr am
Fenster unten, hrte ich Euch ein Wrtlein sprechen, das will mir nimmer
aus dem Sinn. Ihr habt gesagt: Ich wollt' nur, da das Bulver schon
erfunden wr'! Was meintet Ihr damit?

Der Blse, sich besinnend, machte ein Gesicht, als wenn ein Mensch
aufwacht bei Nacht in einem Kuhstall, darein er seines Wissens auf
eigenen Fen nicht gekommen ist, lachte und sprach: Herrlein, das
htte der Blse gesagt? Nun, wenn ich es noch wei, soll mich der Teufel
holen! -- Ei, schwret nicht, mein Freund! entgegnete ihm der andere.
Warum wollt Ihr es leugnen? Vertrauet mir's, nur so beim Beilichen, was
das Bulver ist! Ich bin einmal in derlei Heimlichkeit ein
stiegelfizischer, seht! Euer Schaden soll's nicht sein, und mget Ihr
dafr etwas von meinen Knsten lernen. -- Da stellte sich der Blse an,
als wenn er freilich etwas wte, und sprach: Weil Ihr es seid,
Pechschwitzer, so mcht' ich Euch wohl gern zu Willen sein; vergnnt mir
nur Bedenkfrist einen Tag, damit ich doch mein Weib auch erst darum
befrage! -- Der andre fand das nicht unbillig, bat ihn beim Abschied
instndig nochmals, gelobte ihm Verschwiegenheit und wollte morgen
wiederkommen.

Jetzt, Sante Blasi, hilf! so rief der Alte aus, wie er allein war.
Jetzt mu das Bulver 'raus aus meinem dicken Schustersgrind, und wenn's
die halbe Welt kostet! -- Da sa er, hatte beide Ellbogen auf den
Knieen und beide Fuste an den Backen. Vor die Ratten, sprach er,
kann's nicht sein. Warum? sotts Bulver hat man lang! Selle Nacht aber
ist es mir wampel gewesen, mag leicht sein, hat mir's traumt vom gldnen
Magen-Triet, so allein der Knig in Persia hat. -- Es gibt ein
Krutlein, heit Allermanns-Harnisch, und gibt ein anders, das heit
Dierletey, und wieder eins, #Mamortica#: kein Wurzler hat's noch Krmer.
Daraus hat meiner Mutter selig ihre Gschwey eine Salben gemacht, die war
vor alles gut. -- Ich will halt einmal gehn und schauen, was zu machen
ist, und will erst Spezies kaufen; Probieren ist ber Studieren.

Auf seinem Weg zur Stadt sann er scharf nach. Auf einmal schnellt er mit
dem Finger in die Luft, und -- Wetter! rief er aus, kann einer so ein
Stier sein und noch lang' sinnieren hin und her, wo doch ein Ding glatt
auf der Hand liegt! Was mag ein Schuster bei dem andern sonst fr einen
Vorteil suchen zu erfahren, wenn es nichts aus dem Handwerk ist? Da la
ich mich schon finden.

Er lief zum Krmer stracks, zu holen, was er brauchte. Daheim in einer
hintern Stube setzte er sich an einen langen Tisch mit einer Halbma
Wein, macht allda unterschiedliches Gemeng mit seinem besten Essig an zu
einem schwarzen Quatsch, knetet und knauzet's wohl unter dem Daum,
probiert's auf alle Weise, und war ihm lang' nicht fein genug. Das
dauerte bis an den andern Abend.

Wie nun der Hutzelmann auf die gesetzte Stunde pnktlich kam und ihm der
Blse mit Geschmunzel seinen Teig hinhielt, roch der daran und sagte:
Lieber Mann, da htten wir halt eine neue Schuhwichs? -- Aufzuwarten,
ja. -- Mich will bednken, sprach lchelnder Miene der Kleine, Ihr
habt selbst noch weit hin, bis Ihr das Bulver find't, und habt jetzt nur
viel Arbeit, Mh und Ksten unntigerweis gehabt mit mir. Dafr wie auch
um andrer Einbu willen soll Euch indes Vergtung werden. Ich will Euch
das Rezept zu meiner Fett-Glanz-Stiefelwichsen geben, die mgt Ihr
schachtelweis mit gutem Vorteil verkaufen.

Das Mnnlein wute wohl, was es hiermit verhie: denn Meister Blse ward
ein reicher Mann mit solcher Handelschaft in wenig Jahren. Seine Erben
bewahren annoch das Geheimnis, und allen feinen Leuten unsrer Tage wt'
ich frwahr eine bessere Wichs nicht zu nennen, obwohl ich nicht
verschweigen darf, was der Pechschwitzer dazumal eben dem Blse gar
ehrlich bekannte: Ein Ledder, wohl zu halten nach Ledders Natur, ist
das frnehmst der Schmeer allezeit, und hat er Glanzes genug an ihm
selbsten. Welcher Ausspruch indes hier dahingestellt bleibe.

                   *       *       *       *       *

Lat aber sehen, was seither der Gesell in Ulm fr Glckssprnge mag
gemacht haben!

Zween Monat -- eher drunter als drber -- kann er daselbst gewesen sein,
da war er mrb und gar bereits vor Liebe zu der Meisterin, und wenn er
wohl bisweilen meinte, ein wenig mehr Gesprch und Frhlichkeit stnd'
ihr gut an, so dachte er doch immer gern eines alten wahrhaften Worts:
Stille Schaf seind mille- und wollereich, wird ihnen gewartet. Alle
Samstag nacht, wenn er auf seine Kammer ging, sprach er bei sich: Jetzt
morgen tragst du ihr die Heirat an! Und wenn er eben drauf und dran war,
lie er's wieder aus Bldigkeit und Sorge, sie mchte ihn zuletzt doch
stolz ablaufen lassen.

Nun hatten sie einsmals ein Schweinlein gemetzelt, das zweite seitdem
man den Lichtbraten hatte -- es war schon im Hornung und schien ein
vorzeitiger Frhling zu werden -- da befand sich der Seppe am Morgen
allein mit ihr in der Kche, das Fleischwerk in den Rauch zu hngen.
Inmittelst, als er sich die Leiter unter dem Schlot zurechtstellte, die
Wrste sich in Ringen um die Arme hing, erzhlte er ihr von Regensburg
und Regensburger Wrsten, was er vom Hrensagen wute, und wie er so mit
seiner Tracht aufstieg in das Kamin, sie aber unten stand beim Herd,
sprach sie: Nach Regensburg geht Ihr doch noch; es liegt Euch allfort
in Gedanken.

Der Seppe, weil sie ihm nicht ins Gesicht sehn konnte -- denn oberhalb
stak er im Finstern -- nahm sich ein Herz und sagte: Wenn es auf mich
ankm', ich wollte leben und sterben bei Euch.

Ihr sollt auch unvertrieben sein! gab sie zur Antwort.

Ja, sagte er und stockte, es mag halt einer doch auch nicht sein
Leben lang ledig verbleiben.

Sie sagte nichts darauf. Da fing er wieder an: Nach einem rechten Weib
kann wohl ein armer Teufel heutigstags weit suchen.

Darauf sie ihm entgegnete: Man sucht erst einmal in der Nhe.

Dem Seppe schossen bei dem Wort die Flammen in die Backen, als wollten
sie oben zum Schornstein ausschlagen.

Die Stangen hingen alle voll, er htte knnen gehen; allein der
Angstschwei brach ihm aus: er wute nicht, wie er am hellen Tagslicht
vor die Frau hintreten, noch was er weiter sagen solle. Drum nestelt' er
und ruckt' und zappelte noch eifrig eine Weile an den Wrsten hin und
wieder. Auf einmal aber sprach er: Meisterin, ich hab' schon je und je
gedacht, wir wren freinander. Ich htte eine Lieb' zu Ihr und gro
Zutrauen.

Davon lt sich schon reden! sagte sie. -- Nun stieg er flugs herab
und stand vor ihr mit einem schwarzen Rufleck um die Nase, darber sie
ein wenig lchelte, einen Zipfel ihrer weien Schrze nahm und ihn
abwischte. Das tat ihm ganz im Herzen wohl, er fate ihre Hand und hatte
ihren Mund gekt, eh' sie sich des versah. Sie aber gab ihm ein
Gleiches zurck. -- So seid Ihr nicht mehr meine Meisterin, Ihr seid
jetzt meine Braut! -- Sie bejaht' es, und waren sie beide vergngt,
schwatzten und kosten noch lang' miteinander.

Bevor er wieder in die Werkstatt ging, sagte sie noch: Wir wollen
niemand etwas merken lassen, bis Ihr das Meisterrecht habt und wir bald
frsche machen knnen.

Selbigen Abend eilte es dem Seppe nicht, wie sonst, nach dem Essen zum
Bier. Er freute sich schon seit dem Morgen auf diese gute Stunde. Sobald
die andern aus dem Haus, begab er sich auf seine Kammer, wusch und
kmmte sich, legte ein sauberes Hemd und sein Sonntagswams an, zu Ehren
dem Verspruch, und als er dann neben der Frau so recht in Ruh und
Frieden sa, die Lden und die Haustr zugeschlossen waren, ein frisches
Licht im Leuchter angesteckt, so legt' er ihr zuvrderst die silberne
Haube, seine Brautschenke, hin. Ja, da empfing er freilich Lobs und
Danks mit Haufen. Wo bringt's der Fantel her? mochte sie denken, da er
es nicht gekauft noch hoffentlich vom Markt gestohlen hat. -- Sie htte
es gar gern gewut, doch band er sich die Zunge fest und lachte nur so.

Sie holte Wein herauf vom Keller, und er brachte den Schnitzlaib
herunter. Der Leser bildet sich schon selber ein, sie werde heute
schwerlich das erstemal davon gekostet haben: o nein! Den Seppe krnkte
nur, da er ihr nicht fglich Tag fr Tag ein neues Stck zum Imbi
bringen konnte, indem die Meisterin schon ohnedas sich wunderte, was
doch der Bursch fr einen guten Dte habe an dem Stuttgarter
Hofzuckerbcken (wie er ihr weisgemacht), dem's auf ein Laiblein alle
acht Tag nicht ankomme. Denn ob es ihm schon nicht verboten war, zu
offenbaren, wie es damit bewandt, so scheute er sich doch. Jetzt fhlte
sie ihm besser auf den Zahn und sagte: Gesteht's nur, Seppe! Gelt, Brot
und Haube sind aus _einem_ Haus! -- Das nicht, erwidert' er. Das
eine anbelangend, so will ich meine herzliebe Braut von Grund der
Wahrheit berichten: denn mit dem Zuckerbck, das war gespat. Habt Ihr
in Ulm auch schon gehrt vom Hutzelmann? -- Kein Wort. -- Vom
Pechschwitzer? vom Trster? -- Nichts. -- Gut denn! -- Er nahm sein
Glas, tat ihr Bescheid, fing an, der Frau treuherzig zu erffnen alles,
was ihm die Nacht vor seiner Reise widerfahren. Im Anfang schaute sie
ihm so in das Gesicht dabei, als glt' es eben Scherz; doch weil er gar
zu ernsthaft dreinsah, dachte sie: Er ist ein Wunderlecker und ein
Trumer. Je mehr sie aber zweifelte, je mehr ereiferte er sich. Da will
ich meiner Liebsten zum Exempel vom Doktor Veylland eine Geschichte
erzhlen, die ist gewi und wahr, ich hab' sie von meinem Grovater. Ihr
hret sie einmal zum Zeitvertreib, nachher mgt Ihr dran glauben oder
nicht!

Der Veylland war ein alter Freund vom Graf Konrad von Wirtemberg,
demselbigen, welcher den Grund zu meiner Vaterstadt gelegt, und trieb
sein Wesen als ein stiller alter Herr in einem einzechten Gebu, das
stand daselbst im Tal unweit dem Platz, wo dermalen das Schlo zu sehen
ist. Des Doktors vornehmstes Vergngen war ein groer Garten hinter
seinem Haus, drin pflanzte er das schnste Obst im ganzen Gau; nur da
ihm alle Herbst die Bupsinger Bauern die Hlfte wegstahlen trotz einer
hohen Mauer, so rings um das Haus und den Garten her lief. Dies rgerte
den Herrn, da er oft krank darber ward. Jetzt kommt einmal am lichten
Tag, indem er eben bei verschlossener Tr in einem alten Buch studiert,
der Hutzelmann zu ihm, der Pechschwitzer, der Trster (welchen zuvor der
Doktor noch nicht kannte) und bietet ihm ein Mittel wider diese Gauchen
mit dem Beding, da er ihm alljhrlich einen Scheffel gute Wadelbiren
liefere zu Hutzeln. Der Doktor ging das unschwer ein. Da brachte jener
unter seinem Schurzfell einen Stiefelknecht hervor von ordentlichem
Buchenholz, noch neu und als ein wundersamer Krebs geschnitzt, mit einem
platten Rcken und kurzen starken Scheren; am Bauch untenher war er
schwarz angestrichen, darauf mit weier Farbe ein Drudenfu gemacht.
Nehmt diesen meinen Knecht, sagte der Hutzelmann, und stellt ihn, wohin
Ihr wollt im Haus, doch da er freien Pa in Garten habe, etwa durch
einen Kandel oder Katzenlauf! Im brigen lat ihn nur machen und kmmert
Euch gar nichts um ihn! Es kann geschehen, da Ihr mitten in der Nacht
hrt einen Menschen schreien, winslen und girmsen: da springet zu,
greifet den Dieb und stupet ihn! Dann sprechet zu dem Knecht die Wort':

   Zanges, Banges, la ihn gahn,
   Wohl hast du dein Amt getan!

Doch ehe Ihr den Bauern oder Nachtschach laufen lat, sollt Ihr ihn
heien seine Stiefel oder Schuh abtun, dabei mein Knecht ihm trefflich
helfen wird, und diese Pfandstck mget Ihr behalten, auch seinerzeit
nach Belieben verschenken! Dafern mein Krebs in seiner Pflicht saumselig
wrde oder sonst sich unntz machte, schenkt ihm nur etlich gute Tritt'
keck auf die Aberschanz! Ich hoff', es soll nicht ntig sein. Sonst ist
er ganz ein frommes Tier und zh, man kann Holz auf ihm spalten; nur
allein vor der Kchen sollt Ihr ihn hten: er steigt gern berall herum
und fllt einmal in einen Kessel mit hei Wasser; das vertragt er nicht.
Aber ich komme schon wieder und sehe selbst nach, lieber Herr. Gehabt
Euch wohl!

Der Doktor Veylland stellte jetzt den Stiefelknecht vor seine Stubentr.
Da blieb er stehen bis zum Abend unverregt und sah so dumm wie ein ander
Stck Holz. Im Zwielichten aber, wie man just an nichts dachte, ging es
auf einmal Holterpolter, Holterpolter die Stiege hinab und durchs
Guloch hinaus in den Garten. Da sahen Herr und Diener ihn vom Fenster
aus durchs grne Gras an der Mauer hinschleichen und kratteln, an allen
vier Seiten herum und immer so fort, die ganze liebe lange Nacht.

Der alte Diener hatte seine Lagerstatt im untern Stock gegen den Garten;
nun streckt er sich in Kleidern auf sein Lotterbett. Eine Stunde
verstrich nach der andern, der Alte hrte nichts, als hin und wieder wie
durch das Gest ein reifes Obst herunterrauscht' und plumpste. Doch
gegen Morgen, eben da er sich aufs andere Ohr hinlegte und sein Zudeck'
besser an sich nahm, denn es war frisch, erscholl von fernen her ein
Zetermordgeschrei, als wenn es einem Menschen an das Leben geht. Der
Diener sprang hinaus und sah auf sechzig Schritt, wie des Hutzelmanns
Knecht einen baumstarken Kerl am Fersen hatte und mit Gewalt gegen das
Haus herzerrte, also da beide Teile rckwrts gingen, Dieb und Bttel
(wie ja der Krebse Art auch ohnedem so ist), und war ein Zerren, Wrgen,
Sperren, Drngen und Reien, dazu viel Keuchens und Schnaufens, Wimmerns
und Bittens, da es erbrmlich war zu hren und sehen.

Der arme Schcher, so ein Bupsinger Weinschrter war, trachtet' im
Anfang wohl, mitsamt dem Schergen durchzugehen, der aber hatte gut zwo
Ochsenstrken und strafte ihn mit Kneipen jedesmal so hart, da er sich
bald gutwillig gab. Auf solche Weise kamen sie bis an das Haus; da hielt
der Krebs gerade vor der Tr und stand der Doktor schon daselbst in
seinem Schlafrock, lachend; sprach:

   Zanges, Banges, la ihn gahn,
   Wohl hast du dein Amt getan!

Dann lie er den Bauern die Bundschuh austun und mochte der laufen.

Die andere Nacht gleich wurden ihrer zween nacheinander eingebracht, die
dritte wieder einer und alsofort bis auf die dreiig, lauter Bupsinger.
Denn weil sich jeder schmte, sagt's keiner, die andern zu warnen. Der
gute Knecht verfehlte nicht leicht seinen Mann; ein einzigmal kam er mit
einem leeren Stiefel angerutscht und hielt denselben bis zum Morgen
unverruckt mit groer Kraft in seinen Zangen, bis ihn von ungefhr der
Herr vom Haus erblickte. Das Schuhwerk aber nagelte der Diener alles
nach der Reih' im leeren Pferdstall an der Wand herum. -- Es gibt noch
ein liebliches Stcklein davon: wie nmlich einst der Graf mit seiner
Frauen und zwei Shnlein auf Besuch bei dem Veylland gewesen. Herr
Konrad baute bei dessen Garten eine Stuterei -- daher nachmals die Stadt
Stuttgarten hie -- beschied seinen Werkmeister her auf den Platz und
zeigte selbst, wie alles werden sollte. Es wollte aber gern der Doktor
denen kleinen Junkherrn eine Kurzweil schaffen und bat den Hutzelmann
derhalben, um da er ein unschuldig Zinselwerk bereite; der versprach's.
Als nun die Knaben nach der Mahlzeit in dem Garten spielten, da ward's
lebendig in dem Stall, und kam bald aus der Tr hervor ein ganzer Zug
von kleinen, zierlichen Rlein, lauter Rappen mit Sattel und Zeug, und
das waren die Stiefel gewesen; sie gingen zwei und zwei und wurden von
kleinen Robuben gefhrt, und das waren die Bundschuh. Die Junker hatten
ihre Freude mit den ganzen Abend. Auf einmal tat es auen an dem Garten
einen Pfiff, der ganze Tro sa wie der Blitz ein jeder in seinem
Sattel, die Rlein aber waren zumal Heupferde geworden, grasgrn, einen
Schuh lang, mit Flgeln, die setzten all' ber die Mauer hinweg und
kamen nicht mehr. Doch nachderhand fand man so Stiefel als Schuh wie
zuvor an die Stallwand genagelt.

Vor Jahren habe ich zu Stuttgart auf dem Markt ein Spiel gesehen in
einem Dockenkasten, so auch von diesem handelte. Htt' ich nur alles
noch so recht im Kopf! Da wird gesagt zum Vorbericht in wohlgesetzten
Reimen, was ich Euch erst erzhlt, und sonst noch was voraus zu wissen
ntig ist, vom Bernd Jobsten, dem Hofnarrn. Der ward denselben Sptling
fortgejagt vom Grafen, weil er nicht wollte seiner bsen Zunge Zaum und
Zgel anlegen, absonderlich gegen die fremden Herrschaften und Gste.
Nun klagte er sein Migeschick dem Doktor, als welcher ihm sonst einmal
Gnade beim Herrn derhalben ausgewirkt, jetzt aber sich dessen nicht mehr
unterstand; doch steuert' er ihm etwas auf den Weg und hie ihn auch die
Schuh im Stall mitnehmen, wofern er etwa meinte, sich ein Geldlein mit
zu machen. Ja, sagte der Narr, das kommt mir schon recht. Vergelt' es
Gott! -- und holte sie gleich ab in einem gromchtigen Krben und trug
sie auf dem Rcken weg, talabwrts, wute auch schon, was anfangen
damit.

Am Neckar unterm Kahlenstein fand er des Grafen Schfer auf der Weid'
und stellte seine Brde ein wenig bei ihm ab, erzhlte ihm, wie er den
Dienst verscherzt, und was er da trage. Hiermit hebt denn die Handlung
an, und spricht sofort der Narr:

   _Narr_:     Ich bin jetzt alt und gichtbrchig,
               Und meine Snden beien mich;
               Drum will ich bau'n ein Klsterlein
               Und selber gehn zuerst hinein,
               In angenehmer Schauenlichkeit
               Verdrnsgen dieses Restlein Zeit.

   Spricht der _Schfer_: Klster bauen kost't halt viel Geld.

   _Der Narr_: Just darauf ist mein Sinn gestellt.
               Hiezu bedarf es ein Heiltum,
               Da alle Leut' gleich laufen drum.
               Ein Armes bringt sein Scherflein her,
               Der Reich' schenkt cker, Hof, Wald und mehr.

   _Der Schfer_: Solch Heiltum kriegen ist nichts Kleins.

   _Der Narr_: Hat mancher keins, er schnitzet eins.
               Ich, Gott sei Dank! bin wohl versehn.
               Diese Schuh', mut du verstehn,
               Der vielberhmt Doktor Veylland
               Nchst an der Stadt Jerusalem fand
               Unterm Schutt in einer eisen Truh
               Ein gar alt Pergament dazu
               Mit Judeng'schrift. Selbes bekennt:
               Als Mose nun htt' Israels Heer
               Gefhret durch das Rote Meer
               Und Knig Pharao, Reiter und Wagen
               Ersufet in der Tiefe lagen,
               Frohlockt das Volk auf diesen Strau,
               Zog weinend Schuh und Stiefel aus,
               Am Stecken sie zu tragen heim
               Ins Land, wo Milch und Honigseim,
               In ihren Husern sie aufzuhenken
               Zu solches Wunders Angedenken.
               Aus sechshunderttausend ohngefahr
               Erlas man diese dreiig Paar
               Und brachte sie an sichern Ort
               Als einen knftigen Segenshort,
               Da, wer das Leder kssen mag,
               Sei ledig seiner Lebetag
               Von Allerweltsart Wassernot,
               Auch Wassersucht und sottem Tod.

   _Der Schfer_: Hast du das G'schrift auch bei der Hand?

   _Der Narr_: Das, meint' ich, gb' dir dein Verstand.
               Es liegt im Krben unterst drin,
               Und htt' ich's nicht, glt's her wie hin.
               Die War' blieb trocken auf Meeres Grund
               Und ist brottrocken auf diese Stund'.

               Nun kenn' ich einen guten Pfaffen,
               Der soll mir helfen mein Ding beschaffen,
               Soll es anrhmen dem Provinzial,
               Der meld't's gen Rom dem General.
               Da wird sehr bald Bescheid ergehn,
               Man wll der Sach nit widerstehn,
               Sie soll'n nur forschen bei diesem Jobst,
               Was er lieber wr': Prior oder Propst.

Als nun der Narr zum Pater in seine Zelle kommt und ihm den Antrag
stellt, begehrt derselbe allererst, das Pergament zu sehen. Ja, sagt der
Schelm, vorm Jahr noch htt' er's ihm wohl weisen knnen; allein ganz
schrumpflig, mrb und brchig, wie er es berkommen, sei es ihm nach und
nach zuschanden gegangen. Dafr zieht er aus seinem Korb hervor ein alt,
schwer eisen Marschlo, vorgebend, es sei vor der Truchen gelegen. Der
Mnch, wie leicht zu denken, hlt ihm nichts drauf, verachtet ihm sein
ganz Beginnen, verwarnet und bedrohet ihn gar. Der Narr, weil er
vermeint, die Sach' an ihr selbsten gefiel' ihm schon, sie mchte wahr
sein oder nicht, er scheue minder den Betrug als den Genossen -- erboset
er sich sehr in anzglichen Reden und spricht mit der Letzt:

                Sag, Pfaff! tust du die Bibel les'n?

   _Der Pater_: War die ganze Wuch'n drber g'sess'n.

   _Der Narr_:  Ich dacht nur, weil sie in Latein.

   _Der Pater_: Wohl! da nit jed's Vieh strt hinein.

   _Der Narr_:  Wohlan, so weit du ba dann ich,
                Was dort geweissagt ist auf dich
                Und die Frau Mutter der Christenheit,
                Wie ihr es nmlich treibt die Zeit.
                Zum Exempel Proverbia
                Im drei'gsten, was steht allda?
                Die Eigel hat zwo Tchter schnd:
                Bringher, Bringher, heien alle beed;
                Die ein' hat einen Ablakram,
                Die ander heischet sonder Scham. --
                Ei, das hofft' ich nur auch zu nutzen.
                Pfaff, du tt'st mit, htt's nicht sein Butzen!

So zieht er ab mit seinem Krben unter heftigem Schelten und Drohen des
Mnchs. Noch aber lt er sein Vorhaben nicht, ein Kloster zu erbauen,
und sollen ihm die Bundschuh und die Stiefel inallweg dazu helfen.
Sobald er wieder auf der Straen ist, spricht er:

                Jetzt, wt' ich nur 's Pechfisels Haus!
                Der macht' mir ein' Trupp Mnchlein draus;
                Die schicket' ich dann in die Welt,
                Zu kollektier'n ein Gottesgeld.
                Vielleicht er macht sie mir gleich beritten
                Auf Saumrlein mit frommen Sitten:
                Sie kmen doch viel 'ringer so 'rum,
                Als wie per pedes apostolorum.

Nachdem er lang vergebens berall dem kleinen Schuster nachgefragt, so
findet er denselben von ungefhr beim Bupsinger Brnnlein sitzen, an dem
Berg, darin seine Wohnung und Werkstatt ist, und wo er eben einen Becher
Wassers schpfte. Der Narr, mit groer Scheinheiligkeit, entdeckt ihm
sein Anliegen, doch der Pechschwitzer antwortet ihm:

                Ich dient' Euch gern, mein guter Freund,
                Aber was geistliche Sachen seind,
                Lat meine Kunst mit unverworr'n!
                Es brcht' mir eitel Ha und Zorn.
                Mein Rat ist darum: Geht zur Stund',
                Verkauft, so gut Ihr knnt, den Schund!
                Bei die Bupsinger droben, hr' ich, wr'
                Groer Mangel eine Weil schon her.
                So brauchet es kein lang Hausieren.
                Doch mt ihr nicht Eu'r Geld verlieren;
                Woll'n sie mit dem Beutel nit schier heraus,
                Droht, es km' ihnen der Werr ins Haus,
                Der Presser; das werden sie schon verstehn.

   Darauf der _Narr_: Ich folg' Euch, Meister, und dank' Euch schn.

Jetzt kommt das Lustigste, das aber mu man sehen: wie nmlich Bernd
Jobst in dem Dorf seinen Korb auf der Gasse ausschttet, die Bauern aus
den Husern kommen und gleich ein gro Geri anhebt, da jeder mit
Geschrei sein Eigentum aussucht und alle sich untereinander als Diebe
verraten. Sie weigern sich der Zahlung gar hartselig, bis sich der Jobst
anstellt zu gehen und sich etwas verlauten lt vom Werr, da er ihn
schicken wolle. Auf dieses ist mit eins ein jeder willig und bereit, ja
auch der grbst Torangel zahlt, was ihn ein neues Paar vom Krmermarkt
nicht kostete.

Allmittelst hat der Schfer bei Gelegenheit dem Grafen erzhlt, was
Wunderliches der Jobst vorhabe, der Doktor aber besttiget nach dem, wo
er vom Pechschwitzer vernommen, und ist das Ende von dem Lied, da Herrn
Konrad dem Narren fr diesmal Vergebung erteilt, weil ihm der Schwank
gefallen.

So erzhlte der Seppe. Die Meisterin hrte ihm nur so aus Geflligkeit
zu und insgeheim mit Ghnen. Ja, ja, sprach sie am Ende, das sind mir
einmal Sachen! und nahm das Rnftlein in die Hand, das er von seinem
Brot brig gelassen. Nun, mu man wissen, hatte sie am Fenster einen
schnen groen Vogel, der sa in seinem Ring frei da. Ihr erster Mann
nahm ihn einmal an Zahlungsstatt von einem bsen Kunden an; es war ein
weier Sittich mit einem schwarzen Schnabel und auch dergleichen Fen.
Er sollte, hie es, alles sprechen, wenn er das rechte Futter bekme,
und ob er zwar die ganze Zeit nicht sprach und sich der Schuster
dessenthalb betrogen fand, so ward er doch der Frau Liebling.

Derselbe schaute jetzt der Meisterin, wie sie das Restlein Brot so
hielt, mit einem krummen Kopf begierig auf die Finger. Da sagte sie zu
ihrem Brutigam: Soll es der Heinz nicht haben? -- Der Seppe dachte
freilich: Damit geht manches Hundert schner Laiblein ungesehen
zuschanden; doch gab er ihr zur Antwort: Was mein ist, das ist Euer,
und was Euch hin ist, soll auch mir hin sein. -- So schnellte sie den
Brocken ihrem Heinz hinauf; der schnappte ihn, zerbi und schluckt' ihn
nieder. Kaum aber war's geschehn, so hub der Sittich an zu reden und
brachte laut und deutlich diese Worte vor:

   Gut, gut, gut -- ist des Hutzelmanns sein Brot.
   Wer einen hat umgebracht und zween, schlgt auch den dritten tot.

Die Meisterin sa bleich, als wie die Wand, auf ihrem Stuhl, der Gesell
aber, whnend, sie sei darob verwundert vielmehr denn entsetzt, lachte
und rief: Der ist kein Narr! Er meint, wenn man es einmal recht
verschmeckte, fr einer leicht auf einen Sitz drei Laib! -- Darauf die
Frau zwar gleichermaen gro Ergtzen an dem Tier bezeugte; doch mochte
es ihr wind und weh inwendig sein, und als der Brutigam, nachdem er
lang genug von dem nrrischen Vogel gered't und Scherz mit ihm
getrieben, jetzo von andern, ntigen Dingen zu handeln begann: wie sie
es knftighin im Haus einrichten wollten, wen von den Gesellen behalten,
wem kndigen und so mehr, war sie mit den Gedanken unstet immer
nebenaus; das wollten sie bei guter Zeit ausmachen, sagte sie, tat
schlfrig, besah die Haube noch einmal und setzte sie auf vor dem
Spiegel. -- Puh! friert's mich in der Hauben! rief sie zumal und
schttelte sich ordentlich. Das Silber kltet so. -- Dann sagte sie:
Wenn schwarze Band dran wren, mein! es wr' recht eine Armesnderhaube
fr eine frstliche Person! und lachte ber diese ihre Rede einen
Schochen, da den Gesellen ein Grusel ankam. Gleich aber war sie wieder
recht und gut, gesprch, liebkoste den Gespons und machte ihn vergngt,
wie er nur je gewesen. Danach so gaben sie einander kssend gute Nacht
und ging er, aller guten Dinge voll, auf seine Kammer.

Den andern Morgen, es war am Sonntag, sah er den schnen Sittich nicht
mehr sitzen in dem Ring, und die Meisterin sagte mit unholder Miene:
Das Schnitzbrot hat ihm schlecht getan, ich fand ihn unterm Bank da tot
und steif und schafft' ihn mir gleich aus den Augen.

Das deuchte dem Gesellen doch fast fremde, auch sah er einen Blutfleck
am Boden. Am meisten aber wunderte und krnkte ihn, da ihm die Frau so
schnorzig war.

Am Nachmittag, weil seine Braut nicht heim kam von der Kirche aus,
spazierte er mit seinen Kameraden um den Wall nach einer neuen Schenke
gegen Sflingen. Einer von ihnen schlug ein paarmal bei ihm auf den
Busch und stichelte auf seine Liebste; da denn ein anderer, ein loser
Hesse, den Scherz aufnahm und sagte: Der Fang wr' recht fr einen
Schwaben, die haben gute Mgen, Schuhngel zu verdauen.

Weil nun der Seppe nicht verstand, wie das gemeint sei, blieb er mit
seinem Nebenmann, einem ehrlichen Sindelfinger, ein wenig dahinten und
frug ihn darum. Das ist dir eine neue Mr? sprach der gar trocken.
Deine Meisterin, sagt man, hab' in Zeit von drei Jahr ihren zween
Mnnern mit Gift vergeben. Vom letzten soll es sicher sein, vom ersten
glaubt's darum ganz Ulm. Den zweiten hat man erst verwichenes Frhjahr
begraben. Die Richter htten ihr das Urteil gern zum Tod gesprochen,
konnten aber nichts machen; denn auf dem Sterbebett sagte ihr Mann, er
habe Schuhngel gefressen. Dergleichen fanden sich nachher auch richtig
in dem Leib, allein man glaubt, er habe sie in Schmerzen und
Verzweiflungswut, als er das Gift gemerkt, nur kurze Zeit vor seinem End
geschluckt.

Dem Seppe verging das Gesicht. Er schritt und schwankte nur noch so wie
auf Wollscken bis in die Schenke. Dort stahl er sich hinweg und lie
sein volles Glas dahinten.

Abwegs in einem einsamen Pfad sa er auf einer Gartenstaffel nieder,
seine Lebensgeister erst wieder zu sammeln. Alsdann dankte er Gott mit
gefalteten Hnden, da er ihn noch so gndig errettet, berlegte und kam
bald zu dem Beschlu, gleich in der nchsten Nacht das Haus der
schlimmen Witwe, ja Ulm selbst insgeheim zu verlassen. Er blieb dort
sitzen auf dem gleichen Fleck, bis die Sonne hinab und es dunkel war.
Dann ging er in die Stadt, strich, wie ein armer Snder und Meineider,
lang in den Straen hin und her und suchte zuletzt, von Durst und Hunger
angetrieben, eine abgelegene Trinkstube, wo viele Gste zechten, ihn
aber niemand kannte. Dort barg er sich in einem dunklen Sorgeneck bei
einem Fenster nach den Grten und der Donau zu.

Er konnte, wie man spricht, von keinem Berg sein Unglck bersehen. Zu
allem Herzleid hin nicht gar sechs Batzen im Besitz -- denn einen Rest
Guthabens bei der Frau, wie htte er ihn fordern mgen? -- dazu sein
gutes Hutzelbrot verheillost, das ihm jetzt auf der Reise fr
Hungersterben htte dienen knnen, und endlich Spott und Schande vor und
hinter ihm!

Er ging bei sich zu Rat, ob er in seine Heimat solle oder weiterziehen.
Das eine kam ihn schier so sauer wie das andere an. Was werden deine
Freunde sagen, wenn du schon wiederkommst, als wie der Brogel-Wenz vom
welschen Krieg? (derselbe nmlich grte die Weinsteig schon wieder am
siebenten Tag) -- so dachte er; allein die Welt, soweit es in der Fremde
heit, kam ihm jetzt giftig, greulich vor, so d und traurig wie das
Ulmer Elend, das er dort unten in den Grten liegen sah: aus einem
Fenster dmmerte der kleine Schein vom Licht des Siechenwrters, dabei
vielleicht ein armer Tropf, fern von dem lieben Vaterland, jetzt seinen
Geist aufgab. Darum, es koste, was es wolle, heim ging sein Weg, nur
Stuttgart zu! Von keinem Menschen gedachte er Abschied zu nehmen, am
wenigsten von ihr, deren Gestalt und Mienen er mit Grauen immer vor sich
sah. Deshalb er auch nicht eher aus dem Wirtshaus ging, als bis er
sicher war, ihr nicht mehr zu begegnen, und seine Mitgesellen ebenfalls
schon schliefen. Es war schon zwlfe, und die Scharwich kam zum
zweitenmal, den letzten Gsten abzubieten.

Wie er nun langsam durch die leeren Gassen nach seinem Viertel lenkte,
vernahm er oben in dem Giebel eines kleinen Hauses den Gesang von zwo
Dirnen, deren eine, eines Krschners Tochter, Kunigund, er wohl kannte,
ein braves und sehr schnes Mdchen, mit welchem er im Pflug manchen
Schleifer herumgetanzt hatte. Wr' er nicht gleich im Anfang so tief in
die Witwe verschossen gewesen, die htte ihm vor allen Ulmer
Brgerskindern wohl gefallen und er ihr auch.

Die Dirnen plauderten, wie es ihm vorkam, finsterlings im Bett und
sangen das Lied von dem traurigen Knaben, dem sein Schatz verstarb, das
hatte zum Titel Lieb in den Tod und eine so herrliche Weise als sonst
vielleicht kein anderes. Da sie es noch einmal von vorn anfingen, stand
er still und horchte hinter einer Beuge Faholz stille zu.

   Uf^am Kirchhof am Chor
   Bleht ^a Blo-Holder-Strau,
   Do fleugt ^a wei Tuble,
   Vor's tag^a tuet, aus.

   Es streicht wohl ^a Gss^ale
   Nieder und zwu^a,
   Es fliegt mer ins Fenster,
   Es kommt uf mi zu^a.

   Jetzt kenn' i mein' Schatz
   Und sei linnewei G'wand
   Und sei silberes Ringle
   Von mir an der Hand.

   Es nickt mer en Grue,
   Setzt se nieder am Bett,
   Frei luegt mer's ins G'sicht,
   Aber a^nrehrt me's net.

   Drei Woch^a vor Ostr^a,
   Wann's Nachthehle schreit,
   Do mach^a mer Hochzig,
   Mei Schatz hot mer's g'sait.

   Mer mach^a kein' Lebtag,
   Mer halt^a kein' Tanz.
   Wer goht mit zur Kirch^a?
   Wer flicht mer d^a Kranz?

In whrendem Zuhren dachte der Seppe: Die wird sich auch wohl wundern,
wenn sie hrt, ich sei bei Nacht und Nebel fort als wie ein Dieb! Und
dachte ferner: Wenn diese Gundel deine Liebste htte werden sollen und
wr' dir heute gestorben, ob du jetzt bler dran wrest denn so oder
besser? -- Er wute in der Krze sich selbst keinen Bescheid darauf,
sthnte nur tief aus der Brust und ging weiter.

Beim Haus der Witwe angekommen, drehte er den Schlssel in der Tr, so
leis er konnte, um, schlich auf den Zehen an ihrer Schlafkammer vorbei,
kam in die seinige, von den Gesellen unberufen, und packte seine Sachen
ein, nachdem er erst die guten Kleider aus- und andere angezogen, auch
mit herzlicher Reue des Hutzelmanns Schuhe, die es so gut mit ihm
gemeint, unter dem Stein hervorgenommen und sie nach langer Zeit das
erstemal wieder an die Fe getan.

Und also schied er auf zeitlebens aus dem Haus, darin er sich vor wenig
Stunden noch als wie in seinem Eigentum vergnglich umgeschaut hatte. Er
kam an das Liebfrauentor und schellte dem Wchter; der lie ihn hinaus
und war der einzige Mensch in ganz Ulm, welcher ihm Glck auf die Reise
gewnscht.

Als er so in der Nacht auf trockener Landstrae und bei gelinder Luft
nicht vllig eine halbe Stunde weit gewandert war, so regte sich sein
Linker allbereits mit Jucken, Treten, Hopsen und sonst viel Ungebhr. So
rief der Seppe grimmig: Moi^nst, di^a Gugelfu^ahr gang wieder a^n? I
will d'r beizeit d'rfr tu^a!, sa nieder, ri den linken ab und fate
auch den rechten -- da fiel ihm ein: Den knnt'st du anbehalten; mit
_einem_ Fu im Glck ist besser denn mit keinem! Zog also einen Stiefel
an zum andern Schuh, probiert' es eine Strecke, und wahrlich, es tat
gut.

In seinem Innern aber, so arg es auch darin noch durcheinander ging, da
ihm das Heulen nher als das Pfeifen lag, so gab er sich doch selbst
schon khnlicheren Zuspruch mit Vernunft, nahm sein versehrtes Herz,
drckt' es, gleich wie die Hausfrauen pflegen mit einem zertretenen
Hhnlein zu tun, in sanften Hnden wieder zurecht, und endlich ging sein
Trost und letzter Schlu dahin, wie sein Vetter als sagte: Es hat nur
drei gute Weiber gegeben: die eine ist im Bad ersoffen, die ander' ist
aus der Welt geloffen, die dritte sucht man noch.

Unweit Gerhausen kam schon allgemach der Tag; bald sah er auch
Blaubeuren liegen, und auf den Dchern rauchte hie und da schon ein
Kamin.

Eine Ackerlnge vor dem Tor geschah ihm etwas unverhofft.

Dort zog der Weg sich unter den Felsen linker Hand an einer Steile hin.
Der Seppe dachte eben, wenn er jetzt in das Stdtlein kme, ein warmes
Frhstck tte seinem Magen wohl, und rechnete, wie weit er damit komme;
denn sein Beutel mochte nicht viel leiden. Bei dem Brumeister konnte er
aber mit Ehren nicht wieder einsprechen; er meinte, die Leute mchten
sagen: Dem hat das Handwerksburschen-Einmaleins im Nonnenhof gefallen
und mag ihm ganz eine kommode Rechnung sein! Dies denkend, schritt er
hitziger frba -- mit eins aber kann er nicht weiter, und ist er mit
dem Schuh wie angenagelt an den Boden, zieht, reit und schnellt, zockt
noch einmal aus Leibeskrften: da fuhr er endlich aus dem Schuh, der
aber flog zugleich den Rain hinunter, wohl eines Hauses Hhe, in einen
Felsenspalt.

Gern oder ungern mute ihm der Seppe nach. Als er nun mit Gefahr den
Fleck erreicht, wo er ihn hatte fallen sehen, und in dem Steinri mit
der Hand herumsuchte, auch alsbald ihn erwischte, indem so stie er an
ein fremdes Ding, das zog er mit ans Licht. -- Hoho! davon kam dir die
Witterung!? rief er und hielt das Bleilot in der Hand, betrachtet' es
mit Freuden, schlupft in den Schuh und ist wie der Wind wieder oben.
Nachdem er den Fund in den Ranzen gesteckt, der jetzo freilich das
Zwiefache wog, ging er nicht wenig getrstet hinein in die Stadt.

Die Leute machten erst die Lden auf und trieben das Vieh an die Trnke.
Er kam an einem Bckerhaus vorbei: da roch gerade so ein guter, warmer
Dunst heraus, da es ihn recht bei der Nase hineinzog. Er lie sich
einen Schnaps und keinen kleinen Ranken Brot dazu geben; das hielt dann
wieder Leib und Seele auf etliche Stunden zusammen.

Sofort auf seinem Weg probierte er das Lot auf alle Weise, wenn hin und
wieder ein Metzger oder sonst ein Mensch bei ihm vorberkam, und als er
nur den Vorteil erst mit rechts und links weg hatte, vertrieb er sich
die Zeit samt seinem Herzensbrast auf das anmutigste und beste.

Auf der Hhe der Feldsttter Markung fuhr hinter ihm daher mit einem
leeren Wagen und zween starken Ochsen ein Bhringer Bauer. Der Seppe
wollte gern ein Stck weit von ihm mitgenommen sein und sprach ihn gar
bescheiden und ziemlich darum an; der aber war ein grober Knollfink,
tat, als hrt' er ihn nicht. Ei, denkt mein Schuster, hrst du mich
nicht, so hab' mich auch gesehn, und sollst mich dennoch fhren! --
verschwand wie ein Luftgeist im Rcken des Manns und setzte sich hinten
aufs Brett. Da sprach der Bauer mit sich selbst und maulte: Htt' i
viel z'tau^n wenn i di^a Kerle ll uflad^a wtt -- Hott ane, Scheck! --
di^a Scheur^aburzler do! ll Hunds-Od^am lauft o^ar d'rher. Mi^ar kommt
ko^ar ber d'Schwell und uf d^a Wag^a, mi^ar ett! -- Das hrte der
Gesell mit groem Ergtzen und hielt sich immer still, gleichwie der
andre auch still ward. Nach einer Weile holt der Bhringer just aus, auf
schwbische Manier die Nas' zu putzen, hielt aber jh betroffen inn',
denn hinter ihm sprach es, als wie aus einem hohlen Fa heraus die
Wort': Zehn Ochsen und ein Bauer sind zwlf Stck Rindvieh.

Der Bauer, mit offenem Maul, schaut um, schaut ber sich gen die
Sperlachen, horcht, ruft Oha dem Gespann, steigt ab dem Wagen, guckt
unterhalb zwischen die Rder, und da kein Mensch zu sehen war und auf
der Ebene weit und breit kein Baum oder Grube noch sonst des Orts
Gelegenheit danach gewesen wre, da sich ein Mensch verbergen mochte:
stand ihm das Haar gen Berg, sa eilends auf und trieb die Tiere streng
in einem Trott, was sie erlaufen mochten, bis vor seinen Ort; denn er
vermeinte nicht anders, als der Teufel habe ihm Spitzfndiges
aufgegeben, und wenn er den Verstand nicht dazu habe, so gehe es ihm an
das Leben.

Der Seppe stieg nicht blder von dem Wagen, als bis der Bauer in seiner
Hofrait hielt; dann wandelte er durchs Dorf, unsichtbarlich, und hatte
mit diesem Abenteuer, die schne Kurzweil ungerechnet, wohl eine halbe
Meil' Weges Profit.

Er kam ins Tal hinunter und auf Urach, er wute nicht wie.

Vor dem Gasthaus, demselben, wo er im Herweg bernachtet war, stiegen
etliche reisende Herren von Adel samt ihren Knechten gerade zu Ro; er
hrte, sie ritten auf Stuttgart. Herrn Eberhards Tochter hatte Hochzeit,
als gestern, gehabt mit Graf Rudolf von Hohenberg; auf eben diese Zeit
beging ihr Herr Vater, der Graf, seine silberne Hochzeit. Es dauerten
die Lustbarkeiten noch drei Tage lang am Hof und in der Stadt: Turnier
und andre Spiele. Das hrte der Geselle gern; er dachte: Da hat man
deiner nicht viel acht und mgen deine Freunde glauben, du kamst des
Lebtags wegen heim. Ihm lstete nicht sehr danach; demungeachtet sumte
er sich nicht auf seinem Weg, und als er sich um die drei Groschen und
etliche Heller, so er aus allen Taschen elendiglich zusammenzwickte,
noch einmal wacker satt gegessen und getrunken, so setzt' er seinen Stab
gestrkt und mutig weiter. Stets einem flinken Wsserlein, der Erms,
nachgehend, befand er sich gar bald vor Metzingen.

Er dachte trutzig und getrost vor jedermanns Augen den Ort zu passieren,
wo er vor einem halben Jahr den Schabernack erlitten, und war auf
Schimpf und Glimpf gefat; nur wollte er zuvor den zweiten Stiefel noch
auen vor dem Ort antun, damit er doch nicht mit Gewalt den Spott der
Gaffer auf sich ziehe. Aber wie er sich dazu anschicken will, kommt ihm
ein anderes dazwischen, das lie ihm keine Zeit.

Gleich vor dem Flecken, frei auf einem Gutstck lag eines Schnfrbers
Haus; an dessen einer Seite hingen allerhand Stck Zeug, in Rot, Blau,
Gelb und Grn gefrbt, auf Stangen und im Rahmen aufgezogen, davor ein
grner Grasplatz war. Dort nun, doch nher bei der Strae sah der Seppe
nur einen Steinwurf weit von ihm das nasenweise Frberlein stehn, das
Gesicht nach dem Flecken gekehrt. Das Brschlein hatte Ghnaffen feil,
weil seine Meistersleute nicht daheim, oder pate es auf eine hbsche
Dirne, sah und hrte deshalb weiter nichts.

Wohl bei der Heck', du Laff! sagte der Seppe frohlockend vor sich,
indem er risch seitab der Strae sprang. Jetzt will ich dir den Plirum
geigen! -- warf seinen Ranzen links herum, lief eilig zu und stand
unsichtbar auf dem Wasen ein Dutzend Schritte hinter dem Frber.
Geschwind besann er sich, was er zuerst beginne, trat an das Lattenwerk,
zog wie der Blitz einen trockenen Streif des roten Zeugs herab und
breitete denselben glatt aufs Gras; alsdann stellte er sich in
leibhafter Gestalt ohne Willkomm und Gru, nicht in gutem noch bsem,
ganz dicht vor den Frber hin. Der, seinen Feind erkennend, macht' ein
Gesicht als wie der Esel, wenn er Teig gefressen hat, und pltzlich
wollte er auf und davon. Der Schuster aber hatt' ihn schon gefat: kein
Schraubstock zwngt ein Werkholz fester, denn unser Geselle das Bblein
hielt bei seinen zween Armstecken. Er hie ihn stilleschweigen, so wolle
er ihm aus Barmherzigkeit an seinem Leib nichts tun, nahm ihn sodann
gelinde, legt' ihn aufs eine Tuchend berzwerch, drckt' ihm die
Ellbogen grad am Leib und wergelt ihn mit Hnden geschickt im Tuch
hinab, wie man ein Mangelholz wlzet, da er schn glatt gewickelt war
bis an das Kinn. Darauf band er ihm ein grnes Band, das er auch von der
Latte gezogen, kreuzweis von unten bis hinauf und knpft's ihm auf der
Brust mit einer schnen Schlaufe. Nach allem diesem aber nahm und trug
er ihn, nicht anders als ein Pftschenkind dahingetragen wird, auf
seinen Armen weg (in deren einem er den Wanderstock am Riemen hangen
hatte). Weil er jedoch bei diesem ganzen Vornehmen das Lot links trug,
und weil der Krackenzahn mehr nicht kann ungesehen machen, als das zum
Mann gehrt, so war es wunderbarlich, ja grausig, fremd und lustig
gleichermaen anzusehn, wie auf der breiten Strae mitten inne ein
gesunder Knab, wie Milch und Blut, mit schwarzem Kruselhaar, in
Wickelkindsgestalt frei in der Luft herschwebte und schrie.

Das Volk lief zu aus allen Gassen, ein jedes lacht' und jammerte in
_einem_ Atem, die Weiblein schrien Mirakel und: Hilf Gott! es ist des
Frbers Knab, der Vite! Springt ihm denn keiner bei von euch
Mannsnamen? -- Doch niemand traute sich hinzu.

Da fing der Seppe an sangweis mit heller Stimme:

   Scher^aschleifer, wetz, wetz, wetz,
   La dei Rdle schnurr^a!
   Stu^agart ist ^a graue Stadt,
   Lauft ^a G^nsbach dur^a.

Und als das Kind sich ungebrdigt stellte, schwang er's und flaigert's
hin und her und sang:

   Frbersb^able, schrei net so,
   Mach mer keine Mndl^a!
   D' B^asinger mit zwanzig Johr
   Trait mer en de Wendl^a,
   Heisasa! Hopsasa!
   Wi^a de kleine Kendl^a.

Die Leute fanden ihrem Staunen, Schrecken, Dattern und Zagen nicht Worte
noch Gebrden mehr. Eins schob und stie und drngte nur das andere dem
Abenteuer immer nach oder voraus. Bei dem Gemeindehaus aber schwenkte
sich der Seppe seitwrts nach dem Kirchplatz unversehens, da alles vor
ihm schreiend auseinanderfuhr.

Dort, mitten auf dem Platz sah man den Vite snftlich an die Erde
niederkommen. Da lag denn ein seltsamer Tufling, zornheulend, sonder
Hilfe, derweil der Schuster flchtig durch die Menge wischte. Weit
drauen vor dem Ort noch hrte er das Lrmen und Brausen der Leute.

Bei Tolfingen am Neckar sprte er anfangen in den Beinen, da er
verwichene Nacht in keinem Bett gewesen, jetzt fnfzehn Stunden Wegs in
einem Strich gemacht, daneben ihn der letzte Possen auch manchen Tropfen
Schwei gekostet haben mag. Der Abend dmmerte schon stark, und er hatte
noch fnf gute Stunden heim. Bei frischen Krften htte er Stuttgart
nicht fglich vor Mitternacht knnen erlaufen, so schachmatt aber, wie
er war, und mit vier Pfennigen Zehrgeld im Sack, schien ihm nicht
ratsam, es nur zu probieren. Wo aber bleiben ber die Nacht und doch
kein Scheurenburzler sein? -- Halt! dacht er, dient nicht in der Stadt
Nrtingen, nur anderthalb Stund von da, der Kilian aus Mnster als
Mhlknapp? Das ist die beste Haut von der Welt, der lt dich nicht auf
der Gasse liegen und borgt dir leicht ein Weniges auf den Weg. Jetzt ist
lang Tag! -- Er tat erst einen frischen Trunk in Tolfingen, wo das
Wasser nichts kostet, dann kaufte er sich ein Brot fr seinen letzten
Kreuzer, verzehrt' es ungesumt und lotterte, indem es finster ward,
gemchlich die Strae am Neckar hinauf. Mit der Letzte erschleppt' er
sich fast nicht mehr, doch endlich erschienen die Lichter der Stadt und
hrte er das groe Wuhr ob der Brcke schon rauschen, hart neben welcher
jenseits die vielen Werke klapperten.

Der Mller a eben zu Nacht mit seinen Leuten und Gesind, darunter nur
kein Kilian zu sehen war. Man sagte dem Schuster, der sei vor einem
Vierteljahr gewandert. Da stand der arme Schlucker mit seinem gottigen
Glcksschuh und seinem Stiefel! wute nicht, was er jetzt machen sollte.
Indes hie ihn die Mllerin ablegen und mitessen, und nach dem
Tischgebet, dieweil der Mann leicht merken mochte, es sei ein
ordentlicher Mensch und habe Kummer, bot er ihm an, ber Nacht im
Wartstblein, wo die Mahlknechte rasten, auf eine der Pritschen zu
liegen. Das lie er sich nicht zweimal sagen und machte sich alsbald
hinunter, ein Jung wies ihm den Weg zwischen sechs Gngen hindurch, die
gellten ihm die Ohren im Vorbeigehn nicht schlecht aus. Zwei Stieglein
hinunter und eins hinauf, kam er in ein gar wohnliches, vertfertes
Gemach und streckte sich auf so ein schmales Lager hin. Wie grausam md
er aber war, ein Schlaf kam nicht in seine Augen: Fenster und Boden
zitterten in einem fort, es schellte bald da, bald dort, die Knechte
tappten aus und ein, und die ganze Nacht brannte das Licht.

Um eins, da ihn der Oberknecht noch wachen sah, sprach der zu ihm, wenn
er auf Nachtruh halte, hier sei er in die unrechte Herberge geraten, das
Schlafen in der Mhle woll' gelernt sein wie das Psalmenbeten in der
Hlle; er soll' aufstehn, sie wollten sich selbdritt die Zeit vertreiben
mit Trischacken -- langte die Karten vom Wandbrett herunter und stellte
einen vollen Bierkrug auf den Tisch. Der Seppe wollte nicht, bekannte
auch, da er Gelds ohne sei; allein da hie es: Schuster! dein
Schnappsack hat ein leidlich Gewicht, und Stein hast du keineswegs
darin; wenn aber, so sei uns ein ehrlicher Schuldner! So gab er endlich
nach und nahm sein Spiel vor sich. Wetter! wie paten gleich die Kerl da
auf! Was er nur zog und hinwarf: allemal die besten Stiche! Jetzt wurden
seine Sinne hell und wach zumal, er dachte: Hei, da springt ein
Wandergeld heraus! Das erste Spiel gewonnen, das zweite desgleichen!
Beim dritten und beim vierten zog er heimlich den Schuh aus unter dem
Tisch, da es nicht merklich wrde, und verspielt's damit
hintereinander, doch brachte er es vier- und sechsfach wieder ein, und
pnktlich machte einer jedesmal die Striche auf die Tafel, da man's
nachher zusammenrechnen knne. Es war ihm ber einen Gulden gut
geschrieben, und als den andern endlich so die Lust verging, war es ihm
eben recht und legte er sich noch ein Stndlein nieder. Da fiel der
Schlaf auch bald auf ihn als wie ein Maltersack, doch ohne Letzung. Er
war mit seinem Geist in Ulm und trumte nur von Greuel, Gift und
peinlichem Gericht. Ein Mahljung, welcher durch das Stblein lief,
vernahm von ungefhr, wie er im Schlaf die Worte redete: Frn Galgen
hilft kein Goller und frs Kopfweh kein Kranz! -- ging hin und
hinterbracht's den Knechten; die kamen juxeshalber und standen um den
Schlafenden, sein bitterlich Gesicht bescherzend. Auch nestelten sie ihm
den Ranzen auf aus Frwitz, was er Schatzwerts darin habe, zogen das
schwere Blei heraus und lachten ob des Knaben Einfalt solchermaen, da
ihnen gleich das Schiedfell htte platzen mgen. Tropf! sprach der
eine, hast du sonst nichts gestohlen, darum springt dir der Strick
nicht nach! -- und packten's ihm wieder suberlich ein.

Als nun der Seppe endlich am lichten Tag erwacht war, grtete er sich
gleich, nahm Hut und Stock und fand die beiden Spielgesellen in der
Mhle am Geschft. Er htte gern sein Geld gehabt, wenn es auch nur die
Hlfte oder ein Drittel sein sollte. Sie aber lachten mit Faxen und
Zeichen, bedeuteten ihm, sie verstnden nicht ber dem Lrm, was er
wolle, und htten unmglich der Zeit. Nun sah er wohl, er sei betrogen,
kehrte den seellosen Schelmen den Rcken und ging hinauf, dem Mller
seinen schuldigen Dank abzustatten. Dort in der Kche gab man ihm noch
einen glatt geschmlzten Hirsenbrei; damit im Leibe wohl verwarmt, zog
er zum Tor hinaus und ber die Brcke, dann rechts Oberensingen zu. Gern
htte er zuvor den Herbergvater in der Stadt um eine Wegspend
angegangen, er traute aber nicht, weil er in Ulm sich keinen Abschied in
sein Bchlein hatte schreiben lassen.

Auf dem Berg, wo der Wolfschluger Wald anfangt, sah man damals auf einem
freien Platz ein paar uralte Lindenbume, ein offen Bethuslein dabei,
samt etlichen Ruhebnken. Allhie beschaute sich der Seppe noch einmal
die ausgestreckte blaue Alb, den Breitenstein, den Teckberg mit der
groen Burg der Herzoge, so einer Stadt beinah gleichkam, und
Hohenneuffen, dessen Fenster er von weitem hell herblinken sah. Er hielt
dafr, in allen deutschen Landen mge wohl Herrlicheres nicht viel zu
finden sein als dies Gebirg zur Sommerszeit und diese weit gesegnete
Gegend. Uns hat an dem Gesellen wohl gefallen, da er bei aller
Uebelfahrt und Kmmernis noch solcher Augenweide pflegen mochte.

Von ungefhr, als er sich wandte, fand er auf einem von den Ruhebnken
ein Verslein mit Kreide geschrieben, das konnte er nicht sonder Mh
entziffern; denn sichtlich stand es nicht seit jngst, und Schnee und
Regen waren darber ergangen. Es hie:

   Ich habe Kreuz und Leiden,
   Das schreib' ich mit der Kreiden,
   Und wer kein Kreuz und Leiden hat,
   Der wische meinen Reimen ab!

Der Seppe ruhte lang' mit starren Blicken auf der Schrift. Er dachte:
Dem, welcher dies geschrieben, war der Mut so weit herunter als wie dir,
kann sein: noch weiter. Trst ihn Gott! -- Nachdenksam kehrte er sich
zur Kapelle, legte Ranzen, Hut und Stock, wie sich gebhrte, hauen ab
und ging, seine Andacht zu halten, hinein; nach deren Verrichtung er
sich bei den Namen und Sprchen verweilte, so von allerhand Volk, von
frommen Pilgrimen und migen Betern, an den Wnden umher mit Rotstein
oder mit dem Messer angeschrieben waren. In einem Eck ganz hinten stund
zu lesen dieser Reim:

   Bitt, Wandrer, fr mich!
   So bittst du fr dich.
   Mit Schmerzen ich be,
   In Trnen ich fliee.
   Das _Erbe der Armen_,
   Das heiet _Erbarmen_.

Recht wie ein Blitzstrahl zckten die Worte in ihn, und war ihm eben,
als flehet' es ihn aus den Zeilen an mit gerungenen Hnden um seine
Frbitte, als eine letzte Guttat an der Frau, so ihrer vor allen den
lebenden Menschen bedrfe. Seit jener Stunde, wo er sich im stillen von
ihr schied, war ihm noch kein Bedenken oder Sorge angekommen um das
verderbte und verlorene Weib; nun aber fiel das treue Schwabenherz
gleich williglich auf seine Knie, vergab an seinem Teil und wnschte
redlich, Gott mge ihren bsen Sinn zur Bue kehren und ihr dereinstens
gndig sein; fr sich insonderheit bat er, Gott wolle seiner schonen und
ihn kein blutig Ende an ihr erleben lassen. Hierauf erhob er sich, die
Augen mit dem Aermel wischend, und setzte seine Reise fort.

Nach dreien Stunden, um Bernhausen auf den Fildern, hub sein Magen an
mit ihm zu hadern und zu brummen. Er htte sich mit seinem Lot in
manches reichen Bauern Haus und Kche leichtlich wie Rolands Knappe
helfen knnen, welcher vermittelst seines Dumerlings dem Sultan sein
Leibessen samt der Schssel frei vor dem Maul wegnahm. Ihm kam jedoch
vor Traurigkeit dergleichen gar nicht in den Sinn: auch hatte er sein
Leben lang weder gestohlen noch gebettelt. Kein leiderer Weggeno ist
aber denn der Hunger. Er rauft, wenn er einmal recht anfangt, einem
Wandersmann schockweis die Kraft aus dem Gebein, nimmt von dem Herzen
Trost und Freudigkeit hinweg, schreit allen alten Jammer wach, recht wie
bei Nacht ein Hund den andern aufweckt, da ihrer sieben miteinander
heulen. Das dauerte bei dem Gesellen, bis endlich Degerloch da war und
er nun um die Mittagszeit seine Vaterstadt im lichten Sonnenschein und
Rauch vom Berg aus liegen sah. Da brannten ihn die salzigen Tropfen vor
Freuden im Aug' und waren seine Fe alsbald wie neugeboren.

Von weitem hrte er Trompetenschall und sah es vor dem Tor und in den
Straen blinken und wimmeln. Die Ritter kamen in Harnisch und Wehr
zurck vom groen Stechen: Ro und Mann bis an den Helmbusch voller
Staub. Es wogte bunt von Grafen, Edelherrn und Knappen, von
Brgersleuten und vielem Landvolk.

Der Seppe drckte sich, wie er zur Stadt hineinkam, scheu nur an den
Husern hin: denn ob er gleich unsichtbar ging um seiner schlechten
Kleidung willen, auch weil er bel, schwach und schwindlig war vor
bergroer Anstrengung, weshalb er nicht viel Grens oder Redens
brauchen konnte, so war ihm doch bei jedem Schritt, wie wenn die Blicke
aller Leute auf ihn zielten, und wurde rot und bla, so oft als ein
guter Bekannter oder ein Mdchen seiner alten Nachbarschaft bei ihm
vorber lachte. Er strebte einem engen Gchen zu im Bohnenviertel, wo
eine alte Base von ihm wohnte. Am Eck schob er den Ranzen rechts herum,
und schon von ihrem Fenster aus begrte ihn das gute Fraulein, seine
Dot. Er sprang mit letzten Krften die Stiege noch hinauf, aber unter
der Tr knickt' er in den Knien zusammen und schwanden ihm zumal die
Sinne. Die Frau rief ihren Hausmann, holte Wein und was sonst helfen
mochte. In Blde hatten sie den armen Lungerer so weit zurecht gebracht,
da er auf seinen Fen stehn, sich hinter den Tisch setzen, essen und
trinken konnte.

Dabei erzhlte ihm das Mtterlein, was sich alle die Zeit her begeben:
vom groen Beilager im Schlo wie auch, da morgen noch ein Haupttag
sei. Weil nmlich eben Fanacht in der Nhe war und die erlauchte Braut
nichts lieber sah als einen schnen Mummenschanz, so wurde von dem Rat
der Stadt beschlossen, da ein solcher mit ausnehmender Pracht auf dem
Markt gehalten werde. Der Graf dagegen wollte zu Mittag die Brgerschaft
in den Straen bewirten, welches der Jahreszeit halben wohl geschehen
mochte, indem der Winter so gelind und kurz ausfiel, da wahrlich im
Stuttgarter Tal fast die Bume ausschlugen. Auf diesen Tag nun, siehst
du, sprach die Base, tut jung und alt sein Bestes, der Arme wie der
Reiche: wer keinen Heiden oder Mohren machen kann, der findet einen
bunten Lappen zum Zigeuner, und wem die Larve fehlt, der frbt sich im
Gesicht. Da hat vorhin die Kiderlen, die Vrone, die du kennst, sich
Feierwams und Hosen von ihrem Vetter, meines Hausmanns Buben, abgeholt,
und er verbutzet sich mit seiner Ahne ihrem Hochzeitstaat. Seppe, wir
mssen uns fr dich beizeiten auch nach was umtun. Fr jetzo, schtz'
ich aber, hast du das Bett am ntigsten. -- Ach wohl, Frau Dot!
sprach er, und ich wollt' nur, die Nacht htt' ihre achtundvierzig
Stund! -- Nun, meinte sie, vier hast du, bis wir essen; da lt sich
schon ein schn Stck Schlafs vorweg herunterspinnen! -- und fhrte ihn
hinauf in eine kleine Kammer, in welcher allezeit ein gutes Gastbett
aufgemacht war.

Kaum hatte er sich ausgezogen und sein zerschelltes, zerbrechliches und
ganz vermrbtes Knochenrstwerk behutsam ausgestreckt, da schlief er
auch schon wie ein Dachs und so in einem fort bis abends spt, wo ihm
die Frau eine Suppe mit Fleisch hinaufbrachte und noch ein wenig mit ihm
diskurierte. Nun wnschte sie ihm gute Nacht und ging mit ihrem Licht.

Sie war aber die Stiege noch nicht gar hinunter, so ruckt etwas an
seinem Stuhl, ein Lmplein macht die Kammer klar, und eine Stimme sagte:
Gr dich Gott, Seppe! verschrick nit! der Pechschwitzer ist es, der
Hutzelmann, der Trster. So, so, auch wieder hiesig? Sorg nit, ich plag'
dich lang'! du brauchst der Ruh'. Und auf ein Wort: sag an! gelt,
Bursch, hast's Kltzle?

Jo freile han i's, Meister.

La sehn! wo steckt's? im Bndel? -- Hab' es schon! bei meinem Leisten!
ja, da glotzt er 'raus, der Krackenzahn. Du erzigs Narrenglckskind, du!
Und hast fein nur mit seinem Hund gejagt! Du Malefizglcksspitzbub, du!
-- Mit diesen und viel andern nrrischen Ausrufungen bewies das Mnnlein
seine Freude. Drauf sagte es mit Ernst: Mein Sohn, du hast dies teuere
Stck, wie du zwar schuldig warst, deinem Patron getreulich berliefert,
da du es nicht allein im Nonnenhof knnen vertrumpeln um einen
Pfifferling aus des Wasserweibs Hafen, sondern konntest vor Kaiser und
Knige gehen damit, die htten dir dies schlechte Blei gern sechsmal und
mehr mit Gold aufgewogen. Nun, Seppe, denk an mich! Das sollt du nicht
bereuen. Hab gute Nacht! -- Im Gehen frug er noch: Wie sicht's mit dem
Laiblein?

Ja, Meister, um sell bin i komm^a, sell ist --

Gfressen?

Jo, aber ett vo mir!

Ei, da dich! hat das auch mssen verhansleartlet sein! Nun, wenn's nur
gfressen ist! gibt wieder einmal ein anders vielleicht. Bht Gott!
Morgen bei rechter Zeit siehst mich wieder.

                   *       *       *       *       *

Die Sonne ging am andern Morgen glatt und schn herauf am Himmel und
hatte die Nebel ber der Stadt mit Macht in der Frh' schon vertrieben.
Man hrte die Gassen aus und ein vielfach Gelufe, Lachen und Gesprang;
es war schon um die Achte, in einer halben Stunde ging der Aufzug an. Da
hielt es die Base nun hoch an der Zeit, da sie ihr Patlein wecke, denn,
meinte sie, auf allen Fall mu er die Herrlichkeit mitmachen und soll so
gut wie jeder andere Brgersohn an der Gesellentafel speisen auf des
Herrn Grafen Kosten. Mit Mhe hatte sie noch gestern abend einen langen
weien Judenbart samt Mantel und Mtze fr ihn bei einer Trdlerin
mietweis erlangt. Sie nahm den Plunder auf den Arm, den guten Burschen
gleich auf seiner Kammer damit zu erfreuen: da klopft es und kam ein
junger Gesell herein, wenig geringer als ein Edelknabe angezogen, mit
einem krachneuen, rotbraunen Wams von Samt, schwarzen Pluderhosen,
Kniebndern von Seide und gelben Strmpfen. Er hielt sein Barett vors
Gesicht gedeckt, und als er es wegnahm, stand da vor seiner lieben Dot
der Schuster Seppe mit Blicken, halb beschmt und halb von Freude
strahlend. Die Frau schlug in die Hnde, rief: Jemine! was soll das
heien? Bub, sag! wo hast du das geborgt? -- Ihr sollt's schon heut'
noch hren, Bas': es ist eine weitlufe Sach', und ich mu gleich fort.
-- Nun sei's, woher es wolle: aus einem vornehmen Schrank mu es sein.
Nein, aber, Seppe, wie gut dir's steht, alles, bis auf den feinen
Hemdkragen hinaus! Ich sag' dir, es wr' Snd und Schad, wenn du eine
Larve umbndest. Mein Jud, so viel ist ausgemacht, darf seinen Spie
jetzt nur wo anders hintragen. Da schau einmal, was ich dir Schnes
hatte! -- Und hiermit lief sie in die Kche, dem Knaben eine gute
Eiergerste zum Morgenatz zu bringen.

Derweil er seine Schssel leerte, zog sich die Base im Alkoven festtgig
an. Sie wollte des Getreibes gern auch Zeuge sein, von einem obern
Fenster aus bei einem Schneider auf dem Markt. Der Seppe aber eilte ihr
voraus, Sankt Leonhards Kapelle und der Wette zu, stracks auf den Platz.

Von keiner Seele unterwegs ward er erkannt noch auch gesehn. Warum? Er
wird doch nicht das Lot mitschleppen? Nein, aber seine linke Brusttasche
barg eine zierliche Kapsel, darinne lag der ausgezogene Krackenzahn,
gefat in Gold und berdies in ein goldenes Bchslein geschraubt, samt
einer grnen Schnur daran. Der Hutzelmann lie alles ber Nacht von
einem Meister in der Stadt, mit welchem er gut Freund war, fertigen und
bergab dem Seppe das Kleinod mit der Weisung, dasselbe seinem
Landesherrn, dem Grafen, zu Ehren seines Jubeltags nachtrglich zu
behndigen, sobald er merke, da der Scherz zu Ende gehe und die
Herrschaft am Aufstehen wre.

Wie der Gesell nunmehr an Ort und Stelle kam, sah er den weiten Markt
bereits an dreien Seiten dicht mit Volk besetzt und Kopf an Kopf in
allen Fenstern. Er nahm seinen Stand beim Gasthof zum Adler, und zwar
zuvrderst unsichtbar, auer den Schranken. Etliche Schritt weit von den
Husern nmlich liefen Planken hin, dahinter muten sich die
Schaulustigen halten, da innerhalb der ganze Raum frei bleibe fr die
Fanachtsspiele, sowie auch fr die fremden Tnzer und Springer, welche
ihr groes Seil ganz in der Mitte querber vom Rathaus aufgespannt
hatten, dergestalt, da es an beiden Seiten gleich schrg herunterlief
und hben und drben noch ein breiter Weg fr den Maskenzug blieb.

Am Rathaus auf der groen Altane erhub sich ein Gezelt von
safranfarbigem Samt mit golddurchwirkten Quasten, den grflichen Wappen
und prchtigen Bannern geschmckt. Den Eingang schtzten sechs
Hellebardierer aus der Stadtbrgerschaft. Es hingen aus den Fenstern
aller Huser bunte Teppiche heraus, und an den Schranken standen,
gleichweit voneinander, grne Tnnlein aufgerichtet. Von den sechs
Straen am Markt waren viere bewacht: darin sah man die Tische gedeckt
fr das Volk, Garkchen und Schankbuden, wo nachher Bier und Wein
gezapft wurde und fnfzig Keller- und Hofbartzefanten die Speisen
empfingen.

Gegen dem Rathaus ber sodann, am andern Ende des Markts, war der
Spielleute Stand. Dieselben machten jetzo einen groen Tusch, denn aus
der Gasse hinter ihnen nahete der Hof, nmlich Graf Eberhard mit dem von
Hohenberg, dem Vater, das jngst vermhlte Paar wie auch des Grafen
Sohn, Herr Ulrich, auf weien, kstlich geschirrten Rossen, die Gemahlin
des Grafen und andre hohe Frauen aber in Snften getragen; zu deren
beiden Seiten gingen Pagen und ritten Kavaliere hinterdrein.

Sobald die Herrschaften, vom Schulthei gebhrend empfangen und in das
Rathaus geleitet, auf der Altane Platz genommen, einige vornehme Gste
jedoch an den Fenstern, begann sogleich der Mummenschanz.

In guter Ordnung kamen aus der Gasse an dem Rathauseck beim Brunnen mit
dem steinernen Ritter so einzelne wie ganze Rotten aufgezogen.

Zum Anfang wandelte daher der Winter als ein alter Mann, den lichten
Sommer fhrend bei der Hand, als eine hbsche Frau. Sie hatte einen
Rosenkranz auf ihrem ungeflochtenen gelben Haar, ein Knblein trug den
Schlepp ihres Gewands samt einem groen Blumenstrau, ein anderes trug
ihm ein Kohlenbecken nach und einen drren Dornbusch. Auf seinem Haupt
und Pelz war Schnee vom Zuckerbcken; sie raubte ihm bisweilen einen
Bissen mit zierlichem Finger davon zur Letzung bei der Hitze, das er aus
Geiz ihr gern gewehrt htte.

Nun ritt der hrnene Siegfried ein mit einer groen Schar, auch der
schreckliche Hagen und Volker.

Dann gingen zwanzig Schellennarren zumal an einer Leine, die stellten
sich sehr weise an, da jeder blindlings mit der Hand rckwrts den
Hintermann bei seiner Nase zupfen wollte; der letzte griff gar mhlich
immer in der Luft herum, wo niemand mehr kam. Auf einem hllischen
Wagen, gezogen von vier schwarzen Rossen, fuhr der Saufteufel, der
Spielteufel und ihr Geschwisterkind, Frau Hoffahrt, mit zweien
Korabellen, und hatten zum Fuhrmann den knchernen Tod.

Jetzt segelte ein groes Schiff daher auf einem niederen Gestell; dies
war mit wasserblauem Zeug bedeckt, und sah man daran keine Rder noch
solche, die es schoben. Auf dem Verdeck stund der Patron, ein
niederlnder Kaufherr, welcher sich die fremde Stadt so im Vorberziehn
beschaute.

Dahinter kam ein Kropfiger und Knegler mit jmmerlichen dnnen Beinen
und fhrte seinen wundersamen Kropf auf einem Schubkarren vor sich her
mit Seufzen und hufigen Zhren, da er der Ware keinen Kufer finde,
und rief dem Schiffsherrn nach, sein Fahrzeug hnge schief und mangele
Ballasts, er wolle ihm den Kropf um ein Billiges lassen. Gar ehrlich
beteuerte jener, desselben nicht bentigt zu sein; doch als ein
mitleidiger Herr hielt er ein wenig an und gab dem armen Sotterer viel
Trost und guten Rat: er mge seines Pfundes sich nicht uern, vielmehr
fein hten und pflegen, es sollte ihm wohl wuchern, wenn er nach
Schwaben fhr auf Cannstadt zum ungeschaffenen Tag; es mge leicht fr
ihn den Preis dort langen. Da dankte ihm der arm Gansgalli tausendmal
und fuhr gleich einen andern Weg; der Kaufmann aber schiffte weiter.

Mit andern Marktweibern, auslndischer Mundart und Tracht kam auch ein
frisches Bauermgdlein, rief: Besen, liebe Frauen! Besen feil! --
Sogleich erschien auf dem Verdeck des Schiffs ein leichtfertiger
Jngling in abgerissenen Kleidern, eine lange Feder auf dem Hut und eine
Laute in der Hand. Sein Falkenauge suchte und fand die Verkuferin flugs
aus dem Haufen der andern heraus, und zum Patron hinspringend, sagte er
mit Eifer, in dieser Stadt sei er zu Haus, er habe gerade geschlafen und
htte schier die Zeit verpat; er wolle da am Hafendamm aussteigen,
wofern der Patron es erlauben und ein wenig anlegen mchte. Der gute
Herr rief dem Matrosen, es ward ein Brett vom Schiff ans Land gelegt,
der Jngling kte dem Kaufmann die Hnde mit Dank, da er ihn
mitgenommen, sprang hinber und auf das Bauernmgdlein zu. Nun fhrten
sie ein Lied selbander auf, dazu er seine Saiten schlug. Whrend
desselben hielt der ganze Zug, und alles horchte still.

   Gr dich Gott, herzlieber Schatz,
   Dich und deine Besen! --
   Gr dich Gott, du schlimmer Wicht!
   Wo bist du gewesen? --

   Schatz, wo ich gewesen bin,
   Darf ich dir wohl sagen:
   War in fremde Lande hin,
   Hab' gar viel erfahren.

   Sah am Ende von der Welt,
   Wie die Bretter paten,
   Noch die alten Monden hell
   All' in einem Kasten:

   Sahn wie schlechte Fischtuch aus,
   Sonne kam gegangen,
   Tupft' ich nur ein wenig drauf,
   Brannt' mich wie mit Zangen.

   Htt' ich noch ein' Schritt getan,
   Htt' ich nichts mehr funden.
   Sage nun, mein Liebchen, an,
   Wie du dich befunden!

   In der kalten Wintersnacht
   Lieest du mich sitzen:
   Ach, mein' schwarzbraun ugelein
   Muten Wasser schwitzen!

   Darum reis' in Sommernacht
   Nur zur all'r Welt Ende!
   Wer sich gar zu lustig macht,
   Nimmt ein schlechtes Ende.

Mit diesem Abschiedsgru lie sie ihn stehen. Er spielte, der Dirne
gelassen nachschauend, seine Weise noch vollends hinaus, stie sich den
Hut aufs linke Ohr und lief hinweg.

Es traten ferner ein fnf Wurstelmaukeler. Das waren von alters her bei
der Stuttgarter Fanacht fnf Metzgerknechte, mit Kreuzerwrsten ber
und ber behangen, da man sonst nichts von ihnen sah. Sie hatten jeder
ber das Gesicht eine groe Rindsblase gezogen, mit ausgeschnittenen
Augen, das Haupt bekrnzt mit einem Blunzenring. Wenn es nachher zur
Mahlzeit ging, dann durften die Kinder der Stadt, fr die kein Platz war
an den Tischen, kommen und durfte sich jedes ein Wrstlein abbinden, der
Maukeler hielt still und bckte sich, wenn es ntig war; dazu wurden
Wecken in Menge verteilt.

Noch gab es viel mutwillige und schne Stampaneyen, deren ich ungern
geschweige.

Nachdem der ganze Mummenschanz an den drei Seiten des Markts langsam
heruntergekommen und links vom Rathaus abgezogen war, dem Hirschen zu,
bestiegen die Springer und Tnzer das Seil.

Der Seppe war die ganze Zeit an seinem Platz verharrt, auch hatte er
sich lang' nicht offenbar gemacht, doch endlich tat er dies auf schlaue
Art, indem er sich geheim zur Erde bckte und sichtbarlich aufstand,
dadurch es etwa denen, so zunchst an ihm gestanden, schien, als
schlupfet' er unter den Planken hervor. Von wegen seiner edlen Kleidung
wiesen ihn die Wrtel auch nicht weg, deren keiner ihn kannte; nur seine
alten guten Freunde grten ihn von da und dort mit Winken der
Verwunderung.

Der Seppe hatte bis daher alles und jedes, die ganze Mummerei, geruhig,
obwohl mit unverwandtem Aug' und Ohr an ihm vorbeiziehen lassen. Wie
aber jetzt die fremden Gaukler, lauter schne Mnner, Frauen und Kinder,
in ihrer lftigen Tracht ihre herrliche Kunst sehen lieen und ihnen
jegliche Verrichtung, als Tanzen, Schweben, Sichverwenden, Niederfallen,
Knien, so gar unschwer von statten ging, als wr' es nur geblasen, kam
ihn auf einmal groe Unruh an, ja ein unsgliches Verlangen, es ihnen
gleich zu tun. Er merkte aber bald, da solche Lust ihm von den Fen
kam, denn alle beede, jetzt zum erstenmal eintrchtig, zogen und
drngten ihn sanft mit Gewalt nach jenem Fleck hin, wo das Seil an einem
starken Pflock am Boden festgemacht war und schief hinauflief bis an die
vordere Gabel. Der Seppe dachte: Dieses ist nur wieder so ein Handel wie
mit der Dreherei, und fiel ihm auch gleich ein, da Meister Hutzelmann,
auf dessen Gehei er heut' die Glcksschuh alle zween anlegen mssen,
das Lachen habe fast nicht bergen knnen. Er stie die Zehen hart wider
das Pflaster, strafte sich selbst mit innerlichem Schelten ob solcher
trichten, ja gottlosen Versuchung und hielt sich unablssig vor im
Geist Schmach, Spott, Gelchter dieser groen Menge Menschen, dazu
Schwindel, jhen Sturz und Tod, so lang' bis ihm der Siedig auf der Haut
ausging und er seine Augen hinwegwenden mute.

Nun aber zum Beschlu der Gauklerknste erschien in Bergmannshabit, mit
einer halben Larve vorm Gesicht, ein neuer Springer, ein kleiner,
stumpiger Knorp; der nahte sich dem Haupt der Tnzer, bescheidentlich
anfragend, ob ihm vergnnt sei, auch ein Prblein abzulegen. Es ward ihm
mit spttischer Miene verwilligt, und alsbald beschritt er das Seil,
ohne Stange. Er trug ein leines Scklein auf dem Rcken, das er an eines
der gekreuzten Schlaghlzer hing, dann prfte er mit einem Fu die
Spannung, lief vor bis in die Mitte und hub jetzt an so wunderwrdige
und gewaltige Dinge, da alles, was zuvor gesehen war, nur Stmperarbeit
schien. Kopfunter hing er pltzlich, der kurze Zagstock, an dem Seil
herab und zangelte sich so daran vorwrts und auf das behendeste und
wiederum zurck, schwang sich empor und stand bolzgrad, fiel auf sein
Hinterteil: da schnellte ihn das Seil hinauf mit solcher Macht, da er
dem Rathausgiebel um ein kleines gleichgekommen wr', und dennoch kam er
wieder jedesmal schn auf denselben Fleck zu stehen und zu sitzen.
Zuletzt schlug er ein Rad von einem End des Seils zum andern, das ging
-- man sah nicht mehr, was Arm oder Bein an ihm sei! So oft auch schon
seit dreien Stunden der Beifallsruf erschollen war, solch ein Gejubel
und Getbe, wie ber den trefflichen Bergmann, war noch nicht erhrt.
Die Gaukler schauten ganz verblfft darein, fragten und rieten
untereinander, wer dieser Satan wre, indes die andern Leute alle
meinten, dies sei nur so ein Scherz, und das Mnnlein gehre zu ihnen.
Hanswurst insonderheit stand als ein armer, ungesalzener Tropf mit
seinem Gugel da: sein Possenwerk war alles Leiresblosel neben solchem
Meister, ob dieser schon das Maul nicht dabei brauchte.

Nachdem der Bergmann so geendigt und sich mit unterschiedlichen
Scharrfen allerseits verneigt, sprang er hinab aufs Pflaster. Auf
seinen Wink kam der Hanswurst mit Schalksehrfurcht zu ihm gesprungen,
fing einen Taler Trinkgeld auf in seinem spitzigen Hut und nahm
zugleich, hflich das Ohr herunter zu dem Mnnlein neigend, einen
Auftrag hin, welchen er gleichbald vollzog, indem er rund herum mit
lauter Stimme rief: Wer will von euch noch, liebe Leut', den hnfenen
Richtweg versuchen? Es ist ein jeder freundlich und sonder Schimpf und
Arges eingeladen, wes Standes und Geschlechts er sei, das Scklein dort
am Schragen fr sich herabzuholen. Es sind drei Hutzellaib darin. Er
mge aber, rat' ich ihm, in der Geschwindigkeit sein Testament noch
machen -- des Sckleins wegen, mein' ich nur -- denn der Geschickteste
bricht oftermals den Hals am ersten; es ist mir selbst einmal passiert,
in Bamberg auf dem Domplatz -- ja lacht nur!

Jetzt aber, liebe Leser, mget ihr euch selbst einbilden, was fr
Gemurmel, Staunen und Schrecken unter der Menge entstund, als der Seppe
vortrat bei den Schranken und sich zu dem Wagstck anschickte! Mehr denn
zehn Stimmen mahnten eifrig ab, ernsthafte Mnner, mancher Kamerad,
zumal einige Frauen setzten sich dawider: allein der Jngling, dem der
Mut und die Begier wie Feuer aus den Augen witterte, sah fast ergrimmt
und achtete gar nicht darauf. Hanswurst sprang lustig herzu mit der
Kreide, rieb ihm die Sohlen tchtig ein und wollt' ihm die Bleistange
reichen; doch wies der Gesell sie mit Kopfschtteln weg. Bereits aber
wurden die Dienste des Narren am andern Ende des Seils auch ntig. Denn
zum grten Verwundern der Zuschauer trat dort auch eins aus den Reihen
hervor: man wute nicht, sei es ein Knabe oder eine Dirne. Es trug ein
rosenrotes, weigeschlitztes Wams von Seiden zu dergleichen lichtgrnen
Beinkleidern samt Federhut und hatte eine feine Larve vor.

Die Spielleute, Blser und Pauker, die Gaffens wegen ihres Amtes gar
vergessend saen, griffen an und machten einen Marsch, nicht zu gemach
und nicht zu flink, nur eben recht. Da traten die beiden zugleich auf
das Seil, das nicht zu steil anstieg, setzten die Fe fest und zierlich
einen vor den andern, vorsichtig, doch nicht zaghaft, die freien Arme
jetzt weit ausgereckt, jetzt schnelle wieder eingezogen, wie es eben dem
Gleichgewicht diente.

Kein Laut noch Odemzug ward unter den tausend und tausend Zuschauern
gehrt, ein jedes frchtete wie fr sein eigen Leben; es war, als wenn
jedermann wte, da sich dies Paar jetzo das erstemal auf solche Bahn
verwage.

Die junge Grfin bedeckte vor Angst das Gesicht mit der Hand; den Grafen
selber, ihren Vater, den eisenfesten Mann, litt es nicht mehr auf seinem
Sitz; gar leise stand er auf. Auch die Musik ging stiller, wie auf
Zehen, ihren Schritt, ja, wer nur acht darauf gegeben htte, der
Rathausbrunnen mit seinen vier Rohren hrte allgemach zu rauschen und zu
laufen auf, und der steinerne Ritter krmmte sich merklich. -- -- -- Nur
stet! nur still! drei Schritt noch und -- Juchhe! scholl's himmelhoch:
das erste Ziel war gewonnen! Sie faten beiderseits zumal, jedes an
seinem Ort, die Stangen an, verschnauften, gelehnt an die Gabel.

Der unbekannte Knabe wollte sich die Stirne wischen mit der Hand,
uneingedenk der Larve: da entfiel ihm dieselbe zusamt dem Hut und --
ach! ein Graus fr alle Gefreundete, Vettern und Basen, Gespielen,
Bekannte, so Buben als Mdchen -- die Vrone ist's! Die Vrone Kiderlen,
einer Witwe Tochter von hier! so ging's von Mund zu Mund. Ist es denn
eine Menschenmglichkeit? rief eine Brstenbindersfrau. Das Vronele,
meiner nchsten Nachbarin Kind? Je! Gott sei Dank, brig vor einer
halben Stund' ist ihre Mutter heim -- es ward ihr bel schon ber den
vorigen Knsten -- und jetzt das eigne Kind -- der Schlag htt' sie
gerhrt, wenn sie das htte sehen sollen! -- Schon erhoben sich
wiederum Stimmen im Kreis, und noch lauter als vorhin beim Seppe, mit
Drohen, Bitten und Flehn an die Dirne, nicht weiter zu gehen. Sie aber,
ganz verwirrt, flammrot vor Scham, nicht wissend selbst, wie ihr
geschehn, wie sie's vermocht, stand da, wie am Pranger, die Augen
schwammen ihr, und ihre Knie zitterten. Ein Mann lief fort, eine Leiter
zu holen.

Derweil war aber schon der flinke Bergmann an der andern Seite zum Seppe
auf das Seil gekommen und hatte ihm etwas ins Ohr geraunt, worauf der
ungesumt den linken Schuh abzog und seiner Partnerin mutig die Worte
zurief: Komm, Vrone, es hat keine Not! Trau auf mein Wort, fa dir ein
Herz und tu mit deinem rechten Schuh, wie du mich eben sahst mit meinem
linken tun, und wirf ihn mir keck zu!

Sie folgte dem Gehei, mit Lcheln halb und halb mit Weinen, warf -- da
flog der Schuh dem Burschen wie von selber an seinen ausgestreckten Fu.
Nun warf er ebenfalls, und ihr geschah dasselbe.

Jetzt, Vrone, mir entgegen! Es ist nur, bis ich dich einmal beim
kleinen Finger habe, und wenn du mit der Patschhand einschlgst, dann
soll es mir und dir etwas Gutes bedeuten! Frisch dran, ihr Spielleut,
macht uns auf, und einen lustigen!

Das fehlte nicht. Die vier Fe begannen sich gleich nach dem Zeitma zu
regen, nicht schrittweis wie zuvor und bedchtig, vielmehr im
kunstgerechten Tanz, als htten sie von klein auf mit dem Seil verkehrt,
und schien ihr ganzes Tun nur wie ein liebliches Gewebe, das sie mit der
Musik zustand zu bringen htten. Von nun an waren alle Blicke sorglos
und wohlgefllig auf das hbsche Paar gerichtet und gingen immer von
einem zum andern. Der Mann auf dem Brunnen hatte lngst wieder den Atem
gefunden und das Wasser sprang aus den vier Rohren noch einmal so
begierig als sonst. Auf jedem Mdchenantlitz, unten auf dem Platz und
oben in den Fenstern, war aber recht der Widerschein der Anmut zu
erblicken, die man vor Augen hatte. Kein Kriegsmann war so trutzig und
kein Graubart von der Ratsherrnbank so ernsthaft und gestreng, da ihm
das Herz dabei nicht lachte, und die Handwerksgesellen der Stadt waren
stolz, da einer von den Ihren vor all den fremden Gsten so herrlichen
Ruhm davontrage.

Der Seppe sah im Tanz nicht mehr auf seinen schmalen Pfad noch minder
nach den Leuten hin: er schaute allein auf das Mdchen, welches in
unverstellter Sittsamkeit nur je und je seine Augen aufhob.

Als beide in der Mitte jetzt zusammenkamen, ergriff er sie bei ihren
Hnden. Sie standen still und blickten sich einander freundlich ins
Gesicht; auch sah man ihn ein Wrtlein heimlich mit ihr sprechen. Danach
auf einmal sprang er hinter sie und schritten beide, sich im Tanz den
Rcken kehrend, auseinander. Bei der Kreuzstange machte er Halt, schwang
seine Mtze und rief gar herzhaft: Es sollen die gndigsten
Herrschaften leben! -- Da denn der ganze Markt zusammen Vivat rief,
dreimal, und einem jeden Teil besonders. Inwhrend diesem Schreien und
Tumult unter dem Schall der Zinken, Pauken und Trompeten lief der Seppe
zur Vrone hinber, die bei der andern Gabel stand, umfing sie mit den
Armen fest und kte sie vor aller Welt. Das kam so unverhofft und sah
so schn und ehrlich, da manchem vor Freude die Trnen los wurden, ja
die liebliche Grfin erfate in jher Bewegung den Arm ihres Manns und
drckt' ihn an sich. Nun wandte sich die Vrone, und unter dem Jauchzen
der Leute, dem Klatschen der Ritter und Damen wie hurtig eilte sie mit
glutroten Wangen das Seil hinab! der Seppe gleich hinter ihr drein, das
leinene Scklein mitnehmend.

Kaum da sie wiederum auf festem Boden waren, kam schon ein Laufer auf
sie zu und lud sie ein, auf die Altane zu kommen, das sie auch ohnedem
zu tun vorhatten.

Smtliche hohe Herrschaften empfingen sie im Angesicht des Volks mit
Glckwnschen und groen Lobsprchen, dabei sie sich mit hflicher
Bescheidung annoch alles weiteren Fragens enthielten, indem sie zwar
nicht zweifelten, da es mit dem Gesehenen seine besondere Bewandtnis
haben msse, doch aber solchem nachzuforschen nicht dem Ort und der Zeit
gem hielten. Der Seppe nahm bald der Gelegenheit wahr, ein wenig
rckwrts der Gesellschaft den zwilchenen Sack aufzumachen, nahm die
Laiblein heraus und legte sie, hfischer Sitte unkundig, nur frei auf
die Brstung vor die Frau Grfin Mutter als eine kleine Verehrung fr
sie, verga auch nicht dabei zu sagen, da man an diesem Brot sein
ganzes Leben haben knne. Sie bedankte sich freundlich der Gabe, obwohl
sie, des Gesellen Wort fr einen Scherz hinnehmend, den besten Wert
derselben erst nachderhand erfuhr. Dann zog er sein Geschenk fr den
erlauchten Herrn heraus. Wie sehr erstaunte dieser nicht bei der
Erffnung der Kapsel! und aber wieviel mehr noch, als er das goldene
Bchslein aufschraubte! Denn er erriet urpltzlich, was fr ein Zahn das
sei, bemeisterte jedoch in Mienen und Gebrden Verwunderung und Freude.
Er wollte den Gesellen gleichwohl seines Danks versichern, tat eben den
Mund dazu auf, als an der andern Seite drben der schnen Irmengard ein
Freudenruf entfuhr, da alles auf sie blickte. Die Vrone nmlich hatte
ihr ein kleines Ldlein dargebracht, worin die verlorene Perlenschnur
lag. (Der kluge Leser denkt schon selbst, wer frh am Morgen heimlich
bei der Dirne war.) Nicht aber knnte ich beschreiben das holde
Frohlocken der Dame, mit welchem sie den Schmuck ihrem Gemahl und den
andern der Reihe nach wies. Er war unverletzt, ohne Makel geblieben, und
jedermann beteuerte, so edle groe Perlen noch niemals gesehen zu haben.
Nunmehr verlangte man zu wissen, was Graf Eberhard bekam. Seht an!
sprach er, ein Reliquienstck, mir werter als manch kstliche Medey an
einer Kleinodschnur: des Knigs Salomo Zahnstocher, so er im tglichen
Gebrauch gehabt. Mein guter Freund, der hochwrdige Abt vom Kloster
Hirschau sendet ihn mir zum Geschenk. Er soll, wenn man bisweilen das
Zahnfleisch etwas damit ritzet, den Weisheitszahn noch vor dem
Schwabenalter treiben. Da wir fr unsere Person, so Gott will, solcher
Frdernis nicht mehr bedrfen, so denken wir dies edle Werkzeug auf
ausdrcklich Begehren hie und da in unserer Freundschaft hinzuleihen, es
auch gleich heut', da wir etliche Junker zu Gast haben werden, bei Tafel
mit dem Nachtrunk herumgehen zu lassen. -- So scherzte der betagte
Held, und alles war erfreut, ihn so vergngt zu sehen.

Jetzt wurde den Brgern das Zeichen zum Essen gegeben. Fr jede Gasse,
wo gespeist ward, hatte man etliche Mnner bestellt, welche dafr
besorgt sein muten, da die Geladenen in Ordnung ihre Sitze nahmen.
Solang, bis dies geschehn war, pflogen die Herren und Damen heiteren
Gesprchs mit dem Gesellen und der Vrone. Ein Diener reichte Spanierwein
in Stotzenglsern, Hohlippen und Krapfen herum, davon die beiden auch
ihr Teil genieen muten. -- Ihr seid wohl Brutigam und Braut? frug
die Frau Mutter. -- Ja, Ihro Gnaden, sprach der Seppe, dafern des
Mdchens Mutter nichts dawider hat, sind wir's seit einer halben
Stunde. -- Was? rief der Graf, ihr habt euch auf dem Seil
versprochen? Nun, bei den Heiligen zusammen, der Streich gefllt mir
noch am allerbesten! So etwas mag doch nur im Schwabenland passieren.
Glckzu, ihr braven Kinder! Auf einem Becher lieset man den Spruch:
Lottospiel und Heiratstag Ohn' gro' Gefahr nie bleiben mag. Ihr nun,
nach solcher Probe, seid quitt mit der Gefahr euer Leben lang. -- Dann
sprach er zu seinem Gemahl und den andern: Jetzt lat uns in die Gassen
gehn, unsern wackeren Stuttgarter Brgern gesegnete Mahlzeit zu
wnschen! darauf wollen wir gleichfalls zu Tisch. Das Brautpaar wird
dabei sein; hrt ihr? Kommt in das Schlo zu uns! Ihr habt Urlaub auf
eine Stunde; das mag hinreichen, euch den mtterlichen Segen zu
erbitten; wo nicht, so will ich selbst Frsprecher sein.

                   *       *       *       *       *

Begehrt nun der Leser noch weiteres zu wissen, als da ist: wie sich das
Brautpaar heimgefunden? ob sie von Freunden und Neugierigen nicht
unterwegs erdrckt, zerrissen und gefressen worden? was Mutter Kiderlen
und was die Base sagte? wie es denn bei der grflichen Tafel herging?
auch was nachher der Graf mit dem Seppe besonders verhandelt und so mehr
-- so wrde ich bekennen, da meine Spule abgelaufen sei bis auf das
wenige, das hier nachfolgt.

Am Markt gegen dem Adler ber sieht man dermalen noch ein merkwrdiges
altes Haus, vornher versehen mit drei Erkern, davon ein paar auf den
Ecken gar heiter wie Trmlein stehn mit Knpfen und Windfahnen, hben
und drben unterhalb der Eckvorsprnge zwei Heiligenbilder aus Stein
gehauen, je mit einem kleinen Baldachin von durchbrochener Arbeit
gedeckt: Maria mit dem Kind samt dem jungen Johannes einerseits und St.
Christoph, der Riese, andrerseits, wie er den Knaben Jesus auf seiner
Schulter ber das Wasser trgt, einen Baumstamm in der Faust zum Stab.
Dies Haus -- in seinen Grundfesten samt dem Warengewlb vermutlich noch
dasselbige -- gehrte von Voreltern her dem Grafen eigentmlich und ward
von ihm auf jenen Tag unserem Schuster in Erkenntlichkeit fr seine
kostbare Gabe und zum Beweis besonderer Gnade als freie Schenkung
berlassen, nebst einem Teil des inbefindlichen Hausrats, welchem der
Graf schalkhaftigerweise noch einen neuen Schleifstein mit Rad beifgte.
Die Vrone bekam von den gndigen Frauen einen knstlich geschnitzten
Eichenschrank voll Linnenzeug zu ihrer Aussteuer.

Am Hochzeittag gaben sich beide das Wort, ihre Glcksschuh zwar zum
ewigen Gedchtnis dankbar aufzuheben, doch nie mehr an den Fu zu
bringen, indem sie alles htten, vornehmlich aneinander selbst, was sie
nur wnschen knnten, auch berdies hofften, mit christlichem Flei ihr
Zeitliches zu mehren.

Der Seppe, jetzt Meister Joseph geheien, blieb seinem Gewerbe getreu
noch ber achtundzwanzig Jahr; dann lebte er als ein wohlhabender Mann
und achtbarer Ratsherr, mit Kindern gesegnet, seine Tage in Ruh mit der
Vrone.

Unter seinen Hausfreunden war einer, man hie ihn den Datte, der kam an
jedem dritten Samstagabend auf ein Glas Wein und einen guten Ks zu ihm
mit dem Beding, da niemand sonst dabei sei als die liebwerte Frau und
die Kinder (diese hatte er gern, und sie taten und spielten als klein
mit ihm, wie wenn er ihresgleichen wre). Da ward alsdann geschwatzt von
Zunftgeschften und von den alten Zeiten, ingleichen gern von einem und
dem andern ein starker Schwank erzhlt. Derselbe Hausfreund brachte den
werten Eheleuten an ihrem goldenen Jubeltag ein silbernes
Handleuchterlein, vergoldet, in Figur eines gebckten Mnnleins, so
einen schweren Stiefel auf dem Haupte trgt und einen Laib unter dem
Arm. Rings aber um den Fu des Leuchters waren eingegraben diese Reime:

   Will jemand sehn mein frazzengsicht,
   ich halt ihm selbs darzu das licht.
   mich krnket nur da noch zur stund
   mich gekt kein frauenmund.
   die mir allein gefallen hat
   ein cron und schaufalt dieser stadt
   hab ich vor funfzig jaren heunt
   meen lassen meinem freund.
   zum datte hant sie mich erkorn
   zu schlichten zwilauf hadder zorn.
   de gieng ich meig all die jar
   mag es auch bleiben immerdar.

                   *       *       *       *       *

Und nun, mein Leser, liebe Leserin, leb' wohl! Deucht dir etwa, du
habest jetzt genug auf eine Weile an Mrchen: wohl, ich verspreche,
dergleichen sobald nicht wieder zu Markte zu bringen; gefiel dir aber
dieser Scherz, will ich es gleichwohl also halten. Es gelte, wie
geschrieben steht zum Schlu des andern Buchs der Makkaber: Allezeit
Wein oder Wasser trinken ist nicht lustig, sondern zuweilen Wein,
zuweilen Wasser trinken, das ist lustig; also ist es auch lustig, so man
mancherlei lieset. Das sei das Ende!




            Anhang Mrikes zum Stuttgarter Hutzelmnnlein.


Seite 5. _Zochen_, Docht.

S. 6. _Unbeschrien_, ohne da dich jemand darber anredet. --
_Hutzelbrot_, Schnitzbrot, ein Backwerk, hauptschlich aus gedrrten
Frchten, Birnen (Hutzeln), Feigen, Nukern usw. bestehend, in Schwaben
gewhnlich zu Weihnachten beschert.

S. 7. Eine _Ungte_, unvergleichlich gut; wie man sagt: eine Unmenge,
ein Unlrm usf.

S. 8. _Hepsisau_, ein Drfchen unweit Kirchheim unter Teck. --
_Guckigauch_, Kuckuck. Dieser Scherz ist auch in E. Meiers schner
Sammlung von Sagen, Sitten und Gebruchen aus Schwaben (S. 448)
angefhrt. -- _Urdrutz_, Urdru, Widerwille gegen eine Speise, an
welcher man sich bergessen hat.

S. 9. _Letzkopf_, Querkopf; letz, verkehrt, schlimm.

S. 10. _A graue_, eine groe. -- _Stiefelszorn_, gewaltiger Zorn.

S. 11. _Der Blautopf._ Die dunkle, vollkommen blaue Farbe der Quelle,
ihre verborgene Tiefe und die wilde Natur der ganzen Umgebung verleihen
ihr ein feierliches, geheimnisvolles Ansehn. Kein Wunder, wenn sie in
alten Zeiten als heilig betrachtet wurde, und wenn das Volk noch jetzt
mit abenteuerlichen Vorstellungen davon sich trgt. -- Der Durchmesser
des Beckens ist in der einen Richtung vom Wehr an 125', in der anderen
130', der Umfang ist also 408'. Der Prlat Weiensee nahm im Jahre 1718
eine Untersuchung vor und fand die Tiefe zu 63 Fu, gegen welchen
Erfund, besonders von seiten des Volks, das sich die Unergrndlichkeit
nicht nehmen lassen wollte, mancherlei Einwendungen gemacht wurden. Das
Ergebnis einer spteren Untersuchung, im Sommer 1829, war aber auch nur
71' am Punkt der grten Tiefe. Dieselbe befindet sich ziemlich in der
Mitte des Topfs; nach den Seiten nimmt sie berall ab, so da sich
daraus wirklich eine trichterfrmige Gestalt des Beckens ergibt. Die
Untersuchung widerlegte auch die Meinung, da Bume und Baumstmme auf
dem Grund versenkt liegen, denn das Senkblei fand nirgends den mindesten
Widerstand. Mit Verwunderung vernahmen einzelne die Messung und fragten,
ob denn das Senkblei unten nicht geschmolzen sei; denn eine alte Sage
sprach von glhender Hitze in den untersten Schichten. -- Die schne
Blue des brigens kristallhellen Wassers verstrkt sich mit zunehmender
Tiefe; nur an dem Rande, wo die Vegetation einwirkt, fllt sie ins
Grne. Bis jetzt ist dieses Blau noch nicht gengend erklrt. Weder in
der Umgebung noch in der Farbe des Grundes kann die Ursache liegen, weil
das Wasser sein bluliches Ansehen bis zum Ausflu in die Donau behlt.
Ebensowenig hat eine chemische Untersuchung durch Prof. Schbler einen
Gehalt an Metallen oder andern Stoffen, wodurch die Erscheinung
veranlat werden knnte, gezeigt: das Wasser stellte sich nur reiner als
die meisten Trinkwasser dar. -- Sein Spiegel ist gewhnlich ganz ruhig,
so da man kein Hervorquellen bemerkt; dennoch ist der Abflu so stark,
da er nicht nur mittels des an der Quelle angebrachten Brunnenhauses
die ganze Stadt und das Kloster mit Wasser versieht, sondern auch ein
ebenfalls daranstehendes Hammerwerk und unmittelbar darauf vier Mhlen
treibt. Bei anhaltendem Regen- und Tauwetter trbt sich die Quelle, wird
auffallend strker und so unruhig, da sie betrchtliche Wellen aufwirft
und Ueberschwemmungen verursacht. Im Jahre 1641 soll die Gefahr so gro
gewesen sein, da ein Bettag gehalten, eine Prozession zum Blautopf
veranstaltet und zur Vershnung der erzrnten Gottheit (allerdings
keiner Nymphe) zwei vergoldete Becher hineingeworfen wurden, worauf das
Toben nachgelassen habe. Unstreitig steht der Blautopf durch
unterirdische Klfte in Verbindung mit der Albflche und insbesondere
mit den darauf befindlichen Erdtrichtern. -- Einige hundert Schritte von
dem Topfe ist ein hnlicher Quell, der Gieselbach, an welchem einst die
alte Niklauskapelle und ein Nonnenkloster stand. (Nach Memmingers
Beschr. d. Ob.-Amts Blaubeuren.)

S. 12. _Lau_, von La, Wasser, welches in lo, lau, b'lau berging, daher
nach Schmid[1] der Name des Flchens Blau (und Blautopf) abzuleiten
wre. -- _Gumpen_ (der), gewhnlich nur eine vertiefte Stelle auf dem
Grunde des Wassers, hier das ganze einer greren Wassersammlung mit
bedeutender kesselartiger Vertiefung. Wer etwa, wie einige ohne Not
wollen, das Wort Topf im Sinne von Kreisel nimmt und es damit erklrt,
da das Wasser, besonders bei starkem Regen- und Tauwetter, wo es sich
in der Mitte pyramidalisch erhebt, eine kreisende Bewegung macht, der
wird unsern Ausdruck doppelt gerechtfertigt finden, da gumpen, gampen
entschieden soviel ist als hpfen, tanzen, mutwillig hinausschlagen. --
_Kleine Messer._ Es war eine alte Sitte, die noch nicht ganz abgekommen
ist, sich zum Zeichen der Freundschaft mit Messern zu beschenken;
vorzglich herrschte sie in den Klstern. Der Mystiker Meister Heinrich
von Nrdlingen, Taulers und Susos Freund, schickte den Klosterfrauen zu
Medingen fters Messer zum Geschenke. Daher vielleicht die Redensart:
Messerlein geben, d. h. nachgeben, Abbitte tun.

[Funote 1: Joh. Christoph v. Schmid, Schwb. Wrterbuch (Stuttgart
1831) S. 73.]

S. 13. _Glusam_, mig erwrmt (auch in moralischer Bedeutung: stillen
Charakters). -- _Gnge Pfade_, begangene.

S. 14. _Kllhasen_, Kaninchen.

S. 15. _Schachzagel_ (das), Schachspiel.-- _Fernd_, voriges Jahr. --
_Kappis_, Kohl.

S. 17. _Oehrn_, Hausflur.

S. 18. _Habergeis_, von heben, wegen der hpfenden, hoppelnden Bewegung
des Kreisels. -- _Bauren-Schwaiger_, von geschweigen, stillen. Die alten
Griechen und Rmer hatten magische Kreisel, Rollen und Rder, meist aus
Erz, deren sich Frauen und Mdchen zum Liebeszauber bedienten, indem sie
dieselben unter seltsamen Bannsprchen herumdrehten. So in der zweiten
Idylle des Theokrit. Nach einem Epigramm der griechischen Anthologie
hatten vornehme Thessalierinnen dergleichen aus Edelstein und Gold, mit
Fden purpurner Wolle umwickelt, welcher besonders eine geheime Kraft
inwohnen sollte. Natrlich hat man sich diese Kreisel weit kleiner,
berhaupt von anderer Form als den unsern zu denken. In jenem Epigramm
wird der Venus ein solches Weihgeschenk gebracht.

   Nikos Kreisel, mit dem sie den Mann fern ber das Meer zieht
      Oder dem stillen Gemach sittige Mdchen entlockt,
   Lieget, ein hell Amethystengert und mit Gold verzieret,
      Kypris, ein lieber Besitz, deinem Altare geweiht,
   Mitten von Wolle des purpurnen Lamms umwunden. Larissas
      _Zauberin_ bracht' ihn dir, Gttin, ein gastlich Geschenk.

         s. Jacobs, Leben und Kunst der Alten.[2]

[Funote 2: Vgl. Reclams Univ.-Bibl. 1921-24, S. 59. Anm. d. Hrsgs.]

Whrend der Stoff, woraus das Instrument der Larisserin bestand, zum
Zweck selbst nichts beitrug, wird er in unserm Fall Hauptsache, und die
von den Alten dem Amethyst zugeschriebene Wirkung, derenwegen man sonst
den Stein in Schmuckform bei sich trug, ist hier an den tnenden Kreisel
geknpft. -- _Das Selige._ Selig, berauscht, ist nicht gleichbedeutend
mit glckselig, obwohl darauf hinspielend, sondern gleichen Stamms mit
Sal, Rausch, niederschsisch; #sol#, betrunken, franzsisch. -- Als
verflschten die Brger den Landwein auf eine so unleidentliche Weise,
da mehrere Leute das Selige berhrt htte. Gemeiners Regensb. Chron.
zum Jahre 1474. -- _Shnerin_, Schwiegertochter.

S. 19. _Susanne Preisnestel._ Scherzhafte Bezeichnung aufgeputzter
Mdchen. Preis heit der Saum am Hemd; prisen, einfassen; mit einer
Kette, gewhnlich von Silber, einschnren, um den bei der vormaligen
oberschwbischen Frauentracht blichen Brustvorstecker zu befestigen;
der hierzu gebrauchte seidene oder wollene Bndel hie Preisnestel.--
_Aschengruttel_ (Aschenbrdel), sonst im Schwbischen auch Aschengrittel
und Aeschengrusel genannt.

S. 21. _Einen roten Rock._ Ein alter Reim, welchen die Wrterinnen
hersagen, wenn sie die Kinder auf den Knien reiten lassen, enthlt schon
diese Vorstellung:

   Hott^a, Hott^a, Rle,
   Z'Stu^agart steht a Schlle,
   Z'Stu^agart steht a Gart^ahaus,
   Guck^at drei schne Jungfr^a raus:

   Die ein' spinnt Seide,
   die ander' spinnt Weide,
   Die dritt' spinnt ^an rot^a Rock
   Fr unsern li^ab^a Herr^agott.

         s. E. Meiers Kinderreime, S. 5.

-- _Verkommen_, begegnen. -- _Ba_, sehr, gut, besser. -- _Unwirs_,
unwirsch, ungehalten. -- _Wetterblicken_, der Blick, Durnblick,
Wetterblick, Blitz. -- _Rusenschlo_ oder Hohen-Gerhausen, vormals eine
gewaltige Bergfeste, jetzt uerst malerische Ruine ber dem Dorfe
Gerhausen gelegen, in der Nhe vom Ruck, einer minder bedeutenden Burg.
-- _Mahd_ (das): 1. die zu mhende Wiese, 2. das Gemhte.

S. 22. _Jst_, Jast, Grung, aufbrausender Zorn.

S. 23. _Zuberklaus_, ein Mensch, der seltsame Einflle hat; vielleicht,
sagt Schmid,[3] eine scherzhafte Verstmmelung des Wortes superklug,
zugleich anspielend auf den Klaus Narr. Letzterer ist ohne Zweifel in
dem Worte enthalten, im brigen hat diese Erklrung etwas zu Modernes.
Ein humoristischer Etymolog nimmt die erste Worthlfte bar und will, ich
wei nicht, wo, gefunden haben, da sich Klaus Narr eines solchen Gerts
bei einem Ulmer Schifferstechen als Fahrzeugs in Ermangelung eines
ordentlichen Nachens bedient habe. -- _Lichtkarz_, Karz, entweder von
garten, mig sein, umherschwrmen, z'Garten gehen, Besuch machen oder,
wahrscheinlicher, von Kerze. Versammlung von Spinnerinnen, auch Vorsitz
genannt. -- _Spitzweise_, spitzfindig; mit spitzwysen Worten (Ulmer
Urk.).

S. 25. _Ein steinernes Haus._ Es ist das der Stiftskirche westlich
gegenberstehende Mntlersche Haus (jetzt stdtische Gebude) gemeint,
das gegenwrtig noch zum Schllein heit. Es soll den Herrn von
Kaltenthal gehrt haben; Memminger, in seiner Beschreibung der Stadt,
macht es aber sehr wahrscheinlich, da das Gebude von Anfang grflich
wrttembergisches Besitztum, und zwar einer der Sitze oder eine der
Burgen gewesen sei, die nchst dem Stutengarten die Entstehung von
Stuttgart veranlat haben mgen. -- _In natrlicher Kunst._ Natrlich,
naturkundig. Von den sachen des siechtumbs nach gemainen lffen der
natur schreiben die natrlichen maister (Steinhwel, Ulmer Arzt).
Natrliche Meister sind aber nicht blo Aerzte, sondern auch
Philosophen. In dem Buch der sterbenden Menschheit heit es: Ein
mchtiger wolgelerter man in philosophia, das ist in natrlicher kunst.

S. 26. _Imperial_, war ehemals eine Goldmnze; der Name ist nur noch in
Ruland blich.

S. 27. _Spiriguckes_, ein wunderwitziger, neugieriger, auf Kuriositten
erpichter Mensch von sonderbarem Wesen.

S. 28. _Mir nex -- usgang^a_, sagt man am Schlusse der Erzhlung einer
Sache, die auf nichts hinausluft. -- _Bod^alaus_, bodenlos.

S. 29. _Zuteuerst_, sogar. -- _Irrsch_, nicht recht bei sich.

S. 30. _'s leit ^a Kltzle_, es liegt usw. Diese Zeilen finden sich
ebenso in E. Meiers Kinderreimen. -- _Leirenbendel_, langweiliges
Einerlei; zunchst der schwbische Volksname fr einen Vogel, Wendehals.

[Funote 3: A. a. O. S. 551.]

S. 31. _Gesetzlein_, Sprchlein, Strophe eines Lieds. -- _Buntberecks_,
verkehrt, durcheinander.

S. 33. _Sottige_, sttige, sotte, solche. -- _Witzung_, Witzigung,
Warnung.

S. 35. _Holdschaft_, Liebschaft, zrtliche Freundschaft.

S. 36. _Buksieren_, necken, plagen. -- _Knappen_, hinken.

S. 37. _Ehni_, Aehne, Grovater.

S. 38. _Heiratstag_, Verlobungstag.

S. 39. _Helle Wiese_, Hlle, Fegfeuer. Der ward entzuckt vnd gefrt jn
die helle wise (Legende). -- _Morgen nach dem Bad_, Sprichwort: du
kommst zu spt.

S. 41. _Der wirtembergische Niemez_ (Niemer, Niemand), einer der soviel
als nichts ist, kein Gewerbe versteht oder treibt.

S. 43. _Bocken_, mit den Kpfen aneinander stoen, klopfen. --
_Durnieren_, lrmen, lauthnlich mit durnen, donnern.

S. 44. _Grttlein_, kleiner Korb. -- _Wiegentag_, Geburtstag
(Marchthalers von Elingen Hauschronik).

S. 45. _Irmengard_, eine der vier Tchter Eberhards von seiner zweiten
Gemahlin, Irmengard von Baden, die prchtigste der Rosen, wie ihre
Grabschrift sie nennt; starb 1329. -- _Nuster_, Halsschnur, von Pater
noster; daher auch Patter.

S. 46. _Wasen_, Rasen, Anger (auch S. 74). -- _Alfanz_, Gewinn, Vorteil.
-- _Rauner_ (raunen, leise reden, murmeln), Beschwrer. Dye nit will
hren die stymen der rauner (alte Uebersetzung des Psalm 58).

S. 47. _Einen ansehnlichen Weiher._ In Wirklichkeit wurde dieser
sogenannte mittlere See beim alten Sebastians-, nachmaligen Bchsentor
(welcher seit 1700 ausgetrocknet ist) um das Jahr 1393 angelegt. Die
obere Vorstadt entstand eigentlich unter Graf Ulrich dem Vielgeliebten
und Eberhard im Bart (Pfaffs Geschichte der Stadt Stuttgart).

S. 48. _Hatte einen Bsen getan_, war unmig. -- _G'rutzelt voll_, sehr
voll.

S. 49. _Traubenschu_, ein Schu mit vielen Schroten aus kleinem Gewehr,
hier angewendet auf grobes Geschtz, dergleichen die _Quartanschlange_
war, welche zehnpfndige Kugeln scho, und der _Tarras_, der brigens
auch als Bchse genannt wird. -- _Die Sach' steht auf Saufedern_, ist
milich.

S. 50. _Scharsach_, Schermesser. Als ein geschliffen Scharsach (Psalm
52).

S. 51. _Fazvgel_, von fazen, spotten. Italien. #fazio#, Possenreier;
lat. #facetiae#, witzige Scherze. -- _Der Holzschlegel -- auf der Bhne_
(auf dem obern Boden unter dem Dach), ohne Aufwand und Mhe gelinge
ihnen alles.

S. 52. _Selletwegen_, jeneswegen. -- _Beschreien_, berufen
(aberglubische Warnung vor allzugroer Sicherheit). -- _Stu_, Sto,
Verdru. -- _Beim Beilichen_, ungefhr; die Beiliche, die Nhe. --
_Stiegelfizisch_, naseweis.

S. 53. _Grind_, ppelhaft fr Kopf. -- _Wampel_, wimbel, bel,
magenschwach; hnlich #to wamble# im Engl. -- _Triet_ (die), ein
Magenpulver. Franz. #trisenet#. -- _Allermanns-Harnisch_, runde Siegwurz
(#Gladiolus communis#), ehemals in medizinischem Gebrauch; wurde als
Amulett gegen Verwundungen und verschiedene Krankheiten, sowie zu andern
aberglubischen Zwecken getragen und wird zuweilen noch vom Volke
gebraucht. -- _Dierletey_, nicht nher bekanntes Ingrediens einer Salbe;
in der Mrin des Herm. v. Sachsenheim erwhnt. -- _#Mamortica#_
(#Mamordica balsamina#), der echte Balsamapfel, wunderheilendes Mittel.
-- _Wurzler_, Apotheker. -- _Gschwey_, Schwgerin.

S. 54. _Ledder_, statt Leder, sprechen alle gereisten Schuster in
Schwaben. -- _Mille_, Mil, Milch; ulmisch.

S. 55. _Lichtbraten_, Lichtgans, ein Braten, welchen Handwerker, die im
Winter auch des Nachts arbeiten, Schuster, Schneider, Weber u. dergl.,
ihren Gesellen beim Anfang des Winters zum besten geben. Bis zu Ende des
18. Jahrhunderts bestand in Ulm dieser Gebrauch in einem mit Musik,
Trommeln und Pfeifen und bisweilen mit ffentlichen Aufzgen verbundenen
Schmause.

S. 56. _Frsche_, vor sich, vorwrts.

S. 57. _Dte_, mnnlicher, Dot, Dote, weiblicher Taufpate. --
_Wunderlecker_, ein Wunderschtiger (ohne Vorgang). -- _Einzecht_,
einzeln.

S. 58. _Wadelbir_, eine Birnenart. #Mit manchen bieren# (Hugo v.
Trimberg). -- _Drudenfu_, von Drude, Trut, Unholdin; eine magische
Figur, aus zwei zu einem Fnfeck verbundenen Triangeln bestehend. --
_Kandel_, Rinne, Abzugskanal. -- _Nachtschach_, Ruber, Dieb; von
Schach, Raub. -- _Aberschanz_, das Hintere.

S. 59. _Weinschrter_, Weingrtner.

S. 60. _Eine Stuterei._ Gabelkhover (in seiner handschriftlichen Chronik
vom Jahre 1621) will den Platz noch wissen, wo das alte Stutenhaus
gestanden. Zwanzig Schritt ohngefehrlich, sagt er, von der jetzigen
Stiftskirche gegen Mitternacht, da Paulus Sautter, Provisor, sitzt.
Dieser Sautter sa aber, einer Hausurkunde zufolge, in dem ehemaligen
Weinschenk Thumschen Haus, und nach einer bekannten Ueberlieferung wre
dies Haus das lteste der Stadt. -- _Zinselwerk_, Gaukelwerk.
Celestinus hat den introitum mit anderm zinselwerk hin dar gesetzt
(Spreter, Bericht von der alt. christl. Me). -- On vnser verdienst,
vergebenlich, nit durch ablas oder eygen zinselwerk (Spret, christl.
Instruktion). -- _Dockenkasten_, Puppentheater.

S. 61. _Krben_, Tragkorb. -- _Schauenlichkeit_, Kontemplation,
beschauliches Leben. Nit minder vorhalt mich vor disen gesellen, die
allein der Schawenlichkeit gleben (geleben) wend (Spreter, christl.
Instr.). -- _Drnsgen_, Intensivform von trehnsen, langsam etwas
verrichten; entspricht dem Franz. #trainer#, ziehen, dem Engl. #to
train#, #to trone# und #to drowse#, schlummern, schlfrig sein. --
_Heiltum_, Reliquie. Der Pfarrer zu Leipheim, im Jahre 1500, bestrich
die Leute fr ein Opfer mit dem Heiltum St. Veits.

S. 63. _Marschlo_, Maderschlo, Malschl. (Schweizerisch: Malle, Tasche;
franz. #malle#), Vorlegschlo. -- _Die Eigel_, der Blutigel; in den
ltern Ausgaben der Lutherischen Bibel, Sprche Sal. 30, 15.

S. 64. _Ringer_, mit geringerer Mhe. -- _Schier_, bald. -- _Werr_,
Erdkrebs, ein den Fruchtfeldern schdliches groes Insekt.

S. 65. _Hartselig_, hartnckig. Durch Wunderzeichen wil Gott das
hartslig volck ziehen vnd berffen (Spreter, Instr.). -- _Torangel_,
Schimpfname fr grobe Bauern. -- _Sittich_, Sitter, #psittacus#,
Papagei.

S. 66. _Wind und weh_, sehr bel, sowohl im krperlichen als geistigen
Sinne gebraucht; wind, wahrscheinlich von schwinden, woher auch
Schwindel stammt, also schwindlig. Ir ward so swinde und weh dar nach
(Koloczaer Codex altdeutscher Ged., herausg. von Mailth usw. S. 232).

S. 67. _Schnorzig_, verdrielicher Laune, worin man jemand anschnurrt.

S. 68. _Meineider_, Meineidiger (Marchth. Chr.). -- _Brogl-Wenz_; sich
broglen, prahlen; alt brogen, sich regen, in die Hhe richten, ungestm
sein. Engl. #to brag#, ital. #brogliare#. Die Zusammensetzung mit einem
Namen, als sprichwrtliche Anspielung, ist willkrlich. -- _Elend_, ein
Garten in Ulm hinter dem Hospital an der Donau, auf dessen Stelle
ehemals vermutlich ein Pflegehaus fr arme Pilger und Fremdlinge war.
Dergleichen Anstalten hieen auch anderwrts Elendhuser, elende
Herbergen Elend, #ellend#, aus #el#, fremd, und #lend#, bedeutet
berhaupt die Irre, Fremde.

S. 69. _Pflug_, Name eines Gasthofs in Ulm. -- _Uf^am_, auf dem. --
_Blo-Holder-Strau_, Busch von blauem Holunder, Syringe. -- _Vor's_,
bevor es. -- _Nachthehle_, Nachthuhn, Kuzlein.

S. 70. _Di^a Gugelfu^ahr gang wieder a^n_ (gehe wieder an). Die
Gugelnarren, d. h. die Narren mit den spitzigen Hanswursthten, lieen
sich zur Fastnachtszeit auf Karren herumfhren und trieben Unfug; daher
Gugelfuhr fr groe Lustbarkeiten und jeden lustig lrmenden Unfug.

S. 72. _Herzensbrast_, Beklemmung, Herzeleid; von Bresten, Gebrechen. --
_Scheurenburzler_, Landstreicher, Zigeuner, der in Scheunen auf dem
Lande das Nachtlager zu nehmen pflegt. -- _All Hundsod^am_, alle
Augenblicke.

S. 73. _Gen die Sperlachen_ (#plur.#), gegen das Himmelszelt; von
sperren und Laken oder Lachen, Tuch, das ber einen Wagen zur Bedeckung
gespannt ist. Wann got jnn den sperlachen wonet vnd sy mit seinen
gnaden erleuchtet (Buch der sterb. Menschh.) -- _Hofraite_ (die), der
ganze zu einem Haus gehrige Umfang von Hof, Bulichkeiten usw.

S. 74. _Ghnaffen_ (Maulaffen) _feilhaben_, mig dastehen. -- _Den
Plirum geigen_, abprgeln.

S. 76. _Trait mer_, trgt man. -- _Dattern_, dottern, zittern. Engl. #to
totter#. -- _Jetzt ist lang Tag_, Sprichw., es hat keine Not mehr.

S. 77. _Wuhr_ (das), Wehr. Ich hab gebawen die wasserwure (Buch der
sterb. Menschh.). -- _Gottig_, gotzig, gotteseinzig, einzig. --
_Trischacken_, eine Art Kartenspiel. Ital. #i tre sciacchi#.

S. 78. _Schiedfell_, Zwerchfell, weil es Herz und Lunge von den andern
Eingeweiden scheidet; #diaphragma#. -- _Faxen_, auffallende, lcherliche
Gesten.

S. 79. _Seellos_, ruchlos. Die Trewloen, Ehrloen und Seelloen
bauren (Brief an Schwb. Hall im Jahre 1525). -- _Ich habe Kreuz --
ab._ Diese Zeilen fand der Verfasser selbst an einem hnlichen Ort auf
freiem Felde von einer ungebten Hand mit Kreide angeschrieben.

S. 82. _Verbutzen_, vermummen. An Fastnacht soll sich niemand
verbutzen, verkleiden, verwelchen (von Wale, Walch, Welscher, Fremder).
Ulm, Verordn. v. J. 1612. Die Butz heit Scherz, Betrug, Lge; der Butz,
Narr, Possenreier, Larve.

S. 83. _Verhansleartlen_, auf eine einfltige Weise verlieren,
versumen. Hans Leand, Hans Leard, Johann Leonhard, wird zur Bezeichnung
eines einfltigen Menschen gebraucht.

S. 84. _Morgenatz_, Frhstck (Marchth. Chronik).

S. 86. _Bartzefant_ (der), Diener. Franz. #poursuivant#.

S. 87. _Korabelle_, Buhldirne, wahrscheinlich aus #mia cara bella#
entstanden und auf Barbara, in der Volkssprache Belle, anspielend; kommt
noch in Weitzmanns Gedichten vor. -- _Knegler_, einer der stark durch
die Nase redet. -- _Sotterer_, ein siecher Mensch; von sottern,
krnkeln; mit Sucht verwandt. -- _Ungeschaffen_, ungestaltet. Da (in
Cannstatt) ist alle Jar ain tag hait der ungeschaffene tag, vonn mannen
Jungen gesellen weiber vnd Jungfraw vnnd welcher der vngestaltest ist
der gewindt ain Rockh vnnd ander ding darzu vnnd welche die
vngeschaffnest ist die gewindt ain Gurttl pewtel (Beutel) Handschuh vnnd
ander Ding (Ladisl. Sunthaim, Historiograph des K. Maximil. I. S.
Memmingers Cannstatt).

S. 88. _Gr dich Gott, herzlieber_ usw., ein altes Volkslied, aus des
Knaben Wunderhorn (II, 300) mit einiger Vernderung entlehnt.

S. 89. _Wurstelmaukeler_, maucheln, maukeln, maunkeln, mockeln,
vermockeln, verstecken, heimlich zu Werke gehen, betrgen (bemogeln);
daher Butzenmaukeler, die verkleidete Person, welche ehemals an
Fastnacht, an Nikolai oder zu Weihnachten, die Kinder zu erschrecken,
aufgestellt wurde. Die Verbindung mit Wurst in unserm Text ist
willkrlich und diese Gestalt dem Pfingstlimmel nachgebildet. Es war
dies ein Knabe, welcher zur Pfingstzeit, vom Scheitel bis auf die Fe
ganz mit frischem Grn und Feldblumen umflochten, entweder zu Fu oder
auf einem Pferde sitzend und von zwei andern Burschen gefhrt, in der
Stadt oder im Dorf herumzog. Den Kopf bedeckte eine ellenlange, spitze
Kappe von Laubwerk, und das Gesicht war zuweilen mit Baumrinde verlarvt.
Der Verfasser fand diese Sitte noch auf der Alb, in Ochsenwang. Zu
Augsburg, wo man Schilf zu der Verkleidung nahm, hie ein solcher Knabe
der Wasservogel. -- _Blunz_ (der), dicke Blutwurst. -- _Stampaney_
(die), Ersonnenes, Erdichtetes, Mrchen; von Stampf, weil Bilder mit dem
Stampf abgedruckt wurden. Josua Mahler (im Jahre 1551) sagt, nachdem er
die in der Hauptkirche zu Aachen vorgezeigten Reliquien aufgezhlt hat:
Es ist dies Mnster ein rechter Kramladen zu derley Stampaneyen.

S. 90. _Der Siedig_, der Angstschwei.

S. 91. _Leiresblosel_, Leiresblslein, soviel als: ein dummes Ding; mag
von Leier und Blasen herkommen, zunchst also: schlechtes Geleier.

S. 93. _Brig_, kaum.

S. 95. _Zwilch_ (der), grobe Leinwand.

S. 96. _Medey_, ein Kleinod, vielleicht eine Medaille, zum Hutschmuck
gehrig. Ob dem stulp (des spanischen Huts) ging ein Schnur vmbher.
Nicht anderst al wenns ein Kron wer; Gar kstlich von schnen Medeyen,
Orndlich gesetzet nach der Reyen, Treflich vil schne Edel Stein Theurer
art dran gestanden sein (Aus Frstl. Wrt. Pomp und Solennitt durch
#M. Jo. Ottingerum# beschrieben, Stuttg. 1607.) Medeyen oder Rosen an
der Cleinodschnur (ebendas.). -- _Stotzenglas_, kurzes Kelchglas mit
einem Fue. -- _Hohlippen_, hohle Hippen, gerolltes Oblaten-Gebackenes.
-- _Krapf_, mit Obst, Weinbeeren, Rosinen und dergl. geflltes Backwerk.
Im Altdeutschen bedeutet das Wort einen gekrmmten Haken.

S. 99. _Schaufalt_ (der Falt, schwb.), die Falte an Tchern, die nach
auenhin, um besonders gesehen zu werden, gelegt wird; daher das
Vorzglichste seiner Art, womit man prangt, z. B. eine Person in einer
Familie. Aehnlich ist Ausbund: was im Zusammenbinden auswrts gerichtet
wird, und ebenso das vormals gebruchliche Ueberbund. -- _Datte_, Vater
(Kindersprache). In einigen Orten Wrttembergs war ehemals die
Gewohnheit, da Ehezwistigkeiten, ehe sie zu sehr berhand genommen,
durch einen stattlichen, untadelhaften Mann im Dorfe, den man den Datte
nannte, der aber unbekannt blieb, gergt und bestraft wurden. Er klopfte
nmlich, von zwei selbstgewhlten Gehilfen begleitet, an dem Hause
uneiniger Eheleute an, antwortete auf die Frage: Wer da? blo: Der
Datte kommt und ging ohne weiteres wieder weg. Hrte der Zwist nicht
auf, so erschien er zum zweitenmal und beobachtete dasselbe. Blieb auch
dies ohne Erfolg, so kam er zum drittenmal vermummt, drang in das Haus
und prgelte den schuldigen Teil tchtig ab. Der Mibrauch hob diesen
vielleicht altgermanischen Gebrauch auf. -- _Zwilauf_, Zwist. Peter
Vngelter vf der Stette haissen gen Straburg verritten von Irer zwilff
wegen dorvnter zu reden (aus e. Stdterechnung).

                                Ende.

                 Im Weltkrieg auf K.-Papier gedruckt




Anmerkungen zur Transkription


Der Originaltext ist in Fraktur gesetzt. Hervorhebungen, die im
Original g e s p e r r t sind, wurden mit Unterstrichen wie _hier_
gekennzeichnet. Textstellen, die im Original in Antiqua gesetzt sind,
wurden #so# markiert. In den mundartlichen Textteilen vorkommende
einzelne hochgestellte Buchstaben wurden mit einem vorrangehenden ^
markiert.

Die variierende und oft mundartliche Schreibweise des Originals
wurde weitgehend beibehalten. Lediglich offensichtliche Druckfehler
wurden, teilweise unter Verwendung weiterer Ausgaben des Textes, wie
hier aufgefhrt korrigiert (vorher/nachher):

   [S. 23]:
   ... Damit sie ihres Kummers eher vergessen, lud ihr Frau ...
   ... Damit sie ihres Kummers eher vergesse, lud ihr Frau ...

   [S. 44]:
   ... Grttlein am Arm und wollte Himbeeren lesen im Bubsinger ...
   ... Grttlein am Arm und wollte Himbeeren lesen im Bupsinger ...

   [S. 103]:
   ... hoppelnden Bewegung des Kreises. -- Bauren-Schwaiger, ...
   ... hoppelnden Bewegung des Kreisels. -- Bauren-Schwaiger, ...

   [S. 109]:
   ... zittern. Engl. to tottor. -- Jetzt ist lang Tag, Sprichw., es ...
   ... zittern. Engl. to totter. -- Jetzt ist lang Tag, Sprichw., es ...






End of Project Gutenberg's Das Stuttgarter Hutzelmnnlein, by Eduard Mrike

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