The Project Gutenberg EBook of Anleitung zur quantitativen chemischen
Analyse, by C. Remigius Fresenius

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Title: Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse

Author: C. Remigius Fresenius

Release Date: January 1, 2015 [EBook #47843]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ANLEITUNG ZUR QUANTITATIVEN CHEMISCHEN ANALYSE ***




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                              $ANLEITUNG$

                                  ZUR

                        QUANTITATIVEN CHEMISCHEN

                                ANALYSE

  die Lehre von der Gewichtsbestimmung und Scheidung der in der Pharmacie,
    den Knsten, Gewerben und der Landwirthschaft hufiger vorkommenden
          Krper in einfachen und zusammengesetzten Verbindungen.


                                  $Fr

                         ANFNGER UND GEBTERE

                            bearbeitet von$

                       Dr. C. REMIGIUS FRESENIUS,

 Professor der Chemie und Physik am landwirthschaftlichen Institute zu
     Wiesbaden und Vorsteher des chemischen Laboratoriums daselbst.


                                $DRITTE
                SEHR VERMEHRTE UND VERBESSERTE AUFLAGE.$

                   *       *       *       *       *

              Mit in den Text eingedruckten Holzschnitten.

                   *       *       *       *       *

                             $Braunschweig,
            Druck und Verlag von Friedrich Vieweg und Sohn.
                                 1854.$




                            $SEINER HOHEIT$

                                ADOLPH,

                         $HERZOGE VON NASSAU,$


                              IN TIEFSTER

                    EHRERBIETUNG UND UNTERTHNIGKEIT

                               GEWIDMET.

                   *       *       *       *       *




                      Vorrede zur ersten Auflage.


Das Studium der Chemie hat in der neueren Zeit eine von der frherer
Decennien wesentlich verschiedene Richtung angenommen. -- Whrend man es
sonst fr ausreichend hielt, den Jngern der Chemie bei dem Unterrichte
die $Resultate$ der Wissenschaft mitzutheilen, verwendet man jetzt die
grsste Sorgfalt darauf, dieselben $auch mit den Methoden$ vertraut zu
machen, nach denen die Resultate gefunden wurden, und mittelst welcher
man neue zu gewinnen vermag.

Diesem Umstande verdanken die fr den praktischen Unterricht bestimmten
Laboratorien ihr Entstehen, und ihr Emporblhen beweist die Richtigkeit
des Princips.

Seit man dasselbe beim Unterrichte aufstellte, seit die Schler der
Chemie nicht nur in den Hrslen, sondern auch in den Laboratorien
gebildet werden, fing die Chemie an, die Bedeutung fr das Leben zu
gewinnen, welche ihr zukommen muss; denn das Wissen allein war ein
todtes Capital, sobald sich aber die Kenntniss hinzugesellte, wie man
es anwendet und nutzbar macht, gewann es Leben und Bewegung, und trug
reiche und herrliche Frchte.

Das Studium der praktischen Chemie umfasst vornehmlich drei Gebiete:

     Die $qualitative Analyse$, die $quantitative Analyse$ und die
                  $Darstellung chemischer Prparate$.

Alle chemischen Arbeiten, grosse wie kleine sind zusammengesetzt aus
einzelnen Arbeiten, welche einem dieser Gebiete angehren.

Es konnte nun nicht fehlen, dass mit dem vernderten Gesichtspunkte
auch die Methoden des Unterrichts in der praktischen Chemie sich ndern
mussten; denn whrend frher ein Lehrer einen oder zwei Schler hatte,
die er unter seinen Augen operiren oder an seinen eigenen Arbeiten Theil
nehmen liess, handelt es sich jetzt darum, dass $ein$ Lehrer $viele$
Schler berwacht, und dass diese bei dem Unterrichte Vieles und Viel
mit mglichst geringem Zeitaufwande erlernen. -- Dieser Zweck wird aber
am sichersten erreicht, wenn man die Erlernung in Bezug auf Reihenfolge
und Auswahl des Einzelnen nicht dem Zufalle berlsst, sondern den
Unterricht im Allgemeinen wie im Besonderen nach systematischem
Plane anordnet. So macht man jetzt beim praktischen Unterrichte
fast berall mit der qualitativen Analyse den Anfang und lsst dann
Prparatendarstellung und quantitative Analyse folgen, -- so lsst man
in der qualitativen Analyse nicht, wie frher, von vornherein unbekannte
Verbindungen untersuchen, sondern von dem Lehrer selbst gemischte oder
demselben in Bezug auf ihre Bestandteile aufs Genaueste bekannte, und
zwar erst einfache, dann zusammengesetztere bis zu den schwierigsten in
consequenter Reihenfolge.

Um den Unterricht, wie die Selbstbelehrung in der chemischen Analyse im
eben erwhnten Sinne zu erleichtern, schrieb ich meine "$Anleitung zur
qualitativen chemischen Analyse$". Die gute Aufnahme, welche derselben
geworden ist, schien mir zu beweisen, dass ich meinen Zweck nicht ganz
verfehlt habe. -- In gleicher Absicht lege ich jetzt dem Publicum eine
"$Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse$" vor. -- Dieselbe
reiht sich ihrem ganzen Plane nach der erstgenannten Schrift (mit deren
dritter Auflage sie in Betracht usserer Ausstattung ganz bereinstimmt)
als $zweiter Theil$ an, so dass beide zusammen eine vollstndige
Anleitung zur einfacheren chemischen Analyse enthalten. Eben so gut
aber kann sie auch als fr sich verstndliches, selbststndiges Ganzes
gelten, wenn man davon absieht, dass zur Vermeidung von Wiederholungen,
bei den Capiteln ber Operationen und Reagentien das darber in der
"qualitativen Analyse" Gesagte hier als bekannt vorausgesetzt wurde.

Bei der Ausarbeitung der vorliegenden Schrift hatte ich einerseits im
Auge, sie zu einem geeigneten Leitfaden beim praktischen Unterrichte in
den chemischen Laboratorien zu machen, andererseits aber sollte sie auch
denjenigen jungen Chemikern, welche (wie z. B. ein grosser Theil der
Pharmaceuten) auf Selbstbelehrung angewiesen sind, ein treuer Fhrer
und Rathgeber bei ihren Arbeiten sein und ihnen den Mangel des Lehrers
so viel als mglich ersetzen.

Um meine doppelte Absicht zu erreichen, musste Manches, namentlich
die Lehre von den Operationen, mit einer Ausfhrlichkeit behandelt
werden, welche vielleicht nicht nothwendig gewesen wre, wenn ich nur
den ersten Zweck im Auge gehabt htte. -- Im Allgemeinen blieb ich den
Grundstzen getreu, welche ich bei meiner "Anleitung zur qualitativen
Analyse" einhielt, d. h. ich strebte darnach, das Wichtigere von dem
minder Wichtigen zu sondern und durch Consequenz, klare Darstellung
und passende theoretische Erluterung die Uebersicht ber das ganze
Gebiet, wie das Verstndniss des Einzelnen nach Mglichkeit zu
erleichtern. Um aber das Werkchen nicht nur in Hinsicht auf Methodik
und Darstellung, sondern auch in Betreff seines reellen und praktischen
Werthes mglichst auszuzeichnen, war ich genthigt, eine grosse Anzahl
eigener Experimentaluntersuchungen zu machen, denn ich fand hufiger,
als ich geglaubt hatte, dass die in den Bchern niedergelegten Angaben
mit der Wahrheit im Widerspruche waren. Alle einzelnen Methoden selbst
experimentell zu prfen, war mir natrlich unmglich, getrost und
zuversichtlich aber darf ich sagen, dass ich bei weitem die meisten
Angaben nach eigener Erfahrung machte.

Bei der Anordnung bin ich einem neuen, in dem Buche selbst motivirten
Plane gefolgt. Derselbe ist so natrlich und einfach, und der
Zusammenhang unter den einzelnen Theilen so leicht verstndlich, dass
ich es fr unnthig erachte, hier noch besonders darauf einzugehen.

Was die in dem Buche angenommenen Aequivalentzahlen betrifft, so habe
ich mit grsster Sorgfalt darnach gestrebt, bei den mit abweichendem
Resultat bestimmten eine mglichst gute Wahl zu treffen. Es war
ferner nothwendig, sehr viele aus den ursprnglichen Versuchen neu
zu berechnen, z. B. die des Magnesiums, Mangans, Phosphors, Nickels,
Kobalts, Golds, Platins, Fluors, Arsens und vieler anderen, weil
inzwischen die Aequivalente der Krper berichtigt worden sind, die
bei jenen Bestimmungen zu Hlfe genommen wurden, namentlich die
des Schwefels, Chlors, Quecksilbers etc. -- Ich habe zu meiner
Rechtfertigung in der Tabelle I. die Gewhrsmnner der angenommenen
Zahlen genannt und im Anhang die von mir ausgefhrten Rechnungen
beigefgt.

Aus dem Gesagten ergiebt sich, dass smmtliche Tabellen neu berechnet
werden mussten. Ich kann die Versicherung geben, dass jede Zahl doppelt
berechnet worden und auf die Correctur die grsste Sorgfalt verwendet
worden ist.

Und somit bergebe ich mein Buch. Mge es dazu beitragen, die fr alles
tiefere und grndlichere Eindringen in die Chemie so unentbehrliche
quantitative Analyse zum Gemeingut eines grsseren Publicums zu machen,
-- mge es namentlich auch den Pharmaceuten, Technikern und Landwirthen,
fr welche ich das Buch vornehmlich bestimmt habe, die Schwierigkeiten
berwinden helfen, welche sich gleich beim Eingange in das fr sie so
wichtige Gebiet wirklich und scheinbar entgegenstellen, und mge es
somit fr die Chemie berhaupt den Nutzen stiften, den zu erreichen ich
redlich bestrebt war.

     $Wiesbaden$, im Januar 1846.

                   *       *       *       *       *




                      Vorrede zur zweiten Auflage.


Bei der Herausgabe der zweiten Auflage meiner "Anleitung zur
quantitativen chemischen Analyse" habe ich nicht Ursache gefunden, von
den frher befolgten Principien abzuweichen. -- Das Buch in seiner
jetzigen Gestalt ist daher in der Hauptsache ein unvernderter Abdruck
der ersten Auflage. Vernderungen habe ich nur da vorgenommen, wo sich
in Folge neuer Untersuchungen frhere Angaben mit Gewissheit verbessern
liessen. Sie beziehen sich jedoch nur auf Einzelnheiten, z. B. auf die
Atomgewichte des Chroms und Goldes, auf die Bestimmung des Kobalts etc.

     $Wiesbaden$, im November 1846.

                   *       *       *       *       *




                      Vorrede zur dritten Auflage.


In dem kurzen Zeitraume, welcher zwischen dem Erscheinen der beiden
ersten Auflagen der vorliegenden "Anleitung zur quantitativen chemischen
Analyse" lag, war auf dem Gebiete der analytischen Chemie nur wenig
Neues zu Tage gefrdert worden, und es konnte daher die zweite Auflage
ein fast unvernderter Abdruck der ersten sein. -- Zwischen der zweiten
und dritten Auflage aber liegen sechs Jahre und zwar fr die chemische
Analyse in hohem Grade fruchtbringende. Es fallen in sie nicht allein
die zahlreichen und wichtigen Arbeiten H. $Rose$'s, welche derselbe zum
Zwecke der Herausgabe seines klassischen Werkes "Ausfhrliches Handbuch
der analytischen Chemie" angestellt hat, sondern auch sehr viele und
bedeutende Anderer; wie sich denn die Zahl der Krfte berhaupt sehr
gemehrt hat, die zur gemeinsamen Frderung aller Zweige der Chemie
thtig sind. -- Von besonderer Wichtigkeit fr den genannten Zeitraum
war namentlich noch der Aufschwung, welchen die Maassanalyse whrend
desselben genommen hat. Benutzte man auch frher maassanalytische
Methoden, so standen solche doch ziemlich vereinzelt da und wurden
mehr bei technischen Gehaltsbestimmungen als bei wissenschaftlichen
Untersuchungen angewandt, -- whrend jetzt das Streben der Zeit dahin
geht, auch bei letzteren mit Hlfe der Maassanalyse, unbeschadet
der Genauigkeit, ungleich rascher zum Ziele zu kommen, als dies bei
Anwendung gewichtsanalytischer Bestimmungsmethoden mglich ist.

Aus dem Gesagten ergiebt sich leicht, dass vorliegende dritte Auflage
gnzlich umgearbeitet werden musste, um den Fortschritten der
Wissenschaft und ihrem gegenwrtigen Standpunkte zu entsprechen. Die
Umarbeitungen, Vermehrungen und Verbesserungen beziehen sich auf
alle Theile des Buches. Ueberall habe ich durch strenge Sichtung und
praktische kritische Prfung die zuverlssigen Methoden zu unterscheiden
gesucht von den ungenauen und unpraktischen. Vielfach untersttzt wurde
ich bei dieser mhsamen und langwierigen Arbeit durch die Assistenten
und Schler meines Laboratoriums.

Wesentlich erweitert habe ich den $speciellen Theil$ des Buches durch
Hinzufgung genau dargelegter Verfahrungsweisen zur Analyse solcher
Mineralien und technischen Producte, welche besonders hufig Gegenstand
chemischer Untersuchung werden, sowie zur Analyse der Dngerarten. Ich
habe dies gethan, um auch dem praktischen Bedrfnisse der Fabrikanten,
der Berg- und Httenleute, sowie der Landwirthe nach Mglichkeit zu
gengen.

Was die chemischen Aequivalente anbetrifft, so habe ich mich eifrig
bemht, die wahren Werthe derselben mit Hlfe der darber erschienenen
neueren Arbeiten aufs Genaueste festzustellen; auch wurden -- da sich
dies ohne alle Volumvermehrung des Buches thun liess -- neben die
sich auf Sauerstoff = 100 beziehenden Zahlen, die auf Wasserstoff = 1
bezglichen gesetzt, auf dass nunmehr Jeder diejenigen gebrauchen kann,
welche ihm die geeigneteren scheinen oder an welche er gewhnt ist.

Die Tabellen sind alle -- soweit nthig -- neu berechnet und mit der
grssten Sorgfalt controlirt und corrigirt.

     $Wiesbaden$, im October 1853.

                                                   Dr. R. $Fresenius$.

                   *       *       *       *       *




                                Inhalt.


  Einleitung                                                            1


                          $Erste Abtheilung.$

                           Allgemeiner Theil.

                        $Erste Unterabtheilung.$

                        Ausfhrung der Analyse.

                          $Erster Abschnitt.$


  $Die Operationen$ . 1.                                               9
      I. Die Quantittsbestimmung . 2.                                --
       1. Die Gewichtsbestimmung                                       10
         a. Die Wage . 3.                                             --
            Richtigkeit derselben . 4.                                --
            Empfindlichkeit derselben . 5.                            12
            Prfung derselben . 6 u. 7.                               13
         b. Die Gewichte . 8.                                         15
         c. Das Wgen . 9.                                            17
            Regeln dabei . 10.                                        19
       2. Die Volumbestimmung                                          21
         a. Das Messen der Gase . 11.                                 --
         b. Das Messen von Flssigkeiten . 12.                        26
     II. Das Ueberfhren zu untersuchender Krper in Zustnde, in
         welchen sie sich zur Analyse eignen                           30
       1. Die Auswahl der Substanz . 13.                              --
       2. Die mechanische Zertheilung . 14.                           --
       3. Das Trocknen . 15.                                          33
    III. Allgemeines Verfahren bei quantitativen Analysen . 16.       40
       1. Das Abwgen der Substanz . 17.                              41
       2. Die Wasserbestimmung . 18.                                  42
         a. Aus dem Gewichtsverlust                                    --
         b. Durch directe Wgung . 19.                                44
       3. Das Ueberfhren in gelsten Zustand . 20.                   46
         a. Directe Auflsung . 21.                                   47
         b. Auflsung vermittelt durch Aufschliessung . 22.           --
       4. Das Ueberfhren der aufgelsten Krper in wgbare
          Formen . 23.                                                50
         a. Abdampfen . 24.                                           51
            Wgen der durch Abdampfen erhaltenen Rckstnde . 25.     55
         b. Fllung . 26.                                             56
           [Greek: a]. Fllung mit darauf folgender Decantation
                       . 27.                                          57
           [Greek: b]. Fllung mit darauf folgender Filtration         58
             aa. Filtrirapparat . 28.                                 --
             bb. Regeln beim Filtriren . 29.                          60
             cc. Auswaschen . 30.                                     62
           [Greek: c]. Fllung mit darauf folgender Decantation und
                       Filtration . 31.                               64
              Weitere Behandlung der Niederschlge . 32.              65
             aa. Trocknen der Niederschlge . 33.                     --
             bb. Glhen der Niederschlge . 34.                       67
              Erste Methode (Glhen des Niederschlags mit dem Filter)
              . 35.                                                   69
              Zweite Methode (gesondertes Glhen des Niederschlags
              und des Filters) . 36.                                  70
       5. Die Maassanalyse . 37.                                      71


                          $Zweiter Abschnitt.$

  $Die Reagentien$ . 38.                                                73
    A. Reagentien auf nassem Wege                                      74
       I. Allgemeine Reagentien                                        --
         a. Solche, welche vorzugsweise als einfache Lsungsmittel
            gebraucht werden . 39.                                    --
         b. Solche, welche vorzugsweise als chemische Lsungsmittel
            gebraucht werden . 40.                                    --
         c. Solche, welche vorzugsweise zur Abscheidung von
            Krpergruppen dienen, oder berhaupt allgemeinere
            Anwendung finden . 41.                                    75
      II. Besondere Reagentien auf nassem Wege                         81
         a. Solche, welche vorzugsweise zur Bestimmung oder
            Abscheidung einzelner Basen dienen . 42.                  --

         b. Solche, welche vorzugsweise zur Bestimmung oder
            Abscheidung einzelner Suren dienen . 43.                 82

    B. Reagentien auf trockenem Wege . 44.                            83

    C. Reagentien zur organischen Elementaranalyse . 45.              85


                          $Dritter Abschnitt.$

  Die Formen und Verbindungen der Krper, in welchen sie von anderen
  abgeschieden oder ihrem Gewichte nach bestimmt werden . 46.         89

  A. Formen und Verbindungen der Basen, in welchen sie von anderen
     abgeschieden oder ihrem Gewichte nach bestimmt werden             91

                       $Basen der ersten Gruppe.$

      1. Kali . 47.                                                   91
      2. Natron . 48.                                                 93
      3. Ammon . 49.                                                  94

                      $Basen der zweiten Gruppe.$

      1. Baryt . 50.                                                  96
      2. Strontian . 51.                                              97
      3. Kalk . 52.                                                   98
      4. Magnesia . 53.                                               99

                      $Basen der dritten Gruppe.$

      1. Thonerde . 54.                                              101
      2. Chromoxyd . 55.                                             102

                      $Basen der vierten Gruppe.$

      1. Zinkoxyd . 56.                                              103
      2. Manganoxydul . 57.                                          104
      3. Nickeloxydul . 58.                                          105
      4. Kobaltoxydul . 59.                                          106
      5. Eisenoxydul u. 6. Eisenoxyd . 60.                           108

                      $Basen der fnften Gruppe.$

      1. Silberoxyd . 61.                                            109
      2. Bleioxyd . 62.                                              110
      3. Quecksilberoxydul u. 4. Quecksilberoxyd . 63.               112
      5. Kupferoxyd . 64.                                            114
      6. Wismuthoxyd . 65.                                           116
      7. Cadmiumoxyd . 66.                                           117

                      $Basen der sechsten Gruppe.$

      1. Goldoxyd . 67.                                              118
      2. Platinoxyd . 68.                                             --
      3. Antimonoxyd . 69.                                           119
      4. Zinnoxydul u. 5. Zinnoxyd . 70.                             120
      6. Arsenige Sure und Arsensure . 71.                         121

  B. Formen und Verbindungen, welche zur Gewichtsbestimmung oder
     Scheidung der Suren dienen                                      123

    Suren der ersten Gruppe . 72.                                   123
    Suren der zweiten Gruppe . 73.                                  128
    Suren der dritten Gruppe . 74.                                  129


                          $Vierter Abschnitt.$

  $Die Gewichtsbestimmung der Krper$ . 75.                          130

    I. Die Gewichtsbestimmung der Basen in Verbindungen, in welchen
       nur eine Base und eine Sure oder ein Metall und ein
       Metalloid enthalten ist                                        133

      Erste Gruppe:

        1. Kali . 76.                                                 --
        2. Natron . 77.                                              136
        3. Ammon . 78.                                               138

      Zweite Gruppe:

        1. Baryt . 79.                                               142
        2. Strontian . 80.                                           144
        3. Kalk . 81.                                                146
        4. Magnesia . 82.                                            149

      Dritte Gruppe:

        1. Thonerde . 83.                                            152
        2. Chromoxyd . 84.                                           154

      Vierte Gruppe:

        1. Zinkoxyd . 85.                                            156
        2. Manganoxydul . 86.                                        158
        3. Nickeloxydul . 87.                                        160
        4. Kobaltoxydul . 88.                                        162
        5. Eisenoxydul . 89.                                         164
        6. Eisenoxyd . 90.                                           169

      Fnfte Gruppe:

        1. Silberoxyd . 91.                                          173
        2. Bleioxyd . 92.                                            180
        3. Quecksilberoxydul . 93.                                   187
        4. Quecksilberoxyd . 94.                                      --
        5. Kupferoxyd . 95.                                          192
        6. Wismuthoxyd . 96.                                         197
        7. Cadmiumoxyd . 97.                                         199

      Sechste Gruppe:

        1. Goldoxyd . 98.                                            200
        2. Platinoxyd . 99.                                          202
        3. Antimonoxyd . 100.                                        204
        4. Zinnoxydul u. 5. Zinnoxyd . 101.                          206
        6. Arsenige Sure u. 7. Arsensure . 102.                    210

    II. Die Gewichtsbestimmung der Suren in Verbindungen, in welchen
        nur eine Base und eine Sure oder ein Metall und ein
        Metalloid enthalten ist, und ihre Scheidung von den Basen     214

      Erste Gruppe:

        1. Arsenige Sure und Arsensure . 103.                       --
        2. Chromsure . 104.                                         215
        3. Schwefelsure . 105.                                      218
        4. Phosphorsure . 106.                                      220
        5. Borsure . 107.                                           231
        6. Oxalsure . 108.                                          233
        7. Fluorwasserstoffsure . 109.                              235
        8. Kohlensure . 110.                                        236
        9. Kieselsure . 111.                                        242

      Zweite Gruppe:

        1. Chlorwasserstoffsure . 112.                              247
             Anhang: Bestimmung des Chlors im freien Zustand          251
        2. Bromwasserstoffsure . 113.                                --
             Anhang: Bestimmung des freien Broms                      253
        3. Jodwasserstoffsure . 114.                                 --
             Anhang: Bestimmung des freien Jods                       257
        4. Cyanwasserstoffsure . 115.                               260
        5. Schwefelwasserstoffsure . 116.                           263

      Dritte Gruppe:

        1. Salpetersure . 117.                                      269
        2. Chlorsure . 118.                                         271


                          $Fnfter Abschnitt$

  $Die Trennung der Krper$ . 119.                                   273

     I. $Die Scheidung der Basen von einander$                        275

       Erste Gruppe:

         Kali, Natron und Ammon von einander . 120.                   --

       Zweite Gruppe:

           I. Trennung der Oxyde der Gruppe II. von denen der
              Gruppe I. . 121.                                       279
          II. Trennung der Oxyde der Gruppe II. von einander . 122.  282

       Dritte Gruppe:

           I. Trennung der Oxyde der Gruppe III. von denen der
              Gruppe I. . 123.                                       284
          II. Trennung der Oxyde der Gruppe III. von denen der
              Gruppe II. . 124.                                      285
         III. Trennung der Oxyde der Gruppe III. von einander
              . 125.                                                 288

       Vierte Gruppe:

           I. Trennung der Oxyde der Gruppe IV. von denen der
              Gruppe I. . 126.                                       289
          II. Trennung der Oxyde der Gruppe IV. von denen der
              Gruppe II. . 127.                                      290
         III. Trennung der Oxyde der Gruppe IV. von denen der
              Gruppe III. und von einander . 128.                    293
          IV. Trennung des Eisenoxyds, der Thonerde, des
              Manganoxyduls, der Kalk- und Bittererde, des Kali und
              Natrons . 129.                                         306

       Fnfte Gruppe:

           I. Trennung der Oxyde der Gruppe V. von denen der
              Gruppen I.-IV. . 130.                                  309
          II. Trennung der Oxyde der Gruppe V. von einander . 131.   312

       Sechste Gruppe:

           I. Trennung der Oxyde der Gruppe VI. von denen der
              Gruppen I.-V. . 132.                                   318
          II. Trennung der Oxyde der Gruppe VI. von einander . 133.  324

    II. $Die Scheidung der Suren von einander$                       329

       Erste Gruppe. . 134.                                           --

       Zweite Gruppe:

          I. Trennung der Suren der Gruppe II. von denen der
             Gruppe I. . 135.                                        334
               Anhang: Analyse von Verbindungen, welche alkalische
                       Schwefelmetalle, kohlensaure, schwefelsaure
                       und unterschwefligsaure Salze enthalten
                       . 136.                                        336
         II. Trennung der Suren der Gruppe II. von einander . 137.  337

       Dritte Gruppe. . 138.

         Trennung der Suren der dritten Gruppe von denen der beiden
         ersten und von einander                                      340


                         $Sechster Abschnitt.$

  $Die organische Elementaranalyse$ . 139.                           342

      I. Qualitative Prfung der organischen Substanzen . 140.       344

     II. Organische Elementaranalyse im engeren Sinne                 346

       A. Analyse von Verbindungen, die aus Kohlenstoff und
          Wasserstoff allein, oder aus Kohlenstoff, Wasserstoff und
          Sauerstoff bestehen . 141.                                 347

              a. Feste Krper                                          --
                [Greek: a]. Leicht verbrennliche, nicht flchtige      --

         1. $Liebig$'s Verfahren                                       --
            I. Apparat und Erfordernisse . 142.                       --
           II. Ausfhrung der Analyse . 143.                         352

         2. $Bunsen$'s Modifikation des in 1. beschriebenen
            Verfahrens . 144.                                        358

                [Greek: b]. Schwer verbrennliche, nicht flchtige
                            Krper                                    360

         1. Verbrennung mit chromsaurem Bleioxyd . 145.               --

         2. Verbrennung mit Kupferoxyd und chlorsaurem oder
            berchlorsaurem Kali . 146.                              361

         3. Verbrennung mit Kupferoxyd und gasfrmigem
            Sauerstoff . 147.                                        362
                [Greek: c]. Flchtige Krper, oder solche, die bei
                            100 eine Vernderung erleiden,
                            z. B. Wasser verlieren . 148.            364

              b. Flssige Krper                                      365
                [Greek: a]. Flchtige . 149.                          --
                [Greek: b]. Nicht flchtige . 150.                   367

       B. Analyse von Verbindungen, die aus Kohlenstoff,
          Wasserstoff, Sauerstoff und Stickstoff bestehen             368

         a. Bestimmung des Kohlenstoffs und Wasserstoffs in
            stickstoffhaltigen Krpern . 151.                         --

         b. Bestimmung des Stickstoffs in organischen Verbindungen    369
           [Greek: a]. Bestimmung des Stickstoffs aus dem Volum       370

             1. Qualitative Stickstoffbestimmung aus dem Volum,
                nach $Liebig$ . 152.                                  --

             2. Quantitative Stickstoffbestimmung aus dem Volum,
                nach $Dumas$ . 153.                                  373
           [Greek: b]. Bestimmung des Stickstoffs aus dem Gewicht,
                       nach $Varrentrapp$ und $Will$ . 154.          375
           [Greek: c]. Modification des $Varrentrapp-Will$'schen
                       Verfahrens von $Pligot$ . 155.               379

       C. Analyse von schwefelhaltigen organischen Verbindungen
          . 156.                                                     380

       D. Bestimmung des Phosphors in organischen Verbindungen
          . 157.                                                     383

       E. Analyse von Chlor enthaltenden organischen Verbindungen
          . 158.                                                     384

       F. Analyse von organischen Substanzen, welche unorganische
          Krper enthalten . 159.                                    385

    III. Atomgewichtsbestimmung der organischen Verbindungen          386
           Aus den Verbindungsverhltnissen mit Suren, Basen
           etc. . 160.                                                --
           Bestimmung des specifischen Gewichts der Dmpfe . 161.    387
           Aus den Zersetzungsproducten . 162.                       391

                       $Zweite Unterabtheilung.$

  $Berechnung der Analyse$ . 163.                                      392

      I. Berechnung des gesuchten Bestandteils aus der gefundenen
         Verbindung, und Darstellung des Gefundenen in Procenten
         . 164.                                                       --

        1. Wenn die gesuchte Substanz als solche abgeschieden wurde.
          a. Bei festen Krpern, Flssigkeiten oder Gasen, die
             durch Wgung bestimmt wurden . 165.                     393
          b. Bei Gasen, die gemessen wurden . 166.                    --

        2. Wenn die gesuchte Substanz in einer Verbindung
           abgeschieden wurde etc. . 167.                            397

        3. Bei indirecten Analysen . 168.                            400

          Anhang zu I. Mittlere Werthe, Verlust und Ueberschuss bei
          Analysen . 169.                                            402

     II. Aufstellung empirischer Formeln . 170.                      404

    III. Aufstellung rationeller Formeln . 171.                      407

     IV. Berechnung der Dampfdichte flchtiger Krper etc. . 172.    412



                          $Zweite Abtheilung.$

                           Specieller Theil.

    I. Analyse der natrlichen Gewsser                               419

       A. Untersuchung der gewhnlichen sssen Gewsser . 173.        --

       B. Analyse der Mineralwasser . 174.                           422

          1. Ausfhrung der Mineralwasseranalyse                      423
             A. Arbeiten an der Quelle                                 --
                I. Apparat und Erfordernisse . 175.                   --
               II. Specielle Ausfhrung . 176.                       425
             B. Arbeiten im Laboratorium                              427
                I. Qualitative Analyse                                429
               II. Quantitative Analyse . 177.                       430
                     Modificationen, bedingt durch die Anwesenheit
                     eines fixen kohlensauren Alkalis . 178.         440
                     Bemerkungen zur Analyse der Schwefelwasser
                     . 179.                                          442

          2. Berechnung der Mineralwasseranalyse, Controlirung und
             Zusammenstellung der Resultate . 180.                   443

   II. Analysen solcher technischen Producte und Mineralien, welche
       besonders hufig Gegenstand chemischer Untersuchung werden,
       einschliesslich ihrer blossen Prfung auf Gehalt und
       Handelswerth                                                   449

       1. Bestimmung des Gehalts an freier Sure (Acidimetrie)         --
          A. Ermittelung aus dem specifischen Gewichte . 181.         --
          B. Ermittelung durch Sttigung mit einer alkalischen
             Flssigkeit von bekanntem Gehalt . 182.                 452
          C. Ermittelung durch Wgung der durch die freie Sure aus
             doppelt kohlensaurem Natron ausgetriebenen Kohlensure
             . 183.                                                  455

       2. Bestimmung des Gehaltes einer Substanz an freiem und
          kohlensaurem Alkali (Alkalimetrie)                          457
          A. Ermittlung des Kalis, Natrons oder Ammoniaks aus dem
             specifischen Gewichte ihrer Lsungen . 184.              --
          B. Prfung der Soda und Pottasche auf ihren Gehalt an
             kohlensaurem und tzendem Alkali im Ganzen               458
             I. Verfahren nach $Descroizilles$ und $Gay-Lussac$
                . 185.                                               459
                  Modifikation desselben nach $Mohr$ . 186.          462
            II. Verfahren nach $Fresenius$ und $Will$ . 187.         463
          C. Bestimmung des kaustischen Alkalis, welches neben
             kohlensaurem in Soda oder Pottasche enthalten sein kann
             . 188.                                                  465

       3. Chlorimetrie . 189.                                        466
          Bereitung der Chlorkalklsung . 190.                       467
          A. Methode von $Gay-Lussac$ . 191.                          --
          B. Methode von $Penot$ . 192.                              469
          C. Methode von $Otto$ . 193.                               470
          D. Methode von $Bunsen$ . 194.                             472

       4. Prfung des Braunsteins auf seinen Gehalt an Hyperoxyd       --
          A. Verfahren nach $Fresenius$ und $Will$ . 195.             --
          B. Verfahren nach $Bunsen$ . 196.                          474
          C. Verfahren mittelst Eisens . 197.                        477

       5. Prfung des gelben und rothen Blutlaugensalzes . 198.       --

       6. Analyse des Kochsalzes . 199.                              480

       7. Analyse des Schiesspulvers . 200.                          481

       8. Analyse gemengter Silicate . 201.                          482

       9. Analyse der Thone . 202.                                   484

      10. Analyse der Kalksteine, Dolomite, Mergelarten etc.          485
          A. Methode der vollstndigen Analyse . 203.                 --
          B. Maassanalytische Bestimmung des kohlensauren Kalks
             . 204.                                                   --

      11. Analyse der Eisenerze                                       487
          A. Methode der vollstndigen Analyse . 205.                 --
          B. Maassanalytische Bestimmung des Eisens in Eisenerzen
             . 206.                                                  491

      12. Kupferkies . 207.                                          492

      13. Bleiglanz . 208.                                           493

      14. Zinkerze . 209.                                            494
          Anhang: Bestimmung des Traubenzuckers und Fruchtzuckers,
          des Rohrzuckers, Milchzuckers, Strkemehls und Dextrins     496
              A. Mittelst Kupfervitriols . 210.                       --
              B. Mittelst geistiger Ghrung . 211.                   500

  III. Analyse der Pflanzenaschen . 212.                             501

       A. Bereitung der Aschen . 213.                                504

       B. Analyse der Aschen . 214.                                  507
          a. Qualitative Analyse                                      508
          b. Quantitative Analyse                                     509
              I. Aschen mit vorwaltenden kohlensauren Alkalien oder
                 alkalischen Erden, in welchen alle Phosphorsure an
                 Eisenoxyd gebunden ist . 215.                        --
             II. Durch Salzsure aufschliessbare Aschen, in welchen
                 ausser der an Eisenoxyd gebundenen Phosphorsure
                 noch weitere vorhanden ist . 216.                   512
            III. Durch Salzsure nicht aufschliessbare Aschen
                 . 217.                                              513

       C. Darstellung der Resultate . 218.                           514

       D. Berechnung der gefundenen Aschenbestandtheile auf die
          Pflanzen oder Pflanzentheile, denen sie angehrt haben
          . 219.                                                     516

   IV. Analyse der Bodenarten . 220.                                 518

       A. Gang der Analyse . 221.                                    520

       B. Darstellung der Resultate . 222.                           525

    V. Analyse der Dngerarten . 223.                                528

       A. Allgemeines Verfahren . 224.                                --

       B. Analyse des Guanos . 225.                                  530

   VI. Analyse der atmosphrischen Luft . 226.                       533

       A. Bestimmung des Wassergehaltes und der Kohlensure . 227.    --

       B. Bestimmung des Sauerstoffs und Stickstoffs                  536
              I. Verfahren von $Liebig$ . 228.                        --
              II. Verfahren mit durch Salzsure befeuchtetem Kupfer
                  . 229.                                             538


                          $Dritte Abtheilung.$

  Uebungsaufgaben.                                                    541


                               $Anhang.$

   I. Analytische Belege                                              561

  II. Tabellen zur Berechnung der Analysen                            585

                   *       *       *       *       *




                             $Einleitung.$


Die gesammte chemische Analyse zerfllt, wie wir in der Einleitung
zum ersten Theile dieses Werkes gesehen haben, in die $qualitative$
und in die $quantitative$ Analyse. Die Aufgabe der ersteren ist, wie
am angefhrten Orte bereits erwhnt wurde, die Erforschung der Art,
die Aufgabe der letzteren die Ermittelung der $Menge$ der einzelnen
Bestandtheile eines zusammengesetzten Krpers.

Die qualitative Analyse fhrt zum Ziele, indem sie uns lehrt, die
unbekannten Bestandteile in schon bekannte Formen berzufhren, so dass
wir aus diesen sichere Schlsse auf jene zu machen im Stande sind. Die
quantitative Analyse erfllt ihre Aufgabe in der Regel (die Ausnahmen,
welche namentlich bei Maassanalysen und indirecten Bestimmungen
stattfinden, sollen erst spter besprochen werden), wenn sie uns die
Mittel und Wege angiebt, die ihrer Art nach bekannten Bestandtheile
in Formen oder Verbindungen zu bringen, welche erstens eine mglichst
scharfe Quantittsbestimmung zulassen und die ferner in Bezug auf das
Mengenverhltniss ihrer Bestandteile aufs Genaueste bekannt sind.

Diese Formen oder Verbindungen der Krper, welche sich den angegebenen
Eigenschaften zufolge zur Quantittsbestimmung eignen, sind entweder
$Educte$ aus der analysirten Verbindung oder dem zerlegten Gemenge, oder
es sind $Producte.$ Im ersteren Falle ist das gefundene Gewicht des
educirten Bestandtheiles der directe Ausdruck der Menge, in welcher er
in dem untersuchten Krper enthalten war, im anderen Falle ergiebt sich
uns die wirkliche Menge des in einer neuen Verbindung abgeschiedenen
Bestandtheiles (die Quantitt, in welcher er im untersuchten Krper
ursprnglich enthalten war) nicht direct, sondern erst durch eine
einfache Rechnung. Ein Beispiel diene zur Erluterung.

Gesetzt, wir wollten im Quecksilberchlorid die Menge des Quecksilbers
bestimmen, so knnten wir dieses erstens, indem wir aus der Lsung
des Quecksilberchlorids das Quecksilber z. B. durch Zinnchlorr
regulinisch ausfllten; wir knnten es ferner, indem wir die Lsung mit
Schwefelwasserstoff niederschlgen und das gefllte Quecksilbersulfid
dem Gewichte nach bestimmten. 100 Theile Quecksilberchlorid bestehen
aus 73,83 Quecksilber und 26,17 Chlor; bei absolut genauer Ausfhrung
mssen wir demnach durch Fllung mit Zinnchlorr von 100 Theilen
Quecksilberchlorid 73,83 Th. metallisches Quecksilber erhalten; bei
gleich genauer Ausfhrung der anderen Methode wrden wir von derselben
Menge Quecksilberchlorid 85,638 Th. Quecksilbersulfid bekommen. Im
ersteren Falle finden wir demnach die Zahl 73,83 (das ist die Menge
des Quecksilbers, welche in der zur Analyse verwendeten Quantitt
Quecksilberchlorid enthalten war) direct, im zweiten Falle mssen wir
sie erst durch die folgende einfache Gleichung ermitteln: 100 Th.
Quecksilbersulfid enthalten 86,213 Quecksilber, wie viel enthalten
85,638 Th.; -- x = 73,83. --

Als unumgnglich nothwendige Eigenschaften der Formen und Verbindungen,
welche zur Quantittsbestimmung dienen sollen, sind also festzuhalten,
dass sie erstlich genaues Wgen zulassen und dass sie ferner ihrer
Zusammensetzung nach bekannt sind. Fehlt jene Eigenschaft, so ist genaue
Ausfhrung der Analyse an und fr sich unmglich, fehlt diese, so
mangelt, im Falle man mit producirten Verbindungen zu thun hat, der zur
Aufstellung der Rechnung nothwendige Ausgangspunkt. --

Der Begriff und die Aufgabe der quantitativen Analyse wre nunmehr
festgestellt, ebenso die Art, auf welche sie im Allgemeinen ihre Aufgabe
erfllt. Ehe wir weiter gehen, mssen vor Allem die Eigenschaften in
Betracht gezogen werden, welche denen zukommen mssen, die quantitativen
Analysen mit Erfolg obliegen wollen. Diese Eigenschaften sind von
dreierlei Art; erstens nmlich werden theoretische Kenntnisse, zweitens
manuelle Geschicklichkeit und drittens strenge Gewissenhaftigkeit
erfordert.

Was nun zuerst das $Wissen$ betrifft, so muss zu den Vorkenntnissen,
welche wir als zum Studium der qualitativen Analyse erforderlich
anfhrten, das Innehaben dieser letzteren hinzukommen. Fgen wir alsdann
noch einige Gewandtheit in der Ausfhrung einfacher Rechnungen bei,
so haben wir die Summe der zum Beginn des Studiums der quantitativen
Analyse nthigen Vorkenntnisse. Sie befhigen uns, im Verlaufe
desselben die Methoden kennen und verstehen zu lernen, nach welchen
Krper ihrem Gewichte nach bestimmt oder geschieden werden, -- sie
machen es uns mglich, die Berechnungen auszufhren, durch welche wir
aus den analytischen Resultaten die Zusammensetzung der Verbindungen
nach Aequivalenten finden knnen und durch die wir andererseits die
Richtigkeit der angewendeten Trennungsmethoden zu prfen, die gefundenen
Resultate zu controliren vermgen.

$Mit dem Wissen muss das Knnen sich vereinigen.$ -- Dieser Satz gilt
im Allgemeinen bei den gesammten angewandten Wissenschaften; wenn er
aber bei irgend einer insbesondere hervorgehoben zu werden verdient, so
ist es bei der quantitativen Analyse der Fall. Mit den grndlichsten
Kenntnissen ausgerstet, ist man nicht im Stande zu bestimmen, wie viel
Kochsalz in einer Lsung ist, wenn man nicht eine Flssigkeit aus einem
Gefss in ein anderes giessen kann, ohne dass etwas wegspritzt oder ein
Tropfen am Rande des Gefsses hinabluft u. s. w. -- Die Hand muss sich
die Fhigkeit erwerben, die bei quantitativen Analysen vorkommenden
Operationen mit Umsicht und Geschick auszufhren, eine Fhigkeit, welche
einzig und allein durch praktische Uebung erworben werden kann. --

$Das Wissen und Knnen muss das Wollen, das redliche Streben nach der
Wahrheit, die strengste Gewissenhaftigkeit ergnzen.$ -- Jeder, der sich
nur einigermaassen mit quantitativen Analysen beschftigt hat, weiss,
dass sich, besonders am Anfange, zuweilen Flle ereignen, in denen man
Zweifel hegt, ob das Resultat genau ausfallen wird, oder in denen man
gewiss ist, dass es nicht sehr genau ausfallen kann. Bald ist ein wenig
verschttet worden, bald hat man durch Decrepitation einen Verlust
erlitten, -- bald zweifelt man, ob man sich im Wgen nicht geirrt habe,
-- bald stimmen zwei Analysen nicht recht berein. In solchen Fllen
handelt es sich darum, dass man die Gewissenhaftigkeit habe, die Arbeit
alsobald noch einmal zu machen. Wer diese Selbstberwindung nicht hat,
wer Mhe scheut, wo es sich um Wahrheit handelt, wer sich auf schtzen
und muthmassen einlsst, wo es die Erlangung positiver Gewissheit gilt,
dem muss Fhigkeit und Beruf zur Ausfhrung quantitativer Analysen
ebenso gut abgesprochen werden, als wenn es ihm an Kenntnissen oder
Geschicklichkeit gebrche. Wer seinen Arbeiten selbst nicht volles
Vertrauen schenken, wer auf seine Resultate nicht schwren kann, der mag
immerhin zu seiner Uebung analysiren, nur hte er sich, seine Resultate
als sicher zu verffentlichen oder anzuwenden, es drfte ihm nicht zum
Vortheil, der Wissenschaft aber wrde es nur zum Nachtheil gereichen.

Fragen wir nun, mit welchen Krpern sich die quantitative Analyse
beschftige, so knnen wir, abgesehen davon, dass in der vorliegenden
Anleitung nur die in der Pharmacie, den Knsten, Gewerben und der
Landwirthschaft vorkommenden Stoffe bercksichtigt werden, allgemeinhin
antworten, sie beschftige sich mit Allem, was berhaupt krperlich sei.
Will man aber eintheilen, so kann man, ohne die Materie specieller ins
Auge zu fassen, sagen, sie beschftige sich einerseits mit der Analyse
von gemengten Substanzen, andererseits mit der Zerlegung chemischer
Verbindungen. So unbegrndet diese Eintheilung auch auf den ersten
Blick erscheinen mag, so muss sie doch festgehalten werden, wenn wir
uns von dem Werthe und Nutzen der quantitativen Analyse ein klares
Bild verschaffen wollen; sie muss es um so mehr, da in den beiden
Fllen der Zweck der Analyse ein verschiedener ist, da in beiden die
Richtigkeit der Analysen auf verschiedene Art controlirt wird, und
da die quantitative Analyse im einen Falle, man kann so sagen, in
der Regel der Wissenschaft, im anderen Falle aber im Durchschnitt
Zwecken des Lebens dient. Analysire ich z. B. die Salze einer Sure,
so kann ich aus den Resultaten die Constitution der Sure, ihr
Mischungsgewicht, ihre Sttigungscapacitt u. s. w. finden, oder mit
anderen Worten, ich kann eine Reihe von Fragen beantworten, welche fr
die Theorie von Wichtigkeit sind. Analysire ich hingegen Schiesspulver,
Metalllegirungen, gemengte Arzneimittel, Pflanzenaschen u. s. w., so
ist mein Zweck ein anderer, ich will alsdann durch meine Resultate
keine theoretischen Fragen der Chemie lsen, sondern ich strebe danach,
entweder Knsten und Gewerben, oder auch anderen Wissenschaften einen
Dienst zu leisten. Will ich meine Resultate einer Controle unterwerfen,
so kann ich im ersten Falle meistens den Weg der stchiometrischen
Berechnung whlen, im letzteren aber mssen die Resultate durch
Wiederholung der Analyse Besttigung erhalten.

Wenn wir das eben Angefhrte richtig erwgen, so muss uns die
ausserordentliche Wichtigkeit der quantitativen Analyse klar vor
Augen treten, es muss uns deutlich werden, wie sie die Chemie erst
zur Wissenschaft gemacht hat, indem sie uns die Ausgangspunkte, zur
Ermittelung der Gesetze bot, nach welchen sich die Elemente vereinigen
und umsetzen. Die ganze Stchiometrie ist auf ihre Resultate gegrndet,
alle rationellen Ansichten ber die Constitution der Verbindungen
sttzen sich darauf, als auf die einzige feste und sichere Basis. --

Fr die Chemie als Wissenschaft ist sonach die quantitative Analyse
der strkste und mchtigste Hebel, fr die Chemie in ihrer Anwendung
auf das Leben, auf andere Wissenschaften, Knste und Gewerbe ist sie
es in nicht geringerem Grade. Dem Mineralogen giebt sie Aufschluss
ber die wahre Natur der Mineralien, sie giebt ihm Haltpunkte zur
Erkennung und Eintheilung derselben; dem Physiologen ist sie ein
nicht zu entbehrendes Hlfsmittel; der Landwirthschaft wird daraus,
Niemand kann daran zweifeln, in kurzer Frist unberechenbarer Vortheil
erwachsen. Der Nutzen, den sie der Medicin, der Pharmacie und Technik
direct und indirect gewhrt, bedarf am wenigsten der Auseinandersetzung.
-- Jede Wirkung aber hat ihre Gegenwirkung. Die quantitative Analyse
gab der Stchiometrie ihre Begrndung, die stchiometrischen Gesetze
aber geben uns ein Mittel ab, die Resultate der Analysen auf eine
Weise zu controliren, wodurch sie erst den Grad von Zutrauen erhalten
konnten, welchen wir ihnen jetzt in den meisten Fllen zu schenken
berechtigt sind. -- Die quantitative Analyse frderte die Industrie,
dafr erhalten wir jetzt Platin-, Glas-, und Porzellan-Gefsse u. s. w.
von einer Vollkommenheit und Zweckmssigkeit, ohne welche eine so
genaue Ausfhrung chemischer Analysen, wie wir sie jetzt gewohnt sind,
ausserordentlich schwierig, um nicht zu sagen unmglich wre.

So sehr aber auch hierdurch die quantitative Analyse erleichtert wird,
so bleibt sie immerhin ein sehr zeitraubendes Geschft, besonders da man
von Anfang bei ihrer Ausfhrung nicht Vielerlei zugleich vornehmen kann,
ohne die Genauigkeit des Resultats mehr oder weniger zu beeintrchtigen.
Jedem, der sich mit ihrer Erlernung beschftigen will, rathe ich daher,
sich mit einem gehrigen Vorrath von Geduld zu wappnen, damit sie ihm
auf dem Wege alsdann nicht mangle.

Die Erwerbung der nothwendigen Sicherheit in der quantitativen Analyse,
die Aneignung des unentbehrlichen, auf erhaltene Resultate gegrndeten
Selbstvertrauens ist ein Ziel, welches nicht strmend erreicht werden
kann, sondern zu dem man nur allmlig und Schritt vor Schritt gelangt.
-- So mechanisch und somit ermdend und langweilig nun aber auch die
Ausfhrung in der Regel erscheinen mag, so lohnend sind gute Resultate,
so unangenehm freilich andererseits ungenaue. Wer sich daher das
Studium der quantitativen Analyse zu einem nach Mglichkeit angenehmen
machen will, der bestrebe sich, durch strenges, fast scrupulses
Einhalten aller Bedingungen, gleich von Anfang, wenn auch mit grsserem
Zeitaufwande, gute Resultate zu erhalten. Ich kenne kaum einen aus
praktischen Arbeiten unmittelbar hervorgehenden Lohn, welcher angenehmer
wre als der, recht bereinstimmende Analysen, recht genaue Resultate
zu erhalten. Sie tragen ihren Lohn in sich und sind, selbst abgesehen
von den dadurch zu erreichenden Zwecken, eine schne Genugthuung fr die
verwendete Zeit und Mhe.

Die Krper, mit denen wir uns in dieser Anleitung beschftigen werden,
sind folgende:

                             I. $Metalloide.$

Sauerstoff, Wasserstoff, Schwefel, Phosphor, Chlor, Jod, Brom, Fluor,
Stickstoff, Bor, Kiesel, Kohlenstoff.

                             II. $Metalle.$

Kalium, Natrium, Baryum, Strontium, Calcium, Magnesium, Aluminium,
Mangan, Eisen, Nickel, Kobalt, Zink, Cadmium, Wismuth, Zinn, Kupfer,
Blei, Silber, Gold, Platin, Quecksilber, Chrom, Antimon, Arsenik.

                   *       *       *       *       *

Bevor wir nun zur Betrachtung des Einzelnen bergehen, ist es vor Allem
nothwendig, eine deutliche Uebersicht ber das ganze Gebiet, ber die
Summe des zu Erlernenden zu erlangen. Diese Uebersicht gewinnen wir,
indem wir die dem Werke zu Grunde liegende Eintheilung in's Auge fassen.

Es zerfllt vor Allem in drei Hauptabtheilungen. Die erste handelt
von der $quantitativen Analyse im Allgemeinen$ und bespricht in 2
Unterabtheilungen zuerst die $Ausfhrung$, sodann die $Berechnung$ der
Analysen, -- die zweite umfasst die Darlegung $specieller analytischer
Methoden$, und die dritte enthlt eine Anzahl sorgfltig ausgewhlter
$Aufgaben$, welche bei Erlernung der quantitativen Analyse zweckmssig
zu Grunde gelegt werden knnen.

Ein klareres Bild dieser Eintheilung wird die folgende Uebersicht
gewhren.

I. Allgemeiner Theil.

  A. $Ausfhrung der Analyse.$
    1. Operationen.
    2. Reagentien.
    3. Formen und Verbindungen der Krper, in welchen sie von
       anderen abgeschieden oder ihrem Gewichte nach bestimmt
       werden.
    4. Gewichtsbestimmung der Krper in einfachen Verbindungen.
    5. Trennung der Krper.
    6. Organische Elementaranalyse.

  B. $Berechnung der Analysen.$

II. Specieller Theil.
    1. Analyse der natrlichen Gewsser, insbesondere der
       Mineralwasser.
    2. Analyse solcher Mineralien und technischen Producte,
       welche besonders hufig Gegenstand chemischer Untersuchung
       werden, einschliesslich ihrer blossen Prfung auf Gehalt und
       Handelswerth.
    3. Analyse der Pflanzenaschen.
    4. Analyse der Bodenarten.
    5. Analyse der Dngerarten.
    6. Analyse der atmosphrischen Luft.

III. Uebungsaufgaben.

  $Anhang.$
    1. Analytische Belege.
    2. Tabellen zur Berechnung der Analysen.

                   *       *       *       *       *




                          $Erste Abtheilung.$

                          $Allgemeiner Theil.$

                        $Erste Unterabtheilung.$

                       $Ausfhrung der Analyse.$

                          $Erster Abschnitt.$

                           $Die Operationen.$

                                 . 1.


Die meisten der bei quantitativen chemischen Analysen vorkommenden
Operationen sind ihrem Begriff und ihrer Aufgabe nach bereits in dem
ersten Abschnitte des propdeutischen Theiles meiner Anleitung zur
qualitativen chemischen Analyse abgehandelt worden; wir haben daher hier
nur die der quantitativen Analyse eigenthmlichen in Betracht zu ziehen,
wobei uns zugleich Gelegenheit gegeben sein wird, auf das aufmerksam
zu machen, was, in Erwgung des besonderen Zwecks, bei der Ausfhrung
der allgemeinen chemischen Operationen bercksichtigt werden muss.
-- Operationen, welche nur bei gewissen besonderen Bestimmungs- oder
Scheidungsmethoden vorkommen, werden nicht hier, sondern unten an den
betreffenden Stellen besprochen.


                                 . 2.

                     I. $Die Quantittsbestimmung.$

Die Quantittsbestimmung der Krper geschieht bei der chemischen Analyse
in der Regel durch Wgen, bei Gasen und Flssigkeiten in manchen Fllen
durch Messen. Die Richtigkeit der Resultate ist von der Genauigkeit des
Wgens und Messens sowohl des zur Untersuchung verwendeten Krpers,
als auch der erhaltenen Educte oder Producte geradezu abhngig; es
muss daher beiden Operationen von Seiten des Analytikers die grsste
Aufmerksamkeit geschenkt werden. Die Wichtigkeit des Gegenstandes mag
es entschuldigen, wenn wir demselben etwas mehr Raum gestatten, als es
vielleicht die Consequenz erheischt.


                                 . 3.

                      1. $Die Gewichtsbestimmung.$

Die genaue Ausfhrung dieser Operation wird durch den Besitz einer
guten Wage und richtiger Gewichte bedingt. Bevor wir daher das bei dem
Wgen selbst zu Bemerkende in Betracht ziehen, mssen wir vor Allem die
Apparate dazu nher ins Auge fassen.

                             a. $Die Wage.$

Wenngleich die Theorie der Wage in das Gebiet der Physik und daher eine
ausfhrliche Auseinandersetzung derselben nicht hierher gehrt, so
drfte doch eine Hervorhebung dessen, was man vor Allem im Gedchtnisse
haben muss, sowohl wenn man eine Wage auf ihre Brauchbarkeit zu
analytischen Zwecken prfen, als auch wenn man beim Wgen sich vor
Fehlern sicher stellen will, nicht am unrechten Orte sein. Die Erfahrung
spricht dafr, dass nicht alle jungen Chemiker davon die nthige vllig
klare Anschauung haben.

Die Brauchbarkeit und Gte einer Wage ist von zwei Punkten abhngig,
nmlich erstens von ihrer $Richtigkeit$ und zweitens von ihrer
$Empfindlichkeit$.


                                 . 4.

Die $Richtigkeit$ einer Wage ist durch folgende Umstnde bedingt:

[Greek: a]. $Die Drehungsaxe der Wage muss ber ihrem Schwerpunkte
liegen.$ -- Dieser Umstand bedingt weniger die Richtigkeit einer Wage,
als vielmehr die Thatsache, dass man mit einer Wage berhaupt wgen
kann. Denn fiele der Schwerpunkt der Wage in die Drehungsaxe, wre also
die Schwere des ganzen Systems gleichfrmig um dieselbe vertheilt,
so wrde ja die Wage bei gleicher Belastung beider Schalen in jeder
Stellung verharren, die sie bekme; es wre ja alsdann kein Grund
vorhanden, warum der Wagbalken horizontale Lage annehmen sollte, die
Wage wrde nicht schwingen, das Wgen wre somit unmglich. -- Fiele
aber der Schwerpunkt gar ber die Drehungsaxe, so wre es kaum mglich,
den Wagbalken horizontal zu stellen, das heisst, er wrde in dieser
Lage nur so lange beharren, als sich der Schwerpunkt ganz senkrecht
ber der Axe befnde. Jede Belastung auf der einen Seite, jeder Hauch
oder Anstoss, der dieses Balanciren strte, wrde zur Folge haben, dass
der Wagbalken auf die eine Seite fiele, ohne in seine ursprngliche
Stellung zurckzukehren. -- Fllt aber der Schwerpunkt unter die
Drehungsaxe, so muss der Wagbalken bei gleicher Belastung der Schalen
horizontale Lage annehmen. Die Wage stellt ja alsdann ein Pendel dar,
dessen Lnge gleich der Lnge der Linie ist, welche den Schwerpunkt mit
dem Sttzpunkt verbindet, und dessen Richtungslinie mit dem Wagbalken
in jeder Stellung desselben rechte Winkel bildet. Wie nun eine an einem
Faden aufgehngte Kugel, wenn sie einen Anstoss erhlt, nach vollendeten
Schwingungen stets wieder senkrecht unter den Aufhngepunkt zu stehen
kommt, so muss auch eine Wage, welche einmal in's Gleichgewicht gesetzt
ist, wenn sie einen Anstoss bekommt, immer wieder in die ursprngliche
Gleichgewichtsstellung zurckkehren, das heisst, ihr Schwerpunkt
muss senkrecht unter den Sttzpunkt fallen, ihr Balken folglich die
wagerechte Stellung einnehmen.

Um aber die Kraft richtig zu beurtheilen, mit der dies geschieht,
darf man nicht vergessen, dass sie kein einfaches, sondern ein
zusammengesetztes Pendel ist, d. h. ein solches, bei dem sich nicht ein,
sondern viele materielle Punkte um den Drehpunkt bewegen. Die trge zu
bewegende Masse ist also gleich der Summe derselben, die bewegende Kraft
aber gleich der Differenz, um welche die unter der Drehungsaxe liegenden
mehr betragen, als die darber befindlichen.

[Greek: b]. $Die Aufhngepunkte der Wagschalen mssen mit der mittleren
Drehungsaxe in einer Ebene liegen$; denn fallen sie ber dieselbe,
so wird bei zunehmender Belastung der Schalen der Schwerpunkt des
ganzen Systems, welcher ursprnglich unter der Drehungsaxe liegt,
fortwhrend in die Hhe rcken, er wird sich dem Sttzpunkte fortwhrend
nhern; denn das Gewicht, welches auf die Schalen drckt, vereinigt
sich ja in den relativ hochgelegenen Aufhngepunkten derselben. Bei
einem gewissen Maass der Belastung wird sonach die Wage pltzlich zu
schwingen aufhren, nmlich dann, wenn der Schwerpunkt bis in den
Sttzpunkt hinaufgerckt ist; bei noch grsserer Belastung wird der
Schwerpunkt ber den Sttzpunkt fallen, die Wage wird berschnappen.
-- Sind hingegen die Aufhngepunkte der Schalen tiefer gelegen als
der Sttzpunkt, so wird der Schwerpunkt des Systems bei zunehmender
Belastung der Schalen fortwhrend tiefer rcken, die Pendellinie wird
somit verlngert, es wird grssere Kraft erfordert, das lngere Pendel
nunmehr zu gleichem Ausschlag zu bringen, die Wage wird bei wachsender
Belastung mehr und mehr unempfindlich und trge. -- Liegen aber alle
drei Schneiden in einer Ebene, so hat zunehmende Belastung zwar eine
fortwhrende Nherung des Schwerpunktes zum Sttzpunkt zur Folge,
niemals aber kann er ihn ganz erreichen, niemals wird die Wage ganz zu
schwingen aufhren, ebensowenig wird ihre Empfindlichkeit abnehmen, sie
wird im Gegentheile gesteigert, eine Steigerung, welche jedoch durch
andere Umstnde compensirt wird. --

[Greek: c]. $Der Wagbalken muss eine solche Festigkeit und Starrheit
haben, dass er bei dem Maximum des Gewichts, womit die Wage
hinsichtlich ihrer ganzen Construction berhaupt belastet werden
darf, durchaus keine merkliche Biegung erleidet$, -- denn biegt sich
der Balken, so kommen die Endschneiden ja tiefer zu liegen, als die
Mittelschneide, die Wage wird also bei zunehmender Belastung fortwhrend
trger werden, wie wir soeben gesehen haben. Durch zweckmssige
Construction des Balkens muss diesem Uebelstande daher vorgebeugt
sein. Die geeignetste Form desselben ist die eines gleichschenkeligen,
stumpfwinkeligen Dreiecks, oder einer Raute.

[Greek: d]. $Die Arme der Wage mssen gleichlang$, d. h. $die
Aufhngepunkte der Schalen mssen gleichweit vom mittleren Sttzpunkte
entfernt sein$, -- denn ist die Entfernung eine ungleiche, so wirkt ja,
wenn man beide Schalen mit zwei gleichen Gewichten belastet, das eine an
einem lngeren Hebelarm, folglich wird die Wage alsdann nicht einstehen,
sondern nach der Seite des lngeren Arms ausschlagen.


                                 . 5.

Die $Empfindlichkeit$ einer Wage hngt vorzglich von drei Umstnden ab.

[Greek: a]. $Die Reibung der Schneiden auf ihren Pfannen muss mglichst
gering sein$, -- was sowohl durch die Form beider, als auch durch
das Material, aus dem sie gemacht sind, bedingt ist. Die Schneiden
mssen von gutem Stahl, die Pfannen knnen aus demselben gearbeitet
sein; besser ist es aber, wenn wenigstens die mittlere Schneide auf
Steinunterlagen und zwar vllig ebenen liegt. Um es sich klar zu machen,
warum auch die Endschneiden so wenig wie mglich Reibung haben drfen,
braucht man sich nur zu erinnern, was vorgehen wrde, wenn die Schalen
an starren Stben in unbeweglichen Punkten befestigt wren. Eine Wage
knnte dann unmglich empfindlich sein; denn legte man auf die eine
Seite ein Gewicht, so wrde dies zwar Veranlassung sein, dass sich die
belastete Schale senkte, dass man also einen Ausschlag erhielte; diese
Veranlassung wrde aber alsobald dadurch compensirt werden, dass sich
die belastete Schale, da sie mit dem Balken fortwhrend einen rechten
Winkel zu machen gezwungen ist, nach innen, die entgegengesetzte aber
nach aussen richtete, wodurch begreiflicherweise die Wage in der Art
ungleicharmig wrde, dass das aufgelegte Gewicht am krzeren Arm wirkte.
-- Je grsser nun die Reibung an den Endschneiden ist, um so mehr nhert
sich die Wage dem beschriebenen Zustande, um so unempfindlicher muss sie
folglich werden.

[Greek: b]. $Der Schwerpunkt der Wage muss dem Sttzpunkte mglichst
nahe liegen.$ -- Je nher er demselben liegt, um so krzer wird ja das
Pendel. Wie nun eine an einem kleinen Faden aufgehngte Kugel durch
gleichen Anstoss in einem weit grsseren Winkel von ihrer senkrechten
Lage entfernt wird, als eine an einem langen Faden befindliche, so muss
ja auch eine Wage durch ein gleiches Uebergewicht auf einer Seite um
so mehr aus ihrer Gleichgewichtsstellung entfernt werden, je krzer
die Linie, an der das Pendel schwingt, je kleiner der Abstand des
Schwerpunktes vom Sttzpunkt. -- Wir haben oben gesehen, dass bei einer
Wage, deren mittlerer Sttzpunkt mit den Aufhngepunkten der Schalen
in einer Ebene liegt, durch Belastung der Schalen der Schwerpunkt
fortwhrend hinaufrckt; eine gute Wage wird also durch Belastung
einerseits empfindlicher, andererseits durch Zunahme der zu bewegenden
Masse und vermehrte Reibung ungefhr in demselben Grade minder
empfindlich, d. h. ihre Empfindlichkeit wechselt nicht mit der Belastung.

[Greek: c]. $Der Wagbalken muss mglichst leicht sein.$ -- In wiefern
dies auf die Empfindlichkeit der Wage influirt, geht aus den eben
angestellten Betrachtungen hervor. Wir haben gesehen, dass eine Wage bei
zunehmender Belastung einerseits empfindlicher werden muss, wenn ihre
Empfindlichkeit im Ganzen nicht abnehmen soll, und dass dieses dadurch
geschieht, dass sich der Schwerpunkt mit zunehmender Belastung dem
Sttzpunkt fortwhrend nhert. Je grsser nun das Gewicht des Wagbalkens
an und fr sich, um so weniger wird eine auf beide Schalen aufgelegte
gleiche Belastung den Schwerpunkt des ganzen Systems ndern, um so
langsamer wird sich der Schwerpunkt dem Sttzpunkt nhern, um so weniger
die vermehrte Reibung compensirt werden, um so unempfindlicher die Wage
sein. -- Weiter kommt dabei in Betracht, dass bei gleicher bewegender
Kraft eine geringere Masse leichter bewegt wird als eine grssere (. 4,
[Greek: a]).


                                 . 6.

Nach diesen Vorausschickungen knnen wir nun ohne Weiteres zur $Prfung$
einer Wage hinsichtlich ihrer Brauchbarkeit zu analytischen Zwecken
bergehen, nachdem wir zuvor auf folgende der Erfahrung entnommene und
durch den blossen Augenschein wahrzunehmende Umstnde aufmerksam gemacht
haben.

  1) Fr bei Weitem die meisten Zwecke gengt eine Wage, welche mit 70-80
     Grammen auf jeder Schale belastet werden kann.

  2) Die Wage muss zum Schutz gegen Staub mit einem Glaskasten umgeben
     sein. Man sehe darauf, dass derselbe nicht zu klein, namentlich
     seine Seitenwnde nicht zu nahe an den Schalen sind. Es ist
     nothwendig, dass man nach dem Auflegen der Gewichte das Glasgehuse
     mit Leichtigkeit schliessen und somit bei Abhaltung allen
     Luftzuges wgen kann; es muss daher entweder der vordere Theil
     aus einem feststehenden Mittelstck und zwei seitlichen Thrchen
     bestehen, oder es mssen, sofern die Vorderseite ein Ganzes und
     zum Aufschieben eingerichtet ist, die Seitenwnde des Kastens mit
     Thrchen versehen sein.

  3) Es ist unerlsslich, dass die Wage eine gute Arretirung habe, das
     heisst, dass sie, whrend des Auflegens der Gewichte, in
     unbeweglichen Zustand versetzt werden kann. Die gewhnlichste Art
     der Arretirung ist die, dass der Wagbalken gehoben und somit die
     Mittelschneide von der Pfanne genommen wird, whrend die Schalen
     in der Schwebe bleiben; -- andere Einrichtungen setzen die Schalen
     auf, ohne die Mittelschneide von der Pfanne zu entfernen[1]. Sehr
     zweckmssig ist es, wenn die Arretirungen bei vlligem Verschluss
     des Glaskastens, also von aussen, geleitet werden knnen.

  4) Es ist nothwendig, dass die Wage einen Index habe, welcher ihre
     Schwankungen an einem Gradbogen anzeigt, und angenehmer, wenn
     dieser sich unten, als wenn er sich zur Seite befindet.

  5) Es ist nothwendig, dass die Wage mit einem Pendel oder einer
     Wasserwage versehen ist, damit die drei Schneiden in eine
     Horizontalebene gelegt werden knnen, und zweckmssig, wenn der
     Kasten zu diesem Behuf auf drei Schrauben ruht.

  6) Es ist sehr bequem und zeitersparend, wenn der Wagbalken eine
     Decimaltheilung hat, so dass mit Centigrammhkchen Milligramme und
     deren Bruchtheile gewogen werden knnen. -- Die neueren Wagen haben
     meist die empfehlenswerthe Einrichtung, dass die Hkchen mittelst
     eines in der Seitenwandung verschiebbaren Armes bei vlligem
     Verschluss des Glasgehuses versetzt werden knnen.

  7) Es ist nothwendig, dass die Wage mit einer Schraube zur Regulirung
     des Schwerpunktes, ferner mit zwei anderen zur Herstellung der
     Gleicharmigkeit und endlich mit solchen versehen ist, durch welche
     das etwa gestrte Gleichgewicht der Schalen sogleich wieder in
     Ordnung gebracht werden kann.

  [1] Eine meiner Wagen (von dem verstorbenen ausgezeichneten Mechanicus
      $Hoss$ in Giessen) hat die sehr zu empfehlende Einrichtung, dass
      durch $eine$ Arretirung der Balken gehoben wird, whrend durch eine
      $zweite$ selbststndige, von der Seite zu regulirende, die Schalen
      von unten gesttzt werden knnen. Die auf- und abgehenden Sttzen
      sind oben mit gekreuzten Seidenbndern versehen und bewegen sich so
      stet, dass bei vorsichtiger Aufhebung der Arretirung die Schalen
      nicht schwanken. -- Diese Einrichtung bietet erstens beim Auflegen
      des zu Wgenden und der Gewichte grosse Annehmlichkeit, gewhrt den
      Vortheil, dass alles Schwanken der Schalen sogleich aufgehoben
      werden kann, und die Bequemlichkeit, dass man bei wiederholten
      Wgungen eines und desselben Krpers die Gewichte auf der Wagschale
      lassen kann, ohne der Wage zu schaden.


                                 . 7.

Die Richtigkeit und Empfindlichkeit einer Wage erforscht man durch
folgende Versuche:

  1) Man bringt die Wage, falls die Schalen nicht vllig gleich sind,
     entweder mittelst der dazu angebrachten Schrauben, durch
     Stanniolstreifchen oder dergl. ganz genau ins Gleichgewicht und
     beschwert alsdann eine Schale mit einem Milligramm. Soll die Wage
     brauchbar sein, so muss sie einen deutlichen, betrchtlichen
     Ausschlag geben. Gute chemische Wagen zeigen noch 1/10 Milligramm
     an.

  2) Man beschwere die Wage auf beiden Seiten mit dem Maximum der
     Gewichte, welche sie nach ihrer ganzen Construction zu tragen
     bestimmt ist, mache die Schalen vllig gleich und lege alsdann auf
     die ein 1 Milligramm. Der zu erhaltende Ausschlag muss dem in 1
     erhaltenen etwa gleich sein. (Bei den meisten Wagen ist er etwas
     kleiner.)

  3) Man bringe die Wage (wenn nthig) durch eine whrend des ganzen
     Versuchs unverrckt bleibende Tara in vlliges Gleichgewicht, lege
     alsdann auf jede der beiden Schalen ein gleichnamiges Gewicht,
     z. B. 50 Gramm, und bringe die Wage nthigenfalls durch zugelegte
     kleine Gewichte vllig ins Gleichgewicht. Alsdann vertausche man
     die Gewichte, so dass dasjenige, welches zuvor auf der linken
     Schale lag, nunmehr auf die rechte kommt und umgekehrt, und
     beobachte, ob sich ein Ausschlag zeigt. Eine vllig gleicharmige
     Wage darf keinen zeigen.

  4) Man bringe die Wage vllig ins Gleichgewicht, arretire sie alsdann,
     lasse wieder schwingen bis zum Einstehen und wiederhole dies fter.
     Eine gute Wage wird natrlich immer wieder vlliges Gleichgewicht
     zeigen. Eine solche, deren Endschneiden dem darauf ruhenden Haken
     zu viel Spielraum gewhren, so dass er seine Lage ein wenig ndern
     kann, zeigt merkliche Differenzen. Dieser Fehler ist nur bei
     manchen Constructionen mglich.

Von diesen Proben muss eine brauchbare Wage die erste, zweite und letzte
bestehen, eine geringe Ungleicharmigkeit hingegen schadet wenig, da sich
die Fehler, welche daraus hervorgehen knnen, durch die Art des Wgens
vllig beseitigen lassen.


                                 . 8.

                           b. $Die Gewichte.$

Es ist an und fr sich vllig gleichgltig, welche Einheit den
anzuwendenden Gewichten zu Grunde liegt. Die grosse Bequemlichkeit
jedoch, welche das Grammgewicht beim Aufschreiben, sowie bei den
Rechnungen mit Bruchtheilen gewhrt, hat veranlasst, dass sich die
meisten Chemiker keines anderen als des erwhnten bedienen.

Ob das Gramm, seine Multipla und Bruchtheile in der That einem
normalen Grammgewichte vllig gleichkommen oder nicht, ist fr den
wissenschaftlichen Gebrauch in der Regel vllig gleichgltig, --
absolut nothwendig aber ist es, dass die Gewichte unter sich genau
bereinstimmen, das heisst, dass 1 Milligramm wirklich genau der
tausendste, 1 Centigramm genau der hundertste Theil, das Fnfgrammstck
genau das Fnffache etc. des Grammstckes ist.

Ehe wir von der Prfung der Gewichte auf ihre Richtigkeit in diesem
Sinne sprechen, machen wir noch auf folgende Punkte aufmerksam:

  1) Gewichte, welche von 50 Gramm herab bis auf 1 Milligramm gehen, sind
     fr bei Weitem die meisten Zwecke vllig ausreichend.

  2) Es ist nothwendig, dass die Gewichte in einem gut schliessenden Etui
     aufbewahrt werden, und zweckmssig, wenn auch von den kleinen
     Gewichten jedes ein abgesondertes Fach hat.

  3) In Bezug auf die Form der Gewichte bemerke ich, dass mir die der
     sogenannten Berliner Gewichte (aus den Werksttten von Oertling,
     Kleiner etc.) fr hufigen Gebrauch die zweckmssigste scheint. Die
     grsseren Gewichte bilden Cylinder mit oben befindlicher Handhabe,
     die kleinen viereckige, an einem Eck aufgebogene Blechstcke.
     Zweckmssig ist es, wenn das Blech, aus dem sie gefertigt sind,
     nicht zu dnn und die Gefache, in denen sie liegen, nicht zu klein
     sind, denn im anderen Falle bekommen sie, meist schon nach kurzem
     Gebrauche, ein zerknittertes und unkenntliches Aussehen. Jedes
     Gewicht (die Milligramme ausgenommen) muss deutlich bezeichnet sein.

  4) In Bezug auf das Material bemerke ich, dass, wenn sich auch
     Bergkrystall zur Darstellung von Normalgewichten sicher am
     besten eignet, er doch zur Anfertigung der zum Gebrauch bei
     chemischen Arbeiten bestimmten Gewichte der Kostspieligkeit und
     der unbequemen Form der Stcke halber minder passend erscheint.
     -- Gewichte von Platin wrden, wenn sie nicht zu theuer wren,
     ihrer Unvernderlichkeit halber sicher allgemein im Gebrauch sein;
     in der Regel begngt man sich damit, die Gewichte von 1 oder 0,5
     Gramm herab von Platinblech, die anderen von Messing zu machen.
     -- Solche Gewichte mssen gegen saure etc. Dmpfe sorgfltig
     geschtzt werden, wenn sie richtig bleiben sollen, auch drfen sie
     nie mit den Fingern, sondern sie mssen stets mit einer feinen
     Pincette angefasst werden; unhaltbar aber ist die Meinung, dass
     Gewichte, welche schwach angelaufen sind (es lsst sich dies auf
     die Dauer kaum vermeiden), unbrauchbar seien. Ich habe viele
     derartige Gewichte nachgewogen und dieselben unter einander noch in
     derselben Uebereinstimmung gefunden wie vorher. Der Ueberzug, der
     das Angelaufensein bedingt, ist so unendlich dnn, dass die dadurch
     verursachte Gewichtsdifferenz selbst auf sehr feinen Wagen noch
     nicht merklich ist. -- Sehr zweckmssig ist es, die Messinggewichte
     vor dem letzten Justiren galvanisch zu vergolden.

Die $Prfung der Gewichte$ auf ihre Uebereinstimmung unter einander wird
gar hufig in falscher Weise vorgenommen. Nur folgendermaassen erlangt
man das gewnschte Resultat:

Man legt auf die eine Schale einer fein ziehenden Wage 1 Grm. und
bringt die Wage durch Auflegen einer beliebigen Tara (Messingblech,
zuletzt Stanniol, -- nicht Papier, was Feuchtigkeit anzieht) vllig ins
Gleichgewicht, alsdann nimmt man das Gramm weg, vertauscht es zuerst
mit den anderen Grammstcken, dann mit derselben Gewichtsgrsse in
kleinen Gewichten und beobachtet jedesmal, ob die Wage einen Ausschlag
giebt und welchen. In gleicher Weise vergleicht man sodann, ob das
Zweigrammstck so viel wiegt als 2 einzelne Gramme, das Fnfgrammstck
so viel als die drei einzelnen Gramme und das Zweigrammstck, das
Zehngrammstck so viel als 10 Gramme in kleinem Gewicht u. s. w. -- Soll
das Gewicht brauchbar sein, so drfen sich bei den kleineren Gewichten
auf einer 1/10 Milligramm ausschlagenden Wage gar keine Differenzen
zeigen; bei Vergleichung der grsseren Gewichte mit allen kleineren
mgen Differenzen von 1/10-2/10 Milligramm eher bersehen werden. Stellt
man seine Anforderungen hher, so muss man sich die Mhe nehmen, die
Gewichte selbst zu justiren; denn die aus den Werksttten selbst sehr
renommirter Mechaniker hervorgehenden Gewichte werden alsdann selten die
Probe bestehen. -- Ich mache darauf aufmerksam, dass man die Prfung der
Gewichte niemals unterlassen darf, wenn sie auch aus einer berhmten
Werksttte hervorgegangen sind. Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass man
auch unter solchen oft ziemlich ungenaue, ja vllig unbrauchbare findet.
-- Beim Ankauf wahrhaft guter Gewichte lasse man sich durch den Preis,
wenn er auch hoch ist, nicht zurckschrecken, denn gute Gewichte sind
viel, ungenaue nichts werth.


                                 . 9.

                            c. $Das Wgen.$

Es wird unten von den besonderen Methoden gesprochen werden, welche beim
Abwgen verschiedenartiger Substanzen zu befolgen sind; hier handeln wir
nur von dem Wgen als solchem.

Man kann zwei verschiedene Methoden anwenden, um das Gewicht eines
Krpers zu bestimmen; die eine knnte man directe Wgung nennen, die
andere heisst Wgung durch Substitution.

Bei der $directen Wgung$ kommt die Substanz auf die eine Wagschale
zu liegen, das Gewicht auf die andere; es ist dabei Mancherlei zu
beobachten.

Wenn eine Wage ganz gleicharmig und die Schalen vllig gleich sind, so
ist es gleichgltig, auf welche Seite man bei verschiedenen, zu einem
Versuch gehrigen Wgungen die Substanz legt. Man kann sie jetzt auf der
rechten, dann auf der linken Seite wgen ohne Nachtheil. Ist aber eine
oder die andere der angegebenen Bedingungen nicht erfllt, so muss die
Substanz immer auf dieselbe Schale gelegt werden, wenn man richtig wgen
will.

Setzen wir den Fall, wir wollten 1 Gramm einer Substanz abwgen und
dieselbe dann in zwei gleiche Theile theilen. Unsere Wage aber sei zwar
im Gleichgewicht, aber ungleicharmig, so zwar, dass der linke Schenkel
99 Millimeter, der rechte 100 Millimeter lang sei. Wir legen zuerst auf
die linke Schale ein Grammgewicht und bringen dann auf die rechte Schale
Substanz bis zum Gleichgewicht.

Nach dem Satze "am Hebel sind die Massen im Gleichgewicht, wenn die
Producte derselben in ihre Entfernungen vom Untersttzungspunkte gleich
sind," haben wir demnach auf der rechten Schale 0,99 Grm. Substanz, denn
99  1,00 = 100  0,99.

Wenn wir nun, um die Hlfte abzuwgen, auf die linke Schale 0,5 Grm.
legen und von der auf der rechten befindlichen Substanz bis zum
Gleichgewicht wegnehmen, so bleiben darauf 0,495, und ebensoviel haben
wir weggenommen, das heisst mit anderen Worten, wir haben unseren Zweck
in Bezug auf relative Gewichtsgrssen vollkommen erreicht, und dass es
auf absolute bei wissenschaftlichen Arbeiten in der Regel nicht ankommt,
haben wir bereits oben erwhnt. -- Legten wir aber, um die Hlfte
abzuwgen, auf die rechte Schale 0,5 Grm. und brchten von den 0,99 Grm.
der abgewogenen Substanz auf die linke bis zum Gleichgewicht, so htten
wir darauf 0,505 Grm.; denn

                       100 . 0,500 = 99 . 0,505.

Wir htten also 0,505 - 0,495, d. i. 0,10 Grm. falsch gewogen.

Wenn eine Wage gleicharmig, aber nicht genau im Gleichgewicht ist, so
kann auf derselben nur dann eine Substanz richtig abgewogen werden,
wenn man dieselbe in einem Gefsse wgt (siehe . 10. 5). Dass man
hierbei die Gewichte immer auf dieselbe Schale legen msse, und dass
die Differenz der Schalen sich whrend einer Versuchsreihe nicht ndern
drfe, liegt auf der Hand.

Aus dem Gesagten ergeben sich zwei Regeln:

  1) Es ist unter allen Umstnden am besten, sich daran zu gewhnen, die
     Substanz beim Wgen immer auf dieselbe Schale zu legen.

  2) Es ist, wenn man eine Wage zum alleinigen Gebrauch hat und demnach
     sicher sein kann, dass sich whrend der Dauer einer Analyse in
     keiner Weise etwas daran ndert, nicht nothwendig, sie am Anfang
     ins Gleichgewicht zu bringen, whrend dies ohne Widerrede geschehen
     muss, wenn in Bezug auf den Gleichgewichtszustand der Wage dadurch,
     dass Viele daran wgen, eine Vernderung vorgehen kann.

Nicht allein relativ, sondern auch absolut genaue Wgungen erhlt man
durch die $Substitutionswgung$. Es ist hierbei vllig gleichgltig, ob
die Wage ganz gleicharmig ist oder nicht, eben so ob die Schalen gleich
oder ungleich schwer sind.

Um sie auszufhren, bringt man das Abzuwgende, sagen wir einen
Platintiegel, auf die eine Schale, auf die andere eine beliebige Tara
bis zum vlligen Gleichgewicht, alsdann nimmt man den Tiegel weg und
legt an seine Stelle Gewichte bis zum Gleichgewicht. Man ersieht
auf den ersten Blick, dass die aufgelegten Gewichte jedenfalls das
wirkliche Gewicht des Tiegels mit absoluter Schrfe angeben. Bei
Wgungen, die eine mglichst grosse Genauigkeit erfordern, z. B. bei
Atomgewichtsbestimmungen, bedient man sich immer dieser Methode. Ihre
Ausfhrung kann man abkrzen, wenn man sich eine ihrem Wirkungswerthe
auf der einen, sagen wir der rechten, Schale nach genau bekannte Tara
fr die linke hlt, welche schwerer ist, als die abzuwgende Substanz.
Man ersieht leicht, dass man durch Abziehen der zu letzterer bis zum
Gleichgewicht zu legenden Gewichte von dem bekannten Gewicht der Tara
die absolute Gewichtsgrsse der Substanz und zwar durch $eine$ Wgung
erfhrt. Denken wir uns z. B. die linke Schale mit einer solchen Tara
belastet, welche vlliges Gleichgewicht herstellt, wenn auf die rechte
50 Grm. gelegt werden. Wir bringen auf diese einen Platintiegel und
legen Gewichte zu bis zum Gleichgewicht, beispielsweise 10 Grm. Tiegel
und Gewichte sind also dann genau gleich 50 Grm. und der Tiegel wiegt
50-10, d. i. 40 Grm.


                                 . 10.

Als wohl zu beachtende $Regeln beim Wgen$ erwhne ich folgende:

  1) Wenn man bei dem Auflegen der Gewichte das Ziel schnell und sicher
     erreichen will, muss man dabei nicht bald ein grosses, bald ein
     kleines Gewicht probiren, sondern streng systematisch verfahren, so
     dass man das zu findende Gewicht in immer engeren Grenzen kennen
     lernt, bis man es zuletzt genau hat. Ein Tiegel wiegt z. B. 6,627
     Grm. Wir legen auf die andere Schale 10 Grm. Es ist zu viel, die
     nachfolgende Grsse 5 Grm. ist zu wenig, jetzt 7 Grm. zu viel, dann
     6 Grm. zu wenig, 6,5 zu wenig, 6,7 zu viel, 6,6 zu wenig, 6,65 zu
     viel, 6,62 zu wenig, 6,63 zu viel, 6,625 zu wenig, 6,627 recht. Ich
     habe, um das Princip klar zu machen, einen mglichst complicirten
     Fall gewhlt; ich kann aber bestimmt versichern, dass man durch
     diese Art des Gewichtauflegens im Durchschnitt in der halben Zeit
     wgt, als wenn man ohne Regel probirt. Zu einer Wgung bis auf 1/10
     Milligramm genau braucht man nach diesem Verfahren auf einer nicht
     allzu langsam schwingenden Wage bei einiger Uebung nie lnger als
     ein paar Minuten.

  2) Es ist bei gleicher Genauigkeit beraus viel bequemer und
     frdernder, die Milligramme und deren Bruchtheile durch ein an
     oder zwischen den Theilstrichen des Wagebalkens aufzuhngendes
     Centigrammhkchen, als durch unmittelbares Auflegen von
     Milligrammgewichtchen zu bestimmen.

  3) Beim Aufschreiben der Gewichte kann man nicht vorsichtig genug
     sein. Zweckmssig ist es, die Aufschreibung zuerst nach den Lcken
     im Gewichtskstchen vorzunehmen und sie sodann beim Abnehmen der
     Gewichte von der Wage und Einlegen ins Kstchen zu controliren.

  4) An der Wage darf nie irgend eine Vernderung (Darauflegen des zu
     Wgenden, Auflegen oder Wegnehmen von Gewichten) vorgenommen
     werden, wenn sie nicht arretirt ist; im anderen Falle wrde sie in
     kurzer Zeit verdorben sein.

  5) Eine Substanz darf nie, es msste denn ein Stckchen Metall oder
     dergleichen sein, unmittelbar auf die Wage gelegt werden, sondern
     alles Abwgen geschieht in passenden Gefssen von Platin, Silber,
     Glas, Porzellan etc., nie auf Papier oder einer Karte, da diese
     durch Anziehen von Feuchtigkeit ihr Gewicht fortwhrend verndern.
     -- Die gewhnlichste Methode des Abwgens besteht darin, dass man
     zuerst den Tiegel, berhaupt das Gefss, wgt, dann die Substanz
     in denselben bringt, wieder wgt, und das erste Gewicht von dem
     letzten abzieht. In manchen Fllen, namentlich wenn man mehrere
     Portionen von einer und derselben Substanz abzuwgen hat, bestimmt
     man zuerst das Gewicht des Gefsses sammt der Substanz, schttet
     dann von derselben eine gewisse Portion heraus, wgt wieder und
     findet so das Gewicht des Herausgeschtteten als Gewichtsabnahme.

  6) Substanzen, welche leicht Feuchtigkeit aus der Luft anziehen, mssen
     immer in verschlossenen Gefssen (in einem bedeckten Tiegel,
     zwischen zwei Uhrglsern, in einem verstopften Glasrhrchen)
     abgewogen werden. Flssigkeiten wgt man in mit Glasstpseln
     verschlossenen Flschchen.

  7) Ein Gefss darf niemals gewogen werden, wenn es noch warm ist,
     weil es in dem Falle immer und zwar aus zwei Grnden zu leicht
     wiegt. Einmal nmlich verdichtet jeder Krper auf seiner Oberflche
     eine gewisse Portion Luft und Feuchtigkeit, deren Menge abhngig
     ist von der Temperatur und dem Feuchtigkeitszustande der Luft,
     wie auch von der Temperatur des Krpers selbst. Hat man nun einen
     Tiegel am Anfang kalt gewogen, wgt ihn spter mit Substanz warm
     und rechnet die Differenz als Gewicht der Substanz, so bekommt
     man dasselbe zu klein, weil man fr den Tiegel zu viel abzieht.
     -- Die zweite Ursache ist die, dass von einem warmen Krper
     fortwhrend die umgebende Luft erwrmt, dadurch aber leichter wird
     und aufsteigt. Indem nun die kalte Luft nachdringt, entsteht ein
     Luftstrom, der die Wagschale hebt und demnach leichter erscheinen
     lsst, als sie wirklich ist.

  8) Wenn man bedenkt, dass, sofern man an die beiden Endschneiden einer
     Wage an dnnen gleichschweren Drhten an die eine 10 Gramm Platin,
     an die andere 10 Gramm Glas hngt (so dass also Gleichgewicht
     stattfindet) und jetzt den Platin- und Glaskrper in Wasser ganz
     einsenkt, alsdann das Gleichgewicht nicht bleiben kann, weil jetzt
     nur die Differenz der 10 Gramm und des verdrngten Wassers (welches
     beim Glas weit mehr betrgt als beim Platin) als Gewicht wirkt,
     so muss man einsehen, dass alle Wgungen, welche wir in der Luft
     vornehmen, ebenfalls mit einem Fehler behaftet sind, sofern die
     Volumina des Gewogenen und der Gewichtsstcke nicht gleich sind.
     Dieser Fehler ist aber wegen des im Verhltniss zu festen Krpern
     geringen specifischen Gewichts der Luft so unbedeutend, dass er
     bei allen gewhnlichen analytischen Versuchen vernachlssigt
     werden kann; bei absolut genauen hingegen bringt man die Volumina
     der Krper mit in Rechnung, addirt das Gewicht der entsprechenden
     Luftrume zu der Grsse des Gewichts und des Gewogenen und reducirt
     so die Gewichte auf den leeren Raum.


                                 . 11.

                       2. $Die Volumbestimmung.$

Gemessen werden bei analytisch-chemischen Arbeiten in der Regel
nur Gase und Flssigkeiten. Im Allgemeinen kann man annehmen, dass
Quantittsbestimmungen durch Wgung genauer sind, als solche durch
Messung; doch ist, wie durch $Gay-Lussac$ das Messen der Flssigkeiten,
so durch $Bunsen$, wie auch durch $Regnault$ und $Reiset$ das der Gase
so sehr vervollkommnet worden, dass seine Genauigkeit die des Wgens
fast noch bertrifft. So genaue Messungen erfordern aber einen Aufwand
von Zeit und Sorgfalt, welchen man nur den feinsten wissenschaftlichen
Untersuchungen zuwenden kann[2]. Die Genauigkeit der Messungen hngt
einmal ab von den Messgefssen, dann von der Art des Messens.

  [2] Eine genaue Darstellung von $Bunsen$'s Methode findet sich im
      Handwrterbuch der Chemie von $Liebig$, $Poggendorff$ und $Whler$,
      II, 1053 (Artikel Eudiometer von $Kolbe$). Wer sich mit Gasanalysen
      beschftigen will, wird daraus den grssten Nutzen ziehen.


                       a. $Das Messen der Gase.$

Zum $Messen der Gase$ bedient man sich starker, auf einer Seite rund
zugeschmolzener, graduirter Glasrhren von grsserem oder geringerem
Inhalte.

Man ist fr die in diesem Werkchen zu besprechenden Gasmessungen
hinlnglich ausgerstet, wenn man sie in folgender Auswahl besitzt.

  1) Eine 150-250 Cubikcentimeter fassende Glasglocke von etwa
     4 Centimeter Durchmesser, eingetheilt in Cubikcentimeter, so dass
     fr je zwei ein Theilstrich gemacht ist.

  2) Fnf bis sechs Glasrhren von 30-40 Cubikcentimeter Inhalt und
     etwa 12-15 Millimeter Durchmesser im Lichten, eingetheilt in 1/5
     Cubikcentimeter.

Die Dicke der Wandungen bei den genannten Rhren sei nicht zu gering,
sonst zerbrechen sie, namentlich bei Messungen ber Quecksilber, leicht.
Sie betrage bei 1) etwa 4-6 Millimeter, bei 2) etwa 2-3 Millimeter.

Die Hauptsache bei diesen Messinstrumenten ist, dass sie vollkommen
richtig eingetheilt sind; denn hiervon ist die Genauigkeit der Resultate
unmittelbar abhngig.

Ich unterlasse es zu beschreiben, in welcher Weise man sich geeignete
Rhren selbst kalibriren kann, indem ich auf $Berzelius$' "Lehrbuch der
Chemie" 4. Aufl. Bd. 10, Artikel Messen, sowie $Faraday$'s "Chemische
Manipulationen", Artikel Hohlmaasse, verweise, und gehe gleich zu der
Prfung der Messrhren ber.

Bei einer solchen Prfung sind drei Fragen in Betracht zu ziehen.

  1) Stimmen die Grade einer Rhre unter einander berein?

  2) Stimmen die Grade jeder einzelnen Rhre mit denen der anderen
     berein?

  3) Stimmen die Volumina, welche durch die Grade ausgedrckt werden, mit
     den Gewichten berein, welche man hat?

Diese drei Fragen werden durch folgende Versuche beantwortet.

  a) Man bringt die Rhre in senkrechte Lage, giesst genau abgemessene
     kleine Quecksilbermengen ein, bis zuletzt die Rhre angefllt
     ist, und beobachtet genau (die Regeln beim Ablesen der Grade
     siehe unten), ob die Graduirung den eingegossenen gleichen
     Quecksilberrumen proportional ist. -- Zum Abmessen bedient
     man sich eines an einem Ende zugeschmolzenen, am anderen wohl
     abgeschliffenen Glasrhrchens. Man fllt es durch Eintauchen
     unter Quecksilber mit der Vorsicht, dass keine Luftblschen darin
     bleiben, zum Ueberfliessen und entfernt den Ueberschuss durch
     Auflegen und Andrcken einer kleinen Glasplatte.

  b) Man misst in einer der engen Rhren nach einander verschiedene
     Quantitten von Quecksilber ab, giesst sie in die anderen Rhren
     und beobachtet, ob der durch dieselbe Menge Flssigkeit erfllt
     werdende Raum bei allen durch die Theilstriche bereinstimmend
     angezeigt wird.

Zeigen sich Rhren bei diesen Versuchen als gut, so sind sie zu allen
Analysen, bei denen nur die relativen Volumina verschiedener Gase
bestimmt werden sollen, geradezu anwendbar, will man sie aber bei
Versuchen gebrauchen, bei denen aus dem Volum eines Gases dessen Gewicht
berechnet werden soll, so muss noch die obige Frage 3 beantwortet
werden. Zu diesem Behufe fllt man

  c) die leer gewogene Rhre bis an den letzten Theilstrich mit
     destillirtem Wasser von +4 und bestimmt dessen Gewicht.

Stimmen die Rhren mit den Gewichten berein, so muss die Anzahl der
Cubikcentimeter gleich sein der Zahl der aufgelegten Gramme. Stimmen
sie nicht berein, gleichgltig ob den Gewichten oder den Messrhren
eine falsche Einheit zu Grunde liegt, so mssen nach dem gefundenen
Verhltnisse die bei Analysen erhaltenen Maasse reducirt werden. Wogen
z. B. 99 Cubikcentimeter Wasser 100 Grm., entsprechen demnach 99 auf der
Messrhre angegebene C.C. 100 mit den Gewichten harmonirenden, so muss
man die bei den Versuchen gefundenen Cubikcentimeter erst mit 100/99 =
1,0101 multipliciren, ehe man das Volum in Gewicht verwandeln kann.

Zeigten sich die Rhren bei den Versuchen a und b gut, so gengt es,
sich dieses Verhltniss zu bemerken; zeigten sich hingegen die Grade
unter einander selbst abweichend, so muss man, wenn man sich der Rhren
dennoch bei genauen Versuchen bedienen will, fr jede einzelne eine
Reductionstabelle entwerfen, aus der man ersehen kann, wie vielen mit
den Gewichten bereinstimmenden Raumtheilen jede beliebige Anzahl der
auf der Rhre verzeichneten Theilstriche entspricht.

$Bunsen$'s Messrhren sind alle bloss mit einer Millimetertheilung
versehen, welche denselben mittelst einer sehr sinnreich construirten
Theilmaschine gegeben wird. Welchen Raumtheilen die einzelnen
Theilstriche entsprechen, wird alsdann durch Einmessen gleicher
Quecksilbervolumina bestimmt und auf einer Tabelle notirt. -- Diese
Einrichtung der Messgefsse ist unstreitig die beste.

$Beim Messen der Gase kommen folgende Punkte in Betracht:$

1) Richtiges Ablesen; 2) die Temperatur des Gases; 3) der Druck, unter
dem es sich befindet; 4) der Umstand, ob es trocken oder feucht ist. Die
drei letzten Punkte verstehen sich leicht, wenn man sich erinnert, dass
eine und dieselbe Gewichtsmenge eines Gases durch eine Vernderung der
Temperatur, durch vernderten Druck, wie durch geringere oder grssere
Tension beigemischten Wasserdampfes eine bedeutende Volumvernderung
erleidet.

ad 1. Wenn man Quecksilber in eine Rhre schttet, so steht es darin,
seiner Cohsion halber, mit einer convexen Oberflche; am auffallendsten
ist dies bei engen Rhren. -- Wasser hingegen zeigt eine concave
Oberflche, indem es sich an den Glaswnden ein wenig hinaufzieht.
Diese beiden Umstnde erschweren das genaue Ablesen. -- Unter allen
Verhltnissen bringt man dabei die Rhre in senkrechte Lage und das
Auge mit der Oberflche der Flssigkeit in eine Ebene. Ersteres wird
erreicht, indem man nach zwei in einiger Entfernung aufgehngten Lothen,
deren Richtungen sich in der verticalen Axe des Messcylinders kreuzen,
oder nach so gelegenen senkrechten Thr- oder Fensterkanten visirt,
-- Letzteres, indem man dem Gesichte gegenber einen Spiegelstreifen
fest an das Rohr anlegt und genau ber die Flche der Flssigkeit den
Mittelpunkt des Auges im Spiegel fixirt. Hat so das Auge die richtige
Stellung angenommen, so wird der Spiegel entfernt und abgelesen.

Liest man ber Wasser ab, so hat man die Mitte der durch das am Glase
sich hinaufziehende Wasser gebildeten dunkeln Zone als wirkliche
Oberflche anzunehmen, -- bei Quecksilber hingegen die Ebene, welche
zwischen dem Scheitelpunkt der convexen Oberflche und den Punkten, an
denen sie das Glas berhrt, in der Mitte liegt. Es knnen jedoch so nur
annhernde Resultate erhalten werden.

Wirklich genaue Ablesungen lassen sich ber Wasser und anderen das
Glas benetzenden Flssigkeiten gar nicht ausfhren, wohl aber ber
Quecksilber, wenn man den Fehler des Meniscus bestimmt und beim Ablesen
ber die Kuppe des Quecksilbers visirt. -- Die Bestimmung des Fehlers
geschieht ein- fr allemal fr jede Messrhre, indem man sie zum Theil
mit Quecksilber fllt und dessen Stand ber die Kuppe hin abliest. Man
giesst alsdann einige Tropfen Quecksilberchloridlsung darauf, wodurch
sogleich die Convexitt aufgehoben wird, beobachtet wieder und findet so
die Differenz. Da beim Kalibriren die Rhre aufrecht, beim Messen von
Gasen verkehrt steht, so muss jedem beobachteten Gasvolumen der doppelte
Betrag der beobachteten Differenz zugezhlt werden ($Kolbe$ a. a. O.).

Das bei Gasmessungen anzuwendende Quecksilber muss rein, namentlich
von Blei und Zinn, welche ihm die Eigenschaft ertheilen, an Glas zu
adhriren, mglichst frei sein. Sind dieselben zugegen, so entfernt man
sie am leichtesten dadurch, dass man das Quecksilber in einer flachen
Schale mit verdnnter Salpetersure bergiesst und unter hufigem
Umrhren einen Tag lang damit in Berhrung lsst. Von Staub u. s. w.
befreit man dasselbe, indem man es durch ein Tuch filtrirt.

ad 2. Die Temperatur zu messender Gase bestimmt man, indem man sie auf
gleichen Wrmegrad mit der Sperrflssigkeit bringt und die Temperatur
dieser misst.

Gestatten es die Gefsse, dass man die Messrhre ganz in die
Sperrflssigkeit untertaucht, so wird hierdurch eine bereinstimmende
Temperatur am leichtesten und schnellsten hergestellt; im anderen Falle
ist es nothwendig, dass die umgebende Luft und die Sperrflssigkeit
gleiche Temperatur haben und dass man die Rhre dem Einfluss beider
geraume Zeit aussetzt, ehe man abliest. -- Man hat ferner zu beobachten,
dass das auf gleiche Temperatur gebrachte Gas beim Ablesen nicht wieder
ausgedehnt werde. Man vermeide also, den Versuch in der Nhe eines
Ofens, im directen Sonnenlicht etc. vorzunehmen; man umfasse die Rhre
nicht mit der warmen Hand, sondern drcke sie nur mit dem Finger oder
noch besser mit einer hlzernen Klammer nieder.

ad 3. Wenn ein Gas durch eine Flssigkeit abgesperrt ist, und das Niveau
dieser ist in der Rhre und ausser derselben gleich, so befindet sich
das Gas bloss unter dem herrschenden Druck der Atmosphre. Derselbe wird
demnach durch Ablesen des Barometerstandes geradezu gefunden. Steht
hingegen die Sperrflssigkeit in der Rhre hher als ausserhalb, so ist
das Gas unter geringerem, steht sie tiefer, unter grsserem Druck, als
dem der herrschenden Atmosphre. Der letztere Umstand lsst sich durch
Heben der Rhre immer, der erstere jedoch durch Senken derselben nur
dann beseitigen, wenn die die Sperrflssigkeit enthaltende Wanne die
geeignete Tiefe hat. Operirt man ber Wasser, so lsst sich der genannte
Gleichgewichtszustand meist ohne Schwierigkeit herstellen; ist aber das
Gas durch Quecksilber abgesperrt, so ist dies namentlich bei weiten
Rhren sehr hufig nicht wohl mglich (Fig. 1).

[Illustration: Fig. 1.]

In diesem Falle befindet sich das Gas unter dem Drucke der Atmosphre
_minus_ dem Drucke einer Quecksilbersule von der Lnge der Linie
_ab_. Man findet denselben demnach, indem man die Lnge der Linie _ab_
mglichst genau misst und von dem gefundenen Barometerstand abzieht.
Betrgt z. B. dieser 26 Zoll und ist die Linie _ab_ = 3 Zoll, so
befindet sich das Gas unter einem wirklichen Drucke von 26 - 3 = 23 Zoll
Quecksilber.

Befindet sich ber dem Quecksilber Wasser oder eine andere Flssigkeit,
z. B. Kalilauge, so verfhrt man in der Regel so, als ob dies nicht
der Fall wre, indem man entweder das Quecksilber innen und aussen
gleichstellt, oder die Differenz der Queeksilberoberflchen misst.
Der Druck der Wasser- etc. Sule ist meist so unbedeutend, dass er
vernachlssigt werden kann. Eigentlich msste er gemessen, nach dem
specif. Gewicht der Flssigkeit auf Quecksilberdruck reducirt und dieser
von dem Barometerstand abgezogen werden. Man kann aber diese Correction
deshalb sparen, weil, wie schon oben erwhnt, ein ganz genaues Messen
unter solchen Verhltnissen doch nicht mglich ist.

ad 4. Wird ein mit Wasserdampf gesttigtes Gas gemessen, so erfhrt man
nicht unmittelbar sein wahres Volumen, weil das Wassergas vermge seiner
Tension auf die absperrende Flssigkeit einen Druck ausbt. Da man aber
die Tension des Wasserdampfes fr die verschiedenen Temperaturen kennt,
so lsst sich leicht die nothwendige Correction machen. Dies ist aber
nur dann mglich, wenn das Gas wirklich gesttigt ist. Man hat also bei
Gasmessungen darauf zu sehen, dass das Gas entweder mit Wasserdampf
gesttigt oder ganz trocken ist.

                   *       *       *       *       *

Dass Gasvolumina nur dann verglichen werden knnen, wenn sie auf gleiche
Temperatur, gleichen Druck und gleichen Feuchtigkeitszustand reducirt
worden sind, erhellt aus dem oben Gesagten. In der Regel reducirt man
sie auf 0, 0,76 Meter Barometerstand und vllige Trockenheit. Wie dies
geschieht und wie man aus dem Volumen der Gase ihr Gewicht findet, wird
unten bei der Berechnung der Analysen gezeigt werden.


                                 . 12.

                   b. $Das Messen von Flssigkeiten.$

Da das Messen von Flssigkeiten sich rascher ausfhren lsst, als
das Wgen, so wendet man es namentlich bei analytisch-technischen
Untersuchungen gern an.

Man bedient sich dazu der folgenden Gefsse.


                      1. $Die graduirte Pipette.$

Ihre Einrichtung ist entweder von der Art, dass man nur $eine$ bestimmte
Flssigkeitsmenge mit derselben abmessen kann, also etwa 50, 20, 10 C.C.,
oder aber von der Art, dass man jede beliebige Menge abmessen kann. Im
ersteren Falle hat die Pipette nur eine Marke (Fig. 2 a), im anderen ist
sie ganz graduirt (Fig. 2 b). -- Die untere Oeffnung von Fig. 2 b hat
einen Durchmesser von 1,5 MM., die obere von 3-4 MM. Sie fasst bis an
die obere Marke 50 C.C. und ist in 100 Grade eingetheilt. Demnach betrgt
jeder Grad 0,5 C.C. Beim Messen taucht man _a_ in die Flssigkeit,
saugt an _b_, bis etwas mehr als nthig Flssigkeit eingedrungen
ist, verschliesst _b_ mit dem ein wenig feuchten (aber nicht nassen)
Finger und lsst nun, indem man die Pipette in verticale Lage und das
Auge mit der Oberflche der Flssigkeit in eine Ebene bringt, so viel
austrpfeln, bis der gewnschte Stand erreicht ist. -- Die Einrichtung
der Pipette gestattet, die so abgemessene Flssigkeit ohne Verluste in
jedes beliebige Gefss zu bringen.

[Illustration: Fig. 2.]

Auch bei diesem Abmessen muss die durch die Adhsion der Flssigkeit
an die Glaswandung gebildete dunkle Zone wohl bercksichtigt werden,
indem es nicht einerlei ist, ob die Marke mit dem unteren Rand, mit
der Mitte der Zone oder mit dem oberen Rand derselben zusammenfllt.
Am genauesten fallen die Messungen aus, wenn man die Marke ins Niveau
mit dem unteren geraden Rand der dunklen Zone bringt, welcher sich bei
guter Beleuchtung, namentlich bei durchfallendem Lichte am schrfsten
einstellen lsst, somit bei _a_ der Fig. 3. -- Nur muss vorausgesetzt
werden, dass die Marke der Pipette auch nach dieser Art angebracht ist,
wie dies denn auch jetzt meistens geschieht. Ebenso ist zu beachten,
ob die Pipette so graduirt ist, dass man den letzten Tropfen, der nach
einiger Zeit sich in der Mndung sammelt und durch Anlegen an die
Gefsswand und Ausblasen entleert werden kann, mitnehmen muss oder nicht.

[Illustration: Fig. 3.]

Die Pipette dient in dieser ihrer Einrichtung nur, um $bestimmte$
Flssigkeitsmengen abzumessen.

Will man sie benutzen, um von einer Flssigkeit bis zur Erreichung eines
bestimmten Punktes, z. B. des Neutralittspunktes zu einer anderen zu
setzen und nachher die Menge der verwendeten zu messen, so versieht
man sie entweder an der unteren Rhre mit einem kleinen Glashahn oder
aber nach $Mohr$'s Angabe (Verhandlungen der 29. Versammlung deutscher
Naturforscher und Aerzte) mit einem Quetschhahn.

Diese einfache und hchst praktische Vorrichtung besteht aus einem
kurzen Stckchen vulcanisirten Kautschukrohres, welches durch eine
Drahtklammer zusammengepresst und hierdurch fest verschlossen ist, aber
durch einen geringeren oder strkeren Druck nach Belieben mehr oder
weniger geffnet werden kann. --

Das Rhrchen wird mit seinem einen Ende ber die Spitze der Pipette
gestlpt und festgebunden, in das andere befestigt man ein kurzes Stck
eines in eine mssig feine Spitze ausgezogenen starken Glasrhrchens.
Die Gestalt der Drahtklammer zeigt Fig. 4.

[Illustration: Fig. 4.]

Die so vorgerichtete Pipette wird nun vertical in einen geeigneten
Halter gespannt und so gestellt, dass, wenn man davor steht oder sitzt,
der Nullpunkt mit dem Auge in einer Ebene liegt. Die Vorrichtung
gestattet nun nicht allein ein sehr genaues und ruhiges Ablesen vor
und nach dem Versuche, sondern auch ein geschwinderes oder langsameres
Entleeren und ein ganz sicheres Ausfliessenlassen einzelner Tropfen.

Zu demselben Zwecke wie die mit Hahn versehene Pipette, dient auch und
zwar gewhnlich


                      2. $Die graduirte Brette.$

Dieselbe ist in gebruchlichster Form in Fig. 5 a dargestellt. -- Die
Tropfffnung hat etwa 1,5 MM. Durchmesser und muss so viel tiefer liegen
als die Oeffnung des weiteren Rohres, dass sich bequem austropfen lsst,
ohne dass die Flssigkeit oben aus dem Rohre ausfliesst. Zweckmssig
versieht man die Brette mit einem festen Holzfusse.

[Illustration: Fig. 5.]

In der Regel fassen die Bretten etwa 50 oder 100 C.C. und sind im
ersteren Falle in 100, im anderen in 200 Grade getheilt, so dass ein
Grad einem halben C.C. entspricht.

Da die Bretten nicht wie die Pipetten von unten nach oben, sondern
von oben nach unten graduirt sind, so kann man mit denselben nur in
der Art messen, dass man sie erst bis an den Nullpunkt fllt, dann
die Flssigkeit ausgiesst oder austrpfelt und die rckstndige Menge
wiederum misst. -- Andere Formen der Brette stellen Fig. 5 b und c dar.


                      3. $Der graduirte Cylinder.$

Denselben stellt die Fig. 6 dar. Er dient dazu, eine gegebene
Flssigkeit mit einer anderen zu vermischen, wenn es sich darum
handelt, das Ganze auf ein bestimmtes Volumen zu bringen, also z. B.,
wenn man eine Lsung bereiten will, welche in einem bestimmten
Volumen eine bekannte Menge Kochsalz oder dergl. enthalten soll. --
Man bringt beim Gebrauch erst die zu verdnnende Flssigkeit in den
Cylinder, giesst dann die andere zu bis zum gewnschten Theilstrich,
legt auf den abgeschliffenen Rand eine abgeschliffene Glasplatte fest
auf und mischt vorsichtig durch Umkehren und Schtteln. -- Statt des
graduirten Cylinders kann man sich in vielen Fllen auch der nachstehend
beschriebenen Messkolben bedienen, welche noch dazu ein genaueres Messen
zulassen, da an engerer Stelle gemessen wird.

[Illustration: Fig. 6.]


                          4. $Die Messkolben.$

Nicht selten kommt es bei Analysen vor, dass man eine zusammengesetzte
Substanz in einer Flssigkeit lst, diese auf ein bestimmtes Volumen
bringt und dann in einzelnen abgemessenen Mengen die verschiedenen
Bestimmungen vornimmt. -- Zu solchem Behufe wendet man zweckmssig mit
einem am Hals angebrachten Theilstrich versehene Kolben (Messkolben) an
(Fig. 7). Man kann sich dieselben sehr leicht selbst darstellen und zwar
auf folgende Art.

[Illustration: Fig. 7.]

Man sucht sich zunchst einen kleinen Kolben mit etwas langem Halse
aus, der, wie man durch einen vorlufigen Versuch bestimmt, in der Art
100 C.C. Wasser fasst, dass dasselbe nur bis an eine geeignete Stelle
des Halses reicht, lsst denselben vllig austropfen (getrocknet drfen
aber die inneren Wnde nicht werden), wgt genau 100 Grm. Wasser von
+4C. (oder 99,9 von 16 C.) ein, stellt ihn auf eine feste, vollkommen
wagerechte Unterlage, visirt richtig und bezeichnet den oberen wie den
unteren Rand der dunklen Zone mit kleinen Pnktchen, was mit Hlfe einer
in dicken Asphaltfirniss oder dergl. getauchten Spitze leicht gelingt.
Man giesst alsdann das Wasser aus, legt den Kolben bequem vor sich und
ritzt, von den Pnktchen ausgehend, mittelst eines Diamantes feine
deutliche Striche in das Glas.

Auf gleiche Art stellt man sich Kolben dar, welche 200, 300, 400 Grm.
Wasser von 4, d. h. C.C., ausfliessen lassen, wenn sie bis an die Marken
gefllt und dann bis zum vlligen Austropfen entleert werden. -- Diese
Kolben gehren zu einem System und sind ausser mit der Zahl der C.C., auf
welche sich die Marken beziehen, mit _a_ zu bezeichnen, weil sie beim
$Ausfliessen$ die beistehende Anzahl Cubikcentimeter entleeren.

Ausser diesen Kolben gebraucht man nun Kolben eines zweiten Systems;
wir wollen sie mit _e_ bezeichnen, weil sie, wenn bis an die Marken
Flssigkeit $eingegossen$ wird, die angegebene Anzahl C.C. fassen. --
Man stellt sie dar, indem man in die $innen vllig trockenen$ Kolben
200, 300, 400, 1000 etc. Grm. Wasser von 4 C. einwgt und dessen Stand
bezeichnet. --

Wie man beim Gebrauch der Kolben zu verfahren hat, mag ein Beispiel
lehren. -- Gesetzt wir haben 10 Grm. eines Gemenges von Chlornatrium
und schwefelsaurer Magnesia in Wasser gelst und wollen in getrennten
Theilen der Lsung Chlor, Schwefelsure, Natron und Magnesia bestimmen;
so bringen wir die Lsung etwa in den 500 C.C. fassenden Kolben des
Systems _e_, fllen mit Wasser bis an die Marken, mischen genau
(der Kolben wird dabei mit dem Ballen der Hand verschlossen, eine
abgeschliffene Glasplatte auf abgeschliffenem Rand ist noch besser) und
fllen nun mit der Flssigkeit den 100 C.C. fassenden Kolben des Systems
_a_ bis an die Marken, entleeren ihn zur Schwefelsurebestimmung, fllen
ihn wieder und entleeren ihn in ein zweites Gefss zur Chlorbestimmung
etc.

Um die Nothwendigkeit beider Systeme klar zu machen, wollen wir einmal
ins Auge fassen, was geschehen msste, wenn der 100 C.C. fassende Kolben
nicht einer des Systems _a_, sondern einer des Systems _e_ gewesen wre.
-- Man htte ihn alsdann nach dem ersten Entleeren aussplen und das
Splwasser zur Flssigkeit hinzufgen mssen, -- der Kolben aber wre
innen wieder vollstndig zu trocknen oder aber mit der zu analysirenden
Flssigkeit auszusplen gewesen, ehe man ihn zur zweiten Abmessung htte
gebrauchen knnen etc.

Der Umstand, dass diese beiden Systeme von Messgefssen nur selten
gehrig unterschieden wurden, war Veranlassung, dass solche Messungen
weit weniger genau ausgefallen sind, als sie ausfallen knnen. --

Bei Prfung der graduirten Pipette, Brette und des Cylinders ist zu
beachten, dass die beiden ersten dem System _a_, der letzte dem _e_
angehren muss.

Um den Unterschied hervorzuheben, welcher zwischen gleich bezeichneten
Kolben der beiden Systeme herrscht, fhre ich an, dass mein mit 100 C.C.
bezeichneter Kolben des Systems _a_ in Wirklichkeit 100,2 C.C. fasst.

Handelt es sich nur darum, mehrmals dasselbe Volumen einer Flssigkeit
abzumessen, so kann man sich auch einer mit einem unten abgerundeten
Glasstopfen versehenen Flasche bedienen.


     II. $Das Ueberfhren zu untersuchender Krper in Zustnde, in
                 welchen sie sich zur Analyse eignen.$

                                 . 13.

                     1. $Die Auswahl der Substanz.$

Ehe man zur quantitativen Analyse eines Krpers schreitet, kann man
nicht sorgfltig genug berlegen, ob auch der erwnschte Erfolg wirklich
erreicht ist, wenn man die Menge eines jeden einzelnen Bestandtheiles
des vorliegenden Krpers kennt. -- Nur zu hufig wird dieser erste Punkt
vernachlssigt und somit auch durch die sorgfltigste Analyse statt
einer richtigen eine falsche Vorstellung erweckt. Es bezieht sich dies
wie auf wissenschaftliche, so auf technische Untersuchungen.

Man verwende daher bei Mineralien, deren Constitution durch die Analyse
festgestellt werden soll, die grsste Sorgfalt darauf, Gangart und
eingesprengte Substanzen zu entfernen, schaffe zuerst usserlich
Anhngendes durch Abreiben oder Abwaschen weg, zerschlage alsdann
die in starkes Papier gewickelte Substanz auf einem Stahlambos und
suche mit der Pincette die reinsten Stckchen aus, -- knstlich
darstellbare krystallisirte Krper reinige man durch Umkrystallisiren,
Niederschlge durch vollstndiges Auswaschen u. s. w. -- Bei technischen
Untersuchungen, z. B. der Ermittelung des Hyperoxydgehaltes eines
Braunsteins, des Eisengehaltes in einem Eisensteine, ziehe man in
Erwgung, ob die zu untersuchenden Proben auch soweit mglich dem
mittleren Durchschnitt der herausgefrderten oder zu frdernden Erze
entsprechen; denn was wrde es dem Kufer einer Braunsteingrube ntzen,
den Gehalt eines ausgewhlten, vielleicht besonders reinen Stckes zu
kennen etc.

Man ersieht leicht, dass sich in Betreff der Wahl der Substanz allgemein
gltige Regeln nicht geben lassen; man muss vielmehr in jedem einzelnen
Falle, einerseits die Substanz genau prfen, namentlich auch unter dem
Mikroskope oder mit der Lupe betrachten, andererseits den Zweck der
Untersuchung klar ins Auge fassen und dann die geeigneten Maassregeln
ergreifen.


                                 . 14.

                   2. $Die mechanische Zertheilung.$

Um einen Krper zur Analyse vorzubereiten, um ihn der Einwirkung von
Lsungs- oder Aufschliessungsmitteln zugnglich zu machen, ist in der
Regel die erste und wesentlichste Bedingung, denselben in einen Zustand
feiner Zertheilung berzufhren. Indem man hierdurch dem Lsungsmittel
viele Berhrungspunkte bietet und den hindernden Einfluss der
Cohsionskraft nach Mglichkeit beseitigt, erfllt man alle Bedingungen,
welche erfordert werden, wenn eine Lsung vollstndig und schnell zu
Stande kommen soll.

Je nach der Natur der Krper sind die Mittel verschieden, deren man sich
bedient, um den genannten Zweck zu erreichen. In vielen Fllen gengt
es, die Substanzen zu zerstossen oder zu zerreiben, in anderen hingegen
ist es erforderlich, das durch Reiben erhaltene Pulver durch Beuteln
oder Schlmmen auf den hchsten Grad der Feinheit zu bringen.

Das Stossen und Reiben geschieht in Mrsern oder Reibschalen. Als
erste Regel ist dabei festzuhalten, dass das Material des Mrsers oder
der Reibschale weit hrter sein muss, als die zu pulvernde Substanz,
damit letztere nicht, oder zum mindesten so wenig als mglich, mit
Bestandtheilen jener verunreinigt werde. So kann man sich zum Zerreiben
von Salzen, berhaupt von weniger harten Krpern, der Reibschalen von
Porzellan bedienen, zum Pulvern hrterer Substanzen aber (zum Zerreiben
der meisten Mineralien) sind Reibschalen von Achat, Chalcedon oder
Feuerstein unentbehrlich. Man zerschlgt alsdann in der Regel die
grsseren Stcke zuerst, mehrfach in Schreibpapier eingewickelt, auf
einer Stahl- oder auch Eisenplatte mittelst eines Hammers, und reibt
alsdann das grbere Pulver in kleinen Portionen in dem Achatmrser, bis
es in ein unfhlbares Pulver verwandelt ist.

Bei Mineralien, von denen man nur wenig hat, berhaupt wenn Verlust
vermieden werden soll, bedient man sich zum Zerstossen eines
Stahlmrsers. Fig. 8 _ab_ und _cd_ sind die zwei leicht auseinander zu
nehmenden Theile des Mrsers. Die zu zerstossende, wo mglich schon in
kleine Stckchen zerschlagene Substanz bringt man in die cylindrische
Hhlung des letzteren _ef_. Als Pistill dient der in die Hhlung
passende Stahlcylinder _fg_. Bei der Operation stellt man den Mrser auf
eine feste Unterlage und fhrt mit einem Hammer wiederholt senkrechte
Schlge auf das Pistill, bis der Zweck erreicht ist.

[Illustration: Fig. 8.]

Sehr schwer zerstossbare Mineralien knnen, wenn sie in der Glhhitze
keinen wesentlichen Bestandtheil verlieren und an Wasser nichts abgeben,
dadurch zum Zerkleinern vorbereitet werden, dass man sie zum heftigen
Glhen erhitzt, dann pltzlich in kaltem Wasser abkhlt und endlich
nochmals glht.

Bei dem Ankauf von Achatmrsern sehe man darauf, dass sie keine
fhlbaren Sprnge oder Vertiefungen haben. Geringe, unfhlbare Sprnge
machen die Reibschalen zwar weniger dauerhaft, im Uebrigen aber nicht
unbrauchbar.

In Suren unlsliche Mineralien, welche auf trockenem Wege
aufgeschlossen werden sollen, mssen, wenn man auf vollstndige
Zersetzung rechnen will, besonders fein zertheilt werden. Es ist dies
durch Abreiben mit Wasser, Schlmmen oder Beuteln zu erreichen. Die
beiden letzten Operationen sind nur bei vollkommen gleichfrmigen
Substanzen zu empfehlen.

Das $Abreiben mit Wasser$ geschieht, indem man zu dem in der Reibschale
befindlichen Pulver etwas Wasser setzt und die breiartige Masse so lange
reibt, bis kein Laut mehr hrbar ist. Schneller erreicht man dieses
Ziel, wenn man die letztere Operation nicht im Mrser, sondern auf einer
Achat-, Feuerstein- oder Porphyr-Platte vornimmt und mit einem Lufer
reibt. Man splt alsdann mit der Spritzflasche in eine halbkugelfrmige
glatte Porzellanschale, verdunstet das Wasser im Wasserbad und mischt
den Rckstand aufs Sorgfltigste mit dem Pistill. (Man kann auch die
breiartige Masse im Achatmrser eintrocknen lassen, doch muss dies bei
ganz gelinder Wrme geschehen, weil derselbe sonst springen kann.)

Zum Behufe des $Schlmmens$ splt man die mit Wasser aufs Feinste
abgeriebene breiige Masse in ein Becherglas, rhrt mit destillirtem
Wasser an, lsst etwa eine Minute ruhig stehen und giesst alsdann die
trbe Flssigkeit von dem die grberen Theile enthaltenden Bodensatze
in ein zweites Becherglas ab. Der letztere wird wiederum gerieben, von
Neuem geschlmmt u. s. w. Die trbe Flssigkeit lsst man stehen, bis
das suspendirte Pulver sich zu Boden gesetzt hat, was meist erst nach
vielen Stunden der Fall ist, giesst das Wasser ab und trocknet das
Pulver in dem Becherglas.

Das $Beuteln$ wendet man statt des Schlmmens bei Substanzen an, welche
durch Wasser verndert (theilweise gelst) werden. Man bindet das
mglichst fein geriebene Pulver in ein Sckchen von dichter Leinwand
und beutelt, zerreibt den im Beutel bleibenden Theil aufs Neue, beutelt
wieder u. s. f.

Wrde man das Schlmmen oder Beuteln bei aus verschiedenen Gemengtheilen
bestehenden Substanzen anwenden, so entstnde ein sehr bedeutender
Fehler, wenn man das beim ersten Schlmmen oder Beuteln erhaltene
Pulver zur Analyse verwendete, weil dies die leichter zerreiblichen
Gemengtheile im Vergleich mit den schwieriger pulverisirbaren in weit
grsserem Verhltniss enthlt, als die ursprngliche Substanz. Da
nun beim Schlmmen und Beuteln ein Verlust an Substanz nur schwer zu
vermeiden ist und dieser sich leicht ungleichmssig auf die verschieden
feinen Partien vertheilt, so ziehe ich es vor, solchen Substanzen nur
durch lange fortgesetztes trockenes oder nasses Abreiben die nthige
Feinheit zu geben.

Wenn es sich darum handelt, den mittleren Gehalt eines nicht vllig
gleichfrmigen Krpers, also z. B. eines Eisenerzes etc. zu ermitteln,
so verwandelt man zuerst eine grssere, den mittleren Durchschnitt
darstellende Portion in grbliches Pulver, mengt dies gleichfrmig, und
verwandelt alsdann einen Theil des grblichen Pulvers in feines. Zum
Zerschlagen und grblichen Pulvern grsserer Erzproben etc. empfiehlt
sich am meisten ein Stahlambos. -- Der, welcher in meinem Laboratorium
gebraucht wird, besteht aus einer 85 Centimeter hohen, 26 Centimeter
im Durchmesser haltenden Holzsule, in welche eine Stahlplatte von 20
Centimeter Durchmesser und 3 Centimeter Dicke zur Hlfte eingelassen
ist. Um dieselbe wird ein Messingring von 5 Centimeter Hhe gesetzt.
Der gut versthlte Hammer hat an der Schlagflche 5 Centimeter
Durchmesser. Ein solcher Ambos empfiehlt sich namentlich dadurch, dass
die Stahlflchen sehr leicht blank gescheuert werden knnen.


                                 . 15.

                           3. $Das Trocknen.$

Bei jedem Krper, den man quantitativ analysiren will, muss man einen
bestimmten Ausgangspunkt fr die Analyse haben, man muss den Krper in
einem bestimmt charakterisirten Zustande zur Analyse verwenden, in einem
Zustande, in welchem man ihn immer wieder erhalten kann.

Als Bedingung der quantitativen Analyse haben wir oben festgesetzt,
dass man die Bestandteile der zu analysirenden Krper ihrer Art
nach genau kennen msse, bevor man zu ihrer Gewichtsbestimmung
schreitet. Die wesentlichen Bestandtheile sind aber in der Regel von
einem unwesentlichen begleitet, nmlich von einer grsseren oder
geringeren Menge Wasser, welches die Substanzen entweder in ihren
Lamellen einschliessen, das ihnen von der Bereitung noch anhngt, oder
welches sie aus der Luft angezogen haben. Es ist ersichtlich, dass
wir von der wirklichen Menge einer Substanz keinen richtigen Begriff
bekommen knnen, wenn wir nicht zuerst diese variable Menge Wasser
hinweggeschafft haben. $Die meisten festen Krper mssen demnach
getrocknet werden, ehe man sie zur Analyse verwendet.$

Diese Operation ist fr die Richtigkeit der Resultate von grsster
Wichtigkeit; man kann sagen, dass ein sehr grosser Theil der bei
Analysen vorkommenden Differenzen daher rhrt, dass die Krper in
verschiedenem Zustande der Trockenheit angewendet werden.

Viele Krper enthalten, wie bekannt, Wasser, welches ihnen entweder als
zu ihrer Constitution gehrig, oder als Krystallwasser eigenthmlich
ist. Im Gegensatze zu diesem wollen wir das variable, anhngende oder
mechanisch eingeschlossene Wasser, auf dessen Entfernung sich das
Trocknen in dem Sinne, der uns hier vor Augen sehwebt, allein bezieht,
$Feuchtigkeit$ nennen.

Als Zweck beim Trocknen ist also festzuhalten, dass man alle
Feuchtigkeit entfernen muss, ohne gleichzeitig gebundenes Wasser oder
irgend einen anderen Bestandtheil des Krpers hinwegzunehmen. Wenn wir
demnach einen Krper trocknen wollen, mssen wir seine Eigenschaften im
trocknen Zustande mit Sicherheit kennen, wir mssen wissen, ob er beim
Glhen, ob er bei 100, ob er in getrockneter Luft, oder gar schon in
Berhrung mit der Atmosphre Wasser oder sonstige Bestandteile verliert.
Aus diesen Daten lsst sich alsdann fr jede Substanz die zweckmssigste
Art des Trocknens abnehmen.

a. $Krper, welche schon in Berhrung mit der atmosphrischen Luft Wasser
verlieren$, z. B. Glaubersalz, kohlensaures Natron etc. -- Sie sind
daran leicht zu erkennen, dass sie an der Luft liegend erst matt und
trbe werden und endlich ganz oder theilweise zu einem weissen Pulver
zerfallen.

Bei diesen Krpern ist es schwieriger als bei vielen anderen, den
Zweck des Trocknens ganz zu erreichen. Um es zu bewerkstelligen,
presst man die zerriebenen Salze zwischen dicken Lagen feinen weissen
Fliesspapieres unter ziemlich starkem Druck, und wiederholt dies so oft
mit erneutem Papier, bis die letzten Bltter durchaus keine Feuchtigkeit
mehr aufnehmen. Es ist in der Regel zweckmssig, zwischen den einzelnen
Pressungen nochmals zu zerreiben.

b. $Krper, welche in Berhrung mit der atmosphrischen Luft, falls
sie nicht ganz trocken ist, kein Wasser verlieren, welche aber in
knstlich getrockneter Luft verwittern$, z. B. schwefelsaure Magnesia,
Seignettesalz etc.

Man zerreibt dieselben, presst das Pulver, falls es sehr feucht ist,
zwischen Papier (wie in a.) und lsst es nach dem Pressen noch eine Zeit
lang in dnner Schicht auf Fliesspapier an einem vor Staub und directem
Sonnenlicht geschtzten Ort liegen.

c. $Krper, welche in getrockneter Luft keine Vernderung erleiden, aber
bei 100 Wasser verlieren$, z. B. weinsteinsaurer Kalk etc.

Man zerreibt sie fein, bringt in dnner Schicht auf ein Uhrglas oder in
ein flaches Schlchen und stellt in einen durch Schwefelsure trocken zu
erhaltenden Luftraum. Man bewerkstelligt dies entweder mit dem in Fig. 9
oder mit dem in Fig. 10 abgebildeten Apparat.

In Fig. 9 ist _a_ eine ebene, am besten matt geschliffene Glasplatte,
_b_ eine unten matt geschliffene Glocke, welche am Rande mit Talg
bestrichen wird, _c_ ein flaches Glas mit concentrirter Schwefelsure,
_d_ eine Scheibe von Eisenblech, welche auf drei Fssen ruht und mit
runden Oeffnugen von verschiedener Weite versehen ist, auf welche die
die Substanz enthaltenden Uhrglser gestellt werden.

[Illustration: Fig. 9.]

In Fig. 10 ist _a_ ein am Rande abgeschliffenes und daselbst mit
Talg bestrichenes, zum dritten oder vierten Theil mit concentrirter
Schwefelsure geflltes Becherglas, _b_ eine ebenfalls abgeschliffene
Glasplatte, _c_ ist ein gebogener Bleidraht, auf welchem _e_ das
Uhrglas mit der Substanz ruht.

[Illustration: Fig. 10.]

Den zu trocknenden Krper setzt man der Einwirkung der trocknen Luft
so lange aus, bis er an Gewicht nicht mehr abnimmt. -- Krper, auf
welche der Sauerstoff der Luft verndernd einwirkt, werden auf hnliche
Weise unter der Glocke einer Luftpumpe getrocknet. -- Krper, welche in
trockner Luft zwar kein Wasser, aber Ammoniak verlieren, werden ber
gebranntem Kalk, welchem man etwas gepulverten Salmiak beigemischt hat,
also in einer wasserfreien, ammoniakhaltigen Luft, getrocknet.

d. $Krper, welche bei$ 100 $keine Vernderung erleiden, die aber beim
Glhen zersetzt werden$, z. B. Weinstein, Zucker u. s. w., werden
im Wasserbade getrocknet und zwar entweder ohne Mitwirkung eines
trocknen Luftstromes oder, bei schwieriger zu trocknenden Substanzen,
mit gleichzeitiger Anwendung eines solchen. -- Zum Trocknen mancher
Substanzen, welche bei 100 ihre Feuchtigkeit noch nicht vollstndig
oder erst nach sehr langer Zeit verlieren, wendet man Luft- oder
Oel-Bder an.

[Illustration: Fig. 11.]

Fig. 11 stellt das am hufigsten in Gebrauch gezogene Wasserbad dar.
Es ist entweder aus Weissblech, zweckmssiger aber aus Kupferblech
gefertigt und, damit es auch als Oelbad benutzt werden kann (in
welchem Falle in die Oeffnung _a_ ein Thermometer mittelst eines
Korks eingesetzt wird), mit Messing gelthet. Die Zeichnung macht
jede ausfhrliche Auseinandersetzung berflssig. Der innere Raum _c_
ist auf 5 Seiten von der usseren Hlle _de_ umgeben, ohne damit zu
communiciren. Die Lcher _g_ und _h_ haben zum Zwecke, Luftwechsel
zu veranlassen, und erreichen denselben hinlnglich gut. Der ussere
Raum wird bei dem Gebrauche etwa zur Hlfte mit Regenwasser gefllt,
die Oeffnung _b_ ganz, die Oeffnung _a_ hingegen durch einen Kork
verschlossen, in welchen eine Glasrhre eingepasst ist. -- Soll das
Wasserbad ber Kohlenfeuer erhitzt werden, so giebt man ihm von _d_
nach _f_ eine Ausdehnung von etwa 22 Centimeter, zum Erhitzen ber der
Spiritus- oder Oellampe von etwa 13 Centimeter.

Die zu trocknenden Substanzen kommen auf Uhrglsern in den inneren
Raum. Whrend des Trocknens stellt man die letzteren in einander, beim
Wgen hingegen deckt man eins mit dem anderen. Ehe man sie auf die Wage
stellt, mssen sie kalt geworden sein. Bei hygroskopischen Substanzen
beugt man dem Umstande, dass die Substanzen beim Erkalten wieder Wasser
anziehen, dadurch vor, dass man sehr gut schliessende Uhrglser whlt,
dieselben zwischen eine Klammer schiebt, welche sie fest gegen einander
presst, und sie sammt der darin getrockneten Substanz unter einer Glocke
ber Schwefelsure (Fig. 9) erkalten lsst. -- Diese letzteren Angaben
haben allgemeine Geltung und werden daher bei der Beschreibung des
Trocknens mit anderen Apparaten nicht wieder angefhrt.

Die zum Gegeneinanderpressen der Uhrglser dienenden Klammern, welche
man, wenn die Gewichtsabnahme beim Trocknen bestimmt werden soll, von
Anfang an als zu den Uhrglsern gehrig betrachtet und mitwgt, bestehen
aus 2 etwa 10 Centimeter langen und 1 Centimeter breiten Streifen von
dnnem Messingblech, welche auf einander gelegt und an den Enden auf
eine Strecke von 5 bis 6 Millimeter mit Schlagloth gut zusammengelthet
sind.

Die folgenden Apparate dienen dazu, in einem Luftstrome zu trocknen.

Bei Fig. 12 A wird der Luftstrom bloss durch die Erwrmung der Luft
bewirkt, daher die Anwendung dieses Apparates sehr bequem ist.

[Illustration: Fig. 12]

_ab_ ist ein Kasten von Kupfer- oder Weissblech, in welchem der Canal
_cd_ eingelthet ist; mit diesem steht der aufsteigende Canal _ef_ in
Verbindung, welcher von der mit dem Kasten _ab_ communicirenden Hlle
_gh_ auf 3 Seiten umgeben ist. Diese Hlle ist oben nicht mit einer
Oeffnung versehen. Bei _i_ ist ein rundes, in den Canal fhrendes, mit
einem Kork verschliessbares Loch, _jk_ lsst sich mit einem in einer
Falze laufenden, gut passenden Schieber verschliessen.

Beim Gebrauche wird durch die Oeffnung _m_ die ussere Hlle mit
Wasser halb angefllt (die Oeffnung _n_, welche dazu dient, das Wasser
abzulassen, ist mit einem Kork verschlossen) und dieses zum Kochen
erhitzt. Die zu trocknenden Substanzen werden auf Uhrglsern in die
Hhlungen des in Fig. 12 B abgebildeten Schiebers gesetzt, dieser bei
_lk_ in den Canal eingebracht und der Canal alsdann durch das oben
genannte vorzuschiebende Blech verschlossen.

In dem durch den ihn umgebenden Dampf erhitzten Schornsteine entsteht
alsbald ein Strmen der erwrmten Luft nach oben, welches zur Folge
hat, dass durch die Oeffnung _i_ kalte Luft nachdringt, ber die zu
trocknenden Substanzen hinstrmt und die verdunstende Feuchtigkeit mit
hinwegfhrt.

Den nachtheiligen Umstand, dass die Substanzen durch die nachstrmende
kalte Luft immer etwas unter 100 erhalten werden, beseitigt man
leicht, wenn man die Luft durch eine unter dem Canal seiner ganzen
Lnge nach angelthete, hin- und zurckfhrende Rhre in diesen
eintreten lsst. Die Luft ist alsdann schon auf 100 erhitzt, bevor
sie mit den Substanzen in Berhrung kommt. Es ist diese Rhre auf der
Zeichnung weggelassen worden, um der Deutlichkeit letzterer keinen
Eintrag zu thun. -- Sehr zweckmssig kann man auch die Oeffnung _m_ mit
verschieden grossen, runden, in die Oberseite des Kastens geschnittenen
und mit Deckeln verschliessbaren Ausschnitten vertauschen, auf die man
kleine Schalen zum Abdampfen aufsetzt. -- Dem Apparat giebt man je
nach Bedrfniss eine Lnge von 20 bis 30 Centimeter, eine Tiefe und
Hhe von etwa 10 Centimeter. Der Canal sei 5 Centimeter breit und 2,5
Centimeter hoch. -- Sollte man statt des durch den kleinen Schornstein
bewirkten schwachen Luftstromes einen strkeren wnschen, so blst
man mittelst eines Gasometers, eines Kautschukballons oder einer
sonstigen Vorrichtung durch die Oeffnung _c_ Luft ein, welche man durch
Schwefelsure oder ein Chlorcalciumrohr hat streichen lassen. -- Wnscht
man eine hhere Temperatur, als die des siedenden Wassers, so fllt
man den (kupfernen) Apparat mit Oel und bestimmt die Temperatur durch
ein Thermometer, welches man mit Hlfe eines Korks in die Oeffnung _m_
steckt.

In Fig. 13 (s. f. S.) wird der Luftstrom durch ausfliessendes Wasser
bewirkt.

_a_ ist ein zum dritten Theil mit concentrirter Schwefelsure gefllter
Kolben, _c_ ein Glasgefss (eine sogenannte $Liebig$'sche Trockenrhre),
_d_ ein Gefss von Blech, bei _e_ mit einem Hahn versehen, im Uebrigen
so eingerichtet, wie die Figur zeigt. -- Fig. 14 (s. f. S.) ist ein
kleiner Kessel von Weissblech, verschliessbar durch den mit den
Ausschnitten _a_ und _b_ versehenen Deckel.

[Illustration: Fig. 13.]

Beim Gebrauche kommt die zu trocknende Substanz in _c_ und dieses in
das Kesselchen Fig. 14, in welchem ber einer Spirituslampe Wasser
zum Kochen erhitzt wird, _d_ wird mit Wasser gefllt, alsdann _c_
durch den Kork _g_ mit dem Kolben _a_, durch das Kautschukrhrchen
_f_ mit _d_ verbunden. Oeffnet man jetzt den Hahn _e_, so dass das
Wasser ausfliesst, so dringt die Luft bei _b_ ein, wird durch die
Schwefelsure entwssert und streicht alsdann trocken ber die in _c_
enthaltene erhitzte Substanz; diese war am Anfang sammt dem Glasgefsse
_c_ gewogen, sie wird nach dem Trocknen wieder in ihm gewogen und das
Trocknen fortgesetzt, bis die letzten Wgungen nicht mehr differiren.
-- Da durch den Luftstrom die Substanz in _c_ immer abgekhlt wird, so
erreicht sie niemals wirklich 100; es ist daher zuweilen zweckmssig,
statt des Wassers eine gesttigte Kochsalzlsung in das Kesselchen zu
bringen.

[Illustration: Fig. 14.]

Bercksichtigt man diesen Umstand, so trocknen in dem zuletzt genannten
Apparate Substanzen am schnellsten. Fr solche, welche bei 100
schmelzen oder zusammensintern, ist er jedoch nicht geeignet.

Bei manchen Substanzen reicht, wie oben erwhnt, eine Temperatur von
100 zur Entfernung des variablen Wassers nicht hin, sie mssen bei
110, 120 und noch hheren Graden getrocknet werden. Man bedient sich
hierzu eines Luft- oder Oelbades.

Fig. 15 und Fig. 16 sind Luftbder von einfachster Construction,
ersteres zum gleichzeitigen Trocknen mehrerer, dieses zum Trocknen einer
Substanz besonders geeignet.

[Illustration: Fig. 15.]

_ab_ in Fig. 15 ist ein Kasten von starkem Kupferblech mit Messing
gelthet, von 15 bis 20 Centimeter Breite und Tiefe und entsprechender
Hhe. Durch die Oeffnung _c_ ragt das in einen Kork eingeklemmte
Thermometer _d_ in den inneren Raum des Kastens. _e_ ist ein Gestell
von Draht, auf welches die Uhrglser mit den zu trocknenden Substanzen
gesetzt werden. Das Erhitzen geschieht mit einer Gas-, Spiritus-
oder Oellampe. Ist die Temperatur bis zu dem beabsichtigten Punkte
gestiegen, so erhlt man sie auf demselben durch Regulirung der Flamme.
Es gelingt leicht, die Hitze mit geringen Schwankungen constant zu
erhalten. Zweckmssig ist es, um die Abkhlung von aussen mglichst zu
beschrnken, ber den ganzen Apparat eine Hlle von Pappe zu stlpen,
welche vorn eine bewegliche Wand hat.

Lsst man in die Seitenwnde des Kastens runde Oeffnungen von etwa
2 Centimeter Durchmesser machen, so wird derselbe auch geeignet, in
Kugelrhren enthaltene Substanzen zu trocknen. Die Enden derselben
werden in die Oeffnungen mittelst Korken eingepasst, der nothwendige
Luftwechsel aber mittelst eines Aspirators bewirkt (vergl. Fig. 13).

[Illustration: Fig. 16.]

Fig. 16 besteht aus einer Bchse von starkem Kupferblech (_A_) von etwa
11 Centimeter Hhe und 9 Centimeter Durchmesser. Sie ist verschlossen
durch den mit schmalem Rand versehenen, lose schliessenden Deckel _B_,
welcher zwei Oeffnungen _C_ und _E_ hat. _C_ ist bestimmt zur Aufnahme
des mittelst eines Korks einzusetzenden Thermometers, _E_ gestattet
den Wasserdmpfen Ausgang und wird je nach Umstnden gar nicht oder
lose verschlossen. Innerhalb der Bchse sind in halber Hhe 3 Stifte
angebracht; sie tragen ein Dreieck von mssig dickem Draht, auf welches
der die Substanz enthaltende Tiegel unbedeckt gesetzt wird. Die Kugel
des Thermometers befindet sich mglichst nahe am Tiegel, ohne aber das
Drahtdreieck zu berhren. Die Erhitzung geschieht mittelst einer Gas-
oder Weingeistlampe. Wenn der Apparat so weit erkaltet ist, dass man
denselben gut anfassen kann, nimmt man den Deckel ab, bringt den noch
warmen Tiegel heraus, bedeckt ihn und lsst ihn zum Behuf des Wgens
unter dem Exsiccator erkalten.

Bei dem Luftbade Fig. 17 wird das Trocknen durch Luftwechsel und
luftverdnnten Raum untersttzt.

[Illustration: Fig. 17.]

_a_ ist ein oben mit 2 Oeffnungen versehenes, mit Messing gelthetes
Gefss von starkem Kupferblech, _b_ ein Glasrhrchen, in welchem sich
die Substanz befindet, _c_ ein Thermometer, _d_ eine Chlorcalciumrhre,
_e_ eine kleine Handluftpumpe.

Beim Gebrauche erhitzt man _a_ bis zum erwnschten Grade und pumpt
alsdann _b_ und _d_ luftleer. Nach einigen Minuten lsst man durch
den Hahn _f_ wiederum Luft einstrmen, welche ber das Chlorcalcium
streichend vllig getrocknet wird, pumpt wieder aus und fhrt so fort,
bis in der Rhre _g_ sich nicht der mindeste Beschlag von Feuchtigkeit
mehr zeigt, wenn man sie durch Umgeben mit thergetrnkter Baumwolle
abkhlt. --

Als Oelbad bedient man sich am hufigsten des in Fig. 11 abgebildeten
Apparates; man kann jedoch auch den zuletzt beschriebenen als solches
benutzen. Man whle zum Einfllen ein mglichst gelutertes Brennl.

e. $Krper, welche beim Glhen keine Vernderung erleiden$, z. B.
schwefelsaurer Baryt, Kochsalz etc., sind am leichtesten von
Feuchtigkeit zu befreien. Man bringt sie in einen Platin- oder
Porzellantiegel und erhitzt sie ber der Weingeistlampe, bis der Zweck
erreicht ist. Nach einigem Abkhlen bringt man die noch heissen Tiegel
unter den Exsiccator und wgt nach dem Erkalten.


        III. $Allgemeines Verfahren bei quantitativen Analysen.$

                                 . 16.

Wenn man eine allgemeine analytische Methode mit einiger Schrfe
aufstellen will, so muss der Kreis der Krper, fr welche sie passend
sein soll, ein wenigstens in seinen usseren Umrissen begrenzter sein;
denn wenn man einen Weg machen will, so muss man die Punkte kennen, die
er berhren soll. Um uns in dieser Hinsicht sicher zu stellen, schicken
wir voraus, dass wir bei Aufstellung des jetzt folgenden allgemeinen
analytischen Verfahrens nur die Trennung und Gewichtsbestimmung der
Metalle und ihrer Verbindungen mit Metalloiden, ferner der Suren
und salzartigen Verbindungen unorganischer Natur im Auge haben. Fr
andere Verbindungen lsst sich nicht gut eine allgemein gltige Methode
entwerfen, man msste denn das anfhren wollen, dass ihre Bestandtheile
in der Regel erst in Suren oder Basen verwandelt werden mssen, ehe
man zu ihrer Trennung und Gewichtsbestimmung bergehen kann, so bei
Schwefelphosphor, Chlorschwefel, Chlorjod, Schwefelstickstoff etc.

Von den zu untersuchenden Substanzen wird vorausgesetzt, dass sie
ihren Eigenschaften nach und nach der Qualitt ihrer Bestandtheile
genau bekannt sind. Aus diesen Daten lsst sich alsdann ersehen, ob
die Bestimmung aller Bestandteile auf directe Weise nothwendig ist,
ob dieselbe in einer und derselben Menge der Substanz vorgenommen
werden kann, oder ob es zweckmssiger ist, zur Bestimmung der einzelnen
Bestandtheile verschiedene Quantitten der Substanz in Arbeit zu
nehmen. Man hat z. B. ein Gemenge von Chlornatrium und wasserfreiem
schwefelsauren Natron; das Verhltniss, in dem sie gemengt sind, soll
gefunden werden. Es wre hier gewiss berflssig, jeden einzelnen
Bestandtheil direct zu bestimmen, eine einfache Betrachtung zeigt uns,
dass die Kenntniss der Chlor- oder Schwefelsure-Menge schon hinreicht,
die gestellte Frage zu beantworten, -- sie lehrt uns ferner, dass,
sofern wir Chlor und Schwefelsure bestimmen, wir sogar eine untrgliche
Controle fr die Richtigkeit der Analyse haben, indem beide sammt den
ihnen quivalenten Mengen Natrium und Natron, zusammen gleich sein
mssen dem Gewichte der genommenen Mischung.

Diese Bestimmungen knnte man nun entweder mit einer und derselben
Menge Substanz ausfhren, indem man zuerst die Schwefelsure mit
salpetersaurem Baryt, dann im Filtrat die Salzsure durch Silberlsung
fllte, oder man knnte zu jeder der Bestimmungen eine besondere
Quantitt des Gemenges verwenden. -- Hat man keinen Mangel an Substanz,
so ist die letztere Verfahrungsweise, im Falle man mit vllig homogenen
Substanzen zu thun hat, und sofern sie berhaupt angeht, bequemer und
meist auch von genauerem Resultat, weil man bei der ersteren durch das
bei Trennungen unvermeidliche Auswaschen immer so betrchtliche Mengen
Flssigkeit erhlt, dass die Analyse dadurch verzgert und ein Verlust
weniger leicht vermieden wird.

Wir gehen jetzt zu den einzelnen immer oder meist bei der eigentlichen
Analyse vorkommenden Operationen ber.


                                 . 17.

                     1. $Das Abwgen der Substanz.$

Die Menge des Krpers, welcher zur Analyse zu verwenden ist, hngt von
der Art der Bestandtheile ab, und es ist demnach eigentlich unmglich,
dieselbe im Allgemeinen nher zu bezeichnen. Um in Kochsalz das Chlor zu
bestimmen, ist ein halber Gramm und selbst noch weniger hinreichend, von
obigem Gemenge von Glaubersalz und Kochsalz wrde 1 Gramm gengen, von
Pflanzenaschen, zusammengesetzteren Mineralien etc. ist es nothwendig,
3 bis 4 Gramm oder noch mehr zu nehmen etc. Eine Quantitt von 1 bis 3
Gramm kann sonach als die in den meisten Fllen geeignete bezeichnet
werden. --

Je mehr Substanz man nimmt, um so genauer fallen die Analysen aus, je
weniger man verwendet, um so schneller kommt man in der Regel zum Ziel.
Man strebe darnach, Genauigkeit und Zeitersparniss auf passende Weise zu
verbinden. Je weniger Substanz man nimmt, um so genauer muss man wgen,
je mehr man verwendet, um so weniger schadet eine Ungenauigkeit. Man
pflegt bei Analysen in etwas grsserem Maassstabe bis auf 1 Milligramm,
bei solchen ganz kleiner Mengen Substanz auf 1/10 Milligramm genau zu
wgen.

Sollen zur Bestimmung der einzelnen Bestandteile eines Krpers
verschiedene Quantitten desselben in Arbeit genommen werden, so ist es
am zweckmssigsten, dieselben hinter einander abzuwgen. Man bestimmt
zu dem Ende die Gesammtmenge der Substanz in einem Glasrhrchen oder
dergl. und wgt die einzelnen Portionen auf die Weise, dass man aus dem
Rhrchen in die geeigneten Gefsse in eins nach dem anderen die passende
Menge herauaschttet und dieselbe jedesmal durch die Gewichtsabnahme des
Rhrchens bestimmt (vergl. auch . 10. 5).


                                 . 18.

                       2. $Die Wasserbestimmung.$

Enthlt der zu untersuchende Krper Wasser, so macht man meistentheils
mit der Bestimmung desselben den Anfang. Diese Operation ist in der
Regel einfach, zuweilen schwieriger. Die geringere oder grssere
Schwierigkeit ist davon abhngig, ob die Verbindungen ihr Wasser leicht
abgeben oder nicht, ob sie Glhhitze vertragen ohne zersetzt zu werden
und ob sie auch schon bei gelinderem Erhitzen ausser dem Wasser noch
andere flchtige Stoffe verlieren. --

Von der genauen Ausfhrung der Wasserbestimmung ist es hufig abhngig,
ob die Constitution einer Verbindung richtig erkannt wird oder nicht;
in vielen Fllen, z. B. bei der Analyse von Salzen bekannter Suren,
reicht die Bestimmung des Wassergehaltes allein hin, um die Formel der
Salze aufzustellen. Die Bestimmung des Wassergehaltes ist daher eine
der am hufigsten vorkommenden, wie eine der wichtigsten Aufgaben der
quantitativen Analyse. Ihre Ausfhrung geschieht auf zweierlei Art,
entweder nmlich aus dem Gewichtsverlust der Substanz, oder durch
directe Wgung des Wassers.


              a. Wasserbestimmung aus dem Gewichtsverlust.$

Dieselbe wird ihrer Einfachheit halber am hufigsten angewendet. Je nach
der Beschaffenheit des auf seinen Wassergehalt zu prfenden Krpers
befolgt man dabei eine oder die andere der folgenden Methoden.

[Greek: a]. $Die Substanz lsst sich glhen, ohne anderweitige
Bestandtheile zu verlieren und ohne Sauerstoff aufzunehmen.$

Man wgt dieselbe in einem Platin- oder Porzellantiegel ab und erhitzt
bei anfangs sehr gelinder, allmlig verstrkter Hitze ber der Gas-
oder Weingeistlampe. Nachdem der Tiegel einige Zeit im Glhen erhalten
worden ist, lsst man ihn etwas abkhlen, bringt ihn noch warm unter
den Exsiccator und wgt nach dem Erkalten. Man glht alsdann nochmals
und wgt nach dem Erkalten wiederum. -- Zeigt die letzte Wgung keine
Gewichtsabnahme mehr, so ist die Bestimmung beendigt, andernfalls muss
sie wiederholt werden, bis die beiden letzten Wgungen bereinstimmen.

Bei Silicaten hat man darauf zu sehen, dass das Glhen mglichst
gesteigert werde, indem manche derselben (z. B. Talk, Speckstein,
Nephrit) ihr Wasser erst in der Rothgluth abzugeben anfangen und es erst
in der Gelbgluth vollstndig verlieren ($Th. Scheerer$, Jahresber. von
$Liebig$ und $Kopp$ 1851. 610).

Bei Substanzen, welche sich stark blhen, oder zum Spritzen geneigt
sind, nimmt man das Glhen zuweilen mit gutem Erfolge in einem kleinen
Glaskolben oder Retrtchen vor. Man versume nicht, den zuletzt im
Gefsse bleibenden Wasserdampf durch Aussaugen mittelst einer Glasrhre
zu entfernen.

Decrepitirende Salze (z. B. Kochsalz) bringe man -- wo mglich fein
zerrieben -- in einen kleineren bedeckten Platintiegel, stelle diesen
in einen grossen, ebenfalls bedeckten und erwrme nun erst lngere Zeit
gelinde, dann strker.

[Greek: b]. $Die Substanz giebt beim Glhen anderweitige Substanzen
nicht ab, ist aber geneigt, Sauerstoff aufzunehmen$ (z. B. manche
Eisenoxydulsalze). Man bringt alsdann die Substanz in die Kugel einer
Kugelrhre von schwer schmelzbarem Glase, leitet durch diese einen
langsamen Strom von durch Schwefelsure getrockneter Kohlensure und
erhitzt die Substanz allmlig zum Glhen, erhlt sie darin, bis alles
Wasser ausgetrieben ist, lsst im Kohlensurestrom erkalten und wgt.
Bei Anwendung dieser Methode kann man das Wasser leicht in einem vorn
mit einer leeren Kugel versehenen Chlorcalciumrohre auffangen und, zur
Controle, wgen (vergl. . 19).

[Greek: c]. $Die Substanz verliert beim Glhen anderweitige Substanzen$
(Kohlensure, Schwefelsure, Fluorkiesel etc.).

In diesem Falle ist zunchst zu berlegen, ob sich das Wasser nicht
schon bei einer niedrigeren Temperatur austreiben lsst, bei welcher
eine sonstige Zersetzung oder Verflchtigung noch nicht stattfindet.
-- Ist dies der Fall, so erhitzt man die Substanz im Wasserbad, oder
man setzt sie, wenn die Temperatur hher sein soll, der durch ein
Thermometer zu bestimmenden Hitze eines Luft- oder Oelbades aus, indem
man je nach Umstnden die Verflchtigung des Wassers durch einen
Luftstrom untersttzt oder nicht (vergl. . 15), -- oder auch dadurch,
dass man der Substanz, um sie pors zu erhalten, trocknen reinen Sand
zusetzt (Annal. der Chem. und Pharm. 53. 233). -- Auch unter diesen
Verhltnissen darf der Versuch nie als beendigt betrachtet werden, bis
die beiden letzten Wgungen bereinstimmen.

Gengt eine solche gelindere Erhitzung aus einem oder dem anderen
Grunde nicht, so beachte man, ob sich der Zweck nicht etwa erreichen
lsst, wenn man dem Krper eine Substanz zumischt, welche den zur
Verflchtigung geneigten Bestandteil bindet. -- So lsst sich z. B.
in der krystallisirten schwefelsauren Thonerde, welche beim Glhen
mit dem Wasser Schwefelsure verliert, dem Entweichen der letzteren
vorbeugen, wenn man einen Ueberschuss (etwa die sechsfache Menge) von
fein zertheiltem, frisch ausgeglhtem, reinem Bleioxyd zusetzt; whrend
dagegen ein solcher Zusatz das Entweichen von Fluorkiesel aus Silicaten
nicht zu hindern vermag ($List$, Annal. der Chem. und Pharm. 81. 189);
-- so lsst sich der Wassergehalt im kuflichen Jod bestimmen, wenn man
dasselbe mit der achtfachen Menge Quecksilber zusammenreibt und dann bei
100 trocknet ($Bolley$, $Dingler$'s pol. J. 126. 39).

[Greek: d]. $Die Substanz enthlt auf verschiedene Weise gebundenes und
demnach bei verschiedenen Temperaturen sich verflchtigendes Wasser.$
Solche Substanzen erhitzt man zuerst im Wasserbad, bis sie nicht mehr
an Gewicht abnehmen, dann bei 150, 200 oder 250 etc. im Oel- oder
Luftbade und endlich ber der Glhlampe.

Auf diese Art knnen die auf verschiedene Art gebundenen Wassermengen
deutlich unterschieden und ihrem Gewichte nach bestimmt werden.
So enthlt z. B. das gewhnliche, ber Schwefelsure getrocknete
phosphorsaure Eisenoxyd 13 Aeq. Wasser; von diesen verflchtigen sich 6
bei 100, 4 zwischen 200 und 300 und 3 bei der Glhhitze.


                                 . 19.

      b. $Bestimmung des Wassers durch directe Wgung desselben.$

Will man die Bestimmung des Wassers durch directe Wgung vornehmen,
sei es zur Controle, sei es, dass die Substanz beim Glhen einen auch
durch einen Zusatz nicht zurckzuhaltenden Bestandtheil verliert
(z. B. Kohlensure, Sauerstoff), so treibt man das Wasser in der
Weise durch Glhen aus, dass die Dmpfe condensirt und das Wasser in
einem geeigneten Apparate theils so, theils durch Vermittlung einer
hygroskopischen Substanz aufgefangen wird. Die Gewichtszunahme dieses
Apparates giebt alsdann die Menge des Wassers an.

Die Ausfhrung kann man in mannigfacher Weise bewerkstelligen; eine der
zweckmssigsten Methoden ist folgende:

[Illustration: Fig. 18.]

_B_ ist ein mit Luft gefllter Gasometer, _b_ ein zur Hlfte mit
concentrirter Schwefelsure angefllter Kolben, _c_ und _ao_
Chlorcalciumrhren, _d_ eine Kugelrhre. -- Zur Ausfhrung der Operation
wgt man die Substanz, deren Wassergehalt bestimmt werden soll, in
der wohlgetrockneten Rhre _d_ ab, verbindet alsdann _d_ mit _c_ und
der genau gewogenen Chlorcalciumrhre _ao_ durch gute, zuvor scharf
getrocknete Korkstopfen, ffnet den Hahn des Gasometers ein wenig,
so dass die in _b_ und _c_ vollstndig entwsserte Luft langsam durch
_d_ streicht, erhitzt alsdann die Rhre _d_ durch Unterhalten einer
Weingeistlampe bei _f_ bis ber den Siedepunkt des Wassers (der Stopfen
darf jedoch nicht anbrennen) und setzt zuletzt, whrend man bei _f_ die
angegebene Temperatur unterhlt, die die Substanz enthaltende Kugel
einer gelinden Glhhitze aus. Wenn alles Wasser ausgetrieben ist, lsst
man die Luft noch einige Augenblicke lnger durch den Apparat gehen,
nimmt diesen dann auseinander und wgt das Chlorcalciumrohr _ao_ (nach
dem Erkalten) wieder. Seine Gewichtszunahme giebt die Menge des in der
Substanz enthaltenen Wassers an. Die leere Kugel, in welcher sich der
grsste Theil des Wassers ansammelt, hat nicht allein den Zweck, ein
Zerfliessen des Chlorcalciums zu verhindern, sondern gestattet auch, das
verdichtete Wasser auszugiessen und auf seine Reaction und Reinheit zu
untersuchen.

Anstatt einen mittelst eines Gasometers erzeugten Luftstrom zum
Fortfhren und zuletzt zum Verdrngen des Wasserdampfes aus der Rhre
anzuwenden, kann man auch in einer trocknen Rhre die Substanz nebst
kohlensaurem Bleioxyd glhen, da dessen Kohlensure beim Glhen
entweicht und somit derselbe Zweck erreicht wird. Man wendet diese
Methode hauptschlich dann an, wenn es sich darum handelt, eine Sure,
welche sich sonst mit dem Wasser verflchtigen wrde, zurckzuhalten,
z. B. bei der directen Bestimmung des Wassers im sauren schwefelsauren
Kali etc.

Fig. 19 versinnlicht die Anordnung des Apparates.

[Illustration: Fig. 19.]

_ab_ ist ein gewhnlicher Verbrennungsofen, _cf'_ die zu glhende
Rhre, von _c_ bis _d_ mit bis zum anfangenden Zersetzen geglhtem
und in einer verschlossenen Rhre erkaltetem kohlensauren Bleioxyd
gefllt; von _d_ bis _e_ liegt die mit kohlensaurem Bleioxyd innig
gemischte Substanz, von _e_ bis _f_ reines kohlensaures Bleioxyd.
Durch den wohlgetrockneten Kork _f'_ ist die Rhre mit dem gewogenen
Chlorcalciumrohr _g_ verbunden. Bei der Operation erhitzt man die
Rhre von _f'_ nach _c_ fortschreitend, indem man sie mit glhenden
Kohlen umgiebt. Der vordere Theil derselben muss dabei so heiss
erhalten werden, dass man ihn eben noch, aber kaum, mit den Fingern
kurze Zeit anfassen kann. Alles Nhere siehe unten bei der organischen
Elementaranalyse. Das Mischen nimmt man zweckmssig in der Rhre mit
einem Drahte vor. Die Rhre kann kurz und ziemlich eng sein.

Die angefhrten Methoden der directen Wasserbestimmung sind jedoch
immer noch nicht fr alle Flle ausreichend, in welchen die . 18
beschriebenen unzulssig sind; sie knnen nmlich nur dann mit Erfolg
angewendet werden, wenn die mit dem Wasser entweichenden Substanzen
von der Art sind, dass sie nicht ebenfalls ganz oder theilweise in
der Chlorcalciumrhre (oder einer Kalirhre, mit welcher man diese
vertauschen knnte) verdichtet werden; so wren sie z. B. ganz
geeignet, um den Wassergehalt des basisch kohlensauren Zinkoxyds zu
bestimmen, unzulssig aber zur Bestimmung des Wassers im schwefelsauren
Natronammon. In Fllen, wie der zuletzt erwhnte, muss man die
Substanzen entweder gerade wie bei einer organischen Elementaranalyse
(siehe unten) behandeln oder sich damit begngen, das Wasser auf
indirecte Weise zu bestimmen.


                                 . 20.

               3. $Das Ueberfhren in gelsten Zustand.$

Ehe die Analyse weiter verfolgt werden kann, ist es in den meisten
Fllen erforderlich, die Substanz zuerst in Lsung berzufhren.
Der einfachere Fall ist hierbei der, dass der Krper durch directes
Behandeln mit Wasser, mit einer Sure oder einem Alkali u. s. w. gelst
werden kann, umstndlicher ist die Auflsung, wenn dieselbe durch
vorhergehende Aufschliessung vorbereitet werden muss.

Hat man Substanzen zu analysiren, deren Bestandtheile zu Lsungsmitteln
sich ganz verschieden verhalten, so ist es keineswegs nothwendig,
die Substanz erst ganz zu lsen; im Gegentheil erreicht man die
Trennung dann meistens am einfachsten und schnellsten durch die
Lsungsmittel selbst. Htte man z. B. ein Gemenge von salpetersaurem
Kali, kohlensaurem Kalk und schwefelsaurem Baryt, so wrde man diese
Substanzen auf eine ganz genaue Weise trennen knnen, wenn man zuerst
durch Wasser den Salpeter, dann durch Salzsure den kohlensauren Kalk
entfernte, der unlsliche schwefelsaure Baryt bliebe alsdann rein
zurck.


                                 . 21.

                        a. $Directe Auflsung.$

Man nimmt sie je nach Umstnden in Becherglsern, Kolben oder Schalen
vor und untersttzt die Einwirkung, wenn nthig, durch Erwrmen. Das
letztere geschieht am sichersten im Wasserbade. Nimmt man es ber
freiem Feuer oder im Sandbade vor, so hat man sich zu hten, dass
die Flssigkeiten nicht in wallendes Kochen kommen, in welchem Falle
ein Verlust durch Verspritzen fast unvermeidlich ist. Flssigkeiten,
in welchen sich ein unlslicher oder noch nicht gelster Bodensatz
befindet, stossen und spritzen, ber der Lampe erhitzt, oft bei einer
vom Siedepunkte noch weit entfernten Temperatur.

Ist eine Auflsung von Gasentwicklung begleitet, so nimmt man sie
in einem schief zu stellenden Kolben vor, damit die aufspritzenden
Trpfchen an die Wandung des Gefsses geworfen und nicht durch den
Gasstrom herausgerissen werden; oder auch in einem Becherglase, welches
mit einem grossen Uhrglase bedeckt wird. Ist die Auflsung erfolgt und
hat man das Gas durch Erwrmen auf dem Wasserbade ausgetrieben, so
spritzt man das Uhrglas vollstndig mittelst der Spritzflasche ab.


                                 . 22.

            b. $Auflsung vermittelt durch Aufschliessung.$

Je nach der Art und den Bestandtheilen der aufzuschliessenden Substanz
whlt man als Aufschliessungsmittel kohlensaures Natron oder auch
kohlensaures Natron-Kali, kohlensauren Baryt oder Barythydrat, saures
schwefelsaures Kali oder auch noch andere Zersetzungsmittel.

Will man allgemeine Regeln aufstellen, so kann man sagen, dass das
kohlensaure Natron oder kohlensaure Natronkali angewendet wird,
wenn Schwerspath, Clestin oder Gyps, sowie wenn kieselsurehaltige
Mineralien, welche frei von Alkali sind, oder in denen man das
Alkali nicht bestimmen will, aufgeschlossen werden sollen; --
kohlensaurer Baryt oder Barythydrat dient zum Zerlegen alkalihaltiger
Kieselsureverbindungen auf trocknem Wege, behufs der Bestimmung der
Alkalien, -- und das saure schwefelsaure Kali endlich ist geeignet zur
Aufschliessung gewisser in Salzsure unlslicher Thonerdeverbindungen.
-- Bedingung bei fast allen Aufschliessungen ist, dass die Substanz
aufs Feinste gepulvert sei, im anderen Falle kann man nie hoffen, eine
vollstndige Zersetzung zu Stande zu bringen.

[Greek: a]. $Aufschliessung mit kohlensaurem Natron.$

Man mengt die aufzuschliessende gepulverte Substanz je nach ihrer Natur
mit der 3- bis 4fachen Gewichtsmenge zerfallenen, vllig wasserfreien
kohlensauren Natrons mittelst eines unten rund geschmolzenen Glasstabes
in demselben Platintiegel, in welchem die Schmelzung vorgenommen
werden soll, streicht den Glasstab an einer kleinen Menge auf einem
Kartenblatte befindlichen kohlensauren Natrons ab und giebt dieses
ebenfalls in den Tiegel. Derselbe wird alsdann wohlbedeckt je nach
seiner Grsse entweder ber der Gas- oder Weingeistlampe mit doppeltem
Luftzug oder, eingesetzt in einen mit gebrannter Magnesia fest gefllten
hessischen Tiegel, im Kohlenfeuer, einer anfangs gelinden, allmlig
gesteigerten, zuletzt mglichst heftigen Glhhitze eine halbe bis ganze
Stunde lang ausgesetzt, so dass die Mischung entweder geschmolzen oder
zum wenigsten ganz zusammengesintert ist.

Beim Aufschliessen kieselsurehaltiger Mineralien giebt man lngere
Zeit eine nur mssige Hitze, so dass die Masse nur zusammensintert. Es
entweicht alsdann die Kohlensure aus der porsen Masse leicht und ohne
ein Spritzen zu verursachen. Spter giebt man alsdann eine strkere und
zuletzt eine recht starke Hitze und beendigt das Schmelzen erst, wenn
die schmelzende Masse ruhig fliesst und keine Blasen mehr giebt.

Der Platintiegel, in welchem man die Aufschliessung vornimmt, darf nicht
zu klein sein; gut ist es, wenn die Mischung ihn nur halb fllt. Je
grsser er ist, um so weniger leicht erleidet man Verlust. Damit man
whrend des Schmelzens den Gang gehrig beobachten kann, muss der Deckel
leicht abgenommen werden knnen, weshalb die concaven nur aufliegenden
Deckel den bergreifenden weit vorzuziehen sind.

Beabsichtigt man, ber der Gas- oder Weingeistlampe aufzuschliessen,
so ist das kohlensaure Natronkali dem kohlensauren Natron vorzuziehen,
weil jenes weit leichter schmilzt. -- Der Glhring, welcher zum Halten
des Tiegels bestimmt ist, habe einen Durchmesser von 8 Centimeter und
bestehe aus Eisendraht von 2 bis 3 MM. Strke. Auf denselben legt
man ein Dreieck von Platindraht. Derselbe habe die Strke dicken
Haarnadeldrahtes. Man beachte, dass die Oeffnung des Dreiecks so
beschaffen sei, dass der Tiegel bis stark zum Drittel darin steht, aber
auch dann nicht hindurchfallen kann, wenn der Draht zum heftigen Glhen
kommt. -- Soll die Hitze mglichst gesteigert werden, so stellt man den
Tiegel so, dass sein Boden etwas hher liegt als der obere Rand des ja
nicht zu engen Schornsteines und stlpt alsdann ber den Tiegel einen
zweiten konischen Schornstein von dnnem Eisenblech, der unten so weit
ist als der Glhring und auf diesem oder vielmehr auf den drei Enden des
Drahtdreiecks ruht. Die Hhe dieses Schornsteines betrage 12 bis 14 Cm.,
seine obere Oeffnung kann etwa 4 Cm. Durchmesser haben. Mit Hlfe dieser
einfachen Vorrichtung kann man so hohe Temperaturen hervorbringen, dass
man nur selten genthigt sein wird, seine Zuflucht zum Kohlenfeuer zu
nehmen.

Nach dem Erkalten wird der Inhalt des Tiegels mit Wasser (bei
schwefelsauren alkalischen Erden) oder mit verdnnter Salzsure
oder Salpetersure (bei Silicaten) behandelt. Hufig kann man durch
gelindes Drcken des Tiegels bewirken, dass der geschmolzene Kuchen
sich von dem Tiegel ablst. Hat man mit Silicaten zu thun, so bringt
man die geschmolzene Masse (oder auch den Tiegel sammt Inhalt) in ein
Becherglas, bergiesst mit der 10- bis 15fachen Menge Wasser, und
setzt alsdann nach und nach Salzsure zu, indem man das Becherglas mit
einer Glasplatte, weit besser mit einem grossen Uhrglase oder auch
einem aussen ganz reinen Porzellanschlchen bedeckt, damit die durch
die entweichende Kohlensure hinaufgerissenen Tropfen nicht verloren
gehen, sondern zuletzt ins Glas gesplt werden knnen. Den Tiegel splt
man ebenfalls mit verdnnter Salzsure aus und vereinigt die erhaltene
Lsung mit der Hauptlsung.

Die Auflsung wird durch gelinde Wrme untersttzt. Auch wenn sie ganz
erfolgt ist, setzt man das Erwrmen noch eine Zeit lang fort, damit
die Kohlensure vollstndig ausgetrieben wird; im anderen Falle wrde
ihr Entweichen beim Abdampfen durch Spritzen Verlust veranlassen. --
Setzt sich beim Behandeln mit Salzsure ein Salzpulver (Chlornatrium
oder Chlorkalium) ab, so ist dies ein Zeichen, dass man zu wenig Wasser
genommen hat und demnach noch welches zusetzen muss.

Ist die Aufschliessung vollstndig gewesen, so ist die durch Salzsure
erhaltene Lsung entweder ganz klar oder es schwimmen darin leichte
Flocken von Kieselsure umher. Setzt sich am Boden ein schweres,
beim Reiben mit einem Glasstabe sandig anzufhlendes Pulver ab
(unaufgeschlossenes Mineral), so rhrt dies in der Regel davon her,
dass dasselbe nicht fein genug gepulvert war. Man kann in dem Falle
das Unaufgeschlossene noch einmal mit kohlensaurem Alkali schmelzen;
einfacher ist es aber in der Regel, die ganze Aufschliessung mit feiner
geschlmmtem Mineralpulver noch einmal zu machen.

[Greek: b]. $Aufschliessung mit Barythydrat oder kohlensaurem Baryt.$

Um mit kohlensaurem Baryt allein aufzuschliessen, bedarf es einer sehr
hohen, nur in einem $Sefstrm$'schen Ofen zu erreichenden Temperatur;
denn selbst in der strksten Hitze, die ein Windofen zu geben im Stande
ist, schmilzt derselbe nicht und nur im schmelzenden Zustande bewirkt
er vollstndige Aufschliessung. Dieselbe ist jedoch alsdann auch so
energisch, dass selbst die am schwierigsten zu zerlegenden Fossilien
leicht und vollstndig zersetzt werden. Auf 1 Theil des Minerals
nimmt man 4 bis 6 Theile kohlensauren Baryt. Die Schmelzung geschieht
in einem Platintiegel, der in einen anderen, mit Magnesia gefllten
von feuerfestem Thon eingesetzt wird. Den Tiegel lsst man eine
Viertelstunde im Feuer.

Bei leichter zerlegbaren Mineralien erreicht man denselben Zweck
auf eine leichtere Art durch Anwendung von Barythydrat, welches von
seinem Krystallwasser befreit ist. Man nimmt auf 1 Theil des Minerals
4 bis 5 Theile desselben und berdeckt das recht innig zu machende
Gemenge zweckmssig mit einer Lage von kohlensaurem Baryt. Das
Aufschliessen kann ber einer guten Weingeistlampe ausgefhrt werden;
am besten geschieht es in Silbertiegeln; Platintiegel werden ein wenig
angegriffen. Die Masse kommt entweder ganz in Fluss, oder sie sintert
wenigstens vllig zusammen.

Gleichgltig, ob man mit kohlensaurem Baryt oder mit Barythydrat
aufgeschlossen hat, nach dem Erkalten reinigt man die Aussenseite des
Tiegels, bergiesst ihn dann in einem Becherglase mit 10 bis 15 Theilen
Wasser, setzt Salzsure oder Salpetersure zu und verfhrt berhaupt
wie zuvor bei den Aufschliessungen mit kohlensaurem Alkali angegeben
wurde. Man hat sich zu hten, dass man nicht auf einmal zuviel Salzsure
zusetzt, weil das gebildete Chlorbaryum darin schwer lslich ist und
demnach, indem es die noch unangegriffenen Theile als eine in der
vorhandenen Flssigkeit unlsliche Hlle umgiebt, die weitere Auflsung
hemmt.

[Greek: c]. $Aufschliessung mit saurem schwefelsaurem Kali.$

Man mengt 1 Theil des gepulverten und geschlmmten Minerals mit 5-6
Theilen zerriebenen sauren schwefelsauren Kalis in einem Platintiegel,
bedeckt denselben, um das zu rasche Verdampfen des Sureberschusses zu
verhten, mit seinem Deckel, erhitzt ihn ber der Spiritusflamme bis
zum Schmelzen seines Inhaltes und erhlt ihn bei dieser Temperatur, bis
Alles zu einer durchsichtigen Masse gelst ist. Nach dem Erkalten wird
dieselbe mit Wasser zum Kochen erhitzt, wobei sie sich je nach der Art
des Minerals entweder ganz oder mit Hinterlassung eines Rckstandes
lst. -- Saures schwefelsaures Kali zum Aufschliessen von Silicaten
anzuwenden, ist nicht zu empfehlen, da die Zersetzung weniger gut
erreicht wird, als durch kohlensaures Alkali und die Kieselsure nicht
leicht rein zu erhalten ist.

Verschiedene anderweitige Methoden des Aufschliessens, -- so das der
Silicate durch Fluorwasserstoffsure oder Fluorverbindungen, das der
Chromerze durch oxydirende Mittel etc., sollen spter beschrieben werden.


                                 . 23.

     4. $Das Ueberfhren der aufgelsten Krper in wgbare Formen.$

Um einen Krper aus seiner Lsung in eine zur Gewichtsbestimmung
geeignete Form berzufhren, dienen zwei Operationen: das Abdampfen,
oder die Fllung. Die erstere kann man nur dann anwenden, wenn der
Krper, dessen Gewicht man bestimmen will, bereits in dem Zustande, in
welchem er sich zur Gewichtsbestimmung eignet, in Lsung ist oder durch
Abdampfen mit einem oder dem anderen Reagens in denselben versetzt
werden kann. Als weitere Bedingung der Anwendbarkeit derselben ist zu
bemerken, dass der Krper sich allein in Lsung befinden muss oder
doch nur mit solchen Substanzen, welche beim Abdampfen oder Glhen
entweichen. So wrde schwefelsaures Natron in wsseriger Lsung durch
ganz einfaches Abdampfen zu bestimmen sein, whrend man kohlensaures
Kali besser durch Abdampfen mit Salmiaklsung in Chlorkalium
verwandelte. -- Der Fllung kann man sich immer bedienen, wenn sich ein
Krper durch irgend ein Mittel aus seinem gelsten Zustande in einen im
vorhandenen Lsungsmittel unlslichen berfhren lsst.


                                 . 24.

                            a. $Abdampfen.$

Beim Abdampfen als pharmaceutisch- oder technisch-chemische Operation
kommt vor Allem Ersparniss an Zeit und Brennmaterial in Betracht; beim
Abdampfen zum Behufe quantitativer Analysen sind diese Gesichtspunkte
untergeordnet und dafr treten zwei andere hervor, nmlich Vermeidung
allen Verlustes und Schtzen gegen jede Verunreinigung.

Der einfachste Fall des Abdampfens ist der, $wenn eine klare Flssigkeit
concentrirt, aber nicht zur Trockne gebracht werden soll$. Man bringt
alsdann die Flssigkeit sehr zweckmssig in eine Schale, welche davon
hchstens zu zwei Drittel angefllt werden darf, und erhitzt dieselbe
so, dass die Flssigkeit nicht zum wallenden Kochen kommt, indem bei
solchem fortwhrend und unvermeidlich kleine Trpfchen verloren gehen.
Es geschieht dies entweder auf dem Wasserbade, auf dem Sandbade, auf
einem Stubenofen oder auch direct ber einer Gas- oder Weingeistlampe.
Die letztere Art des Erhitzens ist bei gehriger Vorsicht eine
frdernde, sehr reinliche und daher fr viele Flle sehr zu empfehlende.

Will man im Wasserbade abdampfen und ist man im Besitze eines
$Beindorff$'schen oder eines hnlich construirten Dampfapparates,
so stellt man die Schale ohne Weiteres in einen seiner Grsse
entsprechenden Ausschnitt, im anderen Falle bedient man sich des in
Fig. 20 abgebildeten Wasserbades.

[Illustration: Fig. 20.]

Es besteht aus starkem Kupferblech, wird beim Gebrauch zur Hlfte
mit Wasser gefllt, und dieses durch eine Gas-, Weingeist- oder
Oel-Lampe im Kochen erhalten. Um auf demselben in Schalen und Tiegeln
von verschiedener Grsse abdampfen zu knnen, dienen Ringe mit
entsprechenden Ausschnitten, welche geradezu aufgelegt werden. Man giebt
dem Gefss von _a_ nach _b_ eine Ausdehnung von 4-6 Zoll.

Hat man Gelegenheit, in einem Raume abzudampfen, in den whrend des
Abdampfens Niemand kommt, und in welchem auch keine andere Ursache
vorhanden ist, wodurch Staub in der Luft suspendirt wird, so ist dies
eine Annehmlichkeit von grossem Belang, denn in dem Falle ist es ein
Leichtes, die Flssigkeit rein zu erhalten; es ist alsdann am besten,
die Schalen gar nicht zu bedecken[3]. Arbeitet man aber in einem
Laboratorium mit Anderen zusammen, hat man mit Zugluft zu kmpfen,
befinden sich Kohlenfeuer in dem Raume, so kann man nicht sorgfltig
genug sein, um die abdampfenden Flssigkeiten gegen Staub, Asche und
Schmutz zu sichern.

  [3] In meinem Laboratorium dienen zum Abdampfen bei quantitativen
      Analysen besondere Abdampfschrnke. Dieselben bestehen ganz aus
      nicht angestrichenem Holze und haben vorn Glasfenster, welche sich
      entweder hinaufschieben oder nach Art gewhnlicher Fenster ffnen
      lassen. Das von drei Seiten schief zulaufende Holzdach geht in
      einen hlzernen Canal ber, welcher in den Schornstein fhrt. Etwa
      1/2 Fuss unter der unteren Oeffnung dieses Canales befindet sich
      auf einem hlzernen Trger eine Schale, welche die Bestimmung hat,
      Flssigkeit aufzufangen, die sich etwa in dem Canal verdichtet und
      die sonst heruntertropfen wrde.

Zu dem Behufe dreht man entweder die Schale mit Fliesspapier zu, oder
man legt ein aus einem Glasstabe gebogenes Dreieck auf dieselbe,
breitet darber ein Blatt Fliesspapier und beschwert dieses durch einen
Glasstab, welcher quer darber gelegt und durch die etwas aufgebogenen
Enden des Dreiecks _a_ und _b_ am Herabfallen gehindert wird. -- Als die
zweckmssigste Methode jedoch hat sich folgende bewhrt.

[Illustration: Fig. 21.]

Man lsst sich von einem Siebmacher zwei dnne Holzreifchen (Fig. 22)
anfertigen, von denen das eine locker in das andere passt, legt ber
das kleinere ein Blatt Fliesspapier und schiebt das andere darber. Man
bekommt auf diese Art einen Deckel, der allen Anforderungen entspricht.
Er schtzt vollkommen gegen Staub, er lsst sich leicht abnehmen, das
Papier kann nicht in die Flssigkeit eintauchen, es hlt lange, kann
beraus leicht erneuert werden, und das Abdampfen geht ungehindert von
Statten.

[Illustration: Fig. 22.]

Trotzdem muss man auch bei dieser besten Art des Bedeckens sehr
vorsichtig sein, dass nicht durch das Papier selbst die abdampfende
Flssigkeit verunreinigt werde. -- Dampft man nmlich eine Flssigkeit
ab, welche saure Dmpfe entlsst, so lsen diese rasch die in dem
gewhnlichen Fliess- und Filtrirpapier nie fehlenden Mengen von Kalk,
Eisenoxyd etc. auf, und da die so entstehende Lsung bald in die
Abdampfschale heruntertropft, so ist die Ursache der Verunreinigung
leicht ersichtlich. -- Ist man daher durch die rtlichen Verhltnisse
gezwungen, die Schale zu bedecken, so darf dies nur mit Papier
geschehen, welches von den in Suren lslichen Substanzen durch
geeignetes Auswaschen befreit ist.

Statt in Porzellanschalen kann der vorliegende Zweck des Abdampfens auch
in Glaskolben erreicht werden. Man fllt dieselben nur zur Hlfte an
und stellt sie schief. Die Erhitzung kann im Sandbade ber einer Gas-
oder Weingeistlampe oder auch recht gut ber glhenden Kohlen ausgefhrt
werden. -- Die Flssigkeit darf in gelindes Kochen kommen, indem bei der
schiefen Lage des Kolbens die Trpfchen, welche beim Sieden aufspritzen,
nicht verloren gehen.

$Befindet sich in der abzudampfenden Flssigkeit ein Niederschlag$, so
ist es stets am besten, das Abdampfen im Wasserbade vorzunehmen, indem
beim Abdampfen ber freier Lampe oder im Sandbade gar leicht durch
Stossen Verlust entsteht. Das Stossen rhrt von kleinen Dampfexplosionen
her, welche dadurch entstehen, dass sich, gehemmt durch den Bodensatz,
die Wrme nicht gleichfrmig vertheilt.

Diesem Uebelstande beugt man mit ziemlichem Erfolge auch dadurch vor,
dass man das Abdampfen in einem schief stehenden Tiegel vornimmt, wie
Fig. 23 zeigt.

[Illustration: Fig. 23.]

Man leitet dabei die Flamme immer so, dass sie den Tiegel ber dem
Niveau der Flssigkeit trifft. Doch ist die Anwendung des Wasserbades
jedenfalls sicherer.

$Soll eine Flssigkeit ganz zur Trockne gebracht werden$, wie dies so
oft geschehen muss, so beendigt man das Abdampfen stets im Wasserbade,
wenn es irgend mglich ist. Kann dies jedoch wegen der Beschaffenheit
der aufgelsten Substanz nicht geschehen, so erreicht man oft seinen
Zweck am besten, wenn man den Inhalt der Schale von oben erhitzt, indem
man dieselbe in einem Trockenschranke, dessen obere Platte durch eine
darber gehende Flamme (etwa die des Wasser- oder Sandbades) geheizt
wird, auf geeignete Art aufstellt.

Soll die Schale von unten erhitzt werden, so muss man eine Methode
whlen, bei der die Hitze gleichmssig wirkt und leicht gemssigt werden
kann. Ganz gut eignet sich zu diesem Zwecke ein Luftbad, als welches der
Fig. 20 abgebildete Apparat benutzt werden kann (wenngleich er dadurch
mit der Zeit schadhaft wird). Will man ber der freien Lampe erhitzen,
so stelle man die Schale hoch ber die Flamme und zwar am besten auf ein
Drahtnetz, welches zur gleichmssigen Vertheilung der Hitze beitrgt.
-- Das Erhitzen im Sandbade ist weniger zu empfehlen, da sich bei einem
solchen die Hitze nicht so rasch mssigen lsst.

Mag man nun eine oder die andere Methode whlen, so darf man, sobald
der Rckstand anfngt sich zu verdicken, die Schale nicht mehr aus den
Augen lassen, damit man dem dann drohenden Spritzen durch Mssigung der
Hitze und durch Zertheilung der sich bildenden Krusten mittelst eines
Glasstabes oder Platindrahtes gehrig entgegenwirken kann.

Hat eine Salzlsung die Eigenschaft, $sich beim Abdampfen an den
Wnden des Gefsses hinaufzuziehen$ und diese dann zu bersteigen,
wodurch natrlich sehr leicht Verlust herbeigefhrt wird, so erhitzt
man zweckmssig nach der zuvor besprochenen Weise von oben. Es werden
alsdann die Gefsswnde so heiss, dass die sich heraufziehende
Flssigkeit gleich verdampft, das aufgelste Salz hinterlassend. -- Beim
Abdampfen auf gewhnliche Art lsst sich dem Uebelstande in der Regel
schon dadurch einigermaassen vorbeugen, dass man den Rand der Schale
und den obersten Theil ihrer inneren Wandung mit einer beraus dnnen
Talgschicht durch Bestreichen mit dem fettig gemachten Finger berzieht
und so die Adhsion zwischen Flssigkeit und Gefss verringert.

$Entwickelt sich aus einer Flssigkeit beim Abdampfen ein Gas in
Blasen$, so ist besondere Vorsicht nthig, dass nicht durch Spritzen
Verlust entstehe. Am sichersten erhitzt man eine solche in einem schief
stehenden Kolben, oder auch in einem Becherglase, welches man, so lange
noch Gas entweicht, mit einem grossen Uhrglase bedeckt, das zuletzt gut
abgespritzt wird. -- Muss das Abdampfen in einer Schale geschehen, so
whle man eine ziemlich gerumige und erhitze am Anfang und bis das Gas
grsstentheils entwichen, sehr gelinde.

Soll eine Flssigkeit $bei Abschluss der Luft$ abgedampft werden, so
bringt man sie unter die Glocke der Luftpumpe ber ein Gefss mit
Schwefelsure und evacuirt rasch; oder man bringt sie in eine tubulirte
Retorte, durch deren Tubulus Wasserstoffgas oder Kohlensure mittelst
einer Rhre eingeleitet wird, die nicht ganz bis zum Spiegel der
Flssigkeit reicht.

Von viel grsserem Einflusse, als man gewhnlich glaubt, ist $das
Material der Abdampfgefsse$. Sehr viele Erscheinungen, die bei der
Analyse befremdend entgegentreten, knnen Folge einer Verunreinigung der
abgedampften Flssigkeit durch den Stoff des Gefsses sein, wie denn
auch ganz grobe Irrthmer dieser Quelle entstammen knnen.

Ich habe diesen Gegenstand seiner Wichtigkeit halber einer neuen und
sorgfltigen Prfung unterworfen (vergl. Belege 1-4).

Es ergiebt sich daraus, dass schon destillirtes Wasser, andauernd in
Glas (Kolben von bhmischem Glas) gekocht, sehr wgbare Spuren daraus
aufnimmt; in viel hherem Grade ist dies der Fall, wenn das Wasser
etwas kaustisches oder kohlensaures Alkali enthlt; auch kochende
Salmiaklsung greift das Glas stark an; kochende verdnnte Suren lsen
weniger als reines Wasser. -- Porzellan (Berliner Schalen) wird im
Ganzen weniger angegriffen, als Glas. -- Man ersieht hieraus, dass man
sich bei sehr genauen Analysen zum Abdampfen hauptschlich der Platin-
und Silberschalen bedienen muss.


                                 . 25.

Es bleibt jetzt noch brig, $vom Wgen der durch Abdampfen erhaltenen
Rckstnde$ zu sprechen. Wir meinen darunter nur die in Wasser
lslichen, denn von den anderen, welche durch Filtration getrennt
werden, wird bei der Fllung die Rede sein. -- Das Wgen geschieht in
der Regel in dem Gefsse, in welchem das Abdampfen zu Ende gefhrt
wurde, am besten in einer Platinschale von 2-3 Zoll Durchmesser, oder
in einem grossen Platintiegel, weil diese bei gleichem Inhalte leichter
sind als Porzellangefsse.

Meistens betrgt die Menge der Flssigkeit so viel, dass es allzu lange
aufhalten wrde, dieselbe nach und nach in einer so kleinen Schale
abzudampfen. Man concentrirt sie in dem Falle in einer grsseren und
beendet das Abdampfen in der zum Wgen bestimmten kleineren. Beim
Ueberfllen bestreicht man den Ausguss der Schale ein wenig mit Talg und
lsst die Flssigkeit an einem Glasstabe herablaufen (Fig. 24).

[Illustration: Fig. 24.]

Zuletzt splt man die Schale vorsichtig mit Hlfe einer Spritzflasche
aus, bis eine Probe des letzten Waschwassers auf Platinblech verdampft
keinen Rckstand mehr hinterlsst.

Hat man das Salz nunmehr in der Schale, in welcher es gewogen werden
soll, und ist es soweit abgedampft, als dies im Wasserbade zu erreichen
ist, so hat man zu unterscheiden, ob das Salz geglht werden kann oder
nicht. Ist das Erstere der Fall, so bedeckt man die Schale am besten
mit einem Deckel von dnnem Platinblech, in Ermangelung eines solchen
wohl auch mit einer dnnen Glasplatte, und erhitzt hoch ber der Lampe
so lange ganz gelinde, bis alles in der Substanz etwa noch enthaltene
Wasser ausgetrieben ist, alsdann strker bis zum Glhen der Schale.
(Eine Glasplatte muss dabei natrlich entfernt werden.) Nach dem
Erkalten (was man bei Wasser anziehenden Substanzen unter einer Glocke
neben Schwefelsure, Fig. 9, geschehen lsst) wird sie nebst ihrem
Inhalte bedeckt gewogen. Bei Substanzen, welche, wie z. B. Kochsalz,
Decrepitationswasser enthalten, ist es sehr zweckmssig, dieselben nach
dem Wegnehmen vom Wasserbade und vor dem Erhitzen auf der Lampe der
etwas ber 100 zu erhaltenden Hitze eines Luft- oder Sandbades oder
eines Stubenofens auszusetzen. --

Kann der Rckstand nicht geglht werden, wie z. B. eine organische
Substanz, ein Ammoniaksalz etc., so wird er in dem Schlchen bei einer
seiner Natur entsprechenden Hitze getrocknet. In manchem Falle reicht
demnach schon die des Wasserbades hin, z. B. bei Salmiak, in anderen
muss man ein Oel- oder Luftbad anwenden (siehe oben . 15). Unter allen
Umstnden muss das Trocknen so lange fortgesetzt werden, bis die zwei
letzten Wgungen der Substanz, zwischen welchen dieselbe eine viertel
bis halbe Stunde der Trockenhitze ausgesetzt war, vllig bereinstimmen.
Das Schlchen beim Wgen zu bedecken, ist dringend anzurathen.

Hat man, wie dies bei Analysen so hufig vorkommt, eine Flssigkeit,
welche eine kleine Menge eines zu wgenden Kali- oder Natronsalzes
enthlt, neben einer verhltnissmssig grossen eines Ammonsalzes,
welches bei der Analyse hinzugekommen ist, so ziehe ich dem oben
angegebenen Verfahren das nachstehende vor. Man bringt die Salzmasse in
einer grsseren Schale im Wasserbade, zuletzt auch wohl bei einer 100
etwas bersteigenden Temperatur vllig zur Trockne und bringt dieselbe
mit Hlfe eines Platinspatels in eine kleine Glasschale, welche man dann
einstweilen unter die Glocke des Exsiccators stellt. Man splt nun die
letzten Reste des Salzes mit etwas Wasser aus der grossen in die zum
Wgen bestimmte kleine Schale oder den grossen Tiegel, und verdampft
zur Trockne. Jetzt bringt man die in der Glasschale befindliche Masse
portionenweise oder auf einmal hinzu, verjagt die Ammonsalze durch
Glhen und wgt die zurckbleibenden fixen Salze. Sollten in der
Glasschale kleine Reste der Masse hngen bleiben, so nimmt man diese am
besten mit einer geringen Menge gepulverten Salmiaks oder eines anderen
Ammonsalzes auf und bringt sie so ebenfalls in das zum Wgen bestimmte
Gefss; denn wrde man die Salzmasse wieder mit Wasser benetzen, so wre
Verlust nur schwer zu vermeiden.


                                 . 26.

                             b. $Fllung.$

Weit hufiger noch als das Abdampfen kommt bei quantitativen Analysen
die Fllung vor, indem sie nicht nur dazu dient, Substanzen in wgbare
Formen zu bringen, sondern namentlich auch dazu, sie von einander
zu scheiden. -- Bei allen durch Fllung vermittelten quantitativen
Bestimmungen ist die leitende Idee die, einen unlslichen Niederschlag
von einer Flssigkeit zu trennen. Bei im Uebrigen gleich bleibenden
Umstnden mssen demnach die Resultate um so genauer ausfallen, je
mehr die gefllte Substanz den Namen unlslich verdient, und bei
gleichem Grade der Lslichkeit wird bei dem Niederschlage der kleinste
Verlust stattfinden, welcher mit der geringsten Menge Lsungsmittel
zusammenkommt.

Hieraus ergiebt sich erstens, dass man bei durch sonstige Umstnde
nicht gehinderter Wahl einen Krper am besten in seiner unlslichsten
Verbindung fllt, -- so schlgt man Baryt besser als schwefelsaures
denn als kohlensaures Salz nieder; -- zweitens, dass, wenn man mit
Niederschlgen zu thun hat, die in der vorhandenen Flssigkeit nicht
unlslich sind, man darnach trachten muss, diese durch Abdampfen erst
so viel als thunlich zu entfernen, -- so engt man eine verdnnte
Strontianlsung erst ein, ehe man den Strontian durch Schwefelsure
fllt; -- drittens, dass, wenn es sich um Niederschlge handelt,
die zwar in der vorhandenen Flssigkeit etwas auflslich, in einer
anderen aber, in welche sich die vorhandene durch irgend einen Zusatz
verwandeln lsst, unlslich sind, man darnach strebe, diese Vernderung
herbeizufhren, -- so verwandelt man Wasser durch Zusatz von Alkohol in
Weingeist, wenn man Platinsalmiak, Chlorblei, schwefelsauren Kalk etc.
vollstndig fllen will, so setzt man dem Wasser Ammon zu, um basisch
phosphorsaures Bittererdeammon darin unlslich zu machen etc. --

Zum Fllen bedient man sich meistens der Becherglser. Muss jedoch
kochend gefllt oder der Niederschlag mit der Flssigkeit eine Zeit lang
im Sieden erhalten werden, so wendet man Kolben oder Schalen an.

Je nach der Beschaffenheit der entstandenen Niederschlge werden
dieselben von der Flssigkeit, in welcher sie suspendirt sind, entweder
durch Decantation, durch Filtration, oder aber durch mit Decantation
verbundene Filtration geschieden.

Ehe man jedoch zu einer solchen Abscheidung schreitet, ist vor Allem ins
Auge zu fassen, ob sich der Niederschlag auch schon vollstndig gebildet
hat. -- Zur Entscheidung dieser Frage befhigt nur eine genaue Kenntniss
der Eigenschaften der Niederschlge, zu deren Erwerbung im dritten
Abschnitte die Mittel geboten werden sollen.

In der Regel trennt man die Niederschlge von der Flssigkeit nicht
sogleich, sondern erst nach mehrstndigem Stehen; namentlich ist dies
bei krystallinischen, pulverigen und gelatinsen Niederschlgen der
Fall, whrend ksige und flockige Niederschlge, zumal wenn die Fllung
kochend geschah, oft sogleich abfiltrirt werden knnen. Doch haben in
dieser Beziehung alle allgemeinen Regeln nur eine sehr bedingte Geltung.


                                 . 27.

[Greek: a]. $Fllung mit darauf folgender Decantation.$

Setzt sich ein Niederschlag in einer Flssigkeit so gut ab, dass
dieselbe vllig klar abgegossen werden kann, und geschieht dieses so
schnell, dass zu dem Auswaschen nicht allzu lange Zeit erfordert wird,
so whlt man, wie z. B. bei Chlorsilber, metallischem Quecksilber etc.,
zur Abscheidung und Aussssung derselben die Decantation.

Will man diese, bei gehriger Vorsicht ebenso frdernde als genaue,
Abscheidungsmethode mit Erfolg ausfhren, so ist es in den meisten
Fllen nothwendig, gewisse Regeln zu beobachten, um zu bewirken,
dass sich die Niederschlge vollstndig und schnell absetzen. Als
allgemeinen Satz kann man aufstellen, dass Erhitzen des Niederschlages
mit der Flssigkeit ersterem die gewnschten Eigenschaften verleihe;
in mehreren Fllen gengt aber zu diesem Behufe Erhitzen allein nicht,
in manchen muss geschttelt werden, wie bei Chlorsilber, in anderen
ist Zusatz irgend eines Reagens nothwendig, so der Salzsure bei
Quecksilberfllungen etc. Von diesen Regeln wird unten in dem vierten
Abschnitte ausfhrlich die Rede sein, ebenso von den Gefssen, welche
sich zu dieser Art der Fllung bei den verschiedenen Substanzen am
besten eignen.

Ist der Niederschlag so oft mit erneuerten Mengen der geeigneten
Flssigkeit ausgewaschen, dass in den letzt abfliessenden Portionen
keine Spur einer aufgelsten Substanz mehr zu entdecken ist, so bringt
man ihn, wenn er sich noch nicht darin befindet, in einen geeigneten
Tiegel oder ein Schlchen, giesst die Flssigkeit so weit als mglich ab
und trocknet oder glht alsdann den Inhalt, je nachdem es seine Natur
verlangt. -- Da man bei der angefhrten Art des Auswaschens eine viel
grssere Menge Wasser braucht, als beim Aussssen auf Filtern, so kann
man mittelst Decantation nur dann genaue Resultate erhalten, wenn die
Niederschlge ganz unlslich sind. Aus demselben Grunde wendet man diese
Operation nicht gern an, wenn in den abgegossenen Flssigkeiten noch
sonstige Bestandtheile bestimmt werden sollen.

Um sicher zu sein, dass in den Waschwassern keine Theilchen des
Niederschlages mehr enthalten sind, ist es zweckmssig, diese 12 bis 24
Stunden ruhig stehen zu lassen und erst dann wegzugiessen, wenn sich
nach dieser Zeit auf dem Boden kein Niederschlag zeigt. Sollte dies
der Fall sein, so ist es in der Regel am besten, dessen geringe Menge
fr sich zu bestimmen, sei es nun, dass man ihn von der anwesenden
Flssigkeit durch Abgiessen oder Filtriren trennt.


                                 . 28.

[Greek: b]. $Fllung mit darauf folgender Filtration.$

In den Fllen, in welchen die Decantation nicht anwendbar ist, also bei
Weitem in den meisten, wendet man zur Trennung der Niederschlge von
Flssigkeiten die Filtration an, sofern man hoffen kann, durch blosses
Auswaschen auf dem Filter den Niederschlag von anhngenden Substanzen
vollkommen reinigen zu knnen. -- Ist dies nicht der Fall, so verbindet
man die Filtration mit der Decantation (. 31).

aa. $Filtrirapparat.$ Das Filtriren geschieht mit sehr wenigen Ausnahmen
bei quantitativen Bestimmungen ausschliesslich durch Papier.

Man whlt immer kreisrunde, glatte, nie faltige Filter. Auf die
Beschaffenheit des Filtrirpapiers kommt sehr viel an. Es muss, wenn es
vorzglich sein soll, 3 Eigenschaften vereinigen; nmlich erstens auch
feine Niederschlge vllig zurckhalten, zweitens schnell filtriren
und drittens mglichst wenig unorganische Bestandtheile enthalten,
namentlich aber keine in alkalischen oder sauren Flssigkeiten lsliche.

Es hlt ziemlich schwer, sich Filtrirpapier zu verschaffen, welches
diesen Anforderungen gengend entspricht. -- Fr das beste wird das
unter dem Namen "schwedisches Filtrirpapier" mit dem Wasserzeichen
J. H. $Munktell$ versehene gehalten und demgemss am theuersten
bezahlt. Doch entspricht auch dies nur den beiden ersten Bedingungen,
gengt aber bei feinen Arbeiten keineswegs in Betreff der dritten,
indem es etwa 0,3 Proc. Asche hinterlsst und an Suren merkliche
Spuren von Eisenoxyd, Kalk und Magnesia abgiebt. Zu genauen Versuchen
ist es deshalb erforderlich, dasselbe zuerst mit verdnnter Salzsure
auszuziehen, dann die Sure mit Wasser vollstndig auszuwaschen und das
Papier wieder zu trocknen. -- Bei Filtern von feinem Papier geschieht
dies am besten bei den fertigen Filtern, indem man sie, gerade wie
beim Filtriren, fest in einen Trichter setzt; recht gut knnen dabei
mehrere in einander gelegt werden. -- Man trnkt dieselben zuerst durch
Betrpfeln mit einer Mischung von 1 Thl. gewhnlicher reiner Salzsure
mit etwa 2 Thln. Wasser, lsst 10 Minuten stehen, wscht alsdann durch
wiederholtes Aufgiessen von Wasser, am besten warmem, aus, bis jede Spur
saurer Reaction verschwunden ist, dreht den Trichter mit Papier zu und
stellt ihn sammt seinem Inhalte zum Trocknen an einen warmen Ort.

In jeder Beziehung anzurathen ist es, geschnittene Filtra von
verschiedener Grsse vorrthig zu halten. Man schneidet sie entweder
nach kreisrunden Stcken Pappe oder Blech, oder noch zweckmssiger mit
Hlfe der $Mohr$'schen Schablonen, Fig. 25, welche man von Blech in
verschiedenen Grssen anfertigen lsst. Das Papierblatt, aus welchem das
Filter geschnitten werden soll, wird doppelt zusammengefaltet, so dass
die Kanten einen rechten Winkel bilden, alsdann in die Schablone _A_
eingelegt, das Blech _B_, dessen Schenkel etwas weniges krzer sind, als
die der Grundflche _A_, darber geschoben und das berstehende Papier
mit einer Scheere abgeschnitten. Auf diese Art gemachte Filtra sind
vllig rund und einander ganz gleich.

[Illustration: Fig. 25.]

Den Filtern (und somit auch den Schablonen) giebt man zweckmssig
folgende Ausdehnungen im Radius: 3, 4, 5, 6,5 und 8 Decimeter, und whlt
sie beim Gebrauche in der Art aus, dass sie von dem Niederschlage, nach
dem Abtropfen der Flssigkeit, nicht mehr als halb gefllt werden.

Was die Trichter betrifft, welche man am besten von Glas nimmt, so ist
es, wenn sie zu quantitativen Analysen geschickt sein sollen, ganz
besonders wichtig, dass sie im geeigneten Winkel (60) geneigt und nicht
bauchig sind.

Die Filtra drfen nicht ber den Rand des Trichters herausragen; am
besten ist es, wenn ihre Radien eine oder zwei Linien kleiner sind, als
die der Trichter. Sie werden fest in diese eingedrckt, so dass das
Papier an den Wnden berall anliegt, alsdann mit Wasser angefeuchtet
und dieses abtrpfeln gelassen, nicht oben ausgegossen.

Die Trichter werden beim Filtriren auf ein Filtrirgestell gesetzt,
welches ihnen nicht gestattet, ihre Lage zu verndern. Die Form und
Einrichtung der Gestelle, welche mir von allen als die einfachste und
praktischste erscheint, ist in Fig. 26 und 27 abgebildet.

Das Gestell, welches Fig. 26 darstellt, eignet sich besonders fr
grssere Trichter und wird deshalb etwas massiver gemacht, als das zur
Aufnahme kleinerer Trichter bestimmte, in Fig. 27 abgebildete.

[Illustration: Fig. 26.]

[Illustration: Fig. 27.]

Die Gestelle werden von festem Holze gemacht. Der den oder die Trichter
tragende Arm muss sich ohne alle Mhe auf- und abschieben und mittelst
der Schraube ganz feststellen lassen. Die Ausschnitte fr die Trichter
mssen, damit diese festsitzen, nach unten conisch verlaufen. Als eine
grosse Bequemlichkeit dieser Gestelle ist zu rhmen, dass man die
ganze Einrichtung mit grsster Leichtigkeit und ohne irgend etwas zu
verndern, hin- und hertragen kann. Der Arm _b_, welcher fr gewhnlich
weggenommen wird, dient zum Befestigen einer Auswaschflasche.


                                 . 29.

bb. $Regeln beim Filtriren.$

In Bezug auf die abzufiltrirenden Niederschlge ist ebenfalls Mancherlei
zu beobachten. -- Sind dieselben ksig, flockig, gelatins oder
krystallinisch, so hat man nicht zu frchten, dass die Flssigkeit trb
durch's Filter gehe. -- Bei feinpulverigen Niederschlgen hingegen
ist es in der Regel nothwendig, immer aber rathsam, den Niederschlag
sich setzen zu lassen, alsdann zuerst die berstehende Flssigkeit
durchzufiltriren und zuletzt den Niederschlag aufs Filter zu bringen.
Wenn Nichts entgegensteht, ist es zweckmssig, heiss gefllte
Niederschlge vor dem Erkalten abzufiltriren, denn heisse Flssigkeiten
filtriren schneller als kalte. -- Dem sehr unangenehmen Umstande,
dass Niederschlge mit durch die Filtra gehen, beugt man fters mit
Erfolg durch Abnderung der Flssigkeit vor; so geht schwefelsaurer
Baryt mit Wasser leicht durch's Filter, weit weniger leicht aber nach
Zusatz von Salmiak. Findet man beim Filtriren, dass das Filter von dem
Niederschlage viel mehr als halb voll werden wrde, so nimmt man noch
ein zweites; denn wrde man das erste zu sehr anfllen, so liesse sich
der Niederschlag nicht gehrig auswaschen.

Beim Filtriren giesst man niemals eine Flssigkeit direct, sondern
immer mit Hlfe eines Glasstabes (siehe Fig. 24) aus und versumt nie,
den Rand des Gefsses, aus dem man ausgiesst, mit einer ganz dnnen
Talgschicht zu berziehen. Den erforderlichen Talg giesst man am besten
in eine kleine auf beiden Seiten offene Glasrhre. In dem Maasse, als er
verbraucht wird, drckt man ihn mittelst eines kleinen Stempels nach.
Das Anfetten selbst geschieht am einfachsten mit dem ein wenig am Talg
geriebenen Finger. -- Soll die Flssigkeit abfiltrirt werden, ohne den
Niederschlag aufzurhren, so darf man den Glasstab nicht in das Gefss
stellen, in welchem sich die abzufiltrirende Flssigkeit befindet.
Man stellt ihn daher zwischen dem Aufgiessen zweckmssig in einen
feststehenden Reagirkelch und splt diesen zuletzt mit dem Waschwasser
aus.

Den Strahl der aufzugiessenden Flssigkeit richtet man immer an
die Seite und nie in die Mitte des Filters, widrigenfalls durch
Herausspritzen leicht Verlust entsteht. -- Die durchlaufende Flssigkeit
wird, je nach dem Zwecke, zu dem sie bestimmt ist, in Kolben,
Becherglsern oder Schalen aufgefangen. Man hat streng darauf zu
achten, dass die Tropfen am Rande heruntergleiten und nicht mitten in
die Flssigkeit fallen, wodurch leicht etwas herausgespritzt wrde. Am
besten legt man die Rhre des Trichters an den oberen Theil der inneren
Wandung des Gefsses, wie es die Fig. 26 zeigt, an.

Filtrirt man an vllig staubfreien Orten, so ist es nicht nothwendig,
den Trichter und das zur Aufnahme des Filtrats dienende Gefss zu
bedecken; in der Regel aber ist dies unerlsslich. Man bedient sich
dazu runder Scheiben von Fensterglas. An denen, die das eben genannte
Gefss bedecken sollen, bringt man mit Hlfe eines Schlssels, dessen
Bart einen zum Herausbrechen geeigneten Einschnitt hat, an der Seite
einen Ausschnitt an von der Weite der Trichterrhre. In der Mitte
durchlcherte Scheiben taugen zu diesem Behufe nichts.

Hat man Flssigkeit und Niederschlag auf das Filter gebracht und das
Gefss, in dem sie enthalten waren, wiederholt mit Wasser ausgesplt, so
ist es doch in der Regel der Fall, dass noch kleine, mit dem Glasstab
nicht herauszubringende Antheile des Niederschlages an den Wnden
haften. Dieselben bringt man, sofern sie sich in einem Becherglase oder
einer Schale befinden, vermittelst einer Feder, welcher man nur einen
kleinen Rest ihrer Fahne gelassen und diesen gerade abgeschnitten hat,
in der Regel leicht heraus. -- Befindet sich hingegen der kleine Rest
des Niederschlages in einem Kolben, wie dies bei kochend gefllten
Substanzen, z. B. Eisenoxyd, der Fall sein kann, oder lsst er sich
berhaupt auf mechanische Weise nicht herausbringen, so lst man ihn
in einer geeigneten Flssigkeit und fllt die Lsung neuerdings. Man
kann daraus entnehmen, dass man bei Krpern, fr welche man keine
Lsungsmittel hat, z. B. bei schwefelsaurem Baryt, diesen Umstand
vermeiden muss.


                                 . 30.

cc. $Auswaschen.$ Nachdem der Niederschlag nunmehr vollstndig auf dem
Filter ist, hat man sein Augenmerk darauf zu richten, dass er gehrig
ausgewaschen werde.

Das Auswaschen geschieht mittelst einer der bekannten Spritzflaschen,
von welchen ich die in Fig. 29 dargestellte in jeder Hinsicht vorziehe.
-- Man sehe darauf, dass man nicht durch einen zu heftigen Wasserstrahl
Verlust veranlasse. -- Zu recht vorsichtigem Auswaschen kann auch der
in Fig. 30 abgebildete Apparat mit gutem Erfolge benutzt werden, dessen
Construction keiner weiteren Erluterung bedarf. Die Spitze _a_ ist an
ihrem Ende ausgezogen und abgekneipt. Dreht man den Kolben um, so luft
aus derselben von selbst ein continuirlicher feiner Strahl aus.

[Illustration: Fig. 28.]

[Illustration: Fig. 29.]

[Illustration: Fig. 30.]

Werden Niederschlge mit Wasser ausgewaschen, so bedient man sich, wenn
sonst Nichts im Wege steht, am besten des heissen. Die Arbeit wird
dadurch wesentlich gefrdert. -- Zum Auswaschen mit siedendem Wasser
eignet sich besonders die Spritzflasche Fig. 29. Um das Anfassen zu
erleichtern, dient die mit Draht an die Flasche befestigte hlzerne
Handhabe.

Muss das Auswaschen von Niederschlgen sehr lange fortgesetzt werden, so
wendet man zuweilen Waschflaschen an, welche die Mhe des wiederholten
Aufgiessens ersparen. Fig. 31 und Fig. 32 zeigen solche.

[Illustration: Fig. 31.]

[Illustration: Fig. 32.]

Das Princip beider ist, wie leicht zu ersehen, dasselbe. In Fig. 31
ist nur die Ausflussrhre nebst der, durch welche die den Raum des
ausfliessenden Wassers ersetzende Luft eindringt, in einem Stcke, in
Fig. 32 sind es getrennte Rhren. Die Einrichtung der Fig. 31 ist etwas
schwieriger darzustellen, als die der Fig. 32. Es kommt nmlich bei
diesen Vorrichtungen darauf an, dass aus den gefllten und mit den die
Rhren enthaltenden Stopfen verschlossenen Flaschen beim Umdrehen kein
Wasser auslaufe, whrend dies sogleich vor sich gehen muss, wenn man den
Finger oder ein Stckchen Papier etc. mit dem in der Spitze _c_ (Figur
33) stehenden Wasser in Berhrung bringt. Alsdann fliesst dasselbe
unausgesetzt aus, whrend durch _ab_ Luft in die Flasche dringt; wird
der Finger oder das Papier wieder weggenommen, so hrt das Ausfliessen
wieder auf. --

[Illustration: Fig. 33.]

Es ist sowohl zur Anfertigung wie zum Gebrauche dieser Vorrichtungen
wichtig, von der Ursache der angefhrten Erscheinungen eine vllig klare
Vorstellung zu haben. Zu dem Behufe ist erstens ins Auge zu fassen,
dass das Nichtausfliessen aus _c_ dadurch bedingt wird, dass der Druck
der Wassersule, welche zwischen den Linien _ef_ und _gh_ liegt, nicht,
aber beinahe, hinreichend ist, die Capillaranziehung zu berwinden,
welche die Rhre _ab_ auf die Flssigkeit ausbt; und zweitens, dass
das Ausfliessen bei Berhrung des in _c_ enthaltenen Wassers mit einer
Substanz, welche davon benetzt wird, daher rhrt, dass nunmehr die
Zugkraft der Wassersule _fh_ plus der Adhsionskraft des benetzt
werdenden Krpers die Capillaranziehung in _ab_ berwindet. Wird die
Spitze _c_ unter Wasser getaucht, so hrt das Ausfliessen auf, weil
hierdurch die wirkende Wassersule verkrzt wird. Rckt man die Rhre
_dc_ herunter, so dass _c_ unter _gh_ zu liegen kommt, so fliesst das
Wasser ohne Aufhren aus, weil die Zugkraft der dadurch vergrsserten
Wassersule die Capillarattraction in _ab_ bersteigt; rckt man
hingegen _cd_ hinauf, so gengt die hinzukommende Adhsionskraft nicht
zur Herstellung eines Uebergewichtes, und es fliesst gar kein Wasser
aus. -- Bei Darstellung eines Auswaschrhrchens zu Fig. 31 ist es also,
wie ohne Mhe einzusehen, nicht ganz leicht, die Ausflussstelle gerade
in der entsprechenden Entfernung unter der Anlthungsstelle der Rhre
_a_ anzubringen, whrend man bei der anderen Vorrichtung die Rhre _dc_
so lange hinein- oder herausdreht, bis der geeignete Punkt erreicht ist.
Bei der Anfertigung der letzteren hat man darauf Rcksicht zu nehmen,
dass die Oeffnung _a_ der Rhre _ab_ etwas hher liegen muss als _b_, im
anderen Falle wird bei jedem Glucken Wasser herausgeworfen; ferner, dass
_d_ etwas hher liegen muss als _b_, sonst luft zuletzt, sobald die
Oberflche des Wassers _b_ nicht mehr schliesst, der Rest des Wassers
ohne Aufhren aus.

Beim Gebrauche werden die Auswaschflaschen in den neben offenen
Ausschnitt des an dem Filtrirgestelle befindlichen oberen Armes so
ber den Trichter gehngt, dass _c_ eben unter den Wasserspiegel
kommt. Bei gehriger Einrichtung fliesst alsdann das Wasser aus der
Waschflasche in demselben Maasse nach, als es aus dem Trichter abluft.
-- Einen enghalsigen Kolben geradezu in den Trichter umzustrzen, ist
beim Auswaschen zu wgender Niederschlge unzulssig, weil bei dieser
Einrichtung immer Antheile des Niederschlages durch die Luftblasen mit
in den Kolben hinaufgerissen werden. --

Bei dem Auswaschen hat man, gleichgltig ob es ohne oder mit einem
Waschapparate geschieht, darauf zu sehen, dass sich in dem Niederschlage
keine Canle bilden, durch die die aufgegossene Flssigkeit abluft,
ohne den ganzen Niederschlag zu durchsickern. Sollten solche entstanden
sein, so rhrt man den Niederschlag vorsichtig mit einem kleinen Glas-
oder Platinspatel um.

Das Auswaschen ist beendigt, wenn alle zu entfernenden lslichen Stoffe
weggewaschen sind. Wer der Beendigung des Auswaschens die gehrige
Aufmerksamkeit zuwendet, vermeidet eine der Klippen, an welchen
Anfnger, zum Nachtheil der Genauigkeit zu erhaltender Resultate,
am hufigsten anstossen. -- In der Regel gengt es, einen Tropfen
des letztablaufenden Waschwassers auf einem reinen Platinbleche
langsam verdampfen zu lassen und sich hierdurch zu berzeugen, ob
noch ein Rckstand bleibt oder nicht. Sind jedoch die auszuwaschenden
Niederschlge im Waschwasser nicht ganz unlslich, wie z. B.
schwefelsaurer Strontian, so muss man zu specielleren Erkennungsmitteln,
die unten angegeben werden sollen, seine Zuflucht nehmen. Niemals sollte
man das Auswaschen nach blossem Dafrhalten und Meinen einstellen, --
Gewissheit giebt nur die Prfung.


                                 . 31.

[Greek: c]. $Fllung mit darauf folgender Decantation und Filtration.$

Hat man mit Niederschlgen zu thun, welche sich vermge ihrer
gelatinsen Beschaffenheit oder weil ihnen mitgerissene Salze fest
anhaften, auf dem Filter nicht vollstndig oder nur mit Mhe wrden
auswaschen lassen, so lsst man den Niederschlag sich so gut als mglich
absetzen, giesst die fast klare Flssigkeit durch das Filter, rhrt den
Niederschlag mit der zum Auswaschen bestimmten Flssigkeit auf, erhitzt
damit wohl auch in geeigneten Fllen zum Sieden, lsst wieder absitzen
und wiederholt dies, bis der Niederschlag fast ganz ausgewaschen ist.
Man bringt ihn jetzt erst aufs Filter und vollendet das Auswaschen
mit der Spritzflasche (vergl. . 28). Diese Methode verdient hufiger
angewendet zu werden, als es gewhnlich geschieht; nur mit ihrer Hlfe
lassen sich viele Niederschlge vllig auswaschen.


                                 . 32.

                $Weitere Behandlung der Niederschlge.$

Ehe man nun zum Wgen der Niederschlge bergehen kann, hat man als
letzte Bedingung noch die zu erfllen, sie in eine ihrer Zusammensetzung
nach vllig bekannte Form berzufhren. Es geschieht dies entweder
durch Glhen oder durch Trocknen. Das letztere ist umstndlicher und
giebt leicht weniger genaue Resultate, als das erstere; daher man es
in der Regel nur bei Niederschlgen anwendet, die ohne vollstndige
oder theilweise Verflchtigung nicht geglht werden knnen, und deren
im letzteren Falle restirende Rckstnde keine einen Rckschluss
gestattende Zusammensetzung zeigen, -- so bestimmt man z. B.
Schwefelquecksilber, Schwefelblei und andere Schwefelmetalle durch
Trocknen, ferner Cyansilber, Kaliumplatinchlorid etc. Ist zwischen
Trocknen und Glhen der Niederschlge die Wahl gestattet, wie z. B.
bei schwefelsaurem Baryt, schwefelsaurem Bleioxyd und vielen anderen
Verbindungen, so zieht man das letztere dem ersteren fast immer vor.


                                 . 33.

aa. $Trocknen der Niederschlge.$

Wenn ein Niederschlag auf einem Filter gesammelt, ausgewaschen und
getrocknet worden ist, so hngen kleine Theile desselben dem Papiere
so fest an, dass sie nicht vollstndig von demselben entfernt werden
knnen. Das Wgen getrockneter Niederschlge setzt demnach bei allen
genaueren Bestimmungen ein Mittrocknen und Mitwgen der Filtra
voraus. Man bediente sich frher hufig zum Aufsammeln zu trocknender
Niederschlge zweier gleich grosser, in einander liegender Filtra, nahm
nach dem Trocknen das ussere weg und legte es als Gegengewicht des
den Niederschlag enthaltenden auf die andere Wagschale. Man ging dabei
von der Voraussetzung aus, gleich grosse Filtra seien gleich schwer.
Diese Annahme darf jedoch bei genauen Analysen nicht gestattet werden,
denn jeder Versuch zeigt, dass 2 auf diese Art fr gleich gerechnete
Filtra selbst bei geringem Durchmesser um 20, 30 oder mehr Milligramme
differiren. -- Zur Erlangung genauer Resultate muss dasselbe Filter,
in dem der Niederschlag gesammelt werden soll, vor dem Abfiltriren
getrocknet und gewogen werden. Die Temperatur, bei der es getrocknet
wird, muss jener gleich sein, welcher man spter den Niederschlag
aussetzen will. Eine weitere Bedingung ist die, dass das Papier des
Filters keine Substanzen enthalten darf, welche von der zu filtrirenden
Flssigkeit gelst werden wrden.

Das Trocknen geschieht je nach der erforderlichen Temperatur im Wasser-,
Luft- oder Oelbade, das Wgen immer in einem verschliessbaren Gefsse,
meistens zwischen zwei durch eine Klammer zusammengepressten Uhrglsern
(. 15) oder in einem Platintiegel. Ist das Filter dem Anscheine nach
trocken, so bringt man es zwischen die erwrmten Uhrglser, oder in den
erwrmten Tiegel, lsst unter einer Glocke neben Schwefelsure erkalten,
wgt, setzt die Uhrglser oder den Tiegel mit dem Filter nochmals eine
Zeit lang der Trockenhitze aus und wgt nach dem Erkalten wieder.

Ist das Gewicht constant geblieben, so ist das Trocknen des Filters
beendigt. Man hat sich nichts weiter zu notiren, als das Gewicht der
durch die Klammer gehaltenen Uhrglser oder des Tiegels und des trocknen
Filters zusammen.

Nach dem Auswaschen des Niederschlages und nachdem das Waschwasser
mglichst abgetropft ist, nimmt man das Filter mit dem Niederschlage vom
Trichter, legt es zusammengefaltet auf Fliesspapier, lsst es vor Staub
geschtzt an einem mssig warmen Orte ziemlich trocken werden, bringt
es zuletzt in eins der anfangs mitgewogenen Uhrglser oder den nicht
bedeckten Platintiegel und trocknet es bei der geeigneten Temperatur
im Wasser-, Luft- oder Oelbade. Hlt man das Trocknen fr beendigt, so
legt man das zweite Uhrglas oder den Deckel des Tiegels auf, schiebt bei
Anwendung von Uhrglsern die Klammer darber, lsst unter dem Exsiccator
erkalten und wgt. Man setzt alsdann das Filter mit dem Niederschlage
aufs Neue der zum Trocknen bestimmten Temperatur aus und beendigt
den Versuch erst, wenn die beiden Wgungen ganz genau, oder bis auf
wenige Decimilligramme bereinstimmen. -- Zieht man von dem gefundenen
Gesammtgewichte das oben notirte ab, so bleibt das des getrockneten
Niederschlages.

Fllt der Niederschlag das Filter ziemlich an, hlt er viel Wasser
zurck, oder ist das Papier sehr dnn, so dass man das Abnehmen des
Filters vom Trichter nicht ohne Gefahr, ersteres zu zerreissen,
bewerkstelligen kann, so lsst man es in dem Trichter fast trocken
werden, indem man denselben, mit Fliesspapier zugedreht, in einem
zerbrochenen Becherglase (Fig. 34) oder dergleichen auf das Sandbad oder
den Ofen stellt. Sehr gut dienen zu diesem Zwecke unten und oben offene
Kegel von Weissblech. Die kleineren lasse ich 10 Cm., die grsseren 12
Cm. hoch anfertigen. Der untere Durchmesser betrgt 7-8, der obere 4-6
Cm. (Fig. 35).

[Illustration: Fig. 34.]

[Illustration: Fig. 35.]


                                 . 34.

bb. $Glhen der Niederschlge.$

Es war in frheren Zeiten blich, Niederschlge, deren Gewicht man nach
dem Glhen bestimmen wollte, mit dem Filter zu trocknen, alsdann in
einen Tiegel zu schtten, das Filter rein abzuschaben und den so von
letzterem getrennten Niederschlag zu glhen. Man gab auf diese Weise
die, trotz des Abschabens, am Papier immer noch haftenden Theilchen
verloren. Die Erfahrung hat gelehrt, dass man genauere Resultate erhlt,
wenn man das Filter beim Glhen des Niederschlages verbrennen lsst und
das Gewicht der Filterasche in Rechnung bringt.

Wenn man, dem in . 28 gegebenen Rathe folgend, immer Filtra von
derselben Grsse verwendet, so hat man, so lange man dasselbe Papier
benutzt, nur einmal nothwendig, die Quantitt der Asche fr jede
Filtergrsse zu bestimmen. Man nimmt zu dem Behufe 10 Filtra (oder ein
gleiches Gewicht von Abfllen desselben Papiers) und lsst sie in einem
schief zu stellenden Platintiegel oder in einer Platinschale verbrennen,
glht bis jede Spur Kohle verbrannt ist, bestimmt die Menge der Asche
und findet so, indem man das erhaltene Gewicht mit 10 dividirt, die
Aschenquantitt, welche ein Filter durchschnittlich hinterlsst, mit
hinreichender Genauigkeit.

Bei dem Glhen der Niederschlge selbst hat man folgende Punkte
besonders zu beachten:

  1) dass in keiner Weise ein Verlust entsteht;

  2) dass die geglhten Niederschlge wirklich die Krper sind, als
     welche man sie in Rechnung bringt;

  3) dass die Filtra vollstndig verbrennen;

  4) dass die Tiegel nicht angegriffen werden.

Je nach den sogleich nher zu bezeichnenden Umstnden whlt man nun
in der Regel eine der beiden folgenden Methoden, die ich unter den
verschiedenen in Vorschlag gekommenen fr die einfachsten und besten
halte. -- Gleichgltig brigens, welche man anwendet, dem Glhen
muss ein vollstndiges Trocknen der Niederschlge vorausgehen; denn
glht man sie feucht, so entsteht, namentlich bei denen, die im
trocknen Zustande sehr leicht und locker sind, wie z. B. Kieselsure,
dadurch Verlust, dass die strmisch entweichenden Wasserdmpfe kleine
Theilchen des Niederschlages mitreissen. Auch bei solchen ist ein recht
vollstndiges Austrocknen unerlsslich, welche, wie z. B. Thonerde- oder
Eisenoxydhydrat, harte Stckchen bilden; sie werden, wenn sie innen noch
feucht sind, beim Glhen fters mit Heftigkeit umhergeworfen. -- Zum
Behufe solches Trocknens lsst man das Filter am besten im Trichter und
vollfhrt es, wie Fig. 34 oder 35 zeigt, auf einem Sandbad, Wasserbad,
Stubenofen oder dergleichen.

Was Grad und Dauer des Glhens betrifft, so hngen diese von der
Beschaffenheit der Niederschlge ab, und wrde man deren Eigenschaften
und Verhalten in der Glhhitze nicht kennen oder nicht bercksichtigen,
so mssten durch zu viel oder zu wenig, durch zu kurz oder zu lang
erhebliche Fehler entstehen. In der Regel ist ein mssiges und etwa fnf
Minuten fortgesetztes Glhen ausreichend und entsprechend, doch erleidet
die Regel mancherlei Ausnahmen, die unten bei den einzelnen Fllen
besprochen werden sollen.

Ist zwischen Porzellan- und Platintiegel die Wahl gestattet, so greift
man immer nach letzterem, weil er bei gleichem Inhalte von geringerem
Gewicht, unzerbrechlich und leichter zum Glhen zu bringen ist. Man
whle dabei keinen zu kleinen Tiegel, weil bei Anwendung eines solchen
weit leichter Verlust entsteht. In den meisten Fllen hat ein Tiegel von
etwa 4 Cm. Hhe und 3,5 Cm. Durchmesser gerade die rechte Grsse. --
Dass der Tiegel vollkommen rein sein msse, innen wie aussen, versteht
sich von selbst. Sollte es nicht der Fall sein und fhrt ein Auskochen
mit Wasser, Salzsure oder Natronlauge nicht zum Ziel, so schmelzt man
im Tiegel etwas saures schwefelsaures Kali, schwenkt das Flssige an den
Wnden umher und kocht zuletzt den Tiegel nach dem Erkalten mit Wasser
aus. Ist er aussen stark beschmutzt, so stellt man ihn entweder in einen
grsseren, fllt den Zwischenraum mit saurem schwefelsaurem Kali aus und
erhitzt zum Schmelzen, oder man legt ihn auf ein Platindreieck, erhitzt
zum Glhen und bestreut ihn mit gepulvertem saurem schwefelsaurem Kali.

Ist der Tiegel rein, so stellt man ihn auf ein gleichfalls reines
Dreieck von Platindraht, glht, lsst unter dem Exsiccator erkalten und
wgt. Es ist dies zwar nicht unerlsslich nthig, aber gut, auf dass
das Wgen des leeren und gefllten Tiegels unter mglichst gleichen
Umstnden geschehe. -- Man kann den leeren Tiegel allerdings auch $nach$
dem Glhen des Niederschlags wgen, doch ist das Wgen $vorher$ meistens
vorzuziehen.

Wir gehen nun zur Beschreibung der speciellen Methoden ber.


                                 . 35.

      $Erste Methode$ (Glhen des Niederschlages mit dem Filter).

Man wendet dieselbe an, sofern durch Einwirkung der Kohle des Filters
auf den Niederschlag eine Reduction desselben nicht zu befrchten ist
und fhrt sie also aus:

Nachdem das Filter im Trichter vollkommen trocken geworden, biegt man
die Wnde desselben oben gegen einander, so dass sich der Niederschlag
wie in einem kleinen Beutel befindet, setzt es in den Tiegel, bedeckt
denselben und erhitzt ber der Gas- oder Weingeistlampe mit doppeltem
Luftzuge ganz gelinde, so dass das Filter langsam verkohlt, nimmt nun
den Deckel weg (der inzwischen zweckmssig auf eine Porzellanschale
oder in einen Porzellantiegel gelegt wird), legt den Tiegel schief und
erhitzt strker, bis das Filter vollstndig eingeschert ist, bedeckt
wieder, glht, sofern nthig, noch einige Zeit, lsst so weit erkalten,
dass der Tiegel zwar noch heiss, aber nicht mehr glhend ist, bringt
ihn mittelst einer geeigneten Zange von Messing[4] oder blankem Eisen
(Fig. 36) unter den Exsiccator, lsst erkalten und bringt dann auf die
Wage.

  [4] Umfasst man den noch glhenden Tiegel mit der Messingzange, so
      erhlt er leicht schwarze Ringe.

[Illustration: Fig. 36.]

[Illustration: Fig. 37.]

Verbrennt die Filterkohle schwierig, so hilft man sich, indem man mit
einem glatten etwas dicken Platindraht die nicht verbrannten Theilchen
dahin bringt, wo sie der Einwirkung der Hitze und der Luft am besten
ausgesetzt sind. -- Zur Mehrung des Luftstromes legt man auch wohl den
Deckel in der Art an den Tiegel, wie es die Fig. 37 zeigt. -- Sollten
sich Kohletheilchen dem Verbrennen allzu hartnckig widersetzen, so legt
man auch wohl ein Stckchen geschmolzenes, trocknes salpetersaures
Ammon in den Tiegel und erhitzt bei aufgelegtem Deckel anfangs gelinde,
allmlig stark. -- Lsst sich der Niederschlag seiner Hauptmasse nach
leicht von dem Filter trennen, so ndert man das angegebene Verfahren
zuweilen zweckmssig in der Art ab, dass man denselben in den Tiegel
schttet, dann das Filter sammt den noch daran hngenden Theilchen
locker zusammenfaltet, es ber den Niederschlag in den Tiegel bringt, im
Uebrigen aber so verfhrt, wie oben angegeben.


                                 . 36.

     $Zweite Methode$ (Gesondertes Glhen des Niederschlags und des
                               Filters).

Man wendet dieselbe an, wenn man durch Einwirkung der Filterkohle
auf den Niederschlag Reduction zu befrchten hat; auch wenn man den
geglhten Niederschlag zu weiterer Untersuchung verwenden will, sofern
dabei die Filterasche stren wrde.

Man stellt den zur Aufnahme des Niederschlages bestimmten Tiegel auf
einen Bogen Glanzpapier, nimmt das vllig trockne, den Niederschlag
enthaltende Filter aus dem Trichter, drckt es ber dem Bogen Papier
gelinde zusammen, so dass sich der Niederschlag von dem Filter lst, und
schttet alsdann den Inhalt in den Tiegel. Die noch am Papiere haftenden
Theile des Niederschlages lst man durch weiteres Drcken oder gelindes
Aneinanderreihen des zusammengefalteten Filters so viel wie mglich
ab und bringt sie gleichfalls in den Tiegel. Das Filter schneidet man
alsdann mittelst einer reinen Scheere ber dem Bogen Papier in 8 oder
10 Stckchen, erhitzt den Deckel des Tiegels ber der $Berzelius$'schen
Lampe zum Glhen und lsst eins der Filterstcke nach dem anderen darauf
verbrennen, indem man sie mit einer Pincette darauf legt, zuletzt giebt
man so lange gelinde Glhhitze, bis die letzte Spur Kohle verbrannt
ist. -- Ist der Tiegeldeckel gross und das Filter klein, so unterlsst
man das Zerschneiden des letzteren besser, faltet es nur zusammen und
verbrennt es so auf dem Deckel. Man stellt denselben alsdann auf einen
Porzellantiegel und deckt ein Becherglas darber.

Bei Niederschlgen, welche in dem Waschwasser nicht vllig unlslich
sind, wie z. B. das basisch phosphorsaure Bittererdeammon, in welchen
Fllen demnach das Filter von einer, wenn auch beraus verdnnten,
Salzlsung durchdrungen ist, gelingt ein ganz vollstndiges Einschern
oft erst nach langer Zeit. Man kann es beschleunigen, wenn man mittelst
eines glatten Platindrahtes oder eines dnnen Platinspatels die noch
kohligen Theile durch gelindes Aufdrcken mit dem glhenden Deckel in
innige Berhrung bringt. Ein gewisses Maass von Geduld ist brigens zu
dieser Operation immer erforderlich. Es braucht kaum erwhnt zu werden,
dass man sie an einem vor Zug geschtzten Ort vornehmen muss, denn
im anderen Falle wirbeln die halbverbrannten Filtertheilchen oft alle
pltzlich in die Hhe.

Ist dieses Einschern beendigt, so bringt man alle etwa auf den Bogen
Glanzpapier gefallenen Theilchen des Niederschlages mit Hlfe einer
kleinen glatt geschnittenen Federfahne in den Tiegel und glht den
Niederschlag so stark und lange als nthig. Man bedeckt den Tiegel
schliesslich mit seinem Deckel (wenn der oben angefhrte zweite Zweck
erreicht werden soll, natrlich in der Art, dass die Asche nicht in den
Tiegel kommt), glht noch einen Augenblick, lsst etwas abkhlen, bringt
noch heiss unter den Exsiccator und wgt nach dem Erkalten. --

Ist ein zu wgender Niederschlag von der Art, dass sich seine
Eigenschaften, z. B. seine Lslichkeit, durch Glhen wesentlich
ndern, und soll der Niederschlag nach dem Wgen theilweise noch im
ungeglhten Zustande verwendet werden, so kann man Trocknen und Glhen
in folgender Weise verbinden. Man sammelt den Niederschlag auf einem
bei 100 getrockneten Filter, trocknet ihn bei 100 und wgt (. 33).
Man schttet alsdann einen beliebigen Theil des Niederschlages in
einen gewogenen Tiegel, bestimmt erst seine Quantitt, dann seine
Gewichtsabnahme beim Glhen und berechnet dieselbe dann auf den ganzen
Niederschlag.


                                 . 37.

                         5. $Die Maassanalyse.$

Aus dem Frheren ergiebt sich, dass die quantitative Bestimmung eines
Krpers nach dem gewhnlichen Verfahren, wonach er durch Abdampfung oder
Fllung in eine wgbare Form bergefhrt wird, immerhin eine ziemlich
langwierige Arbeit ist, indem das Verdampfen, Absitzen, Filtriren,
Auswaschen, Trocknen, Glhen, Wgen smmtlich Operationen sind, welche
ziemlich viel Zeit in Anspruch nehmen.

Man wendet daher in neuerer Zeit, namentlich bei Gehaltsbestimmungen fr
technische Zwecke, hufig Verfahrungsweisen mit bestem Erfolge an, bei
denen alle oder fast alle diese Operationen vermieden werden, und die
daher in weit krzerer Zeit ausgefhrt werden knnen.

Das Princip dieser Methoden wird uns am besten durch einige Beispiele
klar.

Gesetzt, man hat sich eine Kochsalzlsung bereitet, welche in 100
Theilen 0,7307 Theile Chlornatrium enthlt, so ist man im Stande,
mit Hlfe derselben genau 1,3496 Grm. Silber aus seiner Lsung in
Salpetersure niederzuschlagen, denn das Aeq. des Chlornatriums ist
730,7, das des Silbers 1349,6. -- Wgt man nun 1,3496 einer Legirung ab,
welche aus Silber und Kupfer besteht und deren Silbergehalt unbekannt
ist, lst vorsichtig in Salpetersure und trpfelt von der obigen
Chlornatriumlsung genau so lange zu, bis alles Silber ausgefllt
ist, bis also ein weiterer Tropfen keinen Niederschlag mehr bewirkt,
so erfhrt man die Menge des Silbers einfach dadurch, dass man die
Quantitt der verbrauchten Chlornatriumlsung bestimmt. Htte man z. B.
80 Theile gebraucht, so wre der Silbergehalt der Legirung gleich 80
Proc.; denn da 100 Theile Chlornatriumlsung 1,3496 reines Silber, d. h.
100 procentiges ausfllen, so entspricht je ein Theil Chlornatriumlsung
einem Procent Silber.

Jod und Schwefelwasserstoff knnen bekanntlich nicht neben einander
bestehen, sie zerlegen sich sofort in S und Jodwasserstoff (J + SH = JH
+ S). Jodwasserstoff ist ohne Wirkung auf Strkekleister, whrend die
kleinste Spur freien Jods denselben blau frbt.

Bereitet man sich nun eine alkoholische Lsung, welche in 100 Theilen
7,463 Jod enthlt, so kann man mit einer solchen genau 1 Grm.
Schwefelwasserstoff zersetzen, denn

                       212,5 : 1586 = 1 : 7,463.

Denken wir uns jetzt eine Flssigkeit von unbekanntem
Schwefelwasserstoffgehalt; wir versetzen dieselbe mit ein wenig
Strkekleister und trpfeln von der beschriebenen Jodlsung zu, so wird
anfangs keine bleibende Frbung eintreten, so lange nmlich Jod und
Schwefelwasserstoff sich noch gegenseitig zersetzen, pltzlich aber wird
die Flssigkeit blau werden von gebildetem Jodamylum. Wir wissen jetzt,
dass aller Schwefelwasserstoff zersetzt ist, und finden dessen Menge
leicht aus der Quantitt der verbrauchten Jodlsung; denn da 100 Theile
1,00 Grm. Schwefelwasserstoff entsprechen, so entsprechen 50, welche
beispielsweise verbraucht sein sollen, 0,50 Schwefelwasserstoff.

Das Wesen dieser Verfahrungsweisen besteht also darin, dass man irgend
eine chemische Zersetzung vornimmt, deren Beendigung sich auf eine
augenfllige Art erkennen lsst, -- dass man diese Zersetzung ausfhrt
mit Hlfe einer Flssigkeit, deren Wirkungswerth aufs Genaueste bekannt
ist und zwar so, dass man die Menge der verbrauchten mit Genauigkeit
bestimmen kann.

Ob man diese Quantittsbestimmung durch Wgen oder Messen ausfhrt,
ist dabei an und fr sich ganz gleichgltig. Da man sie aber der
Zeitersparniss und Bequemlichkeit halber meistens durch Abmessen
bestimmt, so fasst man die Gesammtheit dieser Methoden in der Regel
unter dem Namen $Maassanalysen$ zusammen.

Die Ausfhrung derselben im Einzelnen wird unten besprochen werden; hier
will ich nur kurz hervorheben, von welchen Umstnden die Genauigkeit der
sogenannten Maassanalysen abhngt. Es sind dies folgende Punkte:

  a) Die Zersetzung, auf deren Vollfhrung die Analyse beruht, muss
      sich stets gleich bleiben; es muss somit z. B. ein sich bildender
     Niederschlag genau dieselbe Zusammensetzung haben, ob er sich
     nun anfangs, bei noch vorhandenem Vorwalten einer Substanz, oder
     zuletzt bildet, wo dies nicht mehr stattfindet.

  b) Die Beendigung der Zersetzung muss sich auf eine recht empfindliche,
     augenfllige und zweifellose Art zu erkennen geben.

  c) Die zersetzende Flssigkeit muss sich aufs Genaueste bereiten
     lassen, sei es nun, dass man eine abgewogene Menge einer Substanz
     von genau bekannter Beschaffenheit und Zusammensetzung in einem
     bestimmten Volumen Flssigkeit lst, -- sei es, dass man anfangs
     eine Lsung von nur annhernd bekannter Zusammensetzung herstellt,
     ihren Gehalt durch Versuche ermittelt und sie alsdann auf die
     gewnschte Verdnnung bringt. -- Hlt sich die einmal hergestellte
     Probeflssigkeit unverndert, so ist dies ein grosser Vorzug
     derselben; denn sonst ist man bei jeder Analyse genthigt, ihren
     Gehalt durch einen besonderen Versuch aufs Neue zu bestimmen.

  d) Die Quantittsbestimmung muss eine mglichst scharfe sein. Um in
     dieser Richtung das Mgliche zu leisten, stellt man sich bei
     genauen Maassanalysen ausser der eigentlichen Probeflssigkeit noch
     eine zehnmal verdnntere dar, indem man 1 Thl. der ersten mit 9
     Thln. Wasser, Weingeist oder dergl. mischt. Man vollbringt nun mit
     einer aufs Genaueste abgemessenen Menge der concentrirteren Lsung
     die Zersetzung nur beinahe und beendigt sie mit der verdnnteren.
     Man vermeidet so leicht nicht allein ein Zusetzen in zu grossem
     Ueberschuss, sondern gewinnt auch in Hinsicht auf genaues Messen.

  e) Die Zersetzung muss so stattfinden und geleitet werden, dass von
     dem wirkenden oder gegenwirkenden Agens nichts verloren geht.

                   *       *       *       *       *


                          $Zweiter Abschnitt.$

                           $Die Reagentien.$

                                 . 38.

Hinsichtlich dessen, was von den Reagentien im Allgemeinen zu sagen
ist, verweise ich auf das in meiner "Anleitung zur qualitativen
Analyse" dem gleichnamigen Abschnitte Vorausgeschickte. Hier sollen nur
die zur Gewichtsbestimmung oder Trennung der Krper hauptschlich in
Anwendung kommenden chemischen Substanzen mit Angabe ihrer Darstellung
und Prfung, sowie mit Hervorhebung der wichtigsten Zwecke, zu denen
sie dienen, aufgefhrt werden. -- Da die meisten derselben auch bei
der qualitativen Analyse in Anwendung kommen und demnach in Bezug auf
die angefhrten Punkte bereits abgehandelt sind, so gengt es bei
sehr vielen derselben, nur die Namen zu nennen. -- Wir behalten die
bei der qualitativen Analyse aufgestellte Eintheilung der Reagentien
zur Erleichterung der Uebersicht auch hier bei, wenngleich die
Mangelhaftigkeit dieser wie jeder anderen Eintheilung der Reagentien
leicht in die Augen fllt. -- Solche Reagentien, welche -- wie z. B. die
bei Maassanalysen nthigen Probeflssigkeiten -- bloss zu einem ganz
speciellen Zwecke dienen, werden auch in Bezug auf ihre Bereitung und
Prfung erst da besprochen, wo von ihrer Anwendung die Rede ist.


                    A. $Reagentien auf nassem Wege.$

                      I. $Allgemeine Reagentien.$

  a. Solche, welche vorzugsweise als einfache Lsungsmittel gebraucht
                                werden.

                                 . 39.

      1. $Destillirtes Wasser$ (s. qual. An.).

Man sehe wohl darauf, dass es hinlnglich rein sei. -- Aus Glasgefssen
destillirtes Wasser ist zu manchen Zwecken, z. B. zur genauen Bestimmung
der Lslichkeit schwer lslicher Substanzen, nicht anwendbar, indem es
beim Abdampfen ein wenig Rckstand hinterlsst (vergl. Vers. Nr. 5).
Zu manchen Anwendungen muss das Wasser durch Auskochen von Luft und
Kohlensure befreit werden.

      2. $Alkohol$ (s. qual. An.).

Man bedarf sowohl absoluten Alkohols, als auch wasserhaltigen
Weingeistes von verschiedener Strke.

      3. $Aether.$

Man kann den gewhnlichen officinellen Aether geradezu gebrauchen. --
Er findet als Lsungsmittel hchst beschrnkte Anwendung. Hufiger wird
er dem Weingeist zugemischt, um dessen Auflsungsfhigkeit fr gewisse
Krper (z. B. Platinsalmiak) zu vermindern.


  b. Solche, welche vorzugsweise als chemische Lsungsmittel gebraucht
                                werden.

                                 . 40.

      1. $Chlorwasserstoffsure$ (s. qual. An.).

Zu den meisten Zwecken gengt eine Sure von 1,12 specif. Gew., -- in
manchen Fllen bedarf man einer strkeren.

      2. $Salpetersure$ (s. qual. An.).

Zu den meisten Zwecken gengt eine Sure von 1,2 specif. Gew.

      3. $Salpetrige Salpetersure$ (rothe rauchende Salpetersure)

_Bereitung._ Man bringt in eine gerumige Retorte 2 Theile reinen,
trocknen Salpeter, giesst durch den Tubulus, oder (sofern man eine nicht
tubulirte Retorte genommen hat) mittelst eines langen, unten gebogenen
Trichterrohrs durch den Hals derselben, vorsichtig, und so, dass dieser
nicht beschmutzt wird, 1 Thl. Schwefelsurehydrat darauf, verbindet
die in ein Sandbad eingesetzte Retorte, nicht vllig luftdicht, mit
einer Vorlage und destillirt bei allmlig verstrktem Feuer und gut
abgekhlter Vorlage bis zur Trockne.

_Prfung._ Die rothe rauchende Salpetersure muss mglichst concentrirt
und vllig frei von Schwefelsure sein.

_Anwendung._ Sie dient als krftiges Oxydations- und Auflsungsmittel,
namentlich zur Ueberfhrung des Schwefels und der Schwefelmetalle in
Schwefelsure und schwefelsaure Salze.

      4. $Knigswasser$ (s. qual. An.).

      5. $Essigsure$ (s. qual. An.).

      6. $Chlorammonium$ (s. qual. An.).


    c. Solche, welche vorzugsweise zur Abscheidung von Krpergruppen
         dienen, oder berhaupt allgemeinere Anwendung finden.

                                 . 41.

      1. $Schwefelsure.$

a. $Chemisch reine concentrirte.$

_Bereitung._ Man bringe in eine, mit einem Teige von Lehm und Kuhhaaren
beschlagene, Glasretorte 3 oder 4 Pfund englische Schwefelsure, werfe
einen zusammengewickelten Platindraht oder einige Platinschnitzel
hinein, setze sie tief in einen mit einer Kuppel zu bedeckenden
Windofen, senke ihren Hals bis in den Bauch einer Vorlage, ohne zu
lutiren, und erhitze alsdann den Inhalt der Retorte zum Kochen, indem
man sie allmlig mit bereits glhenden Kohlen umgiebt. Man regulirt
im Verlauf der Operation das Feuer so, dass die Retorte hauptschlich
von oben und neben und weniger von unten erhitzt wird. Verfhrt man
genau nach der angegebenen Vorschrift, so geht die Destillation
ruhig und gefahrlos von Statten. Die zuerst bergehende Sure ist
salpetersurehaltig. Man wechselt daher zur Gewinnung vllig reiner
Sure nach einiger Zeit die Vorlage und destillirt alsdann, bis etwa
3/4 der angewendeten Sure bergegangen sind. -- Zieht man es vor,
die Retorte im Sandbade zu erhitzen, so setzt man sie in der Art ein,
dass auf dem Boden der Kapelle sich viel Sand befindet, zwischen den
Wnden der Retorte und der Kapelle dagegen nur ein kleiner Zwischenraum
vorhanden ist. Man berschttet die Retorte alsdann mit Sand, giebt
dem Halse eine mglichst geneigte Lage und destillirt wie oben. Man
kann auf diese letztere Art 10 Pfund Schwefelsure und mehr ohne Gefahr
destilliren.

_Prfung._ Die reine Schwefelsure darf, in einem reinen Platingefsse
verdampft, keinen Rckstand lassen; wegen weiterer Prfung s. qual. An.

b. $Gewhnliche englische Schwefelsure.$

c. $Verdnnte Schwefelsure$, aus 1 Thl. concentrirter (je nach
Umstnden reiner oder gewhnlicher) Sure und 5 Thln. Wasser zu bereiten.

Die mannigfachen Zwecke, zu denen die Schwefelsure in der Analyse
angewendet wird, sind bereits in der qual. An. angefhrt.

Ob man sich der reinen Sure bedienen msse, oder ob auch unreine
genommen werden knne, lehrt die Betrachtung der Umstnde in jedem
einzelnen Falle leicht.

      2. $Schwefelwasserstoff.$

a. $Schwefelwasserstoffgas.$ Dasselbe wird, bei seltnerem Gebrauche
und wenn nur verhltnissmssig geringe Mengen verwendet werden, in den
Apparaten dargestellt, welche in der Anl. zur qual. An. angegeben und
abgebildet sind (das Rhrchen von vulcanisirtem Kautschuk _c_ in Fig. 8
ersetzt man zweckmssig durch einen kleinen messingenen Gashahn, welcher
durch Rhrchen von vulcanisirtem Kautschuk mit den Glasrhren verbunden
wird). Fr grssere Laboratorien dagegen oder fr diejenigen Chemiker,
welche oft und viel mit Schwefelwasserstoff zu fllen haben, empfehle
ich den von mir neu construirten Apparat von Blei, welchen ich in meinem
Laboratorium mit dem besten Erfolge anwende[5].

  [5] Derselbe ist von Herrn Mechanicus $Stumpf$ in Wiesbaden
      verfertigt und entspricht sowohl in Hinsicht auf vortreffliche
      Arbeit wie auf mssigen Preis allen billigen Anforderungen.

_abcd_ und _efgh_ sind zwei gleich grosse cylindrische Gefsse von Blei,
mit reinem Blei gelthet. (Bei meinem Apparat betrgt der Durchmesser
30, die Hhe 33 Cm.), _i_ ist ein Siebboden von Blei, welcher 4-5 Cm.
vom wahren Boden entfernt ist und auf Bleifssen ruht, die ihn sowohl an
den Seiten, als namentlich auch in der Mitte sttzen. Die zahlreichen
Lcher im Siebboden haben einen Durchmesser von 1-1/2 Millimeter. Bei
_k_ befindet sich die Oeffnung zum Einfllen des Schwefeleisens. Sie
hat bei meinem Apparat einen Durchmesser von 7 Cm. und wird dadurch
verschlossen, dass auf den breit abgedrehten Rand eine gefettete
Lederscheibe und auf diese der breite Rand des glatt abgedrehten Deckels
mittelst dreier Flgelschrauben von Eisen oder Messing aufgepresst
wird. _l_ stellt die Oeffnung zum Ablassen der Eisenvitriollsung dar.
Man erkennt aus der Zeichnung, dass dieselbe an einer etwas vertieften
Stelle des Bodens _gh_ angebracht ist. Die Oeffnung hat im Durchmesser
3 Cm. Sie wird dadurch geschlossen, dass auf ihren glatt abgedrehten
breiten Bleirand ein glatt abgedrehter breiter und dicker Bleideckel
mittelst einer Flgelschraube aufgepresst wird. Der Bgel, in welchem
deren Mutter sitzt, ist beweglich und schlgt sich so herunter, dass
derselbe von dem Strome der ausfliessenden Flssigkeit beim Entleeren
derselben nicht getroffen wird. Die Einrichtung des Fllrohrs _m_
ergiebt sich aus der Zeichnung, ebenso die des Rohres _dh_, welches
bestimmt ist, die Sure aus dem oberen Gefsse in das untere und aus
diesem in jenes zu fhren. -- Man beachte, dass sie in die vertiefte
Stelle des Bodens _gh_ ragt, aber nicht ganz auf dem Boden aufsteht.
Das Rohr _ce_ ist oben verschlossen und communicirt somit in keiner Art
mit dem oberen Gefsse. Es ist bestimmt, das in _efgh_ entwickelte Gas
durchzulassen und zu dem Ende mit dem durch den Hahn _n_ abschliessbaren
Seitenrohre _o_ versehen. Das Rohr _q_ ist unten und oben verschlossen
und dient nur als Trger. Die Rhren an meinem Apparat haben 16 MM. im
Lichten.

[Illustration: Fig. 38.]

[Illustration: Fig. 39.]

Die Fllung geschieht auf folgende Art (die Quantitten beziehen sich
auf einen Apparat von den angegebenen Dimensionen): Man bringt durch die
Oeffnung _k_ 3,3 Kilogramm geschmolzenes Schwefeleisen in groben Stcken
auf den Siebboden _i_, verschraubt _k_ und _l_ sorgfltig, schliesst den
Hahn _n_ und giesst durch den Trichter von _m_ erst 7 Liter Wasser, dann
1 Liter concentrirte englische Schwefelsure, endlich nochmals 7 Liter
Wasser. Die in _abcd_ enthaltene Luft entweicht bei dem Einfllen durch
_p_, auch wenn dies schon mit den Flaschen _r_, _s_, _t_ verbunden ist.

Oeffnet man jetzt den Hahn _n_ und einen der Hhne _u_, so fliesst die
Sure durch das Rohr _dh_ nach _efgh_. Aus _o_ entweicht anfangs Luft,
spter Schwefelwasserstoffgas. Wie man aus der Figur ersieht, biegt sich
das Rohr _o_ bald und geht wagerecht weiter. Man bringt an demselben nun
so viel Hhne _uu_ an, als man will. Die Hhne sind gewhnliche, gut
eingeschliffene messingene Gashhne. Man verbindet sie mit einer kleinen
Waschflasche. An dem aus dieser ausfhrenden Glasrohre bringt man bei
_v_ ein vulcanisirtes Kautschukrhrchen an, auf dass das Glasrohr,
welches in die zu fllende Flssigkeit reicht, gerade sein kann, wodurch
dessen Reinigung sehr erleichtert wird. Dreht man nun einen der Hhne
_u_ auf (der Haupthahn _n_ muss natrlich auch geffnet sein), so erhlt
man tagelang einen ganz constant bleibenden Gasstrom in jeder beliebigen
Strke. Schliesst man die Hhne _u_ alle, so drckt das in _efgh_
entwickelte Gas die Sure durch _hd_ hinauf und die Entwickelung hrt
auf.

[Illustration: Fig. 40.]

[Illustration: Fig. 41.]

Letzteres geschieht jedoch nicht momentan, denn das Schwefeleisen ist
noch mit Sure befeuchtet, auch lsen sich immer kleine Partikelchen
desselben ab, fallen durch das Sieb und bleiben so mit dem Rest der
Sure in Berhrung, welcher den Boden _gh_ befeuchtet. Da nun durch
_o_ kein Gas mehr entweichen kann, so drckt das Gas die Flssigkeit
in _hd_ in die Hhe, gluckt durch die in _abcd_ enthaltene Sure und
entweicht durch _p_. Damit nun dieses Gas nicht verloren geht und
die Luft verpestet, sind die Flaschen _r_, _s_, _t_ angebracht, _r_
enthlt Baumwolle und vertritt die Stelle einer Waschflasche (aus
einer gewhnlichen mit Wasser gefllten wrde das Wasser sehr bald
zurcksteigen), _s_ und _t_ sind mit Salmiakgeist gefllt, doch nur so
weit, dass dessen Menge sowohl von _s_ wie von _t_ vllig aufgenommen
werden kann; denn bei dem bald vorhandenen, bald nachlassenden Gasdruck
steigt die Flssigkeit bald von _s_ nach _t_, bald wieder von _t_ nach
_s_. Man erkennt, dass man in diesen Flaschen nebenbei Schwefelammonium
erhlt.

Hrt die Gasentwickelung endlich auf, so ist die Sure verbraucht, nicht
aber das Schwefeleisen, denn dieses reicht fr die doppelte Suremenge
hin. Man lsst daher die Eisenvitriollsung ab und fllt Wasser und
Sure ein, wie oben angegeben.

b. $Schwefelwasserstoffwasser$ (s. qual. An.).

      3. $Schwefelwasserstoff-Schwefelammonium$ (s. qual. An.).

      4. $Schwefelwasserstoff-Schwefelnatrium$ (s. qual. An.).

      5. $Kali und Natron$ (s. qual. An.).

Man kommt in den Fall, die drei Sorten der dort angegebenen Aetzlaugen
zu gebrauchen, d. h. gewhnliche Natronlauge, mit Alkohol gereinigtes
und mit Baryt bereitetes Kalihydrat.

      6. $Kohlensaures Natron$ (s. qual. An.).

Man gebraucht es sowohl in Lsung, wie auch in reinen Krystallen.
Letztere wendet man an, wenn man in einer Flssigkeit einen
Sureberschuss abstumpfen will, ohne sie allzusehr zu verdnnen.

      7. $Ammon$ (s. qual. An.).

      8. $Kohlensaures Ammon$ (s. qual. An.).

      9. $Chlorbaryum$ (s. qual. An.).

     10. $Salpetersaurer Baryt$ (s. qual. An.).

     11. $Cyankalium$ (s. qual. An.).

Es dient in der quantitativen Analyse in ausgedehnter Weise zur
Scheidung der Metalle von einander. -- Die erforderliche wsserige
Lsung bereitet man sich erst vor dem jedesmaligen Gebrauche.

     12. $Salpetersaures Silberoxyd$ (s. qual. An.).

     13. $Chlor$ (s. qual. An.).


              II. $Besondere Reagentien auf nassem Wege.$

     a. Solche, welche vorzugsweise zur Bestimmung oder Abscheidung
                        einzelner Basen dienen.

                                 . 42.

      1. $Phosphorsaures Ammon.$

_Bereitung._ Man versetzt reine aus Phosphor dargestellte verdnnte
Phosphorsure von 1,13 specif. Gew. (officinelle Phosphorsure) mit der
gleichen Menge Wasser, fgt reines Ammon zu bis zur stark alkalischen
Reaction, lsst lngere Zeit stehen, filtrirt, wenn nthig, und hebt zum
Gebrauche auf.

Das phosphorsaure Ammon sei frei von Arseniksure, Salpetersure und
Schwefelsure, namentlich aber von Kali oder Natron. Um es in letzterer
Beziehung zu prfen, setzt man so lange reine Bleizuckerlsung zu, als
noch ein Niederschlag entsteht, filtrirt, fllt den Bleiberschuss mit
Schwefelwasserstoff, filtrirt, verdampft zur Trockne und glht. Bleibt
ein in Wasser lslicher, alkalisch reagirender Rckstand, so war Kali
oder Natron zugegen.

In den meisten Fllen kann statt des phosphorsauren Ammons
phosphorsaures Natron (s. qual. An.) angewendet werden.

      2. $Oxalsaures Ammon$ (s. qual. An.).

      3. $Bernsteinsaures Ammon.$

_Bereitung._ Man sttigt, durch Umkrystallisiren aus Salpetersure
gereinigte, Bernsteinsure mit verdnntem Ammon mglichst genau, in der
Art, dass die Reaction eher ein wenig alkalisch, als sauer ist.

_Anwendung._ Es dient zuweilen zur Fllung des Eisenoxyds bei
Scheidungen.

      4. $Barytwasser$ (s. qual. An.).

      5. $Kohlensaurer Baryt$ (s. qual. An.).

      6. $Schwefelsaures Eisenoxydul$ (s. qual. An.).

      7. $Quecksilberoxyd$ (s. qual. An.).

Es dient in der quantitativen Analyse namentlich zur Zerlegung des
Chlormagnesiums, behufs der Trennung der Magnesia von den Alkalien. Es
darf beim Glhen keinen Rckstand lassen.

      8. $Quecksilberchlorid$ (s. qual. An.).

      9. $Zinnchlorr$ (s. qual. An.).

     10. $Goldchlorid$ (s. qual. An.).

     11. $Platinchlorid$ (s. qual. An.).

     12. $Kieselfluorwasserstoffsure$ (s. qual. An.).

     13. $Weinsteinsure$ (s. qual. An.).

     14. $Schwefligsaures Natron$ (s. qual. An.).

     15. $Kupfer.$

_Darstellung._ Das im Handel vorkommende Kupfer ist (mit Ausnahme
des japanischen, welches man nicht immer haben kann) zu analytischen
Zwecken hufig nicht rein genug. Man stellt sich daher das reine Kupfer
am besten selbst dar, und zwar nach $Fuchs$ am bequemsten, indem man
Kupfervitriollsung durch blankes Eisen fllt, das niedergeschlagene
Kupfer durch Auskochen mit Salzsure von Eisen befreit, wscht, trocknet
und zusammenschmilzt. Den erhaltenen Regulus lsst man zu dnnem Blech
auswalzen.

_Prfung._ Reines Kupfer muss sich in Salpetersure klar lsen, die
Lsung darf nach Zusatz von berschssigem Ammon auch nach lngerem
Stehen keinen Niederschlag (Eisen, Blei etc.), eben so wenig durch
Salzsure eine Trbung (Silber) geben. Schwefelwasserstoff muss daraus
alles Fixe vollstndig ausfllen.

_Anwendung._ Es dient in einigen Fllen zur indirecten Analyse, so zur
Bestimmung des Kupfergehaltes einer Flssigkeit, zur Bestimmung des
Eisenoxyduls neben Eisenoxyd etc.


     b. Solche, welche vorzugsweise zur Bestimmung oder Abscheidung
                        einzelner Suren dienen.

                                 . 43.

      1. $Essigsaures Natron$ (s. qual. An.).

      2. $Molybdnsaures Ammon.$

_Darstellung._ Man lst ein Theil Molybdnsure, deren Bereitung in
der Anl. zur qual. An. beschrieben ist, in 8 Thln. Ammon und fgt
30 Thle. Salpetersure zu. Die klare Flssigkeit bewahrt man in wohl
verschlossenem Glase zum Gebrauche auf.

_Anwendung._ Das mit Salpetersure bersttigte molybdnsaure Ammon
dient in einigen schwierigeren Fllen zur Abscheidung der Phosphorsure.

      3. $Chlorcalcium$ (s. qual. An.).

      4. $Fluorcalcium.$

Man gebraucht dasselbe in der quantitativen Analyse erstlich zur
Austreibung und Bestimmung der Borsure. Zu diesem Zwecke kann nur
vllig reiner, kieselsurefreier Flussspath (wie der von Derbyshire)
angewendet werden. Ausserdem braucht man unreineren Flussspath zur
Entwicklung von Fluorwasserstoffsure behufs der Zerlegung von Silicaten.

_Prfung._ Man berzeugt sich im Zweifelsfalle am sichersten von
der Reinheit des Flussspathes durch eine Analyse desselben, d. h.
durch wiederholte Behandlung einer gewogenen Menge des hchst fein
gepulverten Flussspathes mit reiner concentrirter Schwefelsure in einem
Platintiegel bei gelinder, allmlig zum Glhen gesteigerter Hitze, bis
das Gewicht des Rckstandes constant bleibt. Erhlt man die berechnete
Menge Gyps, so ist der Flussspath rein.

      5. $Schwefelsaure Magnesia$ (s. qual. An.).

      6. $Eisenchlorid$ (s. qual. An.).

      7. $Bleioxyd.$

Man fllt reines salpetersaures oder essigsaures Bleioxyd mit
kohlensaurem Ammon, wscht den Niederschlag aus, trocknet und glht ihn
bis zu vollstndiger Zersetzung gelinde.

Das Bleioxyd wird fters angewendet, um eine Sure in der Art zu
fixiren, dass sie auch in der Glhhitze nicht ausgetrieben wird.

      8. $Neutrales essigsaures Bleioxyd$ (s. qual. An.).

      9. $Natrium-Palladiumchlorr$ (s. qual. An.).


                   B. $Reagentien auf trocknem Wege.$

                                 . 44.

      1. $Kohlensaures Natron$ (s. qual. An.).

      2. $Kohlensaures Natron-Kali$ (s. qual. An.).

      3. $Barythydrat$ (s. qual. An.).

      4. $Saures schwefelsaures Kali.$

_Bereitung._ Man rhrt 87 Thle. neutrales schwefelsaures Kali
(Bereit. s. qual. An.) in einem Platintiegel mit 49 Thln. reinem
Schwefelsurehydrat zusammen, erhitzt zum gelinden Glhen, bis die Masse
gleichfrmig und wasserhell fliesst, giesst sie sodann in eine in kaltem
Wasser stehende Platinschale, einen Porzellanscherben oder dergl. aus,
zerschlgt sie und bewahrt sie zum Gebrauche auf.

_Anwendung._ Dient zum Aufschliessen einiger in der Natur vorkommender
Thonerde- und Chromoxydverbindungen. Zum Reinigen der Platintiegel
bedient man sich des weniger reinen Salzes, welches man bei der
Darstellung der gewhnlichen Salpetersure als Nebenproduct gewinnt.

      5. $Salpetersaures Kali$ (s. qual. An.).

      6. $Salpetersaures Natron$ (s. qual. An.).

      7. $Kohlensaures Ammon$ (festes).

_Bereitung_ s. qual. An. -- Es dient zur Ueberfhrung der sauren
schwefelsauren Alkalien in neutrale. Man achte wohl darauf, dass es beim
Erhitzen in einem Platinschlchen sich ganz vollstndig verflchtigen
muss.

      8. $Borax$ (geschmolzener).

Man erwrme krystallisirten Borax (Bereit. s. qual. An.) in einer
Platin- oder Porzellanschale, bis er sich nicht mehr weiter aufblht,
zerreibe die lockere Masse und erhitze das Pulver in einem Platintiegel,
bis es zu einer klaren Masse geschmolzen ist. Man giesse die zhflssige
auf einen Porzellanscherben aus. Besser schmelzt man den Borax in einem
Netz von Platindraht, indem man die Flamme des Gasgeblses darauf
richtet. Die Tropfen sammelt man in einer Platinschale. Das Boraxglas
bewahre man in einem gut verschlossenen Glase auf.

_Anwendung._ Es dient zur Austreibung der Kohlensure und anderer
flchtiger Suren in der Glhhitze.

      9. $Wasserstoffgas.$

_Bereitung._ Man entwickelt dasselbe aus granulirtem Zink mit verdnnter
Schwefelsure. -- Vllig rein wird es erhalten, wenn man es zuerst durch
eine lange Glasrhre, welche mit Sublimatlsung getrnkte Baumwolle
enthlt, dann durch Kalilauge, endlich durch Schwefelsurehydrat
streichen lsst. Eine solche Reinigung ist jedoch in den meisten Fllen
nicht erforderlich, sondern es gengt, das Gas, indem man es durch
Schwefelsure oder durch ein Chlorcalciumrohr leitet, zu trocknen.

_Prfung._ Reines Wasserstoffgas ist geruchlos. Es muss mit farbloser,
nicht leuchtender Flamme brennen. Die Flamme darf, durch eine
hineingehaltene Porzellanschale abgekhlt, auf diese Nichts, als reines
(nicht sauer reagirendes) Wasser absetzen.

_Anwendung._ Das Wasserstoffgas findet ziemlich hufige Anwendung zur
Ueberfhrung von Oxyden, Chloriden, Sulphiden etc. in Metalle.

     10. $Chlor.$

_Darstellung_ s. qual. An. -- Man reinigt und trocknet das Chlorgas,
indem man es durch eine, concentrirte Schwefelsure enthaltende,
Waschflasche (wohl auch noch durch ein Chlorcalciumrohr) streichen lsst.

_Anwendung._ Es dient hauptschlich zur Erzeugung von Chloriden und
somit zur Trennung der flchtigen von den nichtflchtigen; ferner zur
Austreibung und indirecten Bestimmung des Broms und Jods.


           C. $Reagentien zur organischen Elementaranalyse.$

                                 . 45.

      1. $Kupferoxyd.$

_Bereitung._ Man rhrt in einer Porzellanschale reinen
Kupferhammerschlag mit reiner Salpetersure zu einem dicken Brei an,
erwrmt, nach vorbergegangenem Aufbrausen, auf dem Sandbade gelinde und
lsst auf demselben vllig eintrocknen. Man nimmt alsdann das erhaltene
grne basische Salz heraus und erhitzt es in einem hessischen Tiegel
bei mssiger Rothglhhitze, bis keine Dmpfe von Untersalpetersure
mehr entweichen, wovon man sich schon durch den Geruch, genauer aber
auf die Art berzeugt, dass man eine herausgenommene Probe in einem mit
dem Finger verschlossenen Probecylinder zum Glhen erhitzt und dann
der Lnge nach hindurchsieht. -- Die gleichmssigere Zersetzung des im
Tiegel befindlichen Salzes wird befrdert, wenn man dasselbe von Zeit
zu Zeit mit einem heissen Glasstabe umrhrt. -- Nachdem der Tiegel
halb erkaltet ist, fhrt man das zusammengebackene Oxyd in ein mssig
feines Pulver ber, indem man es in einem Messing- oder Porzellanmrser
zerreibt und durch ein Blechsieb schlgt, und bewahrt es in einem wohl
verschlossenen Glase zum Gebrauche auf. Es ist zu empfehlen, einen
kleinen Theil des Oxyds im Tiegel zu lassen und denselben von Neuem
einer mglichst heftigen Hitze auszusetzen. Man hebt diesen Theil
besonders auf. Er wird nicht fein zerrieben, sondern nur zu kleinen
Stckchen zerklopft.

_Prfung._ Das Kupferoxyd muss ein dichtes, schweres, tief
schwarzes, sandig anzufhlendes Pulver darstellen, beim Glhen keine
Untersalpetersure oder (durch eingemengte Kohlentheilchen oder Staub
bedingt) Kohlensure liefern und an Wasser Nichts abgeben. -- Das
heftig geglhte Oxyd sei hart und grauschwarz.

_Anwendung._ Das Kupferoxyd dient zur Oxydation des Kohlenstoffs und
Wasserstoffs der organischen Substanzen. Es wird dabei, indem es je
nach den Umstnden seinen Sauerstoff theilweise oder ganz verliert, zu
Oxydul oder Metall reducirt. Das heftig geglhte ist bei Analysen von
flchtigen Flssigkeiten von grossem Nutzen.

NB. Das gebrauchte Kupferoxyd wird wieder brauchbar gemacht, indem man
es von Neuem mit Salpetersure oxydirt etc. Enthlt es alkalische Salze,
so digerirt man es zuvor mit ganz verdnnter kalter Salpetersure und
wscht es alsdann mit Wasser aus.

      2. $Chromsaures Bleioxyd.$

_Bereitung._ Man fllt eine, mit Essigsure ein wenig sauer gemachte,
klar filtrirte Lsung von Bleizucker mit saurem chromsaurem Kali,
so dass dieses gelinde vorwaltet, wscht den Niederschlag durch
Decantation, zuletzt auf einem leinenen Seihetuche $vollstndig$ aus,
trocknet ihn, fllt ihn in einen hessischen Tiegel und erhitzt diesen
zum lebhaften Glhen, bis die Masse geschmolzen ist. Man giesst dieselbe
auf eine Stein- oder Eisenplatte aus, zerstsst, zerreibt, siebt durch
ein feines Blechsieb und hebt das ziemlich feine Pulver zum Gebrauche
auf.

_Prfung._ Das chromsaure Bleioxyd stellt ein schmutzig gelbbraunes,
schweres Pulver dar. Es darf beim Glhen keine Kohlensure entwickeln
(sonst enthlt es organische Materien, Staub etc. beigemischt), an
Wasser darf es Nichts abgeben.

_Anwendung._ Das chromsaure Bleioxyd dient, ebenso wie das Kupferoxyd,
zur Verbrennung organischer Substanzen. Es geht dabei in Chromoxyd und
basisch chromsaures Bleioxyd ber. Dieselbe Zersetzung erleidet es unter
Entwicklung von Sauerstoffgas, wenn es fr sich ber seinen Schmelzpunkt
hinaus erhitzt wird. Der Umstand, dass das chromsaure Bleioxyd in
der Glhhitze schmilzt, bedingt, dass es bei schwer verbrennlichen
Substanzen als Oxydationsmittel dem Kupferoxyde vorzuziehen ist.

NB. Einmal gebrauchtes chromsaures Bleioxyd lsst sich ohne Anstand zum
zweiten Male anwenden. Man schmelzt es zu diesem Behufe (wenn nthig,
nach vorhergegangenem Auswaschen) von Neuem und verfhrt wie oben.

      3. $Chlorsaures Kali.$

Das kufliche ist hinlnglich rein. Man erhitzt es in einem Platin- oder
Porzellanschlchen bis eben zum vollstndigen Schmelzen, giesst die
geschmolzene Masse auf einen Porzellanscherben aus, zerschlgt sie noch
heiss in kleine Stckchen und bewahrt diese in einem wohlverschlossenen
Glase zum Gebrauche auf.

_Anwendung._ Das chlorsaure Kali dient, da es in der Hitze seinen
gesammten Sauerstoff abgiebt, zur vollstndigen Oxydation schwer
verbrennlicher organischer Krper. Wie es zu diesem Behufe angewendet
wird, siehe unten.

      4. $Natron-Kalk.$

_Bereitung._ Man stellt sich zuerst auf die in der Anl. zur qual. An.
angegebene Art aus kuflichem krystallisirten kohlensauren Natron
Natronlauge dar, ermittelt ihr specif. Gew., lscht mit einer gewogenen
Quantitt besten kaustischen Kalk und zwar eine solche Menge, dass auf
1 Theil in der verbrauchten Lauge enthaltenen Natronhydrats 2 Theile
wasserfreier Aetzkalk kommen, verdampft in einem eisernen Gefsse zur
Trockne, erhitzt den Rckstand in einem hessischen Tiegel, erhlt einige
Zeit im schwachen Glhen, zerreibt die noch warme Masse zu ziemlich
feinem Pulver und hebt dies in einem wohlverschlossenen Glase auf.

_Prfung._ Der Natron-Kalk darf, mit berschssiger Salzsure
bergossen, nicht zu sehr brausen, und namentlich, mit reinem Zucker
gemischt und zum Glhen erhitzt, kein Ammoniak entwickeln.

_Anwendung._ Er dient zur Analyse der stickstoffhaltigen organischen
Krper. Die Theorie der Einwirkung auf dieselben wird unten erklrt
werden.

      5. $Doppelt-kohlensaures Natron.$

Bei einer Methode der organischen Elementaranalyse stickstoffhaltiger
Krper dient das doppelt-kohlensaure Natron zur Entwicklung der
Kohlensure, mittelst welcher die atmosphrische Luft aus der
Verbrennungsrhre ausgetrieben wird. Das kufliche ist hierzu vollkommen
gut. Man sorge, dass es hinlnglich trocken sei.

      6. $Metallisches Kupfer.$

Es dient bei der Analyse stickstoffhaltiger Krper zur Reduction etwa
gebildeten Stickoxydgases.

Man wendet dasselbe entweder in der Form von Drehspnen, in der
dichter Drahtspiralen oder in der kleiner aus dnnem Kupferblech
dargestellter Rollen an. -- Den Spiralen oder Rollen giebt man eine
Lnge von 7-10 Cm. und macht sie so dick, dass sie sich eben in die
Verbrennungsrhre einschieben lassen. -- Um das metallische Kupfer
vollkommen frei von Staub, Oxydberzug und dergl. zu erhalten, glht
man es zuerst an der Luft in einem Tiegel, bis seine Oberflche oxydirt
ist, fllt es alsdann in eine Glas- oder Porzellanrhre, leitet einen
ununterbrochenen Strom von trocknem Wasserstoffgas darber und erhitzt,
wenn alle atmosphrische Luft aus dem Entwickelungsapparat und der
Rhre vertrieben ist, diese ihrer ganzen Lnge nach zum Glhen. Erhitzt
man frher, so explodirt der Apparat, je nach Umstnden, ganz oder
theilweise.

      7. $Kali.$

a. $Kalilauge.$

Man bereitet sich nach der in der Anl. zur qual. An. fr Natronlauge
angegebenen Weise aus gereinigter Potasche mit Hlfe von Kalkbrei
Kalilauge (auf 1 Thl. Potasche nimmt man 12 Thle. Wasser, -- Kalk sind
etwa 2/3 Thle. erforderlich; derselbe wird mit seiner dreifachen Menge
warmen Wassers zum Brei gelscht), dampft die klar decantirte bis zu
einem specifischen Gewichte von 1,27 bei raschem Feuer in einem eisernen
Kessel ab, giesst sie noch warm in eine Flasche, lsst sie bei gutem
Verschlusse derselben vllig absitzen, zieht die klare Lsung von dem
Bodensatze ab und hebt sie zum Gebrauche auf.

b. $Kalihydrat.$

Man bedient sich am einfachsten des in Form von Stngelchen vorkommenden
kuflichen Kalihydrates. -- Will man dasselbe selbst bereiten, so dampft
man die sub a. genannte Lauge in einem silbernen Kesselchen bei starkem
Feuer ein, bis das zurckbleibende, lig fliessende Hydrat als Ganzes in
weissen Nebeln zu verdampfen anfngt, giesst die geschmolzene Masse auf
eine reine Eisenplatte aus, zerschlgt sie in Stckchen und hebt diese
in wohlverschlossenem Glase zum Gebrauche auf.

_Anwendung._ Die Kalilauge dient zur Absorption und somit zur
Gewichtsbestimmung der Kohlensure. In manchen Fllen wird ausser dem
mit Kalilauge gefllten Apparate noch ein mit Kalihydrat angeflltes
Rohr zu Hlfe genommen.

      8. $Chlorcalcium.$

a. $Rohes geschmolzenes.$

_Bereitung._ Man digerirt den bei der Darstellung des Ammoniaks
erhaltenen, aus Chlorcalcium und Kalk bestehenden Rckstand mit warmem
Wasser, filtrirt, verdampft die Lsung in einem eisernen Kessel zur
Trockne, schmilzt den Rckstand in einem hessischen Tiegel, giesst die
geschmolzene Masse aus, zerschlgt dieselbe und bewahrt sie in gut
schliessenden Glsern.

b. $Gereinigtes abgedampftes.$

_Bereitung._ Man lst das in a. beschriebene rohe Chlorcalcium in
Wasser, filtrirt die Lsung, sttigt sie, sofern sie alkalisch reagirt,
mit ein paar Tropfen Salzsure, verdampft sie in einer Porzellanschale
zur Trockne und setzt den Rckstand einige Stunden lang im Sandbade
einer ziemlich starken Hitze (von etwa 200) aus. Die weisse porse
Masse, welche man auf diese Art erhlt, ist CaCl + 2 aq. --

_Anwendung._ Das rohe geschmolzene Chlorcalcium dient zum Trocknen
feuchter Gase, das gereinigte wendet man bei der Elementaranalyse zur
Absorption und Bestimmung des aus dem Wasserstoff entstandenen Wassers
an. Seine Lsung darf nicht alkalisch reagiren.

                   *       *       *       *       *


                          $Dritter Abschnitt.$

                Die Formen und Verbindungen der Krper,

   $in welchen sie von anderen abgeschieden, oder ihrem Gewichte nach
                           bestimmt werden.$

                                 . 46.

So wie qualitative Analysen nicht unternommen werden knnen, ehe
man das Verhalten der Krper zu den Reagentien kennt, so knnen
quantitative Analysen nicht mit Erfolg ausgefhrt werden, wenn man
nicht mit den Verbindungen genau bekannt ist, in welche man die
einzelnen Bestandtheile bringen will, um sie von anderen zu trennen
und ihrem Gewichte nach zu bestimmen. Eine solche genaue Bekanntschaft
erfordert aber, dass man erstens die Eigenschaften und zweitens die
Zusammensetzung der Verbindungen kennt. Unter den Eigenschaften sind
besonders ins Auge zu fassen: das Verhalten zu Lsungsmitteln, das
Verhalten an der Luft und das Verhalten beim Glhen. -- Im Allgemeinen
kann angenommen werden, dass eine Verbindung sich um so besser zur
Gewichtsbestimmung eignet, je unlslicher sie ist und je weniger sie
sich an der Luft oder in hherer Temperatur verndert. --

Die Zusammensetzung eines Krpers wird entweder in Procenten oder in
stchiometrischen Formeln ausgedrckt; die letzteren machen es mglich,
die Zusammensetzung der hufiger vorkommenden Verbindungen auf eine
leichte Weise im Gedchtnisse zu behalten. Im folgenden Abschnitte ist
die Zusammensetzung in der ersten Columne in Zeichen, in der zweiten in
Aequivalenten (O = 100), in der dritten in Aequivalenten (H = 1), in
der vierten in Procenten angegeben. -- Eine Verbindung eignet sich in
Betracht ihrer Zusammensetzung um so besser zur Gewichtsbestimmung eines
Krpers, je geringer die relative Menge des zu bestimmenden Krpers in
der Verbindung ist, weil alsdann jeder Operationsfehler, jeder Verlust,
jede Ungenauigkeit beim Wgen sich auf eine grssere Masse vertheilt,
und so der auf den zu bestimmenden Bestandtheil fallende Fehler um
so geringer wird. Es eignet sich also, abgesehen von allen sonstigen
Verhltnissen, Platinsalmiak besser zur Bestimmung des Stickstoffs,
als Salmiak, weil in 100 Theilen des ersteren nur 6,27, in 100 Theilen
Salmiak aber 26,2 Theile Stickstoff enthalten sind.

Denken wir uns eine stickstoffhaltige Substanz. Wir analysiren sie
und bekommen bei absolut genauer Arbeit aus 0,300 Grm. 1,000 Grm.
Platinsalmiak. -- 100 Platinsalmiak enthalten 6,27 Theile Stickstoff,
1,000 demnach 0,0627 Theile. Diese sind geliefert von 0,300 Substanz,
also enthalten 100 Theile derselben 20,90 Stickstoff.

Wir analysiren jetzt die Verbindung noch einmal und fhren den
Stickstoff in die Form von Salmiak ber. Bei absolut genauer Arbeit
erhalten wir von 0,300 Substanz 0,2394 Salmiak, entsprechend 0,0627
Stickstoff oder 20,90 Procent. -- Nehmen wir jetzt an, wir htten bei
jeder der beiden Operationen einen Verlust von 10 Milligrammen gehabt,
so werden wir im ersten Falle nicht 1,000 sondern 0,990 Platinsalmiak
bekommen = 0,062073 Stickstoff. Hieraus berechnet sich der Procentgehalt
der Substanz zu 20,69. Der Verlust betrgt sonach 20,90 weniger 20,69
= 0,21. Anstatt der oben angefhrten 0,2394 Salmiak werden wir nach
unserer Annahme nunmehr nur 0,2294 bekommen, entsprechend 0,0601
Stickstoff. Hieraus ergiebt sich als Procentgehalt der Substanz 20,03
und sonach als Verlust 0,87.

Der gleiche Fehler verursacht also in Bezug auf den Stickstoffgehalt im
einen Fall einen Verlust von 21/100; im anderen aber von 87/100 Procent.

Nachdem wir so allgemeinhin die Erfordernisse besprochen haben, welche
eine Verbindung haben muss, wenn sie sich zur Gewichtsbestimmung eignen
soll, gehen wir zu den betreffenden Verbindungen der einzelnen Krper
ber, fhren aber, wie natrlich, nicht alle und jede an, die mglicher
Weise zur Gewichtsbestimmung dienen knnten, sondern nur diejenigen,
welche dazu die geeignetsten sind, und die sonach in der Praxis allein
in Anwendung kommen. -- Der Natur der Sache nach werden die Verbindungen
bei der Beschreibung der usseren Form besonders in dem Zustande
ins Auge gefasst, in welchem man sie bei der Analyse erhlt. Bei
Aufzhlung der Eigenschaften wird auf die zu unserem besonderen Zwecke
wissenswrdigen und wichtigen ausschliessliche Rcksicht genommen.


     A. $Die Formen und Verbindungen der Basen, in welchen sie von
         anderen abgeschieden oder ihrem Gewichte nach bestimmt
                                werden.$

                       $Basen der ersten Gruppe.$

                                 . 47.

                               1. $Kali.$

Die Verbindungen, in welchen das Kali am zweckmssigsten gewogen wird,
sind:

$Schwefelsaures Kali, salpetersaures Kali, Chlorkalium,
Kaliumplatinchlorid.$

a. Das _schwefelsaure Kali_, welches bei ungestrter Krystallisation
meistens kleine, harte, geschoben vierseitige Prismen, oder auch doppelt
sechsseitige Pyramiden bildet, erhlt man bei der Analyse als weisse
Salzmasse. -- Es lst sich ziemlich leicht in Wasser, von reinem Alkohol
wird es so gut wie nicht, von Schwefelsure enthaltendem leichter
aufgenommen (Vers. Nr. 6). Pflanzenfarben verndert es nicht, an der
Luft ist es unvernderlich. Beim Erhitzen verknistern die Krystalle
unter Ausgabe von ein wenig (mechanisch eingeschlossen gewesenem)
Wasser. Waren sie lange getrocknet worden, so ist die Decrepitation
weniger heftig. In starker Glhhitze schmilzt das Salz ohne zu
verdampfen und ohne Zerlegung. -- Beim Glhen mit Salmiak geht das
schwefelsaure Kali unter Aufschumen in Chlorkalium ber und zwar bei
mehrmaliger Wiederholung vollstndig (H. $Rose$).

Zusammensetzung:

                    KO       588,86   47,11   54,08
                    SO_{3}   500,00   40,00   45,92
                            -----------------------
                            1088,86   87,11  100,00

Das saure schwefelsaure Kali (KO, SO_{3} + HO, SO_{3}), welches man
stets erhlt, wenn neutrales mit freier Schwefelsure zur Trockne
verdampft wird, ist schon in gelinder Hitze schmelzbar; es verliert
beim Glhen die Hlfte seiner Schwefelsure nebst dem basischen
Wasser, jedoch schwierig, und erst bei andauerndem und sehr heftigem
Glhen vollstndig. Wird es aber in einer Atmosphre von kohlensaurem
Ammon erhitzt (welche man auf die Weise leicht herstellt, dass man
wiederholt in den schwach glhenden Tiegel, in welchem sich das
doppeltschwefelsaure Kali befindet, Stckchen reines kohlensaures
Ammon wirft und den Deckel auflegt), so geht das saure Salz leicht und
schnell in das neutrale ber. Ist das zuvor leicht schmelzbare Salz bei
schwacher Rothglhhitze vllig starr und fest geworden, so ist die
Umwandlung beendigt.

b. Das _salpetersaure Kali_ krystallisirt gewhnlich in langen,
gestreiften Prismen. Bei der Analyse erhlt man es als weisse Salzmasse.
Es lst sich leicht in Wasser. In absolutem Alkohol ist es so gut wie
nicht, in Weingeist schwer lslich. -- Es verndert Pflanzenfarben
nicht, an der Luft ist es unvernderlich. -- Beim Erhitzen schmilzt es
noch weit unter der Rothglhhitze ohne Vernderung und Gewichtsverlust.
Bei strkerem Erhitzen geht es unter Ausgeben von Sauerstoff in
salpetrigsaures Kali und bei sehr heftigem Glhen unter Entwicklung von
Sauerstoff- und Stickgas in kaustisches Kali und Kaliumhyperoxyd ber.
Beim Glhen mit Salmiak geht es leicht und vollstndig in Chlorcalcium
ber.

Zusammensetzung:

                     KO      588,86   47,11   46,59
                     NO_{5}  675,06   54,00   53,41
                            -----------------------
                            1263,92  101,11  100,00

c. Das _Chlorkalium_ krystallisirt in, oft sulenfrmig verlngerten,
Wrfeln, selten in Octadern; bei der Analyse erhlt man es entweder
in der ersten Form oder als gestaltlose Masse. Es lst sich leicht in
Wasser. In absolutem Alkohol ist es kaum, in Weingeist ziemlich schwer
lslich. Gegen Pflanzenfarben verhlt es sich indifferent. An der Luft
ist es unvernderlich. Beim Erhitzen verknistert es (wenn es nicht lange
getrocknet worden) unter Ausgabe von etwas (mechanisch eingeschlossen
gewesenem) Wasser. In dunkler Rothglhhitze schmilzt es ohne Vernderung
und Gewichtsverlust, bei hherer Temperatur verflchtigt es sich in
weissen Dmpfen und zwar um so schwieriger, je vollstndiger die Luft
abgehalten ist. -- (Vers. Nro. 7.)

Zusammensetzung:

                       K   488,86   39,11   52,44
                       Cl  443,28   35,46   47,56
                           ----------------------
                           932,14   74,57  100,00

d. Das _Kaliumplatinchlorid_ stellt entweder kleine rthlich gelbe
Octader oder ein citrongelbes Pulver dar. Es lst sich schwer in
kaltem, leichter in heissem Wasser. In absolutem Alkohol ist es kaum,
in wsserigem Weingeist schwer lslich, 1 Th. bedarf 12083 Thle.
absoluten Alkohols, 3775 Thle. Spiritus von 76 Proc. -- 1053 Thle. von
55 Proc. (Vers. Nr. 8 a.). Gegenwart von freier Salzsure vermehrt die
Lslichkeit merklich (Vers. Nr. 8 b.). In kaustischem Kali lst es sich
vollstndig zu einer gelben Flssigkeit. An der Luft und bei 100 ist es
unvernderlich. Bei heftigem Glhen entweicht alles an Platin gebunden
gewesene Chlor, metallisches Platin und Chlorkalium bleiben zurck;
aber selbst nach langem Schmelzen bleibt etwas Kaliumplatinchlorid
unzersetzt. -- Beim Glhen in einem Strome von Wasserstoffgas
erfolgt die Zersetzung vollstndig. -- Nach $Andrews$ enthlt das
Kaliumplatinchlorid, selbst bei einer 100 bedeutend bersteigenden
Temperatur getrocknet, noch 0,0055 seines Gewichtes an Wasser.

Zusammensetzung:

                         K     488,86   39,11   16,00
                         Pt   1236,75   98,94   40,48
                         3Cl  1329,84  106,38   43,52
                              -----------------------
                              3055,45  244,43  100,00

                    KCl        932,14   74,57   30,51
                    PtCl_{2}  2123,31  169,86   69,49
                              -----------------------
                              3055,45  244,43  100,00


                                 . 48.

                              2. $Natron.$

Das Natron wird in der Regel gewogen als:

$Schwefelsaures Natron, salpetersaures Natron, Chlornatrium oder
kohlensaures Natron.$

a. Das wasserfreie neutrale _schwefelsaure Natron_ stellt ein weisses
Pulver oder eine weisse, leicht zerreibliche Masse dar. Es lst sich
leicht in Wasser, wenig in absolutem Alkohol, etwas mehr bei Gegenwart
von freier Schwefelsure, leichter in wsserigem Weingeist (Vers.
Nr. 9). Gegen Pflanzenfarben ist es indifferent. An feuchter Luft zieht
es langsam Wasser an (Vers. Nr. 10). Bei gelinder Hitze verndert es
sich nicht, bei starker Rothglhhitze schmilzt es ohne Zersetzung
oder Gewichtsverlust. -- Mit Salmiak geglht verhlt es sich wie
schwefelsaures Kali.

Zusammensetzung:

                      NaO     387,44   31   43,66
                      SO_{3}  500,00   40   56,34
                              -------------------
                              887,44   71  100,00

Das saure schwefelsaure Natron (NaO, SO_{3} + HO, SO_{3}), welches
man stets erhlt, wenn neutrales mit berschssiger Schwefelsure
eingedampft wird, schmilzt schon bei gelinder Hitze. Es kann nach der
beim sauren schwefelsauren Kali angefhrten Methode leicht in neutrales
Salz verwandelt werden.

b. Das _salpetersaure Natron_ krystallisirt in stumpfen Rhombodern.
Bei der Analyse erhlt man es meistens als formlose Salzmasse. -- Es
lst sich leicht in Wasser, von absolutem Alkohol wird es so gut wie
nicht, von Weingeist kaum aufgenommen. Gegen Pflanzenfarben verhlt
es sich indifferent. An der Luft ist es unter gewhnlichen Umstnden
unvernderlich, an sehr feuchter zieht es Wasser an. Es schmilzt, weit
unter der Rothglhhitze, ohne Zerlegung, bei hherer Temperatur wird es
wie das salpetersaure Kali (. 47 b) zerlegt (vergl. Vers. Nr. 11). Mit
Salmiak geglht verhlt es sich wie das entsprechende Kalisalz.

Zusammensetzung:

                     NaO        387,44   31   36,47
                     NO_{5}     675,06   54   63,53
                               --------------------
                               1062,50   85  100,00

c. Das _Chlornatrium_ krystallisirt in Wrfeln, Octadern und in
hohlen quadratischen Pyramiden. Bei Analysen bekommt man es hufig als
formlose Masse. Es lst sich leicht in Wasser; von absolutem Alkohol
wird es kaum, von Weingeist schwer gelst. Gegen Pflanzenfarben ist
es indifferent. An der etwas feuchten Luft zieht es langsam Wasser
an (Vers. Nr. 12). Beim Erhitzen decrepitirt es, wenn es nicht lange
getrocknet worden, unter Ausgabe von etwas, mechanisch eingeschlossen
gewesenem, Wasser. In der Rothglhhitze schmilzt es ohne Zerlegung, in
der Weissglhhitze (in offenen Gefssen schon in heller Rothglhhitze)
verflchtigt es sich in weissen Dmpfen (vergl. Vers. Nr. 13).

Zusammensetzung:

                     Na     287,44   23,00   39,34
                     Cl     443,28   35,46   60,66
                           -----------------------
                            730,72   58,46  100,00

d. Das wasserfreie _kohlensaure Natron_ stellt ein weisses Pulver
oder eine weisse, leicht zerreibliche Masse dar. Es lst sich leicht
in Wasser. Von Alkohol wird es nicht aufgenommen. Es reagirt stark
alkalisch. An der Luft zieht es sehr langsam Wasser an. Bei starker
Rothglhhitze schmilzt es ohne Zerlegung und ohne sich zu verflchtigen.

Zusammensetzung:

                     NaO        387,44   31   58,49
                     CO_{2}     275,00   22   41,51
                                -------------------
                                662,44   53  100,00


                                 . 49.

                        3. $Ammon$ (NH_{4}, O).

Die Verbindungen, in welchen das Ammon am zweckmssigsten gewogen wird,
sind:

$Chlorammonium$ und $Ammoniumplatinchlorid.$ --

Unter gewissen Umstnden wird es auch aus dem Volum des daraus
abgeschiedenen $Stickgases$ bestimmt.

a. Das _Chlorammonium_ krystallisirt in Wrfeln, Octadern oder, und
zwar am hufigsten, in federartigen Krystallen. Bei der Analyse erhlt
man es stets als weisse Salzmasse. Es lst sich leicht in Wasser, in
Weingeist ist es schwer lslich. Es verndert Pflanzenfarben nicht
und ist luftbestndig. Dampft man eine Salmiaklsung im Wasserbade
ab, so verliert sie ein wenig Ammoniak und wird schwach sauer. Der
Gewichtsverlust, welcher dadurch entsteht, ist sehr unbedeutend (vergl.
Vers. Nr. 14). Bei 100 verliert der Salmiak nichts oder wenigstens fast
nichts an seinem Gewichte (vergl. dieselbe Nr.). Bei hherer Temperatur
verdampft er leicht und ohne Zerlegung.

Zusammensetzung:

                    NH_{4}    225,06   18,00   33,67
                    Cl        443,28   35,46   66,33
                              ----------------------
                              668,34   53,46  100,00

                    NH_{3}    212,56   17,00   31,80
                    ClH       455,78   36,46   68,20
                              ----------------------
                              668,34   53,46  100,00

b. Das _Ammoniumplatinchlorid_ stellt entweder ein schweres
citronengelbes Pulver dar, oder es bildet hochgelb gefrbte, kleine,
harte, octadrische Krystalle. Es ist in kaltem Wasser schwer, leichter
in heissem lslich. Von absolutem Alkohol erfordert es 26535 Thle., von
76procentigem Weingeist 1406 Thle., von 55procentigem 665 Thle. zur
Lsung. Gegenwart von freier Sure befrdert seine Lslichkeit merklich
(Vers. Nr. 15). An der Luft und bei 100 ist es unvernderlich. Beim
Glhen entweicht Chlor und Chlorammonium, das Platin bleibt metallisch
in Form einer porsen Masse (Platinschwamm) zurck.

Zusammensetzung:

                  NH_{4}       225,06   18,00    8,06
                  Pt          1236,75   98,94   44,30
                  3Cl         1329,84  106,38   47,64
                              -----------------------
                              2791,65  223,32  100,00

                  NH_{4}Cl     668,34   53,46   23,94
                  PtCl_{2}    2123,31  169,86   76,06
                              -----------------------
                              2791,65  223,32  100,00

                  NH_{3}       212,56   17,00    7,61
                  ClH          455,78   36,46   16,33
                  PtCl_{2}    2123,31  169,86   76,06
                              -----------------------
                              2791,65  223,32  100,00

                  N            175,06   14,00    6,27
                  H_{4}         50,00    4,00    1,79
                  Cl_{3}      1329,84  106,38   47,64
                  Pt          1236,75   98,94   44,30
                              -----------------------
                              2791,65  223,32  100,00

c. Das _Stickgas_ ist ein farbloses, geruch- und geschmackloses, mit
Luft ohne Frbung mischbares, gegen Pflanzenfarben indifferentes Gas
von 0,9706 specif. Gew. (Luft = 1). -- Ein Liter (1 Cubikdecimeter)
Gas wiegt bei 0 und 0,76 Meter Luftdruck 1,2609 Grm. In Wasser ist es
schwer lslich. 1 Vol. Gas erfordert bei 18 24 Volumina.


                      $Basen der zweiten Gruppe.$

                                 . 50.

                              1. $Baryt.$

Die Formen, welche wir, als zur Bestimmung des Baryts dienlich, kennen
lernen mssen, sind:

$Schwefelsaurer Baryt, kohlensaurer Baryt und Kieselfluorbaryum.$

a. Der _schwefelsaure Baryt_ stellt, knstlich erzeugt, ein feines,
weisses Pulver dar. In heissem und kaltem Wasser ist er fast absolut
unlslich, Gegenwart von freier Sure vermehrt seine Lslichkeit kaum
um ein Minimum. In Knigswasser lst er sich merklich. An der Luft, bei
100 und in der Glhhitze ist er vllig unvernderlich. Beim Glhen mit
Kohle geht er in Schwefelbaryum ber. Diese Reduction erfolgt jedoch
nur bei Abschluss der Luft, nicht aber, wenn derselben freier Zutritt
gestattet ist. Mit Salmiak geglht, wird derselbe unvollstndig zersetzt.

Zusammensetzung:

                   BaO       957,32    76,59    65,69
                   SO_{3}    500,00    40,00    34,31
                            -------------------------
                            1457,32   116,59   100,00

b. Der _kohlensaure Baryt_ stellt, knstlich erhalten, ein weisses
Pulver dar. Er lst sich in 14137 Theilen kalten und 15421 kochenden
Wassers (Vers. Nr. 16), ungleich leichter in Lsungen von Chlorammonium
oder salpetersaurem Ammon. Aus den durch diese Salze vermittelten
Lsungen wird er jedoch (aber nicht vollstndig) wieder niedergeschlagen
durch kaustisches Ammon. Wasser, welches freie Kohlensure enthlt,
lst ihn zu doppelt kohlensaurem Salz. In Wasser, welches Ammon und
kohlensaures Ammon enthlt, ist er fast absolut unlslich, 1 Theil
erfordert etwa (vergl. Vers. Nr. 17) 141000 Theile. Seine Lsung
reagirt ganz schwach alkalisch. An der Luft und beim Rothglhen ist er
unvernderlich. Beim Glhen mit Kohle bildet sich kaustischer Baryt,
whrend Kohlenoxydgas entweicht.

Zusammensetzung:

                 BaO         957,32    76,59     77,69
                 CO_{2}      275,00    22,00     22,31
                            --------------------------
                            1232,32    98,59    100,00

c. Das _Kieselfluorbaryum_ stellt kleine, harte und farblose Krystalle,
oder (in der Regel) ein krystallinisches Pulver dar. Es lst sich in
3800 Theilen kaltem, leichter in heissem Wasser auf (Vers. Nr. 18).
Gegenwart von freier Salzsure vermehrt seine Lslichkeit betrchtlich
(Vers. Nr. 19). In Weingeist ist es fast ganz unlslich. An der
Luft und bei 100 ist es unvernderlich, beim Glhen zerfllt es in
Fluorsiliciumgas, welches entweicht, und in Fluorbaryum, welches
zurckbleibt.

Zusammensetzung:

                 BaFl       1094,82    87,59     62,39
                 SiFl_{2}    660,18    52,81     37,61
                            --------------------------
                            1755,00   140,40    100,00

                 Ba          857,32    68,59     48,85
                 Si          185,18    14,81     10,55
                 Fl_{3}      712,50    57,00     40,60
                            --------------------------
                            1755,00   140,40    100,00


                                 . 51.

                            2. $Strontian.$

Der Strontian wird entweder als $schwefelsaurer$ oder als $kohlensaurer
Strontian$ bestimmt.

a. Der knstlich erhaltene _schwefelsaure Strontian_ stellt ein weisses
Pulver dar. Er lst sich in 6895 Theilen kalten und 9638 Theilen
kochenden Wassers (Vers. Nr. 20), in Wasser, welches Schwefelsure
enthlt, ist er weniger lslich und bedarf etwa 11000-12000 Theile
(Vers. Nr. 21). Er lst sich in Kochsalzlsung, wird aber daraus
durch Schwefelsure wieder gefllt. In absolutem Alkohol, wie auch
in wsserigem Weingeist ist er fast vllig unlslich. Pflanzenfarben
verndert er nicht. An der Luft und bei Rothglhhitze ist er
unvernderlich, in heftigster Glhhitze ohne Zerlegung schmelzbar. Beim
Glhen mit Kohle bei abgehaltener Luft geht er in Schwefelstrontium ber.

Zusammensetzung:

                 SrO        645,93     51,67     56,37
                 SO_{3}     500,00     40,00     43,63
                           ---------------------------
                           1145,93     91,67    100,00

b. Der _kohlensaure Strontian_ stellt, knstlich erhalten, ein
weisses, zartes, lockeres Pulver dar. Er lst sich bei gewhnlicher
Temperatur in 18045 Theilen Wasser (Vers. Nr. 22), Gegenwart von Ammon
vermindert seine Lslichkeit (Vers. Nr. 23). In Lsungen von Salmiak
und salpetersaurem Ammon lst er sich ziemlich leicht, er wird aber
aus diesen Lsungen durch Ammon wieder gefllt, und zwar vollstndiger
als der kohlensaure Baryt. Kohlensurehaltiges Wasser lst ihn zu
doppelt-kohlensaurem Salz. Er reagirt sehr schwach alkalisch.

An der Luft und in Rothglhhitze ist er unschmelzbar, in heftigster
Hitze schmilzt er und verliert allmlig seine Kohlensure. Beim Glhen
mit Kohle bildet sich kaustischer Strontian, whrend Kohlenoxydgas
entweicht.

Zusammensetzung:

                  SrO       645,93     51,67     70,14
                  CO_{2}    275,00     22,00     29,86
                            --------------------------
                            920,93     73,67    100,00


                                 . 52.

                               3. $Kalk.$

Der Kalk wird entweder als $schwefelsaurer$ oder als $kohlensaurer Kalk$
gewogen. Um ihn in letztere Form zu bringen, wird er in der Regel als
oxalsaurer Kalk gefllt.

a. Der wasserfreie _schwefelsaure Kalk_ erscheint, knstlich erhalten,
als lockeres, weisses Pulver. Er lst sich bei gewhnlicher Temperatur
in 430, bei 100 in 460 Theilen Wasser ($Poggiale$). Salmiak,
schwefelsaures Natron und Kochsalz vermehren die Lslichkeit. Die
wsserige Lsung des Gypses verndert Pflanzenfarben nicht. In Alkohol
wie auch in Weingeist ist er fast absolut unlslich. An der Luft zieht
er langsam Wasser an, bei dunkler Rothglhhitze ist er unvernderlich,
bei sehr heftiger Hellrothglhhitze schmilzt er ohne Zerlegung. Mit
Kohle bei abgehaltener Luft geglht geht er in Schwefelcalcium ber.

Zusammensetzung:

                     CaO       350     28     41,18
                     SO_{3}    500     40     58,82
                               --------------------
                               850     68    100,00

b. Der _kohlensaure Kalk_ stellt, knstlich erhalten, ein weisses,
feines Pulver dar. Er lst sich in 10601 Theilen kaltem (Vers. Nr. 24)
und in 8834 Theilen kochendem Wasser (Vers. Nr. 25). Die Lsung reagirt
kaum merklich alkalisch. Wasser, welches Ammon und kohlensaures Ammon
enthlt, lst ihn viel weniger (Vers. Nr. 26), 1 Theil erfordert
etwa 65000 Theile. Diese Lsung wird durch kleesaures Ammon nicht
gefllt. Salmiak und salpetersaures Ammon erhhen seine Lslichkeit.
Aus durch diese Salze vermittelten Lsungen wird er durch Ammon
gefllt, und zwar vollstndiger als der kohlensaure Baryt. -- Neutrale
Kali- und Natronsalze erhhen seine Lslichkeit ebenfalls. -- In
kohlensurehaltigem Wasser lst er sich zu doppelt-kohlensaurem Salz. --
An der Luft, bei 100 und bei gelinder Glhhitze ist er unvernderlich,
bei strkerem Erhitzen verliert er allmlig seine Kohlensure, bei
Luftzutritt leichter als bei abgeschlossener Luft. Es gelingt jedoch
nicht, kohlensauren Kalk in einem Platintiegel ber der Weingeistlampe
mit doppeltem Luftzug vollkommen kaustisch zu brennen (vergl. Vers.
Nr. 27). Beim Glhen mit Kohle verliert er seine Kohlensure weit
leichter, indem sie als Kohlenoxydgas entweicht.

Zusammensetzung:

                   CaO       350,00     28     56,00
                   CO_{2}    275,00     22     44,00
                             -----------------------
                             625,00     50    100,00

c. Der _oxalsaure Kalk_ stellt ein feines, weisses, in Wasser fast
absolut unlsliches Pulver dar. Gegenwart von freier Oxalsure und
Essigsure vermehrt die Lslichkeit um ein Geringes, Ammonsalze sind
ohne Einfluss. Strkere Suren (Salzsure, Salpetersure) lsen den
oxalsauren Kalk leicht, aus den Lsungen wird er durch Alkalien, wie
auch (wenn der Ueberschuss der Sure nicht allzu gross ist) durch
berschssig zugesetzte oxalsaure oder essigsaure Alkalien ohne
Zersetzung gefllt. An der Luft und bei 100 ist er unvernderlich, bei
letzterer Temperatur getrocknet hat er folgende Zusammensetzung (Vers.
Nr. 28):

                  CaO          350,00     28     38,36
                  C_{2}O_{3}   450,00     36     49,32
                  1 aq.        112,50      9     12,32
                               -----------------------
                               912,50     73    100,00

Bei 180-200 verliert der oxalsaure Kalk sein Wasser, ohne Zersetzung zu
erleiden, bei einer etwas hheren, noch kaum an die dunkle Rothglhhitze
reichenden Temperatur zerfllt er ohne eigentliche Kohleabscheidung in
Kohlenoxyd und kohlensauren Kalk. Das vorher schneeweisse Pulver nimmt
auch im Zustande hchster Reinheit vorbergehend eine graue Farbe an.
Bei fortdauerndem Erhitzen verschwindet dieselbe wieder. Hat man den
oxalsauren Kalk in zusammenhngenden Stckchen, wie man ihn erhlt,
wenn er auf einem Filter getrocknet wird, so kann man an dem erwhnten
Dunklerwerden den Beginn und Verlauf der Zersetzung deutlich beobachten.
Bei vorsichtig geleitetem Erhitzen enthlt der Rckstand keine Spur
kaustischen Kalk.


                                 . 53.

                             4. $Magnesia.$

Die Magnesia wird entweder als $schwefelsaure$, als $pyrophosphorsaure$
oder als $reine Magnesia$ gewogen. Zur Ueberfhrung in phosphorsaures
Salz fllt man sie als basisch phosphorsaure Ammon-Magnesia.

a. Die wasserfreie _schwefelsaure Magnesia_ stellt eine weisse,
undurchsichtige Masse dar. Sie lst sich leicht in Wasser. In absolutem
Alkohol ist sie so gut wie unlslich, von wsserigem wird sie etwas
aufgenommen. Pflanzenfarben verndert sie nicht. An der Luft zieht sie
rasch Wasser an. Bei mssiger Glhhitze erleidet sie keine, bei sehr
heftiger eine partielle Zerlegung. Sie verliert dabei einen Theil ihrer
Sure und lst sich alsdann in Wasser nicht mehr vollstndig auf (Vers.
Nr. 29). Mit Salmiak geglht, zersetzt sich die schwefelsaure Magnesia
nicht.

Zusammensetzung:

                   MgO        250,19     20     33,33
                   SO_{3}     500,00     40     66,67
                              -----------------------
                              750,19     60    100,00

b. Die _basisch phosphorsaure Ammon-Magnesia_ stellt ein weisses,
krystallinisches Pulver dar. Sie lst sich bei gewhnlicher Temperatur
in 15293 Theilen kaltem Wasser (Vers. Nr. 30). In Ammon enthaltendem
Wasser ist sie viel unlslicher, 1 Theil erfordert etwa 45000 Theile
(Vers. Nr. 31), Salmiak erhht die Lslichkeit um ein Geringes (Vers.
Nr. 33 und 34). Gegenwart von phosphorsauren Alkalien ist ohne Einfluss.
In Suren, selbst Essigsure lst sie sich leicht. Ihre Zusammensetzung
wird durch die Formel PO_{5}, 2MgO, NH_{4}O + 12 aq. ausgedrckt. Beim
Trocknen bei 100 entweichen 10 Aeq. Wasser, beim Glhen entweicht alles
Wasser nebst dem Ammon, PO_{5}, 2MgO bleibt zurck. Der Uebergang der
gewhnlichen Phosphorsure in Pyrophosphorsure giebt sich durch ein
lebhaftes Erglhen der Masse zu erkennen. -- Lst man phosphorsaure
Ammon-Magnesia in verdnnter Salzsure oder Salpetersure und versetzt
die Flssigkeit mit Ammon, so wird die Verbindung wieder vollstndig
niedergeschlagen, oder richtiger, so vollstndig, als es der Lslichkeit
des Salzes in Ammon, beziehungsweise Ammon und Ammonsalz, enthaltendem
Wasser entspricht. -- Da $Weber$ (Pogg. 73, S. 152) diese meine frher
gemachte Angabe nicht besttigt fand, so stellte ich neue Versuche
ber diesen Gegenstand an (Nr. 32). Dieselben gaben mir genau dasselbe
Resultat wie die frheren.

c. Die _pyrophosphorsaure Magnesia_ stellt eine weisse, oft ein wenig
ins Graue spielende Masse dar. Sie ist in Wasser kaum, in Salzsure
und Salpetersure leicht lslich, an der Luft und beim Rothglhen
unvernderlich, in sehr heftiger Hitze ohne Zerlegung schmelzbar.
Feuchtes Curcumapapier verndert sie nicht, ebensowenig gerthetes
Lackmuspapier. -- Lst man dieselbe in Salzsure oder Salpetersure,
setzt Wasser zu, kocht anhaltend und fllt dann mit Ammon im
Ueberschuss, so erhlt man einen Niederschlag von phosphorsaurer
Ammonmagnesia, welcher, geglht, nicht eben so viel wiegt, als man
angewendet hatte; der Verlust betrgt nach $Weber$ 1,3 bis 2,3 Proc.
-- Meine Versuche (Nr. 35) besttigen dies und zeigen, unter welchen
Umstnden der Verlust am geringsten ist. (Vergleiche auch . 106.)
Durch andauerndes Schmelzen mit kohlensaurem Natronkali wird die
pyrophosphorsaure Magnesia vollstndig zerlegt und die Phosphorsure
in den dreibasischen Zustand zurckgefhrt. Behandelt man daher die
geschmolzene Masse mit Salzsure, fgt Wasser und Ammon zu, so erhlt
man beim Glhen des Niederschlages die ganze Menge wieder.

Zusammensetzung:

                   PO_{5}    892,04    71,36    64,06
                   2MgO      500,38    40,00    35,94
                            -------------------------
                            1392,42   111,36   100,00

d. Die _reine Magnesia_ stellt ein weisses, leichtes, lockeres Pulver
dar. Sie lst sich in 55368 Theilen kaltem und in der gleichen
Menge kochendem Wasser (Vers. Nr. 36). Die Lsungen reagiren sehr
schwach alkalisch. In Salzsure und anderen Suren lst sie sich ohne
Gasentwicklung. An der Luft zieht sie langsam Kohlensure und Wasser an.
In starker Rothglhhitze bleibt sie unverndert und nur bei den hchsten
Hitzgraden schmilzt sie oberflchlich.

Zusammensetzung:

                      Mg    150,19   12     60,03
                      O     100,00    8     39,97
                            ---------------------
                            250,19   20    100,00


                      $Basen der dritten Gruppe.$

                                 . 54.

                             1. $Thonerde.$

Die Thonerde wird in der Regel als Hydrat gefllt und stets im reinen
Zustande gewogen.

a. Das _Thonerdehydrat_ stellt, frisch gefllt, einen gallertartigen
Niederschlag dar, der immer kleine Antheile der Sure, an welche
die Thonerde gebunden war, wie auch des Alkalis, durch welches sie
abgeschieden wurde, zurckhlt und sich durch Auswaschen nur schwierig
davon befreien lsst.

Das Thonerdehydrat ist in reinem Wasser unlslich, in Kali, Natron und
Suren leicht lslich, in Aetzammon schwer, in kohlensaurem Ammon nicht
lslich. Die Lslichkeit desselben in Aetzammon wird durch gleichzeitig
anwesende Ammonsalze sehr gemindert (Vers. Nr. 37). Die Richtigkeit
meiner Angaben, welche ich auf die bei Ausarbeitung der ersten Auflage
angestellten und sub 37 mitgetheilten Versuche sttzte, ist inzwischen
durch eine umfassendere Arbeit von $Malaguti$ und $Durocher$ (Ann. de
Chim. et de Phys. 3 Ser. 16. 421), sowie durch eine weitere, welche
mein Assistent, Herr J. $Fuchs$ ausfhrte, vollkommen besttigt worden.
Die ersteren geben weiter an, dass, wenn man eine Thonerdelsung mit
Schwefelammonium flle, die Flssigkeit, auch wenn man sie schon nach 5
Minuten abfiltrire, frei von Thonerde sei. -- $Fuchs$ fand dies nicht
besttigt (Vers. Nr. 38). -- Das Thonerdehydrat schwindet beim Trocknen
sehr zusammen, und stellt alsdann entweder eine harte, durchscheinende,
gelbliche, oder eine weisse, erdige Masse dar. Beim Glhen verliert es
sein Wasser, hufig unter geringer Decrepitation, immer unter starker
Volumverminderung.

b. Die nach a. durch Glhen des Hydrats erhaltene _Thonerde_ erscheint
nach mssigem Glhen als eine lockere, zart anzufhlende Masse, sehr
heftig geglht stellt sie harte zusammengebackene Stckchen dar. In
heftigster Weissglhhitze schmilzt sie zu einem klaren Glas. Die
geglhte Thonerde lst sich in Suren sehr schwierig. Auf feuchtes
rothes Lackmuspapier gelegt, blut sie dasselbe nicht. Beim Glhen mit
Salmiak entweicht Chloraluminium.

Zusammensetzung:

                     2Al    340,84   27,26   53,19
                     3O     300,00   24,00   46,81
                            ----------------------
                            640,84   51,26  100,00


                                 . 55.

                            2. $Chromoxyd.$

Das Chromoxyd wird in der Kegel als Hydrat gefllt, stets in reinem
Zustande gewogen.

a. Das _Chromoxydhydrat_ stellt, frisch gefllt, einen grnlichgrauen
gelatinsen Niederschlag dar, welcher in Wasser nicht, in Kali und
Natronlauge in der Klte leicht zur dunkelgrnen Flssigkeit, in
Ammon in der Klte in ziemlich geringer Menge zur hellviolettrothen
Flssigkeit, in Suren leicht mit dunkelgrner Farbe, lslich ist.
Gegenwart von Salmiak ist auf die Lslichkeit des Hydrats in Ammon ohne
Einfluss. Beim Kochen scheidet sich sowohl aus der kalischen, als aus
der ammoniakalischen Lsung alles Oxyd ab (Vers. Nr. 39). Getrocknet
stellt das Hydrat ein grnlichblaues Pulver dar, welches beim gelinden
Glhen sein Hydratwasser verliert.

b. Das _Chromoxyd_ erscheint, durch Erhitzen des Hydrats bis zur dunkeln
Rothglhhitze dargestellt, als dunkelgrnes Pulver, welches beim
strkeren Erhitzen ohne Gewichtsverminderung unter lebhaftem Erglhen
eine hellere Farbe annimmt. Das schwach geglhte Oxyd ist in Salzsure
schwer lslich, das stark geglhte unlslich, beim Glhen mit Salmiak
erleidet es keine Vernderung.

Zusammensetzung:

                     2Cr    669,40   53,56   69,05
                     3O     300,00   24,00   30,95
                            ----------------------
                            969,40   77,56  100,00


                      $Basen der vierten Gruppe.$

                                 . 56.

                             1. $Zinkoxyd.$

Das Zinkoxyd wird immer $als solches$ gewogen. Man vermittelt die
Ueberfhrung entweder durch Fllung als $basisch kohlensaures Zinkoxyd$
oder Schwefelzink, oder auch durch Glhen.

a. Das basisch _kohlensaure Zinkoxyd_ stellt, frisch gefllt, einen
weissen, flockigen Niederschlag dar, welcher in Wasser fast unlslich
(ein Thl. erfordert 44600 Thle. Vers. Nr. 40), in Kali, Ammon,
kohlensaurem Ammon und Suren leicht lslich ist. Fllt man eine
neutrale Zinklsung mit kohlensaurem Natron oder Kali, so entweicht,
weil der entstehende Niederschlag nicht ZnO, CO_{2}, sondern ein Gemenge
von 2(ZnO, CO_{2}) + 3(ZnO, HO) mit kohlensaurem Zinkoxydkali ist,
unter allen Umstnden Kohlensure. Durch ihre Vermittelung sowohl, als
auch weil das kohlensaure Zinkoxydkali in Wasser nicht unlslich ist,
bleibt ein Theil des Zinkoxyds in Auflsung, daher die Flssigkeit, kalt
abfiltrirt, mit Schwefelammonium einen Niederschlag giebt. Nimmt man die
Fllung jedoch in der Kochhitze vor und erhitzt alsdann noch eine Zeit
lang zum Sieden, wobei weder Kohlensure in der Flssigkeit bleiben,
noch kohlensaures Zinkoxydkali sich bilden kann, so ist die Fllung
in der Art vollstndig, dass das Filtrat durch Schwefelammonium nicht
getrbt wird. Nach vielstndigem Stehen setzen sich jedoch aus der damit
vermischten Flssigkeit fast unwgbare Flocken von Schwefelzink ab.
Verfhrt man nach der angegebenen Weise, so lsst sich der Niederschlag
durch Auswaschen mit heissem Wasser vollstndig vom Kaligehalt
befreien. -- Bei Gegenwart von Ammonsalzen ist die Fllung nicht eher
in eben genannter Weise vollstndig, bis alles Ammon ausgetrieben
ist. -- Verdampft man die Lsung eines Zinksalzes mit berschssigem
kohlensaurem Kali bei gelinder Hitze zur Trockne und behandelt den
Rckstand mit kaltem Wasser, so kommt ein merkbarer Theil des Zinks
als kohlensaures Zinkoxydkali in Auflsung, verdampft man kochend zur
Trockne und bergiesst den Rckstand mit heissem Wasser, so ist die
Fllung nach oben bezeichneter Art vollstndig. -- Getrocknet stellt das
basisch kohlensaure Zinkoxyd ein blendend weisses, lockeres Pulver dar,
welches beim Glhen in Zinkoxyd bergeht.

b. Das _Zinkoxyd_ stellt, durch Glhen aus dem kohlensauren erhalten,
ein weisses leichtes Pulver mit einem Stich ins Gelbliche dar. Beim
Erhitzen wird es gelb, beim Erkalten wieder weiss. Beim Glhen mit Kohle
entweicht Kohlenoxyd und Zinkdampf. In Wasser ist es unlslich, auf
feuchtes Curcumapapier gelegt, bewirkt es keine Brunung. Von Suren
wird es leicht und ohne Gasentwicklung gelst. Mit Salmiak geglht
liefert es geschmolzenes Chlorzink, das sich beim Ausschluss der Luft
sehr schwer, beim Zutritt derselben aber und mit Salmiakdmpfen leicht
gnzlich verflchtigt (H. $Rose$).

Zusammensetzung:

                  Zn       406,59     32,53     80,26
                  O        100,00      8,00     19,74
                           --------------------------
                           506,59     40,53    100,00

c. Das _Schwefelzink_ stellt, frisch gefllt, einen weissen lockeren
Niederschlag (ZnS, HO) dar; derselbe lst sich weder in Wasser, noch in
tzenden oder kohlensauren Alkalien oder alkalischen Schwefelmetallen.
Von Salzsure und Salpetersure wird er leicht und vollstndig, von
Essigsure hchst wenig gelst. Getrocknet erscheint der Niederschlag
als weisses Pulver, welches bei 100 die Hlfte, beim Glhen seinen
ganzen Gehalt an Wasser verliert. Bei letzterer Operation entweicht
etwas Schwefelwasserstoff und das zurckbleibende Schwefelzink enthlt
Zinkoxyd.


                                 . 57.

                           2. $Manganoxydul.$

Das Mangan wird entweder als $Manganoxyduloxyd$ [(MnO + Mn_{2}O_{3})
= Mn_{3}O_{4}] oder als $schwefelsaures Manganoxydul$ gewogen. --
Ausser diesen Verbindungen haben wir noch diejenigen kennen zu lernen,
in welchen es, behufs seiner Bestimmung in ersterer Form, gefllt
wird, nmlich $kohlensaures Manganoxydul$, $Manganoxydulhydrat$ und
$Schwefelmangan$.

a. Das _kohlensaure Manganoxydul_ stellt, frisch gefllt, einen weissen,
flockigen Niederschlag dar, welcher in reinem Wasser so gut wie nicht,
in kohlensurehaltigem etwas leichter, lslich ist. Kohlensaures Natron
oder Kali vermehren seine Lslichkeit nicht. Salmiaklsung nimmt ihn
im frisch gefllten Zustande ziemlich leicht auf, daher die Fllung
einer Manganlsung durch kohlensaures Kali oder Natron bei Gegenwart
von Salmiak (oder der eines anderen Ammonsalzes) nicht eher vollstndig
geschieht, bis derselbe vllig zerlegt ist. -- Im feuchten Zustande
der Luft ausgesetzt oder mit lufthaltigem Wasser ausgewaschen, nimmt
der Niederschlag langsam eine schmutzig brunlichweisse Farbe an,
indem sich ein Theil in Manganoxydhydrat verwandelt. -- Bei Abschluss
der Luft getrocknet, stellt er ein zartes, weisses, luftbestndiges
Pulver [2(MnO, CO_{2}) + aq.], bei Zutritt der Luft getrocknet, ein
mehr oder weniger schmutzig weisses bis brunliches dar. -- Beim Glhen
an der Luft wird dasselbe zuerst schwarz, dann geht es in braunes
Manganoxyduloxyd ber.

b. Das _Manganoxydulhydrat_ stellt, frisch gefllt, einen weissen,
flockigen, in Wasser und Alkalien unlslichen, in Salmiak lslichen
Niederschlag dar, welcher an der Luft schnell braun wird, indem sich
Oxydhydrat bildet. Beim Trocknen an der Luft erhlt man ein braunes,
abfrbendes Pulver (Manganoxydhydrat), welches beim heftigen Glhen an
der Luft in Manganoxyduloxyd bergeht.

c. Das _Schwefelmangan_ erscheint, auf nassem Wege dargestellt, als
ein fleischrother, in Wasser und Alkalien unlslicher Niederschlag.
Farbloses Schwefelwasserstoff-Schwefelammonium lst Spuren desselben
auf, nicht aber das Fnffach-Schwefelammonium enthaltende gelbe.
Gegenwart von Salmiak vermehrt seine Lslichkeit nicht. In wsserigen
Suren (Salzsure, Schwefelsure etc.) lst er sich unter Entwicklung
von Schwefelwasserstoff. In feuchtem Zustande der Luft ausgesetzt, oder
beim Auswaschen mit lufthaltigem Wasser wird er braun, es bildet sich
Manganoxydhydrat und gleichzeitig etwas schwefelsaures Manganoxydul.
Um dieses zu verhten, muss man dem Waschwasser etwas Schwefelammonium
(gelbes) zusetzen.

d. Das _Manganoxyduloxyd_, in welches alle Oxydationsstufen des Mangans
beim Glhen an der Luft zuletzt bergehen, stellt, knstlich erhalten,
ein rothbraunes Pulver dar. Beim jedesmaligen Erhitzen nimmt es eine
schwarze Farbe an, ndert aber sein Gewicht nicht. Es ist in Wasser
unlslich, verndert Pflanzenfarben nicht, geht, mit Salmiak geglht, in
Chlorr ber.

Zusammensetzung:

                 3Mn       1034,05     82,71     72,10
                 4O         400,00     32,00     27,90
                           ---------------------------
                           1434,05    114,71    100,00

e. Das _schwefelsaure Manganoxydul_ stellt im wasserfreien Zustande,
wie man es durch Erhitzen des krystallisirten erhlt, eine weisse,
zerreibliche, in Wasser leicht lsliche Masse dar. -- Es hlt andauernde
schwache Rothglhhitze ohne Zersetzung aus; bei heftigerem Glhen wird
es mehr oder weniger vollstndig zerlegt, indem Sauerstoff, schweflige
Sure und wasserfreie Schwefelsure, entweichen, und Manganoxyduloxyd
zurckbleibt.

Zusammensetzung:

                MnO          444,68     35,57     47,07
                SO_{3}       500,00     40,00     52,93
                             --------------------------
                             944,68     75,57    100,00


                                 . 58.

                           3. $Nickeloxydul.$

Das Nickel wird stets als Oxydul gewogen. Ausser dieser Verbindung haben
wir noch das Nickeloxydulhydrat und das Schwefelnickel als die Formen
kennen zu lernen, in welchen das Nickel gefllt wird.

a. Das _Nickeloxydulhydrat_ stellt einen apfelgrnen, in Wasser fast
ganz unlslichen, in Ammon und kohlensaurem Ammon lslichen Niederschlag
dar. Aus diesen Lsungen wird es durch berschssig zugesetztes Kali
vollstndig gefllt, namentlich beim Erhitzen. An der Luft ist es
unvernderlich, beim Glhen geht es in Nickeloxydul ber.

b. Das _Nickeloxydul_ stellt ein schmutzig graugrnes Pulver dar. Es
verndert sein Gewicht beim Glhen an der Luft nicht, in Wasser ist es
unlslich, in Salzsure leicht lslich, Pflanzenfarben verndert es
nicht, mit Salmiak geglht, geht es in metallisches Nickel ber
(H. $Rose$).

Zusammensetzung:

                   Ni      369,33     29,55     78,69
                   O       100,00      8,00     21,31
                           --------------------------
                           469,33     37,55    100,00

c. Das auf nassem Wege dargestellte wasserhaltige _Schwefelnickel_
stellt einen schwarzen, in Wasser unlslichen Niederschlag dar. Er lst
sich nicht in einem Ueberschuss von mit Schwefelwasserstoff vollkommen
gesttigtem Schwefelammonium, ein wenig in Ammon, noch mehr in mit
Schwefelwasserstoff nicht ganz gesttigtem Ammon. Aus diesen Lsungen,
welche eine mehr oder minder braune Farbe haben, schlgt sich, wenn sie
der Luft ausgesetzt werden, allmlig das Schwefelnickel nieder (siehe
Versuche Nr. 41). -- In feuchtem Zustande der Luft ausgesetzt, oxydirt
sich das Schwefelnickel langsam zu schwefelsaurem Nickeloxydul. In
Essigsure lst es sich sehr wenig, etwas mehr in Salzsure, leichter
wird es von Salpetersure, am besten von Knigswasser gelst. -- Beim
Glhen geht es in wasserfreies Schwefelnickel ber, beim Glhen an der
Luft in eine basische Verbindung von Nickeloxyd mit Schwefelsure.


                                 . 59.

                           4. $Kobaltoxydul.$

Die Formen, in welche das Kobalt zum Behufe seiner Bestimmung am
besten bergefhrt wird, sind folgende: reines metallisches Kobalt,
Kobaltoxyduloxyd, schwefelsaures Kobaltoxydul. Ausser den Eigenschaften
dieser Verbindungen haben wir noch die des $Kobaltoxydulhydrats$ und des
$Schwefelkobalts$, als der Formen, welche die Bestimmung vermitteln,
kennen zu lernen.

a. _Kobaltoxydulhydrat._ Fllt man eine Kobaltoxydullsung mit Kali, so
erhlt man zuerst einen blauen Niederschlag (basisches Salz), welcher
beim Kochen mit Kaliberschuss bei Abschluss der Luft in hellrothes
Hydrat bergeht, bei Zutritt der Luft hingegen missfarbig wird, indem
sich ein Theil des Oxydulhydrats in Oxydhydrat verwandelt. Das so
dargestellte Hydrat enthlt jedoch stets noch eine gewisse Quantitt
der Sure und selbst nach dem vollstndigsten Auswaschen mit heissem
Wasser noch eine betrchtliche Menge des zur Fllung angewendeten
Alkalis ($Fremy$, J. pr. Chem. 57. 81). Ich fand diese Angabe
vollkommen besttigt (Vers. Nr. 42). Glht man daher den Niederschlag
in Wasserstoffgas und bringt das erhaltene metallische Kobalt mit
feuchtem Curcumapapier in Berhrung, so bemerkt man eine starke
alkalische Reaction. Dieses nicht zu vermeidenden Alkaligehaltes halber
eignet sich das so erhaltene Oxyd oder Metall nicht zur Bestimmung
des Kobalts. -- Das Kobaltoxydulhydrat ist in Wasser wie auch in Kali
unlslich, in Ammonsalzen lslich, an der Luft getrocknet wird es unter
Sauerstoffaufnahme brunlich.

b. Glht man reines Chlorkobalt oder salpetersaures Kobaltoxydul in
einem Strome von Wasserstoffgas, so erhlt man _reines metallisches
Kobalt_, in Gestalt eines grauschwarzen Metallpulvers. Dasselbe schmilzt
schwerer als Gold, wird vom Magneten angezogen. -- Fand die Reduction
bei schwacher Hitze statt, so verbrennt das fein zertheilte Metall an
der Luft zu Oxyduloxyd. Dies findet nicht statt, wenn man beim Reduciren
stark glht. Das Kobalt wirkt bei gewhnlicher Temperatur oder auch beim
Sieden nicht zersetzend auf Wasser, bei Gegenwart von Schwefelsure
zersetzt es dasselbe. Mit Schwefelsurehydrat erhitzt, liefert es
unter Entbindung von schwefliger Sure schwefelsaures Kobaltoxydul; in
Salpetersure lst es sich leicht zu salpetersaurem Oxydul.

c. Glht man salpetersaures Kobaltoxydul, so erhlt man einen schwarzen
Rckstand von constanter Zusammensetzung. Derselbe ist das dem
Eisenoxyduloxyd entsprechende Kobaltoxyduloxyd und hat somit die Formel
CoO + Co_{2}O_{3} oder Co_{3}O_{4} ($Rammelsberg$, $Fremy$). Er lst
sich nicht in Wasser, in warmer Salzsure unter Chlorentwickelung zu
Chlorr; beim Glhen mit Salmiak bleibt metallisches Kobalt.

Zusammensetzung:

                    Co_{3}  1105,95   88,47   73,42
                    O_{4}    400,00   32,00   26,58
                            -----------------------
                            1505,95  120,47  100,00

d. Das auf nassem Wege dargestellte _Schwefelkobalt_ stellt einen
schwarzen, in Wasser, Alkalien und alkalischen Schwefelmetallen
unlslichen Niederschlag dar. Es lst sich in Essigsure und verdnnten
Mineralsuren wenig, leichter in concentrirten, am leichtesten in
erwrmtem Knigswasser. Im feuchten Zustande der Luft dargeboten,
oxydirt es sich langsam zu schwefelsaurem Kobaltoxydul.

e. Das _schwefelsaure Kobaltoxydul_ krystallisirt in Verbindung mit
7 aq. schwierig in schn rothen, schiefen, rhombischen Sulen. Die
Krystalle verlieren bei mssigem Erhitzen smmtliches Wasser und gehen
in rosenrothes wasserfreies Salz ber. Dieses ertrgt gelinde Glhhitze,
ohne Sure zu verlieren. Es lst sich etwas schwierig in kaltem,
leichter in heissem Wasser. -- In Wasserstoffgas geglht, wird es nicht
reducirt.

Zusammensetzung:

                    CoO      468,65   37,49   48,39
                    SO_{3}   500,00   40,00   51,61
                             ----------------------
                             968,65   77,49  100,00


                                 . 60.

                  5. $Eisenoxydul$ und 6. $Eisenoxyd$.

Das Eisen wird immer als Oxyd gewogen. Ausser dieser Verbindung haben
wir das $Eisenoxydhydrat$, das $Schwefeleisen$ und das $bernsteinsaure
Eisenoxyd$ als die Formen, welche seine Bestimmung vermitteln, kennen zu
lernen.

a. Das _Eisenoxydhydrat_ stellt, frisch gefllt, einen rothbraunen, in
Wasser, Alkalien und Ammonsalzen unlslichen, in Suren leichtlslichen,
beim Trocknen ausserordentlich stark schwindenden Niederschlag dar.
Getrocknet erscheint derselbe als eine braune, harte Masse von
glnzendem muschligem Bruch. Der Niederschlag reisst immer etwas von dem
zum Fllen angewendeten Alkali mit nieder, daher man bei Analysen nur
mit Ammon fllen darf.

b. Beim Glhen geht das Oxydhydrat in _Eisenoxyd_ ber. War das
Oxydhydrat nicht sehr sorgfltig getrocknet, so werden, durch die Gewalt
des in den festen, aussen getrockneten Stckchen erzeugten Dampfes,
leicht Theilchen des Oxyds umhergeworfen. Reines Eisenoxyd auf feuchtes
gerthetes Lackmuspapier gelegt, frbt dieses nicht blau. In verdnnter
Salzsure lst es sich langsam, schneller in concentrirter. Bei gelindem
Erwrmen schneller als beim Kochen. An der Luft geglht, verndert es
sein Gewicht nicht, -- mit Salmiak geglht, entweicht Eisenchlorid, --
mit Kohle bei Abschluss der Luft geglht, wird es mehr oder weniger
reducirt.

Zusammensetzung:

                       2Fe    700,00   56   70,00
                       3O     300,00   24   30,00
                             --------------------
                             1000,00   80  100,00

c. Das _Schwefeleisen_ stellt, auf nassem Wege erhalten, einen
schwarzen, in lufthaltigem Wasser ein wenig (unter Zersetzung)
lslichen, -- in Wasser, welches alkalische Schwefelmetalle enthlt,
unlslichen, in Mineralsuren (auch verdnnten) leicht lslichen
Niederschlag dar. In sehr verdnnten Lsungen sich ausscheidend, bleibt
er sehr lange suspendirt und giebt der Flssigkeit das Ansehen einer
schwrzlichgrnen Lsung. Nach einiger Zeit setzt er sich jedoch stets
vollstndig ab. -- Im feuchten Zustande der Luft dargeboten, nimmt
er Sauerstoff auf und wird braun, es entsteht Eisenoxydhydrat und
schwefelsaures Eisenoxydul.

d. Vermischt man eine neutrale Eisenoxydlsung mit einer neutralen
Lsung von bernsteinsaurem Alkali, so erhlt man einen heller oder
dunkler zimmtbraunen Niederschlag von _bernsteinsaurem Eisenoxyd_
(Fe_{2}O_{3}, S_{2}). Aus der Natur dieses Niederschlages ergiebt
sich, dass mit dem Entstehen desselben 1 Aeq. Sure (und zwar bei
Ueberschuss von bernsteinsaurem Ammon, Bernsteinsure) frei werden
muss, z. B. Fe_{2}O_{3}, 3SO_{3} + 3NH_{4}O, S = Fe_{2}O_{3},
S_{2} + 3NH_{4}O, SO_{3} + S. -- Die freie Bernsteinsure in sehr
verdnnter kalter Lsung lst den Niederschlag so gut wie nicht, eine
warme Lsung nimmt ihn reichlicher auf. Auf diesem Umstande beruht es,
dass man die prcipitirte Flssigkeit nicht heiss filtriren darf, wenn
der Niederschlag ungelst bleiben soll. Frher wurde irriger Weise
angenommen, der Niederschlag sei neutrales, durch heisses Wasser in
eine basische unlsliche und eine saure lsliche Verbindung zerlegbares
Salz. -- In kaltem Wasser ist das bernsteinsaure Eisenoxyd unlslich,
in heissem ein wenig lslich, leicht lslich in Mineralsuren. Ammon
entzieht ihm seine Sure grossentheils, warmes vollstndiger als kaltes,
es bleiben dem Eisenoxydhydrat hnliche Verbindungen, welche auf 1S
9-15 Aeq. Fe_{2}O_{3} enthalten ($Dpping$).


                      $Basen der fnften Gruppe.$

                                 . 61.

                            1. $Silberoxyd.$

Das Silber kann als $metallisches Silber$, als $Chlorsilber$,
$Schwefelsilber$ und $Cyansilber$ gewogen werden.

a. Das _metallische Silber_ stellt, aus Silbersalzen mit organischen
Suren etc. durch Glhen erhalten, eine leichte, hellweisse, blinkende,
metallisch glnzende Masse dar; aus Chlorsilber etc. durch Zink auf
nassem Wege reducirt, erscheint es als graues mattes Pulver. Es lsst
sich ber einer $Berzelius$'schen Lampe nicht schmelzen, verndert beim
Glhen sein Gewicht nicht. -- In verdnnter Salpetersure lst es sich
leicht und ohne Rckstand.

b. Das _Chlorsilber_ stellt, frisch gefllt, einen weissen, ksigen,
beim Trocknen pulverig werdenden Niederschlag dar. Es ist in Wasser und
Salpetersure ganz unlslich, in concentrirter Salzsure lst es sich
ein wenig, beim Verdnnen fllt es fast vollstndig daraus nieder. Die
Lsungen von Salmiak (nicht von anderen Ammonsalzen), Chlornatrium und
Chlorkalium nehmen (namentlich im concentrirten Zustande) ebenfalls ein
wenig desselben auf. -- Aetzammon lst es leicht. -- Am Licht wird es
bald violett, endlich schwarz, indem es Chlor verliert. Die Umwandlung
ist jedoch so oberflchlich, dass man den Chlorverlust, selbst auf sehr
feinen Wagen nicht nachweisen kann. -- Beim Erhitzen frbt sich das
Chlorsilber gelb, bei 260 schmilzt es zu einer durchsichtigen, gelben
Flssigkeit; in sehr starker Glhhitze verflchtigt es sich unzersetzt.
Erkaltet stellt das geschmolzene Chlorsilber eine farblose oder schwach
gelbliche Masse dar. In Chlorgas geschmolzen absorbirt es ein wenig von
demselben, beim Erkalten entweicht dasselbe vollstndig. -- Mit Kohle
geglht wird dasselbe nicht, in einem Strome von Kohlenoxydgas aber
leicht zu Silber reducirt.

Zusammensetzung:

                  Ag      1349,66    107,97     75,28
                  Cl       443,28     35,46     24,72
                          ---------------------------
                          1792,94    143,43    100,00

c. Das _Schwefelsilber_ stellt, auf nassem Wege erhalten, einen
schwarzen, in Wasser, verdnnten Suren, Alkalien und alkalischen
Schwefelmetallen unlslichen, an der Luft unvernderlichen Niederschlag
dar, welcher sich ohne Zersetzung bei 100 trocknen lsst. Concentrirte
Salpetersure lst ihn unter Abscheidung von Schwefel.

Zusammensetzung:

                  Ag      1349,66    107,97     87,07
                  S        200,00     16,00     12,93
                          ---------------------------
                          1549,66    123,97    100,00

d. Das _Cyansilber_ stellt, frisch gefllt, einen weissen, ksigen, in
Wasser und verdnnter Salpetersure unlslichen, in Cyankalium wie auch
in Ammon lslichen Niederschlag dar, welcher sich am Lichte nicht im
mindesten schwrzt und, ohne Zersetzung zu erleiden, bei 100 getrocknet
werden kann. -- Beim Glhen zerfllt er in Silber, welches gemengt mit
etwas Paracyansilber zurckbleibt, und in Cyangas.

Zusammensetzung:

                  Ag      1349,66    107,97     80,60
                  C_{2}N   325,06     26,00     19,40
                          ---------------------------
                          1674,72    133,97    100,00


                                 . 62.

                             2. $Bleioxyd.$

Die Formen, in denen das Blei gewogen wird, sind: $Bleioxyd$,
$schwefelsaures Bleioxyd$, $chromsaures Bleioxyd$, $Chlorblei$,
$Schwefelblei$. Ausser diesen Verbindungen mssen wir noch das
$kohlensaure$, wie auch das $oxalsaure Bleioxyd$ nher betrachten.

a. Das _neutrale kohlensaure Bleioxyd_ stellt einen schweren, weissen,
pulverigen Niederschlag dar. Es ist in reinem (ausgekochtem) Wasser
sehr wenig lslich (1 Theil erfordert 50550 Theile, Vers. Nr. 43.),
ein wenig leichter in solchem, welches Ammon und Ammonsalze enthlt
(vergl. Vers. Nr. 43.), auch in kohlensurehaltigem Wasser lst es sich
etwas mehr als in reinem. Beim Glhen verliert es seine Kohlensure.

b. Das _kleesaure Bleioxyd_ ist ein weisses, in Wasser sehr wenig
lsliches Pulver. Seine Lslichkeit wird ein wenig erhht durch die
Gegenwart von Ammonsalzen (Vers. Nr. 44). In verschlossenen Gefssen
erhitzt, hinterlsst es Bleisuboxyd, bei Luftzutritt geglht, gelbes
Oxyd.

c. Das _Bleioxyd_ (durch Glhen des kohlensauren oder oxalsauren
Salzes erhalten) stellt ein citronengelbes, zuweilen mehr rthlich-
oder auch blassgelbes Pulver dar. Beim jedesmaligen Erhitzen nimmt es
eine braunrothe Farbe an, ohne sein Gewicht zu verndern. In heftiger
Rothglhhitze schmilzt es, beim Glhen mit Kohle wird es reducirt,
erst in der Weissglhhitze verdampft es. Auf feuchtes, gerthetes
Lackmuspapier gelegt, blut es dasselbe. An der Luft zieht es langsam
Kohlensure an. Mit Salmiak geglht verwandelt es sich in Chlorblei.

Zusammensetzung:

                      Pb  1294,64  103,57   92,83
                      O    100,00    8,00    7,17
                          -----------------------
                          1394,64  111,57  100,00

d. Das _schwefelsaure Bleioxyd_ stellt ein schweres, weisses Pulver dar.
Es lst sich bei gewhnlicher Temperatur in 22800 Theilen reinem Wasser
(Vers. Nr. 45), weniger in schwefelsurehaltigem (1 Theil erfordert etwa
36500 Theile, Vers. Nr. 46), weit mehr in solchem, welches Ammonsalze
enthlt, daraus durch berschssige Schwefelsure wieder so gut wie
vllig fllbar (Vers. Nr. 47), -- nicht oder fast nicht in Alkohol und
Weingeist. -- In concentrirter Salzsure lst es sich beim Erhitzen; in
Salpetersure um so mehr, je concentrirter und wrmer sie ist. Wasser
fllt es nicht aus der salpetersauren Lsung, wohl aber verdnnte
Schwefelsure, wenn sie in reichlicher Menge zugesetzt wird. Je mehr
Salpetersure vorhanden ist, um so mehr Schwefelsure wird erfordert. --
Von concentrirter Schwefelsure wird es in geringer Menge aufgenommen,
beim Verdnnen mit Wasser (vollstndiger bei Zusatz von Alkohol) fllt
das gelste nieder. In heisser Kali- oder Natronlauge lst sich das
schwefelsaure Bleioxyd leicht, an der Luft und bei gelindem Glhen ist
es unvernderlich, in strkerer Hitze schmilzt es ohne Zerlegung (Vers.
Nr. 48). Beim Glhen mit Kohle bildet sich anfangs Schwefelblei, dessen
Schwefel die Schwefelsure eines noch nicht zersetzten Antheils zu
schwefliger Sure reducirt, wodurch auf beiden Seiten metallisches Blei
abgeschieden wird.

Zusammensetzung:

                    PbO     1394,64  111,57   73,56
                    SO_{3}   500,00   40,00   26,44
                            -----------------------
                            1894,64  151,57  100,00

e. Das _Chlorblei_ stellt entweder kleine, glnzende Krystallnadeln,
oder ein weisses Pulver dar. Es lst sich bei gewhnlicher Temperatur
in 135 Theilen Wasser, weit leichter in heissem, weniger leicht
in salpetersurehaltigem [1 Thl. bedarf 1636 Thle. ($Bischof$)],
reichlich in concentrirter Salzsure, daraus durch Wasser fllbar,
kaum in Weingeist von 70-80 Proc., nicht in absolutem Alkohol. -- An
der Luft ist es unvernderlich, noch unter der Glhhitze schmilzt es
ohne Gewichtsverlust. Bei Luftzutritt strker erhitzt, verflchtigt es
sich langsam, zum Theil wird es dabei zersetzt, es entweicht Chlor,
Bleioxyd-Chlorblei bleibt zurck.

Zusammensetzung:

                      Pb  1294,64  103,57   74,49
                      Cl   443,28   35,46   25,51
                          -----------------------
                          1737,92  139,03  100,00

f. Das _Schwefelblei_ stellt, auf nassem Wege erhalten, einen schwarzen,
in Wasser, verdnnten Suren, Alkalien und alkalischen Schwefelmetallen
unlslichen Niederschlag dar. An der Luft ist derselbe unvernderlich,
bei 100 lsst er sich ohne Zersetzung trocknen. In concentrirter
heisser Salzsure lst sich das Schwefelblei unter Entwicklung von
Schwefelwasserstoff, in mssig concentrirter Salpetersure beim Erhitzen
unter Abscheidung von Schwefel (wenn die Sure ziemlich concentrirt ist,
bildet sich auch etwas schwefelsaures Bleioxyd). Rauchende Salpetersure
verwandelt dasselbe ohne Abscheidung von Schwefel unter heftiger
Einwirkung in schwefelsaures Bleioxyd. -- Vergl. hierzu Versuch Nr. 49.

Zusammensetzung:

                      Pb   1294,64  103,57   86,61
                      S     200,00   16,00   13,39
                           -----------------------
                           1494,64  119,57  100,00

Eigenschaften und Zusammensetzung des _chromsauren Bleioxyds_ siehe bei
Chromsure . 72.


                                 . 63.

            3. $Quecksilberoxydul$ und 4. $Quecksilberoxyd$.

Das Quecksilber wird im $regulinischen Zustande$, als
$Quecksilberchlorr$ oder als $Quecksilbersulfid$, zuweilen auch als
$Oxyd$ gewogen.

a. Das _regulinische Quecksilber_ stellt, wie bekannt, ein bei
gewhnlicher Temperatur flssiges, zinnweisses Metall dar. Im reinen
Zustande zeigt es vollkommen blanke Oberflche, an der Luft ist es bei
gewhnlicher Temperatur vllig unvernderlich. Es siedet bei 360,
verdampft auch schon bei mittlerer Sommertemperatur, jedoch hchst
langsam. Kocht man es mit Wasser anhaltend, so verwandelt sich ebenfalls
ein wenig in Dampf, von welchem Spuren mit den Wasserdmpfen entweichen,
whrend eine hchst geringe Menge im Wasser vertheilt (nicht gelst)
bleibt (vergl. Vers. Nr. 50). Aus dieser Flssigkeit schlgt sich bei
sehr langem Stehen allmlig die Spur darin suspendirten Quecksilbers
vollstndig nieder. Wird Quecksilber aus einer Flssigkeit in fein
zertheilter Form niedergeschlagen, so vereinigen sich die kleinen
Kgelchen leicht zu einer grsseren, wenn das Quecksilber vollkommen
rein ist; hngen demselben aber fremde Materien, wenn auch in geringster
Menge, an, z. B. Spuren von Fett, so wird das Zusammenfliessen des
Quecksilbers dadurch verhindert. -- Das Quecksilber lst sich in
Salzsure, selbst in concentrirter, nicht auf, in verdnnter kalter
Schwefelsure kaum, von Salpetersure oder kochender concentrirter
Schwefelsure hingegen wird es leicht gelst.

b. Das _Quecksilberchlorr_ stellt, auf nassem Wege erhalten, ein
schweres, weisses Pulver dar. In kaltem Wasser ist es fast absolut
unlslich, von kochendem wird es allmlig zersetzt, die Lsung enthlt
Chlor und Quecksilber, der Rckstand wird bei andauerndem Kochen
grau. -- Sehr verdnnte Salzsure lst das Quecksilberchlorr bei
gewhnlicher Temperatur nicht, bei erhhter langsam, in der Siedehitze,
unter Mitwirkung der Luft, allmlig vollstndig; die Lsung enthlt
Quecksilberchlorid (Hg_{2}Cl + ClH + O = 2HgCl + HO). Kochende
concentrirte Salzsure zersetzt das Quecksilberchlorr ziemlich schnell
in zurckbleibendes Quecksilber und sich lsendes Chlorid. -- Kochende
Salpetersure lst es zu Chlorid und salpetersaurem Oxyd, Chlorwasser
und Knigswasser lsen es schon in der Klte zu Chlorid. -- Lsungen
von Salmiak, Chlornatrium und Chlorammonium zersetzen es, wenig in der
Klte, mehr in der Hitze, in Metall und sich lsendes Chlorid. -- Das
Quecksilberchlorr verndert Pflanzenfarben nicht, an der Luft ist
es unvernderlich, bei 100 kann es ohne Gewichtsverlust getrocknet
werden, bei strkerem Erhitzen (noch unter der Glhhitze) verdampft es
vollstndig, ohne vorher zu schmelzen.

Zusammensetzung:

                      2Hg  2501,20  200,10   84,95
                      Cl    443,28   35,46   15,05
                           -----------------------
                           2944,48  235,56  100,00

c. Das _Quecksilbersulfid_ stellt, auf nassem Wege erhalten, ein
schwarzes, in Wasser unlsliches Pulver dar. Salzsure und Salpetersure
lsen es im verdnnten Zustande nicht, heisse concentrirte Salpetersure
greift es kaum, kochende Salzsure nicht an. Von Knigswasser wird
es leicht gelst. Kalilauge, selbst kochende, nimmt es nicht auf,
Schwefelkalium lst es leicht (Vers. Nr. 51), Schwefelammonium sowie
Cyankalium nicht. An der Luft ist es (auch im feuchten Zustande)
unvernderlich, bei 100 erleidet es keine Vernderung. In hherer
Temperatur verdampft es vollstndig ohne Zersetzung.

Zusammensetzung:

                       Hg  1250,6  100,05   86,21
                       S    200,0   16,00   13,79
                           ----------------------
                           1450,6  116,05  100,00

d. Das _Quecksilberoxyd_ stellt ein krystallinisches, ziegelrothes
Pulver dar, welches bei jedesmaligem Erhitzen zinnoberroth, dann
violettschwarz wird. Es ertrgt ziemlich starke Hitze, ohne zersetzt zu
werden; bei anfangender Glhhitze aber zerfllt es in Quecksilber und
Sauerstoff. War es rein, so bleibt zuletzt kein fixer Rckstand.

Zusammensetzung:

                       Hg  1250,6  100,05   92,59
                       O    100,0    8,00    7,41
                           ----------------------
                           1350,6  108,05  100,00


                                 . 64.

                            5. $Kupferoxyd.$

Das Kupfer wird in der Regel als $Oxyd$ gewogen. In diese Verbindung
fhrt man es entweder geradezu ber, oder man fllt es zuerst als
$Schwefelkupfer$. Ausser diesen Formen mssen wir noch das metallische
Kupfer und das Kupferoxydul genauer ins Auge lassen.

a. _Kupferoxyd._ Versetzt man eine verdnnte, kalte wsserige Lsung
eines Kupfersalzes mit berschssigem Kali oder Natron, so entsteht ein
hellblauer, schwer auszuwaschender Niederschlag von Kupferoxydhydrat,
welcher mit der Flssigkeit, aus der er gefllt wurde, in Berhrung,
schon bei Sommerwrme allmlig braunschwarz wird, indem er sein
Hydratwasser fast vollstndig verliert. Dass diese Vernderung sogleich
vor sich geht, wenn man die Flssigkeit bis fast zum Sieden erhitzt, ist
bekannt. -- Die von dem schwarzen Niederschlage abfiltrirte Flssigkeit
ist frei von Kupfer. -- Mischt man die oben genannten Lsungen im
concentrirten Zustande, so erhlt man ausser einem blauen Niederschlage
eine blaue Flssigkeit, welche ihre Farbe sehr fein suspendirtem Hydrat,
verdankt. Aus einer solchen lsst sich auch durch anhaltendes Kochen
nicht alles Kupfer fllen, wohl aber nach vorhergegangener Verdnnung
mit Wasser. -- Enthlt eine Kupferlsung nichtflchtige organische
Substanzen, so wird durch berschssiges Alkali auch beim Kochen niemals
alles Kupfer als Oxyd gefllt. -- Das durch Fllung mit Kali oder
Natron aus heisser verdnnter Lsung erhaltene Oxyd hlt einen Antheil
Alkali mit Hartnckigkeit zurck. Durch Auswaschen mit kochendem Wasser
kann es jedoch vollstndig davon befreit werden. -- Nach dem Glhen
stellt das durch Fllung erhaltene Oxyd wie auch das durch Zersetzung
von kohlensaurem oder salpetersaurem Salz in der Hitze dargestellte,
ein braunschwarzes bis schwarzes Pulver dar, welches selbst bei
heftigem Glhen ber der Weingeistlampe an Gewicht weder ab- noch
zunimmt (Vers. Nr. 52). Bei einer dem Schmelzpunkte des Kupfers nahe
liegenden Temperatur jedoch schmilzt es, verliert Sauerstoff und geht in
Cu_{5}O_{3} ber ($Favre$ und $Maumen$). -- Mit Kohle geglht, wird es
beraus leicht reducirt. An der Luft erhitzt, verbrennt das entstandene
metallische Kupfer wieder zu Oxyd. -- In Berhrung mit der Atmosphre
zieht das Kupferoxyd Wasser an, und zwar schwach geglhtes schneller
als heftig geglhtes (Vers. Nr. 53). -- In Wasser ist das Kupferoxyd
so gut wie unlslich, von Salzsure, Salpetersure etc. wird es leicht
aufgenommen, weniger leicht von Ammon. -- Gegen Pflanzenfarben ist das
Kupferoxyd indifferent.

Zusammensetzung:

                       Cu  396,00  31,68   79,84
                       O   100,00   8,00   20,16
                           ---------------------
                           496,00  39,68  100,00

b. Das auf nassem Wege dargestellte _Schwefelkupfer_ stellt einen
braunschwarzen bis schwarzen, in Wasser so gut wie vllig unlslichen
Niederschlag dar. Im feuchten Zustande der Luft ausgesetzt, wird
er grnlich und lackmusrthend, allmlig verwandelt er sich vllig
in schwefelsaures Kupferoxyd. Das Schwefelkupfer lst sich unter
Abscheidung von Schwefel leicht in kochender Salpetersure, von
Salzsure wird es schwierig gelst. Von Kali- und Schwefelkaliumlsung,
namentlich kochender, wird es nicht, von Schwefelammonium merklich, von
Cyankalium leicht aufgenommen.

c. Das _metallische Kupfer_ stellt, wie bekannt, in reinem Zustande ein
eigenthmlich gefrbtes Metall dar, welches erst in der Weissglhhitze
schmilzt. An trockner oder feuchter kohlensurefreier Luft verndert
sich das Kupfer nicht, an feuchter kohlensurehaltiger Luft luft es
allmlig, zuerst schwarzgrau, dann blaugrn an. -- An der Luft geglht,
berzieht es sich mit einer schwarzen Oxydschicht. -- In Salzsure
lst es sich, bei Luftabschluss, weder in der Klte noch beim Kochen,
bei Gegenwart von Luft langsam. Von Salpetersure wird es leicht
aufgenommen, von Ammon bei Luftabschluss nicht, bei Gegenwart von Luft
langsam. -- Bei Abschluss der Luft mit einer Lsung von Kupferchlorid in
Salzsure oder mit einer ammoniakalischen Kupferoxydlsung in Berhrung,
verwandelt es das Chlorid in Chlorr, das Oxyd in Oxydul, indem fr je 1
Aeq. Chlorid oder Oxyd 1 Aeq. Metall gelst wird.

d. Versetzt man die blaue Lsung, welche man erhlt, wenn man zu
Kupferoxydlsung Weinsure, dann Natronlauge im Ueberschuss bringt,
mit Trauben- oder Milchzuckerlsung und erwrmt, so entsteht ein
pomeranzengelber Niederschlag von Kupferoxydulhydrat, welcher alles in
der Lsung vorhanden gewesene Kupfer enthlt und bald, namentlich bei
strkerem Erhitzen, roth wird, indem das Hydrat in Oxydul (Cu_{2}O)
bergeht. Der in Wasser unlsliche Niederschlag hlt hartnckig Alkali
zurck. Mit verdnnter Schwefelsure behandelt, liefert er sich lsendes
schwefelsaures Kupferoxyd und sich ausscheidendes Metall.


                                 . 65.

                           6. $Wismuthoxyd.$

Das Wismuth wird bei Analysen immer als $Oxyd$ gewogen. Ausser dieser
Verbindung haben wir noch das $basisch kohlensaure Wismuthoxyd$ und das
$Schwefelwismuth$ kennen zu lernen, da diese Formen die Ueberfhrung des
Wismuths in Oxyd in der Regel vermitteln.

a. Das _Wismuthoxyd_ stellt, durch Glhen des kohlensauren oder
salpetersauren Salzes erhalten, ein blasscitronengelbes, in der Hitze
vorbergehend dunkler gelb bis rothbraun erscheinendes Pulver dar. In
starker Rothglhhitze schmilzt es, ohne an Gewicht ab- oder zuzunehmen.
Mit Kohle oder in Kohlenoxyd geglht, wird es zu Metall reducirt. In
Wasser ist es unlslich, gegen Pflanzenfarben indifferent. In den
Suren, welche damit lsliche Salze bilden, lst es sich leicht. Beim
Glhen mit Salmiak liefert es, unter Verpuffung, metallisches Wismuth.

Zusammensetzung:

                    Bi      2599,95   208    89,655
                    O_{3}    300,00    24    10,345
                            -----------------------
                            2899,95   232   100,000

b. _Kohlensaures Wismuthoxyd._

Setzt man zu einer von Salzsure freien Wismuthlsung kohlensaures
Ammon im Ueberschuss, so entsteht sogleich ein weisser Niederschlag von
kohlensaurem Wismuthoxyd (BiO_{3}, CO_{2}), von dem jedoch ein Theil vom
Ueberschuss des Fllungsmittels wieder gelst wird. Erhitzt man aber
das Ganze vor dem Abfiltriren, so ist das Filtrat von Wismuth frei. --
(Kohlensaures Kali schlgt ebenfalls Wismuthlsungen vollstndig nieder.
Der Niederschlag enthlt jedoch bei Anwendung desselben immer Spuren
von Kali, die sich durch Auswaschen nur schwierig entfernen lassen. --
Kohlensaures Natron fllt Wismuthlsungen weniger vollstndig.) Der
Niederschlag lsst sich leicht aussssen. In Wasser ist er so gut wie
unlslich, in Salzsure und Salpetersure lst er sich unter Aufbrausen
mit Leichtigkeit. -- Beim Glhen hinterlsst er Oxyd.

c. Das _Schwefelwismuth_ stellt, auf nassem Wege erhalten, einen
braunschwarzen bis schwarzen Niederschlag dar. Er lst sich nicht in
Wasser, verdnnten Suren, Alkalien, alkalischen Schwefelmetallen und
Cyankalium. Mssig concentrirte Salpetersure lst ihn in der Hitze
unter Abscheidung des Schwefels zu salpetersaurem Salz. An der Luft ist
er unvernderlich, bei 100 lsst er sich, ohne Vernderung zu erleiden,
trocknen.

Zusammensetzung:

                        Bi  2599,95  208   81,25
                        3S   600,00   48   18,75
                            --------------------
                            3199,95  256  100,00


                                 . 66.

                           7. $Cadmiumoxyd.$

Das Cadmium wird entweder als $Oxyd$ oder als $Schwefelcadmium$
gewogen. Ausser diesen Verbindungen interessirt uns zunchst noch das
$kohlensaure Cadmiumoxyd$, da es die Ueberfhrung in Oxyd meistens
vermittelt.

a. Das _Cadmiumoxyd_ stellt, durch Glhen des kohlensauren oder
salpetersauren Salzes erhalten, ein gelbbraunes bis rothbraunes
Pulver dar. Es schmilzt, verdampft und zersetzt sich nicht in der
Weissglhhitze, lst sich nicht in Wasser, leicht in Suren, verndert
Pflanzenfarben nicht. Beim Glhen mit Kohle wird es leicht reducirt,
wobei das Cadmium dampffrmig entweicht.

Zusammensetzung:

                       Cd   696,77  55,74   87,45
                       O    100,00   8,00   12,55
                            ---------------------
                            796,77  63,74  100,00

b. Das _kohlensaure Cadmiumoxyd_ stellt einen weissen, in Wasser und
fixen kohlensauren Alkalien unlslichen, in kohlensaurem Ammon hchst
wenig lslichen Niederschlag dar. Beim Trocknen verliert er sein Wasser
vollstndig, beim Glhen geht er in Oxyd ber.

c. Das auf nassem Wege erhaltene _Schwefelcadmium_ stellt einen
citronengelben bis pomeranzengelben, in Wasser, verdnnten Suren,
Alkalien, alkalischen Schwefelmetallen und Cyankalium unlslichen
Niederschlag dar (Vers. Nr. 54). In concentrirter Salzsure lst er
sich unter Entwicklung von Schwefelwasserstoff, in mssig concentrirter
erhitzter Salpetersure unter Abscheidung von Schwefel. Er lsst sich
ohne Zersetzung auswaschen und bei 100 trocknen.

Zusammensetzung:

                       Cd   696,77  55,74   77,78
                       S    200,00  16,00   22,22
                            ---------------------
                            896,77  71,74  100,00


                   $Metalloxyde der sechsten Gruppe.$

                                 . 67.

                             1. $Goldoxyd.$

Das Gold wird stets im $regulinischen Zustande$ gewogen. Ausser dieser
Form haben wir noch das $Schwefelgold$ hier zu betrachten, da das Gold
nicht selten als solches gefllt wird.

a. Das _metallische Gold_ stellt, durch Fllung erhalten, ein mattes
schwrzlich braunes Pulver dar, welches beim Drcken Metallglanz
annimmt; in zusammenhngender Gestalt zeigt es die bekannte, ihm
eigenthmliche hochgelbe Farbe. Es schmilzt erst in der Weissglhhitze
und lsst sich demzufolge mittelst einer Weingeistlampe unter keinen
Umstnden zum Fluss bringen. An der Luft und beim Glhen ist es
vllig unvernderlich, von Wasser und einfachen Suren wird es nicht
angegriffen, Knigswasser lst es zu Chlorid.

b. _Schwefelgold._ Leitet man durch eine verdnnte, kalte Auflsung
von Goldchlorid Schwefelwasserstoff, so scheidet sich alles
Gold als Schwefelgold (AuS_{3}) in Gestalt eines braunschwarzen
Niederschlages ab. Lsst man den Niederschlag unter der Flssigkeit
stehen, so verwandelt er sich allmlig in metallisches Gold und
freie Schwefelsure. Leitet man Schwefelwasserstoff durch eine warme
Goldchloridlsung, so schlgt sich Goldsulfr (AuS) nieder, unter
gleichzeitiger Bildung von Schwefelsure und Salzsure (2AuCl_{3} +
3HS + 3HO = 2AuS + 6HCl + SO_{3}). -- Das Goldsulfid lst sich nicht
in Wasser, Salzsure oder Salpetersure; von Knigswasser wird es
aufgenommen. Es lst sich nicht in farblosem, fast vollstndig in gelbem
Schwefelammonium; unter Abscheidung von Gold in Kali, vollstndig in
gelbem Schwefelkalium, oder in gelbem Schwefelammonium bei Zusatz von
Kali. Bei gelindem Erhitzen verliert es seinen Schwefel und geht in Gold
ber.


                                 . 68.

                            2. $Platinoxyd.$

Das Platin wird immer als solches gewogen. Gefllt wird es in der Regel
als $Ammonium$- oder $Kaliumplatinchlorid$, selten als $Schwefelplatin$.

a. Das _metallische Platin_ stellt, durch Glhen des Ammonium- oder
Kaliumplatinchlorids erhalten, eine graue, glanzlose, porse Masse
(Platinschwamm) dar. Es ist nur bei den allerhchsten Temperaturgraden
schmelzbar, an der Luft und im strksten Ofenfeuer vllig
unvernderlich. Wasser und einfache Suren greifen es nicht, wsserige
Alkalien kaum an, Knigswasser lst es zu Chlorid.

b. Die Eigenschaften des _Ammoniumplatinchlorids_ haben wir bereits oben
. 49, die des Kaliumplatinchlorids . 47 kennen gelernt.

c. _Schwefelplatin._

Versetzt man eine concentrirte Lsung von Platinchlorid mit
Schwefelwasserstoffwasser, oder leitet man in eine verdnntere
Schwefelwasserstoffgas, so entsteht am Anfang kein Niederschlag,
nach lngerem Stehen brunt sich die Lsung und endlich setzt sich
der Niederschlag ab. Erhitzt man aber die mit Schwefelwasserstoff im
Ueberschuss versetzte Lsung allmlig, zuletzt bis zum Kochen, so
scheidet sich alles gelst gewesene Platin als (von Chlorplatin freies)
Schwefelplatin ab. Dasselbe ist in Wasser unlslich, ebenso in einfachen
Suren, von Knigswasser wird es gelst. Aetzende Alkalien lsen es
theilweise (unter Abscheidung von Platin), alkalische Schwefelmetalle
vollstndig. Leitet man durch Wasser, in welchem Platinsulfid vertheilt
ist, Schwefelwasserstoff, so wird das Platinsulfid unter Aufnahme von
Schwefelwasserstoff (welches sich an der Luft wieder davon trennt)
hell graubraun. -- Setzt man feuchtes Schwefelplatin der Luft aus,
so zerlegt es sich allmlig, Platin wird frei, whrend der Schwefel
in Schwefelsure bergeht. -- Beim Glhen an der Luft verglimmt das
Schwefelplatin zu metallischem Platin.


                                 . 69.

                           3. $Antimonoxyd.$

Das Antimon wird am hufigsten als $Antimonsulfr$, seltener als
$antimonige Sure$ oder im $metallischen Zustande$ gewogen.

a. Fllt man eine mit Weinsure versetzte Lsung von Antimonchlorr mit
Schwefelwasserstoff, so erhlt man einen orangerothen Niederschlag von
_Antimonsulfrhydrat_, mit dem am Anfange etwas basisches Chlorantimon
niederfllt. Sttigt man die Flssigkeit jedoch vollstndig mit
Schwefelwasserstoff und erwrmt gelinde, so wird das mitgefllte
Chlorantimon zersetzt und man erhlt reines Antimonsulfrhydrat,
welches beim Trocknen sein Hydratwasser verliert. Das Antimonsulfr
ist in Wasser und verdnnten Suren unlslich, von concentrirter
Salzsure wird es unter Schwefelwasserstoffentwicklung aufgenommen.
Mit rauchender Salpetersure und etwas Salzsure zusammengebracht,
erleidet es strmische Oxydation zu schwefelsaurem Oxyd. In Kalilauge,
Schwefelammonium und Schwefelkalium lst es sich leicht, in Ammon wenig.
-- Es lsst sich ohne Zersetzung bei 100 trocknen, getrocknet ist es
an der Luft unvernderlich. Kocht man frisch geflltes Antimonsulfr
anhaltend mit Wasser, so zersetzt es sich in Antimonoxyd, welches sich
im Wasser lst, und in Schwefelwasserstoff. Bei Gegenwart von Wasser
lngere Zeit der Luft dargeboten, nimmt es Sauerstoff auf und lst
sich als schwefelsaures Salz. -- Die der antimonigen und Antimonsure
entsprechenden Antimonsulfurete sind in Wasser ebenfalls unlslich, in
Schwefelwasserstoff enthaltendem lsen sie sich ein wenig.

Zusammensetzung:

                      Sb     1612,90  129   72,89
                      S_{3}   600,00   48   27,11
                             --------------------
                             2212,90  177  100,00

b. Die _antimonige Sure_ stellt ein weisses, beim Erhitzen
vorbergehend gelb werdendes, unschmelzbares, feuerbestndiges Pulver
dar. Sie lst sich kaum in Wasser, sehr schwer in Salzsure, mit
Schwefelammonium bergossen erleidet sie keine Vernderung. Auf feuchtes
Lackmuspapier gelegt, zeigt sie saure Reaction.

Zusammensetzung:

                        Sb  1612,90  129   80,13
                        4O   400,00   32   19,87
                            --------------------
                            2012,90  161  100,00

c. Das _metallische Antimon_ stellt, durch Fllung auf nassem Wege
erhalten, ein glanzloses schwarzes Pulver dar. Es ist an und fr sich
in Wasser unlslich, oxydirt sich aber in Berhrung mit demselben
unter Mitwirkung der Luft langsam, wodurch das Wasser einen Gehalt an
Oxyd bekommt. Das Antimonpulver lsst sich ohne Vernderung bei 100
trocknen. In mssiger Glhhitze schmilzt es, in einem Gasstrom, z. B.
in Wasserstoff geglht, verdampft es. Antimonwasserstoff bildet sich
dabei nicht. Von Salzsure, selbst kochender concentrirter, wird es
kaum angegriffen, Salpetersure verwandelt es je nach der Concentration
derselben in mit mehr oder weniger antimoniger Sure gemengtes
Antimonoxyd.


                                 . 70.

                   4. $Zinnoxydul$ und 5. $Zinnoxyd$.

Das Zinn wird in der Regel als $Zinnoxyd$ gewogen. Ausser dieser
Verbindung interessiren uns hier zunchst die beiden $Sulfurete$, da sie
die Ueberfhrung in Oxyd nicht selten vermitteln.

a. _Zinnoxyd._

Oxydirt man metallisches Zinn durch Salpetersure, oder dampft man eine
Zinnlsung mit berschssiger Salpetersure ein, so erhlt man das
Hydrat des Zinnoxyds b. (Metazinnsurehydrat) in Gestalt eines weissen
Niederschlages. Derselbe lst sich nicht in Wasser, Salpetersure und
Schwefelsure, wenig in Salzsure, rthet auch nach vollstndigem
Auswaschen Lackmus. Fllt man dagegen Zinnchloridlsung durch ein
Alkali, durch Glaubersalz oder salpetersaures Ammon, so erhlt man
das Hydrat des Zinnoxyds a., welches sich in Salzsure leicht lst.
-- Beide Hydrate gehen beim Glhen in Zinnoxyd ber. -- Dieses
stellt ein strohgelbes, beim Erhitzen vorbergehend hochgelb bis
braun erscheinendes, Lackmus nicht vernderndes, in Wasser und Suren
unlsliches Pulver dar. Mit einem Ueberschuss von Salmiak geglht,
verflchtigt es sich vollstndig als Chlorid.

Zusammensetzung:

                       Sn  735,30  58,82   78,62
                       2O  200,00  16,00   21,38
                           ---------------------
                           935,30  74,82  100,00

b. Das _Zinnsulfrhydrat_ stellt einen braunen, in Wasser,
Schwefelwasserstoffwasser und verdnnten Suren unlslichen Niederschlag
dar. Derselbe lst sich nicht in Ammon, ziemlich leicht (als Sulfid)
in gelbem Schwefelammonium und Schwefelkalium, leicht in heisser
concentrirter Salzsure. -- Bei abgehaltener Luft erhitzt, verliert er
sein Wasser und geht in wasserfreies Sulfr ber; bei Zutritt der Luft
andauernd gelinde erhitzt, wird er in entweichende schweflige Sure und
zurckbleibendes Oxyd verwandelt.

c. Das _Zinnsulfidhydrat_ stellt einen hochgelben, beim Trocknen dunkler
werdenden Niederschlag dar. Er ist in Wasser unlslich, lst sich aber
ein wenig in Schwefelwasserstoff enthaltendem. Ammon lst ihn schwierig,
Kali und alkalische Schwefelmetalle, wie auch concentrirte heisse
Salzsure leicht. Bei abgehaltener Luft erhitzt, verliert er je nach der
Temperatur zugleich mit dem Wasser 1/2 oder 1 Aeq. Schwefel und geht in
Anderthalb- oder Einfach-Schwefelzinn ber; bei Luftzutritt ganz langsam
erhitzt, geht er in Oxyd ber, whrend schweflige Sure entweicht.


                                 . 71.

                6. $Arsenige Sure$ und 7. $Arsensure$.

Das Arsen wgt man entweder als $arsensaures Bleioxyd$, als
$Arsensulfr$, als $arsensaure Ammonmagnesia$ oder als $basisch
arsensaures Eisenoxyd$.

a. Das _arsensaure Bleioxyd_ stellt im reinen Zustande ein weisses,
in gelinder Glhhitze, in der es zusammenbackt, vorbergehend gelb
erscheinendes, in strkerer Hitze schmelzbares Pulver dar. Bei heftigem
Glhen nimmt es an Gewicht ab, indem es ein wenig Arsensure, welche
als arsenige Sure und Sauerstoff entweicht, verliert. Wir haben in
der Analyse niemals mit diesem reinen Salze, sondern mit einem Gemenge
desselben mit freiem Bleioxyd zu thun.

b. Das _Arsensulfr_ stellt einen hochgelben, in Wasser unlslichen,
in Schwefelwasserstoffwasser spurenweise lslichen Niederschlag dar.
Mit Wasser gekocht oder damit mehrere Tage lang in Berhrung, erleidet
er seine hchst oberflchliche Zersetzung, es lst sich eine Spur
arsenige Sure, whrend sich ein klein wenig Schwefelwasserstoff
entwickelt. Diese Umstnde hindern nicht, dass man den Niederschlag
vollkommen gut mit Wasser auswaschen kann. Er lsst sich, ohne Zerlegung
zu erleiden, bei 100 trocknen, wobei er alles Wasser verliert. Bei
hherer Temperatur nimmt das Schwefelarsen vorbergehend eine braunrothe
Farbe an, schmilzt und verdampft unzersetzt. Alkalien und alkalische
Schwefelmetalle lsen das Schwefelarsen leicht, concentrirte kochende
Salzsure kaum, Knigswasser leicht. -- Rothe rauchende Salpetersure
verwandelt es in Arsensure und Schwefelsure.

Zusammensetzung:

                       As     937,5   75   60,98
                       3S     600,0   48   39,02
                             -------------------
                             1537,5  123  100,00

c. Die _arsensaure Ammonmagnesia_ stellt einen weissen, etwas
durchscheinenden, feinkrystallinischen Niederschlag dar. Derselbe
hat die Formel AsO_{5}, 2MgO, NH_{4}O + 12 aq. Bei 100 verliert es
11 Aeq. Wasser und hat somit, bei dieser Temperatur getrocknet, die
Formel AsO_{5}, 2MgO, NH_{4}O + aq. Beim Glhen verliert es sein Wasser
und Ammon, und geht in AsO_{5}, 2MgO ber. Da aber das entweichende
Ammoniakgas reducirend auf die Arsensure wirkt, so erhlt man einen
Gewichtsverlust, der um so bedeutender ist, je lnger das Glhen
fortgesetzt wird. Der Verlust betrgt 4-12 Proc. des Arsens, welches
in dem Salze enthalten war (H. $Rose$). Die Verbindung lst sich sehr
schwer in Wasser, 1 Thl. des bei 100 getrockneten Salzes erfordert 4926
Thle., 1 Thl. des wasserfreien Salzes 5154 Thle. Wasser von 15. In
ammonhaltigem Wasser lst es sich noch weit schwieriger, 1 Thl. des bei
100 getrockneten Salzes erfordert 9260 Thle., 1 Thl. des wasserfreien
Salzes 9709 Thle. einer Mischung von 1 Thl. Ammonflssigkeit (specif.
Gewicht 0,96) und 7 Thln. Wasser bei 15 C. -- In Salmiak enthaltendem
Wasser ist der Niederschlag weit leichter lslich, 1 Thl. wasserfreies
Salz bedarf 1600 Thle. einer Lsung von 1 Salmiak in 70 Wasser und
1044 Thle. einer solchen von 1 Salmiak in 7 Wasser. -- Gehalt an
Ammon verringert die Lsungsfhigkeit der Salmiaksolution. 1 Thl. des
wasserfreien Salzes bedarf 2790 Thle. einer Flssigkeit zur Lsung,
welche aus 60 Thln. Wasser, 10 Ammon (0,96 specif. Gewicht) und 1
Salmiak gemischt ist und 1810 Thle. einer Mischung von 1 Salmiak, 1
Aetzammonflssigkeit und 6 Wasser. (Vergl. J. pr. Chem. 56, 33.)

d. _Arsensaures Eisenoxyd._ Der weisse, schleimige Niederschlag, welchen
man erhlt, wenn Eisenchlorid mit dem gewhnlichen arsensauren Natron
gefllt wird, hat die Zusammensetzung 2Fe_{2}O_{3}, 3AsO_{5}. Er lst
sich in Ammonflssigkeit mit gelber Farbe. Ausser dieser Verbindung
existiren noch mehrere andere mit grsseren Eisenoxydgehalten; so
Fe_{2}O_{3}, AsO_{5}, welches + 5 aq. niederfllt, wenn man Arsensure
mit essigsaurem Eisenoxyd fllt ($Kotschoubey$), so 2Fe_{2}O_{3},
AsO_{5}, welches man + 12 aq. erhlt, wenn man halb-arsensaures
Eisenoxydul mit Salpetersure oxydirt und Ammon zufgt, so
16Fe_{2}O_{3}, AsO_{5}, welches sich + 24 aq. bildet, wenn die weniger
basischen Verbindungen mit berschssiger Kalilauge gekocht werden
($Berzelius$). Die beiden letzten Verbindungen sind nicht in Ammon
lslich, die letzte gleicht ganz dem Eisenoxydhydrat. -- Bei der
$Berthier$'schen Bestimmungsweise der Arsensure erhlt man Gemenge
dieser verschiedenen Salze. Sie eignen sich, ihrer Unlslichkeit in
Ammon halber, um so besser, je basischer sie sind, auch lassen sie
sich in dem Maasse besser auswaschen. -- Beim Glhen entweicht, sofern
die Hitze sehr allmlig gesteigert wird, nur das Wasser. Setzt man das
Salz aber pltzlich einer starken Hitze aus (bevor das anhaftende Ammon
entwichen ist), so wird hierdurch ein Theil der Arsensure zu arseniger
Sure reducirt (H. $Rose$).


     B. Formen und Verbindungen, welche zur Gewichtsbestimmung oder
                      Scheidungder Suren dienen.

                      $Suren der ersten Gruppe.$

                                 . 72.

      1. $Arsenige$ und $Arsensure$ siehe bei den Basen (. 71).

      2. $Chromsure.$

Die Chromsure wird entweder als $Chromoxyd$ oder als $chromsaures
Bleioxyd$ gewogen.

a. Eigenschaften des _Chromoxyds_ siehe . 55.

b. Das _chromsaure Bleioxyd_ stellt, durch Fllung erhalten, einen
hochgelben Niederschlag dar. Derselbe lst sich nicht in Wasser und
Essigsure, kaum in verdnnter Salpetersure, leicht in Kalilauge.
Concentrirte Salzsure zersetzt ihn beim Kochen leicht (namentlich
bei Zusatz von Alkohol) zu Chlorblei und Chromchlorr. -- An der Luft
ist das chromsaure Bleioxyd unvernderlich, bei 100 lsst es sich
vollkommen trocknen. Beim Erhitzen wird es vorbergehend rothbraun,
in der Glhhitze schmilzt es, ber den Schmelzpunkt hinaus erhitzt,
verliert es Sauerstoff und wird zu einem Gemenge von Chromoxyd und halb
chromsaurem Bleioxyd. Mit organischen Krpern erhitzt, giebt es mit
Leichtigkeit Sauerstoff an dieselben ab.

Zusammensetzung:

                   PbO      1394,64  111,57   68,72
                   CrO_{3}   634,70   50,78   31,28
                            -----------------------
                            2029,34  162,35  100,00

      3. $Schwefelsure.$

Die Schwefelsure wird am besten als $schwefelsaurer Baryt$ bestimmt.
Die Eigenschaften desselben siehe . 50.

      4. $Phosphorsure.$

Die Phosphorsure kann als $phosphorsaures Bleioxyd$, $pyrophosphorsaure
Magnesia$, $basisch phosphorsaures Eisenoxyd$, $phosphorsaures
Zinnoxyd$, $phosphorsaures$ und $pyrophosphorsaures Silberoxyd$
gewogen werden. Ausserdem mssen wir das Verhalten des $phosphorsauren
Quecksilberoxyduls$ und des $phosphorsauren Molybdnsure-Ammons$ kennen
lernen.

a. Das _phosphorsaure Bleioxyd_ erhlt man bei der Analyse in der Regel
nicht rein, sondern gemengt mit freiem Bleioxyd. In diesem Gemenge
haben wir demnach die basische Verbindung (PO_{5}, 3PbO). Dieselbe
stellt im reinen Zustande ein weisses, in der Hitze ohne Zersetzung
schmelzbares, in Wasser und Essigsure, wie auch in Ammon unlsliches,
in Salpetersure leicht lsliches Pulver dar.

b. _Pyrophosphorsaure Magnesia_ siehe . 53.

c. _Basisch phosphorsaures Eisenoxyd._

Fllt man Phosphorsure mit berschssigem essigsaurem Eisenoxyd oder
mit einer Mischung von Eisenalaun und essigsaurem Natron, so erhlt
man nach $Rwsky$ ein phosphorsaures Eisenoxyd, welches constant nach
der Formel PO_{5}, Fe_{2}O_{3} zusammengesetzt ist. Es wird dies
bezweifelt (Jahresb. von $Liebig$ und $Kopp$ 1847 u. 1848. 946) und
in Abrede gestellt von $Way$ u. $Ogston$ (ebendaselbst 1849. 571). --
$Wittstein$ erhielt PO_{5}, Fe_{2}O_{3}, wenn er Phosphorsure mit
essigsaurem Eisenoxyd eben ausfllte, dagegen 3PO_{5}, 4Fe_{2}O_{3},
wenn essigsaures Eisenoxyd im Ueberschuss angewendet wurde.

Phosphorsaures Eisenoxyd von der Formel PO_{5}, Fe_{2}O_{3}
erhielt $Rammelsberg$ (+ 4 aq.) und spter $Wittstein$ (+ 8 aq.)
durch Vermischen von schwefelsaurem Eisenoxyd mit berschssigem
phosphorsaurem Natron, whrend letzterer bei unzureichender Menge von
phosphorsaurem Natron einen mehr gelblichen Niederschlag erhielt,
welcher die Formel 3(Fe_{2}O_{3}, PO_{5} + 8 aq.) + (Fe_{2}O_{3}, 3HO)
hatte.

Versetzt man eine $viel$ berschssige Phosphorsure enthaltende saure
Flssigkeit mit wenig Eisenoxydlsung, dann mit essigsaurem Alkali, so
erhlt man einen Niederschlag von der Formel 3PO_{5}, 2Fe_{2}O_{3}, 3HO
+ 10 aq., welcher beim Glhen 3PO_{5}, 2Fe_{2}O_{3} hinterlsst. Diese
Angabe sttzt sich auf eine Analyse von $Will$ und mir einerseits (Ann.
Chem. Pharm. 50, 379), sowie auf eine weitere von mir ausgefhrte,
welche mit einem neu dargestellten Salze und zu ganz verschiedener Zeit
angestellt wurde. Um einen Niederschlag von dieser Zusammensetzung zu
erhalten, muss offenbar viel Phosphorsure im Ueberschuss vorhanden
sein, denn $Wittstein$ erhielt, als er schwefelsaures Eisenoxyd mit
phosphorsaurem Natron bei Gegenwart von Essigsure fllte, PO_{5},
Fe_{2}O_{3}.

Zusammensetzung:

                 PO_{5}        892,041   71,36   47,16
                 Fe_{2}O_{3}  1000,000   80,00   52,84
                              ------------------------
                              1892,041  151,36  100,00

                 3PO_{5}       2676,12  214,08   57,22
                 2Fe_{2}O_{3}  2000,00  160,00   42,78
                               -----------------------
                               4676,12  374,08  100,00

Lst man phosphorsaures Eisenoxyd in Salzsure, bersttigt mit Ammon
und erhitzt, so erhlt man basischere Salze, 2PO_{5}, 3Fe_{2}O_{3}
($Rammelsberg$), PO_{5}, 2Fe_{2}O_{3} ($Wittstein$, nach lngerem
Auswaschen). In der ablaufenden Flssigkeit war bei $Wittstein$'s
Versuch Phosphorsure enthalten. Das phosphorsaure Eisenoxyd von weisser
Farbe lst sich nicht in Essigsure, wohl aber in einer Lsung von
essigsaurem Eisenoxyd.

Kocht man letztere Lsung, so schlgt sich mit dem basisch essigsauren
Eisenoxyd alle Phosphorsure als berbasisch phosphorsaures Eisenoxyd,
PO_{5}, 15Fe_{2}O_{3} ($Rammelsberg$), nieder. Letztere Verbindung
erhlt man stets (mit freiem Eisenoxydhydrat gemengt), wenn man eine
Lsung, welche Phosphorsure und berschssiges Eisenoxyd enthlt, mit
Ammon fllt. Dieser Niederschlag ist in Wasser, wie in Ammon unlslich,
oder richtiger sehr schwer lslich; Schwefelammonium frbt die von dem
Niederschlage abfiltrirte Flssigkeit nach einigem Stehen grnlich.
Beim Aussssen mit kaltem Wasser luft dasselbe bald gelb ab. Dies ist
in noch hherem Grade der Fall bei Anwendung ammonhaltigen Wassers
(H. $Rose$).

d. Das _phosphorsaure Zinnoxyd_ erhlt man bei der Analyse niemals rein,
sondern stets gemengt mit berschssigem Zinnoxydhydrat und, nach dem
Glhen, Zinnoxyd. Es hat im Allgemeinen dieselben Eigenschaften wie das
reine Oxyd, beziehungsweise dessen Hydrate.

e. Das _dreibasische phosphorsaure Silberoxyd_ stellt ein hochgelbes,
in Wasser unlsliches, in Salpetersure, wie auch in Ammon leicht
lsliches, in Ammonsalzen schwierig lsliches Pulver dar. An der
Luft ist es unvernderlich, beim Glhen frbt es sich vorbergehend
rothbraun, in starker Glhhitze schmilzt es ohne Zersetzung.

Zusammensetzung:

                    3AgO    4348,98  347,91   82,98
                    PO_{5}   892,04   71,36   17,02
                            -----------------------
                            5241,02  419,27  100,00

f. Das _pyrophosphorsaure Silberoxyd_ stellt ein weisses, in Wasser
selbst beim Kochen unvernderliches und unlsliches, in Ammon wie
auch in Salpetersure leicht lsliches Pulver dar. Es ist an der
Luft unvernderlich, beim Erhitzen schmilzt es, noch etwas unter der
Glhhitze, ohne Zersetzung zu einer dunkelbraunen, beim Erkalten zu
einer weissen strahligen Masse erstarrenden Flssigkeit.

Zusammensetzung:

                 2AgO       2899,32   231,94   76,47
                 bPO_{5}     892,04    71,36   23,53
                            ------------------------
                            3791,36   303,30  100,00

g. _Phosphorsaures Quecksilberoxydul._ Dieses Salz wird nicht benutzt,
um die Phosphorsure in dieser Form zu wgen; es vermittelt aber die
Abscheidung derselben von vielen Basen nach H. $Rose$'s Methode. Es
stellt eine weisse krystallinische Masse oder ein solches Pulver dar,
ist in Wasser unlslich, in Salpetersure lslich, geht beim Rothglhen
unter Entwicklung von Quecksilberdmpfen in geschmolzenes phosphorsaures
Quecksilberoxyd ber. Mit kohlensauren Alkalien geschmolzen, liefert es
phosphorsaures Alkali und entweichenden Quecksilberdampf.

h. _Phosphorsaures Molybdnsure-Ammon._ Diese Verbindung dient
ebenfalls als hchst wichtige Form, um die Phosphorsure von anderen
Krpern zu scheiden. Sie stellt einen hochgelben, sich leicht
absetzenden Niederschlag dar, welcher nach $Sonnenschein$ (im Mittel)
besteht aus

                  Ammoniumoxyd und Wasser       11,18
                  Phosphorsure                  3,02
                  Molybdnsure                 85,80
                                               ------
                                               100,00

Im reinen Zustande lst sie sich in kaltem Wasser wenig, in heissem
ist sie lslich. Aetzende, kohlensaure und phosphorsaure Alkalien,
Chlorammonium und oxalsaures Ammon lsen sie schon in der Klte
leicht, schwefelsaures Ammon wenig, salpetersaures Ammon sehr wenig,
salpetersaures Kali und Chlorkalium wenig. In schwefelsaurem Kali und
Natron, Chlornatrium und Chlormagnesium, Schwefelsure (concentrirter
wie verdnnter), Salzsure (starker wie verdnnter), Salpetersure
(starker wie verdnnter) ist sie lslich. Die lsende Wirkung der
genannten Krper wird durch Erhitzen nicht aufgehoben. -- Das Verhalten
gegen Lsungsmittel ndert sich total bei Gegenwart von molybdnsaurem
Ammon, so dass sie dann in Suren auch beim Kochen fast unlslich ist.
Die Auflsung in Suren geschieht wahrscheinlich in allen Fllen unter
Zersetzung und Abscheidung der Molybdnsure, was bei Gegenwart von
molybdnsaurem Ammon verhindert wird. (J. $Craw$, Chem. Gaz. 1852. 216.
-- Pharm. Centralbl. 1852. S. 670.)

      5. $Borsure.$

Die Borsure wird gewhnlich indirect bestimmt. Die einzige Form,
welche wir kennen lernen mssen, ist das _borsaure Bleioxyd._ Dasselbe
stellt im reinen Zustande ein weisses, in Wasser schwer lsliches Pulver
dar. Es schmilzt in der Hitze ohne Zerlegung zu einem klaren Glase. In
der Analyse erhalten wir es niemals im reinen Zustande, sondern immer
gemengt mit Bleioxyd.

      6. $Oxalsure.$

Die Form, in der die Oxalsure in der Regel gefllt wird, ist der
_oxalsaure Kalk_. Zum Behufe der Bestimmung fhrt man diesen meist in
kohlensauren Kalk ber. -- Die Eigenschaften dieser beiden Verbindungen
siehe . 52.

      7. $Fluorwasserstoffsure.$

Die Flusssure wird, wenn sie direct bestimmt wird, immer als
_Fluorcalcium_ gewogen. Dasselbe stellt, durch Fllung erhalten,
einen gallertartigen, schwer auszuwaschenden Niederschlag dar. Vor
dem Abfiltriren mit Ammon digerirt, wird er dichter und weniger
gallertartig. In Wasser ist er vllig unlslich, ebenso in wsserigen
Alkalien. Verdnnte Salzsure lst ihn kaum, concentrirte mehr.
Schwefelsure zerlegt ihn in Gyps und Fluorwasserstoffsure. An der Luft
und beim Glhen ist das Fluorcalcium unvernderlich, in sehr heftiger
Glhhitze schmilzt es. Beim Glhen mit Salmiak nimmt das Gewicht des
Fluorcalciums bestndig ab, aber die Zersetzung ist unvollstndig.

Zusammensetzung:

                       Ca     250,0  20   51,28
                       Fl     237,5  19   48,72
                              -----------------
                              487,5  39  100,00

      8. $Kohlensure.$

Die Kohlensure wird, wenn sie direct bestimmt wird, gewhnlich als
$kohlensaurer Kalk$ gewogen. Die Eigenschaften desselben siehe . 52.

      9. $Kieselsure.$

Die Kieselsure wird stets als solche gewogen, und zwar in ihrer
unlslichen Modification.

Sie stellt in dieser, knstlich erhalten, ein weisses, in Wasser, wie
auch in Suren unlsliches, in Kalilauge, wie auch in den Lsungen der
fixen kohlensauren Alkalien, lsliches Pulver dar. An der Luft und
beim Glhen ist dieselbe vllig unvernderlich, nur in den strksten
Hitzgraden schmilzt sie. -- Pflanzenfarben verndert sie nicht.

Dampft man die Lsung der lslichen Modification der Kieselsure in
Wasser oder einer flchtigen Sure (Flusssure ausgenommen) ab, so
bleibt zuerst die Kieselsure als gallertartiges Hydrat zurck. Dieses
trocknet an der Luft zu 3SiO_{2}, HO, bei 100 zu 4SiO_{2}, HO aus
(J. $Fuchs$) und stellt dann ein lockeres weisses Pulver dar, welches
beim Glhen sein Wasser verliert. Beim Entweichen der Dmpfe wirbeln
von dem hchst feinen Pulver leicht Theilchen auf. Knstlich bereitete
Kieselsure, mit Salmiak geglht, verliert anfangs an Gewicht, spter,
wenn sie durch das Glhen dichter geworden, nicht mehr.

Zusammensetzung:

                       Si  185,18  14,81   48,08
                       2O  200,00  16,00   51,92
                           ---------------------
                           385,18  30,81  100,00

Das gallertartige (nicht das pulvrige) Kieselsurehydrat ist in Wasser
und Salzsure etwas lslich. 1 Thl. Kieselsure erfordert in diesem
Zustande 7700 Thle. Wasser, 11000 kalte und 5500 kochende Salzsure von
1,115 specif. Gewicht (J. $Fuchs$).


                      $Suren der zweiten Gruppe.$

                                 . 73.

      1. $Chlorwasserstoffsure.$

Die Form, in der dieselbe fast allein bestimmt wird, ist das
_Chlorsilber_. Die Eigenschaften desselben siehe . 61.

      2. $Bromwasserstoffsure.$

Die Bromwasserstoffsure bestimmt man immer als _Bromsilber_. Dasselbe
stellt, auf nassem Wege erhalten, einen gelblich weissen Niederschlag
dar. Es ist in Wasser und Salpetersure vllig unlslich, in Ammon
ziemlich lslich, es lst sich in heisser Salmiaklsung, sehr wenig
hingegen in salpetersaurem Ammon. Chlor zerlegt es auf nassem und
trocknem Wege und verwandelt es unter Abscheidung des Broms in
Chlorsilber. -- Am Lichte wird es allmlig grau, endlich schwarz. Beim
Erhitzen schmilzt es zu einem rthlichen, beim Erkalten eine gelbe
hornhnliche Masse darstellenden Fluidum. -- Mit Zink und Wasser in
Berhrung wird es zerlegt. Es entsteht ein Schwamm von metallischem
Silber, die Lsung enthlt Zinkbromr.

Zusammensetzung:

                      Ag  1349,66  107,97   57,46
                      Br   999,62   79,97   42,54
                          -----------------------
                          2349,28  187,94  100,00

      3. $Jodwasserstoffsure.$

Die Jodwasserstoffsure bestimmt man in der Kegel als $Jodsilber$,
zuweilen als $Palladiumjodr$.

a. Das _Jodsilber_ stellt, auf nassem Wege erhalten, einen hellgelben,
in Wasser und verdnnter Salpetersure unlslichen, in Ammon kaum
lslichen Niederschlag dar. Chlor zerlegt es auf nassem wie trocknem
Wege. Heisse concentrirte Salpetersure und Schwefelsure verwandeln
es etwas schwierig unter Austreibung des Jods in die entsprechenden
Silberoxydsalze. -- Am Lichte schwrzt sich das Jodsilber. Beim Erhitzen
schmilzt es ohne Zersetzung zu einer rthlichen Flssigkeit, welche beim
Erkalten zu einer gelben schneidbaren Masse erstarrt. Von Zink wird es
bei Gegenwart von Wasser unter Abscheidung metallischen Silbers und
Bildung von Zinkjodr zerlegt.

Zusammensetzung:

                      Ag  1349,66  107,97   45,98
                      J   1586,00  126,88   54,02
                          -----------------------
                          2935,66  234,85  100,00

b. Das durch Fllung eines Jodalkalimetalls mit Palladiumchlorr
erhaltene _Palladiumjodr_ stellt einen dunkel braunschwarzen, flockigen
Niederschlag dar. Derselbe lst sich nicht in Wasser, ein wenig in
Salzlsungen (Kochsalz, Chlormagnesium, Chlorcalcium etc.), nicht in
verdnnter Salzsure. An der Luft ist derselbe unvernderlich, an der
Luft getrocknet enthlt er 1 Aeq. Wasser = 5,05 Procent. Anhaltend
im Vacuum oder bei hherer Temperatur (70-80) getrocknet, verliert
derselbe sein Wasser vollstndig ohne Jodverlust. Bei 100 getrocknet,
verliert er eine Spur, bei 300-400 alles Jod. Mit heissem Wasser kann
er gewaschen werden, ohne Jod zu verlieren.

Zusammensetzung:

                      Pd   665,48   53,24   29,57
                      J   1586,00  126,88   70,43
                          -----------------------
                          2251,48  180,12  100,00

      4. Cyanwasserstoffsure.

Die Cyanwasserstoffsure wgt man, sofern man sie direct bestimmt, stets
als $Cyansilber$. Die Eigenschaften desselben siehe . 61.

      5. Schwefelwasserstoffsure.

Die Formen, in die man den Schwefelwasserstoff oder den Schwefel in
Schwefelmetallen bei der Analyse berfhrt, sind das $Arsensulfr$ oder
der $schwefelsaure Baryt$. Die Eigenschaften des ersteren finden sich
. 71, die des letzteren . 50.


                      $Suren der dritten Gruppe.$

                                 . 74.

      1. $Salpetersure$ und 2. $Chlorsure$.

Beide Suren werden niemals direct, das heisst in Verbindungen, in
denen sie enthalten sind, sondern immer auf indirecte Weise bestimmt.
Die Krper, mit denen man dabei zu thun bekommt, sind uns bereits im
Frheren bekannt geworden.

                   *       *       *       *       *


                          $Vierter Abschnitt.$

                 Die Gewichtsbestimmung der Krper[6].

                                 . 75.

Nachdem wir im vorhergehenden Abschnitte die Formen und Verbindungen
der Krper, in welchen sie von anderen abgeschieden oder ihrem Gewichte
nach bestimmt werden, in Bezug auf Eigenschaften und Zusammensetzung
kennen gelernt haben, betrachten wir nunmehr die speciellen Methoden,
nach denen die einzelnen Krper zum Behufe der Gewichtsbestimmung oder
Trennung in diese Formen oder Verbindungen gebracht werden. Es ist nicht
mglich, hierbei Vieles zusammenzufassen, indem man fast bei jedem
Krper die oder jene Umstnde zu beachten hat, welche, so kleinlich sie
auch oft erscheinen mgen, so wichtig fr die Gewinnung richtiger und
genauer Resultate sind.

  [6] Die Ueberschrift dieses Abschnittes knnte mglichenfalls zu der
      Meinung Veranlassung geben, es seien in demselben die Maassmethoden
      nicht enthalten. Es ist dies jedoch der Fall; denn auch das Ziel
      dieser Methoden ist ja die Ermittelung des $Gewichts$ der Krper.
      Worin sie sich unterscheiden, ist nur die Methode, nach welcher sie
      dies Ziel erreichen.

Fassen wir dies einerseits ins Auge und denken wir ferner daran, von
welchem Belange es ist, bei der Trennung der Krper, dem eigentlichen
End- und Zielpunkt der quantitativen Analyse, einen klaren Ueberblick zu
gewinnen, so drngt sich uns die Meinung auf, dass es zweckmssig sein
msse, den Theil, in welchem vorzglich die bei der Gewichtsbestimmung
so nothwendigen praktischen Regeln abzuhandeln sind, von dem anderen,
der die Lehre von der Trennung der Krper enthalten soll, zu scheiden.
-- Dieser Ueberzeugung folgend, handeln wir denn im gegenwrtigen
Abschnitte nur von der Gewichtsbestimmung der Krper, worunter wir ihre
Bestimmung in Verbindungen verstehen, die nur eine Basis und eine Sure
oder ein Metall und ein Metalloid enthalten, und gehen erst im fnften
Abschnitte, uns sttzend auf die bis dahin weiter gewonnenen Kenntnisse,
zu der Trennung der Krper ber. -- Wir wollen, wie wir es schon in
der qualitativen Analyse gethan haben, die Suren des Arsens, ihres
Verhaltens zu Schwefelwasserstoff halber, bei den Basen abhandeln.

Bei jedem Krper werden wir zwei Punkte zu bercksichtigen haben,
nmlich erstens die Art, wie er im isolirten Zustande oder in seinen
verschiedenen Verbindungen am zweckmssigsten in Lsung gebracht
wird, $seine Auflsung$, und zweitens die Methoden, nach welchen er
in wgbare Form bergefhrt oder nach denen berhaupt -- etwa auch
mit Hlfe einer Maassmethode -- seine Quantitt ermittelt wird,
$seine Bestimmung$. Bei der letzteren haben wir einmal die praktische
_Ausfhrung_ nebst ihrer Begrndung, sodann die _Genauigkeit_ der
Bestimmungsmethode zu besprechen. Jeder nmlich, der sich nur irgend
mit Ausfhrung quantitativer Analysen beschftigt, lernt schon in den
ersten Tagen, dass die gefundene Menge einer Substanz fast nie absolut
genau mit derjenigen bereinstimmt, welche man htte finden mssen,
und dass es Zufall ist, wenn dies einmal eintritt. Man ersieht leicht,
dass es wichtig ist, den Grund dieser Thatsache, sowie die Grenzen der
Ungenauigkeit bei den einzelnen Methoden kennen zu lernen.

Was zuerst den Grund der Ungenauigkeit anbelangt, so liegt er entweder
$nur in der Ausfhrung$ oder er liegt $gleichzeitig in der Methode$.
Im letzteren Falle sagt man, die Methode sei mit einer Fehlerquelle
behaftet. -- Fragt man, ob denn durch grosse Sorgfalt $die Ausfhrung$
nicht absolut genau gemacht werden knne, so muss geantwortet werden,
dass man sich dem Ziele zwar bedeutend nhern knne, ohne aber im Stande
zu sein, es je ganz zu erreichen. -- Um sich davon zu berzeugen,
darf man sich nur erinnern, dass unsere Gewichte und Messgefsse nie
absolut genau, unsere Wagen nicht absolut richtig, unsere Reagentien
nicht absolut rein sind, dass wir die Wgungen nicht auf den leeren
Raum reduciren und dass, auch wenn wir dies thun, nur annhernde
Grssen als Anhaltspunkte zur Berechnung gegeben sind, -- dass sich
der Feuchtigkeitszustand der Luft ndert zwischen dem Wgen des leeren
und des die Substanz enthaltenden Tiegels, -- dass wir das Gewicht
einer Filterasche nur annhernd wissen, -- dass beim Abdampfen vieler
Flssigkeiten Spuren der gelsten sonst fixen Salze mit verdampfen, dass
alles Aussplen und Auswaschen, desgleichen das Abhalten von Staub etc.
nicht absolut ist etc.

Was den zweiten Punkt, die $Fehlerquellen$ der Methoden, betrifft,
so sind diese meist darin begrndet, dass Niederschlge nicht vllig
unlslich, zu glhende Verbindungen nicht vllig feuerbestndig sind, zu
trocknende Krper ein wenig verdampfen etc. -- Wollte man ganz streng
verfahren, so knnte man wohl keine einzige Methode als vllig frei von
solchen Mngeln bezeichnen, ist doch selbst der schwefelsaure Baryt
nicht ganz unlslich in Wasser. Wenn wir daher im Folgenden Methoden als
von Fehlerquellen frei bezeichnen, so verstehen wir darunter, dass darin
nicht die Ursachen erheblicher Unrichtigkeiten begrndet sind. --

Bei allen Analysen sind wir demnach von Ursachen der Ungenauigkeit
umgeben. Es ist begreiflich, dass diese sich bald addiren, bald
compensiren, und dass hierdurch ein Schwanken zwischen zwei Grenzpunkten
entsteht. Diese Punkte pflegt man die Fehlergrenzen einer Methode zu
nennen. Bei ihrer Feststellung ist tadellose Arbeit vorausgesetzt,
denn die Unrichtigkeiten, welche Folge schlechter Reagentien, falschen
Wgens, unvollstndigen Auswaschens, Trocknens oder Glhens sind, lassen
sich ja einer Berechnung nicht einverleiben.

Die genannten Grenzpunkte liegen, wenn die Methode von Fehlerquellen
frei ist, sehr nahe bei einander; so wird man bei Chlorbestimmungen,
wenn man sich recht viel Mhe giebt, statt 100 Theilen Chlor jedesmal
zwischen 99,9 und 100,1 bekommen knnen, whrend man bei weniger guten
Methoden auf weit grssere Differenzen gefasst sein muss; so wird man
bei Strontianbestimmungen mittelst Schwefelsure leicht statt 100,0
Theilen Strontian nur 99,0 oder noch weniger bekommen. Wir werden
auf die Kritik der Methoden in dieser Beziehung unser Augenmerk ganz
besonders richten.

Bei den Angaben, welche Genauigkeit bei directen Versuchen erreicht
wurde, behalte ich die Bezeichnung bei, welche ich soeben gewhlt habe,
d. h. ich werde angeben, wie viel statt 100 Theilen, welche htten
gefunden werden mssen, wirklich erhalten worden sind. Ich bemerke ein
fr allemal, dass die Zahlen sich auf die zu bestimmende Substanz,
z. B. Chlor, Stickstoff, Baryt beziehen, nicht auf die Verbindungen,
in denen dieselben gewogen wurden, z. B. Chlorsilber, Platinsalmiak,
schwefelsauren Baryt; denn nur nach dieser Darstellungsweise wird die
Genauigkeit verschiedener Bestimmungsmethoden vergleichbar.

Ehe wir nun zu den einzelnen Krpern bergehen, mache ich noch darauf
aufmerksam, dass $eine$ mit der Berechnung bereinstimmende Analyse
nicht immer zu der Meinung berechtigt, man habe vortrefflich gearbeitet.
Gar hufig ereignet es sich am Anfang, dass man hier etwas verschttet,
dafr an einem anderen Orte nicht vollstndig auswscht u. dergl., so
dass das Endresultat doch scheinbar ganz richtig ausfllt. -- Als Regel
kann man feststellen, dass eine Analyse bessere Arbeit beurkundet, wenn
sie einen kleinen Verlust zeigt, als wenn sie einen Ueberschuss
ergiebt. --

$Als ein allgemein anwendbares, gegen falsche Resultate schtzendes
Mittel verdient endlich noch aufs Nachdrcklichste empfohlen zu werden,
dass man nach dem Wgen einer Substanz ihre Eigenschaften$ ($Farbe$,
$Zustand des Geschmolzenseins$, $Lslichkeit$, $Reaction$ etc.) $mit denen
vergleicht, welche sie zeigen muss$. Ich lasse aus diesem Grunde alle
Krper, welche im Laufe einer Analyse gewogen worden sind, zwischen
Uhrglsern aufheben, bis die ganze Arbeit fertig ist. Es bleibt so
stets die Mglichkeit, jeden Krper nochmals auf eine Verunreinigung
zu prfen, auf deren mgliches Vorhandensein man manchmal erst spter
aufmerksam wird. -- Da die Eigenschaften der zur Wgung kommenden
Krper im vorigen Abschnitte ausfhrlich besprochen sind, begnge ich
mich hier damit, auf die bezglichen Paragraphen zu verweisen. -- Flle,
in welchen eine im ersten Abschnitt unter den allgemeinen Operationen
aufgefhrte Verfahrungsweise besondere Bercksichtigung verdient, werde
ich dadurch bemerklich machen, dass ich den betreffenden Paragraphen in
Parenthese beifge.


    I. $Die Gewichtsbestimmung der Basen in Verbindungen, in welchen
          nur eine Base und eine Sure oder ein Metall und ein
                        Metalloidenthalten ist.$

                            $Erste Gruppe.$

              $Kali$, $Natron$, $Ammoniumoxyd$ ($Ammon$).

                                 . 76.

                               1. $Kali.$

      a. Auflsung.

Das Kali und seine mit den hier in Betracht kommenden unorganischen
Suren gebildeten Salze werden in Wasser gelst, von welchem sie alle
leicht oder ziemlich leicht aufgenommen werden. -- Kalisalze mit
organischen Suren werden durch andauerndes Glhen in bedeckten Tiegeln
in kohlensaures Kali bergefhrt.

      b. Bestimmung.

Das Kali wird nach . 47 entweder als _schwefelsaures_ oder
_salpetersaures Kali_, als _Chlorkalium_ oder _Kaliumplatinchlorid_
gewogen. --

Man verwandelt zweckmssig in

  1. $Schwefelsaures Kali$: Kalisalze mit starken flchtigen Suren,
     z. B. Chlorkalium, Bromkalium, salpetersaures Kali etc.

  2. $Salpetersaures Kali$: Kaustisches Kali und Verbindungen des Kalis
     mit schwachen, flchtigen, durch Salpetersure nicht zerlegt
     werdenden Suren, z. B. kohlensaures Kali (Kalisalze mit
     organischen Suren).

  3. $Chlorkalium$: Im Allgemeinen Kalisalze mit schwachen, flchtigen,
     durch Salpetersure zerlegt werdenden Suren, z. B. Schwefelkalium;
     ferner im Besonderen schwefelsaures, chromsaures, chlorsaures und
     kieselsaures Kali.

  4. $Kaliumplatinchlorid$: Kalisalze mit nicht flchtigen, in Alkohol
     lslichen Suren, z. B. phosphorsaures, borsaures Kali.

Im borsauren Kali lsst sich das Kali auch als schwefelsaures Kali
bestimmen (. 107), im phosphorsauren Kali als Chlorkalium (. 106).

Als Kaliumplatinchlorid kann man ausser in den angefhrten, das Kali
berhaupt in allen Salzen bestimmen, deren Suren in Alkohol auflslich
sind. Diese Bestimmungsform des Kalis ist ferner deswegen besonders
wichtig, weil es die ist, in welcher es vom Natron etc. geschieden wird.

1. _Bestimmung als schwefelsaures Kali._

Hat man schwefelsaures Kali in wsseriger Lsung, so dampft man sie ab,
glht den Rckstand in einem Platintiegel oder einer Platinschale und
wgt ihn (. 25). Vor dem Glhen muss der Salzrckstand lngere Zeit
getrocknet werden, die Glhhitze ist sehr allmlig zu steigern, der
Tiegel oder die Schale muss wohl bedeckt sein, anderenfalls erleidet
man durch Decrepitation Verlust. -- Ist freie Schwefelsure zugegen,
bekommt man demnach beim Abdampfen doppelt schwefelsaures Kali, so
ist der Ueberschuss der Schwefelsure mit doppelt kohlensaurem Ammon
hinwegzuschaffen (siehe . 47). --

Eigenschaften des Rckstandes siehe ebendaselbst. Man beachte
namentlich, dass sich derselbe klar lsen und dass die Lsung neutral
reagiren muss. -- Sollten Spuren von Platin zurckbleiben, so sind
diese zu wgen und abzuziehen. -- Die Methode erfordert vorsichtige
Ausfhrung, schliesst aber keine Fehlerquelle ein. --

Um die oben bezeichneten Salze (Chlorkalium etc.) in schwefelsaures Kali
zu verwandeln, wird ihre wsserige Lsung mit einer Quantitt reiner
Schwefelsure versetzt, welche mehr als hinreicht, um alles Kali zu
binden, die Flssigkeit abgedampft und der Rckstand geglht. Da das
Austreiben grsserer Mengen von Schwefelsurehydrat sehr unangenehm
ist, so vermeide man einen bedeutenden Ueberschuss. Sollte man zu wenig
genommen haben, so merkt man dies leicht daran, dass zuletzt keine
Dmpfe von Schwefelsurehydrat entweichen. Man befeuchtet alsdann den
Rckstand aufs Neue mit verdnnter Schwefelsure, verdampft und glht
wieder. Kleinere Mengen von Chlorkalium etc. kann man im trockenen
Zustande im Platintiegel selbst vorsichtig mit verdnnter Schwefelsure
behandeln, vorausgesetzt, dass der Tiegel gerumig ist. -- Bei Brom- und
Jodkalium sind Platingefsse zu vermeiden.

2. _Bestimmung als salpetersaures Kali._

Allgemeines Verfahren wie in 1. Das salpetersaure Kali darf nur sehr
gelinde erhitzt werden, bis es eben geschmolzen ist, sonst erleidet man
in Folge entweichenden Sauerstoffs Verlust. -- Eig. des Rckst. . 47.
Die Ausfhrung der Methode ist leicht, die Resultate sind genau. -- Bei
dem Ueberfhren des kohlensauren Kalis in salpetersaures ist . 21 zu
bercksichtigen.

3. _Bestimmung als Chlorkalium._

Allgemeines Verfahren wie in 1. Das Chlorkalium muss vor dem Glhen
ebenso und aus demselben Grunde wie das schwefelsaure Kali behandelt
werden. Es muss in wohlbedeckten Tiegeln und nicht zu stark geglht
werden, sonst erleidet man durch Verdampfung Verlust. Freie Sure
erfordert keine besondere Rcksicht. -- Eigenschaften des Rckstandes
. 47. Die Methode liefert bei gehriger Vorsicht ganz genaue Resultate.

Will man bei Bestimmung des Kalis im kohlensauren Kali das Aufbrausen
vermeiden, wie dies bei in Tiegeln befindlichen, geglhten Rckstnden
von Kalisalzen mit organischen Suren oft der Fall ist, so bringt man
das kohlensaure Salz mit Salmiaklsung zusammen. Die letztere muss etwas
im Ueberschuss zugesetzt werden. Man erhlt alsdann beim Abdampfen und
Glhen Chlorkalium, whrend das entstandene kohlensaure Ammon und der
Ueberschuss des Chlorammoniums entweichen. --

Wie die oben besonders angefhrten Kaliverbindungen in Chlorkalium
bergefhrt werden, wird in der Abtheilung II. dieses Abschnittes bei
den entsprechenden Suren angegeben werden.

4. _Bestimmung als Kaliumplatinchlorid._

[Greek: a]. Ist eine flchtige Sure, z. B. Salpetersure, Essigsure
etc. zugegen, so versetzt man die Lsung mit Salzsure, fgt
Platinchlorid im Ueberschuss zu und verdampft in einer Porzellanschale
im Wasserbad bis fast zur Trockne. Den Rckstand bergiesst man mit
Weingeist von etwa 80 Procent, lsst eine Zeit lang stehen und bringt
alsdann das ungelst bleibende Kaliumplatinchlorid auf ein gewogenes
Filter (was mit Hlfe einer mit Weingeist gefllten Spritzflasche sehr
leicht bewerkstelligt werden kann), ssst mit Weingeist aus, trocknet
bei 100 und wgt, . 33.

[Greek: b]. Ist eine nicht flchtige Sure, z. B. Phosphorsure oder
Borsure zugegen, so bringt man das Salz erst in concentrirte wsserige
Lsung, fgt alsdann Salzsure und Platinchlorid im Ueberschuss zu,
versetzt mit einer ziemlichen Menge mglichst starken Alkohols, lsst
24 Stunden stehen, filtrirt alsdann und verfhrt wie in [Greek: a]
angegeben. --

Eig. des Niederschl. . 47. Die Methode erfordert genaues Einhalten der
angefhrten Regeln, sie liefert befriedigende Resultate. In der Regel
hat man einen unbedeutenden Verlust, weil das Chlorplatinkalium auch
in starkem Alkohol nicht absolut unlslich ist. Bei genauen Analysen
verdampft man die Waschwasser im Wasserbade zur Trockne und bergiesst
den Rckstand wiederum mit Weingeist. Man erhlt so noch etwas weniges
Kaliumplatinchlorid, welches man auf einem besonderen Filterchen sammelt
und nach der sogleich anzugebenden Methode als Platin bestimmt. --
Man vermeide die Einwirkung der oft ammoniakhaltigen Atmosphre des
Laboratoriums, damit sich nicht Platinsalmiak bildet, welcher das
Gewicht des Kaliumplatinchlorids erhhen wrde.

Da das Sammeln eines Niederschlages auf einem gewogenen Filter
zeitraubend und bei geringen Quantitten auch ungenau ist, so sammelt
man kleine Mengen Kaliumplatinchlorid (bis etwa 0,03 Grm.) besser auf
einem ganz kleinen, nicht gewogenen Filter, trocknet, bringt den in
das Filter eingewickelten Niederschlag in einen kleinen bedeckten
Porzellantiegel, lsst das Filter langsam verkohlen, nimmt alsdann den
Deckel weg, verbrennt die Filterkohle und lsst den Tiegel erkalten.
Man legt jetzt eine ganz kleine Quantitt reine Oxalsure in denselben,
bedeckt und glht anfangs gelinde, zuletzt stark. Durch den Zusatz der
Oxalsure wird die vollstndige Zersetzung des Kaliumplatinchlorids,
welche durch blosses Glhen nicht gut zu erreichen ist, sehr
erleichtert. Man bergiesst jetzt den Inhalt des Tiegels mit Wasser,
wscht das Platin aus, bis das letzte Waschwasser durch Silberlsung
nicht mehr getrbt wird, trocknet, glht und wgt das Platin. In der
Regel kann dieses Auswaschen durch blosses Decantiren bewirkt werden. --
Man sieht leicht ein, dass 1 Aeq. Platin einem Aeq. Kalium entspricht.


                                 . 77.

                              2. $Natron.$

      a. Auflsung.

Vom Natron und seinen Salzen gilt ohne Ausnahme das beim Kali (. 76)
Angefhrte.

      b. Bestimmung.

Das Natron wird nach . 48 entweder als _schwefelsaures_ oder
_salpetersaures Natron_, als _Chlornatrium_ oder als _kohlensaures
Natron_ bestimmt.

Man kann verwandeln in

  1. $Schwefelsaures Natron$, 2. $Salpetersaures Natron$,

  3. $Chlornatrium$:
     Im Allgemeinen die Natronsalze, welche den unter den analogen
     Kaliverbindungen angefhrten Kalisalzen entsprechen.

  4. $Kohlensaures Natron$:
     Kaustisches Natron, doppelt kohlensaures Natron und Natronsalze mit
     organischen Suren.

Im borsauren Natron bestimmt man das Natron am besten als schwefelsaures
Natron (s. . 107).

Die Bestimmung des Natrons im phosphorsauren Natron geschieht als
Chlornatrium (s. . 106).

Natronsalze mit organischen Suren bestimmt man entweder wie die
entsprechenden Kaliverbindungen als Chlormetall oder salpetersaures
Salz, oder man wgt sie (was bei Kali weniger gut geht) als kohlensaures
Salz. Letztere Methode ist vorzuziehen.

1. _Bestimmung als schwefelsaures Natron._

Hat man es allein in wsseriger Lsung, so dampft man ab, glht und
wgt den Rckstand in einem bedeckten Platingefss (. 25). Man hat
nicht wie bei dem schwefelsauren Kali durch Decrepitation einen Verlust
zu befrchten. Freie Schwefelsure wird wie bei jenem mit Hlfe von
kohlensaurem Ammon entfernt (. 48). In Betreff der Ueberfhrung von
Chlornatrium etc. in schwefelsaures Salz gilt das beim Kali Angefhrte.
Eig. des Rckst. . 48. -- Die Methode ist leicht ausfhrbar und genau.

2. _Bestimmung als salpetersaures Natron._

Verfahren wie in 1. Es gilt bei demselben das bei der Bestimmung des
salpetersauren Kalis (. 76) Angefhrte. Eig. des Rckst. . 48.

3. _Bestimmung als Chlornatrium._

Verfahren wie in 1. Die bei der Bestimmung des Kalis als Chlorkalium
angefhrten Regeln gelten ohne Ausnahme auch hier. Eig. des Rckst.
. 48.

Die Ueberfhrung des schwefelsauren, chromsauren, chlorsauren und
kieselsauren Natrons in Chlornatrium geschieht nach den in der
Abtheilung II. dieses Abschnittes bei den entsprechenden Suren
anzugebenden Methoden.

4. _Bestimmung als kohlensaures Natron._

Hat man es allein in wsseriger Lsung, so dampft man ab, glht und wgt
den Rckstand. Resultate vllig genau. Eig. des Rckst. . 48.

Will man kaustisches Natron als kohlensaures Natron bestimmen, so
versetzt man seine wsserige Lsung mit berschssigem kohlensaurem
Ammon, dampft bei gelinder Hitze ab und glht den Rckstand.

Doppelt kohlensaures Natron fhrt man in einfach kohlensaures ber,
indem man es glht. Die Wrme ist sehr langsam zu steigern, der Tiegel
wohl bedeckt zu halten. -- Ist das doppelt kohlensaure Natron in Lsung,
so verdampft man dieselbe in einer gerumigen Silber- oder Platinschale
zur Trockne und glht.

Um das Natron in Salzen mit organischen Suren als kohlensaures wgen
zu knnen, glht man dieselben in einem anfangs bedeckten, spter
offenen Platintiegel. Die Hitze ist sehr allmlig zu steigern. Wenn
sich die Masse nicht mehr blht, stellt man den Tiegel schief, legt
den Deckel daran (siehe oben . 35, Fig. 37), und giebt eine schwache
Rothglhhitze, bis die Kohle mglichst verbrannt ist. Alsdann erwrmt
man den Inhalt des Tiegels mit Wasser, filtrirt die ungelst bleibende
Kohle ab, wscht sie vollstndig aus, verdampft das Filtrat sammt
den Waschwassern zur Trockne und glht den Rckstand. -- Betrgt die
Quantitt der Kohle nur sehr wenig (einige Milligramme), so kann man
auch den Tiegel mit seinem Inhalt nach dem Glhen wgen, die Kohle
auf einem kleinen gewogenen Filter sammeln, mit diesem trocknen, ihr
Gewicht bestimmen und von dem erst erhaltenen (kohlensaures Natron +
Kohle) abziehen. -- Beide Methoden liefern bei sorgfltiger Ausfhrung
genaue Resultate. Ein directer Versuch (Nr. 55), auf die letzte Weise
ausgefhrt, gab 99,7 statt 100. Betrgt die Kohle mehr als 10-20
Milligramme, so sind die Fehler, welche man beim Wgen derselben macht,
zu bedeutend, daher man in solchen Fllen der ersten Methode den Vorzug
giebt.


                                 . 78.

                       3. $Ammoniumoxyd$ (Ammon).

      a. Auflsung.

Das Ammon, sowie alle seine Salze mit hier in Betracht kommenden Suren,
knnen in Wasser gelst werden; es ist jedoch, wie aus dem unten
Stehenden zu ersehen, nicht bei allen Bestimmungsmethoden nothwendig,
die Ammonsalze erst in Lsung zu bringen.

      b. Bestimmung.

Das Ammon wird nach . 49 entweder als _Chlorammonium_ oder als
_Ammoniumplatinchlorid_ gewogen. In diese Formen kann man es entweder
direct oder indirect (das heisst: nachdem man es als Ammoniak
ausgetrieben und wieder an eine Sure gebunden hat) berfhren. --
Hufig wird das Ammon auch mittelst Maassanalyse, selten aus dem Volumen
des Stickgases bestimmt.

  1. In $Chlorammonium$ lsst sich direct berfhren das Ammoniak und
     das Ammon in wsseriger Lsung, sowie die Ammonsalze, welche
     schwache flchtige Suren enthalten (kohlensaures Ammon,
     Schwefelammonium etc.).

  2. In $Ammoniumplatinchlorid$ lassen sich direct alle diejenigen
     Salze berfhren, welche in Alkohol lsliche Suren enthalten,
     z. B. schwefelsaures, phosphorsaures Ammon etc.

  3. Die $Austreibung des Ammoniaks aus den Ammonverbindungen$ und die
     darauf sich grndenden Bestimmungen knnen in allen Fllen
     ausgefhrt werden, ebenso die Ermittelung des Ammons aus dem Volum
     des Stickstoffs.

     Da die Austreibung des Ammoniaks auf trockenem Wege (durch Glhen
     mit Natronkalk) und die Bestimmung desselben aus dem Volum des
     Stickgases genau in derselben Weise ausgefhrt werden, wie die
     Bestimmung des Stickstoffs in organischen Verbindungen, so verweise
     ich in Betreff dieser Methoden auf den Abschnitt ber organische
     Elementaranalyse und fhre hier nur die Methoden aus, welche sich
     auf Austreibung des Ammoniaks auf nassem Wege grnden.

1. _Bestimmung als Chlorammonium._

Hat man Chlorammonium in wsseriger Lsung, so verdampft man im
Wasserbad und trocknet den Rckstand bei 100, bis er an Gewicht
nicht mehr abnimmt (. 25). Die Methode giebt genaue Resultate. Das
vermeintliche Verdampfen des Salmiaks ist hchst unbedeutend. Der
directe Versuch (Nr. 14) ergab 99,94 statt 100. Das Nhere siehe bei
den Details des Versuches. -- Gegenwart von freier Salzsure verndert
an dem Verfahren nichts, daher man zur Bestimmung von kaustischem Ammon
dasselbe vor dem Abdampfen nur mit Salzsure zu bersttigen braucht.
Hat man mit kohlensaurem Ammon zu thun, so verfhrt man in gleicher
Weise, nimmt jedoch das Uebersttigen sowohl, wie auch das Erwrmen
bis zur Austreibung des kohlensauren Gases in einem schief stehenden
Kolben vor. Bei der Analyse von Schwefelammonium verfhrt man gerade
so, nur filtrirt man nach dem Entweichen des Schwefelwasserstoffs etwa
ausgeschiedenen Schwefel ab, ehe man zur Trockne verdampft.

2. _Bestimmung als Ammoniumplatinchlorid._

Man verfhrt genau wie oben bei der Bestimmung des Kalis als
Kaliumplatinchlorid (. 76) und zwar bei Salzen mit flchtigen Suren
nach [Greek: a], bei solchen mit nicht flchtigen Suren nach [Greek: b].

Die Methode giebt genaue Resultate. Zur Controle kann man das Filter
mit dem Platinsalmiak glhen und das Ammon noch einmal aus dem
rckbleibenden Platin berechnen. Die Resultate mssen bereinstimmen.
Das Glhen muss in einem bedeckten Tiegel und bei sehr allmlig
gesteigerter Hitze geschehen. Am besten ist es, den Niederschlag im
Filter eingewickelt bei aufgelegtem Tiegeldeckel lange Zeit mssig
zu erhitzen, darauf bei geffnetem Deckel und schief gelegtem Tiegel
die Filterkohle bei allmlig gesteigerter Hitze zu verbrennen
(H. $Rose$). -- Ist der Platinsalmiak rein, wie schon aus seiner Farbe
und Beschaffenheit zu ersehen, so kann diese Controle erspart werden.
Erhitzt man nicht ganz behutsam, so erhlt man bei der Bestimmung
aus dem Platin einen kleinen Verlust, veranlasst durch mit den
Salmiakdmpfen weggerissenen Platinsalmiak. -- Sehr kleine Mengen von
Ammoniumplatinchlorid sammelt man auf einem nicht gewogenen Filter und
fhrt sie nach dem Trocknen durch Glhen ohne Weiteres in Platin ber.

3. _Bestimmung durch Austreibung des Ammoniaks auf nassem Wege._

Diese Methode, welche in allen Fllen angewendet werden kann, namentlich
aber dann zur Anwendung kommt, wenn Ammonsalze mit organischen Materien
oder auch mit anderen Salzen gemengt sind, zerfllt in die Austreibung
und in die Bestimmung des Ammoniaks. -- Die $Austreibung$ kann entweder
in der Art vorgenommen werden, dass man die Substanz mit Kalkmilch oder
Natronlauge vermischt, in einer Retorte oder in einem Kolben andauernd
kocht und die Dmpfe durch einen glsernen Khlapparat in eine etwas
Salzsure oder verdnnte Schwefelsure enthaltende, fest angepasste
tubulirte Vorlage leitet, aus deren Tubulus ein Schenkelrohr in ein
etwas verdnnte Salzsure oder verdnnte Schwefelsure enthaltendes
Klbchen fhrt, -- oder auch nach der folgenden, vor Kurzem von
$Schlsing$ angegebenen Methode, deren Genauigkeit von ihm durch
wiederholte Versuche dargethan worden ist. Dieselbe beruht auf der
Thatsache, dass eine freies Ammon enthaltende wsserige Lsung an der
Luft ihr Ammon bei gewhnlicher Temperatur schon nach relativ kurzer
Zeit gnzlich verdunsten lsst, und wird also ausgefhrt.

Man bringt die das Ammonsalz enthaltende Flssigkeit, deren Volumen
nicht ber 35 C.C. betragen soll, in ein flaches Gefss mit niedrigen
Rndern und einem Durchmesser von 10-12 Centimeter und stellt dasselbe
auf einen Teller, dessen Hhlung mit Quecksilber erfllt ist. Man biegt
nun aus einem massiven Glasstab einen Dreifuss, stellt denselben in das
die Ammonsalzlsung enthaltende Gefss, setzt auf ihn eine Untertasse
oder eine flache Schale, welche verdnnte Schwefelsure enthlt, strzt
ber die ganze Vorrichtung ein Becherglas, hebt es auf der einen Seite
so weit nthig, lsst aus einer unten nicht ausgezogenen Pipette eine
hinlngliche Menge Kalkmilch strmen, drckt dann das Becherglas
rasch nieder und beschwert es durch eine Steinplatte. Man lsst nun
48 Stunden stehen, hebt dann die Glocke auf und bringt ein feuchtes
rothes Lackmuspapier in dieselbe. Bleibt dasselbe roth, so ist die
Austreibung des Ammoniaks beendigt, anderenfalls msste man die Glocke
nochmals aufsetzen. (Nach $Schlsing$'s Versuchen sind 48 Stunden immer
hinreichend, um 0,1 bis 1,0 Grm. Ammoniak aus 25 bis 35 C.C. Lsung
auszutreiben). Statt Becherglas und Quecksilberteller kann man recht
gut auch eine abgeschliffene, am Rand gefettete Glocke nehmen, welche
luftdicht auf eine ebene Glasplatte aufgesetzt wird.

Was die $Bestimmung$ des ausgetriebenen Ammoniaks betrifft, so kann
sie, namentlich wenn das Ammoniak in Salzsure aufgefangen wurde,
recht gut als Ammoniumplatinchlorid geschehen (s. oben), aber auch auf
folgende, zuerst von $Pligot$ angegebene und auch von $Schlsing$
angewendete Weise ausgefhrt werden. Das Princip derselben ist sehr
einfach. Man bindet das Ammoniak mittelst einer bestimmten (abgewogenen
oder abgemessenen) berschssigen Menge verdnnter Schwefelsure von
bekanntem Gehalt und ermittelt nachher die Menge der noch freien Sure,
indem man eine titrirte Alkalilsung (Zuckerkalk oder Aetznatron)
zusetzt, bis zur Neutralisation. Man erfhrt so die Quantitt der durch
Ammoniak gesttigten Sure und somit auch die Menge des letzteren.

Man stellt sich zunchst die titrirte Schwefelsure dar, indem man 200
Grm. Wasser mit etwa 28 Grm. Schwefelsurehydrat mischt und den Gehalt
dieser verdnnten Sure dadurch feststellt, dass man zweimal je 10 C.C.
mittelst einer kleinen Pipette abmisst, nach Zusatz von Wasser mit
Chlorbaryum fllt und den schwefelsauren Baryt wgt (vergl. . 105).
Stimmen beide Analysen hinlnglich berein, so nimmt man das Mittel als
wahren Gehalt. -- Gesetzt man htte gefunden, dass 10 C.C. der verdnnten
Sure 1,01 Grm. Schwefelsure enthalten, so werden sie genau durch
0,429 Grm. Ammoniak (NH_{3}) gesttigt; somit entspricht je 1 C.C. der
verdnnten Sure 0,0429 Grm. Ammoniak. -- Die titrirte Sure wird in
einem wohl verschlossenen Glase aufgehoben.

Als Alkalilsung kann man sehr gut verdnnte, gute Aetznatronlauge
anwenden; man whlt solche von etwa 1,02 specif. Gewicht, d. h. von etwa
1,5 Proc. Natrongehalt, und bestimmt, eine wie grosse Menge derselben
erforderlich ist, 10 C.C. obiger verdnnter Sure zu sttigen. Man bringt
zu dem Ende 10 C.C. der Sure in ein Becherglas, setzt einige Tropfen
Lackmustinctur oder Campecheholzabsud ($Mitchel$) zu und trpfelt dann
mittelst einer bis an den Nullpunkt gefllten graduirten Pipette oder
Brette von der Natronlsung zu, bis die durch Lackmus rothe oder durch
Campecheholz gelblichbraune Flssigkeit eben blau, beziehungsweise
schwarzblau, geworden ist. Nehmen wir den Fall, wir htten gebraucht 53
C.C., so wissen wir hierdurch, dass in diesen 53 C.C. die zur Sttigung
von 1,01 Grm. Schwefelsure gerade erforderliche Menge Natron enthalten
ist.

Ausser der eigentlichen Probesure bereitet man sich auch noch eine
zehnmal verdnnte, indem man 10 C.C. jener mit 90 C.C. Wasser vermischt.

Bei der Ausfhrung misst man nun je nach der Menge des Ammonsalzes
10 oder 20 C.C. der eigentlichen Probesure ab und bietet sie dem
ausgetriebenen Ammoniak dar. Nach Beendigung des Versuches neutralisirt
man die noch ungebundene Sure aufs Genaueste mit Natronlauge nach der
oben angegebenen Weise. Sollte man den Punkt etwas berschritten haben,
so fgt man von der zehnfach verdnnten Probesure zu, bis er genau
erreicht ist.

Gesetzt wir htten anfangs genommen 10 C.C. Probesure, zum Neutralisiren
verwendet 20 C.C. Natronlauge und zur Correction noch 0,5 C.C. verdnnte
Sure, so ergiebt sich die Menge des Ammoniaks aus folgender Betrachtung:

  Gesammtmenge der eigentlichen Probesure 10 + 0,05 =           10,05 C.C.
  20 Natronlauge entsprechen nach dem Ansatze 53 : 10 = 20 : _x_  3,77 C.C.
                                                                 ---------
  Rest: durch Ammoniak gebundene Sure                            6,28 C.C.

Da nun 1 C.C. Probesure 0,0429 Grm. Ammoniak entspricht, so entsprechen
6,28 C.C. Probesure 0,2694 Grm. Ammoniak.

Man ersieht leicht, dass man diese einfache Rechnung dadurch noch
mehr vereinfachen kann, dass man die Sure gerade so herstellt, dass
10 C.C. 0,5 NH_{3} entsprechen, und die Natronlauge so, dass 50 C.C. 10
C.C. der Sure sttigen; denn man hat alsdann von der in runden Zahlen
ausdrckbaren Menge Ammoniak, welche der verwendeten Sure entspricht,
einfach so viel Centigramm abzuziehen, als man C.C. Natronlauge gebraucht
hat. -- Da aber durch das Verdnnen einer genau titrirten Flssigkeit
leicht kleine Ungenauigkeiten hervorgerufen werden, so empfehle ich fr
genaue Bestimmungen den erst angegebenen Weg.

Bei Wiederholung der $Schlsing$'schen Versuche in meinem Laboratorium
sind sehr befriedigende Resultate erhalten worden.


                       $Zweite Gruppe der Basen.$

                  $Baryt, Strontian, Kalk, Magnesia.$

                                 . 79.

                              1. $Baryt.$

      a. Auflsung.

Der kaustische Baryt, sowie viele Barytsalze, sind in Wasser lslich.
Die darin unlslichen werden, mit Ausnahme des schwefelsauren Baryts,
von verdnnter Salzsure leicht aufgenommen. An Schwefelsure gebundenen
Baryt bringt man in Auflsung, indem man die Verbindung mit kohlensaurem
Natron-Kali schmelzt etc. (s. . 105).


      b. Bestimmung.

Der Baryt wird nach . 50 entweder als _schwefelsaurer_ oder
_kohlensaurer Baryt_, selten (nur bei Trennung vom Strontian) als
_Kieselfluorbaryum_ bestimmt.

Man kann verwandeln in

  1. $Schwefelsauren Baryt$:

       a. _durch Fllung_:

Alle Barytverbindungen ohne Ausnahme.

       b. _durch Abdampfen_:

Alle Barytverbindungen mit flchtigen Suren, sofern kein
nichtflchtiger anderweitiger Krper zugegen ist.

  2. $Kohlensauren Baryt$:

     [Greek: a]. Alle in Wasser lslichen Barytverbindungen.

     [Greek: b]. Barytsalze mit organischen Suren.

Die Bestimmung als schwefelsaurer Baryt durch Fllung wird bei Weitem am
hufigsten angewendet, zumal auch zur Abscheidung des Baryts von anderen
Basen diese Methode die geeignetste ist. Die Bestimmung durch Abdampfen
ist, sofern man nicht zum Abdampfen grsserer Mengen Flssigkeit
genthigt ist, wo sie angeht, sehr genau und bequem. -- Als kohlensauren
Baryt bestimmt man auf nassem Wege den Baryt meist nur dann, wenn man
ihn aus irgend einem Grunde nicht als schwefelsauren niederschlagen kann
oder will.

1. _Bestimmung als schwefelsaurer Baryt._

      a. Durch Fllung.

Man setzt zu der auf 100 erwrmten, mssig verdnnten, in einem
Becherglase befindlichen, wsserigen oder salzsauren Lsung der
betreffenden Barytverbindung verdnnte Schwefelsure, so lange noch
ein Niederschlag entsteht, rhrt mit einem Glasstbchen um, splt
dasselbe sogleich mit etwas Wasser in das Becherglas ab, bedeckt
dieses und lsst es so lange (12 Stunden etwa) ruhig stehen, bis sich
der gefllte schwefelsaure Baryt vollkommen abgesetzt hat, und die
berstehende Flssigkeit ganz klar geworden ist. Man giesst dieselbe
nunmehr vorsichtig und so, dass der Niederschlag nicht aufgerhrt wird,
durch ein passendes Filter. Sobald sie vollkommen abgelaufen ist, rhrt
man den in dem Becherglase zurckgebliebenen Niederschlag mit wenig
heissem Wasser (oder, wenn das Filtrirpapier zu pors sein sollte, mit
heisser, mssig verdnnter Salmiaklsung) an und bringt ihn ebenfalls
auf das Filter, lsst vollstndig abtropfen, giebt in das Becherglas
wiederum etwas heisses Wasser (beziehungsweise Salmiaklsung) und splt
mit Hlfe eines Glasstbchens eine weitere Portion des Niederschlages
auf das Filter u. s. w. Man beobachtet dabei stets die Vorsicht, nicht
eher eine neue Portion aufzugiessen, als bis die Flssigkeit vom Filter
vollstndig abgetropft ist. -- Kleine am Glase fester haftende Theilchen
nimmt man mit einer Federfahne weg. -- Wenn das Filtrirpapier nur
einigermaassen gut ist, gelingt es auf diese Art immer, den Niederschlag
von der Flssigkeit vollstndig zu trennen. Bei abweichendem Verfahren
geht letztere meist trbe durchs Filtrum. -- Den Niederschlag wscht
man mit heissem Wasser so lange aus, bis die ablaufende Flssigkeit
mit Chlorbaryum keine Trbung mehr giebt. Alsdann trocknet man ihn
und verfhrt nach der . 36 angegebenen Methode. -- Handelt es sich
darum, Baryt mittelst Schwefelsure rasch zu fllen, so erhitzt man
die Barytlsung in einer Porzellanschale (oder auch einem geeigneten
Glasgefsse) zum beginnenden Sieden, setzt verdnnte Schwefelsure in
gengender Menge zu und erhlt einige Minuten in gelindem Sieden. Der
schwefelsaure Baryt setzt sich dann sogleich vollstndig ab. Man giesst
erst die klare berstehende Flssigkeit durchs Filter, bergiesst
den Niederschlag mit Wasser (unter Umstnden auch mit verdnnter
Salzsure), erhitzt nochmals und filtrirt dann ab. So erhalten, geht der
Niederschlag selten trb durchs Filter.

      b. Durch Abdampfen.

Man dampft in einer gewogenen Platinschale die ganze Flssigkeit
nach Zusatz von in sehr geringem Ueberschusse zugesetzter reiner
Schwefelsure im Wasserbad ein, verjagt den Ueberschuss der
Schwefelsure durch vorsichtiges Erhitzen und glht den Rckstand.

Die Eigenschaften des schwefelsauren Baryts siehe . 50. -- Beide
Methoden geben bei sorgfltiger Ausfhrung fast absolut genaue Resultate.

2. _Bestimmung als kohlensaurer Baryt._

      a. In Lsungen.

Man versetzt die in einem Becherglase befindliche mssig verdnnte
Lsung des Barytsalzes mit Ammon, fgt kohlensaures Ammon in geringem
Ueberschuss hinzu, stellt das Ganze einige Stunden an einen warmen
Ort, filtrirt alsdann, wscht den Niederschlag mit Wasser aus, dem man
etwas Ammon zugesetzt hat, trocknet und glht (. 36). Eigenschaften
des Niederschlages . 50. Diese Methode giebt einen kleinen, jedoch
kaum nennenswerthen Verlust, weil der kohlensaure Baryt nicht absolut
unlslich ist. Der directe Versuch Nr. 56 ergab 99,79 statt 100,00. --
Enthlt die Lsung Ammonsalze in grsserer Menge, so ist der Verlust
weit erheblicher, da solche die Lslichkeit des kohlensauren Baryts
betrchtlich steigern.

      b. In Salzen mit organischen Suren.

Man erhitzt dieselben langsam in einem bedeckten Platintiegel, bis keine
Dmpfe mehr entweichen, stellt nun den Tiegel schief, legt den Deckel
daran, glht, bis alle Kohle verbrannt und der Rckstand vllig weiss
geworden ist, befeuchtet alsdann den Rckstand mit einer concentrirten
Lsung von kohlensaurem Ammon, lsst verdunsten, glht gelinde und wgt.
Man erhlt auf diese Art ganz befriedigende Resultate. Der directe
Versuch Nr. 57 ergab 99,61 statt 100,00. Der Verlust, den man bei diesen
Bestimmungen ziemlich constant beobachtet, rhrt daher, dass bei dem
Glhen Spuren des Salzes mitgerissen werden. Er ist um so geringer,
je langsamer man anfangs erhitzt. -- Unterlsst man das Befeuchten
mit kohlensaurem Ammon, so hat man einen weiteren Verlust, weil durch
das Glhen des kohlensauren Baryts mit Kohle etwas kaustischer Baryt
entsteht, whrend Kohlenoxydgas entweicht.


                                 . 80.

                            2. $Strontian.$

      a. Auflsung.

Vom Strontian und seinen Verbindungen gilt genau das beim Baryt . 79
Angefhrte.

      b. Bestimmung.

Der Strontian wird nach . 51 entweder als _schwefelsaurer_ oder als
_kohlensaurer Strontian_ bestimmt.

Man kann verwandeln in

  1. $Schwefelsauren Strontian$:

     a. _Durch Fllung:_ Alle Strontianverbindungen ohne Ausnahme.

     b. _Durch Abdampfen:_ Alle Strontiansalze mit flchtigen Suren,
         sofern keine nichtflchtige Substanz zugegen ist.

  2. $Kohlensauren Strontian$:

     [Greek: a]. Alle in Wasser lslichen Strontianverbindungen.

     [Greek: b]. Strontiansalze mit organischen Suren.

Die Bestimmung des Strontians als schwefelsaures Salz durch Fllung
giebt nur in den Fllen vllig genaue Resultate, in welchen die
Flssigkeit, aus der der schwefelsaure Strontian niedergeschlagen werden
soll, ohne Nachtheil mit Alkohol versetzt werden kann. Geht weder dies,
noch eine Bestimmung durch Abdampfen mit Schwefelsure an, und ist die
Wahl frei gelassen, so ist die Bestimmung als kohlensaurer Strontian
vorzuziehen.

1. _Bestimmung als schwefelsaurer Strontian._

      a. Durch Fllung.

Man setzt zu der in einem Becherglase befindlichen Strontianlsung,
welche nicht zu verdnnt sein darf, verdnnte Schwefelsure im
Ueberschuss, fgt alsdann eine der vorhandenen Flssigkeit wenigstens
gleiche Menge Alkohol hinzu, lsst einige Stunden absitzen, filtrirt,
wscht mit schwachem Weingeist aus, trocknet und glht (. 36).

Verhindern die Umstnde die Anwendung des Weingeistes, so trgt man
Sorge, die Flssigkeit in ziemlich concentrirtem Zustande zu fllen,
lsst mindestens 24 Stunden in der Klte stehen, filtrirt und wscht den
Niederschlag mit kaltem Wasser aus, bis das Ablaufende keinen merklichen
Rckstand mehr hinterlsst und nicht mehr sauer reagirt. Bleibt noch
freie Schwefelsure am Filter, so wird dieses beim Trocknen schwarz und
zerfllt. Wscht man hingegen zu lange aus, so vermehrt man den Verlust.

Den Niederschlag darf man erst nach sehr gutem Austrocknen glhen, sonst
werden leicht feine Theilchen emporgerissen. Man trgt ferner Sorge,
von dem Niederschlage mglichst wenig an dem auf dem Tiegeldeckel zu
verbrennenden Filter zu lassen, sonst erleidet man bei dieser Operation
einen Verlust, wie man daraus deutlich erkennt, dass alsdann das Filter
mit carminrother Flamme verbrennt.

Die Eigenschaften des Niederschlages siehe . 51. Bei Zusatz von Alkohol
und richtiger Einhaltung der angefhrten Regeln fallen die Resultate
sehr genau aus; beim Fllen aus wsseriger Lsung erleidet man Verlust,
weil ein Theil des schwefelsauren Strontians alsdann in Lsung bleibt.
Die directen Versuche Nr. 58 lieferten, auf letztere Art angestellt,
98,12 und 98,02 statt 100,00. -- Bringt man jedoch, gesttzt auf die
Kenntniss der Lslichkeit des schwefelsauren Strontians in saurem und
reinem Wasser, eine Correction an, indem man Filtrat und Waschwasser
wgt oder misst, so lsst sich vollkommen gengende Genauigkeit
erreichen. Der directe Versuch Nr. 59, aus dem das Einzelne der
Correction zu ersehen ist, gab 99,77 statt 100,00.

      b. Durch Abdampfen.

Verfahren und Genauigkeit, wie bei Baryt (. 79. 1. b.) angegeben.

2. _Bestimmung als kohlensaurer Strontian._

      a. In Lsungen.

Man verfhrt genau so, wie bei der Fllung des Baryts als kohlensaurer
Baryt (. 79. 2. a.) erwhnt wurde. Eigenschaften des Niederschlages
. 51. -- Diese Methode giebt recht genaue Resultate, wenigstens weit
genauere, als die Bestimmung des Strontians mit Schwefelsure in
wsseriger Lsung ohne Correction, indem der kohlensaure Strontian
in Wasser, welches Ammon und kohlensaures Ammon enthlt, so gut wie
unlslich ist. Der directe Versuch Nr. 60 ergab 99,82 anstatt 100,00. --
Anwesenheit von Ammonsalzen ist von weniger nachtheiligem Einfluss als
bei der Fllung des kohlensauren Baryts.

      b. In Salzen mit organischen Suren.

Man verfhrt genau nach der beim Baryt (. 79. 2. b.) angegebenen Weise.
Auch das in Bezug auf die Genauigkeit dort Angefhrte gilt hier.


                                 . 81.

                               3. $Kalk.$

      a. Auflsung.

Vom Kalk und seinen Verbindungen gilt das beim Baryt (. 79) Angefhrte.
Fluorcalcium verwandelt man durch Behandeln mit Schwefelsure in
schwefelsauren Kalk und zerlegt diesen, wenn nthig, weiter durch
Schmelzen mit kohlensaurem Alkali.

      b. Bestimmung.

Der Kalk wird nach . 52 entweder als _schwefelsaurer_ oder als
_kohlensaurer Kalk_ gewogen. In erstere Form kann man ihn sowohl durch
Abdampfen, als auch durch Prcipitation bringen; in letztere, indem man
ihn als oxalsauren, oder geradezu als kohlensauren Kalk fllt, oder
durch Glhen.

Man kann verwandeln in:

1. $Schwefelsauren Kalk$:

  a. _durch Fllung_: Alle Kalksalze, deren Suren in Alkohol lslich
     sind, sofern keine anderweitigen in Alkohol unlslichen Substanzen
     zugegen sind.

  b. _durch Abdampfen_: Alle Kalksalze, deren Suren flchtig sind,
     sofern kein nichtflchtiger Stoff zugegen ist.

2. $Kohlensauren Kalk$:

  a. _durch Fllung mit kohlensaurem Ammon_: Alle in Wasser lslichen
     Kalksalze.

  b. _durch Fllung mit oxalsaurem Ammon_: Alle in Wasser oder Salzsure
     lslichen Kalksalze ohne Ausnahme.

  c. _durch Glhen_: Kalksalze mit organischen Suren.

Von diesen Methoden wendet man die sub 2. b. am hufigsten an. Sie giebt
nebst der sub 1. b. die genauesten Resultate. Die sub 1. a. wendet man
in der Regel nur bei Scheidungen des Kalks von anderen Basen, die sub
2. a. meist nur dann an, wenn es sich darum handelt, Kalk zusammen mit
anderen alkalischen Erden von den Alkalien zu trennen.

1. _Bestimmung als schwefelsaurer Kalk._

      a. Durch Fllung.

Man setzt zu der in einem Becherglase befindlichen Kalklsung
verdnnte Schwefelsure im Ueberschuss, fgt alsdann 2 Raumtheile
Alkohol zu, lsst 12 Stunden stehen, filtrirt, wscht mit Weingeist
$vollstndig$ aus, trocknet und glht mssig (. 36). -- Eigenschaften
des Niederschlages . 52. -- Bei genauer Befolgung der gegebenen
Vorschriften fllt das Resultat nur um eine Kleinigkeit zu gering aus.
Der directe Versuch Nr. 61 ergab 99,64 statt 100,00.

      b. Durch Abdampfen.

Man verfhrt wie unter gleichen Umstnden beim Baryt (. 79. 1. b.).

2. _Bestimmung als kohlensaurer Kalk._

      a. Durch Fllung mit kohlensaurem Ammon.

Man verfhrt nach der beim Baryt angegebenen Methode (. 79. 2. a.)
und trgt Sorge, den Niederschlag nur ganz gelinde, aber einige Zeit
hindurch, zu glhen. Eigenschaften des Niederschlages . 52. Die Methode
giebt, richtig ausgefhrt, einen kaum nennenswerthen Verlust. Enthlt
die Lsung Salmiak oder hnliche Ammonsalze in betrchtlicher Menge, so
ist derselbe weit grsser.

Wscht man nicht mit ammonhaltigem, sondern mit reinem Wasser, so ist
derselbe ebenfalls nicht unbetrchtlich. Der directe Versuch Nr. 62
ergab, auf letztere Art ausgefhrt, 99,17 statt 100,00.

      b. Durch Fllung mit oxalsaurem Ammon.

[Greek: a]. _Man hat ein in Wasser lsliches Kalksalz._

Man setzt der in einem Becherglase befindlichen heissen Lsung
kleesaures Ammon im mssigen Ueberschuss, alsdann etwas Ammon zu, so
dass die Flssigkeit nach letzterem riecht, bedeckt das Glas und stellt
es mindestens 12 Stunden an einen warmen Ort, bis sich der Niederschlag
vollstndig abgesetzt hat. Man bringt alsdann denselben genau nach
der bei dem schwefelsauren Baryt (. 79. 1. a.) beschriebenen Weise
mittelst heissen Wassers auf ein Filter. Sollten am Glase Theilchen des
Niederschlages so fest haften, dass sie auf mechanische Weise nicht
wegzubringen sind, so lst man sie in einigen Tropfen sehr verdnnter
Salzsure, fllt die Lsung in einem kleinen Gefss mit Ammon und fgt
den entstandenen Niederschlag zum ersten. -- Wendet man beim Filtriren
die angegebenen Vorsichtsmaassregeln nicht an, so geht die Flssigkeit
meist trb durchs Filter. -- Nach dem Auswaschen trocknet man das
Filter im Trichter, bringt den Niederschlag in einen Platintiegel und
verbrennt alsdann das Filter, an dem man so wenig wie mglich von dem
Niederschlage gelassen hat, auf dem Deckel desselben. Man legt nunmehr
den Tiegeldeckel verkehrt auf den Tiegel, damit die Filterasche nicht
zu dem Niederschlage komme, und erhitzt den Tiegel am Anfange ganz
gelinde, alsdann etwas strker, bis der Boden desselben schwach roth
glht. Bei dieser Temperatur erhlt man ihn 10 bis 15 Minuten, lsst
erkalten und wgt. Nach dem Wgen befeuchtet man den Inhalt des Tiegels,
welcher weiss sein muss und kaum einen Stich ins Graue zeigen darf,
mit etwas Wasser und prft dieses nach einiger Zeit mit einem sehr
kleinen Streifchen Curcumapapier. Wird dasselbe braun (ein Zeichen,
dass man zu stark erhitzt hat), so splt man das Papierchen mit ein
wenig Wasser in den Tiegel ab, wirft ein Stckchen reines kohlensaures
Ammon hinein, verdampft (am besten im Wasserbade) zur Trockne, glht
ganz gelinde, wgt und betrachtet das so gewonnene Resultat, welches
um ein Geringes hher ausfllt als das erste, als gltig. Hat durch
das Behandeln mit kohlensaurem Ammon Gewichtszunahme stattgefunden,
so handelt man vorsichtig, wenn man noch einmal eine Zeit lang ganz
gelinde glht und wieder wgt. Man erfhrt so mit Gewissheit, ob die
Gewichtszunahme wirklich eine Folge von aufgenommener Kohlensure war;
denn mglichenfalls knnte sie auch in nicht vllig ausgetriebenem
Wasser ihren Grund gehabt haben. -- Ich bemerke ausdrcklich, dass
man sich durch genaues Einhalten der oben in Bezug auf die Art des
Glhens gegebenen Regeln des unangenehmen Abdampfens mit kohlensaurem
Ammon immer berheben kann. -- Eigenschaften des Niederschlages und
Rckstandes . 52. Diese Methode giebt fast absolut genaue Resultate.
Der directe Versuch Nr. 63 ergab 99,99 statt 100,00.

Ist die Menge des erhaltenen Oxalsuren Kalkes sehr gering, so ziehe ich
es vor, denselben in schwefelsauren zu verwandeln. Man glht ihn zu dem
Ende in einem gerumigen Platintiegel sammt dem Filter heftig, setzt
etwas Wasser, dann ein wenig Salzsure zu bis zur Lsung, endlich reine
verdnnte Schwefelsure in mglichst geringem Ueberschuss. Man verdampft
nun erst im Wasserbade, dann vorsichtig ber der Lampe und glht zuletzt
mssig.

Manche Chemiker pflegen den oxalsauren Kalk wohl auch auf einem
gewogenen Filter zu sammeln und bei 100 getrocknet zu wgen. Der auf
diese Art erhaltene Niederschlag ist nicht, wie oft angenommen wird,
CaO, C_{2}O_{3}, sondern CaO, C_{2}O_{3} + aq. und muss daher als
solcher in Rechnung gebracht werden. Diese Methode ist umstndlicher
und weniger genau, als die erst angefhrte. Der directe Versuch Nr. 64
ergab 100,45 anstatt 100,00.

[Greek: b]. _Man hat ein in Wasser unlsliches Kalksalz._

Man lst dasselbe in verdnnter Salzsure. Ist die Sure der Art, dass
sie hierbei entweicht, wie z. B. Kohlensure, oder dass sie durch
Abdampfen entfernt werden kann, wie z. B. Kieselsure, so verfhrt man
nach Entfernung der Sure nach [Greek: a].; ist dies nicht der Fall, wie
z. B. bei Phosphorsure, so fllt man den Kalk in folgender Weise aus
der sauren Lsung. Man stumpft die vorhandene freie Sure so lange mit
Ammon ab, bis ein Niederschlag zu entstehen anfngt, lst diesen wieder
durch einen Tropfen Salzsure, fgt einen Ueberschuss von oxalsaurem
Ammon und endlich essigsaures Natron zu, lsst absitzen und verfhrt
im Uebrigen nach [Greek: a]. Die vorhandene freie Salzsure wird auf
diese Weise an die Basen des essigsauren Natrons und Oxalsuren Ammons
gebunden und deren Suren, welche den kleesauren Kalk kaum lsen, dafr
in entsprechender Menge in Freiheit gesetzt. Man erleidet auf diese Art
nur einen sehr geringen Verlust. Der directe Versuch Nr. 65 gab, auf die
genannte Weise angestellt, 99,78 statt 100,00.

      c. Durch Glhen.

Man verfhrt genau nach der beim Baryt (. 79. 2. b.) angegebenen
Weise und trgt Sorge, dass man den Rckstand nach dem Abdampfen mit
kohlensaurem Ammon (welches man zweckmssig zweimal vornimmt) nur ganz
gelinde glht. Das in Bezug auf Genauigkeit beim Baryt Erwhnte gilt
auch hier.


                                 . 82.

                             4. $Magnesia.$

      a. Auflsung.

Von den Magnesiaverbindungen lsen sich viele in Wasser; die darin
unlslichen werden (mit Ausnahme einiger Silicate) von Salzsure
aufgenommen.

      b. Bestimmung.

Die Magnesia wird nach . 53 entweder als _schwefelsaure_, als
_pyrophosphorsaure_ oder als _reine Magnesia_ bestimmt.

Man kann verwandeln in:

1. $Schwefelsaure Magnesia$:

  a. _direct:_ Alle Magnesiaverbindungen mit flchtigen Suren, sofern
     keine sonstige nichtflchtige Substanz zugegen ist.

  b. _indirect:_ Alle in Wasser lslichen Magnesiaverbindungen und solche
     darin unlsliche, welche sich unter Abscheidung ihrer Sure in
     Salzsure lsen (im Falle keine Ammonsalze zugegen sind).

2. $Pyrophosphorsaure Magnesia$:

Alle Magnesiaverbindungen ohne Ausnahme.

3. $Reine Magnesia$:

  a. Magnesiasalze mit organischen Suren, oder mit leichtflchtigen
     unorganischen Sauerstoffsuren.

  b. Chlormagnesium und die Magnesiaverbindungen, welche sich in dieses
     verwandeln lassen.

Die directe Bestimmung als schwefelsaure Magnesia ist, wo sie angeht,
sehr zu empfehlen. -- Die indirecte Bestimmung dient nur bei einigen
Trennungen und wird wo mglich vermieden. -- Die Bestimmung als
pyrophosphorsaure Magnesia ist am hufigsten in Gebrauch, namentlich
auch bei Scheidung der Magnesia von anderen Basen. Wir werden unten
sehen, dass diese Methode frher ohne allen Grund als ungenau bezeichnet
worden ist. -- Die Bestimmung der Magnesia als reine Magnesia aus dem
Chlormagnesium wendet man in der Regel nur zur Trennung der Magnesia von
den fixen Alkalien an. -- Verbindungen der Magnesia mit Phosphorsure
werden nach . 106 analysirt.

1. _Bestimmung als schwefelsaure Magnesia._

      a. Directe.

Man setzt zu der Lsung verdnnte reine Schwefelsure in solcher
Menge, dass sie mehr als hinreichend ist, die vorhandene Magnesia zu
binden, verdampft im Wasserbad in einer gewogenen Platinschale zur
Trockne, erhitzt vorsichtig nach Auflegung des Deckels strker, bis die
berschssige Schwefelsure entwichen, bringt zuletzt ber der Lampe
eine Zeit lang zum gelinden Glhen, lsst erkalten und wgt. Sollten
beim strkeren Erhitzen keine Schwefelsurehydratdmpfe entweichen, ein
Zeichen, dass man nicht genug zugesetzt hat, so lsst man erkalten und
fgt eine neue Portion hinzu. -- Man erschwere sich die Arbeit nicht
durch Zusatz von allzuviel Schwefelsure, trage Sorge, den Rckstand
nicht zu heftig zu glhen und wge ihn rasch. -- Eigenschaften des
Rckstandes . 53. Resultate genau.

      b. Indirecte.

Man setzt zu der in einem Kolben befindlichen, auf 100 erhitzten
Magnesialsung klares gesttigtes Barytwasser im Ueberschuss, erhlt
eine Zeit lang bei einer dem Kochpunkte nahen Temperatur, filtrirt ab,
wscht mit kochendem Wasser vollkommen aus, lst den Niederschlag auf
dem Filter mit warmer, etwas verdnnter Salzsure, wscht letzteres
sorgfltig aus und verfhrt alsdann nach a. Sollte sich beim Zusatz der
Schwefelsure ein Niederschlag von schwefelsaurem Baryt bilden (ein
Zeichen, dass man die Kohlensure der Luft bei der Operation nicht
hinlnglich von dem Barytwasser abgeschlossen hatte), so kann man
entweder absitzen lassen, filtriren und das Filtrat eindampfen, -- oder
man dampft geradezu ein, wgt, lst in Wasser, filtrirt den ungelst
bleibenden schwefelsauren Baryt ab, bestimmt sein Gewicht (. 79. 1. a.)
und zieht dieses von dem erst erhaltenen ab. -- Man erhlt ein um ein
Geringes zu niedriges Resultat, indem das Magnesiahydrat in Wasser nicht
ganz unlslich ist. Ausserdem ist die Methode ein wenig zu complicirt,
um ganz genaue Resultate zu versprechen. (Vergl. hierzu . 121. B. 4. a.)

2. _Bestimmung als pyrophosphorsaure Magnesia._

Man versetzt die in einem Becherglase befindliche Magnesialsung mit
Salmiak und fgt Ammon in einigem Ueberschuss zu. (Sollte hierdurch,
aus Mangel an Salmiak, ein Niederschlag entstehen, so fgt man von
diesem Salze noch so viel hinzu, dass er wieder verschwindet.) Alsdann
vermischt man die Flssigkeit mit einer Lsung von phosphorsaurem Natron
im Ueberschuss, rhrt in der Weise um, dass man mit dem Glasstbchen die
Wandungen des Glases nicht berhrt (weil sich sonst an den geriebenen
Stellen Theile des Niederschlages so fest anlegen, dass sie schwierig
zu entfernen sind) und lsst 12 Stunden wohlbedeckt und ohne starkes
Erwrmen stehen. Man filtrirt nunmehr ab, bringt den Niederschlag auf
das Filter und splt die letzten Partikelchen desselben mittelst einer
kleinen Federfahne mit einem Theile der abfiltrirten Flssigkeit auf das
Filter. Nach vollstndigem Abtropfen giesst man das Filter mit Wasser,
dem man 1/5 Ammonflssigkeit zugesetzt hat, voll, lsst wieder ganz
ablaufen und wiederholt diese Operation noch vier- oder fnfmal oder
berhaupt so lange, bis ein Tropfen der ablaufenden Flssigkeit auf
Platinblech keinen Rckstand mehr hinterlsst. Man trocknet vollstndig,
bringt den Niederschlag in einen Platintiegel (. 36) und erhitzt ihn,
bei aufgelegtem Deckel, anfangs lngere Zeit ganz gelinde, zuletzt zum
heftigen Glhen. Das Filter, welches man mglichst vollstndig von
dem Niederschlage befreit, verbrennt man auf dem Tiegeldeckel. Diese
Operation erfordert Geduld, indem das Filter schwer verbrennt. Man
kann die Einscherung durch Aufdrcken der verkohlten Theile auf den
glhenden Deckel mittelst eines kleinen Platinspatels oder eines starken
Platindrahtes sehr beschleunigen. Man deckt zuletzt den Deckel auf den
Tiegel, glht nochmals, lsst erkalten und wgt. --

Natur und Eigenschaften des Niederschlages und Rckstandes . 53. Die
Methode giebt, bei genauer Befolgung obiger Regeln, hchst genaue
Resultate. Man hte sich vor zu kurzem, wie auch vor allzu langem
Auswaschen und vergesse nie, dem Waschwasser Ammon zuzufgen.

Die directen Versuche Nr. 66. a. und b. ergaben 100,09 und 99,97 statt
100,00.

3. _Bestimmung als reine Magnesia._

      a. In Magnesiasalzen mit organischen Suren.

Man erhitzt das Salz in einem verschlossenen Platintiegel anfangs
ganz gelinde, allmlig strker, bis keine brenzlichen Producte mehr
entweichen, nimmt alsdann den Deckel ab, legt ihn an den schief
gestellten Tiegel und glht, bis der Rckstand vllig weiss geworden. --
Eigenschaften des Rckstandes . 53. Die Methode giebt um so genauere
Resultate, je langsamer man von Anfang erhitzt. In der Regel erhlt man
ein Geringes zu wenig, weil mit den brenzlichen Producten Spuren des
Salzes entweichen. Magnesiasalze mit leicht flchtigen Sauerstoffsuren
(Kohlensure, Salpetersure) lassen sich in hnlicher Art durch blosses
Glhen in Magnesia berfhren.

      b. Aus Chlormagnesium.

Man versetzt die eingeengte, in einem Porzellantiegel befindliche Lsung
mit reinem, durch Abreiben mit Wasser aufs Feinste zertheiltem und in
Wasser aufgeschlmmtem Quecksilberoxyd in solcher Menge, dass dessen
Sauerstoff mehr als hinreichend ist, alles vorhandene Chlormagnesium
in Magnesia zu verwandeln, dampft im Wasserbade ab, trocknet scharf,
bedeckt den Tiegel und glht bei gesteigerter Hitze, bis das entstandene
Quecksilberchlorid, sowie der Ueberschuss des Quecksilberoxyds, entfernt
ist. (Man hte sich, die beim Glhen entweichenden Dmpfe einzuathmen.)
Im Rckstande bleibt Magnesia, welche entweder geradezu im Tiegel
gewogen werden kann, oder welche man, sofern es sich um Scheidung
von Alkalien handelt, auf einem Filter sammelt, mit heissem Wasser
auswscht, trocknet und glht (. 35).


                       $Dritte Gruppe der Basen.$

                         $Thonerde, Chromoxyd.$

                                 . 83.

                             1. $Thonerde.$

      a. Auflsung.

Die Thonerdeverbindungen, welche sich nicht in Wasser lsen, werden
fast ohne Ausnahme von Salzsure aufgenommen. In der Natur vorkommende
krystallisirte Thonerde (Sapphir, Rubin, Korund), wie auch knstlich
dargestellte nach heftigem Glhen, nicht minder viele natrlich
vorkommende Thonerdeverbindungen mssen durch Glhen mit kohlensaurem
Natron, kaustischem Kali oder Barythydrat zur Lsung in Salzsure
vorbereitet werden. Manche Thonerdeverbindungen schliesst man
zweckmssiger mit saurem schwefelsaurem Kali auf (vergl. . 22).

      b. Bestimmung.

Die Thonerde wird nach . 54 nur in einer einzigen Form gewogen,
nmlich als reine Thonerde. -- In diese Form bringt man sie entweder
durch Fllung als Hydrat und Glhen, oder durch blosses Glhen.

Man kann verwandeln in

$Reine Thonerde$:

  a. _durch Fllung_: Alle in Wasser lslichen Thonerdeverbindungen,
     sowie diejenigen unlslichen, bei deren Lsung in Salzsure ihre
     Sure entfernt wird.

  b. _durch Glhen_: [Greek: a]. Alle Thonerdesalze mit
     leichtflchtigen Suren (Chloraluminium, salpetersaure Thonerde
     etc.). -- [Greek: b]. Alle Thonerdesalze mit organischen Suren.

Die Bestimmungsarten b. [Greek: a]. und [Greek: b]. knnen nur dann
angewendet werden, wenn keine sonstigen fixen Substanzen vorhanden
sind. In den Verbindungen der Thonerde mit Phosphorsure, Borsure,
Kieselsure und Chromsure bestimmt man die Thonerde nach den in
der Abtheilung II. dieses Abschnittes bei den entsprechenden Suren
angegebenen Methoden.

_Bestimmung als reine Thonerde._

      a. Durch Fllung.

Man versetzt die in einem Becherglase befindliche, mssig verdnnte
Lsung mit ziemlich viel Salmiak, fgt Ammon im $geringen$ Ueberschuss
zu, erwrmt lngere Zeit, bis die Flssigkeit nicht oder kaum mehr nach
Ammoniak riecht, filtrirt, wscht mit heissem Wasser aus, trocknet
lange und sehr gut, glht (. 35) und wgt. Beim Glhen giebt man am
Anfange ganz gelindes Feuer und hlt den Tiegel wohl bedeckt, sonst
erleidet man leicht durch Umherspritzen, veranlasst durch nicht vllig
trockne Beschaffenheit des gummiartigen Thonerdehydrats, Verlust. -- War
die Lsung eine schwefelsaure, so muss der ausgewaschene Niederschlag
in Salzsure gelst, mit Ammon wieder gefllt und erst dann gewogen
werden. -- Verfhrt man nicht also, so bleibt der Niederschlag auch
beim strksten Glhen schwefelsurehaltig. -- Eigenschaften des
Niederschlages und Rckstandes siehe . 54. Die Methode giebt bei
Befolgung der gegebenen Regeln sehr genaue Resultate. Wendet man
hingegen, namentlich wenn weder Salmiak zugefgt worden, noch berhaupt
Ammonsalze zugegen sind, einen bedeutenden Ueberschuss von Ammon an, so
kann man unter Umstnden sehr betrchtlichen Verlust erleiden. Derselbe
wird um so bedeutender, je verdnnter die Lsung ist, und je krzer die
Zeit zwischen Fllen und Abfiltriren (. 54).

      b. Durch Glhen.

[Greek: a]. _Man hat Thonerdeverbindungen mit flchtigen Suren._ Man
verdampft, sofern sie in Lsung sind, diese im Wasserbade und bringt den
Rckstand oder, im Falle man ein festes Salz hat, geradezu dieses (bei
Chloraluminium nach Zusatz von Wasser) in einen Platintiegel und glht
bei anfangs gelinder, allmlig aufs Hchste gesteigerter Hitze, bis der
Tiegel nicht mehr an Gewicht abnimmt. Eigenschaften des Rckstandes
. 54. Man sehe wohl darauf, dass derselbe rein sei. Fehlerquellen keine.

[Greek: b]. _Man hat ein Thonerdesalz mit einer organischen Sure._
Verfahren genau wie unter gleichen Umstnden bei Magnesia (. 82. 3. a.).


                                 . 84.

                            2. $Chromoxyd.$

      a. Auflsung.

Viele Verbindungen des Chromoxyds lsen sich in Wasser. Das
Chromoxydhydrat nebst den meisten in Wasser unlslichen Chromoxydsalzen
werden von Salzsure aufgenommen. Das Chromoxyd, sowie viele seiner
Salze werden durch Glhen in Suren unlslich. Hat man sie in diesem
Zustande, so mssen sie zur Auflsung in Salzsure durch Schmelzen mit
kohlensaurem Natron (. 22. [Greek: a].) vorbereitet werden. Die kleine
Menge Chrom, welche bei dieser Behandlung durch Einfluss der Luft in
Chromsure bergegangen ist, wird beim Erhitzen mit Salzsure wieder in
Oxyd zurckgefhrt. Zusatz von etwas Alkohol erleichtert diese Reduction
bedeutend.

      b. Bestimmung.

Das Chromoxyd wird bei directer Bestimmung immer im reinen Zustande
gewogen. In diese Form bringt man es entweder durch Fllung als Hydrat
und Glhen, oder durch blosses Glhen. Es kann aber auch bestimmt
werden, indem man es in Chromsure verwandelt und deren Menge ermittelt,
zu welchem Zwecke einfache Gewichts- und Maassmethoden zu Gebote stehen,
die bei der Chromsure beschrieben werden sollen.

Man kann verwandeln in

1. $Reines Chromoxyd$:

  a. _durch Fllung_: Alle in Wasser lslichen Chromoxydverbindungen,
     sowie diejenigen unlslichen, bei deren Auflsung in Salzsure ihre
     Sure entfernt wird.

  b. _durch Glhen_: [Greek: a]. Alle Chromoxydsalze mit flchtigen
     Sauerstoffsuren, sofern keine nichtflchtigen Substanzen zugegen
     sind. -- [Greek: b]. Chromoxydsalze mit organischen Suren.

2. $Chromsure$, oder genauer $chromsaures Alkali$: das Chromoxyd und
alle seine Verbindungen.

Die Verbindungen des Chromoxyds mit Chromsure, Phosphorsure, Borsure
und Kieselsure werden nach den in der Abtheilung II. dieses Abschnittes
bei den betreffenden Suren angegebenen Methoden analysirt.

1. _Bestimmung als Chromoxyd._

      a. Durch Fllung.

Man fgt zu der in einem Becherglase befindlichen, nicht zu
concentrirten, auf 100 erhitzten Lsung Ammon im geringen Ueberschuss,
setzt eine halbe Stunde lang einer der Kochhitze nahen Temperatur aus,
filtrirt, ssst mit heissem Wasser wohl aus, trocknet vollkommen und
glht (. 35). Es ist nothwendig, beim Glhen die Hitze allmlig zu
steigern und den Tiegel bedeckt zu halten, sonst erleidet man leicht
bei dem den Uebergang der lslichen Modification des Chromoxyds in die
unlsliche bezeichnenden Erglhen durch Umherspritzen Verlust. Man
achte ferner wohl darauf, dass man die gefllte Flssigkeit nicht eher
aufs Filter bringe, als bis dieselbe vllig farblos ist. Wrde man sie
abfiltriren, so lange sie noch rthlich erscheint (ein Zeichen, dass sie
noch nicht lange genug erwrmt wurde), so erlitte man einen bemerkbaren
Verlust. -- Eigenschaften des Niederschlages und Rckstandes . 55. Die
Methode giebt, wenn die oben angegebenen Regeln genau befolgt werden,
sehr genaue Resultate.

      b. Durch Glhen.

_a_. _Man hat ein Chromoxydsalz mit einer flchtigen Sure._ Verfahren
wie unter gleichen Umstnden bei Thonerde (. 83).

_b_. _Man hat ein Chromoxydsalz mit einer organischen Sure._ Verfahren
wie unter gleichen Umstnden bei Magnesia (. 82).

2. _Ueberfhrung des Chromoxyds in chromsaures Alkali._ (Die Bestimmung
der Chromsure siehe . 104.)

Es sind zu diesem Zwecke die beiden folgenden Methoden vorgeschlagen und
empfohlen worden.

  a. Man versetzt die Lsung des Chromoxydsalzes mit Kali- oder
     Natronlauge im Ueberschuss, bis zur Wiederauflsung des
     Oxydhydrats, leitet in die kaltgehaltene Flssigkeit Chlor, bis
     die Farbe gelbroth geworden ist, versetzt mit berschssigem Kali
     oder Natron, verdampft zur Trockne und glht im Platintiegel. Alles
     chlorsaure Kali wird hierdurch zersetzt und der Rckstand besteht
     somit aus chromsaurem Alkali und Chloralkalimetall ($Vohl$).

  b. Man erhitzt im Silbertiegel Kalihydrat bis zum ruhigen Schmelzen,
     mssigt die Hitze etwas und trgt die zu oxydirende vllig
     wasserfreie Chromoxydverbindung ein. Sobald dieselbe vollstndig
     vom Kalihydrat benetzt ist, fgt man kleine Stckchen geschmolzenen
     chlorsauren Kalis zu. Es erfolgt ein lebhaftes Aufschumen von
     entweichendem Sauerstoff, zugleich frbt sich die Masse immer
     gelber und endlich wird sie klar und durchsichtig. Vor Verlusten
     muss man sich sorgfltig hten (H. $Schwarz$).


                       $Vierte Gruppe der Basen.$

   $Zinkoxyd, Manganoxydul, Nickeloxydul, Kobaltoxydul, Eisenoxydul,
                              Eisenoxyd.$

                                 . 85.

                             1. $Zinkoxyd.$

      a. Auflsung.

Viele Zinksalze sind in Wasser auflslich. Das metallische Zink, das
Zinkoxyd, sowie die in Wasser unlslichen Salze werden von Salzsure
aufgenommen.

      b. Bestimmung.

Das Zinkoxyd wird nach . 56 stets als solches gewogen. Die Ueberfhrung
in diese Form wird vermittelt entweder durch Fllung als kohlensaures
Zinkoxyd oder Schwefelzink, oder aber durch Glhen.

Man kann verwandeln in

$Zinkoxyd$:

  a. _durch Fllung als kohlensaures Zinkoxyd_:

     Alle in Wasser lslichen Zinksalze, -- diejenigen unlslichen,
     deren Sure sich beim Auflsen entfernen lsst, und alle Salze mit
     flchtigen organischen Suren.

  b. _durch Fllung als Schwefelzink_:

     Alle Zinkverbindungen ohne Ausnahme.

  c. _durch Glhen_:

     Salze mit unorganischen flchtigen Sauerstoffsuren.

Die letzte Methode ist, was die hufiger vorkommenden Zinkverbindungen
betrifft, nur fr kohlensaures und salpetersaures Zinkoxyd zu empfehlen.
Schwefelzink und schwefelsaures Zinkoxyd lassen sich zwar auch durch
Glhen (ersteres bei Luftzutritt) in Zinkoxyd verwandeln, es ist
aber zur vollstndigen Ueberfhrung Weissglhhitze erforderlich. Die
Methode b. wendet man nur in den Fllen an, in welchen a. unzulssig
ist. Sie dient namentlich zur Trennung des Zinkoxyds von anderen
Basen. -- Zinksalze mit organischen Suren kann man nicht durch Glhen
in Oxyd verwandeln, indem sich hierbei ein wenig Zink reduciren und
verflchtigen wrde. Sind die Suren flchtig, so kann man das Zink
unmittelbar nach a. bestimmen, sind sie nicht flchtig, so fllt man
dasselbe entweder als Schwefelzink, oder man glht das Salz ganz
gelinde, zieht den Rckstand mit Salpetersure aus und verfhrt mit der
Lsung nach a. oder c. Die Analyse des chromsauren, phosphorsauren,
borsauren und kieselsauren Zinkoxyds siehe bei den entsprechenden
Suren. --

_Bestimmung als Zinkoxyd._

      a. Durch Fllung als kohlensaures Zinkoxyd.

Man erhitzt die mssig verdnnte Lsung in einem hohen, gerumigen
Kolben bis fast zum Kochen, fgt tropfenweise kohlensaures Natron im
Ueberschuss hinzu, kocht einige Minuten bei schiefer Lage, filtrirt,
wscht den Niederschlag mit heissem Wasser vollstndig aus, trocknet und
glht ihn nach der . 36 angegebenen Methode, indem man Sorge trgt,
das Filter vor dem Einschern so viel wie mglich vom Niederschlage zu
befreien. -- Enthlt die Auflsung Ammonsalze, so muss man das Kochen
so lange fortsetzen, bis nach neuem Zusatz von kohlensaurem Natron die
entweichenden Dmpfe Curcumapapier nicht mehr brunen. Bei Gegenwart von
viel Ammonsalzen ist man genthigt, die Flssigkeit im schief stehenden
Kolben $kochend$ zur Trockne einzudampfen; es ist daher bequemer, in
solchen Fllen das Zink als Schwefelzink zu fllen (siehe b.). --

Man vermeide wo mglich einen grossen Sureberschuss in der Zinklsung,
damit das durch die entweichende Kohlensure entstehende Aufbrausen
nicht zu stark sei. -- Die vom kohlensauren Zinkoxyd abfiltrirte
Flssigkeit muss man jedesmal durch Zusatz von Schwefelammonium prfen,
ob die Fllung vollstndig ist. Es entsteht hierdurch unter allen
Umstnden ein geringer Niederschlag. Derselbe ist jedoch (vergl.
. 56) bei normalem Verfahren so gering, dass er erst nach vielstndigem
Stehen in Gestalt leichter unwgbarer Flocken sichtbar wird und in der
Regel vernachlssigt werden kann. Ist er bedeutender, so behandelt man
ihn nach b. und addirt das Gewicht des erhaltenen Zinkoxyds zu dem der
Hauptquantitt. -- Eigenschaften des Niederschlages und Rckstandes .
56. -- Die erhaltenen Resultate sind bei gelungener Ausfhrung, der
nicht absolut vollstndigen Fllung halber, und weil von dem dem Filter
noch anhngenden Niederschlage ein Theilchen reducirt und als Metall
verflchtigt werden kann, meist um ein Unbedeutendes zu niedrig. Nicht
selten werden in Folge unvollstndigen Auswaschens zu hohe Resultate
erhalten. In solchen Fllen findet man den Rckstand alkalisch.

      b. Durch Fllung als Schwefelzink.

Man versetzt die Lsung mit Ammon, bis der entstandene Niederschlag
sich wieder gelst hat, fgt Schwefelammonium im Ueberschuss hinzu,
lsst absitzen, giesst ohne aufzurhren zuerst die Flssigkeit, zuletzt
den Niederschlag aufs Filter, ssst mit Schwefelammonium enthaltendem
Wasser aus, bringt das noch feuchte Filter sammt dem Niederschlage in
ein Becherglas, bergiesst mit concentrirter Salzsure in geringem
Ueberschuss, stellt an einen mssig warmen Ort, bis die Lsung nicht
mehr nach Schwefelwasserstoff riecht, verdnnt mit ein wenig Wasser,
filtrirt, wscht das zurckbleibende Filter mit heissem Wasser aus und
fllt die erhaltene Chlorzinklsung nach a.

Aus einer Lsung von essigsaurem Zinkoxyd kann, auch bei Ueberschuss
von Essigsure, wofern nur keine andere Sure zugegen ist, das Zink
durch Schwefelwasserstoffgas vollstndig oder wenigstens so gut wie
vollstndig gefllt werden. Nach dem Auswaschen mit Schwefelwasserstoff
enthaltendem Wasser behandelt man das Schwefelzink, wie bereits erwhnt.
-- Vergl. hierzu die Versuche Nr. 67. Kleine Mengen von Schwefelzink
lassen sich auch direct in Oxyd berfhren, wenn man sie in einem
Platintiegel bei Luftzutritt mglichst stark glht.

      c. Durch Glhen.

Man erhitzt das Salz im bedeckten Platintiegel anfangs bei gelinder,
zuletzt bei mglichst gesteigerter Hitze, bis der Rckstand an Gewicht
nicht mehr abnimmt.


                                 . 86.

                           2. $Manganoxydul.$

      a. Auflsung.

Viele Manganoxydulsalze werden von Wasser gelst. Das reine
Manganoxydul, sowie seine in Wasser unlslichen Salze werden von
Chlorwasserstoffsure aufgenommen. -- Die hheren Oxydationsstufen des
Mangans lsen sich ebenfalls in Salzsure. Bei der Auflsung entwickelt
sich Chlor, die Flssigkeit enthlt nach vorhergegangener Erwrmung
Manganchlorr.

      b. Bestimmung.

Das Mangan wird nach . 57 entweder als _schwefelsaures Manganoxydul_
oder als _Oxyduloxyd_ gewogen. In letztere Form bringt man es
entweder durch Fllung als Manganoxydulhydrat, oder als kohlensaures
Manganoxydul, der zuweilen noch eine Prcipitation als Schwefelmangan
vorhergeht, oder endlich durch Glhen.

Man kann verwandeln in

1. $Manganoxyduloxyd$:

  a. _durch Fllung als kohlensaures Manganoxydul_:

     Alle in Wasser lslichen Salze mit unorganischen Suren, ferner
     diejenigen unlslichen, deren Sure sich beim Auflsen entfernen
     lsst, und endlich alle Salze mit flchtigen organischen Suren.

  b. _durch Fllung als Manganoxydulhydrat_:

     Alle Manganverbindungen, ausgenommen die Salze mit organischen
     nicht flchtigen Suren.

  c. _durch Fllung als Schwefelmangan_:

     Alle Manganverbindungen ohne Ausnahme.

  d. _durch Glhen_:

     Alle Sauerstoffverbindungen des Mangans, -- Mangansalze mit
     leicht flchtigen, sowie solche mit organischen Suren.

2. $Schwefelsaures Manganoxydul$:

     Alle Oxyde des Mangans, sowie alle Salze mit flchtigen Suren,
     sofern keine nichtflchtigen Substanzen zugegen sind.

Die Methode 1. d. ist die einfachste und genaueste; wo sie angeht, wird
sie den anderen vorgezogen. Die Methode 2. ist bequem und schneller
zum Ziele fhrend, kann aber nicht angewendet werden, wenn es sich um
absolut genaue Resultate handelt. Die Methode 1. c. wird nur angewendet,
wenn keine der brigen zulssig ist. -- Von den beiden ersten zieht
man, bei freigestellter Wahl, a. in der Regel b. vor. Enthlt die
Manganlsung Zucker oder eine hnliche nicht flchtige organische
Substanz, so sind beide nicht anwendbar und c. muss gewhlt werden. --
Im phosphorsauren und borsauren Manganoxydul bestimmt man letzteres
entweder nach der Methode 1. b., indem die Salze, aus saurer Lsung
durch Kali niedergeschlagen, beim Kochen mit Kaliberschuss vollstndig
zerlegt werden, -- oder nach 1. c. Im kieselsauren Salze bestimmt man
das Mangan nach Abscheidung der Kieselsure (. 111) nach 1. a. --
Chromsaures Manganoxydul zerlegt man nach . 104.

1. _Bestimmung als Manganoxyduloxyd._

      a. Durch Fllung als kohlensaures Manganoxydul.

Man versetzt die auf 100 erwrmte Lsung mit kohlensaurem Natron im
Ueberschuss, erwrmt noch eine kurze Zeit (Kochen ist nicht nothwendig),
filtrirt, wscht aus, trocknet und glht den Niederschlag nach der
. 35 angegebenen Methode. Man giebt so lange bei abgenommenem Deckel
heftige Hitze, bis der Rckstand an Gewicht sich gleich bleibt. --
Enthlt die Lsung Ammonsalze, so nimmt man die Fllung in einem Kolben
vor und verfhrt genau wie unter gleichen Umstnden bei Zink, . 85.
-- Eigenschaften des Niederschlages und Rckstandes . 57. Die Methode
giebt bei sorgfltiger Ausfhrung genaue Resultate. Das Hauptaugenmerk
ist darauf zu richten, dass man das Glhen lange genug fortsetzt und
hinlngliche Hitze giebt.

      b. Durch Fllung als Manganoxydulhydrat.

Man fllt mit Natron- oder Kalilauge, indem man im Uebrigen wie in
a. verfhrt. Bei Gegenwart von Phosphorsure oder Borsure nimmt man
die Fllung im Kolben vor und kocht eine Zeit lang mit berschssigem
Alkali. -- Eigenschaften des Niederschlages . 57. Genauigkeit wie bei a.

      c. Durch Fllung als Schwefelmangan.

Man versetzt die Lsung mit Salmiak, dann mit Ammon bis zum Vorwalten,
fgt gelbes Schwefelammonium im mssigen Ueberschuss zu, lsst
absitzen, bringt erst die Flssigkeit, zuletzt den Niederschlag aufs
Filter, wscht mit Wasser, dem man ein wenig gelbes Schwefelammonium
zugemischt hat, ohne Unterbrechung vollstndig aus, bergiesst das
sammt dem feuchten Niederschlage vom Trichter genommene Filter
in einem Becherglase mit Salzsure, erwrmt, bis der Geruch nach
Schwefelwasserstoff verschwunden, filtrirt, wscht das zurckbleibende
Papier sorgfltig aus und fllt die Lsung nach a.

      d. Durch Glhen.

Man erhitzt anfangs im gut bedeckten Platintiegel gelinde, zuletzt
bei lose aufgelegtem Deckel mglichst heftig, bis das Gewicht
des Rckstandes constant bleibt. Zur Ueberfhrung der hheren
Oxydationsstufen in Manganoxyduloxyd ist eine lnger andauernde und
heftigere Hitze erforderlich, als zu der des Oxyduls und Oxyds. --
Hatte man Salze mit organischen Suren, so sehe man wohl darauf, ob
alle Kohle verbrannt sei. Ist dies nicht der Fall, so lst man den
Rckstand entweder in Salzsure und fllt nach a., oder man dampft
denselben bis zur Oxydation der Kohle wiederholt mit Salpetersure ab.
-- Die Resultate fallen bei sorgfltiger Ausfhrung ganz genau aus, bei
mangelhafter muss man auf bedeutende Differenzen gefasst sein. -- Bei
Zerlegung organischsaurer Salze erhlt man aus dem bei Magnesia . 82
angefhrten Grunde meistens eine Kleinigkeit zu wenig.

2. _Bestimmung als schwefelsaures Manganoxydul._

Verfahren wie unter gleichen Umstnden bei Magnesia. Man hte sich vor
zu grossem Schwefelsureberschuss und trage Sorge, beim Erhitzen nur
schwache Glhhitze zu geben. -- Eigenschaften des Rckstandes . 57.
Die Resultate fallen in der Regel etwas zu niedrig aus, weil bei irgend
heftigem Glhen ein wenig Schwefelsure entweicht.


                                 . 87.

                           3. $Nickeloxydul.$

      a. Auflsung.

Viele Nickeloxydulsalze sind in Wasser auflslich. Die in Wasser
unlslichen, sowie das reine Oxydul, werden von Salzsure ohne
Ausnahme aufgenommen. Das metallische Nickel lst sich beim Erwrmen
mit verdnnter Salzsure oder Schwefelsure unter Entwickelung
von Wasserstoffgas langsam auf. Salpetersure lst dasselbe mit
Leichtigkeit. -- Schwefelnickel wird von Salzsure wenig, von
Knigswasser leicht gelst. -- Nickelsuperoxyd lst sich in Salzsure
beim Erwrmen unter Chlorentwickelung zu Chlorr.

      b. Bestimmung.

Das Nickeloxydul wird nach . 58 immer im _reinen Zustande_ gewogen. Man
bringt es in diese Form entweder durch Fllung als Oxydulhydrat, welcher
zuweilen eine Prcipitation als Schwefelnickel vorhergeht, oder durch
Glhen.

Man kann verwandeln in

$Nickeloxydul$:

  a. _Durch Fllung als Nickeloxydulhydrat:_

     Alle in Wasser lslichen Salze mit unorganischen Suren, --
     diejenigen unlslichen, deren Sure sich beim Auflsen entfernen
     lsst, -- alle Salze mit flchtigen organischen Suren.

  b. _Durch Fllung als Schwefelnickel:_

     Alle Nickelverbindungen ohne Ausnahme.

  c. _Durch Glhen:_

     Die Salze des Nickels mit leicht flchtigen oder in der Hitze
     zersetzbaren Sauerstoffsuren (CO_{2}, NO_{5}), wie auch solche mit
     organischen Suren.

Die Bestimmungsweise c. ist, wenn sie zulssig, namentlich bei den
bezeichneten unorganischen Salzen, jeder anderen vorzuziehen. Die
Methode a. wird am hufigsten angewendet. Bei Gegenwart von Zucker oder
anderen nicht flchtigen organischen Substanzen ist sie unzulssig,
daher man solche entweder vor der Fllung durch Glhen zerstren
oder aber die Methode b. whlen muss, welche ausserdem fast nur bei
Scheidungen in Anwendung kommt. -- Die Verbindungen des Nickeloxyduls
mit Chrom-, Phosphor-, Bor- und Kieselsure werden nach den bei den
betreffenden Suren anzugebenden Methoden analysirt.

_Bestimmung als Nickeloxydul._

      a. Durch Fllung als Nickeloxydulhydrat.

Man versetzt die in einem Becherglase befindliche Lsung mit reiner
Natron- oder Kalilauge im Ueberschuss, erhitzt eine Zeit lang bis
nahe zum Sieden, decantirt und filtrirt (. 31), wscht mit heissem
Wasser aus, trocknet und glht (. 35). Gegenwart von Ammonsalzen oder
von freiem Ammon beeintrchtigt die Fllung nicht. -- Eigenschaften
des Niederschlages und Rckstandes . 58. -- Die Methode giebt bei
behutsamer Ausfhrung ganz genaue Resultate. Man achte sorgfltig
darauf, dass das Auswaschen vollstndig sei.

      b. Durch Fllung als Schwefelnickel.

Die Ausfhrung dieser Bestimmungsweise erfordert die grsste
Aufmerksamkeit. Man verfhrt am besten also:

Zu der mssig verdnnten Lsung setzt man, wenn nthig, Ammon bis zur
Neutralitt (die Reaction sei eher ein wenig sauer, als alkalisch), fgt
dann farbloses, vllig gesttigtes Schwefelwasserstoff-Schwefelammonium
hinzu, so lange noch ein Niederschlag entsteht (man vermeide einen zu
grossen Ueberschuss), rhre tchtig um, filtrire durch ein gensstes
Filter ab und wasche ohne Unterbrechung mit destillirtem Wasser, dem
man einen oder zwei Tropfen farbloses, vllig mit Schwefelwasserstoff
gesttigtes Schwefelammonium zugesetzt hat, vollstndig aus. (Filtrat
und Waschwasser mssen ganz farblos sein.) Man trocknet alsdann den
Niederschlag im Trichter (. 33) und schttet ihn, so vollstndig
wie mglich, in ein Becherglas. Das Filter schert man auf dem
Deckel eines Platin- oder Porzellantiegels ein und bringt die Asche
zu dem getrockneten Niederschlage. Man bergiesst denselben nunmehr
mit concentrirtem Knigswasser, digerirt in gelinder Wrme, bis
alles Schwefelnickel gelst ist und der ungelst bleibende Schwefel
rein gelb erscheint, verdnnt, filtrirt und fllt die Lsung nach
a. -- Eigenschaften des Niederschlages . 58. Bei sorgfltigem
Verfahren fallen die Resultate genau aus. Nimmt man zum Fllen gelbes
Schwefelammonium, oder enthlt die Lsung freies Ammon, so ist die vom
Schwefelnickel abfiltrirte Flssigkeit immer mehr oder weniger brunlich
gefrbt und enthlt Schwefelnickel, was alsdann (durch Stehenlassen
an der Luft) nur schwierig ganz daraus entfernt werden kann. -- Wrde
man den Niederschlag sammt dem Filter mit Knigswasser behandeln, so
liesse sich aus der erhaltenen Lsung (weil sie organische Substanzen
enthielte) das Nickel nicht vollstndig durch Kali fllen.

      c. Durch Glhen.

Man verfhrt wie bei Mangan . 86.


                                 . 88.

                           4. $Kobaltoxydul.$

      a. Auflsung.

Das Kobaltoxydul und seine Verbindungen, sowie das metallische
Kobalt, verhalten sich zu Lsungsmitteln wie die entsprechenden
Nickelverbindungen.

      b. Bestimmung.

Die genaue Bestimmung des Kobalts ist mit besonderen Schwierigkeiten
verbunden, da es sich, wie $Fremy$ neuerlichst gezeigt hat, durch
Alkalien nicht als reines Kobaltoxydulhydrat fllen lsst, wie man
frher annahm. Der dafr gehaltene Niederschlag enthlt nicht allein
stets kleine Mengen der Sure, sondern auch nicht unbetrchtliche Theile
des Alkalis, welche durch Auswaschen nicht zu entfernen sind. -- Ich
hoffte, dasselbe nach der Reduction des Oxyds mittelst Wasserstoffgases
durch Auskochen mit Wasser entfernen zu knnen, aber auch dies gelingt
nicht. Das wiederholt ausgekochte Metallpulver brunt Curcuma immer noch
stark, wenn man es eine Zeit lang damit in Berhrung lsst. -- Man muss
in Folge dieses Umstandes bei genauen Kobaltbestimmungen diese ltere
Methode ganz verlassen.

Die besten Formen, in welche das Kobaltoxydul zum Behufe der Wgung
bergefhrt wird, sind das metallische Kobalt, das Kobaltoxyduloxyd und
das schwefelsaure Kobaltoxydul; hufig geht letzterer Bestimmung eine
Fllung als Schwefelkobalt voraus.

Man kann verwandeln:

  1. $In metallisches Kobalt$: alle Kobaltsalze, welche durch
     Wasserstoffgas unmittelbar reducirt werden knnen (Chlorkobalt,
     salpetersaures, kohlensaures Kobaltoxydul etc.).

  2. $In Kobaltoxyduloxyd$ (Co_{2}O_{3}, CoO): Kobaltoxyd und
     salpetersaures Kobaltoxydul.

  3. $In schwefelsaures Kobaltoxydul$: alle Kobaltverbindungen ohne
     Ausnahme.

1. _Bestimmung als metallisches Kobalt._

Man verdampft die Auflsung des Chlorkobalts oder salpetersauren
Kobaltoxyduls (welche frei von Schwefelsure und von Alkali sein muss)
in einem gewogenen Platintiegel zur Trockne, bedeckt den Tiegel mit
einem Deckel, welcher in der Mitte eine kleine Oeffnung hat, leitet
durch diese einen mssigen Strom trockenen, reinen Wasserstoffgases
und erhitzt alsdann den Tiegel anfangs sehr gelinde, allmlig strker,
zuletzt zum heftigen Glhen. Hlt man die Reduction fr beendigt, so
lsst man im Wasserstoffstrome erkalten, wgt, glht auf dieselbe Art
nochmals und beendigt den Versuch erst dann, wenn die zwei letzten
Wgungen bereinstimmen. -- Resultate genau. Eigenschaften des Kobalts
. 59. b.

Die Einrichtung des Apparates zeigt Fig. 42.

[Illustration: Fig. 42.]

_a_ ist der die Kobaltverbindung enthaltende Tiegel, _b_ die
Entwickelungsflasche, _c_ enthlt englische Schwefelsure, _d_
Chlorcalcium.

2. _Bestimmung als Kobaltoxyduloxyd._

Man glht das salpetersaure Kobaltoxydul oder reine Kobaltoxyd heftig
bis zu vllig constant bleibendem Gewicht. -- Eigenschaften des
Rckstandes . 59. -- Resultate genau.

3. _Bestimmung als schwefelsaures Kobaltoxydul._

      a. Durch directe Ueberfhrung.

Enthlt eine Lsung schwefelsaures Kobaltoxydul, so verdampft man
dieselbe geradezu, enthlt sie eine flchtige Sure, nach Zusatz einer
geeigneten Menge Schwefelsure (dieselbe sei im Ueberschuss, aber nur
in geringem). Das Abdampfen geschieht entweder von vorn herein, oder
wenigstens gegen Ende in einer Platinschale oder einem Platintiegel. Man
erhitzt zuletzt vorsichtig bei allmlig gesteigerter Temperatur, die man
gegen Ende bis zum gelinden Rothglhen verstrkt, bis keine Dmpfe mehr
entweichen und das Gewicht des Tiegels constant bleibt.

Nach dem Wgen behandelt man das Salz mit heissem Wasser. Sollte sich
der Rckstand nicht vllig lsen (ein Zeichen, dass das Salz basisch
geworden ist), so lst man ihn in Salzsure, bestimmt in dieser
Lsung die Schwefelsure nach . 105 und findet dann die Menge des
Kobaltoxyduls aus der Differenz. -- Resultate genau. -- Eigenschaften
des schwefelsauren Kobaltoxyduls . 59.

      b. Durch vorhergehende Fllung als Schwefelkobalt.

Man versetzt die Lsung mit etwas Salmiak, fgt Ammon hinzu bis zum
Vorwalten, vermischt mit Schwefelammonium, so lange ein Niederschlag
entsteht, lsst absitzen, filtrirt, wscht mit Wasser aus, dem man
etwas Schwefelammonium zugesetzt hat, trocknet und verfhrt nach der
bei Schwefelnickel (. 87) angegebenen Weise, um das Kobalt wieder
in Auflsung zu bekommen. -- In der erhaltenen Lsung, welche stets
schwefelsurehaltig ist, bestimmt man das Kobalt nach 3. a. -- Die
Fllung mit Schwefelammonium schliesst keine Fehlerquelle ein. --
Eigenschaften des Schwefelkobalts . 59.


                                 . 89.

                           5. $Eisenoxydul.$

      a. Auflsung.

Viele Verbindungen des Eisenoxyduls lsen sich in Wasser. Das reine
Eisenoxydul, sowie seine in Wasser unlslichen Verbindungen, werden
von Salzsure fast ohne Ausnahme aufgenommen. Die Lsungen enthalten,
wenn sie nicht bei vllig abgehaltener Luft und mit absolut luftfreien
Lsungsmitteln bereitet werden, stets mehr oder weniger Chlorid. --
Einige in der Natur vorkommende Verbindungen mssen mit kohlensaurem
Natron aufgeschlossen werden, um sie erfolgreich mit Salzsure behandeln
zu knnen. -- Die so erhaltenen Lsungen enthalten wenig oder kein
Chlorr mehr, sondern fast nur Chlorid. -- Das metallische Eisen lst
sich in Salzsure und verdnnter Schwefelsure unter Entwickelung
von Wasserstoff zu Chlorr oder schwefelsaurem Oxydul, in warmer
Salpetersure zu salpetersaurem Oxyd, in Knigswasser zu Chlorid.

      b. Bestimmung.

Die Menge des Eisenoxyduls in einer Verbindung kann entweder durch
Ueberfhrung desselben in Oxyd und Wgen desselben, oder mittelst einer
Maassanalyse bestimmt werden. -- Beide Methoden sind in allen Fllen
ausfhrbar. -- Die Bestimmung des Eisenoxyduls aus der Quantitt des
Goldes, welche es aus Goldchlorid zu reduciren vermag, soll bei der
Trennung des Eisenoxyduls vom Eisenoxyd besprochen werden, da dieselbe
nur zu diesem Zwecke angewendet zu werden pflegt.

1. _Bestimmung als Eisenoxyd._

Man verwandelt die Oxydullsung in Oxydlsung und verfhrt alsdann wie
. 90 gezeigt werden wird. Zuweilen und zwar in den beim Eisenoxyd
anzugebenden Fllen, sowie namentlich auch bei Scheidungen des
Eisenoxyduls von anderen Oxyden, wird das Eisenoxydul zuerst als
Schwefeleisen gefllt. Das Verfahren hierbei kommt mit dem beim
Eisenoxyd (. 90) anzugebenden vllig berein. Es bleibt sonach hier nur
zu besprechen, auf welche Weise man das Eisenoxydul in seinen Lsungen
oxydirt. Man verfhrt am besten folgendermaassen:

Die in einem Kolben befindliche Oxydullsung versetzt man mit
etwas Salzsure, sofern sie nicht schon solche enthlt, fgt etwas
Salpetersure hinzu und erwrmt bis zum anfangenden Kochen. Ob die
Menge der Salpetersure hinreichend war, erkennt man leicht an der
Farbe der Lsung. Ein Ueberschuss von Salpetersure bringt keinen
Nachtheil, es ist jedoch der nachherigen Fllung halber unklug, eine
allzugrosse Menge zuzusetzen. Bei concentrirten Lsungen entsteht beim
Zusatz der Salpetersure eine dunkelbraune, beim Erwrmen verschwindende
Frbung. Es wird daran erinnert, dass diese der Auflsung des gebildeten
Stickoxyds in noch nicht zersetzter Oxydullsung ihr Entstehen verdankt.

Auch durch Einleiten von Chlorgas, Zusatz von Chlorwasser bis zum
Vorwalten oder Erhitzen der salzsauren Lsung mit chlorsaurem Kali kann
die Ueberfhrung des Oxyduls in Oxyd bewerkstelligt werden.

2. _Bestimmung durch Maassanalyse._

      a. $Verfahren von Marguerite.$

Das Princip derselben ist folgendes. Setzt man zu Eisenoxydullsung,
welche berschssige Sure enthlt, bermangansaures Kali, so wird jene
oxydirt, dieses reducirt. [10FeO, SO_{3} + 8SO_{3} + KO, Mn_{2}O_{7}
= 5(Fe_{2}O_{3}, 3SO_{3}) + KO, SO_{3} + 2(MnO, SO_{3}).] Hat man
nun eine Auflsung von bermangansaurem Kali, von der man weiss, wie
viele Raumtheile erforderlich sind, um 1 Grm. Eisen aus dem Zustande des
Oxyduls in den des Oxyds berzufhren, so kann man damit eine unbekannte
Menge Eisen leicht bestimmen; man bringt es nmlich zuerst als Oxydul in
saure Lsung, oxydirt diese genau und bestimmt, wie viel Raumtheile der
Auflsung von bermangansaurem Kali man hierzu verbraucht hat.

     aa. _Darstellung der Lsung des bermangansauren Kalis._

Man fgt zu einem feinen Gemenge von 8 Theilen bestem Braunstein
und 7 Theilen chlorsaurem Kali die ganz concentrirte Lsung von 10
Theilen Kalihydrat, verdampft unter Umrhren zur Trockne, bringt den
Rckstand, ehe er feucht geworden, in einen hessischen, besser in einen
Platintiegel und erhitzt gelinde (hchstens bis zum dunklen Rothglhen),
bis das chlorsaure Kali vllig zersetzt ist. Die zusammengesinterte
grne Masse zerreibt man und kocht sie mit Wasser, bis die grne Farbe
des mangansauren Kalis unter Abscheidung von Manganhyperoxydhydrat
in die violette des bermangansauren Kalis bergegangen ist. Sollte
die Zersetzung nicht rasch genug eintreten, so lsst sie sich durch
vorsichtigen Zusatz von ein wenig Salpetersure sogleich hervorrufen.
-- Man trennt den Niederschlag (welcher zur nchsten Bereitung ein sehr
gutes Material abgiebt) von der Lsung durch Decantiren oder Filtration
durch Asbest und hebt diese in wohl verschlossener Flasche auf.

     bb. _Titrirung der Lsung._

Man wgt etwa 1 Grm. feinen, rostfreien Klaviersaitendraht genau ab,
wickelt ihn fest zusammen, bringt ihn in einen etwa 1000 C.C. fassenden
Kolben, fgt ungefhr 25 C.C. reine Salzsure und etwas Wasser zu,
verstopft den Kolben mittelst eines Korkes, in dem eine an beiden Seiten
offene Glasrhre steckt, erwrmt bis zur Lsung und verdnnt diese
alsdann mit etwa 500 C.C. kalten Wassers.

Man fllt nun die Brette mit der Lsung des bermangansauren Kalis und
trpfelt sie, unter stetem Umschwenken, in kleinen Portionen zu der
farblosen Eisenchlorrlsung, bis dieselbe eben hellroth geworden ist
und auch nach dem Umschtteln so bleibt. -- Man liest die verbrauchten
Raumtheile ab und verdnnt alsdann die Hauptlsung in der Art, dass 50
C.C. = 100 $genau 1 Grm. Eisen entsprechen$.

Es geschieht dies in folgender Weise: Gesetzt wir htten angewendet 0,95
Eisen und verbraucht 80 Chamleonlsung.

Die Gleichung

                 0,95 : 80 = 1,00 : _x_. -- _x_ = 84,2

lehrt uns, dass wir 84,2 gebraucht htten, wenn genau 1 Grm. Eisen wre
abgewogen worden (was viel schwerer thun, als sagen ist).

                         100 - 84,2 = 15,8.

Wir mssen somit zu je 84,2 unserer Lsung noch 15,8 Wasser setzen, um
ihr die richtige Verdnnung zu geben. -- Einen Theil der concentrirten
Lsung bewahrt man auf, um damit nachhelfen zu knnen, wenn die Lsung
eine geringe Zersetzung erlitten hat.

Man wird ungestraft in keinem Punkte von den gemachten Angaben weit
abweichen knnen. Verdnnt man z. B. die Eisenlsung nicht, oder wendet
man sie warm an, so entwickelt sich Chlor, -- macht man dieselbe nicht
hinlnglich sauer oder setzt man die Chamleonlsung zu rasch zu, so
scheidet sich ein brauner Niederschlag (Manganhyperoxyd + Eisenoxyd) ab,
der sich jedoch beim Umschwenken meist wieder lst. -- Der Umstand,
1dass die durch den letzten Tropfen gerthete Lsung sich nach einiger
Zeit wieder entfrbt, darf nicht befremden; es geschieht dies stets,
denn eine verdnnte Lsung von freier Uebermangansure erhlt sich nicht
lange unzersetzt.

Hat man sehr verdnnte Eisenlsungen zu prfen, z. B. eisenhaltige
Mineralwasser, so bereitet man sich der Natur der Sache nach zehn oder
hundertmal verdnntere Chamleonlsungen, von denen somit 100 0,1 oder
0,01 Grm. Eisen entsprechen.

Da sich die Chamleonlsung auch beim sorgfltigsten Aufbewahren
allmlig zersetzt, so muss jeder Versuchsreihe eine neue Titrirung
vorhergehen. -- Man setzt alsdann vor der Prfung etwas von der
aufbewahrten concentrirten Lsung zu. -- Man sehe darauf, dass man beim
Titriren die Eisenlsung mit Wasser bis zu demselben Volumen verdnnt,
welches man von der zu prfenden Eisenlsung anwenden will. Es ist dies
namentlich nthig, wenn man sehr verdnnte Lsungen, z. B. eisenhaltige
Mineralwasser prfen will, weil man dann die Chamleonlsung sehr
verdnnt anwenden muss, und weil von einer so verdnnten Lsung schon
einige Grade verbraucht werden, um ganz reinem Wasser eine deutliche
Frbung zu geben. Sind nun die Wassermengen beim Titriren und wirklichen
Prfen nicht gleich, so entsteht hieraus eine Ungenauigkeit.

Am genauesten fallen die Resultate aus, wenn man die Grade der
verdnnten Chamleonlsung durch einen Versuch feststellt, welche
erforderlich sind, um einem der zu titrirenden oder zu prfenden
Eisenoxydullsung gleichen Volumen reinen Wassers die gewnschte
blassrothe Frbung zu geben. Die hierzu nthigen Grade werden alsdann
von den beim Titriren und Prfen verbrauchten Graden der Chamleonlsung
abgezogen. Verfhrt man nicht nach dieser Angabe, so stehen die zum
Frben erforderlichen Grade zu denen, die die Oxydation vollbringen,
nicht in gleichem Verhltniss, wenn man z. B. beim Titriren 90,
beim Prfen eines Mineralwassers aber nur 40 verbraucht, woraus
nothwendigerweise eine Ungenauigkeit entspringt.

     cc. _Ausfhrung des Versuchs._

Dieselbe ergiebt sich aus bb. von selbst. -- Man verdnnt die
hinlnglich angesuerte Eisenoxydullsung und setzt von der
Chamleonlsung zu bis zur beginnenden Rthung der Flssigkeit.

Hat man von der Substanz genau 1 Grm. abgewogen und zu Oxydul gelst, so
geben die verbrauchten Grade direct die Procente an metallischem Eisen
an, im anderen Falle findet man diese durch eine kleine Rechnung. -- Wie
man zu verfahren habe, wenn die Lsung neben Eisenoxydul Oxyd enthlt,
wird, sofern man den Eisengehalt im Ganzen kennen lernen will, in
. 90, sofern man die Menge des Oxyds und des Oxyduls ermitteln will, im
fnften Abschnitt gezeigt werden.

      b. $Verfahren von Penny$ (spter empfohlen von $Schabus$).

Setzt man zu einer sauren Eisenoxydullsung zweifach chromsaures Kali,
so wird das Eisenoxydul in Oxyd bergefhrt, whrend die Chromsure in
Chromoxyd bergeht. (6FeO + 2CrO_{3} = 3Fe_{2}O_{3} + C_{2}O_{3}.)

1 Grm. Eisen wird nun durch 0,8849 Grm. saures chromsaures Kali aus dem
Zustande des Oxyduls in den des Oxyds bergefhrt. Lst man daher 8,849
Grm. saures chromsaures Kali mit Wasser zu 500 C.C. oder 17,698 Grm. zu
1000 C.C. Flssigkeit, so entsprechen 50 C.C. derselben = 100 genau 1
Grm. metallischem Eisen.

Man achte wohl darauf, dass das saure chromsaure Kali vollkommen rein
sei, und trockne es vor dem Abwgen bei 100 vollkommen. -- Ausser der
genannten Lsung bereitet man sich auch eine zehnfach und -- namentlich
fr Mineralwasserprfungen -- eine hundertfach verdnnte Lsung.

Sehr zu empfehlen ist es, die fertige Lsung auf ihre Richtigkeit zu
prfen, indem man mit Hlfe derselben eine bekannte Menge zu Oxydul
gelsten reinen Eisens oxydirt.

Bei der Ausfhrung verdnnt man die Oxydullsung hinlnglich, versetzt
mit Salzsure oder verdnnter Schwefelsure und trpfelt alsdann unter
Umrhren die Lsung des chromsauren Kalis aus der Brette zu. Die
anfangs fast farblose Lsung wird bald anfangs hell, allmlig dunkler
chromgrn. Man nimmt nun von Zeit zu Zeit mittelst des zum Umrhren
dienenden feinen Glasstabes einen Tropfen heraus und vereinigt ihn mit
einem Tropfen einer Lsung von Ferridcyankalium, deren man viele auf
einen Porzellanteller gesprengt hat. Ist die entstehende Blaufrbung
noch dunkel, so braucht man mit dem weiteren Zufgen der chromsauren
Kalilsung noch nicht ngstlich zu sein; fngt sie aber an schwach zu
werden, so setzt man behutsamer zu, und zuletzt prft man nach Zusatz
von je zwei oder je einem Tropfen. Sobald keine Blaufrbung mehr
eintritt, ist die Oxydation beendigt. -- Da die Reaction so empfindlich
ist, so lsst sich der Punkt auf einen Tropfen genau mit Leichtigkeit
treffen. Whrend man am Anfange ganz kleine Trpfchen der Lsung zur
Prfung verwendet (um den hierdurch entstehenden Substanzverlust
mglichst gering zu machen), nimmt man zuletzt grssere Tropfen, damit
man die Reaction recht deutlich sehen kann. -- Die Genauigkeit der
Resultate wird gesteigert, wenn man von der concentrirteren Lsung von
chromsaurem Kali nur so lange zusetzt, bis die Oxydation fast beendigt
ist, dann aber bis zum Schlsse die zehnfach verdnnte anwendet.

Bringt man von der eisenhaltigen Substanz genau 1 Grm. in Lsung, so
geben die verbrauchten Grade der concentrirteren Lsung die Procente,
die der verdnnteren die Zehntelprocente von im Zustande des Oxyduls
vorhandenem reinem Eisen an. -- Wie bei Anwesenheit von Oxyd zu
verfahren ist, wird in . 90 gesagt werden.

Von den beiden Maassmethoden hat die erste den Vorzug, dass man ohne
besondere Prfung die Beendigung der Oxydation an der eintretenden
Rthung der Flssigkeit wahrnimmt, whrend der zweiten der sehr
wesentliche zukommt, dass sich die Lsung des chromsauren Kalis billig
und bequem beschaffen und unverndert aufbewahren lsst.


                                 . 90.

                            6. $Eisenoxyd.$

      a. Auflsung.

Viele Verbindungen des Eisenoxyds lsen sich in Wasser, das reine
Eisenoxyd, sowie die in Wasser unlslichen Verbindungen desselben,
werden meist von Salzsure aufgenommen. In manchen Fllen geht
die Lsung schwierig von Statten, daher man die Verbindung im
feinzertheilten Zustande und die Salzsure concentrirt anwenden muss.
Man nimmt alsdann die Auflsung in einem Kolben vor und beschleunigt sie
durch andauerndes Erwrmen, welches oft viele Stunden lang fortgesetzt
werden muss. Erhitzung bis zum Kochen ist zweckwidrig. -- In Salzsure
unlsliche Eisenerze werden durch Glhen mit kohlensaurem Natron
aufgeschlossen.

      b. Bestimmung.

Das Eisenoxyd wird nach . 60 immer als solches gewogen. Es kann
ausserdem mittelst einer indirecten Methode und endlich, nach
vorhergegangener Reduction zu Oxydul, mittelst Maassanalyse bestimmt
werden. -- Das Ueberfhren in Oxyd geschieht entweder durch Fllung als
Oxydhydrat, welcher zuweilen eine Prcipitation als Schwefeleisen oder
bernsteinsaures Eisenoxyd vorhergeht, oder durch Glhen. -- Whrend die
indirecte Methode und die Maassanalysen in fast allen Fllen anwendbar
sind, lassen sich verwandeln in

$Eisenoxyd$:

  a. _Durch Fllung als Oxydhydrat:_

     Alle in Wasser lslichen Salze mit unorganischen oder flchtigen
     organischen Suren, -- diejenigen unlslichen, deren Sure sich
     beim Auflsen entfernen lsst.

  b. _Durch Fllung als Schwefeleisen:_

     Alle Eisenverbindungen ohne Ausnahme.

  c. _Durch Fllung als bernsteinsaures Eisenoxyd:_

     Smmtliche sub a. genannte Verbindungen.

  d. _Durch Glhen:_

     Alle Eisenoxydsalze mit flchtigen Sauerstoffsuren.

Die Methode d. wird, wo sie angeht, der Schnelligkeit in der Ausfhrung
wie auch der Genauigkeit halber, den anderen vorgezogen. Die Methode
b. dient hauptschlich zur Scheidung des Eisenoxyds von anderen Basen.
Sie wird ferner in den Fllen angewendet, in welchen a. nicht zulssig
ist, so namentlich bei Gegenwart von Zucker oder anderweitigen nicht
flchtigen organischen Substanzen, sowie zur Bestimmung des Eisenoxyds
in seinen Verbindungen mit Phosphorsure und Borsure. -- Die Methode
c. wird lediglich bei Scheidungen angewendet. -- Im chromsauren und
kieselsauren Salze bestimmt man das Eisenoxyd nach . 104 und . 111.

1. _Bestimmung als Eisenoxyd._

      a. Durch Fllung als Oxydhydrat.

Man versetzt die in einer Schale oder einem Becherglase befindliche
Lsung mit Ammon im Ueberschuss, erwrmt bis zum Kochen, filtrirt,
wscht mit heissem Wasser sorgfltig aus, trocknet vollstndig (wobei
der Niederschlag ausserordentlich zusammenschwindet) und glht nach
der . 35 angegebenen Methode, indem man am Anfang bei wohl bedecktem
Tiegel ganz gelinde, und erst zuletzt bei geffnetem Deckel und schiefer
Lage des Tiegels (Fig. 37) strkere Hitze giebt. Verfhrt man genau
wie angegeben, so hat man weder einen Verlust durch Umherspritzen zu
befrchten, noch zu besorgen, dass ein Theil des Oxyds durch die Kohle
des Filters reducirt werde. Frchtet man, letzteres sei geschehen, so
braucht man nur den Inhalt des Tiegels mit Salpetersure zu befeuchten,
abzudampfen und zu glhen, um die Gewissheit zu erlangen, alles Eisen in
der Form von Oxyd zu haben.

Eigenschaften des Niederschlages und Rckstandes . 60. Die Methode
ist frei von Fehlerquellen. -- Man trage Sorge, den Niederschlag unter
allen Umstnden, selbst dann, wenn keine feuerbestndigen Substanzen
auszuwaschen sind, vollkommen auszusssen; denn enthlt derselbe
noch Salmiak, so erleidet man Verlust, indem sich Eisen als Chlorid
verflchtigt.

      b. Durch Fllung als Schwefeleisen.

Man versetzt die in einem Becherglase befindliche Lsung mit Ammon, bis
alle freie Sure abgestumpft ist (bei Abwesenheit organischer nicht
flchtiger Substanzen schlgt sich hierbei ein wenig Eisenoxydhydrat
nieder, was jedoch keinen Nachtheil bringt), fgt Schwefelammonium im
Ueberschuss zu, rhrt wohl um und erwrmt ein wenig. Man wird nunmehr
in den meisten Fllen einen schwarzen Niederschlag in einer farblosen
oder gelblichen Flssigkeit haben. Ist dies der Fall, so filtrirt man
ab. Zeigt hingegen die Flssigkeit eine grnliche Farbe, was namentlich
dann der Fall ist, wenn die Eisenlsung sehr verdnnt war, und von
usserst fein zertheiltem Schwefeleisen herrhrt, so lsst man das
Becherglas, mit einer Glasplatte bedeckt, an einem mssig warmen Orte
so lange stehen, bis die Flssigkeit gelb geworden, und filtrirt erst
dann. Das Filtriren und Auswaschen darf nicht unterbrochen werden. Den
Trichter hlt man wohl bedeckt. Zum Auswaschen bedient man sich mit
etwas Schwefelammonium vermischten Wassers. -- Unterlsst man eine
dieser Vorsichtsmaassregeln, so erleidet man Verlust, indem sich das
Schwefeleisen durch den Sauerstoff der Luft allmlig oxydirt und als
schwefelsaures Eisenoxydul in das Filtrat kommt. Da es in diesem durch
das darin vorhandene Schwefelammonium wieder niedergeschlagen wird, so
frbt sich das Filtrat in solchen Fllen erst grnlich, allmlig setzt
sich darin ein schwarzer Niederschlag ab.

Sowie das Auswaschen beendigt ist, bringt man den feuchten Niederschlag
sammt dem Filter in ein Becherglas, bergiesst ihn mit etwas Wasser und
fgt alsdann Salzsure hinzu, bis alles Schwefeleisen gelst ist. Man
erwrmt nunmehr, bis der Geruch nach Schwefelwasserstoff verschwunden,
filtrirt in einen Kolben, wscht das rckbleibende Papier sorgfltig
aus, erwrmt das Filtrat mit Salpetersure (. 89) bis zur erfolgten
Oxydation und fllt endlich mit Ammon nach a. --

Enthlt eine Lsung von weinsaurem Eisenoxyd-Alkali einen bedeutenden
Ueberschuss von kohlensaurem Alkali, so wird, nach $Blumenau$, die
Fllung des Eisens als Schwefeleisen mehr oder weniger verhindert. Man
hat daher in solchem Falle die Flssigkeit mittelst einer Sure fast zu
neutralisiren, bevor man mit Schwefelammonium fllt.

      c. Durch Fllung als bernsteinsaures Eisenoxyd.

Man versetzt die in einem Kolben befindliche Eisenoxydlsung
tropfenweise mit sehr verdnntem Ammon, bis sich ein kleiner Theil
des Eisens als Oxydhydrat niedergeschlagen hat, und erwrmt alsdann
gelinde, um zu sehen, ob der Niederschlag wieder gelst wird oder
nicht. Wird er gelst, so fgt man von Neuem einige Tropfen verdnnten
Ammons zu und verfhrt auf dieselbe Weise, wird er nicht gelst und
zeigt die Flssigkeit noch braunrothe Farbe, so sind die zur weiteren
Fllung erforderlichen Bedingungen erfllt; ist hingegen die Flssigkeit
farblos, so ist zuviel Ammon hinzugefgt worden, daher man behutsam
wieder zuerst etwas Salzsure, dann neuerdings Ammon hinzusetzt, bis
der bezeichnete Punkt erreicht ist. Man fgt alsdann eine ganz neutrale
Lsung von bernsteinsaurem Ammon hinzu, so lange noch ein Niederschlag
entsteht, erwrmt gelinde, lsst vollstndig erkalten, filtrirt,
wscht mit kaltem Wasser, zuletzt mit warmer Ammonflssigkeit aus,
wodurch der Niederschlag, indem er seine Sure grsstentheils verliert,
dunkler wird, trocknet endlich das Filter im Trichter, bringt es in
einen Platintiegel, erhitzt denselben zuerst bedeckt, dann unbedeckt
und indem man einen Luftstrom anbringt, bis das Filter vollstndig
eingeschert und der Niederschlag in rothes Oxyd bergegangen ist. --
Das Auswaschen des Niederschlages mit Ammon hat zum Zwecke, einen Theil
der Sure zu entfernen, da im anderen Falle, wenn man das nur mit Wasser
ausgewaschene Salz glht, leicht ein Theil des Eisenoxyds reducirt wird.
-- Eigenschaften der Niederschlge . 60. Die Resultate sind genau.

      d. Durch Glhen.

Man erhitzt im bedeckten Tiegel anfangs gelinde, allmlig mglichst
heftig, bis das Gewicht des rckbleibenden Oxyds nicht mehr abnimmt.

2. _Indirecte Bestimmung nach_ $Fuchs$ (Journ. f. prakt. Chem. 17. 160).

Dieselbe beruht darauf, dass gelstes Eisenchlorid, mit metallischem
Kupfer gekocht, zu Eisenchlorr wird, whrend sich eine entsprechende
Menge Kupfer als Chlorr auflst (Fe_{2}Cl_{3} + 2Cu = 2FeCl + Cu_{2}Cl).
Kennt man somit die Menge des aufgelsten Kupfers, so lsst sich daraus
die des Eisens mit Leichtigkeit berechnen, indem je 1 Aeq. gelstes
Kupfer (396) einem Aeq. Eisen (350) oder einem halben Aeq. Eisenoxyd
(500) entspricht.

Man bringt die auf ihren Eisengehalt zu prfende Substanz zunchst in
der Art in Lsung, dass alles Eisen als Chlorid vorhanden ist. Die
Salzsure muss stark vorwalten, damit das sich bildende Kupferchlorr
in Lsung bleibt. Sollte sich ein Theil des Eisens als Chlorr gelst
haben, so setzt man Chlorwasser oder chlorsaures Kali zu, um es in
Chlorid berzufhren, und kocht sodann im schiefliegenden Kolben, bis
alles freie Chlor oder alle zweifach chlorsaure chlorige Sure entwichen
ist. -- Salpetersure darf zur Oxydation des Oxyduls nicht angewendet
werden. -- Sollte bei Auflsung der Substanz ein unlslicher Rckstand
(Thon, Kieselsure) geblieben sein, so braucht man deshalb nicht
abzufiltriren. --

Man verdnnt nun die Auflsung mit heissem Wasser, so dass der
Kolben mehr als zur Hlfte angefllt ist, bringt blank gescheuertes,
eisenfreies, genau gewogenes, nicht zu dnnes Kupferblech, in Streifen
von etwa 6 Cm. Lnge und 2 Cm. Breite, in hinlnglicher Menge hinein
(hat man 2-3 Grm. Eisenoxyd in Lsung, so nimmt man 15-20 Grm. Kupfer),
verschliesst den Kolben mit einem Korke, welcher eine Glasrhre von
nicht zu grossem Durchmesser enthlt, legt den Kolben schief und
jedenfalls so, dass das Kupfer sich ganz unter der Flssigkeit befindet,
und bringt die Flssigkeit rasch zum Sieden.

Die Lsung ndert bald ihre Farbe, sie erscheint erst dunkelbraun,
hellt sich allmlig auf und wird endlich blassgrn. Aendert sich die
Farbe nicht mehr weiter, so verschliesst man die Glasrhre mit etwas
Wachs oder einem Kautschukrhrchen, in dessen einem Ende ein Stckchen
Glasstab steckt, lsst etwas erkalten, fllt den Kolben mit heissem
Wasser, giesst die Flssigkeit ab, fllt den Kolben nochmals mit heissem
Wasser, giesst wieder ab, nimmt das Kupfer heraus, splt es erst mit
etwas verdnnter Salzsure, dann mit Wasser gut ab, legt und wendet es
auf Fliesspapier, ohne es aber zu reiben (der dunkle Ueberzug, welchen
es zuweilen zeigt, darf nicht entfernt werden), trocknet es an einem
warmen Orte und wgt es.

Die angegebenen Regeln mssen wohl eingehalten werden, wenn man genaue
Resultate erhalten will.

3. _Bestimmung durch Maassanalyse._

Dieselbe wird in der Weise ausgefhrt, dass man das Eisenoxyd in Oxydul
verwandelt und die Oxydullsung alsdann mittelst einer zu bestimmenden
Menge eines Oxydationsmittels von bekanntem Wirkungswerthe wieder
oxydirt. Wir haben daher hier nur die Reduction der Oxydlsung zu
besprechen, denn das Uebrige wurde bereits beim Eisenoxydul (. 89)
auseinandergesetzt.

a. $Reduction durch Schwefelwasserstoff.$ -- Man versetzt die in einem
Kolben befindliche, warme salzsaure Lsung mit einem Ueberschuss von
gesttigtem Schwefelwasserstoffwasser oder leitet -- bei grsseren
Quantitten -- Schwefelwasserstoffgas ein, bis die Flssigkeit stark
danach riecht, erhitzt -- bei schiefer Lage des Kolbens -- zum gelinden
Sieden und erhlt darin, bis aller Schwefelwasserstoff ausgetrieben ist.
Die Lsung kann zur Maassanalyse angewendet werden, ohne dass man den
gefllten Schwefel abzufiltriren braucht.

b. $Reduction durch Zink.$ Man bringt in die salzsaure Lsung Streifen
von reinem -- eisenfreiem -- Zinkblech. Es entwickelt sich etwas
Wasserstoffgas und -- bei Gegenwart von Salpetersure -- Stickoxydulgas.
Die Farbe der Lsung wird blsser in dem Maasse, als das Oxyd in Oxydul
bergeht. Enthlt die Lsung Kupfer oder Arsen, so scheiden sich die
Metalle in Form kleiner Blttchen oder als Metallpulver ab. Ist die
Reduction vollendet, so filtrirt man ab. Sollte man sich eisenfreies
Zink nicht verschaffen knnen, so bestimmt man die Menge des darin
enthaltenen Eisens mittelst Maassanalyse, wgt die Zinkstreifen vorher
und nachher und zieht das im gelsten Zink enthaltene Eisen von dem im
Ganzen gefundenen ab.

c. $Reduction durch schwefligsaures Natron.$ Man versetzt die in einem
Kolben befindliche salzsaure Lsung mit einer concentrirten Lsung von
schwefligsaurem Natron und kocht. Sollte durch die erste Portion die
Reduction noch nicht vollendet werden, so fgt man eine neue zu. Zuletzt
muss das Kochen fortgesetzt werden, bis keine Spur von schwefliger Sure
mehr entweicht.

Von diesen Methoden ziehe ich a. vor, indem bei c. die Reduction etwas
schwieriger erfolgt und fremde, der Reaction nachtheilige, Metalle
nicht gefllt werden, whrend b. Filtriren und Auswaschen, sowie
Rcksichtnahme auf einen Eisengehalt des Zinkes erfordert.


                            $Fnfte Gruppe.$

 $Silberoxyd, Bleioxyd, Quecksilberoxydul, Quecksilberoxyd, Kupferoxyd,
                       Wismuthoxyd, Cadmiumoxyd.$

                                 . 91.

                            1. $Silberoxyd.$

      a. Auflsung.

Die Verbindungen des Silbers, welche in Wasser unlslich sind, sowie
metallisches Silber, werden am besten in Salpetersure gelst, wenn sie
darin auflslich sind. In der Regel gengt verdnnte, Schwefelsilber
erfordert concentrirte Sure. Die Auflsung nimmt man am besten
in einem Kolben vor. -- Chlor-, Brom- und Jodsilber werden weder
von Wasser noch von Salpetersure aufgenommen; um das in denselben
enthaltene Silber in Lsung zu bringen, bergiesst man sie, am besten
im geschmolzenen Zustande, mit Wasser, legt ein Stckchen reines Zink
oder Eisen darauf und setzt etwas Schwefelsure oder Salzsure zu. Nach
erfolgter Reduction wird der erhaltene Silberschwamm erst mit verdnnter
Schwefelsure, dann mit Wasser ausgewaschen und zuletzt in Salpetersure
gelst. Zum Behufe ihrer Analyse ist es jedoch nicht nthig, die
genannten Verbindungen in Auflsung zu bringen, wie sogleich gezeigt
werden wird.

      b. Bestimmung.

Das Silber kann nach . 61 als _Chlorsilber_, _Schwefelsilber_,
_Cyansilber_ oder _im metallischen Zustande_ bestimmt werden. Ausserdem
wendet man hufig zu seiner Bestimmung eine Maassanalyse an.

Man kann verwandeln in

1. $Chlorsilber$: 2. $Schwefelsilber$: 3. $Cyansilber$:

     Alle Silberverbindungen ohne Ausnahme.

4. $Metallisches Silber$:

     Silberoxyd und einige seiner Verbindungen mit leicht flchtigen
     Suren, ferner die Salze mit organischen Suren, endlich
     Chlorsilber.

Die Methode 4. wird, wo sie angeht, als die bequemste gern angewendet.
Die Methode 1. ist die gewhnlichste, 2. und 3. dienen meistens nur bei
Scheidungen des Silberoxyds von anderen Basen.

Die Bestimmung des Silbers mittelst Maassanalyse ist die in den
Mnzsttten gebruchliche.

1. _Bestimmung des Silbers als Chlorsilber._

      a. Auf nassem Wege.

Um das Silber als Chlorsilber zu bestimmen, kann man dieses von der
Flssigkeit, aus welcher es gefllt wurde, entweder durch Filtration
oder aber durch Decantation trennen. Das letztere Verfahren ist bei
grsseren Mengen des Niederschlages, das erstere bei geringeren
vorzuziehen.

[Greek: a]. Bestimmung durch Decantation.

Man bringt die mssig verdnnte Silberlsung in einen hohen Kolben mit
langem Halse und enger Mndung, fgt etwas Salpetersure zu, erwrmt auf
etwa 60, setzt Salzsure zu, so lange noch ein Niederschlag entsteht,
verschliesst die Mndung des Kolbens mit einem ganz glatten Korke
(besser mit einem gut eingeriebenen Glasstopfen) und schttelt so lange
mit Heftigkeit, bis sich das gefllte Chlorsilber in zusammenhngende
Klumpen vereinigt hat, und die berstehende Flssigkeit klar geworden
ist. Man reinigt alsdann den Hals des Kolbens von anhngendem
Chlorsilber durch Aufschwenken der klaren Flssigkeit, splt die letzten
Theilchen mit der Spritzflasche hinunter und stellt alsdann den Kolben
mit lose aufgesetztem Stopfen aufs Sandbad an einen mssig heissen
Ort, bis die ber dem Niederschlage stehende Flssigkeit absolut klar
geworden ist, was meistens erst nach Verlauf mehrerer Stunden der Fall
ist. Die Flssigkeit wird nunmehr langsam und vorsichtig, so dass kein
Theilchen des Niederschlages mit herausgerissen wird, so weit wie
mglich in ein Becherglas abgegossen, das Chlorsilber aber behutsam in
einen Porzellantiegel mit glatten und steilen Wnden herausgesplt.
Die allerletzten Theilchen bringt man auf die Weise heraus, dass man
in den Kolben wenig Wasser bringt und mittelst desselben, whrend
man die mit dem Finger zu verschliessende Oeffnung nach unten kehrt,
die Wandungen vollstndig absplt. Die Chlorsilbertheilchen sammeln
sich alsdann im Hals und knnen leicht in den Tiegel gebracht werden,
wenn man die Mndung des Kolbens dicht ber den Tiegel hlt und die
Flssigkeit ausfliessen lsst. -- Wenn sich das Chlorsilber in dem
Tiegel vollstndig abgesetzt hat, was durch Erhitzung im Wasserbade
sehr beschleunigt wird, giesst man die berstehende klare Flssigkeit
mit Hlfe eines Glasstabes in das nmliche Becherglas ab, in welchem
sich die erst abgegossene befindet, bergiesst das Chlorsilber mit
ein paar Tropfen Salpetersure, dann mit heissem destillirtem Wasser,
lsst wieder klar absitzen, giesst neuerdings ab und wscht auf diese
Art so lange aus, bis eine Probe der zuletzt abgegossenen Flssigkeit
mit Silberlsung keine Trbung mehr giebt. Man entfernt alsdann die
Flssigkeit so vollstndig als mglich mittelst einer Pipette oder auch
durch behutsames Abgiessen, trocknet das Chlorsilber im Wasserbade
vllig aus, erhitzt es behutsam bei anfangs ganz gelinder, zuletzt
verstrkter Hitze ber der Lampe, bis es am Rande zu schmelzen anfngt,
lsst erkalten und wgt.

Um nun die angeschmolzene Masse, ohne den Tiegel zu verletzen,
herauszubringen, legt man ein Stckchen Eisen oder Zink auf das
Chlorsilber und bergiesst mit ganz verdnnter Salz- oder Schwefelsure.
Nach beendigter Reduction reinigt, trocknet und wgt man den Tiegel.
-- Im Falle die von dem Chlorsilber abgegossenen Flssigkeiten nicht
absolut klar sein sollten, lsst man sie an einem warmen Orte stehen,
bis sich die Chlorsilbertheilchen vollstndig abgesetzt haben (was unter
solchen Umstnden oft erst nach vielen Stunden der Fall ist), giesst die
klare Flssigkeit ab, vereinigt den Niederschlag mit der Hauptmasse des
Chlorsilbers, wscht aus, und verfhrt wie oben, -- oder -- und diese
Methode fhrt rascher zum Ziele -- man sammelt die kleine Menge des
Niederschlages auf einem Filterchen, verfhrt damit nach [Greek: b].
und addirt die nachtrglich erhaltene kleine Quantitt Chlorsilber zur
Hauptmenge.

[Greek: b]. Bestimmung durch Filtration.

Man verfhrt in Bezug auf die Art des Fllens und Absitzenlassens wie in
[Greek: a]., giesst alsdann zuerst die ber dem Niederschlage stehende
Flssigkeit durch ein kleines Filter, splt mit Hlfe von heissem
Wasser, dem man etwas Salpetersure zusetzt, das Chlorsilber vollstndig
darauf, wscht es zuerst mit salpetersurehaltigem, zuletzt mit reinem
Wasser aus, trocknet scharf, glht nach . 36 und wgt. Wenn man nach
Vorschrift verfhrt, lsst sich das Chlorsilber ohne Schwierigkeit klar
abfiltriren. -- Man trage Sorge, das Filter vor dem Verbrennen soviel
wie mglich von anhngendem Chorsilber zu befreien.

Die Eigenschaften des Niederschlages siehe . 61. Beide Methoden geben
sehr genaue Resultate. -- Bei gleich sorgfltiger Ausfhrung fallen
jedoch die nach [Greek: a]. erhaltenen noch etwas genauer aus, als die
nach [Greek: b]. gewonnenen, indem man bei letzterer Methode dadurch
einen kleinen Verlust erleidet, dass ein wenig des am Filter hngenden
Chlorsilbers beim Glhen (durch die reducirende Wirkung des Kohlenoxyds)
reducirt wird. (Manche Chemiker bringen das bei der Filterasche
befindliche Silber geradezu als metallisches Silber in Rechnung.) Will
man diese Fehlerquelle vermeiden, so bringt man die silberhaltige
Filterasche in den Tiegel zu dem Chlorsilber, setzt ein wenig verdnnte
Salpetersure zu, erwrmt eine Zeit lang, fgt ein Paar Tropfen
Salzsure zu, dampft ab, trocknet und glht wie in [Greek: a].

      b. Auf trockenem Wege.

Diese Methode, obgleich auch bei anderen Verbindungen anwendbar, dient
in der Regel nur zur Analyse des Brom- oder Jodsilbers. Man bringt
zu diesem Behufe die zu analysirende Verbindung in die Kugel einer
Kugelrhre, schmilzt sie darin, wgt und leitet reines und trockenes
Chlorgas in ganz langsamem Strome darber. Dem Apparat giebt man
folgende Einrichtung: _a_ ist ein Chlorentwickelungsapparat, _b_ enthlt
concentrirte Schwefelsure, _c_ Chlorcalcium, _d_ ist die das Jod- oder
Bromsilber enthaltende Kugelrhre, _e_ fhrt das entweichende Chlor zum
Fenster hinaus. Wenn die Chlorentwickelung eine Zeit lang im Gange ist,
erhitzt man den Inhalt der Kugel zum Schmelzen und erhlt ihn darin ein
Viertelstunde, whrend man die geschmolzene Masse dann und wann in der
Kugel ein wenig bewegt. Nach Hinwegnahme der Rhre und nach dem Erkalten
hlt man sie schief, damit das Chlorgas durch Luft verdrngt werde,
und wgt. Man leitet alsdann nochmals, wie oben, ber die geschmolzene
Masse einige Minuten lang Chlor und wgt wiederum. Blieb das Gewicht
unverndert, so ist der Versuch beendigt. -- Die Resultate fallen bei
gehriger Vorsicht ausserordentlich genau aus.

[Illustration: Fig. 43.]

2. _Bestimmung des Silbers als Schwefelsilber._

Das Silber kann man aus sauren, neutralen und alkalischen Lsungen
durch Schwefelwasserstoff, sowie aus neutralen und alkalischen
Lsungen durch Schwefelammonium vollstndig niederschlagen. Soll
es mit Schwefelwasserstoff gefllt werden, so kann man sich bei
kleinen Mengen von Silber eines frisch bereiteten, vllig klaren
Schwefelwasserstoffwassers bedienen; bei grsseren Quantitten leitet
man in die mssig verdnnte, nicht zu saure Lsung gewaschenes
Schwefelwasserstoffgas. Nach erfolgter Ausfllung erwrmt man die
Flssigkeit ein wenig, bringt das gefllte Schwefelsilber auf ein
gewogenes Filter, wscht aus, trocknet bei 100 und wgt. Eigenschaften
des Niederschlages . 61. Diese Methode giebt bei sorgfltiger
Ausfhrung recht genaue Resultate. -- Man trage Sorge, bei der
Filtration die Luft mglichst abzuhalten und dieselbe schnell zu
vollfhren, damit sich aus dem Schwefelwasserstoffwasser kein Schwefel
niederschlage, wodurch das Gewicht des Schwefelsilbers zu hoch ausfallen
wrde.

In eben beschriebener Weise darf das Schwefelsilber jedoch nur dann
gewogen werden, wenn man berzeugt sein kann, dass sich mit dem
Schwefelsilber kein Schwefel niedergeschlagen hat, wie dies der Fall
sein wrde, wenn in der Flssigkeit Eisenoxyd oder eine andere den
Schwefelwasserstoff zersetzende Substanz enthalten gewesen wre. Im
Falle also der Niederschlag freien Schwefel enthlt, digerirt man ihn
sammt dem Filter mit mssig verdnnter Salpetersure bei gelinder Wrme
bis zur vollstndigen Zersetzung (bis der ungelste Schwefel rein gelb
erscheint), filtrirt, splt gut nach und verfhrt nach 1.

3. _Bestimmung des Silbers als Cyansilber._

Man versetzt die neutrale oder saure Silberlsung mit Cyankalium, bis
sich der entstandene Niederschlag von Cyansilber wieder gelst hat,
fgt alsdann Salpetersure in geringem Ueberschuss zu und erwrmt eine
Zeit lang gelinde. Das abgeschiedene Cyansilber sammelt man auf einem
gewogenen Filter, wscht aus, trocknet bei 100 und wgt. Eigenschaften
des Niederschlags . 61. Die Resultate sind ganz genau.

4. _Bestimmung als metallisches Silber._

Hat man Silberoxyd, kohlensaures Silberoxyd etc., so glht man ganz
einfach in einem Porzellantiegel bis zu erfolgter Reduction. Bei
Salzen mit organischen Suren ist es zweckmssig, das erste Erhitzen
im bedeckten Tiegel vorzunehmen; alsdann nimmt man den Deckel ab und
erhitzt strker, bis alle Kohle verbrannt ist. Eigenschaften des
Rckstandes . 61. Die Methode giebt bei Silberoxyd etc. absolut genaue
Resultate. Bei Salzen mit organischen Suren bekommt man nicht selten
ein Unbedeutendes zu viel in Folge eines Kohlengehaltes des reducirten
Silbers.

Will man Chlorsilber behufs seiner Analyse in metallisches Silber
berfhren, so bringt man es in die Kugel einer Kugelrhre, schmilzt es
und wgt. Man passt alsdann die Kugelrhre an einen Apparat (Fig. 44),
aus dem sich trockenes Wasserstoffgas entwickelt.

[Illustration: Fig. 44.]

_A_ ist die granulirtes Zink enthaltende Entbindungsflasche, _b d_ ein
langes Glasrohr, welches bis _c_ mit Lschpapier und von _c_ bis _d_ mit
Chlorcalcium gefllt ist. -- Sobald der Apparat ganz mit Wasserstoff
erfllt und der Gasstrom ruhig und langsam geworden ist, erhitzt man
das Chlorsilber zum Schmelzen und erhlt es bei mssiger Glhhitze,
bis sich keine Salmiaknebel mehr erzeugen, wenn man ein mit Ammon
befeuchtetes Glasstbchen an die Mndung hlt, aus der das Gas austritt.
Nach dem Erkalten nimmt man die Kugelrhre ab, hlt schief, damit das
Wasserstoffgas durch Luft verdrngt wird, und wgt. Die Resultate sind
ganz genau.

5. _Bestimmung durch Maassanalyse._

Das Princip derselben ist folgendes: Man ermittelt die Menge einer
Kochsalzlsung von bekanntem Gehalt, welche erforderlich ist, um alles
Silber auszufllen, welches in einer Lsung enthalten ist, und erfhrt
so auch die Menge des Silbers, denn 1 Aeq. Chlornatrium fllt 1 Aeq.
Silber aus. -- Diese Methode, welche $Gay-Lussac$ an die Stelle der
Silberprfung durch Cupellation setzte und in allen ihren Einzelnheiten
aufs Genaueste erforschte, findet sich ausfhrlich beschrieben in
"$Gay-Lussac$, vollstndiger Unterricht ber das Verfahren, Silber
auf nassem Wege zu probiren, deutsch bearbeitet von J. $Liebig$,
Braunschweig bei Vieweg." Ich theile dieselbe hier nur soweit mit, als
es fr den Gebrauch in chemischen Laboratorien erforderlich ist.

a. _Bereitung der Kochsalzlsung._ 1 Gramm reines Silber verbindet sich
mit 0,32844 Grm. Chlor zu Chlorsilber. Diese Menge Chlor ist enthalten
in 0,54142 Grm. Chlornatrium. Lst man daher 5,4142 Grm. chemisch reines
Chlornatrium in Wasser zu 1 Liter Flssigkeit auf, so entsprechen
100 C.C. dieser Lsung genau 1 Grm. Silber, oder jeder C.C. der Lsung
entspricht 0,01 Grm. Silber. Ausser dieser einen Lsung bereitet man
sich noch eine zehnfach verdnnte, indem man 1 Raumtheil jener mit 9
Raumtheilen Wasser mischt. Jeder C.C. dieser Zehntellsung entspricht
somit 0,001 Grm. Silber.

b. _Bereitung der gleichfalls nthigen titrirten Silberlsung._ Man lst
1 Grm. chemisch reines Silber in reiner Salpetersure und verdnnt mit
Wasser genau zu 1 Liter Flssigkeit. Jeder C.C. enthlt somit 0,001 Grm.
Silber und wird genau ausgefllt durch 1 C.C. der Zehntelkochsalzlsung.

c. _Prfung der titrirten Lsungen._ Man lst 1 Grm. chemisch reines
Silber in 6 C.C. reiner Salpetersure bei gelinder Wrme auf und
zwar in einer weissen Flasche, die sich durch einen Glasstopfen gut
verschliessen lsst, blst mittelst einer gebogenen Glasrhre die
salpetrigen Dmpfe heraus, setzt genau 100 C.C. der concentrirteren
Kochsalzlsung zu, dreht den angefeuchteten Glasstopfen fest ein,
schttelt, bis sich das Chlorsilber gut zusammengeballt hat, und die
Flssigkeit klar geworden ist, und fgt nun 1 C.C. der verdnnten
Kochsalzlsung zu. Ist die Lsung richtig, so darf hierdurch keine
Trbung entstehen. Man bringt jetzt 1 C.C. der titrirten Silberlsung
hinzu, schttelt wiederum, bis die Flssigkeit klar erscheint, und
prft nun durch Zusatz eines weiteren C.C. der Silberlsung. Die richtig
titrirte Lsung darf, wie leicht zu erkennen, auch hierdurch nicht
getrbt werden.

d. _Ausfhrung._ Soll dieselbe mglichst genau ausfallen, so muss man
den Gehalt der zu prfenden Substanz an Silber einigermaassen genau
kennen, wie dies bei Prfung von Mnzen etc. schon an und fr sich der
Fall ist. -- Kennt man denselben gar nicht, so wgt man eine Portion
ab, lst erforderlichen Falles in Salpetersure, trpfelt zu der Lsung
aus einer Brette von der concentrirteren Kochsalzlsung zu, schttelt,
setzt weiter zu und sucht so mglichst annhernd den Punkt, bei dem
keine weitere Fllung mehr erfolgt.

Man wgt nun so viel von der Silberlegirung oder Verbindung ab,
dass darin etwa 1 Gramm Silber enthalten ist, lst -- sofern man
eine Legirung oder ein Silbersalz hat -- in der in c. bezeichneten
Flasche in reiner Salpetersure, entfernt etwaige salpetrigsaure
Dmpfe durch Einblasen, bringt mittelst einer Pipette genau 100 C.C.
der concentrirteren Kochsalzlsung hinzu, dreht den angefeuchteten
Glasstopfen fest ein und schttelt heftig, bis das Chlorsilber gut
abgeschieden und die Flssigkeit klar geworden ist. Man hat nun zu
ermitteln, ob in der Flssigkeit noch Silber oder noch Kochsalz ist.
Zu dem Behufe setzt man 1 C.C. der Zehntelkochsalzlsung zu. Entsteht
eine Trbung, so ist dies ein Zeichen, dass in der abgewogenen Menge
der Substanz mehr als 1 Grm. Silber enthalten war. Man schttelt,
setzt wieder einen C.C. zu und fhrt so fort, bis der letzte C.C. keine
Trbung mehr giebt. Man kann dann auch annehmen, dass der vorletzte
nur zur Hlfte nthig war, und pflegt daher von den verbrauchten C.C.
der Zehntellsung 1,5 C.C. abzuziehen. Die noch brig bleibenden C.C.
geben die Milligramme Silber an, die mehr als 1 Grm. in der abgewogenen
Substanz enthalten gewesen sind.

Hat der erste C.C. der Zehntelkochsalzlsung keine Trbung bewirkt, so
fgt man zunchst 1 C.C. der titrirten Silberlsung zu, um jenen zu
fllen, schttelt und verfhrt dann mit der Silberlsung wie dies zuvor
fr die verdnnte Kochsalzlsung angegeben worden ist. Die Anzahl der
nun noch zugesetzten C.C. (der erste darf natrlich nicht mitgezhlt
werden), nach Abzug von 1,5 C.C. bezeichnet die Milligramme Silber,
welche die abgewogene Substanz weniger enthielt als 1 Gramm.


                                 . 92.

                             2. $Bleioxyd.$

      a. Auflsung.

Die Verbindungen des Bleioxyds sind kleinerentheils in Wasser lslich.
Von den darin unlslichen wird der grssere Theil, ebenso wie das
reine Oxyd und das metallische Blei, von verdnnter Salpetersure
aufgenommen. (Wendet man dieselbe zu concentrirt an, so erfolgt
weder vollstndige Zersetzung, noch vollstndige Lsung, weil das
salpetersaure Bleioxyd in concentrirter Salpetersure unlslich ist und
sonach das zuerst gebildete die noch nicht angegriffenen Theile des zu
lsenden Salzes schtzt.) Die Lslichkeitsverhltnisse des Chlorbleies
und schwefelsauren Bleioxyds siehe . 62. Es ist zur Analyse dieser
Verbindungen nicht erforderlich, sie zuvor zu lsen, wie sogleich
gezeigt werden wird. -- Jodblei lst sich nicht in kalter verdnnter
Salpetersure, aber leicht beim Erwrmen unter Abscheidung von Jod.
Chromsaures Bleioxyd lst sich ohne Zersetzung nur in Kalilauge. Behufs
der Analyse verwandelt man es am besten in Chlorblei (siehe unten.)

      b. Bestimmung.

Das Blei kann nach . 62 als _Bleioxyd_, _schwefelsaures Bleioxyd_,
_chromsaures Bleioxyd_, _Schwefelblei_, _Chlorblei_, als
 _Bleioxyd_ + _Blei_ und endlich durch Maassanalyse bestimmt werden.

Man kann zweckmssig verwandeln in

1. $Bleioxyd$:

  a. _Durch Fllung_: Die in Wasser lslichen Bleisalze und diejenigen
     unlslichen, deren Sure beim Auflsen in Salpetersure entfernt
     wird.

  b. _Durch Glhen_: [Greek: a]. Bleioxydsalze mit leichtflchtigen
     oder zersetzbaren unorganischen Suren. -- [Greek: b].Bleisalze mit
     organischen Suren.

2. $Schwefelsaures Bleioxyd$:

  a. _Durch Fllung_: Die in Wasser unlslichen, in Salpetersure
     lslichen Salze, deren Sure sich aus der Lsung nicht entfernen
     lsst.

  b. _Durch Abdampfen_: [Greek: a]. Smmtliche Oxyde des Bleies, sowie
     die Bleioxydsalze mit flchtigen Suren, ferner Jod- und Brom-Blei.
     -- [Greek: b]. Manche organische Bleiverbindungen.

3. $Chromsaures Bleioxyd$:

     Die in Wasser oder Salpetersure lslichen Bleiverbindungen.

4. $Chlorblei$:

     Chromsaures Bleioxyd, Jod- und Brom-Blei.

5. $Bleioxyd + Blei$:

     Viele organische Bleiverbindungen.

6. $Schwefelblei$:

     Smmtliche gelste Bleisalze bei Scheidungen.

In dieser bersichtlichen Darstellung sind fr die verschiedenartigen
Bleiverbindungen die Formen angegeben, in welche man sie behufs der
Bleibestimmung zweckmssig berfhrt. Es soll jedoch damit nicht
gesagt sein, dass nicht auch andere Verbindungen als die speciell
verzeichneten nach der oder jener Methode zweckmssig bestimmt werden
knnten, -- so lassen sich z. B. smmtliche sub 1 genannten Verbindungen
auch als schwefelsaures Bleioxyd, alle sub 1, 2 und 5 angefhrten
als Schwefelblei bestimmen etc. -- Chlorblei verwandelt man, sofern
man nicht vorzieht, es in Wasser zu lsen, behufs seiner Analyse am
zweckmssigsten durch Reduction mit Wasseratoffgas nach der . 91
fr Chlorsilber angegebenen Methode in metallisches Blei. Man trage
dabei Sorge, es nicht zu stark zu erhitzen, weil sich sonst etwas
Chlorblei verflchtigt. -- Die Bleisuperoxyde gehen durch Glhen in
Bleioxyd ber. Dieser Umstand giebt ein Mittel zu ihrer Analyse, wie
auch zu ihrer Auflsung an die Hand. Ohne Glhen bringt man sie am
einfachsten in Lsung durch Behandeln mit verdnnter Salpetersure
unter Zusatz von etwas Alkohol. -- Die Analyse des schwefelsauren und
chromsauren Bleioxyds, wie auch die des Jod- und Brombleies siehe bei
den betreffenden Suren.

1. _Bestimmung des Bleies als Bleioxyd._

      a. Durch Fllung.

[Greek: a]. $Durch Fllung als kohlensaures Bleioxyd.$

Man versetzt die mssig verdnnte Lsung mit kohlensaurem Ammon im
geringen Ueberschuss, fgt etwas kaustisches Ammon hinzu, erwrmt
gelinde und filtrirt nach einiger Zeit ab. Man wscht alsdann mit reinem
Wasser aus, trocknet und glht in einem Porzellantiegel, nachdem man das
Filter auf dessen Deckel verbrannt hat. Eigenschaften des Niederschlages
und Rckstandes . 62. Die Resultate fallen sehr befriedigend, in der
Regel um ein Geringes zu niedrig aus. Der Verlust rhrt daher, dass
das kohlensaure Bleioxyd nicht absolut unlslich ist, namentlich in
Flssigkeiten, welche reich an Ammonsalzen sind (Vers. Nr. 43). -- Man
whle ein kleines dnnes Filter und trage Sorge, den Niederschlag so
vollstndig vom Filter zu trennen als mglich, damit man nicht einen
weiteren Verlust dadurch erleide, dass ein Theilchen des Oxyds beim
Einschern zu Metall reducirt werde.

[Greek: b]. $Durch Fllung als kleesaures Bleioxyd.$

Man versetzt die Lsung mit oxalsaurem Ammon im Ueberschuss und fgt
Ammon hinzu bis zum geringen Vorwalten, lsst absitzen, filtrirt und
verfhrt wie in [Greek: a]. Der Porzellantiegel bleibt, whrend man den
Niederschlag glht, unbedeckt. In Betracht der Genauigkeit steht diese
Methode der vorigen gleich.

      b. Durch Glhen.

Verbindungen, wie kohlensaures oder salpetersaures Bleioxyd, glht
man behutsam in einem Porzellantiegel, bis sie an Gewicht nicht mehr
abnehmen. -- In welcher Weise man Bleisalze mit organischen Suren in
Oxyd berfhrt, soll in diesem . sub 5 gezeigt werden.

2. _Bestimmung des Bleies als schwefelsaures Bleioxyd._

      a. Durch Fllung.

[Greek: a]. Man versetzt die nicht zu verdnnte Auflsung mit mssig
verdnnter reiner Schwefelsure in geringem Ueberschuss, mischt das
doppelte Volum Weingeist hinzu, lsst einige Stunden absitzen, filtrirt,
wscht mit Weingeist aus, trocknet und glht nach der . 36 angegebenen
Methode. Man kann zwar bei gehriger Vorsicht das Glhen in einem
Platintiegel vornehmen, die Anwendung eines dnnen Porzellantiegels
ist jedoch rthlicher. -- Man beobachte ferner die oben bei 1. a.
angegebenen Vorsichtsmaassregeln.

[Greek: b]. Im Falle der Zusatz von Alkohol nicht angeht, setze man
einen nicht zu geringen Ueberschuss von Schwefelsure zu, filtrire den
Niederschlag nach lngerem Absetzen geradezu ab, wasche mit Wasser, dem
man einige Tropfen Schwefelsure zugesetzt hat, aus, verdrnge zuletzt
die saure Flssigkeit durch mehrmaliges Waschen mit Weingeist und
verfahre wie oben.

Eigenschaften des Niederschlages . 62. Die Methode giebt bei dem
Verfahren [Greek: a]. sehr genaue Resultate, kaum weniger genaue bei
dem Verfahren [Greek: b]., sofern man die angegebene Vorschrift genau
befolgt. -- Versumt man es jedoch, einen gehrigen Ueberschuss von
Schwefelsure zuzusetzen, so wird, z. B. bei Gegenwart von Ammonsalzen,
Salpetersure etc., das Blei nicht vollstndig ausgefllt, und
wscht man mit reinem Wasser aus, so lsen sich merkliche Spuren des
Niederschlages wieder auf. -- Diese Umstnde haben veranlasst, dass man
bisher die Methode [Greek: b]. fr wenig genau hielt.

      b. Durch Abdampfen.

[Greek: a]. Man bringt die abgewogene Substanz in ein gewogenes
Schlchen, lst sie in schwacher Salpetersure, fgt mssig verdnnte
reine Schwefelsure im geringen Ueberschuss zu, verdampft bei gelinder
Wrme, zuletzt hoch ber der Lampe, bis alle berschssige Schwefelsure
entwichen ist. Die Operation kann, wenn keine organische Substanz
zugegen ist, ganz getrost in einem Platinschlchen vorgenommen werden,
im anderen Falle whlt man ein leichtes Porzellanschlchen. Die
Resultate fallen bei vorsichtigem Abdampfen vllig genau aus.

[Greek: b]. Um organische Bleiverbindungen in schwefelsaures Bleioxyd
zu verwandeln, bergiesst man sie in einem Porzellantiegel mit reiner
concentrirter Schwefelsure im Ueberschuss, verdampft vorsichtig im
wohlbedeckten Tiegel, bis alle Schwefelsure entwichen, glht und
wgt. Sollte der Rckstand bei einmaligem Abdampfen nicht ganz weiss
sein, so befeuchtet man nochmals mit Schwefelsure und wiederholt die
Operation. -- Die Resultate fallen bei gehriger Vorsicht genau aus,
in der Regel erleidet man aber einen geringen Verlust, indem mit dem
entweichenden schwefligsauren und kohlensauren Gas leicht Spuren des
Salzes hinweggefhrt werden.

3. _Bestimmung als chromsaures Bleioxyd._

Man versetzt die neutrale oder schwach saure Lsung mit neutralem
chromsaurem Kali im Ueberschuss, fgt, sofern freie Salpetersure
zugegen gewesen ist, essigsaures Natron in gengender Menge zu, auf dass
an die Stelle der freien Salpetersure freie Essigsure tritt, lsst
in gelinder Wrme absitzen, filtrirt durch ein bei 100 getrocknetes,
gewogenes Filter, wscht mit Wasser aus, trocknet bei 100 und wgt.
Eigenschaften des Niederschlages . 72. Resultate genau.

Anstatt den Niederschlag von chromsaurem Bleioxyd zu wgen, hat H.
$Schwarz$ (Annal. d. Chem. u. Pharm. 84, 92) empfohlen, die Chromsure
darin maassanalytisch zu bestimmen, indem man dasselbe nach dem
Auswaschen sammt dem Filter mit einer salzsauren Auflsung einer
abgewogenen, berschssigen Menge Eisen zusammenbringt und erwrmt. Man
erhlt so Chlorblei, Chromchlorr und Eisenchlorid neben berschssigem
Eisenchlorr, indem je 1 Aeq. Chromsure 3 Aeq. Eisen aus dem Zustande
des Oxyduls oder Chlorrs in den des Oxyds oder Chlorids berfhren [2
(PbO, CrO_{3}) + 6FeCl + 8ClH = 3Fe_{2}Cl_{3} + 2PbCl + Cr_{2}Cl_{3} +
8HO]. Bestimmt man nun durch Chamleonlsung oder durch chromsaures
Kali (. 89. 2.), wie viel Eisen noch als Oxydul vorhanden ist, so
erfhrt man, wie viel oxydirt wurde. Hieraus ergiebt sich die Menge der
Chromsure und folgeweise die des Bleies.

Je 3 Aeq. Eisen (1050 Thle.), welche aus dem Zustande des Oxyduls in
des den Oxyds bergefhrt wurden, entsprechen 1 Aeq. Blei (1294,6
Thle.). -- Die Fllung nimmt man in einer Porzellanschale vor,
nachdem die Flssigkeit im Wasserbade gelinde erwrmt worden ist.
Die in der Schale fester haftenden Theile des Niederschlages braucht
man nicht auf das Filter zu bringen, da man dieses, zur Behandlung
mit der Eisenchlorrlsung, doch wieder in die Schale zurckbringt.
-- Der Ueberschuss der Salzsure in letzterer darf nicht zu gering
sein. -- Die dunkelgrne Lsung wird noch heiss filtrirt, die Filter
gut ausgewaschen. Da die grne Farbe der Lsung das Erkennen der
Rothfrbung (bei Anwendung von bermangansaurem Kali) etwas erschwert,
so rth $Schwarz$, den letztzugefgten Tropfen nicht mitzuzhlen.
-- Man erkennt auf den ersten Blick, dass diese maassanalytische
Bestimmung des chromsauren Bleioxyds nur vortheilhaft sein kann, wenn
eine grssere Anzahl von Bestimmungen hinter einander gemacht werden
soll. Man bereitet sich in dem Fall eine fr alle gengende Menge
Eisenchlorrlsung, bestimmt deren Gehalt an Oxydul und setzt bei den
einzelnen Proben abgemessene Mengen derselben zu.

4. _Bestimmung als Chlorblei._

Bei einigen Scheidungen bestimmt man das Blei als Chlorblei, indem man
die Auflsung mit berschssiger Salzsure versetzt, im Wasserbade stark
einengt, den Rckstand mit absolutem Alkohol, dem man etwas Aether
zugemischt hat, behandelt, absitzen lsst, abfiltrirt, mit therhaltigem
Weingeist auswscht, trocknet und gelinde erhitzt. Das Erhitzen darf
nicht bis zum Glhen gesteigert werden, sonst verflchtigt sich etwas
Chlorblei. Im Uebrigen wird die Operation nach der in 1. [Greek: a].
angegebenen Weise ausgefhrt.

5. _Bestimmung als Bleioxyd_ + _Blei._

Man erhitzt die organische Blei Verbindung (1-2 Grm.) in einem kleinen
gewogenen Porzellanschlchen ganz gelinde und zwar lsst man die Hitze
zuerst auf den Rand des Schlchens wirken, so dass die stattfindende
Zersetzung an einer Seite ihren Anfang nimmt und langsam fortschreitet.
Wenn die ganze Masse zersetzt ist, erhitzt man etwas strker, bis man
kein verglimmendes Theilchen mehr bemerkt, und bis der Rckstand als
ein kohlefreies Gemenge von Bleioxyd und Bleikgelchen erscheint. Man
wgt denselben nunmehr, erwrmt ihn alsdann mit Essigsure, bis das Oxyd
vollstndig gelst ist, was leicht erfolgt, wscht durch Decantation
aus, giesst zuletzt ab, erwrmt bis zum Entfernen des Wassers und wgt
das rckbleibende metallische Blei. Zieht man sein Gewicht von dem erst
erhaltenen ab, so erfhrt man die Menge des im Rckstand enthalten
gewesenen Oxyds. Berechnet man dessen Gehalt an Metall und addirt
ihn zu dem Gewichte des direct erhaltenen Bleies, so bekommt man die
Totalmenge des in der Verbindung enthaltenen Metalls.

Man hat bei diesem Verfahren zwei Umstnde besonders zu beobachten;
einmal muss man die Zersetzung langsam einleiten, denn bei rascher
Verbrennung der Kohle und des Wasserstoffs der Verbindung auf Kosten
des Sauerstoffs im Bleioxyd entsteht eine so hohe Temperatur, dass sich
Blei in sichtbaren Dmpfen verflchtigt, -- und ferner muss man Sorge
tragen, dass keine Kohle im Rckstande bleibt, was man beim Behandeln
mit Essigsure mit Gewissheit erfhrt. Die Vernachlssigung des ersten
Umstandes erniedrigt, die des letzten erhht die zu findende Zahl. Die
Methode ist im Uebrigen sehr bequem und ihre Resultate bei vorsichtiger
Ausfhrung recht genau.

In der neueren Zeit hat $Dulk$ folgende Modification des ursprnglich
von $Berzelius$ herrhrenden Verfahrens angegeben. Man glht die
Verbindung in einem bedeckten Porzellantiegel gelinde bis zum
vollstndigen Verkohlen der organischen Substanz, lftet alsdann den
Deckel und rhrt mit einem Eisendraht um. Die Masse kommt ins Erglhen,
es entsteht ein Gemenge von Blei und Bleioxyd, welches noch unverbrannte
Kohle enthalten kann. Man legt nun einige Krystalle von trockenem
salpetersaurem Ammon in den Tiegel, welchen man zuvor aus der Flamme
entfernt hat, und bedeckt ihn. Das Salz schmilzt, oxydirt das Blei und
verwandelt es theilweise in salpetersaures Oxyd. Man glht nun den
Tiegel, bis keine Dmpfe von Untersalpetersure mehr sichtbar sind, und
wgt das erhaltene Oxyd. -- Bei diesem Verfahren ist man sicher, dass
alle Kohle verbrannt wird, auch spart man eine Wgung. Seine Genauigkeit
hat $Dulk$ nachgewiesen. Es verdient empfohlen zu werden.

6. _Bestimmung des Bleies als Schwefelblei._

[Greek: a]. Dieselbe geschieht genau in der nmlichen Weise und mit
derselben Genauigkeit, wie die des Schwefelsilbers, nur darf man bei
Fllung aus sauren Lsungen nicht erwrmen, sonst lst sich wieder ein
Theil des Schwefelbleies auf. Eigenschaften des Niederschlages . 62.

[Greek: b]. Ist der Niederschlag verunreinigt durch mit niedergefallenen
Schwefel, so dass er nicht als Schwefelblei gewogen werden kann, so
verwandelt man ihn auf folgende Weise in schwefelsaures Bleioxyd. Man
trocknet im Filter, schttet den Inhalt in ein Becherglas, in welches
man dann auch das Filter wirft, und setzt tropfenweise reine rauchende
Salpetersure zu, indem man das Glas mit einer Glasplatte bedeckt hlt.
Nach beendigter Oxydation erwrmt man eine Zeit lang gelinde, bringt den
Inhalt des Becherglases in ein kleines Porzellanschlchen, splt nach,
fgt einige Tropfen reine Schwefelsure hinzu, verdampft vorsichtig
und glht zuletzt. Die Genauigkeit des Resultates hngt ganz von der
angewendeten Sorgfalt ab. -- Nimmt man zur Oxydation keine rauchende
Sure, so scheidet sich Schwefel ab, der sich beim Erwrmen mit
Salpetersure nur usserst langsam oxydirt.

7. _Bestimmung des Bleies durch Maassanalyse._

Ausser der in neuester Zeit angegebenen, unter 3. dieses . angefhrten
$Schwarz$'schen Methode sind frher noch folgende Verfahrungsweisen
empfohlen worden.

      a. Von $Flores Domonte$.

Man versetzt die Bleilsung mit Kali- oder Natronlauge in Ueberschuss
und erhitzt zum Kochen, bis das niedergefallene basische Salz wieder
gelst ist. Man fgt nun zu der kochenden Lsung eine titrirte verdnnte
Lsung von Schwefelnatrium, so lange noch ein Niederschlag erfolgt. Um
diesen Punkt gehrig zu treffen, ist es erforderlich, die Flssigkeit
von Zeit zu Zeit sich klren zu lassen.

Die Schwefelnatriumlsung bereitet man, indem man eine abgemessene Menge
Natronlauge mit Schwefelwasserstoff vollkommen sttigt (wodurch man
Schwefelwasserstoff-Schwefelnatrium erhlt) und dann eine gleiche Menge
Natronlauge zumischt. Man verdnnt die Lsung so weit, dass sie etwa 8
Gramm wasserfreies Schwefelnatrium im Liter enthlt. (Wre daher das
specif. Gewicht der Natronlauge 1,15 = 10 Proc. Natron, so htte man 28
C.C. derselben mit Schwefelwasserstoff zu sttigen, dann 28 C.C. weiter
zuzufgen und das Ganze auf 1000 C.C. zu verdnnen.) 50 C.C. = 100 der so
bereiteten Lsung fllen alsdann etwa 1 Gramm Blei. -- Um nun den Gehalt
der Lsung genau festzustellen, wendet man sie in oben beschriebener
Weise auf eine 1 Gramm Blei enthaltende abgemessene Menge einer
Bleilsung von bekanntem Gehalte an. Da sich die Schwefelnatriumlsung
leicht verndert, muss dieselbe fr jede neue Reihe von Versuchen aufs
Neue titrirt werden. -- Die Zersetzung, welche der angefhrten Methode
zu Grunde liegt, wird ausgedrckt durch die Gleichung PbO + NaS = PbS +
NaO.

      b. Von $Marguerite$.

Man fgt zu einer kochenden stark alkalischen Bleioxydlsung so lange
eine Lsung von bermangansaurem Kali, bis alles Blei als Bleihyperoxyd
gefllt ist. Die Uebermangansure geht dabei in Manganhyperoxyd ber.
3PbO + Mn_{2}O_{7} = 3PbO_{2} + 2MnO_{2}. Sobald man sich dem
genannten Punkte nhert, frbt sich die Flssigkeit grn, wird aber bei
lngerem Kochen wieder farblos. Verschwindet endlich die grne Farbe
auch bei andauerndem Kochen nicht mehr, so ist die Hyperoxydation des
Bleies vollendet. -- Die Ausfhrung dieser Methode wird lstig durch
das unangenehme Stossen der Flssigkeit, welches durch die entstandenen
Niederschlge bedingt wird; auch gelingt es nur schwierig, den
fraglichen Punkt ganz genau zu treffen. Die Darstellung der Lsung des
bermangansauren Kalis siehe . 89. Das Titriren derselben geschieht
mit Hlfe einer Bleilsung von bekanntem Gehalte und muss vor jeder
Versuchsreihe wiederholt werden. -- Wendet man die zur Eisenbestimmung
titrirte Lsung an, von welcher 50 C.C. 1 Grm. Eisen entsprechen, so
kann man sich merken, dass 50 C.C. 1,11 Grm. Blei aus Oxyd in Hyperoxyd
berfhren.


                                 . 93.

                        3. $Quecksilberoxydul.$

      a. Auflsung.

Das Quecksilberoxydul und seine Verbindungen lst man zum Behufe der
Quecksilberbestimmung stets am zweckmssigsten in der Weise auf, dass
man eine Oxydlsung bekommt, weil es schwierig ist, sie so zu lsen,
dass man eine vllig von Oxyd freie Oxydullsung erhlt. Man erwrmt
sie demzufolge zuerst eine Zeit lang mit berschssiger Salpetersure,
setzt etwas Salzsure zu und fhrt mit dem Erwrmen fort, bis man
eine vllig klare Lsung erlangt hat. Auf diese Weise knnen alle
Quecksilberoxydulverbindungen, wie auch das metallische Quecksilber in
Lsung gebracht werden.

      b. Bestimmung.

Dem Gesagten zufolge kommt die Bestimmung des Quecksilberoxyduls mit
der des Quecksilberoxyds berein und wir knnen daher auf den folgenden
Paragraphen verweisen. Wie man Quecksilberoxydul neben Oxyd bestimmt,
wird im fnften Abschnitte gezeigt werden.


                                 . 94.

                         4. $Quecksilberoxyd.$

      a. Auflsung.

Das Quecksilberoxyd und die in Wasser unlslichen Verbindungen desselben
werden je nach Umstnden in Salzsure oder in Salpetersure gelst,
Quecksilbersulfid erwrmt man mit Salzsure und fgt Salpetersure hinzu
bis zur erfolgten Lsung.

     b. Bestimmung.

Das Quecksilber kann nach . 63 als _metallisches Quecksilber_,
_Quecksilberchlorr_, _Quecksilbersulfid_, oder _Quecksilberoxyd_
gewogen werden; bei Scheidungen bestimmt man es zuweilen als
Glhverlust. -- Auch durch Maassanalyse lsst es sich bestimmen.

Die drei ersten Bestimmungsarten lassen sich in allen Fllen anwenden.
Die Bestimmung als Oxyd dagegen ist nur bei Verbindungen des
Quecksilberoxyds oder Oxyduls mit Salpetersure mglich. -- Die Methode,
das Quecksilber als Sulfid zu bestimmen, verdient ihrer Genauigkeit,
Einfachheit und leichten Ausfhrbarkeit wegen in den meisten Fllen den
Vorzug. Die maassanalytische Methode setzt voraus, dass die Lsung keine
Salzsure, berhaupt keine Chlorverbindung enthalte.

1. _Bestimmung als metallisches Quecksilber._

Dieselbe kann ausgefhrt werden:

      a. $Auf trockenem Wege.$

Man bringt in ein, 1-1/2 Fuss langes, 3-4 Linien weites, am hinteren
Ende zugeschmolzenes Rohr von schwer schmelzbarem Glase hinten hin eine
zwei Zoll betragende Schicht trockenes Kalkhydrat, darauf das innige
Gemenge der zu analysirenden Quecksilberverbindung mit einem Ueberschuss
von Natronkalk (. 45. 4.), sodann den Natronkalk, mit dem man den
Mischungsmrser nachgesplt hat, ferner eine Schicht reinen Natronkalk
und endlich, einen lockeren Pfropf von reinem Asbest, zieht alsdann die
Rhre vorn aus und biegt sie in einem etwas stumpfen Winkel um. -- Die
Manipulationen beim Mischen und Einfllen sind dieselben, welche bei
der organischen Analyse angewendet werden, daher dieselben hier nicht
ausfhrlicher beschrieben worden sind.

Die so zugerichtete Rhre legt man, nachdem man durch Aufklopfen
derselben einen Canal ber der Fllung erzeugt hat, in einen
Verbrennungsofen und senkt die Spitze in einen Wasser enthaltenden
Kolben, so dass die Oeffnung durch das Wasser halb geschlossen ist.

Die Anordnung des Apparates wird durch Fig. 45 veranschaulicht. _a_ --
_b_ enthlt Kalkhydrat, _b_ -- _c_ die Mischung, _c_ -- _d_ den zum
Nachsplen verwendeten, _d_ -- _e_ reinen Natronkalk, _e_ -- _f_ den
Asbestpfropf.

[Illustration: Fig. 45.]

Man umgiebt die Rhre wie bei einer organischen Analyse, von _e_ nach
_a_ langsam fortschreitend, mit glhenden Kohlen, treibt zuletzt durch
Erhitzung des im hinteren Theile der Rhre liegenden Kalkhydrats den
letzten Rest der Quecksilberdmpfe aus der Rhre, schneidet, noch
whrend dieselbe im vollen Glhen ist, den Hals bei _f_ ab, splt den
abgeschnittenen Theil mit Hlfe einer Spritzflasche in den Kolben
vollstndig ab, vereinigt die berdestillirten Quecksilberkgelchen
durch Umschtteln, giesst nach lngerem Stehen das ganz klare Wasser
ab, das Quecksilber aber in einen gewogenen Porzellantiegel, nimmt den
grssten Theil des noch dabei befindlichen Wassers mit Lschpapier
weg und trocknet zuletzt unter einer Glocke neben Schwefelsure, bis
das Gewicht constant bleibt. Wrme darf nicht angewendet werden.
Eigenschaften des Quecksilbers . 63.

Diese Methode kann auch bei organischen Verbindungen angewendet werden.
-- Die Genauigkeit der Resultate ist von der Sorgfalt bei der Ausfhrung
geradezu abhngig. -- Dieselbe wird auf die Spitze getrieben durch
Anwendung des etwas complicirteren Verfahrens, welches $Erdmann$ und
$Marchand$ zum Behufe der Atomgewichtsbestimmung des Quecksilbers
und Schwefels angewendet haben, und hinsichtlich dessen ich auf die
Originalarbeit verweisen muss. Journ. f. prakt. Chem. XXXI, S. 385;
auch: Pharmaceut. Centralblatt. 1844. S. 354.

      b. Auf nassem Wege.

Man fllt die mit freier Salzsure versetzte, von etwa anwesender
Salpetersure durch wiederholtes Abdampfen mit Salzsure befreite,
in einem Kolben befindliche Lsung mit einer klaren, freie Salzsure
enthaltenden Auflsung von Zinnchlorr, welche man im Ueberschuss
zusetzt, kocht kurze Zeit und lsst erkalten.

Die nach lngerem Stehen vllig klar gewordene Flssigkeit giesst
man von dem metallischen, im gnstigen Falle zu einer Kugel
zusammengeflossenen Quecksilber ab, wscht dieses durch Decantation erst
mit Salzsure enthaltendem, dann mit reinem Wasser ab und bestimmt es
sodann wie in a.

Haben sich die Quecksilbertheilchen nicht zu einer Kugel vereinigt, so
giesst man die klare Lsung ab, giebt etwas mssig verdnnte Salzsure
in den Kolben und kocht kurze Zeit, wodurch man seinen Zweck in der
Regel bald erreicht. -- Eigenschaften des Quecksilbers . 63.

Statt des Zinnchlorrs kann man sich auch anderer Reductionsmittel, so
der phosphorigen Sure, der schwefligen Sure etc. bedienen.

Diese Methode giebt nur bei sehr sorgfltiger Ausfhrung genaue
Resultate. In der Regel wird zu wenig erhalten, vergleiche Versuch
Nro. 68. (Derselbe rhrt nicht von mir selbst, sondern von einem meiner
Schler her.) Der Verlust ist jedoch nicht in der Methode begrndet, wie
gewhnlich angenommen wird, d. h. er rhrt nicht von dem beim Kochen
und Trocknen verdampfenden Quecksilber her (Vers. Nro. 50), sondern
seine Ursache ist die, dass man in der Regel das Quecksilber nicht
ganz vollstndig absitzen lsst und berhaupt durch Mangel an Sorgfalt
beim Decantiren, Abtrocknen mit Papier etc. Verlust veranlasst. --
Enthlt eine Lsung viel Salpetersure, so ist es jedenfalls besser, das
Quecksilber als Schwefelquecksilber zu bestimmen.

2. _Bestimmung als Quecksilberchlorr._

Man versetzt die Quecksilberlsung mit Salzsure, sofern sie solche
noch nicht enthlt, fgt Kalilauge zu, bis der Ueberschuss der Sure
beinahe, aber noch nicht ganz, gesttigt ist, vermischt mit einer Lsung
von ameisensaurem Natron im Ueberschuss und stellt 4 Tage lang an einen
60 bis 80 C. warmen Ort. Nach dieser Zeit filtrirt man die Lsung von
dem gefllten Quecksilberchlorr ab und bringt dieses auf ein bei 100
getrocknetes und gewogenes Filter. Das Filtrat lsst man nochmals 24
Stunden bei 60 bis 80 C. stehen. Bildet sich in dieser Zeit wiederum
ein Niederschlag von Calomel, so filtrirt man denselben zum ersten und
lsst das Filtrat noch einmal in der Wrme stehen, -- bleibt hingegen
das Filtrat klar, so ist man sicher, alles Quecksilber auf dem Filter
zu haben. Man wscht alsdann aus, trocknet bei 100 und wgt. --
Uebersteigt die Temperatur beim Fllen 80 um ein Erhebliches, so fllt
der Niederschlag durch eingemengtes Quecksilber grau aus. Der Versuch
ist in solchem Falle zu verwerfen.

Diese Methode schreckt durch ihre Langwierigkeit ab und giebt nur bei
grsster Vorsicht genaue Resultate. -- Wirklichen Werth hat sie nur fr
die Scheidung des Quecksilbers von einigen anderen Metallen.

3. _Bestimmung als Quecksilbersulfid._

a. Hat man eine von Salpetersure freie Quecksilberoxydlsung, so
macht man sie, wenn sie es noch nicht ist, mit ein wenig Salzsure
sauer, bringt sie in eine mit einem Glasstopfen verschliessbare
Flasche und versetzt mit frisch bereitetem klaren und gesttigten
Schwefelwasserstoffwasser im geringen Ueberschuss, so dass nach dem
Umschtteln der Geruch nach Schwefelwasserstoff deutlich hervortritt,
verstopft die Flasche und lsst absitzen.

b. Ist der Quecksilbergehalt so bedeutend, dass man eine zu grosse Menge
Schwefelwasserstoffwasser nthig htte, so leitet man in die mssig
verdnnte Lsung gewaschenes Schwefelwasserstoffgas.

c. Enthlt die Lsung Salpetersure, so versetzt man sie mit Kali, bis
dieselbe fast abgestumpft ist (die Sure muss jedoch noch vorwalten),
fgt alsdann eine klare Cyankaliumlsung im Ueberschuss zu und fllt das
Quecksilber aus dieser Lsung durch Schwefelwasserstoffwasser, durch
eingeleitetes Gas oder auch durch farbloses Schwefelammonium.

Nach dem Absitzen filtrirt man den Niederschlag auf einem gewogenen
Filter ab, wscht ihn rasch mit kaltem Wasser aus, trocknet bei 100 und
wgt.

Sollte durch irgend eine Veranlassung, z. B. durch die Gegenwart von
Eisenoxyd, Chromsure etc., der Niederschlag freien Schwefel enthalten,
so bringt man ihn noch feucht sammt dem Filter in einen kleinen Kolben,
erwrmt ihn darin mit Salzsure und fgt tropfenweise Salpetersure
zu, bis der ausgeschiedene Schwefel eine rein gelbe Farbe angenommen
hat; man verdnnt alsdann mit Wasser, filtrirt und fllt neuerdings als
Schwefelquecksilber und zwar nach c.

Eigenschaften des Niederschlages siehe . 63.

Diese Methode verdient nach meiner Erfahrung vor den brigen den Vorzug.
Ihre Resultate sind bei gehriger Sorgfalt hchst genau.

4. _Bestimmung als Quecksilberoxyd._

Handelt es sich darum, Quecksilber in Verbindungen seiner Oxyde mit den
Suren des Stickstoffs zu bestimmen, so kann dies -- nach $Marignac$
(Jahresb. von $Liebig$ und $Kopp$ 1849. S. 594) -- sehr gut in Form
von Oxyd geschehen. -- Man erhitzt zu dem Behuf das Salz in einer
Kugelrhre, deren eines in eine Spitze ausgezogenes Ende in Wasser
taucht, whrend das andere mit einem Gasometer in Verbindung steht,
mittelst dessen man, so lange erhitzt wird, trockene Luft durchleitet,
wodurch man leicht die vllige Zersetzung des Salzes vollbringt, ohne
doch die zu erreichen, bei welcher das Oxyd selbst zerlegt werden wrde.

5. _Bestimmung durch Maassanalyse_ (nach $Liebig$, Annal. der Chem. und
Pharm. 85, 307).

Dieselbe beruht darauf, dass phosphorsaures Natron zwar
aus salpetersaurer Quecksilberoxydlsung, nicht aber aus
Quecksilberchloridlsung phosphorsaures Quecksilberoxyd in Gestalt
eines anfangs flockigen, bald aber krystallinisch werdenden, weissen
Niederschlages fllt, und dass daher Chlornatrium den in ersterer Lsung
entstandenen Niederschlag -- so lange er noch nicht krystallinisch
geworden -- mit Leichtigkeit wieder lst, indem sich phosphorsaures
Natron und Quecksilberchlorid bilden. Kennt man daher die zur Lsung
des Niederschlages erforderliche Menge Kochsalz, so ergiebt sich daraus
auch die des Quecksilbers; denn je 1 Aeq. Chlornatrium lst 1 Aeq.
Quecksilberoxyd (in Form von phosphorsaurem Oxyd), somit sind 0,54103
Grm. Chlornatrium erforderlich, um 1 Grm. des Oxyds zu lsen.

a. _Bereitung der titrirten Chlornatriumlsung._ Man lst 10,8206 Grm.
reines Chlornatrium in Wasser zu 1 Liter Flssigkeit ($Liebig$ mischt 20
C.C. bei gewhnlicher Temperatur gesttigte Kochsalzlsung mit 566,8 C.C.
Wasser). Jeder C.C. der auf eine oder die andere Art bereiteten Lsung
entspricht 0,020 Grm. Quecksilberoxyd.

b. _Herstellung der Quecksilberoxydlsung._ Dass dieselbe frei von
Chlorverbindungen sein und alles Quecksilber als Oxyd enthalten
msse, ergiebt sich aus dem Gesagten von selbst; aber auch eine
gewisse Verdnnung ist nthig, wenn der Versuch gut gelingen soll.
Nach $Liebig$'s Angabe ist es gut, wenn die zur Probe dienende
Quecksilberlsung in 10 C.C. nicht mehr als etwa 0,2 Grm. Oxyd enthlt.
-- Findet man daher bei einem ersten vorlufigen Versuch, dass die
Concentration zu stark ist, so verdnnt man sie entsprechend, ehe man
zur eigentlichen Bestimmung schreitet. -- Die Quecksilberlsung darf
ferner nicht zu viel freie Sure enthalten; sie enthlt die richtige
Menge, wenn nach dem Zusatz der sogleich anzugebenden Menge von
phosphorsaurer Natronlsung die Mischung nicht mehr sauer reagirt. Eine
zu stark saure Lsung versetzt man mit kohlensaurem Natron, bis sich
basisches Salz niederschlgt und lst dieses mit einem oder zwei Tropfen
Salpetersure wieder auf.

c. _Ausfhrung._ Dieselbe lsst sich in zweierlei Art bewerkstelligen;
am besten wendet man beide an, da die erste ein etwas zu hohes, die
zweite ein etwas zu niedriges Resultat liefert, und sich somit bei
Combinirung beider die Fehler ausgleichen.

Methode I. Man misst 10 C.C. von der Quecksilberlsung in ein Becherglas
ab, setzt 3-4 C.C. einer gesttigten Lsung von phosphorsaurem Natron
zu und lsst sogleich, ehe der Niederschlag krystallinisch geworden,
Kochsalzlsung -- zuletzt sehr behutsam -- zufliessen, bis der
Niederschlag eben verschwunden ist.

Angenommen, man habe hierzu 12,5 C.C. Kochsalzlsung verbraucht, so misst
man (Methode II.) jetzt 12,5 derselben Kochsalzlsung ab, setzt 3 bis
4 C.C. phosphorsaure Natronlsung zu und lsst zu dieser Mischung aus
einer Brette von der nmlichen Quecksilberlsung fliessen, bis ein
bleibender Niederschlag sich eben einstellt. Gesetzt, man habe dazu
10,25 C.C. Quecksilberlsung verbraucht, so ergiebt sich der wahre Gehalt
derselben aus der Betrachtung, dass 12,5 + 12,5 = 25 C.C. Kochsalzlsung
10 + 10,25 = 20,25 Quecksilberoxydlsung entsprochen haben. Da nun 1 C.C.
Kochsalzlsung 0,020 Grm. Quecksilberoxyd entspricht, so entsprechen
25 C.C. 0,5 Grm. -- Diese waren in den 20,25 C.C. der Quecksilberlsung
enthalten.

Das Verfahren, in dieser Weise ausgefhrt, liefert, wie $Liebig$ durch
zahlreiche Belege erwiesen hat, sehr annhernde Resultate, z. B. 0,1878
Grm. statt 0,1870, -- 0,174 Grm. statt 0,1748 Grm, -- 0,1668 Grm. statt
0,1664 Grm. etc.


                                 . 95.

                            5. $Kupferoxyd.$

      a. Auflsung.

Die meisten Verbindungen des Kupferoxyds lsen sich in Wasser. Das
metallische Kupfer, das Oxyd und seine in Wasser unlslichen Salze lst
man in verdnnter Salpetersure. Schwefelkupfer erwrmt man so lange
mit mssig verdnnter Salpetersure, bis der ausgeschiedene Schwefel
rein gelb erscheint. Durch Zusatz von etwas Salzsure kann man die
vollstndige Zersetzung sehr beschleunigen.

      b. Bestimmung.

Das Kupfer wird nach . 64 in der Kegel als Oxyd gewogen. In diese
Form bringt man es entweder geradezu durch Fllung oder Glhen, oder
nach vorhergegangener Fllung als Schwefelkupfer. -- Ausser diesen
Methoden kann man noch ein indirectes Verfahren, sowie verschiedene
maassanalytische Methoden anwenden. -- Whrend letztere fast in allen
Fllen anwendbar sind, kann man bestimmen

1. $Als Kupferoxyd$:

  a. $durch Fllung als solches$:

     [Greek: a]. _direct_:

     Smmtliche in Wasser lsliche Kupferoxydsalze, sowie diejenigen
     unlslichen, deren Suren sich beim Auflsen in Salpetersure
     entfernen lassen, sofern keine nichtflchtige organische Substanz
     zugegen ist.

     [Greek: b]. _nach vorhergegangenem Glhen der Verbindung_:

     Die in [Greek: a]. genannten Salze, sofern eine nichtflchtige
     organische Substanz beigemischt ist; also namentlich Kupfersalze
     mit nichtflchtigen organischen Suren.

  b. $durch Fllung als Schwefelkupfer.$

     Smmtliche Verbindungen ohne Ausnahme.

  c. $durch Glhen.$

Die Sauerstoffsalze mit leicht flchtigen oder in der Hitze leicht
zersetzbaren Suren (kohlensaures, salpetersaures Kupferoxyd).

Die indirecte Methode, mehr noch die maassanalytischen eignen sich
namentlich fr technisch-chemische Zwecke.

1. _Bestimmung als Kupferoxyd._

      a. Durch directe Fllung als solches.

[Greek: a]. _Aus neutraler oder saurer Lsung._

Man erhitzt die am zweckmssigsten in einer Porzellanschale befindliche,
$ziemlich verdnnte$ Kupferlsung zum anfangenden Kochen, fgt reine
etwas verdnnte Natron- oder Kalilauge zu, so lange ein Niederschlag
entsteht, erhlt noch einige Minuten bei einer dem Siedepunkte nahen
Temperatur, lsst kurze Zeit absitzen, filtrirt die Flssigkeit,
bergiesst den Niederschlag mit Wasser, erhitzt zum Kochen, lsst etwas
absitzen und wiederholt die eben beschriebene Operation. Zuletzt bringt
man den gesammten Niederschlag auf das Filter, wscht ihn mit heissem
Wasser vollkommen aus, trocknet und glht in einem Platintiegel nach
. 36. Nach heftigem Glhen und nachdem man die Filterasche mit dem
Inhalt des Tiegels vereinigt hat, bringt man diesen unter eine Glocke
neben Schwefelsure, stellt ihn auf die Wage, wenn er sich noch ein
wenig warm anfhlt, und wgt mglichst schnell.

Sollten sich Theilchen des Kupferoxyds so fest an die Schale angesetzt
haben, dass sie auf mechanische Weise sich nicht wegbringen lassen (was
jedoch bei genauer Befolgung der oben beschriebenen Methoden nicht
leicht der Fall sein wird), so lst man dieselben nach vollstndigem
Auswaschen der Schale mit ein paar Tropfen Salpetersure und dampft die
so erhaltene Lsung ber dem Oxyd ab, bevor man dasselbe glht.

Eigenschaften des Niederschlages . 64. Diese Methode giebt bei genauer
Befolgung der gegebenen Regeln ganz genaue Resultate.

Bei Nichtbeachtung der gegebenen Regeln kann das Resultat zu hoch
oder zu niedrig ausfallen. So schlgt sich nicht alles Kupferoxyd
nieder, wenn man eine concentrirte Lsung fllt, -- so bleibt der
Niederschlag kalihaltig, wenn man nicht sehr sorgfltig mit heissem
Wasser auswscht, -- so erhlt man ein zu grosses Gewicht, wenn man den
geglhten Niederschlag vor dem Wgen eine Zeit lang an der Luft stehen
lsst etc., -- so ein zu niedriges, wenn man das Filter mit dem Oxyd
glht, da hierdurch letzteres mehr oder wenig reducirt wird. -- Hat sich
Oxyd reducirt, so befeuchtet man mit etwas Salpetersure, verdampft
vorsichtig zur Trockne und erhitzt behutsam, zuletzt heftig.

Man mache es sich zur Regel, die von dem Niederschlag abfiltrirte
Flssigkeit mit Schwefelwasserstoffwasser auf einen Kupfergehalt zu
prfen. Erfolgt hierdurch Brunung oder Niederschlag, whrend man doch
genau nach Angabe gefllt hat, so ist ein Gehalt der Flssigkeit an
organischer Substanz die Ursache. Man engt in diesem Falle Filtrat und
Waschwasser durch Abdampfen ein, fllt mit Schwefelwasserstoffwasser,
verfhrt mit dem ausgewaschenen Schwefelkupfer nach c. und filtrirt das
erhaltene Oxyd zur Hauptmenge.

[Greek: b]. _Aus alkalischer Lsung._

Auch aus ammoniakalischer Auflsung kann das Kupferoxyd durch Kali
gefllt werden. Man verfhrt in der Hauptsache wie in a. Nach dem Fllen
erhitzt man, bis die ber dem Niederschlage stehende Flssigkeit vllig
farblos geworden, und filtrirt alsdann so rasch wie mglich ab. Lsst
man die Flssigkeit mit dem Niederschlage erkalten, so lst sich wieder
ein wenig von demselben auf und man erleidet Verlust.

      b. Durch Fllung als Oxyd nach vorhergegangenem Glhen der Substanz.

[Greek: a]. Man erhitzt in einem Porzellantiegel bis zur Zerstrung der
organischen Substanz, lst den Rckstand in verdnnter Salpetersure,
filtrirt, wenn nthig, und verfhrt nach a. [Greek: a]. oder (nach
vorhergegangenem Abdampfen) nach d. --

[Greek: b]. Bei Kupfersalzen mit organischen Suren lsst sich die
Bestimmung hufig auch in der Art vornehmen, dass man den geglhten
Rckstand mit Salpetersure befeuchtet, eindampft, nochmals befeuchtet,
wieder eindampft und endlich vorsichtig glht.

Man hat bei dieser letzteren Methode aus dem . 79. 2. b. angefhrten
Grunde in der Regel einen unbedeutenden Verlust.

      c. Durch Fllung als Schwefelkupfer.

Man versetzt die Lsung, welche alkalisch, neutral oder mssig
sauer sein kann, aber keinen grossen Ueberschuss von Salpetersure
enthalten darf, je nach der Menge des Kupfers, entweder mit starkem
Schwefelwasserstoffwasser, oder man fllt sie durch Einleiten von
Schwefelwasserstoffgas, filtrirt nach vlliger Ausscheidung rasch ab,
wscht den Niederschlag ohne Pause mit schwefelwasserstoffhaltigem
Wasser aus und trocknet ihn im Filter. Alsdann schttet man dessen
Inhalt in ein Becherglas, verbrennt das Filter in einem kleinen
Porzellanschlchen, vereinigt die Asche mit dem Niederschlage,
bergiesst mit mssig verdnnter Salpetersure, setzt etwas Salzsure zu
und erwrmt gelinde, bis der ausgeschiedene Schwefel rein gelb geworden.
Man verdnnt nun mit Wasser, filtrirt und fllt nach a.

      d. Durch Glhen.

Man erhitzt das zu zersetzende Salz in einem Platin- oder
Porzellantiegel bei anfangs ganz gelinder, allmlig zum heftigen
Glhen gesteigerter Hitze und wgt den Rckstand. Da das salpetersaure
Kupferoxyd bei der Zersetzung stark spritzt, so bringt man es
zweckmssig in einen kleineren bedeckten Platintiegel, stellt diesen in
einen grossen, ebenfalls bedeckten und glht so. Resultate bei gehriger
Vorsicht sehr genau.

2. _Indirecte Bestimmung mittelst metallischen Kupfers._

a. (Nach $Levol$.) Man bringt die Kupferoxydlsung in ein mit einem
Glasstopfen verschliessbares Glas, fgt Ammon im Ueberschuss hinzu,
so dass man eine klare lasurblaue Lsung bekommt, fllt das Glas
mit ausgekochtem Wasser beinahe voll, stellt einen vllig blanken,
genau gewogenen Kupferstreifen hinein, verstopft fest und lsst bei
gewhnlicher Temperatur stehen, bis die Flssigkeit vllig farblos
geworden. Man nimmt alsdann den Kupferstreifen heraus, splt ihn
ab, trocknet und wgt ihn. Sein Gewichtsverlust giebt die Menge des
in der Lsung enthalten gewesenen Kupfers und zwar bei sorgfltiger
Ausfhrung mit grosser Genauigkeit an.--Unangenehm, ist der Umstand,
dass der Versuch 3-4 Tage und oft noch lnger dauert. -- Dass bei dieser
Bestimmung in der Flssigkeit neben dem Kupfer keine Metalle aufgelst
sein drfen, die durch Kupfer gefllt werden, liegt auf der Hand.
[Whrend $Riegel$ (Archiv der Pharm. 56, 40) befriedigende Resultate bei
Anwendung dieser Methode gewann, erhielt $Philipps$ (Annal. d. Chem. und
Pharm. 81, 208) 15 bis 20 Proc. zuviel.]

b. (Nach $Runge$.) Hat man eine von Salpetersure (und Eisenoxyd) freie
Kupferchloridlsung, so kann man ihren Kupfergehalt auch in der Weise
bestimmen, dass man sie, in ziemlich verdnntem Zustande und mit freier
Salzsure versetzt, in einem langhalsigen Kolben mit einem gewogenen
Kupferstreifen gelinde kocht, bis die Lsung farblos geworden, alsdann
den Kupferstreifen herausnimmt, gut absplt, trocknet und wgt (vergl.
. 90). Resultate nach $Riegel$'s Versuchen befriedigend.

Dieses Verfahren ist frdernder, als das sub 2. a. angegebene.

3. _Bestimmung durch Maassanalyse._

a. $Methode von Pelouze$. Versetzt man eine mit Ammon bersttigte
Kupferoxydlsung bei gewhnlicher Temperatur mit Schwefelnatrium, so
entsteht ein schwarzer Niederschlag von Schwefelkupfer (CuS), der sich
schwierig absetzt und an der Luft rasch Sauerstoff aufnimmt. Fllt
man dagegen zwischen 65 und 85 C., so entsteht zwar ein schwarzer
Niederschlag; derselbe ist aber eine Verbindung von Schwefelkupfer
mit Kupferoxyd (5CuS + CuO), setzt sich leicht ab und oxydirt sich
schwierig. Enthlt die ammoniakalische Lsung fremde Metalle, so fllt
von diesen Nichts nieder, so lange noch Kupfer gelst ist. -- Erhitzt
man andauernd und so stark, dass die Temperatur hher steigt, so
nimmt obige Verbindung noch mehr Kupferoxyd auf; auch geht ein Theil
in Oxydul ber, welches in der ammoniakalischen Lsung bleibt, indem
der abgegebene Sauerstoff mit dem Schwefel des Schwefelkupfers zu
unterschwefliger Sure zusammentritt. -- Kennt man daher die Menge einer
Schwefelnatriumlsung von bekanntem Gehalt, welche nthig ist, um aus
einer ammoniakalischen Kupferoxydlsung alles Kupfer bei etwa 75 C.
auszufllen, so ergiebt sich deren Gehalt.

Die Schwefelnatriumlsung bereitet man nach der in . 92. 7. a.
angegebenen Methode. Ihren Gehalt stellt man auf folgende Weise fest.

Man lst etwa 1 Grm. reines Kupfer in der nthigen Menge Salpetersure,
oder eine entsprechende Menge reinen Kupfervitriols in Wasser, setzt
etwa 30 C.C. starke Ammonflssigkeit hinzu und erhitzt die in einem
Kolben befindliche klare, lasurblaue Lsung mittelst einer kleinen
Weingeistlampe mit kurz abgeschnittenem Docht zum gelinden Sieden. Wenn
dies anfngt, zeigt ein eingetauchtes Thermometer 50-60C. Man setzt
nun, whrend das Erhitzen fortgesetzt wird (ein Ueberschreiten der
Grenze von 85 C. ist nicht leicht zu frchten, wenn man der Flssigkeit
von Zeit zu Zeit etwas Ammon zusetzt, da dieses beim Verdunsten viel
Wrme bindet), von der Schwefelnatriumlsung zu. Sobald die blaue Farbe
der Lsung sich so nicht mehr deutlich erkennen lsst, nimmt man die
Lampe kurze Zeit weg, wscht die Wandungen des Kolbens mittelst einer
Spritzflasche mit etwas Ammon ab und lsst ein wenig absitzen. Hat man
sich so berzeugt, dass die Flssigkeit noch blau ist, stellt man die
Lampe wieder unter und setzt einige Tropfen Schwefelnatriumlsung zu.
So fhrt man fort, bis die Flssigkeit auch nach dem Absitzen farblos
erscheint.

Zum Behuf der Analyse verfhrt man nun mit der sauren Lsung
einer abgewogenen Menge der Kupferverbindung genau so, wie dies
eben beschrieben worden ist. Man wgt zweckmssig so viel der
Kupferverbindung ab, dass darin etwa 1 Grm. Kupfer enthalten ist.

Vor jeder neuen Versuchsreihe muss der Gehalt der Schwefelnatriumlsung
wiederum festgestellt werden. -- Ein Versuch erfordert etwa 10 Minuten.
Die Resultate sind bei gehriger Vorsicht befriedigend.

b. $Methode von Schwarz$ (Annal. der Chem. u. Pharm. 84, 84). Versetzt
man eine Kupferoxydlsung mit einer gengenden Menge eines weinsauren
Alkalis und fgt Natronlauge zu, so erhlt man eine tief dunkelblaue
Flssigkeit. Erwrmt man dieselbe und fgt eine hinreichende Menge
Traubenzucker zu, so fllt nach kurzer Zeit alles Kupfer als Oxydul
nieder. -- Erwrmt man dieses mit Eisenchlorid und Salzsure, so lst es
sich, indem folgende Umsetzung stattfindet:

           Cu_{2}O + Fe_{2}Cl_{3} + ClH = 2CuCl + 2FeCl + HO.

Je 1 Aeq. Kupfer reducirt somit 1 Aeq. Eisen aus Chlorid zu Chlorr.
Bestimmt man daher die Menge des letzteren, so ergiebt sich auch die
Menge des Kupfers.

Man lst die abgewogene Kupferverbindung in Wasser oder Salpetersure,
versetzt sie in einer gerumigen Porzellanschale in der Klte mit einer
Auflsung von neutralem weinsaurem Kali, dann mit Natron- oder Kalilauge
im Ueberschuss, fgt zu der dunkelblauen Flssigkeit eine wsserige
Lsung von Trauben- oder Milchzucker in gengender Menge und erwrmt
im Wasserbade, bis die Flssigkeit am Rande eine braune Frbung zeigt,
zum Beweis, dass alles Kupfer gefllt ist, und das Kali nun auf den
Zucker brunend wirkt. Nachdem sich der Niederschlag abgesetzt hat, wird
filtrirt. Es luft meistens eine tiefbraune Flssigkeit ab, welche, wenn
Waschwasser hinzukommt, eine gelblichtrbe Berhrungsschicht darbietet.
Beim Mischen verschwindet dieselbe sogleich und rhrt somit nicht von
durchs Filter gedrungenem Kupferoxydul her. -- Das Kupferoxydul wird
mit heissem Wasser ausgewaschen, bis dieses farblos abluft; in der
Schale fest haftendes Kupferoxydul lsst man darin. Man bringt nun das
Filter mit dem Oxydul in die Schale, setzt reine (von Salpetersure
und von Chlorr freie) Eisenchloridlsung in einigem Ueberschuss nebst
etwas Salzsure zu und erwrmt unter Umrhren gelinde, wodurch sich das
anfangs entstandene Kupferchlorr leicht lst. Die entstandene grne
Lsung filtrirt man in einen gerumigen Kolben, wscht die Reste des
ersten Filters mit heissem Wasser wohl aus und bestimmt nun -- nach
Abkhlung bis zu etwa 30 C. -- die Menge des entstandenen Eisenchlorrs
nach . 89. 2. Je 350 Theile Eisen, welche im Zustande von Oxydul oder
Chlorr vorhanden sind, entsprechen 396 Theilen Kupfer. -- Die Resultate
sind befriedigend.


                                 . 96.

                           6. $Wismuthoxyd.$

      a. Auflsung.

Das metallische Wismuth, das Oxyd und alle sonstigen Wismuthverbindungen
lst man am zweckmssigsten in mehr oder weniger verdnnter
Salpetersure.

      b. Bestimmung.

Das Wismuth wird nach . 65 als Oxyd gewogen. In diese Form fhrt man
die Verbindungen entweder durch Fllung als kohlensaures Salz oder
durch Glhen ber. Der ersteren lsst man zuweilen eine Abscheidung als
Schwefelwismuth vorhergehen.

Man fhrt ber

$in Wismuthoxyd$:

  a. _durch Fllung als kohlensaures Wismuthoxyd_: Smmtliche
     Wismuthverbindungen, welche sich in Salpetersure zu salpetersaurem
     Wismuthoxyd lsen, so dass gleichzeitig $keine$ andere Sure in der
     Lsung bleibt.

  b. _durch Glhen_: [Greek: a]. Wismuthsalze mit leichtflchtigen
     Sauerstoffsuren. -- [Greek: b]. Wismuthsalze mit organischen
     Suren.

  c. _durch Fllung als Schwefelwismuth_: Die Verbindungen des Wismuths
     in allen Fllen, in welchen sie nicht nach a. oder b. in Oxyd
     bergefhrt werden knnen.

_Bestimmung des Wismuths als Oxyd._

      a. Durch Fllung als kohlensaures Wismuthoxyd.

Man versetzt die Wismuthlsung, nachdem man sie, sofern sie zu
concentrirt sein sollte, mit Wasser verdnnt hat, mit kohlensaurem
Ammon im Ueberschuss (ob durch die Verdnnung mit Wasser basisch
salpetersaures Wismuthoxyd niedergeschlagen worden ist oder nicht, ist
fr die Bestimmung vllig gleichgltig), erhitzt eine kurze Zeit bis
fast zum Kochen, filtrirt alsdann, trocknet und glht. Man verfhrt
hierbei genau wie beim Glhen, des kohlensauren Bleioxyds (. 92). Das
kohlensaure Wismuthoxyd geht durch das Glhen in reines Oxyd ber. --
Eigenschaften des Niederschlages und Rckstandes . 65. -- Die Methode
giebt, wenn die angegebenen Bedingungen ihrer Zulssigkeit erfllt sind,
sehr genaue Resultate. Dieselben sind in der Regel um ein Unbedeutendes
zu gering, da das kohlensaure Wismuthoxyd in kohlensaurem Ammon nicht
absolut unlslich ist. -- Wrde man auf die angegebene Art das Wismuth
aus einer Schwefelsure oder Salzsure enthaltenden Lsung fllen, so
bekme man ein unrichtiges Resultat, weil im ersten Falle das Oxyd
einen Gehalt an basisch schwefelsaurem Salze, im letzten von basischem
Chlorwismuth haben wrde. -- Filtrirte man den Niederschlag ohne zu
erwrmen ab, so wrde man einen bedeutenden Verlust erleiden, weil
in dem Falle sich noch nicht alles basisch kohlensaure Wismuthoxyd
ausgeschieden htte (Vers. Nr. 69).

      b. Durch Glhen.

[Greek: a]. Verbindungen wie kohlensaures oder salpetersaures
Wismuthoxyd glht man in einem Porzellantiegel, bis sie an Gewicht nicht
mehr abnehmen.

[Greek: b]. Bei Verbindungen mit organischen Suren verfhrt man wie bei
den entsprechenden Kupferoxydverbindungen . 95. 1. b. [Greek: b].

      c. Durch Fllung als Schwefelwismuth.

Man fllt die verdnnte Lsung mit Schwefelwasserstoff-Wasser oder Gas.
(Dem zum Verdnnen bestimmten Wasser setzt man etwas Essigsure zu, so
dass kein basisches Salz gefllt wird.) Den Niederschlag filtrirt man
und wscht ihn aus; -- oder man versetzt mit Ammon bis zur Abstumpfung
der freien Sure, dann mit Schwefelammonium im Ueberschuss.

Htte man die feste Ueberzeugung, dass mit dem Schwefelwismuth kein
freier Schwefel gefllt worden ist, so knnte man es als solches
wgen. Da man aber bei Wismuthverbindungen meist mit sehr sauren,
salpetersurehaltigen Lsungen zu thun hat, so dass leicht etwas
Schwefelwasserstoff zersetzt werden kann, so ist es am sichersten, das
Schwefelwismuth in Oxyd zu verwandeln.

Man bringt zu diesem Behuf das Filter mit dem Niederschlage nach dem
Auswaschen noch feucht in ein Becherglas, erwrmt mit mssig starker
Salpetersure bis zur vlligen Zersetzung, verdnnt mit Wasser, dem man
etwas Essigsure oder Salpetersure zugesetzt hat, filtrirt, wscht mit
eben solchem Wasser das Filter aus und fllt das Filtrat nach a.


                                 . 97.

                           7. $Cadmiumoxyd.$

      a. Auflsung.

Cadmium, Cadmiumoxyd und alle in Wasser unlslichen Cadmiumverbindungen
lst man in Salzsure oder Salpetersure.

      b. Bestimmung.

Das Cadmium wird nach . 66 entweder als _Oxyd_ oder als
_Schwefelcadmium_ gewogen.

Man kann verwandeln in

1. $Cadmiumoxyd$:

  a. _durch Fllen_: Die in Wasser lslichen Verbindungen, -- diejenigen
     unlslichen, deren Sure beim Auflsen in Salzsure entfernt wird,
     -- Cadmiumsalze mit organischen Suren.

  b. _durch Glhen_: Die Cadmiumsalze mit leicht flchtigen oder leicht
     zersetzbaren unorganischen Sauerstoffsuren.

2. $Schwefelcadmium$:

     Smmtliche Cadmiumverbindungen ohne Ausnahme.

1. _Bestimmung als Cadmiumoxyd._

      a. Durch Fllung.

Man fllt mit kohlensaurem Kali und glht den ausgewaschenen
Niederschlag von kohlensaurem Cadmiumoxyd, wodurch er in reines Oxyd
bergeht. Verfahren beim Fllen und Glhen wie bei Zink . 85. --
Eigenschaften des Niederschlages und Rckstandes . 66. Genauigkeit und
Fehlerquellen wie bei Zink . 85.

      b. Durch Glhen.

Verfahren wie bei Zink . 85.

2. _Bestimmung als Schwefelcadmium._

Man fllt neutrale oder saure Lsungen mit Schwefelwasserstoff-Wasser
oder Gas, alkalische mit Schwefelammonium, sammelt den Niederschlag
auf einem gewogenen Filter, wscht aus, trocknet bei 100 und wgt. --
Eigenschaften des Niederschlages . 66. Resultate genau.

Sollte das Schwefelcadmium freien Schwefel enthalten, so verwandelt
man es in salpetersaures Cadmiumoxyd oder Chlorcadmium und fllt als
kohlensaures Salz. Verfahren wie bei Zink . 85. b.


                           $Sechste Gruppe.$

 $Goldoxyd, Platinoxyd, Antimonoxyd, Zinnoxyd, Zinnoxydul, arsenige und
                             Arseniksure.$

                                 . 98.

                             1. $Goldoxyd.$

      a. Auflsung.

Metallisches Gold und smmtliche in Wasser unlsliche Goldverbindungen
erwrmt man mit Salzsure und fgt nach und nach Salpetersure zu
bis zur erfolgten Lsung, oder man digerirt wiederholt mit starkem
Chlorwasser. Letztere Methode wendet man namentlich dann an, wenn man
kleine Mengen Gold lsen und beigemengte fremde Oxyde ungelst lassen
will.

      b. Bestimmung.

Das Gold wird nie anders als im reinen Zustande gewogen. In diesen
Zustand bringt man seine Verbindungen entweder durch Glhen, oder durch
Fllen als Gold oder Schwefelgold.

Man verwandelt in

$Gold$:

  a. _durch Glhen_: Smmtliche Verbindungen des Goldes, in welchen
     keine an und fr sich fixe Sure enthalten ist.

  b. _durch Fllung als Gold_: Alle Verbindungen ohne Ausnahme, bei
     denen a. sich nicht anwenden lsst.

  c. _durch Fllung als Schwefelgold_: Goldverbindungen, wenn sie sich
     mit gewissen anderen Metallen in einer Lsung befinden, behufs der
     Scheidung.

_Bestimmung als metallisches Gold._

      a. Durch Glhen.

Man erhitzt in einem bedeckten Porzellan- oder Platintiegel anfangs sehr
gelinde, zuletzt zum Glhen und wgt das rckbleibende reine Gold. --
Eigenschaften des Rckstandes . 67. Resultate hchst genau.

      b. Durch Fllung als Gold.

[Greek: a]. Ist die Goldlsung frei von Salpetersure, so versetzt man
sie mit etwas Salzsure, sofern sie noch keine solche im freien Zustande
enthlt, fgt eine klare Auflsung von schwefelsaurem Eisenoxydul im
Ueberschuss zu, erwrmt gelinde ein paar Stunden hindurch, bis sich
das gefllte feine Goldpulver abgesetzt hat, filtrirt, wscht aus,
trocknet und glht nach . 35. Die Fllung nimmt man am besten in einer
Porzellanschale vor, weil man aus einer solchen das schwere feine Pulver
leichter absplen kann, als aus einem Becherglase. -- Die Genauigkeit
der Resultate hngt lediglich von der Sorgfalt bei der Ausfhrung ab,
denn Fehlerquellen hat die Methode nicht.

[Greek: b]. Enthlt die Goldlsung Salpetersure, so dampft man sie
unter von Zeit zu Zeit erneutem Zusatze von Salzsure im Wasserbade bis
zur Syrupconsistenz ab, nimmt den Rckstand mit Salzsure enthaltendem
Wasser auf und verfhrt mit der Lsung nach [Greek: a]. Sollte sich der
Rckstand nicht klar lsen, d. h. sollte Goldpulver ungelst bleiben,
herrhrend von in Chlorr und Gold zerlegtem Chlorid, so ndert dies das
Verfahren in keiner Weise.

[Greek: c]. In Fllen, in welchen man kein Eisen in das Filtrat zu
bekommen wnscht, reducirt man das Gold mit Oxalsure in folgender
Weise. Man versetzt die, nthigenfalls von Salpetersure nach [Greek:
b]. befreite, in einem Becherglase befindliche Lsung mit oxalsaurem
Ammon im Ueberschuss, fgt etwas Salzsure hinzu, falls solche noch
nicht zugegen sein sollte, und stellt das Glas, mit einer Glasplatte
bedeckt, zwei Tage an einen mssig warmen Ort. Nach dieser Zeit
findet sich alles Gold in gelben Blttchen ausgeschieden, welche man
abfiltrirt, wscht, trocknet und glht.

      c. Durch Fllung als Schwefelgold.

Man leitet in die verdnnte Lsung Schwefelwasserstoff im Ueberschuss,
filtrirt den Niederschlag ohne zu erwrmen rasch ab und glht ihn nach
dem Auswaschen und Trocknen in einem Porzellan- oder Platintiegel.
Eigenschaften des Niederschlages . 67. -- Fehlerquellen keine.


                                 . 99.

                            2. $Platinoxyd.$

      a. Auflsung.

Metallisches Platin, sowie smmtliche in Wasser unlsliche
Platinverbindungen lst man durch Digestion mit Knigswasser in gelinder
Wrme.

      b. Bestimmung.

Das Platin wird unter allen Umstnden im reinen Zustande gewogen. Man
fhrt es in denselben entweder durch Fllung als Kalium-Platinchlorid,
Ammonium-Platinchlorid oder Schwefelplatin, oder durch Glhen ber.

Smmtliche Platinverbindungen lassen sich in den meisten Fllen auf jede
der angefhrten Weisen in Platin berfhren. Welche in speciellen Fllen
die zweckmssigste ist, ergiebt die Betrachtung der Umstnde leicht.
Wenn sie zulssig ist, verdient die Ueberfhrung in Platin durch blosses
Glhen den Vorzug. Die Fllung als Schwefelplatin wendet man nur bei
Scheidung des Platins von anderen Metallen an.

_Bestimmimg als Platin._

      a. Durch Fllung als Ammonium-Platinchlorid.

Man versetzt die in einem Becherglase befindliche Lsung mit Ammon, bis
der Ueberschuss der Sure (sofern welcher vorhanden) grsstentheils,
aber nicht ganz, gesttigt ist, fgt Salmiak im Ueberschuss hinzu und
versetzt mit einer ziemlich bedeutenden Menge absoluten Alkohols. (Ist
die Platinlsung zu verdnnt, so concentrirt man sie zuvor.) Man lsst
nunmehr den Niederschlag in dem mit einer Glasplatte zu bedeckenden
Glase 24 Stunden stehen, filtrirt ihn alsdann (auf einem nicht gewogenen
Filter) ab, wscht ihn mit Weingeist von etwa 80 Proc. aus, bis die
Substanzen, von denen man das Platin trennen will, weggewaschen sind,
trocknet sorgfltig, glht und wgt. -- Bei dem Glhen verfhrt man
folgendermaassen. Man bringt den Niederschlag im Filter eingehllt
in einen gewogenen Platintiegel, bedeckt denselben und erhitzt ihn
lngere Zeit ganz gelinde, bis kein Salmiak mehr entweicht, alsdann
nimmt man den Deckel weg, legt den Tiegel schief (. 35) und lsst das
Filter verbrennen. Sollte dies nicht leicht geschehen, so kann man mit
ein wenig trocknem salpetersaurem Ammon nachhelfen. -- Zuletzt giebt
man eine Zeit lang starke Hitze und wgt dann. -- Eigenschaften des
Niederschlages und Rckstandes . 68. Die Resultate fallen befriedigend
aus, in der Regel um ein Unbedeutendes zu gering, weil der Platinsalmiak
in Weingeist nicht ganz unlslich ist (Vers. Nr. 15), und weil bei
nicht ganz vorsichtigem Erhitzen mit den Salmiakdmpfen leicht eine Spur
des unzerlegten Doppelsalzes weggefhrt wird.

Ungenaue Resultate wrde man erhalten, wenn man den Platinsalmiak als
solchen wge, indem es, wie ich mich durch directe Versuche berzeugte,
nicht mglich ist, denselben durch Auswaschen mit Weingeist von allem
mit niedergefallenen Salmiak zu befreien, ohne gleichzeitig einen
merklichen Antheil Platinsalmiak aufzulsen. -- In der Regel fallen aber
so erhaltene Resultate um einige Procent zu hoch aus.

      b. Durch Fllung als Kalium-Platinchlorid.

Man versetzt die in einem Becherglase befindliche Lsung (sofern
nthig) mit Kali, bis der grsste Theil der freien Sure abgestumpft
ist, alsdann mit Chlorkalium im geringen Ueberschuss und fgt --
nthigenfalls nach vorherigem Concentriren -- eine ziemliche Menge
absoluten Alkohols hinzu. Nach 24 Stunden filtrirt man den Niederschlag
auf einem gewogenen Filter ab, wscht ihn mit 70procentigem Spiritus
aus, trocknet ihn vollkommen bei 100 und wgt ihn. -- Man wgt alsdann
eine Kugelrhre leer, bringt einen Theil des getrockneten Niederschlages
in die Kugel, reinigt die Rhrenanstze mittelst einer Federfahne und
bestimmt das Gewicht des Inhalts der Kugel. Man verbindet die Kugelrhre
nunmehr mit einem Apparat, aus dem sich trockenes Wasserstoffgas
entwickelt (Fig. 42), erhitzt den Niederschlag in dem Wasserstoffstrome
zum Glhen, bis sich keine salzsauren Dmpfe mehr entbinden (was durch
Annherung eines mit Ammon befeuchteten Stbchens leicht zu ersehen),
lsst erkalten, fllt die Rhre mit Wasser, giesst die entstandene
Chlorkaliumlsung vorsichtig ab, wscht das rckbleibende Platin
sorgfltig aus, trocknet alsdann die Rhre (was am einfachsten mit Hlfe
des Wasserstoffstromes geschieht) durch Erhitzen vollstndig aus, wgt
das erhaltene Platin und berechnet daraus die Gesammtmenge des im erst
gewogenen Niederschlag enthaltenen.

Eigenschaften des Niederschlages und Rckstandes . 68. Die
Resultate fallen genauer aus, als bei der sub a. genannten Methode,
indem einerseits das Kalium-Platinchlorid unlslicher ist als der
Platinsalmiak, und indem andererseits beim Glhen minder leicht ein
Verlust entsteht. Weniger genau fallen dieselben aus, wenn man das
Glhen nicht in einem Wasserstoffstrome, sondern im Tiegel vornimmt,
indem alsdann die Zersetzung (wenigstens bei grsseren Mengen) nicht
ganz vollstndig ist. -- Das Kalium-Platinchlorid als solches zu wgen,
ist nicht ausfhrbar, da man es -- ohne einen Theil zu lsen -- nicht
vollstndig durch Auswaschen mit Weingeist von mit niedergefallenem
Chlorkalium befreien kann.

      c. Durch Fllung als Schwefelplatin.

Man fllt die Platinlsung je nach Umstnden durch
Schwefelwasserstoff-Wasser oder Gas, erhitzt die Mischung bis zum
beginnenden Kochen, filtrirt, wscht aus und glht den getrockneten
Niederschlag nach . 35. -- Eigenschaften des Niederschlages und
Rckstandes . 68. -- Resultate genau.


      d. Durch Glhen.

Verfahren wie unter gleichen Umstnden bei Gold . 98. -- Eigenschaften
des Rckstandes . 68. Resultate hchst genau.


                                . 100.

                           3. $Antimonoxyd.$

      a. Auflsung.

Das Antimonoxyd sowie smmtliche in Wasser unlsliche, oder durch
Wasser zersetzbare Antimonverbindungen lst man in mehr oder weniger
concentrirter Salzsure, metallisches Antimon am besten in Knigswasser.
Beim Kochen einer salzsuren Lsung des Antimonchlorrs verflchtigen
sich Spuren des letzteren. Concentrirt man daher eine solche Lsung
durch Abdampfen, so entsteht daraus Verlust. -- Wre bei sehr verdnnten
Lsungen Abdampfen geboten, so bersttige man jene mit Kalilauge.


      b. Bestimmung.

Das Antimon wird entweder als _Schwefelantimon_, im _regulinischen
Zustande_ oder als _antimonige Sure_ (SbO_{4}) gewogen.

Man kann verwandeln in

1. $Schwefelantimon$:

     Alle Antimonverbindungen ohne Ausnahme.

2. $Metallisches Antimon$:

     Alle Antimonoxydverbindungen ohne Ausnahme.

3. $Antimonige Sure$:

     Die Oxyde des Antimons und ihre Verbindungen mit leicht flchtigen
     oder zersetzbaren Sauerstoffsuren.

Die Methode 2. wird in der Regel nur bei der Scheidung des Antimons vom
Zinn zu Hlfe genommen und wir verweisen deshalb hinsichtlich ihrer auf
den fnften Abschnitt.

1. _Fllung als Schwefelantimon._

a. $Man ist berzeugt, Antimonoxyd oder die ihm entsprechende
Chlorverbindung in Auflsung zu haben, und es ist keine den
Schwefelwasserstoff zersetzende Substanz in Lsung$[7]. Man versetzt
die Antimonlsung mit etwas Salzsure, sofern sie solche noch nicht
enthlt, dann mit Weinsure und verdnnt sie, wenn nthig, mit
Wasser in ziemlichem Grade. In die klare Lsung leitet man alsdann
Schwefelwasserstoffgas bis zum starken Vorwalten, stellt das Becherglas
mit einer Glasplatte bedeckt eine halbe Stunde an einen mssig warmen
Ort, filtrirt den Niederschlag ohne Unterbrechung auf einem gewogenen
Filter ab, wscht mit Wasser vollstndig aus, trocknet bei 100 und
wgt. -- Eigenschaften des Niederschlages . 69. Die Resultate fallen in
der Regel um ein Unbedeutendes zu hoch aus, indem es leicht geschieht,
dass sich aus dem Schwefelwasserstoff eine Spur Schwefel niederschlgt.

  [7] Diese Ueberzeugung kann man immer haben, wenn man ein
      Antimonoxydsalz oder Antimonsulfr in Salzsure gelst hat, niemals
      aber, sofern die Lsung neben Salzsure Salpetersure enthlt.

Man versume nie, nach dem Wgen einen kleinen Theil des Niederschlages
in Salzsure in der Hitze zu lsen. Bleibt hierbei kein Schwefel oder
nur eine nicht nennenswerthe Spur, so ist das Resultat als zuverlssig
zu betrachten, im anderen Falle hat man mit dem Niederschlage nach b. zu
verfahren.

b. $Es ist neben dem Antimonoxyd antimonige Sure oder Antimonsure in
Lsung, oder dieselbe enthlt eine den Schwefelwasserstoff zersetzende
Substanz.$ Man verfhrt wie in a., mit dem Unterschiede, dass man,
ehe man abfiltrirt, die gefllte Flssigkeit so lange mit Papier
bedeckt an einem mssig warmen Orte stehen lsst, bis der Geruch nach
Schwefelwasserstoff verschwunden ist.

Der Niederschlag, welchen man wie in a. gewogen hat, ist eine unbekannte
Schwefelungsstufe des Antimons, gemengt mit freiem Schwefel, also in
anderem Ausdrucke Antimon + x Schwefel.

Ehe man demnach einen Schluss auf die Menge des Antimons machen kann,
muss man entweder das Antimon vom Schwefel getrennt wgen, oder man muss
die Menge des im Niederschlage enthaltenen Schwefels kennen lernen.

Das Erstere kann geschehen, wenn man das Schwefelantimon in einer
Kugelrhre, durch welche Wasserstoffgas strmt, erhitzt, bis kein
Schwefelwasserstoff mehr gebildet wird. Da aber hierbei ein Verlust von
Antimon kaum vermieden werden kann, indem sehr leicht ein kleiner Theil
dem Wasserstoffgas mechanisch folgt, so wendet man statt dieser besser
die Methode der Schwefelbestimmung an und verfhrt also:

Nachdem man den im Filter bei 100 getrockneten Niederschlag in einem
Platintiegel gewogen hat, schttet man den Inhalt des Filters, so
weit er sich ohne viel Reiben losmachen lsst, vorsichtig in einen
trocknen Kolben, bringt alsdann das Filter mit dem noch anhngenden
Niederschlag in den Tiegel zurck, bestimmt sein Gewicht und findet
demnach so als Differenz die Menge des im Kolben befindlichen
Niederschlages. Man bergiesst denselben nunmehr in dem Kolben mit
rother rauchender Salpetersure, welche von Schwefelsure ganz frei
sein muss, tropfenweise. Wenn die heftigste Einwirkung vorber ist,
fgt man noch etwas mehr Salpetersure sowie etwas Salzsure zu und
erwrmt; oder man bringt zu dem im Kolben befindlichen Schwefelantimon
chlorsaures Kali, dann Salpetersure (welche nicht rauchend zu sein
braucht) oder auch starke Salzsure, und lsst anfangs in der Klte,
spter in mssiger Wrme einwirken. -- Sobald Alles gelst ist, oder
etwa ausgeschiedener Schwefel rein gelb erscheint, fgt man ungesumt
Weinsure in hinlnglicher Menge zu und verdnnt sodann mit Wasser. --
Es sind nunmehr zwei Flle mglich.

  [Greek: a]. _Man hat eine vllig klare Lsung, in der auch kein
              ausgeschiedener Schwefel mehr schwimmt._ Man fgt alsdann
              eine Auflsung von Chlorbaryum im geringen Ueberschuss
              hinzu und bestimmt den niederfallenden schwefelsauren
              Baryt nach . 105. Man vergesse nicht, denselben
              sorgfltig auszusssen und nach dem Glhen nochmals mit
              Salzsure und Wasser zu behandeln. Man berechnet jetzt die
              Quantitt Schwefel, welche im erhaltenen schwefelsauren
              Baryt enthalten ist. Dieselbe ist gleich der in dem
              oxydirten Antheil des Schwefelantimons enthalten
              gewesenen. Da das Verhltniss dieses Theils zu der ganzen
              Quantitt des Schwefelantimon-Niederschlages bekannt ist,
              so ist demnach auch der Schwefelgehalt, also auch der
              Antimongehalt des letzteren durch eine einfache Rechnung
              zu finden.

  [Greek: b]. _In der an und fr sich klaren Lsung befindet sich
              ausgeschiedener Schwefel._ Man filtrirt alsdann durch ein
              kleines gewogenes Filter, wscht den darauf gesplten
              Schwefel aus, trocknet denselben bei 100 und wgt ihn.
              Mit dem Filtrat verfhrt man wie in [Greek: a]. Bei
              der Berechnung addirt man den im schwefelsauren Baryt
              gefundenen Schwefel zu dem direct erhaltenen.

2. _Bestimmung als antimonige Sure._

Man dampft die fragliche Verbindung mit Salpetersure vorsichtig ab
und glht zuletzt lngere Zeit, bis ihr Gewicht constant bleibt. Der
Versuch kann ohne Gefahr im Platintiegel gemacht werden. Hat man mit
Antimonsure zu thun, so ist das Abdampfen mit Salpetersure nicht
nthig. -- Eigenschaften des Rckstandes . 69. Fehlerquellen keine.


                                . 101.

                   4. $Zinnoxydul$ und 5. $Zinnoxyd$.

      a. Auflsung.

Bei Auflsung der in Wasser lslichen Zinnverbindungen setzt man,
um eine klare Lsung zu erhalten, etwas Salzsure zu. Die in Wasser
unlslichen Verbindungen lsen sich fast alle in Salzsure oder
Knigswasser. Die unlsliche Modifikation des Zinnoxyds, sowie die
Verbindungen desselben lassen sich dadurch, dass man sie feingepulvert
mit berschssigem Kali- oder Natronhydrat im Silbertiegel schmilzt, zur
Auflsung in Salzsure vorbereiten. -- Metallisches Zinn lst man am
besten in Knigswasser. In der Regel wird es aber bei seiner Bestimmung
in Oxyd verwandelt, ohne vorher gelst worden zu sein. -- Saure
Zinnlsungen, welche Salzsure oder ein Chlormetall enthalten, lassen
sich weder so, noch nach Zusatz von Salpetersure oder Schwefelsure
durch Abdampfen concentriren, ohne dass sich Zinnchlorid verflchtigt.

      b. Bestimmung.

Das Zinn wird als Oxyd gewogen oder mittelst Maassanalyse bestimmt.
In die Form des Oxyds bringt man es entweder durch Behandlung mit
Salpetersure, durch Fllung als Oxydhydrat oder durch Fllung als
Schwefelzinn.

Man kann verwandeln in

$Zinnoxyd$:

  a. $durch Behandeln mit Salpetersure$: metallisches Zinn und
     diejenigen Zinnverbindungen, welche keine fixen Suren enthalten,
     sofern keine Chlorverbindungen zugegen sind;

  b. $durch Fllung als Oxydhydrat$: alle Zinnverbindungen, welche
     flchtige Suren enthalten, sofern nichtflchtige organische
     Substanzen und Eisenoxyd nicht zugegen sind;

  c. $durch Fllung als Schwefelzinn$: alle Zinnverbindungen ohne
     Ausnahme.

Bei den Methoden a. und c. ist es gleichgltig, ob das Zinn als Oxydul
oder Oxyd zugegen ist; die Methode b setzt Oxyd, die maassanalytischen
Methoden setzen Oxydul voraus. -- Wie man Zinnoxydul und Zinnoxyd neben
einander bestimmt, wird im fnften Abschnitte gezeigt werden.

1. _Bestimmung des Zinns als Oxyd._

      a. Durch Behandeln mit Salpetersure.

Diese Methode ist hauptschlich blich, um metallisches Zinn in
Oxyd berzufhren. -- Man bergiesst das fein zertheilte Metall in
einem gerumigen Kolben nach und nach mit ziemlich starker reiner
Salpetersure (1,3 specif. Gew. etwa), den Kolben bedeckt man mit einem
Uhrglase. -- Nachdem die heftigste Einwirkung vorber, erhitzt man
den Kolben lngere Zeit gelinde, bis das entstandene Oxyd rein weiss
erscheint und keine weitere Einwirkung der Sure mehr zu bemerken ist.
Man fgt Wasser zu, filtrirt, wscht aus, trocknet, glht und wgt. Das
Glhen vollbringt man am besten in einem kleinen Porzellantiegel nach
. 35. Doch lassen sich auch Platintiegel anwenden. -- Zinnverbindungen,
welche frei von fixen Substanzen sind, lassen sich auch in der Art in
Oxyd berfhren, dass man sie in einem Porzellantiegel mit Salpetersure
bergiesst, zur Trockne verdampft und den Rckstand glht. Bei
Anwesenheit von Schwefelsure untersttzt man zuletzt deren Entfernung
durch kohlensaures Ammon wie bei saurem schwefelsaurem Kali (vergl.
. 76). -- Eigenschaften des Rckstandes . 70. Fehlerquellen keine.

      b. Durch Fllung als Oxydhydrat.

Diese Methode setzt voraus, dass alles Zinn als Chlorid oder Oxyd
vorhanden ist. Enthlt daher eine Lsung Oxydul, so versetzt man sie
mit Chlorwasser, leitet Chlor ein oder erwrmt gelinde mit chlorsaurem
Kali, bis das Oxydul in Oxyd bergefhrt ist. -- Man fgt nunmehr Ammon
zu, bis eben ein bleibender Niederschlag entsteht, dann tropfenweise
Salzsure, bis er sich wieder klar gelst hat, und sorgt so, dass die
Lsung nur eine kleine Menge berschssiger Salzsure enthlt. Zu der
so vorbereiteten Flssigkeit bringt man eine concentrirte Auflsung von
schwefelsaurem Natron (oder auch von salpetersaurem Kali, Natron oder
Ammon) und erhitzt einige Zeit. Es schlgt sich hierdurch alles Zinn als
Oxydhydrat nieder. Man filtrirt ab, wscht aus (. 31), trocknet und
glht. -- Um gewiss zu sein, dass die Ausscheidung des Zinns vollendet
ist, kann man vor dem Abfiltriren ein Paar Tropfen der ber dem
Niederschlag stehenden klaren Flssigkeit in erwrmte Glaubersalzlsung
bringen. Entsteht hierdurch kein Niederschlag mehr, so ist die
Zersetzung beendigt.

Dieses Verfahren, welches von J. $Lwenthal$ herrhrt, ist von demselben
in meinem Laboratorium wiederholt geprft worden (Journ. f. prakt.
Chem. 56, 366). Es liefert sehr genaue Resultate. Die Ausfhrung ist
leicht und bequem. Die Zersetzung wird ausgedrckt durch die Gleichung:
SnCl_{2} + 4NaO, SO_{3} + 4HO = SnO_{2}, 2HO + 2NaCl + 2(NaO, HO,
2SO_{3}).

      c. Durch Fllen als Schwefelzinn.

Man fllt die verdnnte neutrale oder saure Lsung mit
Schwefelwasserstoff-Wasser oder Gas. War Oxydulsalz in der Lsung, ist
der Niederschlag demnach braunes Zinnsulfr, so stellt man die mit
Schwefelwasserstoff bersttigte Lsung eine halbe Stunde an einen
mssig warmen Ort und filtrirt dann; war hingegen Oxydsalz zugegen,
ist der Niederschlag somit gelbes Zinnsulfid, so stellt man nach dem
Fllen die Flssigkeit so lange leicht bedeckt in gelinde Wrme, bis
der Geruch nach Schwefelwasserstoff verschwunden, und filtrirt dann. --
Den noch nicht ganz trockenen Niederschlag bringt man mit dem Filter
in einen Porzellantiegel und erhitzt bei Luftzutritt lange Zeit ganz
gelinde, bis kein Geruch nach schwefliger Sure mehr wahrzunehmen ist;
dann erhitzt man strker, endlich stark und behandelt -- um etwaige
Schwefelsure zu entfernen -- den Rckstand wiederholt mit etwas
kohlensaurem Ammon (siehe a.). -- Erhitzt man im Anfange sehr stark, so
entweicht Zinnsulfid, dessen Dmpfe zu Oxyd verbrennen (H. $Rose$). --
Eigenschaften der Niederschlge . 70. Resultate genau.

2. _Bestimmung durch Maassanalyse._

Alle Methoden, das Zinn durch Maassanalyse zu bestimmen, beruhen
darauf, dass man die Menge eines oxydirenden Mittels bestimmt, welche
erforderlich ist, Zinnoxydul in Oxyd berzufhren. $Gaultier de Claubry$
benutzt als solches Jodtinctur, $Mne$ Eisenchlorid, $Penny$ saures
chromsaures Kali, $Schwarz$ (bei Abwesenheit von Eisen) bermangansaures
Kali.

Findet sich daher das Zinn bereits gnzlich als Oxydul in Lsung, oder
soll nur die Menge bestimmt werden, welche dem vorhandenen Oxydul
entspricht, so bieten diese Methoden keine Schwierigkeiten; ist dagegen
das zu bestimmende Zinn ganz oder theilweise als Oxyd gelst, so
steigern sich dieselben betrchtlich.

Sie werden am besten berwunden bei Anwendung des Jodes als
Oxydationsmittel.

Die Thatsachen, auf welchen dieselbe beruht, sind folgende:

1 Aeq. Jod fhrt 1 Aeq. Zinn aus dem Zustande des Oxyduls oder
Chlorrs in den des Oxyds oder Chlorids ber, -- und: Jod zu einer
Eisenchlorrlsung gesetzt, veranlasst nicht die Bildung von
Eisenchlorid.

Bei der Ausfhrung achte man auf Folgendes:

  a. Die Lsung der Zinnverbindung wird wo mglich bloss durch Salzsure
     bewirkt; gelingt dies nicht, so setzt man der Salzsure
     Salpetersure zu, aber so wenig als mglich.

  b. Die salzsaure Auflsung wird mit einem Ueberschuss kleiner
     Drahtstiften gekocht, um vorhandenes Zinnchlorid in Chlorr zu
     verwandeln. Glaubt man, dass der Zweck erreicht ist, so giesst
     man die erkaltete Flssigkeit in einen Messkolben und splt die
     ungelsten Stiftchen mit salzsurehaltigem ausgekochtem Wasser ab.
     Von der auf ein bestimmtes Volumen gebrachten und gleichmssig
     gemischten Flssigkeit giesst man nun eine Probe in kochende
     concentrirte Glaubersalzlsung. Entsteht hierdurch keine Trbung,
     so ist die Zinnlsung frei von Chlorid. Man nimmt daher mittelst
     einer graduirten Pipette eine Portion heraus, welche etwa 0,1
     Grm. Zinn enthlt, verdnnt mit etwas ausgekochtem Wasser, setzt
     ein wenig ganz dnnen Strkekleister zu und trpfelt nun eine
     Lsung von Jod in Jodkalium zu, bis der letzte Tropfen eine
     dauernde Blaufrbung hervorbringt. -- Hat man die Jodlsung in der
     $Bunsen$'schen Verdnnung (siehe Jodbestimmung) bereitet (5 Grm.
     Jod mittelst 25 Grm. Jodkalium und dem nthigen Wasser zu 1000 C.C.
     gelst), enthlt demnach jeder C.C. 0,005 Grm. Jod, so entspricht
     1 C.C. verbrauchter Jodlsung 0,002317 Zinn, oder 50 C.C. = 100
     entsprechen 0,116 Zinn.

  c. Wre bei der in b. besprochenen Prfung die Glaubersalzlsung trb
     geworden, so bringt man die mit der Pipette herauszunehmende, zur
     Prfung bestimmte Portion in einen kleinen Kolben, setzt Salzsure
     und Drahtstiftchen zu, legt den Kolben schief, kocht nochmals
     lngere Zeit gelinde, giesst ab, splt nach und prft wie oben. --

Zu der $Penny$'schen Methode bemerke ich, dass die Zersetzung nach der
Gleichung erfolgt: 3SnCl + KO, 2CrO_{3} + 7ClH = 3SnCl_{2} + KCl +
Cr_{2}Cl_{3} + 7HO. 1 Aeq. saures chromsaures Kali = 1858,26 entspricht
somit 3 Aeq. Zinn = 2206, oder 0,8424 Grm. saures chromsaures Kali
entsprechen 1,000 Zinn. (Nach $Penny$ entsprechen 0,832 KO, 2CrO_{3} 1
Grm. Zinn.)

Lst man daher 8,424 Grm. chemisch reines saures chromsaures Kali mit
Wasser zu 500 C.C. auf, so entsprechen 50 C.C.= 100 1,000 Grm. Zinn,
d. h. sie reichen gerade hin, 1 Grm. Zinn aus dem Zustand des Oxyduls in
den des Oxydes berzufhren.

Um den Punkt der beendigten Ueberfhrung des Chlorrs in Chlorid genau
zu treffen, setzt man am besten der stark verdnnten Zinnlsung etwas
dnnen Strkekleister und einige Tropfen Jodkaliumlsung zu. Sobald
das Chlorr gnzlich in Chlorid bergefhrt ist, verwandelt der erste
weitere Tropfen chromsaure Kalilsung die durchsichtige grne Lsung in
eine undurchsichtige blauviolette.

Dass man bei Anwendung des chromsauren Kalis eine Reduction des Chlorids
zu Chlorr nicht durch Eisen vollfhren kann, versteht sich von selbst.
Man muss vielmehr hierzu eisenfreies Zink anwenden, durch welches jedoch
leicht eine Ausscheidung von metallischem Zinn erfolgt. Findet dies
Statt, so muss man unter Zusatz von Salzsure erhitzen, bis dasselbe
wieder gelst ist.


                                . 102.

                6. $Arsenige Sure$ und 7. $Arsensure$.

      a. Auflsung.

Die Verbindungen der arsenigen und Arsen-Sure, welche nicht in Wasser
lslich sind, werden in Salzsure oder Knigswasser gelst. Einige in
der Natur vorkommende arsensaure Metalloxyde bereitet man zur Auflsung
durch Schmelzen mit kohlensaurem Natron vor. -- Metallisches Arsen sowie
Arsenmetalle lst man in Knigswasser, darin unlsliche schmelzt man mit
Soda und Salpeter und verwandelt sie dadurch in lsliches arsensaures
Alkali und unlsliches Metalloxyd. -- Sofern die Auflsung irgend
einer Arsenverbindung durch Erwrmung mit berschssigem Knigswasser
bereitet worden ist, enthlt dieselbe immer Arsensure. Eine Auflsung
von arseniger Sure in Chlorwasserstoffsure kann nicht durch Eindampfen
bei Siedhitze concentrirt werden, denn es entweicht mit den salzsauren
Dmpfen Chlorarsen. Weit weniger leicht geschieht dies, wenn die
Auflsung Arsensure enthlt. Doch ist es in allen Fllen anzurathen,
wenn eine arsenhaltige salzsaure Lsung concentrirt werden soll,
dieselbe zuvor alkalisch zu machen.

      b. Bestimmung.

Das Arsen wird entweder als _arsensaures Bleioxyd_, als _arsensaure
Ammon-Magnesia_, als _arsensaures Eisenoxyd_ oder als _Schwefelarsen_
gewogen. Es lsst sich aber auch auf _indirecte Weise_, sowie mittelst
_Maassanalyse_, bestimmen.

Man kann berfhren in

1. $Arsensaures Bleioxyd$:

     Arsenige Sure und Arsensure, wenn sie allein in wsseriger oder
     salpetersaurer Lsung sind. (Suren oder Salzbildner, welche mit
     Bleioxyd oder Blei fixe Salze bilden, drfen nicht zugegen sein.)

2. $Arsensaure Ammon-Magnesia$:

     Arsensure in allen Lsungen, die frei sind von solchen Suren oder
     Basen, die durch Magnesia oder Ammon gefllt werden wrden.

3. $Arsensaures Eisenoxyd$:

     Arsensure in Lsungen, die frei sind von solchen Substanzen, die
     mit niederfallen, wenn zu ihrer Lsung Eisenchlorid, dann Ammon,
     beziehungsweise kohlensaurer Baryt, gesetzt wird.

4. $Arsensulfr$:

     Alle Arsenverbindungen ohne Ausnahme.

Die indirecte Methode dient hauptschlich zur Scheidung der arsenigen
Sure von der Arsensure (vergl. Abschnitt V.).

1. _Bestimmung als arsensaures Bleioxyd._

      a. Man hat Arsensure in wsseriger Lsung.

Man bringt eine abgewogene Menge der Lsung in ein Platin- oder
Porzellanschlchen, fgt eine gewogene Menge frisch geglhten reinen
Bleioxyds hinzu (etwa fnf- bis sechsmal soviel als Arsensure
vorhanden), verdampft vorsichtig zur Trockne, erhitzt den Rckstand zum
gelinden Rothglhen und erhlt ihn einige Zeit in dieser Temperatur.
-- Der Rckstand ist arseniksaures Bleioxyd + Bleioxyd. Zieht man von
seiner Menge das Gewicht des zugesetzten Bleioxyds ab, so resultirt
das Quantum der Arsensure. -- Eigenschaften des arsensauren Bleioxyds
. 71. Die Resultate sind vollkommen genau, sofern man die bezeichnete
Temperatur nicht berschreitet.

      b. Man hat arsenige Sure in Lsung.

Man versetzt die Lsung mit Salpetersure, dann mit einer gewogenen
Menge berschssigen Bleioxyds, verdampft und glht im bedeckten Tiegel
aufs Vorsichtigste, bis alles salpetersaure Bleioxyd zersetzt ist. Der
Rckstand besteht alsdann ebenfalls aus Arsensure + Bleioxyd. -- Diese
Methode erfordert grosse Vorsicht, denn beim Glhen des salpetersauren
Bleioxyds entsteht leicht durch Decrepitiren Verlust.

2. _Bestimmung als arsensaure Ammon-Magnesia._

Diese zuerst von $Levol$ empfohlene Methode setzt voraus, dass alles
Arsen als Arsensure in Lsung ist. Wenn dies nicht der Fall, erwrmt
man die Lsung in einem gerumigen Kolben gelinde mit Salzsure und fgt
chlorsaures Kali in kleinen Portionen zu, bis die Flssigkeit stark nach
chloriger Sure riecht, worauf man sie in gelinder Wrme stehen lsst,
bis der angefhrte Geruch nur noch schwach ist.

Man versetzt nun die Arsensurelsung zuerst mit Ammon im Ueberschuss,
wodurch sie -- auch nach einigem Stehen -- nicht getrbt werden darf,
und fgt sodann eine Auflsung von schwefelsaurer Magnesia zu, welche
soviel Salmiak enthlt, dass sie durch Ammon nicht mehr getrbt
wird. (Am besten ist es, eine solche bereits mit Ammon versetzte
Magnesialsung vorrthig zu halten.) Die stark nach Ammon riechende
Flssigkeit lsst man 12 Stunden kalt stehen, filtrirt dann durch ein
gewogenes Filter, wscht den Niederschlag mit einer Mischung von 3
Wasser und 1 Ammonflssigkeit aus, trocknet ihn bei 100 und wgt ihn.
Er hat die Formel AsO_{5}, 2MgO, NH_{4}O + aq. -- Seine Eigenschaften
siehe . 71. Dieses Verfahren liefert recht gute Resultate. (Journ. f.
prakt. Chem. 56, 32.)

3. _Bestimmung als arsensaures Eisenoxyd_ (nach $Berthier$ und v.
$Kobell$).

      a. Die Lsung enthlt keine anderen fixen Basen als Alkalien.

Man setzt eine bestimmte Menge Eisenoxydlsung von bekanntem Gehalte
hinzu und fllt dann mit Ammon. (Der Niederschlag muss rothbraun
sein, sonst war die Menge der zugesetzten Eisenoxydlsung zu gering.)
Man lsst lngere Zeit in gelinder Wrme stehen, filtrirt, wscht
aus, trocknet und erhitzt anfangs hchst gelinde (damit das Ammon
bei einer Temperatur ausgetrieben wird, bei welcher es noch nicht
reducirend auf die Arsensure wirkt), allmlig strker, endlich zum
starken Glhen, bis das Gewicht constant bleibt. Der Rckstand ist
basisch arsensaures Eisenoxyd + Eisenoxyd, oder, in anderem Ausdrucke,
Eisenoxyd + Arsensure. Zieht man die bekannte Menge des ersteren
ab, so bleibt die Menge der letzteren. -- Eine Eisenoxydlsung von
bekanntem Gehalte erhlt man entweder durch Auflsen einer gewogenen
Menge von Claviersaitendraht in Salpetersure (wobei man annimmt, dass
100 Draht 142,6 Oxyd liefern), oder durch Fllen einer salpetersauren
Eisenoxydlsung von unbekanntem Gehalt mit Ammon, Auswaschen, Trocknen
und Glhen (. 90). Resultate genau. (Journ. f. prakt. Chem. 56. 32.)

      b. Die Lsung enthlt anderweitige fixe Basen.

Man ndert alsdann nach v. $Kobell$ das $Berthier$'sche Verfahren in
folgen der Weise, vorausgesetzt, dass die vorhandenen Basen durch
kohlensauren Baryt in der Klte nicht gefllt werden. Zu der mit der
Eisenoxydlsung von bekanntem Gehalte versetzten Flssigkeit fgt
man statt des Ammons berschssigen kohlensauren Baryt (ein grosser
Ueberschuss von freier Sure kann vorher zweckmssig mit kohlensaurem
Natron fast neutralisirt werden, doch muss die Flssigkeit noch klar
bleiben), lsst in der Klte mehrere Stunden stehen und wscht den
Niederschlag (der alles Eisenoxyd, alle Arsensure und berschssigen
kohlensauren Baryt enthlt) mit kaltem Wasser erst durch Decantation,
dann auf dem Filter aus, trocknet ihn, glht gelinde, aber lngere
Zeit, und wgt. Man lst den Rckstand in Salzsure, bestimmt darin
die Barytmenge mittelst Schwefelsure, berechnet den erhaltenen
schwefelsauren Baryt auf kohlensauren und zieht diesen nebst der
bekannten Quantitt des Eisenoxyds von dem Gesammtrckstande ab. Es
resultirt so das Gewicht der Arsensure. -- Dies Verfahren setzt die
Abwesenheit von Schwefelsure voraus. Sollte solche zugegen sein,
so msste man sie mit Chlorbaryum ausfllen und den Niederschlag
abfiltriren, bevor der kohlensaure Baryt zugesetzt wird.

4. _Bestimmung als Arsensulfr._

      a. Man hat in Auflsung arsenige Sure oder ein arsenigsaures Salz,
         frei von Arsensure.

Man versetzt die in einer mit einem Glasstopfen verschliessbaren Flasche
befindliche Lsung mit etwas Salzsure, und fllt je nach Umstnden mit
Schwefelwasserstoff-Wasser oder Gas. -- Man verstopft die Flasche, lsst
sie eine Stunde stehen, leitet alsdann gewaschenes kohlensaures Gas
hindurch, bis der Geruch nach Schwefelwasserstoff ziemlich verschwunden,
lsst nochmals einige Zeit stehen, filtrirt auf einem gewogenen Filter
ab, wscht aus, trocknet bei 100 und wgt. -- Eigenschaften des
Niederschlages . 71. Resultate genau.

Sollte die Lsung eine den Schwefelwasserstoff zersetzende Substanz
(Eisenoxyd, Chromsure etc.) enthalten, so dass das Gewicht des
Niederschlages seines Gehaltes an freiem Schwefel halber keinen
richtigen Schluss auf die Menge des darin enthaltenen Arsens gestattet,
so verfhrt man entweder genau so wie unter gleichen Umstnden bei
Schwefelantimon . 100, d. h. man bestimmt den Schwefel im Niederschlage
als solchen und als schwefelsauren Baryt, und zieht die Quantitt des
Schwefels von dem Gesammtgewicht des Niederschlags ab; -- oder man
filtrirt das Schwefelarsen auf ungewogenem Filter ab, bringt es nach
dem Auswaschen mit dem Filter in einen grossen Kolben und behandelt es
mit chlorsaurem Kali und Salpetersure in mssiger Wrme, bis alles
Arsen gelst ist. Man verdnnt, filtrirt, wscht aus und bestimmt
im Filtrat die Arsensure nach 2. -- Behandlung des mit Schwefel
gemengten Niederschlages mit Ammon, wodurch Schwefelarsen gelst werden,
Schwefel ungelst bleiben soll, giebt nur annhernde Resultate, da die
ammoniakalische Schwefelarsenlsung etwas Schwefel aufnimmt.

      b. Man hat in Auflsung Arsensure, ein arsensaures Salz, oder ein
         Gemisch von beiden Oxydationsstufen.

Man versetzt die in einem Kolben befindliche Lsung mit einer starken
wsserigen Lsung von schwefliger Sure im Ueberschuss, erhitzt bei
schiefer Stellung des Kolbens langsam bis fast zum Kochen, erwrmt
alsdann bei einer unter dem Siedepunkte liegenden Temperatur, bis die
Flssigkeit nicht mehr nach schwefliger Sure riecht, und verfhrt mit
der Lsung, die nunmehr nur noch arsenige Sure enthlt, nach a.

5. _Bestimmung durch Maassanalyse._

      a. Nach $Bunsen$[8].

Diese sinnreiche Methode grndet sich auf folgende Thatsachen:

aa. Wenn man saures chromsaures Kali mit concentrirter
Chlorwasserstoffsure kocht, so entweichen auf je 2 Aeq. Chromsure 3
Aeq. Chlor (2CrO_{3} + 6ClH = Cr_{2}Cl_{3} + 3Cl + 6HO).

bb. Geschieht dies aber bei Gegenwart von nicht berschssiger arseniger
Sure, so entweicht nicht die der Chromsure entsprechende Menge Chlor,
sondern soviel weniger, als nothwendig ist, um aus der arsenigen Sure
Arsensure zu machen (AsO_{3} + 2Cl + 2HO = AsO_{5} + 2ClH). Folglich
hat man fr 2 Aeq. Chlor, welche man mittelst der Chromsure zu wenig
erhalten hat, 1 Aeq. arsenige Sure in Rechnung zu bringen.

cc. Die Quantitt des Chlors wird bestimmt, indem man die Menge des Jods
bestimmt, welche dadurch aus Jodkalium freigemacht wird.

Ich begnge mich hier damit, die Principien auseinander gesetzt zu
haben. Auf die Ausfhrung komme ich bei der Bestimmung der Chromsure
zurck.

  [8] Annal. Chem. Pharm. 86. 290.

b. P. $Kotschoubey$ hat die von $Rwsky$ (. 106. I. f.) angewendete
Methode, die Phosphorsure maassanalytisch zu bestimmen, auf Arsensure
angewandt (Journ. f. prakt. Chem. 49, 185). Die aus der essigsauren
Lsung der arsensauren Verbindung (oder aus der salzsauren, nachdem
man Ammon bis zur alkalischen, dann wieder Essigsure bis zur sauren
Reaction zugefgt hat) durch essigsaures Eisenoxyd (oder die im
. 106. I. f. angegebene Mischung von Eisenammonalaun und essigsaurem
Natron) niedergeschlagene Verbindung hat, nach $Kotschoubey$, die
Formel Fe_{2}O_{3}, AsO_{5} + 5HO, somit ist fr je 2 Aeq. Eisen (700
Gewichtstheile) 1 Aeq. Arsensure (1437,5) in Rechnung zu bringen. --
Die Reduction vollbringt $Kotschoubey$ mit Zink, wodurch das Arsen
theils niedergeschlagen, theils als Arsenwasserstoff verflchtigt wird.
-- Nach meiner Ansicht sind gegen diese Methode dieselben Bedenken zu
erheben, wie gegen die $Rwsky$'sche Methode der Phosphorsurebestimmung.


   II. $Die Gewichtsbestimmung der Suren in Verbindungen, in welchen
       nur eine -- frei oder gebunden -- enthalten ist, und ihre
                       Scheidung von den Basen.$

                            $Erste Gruppe.$

        $Arsenige Sure, Arsensure, Chromsure, Schwefelsure,
Phosphorsure, Borsure, Oxalsure, Fluorwasserstoffsure, Kohlensure,
                             Kieselsure.$

                                . 103.

                1. $Die arsenige Sure$ und $Arsensure$

haben wir ihres Verhaltens zu Schwefelwasserstoff wegen bei den
Basen (. 102) abgehandelt und erwhnen sie hier nur, um die Stelle
anzuzeigen, an welche sie eigentlich gehren. Ihre Scheidung von Basen
werden wir im fnften Abschnitte besprechen.


                                . 104.

                            2. $Chromsure.$

      I. Bestimmung.

Man bestimmt die Chromsure entweder als _Chromoxyd_ oder als
_chromsaures Bleioxyd_. Sie lsst sich aber auch aus der Menge
Kohlensure bestimmen, die sie bei Einwirkung auf berschssige
Oxalsure entwickelt, sowie durch maassanalytische Verfahrungsweisen.

a. _Bestimmung als Chromoxyd._

[Greek: a]. Man reducirt die Chromsure zu Oxyd und bestimmt dieses
(. 84). -- Die Reduction geschieht entweder, indem man die Auflsung
mit Salzsure und Alkohol erwrmt, -- indem man Schwefelwasserstoff
in die mit Salzsure versetzte Lsung leitet, -- oder indem man eine
starke Lsung von schwefliger Sure zumischt und gelinde erwrmt. --
Bei concentrirten Lsungen wendet man meist die erste, bei verdnnten
eine der letzteren Methoden an. In Bezug auf die erste ist zu bemerken,
dass der Alkohol verjagt werden muss, bevor man das Chromoxyd mit
Ammon fllen kann, -- in Bezug auf die zweite, dass man die mit
Schwefelwasserstoff bersttigte Lsung so lange an einen gelinde warmen
Ort stellt, bis sich der ausgeschiedene Schwefel abgesetzt hat.

[Greek: b]. Man fllt die neutrale, oder durch Salpetersure schwach
saure Lsung mit salpetersaurem Quecksilberoxydul, filtrirt den
entstandenen rothen Niederschlag von chromsaurem Quecksilberoxydul
ab, wscht ihn mit einer verdnnten Auflsung von salpetersaurem
Quecksilberoxydul aus, trocknet, glht und wgt das zurckbleibende
Chromoxyd (H. $Rose$).

b. _Bestimmung als chromsaures Bleioxyd._

Man versetzt die Lsung mit essigsaurem Natron im Ueberschuss, fgt,
wenn nthig, Essigsure zu bis zur schwach sauren Reaction und fllt
mit neutralem essigsaurem Bleioxyd. Der ausgewaschene Niederschlag wird
entweder auf einem gewogenen Filter gesammelt, im Wasserbade getrocknet
und gewogen, oder aber nach . 36 gelinde geglht und gewogen.
Eigenschaften desselben . 72. Resultate genau.

c. _Bestimmung mittelst Oxalsure_ (nach $Vohl$).

Wird Chromsure mit Oxalsure zusammengebracht, so giebt erstere
Sauerstoff an diese ab, es entsteht Chromoxyd, und Kohlensure entweicht
(2CrO_{3} + 3C_{2}O_{3} = Cr_{2}O_{3} + 6CO_{2}). 3 Aeq. Kohlensure
(825) entsprechen somit 1 Aeq. Chromsure (634,7). Die Ausfhrung
geschieht ganz in derselben Weise, welche unten bei der Prfung des
Braunsteins angefhrt werden wird. Fr je 1 Thl. Chromsure sind 2-1/4
Thle. oxalsaures Natron erforderlich. Soll im Rckstand mit der
Chromsure in Verbindung gewesenes Alkali bestimmt werden, so wendet man
oxalsaures Ammon an.

d. _Bestimmung durch Maassanalyse._

[Greek: a]. Nach $Schwarz$.

Das Princip dieser Methode ist dasselbe, welches dem $Penny$'schen
Verfahren, das Eisen zu bestimmen, zu Grunde liegt.

Die Ausfhrung ist einfach. Man vermischt eine berschssige Menge
Eisenoxydulauflsung, deren Gehalt an Oxydul man vorher nach . 89. 2.
a. oder b. festgestellt hat, mit der durch Schwefelsure angesuerten
Lsung der chromsauren Verbindung und bestimmt alsdann die noch
vorhandene Menge des Eisenoxyduls nach . 89. 2. a. oder b. Aus der
Differenz ergiebt sich, wie viel Eisen durch die Chromsure aus Oxydul
in Oxyd bergefhrt worden ist. 1 Gramm Eisen entspricht 0,6045
Chromsure (vergl. auch . 92. 3.).

[Greek: b]. Nach $Bunsen$[9].

Kocht man ein chromsaures Salz mit einem Ueberschusse von rauchender
Salzsure, so entweichen auf je 2 Aeq. Chromsure 3 Aeq. Chlor. Z. B.
KO, 2CrO_{3} + 7ClH = KCl + Cr_{2}Cl_{3} + 7HO + 3Cl. -- Leitet man das
entweichende Gas in berschssige Jodkaliumlsung, so setzen die 3 Aeq.
Chlor 3 Aeq. Jod in Freiheit. Bestimmt man dies nach der in . 114 zu
beschreibenden Methode, so erfhrt man die Menge der Chromsure, denn
4758 Jod entsprechen 1269,4 Chromsure.

  [9] Annal. Chem. Pharm. 86. 279.

[Illustration: Fig. 46.]

Der Versuch wird auf folgende Art ausgefhrt: Man bringt die abgewogene
Probe des chromsauren Salzes in das vor der Lampe geblasene, nur 36 bis
40 C.C. fassende Klbchen _a_ (Fig. 46), fllt dasselbe mit rauchender
Salzsure zu 2/3 an und steckt das Entwickelungsrohr mittelst einer
dickwandigen, gut schliessenden vulcanisirten Kautschukrhre _b_ auf
den Hals des Klbchens. -- Ein Verlust an Chlor ist dabei nicht zu
befrchten, da die Ausscheidung desselben erst bei dem Erwrmen beginnt.
Nachdem man darauf das kleine, als Ventil dienende Glaskgelchen _c_
mit seinem zugeschmolzenen Stiel in die Rhrenmndung gesteckt hat,
senkt man das Entwickelungsrohr in den Hals der mit Jodkaliumlsung[10]
angefllten Retorte _ddd_, welche ungefhr 160 C.C. fasst und an deren
Hals eine kleine, vor der Glasblserlampe geblasene Erweiterung zur
Aufnahme der bei dem Versuch emporgepressten Flssigkeit angebracht ist.
Man erhitzt nunmehr das Klbchen. Nach zwei bis drei Minuten langem
Kochen ist alles Chlor bergegangen und durch sein Aequivalent freien
Jods in der Jodkaliumlsung ersetzt. Man giesst nun den Inhalt der
Retorte in ein Becherglas und verfhrt nach . 114. I. Die Methode
giebt, wie $Bunsen$ gezeigt hat, sehr befriedigende Resultate.

  [10] 1 Thl. reines (jodsurefreies) Jodkalium in 10 Theilen Wasser.
       Die Flssigkeit darf, unmittelbar nach Zusatz von Salzsure, keine
       Brunung zeigen.

     II. Trennung der Chromsure von den Basen.

  a. _Der ersten Gruppe_:

[Greek: a]. Man reducirt die Chromsure nach I. und trennt Chromoxyd und
Alkalien nach . 123.

[Greek: b]. Chromsaures Ammon fhrt man durch vorsichtiges Glhen in
Chromoxyd ber.

  b. _Der zweiten Gruppe_:

[Greek: a]. Man schmelzt die Verbindung mit 4 Theilen kohlensauren
Natronkalis. Beim Behandeln mit heissem Wasser bleiben die alkalischen
Erden im kohlensauren Zustande zurck, die Chromsure kommt an Alkali
gebunden in Lsung. Erstere knnen, da sie Alkali enthalten, nicht
geradezu gewogen werden, letztere bestimmt man nach I.

[Greek: b]. Man lst in Salzsure, reducirt die Chromsure nach I. a.
und trennt Chromoxyd und alkalische Erde nach . 124.

  c. _Der dritten Gruppe_:

[Greek: a]. $Von Thonerde.$

Man fllt aus der Lsung die Thonerde durch Ammon oder kohlensaures
Ammon (. 83), im Filtrat bestimmt man die Chromsure nach I.
(Vergleiche auch . 125).

[Greek: b]. $Von Chromoxyd.$

aa. $Man hat in Lsung.$ Man fllt die Chromsure nach I. a. [Greek: b]
oder nach I. b. und trennt im Filtrat Chromoxyd und Quecksilberoxydul,
beziehungsweise Bleioxyd nach . 130.

bb. $Man hat in unlslicher Verbindung$ (als neutrales chromsaures
Chromoxyd). Man glht, der Rckstand ist Oxyd, der Verlust Sauerstoff,
aus welchem die Chromsure zu berechnen.

cc. (Nach $Vohl$.) Man bestimmt zuerst die Kohlensure, welche die
Verbindung, so wie sie ist, aus Oxalsure entwickelt, alsdann behandelt
man die Flssigkeit, besser noch eine neu abgewogene zweite Portion, wie
ein Oxydsalz (. 84) und prft wieder. Aus dem zweiten Versuch ergiebt
sich das Chrom im Ganzen, aus dem ersten das als Chromsure vorhandene,
aus der Differenz das Oxyd. -- In hnlicher Weise lassen sich Oxyd und
Sure auch

dd. $durch Maassanalyse$ neben einander bestimmen (. 84).

  d. _Der vierten Gruppe_:

[Greek: a]. Man verfhrt wie in b. [Greek: a]. angegeben. Die Metalle
bleiben beim Behandeln der geschmolzenen Masse als Oxyde zurck. --
Sollte diese Methode auf Mangan angewendet werden, so msste man die
Schmelzung in einer Kugelrhre in einem Strome von kohlensaurem Gas
vornehmen.

[Greek: b]. Man reducirt die Chromsure nach I. a. und trennt das
Chromoxyd von den fraglichen Metallen nach . 128.

  e. _Der fnften und sechsten Gruppe_:

[Greek: a]. Man fllt die mit freier Sure versetzte Lsung mit
Schwefelwasserstoff. -- Die Metalle der 5. und 6. Gruppe werden nebst
freiem Schwefel gefllt (. 91 bis . 102), die Chromsure wird
reducirt. Man fllt das Oxyd im Filtrat nach I. a.

[Greek: b]. Chromsaures Bleioxyd zerlegt man zweckmssig durch
Erhitzen mit Salzsure und etwas Alkohol, und Trennen des entstandenen
Chlorbleies vom gebildeten Chromchlorr durch Alkohol (vergl. . 130).
Man versume nicht, die alkoholische Lsung mit Schwefelsure zu prfen.
Entsteht hierdurch ein Niederschlag von schwefelsaurem Bleioxyd, so ist
derselbe abzufiltriren, zu wgen und in Rechnung zu bringen.


                                . 105.

                          3. $Schwefelsure.$

      I. Bestimmung.

Die Schwefelsure wird stets am besten als _schwefelsaurer Baryt_
bestimmt. In Betreff einer neu vorgeschlagenen maassanalytischen
Bestimmung von $Schwarz$ verweise ich auf die Originalabhandlung in
Ann. der Chem. u. Pharm. 84, 99. Das Verfahren ist zu complicirt, um
praktisch zu sein; es erfordert drei titrirte Lsungen und macht zwei
Filtrationen mit Auswaschen nthig.

1. Man setzt zu der Lsung, wenn nthig, etwas Salzsure bis zur
sauren Reaction, erhitzt fast zum Sieden, fgt Chlorbaryum in geringem
Ueberschuss hinzu und verfhrt alsdann nach . 79. 1. a. Das Auswaschen
geschieht am besten zuerst durch Decantation. -- Enthielt die Lsung
Salpetersure, so schlgt sich mit dem schwefelsauren Baryt leicht etwas
salpetersaurer Baryt nieder, welcher nur durch fortgesetztes Auswaschen
mit heissem Wasser entfernt werden kann, worauf wohl Rcksicht zu
nehmen. -- Unter allen Umstnden setze man das Auswaschen so lange
fort, bis das letztablaufende Waschwasser durch Schwefelsure nicht
im mindesten mehr getrbt wird. Fr genaue Analysen empfehle ich
noch folgendes Verfahren. Nachdem der Niederschlag nach . 36 geglht
und gewogen ist, trpfle man einige Tropfen Salzsure darauf und fge
sodann heisses Wasser zu, rhre mit einem ganz dnnen Glasstbchen
(oder Platindraht) wohl um, sple dieses ab und erwrme eine Zeit lang
gelinde. Man giesst jetzt die fast klare Flssigkeit durch ein kleines
Filter ab und prft das Filtrat mit Schwefelsure. Entsteht hierdurch
Trbung oder Niederschlag, ein Zeichen, dass dem schwefelsauren
Baryt ein anderweitiges Barytsalz anhaftete, so wiederholt man das
Auswaschen des Rckstandes mit heissem Wasser, bis das Waschwasser durch
Schwefelsure nicht weiter getrbt wird. Man trocknet nunmehr den im
Tiegel befindlichen Niederschlag, sowie das kleine Filter, verbrennt
dies auf dem Deckel, glht zuletzt den ganzen Tiegel und wgt.

2. Fr technische Zwecke ist es oft sehr erwnscht, die Schwefelsure
durch Maassanalyse rasch bestimmen zu knnen. -- Das Princip
einer solchen ist leicht gefunden. Man fgt von einer titrirten
Chlorbaryumlsung so lange zu, als noch ein Niederschlag entsteht;
die Menge der verbrauchten Barytlsung giebt alsdann die Quantitt
der Schwefelsure an. Nicht so leicht aber ist die Ausfhrung, da es
schwierig ist, den Punkt rasch und genau zu treffen, bei dem alle
Schwefelsure gerade ausgefllt ist. -- Am besten gelingt dies noch
folgendermaassen. Man bereitet sich a) eine Chlorbaryumlsung, von
der 50 C.C. = 100 genau 1 Grm. Schwefelsure ausfllen (also 1 0,01
Grm.), indem man 26,012 Grm. reines, geglhtes Chlorbaryum mit Wasser
zu 500 C.C. lst; b) eine zehnmal verdnntere, indem man 1 Vol. der
Lsung a) mit 9 Vol. Wasser mischt (1 der letzteren fllt 0,001 Grm.
Schwefelsure).

Man bringt nun von der Lsung der schwefelsauren Verbindung, welche
so verdnnt sein soll, dass 50 C.C. annhernd 1 Grm. Schwefelsure
enthalten, 45 C.C. in einen Glaskolben, versetzt mit etwas
Salzsure, erhitzt zum Kochen und trpfelt von der concentrirteren
Chlorbaryumlsung zu. Der Niederschlag wird, so erzeugt, rasch
dicht und schwer und setzt sich gut ab. Von Zeit zu Zeit lsst man
absitzen. -- Sobald man findet, dass durch Chlorbaryum kein weiterer
Niederschlag mehr erfolgt, fgt man noch 5 C.C. der Schwefelsurelsung
zu, lsst einige Zeit kochen und fgt nunmehr mit aller Vorsicht von
der verdnnten Chlorbaryumlsung zu, bis eben keine weitere Trbung
mehr entsteht. Htte man 43 C.C. = 86 der concentrirteren und 11 C.C.
= 22 der verdnnteren Chlorbaryumlsung verbraucht, so enthielte
die Schwefelsurelsung 0,86 + 0,022 = 0,882 Grm. Schwefelsure. --
Weit leichter als mit Chlorbaryumlsung lsst sich dies Verfahren mit
Bleizuckerlsung ausfhren, weil sich das schwefelsaure Bleioxyd besser
absetzt, als der schwefelsaure Baryt. -- Die Anwendung der Bleilsung
beschrnkt sich aber auf die Flle, in denen man mit chlorfreien
Flssigkeiten zu thun hat.

     II. Trennung der Schwefelsure von den Basen.

a. _Von denen, mit welchen sie in Wasser oder Salzsure lsliche
   Verbindungen bildet._

Man fllt die Schwefelsure nach I. und bestimmt im Filtrat, welches
neben den Chlorverbindungen der mit der Schwefelsure verbunden
gewesenen Basen berschssiges Chlorbaryum enthlt, die fraglichen Basen
nach den Methoden, die im fnften Abschnitt als zur Trennung derselben
vom Baryt dienend angefhrt sind.

b. _Von denen, mit welchen sie in Wasser oder Salzsure unlsliche oder
   schwer lsliche Verbindungen bildet._

[Greek: a]. _Von Baryt, Strontian und Kalk._ Man schmelzt die hchst
fein gepulverte Verbindung im Platintiegel mit 4 Theilen kohlensauren
Natronkalis, bergiesst den Tiegel sammt seinem Inhalt in einem
Becherglase oder einer Platin- oder Porzellanschale mit Wasser, erhitzt
bis zur vollstndigen Auflsung der schwefelsauren und kohlensauren
Alkalien, filtrirt noch heiss von den ungelst bleibenden kohlensauren
Erden ab und wscht diese mit heissem Wasser vollkommen aus. Man lst
sie alsdann in Salzsure und bestimmt sie nach den oben (. 79-. 81)
beschriebenen Methoden. Im Filtrat fllt man die Schwefelsure nach I.
-- Schwefelsaurer Kalk kann im fein gepulverten Zustande auch durch
Kochen mit einer Lsung von kohlensaurem Natron oder Kali vollstndig
zerlegt werden.

[Greek: b]. _Von Bleioxyd._ Man glht mit kohlensaurem Natron-Kali
in einem Porzellantiegel, bis die Masse ganz zusammengesintert ist,
digerirt dieselbe mit heissem Wasser bis zur Lsung des gebildeten
schwefelsauren und des berschssigen kohlensauren Alkalis, filtrirt
das ungelst gebliebene Bleioxyd (welches stets alkalihaltig bleibt) ab
und wscht es vollstndig aus. Das Filtrat ist niemals frei von Blei,
sondern je nach dem Zustande der Verdnnung, den man beim Aufweichen des
Rckstandes herstellte, daran bald reicher, bald rmer. -- Man macht
nunmehr das Filtrat mit Salpetersure gelinde sauer (Vorsicht hierbei,
dass durch Spritzen kein Verlust entsteht) und fllt die Schwefelsure
nach I. mit salpetersaurem Baryt, lst dann das ausgewaschene Bleioxyd
in verdnnter Salpetersure, vereinigt die Lsung mit der vom
schwefelsauren Baryt abfiltrirten Flssigkeit und fllt das Blei mit
Schwefelwasserstoff (. 92).


                                . 106.

                          4. $Phosphorsure.$

      I. Bestimmung.

Die dreibasische Phosphorsure lsst sich in sehr mannigfaltiger
Weise bestimmen. Am empfehlenswerthesten sind die Bestimmungen
als _phosphorsaures Bleioxyd_, _pyrophosphorsaure Magnesia_,
_basisch phosphorsaures Eisenoxyd_, _phosphorsaures Zinnoxyd_,
_phosphorsaures_ oder _pyrophosphorsaures Silberoxyd._ Der Bestimmung
als pyrophosphorsaure Magnesia geht hufig eine anderweitige Fllung
-- als phosphorsaures Eisenoxyd, phosphorsaures Quecksilberoxydul
oder phosphorsaures Molybdnsure-Ammon -- voraus, wie dies sogleich
erwhnt werden soll. -- Auch maassanalytische Verfahrungsweisen sind zur
Bestimmung der Phosphorsure in Vorschlag gekommen.

Von der Meta- und Pyrophosphorsure soll hier nur erwhnt werden,
dass sich dieselben nach den sogleich anzufhrenden Methoden nicht
bestimmen lassen. Man fhrt sie, zum Behuf ihrer Bestimmung, am
besten in dreibasische Phosphorsure ber. Es geschieht dies [Greek:
a]) _auf trockenem Wege_, indem man die Substanz mit 4 bis 6 Theilen
kohlensaurem Natronkali andauernd schmelzt. Diese Methode ist jedoch nur
anwendbar bei den Alkalien und denjenigen meta- oder pyrophosphorsauren
Metalloxyden, welche durch Schmelzen mit kohlensauren Alkalien
vollstndig zerlegt werden; demnach gelingt sie z. B. nicht bei den
Verbindungen mit alkalischen Erden, ausgenommen bei dem Magnesiasalz.
[Greek: b]) _auf nassem Wege_. Man behandelt das Salz lngere Zeit mit
einer starken Sure, am besten mit concentrirter Schwefelsure, in
der Wrme ($Weber$, Pogg. Ann. 73, 137). Ich bemerke hierzu, dass man
sich auf dem letzteren Wege dem Ziele bei allen denjenigen Salzen nur
nhern kann, deren Basen mit der zugesetzten Sure lsliche Verbindungen
bilden, weil hierbei niemals alle Meta- oder Pyrophosphorsaure in
Freiheit gesetzt wird; whrend man es ohne Mhe zu erreichen im Stande
ist bei Zusatz von Suren, welche mit den vorhandenen Basen unlsliche
Verbindungen bilden. In Betreff des Umstandes, in wie weit man sich
im ersteren Falle dem Ziele nhern kann, habe ich gefunden, dass die
Ueberfhrung um so vollstndiger ist, je grsser das Quantum der
zugesetzten freien Sure (doch verbieten andere Rcksichten, hierin zu
weit zu gehen), dass zweitens nothwendig lngere Zeit gekocht werden
muss (vergl. Belege Nr. 35).

Ehe ich zu den einzelnen Bestimmungsweisen bergehe, bemerke ich
weiter, dass die Angabe von $Bunce$ (Sillim. Journ. May 1851. p. 405),
Phosphorsure verflchtige sich, wenn man ein phosphorsaures Salz mit
Salzsure oder Salpetersure zur Trockne verdampfe und den Rckstand
ein wenig erhitze, vllig irrig ist (vergl. meine Abhandl. ber diesen
Gegenstand in Ann. der Chem. und Pharm. 86. 216). Dagegen ist wohl zu
beachten, dass unter diesen Umstnden die dreibasische Phosphorsure
zwar nicht bei 100, wohl aber schon unter 150, in Pyrophosphorsure
bergeht; so erhlt man z. B. beim Verdampfen von gewhnlichem
phosphorsaurem Natron mit berschssiger Salzsure und Trocknen des
Rckstandes bei 150 NaCl + PO_{5}, NaO, HO.

      a. _Bestimmung als phosphorsaures Bleioxyd._

Man verfhrt genau wie bei Arsensure, . 102, das heisst, man dampft
mit einer gewogenen Menge von Bleioxyd ab und glht. Diese Methode setzt
voraus, dass die Phosphorsure allein in wsseriger oder salpetersaurer
Lsung ist; sie bietet den Vortheil, dass sie richtige Resultate
liefert, gleichgltig ob die vorhandene Phosphorsure ein-, zwei-, oder
dreibasisch ist.

      b. _Bestimmung als pyrophosphorsaure Magnesia._

[Greek: a]) _directe_: Man versetzt die Lsung mit einer klaren, am
besten vorrthig gehaltenen, Mischung von schwefelsaurer Magnesia,
Salmiak und Ammon, so lange noch ein Niederschlag entsteht, fgt, falls
die Lsung noch nicht stark ammoniakalisch riechen sollte, noch Ammon
hinzu, lsst 12 Stunden ohne Erwrmen stehen, filtrirt, wscht den
Niederschlag mit einer Mischung von 3 Wasser und 1 Ammonflssigkeit
aus, bis das Waschwasser nach Zusatz von Salzsure, durch Chlorbaryum
nicht im Mindesten mehr getrbt wird, und verfhrt alsdann genau nach
. 82. 2. -- Bei Bereitung der oben angefhrten Mischung setze man nicht
mehr Salmiak hinzu, als eben nthig ist, um die Fllung der Bittererde
durch Ammon zu verhten. -- Die Resultate fallen sehr genau aus. (Vers.
Nr. 70.) Der Verlust, den man in Folge der geringen Lslichkeit der
basisch phosphorsauren Ammon-Talkerde (Vers. Nr. 31) erleidet, ist
hchst unbedeutend. -- Eigenschaften des Niederschlages und Rckstandes
. 53. -- Diese Methode kann nur dann angewendet werden, wenn man sicher
ist, alle Phosphorsure in dreibasischem Zustande zu haben. -- Enthlt
die Lsung Pyrophosphorsaure, so fllt der Niederschlag flockig aus und
lst sich in ammonhaltigem Wasser ($Weber$).

[Greek: b]) _indirecte_, nach vorausgegangener Fllung als
phosphorsaures Molybdnsure-Ammon (nach $Sonnenschein$, J. f. prakt.
Chem. 53, 343). Man lst in grsserem Vorrath 1 Theil Molybdnsure
in 8 Ammonflssigkeit, fgt 20 Theile Salpetersure zu und setzt von
dieser Flssigkeit zu der salpetersauren Lsung des phosphorsauren
Salzes so viel, dass die Menge der Molybdnsure ungefhr das 30fache
von der im Salze enthaltenen Phosphorsure betrgt. Die Flssigkeit mit
dem entstandenen gelben Niederschlage wird einige Stunden in gelinder
Wrme digerirt, und der Niederschlag dann mit derselben Lsung, durch
welche die Fllung bewirkt ist, ausgewaschen. (Das Filtrat lsst
man lngere Zeit an einem warmen Orte stehen, um zu sehen, ob sich
noch ein weiterer Niederschlag bildet. -- Gewissheit, dass bei der
Fllung Molybdnsurelsung im Ueberschuss ist, erhlt man leicht in
der Art, dass man vor dem Abfiltriren einen Tropfen der Lsung mit
Schwefelwasserstoffwasser versetzt, wodurch braunes Schwefelmolybdn
niedergeschlagen werden muss.) Den Niederschlag lst man hierauf auf
dem Filter in Ammon und fllt aus dieser Lsung die Phosphorsure durch
Magnesialsung (vergl. [Greek: a].). -- Resultate genau (vergl. ausser
den von $Sonnenschein$ gelieferten Belegen auch die von $Craw$ (Pharm.
Centralbl. 23, 669).

[Greek: c]) indirecte, nach vorausgegangener Fllung als phosphorsaures
Quecksilberoxydul (nach H. $Rose$, Pogg. Ann. 76, 218). Man lst
die phosphorsaure Verbindung in einer weder zu geringen noch zu
grossen Menge von Salpetersure. Zu der in einer nicht zu kleinen
Porzellanschale befindlichen Lsung setzt man reines metallisches
Quecksilber, und zwar so viel, dass stets ein Theil desselben, wenn
auch nur ein geringer, von der freien Sure ungelst bleibt. Man
verdampft nun im Wasserbade zur Trockne. Riecht die Masse in der Wrme
noch nach Salpetersure, so befeuchtet man sie mit Wasser und erhitzt
wieder im Wasserbade, bis sie zuletzt nicht mehr danach riecht. -- Man
setzt jetzt heisses Wasser zu, filtrirt durch ein kleines Filter und
wscht aus, bis das Waschwasser auf Platin keinen fixen Rckstand mehr
hinterlsst. Das Filter, welches ausser phosphorsaurem auch basisch
salpetersaures Quecksilberoxydul und freies Quecksilber enthlt,
trocknet man, mengt seinen Inhalt im Platintiegel mit berschssigem
kohlensaurem Natron-Kali, ballt das Filter zu einer Kugel, bringt es in
eine Vertiefung des Gemenges und berdeckt das Ganze mit einer Schicht
von kohlensaurem Natron-Kali. -- Der Tiegel wird jetzt unter einem gut
ziehenden Rauchfange etwa eine halbe Stunde lang mssig erhitzt, so
dass er nicht zum Glhen kommt. Bei dieser Hitze verflchtigt sich das
salpetersaure Quecksilberoxydul und das metallische Quecksilber. Man
erhitzt nunmehr ber der Lampe zum strksten Glhen und behandelt den
Rckstand mit heissem Wasser. Er lst sich -- sofern kein Eisenoxyd
zugegen war -- klar auf. Man bersttigt die klare (nthigenfalls
filtrirte) Lsung mit Salzsure, fgt Ammon und Magnesialsung zu und
verfhrt berhaupt nach [Greek: a].).

      c. _Bestimmung als basisch phosphorsaures Eisenoxyd._

[Greek: a]. Man verfhrt genau wie bei der Bestimmung der Arsensure
(. 102. 3. a.). ($Berthier$) Ein grosser Ueberschuss von Ammon ist zu
vermeiden, weil dieses dem Niederschlage leicht etwas Phosphorsure
entzieht. Resultate eher etwas zu niedrig, als zu hoch (H. $Rose$).

[Greek: b]. Man verfhrt genau wie bei der Bestimmung der Arsensure
(. 102. 3. b.), d. h. man wendet die v. $Kobell$'sche Modification des
$Berthier$'schen Verfahrens an. Resultate genau.

[Greek: c]. Man versetzt die Phosphorsure enthaltende saure Flssigkeit
mit berschssiger Eisenchloridlsung von bekanntem Gehalt, fgt
erforderlichenfalls so viel Alkali zu, dass die grsste Menge der freien
Sure neutralisirt wird, versetzt mit essigsaurem Natron im Ueberschuss
und kocht. War die Menge der Eisenchloridlsung gengend, so muss der
Niederschlag braunroth sein. Derselbe besteht aus basisch phosphorsaurem
und basisch essigsaurem Eisenoxyd und enthlt alle Phosphorsure und
alles Eisenoxyd. Man filtrirt kochend ab, wscht mit siedendem Wasser
aus, trocknet sorgfltig und glht bei Luftzutritt im Platintiegel. Das
Filter verbrennt man auf dem Deckel. Nach dem Glhen befeuchtet man den
Rckstand mit starker Salpetersure, verdampft dieselbe bei gelinder
Hitze und glht zuletzt wieder. Sollte das Gewicht des Rckstandes
hierdurch zugenommen haben, was in der Regel nicht der Fall ist, so
msste letztere Operation wiederholt werden, bis das Gewicht sich nicht
weiter verndert. -- Zieht man von diesem das Eisenoxyd ab, welches
in der zugesetzten Lsung enthalten war, so bleibt das Gewicht der
Phosphorsure. (Die Modification dieser schon in den frheren Auflagen
enthaltenen, zuerst von $Schulze$ angegebenen Methode, wonach eine
Eisenchloridlsung von bekanntem Gehalt angewendet wird, wodurch man
somit die Bestimmung des Eisenoxyds im Rckstande (welche nach . 106.
II. h. auszufhren wre) erspart, ist von A. $Mller$ zuerst angegeben
worden (Journ. f. prakt. Chem. 47, 341); auch $Way$ und $Ogston$ haben
dieselbe bei ihren Aschenanalysen befolgt (Journ. of the Royal Agricult.
Soc. of England VIII. part 1).

      d. _Bestimmung als phosphorsaures Zinnoxyd._

[Greek: a]. Nach $Reinoso$ (Journ. f. prakt. Chem. 54, 261). Man erhitzt
eine bestimmte (natrlicherweise berschssige) Menge von reinem Zinn
(oder auch von kuflichem, wenn man die Menge des daraus entstehenden
Zinnoxyds kennt) mit der phosphorsauren Verbindung und berschssiger
Salpetersure zum Sieden, filtrirt, wenn alles Zinn in Oxyd verwandelt
ist, wscht aus, trocknet, glht mit der Vorsicht, dass kein Zinnoxyd
reducirt wird, und wgt rasch, denn der Rckstand ist hygroskopisch. Was
er mehr wiegt, als die dem zugesetzten Zinn entsprechende Menge Oxyd,
ist Phosphorsure (vorausgesetzt, dass die phosphorsaure Verbindung
sich klar in Salpetersure lst). (Diese Methode ist bereits mehrfach
mit gutem Erfolg angewendet worden, so von $Girard$ bei Analyse des
phosphorsauren Uranoxyds, von $Joy$ bei Untersuchung des Narwallzahns
etc.).

[Greek: b]. Die von $Bennett$ (Chem. Gaz. 1853. p. 17) vorgeschlagene
Modification des $Reinoso$'schen Verfahrens, wonach zur Lsung der
phosphorsauren Verbindung berschssige Zinnchloridlsung von bekanntem
Gehalt, dann Glaubersalzlsung gesetzt wird, lieferte bei in meinem
Laboratorium vorgenommenen Versuchen unbefriedigende Resultate.

      e. _Bestimmung als phosphorsaures Silberoxyd_, siehe
         II. a. [Greek: c].

      f. _Bestimmung durch Maassanalyse_ nach $Rwsky$ (Journ. f. prakt.
         Chem. 41, 365).

Man fgt zu der sauren Lsung (welche keine Basen enthalten darf, die
mit der Phosphorsure in Essigsure unlsliche Verbindungen bilden,
ausgenommen Eisenoxyd) Ammon, bis die freie Sure fast abgestumpft ist,
dann essigsaures Eisenoxyd [eine mit gleichviel essigsaurer Natronlsung
(1 : 10) vermischte Eisenalaunlsung (1 : 10), der man zweckmssig etwas
freie Essigsure zusetzt, leistet dasselbe] im mglichst geringen
Ueberschuss. Das phosphorsaure Eisenoxyd setzt sich in Form eines
schwach gelblich weissen Niederschlages ab. Man filtrirt, wscht
sorgfltig mit kaltem Wasser aus (was bei grsseren Mengen zeitraubend
ist), lst den Niederschlag in Salzsure und bestimmt darin das Eisen
nach . 90. 3. $Rwsky$ geht von der Voraussetzung aus, dass der
Niederschlag die Zusammensetzung PO_{5}, Fe_{2}O_{3} habe, und bringt
fr je 700 Eisen 900 (genau 892, Aeq. des Phosphors = 392) Phosphorsure
in Rechnung.

Gegen dieses Verfahren sind von verschiedenen Seiten Bedenken erhoben
worden, indem erstens das phosphorsaure Eisenoxyd in essigsaurer
Eisenoxydlsung etwas lslich ist (weshalb dasselbe eben in einem
mglichst geringen Ueberschuss anzuwenden ist), und indem zweitens die
constante Zusammensetzung des Niederschlages bezweifelt wird (Jahresb.
v. $Liebig$ und $Kopp$ 1847 u. 1848. S. 946; -- $Way$ und $Ogston$
ebendaselbst 1849. 571). -- Die in meinem Laboratorium von Herrn D.
$Schirmer$ angestellten Versuche thun ebenfalls mit Bestimmtheit dar,
dass die Zusammensetzung des Niederschlages variabel ist, je nachdem man
die essigsaure Eisenoxydlsung in geringerem oder grsserem Ueberschuss
anwendet.


     II. $Trennung der Phosphorsure von den Basen.$

      a. _Von den fixen Alkalien._

[Greek: a]. Man wendet die Methode I. c. in einer ihrer Modificationen,
oder die I. d. an. Die Alkalien finden sich als salpetersaure Salze oder
Chlormetalle im Filtrat.

[Greek: b]. Man wendet die Methode I. b. [Greek: a]. an und trennt im
Filtrat die Magnesia von den Alkalien nach . 121.

[Greek: c]. Wenn die Salze nach der Formel PO_{5}, 3MO (Metalloxyd)
zusammengesetzt sind, fllt man ihre wsserige Lsung geradezu mit
neutraler Silberlsung, wscht den gelben Niederschlag (PO_{5}, 3AgO)
aus, trocknet und glht ihn nach . 36.

Sind die Salze nach der Formel PO_{5}, 2MO, HO zusammengesetzt,
so mssen sie geglht, der Rckstand in Wasser gelst und mit
neutraler Silberlsung gefllt werden. Der Niederschlag ist alsdann
pyrophosphorsaures Silberoxyd (PO_{5}, 2AgO). Man filtrirt ihn ab,
wscht ihn aus und glht ihn (. 36). Die Basen bestimmt man im Filtrat
nach Entfernung des berschssig zugesetzten Silbers (siehe . 130).
-- Eigenschaften der phosphorsauren Silberniederschlge . 72. 4. --
Resultate genau. Die Methode ist bequem, weil die Alkalien im Filtrat
leicht zu bestimmen sind.

      b. _Von den smmtlichen Alkalien._

[Greek: a]. Man wendet zur Abscheidung der Phosphorsure die Methode I.
c. [Greek: b]. an und trennt im Filtrat Baryt und Alkalien nach . 121.

[Greek: b]. Man versetzt die wsserige Lsung mit essigsaurem Bleioxyd
im geringen Ueberschuss, lsst absitzen, filtrirt und trennt die
Alkalien vom berschssig zugesetzten Bleisalze nach . 130. Die
Phosphorsure kann man in diesem Falle aus dem Verlust finden; wollte
man sie direct bestimmen, so verfhrt man mit dem abfiltrirten und
ausgewaschenen Bleiphosphat nach . 106. II. i.

      c. _Von Baryt, Strontian, Kalk und Bleioxyd._

Man lst in Salzsure oder Salpetersure und fllt mit Schwefelsure
in geringem Ueberschuss, bei Baryt ohne, -- bei Strontian, Kalk und
Bleioxyd unter Zusatz von Alkohol. Im Filtrat bestimmt man, nach
Entfernung des Alkohols durch Abdampfen, die Phosphorsure nach I. b.
[Greek: a]. Am genauesten wird die Phosphorsurebestimmung, wenn man die
Flssigkeit mit kohlensaurem Natron sttigt, zur Trockne verdampft und
den Rckstand mit kohlensaurem Natron-Kali schmelzt. Man lst alsdann in
Wasser und verfhrt nach I. b. [Greek: a].

      d. _Von Magnesia._

Man scheidet die Phosphorsure nach I. c. [Greek: b]. (v. $Kobell$'sche
Modification des $Berthier$'schen Verfahrens), und trennt im Filtrat
Magnesia und Baryt nach . 122.


      e. _Von smmtlichen alkalischen Erden_ (vergl. auch . 106. II. m.
         und o.).

[Greek: a]. Man scheidet die Phosphorsure nach I. c. [Greek: c]. Die
alkalischen Erden bleiben als Chlormetalle neben essigsaurem Alkali und
Chloralkalimetall in Lsung.

[Greek: b]. Man lst in mglichst wenig Salpetersure, fgt Bleiessig
im geringen Ueberschuss zu, lsst absitzen, filtrirt, wscht den
Niederschlag, der aus phosphorsaurem und basisch salpetersaurem Bleioxyd
besteht, aus, trocknet, glht (. 36) und wgt ihn. Der Rckstand ist
phosphorsaures Bleioxyd + Bleioxyd oder mit anderen Worten Phosphorsure
+ xBleioxyd. Man bringt den Tiegel sammt seinem Inhalte in ein
Becherglas, bergiesst mit mssig verdnnter Salpetersure, erwrmt bis
zur Lsung, giesst die Flssigkeit in ein anderes Glas ab, wscht nach
und bestimmt darin das Bleioxyd als schwefelsaures Salz (. 92). --
Berechnet man daraus das Bleioxyd und zieht man dies von dem Gewichte
des ersterhaltenen Rckstandes ab, so bleibt als Differenz das Quantum
der Phosphorsure. In der vom erstgewonnenen Niederschlage abfiltrirten
Flssigkeit trennt man die Basen vom berschssigen Bleisalze nach .
130. Auch dieses Verfahren liefert befriedigende Resultate.

      f. _Von Thonerde_ (siehe namentlich auch . 106. II. m. und o.).

[Greek: a]. (Nach $Otto$ und eigenen Versuchen). Man lst in Salzsure
oder Salpetersure, verdnnt einigermaassen, setzt Weinsure in
ziemlicher Menge zu, dann Ammon im Ueberschuss. War die Menge der
Weinsure gengend, so muss die Flssigkeit nunmehr klar sein. Man
versetzt sie mit einer klaren Lsung von schwefelsaurer Magnesia,
welche mit Salmiak und Ammon versetzt ist, im geringen Ueberschuss,
lsst einige Stunden stehen, filtrirt alsdann, wscht mit verdnnter
Ammoniakflssigkeit aus, lst den Niederschlag (um ihn ganz vollstndig
von Thonerde zu befreien) wieder in Salzsure, setzt ganz wenig
Weinsure zu und fllt wieder mit Ammon. Der Niederschlag wird alsdann
nach I. b. [Greek: a]. behandelt. Die im Filtrat enthaltene Thonerde
erhlt man, indem dasselbe unter Zusatz von so viel kohlensaurem Natron,
dass dadurch der vorhandene Salmiak zersetzt wird (denn durch Glhen
von Thonerde mit Salmiak wrde Verlust entstehen durch entweichendes
Chloraluminium, H. $Rose$), sowie nach Zufgen von etwas salpetersaurem
Kali zur Trockne verdampft, und der Rckstand in einem Platingefsse
geglht wird. Man lst alsdann in Salzsure durch andauerndes Erwrmen
und trennt die Thonerde von der Magnesia nach . 124.

[Greek: b]. (Nach $Berzelius$). Man mengt die hchst fein gepulverte
Verbindung mit etwa 1-1/2 Theilen reiner, am besten knstlich
dargestellter Kieselsure und 6 Theilen kohlensauren Natrons in
einem Platintiegel und setzt eine halbe Stunde lang einer starken
Rothglhhitze aus. Die geglhte Masse weicht man mit Wasser auf,
setzt zweifach kohlensaures Ammon im Ueberschuss zu, digerirt damit
eine Zeit lang, filtrirt und wscht aus. -- Auf dem Filter hat man
kieselsaures Thonerde-Natron, in der Auflsung phosphorsaures Natron,
zweifach kohlensaures Natron und kohlensaures Ammon. (Htte man vor dem
Zusatze des doppelt kohlensauren Ammons filtrirt, so wre etwas der
Thonerdeverbindung in Lsung gekommen.) In der Auflsung bestimmt man
die Phosphorsure nach II. a., im unlslichen Rckstande trennt und
bestimmt man die Thonerde nach . 111.

[Greek: c]. (Nach $Fuchs$). Man lst in Kalilauge und fgt eine
Auflsung von kieselsaurem Kali (Kieselfeuchtigkeit) zu. Die sich
bildende schleimige Masse verdnnt man mit Wasser und kocht. Der
Niederschlag von kieselsaurem Thonerdekali wird abfiltrirt. Die ganze
Menge der Phosphorsure befindet sich im Filtrat. Man suert es mit
Salzsure an und trennt Kieselsure und Phosphorsure nach . 135.

[Greek: d]. (Nach $Wackenroder$ und eigenen Versuchen). Man fllt die
saure Lsung mit Ammon (unter Vermeidung eines grsseren Ueberschusses)
und fgt Chlorbaryum zu, so lange noch ein Niederschlag entsteht. Nach
lngerem Digeriren wird abfiltrirt. Der Niederschlag, welcher alle
Thonerde und alle Phosphorsure (letztere theils an Thonerde, theils
an Baryt gebunden) enthlt, wird abfiltrirt, ein wenig ausgewaschen
und in mglichst wenig Salzsure gelst. Die Lsung sttigt man mit
kohlensaurem Baryt in der Wrme, fgt Natronlauge im Ueberschuss
zu, erwrmt damit, fllt etwa in Lsung befindlichen Baryt durch
kohlensaures Natron und filtrirt. Man hat jetzt alle Thonerde in Lsung,
alle Phosphorsure im Niederschlag. -- Die Lsung suert man mit
Salzsure an, kocht mit etwas chlorsaurem Kali und fllt nach . 83. --
Den Niederschlag lst man in Salzsure, fllt den Baryt mit verdnnter
Schwefelsure aus, filtrirt und bestimmt im Filtrat die Phosphorsure
durch Fllung mit Magnesialsung nach I. b. [Greek: a]. (Eine ganz
hnliche Methode hat auch $Hermann$ bei der Analyse des Gibbsits
angewendet.)

      g. _Von Chromoxyd._

Man schmelzt mit kohlensaurem und salpetersaurem Natron und trennt
Chromsure und Phosphorsure nach . 135.

      h. _Von den Metalloxyden der vierten Gruppe._

[Greek: a]. Man schmelzt mit kohlensaurem Natron-Kali andauernd und
kocht die geschmolzene Masse mit Wasser. Im Filtrat, welches die
Phosphorsure an Natron gebunden enthlt, bestimmt man diese nach II.
a.; den Rckstand, welcher meist durch Waschen nicht ganz vollstndig
vom Alkaligehalt befreit werden kann, lst man nach dem Aussssen in
Sure und bestimmt das betreffende Metall nach den oben angegebenen
Methoden. -- Soll diese Methode auf das Mangansalz angewendet werden,
so nimmt man statt des kohlensauren Natronkalis kohlensaures Natron.
Einen etwaigen geringen Gehalt von in die Flssigkeit bergegangener
Mangansure beseitigt man durch ein wenig Schwefelwasserstoffwasser.

[Greek: b]. Man lst in Salzsure, fgt Weinsure, dann Ammon und
endlich in einem zu verstopfenden Kolben Schwefelammonium zu, lsst an
einem gelinde warmen Orte absitzen, bis die Flssigkeit rein gelb und
ganz und gar nicht mehr grnlich erscheint, filtrirt und bestimmt die
Metalle, wie oben . 85 bis 90 angegeben. Die Phosphorsure ergiebt
sich aus dem Verlust, oder wird nach I. b. [Greek: a]. bestimmt. Die
Magnesiasalzlsung kann unmittelbar zu dem schwefelammoniumhaltigen
Filtrat gesetzt werden. -- Dieses Verfahren ist weniger geeignet fr das
Nickelsalz. Es liefert (nach $Rose$) beim Eisen leicht etwas zu viel
pyrophosphorsaure Magnesia und etwas zu wenig Eisenoxyd.

[Greek: c]. (Speciell zur Trennung von den Oxyden des Eisens). Man kann
-- nach meinen Versuchen -- die Phosphorsure auch folgendermaassen
von den Oxyden des Eisens trennen. Man reducirt, wenn nthig, die
Lsung mit schwefligsaurem Natron, setzt Kali- oder Natronlauge im
Ueberschuss zu, kocht, bis der Niederschlag schwarz und krnig geworden,
filtrirt und wscht mit siedendem Wasser aus. Der Inhalt des Filters
ist phosphorsurefreies Eisenoxyduloxyd; im Filtrat bestimmt man die
Phosphorsure nach I. b. [Greek: a].

      i. _Von den Metallen der fnften und sechsten Gruppe._

Man lst in Salzsure oder Salpetersure, fllt mit Schwefelwasserstoff,
filtrirt, bestimmt die Basen nach den in den . 91 bis 102 angegebenen
Methoden, -- die Phosphorsure im Filtrat nach I. b. [Greek: a]. oder
unter Umstnden auch nach I. a. -- Von Silberoxyd trennt man die
Phosphorsure noch einfacher, indem man zu der salpetersauren Lsung
Salzsure setzt; -- von Bleioxyd am leichtesten nach II. c.

      k. _Von allen Basen, mit Ausnahme der Thonerde und der
         Quecksilberoxyde_ (nach H. $Rose$).

Man scheidet die Phosphorsure als phosphorsaures Quecksilberoxydul nach
der Methode von H. $Rose$ (. 106. I. b. [Greek: c].) ab.

[Greek: a]. Enthielt die Substanz kein Eisen, so enthlt die vom
phosphorsauren Quecksilberoxydul abfiltrirte Flssigkeit alle Basen als
salpetersaure Salze nebst viel salpetersaurem Quecksilberoxydul, auch
wohl einigem Oxyd. Man entfernt ersteres durch Zusatz von Salzsure.
Das gefllte Quecksilberchlorr ist frei von anderen Basen. -- Entsteht
durch Salzsure nur ein geringer Niederschlag, so setzt man noch Ammon
zu und filtrirt erst dann. Im Filtrat bestimmt man die Basen nach
blicher Weise. Hat man das Quecksilber durch Ammon abgeschieden, so
trocknet und glht man den Niederschlag (unter einem gut ziehenden
Rauchfang). Bleibt ein Rckstand, so ist derselbe nher zu prfen.
Besteht er aus phosphorsauren alkalischen Erden, so muss die Behandlung
mit Quecksilber und Salpetersure wiederholt werden; besteht er dagegen
aus reiner Magnesia oder kohlensauren alkalischen Erden, so lst man ihn
in Salzsure und vereinigt die Lsung mit der die Hauptmenge der Basen
enthaltenden Flssigkeit. -- Hufig wendet man statt der beschriebenen
besser folgende Methode an. Man verdampft die vom phosphorsauren
Quecksilberoxydul abfiltrirte Flssigkeit in einer Platinschale zur
Trockne und glht den Rckstand in einem Platintiegel unter einem gut
ziehenden Rauchfang. Sofern salpetersaure Alkalien zugegen sind, muss
man whrend des Glhens von Zeit zu Zeit etwas kohlensaures Ammon
zufgen, damit nicht durch entstehendes tzendes Alkali der Platintiegel
angegriffen werde. Den geglhten Rckstand behandelt man je nach
Umstnden erst mit Wasser und dann mit Salpetersure oder sogleich mit
Salpetersure.

[Greek: b]. Enthlt die Substanz Eisen, so bleibt der grsste Theil
desselben mit dem phosphorsauren Quecksilberoxydul unlslich zurck.
Den gelsten Theil trennt man von den brigen Basen nach den unten
anzugebenden Methoden, den ungelsten erhlt man nach dem Glhen des
betreffenden Rckstandes mit kohlensaurem Natronkali und nach Behandlung
mit Wasser als alkalihaltiges Eisenoxyd. Man lst es in Salzsure
und fllt mit Ammon. (Da sich Thonerde nicht so wie Eisenoxyd durch
Schmelzen mit kohlensaurem Natronkali zerlegen lsst, whrend doch die
salpetersaure Thonerde ebenso wie das salpetersaure Eisenoxyd schon
beim Abdampfen zerlegt wird, so lsst sich das angefhrte Verfahren bei
Gegenwart von Thonerde nicht anwenden).

      l. _Von Eisenoxyd, Thonerde, alkalischen Erden und vielen anderen
         Basen_ (nach H. $Rose$).

Man versetzt die salzsaure Auflsung mit kohlensaurem Baryt im
Ueberschuss, lsst einige Tage kalt digeriren, filtrirt und wscht
mit kaltem Wasser aus. Der Niederschlag enthlt alle Phosphorsure
in Verbindung mit Eisenoxyd, Thonerde, Baryt, ferner berschssigen
kohlensauren Baryt. Im Filtrat sind die brigen Basen enthalten. Man
lst den Niederschlag in mglichst wenig verdnnter Salzsure, fllt den
Baryt vorsichtig mit Schwefelsure aus, sttigt mit kohlensaurem Natron,
verdampft sammt dem Niederschlag zur Trockne, setzt eine dem Rckstand
gleiche Menge reiner Kieselsure und die sechsfache Menge kohlensauren
Natrons zu, erhitzt in einem grossen Platintiegel anfangs schwach,
allmlig sehr stark und verfhrt im Uebrigen genau nach
II. f. [Greek: b].

      m. _Von vielen Basen, namentlich den alkalischen Erden und der
         Thonerde_ (nicht aber dem Eisenoxyd).

Man fllt die Phosphorsure als phosphorsaures Zinnoxyd nach . 106.
I. d. [Greek: a]. Im Filtrate hat man die Basen frei von irgend einem
fremden, erst noch abzuscheidenden Krper, was deren Bestimmung sehr
erleichtert. (Fr welche Basen diese sonst sehr bequeme Methode sich
etwa nicht eignen sollte, ist noch nher festzustellen).

      n. _Von viel Eisenoxyd bei gleichzeitiger Anwesenheit alkalischer
         Erden_ (wie dies bei der Analyse von Eisenerzen oft vorkommt),
         nach eigenen Versuchen (Journ. f. prakt. Chem. 45, 258).

Versucht man in solchen Verbindungen die Phosphorsure nach I. c.
[Greek: b]. oder [Greek: c] zu bestimmen, so gelingt dies zwar, aber die
Trennung einer kleinen Menge Phosphorsure von einer sehr grossen Menge
Eisenoxyd ist alsdann hchst lstig. Man verfhrt daher besser also. Die
salzsaure Lsung erhitzt man zum Kochen, nimmt von der Lampe und setzt
so lange eine Lsung von schwefligsaurem Natron zu, bis kohlensaures
Natron einen fast weissen Niederschlag hervorbringt, kocht alsdann, bis
der Geruch nach schwefliger Sure verschwunden, stumpft einen etwaigen
Ueberschuss von freier Sure mit kohlensaurem Natron fast ab, setzt
einige Tropfen Chlorwasser und endlich essigsaures Natron im Ueberschuss
zu. Die kleinste Menge Phosphorsure giebt sich sogleich durch
Entstehung eines weissen Niederschlages von phosphorsaurem Eisenoxyd zu
erkennen (auch Kieselsure und Arsensure bewirken einen solchen, daher
sie -- im Falle sie zugegen sind -- vorher abgeschieden werden mssen).
Man setzt jetzt tropfenweise mehr Chlorwasser zu, bis die Flssigkeit
rthlich erscheint, kocht, bis der Niederschlag sich gut abgesondert
hat, filtrirt heiss und wscht mit heissem Wasser aus. Man hat jetzt im
Niederschlag alle Phosphorsure nebst einem kleinen Theil des Eisens, im
Filtrat die Hauptmenge des letzteren nebst den alkalischen Erden. Mit
dem Niederschlage verfhrt man nach . 106. II. h.

      o. _Von allen Basen ohne Ausnahme._

Man wendet das Verfahren von $Sonnenschein$ (I. b. [Greek: b].)
an und trennt in der von dem phosphorsauren Molybdnsure-Ammon
abfiltrirten Flssigkeit die Basen von der Molybdnsure. Da sich
die Molybdnsure zu Schwefelwasserstoff und Schwefelammonium so
wie ein Metall der sechsten Gruppe verhlt, so ist es anzurathen,
Metalle der sechsten und auch solche der fnften Gruppe aus
saurer Lsung durch Schwefelwasserstoff zu fllen, bevor man die
Phosphorsure mit Molybdnsure niederschlgt. -- Man hat alsdann
diese nur von den Metallen der vier ersten Gruppen zu trennen. Es
geschieht dies auf folgende Weise. Man versetzt die saure Flssigkeit
in einem verschliessbaren Kolben mit Ammon bis alkalisch, fgt
Schwefelammonium in gengendem Ueberschuss zu und digerirt damit.
Sobald die Lsung rein gelb (nicht mehr grnlich) erscheint, filtrirt
man die Schwefelmolybdn-Schwefelammonium enthaltende Flssigkeit ab,
wscht den Rckstand mit Wasser aus, dem man etwas Schwefelammonium
zugesetzt hat, und trennt die zurckbleibenden Schwefelmetalle und
Oxydhydrate der vierten und dritten Gruppe nach den unten anzugebenden
Methoden. -- Das Filtrat versetzt man vorsichtig mit Salzsure im
mssigen Ueberschuss, leitet, sofern die Flssigkeit nicht schon
stark nach Schwefelwasserstoff riecht, noch etwas ein, filtrirt das
Schwefelmolybdn ab und bestimmt im Filtrate die alkalischen Erden und
Alkalien. --

Diese Methode, die Phosphorsure von Basen zu trennen, ist im hohen
Grade empfehlenswerth.


                                . 107.

                             5. $Borsure.$

      I. Bestimmung.

Die Bestimmung der Borsure geschieht stets am besten auf eine indirecte
Art, da es keine Verbindung derselben giebt, welche so unlslich ist,
dass sie sich zur directen Abscheidung mit Vortheil benutzen liesse.

Hat man Borsure in wsseriger oder alkoholischer Lsung, so kann die
Menge derselben durch Abdampfen und Wgen des Rckstandes nicht bestimmt
werden, indem sich mit den Wasser- oder Weingeistdmpfen Borsure in
erheblicher Menge verflchtigt. Dies findet auch dann statt, wenn man
die Lsung mit berschssigem Bleioxyd eindampft.

Man verfhrt daher am besten also. Man versetzt die Borsurelsung mit
einer gewogenen Menge reinen, am besten geschmolzenen, kohlensauren
Natrons, und zwar nimmt man etwa die gleiche bis doppelte Menge der in
der Lsung vermutheten Borsure. -- Man verdampft zur Trockne, erhitzt
den Rckstand zum Schmelzen und wgt ihn. Er enthlt eine bekannte
Menge Natron und unbekannte Quantitten Kohlensure und Borsure.
Man bestimmt daher darin die Kohlensure nach einer der in . 110
angegebenen Methoden und findet alsdann die Borsure aus der Differenz
(H. $Rose$).

     II. Trennung der Borsure von den Basen.

Man begngt sich in der Regel damit, die Borsure aus dem Verluste zu
berechnen, indem eine directe Bestimmung, wenn auch mglich, doch immer
sehr schwierig ist.

      a. _Von allen feuerbestndigen Basen_.

Man wgt die borsaure Verbindung im fein gepulverten Zustande ab, bringt
sie in eine gerumige Platinschale, bergiesst und digerirt sie mit
einer gengenden Menge Fluorwasserstoffsure, setzt darauf concentrirte
reine Schwefelsure allmlig tropfenweise zu, erwrmt anfangs gelinde,
dann strker, bis alle berschssige Schwefelsure verjagt ist. -- Bei
dieser Operation entweicht die Borsure als Fluorborgas (BO_{3} + 3FlH
= BFl_{3} + 3HO). Der Rckstand enthlt die Basen als schwefelsaure
Salze. Man bestimmt dieselben und findet die Borsure aus der Differenz.
-- Statt der Fluorwasserstoffsure lsst sich auch fein gepulverter
Flussspath anwenden, sofern derselbe rein ist. Man nimmt auf 1 Theil der
borsauren Verbindung 3-4 Theile und verfhrt im Uebrigen wie angegeben.
Die Bestimmung der Base wird jedoch in diesem Falle etwas mhsamer,
weil ihr schwefelsaures Salz mit einer grossen Menge von Gyps gemengt
zurckbleibt.

Bei dieser Bestimmungsweise wird vorausgesetzt, dass die Verbindung
durch Schwefelsure zerlegbar sei.

      b. _Von den Alkalien_.

Man lst das abgewogene borsaure Salz in Wasser auf, setzt einen
Ueberschuss von Salzsure hinzu und dampft die Lsung auf dem Wasserbade
ein. Gegen Ende setzt man noch einige Tropfen Salzsure zu und trocknet
nun den Rckstand so lange im Wasserbade, bis keine Spur von salzsauren
Dmpfen mehr entweicht. Man bestimmt jetzt im Rckstande das Chlor
(. 112), berechnet aus diesem das Alkali und findet somit die Borsure
aus der Differenz. -- Diese von E. $Schweizer$ angegebene Methode hat
demselben bei der Analyse des Borax sehr gute Resultate geliefert. Sie
wird sich auch zur Bestimmung der Basen in einigen anderen borsauren
Salzen anwenden lassen.

      c. _Von Baryt, Strontian, Kalk und Bleioxyd_.

Verfahren wie bei Phosphorsure . 106. II. c. Die Quantitt der
Borsure ergiebt sich aus dem Verlust.

      d. _Von Magnesia_.

Man lst die Verbindung in Salzsure, bersttigt mit Ammon, fllt
durch phosphorsaures Natron die Magnesia (. 82) und findet die Borsure
aus dem Verluste. -- Die so erhaltene pyrophosphorsaure Magnesia enthlt
eine sehr geringe Menge von Borsure (H. $Rose$).

  e. _Von den Metalloxyden der vierten, fnften und sechsten Gruppe_.

Man schlgt dieselben durch Schwefelwasserstoff, respective
Schwefelammonium, nieder und bestimmt sie nach oben angegebenen
Methoden. Die Borsure wird aus dem Verlust bestimmt. -- Ist das Metall
aus saurer oder neutraler Lsung durch Schwefelwasserstoff gefllt
worden, so lsst sich die Borsure im Filtrat auch nach I. bestimmen,
nachdem man dasselbe durch Einleiten von Kohlensure vollstndig von
Schwefelwasserstoff befreit hat.


                                . 108.

                            6. $Oxalsure.$

      I. Bestimmung.

Die Oxalsure fllt man entweder als _oxalsauren Kalk_ und bestimmt
diesen als _kohlensauren Kalk_, oder man ermittelt sie aus der Menge des
durch sie reducirten _Goldes_ oder der Quantitt _Kohlensure_, welche
sie bei Zutritt von 1 Aeq. Sauerstoff liefert.

      a. _Bestimmung als kohlensaurer Kalk_.

Soll diese Bestimmung genaue Resultate liefern, so muss die Lsung
neutral oder durch $Essigsure$ schwach sauer sein; auch darf sie
Thonerde, Chromoxyd und Oxyde schwerer Metalle, namentlich Eisenoxyd und
Kupferoxyd, nicht enthalten. Sind diese Bedingungen nicht gegeben, so
mssen sie daher zunchst hergestellt werden. -- Man fllt alsdann durch
eine im mssigen Ueberschuss zugesetzte Lsung von essigsaurem Kalk. Den
niedergefallenen oxalsauren Kalk behandelt man nach . 81.

      b. _Bestimmung aus dem reducirten Golde_ (H. $Rose$).

[Greek: a]. $In Verbindungen, welche sich in Wasser lsen.$ -- Man
setzt zu der Auflsung der Oxalsure oder des oxalsauren Salzes eine
Lsung von Natrium- oder Ammoniumgoldchlorid und digerirt lngere
Zeit bei einer der Siedhitze nahen Temperatur bei Abschluss directen
Sonnenlichtes. Das gefllte Gold sammelt man auf einem Filter, wscht
es aus, trocknet, glht und wgt es. 1 Aeq. Gold (2458,33) entspricht 3
Aeq. C_{2}O_{3} (3 . 450 = 1350).

[Greek: b]. $In Verbindungen, welche sich in Wasser nicht lsen.$ --
Man lst in mglichst wenig Salzsure, verdnnt in einem gerumigen,
zuvor mit Natronlauge gereinigten Kolben mit sehr viel Wasser, setzt
Goldlsung im Ueberschuss zu, kocht lngere Zeit, lsst bei Abschluss
des Sonnenlichtes absitzen und verfhrt im Uebrigen nach [Greek: a]. --

Die Bestimmungen der Oxalsure aus dem reducirten Golde liefern sehr
genaue Resultate.

      c. _Bestimmung als Kohlensure_.

[Greek: a]. Dieselbe kann man entweder nach der . 142 zu beschreibenden
Methode der organischen Elementaranalyse, oder auch

[Greek: b]. in der Weise vornehmen, dass man die Oxalsure oder
das oxalsaure Salz mit einer berschssigen Menge fein gepulverten
Braunsteins und dann mit Schwefelsure zusammenbringt, und zwar in
einem Apparate, der die sich entwickelnde Kohlensure nur getrocknet
entweichen lsst. Die Theorie dieses Verfahrens ergiebt sich aus
folgender Gleichung:

         C_{2}O_{3} + MnO_{2} + SO_{3} = MnO, SO_{3} + 2CO_{2}.

Fr je 1 Aeq. Oxalsure erhlt man sonach 2 Aeq. Kohlensure. -- Was
den Apparat und die Ausfhrung des Versuches betrifft, so verweise ich
auf . 110. II. b. [Greek: b]., wo bei der Bestimmung der Kohlensure
ersterer und auf die im speciellen Theile zu besprechende Prfung des
Braunsteins, woselbst letztere beschrieben werden muss. -- Hier bemerke
ich nur, dass, im Falle man mit freier Oxalsure zu thun hat, dieselbe
erst durch Zusatz von Ammon schwach bersttigt werden muss, sowie
dass man der Theorie nach auf 9 Thle. wasserfreie Kleesure 11 Thle.
reines Mangansuperoxyd braucht. Da ein Ueberschuss des letzteren nichts
schadet, so ist es leicht, die zuzusetzende Menge durch Schtzung zu
bestimmen. Der Braunstein braucht nicht rein zu sein, nur darf er kein
kohlensaures Salz enthalten. -- Die Resultate sind, wenn man den Versuch
in einem so leichten Apparat vornimmt, dass die Wgungen auf einer
feinen Wage gemacht werden knnen, in hohem Grade genau, und ebenso sehr
als hierdurch empfiehlt sich diese Methode durch die Krze der Zeit, die
sie erfordert. -- Statt des Braunsteins lsst sich auch chromsaures Kali
anwenden; vergl. . 104. I. c.

     II. Trennung der Oxalsure von den Basen.

a. Man bestimmt die Oxalsure nach I. b. und trennt im Filtrat das Gold
von den vorhandenen Basen nach den im fnften Abschnitt angegebenen
Methoden.

b. Die Bestimmungsmethoden der Oxalsure I. c. [Greek: a]. und [Greek:
b]. knnen bei allen Salzen angewendet werden, aber bei [Greek: a]. ist
es nicht wohl mglich und bei [Greek: b]. nicht bequem, in derselben
Substanz die Basis zu bestimmen.

c. Die Oxalsure kann in vielen neutralen Salzen aus dem Verlust
bestimmt werden, indem dieselben beim Glhen an der Luft in Metall
(z. B. das Silbersalz), reines Oxyd (z. B. das Bleisalz) oder in
kohlensaures Salz (die Salze der alkalischen Erden und Alkalien)
bergehen. Diese Methode ist zur Bestimmung der Basen in oxalsauren
Salzen besonders geeignet.

d. In vielen lslichen Salzen kann die Oxalsure nach I. a. bestimmt
werden. Die Basen werden alsdann vom berschssigen Kalksalze nach den
Vorschriften des fnften Abschnittes getrennt.

e. Alle oxalsauren Salze, deren Basen durch kohlensaures Kali oder
Natron gefllt werden und im Ueberschusse derselben unlslich sind,
knnen durch Kochen mit kohlensaurer Kali- oder Natronlsung in Oxyd
oder kohlensaures Salz einerseits, und oxalsaures Alkali andererseits
zerlegt werden.

f. Alle Salze der vierten, fnften und sechsten Gruppe kann man durch
Schwefelwasserstoff oder Schwefelammonium zersetzen.


                                . 109.

                      7. $Fluorwasserstoffsure.$

      I. Bestimmung.

Die Fluorwasserstoffsure wird, wenn man sie in freiem Zustande in
wsseriger Lsung hat, am besten als _Fluorcalcium_ bestimmt. Man setzt
kohlensaures Natron in mssigem Ueberschusse zu, dann eine Auflsung
von Chlorcalcium, so lange noch eine weitere Fllung bewirkt wird,
lsst absitzen und wscht den aus Fluorcalcium und kohlensaurem Kalk
bestehenden Niederschlag erst durch Decantiren, dann auf dem Filter
aus. Nach dem Trocknen glht man denselben in einem Platintiegel
(. 35), bergiesst ihn in einer Platin- oder auch Porzellanschale
mit Wasser, setzt Essigsure im geringen Ueberschuss zu, verdampft
im Wasserbade zur Trockne und erhitzt darin, bis aller Geruch nach
Essigsure verschwunden. Den aus Fluorcalcium und essigsaurem Kalk
bestehenden Rckstand erhitzt man mit Wasser, filtrirt das Fluorcalcium
ab, wscht es aus, trocknet es, glht nach . 35 und wgt. --
Behandelt man den aus Fluorcalcium und kohlensaurem Kalk bestehenden
Niederschlag mit Essigsure, ohne ihn zuvor geglht zu haben, so lsst
sich das Fluorcalcium nur schwierig auswaschen. -- Die Anwesenheit
von Salpetersure oder Salzsure in der wsserigen Lsung der
Fluorwasserstoffsure beeintrchtigt diese Bestimmungsweise nicht.
(H. $Rose$).

     II. Trennung des Fluors von den Metallen.

      a. _In lslichen Fluorverbindungen_.

Reagiren die Lsungen derselben sauer, so bestimmt man das Fluor genau
nach I. und trennt im Filtrate die zu bestimmenden Basen von dem
berschssig zugesetzten Kalk, sowie von dem Natron nach den im fnften
Abschnitt enthaltenen Methoden. -- Sind dagegen die Lsungen neutral, so
versetzt man sie mit einer gengenden Menge von Chlorcalcium, erhitzt in
einer Platin-, weniger gut in einer Porzellanschale zum Kochen, lsst
absitzen, wscht den Niederschlag von Fluorcalcium durch Decantation
mittelst siedenden Wassers aus, bringt den vllig ausgewaschenen aufs
Filter, trocknet, glht und wgt ihn. -- Die Basen finden sich im
Filtrat und sind von dem berschssig zugesetzten Kalksalze zu trennen.
-- Dass die Basen in besonderen Portionen auch nach b. bestimmt werden
knnen, ergiebt sich von selbst.

      b. _In unlslichen Fluorverbindungen_.

[Greek: a]. In wasserfreien.

Man erwrmt die gewogene Substanz im fein gepulverten Zustande mit
reiner concentrirter Schwefelsure lngere Zeit und glht zuletzt, bis
alle Schwefelsure entwichen ist. Aus dem rckbleibenden schwefelsauren
Salze berechnet man das Metall und findet so durch Verlust das Fluor.
Hat man mit Metallen zu thun, deren schwefelsaures Salz beim Glhen
Schwefelsure verliert, oder enthlt der Rckstand mehrere Metalle, so
muss derselbe weiter analysirt werden, ehe man obige Rechnung anstellen
kann.

[Greek: b]. In wasserhaltigen.

aa. _Eine Probe der Verbindung giebt, in einem Rhrchen erhitzt, einen
Wasserbeschlag, der Lackmus nicht rthet._ Man bestimmt alsdann durch
Glhen zuerst das Wasser, sodann nach II. b. [Greek: a]. Fluor und
Metall.

bb. _Eine Probe der Verbindung liefert beim Erhitzen sauer reagirendes
Wasser._ Man bestimmt zuerst nach II. b. [Greek: a]. durch Behandeln
mit Schwefelsure Wasser + Fluor einerseits, das Metall andererseits.
-- Eine neue gewogene Portion mengt man sodann mit einem Ueberschuss
(etwa 6 Theilen) frisch geglhten Bleioxyds in einem kleinen Retrtchen,
bedeckt die Mengung mit einer Schicht Bleioxyd, wgt das Retrtchen,
treibt durch allmlig bis zum Glhen gesteigertes Erhitzen das (jetzt
von Flusssure freie) Wasser aus und bestimmt sein Gewicht aus dem
Verlust. Man kennt durch die erste Bestimmung Wasser + Fluor, man kennt
durch die zweite das Wasser allein, die Differenz ist somit das Fluor.

Von einer weiteren Methode der Fluorbestimmung werden wir im fnften
Abschnitte bei der Trennung des Fluors von Kieselsure zu sprechen haben.


                                . 110.

                           8. $Kohlensure.$

      I. Bestimmung.

      a. _In einem Gemenge von Gasen_.

Man misst die Gase in einer graduirten Rhre ber Quecksilber genau
ab, schiebt dann eine Kugel von Kalihydrat, welche man mit Hlfe einer
Pistolenkugelform an einen Platindraht gegossen hat, im befeuchteten
Zustande ein, lsst 24 Stunden oder berhaupt so lange darin, bis
keine Verminderung des Gasvolumens mehr erfolgt, zieht dann die Kugel
heraus und misst den Gasrckstand. Die Kohlensure ergiebt sich aus der
Differenz, vorausgesetzt, dass neben der Kohlensure kein sonstiges
durch Kali absorbirbares Gas vorhanden gewesen ist.

      b. _In wsseriger Lsung_.

Man versetzt Chlorbaryumlsung mit etwas Ammonflssigkeit, lsst stehen
und filtrirt die Lsung, sofern sie sich getrbt haben sollte, in ein
geeignetes Glas, welches davon nur zu 1/10 gefllt wird. Man verstopft
dasselbe, bestimmt sein Gewicht, fllt es auf eine geschickte Art
mit dem auf Kohlensuregehalt zu prfenden Wasser nicht ganz voll,
verstopft und wgt wieder. Die Differenz beider Wgungen giebt die
Menge des Wassers an. -- Lsst sich das zu prfende Wasser dadurch in
einen Stechheber bringen, dass man diesen langsam einsenkt, so ist es
bequemer, die Quantitt des Wassers auf diese Art durch Messung zu
bestimmen.

Die trbe Mischung lsst man 4 Tage stehen, giesst alsdann die
Flssigkeit rasch durch ein dem Luftzutritt mglichst abzuschliessendes
Filter ab, fllt das Glas mit warmem Wasser, verstopft, schttelt
auf, lsst wieder absitzen, giesst aufs Neue ab, wiederholt dieses
Auswaschen durch Decantation noch einmal, bringt sodann den Niederschlag
aufs Filter, wscht ihn aus, bis das zuletzt ablaufende Waschwasser
mit Silberlsung klar bleibt, trocknet ihn, glht gelinde und wgt
(. 36). Aus der Menge des kohlensauren Baryts ergiebt sich die der
Kohlensure, vorausgesetzt, dass in der Lsung von durch Ammon und
Chlorbaryum fllbaren Substanzen nur Kohlensure enthalten gewesen
ist. War letzteres nicht der Fall, enthlt somit der kohlensaure Baryt
schwefelsauren Baryt, phosphorsauren Baryt, Eisenoxyd oder dergl., so
bestimmt man in dem getrockneten, aber nicht gewogenen Niederschlage die
Kohlensure nach II. Das vom Niederschlage so viel wie mglich getrennte
Filter verbrennt man am besten zu Asche und fgt diese dem Niederschlage
bei. Ist dessen Menge sehr bedeutend, so wgt man ihn besser erst im
Ganzen und bestimmt dann die Kohlensure in einem abgewogenen Theil des
gleichfrmig gemengten Pulvers.

Sollten aus dem Glase die letzten Theilchen des Niederschlages
mechanisch nicht zu entfernen sein, so lst man sie -- nachdem das Glas
vllig ausgewaschen -- in ein wenig verdnnter Salzsure, fllt mit
kohlensaurem Natron und filtrirt den entstandenen geringen Niederschlag
auf einem kleinen besonderen Filterchen ab, welches dann mit dem anderen
grsseren zu verbrennen ist.

     II. Trennung der Kohlensure von den Basen.

Allen folgenden Methoden liegt als gemeinschaftliches Princip die
Austreibung der Kohlensure durch eine strkere Sure zu Grunde. Die
Bestimmung der Kohlensure selbst geschieht immer entweder aus dem
Verlust, -- oder aus der Gewichtszunahme einer Flssigkeit, durch welche
man die entwichene Kohlensure hat absorbiren lassen.

      a. _Von Basen, welche beim Glhen ihre Kohlensure leicht und
         vollstndig verlieren_.

Z. B. kohlensaures Zink-, Cadmium-, Blei-, Kupfer-Oxyd, kohlensaure
Magnesia etc.

[Greek: a]. Von wasserfreien.

Man erhitzt die abgewogene Substanz in einem Platintiegel (bei
Cadmium- und Bleioxyd in einem Porzellantiegel) zum Glhen und setzt
dasselbe fort, bis der Rckstand constantes Gewicht zeigt. Man erhlt
begreiflicher Weise sehr genaue Resultate. -- Bei Substanzen, welche an
der Luft erhitzt Sauerstoff aufnehmen, nimmt man das Erhitzen in einer
Kugelrhre vor, durch welche trockene Kohlensure geleitet wird. -- Die
Kohlensure ergiebt sich aus dem Verlust.

[Greek: b]. Von wasserhaltigen.

Man erhitzt in dem Falle in einer Glasrhre, welche mit einem
Chlorcalciumrohre und einem Kaliapparate in Verbindung steht, und
in deren hintersten Theil man etwas geschmolzenes chlorsaures Kali
gelegt hat. Das Verfahren ist genau dasselbe, wie bei der organischen
Elementaranalyse (. 143), daher wir seine genauere Beschreibung
hier bergehen. Das chlorsaure Kali dient dazu, um zuletzt das noch
in der Rhre enthaltene kohlensaure Gas herauszutreiben. Man wgt
Chlorcalciumrohr und Kaliapparat erst nach einer Viertelstunde, whrend
welcher Zeit das darin enthaltene Sauerstoffgas durch Diffusion
vollstndig durch Luft ersetzt wird. Bei sehr genauen Versuchen sttigt
man vor dem Versuche die Kalilauge mit Sauerstoffgas (vergl. . 143.
b.). Dass die zu glhende Verbindung keine organische Substanz
enthalten drfe, liegt auf der Hand.

Oder man glht die Substanz in einer Kugelrhre, durch welche man wohl
getrocknete Luft oder -- sofern oxydable Substanzen vorhanden sind
-- Kohlensure leitet und die man mittelst eines gut schliessenden
getrockneten Korkes mit einer Chlorcalciumrhre in Verbindung setzt.
-- Whrend des Glhens erhlt man das hintere Ende der Kugelrhre
mittelst einer kleinen Lampe so heiss, dass sich daselbst Wasser
nicht verdichten kann, htet sich aber wohl, den Kork zu verbrennen.
-- Der Gewichtsverlust der Rhre giebt Wasser + Kohlensure, die
Gewichtszunahme des Chlorcalciumrohres das Wasser an; somit ist die
Differenz gleich der Kohlensure.

      b. _Von allen Basen ohne Ausnahme_.

[Greek: a]. $Wenn die Salze wasserfrei sind.$ Man wgt die kohlensaure
Verbindung in einem Platintiegel ab, setzt etwa die vierfache Menge
geschmolzenen Boraxglases (. 44. 8) zu, welches man direct vor dem
Abwgen nochmals erhitzt hat, wgt, erhitzt bei allmlig gesteigerter
Hitze zum starken Glhen und erhlt darin, bis der Inhalt des Tiegels
ruhig fliesst. Nach dem Erkalten wgt man. Der Gewichtsverlust ist
Kohlensure. Resultate genau. ($Schaffgottsch$).

[Greek: b]. $Wenn die Salze durch Suren leicht und vollstndig zersetzt
werden.$

aa. _Wenn ihre Basen mit Schwefelsure lsliche Salze bilden_.

[Illustration: Fig. 47]

Man bedient sich des in Fig. 47 abgebildeten Apparates, dessen
Einrichtung aus der Zeichnung ohne Weiteres verstndlich ist. Die Grsse
der Klbchen richtet man nach der Tragkraft der zu Gebote stehenden
Wage ein. Die Rhre _a_ ist an ihrem Ende _b_ durch ein Wachskgelchen
verschlossen. Ihr anderes Ende, sowie die Enden der Rhren _c_ und
_d_ sind offen. Das Klbchen _B_ ist mit concentrirter Schwefelsure
fast zur Hlfte angefllt. Die Glasrhren mssen in den Korkstopfen
und diese in den Klbchen vllig luftdicht schliessen. Man bringt
in das Klbchen _A_ die abgewogene Substanz, fllt das Klbchen zu
1/3 mit Wasser an, drckt den Kork ein und bringt den Apparat auf
der Wage ins Gleichgewicht. Man saugt nunmehr mittelst eines kleinen
Saugrhrchens oder eines durchbohrten Korkes aus _d_ ein Paar Blasen
Luft aus. Hierdurch wird auch in _A_ die Luft verdnnt, und die
Schwefelsure in _B_ steigt in der Rhre _c_ auf. Man beobachtet, ob
ihr Hhestand sich lngere Zeit gleich bleibt, und verschafft sich
dadurch die Ueberzeugung, dass der Apparat luftdicht schliesst. Man
saugt jetzt etwas mehr Luft aus _d_, und veranlasst hierdurch, dass
ein Theil der Schwefelsure nach _A_ herberfliesst. Das daselbst
befindliche kohlensaure Salz wird durch dieselbe zersetzt, und die
entbundene Kohlensure entweicht, beim Durchstreichen durch die
concentrirte Schwefelsure in _B_ vollkommen getrocknet, aus _d_. Wenn
die Entwickelung nachlsst, veranlasst man durch Aussaugen von Luft aus
_d_ ein erneuertes Hinberfliessen der Sure und fhrt so fort, bis
alles kohlensaure Salz zerlegt ist. Man lsst jetzt durch strkeres
Aussaugen eine grssere Menge Schwefelsure nach _A_ herber fliessen,
so dass dessen Inhalt sich sehr stark erhitzt, ffnet, wenn keine
Gasblase mehr kommt, das Wachsstpfchen auf _a_ ein wenig, und saugt an
_d_ so lange, bis die letztkommende Luft nicht mehr nach Kohlensure
schmeckt. Nach dem Erkalten bringt man den Apparat wieder auf die Wage
und stellt durch zu demselben gelegte Gewichte das Gleichgewicht her.
Ihre Summe ist gleich der Menge der in der Substanz enthalten gewesenen
Kohlensure. -- Die Resultate sind genau.

Nimmt man die Klbchen _A_ und _B_ hinlnglich klein, so lsst sich der
Apparat so herstellen, dass er sammt der Fllung nicht mehr als etwa
80 Gramm wiegt und somit auch auf feinen analytischen Wagen abgewogen
werden kann. -- Ich habe mich bis jetzt nicht berzeugen knnen, dass
eine der vielen in Vorschlag gekommenen Abnderungen des Apparates
wesentliche Vortheile darbte.

Wie man zu verfahren habe, wenn dem kohlensauren Salze ein
Schwefelmetall oder ein Chlormetall beigemengt ist, wird im fnften
Abschnitte besprochen werden.

bb. _Wenn ihre Basen mit Schwefelsure unlsliche Salze bilden._

Man kann in dem Falle die Methode aa. nicht gut anwenden, weil das
gebildete unlsliche schwefelsaure Salz, z. B. Gyps, die noch nicht
zerlegte Portion der kohlensauren Verbindung theilweise vor der
Zerlegung schtzt; man ndert daher den Apparat so ab, wie ihn Fig. 48
darstellt.

[Illustration: Fig. 48.]

Die Vernderung betrifft einzig und allein die Rhre _a_, welche oben,
wie die Figur zeigt, eine eingelthete Glaskugel enthlt und unten in
eine feine Spitze ausgezogen ist.

Das Verfahren ist folgendes: In _A_ bringt man die abgewogene Substanz
nebst Wasser. Die Kugelrhre _a_ enthlt verdnnte Salpetersure, und
zwar mehr als das kohlensaure Salz zur Zersetzung bedarf; sie wird
durch das aufgedrckte Wachskgelchen _b_ am Herausfliessen aus der
engen Oeffnung gehindert. Die Spitze der Rhre _a_ taucht nicht in das
Wasser in _A_. -- Nachdem der Apparat auf der Wage ins Gleichgewicht
gesetzt ist, dreht man die Rhre _a_ vorsichtig herab, so dass die
Spitze fast auf den Boden von _A_ kommt, lsst alsdann durch momentanes
Oeffnen des Wachsstpfchens ein wenig Salpetersure ausfliessen und
fhrt so fort, bis alles kohlensaure Salz zersetzt ist. Man stellt
nunmehr _A_ in heisses Wasser, ffnet das Wachsstpfchen ein wenig,
saugt die Kohlensure aus dem Apparat und bestimmt nach dem Erkalten die
Gewichtsabnahme.

Man sieht auf den ersten Blick, dass man dem Apparate auch eine andere
Einrichtung geben kann, dass man z. B. statt mit dem Klbchen _B_
die Rhre _c_ mit einem Chlorcalciumrohr oder einer Rhre, die mit
schwefelsuregetrnktem Bimsstein oder Asbest gefllt ist, versehen
kann, -- dass man ferner die zur Zersetzung bestimmte Substanz in einem
anfangs aufrecht stehenden, nach dem Tariren umzuwerfenden Rhrchen in
die im Klbchen befindliche verdnnte Sure bringen kann etc. -- Diese
Modificationen ndern, sofern sie mit Ueberlegung vorgenommen werden,
die Resultate wenig oder nicht.

Der bequemste und empfehlenswertheste von den vorgeschlagenen
abgenderten Apparaten ist unstreitig der $Geissler$'sche[11], den ich
aus diesem Grunde hier noch beifgen will.

  [11] Journ. f. prakt. Chem. 60, 35.

[Illustration: Fig. 49.]

Der Apparat besteht aus zwei Theilen, _AB_ und _C_. -- _C_ ist bei _a_
in _A_ eingeschmirgelt, so dass er luftdicht schliesst und doch, zum
Behufe der Fllung und Entleerung von _A_, leicht abgenommen werden
kann. In _C_ befindet sich ein oben und unten offenes Glasrohr _b c_,
welches bei _c_ in _C_ wasserdicht eingeschliffen ist und durch den
verschiebbaren Kork _i_ in der richtigen Lage erhalten wird. Die brige
Einrichtung des Apparates ersieht man aus der Zeichnung. Der Kork _e_
muss luftdicht schliessen, ebenso die Rhre _d_ in dem Korke. Die
zur Zersetzung bestimmte abgewogene Substanz bringt man in _A_, fgt
Wasser zu bis zu dem angedeuteten Stand, und bewegt die Substanz durch
Schtteln zur Seite. Man fllt jetzt _C_ mit verdnnter Salzsure oder
Salpetersure mittelst einer Pipette fast voll, nachdem man zuvor _i_
hinaufgedreht hat, ohne _b_ zu heben, dreht den Kork wieder herab,
setzt _C_ in _A_ ein, fllt _B_ mit concentrirter Schwefelsure stark
zur Hlfte und verschliesst _b_ oben mit einem kleinen Wachskgelchen
oder Kork. Nach dem Wgen vollbringt man die Zersetzung, indem man _b_
etwas lftet und so Sure aus _C_ in _A_ fliessen lsst. Die Kohlensure
entweicht durch _h_ in die Schwefelsure und verlsst, durch diese
getrocknet, bei _d_ den Apparat. Wenn die Zersetzung beendigt ist,
erhitzt man _A_ gelinde, lftet das Wachskgelchen auf _b_ und saugt bei
_d_ mittelst eines durchbohrten Korkes die Kohlensure aus. Nach dem
Erkalten wgt man.


                                . 111.

                           9. $Kieselsure.$

      I. Bestimmung.

Die directe Bestimmung der Kieselsure geschieht immer auf eine und
dieselbe Weise, indem man die lsliche Modification durch Abdampfen und
scharfes Trocknen in die unlsliche Modification berfhrt und diese,
nach Entfernung aller fremden Stoffe, glht und wgt.

Ich mache gleich hier darauf aufmerksam, $dass die gewogene Kieselsure
stets auf ihre Reinheit geprft werden muss$, wenn man sich gegen
Irrthmer sicher stellen will. Die Methoden, nach welchen die Prfung
am besten vorgenommen wird, sollen an den betreffenden Stellen dieses
Paragraphen mitgetheilt werden.

Htte man freie Kieselsure als Hydrat in einer von anderweitigen fixen
Krpern freien wsserigen oder sauren Lsung, so wrde man diese nur in
einer Platinschale zu verdampfen und den Rckstand nach dem Glhen zu
wgen haben.

     II. Trennung der Kieselsure von den Basen.

      a. _In allen Verbindungen, die durch Salzsure oder Salpetersure
         zerlegt werden._

Hierhin gehren sowohl die in Wasser lslichen Silicate, als auch viele
in Wasser unlsliche, z. B. fast alle Zeolithe.

Man bergiesst die hchst fein gepulverte Verbindung, nachdem man sie
bei 100 (nicht bei hherer Temperatur) getrocknet hat, in einer Schale
von Platin oder chtem Porzellan (bei Silicaten, bei deren Auflsung
sich Chlor entwickeln knnte, ist Platin zu vermeiden) mit wenig Wasser
und rhrt das Pulver damit zu einem gleichfrmigen Brei an, fgt dann
mssig concentrirte Salzsure oder (falls die Substanz Blei oder Silber
enthlt) Salpetersure zu und digerirt bei sehr gelinder Wrme unter
stetem Umrhren bis zur vlligen Zersetzung der Substanz, das ist, bis
man beim Umrhren mit dem rund geschmolzenen Glasstabe kein sandiges
Pulver mehr fhlt und kein knirschendes Gerusch mehr wahrnimmt.

Die hierher gehrigen Silicate verhalten sich bei dieser Behandlung
nicht alle gleich, sondern sie zeigen einige Verschiedenheiten; so
schwellen die meisten zu einer gallertartigen Masse auf, whrend sich
bei anderen die Kieselsure als leichter, pulveriger Niederschlag
abscheidet; so werden manche sehr leicht und schnell, andere erst bei
lngerer Digestion zerlegt.

Nach geschehener Zersetzung verdampft man das Ganze im Wasserbade zur
Trockne und erhitzt den Rckstand unter hufigem Umrhren, bis alle
Klmpchen zertheilt und auch innen vllig trocken geworden sind, und
bis keine sauren Dmpfe mehr entweichen. -- Das Trocknen geschieht $am
sichersten$ bloss im Wasserbade; will man -- um das Trockenwerden zu
beschleunigen -- etwas strker erhitzen, so bedient man sich am besten
eines Luftbades, welches man einfach herstellt, indem man die Schale
mit der Substanz mittelst eines Drahtgehnges so in eine etwas grssere
Silber- oder Eisenschale hngt, dass zwischen den Schalen berall ein
geringer, gleich weiter Zwischenraum bleibt. Ein Erhitzen direct ber
der Lampe ist nicht anzurathen, weil an den am strksten erhitzten
Stellen die Kieselsure leicht wieder mit den abgeschiedenen Basen zu
Verbindungen sich vereinigt, welche durch Salzsure nicht oder nur
unvollstndig zersetzt werden.

Nach dem Erkalten befeuchtet man die Masse gleichfrmig mit Salzsure,
lsst eine halbe Stunde stehen, ohne zu erwrmen, verdnnt sodann mit
heissem Wasser, rhrt um, lsst absitzen, decantirt durch ein Filter,
rhrt die Kieselsure wieder mit heissem Wasser an, decantirt nochmals,
bringt nun auch den Niederschlag aufs Filter, wscht denselben mit
heissem Wasser vollstndig aus, trocknet ihn gut und glht, zuletzt
mglichst stark, nach . 35. -- Eigenschaften des Rckstandes . 72. 9.
-- Die Resultate sind genau. Die Basen, welche man als Chlorverbindungen
im Filtrat hat, bestimmt man nach oben angegebenen Methoden. -- Weicht
man von dem bezeichneten Verfahren ab, bringt man z. B. die Masse nur
fast, aber nicht vllig zur Trockne, so hat man Verlust, indem in
solchem Falle ein nicht unbetrchtlicher Theil der Kieselsure in die
Auflsung bergeht, whrend bei Befolgung des beschriebenen Verfahrens
nur Spuren aufgelst werden, welche jedoch bei genauen Analysen nicht
vernachlssigt werden drfen, sondern von den aus der Lsung gefllten
Basen zu scheiden sind. Es geschieht dies leicht, indem man sie nach
dem Glhen und Wgen in Salzsure oder Schwefelsure durch lngeres
Digeriren in der Hitze lst, wobei die Kieselsurespuren zurckbleiben.
-- Trocknet man die Kieselsure vor dem Glhen nicht vollkommen, so
hat man ebenfalls leicht Verlust, indem der bei raschem Erhitzen
entweichende Wasserdampf Theilchen der leichten und lockeren Kieselerde
wegfhrt.

Die $Prfung$ der Kieselsure auf ihre Reinheit (welche namentlich dann
ganz unerlsslich ist, wenn sich die Kieselsure nicht gallertartig,
sondern pulverig ausgeschieden hat) geschieht zweckmssig so, dass
man in einer Silber- oder Platinschale, wohl auch in einer chten
Porzellanschale, eine mssig concentrirte Lsung von reinem kohlensauren
Natron zum Kochen erhitzt und eine Probe der Kieselsure eintrgt.
War sie rein, so lst sie sich ganz klar. Bleibt ein Rckstand, so
wgt man den Rest der Kieselsure und behandelt sie zur Bestimmung
der Beimischungen nach b. Man vergesse nicht, den Theil aufs Ganze zu
berechnen.

Hat man reine Fluorwasserstoffsure vorrthig, so lsst sich die
Kieselsure sehr leicht auch in der Art auf ihre Reinheit prfen,
dass man sie in einer Platinschale damit bergiesst; beim Verdampfen
der Lsung verflchtigt sich $reine$ Kieselsure vollstndig (als
Fluorkiesel). Bleibt ein Rckstand, so befeuchtet man denselben nochmals
mit der Sure, setzt einige Tropfen Schwefelsure zu, verdunstet und
glht; es bleiben alsdann in der Schale die schwefelsauren Salze der der
Kieselsure beigemengt gewesenen Basen ($Berzelius$).

      b. _In Verbindungen, welche durch Salzsure oder Salpetersure nicht
         zerlegt werden._

[Greek: a]. Man schmelzt mit kohlensaurem Natron oder kohlensaurem
Natronkali. Das Nhere siehe . 22. [Greek: a]. -- Den glhenden Tiegel
stellt man auf eine kalte Eisenplatte, dann springt die erstarrte Masse
leicht los. Die erhaltene salzsaure oder salpetersaure Lsung behandelt
man nach . 111. II. a. -- Diese Methode ist die gewhnlichste, sie kann
aber, wie leicht zu ersehen, nicht dazu dienen, Alkalien in Silicaten zu
bestimmen.

[Greek: b]. Man bergiesst das fein gepulverte Silicat mit einer
ziemlich concentrirten, etwas rauchenden Fluorwasserstoffsure in einer
Platinschale, indem man die Sure nur allmlig zusetzt und mit einem
dicken Platindraht umrhrt. Die dnnbreiige Masse digerirt man auf einem
gelinde erhitzten Wasserbade einige Zeit und setzt dann tropfenweise
reines, mit gleichen Theilen Wasser verdnntes Schwefelsurehydrat
zu. Die Menge desselben sei mehr als hinlnglich, um alle Basen in
schwefelsaure Salze zu verwandeln. Man verdampft jetzt im Wasserbade zur
Trockne, wobei sich fortwhrend Kieselfluor- und Fluorwasserstoffgas
verflchtigt; zuletzt erhitzt man strker, etwas hoch ber der Lampe,
bis die berschssig zugesetzte Schwefelsure entwichen ist. -- Die
erkaltete Masse befeuchtet man stark mit concentrirter Salzsure,
lsst eine Stunde stehen, fgt Wasser zu und erwrmt gelinde. Ist
die Zersetzung gelungen, so muss sich Alles klar lsen. -- Bleibt
ein Rckstand, so erhitzt man einige Zeit zum gelinden Kochen, lsst
absitzen, giesst die Flssigkeit so weit als mglich klar ab, trocknet
den Rckstand und behandelt ihn aufs Neue mit Fluorwasserstoffsure,
Schwefelsure und zuletzt mit Salzsure, wodurch vollstndige Lsung
erfolgt, sofern die Substanz fein genug gepulvert und frei von Baryt,
Strontian (und Blei) war. -- In der Lsung, beziehungsweise den
vereinigten Lsungen, welche die Basen als schwefelsaure Salze und
ausserdem freie Salzsure enthlt, bestimmt man die Basen nach den
Verfahrungsweisen, welche im fnften Abschnitte angegeben sind. --

Diese Methode, welche zur Zersetzung der Silicate jedenfalls eine der
vorzglichsten ist, rhrt von $Berzelius$ her. Sie ist bisher weniger
zugnglich gewesen, da man die Fluorwasserstoffsure nur mit Hlfe eines
kleinen Destillationsapparates von Platin, wenigstens mit Platinhelm,
zu bereiten und nur in Platingefssen aufzubewahren wusste. -- Diese
Schwierigkeit drfte aber jetzt berwunden sein, indem $Stdeler$[12]
mitgetheilt hat, dass Gutta-Percha und vulcanisirter Kautschuk der
Fluorwasserstoffsure widerstehen. -- $Stdeler$ bereitet dieselbe in
einem Kolben von Blei, der die Form eines Digerirglases hat, dessen Hals
abgesprengt ist. Der Kolben hat etwa 5'' inneren Durchmesser, die Weite
des sehr kurzen Halses betrgt 1-3/4''. In die ausgedrehte Mndung wird
ein gut schliessendes weites Bleirohr von 4'' Lnge gesteckt, dessen
oberes Ende etwas zusammengezogen ist, damit es durch einen gewhnlichen
Flaschenkork, der ein zweischenkliges dnnes Bleirohr trgt,
verschlossen werden kann. Der lngere Schenkel dieses Rohres ist 6''
lang; man verbindet ihn mit einer dickwandigen Rhre von vulcanisirtem
Kautschuk, welche in die zur Aufbewahrung der Flusssure bestimmte
Gutta-Perchaflasche mndet, aber -- um ein Zurcksteigen zu verhten --
nicht oder kaum in das vorgeschlagene Wasser taucht. Fr gute Abkhlung
ist Sorge zu tragen. -- Die Percha-Flaschen[13], welche zur Aufbewahrung
der Sure dienen, haben die Form der Medicinglser und werden durch
Percha-Stopfen verschlossen.

  [12] Annal. der Chem. und Pharm. 87. 137.

  [13] Solche Flaschen liefert Herr $Martin Wallach$ in Cassel.

Bei der Ausfhrung der beschriebenen Methode muss die grsste Vorsicht
angewendet werden, weil sowohl die flssige als die gasfrmige
Fluorwasserstoffsure zu den schdlichsten Substanzen gehrt; auch darf
die Behandlung des Silicates mit der Sure und das Abdampfen nur im
Freien geschehen, indem sonst die Fenster wie berhaupt alle Glasgerthe
stark angegriffen werden.

Da bei der genannten Methode die Kieselsure sich nur aus dem Verluste
ergiebt, so verbindet man gern diese Methode mit der in [Greek: a].
angefhrten.

[Greek: c]. Statt der in Wasser gelsten Fluorwasserstoffsure lsst
sich auch die gasfrmige zur Zersetzung der Silicate benutzen. Diese
vielfach angewandte Methode rhrt von $Brunner$[14] her. -- Man
bringt 1-2 Grm. des hchst fein gepulverten Silicates in mglichst
dnner Schicht in ein ganz flaches Platinschlchen, befeuchtet das
Pulver mit Wasser oder verdnnter Schwefelsure und stellt das
Schlchen auf einen Dreifuss oder dergl. von Blei in eine Bleibchse,
welche 6 Zoll Durchmesser und 6 Zoll Hhe haben kann, und in der man
unmittelbar zuvor eine 1/2 Zoll hohe Schicht Flussspathpulver mit
concentrirter Schwefelsure zum Brei angerhrt hat. (Man hte sich
vor den entweichenden Dmpfen. Das Vermischen des Flussspathpulvers
mit der Schwefelsure ist mit einem etwas langen Glas- oder besser
Bleistabe auszufhren). Sobald man das Schlchen mittelst einer Pincette
oder Tiegelzange eingesetzt hat, bedeckt man die Bchse mit dem dazu
gehrenden gut schliessenden Bleideckel, verstreicht die Fugen mit
Gypsbrei und stellt das Ganze 6-8 Tage an einen warmen Ort. -- Will man
den Process beschleunigen, so verstreicht man die Fugen nicht luftdicht
und erhitzt den Apparat mittelst einer kleinen Weingeistlampe im
$Freien$; es gelingt auf letztere Art in einigen Stunden, 1-2 Gramm
des Silicatpulvers zu zersetzen, vorausgesetzt, dass es in ganz dnner
Schicht liegt oder von Zeit zu Zeit umgerhrt wird, was mit Vorsicht
geschehen muss.

  [14] $Pogg$. Annal. 44. 134.

Ist die Aufschliessung gut gelungen, so besteht der Rckstand in der
Platinschale aus Kieselfluormetallen und -- wenn man mit Schwefelsure
befeuchtet hatte -- schwefelsauren Salzen. Man stellt jetzt die
flache Schale in eine grssere Platinschale, fgt tropfenweise reine
Schwefelsure zu, und zwar etwas mehr als zur Ueberfhrung der Basen in
schwefelsaure Salze erforderlich ist, verdunstet im Luftbad, verdampft
zuletzt das berschssige Schwefelsurehydrat direct ber der Lampe und
behandelt den Rckstand mit Salzsure und Wasser, wie es in [Greek:
b]. vorgeschrieben ist. Nur wenn vollstndige Lsung erfolgt, darf die
Zersetzung als gelungen betrachtet werden.

[Greek: d]. Man schmelzt das hchst fein gepulverte Silicat mit
kohlensaurem Baryt oder Barythydrat. Das Nhere siehe . 22. [Greek: b].
-- Die erhaltene salzsaure Lsung behandelt man ganz nach . 111. II. a.
-- In der von der Kieselsure abfiltrirten Lsung bestimmt man die Basen
nach den im Abschnitt V. zu besprechenden Methoden. -- Die gewonnene
Kieselsure ist nach der in a. angegebenen Weise auf ihre Reinheit zu
prfen, ehe man die Zersetzung als gelungen betrachten darf. -- Diese
Methoden, welche frher hufig angewendet wurden, um die Alkalien in
Silicaten zu bestimmen, sind dadurch mehr verdrngt worden, dass die
Aufschliessung mittelst Fluorwasserstoffes durch die in [Greek: c].
beschriebene Methode Jedermann zugnglich geworden ist.

In der neuesten Zeit hat $Deville$[15] darauf aufmerksam gemacht,
dass das Verhltniss des kohlensauren Barytes, welcher gewhnlich zum
Aufschliessen angewendet wird (4-6 Theile), viel grsser als nthig sei.
Nach ihm schmilzt 1 Theil Orthoklas schon mit 0,8 Theilen kohlensauren
Barytes bei mssiger Glhhitze zu einer glasigen, durchsichtigen und
durch Suren zersetzbaren Masse. Bei Anwendung grsserer Mengen von
kohlensaurem Baryt verflchtige sich, durch entstandenen kaustischen
Baryt ausgetrieben, Kali in merklicher Menge.

  [15] Ann. de Chim. et de phys. 3. Ser. 38. 5. Daraus Journ. f. prakt.
       Chem. 60. 22

[Greek: e]. Nach $Deville$ (a. a. O.) zerlegt man die durch Suren
unzersetzbaren Silicate durch Zusammenschmelzen mit kleinen Mengen (auf
1 Thl. Silicat 0,3 bis 0,8 Theile) kohlensaurem Kalk. Ich umgehe die
Einzelnheiten dieses Verfahrens, da es sich bei vorlufigen Versuchen,
die in meinem Laboratorium angestellt worden sind, noch nicht gengend
bewhrt hat.


                            $Zweite Gruppe.$

   $Chlorwasserstoffsure, Bromwasserstoffsure, Jodwasserstoffsure,
            Cyanwasserstoffsure, Schwefelwasserstoffsure.$

                                . 112.

                      1. $Chlorwasserstoffsure.$

      I. Bestimmung.

a. Die Chlorwasserstoffsure wird fast immer als Chlorsilber bestimmt.
-- Man versetzt die Lsung mit salpetersaurer Silberoxydlsung, welcher
man etwas Salpetersure zugemischt hat, im Ueberschuss, wscht den
entstandenen, durch Erwrmen und Schtteln vereinigten Niederschlag
durch Decantation aus, trocknet und glht das Chlorsilber. Die
Einzelnheiten des Verfahrens siehe . 91. 1. a. [Greek: a]. -- Man
hte sich, die mit Salpetersure versetzte Lsung zu erhitzen, ehe
man berschssige Silberlsung zugesetzt hat. -- Sobald letztere im
Ueberschuss vorhanden ist, scheidet sich das Chlorsilber beim Schtteln
sogleich vollstndig ab, und die Flssigkeit wird bei einigem Stehen
in der Wrme ganz klar, daher die Bestimmung der Salzsure mit Silber
leichter auszufhren ist, als die des Silbers mit Salzsure. -- Bei
kleineren Mengen von Chlorsilber sammelt man hufig den Niederschlag auf
einem Filter, s. . 91. 1. [Greek: a]. [Greek: b]. -- Auch lassen sich
beide Methoden in der Art vereinigen, dass man zwar die Hauptmenge des
Niederschlags durch Decantiren auswscht, im Porzellantiegel trocknet
und glht, die abgegossene Flssigkeit aber durch ein Filter giesst,
um so sicher zu sein, kein Theilchen des Chlorsilbers zu verlieren. --
Das Filter verbrennt man, nach dem Trocknen, an einem Platindraht ber
dem umgekehrten Deckel des Porzellantiegels, behandelt die Asche mit
einigen Tropfen Salpetersure, fgt etwas Salzsure zu, verdampft, glht
gelinde, deckt den Deckel auf den Tiegel, in welchem das Chlorsilber
bis zum beginnenden Schmelzen gebracht wurde, erhitzt nochmals gelinde,
lsst unter dem Exsiccator erkalten und wgt.

b. Will man die Salzsure in wsseriger Lsung bei Abwesenheit aller
sonstigen Substanzen bestimmen, so gelangt man auch durch Abdampfen
einer gewogenen Menge mit berschssigem Ammon, Trocknen des Rckstandes
im Wasserbade und Wgen des Salmiaks zu befriedigenden Resultaten.
Vergl. Vers. Nr. 14.

c. Auch durch $Maassanalyse$ lsst sich die Chlorwasserstoffsure aufs
Genaueste bestimmen.

[Greek: a]. Man setzt eine Silberlsung von bekanntem Gehalte zu, so
lange noch ein Niederschlag entsteht, vergl. . 91. 5 ($Pelouze$ hat
diese Methode zur Bestimmung mehrerer Aequivalentzahlen benutzt).
$Levol$ hat eine kleine Modification vorgeschlagen, welche den Punkt
der Ausfllung leichter erkennen lassen soll. Er setzt nmlich zu
der $neutralen$ Flssigkeit 1/10 Vol. einer gesttigten Lsung von
phosphorsaurem Natron. Sobald alles Chlor vom Silber gefllt ist, bildet
sich beim Zusatz des ersten weiteren Tropfens der Silberlsung ein
gelber Niederschlag, der beim Schtteln nicht wieder verschwindet (J. f.
prakt. Chem. 60. 384).

[Greek: b]. Methode von $Liebig$[16] (hauptschlich zur Bestimmung des
Chlors der im Harn enthaltenen Chlormetalle empfohlen, aber auch sonst
sehr gut anwendbar).

  [16] Ann. der Chem. und Pharm. 85. 297.

  aa. $Princip$: Salpetersaures Quecksilberoxyd bringt in einer
      Harnstofflsung sogleich einen dicken weissen Niederschlag
      hervor; diese Fllung findet nicht statt durch eine
      Quecksilberchloridlsung. -- Mischt man eine Lsung von
      salpetersaurem Quecksilberoxyd mit Chloralkalimetall, so bildet
      sich Quecksilberchlorid und salpetersaures Alkali. -- Versetzt
      man daher eine Harnstofflsung mit Chlornatrium und trpfelt
      eine verdnnte Lsung von salpetersaurem Quecksilberoxyd hinzu,
      so entsteht an den Berhrungspunkten eine weisse Trbung, die
      aber beim Umschtteln sogleich wieder verschwindet, so lange das
      salpetersaure Quecksilberoxyd sich noch mit dem Chlornatrium in
      obiger Weise umsetzt; ber diese Grenze hinaus bringt ein einziger
      Tropfen des Quecksilbersalzes eine bleibende weisse Trbung
      hervor. Kennt man daher Maass und Gehalt der Quecksilberlsung,
      welche bis zur Erreichung dieses Punktes zugesetzt werden muss, so
      kennt man auch den Chlorgehalt der Lsung; denn 1 Aeq. Quecksilber
      in der verbrauchten Quecksilberlsung entspricht 1 Aeq. Chlor.

  bb. $Bereitung der salpetersauren Quecksilberoxydlsung.$ Man reinigt
      kufliches Quecksilber aufs Beste (z. B. nach der Methode von
      $Ulex$[17], bergiesst 10 Grm. mit 50 Grm. Salpetersure von
      1,425 specif. Gew. in einem Becherglase, erhitzt dieses in
      einem Wasserbade unter hufigem Zusatz von einigen Tropfen
      Salpetersure, bis keine rothen Dmpfe mehr entweichen und 1
      Tropfen mit Kochsalzlsung sich nicht mehr trbt, dampft dann zur
      Syrupconsistenz ein und verdnnt mit Wasser auf 550 C.C.

  cc. $Diese Lsung titrirt man jetzt$ mit Hlfe einer Kochsalzlsung
      von bekanntem Gehalte, welche $Liebig$ in der Art bereitet, dass
      er 20 C.C. einer bei gewhnlicher Temperatur $gesttigten$ Lsung
      von reinem Steinsalz oder chemisch reinem Chlornatrium mit 298,4
      C.C. Wasser mischt. Jeder C.C. der so erhaltenen Lsung enthlt 20
      Milligr. Kochsalz.

      Von dieser Kochsalzlsung misst man 10 C.C. ab, bringt dieselben in
      ein kleines Becherglas und setzt 3 C.C. einer Harnstofflsung zu,
      die in 100 C.C. 4 Grm. Harnstoff enthlt.

      Man trpfelt nun unter Umschtteln von der zu titrirenden
      Quecksilberlsung aus der Brette oder Quetschhahnpipette so lange
      zu, bis eben ein deutlicher, auch beim Umschtteln bleibender
      Niederschlag entsteht[18].

  dd. Hat man so festgestellt, wieviel C.C. der Quecksilberlsung
      10 C.C. Kochsalzlsung = 0,2 Grm. Chlornatrium entsprechen, so
      ist sie zur $Anwendung$ direct geeignet, wenn man eine kleine
      Rechnung nicht scheut. Will man diese umgehen, so verdnnt man die
      Quecksilberlsung in der Art, dass jeder Cubikcentimeter einer
      ganzen Zahl von Milligrammen Kochsalz oder Chlor entspricht.
      $Liebig$ verdnnt sie so, dass 1 C.C. 0,010 Chlornatrium
      entspricht. --

  ee. Soll die genannte Probeflssigkeit zur Prfung von Lsungen
      angewendet werden, welche viel fremde Salze oder Harnstoff im
      Ueberschuss enthalten, so versetzt man die abgemessenen 10 C.C.
      Chlornatriumlsung nicht nur mit 3 C.C. Harnstofflsung, sondern
      auch mit 5 C.C. kalt gesttigter Glaubersalzlsung[19], ehe man die
      Quecksilberlsung zutrpfelt. Resultate genau.

  [17] Man zerreibt 1 Pfund Quecksilber mit 1/2 Loth Eisenchloridlsung
       von 1,48 specif. Gew. und 1/2 Loth Wasser 10 Minuten lang in
       einer Reibschale, digerirt damit unter Umschtteln einige Tage,
       entfernt dann die entstandene Eisenchlorrlsung, welche die
       fremden Metalle enthlt, sowie das Quecksilberchlorid durch
       wiederholtes Absplen mit Wasser, kocht das Quecksilber mit
       Salzsure, wscht es nochmals aus und trocknet es durch Erwrmen.

  [18] Ein Opalisiren der Flssigkeit darf man nicht bercksichtigen, es
       rhrt von einer Spur von fremden Metallen her; es wird als nicht
       zur Probe gehrig leicht daran erkannt, dass sich die Trbung bei
       weiterem Zusatz der Quecksilberlsung nicht vermehrt.

  [19] Der Grund dieses Zusatzes ist der, dass der salpetersaure
       Quecksilberoxyd-Harnstoff in reinem Wasser leichter lslich ist,
       als in salzhaltigem, und dass man daher das Lsungsvermgen der
       Flssigkeiten beim Titriren und bei der Anwendung mglichst
       gleich machen muss, wenn genaue Resultate erzielt werden sollen.

     II. Trennung des Chlors von den Metallen.

      a. _In lslichen Chlormetallen._

Man verfhrt genau wie in I. a. Im Filtrat trennt man die zu
bestimmenden Metalle vom berschssigen Silbersalz nach den im fnften
Abschnitte anzugebenden Methoden.

Dieses Verfahren erleidet beim Zinnchlorid und Quecksilberchlorid,
bei den Chlorverbindungen des Antimons und beim grnen Chromchlorr
Ausnahmen.

[Greek: a]. Aus $Zinnchlorid$lsung wrde salpetersaures Silberoxyd
neben Chlorsilber Zinnoxyd-Silberoxyd niederschlagen. Man versetzt daher
eine solche zur Ausfllung des Zinns mit einer concentrirten Lsung
von schwefelsaurem Natron oder salpetersaurem Ammon, lsst absitzen,
decantirt und filtrirt (vergl. . 101. 1. b.) und fllt im Filtrat
das Chlor durch Silberlsung. $Lwenthal$, von welchem diese Methode
herrhrt, hat ihre Genauigkeit bewiesen (Journ. f. prakt. Chem. 56. 371).

[Greek: b]. Aus $Quecksilberchlorid$lsung fllt bei Zusatz von
salpetersaurem Silberoxyd quecksilberhaltiges Chlorsilber nieder. Man
fllt daher zunchst das Quecksilber durch Schwefelwasserstoff, der in
gehrigem Ueberschuss anzuwenden ist, und bestimmt das Chlor im Filtrat
nach . 137. 5.

[Greek: c]. Auf die in [Greek: b]. angegebene Art zerlegt man auch die
$Chlorverbindungen des Antimons$. Die Ausscheidung basischen Salzes bei
Zusatz von Wasser lsst sich durch Zusatz von etwas Weinsure vermeiden.

[Greek: d]. Aus der Lsung des $grnen Chromchlorrs$ wird durch
Silberlsung nicht alles Chlor ausgefllt ($Pligot$). Man schlgt daher
zuerst das Chrom durch Ammon nieder, filtrirt und fllt im Filtrat das
Chlor nach I. a.

      b. _In unlslichen Chlormetallen._

[Greek: a]. $In solchen, welche sich in Salpetersure lsen.$ Man bringt
durch die genannte Sure ohne Anwendung von Wrme in Lsung und verfhrt
nach I. a.

[Greek: b]. $In solchen, welche sich in Salpetersure nicht lsen$
(Chlorblei, Chlorsilber, Quecksilberchlorr).

  aa. Chlorblei und Chlorsilber analysirt man in der Regel, indem man
      sie durch Wasserstoffgas in Metall verwandelt (siehe . 91. 4.
      und 92) und das Chlor aus dem Verlust bestimmt. Chlorsilber kann
      man auch in einem Porzellantiegel mit 3 Theilen kohlensaurem
      Natron-Kali bis zum Zusammensintern glhen. Beim Behandeln mit
      Wasser bleibt das metallische Silber ungelst, in Lsung hat man
      Chloralkalimetall, mit welchem nach II. a. zu verfahren.

  bb. Quecksilberchlorr zerlegt man durch Digestion mit Natron- oder
      Kalilauge. Im Filtrat bestimmt man die Salzsure nach II. a. Das
      Oxydul lst man in Knigswasser und bestimmt das Quecksilber nach
      . 94.

      c. _Die lslichen Chlorverbindungen der Metalle der vierten, fnften
und sechsten Gruppe_ knnen alle auch durch Schwefelwasserstoff,
beziehungsweise Schwefelammonium zerlegt werden. Die Salzsure bestimmt
man alsdann im Filtrate nach . 137. 5.

      d. In vielen Chlormetallen (z. B. denen der ersten und zweiten
Gruppe) kann das Chlor auch aus dem Verluste bestimmt werden, indem man
die Basis durch Abdampfen mit Schwefelsure und Glhen in schwefelsaures
Salz verwandelt und als solches wgt. (Diese Methode ist unzulssig bei
Chlorsilber und Chlorblei, welche nur schwierig und unvollkommen, sowie
bei Quecksilberchlorid und Zinnchlorid, welche nicht oder fast nicht
durch Schwefelsure zerlegt werden.)

      Anhang: _Bestimmung des Chlors im freien Zustande._

Die Bestimmung des Chlors im freien Zustande, welche frher zu den
schwierigeren Aufgaben gehrte, ist jetzt eine der leichteren.

Man bringt das Chlor -- gasfrmig, oder in Wasser gelst -- mit einer
berschssigen Lsung von Jodkalium in Wasser zusammen (vergl. . 104.
d. [Greek: b].). Jedes Aeq. Chlor setzt 1 Aeq. Jod in Freiheit. Bestimmt
man dieses nach der in . 114 beschriebenen $Bunsen$'schen Methode, so
kennt man somit auch die Menge des Chlors und zwar mit der grssten
Genauigkeit.

$Ist in einer Flssigkeit Salzsure oder ein Chlormetall und freies
Chlor$ enthalten, so lsst sich das gebundene Chlor neben dem freien
in folgender Weise bestimmen. Man versetzt einen gewogenen Theil der
Flssigkeit mit berschssigem Ammon. Es entweicht Stickgas und die
Auflsung enthlt alles frei vorhanden gewesene Chlor als Chlorammonium
(3Cl + 4NH_{3} = N + 3[NH_{4}. Cl]). Durch Fllung mit Silberlsung
erfhrt man daher die Gesammtmenge des Chlors. Bestimmt man jetzt in
einer zweiten gewogenen Portion die Menge des freien Chlors mittelst
Jodkaliums, so ergiebt die Differenz die Quantitt des gebundenen.

Ausser der $Bunsen$'schen Methode lassen sich zur Bestimmung des
freien Chlors auch die im speciellen Theil unter der Ueberschrift
$Chlorimetrie$ angefhrten Verfahrungsweisen anwenden.

                   *       *       *       *       *

Nachdem wir gesehen haben, wie einfach sich mit Hlfe der $Bunsen$'schen
Methode die Menge freien Chlors bestimmen lsst, ergiebt sich leicht,
dass alle Oxyde und Superoxyde, welche beim Erwrmen mit Salzsure
Chlor liefern, in der Art analysirt werden knnen, dass man sie mit
concentrirter Salzsure erhitzt und das entwickelte Chlor bestimmt. Die
Ausfhrung geschieht wie bei Chromsure (. 104. d. [Greek: b].).


                                . 113.

                       2. $Bromwasserstoffsure.$

      I. Bestimmung.

a. Hat man freie Bromwasserstoffsure in Lsung, so fllt man mit
Silberlsung und verfhrt in allen Stcken wie bei Chlor, . 112.
Eigenschaften des Bromsilbers . 73. 2. -- Resultate vllig genau.

b. $Colorimetrische Methode nach Heine$[20]. Man macht das Brom durch
Chlor frei, nimmt es in Aether auf, vergleicht die Lsung mit einer
therischen Bromlsung von bekanntem Gehalt in Betreff ihrer Farbe und
findet so die Brommenge. $Fehling$ prfte dies Verfahren und erhielt
befriedigende Resultate. Man ersieht, dass man den Bromgehalt der
Flssigkeit einigermaassen kennen muss, ehe man es anwenden kann. Da
die von $Fehling$ geprfte Soole hchstens 0,02 Grm. Brom enthalten
konnte, so stellte er sich 10 Probelsungen dar, indem er zu je 60
Grm. gesttigter Kochsalzlsung steigende Mengen von Bromkalium setzte
(von 0,002 Grm. bis 0,020 Grm. Bromgehalt). Zu den Probeflssigkeiten
ward ein gleiches Volum Aether gesetzt und dann Chlorwasser, bis
die Farbe des Aethers nicht mehr dunkler wurde. (Da es von grsster
Wichtigkeit ist, diesen Punkt genau zu treffen, indem zu wenig wie zu
viel Chlor die Farbe heller erscheinen lsst, so stellte $Fehling$ jede
Probeflssigkeit dreimal dar und whlte die dunkelste zum Vergleich.) --
Von der zu untersuchenden Mutterlauge nimmt man jetzt ebenfalls 60 Grm.
(am besten durch Abmessen zu bestimmen), setzt dieselbe Menge Aether
zu, wie bei den Probeflssigkeiten, und dann Chlorwasser. Jeder Versuch
wird mehrmals wiederholt. Directes Sonnenlicht ist zu vermeiden, rasches
Operiren erforderlich.

  [20] Journ. f. prakt. Chem. 30. 184, zur Bestimmung des Broms in
       Mutterlaugen vorgeschlagen und dienlich.

c. Nach $Figuier$[21]. Dies Verfahren beruht darauf, dass in einer
Auflsung vom Brommetall 1 Aeq. Brom ausgeschieden wird, wenn man 1 Aeq.
Chlor (in Form von Chlorwasser) zusetzt, sowie, dass Brom eine wsserige
Lsung gelb frbt und beim Kochen leicht entweicht, so dass die erst
gelbe Lsung wieder farblos wird.

  [21] Ann. de Chim. et de Phys. 33. 303. Journ. f. prakt. Chem. 54.
       293, ebenfalls zur Bestimmung in Mutterlaugen etc. vorgeschlagen
       und anzuwenden.

Man titrirt demnach zunchst das Chlorwasser im Augenblicke der
Anwendung, indem man es auf eine mit einigen Tropfen Salzsure
angesuerte Bromnatriumlsung von bekanntem Gehalte wirken lsst (oder
nach der $Bunsen$'schen Methode, S. 251), und wendet es alsdann auf
die Mutterlauge an. Man erhitzt diese in einem Kolben bis fast zum
Kochen, setzt dann Chlorwasser aus der mit schwarzem Papier umhllten
Brette zu, erhitzt etwa 3 Minuten, wodurch die Flssigkeit sich wieder
entfrbt, lsst 2 Minuten abkhlen, trpfelt wieder Chlorwasser zu
und fhrt so fort, bis sich die Flssigkeit bei weiterem Zusatz von
Chlorwasser nicht mehr frbt. -- Dauern die Versuche mehrere Stunden,
so titrirt man das Chlorwasser zuletzt nochmals und legt den mittleren
Gehalt der Berechnung zu Grunde. -- Alkalische Flssigkeiten sind
mit Salzsure etwas anzusuern. Eisenoxydul, Manganoxydul, Jod und
organische Materien drfen nicht zugegen sein. Mutterlaugen, welche
durch letztere gelb gefrbt sind, entfrbt man, indem man sie ansuert,
einige Tropfen Brom zufgt und erhitzt. Grssere Mengen organischer
Materien sind durch Glhen zu zerstren. Beim Abdampfen der Lsungen
zur Trockne muss kohlensaures Natron zugesetzt werden, weil Chlor- und
Brommagnesium beim Abdampfen zur Trockne Chlor- und Bromwasserstoff
entweichen lassen.

     II. Trennung des Broms von den Metallen.

Die Brommetalle werden genau so wie die entsprechenden Chlormetalle
analysirt, und zwar lassen sich smmtliche bei Chlor sub a.-d.
angefhrten Methoden anwenden. Bei Zerlegung von Bromverbindungen durch
Schwefelsure (vergl. . 112. II. d.) nehme man keine Platintiegel,
indem diese durch das freiwerdende Brom angegriffen wrden, sondern
Porzellantiegel.

      Anhang: _Bestimmung des freien Broms._

Hat man das Brom in wsseriger Lsung, oder entwickelt es sich
gasfrmig, so verfhrt man genau wie bei der Bestimmung des freien
Chlors (. 112, Anhang); auch die Bestimmung freien Broms neben
Bromwasserstoff oder Brommetallen geschieht nach der dort angegebenen
Weise. -- Beim Zusatz des Ammons zum Brom ist Vorsicht nthig. Soll
flssiges Brom durch Ammon in Bromammonium bergefhrt werden, so
bergiesst man dasselbe in einem gerumigen Kolben mit ziemlich viel
Wasser und setzt dann das Ammon durch eine Trichterrhre zu. Das
entweichende Stickgas leitet man mittelst eines Schenkelrohrs durch
verdnntes Ammon, mischt zuletzt beide Flssigkeiten und verfhrt wie
oben. Auf diese Art beugt man mit Sicherheit jedem Verlust vor.


                                . 114.

                       3. $Jodwasserstoffsure.$

      I. Bestimmung.

a. Hat man Jodwasserstoffsure in Lsung, so fllt man
mit salpetersaurem Silberoxyd und verfhrt genau wie bei
Chlorwasserstoffsure (. 112). Eigenschaften des Jodsilbers . 73. 3.
Resultate vllig genau.

b. Eine andere, zuerst von $Lassaigne$ angegebene Methode, die jedoch
lediglich bei Scheidungen der Jodwasserstoffsure von Chlor- und
Bromwasserstoffsure in Anwendung zu kommen pflegt und fr diesen Zweck
hohen Werth hat, ist folgende: Man versetzt die mit Salzsure schwach
angesuerte Lsung mit Palladiumchlorrlsung, so lange noch ein
Niederschlag entsteht, lsst 24-48 Stunden an einem warmen Orte stehen,
filtrirt den braunschwarzen Niederschlag auf einem gewogenen Filter ab,
wscht ihn mit warmem Wasser aus und trocknet bei einer Temperatur von
etwa 70-80, bis der Niederschlag constantes Gewicht zeigt. Man kann das
Trocknen sehr beschleunigen, wenn nach dem Auswaschen das Wasser mit
etwas Alkohol und diesen mit ein wenig Aether verdrngt. -- Am besten
jedoch ist es, den Niederschlag im leeren Raume neben Schwefelsure zu
trocknen. Eigenschaften des Niederschlages . 73. 3. Die Methode giebt
bei behutsamem Trocknen sehr befriedigende Resultate; trocknet man
hingegen nahe bei 100, so riecht der Niederschlag nach Jod und man
erleidet einen geringen Verlust.

Statt das Palladiumjodr zu trocknen und als solches zu wgen, kann man
dasselbe auch in einem Porzellan- oder Platintiegel (letzterer wird
durch die Operation nicht angegriffen) glhen und aus dem rckbleibenden
metallischen Palladium das Jod berechnen (H. $Rose$).

                   *       *       *       *       *

Zu diesen Methoden sind in der neuesten Zeit noch die folgenden
hinzugekommen.

c. $Kersting$[22] hat auf die Fllbarkeit des in $Jodiden$ enthaltenen
Jodes durch Palladiumchlorr eine maassanalytische Bestimmung des Jodes
gegrndet. Dieselbe erfordert:

[Greek: a]. $Reine Jodkaliumlsung$ von genau 1/1000 Jodgehalt. Um sie zu
bereiten, lst man 1,308 Grm. geglhtes Jodkalium mit Wasser zu 1 Liter
auf.

[Greek: b]. $Saure Palladiumchlorrlsung$ von 1/2370 Palladiumgehalt. Man
lst 1 Theil Palladium in Knigswasser unter Erwrmen auf, verdampft
bei 100 zur Trockne, fgt 50 Thle. concentrirte Salzsure und 2000
Thle. Wasser zu und lsst klar absitzen. Die genauere Gehaltsbestimmung
geschieht mittelst der Jodkaliumlsung auf die sogleich zu beschreibende
Weise.

[Greek: c]. $Die zu prfende Jodidlsung.$ -- Man lst die Jodverbindung,
wenn mglich, in Wasser, bestimmt auf die sogleich zu schildernde Weise
den Jodgehalt annhernd, verdnnt danach die brige Lsung bis zu einem
ungefhren Jodgehalt von 1/1000 und bestimmt sodann den Gehalt genau
(siehe unten). --

  [22] Annal. der Chem. und Pharm. 87. 25.

Ist die Jodverbindung in Wasser unlslich oder in Folge fremder
Beimengungen zur directen Auflsung nicht geeignet, so destillirt
man sie mit concentrirter Schwefelsure in einer Retorte mit
aufwrts gerichtetem Hals und setzt das Erhitzen fort, bis sich
Schwefelsurehydratdmpfe zu entwickeln beginnen. Man trgt Sorge,
dass man anfangs zu 20 bis 100 C.C. Flssigkeit etwa 20 C.C. (jodfreie)
englische Schwefelsure setzt. Enthlt das Destillat freies Jod neben
Jodwasserstoff, so setzt man 1-2 Tropfen dnnen Strkekleister[23]
zu, dann soviel wsserige schweflige Sure, bis die Blaufrbung eben
verschwindet. Enthlt es schweflige Sure (wie dies z. B. bei der
Destillation jodhaltigen Urins mit Schwefelsure der Fall ist),
so fgt man ebenfalls 1-2 Tropfen Strkekleister, dann vorsichtig
Chlorkalklsung zu, bis die Flssigkeit eben blau erscheint, und
vertreibt die blaue Frbung wieder durch 1 oder 2 Tropfen schwaches
schwefligsaures Wasser. -- Enthlt die Lsung eine sehr grosse Menge
freier Suren, so sttigt man diese zum Theil mit Natronlauge.

  [23] $Kersting$ bereitet denselben durch Aufkochen von 1 Thl. Strke,
       1/10 Thl. engl. Schwefelsure und 24 Thln. Wasser.

      _Ausfhrung._

Man bringt 10 C.C. der Palladiumlsung in ein weisses Medicinglas von
100-200 C.C. Inhalt, verdnnt etwas mit Wasser, verkorkt leicht und
stellt das Glas in einen Topf mit Wasser von 60-100C. -- Nun giesst man
aus der Brette von der Jodkaliumlsung zu, schttelt und erwrmt einige
Secunden. Von der bald klar abgesetzten Flssigkeit giesst man etwas in
zwei Proberhrchen ab, so dass beide etwa 2 Zoll hoch gefllt sind. Wenn
man nun in das eine noch etwas Jodkaliumlsung trpfelt, so kann man
durch Vergleichung mit dem anderen gut sehen, ob dieselbe noch Brunung
hervorbringt. Man fgt nun in das Medicinglas wiederum Jodkaliumlsung,
schttet die Proben wieder hinzu, verfhrt nach dem Schtteln und Klren
wie zuvor, und setzt dies fort, bis eine neue Menge Jodkalium keine
Frbung mehr erzeugt. Zuletzt prft man eine filtrirte Probe, und wenn
diese weder von Palladium noch von Jodkalium merklich gebrunt wird, so
ist der Versuch beendigt. -- Man ersieht leicht, dass man, sofern einmal
zuviel Jodkaliumlsung sollte zugegossen worden sein, wieder 1 C.C.
Palladiumlsung zusetzen muss.

Zur anfnglichen genauen Gehaltsbestimmung der Palladiumlsung
verfhrt man ganz auf dieselbe Weise. -- Je 100 C.C. der verbrauchten
Jodkaliumlsung (enthaltend 0,100 Jod) entsprechen 0,042 Grm. Palladium.

Nach $Kersting$'s Versuchen sind auf diese Methode folgende Krper
ohne nachtheiligen Einfluss: Verdnnte Salzsure, Schwefelsure,
Phosphorsure, Salpetersure, Essigsure, ferner die neutralen Kali-,
Natron-, Ammonsalze dieser Suren, ebenso Chlorcalcium, Chlorzink,
Bleizucker, Zucker, Harnsure, das Destillat von Urin mit Schwefelsure,
Alkohol, Aether, Strkekleister, Citronenl. Auch Bromnatrium bei
Gegenwart freier Essigsure. -- Strend wirken Bromnatrium bei Gegenwart
freier Mineralsuren, besonders beim Erhitzen, freie Alkalien, freies
Chlor, Brom, Jod, Cyan, viel Salpetersure in der Hitze, schweflige
Sure. Diese Substanzen lsen Jodpalladium auf, verhindern also die
Fllung.

Die angefhrte Methode ist in meinem Laboratorium geprft worden und hat
sehr gute Resultate geliefert.

d. $Kersting$ hat in der oben angefhrten Abhandlung noch eine zweite
maassanalytische Bestimmungsweise des Jods in Jodiden mitgetheilt,
welche noch bequemer als die in c. angegebene zu sein scheint, aber
von weniger allgemeiner Anwendbarkeit ist, da sie bei Gegenwart von
Chlor- und Brommetallen ungenau wird, ebenso durch freie Mineralsuren;
auch Essigsure und ihre Salze wirken strend. Die Methode beruht auf
der Thatsache, dass wenn Quecksilberchlorid zu einer Lsung eines
Jodmetalles gesetzt wird, das man durch Zusatz von etwas Strkekleister
und Bromwasser blau gefrbt hat, die Jodstrke sich erst dann entfrbt,
wenn die Zersetzung des Jodids beendigt ist. Wird die Lsung des Jodids
so verdnnt, dass sie nur 1/10000 Jod enthlt, so bleibt das gebildete
Quecksilberjodid gelst und die Entfrbung der Jodstrke erfolgt in
klarer Flssigkeit mit grosser Schrfe. In Betreff der Einzelnheiten
verweise ich auf die Orginalabhandlung. (Annal. Chem. 87. 29). Auf
dasselbe Princip lsst sich auch eine maassanalytische Bestimmungsweise
des Quecksilbers grnden.

e. $Penny$[24] hat vorgeschlagen, das Jod in Jodiden mittelst
chromsauren Kalis maassanalytisch zu bestimmen. -- 3KJ + KO, 2CrO_{3}
+ 7ClH = J_{3} + 4KCl + Cr_{2}Cl_{3} + 7HO. -- 1 Aeq. KO, 2CrO_{3}
entspricht somit 3 Aeq. Jod, oder 0,3906 Grm. chromsaures Kali
entsprechen 1,00 Grm. Jod. -- Nach $Penny$ geht dann keine andere als
die genannte Zersetzung vor sich, wenn Erhitzen vermieden wird. Bei der
Ausfhrung bringt man 0,3906 Grm. chromsaures Kali in 15 C.C. Wasser
gelst (oder eine abgemessene Portion chromsaure Kalilsung, welche
0,3906 Grm. enthlt) mit 6 C.C. Salzsure kalt zusammen. Andererseits
lst man eine gengende abgewogene Menge des Jodids in 50 C.C. = 100
Wasser und setzt von dieser Lsung zu der des chromsauren Kalis,
bis eine Probe in einer frisch bereiteten Lsung von Eisenchlorr,
welche man mit Schwefelcyankalium versetzt hat, keine Rthung mehr
hervorbringt. -- Dass diese Methode dann nicht, oder nicht geradezu
anwendbar ist, wenn die Jodidlsung anderweitige auf die Chromsure
reducirend wirkende Krper enthlt, bedarf kaum der Erwhnung.

  [24] Chem. Gaz. 1852. 392. Journ. f. prakt Chem. 58. 143.

Die von $Moride$ angegebene Methode, Jod abzuscheiden, siehe . 137. 2.

     II. Trennung des Jods von den Metallen.

Die Jodmetalle werden ebenso wie die entsprechenden Chlormetalle
analysirt. Will man in Jodalkalimetallen, welche freies Alkali
enthalten, das Jod als Jodsilber fllen, so sttige man zuerst das
freie Alkali beinahe ganz mit Salpetersure, fge dann berschssige
Silberlsung und endlich Salpetersure bis zur stark sauren Reaction
zu. Fgt man von Anfang berschssige Sure zu, so kann sich freies Jod
ausscheiden, welches von Silberlsung nicht vollstndig in Jodsilber
verwandelt wird.

In Bezug auf die in Wasser unlslichen Salze ist zu erwhnen, dass
man viele zweckmssiger durch Kochen mit Kali zersetzt, als in
verdnnter Salpetersure lst, weil sich bei letzterem Verfahren leicht
Jod ausscheidet. Dies gilt namentlich von Kupfer-, Palladium- und
Quecksilberjodr. Bei den in Wasser lslichen Verbindungen kann man das
Jod auch als Palladiumjodr fllen.

      $Anhang$: _Bestimmung des freien Jods_.

1. Nach $Bunsen$.

a. $Princip.$ Die Grundlage und Theorie dieser einfachen, schnen
und genauen Methode, auf welcher bekanntlich eine grosse Menge von
Bestimmungsweisen beruhen, ist folgende:

[Greek: a]. Jod und schweflige Sure zersetzen sich bei Gegenwart von
Wasser zu Jodwasserstoffsure und Schwefelsure (J + HO + SO_{2} =
JH + SO_{3}; andererseits zersetzen sich aber auch Schwefelsure und
Jodwasserstoff in Jod, schweflige Sure und Wasser (JH + SO_{3} = J +
HO + SO_{2}). Welche von diesen Reactionen eintritt oder vorwaltend zur
Geltung kommt, ist abhngig von den Concentrationsverhltnissen. Durch
genaue Versuche hat nun $Bunsen$ festgestellt, dass beim Zusammentreffen
von Jod mit einer wsserigen Lsung von schwefliger Sure, welche nicht
mehr als 0,04 bis 0,05 Gewichtsprocente wasserfreie Sure enthlt,
nur die erste Reaction eintritt; es oxydirt demnach unter diesen
Verhltnissen 1 Aeq. Jod 1 Aeq. schweflige Sure zu Schwefelsure.

[Greek: b]. Bringt man somit eine unbekannte Menge Jod, in Jodkalium
gelst, mit einer berschssigen Menge so verdnnter schwefliger Sure
von bekanntem Gehalte zusammen und ermittelt die nicht oxydirte Portion,
so erfhrt man aus der Differenz die vom Jod zu Schwefelsure oxydirte
und somit auch die Menge des Jods.

[Greek: c]. Den Gehalt der verdnnten Lsung von schwefliger Sure
bestimmt man aber, indem man ermittelt, wieviel Jodlsung von bekanntem
Gehalte man braucht, um die darin enthaltene schweflige Sure zu
oxydiren.

b. $Erfordernisse.$ Aus a. ergiebt sich, dass man zu dieser Bestimmung
folgende Flssigkeiten gebraucht.

[Greek: a]. _Jodlsung_ von bekanntem Gehalt. -- Man bereitet
dieselbe, indem man 5 Grm. mglichst reines, unter dem Exsiccator ber
Schwefelsure oder Chlorcalcium lngere Zeit hindurch getrocknetes Jod
mit Hlfe einer concentrirten Lsung von reinem Jodkalium (dieselbe muss
farblos sein und darf auch unmittelbar nach Zusatz von Salzsure keine
braune Frbung zeigen) in einem 1 Liter fassenden Messkolben auflst,
Wasser zusetzt bis zu der Marke und umschttelt bis zu gleichmssiger
Mischung. -- Da somit 1000 C.C. dieser Lsung 5 Grm. Jod enthalten, so
enthlt 1 C.C. 0,005 oder 1 Brettengrad (1/2 C.C.) 0,0025 Grm. Jod. --
Da aber das Jod meist kleine Spuren von Chlor enthlt und dieses zwar
ebenso auf schweflige Sure wirkt, wie Jod, aber ein anderes Aequivalent
hat, so muss die Jodlsung noch geprft werden, wieviel vllig reinem
Jod ein Brettengrad in seiner Wirkung entspricht. Ich komme auf diese
Prfung unter c. [Greek: b]. zurck.

[Greek: b]. _Lsung von schwefliger Sure._ -- Man sttigt Wasser vllig
mit schwefliger Sure bei gewhnlicher Temperatur, fllt die Lsung in
Medicinglser, verstopft diese wohl und strzt sie in Wasser um. -- Von
dieser gesttigten Lsung setzt man 35-40 C.C. zu 5000 C.C. Wasser.

[Greek: c]. _Lsung von Jodkalium._ Man lst 1 Gewichtstheil reines
(jodsurefreies) Jodkalium in etwa 10 Gewichtstheilen Wasser. Die Lsung
darf weder beim Stehen an der Luft noch unmittelbar nach Zusatz von
Salzsure eine Brunung zeigen.

[Greek: d]. _Strkekleister._ Derselbe wird jedesmal frisch bereitet; er
sei sehr verdnnt und fast ganz klar.

      c. $Vorbereitende Bestimmungen.$

[Greek: a]. _Feststellung der Beziehung zwischen der Jodlsung und der
            Lsung der schwefligen Sure._

Man misst in einem Messkolben oder Cylinder oder mittelst einer Pipette
100 C.C. der verdnnten Lsung von schwefliger Sure genau ab, bringt sie
in einen Kolben (je nachdem die Messgefsse auf Einguss oder Ausguss
abgeglichen sind, muss nachgesplt werden oder nicht, . 12. 4.),
setzt 3-4 C.C. Strkekleister zu und trpfelt dann, unter Umschtteln,
aus einer Brette so lange von der Jodlsung zu, bis eben bleibende
Blaufrbung eintritt.

Setzen wir den Fall, wir fnden so fr unsere Lsungen das Verhltniss:
100 C.C. (= 200) der verdnnten schwefligen Sure erfordern 54
Jodlsung.

Diese Bestimmung muss jeder Versuchsreihe vorausgehen, da sich die
schweflige Sure in ihrem Gehalte ndert, in Folge des oxydirenden
Einflusses der Luft.

[Greek: b]. _Prfung, wieviel vllig reinem Jod ein Brettengrad der
            Jodlsung in seiner Wirkung auf schweflige Sure entspricht._

Man wgt etwa 0,35 Grm. reinsten sauren chromsauren Kalis, nachdem
man es scharf getrocknet hat, ab und behandelt es genau nach der in
. 104. d. [Greek: b]. beschriebenen Weise mit rauchender Salzsure.
Das entwickelte Chlor leitet man, wie dort angefhrt, in berschssige
Jodkaliumlsung. -- Man erhlt somit fr:

             1 Aeq. KO, 2CrO_{3} = 1858, 3 Aeq. Jod = 4758.

Setzen wir den Fall, es seien abgewogen worden 0,4 Grm. chromsaures
Kali, so ist somit in Freiheit gesetzt worden 1,024 Grm. Jod. --
Man setzt jetzt zu der so erhaltenen Lsung von Jod in Jodkalium
eine Messpipette (oder einen Messcylinder oder Kolben) voll von der
wsserigen schwefligen Sure nach dem anderen, bis nach Zusatz des
letzten die braune Frbung der Lsung gnzlich verschwunden ist. Gesetzt
wir htten so zugesetzt 800 C.C. --

Man vermischt jetzt die mit den 800 C.C. schwefliger Sure versetzte
Flssigkeit, welche 1,024 Grm. freies Jod enthalten hatte, mit etwas
Strkekleister und bestimmt, wieviel der vorrthigen Jodlsung (b.
[Greek: a].) man zusetzen muss bis zur Blaufrbung. -- Setzen wir den
Fall, wir htten gebraucht 20.

Folgende Betrachtung fhrt uns jetzt zum _Ziel_:

Zur Zerstrung von 100 C.C. der verdnnten schwefligen Sure sind
(nach der in c. [Greek: a]. gemachten Annahme), erforderlich 54
der vorrthigen, nach b. [Greek: a]. bereiteten Jodlsung, 800 C.C.
wrden also erfordern 432. -- Wir haben aber, um den noch vorhandenen
Ueberschuss der schwefligen Sure zu zerstren, nur gebraucht 20, also
432 - 20 = 412 weniger, als wir gebraucht htten, wenn die schweflige
Sure nicht schon mit freiem Jod in Berhrung gekommen wre. Somit ist
die Menge dieses freien Jodes genau gleich der, welche in 412 unserer
Lsung enthalten ist. Da nun die Menge dieses freien Jodes 1,024 Grm.
betrgt, so sind somit in 412 unserer nach b. [Greek: a]. bereiteten
Jodlsung auch 1,024 Grm. Jod, oder in 1 0,00248 Grm. (richtiger ein
dieser Menge Jod gleich wirkendes Gemenge von Jod mit einer Spur Chlor).

$Die so gefundene Zahl gilt ein- fr allemal fr die ganze Menge der
nach$ b. [Greek: a]. $bereiteten Jodlsung$, und da diese sich beim
Aufbewahren nicht verndert und zur Bestimmung von sehr verschiedenen
Substanzen dient, so ist es somit zweckmssig, dieselbe in ziemlicher
Menge zu bereiten.

      d. $Ausfhrung der Jodbestimmung.$

Man wgt das Jod, am besten in einem kleinen Klbchen, ab und lst es
in der nach b. [Greek: c]. bereiteten Jodkaliumlsung (auf 0,1 Grm.
Jod nimmt man etwa 5 C.C. Jodkaliumlsung), fgt von der verdnnten
schwefligen Sure eine Messpipette (oder einen Mess-Cylinder oder
Kolben) nach der anderen zu, bis die Flssigkeit farblos geworden,
notirt die Anzahl der C.C., fgt 3-4 C.C. Strkekleister, dann Jodlsung
(b. [Greek: a].) zu bis zur eben eintretenden Bluung und notirt auch
deren Menge.

Die einfache Berechnung ist sodann folgende:

Man zieht von der Anzahl der Grade Jodlsung, welche der verwendeten
schwefligen Sure entspricht, die ab, welche man zusetzen musste, um
den Ueberschuss der schwefligen Sure zu vernichten. Der so erhaltene
Rest bezeichnet die Grade Jodlsung, in welchen genau eben so viel Jod
enthalten ist, als in der der Prfung unterzogenen Probe.

Ein Beispiel diene zur Erluterung.

Zu 0,148 Grm. etwas feuchten, aber sonst reinen Jodes wurden gesetzt 150
C.C. schweflige Sure (von welcher 100 C.C. durch 54 Jodlsung vernichtet
wurden). Zur Vernichtung des Ueberschusses der schwefligen Sure waren
erforderlich 23,6 Jodlsung.

   Den 150 C.C. schwefliger Sure entsprechen           81,0 Jodlsung
   Zur Zerstrung des Ueberschusses waren erforderlich 23,6    "
                                                       -----
                                                 Rest: 57,4    "

1 Grad Jodlsung entspricht (wenn ich die oben gemachte Annahme hier
beibehalte) 0,00248 Grm. Jod, 57,4 entsprechen somit 0,1423. -- Also
enthielt die abgewogene Jodprobe 0,1423 Grm. Jod.

                   *       *       *       *       *

Enthlt eine Flssigkeit freies Jod neben gebundenem, so bestimmt
man in $einer$ Probe jenes nach der $Bunsen$'schen Methode; zu einer
$zweiten$ fgt man schweflige Sure bis zur Entfrbung, dann fllt
man mit Silberlsung nach . 114. I. Die Fllung digerirt man vor dem
Abfiltriren mit Salpetersure, um mglichenfalls mit niedergefallenes
schwefligsaures Silberoxyd zu entfernen. Die Differenz ist gleich der
Menge des gebundenen Jods.


                                . 115.

                       4. $Cyanwasserstoffsure.$

      I. Bestimmung.

a. Hat man freie Blausure in Lsung, so versetzt man dieselbe
in ziemlich verdnntem Zustand mit salpetersaurer Silberlsung
im Ueberschuss, fgt ein wenig Salpetersure zu und bestimmt das
niedergeschlagene Cyansilber nach . 91. 3. -- Soll auf diese Weise
die Blausure in Bittermandel- oder Kirschlorbeerwasser bestimmt
werden, so fgt man nach Zusatz berschssiger Silberlsung Ammon zu
und bersttigt dann schwach mit Salpetersure. Nur so wird aus diesen
Flssigkeiten alle Blausure in Cyansilber bergefhrt.

b. _Maassanalytische Bestimmung_, nach $Liebig$[25]. -- Fgt man
zu Blausure Kali im Ueberschuss, dann eine verdnnte Lsung von
salpetersaurem Silberoxyd, so entsteht erst dann eine bleibende
Trbung von Cyansilber, oder -- wenn man der Lsung einige Tropfen
Kochsalzsolution zugefgt hat, was anzurathen ist -- von Chlorsilber,
wenn alles Cyan in Cyansilber-Cyankalium bergefhrt ist. Der erste
Tropfen Silberlsung, welcher weiter hinzukommt, erzeugt den bleibenden
Niederschlag. 1 Aeq. des verbrauchten Silbers in der Silberlsung
entspricht somit genau 2 Aeq. Cyanwasserstoffsure (2KCy + AgO,
NO_{5} = AgCy, KCy + KO, NO_{5}). -- Zur Prfung einer verdnnten
Blausure bedient man sich einer Silberlsung, welche in 500 C.C. =
1000 2 Grm. metallisches Silber enthlt, alsdann entspricht jeder
1/2 C.C. Silberlsung 0,001 Grm. wasserfreier Blausure. -- $Liebig$
hat mit dieser Methode bei Prfung von Blausure von verschiedener
Verdnnung Resultate erzielt, welche mit den nach a. erhaltenen ganz
bereinstimmten. -- Ein Gehalt der Blausure an Chlorwasserstoffsure
oder Ameisensure beeintrchtigt diese Bestimmungsweise nicht.
-- Medicinische Blausure welche so geprft werden soll, ebenso
Bittermandelwasser, verdnnt man mit etwa 3-8 Vol. Wasser.

  [25] Ann. der Chem. und Pharm. 77. 102.

c. _Maassanalytische Bestimmung_ nach $Fordos$ und $Gelis$[26]. Dieselbe
beruht auf der von $Serullas$ und $Whler$ angegebenen Reaction freien
Jods auf Cyankalium: KCy + 2J = KJ + JCy. Es entsprechen somit 2 Aeq.
Jod = 3172, 1 Aeq. Cyan = 325 oder 1 Aeq. Cyanwasserstoffsure = 337,5
oder 1 Aeq. Cyankalium = 814. Man versetzt zunchst die Blausure
enthaltende Flssigkeit vorsichtig mit etwas Natronlauge und fgt
dann $Selterser$ (kohlensurehaltiges) Wasser zu, um einen etwaigen
Ueberschuss von Alkali in Bicarbonat zu verwandeln; letzterer Zusatz
ist auch nthig, wenn man gewhnliches Cyankalium auf diese Art prfen
will; dann trpfelt man eine alkoholische Lsung von Jod zu, welche
im Liter 40 Grm. Jod enthlt, bis sich die Flssigkeit bleibend gelb
frbt. -- Jeder 1/2 C.C. (enthaltend 0,020 Jod) entspricht alsdann 0,0051
Cyankalium.

  [26] Journ. de Chim. et de Pharm. 23. 48. -- Journ. f. prakt. Chem.
       59. 255.

Diese ursprngliche Angabe von $Fordos$ und $Gelis$ bezieht sich auf
die Analyse des kuflichen Cyankaliums; fr wissenschaftliche und
pharmaceutische Untersuchungen drfte sich dieselbe brigens auch
recht gut eignen. Man knnte dann die $Bunsen$'sche Jodlsung
(. 114) verwenden. -- 50 C.C. = 100 der $Bunsen$'schen Jodlsung
(sofern dieselbe genau 0,25 Jod enthalten sollte) entsprechen
0,0256 Cyan.

     II. Trennung des Cyans von den Metallen.

      a. _In lslichen Cyanmetallen_ (ausgenommen Cyanquecksilber).

Man versetzt mit Silberlsung im Ueberschuss, fgt alsdann Salpetersure
zu bis zur sauren Reaction und verfhrt wie in I. a. Die Basen bestimmt
man im Filtrat, nach Entfernung des berschssigen Silbersalzes; siehe
Abschnitt V.

      b. _In unlslichen Cyanmetallen, die sich leicht in verdnnter
         Salpetersure lsen._

Man lst dieselben durch Schtteln mit hchst verdnnter Salpetersure
in einem mit Glasstopfen verschlossenen Glase, fgt salpetersaures
Silberoxyd im Ueberschuss hinzu und verfhrt wie in II. a.

      c. _In allen unlslichen Cyanmetallen._

Man glht und bestimmt das Metall im Rckstand, und zwar entweder durch
directe Wgung oder durch Lsen in Sure und Fllung. Das Cyan bestimmt
man entweder aus dem Verlust oder nach der Methode der organischen
Elementaranalyse. Viele Cyanmetalle kann man statt durch Glhen auch
durch Abdampfen mit Salzsure oder durch Kochen mit Quecksilberoxyd
zersetzen. Im letzteren Falle scheiden sich die Oxyde ab, gemengt mit
berschssigem Quecksilberoxyd, whrend Cyanquecksilber, und zwar
basisches, sich lst.

      d. _In Cyanquecksilber._

Man fllt die wsserige Lsung mit Schwefelwasserstoff und bestimmt das
Quecksilber nach . 94. 3., die entstandene Cyanwasserstoffsure nach
. 137. -- Das Cyan lsst sich auch sehr gut in einer anderen Portion
nach der Methode der qualitativen Stickstoffbestimmung ermitteln
(. 152.).

    III. Analyse von Doppelcyanren (Ferrocyan- etc. Verbindungen).

a. $Bolley$[27] hat zur Zerlegung dieser durch Suren, wie durch Glhen,
meist sehr schwer und durch Kochen mit Quecksilberoxyd nur unvollkommen
zerlegbaren Verbindungen in der neuesten Zeit folgendes einfache
Verfahren angegeben:

Man mischt die abgewogene Menge der getrockneten Cyanverbindung mit der
drei- bis vierfachen Quantitt eines aus 3 Thln. schwefelsaurem und 1
Thl. salpetersaurem Ammon bestehenden Gemenges in einem Porzellanmrser,
bringt das Pulver in eine kleine tubulirte Retorte, splt den Mrser
etc. mit dem Ammonsalzpulver nach, fgt an den Hals der Retorte eine
Vorlage ohne Dichtung an und erhitzt unter Umschwenken ber einer
Weingeistlampe. Schon bei mssiger Hitze erfolgt unter Verglimmen
eine vollstndige Zersetzung, indem sich alles Cyan in Form von
Cyanammonium und von dessen Zersetzungsproducten verflchtigt, whrend
die Metalle als schwefelsaure Salze zurckbleiben. Da in die Vorlage
Spuren letzterer bergerissen sein knnen, so dampft man die darin
enthaltene Flssigkeit in einem Porzellanschlchen ab, verflchtigt
(wenn es passend erscheint) die Ammonsalze und nimmt den Rckstand
mit etwas Salpetersure auf. -- Den Inhalt der Retorte lst man in
Wasser, nthigenfalls unter Zusatz von etwas Salpetersure, und trennt
alsdann in der klaren Lsung die Metalle nach den Methoden des fnften
Abschnittes. -- $Bolley$ giebt an, dass er auf diese leichte Art
bei Zerlegung verschiedener Ferro- und Ferridcyanverbindungen genau
bereinstimmende Resultate erhalten habe.

  [27] Ann. der Chem. und Pharm. 87. 254.

b. Man mengt dieselben mit 2 Thln. kohlensaurem und 2 Thln.
salpetersaurem Natron und trgt das Gemenge portionenweise in einen
gelinde glhenden Platintiegel oder, wenn solchem Gefahr drohte,
Porzellantiegel (der aber immer stark angegriffen wird) ein. Zuletzt
erhitzt man stark, kocht den Rckstand mit Wasser und trennt die
ausgeschiedenen Oxyde nach den Methoden des fnften Abschnittes.
Wrde man diese Methode bei einer viel Alkali enthaltenden Verbindung
anwenden, so htte man eine mehr oder weniger heftige Verpuffung
zu erwarten. -- Auch bei Verbindungen, welche ein flchtiges Metall
enthalten, ist sie nicht anzuwenden.

c. Die Bestimmung des Stickstoffs und Kohlenstoffs (des Cyans)
in solchen Verbindungen ist nach den Methoden der organischen
Elementaranalyse auszufhren (siehe Abschnitt VI).

d. Ein Vorschlag zur maassanalytischen Bestimmung des Ferridcyankaliums
neben Ferrocyankalium ist von $Lieshing$ gemacht worden. Er beruht auf
der Zersetzung desselben durch Arsensulfid-Schwefelnatrium; siehe Quart.
Journ. of the Chem. Soc. VI. 31-36. -- Pharm. Centralbl. 1853. S. 388.


                                . 116.

                     5. $Schwefelwasserstoffsure.$

      I. Bestimmung.

Den Schwefelwasserstoff bestimmt man im freien Zustande am leichtesten
und mit grosser Genauigkeit mittelst Jodes durch Maassanalyse; auch
kann man den darin enthaltenen Schwefel zum Behufe seiner Bestimmung in
schwefelsauren Baryt berfhren und diesen wgen.

a. Die maassanalytische Bestimmung des freien Schwefelwasserstoffs durch
eine Lsung von Jod ist zuerst von $Dupasquier$ angewendet worden.
Derselbe bediente sich alkoholischer Jodlsung. Da aber solche, in Folge
der Einwirkung des Jods auf den Alkohol, nach und nach ihren Gehalt
ndert, so wendet man besser eine Auflsung von Jod in Jodkalium an. --
Die Zersetzung erfolgt nach der Formel:

                            SH + J = JH + S.

1 Aeq. J = 1586 entspricht 1 Aeq. SH = 212,5. Es ist dies aber, nach
$Bunsen$, nur dann sicher der Fall, wenn der Gehalt einer Flssigkeit
an Schwefelwasserstoff 0,04 Proc. nicht bersteigt, weshalb jede, die
einen grsseren Gehalt hat, erst mit ausgekochtem und bei Luftabschluss
erkaltetem Wasser so zu verdnnen ist, dass sie den angegebenen
Concentrationsgrad nicht bersteigt.

Wendet man die $Bunsen$'sche Lsung von Jod in Jodkalium an, so
entsprechen 100 = 50 C.C. (sofern solche genau 0,2500 Jod enthalten)
0,0335 SH oder 0,0315 S. -- Will man die Rechnung vereinfachen, so
bereitet man eine Jodlsung, welche im Liter 7,463 Grm. Jod enthlt;
alsdann entspricht jeder C.C. (= 2) 0,001 Grm. SH.

Die Ausfhrung des Versuchs ist hchst einfach. Man bringt eine
abgemessene oder gewogene Menge des Schwefelwasserstoff enthaltenden
Wassers[28] in einen gerumigen Kolben, verdnnt erforderlichen Falls
nach Angabe, setzt etwas dnnen Strkekleister und dann unter stetem
Umschwenken so lange von der Jodlsung zu, bis eben bleibende Bluung
eintritt.

  [28] Ueber die Art, wie man von einem grsseren Quantum
       schwefelwasserstoffhaltigen Wassers eine bestimmte Menge abmisst,
       vergl. unten Mineralwasseranalyse.

Ganz auf dieselbe Weise wird auch freie schweflige Sure bestimmt
(vergl. . 114, Anhang).

b. Man versetzt die abgewogene oder abgemessene Schwefelwasserstoff
enthaltende Flssigkeit in einem Stpselglase mit Kupferchloridlsung
oder mit einer salzsauren Lsung von arseniger Sure, welche man in
mssigem Ueberschusse zufgt, verstopft, schttelt, lsst absitzen,
filtrirt, wscht wenig oder nicht aus, trocknet den Niederschlag und
bestimmt darin den Schwefel nach II.

Bei Mineralwassern, welche nur wenig Schwefelwasserstoff enthalten, ist
die Methode a. stets vorzuziehen.

c. Entwickelt sich Schwefelwasserstoff in gasfrmigem Zustande, so
leitet man denselben in verdnnte Natronlauge und bestimmt in dem
entstandenen Schwefelnatrium den Schwefel nach II. 2. b. [Greek:
a]. -- Zuletzt giesst man in die noch viel freie Sure enthaltende
Entbindungsflasche portionenweise eine concentrirte Lsung von
doppeltkohlensaurem Ammon, um das Schwefelwasserstoffgas vollstndig zu
verdrngen.

[Illustration: Fig 50.]

Zur Absorption des Gases kann man sich des in Fig. 50 abgebildeten
Apparates bedienen, dessen Einrichtung ohne Weiteres verstndlich
ist. Die Rhre _c_ ist unten schief abgeschnitten und taucht kaum in
die Natronlauge. Der Trichter _c_ enthlt mit solcher befeuchteten
Asbest. -- Entwickelt sich Schwefelwasserstoffgas mit einer grsseren
Menge eines anderen unabsorbirbaren Gases, z. B. mit Wasserstoff, so
ersetzt man den Trichter auf der Rhre _c_ durch ein schief stehendes
langes und weites Rohr, welches mit Natronlauge befeuchtete Glas- oder
Porzellanscherben enthlt. -- Nach Beendigung des Versuches werden alle
Flssigkeiten vereinigt und die Kolben wie die Rhre mit ausgekochtem
und bei Luftabschluss erkaltetem Wasser ausgesplt.

     II. Abscheidung und Bestimmung des Schwefels in seinen Verbindungen
         mit Metallen.

      1. $Methoden auf trockenem Wege.$

a. _In smmtlichen Schwefelverbindungen, welche beim Erhitzen keinen
Schwefel verlieren._ Man mengt die abgewogene, gepulverte Substanz mit
3 Thln. wasserfreiem kohlensauren Natron und 4 Thln. Salpeter mit Hlfe
eines alsdann mit kohlensaurem Natron abzusplenden runden Glasstabes,
erhitzt das Gemenge in einem Platin- oder auch Porzellantiegel (der
aber etwas angegriffen wird) bei allmlig gesteigerter Hitze bis zum
Schmelzen, erhlt es eine Zeit lang darin, lsst erkalten, erwrmt den
Rckstand mit Wasser, filtrirt und bestimmt im Filtrat, welches allen
Schwefel als schwefelsaures Alkali enthlt, die Schwefelsure nach
. 105. Das ungelst gebliebene Metall, Metalloxyd oder kohlensaure Salz
bestimmt man je nach Umstnden entweder durch directe Wgung oder auf
eine sonstige geeignete Weise.

b. _In Schwefelmetallen, welche beim Erhitzen Schwefel verlieren._ Man
mengt die fein gepulverte Verbindung mit 4 Theilen kohlensaurem Natron,
8 Salpeter und 16 reinem, vllig trockenem Kochsalz und verfhrt wie in
a., -- oder man mischt die sehr fein zerriebene Substanz mit 3 Thln.
reinem kohlensauren Natron und 3 Thln. reinem chlorsauren Kali, bringt
das Gemenge in ein hinten zugeschmolzenes Rohr von schwer schmelzbarem
Glase, fllt den vorderen Theil des Rohres mit kohlensaurem Natron,
dem nur wenig chlorsaures Kali beigemischt ist, und erhitzt das Rohr
in einem Verbrennungsofen nach Art einer Elementaranalyse. Mit der
geglhten Salzmasse verfhrt man nach a.; dass sich in der Lsung
Kieselsure aus dem Glase befinden muss, liegt auf der Hand ($Kemp$).

c. _In Sulfosalzen von complicirterer Zusammensetzung_ (nach $Berzelius$
und H. $Rose$).

Man bedient sich des folgenden oder eines hnlich construirten Apparates:

[Illustration: Fig. 51.]

_a_ ist ein Kolben, aus welchem Chlor in langsamem Strome entwickelt
wird; durch _b_ kann man Salzsure nachfliessen lassen. _c_ enthlt
concentrirte Schwefelsure, _d_ Chlorcalcium. Beide dienen, um das
Chlorgas zu trocknen. _e_ ist die zur Aufnahme der Substanz bestimmte
Kugelrhre, sie taucht bis beinahe auf die Oberflche des in _f_
enthaltenen Wassers (bei Anwesenheit von Antimon schlgt man statt des
Wassers eine Auflsung von Weinsure in verdnnter Salzsure vor), _f_
verbindet man endlich mit _h_ und lsst das Verbindungsrohr bis auf den
Boden der in letzterem vorgeschlagenen Flssigkeit reichen; das aus _h_
austretende Chlorgas leitet man in Kalkmilch, Alkohol oder zum Fenster
hinaus.

[Illustration: Fig. 52.]

Wenn der Apparat zugerichtet ist, wgt man die Substanz in einem
engen, an einem Ende zugeschmolzenen Glasrhrchen und bringt sie aus
diesem mit der Vorsicht in die Kugel _e_, dass die Rhrenanstze rein
bleiben (siehe Fig. 52). Wenn der Apparat mit Chlor gefllt ist,
verbindet man _e_ mit _d_ mittelst eines vulcanisirten Kautschukrohres
und lsst nun das Chlor erst in der Klte auf das Schwefelmetall
einwirken. Sobald keine Vernderung mehr stattfindet, erhitzt man
die Kugel ganz gelinde und sorgt auch, indem man die Rhre _g_ warm
hlt, dass sie sich nicht etwa durch den Sublimat eines flchtigen
Chlormetalles verstopft. -- Die Schwefelverbindung wird durch das
Chlor vllig zerlegt, die Metalle gehen in Chlormetalle ber, welche
theils in der Kugel zurckbleiben, theils -- sofern sie flchtig sind,
wie Chlorantimon, Chlorarsen, Quecksilberchlorid -- in die Vorlage
bergehen, der Schwefel verbindet sich mit dem Chlor zu Chlorschwefel,
welcher in die Flasche _f_ fliesst. Mit dem Wasser in Berhrung
kommend, zerlegt er sich anfnglich in Salzsure und unterschweflige
Sure, unter Abscheidung von Schwefel. Die unterschweflige Sure
verfllt ihrerseits in Schwefel und in schweflige Sure, und diese
geht durch Einwirkung des Chlorwassers in _f_ in Schwefelsure ber.
Das Endresultat der Zersetzung ist demnach Schwefelsure und mehr oder
weniger abgeschiedener Schwefel. Die Operation ist beendigt, wenn aus
der Kugel nichts mehr -- als etwa Eisenchlorid, dessen vollstndige
Abtreibung man nicht abzuwarten braucht -- abdestillirt. Man erwrmt
alsdann die Rhre _e_ von der Kugel nach dem gebogenen Ende zu und
bewirkt so, dass aller Chlorschwefel nach _f_ bergeht, lsst den
Apparat noch eine kurze Weile zusammen, schneidet alsdann die Rhre _e_
unter der Biegung bei _g_ ab und verschliesst das abgeschnittene, einen
Theil der flchtigen Chlorverbindungen enthaltende Ende mit einer hinten
zugeschmolzenen, innen befeuchteten Glasrhre, indem man diese darber
stlpt. Man lsst Alles 24 Stunden stehen, damit whrend dieser Zeit die
flchtigen Chlormetalle Feuchtigkeit anziehen und sich dann in Wasser
ohne Erhitzung lsen, lst die in der Rhre enthaltenen Chlormetalle in
verdnnter Salzsure, splt die Rhre aus, vereinigt diese Lsung mit
dem Inhalte der Kolben _f_ und _h_, erwrmt sehr gelinde, bis das freie
Chlor verjagt ist, und lsst noch so lange stehen, bis der abgeschiedene
Schwefel, welcher anfangs flssig erscheint, erhrtet ist. Man filtrirt
denselben auf einem gewogenen Filter ab, wscht ihn aus, trocknet und
wgt ihn. Das Filtrat fllt man mit Chlorbaryum (. 105) und erfhrt
so auch die Menge des zu Schwefelsure oxydirten Schwefels. -- In der
vom schwefelsauren Baryt abfiltrirten Flssigkeit, welche ausser dem
Chlorbaryumberschuss die flchtigen Chlormetalle enthlt, scheidet und
bestimmt man diese nach den im fnften Abschnitte angegebenen Methoden.

Die in der Kugelrhre zurckgebliebene Chlorverbindung wird entweder
als solche gewogen (Chlorsilber, Chlorblei) oder man lst sie, im
Falle dies nicht zulssig ist (wie bei Kupfer, welches zum Theil als
Chlorr, zum Theil als Chlorid zurckbleibt) in Wasser, Salzsure,
Knigswasser oder einem anderen geeigneten Mittel und bestimmt das
Metall, beziehungsweise die Metalle, nach den bereits angegebenen oder
im fnften Abschnitte enthaltenen Methoden. Um die Chlorsilber oder
Chlorblei enthaltende Kugelrhre zurckwgen zu knnen, reducirt man die
Chlormetalle zweckmssig durch Wasserstoffgas und lst dann die Metalle
in Salpetersure.

      2. $Methoden auf nassem Wege.$

a. _In allen festen Schwefelmetallen, ausgenommen Schwefel-Blei,
-Baryum, -Strontium und -Calcium_[29].

[Greek: a]. Man wgt dieselben im fein gepulverten Zustande in einem
kleinen auf einer Seite zugeschmolzenen Glasrhrchen ab und wirft
dasselbe in eine starke, ziemlich gerumige, mit einem Glasstopfen
verschliessbare Flasche, welche eine zur Zersetzung mehr als
hinreichende Menge von rother, rauchender (von Schwefelsure vollkommen
freier) Salpetersure enthlt. Unmittelbar nach dem Hineinwerfen
verschliesst man die Flasche fest. Wenn die am Anfang strmische
Einwirkung nachgelassen hat, schttelt man ein wenig um, und wenn
hierdurch keine neue Reaction entsteht, und die Dmpfe in der Flasche
sich verdichtet haben, nimmt man den Stopfen weg, splt ihn mit etwas
Salpetersure in die Flasche ab und erwrmt diese gelinde.

  [29] Die Analyse des ersteren ist bereits in . 92. 6. beschrieben, bei
       der Analyse der anderen kann man auf hnliche Weise verfahren,
       besser zerlegt man sie aber auf trockenem Wege.

      aa. $Aller Schwefel ist oxydirt worden, die Flssigkeit ist
          vollkommen klar.$

Man verdnnt mit viel Wasser und bestimmt die gebildete Schwefelsure
nach . 105. (Man versume nicht, den Niederschlag vollstndig mit
heissem Wasser auszuwaschen und nach dem Wgen zu prfen, ob durch
verdnnte Salzsure nichts aus dem Niederschlag aufgenommen wird.) Die
im Filtrat befindlichen Basen trennt man vom berschssigen Barytsalz
nach den im fnften Abschnitte anzugebenden Methoden.

      bb. $Es schwimmt noch ungelster Schwefel in der Flssigkeit herum.$

Man fgt in kleinen Portionen chlorsaures Kali oder auch starke
Salzsure zu und digerirt lngere Zeit im Wasserbade. Hierdurch gelingt
es hufig, den Schwefel ganz zu lsen. Sollte dies nicht eintreten, und
zeigt sich der abgeschiedene Schwefel rein gelb, so verdnnt man mit
Wasser, sammelt den Schwefel auf einem gewogenen Filter, wscht ihn
sorgfltig aus, trocknet und wgt ihn. Nachdem er gewogen, glht man
die ganze Menge desselben oder eine Probe, um beurtheilen zu knnen, ob
derselbe rein war. Bleibt ein fixer Rckstand (gewhnlich eingesprengter
Quarz, Gangart etc.), so ist dessen Gewicht von dem des unreinen
Schwefels abzuziehen. In der von dem Schwefel abfiltrirten Flssigkeit
bestimmt man die gebildete Schwefelsure wie in aa. und addirt die
daraus berechnete Schwefelmenge zu der direct gewogenen.

Bei Anwesenheit von Wismuth ist das Zufgen von chlorsaurem Kali oder
von Chlorwasserstoffsure nicht rthlich, da Gegenwart von Chlor dessen
Bestimmung erschwert.

[Greek: b]. Man mengt das fein gepulverte Schwefelmetall durch
Umschtteln in einem trockenen Kolben mit schwefelsurefreiem
chlorsauren Kali und fgt concentrirte Salzsure in kleinen Portionen
zu. Den Kolben bedeckt man mit einem Uhrglase oder umgestlpten
Klbchen. Wenn alles chlorsaure Kali zersetzt ist, erwrmt man auf dem
Wasserbade gelinde, bis die Flssigkeit nicht mehr nach Chlor riecht. Je
nachdem aller Schwefel gelst ist oder nicht, verfhrt man sodann nach
[Greek: a]. aa. oder bb. Dass man im letzten Falle sogleich verdnnt und
abfiltrirt, bedarf kaum besonderer Erwhnung. -- Auch durch Erwrmen mit
gewhnlicher Salpetersure und chlorsaurem Kali lsst sich die Oxydation
des Schwefels bewirken.

[Greek: c]. Statt der in [Greek: a]. und [Greek: b]. genannten
Oxydationsmittel wendet man fters auch nur starkes Knigswasser an,
doch gelingt dann eine vollstndige Ueberfhrung des Schwefels in
Schwefelsure seltener.

b. _In gelsten Schwefelmetallen der Alkalien und alkalischen Erden._

(Schwefelmetalle, welche unterschwefligsaures oder schwefelsaures Salz
enthalten, werden nach . 136 analysirt.)

[Greek: a]. $Die Schwefelmetalle enthalten keinen Ueberschuss an
            Schwefel.$

aa. Man verdnnt die Lsung stark, so dass die Flssigkeit nur noch etwa
0,04 Proc. Schwefel enthlt, und verfhrt dann genau nach . 116. I. a.
(KS + J = KJ + S). --

Sollte die Lsung neben dem Schwefelmetall ein tzendes Alkali
enthalten, so muss die verdnnte Lsung zuvor schwach angesuert werden;
enthlt sie ein kohlensaures Alkali, so kann man statt einer freien
Sure auch Chlorbaryum zufgen ($Filhol$).

bb. Man setzt zu der Auflsung eine berschssige Menge einer mit Ammon
bersttigten Lsung von arseniger Sure in Salzsure oder von mit Ammon
bersttigtem Kupferchlorid, fgt alsdann Salzsure zu und verfhrt im
Uebrigen nach I. b.

[Greek: b]. $Die Schwefelmetalle enthalten berschssigen Schwefel.$

Man zerlegt sie in dem in I. c. beschriebenen Apparate mit Salzsure und
verfhrt genau wie dort angegeben. Nachdem alles Schwefelwasserstoffgas
entbunden und ausgetrieben ist, und nachdem sich der ausgeschiedene
Schwefel abgesetzt hat, filtrirt man denselben auf einem gewogenen
Filter ab, trocknet und wgt ihn. Im Filtrat finden sich die
Chlorverbindungen der Metalle.


                            $Dritte Gruppe.$

                      $Salpetersure, Chlorsure.$

                                . 117.

                          1. $Salpetersure.$

      I. Bestimmung.

Wenn man freie Salpetersure in einer Lsung hat, welche keine andere
Sure enthlt, so bestimmt man dieselbe am einfachsten maassanalytisch,
indem man sie mit einer verdnnten Natronlauge von bekanntem Gehalt
neutralisirt (vergl. den speciellen Theil, Abschnitt Acidimetrie.)
-- Auch folgende Methode fhrt zum Ziel. Man versetzt die Lsung mit
Barytwasser, bis die Reaction eben alkalisch geworden ist, verdampft die
Lsung langsam an der Luft bis fast zur Trockne, verdnnt den Rckstand
mit Wasser, filtrirt, wscht den durch Einwirkung der atmosphrischen
Kohlensure auf den Ueberschuss des Barytwassers gebildeten kohlensauren
Baryt aus, bestimmt in dem mit den Waschwassern vereinigten Filtrat den
Baryt nach . 79 und berechnet fr je 1 Aeq. Baryt 1 Aeq. Salpetersure.
-- Die Genauigkeit der Resultate hngt ganz von der Ausfhrung ab. Man
vermeide vor Allem einen grossen Ueberschuss von Barytwasser und sehe
darauf, dass man die abgedampfte Flssigkeit nicht eher filtrire, als
bis ihre alkalische Reaction vllig verschwunden ist.

     II. Trennung der Salpetersure von den Basen und Bestimmung der
         gebundenen Salpetersure.

      a. _In smmtlichen Salzen, nach_ $Pelouze$.

Man fgt eine gewogene Menge des salpetersauren Salzes zu einer
berschssigen Lsung von Eisenchlorr in Salzsure. Hierdurch wird
ein der Salpetersure entsprechender Theil des Chlorrs in Chlorid
verwandelt. Bestimmt man die Menge des noch vorhandenen Chlorrs nach
. 89. 2., so erfhrt man die Menge des oxydirten und somit auch das
Quantum der Salpetersure. -- 6FeCl + KO, NO_{5} + 4ClH = 4HO + KCl
+ NO_{2} + 3Fe_{2}Cl_{3}. 168 Eisen, welche aus dem Zustande des
Chlorrs in den des Chlorids bergefhrt werden, entsprechen somit 54
Salpetersure[30].

  [30] $Pelouze$ hatte, um 2 Grm. Clavierdraht, in 80-100 Grm. Salzsure
       gelst, zu oxydiren, im Mittel 1,216 Grm. salpetersaures Kali
       nthig. Nach obiger Formel wren nthig gewesen 1,200, wenn man im
       Clavierdraht 99,7 Proc. Eisen annimmt.

Die Ausfhrung geschieht zweckmssig auf folgende Art. Man lst 2 Grm.
Clavierdraht in 80-100 C.C. reiner Salzsure unter Erwrmen in einem etwa
150 C.C. fassenden Kolben auf, der durch einen eine eingepasste Glasrhre
enthaltenden Stopfen verschlossen ist, bringt dann 1,2 Grm. des zu
prfenden salpetersauren Kalis oder eine quivalente Menge eines anderen
salpetersauren Salzes hinzu und erhitzt, nach wieder aufgesetztem Kork,
zum Sieden. Nach 5-6 Minuten giesst man die wieder hell gewordene
Flssigkeit in einen grsseren Kolben, verdnnt mit Wasser stark und
verfhrt nach . 89. 2. -- Fnde man, dass noch 0,2 Eisen als Oxydul
zugegen sind, so htte die Berechnung nach folgendem Ansatz zu geschehen
(2,0 - 0,2 = 1,8). 168 : 54 = 1,8 : x. -- x = 0,578, d. h. in den 1,2
Grm. salpetersauren Kalis sind 0,578 Salpetersure enthalten, -- oder
2 : 1,2 = 1,8 : x. x = 1,08, d. h. in den 1,2 Grm. unreinem Salpeter sind
1,08 Grm. reines salpetersaures Kali enthalten. --

Die Base bestimmt man in einer neu abgewogenen Quantitt nach den oben
angegebenen Methoden. War das Salz rein und wasserfrei, so muss die aus
dem Verlust berechnete Menge der Sure gleich sein der Quantitt der
direct gefundenen.

      b. _In Salzen mit alkalischer Basis, nach_ J. $Stein$.

Man lst die mit dem dreifachen Gewichte arseniger Sure gemischte
Verbindung in concentrirter Salzsure, verdampft zur Trockne, fllt die
mit Ammon bersttigte wsserige Lsung mit einer Mischung von Salmiak
und schwefelsaurer Magnesia und bestimmt die niederfallende arsensaure
Ammon-Magnesia nach . 102. 2. 1 Aeq. erhaltener Arsensure entspricht
(nach $Stein$) genau 1 Aeq. Salpetersure.

      c. _In smmtlichen wasserfreien Salzen mit fixer Basis._

Man mengt die zerriebene Verbindung mit 2 bis 3 Theilen vllig
wasserfreien Boraxglases, bringt die Mischung in einen Platintiegel,
wgt ihn im Ganzen, erhitzt sehr allmlig, bis zuletzt der Tiegelinhalt
ruhig fliegst, lsst erkalten und wgt wieder. Die Gewichtsabnahme ist
gleich der Menge der Salpetersure. Resultate genau. ($Schaffgottsch$,
$Poggend$. Annal. Bd. LVII, S. 260.)

      d. _In wasserhaltigen Salzen._

Man bestimmt in einer Portion die Basis, in einer zweiten das Wasser und
die Sure (letztere aus dem Volum des Stickgases) nach der Methode der
organischen Elementaranalyse . 153. -- Hat man das nthige Quecksilber
nicht, so bestimmt man nach der angegebenen Methode nur das Wasser und
die Basis und berechnet die Salpetersure aus dem Verlust. -- Anstatt
des im . 153 vorgeschriebenen doppeltkohlensauren Natrons msste
man zum Austreiben der Luft aus der Verbrennungsrhre (sofern man
Wasser- und Stickstoffbestimmung vereinigen wollte) bis zu anfangender
Zersetzung erhitztes kohlensaures Bleioxyd nehmen.

      e. _In lslichen Salzen, deren Basen durch Baryt, Schwefelbaryum
         oder kohlensauren Baryt vollstndig ausgefllt werden._

Man versetzt die Lsung mit Barytwasser, respective Schwefelbaryum, bis
zur alkalischen Reaction, bestimmt die Basis im Niederschlage nach den
frher angegebenen Methoden, dampft das Filtrat zur Trockne ab, nimmt
den Rckstand mit Wasser auf (die Lsung darf nicht mehr alkalisch
reagiren) und verfhrt mit der erhaltenen Lsung von salpetersaurem
Baryt wie in I. a. -- Hat man zum Ausfllen Schwefelbaryum angewendet,
dessen Ueberschuss beim Verdampfen an der Luft in unlslichen
schwefelsauren und unterschwefligsauren Baryt bergeht, so vollbringt
man das Ausziehen der abgedampften Masse, wie in II. f. Lassen sich die
Basen mit kohlensaurem Baryt vollstndig ausfllen, so ist die Analyse
noch einfacher, indem man alsdann nur zu filtriren und im Filtrat den
gelsten (salpetersauren) Baryt zu bestimmen braucht.

      f. _Im Baryt-, Strontian- und Kalksalz._

Man versetzt die Lsung mit Schwefelsure in mglichst geringem
Ueberschusse und fgt bei dem Strontian- und Kalksalz Alkohol zu, um
die Abscheidung der schwefelsauren Salze vollstndiger zu machen. Die
Filtrate versetzt man tropfenweise mit Barytwasser bis zur schwach
alkalischen Reaction, verdampft, ohne zuvor zu filtriren, im Wasserbade
zur Trockne, erhitzt den Rckstand mit Wasser (welches dadurch keine
alkalische Reaction annehmen darf), filtrirt, wscht den Rckstand mit
siedendem Wasser aus, bis die ablaufende Flssigkeit durch Schwefelsure
nicht mehr getrbt wird, und verfhrt mit der erhaltenen Lsung von
salpetersaurem Baryt, wie in I.

      g. _In lslichen Salzen der fnften und sechsten Gruppe._

Man versetzt die ganz verdnnte Lsung in einer mit einem Glasstopfen
verschliessbaren Flasche mit starkem Schwefelwasserstoffwasser in
mglichst geringem Ueberschuss (wenn man dasselbe portionenweise zusetzt
und die Flasche dazwischen schttelt, lsst sich der Punkt am besten
treffen), lsst absitzen, filtrirt und verfhrt mit dem Filtrat, wie in
II. f. (Das beim Sttigen mit Barytwasser entstehende Schwefelbaryum
geht beim Abdampfen an der Luft durch Sauerstoffaufnahme in unlslichen
schwefelsauren und unterschwefligsauren Baryt ber.


                                . 118.

                            2. $Chlorsure.$

      I. Bestimmung.

Freie Chlorsure, sofern man solche in wsseriger Lsung htte,
lsst sich bestimmen, indem man sie durch Schwefelwasserstoff in
Chlorwasserstoffsure verwandelt und diese nach . 137 bestimmt, -- oder
indem man sie mit Natronlauge sttigt, die Flssigkeit verdampft und mit
dem Rckstand nach II. a. verfhrt.

     II. Trennung der Chlorsure von den Basen und Bestimmung der
         gebundenen Chlorsure.

a. Nach $Bunsen$[31]. Wirkt erwrmte Chlorwasserstoffsure auf
chlorsaure Salze ein, so findet eine Reduction der letzteren statt.
Es knnen dabei, da keine Sauerstoffabscheidung eintritt, folgende
Zersetzungen stattfinden:

  ClO_{5}{ClO           ClO_{5}{3ClO     ClO_{5}{2ClO       ClO_{5}{ClO
         {ClO_{3}       2ClH{2HO                {2Cl               {4Cl
      ClH{HO                                3ClH{3HO           4ClH{4HO

                             ClO_{5}{6Cl
                                5ClH{5HO

Welche von diesen Zersetzungsproducten, ob nur einzelne oder alle,
wirklich auftreten, lsst sich nicht voraussehen. Welche von ihnen aber
auch neben einander gebildet werden mgen, -- immer stimmen sie darin
mit einander berein, dass sie, mit Jodkaliumlsung in Berhrung, auf 1
Aeq. Chlorsure im chlorsauren Salze 6 Aeq. Jod in Freiheit setzen. 9516
in Freiheit gesetztes Jod entsprechen somit 943,28 Chlorsure. -- Die
Ausfhrung des Versuchs geschieht genau so, wie dies bei Bestimmung der
Chromsure beschrieben wurde (vergl. . 104. d. [Greek: b].).

  [31] Ann. der Chem. und Pharm. 86. 282.

b. Die Basen bestimmt man zweckmssig in einer besonderen Portion, indem
man das chlorsaure Salz entweder durch sehr vorsichtiges Glhen oder
durch Erwrmen mit Salzsure in Chlormetall berfhrt.


      $Anhang$: _Bestimmung der chlorigen und unterchlorigen Sure in
                ihren Salzen_ (nach $Bunsen$).

Man versetzt die Lsung des Salzes mit Jodkaliumlsung, fgt Salzsure
zu bis schwach sauer und bestimmt die Menge des abgeschiedenen Jods nach
. 114, Anhang.

Die Zersetzungen, welche hierbei stattfinden und den Berechnungen zu
Grund gelegt werden mssen, sind folgende:

                    ClO + ClH + 2KJ = 2KCl + HO + 2J

und

                ClO_{3} + 3ClH + 4KJ = 4KCl + 3HO + 4J.

Somit entsprechen 2 Aeq. Jod = 3172 einem Aeq. unterchloriger Sure =
543,28, und 4 Aeq. Jod = 6344 einem Aeq. chloriger Sure = 743,28.

                   *       *       *       *       *


                          $Fnfter Abschnitt.$

                       $Die Trennung der Krper.$

                                . 119.

Wir haben im vierten Abschnitte die Methoden betrachtet, nach welchen
Basen und Suren bestimmt werden, wenn nur eine Base oder eine Sure in
einer Verbindung enthalten ist. Dieser Abschnitt war die Vorbereitung zu
dem gegenwrtigen, in welchem wir von der Trennung der Krper handeln,
d. h. von der Gewichtsbestimmung der Basen und Suren in Verbindungen,
in welchen mehrere oder viele Basen oder Suren neben einander enthalten
sind.

Der genannte Zweck kann auf zweierlei Weise erreicht werden, nmlich a.
durch $directe$, -- b. durch $indirecte$ Analyse. -- Unter der ersteren
versteht man eine solche, bei welcher die Basen oder Suren wirklich
von einander geschieden werden. So trennen wir Kali und Natron durch
Platinchlorid, -- Kupfer und Wismuth durch Cyankalium, -- Arsen und
Eisen durch Schwefelwasserstoff, -- Jod und Chlor durch salpetersaures
Palladiumoxydul, -- Phosphorsure und Schwefelsure durch Baryt, --
Kohle und Salpeter durch Wasser etc. etc. In allen diesen Fllen bringt
man demnach einen der Krper in unlslichen Zustand unter Umstnden, bei
denen der andere in Lsung kommt, oder umgekehrt. Diese Art der Analyse
ist die am hufigsten angewendete. Sie verdient bei freigestellter Wahl
den Vorzug. --

Indirect hingegen nennt man eine Analyse dann, wenn bei derselben keine
wirkliche Scheidung erzielt wird, sondern wenn anderweitige Umstnde
herbeigefhrt werden, aus denen man die Quantitt der neben einander
befindlichen Basen oder Suren berechnen kann. -- So lsst sich die
Quantitt des Kalis und Natrons in einer beide Basen enthaltenden
Verbindung bestimmen, wenn man sie in schwefelsaure Salze verwandelt,
diese wgt und die Schwefelsure darin bestimmt (. 120. 3.), -- so
lsst sich Eisenoxyd neben Thonerde bestimmen, indem man beide wgt,
dann das Eisen maassanalytisch bestimmt und die Thonerde aus der
Differenz berechnet etc. -- Die indirecte Analyse lsst sich in beraus
vielen Fllen anwenden; mit wahrem Vortheil wird sie brigens in der
Regel nur da gebraucht, wo es an guten eigentlichen Scheidungsmethoden
fehlt. Die speciellen Flle, in denen sie directer Analyse vorzuziehen
ist, lassen sich unmglich alle vorhersehen; ich habe daher im Folgenden
nur diejenigen bezeichnet, welche hufig in Anwendung kommen. Was die
bei indirecten Analysen vorkommenden Berechnungen betrifft, so habe ich
dieselben im Allgemeinen in der zweiten Unterabtheilung "Berechnung der
Analysen" gegeben; wo es brigens zweckmssiger erschien, ist gleich bei
der Methode das Nthige angefhrt.

Ich hatte bei der Bearbeitung des folgenden Abschnittes zwei Zwecke
vor Augen; erstens sollte derselbe ein sicherer Fhrer bei praktischen
Arbeiten sein, zweitens sollte er eine mglichst bersichtliche
Belehrung, einen mglichst klaren Blick in das ganze Gebiet verschaffen.
-- In Folge dessen habe ich die uns bekannte Gruppeneintheilung
beibehalten und nach systematischer Weise, so weit es durchfhrbar war,
erst die Trennung aller in eine Gruppe gehrenden Krper von denen der
anderen (vorhergehenden), sodann die Trennung einzelner Krper von
allen oder von einzelnen der frheren Gruppen, und endlich die Trennung
der in eine Gruppe gehrenden Krper von einander behandelt; denn so
glaubte ich meine Absicht am sichersten zu erreichen. -- Es versteht
sich von selbst, dass die Methoden, welche zur Scheidung aller Krper
einer Gruppe von denen einer anderen angefhrt sind, auch zur Scheidung
eines in die Gruppe gehrenden Krpers von einem oder mehreren der
anderen Gruppe anwendbar sind. Auch soll durch Anfhrung speciellerer
Methoden keineswegs gesagt sein, dass diese immer den allgemeineren
vorzuziehen sind. Die Entscheidung, welche die bessere sei, muss in
der Regel bei jedem speciellen Falle dem Einzelnen berlassen bleiben,
indem sie von den Umstnden abhngt. -- In Bezug auf die allgemeinen
Scheidungsmethoden der Krper einer Gruppe von denen einer anderen
bemerke ich, dass die angefhrten mir vor anderen zweckmssig erschienen
sind. Ich mchte aber der Meinung vorbeugen, als ob andere passend und
rationell angeordnete nicht ebenfalls, in speciellen Fllen vielleicht
noch besser, zum Ziele fhren knnten. Dem Scharfsinn der Einzelnen
bleibt hier ein weites Feld eingerumt.

Bei den Basen, wie auch bei den Suren, liegt im Allgemeinen die Annahme
zu Grunde, dass man sie im freien Zustande oder in Form eines in Wasser
lslichen Salzes habe. Wo von dieser Annahme abgewichen werden musste,
ist jedesmal speciell darauf aufmerksam gemacht.

Von der Masse von Methoden, welche sich zu allgemeinen oder speciellen
Scheidungen angefhrt finden, habe ich -- soweit dies thunlich war --
die ausgewhlt, welche durch die Erfahrung besttigt und durch genaue
Resultate ausgezeichnet sind. -- Fanden sich zwei, welche in Bezug auf
die beiden genannten Punkte sich gleich stehen, so fhrte ich entweder
beide an, oder ich gab der einfacheren den Vorzug. -- Methoden, die in
Vorschlag gekommen sind, aber spter begrndete Widerlegung erfahren
oder sich bei eigenen Versuchen als unhaltbar bewiesen haben, wurden
geradezu weggelassen. -- So weit es mglich war, habe ich mich bemht,
die Flle genau zu charakterisiren, in denen von mehreren Methoden die
eine oder die andere vorzugsweise anwendbar ist. --

Wo die Genauigkeit der Scheidung sich bereits aus dem im vierten
Abschnitte Gesagten ergiebt, sind nhere desfallsige Angaben
weggelassen. -- Wo Paragraphe frherer Abschnitte besondere
Bercksichtigung verdienen, sind dieselben in Parenthese beigefgt.

Da bei der gegenwrtigen Ausbreitung der Chemie fast jeden Tag neue
Scheidungsmethoden aller Art angewandt oder vorgeschlagen und bald mit
Recht bald mit Unrecht lteren Methoden vorgezogen werden, so erscheint
die jetzige Zeit auch in dieser Hinsicht, wie in so mancher anderen, als
eine Uebergangsperiode, in der das Neue mit dem Alten, mehr als sonst,
kmpft und ringt. Ich fhre dies hier an, einmal um die Unmglichkeit
darzuthun, der Angabe dieser Methoden immer schon ein Urtheil ber ihre
Brauchbarkeit und Genauigkeit beifgen zu knnen, sodann um darauf
aufmerksam zu machen, wie wichtig es gerade in solchen Perioden ist,
den Ueberblick nicht zu verlieren. Um letzteren zu erleichtern, habe
ich im folgenden Abschnitte die Trennungsmethoden meistens nach ihren
wissenschaftlichen Grundlagen geordnet, in der festen Ueberzeugung,
dass hierdurch das Studium der Trennungsmethoden wesentlich erleichtert
und manche Anregung gegeben werden wird, bereits bekannte Principien
auch auf andere Krper anzuwenden oder neue Grundlagen zu erforschen,
wo aus den alten nur mangelhafte Methoden hervorgegangen sind. -- Um
nun durch diese Darstellungsweise den praktischen Gesichtspunkt nicht
zu beeintrchtigen, welcher verlangt, dass man leicht und schnell
die Methoden zu finden vermag, die sich zur Trennung zweier Krper
darbieten, habe ich den einzelnen Paragraphen, wo es mir nthig schien,
Uebersichten vorausgeschickt, welche diesem Bedrfnisse, wie ich glaube,
vollkommen entsprechen werden.

Ich schliesse diese Einleitung mit dem wichtigen Satze, dass man eine
Trennung niemals als gelungen betrachten darf, bevor man sich berzeugt
hat, dass die gewogenen Substanzen rein und frei von denen sind, von
welchen sie getrennt werden sollten.


               I. $Die Scheidung der Basen von einander.$

                            $Erste Gruppe.$

                         $Kali, Natron, Ammon.$

                                . 120.

  $Uebersicht$: Kali von Natron 1. a,-3, von Ammon  2.
                Natron von Kali 1. a,-3, von Ammon  1. b,-2.
                Ammon von Kali  2,       von Natron 1. b,-2.


  1. _Methoden, welche auf der verschiedenen Lslichkeit der
     Platinchlorid-Chloralkalimetalle in Weingeist beruhen._

a. $Kali von Natron.$

Eine unerlssliche Bedingung dieser Methode ist, dass man die beiden
Alkalien als Chlormetalle habe. -- Sind sie nicht in diesem Zustande, so
mssen sie demzufolge erst in denselben bergefhrt werden. -- In den
meisten Fllen reicht ein blosses Abdampfen mit berschssiger Salzsure
hin, diesen Zweck zu erreichen; bei Gegenwart von Schwefelsure,
Phosphorsure und Borsure gelingt dies nicht. Die Methoden, welche
dazu dienen, die Alkalien von den beiden letzten Suren zu trennen und
in Chlormetalle berzufhren, siehe . 106 und 107. -- Wie man bei
Gegenwart von Schwefelsure verfhrt, soll -- weil dieser Fall oft
vorkommt -- unten besprochen werden.

Man bestimmt die Summe des Chlornatriums und Chlorkaliums[32] (. 76.
77), lst sie in wenig Wasser auf, setzt eine wsserige Lsung von
Platinchlorid im Ueberschusse zu, verdampft im Wasserbade bis fast
zur Trockne, bergiesst den Rckstand mit Weingeist von 76-80 Proc.,
bedeckt das Becherglas oder die Schale mit einer Glasplatte und lsst
einige Stunden stehen, whrend welchen man von Zeit zu Zeit umrhrt.
Erscheint die ber dem Niederschlage stehende Flssigkeit tief gelb, so
war die Menge des Platinchlorids gengend; anderenfalls muss solches
noch zugefgt werden. -- Nachdem sich alles Natriumplatinchlorid gelst
hat, und das Kaliumplatinchlorid auf dem Boden des Gefsses als schweres
gelbes Pulver rein und frei von allen grsseren krystallinischen
Plttchen erscheint, filtrirt man ab und behandelt den Niederschlag
nach . 76. -- Die Quantitt des Natrons bestimmt man in der Regel,
indem man von der Summe des Chlornatriums und Chlorkaliums die aus dem
Kaliumplatinchlorid gefundene Menge des letzteren abzieht.

  [32] Ich will hier nicht versumen, auf eine Sache aufmerksam zu
       machen, die sich zwar ganz von selbst versteht, aber doch oft
       nicht hinlnglich beachtet wird; es ist die, dass man
       Chloralkalimetalle nie als rein und zum Wgen geeignet betrachten
       darf, wenn man sich nicht berzeugt hat, dass sie sich klar in
       Wasser lsen, und dass ihre Lsung durch Ammon und kohlensaures
       Ammon nicht gefllt wird.

Um sicher zu sein, dass wirklich alles Kali abgeschieden worden ist,
verdampft man zweckmssig das Filtrat unter Zusatz von etwas weiterem
Platinchlorid im Wasserbade zur Trockne und behandelt den Rckstand wie
eben angegeben. Bleibt hierbei nochmals Kaliumplatinchlorid ungelst,
so lsst man die Schale ruhig stehen, giesst die gelbe Flssigkeit von
der kleinen Menge des Niederschlags klar ab, wscht denselben mehrmals
mit wenig Weingeist durch Decantiren aus, bringt ihn endlich auf das die
Hauptmenge des Niederschlags enthaltende Filter und wscht dieses, wenn
nthig, noch ein- oder zwei Mal mit kleinen Mengen von Weingeist aus.

Ich halte mehr darauf, das Filtrat dieser Prfung zu unterwerfen,
als es zur Trockne zu bringen, den Rckstand unter Zusatz von etwas
Oxalsure zu glhen, mit Wasser auszuziehen und das in Lsung
bergegangene Chlornatrium zu bestimmen, denn diese Bestimmung des
Natrons ist doch nur scheinbar eine directe; war das Chlorkalium nicht
gehrig abgeschieden, so erhlt man die nicht abgeschiedene Menge
jetzt natrlicher Weise bei dem Chlornatrium. Letzteres Verfahren
liefert daher nur eine Controle darber, ob bei der Arbeit kein Verlust
stattgefunden hat.

Enthlt die Lsung Schwefelsure, etwa neben Chlor oder berhaupt
neben flchtigen Suren, so fhrt man die Alkalien zuerst vollstndig
in neutrale schwefelsaure Salze ber (. 76 und 77) und wgt sie als
solche. Dann lst man sie in wenig Wasser und fgt eine alkoholische
Lsung von Chlorstrontium mit der Vorsicht zu, das letzteres nur wenig
vorwaltet. (Der Weingeistgehalt der Flssigkeit darf nicht so hoch
steigen, dass sich Chlornatrium oder Chlorkalium ausscheiden knnten.)
Man lsst absitzen, filtrirt, wscht den schwefelsauren Strontian (der
gewogen werden kann und dann eine genaue Controle der Analyse liefert,
vergl. . 120. 3.) mit schwachem Weingeist aus, so lange dieser, auf
einem Uhrglase verdampft, noch einen Rckstand lsst, verdampft das
Filtrat, zuletzt unter Zusatz von berschssigem Platinchlorid, fast zur
Trockne und verfhrt wie eben angegeben. Die kleine Menge berschssig
zugesetzten Chlorstrontiums lst sich so oder als Strontiumplatinchlorid
mit dem Natriumplatinchlorid in Weingeist.

Statt dieser Methode lsst sich auch folgende anwenden. Man lst die
gewogenen schwefelsauren Alkalien in Wasser, fgt gelsten essigsauren
Baryt (der frei von Chlorbaryum sein muss) in mglichst geringem
Ueberschuss zu, lsst absitzen, filtrirt, verdampft das Filtrat zur
Trockne, glht den Rckstand, zieht ihn mit Wasser aus, sttigt
vorsichtig mit Salzsure und verfhrt mit der so erhaltenen Lsung der
Chloralkalimetalle nach obiger Angabe. Statt des essigsauren Baryts
kann man auch essigsaures Bleioxyd nehmen, den Bleiberschuss durch
Schwefelwasserstoff entfernen und das Filtrat mit Salzsure zur Trockne
verdampfen (L. $Smith$). -- Oder man mengt die schwefelsauren Salze
mit Salmiakpulver in einem Tiegel, glht, fgt einige Tropfen Wasser
und neuerdings Salmiak zu, glht wieder und wiederholt dies, bis keine
Gewichtsdifferenz mehr stattfindet (H. $Rose$). --

Das Verfahren zur Trennung des Kalis und Natrons, wie ich es oben
angegeben habe, liefert nach fters wiederholten Versuchen immer
etwas weniger Kali als wirklich vorhanden ist. Der Verlust betrgt
bei gut ausgefhrter Trennung etwa ein Proc. des Kalis. Versetzt man
die concentrirte Lsung der Chlormetalle mit Platinchlorid und dann
mit ziemlich viel Alkohol, so ist der Verlust nach meinen Erfahrungen
gewhnlich grsser.

b. $Ammon von Natron.$

Man verfhrt genau wie in a. Siehe auch . 78. 2.


  2. _Methoden, welche auf der Flchtigkeit der Ammonsalze oder des
     Ammoniaks beruhen._

      $Ammon von Natron und Kali.$

      a. _Die Salze der zu trennenden Alkalien enthalten die nmliche und
         zwar eine flchtige Sure und lassen sich durch Trocknen bei 100
         von allem Wasser befreien, ohne Ammoniak zu verlieren_
         (z. B. die Chlormetalle).

Man wgt die Totalmenge der Salze in einem Platintiegel ab, erhitzt bei
aufgelegtem Deckel anfangs gelinde, zuletzt lngere Zeit zum schwachen
Glhen, lsst erkalten und wgt. Die Abnahme des Gewichts giebt die
Menge des Ammonsalzes an. -- Ist die vorhandene Sure Schwefelsure,
so ist erstens zu bercksichtigen, dass das Erhitzen sehr allmlig
geschehen muss, indem sonst durch Decrepitiren des schwefelsauren Ammons
Verlust entsteht, -- und zweitens, dass bei den fixen schwefelsauren
Alkalien ein Theil der Schwefelsure des schwefelsauren Ammons
zurckbleibt, so dass sie zuvor durch Glhen in einer Atmosphre von
kohlensaurem Ammon in neutrale Salze verwandelt werden mssen, ehe ihr
Gewicht bestimmt werden kann (vergl. . 76. 77). Chlorammonium kann nach
dieser Methode nicht von schwefelsauren fixen Alkalien getrennt werden,
indem es -- mit letzteren geglht -- diese theilweise oder ganz in
Chlormetalle verwandelt.

      b. _Bei den zu trennenden Salzen ist eine oder die andere der in a.
         angegebenen Bedingungen nicht erfllt._

Lassen sich die Umstnde nicht in einfacher Weise in der Art abndern,
dass die Methode a. anwendbar wird, so mssen die fixen Alkalien und
das Ammon in verschiedenen Portionen der zu untersuchenden Verbindung
bestimmt werden. -- Die zur Bestimmung des Natrons und Kalis zu
verwendende wird geglht, bis alles Ammon entfernt ist. Die fixen
Alkalien werden je nach Umstnden in Chlormetalle oder schwefelsaure
Salze verwandelt und nach . 120. 1. behandelt. -- Die Bestimmung des
Ammons geschieht in einer anderen Portion nach . 78. 3.

  3. _Indirecte Methoden._

Solcher lassen sich natrlicher Weise viele denken; man wendet aber in
der Regel nur folgende an.

$Kali von Natron.$

Man verwandelt beide Alkalien in neutrale schwefelsaure Salze
(. 76. 77), wgt sie als solche, bestimmt ihren Gehalt an
Schwefelsure (. 105) und berechnet aus diesen Daten die Quantitten
des Kalis und Natrons (siehe unten "Berechnung der Analysen" . 168).


                            $Zweite Gruppe.$

                  $Baryt, Strontian, Kalk, Magnesia.$

     I. Trennung der Oxyde der zweiten Gruppe von denen der ersten.

                                . 121.

  $Uebersicht$: Baryt von Kali und Natron     A. 1,-B. 1, von Ammon A. 2.
                Strontian von Kali und Natron A. 1,-B. 2, von Ammon A. 2.
                Kalk von Kali und Natron      A. 1,-B. 3, von Ammon A. 2.
                Magnesia von Kali und Natron  A. 1,-B. 4, von Ammon A. 2.


      A. Allgemeine Methode.

1. $Smmtliche alkalische Erden von Kali und Natron.$

_$Grundlage$: Kohlensaures Ammon fllt aus einer Chlorammonium
enthaltenden Lsung nur Baryt, Strontian und Kalk, -- Chlormagnesium
wird durch Quecksilberoxyd zersetzt._

Man versetzt die Lsung, in welcher die Basen als Chlormetalle gedacht
werden, mit soviel Chlorammonium, als nthig ist, um die Magnesia durch
Ammon unfllbar zu machen, fgt etwas Ammon, dann kohlensaures Ammon in
geringem Ueberschuss zu, lsst 12 Stunden an einem gelinde warmen Orte
bedeckt stehen, filtrirt und wscht den Niederschlag mit Wasser aus, dem
man einige Tropfen Ammon zugefgt hat.

Der $Niederschlag$ enthlt den _Baryt_, _Strontian_ und _Kalk_, die
$Lsung$ die _Magnesia_ und die _Alkalien_. So kann man in Fllen, in
denen es nicht auf den hchsten Grad der Genauigkeit ankommt, annehmen.
Bei feineren Analysen dagegen hat man zu erwgen, dass die Lsung noch
hchst geringe Spuren von Kalk und etwas grssere von Baryt enthlt,
weil deren kohlensaure Salze in einer Chlorammonium enthaltenden
Flssigkeit nicht ganz unlslich sind.

Mit dem Niederschlage verfhrt man nach . 122, das Filtrat aber
versetzt man -- bei genauen Analysen -- mit 3 oder 4 Tropfen verdnnter
Schwefelsure (aber nicht mit viel mehr), spter mit einigen Tropfen
oxalsaurem Ammon und lsst wiederum 12 Stunden in gelinder Wrme stehen.
Entsteht hierdurch ein Niederschlag, so sammelt man denselben auf einem
kleinen Filter, wscht ihn aus und behandelt ihn auf dem Filter mit
etwas verdnnter Salzsure, welche den oxalsauren Kalk lst und den
schwefelsauren Baryt ungelst lsst. --

Die die _Magnesia_ und die _Alkalien_ enthaltende Flssigkeit verdampft
man zur Trockne und entfernt die Ammonsalze durch gelindes Glhen in
einem bedeckten Tiegel oder einer bedeckten kleinen Schale von Platin
oder Porzellan[33]. -- Den Rckstand erwrmt man mit wenig Wasser
(worin er sich bis auf ein wenig ausgeschiedene Magnesia lst), setzt
etwas hchst fein zertheiltes, in Wasser aufgeschlmmtes Quecksilberoxyd
zu, und verfhrt genau nach . 82. 3. b.

  [33] Hierbei wird auch die kleine Menge Schwefelsure wieder entfernt,
       welche beim Ausfllen der Barytspuren zugesetzt wurde, indem
       schwefelsaures Alkali beim Glhen mit viel Salmiak in
       Chloralkalimetall bergeht.

In der von der Magnesia abfiltrirten Flssigkeit bestimmt man die
Alkalien nach . 120. -- Diese von $Berzelius$ angegebene Methode,
Magnesia und Alkalien zu scheiden, liefert gute Resultate. Man
erschwere sich die Arbeit nicht dadurch, dass man mehr Quecksilberoxyd
zusetzt als nthig, prfe aber zuletzt der Vorsicht halber immer die
Chloralkalimetalle auf einen Gehalt an Magnesia.

2. $Smmtliche alkalische Erden von Ammon$; -- Grundlage und Ausfhrung
   wie bei Trennung des Kalis und Natrons von Ammon . 120.


      B. Speciellere Methoden.

$Einzelne alkalische Erden von Kali und Natron.$

1. $Baryt von Kali und Natron.$

Man fllt den Baryt durch verdnnte Schwefelsure (. 79. 1. a.),
verdampft das Filtrat zur Trockne und glht den Rckstand unter Zusatz
von kohlensaurem Ammon (. 76. 1.-77. 1.). Man trage Sorge, dass die
Quantitt der zugesetzten Schwefelsure hinreiche, um auch die Alkalien
vollstndig in schwefelsaure Salze zu verwandeln.

Diese Methode ist ihrer grsseren Genauigkeit halber der in a.
angegebenen vorzuziehen, sobald man Baryt nur von einem der beiden fixen
Alkalien zu trennen hat; sind hingegen beide zugegen, so ist die andere
insofern bequemer, als man dabei die Alkalien als Chlormetalle erhlt.

2. $Strontian von Kali und Natron.$

Der Strontian kann, ebenso wie der Baryt, von den Alkalien durch
Schwefelsure geschieden werden. Die Methode, denselben als
schwefelsauren Strontian zu fllen, ist jedoch bei freigegebener Wahl
der in a. beschriebenen nicht vorzuziehen (vergl. . 80).

3. $Kalk von Kali und Natron.$

Man fllt den Kalk mit oxalsaurem Ammon (. 81. 2. b. [Greek: a].),
verdampft das Filtrat zur Trockne und bestimmt die Alkalien im geglhten
Rckstande. Man beachte bei der Bestimmung der Alkalien, dass man den
durch Glhen von den Ammonsalzen befreiten Rckstand in Wasser lsen,
von dem unlslichen Rckstand abfiltriren, das Filtrat je nach Umstnden
mit Salzsure oder Schwefelsure ansuern und erst dann zur Trockne
verdampfen muss, indem oxalsaures Ammon beim Glhen Chloralkalimetalle
theilweise zersetzt und die Basen in kohlensaure Salze verwandelt,
sofern nicht viel Salmiak zugegen ist. Resultate noch genauer als nach
a. (wenn nicht nach Ausfllung mit kohlensaurem Ammon noch oxalsaures
Ammon angewendet worden ist).

4. $Magnesia von Kali und Natron.$

  a. _Methoden, welche sich auf die Schwerlslichkeit der Magnesia in
     Wasser grnden._

[Greek: a]. Man stellt eine mglichst neutrale, von Ammonsalzen freie
Lsung der Basen dar (ob die Sure Schwefelsaure, Salzsure oder
Salpetersure ist, kommt nicht in Betracht), fgt Barytwasser zu, so
lange ein Niederschlag entsteht, erhitzt zum Kochen, filtrirt ab und
wscht mit siedendem Wasser aus. Der Niederschlag enthlt die Magnesia
als Oxydhydrat. Man bestimmt sie entweder nach . 82. 1. b., oder man
lst sie in Salzsure, fllt den Baryt mit Schwefelsure aus und schlgt
sie als phosphorsaure Ammonmagnesia nieder (. 82. 2.). Die Alkalien,
welche sich je nach Umstnden als Chlormetalle, salpetersaure Salze
oder Aetzalkalien in Lsung befinden, trennt man vom Baryt nach A.
oder B. 1. $Liebig$, welcher diese Methode zuerst anwandte, schlug zur
Fllung krystallisirtes Schwefelbaryum vor. -- Die Methode liefert gute
Resultate, ist aber etwas umstndlich.

[Greek: b]. Man fllt die Lsung mit ein wenig reiner Kalkmilch, kocht,
filtrirt, wscht aus. Im Niederschlag trennt man Kalk und Magnesia nach
. 122, im Filtrat Kalk und Alkalien nach A. oder B. 3. -- Diese Methode
wendet man mit Vortheil an, wenn es sich darum handelt, aus einer Kalk
und Alkalien enthaltenden Flssigkeit die Magnesia zu entfernen, sofern
nur die Alkalien bestimmt werden sollen.

  b. _Methoden, welche sich auf die Schwerlslichkeit der kohlensauren
     Magnesia grnden._

[Greek: a]. Man verwandelt in Chloride, glht schwach, lst in Wasser
auf und kocht mit aufgeschlmmtem kohlensauren Silberoxyd (durch Fllung
von salpetersaurem Silberoxyd mit kohlensaurem Ammon und Auswaschen
erhalten), bis die berstehende Flssigkeit stark alkalisch reagirt.
Aus der heiss abfiltrirten Flssigkeit entfernt man eine Spur gelsten
Silbersalzes mit Salzsure, welche bis zu schwach saurer Reaction
zugesetzt wird, filtrirt und bestimmt die Alkalien nach . 120. --
Den Niederschlag behandelt man mit erwrmter Salzsure und fllt die
Magnesia nach . 82. 2. ($Sonnenschein$)[34].

  [34] $Pogg.$ Ann. 74. 313. -- $Liebig$ und $Kopp$ Jahresb. 1847 und
       1848. 961.

[Greek: b]. Man verwandelt in salpetersaure Salze, glht dieselben in
einer Platinschale gelinde, setzt etwas Wasser, dann berschssige,
krystallisirte, reine Oxalsure zu und verdampft. Whrend des
Verdampfens entwickelt sich Salpetersure und zuletzt sublimirt an den
Wnden der Schale Oxalsurehydrat. Die oxalsauren Salze zersetzt man
durch Glhen und trennt die reine und kohlensaure Magnesia von den
kohlensauren Alkalien durch siedendes Wasser ($Deville$)[35].

  [35] Journ. f. prakt. Chem. 1853. 60. 17.

  c. _Methode, welche sich auf die Ausfllung der Magnesia durch
     phosphorsaures_ (_beziehungsweise arsensaures_) _Ammon grndet._

Man setzt zu der Lsung, welche Magnesia, Kali und Natron enthlt,
berschssiges Ammon und, wenn solcher nicht schon vorhanden ist,
etwas Salmiak und fllt die Magnesia mit (natronfreiem) phosphorsaurem
Ammon, von dem nur ein geringer Ueberschuss zugesetzt wird. Aus dem
durch Verdampfen von freiem Ammon befreiten Filtrat schlgt man
die Phosphorsure mit essigsaurem Bleioxyd als eine Verbindung von
phosphorsaurem Bleioxyd und Chlorblei nieder. Das berschssige
Bleioxyd entfernt man mit Ammon und kohlensaurem Ammon aus der noch
heissen Flssigkeit und bestimmt im Filtrat Kali und Natron nach
. 76. 77. (O. L. $Erdmann$[36] -- $Heintz$)[37]. Ich kann dieser
Methode einen eigentlichen Vorzug vor der in a. angefhrten
$Berzelius$'schen nicht einrumen. Ungleich einfacher wrde folgendes
Verfahren sein: Man fllt die Magnesia statt mit phosphorsaurem Ammon
mit arsensaurem Ammon und bestimmt sie als arsensaure Ammonmagnesia
nach . 102. 2. Das Filtrat verdampft man zur Trockne und erhitzt den
Rckstand in einem Porzellantiegel. Sollte die Masse noch nicht genug
Salmiak enthalten haben, so glht man den Rckstand nochmals nach Zusatz
von solchem. Da sich die Arsensure hierdurch leicht und vollstndig
verflchtigt, so bleiben die Alkalien rein -- als Chlormetalle --
zurck. Dass man das Glhen unter einem guten Dunstabzuge vorzunehmen
habe, erhellt leicht.

  [36] Journ. f. prakt. Chem. 41. 89.

  [37] $Pogg.$ 73. 119. -- Jahresbericht von $Liebig$ u. $Kopp$ 1847 u.
       1848 S. 961.


        II. Trennung der Oxyde der zweiten Gruppe von einander.

                                . 122.

$Uebersicht$:

  Baryt von Strontian: B. 1,  von Kalk: B. 1, B. 2,     von Magnesia: A,
                                                                  -B. 2.
  Strontian von Baryt: B. 1,  von Kalk: B. 4 u. 5,      von Magnesia: A.
  Kalk von Baryt: B. 1,-B. 2, v. Strontian. B. 4 u. 5,  von Magnesia: A,
                                                                  -B. 3.
  Magnesia v. Baryt: A,-B. 2, von Strontian: A,         von Kalk A,-B. 3.


      A. Allgemeine Methode.

$Smmtliche Glieder der Gruppe von einander.$ Man verfhrt wie in
. 121. A. 1. Die Magnesia fllt man aus dem Filtrate durch
phosphorsaures Natron. Die gefllten kohlensauren Salze des Baryts,
Strontians und Kalks lst man in Salzsure und trennt die Basen nach
B. 1.


     B. Specielle Methoden.

  1. _Solche, welche sich auf die Unlslichkeit des Kieselfluorbaryums
     grnden._

$Baryt von Strontian und von Kalk.$ Man versetzt die neutrale oder
schwach saure Lsung mit Kieselfluorwasserstoffsure im Ueberschuss,
fgt ein dem Volumen der Flssigkeit gleiches oder auch etwas
geringeres Volumen Weingeist zu (H. $Rose$), lsst 12 Stunden
stehen, filtrirt den bei 100 zu trocknenden Niederschlag von
$Kieselfluorbaryum$ auf einem gewogenen Filter ab, wscht ihn mit
einer Mischung von gleichen Theilen Wasser und Weingeist aus, bis
die zuletzt ablaufende Flssigkeit nicht im Mindesten mehr sauer
reagirt (aber nicht lnger), und fllt aus dem Filtrate den Strontian
oder Kalk durch verdnnte Schwefelsure ( 80. 1. a. und . 81. 1.).
Resultate befriedigend. -- Eigenschaften des Kieselfluorbaryums . 50.
-- Ist Strontian und Kalk gleichzeitig vorhanden, so wgt man erst die
schwefelsauren Salze, fhrt diese in kohlensaure ber (. 105. II. b.)
und trennt nach 4. oder 5.

  2. _Solche, welche sich auf die Unlslichkeit des schwefelsauren Baryts
     grnden._

a. $Baryt von Magnesia.$ Man fllt den Baryt durch Schwefelsure (. 79.
1. a.), im Filtrat die Magnesia mit phosphorsaurem Natron und Ammon
(. 82. 2.).

b. $Baryt von Kalk.$ Man versetzt die Lsung mit Salzsure, dann mit
sehr verdnnter Schwefelsure (1 : 300), so lange noch ein Niederschlag
entsteht, lsst absitzen und bestimmt den schwefelsauren Baryt nach
. 79. 1. a. Das Filtrat mischt man mit den durch Abdampfen
concentrirten Waschwassern und fllt, nach Abstumpfung der Sure mit
Ammon, den Kalk als kleesauren Kalk (. 81. 2. b. [Greek: a].). --
Resultate genau.

  3. _Solche, welche sich auf die Unlslichkeit des oxalsauren Kalkes in
     Chlorammonium und in Essigsure grnden._

$Kalk von Magnesia.$

a. Man versetzt die hinlnglich verdnnte Lsung mit soviel
Chlorammonium, dass durch Ammon, welches man in $ganz geringem$
Ueberschusse zusetzt, kein Niederschlag entsteht, fgt dann oxalsaures
Ammon zu, so lange ein Niederschlag entsteht, lsst 12 Stunden in
gelinder Wrme stehen und filtrirt alsdann den nach . 81. 2. b. [Greek:
a]. zu behandelnden oxalsauren Kalk ab. Sobald mit dem Auswaschen
desselben begonnen wird, wechselt man das untergestellte Gefss,
concentrirt die Waschwasser durch Abdampfen, zuletzt unter Zusatz von
etwas berschssiger Salzsure, vereinigt sie dann wieder mit dem
Filtrate und fllt die Magnesia nach . 82. 2.

b. Wenn Kalk und Magnesia an Phosphorsure gebunden sind, lst man in
mglichst wenig Salzsure, fgt Ammon zu, bis ein starker Niederschlag
entsteht, lst diesen durch Zusatz von Essigsure und fllt aus dieser
Lsung den Kalk durch oxalsaures Ammon (. 81. 2. b. [Greek: b].); im
Filtrat fllt man die Magnesia nach . 82. 2.

  4. _Solche, welche sich auf die Unlslichkeit des salpetersauren
     Strontians in Alkohol grndet._

$Strontian von Kalk.$ Man behandelt die salpetersauren Salze mit
absolutem Alkohol. Der ungelst bleibende salpetersaure Strontian
wird abfiltrirt, mit Alkohol ausgewaschen, in Wasser gelst und als
schwefelsaurer Strontian bestimmt (. 80. 1.). Den Kalk fllt man aus
dem Filtrat durch Schwefelsure. -- Resultate annhernd. -- Diese
Methode darf nur angewendet werden, wenn wenig Strontian bei viel Kalk
ist.

  5. _Indirecte Methode._

$Strontian und Kalk.$ Man bestimmt beide Basen erst als kohlensaure,
dann als schwefelsaure Salze (. 80 und 81) und berechnet hieraus den
Gehalt an beiden.


                            $Dritte Gruppe.$

                         $Thonerde, Chromoxyd.$

       I. Trennung der Oxyde der dritten Gruppe von den Alkalien.

                                . 123.

      1. $Von Ammon.$

a. Von Ammonsalzen kann man Chromoxyd- und Thonerdesalze durch Glhen
trennen. Diese Methode ist jedoch bei Thonerde nur dann anwendbar, wenn
kein Chlor vorhanden ist (Verflchtigung von Chloraluminium). Man geht
daher am sichersten, wenn man die Verbindung mit kohlensaurem Natron
mengt und dann glht.

b. Man bestimmt das Ammon nach $Schlsing$'s Methode (. 78. 3.). --
Treibt man das Ammoniak statt durch Kalkmilch durch Kalihydrat aus,
welches man in fester Form auf einen Dreifuss dicht ber die Flssigkeit
legt (von wo es in dem Maasse, als es Feuchtigkeit anzieht, in diese
herabtrpfelt), so kann man gleichzeitig Chromoxyd und Thonerde ohne
Mhe (nach 2.) bestimmen.

      2. $Von Kali und Natron.$

a. Man versetzt die Lsung mit Salmiak in einiger Menge, dann mit Ammon
bis zur alkalischen Reaction, erhitzt lngere Zeit und filtrirt ab.
-- Chromoxyd und Thonerde werden als Hydrate niedergeschlagen (. 83.
a. und . 84. 1. a.), in Auflsung bleiben die Alkalien, welche durch
Abdampfen und Glhen des Rckstandes von dem entstandenen Ammonsalze
befreit werden.

b. $Thonerde$ lsst sich auch in der Art von Kali und Natron trennen,
dass man die salpetersauren Salze erhitzt (siehe . 124. 1. A. 2.).


  II. Trennung der Oxyde der dritten Gruppe von den alkalischen Erden.

                                . 124.

$Uebersicht$: 1. $Thonerde$ von Baryt: A. 1 u. 2,-B. 1 u. 3, Strontian:
              A. 1 u. 2,-B. 1 u. 3, Kalk: A. 1 u. 2,-B. 1, 2, 3,
              Magnesia: A. 1 u. 2,-B. 1 u. 2.
              2. $Chromoxyd$ von den alkalischen Erden.


1. $Trennung der Thonerde von den alkalischen Erden.$

      A. Allgemeine Methoden.

$Smmtliche alkalische Erden von Thonerde.$

  1. _Methode, welche auf der Fllbarkeit der Thonerde durch Ammon und
     auf ihrer Auflslichkeit in Natronlauge beruht._

Man versetzt die Lsung mit Chlorammonium, dann mit reinem
kohlensurefreien _Ammon_ bis zum schwachen Vorwalten, erwrmt die in
einem wohlbedeckten Becherglase enthaltene Flssigkeit lngere Zeit
gelinde, filtrirt, whrend man (um den Zutritt der atmosphrischen
Kohlensure zu hindern) den Trichter mit einer Glasplatte sorgfltig
bedeckt hlt, den Niederschag ab und wscht ihn rasch mit heissem Wasser
aus. In Lsung hat man alsdann den Baryt, Strontian und Kalk nebst
dem grssten Theil der Magnesia, ein kleinerer befindet sich bei dem
Thonerdehydrat, gleichsam chemisch damit verbunden. (Hufig enthlt
der Niederschlag, ungeachtet aller Vorsicht, auch kleine Mengen von
kohlensaurem Baryt, Strontian und Kalk). Man lst das Thonerdehydrat in
Salzsure (indem man es mittelst eines kleinen Spatels so weit thunlich
in eine Platin- oder Porzellanschale bringt, das Filter alsdann, um
die letzten Reste auszuziehen, mit warmer Salzsure behandelt und
die ablaufende Salzsure zum Auflsen des in der Schale befindlichen
Niederschlages benutzt), setzt reine Kali- oder Natronlauge (vergl.
. 128. B. 1. a, Anmerkung) zu, bis der entstandene Niederschlag von
Thonerdehydrat sich wieder gelst hat, erhitzt, filtrirt heiss von
dem ausgeschiedenen Magnesiahydrat ab, lst dieses (nach sorgfltigem
Auswaschen mit heissem Wasser) in etwas Salzsure auf und fgt diese
Lsung zu dem erst erhaltenen, den grsseren Theil der Magnesia
enthaltenden Filtrat. (Man ersieht, dass so auch die kleinen Mengen
kohlensauren Baryts, Strontians und Kalks wieder zu der die Hauptmengen
enthaltenden Flssigkeit kommen.) -- Zur weiteren Trennung der
alkalischen Erden verfhrt man nach . 122. -- Die Thonerde fllt man
aus der alkalischen Lsung, indem man mit Salzsure stark ansuert, die
Lsung mit etwas chlorsaurem Kali kocht (um die der Fllung der Thonerde
hinderlichen Spuren organischer Materien zu zerstren, welche die Kali-
oder Natronlauge aus dem Filtrirpapier aufgenommen hat) und dann Ammon
zufgt (. 83. a.).

  2. _Methode, welche auf der ungleichen Zersetzbarkeit der
     salpetersauren Salze in mssiger Hitze beruht_, nach $Deville$[38].

Diese Methode setzt voraus, dass die Basen als reine salpetersaure Salze
vorhanden sind. Man verdampft in einer mit einem Deckel versehenen
Platinschale zur Trockne und erhitzt gradweise im Sand- oder Luftbade
bis ungefhr zu 200-250 so lange, bis ein mit Ammon befeuchtetes
Stbchen keine Entwickelung von Salpetersuredmpfen mehr anzeigt.
Man kann auch ohne Gefahr so lange erhitzen, bis sich einige Dmpfe
von salpetriger Sure bilden. -- Der Rckstand besteht aus Thonerde,
salpetersaurem Baryt, Strontian und Kalk, salpetersaurer und basisch
salpetersaurer Magnesia.

  [38] Journ. f. prakt. Chem. 1853. 60. 9.

Man befeuchtet die Masse mit einer concentrirten Lsung von
salpetersaurem Ammon und erhitzt. Diese Operation wiederholt man,
bis keine Ammoniakentwickelung mehr wahrnehmbar ist. (Die in Wasser
unlsliche basisch salpetersaure Magnesia lst sich in salpetersaurem
Ammon unter Ammoniakentwickelung als neutrale salpetersaure Magnesia.)
Man setzt Wasser zu und lsst bei gelinder Wrme digeriren.

Wenn das salpetersaure Ammon nur unmerkliche Mengen von Ammoniak
erzeugte, muss man heisses Wasser in die Schale giessen, umrhren und
einen Tropfen verdnntes Ammon zusetzen. Hierdurch darf keine Trbung in
der Flssigkeit entstehen. Entstnde eine, so wre dies ein Beweis, dass
das Erhitzen der Nitrate nicht lange genug fortgesetzt worden ist. Man
msste in letzterem Falle den Inhalt der Schale wieder verdampfen und
aufs Neue erhitzen.

Die Thonerde bleibt ungelst in Form einer krnigen dichten Substanz.
Man decantirt nach der Digestion und wscht mit siedendem Wasser aus,
glht stark in dem nmlichen Gefsse, worin die Trennung geschah, und
wgt. Die alkalischen Erden trennt man nach . 122. -- Auf dieselbe Art
lsst sich die Thonerde auch von Kali und Natron scheiden.


     B. Specielle Methoden.

$Einzelne alkalische Erden von Thonerde.$

  1. _Solche, welche auf der Fllung der Thonerde durch Ammon beruhen._

$Thonerde von Kalk, Baryt, Strontian.$ Man modificirt die in A.
1. angegebene Methode folgendermaassen. -- Man versetzt die warme
Flssigkeit mit Salmiak und kohlensurefreiem Ammon, stellt das Glas auf
einen Teller, welcher etwas Natronlauge, Kalkmilch oder Ammonflssigkeit
enthlt, und strzt eine Glocke darber. So lsst man stehen, bis die
Thonerde sich abgesetzt hat. Nunmehr giesst man die klare Flssigkeit
rasch in ein anderes Becherglas ab, bergiesst die Thonerde mit
siedendem Wasser, rhrt um und stellt wieder unter die Glocke. Die
abgegossene Flssigkeit aber filtrirt man. Dies wiederholt man drei Mal.
Nun wechselt man das unter dem Trichter stehende Gefss, bergiesst
das Filter mit etwas warmer Salzsure, wscht es aus, erhitzt die so
erhaltene Lsung des geringen Filterinhaltes zum Kochen und fllt die
Spur Thonerde, welche darin enthalten sein kann, durch Ammon, filtrirt
dann erst diese Flssigkeit, bringt zuletzt auch die Hauptmenge des
Thonerdehydrates auf das Filter und wscht mit heissem Wasser aus. --
Auf diese Art lsst sich der nachtheilige Einfluss der atmosphrischen
Kohlensure vllig vermeiden. -- Oder -- und diese Methode wendet man
zweckmssig an, wenn wenig Thonerde und viel Kalk vorhanden ist -- man
fllt wie in A. 1., filtrirt, wscht den Niederschlag zwei oder drei Mal
mit heissem Wasser, lst ihn sodann in Salzsure, erhitzt die Lsung zum
Sieden, fllt sie dann wieder mit Ammon und filtrirt, nach geeignetem
Absitzen, die Lsung, welche die zuerst mitgefllte Spur Kalk enthlt,
zu der die Hauptmenge enthaltenden.

  2. _Solche, welche auf der Fllbarkeit der Thonerde durch
     doppelt-kohlensaures Natron oder kohlensauren Baryt beruhen._

a. $Thonerde von Magnesia$ (und von kleinen Mengen $Kalk$). Man setzt
zu der mssig sauren, in einem Kolben oder zu bedeckenden Becherglase
enthaltenen, ziemlich verdnnten Flssigkeit eine kalt bereitete
Auflsung von doppelt-kohlensaurem Kali oder Natron, so lange noch
Aufbrausen erfolgt und ein Niederschlag entsteht, lsst 12 Stunden
stehen, decantirt und filtrirt (. 31) und benutzt zum Auswaschen
kohlensaures Wasser (welches man in der Art leicht herstellt, dass
man zu einer ganz verdnnten Lsung von doppelt-kohlensaurem Kali
oder Natron eine kleine, zur Sttigung der Base unzureichende, Menge
Salzsure setzt). -- Der Niederschlag ist alkalihaltiges Thonerdehydrat,
in Auflsung hat man die gesammte Magnesia. Ersteren lst man in
Salzsure und fllt die Thonerde unter Salmiakzusatz mit Ammon (. 83.
a.), letztere schlgt man als basisch phosphorsaure Ammoniakmagnesia
nieder (. 82. 2.). -- Resultate genau.

Diese Methode lsst sich auch zur gleichzeitigen Abscheidung des
Kalks und der Magnesia von Thonerde anwenden, jedoch nur dann mit
befriedigendem Resultat, wenn die Menge des Kalks gering ist.
-- Man verdnne in solchem Falle die Flssigkeit stark, ehe man
doppelt-kohlensaures Natron zusetzt und flle in zu verschliessendem
Kolben.

b. $Thonerde von Magnesia und Kalk.$ Man versetzt die schwach saure,
verdnnte Flssigkeit mit aufgeschlmmtem kohlensauren Baryt im mssigen
Ueberschuss, lsst in der Klte 12 Stunden stehen, decantirt und
filtrirt (. 31) und bestimmt im Niederschlag die Thonerde nach . 124.
1. B. 3., im Filtrat Magnesia und Kalk nach . 122.

  3. _Solche, welche auf der Unlslichkeit einzelner Salze der alkalischen
     Erden beruhen._

a. $Baryt und Strontian von Thonerde.$ Man fllt mit _Schwefelsure_ den
Baryt und Strontian (. 79 und 80), im Filtrat die Thonerde nach . 83.
a. Diese Methode ist bei Baryt jeder anderen vorzuziehen.

b. $Kalk von Thonerde.$ Man setzt zur Auflsung Ammon, bis eben ein
bleibender Niederschlag entsteht, fgt Essigsure zu, bis er sich
wieder gelst hat, dann etwas essigsaures Ammon und zuletzt _oxalsaures
Ammon_ im geringen Ueberschuss (. 81. 2. b. [Greek: b].), filtrirt, nach
dem Absitzen in der Klte, den kleesauren Kalk ab und fllt die Thonerde
nach . 83. a.

2. $Trennung des Chromoxyds von den alkalischen Erden.$

Handelt es sich darum, die smmtlichen alkalischen Erden gleichzeitig
von dem Chromoxyd zu trennen, so fhrt man am besten das Chromoxyd in
Chromsure ber. Man vermischt zu dem Behuf die gepulverte Substanz mit
2 Theilen reinem _kohlensauren Natron_ und 2-1/2 Theilen _Salpeter_
und erhitzt in einem Porzellantiegel zum Schmelzen. Beim Behandeln
der geschmolzenen Masse mit heissem Wasser lst sich das Chrom als
chromsaures Alkali (in dem es nach . 104 zu bestimmen ist), im
Rckstande bleiben die alkalischen Erden im kohlensauren oder auch
(Magnesia) kaustischen Zustande.

Dass $Baryt$ und, wenngleich minder genau, $Strontian$ vom Chromoxyd
auch durch _Schwefelsure_, welche man zur sauren Lsung setzt, getrennt
werden knnen, braucht kaum erwhnt zu werden. Durch Ammon lsst sich
Chromoxyd nicht von den alkalischen Erden trennen, indem -- auch bei
Abschluss aller Kohlensure -- Antheile der letzteren, mit dem Chromoxyd
verbunden, niederfallen. -- Kalk kann aus Lsungen, welche Chromoxydsalz
enthalten, durch oxalsaures Ammon nicht vollstndig gefllt werden; wohl
aber durch Schwefelsure und Alkohol (. 81. 1.).


             III. Trennung des Chromoxyds von der Thonerde.

                                . 125.

Man schmelzt die Oxyde mit dem doppelten Gewichte salpetersauren Kalis
und dem vierfachen an kohlensaurem Natron in einem Platintiegel,
behandelt die geschmolzene Masse mit siedendem Wasser, splt Alles
aus dem Platintiegel in eine Porzellanschale oder ein Becherglas,
setzt ziemlich viel chlorsaures Kali hinzu, bersttigt schwach mit
Chlorwasserstoffsure, dampft zur Syrupconsistenz ein und fgt whrend
des Eindampfens portionenweise noch mehr chlorsaures Kali zu, um die
freie Salzsure wegzuschaffen. Man verdnnt jetzt mit Wasser und fllt
die Thonerde durch kohlensaures Ammon oder Ammon nach . 83. a. Sie
fllt frei von Chromoxyd nieder. Im Filtrate bestimmt man das Chrom nach
. 104. -- Unterlsst man das Eindampfen mit Salzsure und chlorsaurem
Kali, so wird durch die in der Flssigkeit enthaltene salpetrige Sure
ein Theil der Chromsure reducirt, und es fllt somit bei Zusatz von
Ammon mit der Thonerde Chromoxyd nieder ($Dexter$)[39].

  [39] $Pogg$. Ann. 89. 142.


                            $Vierte Gruppe.$

   $Zinkoxyd, Manganoxydul, Nickeloxydul, Kobaltoxydul, Eisenoxydul,
                              Eisenoxyd.$

       I. Trennung der Oxyde der vierten Gruppe von den Alkalien.

                                . 126.

      A. Allgemeine Methoden.

1. $Smmtliche Oxyde der vierten Gruppe von Ammon.$ Man verfhrt wie bei
der Trennung des Chromoxyds und der Thonerde von Ammon (. 123). (Man
hat dabei zu beachten, dass die Oxyde der vierten Gruppe, mit Salmiak
geglht, sich folgendermaassen verhalten. Eisenoxyd wird zum Theil als
Chlorid verflchtigt, Manganoxyde verwandeln sich in oxydoxydulhaltiges
Manganchlorr, Nickel- und Kobaltoxyde gehen in regulinische Metalle
ber, Zinkoxyd verflchtigt sich bei Luftzutritt als Chlormetall, H.
$Rose.$)

2. $Smmtliche Oxyde der vierten Gruppe von Kali und Natron.$ Man
versetzt mit Ammon bis neutral, dann mit _Schwefelammonium_ und filtrirt
die Schwefelmetalle von der die Alkalien enthaltenden Flssigkeit
ab. Bei der Ausfhrung hat man die beim Schwefelnickel (. 87. b.)
angegebenen Vorsichtsmaassregeln wohl zu beachten, andernfalls bleibt
ein Theil desselben gelst. Das Filtrat wird mit Salzsure angesuert,
eingedampft, der Schwefel abfiltrirt, das Filtrat zur Trockne gebracht,
der Rckstand zur Entfernung der Ammonsalze geglht und die Alkalien
nach den . 120 angefhrten Methoden bestimmt.


      B. Specielle Methoden.

  1. $Zinkoxyd von Kali und Natron$, durch Ausfllen des Zinks mit
     Schwefelwasserstoff aus der Lsung der essigsauren Salze
     (s. . 128. B. 2. a.).

  2. $Nickeloxydul und Kobaltoxydul von den Alkalien$, durch Glhen der
     Chlormetalle im Wasserstoffstrom (s. . 128. B. 4.).

  3. $Eisenoxyd von Kali und Natron$, durch Ausfllen des Eisenoxyds mit
     Ammon (s. . 124. 1. A. 1.) oder Erhitzen der salpetersauren Salze
    (s. . 124. 1. A. 2.).

  4. $Manganoxydul von den Alkalien.$

     a. Man sttigt die Lsung mit _Chlor_ und fllt das Mangan -- als
        Oxydhydrat -- mit _Ammon_, . 127. B. 4. a. [Greek: d].

     b. Man fllt das Mangan mit Bleihyperoxyd ($Gibbs$); siehe . 127.
        B. 4. a. [Greek: a]. Die Sure, an welche die Basen gebunden sind,
        kann Salzsure, Salpetersure oder Schwefelsure sein. Bei frei
        gegebener Wahl whle man erstere.

     c. Man erhitzt die salpetersauren Salze ($Deville$), siehe . 127.
        B. 4. a. [Greek: c].


  II. Trennung der Oxyde der vierten Gruppe von den alkalischen Erden.

                                . 127.

  $Uebersicht$: $Zinkoxyd$ von Baryt: A,-B. 1. 2. 5, -- von Strontian:
                A,-B. 1. 2. 5, -- von Kalk: A,-B. 2. 5, -- von Magnesia:
                A,-B. 2.
                $Manganoxydul$ von Baryt: A,-B 1. 4, -- von Strontian:
                A,-B. 1. 4, -- von Kalk: A. B. 4, -- von Magnesia:
                A,-B. 4.
                $Nickel- und Kobaltoxydul$ von Baryt und Strontian:
                A,-B. 1. 5. 7, -- von Kalk: A,-B. 5. 7, -- von Magnesia:
                A,-B. 6.
                $Eisenoxyd$ von Baryt und Strontian: A,-B. 1. 3, -- von
                Kalk: A,-B. 3, -- von Magnesia: A,-B. 3.

     A. Allgemeine Methode.

$Smmtliche Oxyde der vierten Gruppe von den alkalischen Erden.$
Man fllt nach Zusatz von Salmiak (und, wenn sauer, Ammon) mit
Schwefelammonium wie in . 126. A. 2. Man sehe darauf, dass das
Schwefelammonium vllig mit Schwefelwasserstoff gesttigt und frei von
kohlensaurem Ammon sei, und wende es in gengendem Ueberschuss an. Der
Niederschlag ist mit Wasser, dem man etwas Schwefelammonium zugesetzt
hat, rasch und, so weit thunlich, bei Luftabschluss auszuwaschen. -- Das
Filtrat suert man mit Salzsure an, erhitzt, filtrirt den Schwefel ab
und trennt die alkalischen Erden nach . 122.


     B. Specielle Methoden.

  1. $Baryt und Strontian von smmtlichen Oxyden der vierten Gruppe.$ Man
     fllt aus der sauren Lsung den Baryt und Strontian mit Schwefelsure
     (. 79 und 80). (Bei Baryt jeder anderen Methode vorzuziehen.)

  2. $Zinkoxyd von den alkalischen Erden.$ Man verwandelt die Basen in
     essigsaure Salze und fllt aus der Lsung das Zink nach . 85. b.

  3. $Eisenoxyd von den alkalischen Erden.$

     a. Man fllt die verdnnte Lsung mit doppelt-kohlensaurem Natron
        oder mit kohlensaurem Baryt (s. . 124. 1. B. 2.).

     b. Man fllt das Eisenoxyd mit bernsteinsaurem Ammon (. 90. 1. c.).

     c. Man zersetzt die salpetersauren Salze durch Hitze
        (. 124. 1. A. 2.).

     d. Man setzt zu der mssig verdnnten Lsung kohlensaures Natron,
        bis dieselbe fast neutral und tief braunroth geworden ist, fgt
        _essigsaures Natron_ zu, kocht und filtrirt den braunrothen
        Niederschlag, der alles Eisenoxyd in Form eines basischen Salzes
        enthlt, ab. Whrend des Filtrirens ist die Flssigkeit stets am
        Sieden zu erhalten. Das Auswaschen geschieht mit siedendem Wasser.

     e. (Nicht anwendbar auf Magnesia.) Man fllt mit _Ammon_ und verfhrt
        dabei genau nach . 124. 1. B. 1. -- Will man diese Methode auch
        bei Gegenwart von Magnesia anwenden, so lst man das
        magnesiahaltige Eisenoxydhydrat wieder in Salzsure und fllt mit
        doppelt-kohlensaurem Natron.

  4. $Manganoxydul von den alkalischen Erden.$

      a. _Methoden, welche sich auf die Abscheidung des Mangans als Oxyd
         oder Hyperoxyd grnden._

[Greek: a]. Nach $Gibbs$[40]. Man setzt der $vollkommen$ neutralen
Lsung der Basen, welche an Salzsure, Salpetersure oder -- bei
Magnesia -- auch Schwefelsure gebunden sein knnen (sind neben den
alkalischen Erden Alkalien zugegen, so ist Salzsure, andernfalls
Salpetersure vorzuziehen), reines Bleihyperoxyd[41] zu (auf 1 Grm.
Substanz 5 Grm. Hyperoxyd) und digerirt bei etwa 85 C. unter fterem
Umrhren eine Stunde lang, filtrirt den Niederschlag, der alles Mangan
-- wahrscheinlich als Oxyd -- enthlt, ab und wscht ihn mit siedendem
Wasser aus. (Ist Magnesia zugegen, so setzt man vor dem Filtriren der
erkalteten Lsung einige Tropfen Salpetersure zu.) Im Filtrate bestimmt
man die alkalischen Erden (und Alkalien) nach . 121 und 122. Der
Niederschlag wird geglht, in starker Salpetersure gelst und Mangan
und Blei nach . 130 getrennt. (Einigermaassen umstndlich. -- Gegenwart
von etwas freier Salzsure schadet nicht, wohl aber freie Salpetersure
und Schwefelsure; vergl. $Will$, Ann. der Chem. und Phar. 86. 62.)

  [40] Ann. der Chem. und Pharm. 86. 54.

  [41] Das aus Mennige bereitete Bleihyperoxyd ist -- wegen
       beigemischter Verunreinigungen -- nicht brauchbar. Reines ist zu
       erhalten durch Behandlung von in Wasser suspendirtem
       Bleioxydhydrat mit Chlor, Waschen des Productes mit siedendem
       Wasser, Digeriren mit Salpetersure und nochmaliges Auswaschen.

[Greek: b]. Nach $Schiel$[42]. Man leitet in die salzsaure Lsung,
nachdem man sie mit kohlensaurem Natron fast neutralisirt und mit
essigsaurem Natron versetzt hat, _Chlorgas_. Hierdurch zersetzt sich das
essigsaure Manganoxydul und alles Mangan scheidet sich als Hyperoxyd
aus. Die alkalischen Erden bleiben gelst.

  [42] $Sillim.$ Journ. 15. 275.

[Greek: c]. Nach $Deville$[43]. Die Basen mssen als Nitrate vorhanden
sein. Man erhitzt in einer bedeckten Platinschale auf 200-250, bis alle
Bildung von Dmpfen aufhrt und die Masse schwarz geworden, und verfhrt
im Uebrigen nach . 124. 1. A. 2. -- Unter dem Einflusse einer kleinen
Menge organischer Substanz oder auch einer zu starken Hitze knnen sich
Spuren von Manganhyperoxyd reduciren und in salpetersaurem Ammon lsen;
man findet sie dann bei der Magnesia.

  [43] Journ. f. prakt. Chem. 60. 11.

[Greek: d]. Man sttigt die Lsung mit Chlorgas (bei sehr kleinen
Mengen von Mangan gengt Zusatz von Chlorwasser) und fllt das Mangan
als Oxydhydrat durch doppelt-kohlensaures Natron oder kohlensauren Baryt
H. ($Rose$). Wenn viel Kalk, Baryt oder Strontian zugegen ist, fllt man
zuerst mit Ammon, filtrirt, wscht aus, lst den Niederschlag nochmals
in Salzsure und fllt nun erst mit doppelt-kohlensaurem Natron.
(Man hte sich davor, dadurch, dass man Chlor in eine viel Salmiak
enthaltende Lsung allzulange einleitet, Chlorstickstoff zu erzeugen.)

      b. _Methoden, welche sich auf die volumetrische Bestimmung des
         Mangans grnden_, nach $Bunsen$ und $Krieger$[44].

[Greek: a]. $Mangan von Magnesia.$ Man fllt mit Natronlauge (. 86. 1.
b.). Der wohl ausgewaschene Niederschlag wird geglht und gewogen. Wenn
die Menge der Magnesia gengend ist, hat der Rckstand die Formel

                        Mn_{2}O_{3},MgO + xMgO.

Man behandelt eine gewogene Probe nach . 112, Anhang, findet so die
Menge des Mangans (1 Aeq. Chlor, beziehungsweise 1 Aeq. in Freiheit
gesetztes Jod entspricht 1 Aeq. Mn_{2}O_{3}) und aus der Differenz die
der Magnesia. --

[Greek: b]. Von _Baryt_ und _Strontian_. Man fllt mit kohlensaurem
Natron (. 86. 1. a.). Der wohl ausgewaschene Niederschlag hat die Formel

                    Mn_{2}O_{3}, BaO + xBaO, CO_{2}.

Man behandelt eine Probe wie in [Greek: a]. und findet so die Menge
des Mangans. Die des kohlensauren Baryts ergiebt sich, wenn man das
Manganoxyd abzieht von dem gewogenen Niederschlag und zu der Differenz
so viel Kohlensure zuzhlt, als durch das Manganoxyd ausgetrieben
worden ist, d. h. fr je 1 Aeq. Mn_{2}O_{3}, 1 Aeq. CO_{2}.

[Greek: c]. Von $Kalk$. Man verfhrt wie bei Baryt und Strontian
angegeben, befeuchtet aber nach dem Glhen wiederholt mit kohlensaurem
Ammon, trocknet ein und glht gelinde, bis das Gewicht constant bleibt.

  [44] Ann. der Chem. und Pharm. 87. 268.

NB. Diese Art der volumetrischen Bestimmung des Mangans setzt voraus,
dass mehr als 1 Aeq. MgO, CaO etc. auf je 1 Aeq. Mn_{2}O_{3} vorhanden
ist, denn im anderen Falle enthlt der Rckstand neben Mn_{2}O_{3}
auch Mn_{2}O_{3}, MnO. -- Um auch in solchem Falle die Methode
anwenden zu knnen, lst man, nach $Krieger$, eine Probe des gewogenen
Niederschlages auf, setzt die Hlfte ihres Gewichtes Zinkoxyd zu, fllt
mit kohlensaurem Natron, bestimmt die Menge des Niederschlages nach
lngerem Glhen an der Luft und wendet den so erhaltenen Rckstand oder
einen aliquoten Theil desselben zur volumetrischen Bestimmung an. In
diesem ist nun alles Mangan als Mn_{2}O_{3} enthalten.

5. $Kobaltoxydul, Nickeloxydul und Zinkoxyd von Baryt, Strontian und
Kalk.$ Man versetzt mit kohlensaurem Natron im Ueberschuss, fgt
Cyankalium zu, erwrmt sehr gelinde, bis alles gefllte kohlensaure
Kobaltoxydul, Nickeloxydul und Zinkoxyd wieder in Lsung ist, und
filtrirt die kohlensauren alkalischen Erden von der Lsung der
Cyanmetalle in Cyankalium ab. Erstere werden in verdnnter Salzsure
gelst und nach . 122 getrennt, letztere scheidet man nach . 128.

6. $Kobalt- und Nickeloxydul von Magnesia.$ Man fllt die Lsung durch
eine Mischung von unterchlorigsaurer Kali- und Aetzkali-Lsung. Den
Niederschlag, welcher aus Nickelsuperoxyd, Kobaltoxyd und Magnesiahydrat
besteht, digerirt man nach vlligem Auswaschen noch feucht bei 30-40C.
mit einer berschssigen Lsung von Quecksilberchlorid. Dabei bildet
sich ein Doppelsalz von MgCl + 3HgCl und die Talkerde wird aufgelst,
whrend eine entsprechende Quantitt von basischem Quecksilberchlorid
ausgefllt wird ($Ulgren$, $Berzel$. Jahresber. 21. 146). Die Lsung und
das Waschwasser dampft man unter Zusatz von reinem Quecksilberoxyd ein
und bestimmt die Magnesia nach . 82. 3. b. -- Die Oxyde des Nickels und
Kobalts werden zur Abscheidung des Quecksilbers geglht und auf unten
anzugebende Weise geschieden.

7. $Kobalt- und Nickeloxydul von Baryt, Strontian, Kalk.$ Man glht die
Chlormetalle in Wasserstoffgas (. 128. B. 4.).


    III. Trennung der Oxyde der vierten Gruppe von denen der dritten
                        Gruppe und von einander.

                                . 128.

  $Uebersicht$: $Thonerde$ von Chromoxyd: B. 1. a, -- von Zinkoxyd: A. 1
                u. 2, B. 2. a, 8. a, -- von Manganoxydul: A. 1. u. 2, --
                B. 1. a, 5. b u. c, 10. c, -- von Nickeloxydul: A. 1 u.
                2, B. 1. b, 8. a, -- von Kobaltoxydul: A. 1 u. 2, B. 1.
                b, 8. a, -- von Eisenoxydul: A. 1 u. 2, B. 1. a u. b, --
                von Eisenoxyd: A. 2, B. 1. a u. b, 3. a, 10. a.

                $Chromoxyd$ von Thonerde: B. 1. a, -- von Zinkoxyd,
                Manganoxydul, Nickeloxydul, Kobaltoxydul und
                Eisenoxydul: A. 1 u. 2, B. 5. a, -- von Eisenoxyd: A. 2,
                B. 3. a, 5. a.

                $Zinkoxyd$ von Thonerde: A. 1 u. 2, B. 2. a, 8. a, --
                von Chromoxyd: A. 1 u. 2, B. 5. a, -- von Manganoxydul:
                B. 2. a, 5. b u. c, 10. d, -- von Nickeloxydul: B. 2. a
                u. c, 3. c, 9, -- von Kobaltoxydul: B. 2. a u. c, 3. c,
                8. c, 9, -- von Eisenoxyd: A. 1, B. 2. a, 6, 9. b.

                $Manganoxydul$ von Thonerde: A. 1 u. 2, B. 1. a, 5.
                b u. c, 10. c, -- von Chromoxyd: A. 1 u. 2, B. 5. a,
                -- von Zinkoxyd: B. 2. a, 5. b u. c, 10. d, -- von
                Nickeloxydul: B. 2. b u. c, 4, 5. b, c u. d, -- von
                Kobaltoxydul: B. 2. b u. c, 4, 8. d, -- von Eisenoxyd:
                A. 1, B. 5. c, 6, 10. c.

                $Nickeloxydul$ von Thonerde: A. 1 u. 2, B. 1. b, 8. a,
                -- von Chromoxyd: A. 1 u. 2, B. 5. a, von Zinkoxyd: B.
                2. a u. c, 3. c, 9, -- von Manganoxydul: B. 2. b u. c,
                4, 5. b, c u. d, -- von Kobaltoxydul: B. 5. d, 8. b, --
                von Eisenoxyd: A. 1, B. 2. b, 6.

                $Kobaltoxydul$ von Thonerde: A. 1 u. 2, B. 1. b, 8. a,
                -- von Chromoxyd: A. 1 u. 2, B. 5. a, -- von Zinkoxyd:
                B. 2. a u. c, 3. c, 8. c, 9, -- von Manganoxydul: B. 2.
                b u. c, 4, 8. d, von Nickeloxydul: B. 5. d, 8. b, -- von
                Eisenoxyd: A. 1, B. 2. b, 6, 7.

                $Eisenoxydul$ von Thonerde: A. 1 u. 2, B. 1. a u. b, --
                von Chromoxyd: A. 1 u. 2, -- von Eisenoxyd: A. 1, B. 3.
                b, 10. b, 11.

                $Eisenoxyd$ von Thonerde: A. 2, B. 1. a u. b, 3. a, 10.
                a, -- von Chromoxyd: A. 2, B. 3. a, B. 5. a, -- von
                Zinkoxyd: A. 1, B. 2. a, 6, 9. b, -- von Manganoxydul:
                A. 1, B. 5. c, 6, 10. c, -- von Nickeloxydul: A. 1, B.
                2. b, 6, -- von Kobaltoxydul: A. 1, B. 2. b, 6, 7, --
                von Eisenoxydul: A. 1, B. 3. b, 10. b, 11.

     A. Allgemeine Methoden.

  1. _Methode, welche auf der Fllbarkeit einiger Oxyde durch
     kohlensauren Baryt beruht._

     $Eisenoxyd, Thonerde und Chromoxyd von allen brigen Basen der
                            vierten Gruppe.$

Man versetzt die in einem Kolben enthaltene, ein wenig freie Sure
enthaltende, hinlnglich verdnnte Lsung (ist viel freie Sure zugegen,
sttigt man den grssten Theil derselben mit kohlensaurem Natron) mit in
Wasser fein aufgeschlmmtem kohlensauren Baryt in mssigem Ueberschuss,
verstopft und lsst in der Klte unter fterem Umschtteln lngere Zeit
stehen. Hierdurch wird Eisenoxyd, Thonerde und Chromoxyd vollstndig
abgeschieden (die Abscheidung des Chromoxydes erfordert am meisten
Zeit), whrend die anderen Basen gelst bleiben (nur von Kobaltoxydul
schlagen sich meist Spuren mit nieder). Man decantirt, rhrt mit kaltem
Wasser auf, lsst absitzen, decantirt nochmals, filtrirt und wscht mit
kaltem Wasser aus. Der Niederschlag enthlt ausser den gefllten Oxyden
kohlensauren Baryt, das Filtrat ausser den nicht gefllten Oxyden ein
Barytsalz. --

[Illustration: Fig. 53.]

Sollte Eisenoxydul zugegen gewesen sein, und man die Absicht hegen,
dies auf die genannte Art von Eisenoxyd etc. zu trennen, so muss
whrend der ganzen Operation die Luft abgeschlossen werden. Man nimmt
alsdann die Auflsung der Substanz, die Fllung, wie das Auswaschen
durch Decantation, in einem Kolben (_A_ Fig. 53) vor, durch welchen man
Kohlensure leitet (_d_). Das Nachfllen des Auswaschwassers geschieht
durch ein Trichterrohr, das Ablassen durch einen im Kork verschiebbaren
Heber (_b_), welche beide luftdicht im Stopfen eingepasst sind.

($Scheerer$ wendet zur Trennung des Eisenoxyds von Oxydul die in einer
Kohlensureatmosphre durch Erhitzen mit concentrirter Schwefelsure
bereitete Lsung an, lsst erkalten, fgt Eis zu, bis zur geeigneten
Verdnnung, sttigt annhernd mit kohlensaurem Ammon und kocht, unter
fortwhrendem Einleiten von Kohlensure, die Flssigkeit lngere Zeit
mit sehr fein zerriebenem Magnesit, wodurch alles Eisenoxyd gefllt
wird.)

  2. _Methode, welche auf der Ausfllung der Oxyde der vierten Gruppe
     durch Schwefelnatrium aus durch Weinsure vermittelter alkalischer
     Lsung beruht._

$Thonerde und Chromoxyd von den Oxyden der vierten Gruppe.$ Man
versetzt die Lsung mit Weinsteinsure, dann mit reiner Natron- oder
Kalilauge, bis die Flssigkeit wieder klar ist, fgt Schwefelnatrium
zu, so lange noch ein Niederschlag entsteht, lsst absitzen, bis die
berstehende Flssigkeit nicht mehr grnlich oder brunlich gefrbt
erscheint, decantirt, rhrt den Niederschlag mit schwefelnatriumhaltigem
Wasser auf, decantirt nochmals, bringt nun den alle Metalle der
vierten Gruppe enthaltenden Niederschlag auf ein Filter, wscht ihn
mit schwefelnatriumhaltigem Wasser aus und trennt im Niederschlage
die Metalle nach B. -- Das Filtrat verdampft man unter Zusatz von
salpetersaurem Kali zur Trockne, schmelzt den Rckstand und trennt die
Thonerde von der erzeugten Chromsure nach . 125.


     B. Speciellere Methoden.

  1. _Methoden, welche auf der Lslichkeit der Thonerde in tzenden
     Alkalien beruhen._

a. $Thonerde von Eisenoxyd und Oxydul$, $Chromoxyd und kleinen Mengen
von Manganoxydul$ (nicht aber von Nickel- und Kobaltoxydul). Man erhitzt
die saure ziemlich concentrirte Lsung in einem Kolben zum Sieden, nimmt
vom Feuer und reducirt das vorhandene Eisenoxyd durch schwefligsaures
Natron. Die noch einige Zeit im Sieden erhaltene Flssigkeit
neutralisirt man mit kohlensaurem Natron, fgt dann reine Natron- oder
Kalilauge[45] im Ueberschuss zu und kocht lngere Zeit. Bei Anwesenheit
von viel Eisen muss der Niederschlag schwarz und krnig werden, zum
Zeichen, dass er in Oxyduloxyd bergegangen ist. (Das anfngliche,
dem Kochen vorausgehende Stossen wird sowohl durch einen eingelegten,
spiralfrmigen Platindraht, als auch durch bestndiges Hin- und
Herbewegen der Flssigkeit vermieden. Sobald dieselbe wirklich kocht,
hrt das Stossen von selbst auf.) Man lsst jetzt absitzen, indem man
vom Feuer nimmt, giesst die klare Flssigkeit durch ein nicht zu porses
Filter, kocht den Niederschlag -- der Sicherheit halber -- nochmals mit
neu zugefgter Natronlauge und wscht ihn erst durch Decantiren, dann
auf dem Filter mit heissem Wasser aus. Das alkalische Filtrat suert
man mit Salzsure an, kocht mit etwas chlorsaurem Kali (. 124. 1. A.
1.), concentrirt durch Abdampfen und fllt daraus die Thonerde nach
. 83. a. (Journ. f. prakt. Chem. 45. 261). Das Kochen der gefllten
Oxyde mit Natronlauge geschieht -- wenn man eine etwas grosse Silber-
oder Platinschale hat -- besser in einer solchen. -- Man vermeide wohl
thon- und kieselerdehaltige Natronlauge.

  [45] Zur Bereitung reiner Natron- oder Kalilauge hat $Whler$ krzlich
       folgende Methode angegeben: Man schichtet 1 Theil Salpeter
       und 2-3 Theile zerschnittenes Kupferblech in einen eisernen,
       besser kupfernen Tiegel, bedeckt denselben und setzt ihn eine
       halbe Stunde lang einer mssigen Rothglhhitze aus. Nach dem
       Erkalten wird die Masse mit Wasser behandelt (womit sie sich
       stark erhitzt), die Lauge -- welche ganz kupferfrei ist -- in
       einem hohen Cylinder absitzen gelassen, dann mit einem Heber
       abgenommen. -- Man bewahrt sie am besten nach der $Mohr$'schen
       Methode, d. h. in einer Flasche auf, welche mittelst eines Korkes
       verschlossen wird, durch den ein an beiden Enden offenes, mit
       einem grblichen Gemenge von Glaubersalz und Aetzkalk geflltes
       Rohr luftdicht gesteckt ist (Ann. der Chem. und Pharm. 87. 373).

Ist Chromoxyd zugegen gewesen, so findet sich dies zwar der Hauptmasse
nach bei dem Eisenoxyd, eine kleine Menge ist aber zu Chromsure oxydirt
worden und findet sich daher in der von der Thonerde abfiltrirten
Flssigkeit.

b. $Thonerde von Eisenoxyd und Oxydul$, $Kobalt$- $und Nickeloxydul$.
Man schmelzt die Oxyde mit Kalihydrat im Silbertiegel, kocht die Masse
mit Wasser und filtrirt die alkalische, die Thonerde enthaltende
Flssigkeit von den thonerdefreien, aber kalihaltigen, Oxyden ab (H.
$Rose$).

  2. _Methoden, welche auf dem verschiedenen Verhalten der
     Schwefelmetalle zu Suren oder der essigsauren Lsungen zu
     Schwefelwasserstoff beruhen._

a. $Zinkoxyd von Thonerde und den Oxyden der vierten Gruppe.$ Man
fllt die von unorganischen Suren freie, berschssige Essigsure
in gengender Menge enthaltende Lsung der essigsauren Salze durch
Schwefelwasserstoff, wodurch nur das Zink niedergeschlagen wird (. 85.
b). Die Oxyde erhlt man in der Regel am leichtesten in essigsaurer
Lsung, indem man sie in schwefelsaure Salze verwandelt und dann
essigsauren Baryt in gengender Menge zufgt. -- Man leitet alsdann,
ohne zu erwrmen und ohne abzufiltriren, in die, nthigenfalls noch
mit Essigsure versetzte, Flssigkeit Schwefelwasserstoff. -- Fllt
der Niederschlag, wie dies zuweilen der Fall ist, grau aus, so kann
man, wenn mitgeflltes Schwefeleisen Ursache der Frbung ist, dadurch
helfen, dass man gelinde erwrmt und dann nochmals Schwefelwasserstoff
einleitet. Der Niederschlag, ein Gemenge von Schwefelzink und
schwefelsaurem Baryt, wird mit schwefelwasserstoffhaltigem Wasser
ausgewaschen. Man erhitzt ihn dann mit Salzsure, filtrirt und bestimmt
im Filtrat das Zink nach . 85. a. -- In der von dem Schwefelzink
abfiltrirten Flssigkeit bestimmt man, nach Ausfllung des Barytes, die
anderen Oxyde.

b. $Kobalt- und Nickeloxydul von Manganoxydul und den Oxyden des
Eisens.$ Man fllt die salpetersurefreie Lsung, nachdem man etwaige
freie Sure durch Ammon abgestumpft hat, mit Schwefelammonium und
fgt dann sehr verdnnte Salzsure (H. $Rose$) oder Essigsure
($Wackenroder$) zu. Hierdurch lst sich Schwefelmangan und
Schwefeleisen, whrend Schwefelkobalt und, wenngleich weniger
vollkommen, Schwefelnickel ungelst bleiben. -- Behandelt man die aus
dem Filtrat durch Zusatz von Ammon und Schwefelammonium neuerdings
gefllten Schwefelmetalle nochmals mit verdnnter Salzsure, so sind die
Resultate sehr annhernd.

c. $Kobalt- und Nickeloxydul von Manganoxydul und Zinkoxyd.$

[Greek: a]. Man erhitzt das gewogene Gemenge der Oxyde in einem in
eine Rhre geschobenen Porzellan- oder Platinschiffchen zum dunkeln
Rothglhen, whrend man Schwefelwasserstoffgas darber leitet. Nachdem
die erzeugten Schwefelmetalle im Gasstrome erkaltet sind, digerirt man
sie mehrere Stunden lang mit kalter verdnnter Salzsure, welche nur das
Schwefelmangan (und Schwefelzink) lst. Die Schwefelverbindungen des
Nickels und Kobalts bleiben rein zurck ($Ebelmen$)[46].

  [46] Ann. der Chem. und Pharm. 72. 329. $Ebelmen$ hat sein Verfahren
       nur zur Trennung des CoO und NiO von MnO angegeben.

[Greek: b]. Man fllt mit kohlensaurem Natron, filtrirt, wscht aus,
glht, mischt 1 Thl. mit 1,5 Thl. Schwefel und 0,75 Soda, erhitzt in
einem Retrtchen mglichst stark 1/2 Stunde lang. Nach dem Erkalten
zieht man das erzeugte Schwefelzink (und Schwefelmangan) mit verdnnter
Salzsure (1 : 10) aus ($Brunner$)[47].

  [47] Ann. der Chem. und Pharm. 80. 364. $Brunner$ hat die Methode nur
       fr Nickel und Zink angegeben.

  3. _Methoden, welche auf dem verschiedenen Verhalten der Oxyde zu
     Wasserstoff in der Glhhitze beruhen._

a. $Eisenoxyd von Thonerde und Chromoxyd.$

[Greek: a]. Nach $Rivot$[48]. Man fllt mit Ammon, erhitzt, filtrirt,
glht, wgt, zerreibt und wgt eine Portion in einem kleinen
Porzellannachen ab. Diesen bringt man in eine horizontal liegende
Porzellanrhre, in deren eines Ende man durch Schwefelsure und
Chlorcalcium getrocknetes Wasserstoffgas einstrmen lsst. Das andere
Ende ist durch einen Stopfen verschlossen, in den eine engere, offene
Glasrhre eingepasst ist. Nachdem die Luft aus dem Apparate getrieben
ist, erhitzt man die Porzellanrhre allmlig zum Rothglhen und
unterhlt diese Temperatur so lange sich noch Wasser bildet (etwa
1 Stunde lang). Man lsst die Rhre unter fortwhrendem Einstrmen
von Wasserstoff erkalten, nimmt den Nachen heraus und wgt ihn.
Der Gewichtsverlust giebt die Menge des an Eisen zu Oxyd gebunden
gewesenen Sauerstoffs an. -- Will man die Oxyde getrennt bestimmen, was
namentlich dann nthig erscheint, wenn viel Thonerde und wenig Eisenoxyd
zugegen ist, so behandelt man das Gemenge von Thonerde, Chromoxyd und
metallischem Eisen mit einer Mischung von 1 Salpetersure und 30-40
Wasser (oder mit Wasser, dem man nach und nach sehr wenig Salpetersure
zusetzt). Das Eisen lst sich, Thonerde und Chromoxyd bleiben zurck.
Diese wgt man direct, jenes fllt man nach Kochen der Lsung durch
Ammon. -- Die Probeanalysen, welche $Rivot$ mittheilte, sind sehr
befriedigend.

  [48] Ann. de Chim. et de Phys. XXX. 188. Journ. f. prakt. Chem.
       51. 338.

[Greek: b]. $Deville$ leitet, nach geschehener Reduction durch
Wasserstoff (wie in [Greek: a].), erst Chlorwasserstoff, dann wieder
Wasserstoff durch die Rhre. Die Thonerde bleibt rein zurck, das
Eisen verflchtigt sich als Chlorr und wird entweder aus dem Verlust
oder direct bestimmt. Soll letzteres geschehen, so lst man das in den
Rhren und der tubulirten Vorlage befindliche Chlorr dadurch auf,
dass man verdnnte Salzsure zum Kochen erhitzt und die Dmpfe in
die Porzellanrhre leitet. Der Tubus der Vorlage wird dabei abwrts
gerichtet. ($Deville$ hat seine Methode nur zur Trennung des Eisenoxyds
von der Thonerde benutzt; offenbar wird sie sich aber auch zu der des
Eisenoxyds von Chromoxyd eignen.)

     $Anhang$: _Zerlegung des Chromeisensteins_ (nach $Rivot$)[49].

Man behandelt das fein gepulverte und geschlmmte Mineral nach [Greek:
a]. Bei lebhafter Rothglhhitze wird in einer Stunde alles Eisenoxydul
reducirt. Man digerirt die im Wasserstoffstrome erkaltete Masse 24
Stunden lang mit verdnnter Salpetersure und hat dann Eisen, Kalk und
Magnesia in Lsung, -- Chromoxyd, Thonerde und Kieselsure im Rckstand.

  [49] Journ. f. prakt. Chem. 51. 347.

b. $Eisenoxyd von Eisenoxydul.$ Hat man eine Verbindung, welche
Eisenoxyd und Eisenoxydul, sonst aber keine Substanzen oder wenigstens
keine solchen enthlt, die durch Glhen in Wasserstoffgas verndert
werden, so glht man sie in Wasserstoffgas heftig, lsst darin erkalten
und erfhrt so -- als Gewichtsverlust -- den Sauerstoff, der mit
dem Eisen verbunden war. Die Menge des letzteren lsst sich je nach
Umstnden durch directes Wgen des Rckstandes oder durch eine weitere
Analyse desselben feststellen. -- Die Operation kann man entweder so
ausfhren wie es in a. angegeben ist, oder auch nach der in . 88
beschriebenen und durch Fig. 42 erluterten Weise. -- Will man zur
Controle das erzeugte Wasser wgen, so kann man den in . 19 (Fig. 18)
beschriebenen Apparat whlen. Der Gasometer ist alsdann statt mit Luft
mit Wasserstoff zu fllen.

c. $Kobalt- und Nickeloxydul von Zinkoxyd.$ Nach $Ullgren$ ($Berz$.
Jahresber. 21. 145) fllt man unter den beim Zink nthigen
Vorsichtsmaassregeln (. 85) die Lsung mit kohlensaurem Natron. Die
Niederschlge werden sorgfltig mit kochendem Wasser ausgewaschen,
getrocknet, geglht und gewogen. Man zerreibt sie alsdann fein, bringt
einen abgewogenen Theil des Pulvers in die Kugel einer Kugelrhre und
erhitzt dieselbe, whrend man einen langsamen Strom von Wasserstoff
durchleitet, zum anfangenden Glhen. Sobald kein Wasser mehr gebildet
wird, lsst man die Masse im Wasserstoffstrome erkalten. Sie enthlt
alles Kobalt und Nickel als Metall, alles Zink als Oxyd. Jetzt wird
das Rohr an einem Ende zugeschmolzen, mit einer concentrirten Lsung
von kohlensaurem Ammon gefllt, verkorkt und 24 Stunden lang in
gelinder Wrme (z. B. bei 40) gelassen. Das Zinkoxyd lst sich hierbei
vollstndig auf unter Zurcklassung des Kobalts und Nickels, welche
noch mehrmals mit kohlensaurem Ammon ausgewaschen, dann getrocknet und
gewogen werden. Die Quantitt des Zinkoxyds erfhrt man durch behutsames
Abdampfen der ammoniakalischen Lsung und Glhen des Rckstandes.

  4. _Methoden, die auf dem verschiedenen Verhalten der Chloride zu
     Wasserstoff in der Glhhitze beruhen._

$Kobalt- und Nickeloxydul von Manganoxydul.$ Man scheidet zuerst die
Oxyde in reiner Form ab. Dies geschieht bei einer von Ammonsalzen freien
Lsung ganz einfach durch Fllung mit Natronlauge. Bei Gegenwart von
sehr viel Ammonsalzen fllt man am zweckmssigsten mit Schwefelammonium,
lst die ausgewaschenen Schwefelmetalle in Knigswasser und fllt
alsdann diese Lsung mit Natronlauge.

Die Oxyde oder einen gewogenen Theil derselben bringt man in
eine Kugelrhre und setzt sie in einem Strome von trockenem
Chlorwasserstoffgas einer mssigen Glhhitze aus, bis sie vllig in
Chlormetalle verwandelt sind, bis demnach kein Wasser mehr gebildet
wird, wozu eine lange Zeit erforderlich ist. -- Man leitet alsdann,
whrend man die Kugel stark erhitzt, trockenes Wasserstoffgas ber
die Chlormetalle und setzt dies so lange fort, bis nur noch schwache
Nebel bemerklich sind, wenn man einen mit Ammon befeuchteten Glasstab
dem Ausgange der Kugelrhre nhert. Kobalt- und Nickelchlorr werden
hierdurch zu Metall reducirt, whrend das Manganchlorr unverndert
bleibt. -- Man lsst im Wasserstoffstrom erkalten und stellt sodann
die Kugelrhre in einen Cylinder mit Wasser. Das Chlormangan kommt zum
grossen Theil in Lsung, zum kleineren schwimmt es als braune Flocken
in der Flssigkeit umher, Kobalt und Nickel setzen sich rasch ab. Man
giesst die Lsung sammt den suspendirten leichten Flocken ab, wscht das
Kobalt und Nickel auf einem gewogenen Filter zuerst mit ein wenig ganz
verdnnter Salzsure, dann mit Wasser ab, trocknet und wgt es (vergl.
brigens  88. b.). Die abgegossene Flssigkeit sammt den Waschwassern
concentrirt man unter Zusatz von etwas Salzsure und fllt das Mangan
mit kohlensaurem Natron (. 86). -- Resultate genau (H. $Rose$).

  5. _Methoden, die auf der verschiedenen Fhigkeit, durch
     Oxydationsmittel in hhere Oxyde, oder durch Chlor in hhere
     Chloride bergefhrt zu werden, beruhen._

a. $Chromoxyd von allen Oxyden der vierten Gruppe.$ Man schmelzt die
smmtlichen Oxyde mit Salpeter und Soda, vergl. . 125, kocht den
Rckstand mit Wasser, setzt eine nicht zu kleine Menge Weingeist zu
und erwrmt einige Stunden hindurch. Man filtrirt alsdann, bestimmt
im Filtrat das Chrom nach . 104, im Rckstande die Basen der vierten
Gruppe. -- Die Theorie dieses Verfahrens ist folgende: Beim Schmelzen
werden die Oxyde des Zinks, Kobalts, Nickels, Eisens und Mangans,
das des letzteren jedoch nur theilweise, abgeschieden, whrend
sich andererseits mangansaures (vielleicht auch etwas eisensaures)
und chromsaures Kali bildet. Beim Kochen mit Wasser kommt dieses
nebst bermangansaurem Kali in Auflsung, das durch die Bildung des
letzteren entstandene Manganhyperoxyd, sowie die oben erwhnten Oxyde
bleiben zurck. Bei Zusatz von Alkohol und gelindem Erwrmen wird das
bermangansaure Kali zerlegt unter Abscheidung von Superoxyd. Man hat
sonach bei der Filtration in Lsung alles Chrom als chromsaures Alkali,
im Rckstand alle Metalle der vierten Gruppe.

Hat man mit der in der Natur vorkommenden Verbindung des Chromoxyds mit
Eisenoxydul (dem Chromeisenstein) zu thun, so muss man darauf sehen,
dass derselbe hchst fein geschlmmt sei, und dass das Schmelzen lange
fortgesetzt werde. Da trotzdem meistens ein Antheil unzerlegt bleibt,
was man daran erkennt, dass sich der von Wasser nicht aufgenommene
Rckstand nicht vollstndig in Salzsure lst, so bestimmt man das
Gewicht des unzersetzten Minerals und zieht es von der angewendeten
Gesammtmenge ab. -- Nach $Calvert$ glht man die feingepulverten
Chromerze mit 3-4 Thln. Natronkalk und 1 Thl. salpetersaurem Natron 2
Stunden lang zum Behufe ihrer Aufschliessung.

b. $Manganoxydul von Thonerde, Nickeloxydul, Zinkoxyd$ (nicht aber von
Kobaltoxydul und den Oxyden des Eisens), nach $Gibbs$[50]. Man fllt das
Mangan mit Bleihyperoxyd und verfhrt genau wie bei der Trennung des
Mangans von der Magnesia (. 127. B. 4. a. [Greek: a].).

  [50] Ann. der Chem. und Pharm. 66. 56.

c. $Manganoxydul von Thonerde, Eisenoxyd, Nickeloxydul und Zinkoxyd$
(nicht aber von Kobaltoxydul), nach $Schiel$[51] durch Einleiten von
Chlorgas in die mit essigsaurem Natron versetzte Lsung (s. . 127. B.
4. a. [Greek: b].).

  [51] $Sillim$. Journ. 15. 275. -- $Schiel$ spricht nur von der Trennung
       des Mangans von Eisen und Nickel, offenbar muss es aber eben so
       gut auch von Thonerde und Zink geschieden werden knnen.

d. $Kobalt- und Manganoxydul von Nickeloxydul$ (nach H. $Rose$)[52]. Man
verdnnt die salzsaure, in einem gerumigen Kolben befindliche Lsung
so mit Wasser, dass auf 2 Grm. der Metalloxyde 1 Liter Wasser kommt,
leitet so lange Chlorgas ein, bis die Flssigkeit ganz damit gesttigt
und der leere Raum des Kolbens damit erfllt ist, setzt aufgeschlmmten
kohlensauren Baryt im Ueberschuss zu, lsst unter fterem Umschtteln
12-18 Stunden in der Klte stehen und filtrirt das gefllte Kobalt- und
Manganoxyd von der alles Nickel enthaltenden Flssigkeit ab.

  [52] $Pogg$. Ann. 71. 545.

Statt des Chlors hat $Henry$ mit gutem Erfolge Brom angewandt. $Denham
Smith$ empfiehlt Zusatz einer verdnnten Lsung von Chlorkalk, die
durch Zusatz von Schwefelsure vollstndig zersetzt worden ist, so dass
kein unterchlorigsaures Salz unzersetzt brig bleibt (andernfalls wrde
Nickel mit gefllt werden).

  6. _Methode, die auf dem verschiedenen Verhalten der bernsteinsauren
     Salze beruht._

$Eisenoxyd von Zinkoxyd, Manganoxydul, Nickel- und Kobaltoxydul.$
Man setzt zur Lsung, sofern sie nicht stark sauer ist, Salmiak und
neutralisirt sie alsdann mit Ammon in der Art, dass der grssere Theil
des Eisenoxyds ungefllt, ein ganz kleiner aber gefllt ist, fgt eine
Auflsung von neutralem bernsteinsauren (oder auch benzosauren) Ammon
zu und filtrirt das bernsteinsaure Eisenoxyd von der die brigen Metalle
enthaltenden Lsung ab. Die Einzelnheiten des Verfahrens siehe . 90.
1. c. -- Die Trennung ist bei gehriger Sorgfalt ganz vollstndig und
namentlich dann zu empfehlen, wenn relativ viel Eisenoxyd zugegen ist.

  7. _Methode, die auf dem verschiedenen Verhalten der oxalsauren Salze
     beruht._

$Kobaltoxydul von Eisenoxyd.$ Man versetzt die mglichst neutrale Lsung
mit zweifach-kleesaurem Kali (oder mit Oxalsure und soviel kohlensaurem
Kali, dass die Flssigkeit nur noch mssig sauer reagirt) und lsst
3-4 Tage ruhig, gegen Sonnenlicht geschtzt, stehen. Das oxalsaure
Kobaltoxydul scheidet sich vollstndig und eisenfrei aus. Nach dem
Auswaschen mit kaltem Wasser glht man es im Wasserstoffstrom und wgt
das metallische Kobalt. -- Resultate befriedigend (H. $Rose$).

  8. _Methoden, welche auf dem verschiedenen Verhalten zu Cyankalium
     beruhen._

a. $Thonerde von Zinkoxyd, Kobalt- und Nickeloxydul.$ Man versetzt
die Lsung mit kohlensaurem Natron, fgt Cyankalium in gengender
Menge zu und digerirt in der Klte, bis die gefllten kohlensauren
Salze des Zinkoxyds, Kobalt- und Nickeloxyduls wieder gelst sind.
Die abgeschiedene Thonerde wird abfiltrirt und ausgewaschen. Da sie
alkalihaltig ist, so muss sie in Salzsure gelst und aus der Lsung
durch Ammon gefllt werden.

b. $Kobaltoxydul von Nickeloxydul.$

Nach $Liebig$[53]. Man versetzt die von anderen Oxyden freie Lsung
beider Oxyde mit Blausure, dann mit Kalilauge und erwrmt bis Alles
gelst ist. (Statt Blausure und Kali kann man auch cyansurefreies
Cyankalium anwenden.) Die rothgelbe Lsung erhitzt man -- um die
freie Blausure zu entfernen -- zum Sieden. Hierdurch geht das
Cyankobalt-Cyankalium (KCy, CoCy), welches man anfangs in Lsung hatte,
unter Wasserstoffentwickelung in Kobaltidcyankalium (Co_{2}Cy_{6}, 3K)
ber[54], whrend das in der Lsung enthaltene Cyannickel-Cyankalium
sich nicht verndert. Man setzt nun der warmen Auflsung feingeriebenes
und aufgeschlmmtes Quecksilberoxyd zu und kocht. Hierdurch wird
alles Nickel theils als Oxyd, theils als Cyanr gefllt, indem das
Quecksilber an seine Stelle tritt. (War die Flssigkeit vor dem Zusatz
des Quecksilberoxyds neutral, so wird sie nach dem Kochen mit demselben
alkalisch.) Der anfangs grnliche, bei Quecksilberoxydberschuss
gelbgraue Niederschlag wird nach dem Auswaschen geglht; er ist reines
Nickeloxyd.

  [53] Ann. der Chem. und Pharm. 65. 244.

  [54] 2(CoCy, KCy) + KCy + CyH = (Co_{2}Cy_{6}, 3K) + H.

Um im Filtrat das Kobalt zu bestimmen, bersttigt man dasselbe mit
Essigsure, fllt mit Kupfervitriol in der Siedhitze, kocht eine Zeit
lang, filtrirt das gefllte Kobaltidcyankupfer (Co_{2}Cy_{6}, 3Cu +
7HO) ab, zersetzt es durch Kochen mit Kalilauge und berechnet aus dem
gewogenen Kupferoxyd die Menge des Kobaltes. -- Bequemer und directer
ist folgendes von $Whler$[55] zugefgtes Verfahren. Man neutralisirt
das Filtrat fast mit Salpetersure (schwach alkalische Reaction schadet
nichts) und fgt eine mglichst neutrale Lsung von salpetersaurem
Quecksilberoxydul zu. Der weisse, alles Kobalt enthaltende Niederschlag
von Kobaltidcyanquecksilber lsst sich leicht auswaschen und liefert,
unter Luftzutritt geglht, reines Kobaltoxyd (welches am sichersten mit
Wasserstoff reducirt wird, . 88).

  [55] Ann. der Chem. und Pharm. 70. 256.

Statt das Nickel mit Quecksilberoxyd auszufllen, kann man, nach
$Liebig$[56] die durch Kochen von der freien Blausure befreite
und erkaltete Lsung mit Chlor bersttigen und den sich bildenden
Niederschlag von Cyannickel durch Zusatz von Natron- oder
Kalilauge stets wieder in Auflsung bringen. Das Chlor hat auf das
Kobaltidcyankalium keine Wirkung, whrend das Cyannickel-Cyankalium
zersetzt und alles Nickel als schwarzes Hyperoxyd gefllt wird.

  [56] Ann. der Chem. und Pharm. 87. 128.

c. $Kobaltoxydul von Zinkoxyd.$ Man fgt zu der etwas freie Salzsure
enthaltenden Lsung beider Oxyde so viel gewhnliches (nach $Liebig$'s
Methode bereitetes) Cyankalium, bis der anfangs entstandene Niederschlag
von Kobaltcyanr und Cyanzink sich wieder gelst hat, setzt alsdann
noch etwas mehr hinzu und kocht eine Weile, indem man von Zeit zu Zeit
einen oder zwei Tropfen Salzsure zusetzt, doch nicht so viel, dass
die Lsung sauer wrde. -- Man mischt alsdann die Lsung mit Salzsure
in einem schief stehenden Kolben und kocht sie damit, bis das erst
niedergefallene Kobaltidcyanzink gelst und alle Blausure ausgetrieben
ist. Man setzt jetzt Natron- oder Kalilauge im Ueberschuss zu und
kocht, bis man eine klare Lsung erhalten hat (man kann annehmen, dass
in derselben alles Kobalt als Kobaltidcyankalium und alles Zink als
Zinkoxydalkali enthalten sei), und fllt aus derselben das Zink durch
Schwefelwasserstoff (. 85). Mit dem Filtrate verfhrt man, um das
Kobalt zu bestimmen, nach . 128. B. 8. b. -- Die Scheidung ist einfach in
der Ausfhrung und vollstndig.

d. $Kobaltoxydul von Manganoxydul.$ Man versetzt die Lsung beider
mit Blausure, dann mit Kali- oder Natronlauge und erwrmt. War die
Menge der Blausure gengend, so lst sich das zuerst niedergefallene
Kobaltcyanr vllig wieder auf, whrend das Mangancyanr grsserentheils
ungelst bleibt. Man filtrirt und verfhrt mit dem Filtrate genau
wie bei der Scheidung des Kobalts vom Nickel (. 128. B. 8. b.). Die
beiden Manganniederschlge glht man zusammen. Wenn das beigemengte
Quecksilberoxyd entwichen ist, bleibt Manganoxyduloxyd. -- Man ersieht,
dass sich somit Kobalt auch von Nickel und Mangan gleichzeitig trennen
lsst. Man erhlt in dem Fall den gelst gewesenen Theil des Mangans
beim Nickeloxydul.

  9. _Methoden, die auf der Flchtigkeit des Zinks beruhen._

a. $Kobalt- und Nickeloxydul von Zinkoxyd.$ $Berzelius$ giebt
(Jahresbericht 21. 144) zur absoluten Scheidung des Kobalts und Nickels
vom Zink folgende Methode an. Man fllt die Lsung mit Kalilauge im
Ueberschuss, kocht und filtrirt das etwas Zinkoxyd enthaltende Nickel-
und Kobaltoxydulhydrat von der Lsung des Zinkoxyds in Aetzkali ab,
wscht $vollstndig$ mit kochendem Wasser aus und bestimmt im Filtrat
das Zink (siehe . 85). -- Den Niederschlag trocknet, glht und wgt
man, mischt ihn alsdann in einem Porzellantiegel mit reinem (aus Alkohol
umkrystallisirtem) Zucker, erhitzt langsam bis zum vollstndigen
Verkohlen des Zuckers, setzt alsdann den mit seinem Deckel bedeckten
Porzellantiegel in ein Bad von Magnesia in einen grsseren, ebenfalls
bedeckten Thontiegel und erhitzt in einem Windofen bis zu der strksten
Hitze, die der Ofen zu geben vermag, eine Stunde lang. Unter diesen
Umstnden werden die Metalle reducirt, kohlehaltiges Nickel und Kobalt
bleiben zurck, das Zink raucht vollstndig weg; den Rckstand behandelt
man mit Salpetersure und bestimmt die Oxyde durch Fllung mit
Kalilauge und Wgung des Niederschlags. Die Differenz dieses Gewichtes
und des zuvor erhaltenen ist gleich der Menge des mit niedergefallenen
Zinkoxyds. -- Diese Methode kann nur bei der Trennung des Nickels vom
Zink ganz genaue Resultate liefern (vergl. . 88. b.).

b. $Zink von Eisen in Legirungen.$ Nach $Bobierre$ lassen sich dieselben
leicht und sicher analysiren, indem man sie im Wasserstoffgasstrome
glht (siehe . 130. B. 4. b.).

  10. _Methoden, die auf der volumetrischen Bestimmung eines Krpers und
      Ermittlung des anderen aus der Differenz beruhen._

a. $Eisenoxyd von Thonerde.$ Man fllt beide mit Ammon (. 83. a. und
. 90. 1.). Den gewogenen Rckstand lst man ganz oder theilweise
durch Digestion mit concentrirter Salzsure, oder durch Schmelzen mit
saurem schwefelsauren Kali und Behandeln mit salzsurehaltigem Wasser,
und bestimmt das Eisen maassanalytisch nach . 90. 3. Die Thonerde
ergiebt sich aus der Differenz. Diese Methode ist namentlich dann
empfehlenswerth, wenn relativ wenig Eisenoxyd zugegen ist. (Anstatt das
Eisen maassanalytisch zu bestimmen, kann man es auch, nach Zusatz von
Weinsure und Ammon, mit Schwefelammonium fllen).

b. $Eisenoxyd von Eisenoxydul.$

[Greek: a]. Man bestimmt in einer Probe die Gesammtmenge des Eisens
als Oxyd, oder maassanalytisch. Eine zweite lst man durch Erwrmen
mit Salzsure in einem Kolben, durch welchen man -- um die Luft
abzuhalten -- Kohlensure leitet, verdnnt und bestimmt das Eisenoxydul
volumetrisch (. 89. 2). Das Eisenoxyd ergiebt sich aus der Differenz.
-- Dies bequeme und genaue Verfahren drfte wohl die lteren und
complicirteren Methoden, Eisenoxydul neben Eisenoxyd zu bestimmen,
allmlig verdrngen. Auch neben Zinkoxyd, Nickeloxydul etc. lsst sich
das Eisen ohne Schwierigkeit maassanalytisch bestimmen.

[Greek: b]. (Nach $Bunsen$.) Man fllt das Klbchen _a_ (Fig. 46,
. 104) zu zwei Dritteln mit rauchender Salzsure an und verdrngt
die Luft ber dieser durch Kohlensure, indem man einige Krnchen
kohlensaures Natron in die Sure wirft. Sodann wirft man die in einem
offenen kurzen Rhrchen abgewogene und befindliche Substanz und endlich
eine abgewogene, etwas berschssige Menge saures chromsaures Kali, die
sich ebenfalls in einem solchen Rhrchen befindet, in das Klbchen,
steckt das Entwickelungsrohr auf und verfhrt im Uebrigen nach . 104.
d. [Greek: b]. Man erhlt natrlicherweise weniger freies Jod, als wenn
mit dem chromsauren Kali kein Eisenoxydul aufgelst worden wre, indem
ein Theil des entbundenen Chlors verwendet wird, um das Eisenchlorr in
Chlorid zu verwandeln, und zwar entspricht je 1 Aeq. Jod, welches man
weniger erhlt, als dem angewandten chromsauren Kali entspricht, 2 Aeq.
Eisenoxydul.

Will man in einer zweiten Probe die Gesammtmenge des Eisens bestimmen,
so lst man die Probe ebenfalls in dem Klbchen _a_ in Salzsure auf
und bewirkt die Reduction des Eisenoxyds zu Oxydul durch eine Kugel von
chemisch reinem Zink, die an einen feinen Platindraht gegossen ist. Um
dabei jeden Luftzutritt abzuhalten, versieht man das Klbchen whrend
des Kochens mit dem Aufsatze _bb_, Fig. 54.

[Illustration: Fig. 54.]

Sobald man an der farblosen Beschaffenheit der Flssigkeit erkannt
hat, dass die Reduction vollendet ist, khlt man das Klbchen in
kaltem Wasser ab, lftet das obere Stpselchen, wirft einige Krnchen
kohlensaures Natron in die Sure, zieht die Zinkkugel in das Rohr _b_
empor, spritzt die daran hngende Flssigkeit in das Klbchen ab und
entfernt _bb_. Nach raschem Zusatze des abgewogenen chromsauren Kalis
verfhrt man nun wie eben angegeben.

c. $Manganoxydul von Thonerde und Eisenoxyd$, nach $Krieger$[57]. Man
fllt mit kohlensaurem Natron, digerirt den Niederschlag eine Zeit lang
mit der Flssigkeit, wscht erst durch Decantation, dann auf dem Filter
aufs Beste aus, trocknet, glht und bestimmt in einer Probe das Mangan
nach . 112. Anhang. Man beachte, dass der Niederschlag das Mangan als
Mn_{3}O_{4} enthlt.

  [57] Ann. der Chem. und Pharm. 87. 261.

d. $Manganoxydul von Zinkoxyd$, nach $Krieger$. Man fllt mit
kohlensaurem Natron kochend, wscht den Niederschlag mit siedendem
Wasser aus, trocknet, glht. Der Niederschlag ist, wenn die Menge
des Zinks gengend war: ZnO + xMn_{2}O_{3}. Man wgt eine Portion ab
und bestimmt das Mangan nach . 112. Anhang. -- Bei unzureichendem
Zinkgehalte verfhrt man nach . 127. B. 4. b. NB.

  11. _Indirecte Methode._

$Eisenoxyd von Eisenoxydul.$ Von den vielen indirecten Methoden,
welche in Vorschlag gekommen sind, erwhne ich nur die folgende: Man
lst wie in 10. b., setzt zur Auflsung gelstes Natriumgoldchlorid
im Ueberschuss, verschliesst die Flasche und lsst das ausgeschiedene
reducirte Gold absitzen. Man filtrirt es alsdann ab und bestimmt seine
Menge nach . 98. In der Auflsung oder in einer anderen Portion
der Substanz bestimmt man alsdann die Totalmenge des Eisens. -- Die
Berechnung liegt auf der Hand, wenn man sich erinnert, dass 1 Aeq.
ausgeschiedenes Gold 6 Aeq. Eisenchlorr oder Eisenoxydul entspricht
(6FeCl + AuCl_{3} = 3Fe_{2}Cl_{3} + Au) (H. $Rose$).


   IV. Trennung des Eisenoxyds, der Thonerde, des Manganoxyduls, der
              Kalk- und Bittererde, des Kalis und Natrons.

                                . 129.

Da die oben genannten Oxyde bei der Analyse der meisten Silicate und
auch sonst in vielen Fllen neben einander vorkommen, so widme ich
den zu ihrer Trennung dienenden combinirten Verfahrungsweisen einen
besonderen Paragraphen.

  1. _Methode, welche auf der Anwendung des kohlensauren Baryts beruht.
     Dieselbe ist sehr empfehlenswert, wenn das Gemenge wenig Kalk
     enthlt._

Man fllt das Eisen (welches als Oxyd vorhanden sein muss) und die
Thonerde durch kohlensauren Baryt (. 128. A. 1.)[58] und trennt beide
nach einer der im . 128 angegebenen Methoden. -- Aus dem Filtrate fllt
man entweder das Mangan durch Schwefelammonium, oder -- nach Zusatz
von ein wenig Salzsure und Sttigen mit Chlor -- durch kohlensauren
Baryt, oder -- nach $Gibbs$' Vorschlag -- mit Bleihyperoxyd. --
Whlte man ersteres, so ist der Niederschlag des Schwefelmangans in
Salzsure zu lsen, die Lsung mit etwas Schwefelsure zu versetzen,
abzufiltriren und das Mangan nach . 86. 1. a. zu bestimmen: fllte
man mit kohlensaurem Baryt, so ist im Niederschlage das Mangan nach
. 127 zu trennen; wandte man Bleihyperoxyd an, so verfhrt man mit
dem entstandenen Niederschlage nach . 130. -- Man fllt jetzt die
verdnnte Lsung mit verdnnter Schwefelsure, wscht den Niederschlag
aus, bis das Waschwasser durch Chlorbaryum nicht mehr getrbt wird,
fllt -- bei Anwendung des Bleihyperoxyds -- die letzten Bleispuren mit
Schwefelwasserstoff, dann den Kalk mit oxalsaurem Ammon. Das Filtrat
verdampft man zur Trockne, glht und trennt die Magnesia von den
Alkalien nach einer der in . 121 angegebenen Methoden.

  [58] Ehe man den kohlensauren Baryt zusetzt, ist es $unumgnglich
       nthig$, zu prfen, ob aus der salzsauren Lsung desselben durch
       Schwefelsure Alles ausgefllt wird, so zwar, dass das Filtrat, in
       einer Platinschale verdampft, keinen Rckstand lsst.

Bei grsseren Mengen Thonerde und kleinen von Eisen und Mangan kann man
auch die Lsung zuerst mit Chlor sttigen, dann mit kohlensaurem Baryt
Eisenoxyd, Thonerde und Manganoxyd zugleich fllen, den Niederschlag in
Salzsure lsen, den Baryt durch Schwefelsure im kleinsten Ueberschuss,
dann die drei Basen durch kohlensaures Natron fllen und den
Niederschlag, nach $bestem$ Auswaschen, glhen und wgen; er enthlt
das Mangan als Mn_{3}O_{4}. Bestimmt man nun dieses und das Eisenoxyd
volumetrisch, so ergiebt sich die Thonerde aus der Differenz. Man
ersieht leicht, dass man eine und dieselbe Probe erst zur Mangan-, dann
zur Eisenbestimmung verwenden kann, vergl. . 112. Anhang und . 128. B.
10. b. [Greek: b]. Bei dieser Methode ist nur das Bedenken, dass man gar
leicht einen kleinen Ueberschuss von Thonerde findet, indem dieselbe,
mit fixem Alkali gefllt, durch Auswaschen kaum ganz davon zu befreien
ist. Man kann daher die gemeinsame Fllung der Thonerde, des Eisens und
Mangans auch mit Ammon vornehmen, nachdem man die Flssigkeit mit Chlor
gesttigt oder mit unterchloriger Sure versetzt hat. Doch ist es dann
rthlich, den Niederschlag erst nach lngerem Stehen abzufiltriren.
Auch muss man sich mit Sorgfalt berzeugen, dass im Filtrat kein Mangan
mehr enthalten ist, was durch Zusatz von Schwefelammonium und lngeres
Hinstellen geschehen kann.

  2. _Methode, welche auf der Anwendung des Ammons beruht._

Man fllt die salzsaure, nthigenfalls mit etwas Salmiak versetzte,
Lsung mit Ammon und filtrirt den der Hauptsache nach aus Thonerde und
Eisenoxyd bestehenden, aber auch kleinere Mengen von Manganoxydul,
Kalk- und Bittererde enthaltenden Niederschlag ab. Nach bestem
Auswaschen trocknet, glht und wgt man denselben und lst ihn dann
durch Digestion mit concentrirter Salzsure oder durch Schmelzen mit
saurem schwefelsauren Kali auf. Die Lsung kocht man erst mit etwas
schwefligsaurem Natron, dann mit Natronlauge und bringt so alle Thonerde
in Lsung (. 128. B. 1. a.). Den Rckstand lst man, nach bestem
Auswaschen, in Salzsure, fllt das Eisenoxyd mit bernsteinsaurem Ammon
und bestimmt entweder im Filtrat die kleinen Mengen von Mangan, Kalk
und Bittererde besonders -- was wegen mglichen Alkaligehaltes sicherer
ist -- oder man vereinigt das Filtrat mit dem vom Ammonniederschlag
abfiltrirten und verfhrt damit nach 1.

Sttigt man vor dem Zusatz des Ammons die Flssigkeit mit Chlor, so
erhlt man alles Mangan im ersten Niederschlage; bei kleinen Mengen
desselben gengt Zusatz von Chlorwasser. -- Es ist dies in der Regel
zweckmssig.

  3. _Methode, welche auf der Anwendung des Schwefelammoniums beruht._

Man versetzt mit Ammon, bis eben ein Niederschlag zu entstehen anfngt,
dann mit Schwefelammonium und filtrirt, nach geeignetem Absitzen, den
Eisen, Mangan und Thonerde enthaltenden Niederschlag ab. -- Im Filtrate
trennt man Kalk, Magnesia und die Alkalien nach . 121. Den Niederschlag
lst man in Salzsure und trennt Thonerde von Eisen und Mangan durch
Natronlauge, dann Eisen und Mangan durch bernsteinsaures Ammon.

  4. _Methode, welche auf der Zersetzung der salpetersauren Salze beruht_,
     nach $Deville$.

Diese Methode setzt voraus, dass die Basen nur an Salpetersure gebunden
sind.

Man verfhrt zuerst nach . 124. 1. A. 2. Die whrend des Erhitzens der
Nitrate entweichende salpetrige Sure ist kein Zeichen von der totalen
Zersetzung des Eisenoxyd- und Thonerdenitrats, weil diese Dmpfe durch
Verwandlung des salpetersauren Manganoxyduls in Hyperoxyd entstehen. --
Man unterbricht das Erhitzen, wenn alle Bildung von Dampf aufhrt, und
die schwarze Farbe, welche die Substanz annimmt, gleichfrmig ist. --
Nach dem Behandeln mit salpetersaurem Ammon (. 124. 1. A. 2.) hat man in
Lsung salpetersauren Kalk, salpetersaure Magnesia und salpetersaure
Alkalien, im Rckstand Thonerde, Eisenoxyd und Manganhyperoxyd. (Dass
unter gewissen Umstnden sich etwas Mangan lst, wurde bereits . 127.
B. 4. [Greek: c]. erwhnt. Man findet diese Spur bei der Magnesia und
trennt sie zuletzt von derselben.)

$Deville$ wendet nun zur weiteren Trennung folgende Methoden an:

a. Den Niederschlag erhitzt man mit mssig starker Salpetersure, bis
das Manganhyperoxyd mit rein schwarzer Farbe zurckbleibt, whrend
Eisenoxyd und Thonerde sich lsen. Ersteres glht man und wgt das
entstandene Oxyduloxyd, die Lsung verdampft man in einem Platintiegel,
glht und wgt das Gemenge von Eisenoxyd, Thonerde (und mglichenfalls
etwas Manganoxyduloxyd). Man behandelt jetzt eine Probe nach der
. 128. B. 3. a. [Greek: b]. angegebenen Methode und findet so das
Gewicht der Thonerde. War Mangan zugegen, so lsst sich das Eisen nicht
aus der Differenz bestimmen. $Deville$ verdampft daher die Lsung der
Chlorre mit Schwefelsure, glht mssig und zieht aus dem Rckstand,
der aus Eisenoxyd und etwas schwefelsaurem Manganoxydul besteht,
letzteres durch Wasser aus. (Sollte man zu stark erhitzt haben, so dass
mglichenfalls auch schwefelsaures Manganoxydul zersetzt worden ist,
so befeuchtet man den Rckstand mit einer Mischung von Oxalsure und
Salpetersure, setzt etwas Schwefelsure zu und wiederholt den Versuch.)

b. Aus dem Filtrat fllt man zunchst den Kalk durch im kleinsten
Ueberschusse zuzusetzendes oxalsaures Ammon, verdampft dann das Filtrat
zur Trockne und trennt Magnesia und Alkalien nach . 121.


                            $Fnfte Gruppe.$

       $Silberoxyd, Quecksilberoxydul, Quecksilberoxyd, Bleioxyd,
                 Wismuthoxyd, Kupferoxyd, Cadmiumoxyd.$

   I. Trennung der Oxyde der fnften Gruppe von denen der vier ersten
                                Gruppen.

                                . 130.


$Uebersicht$: $Silberoxyd$ von den Oxyden der Gruppen 1-4: A, -- B. 1.
              $Quecksilberoxyd$   "   "    "     "     "    1-4: A,
                                                              -- B. 2.
              $Quecksilberoxydul$ "   "    "     "     "    1-4: A,
                                                              -- B. 2.
              $Bleioxyd$          "   "    "     "     "    1-4: A,
                                                              -- B. 3,
                                               von  Manganoxydul B. 6.
              $Wismuthoxyd$       "   "    "     "     "    1-4: A,
                                             -- von Manganoxydul B. 6.
              $Kupferoxyd$        "   "    "     "     "    1-4: A,
                       -- von Zinkoxyd B. 4, -- von Manganoxydul B. 6.
             $Cadmiumoxyd$ von den Oxyden der Gruppen 1-4: A, -- von
       Zinkoxyd und Nickeloxydul B. 5, -- von Manganoxydul B. 5. u. 6.

      A. Allgemeine Methode.

     $Smmtliche Oxyde der fnften Gruppe von denen der vier ersten
                               Gruppen.$

    $Grundlage$: _Schwefelwasserstoff fllt aus sauren Lsungen die
  Metalle der fnften Gruppe, nicht aber die der vier ersten Gruppen._

Die Punkte, auf die man bei der Ausfhrung besondere Rcksicht zu nehmen
hat, sind folgende:

[Greek: a]. Bei der Scheidung der Oxyde der fnften Gruppe von den
Oxyden der Gruppe 1, 2 und 3 gengt es, wenn die Lsung, aus der man
durch Schwefelwasserstoff das fllbare Oxyd ausscheiden will, berhaupt
saure Reaction zeigt, gleichgltig von welcher Ursache dieselbe
abhngt. Sollen aber Oxyde der Eisengruppe von denen der fnften Gruppe
getrennt werden, so muss die Flssigkeit nothwendiger Weise eine freie
Mineralsure enthalten; andernfalls kann Zink, unter Umstnden auch
Kobalt und Nickel, mit niedergeschlagen werden.

[Greek: b]. Aber auch, wenn man der betreffenden Flssigkeit ziemlich
viel Salzsure zusetzt, gelingt es doch nicht immer, der Mitfllung
des $Zinkes$ ganz vorzubeugen[59]. -- Man hat daher die gefllten
Schwefelmetalle der fnften Gruppe bei weiterer Trennung stets so
zu behandeln, dass man das darin mglichenfalls enthaltene Zink noch
gewinnt.

[Greek: c]. Wenn durch Salzsure in der Lsung kein Niederschlag
entsteht, zieht man dieselbe der Salpetersure zum Ansuern vor; wrde
hingegen durch Salzsure eine Fllung bewirkt werden, so wendet man zum
genannten Zweck Salpetersure an und verdnnt die Lsung ziemlich stark.

[Greek: d]. Die Ausfllung der den Oxyden der fnften Gruppe
entsprechenden Schwefelverbindungen geschieht, auch wenn keine andere
Sure als Salzsure zugegen ist, nur dann vollstndig, wenn die
Flssigkeit einen gewissen Grad der Verdnnung hat.

  [59] $Rivot$ und $Bouquet$ haben eine genaue Trennung des Kupfers vom
       Zink durch Schwefelwasserstoff fr unausfhrbar erklrt (Ann. der
       Chem. und Pharm. 80. 364), aber $Spirgatis$ (Journ. f. prakt.
       Chem. 58. 351) zeigte, dass -- was auch $H. Rose$ mit grsster
       Bestimmtheit angiebt -- die Trennung sehr gut und vollstndig
       gelingt, sobald eine hinlngliche Menge freier Sure vorhanden
       ist, z. B. wenn die Oxyde in einer Mischung von 100 Wasser und 30
       Salzsure von 1,13 specif. Gewicht gelst sind.


     B. Speciellere Methoden.

   $Einzelne Oxyde der fnften Gruppe von einzelnen oder allen Oxyden
                       der vier ersten Gruppen.$

1. $Silber$ wird von den $Oxyden der vier ersten Gruppen$ am einfachsten
und auf eine sehr genaue Weise durch Chlorwasserstoffsure getrennt. Man
merke darauf, dass kein zu grosser Ueberschuss von Salzsure zugesetzt
wird und dass die Lsung hinlnglich verdnnt sei. Im anderen Falle
bleibt Silber in Lsung. Man vergesse ferner nicht, Salpetersure
zuzusetzen, sonst scheidet sich das Chlorsilber nicht gut ab. Das
gefllte Chlorsilber wird unter diesen Umstnden am besten auf einem
Filter gesammelt (. 91. 1. a. [Greek: b].), weil man eine zu grosse
Menge Flssigkeit bekommt, wenn man es durch Decantation auswscht.

2. Das $Quecksilber$ kann von den $Metallen der vier ersten Gruppen$
auch dadurch getrennt werden, dass man die Verbindung glht, wodurch
das Quecksilber oder die Quecksilberverbindung verflchtigt wird,
whrend der nicht flchtige Krper zurckbleibt. Dieses Verfahren ist
ebensowohl anwendbar, wenn eine Legirung vorliegt, als wenn man mit
Oxyden, Chloriden oder Schwefelverbindungen zu thun hat. -- Je nach der
Natur der vom Quecksilber zu trennenden Metalle ist bald die eine, bald
die andere dieser Formen geeigneter, wie sich dies aus dem Verhalten
der betreffenden Verbindungen leicht ergiebt. Man bestimmt bei diesem
Verfahren das Quecksilber entweder aus dem Verlust und nimmt alsdann die
Operation in einem Tiegel vor, oder man fngt das sich verflchtigende
Quecksilber nach der im . 94. 1. a. beschriebenen Weise auf. --
Wenn es angeht, verfhrt man am besten nach der bei der Trennung des
Quecksilbers vom Silber etc. zu beschreibenden Methode (. 131. 6.).

Ist $Quecksilber als Oxydul$ zugegen, so kann man es auch dadurch
abscheiden und bestimmen, dass man die Flssigkeit mit Salzsure fllt.

3. $Bleioxyd$ lsst sich von $denjenigen Basen, welche mit Schwefelsure
lsliche Salze$ bilden, auch recht gut durch diese Sure trennen. Die
Resultate sind ganz befriedigend, wenn man die in . 92. 2. gegebenen
Regeln befolgt.

4. $Kupferoxyd von Zinkoxyd.$

a. $Rivot$ und $Bouquet$[60] haben zur Scheidung beider nachstehendes
Verfahren empfohlen. Man sttigt die verdnnte salpetersaure oder
salzsaure Lsung mit Ammon, fgt dann festes Kalihydrat in geringem
Ueberschuss zu und erwrmt im Sandbad gelinde, bis die Flssigkeit
farblos geworden ist und nicht mehr nach Ammoniak riecht. Das gefllte
Kupferoxyd ist mit siedendem Wasser auszuwaschen. Die alkalische
Flssigkeit wird mit Salzsure angesuert und das Zink mittelst
kohlensauren Natrons gefllt. -- ($Spirgatis$[61] erhielt nach diesem
Verfahren unbefriedigende Resultate, als Zink und Kupfer etwa in
gleicher Menge in Lsung waren; dasselbe wurde in meinem Laboratorium
gefunden, so dass ich die Methode nicht eben empfehlen kann.)

  [60] Ann. de Chim. et de Phys. 33. 24. -- Ann. der Chem. und Pharm.
       80. 264.

  [61] Journ. f. prakt. Chem. 57. 184.

b. $Bobierre$ wendete bei der Analyse vieler Kupferzinklegirungen die
folgende Methode mit gutem Erfolge an. Man erhitzt die Legirung in einem
kleinen, in einer Porzellanrhre stehenden Porzellanschiffchen hchstens
3/4 Stunden lang zum Rothglhen, whrend man einen raschen Strom
Wasserstoffgas darber leitet. Das Zink verdampft, das Kupfer bleibt
zurck. Blei verflchtigt sich ebenfalls nicht.

c. Da man bei der Trennung des Kupfers vom Zink durch
Schwefelwasserstoff unter Umstnden Zinkoxyd enthaltendes Kupferoxyd
erhalten kann, so empfehle ich zur Prfung des Kupferoxyds auf Zinkoxyd
und zur Abscheidung des letzteren folgendes einfache Verfahren. Nachdem
das Kupferoxyd gewogen ist, reducirt man es nach . 88, Fig. 42, erhitzt
das im Wasserstoffstrom erkaltete metallische Kupfer mit Wasser und
Salzsure einige Zeit, filtrirt, wscht aus, leitet einige Blasen
Schwefelwasserstoff ein, um mglichenfalls gelstes Kupfer auszufllen,
und bestimmt dann das Zink nach . 85. a.

5. $Cadmiumoxyd von Zinkoxyd, Manganoxydul und Nickeloxydul.$ Man
versetzt die Lsung mit kohlensaurem Baryt und digerirt damit in der
Klte. Cadmiumoxyd fllt vollstndig nieder, die anderen Oxyde bleiben
gelst (vergl. . 128. A. 1.).

6. $Manganoxydul von Blei-, Wismuth-, Cadmium- und Kupferoxyd.$ Hat man
eine Lsung, welche Manganoxydul und eine der anderen Basen enthlt,
so fllt man die heisse Lsung mit kohlensaurem Natron, wscht den
Niederschlag erst durch Decantation, dann auf dem Filter mit siedendem
Wasser aus, trocknet, glht andauernd, wgt und bestimmt in einer Probe
des Rckstandes das Mangan volumetrisch (. 112. Anhang). Ist Blei-,
Wismuth-, Cadmium- oder Kupferoxyd in gengender Menge vorhanden, so hat
der Rckstand die Formel:

                           Mn_{2}O_{3} + xMO;

vergleiche . 127. B. 4. b. NB., ($Krieger$). Man versume nie -- durch
Zusatz von etwas Schwefelammonium zum Filtrate -- zu prfen, ob durch
kohlensaures Natron die Oxyde vollstndig niedergeschlagen worden sind;
denn namentlich Kupferoxyd wird durch kohlensaure Alkalien nicht leicht
ganz ausgefllt.


        II. Trennung der Oxyde der fnften Gruppe von einander.

                                . 131.

  $Uebersicht$: $Silberoxyd$ von Kupferoxyd: 1. a, -- 3. b, c u. d, -- 5.
                b, u. 7, von Cadmiumoxyd: 1. a, -- 3. b u. d, --
                von Wismuthoxyd: 1. a, 3. a u. d, -- 6. b, -- von
                Quecksilberoxyd: 1. a, -- 3. b u. d, -- 6. a, -- von
                Bleioxyd: 1. a, -- 2, 3. a u. d, -- 4. c, -- 5. b, 7.

                $Quecksilberoxyd$ von Silberoxyd: 1. a, -- 3. b u. d, 6.
                a, -- von Quecksilberoxydul: 1. b, -- von Bleioxyd: 1.
                c, -- 2, 3. a u. d, -- 6. a, -- von Wismuthoxyd: 3. a u.
                d, -- von Kupferoxyd: 3. c u. d, -- 5. a, -- 6. a, --
                von Cadmiumoxyd 5. a.

                $Quecksilberoxydul$ von Quecksilberoxyd: 1. b, -- von
                anderen Metallen wie Quecksilberoxyd.

                $Bleioxyd$ von Silberoxyd: 1. a, -- 2, 3. a u. d, -- 4.
                c, 5. b, 7, -- von Quecksilberoxyd: 1. c, 2, 3. a u.
                d, 6. a, -- von Kupferoxyd: 1. c, 2, 3. a u. d, -- von
                Wismuthoxyd: 1. c, 2, 6. b, 8, -- von Cadmiumoxyd: 2, 3.
                a u. d.

                $Wismuthoxyd$ von Silberoxyd: 1. a, 3. a u. d, 6. b, --
                von Bleioxyd: 1. c, 2, 6. b, 8, -- von Kupferoxyd: 3. a
                u. d, 4. a, 6. b, -- von Cadmiumoxyd: 3. a u. d, -- von
                Quecksilberoxyd: 3. a u. d.

                $Kupferoxyd$ von Silberoxyd: 1. a, 3. b, c u. d,
                5. b, 7, -- von Bleioxyd: 1. c, 2, 3. a u. d, --
                von Wismuthoxyd; 3. a u. d, -- 4. a, 6. b, von
                Quecksilberoxyd: 3. c u. d, 5. a, 6. a, -- von
                Cadmiumoxyd: 3. c u. d, 4. b.

                $Cadmiumoxyd$ von Silberoxyd: 1. a, 3. b u. d, --
                von Bleioxyd: 2, 3. a u. d, -- von Wismuthoxyd: 3. a
                u. d, -- von Kupferoxyd: 3. c u. d, -- 4. b, -- von
                Quecksilberoxyd: 5. a.

  1. _Methoden, welche auf der Unlslichkeit einzelner Chlormetalle in
     Wasser oder Weingeist beruhen._

  a. $Silberoxyd von Kupferoxyd, Cadmiumoxyd, Wismuthoxyd,
     Quecksilberoxyd, Bleioxyd.$

[Greek: a]. Um $Silberoxyd$ von $Kupferoxyd$, $Cadmiumoxyd$ und
$Wismuthoxyd$ zu trennen, fgt man zu der salpetersauren Lsung
Salzsure so lange noch ein Niederschlag entsteht, und trennt das
Chlorsilber von der die brigen Oxyde enthaltenden Lsung nach . 91. 1.

[Greek: b]. Bei der Trennung des $Silbers$ vom $Quecksilberoxyd$
verfhrt man auf gleiche Weise, doch fllt man mit Chlornatriumlsung
und fgt vor dem Zusatz derselben essigsaures Natron oder essigsaures
Ammon zu. Versumt man diesen Zusatz, so klrt sich die Silberlsung
nach dem Ausfllen nicht ($Levol$), auch bleibt Chlorsilber gelst,
denn es lst sich dies in erheblicher Menge in einer Lsung von
salpetersaurem Quecksilberoxyd ($Wackenroder$, $Liebig$). Ann. der Chem.
und Pharm. 81. 128.

[Greek: c]. Bei der Scheidung des $Silbers$ von $Blei$ setzt man
ebenfalls essigsaures Natron zu, ehe man fllt. Die Flssigkeit sei
heiss, die Salzsure ziemlich verdnnt. Man setze von letzterer nicht
mehr zu, als gerade nthig. Auf diese Weise lsst sich die Scheidung
leicht bewirken; denn Chlorblei lst sich in essigsaurem Natron
($Anthon$). Aus dem Filtrate ist das Blei durch Schwefelwasserstoff zu
fllen.

[Greek: d]. Zur Bestimmung des $Silbers in Legirungen$ bedient man sich
in den Mnzsttten meistens der volumetrischen Silberbestimmung (. 91.
5.). Bei Anwesenheit von Quecksilber setzt man, unmittelbar vor dem
Zufgen der Kochsalzlsung, essigsaures Natron zu (s. [Greek: b].).

b. $Quecksilberoxydul$ von $Quecksilberoxyd$, $Kupferoxyd$,
$Cadmiumoxyd$, $Bleioxyd$. -- Man versetzt die stark verdnnte,
kalte Lsung mit Salzsure, so lange noch ein Niederschlag
(Quecksilberchlorr) entsteht, lsst denselben absitzen, filtrirt
ihn auf einem gewogenen Filter ab, trocknet ihn bei 100 und wgt.
Im Filtrate finden sich die brigen Oxyde. -- Soll sich die Trennung
auf einen festen Krper erstrecken, der in Wasser unlslich ist,
so behandelt man denselben entweder geradezu, in der Klte, mit
verdnnter Chlorwasserstoffsure, oder man lst ihn in ganz verdnnter
Salpetersure auf und fllt erst nach starkem Verdnnen mit Wasser. --
Stets ist darauf zu achten, dass durch die Art der Auflsung Oxydul
nicht in Oxyd bergefhrt werde.

c. $Bleioxyd$ von $Quecksilberoxyd$, $Kupferoxyd$, $Wismuthoxyd$. --
Man versetzt die concentrirte salpetersaure Lsung mit berschssiger
Salzsure, fgt viel starken Alkohol und etwas Aether zu und verfhrt
berhaupt nach . 92. 4. Das alkoholische Filtrat erwrmt man, bis der
Alkohol verdunstet ist, und fllt die darin enthaltenen Metalle durch
Schwefelwasserstoff.

  2. _Methoden, welche sich auf die Unlslichkeit des schwefelsauren
     Bleioxyds grnden._

$Bleioxyd von allen anderen Oxyden der fnften Gruppe.$ -- Man
versetzt die salpetersaure Lsung mit reiner Schwefelsure in nicht zu
geringem Ueberschuss, verdampft, bis das Schwefelsurehydrat anfngt
sich zu verflchtigen, lsst erkalten, fgt Wasser zu (worin sich,
wenn genug freie Schwefelsure vorhanden ist, auch das schwefelsaure
Quecksilberoxyd und Wismuthoxyd klar lsen) und filtrirt $ohne
Sumen$ das ungelst bleibende schwefelsaure Bleioxyd von der die
anderen Oxyde enthaltenden Lsung ab. Den Niederschlag wscht man
mit schwefelsurehaltigem Wasser aus, verdrngt dieses zuletzt durch
Weingeist, trocknet und wgt (. 92. 2.). Aus dem Filtrat schlgt man
die anderen Oxyde durch Schwefelwasserstoff nieder. Sollte Silberoxyd
in einiger Menge zugegen sein, so ist diese Methode -- wegen der
Schwerlslichkeit des schwefelsauren Silberoxyds -- nicht zu empfehlen.

  3. _Methoden, welche sich auf das verschiedene Verhalten der Oxyde
     und Schwefelverbindungen zu Cyankalium grnden_ (nach $Fresenius$
     und $Haidlen$, Ann. der Chem. und Pharm. 43. 129).

a. $Bleioxyd und Wismuthoxyd von allen anderen Oxyden der fnften
Gruppe.$ -- Man versetzt die $verdnnte$ Lsung mit kohlensaurem
Natron in $geringem$ Ueberschuss, fgt (von Schwefelkalium freie)
Cyankaliumlsung zu, erwrmt einige Zeit gelinde, filtrirt, wscht
aus. Auf dem Filter bleibt (alkalihaltiges) kohlensaures Blei- und
Wismuthoxyd, in Lsung hat man die anderen Metalle als mit Cyankalium
verbundene Cyanmetalle. Die weitere Trennung derselben ergiebt sich aus
dem Folgenden.

b. $Silberoxyd von Quecksilberoxyd, Kupferoxyd und Cadmiumoxyd.$ --
Man setzt zur Lsung, welche, wenn sie viele freie Sure enthlt,
zuvor mit Natron beinahe zu neutralisiren ist, Cyankalium bis zur
Wiederlsung des entstandenen Niederschlags. In der Lsung hat man die
Cyanverbindungen der vorhandenen Metalle, vereinigt mit Cyankalium
zu lslichen Doppelsalzen. Man fgt jetzt verdnnte Salpetersure
zu bis zum Vorwalten. Hierdurch werden die Doppelverbindungen
zerlegt, unlsliches Cyansilber schlgt sich bleibend nieder, whrend
Cyanquecksilber gelst bleibt, und Cyankupfer und Cyancadmium sich im
Ueberschuss der Salpetersure wieder lsen. Das Cyansilber ist nach
. 91. 3. zu behandeln. Enthlt das Filtrat nur Quecksilber und Cadmium,
so fllt man dasselbe geradezu mit Schwefelwasserstoff, wodurch die
Schwefelmetalle vollstndig niederfallen; enthlt es dagegen Kupfer, so
dampft man das Filtrat erst mit Schwefelsure ein, bis kein Geruch nach
Blausure mehr wahrzunehmen ist, und fllt die entstandene Lsung mit
Schwefelwasserstoff oder auch sogleich mit Natronlauge (. 95. 1.).

c. $Kupferoxyd von Silberoxyd, Quecksilberoxyd und Cadmiumoxyd.$ -- Man
versetzt die Lsung, wie in b., mit Cyankalium bis zur Wiederlsung
des entstandenen Niederschlags, fgt noch etwas mehr Cyankalium,
dann Schwefelwasserstoffwasser oder Schwefelammonium zu, so lange
ein Niederschlag entsteht. Hierdurch scheiden sich Schwefelsilber,
Schwefelcadmium und Quecksilbersulfid vollstndig ab, whrend das Kupfer
-- als in Cyankalium gelstes Schwefelkupfer -- in Auflsung bleibt.
Man lsst absitzen, decantirt mehrmals, bergiesst den Niederschlag der
Sicherheit wegen nochmals mit etwas Cyankaliumlsung, erwrmt gelinde,
filtrirt und wscht die Schwefelmetalle aus. -- Um im Filtrat das Kupfer
zu bestimmen, verdampft man dasselbe unter Zusatz von Salpetersure und
Schwefelsure, bis aller Geruch nach Blausure verschwunden ist, und
fllt sodann mit Natronlauge (. 95. 1.).

d. $Alle Metalle der fnften Gruppe von einander.$ -- Man versetzt
die verdnnte Lsung mit kohlensaurem Natron, dann mit Cyankalium im
Ueberschuss, digerirt eine Zeit lang in gelinder Wrme und filtrirt. Auf
dem Filter bleibt (alkalihaltiges) kohlensaures Blei- und Wismuthoxyd,
welche weiter zu trennen sind. -- Die Lsung versetzt man mit verdnnter
Salpetersure im Ueberschuss und filtrirt das gefllte, nach . 91.
3. zu bestimmende Cyansilber ab. -- Zu dem Filtrat setzt man wiederum
kohlensaures Natron bis zur Neutralitt, dann Cyankalium und leitet
Schwefelwasserstoff im Ueberschuss ein. Man fgt nunmehr noch etwas
Cyankalium zu (um etwa geflltes Schwefelkupfer wieder zu lsen) und
filtrirt den aus Quecksilbersulfid und Schwefelcadmium bestehenden
Niederschlag von der alles Kupfer enthaltenden Lsung ab. Dieses
bestimmt man, wie in c. angegeben, jene trennt man nach . 131. 5. a.

  4. _Methoden, welche auf der Lslichkeit einzelner Oxyde in Ammon oder
     kohlensaurem Ammon beruhen._

a. $Kupferoxyd von Wismuthoxyd.$

[Greek: a]. Man versetzt die (salpetersaure) Lsung mit kohlensaurem
Ammon im Ueberschuss. Es scheidet sich das Wismuth als kohlensaures
Oxyd aus, whrend das kohlensaure Kupferoxyd vom Ueberschusse des
kohlensauren Ammons wieder gelst wird. Nachdem man die Flssigkeit
einige Zeit lang an einem warmen Ort hat digeriren lassen, filtrirt man
und wscht den Niederschlag aus; whrend des Auswaschens bergiesst
man ihn von Zeit zu Zeit mit etwas kohlensaurer Ammonlsung. War
die Flssigkeit frei von Schwefelsure und Chlor, so kann man den
Niederschlag direct glhen und wgen, im anderen Falle muss man
denselben in Salpetersure lsen und nochmals mit kohlensaurem Ammon
fllen (. 96. a.). Im Filtrate bestimmt man, nachdem man durch Erwrmen
das kohlensaure Ammon hat abdunsten lassen (zuletzt fgt man etwas
Ammon zu) das Kupfer nach . 95. 1. a. [Greek: b]. Die Ausfhrung ist
bequemer, die Scheidung aber minder genau als nach 3. a.

[Greek: b]. Man versetzt die Lsung mit etwas Salmiak und tropft sie
allmlig in verdnntes Ammon. Das Wismuth wird hierdurch als basisches
Salz gefllt, whrend das Kupferoxyd als ammoniakalisches Doppelsalz
aufgelst bleibt ($Berzelius$). Der Wismuthniederschlag wird mit
verdnntem Ammon gewaschen, in verdnnter Salpetersure gelst und nach
. 96 bestimmt. -- In der ammoniakalischen Lsung bestimmt man das
Kupfer nach . 95. 1. a. [Greek: b].

b. $Kupferoxyd von Cadmiumoxyd.$ Man fgt kohlensaures Ammon im
Ueberschuss zu. Kohlensaures Cadmiumoxyd scheidet sich aus, whrend das
Kupferoxyd mit etwas Cadmiumoxyd gelst bleibt. Setzt man die Auflsung
der Luft aus, so scheidet sich das noch gelste Cadmiumoxyd aus, whrend
das Kupferoxyd noch gelst bleibt ($Stromeyer$). Letztere Lsung ist
nach a. [Greek: a]. zu behandeln. Scheidung bequemer, aber minder genau
als nach 3. c.

c. $Chlorblei$ und $Chlorsilber$ lassen sich auch durch Ammonflssigkeit
trennen, welche dieses lst, jenes als basisches Chlorblei zurcklsst.
Man beachte, dass das Chlorsilber frisch und bei Lichtabschluss gefllt
sein muss.

  5. _Methoden, welche sich auf die Reduction einzelner Oxyde oder
     Chloride durch ameisensaures Natron grnden._

a. $Quecksilberoxyd von Kupferoxyd und Cadmiumoxyd.$ Man versetzt
die Auflsung mit Salzsure (sofern sie solche noch nicht enthlt),
sttigt beinahe mit Natron und fllt das Quecksilber nach . 94. 2. mit
ameisensaurem Natron. In der von dem Quecksilberchlorr abfiltrirten
Flssigkeit bestimmt man das Kupfer und Cadmium.

b. $Silberoxyd von Kupfer- und Bleioxyd.$ Man sttigt die Auflsung mit
Natron, setzt ein ameisensaures Alkali zu und erwrmt, bis sich keine
Kohlensure mehr entwickelt. Alles Silber scheidet sich metallisch aus,
Blei- und Kupferoxyd bleiben gelst (H. $Rose$).

6. _Methoden, welche sich auf die Flchtigkeit einzelner Metalle, Oxyde
   oder Chloride in der Hitze grnden._

[Illustration: Fig. 55.]

a. $Quecksilber von Silber, Blei, Kupfer$ (berhaupt von den
Metallen, deren Chloride nicht flchtig sind). -- Man fllt durch
Schwefelwasserstoff, sammelt den Niederschlag der Schwefelmetalle auf
einem gewogenen Filter, trocknet ihn bei 100 und wgt. Man bringt
alsdann einen aliquoten Theil in die Kugel _e_, Fig. 55, leitet einen
langsamen Strom Chlorgas hindurch und erwrmt dieselbe anfangs gelinde,
allmlig bis zum schwachen Glhen. Zuerst destillirt Chlorschwefel ab,
welcher sich mit dem in den Flaschen _f_ und _h_ befindlichen Wasser
umsetzt (. 116. II. 1. c.); alsdann verflchtigt sich das gebildete
Quecksilberchlorid. Man erhlt es theils in der Flasche _f_, theils in
dem hinteren Theile der Rhre _g_. Man schneidet denselben ab und splt
den darin enthaltenen Sublimat mit Wasser in die Flasche _f_, mit deren
Inhalt man auch das in _h_ befindliche Wasser vereinigt. Die Lsung
erwrmt man, bis der Chlorgeruch verschwunden, und bestimmt alsdann
in der von etwa noch ungelstem Schwefel abfiltrirten Flssigkeit das
Quecksilber nach . 94. Besteht der Rckstand nur aus Silber oder nur
aus Blei, so lsst sich derselbe geradezu wgen; enthlt er dagegen
mehrere Metalle, so reducirt man die Chlorverbindungen durch Glhen
im Wasserstoffstrom und lst sie zum Behufe weiterer Trennung in
Salpetersure. -- Man achte darauf, dass bei Anwesenheit von Blei die
Schwefelmetalle im Chlorstrom und die Chlormetalle im Wasserstoffstrom
nur gelinde erhitzt werden drfen, indem sich im anderen Falle leicht
etwas Chlorblei verflchtigt.

Hufig kann man auch das Quecksilber einfach als Glhverlust bestimmen.

b. $Wismuthoxyd von Silber-, Blei- und Kupferoxyd.$ -- Die Trennung
geschieht genau nach derselben Art wie die des Quecksilbers von den
genannten Metallen. -- Die Methode ist namentlich dann bequem, wenn
man die Metalle in einer Legirung zu trennen hat. Man achte darauf,
das Erhitzen nicht zu weit zu treiben (weil sich sonst Chlorblei
verflchtigt), aber es hinlnglich lange fortzusetzen (weil sonst
Wismuth im Rckstande bleibt). In die Klbchen _f_ und _h_ giebt man
salzsurehaltiges Wasser und bestimmt darin das Wismuth nach . 96.

  7. _Abscheidung des Silbers durch Cupellation._

Um das $Silber$ in Legirungen mit $Kupfer$, $Blei$ etc. zu bestimmen,
bediente man sich frher allgemein der Methode, welche man $Cupelliren$
(Abtreiben auf der Capelle) nennt. Man schmelzt die Legirung mit so
viel reinem Blei zusammen, dass auf 1 Thl. Silber 16 bis 20 Thle. Blei
kommen, und erhitzt sie dann in einem kleinen Behlter, welcher aus
Knochenasche oder Holzasche gepresst ist, in einer Muffel. Blei und
Kupfer oxydiren sich, die Oxyde ziehen sich in die Poren der Capelle,
das Silber aber bleibt unoxydirt und rein zurck. -- Ich habe diese
Methode, welche in Laboratorien nur selten angewandt wird, deshalb hier
aufgenommen, weil sie die sicherste scheint, sehr kleine Mengen von
Silber in Legirungen zu bestimmen (vergl. $Malaguti$ u. $Durocher$,
Compt. rend. 29. 689. -- $Dingler$ 115. 276).

  8. _Ausfllung eines Metalles durch ein anderes im metallischen Zustand._

$Bleioxyd von Wismuthoxyd.$ -- Man fllt die Lsung mit kohlensaurem
Ammon, lst die ausgewaschenen kohlensauren Salze in Essigsure, stellt
in die in einer verschliessbaren Flasche befindliche Lsung einen
gewogenen reinen Bleistab, fllt die Flasche mit Wasser fast voll,
so dass das Blei nicht aus der Lsung herausragt, verschliesst die
Flasche und lsst sie unter jeweiligem Umschtteln 12 Stunden stehen.
Man sammelt das gefllte, vom Blei abgesplte Wismuth auf einem Filter,
lst es nach dem Auswaschen in Salpetersure, verdampft die Lsung und
bestimmt das Wismuth nach . 96. Im Filtrat bestimmt man das Blei nach
. 92. Durch Zurckwgen des getrockneten Bleistabs findet man, welcher
Theil davon diesem zugehrt ($Ullgren$).


                            Sechste Gruppe.

   $Goldoxyd, Platinoxyd, Zinnoxydul, Zinnoxyd, Antimonoxyd, arsenige
                          Sure, Arsensure.$

   I. Trennung der Oxyde der sechsten Gruppe von den Oxyden der fnf
                            ersten Gruppen.

                                . 132.

  $Uebersicht$: $Gold$ von den Oxyden der Gruppen I.-III.: A. 1, B. 2,
                -- der Gruppe IV.: A. 1,-B. 1. a, 2, -- von Quecksilber,
                Kupfer und Cadmium: B. 1. a, 2, -- von Wismuth: B. 1. a,
                2, 13, -- von Blei: B. 1. a, 13, -- von Silber: B. 1. a,
                10.

                $Platin$ von den Oxyden der Gruppen I.-III.: A. 1,-B. 3,
                -- der Gruppe IV.: A. 1, B. 1. b, 3, -- von Quecksilber,
                Kupfer, Cadmium, Wismuth: B. 1. b, 3, -- von Blei: B. 1.
                b, -- von Silber: B. 1. b, 10.

                $Zinnoxydul und Oxyd$ von den Oxyden der Gruppen I.
                u. II.: A. 1, B. 4. b, 5. b, der Gruppe III: A. 1, B.
                4. b, -- von Eisenoxyd: A. 1, 2. b, B. 4. a, -- von
                Manganoxydul und Zinkoxyd: A. 1, 2. b, B. 4. a, b, --
                von Nickel- und Kobaltoxydul: A. 1, 2. b, B. 4. a, b, 5.
                a, -- von Quecksilberoxyden, Cadmium- und Wismuthoxyd:
                A. 2. a, 2. b, B. 4. a, -- von Kupferoxyd: A. 2. a, 2.
                b, B. 4. a u. b, 5. a, -- von Silber- und Bleioxyd: A.
                2. a, 2. b, B. 4. a, 5. a.

                $Antimonoxyd$ von den Oxyden der Gruppen I. u. II.: A.
                1. 5. b, -- von der Gruppe III.: A. 1, von Eisenoxyd,
                Manganoxydul, Zinkoxyd: A. 1, 2. b, B. 4. c, -- von
                Nickel- und Kobaltoxydul: A. 1, 2. b, B. 4. c, 5. a, --
                von Quecksilberoxyd, Cadmium- und Wismuthoxyd: A. 2. a,
                2. b, B. 4. c, -- von Kupfer-, Blei-, Silberoxyd: A. 2.
                a., 2. b, B. 4. c, 5. a.

                $Arsenige und Arsensure$ von den Oxyden der Gruppe
                I.: A. 1, B. 5. b, 8, 12, -- von Magnesia: A. 1, B. 5.
                b, 7, 8, 12, -- von Baryt, Strontian und Kalk: A. 1,
                B. 5. b, 7, 8, 11, 12, -- von den Oxyden der Gruppe
                III.: A. 1, B. 9, -- von Eisenoxyd: A. 1, 2. b, B. 7,
                9, -- von Manganoxydul: A. 1, 2. b, B. 7, 9, 12, -- von
                Zinkoxyd: A. 1, 2. b, B. 7, 8, 9, 12, -- von Nickel-
                und Kobaltoxydul: A. 1, 2. b, B. 5. a, 7, 8, 9, 12, --
                von Quecksilber- und Wismuthoxyd: A. 2. a, b, B. 7,
                -- von Kupferoxyd: A. 2. a, b, B. 5. a, 7, 8, -- von
                Cadmiumoxyd: A. 2. a, b, B. 7, 8, -- von Silberoxyd: A.
                2. a, b, B. 5. a, 7, -- von Bleioxyd: A. 2. a, b, B. 5.
                a, 7, 8, 11.

     A. Allgemeine Methoden.

  1. _Methode, welche auf der Fllbarkeit der Oxyde der sechsten Gruppe
     durch Schwefelwasserstoff aus sauren Lsungen beruht._

    $Smmtliche Oxyde der sechsten Gruppe von denen der vier ersten
                               Gruppen.$

Man leitet in die (am besten durch Salzsure) saure Lsung
Schwefelwasserstoff im Ueberschuss und filtrirt die gefllten (den
Oxyden der sechsten Gruppe entsprechenden) Schwefelmetalle ab.

Von den . 130. A. erwhnten Punkten ist [Greek: a]. [Greek: b].
und [Greek: d]. auch hier zu bercksichtigen. -- Was die besonderen
Bedingungen betrifft, unter denen einzelne Metalle der sechsten Gruppe
allein vollstndig ausgefllt werden, so verweise ich hinsichtlich
derselben auf das im vierten Abschnitt darber Gesagte. Hier mache ich
nur noch darauf aufmerksam:

[Greek: a]. Dass Arsensure und Zinkoxyd, wie $Whler$ gefunden hat,
durch Schwefelwasserstoff nicht getrennt werden knnen, indem auch bei
grossem Ueberschuss von Sure das Zink ganz oder theilweise mit dem
Arsen als ZnS, AsS_{5} gefllt wird. Hat man beide in Lsung, so muss
daher die Arsensure durch Erwrmen mit schwefliger Sure zuerst in
arsenige Sure bergefhrt werden, ehe man Schwefelwasserstoff einleitet.

[Greek: b]. Dass man bei Anwesenheit von Antimon dann zweckmssig
Weinsure zusetzt, wenn nur Oxyde der vierten Gruppe zugegen
sind, welche sich aus dem Filtrate, nach Zusatz von Ammon,
durch Schwefelammonium ausfllen lassen, whrend man sie besser
weglsst, sofern Thonerde, alkalische Erden und Alkalien zugegen
sind. Im letzteren Falle leitet man in die klare salzsaure Lsung
Schwefelwasserstoff, fgt dann etwas Wasser zu, leitet wieder
Schwefelwasserstoff ein, setzt nun hinlnglich Wasser zu und vollendet
durch gengendes Einleiten die Ausfllung.

  2. _Methode, welche auf der Lslichkeit der Schwefelmetalle der sechsten
     Gruppe in alkalischen Schwefelmetallen beruht._

a. $Die Oxyde der Gruppe$ VI. (ausgenommen Gold und Platin) $von denen
der Gruppe$ V. -- Man fllt die saure Lsung mit Schwefelwasserstoff
unter Anwendung der Vorsichtsmaassregeln, welche im vierten Abschnitte
fr die einzelnen Metalle angegeben sind, und unter Bercksichtigung des
in 1. Gesagten. Der Niederschlag besteht aus den Schwefelmetallen der
Gruppen V. und VI. Man behandelt ihn unmittelbar nach dem Auswaschen mit
berschssigem gelben Schwefelammonium und digerirt ihn damit lngere
Zeit in gelinder Wrme, filtrirt die klare Flssigkeit ab, bergiesst
den Niederschlag nochmals mit Schwefelammonium, digerirt wiederum
kurze Zeit, filtrirt und wscht die Schwefelmetalle der Gruppe V. mit
schwefelwasserstoffhaltigem Wasser aus. -- Wenn Zinnsulfr zugegen ist,
muss dem Schwefelammonium, wenn es nicht sehr gelb ist, etwas Schwefel
als Pulver zugemischt werden. Bei Gegenwart von Kupfer, dessen Sulfid
durch Schwefelammonium ein wenig gelst wird, nimmt man besser statt
dessen Schwefelnatrium. Dies kann jedoch nur dann geschehen, wenn
kein Quecksilber zugegen ist, da sich dessen Schwefelverbindungen in
Schwefelnatrium lsen.

Zu dem alkalischen Filtrate setzt man Salzsure nach und nach in kleinen
Portionen, zuletzt bis zum Vorwalten, lsst absitzen und filtrirt dann
die (mit Schwefel gemengten) Schwefelmetalle der sechsten Gruppe ab.

b. $Die Oxyde der Gruppe$ VI. ($ausgenommen Gold und Platin$) $von denen
der Gruppen$ IV. $und$ V.

[Greek: a]. Man versetzt die Lsung mit Ammon bis zur Neutralitt, dann
mit gelbem Schwefelammonium im geeigneten Ueberschuss, lsst lngere
Zeit, bei guter Bedeckung, in mssiger Wrme digeriren und verfhrt
alsdann wie in a. Auf dem Filtrum bleiben die Schwefelmetalle der Gruppe
IV. und V. Sie sind mit schwefelammoniumhaltigem Wasser auszuwaschen.
(Bei Gegenwart von Nickel hat diese Methode besondere Schwierigkeiten.)
Bei Anwesenheit von Kupfer (und Abwesenheit von Quecksilber) nimmt man
statt Ammon und Schwefelammonium Natron und Schwefelnatrium[62].

[Greek: b]. Hat man mit festen Verbindungen (Oxyden oder Salzen) zu
thun, so ist es meist vorzuziehen, dieselben mit 3 Thln. trockenem
kohlensauren Natron und 3 Thln. Schwefel in einem bedeckten
Porzellantiegel ber der $Berzelius$'schen Lampe zusammen zu schmelzen.
Wenn der Inhalt vollkommen geschmolzen und der berschssige Schwefel
verdampft ist, lsst man erkalten und behandelt die Masse mit
Wasser, welches die entstandenen Sulfosalze der Metalle der sechsten
Gruppe lst, die Schwefelverbindungen der Gruppen IV. und V. dagegen
zurcklsst. Auf diese Weise kann selbst geglhtes Zinnoxyd leicht auf
einen Gehalt an Eisen etc. geprft und solcher darin bestimmt werden (H.
$Rose$). Mit der erhaltenen Lsung verfhrt man wie in a.

  [62] Gegen die Genauigkeit dieser Scheidung der Metalle der Gruppe VI.
       von denen der Gruppen IV. u. V., an der man frher nicht
       zweifelte, sprechen auf sehr bedenkliche Weise die Versuche von
       $Bloxam$ (Ann. der Chem. und Pharm. 83. 204). Derselbe fand, dass
       durch Schwefelammonium kleine Mengen von Schwefelzinn von viel
       Schwefelquecksilber, Schwefelcadmium (1 : 100) nicht getrennt
       werden knnen, und dass namentlich die Trennung des Kupfers vom
       Zinn und Antimon (auch vom Arsen) schlecht gelingt, indem fast
       alles Zinn beim Kupfer bleibt. -- Ich muss mich vorlufig damit
       begngen, auf diese Versuche aufmerksam gemacht zu haben.


     B. Speciellere Methoden.

  1. _Solche, welche sich auf die Unlslichkeit einzelner Metalle in
     Suren grnden._

a. $Gold$ von anderen Metallen der Gruppen IV. $und$ V. $in Legirungen$.

[Greek: a]. Man erwrmt die Legirung mit verdnnter reiner Salpetersure
(oder nach Umstnden auch mit Salzsure). Das Gold bleibt ungelst, die
anderen Metalle lsen sich. Die Legirung sei fein zertheilt (gefeilt
oder dnn ausgewalzt). Diese Methode ist bei Gegenwart von Silber und
von Blei nur anwendbar, wenn deren Menge mehr als 80 Proc. betrgt,
andernfalls wird nicht alles Silber und Blei gelst. Enthlt daher eine
Goldsilberlegirung weniger als 80 Proc. Silber, so schmelzt man sie
mit 3 Thln. Blei zusammen, ehe sie der Behandlung mit Salpetersure
unterworfen wird. Das gewogene Gold ist durch Auflsen in Knigswasser
auf seine Reinheit zu prfen.

[Greek: b]. Man erhitzt die fein zertheilte (gefeilte oder
ausgewalzte) Legirung in einer gerumigen Platinschale mit reinem
Schwefelsurehydrat, bis keine Gasentwickelung mehr stattfindet, und das
Schwefelsurehydrat sich zu verflchtigen beginnt; oder man schmelzt
die Legirung mit saurem schwefelsaurem Kali zusammen (H. $Rose$). Durch
Behandeln mit Wasser, zuletzt siedendem, trennt man das ungelste Gold
von den schwefelsauren Salzen der anderen Metalle. Es ist zweckmssig
die Operation mit dem abgeschiedenen Golde zu wiederholen und dies
zuletzt auf seine Reinheit zu prfen.

b. $Platin von anderen Metallen der Gruppen$ IV. $und$ V. $in
Legirungen$. Man bewirkt die Scheidung durch Behandlung mit
Schwefelsure, besser noch mit saurem schwefelsaurem Kali (a. [Greek:
b].), nicht aber mit Salpetersure (legirtes Platin lst sich unter
Umstnden darin).

  2. _Solche, welche sich auf die Abscheidung des Goldes als Metall
     grnden._

$Gold von allen Oxyden der Gruppen$ I.-V., $ausgenommen Bleioxyd und
Silberoxyd.$ -- Man fllt die salzsaure Lsung mit Oxalsure nach . 98.
b. [Greek: c]. und filtrirt das Gold, nach vollstndiger Ausscheidung,
ab. Man versume nicht, eine hinreichende Menge Salzsure zuzusetzen,
damit sich nicht, aus Mangel an Lsungsmittel, in Wasser unlsliche
oxalsaure Salze mit dem Golde niederschlagen.

  3. _Solche, welche sich auf die Abscheidung des Platins als Kalium- oder
     Ammoniumplatinchlorid grnden._

$Platin von den Oxyden der vierten und fnften Gruppe, ausgenommen von
Blei und Silber.$ -- Man fllt das Platin nach . 99 mit Chlorammonium
oder Chlorkalium und wscht den Niederschlag mit Weingeist vollkommen
aus.

  4. _Solche, welche sich auf die Abscheidung von in Salpetersure
     unlslichen Oxyden grnden._

a. $Zinn von anderen Metallen der Gruppen$ IV. $und$ V., $in
Legirungen$. -- Man behandelt die zerkleinerte Legirung mit
Salpetersure nach . 101. 1. a. Das Filtrat enthlt die brigen Metalle
in Form salpetersaurer Salze. (Bei Anwesenheit von Wismuth wscht
man zuerst mit salpetersurehaltigem Wasser aus.) -- Da das Zinnoxyd
leicht Spuren von Kupferoxyd zurckhlt, so kann man es bei genauen
Untersuchungen nach . 132. A. 2. b. [Greek: b]. darauf prfen und
solche bestimmen.

b. $Zinn von den Oxyden der Gruppe$ I., II., III., $sowie von
Manganoxydul, Zinkoxyd, Nickel- und Kobaltoxydul, Kupferoxyd$ und wohl
auch noch anderen Oxyden. (Nach $Lwenthal$, Journ. f. prakt. Chem. 60.
257.)

Man fllt die salzsaure Lsung, welche alles Zinn als Oxyd (Chlorid)
enthalten muss, nach . 101. 1. b. und trennt den Niederschlag von
Zinnoxyd von dem die brigen Oxyde enthaltenden Filtrate. Man beachte
dabei Folgendes:

[Greek: a]. Kann man unter den verschiedenen zur Fllung sich eignenden
Salzen whlen, so ist schwefelsaures Natron in der Regel vorzuziehen.

[Greek: b]. Nachdem sich der Niederschlag von Zinnoxyd abgesetzt hat,
giesst man die berstehende Flssigkeit durch ein Filter, wiederholt
dies Decantiren einigemal und behandelt dann den Niederschlag noch mit
einer Mischung von 1 Salpetersure (specif. Gew. 1,2) und 9 Wasser
kochend, ehe man ihn aufs Filter bringt und vllig auswscht. Resultate
sehr befriedigend.

Hat man Zinnoxyd neben anderen Oxyden, welche sich durch Glhen im
Wasserstoffstrom reduciren lassen, so kann man auch die Oxyde auf diese
Art reduciren und dann die Metalle nach a. behandeln.

c. $Antimon von den Metallen der Gruppen$ IV. $und$ V. $in Legirungen$.
-- Man verfhrt wie in a., filtrirt den Niederschlag ab und fhrt ihn
durch Glhen in antimonige Sure ber (. 100. 2.). Resultate nur
annhernd, da sich etwas Antimonoxyd lst.

  5. _Solche, welche sich auf die Flchtigkeit mancher Chlormetalle oder
     Metalle grnden._

a. $Zinn, Antimon, Arsen von Kupfer, Silber, Blei, Kobalt, Nickel.$ --
Man behandelt die Schwefelmetalle im Chlorstrom und verfhrt dabei genau
nach . 131. 6. a. Bei Anwesenheit von Antimon fllt man die Klbchen
_f_ und _h_ mit einer mit Salzsure vermischten Lsung von Weinsure
in Wasser. -- Auch die regulinischen Metalle lassen sich auf diese Art
trennen. -- Die Legirungen sind mglichst zu zerkleinern. Arsenmetalle
werden auf letztere Art nur sehr langsam zerlegt.

b. $Zinnoxyd, Antimonoxyd (auch Antimonsure, arsenige und Arsensure)
von Alkalien und alkalischen Erden.$ -- Man mengt die feste Verbindung
mit 5 Thln. reinem gepulvertem Salmiak in einem Porzellantiegel, bedeckt
diesen mit einem concaven Platindeckel, auf welchen etwas Salmiak
gestreut wird, und glht gelinde, bis aller Salmiak entwichen ist,
mengt dem Inhalte des Tiegels aufs Neue Salmiak zu und wiederholt die
Operation, bis keine Gewichtsabnahme des Tiegels mehr stattfindet.
Unter diesen Umstnden entweichen die Chlorverbindungen des Zinns,
Antimons und Arsens, whrend die der Alkalien und alkalischen
Erden zurckbleiben. Am raschesten erfolgt diese Zerlegung bei
Arsenverbindungen, minder rasch bei Antimonverbindungen und am
langsamsten bei Zinnverbindungen (H. $Rose$).

c. $Quecksilber von Gold.$ -- Man trennt beide Metalle, sowohl wenn
sie legirt sind, als auch in anderen Fllen durch Glhen, wobei das
Quecksilber entweder aus dem Verlust oder dadurch zu bestimmen ist, dass
man es auffngt (. 94).

  6. _Solche, welche sich auf die Flchtigkeit des Schwefelarsens
     grnden._

$Arsensuren von Eisenoxyd$ (wahrscheinlich auch von Nickeloxydul,
Zinkoxyd, Kupferoxyd, Bleioxyd etc.), nach $Ebelmen$. Man erhitzt die
Oxyde in Schwefelwasserstoff, wodurch sie vollstndig in Schwefelmetalle
bergehen. Das Schwefelarsen verflchtigt sich, die anderen Sulfurete
bleiben zurck.

  7. _Solche, welche sich auf die Ueberfhrung des Arsens in arsensaures
     Alkali grnden._

$Arsen von den Metallen und Oxyden der Gruppen$ II., IV. $und$ V. --
Hat man mit arsenig- oder arsensauren Salzen zu thun, so schmelzt man
die Verbindung mit 3 Thln. kohlensaurem Natronkali und 1 Thl. Salpeter,
hat man Legirungen zu analysiren, mit 3 Thln. kohlensaurem Natron und
1 Thl. salpetersaurem Kali, kocht den Rckstand mit Wasser aus und
trennt die ungelst bleibenden Oxyde oder kohlensauren Salze von der
Lsung der arsensauren Alkalien, in welchen die Arsensure nach
. 102. 2. zu bestimmen ist. Bei geringen Mengen von Arsen lassen sich
die Schmelzungen in Platintiegeln vornehmen, bei grsseren mssen sie
in Porzellantiegeln vorgenommen werden, indem alsdann die Platintiegel
sehr leiden. Bei Anwendung von Porzellantiegeln wird die Masse durch
Kieselsure und Thonerde verunreinigt, worauf zu achten.

  8. _Solche, welche sich auf die Abscheidung des Arsens als arsensaures
     Quecksilberoxydul grnden._

$Arsensure von den Alkalien, alkalischen Erden, von Zinkoxyd,
Kobaltoxydul, Nickeloxydul, Bleioxyd, Kupferoxyd, Cadmiumoxyd.$ --
Man verfhrt genau wie bei der Abscheidung der Phosphorsure durch
Quecksilber (. 106. I. b. [Greek: c].). Im unlslichen Rckstande kann
die Arsensure nicht so bestimmt werden, wie die Phosphorsure. Mit dem
Filtrate verfhrt man nach . 106. II. k. (H. $Rose$.)

  9. _Solche, welche sich auf die Abscheidung des Arsens als arsensaure
     Ammon-Magnesia grnden._

$Arsensure von Thonerde und den Oxyden der Gruppe$ IV. -- Man verfhrt
nach . 106. II. f. [Greek: a]. Der Niederschlag von arsensaurer
Ammonmagnesia ist nach . 102. 2. zu behandeln.

  10. _Solche, welche sich auf die Unlslichkeit des Chlorsilbers
      grnden._

$Silber von Gold.$ -- Man behandelt die Legirung mit Knigswasser,
verdnnt und filtrirt die Lsung des Chlorgoldes von dem Chlorsilber
ab. Diese Methode ist nur dann ausfhrbar, wenn die Legirung weniger
als 15 Proc. Silber enthlt; denn bei grsserem Gehalte schtzt das
entstehende Chlorsilber die nicht zersetzten Antheile vor weiterer
Einwirkung. -- Auf gleiche Art kann auch Silber von $Platin$ getrennt
werden.

  11. _Solche, welche sich auf die Unlslichkeit einiger schwefelsauren
      Salze in Wasser oder Weingeist grnden._

$Arsensure von Baryt, Strontian, Kalk und Bleioxyd.$ -- Man verfhrt
wie bei der Trennung der Phosphorsure von den genannten Oxyden (. 106.
II. c.). Die Verbindungen dieser Basen mit arseniger Sure verwandelt
man erst durch Erhitzen der salzsauren Lsung mit chlorsaurem Kali, oder
durch wiederholtes Abdampfen mit Salpetersure in arsensaures Salz, ehe
man Schwefelsure zusetzt.

  12. _Solche, welche sich auf die Unlslichkeit des arsensauren
      Eisenoxydes grnden._

$Arsensure von den Basen der Gruppen$ I. $und$ II., $sowie von
Zinkoxyd, Mangan-, Nickel- und Kobaltoxydul.$ -- Man fllt die
Arsensure je nach Umstnden nach . 102. 3. a. oder b., filtrirt und
bestimmt die Basen im Filtrate.

  13. _Solche, welche sich auf das verschiedene Verhalten zu Cyankalium
      grnden._

$Gold von Blei und Wismuth.$ -- Htte man diese Metalle gemeinschaftlich
in Lsung, so lassen sie sich durch Cyankalium ganz auf dieselbe Weise
trennen, welche zur Trennung des Quecksilbers von Blei und Wismuth
angegeben ist (. 131. 3. a.). Die Auflsung des Cyangold-Cyankaliums
zersetzt man durch Einkochen mit Salzsure und bestimmt nach Austreibung
der Blausure das Gold nach einer der in . 98 angegebenen Methoden.


        II. Trennung der Oxyde der sechsten Gruppe von einander.

                                . 133.

  $Uebersicht$: $Platin$ von Gold: 1, -- von Antimon, Zinn, Arsen: 2.

                $Gold$ von Platin: 1, -- von Antimon, Zinn, Arsen: 2.

                $Antimon$ von Gold und Platin: 2, -- von Zinn: 4. a, 6.
                a, -- von Arsen: 3. b, 4. a u. b, 5. a.

                $Zinn$ von Gold und Platin: 2, von Antimon: 4. a, 6. a,
                -- von Arsen: 3. a, 6. a. Zinnoxydul von Zinnoxyd: 7. a,
                8. a.

                $Arsen$ von Gold und Platin: 2, -- von Antimon: 3. b, 4.
                a u. b, 5. a, -- von Zinn: 3. a, 6. a. Arsenige Sure
                von Arsensure: 5. b, 7. b, 8. b.

  1. _Methode, welche sich auf die Ausfllung des Platins durch
     Chlorkalium grndet._

$Platin von Gold.$ -- Man fllt aus der Lsung der Chlorverbindungen das
Platin nach . 99. b. und im Filtrate das Gold nach . 98. b.

  2. _Methoden, welche sich auf die Flchtigkeit der Chlorverbindungen der
     unedlen Metalle grnden._

$Platin und Gold von Zinn, Antimon, Arsen.$ -- Man erhitzt die fein
zertheilten Legirungen oder die Schwefelmetalle in einem Strome von
Chlorgas. Gold und Platin bleiben zurck, die Chloride der anderen
Metalle verflchtigen sich (vergl. . 132. B. 5. a.).

  3. _Methoden, welche auf der Flchtigkeit des Arsens und Schwefelarsens
     beruhen._

a. $Arsen von Zinn$ (nach H. $Rose$). -- Man verwandelt in
Schwefelmetalle oder in Oxyde, trocknet bei 100 und erhitzt eine
abgewogene Menge derselben anfangs gelinde, allmlig strker in einer
Kugelrhre, durch welche trockenes Schwefelwasserstoffgas streicht.
Es verflchtigt sich Schwefelarsen und Schwefel, whrend Schwefelzinn
zurckbleibt. Um das Schwefelarsen aufzufangen, verbindet man die
Kugelrhre in der in . 131. 6. a. beschriebenen Weise mit vorgelegten
Klbchen, in welchen sich verdnnte Ammonflssigkeit befindet. -- Wenn
auch bei weiterer Erhitzung sich kein Anflug in dem klteren Theile
der Rhre mehr zeigt, treibt man den Anflug von der Kugel weg, lsst
erkalten und schneidet dann die Rhre oberhalb des Anflugs ab. Das
abgeschnittene Ende zerschneidet man in Stcke, erwrmt diese mit etwas
Natronlauge, bis sich der Anflug gelst hat, vereinigt diese Lsung
mit der vorgeschlagenen ammoniakalischen Flssigkeit, setzt Salzsure,
dann, ohne abzufiltriren, chlorsaures Kali zu und erwrmt gelinde, bis
alles Schwefelarsen gelst ist. Man filtrirt nun von dem Schwefel ab
und bestimmt die Arsensure nach . 102. 2. Das in der Kugel enthaltene
schwarzbraune Schwefelzinn kann, da es mehr Schwefel enthlt, als der
Formel SnS entspricht, nicht geradezu gewogen werden. Man wgt es daher
und bestimmt in einem abgewogenen Theile das Zinn, indem man denselben
durch Befeuchten mit Salpetersure und Rsten in Zinnoxyd berfhrt
(. 101. 1. c.).

Hat man Zinn und Arsen als Legirung, so fhrt man sie am bequemsten
durch vorsichtiges Behandeln mit Salpetersure in Oxyde ber. Will man
sie in Schwefelmetalle verwandeln, so kann dies geschehen, indem man 1
Theil der fein zertheilten Legirung mit 5 Theilen Soda und 5 Theilen
Schwefel in einem bedeckten Porzellantiegel schmelzt, bis zum ruhigen
Fluss. Man lst dann in Wasser, filtrirt etwaiges Schwefeleisen oder
dergleichen ab und fllt die Lsung mit Salzsure.

b. $Arsen von Antimon$, wenn beide legirt sind. -- Man erhitzt die
abgewogene Probe mit 2 Thln. Soda und 2 Thln. Cyankalium in einer
Kugelrhre, durch welche man trockene Kohlensure leitet, anfangs
gelinde, allmlig heftig, bis sich kein Arsen mehr verflchtigt. (Man
hte sich, die entweichenden Dmpfe einzuathmen. Zweckmssig steckt
man den hinteren Theil der Kugelrhre in einen Kolben, in welchem sich
alsdann das Arsen sublimirt.) Nach dem Erkalten behandelt man den
Inhalt der Kugel erst mit einer Mischung von gleichen Theilen Weingeist
und Wasser, dann mit Wasser und wgt das zurckbleibende Antimon. Das
Arsen ergiebt sich aus dem Verlust. -- Man erhlt durch dies Verfahren
nur annhernde Resultate. Wollte man die Legirung geradezu, nicht unter
einer Schlacke, in kohlensaurem oder Wasserstoffgas schmelzen, so wrde
man hchst unrichtige Resultate erhalten, indem sich in solchem Falle
sehr viel Antimon verflchtigte.

  4. _Methoden, welche auf der Unlslichkeit des antimonsauren Natrons
     beruhen._

a. $Antimon von Zinn und Arsen$ (nach H. $Rose$). -- Hat man die
Metalle im regulinischen Zustande, so oxydirt man die wohl zerkleinerte
abgewogene Probe in einem Porzellantiegel mit allmlig zuzusetzender
Salpetersure von 1,4 specif. Gewicht, bringt die Masse im Wasserbade
zur Trockne, schttet sie in einen Silbertiegel, splt die im
Porzellantiegel noch haftenden Portionen mit Natronlauge in den
Silbertiegel, bringt zur Trockne, setzt die achtfache Menge festes
Natronhydrat zu und schmelzt lngere Zeit. Die erkaltete Masse behandelt
man mit heissem Wasser, bis das Ungelste feinpulverig erscheint,
verdnnt etwas mit Wasser und setzt so viel Alkohol von 0,83 specif.
Gewicht zu, dass das Volumenverhltniss desselben zum Wasser wie
1 : 3 ist. Nachdem man unter fterem Umrhren 24 Stunden lang hat stehen
lassen, filtrirt man, splt mit wsserigem Weingeist (1 Vol. Alkohol:
3 Vol. Wasser) nach und wscht den Niederschlag auf dem Filter zuerst
mit Weingeist, der auf 2 Vol. Wasser 1 Vol. Alkohol enthlt, dann mit
aus gleichen Raumtheilen gemischtem und endlich mit solchem aus, der
auf 1 Vol. Wasser 3 Vol. Alkohol enthlt. Den smmtlichen weingeistigen
Waschflssigkeiten setzt man einige Tropfen kohlensaure Natronlsung
zu. Das Auswaschen wird fortgesetzt, bis eine Probe, mit Salzsure
angesuert und mit Schwefelwasserstoffwasser versetzt, sich nicht mehr
frbt.

Das antimonsaure Natron splt man vom Filter ab, lst es in einer
Mischung von Salzsure und Weinsteinsure, mit der man zuvor das Filter
ausgewaschen hat, fllt mit Schwefelwasserstoff und bestimmt das Antimon
berhaupt nach . 100. 1. b.

Zu dem das Zinn und Arsen enthaltenden Filtrate fgt man Salzsure,
wodurch ein Niederschlag von arsensaurem Zinnoxyd entsteht, leitet,
ohne vorher abzufiltriren, lngere Zeit Schwefelwasserstoff ein, lsst
stehen, bis der Geruch danach fast verschwunden, und trennt dann die
gewogenen Schwefelmetalle nach 3. a.

Enthlt die Substanz nur $Antimon und Arsen$, so erhitzt man das
alkoholische Filtrat unter fterem Zusatz von Wasser, bis es kaum mehr
nach Weingeist riecht, setzt Salzsure zu und bestimmt die Arsensure
als arsensaure Ammon-Magnesia (. 102. 2.).

b. $Bestimmung des Schwefelarsens, im kuflichen Schwefelantimon$
(nach $Wackenroder$). -- Man verpufft 20 Grm. des fein zerriebenen
Schwefelantimons mit 40 Grm. Salpeter und 20 Grm. kohlensaurem Natron,
indem man das Gemenge nach und nach in einen rothglhenden hessischen
Tiegel eintrgt, zieht die stark geglhte Masse wiederholt mit Wasser
aus, fllt aus dem mit Salzsure angesuerten und mit schwefliger
Sure behandelten Filtrate das Arsen nebst einem kleinen Theile des
Antimons mit Schwefelwasserstoff, digerirt den feuchten Niederschlag
mit kohlensaurem Ammon, filtrirt, suert das Filtrat an, leitet
Schwefelwasserstoff ein und bestimmt das Arsen als Schwefelarsen nach
. 102. 4.

  5. _Methoden, welche auf der Ausfllung des Arsens als arsensaure
     Ammon-Magnesia beruhen._

a. $Arsen von Antimon.$ -- Man oxydirt die Metalle oder
Schwefelverbindungen mit Knigswasser oder Salzsure und chlorsaurem
Kali, fgt Weinsteinsure, viel Chlorammonium, dann berschssiges Ammon
zu. (Hierdurch darf keine Fllung entstehen; wre es der Fall, so war
die Menge des Salmiaks oder der Weinsteinsure nicht gengend.) Man
fllt alsdann die Arsensure nach . 102. 2. und bestimmt im Filtrate
das Antimon nach . 100. 1. b.

b. $Arsensure von arseniger Sure.$ Man versetzt die Lsung mit $viel$
Salmiak, fllt dann die Arsensure nach . 102. 2. und bestimmt im
Filtrate die arsenige Sure durch Fllung mit Schwefelwasserstoff
(. 102. 4.).

  6. _Methoden, welche auf der Ausfllung regulinischer Metalle beruhen._

a. $Zinn von Antimon nach Gay-Lussac.$ -- Man erwrmt einen gewogenen
Theil der fein zertheilten Legirung (oder auch einer sonstigen
Verbindung) mit Salzsure, fgt chlorsaures Kali in kleinen Portionen
zu, bis zu erfolgter Lsung, und theilt alsdann die Flssigkeit in
zwei gleiche Theile, a. und b. In a. fllt man beide Metalle durch
einen Zinkstab, splt sie ab und wgt sie; -- b. erwrmt man, nachdem
man ziemlich viel Salzsure zugesetzt hat, mit einem Zinnstreifen
lngere Zeit. -- Durch diese Operation wird das Antimon vollstndig
als schwarzes Pulver abgeschieden und das Zinnchlorid zu Chlorr
reducirt. Man splt das Antimon mit Salzsure enthaltendem Wasser von
dem Zinnstreifen ab, sammelt es auf einem gewogenen Filter, trocknet und
wgt es. Die Quantitt des Zinns ergiebt sich als Differenz.

b. $Bestimmung des Arsens in metallischem Zinn$, nach $Gay-Lussac$[63].
-- Man lst das laminirte oder durch Eingiessen in Wasser gekrnte
Metall in einem Gemenge von 1 Aeq. Salpetersure und 9 Aeq. Salzsure
in gelinder Wrme auf. Die Auflsung erfolgt ohne Gasentwickelung,
es bildet sich Zinnchlorr und Chlorammonium. Das Arsen bleibt als
Pulver zurck. NO_{5} + 9ClH + 8Sn = 8SnCl + NH_{4}, Cl + 5HO. Das
Knigswasser darf daher in nicht viel grsserem Verhltniss angewendet
werden, als auf 8 Aeq. Metall 1 Aeq. NO_{5} und 9 Aeq. ClH.

  [63] Ann. de Chim. et de Phys. 23. 228. -- $Liebig$ und $Kopp$ Jahresb.
       1847 und 1848, S. 968.

  7. _Maassanalytische Methoden._

a. $Zinnoxydul neben Zinnoxyd.$ -- Man lst bei Luftabschluss in
Salzsure, verdnnt die Flssigkeit mit ausgekochtem Wasser, bringt sie
auf ein bestimmtes Volum und bestimmt in einer abgemessenen Menge das
Zinnoxydul nach . 101. 2.; in einer zweiten Portion kann man alsdann
die Gesammtmenge entweder ebenfalls maassanalytisch bestimmen, indem man
das Chlorid zuerst in Chlorr berfhrt (. 101. 2. b.), oder man kann
darin alles Zinn durch Erwrmen mit chlorsaurem Kali oxydiren und das
Zinn nach . 101. 1. b. bestimmen.

b. $Arsenige Sure von Arsensure.$ -- Man bestimmt, sofern eine feste
Substanz zur Untersuchung vorliegt, in einer Portion die arsenige Sure
maassanalytisch nach . 102. 5., in einer zweiten die Gesammtmenge des
Arsens nach einer der in . 102 angegebenen Methoden. -- Hat man die
Suren in Lsung, so lsst sich die arsenige Sure auch in der Art
bestimmen, dass man eine abgewogene Portion mit Salzsure und etwas
Indigolsung versetzt und dann von einer Chlorkalklsung von bekanntem
Gehalte so lange zufgt, bis die blaue Farbe des Indigos verschwunden
ist. Alles Nhere siehe unten in dem Abschnitte ber Chlorimetrie.

  8. _Indirecte Methoden._

a. $Zinnoxydul neben Zinnoxyd.$ -- Man bestimmt in einer Portion die
Gesammtmenge des Zinns, -- eine zweite lst man bei Luftabschluss
in Salzsure und trpfelt die Lsung unter Umrhren in eine stark
berschssige Auflsung von Quecksilberchlorid. Der entstehende
Niederschlag von Quecksilberchlorr wird nach . 94. 2. behandelt.
-- 1 Aeq. desselben (Hg_{2}Cl) entspricht 1 Aequivalent Zinnchlorr
(SnCl). (H. $Rose$.)

b. $Arsenige Sure neben Arsensure.$ -- Man bestimmt in einer Portion
die Gesammtmenge des Arsens, eine zweite lst man in Salzsure (wobei
natrlicherweise die Abwesenheit oxydirender Substanzen [salpetersaurer
Salze etc.] vorausgesetzt wird) und fgt eine berschssige Lsung von
Natrium- oder Ammonium-Goldchlorid zu. Nachdem man einige Tage kalt --
oder, bei verdnnten Lsungen, in gelinder Wrme -- hat stehen lassen,
filtrirt man das ausgeschiedene Gold ab und bestimmt es nach . 98. b.
(Das Filtrat bewahrt man auf, um dessen gewiss zu werden, dass sich
kein weiteres Gold mehr ausscheidet.) 2 Aeq. Gold entsprechen 3 Aeq.
arseniger Sure (2AuCl_{3} + 3AsCl_{3} = 3AsCl_{5} + 2Au). (H. $Rose$.)


              II. $Die Scheidung der Suren von einander.$

Es wird daran erinnert, dass wir bei den folgenden Scheidungsmethoden in
der Regel von der Annahme ausgehen, die Suren seien im freien Zustande
oder in Verbindung mit alkalischen Basen vorhanden, vergl. das oben
S. 274 darber Gesagte.

                            $Erste Gruppe.$

        $Arsenige Sure, Arsensure, Chromsure, Schwefelsure,
       Phosphorsure, Borsure, Oxalsure, Fluorwasserstoffsure,
                       Kieselsure, Kohlensure.$

                                . 134.

1. $Arsenige Sure und Arsensure von allen brigen Suren.$ -- Man
fllt aus der Lsung mit Schwefelwasserstoff alles Arsen (. 102. 4.)
und bestimmt im Filtrat die brigen Suren. Ist Chromsure zugegen,
so reducirt man dieselbe zuerst nach einer der (. 104) angegebenen
Methoden, damit mit dem Schwefelarsen kein Schwefel niederfalle.
-- Arsensure ist, wo es irgend angeht, durch schweflige Sure zu
reduciren, ehe man mit Schwefelwasserstoff fllt.

2. $Schwefelsure von den brigen Suren.$

a. _Von den Suren des Arsens, von Phosphor-, Bor-, Fluorwasserstoff-,
   Oxal-, Kiesel- und Kohlensure._

Man versetzt die mit Salzsure stark sauer gemachte verdnnte Lsung mit
Chlorbaryum und filtrirt den nach . 105 zu bestimmenden schwefelsauren
Baryt von der die smmtlichen anderen Suren enthaltenden Lsung ab.

b. _Von Fluorwasserstoffsure in unlslichen Verbindungen._

Soll ein Gemenge von schwefelsaurem Baryt und Fluorcalcium zerlegt
werden, so kann dies nicht durch blosse Behandlung mit Salzsure
geschehen; der unlsliche Rckstand enthlt ausser schwefelsaurem
Baryt Gyps und Fluorbaryum. Nur auf folgende Art lsst sich der Zweck
erreichen. Man schmelzt mit 6 Thln. kohlensaurem Natronkali und 2 Thln.
Kieselsure. Die erkaltete Masse behandelt man mit Wasser, die Lsung
mit kohlensaurem Ammon, wscht die ausgeschiedene Kieselsure mit einer
verdnnten Lsung von kohlensaurem Ammon, bersttigt das Filtrat mit
Salzsure und fllt mit Chlorbaryum.

Soll auch das Fluor bestimmt werden, so suert man mit Salpetersure an,
fllt mit salpetersaurem Baryt, sttigt dann mit kohlensaurem Natron und
fllt das Fluorbaryum durch Weingeist. Nachdem es zuerst mit Weingeist
von 50 Proc., zuletzt mit starkem Alkohol lange ausgewaschen worden,
wird es getrocknet, geglht und gewogen (H. $Rose$).

c. _Bei Gegenwart von viel Chromsure._

reducirt man diese am besten, indem man die trockene Verbindung mit
concentrirter Salzsure kocht (geschieht dies nach . 104. I. d. [Greek:
b]., so erfhrt man hierdurch zugleich die Menge der Chromsure) und
aus der stark verdnnten Lsung zuerst das Chromoxyd durch Ammon
(. 84), dann -- im Filtrat -- die Schwefelsure, nach Zusatz von
Salzsure, durch Chlorbaryum fllt.

3. $Chromsure von Phosphorsure.$ -- Man fllt die Phosphorsure als
phosphorsaure Ammonmagnesia (. 106. I. b.). Im Filtrate bestimmt man
die Chromsure mittelst salpetersauren Quecksilberoxyduls, oder in einer
anderen Portion volumetrisch (. 104).

4. $Phosphorsure von Borsure.$ -- Man bestimmt in der
gemeinschaftlichen Lsung die Phosphorsure mittelst schwefelsaurer
Magnesia (. 106. I. b.), im Filtrat die Borsure nach einer der . 107
beschriebenen Methoden.

5. $Phosphorsure von Oxalsure.$

a. Sollen beide Suren in einer Portion bestimmt werden, so versetzt man
die wsserige Lsung mit berschssigem Natriumgoldchlorid, erwrmt und
bestimmt aus der Menge des reducirten Goldes die der Oxalsure (. 108.
b. [Greek: a].). Im Filtrate scheidet man zunchst das berschssige
Gold durch Oxalsure ab und fllt dann die Phosphorsure mit
schwefelsaurer Magnesia. -- Lst sich die Verbindung nicht in Wasser,
so wendet man Salzsure an und verfhrt nach . 108. b. [Greek: b]. Aus
dem Filtrate fllt man alsdann das Gold durch Schwefelwasserstoff ohne
Erwrmen.

b. Ist soviel Substanz vorhanden, dass man getrennte Portionen verwenden
kann, so bestimmt man in einer die Oxalsure nach . 108. c., in einer
zweiten die Phosphorsure. Ist die Substanz in Wasser lslich, so
kann letztere -- wenn die Menge der Oxalsure nicht zu sehr vorwaltet
-- geradezu mit schwefelsaurer Magnesia bei Anwesenheit von Salmiak
und Ammon gefllt werden; anderenfalls glht man die Substanz mit
kohlensaurem Natronkali, zerstrt so die Oxalsure und bestimmt die
Phosphorsure im Rckstande.

6. $Fluormetalle von phosphorsauren Salzen.$

a. _Die Substanz ist in Wasser lslich._

[Greek: a]. Enthlt sie $relativ viel$ Fluor, so dass eine Bestimmung
desselben aus der Differenz zulssig erscheint, so fllt man die Lsung
durch Chlorcalcium, wscht den Niederschlag aus, trocknet, glht und
wgt ihn. Er besteht aus phosphorsaurem Kalk und Fluorcalcium. Man
erwrmt ihn mit Schwefelsure in einem Platingefsse, bis alles Fluor
als Fluorwasserstoff entwichen ist (die Erhitzung werde nicht so
gesteigert, dass Schwefelsurehydrat sich verflchtigt), und bestimmt
dann Kalk und Phosphorsure nach . 106. II. c. Zieht man Phosphorsure
und Kalk von dem Gesammtgewicht des Niederschlages ab, so findet man das
Fluor, indem man ansetzt: Aeq. des Fluors -- Aeq. des Sauerstoffs : Aeq.
des Fluors = der gefundene Gewichtsverlust: dem gesuchten Fluor.

[Greek: b]. Enthlt die Substanz $relativ wenig$ Fluor, so versetzt
man die Auflsung mit basisch salpetersaurem Quecksilberoxydul. Es
entsteht dadurch ein gelber Niederschlag von basisch phosphorsaurem
Quecksilberoxydul, whrend alles Fluorquecksilber gelst bleibt. Man
bestimmt im Niederschlage die Phosphorsure nach . 106. I. b. [Greek:
c]., das Filtrat neutralisirt man mit kohlensaurem Natron, leitet --
ohne zuvor abzufiltriren -- Schwefelwasserstoff ein, filtrirt und
bestimmt das Fluor nach . 109. I. (H. $Rose$).

b. _Ist die Substanz nicht in Wasser lslich, aber durch Suren
zerlegbar_, so lsst sich das Verfahren a. [Greek: a]. ebenfalls
anwenden. Man lst erst in Salzsure und verdampft dann mit
Schwefelsure.

c. _Ist die Substanz nicht durch Suren zersetzbar_, so schmelzt man sie
mit kohlensaurem Natron und Kieselsure (siehe . 134. 8.).

7. $Fluormetalle von Kieselsure und Silicaten.$ -- Sehr viele
natrliche Silicate enthalten Fluormetalle; man hat daher bei
Mineraluntersuchungen wohl darauf zu achten, dass man letztere nicht
bersieht. --

Sind die Fluormetall enthaltenden Silicate durch Suren zersetzbar (was
nur selten der Fall ist) und scheidet man die Kieselsure nach blicher
Art durch Abdampfen ab, so kann sich alles Fluor verflchtigen.

[Greek: a]. _Methode von_ $Berzelius$. Man schmelzt die fein
geschlmmte Substanz mit 4 Thln. kohlensaurem Natron ziemlich lange
bei starker Rothglhhitze, weicht die Masse mit Wasser auf, kocht sie
damit, filtrirt und wscht erst mit siedendem Wasser, dann mit einer
Auflsung von kohlensaurem Ammon aus. Man hat in Lsung alles Fluor als
Fluornatrium, ferner kohlensaures, kieselsaures und Thonerdenatron. Man
versetzt dieselbe mit kohlensaurem Ammon und erhitzt sie damit unter
Ersatz des verdunstenden kohlensauren Ammons. Den hierdurch entstehenden
Niederschlag von Kieselsure- und Thonerdehydrat filtrirt man ab und
wscht ihn mit kohlensaurem Ammon aus. Das Filtrat erhitzt man, bis
alles kohlensaures Ammon entwichen, und bestimmt das Fluor nach . 109.
-- Die beiden Niederschlge zerlegt man, zur Abscheidung der Kieselsure
mit Salzsure, nach . 111. II. a.[64].

  [64] Durch die Behandlung mit kohlensaurem Ammon lsst sich alle
       Kieselsure aus dem Filtrate entfernen, so dass ein Zusatz von
       kohlensaurem Zinkoxydammon, wie ihn $Berzelius$ und spter
       $Regnault$ vorschlugen, als berflssig erscheint (H. $Rose$).

[Greek: b]. Methode von $Whler$. (Dieselbe ist nur anwendbar, wenn
die Substanz durch Schwefelsure leicht zerlegt wird, und wenn die
Menge des Fluors gross ist.) Man bringt die Verbindung im hchst fein
gepulverten Zustande in einen kleinen Kolben, bergiesst sie mit
reinem Schwefelsurehydrat, verschliesst den Kolben rasch mit einem
Kork, in den eine kleine Chlorcalciumrhre eingepasst ist, wgt den
ganzen Apparat mglichst schnell, erwrmt ihn dann bis keine Dmpfe von
Fluorkiesel mehr entweichen, entfernt die letzten Antheile des noch im
Klbchen befindlichen Gases mit Hlfe der Luftpumpe, lsst erkalten und
wgt. Der Gewichtsverlust des Apparates giebt die Menge des entwichenen
Fluorkiesels genau an. Man berechnet daraus einmal die Menge des Fluors
und dann die Menge des entwichenen Siliciums, damit man dessen Menge,
auf Kieselsure berechnet, der im Rckstande gefundenen zuzhlen kann.

8. $Fluormetalle, Silicate und phosphorsaure Salze neben einander.$ --
Derartige Verbindungen, welche in der Natur nicht selten vorkommen,
werden nach 7. [Greek: a]. zerlegt. Hierbei ist auf eine vollstndige
Zerlegung der Phosphate nicht immer zu rechnen, indem z. B.
phosphorsaurer Kalk durch schmelzende Soda nur partiell zerlegt wird.
-- Die Auflsung, welche man nach Abscheidung der Kieselsure und nach
Verflchtigung des kohlensauren Ammons bekommt, enthlt -- bei Gegenwart
von Phosphaten -- neben Fluornatrium und kohlensaurem Natron auch
phosphorsaures Natron.

Man neutralisirt fast mit Salzsure, fllt mit Chlorcalcium, filtrirt,
trocknet und glht den aus Fluorcalcium, phosphorsaurem Kalk und
kohlensaurem Kalk bestehenden Niederschlag, behandelt ihn mit
berschssiger Essigsure, verdampft damit im Wasserbade ganz zur
Trockne, bis alle Essigsure entfernt ist, zieht mit Wasser den aus dem
kohlensauren Kalk entstandenen essigsauren Kalk aus und wgt den aus
phosphorsaurem Kalk und Fluorcalcium bestehenden und nach 6. weiter zu
zerlegenden Rckstand. -- In dem ursprnglich gebliebenen Rckstande,
sowie in dem durch kohlensaures Ammon entstandenen Niederschlage
bestimmt man die Kieselsure, den Rest der Phosphorsure und die Basen.

9. $Kieselsure von allen anderen Suren$ (ausgenommen Flusssure).

[Greek: a]. _In durch Salzsure aufschliessbaren Verbindungen._

Man zersetzt die Substanz durch mehr oder weniger lang fortgesetzte
Digestion mit Salzsure oder Salpetersure, verdampft damit im
Wasserbade (nicht bei hherer Temperatur) zur Trockne (. 111. II. a.),
bergiesst den Rckstand je nach Umstnden mit Wasser, Salzsure oder
Salpetersure, filtrirt die ausgeschiedene Kieselsure ab und bestimmt
die brigen Suren im Filtrat. -- Bei Gegenwart von Borsure nimmt
man das Abdampfen in einem Kolben vor und leitet die entweichenden
Dmpfe in Wasser, damit man keinen Verlust erleide. Bei Gegenwart von
kohlensauren Salzen bestimmt man die Kohlensure in einer besonderen
Portion.

[Greek: b]. _In durch Salzsure nicht aufschliessbaren Verbindungen._

Man schliesst die Substanz durch Glhen mit kohlensaurem Natron-Kali
auf (. 111. II. b. [Greek: a].) und behandelt den Rckstand entweder
geradezu vorsichtig mit verdnnter Salzsure oder Salpetersure, um
mit der Lsung nach [Greek: a]. zu verfahren, oder man fllt aus der
beim Behandeln des Rckstandes mit Wasser erhaltenen Flssigkeit die in
Lsung bergegangene Kieselsure durch Erwrmen mit doppelt kohlensaurem
Ammon, filtrirt, bestimmt die anderen Suren im Filtrat, die Kieselsure
in dem mit dem Rckstande vereinigten Niederschlag, indem man ihn mit
Salzsure behandelt und nach . 111. II. a. verfhrt. -- Welche von
diesen Methoden die passendere ist, hngt von der Natur der Basen und
dem Verhltniss, in dem die Kieselsure zu denselben steht, ab.

10. $Kohlensure von allen anderen Suren.$ -- Da die Kohlensure beim
Erwrmen ihrer Salze mit strkeren Suren ausgetrieben und entfernt
wird, so hat die Gegenwart von kohlensauren Salzen auf die Bestimmung
der meisten brigen Suren keinen Einfluss, und da die Bestimmung der
Kohlensure am einfachsten aus dem Gewichtsverlust geschieht, so ist
andererseits die Anwesenheit der Salze nichtflchtiger Suren dabei ohne
Belang. -- Hat man demnach Verbindungen, die kohlensaure, schwefelsaure,
phosphorsaure etc. Salze neben einander enthalten, so bestimmt man in
einer Portion die Kohlensure, in einer zweiten die brigen Suren.
-- Hat man Fluorverbindungen neben kohlensauren Salzen, so muss man
darauf achten, dass man in solchem Falle die Kohlensure nicht durch
Schwefelsure oder Salzsure austreiben darf, weil sonst ein Theil der
in Freiheit gesetzten Flusssure mit der Kohlensure entweichen wrde,
sondern dass man zu diesem Behufe eine schwache nichtflchtige Sure,
etwa Weinsteinsure oder Citronensure, anwenden muss. -- Hat man, wie
dies bei Analysen zuweilen vorkommt, Fluorcalcium und kohlensauren
Kalk in einem Niederschlage, so trennt man beide in der Weise, dass
man das Gemenge mit Essigsure zur Trockne verdampft und den Rckstand
mit Wasser auszieht. Der aus dem kohlensauren Kalk entstandene und ihm
entsprechende essigsaure Kalk lst sich, das Fluorcalcium bleibt zurck.


                            $Zweite Gruppe.$

   $Chlorwasserstoffsure, Bromwasserstoffsure, Jodwasserstoffsure,
            Cyanwasserstoffsure, Schwefelwasserstoffsure.$

    I. Trennung der Suren der zweiten Gruppe von denen der ersten.

                                . 135.

a. _Alle Suren der zweiten Gruppe von denen der ersten._

Man versetzt die verdnnte Lsung mit Salpetersure, fgt salpetersaures
Silberoxyd im Ueberschuss hinzu und filtrirt die unlslichen
Silberverbindungen des Chlors, Broms, Jods etc. ab. In Auflsung bleiben
smmtliche Suren der ersten Gruppe, da ihre Silbersalze in Wasser
oder Salpetersure lslich sind. -- Kohlensure erfordert unter allen
Umstnden eine besondere Bestimmung. Fhrt man dieselbe nach . 110. II.
b. [Greek: b]. aus, so entweicht bei Gegenwart von Chlormetallen mit der
Kohlensure Chlorwasserstoff. Bei genauen Bestimmungen beugt man diesem
Uebelstande vor, indem man eine Auflsung von schwefelsaurem Silberoxyd
in geringem Ueberschuss zusetzt oder auch (nach $Vohl$) durch Zusatz von
etwas fein geriebenem Quecksilberoxyd. Durch diese Zustze wird zugleich
das Entweichen von Schwefelwasserstoff aus Schwefelmetallen verhindert;
den letzteren Zweck kann man auch durch Zusatz von etwas neutralem
chromsaurem Kali erreichen.

b. _Einzelne Suren der zweiten Gruppe von einzelnen Suren der ersten
   Gruppe._

Da es fr die weitere Trennung der Suren der zweiten Gruppe unbequem
ist, alle in Form unlslicher Silberverbindungen zu haben, so wendet
man, wo es vermieden werden kann, das in a. angegebene Verfahren nicht
an, im Falle man mehrere Suren der zweiten Gruppe zusammen abzuscheiden
hat, sondern whlt lieber folgende Methoden:

1. $Schwefelsure$ trennt man von den Suren der zweiten Gruppe
nach . 134. 2. mit dem Unterschiede, dass man anstatt Chlorbaryums
salpetersauren Baryt nimmt.

2. $Phosphorsure$ fllt man mit salpetersaurer Magnesia und Ammon bei
Gegenwart von salpetersaurem Ammon (siehe . 106. I. b.). -- Im Filtrat
bestimmt man die Suren der zweiten Gruppe.

3. $Oxalsure$ entfernt man mit Leichtigkeit durch salpetersauren Kalk.

4. $Schwefelwasserstoff$ kann von den Suren der ersten Gruppe ebenso
gut als durch Silbersalz, durch salpetersaures Kupferoxyd oder
durch eine Auflsung von arseniger Sure in Wasser, der man etwas
Salpetersure zugesetzt hat, geschieden werden.

5. $Chlor in Silicaten.$ -- Bei der Bestimmung des Chlors in Silicaten
ist Manches zu bercksichtigen. a) Lsen sich dieselben in verdnnter
Salpetersure auf, so fllt man die Lsung direct mit salpetersaurem
Silber (ohne Erwrmen), entfernt aus dem Filtrat den Silberberschuss
durch verdnnte Salzsure (ohne Erwrmen) und scheidet dann die
Kieselsure wie gewhnlich ab. b) Gelatiniren die Silicate bei
Zersetzung mit Salpetersure, so verdnnt man, lsst absitzen, filtrirt,
wscht die abgeschiedene Kieselsure aus und verfhrt mit dem Filtrat
nach a. c) Werden die Silicate durch Salpetersure nicht zersetzt, so
mengt man sie mit kohlensaurem Natronkali, befeuchtet die Masse mit
Wasser, trocknet sie im Tiegel ein, schmelzt, kocht mit Wasser aus,
entfernt etwa gelste Kieselsure mit kohlensaurem Ammon (. 134. 7.
[Greek: a].) und fllt alsdann, nach Zusatz von Salpetersure, mit
salpetersaurem Silberoxyd (H. $Rose$).

6. $Chlorverbindungen neben Fluorverbindungen.$ -- Sind dieselben in
Wasser lslich, so kann man zwar nach a. verfahren, bequemer ist es
aber, das Fluor mit salpetersaurem Kalk und im Filtrat das Chlor mit
Silberlsung zu fllen. -- Unlsliche Verbindungen schmelzt man mit
kohlensaurem Natron und Kieselsure (siehe . 134. 7. [Greek: a].).

7. $Chlor neben Fluor in Silicaten.$ -- Man verfhrt nach . 134.
7. [Greek: a]. Das alkalische Filtrat sttigt man fast mit
Salpetersure, fllt dann mit salpetersaurem Kalk, trennt Fluorcalcium
und kohlensauren Kalk nach . 134. 10. und fllt im Filtrat das Chlor
durch Silberlsung.

8. $Schwefelmetalle von schwefelsauren Salzen.$ -- Alkalische
Schwefelmetalle lassen sich in festen Verbindungen von schwefelsauren
Alkalien durch Alkohol trennen, in welchen jene lslich, diese
unlslich sind (H. $Rose$); auch kann man in einer Portion die Menge
des Schwefelmetalles maassanalytisch oder mittelst Kupferlsung
bestimmen (. 116), in einer zweiten die der Schwefelsure, indem man
mit Chlorbaryum fllt, die Flssigkeit abgiesst, den Niederschlag mit
verdnnter Salzsure behandelt und dann erst abfiltrirt. Etwa mit
niederfallender Schwefel verbrennt beim Glhen des schwefelsauren Baryts
und ist somit ohne Nachtheil.

9. $Schwefelmetalle in Silicaten.$ -- Lsst sich die Verbindung durch
Suren zersetzen, so behandelt man sie im hchst fein gepulverten
Zustande mit rauchender Salpetersure (. 116. II. 2. a.). Wenn aller
Schwefel oxydirt ist, verdnnt man, filtrirt zuerst die Kieselsure ab,
entfernt einen etwa gelsten Antheil mit kohlensaurem Ammon und bestimmt
im Filtrat die erzeugte Schwefelsure.


  $Anhang$: $Analyse von Verbindungen, welche alkalische Schwefelmetalle,
            kohlensaure, schwefelsaure und unterschwefligsaure Salze
            enthalten.$

                                . 136.

Die nachstehende Methode ist zuerst von G. $Werther$[65] angewendet
worden und zwar bei der Untersuchung von Schiesspulverrckstnden.

  [65] Journ. f. prakt. Chem. 55. 22.

Man bergiesst die zu untersuchende Verbindung mit Wasser, in welchem
eine hinreichende Menge kohlensaures Cadmiumoxyd[66] suspendirt ist,
und schttelt in einem verkorkten Gefsse hufig. Das alkalische
Schwefelmetall zersetzt sich mit dem kohlensauren Cadmiumoxyd
vollstndig. Der gelbliche Niederschlag wird abfiltrirt und mit
verdnnter Essigsure (nicht Salzsure) behandelt. Es lst sich das
kohlensaure Cadmiumoxyd, whrend das Schwefelcadmium zurckbleibt.
Man oxydirt es mit chlorsaurem Kali und Salpetersure (. 116. II. 2.
a. [Greek: a]. [Greek: b].) und fllt die aus dem Schwefelmetall erzeugte
Schwefelsure mit Chlorbaryum.

  [66] Um das kohlensaure Cadmiumoxyd frei von Alkali zu erhalten, muss
       es durch kohlensaures Ammon gefllt werden.

Die von dem Schwefelcadmium abfiltrirte Lsung wird erwrmt und mit
einer Lsung von salpetersaurem Silberoxyd versetzt. Der Niederschlag,
aus kohlensaurem Silberoxyd und Schwefelsilber bestehend (KO, S_{2}O_{2}
+ AgO, NO_{5} = KO, SO_{3} + AgS + NO_{5}), wird durch Ammon von
ersterem Salze befreit, und aus der ammoniakalischen Lsung das Silber
-- nach Ansuren mit Salpetersure -- durch Chlornatrium gefllt. Je 1
Aeq. so erhaltenen Chlorsilbers entspricht 1 Aeq. kohlensaurem Salz[67].
Das Schwefelsilber lst man in verdnnter kochender Salpetersure,
bestimmt in der Lsung das Silber als Chlorsilber und berechnet hieraus
die Menge des unterschwefligsauren Salzes, wobei zu beachten, dass
1 Aeq. AgCl 2 Aeq. Schwefel in unterschwefliger Sure, also 1 Aeq.
unterschwefligsaurem Salze (KO, S_{2}O_{2}) entspricht.

  [67] Von dem so erhaltenen ist eine dem gefundenen Schwefelmetalle
       quivalente Menge abzuziehen (KS + CdO, CO_{2} = CdS + KO, CO_{2}).

Aus der von Schwefelsilber und kohlensaurem Silberoxyde abfiltrirten
Lsung wird zuerst das berschssige Silber durch Salzsure, dann
die Schwefelsure durch ein Barytsalz gefllt. Von der erhaltenen
Quantitt der letzteren ist natrlicher Weise so viel abzuziehen, als
der aus der Zersetzung der unterschwefligen Sure entstandenen Menge
entspricht, also fr ein Gewichtstheil aus dem Schwefelsilber erhaltenen
Chlorsilbers 0,28 Gewichtstheile Schwefelsure. Der Rest ist dann die in
der untersuchten Substanz wirklich enthaltene Schwefelsure.

Bestimmt man in der vom schwefelsauren Baryt abfiltrirten Flssigkeit
das Alkali nach . 76 oder 77 als schwefelsaures Salz, so erhlt man
eine Controle fr die Analyse.


        II. Trennung der Suren der zweiten Gruppe von einander.

                                . 137.

1. $Chlor von Brom.$

Eine genaue Methode, Chlor und Brom in der Art von einander zu trennen,
dass beide ihrem Gewichte nach bestimmt werden knnten, kennt man nicht
(die vorgeschlagenen entsprechen dem Zwecke nur mangelhaft); man pflegt
daher das Brom stets auf eine mehr indirecte Art zu bestimmen.

a. Man fllt mit salpetersaurem Silberoxyd, wscht den Niederschlag aus,
trocknet, schmelzt und wgt ihn. Man bringt alsdann einen aliquoten
Theil des Chlor-Bromsilbers, den man am zweckmssigsten durch Ausgiessen
der wieder geschmolzenen Masse aus dem Tiegel loslst, in eine gewogene
Kugelrhre, schmelzt in der Kugel, lsst erkalten und wgt. Man kennt
durch diese letzte Gewichtsbestimmung nunmehr sowohl die Quantitt
des in der Kugelrhre befindlichen Chlor-Bromsilbers, als auch das
Totalgewicht der gefllten Rhre. Es ist nothwendig, die Wgungen
so genau als irgend mglich zu machen. Man leitet jetzt durch die
Kugelrhre einen langsamen Strom trockenes, reines Chlorgas, erhitzt
den Inhalt der Kugel zum Schmelzen und schwenkt die geschmolzene Masse
von Zeit zu Zeit ein wenig in der Kugel herum. Nach Verlauf von etwa
20 Minuten nimmt man die Kugelrhre ab, lsst sie erkalten, hlt sie
schief, dass das Chlorgas durch Luft verdrngt werde, und wgt, erhitzt
dann nochmals 10 Minuten in Chlorgas und wgt wieder. Stimmen die beiden
letzten Wgungen berein, so ist der Versuch beendigt; zeigt sich noch
eine Gewichtsvernderung, so muss man die Operation ein drittes Mal
wiederholen. Die Gewichtsabnahme, multiplicirt mit 4,223, ist gleich
dem durch Chlor zersetzten Bromsilber. Art und Erklrung der Berechnung
siehe unten (. 168).

Diese Methode giebt sehr genaue Resultate, sofern die Menge des Broms
ziemlich gross ist, dagegen hchst unzuverlssige, wenn Spuren von
Brom neben Massen von Chlormetallen bestimmt werden sollen, z. B. in
Salzsoolen. -- Um nun das Verfahren fr solche Flle brauchbar zu
machen, muss man danach trachten, eine Silberverbindung zu erhalten,
welche alles Brom, aber nur einen kleinen Theil des Chlors enthlt.
Dieser Zweck lsst sich auf mehrfache Weise erreichen.

[Greek: a]. Nach $Fehling$. Man versetzt unter gutem Umschtteln die
Lsung $kalt$ mit einer zur vlligen Ausfllung ganz unzureichenden
Menge Silberlsung. Man erhlt so einen Niederschlag, der alles Brom
enthlt, vorausgesetzt, dass eine dem vorhandenen Brom einigermaassen
entsprechende Menge Silberniederschlag erzeugt wurde.

$Fehling$ giebt folgende Normen:

Bei 0,001 Bromgehalt fllt man mit 1/5-1/6 der zur vollstndigen
Fllung nthigen Silberlsung, -- bei 0,0001 Brom mit 1/10, bei 0,00002
mit 1/30, -- bei 0,00001 mit 1/60.

Der Niederschlag von Chlor-Bromsilber ist $sehr gut$ auszuwaschen, ehe
man ihn trocknet, glht und wgt. Die Behandlung mit Chlor geschieht wie
oben angegeben. -- Die Menge des Chlors findet man, indem man eine neue
abgewogene Portion mit Silberlsung ganz ausfllt und von dem gewogenen
Niederschlage das gefundene Bromsilber abzieht.

[Greek: b]. $Marchand$[68] hat die $Fehling$'sche Methode etwas
modificirt. Er reducirt das durch fractionirte Fllung erhaltene
Chlor-Bromsilber mit Zink, zersetzt die Auflsung des Chlor- und
Bromzinks durch kohlensaures Natron, verdampft zur Trockne, zieht den
Rckstand mit absolutem Alkohol aus (wobei sich alles Bromnatrium mit
nur wenig Chlornatrium lst), verdampft die Lsung zur Trockne, nimmt
den Rckstand mit Wasser auf, fllt nun wiederum mit Silberlsung und
unterwirft einen Theil des so erhaltenen Niederschlags, nachdem derselbe
gewogen worden ist, der Behandlung mit Chlor.

  [68] Journ. f. prakt. Chem. 47. 363.

b. Man bestimmt in einer Portion Chlor + Brom (durch Fllung mit
Silberlsung) gewichts- oder maassanalytisch, in einer zweiten den
Gehalt an Brom colorimetrisch (. 113. I. b.) oder volumetrisch
(. 113. I. c.) und berechnet das Chlor aus der Differenz. Diese Methode
empfiehlt sich zu rascher Untersuchung von Mutterlaugen.

2. $Chlor von Jod.$

a. Man versetzt die Lsung beider mit salpetersaurem Palladiumoxydul
und bestimmt das Palladiumjodr nach . 114. I. b. Aus dem Filtrate
entfernt man den Ueberschuss des Palladiums durch Einleiten von
Schwefelwasserstoff, zerstrt den Schwefelwasserstoffberschuss
durch schwefelsaure Eisenoxydlsung und fllt endlich das Chlor mit
Silberlsung. -- Einfacher ist es in der Regel, in $einer$ Portion das
Jod genau nach . 114. I. b. mit Palladiumchlorr, in einer $zweiten$
Chlor und Jod mit Silberlsung zu fllen (. 112. 114) und das Chlor
aus der Differenz zu berechnen. Resultate sehr genau. In Flssigkeiten,
welche sehr viel alkalische Chlormetalle und wenig Jodalkalimetalle
enthalten (wie solche besonders oft vorkommen), concentrirt man das
Jodmetall, indem man die Flssigkeit unter Zusatz von kohlensaurem
Natron zur Trockne verdampft, den Rckstand mit Alkohol auszieht, die
Lsung verdunstet und den Rckstand mit Wasser aufnimmt.

b. Man fllt eine Portion mit Silberlsung und bestimmt Chlor + Jod, in
einer zweiten ermittelt man die Menge des Jods volumetrisch (. 114. I.
c) und berechnet das Chlor aus der Differenz.

c. Man verfhrt genau wie bei der indirecten Bestimmung des Broms neben
Chlor (. 137. 1. a). Die Gewichtsabnahme des Silberniederschlages beim
Schmelzen in Chlorgas, multiplicirt mit 2,569, giebt die Menge des durch
Chlor zersetzten Jodsilbers an.

d. Nach $Moride$[69]. Freies Jod lst sich in Benzol mit rother Farbe;
dieselbe ist um so dunkler, je grsser die Menge des gelsten Jodes; der
Luft ausgesetzt verflchtigt sich das Jod, und die Lsung entfrbt sich.
Vermischt man daher eine ein Jodalkalimetall enthaltende Flssigkeit
mit einigen Tropfen gelber rauchender Salpetersure und schttelt dann
mit 2-3 Grm. Benzol, so steigt nach starkem Umschtteln das Benzol
auf die Oberflche und zeigt eine prachtvolle Frbung (an welcher
man noch 0,001 Grm. Jod in 4 Liter Wasser erkennen kann). Zum Behufe
quantitativer Bestimmung des Jodes wscht man das jodhaltige Benzol mit
Wasser, schttelt es sodann mit einigen Tropfen einer Auflsung von
salpetersaurem Silberoxyd, wscht das Jodsilber mit 33-grdigem Alkohol
und bestimmt es wie gewhnlich[70]. Chlor und Brom frben das Benzol
nicht und bleiben in dem Wasser gelst, das zum Waschen des Benzols
dient. Man fllt sie durch Silberlsung.

  [69] Compt. rend. 35. 789. -- Journ f. prakt. Chem. 58. 317.

  [70] Aller Wahrscheinlichkeit nach wird sich in der Benzollsung das
       Jod annhernd colorimetrisch und genau nach $Bunsen$'s Methode
       (S. 257) bestimmen lassen.

3. $Chlor, Brom und Jod von einander.$

a. Man bestimmt in einer Portion durch Fllen mit Silberlsung alle
drei zusammen, eine zweite fllt man zum Behufe der Jodbestimmung mit
Chlorpalladium in mglichst geringem Ueberschuss. Die davon abfiltrirte
Flssigkeit befreit man erst durch Schwefelwasserstoff von Palladium,
dann durch schwefelsaures Eisenoxyd von Schwefelwasserstoff, fllt Chlor
+ Brom gemeinschaftlich, ganz oder fractionirt, durch Silberlsung und
bestimmt das Brom nach . 137. 1. a.

b. Bei grossen Chlor- und kleinen Brommengen kann man das Jod auch durch
salpetersaures Palladiumoxydul fllen (denn in dem Falle kann man sicher
sein, dass kein Palladiumbromr mit niederfllt) und mit dem Filtrate
verfahren wie in a.

Diese beiden Methoden liefern ganz genaue Resultate.

c. Man scheidet das Jod mit Benzol ab (2. d.) und bestimmt in der
wsserigen Flssigkeit Brom und Chlor wie in a.

d. Nach $Grange$[71]. Salpetersurefreie Untersalpetersure[72] in eine
reine Bromkaliumlsung geleitet, bewirkt keine Vernderung; ist aber ein
Jodmetall beigemengt, so frbt das ausgeschiedene Jod die Flssigkeit.
Schttelt man sie mit Chloroform, so wird das Jod von diesem
aufgenommen. In der vom Chloroform getrennten Flssigkeit scheidet
man das Brom durch einen geringen Ueberschuss von Salpetersure und
Schwefelsure ab und nimmt es ebenfalls in Chloroform auf; das Chlor
bestimmt man endlich mittelst Silberlsung.

  [71] Compt. rend. 33. 627. -- Journ. f. prakt. Chem. 55. 167.

  [72] Durch strkeres Glhen von bereits schwach geglhtem
       salpetersaurem Bleioxyd zu erhalten.

In dem jod- und bromhaltigen Chloroform lassen sich, nach
$Rabourdin$[73], die Quantitten des aufgelsten Jods (und wohl auch
Broms) colorimetrisch schtzen, aber ohne Zweifel auch nach $Bunsen$'s
Methoden (. 113. 114 Anhnge) genau bestimmen.

  [73] Compt. rend. 31. 784. -- Ann. der Chem. und Pharm. 76. 375.

4. $Cyan von Chlor, Brom oder Jod.$

a. Man fllt die gemeinschaftliche Lsung mit Silbersolution, sammelt
den Niederschlag auf einem gewogenen Filter und trocknet ihn so lange
im Wasserbade, bis er an Gewicht nicht mehr abnimmt; alsdann bestimmt
man die Quantitt des darin enthaltenen Cyans nach der Methode der
organischen Elementaranalyse. Das Chlor, Brom oder Jod ergiebt sich aus
der Differenz.

b. Hat man Cyanwasserstoffsure neben Chlorwasserstoff in wsseriger
Lsung, so bestimmt man in einer Portion beide, indem man mit
Silberlsung fllt (. 115). Zu einem anderen Theil setzt man eine
Auflsung von Borax, verdampft zur Trockne, erhitzt den Rckstand, aber
nicht zum Schmelzen, und bestimmt darin die Chlorwasserstoffsure (die
Cyanwasserstoffsure ist durch das Abdampfen mit Borax vollstndig
verflchtigt worden). ($Wackenroder$.)

c. Man fllt eine Portion mit Silberlsung und bestimmt den Niederschlag
im Ganzen, in einer zweiten ermittelt man das Cyan volumetrisch (. 115.
I. b. u. c).

5. $Schwefelwasserstoff von Chlorwasserstoff.$ -- Trennt man beide, wie
dies frher vorgeschlagen wurde, durch ein Metallsalz, so erhlt man
leicht falsche Resultate, weil sich mit dem Schwefelmetall Chlormetall
niederschlagen kann. Man fllt daher beide als Silberverbindungen
und bestimmt in einer abgewogenen Menge des bei 100 getrockneten
Niederschlages den Schwefel. -- Soll Schwefelwasserstoff aus einer
sauren Lsung weggeschafft werden, damit in derselben ein Gehalt an
Chlor durch Silber bestimmbar wird, so setzt man, nach $H. Rose$,
am besten eine Auflsung von schwefelsaurem Eisenoxyd zu, wodurch
nur Schwefel abgeschieden wird, den man, wenn er sich abgesetzt
hat, abfiltrirt. Man kann dann in einer anderen Portion den
Schwefelwasserstoff volumetrisch bestimmen (. 116).

6. Eine ganz neu ermittelte Methode $Ferro$- und $Ferridcyanmetalle$
neben einander zu bestimmen, werde ich im speciellen Theile beim
Blutlaugensalz mittheilen.


                            $Dritte Gruppe.$

                      $Salpetersure, Chlorsure.$

I. Trennung der Suren der dritten Gruppe von denen der beiden ersten.

                                . 138.

a. Enthlt eine Flssigkeit Salpetersure oder Chlorsure neben einer
anderen freien Sure und ist dieselbe frei von Basen, so bestimmt man in
einer Portion die Gesammtmenge freier Sure acidimetrisch, (s. specif.
Th.), dann in einer zweiten die andere Sure und berechnet hieraus die
Menge der Salpetersure oder Chlorsure.

b. Hat man mit Salzgemengen zu thun, so bestimmt man in einer Portion
die Salpetersure oder Chlorsure volumetrisch (. 117. II. a. und
. 118) oder auch, was die Salpetersure betrifft, mittelst arseniger
Sure (. 117. II. b.), in einer zweiten die andere Sure. Dass hierbei
stets berlegt werden muss, ob keine Substanzen zugegen sind, welche
die Anwendung der genannten Methoden unsicher machen, bedarf kaum der
Erwhnung.

c. Von denjenigen Chlormetallen, deren entsprechende dreibasisch
phosphorsaure Salze unlslich sind, lassen sich chlorsaure und
salpetersaure Salze auch auf die Art trennen, dass man die Lsung mit
berschssigem, frisch geflltem und wohl ausgewaschenem dreibasisch
phosphorsaurem Silberoxyd digerirt und kocht. Es setzen sich hierdurch
die Chlormetalle in der Art um, dass Chlorsilber und phosphorsaures Salz
entstehen, welche sich mit dem berschssigen phosphorsauren Silberoxyd
abscheiden, whrend die chlorsauren und salpetersauren Salze gelst
bleiben ($Chenevix$, $Lassaigne$).

d. Hat man ein chlorsaures Alkali neben einem Chlormetall, so kann man
auch einen Theil der ungeglhten, sodann einen anderen der vorsichtig
geglhten Verbindung in wsseriger Lsung mit salpetersaurem Silberoxyd
fllen und aus der Differenz der Chlorsilbermengen die Quantitt der
Chlorsure berechnen.


        II. Trennung der Suren der dritten Gruppe von einander.

Eine Methode zur Trennung der Salpetersure von der Chlorsure ist bis
jetzt nicht bekannt geworden; man wird sich daher betreffendenfalls
damit begngen mssen, beide Suren neben einander zu bestimmen. Welche
Methode fr den speciellen Fall die geeignetste ist, lsst sich nicht
allgemeinhin angeben.

                   *       *       *       *       *


                         $Sechster Abschnitt.$

                   $Die organische Elementaranalyse.$

                                . 139.

Die organischen Verbindungen enthalten, wie bekannt, von der ziemlich
bedeutenden Zahl der berhaupt vorkommenden Elemente verhltnissmssig
nur wenige. -- Eine kleine Anzahl derselben enthlt nur zwei:

               C u. H;

die grssere Menge drei: in der Regel

               C, H u. O;

die meisten der brigen vier: meistens

               C, H, O u. N;

eine kleine Anzahl fnf:

               C, H, O, N u. S;

und einige wenige sechs:

               C, H, O, N, S. u. P.

Diese Stze sind gltig fr alle organischen Verbindungen, denen man bis
jetzt in der Natur begegnet ist. Durch Kunst lassen sich jedoch welche
darstellen, die ausser den genannten Elementen noch andere enthalten;
-- so kennen wir viele, die Chlor, Jod oder Brom; andere, die Arsenik,
Platin, Eisen, Kobalt etc. in ihrer Grundmischung enthalten, und es
ist nicht vorauszusehen, welche von den brigen Elementen in hnlicher
Weise fhig sind, entferntere Bestandtheile organischer Verbindungen
(Bestandteile organischer Radicale) zu werden.

Mit diesen Verbindungen drfen die nicht verwechselt werden, die als
Verbindungen hherer Ordnung zu betrachten sind, z. B. weinsteinsaures
Bleioxyd, kieselsaures Aethyloxyd, borsaures Morphin etc.; denn dass in
solchen alle und jede Elemente vorkommen knnen, liegt auf der Hand. --

Bei der Analyse einer organischen Verbindung kann man entweder ihre
quantitative Zerlegung in etwaige nhere Bestandtheile im Auge haben,
so eines Gummiharzes in Harz, Gummi und therisches Oel, -- oder man
kann sich die Gewichtsbestimmung der entferntesten Bestandtheile (der
Elemente) der Substanz zum Vorwurfe machen. -- Analysen ersterer Art
vollbringt man nach Methoden, die denen, welche wir zur Zerlegung
unorganischer Substanzen zu Hlfe nehmen, ganz hnlich sind, das heisst,
man sucht die einzelnen Bestandtheile entweder geradezu, oder nachdem
man sie in geeignete Verbindungen bergefhrt hat, durch Lsungsmittel,
durch Verflchtigung des einen, oder auf sonstige Weise zu trennen.
Diese Art der organischen Analyse, bei der die Methoden fast ebenso
mannigfaltig sein mssen, als die Flle, auf die man sie anwendet,
besprechen wir im Folgenden nicht, sondern wir wenden uns sogleich zu
der zweiten Art der Analyse, die zur Unterscheidung von der anderen
genannt wird: $organische Elementaranalyse$.

Dieselbe beschftigt sich dem Gesagten gemss mit der Gewichtsbestimmung
der in organischen Substanzen enthaltenen Elemente. Sie erreicht ihre
Aufgabe, indem sie uns lehrt, die zu bestimmenden Elemente in -- ihrer
Zusammensetzung nach -- bekannte Verbindungen berzufhren, diese von
einander zu trennen und aus dem gefundenen Gewichte der einzelnen auf
die Menge der betreffenden Bestandtheile zurckzuschliessen. Sie befolgt
demnach kein anderes Princip als dasjenige, welches auch den meisten
Bestimmungs- und Trennungsmethoden der unorganischen Verbindungen zu
Grunde liegt.

Da es bei den meisten organischen Substanzen nicht schwierig ist,
dieselben vollstndig in bestimmt charakterisirte, leicht von
einander zu trennende, und sichere Gewichtsbestimmung zulassende
Zersetzungsproducte zu verwandeln, so ist die organische
Elementaranalyse in der Regel eine der leichteren Aufgaben der
analytischen Chemie, -- und da bei der geringen Anzahl der die
organischen Krper constituirenden Elemente die Zersetzungsproducte,
mit denen man zu thun hat, stets dieselben sind, so ist die Ausfhrung
der Analyse immer eine sehr hnliche, und wenige Methoden reichen fr
alle Flle aus. -- Diesem letzteren Umstande ist es hauptschlich
zuzuschreiben, dass die organische Elementaranalyse die Stufe der
Vollkommenheit, auf der wir sie jetzt sehen, so schnell erreicht hat;
denn indem viele Chemiker sich mit Prfung und Verbesserung weniger
Methoden beschftigten, konnte es nicht fehlen, dass die Sache im Ganzen
und Einzelnen mit vollkommenster Genauigkeit ermittelt wurde.

Bei der organischen Elementaranalyse kann man entweder bloss den
Zweck haben, die relative Anzahl der constituirenden Elemente kennen
zu lernen -- so analysirt man z. B. Holzarten, um ihren Werth als
Brennmaterial, Fette, um ihren Werth als Leuchtmaterial kennen zu lernen
--, oder man will nicht nur die relative Anzahl der Atome, sondern
auch ihre absolute Menge kennen lernen, man will wissen, wieviel Atome
Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff etc. in einem Atome der Verbindung
enthalten sind. Den letzteren Zweck sucht man bei wissenschaftlichen
Untersuchungen stets zu erstreben; dass man aber bis jetzt denselben
noch nicht in allen Fllen zu erreichen im Stande ist, werden wir unten
sehen. -- Beide Zwecke lassen sich nicht wohl durch eine Operation
erreichen, sondern die Erstrebung eines jeden erheischt einen besonderen
Versuch.

Den Inbegriff der Methoden, welche uns die Kenntniss des relativen
Verhltnisses der constituirenden Elemente verschaffen, kann man
$organische Elementaranalyse im engeren Sinne$ nennen, die Gesammtheit
der anderen: $Atomgewichtsbestimmung der organischen Krper$.

Das Gelingen einer organischen Elementaranalyse ist von zwei Umstnden
abhngig: erstens von der Methode, zweitens von ihrer Ausfhrung. Diese
erfordert Geduld, Umsicht und Geschick; wer damit nur einigermaassen
begabt ist, wird sie in kurzer Zeit erlernen. Die Wahl der Methode
hingegen ist bedingt durch die Kenntniss der Bestandtheile der Substanz,
sie erleidet je nach den Eigenschaften und dem Aggregatzustande
derselben gewisse Modificationen. Ehe wir demnach zur Besprechung der in
den verschiedenen Fllen anzuwendenden Methoden bergehen knnen, mssen
wir zuerst die Mittel kennen lernen, organische Substanzen auf die Art
ihrer Bestandtheile zu prfen.


           I. Qualitative Prfung der organischen Substanzen.

                                . 140.

Es ist, um die richtige Wahl des analytischen Verfahrens treffen zu
knnen, nicht nothwendig, dass man alle Elemente einer organischen
Verbindung kennt, indem die Gegenwart oder Abwesenheit des Sauerstoffs
z. B. kein Verfahren in irgend einer Weise ndert; ber etwaigen Gehalt
an Stickstoff, Schwefel, Phosphor, Chlor, Jod, Brom etc., sowie ber
Gegenwart und Natur von Metallen hingegen muss man unter allen Umstnden
volle Gewissheit haben. Man verschafft sich dieselbe in folgender Weise.

      1. _Prfung auf Stickstoff._

Krper, welche einigermaassen viel Stickstoff enthalten, verbreiten beim
Verbrennen oder starken Erhitzen den bekannten Geruch gesengter Haare
oder Federn. Ist derselbe deutlich und unverkennbar, so ist jede weitere
Prfung berflssig, im anderen Falle nimmt man zu einem der folgenden
Versuche seine Zuflucht.

a. Man mischt die Substanz mit gepulvertem Kalihydrat oder mit
Natronkalk (. 45. 4.) und erhitzt die Mischung in einem Proberhrchen.
Im Falle die Substanz Stickstoff enthlt, entweicht Ammoniak, durch
Geruch, Reaction und Nebelbildung mit flchtigen Suren leicht zu
erkennen. Sollte man durch diese Reactionen nicht vllige Gewissheit
erlangen knnen, so wird jeder Zweifel beseitigt, wenn man eine etwas
grssere Menge der Substanz in einem kurzen Rohre mit einem Ueberschuss
von Natronkalk erhitzt, die Verbrennungsproducte in verdnnte Salzsure
leitet, diese im Wasserbade abdampft, den Rckstand mit ein wenig
Wasser aufnimmt und die Lsung mit Platinchlorid und Alkohol versetzt.
Entsteht auch nach lngerem Stehen kein Niederschlag, so war die
Substanz stickstofffrei.

b. $Lassaigne$ hat ein anderes Mittel vorgeschlagen, welches sich darauf
grndet, dass, wenn man Kalium mit einer stickstoffhaltigen organischen
Substanz glht, Cyankalium entsteht. Das Verfahren fhrt man am besten
folgendermaassen aus.

Man erhitzt die fragliche Substanz mit einem Stckchen Kalium in
einem kleinen Proberhrchen, behandelt den Rckstand nach vlligem
Verbrennen allen Kaliums mit wenig Wasser (Vorsicht hierbei), versetzt
die filtrirte Lsung mit 2 Tropfen einer etwas Oxyd enthaltenden
Eisenvitriollsung, lsst ein wenig digeriren und fgt dann Salzsure im
Ueberschuss hinzu. Eine entstehende blaue oder blaugrne Frbung oder
ein solcher Niederschlag giebt den Stickstoffgehalt zu erkennen.

Beide Methoden sind empfindlich. Die letztere gestattet weniger leicht
eine Tuschung als die erstere.

c. In denjenigen organischen Substanzen, welche Oxyde des Stickstoffs
enthalten, lsst sich der Stickstoffgehalt nach den in a und b
angegebenen Methoden nicht nachweisen, wohl aber dadurch leicht
erkennen, dass diese Substanzen, in einer Rhre erhitzt, rothe saure
Dmpfe ausgeben.

      2. _Prfung auf Schwefel._

a. Feste Substanzen schmelzt man mit etwa 12 Thln. reinem Kalihydrat
und 6 Thln. Salpeter, oder man mengt sie innig mit etwas reiner Soda
und Salpeter, bringt alsdann in einem Porzellantiegel Salpeter zum
Schmelzen und trgt das Gemisch allmlig ein. Die erkaltete Masse lst
man in Wasser und prft die Lsung, nach vorhergegangenem Ansuern mit
Salzsure, mit Baryt.

b. Flssigkeiten behandelt man mit rauchender Salpetersure oder mit
einer Mischung von Salpetersure und chlorsaurem Kali, anfangs in der
Klte, zuletzt unter Erwrmen, und prft die erhaltene Lsung wie in a.

[Illustration: Fig. 56.]

c. Da die in a. und b. angegebenen Methoden nur ber die Anwesenheit des
Schwefels im Allgemeinen belehren, ohne Aufschluss darber zu geben, in
welchem Zustande derselbe vorhanden ist, so fhre ich nachstehend noch
eine Methode an, welche nur $den$ Schwefel erkennen lsst, welcher in
nicht oxydirtem Zustande in organischen Verbindungen enthalten ist.

Man kocht die Substanz mit starker Kalilauge und verdampft sie damit
bis fast zur Trockne. Den Rckstand nimmt man mit ein wenig Wasser auf,
bringt die Lsung in den kleinen Kolben _A_, Fig. 56, giesst durch die
Trichterrhre _c_ langsam verdnnte Schwefelsure ein und beobachtet, ob
der Papierstreifen _b_, welcher mit Bleizuckerlsung getrnkt und dann
mit ein Paar Tropfen kohlensauren Ammons betupft ist, sich brunt. Dass
bei der beschriebenen Anordnung des Apparates der Kork den Kolben nicht
luftdicht schliessen drfe, braucht kaum erwhnt zu werden.

Anstatt auf die beschriebene Weise kann man das entstandene
Schwefelkalium auch mittelst Nitroprussidnatriums oder in der Art
entdecken, dass man die verdnnte Lsung mit Salzsure eben ansuert und
dann einige Tropfen einer Mischung von Eisenchlorid und Ferridcyankalium
zufgt. Die kleinste Menge Schwefelwasserstoff giebt sich durch
Blaufrbung zu erkennen ($Lwenthal$).

      3. _Prfung auf Phosphor._

Man verfhrt wie bei Schwefel sub a. und b. und prft die erhaltene
Lsung auf Phosphorsure mittelst schwefelsaurer Magnesia, mit
Eisenchlorid unter Zusatz von essigsaurem Natron, oder mittelst
molybdnsauren Ammons (vergl. qualit. Analyse). Hat man nach b.
verfahren, so entfernt man zuerst den Ueberschuss der Salpetersure
grsstentheils durch Verdampfen.

      4. _Prfung auf unorganische Substanzen._

Man erhitzt einen Theil der Substanz auf einem Platinblech und
beobachtet, ob ein Rckstand bleibt. Bei schwerverbrennlichen Substanzen
beschleunigt man den Process, indem man die Stelle des Platinblechs, auf
der die Substanz sich befindet, von unten durch die Lthrohrflamme zum
heftigsten Glhen bringt. -- Die Natur des Rckstandes erforscht man
nach den gewhnlichen Methoden.

Die Vorprfungen sollten niemals unterlassen werden, indem man sonst
die grbsten Irrthmer machen kann. Man denke z. B. an das Taurin,
fr welches man frher die Formel C_{4}NH_{7}O_{10} aufgestellt und
in dem man spter einen so bedeutenden Schwefelgehalt gefunden hat.
Vorprfungen organischer Krper auf Chlor, Brom und Jod sind in der
Regel nicht nthig, weil sie in von der Natur gebotenen Krpern nicht
vorkommen, und weil man bei durch Einwirkung der Salzbildner knstlich
erzeugten organischen Verbindungen von ihrer Gegenwart meistens auch
ohne weitere Prfung berzeugt sein kann. Will man sich brigens durch
eine qualitative Untersuchung vergewissern, so muss man dieselben
Methoden befolgen, die wir bei der quantitativen Bestimmung beschreiben
werden.


           II. Organische Elementaranalyse im engeren Sinne.

Es ist nicht mein Zweck, eine Geschichte der Entwickelung und Ausbildung
der organischen Elementaranalyse zu geben; ich unterlasse es daher,
smmtliche in Vorschlag gebrachte Methoden anzufhren, und hebe nur
die heraus, die sich hinsichtlich ihrer Einfachheit und Genauigkeit als
vorzglich und in allen Fllen ausreichend bewhrt haben.

Da die Genauigkeit der Resultate von einer zweckmssigen Zurstung des
Apparates ebenso abhngig ist, als von der Ausfhrung selbst, so mache
ich besonders darauf aufmerksam, dass auf beide Theile gleiche Sorgfalt
verwendet werden muss, sowie, dass man von den angegebenen Regeln nicht
ohne Nachtheil abweichen wird, indem dieselben die Frchte langer
Erfahrung und unzhliger Versuche sind.


   A. $Analyse von Verbindungen, die aus Kohlenstoff und Wasserstoff
        allein, oder aus Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff
                               bestehen.$

                                . 141.

Das Princip des fr diese Stoffe anzuwendenden, in seiner jetzigen
Form zuerst von $Liebig$ aufgestellten Verfahrens ist ein hchst
einfaches. Man verbrennt die Substanz zu Kohlensure und Wasser, trennt
diese Producte, bestimmt sie ihrem Gewichte nach und berechnet aus
der Kohlensure den Kohlenstoff, aus dem Wasser den Wasserstoff der
Substanz. Ist die Summe des Kohlenstoffs und des Wasserstoffs gleich dem
Gewichte der verbrannten Substanz, so enthielt diese keinen Sauerstoff;
ist sie geringer, so drckt die Differenz die Menge des letzteren aus.

Das Verbrennen geschieht entweder durch Glhen der organischen
Substanzen mit sauerstoffreichen Krpern, welche ihren Sauerstoff leicht
abgeben (Kupferoxyd, chromsaures Bleioxyd etc.), oder es geschieht
geradezu durch Sauerstoffgas, oder es geschieht endlich auf Kosten von
gebundenem und freiem Sauerstoff zugleich. --

      a. $Feste Krper$[74].

[Greek: a]. $Leicht verbrennliche, nicht flchtige$ (z. B. Zucker,
Amylum, Weinsteinsure, berhaupt bei weitem die meisten der hierher
gehrigen Krper).

  [74] Hinsichtlich der Fette, der wachsartigen Krper etc., die sich
       nicht pulvern lassen, siehe . 150.

      1. $Liebig's Verfahren.$

               I. Apparat und Vorbereitungen zur Analyse.

                                . 142.

Im Folgenden finden sich, um Anfngern die Sache zu erleichtern, alle
Gegenstnde aufgezhlt, die man haben muss, ehe man die Ausfhrung der
Analyse beginnen kann.

1. $Die Substanz.$ Sie muss mglichst fein zerrieben, vollkommen rein
und vollkommen trocken sein. Das Trocknen derselben geschieht nach . 15.

2. $Ein Rhrchen zum Abwgen der Substanz.$ Ein kleines, 4-5 Centimeter
langes, etwa 1 Cm. weites, vollkommen trockenes Glasrhrchen, dessen
Gewicht man etwa auf 1 Centigramm genau kennen muss. Es wird bis zur
Ausfhrung der Analyse am besten zu der Substanz in den Trockenapparat
gelegt. Auf der Wage stellt man es zweckmssig in einen kleinen Fuss von
Weissblech (Fig. 57).

[Illustration: Fig. 57.]

3. $Das Verbrennungsrohr.$ Man whlt eine etwa 90 Cm. lange Rhre
von schwerschmelzbarem Glas (Kaliglas), welche ungefhr 12-14 Mm.
Durchmesser im Lichten hat und etwa 2 Mm. dick im Glase ist, erweicht
sie in der Mitte vor der Glasblserlampe, zieht sie in folgender Weise
aus und zuletzt bei _b_ (Fig. 58) von einander. Man lsst alsdann die
feinen Spitzen in der Flamme sich etwas verdicken, schmelzt zuletzt die
scharfen Rnder bei _a_ und _c_ ein wenig rund und hat nunmehr zwei
fertige Verbrennungsrhren. Man sehe darauf, dass der hintere Theil der
Rhre so gestaltet sei, wie es Fig. 59, nicht aber so, wie es Fig. 60
zeigt, sowie dass die Oeffnung beim Umschmelzen der Rnder ganz rund
bleibe. Das zur Analyse bestimmte Verbrennungsrohr reinigt man mit einem
an einem Draht befestigten Leinwand- oder Papierwischer und trocknet es
alsdann vollstndig. Das Trocknen geschieht entweder, indem man das vorn
mit Papier zugedrehte Rohr lngere Zeit auf die Platte eines Stubenofens
oder ein Sandbad legt, oder (wenn es schnell beendigt sein soll) indem
man eine Glasrhre in das Verbrennungsrohr steckt, dieses durch Hin- und
Herfahren ber einer Weingeistlampe seiner ganzen Lnge nach erhitzt und
fortwhrend die heisse Luft aussaugt (Fig. 61). Die ganz trockene Rhre
verschliesst man luftdicht mit einem Kork und legt sie bis zum Gebrauch
an einen warmen Ort.

[Illustration: Fig. 58.]

[Illustration: Fig. 59.]

[Illustration: Fig. 60.]

Hat man keine hinlnglich schwer schmelzbaren Rhren, so ist man
genthigt, dieselben mit einem dnnen Kupferbleche zu umgeben und dieses
mit einem Eisendraht zu umwinden.

[Illustration: Fig. 61.]

4. $Der Kaliapparat$, ein jetzt berall im Handel zu beziehender,
von $Liebig$ erdachter Glasapparat von folgender Form (Fig. 62).
Derselbe wird mit einer klaren, von kohlensaurem Kali mglichst freien
Kalilauge von 1,27 specif. Gew. (. 45. 7.) so weit gefllt, als es die
Schattirung der Figur anzeigt. Das Fllen geschieht in der Art, dass
man das Rhrenende _a_ des Apparates (ja nicht das andere) in ein mit
der Kalilauge geflltes Gefss steckt und mit dem Mund mittelst eines
durchbohrten Korkes (am sichersten mit Hlfe einer Pipette) an dem
Rhrenende _b_ saugt (Fig. 63). Die beiden Rhrenenden trocknet man
alsdann mit gedrehten Papierstreifchen vollstndig aus und wischt den
Apparat aussen mit einem reinen Tuche trocken ab.

[Illustration: Fig. 62.]

[Illustration: Fig. 63.]

5. $Die Chlorcalciumrhre$, ein ebenfalls leicht im Handel zu habender
Apparat, von folgender Form (Fig. 64). -- Man fllt dieselbe also:
zuerst verschliesst man das in die Kugel mndende Ende _a_ der Rhre
_b a_ locker mit ein wenig Baumwolle und zwar in der Art, dass die
Baumwolle etwa 1 Cm. in die enge Rhre hineinragt. Man vollbringt
dies, indem man einen $ganz$ lockeren Baumwollpfropfen in die Mndung
_c_ steckt und alsdann bei _b_ pltzlich und heftig saugt. -- Man
fllt alsdann die Kugel der Chlorcalciumrhre mit grsseren Stckchen
Chlorcalcium (. 45. 8. b.), die Rhre _c d_ mit kleineren, mit grobem
Pulver untermischten bis _e_, setzt einen lockeren Baumwollenpfropf
auf und verschliesst die Rhre mit einem Kork, in den ein Stckchen
Glasrhre gepasst ist, schneidet den nicht eingedrehten Theil des Korkes
weg, bersiegelt denselben und schmelzt die Kante des Rhrchens _f g_
(Fig. 65) bei _g_ ein wenig rund. --

[Illustration: Fig. 64.]

[Illustration: Fig. 65.]

Zweckmssiger noch -- wenigstens in den meisten Fllen (nicht bei
Schwefel enthaltenden Substanzen) -- wendet man die in Fig. 66
abgebildete Chlorcalciumrhre an, indem man bei dieser das zum grsseren
Theil in der leeren Kugel _a_ verdichtete Wasser nach dem Versuche
ausgiessen und auf seine Reaction etc. prfen kann. Sie bietet zugleich
den Vortheil, dass man sie weit fter ohne neue Fllung gebrauchen kann,
als eine Rhre ohne leere Kugel.

[Illustration: Fig. 66.]

6. $Ein Kautschukrhrchen.$ Man bereitet dasselbe, indem man ein
parallelepipedisches, durch schwaches Auseinanderziehen etwas erwrmtes
Stckchen einer Kautschukplatte ber einen befeuchteten Glasstab spannt,
die berragenden Rnder mit einer $reinen$ Scheere auf einen Schnitt
abschneidet, und die Schnittflchen an den etwa noch nicht vereinigten
Stellen, ohne dieselben zu berhren, zusammendrckt. -- Man legt alsdann
ber das erste Rhrchen ein zweites Stck Kautschuk und verfhrt wie das
erste Mal, indem man Sorge trgt, dass die Schnittflchen des inneren
und usseren Rhrchens auf entgegengesetzte Seiten kommen. Ein solches
doppeltes Rohr hlt 50 und mehr Analysen aus. Man zieht es von dem
Glasstab ab und trocknet es bei sehr gelinder Wrme. (Die Hitze des
Wasserbades ist viel zu hoch.) Der Durchmesser des Rhrchens muss so
weit sein, dass das Rhrenende _a_ des Kaliapparates und das Rhrchen
_f g_ des Chlorcalciumrohres (Fig. 65) ohne Mhe hineingeschoben werden
knnen.

7. $Seidenfden.$ Man whle eine starke gedrehte Seidenschnur, schneide
davon 2 etwa 10 Zoll lange Stcke ab und versehe jedes an beiden Enden
mit einem Knoten.

NB. zu 7. und 8. Seit Einfhrung der vortrefflichen Rhren von
vulcanisirtem Kautschuk ist man, sofern man solche von passender Weite
hat, der Mhe berhoben, die Kautschukrhrchen selbst darzustellen; auch
schliessen jene ohne Umbindung vollkommen gut.

8. $Korkstopfen.$ Man nehme einen weichen, glatten, von sichtbaren
Poren mglichst freien Korkstopfen, der sich in die Oeffnung des
Verbrennungsrohres mit einiger Mhe hchstens zu einem Drittheil
eindrehen lsst und dieselbe vollkommen schliesst, bohre mit Geduld
und Sorgfalt mittelst einer feinen runden Feile ein ganz glattes und
rundes Loch durch seine Achse, in welches das Rhrenende _b a_ des
Chlorcalciumrohres ganz genau passt, und trockne alsdann den Kork
andauernd im Wasserbade. Es ist sehr zweckmssig, ausser dem zur Analyse
zu verwendenden Kork einen zweiten in Reserve zu haben.

9. $Mischungsmrser.$ Eine Reibschale von Porzellan, mehr breit als
hoch, mit Ausguss. Sie sei innen nicht glasirt, ohne Vertiefungen und
Sprnge. Man reinigt sie vor dem Gebrauche durch Aussplen mit Wasser,
stellt sie zum Trocknen an einen warmen Ort und lsst sie daselbst bis
zum Gebrauche stehen.

10. $Ein Saugrohr.$ Am besten von folgender Form (Fig. 67) In die
Oeffnung _a_ wird ein durchbohrter Kork gedreht, in dessen Oeffnung die
Rhre _b_ des Kaliapparates passt.

[Illustration: Fig. 67.]

11. Eine an beiden Enden offene, etwa 60 Cm. lange $Glasrhre$, welche
so weit ist, dass sie sich ber den Schnabel des Verbrennungsrohres
schieben lsst; dieselbe wird beim Gebrauch an ein Filtrirgestell (siehe
Fig. 26) angelehnt.

12. Ein Bogen $Glanzpapier$; derselbe ist an den Kanten zu beschneiden.

[Illustration: Fig. 68.]

[Illustration: Fig. 69.]

13. Ein $Liebig$'scher $Verbrennungsofen$ von Eisenblech mit einem
einfachen und einem doppelten Schirm. Derselbe hat die Form eines
langen, oben und hinten offenen Kastens. -- Fig. 68 zeigt denselben von
oben gesehen. Er ist 50-60 Cm. lang und 7-8 Cm. tief, und der Boden,
welcher durch Ausschneiden von schmalen Streifen des Blechs in einen
Rost verwandelt ist, hat eine Breite von etwa 7 Cm. Die Seitenwnde
sind etwas nach aussen geneigt, so dass ihre Entfernung von einander
oben etwa 12 Cm. betrgt. Zum Tragen des Verbrennungsrohres dienen
aufrechtstehende Stcke von starkem Eisenblech, welche die Gestalt _D_
der Fig. 69 besitzen und auf dem Boden des Ofens in Zwischenrumen von
etwa 5 Cm. festgenietet sind. Die Hhe derselben correspondirt genau
mit der runden Oeffnung in der Vorderseite des Ofens (Fig. 69 A). Diese
Oeffnung sei so gross, dass die Verbrennungsrhre mit Leichtigkeit
hindurchgeschoben werden kann. Von den beiden Schirmen hat der eine die
Form der Fig. 70, der andere die der Fig. 69 A, wenn man sich an der
oberen Kante derselben einen umgebogenen Rand denkt. Ihre Ausschnitte
seien so weit, dass die Rhre mit Leichtigkeit hineingelegt werden
kann. -- Den Verbrennungsofen stellt man zweckmssig auf zwei auf einer
Holzunterlage ruhende Backsteine und giebt ihm eine etwas nach vorn
geneigte Lage, indem man zwischen die Unterlagen ein Holz schiebt (siehe
Fig. 73). Die vorderen Rostffnungen jedoch drfen durch die Unterlage
nicht verschlossen werden. Hat man gute Rhren, so bewirkt man die
geneigte Lage des Ofens zweckmssiger, indem man ein Eisenstbchen oder
ein Ziegelstck zwischen den Ofen und den Backstein, auf dem er ruht,
schiebt, in diesem Falle hat die Luft zu allen Rostffnungen Zutritt;
oder man stellt, wie es jetzt gewhnlich geschieht, den Ofen geradezu
auf einen Dreifuss. -- Legt man die Rhre in eine flach gewlbte Rinne
von ganz dnnem Eisenblech, so wird sie sehr geschont.

[Illustration: Fig 70.]

14. $Kupferoxyd.$ Mit dem nach . 45. 1. bereiteten Kupferoxyd fllt man
einen etwa 3 Unzen Wasser fassenden hessischen Tiegel fast voll, bedeckt
ihn mit einem gehrig bergreifenden Deckel, erhitzt ihn zwischen
ein Paar Kohlen zum ganz gelinden Glhen und sorgt, dass er bis zum
Gebrauche gerade so weit abgekhlt ist, dass man ihn eben, aber kaum,
mit der Hand anfassen kann. --

15. Eine $Luftpumpe$ mit $Chlorcalciumrohr$ (siehe Fig. 72). Wegen der
Ausfhrung der Analysen ohne diesen Apparat vergl. . 144. --

16. $Heisser Sand.$ Derselbe wird entweder vom Sandbad genommen, oder er
muss eigens zu diesem Behufe erhitzt werden. Seine Temperatur sei hher
als 100, aber nicht so hoch, dass ein hineingestecktes Papier gebrunt
wird.

17. Eine $Holzrinne$ zur Aufnahme des Sandes, siehe Fig. 72.


                      II. Ausfhrung der Analyse.

                                . 143.

a. Man bestimmt zuerst das Gewicht des Kaliapparates, nachher das der
Chlorcalciumrhre, bringt sodann von der Substanz etwa 0,350 bis 0,600
Grm. (bei sauerstoffreichen mehr, bei sauerstoffarmen weniger) in das
nicht mehr warme Rhrchen, sorgt, dass an den Wnden des Rhrchens,
wenigstens oben, keine Substanz hngt, und wgt dasselbe mit seinem
Inhalte genau. Da man das Gewicht des leeren Rhrchens beilufig kennt,
so ist man sicher gestellt, dass man nicht zu viel oder zu wenig
Substanz darin hat. Man verschliesst es alsdann mit einem glatten Korke,
den man zweckmssig mit einem Blttchen Stanniol unterlegt.

[Illustration: Fig. 71.]

b. Man breitet auf einem reinen Tisch den Bogen Glanzpapier aus und
stellt den noch ziemlich warmen Mischungsmrser darauf. Man splt
alsdann die noch warme Verbrennungsrhre wie auch die Reibschale mit
ein wenig des noch warmen Kupferoxyds aus (das so gebrauchte Kupferoxyd
wird zurckgelegt) und fllt nunmehr die Verbrennungsrhre bis an den
Strich _b_ (Fig. 71) mit Kupferoxyd an, und zwar direct aus dem Tiegel,
indem man das Oxyd mit dem Rohre gleichsam schpft (oder auch mit Hlfe
eines kleinen warmen Trichterchens von Kupferblech und eines Theelffels
von Argentan). -- Man giebt jetzt einen Theil des Kupferoxyds aus der
Rhre in die Reibschale, schttet die Substanz aus dem Rhrchen darauf,
klopft dieses mglichst vollstndig aus, und stellt es einstweilen an
einen sicheren Ort bei Seite, denn es muss noch zurckgewogen werden.
Man mengt nun das im Mrser befindliche Kupferoxyd mit der Substanz
durch fleissiges Zusammenreiben (wobei heftiges Aufdrcken zu vermeiden
ist) aufs Innigste, schttet dann fast den ganzen Rest des in die Rhre
eingefllten Kupferoxyds in die Reibschale, so dass nur eine 3-4 Ctm.
betragende Lage in der Rhre bleibt, und mischt das hinzugekommene Oxyd
mit dem ersterhaltenen Gemenge genau. Man nimmt jetzt den Pistill aus
dem Mrser, nachdem man ihn rein abgeklopft hat, und fllt die Mischung
in das Rohr, indem man sie mit diesem mit Hlfe einer drehenden Bewegung
gewissermaassen schpft. Den im Mrser bleibenden Rest schttet man
auf ein glattes Kartenblatt und von diesem in die Rhre. -- Man giebt
alsdann neuerdings eine kleine Portion Kupferoxyd in die Reibschale,
reibt dieselbe damit aus, bringt es dann ebenfalls in die Rhre (wodurch
diese etwa bis _a_ angefllt sein wird), fllt dieselbe zuletzt mit
reinem Kupferoxyd bis auf etwa 3-4 Ctm. an und verschliesst sie
einstweilen mit einem Korke. -- Das Einfllen des Gemisches in die Rhre
nimmt man ber dem Bogen Papier vor, damit, wenn etwa etwas verschttet
wird, dasselbe wieder in den Mrser gebracht werden kann[75].

  [75] In $Mulder$'s Laboratorium habe ich die Operation des Einfllens
       auf eine andere, gewiss nicht minder zweckmssige Art vornehmen
       sehen. Die in einer kleinen kupfernen Reibschale bereitete
       Mischung wurde nmlich durch einen glatten, warmen kupfernen
       Trichter in die in einem Retortenhalter aufrecht eingespannte
       Verbrennungsrhre eingeschttet, was sich leicht und mit grosser
       Geschwindigkeit bewerkstelligen liess.

c. Man klopft die gefllte Rhre der Lnge nach wiederholt auf einen
Tisch auf, so dass der Schnabel der Rhre von Kupferoxyd vllig frei
wird, und sich ber der Mischung ein Canal bildet, so wie dies die
Schattirung in Fig. 71 anzeigt. Kann man seinen Zweck auf die angefhrte
Weise nicht erreichen (wie dies bei falscher Form des Schnabels hufig
vorkommt), so stsst man die Rhre wagerecht mit ihrer Mndung einigemal
gegen einen Tisch. -- Man legt dieselbe alsdann in die Holzrinne _D_
(Fig. 72), verbindet sie mittelst eines Korkes mit dem Chlorcalciumrohr
_B_, welches andererseits mit einer Handluftpumpe in Verbindung steht,
und umgiebt die Verbrennungsrhre ihrer ganzen Lnge nach mit dem
heissen Sande. Man pumpt jetzt die Luft langsam aus (bei schnellem
unvorsichtigen Ziehen pumpt man einen Theil der Mischung in die
Chlorcalciumrhre), lsst alsdann durch Oeffnen des Hahns _a_ neue (beim
Durchstreichen durch die Chlorcalciumrhre vollstndig getrocknete) Luft
eintreten, pumpt wieder aus und wiederholt dies 10- bis 12mal. Man kann
alsdannn sicher sein, alle und jede Feuchtigkeit, die das Kupferoxyd
beim Mischen angezogen haben knnte, aus der Rhre entfernt zu haben.

[Illustration: Fig. 72.]

d. Man verbindet das Ende _b_ der gewogenen Chlorcalciumrhre mittelst
des getrockneten Korkes mit dem Verbrennungsrohre, legt dieses in den
auf seiner Unterlage etwas nach vorn geneigt stehenden Verbrennungsofen,
verbindet alsdann das Ende [Greek: b] des Chlorcalciumrohres mittelst
des Kautschukrhrchens mit dem Ende _m_ des Kaliapparates und schnrt
-- sofern eine Umbindung berhaupt nothwendig ist -- die Seidenfden
fest. Man stemme beim Anziehen die Gelenke der Daumen gegen einander,
sonst zertrmmert man, wenn einmal eine der Schnre reisst, die
ganze Vorrichtung. Den Kaliapparat stellt man zweckmssig auf ein
zusammengelegtes Tuch. -- Die Anordnung des Ganzen zeigt Fig. 73.

[Illustration: Fig. 73.]

e. Es handelt sich jetzt darum, zu prfen, ob der Apparat schliesst. Um
dies zu erfahren, giebt man dem Kaliapparat die Stellung, die er in Fig.
73 zeigt, d. h. man schiebt ein fingerdickes Stck Holz (_s_), einen
Kork od. dergl. unter die Kugel _r_ des Apparates, so dass dieselbe
hher zu liegen kommt, erwrmt alsdann die Kugel _m_, indem man ihr
eine glhende Kohle nhert, bis eine Portion Luft aus dem Apparate
ausgetrieben ist, nimmt dann das Holz _s_ weg und lsst erkalten. Die
Kalilauge steigt nunmehr in der Kugel _m_ empor und fllt dieselbe mehr
oder weniger an. Bleibt der Gleichgewichtszustand, den sie nach vlligem
Erkalten angenommen hat, einige Minuten hindurch derselbe, so kann man
berzeugt sein, dass der Apparat schliesst; stellt sich hingegen die
Lauge in beiden Schenkeln allmlig wieder gleich hoch, so schliesst er
nicht. (Man benutzt die Zeit zwischen beiden Beobachtungen zweckmssig
zum Zurckwgen des Rhrchens, in dem man die Substanz abgewogen hatte.)

f. Man rckt die Verbrennungsrhre so zurecht, dass sie einen starken
Zoll aus dem Ofen herausragt, hngt den einfachen Schirm zum Schutze des
Korkes ber den Vorderrand des Ofens und setzt den doppelten etwa zwei
Zoll davon entfernt ber die Rhre (siehe Fig. 73), schiebt das Holz _s_
wieder bei _r_ unter den Kaliapparat und legt alsdann zuerst unter den
durch den Schirm abgeschlossenen Theil der Rhre kleine, vllig glhende
Kohlen, umgiebt allmlig diesen Theil ganz damit und lsst ihn ins
Glhen kommen. Man setzt jetzt den Schirm einen Zoll zurck, legt neue
Kohlen auf und fhrt auf diese Weise fort, indem man immer erst dann
weiter rckt, wenn der vor dem Schirm liegende Theil vllig glht, bis
ans Ende der Rhre. Man trgt Sorge, dass alle vor dem Schirm im Ofen
liegenden Theile der Rhre stets im Glhen bleiben. Der aus dem Ofen
herausragende Theil muss so heiss gehalten werden, dass man ihn mit den
Fingern nur sehr kurze Zeit anfassen kann, ohne sich zu verbrennen. Die
ganze Operation ist in der Regel in 3/4-1 Stunde beendigt. Es ist ganz
berflssig und zweckwidrig, die Kohlen fortwhrend durch Zuwehen von
Luft anzufachen. Dasselbe geschieht nur zuletzt, wie wir sogleich sehen
werden.

Im Kaliapparat wird die Lauge beim Erhitzen des vorderen Theiles
der Rhre allmlig aus der Kugel _m_ verdrngt, lediglich durch die
Ausdehnung der erhitzten Luft. Sobald man an das zum Nachsplen
verwendete Kupferoxyd kommt, entwickelt sich ein wenig Kohlensure und
Wasserdampf, welche die im ganzen Apparat befindliche Luft vor sich
hertreiben und veranlassen, dass dieselbe in grossen Blasen durch den
Kaliapparat geht. -- Sowie man aber mit der Erhitzung zur eigentlichen
Mischung gelangt, beginnt eine raschere Gasentwickelung. Die anfangs
kommenden Blasen werden, indem der Kohlensure noch Luft beigemengt
ist, nur zum Theil, die spter kommenden aber so vollstndig absorbirt,
dass nur manchmal noch eine Luftblase hindurchgeht. Man leitet den
Verbrennungsprocess in der Weise, dass sich die Blasen in Zwischenrumen
von 1/2-1 Secunde folgen. Die normale Stellung der Kalilauge whrend der
Operation erkennt man aus Fig. 74.

[Illustration: Fig. 74.]

Man sieht hieraus, dass eine bei _a_ eintretende Luftblase erst in die
Kugel _b_, dann von _b_ nach _c_, und von _c_ nach _d_ gluckt, ber die
in _d_ befindliche Lauge hinstreicht und endlich durch die die Oeffnung
der Rhre _e_ eben noch sperrende Lauge in _f_ austritt.

g. Wenn die ganze Rhre mit glhenden Kohlen umgeben ist, und die
Gasentwickelung nachgelassen hat, facht man, mit Hlfe eines Stckes
Pappe, die Kohlen etwas an; und wenn auch jetzt keine Gasblasen mehr
kommen, stellt man zuerst den Kaliapparat gerade, nimmt alsdann die
Kohlen am hintersten Ende der Rhre weg und stellt den Schirm vor
den Schnabel. Die hierdurch bewirkte Abkhlung einerseits, und das
Absorbirtwerden der im Kaliapparat befindlichen Kohlensure andererseits
bewirken, dass die Lauge in demselben am Anfange langsam, sobald sie
aber einmal in die Kugel _m_ gekommen ist, schnell zurcksteigt. (Es
ist hierbei, wenn man den Kaliapparat gerade gestellt hat, nicht die
mindeste Gefahr des Zurcktretens in die Chlorcalciumrhre vorhanden.)
Wenn sich die Kugel _m_ etwa zur Hlfte mit Lauge gefllt hat, kneipt
man mittelst einer Drahtzange oder Scheere das Spitzchen des Schnabels
der Verbrennungsrhre ab. Sobald dies geschehen, setzt sich die Lauge im
Kaliapparat wieder ins Gleichgewicht. Man giebt demselben jetzt wieder
seine ursprngliche schiefe Stellung, steckt die (. 142. sub 11.)
erwhnte, an den Arm eines Filtrirgestells gelehnte Glasrhre ber den
Schnabel und saugt mittelst der Saugpipette langsam Luft aus, und zwar
so lange, bis sich die zuletzt kommenden Blasen im Kaliapparate nicht
mehr verkleinern. --

Die Analyse ist jetzt beendigt. -- Man entfernt den Kaliapparat, dreht
die Chlorcalciumrhre sammt dem Stopfen, welcher nicht angebrannt sein
darf, aus der Rhre, nimmt alsdann auch diesen weg und stellt die
Chlorcalciumrhre aufrecht (die Kugel nach oben) hin. Nach Verlauf
einer halben Stunde wgt man den Kaliapparat und die Chlorcalciumrhre
und schreitet alsdann zur Berechnung der Resultate. Dieselben fallen
im Ganzen sehr befriedigend aus. Den $Kohlenstoff$ erhlt man fast
ganz genau, jedoch eher etwas zu gering, etwa 0,1 Proc., als zu
hoch. Es kommen hier einige Fehlerquellen in Betracht, von denen
jedoch keine das Resultat erheblich ndert, und die sich gegenseitig
theilweise compensiren. Erstens wird durch die die Kalilauge whrend der
Verbrennung und zuletzt beim Durchsaugen durchstrmende Luft eine Spur
Feuchtigkeit aus ersterer weggefhrt. Dieser Fehler wird vermehrt, wenn
die Gasentwickelung sehr rasch ist, in welchem Falle die Kalilauge sich
erwrmt, sowie wenn Stickgas oder Sauerstoffgas durch den Kaliapparat
streichen (vergl. . 147 und . 151). Er lsst sich beseitigen, wenn
man vor den Kaliapparat ein mitgewogenes Rohr mit festem Kalihydrat
oder mit Chlorcalcium bringt. -- Zweitens werden mit der zuletzt
hindurchgesaugten Luft Spuren von Kohlensure aus der Atmosphre in den
Kaliapparat hineingesaugt. Dieser Umstand lsst sich beseitigen, wenn
man beim Durchsaugen den Schnabel der Rhre mit einem Kalirohr durch
einen Kork verbindet. -- Drittens wird bei an Wasser oder Wasserstoff
sehr reichen Verbindungen das Gewicht des Kaliapparates dadurch nicht
selten ein wenig vermehrt, dass die Kohlensure im Chlorcalciumrohr
nicht absolut getrocknet wird, ein Fehler, dem man dadurch vorbeugen
knnte, dass man hinter das Chlorcalciumrohr eine Rhre mit Asbest
bringt, der mit Schwefelsurehydrat befeuchtet ist.

Den Wasserstoff erhlt man in den meisten Fllen etwas zu hoch und zwar
durchschnittlich um 0,1 bis 0,15 Proc., was hauptschlich daher rhrt,
dass zuletzt mit der Luft ein wenig Feuchtigkeit in das Chlorcalciumrohr
gesaugt wird, eine Sache, der durch ein beim Durchsaugen aufgestecktes
Kalirohr vorgebeugt werden kann. -- Ich bemerke ausdrcklich, dass es
bei Weitem in den meisten Fllen hchst berflssig ist, zur Vermeidung
dieser Fehlerquellen das Verfahren complicirter zu machen, zumal man
ihren Einfluss auf die Resultate durch unzhlige Versuche kennt.


   2. $Bunsen's Modification des in 1. beschriebenen Verfahrens$[76].

                                . 144.

Das Wesen dieser Modification besteht darin, dass man das Kupferoxyd
in einer verschlossenen Rhre erkalten lsst, dass die Mischung der
Substanz mit dem Kupferoxyde nicht in einer Reibschale, sondern in der
Rhre selbst geschieht, und dass somit -- da bei dieser Art des Mischens
dem Kupferoxyde die Gelegenheit benommen ist, Wasser aus der Luft
anzuziehen -- das Auspumpen der Rhre erspart wird.

  [76] $Kolbe$ im Handwrterbuch der Chemie, Supplemente S. 186.

Das Abwgen der getrockneten Substanz geschieht in einem etwa 20 Ctm.
langen, am einen Ende zugeschmolzenen, dnnwandigen Glasrhrchen von
etwa 7 Millim. innerem Durchmesser, dessen offenes Ende durch einen
kleinen glatten Kork whrend des Wgens verschlossen wird.

Ausser diesem Rhrchen erfordert das $Bunsen$'sche Verfahren:
Verbrennungsrohr, Kaliapparat, Chlorcalciumrohr, vulcanisirtes
Kautschukrhrchen, durchbohrten Kork, Saugrohr, Verbrennungsofen und
Kupferoxyd (siehe . 142).

[Illustration: Fig. 75.]

Um das frisch ausgeglhte Kupferoxyd erkalten zu lassen und es in die
Verbrennungsrhre einzufllen, ohne dass es Feuchtigkeit aus der Luft
aufnehmen kann, bedient man sich einer 45 Ctm. langen und 2,5-3 Ctm.
weiten Glasrhre (Fig. 75), welche am einen Ende zugeschmolzen, am
anderen ausgezogen und so weit verengt ist, dass ihre Oeffnung nur
noch 1 Ctm. Weite besitzt. Mit dieser innen sorgfltig gereinigten und
getrockneten Rhre wird das frisch ausgeglhte, noch heisse Kupferoxyd
aus dem Tiegel selbst geschpft, indem man sie, von der einen Hand unten
mit einem Tuche gefasst, mit dem offenen Ende stossweise in rascher,
zugleich drehender Bewegung in das Kupferoxyd eingrbt, wobei man den
Tiegel mit der anderen Hand, mit Hlfe einer Zange, in stark geneigter,
fast horizontaler Richtung hlt. -- Nachdem die Rhre fast ganz gefllt
ist, verschliesst man sie mit einem kleinen glatten Korke. Es ist
zeitersparend, wenn man gleich so viel Kupferoxyd einfllt, als man
zu mehreren Analysen bedarf. Bei gutem Verschluss ist der Inhalt nach
mehreren Tagen noch brauchbar, auch wenn man davon bereits einen Theil
verbraucht und die Rhre schon mehrmals geffnet hat.

Das Fllen der getrockneten und mit etwas Kupferoxyd ausgesplten
Rhre geschieht auf folgende Weise. Man bringt zuerst in das hintere
Ende derselben eine 7-10 Ctm. lange Schicht Kupferoxyd, dadurch dass
man das Fllrohr mit seiner Mndung auf ihre Oeffnung setzt, beide
alsdann umkehrt und so vereinigt einige Mal auf- und abbewegt. -- Diese
Manipulation erfordert einige Vorsicht, weil die Spitze des Fllrohrs
leicht abbricht, wenn man es bei dem Auf- und Abbewegen oder Drehen
nicht in gleicher Richtung mit der Verbrennungsrhre hlt. --

[Illustration: Fig. 76.]

Kurz zuvor ist das die Substanz enthaltende Rhrchen mit dem Korke genau
gewogen worden. Nachdem man den Kork behutsam abgenommen hat, so dass
kein Stubchen dabei verloren geht, fhrt man es mit dem offenen Ende
so tief wie mglich in die Verbrennungsrhre ein und giesst daraus,
whrend beide, wie in Fig. 76, ein wenig abwrts geneigt sind, durch
Drehen desselben nach Gutdnken die zur Analyse nthige Quantitt aus.
Man drckt hierbei den Rand des Rhrchens gelinde gegen die obere Wand
des Verbrennungsrohres, um zu verhindern, dass er mit dem bereits
ausgeschtteten Pulver weiter in Berhrung kommt.

Sobald man auf diese Weise eine gengende Menge davon ausgegossen
hat, bringt man die Verbrennungsrhre wieder in die horizontale Lage,
so dass das Rhrchen dadurch eine etwas geneigte Stellung bekommt,
nmlich mit dem verschlossenen Ende abwrts gekehrt ist. Wenn man es
alsdann langsam, drehend herauszieht, so fallen die pulverfrmigen
Theile, welche am Rande der Oeffnung liegen, wieder ins Rhrchen,
so dass die Stelle frei wird, welche den Kork umschliesst. Es wird
darauf augenblicklich wieder verkorkt und gewogen, whrend dem man die
Verbrennungsrhre ebenfalls durch einen Kork verschlossen hlt. Die
Gewichtsdifferenz ergiebt die Menge der ausgeschtteten, zur Verbrennung
angewandten Substanz.

Man giesst alsdann aus dem Fllrohr eine der vorigen gleiche Menge
Kupferoxyd in die Verbrennungsrhre, und splt damit zugleich die an den
Wnden derselben noch haftenden Partikelchen der Substanz hinunter, so
dass sich nun im hinteren Theile des Rohres eine etwa 20 Ctm. lange Lage
von Kupferoxyd befindet, in deren Mitte die Substanz angehuft liegt.

[Illustration: Fig. 77.]

Die Mischung geschieht vermittelst eines korkzieherfrmig (einmal)
gewundenen, vorn zugespitzten, blanken Eisendrahts, Fig. 77, durch
rasche, theils drehende, theils auf- und abwrts gehende Bewegung. Sie
ist in wenigen Minuten beendet, und bei pulverfrmigen Krpern, welche
nicht zusammenbacken, so vollstndig, dass die kleinsten Theilchen mit
dem Auge nicht mehr unterschieden werden knnen. -- Die Verbrennung
geschieht alsdann wie in . 143.

[Greek: b]. $Schwer verbrennliche, nichtflchtige Krper$, z. B. $manche
            harzartige und extractive Substanzen, Steinkohle$ etc.

Wenn man dieselben nach den in . 143 und 144 angegebenen Methoden
behandelt, so bleiben leicht kleine Theile abgeschiedenen Kohlenstoffs
unverbrannt. Um dies zu verhten, wendet man eine der folgenden Methoden
an.


               1. $Verbrennung mit chromsaurem Bleioxyd.$

                                . 145.

Von den . 142 genannten Gegenstnden braucht man 1-13., 14-17. nicht.
Dagegen hat man chromsaures Bleioxyd (. 45. 2.) nthig. Man erhitzt
eine zur Fllung der Rhre, welche man (da das chromsaure Bleioxyd
bei gleichem Volumen eine viel grssere Menge verwendbaren Sauerstoff
enthlt, als das Kupferoxyd) ziemlich eng whlen kann, mehr als
hinreichende Menge in einer Platin- oder Porzellanschale ber der
$Berzelius$'schen Lampe bis zum Braunwerden und sorgt, dass dasselbe bis
zum Gebrauch auf etwa 100 oder auch noch weiter abgekhlt ist. -- Das
Verfahren ist dem in . 143 beschriebenen vollkommen gleich, mit der
einzigen Ausnahme, dass man die Rhre nicht auspumpt. Diese Operation
ist nmlich bei Anwendung von chromsaurem Bleioxyd vllig berflssig,
da dieses nicht hygroskopisch ist wie das Kupferoxyd. --

Da das chromsaure Bleioxyd hauptschlich dadurch vollstndiger oxydirend
wirkt als das Kupferoxyd, dass es bei gehriger Hitze schmilzt, so
hat man zuletzt die Temperatur durch Anfachen der Kohlen etc. so zu
steigern, dass der ganze Inhalt der Rhre -- soweit die Substanz gelegen
hat -- zum vlligen Schmelzen kommt. Den $vorderen$ Theil der Rhre
so stark zu erhitzen, ist unzweckmssig, da hierdurch das chromsaure
Bleioxyd alle Porositt verliert und etwa entwichene noch unverbrannte
Zersetzungsproducte nicht mehr gehrig zu verbrennen vermag.

Weil auch das nicht geschmolzene chromsaure Bleioxyd in letzterer
Beziehung vermge seiner schweren Beschaffenheit Manches zu wnschen
brig lsst, so fllt man den vorderen Theil der Rhre statt mit solchem
zweckmssiger mit grob gepulvertem Kupferoxyd, welches durch sehr
starkes Glhen seine hygroskopischen Eigenschaften verloren hat, oder
auch mit Kupferdrehspnen, welche man durch Glhen in einem Tiegel, bei
Luftzutritt, oberflchlich oxydirt hat.

Bei sehr schwer verbrennlichen Substanzen ist es wnschenswerth, dass
die Masse nicht allein leicht zusammenbacke, sondern auch zuletzt etwas
mehr Sauerstoff ausgebe, als dies bei dem chromsauren Bleioxyd der
Fall ist. Man setzt daher in solchen Fllen dem chromsauren Bleioxyd
zweckmssig 1/10 seines Gewichtes nach dem Schmelzen gepulvertes saures
chromsaures Kali zu. Mit Hlfe dieses Zusatzes gelingt es, auch ganz
schwierig verbrennende Krper vollstndig zu oxydiren ($Liebig$).


  2. $Verbrennung mit Kupferoxyd und chlorsaurem oder berchlorsaurem
                                 Kali.$

                                . 146.

Man bedarf hierzu aller der in . 142, beziehungsweise . 144 genannten
Gegenstnde und ausserdem einer kleinen Menge chlorsauren Kalis. Um es
von Wasser zu befreien, erhitzt man dasselbe, bis es eben schmilzt,
zerstsst es nach dem Erkalten zu grobem Pulver und bewahrt es an einem
warmen Ort bis zum Gebrauche auf. --

Das Verfahren ist dasselbe wie in . 143 oder 144 mit dem Unterschiede,
dass man die Schicht Kupferoxyd im hintersten Theil der Rhre etwas
gross (5 Ctm. lang) macht und durch Umschtteln mit etwa 1/8 (3-4 Grm.)
chlorsauren Kalis mischt. Man fllt dann 2 Ctm. reines Kupferoxyd und
sodann die Mischung ein. -- Wenn man beim Erhitzen sich der Stelle
nhert, an der das chlorsaure Kali liegt, so muss man beim Auflegen der
Kohlen ausserordentlich vorsichtig sein, so dass sich das chlorsaure
Kali nur ganz allmlig zersetzt; im anderen Falle wird durch den zu
heftigen Gasstrom ein Theilchen der Kalilauge herausgeworfen und die
Analyse ist verloren.

Das aus dem chlorsauren Kali entwickelte Sauerstoffgas treibt die die
Rhre erfllende Kohlensure vor sich her, verbrennt alle unverbrannten
Kohletheilchen und oxydirt das reducirte Kupfer. Es kann daher erst dann
Sauerstoffgas durch den Kaliapparat austreten, wenn alles Oxydirbare
oxydirt worden ist.

Ist in dieser Weise zuletzt viel Gas unabsorbirt durch den Kaliapparat
hindurchgegangen, so ist es unnthig, die Spitze der Rhre abzukneipen
und Luft durch dieselbe zu saugen, da in derselben nur Sauerstoff,
aber keine Kohlensure und kein Wasserdampf mehr enthalten ist.
Durch das Chlorcalciumrohr und den Kaliapparat muss aber jedenfalls
Luft durchgesaugt werden (am besten getrocknete und von Kohlensure
befreite), da ja sonst diese Apparate mit Sauerstoffgas erfllt gewogen
werden wrden.

Das chlorsaure Kali zersetzt sich, wie bekannt, etwas strmisch. Man
kann daher statt desselben auch das ruhigerer Zersetzung unterliegende,
durch Erhitzen des chlorsauren Kalis dargestellte, berchlorsaure Kali
anwenden, wie dies $Bunsen$ zuerst vorgeschlagen hat. Man bringt es
im geschmolzenen Zustande und noch heiss in den hintersten Theil der
Rhre, setzt einen lockeren Pfropf frisch ausgeglhten Asbestes darauf
und fllt dann wie gewhnlich. Befolgt man die in . 144 angegebene
$Bunsen$'sche Mischungsmethode, so muss stets nach dieser Angabe
verfahren werden.

Da das den Kaliapparat durchstreichende trockene Sauerstoffgas
etwas Wasserdampf aus der Kalilauge wegfhrt, so verbindet man die
Ausgangsrhre des Kaliapparates zweckmssig mit einer kleinen,
mitzuwgenden, mit Kalihydrat gefllten Rhre und zwar entweder
mittelst eines Korkes oder durch ein kleines Rhrchen von vulcanisirtem
Kautschuk. Die Gewichtszunahme des Kaliapparates sammt der dieses
Rhrchens, ist gleich der aufgenommenen Kohlensure.


      3. $Verbrennung mit Kupferoxyd und gasfrmigem Sauerstoff.$

                                . 147.

Viele Chemiker sind gegenwrtig bei der Analyse organischer Krper
von den im Vorhergehenden beschriebenen Verfahrungsweisen abgewichen
und verbrennen mit Kupferoxyd und Sauerstoffgas, welches aus einem
Gasometer zugeleitet wird. $Hess$, $Dumas$ und $Stass$, $Erdmann$ und
$Marchand$, $Whler$ und Andere haben Verfahrungsweisen beschrieben,
welche sich auf dieses Princip grnden. Sie wenden dieselben nicht nur
zur Verbrennung schwer verbrennlicher Substanzen, sondern ganz allgemein
zur Kohlenstoff- und Wasserstoffbestimmung in organischen Substanzen an.

Da diese Methoden ausser dem mit Sauerstoff gefllten Gasometer,
Vorrichtungen erfordern, um das Sauerstoffgas vollkommen zu trocknen und
von Kohlensure zu befreien, so ersieht man leicht, dass ihr Apparat
complicirter ist als der so einfache $Liebig$'sche oder $Bunsen$'sche.
Sie empfehlen sich daher hauptschlich dann, wenn grssere Reihen
organischer Elementaranalysen nach einander ausgefhrt werden sollen,
sowie insbesondere bei der Analyse von Substanzen, die, weil sie nicht
pulverisirbar sind, mit dem Kupferoxyd nicht innig gemischt werden
knnen.

Zur Erhitzung des Verbrennungsrohres bedienen sich $Hess$, sowie
$Erdmann$ und $Marchand$ des Weingeistes. Man kann dazu auch eine
geeignete Gasfeuerung anwenden (wie solches in den englischen
Laboratorien geschieht)[77] oder sich glhender Kohlen bedienen. Die
Fig. 78 stellt einen Apparat mit Kohlenfeuerung dar.

  [77] W. $Hoffmann$ beschrieb eine solche bei der Versammlung der
       Naturforscher und Aerzte 1852.

_A_ ist ein Gasometer mit Sauerstoff, der Hahn _i_ ist durch ein
Messingrohr mit dem Kugelapparate _h_ verbunden, der concentrirte
Schwefelsure enthlt. In dem genannten Messingrohr befindet sich ein
seitlicher Ansatz, welcher mittelst eines Schlauches von vulcanisirtem
Kautchuk mit einem atmosphrische Luft enthaltenden Gasometer in
Verbindung steht (diese Einrichtung ist in der Figur weggelassen). Die
Rhre _g_ enthlt festes Kalihydrat. -- _a b_ stellt die an beiden
Enden offene etwa 60 Ctm. lange Verbrennungsrhre dar. Dieselbe ist
mittelst durchbohrter Korkstopfen hinten mit dem Kalirohr, vorn mit dem
Chlorcalciumrohr _c_ verbunden. _d_ ist ein Kaliapparat (dessen kleinere
Kugel, da hier ein Zurcksteigen der Kalilauge nie vorkommen kann, am
besten mit dem Chlorcalciumrohr verbunden wird), _e_ enthlt festes
Kalihydrat.

[Illustration: Fig. 78.]

Das Ausglhen des Kupferoxyds geschieht in der Rhre selbst. Man
versieht dieselbe am Ende _b_ mit einem ziemlich dichten Stopfen von
Kupferdrehspnen, fllt sie darauf bis zu zwei Drittel ihrer Lnge
mit Kupferoxyd, verbindet die Mndung _a_ mit _g_ und _h_, wie es die
Zeichnung angiebt, und erhitzt das Rohr seiner ganzen Lnge nach zum
gelinden Glhen, whrend man einen langsamen Strom von atmosphrischer
Luft hindurchleitet. Nach vollstndigem Ausglhen entfernt man die
Kohlen, verbindet das vorher offen gelassene Ende _b_ mit einem kleinen
Chlorcalciumrohr und lsst in langsamem Luftstrome erkalten. Man ffnet
jetzt die kalte Rhre, am hinteren Ende, bringt die Substanz mit Hlfe
eines langen Rhrchens hinein (vergl. . 144), mischt mittelst des in
Fig. 77 S. 359 abgebildeten Drahtes rasch, fllt den hinteren Raum mit
ausgeglhtem und in dem Rohre Fig. 75 S. 358 erkalteten Kupferoxyd an
(doch nur so, dass noch einige Zoll leer bleiben), klopft die Rhre
etwas, damit sich ein Canal bildet, setzt alsdann _a_ mit _g_ wieder in
fest schliessende Verbindung, nimmt das whrend des Erkaltens angesetzte
Chlorcalciumrohr weg, ersetzt es durch das gewogene _c_[78] und fgt
auch die gewogenen Apparate _d_ und _e_ an.

  [78] Anstatt den, das Chlorcalciumrohr _c_ mit der Verbrennungsrhre
       verbindenden Kork zu trocknen, berziehen ihn $Erdmann$ und
       $Marchand$ mit Bleifolie auf folgende Weise: Die untere Flche
       des durchbohrten Korkes wird mit einer runden Scheibe der
       Bleifolie von geeigneter Grsse bedeckt und die berstehenden
       Rnder gegen die Seiten des Korkes fest angedrckt. Man
       durchbricht alsdann die Folie an der Stelle, wo sie die
       Durchbohrung des Korkes bedeckt, mit der engen Rhre des
       Chlorcalciumrohrs, indem man diese vorsichtig eindreht, zieht sie
       dann wieder heraus und dreht sie nun von der entgegengesetzten
       Seite ein. Es gelingt alsdann meist, sie durchzuschieben, ohne
       dass die Bleifolie wieder losgestossen wird.

Man dreht nun den Hahn _i_ (des Sauerstoffgasometers) ein wenig auf[79],
so dass das Gas in ganz langsamem Strome durch den Apparat geht,
schliesst dann pltzlich den Hahn und berzeugt sich vom vollkommenen
Schliessen des Apparates, indem man beobachtet, ob der Stand der
Flssigkeiten in den Kugelapparaten sich lngere Zeit gleich bleibt.

  [79] Damit man dies ganz nach Belieben thun kann, bringt man an dem
       drehbaren Theil nach $Erdmann$'s und $Marchand$'s Vorschlag,
       einen langen Hebelarm an. $H. Rose$ hat dafr folgende einfache
       Vorrichtung angegeben (Fig. 79). _a_ ist ein Korkstopfen, der
       auf den Hahn gesetzt wird, _b_ (etwa ein dicker Strickdraht) der
       Hebel.

[Illustration: Fig. 79.]

Ist dies geschehen, so erhitzt man zuerst den vorderen Theil der
Rhre, soweit das reine Kupferoxyd liegt, zum Glhen, sodann auch
das hintere, nur Kupferoxyd enthaltende Ende, whrend man den die
Mischung enthaltenden Theil zweckmssig durch zwei Schirme schtzt. Das
Sauerstoffgas leitet man dabei fortwhrend, aber im langsamsten Strome,
durch den Apparat.

Nunmehr fngt man an auch den Theil zu erhitzen, welcher die Mischung
enthlt, indem man von vorn nach hinten langsam vorschreitet. Man
verstrkt allmlig den Sauerstoffstrom etwas, doch nie soweit, dass
Sauerstoffgas durch den Kaliapparat _d_ hindurchgeht. Wenn endlich die
Rhre ihrer ganzen Lnge nach glht, und keine Gasentwickelung mehr
stattfindet, ffnet man den Hahn etwas weiter, bis zuletzt (wenn alles
reducirte Kupferoxyd wieder oxydirt ist) das Gas unabsorbirt durch den
Kaliapparat zu gehen anfngt. Man schliesst jetzt den Sauerstoffhahn,
ffnet dagegen den Hahn des Luftgasometers ein wenig, entfernt die
Kohlen, soweit mglich, lsst das Ganze im langsamen Luftstrome erkalten
und wgt dann das Chlorcalciumrohr, den Kaliapparat und das dazu
gehrige Kalirohr.

Ein ungemeiner Vortheil dieser Methode liegt darin, dass die
Verbrennungsrhre nach Beendigung der ersten Analyse fr die zweite
vollkommen vorbereitet ist.


     [Greek: c]. $Flchtige Krper, oder solche, die bei 100 eine
                 Vernderung erleiden, z. B. Wasser verlieren.$

                                . 148.

Wrde man mit denselben so verfahren, wie . 143 angegeben, so entwiche,
bei dem Mischen mit warmem Kupferoxyd und beim Auspumpen der mit heissem
Sand umgebenen Rhre, ein Theil der Substanz oder des Wassers, und die
Resultate knnten somit unmglich genau werden. Wrde man hingegen auf
dieselbe Art kalt mischen, so zge die Mischung eine erhebliche Menge
Wasser an.

Man verfhrt daher entweder nach . 144 oder nach . 147. -- Auch
mit chromsaurem Kali lassen sich solche Substanzen recht gut
verbrennen; doch hat man die Vorsicht zu gebrauchen, dasselbe in einem
verschlossenen Rohre erkalten zu lassen.

      b. $Flssige Krper.$

     [Greek: a]. $Flchtige$ (z. B. therische Oele, Alkohol etc.).

                                . 149.

1. Zur Analyse flchtiger Krper bedarf man der smmtlichen in . 142
angefhrten Gegenstnde mit Ausnahme der zum Abwgen, Mischen und
Auspumpen dienenden. Dafr hat man erstens ein Rohr zur Aufnahme des
Kupferoxyds nthig, wie in . 144, und ferner kleine Glaskugeln zur
Aufnahme der zu verbrennenden Flssigkeit. Diese Kugeln verfertigt man
in folgender Art:

[Illustration: Fig. 80.]

[Illustration: Fig. 81.]

Man zieht eine stark federkieldicke Glasrhre von leicht schmelzbarem
Glas mit mssig dicken Wnden, in der Art aus, wie es Fig. 80 zeigt
(die Enden denke man sich jedes einen Fuss lnger), schmelzt die Rhre
bei _b_ ab, blst den verdickten Theil, wenn nthig, ein wenig auf,
und schneidet alsdann bei _c_ ab. Auf diese Art macht man sich 2-3
Kugeln von der Gestalt, wie sie Fig. 81 zeigt. -- Dass das Ende der
Glasrhre beim Aufblasen noch lang sei, ist deswegen nothwendig, weil
sonst die Kugeln innen feucht werden. -- Man wgt von diesen Kugeln
zwei zuerst leer, fllt sie alsdann mit Flssigkeit, schmelzt sie zu
und wgt wieder. Das Fllen vollbringt man, indem man das Kgelchen
ber der Lampe ein wenig erwrmt und alsdann seine Spitze in die
zu untersuchende Flssigkeit taucht. Beim Erkalten tritt ein Theil
derselben hinein. Ist nun die Flssigkeit sehr flchtiger Natur, so
verwandelt sich die in das noch warme Kgelchen eindringende Portion in
Dampf, welcher die Flssigkeit wieder hinaustreibt; sobald sich aber
der Dampf verdichtet, fllt sich die Kugel jetzt um so vollstndiger
an. -- Ist die Flssigkeit minder flchtig, so dringt zuerst nur ein
wenig ein. Man erhitzt die Kugel neuerdings, so dass der eingedrungene
Tropfen in Dampf verwandelt wird, und steckt jetzt die Spitze wiederum
in die Flssigkeit. Bei dem Abkhlen fllt sich alsdann die Kugel
vllig an. Man bewirkt jetzt durch eine schnellende Bewegung, dass
die in dem Halse des Kugelrhrchens etwa befindliche Flssigkeit
vollstndig herausgeworfen wird, und schmelzt alsdann die Spitze zu.
-- Die Beschickung der Rhre geschieht in der Weise, dass man aus dem
Rohre, in welchem das Kupferoxyd erkaltete, zuerst eine 6 Ctm. lange
Schicht Kupferoxyd in das Verbrennungsrohr bringt. Alsdann versieht man
eins der gefllten Kgelchen in der Mitte des Halses mit einem feinen
Feilstriche, bricht die Spitze rasch ab und lsst Kugel und Spitze in
die Rhre fallen. Man bringt nun eine 6-9 Ctm. hohe Schicht Kupferoxyd,
alsdann in gleicher Art die zweite Kugel hinein, fllt endlich das Rohr
mit Kupferoxyd fast voll, klopft auf und schreitet zur Verbrennung. (Es
ist zweckmssig, in die vordere Hlfte des Rohres etwas grberes, aus
kleinen Stckchen bestehendes Kupferoxyd (vergl. . 45. 1.) oder auch
aussen oxydirte Kupferdrehspne zu bringen, so dass die Gase ungehindert
passiren knnen, auch wenn nur ein enger Canal vorhanden; denn ist
derselbe weit, so streicht etwas Dampf unverbrannt durch die Rhre.)

Die Ausfhrung der Verbrennung erfordert bei sehr flchtigen Krpern
viele Aufmerksamkeit und macht einige Modificationen nthig. Zuerst
erhitzt man die kleinere, durch einen Schirm geschiedene vordere
Hlfte der Rhre zum Glhen (bei sehr flchtigen Substanzen bringt man
statt eines Schirmes zwei an), legt dann eine glhende Kohle hinter
die Rhre, damit der Schnabel heiss werde und sich kein Dampf darin
verdichten kann, und nhert alsdann der ersten Kugel eine glhende
Kohle. Man bewirkt dadurch ein Ausfliessen und Verdampfen des Inhalts.
Der Dampf streicht ber das Kupferoxyd, verbrennt, und somit beginnt
die Gasentwickelung. Durch sehr allmliges Erwrmen der ersten, dann
der zweiten Kugel, erhlt man sie im Gange und zwar zweckmssiger in
etwas zu langsamem, als zu schnellem. -- Erhitzt man nicht allmlig,
sondern pltzlich, so wird die Kalilauge ohne Weiteres aus dem Apparat
geschleudert. -- Zuletzt umgiebt man die ganze Rhre mit Kohlen und
verfhrt wie gewhnlich. -- Schmeckt die durchgesaugte Luft nach dem
verbrannten Krper, so war die Verbrennung unvollstndig.

Da sich bei Flssigkeiten von hohem Siedepunkte und grossem
Kohlenstoffgehalt, z. B. bei therischen Oelen, auf das in der Umgebung
derselben vollstndig reducirte Kupfer leicht etwas Kohlenstoff
absetzt, so vertheilt man die zur Analyse erforderliche Quantitt,
welche etwa 0,4 Grm. betrgt, besser in drei Kgelchen, die durch
Kupferoxydschichten zu trennen sind.

2. Frchtet man, dass die Verbrennung des Kohlenstoffs durch das
Kupferoxyd nicht vollstndig geschehen mchte, so beendet man das
Verbrennen im Sauerstoffstrome, den man aus im hinteren Theil der Rhre
liegendem chlorsauren oder berchlorsauren Kali entwickelt (vergl.
. 146).

3. Soll die Verbrennung in dem in . 147 beschriebenen Apparate
(im Sauerstoffstrom) ausgefhrt werden, so mssen die Kgelchen in
eine feine lange Spitze ausgezogen und fast ganz mit der Flssigkeit
angefllt werden. Man schmelzt alsdann die Spitze zu und bringt die
Kgelchen, ohne sie zu ffnen, in das Verbrennungsrohr. Sobald der
vordere und hinterste Theil des Rohres im Glhen ist, nhert man der
Stelle, an welcher das erste Kgelchen liegt, eine glhende Kohle
und bewirkt so, dass es durch die Ausdehnung der Flssigkeit platzt.
Nachdem der Inhalt des ersten verbrannt ist, erhitzt man das zweite etc.
-- Diese Methode fr ganz flchtige Flssigkeiten, wie z. B. Aether,
anzuwenden, ist jedoch nicht wohl mglich, da bei solchen Explosionen
nicht zu vermeiden sind.


   [Greek: b]. $Flssige$, nicht flchtige Krper (z. B. fette Oele).

                                . 150.

Zu ihrer Verbrennung wendet man stets entweder 1) chromsaures Bleioxyd
oder Kupferoxyd mit chlorsaurem, beziehungsweise berchlorsaurem Kali
an, oder man vollfhrt sie 2) in dem in . 147 beschriebenen Apparate.

1. Im Falle 1. verfhrt man im Allgemeinen nach . 145 oder 146. Die
Substanz wgt man in einem kleinen Rhrchen ab und verfhrt beim Mischen
also: Zuerst bringt man in die Rhre eine 6 Ctm. lange Lage Kupferoxyd
mit chlorsaurem Kali, oder aber chromsaures Bleioxyd, alsdann wirft man
das Rhrchen mit der Substanz hinein und lsst das Oel in die Rhre
vollstndig ausfliessen. Durch geeignetes Neigen bewirkt man, dass es
in der Rhre herumfliesse, und zwar in der Art, dass das erste 1/4 bis
1/3 der Rhre rein bleibt und ebenso die obere fr den Canal bestimmte
Seite derselben. Man fllt sie alsdann mit -- in einer Rhre erkaltetem
-- Kupferoxyd oder chromsaurem Bleioxyd fast voll, trgt Sorge, dass
das Rhrchen mit diesen Verbrennungsmitteln vllig angefllt werde,
legt zwischen heissen Sand, damit das hierdurch dnnflssig werdende
Oel vollstndig von dem Verbrennungsmittel aufgesaugt werde, pumpt,
wenn nthig, aus und schreitet zur Verbrennung. Es ist zweckmssig,
eine ziemlich lange Rhre zu nehmen. Chromsaures Bleioxyd ist in der
Regel vorzuziehen. Bei seiner Anwendung giebt man zuletzt vorsichtig
ganz starke Hitze, so dass der Inhalt der Rhre schmilzt. Hat man
feste Fette, oder wachsartige Krper, die sich nicht pulvern und
demzufolge nicht auf die gewhnliche Art mischen lassen, so verfhrt
man in hnlicher Weise, wie bei fetten Oelen. Zum Abwgen bringt man
dieselben in einen kleinen gewogenen Glasnachen, welchen man aus einer
der Lnge nach gespaltenen Rhre darstellt, Fig. 82, schmelzt sie darin,
wgt wieder und lsst diesen dann in die 6 Ctm. weit mit chromsaurem
Bleioxyd oder (mit chlorsaurem Kali gemischtem) Kupferoxyd gefllte
Rhre gleiten. Man bringt alsdann die Substanz zum Schmelzen, verbreitet
sie ebenso wie die Oele in der Rhre und verfhrt im Uebrigen berhaupt,
wie bei diesen angegeben.

[Illustration: Fig. 82.]

2. Sollen Fette oder hnliche Krper im Sauerstoffstrom in dem in . 147
beschriebenen Apparate verbrannt werden, so wgt man sie in einem Glas-
oder Platinschiffchen, schiebt sie darin in die Rhre ein und fllt
den hinteren Theil der Rhre, wie oben angegeben, mit Kupferoxyd. Die
Verbrennung muss sehr sorgfltig geleitet werden. Sobald das im vorderen
und hintersten Theil der Rhre befindliche Kupferoxyd glht, nhert man
der Substanz eine Kohle. Die bei der trockenen Destillation entstehenden
flchtigen Producte verbrennen auf Kosten des Kupferoxyds. Wenn man
merkt, dass dieses an der Oberflche reducirt ist, lsst man mit dem
Erhitzen der Substanz nach und fhrt erst dann wieder fort, wenn sich
das Kupfer im Sauerstoffstrom wieder oxydirt hat. Zuletzt sorgt man,
dass alle im Schiffchen gebliebene Kohle im Sauerstoffgase verbrenne.


    B. $Analyse von Verbindungen, die aus Kohlenstoff, Wasserstoff,
                  Sauerstoff und Stickstoff bestehen.$

Das Princip des bei solchen Verbindungen einzuschlagenden Verfahrens ist
im Allgemeinen folgendes: Man bestimmt in $einer$ Portion der Substanz
den Kohlenstoff als Kohlensure, den Wasserstoff als Wasser, -- in einer
$zweiten$ den Stickstoff im gasfrmigen Zustande, als Platinsalmiak,
oder durch Neutralisation des aus dem Stickstoff entstandenen Ammons,
und findet den Sauerstoff aus dem Verlust.

Da die Gegenwart des Stickstoffs auf die Bestimmung des Kohlenstoffs und
Wasserstoffs einen Einfluss ausbt, so haben wir in diesem Abschnitte
nicht allein die Methode der Stickstoffbestimmung, sondern auch die
Abnderungen zu betrachten, welche durch die Gegenwart des Stickstoffs
bei der Bestimmung des Kohlenstoffs und Wasserstoffs nthig werden.

      a. $Bestimmung des Kohlenstoffs und Wasserstoffs in
         stickstoffhaltigen Krpern.$

                                . 151.

1. Glht man stickstoffhaltige Substanzen mit Kupferoxyd oder
chromsaurem Bleioxyd, so entweicht mit der Kohlensure und dem
Wasserdampf ein Theil des Stickstoffs als Gas, ein anderer, sehr
geringer, bei sehr sauerstoffreichen Krpern aber doch nicht
unbedeutender Theil verwandelt sich in Stickoxydgas, welches von der im
Apparate befindlichen Luft ganz oder theilweise in salpetrige Sure
bergefhrt wird. Wrde man demnach bei stickstoffhaltigen Substanzen
die oben (. 143 etc.) beschriebenen Verfahrungsweisen ohne Weiteres
beibehalten, so bekme man einen zu hohen Gehalt an Kohlenstoff, indem
im Kaliapparat nicht allein die Kohlensure, sondern auch die gebildete
salpetrige Sure und ein Theil des Stickoxyds (welches sich mit Kali
langsam in salpetrige Sure und Stickoxydul umsetzt) zurckgehalten
wrde. Man beseitigt diesen Uebelstand einerseits, indem man recht
innig mischt, langsam verbrennt und chromsaures Bleioxyd, sowie die
Mitanwendung chlorsauren Kalis vermeidet, denn bei ihrem Gebrauch
und raschem Verbrennen ist die Stickoxydentwickelung bedeutender als
bei der Anwendung reinen Kupferoxyds und bei langsamem Erhitzen des
innigen Gemenges, andererseits, indem man eine um 12-15 Ctm. lngere
Verbrennungsrhre anwendet, dieselbe wie gewhnlich fllt und alsdann
eine 9-12 Ctm. lange, lockere Schicht blanker und feiner Kupferdrehspne
(. 45. 6.) hineinbringt. Bei der Verbrennung erhitzt man dieselben
zuerst zum Glhen und erhlt sie darin whrend der ganzen Operation.
In allen brigen Stcken bleiben sich die oben beschriebenen Methoden
gleich. -- Die Wirkung des Kupfers beruht darauf, dass es im glhenden
Zustande alle Oxydationsstufen des Stickstoffs zerlegt in Sauerstoff,
mit dem es sich zu Oxyd verbindet, und in reines Stickgas. -- Da diese
Wirkung nur von ganz glhendem Kupfer ausgebt wird, so hat man Sorge
zu tragen, dass der vordere Theil der Rhre immer gehrig im Glhen
bleibe. -- Da das metallische Kupfer, frisch reducirt, Wasserstoffgas,
nach lngerem Aufbewahren, Wasserdampf an seiner Oberflche verdichtet
zurckhlt, so muss dasselbe heiss -- wie es aus dem auf 100 erhitzten
Trockenschranke kommt -- in die Rhre gebracht werden. $Liebig$
empfiehlt, den Kupferdrehspnen durch Einpressen in eine Rhre
cylindrische Form zu geben. Sie knnen so leicht und rasch in die
Verbrennungsrhre gebracht werden.

2. Sollen stickstoffhaltige Krper in dem in . 147 beschriebenen
Apparate verbrannt werden, so mssen Rhren von etwa 75 Ctm. Lnge
angewendet werden. Der vordere Theil derselben wird alsdann ebenfalls
mit einer 9-12 Ctm. langen Schicht blanker Kupferdrehspne gefllt.
Man hat Sorge zu tragen, dass wenigstens der vordere Theil derselben
sowohl whrend des Ausglhens im Luftstrom, als auch bei der Verbrennung
unoxydirt bleibt. -- Ist die Operation beendigt, so schliesst man
den Sauerstoffhahn, sobald eine sichtbar fortschreitende Oxydation
des metallischen Kupfers eintritt, und ffnet statt dessen den des
Luftgasometers ein wenig, so dass die Rhre im langsamen Luftstrome
erkaltet.

      b. $Bestimmung des Stickstoffs in organischen Verbindungen.$

Zur Bestimmung des Stickstoffs sind, wie oben bereits angedeutet, zwei
wesentlich verschiedene Methoden im Gebrauch. Nach der einen wird der
Stickstoff im reinen Zustande abgeschieden, und sein Volum gemessen,
-- nach der anderen wird er in Ammoniak verwandelt, und dieses als
Platinsalmiak oder durch Neutralisation bestimmt.

[Greek: a]. $Bestimmung des Stickstoffs aus dem Volum.$

Die vielen Methoden, welche zur Erreichung des in Rede stehenden
Zweckes in Vorschlag gekommen sind, lassen sich alle unter zwei
Rubriken zusammenfassen. Die einen bezwecken das Auffangen der ganzen
in einer gewogenen Portion der Substanz enthaltenen Stickstoffmenge,
-- die anderen bestimmen bloss das relative Verhltniss zwischen dem
entwickelten Kohlensure- und Stickgas und lassen aus diesem die Menge
des Stickstoffs berechnen, wozu also unter allen Umstnden erfordert
wird, dass man zuvor die Menge des Kohlenstoffs in der Substanz
kenne. -- Die auf das erstere Princip gegrndeten Methoden nennt man
_quantitative_, die anderen _qualitative_. Ich hebe von beiden Arten
je eine heraus, und zwar diejenigen, die sich am leichtesten ausfhren
lassen und die genauesten Resultate liefern.


   1. $Qualitative Stickstoffverbindung aus dem Volum, nach Liebig.$

                                . 152.

Dieselbe ist nur bei Substanzen anwendbar, die keine zu geringe Menge
Stickstoff im Verhltniss zu ihrem Gehalt an Kohlenstoff enthalten. Das
Nhere siehe am Ende dieses Paragraphen.

Zu ihrer Ausfhrung sind folgende Gegenstnde erforderlich:

1. 6-8 etwa 30 Centimeter lange, 15 Millimeter im Durchmesser haltende,
genau graduirte Rhren von starkem Glas.

2. Ein hoher, oben erweiterter Cylinder von starkem Glas, siehe unten
Fig. 84.

3. Eine Pipette, deren untere Mndung aufwrts gebogen ist, siehe unten
Fig. 84.

4. Quecksilber, und zwar eine zum Anfllen des Glascylinders mehr als
hinreichende Menge.

5. Eine Quecksilberwanne.

6. Kalilauge.

7. Ein 60 Ctm. langes, hinten rund zugeschmolzenes Verbrennungsrohr
nebst Gasleitungsrhre (siehe unten Fig. 83), ferner ein langer
Verbrennungsofen.

8. Kupferoxyd, welches nicht frisch ausgeglht zu sein braucht.

9. Blanke und reine Kupferdrehspne.

[Illustration: Fig. 83.]

Man bringt in den hinteren Theil des Verbrennungsrohres eine 6 Ctm.
lange Schicht Kupferoxyd, mischt alsdann etwa 0,500 Grm. der hchst
fein gepulverten Substanz, deren Gewicht man nicht genauer zu kennen
braucht, aufs Innigste mit einer die Rhre etwa zur Hlfte anfllenden
Menge Kupferoxyd, giebt die Mischung in die Rhre, bringt eine Schicht
reines Oxyd darber und fllt endlich den noch leeren Theil derselben
mit Kupferdrehspnen an, so dass wenigstens ein 12 Ctm. langes Stck
mit solchen erfllt ist. -- Man verbindet die beschickte Rhre mit
dem Gasleitungsrohr, legt sie in den Verbrennungsofen und umgiebt
zuerst den vorderen Theil mit glhenden Kohlen, whrend man den, an
welchem die Mischung liegt, durch einen Schirm schtzt, dann schreitet
man mit dem Erhitzen zur Mischung vor, indem man den Schirm je um 3
Ctm. zurcksetzt. Wenn etwa 1/4 derselben zerlegt, und somit durch
die entstandenen Verbrennungsproducte die atmosphrische Luft fast
vollstndig aus der Rhre getrieben ist, strzt man ber den Ausgang
des unter Quecksilber mndenden Gasleitungsrohres eine von den mit
Quecksilber ganz[80] gefllten graduirten Rhren, lsst dieselbe sich
zu 3/4 mit Gas fllen, hebt sie dann heraus, so dass der Rest des
Quecksilbers ausfliesst, und schaut der Lnge nach durch dieselbe.
Ist nicht die geringste rothe Frbung des Gasinhaltes zu bemerken, so
kann man sicher sein, dass den Gasen kein Stickoxydgas beigemengt war.
(Diese Probe muss in der Mitte und gegen Ende der Operation wiederholt
werden, wenn man volle Sicherheit ber die Abwesenheit des Stickoxyds
in allen Rhren haben will.) Nach diesem vorlufigen Versuche fllt man
nun eine von den graduirten Rhren nach der anderen (Fig. 83), indem man
die Erhitzung langsam und gleichmssig fortfhrt. Man muss zu dieser
Arbeit entweder einen Apparat haben, der das gleichzeitige Aufstellen
von 6-8 Rhren gestattet[81], oder man muss sich von einem Gehlfen die
gefllten Rhren einstweilen halten lassen. Man merke sich, welche Rhre
die erste, zweite, dritte u. s. w. bei der Fllung war. -- Der vordere
Theil des Verbrennungsrohres ist whrend der ganzen Operation in starkem
Glhen zu erhalten.

  [80] Um eine Rhre mit Quecksilber so zu fllen, dass keine Luftblasen
       darin bleiben, fllt man sie erst fast voll, verschliesst sie mit
       dem Finger und dreht um, indem man Sorge trgt, dass sich die
       kleinen, an den Wnden haftenden Luftblasen allmlig alle mit der
       grossen vereinigen. Man dreht die Rhre alsdann wieder herum und
       fllt sie langsam mit Quecksilber voll.

  [81] Ein solcher ist beschrieben und abgebildet in "Das chem.
       Laboratorium zu Giessen" von J. P. $Hofmann$. Heidelberg, 1842.

[Illustration: Fig. 84.]

Wenn smmtliche Rhren gefllt sind, bestimmt man das darin enthaltene
Gasgemenge in einer nach der anderen auf folgende Art. Man taucht
zuerst die Rhre einige Zeit in den mit Quecksilber gefllten Cylinder
(Fig. 84) ganz ein, damit ihre Temperatur gleichfrmig und mit der des
Quecksilbers bereinstimmend werde, hebt sie alsdann so weit heraus,
dass das Quecksilber innen und aussen in gleichem Niveau steht, liest
ab (. 11) und bemerkt das Volum. -- Man lsst alsdann eine kleine
Quantitt Kalilauge aus der damit fast ganz angefllten Pipette
[Greek: b] in die Rhre treten, indem man vorsichtig in jene blst,
befrdert die Absorption der Kohlensure, indem man, nach Entfernung
der Pipette, die festgefasste Rhre in der Weise im Quecksilber auf-
und abbewegt, dass man ihre Mndung an eine Seite des Cylinders fest
anlegt, taucht zuletzt die Rhre wieder ganz unter, bringt alsdann
wie oben das Quecksilber innen und aussen ins Niveau und liest ab. --
(Den Druck, den die kleine Flssigkeitssule der Kalilauge ausbt,
kann man ohne Weiteres vernachlssigen.) Wenn man die bei der zweiten
Messung gefundene Zahl (das Stickgas) von der bei der ersten notirten
(dem Stickgas + dem Kohlensuregas) abzieht, so bekommt man das Volum
der Kohlensure. -- Wenn man auf diese Art den Inhalt der einen Rhre
bestimmt hat, reinigt man das Quecksilber durch Waschen mit ein wenig
salzsurehaltigem Wasser, dann mit reinem Wasser und Fliesspapier
und geht zur zweiten Rhre ber. -- Man findet in der Regel, dass
die Resultate der einzelnen Rhren ziemlich nahe bereinstimmen; in
manchen Fllen jedoch, wenn nmlich die stickstoffhaltige Substanz vor
der vlligen Verbrennung in verschieden flchtige Zersetzungsproducte
zerfllt, erhlt man bei den einzelnen Rhren nicht unbedeutende
Differenzen. In der Regel nimmt man das arithmetische Mittel als das
richtige Resultat an, und es ist fr um so zuverlssiger zu betrachten,
je weniger die Resultate der einzelnen Rhren von demselben abweichen.
-- Zeigen jedoch die ersteren Rhren einen auffallend grsseren
Stickstoffgehalt, als die spteren, so ist anzunehmen, dass die Luft
noch nicht vollstndig ausgetrieben war, und man nimmt in dem Falle
dieselben nicht mit in Rechnung.

Das relative Verhltniss der Kohlensure zum Stickgas drckt unmittelbar
und ohne weitere Rechnung das Verhltniss der Aequivalente des
Kohlenstoffs zu denen des Stickstoffs aus, denn 1 Aeq. Kohlenstoff
verbrennt ja in 2 Aeq. Sauerstoff, ohne dessen Volum zu verndern, und
liefert demnach 2 Volumina Kohlensure, -- 1 Aeq. Stickstoff liefert
aber ebenfalls 2 Volumina (also die gleiche Anzahl) Stickgas.

Gesetzt, wir htten das Verhltniss der Kohlensure zum Stickgas
gefunden, wie 4 : 1, so enthlt die Verbindung auf 4 Aeq. Kohlenstoff =
4  75 = 300, 1 Aeq. Stickstoff = 175. Htten wir demnach in 100 Theilen
26 Theile Kohlenstoff gefunden, so enthielte die Verbindung 15,17
Stickstoff, denn 300 : 175 = 26 : x; x = 15,17.

Die eben besprochene Stickstoffbestimmung hat, weil die Luft nicht
vollstndig aus der Rhre entfernt wird, eine unvermeidliche
Fehlerquelle, welche veranlasst, dass der Stickstoffgehalt immer ein
wenig zu hoch ausfllt. Dieser Fehler lsst jedoch ber das richtige
Verhltniss nicht in Zweifel, wenn die Stickstoffmenge bedeutend ist; so
sieht man auf der Stelle, wenn man gefunden hat 1 : 4,1, dass das wahre
Verhltniss 1 : 4 ist. Bei verhltnissmssig geringem Stickstoffgehalt
jedoch werden die Resultate durch diesen Fehler trglich, und die
Erfahrung hat gezeigt, dass die Methode sich bei Substanzen nicht mehr
anwenden lsst, die weniger als 1 Aeq. Stickstoff auf 8 Aeq. Kohlenstoff
enthalten.

$Bunsen$ hat diese Methode in einer Weise abgendert, dass sie noch
schrfere Resultate liefert. Sein Verfahren ist jedoch minder einfach
und erfordert grssere experimentelle Gewandtheit. Es findet sich
beschrieben im Handwrterbuche der Chemie, Supplemente, S. 200, von
$Kolbe$, ferner in $Liebig$'s Anleitung zur Analyse organischer Krper,
II. Auflage Seite 72.


   2. $Quantitative Stickstoffbestimmung aus dem Volum, nach Dumas.$

                                . 153.

Dieselbe ist bei allen organischen Stickstoffverbindungen anwendbar.
-- Zu ihrer Ausfhrung ist, ausser den . 152 sub 4-9 angefhrten
Gegenstnden und den . 142 genannten zum Abwgen und Mischen
dienenden, ein graduirter Glascylinder von etwa 200 Cubikcentimeter
Inhalt erforderlich, der unten durch eine mattgeschliffene Glasplatte
verschlossen werden kann; ferner ein Barometer und ein Thermometer.

[Illustration: Fig. 85.]

Man bringt in die etwa 70-80 Centimeter lange, hinten rund
zugeschmolzene Rhre eine 12-15 Centimeter lange Schicht trockenes
doppelt-kohlensaures Natron, darauf eine 4 Centimeter lange Schicht
Kupferoxyd, dann das hchst innige Gemenge der gewogenen Substanz
(0,300-0,600 Grm., oder bei stickstoffarmen Substanzen mehr) mit
Kupferoxyd, sodann das zum Nachsplen verwendete und eine Schicht reines
Oxyd, und endlich eine etwa 15 Centimeter lange Lage Kupferdrehspne.
Die Rhre verbindet man sodann mit dem Gasleitungsrohr _a_ (Fig. 85
a.f.S.), legt sie in den Verbrennungsofen und erhitzt allmlig, whrend
man die Hitze durch einen Schirm von allen anderen Theilen der Rhre
abhlt, das hinterste Ende (etwa 6 Centimeter) derselben zum Glhen.
Das doppelt-kohlensaure Natron wird hierdurch zerlegt, die entweichende
Kohlensure treibt die in der Rhre befindliche Luft vor sich her und
entfernt sie aus der Rhre. Wenn die Gasentwickelung eine Zeit lang
im Gange ist, taucht man das Ende der Gasentwickelungsrhre unter
Quecksilber, strzt einen mit Kalilauge gefllten Probecylinder darber
und rckt mit den glhenden Kohlen ein wenig vor. Werden die kommenden
Gasblasen vollstndig absorbirt, so ist alle Luft ausgetrieben, und
man schreitet zur eigentlichen Verbrennung; im anderen Falle muss
man das Entwickeln von Kohlensure noch so lange fortsetzen, bis der
genannte Punkt erreicht ist. -- Man lsst alsdann das Gas in den
graduirten Cylinder treten, welcher zu 2/3 mit Quecksilber, zu 1/3 mit
starker Kalilauge angefllt und in die Quecksilberwanne (mit Hlfe der
mattgeschliffenen Glasplatte) umgestrzt ist[82] (Fig. 85), erhitzt,
wie bei einer gewhnlichen Verbrennung, zuerst den vordersten Theil der
Rhre zum Glhen und schreitet alsdann langsam nach hinten vor. Zuletzt
zersetzt man die andere Hlfte des doppelt-kohlensauren Salzes, so dass
durch die entweichende Kohlensure alles noch in der Rhre befindliche
Stickgas in den Cylinder getrieben wird. Man wartet nunmehr, bis das
Gasvolum, auch wenn man den Cylinder bewegt, nicht mehr abnimmt (bis
demnach alle Kohlensure absorbirt ist), und bringt denselben in ein
grosses und hohes mit Wasser geflltes Glasgefss, indem man ihn bei
dem Transport mit einem mit Quecksilber gefllten Schlchen schliesst.
Quecksilber und Kalilauge sinken im Wasser zu Boden und werden durch
Wasser ersetzt. Man taucht die Glocke unter, bringt dann das Wasser
innen und aussen ins Niveau, notirt das Gasvolum, die Temperatur des
Wassers und den Barometerstand, und berechnet nach vorhergegangener
Reduction auf 0 und Normalbarometerstand und unter Bercksichtigung
der Tension des Wasserdampfes aus dem erhaltenen Volum Stickgas dessen
Gewicht (vergl. unten "Berechnung der Analysen"). -- Die Resultate
fallen in der Regel etwas zu hoch aus, und zwar etwa um 0,2 bis 0,5
Proc., was daher rhrt, dass die Kohlensure die dem Kupferoxyd
adhrirende Luft auch bei langem Durchstrmen durch die Rhre nicht
absolut entfernt.

  [82] Das Fllen und Umstrzen des Cylinders vollbringt man also am
       besten: Man schttet zuerst das Quecksilber hinein, entfernt
       die Luftblasen, die an den Wandungen hngen, wie gewhnlich,
       giesst alsdann die Kalilauge ein, so dass noch ein etwa 2 Linien
       langes Stck frei bleibt, fllt dies mit reinem Wasser bis zum
       Ueberlaufen behutsam an, schiebt alsdann die matt geschliffene
       Glasplatte darber, dreht um, taucht die Mndung unter das
       Quecksilber und schiebt die Glasplatte weg. Auf diese Art lsst
       sich die Operation leicht ausfhren, ohne dass man sich die Hnde
       mit der Lauge beschmutzt.


     [Greek: b]. $Bestimmung des Stickstoffs aus dem Gewichte, nach
                         Varrentrapp und Will.$

                                . 154.

Die zu beschreibende Methode ist bei allen Stickstoffverbindungen
anwendbar, welche den Stickstoff nicht in Form von Salpetersure,
Untersalpetersure etc. enthalten; sie beruht auf demselben
Princip, auf welches die Prfung organischer Krper auf Stickstoff
(. 140. 1. a.) gegrndet ist, nmlich darauf, dass beim Glhen
stickstoffhaltiger Krper mit dem Hydrat eines Alkalimetalls das
Hydratwasser dieses letzteren in der Art zerlegt wird, dass sein
Sauerstoff mit dem Kohlenstoff Kohlensure bildet, welche sich mit dem
Alkali verbindet, whrend sein Wasserstoff im Moment des Freiwerdens
sich mit allem vorhandenen Stickstoff zu Ammoniak vereinigt. -- Bei
sehr stickstoffreichen Materien, wie bei Harnsure, Mellon etc., wird
zu Anfang der Zersetzung nicht aller Stickstoff zur Ammoniakbildung
verwendet. Ein Theil desselben tritt mit einer Portion des Kohlenstoffs
der Materie zu Cyan zusammen, welches sich als solches, wohl auch als
Cyansure, mit dem Alkalimetall oder, im letzteren Falle, mit dem Alkali
selbst verbindet. Als Endproduct erhlt man jedoch, wie directe Versuche
gezeigt haben, bei Ueberschuss von Alkalihydrat und hinlnglichem
Erhitzen auch in diesen Fllen allen Stickstoff als Ammoniak.

Da in allen organischen stickstoffhaltigen Krpern der Kohlenstoff im
Verhltniss zum Stickstoff vorherrscht, so wird, wenn derselbe sich
auf Kosten des Wassers oxydirt, immer eine Quantitt Wasserstoff frei
werden, die mehr als hinreichend ist, den Stickstoff in Ammoniak zu
verwandeln, z. B.:

                  C_{2}N + 4HO = 2CO_{2} + NH_{3} + H.

Der berschssige Wasserstoff entweicht entweder frei, oder, indem
er sich mit dem noch nicht oxydirten Kohlenstoff verbindet, je nach
den Verhltnissen und der Temperatur, als Sumpfgas, lbildendes Gas
oder als Dampf leicht condensirbarer Kohlenwasserstoffe, welche Gase
das Ammoniak gewissermaassen verdnnen. -- Da ein solcher verdnnter
Zustand desselben zum Gelingen der Operation nothwendig ist, so mache
ich hier gleich darauf aufmerksam, dass man denselben nach Belieben
hervorrufen kann, indem man einer an Stickstoff reichen Substanz eine
stickstofffreie, z. B. reinen Zucker, in geringerem oder grsserem
Verhltniss zumischt. --

Die Bestimmung des Ammoniaks geschieht, indem man dasselbe in Salzsure
auffngt, den entstandenen Salmiak in Platinsalmiak berfhrt und diesen
entweder geradezu wgt, oder glht und seine Menge, beziehungsweise die
des Ammoniaks oder Stickstoffs, aus dem erhaltenen metallischen Platin
berechnet.

Manche stickstoffhaltige organische Verbindungen geben beim Glhen
mit Natronkalk kein Ammoniak, sondern andere sauerstofffreie,
stickstoffhaltige flchtige Basen; so liefert Indigblau Anilin, so
liefern Narcotin, Morphin, Chinin, Cinchonin neue flchtige Basen.
-- Alle diese flchtigen Basen haben, ebenso wie das Ammoniak, die
Fhigkeit, mit Salzsure und Platinchlorid Doppelsalze zu liefern. Wrde
man diese Doppelsalze, in der Meinung, sie seien Platinsalmiak, wgen
und daraus den Stickstoff berechnen, so machte man natrlich einen
grossen Fehler. Glht man sie aber und berechnet den Stickstoff aus dem
erhaltenen metallischen Platin, so wird jeder Fehler vermieden, indem
diese Basen, ebenso wie das Ammoniak, in der Platinverbindung auf je 1
Aeq. Platin 1 Aeq. Stickstoff enthalten ($Liebig$). -- Das Verstndniss
des weiteren Verfahrens (Auffangen und Bestimmen des Ammoniaks) bedarf
keiner theoretischen Erluterung.

      aa. _Apparat und Erfordernisse._

1. Die zum Abwgen der Substanz und zum Mischen dienenden . 142
angefhrten Gegenstnde.

2. $Ein Verbrennungsrohr.$ Dasselbe sei etwa 40 Ctm. lang, etwa 12 Mm.
weit, hinten schief aufwrts in eine Spitze ausgezogen, vorn mit rund
geschmolzenem Rand (siehe . 142). -- Es kommt in einen gewhnlichen
Verbrennungsofen zu liegen (. 142).

3. $Natronkalk$ (. 45. 4.). Man erhitzt zweckmssig eine zur Fllung
der Rhre hinreichende Portion in einer Platin- oder Porzellanschale ein
wenig, so dass das Gemenge vollkommen trocken ist. Bei nicht flchtigen
Substanzen wendet man es am besten noch warm an.

4. $Asbest.$ Man glht eine kleine Portion desselben vor dem Gebrauch in
einem Platintiegel aus.

5. $Ein Varrentrapp-Will'scher Kugelapparat.$ Derselbe kann gegenwrtig
berallher kuflich bezogen werden. Fig. 86. zeigt seine Form. Man
fllt denselben durch Eintauchen der Spitze in Salzsure von etwa 1,13
specif. Gewicht und Saugen am Ende _d_ oder auch mittelst einer Pipette
so weit mit der Sure an, dass der Stand der Flssigkeit das in Fig. 86
angedeutete Niveau hat.

[Illustration: Fig. 86.]

6. Ein weicher gut durchbohrter $Kork$, welcher die Verbrennungsrhre
luftdicht schliesst, und in dessen Bohrloch die Rhre _d_ des
Kugelapparates genau passt.

7. Ein mit Kalihydrat geflltes $Saugrohr$, welches vorn mit einem
durchbohrten Korke geschlossen ist, in dessen Oeffnung die Spitze des
Kugelapparates passt.

Die zur weiteren Behandlung der bei der Verbrennung zu erhaltenden
Flssigkeit nothwendigen Reagentien etc. fhre ich hier nicht an, weil
es nicht nothwendig ist, dass man dieselben beim Beginn des Versuches
rstet.

      bb. _Ausfhrung._

Man fllt die Verbrennungsrhre zur Hlfte mit Natronkalk, mischt
denselben in dem vllig trockenen, wenn zulssig, etwas warmen
Mischungsmrser nach und nach aufs Innigste mit der abgewogenen Substanz
(vergl. . 143), indem man alles heftige Drcken vermeidet, bringt
etwa 3 Ctm. Natronkalk in den hinteren Theil der Rhre, fllt nach
gewhnlicher Weise die Mischung (etwa 20 Ctm.), dann den zum Nachsplen
der Reibschale verwendeten (5 Ctm.), zuletzt reinen Natronkalk (12 Ctm.)
ein, so dass etwa 3 Ctm. der Rhre leer bleiben. Man verschliesst sodann
die Rhre mit einem lockeren Asbestpfropfe, klopft sie zur Herstellung
eines Canals auf, verbindet sie mittelst des Korkes mit dem Kugelapparat
und legt sie wie gewhnlich in den Verbrennungsofen (siehe Fig. 86).

Man prft jetzt zuerst, ob der Apparat luftdicht schliesst, indem man
aus der Kugel _a_ durch Daranhalten einer glhenden Kohle etwas Luft
aus dem Apparate treibt und dann beobachtet, ob die Flssigkeit beim
Erkalten in der Kugel _a_ hher zu stehen kommt als in dem anderen
Schenkel, und ob diese Stellung constant bleibt, -- umgiebt nachher
zuerst den vorderen Theil der Rhre, alsdann langsam fortschreitend die
ganze Rhre mit glhenden Kohlen und verfhrt im Allgemeinen gerade so,
wie bei einer gewhnlichen Verbrennung (. 143). -- Man trage Sorge,
den vorderen Theil der Rhre immer ziemlich heiss zu halten; hierdurch
wird das Uebergehen flssiger Kohlenwasserstoffe, deren Anwesenheit
in der Salzsure unangenehm ist, fast ganz verhtet. -- Man halte den
Stopfen hinlnglich warm, damit er kein Wasser und mit diesem Ammoniak
zurckhalte. -- Man leite den Gang der Verbrennung so, dass fortwhrend
und ununterbrochen Gasentwickelung stattfindet. Es ist auch bei ziemlich
rascher Entwickelung nicht zu befrchten, dass Ammoniak unabsorbirt
entweiche, weit eher hat man ein Zurcksteigen der Salzsure zu
besorgen, welches unausbleiblich eintritt, so wie die Gasentwickelung
aufhrt, und welches leicht mit solcher Heftigkeit geschieht, dass die
Salzsure in die Verbrennungsrhre tritt, und somit die Analyse verloren
ist. Bei sehr stickstoffreichen Verbindungen kann man diesem Uebelstande
auch durch die grsste Sorgfalt beim Verbrennen nicht vorbeugen, indem
die Begierde der Salzsure, in den fast nur mit Ammoniakgas gefllten
Raum der Rhre zu steigen, allzu gross ist. Sehr leicht begegnet man
demselben aber dadurch, dass man der Substanz beim Mischen eine etwa
gleiche Menge Zucker beimischt, wodurch mehr permanente, das Ammoniak
verdnnende Gase erzeugt werden.

Wenn die Rhre ihrer ganzen Lnge nach zum Glhen gebracht ist, und die
Gasentwickelung $vllig$ aufgehrt hat (was eintritt, wenn alle auf der
Oberflche der Mischung ausgeschieden gewesene Kohle oxydirt ist, d. h.
also, wenn die Mischung wieder weiss erscheint), kneipt man die Spitze
der Verbrennungsrhre ab und saugt das mehrfache Volum der letzteren an
atmosphrischer Luft durch den Kugelapparat, um alles in der Rhre noch
vorhandene Ammoniak an die Salzsure zu binden. Man bedient sich hierzu,
um der sauren Dmpfe berhoben zu sein, des mit Kalihydrat gefllten
Saugrohres oder eines kleinen Aspirators. --

Hat man mit flssigen stickstoffhaltigen Krpern zu thun, so wgt
man dieselben in kleinen zugeschmolzenen Glaskugeln und verfhrt mit
diesen wie bei Kohlenstoffbestimmungen (. 149), indem man statt des
Kupferoxyds Natronkalk nimmt. Es ist bei Flssigkeiten zweckmssig,
etwas lngere Rhren zu nehmen, als bei festen. -- Am sichersten und
geregeltesten geht die Operation von Statten, wenn man zuerst das
vordere Drittheil der Rhre erhitzt und nun durch Erwrmen des hinteren
Endes die Substanz aus den Kugeln treibt; sie vertheilt sich dann in dem
mittleren Theil der Rhre, ohne dort zersetzt zu werden, und wenn man
nun langsam von vorn nach hinten zu feuern fortfhrt, so ist es leicht,
eine stets gleichfrmige Gasentwickelung zu bewerkstelligen. --

Nach beendigter Verbrennung entleert man den Kugelapparat durch seine
Spitze in eine kleine Porzellanschale und splt denselben mit Wasser
nach, bis die Flssigkeit nicht mehr sauer reagirt. Haben sich flssige
Kohlenwasserstoffe gebildet, so filtrirt man die Flssigkeit durch ein
angefeuchtetes Filter, um dieselben abzuscheiden. -- Der salmiakhaltigen
Flssigkeit setzt man nunmehr $reine$[83] Platinchloridlsung im
Ueberschuss zu, verdampft das Ganze auf einem durch die Spirituslampe
erhitzten Wasserbad (. 24, Fig. 20) zur Trockne und bergiesst den
Rckstand mit einer Mischung von 2 Volumen starkem Alkohol und 1
Volumen Aether. Nimmt die Flssigkeit eine hochgelbe Farbe an, so kann
man sicher sein, dass die Quantitt des zugesetzten Platinchlorids
hinlnglich war, im anderen Falle muss solches (am besten in
alkoholischer Lsung) zugesetzt werden[84]. -- Den ungelst gebliebenen
Platinsalmiak sammelt man endlich auf einem bei 100 getrockneten
gewogenen Filter, wscht ihn mit obiger Mischung von Alkohol und Aether
aus, trocknet und wgt ihn (vergl. . 78). Das Wgen des getrockneten
Filters geschieht am besten zwischen zwei genau auf einander passenden,
durch eine Klammer zusammengepressten Uhrglsern (Fig. 87). Der so
erhaltene Platinsalmiak ist nicht immer schn gelb, sondern zuweilen
dunkler und braungelb. Dieses Verhalten beobachtet man namentlich bei
schwer verbrennlichen, an Kohlenstoff sehr reichen Substanzen, weil bei
diesen die Bildung flssiger Kohlenwasserstoffe, welche beim Abdampfen
die Salzsure schwrzen, schwieriger zu vermeiden ist. Directe Versuche
haben brigens dargethan, dass diese dunklere Farbe des Niederschlages
keinen das Resultat merklich verndernden Einfluss hat. -- Zur Prfung,
ob der Platinsalmiak rein war, kann man denselben nach . 78 in Platin
verwandeln.

[Illustration: Fig. 87.]

  [83] Enthlt das Platinchlorid Chlorkalium oder Chlorammonium, so
       findet man zu viel, enthlt es Salpetersure, zu wenig
       Stickstoff. Der Gehalt an Salpetersure schadet insofern, als
       beim Abdampfen Chlor entsteht, welches einen Theil des Ammoniaks
       zerstrt. Man versume nie, das Platinchlorid vor seiner
       Anwendung sorgfltig zu prfen.

  [84] Da die Platindoppelsalze einiger der flchtigen Basen, welche
       als Zersetzungsproducte mancher stickstoffhaltiger organischer
       Substanzen auftreten (s. o.), in Alkohol leichter lslich sind,
       als der Platinsalmiak, so wendet man, sofern solche zu vermuthen
       sind, statt des gewhnlichen Aetherweingeistes zum Auswaschen
       Aether an, welcher nur mit wenigen Tropfen Alkohol versetzt ist
       (W. $Hofmann$).

Die Resultate fallen sehr genau aus, in der Regel eher ein wenig zu
gering, als zu hoch, etwa 0,1 bis 0,2 Proc., was daher rhrt, dass aus
dem Absorptionsapparat Spuren des sich bildenden Salmiakdampfes nicht
condensirt, sondern mit den permanenten Gasen weggefhrt werden, wie
dies bei jeder Analyse wahrgenommen wird. Fllt das Resultat zu hoch
aus, so rhrt dies meist daher, dass das angewendete Platinchlorid nicht
rein war.


  [Greek: c]. $Modification des Varrentrapp-Will'schen Verfahrens von
                               Pligot.$

                                . 155.

Das Wesen dieser Modification besteht darin, dass man das durch Glhen
der Substanz mit Natronkalk erzeugte Ammoniak in einer abgemessenen
Menge titrirter Schwefelsure auffngt und durch Neutralisation der noch
freien Sure mittelst einer alkalischen Flssigkeit (Auflsung von Kalk
in Zuckerwasser oder verdnnte Natronlauge) die Quantitt der durch
das Ammoniak gesttigten, und somit auch die Menge von diesem bestimmt
(vergl. . 78. 3.). --

Die Schwefelsure wird ganz in demselben Apparate vorgeschlagen, der
in Fig. 86 abgebildet ist. Die abgemessene Sure bringt man in ein
Becherglas, saugt soviel als mglich davon in den Kugelapparat, splt
die Spitze ab, entleert nach der Verbrennung in dasselbe Becherglas,
splt nach und neutralisirt dann. Da man ungefhr 20 C.C. nthig hat, so
stellt man dieselbe zweckmssig dar, indem man zu 1000 C.C. Wasser 66
Grm. englische Schwefelsure mischt. 20 C.C. enthalten alsdann etwa 1
Grm. Schwefelsure. Die Ermittelung des Gehaltes geschieht durch Fllen
mit Chlorbaryumlsung. Die verdnnte Natronlauge titrirt man am besten
so, dass 5 Grad derselben 1 Grad der Sure neutralisiren. -- Auch die in
. 152 angefhrten Lsungen lassen sich zu dem gedachten Zwecke sehr gut
anwenden.

Dieses Verfahren ist namentlich fr technische Untersuchungen hchst
empfehlenswerth; es erreicht zwar das in [Greek: b]. beschriebene nicht
ganz an Genauigkeit, liefert dafr aber in ungleich krzerer Zeit
immerhin sehr befriedigende Resultate.


      C. $Analyse von schwefelhaltigen organischen Verbindungen.$

                                . 156.

Wollte man versuchen, den Kohlenstoffgehalt derselben auf gewhnliche
Weise durch Verbrennen mit Kupferoxyd oder chromsaurem Bleioxyd zu
bestimmen, so fiele derselbe zu hoch aus, indem -- namentlich bei
Anwendung von Kupferoxyd -- ein Theil des Schwefels zu schwefliger
Sure verbrannt, und diese mit der Kohlensure im Kaliapparat
absorbirt wrde. Um diesen Fehler zu vermeiden, bringt man daher
zwischen dem Chlorcalciumrohr und dem Kaliapparat ein 10-12 Ctm.
langes, mit vollkommen trockenem Bleisuperoxyd angeflltes Rohr an.
Das Bleisuperoxyd absorbirt die schweflige Sure, indem es sich mit
derselben in schwefelsaures Bleioxyd umsetzt, vollstndig (PbO_{2} +
SO_{2} = PbO, SO_{3}), und in den Kaliapparat gelangt demnach nur die
Kohlensure. -- In dem Chlorcalciumrohr bleibt keine schweflige Sure,
wenn man dasselbe liegen lsst, bis sich das Wasser mit dem Chlorcalcium
zu krystallisirtem Chlorcalcium verbunden hat. Es ist gut, dann noch
etwas getrocknete Luft hindurchzusaugen. -- Fr die . 153, 154 und
155 angefhrten Methoden der Stickstoffbestimmung ist die Gegenwart
von Schwefel ohne Einfluss. -- Was die Bestimmung des Schwefels selbst
betrifft, so wird derselbe stets als schwefelsaurer Baryt gewogen. Die
Ueberfhrung des Schwefels in diese Verbindung geschieht entweder auf
trockenem oder auf nassem Wege. Das erste Verfahren fhrt am sichersten
zum Ziel.

Enthlt die schwefelhaltige Substanz auch Sauerstoff, so wird dieser aus
dem Verluste gefunden.

      a. $Methoden auf trockenem Wege.$

  1. _Methode, welche sich namentlich zur Bestimmung des Schwefels in
     schwefelarmen, nicht flchtigen Substanzen, z. B. in den sogenannten
     Proteinkrpern eignet; nach_ $Liebig$.

Man bringt einige Stcke schwefelsurefreies Kalihydrat[85] in eine
gerumige Silberschale, fgt 1/8 reinen Salpeter zu und schmelzt beide
unter Zusatz von einigen Tropfen Wasser zusammen. Nach dem Erkalten
bringt man die abgewogene Menge der fein gepulverten Substanz hinzu,
schmelzt ber der Lampe, rhrt mit einem Silberspatel um und setzt das
Schmelzen bei verstrkter Hitze fort, bis die Masse weiss geworden,
d. h. bis die anfangs ausgeschiedene Kohle verbrannt ist. Sollte dies
nicht bald geschehen, so fgt man noch etwas Salpeter in kleinen
Portionen zu. Die erkaltete Masse lst man in Wasser, bersttigt die
Lsung in einem gerumigen, mit einer Glasschale bedeckten Becherglase
mit Salzsure und fllt mit Chlorbaryum. Der Niederschlag ist mit
siedendem Wasser anfangs durch Decantiren, dann auf dem Filter aufs
Beste auszuwaschen. Nach dem Glhen muss der schwefelsaure Baryt
jedenfalls so behandelt werden, wie dies Seite 219, oben, angegeben ist.
Unterlsst man dies, so wird das Resultat fast immer zu hoch ausfallen.

  [85] Dasselbe wird dargestellt, indem man das gewhnliche mit Alkohol
       bergiesst, die sich bildende obere Schicht -- die alkoholische
       Lsung des Kalihydrats -- in einer Silberschale zur Trockne
       verdampft und den Rckstand schmelzt.

  2. _Methode, welche sich namentlich zur Analyse von nicht flchtigen
     oder schwer flchtigen Substanzen eignet, welche mehr als 5 Proc.
     Schwefel enthalten; nach_ $Kolbe$[86].

Man bringt in den hinteren Theil einer rund zugeschmolzenen 40-45 Ctm.
langen Verbrennungsrhre eine 7-8 Ctm. lange Schicht eines innigen
Gemenges von 8 Thln. reinem, wasserfreiem kohlensauren Natron und 1
Theil reinem chlorsauren Kali, hierauf die abgewogene schwefelhaltige
Substanz, dann wieder eine 7-8 Ctm. lange Schicht desselben Gemenges,
mischt die organische Verbindung mittelst des Mischdrahtes (Fig. 77,
S. 359) innig mit dem Salzgemenge, so dass sie sich auf die ganze
Masse gleichfrmig vertheilt, und fllt zuletzt den noch brigen Theil
der Rhre mit wasserfreiem kohlensauren Kali oder Natron, dem nur
wenig chlorsaures Kali zugesetzt ist, stellt dann durch geeignetes
Aufklopfen der Rhre einen $weiten$ Canal her, legt die Rhre in
einen Verbrennungsofen, erhitzt den vorderen Theil derselben zum
Glhen und umgiebt alsdann, langsam nach hinten fortschreitend, auch
den mit glhenden Kohlen, welcher die Mischung enthlt. -- Bei sehr
kohlehaltigen Substanzen ist es zweckmssig, in den hinteren Theil der
Rhre noch einige Stckchen reines chlorsaures Kali zu bringen, damit
alle Kohle verbrennt und die etwa gebildeten Verbindungen des Kalis mit
niederen Oxydationsstufen des Schwefels vollkommen in schwefelsaures
Salz verwandelt werden. Im Inhalte des Rohres bestimmt man die
Schwefelsure wie in 1.

  [86] Supplemente zum Handwrterb. S. 205.

  3. _Methode, welche sich sowohl fr nicht flchtige, als namentlich
     auch fr flchtige Substanzen eignet; von_ $Debus$[87].

Man lst 1 Aeq. (149 Thle.) durch Umkrystallisiren gereinigtes saures
chromsaures Kali mit 2 Aeq. kohlensaurem Natron (106 Thle.) in Wasser,
verdampft zur Trockne, pulvert die citronengelbe Salzmasse (KO, CrO_{3}
+ NaO, CrO_{3} + NaOCO_{2}), glht sie scharf in einem hessischen
Tiegel und bringt sie noch warm in ein Rohr, wie es Fig. 75, S. 358
darstellt[88]. Von dem erkalteten Pulver bringt man eine 7-10 Ctm.
lange Lage in ein gewhnliches Verbrennungsrohr, schttet darauf die
Substanz und dann wieder 7-10 Ctm. des Salzgemenges. Man mischt mit
dem Mischdrahte (Fig. 77, S. 359), fllt den noch leeren Theil des
Rohres mit dem Salzgemenge und erhitzt dann die Rhre wie bei einer
gewhnlichen Elementaranalyse. Wenn das Ganze glht, leitet man 1/2 bis
1 Stunde lang einen langsamen Strom von trockenem Sauerstoffgas darber.
Nach dem Erkalten reinigt man die Rhre von Asche, zerschneidet sie
ber einem Bogen Papier in mehrere Stcke und bergiesst diese in einem
Becherglase mit einer zur Lsung der Salzmasse gengenden Menge Wasser.
Man setzt jetzt Salzsure in ziemlichem Ueberschuss, dann etwas Alkohol
zu, erwrmt gelinde, bis die Auflsung schn grn geworden ist, filtrirt
das durch die Verbrennung entstandene (schwefelsurehaltige) Chromoxyd
ab, wscht es erst mit salzsurehaltigem Wasser, dann mit Alkohol aus,
trocknet es, bringt es in einen Platintiegel, fgt die Filterasche
hinzu, mischt mit 1 Thl. chlorsaurem und 2 Thln. kohlensaurem Kali
(oder Natron) und glht bis zur vollkommenen Verwandlung des Chromoxyds
in chromsaures Kali. Die geschmolzene Masse lst man in verdnnter
Salzsure, reducirt durch Erwrmen mit Alkohol, fgt diese Lsung zu
der vom Chromoxyd abfiltrirten Hauptlsung und fllt aus der zum Sieden
erhitzten Flssigkeit die Schwefelsure durch Chlorbaryum. $Debus$
erhielt bei Anwendung dieser Methode auf Substanzen von bekanntem
Schwefelgehalt sehr befriedigende Resultate, so statt 100 Schwefel 99,76
und 99,50, -- so statt 30,4 Schwefel im Xanthogenamid 30,2 etc.

  [87] Ann. der Chem. und Pharm. 76. 90.

  [88] Die Salzmasse ist vor Allem zu prfen, ob sie ganz frei von
       Schwefel ist. Man reducirt zu dem Behufe eine Probe mit Salzsure
       und Alkohol, setzt Chlorbaryum zu, lsst 12 Stunden stehen und
       beobachtet alsdann genau, ob sich keine Spur eines Niederschlages
       zeigt.

4. Die Methode von $Heinz$, welcher bei schwefelarmen Substanzen mit
berschssigem Kupferoxyd verbrennt, die Gase durch Kalilauge leitet,
nach der Verbrennung sowohl das Kupferoxyd als die Kalilauge mit
Salzsure und chlorsaurem Kali behandelt und die Lsung mit Chlorbaryum
fllt, drfte vor der $Debus$'schen Methode schwerlich Vorzge haben.
Sie findet sich, ebenso wie die, welche er bei schwefelreichen
Substanzen anwendet, in $Pogg.$ Ann. 85. 424; auch Pharm. Centralbl.
1852, s. 536.

      b. $Methode auf nassem Wege.$

1. Man erhitzt die Substanz mit rother rauchender Salpetersure,
oder mit einer Mischung von Salpetersure und chlorsaurem Kali und
untersttzt die Einwirkung nthigenfalls zuletzt durch Wrme, bis die
ganze Substanz oxydirt ist. -- Flchtige Schwefelverbindungen wgt man
in einer kleinen Glaskugel (. 149), bricht deren Spitze ab und lsst
beide Theile in einen hohen Kolben mit engem Halse gleiten, in welchem
sich strkste rothe rauchende Salpetersure befindet. Die Einwirkung
geht in diesem Falle, weil sie durch die enge Spitze des Kgelchens
stattfinden muss, langsam vor sich und kann, wenn man den Kolben schief
legt und seinen Hals abkhlt, ohne Verlust ausgefhrt werden. -- Mit
der die gebildete Schwefelsure enthaltenden Salpetersure verfhrt man
nach . 105. I. Bei Anwendung dieser Methode muss man $sehr$ vorsichtig
sein, indem es bei vielen organischen Substanzen nicht gelingt, ihren
Schwefelgehalt auf diesem Wege vollstndig zu oxydiren. ($Sorby$ hat
sich des Kochens mit Salpetersure zur Bestimmung des Schwefels in
vielen Pflanzen und Pflanzentheilen bedient.)

2. Nach $Beudant$, $Daguin$ und $Rivot$ lsst sich der Schwefel in
organischen Substanzen leicht bestimmen, indem man sie mit Kalilauge
erhitzt und Chlor einleitet. Nach geschehener Oxydation fllt man die
angesuerte, durch Erhitzen von Chlorberschuss befreite und filtrirte
Lsung mit Chlorbaryum (Pharm. Centralbl. 1854, S. 41). Ich habe ber
diese Methode noch kein Urtheil.)

                   *       *       *       *       *

Substanzen, welche Asche hinterlassen, in denen somit schwefelsaure
Salze vermuthet werden knnen, muss man mit Salzsure kochen und die
filtrirte Lsung mit Chlorbaryum prfen. Entsteht ein Niederschlag
von schwefelsaurem Baryt, so muss der darin enthaltene Schwefel von
dem abgezogen werden, welchen man nach einer der angegebenen Methoden
gefunden hat; die Differenz bezeichnet alsdann die Menge, welche sich in
organischer Verbindung befindet.


       D. $Bestimmung des Phosphors in organischen Verbindungen.$

                                . 157.

$Mulder$, welcher sich mit der Bestimmung des Phosphors in organischen
Substanzen am meisten beschftigt hat, empfiehlt dazu folgendes
Verfahren:

Man lst eine gewogene Probe der Substanz durch Kochen mit Salzsure,
filtrirt wenn nthig und bestimmt die darin etwa enthaltene
Phosphorsure nach der Methode $Berthier$'s (. 106. I. c.).
Man kocht sodann eine zweite gewogene Portion der Substanz mit
Salpetersure und verfhrt ebenso. Erhlt man in beiden Fllen einen
gleichen Procentgehalt an Phosphorsure, so enthielt die Substanz
nur Phosphorsure; betrgt dagegen die bei dem zweiten Versuche
erhaltene Menge mehr als die des ersten, so bezeichnet die Differenz
die durch Einwirkung der Salpetersure aus Phosphor entstandene, der
in nicht oxydirtem Zustande in der Verbindung enthalten war. So fand
z. B. $Mulder$ im Casen sowohl bei Fllung der salzsauren wie der
salpetersauren Lsung 3,5 Proc. Phosphorsure, whrend er bei Albumin
aus der salzsauren 0,35 Proc., aus der salpetersauren dagegen 0,78 Proc.
erhielt.

Durch Einschern und Prfen der Asche kann man auf Phosphorgehalt
nicht prfen. Vitellin, das, mit Salpetersure behandelt, 3 Proc.
Phosphorsure liefert, hinterlsst kaum 0,3 Proc. Asche ($Baumhauer$).

Auch die in . 156. a. 1. und 2. angegebenen Methoden lassen sich zur
Bestimmung des Gesammt-Phosphors in organischen Substanzen benutzen.


      E. $Analyse von Chlor enthaltenden organischen Substanzen.$

                                . 158.

Beim Verbrennen derselben mit Kupferoxyd bildet sich Kupferchlorr,
welches sich bei einer auf gewhnliche Weise angestellten Verbrennung in
der Chlorcalciumrhre condensiren und so die Wasserbestimmung fehlerhaft
machen wrde. -- Man beugt diesem und jedem anderen Fehler durch die
Anwendung von chromsaurem Bleioxyd vor, indem man genau nach . 145
verfhrt. Das Chlor wird alsdann in Chlorblei verwandelt und als solches
in der Rhre zurckgehalten.

Verbrennt man mit Kupferoxyd im Sauerstoffstrome, so wird das
Kupferchlorr durch den Sauerstoff in Kupferoxyd und freies Chlor
zerlegt, welches letztere theils im Chlorcalciumrohr, theils im
Kaliapparat zurckgehalten wird. -- $Stdeler$[89] hat zur Vermeidung
dieses Fehlers vorgeschlagen, den vorderen Theil der Rhre mit blanken,
whrend der Verbrennung glhend zu erhaltenden Kupferdrehspnen zu
fllen, damit diese das Chlor zurckhalten. Der Sauerstoffstrom ist zu
unterbrechen, sobald die Drehspne sich zu oxydiren beginnen. -- Nach A.
$Vlcker$[90] vermeidet man die genannte Chlorentwickelung leicht, wenn
man dem Kupferoxyd 1/5 Bleioxyd beimengt.

  [89] Annal. der Chem. und Pharm. 69. 335.

  [90] Chem. Gaz. 1849. 245.

Was die Bestimmung des Chlors selbst betrifft, so geschieht dieselbe
stets in der Art, dass man die Substanz mit Alkalien oder alkalischen
Erden glht, wobei alles Chlor als Chlormetall erhalten wird.

Da man durch Brennen von Marmor leicht chlorfreien Kalk erhalten kann,
so wendet man vorzugsweise diesen zur Zersetzung an; doch muss man
sich stets zuerst von der Abwesenheit des Chlors berzeugen. -- Man
bringt in eine etwa 40 Centimeter lange, hinten rund zugeschmolzene
Verbrennungsrhre zuerst eine 6 Centimeter lange Schicht Kalk, dann
die Substanz, fgt wieder eine 6 Centimeter lange Kalklage zu, mischt
mit dem Mischdrahte, fllt die Rhre mit Kalk fast voll, klopft einen
Canal und erhitzt wie gewhnlich. Flchtige Flssigkeiten bringt man in
kleinen Glaskugeln in die Rhre. Nach beendigter Zersetzung lst man den
Kalk in verdnnter Salpetersure und fllt mit Silberlsung (. 112).
$Kolbe$ empfiehlt hierzu folgendes Verfahren. Man nimmt, nach beendeter
Zersetzung, die Kohlen weg, verschliesst das offene Ende des Rohres
mit einem Kork und steckt sie, von Asche vllig befreit, noch heiss,
mit dem hinteren Theil zuerst, in ein mit destillirtem Wasser zu zwei
Drittel geflltes Becherglas, wodurch sie in viele Stcke zerspringt und
sich ihres Inhaltes entleert. -- In chlorhaltigen Substanzen von saurem
Charakter (z. B. der Chlorspiroylsure) lsst sich das Chlor hufig
auf einfachere Weise bestimmen. Man braucht sie nmlich nur in einem
Ueberschuss von verdnnter Kalilauge zu lsen, die Lsung zu verdunsten
und den Rckstand zu glhen, um alles Chlor in lsliches Chlormetall
berzufhren ($Lwig$).

In derselben Weise, wie die organischen Chlorverbindungen, lassen sich
auch die organischen Bromverbindungen analysiren.


   F. $Analyse von organischen Substanzen, welche unorganische Krper
                              enthalten.$

                                . 159.

Bei organischen Substanzen, welche unorganische Krper enthalten, muss
man natrlicher Weise zuerst den Gehalt an letzteren kennen, ehe man
zur Kohlenstoff- etc. Bestimmung derselben schreiten kann, indem man ja
im anderen Falle die Menge des in der Substanz enthaltenen organischen
Krpers nicht kennt, dessen Bestandtheile die Kohlensure, das Wasser
etc. geliefert haben, und demnach nicht im Stande ist, die Quantitt des
Sauerstoffs aus dem Verlust zu bestimmen.

Sind die fraglichen organischen Krper Salze oder hnliche Verbindungen,
so bestimmt man ihre Basen nach den im vierten Abschnitt angegebenen
Methoden, -- sind hingegen die unorganischen Krper mehr oder weniger
als Verunreinigungen zu betrachten, wie z. B. der Kalk im arabischen
Gummi, so lsst sich ihre Menge in der Regel durch Verbrennen einer
gewogenen Menge der Substanz in einem schief liegenden Platintiegel
mit hinlnglicher Genauigkeit bestimmen. -- Substanzen, welche
schmelzbare Salze enthalten, lassen sich oft auch durch sehr lange
fortgesetztes Glhen nicht vollstndig verbrennen, weil die Kohle von
dem geschmolzenen Salze gegen die Einwirkung des Sauerstoffs geschtzt
wird. Bei diesen erreicht man seinen Zweck am besten, indem man zuerst
verkohlt, mit Wasser auslaugt und den Rckstand alsdann einschert. Die
wsserige Lsung muss natrlicher Weise auch verdampft und das Gewicht
ihres Rckstandes dem der Asche zugezhlt werden. (Vergleiche den
Abschnitt "Aschenanalyse" im speciellen Theil.)

Hat man mit Verbindungen zu thun, deren Asche Kali, Natron, Baryt, Kalk
oder Strontian enthlt, und man verbrennt dieselben mit Kupferoxyd,
so bleibt ein Theil der Kohlensure bei den Alkalien zurck. Da
diese Menge in vielen Fllen nicht constant ist, und die Resultate,
auch abgesehen davon, genauer werden, wenn die ganze Quantitt des
Kohlenstoffs als Kohlensure ausgetrieben und gewogen wird, so setzt
man der Substanz, ehe man sie mit Kupferoxyd mischt, Krper zu, welche
in der Hitze die kohlensauren Salze zerlegen, z. B. Antimonoxyd,
phosphorsaures Kupferoxyd, Borsure ($Fremy$) etc., oder man verbrennt
die Substanz nach . 145 mit chromsaurem Bleioxyd. Diese letztere
Methode ist besonders zu empfehlen. Genaue Versuche haben dargethan,
dass dabei keine Spur Kohlensure bei den Basen zurckbleibt; denn wenn
man ein kohlensaures Alkali mit neutralem chromsauren Bleioxyd schmelzt,
so entsteht basisch chromsaures Bleioxyd und neutrales chromsaures
Alkali, die Kohlensure entweicht [2(PbO, CrO_{3}) + BaO, CO_{2} = 2PbO,
CrO_{3} + BaO, CrO_{3} + CO_{2}].

[Illustration: Fig. 88.]

Wgt man die aschegebende Substanz, wie dies $Whler$ stets thut, in
einem kleinen Platinschiffchen ab (Fig. 88), so lsst sich Asche,
Kohlenstoff und Wasserstoff in einer Portion bestimmen. Man kann dabei
den in . 147 beschriebenen Apparat anwenden. Ehe man das Schiffchen
in das zu 2/3 mit ausgeglhtem Kupferoxyd angefllte Rohr schiebt,
bringt man eine Lage frisch ausgeglhten Asbest in dasselbe, setzt
einen hnlichen Asbestpfropf hinter das Schiffchen und fllt den Rest
des Rohres mit Kupferoxyd. Erst wenn der ganze vordere Theil des Rohres
glht, erhitzt man sehr vorsichtig die Stelle, an welcher sich das
Schiffchen befindet. Der erhaltenen Kohlensure ist die zuzufgen,
welche in der Asche enthalten ist; lsst sich diese nicht berechnen, wie
bei kohlensaurem Alkali, so kann man sie mit Boraxglas bestimmen
(. 110). -- Viele lassen auch den Raum hinter dem Schiffchen ganz leer.


       III. Atomgewichtsbestimmung der organischen Verbindungen.

Die Methoden, nach welchen man das Atomgewicht organischer Verbindungen
bestimmt, weichen je nach den Eigenschaften derselben wesentlich
von einander ab. Im Allgemeinen lassen sich drei Verfahrungsweisen
unterscheiden, die zu dem genannten Zwecke hinfhren.


                                . 160.

1. _Man bestimmt die Menge eines Krpers von bekanntem Atomgewicht, die
sich mit der ihrem Atomgewichte nach zu bestimmenden Substanz in einer
gut charakterisirten Verbindung vereinigt findet._

Auf diese Weise bestimmt man das Atomgewicht der organischen Suren,
der organischen Basen und vieler indifferenten Krper, welche die
Fhigkeit haben, mit Basen Verbindungen einzugehen. -- Wie aus den
erhaltenen Resultaten das Atomgewicht berechnet wird, werden wir unten
bei "Berechnung der Analysen" sehen; hier sprechen wir nur von der
Ausfhrung.

a. Bei _organischen Suren_ bestimmt man das Atomgewicht am liebsten
aus dem Silbersalz, weil man dabei fast immer sicher sein kann, dass
man nicht mit einer basischen oder wasserhaltigen Verbindung zu thun
hat, und weil die Analyse ausserordentlich einfach ist. -- Nicht selten
werden jedoch auch andere Salze, so namentlich die Blei-, Baryt-,
Kalk-Verbindung, angewendet. (Bei Bleiverbindungen muss man besonders
darauf achten, dass man nicht basische Salze fr neutrale hlt, bei
Baryt- und Kalk-Salzen hingegen, dass man nicht wasserhaltige Salze
als wasserfrei betrachtet.) Die Ausfhrung dieser Bestimmungen ist im
vierten Abschnitte bei den betreffenden Basen ausfhrlich besprochen.

b. Bei _Alkaloiden_, welche mit Schwefelsure, Salzsure oder einer
anderen leicht bestimmbaren Sure gut krystallisirbare Salze bilden,
bestimmt man das Atomgewicht am besten, indem man in einer abgewogenen
Menge des Salzes die Suren nach den gewhnlichen Methoden bestimmt.
-- Krystallisiren die Salze nicht, so bringt man, nach $Liebig$, eine
abgewogene Menge des getrockneten Alkaloids in eine Trockenrhre (Fig.
89), bestimmt das Gewicht derselben, leitet lngere Zeit einen langsamen
Strom von wohlgetrocknetem salzsauren Gas, zuletzt (whrend man die
Rhre auf 100 erhitzt, Seite 38 Fig. 13) Luft hindurch und bestimmt
die aufgenommene Salzsure aus der Gewichtszunahme der Rhre. -- Zur
Controle kann man die salzsaure Verbindung in Wasser lsen und das Chlor
mit Silberlsung fllen. -- Auch aus den unlslichen Doppelsalzen,
welche man beim Fllen der salzsauren Alkaloide mit Platinchlorid
erhlt, lsst sich das Atomgewicht derselben bestimmen. Sie werden
vorsichtig (. 99) geglht, und das zurckbleibende Platin gewogen.

[Illustration: Fig. 89.]

c. Bei _indifferenten Krpern_, wie Gummi, Amylum, Extractivstoffen
etc., hat man gewhnlich keine andere Wahl, als das Atomgewicht aus
der Bleiverbindung zu bestimmen, indem diese Krper mit anderen Basen
entweder gar keine oder keine rein darstellbaren Verbindungen eingehen.


                                . 161.

2. $Man bestimmt das specifische Gewicht des Dampfes der Verbindung.$

Die Umrisse der sogleich zu beschreibenden, von $Dumas$ erfundenen
Methode sind folgende: Man wgt ein mit trockener Luft geflltes
Glasgefss, dessen Inhalt spter ermittelt wird, berechnet, wie viel
die Luft wiegt, die es bei der Temperatur und dem Luftdruck, bei denen
die Wgung gemacht wurde, fasst, -- zieht diese von dem ersterhaltenen
Gewichte ab, und kennt somit das Gewicht des luftleeren Gefsses.
-- Man bringt alsdann die Substanz, deren Dampfdichte man bestimmen
will, in berschssiger Menge in den Ballon, setzt diesen so lange
einer gleichmssigen, den Siedepunkt der Substanz bersteigenden
Temperatur aus, bis der Krper gnzlich in Dampf verwandelt, und der
Ueberschuss desselben nebst der zuvor im Ballon enthalten gewesenen Luft
herausgetrieben ist, verschliesst sodann das Glasgefss luftdicht, wgt
es und zieht von dem erhaltenen Gewicht das des luftleeren Gefsses
ab. Man kennt so das Gewicht des Dampfes bei gegebenem Volum und hat
demnach die Anhaltspunkte zur Berechnung des specifischen Gewichtes
desselben. Dass das Resultat nur dann richtig sein knne, wenn man
das Volum der Luft und des Dampfes zuerst auf normalen Barometerstand
und eine Temperatur von 0 reducirt, dass man demnach Barometer- und
Thermometerstand kennen msse sowohl bei der ersten Wgung wie beim
Verschliessen des mit Dampf erfllten Gefsses, bedarf keiner
Erwhnung. --

Diese Methode ist, wie sich von selbst versteht, nur bei den Krpern
anwendbar, welche sich ohne Zersetzung verflchtigen; sie liefert nur
dann genaue Resultate, wenn man absolut reine Substanzen anwendet. --
Wir beschreiben hier bloss die praktische Ausfhrung und verweisen
hinsichtlich der Correction und Berechnung der Resultate auf "Berechnung
der Analyse".

      a. _Apparat und Erfordernisse._

1. $Die Substanz.$ Man bedarf von derselben 6-8 Gramm. Ihr Siedepunkt
muss einigermaassen genau bekannt sein.

2. $Ein Glasballon mit ausgezogenem Halse.$ Man nimmt einen gewhnlichen
Ballon aus reinem, blasenfreiem Glase von 250 bis 500 Cubikcentimeter
Inhalt, splt ihn mit Wasser sauber aus, trocknet ihn vollkommen, pumpt
ihn luftleer, lsst trockene Luft eintreten und wiederholt dies mehrmals
(hierzu dient der . 143 Fig. 72 abgebildete Apparat). Man erweicht
alsdann den Hals des Ballons nahe am Bauch vor der Lampe und zieht ihn
in der Weise aus, dass man ein Gefss von der in Fig. 90 dargestellten
Form erhlt.

[Illustration: Fig. 90.]

Man schneidet die usserste Spitze ab und schmelzt die Kanten ber der
Weingeistlampe ein wenig rund. -- (Da diese Spitze spter schnell und
fest zugeschmolzen werden muss, so ist es sehr zweckmssig, das Glas des
Ballons in dieser Hinsicht erst kennen zu lernen, was am einfachsten
geschieht, indem man versucht, die an dem abgezogenen ursprnglichen
Halse des Ballons befindliche Spitze zuzuschmelzen; -- lsst sich
dasselbe nicht leicht bewerkstelligen, so ist der Ballon unbrauchbar.)

3. $Ein eisernes oder kupfernes Kesselchen$ zur Aufnahme der
Flssigkeit, in welcher der Ballon erhitzt werden soll (siehe Fig. 91,
S. 390).

Was die Flssigkeit in dem Kesselchen betrifft, so muss man eine
solche whlen, die mindestens 20, besser 30-40 ber den Siedepunkt
der Substanz erhitzt werden kann. Mit Wasser oder Oel lassen sich
alle Bestimmungen ausfhren. Ein Chlorcalciumbad ist aber, wenn seine
Temperatur (die sich bei vlliger Sttigung bis 180 steigern lsst)
hinreicht, angenehmer als ein Oelbad, weil sich der Kolben leichter
reinigen lsst.

4. $Ein Apparat zur Befestigung des Ballons.$ Man verfertigt sich
denselben leicht selbst aus einem Stabe und Eisendraht. Derselbe wird
bei der Operation in einen Retortenhalter gespannt, siehe Fig. 91
(a. f. S.).

5. $Quecksilber$, und zwar eine Quantitt, welche mehr als hinreicht,
den Ballon damit anzufllen.

6. Eine genau calibrirte $Messrhre$ von etwa 100 Cubikcentimeter Inhalt.

7. $Weingeistlampe$ und $Lthrohr$.

8. Ein genaues $Barometer$.

9. Ein genaues $Thermometer$, welches entsprechend hoch steigen kann.

      b. _Ausfhrung._

[Greek: a]. Man legt den Ballon auf die Wage und bestimmt sein Gewicht.
Gleichzeitig stellt man ein Thermometer in das Gehuse der Wage. -- Den
Ballon lsst man 10 Minuten auf derselben liegen und beobachtet, ob sich
sein Gewicht gleich bleibt. Sobald es sich unverndert zeigt, notirt man
die Temperatur, welche das daneben stehende Thermometer angiebt, sowie
den Barometerstand.

[Greek: b]. Man erhitzt den Ballon gelinde und taucht seine Spitze
in die, entweder an und fr sich flssige, oder durch gelinde Wrme
geschmolzene, etwa 8 Grm. betragende Substanz tief ein. (Hat dieselbe
einen hoch liegenden Schmelzpunkt, so muss man nicht bloss den Bauch
des Kolbens, sondern auch dessen Hals und Spitze erwrmen, damit die
eintretende Flssigkeit in demselben nicht erstarre.) Sobald der Ballon
sich abkhlt (was bei sehr flchtigen Substanzen durch Auftrpfeln
von Aether zu befrdern ist), tritt die Flssigkeit in denselben ein
und breitet sich darin aus. Mehr als 5 bis 7 Grm. lsst man nicht
hineintreten.

[Greek: c]. Man erhitzt den Inhalt des Kesselchens (3) auf 40 bis
50 und befestigt alsdann den Ballon, wie auch ein Thermometer, in
das Bad, sowie es Fig. 91 (a. f. S.) zeigt. Man steigert jetzt die
Temperatur des Bades, bis man die gewnschte Hitze erreicht hat, und
bemht sich (bei einem Chlorcalcium- oder Oelbad), dieselbe zuletzt
mglichst gleichfrmig zu erhalten, was durch Regulirung des Feuers zu
bewerkstelligen ist. Sobald die Temperatur im Kolben etwas ber den
Siedpunkt der Substanz gestiegen ist, strmt ihr Dampf aus der Spitze
aus. Die Strke des Stromes nimmt mit der Temperatur des Bades zu;
allmlig aber lsst derselbe nach und zuletzt (etwa nach 1/4 Stunde)
hrt er ganz auf. Sollte sich in der aus dem Bad hervorragenden Spitze
ein wenig Dampf zu Trpfchen verdichtet haben, so fhrt man unter
derselben mit einer glhenden Kohle einigemal hin und her, wodurch
dieselben sogleich verflchtigt werden. -- Sobald endlich bei der
gewnschten Temperatur vlliges Gleichgewicht eingetreten ist, schmelzt
man die Spitze mit Hlfe einer Weingeistlampe und eines Lthrohrs rasch
und vollstndig zu und notirt unmittelbar darauf den Thermometerstand.
-- Die Gewissheit, dass die Spitze hermetisch verschlossen sei, erhlt
man, wenn man die aus dem Bade hervorragende Spitze durch Anblasen
mit dem Lthrohr abkhlt. Von dem Dampfe verdichtet sich alsdann eine
kleine Menge und diese bildet eine Flssigkeitssule, welche durch die
Capillaranziehung in dem Ende der Rhre festgehalten wird. Ist die
Spitze nicht fest geschlossen, so zeigt sich diese Erscheinung nicht. --
Man beobachtet alsdann auch den Barometerstand noch einmal und notirt
ihn, falls er sich seit der ersten Beobachtung verndert haben sollte.

[Illustration: Fig. 91.]

[Greek: d]. Man nimmt den zugeschmolzenen Ballon aus dem Bad, wscht ihn
nach dem Erkalten aufs Sorgfltigste ab, trocknet ihn vollkommen und
wgt ihn wie oben.

[Greek: e]. Man taucht seine Spitze der ganzen Lnge nach unter
Quecksilber, macht unweit des Endes einen Feilstrich und bricht die
Spitze ab. Alsobald strzt das Quecksilber in den Ballon, indem durch
Verdichtung des Dampfes ein luftleerer Raum in demselben entstanden ist.
(Man legt hierbei den Bauch des Ballons in die hohle Hand und diese
auf den Rand der Wanne.) Enthielt der Ballon beim Zuschmelzen keine
Luft mehr, so fllt sich derselbe jetzt vollkommen mit Quecksilber, im
anderen Falle bleibt eine Luftblase in demselben. In beiden Fllen misst
man das im Ballon befindliche Quecksilber, indem man es in die graduirte
Rhre (6) ausgiesst, -- im letzten fllt man den Ballon alsdann mit
Wasser und misst auch dieses. Die Differenz beider Messungen giebt die
Menge der Luft an.

Auf die so erhaltenen Resultate, welche bei guter Ausfhrung der
Wahrheit sehr nahe kommen, grndet man nun die Berechnung, wie unten bei
"Berechnung der Analyse" gezeigt werden wird.


                                . 162.

3. Eine grosse Anzahl der indifferenten Krper lassen sich mit
Basen oder Suren schlechterdings nicht verbinden, z. B. die Fette,
Salicin, die Aethyl- und Methyl-Verbindungen etc. etc. -- In solchen
Fllen bestimmt man das Atomgewicht derselben, wenn es nicht nach
2. gefunden werden kann, aus den Zersetzungsproducten der Substanz,
welche man durch Einwirkung von Suren, Basen etc. erhlt, und deren
Atomgewicht sich immer anderweitig bestimmen lsst, oder man erschliesst
es aus der Bildungsweise der fraglichen Verbindung. Man nimmt in
diesen Fllen dasjenige Atomgewicht als das richtige an, welches die
einfachste Erklrung der Entstehungs- und der Zersetzungsprocesse
gestattet. -- Diese Art der Atomgewichtsbestimmung greift demnach tief
in die organische Chemie ein und kann, da sich allgemein anwendbare
Verfahrungsweisen nicht angeben lassen, hier nicht weiter besprochen
werden.


                       $Zweite Unterabtheilung.$

                       $Berechnung der Analyse.$

                                . 163.

Ebenso wie bei der praktischen Ausfhrung der Analyse Kenntnisse in
der allgemeinen Chemie vorausgesetzt wurden, so setzen wir hier das
Verstndniss der allgemeinen stchiometrischen Gesetze einerseits, sowie
die Kenntniss der einfachsten Rechnungsarten andererseits voraus. --
Es ist ein grosser Irrthum, wenn man glaubt, um chemische Berechnungen
ausfhren zu knnen, msse man ein guter Mathematiker sein. Man mag die
Versicherung hinnehmen, dass man mit klarer Ueberlegung, mit Kenntniss
der Decimalbrche und der einfachen Gleichungen alle gewhnlicheren
Berechnungen auszufhren im Stande ist. -- Ich sage dies nicht etwa,
um junge Chemiker und Pharmaceuten von dem hchst wichtigen Studium
der Mathematik abzuhalten, sondern nur in der Absicht, Solchen, welche
nicht Gelegenheit hatten, tiefer in diese Wissenschaft einzudringen, die
Scheu zu benehmen, welche sie, wie mich die Erfahrung lehrte, hufig vor
chemischen Berechnungen hegen. -- Ich habe aus diesem Grunde alle im
Folgenden anzustellenden Berechnungen auf mglichst verstndliche Art
und ohne Logarithmen ausgefhrt.


     I. $Berechnung des gesuchten Bestandtheils aus der gefundenen
             Verbindung, und Darstellung des Gefundenen in
                              Procenten.$

                                . 164.

Wie sich aus den in der "Ausfhrung der Analyse" beschriebenen
Bestimmungs- und Trennungsmethoden ergiebt, werden die Krper, deren
Gewicht man bestimmen will, zuweilen als solche, meistens aber in
Verbindungen von bekannter Zusammensetzung abgeschieden. -- In der Regel
pflegt man die Resultate auf 100 Thle. Substanz zu berechnen, weil
man dadurch eine deutlichere Uebersicht ber dieselben erhlt. Wurden
die Bestandtheile unverbunden ausgeschieden, so kann dies geradezu
geschehen; hat man sie aber in einer Verbindung abgeschieden, so muss
man aus dieser erst den gesuchten Bestandtheil berechnen.


  1. $Berechnung der Resultate auf Gewichtsprocente, wenn die gesuchte
     Substanz als solche abgeschieden wurde.$

   a. _Bei festen Krpern, Flssigkeiten oder Gasen, die durch Wgung
                           bestimmt wurden._

                                . 165.

Bei diesen ist die Berechnung so einfach, dass ich sie nur der
Vollstndigkeit wegen durch ein Beispiel erlutere.

Man hat Quecksilberchlorr analysirt und das Quecksilber als Metall
abgeschieden (. 94. 1.). -- 2,945 Grm. Quecksilberchlorr gaben 2,499
Grm. Quecksilber. --

                        2,945 : 2,499 = 100 : x
                                    x = 84,85

d. h. nach unserer Analyse enthalten 100 Thle. Quecksilberchlorr 84,85
Thle. Quecksilber und demnach 15,15 Chlor. --

Da man nun bereits weiss, dass das Quecksilberchlorr aus 2
Aeq. Quecksilber und 1 Aeq. Chlor zusammengesetzt ist, und die
Aequivalentzahlen beider Elemente bekannt sind, so kann man hieraus
die wahre procentische Zusammensetzung berechnen. -- Analysirt man nun
Substanzen von bekannter Zusammensetzung zur Uebung, so pflegt man, um
die Genauigkeit der Analyse mit Leichtigkeit berschauen zu knnen, das
gefundene und berechnete Resultat neben einander zu stellen, z. B.

                          gefunden  berechnet (vergl. . 63. b.)

              Quecksilber   84,85     84,95
              Chlor         15,15     15,05
                           -------   -------
                           100,00.   100,00.


                  b. _Bei Gasen, die gemessen wurden._

                                . 166.

Hat man ein Gas durch Messung bestimmt, so muss man, ehe man es auf
Gewichtsprocente berechnen kann, wissen, welcher Gewichtsmenge das
gefundene Volumen entspricht. Da man nun ein fr alle Mal durch genaue
Versuche ermittelt hat, wieviel bestimmte Volumina eines Gases wiegen,
so ist auch diese Rechnung eine einfache Regel de Tri-Aufgabe, sofern
man Gelegenheit hat, das Gas unter denselben Umstnden zu messen, auf
welche sich das durch frhere Versuche gefundene Verhltniss des Volums
zum Gewicht bezieht. -- Die Umstnde aber, welche hier in Betracht
kommen, sind:

                      $Temperatur und Luftdruck.$

Ausserdem kann noch die

                      $Spannung des Wasserdampfes$

in Betracht kommen, sofern man sich des Wassers als Sperrflssigkeit
bedient.

In der am Ende des Buches befindlichen Tabelle Nr. V. nun, in welcher
angegeben ist, wieviel Gramm je 1 Liter der dort genannten Gase wiegt,
ist eine Temperatur von 0 und ein Luftdruck von 0,76 Meter Quecksilber
angenommen. Wir mssen demnach vor Allem sehen, wie man bei anderen
Temperaturgraden und anderem Barometerstande gemessene Gasvolumina auf
0 und 0,76 Barometerstand zurckfhrt.

  [Greek: a]. $Reduction eines Gasvolums von beliebiger Temperatur auf 0
              oder eine beliebige andere Temperatur zwischen 0 und
              100.$

Man nahm frher, wie bekannt, in Bezug auf die Ausdehnung der Gase
folgende Stze allgemein an:

  1) Alle Gase dehnen sich zwischen gleichen Temperaturgrenzen
     gleichviel aus.

  2) Die Ausdehnung eines und desselben Gases zwischen denselben
     Temperaturgrenzen ist unabhngig von seiner anfnglichen
     Dichtigkeit.

Wenngleich nun die Richtigkeit dieser Annahmen durch die genauen
Untersuchungen von $Magnus$ und von $Regnault$ nicht vllig besttigt
wurde, so kann man sich bei Temperaturreductionen derjenigen Gase,
welche bei Analysen am hufigsten gemessen werden, doch immer noch
getrost an die alten Stze halten, indem gerade fr diese Gase die
Ausdehnungscofficienten kaum von einander abweichen, und indem die Gase
niemals unter bedeutend verschiedenem Drucke gemessen werden.

Als den der Wahrheit am nchsten kommenden Ausdehnungscofficienten der
Gase, d. h. als die Grsse, um welche sich Gase ausdehnen, wenn sie vom
Gefrierpunkte bis zum Siedepunkte des Wassers erhitzt werden, haben wir
nach den eben genannten Untersuchungen

                                 0,3665

anzunehmen. Demnach dehnen sich die Gase fr jeden Grad des
$Celsius$'schen Thermometers um 0,3665/100, d. i. um 0,003665 aus.

Fragen wir somit, wieviel Raum nimmt 1 Cubikcentimeter Gas von 0 bei
10 ein, so finden wir

               1  (1 + 10  0,003665), d. i. = 1,03665.

Fragt man, wieviel 100 C.C. von 0 bei 10, so findet man

                    100  (1 + 10  0,003665), d. i.
                    100  1,03665, d. i. 103,66500.

Fragt man wieviel 1 C.C. von 10 bei 0, so findet man

                 1/(1 + 10  0,003665), d. i. = 0,965.

Wieviel sind 103,665 C.C. von 10 bei 0?

                   103,665/1 + (10  0,003665) = 100.

Fasst man die Berechnungsweisen allgemein, so lassen sie sich also
ausdrcken.

Will man ein Gasvolumen von einer niedrigeren Temperatur auf eine
hhere berechnen, so sucht man zuerst, indem man zu 1 das durch
Multiplication der Gradeunterschiede mit 0,003665 erhaltene Product
addirt, die Ausdehnung fr die Volumeinheit, und multiplicirt alsdann
die so gewonnene Zahl mit der gegebenen Menge der Volumeinheiten.
Reducirt man umgekehrt ein Gasvolumen von hherer Temperatur auf ein
solches von geringerer, so hat man die Menge der Volumeinheiten durch
eben genannte Zahl zu dividiren; denn (man kann es sich so denken) durch
Multiplication mit derselben kam sie ja auf die Grsse, in der sie uns
erscheint.

  [Greek: b]. $Reduction eines Gasvolums von gewisser Dichtigkeit auf
              einen Barometerstand von 0,76 Meter oder einen beliebigen
              anderen.$

Nach dem $Mariotte$'schen Gesetze sind die Volumina der Gase umgekehrt
proportional dem Drucke, unter dem sie sich befinden. Ein Gas nimmt
demnach einen um so grsseren Raum ein, je geringer der Druck ist, der
auf ihm lastet, und einen um so geringeren, je grsser dieser ist.

Gesetzt also, ein Gas nehme bei einem Druck von 1 Atmosphre 10 C.C. ein,
so wird es bei einem solchen von 10 Atmosphren 1 C.C. und bei einem von
1/10 Atmosphre 100 C.C. einnehmen.

Nichts kann daher einfacher sein, als die Reduction eines Gases von
gegebener Spannung auf den Normalbarometerstand (= 760 Millimeter
Quecksilber) oder einen beliebigen anderen.

Nehmen wir an, ein Gas nehme bei einem Barometerstand von 780 Millimeter
100 C.C. ein, wie viel wird es bei 760 einnehmen? Jedenfalls mehr, und
zwar

                          760 : 780 = 100 : x
                                  x = 102,63.

Wie viel betragen 100 C.C. Gas, bei 750 Millimeter Quecksilberdruck
gemessen, bei 760 Millimeter? Jedenfalls weniger; und zwar

                          760 : 750 = 100 : x
                                  x = 98,68.

  [Greek: c]. $Berechnung eines mit Wasserdampf gemischten Gases auf sein
              Volum in trockenem Zustande.$

Es ist bekannt, dass das Wasser bei jeder Temperatur ein Bestreben hat,
sich in Gas zu verwandeln. Die Grsse dieses Bestrebens (die Spannung
des Wasserdampfes), welche einzig und allein von der Temperatur, nicht
aber davon, ob das Wasser sich im leeren Raume oder aber in irgend einer
Gasatmosphre befindet, abhngig ist, pflegt man auszudrcken, indem
man die Hhe der Quecksilbersule angiebt, welche dieser Spannung das
Gleichgewicht hlt. Die folgende Tabelle giebt die Grsse der Spannung
fr die Temperaturgrade an, welche bei Analysen vorzukommen pflegen
(vergl. $Magnus$, Poggend. Ann. 61. S. 247).

        ========================================================
         Temperatur |  Spannkraft  | Temperatur |  Spannkraft
             in     |      in      |     in     |      in
          Graden C. | Millimetern. |  Graden C. |  Millimetern.
        ------------+--------------+------------+---------------
              0     |    4,525     |     21     |   18,505
              1     |    4,867     |     22     |   19,675
              2     |    5,231     |     23     |   20,909
              3     |    5,619     |     24     |   22,211
              4     |    6,032     |     25     |   23,582
              5     |    6,471     |     26     |   25,026
              6     |    6,939     |     27     |   26,547
              7     |    7,436     |     28     |   28,148
              8     |    7,964     |     29     |   29,832
              9     |    8,525     |     30     |   31,602
             10     |    9,126     |     31     |   33,464
             11     |    9,751     |     32     |   35,419
             12     |   10,421     |     33     |   37,473
             13     |   11,130     |     34     |   39,630
             14     |   11,882     |     35     |   41,893
             15     |   12,677     |     36     |   44,268
             16     |   13,519     |     37     |   46,758
             17     |   14,409     |     38     |   49,368
             18     |   15,351     |     39     |   52,103
             19     |   16,345     |     40     |   54,969
             20     |   17,396     |            |

Hat man demnach ein Gas ber Wasser abgesperrt, so ist unter sonst
gleichen Umstnden sein Volum immer grsser, als wenn es durch kaltes
Quecksilber abgesperrt wre, indem eine der Temperatur des Wassers
entsprechende Menge Wasserdampf sich dem Gase beimischt, und indem
dessen Spannung einem Theile der das Gas zusammendrckenden Luftsule
das Gleichgewicht hlt, so dass diese nicht ganz zur Wirkung kommen
kann. Will man daher den wahren Druck kennen lernen, unter dem sich das
Gas befindet, so muss man von dem scheinbaren den durch die Tension des
Wasserdampfes in seiner Wirkung aufgehobenen Theil abziehen.

Gesetzt, wir htten bei 770 M.M. Barometerstand und einer Temperatur des
Sperrwassers von 10 C. 100 C.C. Gas gemessen; welches Volum wrde es im
trockenen Zustande bei normalem Barometerstande einnehmen?

Die Spannung des Wasserdampfes ist nach der Tabelle bei 10 = 9,126,
also befindet sich das Gas nicht unter dem scheinbaren Drucke von 770
M.M., sondern unter dem wirklichen von 770 - 9,126, d. i. 760,874 M.M.

Nunmehr ist unsere Rechnung auf die sub [Greek: b]. betrachtete
zurckgefhrt und wir sagen:

                        760 : 760,874 = 100 : x
                                    x = 100,115.

Hat man nun durch die in [Greek: a]. und [Greek: b]. und respective
[Greek: c]. betrachteten Rechnungen das auf Gewichtsprocente zu
berechnende Gas in die Verhltnisse gebracht, auf welche sich die
Angaben der Tabelle V. beziehen, so braucht man nur statt des Volums das
Gewicht zu setzen, um alsdann durch einfache Regel de Tri-Anstze sein
Ziel zu erreichen.

Wie viel Gewichtsprocente Stickstoff sind in einer analysirten Substanz,
wenn 5,000 Grm. 300 C.C. trockenes Stickgas bei 0 und 760 M.M. geliefert
haben?

In der Tabelle finden wir, dass 1 Liter (1000 C.C.) Stickgas von 0 und
760 M.M. 1,2515 Grm. wiegt; wir setzen daher an:

                        1000 : 1,2515 = 300 : x
                                    x = 0,375 Grm.

und ferner:

                          5 : 0,375 = 100 : x
                                  x = 7,50.

Demnach sind in der untersuchten Substanz 7,50 Gewichtsprocente
Stickstoff enthalten.


  2. $Berechnung der Resultate auf Gewichtsprocente, wenn die gesuchte
     Substanz in einer Verbindung, abgeschieden wurde, oder wenn eine
     Verbindung aus einem ihrer Bestandtheile bestimmt werden soll.$

                                . 167.

Hat man eine zu bestimmende Substanz nicht als solche, sondern in
einer anderen Form gewogen oder gemessen, z. B. Kohlensure als
kohlensauren Kalk, -- Schwefel als schwefelsauren Baryt, -- Ammoniak als
Stickstoff etc., so muss man, um die Rechnung auf die in 1. betrachtete
zurckzufhren, die Quantitt des gesuchten Krpers aus der Menge des
Gefundenen berechnen.

Um diesen Zweck zu erreichen, kann man entweder einen Regel de
Tri-Ansatz machen, oder man kann sich abgekrzter Methoden bedienen. --

Wir haben Wasserstoff als Wasser gewogen und 1,000 Grm. erhalten; wie
viel Wasserstoff ist darin?

Ein Aequivalent Wasser besteht aus:

                             12,5 Wasserstoff
                            100,0 Sauerstoff
                            -----
                            112,5 Wasser.

Wir setzen demnach an:

                        112,5 : 12,5 = 1,00 : x
                                   x = 0,11111...

Aus dem eben betrachteten Ansatz ergiebt sich folgende Gleichung:

                         12,5/112,5  1,00 = x
                 d. i.              0,11111...  1,0 = x

oder allgemein ausgedrckt

                 $Wasser$  0,11111... = $Wasserstoff$.

$Beispiel.$

                   517 Wasser, wie viel Wasserstoff?
                   517  0,11111 = 57,444.

Aus dem oben betrachteten Ansatz ergiebt sich ferner folgende Gleichung:

                          112,5/12,5 = 1,00/x

                          112,5/12,5 = 9

                    also     9 = 1,00/x

                    also     x = 1,00/9

oder allgemein ausgedrckt:

                $Wasser dividirt durch 9 = Wasserstoff.$

$Beispiel.$

                   517 Wasser, wie viel Wasserstoff?
                            517/9 = 57,444.

Auf diese Art kann man fr jede Verbindung constante Zahlen finden,
mit denen sie multiplicirt oder dividirt werden mssen, damit man den
gesuchten Bestandtheil findet (vergl. Tab. III.).

So ergiebt sich z. B. der Stickstoff aus dem Platinsalmiak, wenn man
denselben durch 15,96 dividirt, oder mit 0,06269 multiplicirt, -- so
der Kohlenstoff aus der Kohlensure, wenn man dieselbe mit 0,2727...
multiplicirt, oder durch 3,666... dividirt.

Diese Zahlen sind schon bei Weitem nicht so einfach und bequem als die,
welche wir beim Wasserstoff fanden; sie lassen sich deshalb nicht so
gut auswendig behalten. Daher merkt man sich z. B. bei der Kohlensure
besser einen anderen allgemeinen Ausdruck, nmlich den:

                 $Kohlensure$  3/11 = $Kohlenstoff$,

welcher aus dem Ansatz

                  275 : 75 = gefundene Kohlensure : x

                          abgeleitet ist; denn

                      275 : 75 = 55 : 15 = 11 : 3.

Auf eine sehr einfache Art erreicht man den genannten Zweck auch
mittelst der hinten angehngten Tab. IV. -- Auf dieser Tabelle findet
man die Menge des gesuchten Bestandtheils fr jede Zahl der gefundenen
Verbindung von 1-9 und somit braucht man bloss diese Werthe zu addiren.

So finden wir z. B. bei Wasserstoff:

  =======================================================================
  Gefunden.|  Gesucht.  |    1    |    2    |    3    |    4    |    5
   Wasser. |Wasserstoff.| 0,11111 | 0,22222 | 0,33333 | 0,44444 | 0,55555

       =============================================================
       Gefunden.|  Gesucht.  |    6    |    7    |    8    |    9
        Wasser. |Wasserstoff.| 0,66667 | 0,77778 | 0,88889 | 1,00000

Daraus ersehen wir also, dass in 1 Theil Wasser 0,11111 Theile
Wasserstoff, -- in 5 Theilen Wasser 0,55555 Theile Wasserstoff, -- in 9
Theilen 1,00000 etc. enthalten ist.

Will man nun wissen, wieviel z. B. in 5,17 Wasser Wasserstoff ist, so
findet man dies, indem man die fr 5, fr 1/10 und fr 7/100 geltenden
Zahlen zusammenzhlt, also

                               0,55555
                               0,011111
                               0,0077778
                               ----------
                               0,5744388.

Warum man die Zahlen in der angegebenen Weise und nicht etwa so

                                0,55555
                                0,11111
                                0,77778
                                -------
                                1,44444

addiren msse, ergiebt sich von selbst; denn auf letztere Art htten
wir ja die fr 5, fr 1 und fr 7 geltenden Werthe zusammengezhlt, das
heisst, wir htten gefunden, wie viel in 5 + 1 + 7 = 13, nicht aber
wie viel in 5,17 Wasser Wasserstoff enthalten ist. -- Aus derselben
Betrachtung ergiebt sich, dass man, um den Wasserstoff in 517 Wasser zu
finden, die Komma also versetzen muss:

                                55,555
                                 1,1111
                                 0,77778
                                ---------
                                57,44388.


  3. $Berechnung der Resultate auf Gewichtsprocente bei indirecten
     Analysen.$

                                . 168.

Aus dem Begriffe einer indirecten Analyse, welcher S. 273 festgestellt
ist, geht zur Genge hervor, dass man fr die bei indirecten Analysen
vorkommenden Rechnungen keine allgemein gltigen Regeln aufstellen
knne. In jedem speciellen Falle muss sich der Verstand den richtigen
Weg bahnen. Wir betrachten hier die Art der Berechnung bei zwei der im
fnften Abschnitte angefhrten indirecten Scheidungen. Sie mgen als
Beispiele dienen fr etwaige andere.

a. _Indirecte Scheidung des Natrons vom Kali_ (vergl. . 120. 3.).

Gesetzt, man htte 1976,11 Grm. schwefelsaures Natron + schwefelsaures
Kali gefunden, und darin 1000 Grm. Schwefelsure, wie viel Kali und wie
viel Natron ist zugegen?

Setzen wir K = schwefelsaures Kali, -- und N = schwefelsaures Natron, so
ergiebt sich die Gleichung

                            K + N = 1976,11
                       oder K     = 1976,11 - N.

In 1 Theil schwefelsaurem Natron ist 0,56338, -- in 1 Theil
schwefelsaurem Kali 0,45919 Schwefelsure enthalten.

Die Quantitt der in dem Gemenge von schwefelsaurem Natron und
schwefelsaurem Kali enthaltenen Schwefelsure, d. i. 1000 Grm., muss
also gleich sein 0,56338  der Quantitt der vorhandenen Einheiten
von schwefelsaurem Natron (d. i.  der Quantitt des vorhandenen
schwefelsauren Natrons) + 0,45919  der Quantitt der vorhandenen
Einheiten von schwefelsaurem Kali (d. i.  der Quantitt des vorhandenen
schwefelsauren Kalis).

Wir bekommen so die zweite Gleichung:

                  (K  0,45919) + (N  0,56338) = 1000
             oder      K = 1000 - (N  0,56338)
                           --------------------
                                0,45919

Setzt man jetzt statt K den oben dafr erhaltenen Werth, so bekommt man

                                 1000 - (N  0,56338)
                  1976,11 - N = ----------------------
                                       0,45919

und bringt man den Nenner des Bruchs weg

      (1976,11  0,45919) - (N  0,45919) = 1000 - (N  0,56338),

das ist

             907,41 - (N  0,45919) = 1000 - (N  0,56338).

Bringt man jetzt die beiden N auf eine Seite, so erhlt man

             (N  0,56338) - (N  0,45919) = 1000 - 907,41

oder

                    1000 - 907,41        92,59
             N = ------------------- = --------- = 898,26.
                  0,56338 - 0,45919     0,10419

In dem Gemenge ist somit 898,26 schwefelsaures Natron, folglich

                   1976,11 - 898,26, das ist 1077,85

schwefelsaures Kali enthalten. Aus diesen Verbindungen berechnet man nun
nach 2. die darin enthaltenen Quantitten des Kalis und Natrons und nach
1. deren Gewichtsprocente.

Aus der obigen Entwickelung kann man aber folgende allgemeine Formel
ableiten, wenn A gleich dem Gemenge, N gleich dem darin enthaltenen NaO,
SO_{3}, K gleich dem darin enthaltenen KO, SO_{3} und S gleich der darin
enthaltenen SO_{3} ist:

                              S - (A  0,45919)
                         N = ------------------
                                   0,10419

                   und   K = A - N.

Angenommen z. B., wir htten schwefelsaures Kali + schwefelsaures Natron
gefunden 20 Grm. und darin Schwefelsure 10,5 Grm., wie viel ist von den
einzelnen Salzen vorhanden?

                        10,5 - (20  0,45919)
                   N = ---------------------- , d. i.
                              0,10419

                        10,5 - 9,1833     1,3162
                     = --------------- = --------- = 12,63
                           0,10419        0,10419

                   K = 20 - 12,63 = 7,37.

Also bestehen die 20 Grm. des Gemenges aus 12,63 NaO,SO_{3} und 7,37
KO,SO_{3}. --

b. _Indirecte Scheidung des Chlors vom Brom (. 137. 1. a.)._

Gesetzt, das Gemenge von Chlorsilber und Bromsilber htte 20 Grm.
gewogen und die Gewichtsabnahme beim Ueberleiten des Chlors 1,000 Grm.
Wie viel Chlor und wie viel Brom ist in dem Gemenge?

Hierbei hat man sich bloss zu vergegenwrtigen, dass die Gewichtsabnahme
nichts Anderes ist, als der Unterschied im Gewicht zwischen dem zuerst
da gewesenen Bromsilber und dem an seine Stelle getretenen Chlorsilber,
um ohne Mhe folgenden Ansatz zu verstehen: Die Differenz zwischen
den Aequivalenten des Chlorsilbers und Bromsilbers verhlt sich zum
Aequivalent des Bromsilbers = die gefundene Gewichtsabnahme zu x, d. i.
zu dem in dem Gemenge enthalten gewesenen Bromsilber, demnach in Zahlen:

                        556,34 : 2349,28 = 1 : x
                                       x = 4,2227.

In den 20 Grm. des Gemenges sind also 4,2227 Grm. Bromsilber, demnach
20 - 4,2227 = 15,7773 Grm. Chlorsilber enthalten gewesen.

Als allgemeine Regel ergiebt sich aus dieser Entwickelung, dass man
die gefundene Gewichtsabnahme bloss mit 2349,28/556,34, d. i. mit
4,2227 zu multipliciren brauche, um die Quantitt des in dem Gemenge
enthalten gewesenen Bromsilbers zu finden. -- Kennt man aber die Menge
des Bromsilbers, so kennt man auch die des Chlorsilbers, und aus
diesen Daten berechnet man alsdann nach 2. die Mengen und nach 1. die
Gewichtsprocente des Broms und Chlors.


                             $Anhang$ zu I.

        $Mittlere Werthe, Verlust und Ueberschuss bei Analysen.$

                                . 169.

Wenn man bei der Analyse einer Substanz einen Bestandtheil aus dem
Verlust bestimmt, d. i. wenn man seine Menge dadurch findet, dass man
die Summe der brigen von dem Ganzen abzieht, so ist es ersichtlich,
dass man bei Berechnung auf Gewichtsprocente immer 100 als Summe
bekommen msse. Jeder Verlust oder Ueberschuss, den man bei Bestimmung
der einzelnen Bestandtheile erhalten hat, trifft hier den einen aus
dem Verlust bestimmten Bestandtheil, daher solche Bestimmungen nur
dann hinlngliche Genauigkeit bieten, wenn die brigen Bestandtheile
mit gutem Resultat bestimmt wurden. Die Genauigkeit wird, wie leicht
zu ersehen, um so grsser sein, je geringer die Anzahl der direct
bestimmten Bestandtheile.

Hat man hingegen jeden Bestandtheil besonders bestimmt, so msste man
bei absolut genauen Resultaten in der Summe der einzelnen die Menge des
Ganzen haben. Da aber, wie wir oben (. 75) gesehen haben, jede Analyse
mit gewissen Ungenauigkeiten behaftet ist, so wird man in Wirklichkeit
bei Berechnung auf Gewichtsprocente bald mehr, bald weniger als 100
bekommen.

Auch in solchem Falle hat man die gefundenen Resultate geradezu
anzufhren.

So fand z. B. $Pelouze$ bei der Analyse des chromsauren Chlorkaliums:

                           Kalium       21,88
                           Chlor        19,41
                           Chromsure   58,21
                                        ------
                                        99,50.

So fand $Berzelius$ bei Analyse des Uranoxyd-Kali:

                            Kali       12,8
                            Uranoxyd   86,8
                                       -----
                                       99,6.

So fand $Plattner$ bei der Analyse des Magnetkieses:

                             von Fahlun       von Brasilien

                  Eisen        59,72              59,64
                  Schwefel     40,22              40,43
                               ------            -------
                               99,94.            100,07.

Nicht zu gestatten ist es, den etwaigen Verlust oder Ueberschuss auf
die smmtlichen Bestandtheile nach Verhltniss zu vertheilen, weil er
ja niemals von den einzelnen Bestimmungen in gleichem Maasse herrhrt,
und weil man durch solches Umrechnen Anderen die Mglichkeit benimmt,
die Genauigkeit der Analyse zu beurtheilen. -- Man braucht sich des
Gestndnisses nicht zu schmen, dass man etwas zu wenig oder zu viel
bekommen hat, sofern der Verlust oder Ueberschuss innerhalb gewisser
Grenzen liegt, die bei verschiedenen Analysen verschieden sind, und
welche Kundige stets zu beurtheilen wissen.

Hat man eine Analyse zwei- oder mehrmal gemacht, so pflegt man in der
Regel den mittleren Werth als das richtigste Resultat anzunehmen.
Dass ein solcher um so mehr Vertrauen verdient, je weniger er von den
einzelnen Resultaten (welche immer entweder vollstndig oder wenigstens
in Betreff des Maximums und Minimums angefhrt werden mssen) abweicht,
liegt auf der Hand.

Da die Genauigkeit einer Analyse nicht abhngig ist von der Menge der
angewendeten Substanz, sofern man nur berhaupt nicht allzu geringe
Mengen in Arbeit nahm, so hat man bei Bestimmung von Mittelwerthen
diese unabhngig von den Mengen der zur Analyse verwendeten Substanz
zu machen, d. h. man muss nicht die Substanzmengen einerseits und die
Gewichte des darin bestimmten Bestandtheils andererseits addiren und
auf diese Art den Procentgehalt bestimmen, sondern man muss aus jeder
einzelnen Analyse den Procentgehalt berechnen, und aus diesen Resultaten
das Mittel ziehen.

Gesetzt, eine Substanz AB enthielte 50 Proc. A. -- Wir htten bei zwei
Analysen folgende Resultate erhalten:

                    1) 2 Grm. AB gaben 0,99 Grm. A.

                    2) 50 Grm. AB gaben 24,00 Grm. A.

      Aus Analyse 1) ergiebt sich, dass AB enthlt 49,50 Proc. A,
       "     "    2)    "      "    "    "    "    48,00  "    "
                                                   -----
                                           Summa   97,50
                                           Mittel  48,75  "    "

Falsch wre es, zu sagen:

              2 + 50 = 52 AB gaben 0,99 + 24,0 = 24,99 A,

also enthalten 100 AB... 48,06 A, -- denn man sieht leicht ein, dass bei
dieser Art der Berechnung der Einfluss der besseren Analyse 1) auf den
Mittelwerth, wegen der verhltnissmssig geringen Substanzmenge so gut
wie vollstndig vernichtet wird.


                 II. $Aufstellung empirischer Formeln.$

                                . 170.

Wenn man eine Verbindung in Hinsicht auf ihre procentische
Zusammensetzung kennt, so kann man dafr eine sogenannte $empirische$
Formel finden, d. h. man kann das relative Verhltniss der einzelnen
Bestandtheile in Aequivalenten ausdrcken, in einer Formel, welche, wenn
man sie wieder auf Gewichtsprocente berechnet, Zahlen giebt, die mit den
gefundenen ganz, oder nahezu, bereinstimmen. -- Auf die Aufstellung
solcher empirischen Formeln bleiben wir bei allen den Substanzen
beschrnkt, bei welchen sich das Atomgewicht nicht bestimmen lsst,
z. B. bei Mannit, Holzfaser, bei allen gemengten Substanzen etc.

Das Verstndniss des sehr einfachen Verfahrens wird sich aus folgenden
Betrachtungen ohne Mhe ergeben.

Wenn man in Kohlensure die relative Anzahl der Aequivalente finden
wollte, wie wrde man verfahren?

Man wrde sagen:

Das Aequivalent des Sauerstoffs verhlt sich zu der Sauerstoffmenge
im Atomgewicht der Kohlensure, wie sich 1 verhlt zu x, d. i. zu der
Anzahl der Sauerstoffatome in der Kohlensure, also

                           100 : 200 = 1 : x
                                   x = 2.

Auf dieselbe Art wrde man die Anzahl der Kohlenstoffatome finden durch
den Ansatz:

             75        :         75                = 1 : x
         (Aeq. des C)      (Kohlenstoff in 1 Aeq.
                              Kohlensure)
                                 x = 1.

Setzen wir jetzt den Fall, wir wssten das Atomgewicht der Kohlensure
nicht, sondern nur die procentische Zusammensetzung,

                           27,27 Kohlenstoff
                           72,73 Sauerstoff
                          ------
                          100,00 Kohlensure,

so muss sich doch das relative Verhltniss der Aequivalente
herausstellen, wenn wir auch irgend eine beliebige Zahl als Atomgewicht
annehmen, z. B. 100.

Machen wir nun unter dieser Voraussetzung die obigen Anstze, so
bekommen wir:

              100       :         72,73            = 1 : x
          (Aeq. des O)      (Sauerstoffmenge im
                          angenommenen Atomg. 100)
                                    x              = 0,7273;

und ferner

              75       :        27,27              = 1 : x
          (Aeq. des C)     (Kohlenstoffmenge im
                          angenommenen Atomg. 100)
                                  x                = 0,3636.

Wir sehen, die $Zahlen$, welche das Verhltniss der Sauerstoff- und
Kohlenstoffatome ausdrcken, haben sich gendert, das $Verhltniss$ aber
ist geblieben; denn

                        0,3636 : 0,7273 = 1 : 2.

Allgemein lsst sich also das Verfahren also ausdrcken:

Man nimmt eine beliebige Zahl, am bequemsten 100, als Atomgewicht der
Verbindung an, und sucht, wie oft die Aequivalentzahl eines jeden
Bestandtheiles in der Menge desselben Bestandtheiles enthalten ist,
welche sich fr das angenommene Atomgewicht der Verbindung ergiebt. Hat
man auf diese Art die das Verhltniss ausdrckenden Zahlen gefunden, so
ist, wenn man will, die empirische Formel schon fertig. Man pflegt sie
jedoch der Uebersichtlichkeit wegen auf den mglichst einfachen Ausdruck
zu bringen.

Nehmen wir nun ein etwas complicirteres Beispiel vor, z. B. die
Berechnung der empirischen Formel fr Mannit.

Die procentische Zusammensetzung des Mannits ist:

                           39,56 Kohlenstoff
                            7,69 Wasserstoff
                           52,75 Sauerstoff
                          ------
                          100,00.

Wir bekommen somit folgende Anstze:

                        1)   100 : 52,75 = 1 : x
                                       x = 0,5275.

                        2)  12,5 :  7,69 = 1 : x
                                       x = 0,6152.

                        3)    75 : 39,56 = 1 : x
                                       x = 0,5275.

Wir haben nunmehr, wenn wir wollen, schon die empirische Formel fr den
Mannit, nmlich:

                      C_{5275} H_{6152} O_{5275}.

Man sieht auf den ersten Blick, dass die Anzahl der Kohlenstoff- und
die der Sauerstoffatome gleich ist, und es fragt sich jetzt, ob man die
gefundenen Verhltnisse nicht durch kleinere Zahlen ausdrcken knne.

Diese Frage wird durch ein einfaches Rechenexempel beantwortet, welches
auf verschiedene, am bequemsten aber auf folgende Weise angesetzt werden
kann:

                          5275 : 6152 = 60 : x

(statt 60 knnte jede andere Zahl als drittes Glied der Proportion
gesetzt werden, aber die genannte ist sehr passend, weil die meisten
Zahlen darin aufgehen)

                                x = 70.

Wir haben demnach als einfachere Formel

               C_{60} H_{70} O_{60} = C_{6} H_{7} O_{6}.

Die oben aufgefhrte procentische Zusammensetzung des Mannits war die
berechnete, also blieb ber die Formel kein Zweifel. Nehmen wir jetzt
die Resultate einer wirklichen Analyse desselben.

$Oppermann$ erhielt von 1,593 Grm. beim Verbrennen mit Kupferoxyd 2,296
Kohlensure und 1,106 Wasser. Daraus berechnet sich:

                           39,31 Kohlenstoff
                            7,71 Wasserstoff
                           52,98 Sauerstoff
                          -------
                          100,00;

und wenn wir die obigen Anstze machen, so erhalten wir als ersten
Ausdruck der empirischen Formel

                       C_{5241} H_{6168} O_{5298}

und durch den Ansatz:

                          5298 : 6168 = 60 : x

finden wir                          x = 69,8.

Betrachtet man nun diese Zahlen, so findet man, dass 69,8 ohne
Ungenauigkeit mit 70,0 vertauscht werden knne, sowie dass der
Unterschied zwischen 5241 und 5298 so gering, dass beide gleich zu
setzen. Man kommt somit durch diese Betrachtungen ebenfalls zu der Formel

                           C_{6} H_{7} O_{6},

und den Prfstein, ob die Formel recht ist, giebt nun die
Zurckberechnung der Formel auf Procente ab. Je weniger die berechneten
Procente von den gefundenen abweichen, um so mehr hat man Grund, die
Formel als richtig zu betrachten. Weichen beide mehr ab, als durch
die Fehlergrenzen der Methoden erklrlich ist, so hat man Ursache,
die Formel als falsch zu betrachten und eine andere aufzustellen;
denn man sieht leicht ein, dass fr eine Substanz, sofern man ihr
Atomgewicht nicht kennt, aus einer und derselben oder aus sehr nahe
bereinstimmenden Analysen verschiedene Formeln berechnet werden knnen,
weil die gefundenen Zahlen niemals absolut richtig, sondern immer nur
Annherungen sind.

Z. B. bei Mannit:

                       berechnet
                 fr             fr           gefunden
                 C_{6}  39,56    C_{8}  39,67    39,31
                 H_{7}   7,69    H_{9}   7,44     7,71
                 O_{6}  52,75    O_{8}  52,89    52,98
                       ------          ------   -------
                       100,00          100,00   100,00.


                III. $Aufstellung rationeller Formeln.$

                                . 171.

Kennt man ausser der procentischen Zusammensetzung auch das Atomgewicht
einer Substanz, so kann man dafr eine $rationelle$ Formel aufstellen,
d. h. eine solche, welche nicht nur das relative Verhltniss der Atome,
sondern auch ihre absolute Menge ausdrckt.

Folgende Beispiele mgen zur Erluterung dienen.

      1. $Bestimmung der rationellen Formel der Unterschwefelsure.$

Durch die Analyse ist gefunden, erstens die procentische Zusammensetzung
der Unterschwefelsure, zweitens die procentische Zusammensetzung des
unterschwefelsauren Kalis, nmlich:

   Schwefel              44,44     Kali                        39,551
   Sauerstoff            55,56     Unterschwefelsure          60,449
                        ------                                -------
   Unterschwefelsure   100,00     Unterschwefelsaures Kali   100,000
                   (Aequivalent des Kalis = 588,86.)

                            Aus dem Ansatze:

                      39,551 : 60,449 = 588,86 : x
                                    x = 900

ergiebt sich als x die Summe der Aequivalentzahlen der in der
Unterschwefelsure enthaltenen Bestandtheile, d. i. das Atomgewicht der
Unterschwefelsure.

Wir brauchen jetzt bei der weiteren Berechnung kein hypothetisches
Atomgewicht mehr anzunehmen, wie wir dies . 170 bei Mannit thun
mussten, denn wir kennen ja das rechte, und knnen somit gleich ansetzen:

                         100 : 44,44 = 900 : x
                                   x = 400,

d. i. gleich der Summe der Aequivalentzahlen des Schwefels,

und ferner:

                         100 : 55,56 = 900 : x
                                   x = 500,

d. i. gleich der Summe der Aequivalentzahlen des Sauerstoffs.

In 400 ist aber die Aequivalentzahl des Schwefels, d. i. 200, zweimal,
-- und in 500 die Aequivalentzahl des Sauerstoffs, d. i. 100, fnfmal
enthalten, die rationelle Formel der Unterschwefelsure ist daher

                              S_{2} O_{5}.

      2. $Bestimmung der rationellen Formel der Benzosure.$

$Stenhouse$ erhielt von 0,3807 bei 100 getrockneten Benzosurehydrats
0,9575 Kohlensure und 0,1698 Wasser.

0,4287 bei 100 getrocknetes benzosaures Silberoxyd gaben 0,202 Silber.
Aus diesen Resultaten berechnet sich folgende Zusammensetzung:

               Kohlenstoff  68,67      Silberoxyd   50,67
               Wasserstoff   4,95      Benzosure  49,33
               Sauerstoff   26,38                  ------
                           ------                  100,00
       Benzosurehydrat   100,00
                 (Atomgewicht des Silberoxyds 1449,66.)
                      50,67 : 49,33 = 1449,66 : x
                                  x = 1411,3,

d. i. das Atomgewicht der wasserfreien Benzosure, demnach ist das des
Benzosurehydrats = 1411,3 + 112,5 = 1523,8, und wir setzen somit an:

                        100 : 68,67 = 1523,8 : x
                                  x = 1046,39.
                        100 :  4,95 = 1523,8 : x
                                  x = 75,43.
                        100 : 26,38 = 1523,8 : x
                                  x = 401,97.

                 75   ist in 1046,39 enthalten 13,95 mal
                 12,5  "  "    75,43     "      6,03  "
                100    "  "   401,97     "      4,02  "

Man sieht auf den ersten Blick, dass man 13,95 mit 14, -- 6,03 mit
6, -- und 4,02 mit 4 vertauschen kann, wodurch man alsdann fr
Benzosurehydrat die Formel erhlt:

                          C_{14} H_{6} O_{4}.

               Sie liefert berechnet      gefunden wurde
                      C  68,85                 68,67
                      H   4,92                  4,95
                      O  26,23                 26,38
                        -------               -------
                        100,00.               100,00.

      3. $Bestimmung der rationellen Formel des Thens.$

$Stenhouse$ fand bei der Analyse des Thens folgende Zahlen:

  1. 0,285 Grm. Substanz gaben 0,5125 Kohlensure und 0,132 Wasser.

  2. Mit Kupferoxyd verbrannt, wurde ein Gasgemisch erhalten
     CO_{2} : N = 4 : 1.

  3. 0,5828 Grm. des Doppelsalzes aus salzsaurem Then und Platinchlorid
     gaben 0,143 Platin. Daraus ergiebt sich folgende procentische
     Zusammensetzung:

                           Kohlenstoff  49,05
                           Wasserstoff   5,14
                           Stickstoff   28,61
                           Sauerstoff   17,20
                                       ------
                                       100,00

     und als Atomgewicht des Thens 2461,31.

Denn man hat allen Grund, anzunehmen, dass die Formel des salzsauren
Then-Platinchlorids sein werde:

                        Then + ClH + PtCl_{2}.

Man findet nun das Atomgewicht dieses Doppelsalzes durch den Ansatz:

              0,143 : 0,5828 = 1236,75 (A. G. des Pt) : x
                           x = 5040,4,

und folglich das Atomgewicht des Thens, wenn man die Summe der
Atomgewichte eines Aequivalentes Platinchlorid (2123,31) und eines
Aequivalentes Salzsure (455,78) von 5040,4 abzieht.

            5040,4 - (2123,31 + 455,78) ist aber = 2461,31.

Als empirische Formel ergiebt sich aus der procentischen
Zusammensetzung, nach den Anstzen:

                            75 : 49,05 = 1 : x
                                     x = 0,654.
                          12,5 :  5,14 = 1 : x
                                     x = 0,411.
                         175,0 : 28,61 = 1 : x
                                     x = 0,163.
                           100 : 17,20 = 1 : x
                                     x = 0,172.
                    C_{654} H_{411} N_{163} O_{172}.

Heben wir diese Zahlen nach der S. 406 angegebenen Weise (indem man die
kleinste = 60 setzt), so erhalten wir die Formel:

                     C_{241} H_{151} N_{60} O_{63}.

Hebt man diese Zahlen weiter durch Division mit 30, so bekommt man

                    C_{8,03} H_{5,03} N_{2} O_{2,1},

statt welcher man mit vlliger Beruhigung

                        C_{8} H_{5} N_{2} O_{2}

setzen kann, wie die folgende procentische Zusammenstellung ergiebt:

                                 berechnet:   gefunden:

                   8 C =  600,0    49,47        49,05
                   5 H =   62,5     5,15         5,14
                   2 N =  350,0    28,89        28,61
                   2 O =  200,0    16,49        17,20
                        ------------------------------
                         1212,5   100,00       100,00.

Betrachtet man aber das der Formel C_{8}H_{5}N_{2}O_{2} entsprechende
A. G. 1212,9, so sieht man, dass es in dem oben gefundenen A. G. 2461,31
... 2,03mal enthalten ist. Statt des Verhltnisses 1 : 2,03 kann man aber
ohne Ungenauigkeit setzen 1 : 2, und somit als rationelle Formel des
Thens:

          2  C_{8}H_{5}N_{2}O_{2} = C_{16}H_{10}N_{4}O_{4}.

Dass die oben gemachte Annahme, salzsaures Then-Platinchlorid habe die
Formel:

                        Then + ClH + PtCl_{2},

richtig sei, lsst sich jetzt leicht besttigen, indem man vergleicht,
ob der berechnete Platingehalt dieser Formel mit dem direct gefundenen
bereinstimmt.

                                                  In 100 Thln.
                                             berechnet     gefunden

         C_{16}H_{10}N_{4}O_{4} =  2425,00
         ClH                    =   455,78
         Platin                 =  1236,75 --  24,70   --   24,53
         Cl_{2}                 =   886,56
                                   --------
                                   5004,09.

      4. $Bestimmung der rationellen Formeln bei Sauerstoffsalzen
         insbesondere.$

      a. _Bei Verbindungen, welche keine isomorphen Bestandtheile
         enthalten._

Bei Sauerstoffsalzen kann man auch auf eine andere Art, nmlich durch
Ermittelung des Verhltnisses, in dem die Sauerstoffmengen zu einander
stehen, zu ihren rationellen Formeln gelangen. Diese Methode ist hchst
einfach.

Bei der Analyse des krystallisirten schwefelsauren Natron-Ammons erhielt
ich

                         Natron         17,93
                         Ammoniumoxyd   15,23
                         Schwefelsure  46,00
                         Wasser         20,84
                                       -------
                                       100,00.

           387,44 NaO     enthalten 100 O, also 17,93 ...  4,63
              325 NH_{4}O     "     100 O,   "  15,23 ...  4,68
              500 SO_{3}      "     300 O,   "  46,00 ... 27,60
           112,5  HO          "     100 O,   "  20,84 ... 18,52

Die erhaltenen Sauerstoffmengen

                      4,63 : 4,68 : 27,60 : 18,52

verhalten sich aber wie

                        1 : 1,01 : 5,97 : 4,00,

statt welcher Zahlen man ohne Ungenauigkeit

                             1 : 1 : 6 : 4

setzen kann, wodurch man zu der Formel

                      NaO, NH_{4}O, 2SO_{3} + 4HO

oder         NaO, SO_{3} + NH_{4}O, SO_{3} + 4 aq. gelangt.


      b. _Bei Verbindungen, welche isomorphe Bestandtheile enthalten._

Isomorphe Bestandtheile knnen sich, wie bekannt, in allen Verhltnissen
vertreten. Will man daher fr Verbindungen, welche isomorphe
Substanzen enthalten, eine Formel aufstellen, so mssen die isomorphen
Bestandtheile zusammengefasst, das heisst, wie $ein$ Krper in der
Formel dargestellt werden. Es kommt dies bei der Berechnung von Formeln
fr Mineralien beraus hufig vor.

A. $Erdmann$ fand im $Monradit$

                                        Sauerstoffgehalt:
               Kieselsure     56,17               29,179
               Talkerde        31,63    12,652}    14,601
               Eisenoxydul      8,56     1,949}
               Wasser           4,04                3,590
                              -------
                              100,40.

                        3,59 : 14,601 : 29,179

verhlt sich aber wie

                            1 : 4,07 : 8,1,

statt welcher Zahlen man ohne Ungenauigkeit setzen kann:

                              1 : 4 : 8.

Nennen wir 1 Aeq. Metall R, so bekommen wir demnach die Formel:

4(RO, SiO_{2}) + HO oder 4(Mg}O, SiO_{2}) + aq.
                          (Fe}

Es sind jedoch nicht bloss isomorphe Substanzen, welche sich auf diese
Art in Verbindungen vertreten, sondern berhaupt solche, welche analoge
Zusammensetzung haben. So findet man, dass sich KO, NaO, CaO, MgO
u. s. w. vertreten. Auch diese mssen alsdann in der Formel als ein
Ganzes betrachtet werden.

$Abich$ fand im $Andesin$:

                                    Sauerstoffgehalt:
                Kieselsure  59,60           30,94
                Thonerde     24,28  11,22}   11,70
                Eisenoxyd     1,58   0,48}
                Kalkerde      5,77   1,61}   3,90
                Talkerde      1,08   0,43}
                Natron        6,53   1,68}
                Kali          1,08   0,18}
                             ------
                             99,92.

                         3,90 : 11,70 : 30,94

verhlt sich aber wie

                            1 : 3,0 : 7,93,

statt welcher Zahlen man ohne Ungenauigkeit

                               1 : 3 : 8

setzen kann.

Nennen wir wieder 1 Aeq. Metall R, so bekommen wir demnach die Formel:

                      RO + R_{2}O_{3} + 4SiO_{2}
                    = RO, SiO_{2} + R_{2}O_{3}, 3SiO_{2},

welche man dann auch schreiben kann:

               Ca}
               Mg}              Al_{2}}
               Na} O, SiO_{2} + Fe_{2}} O_{3}, 3SiO_{2}.
               K }

Man sieht hieraus, dass dieses Mineral $Leucit$ (KO, SiO_{2} +
Al_{2}O_{3}, 3SiO_{2}) ist, in welchem sich das Kali zum grssten
Theil durch Kalk, Natron und Magnesia, und ein Theil der Thonerde durch
Eisenoxyd vertreten findet.

Dass das, was hier von der Aufstellung der Formeln bei Sauerstoffsalzen
bemerkt worden, auch auf Schwefelmetalle angewendet werden kann, liegt
auf der Hand.


    IV. $Berechnung der Dampfdichte flchtiger Krper und Anwendung
          des Resultats zur Controlirung der Analysen und zur
                     Bestimmung des Atomgewichts.$

                                . 172.

Es ist bekannt, dass das specifische Gewicht eines zusammengesetzten
Gases gleich ist der Summe der specifischen Gewichte seiner
Bestandtheile in einem Volum.

Z. B. 2 Vol. Wasserstoffgas und 1 Vol. Sauerstoffgas geben 2 Vol.
Wasserdampf. -- Gben sie 1 Vol. Wasserdampf, so wrde dessen
specifisches Gewicht gleich sein der Summe des specifischen
Gewichts des Sauerstoffs und des doppelten specifischen Gewichts des
Wasserstoffs, das wre

                         2  0,0691 = 0,13820
                                    + 1,10563
                                      --------
                                    = 1,24383.

Da sie aber 2 Volumina geben, so kommt auf 1 Volumen nur 1/2, folglich

                         1,24383/2 = 0,62192.

Man erkennt ohne Mhe, dass die Kenntniss der Dampfdichte eines
zusammengesetzten Krpers eine vortreffliche Controle dafr abgiebt,
ob man bei Aufstellung einer Formel die relativen Verhltnisse der
Aequivalente richtig getroffen hat.

Z. B. wir haben fr Camphor nach den Resultaten der Elementaranalyse die
empirische Formel aufgestellt:

                             C_{10}H_{8}O.

$Dumas$ fand das specif. Gewicht des Camphordampfes = 5,314. Woran
erkennen wir nun, ob die aufgestellte Formel in Bezug auf die relativen
Verhltnisse der Aequivalente richtig ist?

             Specif. Gewicht des Kohlenstoffdampfes 0,8293
                "       "     "  Wasserstoffgases   0,0691
                "       "     "  Sauerstoffgases    1,1056.

              10 Aeq. C = 10 Vol. = 10  0,8293 = 8,2930
               8 Aeq. H = 16 Vol. = 16  0,0691 = 1,1056
               1 Aeq. O =  1 Vol. =  1  1,1056 = 1,1056
                                                 --------
                                                 10,5042.

Man sieht, die erhaltene Summe ist fast genau zweimal so gross, als die
direct gefundene (10,5042/2 = 5,2521), zum Zeichen, dass die relativen
Verhltnisse der Aequivalente in der aufgestellten Formel richtig sind.
-- Ob die Formel auch in Betreff der absoluten Anzahl der Aequivalente
richtig ist, lsst sich aus der Dampfdichte nicht erkennen, weil man
nicht wissen kann, wie viel Raumtheilen Camphordampf je ein Camphoratom
entspricht. So nimmt z. B. $Liebig$ an, es entspreche 2 Raumtheilen und
setzt die Formel C_{10}H_{8}O, whrend $Dumas$ annimmt, es entspreche 4
Raumtheilen und die Formel C_{20}H_{16}O_{2} setzt.

Die Kenntniss der Dampfdichte giebt demnach eigentlich nur eine
Controle der Analyse, nicht aber ein sicheres Mittel zur Aufstellung
einer rationellen Formel ab, und wenn man sie zu letzterem Behufe
nichtsdestoweniger zuweilen anwendet, so kann dies doch nur bei solchen
Substanzen geschehen, bei denen man aus der Analogie auf ein gewisses
Verdichtungsverhltniss schliessen kann; so lehrt z. B. die Erfahrung,
dass bei den meisten Hydraten der flchtigen organischen Suren 1 Aeq. 4
Raumtheilen entspricht.

So fanden wir oben als rationelle Formel des Benzosurehydrats
C_{14}H_{6}O_{4}; $Dumas$ und $Mitscherlich$ fanden als Dampfdichte
4,260.

Zu dieser Zahl aber gelangt man durch Division der Summe der
specifischen Gewichte der Bestandtheile in einem Atom Benzosurehydrat
durch 4, es sind nmlich:

                        14 Volumina C = 11,6102
                        12    "     H =  0,8292
                         4    "     O =  4,4224
                                        ---------
                                        16,8618/4 = 4,2154.

Nachdem wir so den Werth der Kenntniss der Dampfdichte zur Controlirung
der Elementaranalyse kennen gelernt haben, wollen wir zur Berechnung
derselben aus den nach . 161 gefundenen Resultaten bergehen.

Whlen wir als Beispiel die Bestimmung des specifischen Gewichts des
Camphordampfes von $Dumas$.

Die unmittelbaren Ergebnisse des Versuches waren folgende:

   Temperatur der Luft                                   13,5 C.
   Barometerstand                                        0,742 M.M.
   Temperatur des Bades beim Zuschmelzen                 244 C.
   Gewichtszunahme des Ballons                           0,708 Grm.
   Volumen des in den Ballon eingedrungenen Quecksilbers 295 C.C.
   Zurckgebliebene Luft                                 0

Um nun das specif. Gewicht finden zu knnen, mssen wir drei Fragen
beantworten:

1. Wieviel wiegt die Luft, die der Ballon fasst? (Diese Grsse mssen
wir kennen zur Beantwortung der zweiten Frage.)

2. Wieviel wiegt der Camphordampf, den der Ballon fasst?

3. Welchem Volum entspricht der Camphordampf bei 0 und 0,760 M.M.?

Man sieht, die Beantwortung dieser Fragen ist an und fr sich ganz
einfach, und wenn die Berechnung in Wirklichkeit ein wenig weitlufiger
erscheint, so kommt dies nur daher, dass einige Reductions- und
Correctionsrechnungen erforderlich sind.

1. Der Ballon fasst, wie wir aus dem Volum des eingedrungenen
Quecksilbers ersehen haben, 295 C.C. --

Wieviel betragen nun 295 C.C. Luft von 13,5 und 0,742 M.M.
Barometerstand, bei 0 und 0,76 M.M.?

Diese Frage beantworten wir nach . 166 durch folgende Anstze:

                   760 : 742 = 295 : x
                           x = 288 C. C. (von 13,5 bei 0,76 M. M.)

und ferner

288/1 + (13,5  0,00366) = 288/1,04941 = 274 C. C. (bei 0 und 0,76 M. M.)

Da nun 1 C.C. Luft von 0 und 0,76 M. M. 0,0012932 Grm. wiegt, so wiegen
274, -- 0,0012932  274, d. i. 0,35434 Grm.

                   2. $Wieviel wiegt nun der Dampf?$

Wir haben am Anfang des Versuches tarirt den Glasballon + der darin
befindlichen Luft. Bei der Wgung legten wir auf die Wage den Glasballon
+ dem Dampf (aber nicht wieder die Luft); wollen wir also das wirkliche
Gewicht des Dampfes finden, so drfen wir nicht geradezu die Tara von
dem Gewichte des mit Dampf gefllten Ballons abziehen, denn (Glas +
Dampf) - (Glas + Luft) ist nicht gleich Dampf; sondern wir mssen
entweder das Gewicht der Luft von der Tara abziehen, oder aber zu dem
des mit Dampf gefllten Ballons hinzufgen. -- Thun wir das Letztere.

              Gewicht der Luft im Ballon  = 0,35434 Grm.
              Gewichtszunahme des Ballons = 0,70800  "
                                            ------------
              Gewicht des Dampfes demnach = 1,06234 Grm.

      3. $Welchem Volum bei 0 und 0,760 M.M. entsprechen nun die
                         1,06234 Grm. Dampf?$

Aus den obigen Angaben wissen wir, dass sie 295 C.C. bei 244 und 0,742
M. M. entsprechen. Ehe man die Reduction nach . 166 machen kann, ist es
nothwendig, erst folgende Correctionen anzubringen:

  a) 244 des Quecksilberthermometers entsprechen nach den Versuchen von
     $Magnus$ 239 wirklichen oder Luftthermometergraden (siehe
     Tabelle VI.),

  b) Nach $Dulong$ und $Petit$ dehnt sich das Glas, wenn man von 0
     ausgeht, fr jeden Centesimalgrad um 1/35000 seines Volumens aus.
     Das Volumen des Ballons war demnach im Augenblick des Zuschmelzens

                    295 + 295  239/35000 = 297 C.C.

Machen wir jetzt die Temperatur- und Barometerstandreductionen, so
erhalten wir durch den Ansatz:

                          760 : 742 = 297 : x

x (das sind C.C. Dampf bei 0,760 M. M. und 239) = 290 und durch die
Gleichung

                      290/1 + (239  0,00366) = x

x (das sind C.C. Dampf bei 0,760 M.M. und 0) = 154,6.

Es wiegen also nun 154,6 C.C. Camphordampf von 0 und 0,760 M.M. 1,06234
Grm. -- Folglich wiegt 1 Liter (1000 C.C.) 6,8715 Grm., denn:

                   154,6 : 1,06234 = 1000 : 6,8715.

Nun wiegt aber 1 Liter Luft von 0 und 0,760 M.M. = 1,2932 Grm.,
folglich ist das specif. Gewicht des Camphordampfes = 5,314, denn

                     1,2932 : 6,8715 = 1 : 5,314.




                         $Zweite Abtheilung.$

                          $Specieller Theil.$

                  I. $Analyse natrlicher Gewsser.$

 A. $Untersuchung der gewhnlichen sssen Gewsser (Quell-, Brunnen-,
                   Bach-, Fluss- etc. Wasser)$[91].

                                . 173.


Die Stoffe, deren quantitative Bestimmung bei Untersuchung von sssen
Gewssern $gewhnlich$ vorgenommen zu werden pflegt, sind folgende:

  a. $Basen$: Natron, Kalk, Magnesia.
  b. $Suren$: Schwefelsure, Kieselsure, Kohlensure (gebundene),
               Chlor.
  c. $Suspendirte Stoffe$: Thon etc.

Ich fasse daher hier auch nur deren Bestimmung ins Auge. Soll sich die
Untersuchung auf sonstige Bestandtheile erstrecken, so verfhrt man in
Betreff dieser nach den in . 174-180 angegebenen Methoden.

  [91] Vergleiche den betreffenden Abschnitt in meiner Anleitung zur
       qualitativen Analyse, achte Auflage . 198.

              I. $Das zu untersuchende Wasser ist klar.$

1. $Bestimmung des Chlors.$ Man verwendet 500-1000 Grm. oder C.C.[92].
-- Das Wasser wird mit Salpetersure angesuert und mit salpetersaurem
Silberoxyd gefllt. Man filtrirt erst, nachdem sich der Niederschlag
vllig abgesetzt hat (. 112. I. a.). Sollte die Menge des Chlors so
gering sein, dass durch Silberlsung nur eine schwache Trbung entsteht,
so verdampft man eine grssere Portion des Wassers auf 1/2, 1/4, 1/6
etc., filtrirt, wscht den Niederschlag aus und verfhrt mit dem Filtrat
wie angegeben.

  [92] Da das specifische Gewicht der sssen Gewsser von dem des reinen
       Wassers nur sehr wenig differirt, so knnen alle Portionen des
       Wassers getrost gemessen werden. Es erleichtert die Rechnung,
       wenn man eine runde Anzahl von C.C. nimmt.

2. $Bestimmung der Schwefelsure.$ Man verwendet etwa 1000 Grm. -- Das
Wasser wird mit Salzsure sauer gemacht und mit Chlorbaryum versetzt.
Man filtrirt nach vlligem Absitzen (. 105. I. 1.). Bei sehr geringem
Gehalt an Schwefelsure verdampft man das angesuerte Wasser auf 1/2,
1/4, 1/6 etc., bevor man Chlorbaryum zusetzt.

3. $Bestimmung der Gesammtmenge der Salze, sowie des Natrons, Kalks, der
Magnesia und der Kieselsure.$

a. Man verdampft vorsichtig 1000 Grm. Wasser in einer gewogenen Platin-
oder auch Porzellan-Schale zur Trockne. Es geschieht dies anfangs
direct ber der Lampe, zuletzt im Wasserbad. Den Rckstand erhitzt man
im Luftbad bei etwa 200, bis keine Gewichtsabnahme mehr erfolgt. Man
erfhrt so die $Gesammtmenge der Salze$.

b. Man fgt jetzt zu dem Rckstande etwas Wasser, dann vorsichtig reine
verdnnte Schwefelsure in mssigem Ueberschuss. (Die Schale ist hierbei
zu bedecken, damit durch Spritzen kein Verlust entsteht.) Man stellt
jetzt die Schale aufs Wasserbad. Nach 10 Minuten spritzt man die zum
Bedecken verwendete Glasschale ab, verdampft den Inhalt zur Trockne,
verjagt die freie Schwefelsure, glht den Rckstand heftig (. 77. 1.)
und wgt ihn. Er besteht aus schwefelsaurem Natron, schwefelsaurem Kalk,
schwefelsaurer Magnesia und aus etwas abgeschiedener Kieselsure.

c. Man erhitzt den Inhalt der Schale mit Wasser fast zum Kochen[93],
lsst absitzen und giesst die Lsung durch ein Filter. Dies wiederholt
man mit kleinen Wassermengen noch 4-5 Mal; dann kann man sicher sein,
dass alles schwefelsaure Natron und alle schwefelsaure Magnesia sich in
Lsung befinden.

Man stellt die kleine Schale, in welcher sich der ungelst gebliebene,
kieselsurehaltige Gyps befindet, unter einer Glocke bei Seite, trocknet
das Filter, durch welches man die Flssigkeit abgegossen hat, und
verbrennt es an einem Platindraht ber der Schale, so dass alle Asche in
diese fllt.

  [93] Ist die Menge des Kalks im Wasser gering, so kann man auch den
       Inhalt der Schale mit Salzsure erhitzen, bis sich Alles -- mit
       Ausnahme der Kieselsure -- gelst hat. Man filtrirt alsdann
       diese ab, wscht sie aufs Beste aus, trocknet und wgt sie. Mit
       dem Filtrate verfhrt man nach d.

d. Die Flssigkeit versetzt man zunchst mit Salmiak und fgt etwas
oxalsaures Ammon zu. -- Nach dem Absitzen filtrirt man die kleine
Menge oxalsauren Kalks ab (welche dem in Lsung bergegangenen Gyps
entspricht). Das ausgewaschene und getrocknete Filter verbrennt man
in oder ber der Schale, in welcher sich die Hauptmenge des Kalks als
schwefelsaurer Kalk befindet, behandelt den Inhalt der Schale vorsichtig
mit etwas verdnnter Schwefelsure, verdampft, glht und wgt. Nach dem
Wgen erhitzt man den Inhalt der Schale mit concentrirter Salzsure, um
den Gyps zu lsen. Die unlslich bleibende $Kieselsure$ behandelt man
noch mehrmals mit Salzsure und wscht sie endlich auf einem Filterchen
vollkommen aus. Zieht man ihre Menge von der des zuletzt gewogenen
Schaleninhaltes ab, so erfhrt man die Menge des $Kalkes$ aus dem
Gewichte des so ermittelten schwefelsauren Kalkes.

e. In der von dem oxalsauren Kalke abfiltrirten Lsung bestimmt man
die $Magnesia$ mit phosphorsaurem Natron (. 82. 2.). Zieht man ihre
Menge, berechnet auf schwefelsaure Magnesia, sammt der des Gypses
und der Kieselsure ab von dem in b. ermittelten Gesammtgewicht der
schwefelsauren Salze, so bleibt als Rest: $schwefelsaures Natron$.

4. Aus den in 1.-3. ermittelten Zahlen ergiebt sich, nachdem man sie auf
1000 Thle. Wasser berechnet hat, die Menge der gebundenen $Kohlensure$
auf folgende Art.

Man addirt die Mengen Schwefelsure, welche den gefundenen Basen
entsprechen, und zieht von der Summe erstens die direct gefundene,
zweitens eine dem gefundenen Chlor quivalente Menge (fr 1 Aeq. Cl 1
Aeq. SO_3) ab; der Rest ist quivalent der mit den Basen zu $einfach$
kohlensauren Salzen verbundenen Kohlensure. Somit entsprechen 500 der
so brig bleibenden Schwefelsure 275 Kohlensure.

5. $Controle.$

Addirt man die Menge des Natrons, Kalks, der Magnesia, der
Schwefelsure, der Kieselsure, der Kohlensure und des Chlors und
zieht von der Summe eine dem Chlor quivalente Menge Sauerstoff ab
(da dasselbe mit Metall, nicht mit Oxyd verbunden ist), so erhlt man
eine Zahl, welche nahezu gleich sein muss der in 3. a. gefundenen
Gesammtmenge der Salze. -- $Vollkommene$ Uebereinstimmung kann nicht
erwartet werden, da beim Eindampfen des Wassers Chlormagnesium partiell
zerlegt und basisch wird, da die Kieselsure etwas Kohlensure
austreibt, da kohlensaure Magnesia sich schwer entwssern lsst,
ohne Kohlensure zu verlieren, und da sie im Abdampfungsrckstande
als basisches Salz enthalten ist, whrend in der Berechnung die dem
neutralen Salze entsprechende Menge Kohlensure aufgefhrt ist.

           II. $Das zu untersuchende Wasser ist nicht klar.$

Man fllt dasselbe in eine grosse Flasche von bekanntem Inhalt,
verschliesst dieselbe mit einem Glasstopfen, lsst das Wasser durch
Stehen im Kalten sich klren, nimmt das klare durch einen Heber so weit
als mglich ab, filtrirt den Rckstand und wgt den Inhalt des Filters
nach dem Trocknen oder Glhen. Mit dem klaren Wasser verfhrt man nach
I.

In Betreff der Berechnung der Analyse verweise ich auf . 180 und
bemerke nur, dass man dabei $gewhnlich$ (denn es kann dabei eine
gewisse Willkr stattfinden) folgenden Grundstzen folgt:

$Chlor$ bindet man zunchst an Natrium, bleibt ein Rest, an Magnesium,
dann an Calcium. -- Bliebe dagegen Natron brig, so wird dies an
Schwefelsure gebunden. -- Die $Schwefelsure$, beziehungsweise den Rest
derselben, bindet man an Kalk. Die $Kieselsure$ fhrt man unverbunden
auf, den Rest des $Kalks$ und der $Magnesia$ als kohlensaure Salze und
zwar bald als einfach, bald als zweifach kohlensaure Salze.

Dass zuweilen die Ergebnisse der qualitativen Analyse ein anderes
Zusammenberechnen bedingen knnen, muss stets beachtet werden.

Bei der Darstellung der Resultate bezieht man die Mengen fters statt
auf 1000 Thle. auf 10000 Thle. Wasser, hufig giebt man die Quantitten
der Bestandtheile auch noch nach lterer Art in Granen im Pfund Wasser
an (1 Pfund = 7680 Gran).


                  B. $Analyse der Mineralwasser[94].$

                                . 174.

Wie wir in der qualitativen Analyse bereits gesehen haben, erweitert
sich der Kreis der Stoffe, auf deren Bestimmung bei der Analyse der
Mineralwasser Rcksicht zu nehmen ist, im Vergleich zu den in sssen
Gewssern zu bestimmenden, schon betrchtlich, so zwar, dass es im
Ganzen folgende Stoffe sind, auf welche man seine Aufmerksamkeit zu
richten hat.

  [94] Vergleiche den betreffenden Abschnitt in meiner Anleit. zur
       qualit. Analyse, achte Aufl. . 199.

  a. $Basen$: Kali, Natron, Lithion, Ammon, Kalk, Baryt, Strontian,
     Magnesia, Thonerde, Eisenoxydul, Manganoxydul (Zinkoxyd, Kupferoxyd,
     Bleioxyd, Zinnoxyd, Antimonoxyd).

  b. $Suren$ etc.: Schwefelsure, Phosphorsure, Kieselsure,
     Kohlensure, Borsure, Salpetersure, Chlor, Brom, Jod, Fluor,
     Schwefelwasserstoff, Quellsure und Quellsatzsure (arsenige und
     Arsensure).

  c. $Unverbundene Elemente und indifferente Gase$: Sauerstoff,
     Stickstoff, Kohlenwasserstoff.

  d. $Indifferente organische Stoffe.$

Manche von diesen Bestandtheilen kommen in den meisten Quellen in
vorwaltender Menge vor, namentlich Natron, Kalk, Magnesia, zuweilen
Eisenoxydul, ferner Schwefelsure, Kohlensure, Kieselsure, Chlor und
zuweilen Schwefelwasserstoff. Die brigen finden sich fast immer nur in
hchst geringer Menge. Die in der obigen Uebersicht eingeklammerten
Stoffe sind gewhnlich nur in den schlammigen Ocher- oder festen
Sinter-Abstzen der Quellen nachweisbar[95], welche sich bei den meisten
Mineralquellen da bilden, wo die Luft auf das abfliessende oder in
Reservoirs aufbewahrte Wasser wirkt.

  [95] Dass man, sofern in solchen Bleioxyd, Kupferoxyd etc. gefunden
       wird, mit grsster Sorgfalt prfen muss, ob diese Oxyde auch
       wirklich aus dem Wasser stammen und nicht etwa von metallenen
       Rhren, Hhnen etc. herrhren, habe ich bereits bei der
       qualitativen Analyse erwhnt.

Ich theile den folgenden Abschnitt ein: 1. in die $Ausfhrung der
Analyse$ und 2. in die $Berechnung und Zusammenstellung der Resultate.$


               1. $Ausfhrung der Mineralwasseranalyse.$

Die Ausfhrung der Analyse zerfllt der Natur der Sache nach in zwei
Abtheilungen, nmlich erstens in die Arbeiten, welche an der Quelle
selbst zu unternehmen sind, -- zweitens in die, welche im Laboratorium
ausgefhrt werden.


                     A. $Arbeiten an der Quelle.$

                     I. Apparat und Erfordernisse.

                                . 175.

Im Folgenden finden sich, zur Erleichterung der Sache, die Gegenstnde
aufgezhlt, die man haben muss, wenn man die an der Quelle
vorzunehmenden Arbeiten ausfhren will.

[Illustration: Fig. 92.]

  1. $Ein gewhnlicher Stechheber$, Fig. 92., dessen Inhalt man dadurch
     genau erforscht hat, dass man ihn mit Wasser fllte und dieses
     in ein Messgefss auslaufen liess. -- Er mag 300 bis 400
     Cubikcentimeter enthalten.

  2. $5 Flaschen$, von denen jede den Inhalt des Stechhebers etwa 1-1/2
     mal zu fassen vermag, mit guten Korkstopfen versehen.

  3. $Ein gutes Thermometer$. Am besten ein solches, bei dem die Grade in
     die Glasrhre getzt oder geritzt sind.

  4. Eine Mischung von 2 Vol. Salmiakgeist und 1 Vol. Chlorbaryumlsung.
     Dieselbe wird gewhnlich trb. Es hat dies nichts zu sagen. Sie
     wird an der Quelle filtrirt.

  5. Etwa 8 weisse Flaschen von 1-1/2-2 Liter Inhalt mit gut
     schliessenden Stopfen, am besten fein eingeriebenen Glasstopfen.
     Sollen die Flaschen mit Korkstopfen verschlossen werden, so legt
     man zweckmssig dnne Blttchen vulcanisirten Kautschuks unter
     dieselben.

  6. Grssere mit Glas- oder Korkstopfen gut zu verschliessende Flaschen,
     welche zusammen wenigstens 50 Pfund Wasser fassen. In Ermangelung
     solcher kann man sich auch eines kleinen Vitriollballons bedienen.

  7. Zwei grosse und ein mittelgrosser Trichter.

  8. Schwedisches Filtrirpapier.

  9. Kolben, Becherglser, Lampe, Glasstbe, Glasrhren,
     Kautschukschluche, Feilen, Scheere, Messer, Korkstopfen,
     Bindfaden etc.

  10. Reagentien und zwar vornehmlich folgende: Ammon, Salzsure,
      Essigsure, Gerbe- und Gallussure (oder Gallpfelinfusion),
      Lackmustinctur (frisch bereitete), Reagenspapiere. Zu diesen
      Erfordernissen kommen unter gewissen Umstnden noch folgende
      hinzu:

      a. _Wenn das Wasser Schwefelwasserstoff oder ein alkalisches
         Schwefelmetall enthlt._

  11. Eine Auflsung von Jod in Jodkalium von bekanntem Gehalt. --
      Dieselbe muss sehr verdnnt sein, am besten so, dass 100 C. C.
      etwa 0,100 Gramm Jod enthalten. Eine solche erhlt man, wenn man
      zu 1 Vol. der $Bunsen$'schen Jodlsung (. 114. Anhang) 4 Vol.
      Wasser mischt.

  12. Essigsure.

  13. Strkemehl.

  14. Eine Brette.

      b. _Wenn das Wasser viel Eisenoxydul enthlt, und dieses an der
         Quelle direct (volumetrisch) bestimmt werden soll._

  15. Eine Lsung von bermangansaurem Kali. Dieselbe verdnnt man zur
      Prfung stark eisenhaltiger Wasser so, dass 100 C.C. etwa 0,04
      Eisen aus dem Zustand des Oxyduls in den des Oxyds berfhren.
      Zur Prfung schwacher Eisenwasser muss dieselbe noch verdnnter
      sein. -- Da dieselbe an Ort und Stelle titrirt werden muss, so
      braucht man ferner abgewogene Stckchen Clavierdraht, ferner
      Brette und Pipette.

      c. _Wenn im Wasser die aufgelsten indifferenten Gase (Stickgas,
         Sauerstoff etc.) bestimmt werden sollen._

  16. Einen Glasballon von bekanntem Inhalt. Er halte etwa 700 C.C.

  17. Eine Gasleitungsrhre. Dieselbe wird mittelst eines durchbohrten
      Korkes in den Ballon (16.) luftdicht eingepasst.

  18. Einen graduirten Cylinder von etwa 150 C.C. Inhalt und eine Anzahl
      ausgezogener Rhren (s. 23.).

  19. Eine kleine Wasserwanne.

  20. Kalilauge.

  21. Einen Dreifuss, auf welchen der Ballon gestellt werden kann.

  22. Etwas Wachs.

      d. _Wenn die Gase bestimmt werden sollen, welche sich aus der Quelle
         entwickeln._

[Illustration: Fig. 93.]

  23. Eine Anzahl Rhren, von leicht schmelzbarem Glase, 2-3 Cm. weit,
      der Theil _a b_ 10-12 Cm. lang, von folgender Form (Fig. 93)
      und ein Lthrohr. -- Diese Rhren sind vorgerichtet, um das Gas
      an der Quelle aufzufangen und zu Hause zu untersuchen. Soll
      dasselbe an Ort und Stelle $genau$ untersucht werden, so muss
      man einen vlligen pneumatischen Quecksilberapparat mitfhren,
      -- soll dagegen nur die Menge der durch Kalilauge absorbirbaren
      Kohlensure bestimmt werden gegenber den durch Kali nicht
      absorbirbaren Gasen, so hat man nur eine graduirte Rhre nebst
      einem kleinen Trichter, sowie Kalilauge nthig. Entstrmt aber
      der Quelle Schwefelwasserstoffgas, so ist noch

  24. Ein Kolben mit etwas ausgezogenem Hals, sammt Kautschukschlauch und
      Quetschhahn, und

  25. ammoniakalische Kupferchloridlsung erforderlich
      (siehe . 176. 14.).


                       II. Specielle Ausfhrung.

                                . 176.

1. Man prft das Wasser in Betreff seines usseren Ansehens (Farbe,
Klarheit etc.). Hierbei ist zu beachten, dass ein Wasser oft auf den
ersten Anblick klar erscheint, whrend es bei genauer Besichtigung
in einer grossen weissen Flasche einzelne oder viele, farblose oder
gefrbte Flckchen oder dergl. wahrnehmen lsst. -- Ist Letzteres der
Fall, so lsst man eine Flasche 1 oder 2 Tage stehen, giesst dann
das klare Wasser ab und betrachtet etwaige auf den Boden abgelagerte
Substanzen unter dem Mikroskop. Man wird dabei fters Infusorien,
Pflanzen niedrigster Art etc. entdecken[96].

  [96] Vergl. chem. Untersuchung der wichtigsten Mineralwasser des
       Herzogthums Nassau von Prof. Dr. $Fresenius$, III. Die
       Quellen zu Schlangenbad. Wiesbaden bei C. W. $Kreidel$ 1852,
       und namentlich $Schulz$ in den Jahrbchern des Vereins fr
       Naturkunde im Herzogthume Nassau, Heft VIII.

2. Man beobachtet, ob sich aus der Quelle Gase entwickeln, ob das Wasser
in einem Glase Gasperlen ansetzt und beim Schtteln in halbgefllter
Flasche Gas entbindet.

3. Man prft den Geschmack und Geruch des Wassers. Zur Entdeckung
sehr geringer Mengen von Riechstoffen fllt man ein Trinkglas, besser
noch eine Wasserflasche, halb mit Wasser, verschliesst mit der Hand,
schttelt stark, nimmt die Hand weg und beobachtet dann, ob ein Geruch
wahrnehmbar ist.

4. Man prft die $Reaction$ des Wassers mit den verschiedenen
Reagenspapieren (besser noch mit blauer und ganz schwach gertheter
Lackmustinktur) und beobachtet, ob sich die Farbe, welche das Papier
angenommen hat, beim Trocknen an der Luft ndert.

5. Man prft die $Temperatur$ des Wassers. Lsst sich dieselbe so
bestimmen, dass man das Thermometer in die Quelle senken und seinen
Stand genau beobachten kann, whrend es im Wasser bleibt, so ist diese
Bestimmungsmethode die einfachste und beste; anderenfalls senkt man eine
grosse Flasche mit darin befindlichem Thermometer in die Quelle, lsst
sie, nachdem sie sich gefllt hat, noch lngere Zeit in der Quelle,
zieht sie dann heraus und beobachtet den Stand des in der Flasche
stehenden Thermometers. -- Strmt das Wasser aus einem Rohre aus, so
lsst man es in einen kleinen weithalsigen Kolben fliessen, schttet
es aus, fllt wieder, wiederholt dies nochmals und senkt endlich
das Thermometer ein, dessen Kugel man lngere Zeit der Wirkung des
Wasserstrahles ausgesetzt hatte.

Die Angabe der Quellentemperatur muss durch folgende Notizen
vervollstndigt werden:

  a. Datum,

  b. Temperatur der Luft,

  c. Bemerkung, ob die Temperatur in den verschiedenen Jahreszeiten
     constant ist, was man meist an Ort und Stelle erfahren kann.

6. Man fllt die in . 175. 5. genannten Flaschen mit Wasser. Hierbei
ist die grsste Vorsicht nthig, dass sich dasselbe nicht trbt,
was gar leicht geschehen kann, wenn man am Boden oder den Wnden
des Quellenbassins anstreift. Lsst sich das Wasser nicht ganz klar
einfllen, so muss es in 4 der 8 Flaschen filtrirt werden. Man wendet
grosse Trichter an mit faltigen Filtern von schwedischem Papier, so dass
das Filtriren sehr rasch von Statten geht. -- Die Flaschen werden gut
verschlossen und wohl bezeichnet.

7. Man bringt von der frisch filtrirten, vllig klaren ammoniakalischen
Chlorbaryumlsung (. 175. 4.) in jede der $Flaschen$ (. 175. 2.) etwa
80 C.C.

8. Man senkt den Stechheber langsam in die Quelle bis unter den
Wasserspiegel, verschliesst die obere Oeffnung fest mit dem Daumen,
lsst den Inhalt in eine der 5 Flaschen auslaufen und verschliesst diese
sogleich fest. Auf gleiche Weise fllt man die 4 brigen Flaschen.
-- Die Korkstopfen werden alsdann der Sicherheit halber mit Schnur
berbunden. -- Strmt das Wasser aus einem Rohre, so lsst sich das
eben beschriebene Verfahren nicht anwenden. Ich wge alsdann das Glas
sammt der darin enthaltenen ammoniakalischen Chlorbaryumlsung und dem
Stopfen, lasse dann Wasser einstrmen, bis die Flasche nahezu voll ist,
verstopfe rasch und wge wieder.

9. Enthlt die Quelle Schwefelwasserstoff, so bestimmt man denselben
mit Hlfe der titrirten Jodlsung (. 175. 11.) in einer grsseren
abgemessenen Menge des Wassers nach . 116. I. a. (Man achte darauf,
dass beim Abmessen, was mit dem Stechheber geschehen kann, so wenig
als mglich Gas verloren gehe.) -- Enthlt das Wasser der Quelle
kohlensaures Alkali, so muss man vor dem Zutrpfeln der Jodlsung etwas
Essigsure oder auch Chlorbaryum zufgen (. 116. II. 2. b. [Greek: a].).

Oefters ist es von Interesse, zu wissen, ob beim Kochen des Wassers
Schwefelwasserstoff entweicht. Man erhitzt alsdann eine abgemessene
Portion desselben in einem damit zu 3/4 gefllten Kolben, dessen Mndung
mittelst eines Stopfens geschlossen ist, der eine luftdicht eingesetzte
Schenkelrhre enthlt. Nachdem das Kochen 20 Minuten gedauert, lsst man
bei Luftabschluss erkalten, indem man das ussere Ende der Glasrhre mit
einem Stckchen Kautschukrohr verschliesst, in dem auf der einen Seite
ein Glasstabstckchen steckt. Die erkaltete Flssigkeit suert man mit
Essigsure an und prft sie mit Jodlsung. Aus der Differenz dieser
Bestimmung und der, welche man mit dem frischen Wasser vorgenommen hat,
ergiebt sich die Menge des entwichenen Schwefelwasserstoffs.

10. Enthlt das Wasser kohlensaures Eisenoxydul in etwas grsserer
Menge, zeigt es somit bei Zusatz von Gallus- und Gerbesure eine
ziemlich dunkelviolette Frbung, so versucht man, dasselbe mit Hlfe der
verdnnten Lsung von bermangansaurem Kali (. 175. 15.) volumetrisch
zu bestimmen (vergl. . 89. 2. a.). Man misst zu dem Ende etwa 500 C.C.
Wasser ab. Der Versuch wird in einer weissen Flasche gemacht, die auf
einem Bogen weissen Papieres steht. Das Wasser ist zuvor mit $reiner$
Salzsure zu versetzen.

Man stellt mehrere Versuche an, bis man hinlnglich constante Resultate
erhlt[97]. Riecht das Wasser nach Schwefelwasserstoff oder enthlt es
organische Substanzen in irgend erheblicher Menge, so lsst sich diese
Bestimmungsmethode nicht anwenden[98].

  [97] Dies rasche Verfahren ist namentlich in so fern von hohem
       Werthe, als man mit Hlfe desselben in kurzer Zeit prfen kann,
       um wie viel das Wasser der Quelle an Eisenoxydul abnimmt, bis
       es in die Reservoirs und aus diesen in die Bder gelangt, oder
       um wie viel es beim Aufbewahren in Krgen nach krzerer oder
       lngerer Zeit verliert. -- Die Eisenbestimmungen, welche ich
       so bei einer vorlufigen Untersuchung der Schwalbacher Quellen
       ausfhrte, stimmten fast genau berein mit den Resultaten der
       Gewichtsanalyse.

  [98] Bei blosser Anwesenheit von Schwefelwasserstoff neben Eisenoxydul
       knnte man vielleicht folgende Modification anwenden, die
       ich jedoch noch nicht erprobt habe. Man bestimmt, eine wie
       grosse Menge Jodlsung einer bestimmten Menge bermangansaurer
       Kalilsung in ihrer Wirkung auf eine gleiche Menge ganz
       verdnnten reinen Schwefelwasserstoffwassers entspricht; dann
       prft man 500 C.C. des Mineralwassers mit Jodlsung und 500
       C.C. mit bermangansaurem Kali. Erstere Prfung liefert den
       Schwefelwasserstoff, letztere dann den Eisengehalt, wenn man von
       der verwendeten Chamleonlsung das Quantum abzieht, welches der
       verbrauchten Jodlsung in seiner Wirkung auf Schwefelwasserstoff
       gleichkommt.

11. Sollen die in Wasser aufgelsten indifferenten Gase (Stickstoff,
Sauerstoff, Kohlenwasserstoff) bestimmt werden, welche beim Kochen
des Wassers entweichen, so fllt man den Glasballon (. 175. 16.) mit
Mineralwasser ganz voll, befestigt darin die ebenfalls mit Mineralwasser
ganz gefllte Gasleitungsrhre, die man dann vorn zweckmssig mit einem
Wachskgelchen verschliesst. -- Den Ballon stellt man nunmehr auf den
Dreifuss; die Gasleitungsrhre lsst man in die Wasserwanne tauchen,
welche mit schwacher Kalilsung gefllt ist, und in welche der ebenfalls
mit derselben angefllte graduirte Glascylinder umgestrzt ist. Man
nimmt jetzt das Wachskgelchen weg, bringt die Mndung der Rhre in
die des Cylinders, stellt die Weingeistlampe unter den Ballon, auf
dass das Wasser zum Sieden komme, erhlt es 10 Minuten darin und nimmt
alsdann die Gasleitungsrhre aus der Wanne. Man lsst den Cylinder,
in welchem sich die ausgetriebenen Gase befinden, noch sehr lange in
der Kalilauge umgestrzt, bis sich das Volum des unabsorbirten Gases
nicht mehr vermindert, und liest alsdann unter Bercksichtigung des
Luftdrucks und der Temperatur ab. Man erfhrt so das Gesammtvolum
der indifferenten Gase. Soll deren Natur genau ermittelt werden, so
wiederholt man den Versuch, fngt aber die Gase in Rhrchen von der
in . 175. 23. beschriebenen Gestalt ber Kalilauge auf[99], schmelzt
dieselben mittelst des Lthrohres zu, whrend ihre Mndung noch in der
Kalilauge sich befindet, und bewahrt sie zur weiteren Untersuchung
auf. Beim Zuschmelzen ist zu beobachten, dass das Niveau des Wassers
in dem unteren Theil der Rhre hher stehen muss, als aussen, weil
im entgegengesetzten Falle das Glas beim Zuschmelzen sich unfehlbar
ausblasen wrde.

  [99] Dem Uebelstande, dass die enge Oeffnung der ausgezogenen Rhre
       den Durchgang des Gases erschwert, lsst sich dadurch abhelfen,
       dass man einen starken Clavierdraht unter der Sperrflssigkeit
       einfhrt und langsam darin auf- und abbewegt.

12. Wnscht man die Natur der Gase $genau$ kennen zu lernen, welche
der Quelle entstrmen, so fngt man dieselben in eben solchen Rhren
(. 175. 23.) auf, indem man diese, mit Mineralwasser gefllt, sammt
einem kleinen Trichter in der Quelle umstrzt und die aufsteigenden
Blasen auffngt. Ist das Rhrchen fast voll, so senkt man es unter dem
Wasserspiegel in ein mit dem Wasser geflltes Becherglas und schmelzt
es an der ausgezogenen Stelle mit dem Lthrohre wie in 11. zu. Es ist
nothwendig, mehrere Rhren auf diese Art zu fllen.

13. Da die ausstrmenden Gase meist nur aus Kohlensure, Sauerstoff und
Stickstoff bestehen, so gengt es oft, in dem Gasgemenge die erstere
direct und die Summe der anderen aus dem Verlust zu bestimmen. Man
fngt dann die Gase in einem etwas engen graduirten Cylinder auf,
verschliesst dessen Mndung, nachdem er sich ganz gefllt hat, mit
dem Finger, strzt ihn in ein Glas mit Kalilauge um und bestimmt die
Menge des unabsorbirten Gases. Auch dieser Versuch ist mehrmals zu
wiederholen. Will man in dem Gasrckstand den Sauerstoff annhernd
bestimmen, so fhrt man eine an einen Platindraht angeschmolzene
Phosphorkugel ein und lsst sie darin, bis das Gas keine Volumabnahme
mehr zeigt. Das durch den Phosphor absorbirte Gas ist Sauerstoff.

14. Entstrmt der Quelle Schwefelwasserstoffgas, so nimmt man, um
dieses zu bestimmen, einen grsseren Kolben mit etwas ausgezogenem
Hals zu Hlfe, fllt denselben mit Mineralwasser, schiebt ber den
Hals ein Stck eines weiten Kautschukschlauchs, welches mit einem
starken Quetschhahn versehen ist, steckt in das andere Ende des kleinen
Schlauches einen Trichter, fllt diesen ebenfalls mit Wasser, dreht das
Ganze unter dem Wasserspiegel um und fngt die Gase auf. Sobald der
Kolben gefllt ist, schliesst man den Quetschhahn, stlpt den Kolben
in ein Becherglas um, welches, mit berschssigem Ammon versetztes
Kupferchlorid enthlt, ffnet den Quetschhahn, lsst soviel von der
Lsung eintreten, als man fr gengend erachtet, schliesst dann den
Hahn, schttelt, lsst lngere Zeit stehen und bestimmt endlich in dem
abzufiltrirenden Schwefelkupfer den Schwefel (aus dessen Menge das
Volum des Schwefelwasserstoffs zu berechnen ist) nach . 116. II. 2. a.
Zieht man die so gefundene Menge Schwefelwasserstoff ab von den in 13.
bestimmten, durch Kalilauge absorbirbaren Gasen, so erhlt man das Volum
der Kohlensure.

15. Man fllt die grossen Flaschen (. 175. 6.) mit Wasser. Es ist
gewhnlich nicht nthig, dasselbe zu filtriren.

16. Man nimmt auf Alles Rcksicht, was die Quelle etwa Besonderes bietet
und was berhaupt fr die Untersuchung von Interesse sein kann; so
namentlich darauf, wie viel Wasser die Quelle liefert, -- ob das Niveau
constant ist, -- ob sich in den Ausflussrhren und etwaigen Reservoirs
ein schlammiger Absatz oder ein fester Sinter bildet (von welchem dann
eine ziemliche Menge mitzunehmen ist), -- welcher Formation das Gebirge
angehrt, in dem die Quelle zu Tage kommt, -- wie tief sie entspringt,
-- wie sie gefasst ist, -- welches die vorwaltende Wirkung des Wassers
ist u. s. w.


                    B. $Arbeiten im Laboratorium.$

                        I. Qualitative Analyse.

Dieselbe wird nach der in meiner Anleitung zur qualitativen Analyse,
achte Aufl. . 201 beschriebenen Weise ausgefhrt[100].

  [100] Mineralwasser, die lange in Krgen aufbewahrt worden sind,
        zeigen oft Geruch nach Schwefelwasserstoff, auch wenn sie im
        frischen Zustande ganz frei davon waren. Es rhrt dies daher,
        dass ein Theil der schwefelsauren Salze, in Berhrung mit dem
        feuchten Korke, zu Schwefelmetallen reducirt wird, aus denen
        alsdann die freie Kohlensure Schwefelwasserstoff entwickelt.


                       II. Quantitative Analyse.

                                . 177.

Der Gang, den man bei der quantitativen Analyse der Mineralwasser zu
befolgen hat, ist verschieden je nach der Abwesenheit oder Gegenwart
von kohlensaurem Alkali. Da er bei alkalischen Wassern einfacher ist,
so wollen wir zuerst den Gang bei nicht alkalischen betrachten, weil
darin der fr jene schon fast vllig enthalten ist, und zwar gehen wir
dabei von der Annahme aus, dass alle Stoffe vorhanden sind, welche in
der Regel neben einander in salinischen Wassern vorzukommen pflegen. --
Alsdann soll darauf aufmerksam gemacht werden, inwiefern bei alkalischen
Wassern der Gang sich anders gestaltet, sowie was bei der Analyse von
Schwefelwassern zu bemerken ist.

Da das Eindampfen grsserer Wasserquantitten, wie es zur Bestimmung
der in ganz geringen Mengen vorhandenen Substanzen erforderlich ist,
viel Zeit in Anspruch nimmt, so lsst man es zweckmssig neben der
eigentlichen Analyse hergehen und macht gleich damit den Anfang.

Man verdampft somit nach und nach 10000-20000 Grm. Wasser in einer
Platinschale oder auch (aber dann muss auf die Entdeckung und Bestimmung
der Thonerde verzichtet werden) in einer Schale von chtem Porzellan
unter Zusatz von soviel absolut reinem, namentlich von Phosphorsure,
Thonerde und Mangan freiem, kohlensaurem Natron, dass die Flssigkeit
eine schwach alkalische Reaction zeigt[101]. Das Abdampfen geschieht
am reinlichsten in einem besonderen Raum, in welchen Niemand Zutritt
hat, ber Gas- oder Spirituslampen oder auch im Sandbad; dass dabei
die grsste Reinlichkeit obwalten muss, bedarf keiner Erwhnung. Man
kann daher dieses Geschft nicht gut in fremde Hand geben. Wenn die
Flssigkeit anfngt concentrirt zu werden, so setzt man das Abdampfen
auf dem Wasserbade oder auf dem sehr gelinde warmen Sandbade fort, bis
die Masse vllig trocken geworden.

  [101] Der Zusatz von kohlensaurem Natron bietet Sicherheit, dass
        sich keine Brom- und Jodwasserstoffsure aus Brom- und
        Jodmagnesium verflchtigt. Sollte ein Wasser gar keine
        Schwefelsure enthalten, so setzt man auch ganz wenig
        schwefelsaures Natron zu.

Der eigentlichen Analyse lsst man ferner vorangehen die

                $Bestimmung des specifischen Gewichts.$

[Illustration: Fig. 94.]

Man bringt eine Flasche Mineralwasser und eine Flasche destillirtes
Wasser auf gleiche Temperatur und bestimmt dieselbe. -- Man fllt
alsdann ein mit einem Glasstopfen gut verschliessbares Flschchen von
wenigstens 100 Grm. Inhalt, nachdem man es leer gewogen hat, zuerst mit
dem destillirten Wasser und wgt, dann mit dem Mineralwasser und wgt
wieder. Der Quotient, welchen man erhlt, wenn man mit dem Gewichte des
Wassers in das Gewicht des Mineralwassers dividirt, ist das specifische
Gewicht des letzteren. -- Hat man ein etwas grosses Glschen mit
eingeschliffenem, langem, durchbohrtem Stopfen (Fig. 94), so ist dessen
Anwendung zur Bestimmung des specifischen Gewichtes vorzuziehen. Man
achte sorgfltig, dass sich keine Gasblasen in den mit Wasser gefllten
Glsern befinden.

                   *       *       *       *       *

Die Quantitten, welche zu den im Folgenden zu beschreibenden einzelnen
Bestimmungen verwendet werden, kann man entweder geradezu durch Wgung
bestimmen, oder man kann sie messen, indem man die bei Bestimmung des
specifischen Gewichtes benutzte kleine Flasche oder sonstige beliebige
Messgefsse anwendet. Ich ziehe das Wgen vor.

     1. $Bestimmung des Gesammtquantums der fixen Bestandtheile.$

Man wgt 200-300 Grm. des Mineralwassers in einem kleinen Kolben
ab und verdampft sie vorsichtig, indem man von Zeit zu Zeit wieder
zugiesst, in einer gewogenen Platinschale, bei einer den Siedepunkt
nicht erreichenden Temperatur. Ist das Wasser sehr gasreich, so ist die
Schale, anfangs und nach Zusatz frischer Portionen, mit einem grsseren
Uhrglas zu bedecken. Das Abdampfen kann direct ber der Lampe ausgefhrt
werden. Man vollendet es im Wasserbade, trocknet den Rckstand im Luft-
oder Oelbade bei 180-200, bis sein Gewicht bei wiederholten Wgungen
constant bleibt, und bestimmt dieses[102]. -- Man fllt nun die Schale
wieder halb mit destillirtem Wasser, fgt, whrend man sie mit einer
Glasschale bedeckt hlt, von Zeit zu Zeit einen Tropfen verdnnte
Schwefelsure zu, bis man sicher ist, dass die Menge derselben gengt,
um alle Salze in Sulfate zu verwandeln, verdampft zur Trockne, glht
(. 76. 1.) und wgt. Die so erhaltene Zahl liefert eine sehr gute
Controle der Analyse (siehe unten). Im Rckstand bestimmt man dann
zweckmssig die Kieselsure, indem man ihn erst mit Wasser, dann, zur
Lsung des Gypses, mit concentrirter Salzsure behandelt, bis alles
Lsliche entfernt ist.

  [102] Die Quantitt des Chlormagnesiums erleidet bei dieser Operation
        eine kleine Verminderung, indem sich ein Theil derselben mit
        Wasser in der Weise umsetzt, dass Salzsure entweicht und
        Magnesia zurckbleibt. Dieselbe ist jedoch ziemlich unbedeutend
        und kann meist vernachlssigt werden, da die Gesammtsumme der
        so gefundenen Salze aus Grnden, welche bereits im . 173. I.
        5. angegeben sind, doch nie genau mit der Summe der direct
        gefundenen einzelnen Bestandtheile bereinstimmen kann. -- Will
        man die genannte Fehlerquelle thunlichst vermeiden, so kann
        man, nach $Mohr$'s Vorschlag, das Wasser mit einer gewogenen
        Quantitt geglhten kohlensauren Natrons abdampfen.

                  2. $Bestimmung der Schwefelsure.$

Giebt Chlorbaryum in dem mit Salzsure angesuerten Wasser sogleich
starke Trbung, so versetzt man etwa 600 Grm. Wasser mit Salzsure,
fgt Chlorbaryum zu, lsst 24 Stunden absitzen und bestimmt den
schwefelsauren Baryt nach . 105. Entsteht bei der angefhrten Probe
nur geringe Trbung, so verdampft man 1000-2000 Grm. unter Zusatz von
Salzsure auf 1/2, 1/4 oder noch weiter ein und verfhrt, wie angegeben.

         3. $Bestimmung des Chlors, Jods und Broms zusammen.$

Man suert 50-100 Grm. des Wassers mit Salpetersure an, fllt mit
salpetersaurem Silberoxyd und bestimmt den Niederschlag nach
. 112. I. a.

  4. $Bestimmung der Totalmenge des Kalks, der Magnesia, des Eisens,
      des Mangans (wenn solches in etwas grsserer Menge vorhanden
                ist), der Kieselsure und der Alkalien.$

Man wgt eine von den Flaschen (. 176. 6.), welche an der Quelle mit
ganz klarem, nthigenfalls filtrirtem, Wasser gefllt worden sind, im
Ganzen, giesst dann vorsichtig und ohne einen Tropfen zu verschtten,
etwas in ein Becherglas aus und versetzt sowohl das Wasser in letzterem,
wie auch jenes in der Flasche mit etwas Salzsure, so dass dieselbe
gelinde vorwaltet. Man bedeckt die Flasche mit einem Uhrglas, das
Becherglas mit einer Glasplatte und erwrmt hchst gelinde, bis die
Kohlensure entwichen ist. Den Inhalt beider Gefsse verdampft man
sodann in einer Platin- oder Porzellanschale zur Trockne und scheidet
die Kieselsure nach . 111. II. a. Die salzsaure Lsung versetzt
man mit Salmiak, fgt kohlensurefreies Ammon zu, bis zum Vorwalten,
dann etwas Schwefelammonium, verschliesst und lsst in gelinder Wrme
12 Stunden lang stehen; dann filtrirt man rasch ab und wscht den
Niederschlag mit Wasser aus, dem etwas Schwefelammonium zugesetzt worden
ist.

a. Im $Niederschlage$ muss man Rcksicht nehmen auf Eisen, Mangan,
Thonerde, Phosphorsure. Gewhnlich bestimmt man darin nur das Eisenoxyd
(wohl auch das Manganoxydul) und ermittelt die Spuren der anderen
Substanzen in dem Rckstand der eingedampften grsseren Wassermenge.

Man lst denselben zu dem Behufe durch Erhitzen mit Salzsure, kocht mit
etwas Salpetersure, filtrirt, sttigt fast mit kohlensaurem Natron,
fgt dann kohlensauren Baryt zu (. 128. A. 1.) und filtrirt. Den
Niederschlag lst man in Salzsure, fllt den Baryt durch Schwefelsure
und scheidet Eisen und Thonerde[103] nach . 128. B. 1. b. oder 10.
Nachdem das Eisenoxyd gewogen ist, muss man sich noch berzeugen, ob es
beim Auflsen in Salzsure keine Kieselsure zurcklsst, d. h. nicht
mehr, als der Filterasche entspricht.

  [103] Wenn auch im Wasser wenig oder keine Thonerde vorhanden ist
        kann dieser Niederschlag doch welche enthalten, die aus den
        Gefssen aufgenommen worden ist.

Aus der Flssigkeit, welche von dem durch kohlensauren Baryt erzeugten
Niederschlage abfiltrirt ist, fllt man den Baryt durch Schwefelsure,
dann das Mangan durch Ammon und Schwefelammonium (. 86). Das Filtrat
prft man auf Kalk und spter auf Magnesia. Finden sich Spuren
derselben, so sammelt man sie auf kleinen Filtern und glht diese mit
den die Hauptmengen enthaltenden (siehe b.). -- Anstatt das Mangan mit
Schwefelammonium zu fllen, kann man auch der Flssigkeit ein wenig
Chlorzink zufgen, dann mit kohlensaurem Natron fllen und im geglhten
Niederschlag das Mangan nach . 128. B. 10. d. bestimmen. Fllt man
dann die im Klbchen gebliebene Lsung mit Ammon und Schwefelammonium,
so kann man im Filtrat etwaige Spuren von Kalk und Magnesia immer noch
bestimmen.

Anstatt nach der angegebenen Methode kann man in dem fraglichen
Niederschlage Eisen und Mangan auch geradezu maassanalytisch bestimmen
(. 128. B. 10.).

b. Im $Filtrate$ bestimmt man den Kalk mit oxalsaurem Ammon (von dem man
nur einen kleinen Ueberschuss zusetzt)[104], dann verdampft man, zuletzt
unter Zusatz von etwas Salzsure zur Trockne, verjagt die Ammonsalze
durch gelindes Glhen und trennt die Magnesia von den Alkalien nach
. 121. A. 1. Die die Chloralkalimetalle enthaltende Flssigkeit
verdampft man, zuletzt unter Zusatz einer neuen aber ganz geringen Menge
von Quecksilberoxyd, zur Trockne, glht die bedeckte Schale mssig,
bis man sicher sein kann, dass alles Quecksilberoxyd verjagt ist, und
wgt. Man behandelt jetzt mit Wasser. Bleibt noch eine Spur Magnesia
ungelst, so filtrirt man dieselbe ab, wgt sie, zieht sie von dem
gewogenen Inhalt der Schale ab und addirt sie der Hauptmenge zu. Ehe man
die Quantitt Magnesia als richtig erkennt, prft man, ob sich dieselbe
auch klar (bis auf die Filterasche) in Salzsure lst, und ob in der
$hinlnglich$ sauren Lsung Ammon keinen Niederschlag bewirkt (Thonerde,
aus der Porzellanschale aufgenommen). Im Falle ein unlslicher Rckstand
bliebe, oder durch Ammon in der stark sauren Lsung ein Niederschlag
entstnde, mssten diese Verunreinigungen bestimmt und von der Magnesia
abgezogen werden.

  [104] Nachdem der Niederschlag gewogen, ist er genau zu prfen, ob er
        keine Magnesia enthlt. Man findet solche fter darin, als man
        glaubt.

War die Quantitt der Schwefelsure gering, so ist die Lsung der
Chloralkalimetalle frei davon, da die geringe Menge schwefelsauren
Salzes beim Glhen mit Salmiak zersetzt worden ist. Da man dies aber
nie ganz gewiss wissen kann, und ein wiederholtes Abdampfen mit Salmiak
etwas lstig ist, so kann man recht gut folgendermaassen verfahren.
Man bringt mit einem Glasstab einige Tropfen der Lsung in ein
Proberhrchen, fgt ein paar Tropfen alkoholische Chlorstrontiumlsung
und ein wenig Weingeist zu. Entsteht kein Niederschlag, so ist die
Abwesenheit bewiesen. Man vereinigt in dem Falle die Probe wieder mit
der Hauptflssigkeit und bestimmt das Kali darin nach . 120. 1. a. --
Entsteht aber ein Niederschlag, so fllt man die ganze Lsung vorsichtig
in derselben Art wie die Probe, filtrirt nach lngerem Stehen den nach
. 80 zu bestimmenden schwefelsauren Strontian ab und ermittelt im
Filtrate das Kali (. 120. 1. a.). Der schwefelsaure Strontian muss
deswegen gewogen werden, damit man die Menge des Natrons mit Genauigkeit
berechnen kann. Man findet sie, indem man von dem in der Schale
gewogenen Rckstande erstens die kleine Spur Magnesia (wenn solche noch
vorhanden gewesen ist), zweitens das Chlorkalium, drittens das der
gefundenen Schwefelsure entsprechende Gewicht schwefelsauren Natrons
abzieht. Der Rest ist Chlornatrium. Aus den beiden letzten Salzen
ergiebt sich somit das Natron.

Die in 4. beschriebene Methode ist nicht ganz die, welche man bisher
gewhnlich anwandte; ich bin aber gewiss, dass sie, mit geschickter Hand
ausgefhrt, sehr gute Resultate liefert. Gewhnlich bestimmt man nmlich
in der vom Kalk abfiltrirten Flssigkeit nur die Magnesia, indem man
das Filtrat geradezu mit phosphorsaurem Natron fllt. Zur Bestimmung
der Alkalien nimmt man dann eine neue Portion Wasser in Arbeit,
kocht dieselbe ein, fllt alsdann zunchst, ohne zu filtriren, die
Schwefelsure durch Chlorbaryum, dann die Magnesia durch Barytwasser.
Jetzt filtrirt man, fllt aus dem Filtrat den Barytberschuss sammt
dem Kalk durch kohlensaures Ammon, verdampft, glht, lst wieder in
Wasser, fllt neuerdings und wohl auch noch ein drittes Mal mit Ammon
und kohlensaurem Ammon und erhlt endlich so die Chloralkalimetalle,
in denen aber oft noch eine Spur Magnesia bleibt. Rechnet man diese
verschiedenen Operationen zusammen, so wird sich bei ersterem Verfahren
betrchtliche Zeitersparniss herausstellen.

   5. $Bestimmung des Kalkes, der Magnesia, des Eisens (und Mangans)
        in dem beim Kochen entstehenden Niederschlage, sowie des
             Kalkes und der Magnesia im gekochten Wasser.$

Man kocht 600 bis 800 Grm. des Wassers in einem Glaskolben etwa eine
Stunde lang, indem man von Zeit zu Zeit das verdunstete Wasser durch
destillirtes ersetzt. (Gebraucht man diese Vorsicht nicht, so muss man
frchten, dass mit den kohlensauren Erden Gyps niederfllt.) Alsdann
filtrirt man den Niederschlag ab und wscht ihn aus.

Im Filtrat trennt und bestimmt man Kalk und Magnesia nach . 122.

Den Niederschlag lst man in verdnnter Salzsure, erhitzt mit etwas
Salpetersure und bestimmt in der Lsung Eisen, Kalk und Magnesia wie in
4.

              6. $Bestimmung der Kohlensure im Ganzen.$

Hierzu dienen die an der Quelle vorbereiteten Flaschen . 176. 8.
Die Bestimmung wird mit 2 oder 3 Flaschen genau nach . 110. I. b.
ausgefhrt. -- Aus den erhaltenen Resultaten, welche gut bereinstimmen
mssen, nimmt man das Mittel. Hat man das Wasser, aus dem die
Barytniederschlge herstammen, gemessen, so muss man die Anzahl der
Cubikcentimeter mit dem gefundenen specifischen Gewichte multipliciren,
um die Quantitt der Gramme Wasser zu ermitteln, denen die gefundene
Kohlensure entspricht.

  7. $Bestimmung des Baryts, Strontians, Manganoxyduls, der Thonerde
           und der Phosphorsure, sowie des Jods und Broms.$

Man verwendet zur Bestimmung dieser in kleiner Menge vorhandenen
Bestandtheile den durch Abdampfen der 10000-20000 Grm. Wasser erhaltenen
Rckstand (siehe . 177, Eingang).

Die vllig trockene Salzmasse zerreibt und digerirt man mit Weingeist
von 90 Proc. wiederholt, bis man sicher sein kann, etwa vorhandene Jod-
und Bromalkalimetalle gnzlich in Lsung zu haben.

a. Das $alkoholische Filtrat$ verdampft man vorsichtig zur Trockne und
bestimmt im Rckstand das Jod mittelst Chlorpalladiums, im Filtrat das
Brom nach . 137. Da in dieser Flssigkeit Lithionspuren sein knnten,
so entfernt man die Metalle durch Schwefelwasserstoff und hebt die
Flssigkeit bis zur Lithionprfung auf (siehe unten b. bb. [Greek: b].).

b. Den $Rckstand$ bergiesst man mit Wasser, fgt vorsichtig Salzsure
zu, bis sauer, dann verdampft man zur Trockne. Die trockene Salzmasse
nimmt man mit Wasser unter Zusatz von sehr wenig Salzsure auf und
filtrirt den unlslich bleibenden Rckstand (welcher neben Kieselsure
allen etwa vorhandenen Baryt und Strontian als Sulfate enthalten muss
und nebenbei Gyps zu enthalten pflegt) ab.

aa. Diesen $Rckstand$ kocht man nach dem Trocknen, und nachdem man die
Filterasche mit demselben vereinigt hat, mit kohlensaurem Natron und
Natronlauge, um den Haupttheil der Kieselsure zu lsen. Das Ungelste
schmelzt man mit etwas kohlensaurem Natronkali und kocht mit Wasser
aus, bis im Waschwasser keine Schwefelsure mehr nachweisbar ist. Den
Rckstand (in welchem Baryt und Strontian im Zustand kohlensaurer Salze
enthalten sein mssen) lst man in sehr wenig verdnnter Salzsure und
trennt Baryt, Strontian und Kalk, nach . 122. B. 1.

bb. Die von dem kieselsurehaltigen Rckstand abfiltrirte $Flssigkeit$
oxydirt man mit Salpetersure, neutralisirt sie mit $vollkommen$
reinem (ganz phosphorsurefreiem) kohlensauren Kali oder Natron fast
und fllt dann mit ebenfalls ganz reinem (kalk-, strontian- und
phosphorsurefreiem) kohlensauren Baryt, lsst in verstopftem Kolben 12
Stunden kalt stehen, filtrirt dann und wscht gut aus.

[Greek: a]. Den Niederschlag, welcher alles Eisenoxyd, ferner Thonerde
(sowohl ursprnglich in Wasser vorhandene, als auch -- beim Abdampfen
in Porzellan -- aus diesem aufgenommene) und Phosphorsure neben
berschssigem kohlensauren und schwefelsauren Baryt enthlt (auch
noch Fluorcalciumspuren enthalten kann), erhitzt man mit Salzsure und
fllt den gelsten Baryt mit nur in geringem Ueberschuss zuzusetzender
Schwefelsure aus. Man verdampft jetzt im Wasserbade, um den Ueberschuss
der Salzsure mglichst zu entfernen, lst den Rckstand in Wasser,
bringt ihn in einen kleinen Kolben, fgt Weinsure, dann Ammon zu und
lsst 12 Stunden stehen. Scheidet sich ein geringer Niederschlag aus, so
ist derselbe abzufiltriren und zu untersuchen. Er kann Fluor[105] und
Phosphorsure in Verbindung mit Kalk enthalten. Die klar gebliebene oder
abfiltrirte Lsung versetzt man jetzt mit Schwefelammonium und lsst im
verstopften Kolben stehen, bis die Flssigkeit rein gelb erscheint. Man
filtrirt alsdann von dem Schwefeleisen ab (. 90. 1. b.) und verdampft
das Filtrat in einer Platinschale, indem man, um der Phosphorsure
berschssige fixe Basis darzubieten, etwas reines kohlensaures
Natron und -- um die Weinsure leichter zu zerstren -- etwas reinen
Salpeter zusetzt. Zuletzt erhitzt man zum Glhen, bis der Rckstand
weiss geworden. Man setzt dann Wasser und Salzsure zu, bis sich Alles
gelst hat, und fllt die klare Flssigkeit mit Ammon. Entsteht ein
Niederschlag, so wird derselbe abfiltrirt und gewogen. Das Filtrat
versetzt man mit ein wenig schwefelsaurer Magnesia. Entsteht hierdurch
neuerdings ein (nach . 106. I. b. zu bestimmender) Niederschlag von
$phosphorsaurer$ Ammonmagnesia, so kann der Thonerdeniederschlag als
$phosphorsaure Thonerde$ (PO_{5}, Al_{2}O_{3}) in Rechnung gebracht
werden. Entsteht dagegen keiner, so muss in dem genannten Niederschlage
die Phosphorsure bestimmt werden, was nach . 106. II. f., m. oder o.
geschehen kann. -- Ich bemerke nochmals ausdrcklich, dass die gefundene
Thonerde nur dann als zum Wasser gehrig betrachtet werden kann, wenn
das Abdampfen etc. in Platingefssen vorgenommen wurde.

  [105] Auf keinen Fall kann aus hier etwa gefundenem Fluor ein Schluss
        auf dessen Menge gezogen werden, da sich der grssere Theil
        beim anfnglichen Abdampfen mit Salzsure als Kieselfluor
        verflchtigt hat.

[Greek: b]. Die von dem durch kohlensauren Baryt erzeugten
Niederschlage abfiltrirte Flssigkeit wird in verschlossener Flasche
mit Salmiak, Ammon und Schwefelammonium versetzt. Den Niederschlag von
Schwefelmangan filtrirt man nach 12 Stunden ab, lst ihn in Salzsure,
fllt nochmals mit Ammon und Schwefelammonium und bestimmt endlich
das $Mangan$ nach . 86. 1.; oder man versetzt die salzsaure Lsung
des erstgefllten Schwefelmangans mit etwas Chlorbaryum, fllt mit
kohlensaurem Natron und bestimmt das Mangan volumetrisch nach
. 127. B. 4. b.

In der vom Schwefelmangan abfiltrirten Flssigkeit ist jetzt noch das
Lithion zu bestimmen. Man versetzt sie zunchst mit kohlensaurem Ammon
und Ammon und filtrirt nach dem Absitzen den kohlensauren Kalk und
Baryt ab. Das Filtrat vereinigt man mit der vom Schwefelpalladium etc.
abfiltrirten Flssigkeit (. 177. 7. a.), verdampft zur Trockne und
entfernt das Chlorammonium durch gelindes Glhen, dann scheidet man
die Magnesia durch Quecksilberoxyd ab (. 82. 3. b.). Den geglhten
Rckstand behandelt man mit einer Mischung von absolutem Alkohol und
wasserfreiem Aether. Ist Chlorlithium zugegen, so lst es sich darin.
Diese Lsung lsst man verdunsten und prft die concentrirte wsserige
Lsung des Rckstandes, ob sie mit Ammon und kohlensaurem Ammon ganz
klar bleibt. Wre dies nicht der Fall, so mssten die Spuren von Baryt,
Kalk oder Magnesia durch Wiederholung der angegebenen Operationen
abgeschieden werden. Man verdampft aufs Neue zur Trockne, glht ein
wenig, behandelt den Rckstand nochmals mit absolutem Alkohol und
Aether, filtrirt, sofern etwas ungelst bleibt, lsst die Lsung
verdunsten und wgt den Rckstand. Man lst ihn darauf wieder in sehr
wenig absolutem Alkohol und entzndet diesen. Carminrothe Flamme giebt
Chlorlithium zu erkennen. Dampft man die Lsung mit phosphorsaurem
Natron ein, so muss sich in Wasser schwerlsliches phosphorsaures
Natron-Lithion bilden.

                      8. $Bestimmung des Ammons.$

Zur Bestimmung des Ammons habe ich mich bei der Analyse des Wiesbadener
Kochbrunnenwassers mit gutem Erfolge nachstehender Methode bedient.

Etwa 2000 Grm. Wasser wurden unter Zusatz einer geringen, gemessenen
Menge verdnnter Salzsure mit grsster Sorgfalt in einer tubulirten
Retorte bis auf einen kleinen Rest verdampft. Mittelst eines
Trichterrohres wurde alsdann eine gemessene Quantitt frisch bereiteter
Natronlauge zugegossen, und der Inhalt der mit dem Halse etwas aufwrts
gerichteten Retorte so lange im Sieden erhalten, bis die Flssigkeit
fast vllig verdampft war. Die smmtlichen entweichenden Dmpfe
leitet man am besten durch einen $Liebig$'schen Khlapparat und fngt
das Destillat in einem Kolben auf, der ein wenig mit einer kleinen
gemessenen Menge Salzsure angesuertes Wasser enthlt. Den in dieser
Flssigkeit enthaltenen Salmiak fhrt man alsdann durch Abdampfen
mit einer gemessenen Menge Platinchlorid in Ammoniumplatinchlorid
ber (. 78. 2.). Nachdem dieser Versuch beendigt ist, stellt man
einen Gegenversuch mit denselben Mengen Salzsure, Natronlauge und
Platinchlorid an. Zieht man die kleine Menge Platinsalmiak, welche
derselbe geliefert hat, ab von der erst erhaltenen, so ergiebt sich die
Menge, welche aus dem Wasser stammt.

Statt dieser Methode kann man sich auch der einfacheren bedienen, welche
vor Kurzem $Boussingault$[106] vorgeschlagen und mit bestem Erfolge
angewandt hat. Dieselbe besteht in Folgendem:

Man destillirt in einer Destillirblase eine grssere Menge (etwa 10
Liter) des Wassers, bis ungefhr 2/5 bergegangen sind (bei salinischen
Wassern muss jedenfalls etwas Natronlauge oder Kalkmilch zugegeben
werden, wenn man sicher sein will, das Ammon im Destillate zu erhalten).
Dieses Destillat bringt man nunmehr in einen Glaskolben, der mit einem
$Liebig$'schen Khlapparat verbunden ist, und destillirt 1/5 ab. Das
darin enthaltene Ammon bestimmt man, indem man 5 oder 10 C.C. einer
sehr verdnnten Schwefelsure zufgt und deren Ueberschuss durch
eine Natronlauge abstumpft, von der 5 C.C. 1 C.C. der Schwefelsure
neutralisiren (vergl. . 78. 3). Man destillirt jetzt ein zweites 1/5 ab
und untersucht dasselbe auf gleiche Art. In der Regel enthlt schon die
erste Portion alles Ammon.

  [106] Compt. rend. 36. 814. -- Pharmac. Centralbl. 1853. 369.

         9. $Entdeckung und Bestimmung der Quellsure und der
                           Quellsatzsure.$

Man kocht eine grssere Menge des beim Eindampfen des Wassers
entstehenden Niederschlages mit Kalilauge etwa eine Stunde lang,
filtrirt, suert das Filtrat mit Essigsure an, fgt Ammon zu, filtrirt
den in der Regel entstehenden Niederschlag von Kieselsure und Thonerde
nach 12 Stunden ab, setzt wieder Essigsure zu bis sauer, dann neutrales
essigsaures Kupferoxyd. Entsteht ein brunlicher Niederschlag, so ist
er quellsatzsaures Kupferoxyd (welches nach $Mulder$ vernderliche
Mengen von Ammon enthlt, und dessen Gehalt an Kupferoxyd, bei einer
Bestimmung, nach vorhergegangenem Trocknen bei 140, 42,8 Procent
betrug). Die von dem Niederschlag abfiltrirte Flssigkeit wird mit
kohlensaurem Ammon versetzt, bis die grne Farbe sich in eine blaue
verwandelt hat, dann erwrmt. Entsteht ein blulich grner Niederschlag,
so ist er quellsaures Kupferoxyd, welches, bei 140 getrocknet, nach
einer Bestimmung $Mulder$'s 74,12 Procent Kupferoxyd enthlt[107].

  [107] Nheres ber Quellsure und Quellsatzsure ergiebt die Arbeit
        $Mulder$'s, Journ. f. prakt. Chem. XXXII. S. 321-344.

      10. $Entdeckung und Bestimmung der sogenannten extractiven,
                         organischen Materie.$

Fast alle Mineralwasser geben, wenn man grssere Mengen kocht,
filtrirt und eindampft, einen Rckstand, welcher beim Erhitzen sich
brunt und schwrzt. Findet dies statt, so fhrt man in der Analyse die
Ursache dieses Verhaltens unter obigem Namen an. Will man die Menge
des Extractivstoffs bestimmen, so dampft man einen gewogenen Theil der
filtrirten Mutterlauge mit kohlensaurem Natron zur Trockne ein, kocht
den Rckstand mit Wasser, filtrirt, verdampft die Lsung und trocknet
den Rckstand scharf (bei 140), bis er keine Gewichtsverminderung
mehr zeigt. Alsdann glht man ihn gelinde, bis die eintretende
Schwrzung wieder verschwunden ist. Der Gewichtsunterschied zwischen
dem getrockneten und dem geglhten Rckstande giebt die Menge des
Extractivstoffs an. -- Zuweilen sind ihm Substanzen von harzartiger
Beschaffenheit beigemischt. In dem Fall erschpft man den Rckstand mit
Alkohol, mischt Wasser zu und verdampft den Alkohol, wobei sich der
harzartige Theil des Extractivstoffs als unlslich abscheidet.

11. Was Borsure, Salpetersure und Fluor betriftt, so gengt in der
Regel deren Nachweisung. Ich unterlasse es daher, zu ihrer quantitativen
Bestimmung besondere Methoden anzugeben.

[Illustration: Fig. 95.]

12. Sollen endlich die an der Quelle aufgefangenen und in Rhren
eingeschlossenen Gasarten untersucht werden, so fllt man eine graduirte
Rhre von etwa 20 Ctm. Lnge und 2 Ctm. innerem Durchmesser, deren
unteres Ende etwas umgebogen ist, Fig. 95, mit Quecksilber, nachdem man
sie vorher innen mit einem Wassertropfen befeuchtet hat, taucht die
das Gas enthaltende Glasrhre in der Quecksilberwanne unter, bricht
die Spitze ab und lsst das Gas durch geeignetes Neigen in die Rhre
steigen. Nachdem man das Gasvolumen genau und unter Bercksichtigung
der Temperatur und des Druckes abgelesen hat, schiebt man eine an einem
Platindraht angeschmolzene, mit Wasser befeuchtete Kugel von Kalihydrat
ein[108], welches ausser dem Hydratwasser noch Krystallwasser enthlt,
und trgt Sorge, dass das andere Ende des Drahtes nicht ber die
Oberflche des Quecksilbers herausragt, weil sonst lngs dem Drahte,
welcher vom Quecksilber nicht benetzt wird, eine Diffundirung des
abgesperrten Gases und der usseren Luft unfehlbar eintreten wrde. Wenn
das Gasvolum nicht mehr abnimmt, entfernt man die Kalikugel und liest
ab. Das absorbirte Gas ist Kohlensure und, sofern solches vorhanden
war, Schwefelwasserstoffgas (dessen Menge bereits bestimmt worden ist).

  [108] Solche Kugeln stellt man dar, indem man geschmolzenes
        krystallisirtes Kalihydrat in eine Pistolenkugelform von etwa
        6 Millim. innerem Durchmesser eingiesst, whrend das Ende des
        Platindrahtes bis in die Mitte derselben hineinragt. Nach dem
        Erkalten sitzen sie an dem Drahte fest. Den angeschmolzenen
        Hals kann man mit einem Messer entfernen.

Der Gasrckstand besteht in der Regel nur aus Sauerstoffgas und
Stickgas und kann dann genau so untersucht werden, wie es bei der
atmosphrischen Luft angegeben werden wird. Vermuthet man darin
Sumpfgas, so nimmt man zunchst das Sauerstoffgas weg mit Hlfe einer
eingeschobenen stark befeuchteten Phosphorkugel. Das Gas muss mit
derselben an einem mssig warmen Orte so lange in Berhrung bleiben, als
noch weisse Nebel von phosphoriger Sure rings um die Kugel sichtbar
sind. Zuletzt werden die phosphorigsauren Dmpfe, deren Tension
nicht wohl in Rechnung gebracht werden kann, durch eine befeuchtete
Kalikugel absorbirt, und das Gas im trocknen Zustande gemessen. Die
Zusammensetzung des Gasrckstandes wird nunmehr ermittelt, indem
man denselben ganz oder theilweise in ein Eudiometer bringt, etwa
vorhandenes Sumpfgas durch Sauerstoff verbrennt und die erzeugte
Kohlensure wieder absorbiren lsst. In Betreff der Ausfhrung dieser
Operation vergleiche im Handwrterbuch der Chemie von $Liebig$,
$Poggendorff$ und $Whler$ den Artikel Eudiometer von $Kolbe$, in dem
die $Bunsen$'schen Methoden zur Gasanalyse genau beschrieben sind.
Diesem Artikel sind auch die obigen Angaben entnommen.


       $Modificationen des angegebenen Ganges, welche durch die
     Anwesenheit eines fixen kohlensauren Alkalis bedingt werden.$

                                . 178.

1. In einem Mineralwasser, welches kohlensaures Alkali enthlt, kann
kein an und fr sich lsliches Kalk- und Magnesiasalz enthalten sein,
sondern allen Kalk und alle Magnesia, welche man findet, hat man
als durch Vermittlung von Kohlensure gelste kohlensaure Salze zu
betrachten, wenngleich beim Kochen des Wassers nicht alle Magnesia
aus dem Wasser niedergeschlagen wird, indem sich stets ein wenig des
Doppelsalzes von kohlensaurem Natron mit kohlensaurer Magnesia bildet.
Es fllt daher die besondere Bestimmung von Kalk und Magnesia in dem
beim Kochen entstehenden Niederschlage und im gekochten Wasser weg. --
Im Uebrigen kann man die Bestimmungen nach . 177 ausfhren.

2. Zieht man es vor, die Alkalien in einer besonderen Wassermenge zu
bestimmen, so geschieht dies zweckmssig auf folgende Art. Man kocht
das Wasser vorsichtig in einer Platin-, Silber- oder Porzellanschale
auf die Hlfte ein, filtrirt, wscht den Niederschlag aufs Beste mit
siedendem Wasser aus, suert das Filtrat mit Salzsure schwach an, engt
stark ein, setzt ein wenig fein zertheiltes Quecksilberoxyd zu, bringt
zur Trockne, glht gelinde (zur Abscheidung des kleinen Restes von
Magnesia, welcher im gekochten Wasser als kohlensaures Bittererdenatron
enthalten war). Den Rckstand behandelt man mit Wasser, filtrirt von
der kleinen Menge ausgeschiedener Magnesia und Kieselsure ab, wscht
aus, setzt dem Filtrat einen oder zwei Tropfen kohlensaures Ammon
zu und erwartet, ob hierdurch noch eine Spur Kalk gefllt wird. Das
nthigenfalls davon getrennte Filtrat bringt man in einer Platinschale
zur Trockne, glht vorsichtig und wgt. Der Rckstand enthlt Natron
und Kali und zwar einestheils in Verbindung mit der bekannten Menge
Schwefelsure, anderntheils im Zustand von Chlormetallen. Man versetzt
nun zunchst mit einer alkoholischen Chlorstrontiumlsung und verfhrt
berhaupt zur Bestimmung des Kalis nach . 120. 1. a. -- Zieht man von
dem gefundenen Gesammtgewicht der alkalischen Salze die sich aus der
Schwefelsure ergebenden schwefelsauren Alkalien und die sich aus dem
ebenfalls bekannten Chlor ergebenden Chloralkalimetalle ab, so bleibt
das Chlornatrium brig, welches aus kohlensaurem Natron entstanden und
diesem quivalent ist.

3. Ist das Wasser so verdnnt, dass man dasselbe, um Chlor und
Schwefelsure bestimmen zu knnen, stark eindampfen muss, so kann ich
auch das folgende Verfahren sehr empfehlen.

    1. $Bestimmung des Chlors, des Eisenoxyduls, Manganoxyduls, des
                       Kalks und der Magnesia.$

Man verdampft das Wasser mehrerer gewogener Flaschen (etwa 2000 Grm.)
in einer Porzellanschale auf ein Fnftel. Die Flaschen splt man aus
und dampft das Waschwasser mit ein. Ob beim Aussplen ein etwaiger
Eisenoxydniederschlag ganz aus den Flaschen geht oder nicht, ist
gleichgltig. Das eingeengte Wasser filtrirt man durch ein mit etwas
Salpetersure und Wasser vollkommen ausgewaschenes Filter und wscht den
Niederschlag mit siedendem Wasser aufs Beste aus.

a. Das $Filtrat$ suert man mit Salpetersure an, fllt mit
salpetersaurem Silberoxyd und bestimmt das niederfallende Chlorsilber
wie blich. Die von demselben abfiltrirte Flssigkeit befreit man durch
Salzsure vom Silberberschuss, dampft das Filtrat ein und fllt daraus
etwaige Spuren von Kalk und die nie fehlende kleine Menge von Magnesia
durch oxalsaures Ammon und phosphorsaures Natron. (Die Niederschlge
werden zusammen mit den Hauptmengen geglht und gewogen.)

b. Den $Niederschlag$ sammt dem in den Flaschen gebliebenen Rckstand
lst man in Salzsure und verfhrt mit der Lsung nach einer der in
. 129 angegebenen Methoden.

       2. $Bestimmung der Kieselsure, der Schwefelsure und der
                              Alkalien.$

Man verdampft den Inhalt einiger gewogener Flaschen in einer
Porzellanschale, behandelt die Flaschen mit Salzsure, um etwa
abgesetztes Eisenoxyd etc. zu lsen und bringt diese Lsung zu der
anderen. Die hierdurch sauer gewordene Flssigkeit bringt man, zuletzt
in einer Platinschale im Wasserbade zur Trockne, befeuchtet mit
Salzsure, verdampft nochmals zur Trockne, befeuchtet wiederum mit
Salzsure, setzt Wasser zu, erwrmt und filtrirt die $Kieselsure$ ab.

Das Filtrat fllt man, unter Vermeidung eines irgend erheblichen
Ueberschusses, mit etwas Chlorbaryum und filtrirt den $schwefelsauren$
Baryt ab.

Die davon getrennte Flssigkeit verdampft man fast zur Trockne, nimmt
den Rckstand mit Wasser auf und setzt so lange vorsichtig $reine$
Kalkmilch zu, bis die Flssigkeit stark alkalisch reagirt. Man erhitzt,
filtrirt, fllt mit Ammon und kohlensaurem Ammon, filtrirt, verdampft
in einer Platinschale zur Trockne, glht gelinde, bis alle Ammonsalze
verjagt sind, nimmt mit wenig Wasser auf, fllt nochmals mit Ammon
und kohlensaurem Ammon, filtrirt, verdampft, wgt die nun reinen
Chloralkalimetalle und trennt Kali und Natron nach . 120.

                   *       *       *       *       *

Die Quantitt des kohlensauren Alkalis ergiebt sich -- wenn sorgfltig
gearbeitet worden ist -- am genauesten indirect bei der Berechnung. Von
den dazu in Vorschlag gekommenen directen Bestimmungsmethoden will ich
noch folgende mittheilen:

Man kocht 300 bis 400 Grm. des Wassers lngere Zeit, filtrirt und wscht
den Niederschlag mit heissem Wasser aus. Filtrat und Waschwasser mischt
man genau, theilt das Ganze in zwei gleiche Theile und bestimmt im einen
das Chlor nach Zusatz von Salpetersure auf die gewhnliche Art. -- Die
andere Hlfte versetzt man mit reiner Salzsure bis zur deutlich sauren
Reaction, dampft ab, glht den trocknen Rckstand gelinde, nimmt ihn
mit Wasser auf, filtrirt und bestimmt auch in dieser Lsung den Gehalt
an Chlor. Es leuchtet ein, dass man bei dieser zweiten Bestimmung mehr
bekommen muss, als bei der ersten, und zwar entspricht je 1 Aeq. mehr
erhaltenes Chlor einem Aeq. an Alkali gebunden gewesener Kohlensure.
Diese Bestimmung liefert jedoch etwas zuviel, weil in dem Filtrate sich
stets etwas kohlensaures Magnesia-Natron befindet. Will man diesen
Fehler corrigiren, so muss man die kleine Quantitt Magnesia bestimmen,
welche als Chlormagnesium mit in der durch Silbersolution gefllten
Lsung war, und eine ihr quivalente Menge Chlor von dem als Differenz
Gefundenen abziehen. -- Man darf das kohlensaure Natron nicht dadurch
in Chlornatrium berfhren, dass man die Lsung mit Chlorammonium
abdampft; denn durch den Salmiakberschuss wrde das vorhandene
schwefelsaure Alkali zerlegt, und somit mehr Chlor gefunden werden, als
dem kohlensauren Alkali entspricht.


             $Bemerkungen zur Analyse der Schwefelwasser.$

                                . 179.

In einem nach Schwefelwasserstoff riechenden Wasser kann, wenn es nicht
alkalisch reagirt, nur freier Schwefelwasserstoff vorhanden sein.
Reagirt es aber alkalisch, so kann es neben diesem ein alkalisches
Schwefelmetall oder ein Schwefelwasserstoff-Schwefelmetall enthalten.
-- Die Bestimmung des an Metall oder Wasserstoff gebundenen Schwefels
im Ganzen ist nun bereits an der Quelle ausgefhrt worden (. 176. 9.),
auch wurde dort erwhnt, wie man die Quantitt des Schwefelwasserstoffs
ermittelt, der beim Kochen entweicht. Ich verfehle nun nicht, hier
darauf aufmerksam zu machen, dass man aus diesen beiden Daten bei
Wassern, welche freie Kohlensure oder Bicarbonate enthalten, keineswegs
mit Genauigkeit angeben kann, wieviel Schwefelwasserstoff frei,
wieviel gebunden sei, indem bekanntlich freie Kohlensure, ja selbst
zweifach kohlensaure Alkalien, Schwefelkalium oder Schwefelnatrium
beim Kochen leicht zerlegen und Schwefelwasserstoff aus denselben
entbinden. Wenn man, wie dies hufig geschieht, den Satz aufstellt, die
Mineralwasser, welche kohlensaure Alkalien enthalten, enthalten kein
freies Schwefelwasserstoffgas, sondern ein auflsliches Schwefelmetall,
so ist auch dies jedenfalls zu weit gegangen, indem solche Wasser denn
doch oft sehr stark nach Schwefelwasserstoff riechen und beim Schtteln
in halbgefllter Flasche eine Menge dieses Gases entbinden (vergl. meine
Untersuchung der Mineralquellen zu Krankenheil bei Tlz, Journ. f.
prakt. Chem. 58. 156).


       2. $Berechnung der Mineralwasseranalyse, Controlirung und
                   Zusammenstellung der Resultate.$

                                . 180.

Die nach 1. gefundenen Resultate sind, wie man leicht ersieht,
unmittelbare Ergebnisse directer Versuche. Sie sind in keiner
Art abhngig von theoretischen Ansichten, welche man ber die
Verbindungsweise der Bestandtheile unter einander haben kann. -- Da
solche mit der Entwicklung der Chemie sich umgestalten knnen, so ist es
absolut nothwendig, dass in dem Bericht ber eine Mineralwasseranalyse
vor Allem die directen Resultate sammt den Methoden, nach denen sie
erhalten wurden, mitgetheilt werden. Alsdann hat die Analyse fr alle
Zeiten Werth.

Was die Principien betrifft, nach denen man in der Regel die Suren und
Basen zu Salzen zusammenstellt, so geht man von der Ansicht aus, dass
die Basen und Suren nach ihren relativen Verwandtschaften verbunden
sind, d. h. man denkt sich die strkste Basis mit der strksten Sure
verbunden u. s. w., nimmt jedoch hierbei gleichzeitig Rcksicht auf die
grssere oder geringere Lslichkeit der Salze, welche, wie bekannt, auf
die Verwandtschaftsusserungen von Einfluss ist. So denkt man sich, wenn
im gekochten Wasser Kalk, Kali und Schwefelsure enthalten ist, zuerst
die Schwefelsure an Kalk gebunden etc. -- Es lsst sich jedoch nicht
lugnen, dass hierbei einige Willkr im Spiele ist, und dass somit,
je nach der Art der Berechnung, aus denselben directen Resultaten,
verschiedene Berechnungsresultate erhalten werden knnen. --

Es lge aber offenbar im Interesse der Sache, ber die Art der
Zusammenstellung sich zu verstndigen, weil sonst die Vergleichung
zweier Mineralwasser mit den grssten Schwierigkeiten verbunden ist.
Ehe dieses geschehen, kann eine Vergleichung nur mit den unmittelbaren
Ergebnissen vorgenommen werden. --

Darber, glaube ich, knnte man sich vor Allem vereinigen, dass man die
Salze alle im wasserfreien Zustande auffhrt.

Um die Grundstze, welche mir bei der Zusammenstellung die richtigsten
scheinen, und ferner die Art, nach welcher man die erhaltenen Resultate
zu controliren vermag, mglichst klar zu machen, whle ich das folgende
Beispiel.

               $Bonifaciusbrunnen zu Salzschlirf$[109].

      a. _Directe Ergebnisse der Analyse in Procenten._

$Specifisches Gewicht$ = 1,011164.

  1. $Gesammtquantum der fixen Bestandtheile$: 1,3778 Proc.

  2. $Chlor, Jod und Brom zusammen$: 2,8071 Proc. Silberniederschlag.

  3. $Totalmenge des Kalkes, der Magnesia, des Eisens und der
     Kieselsure$:

       a. Kalk 0,10442 Proc.

       b. Kieselerde 0,00114 Proc.

     (Magnesia und Eisen wurden nicht im Ganzen bestimmt.)

  4. $Kalk, Magnesia und Eisen in dem beim Kochen entstandenen
     Niederschlage.$

     a. Kalk 0,03642 Proc.

     b. Magnesia 0,00041 Proc.

     c. Eisenoxyd 0,00066 Proc.

     $Kalk und Magnesia in dem gekochten und filtrirten Wasser.$

     a. Kalk 0,064724 Proc.

     b. Magnesium 0,028855 Proc.

  5. $Alkalien$:

     a. Kali 0,00865 Proc.

     b. Natron 0,54783 Proc.

  6. $Schwefelsure$: 0,10853 Proc.

  7. $Kohlensure im Ganzen$: 0,194301 Proc.

  8. $Brom und Jod$:

     a. Brom 0,000402 Proc.

     b. Jod 0,000447 Proc.

Die brigen Bestandtheile, als Lithium, Phosphorsure, Manganoxydul,
Quellsure, Quellsatzsure und extractive Materie, wurden nicht dem
Gewichte nach bestimmt.

  [109] Vgl. $Fresenius$ und $Will$, Chemische Untersuchung der
        Mineralquelle zu Salzschlirf im Fuldaischen (Annal. der Chem.
        u. Pharm. LII. 66.) -- Um ein Vergleichen des hier Gegebenen
        mit der Originalabhandlung nicht zu erschweren, und da die
        Differenzen so gering sind, habe ich die Resultate in diesem
        Beispiel gelassen, wie sie gedruckt stehen, d. h. ich habe sie
        nicht nach den berichtigten Atomgewichten umgerechnet.

      b. _Berechnung._

  [Greek: a]. Von den beim Kochen niederfallenden Salzen hat man
              anzunehmen, dass sie als Carbonate vorhanden und durch
              freie Kohlensure gelst waren.

              1. 0,00066 Eisenoxyd entsprechen 0,00096 $kohlensaurem
                 Eisenoxydul$, welche enthalten 0,00038 Kohlensure.

              2. 0,03642 Kalk entsprechen 0,06533 $kohlensaurem Kalk$,
                 welche enthalten 0,02891 Kohlensure.

              3. 0,00041 Magnesia entsprechen 0,00085 $kohlensaurer
                 Magnesia$ (MgO, CO_{2}), welche enthalten 0,00044
                 Kohlensure. --

  [Greek: b]. Da wir nun die Quantitt der Kohlensure im Ganzen, und
              ferner die der gebundenen Kohlensure kennen, so ergiebt
              sich die Quantitt der freien und mit Carbonaten zu
              Bicarbonaten verbundenen aus der Differenz, nmlich:

              Gesammtmenge der Kohlensure     0,194301.
              Gebundene Kohlensure
                an Kalk          0,02891
                an Magnesia      0,00044
                an Eisenoxydul   0,00038
                                 -------
                                   zusammen    0,029730
                                               --------
              bleibt $freie und halb gebundene
                                 Kohlensure$  0,164571

  [Greek: c]. Die Schwefelsure verbinden wir zuerst mit Kalk, den Rest
              mit Kali, und, sofern nochmals ein Rest bleibt, diesen mit
              Natron.

              1. Im gekochten Wasser sind enthalten 0,064724 Kalk. Diese
                 binden 0,09261 Schwefelsure zu 0,15733 $schwefelsaurem
                 Kalk$.

              2. 0,00865 Kali binden 0,00737 Schwefelsure zu 0,01602
                 $schwefelsaurem Kali$.

              3. Totalquantum der Schwefelsure 0,10853.
                 Davon sind gebunden

                            an Kalk    0,09261
                            an Kali    0,00737
                                       -------
                                       zusammen 0,09998
                                                --------
                                           Rest 0,00855,

                 welche binden Natron 0,00666 zu 0,01521 $schwefelsaurem
                 Natron$.


  [Greek: d]. Alles brige Natron ist als Chlornatrium zugegen.

              Gesammtquantitt des Natrons    0,54583
              Davon sind gebunden an SO_{3}   0,00666
                                              --------
                                       Rest   0,53917.

              Diese entsprechen 0,40123 Natrium, welche binden 0,61040
              Chlor zu 1,01163 $Chlornatrium$.

  [Greek: e]. Alles Jod und Brom ist als an Magnesium gebunden anzunehmen,
              und der Rest des Magnesiums als Chlormagnesium.

              1. 0,000447 Jod binden 0,000044 Magnesium zu 0,000491
                 $Jodmagnesium$.

              2. 0,000402 Brom binden 0,000065 Magnesium zu 0,000467
                 $Brommagnesium$.

              3. Totalmenge des im gekochten Wasser enthaltenen
                 Magnesiums          0,028855.

              Davon sind gebunden

              an Jod        0,000044
              an Brom       0,000065
                            --------
                            zusammen 0,000109
                                     ---------
                                Rest 0,028746,

              welche verbunden sind mit 0,080220 Chlor zu 0,108966
              $Chlormagnesium$.

      c. _Controlen._

    I. Die Summe des Kalkes im gekochten Wasser und in dem beim Kochen
       entstandenen Niederschlage muss gleich, oder doch nahezu gleich
       sein der Totalquantitt des Kalkes.

         Totalquantitt                    0,10442.
         An Kohlensure gebunden   0,03642
         An Schwefelsure gebunden 0,06472
                                           --------
                                  in Summa 0,10114.

   II. Die Quantitt Chlor, welche direct gefunden wurde, muss
       bereinstimmen mit der Summe des Chlors, welches im Chlornatrium
       und Chlormagnesium enthalten ist.

         Die Quantitt des Chlor-Brom-Jodsilbers betrgt       2,807100.
         Davon geht ab die 0,000491 Jodmagnesium
         entsprechende Menge Jodsilber, nmlich       0,000828
         Ferner die 0,000467 Brommagnesium
         entsprechende Menge Bromsilber, nmlich      0,000958
                                                      --------
                                                      zusammen 0,001786
                                                               ---------
                                                          Rest 2,805314
         entsprechend Chlor                                     0,69202

         Nach [Greek: d]. ist an Natrium gebunden               0,61040
         Nach [Greek: e]. ist an Magnesium gebunden             0,08022
                                                                -------
                                                          Summa 0,69062

  III. Die Totalmenge der fixen Bestandtheile muss bereinstimmen mit der
       Summe der einzelnen Bestandtheile. (Hierbei ist das Eisen als
       Eisenoxyd aufzufhren, da es als solches im Rckstande enthalten
       ist.)
         Totalquantitt der fixen Bestandtheile = 1,37780
         Die Einzelbestimmungen ergaben:
           Kohlensauren Kalk        0,06533
           Kohlensaure Magnesia     0,00085
           Schwefelsauren Kalk      0,15733
           Schwefelsaures Kali      0,01602
                  "       Natron    0,01521
           Chlornatrium             1,01163
           Chlormagnesium           0,10896
           Jodmagnesium             0,00049
           Brommagnesium            0,00047
           Eisenoxyd                0,00066
           Kieselerde               0,00114
                                    -------
                                    zusammen 1,37809[110].

  [110] Diese Controle giebt nur dann ganz gut bereinstimmende Resultate,
        wenn kohlensaure Magnesia, Chlormagnesium und Kieselsure nur
        in geringer Menge vorhanden sind. Die Grnde sind bereits
        . 173. I. 5. angegeben. Es ist daher in solchen Fllen zweckmssig,
        statt dieser oder neben dieser Controle eine Vergleichung der
        schwefelsauren Salze (Eisen ist als reines Oxyd aufzufhren) mit
        dem Rckstande vorzunehmen, den man durch Eindampfen des Wassers
        mit Schwefelsure und Glhen erhalten hat (. 177. 1.).

      d. _Zusammenstellung._

Die Zusammenstellung macht man am besten in zweifacher Art, indem
man einmal angiebt, wie viel in 100 (oder auch in 1000 oder 10000,
dies kommt auf Eins heraus) Theilen Wasser, Theile der Bestandtheile
enthalten sind, und ferner wie viel ein Pfund Wasser Bestandtheile, in
Granen ausgedrckt, enthlt (1 Pfund = 7680 Gran).

Die Rubriken, unter welche man die einzelnen Bestandtheile zweckmssig
bringt, sind folgende:

                        A. $Fixe Bestandtheile.$

a. in wgbarer Menge vorhandene;

b. in unwgbarer Menge vorhandene.

                     B. $Flchtige Bestandtheile.$

Bei der Auffhrung der kohlensauren Salze kann man mit Recht zweifelhaft
sein, ob man sie als neutrale Verbindungen berechnen und die mehr
vorhandene Kohlensure theils als halbgebundene (mit Carbonaten zu
Bicarbonaten vereinigte), theils als freie auffhren, oder ob man
sie geradezu als Bicarbonate berechnen soll, in welchem Falle der
Ueberschuss an Kohlensure als freie zu bezeichnen ist. Man whlt bald
den einen, bald den anderen Weg der Darstellung, am hufigsten aber den
ersteren.

Die Kohlensure (berhaupt die Gasarten) pflegt man ausserdem auch auf
Volumina (bei der ersten Zusammenstellung Cubikcentimeter, bei der
zweiten Cubikzolle [1 Pfund Wasser = 32 Cubikzoll]) zu berechnen, und
zwar legt man dabei die Temperatur der Quelle zu Grund.

Als hnlich ausgefhrte Beispiele der Berechnung und Controlirung der
Resultate fhre ich an:

  1. Analyse des Kochbrunnens zu Wiesbaden[A] (salinisches Wasser).

  2. Analyse der warmen Quelle zu Asmannshausen, von $Fresenius$ und
     $Will$, Ann. der Chem. und Pharm. 47. 198 (alkalisches Wasser).

  3. Analyse der Emser Mineralquellen[111] (alkalische Wasser).

  4. Analyse der Mineralquellen zu Krankenheil bei Tlz (alkalisches
     Schwefelwasser), von mir (Journ. fr prakt. Chem. 58. 156).

  [111] Chemische Untersuchungen der wichtigsten Mineralwasser des
        Herzogthums Nassau, von Professor Dr. R. $Fresenius$, Wiesbaden
        bei C. W. Kreidel 1850-1852.

In den unter 1. und 3. angefhrten Abhandlungen finden sich auch die
Methoden genau beschrieben, nach welchen die schlammigen Ocher- und
festen Sinterabstze dieser Quellen untersucht worden sind.


                                  II.

      $Analyse solcher technischen Producte und Mineralien, welche
      besonders hufig Gegenstand chemischer Untersuchung werden,
          einschliesslich ihrer blossen Prfung auf Gehalt und
                             Handelswerth.$

      1. $Bestimmung des Gehaltes an freier Sure (Acidimetrie).$

             A. $Ermittlung aus dem specifischen Gewichte.$

                                . 181.

Da man durch Versuche und auf sie gegrndete Tabellen die Beziehungen
zwischen dem Gehalt und dem specifischen Gewichte der Suren,
beziehungsweise ihrer wsserigen Lsungen, kennt, so gengt die
Bestimmung des specifischen Gewichts derselben hufig zur Ermittlung
ihres Gehaltes. Man hat hierbei nur zu beachten, dass die zu
prfenden Suren frei, oder wenigstens fast ganz frei sein mssen von
anderweitigen gelsten Substanzen. Da nun die meisten Suren flchtig
sind (Schwefelsure, Salzsure, Salpetersure, Essigsure), so stellt
man sich gegen Irrthmer in der Art sicher, dass man prft, ob eine
Probe, in einer kleinen Platin- oder Porzellanschale verdampft, einen
fixen Rckstand lsst, oder nicht.

Die Prfung des specifischen Gewichtes fhrt man entweder durch
Abwgen gleicher Volumina Wasser und Sure (. 177) oder mittelst
guter Arometer aus. Man achte darauf, dass die Bestimmungen bei den
Temperaturen ausgefhrt werden, auf welche sich die Tabellen beziehen.

Nachstehende Tabellen belehren ber die Beziehungen zwischen
specifischem Gewicht und Gehalt bei Schwefelsure, Salzsure und
Salpetersure.

                              I. $Tabelle$

  ber das specif. Gewicht der Schwefelsure bei verschiedenem Gehalte
       an Surehydrat, von $Bineau$, berechnet von $Otto$ fr die
                         Temperatur von 15 C.

   ===================================================================
    Sure-  | Specif. | Wasserfreie | Sure-  | specif. | Wasserfreie
    hydrat. |  Gew.   |   Sure.    | hydrat. |  Gew.   |   Sure.
   ---------+---------+-------------+---------+---------+-------------
     100    | 1,8426  |    81,63    |   50    | 1,398   |    40,81
      99    | 1,842   |    80,81    |   49    | 1,3886  |    40,00
      98    | 1,8406  |    80,00    |   48    | 1,379   |    39,18
      97    | 1,840   |    79,18    |   47    | 1,370   |    38,36
      96    | 1,8384  |    78,36    |   46    | 1,361   |    37,55
      95    | 1,8376  |    77,55    |   45    | 1,351   |    36,73
      94    | 1,8356  |    76,73    |   44    | 1,342   |    35,82
      93    | 1,834   |    75,91    |   43    | 1,333   |    35,10
      92    | 1,831   |    75,10    |   42    | 1,324   |    34,28
      91    | 1,827   |    74,28    |   41    | 1,315   |    33,47
      90    | 1,822   |    73,47    |   40    | 1,306   |    32,65
      89    | 1,816   |    72,65    |   39    | 1,2976  |    31,83
      88    | 1,809   |    71,83    |   38    | 1,289   |    31,02
      87    | 1,802   |    71,02    |   37    | 1,281   |    30,20
      86    | 1,794   |    70,10    |   36    | 1,272   |    29,38
      85    | 1,786   |    69,38    |   35    | 1,264   |    28,57
      84    | 1,777   |    68,57    |   34    | 1,256   |    27,75
      83    | 1,767   |    67,75    |   33    | 1,2476  |    26,94
      82    | 1,756   |    66,94    |   32    | 1,239   |    26,12
      81    | 1,745   |    66,12    |   31    | 1,231   |    25,30
      80    | 1,734   |    65,30    |   30    | 1,223   |    24,49
      79    | 1,722   |    64,48    |   29    | 1,215   |    23,67
      78    | 1,710   |    63,67    |   28    | 1,2066  |    22,85
      77    | 1,698   |    62,85    |   27    | 1,198   |    22,03
      76    | 1,686   |    62,04    |   26    | 1,190   |    21,22
      75    | 1,675   |    61,22    |   25    | 1,182   |    20,40
      74    | 1,663   |    60,40    |   24    | 1,174   |    19,58
      73    | 1,651   |    59,59    |   23    | 1,167   |    18,77
      72    | 1,639   |    58,77    |   22    | 1,159   |    17,95
      71    | 1,627   |    57,95    |   21    | 1,1516  |    17,14
      70    | 1,615   |    57,14    |   20    | 1,144   |    16,32
      69    | 1,604   |    56,32    |   19    | 1,136   |    15,51
      68    | 1,592   |    55,59    |   18    | 1,129   |    14,69
      67    | 1,580   |    54,69    |   17    | 1,121   |    13,87
      66    | 1,578   |    53,87    |   16    | 1,1136  |    13,06
      65    | 1,557   |    53,05    |   15    | 1,106   |    12,24
      64    | 1,545   |    52,24    |   14    | 1,098   |    11,42
      63    | 1,534   |    51,42    |   13    | 1,091   |    10,61
      62    | 1,523   |    50,61    |   12    | 1,083   |     9,79
      61    | 1,512   |    49,79    |   11    | 1,0756  |     8,98
      60    | 1,501   |    48,98    |   10    | 1,068   |     8,16
      59    | 1,490   |    48,16    |    9    | 1,061   |     7,34
      58    | 1,480   |    47,34    |    8    | 1,0536  |     6,53
      57    | 1,469   |    46,53    |    7    | 1,0464  |     5,71
      56    | 1,4586  |    45,71    |    6    | 1,039   |     4,89
      55    | 1,448   |    44,89    |    5    | 1,032   |     4,08
      54    | 1,438   |    44,07    |    4    | 1,0256  |     3,26
      53    | 1,428   |    43,26    |    3    | 1,019   |     2,445
      52    | 1,418   |    42,45    |    2    | 1,013   |     1,63
      51    | 1,408   |    41,63    |    1    | 1,0064  |     0,816

                             II. $Tabelle$

         ber das specif. Gewicht der wsserigen Salzsure bei
         verschiedenem Gehalte an Chlorwasserstoff, von $Ure$.
                           Temperatur 15 C.

     ===============================================================
      Specif. Gew. | Salzsure-Gas. | Specif. Gew. | Salzsure-Gas.
     --------------+----------------+--------------+----------------
         1,2000    |     40,777     |    1,1000    |     20,388
         1,1982    |     40,369     |    1,0980    |     19,980
         1,1964    |     39,961     |    1,0960    |     19,572
         1,1946    |     39,554     |    1,0939    |     19,165
         1,1928    |     39,146     |    1,0919    |     18,757
         1,1910    |     38,738     |    1,0899    |     18,349
         1,1893    |     38,330     |    1,0879    |     17,941
         1,1875    |     37,923     |    1,0859    |     17,534
         1,1857    |     37,516     |    1,0838    |     17,126
         1,1846    |     37,108     |    1,0818    |     16,718
         1,1822    |     36,700     |    1,0798    |     16,310
         1,1802    |     36,292     |    1,0778    |     15,902
         1,1782    |     35,884     |    1,0758    |     15,494
         1,1762    |     35,476     |    1,0738    |     15,087
         1,1741    |     35,068     |    1,0718    |     14,679
         1,1721    |     34,660     |    1,0697    |     14,271
         1,1701    |     34,252     |    1,0677    |     13,863
         1,1681    |     33,845     |    1,0657    |     13,456
         1,1661    |     33,437     |    1,0637    |     13,049
         1,1641    |     33,029     |    1,0617    |     12,641
         1,1620    |     32,621     |    1,0597    |     12,233
         1,1599    |     32,213     |    1,0577    |     11,825
         1,1578    |     31,805     |    1,0557    |     11,418
         1,1557    |     31,398     |    1,0537    |     11,010
         1,1537    |     30,990     |    1,0517    |     10,602
         1,1515    |     30,582     |    1,0497    |     10,194
         1,1494    |     30,174     |    1,0477    |      9,786
         1,1473    |     29,767     |    1,0457    |      9,379
         1,1452    |     29,359     |    1,0437    |      8,971
         1,1431    |     28,951     |    1,0417    |      8,563
         1,1410    |     28,544     |    1,0397    |      8,155
         1,1389    |     28,136     |    1,0377    |      7,747
         1,1369    |     27,728     |    1,0357    |      7,340
         1,1349    |     27,321     |    1,0337    |      6,932
         1,1328    |     26,913     |    1,0318    |      6,524
         1,1308    |     26,505     |    1,0298    |      6,116
         1,1287    |     26,098     |    1,0279    |      5,709
         1,1267    |     25,690     |    1,0259    |      5,301
         1,1247    |     25,282     |    1,0239    |      4,893
         1,1226    |     24,874     |    1,0220    |      4,486
         1,1206    |     24,466     |    1,0200    |      4,078
         1,1185    |     24,058     |    1,0180    |      3,670
         1,1164    |     23,650     |    1,0160    |      3,262
         1,1143    |     23,242     |    1,0140    |      2,854
         1,1123    |     22,834     |    1,0120    |      2,447
         1,1102    |     22,426     |    1,0100    |      2,039
         1,1082    |     22,019     |    1,0080    |      1,631
         1,1061    |     21,611     |    1,0060    |      1,124
         1,1041    |     21,203     |    1,0040    |      0,816
         1,1020    |     20,796     |    1,0020    |      0,408

                             III. $Tabelle$

     ber das specif. Gewicht der wasserhaltigen Salpetersure bei
         verschiedenem Gehalt an wasserfreier Sure, von $Ure$.
                           Temperatur 15 C.

Spaltenberschriften:

  A = Specifisches Gewicht.
  B = Sureprocente.
  C = Specifisches Gewicht.
  D = Sureprocente.
  E = Specifisches Gewicht.
  F = Sureprocente.
  G = Specifisches Gewicht.
  H = Sureprocente.

      ===========================================================
         A   |  B   |   C   |  D   |   E   |  F   |   G   |  H
      -------+------+-------+------+-------+------+-------+------
       1,500 | 79,7 | 1,419 | 59,8 | 1,295 | 39,8 | 1,140 | 19,9
       1,498 | 78,9 | 1,415 | 59,0 | 1,289 | 39,0 | 1,134 | 19,1
       1,496 | 78,1 | 1,411 | 58,2 | 1,283 | 38,3 | 1,129 | 18,3
       1,494 | 77,3 | 1,406 | 57,4 | 1,276 | 37,5 | 1,123 | 17,5
       1,491 | 76,5 | 1,402 | 56,6 | 1,270 | 36,7 | 1,117 | 16,7
       1,488 | 75,7 | 1,398 | 55,8 | 1,264 | 35,9 | 1,111 | 15,9
       1,485 | 74,9 | 1,394 | 55,0 | 1,258 | 35,1 | 1,105 | 15,1
       1,482 | 74,1 | 1,388 | 54,2 | 1,252 | 34,3 | 1,099 | 14,3
       1,479 | 73,3 | 1,383 | 53,4 | 1,246 | 33,5 | 1,093 | 13,5
       1,476 | 72,5 | 1,378 | 52,6 | 1,240 | 32,7 | 1,088 | 12,7
       1,473 | 71,7 | 1,373 | 51,8 | 1,234 | 31,9 | 1,082 | 11,9
       1,470 | 70,9 | 1,368 | 51,1 | 1,228 | 31,1 | 1,076 | 11,2
       1,467 | 70,1 | 1,363 | 50,2 | 1,221 | 30,3 | 1,071 | 10,4
       1,464 | 69,3 | 1,358 | 49,4 | 1,215 | 29,5 | 1,065 |  9,6
       1,460 | 68,5 | 1,353 | 48,6 | 1,208 | 28,7 | 1,059 |  8,8
       1,457 | 67,7 | 1,348 | 47,9 | 1,202 | 27,9 | 1,054 |  8,0
       1,453 | 66,9 | 1,343 | 47,0 | 1,196 | 27,1 | 1,048 |  7,2
       1,450 | 66,1 | 1,338 | 46,2 | 1,189 | 26,3 | 1,043 |  6,4
       1,446 | 65,3 | 1,332 | 45,4 | 1,183 | 25,5 | 1,037 |  5,6
       1,442 | 64,5 | 1,327 | 44,6 | 1,177 | 24,7 | 1,032 |  4,8
       1,439 | 63,8 | 1,322 | 43,8 | 1,171 | 23,9 | 1,027 |  4,0
       1,435 | 63,0 | 1,316 | 43,0 | 1,165 | 23,1 | 1,021 |  3,2
       1,431 | 62,2 | 1,311 | 42,2 | 1,159 | 22,3 | 1,016 |  2,4
       1,427 | 61,4 | 1,306 | 41,4 | 1,153 | 21,5 | 1,011 |  1,6
       1,423 | 60,6 | 1,300 | 40,4 | 1,146 | 20,7 | 1,005 |  0,8

In allen den Fllen, in welchen die Bestimmung des specifischen
Gewichtes nicht zum Ziele fhrt, oder in denen es auf besondere
Genauigkeit ankommt, whlt man eine der beiden folgenden
Verfahrungsweisen, und zwar gewhnlich die erstere:


       B. $Ermittlung durch Sttigung der freien Sure mit einer
            alkalischen Flssigkeit von bekanntem Gehalte.$

                                . 182.

Um diese Methode anzuwenden, bedarf man:

  [Greek: a]) einer Surelsung von bekanntem Gehalt, --

  [Greek: b]) einer alkalischen Flssigkeit von bekanntem Wirkungswerth.

                    aa. $Darstellung der Lsungen.$

[Greek: a]. Die $Sure$ stellt man sich folgendermaassen dar. Man mischt
in einem grossen Kolben 1020 C.C. Wasser mit 60 Grm. concentrirter
englischer Schwefelsure innig, lsst erkalten, nimmt 2 Mal je 20 C.C.
davon und bestimmt darin die Schwefelsure durch Fllen mit Chlorbaryum.
Stimmen beide Versuche gut berein, so nimmt man das Mittel und verdnnt
danach die Schwefelsure so, $dass 1000 C.C. genau 40 Grm. wasserfreie
Schwefelsure enthalten$. Setzen wir den Fall, wir htten gefunden,
dass 1000 C.C. 42 Grm. Schwefelsure enthalten, so mssen demnach nach
dem Ansatz 40 : 1000 = 42 : x aus je 1000 C. C. unserer Flssigkeit durch
Zusatz von Wasser 1050 C.C. gemacht werden. Es geschieht dies einfach
und genau also: Man fllt den 1 Liter $fassenden$ Messkolben bis an die
Marke mit der Sure, giesst sie vorsichtig in die etwas grssere, zum
Aufbewahren bestimmte Flasche, bringt dann 50 C.C. Wasser, welche mit
der Pipette abgemessen worden sind, in den Kolben, schwenkt gut um,
giesst in die Flasche, schttelt, giesst nun nochmals etwa die Hlfte
der Flssigkeit in den Kolben zurck, splt um, bringt wieder in die
Flasche, mischt und bewahrt auf. Vor neuem Gebrauche ist die Flasche zu
schtteln, weil in der halbleeren Wasser verdunstet, welches sich an den
Wandungen verdichtet und beim Ausgiessen mit der ersten Portion gemischt
ausfliesst, wodurch diese schwcher, die rckbleibende etwas strker
wird.

Eine saure Flssigkeit von gleichem Wirkungswerthe kann man
auch erhalten, wenn man, nach $Mohr$'s Vorschlag, genau 63 Grm.
krystallisirte Oxalsure: C_{2}O_{3}, HO + 2 aq. in Wasser zu 1 Liter
lst. Doch muss man hierbei mit grosser Sorgfalt darauf achten, dass die
Sure vllig rein, vllig frei von Feuchtigkeit und ganz unverwittert
sei.

[Greek: b]. Um die $Alkalilsung$ zu erhalten, verdnnt man frisch
bereitete, in einem verschlossenen Gefsse vllig klar abgesetzte,
kohlensurefreie Natronlauge in der Art, $dass 1 Volumen genau
hinreicht, 1 Volumen der Sure zu neutralisiren$, d. h. so, dass beim
Mischen beider der letzte Tropfen der Natronlsung die durch Lackmus
rothe Lsung blau frbt.

[Illustration: Fig. 96.]

Um dies zu bewerkstelligen verdnnt man zunchst die Natronlauge bis zu
einem specif. Gewichte von etwa 1,05, welches einem Gehalte von etwa
3,6 Proc. Natron entspricht. Dann misst man 50 C.C. = 100 der Sure
ab, bringt sie in ein Becherglas, frbt mit etwas Lackmustinctur[112]
roth und lsst nun aus einer Brette oder -- was weit bequemer ist --
aus einer Quetschhahnpipette, Fig. 96 (s. f. S.), so lange zufliessen,
bis die Flssigkeit eben blau geworden ist, und bis dieselbe somit
rothes wie blaues Lackmuspapier ganz unverndert lsst. Man verdnnt
alsdann die noch etwas zu concentrirte Natronlsung so, dass genau
100 erforderlich sind, um 100 Sure zu sttigen. Die Flasche, in
welcher die fertige Natronlsung aufbewahrt werden soll, verschliesst
man -- nach $Mohr$'s Vorschlag -- durch einen Korkstopfen, in welchen
eine gewhnliche Chlorcalciumrhre eingesteckt ist. Dieselbe ist mit
einem fein geriebenen Gemenge von Glaubersalz und Aetzkalk gefllt
und nach aussen mit einem dnnen offenen Rhrchen versehen. -- Ausser
dieser concentrirteren Flssigkeit stellt man sich sogleich noch eine 5
Mal und eine 10 Mal so verdnnte dar. Diese Verdnnungen geschehen am
besten in der Art, dass man -- um z. B. die letzte zu erhalten -- in
einen Messkolben, der genau 500 C.C. fasst, 50 C.C. der concentrirteren
Natronlauge, die mittelst einer Pipette abgemessen worden sind, bringt,
dann den Kolben, unter jeweiligem Umschwenken, genau bis an die Marke
mit Wasser fllt und nunmehr durch Schtteln innig mischt.

  [112] Da die Lackmustinctur oft so alkalisch ist, dass eine merkliche
        Menge Sure nthig ist, um sie zu rthen, so muss man
        nthigenfalls den zu bedeutenden Alkaliberschuss durch etwas
        Sure abstumpfen, so dass sie mit Wasser verdnnt eine violette
        Flssigkeit liefert, die durch eine Spur Sure roth, durch ein
        Minimum Alkali blau wird.

                   bb. $Ausfhrung der Untersuchung.$

Da von der concentrirteren Natronlsung 50 C.C. = 100: 2 Grm., von der
Fnftellsung: 0,4 Grm., von der Zehntellsung: 0,2 Grm. wasserfreier
Schwefelsure und folglich auch quivalenten Mengen aller anderen
Suren entsprechen, so ist in Betreff der Ausfhrung kaum mehr etwas
hinzuzufgen, indem es sich von selbst versteht, dass man je nach
der Menge der abzustumpfenden Sure bald die eine, bald die andere
der alkalischen Flssigkeiten whlt, so zwar, dass man zur Sttigung
der abgewogenen oder abgemessenen sauren Flssigkeit etwa 60-100
Brettengrade gebraucht.

Bei wissenschaftlichen Untersuchungen empfehle ich das genaue Abwgen
unbestimmter Mengen der sauren Flssigkeit, da dies auf den chemischen
Wagen weit besser geschehen kann, und weil man dabei eine kleine
Rechnung nicht zu scheuen braucht; bei technischen Untersuchungen
wnscht man dagegen den Procentgehalt der Sure gewhnlich aus den
Brettengraden direct zu ersehen. Um dies zu ermglichen, hat man
alsdann, wenn die Brette oder Pipette wie gewhnlich 50 C.C. = 100
fasst, nur die 2 Grm. wasserfreier Schwefelsure quivalenten Mengen der
zu prfenden Suren abzuwgen. Da aber das Abwgen bestimmter kleinerer
Mengen weniger genau ist, so ist folgendes Verfahren vorzuziehen, wobei
uns die Prfung der Schwefelsure als Beispiel dienen mag.

Man wgt in einem Messkolben, der 500 C.C. fasst, 20 Grm. der zu
prfenden Schwefelsure ab, fgt Wasser zu bis fast zum Theilstrich,
lsst bei eingetretener Erwrmung abkhlen, fllt jetzt genau bis an die
Marke, schttelt, nimmt mit der Pipette 50 C.C. heraus und prft diese.
Die Anzahl der Brettengrade der concentrirteren Natronlauge giebt
direct den Procentgehalt der geprften Schwefelsure an.

Die Quantitten von den anderen Suren oder Surehydraten, welche
20 Grm. Schwefelsure quivalent sind, ergeben sich aus folgender
Uebersicht:

  20 Gramm Schwefelsure sind quivalent 24,5  Schwefelsurehydrat,
  20   "        "          "       "     27    Salpetersure,
  20   "        "          "       "     31,5  Salpetersurehydrat,
  20   "        "          "       "     18,25 Salzsure,
  20   "        "          "       "     25,5  Essigsure,
  20   "        "          "       "     30,0  Essigsurehydrat.


   C. $Ermittlung durch Wgung der durch die freie Sure aus doppelt
         kohlensaurem Natron ausgetriebenen Kohlensure$ (nach
                        $Fresenius$ und $Will$).

                                . 183.

[Illustration: Fig. 97.]

Man wgt in das Klbchen _A_ (Fig. 97) eine beliebige Portion der zu
prfenden Sure, setzt, im Falle dieselbe concentrirt ist, Wasser zu,
so dass die gesammte Flssigkeit 1/3 des Inhaltes von _A_ einnimmt,
fllt alsdann ein kleines Glasrhrchen mit doppelt kohlensaurem Natron
oder Kali (welches zwar Chlornatrium, schwefelsaures Salz etc., nicht
aber einfach kohlensaures Alkali enthalten darf, und dessen Quantitt
mehr als hinlnglich sein muss, die eingewogene Sure zu sttigen)
unter mssigem Eindrcken fest an, hngt dasselbe an einem Faden in
das Klbchen _A_, indem man den Faden zwischen den Stopfen und den
Kolbenhals einklemmt, und bringt nunmehr den Apparat (welcher im
Uebrigen genau nach der im . 110 gegebenen Beschreibung vorgerichtet
ist) auf der Wage ins Gleichgewicht. Man lsst alsdann durch Lften
des Stopfens das Rhrchen sammt dem Faden in das Klbchen _A_
hinabfallen und dreht den Stopfen in demselben Augenblicke luftdicht
ein. -- Alsbald beginnt eine rasche Kohlensureentwickelung, welche
eine Zeit lang gleichmssig bleibt, dann langsamer wird und endlich
aufhrt. Wenn dieser Punkt erreicht ist, stellt man das Klbchen _A_
in Wasser, welches so heiss ist, dass man eben noch den Finger kurze
Zeit hineinhalten kann (Temp. 50-55 C.). Sobald die dadurch neuerdings
veranlasste Kohlensureentwickelung nachgelassen hat, ffnet man das
Wachsstpfchen _b_ auf der Rhre _a_ ein wenig, nimmt das Klbchen aus
dem Wasserbad und saugt alsdann mittelst eines durchbohrten Korkes
an _d_, bis alle noch im Apparate befindliche Kohlensure durch Luft
ersetzt ist. Nach dem Erkalten stellt man den Apparat wiederum auf
die Wage und legt Gewichte zu demselben, bis das Gleichgewicht wieder
hergestellt ist. Die Summe derselben ist gleich dem Quantum der
entwichenen Kohlensure. -- Fr je 1 Aeq. angewandter Sure erhlt man
2 Aeq. Kohlensure, z. B. (NaO, 2 CO_{2} + NO_{5} = NaO, NO_{5} + 2
CO_{2}). Die Resultate sind sehr befriedigend[113]. Auch bei dieser
Methode kann man jede Berechnung sparen und die Versuche so einrichten,
dass aus den erhaltenen Centigrammen Kohlensure der Procentgehalt an
freier Sure sich direct ergiebt, indem man solche Quantitten von Sure
abwgt, welche, wenn sie ganz rein sind, genau 1,00 Gramm Kohlensure
liefern. Diese Menge findet man z. B. fr Schwefelsure, nach dem Ansatz:

                    44 : 40 = 1,00 : x.   x = 0,909.

  [113] Vergleiche: Neue Verfahrungsweisen zur Prfung der Pottasche
        und Soda, der Aschen, der Suren und des Braunsteins auf Gehalt
        und Handelswerth, von Dr. R. $Fresenius$ und Dr. H. $Will$.
        Heidelberg 1843.

[Illustration: Fig. 98.]

Anstatt der so zu findenden Gewichte knnen natrlicherweise eben so gut
Multipla derselben genommen werden, je nachdem es die Verdnnung der zu
untersuchenden Sure erfordert. Die Anzahl der Centigramme Kohlensure
muss aber alsdann, damit sie dem Procentgehalte entspreche, mit
derselben Zahl dividirt werden, mit welcher man die Einheit multiplicirt
hat. -- Am zweckmssigsten ist es, die Quantitt der Sure so zu whlen,
dass man 1 bis 2 Gramm Kohlensure erhlt.


        2. $Bestimmung des Gehaltes einer Substanz an freiem und
                 kohlensaurem Alkali$ ($Alkalimetrie$).

        A. $Ermittlung des Kalis, Natrons oder Ammoniaks aus dem
                 specifischen Gewichte ihrer Lsungen.$

                                . 184.

Hat man reine oder fast reine Lsungen von Kali- oder Natronhydrat oder
von Ammoniak, so lsst sich deren Gehalt aus dem specifischen Gewichte
ersehen.

                              I. $Tabelle$

  ber den Gehalt der Kalilauge an Kali bei verschiedenem specifischen
                        Gewichte, von $Dalton$.

          ===================================================
           Specifisches | Procente | Specifisches | Procente
             Gewicht.   |  Kali.   |   Gewicht.   |  Kali.
          --------------+----------+--------------+----------
               1,68     |  51,2    |    1,32      |  26,3
               1,60     |  46,7    |    1,28      |  23,4
               1,52     |  42,9    |    1,23      |  19,5
               1,47     |  39,9    |    1,19      |  16,2
               1,44     |  36,8    |    1,15      |  13,0
               1,42     |  34,4    |    1,11      |   9,5
               1,39     |  32,4    |    1,06      |   4,7
               1,36     |  29,4    |              |

                             II. $Tabelle$

      ber den Gehalt der Natronlauge an Natron bei verschiedenem
                  specifischen Gewichte, von $Dalton$.

          ===================================================
           Specifisches | Procente | Specifisches | Procente
             Gewicht.   |  Natron. |   Gewicht.   |  Natron.
          --------------+----------+--------------+----------
               2,00     |  77,8    |   1,40       |  29,0
               1,85     |  63,6    |   1,36       |  26,0
               1,72     |  53,8    |   1,32       |  23,0
               1,63     |  46,6    |   1,29       |  19,0
               1,56     |  41,2    |   1,23       |  16,0
               1,50     |  36,8    |   1,18       |  13,0
               1,47     |  34,0    |   1,12       |   9,0
               1,44     |  31,0    |   1,06       |   4,7

                             III. $Tabelle$

     ber den Gehalt der Ammonflssigkeit an Ammoniak (NH_{3}) bei
          verschiedenem specifischen Gewichte, nach J. $Otto.$
                             (Temp. 16 C.)

   ======================================================================
    Specifisches|Procente |Specifisches|Procente |Specifisches|Procente
      Gewicht.  |Ammoniak.|  Gewicht.  |Ammoniak.|  Gewicht.  |Ammoniak.
   -------------+---------+------------+---------+------------+----------
       0,9517   | 12,000  |   0,9607   |  9,625  |   0,9697   |  7,250
       0,9521   | 11,875  |   0,9612   |  9,500  |   0,9702   |  7,125
       0,9526   | 11,750  |   0,9616   |  9,375  |   0,9707   |  7,000
       0,9531   | 11,625  |   0,9621   |  9,250  |   0,9711   |  6,875
       0,9536   | 11,500  |   0,9626   |  9,125  |   0,9716   |  6,750
       0,9540   | 11,375  |   0,9631   |  9,000  |   0,9721   |  6,625
       0,9545   | 11,250  |   0,9636   |  8,875  |   0,9726   |  6,500
       0,9550   | 11,125  |   0,9641   |  8,750  |   0,9730   |  6,375
       0,9555   | 11,000  |   0,9645   |  8,625  |   0,9735   |  6,250
       0,9556   | 10,950  |   0,9650   |  8,500  |   0,9740   |  6,125
       0,9559   | 10,875  |   0,9654   |  8,375  |   0,9745   |  6,000
       0,9564   | 10,750  |   0,9659   |  8,250  |   0,9749   |  5,875
       0,9569   | 10,625  |   0,9664   |  8,125  |   0,9754   |  5,750
       0,9574   | 10,500  |   0,9669   |  8,000  |   0,9759   |  5,625
       0,9578   | 10,375  |   0,9673   |  7,875  |   0,9764   |  5,500
       0,9583   | 10,250  |   0,9678   |  7,750  |   0,9768   |  5,375
       0,9588   | 10,125  |   0,9683   |  7,625  |   0,9773   |  5,250
       0,9593   | 10,000  |   0,9688   |  7,500  |   0,9778   |  5,125
       0,9597   |  9,875  |   0,9692   |  7,375  |   0,9783   |  5,000
       0,9602   |  9,750  |            |         |            |


  B. $Prfung der Soda und Pottasche auf ihren Gehalt an kohlensauren
                   und tzenden Alkalien im Ganzen.$

Die Pottasche ist, wie bekannt, ein Gemenge von kohlensaurem Kali,
-- die Soda ein Gemenge von kohlensaurem Natron mit einer Anzahl von
anderen Salzen. Der Werth dieser Handelsartikel ist abhngig von
ihrem Gehalte an kohlensauren (oder kaustischen) Alkalien; die diesen
beigemischten Salze werden nicht bezahlt. -- Da nun die Quantitt der
letzteren eine sehr wechselnde ist, so ist es leicht ersichtlich, dass
der Werth einer Pottasche oder Soda nur so festgestellt werden kann,
dass man den Gehalt derselben an kohlensaurem (respective kaustischem)
Alkali ermittelt.

Ich theile im Folgenden zwei auf wesentlich verschiedener Grundlage
beruhende Methoden der Alkalimetrie mit, von denen bald die eine, bald
die andere den Vorzug verdient, je nachdem man die Schnelligkeit in
der Ausfhrung oder die Genauigkeit der Resultate vornehmlich im Auge
hat, und welche, wie sich aus . 188 ergeben wird, dann zweckmssig in
Verbindung mit einander angewendet werden, wenn es sich um gesonderte
Ermittlung des kaustischen und kohlensauren Alkalis handelt.


           I. $Verfahren nach Descroizilles und Gay-Lussac.$

                                . 185.

Das Princip dieses Verfahrens ist dasselbe, welches der in . 182
angegebenen Methode der Acidimetrie zu Grunde liegt, nur umgekehrt,
d. h. kennt man die Menge einer Sure von bekanntem Gehalte, welche
erforderlich ist, um eine unbekannte Menge kaustisches oder kohlensaures
Kali oder Natron zu sttigen, so lsst sich daraus mit Leichtigkeit die
Menge der Alkalien berechnen.

Zur Ausfhrung bedarf man nur $einer$ titrirten Flssigkeit, der
Probeschwefelsure.

Man bereitet dieselbe gegenwrtig fast allgemein von der Strke, dass 50
C.C. = 100 5 Grm. reines wasserfreies kohlensaures Natron sttigen.

Die Bereitung geschieht am einfachsten also:

a. Man vermischt 60 Grm. (annhernd gewogen) concentrirte englische
Schwefelsure mit 500 C.C., oder 120 Grm. mit 1000 C.C. Wasser und lsst
erkalten.

b. Man wgt 5 Grm. wasserfreies reines kohlensaures Natron genau ab,
bringt es in einen Kolben, lst es in 200 C. C. Wasser und frbt die
Lsung mit violetter (siehe S. 453, Anmerkung) Lackmustinctur blau.

    NB. Diese Vorschrift gilt nur fr diejenigen, welche nicht auf
    feinen chemischen Wagen wgen. Beim Gebrauche solcher, also im
    Allgemeinen in den chemischen Laboratorien, ist es weit besser,
    eine zwischen 4,5 und 5 Grm. betragende Menge kohlensauren Natrons
    im Platintiegel gelinde auszuglhen, unter dem Exsiccator erkalten
    zu lassen und dann den Tiegel genau zu wgen. Man schttet jetzt
    den Inhalt des Tiegels in den Kolben, wgt den Tiegel zurck und
    erfhrt so aufs Genaueste die Menge des in den Kolben gekommenen
    kohlensauren Natrons. Diese Methode wird von dem an die feine Wage
    gewhnten Chemiker leichter und schneller ausgefhrt, als die
    andere und giebt weit zuverlssigere Resultate, da das Abwgen im
    verschlossenen Tiegel geschieht. In derselben Art, wie das reine
    kohlensaure Natron wird spter auch die zu prfende Pottasche oder
    Soda abgewogen.

c. Man fllt die Quetschhahnpipette oder Brette bis an den 0-Punkt mit
der erkalteten verdnnten Sure und lsst zu der Natronlsung trpfeln,
bis zur Sttigung (siehe unten). -- Diesen Versuch macht man zweckmssig
doppelt. -- Hat man nicht genau 5 Grm. kohlensaures Natron abgewogen, so
berechnet man aus dem gefundenen Resultate, wieviel Sure man zu 5 Grm.
gebraucht haben wrde.

d. Man verdnnt den Surevorrath in der Art, dass genau 100 5 Grm.
kohlensaures Natron sttigen. Htte man bei den Versuchen zu 5 Grm. 80
Sure gebraucht, so kommen somit zu je 80 Volumen noch 20 Volumina
Wasser. Das Verdnnen geschieht am besten in der in . 182. aa.
angegebenen Weise. Ich empfehle dringend, die fertig verdnnte Sure
nochmals in der zuvor beschriebenen Weise zu prfen.

Die so erhaltene Probesure wird in gut verschlossenen Gefssen
aufbewahrt und vor jeder neuen Versuchsreihe umgeschttelt (Seite 453).
Sie dient zur Prfung aller alkalischen Flssigkeiten und giebt deren
Gehalt an tzendem oder kohlensaurem Alkali unmittelbar in Procenten an,
wenn man von denselben eine 5 Grm. kohlensaurem Natron quivalente Menge
abwgt.

Diese Quantitten ersieht man aus folgender Zusammenstellung:

        100 Probesure sttigen 5,000 Grm. kohlensaures Natron,
        100       "        "     2,925  "   Natron,
        100       "        "     6,519  "   kohlensaures Kali,
        100       "        "     4,443  "   Kali.

Nimmt man demnach von einer Pottasche 6,519 Grm., so geben die
verbrauchten Grade unmittelbar den Gehalt an die Sure sttigendem
Alkali an, ausgedrckt in kohlensaurem Kali, nimmt man 4,443 Grm.,
ausgedrckt in wasserfreiem Aetzkali etc.

Hat man an kohlensauren oder tzenden Alkalien arme Substanzen zu
prfen, so nimmt man ein Multiplum obiger Zahl, z. B. das 2fache,
3fache, 10fache, und dividirt die Zahl der verbrauchten Raumtheile
alsdann durch die entsprechenden Zahlen.

In Betreff der Ausfhrung bleiben noch folgende Punkte zu besprechen:

      1. _Die Bestimmung des Sttigungspunktes._

Bei kaustischen Alkalien trifft man denselben leicht, bei kohlensauren
macht die frei werdende und die Flssigkeit weinroth frbende
Kohlensure einige Schwierigkeit. Dieselbe lsst sich auf zwei Arten
berwinden.

a. Nachdem man von der Probesure soviel zu der kalten oder auch vorher
schon erhitzten Soda- oder Pottaschelsung gesetzt hat, dass die Farbe
weinroth geworden ist, erhitzt man, unter hufigem Umschwenken, zum
wallenden Kochen, wodurch die Farbe in dem Maasse wieder blauer wird,
als die Kohlensure entweicht. Man trpfelt nun zu der fast kochenden
Flssigkeit weitere Probesure hinzu, stellt zuweilen nochmals auf die
Lampe und trifft so den Punkt der vollendeten Sttigung, oder richtiger
der eben beginnenden Uebersttigung, welcher sich durch eine ins
Gelbliche ziehende rothe Farbe der Flssigkeit zu erkennen giebt, sehr
leicht und ganz genau.

b. Auch ohne Erwrmen lsst sich der Punkt treffen, jedoch nicht ganz
mit derselben Genauigkeit. Es ist hierbei nothwendig, dass der Kolben
nicht zu klein sei. Man schwenkt nach jedesmaligem Eintrpfeln geschickt
und tchtig um und fhrt mit dem Zusatze der Probesure getrost
fort, so lange das Roth der Flssigkeit noch ins Violette spielt.
Nhert man sich endlich dem Sttigungspunkte, so giesst man die Sure
zweitropfenweise ein, macht nach jedem Zusatze mit einem eingetauchten
Glasstab einen, besser nach einander zwei Flecke, auf schn blaues
Lackmuspapier, liest ab und schreibt die Zahl zwischen die Flecke. So
fhrt man fort, bis die Flecke ganz entschieden roth werden. Nun lsst
man das Lackmuspapier trocken werden und betrachtet $die$ niedrigste
Zahl als die richtige, deren Flecke eben noch roth geblieben sind.

$Als Regel hat man zu beachten, dass die Probesure nach derselben
Methode geprft sein muss, nach der die Ausfhrung erfolgen soll.$

      2. _Bei Anwendung des Verfahrens auf Pottasche_ ist noch Folgendes
         zu beachten.

Die Pottasche enthlt ausser kohlensaurem Kali:

  a. _neutrale Salze_ (z. B. schwefelsaures Kali, Chlorkalium),

  b. _alkalisch reagirende Salze_, z. B. kieselsaures, phosphorsaures
     Kali,

  c. _in Wasser unlsliche Bestandtheile_, namentlich kohlensauren,
     phosphorsauren und kieselsauren Kalk.

Die in a. genannten Salze sind ohne Einfluss auf die Resultate, nicht
so die in b. und c. genannten. Die letzteren knnen durch Filtriren
entfernt werden, die in b. angefhrten aber veranlassen einen geringen,
nicht zu beseitigenden Fehler.

Will man nicht bloss den Gehalt im Ganzen kennen lernen, sondern sein
Urtheil in der Art vollstndiger machen, dass man erfhrt, ob die in
der Pottasche dem kohlensauren Kali beigemischten Substanzen nur fremde
Salze sind, oder ob auch Wasser den Gehalt herabstimmt, so muss der
alkalimetrischen Prfung eine Wasserbestimmung vorhergehen. -- Dieser
letzte Satz gilt auch fr Soda.

      3. _Bei Anwendung des Verfahrens auf Soda_ dagegen kommen folgende
         Umstnde in Betracht.

Die nach der $Leblanc$'schen Methode dargestellte, in den Handel
kommende Soda enthlt, ausser kohlensaurem Natron, meistens
oder immer Natronhydrat, schwefelsaures Natron, Chlornatrium,
kieselsaures und Thonerdenatron, ferner nicht selten Schwefelnatrium,
unterschwefligsaures und schwefligsaures Natron.

Von diesen Bestandtheilen erschweren die drei letztgenannten und ferner
das kieselsaure und Thonerdenatron die Prfung und machen sie mehr oder
minder ungenau. Die Gegenwart der letzteren ergiebt sich meist schon
dadurch, dass die Sodalsung, sobald sie mit Sure gesttigt wird, einen
Niederschlag ausscheidet, -- die Anwesenheit der ersteren erforscht man
einfach in folgender Art:

a. Man vermischt mit Schwefelsure. Geruch nach Schwefelwasserstoff
zeigt $Schwefelnatrium$ an.

b. Man frbt verdnnte Schwefelsure mit 1 Tropfen chromsaurer
Kalilsung und fgt von der Soda hinzu, doch so dass die Sure
noch vorherrscht. Bleibt die Lsung rothgelb, so ist hierdurch die
Abwesenheit, wird sie grn, die Gegenwart von schwefligsaurem oder
unterschwefligsaurem Natron erwiesen.

c. Ob die in b. besprochene Reaction von schwefligsaurem oder
unterschwefligsaurem Salze herrhrt, erforscht man, indem man eine
klare Lsung der zu untersuchenden Soda mit Salzsure bersttigt.
Wird die Lsung nach einiger Zeit durch Abscheidung von Schwefel trbe
(wobei gleichzeitig der Geruch nach schwefliger Sure auftritt), so
ist jedenfalls unterschwefligsaures (vielleicht jedoch ausserdem auch
schwefligsaures) Salz zugegen.

Die durch die drei letztgenannten Verbindungen entstehenden Fehler
lassen sich einigermaassen umgehen, wenn man die abgewogene Sodaprobe
mit chlorsaurem Kali glht, bevor man sie sttigt. Hierdurch werden
Schwefelnatrium, unterschwefligsaures und schwefligsaures Natron in
schwefelsaures Natron verwandelt. -- Sofern unterschwefligsaures Natron
zugegen ist, veranlasst man aber hierdurch neuerdings ein falsches
Resultat, indem dieses Salz bei seinem Uebergange in schwefelsaures
Natron ein Aequivalent kohlensaures Natron zersetzt und dessen
Kohlensure austreibt. [NaO, S_{2}O_{2} + 4O (vom chlorsauren Kali
herrhrend) + NaO, CO_{2} = 2(NaO, SO_{3}) + CO_{2}.]


                                . 186.

$Mohr$[114] hat in der neuesten Zeit eine Modification des im
Vorstehenden beschriebenen Verfahrens der Soda- und Pottascheprfung
vorgeschlagen, welche sehr gute Resultate liefert. Die wesentlichen
Punkte des modificirten Verfahrens sind folgende:

1. Anwendung der Quetschhahnpipette anstatt der frher allgemein
blichen Brette.

2. Statt der Probeschwefelsure dient eine Lsung von 63 Gramm (1
Aequivalent H = 1) krystallisirter Kleesure in 1 Liter Wasser, d. h.
dieselbe Lsung, von der schon bei der Acidimetrie die Rede war und
statt welcher man auch die nach . 182. aa. [Greek: a]. bereitete
gleichwerthige Schwefelsure anwenden kann.

3. Ausser dieser Probesure hat man noch die in . 182. aa. [Greek: b].
beschriebene Lsung von Aetznatron in Wasser nthig.

4. Abgewogen werden von der zu prfenden Pottasche oder Soda 1/10
der Aequivalente, also von Soda 5,3 Grm., von Pottasche 6,91 Grm. Da
die Probesure in 1000 C.C. 1 Aeq. Kleesure enthlt, so reichen 100
C. C. gerade hin, die Zehntelquivalente zu neutralisiren, wenn die
kohlensauren Alkalien vollkommen rein sind.

5. Das Alkali wird in Wasser gelst und mit etwas Lackmustinctur blau
gefrbt. Man lsst jetzt zunchst soviel Probesure zufliessen, dass
die Farbe violett wird, kocht, lsst weitere Sure zu, bis die Farbe
entschieden gelbroth ist, und dann noch weitere, bis zu den nchsten
vollen 5 oder 10 C.C. -- Das Alkali ist jetzt entschieden bersttigt;
durch Kochen, Schtteln, Hineinblasen und zuletzt Aussaugen der Luft im
Kolben wird die letzte Spur Kohlensure entfernt.

6. Man fllt jetzt einen in 1/10 C.C. getheilten Messapparat (Pipette
oder Brette) mit dem Probenatron und setzt tropfenweise zu, bis die
Farbe durch Hellroth in Violett und dann pltzlich in klares Blau
bergeht.

7. Man liest jetzt die verbrauchten C.C. Natronlsung ab, zieht sie
von den verwendeten C.C. Probesure ab und erkennt aus dem Reste ohne
Weiteres die Procente an reinem kohlensauren Alkali.

  [114] Annal. d. Chem. u. Pharm. 86. 129.


             II. $Verfahren nach Fresenius und Will$[115].

                                . 187.

Dieses Verfahren beruht darauf, dass man die Quantitt des kohlensauren
Alkalis in der Pottasche und Soda aus dem Kohlensurequantum bestimmt,
welches sie enthalten. -- Bedingung bei demselben ist demnach, dass
alles Alkali, welches den genannten Handelsartikeln Werth verleiht,
als neutrales kohlensaures Salz vorhanden, und kein anderweitiges
kohlensaures Salz zugegen ist. Sind diese Bedingungen nicht von
vornherein gegeben, so mssen sie auf geeignete Weise herbeigefhrt
werden. --

Die Bestimmung der Kohlensure geschieht genau nach der in . 110.
II. b. [Greek: b]. aa. beschriebenen Weise. Man whlt die Klbchen des
in Fig. 47 abgebildeten Apparates nicht zu klein, _A_ kann 4 bis 5
Loth, _B_ 3 bis 4 Loth Wasser fassen. -- Es ist unter allen Umstnden
zweckmssig (nicht aber nothwendig), der Kohlensurebestimmung eine
Wasserbestimmung vorhergehen zu lassen.

  [115] Vergl. das S. 456 in der Anmerkung genannte Werkchen, in welchem
        das was hier kurz gegeben wird, weitlufig beschrieben und
        erklrt ist.

      1. _Prfung der Pottasche._

a. $Wasserbestimmung.$

Man bringt ein Schlchen von Eisenblech, welches etwa zwei Zoll
Durchmesser hat und mit einem etwas lose schliessenden Deckel versehen
ist, oder einen Porzellantiegel sammt seinem Deckel auf die Schale einer
Wage, beschwert dieselbe Schale mit einem Zehngrammstck und bringt die
Wage durch Schrote, zuletzt am besten durch Stanniolstreifchen, genau
ins Gleichgewicht. Man nimmt nun von der zu untersuchenden Pottasche
an verschiedenen Stellen Proben heraus, zerreibt dieselben mglichst
schnell in einem trocknen Mrser, entfernt alsdann das Zehngrammstck
von der Wage und bringt statt dessen so lange von der gepulverten
Pottasche in das Schlchen, bis das Gleichgewicht wieder vllig
hergestellt ist.

Man hat auf diese Art genau 10 Grm. Pottasche in dem Schlchen.

Dasselbe erhitzt man jetzt andauernd gelinde, bis alles Wasser
ausgetrieben ist (bis eine darber gehaltene Glasscheibe sich nicht mehr
beschlgt), bedeckt es, bringt es nach dem Erkalten auf die Wage und
stellt das Gleichgewicht durch aufgelegte Gewichte her. Die Anzahl der
Decigramme, welche hinzugelegt werden mussten, giebt alsdann die Menge
des Wassers, welches in 100 Theilen der geprften Pottasche enthalten
war, geradezu an.

b. $Kohlensurebestimmung.$

Von dem in 1. erhaltenen, wasserfreien Rckstande wgt man 6,283 Grm.
ab und bestimmt die darin enthaltene Kohlensure nach . 110. II. b.
[Greek: b]. aa. -- Dividirt man die Anzahl der entwichenen Centigramme
Kohlensure durch 2, so erhlt man ohne weitere Rechnung den Gehalt der
Pottasche an kohlensaurem Kali. -- Gesetzt also, 6,283 Grm. Pottasche
htten gegeben 1,80 Grm. Gewichtsverlust des Apparates, oder, was
dasselbe ist, Kohlensure, so enthielte die Pottasche 180/2 = 90
Procente kohlensaures Kali.

Enthlt eine Pottasche kohlensauren Kalk (was nur sehr selten der
Fall ist), so lst man sie in Wasser, filtrirt und verfhrt mit dem
eingeengten Filtrat nach b. -- Bei Gegenwart von Schwefelkalium und
Aetzkali verfhrt man wie unter gleichen Umstnden bei Soda (siehe 2).

      2. _Prfung der Soda._

Man verfhrt im Allgemeinen ebenso wie bei Pottasche. Von dem
wasserfreien Rckstande hat man 4,817 Grm. abzuwgen, wenn man durch
Halbirung der Centigramme Kohlensure den Procentgehalt an kohlensaurem
Natron unmittelbar finden will.

_Enthlt eine Soda Schwefelnatrium, schwefligsaures oder
unterschwefligsaures Natron_, so wrde bei dem gewhnlichen Verfahren
mit der Kohlensure Schwefelwasserstoff oder schweflige Sure
entweichen, und auf diese Art die Menge der ersteren zu hoch gefunden
werden. Diesem Uebelstande beugt man leicht vor, indem man zu dem
Inhalte des Kolbens _A_ (zu der Sodalsung) etwas gelstes neutrales
chromsaures Kali bringt. Schwefelwasserstoff wie schweflige Sure werden
hierdurch zersetzt, und weil die Producte der Zersetzung nicht flchtig
sind, entweicht jetzt die Kohlensure rein. -- Da es einfacher ist, bei
jeder Sodaprfung ohne Weiteres ein wenig chromsaures Kali zuzusetzen,
als jedesmal eine qualitative Prfung auf die eben angefhrten
Verunreinigungen vorzunehmen, -- und da die meisten Sodasorten des
Handels eine oder die andere derselben enthalten, so kann man es
sich zur Regel machen, bei Sodaprfungen stets etwas chromsaures Kali
hinzuzufgen.

_Enthlt eine Soda kaustisches Natron_, was man daran erkennt, dass ihre
Lsung nach Zusatz von berschssigem Chlorbaryum alkalisch reagirt, so
hat man folgende Modification des Verfahrens eintreten zu lassen.

a. $Wasserbestimmung.$

Sie geschieht auf die gewhnliche Weise (siehe Pottaschenprfung).

b. $Kohlensurebestimmung.$

Von dem in a. gewonnenen Rckstande wgt man 4,818 Grm. ab, reibt
dieselben mit 3 bis 4 Theilen reinem Quarzsande und etwa 1/3 gepulvertem
kohlensauren Ammon zusammen, bringt die Mischung in ein eisernes
Schlchen, splt den Mischungsmrser mit Sand nach, befeuchtet die
Masse mit so viel Wasser, als sie einsaugen kann, lsst eine kleine
Weile stehen und erhitzt alsdann gelinde, bis alles Wasser ausgetrieben
ist. In diesem Falle enthlt der Rckstand keine Spur kohlensaures
Ammon mehr. -- Enthlt eine Soda neben Aetznatron Schwefelnatrium,
so nimmt man statt des Wassers zum Befeuchten der Masse Aetzammon,
um das anderthalbfach kohlensaure Ammon in neutrales zurckzufhren;
andernfalls wrde Schwefelammonium entwickelt und ein Theil des
Schwefelnatriums in kohlensaures Natron bergefhrt werden.

Nach dem Erkalten bringt man die Masse, welche sich mit Hlfe eines
stumpfen Messers ganz leicht aus dem Schlchen nehmen lsst, in den
Kolben _A_, splt das Schlchen mit etwas Wasser nach und verfhrt
im Uebrigen wie gewhnlich. -- Der zugesetzte Sand dient dazu, das
Zusammenbacken der Masse, sowie das Spritzen beim Eintrocknen zu
verhten; wrde man ihn weglassen, so msste man nicht allein beim
Erhitzen der feuchten Masse sehr vorsichtig sein, sondern man htte auch
grosse Mhe, die eingetrocknete Masse vollstndig aus dem Schlchen
in den Apparat zu bringen. -- Am leichtesten gelingt die letztere
Operation, wenn man vor dem Einbringen der Mischung das Eisenschlchen
in der Art innen mit feinem Sande auskleidet, dass man es befeuchtet,
Sand hineinbringt und den Ueberschuss wieder herausschttet.


   C. $Bestimmung des kaustischen Alkalis, welches neben kohlensaurem
              in Soda oder Pottasche enthalten sein kann.$

                                . 188.

Sowohl in manchen Pottaschen als namentlich in vielen Sodasorten findet
man gegenwrtig neben kohlensauren auch tzende Alkalien, und sehr
hufig kommt man in die Lage, den Gehalt an letzteren bestimmen zu
sollen, indem es z. B. dem Seifenfabrikanten gar nicht gleichgltig
ist, ein wie grosser Theil der Soda ihm schon kaustisch geliefert wird.
Diese Frage lsst sich am einfachsten in der Art entscheiden, dass
man die in . 185 oder . 186 angegebene Methode mit der in . 187
beschriebenen verbindet, d. h. nach einer der ersteren die Gesammtmenge
des kaustischen und kohlensauren Alkalis, nach letzterer aber die
Menge der Kohlensure und somit des kohlensauren Alkalis bestimmt. Die
Differenz beider Bestimmungen giebt die Menge kohlensaures Alkali an,
welcher das vorhandene kaustische entspricht. Will man das kohlensaure
Natron auf wasserfreies Aetznatron berechnen, so ist es mit 0,5849,
will man es auf Natronhydrat berechnen, mit 0,7547 zu multipliciren.
Kohlensaures Kali ist zu ersterem Zwecke mit 0,6817, zu letzterem mit
0,8119 zu multipliciren.

Man ersieht leicht, dass man auch nur mit der in . 187 angegebenen
Methode den vorliegenden Zweck erreichen kann, indem man in $einer$
abgewogenen Probe die Kohlensure geradezu, in einer $zweiten$ nach
vorhergegangener Behandlung mit kohlensaurem Ammon bestimmt.


                           3. $Chlorimetrie.$

                                . 189.

Der im Handel vorkommende Bleichkalk ist, wie bekannt, ein Gemenge von
Kalkhydrat mit unterchlorigsaurem Kalk und Chlorcalcium. Die beiden
letzteren Verbindungen stehen in normalem Chlorkalk immer in dem
Verhltniss wie 1 Aeq. zu 1 Aeq. -- Uebergiesst man Chlorkalk mit einer
Sure, so erhlt man den ganzen Gehalt an Chlor in freiem Zustande; denn

           CaO, ClO + CaCl + 2SO_{3} = 2CaO, SO_{3} + 2Cl. --

Der Chlorkalk des Handels ist von sehr ungleicher Beschaffenheit;
bald liefert er mit Suren viel, bald wenig Chlor. Da nun letzteres
allein seinen Werth bedingt, und da der Chlorkalk Gegenstand einer
ausgebreiteten Fabrikation und eines bedeutenden Handels ist, so fhlte
man bald das Bedrfniss, einfache Mittel kennen zu lernen, welche
den Werth des Chlorkalks, d. h. seinen Gehalt an wirkendem Chlor, zu
erkennen gben. Die Gesammtheit dieser Methoden pflegt man unter der
Benennung Chlorimetrie zusammenzufassen.

Die Anzahl der chlorimetrischen Methoden ist so gross, dass ich darauf
verzichte, alle in Vorschlag gekommenen hier anzufhren. Ich begnge
mich damit, diejenigen zu beschreiben, welche sich entweder durch
leichte Ausfhrung oder besondere Sicherheit im Resultate auszeichnen,
oder welche deshalb Erwhnung verdienen, weil sie im praktischen Verkehr
sich eingebrgert haben. Ich werde bei den einzelnen Gelegenheit finden,
ihre Vorzge und Mngel zu besprechen.

Zuvor mache ich darauf aufmerksam, dass man die Resultate der
Chlorkalkprfung in verschiedener Weise auszudrcken pflegt. Whrend
man nmlich in der Wissenschaft einen Chlorkalk gewhnlich in der
Art charakterisirt, dass man seinen Gehalt an wirksamem Chlor in
Gewichtsprocenten angiebt, taxirt und verkauft man denselben im
praktischen Leben in der Regel nach chlorimetrischen Graden. Diese von
$Gay-Lussac$ herrhrende Bezeichnungsweise giebt an, wieviel Liter
Chlorgas von 0 und 0,76 Met. Druck in 1000 Grm. Chlorkalk enthalten
sind.

Beide Bezeichnungen lassen sich leicht auf einander zurckfhren, da man
ja weiss, dass 1 Liter Chlorgas von 0 und 0,76 Met. 3,17007 Grm. wiegt.

So enthlt z. B. ein Chlorkalk von 90 3,17007  90 = 285,306 Grm.
Chlor in 1000 Grm., also 28,53 in 100, -- und ein Chlorkalk, welcher
34,2 Gewichtsprocente Chlor enthlt, hat 107,9 Grade, denn da 100 Grm.
34,2 Grm. Chlor enthalten, enthalten 1000 Grm. 342. Diese sind aber =
342/3,17007, d. i. = 107,9 Liter.


                    $Bereitung der Chlorkalklsung.$

                                . 190.

Die Bereitung der Chlorkalklsung geschieht fr alle Methoden am besten
auf gleiche Art und zwar zweckmssig auf folgende:

Man wgt 10 Grm., reibt ihn mit wenig Wasser fein ab, setzt nach und
nach mehr Wasser zu, schlmmt in den 1 Liter fassenden Messkolben,
reibt den Rckstand wieder mit Wasser ab, splt zuletzt den Inhalt der
Reibschale sorgfltig in den Kolben, fllt ihn bis zur Marke, schttelt
die milchige Flssigkeit und wendet sie geradezu, d. h. ohne sie
absitzen zu lassen, an. So oft man neue Portionen derselben abmisst,
schttelt man zuvor um. Man erhlt auf diese Art viel constantere und
richtigere Resultate, als wenn man, wie dies in der Regel vorgeschrieben
wird, die Lsung absitzen lsst und nur den geklrten Theil verwendet.
Man kann sich von dem Gesagten leicht berzeugen, wenn man zwei
Versuche, den einen mit der klaren abgegossenen Lsung, den anderen mit
der rckstndigen trben Mischung macht. So zeigte z. B. bei directen
Versuchen die abgegossene Lsung einen Gehalt von 22,6, die rckstndige
Mischung von 25,0, -- die gleichfrmig gemischte von 24,5.

Von der so bereiteten Chlorkalklsung entspricht 1 C.C. 0,01 Grm.
Chlorkalk.


            A. $Methode von Gay-Lussac$ (etwas modificirt).

                                . 191.

Dieses Verfahren, welches noch vor Kurzem in den meisten Fabriken
eingefhrt war, beruht auf dem Umstande, dass, wenn Chlor bei
Gegenwart von Wasser mit arseniger Sure zusammenkommt, Arsensure und
Chlorwasserstoff entsteht:

                 AsO_{3} + 2Cl + 2HO = AsO_{5} + 2ClH.

1 Aeq. arseniger Sure = 1237,5 (oder 99) bedarf somit 2 Aeq. Chlor
= 886,6 (oder 70,92), um in Arsensure berzugehen, oder in anderem
Ausdrucke, 100 Gewichtstheile Chlor oxydiren 139,6 arsenige Sure. Kennt
man somit das Quantum einer Chlorlsung, welches erforderlich ist, um
eine bestimmte Menge arseniger Sure in Arsensure zu verwandeln, so
kennt man damit auch den Gehalt der Lsung an Chlor. -- Die arsenige
Sure wendet man am besten in Lsung an und bereitet sich eine solche
von bekanntem Gehalt folgendermaassen.

      a. _Bereitung der Lsung von arseniger Sure._

Man lse 13,96 Grm. reine arsenige Sure in Natron- oder Kalilauge und
verdnne die Lsung zu 1 Liter. Alsdann enthalten 10 C.C. 0,1396 arsenige
Sure, entsprechend 0,1 Grm. Chlor.

      b. _Ausfhrung des Versuchs._

Man misst von der in a. genannten Lsung 10 C.C. mit der Pipette ab,
bringt sie in ein Becherglas, verdnnt mit Wasser, setzt Salzsure zu
bis zum starken Vorwalten, frbt die Flssigkeit mit einem Tropfen
schwefelsaurer Indiglsung blau und trpfelt nun von der nach . 190
bereiteten Chlorkalklsung unter stetem Umrhren zu, bis die blaue
Farbe fast verschwunden ist. Man bringt nun nochmals einen Tropfen
Indiglsung hinzu und trpfelt jetzt aufs Neue Chlorkalklsung ein, bis
die Flssigkeit sich pltzlich gnzlich entfrbt und auch durch Zusatz
eines sehr kleinen Tropfens Indiglsung nicht mehr gefrbt wird. Die
verbrauchte Chlorkalklsung hat 0,1 Grm. Chlor enthalten. Setzen wir den
Fall, es seien 40 C.C. = 80 Brettengrade verbraucht worden. Da nun jeder
Cubikcentimeter 0,01 Chlorkalk entspricht, so findet man den Gehalt des
Chlorkalks an Gewichtsprocenten Chlor nach dem Ansatze:

                         0,40 : 0,10 = 100 : x
                                   x = 25,

oder man dividirt mit den verbrauchten C.C. Chlorkalklsung in 1000, oder
mit den verbrauchten Brettengraden (1/2 C.C.) in 2000.

Diese Methode giebt zwar befriedigende Resultate, es gehrt aber einige
Uebung dazu, um den Punkt der beendigten Ueberfhrung mit vollkommener
Sicherheit zu treffen, auch entwickelt sich leicht ein wenig Chlor. Der
letzte Fehler wird grsser, wenn man, wie dies gewhnlich geschieht, mit
concentrirterer Chlorkalklsung operirt (Analyt. Belege Nr. 72).


                      B. $Methode von Penot$[116].

                                . 192.

Dieselbe grndet sich ebenfalls auf die Ueberfhrung der arsenigen
Sure in Arsensure, aber sie lsst dieselbe in alkalischer Lsung
vollbringen. Zur Erkennung der beendigten Reaction bedient man sich
eines sogenannten jodirten Papiers.

  [116] _Bulletin de la socit industrielle de Mulhouse_ 1852. Nr. 118,
        -- $Dingler$'s polyt. Journ. 127. 134.

      a. _Bereitung des jodirten Papiers._

Man erhitzt bis zur vollstndigen Auflsung und Entfrbung 1 Grm. Jod,
7 Grm. krystallisirtes kohlensaures Natron, 3 Grm. Kartoffelstrke, 250
C.C. Wasser, nimmt vom Feuer und verdnnt mit Wasser auf 500 C.C. Mit
dieser Flssigkeit trnkt man feines weisses Druckpapier und lsst es
trocknen.

      b. _Bereitung der Lsung von arseniger Sure._

Man lst 4,425 Grm. reine arsenige Sure mit 13 Grm. krystallisirtem
kohlensauren Natron und 6-700 C.C. Wasser in der Wrme auf und verdnnt
die erkaltete Lsung mit Wasser genau auf 1 Liter. Jeder C.C. enthlt
alsdann 0,004425 Grm. arsenige Sure, entsprechend 1 C.C. Chlorgas von 0
und 760 M.M. Druck, und somit entspricht auch jeder Brettengrad genau
einem Brettengrad Chlorgas[117].

  [117] $Penot$ hat 4,44 Grm. arsenige Sure angegeben; aber nach den
        jetzt als richtig anerkannten Aequivalenten und dem als richtig
        angenommenen Gewicht eines Liters Chlorgas ist die Zahl auf
        4,425 zu setzen, nach folgendem Ansatze:

        70,92 (2 Aeq. Chlor) : 99 (1 Aeq. AsO_{3}) = 3,17007 (Gewicht 1
        Liters Chlorgas) : x. x = 4,425, d. h. gleich der Menge arseniger
        Sure, welche durch 1 Liter Chlorgas oxydirt wird.

      c. _Ausfhrung._

Man misst 50 C.C. = 100 der nach . 190 bereiteten Chlorkalklsung
mittelst einer Pipette ab, bringt sie in ein Becherglas und trpfelt nun
aus einer 50 C.C. = 100 fassenden Brette oder Quetschhahnpipette von
der nach b. bereiteten Arsenlsung unter stetem Umrhren zu, bis ein
Tropfen der Chlorkalklsung, auf das jodirte Papier gebracht, dies eben
nicht mehr blau frbt, welcher Punkt sehr leicht und sicher zu treffen
ist, da die allmlig schwcher werdende Frbung des jodirten Papieres
darauf hinweist, dass derselbe bald erreicht ist, und dass man somit die
Probeflssigkeit nur noch tropfenweise zusetzen darf. -- Die Anzahl der
verbrauchten Brettengrade (1/2 C.C.) giebt geradezu die chlorimetrischen
Grade (die Liter Chlorgas im Kilogramm Chlorkalk) an, wie sich aus
folgender Betrachtung ergiebt. Gesetzt wir htten 80 (1/2 C.C.)
Arsenlsung verbraucht, so enthlt der zum Versuch verwendete Chlorkalk
80 = 40 C.C. Chlorgas. Die abgemessenen 100 = 50 C.C. Chlorkalklsung
entsprechen aber 0,5 Grm. Chlorkalk. Da nun 0,5 Grm. 40 C.C. Chlorgas
enthalten, so enthalten 1000 Grm. 80000 C.C. = 80 Liter. -- Diese Methode
giebt sehr bereinstimmende und gute Resultate und drfte namentlich fr
Fabriken die geeignetste sein.


                         C. $Methode von Otto.$

                                . 193.

Das Princip dieses Verfahrens ist folgendes:

2 Aeq. schwefelsaures Eisenoxydul geben, wenn sie bei Gegenwart von
Wasser und freier Schwefelsure mit Chlor zusammenkommen, 1 Aeq.
schwefelsaures Eisenoxyd und 1 Aeq. ClH, und zwar ist zu dieser
Umsetzung 1 Aeq. Cl erforderlich:

     2FeO, SO_{3} + SO_{3} + HO + Cl = Fe_{2}O_{3}, 3SO_{3} + ClH.

2 Aeq. FeO, SO_{3} = 1900 oder (auf krystallisirten Eisenvitriol
bezogen) 2(FeO, SO_{3}, HO + 6 aq.) = 3475,0 entsprechen 443,28 Chlor,
d. i. in anderem Ausdrucke 0,7839 Grm. krystallisirter Eisenvitriol
entsprechen 0,1 Grm. Chlor.

Das schwefelsaure Eisenoxydul zu diesen Versuchen bereitet man sich am
besten also:

Man lst rostfreie Ngel in verdnnter Schwefelsure, zuletzt unter
Erwrmen, auf, filtrirt die noch warme Lsung ab und lsst sie in
Weingeist tropfen, und zwar in etwa das doppelte Volum. Der Niederschlag
ist FeO, SO_{3} + HO + 6 aq. Man sammelt ihn auf einem Filter, ssst ihn
mit Weingeist aus und lsst ihn, auf Fliesspapier ausgebreitet, an der
Luft trocknen. Wenn er nicht mehr nach Weingeist riecht, hebt man ihn in
gut verschlossenen Gefssen auf.

_Ausfhrung des Versuchs._

Man lst 3,1356 Grm. (d. h. 4  0,7839 Grm.) des gefllten Eisenvitriols
mit Wasser zu 200 C. C. auf, nimmt 50 C.C., entsprechend 0,7839 Grm.
Vitriol mittelst einer Pipette heraus, verdnnt mit 150-200 C.C. Wasser,
suert die Lsung mit reiner Salzsure stark an und trpfelt nun von
der nach . 190 bereiteten, frisch geschttelten, in einer 50 C.C. =
100 fassenden Brette befindlichen Chlorkalklsung so lange zu, bis
alles schwefelsaure Eisenoxydul in Oxydsalz bergefhrt ist. -- Um
diesen Punkt zu treffen, bedient man sich eines Tellers, welchen man
mit einer Auflsung von Ferridcyankalium besprengt hat, und prft
zuletzt, wenn man sich dem Ziele nhert, nach Zusatz von je zwei
Tropfen Chlorkalklsung, ob die Eisenlsung das Ferridcyankalium noch
blau fllt, indem man mit dem Rhrstabe ein wenig derselben mit einem
auf dem Teller befindlichen Tropfen vereinigt. Ist das Ziel erreicht,
so liest man ab, wie viel Chlorkalklsung man verbraucht hat. Die
verbrauchte hat 0,1 Grm. Chlor enthalten. Die Rechnung ist demnach genau
wie in . 191. --

Auch diese Methode giebt ganz gute Resultate, vorausgesetzt, dass der
Eisenvitriol oxydfrei und trocken ist.

                    _Modificationen dieser Methode._

a. Statt des Eisenvitriols kann man sich mit bestem Erfolge auch einer
Eisenchlorrlsung bedienen, welche man durch Auflsung von Klavierdraht
in Salzsure (nach . 89. 2. a. bb.) bereitet hat. Lst man 0,6316
reines metallisches Eisen, das heisst 0,6335 feinen Klavierdraht (in
welchem 99,7 Eisen angenommen werden kann) zu 200 C.C., so hat man
eine Lsung von ganz demselben Eisengehalt, wie die oben genannte
Vitriollsung, d. h. 50 C.C. derselben entsprechen 0,1 Chlor. Da es aber
unbequem ist, eine bestimmte Menge Eisendraht abzuwiegen, so wge ich
lieber etwa 0,15 genau ab, lse, verdnne auf etwa 200 C.C., oxydire mit
der nach . 190 bereiteten Chlorkalklsung und berechne das Chlor nach
dem Ansatze: 56 : 35,46 = das angewandte Eisen : x, das gefundene x ist
dann gleich dem in der verbrauchten Chlorkalklsung enthaltenen Chlor.
Diese Rechnung erspart man durch folgende Formel, bei deren Berechnung
ich bereits auf den Kohlenstoff des Klavierdrahtes Rcksicht genommen
habe.

1) Man multiplicire den abgewogenen Klavierdraht mit 12626 und
dividire das Product durch die Brettengrade (1/2 C.C.) verbrauchter
Chlorkalklsung, so erhlt man den Gehalt an Chlor in Gewichtsprocenten.
Oder

2) man multiplicire den abgewogenen Klavierdraht mit 39829 und
dividire das Product durch die Brettengrade (1/2 C.C.) verbrauchter
Chlorkalklsung, so erhlt man die chlorimetrischen Grade des Chlorkalks
(die Anzahl der Liter Chlorgas im Kilogramm). Diese Methode giebt sehr
gute Resultate. Ich habe sie hauptschlich deshalb angefhrt, weil man
bei ihrer Anwendung ganz unabhngig von titrirten Flssigkeiten ist. Sie
empfiehlt sich daher namentlich zur Controle und vorzglich dann, wenn
man einmal eine oder zwei Prfungen zu machen hat.

b. Anstatt das Eisenoxydul oder Chlorr durch den Chlorkalk geradezu
zu oxydiren, kann man mit bestem Erfolge auch also operiren. Man wgt
etwa 0,3 Grm. Klavierdraht genau ab, lst zu Chlorr, verdnnt die noch
stark saure Lsung auf 200-300 C.C., lsst 100 = 50 C.C. der nach . 190
bereiteten Chlorkalklsung aus einer Brette unter Umrhren zufliessen,
und bestimmt zuletzt die Menge des noch unoxydirten Eisens (des aus
Chlorr noch nicht in Chlorid bergefhrten) mit bermangansaurem Kali
(. 89). Man erfhrt so die Menge des durch den Chlorkalk oxydirten
Eisens und somit, nach den in a. genannten Formeln, Chlorprocente oder
chlorimetrische Grade des Chlorkalks. -- Resultate sehr genau.


                        D. $Methode von Bunsen.$

                                . 194.

Man bringt 10 C.C. der nach . 190 bereiteten Chlorkalklsung (enthaltend
0,1 Chlorkalk) in ein Becherglas, fgt etwa 6 C.C. der nach . 114
bereiteten Jodkaliumlsung zu (enthaltend 0,6 K.J.), verdnnt mit etwa
100 C.C. Wasser, suert mit Salzsure an und bestimmt das ausgeschiedene
Jod nach . 114. Da 1 Aeq. Jod 1 Aeq. Chlor entspricht, ergiebt sich
die Rechnung leicht. -- Diese Methode liefert vortreffliche Resultate
(vergl. analytische Belege Nr. 72).


   4. $Prfung des Braunsteins auf seinen Gehalt an Manganhyperoxyd.$

                                . 195.

Der in der Natur vorkommende Braunstein ist ein stets etwas Feuchtigkeit
enthaltendes Gemenge von Manganhyperoxyd mit niederen Oxydationsstufen
des Mangans, mit Eisenoxyd, Thon, Schwerspath u. s. w. -- Es ist fr den
Fabrikanten und Kaufmann von grsstem Interesse, den Gehalt desselben an
reinem Hyperoxyd kennen zu lernen, indem von diesem allein sein Werth
abhngt. -- Von den vielen, zur Prfung des Braunsteins in Vorschlag
gekommenen Methoden theile ich hier nur drei mit. Sie geben sehr sichere
und gute Resultate und lassen sich rasch ausfhren. Fr technische
Prfungen empfiehlt sich namentlich die erstere[118].

  [118] Die Differenzen, welche bei der Prfung der Braunsteine nur zu
        hufig vorkommen, rhren (wie schon $de Vry$ bemerkte)
        hauptschlich von dem wechselnden Feuchtigkeitsgehalte derselben
        her. Es wre daher gewiss am besten, wenn man einerseits
        den zur Analyse bestimmten fein abgeriebenen Braunstein bei
        100-120 trocknete, andererseits durch Trocknen einer nur
        grob zerkleinerten Portion bei derselben Temperatur, den
        Feuchtigkeitsgehalt des Braunsteins bestimmte.


                A. $Verfahren nach Fresenius und Will.$

Das Princip, auf welchem dasselbe beruht, wurde bereits von $Berthier$
und $Thomson$ angewandt; es ergiebt sich aus Folgendem:

a. Wenn man Oxalsure (oder ein oxalsaures Salz) bei Gegenwart von
berschssiger Schwefelsure mit Manganhyperoxyd zusammenbringt,
so bildet sich schwefelsaures Manganoxydul, und es entwickelt sich
Kohlensure, indem der Sauerstoff, den man sich im Manganhyperoxyd als
mit Manganoxydul verbunden denken kann, an die Oxalsure tritt und sie
in Kohlensure verwandelt:

        MnO_{2} + SO_{3} + C_{2}O_{3} = MnO, SO_{3} + 2(CO_{2}).

Fr je 1 Aeq. des verwendbaren Sauerstoffs (wie man diesen
Sauerstoffberschuss nennen kann), oder, was dasselbe ist, fr je 1 Aeq.
Manganhyperoxyd erhlt man demnach 2 Aeq. Kohlensure.

b. Wenn man die Operation in einem gewogenen Apparate vornimmt, aus dem
nichts als die Kohlensure entweichen kann, und welcher gleichzeitig
ein ganz vollstndiges Austreiben derselben gestattet, so ergiebt sich
aus der Gewichtsabnahme des Apparates die Quantitt der entwichenen
Kohlensure, und somit durch eine einfache Rechnung die Menge des
vorhandenen Manganhyperoxyds.

c. Wenn man diese Rechnung vermeiden will, so hat man nur nthig,
ein solches Gewicht Braunstein anzuwenden, welches, wenn es reines
Manganhyperoxyd wre, 100 Theile Kohlensure liefern wrde. Alsdann
geben die gefundenen Theile Kohlensure ohne Weiteres die Theile
Hyperoxyd an, welche in 100 Theilen des angewandten Braunsteins
enthalten sind. Diese Zahl findet man durch folgende Gleichung:

              2 Aeq. CO_{2}   1 Aeq. MnO_{2}
                 550,00     :      544,68    =  100 : x
                                   x         =  99,033

Nhme man demnach 0,99033 Grm. Braunstein zu einem Versuche, so wrden
die Centigramme der entwichenen Kohlensure der unmittelbare Ausdruck
fr den Procentgehalt des Braunsteins an Hyperoxyd sein. Man wrde aber
alsdann eine zum genauen Wgen etwas kleine Menge Kohlensure erhalten.
Es ist daher zweckmssiger, ein Multiplum dieser Einheitszahl zu nehmen
und die Quantitt der erhaltenen Centigramme Kohlensure alsdann durch
die nmliche Zahl zu dividiren, mit welcher man die Einheit multiplicirt
hat. Als das geeignetste Multiplum ist das Dreifache oder 2,97099 zu
betrachten, statt welcher Zahl man ohne Nachtheil die krzere 2,97
setzen kann.

Nach dem Vorausgeschickten ist nun die Ausfhrung ohne Weiteres
verstndlich.

[Illustration: Fig. 99.]

Man bedient sich dazu des in Fig. 99 abgebildeten Apparates, den wir
. 110 bereits kennen gelernt haben. Das Klbchen _A_ fasse bis an
den Hals gefllt etwa 100-120 C.C., _B_ 90-100 C.C. Letzteres wird mit
englischer Schwefelsure zur Hlfte angefllt, die Rhre _a_ ist bei _b_
durch ein Wachsstpfchen verschlossen.

Man bringt 2,97 Theile des (am besten in einem Achatmrser) hchst
fein geriebenen Braunsteins in _A_, fgt etwa 7,5 Grm. zerriebenen
neutralen oxalsauren Kalis (durch Sttigen von gewhnlichem Kleesalz
mit kohlensaurem Kali und Abdampfen zur Krystallisation leicht zu
erhalten) oder etwa 6 Grm. neutralen oxalsauren Natrons und so viel
Wasser hinzu, dass das Klbchen ungefhr zu einem Drittel voll wird. Man
dreht nunmehr den Stopfen auf _A_ ein, tarirt den Apparat und veranlasst
alsdann, indem man aus _d_ mittelst eines Kautschukschlauches etwas Luft
aussaugt, dass Schwefelsure nach _A_ herberfliesst. Die Entwickelung
der Kohlensure beginnt sogleich und zwar usserst gleichmssig. Wird
sie schwcher, so lsst man wiederum etwas Schwefelsure herberfliessen
und fhrt auf gleiche Weise fort, bis aller Braunstein zersetzt ist,
was, wenn derselbe recht fein gepulvert war, hchstens einen Zeitaufwand
von 5 Minuten erfordert. Die vollstndige Zersetzung ergiebt sich
einerseits daraus, dass sich auch bei Ueberschuss von Schwefelsure
keine Kohlensure mehr entwickelt, andererseits darf sich auf dem
Boden von _A_ kein schwarzes Pulver mehr zeigen[119]. Zuletzt lsst
man etwas mehr Schwefelsure nach _A_ herberfliessen, damit sich
die darin befindliche Flssigkeit stark erhitze und die noch darin
aufgelste Kohlensure vollstndig ausgetrieben werde, lftet dann das
Wachsstpfchen auf _b_ und saugt langsam Luft aus _d_, bis die letzte
nicht mehr nach Kohlensure schmeckt, lsst den Apparat erkalten, stellt
ihn auf die Wage und legt Gewichte hinzu bis zum Gleichgewicht. Die
Anzahl der aufgelegten Centigramme, dividirt durch 3, ist gleich dem
Procentgehalt des Braunsteins an Hyperoxyd.

  [119] Wurde der Braunstein in einem eisernen Mrser fein gerieben, so
        bleiben oft einzelne schwarze Punkte (Eisentheilchen) sichtbar.

Im Falle Braunsteinsorten kohlensaure alkalische Erden enthalten,
wie dies bei denen gewisser Fundorte zuweilen der Fall ist, ndert
man das Verfahren am zweckmssigsten auf folgende Art ab. Man bringt
wie gewhnlich 2,97 Grm. Braunstein in _A_, bergiesst sie darin mit
ziemlich verdnnter Schwefelsure, so dass etwa 1/3 des Klbchens
angefllt wird, und lsst, indem man zuweilen umschttelt, stehen, bis
das Aufbrausen vllig nachgelassen hat; man erwrmt alsdann gelinde, um
die noch aufgelste Kohlensure auszutreiben. Man fllt jetzt etwa 3
Grm. gepulverte kufliche Oxalsure in ein kleines Glasrhrchen, hngt
dieses an einem Faden schwebend in _A_, tarirt den Apparat und lsst
dann das Rhrchen in die Flssigkeit fallen, wodurch die Zerlegung des
Braunsteins und somit die Kohlensureentwickelung alsobald herbeigefhrt
wird. Zuletzt saugt man Schwefelsure von _B_ nach _A_ hinber und
beendigt berhaupt den Versuch, wie oben angegeben. --

Die Genauigkeit der Resultate ist berraschend. --

Sollte Jemand wnschen, den Braunstein auch in Hinsicht auf die
Quantitt Salzsure kennen zu lernen, deren dieser bedarf, um seinen
verwendbaren Sauerstoff als Chlor abzugeben (eine Sache, die nur in
seltenen Fllen von Interesse ist), so findet er darber ausfhrliche
Belehrung in dem bereits S. 456 angefhrten Schriftchen.


                      B. $Verfahren nach Bunsen.$

                                . 196.

Man wgt etwa 0,4 Grm. des hchst fein gepulverten Braunsteins ab,
bergiesst ihn in dem in . 104 Fig. 46 abgebildeten Klbchen _a_ mit
rauchender reiner Salzsure, und verfhrt genau wie bei der Analyse
chromsaurer Salze. Man kocht, bis aller Braunstein gelst und alles
Chlor ausgetrieben ist, was nach einigen Minuten beendigt ist. Je 1 Aeq.
ausgeschiedenen Jods entspricht 1 Aeq. entwickelten Chlors, folglich 1
Aeq. Manganhyperoxyd.

Ich will bei dieser Gelegenheit auf einige kleine Abnderungen des
$Bunsen$'schen Verfahrens aufmerksam machen, welche sich in meinem
Laboratorium als zweckmssig bewhrt haben.

Dieselben beziehen sich erstens auf die Form des Entwickelungs- und
Absorptionsapparates, zweitens auf die Art des Zusatzes der schwefligen
Sure.

[Illustration: Fig. 100.]

Da bei der $Bunsen$'schen Einrichtung das kleine Kugelventil seinen
Dienst nicht immer nach Wunsch verrichtet, so steigt die Flssigkeit
gern zurck. Es wird dies sehr gut vermieden oder wenigstens unschdlich
gemacht durch die in Fig. 100 dargestellte abgenderte Form der Gefsse.
Man sieht, _a_ ist eine oben umgebogene, unten zu einer aufwrts
gerichteten Spitze ausgezogene Pipette. Sobald das Kochen beendigt ist,
fasst man das Kautschukrohr _c_ mit der linken Hand und hebt, whrend
man die Weingeistlampe mit der Rechten stets unter dem Klbchen hlt,
_a_ so weit aus der Retorte, dass die gekrmmte Spitze sich in der Kugel
_b_ befindet. Jetzt nimmt man erst die Lampe, dann das Klbchen weg und
verfhrt dann wie gewhnlich. --

Was den Zusatz der schwefligen Sure betrifft, so verursacht derselbe
unnthige Mhe und Zeitaufwand, wenn man denselben mit Hlfe einer
gewhnlichen Pipette vollbringt, mehr noch, wenn man eine kleine
Messflasche anwendet wegen des dann nthigen Aussplens. Ich habe
deshalb fr mein Laboratorium den in Fig. 101 (a. f. S.) dargestellten
Apparat construirt, der uns treffliche Dienste thut.

[Illustration: Fig. 101.]

_A_ ist eine mglichst grosse Flasche. Sie fasse z. B. 10 Liter. Man
fllt sie fast mit Wasser voll, fgt 70-80 C.C. einer gesttigten Lsung
von schwefliger Sure zu, schttelt tchtig und stellt die Flasche dann
an ihren erhhten festen Standort. Man verbindet dann die Rhre _h_
mittelst des vulcanisirten Kautschukschlauchs _e_ mit den Rhren _f_
und _g_ und schiebt das unter dem Quetschhahn _a_ befindliche Stck
des kleinen Kautschukschlauches ber das in die Rhre _c d_ mndende
Rhrchen, welches innen so zur Seite gebogen ist, dass die Flssigkeit
ruhig an der Rhrenwand herunterluft. _g_ enthlt Phosphorstckchen
zwischen Asbest, _f_ Kalihydrat. Die Rhre _c d_ ist mittelst zweier
eiserner Ringe (welche hier nicht gezeichnet sind) oder auf eine
sonstige beliebige Art an der Wand oder einem geeigneten Gestelle in
lothrechter Richtung so befestigt, dass sie 10-12 Centimeter absteht,
und der 0-Punkt sich in der Hhe des Auges befindet. Sie ist von oben
nach unten genau auf Ausfluss graduirt, und zwar gengt eine Eintheilung
von 50 zu 50 C.C. Diese Graduirung stellt man leicht her, indem man
die Rhre bis an den 0-Theilstrich mit Wasser fllt, und mittelst des
Quetschhahns _b_ in eine genau auf Einguss graduirte Messrhre 50 C.C.
(oder auch in einen tarirten Kolben 50 Grm. von 4 C.) ausfliessen
lsst. Man bezeichnet jetzt den Flssigkeitsstand in der Rhre _c d_ mit
einem Diamantstrich und fhrt so fort, bis die Rhre ihrer ganzen Lnge
nach eingetheilt ist.

Der Gebrauch des Apparates ergiebt sich von selbst. Soll die Messrhre
_c d_ gefllt werden, ffnet man den Hahn _a_, soll eine gemessene
Menge schwefliger Sure abgelassen werden, den Hahn _b_. -- Die
ausfliessende Flssigkeit lasse man ruhig an der Wand des Becherglases
herabfliessen. Bei der Feststellung der Beziehung zwischen schwefliger
Sure und Jodlsung bringt man am besten zuerst etwa 9/10 der
nothwendigen Jodlsung aus der Brette oder Quetschhahnpipette in ein
Becherglas, lsst dann 100 C.C. schweflige Sure zufliessen, versetzt mit
Strkekleister und fgt nun tropfenweise weitere Jodlsung zu, bis zur
eintretenden Blaufrbung.


                    C. $Verfahren mittelst Eisens.$

                                . 197.

Man lst 0,5-0,6 Grm. Klavierdraht in der in . 196, _B_ Fig. 100,
abgebildeten Retorte (indem man deren Bauch nach unten, ihren Hals
aufwrts richtet und ihre Mndung mit einem Stopfen schliesst, der eine
offene Glasrhre trgt) in verdnnter Salzsure, wie in . 89. 2. a.,
verdnnt die Lsung und giebt der Retorte die Stellung, welche sie in
Fig. 100 zeigt.

Nun erhitzt man in dem in Fig. 100 dargestellten Klbchen _d_ 0,35-0,4
Grm. fein gepulverten Braunstein mit starker Salzsure, genau wie in
. 196 und bestimmt zuletzt, nach dem Erkalten, den nicht oxydirten
Theil des Eisens durch bermangansaure Kalilsung von bekanntem
Wirkungswerth (. 89). Zieht man diesen ab von der angewandten Menge
des Klavierdrahtes, so erfhrt man die Quantitt des Eisens, welche
durch das mit Hlfe des Braunsteins entwickelte Chlor oxydirt wurde.
Multiplicirt man letztere mit 0,77804, so erhlt man die Menge des
Hyperoxyds, welche in dem zersetzten Braunstein enthalten war.


          5. $Prfung des gelben und rothen Blutlaugensalzes.$

                                . 198.

Das kufliche gelbe Blutlaugensalz ist bekanntlich Ferrocyankalium (Cfy,
2K + 3 aq.), welches meist kleinere oder grssere Mengen anderer Salze
(kohlensaures Kali, schwefelsaures Kali, Chlorkalium) enthlt; das rothe
Blutlaugensalz ist Ferridcyankalium (2Cfy, 3K), welches hnliche
Verunreinigungen enthalten kann und ausserdem in der Regel noch etwas
Ferrocyankalium enthlt.

Es ist sowohl zur Prfung dieser Handelsartikel, als auch zur
Untersuchung der bei der Fabrikation derselben sich ergebenden
Mutterlaugen u. s. w. wichtig, eine einfache Methode zu kennen, mittelst
welcher man den Gehalt an Ferro- und Ferridcyankalium leicht, schnell
und sicher feststellen kann.

Ich freue mich, eine solche mittheilen zu knnen. Sie ist vor Kurzem
von einem meiner Schler, Herrn E. $de Haen$, ermittelt worden und
entspricht dem Zwecke aufs Beste.

Dieselbe beruht auf der einfachen Thatsache, dass eine mit
Salzsure angesuerte Lsung von Ferrocyankalium (in der
somit freie Ferrocyanwasserstoffsure anzunehmen ist) bei
Zusatz von bermangansaurem Kali bergeht in die entsprechende
Ferridcyanverbindung. Nimmt man diese Ueberfhrung in einer ganz
verdnnten Flssigkeit vor, welche etwa 0,2 Grm. Ferrocyankalium
in 200-300 C.C. enthlt, so giebt sich das Ende der Reaction durch
den Uebergang der rein gelben Lsung in eine entschieden rothgelbe
scharf und unzweideutig zu erkennen. -- Die Bestimmung des Ferridcyans
vollbringt man, indem man die Ferridcyanverbindung mit Hlfe eines
Reductionsmittels in die entsprechende Ferrocyanverbindung berfhrt und
diese dann mit bermangansaurem Kali behandelt.

Die Methode erfordert zwei Flssigkeiten von bekanntem Gehalt, nmlich:

1) eine Lsung von reinem Ferrocyankalium;

2) eine Lsung von bermangansaurem Kali.

$Erstere$ bereitet man durch Auflsen von 20 Grm. vollkommen reinem und
trockenem krystallisirten Ferrocyankalium in Wasser, so dass das Volumen
der Lsung 1 Liter betrgt. Jeder C.C. enthlt somit 20 Milligramm; --
$letztere$ verdnnt man so, dass man zu 10 C.C. der Blutlaugensalzlsung
den Inhalt einer Brette nicht ganz verbraucht. (Wendet man eine solche
an, die in 100 halbe C.C. eingetheilt ist, so giebt man somit der
Chamleonlsung eine grssere Verdnnung, als wenn man eine halb so viel
fassende, in 1/10 C.C. eingetheilte Brette gebraucht.)

Um nun zunchst den Wirkungswerth der Chamleonlsung auf
Ferrocyankalium festzustellen, misst man mittelst einer kleinen Pipette
10 C.C. der Blutlaugensalzlsung (enthaltend 0,200 Grm.) ab, verdnnt
mit etwa 250 C.C. Wasser, suert mit Salzsure an, stellt auf ein Blatt
weissen Papiers und trpfelt unter Umrhren die Chamleonlsung ein,
bis die eintretende rothgelbe Frbung der Flssigkeit die vollendete
Ueberfhrung zu erkennen giebt[120]. Wiederholt man den Versuch
mehrmals, so erhlt man stets sehr genau bereinstimmende Resultate.
Diese rasch auszufhrende Prfung muss, der Vernderlichkeit der
Chamleonlsung halber, jeder neuen Versuchsreihe vorangehen.

  [120] Um sich am Anfang, wenn man sich auf die Farbennderung allein
        nicht verlassen will, die Ueberzeugung zu verschaffen, ob die
        Ueberfhrung wirklich vollendet ist, kann man wohl auch einen
        Tropfen auf einem Teller mit einem Tropfen Eisenchloridlsung
        zusammenbringen, der dadurch nicht mehr blau werden darf.

Will man nun ein Blutlaugensalz auf seinen Gehalt an Ferrocyankalium
prfen, so lst man 5 Grm. zu 250 C.C. auf, nimmt 10 C.C. der Lsung und
prft wie angegeben. Hat man bei der Feststellung des Wirkungswerthes
der Chamleonlsung 80 Brettengrade gebraucht und gengen jetzt 70, so
belehrt der Ansatz: 80 : 0,200 = 70 : x ber den Gehalt von 0,200 Grm.
des geprften Blutlaugensalzes an reinem Ferrocyankalium. -- Dass man
diese kleine Rechnung noch ersparen kann, wenn man die Chamleonlsung
so verdnnt, dass genau 100 0,200 Ferrocyankalium entsprechen, liegt
auf der Hand; denn in dem Falle bezeichnen die Grade direct die Procente.

Handelt es sich um die Bestimmung des Ferridcyankaliums in einer
Verbindung, welche kein Ferrocyankalium enthlt, so lst man zunchst 5
Grm. derselben zu 250 C.C., misst 10 C.C. ab, fgt 5-8 C.C. concentrirte
Kalilauge zu, erhitzt in einer kleinen Schale fast zum Kochen und trgt
dann 0,4-0,5 Grm. fein zerriebenes Bleioxyd ein. Es frbt sich dieses,
indem es theilweise in Hyperoxyd bergeht, sogleich braun. Schon nach
kurzer Digestion bei einer dem Siedepunkte nahen Temperatur ist die
Reduction beendigt; die Vernderung der Farbe der Lsung lsst darber
nicht in Zweifel[121]. Man verdnnt jetzt den Inhalt der Schale mit
Wasser, filtrirt, wscht aus, verdnnt, so dass das Gesammtvolum etwa
250 C.C. betrgt, und suert mit Salzsure an. Es entsteht hierdurch eine
starke weisse Trbung von ausgeschiedenem Ferrocyanblei. Unbekmmert um
dieselbe, fgt man die Chamleonlsung zu. Der Niederschlag lst sich in
dem Maasse, als die Ueberfhrung des Ferrocyans in Ferridcyan erfolgt,
und die Beendigung der Reaction giebt sich somit nicht nur an der
Farbenvernderung, sondern auch an der eintretenden vlligen Klarheit
der Flssigkeit zu erkennen[122]. Vor allen anderen Methoden, welche
angewandt werden knnen, um das Ferridcyankalium zu reduciren, hat keine
so gute Resultate geliefert, als die eben erwhnte. Wiederholte Versuche
gaben vllig befriedigende Resultate. Es ist dabei nur zu bemerken, dass
die Flssigkeiten concentrirt sein mssen.

  [121] Wirkliches Kochen, namentlich lnger fortgesetztes, vermeide
        man; es lst sich dadurch viel Bleioxyd, was die weitere Prfung
        etwas erschwert.

  [122] Da das Ferrocyanblei in einer salzsauren Flssigkeit nur schwer
        lslich, nicht aber ganz unlslich ist, so wird die Flssigkeit
        erst klar, dann -- nach Zusatz einiger weiteren Tropfen -- erst
        rothgelb. Letzterer Punkt muss erreicht werden.

Liegt endlich zur Analyse ein Krper vor, welcher Ferro- und
Ferridcyankalium enthlt, so bereitet man die Lsung wie angegeben und
prft alsdann 10 C.C. ohne Weiteres, 10 andere nach vorhergegangener
Reduction. Die erste Bestimmung liefert direct das Ferrocyankalium, die
letztere dieses sammt dem aus dem Ferridcyankalium gebildeten.

Da nun 2 Aeq. krystallisirtes Ferrocyankalium = 5281 einem Aeq.
Ferridcyankalium = 4117 entsprechen, so ergiebt sich die Menge des
letzteren, wenn man die Differenz beider Bestimmungen, ausgedrckt in
krystallisirtem Ferrocyankalium, multiplicirt mit 0,7795.

Die der beschriebenen Methode zu Grunde liegende Reaction erfolgt nach
der Gleichung 10(Cfy, 2H) + Mn_{2}O_{7} + 2ClH = 5(2Cfy, 3 H) + 2MnCl
+ 7HO. Es ist dies durch directe Versuche bewiesen worden. Die
Genauigkeit der Resultate ist sehr befriedigend.


                      6. $Analyse des Kochsalzes.$

                                . 199.

Ich whle dies Beispiel, um zu zeigen, wie man auf eine genaue und
dabei ziemlich rasche Art solche Salze analysirt, welche neben einem
vorwaltenden Hauptbestandtheil kleine Mengen anderer Substanzen
enthalten.

a. Das Salz wird gleichfrmig zerrieben und in ein mit einem Glasstopfen
versehenes Pulverglas gebracht.

b. Man wgt 10 Grm. ab, lst sie in einem Becherglase durch Digestion
mit Wasser auf, filtrirt die Flssigkeit in einen 500 C.C. fassenden
Messkolben -- und wscht den meistens bleibenden geringen Rckstand
vollkommen aus, zuletzt fllt man den Kolben bis zum Theilstrich mit
Wasser an und schttelt.

Bleiben beim Auflsen kleine, feste, weisse Krner von Gyps zurck, so
bringt man dieselben in eine Reibschale, reibt sie fein, setzt Wasser
zu, giesst nach geeigneter Digestion das helle aufs Filter ab, reibt
aufs Neue fein etc. bis zu deren Lsung.

c. Den getrockneten unlslichen Rckstand bestimmt man nach . 35.

d. Von der nach b. bereiteten Lsung misst man hinter einander folgende
Mengen ab:

              fr e  50 C.C. entsprechend 1 Grm. Kochsalz,
               "  f 150 C.C.      "       3  "       "
               "  g 150 C.C.      "       3  "       "
               "  h  50 C.C.      "       1  "       "

e. Man bestimmt in den abgemessenen 50 C.C. das $Chlor$ nach . 112. I.
a. oder c. ([Greek: a]. oder [Greek: b].).

f. Man bestimmt in den abgemessenen 150 C.C. die $Schwefelsure$ nach
. 105. I. 1.

g. Man bestimmt in den abgemessenen 150 C.C. Kalk und Magnesia nach
. 122. B. 3. a.

h. Man versetzt in einer Platinschale mit etwa 1/2 C.C. reiner
concentrirter Schwefelsure und verfhrt nach . 77. 1. Der neutrale
Rckstand enthlt die schwefelsauren Salze des Natrons, Kalks und der
Magnesia; zieht man davon die sich aus g. ergebenden Mengen der beiden
letzteren ab, so findet man die des schwefelsauren Natrons.

i. Man bestimmt in einer neu abgewogenen Menge des Salzes das Wasser
nach . 18. a. [Greek: a]. (letzter Satz).

k. Sollen Brom, oder sollen andere Substanzen, die nur in hchst
geringen Spuren im Kochsalz vorkommen, bestimmt werden, so verfhrt man
nach den bei den Mineralwasseranalysen angegebenen Methoden.


                    7. $Analyse des Schiesspulvers.$

                                . 200.

a. _Bestimmung der Feuchtigkeit._ Man wgt etwa 2 Grm. des fein
geriebenen Pulvers zwischen Uhrglsern ab und trocknet es entweder bei
gelinder Wrme, besser noch im Exsiccator ber Schwefelsure, bis keine
Gewichtsabnahme mehr erfolgt.


b. _Bestimmung des Salpeters._ Man bringt eine genau abgewogene
Quantitt des Pulvers (etwa 5-6 Grm.) in ein bei 100 getrocknetes,
gewogenes Filter, nachdem man dies mit Wasser befeuchtet hat, benetzt
das Pulver mit soviel Wasser, als es einsaugen kann, und laugt nach
einiger Zeit den Salpeter durch oft wiederholtes Aufgiessen kleiner
Mengen heissen Wassers vollstndig aus. Nachdem dies geschehen,
trocknet man den Inhalt des Filters bei 100 vollstndig und wgt
(. 33). Andererseits verdampft man die Salpeterlsung in einer
gewogenen Platinschale und bestimmt den Rckstand nach . 76. 2. Die
Gewichtsabnahme des Pulvers und die Gewichtszunahme der Schale mssen
einander gleich sein, denn beide drcken die Menge des Salpeters
aus[123].

  [123] Um den Salpetergehalt auf eine rasche und fr technische Zwecke
        hinlnglich genaue Weise zu ermitteln, kann man sich auch eines
        Arometers bedienen, welches die Gewichtsprocente Salpeter
        anzeigt, wenn eine gewisse Menge Pulver in einer bestimmten
        Menge Wasser gelst worden ist. -- Eine auf dasselbe Princip
        sich grndende Methode von $Uchatius$ findet sich in den Wiener
        acad. Ber. X. 748, daraus in Annal. d. Chem. u. Pharm. 88. 395.

      c. _Bestimmung des Schwefels._

[Greek: a]. Auf trockenem Wege nach $Gay-Lussac$.

Man mengt 1 Theil (etwa 1 bis 1,5 Grm.) des fein geriebenen Pulvers
mit der gleichen Menge wasserfreien, reinen (schwefelsurefreien)
kohlensauren Natrons, mischt alsdann 1 Theil reinen Salpeter und 4
Theile reines und trockenes Kochsalz zu, und erhitzt das Gemenge in
einem Platintiegel, bis die Verbrennung erfolgt und die Masse somit
weiss geworden ist. Dann lst man die geschmolzene Salzmasse in Wasser,
suert mit Salzsure an und fllt die durch Oxydation des Schwefels
entstandene Schwefelsure mit Chlorbaryum (. 105. I.).

[Greek: b]. Auf nassem Wege.

Man oxydirt 2-3 Grm. des Pulvers mit concentrirter reiner Salpetersure
und chlorsaurem Kali, welches letztere in kleinen Portionen zuzufgen
ist (. 116. II. 2. a. [Greek: a].). Da hierbei sowohl der Schwefel als
auch die Kohle vollstndig oxydirt werden, so erhlt man schliesslich
eine klare Lsung, in welcher die entstandene Schwefelsure nach . 105.
I. 1. zu bestimmen ist.

[Greek: c]. Indirect.

Man zieht von dem Gewicht des Schwefels und der Kohle das, nach d.
[Greek: a]. zu ermittelnde, der letzteren ab und erfhrt so die Menge
des Schwefels.

      d. _Bestimmung der Kohle._

[Greek: a]. Durch Reindarstellung.

aa. Man digerirt eine abgewogene Menge des Pulvers wiederholt
mit Schwefelammonium, bis aller Schwefel gelst ist, sammelt die
Kohle auf einem bei 100 getrockneten Filter, wscht sie erst mit
schwefelammoniumhaltigem, dann mit reinem Wasser aus, trocknet bei 100
und wgt.

bb. Man bringt das die Kohle und den Schwefel enthaltende gewogene
Filter (siehe b.) wieder in seinen Trichter, befeuchtet es mit
absolutem Alkohol und zieht den Schwefel mit einer Mischung von
Schwefelkohlenstoff und absolutem Alkohol aus. Um die Einwirkung
krftiger zu machen, erwrmt man den Trichter, indem man ihn in einen
weiteren steckt und den Zwischenraum mit warmem Wasser ausfllt. Zuletzt
wscht man mit reinem Alkohol aus, trocknet die Kohle bei 100 und wgt
sie ($Marchand$).

[Greek: b]. Durch Elementaranalyse des ganzen Pulvers, nach
$Weltzien$[124].

$Weltzien$ verbrennt eine abgewogene Probe des gut getrockneten Pulvers
mit Kupferoxyd in einer langen Verbrennungsrhre und erfhrt so direct
den Gehalt desselben an Kohlenstoff und Wasserstoff. Die Kenntniss des
letzteren ist deshalb wichtig, weil sie einen guten Schluss auf die
Natur und Entzndlichkeit der Kohle gestattet. Bei der Analyse sind
die . 151, 156 u. 159 angegebenen Modificationen des gewhnlichen
Verfahrens zu beachten.

Bestimmt man nach der angegebenen Weise Kohlenstoff und Wasserstoff,
den Salpeter nach b. und den Schwefel aus der Differenz, so erhlt man
denselben etwas zu hoch, weil der Sauerstoff und die Asche der Kohle
dann sein Gewicht vermehren.

  [124] Briefliche Mittheilung.


                    8. $Analyse gemengter Silicate.$

                                . 201.

Da die Analyse der durch Suren vollstndig zersetzbaren Silicate in
. 111. II. a., die der durch Suren nicht zerlegbaren in . 111. II. b.
beschrieben ist, so habe ich hier nur Einiges hinzuzufgen, was sich auf
die Untersuchung gemengter Silicate bezieht, d. h. solcher, welche aus
Silicaten beider Arten zusammengesetzt sind (Phonolithe, Thonschiefer,
Basalte, Meteorsteine etc.).

Nachdem das Silicat mglichst fein gepulvert und getrocknet ist,
behandelt man es gewhnlich mit mssig concentrirter Salzsure lngere
Zeit bei gelinder Hitze, lsst im Wasserbade eintrocknen, befeuchtet
den Rckstand mit Salzsure, setzt Wasser zu und filtrirt; -- fters
aber ist es besser, das Pulver mit verdnnter Salzsure (von etwa 15
Proc.) einige Tage in gelinder Wrme zu digeriren und dann ohne Weiteres
abzufiltriren. -- Welche Art der Zerlegung einzuschlagen ist, und ob
der hier bezeichnete, zuerst von $Chr. Gmelin$ bei der Analyse des
Phonoliths eingeschlagene Weg berhaupt zulssig ist, hngt von der
Natur der gemengten Mineralien ab. Je leichter zersetzbar der eine, je
weniger zersetzbar der andere Gemengtheil ist, je constanter sich bei
verschiedenen Versuchen das Verhltniss zwischen dem ungelsten und
gelsten Antheil erweist, und je weniger somit der ungelst gebliebene
Theil bei weiterer Behandlung mit Salzsure angegriffen wird, um so
sicherer kann man die angegebene Art der Zerlegung anwenden.

Man erhlt durch dieselbe:

a) eine salzsaure Lsung, in welcher die Basen des zersetzten Silicates
als Chlormetalle enthalten und nach den oben angegebenen Methoden zu
trennen und zu bestimmen sind; --

b) einen unlslichen Rckstand, welcher neben dem unzerlegten Silicat
die ausgeschiedene Kieselsure des zerlegten enthlt.

Man trgt letzteren, nachdem er sehr gut mit Wasser ausgewaschen
worden ist, dem man zweckmssig einige Tropfen Salzsure zusetzt, noch
feucht in kleinen Portionen in eine in einer Platinschale enthaltene
kochende Lsung von kieselsurefreiem kohlensauren Natron, erhlt einige
Zeit im Kochen und filtrirt jedesmal sehr heiss durch ein gewogenes
Filter ab. Zuletzt spritzt man die letzten Antheile des Niederschlages
vollstndig in die Schale ab. Sollte dies nicht ganz nach Wunsch
gelingen, so schert man das getrocknete Filter ein, bringt die Asche
in die Platinschale und kocht nochmals mit kohlensaurer Natronlsung.
Man wscht das Ungelste erst mit heissem Wasser, dann -- um jede Spur
anhaftenden kohlensauren Natrons sicherer zu entfernen -- mit durch
Salzsure schwach angesuertem, endlich wieder mit reinem Wasser aus.
Die Waschwasser sammelt man am besten in einem besonderen Gefsse.

Die alkalische Flssigkeit suert man mit Salzsure an und bestimmt
die darin enthaltene, dem durch Sure zersetzten Silicate angehrige,
Kieselsure nach . 111. II. a. Das ungelste Silicat trocknet und wgt
man. Es ergiebt sich aus der Differenz die Menge des gelsten. Mit dem
ungelsten verfhrt man alsdann genau nach . 111. II. b.

Nach einem von dem beschriebenen Verfahren etwas abweichenden Gange
verfhrt man bei der im Folgenden zu beschreibenden Analyse der Thone.


                        9. $Analyse der Thone.$

                                . 202.

Die Thone, aus der Verwitterung des Feldspaths oder hnlicher Silicate
hervorgegangen, stellen gewhnlich Gemenge dar von eigentlichem Thon mit
Quarz oder Feldspathsand und enthalten fters auch ausgeschiedene, durch
kochende kohlensaure Natronlsung ausziehbare Kieselsure.

Indem ich in Betreff mechanischer Analyse der Thone auf meine
"Untersuchung der wichtigsten nassauischen Thone[125]" verweise, wende
ich mich hier gleich der Methode zu, welche man bei der chemischen
Analyse zweckmssig befolgt.

  [125] Journ. f. prakt. Chem. 57. 65.

a. Man zerreibt die Thone aufs Feinste und trocknet sie mehrere Tage bei
100.

b. Man schliesst 1-2 Grm. mit kohlensaurem Natron-Kali auf und verfhrt
genau nach . 111. II. b. -- Mit der erhaltenen salzsauren, von der
Kieselsure getrennten Lsung verfhrt man nach . 129. 1. -- In dem
durch kohlensauren Baryt erhaltenen, Thonerde mit etwas Eisenoxyd
enthaltenden Niederschlage bestimmt man, nach Abscheidung des Baryts,
Thonerde und Eisenoxyd nach . 128. B. 10. a.

c. Man schliesst 1-2 Grm. mit Fluorwasserstoff auf (. 112. II. b.
[Greek: b] oder [Greek: c].), um den Alkaligehalt des Thons zu bestimmen.

d. Man erhitzt eine dritte Portion (1-2 Grm.) mit berschssigem
Schwefelsurehydrat, welchem man etwas Wasser zugefgt hat, zuletzt
bis zum Verdampfen des Hydrats. Man lsst erkalten, fgt Wasser zu und
trennt im ungelsten Rckstand die ausgeschiedene Kieselsure vom Sand
durch Behandlung mit kochender concentrirter kohlensaurer Natronlsung
(. 201).

e. Um die Menge der Kieselsure kennen zu lernen, welche sich durch eine
kochende Lsung von kohlensaurem Natron ausziehen lsst, kocht man eine
etwas grssere gewogene Portion mit der genannten Lsung wiederholt aus
und bestimmt die Kieselsure im Filtrat durch Abdampfen mit Salzsure. --

f. Man bestimmt die Menge des Wassers durch andauerndes Glhen im
Platintiegel. -- (Der so gefundene Gewichtsverlust giebt aber das Wasser
gewhnlich etwas zu hoch an, da viele Thone Spuren organischer Materien
enthalten, welche beim Glhen zersetzt werden, und da ferner manche beim
Glhen geringe Mengen von Salmiak entweichen lassen. Vergl. die oben
angefhrte Abhandlung.)


        10. $Analyse der Kalksteine, Dolomite, Mergelarten etc.$

Da die kohlensauren Kalk und kohlensaure Magnesia enthaltenden
Mineralien in der Technik und Landwirthschaft eine hchst wichtige
Rolle spielen, so ist ihre Analyse, welche im Ganzen wenig
Schwierigkeit bietet, eine in den chemischen Laboratorien hufig
vorkommende Aufgabe. Ich theile im Folgenden zuerst den Gang mit,
welcher bei vollstndiger Analyse einzuschlagen ist, und gehe dann zur
Beschreibung einer maassanalytischen Methode ber, die in kurzer Frist
die Bestimmung des kohlensauren Kalks (und der kohlensauren Magnesia)
gestattet.


              A. $Methode zur vollstndigen Analyse$[126].

                                . 203.

a. Man pulvert ein grsseres Stck des Minerals, mengt das Pulver
gleichmssig und trocknet bei 100.

b. Man behandelt etwa 2 Grm. in bedecktem Becherglase mit berschssiger
verdnnter Salzsure, verdampft zur Trockne, befeuchtet den Rckstand
mit Salzsure, erwrmt mit Wasser, filtrirt, wscht den unlslichen
Rckstand aus, trocknet und wgt ihn. Derselbe kann bestehen aus Thon,
Sand und ausgeschiedener Kieselsure. Ist er bedeutend, so kann man
denselben nach . 202 weiter untersuchen.

c. Die salzsaure Lsung versetzt man mit Chlorwasser, dann mit Ammon und
lsst bedeckt einige Zeit in mssiger Wrme stehen. Den Niederschlag,
welcher neben Eisenoxyd-, Manganoxyd- und Thonerdehydrat etwaige
Phosphorsure und stets auch Spuren von Kalk und Magnesia enthlt,
filtrirt man ab, wscht ihn etwas aus, lst ihn aufs Neue in Salzsure,
erhitzt die Lsung, fllt sie, nach Zusatz von Chlorwasser, wieder
mit Ammon, filtrirt, wscht aus, glht und wgt. Je nach Umstnden
bestimmt man dann auch wohl die Menge der einzelnen Bestandtheile des
Niederschlages, was -- in Betreff des Eisenoxyds und Manganoxyduloxyds
-- sehr gut maassanalytisch geschehen kann (. 128. B. 10).

d. Die von der ersten und zweiten Fllung mit Ammon abfiltrirten
Flssigkeiten vereinigt man, neutralisirt sie fast mit Salzsure,
so dass das Ammon nur ganz schwach vorwaltet, und bestimmt Kalk und
Magnesia nach . 122. B. 3. a. [Greek: a]. (Man versume nie, den Kalk, nach
dem Wgen, auf einen Gehalt an Magnesia zu prfen).

e. Die Kohlensure bestimmt man nach . 110. II. b. [Greek: a]. oder
[Greek: b]. bb.

  [126] Vergleiche meine chemische Untersuchung der wichtigsten
        Kalksteine des Herzogthums Nassau. Journ. f. prakt. Chem. 54. 85
        u. 374.


    B. $Maassanalytische Bestimmung des kohlensauren Kalks (und der
                        kohlensauren Magnesia).$

                                . 204.

      a. $Erfordernisse.$

1. _Salzsure_, von welcher 50 C.C. = 100 Brettengrade 5 Grm.
kohlensauren Kalk neutralisiren. Man stellt dieselbe genau nach der in
. 185 angegebenen Art mit Hlfe von reinem kohlensauren Natron her,
indem man die 5 Grm. kohlensaurem Kalk quivalente Menge kohlensauren
Natrons in Rechnung bringt (d. i. 5,3 Grm).

2. _Natronlauge_, von welcher zwei Raumtheile einen Raumtheil der
Salzsure neutralisiren. Die Darstellung derselben siehe . 182.

      b. $Ausfhrung bei gnzlicher oder fast gnzlicher Abwesenheit von
         kohlensaurer Magnesia.$

Man wgt 5 Grm. des zu prfenden, fein gepulverten Minerals ab, bringt
dieselben in einen gerumigen Kolben, fgt etwa 50 C.C. Wasser zu und
lsst dann aus einer $Mohr$'schen Pipette nach und nach 50 C.C. der in
a. 1. genannten Salzsure zufliessen. (Bei sehr reinen Kalksteinen
setzt man, um die Lsung zu beschleunigen, besser 105 C.C. zu). Wenn
keine Einwirkung mehr erfolgt, verschliesst man den Kolben mit einem
ein Schenkelrohr tragenden Stopfen und erhitzt gelinde, um die gelste
Kohlensure auszutreiben. Die Gasblasen leitet man durch ein wenig
Wasser. Wenn der Zweck erreicht ist, nimmt man die Lampe weg, lsst
das vorgeschlagene Wasser zurcksteigen, versetzt die Flssigkeit mit
etwas Lackmustinctur und lsst nun aus einer zweiten $Mohr$'schen
Pipette oder aus einer Brette so lange von der Natronlsung zufliessen,
bis die Flssigkeit eben blau geworden ist. -- Zieht man die Hlfte
der verbrauchten Brettengrade Natronlauge von den angewandten
Brettengraden Salzsure ab, so giebt der Rest (d. h. die Brettengrade
Salzsure, welche zur Neutralisation des kohlensauren Kalks gedient
haben) geradezu die Procente des Minerals an kohlensaurem Kalk an.
(Resultate sehr befriedigend.) Diese Methode in etwas vernderter
Ausfhrung ist zuerst von $Bineau$ vorgeschlagen und angewandt worden.

      c. $Ausfhrung bei Anwesenheit von kohlensaurer Magnesia.$

Da 1 Aeq. kohlensaure Magnesia gerade so viel Salzsure abstumpft,
als 1 Aeq. kohlensaurer Kalk, so erhlt man bei Mineralien, welche
erstere enthalten, durch das in b. genannte Verfahren die Menge des
kohlensauren Kalks sammt der der kohlensauren Magnesia, die letztere
ausgedrckt durch ihre quivalente Menge kohlensauren Kalks (d. h. fr
je 42 kohlensaure Magnesia findet man 50 kohlensauren Kalk). Will man
daher die Menge des Kalks und der Magnesia gesondert erfahren, so muss
man ausser der nach b. vorzunehmenden Gesammtbestimmung auch noch den
Kalk oder die Magnesia allein bestimmen. Man kann zu dem Behufe eine der
beiden folgenden Methoden whlen.

1. Man versetzt die Lsung von 5 Grm. des Minerals mit 3 Grm. Salmiak,
dann mit Ammon und kohlensaurem Ammon im Ueberschuss, lsst einige
Stunden stehen und filtrirt alsdann (den an den Wnden fest haftenden
kohlensauren Kalk reibt man nicht ab). Man wscht nunmehr aus, spritzt
den Inhalt des Filters in das zum Fllen benutzte Becherglas, verbrennt
zuletzt das Filter, bringt die Asche ebenfalls in das Becherglas und
verfhrt mit dessen Inhalt nach b. Man erfhrt so die Menge des Kalks
allein und somit aus der Differenz, nach geeigneter Umrechnung des
kohlensauren Kalks auf kohlensaure Magnesia, die Menge der letzteren.

2. Man versetzt die Lsung von 5 Grm. des Minerals in gewhnlicher,
nicht titrirter Salzsure (von der man einen mglichst geringen
Ueberschuss anwendet) mit einer Auflsung von Kalk in Zuckerwasser so
lange noch ein Niederschlag entsteht. Hierdurch wird nur die Magnesia
gefllt. Man filtrirt sie ab, wscht sie aus, behandelt sie nach b. und
erfhrt so die Menge der Magnesia, ausgedrckt durch ihre quivalente
Menge kohlensauren Kalks. Die Quantitt des letzteren ergiebt sich aus
der Differenz.

Die Methode 2. ist nur dann zu empfehlen, wenn wenig Magnesia zugegen
ist.


                      11. $Analyse der Eisenerze.$

Die am hufigsten zur Anwendung und folgeweise zur Untersuchung
kommenden Eisenerze sind: der Rotheisenstein, der Brauneisenstein,
Raseneisenstein, Magneteisenstein und Spatheisenstein. Bald handelt
es sich um vollstndige Analyse, bald nur um die Bestimmung einzelner
Bestandtheile (des Eisengehaltes, der Phosphorsure, Schwefelsure
etc.), bald nur um die Ermittlung des Eisens.


                A. $Methoden zur vollstndigen Analyse.$

                                . 205.

                          I. $Rotheisenstein.$

Die Rotheisensteine enthalten das Eisen als Oxyd; ausserdem findet
sich darin gewhnlich etwas in Suren unlsliche Gangart, zuweilen
kohlensaure alkalische Erden, stets etwas Feuchtigkeit.

Man pulvert zunchst den Stein aufs Feinste und trocknet bei 100.

a. Man untersucht, ob durch verdnnte Salpetersure, oder auch verdnnte
kochende Essigsure, kohlensaure alkalische Erden ausgezogen werden. Ist
dies der Fall, so bestimmt man sie in der Lsung.

b. Von dem von kohlensauren alkalischen Erden freien oder davon
befreiten Pulver glht man eine Probe erst so, dann in Wasserstoffgas
(am besten in einem Porzellanschiffchen, welches in eine Porzellanrhre
geschoben ist; . 128. B. 3.). Der Gewichtsverlust giebt den
Sauerstoffgehalt des Eisenoxyds an und lsst somit dies berechnen.

c. Den Rckstand behandelt man mit verdnnter Salzsure. Es lst sich
das Eisen, die Gebirgsart bleibt zurck. Man bestimmt am einfachsten
in der Lsung, ohne sie zu filtriren, das Eisen maassanalytisch
(. 89. 2. a.), filtrirt alsdann die Gebirgsart ab, wscht aus,
trocknet und wgt. (Die so gefundene Eisenmenge muss mit der aus b.
berechneten bereinstimmen.)

d. Wenn nthig, macht man endlich noch eine Wasserbestimmung, indem
man eine Probe des Pulvers glht. (Sind kohlensaure alkalische Erden
zugegen, so entweicht mit dem Wasser die Kohlensure derselben.)

                         II. $Brauneisenstein.$

Die Brauneisensteine enthalten das Eisen als Oxydhydrat, ferner
Manganoxyd, Thonerde, fters kleine Mengen von Kalk und Magnesia, von
Kieselsure (an Basen gebundene), Phosphorsure und Schwefelsure und
bald grssere, bald kleinere Quantitten von Quarzsand oder in Salzsure
unlslicher Gangart.

Ihre genaue und vollstndige Analyse bietet einige Schwierigkeit. Man
kann dazu eine der folgenden Methoden whlen. Jedenfalls beginnt man
damit, den Stein fein zu pulvern, das Pulver bei 100 zu trocknen und,
um den Wassergehalt zu finden, eine Probe zu glhen.

a. _Zerlegung auf trocknem Wege._ (Dieselbe ist namentlich dann zu
empfehlen, wenn das Mineral wenig Kieselsure, Thonerde, Kalk und
Magnesia enthlt.)

Man schmelzt eine abgewogene Probe mit dem dreifachen Gewicht
kohlensauren Natronkalis zusammen, digerirt die Masse mit Wasser, bis
alles Lsliche gelst ist, filtrirt und wscht gut aus.

aa. Das Filtrat suert man mit Salzsure an und scheidet die Kieselsure
nach gewohnter Art ab. Das Filtrat versetzt man mit einigen Tropfen
Chlorbaryum und filtrirt einen etwa entstehenden Niederschlag von
schwefelsaurem Baryt nach 24 Stunden ab. Aus der abfiltrirten
Flssigkeit entfernt man zunchst den Baryt durch einige Tropfen
verdnnter Schwefelsure, dann fllt man die Phosphorsure nach . 106.
I. b.

bb. Den Niederschlag lst man in Salzsure und verfhrt mit der Lsung
nach . 129.

b. _Zerlegung auf nassem Wege._

                         $Erste Methode$[127].

Man erhitzt etwa 10 Grm. des fein gepulverten Minerals in einem schief
liegenden Kolben mit concentrirter Salzsure bis zur vollstndigen
Zersetzung, verdnnt mit Wasser, filtrirt in einen 300 C.C. fassenden
Messkolben und wscht den Rckstand aus. Nach dem Trocknen glht und
wgt man denselben; er besteht aus Quarzsand oder Gangart und aus
ausgeschiedener Kieselsure. Durch Behandeln mit kochender kohlensaurer
Natronlsung lsst sich letztere abscheiden und bestimmen (. 201. b.).

  [127] Auf Kupfer und Arsen ist bei derselben nicht Rcksicht genommen.

Mit dem Filtrate verfhrt man also:

1. 50 C.C. versetzt man mit Chlorbaryum zur Bestimmung der
$Schwefelsure$.

2. 50 C.C. verdampft man im Wasserbade, um den grsseren Theil der freien
Sure zu verjagen, dann verdnnt man, fllt, nach Zusatz von etwas
kohlensaurem Natron, mit kohlensaurem Baryt, lsst 1/2 Stunde stehen und
filtrirt alsdann ab.

aa. Den $Niederschlag$ lst man nach dem Auswaschen in Salzsure,
fllt den Baryt durch Schwefelsure, dann versetzt man mit Ammon
bis eben alkalisch und filtrirt den Niederschlag ab. Derselbe wird
ausgewaschen, geglht, gewogen. Er besteht aus Eisenoxyd, Thonerde,
etwas Kieselsure und Phosphorsure. Sein Gesammtgewicht dient zur
Controle. Nach dem Wgen digerirt man ihn mit concentrirter Salzsure,
scheidet und bestimmt so die kleine Menge der in die salzsaure Lsung
bergegangenen Kieselsure, reducirt das Filtrat mit schwefligsaurem
Natron und verfhrt berhaupt zur Bestimmung des Eisens, der Thonerde
und Phosphorsure nach . 128. B. 1. In dem alkalischen Filtrate trennt
man, nachdem man es angesuert und die Lsung mit etwas chlorsaurem Kali
gekocht hat, Thonerde und Phosphorsure nach einer der in . 106. II. f.
angegebenen Methoden.

bb. Im $Filtrate$ bestimmt man Mangan und alkalische Erden nach . 129.

3. In 100 C.C. bestimmt man zur Controle die Phosphorsure nach . 106.
II. o. (Giebt sehr gute Resultate.)

4. In 50 C.C. bestimmt man zur Controle das Eisen maassanalytisch nach
. 206.

                           $Zweite Methode.$

1. Man zersetzt etwa 3-4 Grm. mit Salzsure und verfhrt mit dem
unlslichen Rckstande, wie eben angegeben.

2. Die salzsaure Lsung verdampft man zur Trockne und scheidet nach
blicher Art die Kieselsure ab (. 111. II. a.).

3. Das Filtrat reducirt man mit schwefligsaurem Natron (. 106. II. n.),
treibt durch mssiges Kochen die berschssige schweflige Sure aus und
sttigt die Flssigkeit mit Schwefelwasserstoff. Entsteht hierdurch ein
Niederschlag, so ist derselbe auf Kupfer und Arsen zu untersuchen.

4. Das Filtrat kocht man, bis der Schwefelwasserstoff ausgetrieben ist,
fllt dann mit kohlensaurem Natron, kocht mit berschssig zugesetzter
Natronlauge und filtrirt, genau wie in . 128. B. 1. a. angegeben. Man
erhlt so einen schwarzen Niederschlag und ein alkalisches Filtrat.

5. Den Niederschlag, welcher hauptschlich aus Eisenoxyduloxyd besteht,
und kohlensaures Manganoxydul, kohlensaure und phosphorsaure Kalk-
und Bittererde enthalten kann, lst man in Salzsure und scheidet die
Phosphorsure nach . 106. II. n. in Verbindung mit einer geringen Menge
Eisenoxyd ab, filtrirt und trennt beide nach . 106. II. h. [Greek: c].
Das so erhaltene Eisenoxyduloxyd lst man in Salzsure und hebt die
Lsung wie auch die alkalische Phosphorsurelsung, nachdem man letztere
mit Salzsure angesuert hat, auf, um sie spter mit den Hauptlsungen
zu vereinigen.

6. Die von dem phosphorsauren Eisenoxyd abfiltrirte Flssigkeit
behandelt man (nachdem die in 5. erhaltene Eisenlsung zugefgt ist) zur
Trennung des Eisens, Mangans, des Kalks und der Magnesia, nach . 129. 3.

7. Das die Thonerde und den grsseren Theil der Phosphorsure
enthaltende alkalische Filtrat suert man an, kocht mit etwas
chlorsaurem Kali, fllt mit Ammon, fgt Chlorbaryum zu und verfhrt
berhaupt genau nach . 106. II. f. [Greek: d].

8. Die Schwefelsure bestimmt man in einer besonderen Portion, wie bei
der ersten Methode angegeben.

                        III. $Raseneisensteine.$

Dieselben stellen Gemenge von Eisenoxydhydrat mit den basischen
Eisenoxydsalzen von Schwefelsure, Phosphorsure, Quellsure,
Quellsatzsure und Huminsure dar und enthalten ausserdem meist Gangart,
Thonerde, Kalk und Bittererde.

Nachdem dieselben gepulvert und getrocknet sind, glht man zunchst
eine Probe in einem offenen Platintiegel, anfangs sehr gelinde, um die
organischen Suren zu verbrennen, allmlig stark und andauernd im schief
gelegten Tiegel. Mit dem Rckstande verfhrt man nach einer der in II.
angegebenen Methoden.

Sollen die organischen Suren erkannt und bestimmt werden, so kocht man
eine grssere Probe des fein gepulverten Erzes mit reiner Kalilauge, bis
es sich in eine flockige Masse verwandelt hat. Man filtrirt alsdann ab
und verfhrt mit dem Filtrate nach . 177. 9.

                        IV. $Magneteisensteine.$

Dieselben enthalten das Eisen als Oxyduloxyd. Man analysirt sie wie die
Rotheisensteine und bestimmt darauf in einer besonders abgewogenen,
bei Luftabschluss in Salzsure gelsten Portion das Eisenoxydul
maassanalytisch nach . 89. 2. a.

                         V. $Spatheisensteine.$

Dieselben enthalten kohlensaures Eisenoxydul, meist verbunden mit
kohlensaurem Manganoxydul und kohlensauren alkalischen Erden, oft
gemengt mit Thon und Gangart.

Das gepulverte Mineral wird getrocknet.

a. Den Wassergehalt bestimmt man nach . 19.

b. Den Gehalt an Kohlensure nach . 110. II. b. [Greek: b].

c. Eine dritte Probe lst man in Salzsure unter Zusatz von
Salpetersure, filtrirt, nach vollstndiger Zersetzung, einen etwaigen
unlslichen Rckstand ab und trennt im Filtrate die Basen nach einer der
in . 129 angegebenen Methoden.

d. In einer vierten, bei Luftabschluss in Salzsure gelsten Probe
bestimmt man die Quantitt des Eisenoxyduls maassanalytisch nach . 89.
2. a.


     B. $Maassanalytische Bestimmung des Eisens in den Eisenerzen.$

                                . 206.

Man erhitzt 1 Grm. oder auch eine beliebige geringere Menge[128] in
einem schief liegenden langhalsigen Kolben mit concentrirter Salzsure
bis zur vlligen Zersetzung, verdnnt mit etwa 25-50 C.C. Wasser und
wirft einige kleine Krnchen granulirtes Zink oder einige Stckchen
reines Zinkblech hinein. Den Kolben verschliesst man mit einem Stopfen,
der eine Schenkelrhre trgt. Den usseren etwas geneigten Schenkel
richtet man in ein kleines Becherglas, in dem sich etwas Wasser
befindet. (Die Rhre tauche nicht oder kaum in das Wasser.) Man erhitzt
zum Kochen. Ist die Flssigkeit, nachdem sich das Zink gelst hat, noch
nicht vllig farblos, so bringt man noch eine kleine Menge Zink hinzu.
Zuletzt erhitzt man am bequemsten bis alles Zink (dessen Menge daher
nicht zu gross sein darf) gelst ist. Nach einigem Abkhlen lsst man
das Wasser im vorgestellten Becherglschen zurcksteigen, khlt den
Kolben ab, bringt seinen Inhalt in ein Becherglas und verfhrt nach
. 89. 2. a. -- Ich mache hier mit Nachdruck darauf aufmerksam, dass
es mir bequemer und genauer scheint, eine beliebige abgewogene Menge
Eisensteinpulver, d. h. nicht gerade 1 Grm., zu nehmen, und dass ich
es vorziehe, die Chamleonlsung, von der vorausgesetzt wird, dass ihr
Concentrationsgrad ungefhr richtig ist, nur zu titriren, aber nicht
weiter zu verdnnen. Bei einer so vernderlichen Flssigkeit, wie die
Chamleonlsung, ist jede unnthige Manipulation zu vermeiden. Die
nothwendige kleine Rechnung ist gar nicht in Anschlag zu bringen.

  [128] Ich nehme gewhnlich nur etwa 0,4-0,5 Grm. und bestimme den Gehalt
        mittelst einer Chamleonlsung, von der 30 C.C. 0,2-0,3 Grm.
        Eisen entsprechen. Letztere setze ich aus einer in 1/10 C.C.
        getheilten Brette zu.


                           12. $Kupferkies.$

                                . 207.

Der Kupferkies enthlt Kupfer, Eisen, Schwefel, ausserdem meist Gangart.
Ob noch weitere Metalle vorhanden sind, muss die qualitative Analyse
lehren.

Das fein gepulverte Mineral trocknet man bei 100.

a. Die Bestimmung des Schwefels geschieht nach . 116. II. 1. oder, und
zwar gewhnlich, nach . 116. II. 2. a. [Greek: a]. oder [Greek: b].

b. Bei Anwendung der ersten Methode lst man die Oxyde in Salzsure und
trennt Kupfer und Eisen durch Schwefelwasserstoff, -- bei Anwendung der
zweiten entfernt man entweder den Barytberschuss durch Schwefelsure
und leitet dann Schwefelwasserstoff ein, oder man verwendet zur
Bestimmung der Basen eine neue Probe. --

Soll nur die Menge des Kupfers bestimmt werden, so kann man sich, nach
$Schwarz$, auch geradezu der von ihm angegebenen maassanalytischen
Methode bedienen, vergl. . 95. 3. b. Doch ist dabei zu beachten, dass
man, um die Reduction zu bewirken, nur bis 80 erwrmen darf. Bei dieser
Temperatur fllt aus der mit viel weinsteinsaurem Alkali versetzten
Flssigkeit kein Eisen nieder. Sollte indess auch etwas niederfallen, so
hat dies auf die Kupferbestimmung keinen nachtheiligen Einfluss.

Bei dieser Gelegenheit will ich noch einer vor Kurzem von einem meiner
Schler, Herr $de Haen$, ermittelten maassanalytischen Kupferbestimmung
erwhnen, welche, richtig angewandt, in ganz kurzer Zeit sehr
befriedigende Resultate liefert.

Dieselbe beruht auf der Thatsache, dass, wenn ein gelstes
Kupferoxydsalz mit berschssigem Jodkalium gemischt wird, sich
Kupferjodr und freies Jod ausscheiden, welches letztere in der
Jodkaliumlsung gelst bleibt: 2(CuO, SO_{3}) + 2KJ = Cu_{2}J + 2KO,
SO_{3} + J. -- Bestimmt man nun das Jod nach der $Bunsen$'schen
Methode, so erfhrt man die Menge des Kupfers. Bei der Ausfhrung
verfhrt man zweckmssig folgendermaassen. Man fhrt das Kupfer in
schwefelsaure Lsung ber, welche am besten neutral ist, aber auch
ohne allen Nachtheil eine mssige Menge freie Schwefelsure enthalten
kann. Diese Lsung verdnnt man in einem Messkolben auf ein bestimmtes
Volumen, so zwar, dass 100 C.C. etwa 1-2 Grm. Kupferoxyd enthalten. Man
bringt jetzt etwa 10 C.C. der $Bunsen$'schen Jodkaliumlsung in ein
gerumiges Becherglas, fgt 10 C.C. der besagten Kupferlsung zu, mischt,
setzt alsdann ungesumt schweflige Sure zu und verfhrt berhaupt nach
. 114. Anhang. -- Freie Salpetersure, auch freie Salzsure, in der
Kupferlsung ist zu vermeiden, auch nimmt die Genauigkeit der Resultate
ab, wenn man die mit Jodkalium vermischte Kupferlsung lngere Zeit
stehen lsst, bevor man schweflige Sure zufgt. -- Vermeidet man diese
Punkte, so sind die Resultate hchst genau. So erhielt Herr $de Haen$
statt 0,3566 Kupfervitriol 0,3567, -- statt 100 metallischen Kupfers
99,89 und 100,1[129].

  [129] Es scheint mir gewiss, dass man mit Hlfe abgewogener Mengen
        reinen Kupfers und der oben angegebenen Methode den Gehalt der
        $Bunsen$'schen Jodlsung ebensogut feststellen kann, als mit
        Hlfe von saurem chromsauren Kali (. 114. Anhang, c.
        [Greek: b].).


                            13. $Bleiglanz.$

                                . 208.

Der Bleiglanz, von allen Bleierzen das verbreitetste, enthlt hufig
kleinere oder grssere Mengen von Eisen, Kupfer, Silber und gewhnlich
mehr oder weniger in Suren unlsliche Gangart.

Seine Analyse vollbringt man, nachdem das Erz fein zerrieben und bei
100 getrocknet worden ist, am besten auf folgende Art.

Man oxydirt eine abgewogene Quantitt (1-2 Grm.) mit
schwefelsurefreier, ganz starker, rother rauchender Salpetersure
(siehe . 116. II. 2. a. [Greek: a]., doch setzt man den Bleiglanz
nicht in einem Rhrchen der Einwirkung der Sure aus. War die Sure
hinlnglich stark, so scheidet sich kein Schwefel aus. Nachdem man
lngere Zeit gelinde erwrmt hat, verdnnt man mit Wasser, filtrirt ab
und wscht den Rckstand aus.

a. Nachdem der $Rckstand$ getrocknet ist, glht und wgt man ihn
(. 92. 2.). Derselbe besteht aus schwefelsaurem Bleioxyd, durch Sure
unzersetzter Gangart, Kieselsure etc. Man erhitzt den Rckstand, oder
einen aliquoten Theil desselben, mit Salzsure zum Kochen, filtrirt nach
einiger Zeit die Flssigkeit ab, doch so, dass der Niederschlag nicht
mit aufs Filter kommt, bergiesst von Neuem mit Salzsure, kocht wieder
und fhrt so fort, bis alles schwefelsaure Bleioxyd gelst ist; zuletzt
bringt man Alles aufs Filter, wscht mit siedendem Wasser aus, bis jede
Spur Chlorblei entfernt ist, trocknet, glht und wgt den Rckstand.
Zieht man seine Menge von der des oben gewogenen ab, so ergiebt sich die
Menge des schwefelsauren Bleioxyds, welche in jenem enthalten war.

b. Die salpetersaure $Lsung$ verdampft man zunchst, um den Ueberschuss
der freien Sure zu entfernen, fast zur Trockne, dann verdnnt man
und prft mit sehr verdnnter Salzsure auf $Silber$. Entsteht ein
Niederschlag, so vermehrt man die Menge der Salzsure, wenn nthig,
und bestimmt das Chlorsilber, nachdem es mit siedendem Wasser
ausgewaschen worden ist. Im Filtrate bestimmt man zunchst die darin
noch vorhandene Schwefelsure mittelst essigsauren Baryts, dann fllt
man mit Schwefelwasserstoff. Der Niederschlag enthlt neben etwas
Schwefelblei mglichenfalls Schwefelkupfer, vielleicht auch noch andere
Schwefelmetalle. Man trennt dieselben, sowie die im Filtrat durch
Schwefelammonium fllbaren Metalle, nach den Methoden des 6. Abschnittes.

Die Quantitt des Schwefels ergiebt sich, wenn man die in a. (im
schwefelsauren Bleioxyd) und die in b. (im schwefelsauren Baryt)
gefundenen addirt.

Um ganz kleine Mengen Silber und die (nach $Percy$ und $Smith$) hufig
vorkommenden sehr geringen Spuren von Gold zu finden und in Bleiglanzen
zu bestimmen, schmelzt man am besten eine grssere Menge Bleiglanz mit
kohlensaurem Natron und Salpeter zusammen (10 Thle. Bleiglanz, 30 Thle.
kohlensaures Natron, 3 Thle. Salpeter) bestimmt im erhaltenen Regulus
das Silber durch Cupellation (. 131. 7.) und trennt es sodann vom Gold
durch Salpetersure.


                            14. $Zinkerze.$

                                . 209.

                     A. $Galmei und Kieselzinkerz.$

Ersterer besteht aus kohlensaurem Zinkoxyd, welches gewhnlich grssere
oder kleinere Beimengungen von Eisenoxydul, Manganoxydul, Bleioxyd,
Cadmiumoxyd, Kalk, Magnesia und Kieselsure enthlt; letzteres aus
kieselsaurem Zinkoxyd, welchem Silicate von Bleioxyd, Zinnoxyd,
Manganoxyd, Eisenoxyd etc. beigemengt sein knnen.

Das Erz wird fein gepulvert und bei 100 getrocknet.

a. Man behandelt eine Probe nach . 111. II. a., d. h. man scheidet
die Kieselsure auf die gewhnliche Art ab. Da ihr meist Sand oder
unzersetzte Gangart beigemischt ist, so ist sie davon durch kochende
Sodalsung zu trennen (. 201. b.).

b. Beim Behandeln des Rckstandes mit Salzsure und Wasser sorgt man,
dass auf 30 Thle. von jener etwa 100 Thle. Wasser kommen (Seite 310.
Anmerk.).

c. Die so erhaltene Lsung fllt man mit Schwefelwasserstoff und trennt
etwa gefllte Metalle nach den Methoden des 5. Abschnittes.

d. Das Filtrat neutralisirt man mit Ammon, fllt mit Schwefelammonium,
behandelt den Niederschlag genau nach . 85. b., wgt das erhaltene,
Eisen- und Manganoxyd enthaltende Zinkoxyd, bestimmt darauf in einer
abgewogenen Probe das Mangan volumetrisch (. 128. B. 10. d.), endlich in
der hierbei erhaltenen Lsung das Eisenoxyd, nach Reduction mit Zink,
mit Chamleonlsung, wie in . 206.

e. In der vom Schwefelzink abfiltrirten Flssigkeit bestimmt man Kalk
und Magnesia nach . 127. A.

f. Die Kohlensure bestimmt man in einer besonderen Probe nach
. 110. I. b.

g. Enthlt das Mineral Wasser, so ist dessen Gehalt nach . 19 zu
ermitteln.

                            B. $Zinkblende.$

Dieselbe besteht aus Schwefelzink, dem hufig andere Schwefelmetalle
beigemengt sind, namentlich die des Bleis, Cadmiums, Kupfers, Eisens,
Mangans. Ausserdem hat man bei der Analyse auf die eingemengte Gangart
Rcksicht zu nehmen.

Die Blende wird sehr fein zerrieben und bei 100 getrocknet.


a. Enthlt dieselbe kein Blei, so bestimmt man darin den Schwefel nach
. 116. II. 1., oder, und zwar gewhnlich, nach . 116. II. 2. a.
[Greek: a]. oder [Greek: b]., enthlt sie Blei, so verfhrt man wie in
. 208 angegeben.

b. Die Bestimmung der Basen nimmt man am besten in einer zweiten Portion
vor. Bei Abwesenheit von Blei lst man dieselbe in Salzsure unter
Zusatz von Salpetersure und verfhrt mit der Lsung wie in . 209.
A., -- bei Anwesenheit von Blei ist folgende Methode bequem und genau.
Man erhitzt mit rauchender Salzsure bis zur vollstndigen Zersetzung,
verdampft zur Syrupdicke und verdnnt mit dem 5- oder 6fachen Volum
starken Alkohols. Nach einigen Stunden filtrirt man das Chlorblei sammt
der ungelst gebliebenen Gangart auf einem gewogenen Filter ab, wscht
es mit Alkohol aus, trocknet, wgt, behandelt mit siedendem Wasser, bis
alles Chlorblei gelst ist, wgt den gebliebenen Rckstand wieder und
findet aus der Differenz das Chlorblei. Das Filtrat befreit man durch
Abdestilliren oder Verdunsten von Alkohol und verfhrt sodann mit der
salzsauren Lsung nach . 209. A.

                   *       *       *       *       *

                            $Anhang zu II.$

   $Bestimmung des Traubenzuckers und Fruchtzuckers, des Rohrzuckers,
                Milchzuckers, Strkemehls und Dextrins.$

Da die Bestimmung der in der Ueberschrift genannten Verbindungen bei der
Analyse landwirthschaftlicher und technischer Producte, sowie bei der
pharmaceutischer Prparate sehr hufig vorkommt, auch im Hinblick auf
die Untersuchung diabetischen Harnes von Wichtigkeit ist, so gebe ich
einige der besten von den hierzu dienenden Methoden in diesem Anhange.

Sieht man von den rein physikalischen Verfahrungsweisen ab, welche sich
entweder auf das specifische Gewicht der Zuckerlsungen, oder auf ihr
Verhalten zum polarisirten Lichte grnden, so bieten sich zur Bestimmung
des Traubenzuckers und somit auch zu der der brigen Verbindungen,
welche sich in Traubenzucker berfhren lassen, hauptschlich zwei
Methoden dar. Nur diese letzteren sollen hier betrachtet werden.


        A. $Methoden, welche auf der Reduction von Kupferoxyd zu
                      Kupferoxydul beruhen[130].$

                                . 210.

Erhitzt man eine Lsung, welche Kupfervitriol, neutrales weinsaures Kali
und Natronlauge $im richtigen Verhltnisse$ enthlt, fr sich, selbst
bis zum vlligen Kochen, so bleibt sie unverndert; erwrmt man sie
dagegen nach Zusatz von Traubenzucker, so scheidet sich Kupferoxydul
aus. Die Menge des so reducirten Kupferoxyds entspricht der Menge des
zugesetzten Traubenzuckers, und zwar reducirt 1 Aeq. des letzteren
(C_{12}H_{12}O_{12}) = 2250, 10 Aeq. Kupferoxyd = 4960 ($Fehling$, C.
$Neubauer$). Kennt man daher die Menge des reducirten Kupfers, so kennt
man auch die des zugesetzten Traubenzuckers.

  [130] Vergl. $Fehling$, ber die quantitative Bestimmung von Zucker und
        Strkemehl mittelst Kupfervitriols, Annal. der Chem. u. Pharm.
        Bd. 72, S. 106 und $C. Neubauer$, Archiv der Pharm. 2. Reihe,
        Bd. 72, S. 278.

Auf dieses Princip lassen sich zwei Methoden grnden. Man kann nmlich
entweder zu einer Kupferlsung von bekanntem Gehalte gerade so viel
Traubenzuckerlsung setzen, als erforderlich ist, um alles Oxyd zu
reduciren, oder man kann die Kupferlsung im Ueberschuss anwenden und
das abgeschiedene Oxydul bestimmen. Die erstere Methode ist die am
hufigsten angewandte; zu der anderen nimmt man seine Zuflucht, wenn
dunkelgefrbte Flssigkeiten ein genaues Beobachten der vollendeten
Ausscheidung erschweren.

Ich spreche zuerst von der Bestimmung des Traubenzuckers, sodann von der
Art, wie man Rohrzucker, Strkemehl etc. am besten in solchen berfhrt.

   1. $Bestimmung des Traubenzuckers, sofern derselbe in reiner oder
             fast reiner wsseriger Lsung enthalten ist.$

                            $Erste Methode.$

      $Erfordernisse.$

a. _Kupferlsung._ Man lst genau 40 Grm. reinen krystallisirten, durch
Zerreiben und Pressen von anhngender Feuchtigkeit vllig befreiten
Kupfervitriol in etwa 160 Grm. Wasser. Man lst ferner in einem anderen
Gefsse 160 Grm. neutrales weinsaures Kali in wenig Wasser, und fgt
600-700 Grm. Natronlauge von 1,12 specif. Gewicht zu. Nun giesst man die
erste Lsung nach und nach zu der zweiten und verdnnt die tiefblaue,
klare Flssigkeit genau auf 1155 C.C.[131]. Je 10 C.C. dieser Lsung
enthalten 0,3463 Grm. Kupfervitriol und entsprechen genau 0,050 Grm.
wasserfreiem Traubenzucker. -- Die Lsung bewahre man an einem khlen
dunklen Orte auf; bevor man sie gebraucht, erhitze man 10 C.C. mit 40 C.C.
Wasser einige Minuten lang zum Kochen. Nur wenn sie hierbei unverndert
bleibt und ganz und gar kein Oxydul ausscheidet, darf sie angewendet
werden.

  [131] $Fehling$, welcher diese Vorschrift gegeben hat, lsst auf
        1154,4 C.C. verdnnen; in Folge der sehr geringen Abweichung
        unseres Kupferquivalentes werden daraus 1155 C.C.

b. _Zuckerlsung._ Dieselbe muss so verdnnt werden, dass sie etwa 1/2
bis hchstens 1 Proc. Zucker enthlt. Fnde man daher bei einem ersten
Versuche, dass die Concentration noch zu gross ist, so verdnnt man die
Lsung mit einer bestimmten Menge Wasser und wiederholt den Versuch.

      $Ausfhrung.$

Man bringt genau 10 C.C. der Kupferlsung in eine Porzellanschale, fgt
40 C.C. Wasser zu, erhitzt zum gelinden Sieden und lsst nun aus einer
in 1/5 Grade oder 1/10 C.C. eingetheilten Brette oder Pipette die
Zuckerlsung langsam und portionenweise zufliessen. Die Flssigkeit
erscheint nach Zusatz der ersten Tropfen durch das in der blauen Lsung
suspendirte Oxydulhydrat und Oxydul grnlichbraun; je mehr man zusetzt,
desto reichlicher und rther ist der Niederschlag und desto schneller
setzt er sich ab. Sobald der Niederschlag hochroth erscheint, nimmt
man die Lampe weg, lsst den Niederschlag sich ein wenig setzen und
neigt die Schale, wobei man leicht die geringste blaugrne Frbung
wahrnehmen kann. Will man ganz sicher gehen, so giesst man eine kleine
Portion der klaren berstehenden Flssigkeit in ein Proberhrchen,
setzt 1 Tropfen Zuckerlsung zu und erhitzt. Schon bei der leisesten
Spur noch unzersetzten Kupfersalzes bildet sich ein zuerst wolkenartig
erscheinender, gelblichrother Niederschlag. Ist noch ein solcher
entstanden, so giebt man die Probe wieder zum Ganzen und fhrt mit dem
Zusatz der Zuckerlsung fort, bis die Reduction vollendet ist. In der
verbrauchten Zuckerlsung sind 0,050 Grm. wasserfreier Traubenzucker
enthalten.

Ist der Versuch beendigt, so prft man, ob der Punkt der eben
vollendeten Reduction auch in der That vllig genau getroffen ist,
ob also in der Lsung weder Kupfer noch Zucker oder ein braunes
Zersetzungsproduct des letzteren vorhanden ist. Man filtrirt zu dem
Ende eine Probe der noch ganz heissen Flssigkeit ab. War der Punkt
richtig getroffen, so muss das Filtrat farblos, nicht brunlich sein,
und Proben desselben mssen unverndert bleiben, sowohl wenn man sie mit
einem Tropfen Probekupferlsung erhitzt, als auch wenn man sie ansuert
und Ferrocyankalium oder Schwefelwasserstoff zufgt. Findet man, dass
Kupferoxyd oder Zucker in wahrnehmbarem Ueberschusse vorhanden ist, so
muss der Versuch wiederholt werden.

Die Resultate fallen bereinstimmend aus und sind ganz befriedigend.

                           $Zweite Methode.$

Dieselbe erfordert die nmlichen Lsungen wie die erste. Man bringt 20
C.C. der Kupferlsung und 80 C.C. Wasser (oder auch eine grssere Menge
der in gleicher Weise verdnnten Kupferlsung) in eine Porzellanschale,
fgt eine abgemessene Menge der verdnnten Zuckerlsung zu, doch nicht
so viel, dass alles Kupferoxyd reducirt werden knnte, und erhitzt etwa
10 Minuten lang auf dem Wasserbade. Nach beendigter Reduction wscht
man das Kupferoxydul durch Decantation mit siedendem Wasser aus. Die
abgegossenen Flssigkeiten filtrirt man durch ein bei 100 getrocknetes,
gewogenes Filter, bringt zuletzt auch den Niederschlag darauf, trocknet
ihn bei 100 und wgt ihn. Statt dieser Bestimmung kann man auch die
$Schwarz'$sche whlen (. 95. 3. b.), oder das Oxydul bei Luftzutritt
glhen und dann durch Behandlung mit rauchender Salpetersure vllig in
Oxyd berfhren.

100 Thle. wasserfreier Traubenzucker entsprechen 220,5 Kupferoxyd[132],
oder 198,2 Kupferoxydul[133], oder 155,55 Eisen (welches aus dem Zustand
des Chlorids in den des Chlorrs bergefhrt worden ist).

  [132] $Fehling$ (a. a. O.) erhielt bei den Resultaten, welche den
        hchsten Kupferoxydgehalt geliefert hatten, 219,4 Grm. Oxyd.

  [133] $Neubauer$ (a. a. O.) fand bei Versuchen mit Strkemehl, dass
        0,05 desselben 0,112 Kupferoxydul entsprechen. Da 90 Strkemehl
        100 Traubenzucker liefern, so entsprechen 0,05 Strkemehl 0,0555
        Traubenzucker. Somit wurden fr 100 des letzteren, statt 198,2,
        201,62 Kupferoxydul wirklich erhalten.

Bei Anwendung dieser Methode darf man nicht vergessen, dass das
ausgeschiedene Kupferoxydul in der berstehenden Flssigkeit, sobald
dieselbe erkaltet -- unter Zutritt des atmosphrischen Sauerstoffs
-- sich allmlig wieder zu Oxyd lst. Man darf daher von der oben
angegebenen Art des Auswaschens nicht abweichen.

        2. $Modificationen der angegebenen Verfahrungsweisen und
    Ueberfhrung von Rohrzucker, Strkemehl etc. in Traubenzucker.$

a. Die in 1. angegebenen Methoden knnen auf $Trauben-$, $Apfel-$ etc.
$Saft$ ohne Weiteres angewendet werden, nachdem man diesen in geeignetem
Maasse verdnnt hat. -- Dasselbe gilt von $diabetischem Harn$. Die in
den genannten Fruchtsften und im normalen Harn enthaltenen sonstigen
Stoffe sind ohne Einfluss auf die Probekupferlsung.

b. $Pflanzensfte, welche dunkel gefrbt sind$ und sich daher zur
directen Anwendung nicht eignen, klrt man, indem man eine abgemessene
Menge eben zum Kochen erhitzt, dann einige Tropfen Kalkmilch zusetzt,
wodurch ein starker Niederschlag (von Albumin, Farbstoff, Kalksalzen
etc.) zu entstehen pflegt. Man filtrirt durch Thierkohle, wscht
vollkommen aus und bringt das mit dem Waschwasser gemischte Filtrat
auf ein bestimmtes Maass, meist auf das 10-, 15- oder 20fache des
ursprnglichen ($Neubauer$).

c. $Rohrzucker oder Rohrzucker enthaltende Pflanzensfte$ (Zuckerrohr-,
Runkelrben-, Ahorn- etc. Saft) mssen zuvor in Traubenzucker
enthaltende Flssigkeiten bergefhrt werden. Es geschieht dies durch
andauerndes Erhitzen mit verdnnter Schwefelsure. So bereitet man
z. B. Runkelrbensaft vor, indem man 15-20 C.C. des nach b. geklrten
Saftes mit 12 Tropfen verdnnter Schwefelsure (1SO_{3}, HO + 5 Wasser)
1 bis 2 Stunden lang (am besten im Dampfbade) unter Erneuerung des
verdunstenden Wassers kocht, darauf die freie Sure durch eine verdnnte
Lsung von kohlensaurem Natron neutralisirt, das Ganze auf das zehnfache
Volum des ursprnglichen verdnnt und dann zur Prfung benutzt.

100 Thle. Traubenzucker (C_{12}H_{12}O_{12}) entsprechen 95 Thln.
Rohrzucker (C_{12}H_{11}O_{11}). 10 C.C. der Kupferlsung werden also
durch 0,0475 Grm. Rohrzucker zersetzt.

d. Ebenso wie Rohrzucker muss auch $Strkemehl$ oder $Dextrin$ oder
mssen $Strkemehl oder Dextrin enthaltende Substanzen$ behandelt
werden, doch ist bei solchen lngere Einwirkung erforderlich. Um z. B.
1 Grm. Amylum in Traubenzucker berzufhren, verfhrt man zweckmssig
also. -- Man schttelt dasselbe mit etwa 10 Grm. kaltem Wasser,
erhitzt unter Umschwenken bis zur erfolgten Kleisterbildung, fgt
12 Tropfen verdnnte Schwefelsure (1 : 5) zu, erwrmt, bis die Masse
dnnflssig geworden ist, und kocht alsdann entweder 6-10 Stunden lang
in einem schief im Sandbad liegenden Klbchen unter hufigem Ersetzen
des verdunsteten Wassers[134], oder man erhitzt 24 bis 36 Stunden im
Dampfbade. Nach geschehener Ueberfhrung (zu deren Erkennung die fters
vorgeschlagene Reaction mit Jodtinctur nicht hinlnglich zuverlssig
ist) verdnnt man auf 100 oder 200 C.C. und prft wie oben. -- Will
man sich auf untrgliche Art berzeugen, dass die Ueberfhrung des
Strkemehls in Traubenzucker auch wirklich beendigt ist, so nimmt man 20
C.C. der Flssigkeit, erhitzt sie aufs Neue einige Stunden, splt in eine
Messrhre, verdnnt auf 40 C.C. und prft von Neuem. Man muss jetzt genau
doppelt so viel Lsung verbrauchen als beim ersten Versuch; verbraucht
man weniger, so ist bei dem fortgesetzten Erhitzen noch Zucker
gebildet worden[135]. -- 100 Thle. Traubenzucker (C_{12}H_{12}O_{12})
entsprechen 90 Thln. Strkemehl (C_{12}H_{10}O_{10}), oder 10 C.C. der
Probekupferlsung entsprechen 0,045 Strkemehl.

  [134] Verschliesst man den Kolben mit einem Kork, der ein stumpfwinklig
        gebogenes Glasrohr trgt, das in einen aufwrts gerichteten
        Khlapparat fhrt, so fliesst das verdunstete Wasser von selbst
        zurck.

  [135] Auch durch einige Stunden fortgesetzte Digestion des in Kleister
        verwandelten Strkemehls mit einer abgemessenen Menge
        Malzaufguss bei etwa 60-70 C. lsst sich dasselbe vollstndig
        in Zucker berfhren. Bestimmt man alsdann in einer gleichen
        Menge eben so lange erhitzten Malzaufgusses den darin schon
        vorhandenen Zucker, so ergiebt die Differenz den aus Strke
        entstandenen.

e. $Milchzucker$ reducirt die Probekupferlsung direct, aber in
ganz anderem Verhltniss als Traubenzucker; denn whrend 1 Grm. des
letzteren 6,926 Kupfervitriol zersetzt, reducirt 1 Thl. Milchzucker
nach $Neubauer$ 4,331 nach $Mathi$[136] 4,158 Thle., oder 10 C.C. der
Probekupferlsung entsprechen 0,08 Grm. Milchzucker.

  [136] Archiv der Pharm., 2. Reihe, Bd. 72, S. 293.

Es ist daher am rthlichsten, die vorrthige Kupferlsung mit Hlfe
einer titrirten Milchzuckerlsung auf ihren Wirkungswerth zu prfen
und sie dann zur Bestimmung von Milchzuckerlsungen anzuwenden,
deren Gehalt erst noch bestimmt werden soll. -- Zur Bestimmung des
Milchzuckers in der Milch scheidet man in der Kochhitze das Casein durch
etwas Essigsure ab, klrt die colirten Molken mit ein wenig Eiweiss,
filtrirt, bringt durch Zusatz von Wasser auf das 10fache Volum und prft
alsdann nach der obigen Angabe.


   B. $Methode, welche auf der Zersetzung des Zuckers durch geistige
                         Ghrung beruht$[137].

                                . 211.

1. Eine zuckerhaltige Flssigkeit mit Ferment oder Hefe der geeigneten
Temperatur ausgesetzt, unterliegt der geistigen Ghrung. Aus den
Elementen von 1 Aeq. wasserfreiem Traubenzucker bilden sich 2 Aeq.
Alkohol und 4 Aeq. Kohlensure (C_{12}H_{12}O_{12} = 2(C_{4}H_{6}O_{2})
+ 4CO_{2}). Kennt man somit die Menge der auf diese Art erzeugten
Kohlensure, so lsst sich daraus die Quantitt Zucker berechnen, welche
zersetzt worden ist. 100 Thle. wasserfreier Traubenzucker liefern 51,11
Alkohol und 48,89 Kohlensure.

  [137] Vergl. $Krocker$, ber die Bestimmung des Strkemehlgehaltes in
        vegetabilischen Nahrungsmitteln, Annal. der Chem. und Pharm.
        Bd. 58, S. 212.

2. Um nun die bei der Ghrung entweichende Kohlensure auf eine bequeme
Art zu bestimmen, bedient man sich zweckmssig des in . 110 Fig.
47 abgebildeten Apparates. Das Klbchen _A_ sei ziemlich gross, _B_
mglichst klein. Das Wachsstpfchen auf _b_ bleibt weg.

3. Von der zuckerhaltigen Flssigkeit nimmt man eine solche Menge, dass
darin etwa 2 Grm. wasserfreier Zucker enthalten sind. Nimmt man viel
mehr, so dauert die Ghrung allzulange, nimmt man viel weniger, so
wird die Bestimmung ungenau, weil dann die Quantitt der zu wgenden
Kohlensure zu gering ist.

4. Was die Concentration der Flssigkeit betrifft, so enthalte die
Zuckerlsung auf 1 Zucker etwa 4-5 Wasser, verdnntere Lsungen sind
daher durch Abdampfen im Wasserbade zu concentriren.

5. Man bringt die Zuckerlsung in das Klbchen _A_, setzt einige
Tropfen Weinsteinsurelsung und eine verhltnissmssig bedeutende
und gewogene Menge ausgewaschener Hefe zu, z. B. 20 Grm. frische oder
eine entsprechende Menge Presshefe. (Da die Hefe fr sich auch etwas
Kohlensure zu entwickeln pflegt, so kann man zu gleicher Zeit eine
abgewogene grssere Menge derselben in einen hnlichen Apparat bringen,
um die aus derselben entbundene Kohlensure bestimmen und fr jene 20
Grm. in Abrechnung bringen zu knnen.)

6. Man tarirt oder wgt jetzt den Apparat genau und stellt ihn dann an
einen Ort, an dem er ziemlich constant auf einer Temperatur von 25
erhalten wird. Die Ghrung tritt bald ein, verluft im Anfang rasch,
verlangsamt sich aber spter mehr und mehr. Wenn keine Gasblasen mehr
durch die Schwefelsure austreten (nach 4-5 Tagen), ist der Versuch
beendigt. Man erwrmt alsdann das Klbchen _A_ durch Einstellen in
heisses Wasser, nimmt es heraus, saugt mittelst eines durchbohrten
Korkes die noch im Apparat befindliche Kohlensure bei _d_ aus, lsst
erkalten und wgt wieder. Die Gewichtsabnahme ist gleich der entwichenen
Kohlensure; multiplicirt man deren Menge mit 2,045, so findet man die
ihr entsprechende Menge Traubenzucker.

7. Sollen strkemehlhaltige Substanzen auf diese Art untersucht
werden, so fhrt man das Strkemehl derselben nach der in . 210. 2.
d. angegebenen Weise in Traubenzucker ber, dampft die Flssigkeit
im Wasserbade bis zur syrupartigen Consistenz ab, bringt sie in das
Klbchen _A_, setzt, zur Entfernung der freien Schwefelsure, eine sehr
concentrirte Lsung von neutralem weinsauren Kali in der Menge zu, dass
schwefelsaures und saures weinsteinsaures Kali entsteht (die Reaction
auf Lackmus giebt hierbei einen ziemlich sicheren Anhaltspunkt), und
unterwirft alsdann der Ghrung. Von Mehlarten wendet man etwa 3, bei
Kartoffeln 6-8 Grm. an.


                III. $Analyse der Pflanzenaschen$[138].

                                . 212.

Seitdem durch die Ergebnisse der Agriculturchemie der Satz festgestellt
wurde, dass zur Entwickelung jeder Pflanze gewisse unorganische
Bestandtheile, welche bei verschiedenen Pflanzen verschieden sind,
erfordert werden, ist ein Streben rege geworden, die fr die einzelnen
Gewchse -- namentlich die Culturpflanzen, und ferner die Unkruter,
weil diese Rckschlsse auf die im Boden enthaltenen Bestandtheile
gestatten -- nothwendigen unorganischen Bestandtheile kennen zu lernen.
-- Diesen Zweck suchte man durch die Analyse der Asche zu erreichen,
welche durch Verbrennen der ganzen Pflanzen, oder auch einzelner
Theile derselben (z. B. der Samen) erhalten wurde. -- Wenngleich es nun
feststeht, dass auf diesem Wege vllig genaue Resultate nicht erhalten
werden knnen, weil die Asche die Summe der in den Pflanzen enthaltenen
unorganischen Bestandtheile nicht ganz richtig darstellt, so kennt man
doch gegenwrtig, wenn man von einigen in dieser Hinsicht angestellten
Versuchen absieht[139], noch kein besseres und keinesfalls ein fr
alle Pflanzenstoffe anwendbares und gengendes Mittel zur Erreichung
des oben angefhrten Zweckes. Es bleibt daher, wenigstens fr die
nchste Zukunft, die Analyse der Pflanzenaschen immer noch eine sehr
beachtenswerthe Aufgabe, und aller Wahrscheinlichkeit nach wird sie es
immer bleiben, da ihre Ergebnisse, wenn auch nicht den Anforderungen der
Physiologie, so doch denen der Landwirthschaft dauernd gengen werden.

  [138] Da die Analyse der Aschen thierischer Substanzen nicht so hufig
        vorgenommen zu werden pflegt, als die der Pflanzenaschen, indem
        sie fast nur Zwecken der Wissenschaft, weniger solchen der
        Praxis dient, habe ich die ausfhrliche Beschreibung derselben
        im Text weggelassen. Ich bemerke nur kurz, dass man zu ihrer
        Einscherung und Analyse sich derselben Verfahrungsweisen
        bedienen kann, welche im Text angegeben sind. -- Die Substanzen,
        welche schmelzen, erhitzt man, nach H. $Rose$, erst in einer
        Platinschale unter Umrhren, bis sie ihren flssigen Zustand
        verloren haben und die organische Materie der Hauptsache nach
        zerstrt ist. Der grsstentheils verkohlte Rckstand wird
        dann in einen Platintiegel, oder auch jetzt ohne Nachtheil
        in einen Thontiegel gebracht und mit gut aufgelegtem Deckel
        bis zur dunkeln Rothgluth erhitzt. Die so erhaltene Kohle
        verbrennt man mit Hlfe von Platinschwamm. -- Auch die im Text
        beschriebene $Strecker$'sche Methode der Einscherung eignet
        sich sehr gut fr thierische Substanzen. -- $Strecker$ macht in
        seiner Abhandlung (Annal. der Chem. und Pharm. 73. 370) darauf
        aufmerksam, dass die Asche thierischer Substanzen in manchen
        Fllen nicht unbedeutende Mengen von cyansauren Salzen enthlt.
        Man zerstrt dieselben am einfachsten, indem man die Aschen mit
        Wasser befeuchtet und hierauf allmlig zum Glhen erhitzt. In
        der Regel gengt ein einmaliges Befeuchten zur Verwandlung der
        cyansauren Salze in kohlensaure. -- Specielle Angaben ber die
        Analyse der Asche thierischer Substanzen finden sich in der
        Abhandlung von F. $Verdeil$, ber die Analyse der Asche des
        Blutes des Menschen und mehrerer Thiere (Annal. der Chem. und
        Pharm., 69. 89; -- Pharmac. Centralbl. 1849, 198; -- $Liebig$
        und $Kopp$, Jahresber. 1849, 598), sowie in der von $Fr. Keller$
        "ber die Asche der Fleischbrhe und des Fleisches" (Annal. der
        Chem. und Pharm., 70. 91; -- Pharmac. Centralbl. 1849, 581; --
        $Liebig$ und $Kopp$, Jahresbericht 1849, 599).

  [139] $Caillat$ giebt an, es sei ihm gelungen, krautartigen Gewchsen
        (Klee, Lucerne, Esparsette) durch Behandlung mit verdnnter
        Salpetersure die organischen Bestandtheile so vollstndig zu
        entziehen, dass die leicht verbrennliche rckstndige Masse
        auf 10 Grm. angewendeten Vegetabils nur 18-22 Milligramme
        aus Kieselsure und Eisenoxyd bestehende Asche hinterlasse.
        Diese Behandlung liefere ausserdem eine grssere Menge von
        Aschenbestandtheilen, namentlich von Schwefelsure, als man
        durch Einscherung der Pflanze gewinnen knne. (Compt. rend.
        XXIX, 137. -- Jahresber. von $Liebig$ und $Kopp$, 1849, 601.)

Da nach den bisherigen Erfahrungen die Aschen der Gewchse nur eine
beschrnkte Anzahl von Suren und Basen enthalten, so lassen sich
zu ihrer Analyse allgemein anwendbare Verfahrungsweisen aufstellen,
von denen ich, weil sie manche Besonderheiten darbieten und hufig
angewendet werden, die mittheilen will, welche mir die einfachsten
und besten scheinen. Dass ich mich dabei nicht auf eine ausfhrliche
Kritik der sehr zahlreichen und wesentlich von einander abweichenden
in Vorschlag gekommenen Methoden einlassen kann, ergiebt sich aus dem
Zwecke des Buches.

Die Stoffe, welche man allgemeiner verbreitet in den Pflanzen antrifft,
sind folgende:

$Basen$:

Kali, Natron, Kalk, Magnesia, Eisenoxyd, Manganoxyd; --

$Suren oder sie vertretende Krper$:

Kieselsure, Phosphorsure, Schwefelsure, Kohlensure, Chlor.

Ausserdem findet man zuweilen Thonerde (wohl nur von Verunreinigungen
herrhrend), Fluor, Jod, Brom, Cyanmetalle und cyansaure Salze (nur
in der Asche sehr stickstoffhaltiger Krper), Schwefelmetalle und
hufig geringe Spuren von Kupferoxyd. Von den hier genannten Stoffen
sind die meisten unzweifelhaft bereits Bestandtheile der unzerstrten
Vegetabilien gewesen, manche dagegen knnen als solche vorhanden
gewesen, aber auch erst durch die Einscherung entstanden sein, und
gewisse endlich verdanken nur dem genannten Zerstrungsprocess ihre
Entstehung. So knnen die schwefelsauren und ausnahmsweise selbst
die kohlensauren Salze der Asche schon Bestandtheile der Pflanze
gewesen sein, sie knnen aber auch erst durch Zerstrung von Salzen
mit organischen Suren und durch Verbrennen des in jeder Pflanze
enthaltenen unoxydirten Schwefels entstanden sein, -- so entstehen
die Schwefelmetalle durch Einwirkung der Kohle auf schwefelsaure
Salze bei mangelndem Luftzutritt, die Cyanmetalle durch Erhitzung
stickstoffhaltiger Kohle mit kohlensauren Alkalien, die cyansauren Salze
durch Oxydation der Cyanmetalle etc.

Die Mannigfaltigkeit dieser Bestandtheile und der Umstand, dass einige
derselben in der Regel nur in sehr kleiner Menge zugegen sind, machen
die Aufstellung allgemein passender Methoden zu einer nicht ganz
leichten Aufgabe, zumal man Grund hat, darnach zu streben, dass die
Methoden mit der nothwendigen Genauigkeit den Vortheil verbinden,
einigermaassen schnell zum Ziele zu fhren. --

Ich spreche im Folgenden $erstens$ von der Bereitung der zur Analyse
zu verwendenden Asche, $zweitens$ von der Analyse der Pflanzenaschen,
$drittens$ von der Darstellung der Resultate und $viertens$ von der
Berechnung der gefundenen Aschenbestandtheile auf die Pflanzen oder
Pflanzentheile, denen sie angehrt haben.


                       A. $Bereitung der Asche.$

                                . 213.

Bei der Bereitung einer Asche sind folgende Bedingungen zu erfllen:

1) die zu verbrennenden Pflanzen oder der zu verbrennende Pflanzentheil
muss frei sein von allen anhngenden Verunreinigungen;

2) die Asche muss mglichst wenig unverbrannte Theile enthalten;

3) durch den Process des Einscherns drfen keine wesentlichen
Bestandtheile verloren gehen.

Um die $erste$ Bedingung zu erfllen, hat man demnach die betreffenden
Pflanzen oder Pflanzentheile sorgfltig auszusuchen und zu reinigen.
Nicht immer gelingt es, anhngenden Sand oder Thon durch blosses
Reiben und Brsten zu entfernen; es ist dies namentlich bei kleinen
Samenkrnern der Fall. -- H. $Rose$ giebt zu deren Reinigung folgende
Vorschrift. Man bergiesst sie in einem Becherglase mit einer nicht zu
grossen Menge destillirten Wassers, rhrt einige Augenblicke mit einem
Glasstabe gut um, bringt sie dann auf ein weitlcheriges Sieb, das den
feinen Sand durchlaufen lsst, die Samenkrner aber zurckhlt. Diese
Operation wiederholt man einige Male, lsst aber dabei die Krner nie
lange mit dem Wasser in Berhrung, weil aus ihnen sonst auflsliche
Salze knnten ausgezogen werden. Man bringt dann den Samen auf ein
leinenes Tuch und reibt ihn zwischen demselben, wodurch auch der feine
an den Krnern haftende Sand fortgenommen wird. Der so gereinigte Samen
ist fast vllig frei von fremden Beimengungen. Man trocknet ihn, um ihn
spter einschern zu knnen.

Zur Erfllung der $zweiten$ und $dritten$ Bedingung hat man vornehmlich
ins Auge zu fassen, dass die Einscherung bei mglichst niederer
Temperatur (dunkler Rothglhhitze) und bei einem weder zu starken noch
zu schwachen Luftzutritt vor sich gehe; denn ist der letztere zu stark,
so werden leicht Theile der Asche fortgerissen, ist er zu gering, so
dauert die Einscherung zu lange, auch finden leicht Reductionsprocesse
statt, -- glht man zu stark, so schmelzen nicht allein die Chlormetalle
und Phosphate der Alkalien und erschweren, indem sie die Kohle umhllen,
deren Verbrennung ausserordentlich, sondern es verflchtigen sich auch
leicht Chlormetalle, und selbst Phosphorsure kann verloren gehen,
indem, wie $Erdmann$ zuerst gezeigt hat, saure Phosphate der Alkalien,
mit Kohle geglht, unter Reduction und Verflchtigung eines Theiles
des Phosphors in neutrale Salze bergehen. -- Whrend man nun durch
die Methode der Einscherung und nthigenfalls durch Vermischung
der einzuschernden Substanz mit Baryt oder Kalk jedem Verlust an
Chlormetallen, Phosphorsure und Schwefelsure vorbeugen kann, gelingt
dies nicht in Betreff der Kohlensure. Niemals wird man daher durch
die Bestimmung der letzteren irgend einen sicheren Rckschluss auf
Bestandtheile des Vegetabils machen knnen, indem sich nicht einmal
$der$ Satz als richtig erwies, dass kohlensaure Salze in der Asche einer
(kohlensaure Salze nicht enthaltenden) Pflanze auf das Vorhandensein
organischsaurer Salze in dieser schliessen lassen; denn wie $Strecker$
gezeigt hat, bilden sich kohlensaure Alkalien, wenn dreibasisch
phosphorsaure mit einem grossen Ueberschuss von Zucker, beziehungsweise
dessen Kohle, geglht werden, whrend gleichzeitig pyrophosphorsaure
Alkalien entstehen. Erwgt man dieses Factum und bercksichtigt man,
dass umgekehrt pyrophosphorsaure Alkalien, mit kohlensauren stark
geglht, in dreibasisch phosphorsaure bergehen, so ergiebt sich, dass
das Auffinden dreibasischer oder zweibasischer phosphorsaurer Salze
in einer Asche ebenfalls abhngig sein kann von der Art, nach welcher
dieselbe bereitet worden ist.

Ich gehe jetzt zur Beschreibung der Methoden ber, welche man zur
Darstellung der Asche whlen kann.

                     1. Einscherung in der Muffel.

Diese Art der Einscherung, welche zuerst von $Erdmann$[140], spter
von $Strecker$[141] empfohlen worden und gegenwrtig in den meisten
Laboratorien eingefhrt ist, hat die frher bliche, wonach die
Substanz in schief liegenden hessischen Tiegeln verkohlt wurde, fast
ganz verdrngt.

  [140] Ann. d. Chem. u. Pharm. 54. 353.

  [141] Ann. d. Chem. u. Pharm. 73. 366.

Die Muffeln, welche ich anwende, sind von der Masse der hessischen
Tiegel, 28 Cm. tief, 11 Cm. breit, 6 Cm. hoch. Die Maassangaben
beziehen sich auf die Dimensionen im Lichten. Die Muffeln befinden sich
eingemauert in Oefen mit drehbarem Rost, haben kein Abzugsrohr und
werden vorn durch einen mit Lchern versehenen Deckel lose verschlossen.
Die so entstehende Luftcirculation gengt zu dem Verbrennen der
verkohlten Substanz vollstndig.

Man trocknet zunchst die einzuschernde Substanz (etwa 100 Grm.) bei
100 oder 110. Saftige Wurzeln oder fleischige Frchte zerschneidet man
zu dem Behufe und legt sie auf Glasplatten. Die getrocknete Substanz
wgt man am besten, bringt sie dann in einer flachen Platin- oder
Porzellanschale (besser noch in einer flachen, gerade in die Muffel
passenden Platin- oder Porzellankapsel) in die Muffel und erhitzt
diese allmlig. Sobald keine brenzlichen Producte mehr entweichen,
steigert man die Hitze ein wenig, aber nicht weiter als bis zu einer
ganz gelinden, bei Tage nicht sichtbaren Rothglhhitze. Bei dieser
Temperatur, bei welcher weder Kochsalz noch pyrophosphorsaures Natron
schmilzt, verbrennt die Kohle unter schwacher Glherscheinung, und
es gengen 12 Stunden, um eine zur Analyse hinreichende Menge von
kohlefreier Asche zu erhalten. -- Substanzen, welche sich zu dieser Art
der Einscherung nicht eignen, verkohlt man zuerst in einem grossen
bedeckten Platin- oder auch hessischen Tiegel bei gelinder Rothgluth und
verbrennt dann die verkohlte Masse in der Muffel. Umrhren der in der
Einscherung begriffenen Substanz ist in der Regel unzweckmssig, weil
sie dadurch an Lockerheit verliert. Bei dieser Methode der Einscherung
verflchtigt sich, nach $Strecker$, kein Kochsalz.

Nach beendigter Verbrennung wgt man die erhaltene Asche, zerreibt und
mischt sie und bringt sie zunchst in ein gut schliessendes Pulverglas.

  2. Einscherung in der Schale, mit Hlfe knstlichen Luftzuges, nach
                           F. $Schulze$[142].

Man verkohlt die bei 100 getrocknete, gewogene organische Substanz
im Tiegel bei gelinder Rothglhhitze, bringt die Kohle in eine flache
Platinschale, legt ber dieselbe ein Dreieck von Platindraht und
stellt auf dieses einen gewhnlichen Lampencylinder (oder auch einen
hinlnglich weiten Retortenhals; den Cylinder kann man auch in einen
Retortenhalter einspannen und ihn so ber der Schale befestigen). Unter
die Schale braucht man nur die einfache Weingeistlampe zu stellen. Durch
den verstrkten Luftzug, welchen der Cylinder veranlasst und welchen
man dadurch reguliren kann, dass man einen lngeren oder krzeren
anwendet und ihn niedriger oder hher stellt, gelingt die Einscherung
bei der angegebenen niederen Temperatur selbst bei Getreidekrnern auf
berraschende Weise[143]. Nach vollendeter Einscherung wgt man die
Asche und verfhrt wie in 1.

  [142] Briefliche Mittheilung.

  [143] F. $Schulze$ bedient sich dieses Mittels auch bei der
        gewhnlichen Filtereinscherung, indem er den Tiegel mit dem
        Filter in die Schale stellt.

       3. Einscherung in der Muffel unter Zusatz von Baryt, nach
                         $Strecker$ (a. a. O.).

Die organische Substanz wird bei 100 getrocknet und in einer Porzellan-
oder Platinschale ber der Lampe schwach verkohlt. Die Kohle feuchtet
man mit einer concentrirten Lsung von $reinem$ Barythydrat an, und
verwendet hierzu soviel, dass die nach dem Verbrennen bleibende Asche
etwa die Hlfte ihres Gewichtes an Baryt enthlt. Die angefeuchtete
Kohle wird wieder getrocknet und bei mglichst niederer Temperatur in
der Muffel verbrannt. Die Asche schmilzt hierbei nicht; sie bleibt
volumins und locker, so dass eine vollstndige Verbrennung der Kohle
sich erreichen lsst. Der Rckstand muss noch einen ansehnlichen
Ueberschuss von kohlensaurem Baryt enthalten. Ist dies nicht der Fall,
so kann man einen Verlust von Schwefel oder Phosphor befrchten und thut
daher besser, eine neue Portion mit einem grsseren Zusatz von Baryt
einzuschern. Der eingescherte Rckstand wird nun fein gepulvert und
innig gemischt.

      4. Einscherung mit Hlfe von Platinschwamm, nach H. $Rose$.

Man verkohlt zunchst etwa 100 Grm. der bei 100 getrockneten Substanz
im Platin- oder Thontiegel bei dunkler Rothglhhitze, reibt die
verkohlte Masse im Porzellanmrser fein, mischt sie mit 20-30 Grm.
Platinschwamm aufs Innigste, bringt das Gemenge portionenweise in eine
flache dnne Platinschale und erhitzt ber der Lampe mit doppeltem
Luftzuge. Nach kurzer Zeit, noch ehe dies Gemenge ins Glhen gekommen
ist, fngt jedes Kohlentheilchen an zu verglimmen, und die Oberflche
des schwarzen Gemenges berzieht sich mit einer grauen Schicht. Durch
fleissiges, vorsichtiges Umrhren mit einem kleinen Platinspatel
erneuert man die Oberflche und befrdert die Verbrennung. So lange noch
unverbrannte Kohle in der Masse enthalten ist, findet ein Verglimmen
statt, sobald sie aber vollstndig verbrannt ist, hrt jedes sichtbare
Erglhen der Masse auf, auch wenn man dieselbe strker erhitzt. Sind
smmtliche Portionen eingeschert, so mischt man gleichfrmig, trocknet
scharf und wgt. Zieht man das Gewicht des zugesetzten Platins ab, so
erhlt man das der Asche.


                        B. $Analyse der Asche.$

                                . 214.

Nachdem ich im Vorhergehenden die vorzglichsten Methoden zur
Darstellung von Pflanzenaschen mitgetheilt habe, mache ich hier zunchst
darauf aufmerksam, dass in bei Weitem den meisten Fllen die Methoden
1 und 2, wenn dieselben richtig ausgefhrt werden, vollkommen gengen,
indem bei deren Anwendung nur der Gehalt an Kohlensure und an Schwefel
ungenau zu werden pflegt[144]. Da nun die Bestimmung der ersteren auch
durch die anderen Methoden nicht genauer wird, und die Ermittlung
des Schwefelsuregehaltes einer Asche von verhltnissmssig geringem
Werthe ist, indem man dadurch weder Aufschluss ber den in der Pflanze
als Schwefelsure, noch ber den im Ganzen in derselben enthaltenen
Schwefel enthlt, so ist es jedenfalls am sichersten, zur Bestimmung des
Schwefels einer vegetabilischen Substanz eine besondere Portion nach
. 156 zu behandeln. --

  [144] Vergl. auch $Way$ und $Ogston$, Jahresber. von $Liebig$ u. $Kopp$
        1849. 601.

Ich habe diesen Satz vorausgeschickt, um es zu rechtfertigen, dass
ich im Folgenden nur von der Analyse reiner (baryt- und platinfreier)
Asche rede. Kommt man in den Fall, die Einscherungsmethode 3 oder
4 anzuwenden, so bedarf es nur geringer, leicht sich ergebender
Modificationen der sogleich zu beschreibenden Methoden.

Nach ihren hauptschlichsten Bestandtheilen kann man die Aschen in
folgende Abtheilungen bringen:

a. Aschen mit vorwaltenden $kohlensauren Alkalien$ und $kohlensauren
alkalischen Erden$. -- Eine solche Asche liefern z. B. die Hlzer, die
kruterartigen Gewchse etc.

b. Aschen mit vorwaltenden $phosphorsauren Alkalien$ und $phosphorsauren
alkalischen Erden$. -- Hierher gehren fast alle Samenaschen.

c. Aschen mit vorwaltender $Kieselsure$. -- Eine solche geben die Halme
der Gramineen, der Equisetaceen u. s. w.

Wenngleich es einleuchtend ist, dass diese Eintheilung nicht streng sein
kann, und dass sich zahlreiche Uebergnge von einer Gruppe zur anderen
finden werden, so muss sie doch beibehalten werden, wenn in die jetzt
mitzutheilenden analytischen Methoden Klarheit kommen soll, denn der
allgemeine Gang erleidet gewisse Modificationen, je nachdem eine Asche
zur ersten, zweiten oder dritten Abtheilung gehrt.


                       a. $Qualitative Analyse.$

Da man die Bestandtheile, welche die Aschen zu enthalten pflegen,
bereits im Allgemeinen kennt, so wre es berflssig, von jeder Asche
eine vollstndige qualitative Analyse vorzunehmen. -- Es sind nur einige
wenige vorlufige Versuche, welche man zu machen hat, sowohl um ber
die Gegenwart oder Abwesenheit seltener vorkommender Bestandtheile, als
auch namentlich um darber ins Klare zu kommen, zu welcher der oben
angefhrten Abtheilungen man die Asche zu rechnen hat. -- Diese Versuche
sind folgende:

1. $Man prfe, ob die Asche durch Erwrmen mit concentrirter Salzsure
vollkommen aufschliessbar sei.$ -- Braust eine Asche beim Uebergiessen
mit der Sure stark, so kann man von der Aufschliessbarkeit im Voraus
berzeugt sein. -- In der Regel sind es nur die an Kieselsure
reichen Aschen der Halme der Grser etc., welche nicht vollstndig
aufgeschlossen werden.

2. Versetzt man die salzsaure Lsung irgend einer Asche, nach
Abscheidung der Kieselerde, mit essigsaurem Alkali, oder neutralisirt
man sie mit Ammon und setzt alsdann freie Essigsure hinzu, so scheidet
sich fast bei allen Aschen ein gelblichweisser, gallertartiger
Niederschlag -- phosphorsaures Eisenoxyd -- ab. Es ist nun nothwendig
zu wissen, $ob ausser der in diesem Niederschlage befindlichen
Phosphorsure noch eine weitere Menge in der Asche enthalten ist$.
Um diese Frage zu entscheiden, filtrirt man den nach angegebener
Art erhaltenen Niederschlag ab, und setzt zum Filtrat Ammon im
Ueberschuss. -- Entsteht hierdurch $kein$ Niederschlag, oder ist ein
sich abscheidender roth, besteht er also aus Eisenoxydhydrat, so enthlt
die Asche keine weitere Phosphorsure, -- entsteht aber ein weisser
Niederschlag (phosphorsaurer Kalk und phosphorsaures Bittererde-Ammon),
so ist es gewiss, dass die Asche mehr Phosphorsure enthlt, als das
darin enthaltene Eisenoxyd zu binden vermag, und dass die Asche somit
zur zweiten Abtheilung zu rechnen ist.

3. Man prft auf $Mangan$, indem man ein Theilchen der Asche mit Soda
mengt und auf Platinblech der usseren Lthrohrflamme aussetzt, vergl.
Anleit. zur qual. Anal.

4. Man prft auf Jod, Brom, Fluor und die brigen der zuweilen in sehr
geringer Menge vorkommenden, oben genannten Substanzen, sofern man ein
Interesse hat, Spuren derselben nachzuweisen (vergl. Anleit. zur qual.
Analyse).


                       b. $Quantitative Analyse.$

   I. $Aschen mit vorwaltenden kohlensauren Alkalien oder alkalischen
           Erden, in welchen alle Phosphorsure an Eisenoxyd
                             gebunden ist.$

                                . 215.

Smmtliche Bestandtheile bestimmt man in drei verschiedenen Portionen
der Asche, welche wir A, B und C nennen wollen.

             In C bestimmt man die Kohlensure[145],
             "  B     "     "  das Chlor,
             "  A     "     "  alle brigen Bestandtheile.

  [145] Die Bestimmung derselben, wenn auch an und fr sich ohne grosse
        Bedeutung (s. oben), ist nothwendig, um die Analyse zu
        vervollstndigen und so eine gewisse Controle fr deren
        Richtigkeit zu erlangen.

                                   A.

      1. $Bestimmung der Kieselerde, der Kohle und des Sandes.$

Man bergiesst 4-5 Grm. der Asche in einem schief gehaltenen Kolben
mit concentrirter Salzsure, so dass die entweichende Kohlensure
keine Trpfchen der Flssigkeit mit sich fortreissen kann, und erhitzt
gelinde, bis man ausser den leicht zu erkennenden kohligen und sandigen
Theilen (welche fast niemals ganz fehlen) keine unaufgeschlossene Asche
mehr bemerkt. Man verdampft nun die sorgfltig in eine Porzellanschale
gebrachte Lsung im Wasserbade zur Trockne und erhitzt den Rckstand,
wie dies bei Abscheidung der Kieselerde geschehen muss, unter Umrhren
und Zertheilung der Klmpchen, aber immer nur bei 100 (vergl. . 111.
II. a.). (Braust die Asche beim Uebergiessen mit Sure nur schwach, so
kann man sie gleich in der Porzellanschale mit Salzsure bergiessen,
wobei man die Schale jedoch mit einer Glasplatte zu bedecken hat.) --

Nach dem Erkalten befeuchtet man die trockene Masse mit concentrirter
Salzsure, erhitzt nach halbstndiger Einwirkung mit einer gehrigen
Menge Wasser zum anfangenden Kochen und filtrirt die saure Flssigkeit
durch ein bei 100 getrocknetes und gewogenes Filter aus starkem Papier.

Auf dem Filter bleibt die Kieselerde, gemengt mit Kohle und Sand, wenn
diese zugegen sind. -- Man trocknet es nach vollkommenem Auswaschen
sorgfltig und bringt die darin enthaltenen Substanzen in eine
Platinschale, ohne das Filter dabei zu beschdigen. (Wenn das Pulver
vollkommen trocken war, so gelingt dies sehr gut, und an dem Papier
bleibt meistens nur so viel hngen, dass dasselbe von der Kohle gefrbt
erscheint.) -- Das Pulver erhlt man eine halbe Stunde lang mit reiner
(kieselsurefreier) verdnnter Natronlauge (oder auch mit einer
concentrirten Lsung von kohlensaurem Natron) im Sieden, wobei sich nach
und nach alle Kieselsure auflst, ohne dass etwa zugegebener Sand oder
Kohle angegriffen werden. Man filtrirt nun durch das nmliche Filtrum,
wscht das Ungelste gut aus und trocknet es mit dem Filtrum bei 100,
bis kein Gewichtsverlust mehr stattfindet. Es wird, nach Abzug des
Gewichts des Filters, als $Kohle$ und $Sand$ in Rechnung gebracht.

Das mit Salzsure bersttigte Filtrat giebt, nach . 111. II. a.
behandelt, die Quantitt der $Kieselsure$.

      2. $Bestimmung aller brigen Bestandtheile, ausgenommen Chlor und
         Kohlensure.$

Die von der Kieselerde, der Kohle und dem Sand abfiltrirte salzsaure
Lsung sammt dem Waschwasser theilt man nach vorhergegangener inniger
Mischung dem Volum oder Gewichte nach in drei, oder zweckmssiger in
vier Theile, damit man, wenn eine Bestimmung misslingt, den letzten
Theil zur Wiederholung derselben benutzen kann. -- Am einfachsten
geschieht die Theilung, indem man die Flssigkeit in einen 200 C.C.
fassenden Messkolben filtrirt, denselben mit Hlfe des Waschwassers und
zuletzt mit reinem Wasser bis an den Theilstrich anfllt, schttelt und
nun mittelst einer Pipette dreimal je 50 C.C. abmisst. Wir wollen die
drei Portionen a, b und c nennen.

In a bestimmt man das phosphorsaure Eisenoxyd, etwa vorhandenes freies
Eisenoxyd und die alkalischen Erden, ferner das Mangan, sofern welches
zugegen.

In b die Alkalien.

In c die Schwefelsure.

      a. _Bestimmung des phosphorsauren Eisenoxyds etc. und der alkalischen
         Erden._

Man versetzt die Flssigkeit mit Ammon, bis der entstehende Niederschlag
nicht mehr verschwindet, fgt nun essigsaures Ammon und soviel freie
Essigsure hinzu, dass die Flssigkeit deutlich sauer reagirt. -- Der
bleibende gelblichweisse Niederschlag, der sich bei gelindem Erwrmen
am besten abscheidet, ist $phosphorsaures Eisenoxyd$ (3PO_{5},
2Fe_{2}O_{3}, 3HO + 10 aq.). Es wird abfiltrirt, heiss ausgewaschen,
geglht, gewogen und als solches in Rechnung gebracht. Seine Formel ist
nach dem Glhen 3PO_{5}, 2Fe_{2}O_{3} (vergl. . 72. 4. c.).

Das Filtrat sttigt man mit Ammon und bestimmt darin $Kalk$ und
$Magnesia$ nach . 122. B. 3.

Entsteht jedoch durch Zusatz des Ammons ein Niederschlag von
$Eisenoxydhydrat$, so muss dieses erst abfiltrirt und bestimmt werden,
-- und ist eine bestimmbare Menge $Mangan$ allein oder neben Eisen
zugegen, so hat man die mit Ammon gesttigte Flssigkeit erst mit
Schwefelammonium zu fllen, ehe man zur Bestimmung der alkalischen Erden
schreitet. -- Ist der Niederschlag des Schwefelmangans rein, so verfhrt
man damit nach . 86. 1. c., -- ist er eisenhaltig, nach . 128.

      b. _Bestimmung der Alkalien._

Man versetzt die Flssigkeit b. (nachdem man durch Verdampfen im
Wasserbad den grsseren Theil der freien Sure entfernt hat) mit
Barytwasser bis zur stark alkalischen Reaction, erwrmt und filtrirt.
Man entfernt auf diese Weise alle Schwefelsure, alle Phosphorsure,
alles Eisenoxyd und die Bittererde. Den Niederschlag wscht man so
lange aus, bis das letztablaufende Waschwasser Silbersolution nicht
mehr trbt, fllt aus dem Filtrat den Barytberschuss durch mit Ammon
versetztes kohlensaures Ammon, lsst absitzen, filtrirt, verdampft in
einer Platinschale zur Trockne, glht, fllt nochmals und wenn nthig
auch noch ein drittes Mal mit Ammon und kohlensaurem Ammon (bis die
Lsung des gelinde geglhten Rckstandes durch die genannten Reagentien
nicht mehr getrbt wird), verdampft, glht gelinde, wgt die als
Chlormetalle zurckbleibenden Alkalien und trennt $Natron$ und $Kali$
nach . 120. 1. a.

    NB. Statt der beschriebenen Methode kann man auch sehr gut die
    Bestimmungen a. und b. vereinigen. Man fllt in dem Fall das
    phosphorsaure Eisenoxyd wie angegeben und verfhrt mit dem Filtrate
    genau nach . 177. 4. b. Es ist diese Methode namentlich dann zu
    empfehlen, wenn man wenig Asche hat.

      c. $Bestimmung der Schwefelsure.$

Man fllt die Flssigkeit c mit Chlorbaryum und bestimmt den
Niederschlag nach . 105.

                                   B.

                        $Bestimmung des Chlors.$

Man wgt eine zweite Portion der Asche (1-2 Grm.) ab, zieht sie heiss
mit Wasser aus, suert das Filtrat mit Salpetersure an, fllt mit
salpetersaurem Silberoxyd und bestimmt den Niederschlag nach
. 112. I. a.

                                   C.

                     $Bestimmung der Kohlensure.$

Man behandelt eine dritte Portion der Asche (die Menge richtet sich nach
dem Kohlensuregehalt) nach . 110. II. b. [Greek: b].


   II. $Durch Salzsure aufschliessbare Aschen, in welchen ausser der
           an Eisenoxyd gebundenen Phosphorsure noch weitere
                            vorhanden ist.$

                                . 216.

Die Analyse wird im Allgemeinen gerade so ausgefhrt wie in I. (. 215)
angegeben, nur bei A. 2. a. erleidet sie Abnderungen.

Bei Ausfllung des phosphorsauren Eisenoxyds hat man nmlich zunchst
Sorge zu tragen, dass etwa mitgefllter phosphorsaurer Kalk durch
Essigsure vollstndig wieder gelst wird; sodann fllt man aus dem
sauren Filtrate den Kalk geradezu durch kleesaures Ammon (. 81.
2. b. [Greek: b].). Das Filtrat theilt man alsdann in zwei gleiche
Theile und bestimmt im einen die Magnesia durch Zusatz von Ammon und
phosphorsaurem Natron, im anderen die Phosphorsure durch Zusatz von
Ammon und mit Salmiak versetzter schwefelsaurer Magnesialsung. -- Ist
die Phosphorsure in Form zweibasischer Salze zugegen gewesen, so geht
man am sichersten, wenn man die zu ihrer Ermittlung bestimmte Hlfte,
zuletzt im Platintiegel, verdampft und den Rckstand mit kohlensaurem
Natron schmelzt, ehe man die angegebene Bestimmung vornimmt.

Enthlt die Asche eine bestimmbare Menge Mangan, so lsst sich diese
einfache Methode nicht wohl anwenden, weil alsdann dieses theils mit
dem Kalk, theils mit der Magnesia niedergeschlagen wrde. Man versetzt
daher die von dem phosphorsauren Eisenoxyd abfiltrirte Flssigkeit
(welche noch essigsaures Alkali enthlt) mit Eisenchlorid, bis dieselbe
in Folge sich bildenden essigsauren Eisenoxyds deutlich roth wird, kocht
lngere Zeit und filtrirt heiss ab. Durch diese Operation wird alle
Phosphorsure ausgefllt, und man hat somit Mangan, Kalk und Magnesia
als Chlormetalle in Lsung. -- Man trennt sie nach . 127. Sollte der
Niederschlag des Schwefelmangans eisenhaltig sein, was in der Regel der
Fall ist, so hat man das Mangan vom Eisen nach . 128 zu scheiden.

                   *       *       *       *       *

    N.B. Hat man nicht viel Asche, so kann man die salzsaure Lsung
    der Portion A auch nur in zwei Theile theilen, a und b. Mit a
    verfhrt man, wie eben angegeben, -- b versetzt man zur Bestimmung
    der Schwefelsure mit Chlorbaryumlsung in mglichst geringem
    Ueberschuss, fllt die Phosphorsure nach . 106. I. c. [Greek:
    c]. (indem man statt des dort angegebenen essigsauren Natrons
    essigsaures Ammon anwendet) und bestimmt alsdann im Filtrate die
    Alkalien, nachdem man die Ammonsalze verjagt, die Magnesia mit etwas
    Kalkmilch, dann Kalk und Baryt mit Ammon und kohlensaurem Ammon
    ausgefllt hat. -- Wgt man das erhaltene basisch phosphorsaure
    Eisenoxyd, so dient diese Bestimmung der in a gemachten zur Controle.


          III. $Durch Salzsure nicht aufschliessbare Aschen.$

                                . 217.

Kohlensure findet man in solchen Aschen selten, sollte sich welche
finden, so wird sie nach . 215 bestimmt. Das Gleiche gilt von Chlor.
Was die Bestimmung der brigen Bestandtheile betrifft, so muss derselben
eine Aufschliessung vorhergehen. Es kann solche auf verschiedene Weise
ausgefhrt werden.

1. Man kann nmlich entweder, wie $Will$ und ich es zuerst
vorgeschlagen, die Asche mit reiner Natronlauge in einer Platin- oder
Silberschale zur Trockne verdampfen. (Hierdurch werden erfahrungsmssig
die kieselsauren Verbindungen der Asche vollstndig aufgeschlossen,
nicht aber, oder nur hchst wenig, etwa beigemengter Sand. -- Die Hitze
darf zuletzt nicht so weit gesteigert werden, dass die Masse schmilzt.)
-- Man bergiesst den Rckstand alsdann mit verdnnter Salzsure, dampft
ein, behandelt wieder mit Salzsure und verfhrt mit dem unlslichen
Rckstand (Kieselerde, Kohle und Sand) wie oben in . 215. A. 1., mit
der Lsung wie oben in . 215. A. 2. Dass in letzterer die Alkalien
nicht bestimmt werden knnen, sondern dass dieselben in einer besonderen
Portion der Asche, nachdem man solche durch Schmelzen mit Barythydrat
oder durch Aufschliessen mit Fluorwasserstoff zersetzt hat, geschehen
muss, ergiebt sich von selbst.

2. $Way$ und $Ogston$[146] mischen die Asche mit dem gleichen Gewicht
salpetersauren Baryts und tragen sie portionenweise in einen grossen
Platintiegel ein. Hierdurch wird die Asche durch Salzsure leicht
zersetzbar und, wenn sie kohlehaltig war, vllig weiss. Die Kieselsure
wird wie in . 215. A. 1. abgeschieden und der dabei etwa vorhandene
und erforderlichenfalls zu bestimmende schwefelsaure Baryt in Rechnung
gebracht. Von der salzsauren Lsung verwenden sie eine Portion zur
Bestimmung der Alkalien (Verfahren wie in . 215. A. 2. b.), den Rest
fllen sie mit wenig berschssiger Schwefelsure aus (aus dem Gewichte
des erhaltenen schwefelsauren Baryts berechnen sie, da die Quantitt des
angewandten salpetersauren Baryts bekannt war, die Menge des ihm etwa
anhngenden schwefelsauren Kalkes) theilen das Filtrat in zwei Theile
und bestimmen im einen phosphorsaures Eisenoxyd, Kalk und Magnesia
(. 216), im anderen die Phosphorsure nach . 106. I. c. [Greek: c].

  [146] _Journ. of the Royal Agricult. Soc. of England, VIII, part 1._
        -- Jahresb. von $Liebig$ u. $Kopp$, 1849. 600.


                    C. $Darstellung der Resultate.$

                                . 218.

Das Streben, die Aschen der Pflanzen im Interesse der
Pflanzenphysiologie und Agricultur zu analysiren, gehrt, wenn man von
vereinzelten frheren Arbeiten absieht, der neueren und neuesten Zeit
an. Die Fragen, welche durch die Analysen beantwortet werden sollen,
sind der Hauptsache nach folgende:

  1. Haben die Pflanzen gewisse Bestandtheile in gewisser Menge absolut
     nthig, -- und wenn dem so ist, welche?

  2. Knnen manche dieser Bestandtheile durch andere vertreten werden?

  3. Hat jede Pflanze eine bestimmte Sttigungscapacitt, d. h. ist die
     Menge des Sauerstoffs, welcher in ihren Basen enthalten ist, stets
     dieselbe?

Man sieht leicht ein, dass diese Fragen nur durch eine ausserordentlich
grosse Anzahl von Analysen mit vlliger Sicherheit beantwortet werden
knnen, und dass daher Viele berufen sind, zu ihrer Lsung beizutragen.

Unter diesen Umstnden ist es von der grssten Wichtigkeit, dass die
smmtlichen Resultate auf bereinstimmende Weise dargestellt werden, so
dass sie mit Leichtigkeit und ohne Umrechnung vergleichbar sind.

Da wir die Art, wie die Basen und Suren in den Pflanzen verbunden
gewesen sind, aus der Asche doch nicht mit Sicherheit ersehen knnen,
und da die Aschen, wie bereits erwhnt, in Bezug auf die Basicitt
der Phosphate etc. je nach der Strke des Glhens verschieden
ausfallen, so ist es ohne allen Zweifel am rthlichsten, die gefundenen
Gewichtsprocente der Basen und Suren isolirt aufzufhren. Nur in Bezug
auf das Chlor ist zu erinnern, dass man es als Chlornatrium (und,
wenn nicht genug Natron vorhanden, Chlorkalium) auffhren, die darin
enthaltene Menge Natrium auf Natron berechnen und von der Gesammtmenge
des Natrons abziehen muss. -- Denn wrde man dies nicht thun, so
erhielte man jedesmal einen Ueberschuss bei der Analyse, indem man ja
das in der Asche enthalten gewesene Chlornatrium nicht als Chlor und
Natrium, sondern als Chlor und Natron auffhrte. -- Etwa vorhandenes
Mangan ist als Oxyduloxyd anzufhren, da es als solches in der Asche
enthalten ist. --

Als Beispiel mag die Asche des Buchensamens dienen. $Souchay$ erhielt
bei der Analyse desselben:

                        Kali              18,13
                        Natron             7,55
                        Kalk              19,47
                        Bittererde         9,25
                        Eisenoxyd          2,12
                        Manganoxyduloxyd   2,47
                        Phosphorsure     16,53
                        Schwefelsure      1,75
                        Chlornatrium       0,69
                        Kieselerde         1,49
                        Kohlensure        9,11
                        Kohle und Sand     9,39
                                          ------
                                          97,95.

Diese Darstellung gengt jedoch, wie man leicht ersieht, nicht, wenn
man die Resultate mit anderen genau vergleichen will, indem dabei an 20
Procent von Substanzen aufgefhrt sind, welche ganz unwesentlich sind,
nmlich Kohlensure und ferner Kohle und Sand. Denn die Menge, in der
diese Bestandtheile zugegen sind, oder, wenn man will, ihre Anwesenheit
berhaupt, ist in der That nur von zuflligen Umstnden (sorgfltigem
Reinigen der Substanz, Grad und Dauer des Glhens etc.) abhngig.

Will man also vergleichbare Resultate haben, so muss man dieselben
frei machen von dem Einfluss dieser unwesentlichen Bestandtheile. Dies
geschieht, indem man Kohlensure, Kohle und Sand wegstreicht, und die
wesentlichen Bestandtheile auf 100 Theile berechnet.

Auf diese Art erhlt man z. B. bei der oben angefhrten Analyse:

                        Kali              22,82
                        Natron             9,50
                        Kalk              24,50
                        Bittererde        11,64
                        Eisenoxyd          2,67
                        Manganoxyduloxyd   3,11
                        Phosphorsure     20,81
                        Schwefelsure      2,20
                        Chlornatrium       0,87
                        Kieselerde         1,88
                                         -------
                                         100,00.

Man hat demnach, wenn man allen Anforderungen gengen will, die
Resultate jeder Aschenanalyse nach beiden Weisen aufzufhren. Die erste
Zusammenstellung lsst alsdann eine Beurtheilung der Genauigkeit, die
letztere eine genaue Vergleichung zu. -- Will man ein Uebriges thun, so
kann man noch die Sauerstoffmengen der einzelnen Basen berechnen und
deren Summe mittheilen.


   D. $Berechnung der gefundenen Aschenbestandtheile auf die Pflanzen
            oder Pflanzentheile, denen sie angehrt haben.$

                                . 219.

Man pflegte frher gewhnlich in einer Portion der sorgfltig
getrockneten vegetabilischen Substanz durch vorsichtiges Einschern
eines gewogenen kleineren Theiles die Gesammtmenge der Asche zu
bestimmen und dann einen grsseren, weniger sorgfltig getrockneten
und nicht gewogenen Theil zu verbrennen, um die zur Analyse nthige
Aschenmenge zu gewinnen. War diese analysirt, so ergab sich die
Beziehung zur Pflanze leicht durch eine hchst einfache Rechnung.
Es lieferten z. B. die Weizenkrner 3 Proc. Asche und diese enthielt
5O Proc. Phosphorsure, also enthielten 100 Thle. Weizenkrner 1,5
Phosphorsure etc.

Man sieht auf den ersten Blick, dass diese Methode sehr bequem ist,
aber es muss darauf aufmerksam gemacht werden, dass sie nicht in allen
Fllen hinlnglich genaue Resultate liefert, da das Gesammtquantum der
Asche, wie sich aus den in . 213 angefhrten Grnden ergiebt, keine
constante, sondern eine je nach Dauer, Strke und Art des Glhens in
gewissen Grenzen vernderliche Grsse ist. Sofern man daher meistens
nicht darauf rechnen kann, dass die bei der Gewichtsbestimmung der
Asche erhaltene kleine Portion in ihrer Menge und Zusammensetzung genau
bereinstimmt mit der zur Analyse dienenden grsseren Portion, so
ist es jedenfalls vorzuziehen, die Gesammtmenge der zur Einscherung
bestimmten Substanz einerseits und die Gesammtmenge der erhaltenen und
zur Analyse bestimmten Asche andererseits zu wgen, wie ich dies schon
oben angerathen habe.

Will man dies nicht, so lsst sich der vorliegende Zweck auch dadurch
mit Genauigkeit erreichen, dass man zuerst eine grssere ungewogene
Menge des Vegetabils einschert, die Asche analysirt und so das
relative Verhltniss ihrer Bestandtheile feststellt. Aeschert man dann
auch eine kleinere, bei 100 getrocknete und gewogene Portion ein und
bestimmt in der Asche einen von den Bestandtheilen, deren Menge durch
die Art der Einscherung gar keine Vernderung erleiden kann, z. B.
den Kalk, so lsst sich alsdann, da man die Beziehung seiner Quantitt
zur Pflanze, wie zu den brigen Aschenbestandtheilen kennt, auch das
Verhltniss leicht berechnen, in dem die brigen Aschenbestandtheile zur
eingescherten Substanz stehen.


                   IV. $Analyse der Bodenarten$[147].

                                . 220.

Wenn der Satz wahr ist, dass jede Pflanze zu ihrem Wachsthum und
Gedeihen gewisse unorganische Stoffe nthig hat, und dass ihr diese
Stoffe von dem Boden geliefert werden, in welchem sie wurzelt -- und
wer wollte diesen Satz bestreiten --, so ist es auch gewiss, dass
die Kenntniss der Bestandtheile des Bodens fr den Landwirth von der
grssten Bedeutung sein msse, sei es, dass er beurtheilen will, welcher
Pflanze ein gegebener Boden die nothwendige Nahrung liefern kann, --
sei es, dass er fr eine bestimmte Pflanze einen Boden durch Zufuhr von
dngenden Materien geeignet machen will.

  [147] Ich kann dieses Capitel nicht beginnen, ohne Herrn Professor
        $Otto$ meinen Dank gesagt zu haben fr den Nutzen, den ich aus
        seiner schnen Arbeit ber Bodenanalyse (siehe $Sprengel$'s
        Bodenkunde) gezogen habe.

Da nun aber eine Pflanze nur gelste Substanzen mit ihren Wurzelfasern
aufzusaugen und in sich aufzunehmen vermag, so ist es fr ihr Gedeihen
nicht ausreichend, dass die ihr nothwendigen Bestandtheile berhaupt
vorhanden sind, sondern es ist auch erforderlich, dass dieselben in
einer Form zugegen sind, in welcher sie von der Pflanze aufgenommen
werden knnen. -- Soll daher die Analyse eines Bodens einen praktisch
brauchbaren Schluss auf seine Ernhrungsfhigkeit fr die oder jene
Pflanze abgeben, so muss sie nicht nur die Bestandtheile nachweisen,
sondern auch die Zustnde, in denen sie enthalten sind.

In diesem Sinne kann man die unorganischen Bodenbestandtheile in drei
Abtheilungen bringen, nmlich:

  1. Bodenbestandtheile, welche sich in Wasser lsen;

  2. Bodenbestandtheile, welche sich nicht in Wasser, wohl aber in
     verdnnten Suren lsen;

  3. Bodenbestandtheile, welche sich weder in Wasser, noch in verdnnten
     Suren lsen.

Die ersteren werden den Pflanzen unmittelbar mit dem Wasser, welches
sie aufsaugen, zugefhrt, -- die unter 2. genannten vermgen die
Pflanzen ebenfalls aufzunehmen, aber schwieriger, indem sie nur durch
Vermittelung von Kohlensure und sauren Zersetzungsproducten verwesender
organischer Substanzen (Humussuren) in auflslichen Zustand kommen,
-- und die letztgenannten endlich mssen erst durch fortschreitende
Verwitterung ihre Beschaffenheit ndern, ehe sie berhaupt Einfluss
ausben knnen.

Die in Wasser lslichen Stoffe dienen also fr die nchste Zukunft,
die nur in Suren lslichen sind in ihrer Wirkung nachhaltiger und nur
bei gleichzeitiger Anwesenheit verwesender organischer Stoffe wirksam,
und die ganz unlslichen sind zwar fr den Augenblick ohne Nhrkraft,
erffnen aber meist eine Aussicht fr sptere Zeitrume. --

Ausser den unorganischen Bestandtheilen trifft man aber in den meisten,
ja fast in allen, Bodenarten auch auf organische Substanzen (pflanzliche
und thierische Ueberreste und deren Verwesungsproducte). Dass dieselben
auf die Fruchtbarkeit des Bodens von wesentlichstem Einfluss sind, ist
eine ber jeden Zweifel erhabene Thatsache, und man mag eine Ansicht
ber die Art ihrer Wirksamkeit haben, welche man will, so viel steht
fest, dass es von Wichtigkeit ist, auch ber $ihre$ Art und Menge
Aufschluss zu bekommen. --

Wir haben somit das Ziel bezeichnet, welches wir durch die Bodenanalyse
zu erreichen wnschen. Im Folgenden wollen wir nun kennen lernen, wie
man dieses Ziel auf eine einfache und genaue Art erreicht, und zwar
werden wir zuerst von der Analyse sprechen und sodann die Methode
angeben, wie man die erhaltenen Resultate zweckmssig zusammenstellt. --
Dass ich mich hier nicht darauf einlasse, von der genaueren Bestimmung
der physikalischen und mineralogischen Bodenverhltnisse[148], sowie von
den Schlssen zu sprechen, welche aus den analytischen Resultaten fr
die praktische Landwirthschaft sich ergeben, wird man natrlich finden,
wenn man den Zweck des vorliegenden Buches ins Auge fasst.

  [148] Ausgiebige Belehrung ber diese Verhltnisse des Bodens und die
        Art ihrer Bestimmung findet man in der Abhandlung von $Fr.
        Schulze$, "Anleitung zur Untersuchung der Ackererden auf ihre
        wichtigsten physikalischen Eigenschaften und Bestandtheile". --
        Journ. f. prakt. Chem. Bd. 47. 241.

Dass der quantitativen Analyse eine qualitative vorausgehen muss,
bedarf nicht der Erwhnung. Ich verweise in Betreff der Ausfhrung der
letzteren auf . 203 meiner Anleitung zur qualitativen Analyse, achte
Auflage. --


                         A. $Gang der Analyse.$

                                . 221.

Zur Analyse dient die lufttrockene, nicht zerriebene, aber mglichst
gleichfrmig gemischte Erde. Man fngt die Bestimmungen a., b. und c.
zu gleicher Zeit an und hebt eine weitere Portion der Erde in einem
verschlossenen Gefsse fr den Fall auf, dass eine oder die andere
Bestimmung wiederholt werden soll.

                  a. $Bestimmung des Wassergehaltes.$

Man trocknet 10 Grm. der Erde im Wasserbade, bis das Gewicht unverndert
bleibt, und bestimmt die Gewichtsabnahme. (Die getrocknete Erde findet
noch weitere Verwendung in g.)

         b. $Bestimmung der in Wasser lslichen Bestandtheile.$

Man stellt sich hierzu einen Wasserauszug der Erde dar, und zwar
entweder genau nach der in . 204 der Anleitung zur qualitativen Analyse
angegebenen oder aber nach folgender, etwas abgenderter Weise[149],
zu der man einer dreihalsigen $Woulf$'schen Flasche bedarf, welche
auch unten an der Seitenwand noch einen Tubulus hat. In den mittleren
Hals passt luftdicht ein weiter, oben offner, unten verjngter, etwa
1000 Grm. Erde fassender Glascylinder. In den verjngten unteren Theil
desselben bringt man zuerst einen lockeren Pfropfen von Badeschwamm, auf
diesen gesiebten reinen Kies, ber diesen ausgewaschenen feinen Sand (so
dass durch denselben noch ein kleiner Theil des weiteren Rhrentheils
erfllt wird), endlich die auszuziehende Erde. In einen der beiden
anderen Tubuli wird ein mit einer Handluftpumpe in Verbindung stehendes
Rohr eingepasst, die beiden anderen sind verschlossen. Man befeuchtet
die Erde mit Wasser, giesst von Zeit zu Zeit welches nach, lsst so 24
Stunden stehen, verdnnt alsdann die Luft in der Flasche und veranlasst
so ein rascheres Ablaufen des aufgegossenen und mit den lslichen
Theilen der Erde beladenen Wassers. Ist die Flasche fast angefllt,
so ffnet man den dritten Tubulus oben und entleert sie durch den
unteren[150]. Der so erhaltene Wasserauszug ist vollkommen klar; das
Extrahiren kann, wenn die Anordnung mit dem Sande richtig getroffen war,
beliebig lange fortgesetzt werden.

  [149] Briefliche Mittheilung von Prof. $Fr. Schulze$.

  [150] Fehlt an der Flasche der untere Tubulus, so entleert man sie
        mittelst eines Hebers.

Wenn aus der Erde nichts Erhebliches mehr ausgezogen wird (ein
vollstndiges Auswaschen lsst sich meist gar nicht ausfhren, am
wenigsten bei gypshaltiger Erde) beendigt man die Operation, misst oder
wgt den erhaltenen Wasserauszug und theilt denselben in drei Theile,
welche [Greek: a], [Greek: b] und [Greek: c] heissen mgen, [Greek: a]
betrage 1/2, [Greek: b] und [Greek: c] je 1/4 des Auszugs.

[Greek: a] dampft man in einer Platinschale ein, trocknet den Rckstand
bei 100, bis er an Gewicht nicht mehr abnimmt, und wgt. Das
erhaltene Gewicht notirt man als $Gesammtmenge der in Wasser lslichen
Bestandtheile$. Man glht den Rckstand alsdann lngere Zeit gelinde
und wgt wieder. -- Die Gewichtsabnahme bringt man als $organische
Substanzen$, $Salpetersure$ und $Ammon$ in Rechnung, sofern die
qualitative Analyse diese Substanzen nachgewiesen hat[151].

  [151] Sollten bedeutende Mengen von Ammonsalzen zugegen sein, so
        bestimmt man die Quantitt des Ammons in einem besonderen Theil
        des Auszugs wie in einem Mineralwasser . 177. 8.

Den Rckstand bergiesst man mit ein wenig Salzsure, verdampft zur
Trockne, nimmt wieder mit Salzsure und Wasser auf und filtrirt. Auf dem
Filter bleibt die $Kieselsure$, oft gemengt mit etwas Kohle, die aber
beim Glhen verbrennt[152]. Das Filtrat versetzt man mit Chlorwasser,
dann mit Ammon. Entsteht ein Niederschlag, so kann derselbe $Eisenoxyd$,
$Manganoxyd$, $Phosphorsure$ und je nach Umstnden auch $Kalk$ und
$Magnesia$ enthalten. Man filtrirt ihn ab, lst ihn in Salzsure und
trennt die genannten Krper, wenn die Menge des Niederschlages es
zulsst, nach den Methoden, welche in . 215 oder in . 216 angegeben
sind.

  [152] War der Wasserauszug nicht ganz klar, so ist die so erhaltene
        Kieselsure mit Thon gemengt und muss von demselben durch Kochen
        mit kohlensaurer Natronlsung getrennt werden.

Im Filtrate findet sich in der Regel noch Kalk und Magnesia. Ist dies
der Fall, so ist daraus zu ersehen, dass dasselbe keine Phosphorsure
mehr enthlt. Man verfhrt alsdann zur Bestimmung des $Kalkes$, der
$Magnesia$, des $Kalis und Natrons$ nach . 177. 4. b.

Enthlt die Flssigkeit keine alkalischen Erden, dagegen $Phosphorsure$
in Verbindung mit Alkalien, so ist nach . 106. II. a. zu verfahren.

In [Greek: b] bestimmt man $Schwefelsure$ und Chlor (. 135. b. 1.);

In [Greek: c] etwa vorhandene $Kohlensure$, indem man bis auf einen
kleinen Rckstand abdampft und diesen (Flssigkeit sammt Niederschlag)
nach . 110. II. b. [Greek: b]. behandelt. Hat die qualitative
Analyse kohlensaure Alkalien im Wasserauszug nachgewiesen, so kann
es nothwendig werden, die Kohlensure im Niederschlag und der Lsung
getrennt zu bestimmen.

  c. $Bestimmung der in verdnnter Salzsure lslichen Bestandtheile.$

Man extrahirt 25 Grm. der lufttrockenen Erde mit Wasser nach der in
der qualitativen Analyse, bei Bereitung des Wasserauszugs, angegebenen
Methode, bringt sie in eine Porzellanschale, fgt Wasser zu, bis die
Masse dnn breiartig geworden, und setzt nun allmlig Salzsure zu (wenn
Aufbrausen entsteht, in kleinen Portionen), bis dieselbe in gehrigem
Ueberschusse vorhanden ist. Man erhitzt dann noch 1-2 Stunden im
Wasserbade, filtrirt[153], wscht aus, bis das letztablaufende Wasser
nicht oder kaum mehr sauer reagirt, misst das mit den Waschwassern
vereinigte Filtrat und theilt es in fnf Portionen[154].

In 1 bestimmt man die $Schwefelsure$ nach . 105.

In 2 die $Phosphorsure$ nach . 106. I. b. [Greek: b].

In 3 das $Eisenoxydul$[155] nach . 89. 2. a.

In 4 das $Eisen im Ganzen$ nach . 206.

  [153] Es ist zweckmssig, zuerst die ungelsten, grberen Theile auf
        das Filter zu bringen und dann erst die Flssigkeit
        aufzugiessen, da sich anderenfalls das Filter durch die in der
        Flssigkeit schwebenden feinen Theilchen leicht verstopft.

  [154] Enthlt die Erde organische Materien in etwas bedeutender Menge,
        so erhitzt man die mit Wasser extrahirten 25 Grm. Erde, ehe sie
        mit Salzsure behandelt werden, so lange bei Luftzutritt zum
        gelinden Glhen, bis jene vollstndig zerstrt sind.

  [155] Dieser Versuch ist nur dann statthaft, wenn die Erde, ohne vorher
        geglht zu sein, mit Salzsure ausgezogen worden ist.

Die Portion 5 verdampft man unter Zusatz von etwas Salpetersure zur
Trockne, scheidet die $Kieselsure$ ab (. 111. II. a.), versetzt die
salzsaure Lsung mit Chlorwasser, dann mit Ammon, wscht aus, lst
den Niederschlag in Salzsure, setzt neuerdings Chlorwasser zu und
fllt jetzt mit einer Lsung von doppelt kohlensaurem Natron. Der so
entstandene Niederschlag wird ausgewaschen, geglht, gewogen. Er enthlt
alles $Eisen$ als Oxyd, alle $Thonerde$, alles $Mangan$ als Oxyduloxyd
und alle Phosphorsure. Zieht man die aus 2 und 4 bekannten Mengen
Eisenoxyd und Phosphorsure ab, so erfhrt man Manganoxyduloxyd und
Thonerde zusammengenommen, und bestimmt man ersteres nach
. 128. B. 10. c. oder letztere nach . 128. B. 1., so kennt man die
Gewichtsmengen beider.

Mit der von dem Ammonniederschlag abfiltrirten Flssigkeit verfhrt man
zur Bestimmung des Kalks, der Magnesia und der Alkalien nach . 177.
4. b. -- Enthlt das zweite, von dem durch doppelt kohlensaures Natron
erzeugten Niederschlag getrennte Filtrat noch Spuren von Kalk und
Magnesia, so bestimmt man sie gesondert und addirt deren Menge zu den
Hauptquantitten.

Zur Bestimmung der $Kohlensure$, die in den in Wasser unlslichen
Verbindungen enthalten ist, verwendet man einen beliebigen aber
gewogenen Theil der mit Wasser ausgezogenen Erde und verfhrt damit nach
. 110. II. b. [Greek: b].

      d. $Bestimmung der weder in Wasser noch in verdnnten Suren
                       lslichen Bestandtheile.$

Man trocknet den bei Bereitung des Sureauszugs erhaltenen Rckstand,
trennt durch Sieben die grberen Steine und Steinchen von dem Thon und
Sand und behandelt das Gemenge der letzteren nach . 201, oder unter
Umstnden auch nach . 202.

      e. $Bestimmung der Humussuren (Ulmin-, Humin-, Gensure).$

Man digerirt 10-100 Grm. der Erde (je nachdem die qualitative Analyse
viel oder wenig Humussuren nachgewiesen hat) bei 80-90 einige Stunden
lang mit einer Auflsung von kohlensaurem Natron und filtrirt alsdann.
-- Das Filtrat versetzt man mit Salzsure bis zur beginnenden schwach
sauren Reaction. -- Hierdurch werden die Humussuren in Gestalt brauner
Flocken abgeschieden. -- Man filtrirt sie auf einem gewogenen Filter ab,
wscht aus, bis das Waschwasser anfngt sich zu frben, trocknet und
wgt sie. Alsdann verbrennt man sie, zieht die Asche (nach Subtraction
der Filterasche) vom erst erhaltenen Gewicht ab und bringt die Differenz
als Humussuren in Rechnung.

     f. $Bestimmung der sogenannten Humuskohle (Ulmin und Humin).$

Man kocht eine der in e. genommenen Menge gleiche Quantitt Erde mit
Kalilauge in einer Porzellanschale einige Stunden lang unter Ersetzung
des verdampfenden Wassers, verdnnt, filtrirt[156] und wscht aus. --
Im Filtrat bestimmt man die Gesammtmenge der Humussuren wie in e. --
Die Differenz der in e. und f. erhaltenen Gewichte drckt die Quantitt
der Humussure aus, welche beim Kochen mit Kali aus Ulmin oder Humin
gebildet wurde. Man pflegt sie als $Humuskohle$ in Rechnung zu bringen.

  [156] Ist die Quantitt der Humuskohle sehr bedeutend, so giesst man nur
        die Flssigkeit durch das Filter, den Rckstand hingegen kocht
        man mit frischer Kalilauge und bringt erst dann Alles auf das
        Filter.

      g. $Bestimmung der noch nicht in Humussure, Humuskohle oder
              hnliche Producte bergegangenen organischen
                              Ueberreste.$

Man erhitzt die in a. erhaltene (10 Grm. frischer Erde entsprechende)
getrocknete Erde in einer Platinschale, bis alle organische Substanzen
verbrannt sind, befeuchtet den Rckstand mit kohlensaurer Ammonlsung,
verdampft, glht ganz schwach und wgt. -- Das, was die Erde jetzt
weniger wiegt, kommt auf Rechnung der organischen Substanzen berhaupt.
Man zieht von dieser Summe die fr Humussure und Humuskohle erhaltenen
Gewichte ab, und fhrt den Rest als $organische Ueberreste$ auf. Dass
diese Bestimmungsweise kein genaues Resultat liefern kann, ersieht man
auf den ersten Blick, da alles Wasser, welches die getrocknete Erde
beim Glhen abgiebt, das Gewicht der organischen Substanzen vermehrt.
-- Man bestimmt daher bei genauen Arbeiten besser den Kohlenstoff der
Erde durch organische Elementaranalyse, indem man von der erhaltenen
Kohlensure die abzieht, welche in Form kohlensaurer Salze zugegen ist,
oder, indem man die Erde durch Behandeln mit verdnnter Salzsure und
vollstndiges Auswaschen von allen kohlensauren Salzen befreit[157],
dann trocknet und mit Kupferoxyd verbrennt. -- Da dies nicht besonders
getrocknet zu sein braucht, und die Bestimmung des Wasserstoffs
wegbleibt, vereinfacht sich die Bestimmung. -- Je 58 Thle. Kohlenstoff
entsprechen, nach $Fr. Schulze$, im Durchschnitt 100 Thln. organischer
Materie im Boden, je 60 Thle. entsprechen 100 Thln. Humussubstanzen.
-- $Schulze$ bestimmt den Kohlenstoff der Bodenarten, indem er die,
nthigenfalls von kohlensauren Salzen befreite, Erde mit berschssigem
zweifach chromsauren Kali in einer Retorte schmelzt, die entweichende
Kohlensure ber Wasser, auf dem etwas Oel schwimmt, auffngt und misst.

  [157] Die hierbei in Lsung bergehende organische Substanz ist meist
        so gering, dass sie vernachlssigt werden kann.

            h. $Bestimmung des Stickstoffgehaltes der Erde.$

Dieselbe geschieht genau nach der . 155 angefhrten Methode der
Stickstoffbestimmung. Die Menge der Erde, welche man in Behandlung
nehmen muss, richtet sich nach dem grsseren oder kleineren
Stickstoffgehalt. -- (Da in g. der in der Erde enthaltene Stickstoff
schon mitbegriffen ist, so darf dessen Gewicht bei der Zusammenstellung
nicht besonders, sondern nur als nhere Bestimmung aufgefhrt werden.)

         i. $Bestimmung wachsartiger und harziger Substanzen.$

Will man auch diese Substanzen, welche nur in manchen Bodenarten
(Heideerde, Brucherde etc.) in bemerklicher Menge vorkommen, einer
genaueren Bestimmung unterwerfen, so trocknet man 100 Grm. der Erde
im Wasserbade, kocht sie zu wiederholten Malen mit starkem Alkohol
aus, bringt die Filtrate in einen Kolben und destillirt den Weingeist
zur Hlfte ab. -- Man lsst jetzt erkalten. Etwa vorhandenes Wachs
scheidet sich alsdann ab. Man sammelt es auf einem gewogenen Filter,
wscht es mit kaltem Weingeist aus und bestimmt sein Gewicht. -- Das
Filtrat verdampft man, zuletzt unter Zusatz von Wasser, bis aller
Weingeist entfernt ist, wscht das ausgeschiedene Harz mit Wasser aus,
trocknet und wgt es. -- (Sind die Quantitten des Wachses und Harzes
irgend erheblich, so muss deren Summe von dem Gewichte der Humussuren
abgezogen werden, da dieselben oben in Gemeinschaft mit Wachs und Harz
gewogen wurden.)


                    B. $Darstellung der Resultate.$

                                . 222.

Was die Darstellung der Resultate von Bodenanalysen betrifft, so
scheinen mir dabei folgende Punkte besondere Bercksichtigung zu
verdienen:

a. Die Resultate verschiedener Bodenanalysen mssen sich leicht unter
einander vergleichen lassen.

b. Sie mssen sich leicht mit den Resultaten von Aschenanalysen
vergleichen lassen.

c. Sie mssen eine mglichst vollstndige Vorstellung von der Erde geben.

Diese Zwecke lassen sich durch eine einzige Methode der Anordnung nicht
wohl erreichen, sondern es werden zu diesem Behufe drei verschiedene
Darstellungen erfordert. -- Ich glaube nicht, dass man die daraus
hervorgehende Mhe scheuen wird, wenn man bedenkt, wie unendlich
gering dieselbe im Vergleich zu der ist, welche auf die Analyse
selbst verwendet werden musste, -- und ferner, dass durch bequeme
Darstellungsweise eine Analyse ausserordentlich viel zugnglicher und
somit nutzenbringender wird, als wenn sie, um vergleichbar zu werden,
erst umgerechnet werden muss.

Ich schlage daher folgende drei Darstellungsweisen vor:

          I. $Bei 100 getrocknete Erde$ (directes Ergebniss).

                    A. $Unorganische Bestandtheile.$

a. In Wasser lsliche:

    Kali
    Natron
    Kalk
    Schwefelsure
      etc.

b. In verdnnter Salzsure lsliche:

    Eisenoxyd
    Manganoxyd
    Thonerde
    Kalk
    Kohlensure
    Phosphorsure
      etc.

c. In Wasser und verdnnter Salzsure unlsliche:

    Kieselsure
    Kalk
    Thonerde
      etc.

                     B. $Organische Bestandtheile.$

    Humussure            }            {Kohlenstoff
    Humuskohle            }            {Stickstoff (einschliesslich
    Organische Ueberreste } enthaltend { dessen, der in Form von Ammon
     etc.                 }            { oder Salpetersure zugegen ist).

     II. $Bei 100 getrocknete Erde$ (berechnetes Ergebniss)[158].

                    A. $Unorganische Bestandtheile.$

a. In Wasser lsliche:

    Schwefelsaurer Kalk
    Chlorkalium
    Chlornatrium
    Salpetersaure Magnesia
      etc.

b. In verdnnter Salzsure lsliche:

                           Kohlensaurer Kalk
                     Kalk (an Kieselsure gebunden)
         Eisenoxyd (an Kieselsure und Phosphorsure gebunden)
                             Phosphorsure
                              Kieselsure
                                  etc.

c. In Wasser und verdnnter Salzsure unlsliche:

    Kalk     } (an Kieselerde gebunden)
    Thonerde }
    Kieselsure
      etc.

  [158] In dieser Zusammenstellung sind die Suren und Basen, nach ihren
        relativen Verwandtschaften zu Salzen verbunden, darzustellen.
        Nur bei Phosphorsure und Kieselsure, desgleichen bei
        Humussure, fhrt man die Suren und Basen isolirt an, weil man
        fr die Verbindungsverhltnisse derselben keine hinlnglich
        festen Normen hat.

                     B. $Organische Bestandtheile.$

    Humussure}  wie oben.
      etc.    }

                       III. $Lufttrockene Erde.$

                   Bei 100 getrocknete Erde z. B.  90
                   Wasser                           10
                                                   ----
                                                   100.

Will man die letzte Darstellung genauer machen, so bestimmt man durch
einen besonderen Versuch die Quantitt der abschlmmbaren Erdtheile,
und theilt ferner die Ergebnisse der mikroskopisch-mineralogischen
Untersuchung des sandigen Rckstandes mit, und bekommt also auf diese
Art z. B.

            Abschlmmbare Theile                          10
            Quarzsand, Grus von Feldspath, Glimmer etc.   80
            Wasser                                        10
                                                         ----
                                                         100.

Glaubt man bei Bodenanalysen auf den Nutzen verzichten zu knnen, der
aus einer genaueren Kenntniss der Formen und Zustnde der Bestandtheile
hervorgeht, so kann man sich viel Zeit und Mhe sparen, wenn man
smmtliche Bestandtheile nur in zwei Abtheilungen bringt, nmlich in
$aufgeschlossene$ (d. i. in Wasser oder verdnnten Suren lsliche) und
in $unaufgeschlossene$, -- demzufolge die Erde sogleich mit verdnnter
Salzsure behandelt und die Bestandtheile des so erhaltenen Auszuges
nach den oben angefhrten Methoden bestimmt.


                     V. $Analyse der Dngerarten.$

                                . 223.

Unter Dngerarten verstehe ich hier diejenigen, welche dem Urin und den
Excrementen der Thiere ihren Ursprung verdanken. -- Die Untersuchung
derselben hat hauptschlich einen praktischen Zweck und erfordert
demgemss einfache Methoden. Der Werth der Dngerarten ist abhngig
von der Natur und dem Zustande seiner Bestandtheile. Diejenigen, auf
welche besonderes Gewicht zu legen ist, sind organische Materien
(charakterisirt durch ihren Kohlenstoff- und Stickstoffgehalt),
Ammonsalze, salpetersaure, phosphorsaure, schwefelsaure, kieselsaure
Salze und Chlormetalle mit alkalischer und alkalisch erdiger Basis
(Kali, Natron, Kalk, Magnesia). -- Weit weniger klar als ber die die
Wirksamkeit der Dngerarten bedingenden Stoffe sind die Vorstellungen
ber den Zustand, in welchem sie die gnstigste Wirkung thun, und
offenbar lsst sich in letzterer Beziehung auch keine allgemein gltige
Antwort geben, indem man bald einen Dnger wnscht, der die meisten
Stoffe gelst enthlt und somit rasche Wirkung ussert (aber dann
auch, in zu grosser Menge, ohne gehrige Verdnnung mit Wasser und bei
trockner Witterung angewandt, zarten Pflanzen leicht Nachtheil bringen
kann), bald einen solchen, welcher den Boden nur allmlig mit den den
Pflanzen nthigen Stoffen versorgt.

Ich theile im Folgenden $erst$ die Grundzge einer allgemeinen (fr alle
Dngerarten anwendbaren) Untersuchungsmethode, sodann ein Verfahren
mit, nach dem man den Guano zweckmssig auf seine wesentlichsten
Bestandtheile prft.


                      A. $Allgemeines Verfahren.$

                                . 224.

Der Dnger wird durch Zerhacken und Zerreiben gleichmssig gemischt,
dann die zu den verschiedenen Bestimmungen dienenden Portionen hinter
einander abgewogen.

      1. _Wasserbestimmung._

Trockne 10 Grm. im Wasserbade und bestimme den Gesammtverlust (. 18).
(Wohl nur in seltenen Fllen wird es nthig sein, fr das mit dem Wasser
entweichende kohlensaure Ammon eine Correction anzubringen)[159].

  [159] Wollte man dies bestimmen, so wrde man am einfachsten eine
        Portion des Dngers unter Zusatz von Wasser in einer gerumigen
        Retorte lngere Zeit kochen und die bergehenden Dmpfe in einer
        Vorlage auffangen, welche etwas titrirte Schwefelsure enthlt
        (vergl. . 177. 8., Methode von $Boussingault$).

      2. _Fixe Bestandtheile im Ganzen._

Man schert einen gewogenen Theil des in 1. erhaltenen Rckstandes in
einer Platinschale oder einem grossen schief gelegten Platintiegel bei
gelinder Hitze ein und wgt die Asche.

      3. _In Wasser lsliche und in Wasser unlsliche Bestandtheile._

Man digerirt 10 Grm. des frischen Dngers mit 300 C.C. Wasser, filtrirt
durch ein gewogenes Filter (. 33), wscht den Rckstand aus, trocknet
ihn bei 100 und wgt. Man erhlt so die Gesammtmenge der in Wasser
unlslichen Bestandtheile und aus der Differenz die Summe der lslichen.
-- Man schert jetzt den unlslichen Rckstand ein, wgt die Asche
und erfhrt so die im unlslichen und aus der Differenz auch die im
lslichen Theile befindlichen fixen Bestandtheile im Ganzen.

      4. Fixe Bestandtheile im Einzelnen.

Man trocknet eine grssere Portion des Dngers und behandelt sie genau
nach einer der bei der Darstellung und Analyse der Pflanzenaschen
angegebenen Methoden.

      5. _Ammon im Ganzen._

Man behandelt eine abgewogene Menge nach der $Schlsing$'schen Methode
(. 78. 3.)[160].

  [160] Fr die Bestimmung kleiner Ammonmengen ist es besser, eine
        schwchere Schwefelsure anzuwenden, als die in . 78. 3.
        angegebene; man bedient sich dann zweckmssig der nach . 182
        bereiteten, welche in 10 C.C. 0,4 Grm. Schwefelsure enthlt.

      6. _Stickstoff im Ganzen._

Man befeuchtet eine abgewogene Menge des Dngers mit einer verdnnten
Oxalsurelsung, so dass die Masse schwach sauer reagirt, trocknet sie
und bestimmt entweder in der ganzen Menge oder in einer abgewogenen
Portion den Stickstoff nach . 155. Zieht man von dem im Ganzen
erhaltenen den ab, der dem Ammon und der Salpetersure entspricht, so
erfhrt man die Menge des in organischen Substanzen enthaltenen. In der
Regel gengt es, den Stickstoffgehalt im Ganzen zu kennen.

      7. _Kohlenstoff im Ganzen._

Man unterwirft einen Theil des in 1. erhaltenen getrockneten Rckstandes
einer Elementaranalyse. Enthlt der getrocknete Dnger kohlensaure
Salze, so ist in einer besonderen Portion die Kohlensure zu bestimmen.
Zieht man alsdann diese von der bei der Elementaranalyse erhaltenen
ab, so bleibt die, welche aus dem Kohlenstoff organischer Substanzen
entstanden ist.

      8. _Salpetersure._

Man behandelt eine abgewogene Menge des Dngers mit Wasser,
verdampft die Lsung bis zu ziemlicher Consistenz, setzt reine
(salpetersurefreie) Kalilauge zu und kocht bis keine ammoniakalische
Dmpfe mehr entweichen. Man bestimmt alsdann in dem Rckstande die
Salpetersure nach der Methode von $Martin$[161].

  [161] Diese in der allerneuesten Zeit verffentlichte Methode beruht
        auf der Thatsache, dass wenn Wasserstoff im Moment des
        Freiwerdens auf Salpetersure einwirkt, diese in Ammoniak
        umgewandelt wird (NO_{5} + 8H = NH_{3} + 5HO). Diese Umwandlung
        geschieht nach $Gerhardt$ und $Barral$ Aequivalent fr
        Aequivalent. Der Gang der Untersuchung, welchen $Martin$
        vorschlgt, ist folgender: Man bringt in ein Glas frisch
        abgewaschenes Zink (4 bis 5 Thle. auf 1 Thl. vermuthete
        Salpetersure), sodann die (nthigenfalls durch Kochen mit Kali
        von Ammoniak befreite) Lsung des salpetersauren Salzes, endlich
        wiederholt kleine Portionen reiner verdnnter Schwefelsure oder
        Salzsure. Wenn die Lsung des Zinks erfolgt ist, bestimmt man
        die Menge des erzeugten Ammoniaks nach der $Schlsing$'schen
        Methode (vergl. . 224. 5.). Compt. rend. 37. 947; -- Journ. f.
        prakt. Chem. 61. 247.


                        B. $Analyse des Guanos.$

                                . 225.

Der Guano, die mehr oder weniger vernderten Excremente von Seevgeln,
bekannt als ein ausgezeichnet krftiger Dnger, kommt nicht allein auf
den Inseln, von denen er bezogen wird, von hchst ungleichmssiger
Beschaffenheit vor, sondern er wird auch hufig aus gewinnschtigen
Absichten mit Erde, Ziegelmehl, kohlensaurem Kalk und sonstigen
fremdartigen Substanzen vermischt. Dieser Umstand, sowie der weitere,
dass der Guano ein bedeutender Handelsartikel ist, erklren es leicht,
weshalb der Guano hufiger als andere Dngerarten Gegenstand chemischer
Untersuchung wird.

Man mischt zunchst den Guano mglichst gleichmssig und bringt den zur
Untersuchung bestimmten Theil in ein zu verschliessendes Pulverglas.

      1. $Wasserbestimmung.$

Dieselbe wird genau so ausgefhrt wie . 224. 1. -- Aechter Guano
verliert 7-18 Proc.

      2. $Fixe Bestandtheile im Ganzen.$

Man schert eine gewogene Menge im schief gelegten Porzellan- oder
Platintiegel ein und wgt die Asche. -- Guter Guano hinterlsst 30-33
Proc., schlechter 60-80 Proc., absichtlich verflschter noch mehr Asche.
Von chtem Guano ist die Asche weiss oder grau. Gelbe oder rthliche
Farbe deutet auf Verflschung mit Lehm, Sand, Erde. Bei der anfnglichen
Zersetzung durch Hitze entwickelt guter Guano starken Ammoniakgeruch und
weisse Dmpfe.

      3. $In Wasser lsliche und in Wasser unlsliche Bestandtheile.$

Man erhitzt 10 Grm. Guano mit etwa 200 C.C. Wasser, filtrirt durch ein
gewogenes Filter, wscht mit heissem Wasser aus, bis dasselbe nicht
mehr gelblich gefrbt ist und -- auf Platinblech verdampft -- keinen
merklichen Rckstand mehr lsst, trocknet den Rckstand und wgt ihn.
Zieht man die Summe des Wassers und des unlslichen Rckstandes vom
Gewicht des Guanos ab, so bleibt die Summe der lslichen Bestandtheile,
und schert man den unlslichen Theil ein und wgt die Asche, so
erfhrt man aus der Differenz die Summe der fixen lslichen Salze.
Bei sehr guten Guanosorten betrgt der in Wasser unlsliche Rckstand
50-55 Proc., bei den schlechteren Sorten dagegen 80-90 Proc. Die
braungefrbte wsserige Lsung chten Guanos entwickelt beim Verdunsten
Ammoniak, riecht urins und hinterlsst eine braune Salzmasse, welche
der Hauptsache nach aus schwefelsaurem Natron und Kali, Chlorammonium,
oxalsaurem und phosphorsaurem Ammon besteht.

      4. _Fixe Bestandtheile im Einzelnen._

      5. _Ammon im Ganzen,_

      6. _Stickstoff im Ganzen,_

      7. _Kohlenstoff im Ganzen_

werden nach den in . 224 angegebenen Methoden bestimmt.

      8. _Kohlensure._

Aechter Guano enthlt nur wenig kohlensaure Salze. Zeigt daher ein Guano
beim Uebergiesen mit verdnnter Salzsure starkes Aufbrausen, so kann
man daraus auf eine absichtliche Verflschung desselben mit kohlensaurem
Kalk schliessen.

      9. _Harnsure._

Wnscht man den Gehalt eines Guanos an Harnsure zu erfahren, so
behandelt man den in Wasser unlslichen Theil desselben mit schwacher
Natronlauge in gelinder Wrme, filtrirt, fllt die Harnsure durch
Ansuern mit Salzsure, sammelt sie auf einem gewogenen Filter, trocknet
und wgt sie.


                VI. $Analyse der atmosphrischen Luft.$

                                . 226.

Bei der Analyse der atmosphrischen Luft kommen gewhnlich nur folgende
Bestandtheile derselben in Betracht: Sauerstoff, Stickstoff, Kohlensure
und Wasserdampf. Bestimmungen ihres hchst geringen Gehaltes an Ammoniak
und anderen Gasen, von denen manche in unendlich kleinen Spuren wohl
stets in derselben enthalten sind, kommen nur ausnahmsweise vor.

Es scheint mir nicht im Einklang mit der Tendenz des vorliegenden
Werkes, alle die Methoden aufzunehmen, welche bei den ausgezeichneten
neueren Arbeiten von $Brunner$, $Bunsen$, $Dumas$ und $Boussingault$,
$Regnault$ und $Reiset$ und Anderen benutzt worden sind, und denen wir
die genauere Kenntniss der Zusammensetzung unserer Atmosphre verdanken.
Ich wrde denselben Nichts hinzuzufgen haben, und es hat somit
wenig Zweck, die sie enthaltenden Originalabhandlungen hier nochmals
auszuziehen, zumal treffliche Beschreibungen der fraglichen Methoden
sowohl im ausfhrlichen Handbuche der analytischen Chemie von H. $Rose$,
Bd. II, S. 853, als auch in $Graham-Otto$'s ausfhrlichem Lehrbuche der
Chemie, Bd. II, Abth. 1, S. 102 ff. enthalten sind.

Ich begnge mich daher hier damit, diejenigen Methoden zu beschreiben,
welche man am bequemsten anwenden wird, wenn atmosphrische Luft im
Hinblick auf medicinische oder technische Zwecke analysirt werden soll.


        A. $Bestimmung des Wassergehaltes und der Kohlensure.$

                                . 227.

Man fhrt gegenwrtig diese Bestimmungen stets nach der Methode aus,
welche $Brunner$ zuerst eingeschlagen hat, d. h. man saugt mittelst
eines Aspirators ein abzumessendes Volum Luft durch Apparate,
welche mit Substanzen gefllt sind, geeignet den Wasserdampf und
die Kohlensure der Luft zurckzuhalten. Wgt man diese Apparate
vor und nach dem Versuche, so giebt ihre Gewichtszunahme die in der
durchgestrmten Luft enthalten gewesene Kohlensure- und Wassermenge
an. Dass diese Angaben nur dann richtig sein knnen, wenn die Luft so
langsam durch die Apparate strmt, dass sie Kohlensure und Wasser
vollstndig abgeben kann, darf nie vergessen werden.

Fig. 102 stellt einen Aspirator dar, wie er von $Regnault$ empfohlen
ist, mit vollstndigem Apparate zur gleichzeitigen Bestimmung des
Wassers und der Kohlensure.

[Illustration: Fig. 102.]

Das Gefss _V_ ist von verzinktem Eisenblech oder von Zinkblech; es
fasst 50-100 Liter und steht auf einem starken Dreifusse in einer Wanne,
welche die ausfliessende Wassermenge vollstndig zu fassen vermag. Bei
_a_ ist die mit einem Hahn versehene Messingrhre _c_ fest eingekittet;
in der Oeffnung _b_, welche auch zum Fllen des Apparates mit Wasser
dient, ist mittelst eines mit Wachs getrnkten Korkes ein bis in die
Hlfte von _V_ ragendes Thermometer luftdicht befestigt.

Die mit einem Hahn versehene Ausflussrhre _r_ ist etwas aufwrts
gebogen, damit niemals Luft von unten eintreten kann. Die Capacitt des
ganzen Gefsses ist ein fr alle Mal dadurch ermittelt, dass man aus
dem ganz gefllten das Wasser in Messgefsse hat auslaufen lassen. Das
Ende der Rhre _c_ ist mit der Rhre _F_, ebenso wie die Rhren _A_-_F_
unter einander, durch Kautschukrhren luftdicht verbunden. _A_, _B_,
_E_ und _F_ sind mit grob zerstossenem Bimsstein angefllt, welcher
mit concentrirter Schwefelsure getrnkt ist, _C_ und _D_ enthalten
mit concentrirter Kalilauge getrnkte Bimssteinstckchen. Mit _A_ ist
endlich ein langes Rohr verbunden, welches bis zu dem Orte fhrt, von
dem die zu analysirende Luft entnommen werden soll. Die Korke der Rhren
sind bersiegelt. Die Rhren _A_ und _B_ sind bestimmt, der Luft ihre
Feuchtigkeit zu entziehen; sie werden zusammen gewogen. Ebenso werden
_C_, _D_ und _E_ zusammen gewogen. _C_ und _D_ nehmen die Kohlensure,
_E_ den Wasserdampf auf, der durch die trockene Luft der Kalilauge
entzogen werden kann. _F_ braucht nicht gewogen zu sein, es dient nur,
um _E_ dagegen zu schtzen, dass nicht Wasserdampf aus _V_ in die Rhre
_E_ gelangt.

Nachdem der Aspirator ganz gefllt ist, verbindet man _c_ mit _F_ und
somit mit dem ganzen Rhrensysteme und lsst dann durch richtiges
Oeffnen des Hahns _r_ das Wasser langsam ausfliessen. Da sich die
Druckhhe der Wassersule fortwhrend vermindert, so muss man den Hahn
von Zeit zu Zeit ein wenig mehr ffnen, damit das Wasser mit annhernd
gleicher Geschwindigkeit abfliesse. Hat sich das Gefss entleert, so
bemerkt man den Stand des Thermometers und Barometers, wgt die Rhren
_A B_ und _C, D, E_ wieder und schreitet nun zur Berechnung.

Da die Gewichtszunahme von _A B_ das Wasser, die von _C, D, E_
die Kohlensure und die Capacitt von _V_ (respective das aus _V_
abgeflossene Wasser, denn man kann ja den Versuch auch so abndern, dass
man nicht die ganze Wassermenge, sondern nur einen Theil abfliessen
lsst und letzteren in einem Messgefsse auffngt) das Volum der durch
die Rhren gestrichenen (von Wasser und Kohlensure befreiten) Luft
angiebt, so ist die Berechnung an und fr sich hchst einfach; sie
wird nur dadurch etwas ausgedehnter, dass man, wenigstens bei genauen
Versuchen, folgende Correcturen zu machen hat:

[Greek: a]. Reduction der in _V_ befindlichen mit Wasserdampf
gesttigten Luft auf trockene; denn solche ist durch _c_ eingedrungen
(s. . 166. [Greek: c].).

[Greek: b]. Reduction der so gefundenen trockenen Luft auf 0 und
Normaldruck (. 166. [Greek: a]. und [Greek: b].).

Hat man diese Berechnungen ausgefhrt, so ergiebt sich nunmehr das
Gewicht der in _V_ eingedrungenen Luft (denn 1000 C.C. trockener Luft
von 0 und Normaldruck wiegen 1,2932 Grm.), und da auch Kohlensure
und Wasser gewogen worden ist, so lsst sich jetzt deren Menge in
Gewichtsprocenten, oder, wenn man smmtliche Gewichte auf Volumina
berechnet, auch in Volumprocenten ausdrcken.

[Illustration: Fig. 103.]

[Illustration: Fig. 104.]

Dass man statt eines Aspirators _V_ auch eine Flasche, wie sie Fig. 103
(s. v. S.) darstellt, oder ein Blechgefss von der Form und Einrichtung
der Fig. 104 (s. v. S.) anwenden kann, ergiebt sich leicht; doch hat man
zu beobachten, dass die Resultate nur dann hinlnglich genau werden,
wenn mindestens 25000 C.C. Luft durch die Absorptionsapparate streichen.


            B. $Bestimmung des Sauerstoffs und Stickstoffs.$

Die zu beschreibenden Methoden grnden sich darauf, dass das Gemenge
von Sauerstoff und Stickstoff gemessen wird, dass man alsdann den
Sauerstoff durch eine geeignete Substanz absorbiren lsst und endlich
das rckstndige Stickgas wieder misst. Die Volumabnahme ist gleich
dem Sauerstoffe. Ich habe schon oben (. 177. 12.) das Verfahren
mitgetheilt, wie man den Sauerstoff durch Phosphor entfernen kann; ich
fhre jetzt noch zwei andere Methoden an, von denen namentlich die
erstere sehr empfehlenswerth ist.


                    I. $Verfahren von Liebig$[162].

                                . 228.

Dasselbe grndet sich auf die von $Chevreul$ und von $Dbereiner$
gemachten Beobachtungen, dass Gallussure und Pyrogallussure in
alkalischen Lsungen ein mchtiges Bestreben haben, Sauerstoff zu
absorbiren.

  [162] Ann. der Chem. und Pharm. 77. 107.

1. Man fllt eine 30 C.C. fassende, in 1/5 oder 1/10 C.C. getheilte starke
Messrhre zu 2/3 mit der zu untersuchenden Luft. Der brige Theil der
Rhre ist mit Quecksilber gefllt und durch solches gesperrt. Letzteres
befindet sich in einem hohen oben erweiterten Cylinder.

[Illustration: Fig. 105.]

2. Man misst das abgeschlossene Luftvolum (. 11). -- Soll in demselben
die Kohlensure bestimmt werden, was nur dann mit hinlnglicher
Genauigkeit geschehen kann, wenn die Quantitt derselben einige Procente
betrgt, so trocknet man zunchst die Luft durch eine eingebrachte
Chlorcalciumkugel (. 177. 12.) und misst dann wieder. Soll die
Kohlensure nicht bestimmt werden, so bleibt diese Operation weg.
-- Man bringt nun mit Hlfe einer Pipette mit aufwrts gekrmmter
Spitze (Fig. 105) 1/40 bis 1/50 des Volums der Luft Kalilauge von 1,4
specif. Gewicht (1 Thl. trockenes Kalihydrat auf 2 Thle. Wasser) in die
Messrhre, vertheilt durch rasches Auf- und Niederbewegen derselben die
Kalilauge ber die ganze innere Flche der Rhre (. 152) und liest,
wenn keine Raumverminderung mehr erfolgt, die Volumabnahme ab. War die
Luft vorher durch Chlorcalcium getrocknet, so giebt das verschwundene
Luftvolumen genau die Kohlensuremenge in der Luft an, im anderen Falle
deswegen nicht, weil die starke Kalilauge Wasserdampf absorbirt.

3. Nachdem die Kohlensure bestimmt ist, bringt man in dieselbe
Rhre, vermittelst einer zweiten hnlichen Pipette, eine Auflsung
von Pyrogallussure, welche 1 Grm. Pyrogallussure in 5-6 C.C. Wasser
enthlt[163], und zwar die Hlfte von dem Volum der Kalilauge. Man
verfhrt wie vorher bei der Bestimmung der Kohlensure, d. h. man sucht
durch Schtteln die gemengten Flssigkeiten auf der inneren Oberflche
der Messrhre zu verbreiten, und misst sodann, wenn keine Absorption
mehr wahrgenommen wird, die Menge des zurckgebliebenen Stickstoffes.

  [163] Die Pyrogallussure erhlt man nach $Stenhouse$ (Ann. der Chem.
        und Pharm. 45. 1.) am einfachsten durch Sublimation (am besten
        bei 185) aus dem trockenen wsserigen Extract der Gallpfel
        ganz nach der Weise, wie man Benzosure aus Benzo darstellt.
        Die Ausbeute betrgt ber 10 Proc. des angewandten Extracts.
        -- Braungefrbte krystallisirte Pyrogallussure stellt man auf
        bequeme Weise dar durch trockene Destillation von sogenannten
        chinesischen Gallpfeln in kleinen Retorten, welche etwa
        150-180 Grm. in groben Stcken fassen. Durch Eindampfen der so
        gewonnenen concentrirten Pyrogallussurelsung im Wasserbade
        erhlt man nahe an 15 Proc. ($Liebig$).

4. Anstatt der Pyrogallussure kann man sich mit demselben Erfolge
der gewhnlichen Gallussure bedienen; ihre Anwendung hat die einzige
Unbequemlichkeit, dass die Absorption des Sauerstoffs lngere Zeit,
mindestens 1-1/2 bis 2 Stunden erfordert, whrend bei Pyrogallussure
wenige Minuten gengen. Die Gallussure wendet man in der Form einer
kalt gesttigten Lsung von gallussaurem Kali an, welche genau neutral
sein muss oder auch einen geringen Ueberschuss an Sure enthalten kann.
Ihre Eigenschaft, Sauerstoff aufzusaugen, wird erst wirksam bei einem
Ueberschuss an Alkali. -- Wenn die Gallussure mit der Kalilauge in
der Messrhre sich gemischt hat, so frbt sich die Flssigkeit bei
Berhrung mit der sauerstoffhaltigen Luft dunkelroth; dnne Schichten
derselben nehmen eine beinahe blutrothe Farbe an, welche nach einiger
Zeit in Braun bergeht. An der Entstehung dieser blutrothen Frbung in
der beim Schtteln die Wnde der Rhre benetzenden Flssigkeit kann
man sehr deutlich den Gang der Absorption verfolgen; die Operation ist
beendigt, wenn diese Frbung sich nicht mehr zeigt. 1 Grm. Gallussure,
in starker Kalilauge gelst, absorbirt nach $Chevreul$'s Versuchen
290 C.C. Sauerstoffgas.

5. Durch die Mischung der Pyrogallussure- oder Gallussurelsung mit
der Kalilauge wird diese verdnnt, und es entsteht ein Fehler durch die
Verminderung ihrer Tension; aber derselbe ist so klein, dass er ohne
bestimmbaren Einfluss auf das Resultat ist. Derselbe lsst sich brigens
leicht beseitigen, wenn man nach der Absorption des Sauerstoffgases ein
dem Wassergehalt der Pyrogallussurelsung entsprechendes Stckchen
festes Kalihydrat in die Rhre bringt.

6. Eine kaum zu beseitigende Ungenauigkeit geht ferner bei dem
beschriebenen Verfahren daraus hervor, dass, wegen der Adhsion der
Flssigkeiten an den Wnden der Messrhre, die Gasvolumina nicht absolut
genau abgelesen werden knnen. Bei vergleichenden Analysen lsst sich
der Einfluss dieser Fehlerquelle ziemlich vollstndig beseitigen, wenn
man nahezu gleiche Luftvolumina der Analyse unterwirft.

7. Die Uebereinstimmung und Genauigkeit der Resultate der beschriebenen
Methode ist trotz der genannten kleinen Fehlerquellen in hohem Grade
befriedigend. Bei elf Analysen, welche $Liebig$ angefhrt hat, sind
-- bei Anwendung von Pyrogallussure -- die grssten Differenzen
im Sauerstoffgehalt 20,75-21,03, bei Anwendung von Gallussure
20,52-21,35. Die grsseren Differenzen bei Anwendung der letzteren
rhren hauptschlich daher, dass bei der lngeren Dauer des Versuchs
Temperatur und Luftdruck sich bemerklich gendert hatten; denn die
angefhrten Zahlen drcken das Resultat aus wie es gefunden wurde, ohne
alle Correctionen.


        II. $Verfahren mit durch Salzsure befeuchtetem Kupfer.$

                                . 229.

Ich fhre dies dem in . 228 beschriebenen Verfahren an Genauigkeit
weit nachstehende Verfahren nur deshalb an, weil nicht Jeder, der
eine annhernde Analyse atmosphrischer Luft ausfhren will, ber die
zu ersterer Methode nothwendige Menge Quecksilber disponiren kann.
Es grndet sich dasselbe darauf, dass mit Salzsure oder verdnnter
Schwefelsure befeuchtetes Kupfer atmosphrischer Luft ihren Sauerstoff
rasch und vollstndig entzieht. Die Ausfhrung verlangt nur folgende
Apparate und Vorbereitungen, vorausgesetzt, dass nur ein Gemenge von
Sauerstoff- und Stickgas analysirt werden soll.

1. $Eine graduirte Rhre$ von etwa 30 Centimeter Lnge und etwa 16-20
Mm. Durchmesser.

[Illustration: Fig. 106.]

2. $Ein Streifchen von Kupferblech$, welches etwas lnger ist, als die
graduirte Rhre und folgende Gestalt hat (Fig. 106). Dasselbe wird
von oben bis unten mittelst eines gewhnlichen hnfenen Bindfadens
mit Kupferdrehspnen umbunden, so zwar, dass es noch mit grsster
Leichtigkeit in die graduirte Rhre eingeschoben werden kann. Ein so
vorgerichtetes Kupferstreifchen wirkt besser als ein Streifen glatten
Kupferblechs, weil es grssere Oberflche darbietet und weil die Schnur
die Kupferdrehspne mit Salzsure befeuchtet erhlt.

3. Ein gewhnlicher, nicht zu enger $Glascylinder$ (besser einer, der
oben erweitert ist (vgl. Fig. 107), welcher einige Zoll hher sein muss
als die graduirte Rhre und mit einer Mischung von gleichen Theilen
roher Salzsure und Wasser gefllt wird.

4. $Ein Thermometer.$

Die Ausfhrung ist im hchsten Grade einfach.

[Illustration: Fig. 107.]

Man bringt den umbundenen Kupferstreifen in den Cylinder, so zwar,
dass er durch die federnden Streifchen _a_, _b_ und _c_ festgehalten
wird, und die Flssigkeit etwa einen Zoll hher steht als seine
Spitze, und lsst ihn einige Zeit darin stehen, so dass alle in dem
Bindfaden enthaltene Luft entweichen kann. Gleichzeitig bestimmt man die
Temperatur der Flssigkeit. -- Alsdann fllt man die graduirte Rhre mit
Wasser, lsst etwa 2/3 auslaufen, taucht sie dann (um der in derselben
eingeschlossenen Luft die Temperatur der Salzsure zu geben) in dem
Cylinder ganz unter, hebt sie nun, bis das Niveau innen und aussen
gleich ist, misst und notirt das Volum. -- Man senkt jetzt die Rhre
behutsam ber den umwickelten Kupferstreifen (wobei natrlich darauf
zu achten, dass aus der Rhre nur Flssigkeit, nicht aber auch Luft
verdrngt werden darf, was geschehen wrde, wenn man die Rhre mehr als
2/3 mit Luft gefllt htte), lsst das Ganze etwa 1-1/2 bis 2 Stunden
stehen (die Anordnung des Apparates zeigt die Fig. 107), misst die
rckstndige Luft, senkt nochmals ber den Streifen und misst nach einer
halben Stunde wieder. Hat das Luftvolum zwischen beiden Messungen nicht
mehr abgenommen, so ist der Versuch beendigt. -- Man bestimmt jetzt
nochmals die Temperatur und findet, wenn sie sich nicht gendert hat,
die Volumprocente durch folgende einfache Betrachtung:

Die erste Messung ergab die Luft, die zweite den Stickstoff, die
Differenz ist der Sauerstoff.

Htte sich die Temperatur der Sperrflssigkeit whrend des Versuches
gendert, so msste natrlicher Weise der Berechnung eine Correction des
Stickgases auf die ursprngliche Temperatur vorhergehen. Kohlensure
enthaltende Luft wird, bevor man sie in die Messrhre bringt, nach der
in . 127 angegebenen Methode von solcher befreit.




                          $Dritte Abtheilung.$

                           $Uebungsaufgaben.$


Ich habe im Folgenden 70 Uebungsbeispiele mitgetheilt, von denen sich 30
auf Gewichtsanalyse, 30 auf Maassanalyse und technische Analyse und 10
auf organische Elementaranalyse beziehen. Es sind fast genau dieselben,
welche ich seit einigen Semestern in meinem Laboratorium vorzulegen
pflege; ich kann es daher mit Zuversicht aussprechen, dass sie alle gut
ausfhrbar sind, sowie dass sich die Reihenfolge der Beispiele praktisch
bewhrt hat. In Bezug auf letztere kann ich aus Erfahrung mittheilen,
dass es nicht klug ist, Schler mit Maassanalysen oder mit technischen
Analysen zu beschftigen, bevor sie in den Gewichtsanalysen fest und
gebt sind. Es erklrt sich dies einfach daraus, dass letztere neben
grosser Genauigkeit auch viel Geduld erfordern. Ist man nun durch die
rasch ausfhrbaren Maassanalysen verwhnt, so wird es schwerer, die
nothwendige Geduld aufzubieten, als wenn man gleich von vornherein die
langwierigen Gewichtsbestimmungen in Angriff nimmt, die denn doch noch
immer den eigentlichen Kern der Analyse bilden und ihn auch wohl noch
lange Zeit bilden werden.

Bei der Auswahl der Beispiele hatte ich zunchst im Auge, dass die
meisten, namentlich aber die ersteren, eine absolut genaue Controle der
Resultate zulassen. Diese Sache ist fr den die Analyse Erlernenden von
hchstem Belang, da bei dem Betreiben der quantitativen Analyse ein
gewisses Selbstvertrauen vor Allem erweckt werden muss. Ein solches in
dem Sinne, wie ich es meine, kann aber auf keine andere Weise entstehen,
als wenn man sich selbst zu berzeugen vermag, inwieweit die gefundenen
Resultate mit der Wahrheit bereinkommen. --

Eine vllig genaue Controle ist aber nur dann mglich, wenn der
Analysirende die zu untersuchende Substanz aus den abgewogenen
Bestandtheilen selbst zusammensetzt, oder wenn er reine Salze von
bekannter Zusammensetzung untersucht. -- Hat sich der Schler bei
Analyse solcher Substanzen das nothwendige Selbstvertrauen erworben,
so geht er alsdann, den Nummern folgend, zuerst zu leichteren, dann zu
schwereren Analysen ber, wie sie in der Praxis vorkommen. --

Der zweite Punkt, auf den ich mein Augenmerk richtete, war der, dass
in den Beispielen sowohl alle wichtigeren analytischen Methoden, als
auch die wichtigsten Krper vorkommen sollten, damit die Schler, bei
Zugrundlegung der Beispiele, Gelegenheit htten, mit der quantitativen
Analyse mglichst allseitig vertraut zu werden. -- Diesen Gesichtspunkt
ins Auge fassend, wird man es natrlich finden, dass ich die
betreffenden Krper nicht immer nach der einfachsten Methode analysiren
lasse. --

Die Beispiele in der organischen Analyse sind deswegen minder zahlreich,
weil bei dieser weit weniger Mannigfaltigkeit ist, als bei der
unorganischen, und weil man sie somit besser erlernt, wenn man eine
und dieselbe Substanz mehrmals analysirt (so lange, bis man mit dem
Resultate ganz zufrieden sein kann), als wenn man stets neue Substanzen
whlt. --

Schliesslich bemerke ich noch, dass es nicht gerade meine Meinung
ist, dass Jeder smmtliche Beispiele durchmachen msse; denn es hngt
natrlicher Weise von der individuellen Begabung ab, wie lange einer
braucht, um ein guter Analytiker zu werden, und ein solcher kann man
sein, wenn man auch noch nicht $alle$ Krper bestimmt und alle Methoden
angewandt hat. -- Davor glaube ich jedoch warnen zu mssen, dass man
etwaigem Drange, Neues zu erforschen, nicht zu frh nachgiebt, ich meine
nicht eher, als bis man, wie in der Chemie berhaupt, so auch namentlich
in der praktischen Analyse, einigermaassen fest ist. Solche Sprnge im
Studium, die ich hufig zu beobachten Gelegenheit hatte, haben immer
schlimme Folgen, denn Gebude auf hohlem Grunde haben keine Dauer.


                              $Beispiele.$

                              1. $Eisen.$

Wge -- auf einem Uhrglase -- etwa 0,3 Grm. feinen Klavierdraht, lse
ihn in Salzsure unter Zusatz von Salpetersure. Die Suren werden etwas
mit Wasser verdnnt.

Die Auflsung wird in einer mittelgrossen Kochflasche vorgenommen,
welche mit einem Uhrglase bedeckt wird. -- Wenn sie erfolgt ist, und
die Farbe der Lsung zeigt, dass alles Eisen als Oxyd gelst ist
(andernfalls msste noch etwas Salpetersure zugesetzt werden), splt
man das Uhrglas ab, verdnnt, erhitzt zum beginnenden Sieden, setzt
Ammon im mssigen Ueberschuss zu, filtrirt etc. (Vergl. . 90. 1.)

Das Aufschreiben geschieht am besten so, wie ich es im folgenden
Beispiele ein fr alle Mal angebe:

                      Uhrglas + Eisen     10,3192
                         "    leer         9,9750
                                          --------
                                Eisen      0,3442.
                      Tiegel + Eisenoxyd  17,0673
                         "   leer         16,5761
                                          --------
                                           0,4912.
                      Filterasche Nr. 2    0,0012
                                          --------
                             Eisenoxyd     0,4900 =
                             Eisen 0,343 = 99,65 Proc.


                       2. $Essigsaures Bleioxyd.$

_Bleioxydbestimmung._ Die in einem Porzellanmrser zerriebenen trockenen
und unverwitterten Krystalle presse zwischen Fliesspapier, bis erneute
Bltter nicht mehr feucht werden. --

a. Wge etwa 1 Grm. ab, lse in Wasser unter Zusatz einiger Tropfen
Essigsure und verfahre genau nach . 92. 1. a. [Greek: a].

b. Wge etwa 1 Grm. ab und verfahre genau nach . 92. 5. ($Dulk$'sche
Modification des $Berzelius$'schen Verfahrens).

                 PbO      1394,64    111,57    58,85
                 A         637,50     51,00    26,91
                 3 aq.     337,50     27,00    14,24
                          -------    ------   -------
                          2369,64    189,57   100,00.


                           3. $Chlornatrium.$

Schmelze reines Chlornatrium im Platintiegel, giesse auf einen
Porzellanscherben aus, zerklopfe noch heiss in grbere Stckchen, welche
in einem fest zu verkorkenden Glasrhrchen aufgehoben werden.

a. _Chlorbestimmung._ Lse etwa 0,4 Grm. in Wasser, setze Salpetersure
zu und flle mit Silberlsung (. 112. I. a.).

b._ Natronbestimmung._ Fhre etwa 0,3 Grm. durch Behandeln mit mssig
verdnnter Schwefelsure in $neutrales$ schwefelsaures Natron ber
(. 77. 1.). -- Die Operation kann geradezu im Platintiegel ausgefhrt
werden. Um denselben gleichmssig zu erhitzen, hngt man ihn mittelst
eines Platindreiecks frei in ein Eisenschlchen und erhitzt dieses.

(Berechnete procentische Zusammensetzung siehe . 48.)


                          4. $Arsenige Sure.$

Lse etwa 0,4 Grm. reine arsenige Sure in Stckchen in einer mit einem
Glasstopfen verschliessbaren mittelgrossen Flasche in etwas Natronlauge
durch Digestion auf dem Wasserbade auf, verdnne mit wenig Wasser, fge
Chlorwasserstoffsure zu bis zum Vorwalten und flle dann die Flasche
mit klarem Schwefelwasserstoffwasser fast voll. Setze den Stopfen auf
und schttele. Waltet der Schwefelwasserstoff vor, so ist die Fllung
beendigt, ist dies nicht der Fall, so leite Schwefelwasserstoffgas ein,
bis dasselbe vorwaltet, verfahre im Uebrigen genau nach . 102. 4.

                     As       937,5    75    75,76
                     O_{3}    300,0    24    24,24
                             ------    --   -------
                             1237,5    99   100,00.


                            5. $Kalialaun.$

_Thonerdebestimmung._ Presse reinen zerriebenen Kalialaun zwischen
Fliesspapier, wge etwa 2 Grm. ab, lse in Wasser und bestimme die
Thonerde nach . 83. a.

                KO           588,86     47,11     9,93
                Al_{2}O_{3}  640,84     51,26    10,81
                4SO_{3}     2000,00    160,00    33,73
                24HO        2700,00    216,00    45,53
                            -------    ------   -------
                            5929,70    474,37   100,00.


                       6. $Kohlensaures Natron.$

Glhe wasserfreies reines kohlensaures Natron in einem Platintiegel
gelinde.

a. _Natronbestimmung._ Fhre etwa 0,5 Grm. in Chlornatrium ber (. 77.
3.).

b. _Kohlensurebestimmung._ Bestimme in etwa 0,7-1 Grm. die Kohlensure
nach . 110. II. b. [Greek: b]. aa. Der Apparat wird so klein gemacht,
dass er etwa 60-70 Grm. wiegt und somit auf der feinen Wage gewogen
werden kann. Das Abwgen des kohlensauren Natrons vollbringt man am
besten in der Art, dass man von dem frisch geglhten Salze 0,7-1 Grm. in
ein enges Rhrchen bringt, dieses wgt, seinen Inhalt vorsichtig in das
Klbchen _A_ entleert und die Menge des zur Verwendung kommenden durch
Zurckwgen des Rhrchens bestimmt.

Zusammensetzung siehe . 48.


                        7. $Kohlensaurer Kalk.$

Erhitze reinen kohlensauren Kalk in Pulverform (sei es reinen Kalkspath
oder knstlich dargestellten) in einem Platintiegel gelinde.

a. _Kalkbestimmung._ Lse in einem zu bedeckenden Becherglase etwa 1
Grm. in verdnnter Salzsure und bestimme den Kalk nach . 81. 2. b.

b. _Kohlensurebestimmung._ Bestimme in etwa 0,8 Grm. die Kohlensure
nach . 110. II. b. [Greek: a].

Zusammensetzung siehe . 52.


                          8. $Kupfervitriol.$

Derselbe soll ganz vollstndig analysirt werden.

Die reinen Krystalle zerreibe im Porzellanmrser und presse sie zwischen
Fliesspapier.

a. _Bestimmung des Krystallwassers._ Wge eine Kugelrhre leer,
bringe soviel Kupfervitriol in die Kugel, dass dieselbe halb gefllt
ist[164], wge sie wieder, lege sie quer durch ein Luftbad, in dessen
Wnden Oeffnungen sind (S. 39), verbinde das eine Ende mit einer
Chlorcalciumrhre, das andere mit einem Aspirator, erhitze auf 120-140
und lasse das Wasser des Aspirators langsam abfliessen. Wenn bei dieser
Temperatur kein Wasser mehr entweicht, und wiederholte Wgungen der
Kugelrhre constante Resultate geliefert haben, ist die Gewichtsabnahme
der Kugelrhre gleich dem Krystallwasser des Kupfervitriols.

  [164] Das Fllen geschieht, indem man in den einen Rhrenansatz einen
        mit Papier umwickelten Glasstab bis zur Kugel einschiebt, dann
        durch die andere Rhre einfllt. Nachdem man die Kugelrhre
        wieder in wagerechte Richtung gebracht und aufgeklopft hat,
        zieht man den Glasstab heraus und reinigt die Rhrenanstze,
        wenn nthig, mittelst einer Federfahne.

b. _Bestimmung des Halhydratwassers._ Setze denselben Versuch weiter
fort, whrend die Temperatur auf 250-260 erhalten wird. Die hierbei
erfolgende Gewichtsabnahme giebt die Menge des fester gebundenen
Halhydratwassers an.

c. _Bestimmung der Schwefelsure._ In einer neuen Portion des
Kupfervitriols (etwa 1,5 Grm.) bestimme die Schwefelsure nach . 105.
I. 1.

d. _Bestimmung des Kupferoxyds._ In etwa 1,5 Grm. bestimme das
Kupferoxyd nach . 95. 1. a. [Greek: a].

                    CuO     496,0    39,68    31,83
                    SO_{3}  500,0    40,00    32,08
                    HO      112,5     9,00     7,22
                    4 aq.   450,0    36,00    28,87
                           ------   ------   -------
                           1558,5   124,68   100,00.


              9. $Krystallisirte schwefelsaure Magnesia.$

Zerreibe und trockne nach . 15. a.

a. _Bestimmung der Magnesia._ Lse 1-2 Grm. in Wasser, setze Salmiak,
dann Ammon zu und flle mit phosphorsaurem Natron (. 82. 2.).

b. _Bestimmung des Wassers im Ganzen._ Erhitze etwa 1 Grm. in einem
Porzellantiegel ber der Lampe bis kaum zum Glhen und bestimme die
Gewichtsabnahme. Der Rckstand muss sich in Wasser noch klar lsen.

                     MgO     250,19    20    16,26
                     SO_{3}  500,00    40    32,52
                     7 aq.   787,50    63    51,22
                            -------   ---   -------
                            1537,69   123   100,00.


                       10. $Quecksilberchlorid.$

_Quecksilberbestimmung._ Lse etwa 0,5 Grm. in Wasser, fge einige
Tropfen Salzsure zu und flle durch Schwefelwasserstoff (. 94. 3.).

                    Hg  1250,60    100,05     73,83
                    Cl   443,28     35,46     26,17
                        -------    ------    -------
                        1693,88    135,51    100,00.


                          11. $Schwefeleisen.$

Whle reinen Schwefelkies, zerreibe ihn aufs Feinste, trockne bei 100.

a. _Schwefelbestimmung._ Behandle etwa 0,5 bis 1 Grm. nach . 116. 2. a.
[Greek: a]. oder [Greek: b].

b. _Eisenbestimmung._ Lse etwa 0,5 Grm. in Knigswasser und flle mit
Ammon (. 90. 1.).

                       Fe  350      28     46,67
                       2S  400      32     53,33
                           ---      --    -------
                           750      60    100,00.


               12. $Phosphorsaurer Kalk$ (PO_{5}, 3CaO).

a. _Phosphorsurebestimmung._ Glhe, wge etwa 0,8-1 Grm. ab, bringe in
einen Kolben oder ein Becherglas, fge etwa 3 Grm. (die Menge ist genau
abzuwgen) reines metallisches Zinn zu und verfahre nach . 106. I. d.
[Greek: a].

b. _Kalkbestimmung._ Das Filtrat von a. sttige mit Ammon und flle den
Kalk mit oxalsaurem Ammon (. 81. 2. b.).

                  3CaO    1050,00     84,00     54,06
                  PO_{5}   892,04     71,36     45,94
                          -------    ------    -------
                          1942,04    155,36    100,00.


                     13. $Saures chromsaures Kali.$

Zerreibe reines zweifach chromsaures Kali, trockne es direct ber der
Lampe bei gelinder Hitze.

a. _Chrombestimmung._ Lse etwa 1 Grm. in Wasser, flle mit essigsaurem
Bleioxyd unter Vermeidung eines grossen Ueberschusses und bestimme das
chromsaure Bleioxyd nach . 104. I. b.

b. _Kalibestimmung._ Flle aus dem Filtrat von 1. das Blei durch
Schwefelwasserstoff und fhre im Filtrat das Kali in schwefelsaures Kali
oder Chlorkalium ber (. 76.).

                 KO         588,86     47,11     31,69
                 2CrO_{3}  1269,40    101,56     68,31
                           -------    ------    -------
                           1858,26    148,67    100,00.


                 14. $Trennung des Eisens von Mangan.$

Lse etwa 0,5 Grm. feinen Klavierdraht und etwa ebensoviel reines, zuvor
gelinde erhitztes Manganoxyduloxyd (Darstellung siehe . 86. 1.) in
Salzsure, erhitze mit etwas Salpetersure und trenne beide mittelst
kohlensauren Baryts (. 128. A. 1.).


                 15. $Trennung des Kalks von Magnesia.$

Lse etwa 0,5 Grm. reinen, zuvor gelinde erhitzten kohlensauren Kalk
und etwa ebensoviel frisch geglhte reine Magnesia[165] in verdnnter
Salzsure und trenne beide nach . 122. B. 3. a.

  [165] Man erhlt solche am leichtesten rein durch Erhitzen von reiner
        oxalsaurer Magnesia ($F. Schulze$).


                16. $Trennung der Magnesia von Natron.$

Lse etwa 0,5 Grm. reines geschmolzenes Chlornatrium und etwa ebensoviel
reine, frisch geglhte Magnesia in verdnnter Salzsure und trenne beide
mittelst Quecksilberoxyds (. 121. A. 1.).


                  17. $Trennung des Kalis von Natron.$

Mische gewogene Mengen von reinem Chlornatrium und Chlorkalium und
unternimm

      a. eine directe Scheidung nach . 120. 1. a.;

      b. eine indirecte nach . 120. 3.


            18. $Trennung des Eisenoxyds von der Thonerde.$

Lse etwa 0,3 Grm. reinen Klavierdraht in Salzsure unter Zusatz von
etwas Salpetersure, fge zu etwa 1 Grm. reinen Alaun und trenne nach
. 128. B. 10. a. (Flle beide erst mit Ammon, wge, lse den Rckstand
in concentrirter Salzsure und flle das Eisen nach Zusatz von Weinsure
und Ammon mit Schwefelammonium, um es alsdann nach . 90. 1. b. zu
bestimmen.) -- Oder trenne beide nach . 128. B. 1. a. oder nach . 128.
B. 3. a.


                 19. $Trennung des Cadmiums von Zink.$

Lse etwa 0,5 Grm. reines Zinkoxyd und etwa ebensoviel reines
Cadmiumoxyd in 40 C.C. Salzsure und 100 Grm. Wasser und trenne beide
durch Schwefelwasserstoff (. 130. A.). Mit dem Schwefelcadmium
verfahre man nach . 97. 2., mit der Zinklsung, nach Entfernung des
Schwefelwasserstoffs, nach . 85. a.


               20. $Trennung des Quecksilbers von Blei.$

Lse etwa 0,5 Grm. reines Quecksilberchlorid und etwa 1 Grm. reines
krystallisirtes essigsaures Bleioxyd und trenne beide nach . 131. 6. a.


               21. $Trennung der Magnesia von Thonerde.$

Lse etwa 1 Grm. reinen Alaun und etwa 1 Grm. reine krystallisirte
schwefelsaure Magnesia in Wasser auf, setze etwas Salzsure zu, dann
eine kalt bereitete gesttigte Lsung von zweifach kohlensaurem Natron
und verfahre berhaupt genau nach . 124. 1. B. 2. a.


     22. $Trennung des Eisenoxyds und Kalks von der Phosphorsure.$

Wge etwa 0,3 Grm. Klavierdraht ab, lse ihn in Salzsure unter
Zusatz von Salpetersure, fge hinzu etwa 1 Grm. frisch geglhten
phosphorsauren Kalk (PO_{5}, 3 CaO).

Verdnne die Lsung auf etwa 400 C.C., fge vorsichtig Ammon zu, bis
eben alkalisch, dann Essigsure bis stark sauer und bis sich -- mit
Zurcklassung des phosphorsauren Eisenoxyds -- der phosphorsaure Kalk
wieder gelst hat. Lasse absitzen, wasche den Niederschlag zwei Mal
durch Decantiren, dann auf dem Filter aus, lse ihn in Salzsure.

Man hat jetzt

a. eine salzsaure Lsung, in der alles Eisenoxyd und ein Theil der
Phosphorsure enthalten ist, und

b. eine durch Essigsure saure Lsung, in welcher aller Kalk und der
Rest der Phosphorsure sich findet.

Die Lsung a versetze mit Schwefelwasserstoff bis zum Vorwalten, fge
Ammon, zuletzt noch etwas Schwefelammonium zu und bestimme das Eisen
nach . 90. 1. b. -- Das Filtrat concentrire und flle darin die
Phosphorsure nach . 106. I. b. [Greek: a].

Die essigsaure Lsung b versetze mit Ammon, bis eben ein bleibender
Niederschlag entsteht, dann mit einigen Tropfen Essigsure, bis sie
wieder klar geworden, fge oxalsaures Ammon im mssigen Ueberschuss zu
und bestimme den Kalk nach . 81. 2. b. [Greek: b]. -- In dem durch
Abdampfen concentrirten Filtrate bestimme die Phosphorsure nach
. 106. I. b. [Greek: a]. Die in a und b erhaltenen Niederschlge von
phosphorsaurer Ammon-Magnesia kann man auf einem Filter sammeln.


                   23. $Trennung des Jods vom Chlor.$

Wge etwa 0,4 Grm. reines Jodkalium und etwa ebensoviel reines
Chlornatrium, lse in Wasser, flle mit Silberlsung (. 112. I. a.).
Nachdem der Niederschlag von Chlor- und Jod-Silber gewogen, bestimme
die Menge des letzteren dadurch, dass ein gewogener Theil im Chlorstrom
geglht und die Gewichtsabnahme bestimmt wird, die bei dem Uebergang des
Jodsilbers in Chlorsilber stattfindet (. 137. 2. c.).


             24. $Analyse eines Kalksteins oder Dolomits.$

Dieselbe ist genau nach . 203 auszufhren.


                     25. $Analyse des Natroliths.$

Die wesentlichen Bestandtheile des Natroliths sind, wie bekannt: Natron,
Thonerde, Kieselsure und Wasser. -- Ausserdem findet man zuweilen Kalk
und Eisenoxyd.

Pulvere ein reines Stckchen durch Zerreiben im Achatmrser fein,
trockne das Pulver bei 100.

a. Behandle etwa 1,5 Grm. mit Salzsure und scheide die Kieselsure ab,
genau nach . 111. II. a., versume nicht, sie auf ihre Reinheit zu
prfen.

b. Das von der Kieselerde getrennte Filtrat flle durch kohlensaures
Ammon und etwas Ammon, wasche den Thonerdeniederschlag erst durch
Decantiren, dann auf dem Filter aus etc. (. 83. a.).

c. Da die Thonerde noch etwas Kieselsure, ferner Kalk und Eisenoxyd
enthalten kann, so lse sie nach dem Wgen durch lngere Digestion
mit concentrirter Salzsure auf, filtrire die Kieselsure ab, glhe
und wge sie. -- Die Thonerdelsung bersttige mit Natronlauge, fge
etwas kohlensaures Natron zu, koche, lasse absitzen, decantire durch
ein Filter, koche einen etwaigen Niederschlag nochmals mit Natronlauge,
wasche ihn aus, lse ihn in Salzsure und bestimme darin Eisenoxyd und
Kalk nach . 127. B. 3. e. Zieht man von dem durch kohlensaures Ammon
entstandenen Niederschlage die darin gefundene Kieselsure (welche auf
ihre Reinheit durch Aufschliessen zu prfen ist), Eisenoxyd und Kalk ab,
so ergiebt sich die Thonerde.

d. Die von dem ersten Thonerdeniederschlage abfiltrirte Flssigkeit
verdampfe man, zuletzt in einer Platinschale, und bestimme das darin
enthaltene Chlornatrium nach . 77. 3.

e. Wge etwa 1,5 Grm. des bei 100 getrockneten Natroliths und bestimme
das Wasser durch heftiges Glhen.


                      26. $Analyse des Messings.$

Das Messing besteht bekanntlich aus 25-35 Proc. Zink und 65-75 Proc.
Kupfer. Ausserdem enthlt es in der Regel noch kleine Mengen von Zinn
und Blei.

Lse etwa 2 Grm. in Salpetersure. (Von letzterer ist nicht mehr zu
nehmen, als gerade nthig, denn aller Ueberschuss muss wieder verdampft
werden.)

Bleibt ein unlslicher Rckstand (Zinnoxyd), so ist derselbe -- nachdem
die Flssigkeit mit Wasser verdnnt worden ist -- abzufiltriren. --
Zum Filtrat, oder -- wenn die Menge des Zinns zu gering war -- direct
zur Lsung, fge etwa 30 Tropfen verdnnte Schwefelsure, verdampfe
auf dem Wasserbade zur Trockne, setze 100 C.C. Wasser zu und erwrme.
Bleibt ein Rckstand (schwefelsaures Bleioxyd) ungelst, so ist
derselbe abzufiltriren und mit 50 C.C. Wasser auszuwaschen. (Da auf das
Verhltniss zwischen Wasser und Sure viel ankommt, so ist das Wasser zu
messen oder zu wgen.) Man fgt jetzt 45 C.C. Salzsure zu den 150 C.C.
Flssigkeit und fllt das Kupfer durch Schwefelwasserstoffgas (nicht
durch Schwefelwasserstoffwasser). Wenn die Flssigkeit ausgefllt ist,
und das Schwefelkupfer sich abgesetzt hat, filtrirt man und wscht mit
Wasser aus, dem man ein wenig Schwefelwasserstoffwasser zugemischt
hat. -- Das Schwefelkupfer wird sodann nach . 95. 1. c. behandelt. --
Die von demselben abfiltrirte Flssigkeit dampfe ein, sttige sie fast
mit Natronlauge, flle mit kohlensaurem Natron (. 85. a.). Ist das
erhaltene Zinkoxyd eisenhaltig, so bestimme darin das Eisen nach einer
der in . 128 angegebenen Methoden.


                     27. $Analyse des Feldspaths.$

Reibe das ausgesuchte Stckchen Feldspath erst so im Achatmrser fein,
dann unter Zusatz von etwas Wasser, bis nicht das mindeste Knirschen
mehr zu hren ist (. 14, S. 32). Die breiartige Masse trockne in einem
Porzellanschlchen bei 100.

a. Schliesse etwa 1,5 Grm. mit der vierfachen Menge kohlensauren
Natron-Kalis auf (. 111. II. b. [Greek: a].), und scheide die
Kieselsure nach . 111. II. a.

b. Die von der Kieselsure getrennte Lsung behandle zur Bestimmung
der Thonerde (sowie der mit derselben gewhnlich noch niederfallenden
kleinen Mengen von Kieselsure und von Eisenoxyd, auch wohl von
alkalischen Erden), wie es bei Natrolith (Nro. 25 der Uebungsbeispiele)
angegeben ist.

c. Schliesse etwa 1 Grm. des Feldspathpulvers mit Fluorwasserstoffgas
auf und zerlege die gebildeten Kieselfluormetalle durch Abdampfen mit
Schwefelsure. Nachdem der Ueberschuss der letzteren entfernt, und
die schwefelsauren Salze in Salzsure und Wasser gelst sind, flle
die Schwefelsure durch ganz vorsichtigen Zusatz von Chlorbaryum
und vermeide jeden irgend bedeutenden Ueberschuss. (Sollte man zu
viel zugesetzt haben, so setzt man wieder einige Tropfen verdnnte
Schwefelsure zu, so dass zuletzt nur ein geringer Ueberschuss von
Chlorbaryum in Lsung ist.) -- Filtrire nun und flle das Filtrat durch
kohlensaures Ammon und Ammon. Der Niederschlag ist Thonerde, welche
etwas kohlensauren Baryt und Eisenoxyd und -- wenn Kalk und Magnesia
zugegen sind -- auch diese enthlt. Im Filtrat bestimme das Kali als
Chlorkalium (. 76. 3.). Ehe seine Menge als richtig betrachtet werden
kann, muss man sich berzeugen, dass die Lsung des Salzrckstandes
durch Ammon und kohlensaures Ammon klar bleibt. -- Will man die Thonerde
nochmals bestimmen, so lst man den sie enthaltenden Niederschlag in
Salzsure, fllt den Baryt aufs Vorsichtigste mit einigen Tropfen
verdnnter Schwefelsure, filtrirt und verfhrt dann wie in Nro. 25 der
Uebungsbeispiele.


            28. $Analyse des Schnelllothes$ (Zinn und Blei).

Uebergiesse etwa 1,5 Grm. der in kleine Stckchen zerschnittenen
Legirung in einem Kolben mit gewhnlicher Salpetersure und verfahre zur
Abscheidung und Bestimmung des Zinns nach . 101. 1. a.

Das Filtrat versetze in einer Porzellanschale mit reiner verdnnter
Schwefelsure, verdampfe die Salpetersure auf dem Wasserbade und
verfahre mit dem erhaltenen schwefelsauren Bleioxyd nach . 92. 2.
Enthlt die Legirung noch andere Metalle, so finden sich diese in der
vom schwefelsauren Bleioxyd abfiltrirten Flssigkeit, weshalb man
dieselbe mit Schwefelwasserstoff und Schwefelammonium zu prfen hat.


           29. $Analyse eines Brunnen- oder Mineralwassers.$

Verfahre nach . 173 oder 174.


    30. $Darstellung und Analyse einer Pflanzenasche$ (. 212-219).


  31. $Bestimmung des specifischen Gewichtes gewhnlicher Salzsure.$

Prfe das specif. Gewicht gewhnlicher Salzsure mit Hlfe des in .
177, Fig. 94 abgebildeten Flschchens und ermittle so mit Hlfe der S.
451 mitgetheilten Tabelle den Gehalt der Sure.


       32. $Bestimmung des Gehaltes gewhnlicher Salzsure durch
                              Sttigung.$

Stelle die in . 182 angegebenen Lsungen dar und ermittle alsdann nach
der daselbst angegebenen Methode den Gehalt der auch in 31. angewandten
Salzsure.


                     33. $Alkalimetrie nach Mohr.$

Bestimme den Gehalt einer Soda nach der in . 186 beschriebenen Weise.


         34. $Alkalimetrie nach Descroizilles und Gay-Lussac.$

Bestimme den Gehalt der in 33. angewandten Soda nach . 185.


                 35. $Ammonbestimmung nach Schlsing.$

Wge etwa 0,5 reinen Salmiak und bestimme dessen Ammoniumgehalt nach
. 78. 3.


    36. $Maassanalytische Bestimmung des Kalks (und der Magnesia) in
                           einem Kalkstein.$

Verfahren siehe . 204.


    37. $Feststellung des Gehaltes einer Lsung von bermangansaurem
                                 Kali.$

Verfahren siehe . 89. 2. a. -- Es gengt vollkommen, wenn man etwa 0,2
Klavierdraht abwgt. Die Chamleonlsung verdnne so, dass etwa 20-30
C.C. zur Oxydation von 0,2 Eisen gebraucht werden; dieselbe wird aus
einer in 1/10 C.C. getheilten Brette zugesetzt. Vergl. . 206.


            38. $Bestimmung des Eisens in einem Eisenstein.$

Verfahren siehe . 206.


                      39. $Analyse des Salpeters.$

Wge etwa 0,5 Grm. reines wasserfreies, salpetersaures Kali ab und
verfahre nach . 117. II. a. (Es ist zweckmssig, nach Zusatz des
Salpeters zu der Eisenchlorrlsung etwas Schwefelsure zuzufgen, ehe
man zum Sieden erhitzt.)


               40. $Bestimmung des Kupfers nach Schwarz.$

Wge etwa 4 Grm. reinen Kupfervitriol, lse zu 200 C.C. Nimm je 50 C.C.
und bestimme darin das Kupfer nach . 95. 3. b. mehrmals.


          41. $Bestimmung des Ferridcyankaliums nach de Haen.$

Lse etwa 0,5 Ferridcyankalium in Wasser und verfahre nach . 198.


          42. $Trennung von Ferro- und Ferridcyankalium$[166].

Lse etwa 1 Grm. Ferridcyankalium und etwa ebensoviel Ferrocyankalium
in 100 C.C. Wasser. Bestimme in 20 C.C. das Ferrocyan-, und in 20 weiteren
das Ferridcyankalium nach . 198.

  [166] Zur Bestimmung des Ferridcyans ist in meinem Laboratorium noch
        eine zweite Methode von Herrn $Lenssen$ ermittelt worden,
        welche ebenfalls sehr gute Resultate giebt. Sie beruht auf der
        Thatsache, dass, wenn man Ferridcyankalium, Jodkaliumlsung und
        Salzsure zusammenbringt, sich fr jedes Aeq. Ferridcyankalium
        (4119) 1 Aeq. Jod (1586) ausscheidet (Cfdy, H_{3}) + JH = 2(Cfy,
        H_{2}) + J. Bestimmt man nun das Jod nach $Bunsen$, so erfhrt
        man die Menge des Ferridcyankaliums mit grosser Genauigkeit. In
        vier Versuchen erhielt Herr $Lenssen$ 99,22, -- 101,7, -- 102,1
        -- 100,5 statt 100.


        43. $Darstellung der zu den Bunsen'schen Jodbestimmungen
                       erforderlichen Lsungen.$

Verfahren siehe . 114. Anhang. Der Gehalt der Jodlsung ist mittelst
sauren chromsauren Kalis zu ermitteln.


                  44. $Chlorkalkprfung nach Bunsen.$

Verfahren siehe . 194.


                   45. $Chlorkalkprfung nach Penot.$

Man prfe den in 44. angewandten Chlorkalk nach . 192.


                46. $Chlorkalkprfung mittelst Eisens.$

Man prfe den in 44. und 45. angewandten Chlorkalk nach . 193.


                   47. $Kupferprfung nach de Haen.$

Lse etwa 5 Grm. reinen Kupfervitriol in Wasser zu 500 C.C. -- Nimm je 10
C.C. dieser Lsung und bestimme darin das Kupfer nach . 207.


                  48. $Braunsteinprfung nach Bunsen.$

Verfahren siehe . 196.


         49. $Bestimmung des Mangans neben Eisen nach Krieger.$

Lse etwa 0,2 Grm. Klavierdraht und etwa 0,4 Grm. Manganoxyduloxyd in
Salzsure und bestimme beide nach . 128. B. 10. c.


             50. $Bestimmung des Silbers nach Gay-Lussac.$

Lse eine kleine Mnze in Salpetersure und bestimme das Silber nach
. 91. 5.


                   51. $Chlorbestimmung nach Liebig.$

Bestimme in einer abgewogenen Menge reinen Chlornatriums das Chlor nach
. 112. I. c. [Greek: b].


                   52. $Jodbestimmung nach Kersting.$

Wge eine kleine Menge reines Jodkalium ab und bestimme darin das Jod
nach . 114. I. c.


                  53. $Zuckerbestimmung nach Fehling.$

Man stelle die in . 210 beschriebene Kupferlsung dar und bestimme mit
Hlfe derselben den Zuckergehalt in einer Honiglsung.


                      54. $Strkemehlbestimmung.$

Man trockne reines Strkemehl bei 100 und bestimme es nach . 210.


      55. $Bestimmung des Aetznatrons neben kohlensaurem Natron.$

Man analysire eine Aetznatron enthaltende Soda nach . 188.


          56. $Braunsteinbestimmung nach Fresenius und Will.$

Man prfe den auch in Nro. 46 angewandten Braunstein nach . 195.


            57. $Bestimmung der Lslichkeit des Kochsalzes.$

a. _Bei Siedhitze._ Man lst vllig reines, gepulvertes Chlornatrium mit
destillirtem Wasser in einem Glaskolben, erhitzt zum Kochen und erhlt
darin, bis sich ein Theil des Salzes ausgeschieden hat. Alsdann filtrirt
man durch einen mit kochendem Wasser umgebenen und mit einer Glasplatte
zu bedeckenden Trichter mglichst rasch in einen gerumigen gewogenen
Messkolben, verschliesst denselben, sobald einige Unzen Flssigkeit
darin sind, mit einem Korke, lsst erkalten und wgt. Alsdann fllt man
den Kolben mit Wasser an bis zur Marke und bestimmt in einem aliquoten
Theil der Lsung das Kochsalz durch Abdampfen in einer Platinschale
(zweckmssig unter Zusatz von etwas Salmiak, welcher das Decrepitiren
beim Glhen einigermaassen verhindert).

b. Bei 14. Man lsst die kochend gesttigte Lsung unter hufigem
Umschtteln bis auf die genannte Temperatur erkalten und verfhrt
alsdann wie in a.

         100 Thle. Wasser lsen bei 109,7    40,35 Kochsalz.
         100  "     "      "    bei   14     35,87     "


              58. $Bestimmung der Lslichkeit des Gypses.$

a. Bei 100.

b. Bei 12.

Man digerirt reinen gepulverten schwefelsauren Kalk mit Wasser unter
hufigem Umschtteln, zuletzt bei 40-50 (bei dieser Temperatur lst er
sich am reichlichsten) lngere Zeit, giesst alsdann die klare Lsung
sammt einigem Niederschlag in zwei verschiedene Kolben ab, und erhitzt
den einen Theil lngere Zeit zum Kochen, -- den anderen lsst man unter
hufigem Umschtteln erkalten und bei 12 lngere Zeit stehen. Nach
diesen Operationen filtrirt man und bestimmt in den gewogenen Lsungen
den Gyps durch Abdampfen und Glhen des Rckstandes.

       100 Theile Wasser lsen bei 100  0,217 wasserfreien Gyps.
       100   "      "      "   bei  12  0,233      "         "


                59. $Analyse der atmosphrischen Luft.$

Methode I (. 228). --

                            O      20,8 Vol.
                            N      79,2 Vol.
                                  -------
                                   100,0.


                   60. $Analyse ausgeathmeter Luft.$

Verfahren siehe . 228. Die Luft wird erst getrocknet, dann ihr
Kohlensuregehalt, zuletzt ihr Sauerstoffgehalt bestimmt[167].

  [167] $Liebig$ fand in ausgeathmeter Luft 4-5,4 Kohlensure, und
        14,95-16,36 Sauerstoff.


                    $Organische Elementaranalysen.$

                     61. $Analyse des Rohrzuckers.$

Man whle vllig reine, weisse Krystalle. Dieselben werden zerrieben und
bei 100 getrocknet. Man verbrenne sie mit Kupferoxyd nach $Liebig$'s
Verfahren (. 142 und 143).

                    12C   900,00     72     42,10
                    11H   137,50     11      6,44
                    11O  1100,00     88     51,46
                         -------    ---    -------
                         2137,50    171    100,00.


           62. $Analyse der krystallisirten Weinsteinsure.$

Man trockne das Pulver reiner Weinsteinsurekrystalle bei 100 und
verbrenne mit Kupferoxyd nach $Bunsen$'s Verfahren (. 144).

                       4C  300,0     24     32,0
                       3H   37,5      3      4,0
                       6O  600,0     48     64,0
                           -----     --    ------
                           937,5     75    100,0.


                    63. $Analyse des Terpentinls.$

Dasselbe muss durch Digestion mit geschmolzenem Chlorcalcium vllig
entwssert und frisch rectificirt sein. Verfahren . 149.

                         5C  375    30    88,24
                         4H   50     4    11,76
                             ---    --   -------
                             425    34   100,00.


                     64. $Analyse des Strkemehls.$

Trockne reines Amylum bei 100, verbrenne es in Sauerstoffgas nach
. 147.

                        12C   900    72    44,44
                        10H   125    10     6,17
                        10O  1000    80    49,39
                             ----   ---   -------
                             2025   162   100,00.


      65. $Kohlenstoff- und Wasserstoffbestimmung der Harnsure.$

Trockne reine Harnsure bei 100, analysire sie nach . 151.


  66. $Stickstoffbestimmung der Harnsure nach Varrentrapp und Will.$

Verfahren . 154.


         67. $Stickstoffbestimmung der Harnsure nach Pligot.$

Verfahren . 155.


          68. $Stickstoffbestimmung der Harnsure nach Dumas.$

Verfahren . 153.

                         5C  375    30    35,71
                         2N  350    28    33,33
                         2H   25     2     2,38
                         3O  300    24    28,58
                            ----    --   -------
                            1050    84   100,00.


                   69. $Schwefelbestimmung im Horn.$

Bestimme den Schwefel in Hornfeile nach . 156. ($Mulder$ fand darin 3,4
Proc. Schwefel.)


    70. $Bestimmung des specifischen Gewichtes des Camphordampfes.$

Verfahren . 161. -- Berechnetes Resultat . 172.

                   *       *       *       *       *




                               $Anhang.$

                        I. $Analytische Belege$

      1. $Einfluss von Wasser auf Glas- und Porzellangefsse beim
                        Eindampfen$ (zu . 24).

Eine grosse Flasche wurde mit Wasser gefllt, welches aus einem
kupfernen Dampfapparat mit zinnernem Khlrohr vorsichtig destillirt war.
Dieses Wasser diente zu den smmtlichen zu 1. gehrigen Versuchen.

a. 300 C.C. in einer Platinschale vorsichtig verdampft, hinterliessen
geglhten Rckstand 0,0005 Grm. = 0,0017 pro mille.

b. 600 C.C. wurden in einem weiten Kolben von bhmischem Glas kochend
bis beinahe zur Trockne verdampft, der Rckstand in eine Platinschale
gebracht, und der Kolben mit 100 C.C. destillirtem Wasser nachgesplt.
Nach dem Abdampfen und Glhen blieben Rckstand

                                                        0,0104 Grm.
      Zieht man hiervon ab die dem destillirten Wasser
      als solchem zukommende Menge mit                  0,0012  "
                                                        ------
      so bleiben aus dem Glas aufgenommene Substanz     0,0092  "
      = 0,0153 pro mille.

Bei weiteren auf dieselbe Art angestellten Versuchen hinterliessen
300 C.C. zweimal je 0,0049, einmal 0,0037 Grm.; dies macht im Mittel,
berechnet auf 600 C.C.

                                          0,0090 Grm.
                    und nach Abzug von    0,0012  "
                                          ------
                                          0,0078  "
                    = 0,013 pro mille.

Man kann somit annehmen, dass 1 Liter Wasser, in Glasgefssen stark
eingekocht, etwa 14 Milligramme Glasbestandtheile lst.


c. 600 C.C. wurden in einer Berliner Porzellanschale fast zur Trockne
verdampft, im Uebrigen wie in b. behandelt. Erhalten Rckstand

                                                         0,0015 Grm.
      Zieht man davon ab die dem Wasser als solchem
      entsprechende Menge mit                            0,0012  "
                                                         ------
      so bleibt aus dem Porzellan aufgenommene Substanz  0,0003  "
      = 0,0005 pro mille.


     2. $Einfluss von Salzsure auf Glas- und Porzellangefsse beim
                        Eindampfen$ (zu . 24).

Das in 1. gebrauchte destillirte Wasser wurde mit 1/10 reiner Salzsure
versetzt.

a. 300 Grm. in Platin verdampft, hinterliessen 0,002 Grm. Rckstand.

b. 300 Grm. in bhmischem Glas fast zur Trockne gebracht, dann in der
Platinschale verdampft, lieferten 0,0019 Rckstand, also hatte die
verdnnte Salzsure das Glas nicht angegriffen.

c. 300 Grm. in Berliner Porzellan verdampft etc. lieferten 0,0036, somit
nach Abzug der 0,002, 0,0016, also 0,0053 pro mille.

d. Der in c. angegebene Versuch wiederholt lieferte 0,0034, also nach
Abzug von 0,002, 0,0014 = 0,0047 pro mille.

Von Salzsure wird also Glas weit weniger angegriffen als von Wasser,
whrend Porzellan zu Wasser und verdnnter Salzsure fast gleiches
Verhalten zeigt. Man ersieht daraus, dass die Wirkung des Wassers
auf das Glas darin besteht, dass lsliche basisch kieselsaure Salze
entstehen.


   3. $Einfluss von Salmiaklsung auf Glas- und Porzellangefsse beim
                        Eindampfen$ (zu . 24).

In dem in 1. genannten destillirten Wasser wurde 1/10 Salmiak gelst und
filtrirt.

a. 300 C.C. in der Platinschale verdampft, hinterliessen 0,006 Grm. fixen
Rckstand.

b. 300 C.C. in bhmischem Glas stark eingekocht, dann in Platin zur
Trockne gebracht, hinterliessen 0,0179 Grm., davon ab obige 0,006,
bleiben aus dem Glas aufgenommene Bestandtheile 0,0119 = 0,0397 pro
mille.

c. 300 C.C. auf gleiche Art in Berliner Porzellan behandelt,
hinterliessen 0,0178, davon ab obige 0,006, bleiben 0,0118, gleich
0,0393 pro mille.

Also greift Salmiaklsung beim Eindampfen Glas wie Porzellan stark an.


        4. $Einfluss von kohlensaurer Natronlsung auf Glas- und
                     Porzellangefsse$ (zu . 24).

In dem in 1. genannten destillirten Wasser wurde 1/10 krystallisirtes
reines kohlensaures Natron gelst.

a. 300 C.C. lieferten, mit Salzsure bersttigt und in Platin zur
Trockne verdampft etc., 0,0026 Grm. Kieselsure, gleich 0,0087 pro mille.

b. 300 C.C. drei Stunden unter Erneuerung des Wassers in Glas gelinde
eingekocht bis zu ziemlicher Concentration, lieferten -- wie in a.
behandelt -- 0,1376 Grm., und nach Abzug der in a. erhaltenen 0,0026
Grm. 0,135 Grm. = 0,450 pro mille.

c. 300 C.C. auf die in b. angegebene Weise in Porzellan behandelt,
lieferten 0,0099 und nach Abzug der in a. erhaltenen 0,0026 Grm. 0,0073
= 0,0243 pro mille.

Somit wird Glas sehr stark, Porzellan noch sehr merklich von kochender
kohlensaurer Natronlsung angegriffen.


       5. $Aus Glasgefssen destillirtes Wasser$ (zu . 39. 1.).

42,41 Grm. aus einem hohen Kolben mit $Liebig$'schem Khlapparat hchst
vorsichtig destillirtes Wasser hinterliessen, in einer Platinschale
abgedampft, 0,0018 geglhten Rckstand, d. i. 1/23561.


          6. $Schwefelsaures Kali und Alkohol$ (zu . 47. a.).

a. Geglhtes reines schwefelsaures Kali mit absolutem Alkohol unter
hufigem Schtteln einige Tage kalt digerirt, lieferte ein Filtrat,
welches, mit Wasser verdnnt und mit Chlorbaryum versetzt, am Anfang
vllig klar blieb und erst nach lngerer Zeit ein schwaches Opalisiren
zeigte. Beim Abdampfen zur Trockne blieb ein sehr geringer, aber
immerhin deutlich auf Schwefelsure reagirender Rckstand.

b. Dasselbe Salz in gleicher Weise unter Zusatz von etwas reiner
concentrirter Schwefelsure behandelt, lieferte ein Filtrat, welches, in
Platin verdampft, einen ganz deutlichen, feuerbestndigen Rckstand von
schwefelsaurem Kali hinterliess.


     7. $Verhalten des Chlorkaliums an der Luft und beim Erhitzen$
                              (. 47. c.).

0,9727 Grm. geglhtes (nicht geschmolzenes) reines Chlorkalium verloren,
10 Minuten in einem offenen Platinschlchen in dunkler Rothglhhitze
erhalten, 0,0007 Grm., -- weitere 10 Minuten bei derselben Temperatur
erhalten, blieb das Gewicht vllig gleich. -- Zum hellen Rothglhen
erhitzt, bis halb geschmolzen, nahm das Salz um 0,0009 Grm. weiter ab,
-- sehr stark geglht, bis ganz geschmolzen, verlor es weitere 0,0034
Grm. -- An der Luft stehend hatte dasselbe nach 18 Stunden an Gewicht
nicht im mindesten zugenommen.


  8. $Lslichkeit des Kaliumplatinchlorids in Alkohol$ (zu . 47. d.).

     a. _Bei Abwesenheit von freier Salzsure._

[Greek: a]. Ueberschssiges vllig reines, frisch geflltes
Kaliumplatinchlorid wurde mit Alkohol von 97,5 Proc. 6 Tage lang unter
hufigem Umschtteln in einer verschlossenen Flasche bei 15 bis 20 C.
digerirt. -- 72,5 Grm. des vllig farblosen Filtrats hinterliessen,
in einer Platinschale verdampft, 0,0060 Grm. bei 100 getrockneten
Rckstand. Sonach erfordert 1 Thl. Kaliumplatinchlorid zur Lsung 12083
Theile.

[Greek: b]. Derselbe Versuch wurde mit Weingeist von 76 Proc. gemacht.
Das Filtrat war so gut wie nicht gefrbt. Beim Abdampfen schwrzte es
sich ein wenig, daher der Rckstand als Platin bestimmt wurde. -- 75,5
Grm. gaben 0,0080 Grm. Platin, entsprechend 0,020 Grm. Doppelsalz.
-- Demnach lst sich 1 Thl. desselben in 3775 Thln. Spiritus von 76
Gewichtsprocenten.

[Greek: c]. Derselbe Versuch wurde mit Weingeist von 55 Proc.
angestellt. Das Filtrat war sichtbar gelblich. 63,2 Grm. hinterliessen
0,0241 Grm. Platin, entsprechend 0,0600 Doppelsalz. -- Demnach lst sich
1 Thl. Kaliumplatinchlorid in 1053 Thln. Weingeist von 55 Proc.

     b. _Bei Anwesenheit von freier Salzsure._

Frisch geflltes Kaliumplatinchlorid wurde mit Spiritus von 76 Proc.,
dem etwas Salzsure zugesetzt war, kalt digerirt. -- 67 Grm. Lsung
(dieselbe war gelblich gefrbt) hinterliessen 0,0146 Grm. Platin, welche
entsprechen 0,0365 Grm. Kaliumplatinchlorid. -- Demnach lste sich 1
Thl. des Doppelsalzes in 1835 Thln. des salzsurehaltigen Weingeistes.


         9. $Schwefelsaures Natron und Alkohol$ (zu . 48. a.).

Versuche, mit reinem, wasserfreiem schwefelsauren Natron nach der in 6.
angegebenen Weise angestellt, zeigten, dass dasselbe sich zu reinem, wie
auch zu schwefelsurehaltigem Alkohol ebenso wie das schwefelsaure Kali
verhalte.


    10. $Verhalten des geglhten schwefelsauren Natrons an der Luft$
                            (zu . 48. a.).

2,5169 Grm. wasserfreies schwefelsaures Natron nahmen auf einem
unbedeckten Uhrglase an einem heissen Sommertag whrend einiger Minuten
an Gewicht nicht zu, -- nach 5 Stunden hingegen wogen sie 0,0061 Grm.
mehr.


        11. $Versuche mit salpetersaurem Natron$ (zu . 48. b.).

a. 4,5479 Grm. reines salpetersaures Natron nahmen (im April bei
heiterem Wetter) in geschmolzenem Zustande in 24 Stunden 0,0006 an
Gewicht zu.

b. 4,5479 Grm. reines salpetersaures Natron wurden in einer Platinschale
in Wasser gelst, reine Salpetersure zugesetzt, im Wasserbade zur
Trockne verdampft, dann vorsichtig erhitzt, bis die Masse auf dem Boden
anfing zu schmelzen. Nach dem Erkalten gewogen, betrug der Inhalt der
Schale 4,5503. -- Derselbe wurde nun weiter erhitzt bis zum vlligen
Schmelzen des Inhalts. Er wog alsdann 4,5474 Grm.


     12. $Verhalten des Chlornatriums an der Luft$ (zu . 48. c.).

4,3281 Grm. chemisch reines, stark geglhtes (nicht geschmolzenes),
neben Schwefelsure erkaltetes Chlornatrium nahmen, 3/4 Stunden lang an
der (etwas feuchten) Luft stehend, an Gewicht zu um 0,0009 Grm.


     13. $Verhalten des Chlornatriums beim Glhen fr sich und mit
                        Salmiak$ (zu . 48. c.).

4,3281 Grm. chemisch reines geglhtes Chlornatrium wurden in einer
mittelgrossen Platinschale in Wasser gelst, reiner Salmiak zugesetzt,
abgedampft und gelinde erhitzt, bis scheinbar keine Salmiakdmpfe mehr
entwichen. Das Gewicht betrug 4,3334. Nochmals 2 Minuten lang ganz
gelinde geglht, wog das Salz 4,3314. -- Kurze Zeit im Rothglhen
erhalten, betrug es 4,3275. -- 2 Minuten lang im hellen Rothglhen
erhalten (man sah weisse Dmpfe entweichen), betrug es 4,3249.


        14. $Verhalten des Salmiaks beim Abdampfen und Trocknen$
                            (zu . 49. a.).

0,5625 Grm. reiner, vllig trockener Salmiak wurden in einer
Platinschale in Wasser gelst, im Wasserbade abgedampft und darin
vllig getrocknet. Das Gewicht betrug 0,5622 (Verhltniss 100 : 99,94),
nochmals 1/4 Stunde lang im Wasserbade erhitzt, wog er 0,5612 (Verh.
100 : 99,77), nochmals 1/4 Stunde in derselben Temperatur gelassen, wog
er 0,5608 (Verh. 100 : 99,69).


        15. $Lslichkeit des Ammoniumplatinchlorids in Alkohol$
                            (zu . 49. b.).

     a. _Bei Abwesenheit freier Salzsure._

[Greek: a]. Ueberschssiges vllig reines, frisch geflltes
Ammoniumplatinchlorid wurde mit Alkohol von 97,5 Proc. 6 Tage lang unter
hufigem Umschtteln in einer verschlossenen Flasche bei 15 bis 20 C.
digerirt.

74,3 Grm. des vllig farblosen Filtrats hinterliessen, in einer
Platinschale verdampft, nach dem Glhen 0,0012 Platin, entsprechend
0,0028 Doppelsalz. -- 1 Theil desselben erfordert sonach 26535 Theile
Alkohol von obiger Strke.

[Greek: b]. Derselbe Versuch wurde mit Weingeist von 76 Proc. gemacht.
Das Filtrat zeigte eine sichtbare gelbliche Frbung.

81,75 Grm. hinterliessen 0,0257 Grm. Platin, entsprechend 0,0584
Doppelsalz. Also lst sich 1 Thl. Platinsalmiak in 1406 Thln. Weingeist
von 76 Proc.

[Greek: c]. Derselbe Versuch wurde mit Weingeist von 55 Proc.
angestellt. Die Lsung war deutlich gelb. Sie schwrzte sich beim
Abdampfen, und 56,5 Grm. derselben hinterliessen 0,0364 Platin,
entsprechend 0,08272 Doppelsalz, demnach erfordert 1 Thl. 665 Thle.

     b. _Bei Anwesenheit von Salzsure._

Der in [Greek: b]. beschriebene Versuch wurde mit der Abnderung
wiederholt, dass man dem Weingeist erst etwas Salzsure zufgte. --
76,5 Grm. hinterliessen 0,0501 Grm. Platin = 0,1139 Grm. Platinsalmiak.
Demnach hatten 672 Thle. des angesuerten Weingeistes 1 Thl.
Platinsalmiak gelst.


  16. $Lslichkeit des kohlensauren Baryts in Wasser$ (zu . 50. b.).

a. _In kaltem._ Vllig reiner, frisch gefllter BaO, CO_{2} 5 Tage unter
hufigem Umschtteln mit Wasser von 16 bis 20 C. digerirt, lieferte
ein Filtrat, welches von Schwefelsure sogleich, von Ammon erst nach
langem Stehen getrbt wurde. 84,82 Grm. Lsung hinterliessen 0,0060 BaO,
CO_{2}. Demnach lst sich 1 Thl. desselben in 14137 Thln.

b. _In heissem._ Derselbe kohlensaure Baryt 10 Minuten lang mit reinem
destillirten Wasser gekocht, lieferte ein Filtrat, welches dieselben
Reactionen zeigte, wie das kalt bereitete, und beim Erkalten vollkommen
klar blieb. 84,82 Grm. der heissen Lsung hinterliessen beim Abdampfen
0,0055 Grm. -- Demnach lst sich 1 Thl. desselben in 15421 Thln.
kochenden Wassers.


   17. $Lslichkeit des kohlensauren Baryts in Wasser, welches Ammon
            und kohlensaures Ammon enthlt$ (zu . 50. b.).

Eine Auflsung von chemisch reinem Chlorbaryum wurde mit Ammon und
kohlensaurem Ammon im Ueberschuss versetzt, gelinde erwrmt und
12 Stunden stehen gelassen. -- Die abfiltrirte Lsung blieb mit
Schwefelsure vollkommen klar, nach sehr langem Stehen schied sich ein
kaum sichtbarer Niederschlag ab. 84,820 Grm. derselben hinterliessen, in
einer kleinen Platinschale abgedampft und gelinde geglht, 0,0006 Grm.
-- Demnach hatten 141000 Flssigkeit 1 Thl. Salz gelst.


   18. $Lslichkeit des Kieselfluorbaryums in Wasser$ (zu . 50. c.).

a. Frisch geflltes, vollstndig ausgewaschenes Kieselfluorbaryum wurde
mit Wasser unter hufigem Umschtteln 4 Tage hindurch kalt digerirt. --
Das Filtrat gab mit verdnnter Schwefelsure sogleich, mit Gypslsung
nach 1 bis 2 Secunden sehr sichtbare Trbungen, und nach einigem Stehen
Niederschlge. 84,82 Grm. desselben hinterliessen 0,0223 Grm. scharf
getrockneten Rckstand, also erforderte 1 Thl. Salz 3802 Thle. Wasser.

b. Frisch geflltes Kieselfluorbaryum von anderer Bereitung wurde mit
Wasser zum Kochen erhitzt und die Lsung erkalten gelassen (wobei
sich gelst gewesenes Salz ausschied). Die mit dem ungelsten Salz
alsdann noch lange kalt in Berhrung gelassene Flssigkeit zeigte zu
Gypssolution dasselbe Verhalten wie die in a. genannte. 84,82 Grm.
hinterliessen 0,0250. -- Demnach erforderte 1 Thl. Salz 3392 Thle.
Wasser.


   19. $Lslichkeit des Kieselfluorbaryums in Salzsure enthaltendem
                        Wasser$ (zu . 50. c.).

a. Frisch geflltes reines Kieselfluorbaryum wurde mit Wasser, welches
mit Salzsure angesuert war, 3 Wochen lang unter hufigem Umschtteln
kalt digerirt. Das Filtrat gab mit Schwefelsure einen ziemlich starken
Niederschlag. 84,82 Grm. hinterliessen 0,1155 Grm. scharf getrockneten
Rckstand. Rechnet man denselben als Kieselfluorbaryum, so kommen auf 1
Thl. 733 Thle. Flssigkeit.

b. Frisch geflltes reines Kieselfluorbaryum wurde mit Wasser, welches
ganz wenig Salzsure enthielt, zum Kochen erhitzt. Auf 12 erkaltet,
hinterliessen 84,82 Grm. des Filtrats 0,1322 Grm. Rckstand. Verhltniss
wie 1 : 640.

    NB. Die Lsung in Salzsure erfolgt nicht ohne Zersetzung, wenigstens
        enthielt der Rckstand, auch nach dem Glhen, ziemlich viel
        Chlorbaryum.


       20. $Lslichkeit des schwefelsauren Strontians in Wasser$
                            (zu . 51. a.).

     a. _Von_ 14.

84,82 Grm. durch viertgige Digestion von frisch niedergeschlagenem
schwefelsauren Strontian mit Wasser bei gewhnlicher Temperatur
bereitete Lsung hinterliessen 0,0123 Grm. schwefelsauren Strontian,
also lst sich 1 Thl. SrO, SO_{3} in 6895 Thln. Wasser.

     b. _Von_ 100.

84,82 Grm. durch mehrstndiges Kochen von frisch geflltem
schwefelsauren Strontian mit Wasser bereitete Lsung hinterliessen
0,0088 Grm., also lst sich 1 Thl. SrO, SO_{3} in 9638 Thln. kochenden
Wassers.


    21. $Lslichkeit des schwefelsauren Strontians in Salzsure und
           Schwefelsure enthaltendem Wasser$ (zu . 51. a.).

a. 84,82 Grm. durch dreitgige Digestion bereitete Lsung hinterliessen
0,0077 Grm. SrO, SO_{3}.

b. 42,41 Grm. durch viertgige Digestion bereitete Lsung hinterliessen
0,0036 Grm.

c. Reiner kohlensaurer Strontian wurde in berschssiger Salzsure
gelst, die Lsung mit berschssiger Schwefelsure gefllt und 14 Tage
in der Klte stehen gelassen. 84,82 Grm. des Filtrats hinterliessen
0,0066 Grm.

             Nach a. bedarf 1 Thl. SrO, SO_{3} 11016 Thle.
             "   b.    "   1 Thl.  "    "      11780 Thle.
             "   c.    "   1 Thl.  "    "      12791 Thle.
                                              -------
                                       Mittel  11862.


     22. $Lslichkeit des kohlensauren Strontians in kaltem Wasser$
                            (zu . 51. b.).

Frisch gefllter, vllig ausgewaschener SrO, CO_{2} wurde mit
destillirtem Wasser unter hufigem Umschtteln einige Tage lang kalt
digerirt. 84,8200 Lsung hinterliessen abgedampft 0,0047 geglhten
Rckstand. 1 Thl. erfordert somit 18045 Thle. Wasser zur Lsung.


    23. $Lslichkeit des kohlensauren Strontians in Wasser, welches
         Ammon und kohlensaures Ammon enthlt$ (zu . 51. b.).

Eine andere Portion des in 18. genannten kohlensauren Strontians wurde
4 Wochen lang mit der genannten Flssigkeit wie in Nro. 22. digerirt.
84,82 Grm. hinterliessen 0,0015 Grm. SrO, CO_{2}, also erfordert 1 Thl.
56545 Thle.

Fllt man Chlorstrontiumlsung mit kohlensaurem Ammon und Ammon nach
. 80. 2. a., so wird das Filtrat nach Zusatz von Alkohol durch
Schwefelsure nicht getrbt.


   24. $Lslichkeit des CaO, CO_{2} in kaltem Wasser$ (zu . 52. b.).

Eine wie in 25. heiss bereitete Lsung wurde 4 Wochen unter hufigem
Umschtteln mit dem ungelst gebliebenen Niederschlag kalt digerirt.
84,82 Grm. hinterliessen 0,0080 CaO, CO_{2}, 1 Thl. erfordert demnach
10601 Thle.


     25. $Lslichkeit des kohlensauren Kalkes in kochendem Wasser$
                            (zu . 52. b.).

Frisch gefllter CaO, CO_{2} wurde mit destillirtem Wasser lngere Zeit
gekocht. 42,4100 Lsung hinterliessen beim Abdampfen und schwachen
Glhen des Rckstandes 0,0048 CaO, CO_{2}, also erfordert 1 Thl.
desselben 8834 Thle. siedenden Wassers.


     26. $Lslichkeit des CaO, CO_{2} in Wasser, welches Ammon und
              kohlensaures Ammon enthlt$ (zu . 52. b.).

Reine Chlorcalciumlsung wurde mit kohlensaurem Ammon und Ammon gefllt,
24 Stunden stehen gelassen, dann filtrirt. 84,82 Grm. hinterliessen
0,0013 Grm. CaO, CO_{2}, also erfordert 1 Theil 65246 Theile.


   27. $Verhalten des CaO, CO_{2} beim Glhen in einem Platintiegel$
                            (zu . 52. b.).

0,7955 Grm. vllig trockenen kohlensauren Kalkes wurden in einem kleinen
und dnnen Platintiegel der allmlig gesteigerten, zuletzt mglichst
starken Hitze einer guten $Berzelius$'schen Lampe ausgesetzt. Der Tiegel
war offen und lag schief (Fig. 37). Nach der ersten 1/4 Stunde wog der
Rckstand 0,6482, -- nach 1/2 Stunde 0,6256, -- nach 1 Stunde 0,5927, --
nach 5/4 Stunde ebensoviel. Dies entspricht 74,5 Proc. (berechnet 56,00
Proc. Kalk). Also war noch lange nicht alle CO_{2} ausgetrieben.


   28. $Zusammensetzung des bei 100 getrockneten kleesauren Kalkes$
                            (zu . 52. c.).

0,8510 reiner, scharf getrockneter kohlensaurer Kalk, in Salzsure
gelst, mit oxalsaurem Ammon und Ammon gefllt, auf gewogenem Filter
bei 100 getrocknet bis zu constantem Gewicht, gaben 1,2461 kleesauren
Kalk. Berechnet man denselben als CaO, C_{2}O_{3} + aq., so enthlt die
gefundene Menge 0,4772 CaO = 56,07 Proc. im kohlensauren Kalk. -- Die
Rechnung verlangt 56,00 Proc.


    29. $Verhalten der schwefelsauren Magnesia an der Luft und beim
                        Glhen$ (zu . 53. a.).

0,8135 Grm. vllig reine, wasserfreie MgO, SO_{3} nahmen an einem
klaren, warmen Junitag in einem bedeckten Platintiegel whrend 1/2
Stunde um 0,004 Grm. an Gewicht zu, -- whrend 12 Stunden um 0,067 Grm.
-- Im offenen Tiegel konnte sie wegen fortwhrenden Zunehmens nicht mit
Genauigkeit gewogen werden.

0,8135 Grm. verloren, eine Zeit lang ganz schwacher Glhhitze
ausgesetzt, an Gewicht nichts, -- 5 Minuten stark roth geglht, nahmen
sie um 0,0075 Grm. ab. Der Rckstand lste sich alsdann in Wasser nicht
mehr klar.


  30. $Lslichkeit der basisch phosphorsauren Ammon-Magnesia in reinem
                          Wasser$ (zu . 53).

a. Frisch gefllte basisch phosphorsaure Ammon-Magnesia wurde, nachdem
sie mit Wasser vollkommen ausgewaschen worden war, mit Wasser von etwa
15 unter hufigem Umschtteln 24 Stunden lang digerirt. 84,42 Grm.
der abfiltrirten Lsung hinterliessen... 0,0047 Grm. pyrophosphorsaure
Magnesia.

b. Derselbe Niederschlag wurde auf gleiche Weise 3  24 Stunden digerirt.

        84,42 Grm. Filtrat hinterliessen            0,0043 Grm.
                                                    ------
                                            Mittel  0,0045 Grm.

entsprechend 0,00552 wasserfreiem Doppelsalz. Also lst sich 1 Thl.
desselben in 15293 Thln. reinen Wassers.

Die kalt gesttigte Lsung gab, mit Ammon versetzt, nach kurzer Zeit
einen deutlichen krystallinischen Niederschlag; -- mit phosphorsaurem
Natron blieb sie vllig klar, auch nach 2 Tagen zeigte sich kein
Niederschlag; -- mit phosphorsaurem Natron und Ammon entstand ein ebenso
starker Niederschlag, als durch Ammon allein.


     31. $Lslichkeit der basisch phosphorsauren Ammon-Magnesia in
                 ammonhaltigem Wasser$ (zu . 53. b.).

a. Reine basisch phosphorsaure Ammon-Magnesia wurde in mglichst
wenig Salpetersure gelst, viel Wasser zugesetzt und sodann Ammon im
Ueberschuss. Nach 24 Stunden filtrirte man die Flssigkeit ab, ihre
Temperatur war 14. -- 84,42 Grm. hinterliessen 0,0015 pyrophosphorsaure
Magnesia, entsprechend 0,00184 wasserfreiem Doppelsalz. 1 Thl. des
letzteren erfordert demnach 45880 Thle. ammonhaltigen Wassers.

b. Reine basisch phosphorsaure Ammon-Magnesia wurde mit ammonhaltigem
Wasser 4 Wochen unter hufigem Umschtteln digerirt, dann die
Flssigkeit (Temperatur 14) abfiltrirt. 126,63 Grm. hinterliessen
0,0024 pyrophosphorsaure Magnesia, entsprechend 0,00296 Doppelsalz. Also
lst sich 1 Thl. des letzteren in 42780 Thln. ammonhaltigen Wassers. --
Nach a. und b. im Mittel in 44330 Thln.


         32. $Neuer Versuch ber denselben Gegenstand$ wie 31.

Frisch gefllte, aufs sorgfltigste mit Ammon enthaltendem Wasser
ausgewaschene phosphorsaure Ammon-Magnesia wurde in etwas Salzsure
enthaltendem Wasser gelst, dann Ammon im Ueberschuss zugefgt und 24
Stunden kalt stehen gelassen. 169,64 Grm. des Filtrates hinterliessen
0,0031 Grm. pyrophosphorsaure Magnesia, gleich 0,0038 wasserfreie
phosphorsaure Ammon-Magnesia. Also war 1 Thl. in 44600 Thln. der
Flssigkeit gelst.


     33. $Lslichkeit der basisch phosphorsauren Ammon-Magnesia in
              Salmiak enthaltendem Wasser$ (zu . 53. b.).

Frisch geflltes, vllig ausgewaschenes Salz wurde mit einer 1 Salmiak
auf 5 Wasser enthaltenden Lsung kalt digerirt. 18,4945 Grm. des
Filtrats hinterliessen 0,0020 pyrophosphorsaure Magnesia, entsprechend
0,00245 Doppelsalz. Also lst sich 1 Thl. desselben in 7548 Thln.

34. $Lslichkeit der basisch phosphorsauren Ammon-Magnesia in Salmiak
und Ammon enthaltendem$ Wasser (zu . 53. b.).

Frisch geflltes, wohl ausgewaschenes Salz wurde mit einer 1 Salmiak auf
7 ammonhaltiges Wasser enthaltenden Lsung kalt digerirt. 23,1283 Lsung
hinterliessen 0,0012 pyrophosphorsaure Magnesia, entsprechend 0,00148
Doppelsalz, 1 Thl. bedarf also 15627 Thle.


   35. $Verhalten saurer Lsungen von pyrophosphorsaurer Magnesia zu
                         Ammon$ (zu . 53. c.).

0,3985 Grm. pyrophosphorsaure Magnesia wurden mehrere Stunden in der
Wrme mit concentrirter Schwefelsure behandelt. Dieselbe wirkte nicht
bemerklich ein. Erst nachdem etwas Wasser zugesetzt war, lste sich der
Niederschlag. Die lngere Zeit erhitzte Flssigkeit lieferte bei Zusatz
von berschssigem Ammon einen ganz krystallinischen Niederschlag. Nach
18 Stunden wurde filtrirt. Erhalten wurde 0,3805 Grm. pyrophosphorsaure
Magnesia, d. i. 95,48 Proc. -- Im Filtrat gab phosphorsaures Natron
einen geringen Niederschlag, welcher 0,0150 Grm. pyrophosphorsaure
Magnesia, d. i. 3,76 Proc. lieferte.

0,3565 Grm. pyrophosphorsaure Magnesia wurden in 3 Grm. Salpetersure
von 1,200 specif. Gewicht gelst, erhitzt, verdnnt und mit Ammon
gefllt. Wiedererhalten wurden 0,3485 Grm. pyrophosphorsaure Magnesia,
d. i. 98,42 Proc., -- 0,4975 Grm. wurden mit 7,6 Grm. derselben
Salpetersure auf gleiche Weise behandelt. Wiedererhalten wurden 0,4935
Grm., d. i. 99,19 Proc.

0,786 Grm. auf gleiche Weise mit 16,2 Grm. Salpetersure behandelt,
lieferten 0,7765 Grm., d. i. 98,79 Proc.

Demnach:

_Verhltniss der_ PO_{5}, 2MgO _zur Salpetersure_.

                            Wiedererhalten.  Verlust.
                    1 :  9    98,42 Proc.      1,58
                    1 : 15    99,19   "        0,81
                    1 : 20    98,79   "        1,21


    36. $Lslichkeit der reinen Magnesia in Wasser$ (zu . 53. d.).

      a. _In kaltem._

Vllig reine, wohl krystallisirte schwefelsaure Magnesia wurde in Wasser
gelst, die Lsung mit kohlensaurem und kaustischem Ammon gefllt,
der Niederschlag aufs Vollstndigste ausgessst (er enthielt trotzdem
noch eine entdeckbare Spur Schwefelsure), in reiner Salpetersure mit
Vermeidung eines Sureberschusses gelst, neuerdings mit kohlensaurem
und reinem Ammon gefllt und der Niederschlag wiederum aufs
Vollstndigste ausgewaschen. -- Die so gewonnene, vllig reine basisch
kohlensaure Magnesia wurde in einem Platintiegel bis zu vllig constant
bleibendem Gewicht geglht, dann mit destillirtem Wasser, welches beim
Abdampfen keine Spur fixen Rckstand liess, auch von Chlor vollkommen
frei war, unter hufigem Umschtteln 24 Stunden kalt digerirt.

[Greek: a]. 84,82 Grm. gaben, vorsichtig in einer Platinschale
abgedampft, geglhten Rckstand 0,0015; demnach erfordert 1 Thl. reine
Magnesia

                                                           56546
  Theile kaltes Wasser.

  Nachdem die Magnesia noch weitere 48 Stunden mit dem
  Wasser digerirt worden war, lieferten

  [Greek: b]. 84,82 Grm. 0,0016, demnach erfordert 1 Thl.  53012
  [Greek: c]. 84,82 Grm. 0,0015                            56546
                                                           ------
                                            also im Mittel 55368.

Die kalt bereitete Magnesialsung reagirt schwach, aber deutlich,
alkalisch, am deutlichsten ist die Reaction sichtbar, wenn man sehr
schwach gerthete Lackmustinctur damit vermischt; brigens lsst sie
sich auch an schwach gerthetem Lackmuspapier, sowie an Curcuma- und
Georginenpapier recht gut wahrnehmen, sofern man die Papiere nur einige
Zeit mit der Lsung in Berhrung lsst.

Von kohlensauren Alkalien wird die Lsung weder so, noch beim Kochen
getrbt.

Mit phosphorsaurem Natron bleibt sie ebenfalls klar, setzt man aber
Ammon zu, so trbt sie sich nach kurzem Schtteln, und es scheidet
sich nach einigem Stehen ein deutlicher Niederschlag von basisch
phosphorsaurer Ammon-Magnesia ab.

      b. _In heissem._

Kocht man reine Magnesia mit Wasser, so erhlt man eine Lsung, welche
sich in jeder Beziehung wie eine kalt bereitete verhlt. Beim Erkalten
trbt sie sich nicht, ebenso wenig trbt sich eine kalt bereitete Lsung
beim Kochen. -- 84,82 Grm. kochend bereiteter Lsung hinterliessen
0,0016 Grm. MgO.


    37. $Fllbarkeit der Thonerde durch Ammon etc.$ (zu . 54. a.).

a. Versetzt man eine neutrale Thonerde- oder auch Alaunlsung mit
Ammon, so entsteht, wie bekannt, ein gelatinser Niederschlag von
Thonerdehydrat. Vermehrt man den Zusatz des Ammons, so dass es
zuletzt in bedeutendem Ueberschuss vorhanden ist, so verschwindet der
Niederschlag mehr und mehr, ihn ganz zu lsen gelingt jedoch nicht.

b. Giesst man einen Tropfen einer verdnnten Alaunlsung in viel Ammon,
so erhlt man nach dem Umschtteln eine fast vllig klare Lsung, nach
lngerem Stehen setzen sich jedoch auch aus einer solchen leichte
Flocken ab.

c. Filtrirt man eine mit viel Ammon versetzte Thonerdelsung

[Greek: a]. und erhitzt das Filtrat anhaltend zum Kochen, so scheiden
sich allmlig in dem Verhltniss, als der Ammonberschuss entweicht,
Flocken von Thonerdehydrat aus;

[Greek: b]. und versetzt das Filtrat mit Salmiaklsung, so scheidet sich
alsobald ein sehr bemerklicher flockiger Niederschlag von Thonerdehydrat
ab; in der Art, dass bei gengsamer Menge Salmiak alles gelst gewesene
Thonerdehydrat sich ausscheidet;

[Greek: c]. und versetzt das Filtrat mit anderthalb kohlensaurem Ammon,
so zeigt sich dieselbe Erscheinung, wie bei [Greek: b].;

[Greek: d]. und versetzt das Filtrat mit Chlornatrium- oder
Chlorkaliumlsung, so scheidet sich kein Niederschlag ab. Nach mehreren
Tagen setzen sich (in Folge des durch Verdunstung verminderten
Ammongehalts) leichte Flocken ab.

d. Fllt man eine neutrale Thonerdelsung mit kohlensaurem Ammon oder
eine durch Salzsure oder Salpetersure stark saure mit reinem Ammon,
oder setzt man, sofern man mit einer neutralen zu thun hat, ausser dem
Ammon noch eine gengsame Menge Salmiak hinzu, so kommt auch bei grossem
Ueberschuss der Fllungsmittel keine Thonerde in Lsung, wie daraus zu
ersehen, dass die Filtrate auch bei fortgesetztem Kochen und Abdampfen
vllig klar bleiben.


         38. $Fllbarkeit der Thonerde aus ihren Lsungen durch
                   Schwefelammonium$ (zu . 54. a.).

(Nach Versuchen meines frheren Assistenten, des Herrn J. $Fuchs$.)

a. 50 C.C. einer Lsung von reinem Ammonalaun, welche enthielten 0,3939
Thonerde, wurden mit 50 C.C. Wasser und 10 C.C. Schwefelammoniumlsung
versetzt und nach 10 Minuten filtrirt. Der Niederschlag wog geglht
0,3825 Grm.

b. Derselbe Versuch wurde mit 100 C.C. Wasser wiederholt. Erhalten 0,3759
Thonerde.

c. Derselbe Versuch wurde mit 200 C.C. Wasser wiederholt. Erhalten 0,3642
Thonerde.


      39. $Fllbarkeit des Chromoxyds durch Ammon$ (zu . 55. a.).

Concentrirte, wie verdnnte, mit Salzsure versetzte, wie neutrale
Lsungen von Chromchlorr und Chromalaun wurden mit Ammon im Ueberschuss
versetzt. Nach der Fllung abfiltrirt, zeigten alle Filtrate rothe
Farbe, -- nach vorhergehendem Kochen abfiltrirt, erschienen, sofern das
Kochen lange genug gedauert hatte, alle farblos.


     40. $Lslichkeit des basisch kohlensauren Zinkoxyds in Wasser$
                            (zu . 56. a.).

Vllig reines, frisch (heiss) geflltes, basisch kohlensaures Zinkoxyd
wurde mit destillirtem Wasser erwrmt, dann viele Wochen unter hufigem
Umschtteln kalt digerirt. Die klare Lsung gab mit Schwefelammonium
nicht den geringsten Niederschlag, auch nicht nach lngerem Stehen.

84,82 Grm. hinterliessen 0,0014 Grm. Zinkoxyd, entsprechend basisch
kohlensaurem Zinkoxyd (ZnO darin zu 74 Proc. angenommen) 0,0019. Demnach
wrde 1 Theil erfordern 44642 Theile.


      41. $Verhalten des Schwefelnickels zu Schwefelammonium etc.$
                            (zu . 58. c.).

Eine verdnnte Lsung von reinem schwefelsauren Nickeloxydulkali
wurde mit farblosem, mit Schwefelwasserstoff vollkommen gesttigtem
Schwefelwasserstoff-Schwefelammonium in der Art versetzt, dass von
letzterem ein ganz geringer Ueberschuss zugegen war. -- Mit dieser
gefllten Flssigkeit wurden folgende Versuche gemacht.

a. Ein Theil wurde ohne Weiteres filtrirt. Das Filtrat war und blieb
vllig farblos und klar.

b. Ein Theil wurde mit berschssigem, farblosem, vollkommen gesttigtem
Schwefelwasserstoff-Schwefelammonium digerirt und dann

[Greek: a]. ohne Erwrmen abfiltrirt. Das Filtrat hatte einen kaum
wahrnehmbaren Stich ins Gelbe, es setzte bei lngerem Stehen keinen
Niederschlag ab;

[Greek: b]. nach vorhergegangenem Erwrmen abfiltrirt. Das Filtrat
war etwas strker gelblich, es setzte nach einigen Tagen etwas
Schwefelnickel ab.

c. Ein Theil wurde mit gelbem Schwefelammonium (aus vollkommen
gesttigtem Schwefelwasserstoff-Schwefelammonium durch Einwirkung der
Luft erhalten) im Ueberschuss digerirt. Das Filtrat war gelb ohne Stich
ins Brunliche; nach einigen Tagen hatte sich ein wenig Schwefelnickel
abgeschieden.

d. Ein Theil wurde mit Ammon enthaltendem Wasser kalt digerirt. Das
Filtrat war schwach brunlich.

e. Ein Theil wurde mit Ammon und farblosem
Schwefelwasserstoff-Schwefelammonium digerirt. Das Filtrat war deutlich
hellbraun. Nach einigen Tagen hatte sich daraus Schwefelnickel abgesetzt.

f. Ein Theil wurde mit Ammon und gelbem Schwefelammonium digerirt.
Das Filtrat war ebenfalls brunlich und verhielt sich wie das in e.
genannte.


    42. $Verhalten des durch Alkalien gefllten Kobaltoxydulhydrats$
                            (zu . 59. a.).

a. Eine Lsung von Kobaltchlorr wurde mit Natronlauge kochend gefllt,
und der Niederschlag mit siedendem Wasser so lange ausgewaschen, bis
im Filtrat keine Spur Chlor mehr nachzuweisen war. Der getrocknete
und geglhte Rckstand, mit Wasser erwrmt, zeigte keine alkalische
Reaction. Er wurde durch Glhen in Wasserstoffgas reducirt, dann das
metallische Kobalt mit Wasser warm digerirt. Das abgegossene Wasser
zeigte selbst nach starkem Concentriren keine alkalische Reaction, das
metallische Kobalt dagegen, feucht mit Curcumapapier in Berhrung,
brunte dieses stark.


      43. $Lslichkeit des kohlensauren Bleioxyds$ (zu . 62. a.).

a. _In reinem Wasser._ Frisch geflltes reines und wohl ausgewaschenes
Salz wurde mit Wasser von mittlerer Temperatur 8 Tage unter hufigem
Umschtteln digerirt. -- 84,42 Grm. des Filtrats hinterliessen, unter
Zusatz von etwas reiner Schwefelsure abgedampft, 0,0019 schwefelsaures
Bleioxyd, entsprechend 0,00167 kohlensaurem Bleioxyd. Also lst sich
1 Th. desselben in 50551 Thln. Wasser. -- Diese Lsung blieb, mit
Schwefelwasserstoffwasser versetzt, vllig farblos, so dass auch beim
Hindurchsehen durch die in einem Probecylinder befindliche Lsung von
oben keine Frbung bemerkt werden konnte.

b. _In Wasser, welches ein wenig essigsaures Ammon und ausserdem
kohlensaures Ammon nebst Ammon enthielt._ Eine sehr verdnnte Lsung
von reinem essigsauren Bleioxyd wurde mit kohlensaurem Ammon und
Ammon im Ueberschuss versetzt, das Ganze gelinde erwrmt und mehrere
Tage stehen gelassen. -- 84,42 Grm. Filtrat hinterliessen, mit ein
wenig Schwefelsure abgedampft, 0,0041 Grm. schwefelsaures Bleioxyd,
entsprechend 0,0036 Grm. kohlensaurem Salz. -- 1 Thl. desselben
erfordert demnach 23450 Thle. obigen Lsungsmittels. -- Die Lsung gab
mit Schwefelwasserstoff eine beim Durchsehen durch den Probecylinder von
neben kaum, von oben deutlich wahrnehmbare Frbung. Nach lngerem Stehen
setzten sich Spuren von Schwefelblei ab.

c. _In Wasser, welches viel salpetersaures Ammon, ausserdem kohlensaures
Ammon und Aetzammon enthielt._ Eine sehr verdnnte Lsung von
essigsaurem Blei wurde mit Salpetersure, dann mit kohlensaurem Ammon
und Ammon im Ueberschuss versetzt, gelinde erwrmt und 8 Tage stehen
gelassen. -- Das Filtrat mit Schwefelwasserstoff versetzt, gab eine
beim Hindurchsehen durch den Cylinder von neben wenig, von oben aber
sehr deutlich zu erkennende Brunung. Die Quantitt des gelsten Bleies
betrug unverkennbar etwas mehr als bei b.


       44. $Lslichkeit des oxalsauren Bleioxyds$ (zu . 62. b.).

Eine verdnnte Lsung von essigsaurem Bleioxyd wurde mit oxalsaurem
Ammon und Ammon gefllt. Nach lngerem Stehen abfiltrirt, zeigte das
Filtrat zu Schwefelwasserstoff ein ganz hnliches Verhalten, wie das
in Nro. 43. b. genannte Filtrat, d. h. die Flssigkeit erschien beim
Hindurchsehen durch den Probecylinder von neben nicht, von oben schwach
brunlich. -- Ein gleiches Verhalten wurde bei einem zweiten hnlichen
Versuche beobachtet, bei welchem der Lsung salpetersaures Ammon
zugefgt worden war.


    45. $Lslichkeit des schwefelsauren Bleioxyds in reinem Wasser$
                            (zu . 62. d.).

Vllig ausgewaschenes schwefelsaures Bleioxyd wurde noch feucht mit
Wasser bergossen und unter Umschtteln 5 Tage lang bei 10 bis 15
digerirt. 84,42 Grm. des Filtrats hinterliessen, bei 11 abfiltrirt,
0,0037 Grm. schwefelsaures Blei, also erfordert 1 Theil 22816 Theile
reines Wasser von 11.

Die Lsung gab mit Schwefelwasserstoff eine beim Hindurchsehen durch den
Probecylinder von neben wenig, von oben deutlich braune Frbung.


            46. $Lslichkeit des schwefelsauren Bleioxyds in
             schwefelsurehaltigem Wasser$ (zu . 62. d.).

Eine sehr verdnnte Lsung von essigsaurem Bleioxyd wurde mit einem
Ueberschuss von verdnnter reiner Schwefelsure versetzt, ganz gelinde
erwrmt und der Niederschlag einige Tage hindurch absitzen gelassen.
80,31 Grm. Filtrat hinterliessen 0,0022 Grm. schwefelsaures Bleioxyd,
also erfordert 1 Theil 36504 Theile obigen Lsungsmittels. Diese
Lsung gab mit Schwefelwasserstoff eine beim Hindurchsehen durch den
Probecylinder von neben farblose, von oben kaum ein wenig dunkler
erscheinende Flssigkeit.


    47. $Lslichkeit des schwefelsauren Bleioxyds in Wasser, welches
      Ammonsalze und freie Schwefelsure enthlt$ (zu . 62. d.).

Eine sehr verdnnte Lsung von essigsaurem Bleioxyd wurde mit ziemlich
viel salpetersaurem Ammon, dann mit Schwefelsure im Ueberschuss
versetzt. Nach einigen Tagen abfiltrirt, zeigte sich das Filtrat gegen
Schwefelwasserstoffwasser fast vllig indifferent, von oben durch den
Probecylinder gesehen, erschien es kaum merklich dunkler als reines
Wasser.


        48. $Verhalten des schwefelsauren Bleioxyds beim Glhen$
                            (zu . 62. d.).

Bei Gelegenheit der Atomgewichtsbestimmung des Schwefels geben $Erdmann
und Marchand$ (Journ. fr prakt. Chem. XXXI. S. 335) an, dass das
schwefelsaure Bleioxyd beim Glhen etwas Schwefelsure verliere. --
Um mich zu vergewissern, in welchem Grade dies stattfinde und ob
hierdurch die Methode -- Blei als schwefelsaures Salz zu bestimmen --
eine bemerkliche Unsicherheit bekomme, erhitzte ich 2,2151 Grm. absolut
reines PbO,SO_{3} zum heftigsten Rothglhen ber der Weingeistlampe
mit doppeltem Luftzug. Ich konnte nicht die mindeste Gewichtsabnahme
bemerken. Keinesfalls betrug sie 0,0001 Grm.


        49. $Verhalten von Bleilsungen zu Schwefelwasserstoff$
                            (zu . 62. f.).

Es ist bekannt, dass Bleilsungen, welche sehr viele freie Sure
enthalten, durch Schwefelwasserstoff nicht gefllt werden, wenn man
sie nicht mit Wasser verdnnt. -- Nun wird aber im Archiv der Pharm.
XXIX. S. 234 von $Triboulet$ angegeben, dass auch aus einer Lsung von
essigsaurem Kali nicht alles Blei durch Schwefelwasserstoff gefllt
werden knne, wohl aber bei Zusatz von Ammon. -- Ich versetzte, um
diese Angabe zu prfen, eine mit Bleizucker vermischte concentrirte
Lsung von essigsaurem Kali, welche durch einen Tropfen Essigsure
sauer gemacht war, a) mit berschssigem Schwefelwasserstoffwasser, b)
mit berschssigem Schwefelwasserstoffgas. In beiden Fllen erhielt
ich eine so vollstndige Fllung, dass die nach starkem Umschtteln
abfiltrirten Flssigkeiten durch Ammon und Schwefelammonium nicht die
geringste Vernderung mehr erlitten. -- Es ist somit $gewiss$, dass die
obige Angabe unrichtig ist, und $wahrscheinlich$, dass sie durch einen
Eisengehalt der Flssigkeit veranlasst wurde.


     50. $Verhalten des metallischen Quecksilbers bei gewhnlicher
         Temperatur und beim Kochen mit Wasser$ (zu . 63. a.).

Um mich zu berzeugen, in welcher Weise eine Abnahme des metallischen
Quecksilbers beim Trocknen, sowie beim Kochen mit Wasser stattfinde, und
ferner welche Art des Trocknens die beste sei, stellte ich die folgenden
Versuche an:

6,4418 Grm. vllig reines in einem Uhrglase befindliches Quecksilber
bergoss ich mit destillirtem Wasser, nahm dasselbe durch Abgiessen,
sodann mittelst Fliesspapiers wieder so vollstndig wie mglich weg und
wog. Ich hatte jetzt 6,4412 Grm. Nachdem das Quecksilber einige Stunden
an der Luft gestanden hatte, wog es 6,4411 Grm. -- Ich stellte diese
6,4411 Grm. nunmehr bei einer Temperatur von etwa 17 C. unter eine
Glocke neben Schwefelsure. Nach 24 Stunden hatte sich das Gewicht nicht
im mindesten gendert. -- Ich brachte die genannte Menge Quecksilber
in einen Kolben, bergoss mit viel destillirtem Wasser und kochte eine
Viertelstunde lang heftig. Nach dieser Zeit brachte ich das Quecksilber
wieder auf das Uhrglas, trocknete es mit Fliesspapier aufs Sorgfltigste
und wog. Es betrug 6,4402 Grm. -- Da ich fand, dass an einer Franze des
Papiers eine Spur Quecksilber war hngen geblieben, wiederholte ich
denselben Versuch mit den 6,4402 Grm. -- Nach viertelstndigem Kochen
mit Wasser ergab sich ein Verlust von 0,0004 Grm. -- Die noch brigen
6,4398 Grm., 6 Tage lang bei starker Sommerhitze an der Luft stehend,
verloren nur 0,0005 Grm.


  51. $Verhalten des Quecksilbersulfids zu Kalilauge, Schwefelammonium
                         etc.$ (zu . 63. c.).

a. Kocht man reines, frisch geflltes Quecksilbersulfid mit reiner
Kalilauge, so lst sich keine Spur; die abfiltrirte Flssigkeit giebt,
mit Salzsure versetzt, nicht die mindeste Fllung oder Frbung.

b. Kocht man Quecksilbersulfid mit Kalilauge unter Zusatz von etwas
Schwefelwasserstoffwasser, Schwefelammonium oder Schwefel, so erfolgt
vollstndige Lsung.

c. Digerirt man Quecksilbersulfid mit Schwefelammonium (farblosem
oder gelbem), so lst sich nicht das Mindeste, ebensowenig wird es
von Cyankalium aufgenommen. Die abfiltrirten Flssigkeiten gaben bei
Schwefelammonium rein weisse, bei Cyankalium gar keine Trbungen oder
Niederschlge nach Zusatz von Salzsure.

d. Lsst man vllig ausgewaschenes Quecksilbersulfid mit Wasser
befeuchtet an der Luft stehen, so verndert es sich nicht im mindesten,
wenigstens zeigte die Flssigkeit, die durch Auswaschen von 24 Stunden
lang der Luft ausgesetztem feuchten Quecksilbersulfid erhalten. war,
weder saure Reaction, noch Gehalt an Quecksilber oder Schwefelsure.


      52. $Verhalten des Kupferoxyds beim Glhen$ (zu . 64. a.).

Reines Kupferoxyd (aus salpetersaurem Kupferoxyd dargestellt) wurde
in einem Platintiegel geglht, alsdann neben Schwefelsure erkaltet
gewogen. -- Seine Menge betrug 3,5420 Grm. -- Dasselbe wurde nun 5
Minuten lang ber der Berzelius'schen Lampe mglichst stark geglht,
dann wie zuvor gewogen. Seine Menge betrug genau ebensoviel, -- nach
nochmaligem 5 Minuten langen Glhen, hatte es ebenfalls weder ab- noch
zugenommen.


      53. $Verhalten des Kupferoxyds an der Luft$ (zu . 64. a.).

Ein Platintiegel mit 4,3921 Grm. schwach geglhtem Kupferoxyd (aus
salpetersaurem Kupferoxyd bereitet) wurde mit seinem Deckel bedeckt 10
Minuten (im Winter in der warmen Stube) stehen gelassen. Sein Inhalt
betrug jetzt 4,3939 Grm.

Das Kupferoxyd wurde jetzt mglichst heftig ber der Weingeistlampe
geglht. -- Nach 10 Minuten langem Stehen im bedeckten Tiegel hatte es
nicht merklich, -- nach 24 Stunden um 0,0036 Grm. zugenommen.


   54. $Verhalten des Schwefelcadmiums zu Ammon etc.$ (zu . 66. c.).

Reines, frisch geflltes Schwefelcadmium wurde in Wasser vertheilt, und
mit dieser Flssigkeit folgende Versuche gemacht.

a. Ein Theil wurde mit berschssigem Ammon versetzt, kalt digerirt,
dann filtrirt. -- Die Lsung, mit Salzsure versetzt, blieb vollkommen
klar.

b. Ein Theil wurde mit berschssigem Ammon heiss digerirt. Die Lsung
blieb mit Salzsure ebenfalls vollkommen klar.

c. Ein Theil wurde mit Cyankaliumlsung versetzt und nach lngerer
Digestion abfiltrirt. -- Die Lsung blieb, nach Zusatz von Salzsure,
ebenfalls ganz klar.

d. Ein Theil wurde mit Schwefelwasserstoff-Schwefelammonium versetzt,
digerirt und filtrirt. -- Die Lsung trbte sich nach Zusatz von
Salzsure, rein weiss. -- (Diese Versuche stellte ich an im Hinblick auf
eine Bemerkung $Wackenroder$'s im Repertor. der Pharm. von $Buchner$,
46, 226.)


     55. $Bestimmung des Natrons in Salzen mit organischen Suren$
                            (zu . 77. 4.).

1,154 Grm. traubensaures Natron gaben durch heftiges Glhen nach Abzug
von 0,004 Grm. Kohle 0,630 NaO,CO_{2}, entsprechend 0,3698 NaO = 32,05
Proc. (berechnet 32,14 Proc.), d. i. 99,7 statt 100,00.


    56. $Bestimmung des Baryts durch Fllung mit kohlensaurem Ammon$
                           (zu . 79. 2. a.)

0,7553 reines geglhtes Chlorbaryum gaben, nach . 79. 2. a. gefllt,
0,7142 BaO,CO_{2}, enthaltend 0,554719 BaO = 73,44 Proc. (100 Thle.
BaCl htten liefern mssen 73,59), es wurden somit erhalten 99,79 statt
100,00.


  57. $Bestimmung des Baryts in organischen Salzen$ (zu . 79. 2. b.).

0,686 Grm. traubensaurer Baryt [2R, BaO) + 5 aq.] gaben, nach
. 79. 2. b. behandelt, 0,408 kohlensauren Baryt = 0,3168936 BaO = 46,20
Proc. (berechnet 46,38 Proc.), d. i. 99,61 statt 100,00.


        58. $Bestimmung des SrO als SrO, SO_{3}$ (zu . 80. 1.).

a. 1,2398 SrCl gaben, in Wasser gelst, mit SO_{3} im eberschuss
gefllt (der Niederschlag mit Wasser ausgewaschen) 1,4113 SrO,SO_{3} =
0,795408 SrO = 64,15 Proc., berechnet 65,38 Proc., d. i. 98,12 statt
100,00.

b. 1,1510 SrO, CO_{2} gaben, in berschssiger Salzsure gelst, mit
SO_{3} aus ziemlich verdnnter Lsung gefllt (der Niederschlag mit
Wasser ausgewaschen), 1,4024 SrO, SO_{3} = 0,79039 SrO = 68,68 Proc.,
berechnet 70,07 Proc., d. i. 98,02 statt 100,00.


     59. $Bestimmung des Strontians als SrO, SO_{3} mit Correction$
                            (zu . 80. 1.).

Das $Filtrat$ betrug bei dem Nr. 58. b. beschriebenen Versuche 190,840
Grm. Da 11862 Theile schwefelsurehaltiges Wasser nach Nr. 21. 1 Theil
schwefelsauren Strontian lsen, so lsen 190,840 Grm. 0,0161 Grm. -- Das
$Waschwasser$ betrug 63,610 Grm. -- Da nach Nr. 20. 6895 Thle. Wasser 1
Thl. SrO,SO_{3} lsen, so lsen 63,610 Grm. 0,0092 Grm.

Addirt man zu der oben erhaltenen Menge SrO, SO_{3} = 1,4024 die in
Auflsung bergegangenen Antheile 0,0161 und 0,0092, so erhlt man im
Ganzen 1,4277 Grm., entsprechend 0,80465 SrO, d. i. 69,91 Proc. im SrO,
CO_{2} (berechnet 70,07) oder 99,77 statt 100,00.


       60. $Bestimmung des Strontians als kohlensaurer Strontian$
                            (zu . 80. 2.).

1,3104 Chlorstrontium gaben, nach . 80. 2 gefllt, 1,2204 SrO, CO_{2},
enthaltend 0,8551831 SrO = 65,26 Proc. (berechnet 65,38), somit wurden
erhalten 99,82 statt 100,00.


         61. $Bestimmung des CaO als CaO, SO_{3} durch Fllung$
                           (zu . 81. 1. a.).

(Zu den Versuchen Nr. 61. bis 65. wurde chemisch reiner, lufttrockener
kohlensaurer Kalk verwendet, in dessen einem Theil durch sehr
vorsichtiges Erhitzen die Menge des wasserfreien kohlensauren Kalkes
bestimmt worden war. 0,7647 Grm. gaben nmlich 0,7581, nach nochmaligem
hchst gelinden Glhen nderte sich das Gewicht nicht. Hieraus berechnen
sich fr den angewandten lufttrockenen kohlensauren Kalk 55,516 Proc.
Kalk.)

1,1860 Grm. des besagten lufttrockenen CaO, CO_{2} gaben, in Salzsure
gelst und nach . 81. 1. a. mit Schwefelsure unter Zusatz von Alkohol
gefllt, 1,5949 CaO, SO_{3}, enthaltend 0,65598 CaO, d. i. 55,31 Proc.
(berechnet 55,51), somit wurden erhalten 99,64 statt 100,00.


       62. $Bestimmung des CaO als CaO, CO_{2} durch Fllung mit
          kohlensaurem Ammon und Auswaschen mit reinem Wasser$
                           (zu . 81. 2. a.).

1,1437 des in Nr. 61. genannten lufttrockenen CaO, CO_{2} gaben in
Salzsure gelst und wie angegeben gefllt, 1,1243 Grm. wasserfreien
CaO, CO_{2}, enthaltend 0,629608 CaO = 55,05 Proc. (berechnet 55,51),
also wurden erhalten 99,17 statt 100,00.


  63. $Bestimmung des CaO als CaO, CO_{2} durch Fllung mit oxalsaurem
      Ammon aus alkalischer Lsung$ (zu . 81. 2. b. [Greek: a].).

1,1734 des in Nr. 61. genannten lufttrockenen CaO, CO_{2} gaben, in
Salzsure gelst und nach . 81. 2. b. [Greek: a]. behandelt, 1,1632
CaO, CO_{2} (Reaction nicht alkalisch), enthaltend 0,651392 = 55,513
Proc. (berechnet 55,516 Proc.), demnach wurden gefunden 99,99 statt
100,00.


              64. $Bestimmung des CaO als oxalsaurer Kalk$
                     (zu . 81. 2. b. [Greek: a].).

0,8570 des in Nr. 61. genannten lufttrockenen CaO, CO_{2} wurden in
Salzsure gelst, die Lsung mit oxalsaurem Ammon und Ammon gefllt,
der Niederschlag ausgewaschen und bei 100 bis zu constant bleibendem
Gewichte getrocknet. Der Niederschlag (CaO, + aq.) betrug 1,2461
Grm., enthaltend 0,477879 CaO = 55,76 Proc. (berechnet 55,516 Proc.),
demnach wurden gefunden 100,45 statt 100,00.


   65. $Bestimmung des CaO als CaO, CO_{2}, durch Fllung als CaO, O
           aus saurer Lsung$ (zu . 81. 2. b. [Greek: b].).

0,8570 des in Nr. 61. genannten lufttrockenen CaO, CO_{2} gaben, in
Salzsure gelst und nach . 81. 2. b.[Greek: b]. gefllt, 0,8476 CaO,
CO_{2} (nicht alkalisch reagirend, durch Abdampfen mit kohlensaurem
Ammon sein Gewicht nicht im mindesten verndernd), enthaltend 0,474656
CaO = 55,39 Proc. (berechnet 55,51), demnach gefunden 99,78 statt 100,00.


       66. $Bestimmung der MgO als 2 MgO, PO_{5}$ (zu . 82. 2.).

a. 1,0587 reine wasserfreie MgO,SO_{3} gaben, in Wasser gelst und
nach . 82. 2. gefllt, 0,9834 pyrophosphorsaure Magnesia, enthaltend
0,3533944 MgO = 33,38 Proc. (berechnet 33,35), somit wurden gefunden
100,09 statt 100,00.

b. 0,9672 MgO, SO_{3} gaben 0,8974 PO_{5}, 2 MgO, d. i. 33,34 Proc. MgO
(berechnet 33,35), somit gefunden 99,97 statt 100,00.


     67. $Fllung des essigsauren Zinks durch Schwefelwasserstoff$
                            (zu . 85. b.).

a. Eine Lsung von reinem essigsauren Zinkoxyd wurde mit
Schwefelwasserstoffgas im Ueberschuss behandelt. Die nach einigem
Stehen abfiltrirte Lsung blieb, mit Ammon versetzt, anfangs vollkommen
klar; nach langem Stehen hatten sich wenige kaum sichtbare Flocken
abgeschieden.

b. Ebenso verhielt sich eine Lsung von essigsaurem Zink, der vor dem
Fllen mit Schwefelwasserstoff ziemlich viel Essigsure zugesetzt worden
war.


  68. $Bestimmung des Quecksilbers als Metall auf nassem Wege mittelst
                     Zinnchlorrs$ (zu 94. 1. b.).

2,010 Grm. Quecksilberchlorid lieferten 1,465 Grm. Quecksilber, d. i.
statt 73,83 Proc. 72,88 oder statt 100,00 Theilen 98,71 ($Schaffner$).


   69. $Fllung des salpetersauren Wismuths durch kohlensaures Ammon$
                            (zu . 96. a.).

Versetzt man eine Wismuthlsung mit Wasser, dann mit kohlensaurem Ammon
und Ammon, und filtrirt ohne zu erwrmen ab, so frbt sich das Filtrat
beim Zusatz von Schwefelwasserstoffwasser dunkel schwarzbraun, erhitzt
man die trbe Mischung aber vor dem Filtriren eine kurze Zeit bis fast
zum Kochen, so wird das Filtrat durch Schwefelwasserstoff nicht mehr
oder doch nur so wenig gebrunt, dass man die Farbenvernderung beim
Hindurchsehen von oben durch ein ganz mit der Flssigkeit geflltes
Proberhrchen kaum mehr wahrnehmen kann. -- Die Erscheinung bleibt sich
gleich, sowohl, wenn die Wismuthlsung viel, als auch, wenn sie wenig
freie Salpetersure enthlt.


   70. $Bestimmung der Phosphorsure als pyrophosphorsaure Magnesia$
                             (zu . 106.).

Zu den folgenden Versuchen wurde ein vllig reines, ganz lufttrockenes,
krystallisirtes phosphorsaures Natron angewandt. Der Sicherheit wegen
bestimmte ich durch Erhitzen und Glhen seinen Wassergehalt mit grsster
Sorgfalt.

1,3123 Substanz hinterliessen 0,4899 Grm. pyrophosphorsaures Natron. --
Hieraus ergiebt sich in Procenten 62,67 Wasser. Die Formel 2 NaO, HO,
PO5 + 24 aq. erfordert 62,71 Proc.

a. 1,9847 Grm. des lufttrockenen krystallisirten phosphorsauren
Natrons wurden in Wasser gelst und nach . 106. I. b. [Greek: a]. mit
schwefelsaurer Magnesia unter Zusatz von Salmiak und Ammon gefllt. Der
Niederschlag wurde mit ammonhaltigem Wasser vollkommen ausgewaschen.
Er lieferte nach dem Glhen und nach Abzug der Filterasche 0,6336 Grm.
pyrophosphorsaure Magnesia, entsprechend 0,3945328 Phosphorsure.
Hieraus ergiebt sich in dem krystallisirten phosphorsauren Natron ein
Gehalt an Phosphorsure von 19,87 Procent. Die obige Formel verlangt
19,90, -- und corrigirt auf den gefundenen Wassergehalt 19,91.

b. 3,0676 Grm. desselben krystallisirten phosphorsauren Natrons
wurden in Wasser gelst, Salzsure, dann Eisenchlorid und Alaunlsung
zugesetzt, Weinsteinsure zugefgt und endlich Ammon, bis der am Anfang
entstandene Niederschlag wieder vllig gelst war. Nunmehr wurde mit
schwefelsaurer Magnesia gefllt. Der nach 12 Stunden abfiltrirte
Niederschlag wurde mit ammonhaltigem Wasser so vollstndig ausgewaschen,
dass ein Tropfen des zuletzt ablaufenden auf Platinblech nicht den
mindesten Rckstand mehr liess. -- Ich fhre dies absichtlich an, weil
es mir trotzdem nicht gelang, den Niederschlag so weiss zu erhalten,
als er eigentlich htte sein mssen. Auch zuletzt zeigte er noch einen
schwachen Stich ins Gelbe. Beim Glhen wurde er in der ganzen Masse ein
wenig schwrzlich. Er wog nach Abzug von 0,0026 Grm. Filterasche 0,9786
Grm., entsprechend 0,6181 Phosphorsure = 20,14 Proc., berechnet 19,91.
-- Die 0,23 Proc., welche ich zu viel erhielt, verdankten ihren Ursprung
einer Spur Kohle, sowie einer kleinen Menge Eisenoxyd; erstere schied
sich beim Auflsen des Rckstandes in Salzsure ab, letzteres gab sich
in der Lsung durch Schwefelcyankalium deutlich zu erkennen. --


      71. $Trennung der Magnesia von Natron$ (zu . 121. B. 4. a.
                             [Greek: a].).

1,1864 Grm. reines geglhtes Chlornatrium und 1,4252 Grm. reine
wasserfreie schwefelsaure Magnesia wurden in Wasser gelst, auf 100
erhitzt und mit Barytwasser im Ueberschuss versetzt. Die von dem
entstandenen Niederschlagt abfiltrirte und durch kohlensaures Ammon vom
berschssigen Baryt befreite Flssigkeit lieferte, mit Schwefelsure
abgedampft, 1,4371 Grm. neutrales schwefelsaures Natron, enthaltend
0,4694 Natrium. -- Der durch Barytwasser erhaltene, ausgewaschene
Niederschlag wurde mit verdnnter Salzsure erwrmt, die Lsung von
dem ungelst gebliebenen BaO, SO_{3} abfiltrirt und unter Zusatz von
Schwefelsure (durch welche ein mssiger Niederschlag von schwefelsaurem
Baryt entstand) eingedampft. Der gelinde geglhte Rckstand wog 1,4308
Grm. Derselbe wurde mit Wasser behandelt, der ungelst bleibende BaO,
SO_{3} abfiltrirt und bestimmt, er wog 0,0889 Grm. Es bleiben somit fr
MgO,SO_{3} 1,4308 Grm. = 0,48668 MgO.

Zusammenstellung in 100 Theilen der Mischung:

                          gefunden   berechnet

                      Na    17,84      17,86
                      MgO   18,63      18,56

So gut diese Zahlen stimmen, so wrde doch die Analyse noch besser
gewesen sein, wenn der Gehalt an MgO etwas zu gering und der des Na
etwas zu hoch gefunden worden wre. So musste ich schliessen, dass ich
den durch Barytwasser entstandenen Niederschlag nicht ganz vollstndig
ausgewaschen hatte, und in der That konnte ich auch in der erhaltenen
schwefelsauren Magnesia die Gegenwart einer Spur Natron mit Sicherheit
darthun.


            72. $Chlorimetrische Versuche zu$ . 189 u. ff.

10 Grm. Chlorkalk wurden mit Wasser zu 1 Liter abgerieben. Die so
erhaltene Flssigkeit diente zu folgenden Versuchen:

a) Zur Prfung nach der $Gay-Lussac$'schen Methode (. 191). Erhalten
23,42-23,52%.

b) Zur Prfung nach der $Penot$'schen Methode (. 192). Erhalten
23,5-23,5%.

c) Zur Prfung mittelst Eisens (. 193, Modification a). Erhalten 23,6%.

d) Zur Prfung nach der $Bunsen$'schen Methode (. 194). Erhalten
23,6-23,6%.

Ich habe diese Versuche deshalb angefhrt, weil man daraus ersehen mag,
dass bei Anwendung verdnnter Chlorkalklsung (1 : 100) bessere Resultate
erhalten werden, als mit concentrirteren Lsungen.

                   *       *       *       *       *


              II. $Tabellen zur Berechnung der Analysen.$

                              $Tabelle$ 1.

       $Aequivalente der im Buche vorkommenden Grundstoffe$[168].

                       O = 100.    H = 1.

  Aluminium_{a)}   Al   170,42       13,63  (Berzelius).
  Antimon          Sb  1612,90      129,00  (    "    ).
  Arsenik_{b)}     As   937,50       75,00  (Pelouze, Berzelius).
  Baryum_{c)}      Ba   857,32       68,59  (Marignac).
  Blei             Pb  1294,65      103,57  (Berzelius).
  Boron_{d)}       B    138,05       11,04  (    "    ).
  Brom             Br   999,62       79,97  (Marignac[169]).
  Cadmium          Cd   696,77       55,74  (Stromeyer).
  Calcium          Ca   250,00       20,00  (Dumas, -- Erdmann und
                                                              Marchand).
  Chlor            Cl   443,28       35,46  (Marignac[169]).
  Chrom_{e)}       Cr   334,70       26,78  (Moberg. -- Wildenstein).
  Eisen            Fe   350,00       28,00  (Erdmann u. Marchand).
  Fluor            Fl   237,50       19,00  (Louyet).
  Gold             Au  2458,33      196,67  (Berzelius).
  Jod              J   1586,00      126,88  (Marignac [170]).
  Kalium           K    488,86       39,11  (    "    [170]).
  Kobalt_{f)}      Co   368,65       29,49  (Rothoff).
  Kohlenstoff      C     75,00        6,00  (Dumas, -- Erdmann u.
                                                              Marchand).
  Kupfer           Cu   396,00       31,68  (Erdmann u. Marchand).
  Lithium_{g)}     Li    83,01        6,64  (Berzelius).
  Magnesium        Mg   150,19       12,00  (Marchand u. Scheerer).
  Mangan           Mn   344,68       27,57  (Berzelius).
  Natrium_{h)}     Na   287,44       23,00  (Pelouze).
  Nickel_{i)}      Ni   369,33       29,55  (Rothoff).
  Palladium        Pd   665,48       53,24  (Berzelius).
  Phosphor         P    392,04       31,36  (    "    ).
  Platin           Pt  1236,75       98,94  (Andrews).
  Quecksilber      Hg  1250,60      100,05  (Erdmann u. Marchand).
  Sauerstoff       O    100,00        8,00
  Schwefel         S    200,00       16,00  (Erdmann u. Marchand).
  Silber           Ag  1349,66      107,97  (Marignac [170]).
  Silicium         Si   185,18[171]  14,81  (Berzelius).
  Stickstoff       N    175,06       14,00  (Marignac [170]).
  Strontium_{k)}   Sr   545,93       43,67  (Stromeyer).
  Wasserstoff      H     12,50        1,00  (Dumas).
  Wismuth          Bi  2599,95      208,00  (Schneider).
  Zink             Zn   406,59       32,53  (Axel Erdmann).
  Zinn             Sn   735,30       58,82  (Berzelius).

  [168] Ich gebe in dieser Uebersicht die Aequivalentzahlen, wie sie die
        besten lteren und neueren Untersuchungen unmittelbar ergeben
        haben. -- Die Aequivalente einer nicht geringen Zahl von Krpern
        weichen von den frher angenommenen ab, obgleich darber keine
        neuen Untersuchungen gemacht wurden. Es rhrt dies daher,
        dass sie aus anderen Aequivalenten abgeleitet sind, welche
        inzwischen eine Berichtigung erfahren haben. -- Die Natur der
        Sache erheischte es, dass die ursprnglichen Versuche mit
        Zugrundelegung der berichtigten Aequivalente umgerechnet werden
        mussten. Ich habe dies gethan und fge der Tabelle das zur
        Erluterung Dienende anhangsweise bei. Die kleinen Buchstaben
        neben den Namen der betreffenden Elemente weisen auf die
        Erluterungen hin. -- Die Namen hinter den Zahlen bezeichnen die
        Chemiker, von welchen die analytischen Resultate herrhren.

  [169] Nach $Berzelius$' Revision.

  [170] Nach $Berzelius$' Revision.

  [171] 185,18 ist 2/3 der $Berzelius$'schen Zahl 277,778, weil ich die
        Kieselsure als SiO_{2} betrachtet habe.


               $Erluterungen zu der Aequivalententafel.$

                    a) $Aequivalent des Aluminiums.$

100 Thle. wasserfreier schwefelsaurer Thonerde hinterliessen nach
Verjagung der Sure im heftigen Feuer 29,934 Thle. Thonerde. 100 Thle.
Schwefelsure werden folglich von 42,7227 Thln. Thonerde gesttigt
($Berzelius$).

                     100 : 42,7227  =  1500 (3 Aeq. SO_{3}) : x
          x (Aeq. der Al_{2}O_{3})  =  640,8405.
                    640,8405 - 300  =  340,8405 (2 Al.)
                    340,8405/2      =  170,42


                     b) $Aequivalent des Arseniks.$

1) Die in die Tabelle aufgenommene Zahl 937,5 ist dieselbe, welche
$Pelouze$ durch Fllung des Arsenchlorrs mit Silberlsung erhielt
(Compt. rend. XX, p. 1047). Es liegen derselben aber die von $Marignac$
festgestellten Aequivalente des Silbers (1349,01) und Chlors (443,2)
zu Grunde. Setzt man an deren Stelle die von $Berzelius$ corrigirten,
welche wir in der Tabelle haben (1349,66 und 443,28), so ndert sich
natrlich auch die $Pelouze$'sche Zahl, und zwar erhht sie sich auf
938,348.

2) 2,203 Grm. arsenige Sure lieferten, mit Schwefel erhitzt, 1,069 Grm.
SO_{2}, welche enthalten 0,5345 O ($Berzelius$). -- 2,203 Grm. AsO_{3}
bestehen somit aus 0,5345 O und 1,6685 As.

                        5345 : 16685  =  300 : x
                                   x  =  936,48.

Das Mittel beider Zahlen ist 937,4, statt welcher ich, um nicht
unnthigerweise abzuweichen, 937,5 gesetzt habe.


                     c) $Aequivalent des Baryums.$

$Marignac$ fand, dass 96,365 Chlorbaryum durch 100 Silber ausgefllt
werden.

                      100 : 96,365  =  1349,66 : x
                                 x  =  1300,5998.
                         1300,5998  -  443,28 = 857,32.


                      d) $Aequivalent des Borons.$

100 Borax liefern 47,10 Wasser ($Berzelius$).

                        47,1 : 100  =  1125 : x
                                 x  =  2388,53.

Davon ab die Summe von 1 Aeq. NaO (387,44) + 10HO (1125,0) + 60 (600) =
2112,44 bleibt 276,09. 276,09/2 = 138,05.


                      e) $Aequivalent des Chroms.$

$Moberg$[172] erhielt im Mittel seiner Bestimmungen des
Chromquivalentes 334,769.

$Wildenstein$[173] erhielt durch Zerlegung des Chlorbaryums mit
neutralem chromsauren Kali, im Mittel von 32 Versuchen, das Resultat,
dass 100 chromsaurer Baryt 81,70 Chlorbaryum entsprechen.

                       81,7 : 100  =  1300,60 : x
                                x  =  1591,92.
       1591,92 - 1257,32 (d. i. die Summe von BaO + 3O) = 334,60.

Diese beiden Aequivalentbestimmungen kommen also ausserordentlich gut
berein. Die von mir angenommene Zahl 334,7 ist das Mittel beider.

  [172] Journ. f. prakt. Chem. 43. 119.

  [173] Journ. f. prakt. Chem. 59. 27.


                     f) $Aequivalent des Kobalts.$

269,2 Kobaltoxydul in neutrales Chlorr verwandelt und mit
salpetersaurem Silberoxyd gefllt, gaben 1029,9 Chlorsilber ($Rothoff$).

              1029,9 : 269,2  =  1792,94 (1 Aeq. AgCl) : x
                           x  =  468,65.
                468,65 - 100  =  368,65.


                     g) $Aequivalent des Lithiums.$

1,874 schwefelsaures Lithion lieferten 3,9985 schwefelsauren Baryt
($Berzelius$).

                     3,9985 : 1,874  =  1457,32 : x
                                  x  =  683,01.
          683,01 - 600 (SO_{3} + O)  =  83,01.


                     h) $Aequivalent des Natriums.$

730,37 Chlornatrium werden gefllt durch 1349,01 Silber ($Pelouze$).

   1349,01 : 730,37  =  1349,66 (d. i. das corrigirte Aequivalent des
                                 Silbers) : x
                  x  =  730,72.
    730,72 - 443,28  =  287,44.


                     i) $Aequivalent des Nickels.$

188 Thle. NiO in neutrales Chlorr verwandelt, gaben 718,2 AgCl
($Rothoff$).

              718,2 : 188  =  1792,94 (Aeq. des AgCl) : x
                        x  =  469,33.
             469,33 - 100  =  369,33.


                    k) $Aequivalent des Strontiums.$

100 SrCl lieferten 181,25 AgCl ($Stromeyer$).

                      181,25 : 100  =  1792,94 : x
                                 x  =  989,21.
                   989,21 - 443,28  =  545,93.


                              $Tabelle$ 2.

           $Zusammensetzung der Basen und Sauerstoffsuren.$

                              a. $Basen.$

  Gruppe:

      I:  Kali              K              488,86   39,11   83,02
                            O              100,00    8,00   16,98
                            -------------------------------------
                            KO             588,86   47,11  100,00

          Natron            Na             287,44   23,00   74,19
                            O              100,00    8,00   25,81
                            -------------------------------------
                            NaO            387,44   31,00  100,00

          Lithion           Li              83,01    6,64   45,36
                            O              100,00    8,00   54,64
                            -------------------------------------
                            LiO            183,01   14,64  100,00

          Ammoniumoxyd      NH_{4}         225,06   18,00   69,23
                            O              100,00    8,00   30,77
                            -------------------------------------
                            NH_{4}O        325,06   26,00  100,00

     II:  Baryt             Ba             857,32   68,59   89,55
                            O              100,00    8,00   10,45
                            -------------------------------------
                            BaO            957,32   76,59  100,00

          Strontian         Sr             545,93   43,67   84,52
                            O              100,00    8,00   15,48
                            -------------------------------------
                            SrO            645,93   51,67  100,00

          Kalk              Ca             250,00   20,00   71,43
                            O              100,00    8,00   28,57
                            -------------------------------------
                            CaO            350,00   28,00  100,00

          Magnesia          Mg             150,19   12,00   60,03
                            O              100,00    8,00   39,97
                            -------------------------------------
                            MgO            250,19   20,00  100,00

    III.  Thonerde          Al_{2}         340,84   27,26   53,19
                            O_{3}          300,00   24,00   46,81
                            -------------------------------------
                            Al_{2}O_{3}    640,84   51,26  100,00

          Chromoxyd         Cr_{2}         669,40   53,56   69,05
                            O_{3}          300,00   24,00   30,95
                            -------------------------------------
                            Cr_{2}O_{3}    969,40   77,56  100,00

     IV.  Zinkoxyd          Zn             406,59   32,53   80,26
                            O              100,00    8,00   19,74
                            -------------------------------------
                            ZnO            506,59   40,53  100,00

          Manganoxydul      Mn             344,68   27,57   77,51
                            O              100,00    8,00   22,49
                            -------------------------------------
                            MnO            444,68   35,57  100,00

          Manganoxyd        Mn_{2}         689,36   55,14   69,67
                            O_{3}          300,00   24,00   30,33
                            -------------------------------------
                            Mn_{2}O_{3}    989,36   79,14  100,00

          Nickeloxydul      Ni             369,33   29,55   78,69
                            O              100,00    8,00   21,31
                            -------------------------------------
                            NiO            469,33   37,55  100,00

          Kobaltoxydul      Co             368,65   29,49   78,66
                            O              100,00    8,00   21,34
                            -------------------------------------
                            CoO            468,65   37,49  100,00

          Kobaltoxyd        Co_{2}         737,30   58,98   71,08
                            O_{3}          300,00   24,00   28,92
                            -------------------------------------
                            Co_{2}2O_{3}  1037,30   82,98  100,00

          Eisenoxydul       Fe             350,00   28,00   77,78
                            O              100,00    8,00   22,22
                            -------------------------------------
                            FeO            450,00   36,00  100,00

          Eisenoxyd         Fe_{2}         700,00   56,00   70,00
                            O_{3}          300,00   24,00   30,00
                            -------------------------------------
                            Fe_{2}O_{3}   1000,00   80,00  100,00

      V.  Silberoxyd        Ag            1349,66  107,97   93,10
                            O              100,00    8,00    6,90
                            -------------------------------------
                            AgO           1449,66  115,97  100,00

          Bleioxyd          Pb            1294,65  103,57   92,83
                            O              100,00    8,00    7,17
                            -------------------------------------
                            PbO           1394,65  111,57  100,00

          Quecksilberoxydul Hg_{2}        2501,20  200,10   96,16
                            O              100,00    8,00    3,84
                            -------------------------------------
                            Hg_{2}O       2601,20  208,10  100,00

          Quecksilberoxyd   Hg            1250,60  100,05   92,59
                            O              100,00    8,00    7,41
                            -------------------------------------
                            HgO           1350,60  108,05  100,00

          Kupferoxydul      Cu_{2}         792,00   63,36   88,79
                            O              100,00    8,00   11,21
                            -------------------------------------
                            Cu_2O          892,00   71,36  100,00

          Kupferoxyd        Cu             396,00   31,68   79,84
                            O              100,00    8,00   20,16
                            -------------------------------------
                            CuO            496,00   39,68  100,00

          Wismuthoxyd       Bi            2599,95  208,00   89,655
                            O_{3}          300,00   24,00   10,345
                            --------------------------------------
                            BiO_{3}       2899,95  232,00  100,000

          Cadmiumoxyd       Cd             696,77   55,74   87,45
                            O              100,00    8,00   12,55
                            -------------------------------------
                            CdO            796,77   63,74  100,00

     VI.  Goldoxyd          Au            2458,33  196,67   89,12
                            O_{3}          300,00   24,00   10,88
                            -------------------------------------
                            AuO_{3}       2758,33  220,67  100,00

          Platinoxyd        Pt            1236,75   98,94   86,08
                            O_{2}          200,00   16,00   13,92
                            -------------------------------------
                            Pt_{2}        1436,75  114,94  100,00

          Antimonoxyd       Sb            1612,90  129,00   84,32
                            O_{3}          300,00   24,00   15,68
                            -------------------------------------
                            SbO_{3}       1912,90  153,00  100,00

          Zinnoxydul        Sn             735,30   58,82   88,02
                            O              100,00    8,00   11,98
                            -------------------------------------
                            SnO            835,30   66,82  100,00

          Zinnoxyd          Sn             735,30   58,82   78,62
                            O_{2}          200,00   16,00   21,38
                            -------------------------------------
                            SnO_{2}        935,30   74,82  100,00

          Arsenige Sure    As             937,50   75,00   75,76
                            O_{3}          300,00   24,00   24,24
                            -------------------------------------
                            AsO_{3}       1237,50   99,00  100,00

          Arsensure        As             937,50   75,00   65,22
                            O_{5}          500,00   40,00   34,78
                            -------------------------------------
                            AsO_{5}       1437,50  115,00  100,00


                              b. $Suren.$

          Chromsure        Cr             334,70   26,78   52,74
                            O_{3}          300,00   24,00   47,26
                            -------------------------------------
                            CrO_{3}        634,70   50,78  100,00

          Schwefelsure     S              200,00   16,00   40,00
                            O_{3}          300,00   24,00   60,00
                            -------------------------------------
                            SO_{3}         500,00   40,00  100,00

          Phosphorsure     P              392,04   31,36   43,95
                            O_{5}          500,00   40,00   56,05
                            -------------------------------------
                            PO_{5}         892,04   71,36  100,00

          Borsure          B              138,05   11,04   31,51
                            O_{3}          300,00   24,00   68,49
                            -------------------------------------
                            BO_{3}         438,05   35,04  100,00

          Oxalsure         C_{2}          150,00   12,00   33,33
                            O_{3}          300,00   24,00   66,67
                            -------------------------------------
                            C_{2}O_{3}     450,00   36,00  100,00

          Kohlensure.      C               75,00    6,00   27,27
                            O_{2}          200,00   16,00   72,73
                            -------------------------------------
                            CO_{2}         275,00   22,00  100,00

          Kieselsure       Si             185,18   14,81   48,08
                            O_{2}          200,00   16,00   51,92
                            -------------------------------------
                            SiO_{2}        385,18   30,81  100,00

          Salpetersure     N              175,06   14,00   25,93
                            O_{5}          500,00   40,00   74,07
                            -------------------------------------
                            NO_{5}         675,06   54,00  100,00

          Chlorsure        Cl             443,28   35,46   46,99
                            O_{5}          500,00   40,00   53,01
                            -------------------------------------
                            ClO_{5}        943,28   75,46  100,00


                              $Tabelle$ 3.

   $Reduction von gefundenen Verbindungen auf gesuchte Bestandtheile
             durch einfache Multiplication oder Division.$

    (Diese Tabelle umfasst nur einige der am hufigsten vorkommenden
  Verbindungen, -- Die mit! versehenen Angaben liefern absolut genaue
                              Resultate.)

                      _Zur unorganischen Analyse._

                                $Blei.$

  Bleioxyd  0,92830 = Blei.

                                $Chlor.$

  Chlorsilber  0,24724 = Chlor.

                                $Eisen.$

  !Eisenoxyd  0,7 = 2 Eisen.
  !Eisenoxyd  0,9 = 2 Eisenoxydul.

                                $Kali.$

  Chlorkalium  0,52445 = Kalium.
  Schwefelsaures Kali  0,54080 = Kali.
  Kaliumplatinchlorid  0,30507}
       oder                    } = Chlorkalium.
  Kaliumplatinchlorid/3,278    }

  Kaliumplatinchlorid  0,19272}
       oder                    } = Kali.
  Kaliumplatinchlorid/5,188    }

                             $Kohlensure.$

  !Kohlensaurer Kalk  0,44 = Kohlensure.

                               $Kupfer.$

  Kupferoxyd  0,79839 = Kupfer.

                              $Magnesia.$

  Pyrophosphorsaure Magnesia X 0,35936 = 2 Magnesia.

                               $Mangan.$

  Manganoxyduloxyd  0,72107 = 3 Mangan.
  Manganoxyduloxyd  0,9303  = 3 Manganoxydul.

                               $Natron.$

  Chlornatrium  0,5302 = Natron.
  Schwefelsaures Natron  0,43658 = Natron.

                            $Phosphorsure.$

  Pyrophosphorsaure Magnesia  0,6406 = Phosphorsure.

                              $Schwefel.$

  Schwefelsaurer Baryt  0,13724 = Schwefel.

                            $Schwefelsure.$

  Schwefelsaurer Baryt  0,34309 -- Schwefelsure.

                       _Zur organischen Analyse._

                             $Kohlenstoff.$

  Kohlensure  0,2727}
     oder             }
  Kohlensure/3,666   } = Kohlenstoff
     oder             }
  !Kohlensure  3/11 }

                             $Wasserstoff.$

  Wasser  0,11111 }
      oder         } = Wasserstoff.
  !Wasser/9        }

                             $Stickstoff.$

  Platinsalmiak  0,06271 = Stickstoff.
  Platin  0,1415 = Stickstoff.


                              $Tabelle$ 4

   Dieselbe giebt die Menge des gesuchten Bestandtheils fr jede Zahl
                     der gefundenen Verbindung an.

  ========================================================================
  |$Elemente.$|        $Gefunden.$        |  $Gesucht.$  |   1.  |   2.  |
  |-----------+---------------------------+--------------+-------+-------+
  | Aluminium |         Thonerde          |  Aluminium   |0,53186|1,06373|
  |           |        Al_{2}O_{3}        |    Al_{2}    |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |(Ammonium) |       Chlorammonium       |  Ammoniak    |0,31804|0,63608|
  |           |          NH_{4}Cl         |   NH_{3}     |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |   Ammoniumplatinchlorid   | Ammoniumoxyd |0,11644|0,23288|
  |           |    NH_{4}Cl, PtCl_{2}     |   NH_{4}O    |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |   Ammoniumplatinchlorid   |   Ammoniak   |0,07614|0,15228|
  |           |    NH_{4}Cl, PtCl_{2}     |    NH_{3}    |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |  Antimon  |        Antimonoxyd        |    Antimon   |0,84317|1,68634|
  |           |          SbO_{3}          |      Sb      |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |          Antimon          |  Antimonoxyd |1,18600|2,37200|
  |           |            Sb             |    SbO_{3}   |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |      Antimonsulfr        |  Antimonoxyd |0,86443|1,72886|
  |           |         SbS_{3}           |    SbO_{3}   |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |    Antimonige Sure       |  Antimonoxyd |0,95032|1,90064|
  |           |         SbO_{4}           |    SbO_{3}   |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |  Arsenik  |     Arsenige Sure        |     Arsen    |0,75758|1,51516|
  |           |         AsO_{3}           |      As      |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |       Arsensure          |     Arsen    |0,65217|1,30435|
  |           |         AsO_{5}           |      As      |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |       Arsensure          |Arsenige Sure|0,86087|1,72174|
  |           |         AsO_{5}           |    AsO_{3}   |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |      Arsensulfr          |Arsenige Sure|0,80488|1,60975|
  |           |         AsS_{3}           |    AsO_{3}   |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |      Arsensulfr          |  Arsensure  |0,93496|1,86992|
  |           |         AsS_{3}           |    AsO_{5}   |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |  Baryum   |         Baryt             |    Baryum    |0,89554|1,79108|
  |           |          BaO              |      Ba      |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |   Schwefelsaurer Baryt    |    Baryt     |0,65690|1,31380|
  |           |       BaO, SO_{3}         |     BaO      |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |    Kohlensaurer Baryt     |    Baryt     |0,77684|1,55369|
  |           |       BaO, CO_{2}         |     BaO      |       |       |

  ========================================================================
  |    3.   |    4.   |    5.   |    6.   |    7.   |    8.   |     9.   |
  +---------+---------+---------+---------+---------+---------+----------|
  | 1,59559 | 2,12746 | 2,65932 | 3,19118 | 3,72305 | 4,25491 |  4,78678 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 0,95413 | 1,27217 | 1,59021 | 1,90825 | 2,22629 | 2,54433 |  2,86237 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 0,34932 | 0,46576 | 0,58220 | 0,69864 | 0,81508 | 0,93152 |  1,04796 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 0,22842 | 0,30456 | 0,38070 | 0,45684 | 0,53299 | 0,60913 |  0,68527 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 2,52951 | 3,37268 | 4,21585 | 5,05902 | 5,90219 | 6,74536 |  7,58853 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 3,55800 | 4,74400 | 5,93000 | 7,11600 | 8,30200 | 9,48800 | 10,67400 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 2,59329 | 3,45772 | 4,32215 | 5,18659 | 6,05102 | 6,91545 |  7,77988 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 2,85096 | 3,80128 | 4,75160 | 5,70192 | 6,65224 | 7,60256 |  8,55288 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 2,27274 | 3,03032 | 3,78790 | 4,54548 | 5,30306 | 6,06064 |  6,81822 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 1,95652 | 2,60870 | 3,26087 | 3,91304 | 4,56522 | 5,21739 |  5,86957 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 2,58261 | 3,44348 | 4,30435 | 5,16521 | 6,02608 | 6,88695 |  7,74782 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 2,41463 | 3,21951 | 4,02439 | 4,82927 | 5,63415 | 6,43902 |  7,24390 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 2,80488 | 3,73984 | 4,67480 | 5,60975 | 6,54471 | 7,47967 |  8,41463 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 2,68662 | 3,58216 | 4,47770 | 5,37325 | 6,26879 | 7,16433 |  8,05987 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 1,97070 | 2,62760 | 3,28450 | 3,94140 | 4,59830 | 5,25520 |  5,91210 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 2,33053 | 3,10737 | 3,88421 | 4,66106 | 5,43790 | 6,21474 |  6,99158 |

  ========================================================================
  |$Elemente.$|        $Gefunden.$        |  $Gesucht.$  |   1.  |   2.  |
  |-----------+---------------------------+--------------+-------+-------+
  |  Baryum   |    Kieselfluorbaryum      |    Baryt     |0,54548|1,09096|
  |           |      BaFl, SiFl_{2}       |     BaO      |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |   Blei    |        Bleioxyd           |     Blei     |0,92830|1,85660|
  |           |           PbO             |      Pb      |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |  Schwefelsaures Bleioxyd  |   Bleioxyd   |0,73609|1,47219|
  |           |       PbO, SO_{3}         |     PbO      |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |        Chlorblei          |   Bleioxyd   |0,80248|1,60495|
  |           |           PbCl            |     PbO      |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |        Chlorblei          |     Blei     |0,74494|1,48987|
  |           |           PbCl            |      Pb      |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |      Schwefelblei         |   Bleioxyd   |0,93309|1,86619|
  |           |           PbS             |     PbO      |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |   Boron   |        Borsure           |     Bor      |0,31515|0,63029|
  |           |          BO_{3}           |      B       |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |   Brom    |       Bromsilber          |     Brom     |0,42550|0,85100|
  |           |           AgBr            |      Br      |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |  Cadmium  |       Cadmiumoxyd         |    Cadmium   |0,87449|1,74898|
  |           |           CdO             |      Cd      |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |  Calcium  |           Kalk            |    Calcium   |0,71429|1,42857|
  |           |           CaO             |      Ca      |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |   Schwefelsaurer Kalk     |     Kalk     |0,41176|0,82353|
  |           |       CaO, SO_{3}         |     CaO      |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |    Kohlensaurer Kalk      |     Kalk     |0,56000|1,12000|
  |           |       CaO, CO_{2}         |     CaO      |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |   Chlor   |      Chlorsilber          |     Chlor    |0,24724|0,49448|
  |           |          AgCl             |      Cl      |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |      Chlorsilber          |   Salzsure  |0,25421|0,50842|
  |           |          AgCl             |      ClH     |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |   Chrom   |       Chromoxyd           |     Chrom    |0,69053|1,38106|
  |           |      Cr_{2}O_{3}          |     Cr_{2}   |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |       Chromoxyd           |  Chromsure  |1,30947|2,61894|
  |           |      Cr_{2}O_{3}          |    2CrO_{3}  |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |   Chromsaures Bleioxyd    |  Chromsure  |0,31276|0,62552|
  |           |      PbO, CrO_{3}         |    CrO_{3}   |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |   Eisen   |       Eisenoxyd           |    Eisen     |0,70000|1,40000|
  |           |      Fe_{2}O_{3}          |    Fe_{2}    |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |       Eisenoxyd           |  Eisenoxydul |0,90000|1,80000|
  |           |      Fe_{2}O_{3}          |     2FeO     |       |       |

  ========================================================================
  |    3.   |    4.   |    5.   |    6.   |    7.   |    8.   |     9.   |
  +---------+---------+---------+---------+---------+---------+----------|
  | 1,63644 | 2,18192 | 2,72740 | 3,27288 | 3,81836 | 4,36384 |  4,90932 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 2,78490 | 3,71320 | 4,64150 | 5,56980 | 6,49810 | 7,42640 |  8,35470 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 2,20829 | 2,94438 | 3,68048 | 4,41658 | 5,15268 | 5,88878 |  6,62487 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 2,40743 | 3,20990 | 4,01238 | 4,81486 | 5,61734 | 6,41982 |  7,22229 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 2,23480 | 2,97974 | 3,72468 | 4,46962 | 5,21455 | 5,95949 |  6,70442 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 2,79928 | 3,73238 | 4,66547 | 5,59856 | 6,53166 | 7,46475 |  8,39785 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 0,94544 | 1,26058 | 1,57573 | 1,89088 | 2,20602 | 2,52117 |  2,83631 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 1,27650 | 1,70200 | 2,12750 | 2,55300 | 2,97850 | 3,40400 |  3,82950 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 2,62347 | 3,49796 | 4,37245 | 5,24694 | 6,12143 | 6,99592 |  7,87041 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 2,14286 | 2,85714 | 3,57143 | 4,28571 | 5,00000 | 5,71429 |  6,42857 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 1,23529 | 1,64706 | 2,05882 | 2,47059 | 2,88235 | 3,29412 |  3,70588 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 1,68000 | 2,24000 | 2,80000 | 3,36000 | 3,92000 | 4,48000 |  5,04000 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 0,74172 | 0,98896 | 1,23620 | 1,48344 | 1,73068 | 1,97792 |  2,22516 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 0,76263 | 1,01684 | 1,27105 | 1,52526 | 1,77947 | 2,03368 |  2,28789 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 2,07159 | 2,76212 | 3,45265 | 4,14318 | 4,83371 | 5,52424 |  6,21477 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 3,92841 | 5,23788 | 6,54735 | 7,85681 | 9,16628 | 0,47575 | 11,78522 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 0,93828 | 1,25104 | 1,56380 | 1,87657 | 2,18933 | 2,50209 |  2,81485 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 2,10000 | 2,80000 | 3,50000 | 4,20000 | 4,90000 | 5,60000 |  6,30000 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 2,70000 | 3,60000 | 4,50000 | 5,40000 | 6,30000 | 7,20000 |  8,10000 |

  ========================================================================
  |$Elemente.$|        $Gefunden.$        |  $Gesucht.$  |   1.  |   2.  |
  |-----------+---------------------------+--------------+-------+-------+
  |   Fluor   |     Fluorcalcium          |    Fluor     |0,48718|0,97436|
  |           |         CaFl              |     Fl       |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |     Kieselfluor           |    Fluor     |0,71950|1,43900|
  |           |      SiFl_{2}             |     2Fl      |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |    Jod    |      Jodsilber            |     Jod      |0,54025|1,08050|
  |           |         AgJ               |      J       |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |    Palladiumjodr         |     Jod      |0,70443|1,40886|
  |           |         PdJ               |      J       |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |  Kalium   |         Kali              |    Kalium    |0,83018|1,66036|
  |           |          KO               |      K       |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |   Schwefelsaures Kali     |     Kali     |0,54080|1,08161|
  |           |       KO, SO_{3}          |      KO      |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |   Salpetersaures Kali     |     Kali     |0,46590|0,93179|
  |           |       KO, NO_{5}          |      KO      |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |      Chlorkalium          |    Kalium    |0,52445|1,04890|
  |           |          KCl              |      K       |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |      Chlorkalium          |     Kali     |0,63173|1,26346|
  |           |          KCl              |      KO      |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |   Kaliumplatinchlorid     |     Kali     |0,19272|0,38545|
  |           |      KCl, PtCl_{2}        |      KO      |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |   Kaliumplatinchlorid     |  Chlorkalium |0,30507|0,61015|
  |           |      KCl, PtCl_{2}        |     KCl      |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |  Kobalt   |         Kobalt            | Kobaltoxydul |1,27126|2,54252|
  |           |           Co              |     CoO      |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |Kohlenstoff|       Kohlensure         |  Kohlenstoff |0,27273|0,54546|
  |           |         CO_{2}            |      C       |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |    Kohlensaurer Kalk      |  Kohlensure |0,44000|0,88000|
  |           |       CaO, CO_{2}         |    CO_{2}    |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |   Kupfer  |      Kupferoxyd           |    Kupfer    |0,79839|1,59677|
  |           |          CuO              |      Cu      |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  | Magnesium |       Magnesia            |   Magnesium  |0,60030|1,20061|
  |           |          MgO              |      Mg      |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |  Schwefelsaure Magnesia   |   Magnesia   |0,33350|0,66700|
  |           |       MgO, SO_{3}         |     MgO      |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |  Pyrophosphrs. Magnesia   |   Magnesia   |0,35936|0,71872|
  |           |       PO_{5}, 2MgO        |     2MgO     |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |  Mangan   |      Manganoxydul         |    Mangan    |0,77512|1,55024|
  |           |          MnO              |      Mn      |       |       |

  ========================================================================
  |    3.   |    4.   |    5.   |    6.   |    7.   |    8.   |     9.   |
  +---------+---------+---------+---------+---------+---------+----------|
  | 1,46154 | 1,94872 | 2,43590 | 2,92307 | 3,41027 | 3,89743 |  4,38461 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 2,15850 | 2,87800 | 3,59750 | 4,31700 | 5,03650 | 5,75600 |  6,47550 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 1,62075 | 2,16100 | 2,70125 | 3,24150 | 3,78175 | 4,32200 |  4,86225 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 2,11329 | 2,81772 | 3,52215 | 4,22658 | 4,93101 | 5,63544 |  6,33987 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 2,49054 | 3,32072 | 4,15090 | 4,98108 | 5,81126 | 6,64144 |  7,47162 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 1,62241 | 2,16321 | 2,70402 | 3,24482 | 3,78563 | 4,32643 |  4,86723 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 1,39769 | 1,86359 | 2,32949 | 2,79539 | 3,26129 | 3,72719 |  4,19309 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 1,57335 | 2,09780 | 2,62225 | 3,14669 | 3,67114 | 4,19559 |  4,72004 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 1,89519 | 2,52692 | 3,15865 | 3,79037 | 4,42210 | 5,05383 |  5,68556 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 0,57817 | 0,77090 | 0,96362 | 1,15634 | 1,34907 | 1,54179 |  1,73452 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 0,91522 | 1,22030 | 1,52537 | 1,83044 | 2,13552 | 2,44059 |  2,74567 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 3,81388 | 5,08504 | 6,35630 | 7,62756 | 8,89882 | 0,17008 | 11,44134 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 0,81818 | 1,09091 | 1,36364 | 1,63636 | 1,90909 | 2,18181 |  2,45455 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 1,32000 | 1,76000 | 2,20000 | 2,64001 | 3,08000 | 3,52000 |  3,96000 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 2,39516 | 3,19355 | 3,99193 | 4,79032 | 5,58871 | 6,38710 |  7,18548 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 1,80091 | 2,40121 | 3,00151 | 3,60182 | 4,20212 | 4,80242 |  5,40273 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 1,00051 | 1,33401 | 1,66751 | 2,00101 | 2,33451 | 2,66802 |  3,00152 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 1,07808 | 1,43744 | 1,79680 | 2,15616 | 2,51552 | 2,87488 |  3,23424 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 2,32536 | 3,10048 | 3,87560 | 4,65072 | 5,42584 | 6,20096 |  6,97608 |

  ========================================================================
  |$Elemente.$|        $Gefunden.$        |  $Gesucht.$  |   1.  |   2.  |
  |-----------+---------------------------+--------------+-------+-------+
  |   Mangan  |     Manganoxyduloxyd      |    Mangan    |0,72107|1,44214|
  |           |     MnO + Mn_{2}O_{3}     |    Mn_{3}    |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |        Manganoxyd         |    Mangan    |0,69678|1,39356|
  |           |        Mn_{2}O_{3}        |    Mn_{2}    |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |Schwefelsaures Manganoxydul| Manganoxydul |0,47072|0,94144|
  |           |         MnOSO_{3}         |     MnO      |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |  Natrium  |          Natron           |    Natrium   |0,74190|1,48379|
  |           |           NaO             |      Na      |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |   Schwefelsaures Natron   |    Natron    |0,43658|0,87316|
  |           |        NaO, SO_{3}        |     NaO      |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |   Salpetersaures Natron   |    Natron    |0,36465|0,72930|
  |           |        NaO, NO_{5}        |     NaO      |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |       Chlornatrium        |    Natron    |0,53022|1,06043|
  |           |           NaCl            |     NaO      |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |       Chlornatrium        |    Natrium   |0,39337|0,78673|
  |           |           NaCl            |      Na      |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |    Kohlensaures Natron    |    Natron    |0,58487|1,16974|
  |           |        NaO, CO_{2}        |     NaO      |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |   Nickel  |       Nickeloxydul        |    Nickel    |0,78693|1,57386|
  |           |           NiO             |      Ni      |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |  Phosphor |       Phosphorsure       |   Phosphor   |0,43949|0,87898|
  |           |          PO_{5}           |      P       |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |  Pyrophosphors. Magnesia  | Phosphorsure|0,64064|1,28128|
  |           |        PO_{5}, 2MgO       |    PO_{5}    |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |   Phosphors. Eisenoxyd    | Phosphorsure|0,57229|1,14459|
  |           |   3PO_{5}, 2Fe_{2}O_{3}   |    3PO_{5}   |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |   Phosphors. Eisenoxyd    | Phosphorsure|0,47147|0,94294|
  |           |    Fe_{2}O_{3}, PO_{5}    |    PO_{5}    |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |   Phosphors. Silberoxyd   | Phosphorsure|0,17020|0,34040|
  |           |       PO_{5}, 3AgO        |    PO_{5}    |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |    Pyrophosphorsaures     | Phosphorsure|0,23528|0,47056|
  |           |        Silberoxyd         |              |       |       |
  |           |       PO_{5}, 2AgO        |    PO_{5}    |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |Quecksilber|       Quecksilber         | Quecksilber- |1,03998|2,07996|
  |           |                           |    oxydul    |       |       |
  |           |          Hg_{2}           |    Hg_{2}O   |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |       Quecksilber         | Quecksilber- |1,07996|2,15992|
  |           |                           |     oxyd     |       |       |
  |           |           Hg              |     HgO      |       |       |

  ========================================================================
  |    3.   |    4.   |    5.   |    6.   |    7.   |    8.   |     9.   |
  +---------+---------+---------+---------+---------+---------+----------|
  | 2,16321 | 2,88428 | 3,60535 | 4,32641 | 5,04748 | 5,76855 |  6,48962 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 2,09034 | 2,78712 | 3,48390 | 4,18068 | 4,87746 | 5,57424 |  6,27102 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 1,41217 | 1,88289 | 2,35361 | 2,82433 | 3,29505 | 3,76578 |  4,23650 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 2,22569 | 2,96758 | 3,70948 | 4,45137 | 5,19327 | 5,93516 |  6,67706 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 1,30975 | 1,74633 | 2,18291 | 2,61949 | 3,05607 | 3,49265 |  3,92924 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 1,09395 | 1,45860 | 1,82325 | 2,18789 | 2,55254 | 2,91719 |  3,28184 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 1,59065 | 2,12086 | 2,65108 | 3,18130 | 3,71151 | 4,24173 |  4,77194 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 1,18009 | 1,57346 | 1,96683 | 2,36019 | 2,75356 | 3,14692 |  3,54029 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 1,75460 | 2,33947 | 2,92434 | 3,50921 | 4,09407 | 4,67894 |  5,26381 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 2,36079 | 3,14772 | 3,93465 | 4,72158 | 5,50851 | 6,29544 |  7,08237 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 1,31847 | 1,75796 | 2,19745 | 2,63694 | 3,07643 | 3,51592 |  3,95541 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 1,92192 | 2,56256 | 3,20320 | 3,84384 | 4,48448 | 5,12512 |  5,76576 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 1,71688 | 2,28918 | 2,86147 | 3,43376 | 4,00506 | 4,57835 |  5,15065 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 1,41441 | 1,88588 | 2,35735 | 2,82882 | 3,30029 | 3,77176 |  4,24323 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 0,51060 | 0,68080 | 0,85101 | 1,02121 | 1,19141 | 1,36161 |  1,53181 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 0,70584 | 0,94112 | 1,17640 | 1,41168 | 1,64696 | 1,88224 |  2,11752 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 3,11994 | 4,15992 | 5,19990 | 6,23988 | 7,27986 | 8,31984 |  9,35982 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 3,23988 | 4,31984 | 5,39980 | 6,47977 | 7,55973 | 8,63969 |  9,71965 |

  ========================================================================
  |$Elemente.$|        $Gefunden.$        |  $Gesucht.$  |   1.  |   2.  |
  |-----------+---------------------------+--------------+-------+-------+
  |Quecksilber|    Quecksilberchlorr     | Quecksilber  |0,84945|1,69890|
  |           |         Hg_{2}Cl          |    Hg_{2}    |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |    Quecksilbersulfid      | Quecksilber  |0,86213|1,72425|
  |           |           HgS             |      Hg      |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |Sauerstoff |        Thonerde           |  Sauerstoff  |0,46814|0,93627|
  |           |       Al_{2}O_{3}         |    O_{3}     |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |       Antimonoxyd         |  Sauerstoff  |0,15683|0,31366|
  |           |         SbO_{3}           |    O_{3}     |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |      Arsenige Sure       |  Sauerstoff  |0,24242|0,48484|
  |           |         AsO_{3}           |    O_{3}     |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |        Arsensure         |  Sauerstoff  |0,34783|0,69565|
  |           |         AsO_{5}           |    O_{5}     |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |          Baryt            |  Sauerstoff  |0,10446|0,20892|
  |           |           BaO             |      O       |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |        Bleioxyd           |  Sauerstoff  |0,07170|0,14340|
  |           |           PbO             |      O       |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |       Cadmiumoxyd         |  Sauerstoff  |0,12551|0,25102|
  |           |           CdO             |      O       |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |          Kalk             |  Sauerstoff  |0,28571|0,57143|
  |           |           CaO             |      O       |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |        Chromoxyd          |  Sauerstoff  |0,30947|0,61894|
  |           |       Cr_{2}O_{3}         |    O_{3}     |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |        Eisenoxyd          |  Sauerstoff  |0,30000|0,60000|
  |           |       Fe_{2}O_{3}         |    O_{3}     |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |       Eisenoxydul         |  Sauerstoff  |0,22222|0,44444|
  |           |           FeO             |      O       |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |          Kali             |  Sauerstoff  |0,16982|0,33964|
  |           |           KO              |      O       |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |       Kieselsure         |  Sauerstoff  |0,51923|1,03846|
  |           |         SiO_{2}           |    O_{2}     |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |       Kobaltoxydul        |  Sauerstoff  |0,21338|0,42676|
  |           |           CoO             |      O       |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |        Kupferoxyd         |  Sauerstoff  |0,20161|0,40323|
  |           |           CuO             |      O       |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |         Magnesia          |  Sauerstoff  |0,39970|0,79939|
  |           |           MgO             |      O       |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |       Manganoxydul        |  Sauerstoff  |0,22488|0,44976|
  |           |           MnO             |      O       |       |       |

  ========================================================================
  |    3.   |    4.   |    5.   |    6.   |    7.   |    8.   |     9.   |
  +---------+---------+---------+---------+---------+---------+----------|
  | 2,54836 | 3,39781 | 4,24726 | 5,09672 | 5,94617 | 6,79562 |  7,64508 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 2,58638 | 3,44850 | 4,31063 | 5,17275 | 6,03488 | 6,89701 |  7,75913 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 1,40441 | 1,87254 | 2,34068 | 2,80882 | 3,27695 | 3,74509 |  4,21322 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 0,47049 | 0,62732 | 0,78415 | 0,94098 | 1,09781 | 1,25464 |  1,41147 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 0,72726 | 0,96968 | 1,21210 | 1,45452 | 1,69694 | 1,93936 |  2,18178 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 1,04348 | 1,39130 | 1,73913 | 2,08696 | 2,43478 | 2,78261 |  3,13043 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 0,31338 | 0,41784 | 0,52230 | 0,62675 | 0,73121 | 0,83567 |  0,94013 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 0,21510 | 0,28680 | 0,35850 | 0,43020 | 0,50190 | 0,57360 |  0,64530 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 0,37653 | 0,50204 | 0,62755 | 0,75306 | 0,87857 | 1,00408 |  1,12959 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 0,85714 | 1,14286 | 1,42857 | 1,71429 | 2,00000 | 2,28571 |  2,57143 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 0,92841 | 1,23788 | 1,54735 | 1,85682 | 2,16629 | 2,47576 |  2,78523 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 0,90000 | 1,20000 | 1,50000 | 1,80000 | 2,10000 | 2,40000 |  2,70000 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 0,66667 | 0,88889 | 1,11111 | 1,33333 | 1,55555 | 1,77777 |  1,99999 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 0,50946 | 0,67928 | 0,84910 | 1,01892 | 1,18874 | 1,35856 |  1,52838 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 1,55769 | 2,07692 | 2,59615 | 3,11538 | 3,63461 | 4,15384 |  4,67307 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 0,64014 | 0,85352 | 1,06690 | 1,28028 | 1,49366 | 1,70704 |  1,92042 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 0,60484 | 0,80645 | 1,00807 | 1,20968 | 1,41129 | 1,61290 |  1,81452 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 1,19909 | 1,59879 | 1,99849 | 2,39818 | 2,79788 | 3,19758 |  3,59727 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 0,67464 | 0,89952 | 1,12440 | 1,34928 | 1,57416 | 1,79904 |  2,02392 |

  ========================================================================
  |$Elemente.$|        $Gefunden.$        |  $Gesucht.$  |   1.  |   2.  |
  |-----------+---------------------------+--------------+-------+-------+
  |Sauerstoff |     Manganoxyduloxyd      |  Sauerstoff  |0,27893|0,55786|
  |           |     MnO + Mn_{2}O_{3}     |    O_{4}     |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |        Manganoxyd         |  Sauerstoff  |0,30322|0,60644|
  |           |        Mn_{2}O_{3}        |    O_{3}     |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |          Natron           |  Sauerstoff  |0,25810|0,5162 |
  |           |           NaO             |      O       |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |       Nickeloxydul        |  Sauerstoff  |0,21307|0,42614|
  |           |           NiO             |      O       |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |      Quecksilberoxyd      |  Sauerstoff  |0,07404|0,14808|
  |           |           HgO             |      O       |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |     Quecksilberoxydul     |  Sauerstoff  |0,03844|0,07688|
  |           |          Hg_{2}O          |      O       |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |        Silberoxyd         |  Sauerstoff  |0,06898|0,13796|
  |           |           AgO             |      O       |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |        Strontian          |  Sauerstoff  |0,15482|0,30964|
  |           |           SrO             |      0       |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |          Wasser           |  Sauerstoff  |0,88889|1,77778|
  |           |            HO             |      O       |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |       Wismuthoxyd         |  Sauerstoff  |0,10345|0,20690|
  |           |         BiO_{3}           |    O_{3}     |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |         Zinkoxyd          |  Sauerstoff  |0,19740|0,39480|
  |           |           ZnO             |      O       |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |         Zinnoxyd          |  Sauerstoff  |0,21384|0,42768|
  |           |         SnO_{2}           |    O_{2}     |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  | Schwefel  |   Schwefelsaurer Baryt    |   Schwefel   |0,13724|0,27447|
  |           |        BaO, SO_{3}        |       S      |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |        Arsensulfr        |   Schwefel   |0,39024|0,78049|
  |           |          AsS_{3}          |     S_{3}    |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |   Schwefelsaurer Baryt    | Schwefelsure|0,34309|0,68619|
  |           |        BaO, S0_{3}        |    SO_{3}    |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |  Silber   |        Chlorsilber        |    Silber    |0,75276|1,50552|
  |           |           AgCl            |      Ag      |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |        Chlorsilber        |  Silberoxyd  |0,80854|1,61708|
  |           |           AgCl            |     AgO      |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  | Silicium  |       Kieselsure         |   Silicium   |0,48077|0,96154|
  |           |         SiO_{2}           |      Si      |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |Stickstoff |   Ammoniumplatinchlorid   |  Stickstoff  |0,06071|0,12542|
  |           |     NH_{4}Cl, PtCl_{2}    |      N       |       |       |

  ========================================================================
  |    3.   |    4.   |    5.   |    6.   |    7.   |    8.   |     9.   |
  +---------+---------+---------+---------+---------+---------+----------|
  | 0,83679 | 1,11572 | 1,39465 | 1,67359 | 1,95252 | 2,23145 |  2,51038 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 0,90966 | 1,21288 | 1,51610 | 1,81932 | 2,12254 | 2,42576 |  2,72898 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 0,77431 | 1,03242 | 1,29052 | 1,54863 | 1,80673 | 2,06484 |  2,32294 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 0,63921 | 0,85228 | 1,06535 | 1,27842 | 1,49149 | 1,70456 |  1,91763 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 0,22212 | 0,29616 | 0,37021 | 0,44425 | 0,51829 | 0,59233 |  0,66637 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 0,11533 | 0,15377 | 0,19221 | 0,23066 | 0,26910 | 0,30754 |  0,34599 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 0,20694 | 0,27592 | 0,34490 | 0,41388 | 0,48286 | 0,55184 |  0,62082 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 0,46446 | 0,61928 | 0,77410 | 0,92892 | 1,08374 | 1,23856 |  1,39338 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 2,66667 | 3,55556 | 4,44445 | 5,33333 | 6,22222 | 7,11111 |  8,00000 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 0,31035 | 0,41380 | 0,51725 | 0,62070 | 0,72415 | 0,82760 |  0,93105 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 0,59220 | 0,78960 | 0,98700 | 1,18440 | 1,38180 | 1,57920 |  1,77660 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 0,64152 | 0,85536 | 1,06920 | 1,28304 | 1,49688 | 1,71072 |  1,92456 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 0,41171 | 0,54894 | 0,68618 | 0,82342 | 0,96066 | 1,09789 |  1,23513 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 1,17073 | 1,56097 | 1,95122 | 2,34146 | 2,73170 | 3,12194 |  3,51219 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 1,02929 | 1,37238 | 1,71548 | 2,05857 | 2,40167 | 2,74476 |  3,08786 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 2,25828 | 3,01104 | 3,76380 | 4,51656 | 5,26932 | 6,02208 |  6,77484 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 2,42562 | 3,23416 | 4,04270 | 4,85124 | 5,65978 | 6,46832 |  7,27686 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 1,44231 | 1,92308 | 2,40385 | 2,88462 | 3,36539 | 3,84616 |  4,32693 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 0,18812 | 0,25083 | 0,31354 | 0,37625 | 0,43896 | 0,50166 |  0,56437 |

  ========================================================================
  |$Elemente.$|        $Gefunden.$        |  $Gesucht.$  |   1.  |   2.  |
  |-----------+---------------------------+--------------+-------+-------+
  |Stickstoff |          Platin           |  Stickstoff  |0,14155|0,28310|
  |           |            Pt             |      N       |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |   Schwefelsaurer Baryt    | Salpetersure|0,46322|0,92644|
  |           |       BaO, SO_{3}         |    NO_{5}    |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |       Cyansilber          |     Cyan     |0,19410|0,38820|
  |           |       Ag, C_{2}N          |    C_{2}N    |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |       Cyansilber          |    Cyan-     |       |       |
  |           |                           |  wasserstoff |0,20156|0,40312|
  |           |       Ag, C_{2}N          |   C_{2}N, H  |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  | Strontium |        Strontian          |   Strontium  |0,84518|1,69036|
  |           |           SrO             |      Sr      |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           | Schwefelsaurer Strontian  |   Strontian  |0,56307|1,12734|
  |           |       SrO, SO_{3}         |      SrO     |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |  Kohlensaurer Strontian   |   Strontian  |0,70139|1,40278|
  |           |       SrO, CO_{2}         |      SrO     |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |Wasserstoff|         Wasser            |  Wasserstoff |0,11111|0,22222|
  |           |           HO              |       H      |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |  Wismuth  |      Wismuthoxyd          |    Wismuth   |0,89655|1,79310|
  |           |        BiO_{3}            |      Bi      |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |   Zink    |       Zinkoxyd            |     Zink     |0,80260|1,60520|
  |           |          ZnO              |      Zn      |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |   Zinn    |       Zinnoxyd            |     Zinn     |0,78616|1,57232|
  |           |        SnO_{2}            |      Sn      |       |       |
  |           |                           |              |       |       |
  |           |       Zinnoxyd            |  Zinnoxydul  |0,89308|1,78616|
  |           |        SnO_{2}            |      SnO     |       |       |

  ========================================================================
  |    3.   |    4.   |    5.   |    6.   |    7.   |    8.   |     9.   |
  +---------+---------+---------+---------+---------+---------+----------|
  | 0,42464 | 0,56619 | 0,70774 | 0,84929 | 0,99084 | 1,13238 |  1,27393 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 1,38966 | 1,85288 | 2,31610 | 2,77932 | 3,24254 | 3,70576 |  4,16898 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 0,58230 | 0,77640 | 0,97050 | 1,16460 | 1,35870 | 1,55280 |  1,74690 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 0,60468 | 0,80624 | 1,00780 | 1,20936 | 1,41092 | 1,61248 |  1,81404 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 2,53554 | 3,38072 | 4,22590 | 5,07108 | 5,91626 | 6,76144 |  7,60662 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 1,69101 | 2,25469 | 2,81836 | 3,38204 | 3,94571 | 4,50938 |  5,07305 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 2,10417 | 2,80556 | 3,50695 | 4,20834 | 4,90973 | 5,61112 |  6,31251 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 0,33333 | 0,44444 | 0,55555 | 0,66667 | 0,77778 | 0,88889 |  1,00000 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 2,68965 | 3,58620 | 4,48275 | 5,37930 | 6,27586 | 7,17240 |  8,06895 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 2,40780 | 3,21040 | 4,01300 | 4,81560 | 5,61820 | 6,42080 |  7,22340 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 2,35848 | 3,14464 | 3,93080 | 4,71696 | 5,50312 | 6,28928 |  7,07544 |
  |         |         |         |         |         |         |          |
  | 2,67924 | 3,57232 | 4,46540 | 5,35848 | 6,25156 | 7,14464 |  8,03772 |


                              $Tabelle$ 5.

            Specifisches und absolutes Gewicht einiger Gase.

        ================================================================
                            |   Specifisches |         1 Liter
                            |     Gewicht,   |  (1000 Cubikcentimeter)
                            |     das der    | Gas bei 0 und 0,76 Meter
                            | Luft = 1,0000. |   Luftdruck wiegt Gramm:
        --------------------+----------------+--------------------------
        Atmosphrische Luft |     1,0000     |          1,29363
                            |                |
        Sauerstoff          |     1,10563    |          1,43028
                            |                |
        Wasserstoff         |     0,06910    |          0,08939
                            |                |
        Wasserdampf         |     0,62192    |          0,80453
                            |                |
        Kohlenstoffdampf    |     0,82922    |          1,07270
                            |                |
        Kohlensure         |     1,52024    |          1,96663
                            |                |
        Kohlenoxyd          |     0,96743    |          1,25150
                            |                |
        Phosphordampf       |     4,33452    |          5,60727
                            |                |
        Schwefeldampf       |     6,63378    |          8,58165
                            |                |
        Schwefelwasserstoff |     1,17475    |          1,51969
                            |                |
        Joddampf            |     8,76760    |         11,34203
                            |                |
        Bromdampf           |     5,52605    |          7,14866
                            |                |
        Chlor               |     2,45052    |          3,17007
                            |                |
        Stickstoff          |     0,96776    |          1,25192
                            |                |
        Ammoniak            |     0,58753    |          0,76005


                              $Tabelle$ 6.

    Vergleichung der Grade des Quecksilberthermometers mit denen des
                           Luftthermometers.

                       Nach _Dulong_ und _Petit_.

        Grade            Grade            Grade            Grade
         des              des              des              des
      Quecksilber-       Luft-        Quecksilber-         Luft-
    thermometers.    thermometers.    thermometers.    thermometers.

        105              104,8            220              216,2
        110              109,6            230              225,9
        120              119,5            240              235,4
        130              129,2            250              245,0
        140              139,0            260              254,6
        150              148,7            270              264,0
        160              158,4            280              273,5
        170              168,0            290              283,2
        180              177,7            300              292,7
        190              187,4            320              311,6
        200              197,0            340              330,5
        210              206,7            350              340,0


                             Nach _Magnus_.

                Grade des                     Grade des
         Quecksilberthermometers.         Luftthermometers.

                   100                          100,00
                   150                          148,74
                   200                          197,49
                   250                          245,39
                   300                          294,51
                   330                          320,92


                            Nach _Regnault_.

               Luftthermometer.   Quecksilberthermometer.

                        0                    0
                       50                  50,2
                      100                 100,0
                      150                 150,0
                      200                 200,0
                      250                 250,3
                      300                 301,2
                      325                 326,9
                      350                 353,3

                   *       *       *       *       *


                     Alphabetisches Register[174].

  [174] In dem Register ist bei Trennung eines Krpers von dem anderen,
        der in der Gruppenreihe tiefer stehende stets zuerst genannt.
        Man hat also z. B., wenn man suchen will, wie Eisen von Kalk zu
        trennen sei, Eisen aufzusuchen etc.


                                   A.

  Abdampfen 51.

  Abreiben 32.

  Abwgen der Substanz 41.

  Acidimetrie 449-456.

  Ackererde, Analyse 518.

  Aether, als Reag. 74.

  Alaun, Anal., als Uebungsaufgabe 546.

  Alkalien, Bestimmung des Gehaltes an freien oder kohlensauren 457-466.

  Alkalimetrie 457-466.

  Alkalische Erden, Trennung derselben von einander 279.

  Alkohol, als Reag. 74.

  Ammon, als Reag. 80.
  -- Bestimmung 138.
  -- -- in Mineralwassern und anderen Gewssern 437.
  -- bernsteinsaures, als Reag. 81.
  -- kohlensaures, als Reag. 80. 84.
  -- molybdnsaures, als Reag. 82.
  -- oxalsaures, als Reag. 81.
  -- phosphorsaures, als Reag. 81.
  -- Trennung von Kali 275.
  -- -- von Natron 275.

  Ammoniumplatinchlorid, Eigenschaften und Zusammensetzung 95.

  Ammonmagnesia, arsensaure, Eigenschaften und Zusammensetzung 122.
  -- phosphorsaure, Eigenschaften u. Zusammensetzung 100.

  Analyse, Berechnung derselben 392.
  -- indirecte 400.

  Antimon, Eigenschaften 120.
  -- Trennung von den Basen der Gruppen I-V. 318.
  -- Trennung von Gold 324.
  -- -- von Platin 324.
  -- -- von Zinn 324.

  Antimonige Sure, Eigenschaften u. Zusammensetzung 120.

  Antimonoxyd, Bestimmung 204.

  Antimonsulfr, Eigenschaften und Zusammensetzung 119.

  Arsen, Trennung von Antimon 324.
  -- -- von den  Basen der Gruppen I-V. 318.
  -- Trennung von Gold 324.
  -- -- von Platin 324.
  -- -- von Zinn 324.

  Arsenige Sure, Analyse, als Uebungsaufgabe 545.
  -- Bestimmung 210.
  -- und Arsensure, Trennung von den anderen Suren der Gruppe I 329.
  -- und Arsensure. Trennung von einander 324.

  Arsensure, Bestimmung 210.

  Arsensulfr, Eigenschaften und Zusammensetzung 121.

  Aschen, Darstellung und Analyse 501.

  Atmosphrische Luft, Analyse 533.

  Atomgewichtsbestimmung organischer Verbindungen 386.

  Auflsung 47.

  Aufschliessung 47.

  Ausgiessen 55.

  Auswahl der Substanz 30.

  Auswaschen 62.

  Auswaschflaschen 63.


                                   B.

  Baryt, Bestimmung 142.
  -- Trennung von den Alkalien 279.
  -- kohlensaurer, als Reag 81.
  -- -- Eigenschaften und Zusammensetzung 96.
  -- salpetersaurer, als Reag. 80.
  -- schwefelsaurer, Eigenschaften und Zusammensetzung 96.

  Barythydrat, als Reag. 84.

  Barytwasser als Reag. 81.

  Belege, analytische 561.

  Berechnung der Analyse 392.

  Beuteln 32.

  Blausure, Bestimmung 260.

  Blei, Trennung von den Basen der Gruppe I-IV. 309.
  -- Trennung von Quecksilber 312.
  -- -- von Silber 312.

  Bleiglanz, Analyse 493.

  Bleioxyd, als Reag. 83.
  -- Bestimmung 180.
  -- Eigenschaft und Zusammensetzung 111.
  -- arsensaures, Eigenschaften 121.
  -- borsaures, Eigenschaften 127.
  -- chromsaures, als Reag. 86.
  -- -- Eigenschaften und Zusammensetzung 123.
  -- essigsaures, als Reag. 83.
  -- -- Analyse, als Uebungsaufgabe 545.
  -- kleesaures, Eigenschaften 111.
  -- kohlensaures, Eigenschaften 110.
  -- phosphorsaures, Eigenschaften 124.
  -- schwefelsaures, Eigenschaften und Zusammensetzung 111.

  Blutlaugensalz, gelbes und rothes, Bestimmung 476.

  Bodenarten, Analyse 518.

  Borax, als Reag. 84.

  Borsure, Bestimmung 231.
  -- Trennung von den anderen Suren der Gruppe I 329-333.
  -- Trennung von den Basen 232.

  Braunstein, Bestimmung seines Gehaltes 472-476.

  Brom, Bestimmung des freien 253.
  -- Trennung von Chlor 337.
  -- -- von den Metallen 253.

  Bromsilber, Eigenschaften und Zusammensetzung 128.

  Bromwasserstoffsure, Bestimmung 251.
  -- Trennung von den Suren der Gruppe I 334.

  Brette 27.


                                   C.

  Cadmium, Trennung von den Basen der Gruppe I-IV 309.
  -- Trennung von Blei 312.
  -- -- von Kupfer 312.
  -- -- von Quecksilber 312.
  -- -- von Silber 312.
  -- -- von Wismuth 312.
  -- -- von Zink, als Uebungsaufgabe. 550.

  Cadmiumoxyd, Bestimmung 199.
  -- reines und kohlensaures, Eigenschaft. und Zusammensetzung 117.

  Chlor, als Reag. 81. 85.
  -- Bestimmung des freien 251.
  -- -- in organischen Substanzen 384.
  -- Trennung von den Metallen 249.

  Chlorammonium, als Reag. 75.
  -- Eigenschaft. und Zusammensetzung 94.

  Chlorbaryum, als Reag. 80.

  Chlorblei, Eigenschaft, und Zusammensetzung 112.

  Chlorcalcium, als Reag. 83. 88.

  Chlorige Sure, Bestimmung 272.

  Chlorimetrie 466-472.

  Chlorkalium, Eigenschaft. und Zusammensetzung 92.

  Chlorkalk, Bestimmung seines Gehaltes 466-472.

  Chlornatrium, Analyse, als Uebungsaufgabe 545.
  -- Eigenschaft. und Zusammensetzung 94.

  Chlorsure, Bestimmung und Trennung von den Basen 272.
  -- Trennung von anderen Suren 340.

  Chlorsilber, Eigenschaft. und Zusammensetzung 109.

  Chlorwasserstoffsure als Reag. 74.

  Chlorwasserstoffsure, Bestimmung 247.
  -- Trennung von den Suren der Gruppe I 334.

  Chromeisenstein, Analyse 298. 300.

  Chromoxyd, Bestimmung 154.
  -- Eigenschaft. und Zusammensetzung 102.
  -- Trennung von den Alkalien 284.
  -- -- von den alkalischen Erden 285.
  -- -- von Thonerde 288. 293.

  Chromsure, Bestimmung 215.
  -- Trennung von den Basen 217.
  -- -- von den anderen Suren der Gruppe I, 329-333.

  Cyan, Trennung von Jod, Brom und Chlor 340.
  -- Trennung von den Metallen 261.

  Cyankalium als Reag. 80.

  Cyansilber, Eigenschaft. und Zusammensetzung 110.

  Cyanwasserstoffsure, Bestimmung 260.
  -- Trennung von den Suren der Gruppe I 334.


                                   D.

  Dampfdichte, Berechnung 412.

  Dmpfe, Bestimmung ihres specif. Gew. 387.

  Decantation 57.

  Dextrin, Bestimmung 495.

  Dolomite, Analyse 484.

  Dngerarten, Analyse 428.


                                   E.

  Eisen, Bestimmung, als Uebungsaufgabe 544.
  -- maassanalytische Bestimmung in Eisenerzen 491.
  -- Trennung von den Alkalien 289.
  -- -- von den alkalischen Erden 290. 306.
  -- Trennung von Chromoxyd 294.
  -- -- von Kobalt 294.
  -- -- von Mangan 294. 306.
  -- -- von Mangan, als Uebungsaufgabe 549.
  -- Trennung von Nickel 294.
  -- -- von Thonerde 294. 306.
  -- -- von Thonerde, als Uebungsaufgabe 549.
  -- Trennung von Zink 294.

  Eisenchlorid als Reag. 83.

  Eisenerze, Analyse 487.

  Eisenoxyd, Bestimmung 169.
  -- Eigenschaft. und Zusammensetzung 108.
  -- arsensaures, Eigenschaft. und Zusammensetzung 122.
  -- bernsteinsaures, Eigenschaft. 109.
  -- phosphorsaures, Eigenschaft. und Zusammensetzung 124.

  Eisenoxydul, Bestimmung 164.
  -- schwefelsaures, als Reag 81.
  -- Trennung von Eisenoxyd 294.

  Elementaranalyse, organische 342.
  -- organische, von Chlor enthaltenden Krpern 384.
  -- organische, von schwefelhaltigen Krpern 380.
  -- organische, von stickstofffreien flchtigen, oder bei 100 verndert
     werdenden festen Krpern 364.
  -- organische, von stickstofffreien, flchtigen flssigen Krpern 365.
  -- organische, von stickstofffreien, nicht flchtigen, leicht
     verbrennlichen, festen Krpern 347. 358.
  -- organische, von stickstofffreien, nicht flchtigen, schwer
     verbrennlichen, festen Krpern 360.
  -- organische, von stickstofffreien, nicht flchtigen, flssigen
     Krpern 367.
  -- organische, von stickstoffhaltigen Krpern 368.
  -- organische, von Substanzen, welche unorganische Krper
     enthalten 385.

  Essigsure, als Reag. 75.

  Exsiccatoren 35.


                                   F.

  Fllung 56.

  Feldspath, Analyse, als Uebungsaufgabe 552.

  Ferridcyankalium, Bestimmung 476.

  Ferrocyan-Verbindungen, Analyse 262.

  Ferrocyankalium, Bestimmung 476.

  Filterschablonen 59.

  Filtration 58.

  Filtrirgestell 60.

  Filtriren 60.

  Fluor, Trennung von den Metallen 235.
  -- -- von Kieselsure und von Phosphorsure 330.

  Fluorcalcium, als Reag. 83.
  -- Eigenschaft. und Zusammensetzung 127.

  Fluorwasserstoffsure, Bestimmung 235.
  -- Trennung von den anderen Suren der Gruppe I, 329-333.

  Formeln, Aufstellung empirischer 404.
  -- -- rationeller 407. 410.


                                   G.

  Galmei, Analyse 494.

  Gase in Mineralwassern, Analyse 439.

  Gewsser, natrliche, Analyse 419.

  Gewichte 15.

  Gewichtsbestimmung 10.
  -- der Krper im Allgemeinen 130.

  Glhen der Niederschlge 67.
  -- von durch Abdampfen erhaltenen Salzmassen 55.

  Gold, Eigenschaft. 118.
  -- Trennung von den Basen der Gruppen I-V, 318.

  Goldchlorid, als Reag. 82.

  Goldoxyd, Bestimmung 200.

  Guano, Analyse 530.

  Gyps, Bestimmung der Lslichkeit, als Uebungsaufgabe 556.


                                   I.

  Indirecte Analysen, Berechnung der Resultate 400.

  Jod, Bestimmung des freien 257.
  -- Trennung von Brom und Chlor 338. 339.
  -- Trennung von Chlor, als Uebungsaufgabe 551.
  -- Trennung von den Metallen 256.

  Jodsilber, Eigenschaft, und Zusammensetzung 128.

  Jodwasserstoffsure, Bestimmung 253.
  -- Trennung von den Suren der Gruppe I. 334.


                                   K.

  Kali, als Reag. 80. 88.
  -- Bestimmung 133.
  -- chlorsaures als Reag. 86.
  -- chromsaures, Analyse, als Uebungsaufgabe 548.
  -- salpetersaures, als Reag. 84.
  -- -- Eigenschaft. und Zusammensetzung 92.
  -- saures schwefelsaures, als Reag. 84.
  -- schwefelsaures, Eigenschaft. und Zusammensetzung 91.

  Kaliumplatinchlorid, Eigenschaft. und Zusammensetzung 92.

  Kalk, Bestimmung 146.
  -- kohlensaurer, Analyse als Uebungsaufgabe 546.
  -- kohlensaurer, Eigenschaft. und Zusammensetzung 98.
  -- maassanalytische Bestimmung in Kalksteinen 485.
  -- oxalsaurer, Eigenschaft. und Zusammensetzung 99.
  -- phosphorsaurer, Analyse, als Uebungsaufgabe 548.
  -- schwefelsaurer, Eigenschaft. und Zusammensetzung 98.
  -- Trennung von den Alkalien 279.
  -- -- von Baryt 282.
  -- -- von Strontian 282.

  Kalksteine, Analyse 484.

  Kieselfluorbaryum, Eigenschaft. und Zusammensetzung 96.

  Kieselfluorwasserstoffsure als Reag. 82.

  Kieselsure, Bestimmung 242.
  -- Eigenschaften und Zusammensetzung 128.
  -- Trennung von den anderen Suren der Gruppe I. 329-333.
  -- Trennung von den Basen. 242.

  Kieselsurehydrat, Eigenschaft. und Zusammensetzung 127.

  Kieselzinkerz, Analyse 494.

  Kobalt, metallisches, Eigenschaft, 107.
  -- Trennung von den Alkalien 289.
  -- -- von den alkalischen Erden 290.
  -- Trennung von Chromoxyd 294.
  -- -- von Mangan 294.
  -- -- von Nickel 294.
  -- -- von Thonerde 294.
  -- -- von Zink 294.

  Kobaltoxydul, Bestimmung 162.
  -- schwefelsaures, Eigenschaft. und Zusammensetzung 107.

  Kobaltoxyduloxyd, Eigenschaft. und Zusammensetzung 107.

  Kobaltoxydulhydrat, Eigenschaft. 106.

  Kochsalz, Analyse 480.

  Kochsalz, Bestimmung der Lslichkeit, als Uebungsaufgabe 556.

  Kohlensure der atmosphrischen Luft, Bestimmung 533.
  -- Bestimmung 236.
  -- -- in Mineralwassern 435.
  -- Trennung von den anderen Suren der Gruppe I. 329-333.
  -- Trennung von den Basen 237.

  Kohlenstoff, Bestimmung in stickstofffreien Substanzen 347-368.
  -- Bestimmung in stickstoffhaltigen Substanzen 368.

  Knigswasser, als Reag. 76.

  Kupfer, als Reag. 82. 87.
  -- Eigenschaft. 115.
  -- maassanalytische Bestimmung in Kupfererzen 492.
  -- Trennung von den Basen der Gruppe I-IV. 309.
  -- Trennung von Blei 312.
  -- -- von Quecksilber 312.
  -- -- von Silber 312.
  -- -- von Wismuth 312.

  Kupferkies, Analyse 492.

  Kupferoxyd, als Reag. 85.
  -- Bestimmung 192.
  -- Eigenschaft, und Zusammensetzung 114.

  Kupfervitriol, Analyse, als Uebungsaufgabe 547.


                                   L.

  Lslichkeitsbestimmungen, als Uebungsaufgaben 556.

  Luft, Analyse 533.

  Luftbad 38.


  M.

  Maassanalyse 71.

  Magnesia, Bestimmung 149.
  -- Eigenschaft. und Zusammensetzung 101.
  -- pyrophosphorsaure, Eigenschaft. und Zuzammensetzung 100.
  -- schwefelsaure, Analyse; als Uebungsaufgabe 547.
  -- schwefelsaure, als Reag. 83.
  -- -- Eigenschaften und Zusammensetzung 99.
  -- Trennung von den Alkalien 279.
  -- -- von Baryt 282.
  -- -- von Kalk 282.
  -- -- -- als Uebungsaufgabe 549.
  -- -- von Natron, als Uebungsaufgabe 549.
  -- -- von Strontian 282.

  Mangan, Trennung von den Alkalien 289.

  Mangan, Trennung von den alkalischen Erden 290.
  -- Trennung von Chromoxyd 293.
  -- -- von Thonerde 293. 306.
  -- -- von Zink 293.

  Manganoxydul, Bestimmung 158.
  -- kohlensaures, Eigenschaften 104.
  -- schwefelsaures, Eigenschaften und Zusammensetzung 105.

  Manganoxydulhydrat, Eigenschaften 104.

  Manganoxyduloxyd, Eigenschaften und Zusammensetzung 105.

  Mechanische Zertheilung 30.

  Mergelarten, Analyse 484.

  Messen der Gase 21.
  -- von Flssigkeiten 26.

  Messgefsse 28.

  Messing, Analyse, als Uebungsaufgabe 451.

  Milchzucker, Bestimmung 495.

  Mineralwasser, Analyse 422.
  -- Bestimmung ihres specif. Gewichts 430.

  Mittlere Werthe 402.

  Molybdnsure-Ammon, phosphorsaures, Eigenschaften und
    Zusammensetzung 126.


                                   N.

  Natrium-Palladiumchlorr, als Reag. 83.

  Natrolith, Analyse, als Uebungsaufgabe 551.

  Natron, als Reag. 80.
  -- Bestimmung 136.
  -- doppelt-kohlensaures, als Reag. 87.
  -- essigsaures, als Reag. 82.
  -- kohlensaures, als Reag. 80. 83.
  -- -- Analyse, als Uebungsaufgabe 546.
  -- -- Eigenschaften und Zusammensetzung 94.
  -- salpetersaures, als Reag. 84.
  -- -- Eigenschaften und Zusammensetzung 94.
  -- schwefelsaures, Eigenschaften und Zusammensetzung 93.
  -- schwefligsaures, als Reag. 82.
  -- Trennung von Kali 275.
  -- -- von Kali, als Uebungsaufgabe 549.

  Natronkali, kohlensaures, als Reag. 83.

  Natron-Kalk, als Reag. 87.

  Nickel, Trennung von den Alkalien 289.
  -- -- von den alkalischen Erden 290.
  -- Trennung von Chromoxyd 293.
  -- -- von Mangan 293.
  -- -- von Thonerde 293.
  -- -- von Zink 293.

  Nickeloxydul, Bestimmung 160.
  -- Eigenschaften und Zusammensetzung. 106.


                                   O.

  Oelbder 38.

  Operationen 9.

  Organische Substanzen, qual. Prfung 344.

  Oxalsure, Bestimmung 233.
  -- Trennung von den anderen Suren der Gruppe I. 329-333.
  -- Trennung von den Basen 234.


                                   P.

  Palladiumjodr, Eigenschaften und Zusammensetzung 129.

  Pflanzenaschen, Analyse 501. 507.
  -- Darstellung 504.

  Phosphor, Bestimmung in organischen Substanzen 383.
  -- Nachweisung in organischen Krpern 346.

  Phosphorsure, Bestimmung 220.
  -- Trennung von den anderen Suren der Gruppe I. 329-333.
  -- Trennung von den Basen 225.
  -- -- von Eisen und Kalk, als Uebungsaufgabe 550.

  Pipette 26.

  Platin, Eigenschaften 118.
  -- Trennung von den Basen der Gruppen I-V. 318.
  -- Trennung von Gold 324.

  Platinchlorid, als Reag. 82.

  Platinoxyd, Bestimmung 202.

  Pottasche, Bestimmung ihres Gehaltes 457-466.

  Pulvern 30.


                                   Q.

  Quantittsbestimmung 2.

  Quecksilber, Eigenschaft. 112.
  -- Trennung von den Basen der Gruppen I-IV. 309.
  -- Trennung von Blei, als Uebungsaufgabe 550.
  -- Trennung von Silber 312.

  Quecksilberchlorid, Analyse, als Uebungsaufgabe 548.
  -- als Reag. 82.

  Quecksilberchlorr, Eigenschaft. und Zusammensetzung 113.

  Quecksilberoxyd, als Reag. 82.
  -- Bestimmung 187.
  -- Eigenschaft. und Zusammensetzung 114.

  Quecksilberoxydul, Bestimmung 187.
  -- phosphorsaures, Eigenschaft. 126.
  -- Trennung von Quecksilberoxyd 312.

  Quecksilbersulfid, Eigenschaft. und Zusammensetzung 113.


                                   R.

  Reagentien 73.

  Reductionen bei Gasanalysen, betreffend Thermometerstand,
    Barometerstand und Spannung des Wasserdampfes 394. 395.

  Reiben 31.

  Rohrzucker, Bestimmung 495.


                                   S.

  Salmiak, Analyse, als Uebungsaufgabe 554.

  Salpetersure, als Reag. 75.
  -- Bestimmung und Trennung von den Metallen 269.
  -- Trennung von anderen Suren 340.

  Salzsure, Bestimmung 247.

  Sauerstoff der atmosphrischen Luft. Bestimmung 536.

  Suren, Bestimmung des Gehaltes an freien 449-456.

  Schiesspulver, Analyse 481.

  Schiesspulverrckstnde, Analyse 336.

  Schlmmen 32.

  Schnellloth, Analyse, als Uebungsaufgabe 553.

  Schwefel, Bestimmung in organischen Substanzen 380.
  -- Nachweisung in organischen Krpern 345.
  -- Trennung von den Metallen 264.

  Schwefelammonium, als Reag. 80.

  Schwefelblei, Eigenschaften und Zusammensetzung 112.

  Schwefelcadmium, Eigenschaften und Zusammensetzung 117.

  Schwefeleisen, Analyse, als Uebungsaufgabe 548.
  -- Eigenschaften 108.

  Schwefelgold, Eigenschaften 118.

  Schwefelkobalt, Eigenschaften u. Zusammensetzung 107.

  Schwefelkupfer, Eigenschaften und Zusammensetzung 115.

  Schwefellebern, Analyse. 336.

  Schwefelmangan, Eigenschaft. 105.

  Schwefelnatrinm als Reag. 80.

  Schwefelnickel, Eigenschaft. 106.

  Schwefelplatin, Eigenschaft. 119.

  Schwefelsure, als Reag. 75.
  -- Bestimmung 218.
  -- Trennung von den anderen Suren der Gruppe I. 329-333.
  -- Trennung von den Basen 220.

  Schwefelsilber, Eigenschaft. und Zusammensetzung 110.

  Schwefelwasserstoff, als Reag. 76.

  Schwefelwasserstoff, Bestimmung 263.
  -- Trennung von den Salzbildnern 340.
  -- -- von den Suren der Gruppe I. 334.

  Schwefelwismuth, Eigenschaft. und Zusammensetzung 116.

  Schwefelzink, Eigenschaft. 104.

  Silber, Bestimmung in Bleierzen 493. 494.
  -- Eigenschaft. 109.
  -- Trennung von den Basen der Gruppe I-IV. 309.

  Silberoxyd, Bestimmung 173.
  -- phosphorsaures, Eigenschaft. und Zusammensetzung 125.
  -- salpetersaures, als Reag 81.

  Silicate, Analyse gemengter 482.

  Soda, Bestimmung ihres Gehaltes 457-466.

  Specifisches Gewicht der Dmpfe. Bestimmung 387.

  Spritzflaschen 62.

  Strkemehl. Bestimmung 495.

  Stickgas, Eigenschaft. 95.

  Stickstoff der atmosphrischen Luft, Bestimmung 536.
  -- Bestimmung in organischen Substanzen 369-380.
  -- Nachweisung in organischen Krpern 344.

  Stossen 31.

  Strontian, Bestimmung 144.
  -- kohlensaurer, Eigenschaft. und Zusammensetzung 97.
  -- schwefelsaurer, Eigenschaft. und Zusammensetzung 97.
  -- -- Trennung von den Alkalien 279.
  -- -- von Baryt 282.


                                   T.

  Thone, Analyse 484.

  Thonerde, Bestimmung 152.
  -- Eigenschaft. und Zusammensetzung 102.
  -- Trennung von den Alkalien 284.
  -- -- von den alkalischen Erden 285. 306.
  -- Trennung von Magnesia, als Uebungsaufgabe 550.

  Thonerdehydrat, Eigenschaft. 101.

  Tiegelzange 69.

  Traubenzucker, Bestimmung 495.

  Trocknen 33.
  -- der Niederschlge 65.


                                   U.

  Ueberschuss bei Analysen 402.

  Uebungsaufgaben 543.

  Unorganische Krper, Bestimmung in organischen Substanzen 385.

  Unorganische Substanzen, Nachweisung in organischen Krpern 346.

  Unterchlorige Sure. Bestimmung 272.


                                   V.

  Verlust bei Analysen 402.

  Volumbestimmung 21.


                                   W.

  Wage 10.

  Wgen 17.

  Walderde, Analyse 518.

  Wasser (Quell-, Brunnen-, Bach-, Fluss-), Analyse 419.
  -- (Mineralwasser). Analyse 422.
  -- als Reag. 74.

  Wasserbder 35. 51.

  Wasserbestimmung 42.

  Waschflaschen 62.

  Wassergehalt der atmosphrischen Luft, Bestimmung 533.

  Wasserstoff, Bestimmung in stickstofffreien Substanzen 347-368.
  -- Bestimmung in stickstoffhaltigen Substanzen 368.

  Wasserstoffgas, als Reag. 84.

  Weinsteinsure, als Reag. 82.

  Wismuth, Trennung von den Basen der Gruppen I-IV. 309.
  -- Trennung von Blei 312.

  Wismuth, Trennung von Quecksilber 312.
  -- -- von Silber 312.

  Wismuthoxyd, Bestimmung 197.
  -- Eigenschaft. und Zusammensetzung 116.
  -- kohlensaures, Eigenschaft. 116.


                                   Z.

  Zink, Trennung von den Alkalien 289.
  -- -- von den alkalischen Erden 290.
  -- -- von Chromoxyd 293.
  -- -- von Thonerde 293.

  Zinkblende, Analyse 495.

  Zinkerze, Analyse 494.

  Zinkoxyd, Bestimmung 156.
  -- Eigenschaft, und Zusammensetzung 103.
  -- kohlensaures, Eigenschaft. und Zusammensetzung 103.

  Zinn, Trennung von den Basen der Gruppen I-V. 318.
  -- Trennung von Gold 324.
  -- -- von Platin 324.

  Zinnchlorr, als Reag. 82.

  Zinnoxyd, Bestimmung 206.
  -- Eigenschaft, und Zusammensetzung 120.
  -- phosphorsaures, Eigenschaft. 125.

  Zinnoxydul, Bestimmung 206.

  Zinnsulfr und Sulfid, Eigenschaft. 121.

  Zucker, Bestimmung. 495.

                   *       *       *       *       *




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End of the Project Gutenberg EBook of Anleitung zur quantitativen chemischen
Analyse, by C. Remigius Fresenius

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