Project Gutenberg's Das Mikroskop und seine Anwendung, by Hermann Hager

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Title: Das Mikroskop und seine Anwendung
       Ein Leitfaden bei mikroskopischen Untersuchungen

Author: Hermann Hager

Release Date: March 10, 2015 [EBook #48450]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS MIKROSKOP UND SEINE ANWENDUNG ***




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                                  DAS
                              ~MIKROSKOP~
                         UND SEINE ANWENDUNG.

                                  EIN

             LEITFADEN BEI MIKROSKOPISCHEN UNTERSUCHUNGEN

                                  FR

                          APOTHEKER, AERZTE,
                MEDICINALBEAMTE, KAUFLEUTE, TECHNIKER,
                     SCHULLEHRER, FLEISCHBESCHAUER
                                 ETC.

                                  VON

                          Dr. HERMANN HAGER.

             SECHSTE DURCHGESEHENE UND VERMEHRTE AUFLAGE.
              MIT 231 IN DEN TEXT GEDRUCKTEN ABBILDUNGEN.


                             BERLIN 1879.

                     ~VERLAG VON JULIUS SPRINGER.~

                           MONBIJOUPLATZ 3.




Vorwort zur ersten Auflage.


Seit ungefhr fnf Jahren hat das Mikroskop aufgehrt ausschliesslich
ein Instrument des Naturforschers zu sein. Es hat sich seit dieser
Zeit nicht nur als ein unentbehrliches Hilfsmittel denen erwiesen,
welche in ihren Berufsgeschften in die Lage kommen, die Gte
der Lebensmittel und der Waaren zu prfen, oder welche bei ihren
Studien naturwissenschaftliche Kenntnisse sammeln mssen, es hat
sich sogar heutigen Tages in dem gewhnlichen Verkehrsleben und der
Hauswirthschaft unentbehrlich gemacht, indem nur durch das Mikroskop
trichiniges Fleisch zu erkennen ist und wir uns damit vor der
schrecklichen Trichinosis zu schtzen vermgen.

Weil die Beschaffung eines Instruments, welches von ungemein
verschiedener Gte und von niedrigem und hohem Preise in den Handel
kommt, dem Nichtkenner Schwierigkeiten bietet, insofern diesem
jede Beurtheilung abgeht, andererseits der Nichtkenner auch ein
langes, zeitraubendes und anstrengendes Versuchen daran setzen muss,
ehe er mit dem Mikroskop kunstgerecht umzugehen und nutzbringend
zu arbeiten versteht, so habe ich es unternommen, diesen kurzen
Leitfaden zum Kennenlernen, Prfen und Gebrauch dieses Instruments der
Oeffentlichkeit zu bergeben.

Da im Ganzen dieser Leitfaden nur fr diejenigen bestimmt ist, welche
das Mikroskop und dessen Gebrauch noch nicht verstehen und dennoch
zuweilen in die nothwendige Lage kommen, dies Instrument gebrauchen zu
mssen, so empfehle ich denen, welchen voraussichtlich der Gebrauch
des Mikroskops einen Theil ihrer Studien ausmacht, sich mit den
grsseren Werken ber dasselbe Thema bekannt zu machen. Dem angehenden
Naturforscher empfehle ich z.B. das ~Mikroskop~, Theorie, Gebrauch,
Geschichte und gegenwrtiger Zustand desselben von _P. Harting_, Prof.
in Utrecht. Deutsche Original-Ausgabe von Dr. _Fr. Wilh. Theile_;
Braunschweig, Verlag von Vieweg und Sohn; -- dem Mediciner: das
~Mikroskop~ und die mikroskopische Technik von Dr._Heinrich Frey_,
Prof. der Medicin in Zrich; Leipzig, Verlag von Wilh. Engelmann;
-- dem Botaniker: das Mikroskop und seine Anwendung, insbesondere
fr Pflanzen-Anatomie, von Dr._Herm. Schacht_; Berlin, Verlag von
G.W.F.Mller.

Dass die behufs des Kennenlernens mikroskopischer Objecte am
Schlusse dieses Leitfadens gegebenen Beispiele, von denen mehrere
dem praktischen Leben entnommen sind, keineswegs Anspruch auf
wissenschaftlichen Werth machen sollen, darf ich wohl mit Hinweis auf
den geringen Umfang dieser Schrift und ihren sehr geringen Preis nicht
erst versichern.

~Berlin~, im Februar 1866.

                                            $Der Verfasser.$




Vorwort zur sechsten Auflage.


Diese sechste Auflage hat eine nicht geringe Vermehrung erfahren.
Unter anderem wurden den nthigen Anweisungen zur mikroskopischen
Untersuchung der Nahrungs- und Genussmittel, besonders der Gewrze und
deren Verflschungsmittel, nebst den dazu gehrigen mikroskopischen
Bildern ein Platz angewiesen, um auch den Anforderungen derjenigen
zu gengen, welche mit der Untersuchung der Nahrungs- und
Genussmittel beauftragt werden. Dadurch erhielt diese Auflage eine
Vervollstndigung, welche dem praktischen Werthe des Buches nur dienen
drfte. In der Erwartung, dass diese Vermehrung des Inhaltes, obgleich
nur im engen Rahmen, dennoch als eine zeitgemsse anerkannt werde,
bitte ich auch fr diese neue Auflage um eine nachsichtige Aufnahme.

  ~Pulvermhle~ bei Frstenberg a./Oder,
            im December 1878.

                                      $Der Verfasser.$




Inhalt.


                                                                   Seite

  Mikroskop, zusammengesetztes, was darunter verstanden wird.
  $Linsen$, Sammellinsen, Zerstreuungslinsen                           1

  $Brennpunkt$ (Focus), $Brennweite$ (Focaldistanz)                    2

  Sehwinkel                                                            3

  $Accommodationsvermgen$ des Auges. Deutliche $Sehweite$             4

  Vergrsserung eines Gegenstandes durch eine Sammellinse              5

  Loupe. $Einfaches Mikroskop$                                         6

  $Spiegelmikroskop. Zusammengesetztes Mikroskop$ in seiner
  einfachen Zusammensetzung und seine Wirkung                          7

  $Einstellung$, grobe, feine                                         10

  Mikrometerschraube                                                  10

  $Aberration$, sphrische                                            12

  $Aberration$, chromatische                                          13

  Doppellinse                                                         13

  $Doppellinse$, berverbesserte, unterverbesserte, aplanatische      14

  Penetrirende, resolvirende Kraft des Mikroskops                     14

  $Collectivlinse$, ihre Wirkung                                      15

  $Objectiv$                                                          16

  Centrirung der Linsen                                               17

  $Ocular$, negatives, positives, orthoskopisches                     18

  $Linsensysteme$, ihre Bezeichnung. Tubuslnge                       20

  $Beleuchtung$ des Objects                                           22

  Blendungen                                                          23

  Drehscheibe                                                         24

  Cylinderblenden. Condensor                                          24

  $Mikrometer$                                                        26

  $Objectglser$                                                      28

  $Deckglser$                                                        29

  Immersionsverfahren                                                 30

  Compressorien, Schiek's, Hager's Compressorium                      31

  Klemmfeder. Zeichnenprisma                                          33

  Mikroskopmodelle                                                    36

  Trommelmikroskope                                                   39

  Taschenmikroskop. Hager's Compressor-Mikroskop                      39

  $Polarisationsmikroskop.$  Strkemehlkrnchen im polarisirten
  Lichte                                                              42

  Das Mikroskop als saccharimetrisches Instrument                     45

  $Ankauf$ und $Prfung$ eines Mikroskops                             48

  $Probeobjecte$                                                      51

  $Gebrauch$ des Mikroskops                                           52

  $Luftblschen$ und $Rhren$ als mikroskopische Objecte              56

  Molekularbewegung. Molekularattractionsbewegung. Flimmerbewegung    57

  Mouches volantes. Scotomata                                         58

  Reinigung der Mikroskope und ihrer Theile                           59

  $Darstellung mikroskopischer Objecte$                               61

  Prparirgerthschaften                                              61

  Behandlung der Objecte                                              63

  $Aufbewahrung der Objecte$                                          65

  Conservationsflssigkeiten                                          66

  Objecthalter                                                        70

  Flssiger Leim                                                      71

  Lacke, Firnisse                                                     71

  $Mikroskopische Objecte$                                            73

  Die Zelle                                                           73

  Mehl. Strkemehlkrnchen                                            76

  Kleberkrnchen                                                      80

  Mutterkornpilz                                                      81

  Flugbrand                                                           86

  Schmierbrand                                                        87

  Arrow-root, Marantastrke                                           87

  Getreiderost. Grasrost                                              90

  Mehlmilbe. Weizenschlngelchen                                      92

  Kartoffelpilz                                                       92

  Traubenpilz                                                         94

  Gespinnstfasern                                                     95

  Haare                                                              102

  Gewrze, Pfeffer, Piment, Gewrznelken, Zimmt, Senf, Santelholz,
  Curcuma                                                            112

  Blut                                                               134

  Haematin, Haemoglobin, Haemin, Haeminkrystalle,
  Haematinhydrochloratkrystalle                                      138

  Blutflecke                                                         139

  Schleim. Eiter                                                     141

  Lymphkrperchen oder Chyluskrperchen                              142

  Ghrpilz                                                           143

  Auswurf bei Lungentuberculosis                                     143

  Sarcinien, Magensarcinie                                           144

  Kopfgrind, Favuspilz                                               144

  Soorpilz. Zungenbelegpilz                                          145

  Vibrionen                                                          146

  Einige Oscillariaceen, Spermosireen, Chroococcaceen                146

  Diatomaceen                                                        148

  Milch. Colostrum                                                   150

  Butter                                                             153

  Harn (Urin)                                                        154

  Samenfdchen, Spermatozon, Spermaflecke                           158

  Flimmerzellen. Spermakrperchen                                    159

  Cercomonaden                                                       160

  Parasiten des thierischen Krpers. Haarsackmilbe                   161

  Krtzmilbe                                                         163

  Trichinen                                                          163

  Miescher'sche Krperchen, Psorospermien                            169

  Schweinefinne. Bandwurm                                            171

  Rderthierchen                                                     175

  Reblaus                                                            176

[Illustration]




Das Instrument, dessen Einrichtung und Behandlung hier beschrieben
und erklrt werden soll, ist dasjenige, welches von dem Physiker
~zusammengesetztes dioptrisches Mikroskop~ genannt wird und im
gewhnlichen Leben die einfache Bezeichnung Mikroskop erhalten hat.

Mikroskop bedeutet Vergrsserungsglas, ein optisches Werkzeug, mit
welchem man dem Auge Gegenstnde, die wegen ihrer Kleinheit nicht
sichtbar sind oder wegen ihrer Kleinheit undeutlich erscheinen,
sichtbar und deutlich macht. Um fr die Wirkungen und Leistungen
dieses Instruments und dessen Beziehungen zum Auge, so wie fr mehrere
Kunstausdrcke, welche bei Besprechung der Mikroskope ftere Erwhnung
finden, ein Verstndniss zu erlangen, mssen wir aus der Optik einige
wenige Punkte heranziehen.

[Illustration: Fig. 1.

$Sammellinsen.$]

[Illustration: Fig. 2.

$Zerstreuungslinsen.$]

Die Linsen werden als ~positive~ oder ~Sammellinsen~ und als ~negative~
oder ~Zerstreuungslinsen~ unterschieden. Zu den Sammellinsen gehren
~biconvexe~ (_a_), ~planconvexe~ (_b_) und der ~convergirende
Meniscus~ (_c_); zu den Zerstreuungslinsen gehren ~biconcave~ (_d_),
~planconcave~ (_e_) und der ~divergirende Meniscus~ (_f_).
Im Folgenden sind unter dem Namen Linsen gemeiniglich biconvexe oder
planconvexe, also Sammellinsen gemeint.

[Illustration: Fig. 3.]

Treffen die Strahlen (_~ac~_, Fig.3) eines fernliegenden Punktes
parallel mit der optischen Axe _~bp~_ z.B. auf eine planconvexe Linse,
so gehen sie durch diese bis zur convexen Seite ungebrochen hindurch,
werden dann aber an ihrem Austrittspunkte _e_ von dem Einfallslothe
_~le~_ hinweggebrochen und zwar nach der Axe _~bp~_ zu und sie
durchschneiden dieselbe an dem Punkte _o_. Dieser Punkt _o_ heisst
der ~Brennpunkt~ (Focus) der Linse und die Entfernung dieses Punktes
von der Linse, also _~of~_, heisst die ~Brennweite~ (Focaldistanz)
dieser Linse. Die Brennweite wurde bisher von den Optikern nach Pariser
Zollen, jetzt wird sie nach Centimetern oder Millimetern gemessen.

[Illustration: Fig. 4.]

Bei einer biconvexen Linse, wie wir sie in jeder einfachen Loupe vor
uns haben, findet eine zweimalige Brechung der Strahlen statt. Die
parallel mit der optischen Axe _~bp~_ (Fig.4) auf die Linse fallenden
Strahlen werden beim Eintritt in dieselbe dem Einfallslothe (_le_) zu
gebrochen, und sie wrden, erfhren sie weiter keine Brechung, die
optische Axe in _r_ durchschneiden, jedoch in _s_ treffen sie auf die
zweite brechende Flche. Sie werden hier wieder gebrochen und zwar
von dem Einfallslothe _~ms~_ hinweg und durchschneiden die Axe in dem
Punkte _o_, welcher der Brennpunkt dieser Linse ist. Der Abstand des
Punktes _o_ von der Linse ist also die Brennweite derselben.

Das Auge gleicht einer biconvexen Linse. Wenn von einem entfernten
Gegenstande parallele Lichtstrahlen auf dasselbe fallen, so vereinigt
es diese Strahlen mittelst der Krmmung der durchsichtigen Hornhaut,
der Krystalllinse und der zwischen denselben eingeschlossenen
Feuchtigkeiten in einem Brennpunkte auf dem dunklen Hintergrunde, der
Netzhaut, zu einem Bilde des Gegenstandes.

[Illustration: Fig. 5.]

Die scheinbare Grsse eines Gegenstandes beurtheilen wir durch das Auge
nach der Grsse des ~Sehwinkels~, von welchem zugleich die Grsse des
Bildes auf der Netzhaut abhngt. Daher kann eine dicht vor die Augen
gehaltene Nhnadel eben so gross und dick erscheinen, wie eine fern
aufgepflanzte Stange. Befnde sich z.B. ein Gegenstand in der Linie
_~ab~_ (Fig.5), so ist _~aob~_ der ~Sehwinkel~ und das Bild auf der
Netzhaut (_retina_) liegt zwischen _b'_ und _a'_. Bringt man diesen
Gegenstand dem Auge so nahe, dass er sich in der Linie _~AB~_ befindet,
so wird das Bild _~B'A'~_ auf der Netzhaut und der Sehwinkel _~AoB~_ um
so viel mal grsser sein, als der Gegenstand nher gerckt ist.

Das deutliche Sehen eines Gegenstandes hat seine Grenzen je nach der
Entfernung desselben vom Auge. Deutlich sieht man einen Gegenstand
nur dann, wenn die von ihm ausgehenden Lichtstrahlen durch das Auge
so gebrochen werden, dass sie auf der Netzhaut wieder zur Vereinigung
gelangen (auf der Netzhaut ihren Brennpunkt finden) und daselbst
ein Bild construiren. Da das Auge wie eine biconvexe Linse wirkt,
so msste auch nur bei einer einzigen Entfernung ein scharfes Bild
auf der Netzhaut entstehen. Wie wir aber wissen, so sieht das Auge
verschieden entfernte Gegenstnde gleich genau. Hieraus folgt eine
Eigenthmlichkeit des Auges, sein Brechungsvermgen abzundern, und
zwar nach Bedrfniss die weniger divergirenden Strahlen der entfernten
Krper und die strker divergirenden der nahen Krper zu einem Bilde
(Brennpunkte) auf der Netzhaut zu vereinigen. Diese Eigenthmlichkeit
des Auges heisst sein ~Accommodationsvermgen~. Das Auge besitzt also
die Fhigkeit, sich der Entfernung, in welcher sich ein Gegenstand
befindet, zu accommodiren, so dass dessen Bild auf der Netzhaut zu
Stande kommt. Diese Eigenschaft hat jedoch ihre Grenzen, und jedes Auge
hat in der That nur eine ~deutliche Sehweite~, die natrlich keine
bestimmte ist, wie wir recht auffallend an kurz- und weitsichtigen
Augen beobachten. Das kurzsichtige Auge bricht die Lichtstrahlen
strker und vereinigt daher die von einem entfernten Gegenstande
parallel oder wenig divergent kommenden Strahlen zu einem Brennpunkte,
der ~vor~ der Netzhaut liegt. Das weitsichtige Auge bricht die Strahlen
weniger stark und vereinigt die strker divergenten Strahlen des nahen
Krpers zu einem Bilde, einem Brennpunkte, der ~hinter~ der Netzhaut
liegt. In einem wie im andern Falle entsteht kein scharfes, sondern
ein diffuses Bild. Die deutliche Sehweite eines gesunden Auges wird
verschieden angenommen. Einige nehmen sie zu 20 Centimeter, andere zu
25 Centimeter, wieder andere aber nur zu 15 Centimeter an.

Befindet sich ein kleiner Gegenstand in der deutlichen Sehweite des
Auges, so entsteht von demselben auf der Netzhaut ein scharfes Bild.
Rcken wir den Gegenstand dem Auge sehr nahe, so dass seine Strahlen
sehr divergent zum Auge gelangen, so fllt der Brennpunkt oder das Bild
hinter die Netzhaut. Das Accommodationsvermgen des Auges hat hier also
seine Grenze und vermag nicht das Bild auf der Netzhaut zu Stande zu
bringen.

Diesem Umstande begegnet man auf knstliche Weise und man erzeugt
dennoch ein scharfes Netzhautbild, wenn zwischen Gegenstand und
Auge eine Sammellinse gestellt wird, durch welche die Strahlen des
Gegenstandes weniger divergent das Auge treffen. Dann entsteht auf der
Netzhaut zwar ein kleineres Bild, als das diffuse war, aber es ist um
so reiner, schrfer und daher deutlicher.

[Illustration: Fig. 6.]

Wenn der Pfeil _~AB~_ ein kleiner Gegenstand ist vor der Linse _L_,
so werden die Strahlen beim Austritt aus der Linse gebrochen weniger
divergent das Auge treffen und gleichsam von dem entfernteren Pfeile
_~a'b'~_ herzukommen scheinen. Entspricht die Entfernung dieses Pfeiles
der mittleren Sehweite des Auges, so werden sich die Strahlen auf der
Netzhaut zu einem bestimmten klaren Bilde vereinigen. Der Gegenstand
_~AB~_ scheint also gleichsam in eine grssere Entfernung versetzt
zu sein, und der Sehwinkel _~aob~_ ist ein grsserer geworden. Daher
scheint der Gegenstand vergrssert.

Sammellinsen dieser Art nennt man _~Loupen~_, wenn ihre vergrssernde
Kraft nicht ber das 10- bis 20fache hinausgeht. Ist die vergrssernde
Kraft eine strkere und wird die Sammellinse zum Gebrauch mit einem
feststehenden Gestell verbunden, so ist damit die Construction des
~einfachen Mikroskops~ gegeben.




Das einfache Mikroskop


ist nur noch ein unentbehrliches Instrument fr den Naturforscher,
welches er beim Prpariren mikroskopischer Gegenstnde anwendet. Das
Gestell kann verschiedene Formen haben, dennoch ist die Construction
im Wesentlichen ziemlich immer dieselbe. An einem Arm, der um ein
Stativ beweglich ist, ist ein Ring zur Aufnahme der Loupe oder Linse.
In Stelle der einfachen Linse kann man auch die gering vergrssernden
Linsensysteme eines zusammengesetzten Mikroskops verwenden. An dem
Stativ, welches auf einem Holzklotz feststeht, befindet sich unter der
Linse eine Platte oder Tisch, welcher durch eine Schraube (Triebwerk)
hher und niedriger gestellt werden kann. Senkrecht unter der Linse ist
in diesem Tische ein Loch und unter dem Tische ein beweglicher Spiegel.
An dem _Zeiss_'schen Instrument hat der Holzklotz zwei Wangen, zwischen
welchen das Stativ steht und auf welche der prparirende Mikroskopiker
die Hnde sttzt. Die bekanntesten einfachen Mikroskope sind die von
_Chevalier_, _Nachet_, _Pritchard_, _Plssl_, _Krner_, das anatomische
Mikroskop von _Lebaillif_. Das bei uns am meisten gehaltene ist das
_Zeiss_'sche.

Das einfache Mikroskop kann zu einer strkeren als 40fachen
Vergrsserung kaum verwendet werden. Beim Gebrauch ist es fr das
Auge wegen des kleinen Gesichtsfeldes, der verminderten Helligkeit
und des kurzen Abstandes der Linse vom Untersuchungsobjekt usserst
anstrengend. Seit der grossen Vervollkommnung des zusammengesetzten
Mikroskops ist das einfache fast ganz ausser Gebrauch gekommen und
wird es eben, wie schon bemerkt ist, nur noch als Prparirinstrument
angewendet.

Bei den sogenannten ~Spiegelmikroskopen~ oder ~katoptrischen~
Mikroskopen wird die Vergrsserung durch Hohlspiegel bewirkt. Diese
Mikroskope sind gegenber jenen ~dioptrischen~, bei welchen die
Vergrsserung durch Glaslinsen geschieht, fr jetzt noch theure
Instrumente.




Das zusammengesetzte Mikroskop.


Wenn man der Linse des einfachen Mikroskops ein innen geschwrztes
Rohr aufsetzt, so entsteht im Innern des Rohres von einem nahe dem
Brennpunkte der Linse befindlichen Gegenstande ein Bild und zwar
vergrssert und umgekehrt. Wird nun dem Rohre eine Sammellinse (Ocular)
aufgesetzt, durch welche man dieses Luftbild abermals vergrssert sehen
kann, so ist damit die Construction des zusammengesetzten Mikroskops
gegeben. Durch das einfache Mikroskop oder die Loupe betrachten wir
also den Gegenstand selbst, durch das zusammengesetzte dioptrische
Mikroskop sehen wir aber das vergrsserte (und umgekehrte) Bild des
Gegenstandes.

Es sei _~ab~_ der Durchmesser des Gegenstandes, welcher unterhalb der
Brennweite, aber doch nahe am Brennpunkte der Linse _l_ liegt. Es
werden dann alle von _a_ ausgehenden Strahlen in _A_, und alle von _b_
ausgehenden in _B_, berhaupt alle Strahlen des Gegenstandes _~ab~_
durch die Linse _l_ so gebrochen, dass sie in der Ebene _~AB~_ sich
durchschneiden oder vereinigen und hier ein umgekehrtes vergrssertes
Luftbild von dem Gegenstande erzeugen, welches wir durch die Linse _L_
wiederum so vergrssert sehen, als lge es in der mittleren Sehweite
_w'_. Die Strahlen, welche durch die Linse _L_ gehen, erlangen nmlich
den Grad der Divergenz, den die Strahlen eines in _~b''a''~_ liegenden
Gegenstandes haben wrden. Wie aus der Figur 7 hervorgeht, kann nur
der Abschnitt des Bildes, welcher zwischen _~b'a'~_ liegt, bersehen
werden, denn die Strahlen von _~bB~_ und _~aA~_ gehen an den Rndern
der Linse _L_ vorbei.

[Illustration: Fig. 7.]

Fig.8 stellt den Lngsdurchschnitt eines zusammengesetzten Mikroskops
vor. _~ob~_ ist die ~Linse~ oder das $Objectiv$, hier ein aus zwei
Linsen zusammengesetztes Linsensystem, an den unteren Rand des inwendig
geschwrzten Rohres _r_ angeschraubt. _o_ ist das Ocular in Form eines
kurzen Cylinders, eingeschoben in das Rohr _r_. Die mit dem Ocular
verbundene Sammellinse _c_ mge vorlufig ausser Betracht bleiben. Der
kleine Pfeil vertritt den Untersuchungsgegenstand oder das ~Object~ und
liegt auf einem Glasstreifen, dem ~Objectglase~. Wird der Gegenstand
mit einer dnnen Glasplatte bedeckt, so ist diese das ~Deckglas~.
Das Objectglas hat eine Platte oder einen Tisch _t_ zur Unterlage,
~Objecttisch~ genannt, welcher senkrecht unter dem Objective ein Loch
hat. Das Objectglas liegt so auf diesem Tische, dass sich das Object
gerade ber dem Loche befindet. _s_ ist ein hohlgeschliffener Spiegel,
dem beim Gebrauch des Mikroskops eine solche Stellung gegeben wird,
dass sein Brennpunkt ber dem Objecte zu liegen kommt, oder mit anderen
Worten, dass sich die von ihm zurckgeworfenen Lichtstrahlen ber dem
Objecte durchschneiden. Dadurch wird das Object beleuchtet, natrlich
wenn dieses durchsichtig ist oder doch einen gewissen Grad von
Durchsichtigkeit hat. Undurchsichtige Objecte werden durch besondere
Vorrichtungen von Oben, z.B. durch einen _Lieberkhn_'schen Spiegel
oder durch Linsen, beleuchtet.

[Illustration: Fig. 8.

$Ein zusammengesetztes Mikroskop im Durchschnitt.$]

Diese wesentlichen Theile eines Mikroskops sind mit einer Sule mit
Fuss in der Art verbunden, dass das Rohr oder der Tubus _r_ in einer
sich ihm dicht anschliessenden (federnden) Metallhlse gehalten wird,
dass der Tisch _t_ mit dem Objecte dem Objective _~ob~_ beliebig
genhert und der Spiegel _s_ in Lagen gebracht werden kann, in welchen
er das Object beleuchtet. Letzteres wird in der Weise ausgefhrt, dass
man in das Ocular schauend den Spiegel gegen das Fenster oder ein
Licht gekehrt so lange wendet, bis sich dem Auge ein helles Lichtfeld
darbietet.

Das Objectiv und das Untersuchungsobject mssen je nach Erforderniss
der optischen Verhltnisse des Auges und des Objectivs einander
genhert oder von einander entfernt werden knnen. Jedes
zusammengesetzte Mikroskop hat hierzu eigene Vorrichtungen,
~Einstellungsvorrichtungen~. Man unterscheidet eine ~grobe~ und eine
~feine Einstellung~. Die grobe besteht in Verschiebung und zwar darin,
dass der Tubus _r_ in der Hlse, die ihn hlt, aus freier Hand auf-
und abwrts geschoben wird. Man stellt hiernach das Object grob ein,
wenn man den Tubus _r_ in der Hlse langsam so lange abwrts schiebt,
bis das Auge von dem Objecte, welches ber dem Tischloche liegt und
von dem Spiegel beleuchtet ist, ein undeutliches Bild gewinnt. Hierauf
folgt die feine Einstellung des Objectes, d.h. der Objecttisch wird
um unbedeutende Distanzen dem Objective oder das Objectiv dem Objecte
nher gerckt oder von demselben entfernt, bis das Auge ein scharfes
Bild des Objectes erblickt.

Diese letzteren Bewegungen geschehen vermittelst eines
Schraubengetriebes, ~Mikrometerschraube~ genannt, welches entweder
den Tisch unverndert in seiner horizontalen Lage hebt und senkt, oder
der Tisch besteht aus zwei bereinander liegenden Platten, welche
beide an der einen Kante durch eine angenietete Leiste fest mit
einander verbunden sind, die obere Platte kann aber durch ein auf der
entgegengesetzten Kante der Nietung befindliches Schraubengetriebe
gehoben und gesenkt werden; oder endlich der Objecttisch sitzt
beweglich wie eine Klappe an der Sule des Stativs und ist unterwrts
mit einer Hervorragung versehen, gegen welche ein Schraubengetriebe
stsst, so dass durch letzteres der Tisch gehoben werden kann. In den
beiden letzteren Fllen wird der Tisch in eine schiefe Ebene verlegt,
was sich allerdings fr den vorliegenden Zweck theoretisch nicht
vertheidigen lsst, in der Praxis aber vllig gengt.

Bei den grsseren Mikroskopen geschieht die grobe Einstellung in der
Regel durch Zahn und Trieb, wodurch der Tubus sammt seiner Hlse
auf- und abwrts geschoben werden kann, die feinere aber in vorher
angegebener Weise, oder es befindet sich ein Schlitten am Tubus,
welcher durch eine Mikrometerschraube und Feder gehoben und gesenkt
wird. Ueberhaupt soll sich an jedem besseren Mikroskope unter allen
Umstnden eine feinere Einstellungsvorrichtung befinden. Bei den
kleineren und billigeren Instrumenten ist man gewhnlich nur auf eine
grobe Einstellung angewiesen.

Wie bereits gesagt ist, entsteht das zusammengesetzte Mikroskop aus
dem einfachen Mikroskop, wenn man dem Objectiv oder dem Linsensystem
(einem aus 2 oder 3 Linsen combinirten Objectiv) einen Tubus mit
Ocular aufsetzt. Diese Zusammensetzung bietet jedoch so viele
Unvollkommenheiten und Mngel, dass sie Verbesserungen erfordert, um
brauchbar zu sein. Die beiden hauptschlichsten Unvollkommenheiten sind
die ~sphrische~ und ~chromatische Aberration~.

Unter $Oeffnungswinkel$ oder ~Oeffnung~ einer Linse versteht man
den Winkel, welcher sich aus ihrem Brennpunkte mit den beiden Enden
des Linsendurchmessers ergiebt. _~xrv~_ ist der Oeffnungswinkel. So
lange der Oeffnungswinkel der Linse klein ist, gelangen die Rand- und
Centralstrahlen in einem Punkte zur Vereinigung. Ist er aber grsser,
so vereinigen sich die um und durch das Centrum der Linse gehenden
Lichtstrahlen (_c_, _e_, _d_) in dem Brennpunkte _R_, whrend die am
Rande durchgehenden Strahlen eine strkere Brechung erfahren und schon
in _r_ ihren Brennpunkt erreichen. In Folge dieser strkeren Abweichung
der Randstrahlen und der ~sphrischen Aberration~ (Abweichung der
Strahlen wegen Kugelgestalt der Linse) sehen wir das Bild eines
Krpers, welches mit der Linse aufgefangen wird, in _R_, aber nicht
deutlich und scharf, sondern von einem durch die Randstrahlen der Linse
erzeugten Bilde undeutlich umschimmert. Bringt man die Randstrahlen
durch eine Blendung, z.B. durch einen Blechring _B_ in Wegfall, so
wird das Bild in _R_ deutlich. Eine solche ringfrmige Blendung zur
Beseitigung der Randstrahlen finden wir jetzt in den Mikroskopen immer
und zwar im Ocular angebracht, wie in Fig.8 mit _~bb~_ angedeutet ist.
Zuweilen findet man ausserdem noch in dem Tubus eine hnliche Blendung.

[Illustration: Fig. 9.

$Sphrische Aberration.$]

Ein Strahl des weissen Lichtes wird beim Durchgang durch eine
Sammellinse nicht als Ganzes gebrochen, sondern in verschiedene
farbige Strahlen zerlegt, welche eine verschiedene Ablenkung in
der Richtung der Brechungsebene erleiden. Der violette Strahl _i_
(Fig.10) wird strker gebrochen als der rothe _k_. (Zwischen _i_
und _k_ liegen die brigen farbigen Strahlen des Spectrums.) Daher
erscheint der Gegenstand nicht nur nicht scharf begrenzt, sondern
auch farbig umsumt. Diesen Uebelstand der ~chromatischen Aberration~
zu beseitigen, gebraucht man ~achromatische~ Linsen, d.h. solche,
bei welchen die verschiedenen farbigen Strahlen in nur einem
Brennpunkte zusammenfallen. Man combinirt dergleichen Linsen aus
verschiedenem Material, wie z.B. aus Kron- (Crown-) und Flintglas,
weil bei verschiedenen strahlenbrechenden Medien Brechungsvermgen
und Farbenzerstreuung einander nicht parallel gehen und Linsen aus
zwei verschiedenen Medien sich in der Art combiniren lassen, dass die
rothen und violetten Strahlen genau im mittleren Brennpunkte der Linse
zusammenfallen. In der nachstehenden Fig.11 ist eine Sammellinse (_s_)
mit einer Zerstreuungslinse (_z_) verbunden. _s_ ist das Kronglas, _z_
das Flintglas, beide zusammengekittet durch Canadabalsam. Eine solche
engere Combination zweier Linsen wird ~Doppellinse~ genannt. Sie kann
nicht nur fast achromatisch gemacht werden, sie erlaubt auch, wenn
sie aus einer Sammellinse und einer Zerstreuungslinse zusammengesetzt
wird, die sphrische Aberration abzuschwchen. Die Linsen in den
Objectiven sind immer bei guten Mikroskopen in der Art combinirt, dass
die Aberration der einen Linse zu der Correction der entgegengesetzten
Aberration der anderen Linse dient. Ein vollstndiger Achromatismus
der Linsen ist brigens nicht zu erreichen. Ist die Vereinigung der
rothen und violetten Strahlen in einem Brennpunkte erzielt, so ist
dies nicht der Fall fr die anderen farbigen Strahlen, welche zwischen
jenen liegen. Daher erhlt man bei achromatischen Doppellinsen Bilder,
an deren Rndern Spuren der mittleren Farben sichtbar sind und welche
einen grnlichgelben Ton haben. Weil diese Farbe dem Auge weniger
angenehm ist, als lichtblau, so giebt man in den Objectivlinsen der
Flintglaslinse ein geringes Uebergewicht, wodurch der Rand des Bildes
von einem zarten hellblauen Saume umfasst wird. Eine solche Doppellinse
nennt man ~berverbesserte~, dagegen heisst diejenige, welche Bilder
mit einem rthlichen Saume giebt, ~unterverbesserte~.

[Illustration: Fig. 10. $Chromatische Aberration.$]

[Illustration: Fig. 11.

$Doppellinse.$]

Eine Doppellinse, bei welcher im mglichst erreichbaren Grade die
sphrische und chromatische Aberration aufgehoben ist, heisst eine
~aplanatische~.

Es sind zwei Methoden in der Combination der Objectivlinsen
gebruchlich. Nach der lteren sind die einzelnen Doppellinsen mit 1,
2, 3, 4 etc. numerirt, und sie werden so auf einander geschraubt, dass
1 und 2, 1 und 2 und 3, 2 und 3 und 4 etc. Linsensysteme bilden. Jetzt
verbinden die Optiker die Linsen zu fest zusammenhngenden Systemen, in
welchen die Linse mit der kleinsten Oeffnung zu unterst, die anderen
Linsen je nach der Zunahme ihrer Durchmesser darber folgen. Durch
diese letztere Zusammensetzung der Linsensysteme und durch Verwendung
aplanatischer Linsen erreichen unsere jetzigen Mikroskope jene
~penetrirende~ oder ~resolvirende~ Kraft genannte Eigenschaft, durch
welche bei mglichst grossem Oeffnungswinkel die feinsten Details,
wie Strichelchen und Pnktchen, sehr minutiser Objecte, wahrnehmbar
werden, z.B. die Lngs- und Querstreifen auf den Schuppen der
Schmetterlinge.

[Illustration: Fig. 12.

$Wirkung der Collectivlinse.$]

Ist nun das zusammengesetzte Mikroskop schon durch achromatische Linsen
und durch Blendung bedeutend verbessert, so ist dennoch das Gesichts-
oder Sehfeld (die mit dem Ocular zu bersehende Flche) zu klein und
zu dunkel, und das Bild zeigt sich dem Auge in einer krummen Flche.
Zur Beseitigung dieser Uebelstnde ist dem Ocular eine zweite Linse,
~Collectivlinse~ oder $Collectiv$ genannt, in einer solchen Entfernung
von der Ocularlinse angefgt, dass das Bild des Objects zwischen
dem Ocular und dieser anderen Linse entsteht. Das Collectiv bietet
nun folgende Vortheile. Zunchst bricht es die von dem Objecte her
gelangenden Strahlen nach der Axe zu, und das Bild des Objects, welches
ohne Collectiv in _~c'a'b'~_ entworfen werden wrde und zu ausgedehnt
wre, um durch das Ocularglas _o_ bersehen zu werden, erscheint nun
in _~c''a''b''~_. Das Object liegt daher in dem Sehfelde, es wird ganz
gesehen, und nicht nur ein Theil desselben, wie bei Abwesenheit des
Collectivs. Ferner vermehrt das Collectiv die Helligkeit des Bildes,
denn die Strahlen von der Ausdehnung _~c'a'b'~_ erleuchten jetzt den
kleineren Raum _~c''a''b''~_. Endlich bewirkt das Collectiv ein ebenes
Sehfeld, indem sich das Bild _~c''a''b''~_ in entgegengesetzter Krmmung
von dem Bilde _~c'a'b'~_ zeigt, und die Krmmungen des Oculars und des
Collectivs damit in ein gewisses Verhltniss gesetzt werden knnen.
Dieser und noch einiger anderen optischen Vortheile halber fehlt jetzt
das Collectiv in keinem der zusammengesetzten Mikroskope, nicht einmal
in den schlechteren.

[Illustration: Fig. 13.

$Lngendurchschnitt eines Linsensystems oder Objectivs.$]

Das $Objectiv$ besteht aus einer Linse oder aus mehreren einfachen
oder Doppellinsen. Je krzer die Brennweite des Objectivs ist oder je
nher der Brennpunkt desselben liegt, um so strker vergrssert es.
Da es nun schwierig ist, eine Doppellinse mit sehr kurzer Brennweite
herzustellen, man aber denselben Zweck durch Combination mehrerer
Doppellinsen mit lngerer Brennweite erreicht, andererseits mit dieser
Linsencombination ein grsserer, die Helligkeit des Bildes vermehrender
Oeffnungswinkel gewonnen wird und endlich auch damit die sphrische und
chromatische Aberration geschwcht werden kann, so sind an den neueren
Mikroskopen die Objective durch Linsensysteme, d.h. durch Combination
von 2 oder 3 aplanatischen Linsen vertreten. In einem solchen
Linsensystem (Objectivsystem), gewhnlich in einen kleinen messingenen
Tubus gefasst, befindet sich die kleinste und strkste Linse zuunterst,
die grssere und schwchere oberhalb. Die flachen Seiten der Linse
sind dem Objecte zugekehrt.

Whrend man jetzt den Objectiven aus mehreren Linsen in fester
Verbindung, d.i. den Linsensystemen, den Vorzug giebt, bestand frher
das Objectiv aus mehreren einzelnen Doppellinsen, jede in besonderer
Fassung und mit Schraubenwindung versehen, so dass eine Linse der
anderen durch Schraubung aufgesetzt wurde und man die Systeme selbst
zusammensetzte. Diese einzelnen Linsen sind, wie weiter oben schon
erwhnt ist, mit 1, 2, 3 etc. bezeichnet und nach einem Schema wird 1
mit 2, 1 mit 2 und 3 etc. zu Systemen fr verschiedene Vergrsserungen
verbunden. Nicht selten findet man beide Einrichtungen, Linsensystem
und einzelne Linsen, bei einem und demselben Mikroskop angewendet. An
einigen lteren Mikroskopen findet man weniger vortheilhaft nur ein
System und die verschiedenen Vergrsserungen werden durch zwei und
mehrere Oculare bewirkt.

Uebersehen darf man nicht, dass die Helligkeit des Sehfeldes mit
der Zunahme der Vergrsserung abnimmt, denn die Objectivlinse lsst
um so mehr Licht hindurch, je grsser ihre Oberflche oder ihre
Oeffnung (Oeffnungswinkel) ist. Die Objectivlinsen der strkeren
Vergrsserungen, die gemeiniglich einen geringen Durchmesser
haben, knnen auch nur wenig Licht empfangen. Ferner muss dieselbe
Lichtquantitt, welche zur Erleuchtung des kleineren Bildes gengt, fr
das vielfach grssere Bild ausreichen. Es ist immer ein Vortheil fr
das Mikroskop, wenn dessen Objective bei guter Leistung eine mglichst
grosse Oeffnung haben.

Ein sehr wichtiger Punkt in der Zusammensetzung des Mikroskops
ist die genaue ~Centrirung~ der einzelnen Linsen, wie auch aller
Linsen unter sich, d.h. die optische Axe muss genau durch die Mitte
beider Oberflchen einer Linse gehen und die Axen aller Linsen
eines Mikroskops mssen in einer einzigen geraden Linie (Fig.8
_~xx~_) liegen. Sind die Linsen eines Mikroskops nicht mglichst
genau centrirt, so wird es nicht nur kein scharfes Bild, es wird
auch ein mehr oder weniger verzerrtes Bild geben. Das Centriren
ist eine der schwierigsten Arbeiten des Optikers und daher bei den
billigen, sogenannten Dutzendmikroskopen gewhnlich mit der wenigsten
Sorgfalt ausgefhrt. Die gengende Centrirung prft man, indem man
das Mikroskoprohr um seine Axe dreht. Bei richtiger Centrirung muss
hierbei das Bild in der Mitte des Sehfeldes stehen bleiben. Im andern
Falle beschreibt es einen excentrischen Kreis, welcher bei starken
Vergrsserungen ausserhalb des Sehfeldes tritt. Eine vollkommene
Centrirung hngt meist vom Zufalle ab, und man muss sich begngen, wenn
sie das Prdicat ~ziemlich~ verdient.

[Illustration: Fig. 14.

$Durchschnitt eines negativen oder Huyghens'schen Oculars.$]

Das $Ocular$. Durch diesen Theil des Mikroskops erfahren die
divergenten Strahlen des Objectivbildes eine solche Lenkung, dass sie
smmtlich durch die Pupille des beobachtenden Auges aufgefangen werden.
Fig.14 (und Fig.8 _o_) ist das gebruchlichste Ocular, das sogen.
~negative~ oder _Huyghens_'sche (spr. heugens) oder _Campani_'sche. Es
besteht aus einem innen geschwrzten Metallrohr, welchem am oberen Ende
die Ocularlinse _a_ eingesetzt oder in ihrer Fassung aufgeschraubt,
und welchem am unteren Ende die Collectivlinse _c_ angeschraubt ist.
Gewhnlich nennt man die Verbindung von Ocularlinse und Collectivlinse
~Ocular~. Die Collectivlinse hat, wie weiter oben erklrt ist, den
Zweck, das Zustandekommen des Bildes innerhalb der Brennweite der
Ocularlinse zu bewirken, und durch die Ocularlinse betrachtet man das
Bild wie mit einer Loupe.

Die ebene Flche der Ocularlinse ist dem Auge zugekehrt, so auch
die der Collectivlinse. Durch diese Anordnung unterscheidet sich
das _Huyghens_'sche von dem _Ramsden_'schen (spr. rmmssd'n) oder
~positiven~, bei welchem die convexen Flchen beider Linsen einander
zugekehrt sind und beide Linsen gegenseitig nher liegen. Hier
erscheint das Bild nicht zwischen Ocular und Collectiv, sondern
unterhalb des letzteren, also zwischen Collectiv und Objectiv. Das
_Ramsden_'sche Ocular bietet ein grsseres Gesichtsfeld, und da es
auch eine vollkommenere Ebnung dieses letzteren gestattet, so ist es
besonders fr den Gebrauch der Ocularmikrometer geeignet.

Den besseren Mikroskopen sind zwei und mehrere negative Oculare
von verschieden vergrssernder Kraft beigegeben. Die schwcher
vergrssernde Ocularlinse hat ein lngeres Ocularrohr als die strker
vergrssernde. Die zu einem Mikroskope gehrenden Oculare sind mit
Buchstaben oder mit rmischen Zahlen bezeichnet.

Zu erwhnen ist das _Kellner_'sche ~orthoskopische~ Ocular, an welchem
das Collectiv aus zwei mit einander verbundenen Linsen besteht und
die Ocularlinse strker (8- bis 12mal) vergrssernd ist. Der Zweck
dieses Oculars ist, das Bild des Objects in seiner natrlichen Lage
zu entwerfen, denn mit den negativen Ocularen erhlt man stets das
Bild umgekehrt und man muss das Object bei der Musterung stets nach
der entgegengesetzten Richtung schieben. Einen wesentlichen optischen
Nutzen scheint das orthoskopische Ocular nicht zu gewhren, jedoch
behaupten Einige, dass es eine sehr ebene Bildflche liefere, also eine
sehr gleichmssige Vergrsserung gebe. Im Uebrigen ist man von der
Verbindung starker Oculare mit schwachen Objectiven ganz abgekommen.
Die strkeren Oculare lassen zwar das Bild grsser erscheinen, doch
sehr auf Kosten der Deutlichkeit und Schrfe. Sehr stark vergrssernde
Oculare sind zu einem Mikroskop hufig sogar eine ganz werthlose Zugabe.

Man hat auch ~kniefrmige Oculare~, und zwar zur Bequemlichkeit fr den
Zeichner, welcher durch ein solches Ocular horizontal in das Mikroskop
sehen kann.

Die Linsensysteme oder Objective sind, wie bemerkt ist, mit arabischen
Ziffern, die Oculare mit Buchstaben oder rmischen Zahlen bezeichnet
und unterschieden. Die verschiedenen Vergrsserungen entstehen nun
durch Combination der Oculare und Objective. Ocular II. giebt z.B.
mit Linsensystem 4 eine 350fache Vergrsserung, dagegen Ocular I. mit
dem stark vergrssernden System 4 eine nur 280fache Vergrsserung. Ein
bersichtliches Schema der Combination nebst den damit erreichbaren
Vergrsserungen findet man den Mikroskopen beigelegt. Z.B.

    ++=========++======================++
    ||         ||      Oculare         ||
    || Systeme ++----------+-----------++
    ||         ||    I.    |    II.    ||
    ++---------++----------+-----------++
    ||   1     ||    20    |     25    ||
    ++---------++----------+-----------++
    || 4 u. 2  ||    40    |     50    ||
    ++---------++----------+-----------++
    ||   4     ||   180    |    225    ||
    ||         ||   280    |    350    ||
    ++=========++==========+===========++

Man unterscheidet eine ~Linear-~ und eine ~Flchenvergrsserung~.
Die lineare Vergrsserung bezieht sich auf das Maass der Lnge
oder der Breite des Objects. Eine 10fache Linearvergrsserung
eines Krpers, dessen natrliche Lnge = 1 Millimeter ist, wird
denselben 1 Centimeter (0,001  10 = 0,010) lang erscheinen lassen,
seine Flchenvergrsserung ist in diesem Falle eine 100fache
(10  10 = 100). Die Flchenvergrsserung ergiebt sich durch
Multiplikation der Zahl der linearen Vergrsserung mit sich selbst.
Eine 30fache Linearvergrsserung z.B. ist gleich einer 900fachen
Flchenvergrsserung.

Einige Optiker pflegen nur die Flchenvergrsserung anzugeben, weil
dieselbe in grsseren Zahlen lautet und grosse Zahlen imponiren. Unter
~Vergrsserung~, ohne nhere Bezeichnung ihrer Art, versteht man
immer nur eine Flchenvergrsserung.

Will man mit dem Mikroskope, zu welchem obiges Schema gehrt, eine
350fache Linearvergrsserung bewirken, so wrde man das Objectiv oder
System 4 mit dem Ocular II. verbinden mssen.

Hier auf diesem Schema finden sich ausnahmsweise ber den grsseren
Zahlen des Vergrsserungsmaasses auch kleine Zahlen verzeichnet. Die
grossen Zahlen beziehen sich auf den vllig ausgezogenen Tubus, die
kleineren Zahlen dagegen geben das Vergrsserungsmaass des vllig
zusammengeschobenen Tubus an, wenn nmlich der Tubus des Instruments
eine solche Einrichtung hat.

Die Lnge des Tubus, des Rohres (_r_, Fig.8), welches das Objectiv mit
dem Ocular verbindet, ist von Einfluss auf das Vergrsserungsmaass.
Deshalb construiren einige Optiker die Rhren der besseren Mikroskope
aus zwei Theilen, die wie beim Fernrohr in einander geschoben werden,
so dass sich der Tubus beliebig verlngern und verkrzen lsst. Wenn
man das Ocular vom Objective entfernt, man also den Tubus verlngert,
so wchst die vergrssernde Kraft im gleichen Verhltnisse. Die
Einrichtung gewhrt viele Vortheile. Da zu einem Mikroskope mehrere
Oculare und Objective gehren, und fr alle Combinationen derselben die
Tubuslnge in wenigen Fllen die vllig optisch richtige sein wird, so
ist in der beliebigen und dem Auge zupassenden Tubusverlngerung ein
Mittel gegeben, die vergrssernde Kraft des Instrumentes zu vermehren,
jedoch aber nicht die Schrfe des Bildes. Im anderen Falle wird durch
Verkrzung des Tubus die Vergrsserung gemindert und die Schrfe
des Bildes vermehrt. Ferner lsst sich durch eine entsprechende
Verlngerung des Tubus die Vergrsserung selbst auf eine bestimmte
Zahl bringen. Es ist also in mancher Beziehung ein Vorzug, wenn an dem
Mikroskop eine solche Einrichtung vorhanden ist. Im Uebrigen bersehe
man nicht, dass das Vergrsserungsmaass eines Mikroskops nie an eine
bestimmte Zahl gebunden sein kann, weil diese erstens von der Sehweite
des betrachtenden Auges und zweitens von dem Accommodationsvermgen
desselben gewissermaassen abhngig ist. Dem kurzsichtigen Auge wird
z.B. das Objectivbild stets kleiner erscheinen als dem weitsichtigen.

Die $Beleuchtung$ der Untersuchungsobjecte ist ein sehr wesentlicher
Theil der mikroskopischen Technik.

[Illustration: Fig. 15.

$Beleuchtungslinse.$]

An den grsseren Mikroskopen findet man eine Beleuchtungslinse
oder eine Vorrichtung, mit welcher man das Object, wenn es nicht
durchsichtig ist, auch von oben beleuchten kann. Fehlt die
Beleuchtungslinse an dem Mikroskope, so kann man sie durch ein
gewhnliches sogenanntes Brennglas, _a_ Fig.15, (eine schwach
biconvexe Linse) ersetzen, welche man an irgend einem Stativ (_c_)
befestigt zwischen Mikroskop und das Licht setzt. Gewhnlich geschieht
die Beleuchtung des mehr oder weniger durchsichtigen Objectes
mittelst durchfallenden Lichtes, welches von dem concav geschliffenen
Spiegel _s_ Fig.8 durch das Loch des Objecttisches geworfen wird.
Bei grsseren Mikroskopen ist der Spiegel auf der einen Seite concav,
auf der anderen eben. Die schwchere Beleuchtung mittelst des ebenen
Spiegels wendet man entweder nur bei den geringen Vergrsserungen oder
bei sehr grellem Lichte an.

[Illustration: Fig. 16.]

Der concave Spiegel oder Hohlspiegel kommt bei den strkeren
Vergrsserungen in Anwendung. Er bewirkt eine strkere Beleuchtung,
indem er die auf seine concave Flche fallenden Lichtstrahlen in
einem Punkte (seinem Brennpunkte) vereinigt. Die Lichtstrahlen
_abcdefghi_, welche ihn senkrecht treffen, muss er nothwendig
in der Richtung zurckwerfen, dass sie sich in _K_ durchschneiden.
In _K_ erlangt das Licht die Intensitt, welche gleich der Summe der
Lichtstrahlen _a_ bis _i_ ist.

Eine verschiedene und zugleich sorgsame Beleuchtung des Objectes
ist ein wichtiger Sttzpunkt der Beobachtung. Sehr zarte Objecte
erfordern, um ihre Umrisse klar und scharf im Bilde zu erlangen, eine
geschwchte Beleuchtung, andere Objecte eine strkere. Um nun einen
Theil der Lichtstrahlen beliebig abschneiden zu knnen, finden sich an
guten Mikroskopen ~Blendungen~ oder ~Diaphragmen~. An den kleineren
Mikroskopen findet man die ~Drehscheibe~ oder ~Blendscheibe~, an
grsseren die ~Cylinderblende~ als Blendvorrichtung.

Die $Drehscheibe$ (Fig.17) ist mittelst eines Knopfes (_k_) dicht
unterhalb des Objecttisches befestigt und hat mehrere Oeffnungen, von
denen die grsste der Weite des Loches im Objecttische entspricht, die
anderen aber das Licht mehr oder weniger abschneiden, je nachdem man
die Scheibe dreht und die eine oder die andere kleinere Oeffnung unter
das Loch des Tisches schiebt.

[Illustration: Fig. 17.

$Drehscheibe.$]

Die $Cylinderblenden$ sind kurze offene Rhren, auf deren oberes
Ende man eine runde Scheibe mit einem Loche von verschiedener Weite
aufsetzt. Eine solche Rhre (Fig.18) mit aufgesetzter Blendscheibe
wird in das Loch des Objecttisches entweder unmittelbar eingesetzt
oder durch eine geeignete Leistenfugung (Schlitten Fig.19) unterhalb
des Objecttisches unter das Loch geschoben und dann durch einfaches
Verschieben darin hoch oder niedrig gestellt, je nachdem man bei
mssigem oder starkem Lichte arbeitet.

[Illustration: Fig. 18.

$Cylinderblende.$]

Die kleinen Oeffnungen der Blendungen kommen nur bei starker
Vergrsserung und sehr zarten Objecten in Gebrauch.

[Illustration: Fig. 19.

$A. Objecttisch$

mit eingesetzter Cylinderblendung von unten gesehen.]

[Illustration: Fig. 20.

$B. Objecttisch$

mit eingesetzter Cylinderblendung im Hhendurchschnitt.

_aa_ Falze fr den Schlitten, _b_ Schlitten, _c_ Hlse am Schlitten,
_d_ Cylinder, _e_ Blende.]

Fr sehr starke Vergrsserungen benutzt man den $Condensor$ als
Lichtverstrkungsapparat. Derselbe ist eine Blendvorrichtung,
construirt aus einer oder mehreren achromatischen Linsen. Der Condensor
wird in das Loch des Objecttisches gesetzt und das Abschneiden der
Lichtstrahlen am Rande oder im Centrum durch eine Drehscheibe bewirkt.
Ein einfacher Condensor (Fig.21) besteht aus einer planconvexen
Linse, in das Rohr einer gewhnlichen Cylinderblendung eingesetzt. Das
Abschneiden der Rand- oder auch der Axenstrahlen geschieht gewhnlich
in der Weise, dass man die Linse mit einem schwarzen Ringe (Fig.21)
bedeckt, damit nur das Centrum derselben den Durchgang des Lichtes
gestatte, oder dass man zur Erlangung einer schiefen Beleuchtung das
Centrum der Linse mit einer schwarzen Scheibe bedeckt, um den Rand der
Linse fr den Lichtdurchgang frei zu lassen.

[Illustration: Fig. 21.

$Einfacher Condensor.$]

Die Beleuchtung des Untersuchungsobjectes ist entweder eine
~centrische~ oder eine ~schiefe~. Erstere ist die gewhnliche an den
kleineren Mikroskopen, wo der Spiegel nur um seinen Durchmesser drehbar
ist. Die schiefe Beleuchtung bietet viele Vortheile und lsst an den
Objecten oft Details erkennen, welche bei centrischer Beleuchtung
nicht oder kaum zur Entwickelung gelangen. Es wird aber dadurch nur
ein Theil des Objectes erhellt, whrend der andere Theil von einem
Halbdunkel umhllt bleibt. Dadurch treten eben die Details hervor,
welche bei centrischer Beleuchtung nicht oder nur zum Theil sichtbar
werden. Zur Erzeugung der schiefen Beleuchtung ist der Spiegel in der
Art angebracht, dass seine Stellung nach verschiedenen Richtungen hin
mglich wird. Ausser dieser Bewegbarkeit des Spiegels haben viele der
besseren Mikroskope eine Einrichtung, durch welche der Objecttisch um
seine Axe drehbar ist, damit die auf das Object fallenden schiefen
Strahlen des Spiegels das Object in jeder beliebigen Stellung treffen
knnen. Beim Gebrauch der schiefen Beleuchtung beseitigt man stets die
Blendvorrichtungen.

[Illustration: Fig. 22.

$Ocularmikrometer.$]

Endlich hat man $Mikrometer$, um die Grsse der Untersuchungsobjecte
zu messen. Die gebruchlichsten sind die ~Glasmikrometer~, Planglser,
auf welchen sich mittelst des Diamantes die Maasstheilungen ausgefhrt
befinden. Das Millimeter oder die Linie (der kleinste Theil eines
Zolles) ist darauf in 10, 100, 1000 und mehr Theile getheilt.
Uebersichtlicher ist die Theilung, in welcher man durch vorspringende
Striche eine Markirung findet (Fig.22). Bei anderen Glasmikrometern
durchkreuzen sich die Theilstriche rechtwinkelig, so dass sie Quadrate
bilden. Diese Mikrometer knnen zum Messen, aber auch zur Zhlung der
Objecte, welche ein bestimmter Raum Sehfeldes fasst, gebraucht werden.
Wie schwierig genaue Mikrometer dieser Art herzustellen sind, kann man
aus der Kleinheit der Maasstheilungen entnehmen. Es giebt daher billige
und theure Mikrometer. Die Ocularmikrometer sind weit billiger als die
Objectglasmikrometer.

Um grosse Zahlen der Mikrometermessungen zu vermeiden, hat man nach
_Harting's_ Vorschlage eine mikroskopische Einheit angenommen und
als solche 0,001 d.i. 1/1000 Millimeter gesetzt, welche Einheit mit
~Mikromillimeter~ oder Millimillimeter (_mmm_ oder ) auch _Mikron_
oder _Mikrum_ (im Plural _Mikra_) bezeichnet wird. Beim Ankauf eines
Glasmikrometers hat man sich immer nach der Einheit der Theilung zu
erkundigen, denn _Harting's_ Vorschlag hat nicht allgemeinen Anklang
gefunden.

1 Millimeter (_mm_) oder 1000 Mikromillimeter oder Mikra (1000 _mmm_
oder 1000 ) sind gleich 0,4433 Linien Pariser Maasses.

Fr den gewhnlichen Gebrauch hat man ein Mikrometer in Vertretung
eines einfachen Objectglases, ~Objectglasmikrometer~, auf dessen
Maasstheilung man das zu messende Object legt, um beides zugleich
durch das Mikroskop zu betrachten. Die Objecte drfen dann
wenigstens nicht kleiner sein, als die kleinste Maasstheilung der
Mikrometerscala. Die Theilstriche darauf mssen auch in sehr geringen
mikroskopischen Entfernungen von einander liegen. Es ist besonders
bei den strkeren Vergrsserungen sehr schwierig, das Object mit den
etwas tiefer liegenden Strichen zugleich zu sehen, auch sind diese
Objectglasmikrometer sehr der Abnutzung ausgesetzt.

Dergleichen Mngel treffen beim ~Ocularmikrometer~ nicht zu, daher
dieses den Vorzug erhalten hat. Es liegt auf der Blendung im Ocular,
zwischen Ocularlinse und Collectiv. Da es daselbst nur mit der
geringen Vergrsserung der Ocularlinse gesehen wird, so knnen seine
Theilstriche weiter von einander liegen und die Maasstheilungen selbst
bis zu 1/5000 Millimeter gebracht werden. Das Ocularmikrometer hat, wie
leicht einzusehen ist, eine relative Geltung, je nach der Strke des
in Anwendung gebrachten Objectivs und der Tubuslnge, durch welche die
Grsse des Bildes bestimmt wird. Es muss daher die Maassbestimmung der
Theilung fr jedes Linsensystem voraus erforscht werden und zwar durch
Vergleichung mit einem Objectglasmikrometer oder mit einem Object von
gekannter Grsse. Gewissenhafte Optiker geben dem Ocularmikrometer eine
Tabelle bei, welche das Maass desselben, je nach seiner Verwendung mit
diesem oder jenem Ocular angiebt. Will man etwa seinem Mikroskope ein
Ocularmikrometer beilegen, so muss dem Optikus das Ocular eingehndigt
werden, damit er den Umfang des Ocularmikrometerglases der Weite des
Ocularrohres anpassen kann.

Die sehr theuren ~Objecttisch-Schraubenmikrometer~ und
~Ocular-Schraubenmikrometer~ finden sich nur an den grssten und
theuersten Mikroskopen.

[Illustration: Fig. 23.

$Objectglas.$]

$Objectglser$ oder ~Objecttrger~ sind lnglich viereckige, circa 2
Centim. breite, 6 Centim. lange, ebene Tafeln von farblosem Glase,
welche bei Anwendungen von Cylinderblendungen circa 1 Millimeter
dick sein sollen. Gebraucht man viele derselben, so kann man sie sich
selbst aus dnnem Spiegelglase oder farblosem Fensterglase schneiden.
Auf das Objectglas wird das Untersuchungsobject gelegt und so auf den
Objecttisch geschoben, dass letzteres sich mit dem Objectiv und dem
Loche im Objecttische in derselben Richtung befindet. Wenig zweckmssig
sind Objectglser mit einer concaven Vertiefung.

[Illustration: Fig. 24.

  $Viereckiges        Rundes
            Deckglas.$
]

$Deckglschen$ oder ~Deckplttchen~ nennt man die dnnen Glastafeln
in quadratischer, rechteckiger und Scheiben-Form, welche man auf das
Object legt. Dies ist besonders nthig, wenn das Object in Wasser,
einer sauren oder alkalischen Flssigkeit etc. liegt. Die Deckglschen
sind ein Schutz des Objectivs gegen Dmpfe, welche die Flssigkeit
ausdunstet, oder gegen ein Benetzen mit der Flssigkeit, welches
beim Einstellen des Objects nur zu leicht geschehen wrde. Dann
platten die Deckglser die Oberflche des Objectes ab und erleichtern
daher die Beobachtung, besonders bei sehr starken Vergrsserungen,
wo die Theile der Oberflche des Objectes mglichst in einer Ebene
liegen mssen. Endlich verhindert das Deckglschen die Verdunstung
der Flssigkeit, worin das Object liegt. Bei den schwcheren und
mittleren Vergrsserungen gengt als Deckglas ein dnnes farbloses
Fenster- oder Spiegelglas (sogenanntes Belgisches Glas), auch selbst
ein dnnes Objectglas, fr die strkeren Vergrsserungen ist jedoch
ein sehr dnnes (0,2 bis 0,15 Millimeter dickes) Glas nothwendig.
Diese dnnen Deckglser kauft man von den Optikern (1 Dutzend zu 0,5
Mark). Die dafr frher gebruchlichen Glimmerblttchen werden selten
noch gebraucht. Da das Deckglas nicht ohne Einfluss auf die Schrfe
des Bildes ist, so findet man bei den grsseren Mikroskopen fr
jedes Linsensystem ein besonderes nach der Dicke bestimmtes Deckglas
ausgewhlt. Im Allgemeinen ist fr die strkste Vergrsserung auch das
dnnste unter den Deckglsern auszuwhlen, denn in diesem Falle muss
das Objectiv dem Object usserst nahe gerckt sein, und ein dickes
Deckglas wrde dies verhindern.

Bei den strksten Vergrsserungen, bei welchen auch keine corrodirenden
Stoffe mit dem Objecte in Berhrung gebracht werden, bedient man sich
hufig, das Bild deutlicher zu machen, des $Immersionsverfahrens$,
indem man das Deckglschen mit Object mit einigen Tropfen destillirten
Wassers oder einer vorrthigen Mischung aus gleichen Theilen
Glycerin und Wasser bergiesst und das Mikroskop einstellt, so
dass das Objectiv mit dem Deckglase durch eine Flssigkeitsschicht
verbunden ist. Dadurch wird die vielfache Brechung der Lichtstrahlen
zwischen Object und Objectiv auf das geringste Maass zurckgefhrt.
Ohne jene Flssigkeitsschicht werden die Lichtstrahlen zuerst von
der Flssigkeit, welche das Object bedeckt, dann wieder von dem
Deckglase und endlich von der Luftschicht ber dem Deckglase, also
mehrmals, und wegen Verschiedenheit der Medien auch verschieden
gebrochen. Die Objective, welche die Beschaffenheit haben, dass man
sie unbeschadet ihrer Fassung in die wsserige Flssigkeit eintauchen
kann, nennt man ~Immersionslinsen~ oder ~Stipplinsen~. Bei theuren
Mikroskopen hat das Objectiv mit Immersionslinse gleichzeitig
eine ~Correctionseinrichtung~, so dass man die Linsen, woraus es
zusammengesetzt ist, etwas von einander entfernen oder gegen einander
nhern kann, um sie ohne und mit Immersion zu benutzen.

In manchen Fllen muss das Deckglas mehr oder weniger stark auf das
Object gedrckt werden, um die Oberflche desselben zu ebenen oder
das Object selbst zu einer dnnen Schicht auseinander zu drcken
und in dieser gedrckten Lage unter dem Objective zu beobachten. Zu
diesem Zwecke hat man $Compressorien$ oder ~Quetscher~, mit welchen
man vermge einer geringen Hebelkraft Deckglas und Objectivglas gegen
einander drckt, oder welche aus zwei Ringen bestehen, deren jeder
ein Planglas fasst, von welchem das untere als Objecttrger, das
obere als Deckglas in Anwendung kommt. Fig.25 ist eine Zeichnung
des _Schiek_'schen Compressorium. Es ist aus Metall gearbeitet. Eine
Platte hat in ihrer Mitte ein Loch, in welches ein Ring mit einem
flachen Glase eingesetzt ist. Dieses Planglas vertritt die Stelle eines
Objecttrgers. Ueber der Platte ist ein um einen Stift beweglicher
Arm mit einer in seiner Mitte befindlichen ringfrmigen Erweiterung,
in welcher das in einem beweglichen Ring gefasste Deckglas liegt.
Vermittelst des rechts in der Abbildung befindlichen Schraubengetriebes
wird der Arm gegen die Platte oder vielmehr das Deckglas gegen den
Objecttrger gedrckt.

[Illustration: Fig. 25.

$Schiek'sches Compressorium.$]

Ein billiges Compressorium ist das _Hager_'sche, bestehend aus zwei
metallenen Rahmen mit Schrauben (Fig.26). Diese Vorrichtung erlaubt an
jeder Stelle der beiden sich deckenden Objectglser, zwischen welchen
sich das weiche Object, z.B. Fleischpartikel, befinden, einen Druck
auszuben. Aehnliche Quetschvorrichtungen, welche nur an die Enden der
beiden Objectglser angesetzt werden knnen, sind nicht praktisch, denn
in Folge der Elasticitt des Glases ist die Quetschung der in der Mitte
der beiden Glser liegenden Objecte eine nicht gengende.

[Illustration: Fig. 26.

$Ein Quetschrahmen des Hager'schen Compressorium.$

_ac_ Rahmen, _b_ Quetschbalken mit der Schraube _d_.]

[Illustration: Fig. 27.

$Das Hager'sche Compressorium in seiner Anwendung.$

_o_ Object.]

Fr die Untersuchung des Schweinefleisches empfiehlt sich das
_Hager_'sche Compressor-Mikroskop, welches weiter unten durch Abbildung
vergegenwrtigt ist.

Bei vielen mikroskopischen Untersuchungen kann man auch wohl ohne
diese Quetschvorrichtungen zum Ziele gelangen. Dadurch, dass man das
Deckglas mittelst der Finger gegen Object und Objecttrger drckt,
kann man sich allerdings helfen, doch nach dem Aufhren des Druckes
lst sich das Deckglas oft wieder ab, und zwischen dieses und Object
tritt eine Luftschicht, die sehr strend fr die Beobachtung ist. Ein
bequemes Hilfsmittel, den Druck permanent zu machen, erhlt man in
einem solchen Falle, wenn man auf beiden Seiten des Objectes (natrlich
in einiger Entfernung von diesem) etwas weichgeknetetes Harzpflaster
(_Ceratum Resinae Pini Burgundicae_[1]) oder eine Mischung aus Wachs
und Terpentin, die klebend wirkt, anbringt.

[Illustration: Fig. 28.

$Klemmfeder auf dem Objecttisch.$]

Um das Object unter dem Objective unverrckt zu erhalten, findet man
hufig auf dem Objecttische zwei einfache messingene $Klemmfedern$
oder ~Federklammern~ (_k_) befestigt, welche auf das Objectglas (_o_)
gehoben dieses gegen den Objecttisch (_t_) drcken. Diese Federklammern
drfen natrlich da nicht fehlen, wo das Mikroskop zum Ueberlegen
eingerichtet ist, um sitzend in dasselbe zu sehen. Im Uebrigen haben
sie hufig eine solche Einfgung und Lnge, dass man sie auch an Stelle
des Compressoriums benutzt.

Ein fr manche Mikroskopiker, die nicht Zeichner sind, wichtiger
Nebenapparat eines Mikroskops ist ein $Zeichnenprisma$, eine
Vorrichtung, um das mikroskopische Bild auf einem Blatte Papier neben
dem Mikroskope zu entwerfen, und dort seine Umrisse mit der Spitze
eines Bleies zu umziehen. Die gebruchlichsten Vorrichtungen sind
die Zeichnenprismen von _Nachet_, von _Nobert_, von _Oberhuser_.
Zur Erklrung der Zeichnenvorrichtungen diene Folgendes: Stnde die
Glasplatte _~gl~_ in einem Winkel von 45 zur Axe des Auges, so wrden
die Strahlen des Objectes _o_, welche mit der Glasplatte gleichfalls
einen Winkel von 45 bilden, in der Richtung nach dem Auge reflectirt
werden und dieses wrde das Bild des Objectes also in einer Richtung
sehen, welche mit der Richtung des Objectes einen rechten Winkel
bildet. Ist _m_ (Fig.29) das Mikroskoprohr und _~pp~_ ein Blatt
Papier, so wird das Auge, weil die Durchsichtigkeit der Glasplatte
_~gl~_ es gestattet, das Bild in _o'_ auf dem Papier wahrnehmen. Man
sagt in diesem Falle, das Bild wird ~projicirt~. Bringt man aber in
derselben Hhe der Glasplatte _~gl~_ ein Glasprisma _P_ an (Fig.30),
und _o_ sei das Object unter dem Objective des senkrecht stehenden
Mikroskops, _~gl~_ die in einem Winkel von 45 zur Axe des Auges
gestellte Glasplatte ber dem Ocular, so sieht man das Bild in _o'_ auf
_~pp~_ projicirt, indem Object und das projicirte Bild in demselben
Gesichtsfelde wahrgenommen werden. Hierauf beruhen die erwhnten
Zeichnenprismen, von welchen das in nachstehender Fig.31 abgebildete
_Nachet_'sche das gebruchlichste ist. An dieser Vorrichtung ist an
Stelle der Glastafel _~gl~_ (Fig.30) ein Prisma gelegt, und das
andere Prisma ist um seine Axe beweglich, um die reflectirende Flche
desselben unter verschiedene Winkel zu stellen. Der Gebrauch der
Vorrichtung ergiebt sich von selbst, sobald man sie mittelst des Ringes
auf das Ocular aufgesetzt hat.

[Illustration: Fig. 29.]

[Illustration: Fig. 30.]

[Illustration: Fig. 31.

$Nachet's Zeichnenprisma.$]

Wer einige Uebung nicht scheut und es gelernt hat, mit dem einen Auge
in das Mikroskop zu sehen und das andere dabei geffnet zu halten, kann
sich eine Camera lucida dadurch ersetzen, wenn er mit dem linken Auge
in das Mikroskop und zugleich mit dem rechten Auge auf ein neben dem
Mikroskop liegendes Stck schwach gelblichen, grnlichen oder schwach
beschatteten weissen Papiers blickt. Er findet dann nach einigen
Augenblicken das Gesichtsfeld und Papier auf einander projicirt,
und kann die Umrisse des Bildes auf dem Papiere mit Blei umziehen.
Natrlich ist hier eine ftere Uebung die beste Lehrmeisterin.

[Illustration: Fig. 32.

$Kleines zusammengesetztes Mikroskop$ (1/3 Grsse).

_o_ Ocular, _r_ Tubus, _ob_ Objectiv, _t_ Objecttisch, _b_
Blendscheibe, _s_ Spiegel, _f_ Fuss, _m_ Mikrometerschraube.]

Nachdem die Theile, aus welchem ein Mikroskop construirt wird,
besprochen und nach ihren Zwecken erklrt sind, mgen hier die
Abbildungen zweier Mikroskope (Fig. 32 und 33) aus der Werkstatt
der Optiker _Franz Schmidt_ und _Haensch_ in Berlin, einen Platz
finden. Das Modell des Mikroskops Fig.32 entspricht dem kleinen
_Schiek_'schen. Es hat einen schweren Metallfuss, das Uebrige daran ist
aus Messing sauber gearbeitet, die Linsen sind achromatisch, die Bilder
scharf, das Lichtfeld hell, berhaupt sind die optischen Verhltnisse
daran usserst correct. Die grobe Einstellung wird durch Auf- und
Abwrtsschieben des Rohres oder Tubus in der Hlse, die feinere durch
die unten links befindliche Mikrometerschraube, welche den Objecttisch
in eine schiefe Ebene legt, bewerkstelligt. Als Blendvorrichtung
befindet sich eine Drehscheibe unter dem Objecttische. Es kommen jetzt
Mikroskope hnlicher Form und Construction aus verschiedenen optischen
Werksttten zu Preisen von 30-50 Mark in den Handel. Gewhren sie
Vergrsserungen bis zum 350fachen, so reichen sie auch fr den Gebrauch
der Handelschemiker, Apotheker, Lehrer vllig aus.

Ein nicht unwesentlicher Uebelstand ist, wie auch weiter unten noch
erwhnt wird, dass man die Mikroskope stehend mit gekrmmtem Nacken
gebrauchen muss. Durch einen hohen Stuhl, auf dem der Beobachter sitzt,
und durch einen niederen Standpunkt, welchen man dem Mikroskope giebt,
kann die Arbeit allerdings viel erleichtert werden, jedoch ist wohl
einzusehen, dass ein Mikroskop noch weit bequemer zu handhaben ist,
wenn man in gewohnter sitzender Stellung damit arbeiten kann. Ein
Instrument zum Ueberlegen, um damit in gewhnlicher sitzender Stellung
zu arbeiten, ist das Mikroskop No. 4 der erwhnten Firma (siehe die
Fig.33 auf Seite 38). Dieses gehrt nun schon zu den vollstndigeren
Mikroskopen (Preis 195 Rmk.) und hat eine solche Einrichtung, dass es
mit den meisten etwa nthig werdenden Hilfsapparaten, wie Polarisation,
Zeichnenprisma etc. ohne Weiteres nachtrglich versehen werden kann.
Der Objecttisch ist um seine Axe drehbar, eine ganz vorzgliche
Vorrichtung fr schiefe Beleuchtung. Die grobe Einstellung geschieht
durch Verschieben des Tubus in der Hlse, die feinere mittelst
Cylinders und Mikrometerschraube am Tubus. Als Blendvorrichtung ist
eine Cylinderblende vorhanden, die durch den unter dem Objecttisch
befindlichen Schlitten seitlich entfernt wird, wenn eine schiefe
Beleuchtung in Anwendung kommt. 3 Oculare und 4 Linsensysteme gewhren
in ihrer Combination 20- bis 750malige Vergrsserungen.

[Illustration: Fig. 33.

$Zusammengesetztes Mikroskop zum Ueberlegen.$

_o_ Ocular, _r_ Tubus, _ob_ Objectiv, _t_ Objecttisch, _b_
Blendcylinder, _s_ Spiegel, _f_ Fuss, _m_ Mikrometerschraube.]

Viele der aus Frankreich zu uns kommenden Mikroskope haben noch einen
Trommelfuss, d.h. das selbstndige Stativ, welches bei den deutschen
Mikroskopen Fuss, Tisch und Tubus verbindet, ist bei den franzsischen
durch eine cylindrische Trommel aus Blech ersetzt, welche fr den
Zutritt des Lichtes zum Spiegel einen freien Ausschnitt hat. Die obere
Flche der Trommel bildet den Tisch und ist durch einen schmalen
Blechfortsatz fest mit dem Tubus verbunden. Diese Art nennt man
gewhnlich ~Trommelmikroskope~.

[Illustration: Fig. 34.

$Taschenmikroskop im Etui.$]

~Taschenmikroskope~ (franzsischen Fabrikats) sind seit circa 10 Jahren
gleichfalls in den Handel gekommen, zu Preisen von 12-27 Rmk., ohne
dass jedoch bei diesem verschiedenen Preise in dem optischen Werthe
eine bemerkenswerthe Verschiedenheit zu erkennen wre. Das sauber
gearbeitete Etui (_~de~_, Fig.34) ist 12 Ctm. lang, 3,5 Ctm. hoch.
Darin liegt fest das kleine Mikroskop, an welchem nichts weiter fehlt,
als die feinere Einstellungsvorrichtung. Die Einstellung geschieht
durch Verschiebung des Tubus, sie ist brigens leicht und bietet keine
Schwierigkeit. Durch ein am unteren Ende des Stativs (_g_) befindliches
Gelenk lsst sich das Mikroskop niederlegen und der Fuss (_f_) dem
Stative parallel stellen. Der in einer Gabel hngende Spiegel (_s_) ist
concav und um seine Axe drehbar. Der Tisch (_t_), welcher etwas sehr
klein ist, hat zwei festsitzende Federklammern.

[Illustration: Fig. 35.

$Aufgestelltes Taschenmikroskop.$]

Die Vergrsserungen reichen bis zum 50- bis 60fachen. Die Bilder sind
klar und befriedigend scharf. Da diese Taschenmikroskope fabrikmssig
dargestellt werden, so kommen darunter natrlich auch einige wenig
brauchbare Exemplare vor. Diese muss man selbstverstndlich nicht
kaufen.

Ein Fehler an diesen Taschenmikroskopen, welche fr wandernde Botaniker
und Naturforscher, sowie fr den Hausgebrauch ganz zweckmssig sind,
ist der zu kleine Objecttisch.

[Illustration: Fig. 36.

$Hager's patentirtes Compressor-Mikroskop.$

_c_ Quetschring, _f_ Druckfeder, _d_ Druckhebel.]

$Compressor-Mikroskop.$ Dieses ist hauptschlich fr den Fleischbeschau
construirt, es eignet sich aber auch sehr gut fr die mikroskopische
Untersuchung der vegetabilischen Gewebe. Es ist ein Mikroskop in
Verbindung mit einem Compressorium. Letzteres besteht in einem
Metallringe (_c_ Fig.36), welcher durch eine Metallfeder (_f_) auf
den Objecttisch aufgedrckt wird. Durch einen Druckhebel (_d_) kann
der Metallring beliebig gehoben werden. Das weiche Object (eins
oder mehrere) wird zwischen 2 Objectglser gegeben und zwischen den
gehobenen Ring und den Objecttisch geschoben, der Ring dann sanft auf
die Glser niedergelassen. Um die Objectglser zu schieben, wird der
Ring entsprechend gehoben[2].




Polarisationsmikroskop.


[Illustration: Fig. 37.

$Nicol'sches Prisma.$]

Das mikroskopische Bild im polarisirten Lichte zu betrachten bietet
manche Vortheile fr den Naturforscher, dem Dilettanten eine angenehme
Unterhaltung. Im polarisirten Lichte entwickeln sich in dem Bilde
Zeichnungen, welche beim gewhnlichen Lichte nicht zum Vorschein
kommen. Jedes Mikroskop lsst sich in ein polarisirendes umwandeln. Das
beste und vollkommenste Mittel hierzu sind zwei _Nicol_'sche Prismen
(aus dem doppelt lichtbrechenden islndischen Kalkspath), welche man
in Messingrohre eingeschlossen (Fig.37) mit dem Mikroskop in der Art
verbindet, dass man (nach _Talbot_) das eine Prisma als ~Polarisator~
unter den Objecttisch zwischen Object und Spiegel, das zweite als
~Analysator~ ber das Ocular stellt. Diese Anordnung macht jedoch das
Sehfeld betrchtlich kleiner. Besser ist es (nach _Chevalier_), den
Analysator entweder unmittelbar ber dem Objectiv einzustellen, oder
noch besser (nach _Harting_) an den untersten Rand des Ocularrohres
anzusetzen. In jedem dieser Flle mssen die Axen der Prismen mit
der optischen Axe des Mikroskops in einer Linie liegen. Zum Gebrauch
werden die beiden Nicols so gestellt, dass ihre Polarisationsebenen
mit einander parallel laufen, also das Sehfeld erleuchtet ist. Stehen
die Polarisationsebenen rechtwinkelig auf einander, so ist das Sehfeld
dunkel. Dreht man den Polarisator (oder auch den Analysator) um einen
Winkel von 90, so erfolgt abwechselnd ein helles und dunkles Sehfeld
mit dazwischen liegenden lichttragenden Uebergngen. Je dunkler und je
heller sich das Sehfeld zeigt, um so vollkommener ist die Polarisation.
Ist die gegenseitige Stellung der Nicols gleich 90 oder 270, so
zeigt das Gesichtsfeld das Minimum der Helligkeit, dagegen bei 0
und 180 das Maximum derselben. Zur Beleuchtung whlt man hierbei
gern helles Sonnenlicht oder Lampenlicht. Das Bild des durchsichtigen
Objectes zeigt sich bei diesen Drehungen in allen Farben, aus denen
das weisse Licht zusammengesetzt ist, und in dem Punkte, wo die
Flchen der Prismen unter sich parallel laufen, also das Sehfeld hell
ist, zeigt das Object die complementre Farbe zu jener, die es im
schwarzen Sehfelde zeigt. Sehr dnne und durchsichtige Objecte, denen
das depolarisirende Vermgen abgeht, soll man auf Quarz-, Gyps- oder
Glimmerblttchen legen, welche sich in den verschiedenen lebhaften
Frbungen zeigen und dadurch das Object in einer anderen Farbe sichtbar
machen. Solche polarisirende Platten aus Glimmer, Quarz, Selenit sind,
in Messingring gefasst, dem Polarisationsmikroskope beigegeben, mit der
Einrichtung, sie oben auf den Polarisator aufzuschrauben. Whrend der
Polarisation ist grelles Licht vom Objecttisch fern zu halten. Der
Gebrauch der Vorrichtungen, das eine der Prismen zu drehen, ergiebt
sich von selbst, wenn man sie an dem Mikroskop antrifft. Ist der
Analysator an den unteren Rand des Ocularrohres angesetzt, so dreht
man das Ocular um seine Axe, steht er ber dem Objectiv, so muss man
den Polarisator mit den Fingern drehen, wenn eine fr diesen Zweck
geeignete mechanische Vorrichtung nicht vorhanden ist.

[Illustration: Fig. 38.

$Strkemehlkrnchen im polarisirten Licht.$

Ein dunkles Kreuz durchzieht die Schichten vom Kerne, dem organischen
Centrum, aus.]

Es giebt Substanzen, welche die Polarisationsebene entweder ~nach
rechts~ oder ~nach links~ drehen. Wenn man eine solche Substanz in
ihrer Lsung in einem Polarisations-Apparate bei gelbem Lampenlichte
betrachtet, und man muss den Analysator, um sie zuerst grn, dann blau
und endlich roth gefrbt dem Auge erscheinen zu lassen, von der rechten
zur linken Seite um seine Axe drehen, so nennt man die Substanz
~rechtsdrehend~ oder man sagt, sie ~dreht die Polarisationsebene
nach rechts~, im entgegengesetzten Falle bei Drehung des Analysators
nach links ist die Substanz ~linksdrehend~ oder man sagt, sie ~dreht
die Polarisationsebene nach links~. Im Falle die Substanz die
Polarisationsebene nicht verndert, so heisst sie _optisch inactiv_.

~Rechtsdrehend~ sind z.B. Rohrzucker, Traubenzucker (Glykose),
Harnzucker, Dextrin, Kampfer (in weingeistiger Lsung).

~Linksdrehend~ sind z.B. Levulose, Gummi, Terpentinl, Citronenl,
Kirschlorbeerwasser.

Das Drehungsvermgen ist bei den verschiedenen Substanzen auch
ein verschieden grosses und die Grsse desselben ist fr eine
Substanz meist charakteristisch. Deshalb hat man in neuerer Zeit das
Polarisationsmikroskop zur Bestimmung des Zuckers in seinen Lsungen,
besonders des Harnzuckers im diabetischen Harn benutzt.

Der Optiker ~Wasserlein~ in Berlin liefert zu diesem Zwecke
Instrumente, welche als Mikroskop und als Saccharimeter verwendbar
sind. Ein solches Instrument ist in der Abbildung Fig.39
vergegenwrtigt und wird in folgender Weise gehandhabt. Nachdem die
Cylinderblende aus dem Objecttisch (_t_) herausgenommen und dafr der
Polarisator eingesetzt ist, entfernt man das Mikroskoprohr sammt Ocular
und Objectiv und setzt in den Tubus (_r_) das Saccharimeterrohr (_sr_)
so ein, dass es mit seinem unteren Ende auf dem Polarisator (_p_) dicht
aufsteht. Das Saccharimeterrohr hat an seinem oberen Ende seitlich
eine im rechten Winkel angesetzte feststehende metallene Halbscheibe
(_sk_), auf welcher sich die Skala befindet, die in ihrer Mitte 0 und
sowohl nach rechts und links 30 Grade zhlt. Hierauf setzt man den
Analysator (_~aa~_) auf, sieht in das Instrument hinein und stellt den
Spiegel (_s_) in derselben Weise wie fr mikroskopische Betrachtungen,
setzt dann den am Analysator sitzenden Nonius (_n_) unter Drehung
des Analysators so ein, dass die mittlere Theilung des Nonius genau
mit dem 0 der Skala zusammenfllt, und dreht den Polarisator
nach rechts oder links um seine Axe, bis das Auge den sogenannten
neutralen Punkt erreicht, an welchem beide Hlften des Gesichtsfeldes
gleichmssig intensiv und gleichfarbig (z.B. blau) erscheinen. Ist
das Polarisations-Instrument in dieser Weise eingestellt, nimmt
man den Analysator ab, schiebt in das Saccharimeterrohr den mit
klarer Zuckerlsung oder geklrtem Harne total gefllten (20 Ctm.
langen) Glascylinder (_g_) ein und setzt den Analysator wiederum so
auf, dass der mittelste Theilstrich des Nonius mit dem 0 der Skala
zusammenfllt. Der Analysator wird nun nach rechts oder links um seine
Axe gedreht (bei diabetischem Harne nach rechts) bis das Auge wiederum
den neutralen Punkt, d.h. die vorhin erreichte gleiche Intensitt und
Frbung auf beiden Hlften des Gesichtsfeldes, beobachtet. Der Nonius
wird nun eine andere Stellung zur Skala haben und sein mittelster
Theilstrich zeigt direct den Grad an, dessen Zahl den Procentsatz
Zucker in der angewendeten Lsung angiebt. Die Beobachtung geschieht am
besten bei dem Licht einer Petroleumflamme. Der Glascylinder (_g_) muss
total gefllt sein, so dass nach dem Verschluss mit dem Deckel oder
Kopfe (_k_) sich auch nicht das geringste Luftblschen darin vorfindet.
Zur Verhtung dieser Luftblase macht man den Glascylinder bervoll,
bevor der Deckel aufgeschraubt wird. Damit das Ueberlaufende alsbald
aufgesogen werde, hlt man den Glascylinder mit Fliesspapier umwickelt.
Behufs nthiger Klrung der zuckerhaltigen Flssigkeit versetzt und
schttelt man diese mit frisch geflltem Thonerdehydrat, welches noch
etwas feucht ist, oder etwas Bleiessig und filtrirt alsdann, ein
Erwrmen mglichst vermeidend.

[Illustration: Fig. 39.

$Mikroskop in ein saccharimetrisches Instrument verwandelt.$

(Nach ~Wasserlein~.)]

Die Skala, hier nicht in 360, sondern in 180 Grade getheilt, zeigt den
Glykose- oder Traubenzuckergehalt direct an. Rohrzucker hat ein anderes
Drehungsvermgen. Es verhlt sich dieses zu dem der Glykose wie 75:100.




Ankauf und Prfung eines Mikroskops.


Wer sich ein Mikroskop anschaffen will und davon keine Kenntniss hat,
mge sich einem Kenner oder einem renommirten Mikroskopenverfertiger
anvertrauen und diesen mit den Arbeiten, welche er mit dem Mikroskop
vorzunehmen gedenkt, sowie auch mit dem dafr verwendbaren Geldquantum
bekannt machen. Wer genthigt ist, viel mit dem Mikroskop zu arbeiten,
soll nie das billige Instrument kaufen, denn er zersplittert damit
das Geld, welches er spter dennoch fr ein gutes Mikroskop verwenden
muss[3]. Demjenigen, welcher ein Mikroskop selbst kaufen will und
keine gengende Kenntniss von diesem Instrumente hat, gebe ich den
Rath, sich vorher eine halbe Stunde mit einem guten und theuren
Mikroskop und besonders mit den schwcheren Vergrsserungen desselben
zu beschftigen, um dann sich aus den billigen Mikroskopen das ihm am
besten scheinende herauszusuchen. Optiker, welche selbst Mikroskope
bauen, haben gewisse Nummern fr ihre Instrumente, die sie mglichst
genau arbeiten und ber deren Leistungen sie Rechenschaft geben knnen.

Das gute Instrument soll man nie bei einem unbekannten Optiker, der
keine Mikroskope baut, suchen, berhaupt lege man kein Gewicht auf
marktschreierische Anpreisungen, sie mgen herkommen, von wo sie
wollen, denn die Optiker, welche nur gute Mikroskope aus der Hand
geben, haben sich bis jetzt jeder Marktschreierei sorgsam enthalten.

Fr den gewhnlichen Gebrauch und fr grbere Untersuchungsobjecte, wie
Trichinen, Durchschnitte von Pflanzentheilen etc., mgen die kleinen,
fabrikmssig construirten Mikroskope (sogenannte Dutzendmikroskope)
ausreichen, wenn sie achromatisch sind, niemals aber sind diese
Instrumente zum Studium und zur Prfung feinerer und zarter Objecte,
wie sie in forensischen Fllen vorkommen, verwendbar. Objective fr
mehr als 300malige Vergrsserungen sind hier gemeiniglich nur lockende,
aber vllig werthlose Zugaben. Der Nichtkenner lsst sich nmlich
leicht durch die hohe Zahl der Vergrsserung, welche das Instrument
bieten soll, zum Kauf verleiten, es liegt jedoch nicht der Werth in
dieser Zahl, sondern in der ~Schrfe~ und ~Deutlichkeit~ des Bildes,
welches es hervorbringt. Ein Mikroskop mit einer 200mal vergrssernden
Kraft bietet oft mehr als ein anderes mit 600maliger Vergrsserung. Was
ntzt ein stark vergrssertes Bild, was die feineren Details oder die
wesentlichen Merkmale eines Objects undeutlich entwickelt? Dagegen ist
ein scharfes Bild der kleineren Vergrsserung weit unterrichtender. Fr
Aerzte, Apotheker, Thierrzte, Schullehrer, Botaniker gengen 40- bis
350fache Linearvergrsserungen mit scharfen Bildern in allen ihnen etwa
vorkommenden Fllen. Ist an dem Mikroskop die Vorrichtung zur schiefen
Beleuchtung angebracht, so ist es um so brauchbarer. Der Naturforscher
gebraucht natrlich hufig sehr hohe Vergrsserungen, dazu Mikrometer,
_Nicol_'sche Prismen, Zeichnenprisma und anderes Beiwerk, welches Alles
fr Nichtnaturforscher meist entbehrlich ist.

Ob ein Mikroskop scharfe Bilder liefert, lsst sich am besten durch
Vergleich mit einem guten Mikroskope erkennen. Die auflsende oder
resolvirende (penetrirende) Kraft oder das optische Vermgen[4] eines
Mikroskops wird durch gewisse ~Probeobjecte~ (Testobjecte) geprft.
Seit den letzten 20 Jahren sind die Mikroskope so vervollkommnet
worden, dass die frheren gebruchlichen Probeobjecte jetzt nicht mehr
gelten. Dagegen ist der Satz stehen geblieben:

$Je schwcher$ ~die Vergrsserung eines Probeobjectes zu sein braucht,
um dessen feinere Details erkennen zu lassen, um so~ $besser$ ~ist das
Mikroskop~.

Unkundige pflegen, wenn sie sich nach der Gte eines Mikroskops
erkundigen, nur zu fragen: wie hoch seine vergrssernde Kraft gehe.
Dies ist leicht erklrlich, weil sie glauben, dass man die winzigen
Objecte nur bei sehr starker Vergrsserung erkennen knne, und sie
von der optischen Construction und der Bestimmung eines Mikroskopes
eine unvollkommene oder unrichtige Vorstellung haben. Wrde man ihnen
zwei Mikroskope, ein solches mit geringen Vergrsserungen und sehr
scharfen Bildern und ein solches mit sehr starken Vergrsserungen
zur Disposition stellen, sie wrden sehr bald das letztere bei Seite
werfen. Durch die in neuerer Zeit vorgeschrittenen Verbesserungen der
Aberrationen und die grsseren Oeffnungen der Objective haben unsere
jetzigen Mikroskope die lteren durchweg berflgelt, so dass ltere zu
300 Rmk. den neueren zu 100 bis 120 Rmk. kaum gleich kommen.

Wie man weiss, tragen die Flgel der Schmetterlinge und die Haut
vieler anderer Insekten kleine Schppchen. Auf den Schppchen der
Schmetterlinge sieht man bei einer gewissen Vergrsserung Lngsstreifen
und bei einer gewissen noch strkeren Vergrsserung auch Querstreifen,
welche die Lngsstreifen verbinden, und wenn die Vergrsserung
zu einem hohen Grade gebracht wird, so lsen sich bei einigen
Schmetterlingsschuppen diese Lngs- und Querstreifen in Kgelchen auf,
welche in geordneten Reihen stehen.

[Illustration: Fig. 40.

  _a_ $Schuppe von Hipparchia Janira$, 60mal vergrssert,
  _b_ ein Theil derselben bei 200mal. Vergrss.,
  _c_ die Querstreifung bei 600mal. Vergrsserung.
]

[Illustration: Fig. 41.

  _a_ $Pleurosigma angulatum$,
  _b_ die Felder desselben bei 300facher Vergr.,
  _c_ dieselben bei sehr starker Vergrsserung.
]

Gewhnlich legt der Optikus seinem Mikroskope mittleren Werthes die
Schuppen der _Hipparchia Janira_ als Probeobject bei, und er beweist
die Gte des Mikroskops damit, wenn die Lngsstreifen bei einer 60- bis
80fachen Vergrsserung, bei einer 180- bis 200maligen Vergrsserung
auch die Querstreifen entwickelt werden. Fr die grsseren Mikroskope
whlt man jetzt hufig Diatomeen, unter denen _Pleurosigma angulatum_
und _Navicula Hippocampus angulata_ schwer zu entwickeln sind.
Anfangs erscheint die Schale glatt und ohne Zeichnung, bei starker
Vergrsserung (300- bis 350facher) und schiefer Beleuchtung werden
quer und theils schiefe, sich kreuzende Linien sichtbar, welche
bei der strksten Vergrsserung und schiefer Beleuchtung sich zu
zusammenhngenden 6eckigen Feldern mit heller Umwallung auflsen. Das
schwierigste Probeobject bietet _Surirella Gemma_. Diese Diatomee
bildet eine elliptische Scheibe mit grberen sichtbaren parallelen
Querleisten, welche von einem in der Mitte liegenden Kiele ausgehend
in die Peripherie verlaufen. Zwischen diesen Querleisten, und zwar
diesen parallel, erblickt man bei strkerer Vergrsserung feine Linien.
Vermag das Mikroskop endlich die diese feinen Querlinien wellig
durchschneidenden Lngslinien zu entwickeln, so dass sich gleichsam
ein Korbgeflecht dem Auge darbietet, dann kann man in der That mit
der Leistung des Mikroskops zufrieden sein. Aehnlich steht es mit
einem anderen Probeobject, der _Grammatophora subtilissima_, an deren
Kieselpanzer bei schiefer Beleuchtung sich Querlinien entwickeln lassen.

[Illustration: Fig. 42.

  $Surirella Gemma$,
  circa 400mal vergrssert.
]

[Illustration: Fig. 43.

  $Ein Theil der Surirella Gemma$
  bei 1000-1200facher Vergrsserung.
]




Gebrauch des Mikroskops.


Wer sich in den Besitz eines Mikroskops gesetzt hat, ohne vordem je
damit beschftigt gewesen zu sein, muss sich in das Wesen seines
Instrumentes einstudiren. Die erste Uebung ist, die dem Instrumente
beigegebenen Probeobjecte durch alle Vergrsserungen, bei hellem und
bei schwachem Tageslichte, bei schiefer Beleuchtung, bei Lampenlicht
zu betrachten, um ber den Werth der verschiedenen Lichteinflsse
eine Einsicht zu gewinnen. Dann nehme man Fasern der Baumwolle, der
Wolle, der Seide, der Leinwand, Haare, lege sie auf das Objectglas und
betrachte sie trocken in allen Vergrsserungen und bei centrischer und
schiefer Beleuchtung. Hierauf befeuchte man diese Objecte mit Wasser
und betrachte sie auf's Neue. In gleicher Weise versuche man sich
an Strkemehlkrnern der verschiedensten Art. Nach solchen Uebungen
gewinnt man sehr bald eine gewisse Gewandtheit mit dem Instrument
umzugehen, und man lernt es in seinen Leistungen kennen.

Vor Allem ist es wichtig, den richtigen Grad der Beleuchtung zu finden.
Anfnger haben grosse Neigung, das grellste Licht aufzusuchen, und
ahnen nicht, wie sehr sie das Auge dadurch belstigen und ermden.
Im Allgemeinen stellt man das (gute) Mikroskop 2 bis 3 Schritt vom
Fenster auf, selbst wenn auch der Himmel mit Wolken bedeckt ist. Liegt
die Sonne auf dem Fenster, so stellt man das Mikroskop noch einige
Schritte weiter zurck, doch immer so, dass das grelle Sonnenlicht
nicht darauf fllt. Die Objecttischseite oder die vordere Seite des
Mikroskops wird dem Fenster zugekehrt. Bei Benutzung des Lampenlichtes
stellt man die Flamme ungefhr 1 Meter entfernt von dem Mikroskope
auf. Man schraubt nun eines der Objective mit geringerer Vergrsserung
an den Tubus, setzt das entsprechende Ocular auf und stellt den Tubus
so hoch ber den Objecttisch, dass zwischen Objectiv und Objecttisch
circa ein freier Raum von 2 Fingerbreiten oder 3,5 Centim. bleibt. Nun
sucht man das Licht. Man dreht und stellt, whrend man in das Ocular
hineinsieht, den Spiegel so lange gegen das Tageslicht, bis sich dem
Auge ein helles Sehfeld darbietet. Hierauf legt man das Objectglas
mit dem in der Mitte liegenden Object trocken und frei oder mit einem
Tropfen Wasser gemischt und mit einem Deckglase bedeckt ber das Loch
des Objecttisches, so dass sich das Object perpendiculr unter dem
Objectiv befindet. Dann schiebt man, unter Hineinblicken in das Ocular,
den Tubus gegen das Object sanft abwrts, bis sich von diesem ein
undeutliches Bild erkennen lsst. Nach dieser groben Einstellung geht
man zur feineren ber und hebt oder senkt, an der Mikrometerschraube
drehend, den Objecttisch, bis man ein klares und scharfes Bild des
Objectes erblickt. Nach der Beschauung dieses kleineren Bildes
schreitet man zu einer strkeren Vergrsserung, welcher man auch noch
eine schiefe Beleuchtung zugiebt. Bei den strksten Vergrsserungen
benutzt man Drehscheibe oder Blendcylinder. Bei Anwendung der schiefen
Beleuchtung wird die Blendvorrichtung bei Seite gestellt. Bei der
Einstellung des Objectes ist zu bemerken, dass die schwachen Objective
weiter entfernt von dem Objecte stehen mssen als stark vergrssernde,
welche das Deckglas oft fast berhren und wegen ihrer kurzen Brennweite
sehr dnne Deckglser erfordern. Fr Benutzung der am strksten
vergrssernden Objective giebt es besonders dnne Deckglser, welche
man von den Optikern bezieht.

An finsteren Tagen und des Abends ist man genthigt, bei der Lampe zu
arbeiten. Da das grelle Licht der Lampe das Auge sehr angreift und
gewhnlich nicht die fr die Beobachtung brauchbaren Bilder liefert, so
soll man es auf irgend eine Weise schwchen. Entweder wendet man nur
den ebenen Spiegel zur Beleuchtung des Objectes an, wenn ein solcher
an dem Mikroskop vorhanden ist, oder man stellt die Lampe 0,6-1,0
Meter entfernt, oder man stellt zwischen Mikroskop und Lampe eine
bluliche Glasscheibe oder eine Glastafel auf, welche durch Abreiben
mit feuchtem Schmirgel matt gemacht ist. Ein Stck dnne alte Leinwand,
dnnes paraffinirtes[5] Velinpapier erfllen denselben Zweck. Bei wenig
durchsichtigen Objecten versucht man indess die Beleuchtung durch
directes Lampenlicht. Beobachtungen mit polarisirtem Licht erfordern
immer eine mglichst helle Beleuchtung und knnen bei Lampenlicht
vorgenommen werden. Bei Gebrauch der stark-vergrssernden Objective hat
man stets, wie schon frher angegeben ist, ein dunkleres Sehfeld.

Undurchsichtige Objecte werden von oben beleuchtet, entweder durch
die fr diesen Zweck vor das Mikroskop zu stellende oder ber dem
Objecttisch und seitlich daran vorhandene planconvexe Beleuchtungslinse
mit grosser Brennweite oder durch ein Prisma. Die geeignetste
Beleuchtungsvorrichtung ist hier der Lieberkhn'sche Spiegel, ein
Hohlspiegel, welcher an das untere Ende des Objectivs angesetzt wird;
man trifft ihn jedoch sehr selten an.

Das Object, welches man beobachten will, darf nicht zu gross und
nicht zu dick sein, sondern klein und mglichst dnn. Dann soll
man auch nicht zu viel des Gegenstandes, wie pulverige Krper oder
Flssigkeiten, auf das Objectglas bringen, sondern nur einige wenige
Krner oder einen Tropfen. Will man das Object, wie es gewhnlich
geschieht, in Wasser, Glycerin etc. betrachten, so nimmt man mittelst
eines Glas- oder Holzstabes einen Tropfen der Flssigkeit auf,
bertrgt diesen Tropfen auf das Objectglas, wo sich bereits etwas des
pulverfrmigen Krpers befindet, und mischt durch Rhren mit dem Stabe.
Nachdem das Deckglas darber gelegt ist, bringt man das Object unter
das Objectiv. Chemische Flssigkeiten (Reagentien), wie Salmiakgeist,
alkalische Laugen, Suren, Jodwasser etc. werden auf dieselbe Weise wie
das Wasser mittelst eines Glasstabes auf das Objectglas bertragen,
oder man lsst den Tropfen am Rande des Deckglschens abfliessen und
von hier aus sich mit der Flssigkeit unter dem Deckglase vermischen.

Statt des Wassers zum Benetzen der Objecte ist ~verdnntes Glycerin~,
eine Mischung aus 70Th. ~Glycerin~, 15Th. 90proc. ~Weingeist~ und
15Th. ~Wasser~, zu empfehlen. Man hlt dieselbe in einer kleinen
Flasche, welche mit einem Korke, durch welchen ein Glasstab gesteckt
wird, verschlossen ist. Mit dem Glasstabe nimmt man die Flssigkeit
tropfenweise heraus, um sie auf das Objectglas zu bertragen. Diese
Flssigkeit erhlt sich dauernd klar und trocknet nicht ein. Man kann
daher die damit genssten Objecte mehrere Tage reserviren, um sie
wiederholt unter dem Objective zu mustern.

In Folge der dem Glase adhrirenden Luft, welche von einer wssrigen
Flssigkeit nicht gelst wird, bilden sich zwischen Objectglas und
Deckglschen Luftblschen, welche man sich hten muss, fr ein
mikroskopisches Object zu halten. Sie lassen sich an ihrer Scheiben-
oder vielmehr Kugelform, ihrer vlligen Durchsichtigkeit und dem
gleichmssigen dunklen breiten, scharf begrenzten Rande erkennen.
Dieser Rand findet sich auch an anderen Luftrumen in der Flssigkeit,
welche nicht Luftblschen sind. Die Luftblschen entstehen sprlich bei
Anwendung jenes verdnnten Glycerins oder einer Mischung aus Glycerin
und Spiritus. Analog den Luftblschen bieten hohle, rhrenfrmige,
mit Luft gefllte, durchsichtige Objecttheile dunkele scharfbegrenzte
bandartige Rnder, welche einen hellen Streifen einfassen.

[Illustration: Fig. 44.

  $Vergrsserte Luftblschen$
  in einer Flssigkeit auf dem Objectglase.
]

[Illustration: Fig. 45.

$Eine Rhre als mikroskopisches Object.$]

Die Dicke der Schicht, welche das Object bildet, ist fr das
unbewaffnete Auge oft verschwindend klein, nicht aber fr das in
das Mikroskop schauende, besonders bei den mittleren und strkeren
Vergrsserungen. Nur die Ebene des Objectes, in welchem der Brennpunkt
des Objectivs liegt, sehen wir in dem mikroskopischen Bilde, was in
anderen Ebenen liegt entweder nicht oder undeutlich und verschwommen.
Hebt oder senkt man daher den Objecttisch durch die Mikrometerschraube
oder, was dasselbe sagt, verlegt man den Brennpunkt des Objectivs in
eine andere Ebene des Objects, so erhlt man das Bild dieser Ebene.
Besteht das Object z.B. in einem Gemisch aus Wasser und pulverigen
Substanzen von verschiedener Eigenschwere, so kann man sehr wohl drei
verschiedene Bilder erlangen und zwar von der oberen, der mittleren und
der untersten Schicht, aus welcher das Object besteht. In dem Bilde der
untersten Schicht wird man die Substanzen erblicken, welche schwerer
als Wasser sind, in der obersten diejenigen, welche leichter als Wasser
sind. Hieraus folgt auch die Erklrung, warum das mikroskopische Bild
im Allgemeinen nur die Flchenausdehnung des Objectes wiedergiebt,
nicht aber die Dicke desselben.

Das mit Wasser oder einer anderen Flssigkeit gemischte Object zeigt
hufig Bewegungserscheinungen, wenn es unter dem Objectiv beobachtet
wird. Die Ursache ist zunchst das Bestreben der Flssigkeit, sich
in's Gleichgewicht zu setzen, was um so eher herbeigefhrt wird, wenn
der Tisch, worauf das Mikroskop steht, eine wagerechte Stellung hat.
Dann sieht man hufig aber auch, nachdem die Flssigkeit lngst in das
Gleichgewicht gekommen ist, die mikroskopischen Theile in tanzender
(_Brown_'s ~Molekularbewegung~) oder nach verschiedener Richtung
stattfindender Bewegung (~Molekularattractionsbewegung~), welche keinen
andern Grund zu haben scheint, als die gegenseitige Annherung mehrerer
Korkstcken, welche in einem Gefsse auf der Wasserflche schwimmen.
Ferner muss ein schraubenfrmig gewundenes Object, welches sich
vorwrts und zugleich um seine Axe dreht, den tuschenden Schein einer
Schlangenbewegung zeigen. Diese Erscheinung beobachtet man an mehreren
Species der Algen aus der Familie der Oscillariaceen (_Vibrio_,
_Spirochaeta_, _Spirulina_, _Spirillum_ etc.).

Diese Bewegungserscheinungen sind erwhnt, um den Anfnger in
mikroskopischen Beobachtungen vor der Annahme freiwilliger Bewegungen
oder thierischen Lebens an sonst todten Krpern zu warnen. Wirkliche
Bewegungen infusorischer Thierchen, z.B. des Rderthierchens,
die ~Flimmerbewegung~ (Bewegung von Hrchen, Fden, Wimpern) an
mikroskopisch kleinen Thierchen lassen sich leicht erkennen. _Jevons_
bezeichnet jene Bewegungen mit ~Pedesis~.

Mit dem Maasse der Vergrsserung wchst scheinbar auch die
Schnelligkeit der Bewegung. Wrde ein kleines Object, z.B. ein Vibrio,
bei 500facher Linearvergrsserung den Raum des Gesichtsfeldes in einer
halben Secunde durchschwimmen, so ist man verleitet anzunehmen, dass
es sich fast pfeilschnell fortbewege, whrend es in Wirklichkeit in
derselben Zeit kaum 1 Millimeter weitergerckt ist. Scheinbar hat
es in einer Secunde den Weg von 500 Millimetern zurckgelegt. Die
Schnelligkeit der Bewegungen ist also hier wohl nach Zeit und Raum zu
bemessen.

Erwhnung verdienen die sogenannten _Mouches volantes_ oder _Scotomata_
(das Mckensehen) in Form rundlicher oder perlschnurhnlicher oder
schlingenfrmiger Bilder, welche im Sehfelde schweben oder darber
hinwegfliegen. Sie entstehen durch das Auge selbst und zwar theils
durch die schleimigen Absonderungen der Meibom'schen Drsen, theils
durch runde kleine Krperchen im hinteren Theile des Glaskrpers des
Auges. Diese _Mouches volantes_ geben keine Ursache der Besorgniss ab.
Werden sie sehr lstig, so unterbricht man das Sehen in das Ocular auf
einige Augenblicke.

Mit den ~chemischen~ Flssigkeiten muss man vorsichtig umgehen, weil
sie, in Berhrung mit den Metalltheilen des Instruments gebracht, diese
leicht angreifen und verderben. Die Suren und Laugen greifen sogar
das Flintglas der Objective an. Wenn man also mit Reagentien arbeitet,
so soll dies nie ohne Deckglas geschehen. Wre das Objectiv damit
verunreinigt, so ist es sofort mit reinem Wasser abzusplen.

Wer viel und oft mit dem Mikroskope arbeiten muss und des Aus- und
Einpackens desselben berhoben sein will, wird gut thun, es unter einer
Glasglocke aufgestellt zur Hand zu halten, und zwar an einem trockenen
Orte im Wohnzimmer. Das Mikroskop, welches aus einem kalten Zimmer
herbeigeholt ist, kann nicht sofort gebraucht werden, denn Objectivglas
und Ocularglas wrden mit Feuchtigkeit beschlagen, letzteres durch die
Ausdnstung des Mundes und des Auges. Man muss dann warten, bis es die
mittlere Temperatur angenommen hat. An einen warmen Ort darf man es
auch nicht stellen, denn die Kitt- und Canadabalsamverbindung an den
Linsen wrde leiden. Orte, an welchen Schwefelwasserstoffentwickelungen
stattfinden, wie in chemischen Laboratorien, sind keine
Aufbewahrungsorte, denn dieses Gas ist nicht ohne Einfluss auf den
Bleigehalt der Linsen, auch schwrzt es die Metallfassung.

Die Linsen werden, wenn sie bestubt sind, mit einem weichen trockenen
Haarpinsel oder durch sanftes Reiben mit feiner alter weicher Leinwand
oder weichem Handschuhleder klar gemacht. Das Stativ darf weder durch
scharfe Putzsubstanzen, Wiener Kalk, Kreide etc., noch durch Abreiben
mit Spiritus gereinigt werden. Damit wrde der Lack, mit welchem die
Metalltheile berzogen sind, verloren gehen. Die Reinigung geschieht
mit trockener, sehr weicher, feiner alter Leinwand und, wenn es nthig
ist, unter Anfeuchten mit etwas Wasser. Man reibt damit nach dem
Striche des Lackanstriches; nicht quer darber hinweg. Wer diesen Rath
nicht befolgt, raubt seinem Instrument das elegante Aussehen.

In die Objective fllt nur zu hufig Staub und Schmutz, welche im
Sehfelde vergrssert zum Vorschein kommen und bei der Beobachtung sehr
strend wirken. Diese Staubtheile sieht man sofort am besten, wenn
man durch das gegen das Licht gehaltene Objectiv und zwar von seiner
unteren Seite (der Flachseite der Linse) aus blickt. Man schraubt es
dann aus einander und reinigt die Glser mit einem trocknen Pinsel.
Sind keine besonderen Staubdeckel fr die Objective vorhanden, so
schliesse man ihre Oeffnung mit einem reinen glatten Korke.

Das Auge soll man durch langes Sehen in das Mikroskop nicht zu sehr
ermden, sondern fter ausruhen lassen. Gut ist es, das eine und das
andere Auge abwechselnd in dem Hineinsehen zu ben und dadurch beide
Augen an die Anstrengung zu gewhnen. Ferner ist es auch weniger
angreifend, wenn man das eine Auge offen hlt, whrend das andere
in das Instrument sieht. Man versuche sich daran zu gewhnen. Ein
gesundes Auge wird durch mikroskopische Uebungen weder geschwcht,
noch in seinem optischen Vermgen gestrt, sondern nur ermdet. Htet
man das Auge vor dem Einflsse zu grellen Lichtes bei Beleuchtung der
Objecte und gnnt man ihm ftere Ruhe, so wird es sogar fr seine
mikroskopischen Arbeiten gestrkt. Der Gebrauch des Mikroskops ist
weder dem Weitsichtigen noch dem Kurzsichtigen untersagt, der letztere
ist sogar vor allen Anderen fr mikroskopische Arbeiten befhigt,
diejenigen jedoch, welche an Congestionen nach dem Kopfe leiden, drfen
sich auf angestrengte mikroskopische Arbeiten nie einlassen.

Mnner in den mittleren Jahren und ltere empfinden das Unbequeme und
Lstige, anhaltend stehend mit abwrts geneigtem Halse und Kopfe oder
wohl gar mit gekrmmtem Nacken am Mikroskop zu arbeiten. Wenn an dem
Mikroskop die Vorrichtung zum Umlegen fehlt, so stelle man es auf einen
gengend niedrigen Tisch, vor welchem man wenigstens sitzend in das
Instrument blicken kann.




Darstellung mikroskopischer Objecte.


Hierber lassen sich in kleinem Rahmen schon wegen der Mannigfaltigkeit
der Krper und wegen der Verschiedenheit der Zwecke, wozu die Objecte
dienen, keine ausfhrlichen Anweisungen geben. Wer darber mehreres
nachlesen will, dem empfehle ich die in der Vorrede erwhnten Werke
ber das Mikroskop. Gewhnlich eignet sich der Anfnger durch die
Uebung die nthige Technik und Umsicht an, oft schneller als durch
Belehrung aus den Bchern.

[Illustration: Fig. 46.

$Valentin'sches Doppelmesser.$]

[Illustration: Fig. 47.

$Lancettfrmiges Messer.$ 1/2 Grsse.]

Flssigkeiten bedrfen selten einer besonderen Behandlung. Von
grsseren Krpern macht man sehr feine Schnittchen. Hierin liegt
eigentlich die Kunst, dem Auge den innern Bau oder die organische
Zusammensetzung der Objecte sichtbar zu machen. Das Object, was
nicht gengende Durchsichtigkeit bietet, ist fr ein Mikroskop nicht
geeignet. Die Lichtstrahlen mssen von dem Objecte nothwendig zu dem
Auge des Beobachters dringen. Sind die Krper hart und sprde, so
weicht man sie in kaltem oder heissem Wasser, Spiritus, Glycerin,
verdnnter Aetzlauge etc., je nachdem dies zulssig ist, ein, um sie
weich zu machen. Dann schneidet man feine Schnittchen davon ab. Als
Theilungs- und Schneideinstrument gebraucht man ~Doppelmesser~ (von
_Valentin_, _Gerber_, _Harting_), ~Doppellancetten~, ~Doppelmeissel~.
Fr den gewhnlichen Gebrauch reichen ein oder zwei scharfe,
~lancettfrmige Messer~, ein solches mit dicker und ein solches mit
dnnerer Klinge aus. Im Nothfall versieht ein Rasiermesser denselben
Dienst. Nothwendig gebraucht man zwei Prparirnadeln, Nadeln aus
Stahl mit eckigem Handgriff (Fig.48), eine ~krumme Scheere~, eine
~Pincette~, einige grssere und kleinere ~Haarpinsel~. Zum Zerschneiden
harter Krper zu sehr dnnen Schnitten wendet man eine Uhrfeder an,
welche wie eine Sge aufgespannt ist.

[Illustration: Fig. 48.

$Prparirnadel.$]

[Illustration: Fig. 49.

$Krumme Scheere.$]

Das Messer (auch das Doppelmesser), womit man eine feine Schnitte
eines weichen Krpers machen will, wird zu diesem Behufe vorher mit
Wasser befeuchtet. Die Schnitte, welche sich beim Schneiden auf die
Klinge des Messers schiebt, nimmt man mit einer Nadel, besser, wenn sie
sehr zart ist, mit einem Pinsel auf und trgt sie auf das Objectglas.
Kommt es nicht auf die Erhaltung der Gestalt des Objectes an, wie bei
der Fleischfaser zur Untersuchung auf Trichinen, so macht man die
Schnitte bequemer mit der krummen Scheere, legt sie mittelst einer
Nadel auf das Objectglas und zerfasert oder breitet sie daselbst mit
Hilfe der Prparirnadeln aus. Als Unterlage beim Schneiden mit dem
Messer dient ein glattes Stck Korkholz (ein grosser Korkpfropfen)
oder eine Scheibe aus Knochen. Das Reinigen oder Auswaschen zarter
weicher Objecte (um sie z.B. von Salzen, Strkemehl, Harz, Fett etc.
zu befreien), vollfhrt man mittelst eines weichen Pinsels, der nach
Art des Wegzuwaschenden mit Wasser, Spiritus, Aether etc. getrnkt
ist. Ueberflssige Flssigkeit wird von dem Objectglase mittelst eines
Streifens Fliesspapiers oder einer kleinen Pipette weggenommen.

Sind die Krper zu klein, um daraus Schnitten zu machen, so mischt man
sie entweder mit einer Mischung aus gleichen Theilen feingepulvertem
Gummi Arabicum und Wasser und lsst die Masse trocknen, oder man
klebt den sehr dnnen Krper (wie Haare, Borsten) mit Gummischleim
auf Korkholz auf. Das der Schnitte anhaftende Gummi wird mit Wasser
weggewaschen. Weiche animalische und vegetabilische Theile trocknet
man bis zu einem gewissen Grade, macht dann Schnitten davon und weicht
diese in Wasser wieder auf.

Um einen animalischen weichen Krper starrer fr den Schnitt zu machen,
legt man ihn in Spiritus, anfangs in schwachen, spter in strkeren.
Ein Erhrtungsmittel fr animalische Theile ist eine dnne Lsung von
Chromsure, essigsaurem Kali, besonders aber von Chlorcalcium.

Harte Pflanzentheile erweicht man durch Kochen mit Wasser oder durch
Einweichen in schwacher Kalilauge oder filtrirter Pottaschenlsung.

Von harten Mineralsubstanzen in Stcken, welche Ueberreste organischer
Wesen enthalten, kratzt man kleine Partikel ab oder pulvert sie. Werden
dadurch jene Ueberreste in zerbrochener Form erhalten, so kann man die
Substanz in eine kochend heisse Glaubersalzlsung werfen und darin
erkalten lassen. Wenn sie ein porses Gefge hat, so wird sie auf diese
Weise mrbe.

Will man die Erscheinungen beobachten, welche chemische Agentien
auf Objecte ausben, so pflegt man die Lsung des Reagens mittelst
eines Glasstabes an den Rand des Deckglases zu tragen, damit es durch
Capillaritt zwischen Deckglas und Objectglas eindringt. Soll das
Reagens langsam zum Object treten, so verbindet man einen Tropfen des
Reagens _r_ (Fig.50) mit dem Object _o_ unter dem Deckglase durch
einen leinenen oder baumwollenen Faden.

[Illustration: Fig. 50.]

Als Frbesubstanzen fr Objecte eignen sich Lsungen von den
verschiedenen Anilinfarbstoffen in Weingeist oder in jenem S.55
erwhnten verdnnten Glycerin; blauer Karmin, gelst in verdnntem
Glycerin; oxalsaure Lsungen des Berlinerblau; rother Karmin, gelst
in verdnntem Salmiakgeist; eine Tinktur aus rothem Sandelholz und
glycerinhaltigem Spiritus.

Ist ein Object nun passend vorbereitet fr die Beobachtung, so wird es
mit einem Deckglschen bedeckt. Dadurch wird das Object vor usseren
Zuflligkeiten geschtzt, die Flssigkeiten knnen weniger verdunsten
und, was die Hauptsache ist, das Object wird dadurch in eine ebene
Flche gebracht. Das Maass des Druckes, unter welchem das Deckglas
aufgelegt wird, hngt von der natrlichen Beschaffenheit des Objectes
ab. Die Vorrichtungen zur Erzeugung eines constanten Druckes sind schon
Seite 31 angegeben. Sie werden angewendet, wenn ein gleichmssiger
Druck zwischen Daumen und Zeigefinger nicht ausreicht. In manchen
Fllen wird man bei Flssigkeiten und pulpsen Substanzen das Deckglas
sanft hin- und herschiebend auf das Object drcken, um eine recht dnne
Flssigkeitsschicht zu erzeugen und die Adhsion des Deckglases an
das Objectglas zu vermehren, oder kleine Thierchen in ihren Bewegungen
zu hindern, oder hohle Krper von nicht hohlen zu unterscheiden. Bei
Untersuchung kleiner Wesen (Infusorien, Algen) legt man ein kleines
Papierschnitzel oder einen Seidenfaden unter das Deckglas, um den
Druck auf das Object nicht zu weit zu fhren. Dasselbe muss geschehen,
wenn man die Bewegung der Sfte in zarten Pflanzentheilen (wie in
den Wurzelhaaren von _Hydrocharis Morsus ranae L._, den Haaren von
_Urtica_ etc.), welche mit Wasser unter das Mikroskop gebracht werden,
beobachten will.

Zarte sehr durchsichtige Objecte, welche das Licht zu wenig brechen,
werden durch Frbung sichtbar gemacht und je nach ihrer natrlichen
Beschaffenheit wendet man dnne Lsungen von Jod, Chromsure,
Eisenchlorid in Wasser an. Zur Darstellung der Jodlsung mischt man 1
bis 2 Tropfen Jodtinktur mit circa 150 Tropfen Wasser oder der bereits
frher erwhnten Mischung aus 70 Theilen reinem Glycerin, 15 Theilen
Weingeist und 15 Theilen Wasser. Um eine strkere Frbung zu erzeugen,
mischt man 2 bis 4 Tropfen Jodtinktur mit 50 Tropfen Wasser und 50
Tropfen Weingeist. Um die Structur zarter und sehr durchsichtiger
Objecte sichtbar zu machen, weicht man das Object einige Zeit in
Farbstofflsungen, wie sie auf der vorhergehenden Seite angegeben sind,
ein.




Aufbewahrung mikroskopischer Objecte.


Eine sehr wesentliche Angelegenheit des Mikroskopikers ist die,
die Prparate in ihrem natrlichen Zustande aufzubewahren. Die
Vorbereitungen und Vorsichtsmaassregeln hierzu sind natrlich je
nach der Beschaffenheit der Objecte sehr verschiedene und sind auch
abhngig von den Erfahrungen des Mikroskopikers. Daher knnen hier nur
Andeutungen gegeben werden.

Eine Menge Objecte werden trocken aufbewahrt, wie Salzniederschlge,
Kieselpanzer, Haare, Fischschuppen, Insektenschuppen, Gespinstfasern.
Auf das Object legt man ein dnnes Deckglschen und verklebt dieses und
das Objectglas mit einem Streifen bunten Papiers, welcher in der Mitte,
wo das Object liegt, durchbrochen (ausgelocht) ist. Als Klebemittel
gebraucht man einen dicken Schleim aus arabischem Gummi. Whrend des
Verklebens hlt man das Deckglas gegen das Object etwas angedrckt. Auf
das Papier schreibe man den Namen des Objectes.

Trockene vegetabilische und animalische Objecte, welche noch einen
solchen Feuchtigkeitsgrad besitzen, dass sie der Erzeugung von
Algen oder Parasiten ausgesetzt sind, bringt man auf das Objectglas
und bedeckt sie mit einem Tropfen einer Flssigkeit aus 1Th.
venetianischem Terpentin und 100Th. franzsischem Terpentinl. Nachdem
der Tropfen Flssigkeit an einem staubfreien Orte abgedunstet ist, legt
man das Deckglas auf und verklebt.

Sehr viele Objecte, deren natrlicher Zustand von einem starken
Feuchtigkeitsgrade abhngt, mssen in einer Flssigkeit bewahrt
werden, welche der Selbstentmischung nicht unterliegt, auf das Gefge
des Objectes nicht auflsend wirkt und der Bildung von Pilzen und
Algen zuwider ist. Eine solche Flssigkeit ist zunchst eine mit
wenig Carbolsure versetzte und dann filtrirte Lsung des reinen
Chlorcalciums in der 5- bis 6fachen Menge verdnntem Glycerin, oder
eine Lsung von 1Th. hellem Leim in 2Th. verdnnter Essigsure.

Zur Aufbewahrung in der Chlorcalciumlsung eignen sich die meisten
animalischen Substanzen, wie Infusorien, Milben, Wrmer, Zellsubstanz,
Gehirn, Rckenmark, Haare, Schuppen etc., ferner ein sehr grosser Theil
vegetabilischer Substanzen, jedoch darf man hier nicht bersehen,
dass die Lsung die Strkemehlkrner anschwellt und durchsichtiger
macht. Sollen diese also ihre natrliche Form bewahren, so darf die
Chlorcalciumlsung nicht angewendet werden, dagegen aber verdnntes
Glycerin (Mischung I).

Als geeignete Flssigkeiten fr thierische und vegetabilische Objecte,
welche sehr leicht der Vermoderung oder Fulniss unterliegen, oder
welche im feuchten Zustande aufbewahrt werden, sind folgende Mischungen
oder Lsungen zu empfehlen:

           I.                II.               III.

  Glycerin       70  Glycerin         100  Glycerin      100
  Spiritus       15  Spiritus          50  dest. Wasser   80
  dest. Wasser   15  dest. Wasser      50  Sublimat        1
                     Carbolsure        3

         IV.                  V.                 VI.

  Glycerin       50  Glycerin         100  Glycerin      100
  Chlorcalcium   20  Kochsalz          10  dest. Wasser  100
  dest. Wasser  100  essigs. Alaunerde  5  Salzsure       5
  Spiritus       30  dest. Wasser      50  Sublimat        1

Diese nach Gewichtstheilen ausgefhrten Mischungen werden entweder
durch Filtration oder durch Absetzenlassen in verschlossenen Gefssen
oder durch Klarabgiessen gereinigt.

Die Objecte lsst man mehrere Stunden und lnger in einer dieser
Flssigkeiten liegen, damit sie sich damit gehrig vollsaugen, oder
man legt sie auf den Objecttrger und giebt einen Tropfen der mit
gleichviel Spiritus gemischten Flssigkeit darauf. Dies wiederholt
man nach dem Abdunsten, bis das Object gengend getrnkt erscheint.
Thierische Substanzen, welche leicht faulen, erfordern beispielsweise
die Mischung II., Blutkrperchen die Mischung III., gefrbte
animalische Krper die Mischung V., kleine Thiere, Algen etc. die
Mischung IV., die meisten Pflanzenprparate die Mischung II. und IV.,
Strkemehlkrner die Mischung I.

Frbungen mit Chromsure sind bei Gebrauch dieser Mischungen nicht
anwendbar, dagegen vertrgt sich die Chromsure mit wssriger
Chlorcalciumlsung. Zur Frbung der Strkemehle bedient man sich des
Jodwassers oder einer

~Jodlsung~, dargestellt aus 2Th. Jod, 3Th. Jodkalium, 70Th.
Glycerin, 15Th. Wasser und 15Th. Spiritus.

Flssigkeiten und Mischungen zur Conservirung mikroskopischer Objecte
sind mehrere gerhmt: _Dane_ empfiehlt ein Gemisch aus 4Th. Glycerin,
2Th. dest. Wasser, 1Th. Gelatine; _Beale_ eine Verbindung des
Glycerins mit Leim (das Gemisch wird vor der Anwendung erwrmt).
_Farrants_ gebraucht eine Mischung aus gleichen Theilen arab. Gummi,
Glycerin und einer gesttigten wssrigen Lsung von arseniger Sure.
Die _Goadby_'sche Flssigkeit (_conserving liquor_) wird bereitet aus
Kochsalz 60Gm., Alaun 30Gm., Sublimat 0,13Gm., kochendem destill.
Wasser 1300 Gm. und durch Filtration (sehr zu empfehlen). _Pacini_
empfiehlt 2 Flssigkeiten. I.Sublimat 1Th., reines Chlornatrium
2Th., Glycerin 13Th., destill. Wasser 113Th. II.Sublimat 1Th.,
Essigsure 2Th., Glycerin 43Th., dest. Wasser 215Th.

Mitunter werden trockene Objecte (wie Theile von Insekten, Sporen,
Pollen) in Canadabalsam, eine Terpentinart, die sich auch durch einen
klaren venedischen Terpentin ersetzen lsst, eingelegt. Ist der
Terpentin zu dick, so verdnnt man ihn mit etwas Terpentinl bis zur
Dickflssigkeit.

Die Frbung der Objecte bietet manche Vortheile, indem einzelne
Theile derselben sich mit dem Farbstoff verbinden und dadurch fr das
Auge schrfer hervortreten. Geeignete Farbstoffe sind Indigocarmin
(in Wasser klar lslicher), Anilinpigmente, Blauholztinctur. 1Th.
Indigocarmin wird in 100Th. destill. Wasser und 8Th. Spiritus, 1Th.
Anilinpigmente (Rosanilin) in einer Mischung von 100Th. Spiritus und
100Th. Wasser gelst. Die Blauholz- (Campecheholz-) Tinktur wird aus
1Th. des kleingeschnittenen Blauholzes, 20Th. Spiritus und 30Th.
Wasser unter Maceration dargestellt. Jede dieser Pigmentlsungen muss
durch Papier filtrirt sein. Davon setzt man zu je 100Th. der oben
angegebenen 6 Objectflssigkeiten 3-5Th. In letzterer Mischung kann
das Objectstck eingeweicht werden, um es dann in der nicht gefrbten
Flssigkeit unter das Deckglas zu bringen. Um Objecte oder die Umrisse
einzelner Theile derselben schwarz zu tingiren, befeuchtet man sie mit
Hllensteinlsung (1Th. Hllenstein in 30Th. destill. Wasser), wscht
sie nach Verlauf einer halben bis ganzen Stunde mit destillirtem Wasser
ab und bringt sie mit den Flssigkeiten I. oder II. unter das Deckglas.
Die Flssigkeiten III.-VI. sind hier nicht verwendbar.

Die Bedeckung mit Deckglas geschieht in folgender Weise. Das reine
trockne Deckglas erfasst man an einer der Ecken mit einer sich selbst
schliessenden Pincette, bestreicht den Rand der Flche, welche dem
Objecte zugewendet werden soll, in einer Breite von 2 bis 3 mm
mit einem der unten erwhnten Lacke I. und II., legt hierauf das
Deckglas auf das mit einem Trpfchen der Conservationsflssigkeit
bedeckte Object, fasst Deckglas und Objecttrger zwischen Daumen und
Zeigefinger der linken Hand, ohne jedoch zu drcken, trocknet den Rand
des Deckglases und die daran stossende Umgebung auf dem Objecttrger
mit Fliesspapier ab und umzieht mittelst Pinsels den usseren Rand
des Deckglases mit einem breiten Striche Lack I. oder II., so dass
der Strich in seiner Breite zur Hlfte auf dem Deckglase, zur Hlfte
auf dem Objecttrger ruht. Der Strich, welcher sehr schnell trocknet,
wird sofort noch einmal mit Lack berzogen. Nach einigen Stunden
giebt man einen dritten Ueberzug. Zuletzt giebt man einen Ueberzug
mit dem Lack III. Bei jedem neuen Lackberzuge streicht man um eine
Zwirnsfadenbreite ber die Grenze des trocknen Anstrichs hinweg.

In vielen Fllen ist das Einlegen der Objecte in flssigen Leim
anwendbar. Dieser ist besonders bequem, da er sehr durchsichtig ist,
den Raum zwischen Deckglas und Objectglas gut fllt und das, was davon
beim Druck des Deckglases ber den Rand dieses letzteren heraustritt,
schnell trocknet und hart wird. Dieser Rand wird mit einem hnlichen
Leim, der mit Chromgrn, Chromgelb, Schwarz etc. prparirt und gemischt
ist, eingefasst. Ist diese Einfassung vllig trocken, so lackirt man
sie mit Lack III. oder besser mit dem Universallack (IV.).

[Illustration: Fig. 51.

$Objecthalter$ (2/3 Grsse).]

Bei der Darstellung mehrerer Objecte ist das Halten zwischen den
Fingern sehr lstig und zeitraubend. Bequem sind dann die Objecthalter,
von welchen man mehrere neben einander auf ein circa 8 Ctm. breites
Brett mittelst Siegellacks aufgesetzt hat. Ein Objecthalter besteht aus
2 Korken (Fig.51, _a_ u. _b_), welche durch einen zweischenkeligen
messingenen Draht gegen einander gedrckt werden. Der Kork _a_ ist
mit Siegellack auf das Brett _d_ gesetzt. Die Lcher in den Korken,
in welche man den Draht steckt, sind durch eine glhende Stricknadel
vorgebohrt. Durch den Kork _a_ geht der Draht in der ganzen Lnge des
Durchmessers des Korkes, in den Kork _b_ reicht er nur zu 2/3 der
Lnge desselben. Der Kork _b_ wird nach der Grsse der Deckglser
gewhlt und ist an der Flche, mit welcher er auf dem Kork _a_ steht,
etwas ausgebuchtet, so dass er nur mit seinem Rande auf das Deckglas
drckt, die Mitte des Deckglases also geringeren Druck erfhrt. Die
Darstellung dieser Vorrichtung ist keine schwierige. Jeder, wer
derselben bedarf, kann sie sich selbst besorgen.

Indem man den Kork _b_ sanft hebt, schiebt man das Object darunter,
versieht es daselbst mit der Leim- oder Lackfassung etc.

~Flssiger Leim~. 10Th. heller, klarer Tischlerleim werden in 10Th.
kochendem Wasser gelst und noch heiss mit 10-12Th. concentrirtem
Essig (_Acidum aceticum dilutum_ der Apotheken), sowie einigen Tropfen
Carbolsure versetzt. Sollte er nach dem Erkalten gelatiniren, so
macht man ihn durch Erwrmen wieder flssig und setzt noch 1 bis
2Th. oder soviel concentrirten Essig hinzu, bis er nach dem Erkalten
flssig bleibt. Der hellere Tischlerleim ist der sogenannten Gelatine
vorzuziehen.

~Schwarzer Lack~ I. Nimm 1Th. Leinlfirniss und 10Th.
Bernsteinkolophon (_Colophonium Succini_). In einem porcellanenen oder
irdenen Tpfchen schmilzt man beides zusammen. Man nimmt das Gefss
vom Feuer oder von der Lampe weg und lsst es etwas abkhlen. Hierauf
giesst man (vom Feuer entfernt) unter Umrhren mit einem eisernen
Spatel in sehr kleinen Portionen nach und nach 15Th. franzsisches
Terpentinl und nach einer Stunde, wo die Mischung ziemlich abgekhlt
ist, 10Th. Benzin hinzu. Das Ganze bringt man in eine trockene
Flasche, worin sich 10Th. zerstossenes Judenpech (reiner Asphalt)
befinden. Man pfropft zu, stellt es einige Tage bei Seite und schttelt
fter um. Ist der Lack zu dickflssig, so verdnnt man ihn mit
Terpentinl. Statt dieses Lackes kann man auch gewhnlichen ~Eisenlack~
anwenden.

~Weisser Lack~ II. Mastix 10Th., Dammar 4Th., Sandarak 4Th.,
smmtlich zerstossen, vened. Terpentin 1Th., 20Th. franzs.
Terpentinl und 10Th. Benzin werden in einer Flasche mehrere Tage
fter umgeschttelt und hierauf die Lsung, nachdem die Flasche gut
zugepfropft ist, zum Absetzen bei Seite gestellt. Der spter klar
abgegossene oder filtrirte Lack wird theils zum Gebrauch in einem
Mrser mit trocknem Permanentweiss zusammengerieben, theils, wie er
ist, aufbewahrt. Er giebt einen guten Glanz und besitzt viel Zhigkeit.
Ist er zu dnn, so darf man nur das Gefss, worin er ist, einen Tag
geffnet stehen lassen.

~Glanzfirniss~ III. Sandarak 12Th., Mastix 6Th. werden etwas
zerstossen in eine trockene Flasche geschttet, dazu Copaivabalsam
2Th., venedischer Terpentin 3Th., franzsisches Terpentinl 4Th.,
und wasserfreier Spiritus 36Th. gegeben. Man stellt die zugepfropfte
Flasche 8 Tage bei Seite, schttelt dabei fters um und lsst dann den
Lack einige Wochen klar absetzen. Als Lack fr Messingtheile an dem
Mikroskop mischt man gleiche Theile dieses Glanzfirnisses und einer
filtrirten Lsung von 5Th. gutem Schellack und 2Th. Drachenblut in
45Th. wasserfreiem Spiritus.

~Universallack~ IV. 15Th. guter Schellack, 3Th. Mastix und 90Th.
kuflicher wasserfreier Spiritus werden in eine zu verstopfende Flasche
gegeben und unter fterem Umschtteln so lange bei Seite gestellt, bis
Lsung erfolgt ist. Der Lack wird nach mehrtgigem ruhigem Stehen klar
abgegossen. Nimmt man zur Erzeugung eines farblosen Lackes weissen
Schellack, so ist noch ein Zusatz von 1Th. venedischem Terpentin
erforderlich.




Mikroskopische Objecte.


Wenngleich die bildliche Darstellung mikroskopischer Objecte durch
Holzschnitt sehr viel zu wnschen brig lsst, so reicht sie dennoch
fr den anfangenden Mikroskopiker aus, ihm eine Vorstellung von
den Objecten zu geben, sie zu erkennen, zu unterscheiden und sie
aufzusuchen. Sie sind jedenfalls die erste und beste Anleitung, den
Anfnger in das mikroskopische Studium einzufhren.

Fr das Erkennen der Objecte aus dem Thier- und Pflanzenreiche ist die
Bekanntschaft mit der ~Zelle~ ein vornehmliches Erforderniss; daher
mge eine kurze Erklrung des Wesens und des Baues der Zelle hier einen
Platz finden.

Die $~Zelle~$ allein ist das Material, aus welchem Leben zu Stande
kommt, sie ist daher das Element des Lebens, und jeder pflanzliche und
thierische Organismus nimmt von einer einfachen Zelle seinen Anfang.
Jede Zelle ist eine Lebenseinheit und jeder organisirte Krper besteht
aus so vielen Lebenseinheiten, als er Zellen besitzt, die in ihrem
ungelsten Zusammenwirken das Leben des Ganzen darstellen. Daher ist
das Leben eines thierischen und pflanzlichen Krpers die Summe der
Lebenserscheinungen aller Zellen, aus denen er zusammengesetzt ist.
Die allen Zellen angehrenden Lebenserscheinungen sind vegetativ
und bezwecken die Ernhrung oder Erhaltung und die Vermehrung
oder Reproduction. Die Zelle ist also zugleich Vegetations- und
Reproductionsorgan.

_Schleiden_ war es zuerst, der die Bausteine kennen lernte, aus denen
die Pflanze ihren Leib bildet, und zwar die ~Zellen~. Er zeigte zuerst
das Wachsthum der kleinen Zellenblase auf und um den sie erzeugenden
Zellkern, ihre verschiedenen Formen und Gruppirungen, ihre Umwandlung
in Fasern und Gefsse. Die an der Pflanze erforschte Zelle hielt man
fr ein Eigenthum der Pflanzenwelt. Da trat _Henle_ (1837) den Beweis
an, dass die Zelle das Lebenselement der ganzen organisirten Natur sei,
indem er die Oberhaut des Menschen als ein Complex von Zellen erkannte,
welche selbststndig und ohne Einfluss der Blutgefsse wachsen. _Th.
Schwann_ endlich wies (1839) die Uebereinstimmung der Thiere und
Pflanzen im Aufbau ihres Krpers aus Zellen und im Wachsthum dieser
Zellen mit aller Gewissheit nach.

[Illustration: Fig. 52.

_a_ Zwei Protoplasmazellen, _b_ eine solche, deren usserste Schicht
dichter geworden ist _c_ zwei solche Zellen, in deren Inhalte die
Bildung von Zellkernen vor sich geht.]

[Illustration: Fig. 53.

_a_ Eine von einer Membran eingeschlossene Zelle, _b_ zwei Zellen mit
Zellkern und den Anfngen (Protoplasmawnden) zu Tochterzellen, _c_
zwei gleiche zusammenhngende Zellen _nn_ wsserige Plasmatropfen, _d_
Zelle mit Strkemehlkrperchen.]

Die ~Zelle~ ist ein blschenartiges Gebilde, in ihrem ersten Urzustande
eine Protoplasmazelle, eine nach aussen begrenzte Portion Plasma oder
Protoplasma, Bildungsstoff, welcher sich in seiner Lebensthtigkeit
zunchst mit einer Hautschicht, der Zellenmembran, umgiebt und meist
auch in seinem Innern die Bildung der Anfnge von Tochter- und
Enkelzellen, den Zellkernen und den in diesen lagernden Kernkrperchen
ermglicht. Der Inhalt der lebenden, sich entwickelnden Zelle, deren
Gestalt eine sehr verschiedene sein kann, ist theils mehr oder weniger
flssig, theils auch fest. In der von einer Membran eingeschlossenen
Pflanzenzelle findet sich als Wandbeleg dieser Membran eine dichtere,
oft erhaltende Plasmaschicht (Primordialschlauch) und in dem von
letzterer eingeschlossenen Flssigkeit ein oder mehrere Zellkerne. Das
Plasma, der Inhalt der lebenden Zelle, ist nicht structurlos, sondern
organisirt, was sich durch die Bewegung, durch die Strmungen in dem
flssigen Theile des Plasma zu erkennen giebt. Bei den trocknen oder
abgestorbenen organischen Krpern kommt natrlich die lebende Zelle
nicht mehr in Betracht, sondern die todte, nicht vegetirende, trockne,
mehr oder weniger feste Zelle.

Die Membran und der Kern der thierischen Zelle bestehen aus
Eiweisskrpern verschiedener Art, denn die Membran wird z.B. von
verdnnten Suren (wie verdnnter Essigsure) leicht aufgelst,
der Kern aber nicht. Der Zelleninhalt besteht theilweise aus
Eiweisskrpern in verschiedenen Modificationen, theils in gelster,
theils weicher, theils fester Form. In der Muskelzelle nennt man
die Eiweissmodification ~Syntonin~, in den rothen Blutkrperchen
~Globulin~, in den Zellen der Schleimdrsen ~Mucin~, in denen der
Milchdrse ~Kasen~, in den Drsenzellen der Magenschleimhaut ~Pepsin~
etc. Ein Hauptbestandtheil des Zelleninhaltes ist das Wasser, dann
kommen darin vor: Fetttrpfchen, mineralische Bestandtheile, ferner
auch Pigmente (Haematin, Haemoglobin, Melanin etc.).

Die Pflanzenzelle gleicht in ihrer Constitution der Thierzelle und
nur die ltere Pflanzenzelle ist noch von der oben bemerkten, aus
~Cellulose~ bestehenden, gewhnlich polygonalen Membran, der Zellhaut,
eingeschlossen. Die ussere Hlle enthlt hier also keinen Stickstoff
und wird durch Jod und Schwefelsure blau gefrbt, whrend eine
zuweilen vorkommende entsprechende Hlle an der thierischen Zelle durch
genanntes Reagens gelb oder braun gefrbt wird.


Mehl. Strke.

$Mehl.$ Die Art des Mehles ist durch die Form der ~Strkemehlkrner~,
welche in jeder Getreidefrucht als Zelleninhalt auftreten, zu erkennen.
Es kommen hier die auf den Seiten 77, 78, 79 und 80 angefhrten Angaben
und Abbildungen in Betracht. Es ist jedoch nicht zu bersehen, dass
die Trennung des Getreidesamens verschiedener Art sowohl auf der
Dreschtenne wie auf dem Mhlstein keine so sorgfltige zu sein pflegt,
dass in einem Weizenmehl sich einige wenige Roggenmehlstrkekrnchen,
im Roggenmehle einige Strkemehlkrnchen des Weizens, der Gerste
und des Hafers nicht auffinden lassen sollten. Wo eine Verflschung
oder Unterschiebung eines fremden Mehles zu constatiren ist, muss
also auch auf die Zahl der fraglichen Strkemehlkrnchen Rcksicht
genommen werden. In den Fllen, in welchen im Mehle fremde, nicht
strkemehlhaltige Substanzen aufzusuchen sind, mischt man das Mehl mit
Jodlsung (S.64), welche das Strkemehl blau oder violett tingirt,
die fremden Stoffe aber gewhnlich nur mit der Farbe der Jodlsung
versieht. Dies letztere geschieht natrlich auch mit den leicht
erkennbaren Trmmern des Gewebes der Getreidefrucht.

$Strke.$ Im Handel sind die gangbarsten Strkesorten: Weizenstrke
(gewhnlich nur mit Strke bezeichnet), Kartoffelstrke, Maisstrke
und in neuerer Zeit auch Reisstrke. ~Verflschungen~ der
~Weizenstrke~ bestehen in Kartoffelstrke und auch wohl weissen
mineralischen Stoffen, deren Partikel unter dem Mikroskop entweder
eine krystallinische oder doch eine solche Form zeigen, welche mit dem
Strkemehlkrnchen keine Aehnlichkeit haben und durch Jodwasser nicht
blau gefrbt werden. Die ~Verflschungen~ der ~Kartoffelstrke~ sind
meist mineralische Stoffe, auf welche das vorstehend bemerkte ebenfalls
Anwendung findet.

Das Strkemehlkrnchen, eine Secretionszelle, besteht aus
concentrischen, ber einander gelagerten Schichten, welche unter dem
Mikroskop mehr oder weniger zu erkennen sind. Das Wachsen der Krnchen
geht von innen nach aussen vor sich, und die Ernhrung geschieht
vermittelst einer trichterfrmigen Vertiefung, welche man ~Kern~,
~Nabel~, Vacuole nennt. Das Sichtbarwerden der Details wird befrdert
durch Befeuchten mit Jodwasser (lTh. Jodtinktur und 60Th. Wasser)
oder der Jodlsung, durch Aufquellen in warmem Wasser oder Branntwein.

[Illustration: Fig. 54.

$Kartoffelstrkemehlkrnchen.$

200mal vergrssert.]

[Illustration: Fig. 55.

_v_ Nabel oder Vacuole. 350mal vergr.]

~Kartoffelstrkemehlkrnchen~ sind von verschiedener Grsse und
abgerundeter Gestalt, meist der Birnengestalt nahe kommend. Die
concentrische Schichtung ist an den zarten Linien leicht erkennbar,
welche schalenfrmig einen (oder zwei) gewhnlich am schmleren Theile
liegenden Nabel umlaufen. Lnge der Krnchen 0,06-0,1 _mm_.

[Illustration: Fig. 56.

$Roggenstrkemehlkrnchen.$

200mal vergrssert.]

~Roggenstrkemehlkrnchen~ sind verschieden gross, oval und rund,
und viele der grsseren Krnchen zeigen einen 1- bis 4mal linear-
oder kreuzfrmig gestreiften Nabel. Durchmesser der Grosskrnchen
0,040-0,055 _mm_.

[Illustration: Fig. 57.

$Weizenstrkemehlkrnchen.$

250-300mal vergrssert.]

An den ~Weizenstrkemehlkrnchen~ ist der Nabel undeutlich und bei
200facher Vergrsserung als eine punktfrmige Vertiefung zu erkennen.
Sie sind von zweierlei Grsse, rund oder etwas lnglich-rund, im
Allgemeinen aber etwas kleiner als die Roggenstrkemehlkrnchen.
Durchmesser der grossen Weizenstrkemehlkrnchen 0,035 bis 0,040 _mm_.

[Illustration: Fig. 58.

$Gerstenstrkemehlkrnchen.$

  300mal vergrssert.       500mal vergrssert.
]

~Gerstenstrkemehlkrnchen~ sind meist weniger gerundet, und einige
zeigen schwache Lngs- und Querrisse, andere haben eine lngliche Form.
Durchmesser der Grosskrnchen 0,023-0,026 _mm_.

[Illustration: Fig. 59.

$Haferstrkemehlkrnchen.$

  200mal vergrssert.    400mal vergrssert.      Zusammengesetzte
                                               Haferstrkemehlkrnchen.
]

~Haferstrkemehlkrnchen~ haben theils eine Apfelkern-, theils
Birnenform, wenige sind rund. Durchmesser der Krnchen 0,004-0,005.
Die Haferstrke besteht aus zusammengesetzten und einfachen Krnchen.
Die zusammengesetzten haben einen Durchmesser von 0,020-0,045 _mm_.

[Illustration: Fig. 60.

$Buchweizenstrkemehlkrnchen.$

  200mal vergrssert.    400mal vergrssert.
]

~Buchweizenstrkemehlkrnchen~ sind klein und haben eine vieleckige
Form. Durchmesser 0,015-0,023 _mm_.

[Illustration: Fig. 61.

$Maisstrkemehlkrnchen.$

  200mal vergrssert.    400mal vergrssert.
]

~Maisstrkemehlkrnchen~ sind klein und abgerundet vieleckig, mit
sichtbarem, querrissigem oder stark vertieftem Nabel. Durchmesser
0,013-0,023 _mm_.

[Illustration: Fig. 62.

$Reisstrkemehlkrnchen, zusammenhngend und einzeln.$

300mal vergrssert.]

~Reisstrkemehlkrnchen~ sind sehr klein und scharfkantig-vieleckig,
zuweilen noch in rundlichen Massen dicht zusammenhngend. Durchmesser
0,006-0,007 _mm_.

[Illustration: Fig. 63.

$Bohnenstrkemehlkrnchen.$

  200mal vergrssert.    400mal vergrssert.
]

~Strkemehlkrnchen~ der ~Hlsenfrchte~ sind meist oval oder
nierenfrmig, wenige sind kugelig. Die meisten haben einen lnglichen
oder auch wohl sternfrmigen Sprung oder Nabel.

[Illustration: Fig. 64.

$Erbsenstrkemehlkrnchen.$

200mal vergrssert.]

[Illustration: Fig. 65.

$Linsenstrkemehlkrnchen.$

  200mal vergrssert
  _a_ Linsenhlsenreste.
]

[Illustration: Fig. 66.

$Zellentrmmer der Hlsenfrchte$,

ungefhr 100mal vergrssert.]

Neben den Strkemehlkrnchen findet man im Mehle, besonders in dem
Mehle der Hlsenfrchte, ~Kleberkrnchen~, welche sehr kleinen
Krperchen jedoch erst bei circa 80facher Vergrsserung sichtbar sind
und bei 400-600facher Vergrsserung ihre grubig-runzelige Oberflche
erkennen lassen.

[Illustration: Fig. 67.

$Kleberkrnchen.$

  100mal vergrssert.      600mal vergrssert.
]

Sie sind theils dicht, theils hohl und enthalten oft krystallisirte
Krper. Sie werden durch Jod nicht blau, sondern gelb gefrbt.


Besondere, als Verunreinigungen im Getreidemehl vorkommende Gebilde.

Im Getreidemehl knnen vorkommen: Mutterkornmehl (_Claviceps purpurea_
Tulasne); ferner die ~Sporen~ des Flug- oder Russbrandes (_Ustilago
Carbo_ Tulasne oder _Uredo segetum_), des Schmierbrandes, Weizenbrandes
oder Steinbrandes (_Tilletia Caries_ Tulasne oder _Uredo sitophila_).

[Illustration: Fig. 68.

_ab_ $Ein Theil der Schnittflche aus dem Spermogoniumlager des
Mutterkornpilzes.$

(vergr.)

_a_ Hyphen; _b_ Keimhaut (_hymenium_) mit Spermatien oder Stylosporen;
_c_ Spermatien; _d_ Keimschluche treibende Spermatien (smmtlich
vergr.).]

Der $Mutterkornpilz$ wuchert auf verschiedenen Gramineen, besonders
auf Aehren des Roggens. Dieser Kernpilz durchluft drei wesentlich
unterschiedene Entwickelungsstadien. Im ~ersten~ Stadium tritt er
zur Zeit der Roggenblthe als sogenannter ~Honigthau~ auf, nmlich
als ein zher gelblicher ssser Schleim von unangenehmem Geruche.
In diesem Honigthau beobachtet man unter dem Mikroskop unzhlige
Spermatien (Stylosporen). Er ist eine Absonderung eines Mycelium
(Trieblagers), dessen Hyphen (Fden, Flocken) den unteren Theil des
jugendlichen Fruchtknotens der Getreideblthe allseitig durchziehen.
Dieser Fruchtknotenkrper zeigt innen Lcken und aussen verschieden
gewundene Falten und Vertiefungen, ein Spermogoniumlager darstellend.
Aus der zelligen Schlauchschicht oder Keimhaut, welche jene Falten
und Vertiefungen auskleidet, erheben sich gedrngt stehende
basidienhnliche Schluche, an deren Spitze sich eine Kette kleiner
lnglich-ovaler Zellen, Spermatien oder Stylosporen, abschnren.
Mycelium und Spermatien erscheinen nach dem Austrocknen der klebrigen
Flssigkeit wie ein weisses, den Fruchtknoten bedeckendes Pilzgewebe.

Das ~zweite~ Entwickelungsstadium des Mutterkornpilzes liefert in
einem sterilen Stroma das in den Apotheken gebruchliche und allgemein
bekannte Mutterkorn, dessen Genuss im Getreidemehle oder im Brote
Ursache der sogenannten Kribbelkrankheit sein soll.

[Illustration: Fig. 69.

$Mutterkornpilz im 2. Entwickelungsstadium.$

  1. Roggenfrucht von Hyphen des Mutterkornpilzes durchsetzt
     und ein Mycelium bildend (Verticaldurchschnitt, 1-1/2fache
     Linearvergrsserung). _a_ Ansatz des sterilen Fruchtlagers
     (Sclerotium).

  2. Aehrentheil des Roggens mit einem Mutterkorn (Sclerotiumstroma).
     Natrliche Grsse.

  3. Verticaldurchschnitt (4fache Linearvergrsserung) des sterilen
     Fruchtlagers oder Sclerotiumstroma (_e_), als Mtze das
     Spermogonium tragend.

  4. Dasselbe mehr entwickelt, _g_ Sclerotium, _b_ Sphacelia-Lager.
     Verticaldurchschnitt (1-1/2fache Linearvergrsserung).
]

Der Fruchtknoten ist bis zur Spitze von dem Mycelium total zerstrt und
durchbrochen. In seinem Grunde entsteht nun aber durch Anschwellung
und Verdichtung der Mycelienfden ein innen weisslicher, aussen
dunkel violetter Kern, ein steriles Fruchtlager, welches, aus den
Spelzen der Aehre hervorwachsend, an seiner Spitze das vertrocknende
Spermogonium, sowie Ueberreste der Fruchtknotenspitze wie ein Mtzchen
trgt. Das sogenannte Mutterkorn ist also ein Pilzfruchtlager,
ein Sclerotiumstroma. Das schmutziggelbe vertrocknete Spermogonium
(Mtzchen) fllt beim Rtteln leicht ab.

Das ~dritte~ und letzte Entwickelungsstadium tritt ausserhalb des
Bereiches der Getreidehre ein, wenn nmlich das Sclerotiumstroma im
Herbst oder Frhjahr auf feuchten Boden gelangt. Nach Verlauf mehrerer
Wochen lst sich die violette Oberflchenschicht des Stroma hier
und da in Lppchen ab, welche sich umlegen, und an den entblssten
Stellen entspriessen kleine weisse Knpfchen, welche sich anfangs
graugelb, dann schmutzig-violett frben und zu dnnen glnzenden,
blass-violetten, 3-4 Ctm. langen Stielchen, 1-, seltener 2warzige
Knpfchen an der Spitze tragend, auswachsen. Knpfchen nebst Stielchen
reprsentiren die Pilzfrucht, den Kernpilz.

[Illustration: Fig. 70.

$Mutterkornpilz im 3. Entwickelungsstadium.$

  1. Sclerotium mit Pilzfrchten (natrliche Grsse). _s_ fruchtbares
     Sclerotiumlager, _c_ Frchte des Mutterkornpilzes (fruchtbares
     Pilzlager).

  2. Ein Fruchtknpfchen vergrssert im Verticaldurchschnitt,
     Fruchtbehlter Perithecien (_p_) zeigend.

  3. Zwei Perithecien stark vergrssert, 8sporige Sporenschluche
     enthaltend. _a_ noch geschlossene Perithecie, _b_ geffnete
     Perithecie, Sporen auswerfend.
]

Jene Knpfchen oder fertilen Fruchtlager sind dicht von Wrzchen
bedeckt und enthalten unter jedem Wrzchen einen eifrmigen
Fruchtbehlter (Perithecie), welcher mit zahlreichen, gegen den
Scheitel convergirenden, linienfrmigen, 8sporigen Schluchen
(Sporenschluchen) gefllt ist. Bei der Reife ffnet sich jede
Perithecie mit einem Loche inmitten des deckenden Wrzchens. Aus
dem oberen Ende des Sporenschlauches treten die fadenfrmigen
Sporen in Bndeln zusammenhngend aus und schieben sich durch die
Perithecienffnung nach aussen. Nach _Flckiger_'s Angabe kann ein
Sclerotium 20-30 Kernpilzchen tragen, welche mehr denn eine Million
Sporen entwickeln. Wie nothwendig die Einsammlung und Vertilgung des
Mutterkorns (des Sclerotiumstroma) fr die Landwirthschaft ist, wird
durch _Flckiger_'s Forschung angedeutet.

Das ~Mutterkorn~ des Weizens ist etwas krzer und dicker.

[Illustration: Fig. 71.

_R_ $Roggenmehl$, _r_ Gewebetrmmer.

_M_ $Mutterkorn$, _c_ Oeltropfen, _f_ Fden (Hyphen), _sp_ Spermatien,
_k_ Zellengewebe. 150fache Linear-Vergrsserung.]

Die ~Erkennung~ des Mutterkornes (des Sclerotiumstroma) im feineren
Mehle mittelst Mikroskops bietet keine Schwierigkeit. In ein
Flschchen giebt man eine Messerspitze des Mehles und Wasser oder
verdnntes Glycerin nebst etwas der oben S.65 erwhnten Jodlsung,
schttelt gut durcheinander und bringt einige Tropfen der Mischung
auf das Objectglas. Die Strkemehlkrnchen sind violett oder blau
gefrbt, dagegen zeigen die Theile des Mutterkornes nur die Jodfarbe.
Von letzterem sind die Menge Oeltrpfchen, Fden und Gewebemassen, hier
und da mit schwarzem Rande, von der dunkelen usseren Hautschicht des
Mutterkornes herrhrend, beachtenswerth. Wenige und vereinzelte Theile
des Mutterkorns werden auch in einem guten Mehle nicht selten sein,
sind jedoch in gesundheitspolizeilicher Hinsicht nicht von Belang.

Im groben Mehle ist die Erkennung des Mutterkornes wegen Gegenwart
einer grsseren Menge Gewebselementen der Getreidefrucht schwieriger.
Der Gesundheit nachtheilige Mengen Mutterkorn im Brote und im Mehle
sind nur auf chemischen Wege zu bestimmen. Es ist in Deutschland
allgemein Gebrauch, das Mutterkorn auf der Dreschtenne von der
Getreidefrucht zu sondern, was bis auf wenige Mutterkorntrmmer
auch gelingt. Aus einem Sacke gut durchmischtem Korn von einem
Kleinbauer entnommen, wurde 1 Kil. genau untersucht und daraus 0,3
_g_ Mutterkorntrmmer gesammelt, gewiss eine Menge, von welcher ein
Nachtheil fr die Gesundheit nicht zu erwarten ist, selbst wenn sie
3mal mehr betrge.

Die Theile des Mutterkornpilzes aus dessen dritter Entwickelungsperiode
kommen nicht im Mehle, also auch nicht im Brote vor.

Ein Mehl, bis zu 5 Procent mit Mutterkornmehl verunreinigt, giebt
beim Zusammenmischen mit Aetzlauge einen Hringsgeruch. Zur weiteren
Prfung extrahirt man das Mehl mit sehr starkem Weingeist und vermischt
den Rckstand mit verdnnter Schwefelsure. Es stellt sich eine rothe
Frbung der Mischung ein, wenn Mutterkorn gegenwrtig war, oder man
extrahirt das Brot oder Mehl mit einer doppelten Menge Aether, welcher
mit 3 Procent verd. Schwefelsure versetzt ist und schttelt den Auszug
mit concentrirter Natronbicarbonatlsung aus. Es frbt sich der Aether
violett, schon wenn 1/5-1/10 Procent Mutterkorn gegenwrtig war.
Man kann auch die Portion Mehl fr das Objectglas mit etwas starkem
Spiritus, dem man auf 30 Tropfen 2-3 Tropfen verdnnte Schwefelsure
zugesetzt hat, mischen und davon unter das Objectiv bringen. Man sieht
dann aus den Mutterkorntheilen sofort eine rothe Frbung hervorgehen
(die Kleberzellen frben sich spter roth).

Der $Flugbrand$ oder ~Russbrand~ wird fter bei Hafer und Gerste
angetroffen, seltener im Weizen. Neben den Sporen dieses Staubpilzes,
welche eine dunkelbraune Farbe haben und deren jede einen deutlichen
Kern zeigt, findet man auch Fdchen (Mycelien).

[Illustration: Fig. 72.

$Mycelium des Flugbrandes$

in einem Getreidestengel, ca. 200mal vergr.]

[Illustration: Fig. 73.

$Flugbrandsporen$

mit den Fden des Mycelium, ca. 200mal vergr.]

[Illustration: Fig. 74.

$Flugbrandsporen.$

400mal vergr.]

[Illustration: Fig. 75.

_b_ $Keimschlauchtreibende Flugbrandspore.$

500mal vergr.]

Die Keimschluche der am Getreidesamen hngenden Sporen dringen in den
Keim des Samens, entwickeln hier ein Mycelium, welches mit der Pflanze
fortwchst, in die Fruchtkrner der Aehre endlich eintritt und hier
Sporen bildet.

Der $Schmierbrand$ oder ~Weizenbrand~ ist ein schmieriges schwarzes,
nach Hringslake riechendes Pulver, womit das Weizenkorn statt des
Mehles angefllt ist. Die Sporen dieses Staubpilzes (_Tilletia Caries_)
sind mehr eifrmig und mit kleinen Stacheln oder Borsten besetzt. Ihr
Keimschlauch entwickelt an seiner Spitze einen Wirtel von circa 10
Sporidien, deren je zwei durch ein Querband zu einem umgekehrten A
verbunden sind. Diese Sporidien fallen ab und treiben Keimschluche
und secundre Sporidien, welche wieder der Ausgangspunkt eines neuen
Myceliums werden.

[Illustration: Fig. 76.

$Alte Schmierbrandsporen.$

700mal vergr.]

[Illustration: Fig. 77.

$Schmierbrand oder Weizenbrand.$

_a_ Sporen (300mal vergr.). _b_ Spore mit Keimschlauch und
Sporidienwirtel (600mal vergr.). _c_ Eine Doppelsporidie, secundre
Sporidien (_d_) treibend.]


Arrow-Root.

~Arrow-Root~, ~Marantastrke~ oder ~Pfeilwurzelmehl~, welches von
vielen wegen seiner leichteren Verdaulichkeit und Nahrhaftigkeit
(?) unseren inlndischen Strkemehlarten vorgezogen, besondere
den an Diarrhe leidenden kleinen Kindern gereicht wird, kommt in
verschiedenen Sorten, oft auch mit Reismehl oder Kartoffelstrke
verflscht in den Handel.

[Illustration: Fig. 78.

$Bermuda-Arrow-Root. Marantastrkemehl.$

400mal vergr.]

[Illustration: Fig. 79.

$Brasilian-Arrow-Root. Kassavastrkemehl.$

400mal vergr.]

[Illustration: Fig. 80.

  $Bombay- oder Malabar-Arrow-Root.
        Curcuma-Arrow-Root.$
            400mal vergr.
]

[Illustration: Fig. 81.

_TS_ $Tahiti- oder Tacca-Arrow-Root.$

400mal vergr.

_RS_ $Reisstrkemehl.$ 400mal vergr.]

Das beste Arrow-Root ist die ~Bermudasorte~ oder das eigentliche
Marantastrkemehl, geringer schtzt man die Brasilianische Waare,
Tapioka oder Kassavastrke, dann das Bombay-Arrow-Root oder Tikmehl
und das Tahiti- oder Tacca-Arrow-Root. Mit 100Th. kochendem Wasser
geben diese Strkemehle einen dickflssigen, nicht gallertartigen,
durchscheinenden Schleim.

Die Krnchen des Marantastrkemehls, sowohl der Bermuda- wie
Brasilian-Sorte, sind im Ganzen kleiner als die der Kartoffelstrke,
welche am hufigsten als Verflschung angetroffen wird. Bei letzteren
sind die Schichten scharf hervortretend, daher auffallend sichtbar,
bei ersteren dagegen sehr zart und daher weniger sichtbar. Statt des
punktfrmigen Nabels oder Kernes des Kartoffelstrkekrnchen zeigt
sich an dem Krnchen der Marantastrke eine kurze, selten 3- bis
4strahlige Querspalte oder eine kleine runde schattige Vertiefung,
meist in der Mitte oder dem stumpferen Ende zu, whrend der Nabel bei
den Krnchen der Kartoffelstrke fast immer am spitzeren Ende liegt.
Die concentrischen Schichten an den Krnchen der Bombay-Sorte sind
gleichfalls zarter wie an denen der Kartoffelstrke. Die Form ist auch
eine verschiedene. Die Reisstrkemehlkrnchen (Fig.62) sind an ihrer
eckigen und kantigen Form und an ihrer geringeren Grsse leicht zu
erkennen.

[Illustration: Fig. 82.

$Strkemehlkrnchen des echten Sago.$

250mal vergr.]

Der ~ostindische Sago~ ist das in der Wrme in kleine Kugeln geformte
Mark der Sagopalme. Behufs der Prfung unter dem Mikroskop werden
einige Kgelchen des Sago zu Pulver gerieben und dieses einige Stunden
in kaltem Wasser geweicht. Dadurch schwellen die Strkemehlkrnchen an
und wird ihre Structur restituirt.


Gretreiderost.

[Illustration: Fig. 83.

$Grasrost.$

_u_ Uredospore im Verticaldurchschnitt. 400mal vergr. _t_
Teleutosporen. 400mal vergr.]

[Illustration: Fig. 84.

$Keimende Teleutospore$

mit einem Promycelium, welches Sporidien _sp_ abschnrt. 400mal vergr.]

Der am hufigsten vorkommende ~Getreiderost~ entsteht aus der
Vegetation der _Puccinia Graminis_ (Grasrost), welche sich sowohl
direct nach Art hnlicher Pilze, als auch auf dem Wege des
Generationswechsels fortpflanzt. Diese _Puccinia_ giebt sich durch
rothgelbe Flecke auf dem Blatte des Grasgewchses kund, welche als
Mycelium, zuerst innerhalb der Blattsubstanz befindlich, spter
die Epidermis durchbrechen und als rostfarbene Staubflecke auf der
Blattflche auftreten. Ein solcher Fleck lsst bei der mikroskopischen
Untersuchung Myceliumfden innerhalb des Blattgewebes und darauf
sprossende, aus der Blattflche hervortretende Basidien erkennen.
Letztere tragen sogenannte Sommersporen, Uredosporen, Basidiensporen,
welche keimfhig sind und, auf eine andere oder dieselbe Grasart
bertragen, wieder die Bildung eines Pilzmyceliums (Fruchtlagers)
veranlassen knnen. Die Uredospore ist eifrmig und besteht aus 2
Huten, von welchen die innere im Grtelumfange 4 Lcher, Keimporen,
hat, durch welche die Keimschluche hervortreten. Im Herbst verliert
diese Spore ihre Keimfhigkeit und verschwindet, dafr aber entwickelt
das Pilzmycelium Askobasidien, deren Sporen die sogenannten
Wintersporen, Teleutosporen (_Askobasidiensporen_) sich im Frhjahr
zu einem vorkeimartigen Organe (_Promycelium_) ausbilden, aus welchem
sich Sporenschluche (_Sporidien_) entwickeln. Die Teleutosporen nehmen
jedoch ihren Entwickelungsgang auf keiner Graspflanze vor, sondern
finden auf den Blttern des Sauerdorns (_Berberis vulgaris_) ihren
Vegetationsboden, in deren Zellgewebe ihre Schluche eindringen und zu
einem Mycelium auswachsen, aus welchem auf der Unterseite des Blattes
sogenannte Aecidiumbecherchen (Sporangien), angefllt mit Spermogonien
und Spermatien, die spter als eine klebrige Masse entleert
werden, hervortreten. Im Grunde der Aecidiumbecherchen entspringen
Askobasidien, deren Sporen beim Austritt auf feuchte Theile des
Getreides fallend sich wie die Sommersporen verhalten und wieder den
Grasrost erzeugen. Von anderer Seite wird behauptet, dass das Mycelium
der _Puccinia_ gleichzeitig Basidien und Askobasidien, also Uredo- und
Teleutosporen zu gleicher Zeit neben einander hervorbringe.

[Illustration: Fig. 85.

$Getreiderost.$

Aecidiumbecherchen (Sporangie) im Blatte des Sauerdorns im
Verticaldurchschnitt. 500mal vergr. _pp_ Blattparenchym. _z_
Epidermis. _m_ Mycelium. _pa_ Paraphysen als Bekleidung der Oeffnung
des Becherchens, welches mit Spermogonien oder Sterigmen _st_ und
Spermatien _sp_ angefllt ist, welche letzteren entleert werden. _bs_
Askobasidien, _s_ Sporen. 500mal vergr.]


Mehlmilbe, Weizenschlngelchen.

Im verdorbenen Mehle des Weizens und Roggens findet man hufig
die ~gefiederte Mehlmilbe~ (_Acarus plumiger_), seltener die
~gemeine Mehlmilbe~ (_Acarus Farinae_), ferner Vibrionen, wie das
Weizenschlngelchen (_Vibrio Tritici_). Die gemeine Mehlmilbe findet
sich hufiger in dem Mehle der Hlsenfruchtsamen und unterscheidet sich
von der gefiederten nur dadurch, dass sie an Stelle der federartigen
Haare mit einfachen Borsten besetzt ist.

[Illustration: Fig. 86.

$Mehlmilbe,$

100mal vergr.]

[Illustration: Fig. 87.

$Weizenschlngelchen,$

120mal vergr.]


Kartoffelpilz.

~Kartoffelpilz~, _Peronospora devastatrix_, _Peronospora infestans_,
ein parasitischer Pilz und die Ursache der Kartoffelfule oder
Kartoffelkrankheit, giebt sich im Juni bis Mitte Juli durch braune
Flecke auf den Blttern des Kartoffelkrautes und durch einen schwachen
weissen Schimmel auf der Unterflche der Bltter zu erkennen. Die
braunen Flecke werden durch ein Mycelium (Trieblager) verursacht,
dessen Fden (Hyphen) auf der Unterflche, bei feuchter Witterung auch
an der Oberflche des Blattes, durch die Spaltffnungen hervortreten
und das Ansehen eines zarten Schimmels darbieten. Die Mycelienfden
versteln sich ausserhalb der Blattflche und bilden an der Spitze
dieser Aeste Sporangien (Sporenbehlter), welche reif geworden
abfallen, sich bei Gegenwart von Feuchtigkeit ihrer Sporen in Portionen
durch eine Oeffnung an ihrer Spitze entledigen. Die Portionen Sporen
bilden sich in Schwrmsporen um, verlieren aber bald ihre Wimpern
und gestalten sich zu kugeligen Gebilden, welche sofort zu keimen
beginnen. Die Keime dringen durch die Epidermis anderer Theile der
Kartoffelpflanze und erzeugen ein neues Mycelium.

[Illustration: Fig. 88.

$Kartoffelpilz.$

_m_ Mycelium. _h_ Hyphen. _sp_ Sporangie (350mal vergr.). _p_ eine der
Sporenportion sich entleerende Sporangie (500mal vergrssert). _s_
Schwrmspore, links: keimende Spore.]


Weintraubenpilz.

~Weintraubenpilz~, ~Traubenpilz~, _Oidium Tuckeri_, ein parasitischer
Pilz und Ursache der ~Traubenkrankheit~, tritt im ersten Stadium
seiner Vegetation als ein zarter weisser Hauch oder Anflug auf den
jungen Weinstockzweigen, Blttern und den Weinbeeren auf, bildet
spter brunliche Flecke; die Trauben schrumpfen ein und vertrocknen
oder gehen bei nasser Witterung in eine faulige Masse ber. Die
mikroskopische Prfung ergiebt ein Mycelium (Trieblager), mit welchem
die Epidermis der genannten Weinpflanzentheile berzogen sind und
welches vermittelst Saug- oder Haftorganen den Zellen der Epidermis
fest anhngt, das Wachsthum der Epidermis verhindert und ein Bersten
derselben zur Folge hat. Durch die Spalten und Risse dringt das
Mycelium in das innere Gewebe der Beere und erzeugt hier Fulniss. An
den nach aussen gewendeten Enden der Mycelienfden entwickeln sich in
unserem Klima gewhnlich in Stelle der Sporangien eifrmige Gebilde
(sogenannte Cicinobolusfrchte, Oogonien, Oidiumformen), gleichsam
mit gitterfrmiger Cuticula bekleidete Asken, welche abfallen und auf
Zweigen und Beeren des Weinstockes wieder zu einem Mycelium auswachsen.
An der Rinde des neugebildeten Holzes der Nhrpflanze berwintert das
Mycelium.

[Illustration: Fig 89.

$Traubenpilz.$

_c_ Myceliumfden. _c'_ Haftorgane. _a_ Cicinobolusfrchte. _b_
keimende (Mycelium bildende) Cicinobolusfrucht (400mal vergr.). _d_
eine Cicinobolusfrucht noch mehr vergr. _e_ Sporen.]


Gespinnstfaser. Haar.

~Gespinnstfasern.~ Behufs der Erkennung und Unterscheidung der
Gespinnstfaser in einem Gewebe vermittelst des Mikroskops wird
das Gewebe zuvor von aller Appretur durch Auswaschen befreit, die
Kettenfden (Lngsfden) und die Fden des Einschlages (Querfden) von
einander gesondert und jede Art geprft. Der Faden wird mit einer Nadel
zerzasert und mit Wasser betropft unter das Mikroskop gebracht.

[Illustration: Fig. 90.

$Leinenfaser$

in 30facher Vergrsserung.]

[Illustration: Fig. 91.

$Leinenfaser$

200mal vergr.

_p_ Porenkanal.]

[Illustration: Fig. 92.

$Leinenfaser aus irlndischer Leinwand.$ _p_ Porenkanal

200mal vergr.]

~Leinenfaser~ ist walzenfrmig, nicht oder nur wenig hin- und
hergebogen, glatt, hin und wieder verdickt, der Lnge nach von einem
engen Kanal (Zellhhe) durchzogen. Letzterer erscheint bei 120facher
Vergrsserung wie eine schmale Linie. Die Leinenfaser luft in eine
schmal zulaufende stumpfe Spitze aus. In kleineren oder grsseren
Zwischenrumen bemerkt man schrg oder schief ber die Faser
verlaufende Linien, nmlich die Porenkanle, in Form verdnnter Stellen
der Bastzelle. Je nach Art der Bearbeitung und der Behandlung ist
die Leinenfaser glatt oder rauh. Handgespinnst hat gemeiniglich eine
glattere Faser als Maschinengarn. Jodlsung und Schwefelsure frben
unter Aufquellen und gleichzeitiger Verkrzung der Faser diese blau,
indem sich bei starker Vergrsserung wahrnehmbare blaue spiralfrmige
Windungen bilden.

[Illustration: Fig. 93.

$Leinenfaser aus Handgespinnst, an der Oberflche zerzasert.$

200mal vergrssert.]

[Illustration: Fig. 94.

$Baumwollenfaser,$

200mal vergrssert.]

[Illustration: Fig. 95.

$Baumwollenfaser$

bei 30facher Vergrsserung.]

[Illustration: Fig. 96.

$Baumwollenfaser mit gitterfrmigen Streifen,$

200mal vergrssert.]

~Baumwollenfaser~ erscheint unter dem Mikroskop als eine platte
oder bandfrmig-zusammengefallene, mehr oder weniger langgestreckt
schraubenhnlich gewundene, oder in der Art eines Pfropfenziehers um
sich selbst gedrehte, theils auch wohl wellig gebogene oder gekruselte
Faser, welcher berdies die der Leinenfaser eigenen Porenkanle fehlen,
doch zeigt sie sich hufig gitterartig schief gestreift, was bei der
Leinenfaser hchstens an den breiteren Stellen vorkommt.

Die Zellhhle ist mehr oder weniger deutlich und breiter als bei der
Leinenfaser. Auch die Baumwollenfaser ist je nach Behandlung und
Bearbeitung glatt oder mehr oder weniger zerfasert.

Die durch Jodlsung und Schwefelsure hervorgerufene Anschwellung und
Frbung tritt in derselben Art wie bei der Leinenfaser ein.

[Illustration: Fig. 97.

$Jute- oder Dschutefaser.$

100mal vergr.]

[Illustration: Fig. 98.

$Hanfbastfaser, am Ende gabelig gespalten.$

_v_ Querschnitt einer Bastfaser. 200mal vergr.]

Die ~Chinagrasfaser~, ~Jute~ (Dschute), ist starr und bandfrmig,
hnlich der Baumwollenfaser, aber nicht pfropfenzieherartig gewunden
wie diese. Sie hat wie die Leinenfaser schief gestellte Porenkanle,
aber eine breitere Zellhhle, und ist auch holziger und starrer. Ihre
Enden sind meist konisch. Der Durchmesser betrgt 0,04-0,11 _mm_. Die
Einwirkung der Jodlsung und Schwefelsure ist hnlich wie bei der
Leinenfaser, aber wegen der Holzfaser langsamer.

Die ~Hanfbastfaser~ ist sehr lang, im Durchmesser zu 0,01-0,027
_mm_. Die Contouren sind unregelmssig, die Enden stumpf abgerundet,
bisweilen gespalten. Bei starker Vergrsserung zeigt sich die
Hanfbastfaser parallelstreifig.

[Illustration: Fig. 99.

$Seide$ (_S_) $und Wolle$ (_W_).

400mal vergr.]

[Illustration: Fig. 100.

$Wolle$ (_W_), $mit Baumwolle$ (_b_),

30mal vergr.]

[Illustration: Fig. 101.

$Seide$ (_S_) und $Wolle$ (_W_),

bei 30facher Vergrsserung.]

Die ~Seide~ besteht aus glnzenden ~dichten~, walzenfrmigen,
structurlosen, ~nicht hohlen~ Doppelfden mit gleichfrmiger
Lichtbrechung. Der Querschnitt eines Kokonfadens ist von stumpfeckigem
Umrisse. Gefrbte Seide erscheint mitunter an einzelnen Stellen
breitgedrckt oder mit kleinen Unebenheiten. Der Mangel einer
Innenhhle unterscheidet sie von allen brigen Gespinnstfasern.
Zuckerlsung mit Schwefelsure frben den sich rasch auflsenden
Seidenfaden schneller als die Wolle rosenroth, und die hierbei
quellende ussere Schicht zeigt eine bogig gezackte Contour. Bei noch
nicht ganz erfolgter Auflsung bemerkt man innen einen noch festen
Lngsfaden, der nicht mit einer Innenhhle zu verwechseln und nur noch
unvernderte Seidensubstanz ist. Die sogenannte ~Jama-may-Seide~ (vom
chines. Eichenspinner) zeigt eine starke Lngsstreifung und eine porige
Querschnittflche.

Das ~Wollenhaar~ ist wie alle Haare der Sugethiere (man vergleiche
auch weiter unten unter Haar) ein cylindrisches rhrenfrmiges, von
einem Markstrange der Lnge nach durchzogenes Gebilde, bekleidet
mit ziegelartig sich deckenden Schppchen, welche sich bei geringer
Vergrsserung durch dicht und unregelmssig neben einander liegende
Linien oder Risse kennzeichnen. Zuckerlsung und Schwefelsure
frben das Wollenhaar rosenroth, nie wird es durch Jodlsung nebst
Schwefelsure blau gefrbt. Das Wollenhaar ist von verschiedener Dicke.
Die Electoralwolle z.B. 1/4-1/3 so dick als grobe Schafwolle.

~Alpakawolle~ kommt von einer Lamaart Amerika's, dem Paco oder Alpaca
(_Auchenia Paco_). Die rohe Wolle ist entweder weiss oder schwarz,
es kommt aber auch schwarzgefrbte Wolle vor. Die Structur ist der
der Schafwolle hnlich, im Markstrange jedoch finden sich einzelne
dunkelgefrbte Conglomerate, wie dies in der folgenden Figur angegeben
ist.

[Illustration: Fig. 102.

$Alpakawolle.$

_a_ und _b_ 100mal vergr., _c_ 200mal vergr., _a_ und _c_ weisse, _b_
schwarze.]

[Illustration: Fig. 103.

$Mohairwolle.$

200mal vergrssert.]

~Mohairwolle~, Mohrwolle, Kameelziegenhaar, Angorawolle, _Poil de
chvre_, stammt von der Angoraziege in Kleinasien. Das Haar ist von der
Structur der Schafwolle und unter dem Mikroskop von der Alpacawolle
leicht zu unterscheiden.

~Vicunnawolle~ ist das Wollhaar der Vicunna. Es ist ein zartes
flaumartiges zimmtfarbenes Haar, in der Structur der Schafwolle
ziemlich hnlich. Es ist gemeiniglich mit einzelnen dreifach strkeren
Haaren gemischt, welche unter dem Mikroskope schwarz erscheinen.

~Vigogne~ oder Vicunnagarn ist ein Gemisch aus Baumwolle und Schafwolle.

[Illustration: Fig. 104.

$Vicunnawolle$,

200mal vergr.]

[Illustration: Fig. 105.

$Hasenflaum$,

200mal vergr.]

~Hasenflaum~ unterscheidet sich durch die schrge Schuppung.

Zur ~chemischen Untersuchung~ eines ~Gewebes~ auf seine Zusammensetzung
gengen folgende drei Lsungen:

 1. eine mit Zinkoxyd gesttigte concentrirte Chlorzinklsung;

 2. eine 10prozentige Aetzkali- oder Aetznatronlauge;

 3. eine ammoniakalische Kupferoxydlsung.

Seide wird von der Chlorzinklsung, schneller beim Erwrmen,
gelst. Wolle wird von der Aetzlauge, die Pflanzenfaser von der
ammoniakalischen Kupferoxydlsung gelst.

Eine Beimischung von ~Baumwolle~ in ~Leinen~ lsst sich (nach
R.Boettger) erkennen, wenn man die von der Appretur befreiten
Quer- und Lngsfden oder auch ein Stck des Gewebes zuerst in eine
spirituse Lsung der Bosolsure (Aurin, gelbes Corallin des Handels),
hierauf in eine concentrirte wssrige Lsung des kohlensauren Natrons
(Soda) eintaucht und endlich mit Wasser absplt. Die ~Leinenfaser~
erscheint dann rosaroth gefrbt, ~Baumwollenfaser~ nicht gefrbt. --
Zndet man einen herabhngenden (von Appretur befreiten) Faden an und
lscht die Flamme wieder aus, so zeigt der ~Leinenfaden~ ein glattes
zusammenhngendes, der ~Baumwollenfaden~ dagegen ein bschelfrmig
ausgespreiztes verkohltes Ende. -- Hlt man die Faser oder ein Stck
des Gewebes 2 Minuten lang in englischer Schwefelsure untergetaucht
und splt dann mit Wasser aus, so findet man die ~Wollenfaser~
unverndert, die ~Seidenfaser~ in Lsung bergegangen.

[Illustration:

Fig. 106.

_W_ Schafwolle.

_E_ Electoralwolle.

_A_ Alpakawolle.

_S_ Seide.

_B_ Baumwollenfaser.

_J_ Dschute- (Jute)faser.

_H_ Hanffaser.

_L_ Leinenfaser.

300-400fache Vergrsserung.]

Die $Haare$ sind mehr oder weniger lange, dnne, elastische, biegsame,
empfindungslose Organe mit kreisrunder oder elliptischer oder eckiger
Querdurchschnittsflche. Die Masse, woraus sie bestehen, gleicht
physikalisch und chemisch der Hornsubstanz. Das Haar tritt aus der Haut
hervor, in welcher es durch eine weiche Anschwellung oder Verdickung,
~Haarzwiebel~ oder ~Haarwurzel~ genannt, befestigt ist. Am Haar
unterscheidet man eine ~Cortical~substanz und eine ~Medullar~substanz.
Erstere entsteht bei der Entwickelung des Haares zuerst, letztere
spter. Die Haupthaare eines unreifen Foetus sind daher gewhnlich
ohne Medullarsubstanz. In der longitudinalen Ausdehnung des Haares
unterscheidet man die ~Wurzel~ oder Zwiebel, welche in der Lederhaut
innerhalb eines von Gefssen durchzogenen Balges festsitzt, und den
~Schaft~, den Haupttheil des Haares, welcher ausserhalb der Haut liegt.

Die Corticalschicht zeigt sich dem Auge bei starker Vergrsserung aus
drei Schichten bestehend: einer ussersten Schicht, ~Peridermaschicht~,
darunter die eigentliche ~Corticalschicht~ und unter dieser die
~Markscheide~, welche das Mark oder die Medullarsubstanz einschliesst.
Die Peridermaschicht ist aus schuppenhnlichem, dachziegelartig an
einander liegendem Epithelium gebildet. Die ussere Corticalschicht
besteht aus parallel an einander liegenden Hornsubstanzfasern mit
durchstreuten, einzelnen, theils unter sich zusammenhngenden,
rhrenfrmigen Luftrumen. Die innere Corticalschicht, welche auch als
Markscheide bezeichnet ist, besteht ebenfalls aus dicht an einander
liegenden Hornsubstanzfasern, aber ohne oder fast ohne Luftrume, dafr
aber hier und da kleine mit Pigment gefllte Rume, Pigmentzellen,
einschliessend.

Der Markstrang liegt mehr oder weniger in der Mitte, innerhalb
der Markscheide, und fhrt in zellenartigen Rumen, von der Form
rundlicher oder abgeplatteter Behlter, Pigment. Der Markstrang
verluft nicht nothwendig von der Wurzel bis zur Spitze des Haares; er
kann auch mehrmals durch Corticalsubstanz unterbrochen sein.

Die Peridermaschicht stsst allmhlich Epithelialsubstanz schuppig
ab und regenerirt das Abgestossene, welches die unter dem Mikroskop
sichtbaren hutigen Unebenheiten des Haares darstellt.

Das Wachsthum findet hauptschlich zwischen Schaft und Wurzel statt,
indem der ~Haarkeim~, ~Haarpulpa~, der Centraltheil der Haarwurzel,
die Hornsubstanz ausschwitzt und zur Haarsubstanz ausbildet, welche
den alten Haarschaft vor sich herschiebt. Daher findet man den unteren
Theil des Haares bei eingetretener schlechter Ernhrung dnner und
drftiger als den oberen Theil, welcher seine Entstehung noch bei guter
Ernhrung fand.

Nur Haare an gewissen Krpertheilen des Menschen wachsen anhaltend,
andere erreichen eine gewisse Lnge und wachsen dann nicht mehr, wie
z.B. die Flaumhaare der Mdchen, die Haare auf den Handrcken der
Mnner.

Die Querdurchschnittsflche der Haare ist eine sehr verschiedene
und ihre Form fr die Haargattung eine wenig charakteristische. Das
Kopfhaar des einen Individuums kann bald eine runde, bald eine ovale,
bald eine dreieckige Querdurchschnittsflche zeigen. Diese Form ist
ganz von der Form der Hautffnung abhngig, durch welche das Haar
hervorwchst.

Das Pigment des Markstranges und der Interfibralrume der Markscheide
und Corticalschicht ist nur zum Theil die Grundlage des Farbentones
der Haare. Dieser ist hauptschlich von der Farbe der Corticalschicht
abhngig. Die Hornfasermasse ist bei schwarzem Haar schwarz oder
vielmehr in der einzelnen Faser dunkelgrau, bei rothem Haar rthlich,
bei braunem Haar brunlich, bei blondem gelblich. Der dunklere Ton
der Farbe ist eine natrliche Folge des Haarfettes, welches das Haar
ausschwitzt. Jedes Fett macht eine matte Farbe dunkler und lebhafter,
wie wir dies aus der Oelmalerei wissen. Das weiss werdende Haar
entsteht daher auch nicht durch ein Verschwinden des Pigments des
Markes, sondern durch verminderte Fettausscheidung, oder gleichsam
durch Absterben der Corticalschicht, welche dadurch undurchsichtig
wird, und dessen Hornfasern dann in derselben Weise nicht mehr das
Licht durchlassen wie ein Bndel feingesponnenen Glases. Ein weisses
Haar kann daher in dem Markstrange und in den Zellen der Markscheide
das ursprngliche dunklere Pigment noch enthalten.

Obgleich charakteristische Unterschiede der Haare der Menschen
scheinbar kaum hervortreten, so ergeben sich dennoch in forensischer
Beziehung viele Anhaltspunkte, welche fr sich oder mit einander
combinirt, zu gewissen Schlssen hinleiten.

Die mittlere Dicke der Haare von verschiedenen Krpertheilen des
Menschen fand Dr.~Pfaff~[6]:

  Flaumhaar der Suglinge                 0,008-0,01 _mm._
  Flaumhaar am Arme eines Mdchens        0,015 _mm._
  Flaumhaar an der Oberlippe einer Frau   0,018   "
  Haar am Arme eines Mannes               0,03-0,04 _mm._
  Augenwimper eines Mannes                0,04 _mm._
  Haar aus dem Gehrgange                 0,045  "
  Haupthaar eines Weibes                  0,06   "
  Haar von der Hand eines Mannes          0,07   "
  Haupthaar eines Mannes                  0,08   "
  Haar aus der Nase eines Mannes          0,08   "
  Schamhaar eines Mannes                  0,11   "
  Augenbrauenhaar eines Mannes            0,12   "
  Haar aus dem Schnurrbart                0,13-0,14 _mm._
  Schamhaar eines Weibes                  0,15 _mm._
  Backenbarthaar                          0,15   "
  (Schweinsborste                         0,27   ")

Diese Angaben bieten nur annhernde Zahlen, lassen auch manche
Abweichungen zu, z.B. kann ein Kopfhaar eines Mannes einen geringeren
Querdurchmesser haben als dasjenige eines Weibes.

[Illustration: Fig. 107.

$Kopfhaar,$

_a_ vor einem Vierteljahr verschnitten.

500mal vergr.]

[Illustration: Fig. 108.

$Kopfhaar,$

_b_ blondes Kopfhaar, _c_ weisses Kopfhaar eines Greises, _d_ sich
spaltendes Haar.

500mal vergr.]

Das ~Kopfhaar~ des Mannes unterscheidet sich von demjenigen eines
Weibes durch eine dickere Wurzel. Die Spitze luft um so mehr verjngt
aus, je entfernter der Zeitpunkt liegt, seit welchem es verschnitten
wurde. Die Spitze des Kopfhaares einer Frau ist gewhnlich nicht
dnner als der Hauptschaft, hufig auch noch mehrfach gespalten. Wenn
bei lteren Frauen das Wachsthum der Haare nachlsst, fangen auch die
Haarenden an, dnner und spitziger zu werden. Frauenkopfhaar soll
durch Aetzlauge schneller zerstrt werden als Mnnerkopfhaar. Kopfhaar
mit einer Querdurchschnittsflche von der Form der Ellipse ist zur
natrlichen Kruselung geneigt.

Die ~Augenbrauenhaare~ sind glatt, oval oder kantig im Durchschnitt und
laufen in eine feine Spitze aus, wenn sie nicht verschnitten wurden.

[Illustration: Fig. 109.

$Dunkelbraunes Frauenkopfhaar.$

Markstcke spitz. _a_ Spitze.

500mal vergr.]

[Illustration: Fig. 110.

$Kinnbarthaar.$

_br_ braunes, _gr_ grau werdendes.

500mal vergr.]

Das ~Augenwimperhaar~ ist meist scharfkantig, an den Kanten mit
scharfen, dornhnlichen Hervorragungen versehen, deren Spitzen nach
der Spitze des Haares gerichtet sind. Die Wurzel ist schlank und
rbenfrmig.

Das ~Schnurrbarthaar~ ist dem vorigen hnlich, aber glatter und mit
dickerer Wurzel.

Das ~Backenbarthaar~ ist ziemlich dick, mit sehr unebenem Periderma.
Seine Wurzel ist nur weniger dick als der Schaft. Das Backenbarthaar
derjenigen Mnner, welche leicht und stark transspiriren, soll in der
Peridermaschicht hier und da dunkle punktartige Erhabenheiten zeigen.

Das ~Nasenhaar~ hat gemeiniglich eine sehr unebene Aussenflche voller
warziger Auftreibungen. Es luft in eine feine dnne Spitze aus, und
die Wurzel zeigt im Lngendurchschnitt Guitarrenform. Das ~Hrchen~ aus
dem Ohre ist dem Nasenhrchen sehr hnlich, nur weniger uneben und mehr
konisch auslaufend.

Das ~Achselgrubenhaar~ tritt aus seiner Wurzel nicht allmhlich,
sondern stielartig hervor. Am Austritt, also am untersten Theile seines
Schaftes, ist es glatt, dann aber lngs seines Schaftes mit vielen
blttrigen und warzenfrmigen Erhabenheiten bedeckt, in Folge der
Auflockerung der Peridermaschicht durch Schweiss und Reibung. Seine
Spitze ist konisch, aber nicht fein auslaufend. Die Farbe ist meist
rthlich.

Das ~Brusthaar~ ist dem vorigen sehr hnlich, gewhnlich aber krzer,
nicht nothwendig rthlich. Die Wurzel ist fleischig und dick, die
Spitze kolbig.

Das ~Handrckenhaar~ des Mannes hat eine keulenfrmige Spitze, ebenso
dick oder dicker als der Schaft. Die Wurzel ist lang und dnner als
der Schaft. Die Haare vom Vorder- und Oberarm des Mannes haben eine
hnliche Form, es ist jedoch in Folge der Reibung durch die Bekleidung
die Spitze gespalten.

Das ~Haar~ an den Extremitten der Frauen ist meist Flaumhaar.

Die ~Schamhaare~ sind durch die Neigung zur Kruselung charakterisirt.
Die Querdurchschnittsflche ist meist oval oder elliptisch, die
Markstcke sind stumpf. Die Peridermaschicht ist uneben, knorrig und
von abgelster Hornsubstanz stig. Das Schamhaar der Mnner ist meist
dnner als das der Weiber, jedoch ist die Wurzel des ersteren dicker
und knolliger, die Wurzel des letzteren dagegen nicht dicker als der
Schaft. (Das weibliche Schamhaar ist wegen flach liegender Wurzel
leichter auszureissen). Das Haar vom ~Mons Veneris~ ist an der Spitze
keulenfrmig, bei jungen Personen konisch-spitz. Das Haar vom ~Scrotum~
ist dem Achselgrubenhaar sehr hnlich, jedoch hufig mit unegal dickem
Schafte.

Ob ein Haar unlngst oder vor lngerer Zeit ~abgeschnitten~ ist,
beantwortet die Spitze des Haares. ~Ausgefallenes~ Haar hat eine
mehr glatte abgerundete Wurzel, ~ausgerissenes~ Haar eine rauhe
zackige oder stige Wurzel. ~Zerrissenes~ Haar zeigt an der Rissflche
Hornfaserstumpfe von verschiedener Lnge. Eine Schnittflche ist glatt,
flach oder convex.

[Illustration: Fig. 111.

$Schamhaare.$

500mal vergr.]

[Illustration: Fig. 112.

$Schamhaar mit darauf eingetrocknetem Sperma.$

_a_, _aa_ Spitzen des Schamhaares.

500mal vergr.]

Die Wurzeln der Haare junger Personen lsen sich nach _Pfaff_
schneller in Aetzlauge auf als diejenigen der Haare lterer Leute.
Die Marksubstanz geschwchter oder lterer Leute ist weniger
zusammenhngend und durch Hornsubstanz hufiger unterbrochen.

Bei der Frage der Nothzucht kann sich auch in den Schamhaaren der
Genothzchtigten eingetrocknetes Sperma mit Fden vorfinden, oft
untermischt mit kleinen Krystallen.

Der $Weichselzopf$ (_Plica Polonica_), im Weichselgebiet Polens
endemisch, ist dem Kopfgrind verwandt und besteht durch Verkittung
und Verfilzung der Kopfhaare zu einzelnen Bndeln. Haare und Kopfhaut
schwitzen eine klebrige Feuchtigkeit aus, welche aus den Sporen und
Schleimlagern eines Pilzes, _Trichomaphyton_ oder _Mycoderma plicae
Polonicae_, bestehen.

[Illustration: Fig. 113.

$Weichselzopfhaar mit seinem Pilze.$

500mal vergr.]

[Illustration: Fig. 114.

Biber.

_bc_ Oberhaar, _a_ Spitze, links Flaumhaar (Grundwolle). 300mal vergr.]

[Illustration: Fig. 115.

Biber.

Starkes Oberhaar (Grannen).

300mal vergr.]

Das $Haar$ der $Thiere$ zeigt einen von dem Menschenhaar wesentlich
verschiedenen Bau, auch die Verschiedenheit des von verschiedenen
Krpertheilen desselben Thieres entnommenen Haares ist eine sehr
grosse. Eine Eigenthmlichkeit des Thierpelzes ist die Zusammensetzung
aus den eigentlichen Haaren, Oberhaaren, und dem Flaum oder Unterhaar.
Letzteres ist zart und oft 100mal dnner als das Oberhaar. Die in den
folgenden Figuren dargestellten dnneren Theile gehren dem Unterhaar
(Grundwolle) an. Smmtlich in 300m. Vergr.

[Illustration: Fig. 116.

$Hund (Prairienhund).$

Links Flaumhaar.]

[Illustration: Fig. 117.

$Zobel.$

Links Flaumhaar.]

[Illustration: Fig. 118.

$Virginische Otter.$

Links Flaumhaar.]

[Illustration: Fig. 119.

$Nerz.$

Links Flaumhaar.]

~Steinmarderpelzhaar~ ist dem Zobelhaar sehr hnlich, nur ist die
Markrhre dunkler und die Seitenzacken treten strker hervor.

~Baummarderhaar~ ist dem Nerzhaar sehr hnlich.

[Illustration: Fig. 120.

$Hamster.$

In der Mitte Flaumhaar.]

[Illustration: Fig. 121.

$Kaninchen.$

Links Flaumhaar.]

[Illustration: Fig. 122.

$Katze.$

Links Flaumhaar.]

[Illustration: Fig. 123.

$Bisam.$

Links Flaumhaar.]

[Illustration: Fig. 124.

$Fuchs.$

Links Flaumhaar (Grundwolle).]


Gewrze.

Die mikroskopische Untersuchung erstreckt sich hauptschlich auf
die gepulverten oder gemahlenen Gewrze, welche hufig verflscht
mit den Pulvern aus Brot, Semmel, Eicheln, Hlsenfruchtsamen,
Mahagoniholz, Zuckerkistenholz und dergleichen angetroffen werden.
Behufs der mikroskopischen Untersuchung eines gepulverten Gewrzes
ist das Pulver, wenn es ein grbliches ist, in einem porzellanenen
Mrser zu einem hchst feinen Pulver zu zerreiben, in einem Glschen
mit der verdnnten Glycerinflssigkeit (S.55) zu mischen und von
der Mischung tropfenweise auf Objectglsern zu vertheilen. Circa
0,5 _g_ oder eine Messerspitze des Gewrzpulvers ist hier mehr denn
ausreichend. Die Untersuchung wird zuerst bei 100-150facher, dann
folgend bei 200-300facher Vergrsserung ausgefhrt. Um sich vor Irrthum
zu bewahren, mge der Anfnger in mikroskopischen Untersuchungen
gleichzeitig mit reinem gutem Gewrz experimentiren. Wre Pfefferpulver
zu untersuchen, so zerreibe man circa 3 Pfefferkrner zu feinem Pulver
und betrachte dieses unter dem Mikroskop, um von den Formelementen
des Pfeffers ein Bild zu erlangen. Die Abbildungen sind nie mit der
Accuratesse ausgefhrt, um dem Anfnger in der Beurtheilung des
Befundes volle Sicherheit zu bieten.

$Pfeffer$ ist das am strksten consumirte Gewrz. Er ist die
Beerenfrucht eines in Ostindien einheimischen Kletterstrauches. Der
sogenannte ~schwarze Pfeffer~ ist die nicht vllig reife und an der
Sonne und in Oefen getrocknete, der ~weisse Pfeffer~ die reife, nach
dem Einweichen in Meer- oder Kalkwasser von der usseren Fruchthaut
befreite Frucht. Ersterer hat einen schrferen brennenderen Geschmack
als letzterer.

$Schwarzer Pfeffer.$ Der zu einem feinen Pulver zerriebene Pfeffer
bietet dem Auge mehrere charakteristische Formelemente seiner
Gewebeschichten. -- 1) Oelzellen oder Harzzellen, rundliche, kugelige
oder mehr oder weniger eckige Zellen in mssiger Menge, angehrend
dem Parenchym des Fruchtgehuses und dem Eiweisskrper. Sie enthalten
ein farbloses flchtiges Oel und ein Weichharz, welche den Geschmack
des Pfeffers bedingen. -- 2) Steinzellen aus dem Theile, welcher
zunchst unter der usseren Fruchthaut liegt. -- 3) Unregelmssig
geformte, meist vielkantige Zellen des Eiweisskrpers, angefllt
entweder mit formlosen homogenen Strkekleistermassen, oder -- 4) mit
umrnderten Strkemehlkrnchen. Diese sind usserst klein, rundlich
oder vielkantig, zu 2, 3 und mehr reihenweise aneinander liegend oder
zu rundlichen Ballen gehuft. Bei starker Vergrsserung lassen viele
dieser Strkemehlkrnchen eine tiefe Kernhhle (Nabel) erkennen. -- 5)
Spiralgefsse. -- 6) Krystalle, jedoch nur wenige, wahrscheinlich aus
Piperin bestehend.

[Illustration: Fig. 125.

$Schwarzer Pfeffer.$

Feines Pulver aus Pfefferfrchten, welche schwerer als Wasser sind und
darin untersinken.

300malige Vergr.]

[Illustration: Fig. 126.

$Schwarzer Pfeffer.$

Pulver aus Pfefferfrchten, welche leichter und schwerer als Wasser
sind.

_o_ Oelzellen, _st_ Steinzellen, _e_ Zellen mit Kleistermassen aus
dem Eiweisskrper, _a_ Strkemehl, _sp_ Spiralgefsse, _k_ Krystalle.
150-200mal vergr.]

[Illustration: Fig. 127.

$Strkemehlkrnchen des Pfeffers.$

500mal vergr.]

Als Verflschungen des gemahlenen Pfeffers sind Eicheln, getrocknete
Kartoffeln, Rapskuchen (Presskuchen aus der Darstellung des Rbls)
vorgekommen. Die Strkemehlkrnchen der Eicheln und Kartoffeln sind
leicht an ihrer Form zu erkennen. Die Rapskuchen zeigen Partien
Steinzellengewebe, dessen Zellen 5-6eckig, sehr dickwandig und
rothbraun erscheinen.

$Weisser Pfeffer.$ Der zu einem feinen Pulver zerriebene weisse Pfeffer
bietet dem Auge hnliche Formelemente wie der schwarze Pfeffer, nur
fehlen die Steinzellen, die Trmmer der ussersten Fruchthaut und
des Parenchyms des Fruchtgehuses. Vorwiegend und in grsserer Menge
vertreten als im schwarzen Pfeffer sind die Zellen des Eiweisskrpers
mit den Kleistermassen und den Strkemehlkrnchen.

[Illustration: Fig. 128.

$Weisser Pfeffer.$

Feines Pulver. 150-200mal vergr.]

$Piment$, ~Nelkenpfeffer~, ~Englisch-Gewrz~, ~Neugewrz~, ist die
vor der vlligen Reife gesammelte und getrocknete Frucht eines in
Westindien, besonders auf Jamaica cultivirten kleinen Baumes (daher
auch der Name Jamaicapfeffer). In ein feines Pulver verwandelt lsst er
unter dem Mikroskop erkennen: -- 1) einfache, sehr kleine Hrchen, auf
der Oberhaut der Frucht befindlich. -- 2) Grosse brunliche Oelzellen,
aus dem Fruchtgehuse und der Umgebung des Keimes. Im Fruchtgehuse
stehen sie dicht gedrngt und bilden die halbkugelig hervortretenden
Warzen der Oberflche der ganzen Frucht. Die usserste Fruchthaut
zeigt auch deutlich Spaltffnungen. -- 3) Dickwandige Steinzellen,
viele mit verzweigten Porenkanlen. -- 4) Spiralgefsstrmmer. -- 5)
Strkemehlkrnchen. -- 6) Zellen mit dunkelrothem Farbstoff. -- 7) Nur
bisweilen rhombodrische Kalkoxalatkrystalle.

[Illustration: Fig. 129.

$Piment, in feines Pulver verwandelt.$

_o_ Oelzellen, _st_ Steinzellen, _sp_ Spiralgefsse, _a_ Strkemehl.]

Da Piment Gerbstoff enthlt, so nehmen die Gewebselemente mit stark
verdnnter Lsung des Eisenchlorids (Ferrichlorids) befeuchtet eine
indigblaue Farbe an.

$Gewrznelken$ (_Caryophylli_) sind die getrockneten Blthenknospen des
Gewrznelkenbaumes, welcher auf den Molukken einheimisch ist, aber auf
anderen Inseln Ostindiens und in Westindien cultivirt wird.

Bei der Prfung des Gewrznelkenpulvers unter dem Mikroskope vermisst
man Strkemehlkrnchen und dickwandige Gewebezellen. Eine zarte
Querschnitte durch den Unterkelch einer Gewrznelke ist in folgender
Abbildung (Fig.130) bei 120maliger Vergr. vergegenwrtigt.

Zu der mikroskopischen Untersuchung des Gewrznelkenpulvers verwendet
man zunchst das nur mit verdnntem Glycerin gemischte Pulver, dann
aber auch zur besseren Examination der Zellen und Gefsse eine Portion
des Pulvers, welche mit verdnnter Aetzlauge geschttelt, in einem
Filter gesammelt, mit Wasser abgewaschen und mit Glycerin gemischt ist.

[Illustration: Fig. 130.

$Zarte Querschnitte aus dem Unterkelch der Gewrznelke.$

_d_ Gefssbndel, _v_ centrale Gefssbndelgruppe, _f_ lockeres
Zellgewebe.]

Es lassen sich folgende Formelemente wahrnehmen: -- 1) Oelzellen,
unter der kleinzelligen Oberhaut liegend. -- 2) Bastzellen, meist
spindelfrmige. -- 3) Spiralgefsse, zum Theil in einem kleinzelligen
Parenchym, dessen Zellen Krystallgruppen (Krystalldrusen) enthalten. --
4) Pollenkrner (Blthenstaubzellen). Diese erscheinen dreiseitig oder
dreikantig und sind dreiporig. -- 5) Spaltffnungen (mit den beiden
Schliesszellen).

[Illustration: Fig. 131.

$Gewrznelken.$

Formelemente des Gewebes: _k_ Zellen mit Krystallen
(Kalkoxalatkrystalldrusen), _f_ Bastfaser, _o_ Oelzellen, _sp_
Spaltffnungen, _b_ Pollenkrner. Circa 250mal vergr. _h_ Querschnitt
eines Holzbndels 50mal vergr. _st_ Treppengefss aus den
Nelkenstielen.]

Das Gewrznelkenpulver mit verdnnter Lsung des Eisenchlorids
(Ferrichlorid) befeuchtet frbt sich blauviolett wegen des Gehaltes
an Gerbstoff. Diese Reaction erfolgt nicht oder ist gering, wenn eine
gepulverte, bereits extrahirte Waare vorliegt.

[Illustration: Fig. 132.

$Strkemehl der Eicheln.$

_a_ 120mal, _b_ 250mal vergr.]

[Illustration: Fig. 133.

$Steinzelle aus den Nelkenstielen.$

_t_ Hohlraum, _p_ Porenkanal. 250mal. Vergr.]

Die Verflschung des Gewrznelkenpulvers mit dem Pulver der
Gewrznelkenstiele (Blthenstiele) war vor Jahren eine sehr
hufige, mit gersteten Eicheln eine gewhnliche. In dem Pulver der
Gewrznelkenstiele sind vorwiegend sehr dickwandige Zellen, Steinzellen
mit dickschichtiger Wandung, strkere und bedeutend grssere Holzbndel
und Bastbndel, treppenfrmige Gefsse mit weiterem Lumen und nur
wenige Oelzellen vertreten. Eichelnpulver verrth sich durch das darin
befindliche Strkemehl, dessen Krner dem Strkemehl der Hlsenfrchte
sehr hnlich, aber von geringerer Grsse sind und einen langen
Kernhhlenspalt (Nabel) zeigen. (Vrgl. auch unter Kaffee.)

$Zimmt.$ Im Handel unterscheidet man Ceylonzimmt oder echten Zimmt und
Zimmtkassie oder Kaneel. Der gemahlene Zimmt oder Zimmtpulver wird nur
aus der Zimmtkassie hergestellt.

~Zimmtkassie~, ~Kaneel~, ~Chinesischer Zimmt~, gewhnlich nur mit
Zimmt bezeichnet, ist der Bast der Aeste des Zimmtbaumes, welcher im
sdlichen China und Cochinchina einheimisch, aber in verschiedenen
Theilen Ostindiens cultivirt wird.

[Illustration: Fig. 134.

$Formelemente des Gewebes der Zimmtkassie.$

_s_ Steinzellen, _st_ Strkemehlfhrende Steinzellen, _b_ Bartzellen,
_bp_ Strkemehlfhrende Bastzellen, _o_ Oelzellen. 150-200mal. Vergr.]

Behufs der mikroskopischen Prfung des Zimmtpulvers ist eine kleine
Portion mehrere Stunden in verdnntem Glycerin einzuweichen. Es
bietet dem Auge folgende hauptschliche Formelemente: -- 1) dnne
spindelfrmige, meist glatte Bastfassern (circa 0,05 _mm_ lang). Sie
sind so verdickt, dass der Innenraum wie eine linienfrmige Spalte
erscheint. -- 2) Dickwandige Zellen des Bastparenchyms, Strkemehl
fhrend. -- 3) Steinzellen mit und ohne Strkemehl. -- 4) Oelzellen.
-- 5) Schleimzellen. -- 6) Strkemehlkrnchen (0,01-0,018 _mm_ im
Durchmesser) finden sich in rothbrauner Masse eingebettet in allen
Parenchymzellen, in vielen Steinzellen. -- 7) Wenige, sehr kleine
prismatische Kalkoxalatkrystalle (aus den Markstrahlzellen).

Der ~Ceylonzimmt~ enthlt sehr grosse (bis zu 0,1 _mm_ grosse)
starkverdickte Steinzellen, dnnere (0,02-0,025 _mm_), Bastzellen,
wenige und kleinere Strkemehlkrnchen und eine mehr braungelbe Masse
in den Parenchymzellen. Die kleinen Kalkoxalatprismen fehlen ganz.
Ceylonzimmt ist die theuerste Zimmtsorte.

Die ~Holzkassie~, Malabarzimmt, _Cassia lignea_, ist die Rinde der
Aeste eines dem Ceylonzimmtbaume verwandten Baumes. Bisweilen fehlt
darin das Strkemehl. Sie wird zur Verflschung des Zimmtkassien-
und Ceylonzimmtpulvers gebraucht. Die Gewebeelemente haben viele
Aehnlichkeit mit denen des Ceylonzimmts. Der Geschmack der Holzkassie
ist schwach zimmtartig und sehr schleimig, der Geruch sehr schwach
zimmtartig.

Weitere Verflschungen des Zimmtkassienpulvers sind die Pulver aus
Mahagoni- und Zuckerkistenholz, verschiedener Baumrinden, Eicheln, Brot
etc. Verdnnte Eisenchloridlsung frbt die Zimmtkassie nur dunkler bis
rothbraun, nicht aber violett, blau oder grn.

$Ingwer$ ist der geschlte oder ungeschlte, getrocknete Wurzelstock
der im tropischen Asien einheimischen Ingwerpflanze. Es kommen im
Handel vor: ungeschlter, geschlter und gebleichter Ingwer.

Der gepulverte Ingwer ist vor der mikroskopischen Untersuchung
in verdnntem Glycerin einzuweichen. Die Formelemente des Gewebes
sind: -- 1) Oelzellen. -- 2) Gerundete Harzzellen. -- 3) Vieleckige
Parenchymzellen mit Strkemehl angefllt. -- 4) Gefssbndel aus
dnnwandigen Faserzellen, dickwandigen, eine weite Hhlung zeigenden,
bastartigen Holzfasern und Treppengefssen bestehend. -- 5)
Strkemehlkrnchen. Diese sind flach, eifrmig oder lnglich (0,02-0,04
_mm_ lang), concentrische Schichtung zeigend.

[Illustration: Fig. 135.

$Formelemente aus dem Gewebe des Ingwers.$

_h_ Harzzellen, _o_ Oelzelle, _sp_ Holzbndel, _a_ Strkemehl. 120mal
vergr.]

Verflschungen des gemahlenen Ingwers sind: Eicheln, Rapskuchen,
Brot, Curcuma (Gelbwurzel). Letztere verrth sich durch ihren Gehalt
an gelbem Farbstoff, welcher durch Borax und Alkalien leicht erkannt
werden kann.

[Illustration: Fig. 136.

$Strkemehlkrnchen des Ingwers.$

400malige Vergr.]

$Muskatnuss$ ist der Samen aus der Frucht des auf den Molukken
einheimischen, auf den Bandainseln cultivirten Muskatnussbaumes: Das
Pulver zeigt vieleckige, dnnwandige, mit Strkemehlkrnchen erfllte
Zellen. Die Strkemehlkrnchen sind hier und da in einer fettigen
rothbraunen Masse eingebettet. Die Strkemehlkrnchen sind zu 2, 3,
4 und mehr, meist regelmssig zusammengesetzt, das Theilkrnchen
zeigt eine rundliche oder eckige Kernhhle. In den meisten der
Strkemehl fhrenden Zellen findet sich von Strkemehlkrnchen
umlagert ein krystallfrmiger rhombodrisch oder kubisch gestalteter
Krper (Krystalloid). Auch beobachtet man hier und da prismatische
Fettkrystalle. Nach der Befeuchtung mit Jodlsung erscheinen die
Strkemehlkrnchen blau, die Krystallkrper dunkelroth.

[Illustration: Fig. 137.

$Pulver von Muskatblthe und Muskatnuss.$

_Mac_ Muskatblthe, Macis. _Musk. N._ Muskatnuss. _a_ Zelle mit
Krystalloid und Strkemehl.

120mal. Vergr.]

$Muskatblthe$, ~Macis~, ist der fleischige Samenmantel aus der Frucht
des Muskatnussbaumes. Das Pulver zeigt unter dem Mikroskop gerundete
oder kantige Zellen, neben kugeligen, eifrmigen oder kantigen
Oelzellen (0,04-0,08 _mm_ im Durchmesser). Strkemehl fehlt. Jodlsung
frbt gelbroth, rothbraun und purpurroth. Beimischungen Strkemehl
enthaltender Stoffe sind daher leicht zu erkennen. Siehe Fig.137.

[Illustration: Fig. 138.

$Curcumapulver.$

_b_ Kleistermassen, _h_ Harzzellen (100mal vergr.), _a_
Strkemehlkrner (300mal vergr.)]

$Curcuma$, ~Gelbwurz~, der in knstlicher Wrme getrocknete Wurzelstock
der in Ostindien und dem sdlichen und stlichen Asien einheimischen
_Curcuma longa_, Gelbwurzlilie. Das Pulver der Curcuma ist zuweilen
ein Verflschungsmittel der Gewrze und Bestandtheil des vom gemeinen
Manne mit Safran benannten Safransurrogats fr den Gebrauch in der
Kche. Es zeigt unter dem Mikroskop mit verdnntem Glycerin befeuchtet,
dieses gelb frbend, kugelige eifrmige oder lngliche gelbgrnliche,
durch Jodlsung sich blau frbende Massen (Strkekleistermassen),
Strkemehlkrnchen besonderer Form, gelbe Harzzellen, Trmmer von
Treppengefssen. Obgleich das Curcumamehl eine billige Waare ist, so
wird es nicht selten mit Stoffen verflscht, welche eine andere oder
abweichende Form der Strkemehlkrnchen aufweisen.

$Rothes Santelholz$, ~rother Santel~, das Holz des in Ostindien
einheimischen Santelbaumes, _Pterocarpus santalinus_. Das Pulver
dieses Holzes ist nicht selten verflscht oder es dient als ein
unschuldiges Frbemittel einiger Genussmittel, auch ist es ein
Bestandtheil des Safransurrogates, des in der gewhnlichen Kche
gebrauchten Safrans. Unter dem Mikroskope in verdnntem Glycerin,
welches sich weinroth frbt, eingeweicht zeigt es -- 1) mit zierlichen
Tpfeln versehene Holzgefsse, -- 2) bastartige Holzfasern, -- 3)
getpfelte Holzparenchymzellen, -- 4) kleine Zellen, einen einfachen
Kalkoxalatkrystall enthaltend, -- 5) Farbstoffmassen und vereinzelte
Strkemehlkrnchen. Weingeist lst den Farbstoff mit rother,
Aetzkalilauge mit violetter Farbe.

[Illustration: Fig. 139.

$Gepulvertes rothes Santelholz$.

_h_ Holzzellen, _gh_ getpfelte Holzparenchymzellen, _hh_
Holzparenchymzellen mit umhften Tpfeln, _m_ Zellen aus den
Markstrahlen, _k_ Krystallzellen mit einfachem Kalkoxalatkrystall.

(Circa 120malige Vergr.)]


Senf. Mostrich.

Speisesenfpulver und Mostrich sind fr den Gebrauch in der Kche
und auf dem Tische entsprechend und dem Geschmack convenirend
zusammengesetzte Genussmittel, in welchen schwarzer und auch gelber
Senfsamen die den Geschmack bedingenden Substanzen sind.

Das ~Senfmehl von Sarepta~ ist das Pulver der Samen von _Sinapis
juncea_ und entspricht in seinen mikroskopischen Theilen ganz unserem
gelben oder weissen Senfe. Das sogenannte ~Englische Senfmehl~ ist
gewhnlich nur ein pulveriges Gemisch aus 1Th. schwarzem Senf, 8Th.
gelbem Senf und 1-3Th. Getreidemehl.

Eine mikroskopische Untersuchung beider Genussmittel knnte nur den
Zweck haben, darin Substanzen zu bestimmen, welche den Nahrungs- und
Genussmitteln nicht angehren und genossen nachtheilige Wirkungen
haben und endlich die Gegenwart des Pulvers der Senfsamen zu erkennen,
wenn etwa der Geschmack diesen nothwendigen Umstand bezweifeln lsst.
Beide, sowohl das Speisesenfpulver (Mostrichpulver) wie der Mostrich,
sind zusammengesetzte Genussmittel, welche den Zwecken der Verwendung
in der Kche und auf dem Tische, sowie den Ansprchen des Geschmackes
entsprechen sollen. Zur Erreichung dieser Zwecke ist die Vermischung
des Pulvers von schwarzem und gelbem Senfsamen mit Salz, Gewrzen,
Mehl, Essig, Wein, Zucker und anderen Genussmitteln nothwendig, und
knnen solche Beimischungen nie als ungehrige oder als Flschungen
angesehen werden, und das um so weniger, als man den Werth der
Senfprparate nach der usseren Beschaffenheit und dem Geschmack
beurtheilt und eine einfache Mischung von reinem Pulver des schwarzen
oder gelben Senfes mit Wasser, Wein, Essig dem Geschmacke nicht gengt,
selbst die Mischung nur mit schwarzem Senfsamen den Giften beizuzhlen
wre.

[Illustration: Fig. 140.

$Pulver des schwarzen und weissen Senfsamens.$

_s_ Schwarzer Senf, _w_ weisser oder gelber Senf, _st_ Steinzellen,
_kl_ Kleberzellen, _k_ Keimzellen _ep_ Epidermalgewebe, _o_
Oeltrpfchen.]

Auch eine Beimischung von gemahlenem Rbsen- oder Rapssamen an Stelle
des weissen Senfsamens, wenn sie berhaupt vorkommen sollte, ist
keine Verflschung, da dadurch das Angenehme des Geschmacks eher
gehoben als herabgedrckt wird. Wre der Rbsensamen geschlt, so ist
er auch gar nicht nachzuweisen.

[Illustration: Fig. 141.

$Pulver des Rapskuchens.$

_st_ Steinzellen, _kg_ Keimgewebe, _kl_ Kleberzellen, _o_ Oeltrpfchen.]

Ein wesentliches Erkennungszeichen der Samenpulver des schwarzen
Senfes und des Rbsens unter dem Mikroskop sind die Gewebetrmmer der
usseren dunkelroth-braunen Samenhaut. Die Steinzellen derselben sind
beim Rbsensamen grsser und auch etwas abweichend geformt als beim
schwarzen Senf, und farblos beim gelben Senf.


Cacao. Chocolade.

~Cacaomasse~ oder ~prparirter Cacao~ gehrt zu den einfachen
Genussmitteln und besteht aus den Cacaosamen, welcher schwach gerstet,
dann von der Samenschale befreit und in der Wrme in eine zwischen den
Fingern oder auf der Zunge unfhlbaren Masse bergefhrt sind. Diese
Masse soll nichts enthalten, was nicht Cacaosamen ist. Vorkommende
Verflschungen oder Gewicht vermehrende Stoffe dieser Masse sind:
schwach gerstete Eicheln, Getreidemehl, Maismehl, Hlsenfrchte,
Strke, Brot u. dgl.

Behufs der mikroskopischen Prfung wird etwas der Masse fein zerrieben,
ein Theil davon mit verdnntem Glycerin gemischt, ein anderer Theil mit
Wasser lngere Zeit geschttelt, auf einem Filter gesammelt und dann
geprft.

Cacao hat verschiedene Gewebeelemente, welche sich von denen der
Verflschungsmittel wesentlich unterscheiden. Zunchst sind zu erwhnen
die verlngerten, cylindrischen, keulenfrmigen oder spindelfrmigen,
an ihrem einen Ende oft getheilte, durch Querscheidewnde, hin und
wieder auch durch Lngsscheidewnde geschichtete Schluche oder
sogenannte _Mitscherlich_'sche Krperchen, dann die in Fett gelagerte,
zusammengesetzte, sehr minutise Strkemehlkrnchen fhrenden braunen
vieleckigen Zellen der Keimlappen und die denselben untermischten oder
in Reihen gestellten Zellen, einen rothbraunen Farbstoff enthaltend.

[Illustration: Fig. 142.

$Cacao.$

_m_ Schluche der inneren Samenhaut, die sogenannten Mitscherlich'schen
Krperchen, _k_ Theobrominkrystalle (120-150fache Vergr.).]

[Illustration: Fig. 143.

$Cacao.$

_s_ Strkemehl fhrende, _f_ Farbstoff fhrende Zellen der Keimlappen
(150fache Vergrsserung).]

Unter dem Mikroskop sieht man auch Fett in kugeligen Massen, zuweilen
jedoch nicht immer, kleine farblose prismatische Krystalle.

[Illustration: Fig. 144.

$Cacaomasse.$

_k_ Cacaostrkemehl, _m_ Mitscherlich'sche Krperchen.]

Der Farbstoff wird durch verdnnte Schwefelsure mit blutrother, durch
Essigsure mit violetter Farbe gelst. Verdnnte Eisenchloridlsung
tingirt blau, was auf eine gerbstoffartige Substanz deutet.

Die Strkemehlkrnchen des Cacao sind, wie bereits bemerkt ist,
zusammengesetzte, im Uebrigen sehr klein (0,005-0,008 _mm_) im
Durchmesser.

~Chocolade~ ist ein zusammengesetztes Genussmittel, welches einen
angenehmen Geschmack haben und in kochendem Wasser oder kochender Milch
zertheilt ein angenehm schmeckendes, aber auch schleimiges Getrnk
liefern soll, in welchem die Partikel der Cacaomasse in Suspension
erhalten bleiben. Um nun letzteres zu erzielen, ist ein Zusatz eines
strkemehlhaltigen Genussmittels nothwendig. Die Chocolade kommt in
verschiedenen Sorten in den Handel. Die theuren Sorten bestehen zumeist
nur aus gleichen Theilen Cacaomasse und Zucker nebst verschiedenem
Gewrz. Die geringeren und billigen Sorten enthalten ausser den
genannten Stoffen gerstetes Getreidemehl oder Strkemehl, Maismehl,
Reismehl etc. Werden diese Sorten in der Kche zum Getrnk gemacht,
so bedrfen sie keines Mehl- oder Strkemehlzusatzes, welcher bei
den theuren Sorten nicht umgangen werden kann. Diese Erinnerung ist
gemacht, um zu warnen, den Gehalt der Chocolade an fremden Strkemehl
als eine Verflschung aufzufassen. Chocolade ist eben Cacaomasse,
welche sich zur bndigen Darstellung des Chocoladengetrnkes eignet.

Will man Chocolade mikroskopisch untersuchen, so wird sie kalt
zerrieben, zuerst zur Beseitigung des Fettes mit Aether, dann zur
Beseitigung des Zuckers mit lauwarmem (30-35) Wasser ausgezogen und
nun das in Aether und Wasser unlsliche unter das Objectiv gebracht.

Das ~hollndische Cacaopulver~ ist das feine Pulver der mit Soda
behandelten Cacaosamen. Es zeigt einige Gewebeelemente des Cacaosamens
in zerstrter Form.

~Chocoladenmehl, Chocoladenpulver~. Mit diesen Namen wird ein Surrogat
der Chocolade bezeichnet. Es ist ein sehr billiges Pulver, welches
in kochendes Wasser oder kochende Milch eingerhrt, sofort ein dem
Chocoladengetrnk hnlich schmeckendes und aussehendes Getrnk oder
Suppe liefern soll. Es besteht aus 10 Proc. Cacaomasse, 19 Proc.
gerstetem oder auch nicht gerstetem Getreidemehl, 70 Proc. Zucker und
1-2 Proc. rothem armenischem Bolus.


Kaffee.

[Illustration: Fig. 145.

$Spindelfrmige Steinzellen der Samenhaut des Kaffeesamens.$]

[Illustration: Fig. 146.

$Ein Stck des Gewebes aus dem Samenkrper des Kaffees.$]

Die mikroskopische Untersuchung hat nur beim gemahlenen Kaffee einen
Zweck. Man zerreibt eine kleine Menge zu einem hchst feinen Pulver
und prft es unter dem Objectiv. Dann extrahirt man dieses Pulver mit
Aether, zur Entfernung des Fettes, und nach der optischen Prfung
extrahirt man auch noch mit Wasser oder verdnntem Spiritus und prft
wiederum, gleichzeitig parallele Experimente mit echtem gutem Kaffee
vornehmend. Waren an der Kaffeebohne, in der Samenspalte, noch Reste
der Samenhaut, so wird man in dem feinen Pulver des gebrannten Kaffees
auch gelbliche dickwandige spindelfrmige, mit zahlreichen Porenkanlen
versehene Steinzellen wahrnehmen. Zuweilen sind diese Zellen nur in
einigen wenigen Exemplaren vertreten. Das Gewebe des Eiweisskrpers
ist in grsster Menge vertreten. Die Zellen derselben sind vieleckig,
dickwandig und reichliche Porenkanle zeigend. Die Zellen enthalten
formlose Eiweissmassen, Strkemehl, Glykose, Kaffeegerbsure,
Oeltrpfchen. Das Strkemehl ist in nur hchst geringer Menge
vertreten. Wenn man das Object mit Jodlsung befeuchtet, so frbt sich
das Strkemehl dunkelblau, whrend Zellgewebe und Eiweiss gelblich,
die Fetttrpfchen dunkler gelb oder grnlich erscheinen. Macht man
gleichzeitig optische Versuche mit echtem Kaffeepulver, so erlangt man
auch sofort Anhaltspunkte zur Erkennung von Gewebeelementen, die nicht
dem Kaffee angehren.

[Illustration: Fig. 147.

$Kaffee und Cichorienkaffee.$

_a_ reiner Kaffee, _b_ Cichorienkaffee. 100-120fache Vergr.]

Verflschungen des gemahlenen gebrannten Kaffees sind Cichorien,
gerstete Getreidekrner, gerstete Eicheln, gerstete Bohnen. Auch
werden Feigenkaffee, gerstete Mandeln, Braunkohle u. dgl. angegeben.

~Cichorienkaffee~, gerstete zu einem hchstfeinen Pulver zermahlene
Wurzeln der cultivirten Cichorienpflanze (_Cichorium intybus_).
Diese Wurzel enthlt Zucker in bedeutend grsserer Menge als die der
wildwachsenden Pflanze. Die im Handel vorkommende Waare enthlt
auch andere gerstete Wurzeln z.B. der Runkelrbe, Mohrrbe, und
etwas gerstete Getreidesamen. Als Verflschung sind diese Substanzen
nicht aufzufassen, denn gerade diese Stoffe in ihrer Mischung liefern
eine Waare, welche dem Consumenten besonders gefllt. Man hat daher
unter dem Namen Cichorienkaffee in heutiger Zeit nicht allein die
gerstete Cichorienwurzel, sondern ein Kaffeesurrogat zu verstehen.
Der gewhnliche Mann fordert zwar beim Kaufmann Cichorien, er erhlt
aber ein Packet, auf welchem sich der Name Kaffeesurrogat verzeichnet
findet. Wenn hier an dieser Stelle die Bilder einiger Gewebeelemente
vorgelegt sind, so geschah dies nur fr den Fall, dass reiner
Cichorienkaffee optisch zu prfen sei.

[Illustration: Fig. 148.

$Cichorienwurzel.$

_h_ Holzgewebe, _hp_ Zellen des Holzparenchyms, _sb_ Siebrhren.]

[Illustration: Fig. 149.

$Cichorienwurzel.$

_ng_ Netzgefsse.]

[Illustration: Fig. 150.

$Cichorienwurzel.$

_m_ Milchsaftgefsse, gewhnlich netzartig verzweigt.]

Die Netzgefsse (Fig.149 _m_) fehlen auch nicht in dem gersteten
gemahlenen ~Getreidesamen~, bei welchem besonders Strkemehl in
Betracht kommt, ferner auch nicht in dem sogenannten ~Mandelkaffee~
(die gersteten und gemahlenen Erdmandeln, die Knollen von _Cyperus
esculentus_).

~Gerstete Eicheln~, ~Eichelkaffee~, verrathen sich durch ihre mehr
oder weniger lnglichrunden oder nierenfrmigen Strkemehlkrnchen mit
einer lnglichen Kernspalte oder Kernhhle. Diese Strkemehlkrnchen
haben einige Aehnlichkeit mit denen unserer Hlsenfrchte, sie sind
aber nur halb so lang. Ihre Lnge betrgt 0,025-0,035 _mm_. Mit
verdnnter Eisenchloridlsung frbt sich das Eichelpulver wegen
Gerbstoffgehalt dunkelblau.

[Illustration: Fig. 151.

$Strkemehlkrnchen der Eichel.$

  _a_ 120mal     _b_ 200mal
        vergrssert.
]

~Feigenkaffee~ nennt man die gersteten und zu einer grblichen Masse
oder Pulver zerstampften Feigen. Hier machen sich unter dem Mikroskop
grosse Parenchymzellen mit Krystalldrusen (Kalkoxalat), ferner die
kleinen Steinzellengruppen des Samens, auch einzelne Haargebilde der
Oberhaut der Feige und gabelstige Milchgefsse bemerkbar.

[Illustration: Fig. 152.

$Feigenkaffee.$

_st_ Steinzellen der Samen, _k_ Krystallzellen, Parenchymzellen mit
Krystallen, _h_ Haargebilde, _o_ Zellen der Oberhaut.]


Blut.

~Blut~. Das normale Blut besteht aus einer farblosen wsserigen
Flssigkeit und darin schwimmenden zellenhnlichen rothen und auch
farblosen (weissen) Krperchen, den sogenannten Blutkrperchen. Diese
werden von einigen fr Zellen, von anderen fr keine Zellen gehalten,
obgleich ihnen alle die Eigenschaften angehren, welche an der lebenden
Zelle angetroffen werden. Die rothen im Blute des Menschen in grsster
Menge vertretenen Blutkrperchen oder Blutzellen erscheinen unter dem
Mikroskop als kreisrunde, etwas biconcave, durchsichtige, farblose
oder gelbliche Scheiben mit klar hervortretendem Kugelschatten, die
unter Einfluss des Wassers die Gestalt hyaliner sphrischer Blschen
annehmen. Sie zeigen sich oft geldrollenhnlich an einander gereiht
(Fig.154). Lsst man Glaubersalz zwischen Objectglas und Deckglas
treten, so tritt eine Contraction der Blutkrperchen ein, der Schatten
tritt nher an die Rnder der Scheiben, die Rnder gestalten sich
allmhlich verzerrt, eckig, zerrissen, gezackt, gekerbt.

[Illustration: Fig. 153.

$Blutkrperchen$,

1200mal vergr. _a_ auf der Kante stehend, _b_ flach liegend.]

[Illustration: Fig. 154.

$Blutkrperchen$,

freiliegend u. geldrollenhnlich aneinanderhngend, 500mal vergr.]

[Illustration: Fig. 155.

$Rothe Blutzellen.$

200malige Vergrsserung. _a_ Im frischen Blute, _b_ nach der Einwirkung
des Wassers, _c_ im eingetrockneten Blute.]

[Illustration: Fig. 156.

$Blutzellen.$

800-900malige Vergr. _b_ Rothe Blutzellen, _b_ eine rothe Blutzelle
im Verticaldurchschnitt _c_ rothe Blutzellen im Wasser macerirt, _d_
weisse Blutzellen, e eine solche mit einer Fettgranulation beladen,
_f_ solche nach der Einwirkung des Wassers, _g_ eine solche nach der
Einwirkung der Essigsure.]

Die ~weissen Blutkrperchen~, farblose Blutzellen, Lymphkrperchen,
werden stets nur in wenigen Exemplaren im normalen Blute angetroffen,
hchstens 5 unter 1000 rothen Blutzellen. Sie sind ungefhr 1/3
grsser als die rothen, und zeigen bei starker Vergrsserung eine zart
granulirte Oberflche und derselben entsprechend eine feincrenulirte
Contour.

Wenn man einen Tropfen Blut auf einem Objectglase einige Minuten sich
selbst berlsst, so schrumpfen die Blutkrperchen ein und man trifft
sie dann meist zackig gerndert. Geschieht die Eintrocknung schnell
durch warme Luft oder unter der Luftpumpe, so behalten sie dagegen
meist ihre Form.

[Illustration: Fig. 157.

$Blutkrperchen$

in langsam eingetrocknetem Blute, 600mal vergr.]

[Illustration: Fig. 158.

$Blutkrperchen$

in schnell eingetrocknetem Blute, 600mal vergr.]

Wie Glaubersalz zerstren andere Salzlsungen, schwache Suren
und schwache alkalische Laugen die Blutkrperchen, dagegen nicht
concentrirte Aetzlaugen. Eingetrocknete Blutkrperchen schwellen in
letzteren an und werden dadurch wieder sichtbar. In einem dnnen
Scheibchen geronnenen Blutes findet man die Blutkrperchen in der
faserig erscheinenden Fibrinschicht gebettet.

[Illustration: Fig. 159.

$Blutkrperchen$

im geronnenen Blute. 600mal vergr.]

[Illustration: Fig. 160.

$Blutkrperchen$

der Vgel. Vergr.]

Die Blutkrperchen sind bei den Sugethieren meist rund, beim Menschen
kreisrund und etwas biconcav, bei den anderen Sugethieren, besonders
den Wiederkuern sind sie meist kleiner (beim Kameel, Dromedar, Lama
grsser und elliptisch-biconvex). Die Blutkrperchen der Vgel sind
lnglich-oval, in der Mitte etwas erhaben; die der Fische und Amphibien
ebenfalls lnglich oder elliptisch, flach oder etwas convex, die der
letzteren aber sehr gross.

Der durchschnittliche Durchmesser der Blutkrperscheibchen betrgt beim:

  Menschen    0,0074-0,0080 _mm_.
  Schwein     0,0060-0,0065  "
  Rind        0,0054-0,0060  "
  Schaf       0,0040-0,0048  "
  Hasen       0,0065-0,0070  "
  Pferd       0,0050-0,0055  "
  Hund        0,0070-0,0075  "
  Huhn        0,0070-0,0081  "  in der Breite
   "          0,0120-0,0135  "  in der Lnge.

Bei der Untersuchung einer Substanz, welche man fr Blut hlt, pflegt
man zuerst ihr Verhalten gegen Wasser zu prfen.

Man bedeckt z.B. die Substanz mit 1-2 Tropfen Wasser. Ist sie
eingetrocknetes Blut, so wird sie je nach ihrem Alter frher oder
spter an ihrer Oberflche etwas aufquellen und sich das Wasser anfangs
gelb, dann rothgelb, endlich dunkelroth frben. Lsst man dann den
Tropfen abfliessen, so wird sich bei Musterung der benetzt gewesenen
Stelle mit einem Vergrsserungsglase das netzartige Geflecht des
Fibrins erkennen lassen. Betupft man dasselbe mit einer verdnnten
Jodjodkaliumlsung, so wird es sich dunkelbraun frben.

Steht eine reichliche Menge der bluthnlichen Substanz zu Gebote,
so giebt man eine senfkorn- bis linsengrosse Menge in einen
Reagircylinder, bergiesst sie mit einigen Cubikcentimetern
destillirtem Wasser, und mischt sie so einige Zeit unter nur sehr
sanftem Schtteln. Nachdem sich das Wasser gefrbt hat, wird es schon
nach sehr sanftem Schtteln an seinem Niveau einen Schaum bilden. Diese
Eigenthmlichkeit des bluthaltigen Wassers nennt man ~Spumescenz~.
Diese lsst sich selbst an einem Tropfen der Flssigkeit auf dem
Objectglase beobachten, wenn man das Deckglschen wiederholt hebt und
abwrts drckt.

Die vorstehend erhaltene wssrige Blutlsung im Tageslichte beobachtet
zeigt ~Dichrosmus~, d.h. im durchfallenden Lichte erscheint sie
gelbroth oder roth, im reflectirten Lichte grnlich oder grn.

Die Grundlage der rothen Farbe des Blutes ist mit ~Haemoglobin~
bezeichnet worden. Dieses Haemoglobin besteht aus einer eiweissartigen
Substanz und ~Haematin~, einem eisenhaltigen Farbstoff. Wirken auf
diese Verbindung Alkalien oder Suren ein, so wird sie zersetzt und
der Blutfarbstoff, das Haematin frei gemacht und unter gewissen
Verhltnissen in Krystalle verwandelt. Deshalb nannte man diesen
Blutfarbstoff frher ~Haematokrystallin~.

Als eine sehr geeignete Flssigkeit, die rothen Blutzellen von
eingetrocknetem Blute oder Blutflecken behufs der mikroskopischen
Untersuchung aufzunehmen, und das Haematin aus seiner Eiweissverbindung
abzuscheiden, ist nach _Roussin_ ein Gemisch aus 3Th. Glycerin, 1Th.
concentrirter Schwefelsure und 35Th. Wasser.

Es soll sich der Blutfarbstoff der Sugethiere (nicht der Vgel) an
und fr sich in Krystalle verwandeln lassen und er dabei verschiedene
je nach Art der Thiere aber ziemlich bestimmte Formen annehmen. Die
prismatische Krystallform soll beim Menschen und vielen Sugethieren,
die tetradrische beim Meerschweinchen und der Maus, hexagonale
Tafeln bei dem Eichhrnchen, die Rhomboderform beim Hamster etc.
vorwalten. Zur Darstellung dieser Krystalle soll man nach _Funke_ einen
Tropfen Blut auf das Objectglas bringen und, nachdem er 3-4 Minuten
an der Luft gestanden hat, mit einem Tropfen Wasser versetzen. Nach
mehrmaligem Anhauchen legt man ein Deckglschen darauf und stellt
das Ganze an einen hellen Ort zur Verdunstung. Gut soll es sein,
die Flche des Objectglases, worauf der Tropfen Blut gegeben wird,
vorher mit Seidenzeug recht tchtig zu reiben. Die Krystallbildung
gelingt brigens in dieser Weise nicht leicht und ist es nothwendig,
gleichzeitig 2-3 Objecte herzustellen.

[Illustration: Fig. 161.

$Formen der Haematinkrystalle$, vergr.]

Wichtig fr die Untersuchung der Blutflecke ist die Darstellung der
~Teichmann'schen Hminkrystalle~. Das Haematin hat nmlich eine grosse
Verwandtschaft zur Salzsure, und diese Verbindung hat eine vorwiegende
Neigung zu krystallisiren. Diese Teichmann'schen Hminkrystalle sind
Haematinhydrochloratkrystalle. Zu ihrer Darstellung aus Blutflecken
wird die wssrige, nicht zu dnne Blutlsung (2-3 Cubikcentimeter)
mit einigen Tropfen Eisessig und einer sehr geringen Menge (circa
1 Ctgr.) Kochsalz versetzt. Werden dann einige Tropfen der Lsung
auf einem Objectglase an einem lauwarmen Orte abgedunstet, so
beobachtet man unter dem Mikroskop die braunrothen bis schwarzbraunen
Haematinhydrochloratkrystalle in Form rhombischer Nadeln und Tfelchen.
Man kann auch die trockne, pulverig zerriebene bluthnliche Masse nach
Zusatz einer unbedeutenden Menge Kochsalz mit Aetherweingeist, welcher
mit wenigen Tropfen Eisessig versetzt ist, extrahiren und diese durch
Glaswolle filtrirte Lsung verdunsten lassen, um dieselben Krystalle zu
erlangen. Der Kochsalzzusatz ist nur ein Ersatz des im Blute von Hause
aus vorhandenen Chlorids, im Falle die Blutsubstanz der Einwirkung von
Wasser ausgesetzt war.

[Illustration: Fig. 162.

$Haematinhydrochloratkrystalle. Teichmann'sche Haeminkrystalle.$

350-400malige Vergr.]

Auch fauliges, selbst altes eingetrocknetes Blut liefert diese
Krystalle. _Brcke_ giebt folgende Anweisung zur Untersuchung der
Blutflecke. Die Flssigkeit, welche man durch kaltes Ausziehen mit
destillirtem Wasser aus dem Blutfleck gewonnen hat, lsst man, mit
einem sehr kleinen Krnchen Kochsalz versetzt, in einem Uhrglase unter
der Luftpumpe oder ber Schwefelsure verdunsten oder an freier Luft
eintrocknen. Dann durchmustert man das Uhrglas unter dem Objectiv, ob
sich nicht etwa Krystalle darauf befinden, die den Haeminkrystallen
hnlich sind und damit verwechselt werden knnen. Hierauf bertropft
man den Boden des Uhrglases mit Eisessig und verdampft denselben
an einem warmen Orte von 50-80C. Nun giebt man einen Tropfen
destillirtes Wasser auf das Uhrglas, nimmt damit den Rckstand auf
und bringt die Mischung auf Objectglsern unter das Mikroskop. Ein
bohnengrosser Blutfleck liefert viele tausende dieser kleinen, gelben
bis braunrothen Haeminkrystalle in Form von rhombischen Tafeln
und Sulen, oft sich kreuzend ber einander lagernd. Sie sind in
Essigsure, Salzsure, Weingeist, Wasser unlslich, dagegen lslich
in Aetzalkalien und concentrirter Schwefelsure. Im Uebrigen gelangt
man rascher zum Ziele, wenn man das mit dem Blutflecke bedeckte
ausgeschnittene Stck Zeug oder das mit dem Fleck bedeckte Scheibchen
Holz, oder die von einer Metallplatte abgekratzte blutfleckenartige
Masse in einem Probircylinder mit Eisessig aufkocht, heiss und rasch
filtrirt und die Flssigkeit in einem flachen Glasschlchen an einem
warmen Orte eintrocknet. Bei frischem Blute ist der Zusatz von Kochsalz
gerade nicht nothwendig.


Schleim. Eiter.

~Schleim~, das Absonderungsprodukt der thierischen Schleimhute (z.B.
der Speichel), ist eine durchscheinende oder durchsichtige dickflssige
Masse mit darin befindlichen Epithelialzellen (den Zellen der
ussersten Schicht der Schleimhaut). Jene dickflssige Masse besteht
aus den ~Schleimkrperchen~. Diese erscheinen unter dem Objectiv als
runde, stark granulirte, farblose, einzelne oder an einander hngende,
Gruppen und Flchen ausfllende Krperchen, welche einen und mehrere
Kerne enthalten.

[Illustration: Fig. 163.

$Schleimkrperchen.$

200mal vergr.]

~Eiter. Eiterkrperchen~ sind schwierig von den Schleimkrperchen
zu unterscheiden. Bei einiger Uebung in der optischen Musterung
von Schleim und Eiter erlangt man sehr bald in der Bestimmung und
Unterscheidung der Schleim- und Eiterkrperchen Sicherheit. Die
~Eiterkrperchen~ erscheinen unter dem Mikroskop wie runde, matt
granulirte Zellen mit einem Kern, der hufig 2-, 3- bis 4mal gespalten
ist oder eine lngliche oder eine hufeisenfrmige Gestalt hat. Die
Umrisse (Contouren) sind fter matt als scharf hervortretend. Unter
Einwirkung verdnnter Essigsure quellen die Eiterkrperchen auf,
ihr granulirtes Ansehen verschwindet, sie werden hyalin und die
vorerwhnten Kerne treten sichtbarer hervor.

[Illustration: Fig. 164.

$Eiterzellen.$

circa 400mal vergr., _a_ Eiterzellen, _b_ dieselben nach Einwirkung der
Essigsure, _c_ freie, aus den Zellen getretene, in Theilung begriffene
Kerne der Eiterzellen.]

[Illustration: Fig. 165.

_sg_ Schleimgerinnsel, _s_ in strkerer Vergr., _e_ Eiterkrperchen,
_p_ Ghrpilze, circa 150mal vergr.]


Lymphkrperchen.

~Lymph~- oder ~Chyluskrperchen~ bilden matt granulirte Zellen, welche
durch verdnnte Essigsure in ihre sie constituirenden Theile zerlegt
werden.

[Illustration: Fig. 166.

Lymphkrperchen, _a_ dieselben in Essig macerirt]

[Illustration: Fig. 167.

_a_ Lymphkrperchen aus der Lymphdrse eines Sugethieres, _b_
dieselben in verdnnter Essigsure macerirt. 400mal. Vergr.]

~Sputum~ an Lungen-Tuberculosis (Lungenschwindsucht) leidender
Menschen. Dieser Auswurf enthlt neben Schleimkrperchen und
Epithelialzellen Eiter, mehr oder weniger rothe Blutkrperchen und dann
eigenthmliche elastische Fasern von dunkler Farbe, der Lungensubstanz
angehrend.

[Illustration: Fig. 168.

$Auswurf tuberculser Lungenmasse.$ Circa 300malige Vergr. _a_
Eiterkrperchen, _b_ Epithelialzellen, _c_ Blutkrperchen, _d_
Tuberkelfasern.]


Ghrpilze.

[Illustration: Fig. 169.

$Ghrpilz$, _Cryptococcus cerevisiae_, _a_ 150-200mal vergr. _b_
750-900mal vergr.]

~Ghrpilz~, Hefenzelle, _Cryptococcus cerevisiae_, _Saccharomyces
cerevisiae Meyen_. Der Ghrpilz ist eine einzellige Alge, ein
Hauptbestandtheil der Bierhefe. Er findet sich im Brote, im ghrenden
Harn und als ein pflanzlicher Parasit hufig in dem Magen, Munde etc.
des Menschen. Er entsteht da, wo Zucker durch Ghrung zersetzt wird,
und vermehrt sich durch Theilung und Knospung. Er hat rundliche und
ovale Formen, ist durchsichtig und farblos.


Sarcinien.

~Magensarcinie~, _Merismopedia (Sarcinia) ventriculi_, ist eine
Alge, zur Familie der Chroococcaceen und der Ordnung der Cystiphoren
gehrend, bestehend aus Zellen, welche einschichtig zu einer
tafelfrmigen Gruppe verbunden sind. Das Cytioderm ist fest, schleimig,
hufig weisslich-grau oder gelblich, das Cytioplasma blulich. Diese
Alge theilt sich meist quadratisch oder zu vier in einem Quadrate
stehenden Zellen. Sie findet sich im Magen, ist jedoch ohne alle
pathologische Bedeutung. Ein etwas grsseres Format ist _Merismopedia
punctata Meyen (M.Kuetzingii)_ mit schwach begrenztem, fast farblosem
Trieblager und blass grnspanfarbigem Cytioplasma. Sie wird in Tmpeln
und Seen mit stehendem Wasser angetroffen.

[Illustration: Fig. 170.

$Merismopedia ventriculi$

aus einer erbrochenen Masse, 450mal vergr.]

[Illustration: Fig. 171.

$Merismopedia punctata,$

800mal vergr.]

Die sehr kleine _Merismopedia urinae_ kommt in der menschlichen
Harnblase, _M.renis_ in der Niere vor.


Kopfgrind. Favuspilz.

~Favuspilz~, _Achorion Schoenleinii_, ist die Ursache des Kopfgrindes.
Dieser pflanzliche Parasit dringt in die feinsten Risse der Haut,
in die Haarblge, erzeugt Entzndung und Eiterung der Kopfhaut und
zerstrt, indem er seine feinen Myceliumfden zwischen und in die
Fasern, woraus das Haar besteht, einschiebt, das Haar.

[Illustration: Fig. 172.

$Favuspilz,$

an der Wurzel und dem unteren Theile des Haares sitzend. 300mal vergr.]


Soorpilz, Zungenbelegpilz, Vibrionen, Oscillarien.

[Illustration: Fig. 173.

$Soorpilz$, stark vergr., nach _Robin_.

_a_ Epithelialzellen der Mundschleimhaut, bedeckt mit dem Rasen des
Soorpilzes _b_ und den Sporen desselben _c_.]

~Soorpilz~, Aphthenpilz, _Oidium albicans_, ist ein als Parasit
hufig vorkommender Fadenpilz, welcher die bei kleinen Kindern
vorkommenden sogenannten Schwmmchen bildet. Er besteht aus Sporen
und Myceliumfden, die zwischen und unter dem Epithel der Schleimhaut
wuchern und dasselbe zur Abstossung bringen. Er giebt der Schleimhaut
das Ansehen, als wre sie mit Kseflocken bedeckt. Verwechselt kann
dieses Gebilde nicht werden mit _Leptothrix buccalis Robin_, einer
parasitischen Alge, welche sich auf jeder Zunge, zwischen allen
Zhnen findet und aus weit feineren stabfrmigen, wenig oder nicht
gebogenen und wenig verstelten Fden besteht. Diese Alge gehrt zu den
Oscillariaceen, einer Familie, welche fadenfrmig und mit einer eigenen
Bewegung begabt ist, von welcher jedoch die Leptothricheen selten eine
und dann nur langsam oscillirende Bewegung zeigen. Dagegen haben die
Species der Oscillarieen und Spirillineen, zwei andere Unterfamilien
der Oscillariaceen, eine sehr lebendige (oscillirende, kriechende
oder spiralige) Bewegung, so dass man sie frher fr Thiere hielt.
Sie scheinen jedoch nur den Uebergang zu diesen zu bilden. Zu den
Spirillineen gehren die Vibrionen, welche in cylindrischer und fadiger
Form, frei oder in ihren natrlichen Schleim gehllt, unter dem
Mikroskop eine sehr lebhafte Bewegung zeigen. Sie findet man besonders
da, wo eine Milchsure- oder eine Buttersureghrung stattfindet, in
dem Schleim an den Zhnen, zwischen den Zehen der Fsse, zuweilen im
Harn. _Spirillum volutans_ ist schlangenfrmig und spiralig gewunden
und gegliedert.

[Illustration: Fig. 174.

$Soorpilz. Oidium albicans.$

Vergr.]

[Illustration: Fig. 175.

$Leptothrix buccalis. Zungenbelegpilz.$

Vergr.]

[Illustration: Fig. 176.

$Vibrio lineola$ (links), obere 50mal, untere 300mal vergr.

$Vibrio bacillus$ (rechts), 750mal vergr.]

[Illustration: Fig. 177.

$Spirillum volutans,$

750mal vergr.]

[Illustration: Fig. 178.

_a_ $Beggiatoa alba$, _b_ $Beggiatoa nivea$. Vergr.]

[Illustration: Fig. 179.

$Oscillaria viridis.$

_a_ ein Glied von vorne gesehen. Vergr.]

[Illustration: Fig. 180.

$Chamaesiphon incrustans.$

_a_ 200fach vergr. _b_ 1200fach vergr.]

Von den Oscillarieen bewohnt die Gattung _Beggiatoa_ viele Thermen und
natrliche Schwefelwsser. Sie hat eine oscillirende Bewegung, ist
haarfrmig, sehr dnn, sehr durchsichtig und starr. _Beggiatoa alba_
ist in einen weissen Schleim gehllt und bildet lange Fadenfortstze
mit granulirtem Cytioplasma. _B.nivea_ ist durchsichtig und zeigt eine
dunkle Gliederung. Die Gattung _Oscillaria_ ist mit einer dreifachen
Bewegung begabt, gegliedert, entweder von Mutterschleim umhllt
oder eingeschlossen von einer engen rhrenfrmigen, an beiden Enden
offenen Scheide. Die Glieder sind von vorne gesehen scheibenfrmig
und mit punktfrmigen peripherisch stndigen Kntchen versehen. Eine
parasitische Oscillariee ist _Chamaesiphon incrustans_, eine sehr
kleine circa 0,01 _mm_ lange, dicht zusammengedrngt stehende Alge mit
undeutlichen Gliedern, aber deutlichen Endgliedern und sehr zarten
Scheiden. Sie bewohnt andere Algen, diese incrustirend.

Interessante Algen sind die Spermosireen durch ihren
rosenkranzhnlichen Bau. Die Gattung _Anabaena_ hat kugelige oder
elliptische Glieder und goldgelbe oder braungelbe Sporen. _Anabaena
circinalis_ findet man in stehenden Wssern.

[Illustration: Fig. 181.

$Anabaena circinalis.$

Vergr.]

[Illustration: Fig. 182.

_a_ $Microcystis violacea$, _b_ $Anacystis marginata.$ Vergr.]

Von der Algenfamilie der Chroococcaceen mge noch erwhnt sein
_Microcystis_, welche aus sphrischen, dicht zusammengedrngten und
von einer Mutterhlle eingeschlossenen Zellen besteht. _Microcystis
(Gloeocapsa) violacea_ hat eine violette Frbung. Sie bewohnt
die Fensterscheiben und Mauern feuchter Keller. Die zu derselben
Familie gehrende _Anacystis_, welche schwimmend in stehendem Wasser
angetroffen wird, besteht aus zahlreichen sphrischen, in Schleim
nistenden, mit einer gemeinsamen mehrschichtigen Decke umhllten Zellen.


Diatomaceen.

~Diatomaceen~ sind einzellige Algen. Sie liefern verschiedene
mikroskopische Probeobjecte. Ihnen fehlt das Chlorophyll, dagegen tritt
in ihrem Cytioplasma ein gelblicher oder brunlicher Farbstoff auf, der
grn wird, wenn sie absterben oder wenn man sie mit Suren behandelt.
Sie schwimmen entweder frei im Wasser oder sind einem Polster oder
einem Stengel aufgewachsen oder in Schleim verschiedener Form
gebettet, in und ausser dem Wasser. Die Zellen sind zweiklappig und
symmetrisch gestaltet, die Klappen durch eine in Salpetersure lsliche
Zellsubstanz zusammengeleimt. Die Membran (Cytioderm) der Diatomaceen
besteht nicht aus Cellulose, wie bei den meisten anderen Algen, sondern
aus ~Kieselerde~, die weder durch Fulniss noch durch Glhhitze
zerstrbar ist. Die Gestalt dieser Kieselpanzer ist sehr verschieden,
rund, scheibenfrmig, walzenfrmig, prismatisch, viereckig,
nachenfrmig, keilfrmig etc., oft mit symmetrisch geordneten
Verdickungen, wodurch der Panzer mit mannigfaltigen Zeichnungen geziert
erscheint.

[Illustration: Fig. 183.

_a_ Achnanthes exilis, _b_ Diatomella, _c_ Gomphonema, _d_ Diatoma
vulgare.]

Einigen Familien dieser Algen, wie den Naviculaceen und Synedreen, ist
eine scheinbare freiwillige Bewegung eigen. Sie schwimmen im Wasser
mit zitternder Bewegung vor- und rckwrts, stossen sie hierbei aber
auf ein Hinderniss, so ziehen sie sich ein oder zurck und versuchen
wiederholt auf's Neue, die Richtung um einen sehr spitzen Winkel
verndernd, vorwrts zu dringen, und kehren, ohne sich umzudrehen,
ganz und gar zurck, wenn das Hinderniss dasselbe bleibt. Diese
eigenthmliche Bewegung gab Grund, sie fr Infusionsthiere zu halten.
Aus den Kieselpanzern dieser Algen bestehen sogar grosse Strecken der
Lneburger Haide. Das schwedische Bergmehl, welches mit Brod gemischt
in Hungerjahren genossen wurde, sind Kieselpanzer abgestorbener
Diatomaceen. Man findet diese Algen fast in allen natrlichen
Wssern oder als Schmarotzer auf Wasserpflanzen oder in eine braune
Schleimmasse eingebettet als feuchten Ueberzug der Felsen. Hufig
trifft man sie in solchen Mengen, dass man sie fr Schlamm hlt.


Milch.

~Milch~ von Khen. Sie ist die bekannte emulsionsartige Flssigkeit,
welche verschiedene Salze, Milchzucker, Kasen enthlt und in
welcher Fett (Butter) in Gestalt sehr kleiner, unter dem Mikroskope
scharf begrenzter, homogener, durchsichtiger Kgelchen schwimmt.
Jedes Fettkgelchen ist mit einer Kasenhlle umgeben, welche das
Zusammenfliessen des Fettes verhindert. Unter dem Mikroskope erscheint
die Milch als eine klare Flssigkeit mit jenen darin suspendirten
Fettkgelchen (Fig.184).

[Illustration: Fig. 184.

$Milch$

bei 500maliger Vergrsserung.]


[Illustration: Fig. 185.

$Zum Theil entrahmte Kuhmilch$, 500mal vergrssert.]

[Illustration: Fig. 186.

$Sahne.$

500mal vergrssert.]

In der Ruhe scheidet sich die Milch in zwei Schichten, in eine untere
fettarme und in eine obere fettreiche, gewhnlich Rahm oder Sahne
genannt. Die von dem Rahme gesonderte, sogenannte ~abgenommene~ Milch
zeigt unter dem Objective weit weniger Fettkgelchen und diese sind
meist klein. Es treten also die grsseren Fettkgelchen beim ruhigen
Stehen der Milch zuerst an die Oberflche derselben. Der Milchrahm
bietet daher dem Auge sehr grosse Fettkgelchen.

[Illustration: Fig. 187.

$Colostrum.$

500mal vergrssert.]

Die dickliche gelbliche Milch, welche jedes Sugethier (also auch
die Kuh) einige Tage vor und in den ersten Tagen nach dem Gebren
giebt, heisst _Colostrum_, ~Colostrummilch~. Sie ist von fadem
Geschmacke, enthlt Eiweiss, weniger Kasen und Milchzucker, besonders
aber die Colostrumkugeln, nmlich die mit Fett erfllten Zellen
der Milchdrsenschleimhaut. Unter dem Mikroskop erscheinen die
Fettkgelchen der Colostrummilch gewhnlich weniger scharf begrenzt,
von sehr verschiedener Grsse, in Gruppen darin herumschwimmend,
und daneben findet man einzelne grosse, nicht vllig kugelrunde,
trbe Buttermassen mit krniger Oberflche, jene Colostrumkgelchen.
Diese sammeln sich beim Stehen der Milch an deren Oberflche und
bilden eine dunkelgelbe Rahmschicht. Diese Colostrummilch hat
meist eine blassgelbliche oder gelbe Farbe. Sie ist zwar keine
gesundheitsschdliche, denn sie ussert nur eine den Stuhlgang gelind
vermehrende Wirkung, sie ist aber fr den Genuss der Menschen nicht
geeignet und wegen ihrer Farbe nicht appetitlich.

Die Milch und Sahne wird (nach Angabe einiger Schriftsteller) zuweilen
mit der von Blut und Huten befreiten Gehirnsubstanz der Schafe
gemischt, um ihre Consistenz zu vermehren. Eine solche Milch hat
einen hellgrauen Farbenton und setzt beim Stehen an die Gefsswandung
eine feine weisse kleinkrnige Masse ab, welche feine Fden von der
Zellsubstanz des Gehirns enthlt. Unter dem Mikroskope erkennt man
die Gehirnsubstanz an den warzig erweiterten, oft perlschnurartigen
Nervenprimitivfasern, an den Resten von Capillargefssen, welche
gefssartig verzweigte, aus strukturloser Membran bestehende Gebilde
darstellen, an denen sich ovale Kerne befinden, die nach Zusatz von
Essigsure mehr hervortreten.

[Illustration: Fig. 188.

$Milch mit Gehirnsubstanz.$

500mal vergrssert.]

[Illustration: Fig. 189.

$Milch aus einem mit Eiter-absonderndem Ausschlage behafteten Euter.$

_a_ Fettkgelchen, _b_ Eiter.]

In Folge exsudater Processe im Euter oder in Folge einiger epidemischer
Rinderkrankheiten findet man in der Milch ~Eiter~. Die Eiterkrperchen
sind den Butterkgelchen hnlich, aber im Umfange etwas grsser,
matt granulirt und enthalten einen Kern, oder sie bilden granulirte
Krperchen mit unregelmssigem Rande, lslich in Aetznatronlauge,
unlslich in Aether. Bei Eiterausschlgen soll die Milch mikroskopisch
kleine maulbeerhnliche Kgelchen enthalten, aus Schleim und Eiter
bestehend. Eine eiterhaltige Milch ist als eine gesundheitsschdliche
zu beurtheilen.


Butter.

~Butter~. Tafelbutter oder Marktbutter in einer Menge, welche einer
halben Linse gleich kommt, zwischen Objectglas und Deckglas zu einer
dnnen Schicht auseinandergedrckt, ergiebt sich bei 200-300facher
Vergrsserung als ein Conglomerat rundlicher und runder Trpfchen von
verschiedener Grsse, untermischt mit kleinen Kochsalzkrystallen.

[Illustration: Fig. 190.

$Markt-$ oder $Tafelbutter$ bei 200-300facher Vergrsserung.]

Die sogenannte Schmelz- oder Schmalzbutter, Dauerbutter, welche behufs
Befreiung von den Milchbestandtheilen eine Schmelzung erfahren hat,
ebenso die mit Talg geflschte und geschmolzen gewesene Butter liefern
unter dem Mikroskop nicht diese Tropfenform, welche bei der sogenannten
Kunstbutter jedoch mehr oder weniger ausgeprgt ist.


Harn. Urin.

~Harn.~ Der Harn, besonders der des kranken Menschen, bietet mehrere
Bestandtheile, welche sich durch das Mikroskop erkennen und bestimmen
lassen. Sowohl ein Tropfen des klar abgegossenen Harns, sowie eine
entsprechende Quantitt des etwaigen Bodensatzes (Harnsediments) werden
gesondert der mikroskopischen Betrachtung unterworfen.

[Illustration: Fig. 191.

_a_ $Eiterzellen,$ _b_ dieselben mit verdnnter Essigsure behandelt,
_c_ $Schleimkrperchen.$]

[Illustration: Fig. 192.

$Zellen der Harnblasenschleimhaut,$ stark vergrssert.]

[Illustration: Fig. 193.

$Epithelialzellen aus den Nierenbecken, Ureteren, Kelchen.$ Vergr.]

An organischen Stoffen knnen sich im Harne finden:

a. Schleimgerinnsel bildet Streifen, aus reihenfrmig geordneten,
usserst kleinen Krnchen zusammengesetzt. Es darf nicht mit den
Harncylindern verwechselt werden.

b. Schleimkrperchen. Vergl. S.141.

c. Blutkrperchen. Vergl. S.134.

d. Eiterkrperchen oder Eiterzellen. Vergl. S.141.

e. Harncylinder und Epithelialzellen. In Folge krankhafter
Beschaffenheit der harnleitenden Gnge findet man im Harn
Beimengungen von Gewebetheilen, wie Zellen, (Pflasterepithelien) der
Harnblasenschleimhaut, Epithelialzellen aus den Nierenbecken, den
Ureteren und den Kelchen, endlich sogenannte Harncylinder, nmlich
Stcke des Epithelialberzuges aus den Bellini'schen Rhrchen in Form
cylindrischer Schluche.

[Illustration: Fig. 194.

_a_, _b_ $Harncylinder;$ _c_, _d_, _d_ $Epithelialhutchen$ aus den
Bellini'schen Rhren mit Blutkrperchen.]

f. Spermatozon. Vergl. S.158.

g. Krebsmaterie neben Eiterkrperchen, verschieden gestaltete
Degenerationsgebilde mit Zellen mehr oder weniger bedeckt.

[Illustration: Fig. 195.

$Krebsartige Absonderungen und Gebilde.$ Vergr.]

[Illustration: Fig. 196.

$Ghrpilzchen.$ Vergr.]

h. Ghrpilze. Vergl. S.143.

i. Vibrionen. Vergl. S.146.

An krystallisirten Stoffen knnen vorhanden sein:

Das Sediment des Harns wird allein und dann mit Salzsure angesuert
auf das Objectglas gegeben oder man lsst Harn auf dem Objectglase
verdunsten.

a. Hippursure bildet, aus kaltem Harne allmhlich ausgeschieden,
halbdurchsichtige rhombische, vierseitige Prismen und Sulen (mit der
Grundform des Rhombenoctaders), an den Enden in 2 oder 4 Flchen
auslaufend.

b. Harnsure nimmt verschiedene Formen an. Sie bildet bald rhombische,
glatte, durchsichtige, oft orange, brunlich oder gelb gefrbte Tafeln,
bald mit abgerundeten stumpfen Winkeln, bald mit spindelfrmigen
Verlngerungen. Aus der alkalischen Lsung mittelst Salzsure auf dem
Objectglase abgeschieden bildet sie mitunter Dumb-bells (kurze Strnge
mit pilzhutfrmig erweiterten Enden). Bald nimmt die Harnsure die Form
von Wetzsteinen an, bald vereinigt sie ihre Prismen zu besenhnlichen
Bscheln, von denen gemeinlich je zwei mit ihrer Basis zusammenhngen.

[Illustration: Fig. 197.

$Hippursure.$]

[Illustration: Fig. 198.

$Harnsurekrystallformen.$]

c. Saures harnsaures Natron bildet unregelmssige Gruppen kleiner
grtzlicher Krnchen.

[Illustration: Fig. 199.

$Saures harnsaures Natron.$]

[Illustration: Fig. 200.

$Saures harnsaures Ammon.$]

d. Saures harnsaures Ammon in Form kleiner, runder, mit Spitzen
besetzter, vereinzelter oder in Gruppen zusammenliegender Krperchen.

[Illustration: Fig. 201.

$Phosphorsaure Ammon-Magnesia.$]

[Illustration: Fig. 202.

$Oxalsaure Kalkerde.$]

e. Phosphorsaure Ammon-Magnesia (Tripelphosphat) gewhnlich in
rhombischen, sargdeckelhnlichen Krystallen, welche sich durch ihre
leichte Lslichkeit in verdnnter Essigsure von der oxalsauren
Kalkerde unterscheiden.

f. Oxalsaure Kalkerde in Gestalt kleiner durchsichtiger
quadratoctadrischer Krystalle, den Briefcouverten hnlich oder
sanduhrfrmig.

g. Harnstoff mit Chlornatrium giebt Krystalle, an welchen die Kreuzform
vorherrschend ist.

[Illustration: Fig. 203.

$Harnstoff$ mit Chlornatrium verbunden.]

[Illustration: Fig. 204.

$Harnsediment$ bei 200-300facher Vergrsserung.

_h_ Harnsure, _u_ saure Urate des Ammons und Natrons, _o_ Kalkoxalat,
_p_ Doppelphosphat, phosphorsaure Ammon-Magnesia, _e_ Epithelialzellen
und Harncylinder, _f_ Fermentkrperchen, _ei_ Eiterkrperchen.]


Samenfden. Flimmerzellen. Cercomonaden.

~Samenfden~, ~Spermatozon~, Zoospermien, sind Zellengebilde. Sie
zeigen bei starker Vergrsserung einen ovalen abgeplatteten Krper
mit einem langen, feinen, fadenfrmigen Schwanze. Die Bewegungen der
lebenden scheinen unter dem Mikroskope ungemein schnell und lebhaft.

[Illustration: Fig. 205.

$Spermatozon.$

_a_ auf dem Rande stehend, _b_ auf der platten Seite liegend, an
letzterer in der Mitte eine kleine Vertiefung. 1200mal vergr.]

In der Wirklichkeit ist die Bewegung natrlich nur eine langsame,
denn jede Bewegung erscheint durch starke Objective gesteigert. Beim
Absterben legt sich der fadenartige Schwanz meist senfrmig oder
spiralig an den ovalen Krper.

[Illustration: Fig. 206.

$Flimmerzellen$

verschiedener Form. Vergr.]

Die Zoospermien sind keine Thiere, wie man sonst wegen ihrer
lebhaften Bewegungen glaubte, sondern sie sind analoge Gebilde wie
die Flimmerzellen der Schleimhute und entstehen jedenfalls aus
den Kernen jener eigenthmlichen Bildungszellen, welche whrend
der Geschlechtsreife durch Umwandlung des Drsenepithelium der
Samenkanlchen gebildet werden. Wie die Flimmerzellen eine lebendige
Bewegung der Fden und Hrchen (Flimmerbewegung, Wimperbewegung) unter
dem Mikroskope erkennen lassen, so auch die Samenfden. Die Bewegung
wird durch sehr verdnnte Aetzkalilauge oder verdnnte Zuckerlsung
gesteigert, eine krzlich zur Ruhe gekommene dadurch oft wieder erweckt.

Im frischen Sperma findet man ferner vereinzelte, hyaline, farblose,
kugelfrmige, mattgranulirte Krper, ~Spermakrperchen~ genannt.

[Illustration: Fig. 207.

$Spermakrperchen.$ Vergr.]

Die Aufsuchung der Spermatozon in Flecken der Wsche geschieht in der
Art, dass man ein kleines Stckchen des Zeuges ausschneidet, in einem
Uhrglase mit mehreren Tropfen Wasser aufweicht und nach 1 bis 2 Stunden
mit einem Glasstabe sanft hin und her bewegt. Von dem Wasser bringt
man dann ein Trpfchen auf das Objectglas, ebenso auch einen Tropfen
von der aus dem Zeuge gedrckten Flssigkeit. Bei Untersuchung lterer
Flecke schneidet man ein Stck des mit dem Fleck bedeckten Gewebes aus
und theilt es mit der Scheere in drei Theile. Den Theil _a_ weicht man,
je nach dem Alter des Fleckes 1-3 Stunden in kaltem Wasser ein, den
Theil _b_ dagegen in verdnnter wssriger Pikrinsurelsung und den
Theil _c_ zuerst in Pikrinsurelsung und nach Verlauf einer halben
Stunde in kaltem reinem Wasser. Von jedem dieser Theile des befleckten
Gewebes trennt man behutsam einzelne Fdchen und mustert diese unter
dem Objectiv bei circa 300-, 500-, 800-maliger Vergrsserung. Durch die
Pikrinsure wird das Samenfdchen gelb gefrbt, auch der Samenschleim,
nicht aber die Leinenfaser, von welcher adhrirende Pikrinsure sich
durch Wasser beseitigen lsst. Die von einem Gewebe gesammelten
Spermatozon haben meist ihre Schwnze verloren und ist dann die
Identitt des schwanzlosen Spermakrperchens festzustellen. Eine
Verwechselung mit Cercomonadenkrperchen wre mglich.

[Illustration: Fig. 208.

Durch vorsichtige Waschung der einen Tag alten Flecke in einem Hemde
einer gewaltsam Deflorirten Gesammeltes circa 400fach vergr. _h_
Schamhaare _b_ Blutkrperchen, _s_ Schleimkrperchen, _e_ Eiterzellen,
_p_ Pflasterepithelialzellen, _l_ Leinenfaser.]

~Cercomonaden~, ~geschwnzte Monaden~, finden sich in thierischen
Absonderungen. Die Intestinal-Schwanzmonade des Menschen (_Cercomonas
intestinalis_) ist von verschiedener Grsse und krperlicher
Ausbildung. Die Lnge ihres Krpers ohne Schwanz schwankt zwischen
0,005 bis 0,01 _mm_. Die Bewegungen dieser Gebilde sind sehr lebendige
und schnelle in bogig gekrmmten Touren. Sie finden sich in den
schleimigen und flssigen Dejecten des Darmkanals bei Diarrhe, Cholera
etc.

[Illustration: Fig. 209.

$Cercomonas intestinalis.$

500-600fache Vergrsserung.]

[Illustration: Fig. 210.

$Trichomonas vaginalis.$

500-600fache Vergrsserung.]

~Vaginal-Monade~ (_Trichomonas vaginalis_) ein in dem Vaginalschleime
hufig vorkommendes Gebilde, welches von einigen fr eine Art
Flimmerzelle gehalten wird. Sie ist von verschiedener Grsse, an dem
einen Ende ihres Krpers mit 1-2-3 peitschenfrmigen, sehr beweglichen
Anhngen versehen. Der am andern Ende befindliche Ansatz bildet einen
unbeweglichen Fortsatz des Krpers. Letzterer hat eine Lnge von
0,008-0,018 _mm_.


Parasiten des thierischen Krpers.

$Haarsackmilbe$ (_Demodex folliculorum_) (Fig.210), eine Milbe
niederer Ordnung und Parasit (Epizo) der menschlichen Haut, 1842 von
_Simon_ entdeckt. Streicht man mit einem stumpfen Messer aus Holz
oder Knochen unter mssigem Drucke ber die Haut an Nase, Stirn,
Wangen, Brust etc., so drckt man dabei aus den Ausfhrungsgngen
der Talgdrsen jene Milbe heraus, die auch in den Haarblgen
(zwischen Haarschaft und Wurzelscheide) wohnt. Das auf die angegebene
Weise zusammengeschabte wird mit etwas Wasser auf das Objectglas
gebracht. Diese Milbe ist 1/6 bis 1/4 _mm_ lang, borsten- und
haarlos und hat einen kleinen Saugrssel mit zwei unter diesen
befindlichen Haftzangen. Das jngere Thier hat 2 Paar, das ltere
4 Paar stummelfrmige Beine. Diese Parasiten sitzen im Innern der
Talgdrsen und Haarblge mit dem Kopf nach innen, mit dem Hintertheile
nach aussen. In ihrem Wohnsitze legen sie auch ihre Eier. Sie sind
gemeiniglich ein Bild vom Ernhrungszustande des Menschen, auf welchem
sie leben, denn sie sind dick und rund bei gesunden wohlgenhrten, und
schmal und mager bei mageren Menschen.

[Illustration: Fig. 211.

$Haarsackmilbe,$

120mal vergr.]

Im Uebrigen sind sie ohne Nachtheil.

Die $Krtzmilbe$, _Sarcoptes hominis_, _Sarcoptes scabiei_, hat einen
breiten, lnglich runden, 1/3 bis 1/2 _mm_ langen, mit Haaren und
Borsten besetzten Krper. Sie ist die Milbe, welche die Symptome der
Krtze verursacht und nicht mit der Haarsackmilbe zu verwechseln.

Diese Milbe bohrt sich 3-4 _mm_ tief in schiefer Richtung in die Haut
und legt im Grunde dieser Hhlung ihre Eier. In Folge des dadurch
verursachten Reizes entzndet sich der Eingang dieser Hhlung und es
entsteht eine Pustel (Krtzpustel) und eine Entzndung der Haut. Daher
das Hautjucken Krtzkranker. Die Heilung kann auch nur durch Tdtung
der Milbe und ihrer Eier erreicht werden. In neuerer Zeit hat man den
Perubalsam und Storax als vorzgliches Krtzmittel erkannt.

[Illustration: Fig. 212.

$Krtzmilbe$

bei circa 150facher Vergrsserung.]

$Trichinen.$ Die ~Trichine~, _Trichina spiralis_, ein lebendig
gebrender Rundwurm mit Gehirn und vollkommenem Verdauungsapparat, ein
Eingeweidewurm warmbltiger Thiere. Vor circa 30 Jahren zuerst von
einem englischen Arzte _Hilton_ entdeckt, ist die Natur dieses Thieres
seit den letzten 15 Jahren sorgfltig studirt worden, seit welcher Zeit
die Gesundheitsschdlichkeit des Genusses trichinigen Fleisches erkannt
wurde.

[Illustration: Fig. 213.

$Fleischfasern mit wandernden Trichinen und einer sich einkapselnden
Trichine.$

_f_ Fettblschen, _p_ Miescher'sche Krperchen.]

Lebenslauf und Entwickelung der Trichine im lebenden Thierkrper
sind folgender Art: die mit dem Fleische genossenen Muskeltrichinen
verbleiben im Darmkanal und bilden sich daselbst in wenigen Tagen
zu geschlechtsreifen Trichinen, Darmtrichinen, aus, es findet die
Begattung zwischen mnnlichen und weiblichen Trichinen statt, in 7 bis
10 Tagen erzeugen die Weibchen lebendige Junge (Embryonen), welche in
die Muskeln berwandern, daselbst wachsen, sich nach lngerer Zeit
dort spiralig einrollen und innerhalb der Fleischfaser einkapseln.
Mit der Zeit verkreidet sich die Kapselhlle und die Muskeltrichine
verharrt in dieser Lage (also ohne sich zu vermehren), so lange bis
sie durch Zufall in die Verdauungswege eines anderen Thieres gelangt,
wo sie sich in dem Darmkanale zur Darmtrichine ausbildet. Nachdem die
Darmtrichine ihre Brut, die sie aus vielen hunderten Eiern erzeugt,
abgesetzt hat, geht sie unter.

Die weibliche Darmtrichine hat eine Lnge von 1 bis 3 _mm_, die
mnnliche von 0,8 bis 1,5 _mm_, die Embryonen von 0,08 bis 0,13 _mm_,
die Muskeltrichine von 0,7 bis 1 _mm_.

Die Wanderung der Embryonen in die Muskeln, mag sie auf dem Wege der
Blut- und Lymphgefsse oder durch Durchbohrung der Darmwnde geschehen,
ist eine unausgesetzte, bis ein Hinderniss entgegensteht. Ein solches
Hinderniss bilden die sehnigen Anstze der Muskeln, durch welche diese
an die Knochen angeheftet sind. Hier kommen die wandernden Trichinen
meist zur Ruhe und lagern sich zur Einkapselung. Um die sehnigen
Anstze herum findet man daher die meisten Trichinen.

[Illustration: Fig. 214.

$Weibliche Trichine$,

200mal vergr.]

[Illustration: Fig. 215.

$Haken am After der mnnlichen Trichine.$]

Die Darmtrichinen sind meist gestreckt, nach dem Kopfende zu (_k_,
siehe vorstehende Fig.213) bedeutend dnner, mit etwas spitz
zulaufendem Kopfe; nach dem Hinterende (_a_) nehmen sie an Dicke zu,
mit stumpf abgerundeter Endigung. Die Mnnchen haben am Hinterende 2
Haken oder Zapfen (Fig.214) neben der Oeffnung der Kloake. Die ussere
Decke des Wurmkrpers besteht aus einer sehr durchsichtigen glatten
feinen strukturlosen Haut (Chitinhaut), mit nichts besetzt und nur
sehr leicht geringelt. Unter dieser Decke liegt der Hautschlauch, aus
einer sehr dnnen muskulsen Haut bestehend, auf deren innerer Seite
eine dichte Schicht fein gekrnter rundlicher Zellen als Auskleidung
der Krperhhle befindlich ist. In der Lnge des Hautschlauches
verluft ein aus Zellen zusammengefgtes Band, welches sich vom
Kopfende nach dem Hinterende und von hier auf der anderen Seite nach
dem Kopfende zurck erstreckt. Im Innern des vorderen oder dnneren
Theiles des Krpers liegt der Munddarm, welcher sich nach hinten
allmhlich erweitert und bei strkerer Verdickung der Wandung deutliche
Zellen zeigt. Am Uebergange dieses Theiles in den zweiten Theil des
Krpers erblickt man um das Darmrohr eine dunkle mit Kernkrperchen
gefllte Masse, die sich weiterhin in den Darm fortsetzt, welcher am
hinteren Ende endlich seinen Ausgang hat. Mit der zunehmenden Dicke
des Wurmes nehmen die Darmzellen an Grsse zu und liegen dicht an der
Wandung des Hautschlauches. Der hintere Theil des Krpers enthlt
ausserdem die Zeugungsapparate. Bei dem Weibchen erstreckt sich der
Geburtsweg bis innerhalb des ersten Drittels der Krperlnge und hat
hier, also am Vordertheile des Krpers, seitlich seinen Ausgang.

[Illustration: Fig. 216.

$Eingekapselte Trichine.$]

Die Kapsel oder Cyste der Muskeltrichine (Fig.215) hat eine ovale
Form. In ihrem weiteren Theile liegt die Trichine spiralig eingerollt.
Unter dem Mikroskop erscheint die Kapsel, wenn ihre Verkreidung noch
nicht vorgeschritten ist, hell und durchsichtig, und man kann darin
den Wurm deutlich sehen. An jedem Ende des Ovals findet sich ein
stumpfer, etwas dunklerer Ansatz, so dass die Kapsel mit den Umrissen
eines menschlichen Auges Aehnlichkeit hat. Hat die Ablagerung von
Knochenerde an der Kapselhlle zugenommen, so erscheint die Kapsel
unter dem Mikroskop bei durchfallendem Lichte dunkel und sie ist
nicht mehr durchsichtig. Hufig sind dann die Anstze der Kapsel von
kleinen Fettzellchen umlagert. Legt man ein dnnes Stck Fleisch mit
verkreideten Kapseln in mssig verdnnte Essigsure oder Salzsure,
so erfolgt die Lsung der Kalkschale und die Kapsel wird wieder
durchsichtig.

[Illustration: Fig. 217.

$Fleischfaser mit lteren und jngeren Trichineneinkapselungen.$]

Die Trichine knnte mit blossen Augen sicher erkannt werden, wre
sie nicht zu durchsichtig. Die verkreideten Kapseln lassen sich
bei auffallendem Lichte, weil sie weisslich sind, mit blossen Augen
erkennen.

Von den Muskeln, welche die Trichinen vorzugsweise aufsuchen, sind
zu nennen: das Zwerchfell, die Augenmuskeln, die Nackenmuskeln, die
Muskeln der Bauchwand, die Muskeln des Hintertheils. Proben aus diesen
Theilen, besonders aus der Gegend der Sehnenanheftung entnommen, also
mit fnf Fleischproben, kann der mikroskopischen Fleischschau gengt
werden.

Von jeder Probe nimmt man zwei, hchstens drei feine Scheibchen nach
der Lnge der Fleischfaser, mit der krummen Scheere abgeschnitten und
mittelst der Prparirnadeln zerzasert, legt sie in mssiger Distanz
nebeneinander auf ein starkes, farbloses Objectglas und giebt, wre
das Fleisch nicht frisch und saftig, einen Tropfen Wasser darauf. Auf
das sorgsam ausgebreitete Object legt man ein Deckglas (ein zweites
dnnes Objectglas) und drckt beide Glser so gegeneinander, dass
die Fleischscheibchen zu einer sehr dnnen, durchsichtigen Schicht
ausgedehnt werden. Bedient man sich hier eines Compressoriums,
besonders aber des _Hager_'schen Compressor-Mikroskops, so ist man der
usserst lstigen Mhe des anhaltenden Pressens der Objectglser mit
den Fingern enthoben.

Die Beschauung wird bei 30- bis hchstens 60facher Vergrsserung
vorgenommen. Freie Trichinen oder in der noch durchsichtigen Kapsel
befindliche Trichinen werden hierbei sofort erkannt werden, theils im
Fleische, theils in der um das Object befindlichen Flssigkeit, welche
beim Drcken des Fleisches gewhnlich ausfliesst. Verkreidete Kapseln
erscheinen als dunkle undurchsichtige Krper. In diesem Falle zerzasert
man das Object mit den Prparirnadeln, giebt einen Tropfen Essigsure
darauf und legt es nach einigen Minuten gepresst wieder unter das
Mikroskop.

Findet man eine verdchtige Wurmgestalt, so schreitet man zu einer
100- bis 200fachen Vergrsserung, um den inneren Bau des Wurmfrmigen
zu mustern. Letzterer ist charakteristisch genug, als dass eine
Verwechselung mit wurmartig gekrmmten Fleischfasern, _Miescher_'schen
Krperchen, oder Gespinnstfasern mglich wre.

[Illustration: Fig. 218.

$Miescher'sche Schluche und$ (oben rechts) $der ausgedrckte krnige
Inhalt derselben$ $in den Muskelfasern$, 30fach vergr.]

$Miescher$'sche oder $Rainey$'sche[7] $Krperchen$ oder Schluche,
_Synchytrium Miescherianum_, sind sehr hufig vorkommende,
eigenthmliche Gebilde in den Muskelfasern (und auch in anderen Theilen
des Thierkrpers), welche zwar grssere Conglomerate bildet als die
Trichinenkapsel, aber mitunter im Umrisse eine entfernte Aehnlichkeit
mit Trichinenkapseln oder Finnen haben knnen. Diese Gebilde gehren
dem Pflanzenreiche an. Prof.Dr._Khn_ glaubt sie zu den Myxomyceten
(Schleimpilzen) zhlen zu knnen. Sie sind von verschiedener Grsse
und weisslicher Farbe, jedoch sehr gut mit blossen Augen zu erkennen.
Damit sehr stark durchsetztes Muskelfleisch sieht graustreifig und
missfarbig aus. Gemeiniglich bilden sie lngliche abgerundete Schluche
aus strukturloser Membran, angefllt mit einer krnigen Masse. Unter
dem Mikroskop sind sie dunkler als die Fleischfaser. Haben sie eine
elliptische Form, so knnen sie mit Trichinenkapseln verwechselt
werden. Ein Druck auf das Deckglas gengt, diese Gebilde zu zerdrcken,
wobei sich der krnige Inhalt ergiesst und das Object berschwemmt.

[Illustration: Fig. 219.

$Inhalt eines zerdrckten Miescher'schen Schlauches$

bei sehr starker Vergrsserung.]

$Miescher$ entdeckte diese Gebilde 1843 zuerst im Fleische der Muse.
Einige Gelehrten nennen sie ~Psorospermienschluche~, den Inhalt
Psorospermien. Die aus den Schluchen herausgedrckten Krnchen haben
bei starker Vergrsserung Formen, wie sie vorstehende Zeichnungen
(_ps_) angeben. Der Genuss des Fleisches mit diesen Krperchen hat sich
bis jetzt nicht schdlich erwiesen, der Geschmack des Fleisches ist
aber nicht besonders.

[Illustration: Fig. 220.

$Schweinefinne$ (vergr.).

Mit eingestlptem Kopf.

Mit vorgestrecktem Kopf.

$Bandwurm$- oder $Finnenkopf$.]

[Illustration: Fig. 221.

$Hakenkranz des gewhnlichen Bandwurmes.$

50mal. Vergrsserung.]

[Illustration: Fig. 222.

$Die im Rinde vorkommende Finne der Taenia mediocanellata.$

Diese Finne ist 3-5 _mm_ lang.]

$Schweinefinne$, $Finne$, $Bandwurm$. Die Finne der Schweine,
Blasenwurm, wohnt zwischen den Muskelfasern, des Fleisches dieser
Thiere und bildet mit unbewaffnetem Auge erkennbare weissliche oder
halbdurchsichtige, mehr oder weniger walzenfrmige, senfkorn- bis
erbsengrosse Blasen innerhalb einer hutigen weissen Kapsel, welche mit
dem umgebenden Fleische verwachsen ist. In dem Fleische der Schweine
(zuweilen im Fleische des Rindes und anderer Thiere, auch im Fleische
des Menschen) findet man die Finnen hufig in unzhliger Menge. Nimmt
man die Finne aus ihrer hutigen Wohnung heraus und bringt sie in
lauwarmes Wasser, so streckt sie nach und nach Kopf (Amme) und Hals
aus ihrem blasenfrmigen Krper (Schwanzblase) heraus. Unter dem
Mikroskop findet man an dem Kopfe schon bei schwacher Vergrsserung
vier wulstige, in ihrer Mitte vertiefte Erhabenheiten, Saugnpfe, und
inmitten derselben einen Hakenkranz, dessen Haken zweierlei Form und
Grsse haben. Gelangt die Finne lebend in den menschlichen Magen, was
beim Genusse rohen Schweine- und Rindfleisches, oder roher Wurst,
oder nicht gengend gekochten Fleisches geschieht, so entwickelt
sie sich hier zum Bandwurm, indem der Kopf sich an die Wandung der
Verdauungswege ansaugt und festsetzt, die Blase aber abfllt und dafr
sich bandfrmige Glieder (Proglottiden genannt) entwickeln, deren
Zahl viele Hunderte erreicht, so dass ein Bandwurm zu 3 Meter und
mehr auswchst. Der Kopf des gewhnlichen Bandwurmes (Taenia solium)
hat eine Breite von circa 1 _mm_, der darauf folgende ungegliederte
Hals eine Lnge von 10 bis 15 _mm_, die folgenden Proglottiden oder
Glieder eine Lnge von 0,1-13,0 _mm_, und zwar sind sie um so weniger
lang, je nher sie dem Kopfe liegen. Die Breite der Glieder steht in
einem gleichen Verhltnisse und betrgt 1,3-6,3 _mm_. Inmitten der
Gliederkette luft der Fruchtbehlter, welcher in den untersten und
letzten Gliedern die Eierbildung besorgt. Diese Glieder erlangen einen
gewissen Grad der Reife und trennen sich gefllt mit Eiern von selbst
ab, um mit dem Darminhalte zugleich nach aussen entleert zu werden.
Die reifen Glieder entleeren ihre Eier durch eine besondere, an
dem Seitenrande liegende Mndung. Das Bandwurmei, 0,02-0,03 _mm_ im
Durchmesser, erscheint unter dem Mikroskop als ein braunes, kugelig
ovales Krperchen. Gelangen diese Eier in den Magen oder Darmkanal des
Schweines, des Menschen oder eines anderen Thieres, so entwickeln sie
sich hier schnell und die Embryonen entschlpfen ihrer Schale in Form
kleiner wasserheller Blschen, an denen sich 4-6 paarweise geordnete
Hkchen entwickeln und welche nach allen Gegenden des Krpers wandern,
um sich an irgend einer Stelle als Finne (_Cysticercus_) auszubilden.
Im Schweine findet der Embryo den zusagendsten Vegetationsboden.
Vorstehende Notizen gelten vom Krbiskernbandwurm, _Taenia solium_. Bei
anderen Bandwurmarten findet sich ein hnlicher Generationswechsel und
Entwickelungsverlauf. Bei Untersuchung eines Bandwurmes auf Anwesenheit
des Kopfendes und des Fleisches auf Gehalt an Finnen gengt einfach
die Loupe, zur Erkennung der Eier eine 50fache Vergrsserung.

[Illustration: Fig. 223.

$Taenia solium.$

_k_ Kopf von der Seite gesehen (stark vergr.). _g_ eine Proglottide mit
Uterus und Geschlechtsffnung (vergr.), _e_ ein Ei der Taenia solium
mit Schale, usserer Gallerthlle und Dotterkern. (Stark vergrssert.)]

[Illustration: Fig. 224.

$Finnen im Schweinefleisch.$

Loupenvergrsserung.]

[Illustration: Fig. 225.

$Bothriocephalus latus.$

_k_ Kopf (vergr.), _g_ Proglottiden in natrlicher Grsse, _e_ ein Ei
(stark vergr.).]

[Illustration: Fig. 226.

$Bothriocephalus cordatus.$

_k_ Kopf vom Rande aus, _kk_ von der Flche aus betrachtet (vergr.),
_g_ Proglottiden (dreifach vergr.).]

Ein hufiger Eingeweidewurm der Fische ist der ~breite Grubenkopf~
(_Bothriocephalus latus_), welcher auch in gewissen Gegenden ein
vornehmlicher Eingeweidewurm des Menschen ist, z.B. in den westlichen
Cantonen der Schweiz und den angrenzenden Theilen Frankreichs, dann in
Russland, Polen, Schweden, in Deutschland aber seltener vorkommt. Er
wchst bis zu 5-8 Metern mit 3000-4000 kurzen breiten Gliedern. Die
Lnge der Glieder geht nicht ber 3,5 _mm_, die Breite nicht ber 12
_mm_ hinaus. Der Krper ist bandfrmig. Der circa 1 _mm_ breite Kopf
ist keulenfrmig, dnn und breit. An seinen Rndern hin erstrecken sich
spaltfrmige Sauggruben.

Eine andere Art Grubenkopf (_Bothriocephalus cordatus_) ist im
nrdlichen Grnland zu Hause, wo er den Menschen und den Hund
bewohnt. Selten wird er in den sdlicheren Gegenden des kalten
Nordens angetroffen. Dieser Grubenkopf unterscheidet sich von
dem vorhergehenden vornehmlich durch die Form des Kopfes und des
vorderen Krperendes. Der Kopf ist kurz, breit und herzfrmig mit
flchenstndigen Sauggruben. Dem Kopfe schliessen sich alsbald der
breite Leib mit seinen Proglottiden an.

Rderthierchen.

~Rderthierchen~ (_Rotatoria_, _Rotifera_) sind mikroskopisch kleine
Infusionsthierchen mit ziemlich entwickelter thierischer Organisation,
denn viele Arten lassen einen Darmkanal, zwittrige Geschlechtsorgane
und Augen erkennen. Ihr Schwanz ist zwei- bis dreigliedrig. Ihren
Namen haben sie wegen eines oder mehrerer, an ihrem vorderen Ende
befindlicher, radfrmiger, gezhnter oder mit Flimmerhrchen oder
Wimpern besetzter Organe. Diese Wimpern sind behufs Herbeistrudelung
der Nahrungssubstanzen in fortwhrender Bewegung, so dass sie mit einem
sich bewegenden Rade Aehnlichkeit haben. Mit diesem Organe treiben
diese Thierchen einerseits die Nahrung in den Darmkanal, andererseits
dienen die Wimpern zugleich als Ruderwerkzeuge und befhigen sie
die im Wasser lebenden Thierchen zu einer schnellen Bewegung. Die
Rderthierchen vermehren sich durch Eier.

[Illustration: Fig. 227.

$Lepadella ovalis.$ Vergrssert.]

Ein hufig in verdorbenem Trinkwasser vorkommendes Rderthierchen ist
die eirunde Lepadella (_Lepadella ovalis_), welche sich in vorstehender
Figur in vergrssertem Massstabe vergegenwrtigt findet.


Reblaus, ein Parasit der Wurzel des Weinstocks.

~Reblaus~, _Phylloxera vastatrix_, ein den Weinbau vernichtendes
Insect, ist wahrscheinlich zuerst durch Wurzelreben von amerikanischen
Weinstocksorten nach Europa importirt worden. Sie wurde zuerst 1865
im unteren Rhonethal aufgefunden und von dem Naturforscher _Planchon_
erkannt und beschrieben. Heute hat dieses Thierchen mehr denn den
dritten Theil der mit Wein bebauten Flchen Frankreichs zu Grunde
gerichtet. An vielen Orten Deutschlands, Oesterreichs, Englands,
Portugals ist sie ebenfalls aufgetreten, auch hier wahrscheinlich
durch amerikanische Reben eingeschleppt. Dass dieses Insect an den
Weinstcken in Amerika weniger Schaden anrichtet, erklrt man aus
der grsseren Krftigkeit und Widerstandsfhigkeit der Wurzel der
amerikanischen Rebe.

Die Reblaus gehrt in die Classe der Insecten und die Ordnung der
~Schnabelkerfe~. Sie hat viel Aehnlichkeit mit der Blattlaus, gebrt
aber nicht wie diese lebendige Junge, sondern legt Eier. Nach den
bis jetzt gemachten Erfahrungen zeigt sie sich dem Beobachter in
verschiedenen Formen.

1. Als ~ungeflgeltes~ unterirdisches Insect, welches in Sonderheit die
Wurzel des Weinstocks schdigt. Jngere, halbausgewachsene Thierchen
dieser Form bergen sich den Winter ber in den Spalten und Rissen,
besonders der fingerdicken tiefergehenden Wurzelste. Wenn man die
Rinde abhebt, machen sie sich dem Auge in Gestalt eines gelblichen,
brunlichen oder olivenfarbigen Anfluges oder solcher Flecke erkennbar.
Im Sommer findet man diese Form des Insectes auch auf der Rinde der
Wurzel und in solcher Menge, dass diese mit einem gelblichen Staube
bedeckt erscheint.

[Illustration: Fig. 228.

$Rebluse.$

Eine ausgewachsene, ungeflgelte Reblaus (von der Bauchseite) mit Eiern
und einem 3 Tage alten Jungen (von der Rckseite). 25malige Vergr.]

[Illustration: Fig. 229.

$Rebluse.$

Junge Reblaus, mit in das Zellgewebe der Wurzelfaser eingesenktem
Borstenrssel.]

Im Frhjahr huten sich die Thierchen, vertauschen ihre braune Haut
mit einer hellfarbigeren und wandern nach den dnneren Wurzelfasern
ber. Hier setzen sie sich fest, bohren ihren dreiborstigen Rssel
in das Zellgewebe der Faserwurzel, den Saft derselben saugend, und
wachsen zu ihrer vollen Grsse aus. Die ausgewachsene Wurzellaus ist
von brunlich-gelber Farbe und bis zu 0,75 _mm_ lang. Man kann sie also
dann schon mit einer guten Loupe erkennen.

Beim Saugen treten aus der einer Scheide hnlichen Rsselhlle 3 feine
lange Borsten heraus, von denen die mittlere die dickere ist. Diese
Borsten senkt das Insect in das saftige Zellgewebe der Wurzel.

Alle diese Wurzelluse sind Weibchen und vermehren sich
parthenogenetisch, d.h. sie sind ohne Zuthun eines Mnnchens
befruchtet. Sie legen an dem Orte ihres Sitzes 30-40 Eier (von 0,24
_mm_ Lnge), welche anfangs gelb sind und spter dunkler werden. An den
Stellen, wo die Eier lagern, schwellen die Wurzelfasern an. Im Verlaufe
von 8 Tagen kriechen gelblich farbige Junge aus den Eiern, welche
sofort lebhaft herumkriechen, bis sie einen Ort auffinden, an welchem
sie ihren Rssel in das Zellgewebe einsenken knnen. Nach 20 Tagen
legen diese Jungen wieder Eier wie ihre Mutter. Diese Vermehrung geht
durch den ganzen Sommer ungestrt fort.

Nach einer neueren Beobachtung _Balbiani_'s zu Montpellier erscheint im
October eine unterirdische Wurzellaus mit verkmmerten Saugwerkzeugen,
welche nur ein Ei, sogenanntes ~Winterei~, legt. _Balbiani_ vermuthet,
dass diese Form ein von einem noch nicht aufgefundenen Mnnchen
befruchtetes Weibchen sei.

2. ~Geflgeltes Insect.~ Dr._L.Wittmack_ sagt in seiner Abhandlung
ber die Reblaus[8]: Nachdem sich die fast stets unter der Erde
verbleibenden flgellosen Individuen, namentlich im Vorsommer unendlich
vermehrt und eine Anzahl Wurzeln angegriffen haben, erscheinen
im Nachsommer (in Frankreich schon Ende Juli und im August, bei
Klosterneuburg im September und selbst October) unter ihnen Exemplare
mit Flgelstummeln, sogenannte ~Nymphen~. Diese sind ~lnger gestreckt~
als die brigen, 0,8-0,9 _mm_ lang, der Kopf ist kleiner, der mittlere
Brusttheil deutlicher begrenzt, gewhnlich auch heller gefrbt und
das usserste (3te) Fhlerglied ist ~lnger~. Diese Thiere halten
sich gewhnlich mehr an den oberen Wurzeln, selbst etwas ber dem
Boden, unter der Rinde des Stammes auf. -- Sie huten sich vor ihrer
Verwandlung noch einmal und zeigen sich dann als ~geflgelte Insecten~
mit 4 ziemlich langen, sprlich aber stark geaderten, durchsichtigen,
an den Rndern etwas dunkleren Flgeln, die sie in der Ruhe nicht
aufrecht tragen wie die geflgelten Blattluse, sondern wagerecht,
so dass sie wie eine zierliche Fliege -- freilich mit immerhin etwas
plumpem Krper -- erscheinen.

[Illustration: Fig. 230.

$Anschwellungen der Wurzelfasern in Folge der Bedeckung mit Eiern der
Reblaus.$

Natrliche Grsse.]

[Illustration: Fig. 231.

$Geflgelte Reblaus.$

20malige Vergr.]

Diese geflgelten Rebluse erheben sich stets vor Sonnenuntergang, die
Gipfel der Weinstcke umschwrmend. Sie sind Weibchen, legen 3-5, aber
zweierlei durchscheinende, gelbliche Eier an die jngsten Weinbltter
oder in den Flaum der Knospen. Die grsseren Eier sind 0,4 _mm_, die
kleinen 0,26 _mm_ lang.

[Illustration]




Alphabetisches Inhalts-Verzeichniss.


  Aberration, 12

       "     chromatische, 13

       "     sphrische, 12

  Acarus Farinae. A.plumiger, 92

  Accommodationsvermgen, 4

  Achnanthes, 149

  Achorion Schoenleinii, 144

  Algen, 143-148

  Alpakawolle, 99

  Anabaena, 148

  Anacystis, 148

  Analysator, 43

  Ankauf des Mikroskops, 48

  Aphthenpilz, 145

  Arrow-root, 87

  Aufbewahrung mikroskopischer Prparate, 65


  Bandwurm, 171

  Baummarderhaar, 110

  Baumwollenfaser, 96

  Beggiatoa, 147

  Beleuchtung, 22

        "     centrische, 26

        "     schiefe, 26

  Beleuchtungslinse, 22

  Bewegung des Objects, 57

  Biberhaar, 109

  Bisamhaar, 111

  Blendscheibe, 23

  Blendungen, 23

  Blut, 134

  Blutflecke, 139

  Blutkrperchen, 134. 136

         "       Grsse derselben, 137

  Bothriocephalus, 174

  Brand des Getreides, 86. 87

  Brennpunkt, 2

  Brennweite, 2

  Butter, 153


  Cacao, 127

  Caffee, 130

  Centrirung, 17

  Cercomonaden, 160

  Cercomonas intestinalis, 160

  Chamaesiphon, 147

  Chinagrasfaser, 97

  Chocolade, Chocoladenpulver, 129

  Chyluskrperchen, 142

  Cichorien, 131

  Claviceps purpurea, 81

  Collectiv, 15

  Collectivlinse, 15

  Colostrum, 151

  Compressorium, Hager's, 31

  Compressorium, Schiek's, 31

  Compressor-Mikroskop, 41

  Condensor, 25

  Conservationsflssigkeiten, 67

  Conserving liquor, 64

  Correctionseinrichtung, 30

  Cryptococcus, 143

  Curcuma, 123

  Cylinderblende, 23


  Deckglschen, 29

  Deckplttchen, 29

  Demodex, 161

  Deutlichkeit des Bildes, 49

  Diaphragma, 23

  Diatoma, 149

  Diatomaceen, 148

  Diatomella, 149

  Doppellancette, 61

  Doppellinse, 13

  Doppelmesser, 61

  Drehscheibe, 23

  Dschutefaser, 97


  Eicheln, Strkemehl, 132

  Einstellung, 10

       "      feine, 10

       "      grobe, 10

  Einstellungsvorrichtung, 10

  Eiter, 141

  Eiterkrperchen, Eiterzellen, 141

  Epithelialzellen, 154


  Favuspilz, 144

  Feigenkaffee, 133

  Finne, 171

  Firnisse, 71

  Fleischuntersuchung, 168

  Flimmerbewegung, 58

  Flimmerzellen, 158

  Flssigkeiten, conservirende, 67

  Flssigkeiten, frbende, 64

  Flugbrand, 86

  Focaldistanz, 2

  Focus, 2

  Fuchshaar, 111


  Ghrpilz, 143

  Gebrauch des Mikroskops, 52

  Gespinnstfaser, 95

  Getreiderost, 90

  Gewrz, englisches, 115

  Gewrze, 112

  Gewrznelken, 116

  Glycerin, verdnntes f. mikrosk. Objecte, 55

  Gomphonema, 149

  Grasrost, 90

  Grubenkopf, 174


  Haar, 102

    "  des Menschen, 104

    "  der Thiere, 109

  Haarpinsel, 62

  Haarsackmilbe, 161

  Haematin, 138

  Haematinhydrochloratkrystalle, 140

  Haematinkrystalle, 139

  Haematokrystallin, 138

  Haeminkrystalle, 139

  Haemoglobin, 138

  Hamsterhaar, 111

  Hanf, 98

  Harn, 154

  Harncylinder, 155

  Harnsure, 156

  Harnsediment, 157

  Hasenflaum, 100

  Hefenzelle, 143

  Hipparchia, 51

  Hippursure, 155

  Hlsenfruchtmehl, 80

  Hundshaar, 110


  Immersionslinsen, 30

  Immersionsverfahren, 30

  Ingwer, 120


  Jodlsung, 68

  Jute, 97


  Kaffee, 130

  Kaninchenhaar, 111

  Kartoffelkrankheit, 93

  Kartoffelpilz, 92

  Katzenhaar, 111

  Kleber, 80

  Klemmfeder, 33

  Kopfgrind, 144

  Kopfhaar, 105

  Kraft, definirende, 49

     "   penetrirende, 14. 49

     "   resolvirend, 14. 49

  Krtzmilbe, 162


  Lacke, 71

  Leim, flssiger, 71

  Leinenfaser, 95

  Lepadella ovalis, 176

  Leptothrix, 146

  Linse, 1

     "  aplanatische, 14

     "  berverbesserte, 14

     "  unterverbesserte, 14

  Linsensysteme, 20

  Loupe, 6

  Luftblschen, 56

  Lymphkrperchen, 142


  Macis, 123

  Magensarcinie, 144

  Marantastrke, 87

  Mehl, 76

  Mehlmilbe, 92

  Meniscus, 1

  Menschenhaar, 104

  Merismopedia, 144

  Messer, lancettfrmiges, 61

  Microcystis, 148

  Miescher'sche Krperchen, 169

  Mikrometer, 26

  Mikrometerschraube, 10

  Mikromillimeter, 27

  Mikroskop, 1. 36

      "     dioptrisches, 1

      "     einfaches, 6

      "     katoptrisches, 7

      "     als saccharimetrisches Instrument, 45

      "     zusammengesetztes, 7

  Milch, 150

  Mitscherlich'sche Krperchen, 127

  Mohairwolle, 99

  Molekularattractionsbewegung, 57

  Molekularbewegung, 57

  Monaden, geschwnzte, 160

  Mouches volantes, 58

  Mckensehen, 58

  Muskatblthe, 123

  Muskatnuss, 122

  Muskeltrichinen, 164

  Mutterkorn, 81


  Nadel zum Prpariren, 62

  Navicula Hippocampus, 51

  Nerz, 110


  Objecte, Aufbewahrung mikroskopischer, 65

  Objecte, Darstellung mikroskopischer, 61

  Objectglas, 26

  Objecthalter, 70

  Objectiv, 8

  Objectmikrometer,  27

  Objecttisch, 9

  Objecttischschraubenmikrometer, 28

  Objecttrger, 28

  Ocular, 18

     "   kniefrmiges, 20

     "   negatives, 18

  Ocular, orthoskopisches, 19

  Ocularglasmikrometer, 26

  Oeffnung, 11

  Oeffnungswinkel, 11

  Oidium albicans, 145

  Oidium Tuckeri, 94

  Oscillaria, 147

  Otter, virgin., Haar, 110


  Parasiten des menschl. Krpers, 161

  Pedesis, pedetische Bewegung, 58

  Peronospora, 92

  Pfeffer, schwarzer, 112

     "     weisser, 114

  Pfeilwurzelmehl, 87

  Phylloxera vastatrix, 176

  Piment, 115

  Pincette, 62

  Plasma, 74

  Pleurosigma angulatum, 51

  Polarisationsmikroskop, 42

             "            zur Zuckerbestimmung, 45

  Polarisator, 42

  Prparirnadel, 62

  Prisma, Nicol'sches, 42

  Probeobjecte, 50

  Projiciren, 35

  Protoplasma, 74

  Prfung des Mikroskops, 48

  Psorospermien, 171

  Puccinia graminis, 90


  Quetscher, 31


  Rderthierchen, 175

  Rainey'sche Krperchen, 169

  Reagentienanwendung, 63

  Reblaus, 176

  Reinigung des Mikroskops, 59

  Rhren, 56

  Rotatoria, 175

  Russbrand, 86


  Samenfden, 158

  Samenflecke, 159

  Sammellinsen, 1

  Santelholz, rothes, 124

  Sarcinie, 144

  Sarcoptes, 162

  Schamhaar mit Sperma, 108

  Schrfe des Bildes, 49

  Scheere, krumme, 62

  Schleim, 141

  Schleimkrper, 141

  Schmierbrand, 87

  Schwmmchen der Kinder, 146

  Schweinefinne, 171

  Scotomata, 58

  Sehweite, 4

  Sehwinkel, 3

  Seide, 98

  Senf, 125

  Soorpilz, 145

  Speisesenf, 125

  Spermaflecke, 159

  Spermakrperchen, 159

  Spermatozon, 158

  Spiegelmikroskope, 7

  Spirillum, 147

  Sputum Tuberculosis, 143

  Strke, 76

  Strkemehlkrnchen im polarisirten Licht, 44

  Strkemehlarten, 76

  Steinmarderhaar, 110

  Stipplinsen, 30

  Surirella Gemma, 51


  Taenia solium, 173

  Taschenmikroskope, 39

  Teichmann'sche Krystalle, 139

  Testobjecte, 50

  Tilletia Caries, 81

  Traubenpilz, 94

  Trichinen, 163

  Trichomonas vaginalis, 161

  Trommelmikroskope, 39

  Tuberculosis, Auswurf bei, 143


  Vergrsserungen, 20

  Vibrio, 146

  Vibrio Tritici, 92

  Vicunnawolle, 99

  Vigogne, 99


  Weichselzopf, 108

  Weintraubenpilz, 94

  Weizenschlngelchen, 92

  Wollenhaar, 98


  Zeichnenprisma, 33

  Zelle, 73

  Zerstreuungslinsen, 1

  Zimmt, 119

  Zobelhaar, 110

  Zungenbelegpilz, 145

[Illustration]




Funoten

[1] Ist in der Apotheke zu kaufen.

[2] Das Compressor-Mikroskop mit Objectiven mit 50-300facher
Vergrsserung kann vom Optikus _Messter_, Berlin, _SW._
Friedrichstrasse 99, bezogen werden.

[3] Sehr viele unserer deutschen Optiker gehen gern den Vertrag ein,
das von ihnen verkaufte billigere Mikroskop gegen ein grsseres und
theueres spter, wenn es dem Kufer beliebt, zu vertauschen und den fr
das billigere Mikroskop gezahlten Preis wieder als Zahlung anzunehmen.

[4] Man pflegt das optische Vermgen des Mikroskops bestimmter als
~definirende~ und als ~penetrirende~ Kraft zu unterscheiden. Die
definirende Kraft giebt Form und Umriss des Objectes scharf und
bestimmt im Bilde wieder, die penetrirende dagegen entwickelt die
Structurverhltnisse des Objects, z.B. Membranschichten, Zeichnungen
der Diatomeenpanzer etc.

[5] mit Paraffin getrnktes.

[6] Das menschliche Haar, von Dr.E.R.Pfaff. Leipzig, Verlag von
O.Wigand, 1866.

[7] Sprich: rneh.

[8] Die ~Reblaus~ (Phylloxera vastatrix). Im Auftrage des Kniglich
Preussischen Ministeriums fr die landwirthschaftlichen Angelegenheiten
bearbeitet von Dr.L.Wittmack. Verlag von E.Schotte & Voigt, Berlin,
1875.


   Pierer'sche Hofbuchdruckerei, Stephan Geibel & Co. in Altenburg.




PAUL WAECHTER

_BERLIN, O._,

Grner Weg 16,

~fertigt~

$achromatische Mikroskope$

in tadelloser Ausfhrung zu civilem Preise. Tausende von Anerkennungen
ber die Vorzglichkeit meiner Fabrikate sind in meinem Besitz und
liegen dieselben zu Jedermanns Ansicht in meinem Comtoir bereit. Jede
weitere Empfehlung halte fr berflssig.

Bei den $Nummern 1a, 2 u. 3$ erbitte 2-3 Wochen Lieferfrist; bei den
$Nummern 4 u. 5$ circa 1 Woche, $No. 6, 9 u. 8$ sind meistens vorrthig
und knnen umgehend versandt werden.

Zur Trichinenuntersuchung empfehle ganz besonders

$No. 5  45 M. No. 6  30 M. No. 9  21 M.$

Jedes nicht vollkommen convenirende Instrument verpflichte ich mich
binnen 14 Tagen nach Lieferung zurckzunehmen.

Besichtigung meiner optischen und mechanischen Werksttten gern
gestattet.

_Preislisten gratis u. franco._

[Illustration: 1/7 der natrlichen Grsse]

[Illustration: No. 1a. u. 1.

Preis: 210 M. 180 M.]

[Illustration: No. 11.

60 M.]

[Illustration: No. 2.

120 M.]

[Illustration: No. 3.

80 M.]

[Illustration: No. 4. u. 5.

60 M. 45 M.]

[Illustration: No. 6. u. 7.

30 M. 25 M.]

[Illustration: No. 9.

21 M.]

[Illustration: No. 8.

30 M.]




Neuestes

Compressorium-Mikroskop

~construirt~

von

$Dr. H. HAGER,$

beschrieben in der Pharmaceutischen Centralhalle

vom 31. Octbr. d. J. No. 44.

$Deutsches Reichs-Patent$

zur Untersuchung des Schweinefleisches auf Trichinen und smmtlicher
Nahrungsmittel.

Vergrsserung 50 bis 150

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Vergrsserung 50 bis 300

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  Trichinen-Mikroskope n. Dr. H. ~Hager~. Hufeisenstativ, Schraube
  am Tubus, Mikrometer-Schraube zur feinen Einstellung am Tisch,
  Blendscheibe, schrg verstellbarer Hohlspiegel, 1 Ocular und 1 System
  50 bis 300 Linear Vergrsserung

                                                            27 Mark.

  Dasselbe. Mit 2 Ocularen und 2 Systemen (4 und 7) 50 bis 400 Linear
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  Dasselbe. Mit 3 Ocularen und 3 Systemen (4. 7. 9.) 50 bis 800 Linear
  Vergrsserung

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Statt System 9 ein Immersions-System No. 10 Vergrsserung 1000 Linear

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_Smmtliche Mikroskope liefere mit Nebenapparaten in polirten Kisten._

Preiscourante ber grssere Mikroskope franco und gratis.

$ED. MESSTER$, Optiker und Mechaniker

der knigl. chirg. med. Friedrich-Wilhelms-Universitt.

BERLIN, Friedrichstr. 99.




Achromatische

MIKROSKOPE

fr Trichinen, Lebensmittel und wissenschaftliche Untersuchungen.

W. AMEND, Optikus.

BERLIN, SO.

~Dresdenerstrasse 122.~

[Illustration]

  No.     Oculare.      Systeme.       Vergrss.        Mark.
  1         4         1. 3. 7. 11.     20-2000          210
  2         3         2. 7. 10.        30-1200          135
  3         3         3. 7. 9.         30-800            78
  4         2         4. 7.            20-500            42
  5         2         4. 6.            20-400            36
  6         1         6.               50-300            27
  7         1         5.               60-200            20

Systeme und Oculare.

  Systeme           Vergrssert mit Ocular  Oeffnungswinkelgrad
                     1.   2.   3.   4.  5.
           No.  1.   20   50   70   90  110        50   mm.       9
            "   2.   40   60   80  110  130        20   --        9
            "   3.   60   80  100  120  150         5   --       12
            "   4.   80  100  120  140  160         4,5 --       12
            "   6.  100  200  300  400  500         3,5 --       15
            "   7.  250  350  450  550  650         3,1 --       18
            "   9.  400  500  600  700  800         2,1 --       21
            "  10.  500  600  700  800  900         1,6 --       30
  Immersion "  10.  600  800 1000 1200 1400         0,8 --       36
            "  11.  800 1000 1200 1600 2000         0,5 --       60

~Preis-Courant franco und gratis.~

W. AMEND, Optikus.




Franz Schmidt & Haensch,

Werkstatt

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optische und mechanische Praecisions-Apparate,

Berlin S., Stallschreiberstr. 4.


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fr Forscher, Studirende und Techniker.


Spectralapparate

nach

_Kirchhoff und Bunsen, Jansen v. Vierordt, Vogel._

$Preis-Verzeichnisse gratis und franco.$


Polarisationsapparate

nach

_Soleil-Scheibler, Jelett-Corny, Hoppe-Seyler, Wild, Dove, Nrremberg._

Wir erlauben uns besonders auf unser neu construirtes Mikroskop fr
Trichinenschau (complet nach amtlicher Vorschrift 45 Mark) und den
von uns construirten ~Halbschatten-Polarisations-Apparat~ aufmerksam
zu machen, welcher letzterer mit 0,1% Genauigkeit bei der Harnanalyse
arbeitet.




Warmbrunn, Quilitz & Co.,

BERLIN C.,

Rosenthaler Strasse 40.


Manufactur

aller chemischen, physikalischen, pharmaceutischen, photographischen
und technischen Apparate, Utensilien und Glasartikel etc.


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Glashttenwerke und Glasschleifereien

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langen Jahren rhmlichst bekannt, zu Preisen von 21 bis 345M. in 15
verschiedenen Grssen, empfiehlt der Verfertiger.

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Mdling, Christiania, Amsterdam pp.

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Diplom der ehrenvollen Anerkennung von der Societ Agraria zu Triest.

Rhmendste Erwhnung auf der Kasseler Naturforscherversammlung.

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der

Pharmaceutischen Praxis.

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Apotheker, Aerzte, Droguisten und Medicinalbeamte

bearbeitet von

Dr. Hermann Hager.

Mit zahlreichen, in den Text gedruckten Holzschnitten.

Zwei Bnde.

Preis broch. 44 Mark, in 2 elegante feste Halbfranzbnde gebunden 48
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Grundlagen

der

Pharmaceutischen Waarenkunde.

Einleitung in das Studium der Pharmacognosie

von

Dr. F. A. Flckiger, Professor in Strassburg.

Mit 194 in den Text gedruckten Holzschnitten. Preis 7 M. -- Eleg.
gebunden 8 M. 20 Pf.


Die wichtigsten der bis jetzt bekannten

Geheimmittel und Specialitten

mit Angabe

ihrer Zusammensetzung und ihres Werthes.

Zusammengestellt von

Eduard Hahn, Apotheker.

Vierte vermehrte und verbesserte Auflage. (Unter der Presse.)


Liederbuch

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Frhliche Flscher.

Herausgegeben vom

Vorstand des allgemeinen Vereins zur Verflschung von Lebensmitteln,
Waaren etc.

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Handbuch

der

gesammten Arzneimittellehre.

Mit besonderer Rcksichtnahme auf die

Pharmacopoe des Deutschen Reiches

fr Aerzte und Studirende bearbeitet von

Dr. Theodor Husemann,

Professor in Gttingen. 2 Bnde. Preis 24 M. -- Fest gebunden 26 M.


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chemischer, physiologischer, pharmacologischer und toxicologischer
Hinsicht.

Fr Aerzte, Apotheker, Chemiker und Pharmacologen bearbeitet von

Dr. A. Husemann,

Prof. der Chemie an der Kantonsschule in Chur.

und

Dr. Th. Husemann,

Prof. der Pharmacologie und Toxicologie an der Universitt Gttingen.

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Nahrungs- und Genussmittel

Nach vorhandenen Analysen

zusammengestellt mit Angabe der Quellen von

Dr. J. Knig,

Vorsteher der agriculturchemischen Versuchsstation zu Mnster i. W.

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Genussmittel._)

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zugleich als Beitrag zur

Frage der Lebensmittelverflschungen

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Dr. Fritz Elsner,

Apotheker in Schnefeld-Leipzig.

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Verlag von Julius Springer in Berlin, N., Monbijouplatz 3.

Elsner's

chemisch-technische Mittheilungen der neuesten Zeit,

ihrem wesentlichen Inhalte nach alphabetisch zusammengestellt.

Fortgefhrt von Dr. Fritz Elsner.

Diese Jahresschrift bietet dem Gewerbetreibenden und dem technischen
Chemiker einen vollstndigen Ueberblick ber die neuesten und
wesentlichsten Erscheinungen auf dem Gebiete der technischen und
industriellen Chemie; sie ist fr den Fabrikanten, Techniker,
Gewerbetreibenden etc. ein bewhrter Leitfaden, sich mit den neuesten
Erfahrungen auf den ihn interessirenden Gebieten bekannt zu machen.

Die Verlagsbuchhandlung nimmt Gelegenheit, um die Anschaffung der
frheren Hefte 1846-1871 zu erleichtern, den Preis derselben bedeutend
herabzusetzen. Die beiden ersten 1846-1850 umfassenden Hefte sind
schon seit lngerer Zeit gnzlich vergriffen. Der Ladenpreis des
3.-20. Heftes betrgt $circa 60 Mark$. Von jetzt bis auf Widerruf ist
jede Buchhandlung in den Stand gesetzt, diese ~18 Hefte mit einem
vollstndigen alphabetischen Sachregister~ fr $30 Mark$ zu liefern.

~Ferner erschien in neuer Folge:~

  Erstes    (XXI.)  Heft: die Jahre 1871-1872.  Preis  4  Mark  20 Pf.
  Zweites   (XXII.)   "         "   1872-1873.    "    5   "    25  "
  Drittes   (XXIII.)  "         "   1873-1874.    "    4   "    80  "
  Viertes   (XXIV.)   "         "   1874-1875.    "    6   "    --  "
  Fnftes   (XXV.)    "         "   1875-1876.    "    6   "    --  "
  Sechstes  (XXVI.)   "         "   1876-1877.    "    4   "    40  "
  Siebentes (XXVII.)  "         "   1877-1878.    "    6   "    --  "


Die Nahrungsmittel des Menschen,

~ihre Verflschungen und Verunreinigungen~.

Nach den besten Quellen dargestellt von

F. H. Walchner, prakt. Arzt.

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Kummer's botanische Fhrer:

Fhrer in die Mooskunde.

_Anleitung_

zum

leichten und sicheren Bestimmen der deutschen Moose.

Mit 78 Figuren auf 4 lithograph. Tafeln.

Preis 2 Mark 80 Pf.

Fhrer in die Flechtenkunde.

_Anleitung_

zum

leichten und sicheren Bestimmen der deutschen Flechten.

Mit 14 angefgten Naturflechten und 22 Figuren auf 3 lithograph. Tafeln.

Preis 2 M. 80 P.

~Fhrer in die Lebermoose~

und die Gefsskryptogamen

(Schachtelhalme, Brlappe, Farren, Wurzelfrchtler).

Mit 83 Figuren auf 7 lithograph. Tafeln.

Preis 3 M. 60 Pf.


~Zu beziehen durch jede Buchhandlung.~




  +------------------------------------------------------------------+
  | Anmerkungen zur Transkription                                    |
  |                                                                  |
  | Inkonsistenzen wurden beibehalten, wenn beide Schreibweisen      |
  | gebruchlich waren, wie:                                         |
  |                                                                  |
  | Alpaca -- Alpaka                                                 |
  | anderen -- andern                                                |
  | Arrow-Root -- Arrow-root                                         |
  | Brod -- Brot                                                     |
  | Caffee -- Kaffee                                                 |
  | Canton -- Kanton                                                 |
  | dunkele -- dunkle                                                |
  | Eichelpulver -- Eichelnpulver                                    |
  | Gespinnstfasern -- Gespinstfasern                                |
  | Gewebeelemente -- Gewebselemente                                 |
  | Haeminkrystalle -- Hminkrystalle                                |
  | inneren -- innern                                                |
  | Insecten -- Insekten                                             |
  | Instrumentes -- Instruments                                      |
  | Linear-Vergrsserung -- Linearvergrsserung                      |
  | Lungen-Tuberculosis -- Lungenzuberculosis                        |
  | Mikrometer-Schraube -- Mikrometerschraube                        |
  | Mikroskopes -- Mikroskops                                        |
  | Objecttisch-Schraubenmikrometer -- Objecttischschraubenmikrometer|
  | Oscillarieen -- Oscillarien                                      |
  | Polarisations-Apparate -- Polarisationsapparate                  |
  | porcellanenen -- porzellanenen                                   |
  | Procent -- prozentig                                             |
  | Roggenmehlstrkekrnchen -- Roggenstrkemehlkrnchen             |
  | Safransurrogates -- Safransurrogats                              |
  | selbstndig -- selbststndig                                     |
  | structurlos -- strukturlos                                       |
  | trockene -- trockne                                              |
  | Untersuchungsobject -- Untersuchungsobjekt                       |
  | wsserige -- wssrige                                            |
  | Weinstockes -- Weinstocks                                        |
  | Wollenhaar -- Wollhaar                                           |
  |                                                                  |
  |                                                                  |
  |                                                                  |
  | Offensichtliche Zeichensetzungsfehler wurden korrigiert, ohne    |
  | diese hier im Einzelnen zu erwhnen. Die folgenden nderungen    |
  | wurden vorgenommen:                                              |
  |                                                                  |
  | S. vii "Molecular-" in "Molekular-" gendert.                    |
  | S. viii "Ghrspilz" in "Ghrpilz" gendert.                      |
  | S. 6 "Plssel" in "Plssl" gendert.                             |
  | S. 19 "Ebenung" in "Ebnung" gendert.                            |
  | S. 21 "Mirkoskope" in "Mikroskope" gendert.                     |
  | S. 42 "Friedrichsstrasse" in "Friedrichstrasse" gendert         |
  |       (Funote).                                                 |
  | S. 51 "Pleurosima gangulatum" in "Pleurosigma angulatum"         |
  |       gendert.                                                  |
  | S. 51 "Hippocampos" in "Hippocampus" gendert.                   |
  | S. 54 "Deckglsser" in "Deckglser" gendert.                    |
  | S. 69 "Mm." in "mm" gendert.                                    |
  | S. 84 "Aussen" in "aussen" gendert.                             |
  | S. 88 "Carcuma-Arrow-Root" in "Curcuma-Arrow-Root" gendert.     |
  | S. 89 "Tapiocca" in "Tapioka" gendert.                          |
  | S. 95 "Leinewand" in "Leinwand" gendert.                        |
  | S. 102 "fasst" in "fast" gendert.                               |
  | S. 107 "is" in "ist" gendert.                                   |
  | S. 116 "Porencanlen" in "Porenkanlen" gendert.                |
  | S. 120 "den" in "dem" gendert.                                  |
  | S. 127 "feinzerrieben" in "fein zerrieben" gendert.             |
  | S. 127 "hin und wider" in "hin und wieder" gendert.             |
  | S. 131 "Intybus" in "intybus" gendert.                          |
  | S. 134 "Anderen" in "anderen" gendert.                          |
  | S. 138 "Desshalb" in "Deshalb" gendert.                         |
  | S. 142 "Schleimgerinsel" in "Schleimgerinnsel" gendert.         |
  | S. 149 "Achnantes" in "Achnanthes" gendert.                     |
  | S. 152 "Eiter" in "Euter" gendert.                              |
  | S. 154 "Schleimgerinsel" in "Schleimgerinnsel" gendert.         |
  | S. 155 "Bellinischen" in "Bellini'schen" gendert.               |
  | S. 161 "Diarrhoe" in "Diarrhe" gendert.                        |
  | S. 161 "Einigen" in "einigen" gendert.                          |
  | S. 166 "Ciste" in "Cyste" gendert.                              |
  | S. 169 "characteristisch" in "charakteristisch" gendert.        |
  | S. 170 "Mycomyceten" in "Myxomyceten" gendert.                  |
  | S. 172 "olgende" in "folgende" gendert.                         |
  | S. 180 "Seite" entfernt.                                         |
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  | S. 180 "Bieberhaar" in "Biberhaar" gendert.                     |
  | S. 181 "       keiten" in "Flssigkeiten" gendert.              |
  | S. 182 "Hippocampos" in "Hippocampus" gendert.                  |
  | S. 191 "Texicologie" in "Toxicologie" gendert.                  |
  | S. 192 "Leidfaden" in "Leitfaden" gendert.                      |
  |                                                                  |
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End of Project Gutenberg's Das Mikroskop und seine Anwendung, by Hermann Hager

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS MIKROSKOP UND SEINE ANWENDUNG ***

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