The Project Gutenberg EBook of Geschichte von England seit der
Thronbesteigung Jakob's des Zweiten., by Thomas Babington Macaulay

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Title: Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten.
       Elfter Band: enthaltend Kapitel 21 und 22.

Author: Thomas Babington Macaulay

Release Date: October 22, 2014 [EBook #47174]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GESCHICHTE VON ENGLAND ***




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                      Thomas Babington Macaulay's




                        Geschichte von England
                               seit der
                 Thronbesteigung Jakob's des Zweiten.

                          Aus dem Englischen.

                     Vollstndige und wohlfeilste
                         +Stereotyp-Ausgabe.+


                             Elfter Band:
                     enthaltend Kapitel 21 und 22.

                            Leipzig, 1856.
                           G. H. Friedlein.




Einundzwanzigstes Kapitel.

Wilhelm III.




Inhalt.

                                                                   Seite
  Eindruck von Mariens Tode auf dem Continent                          5
  Luxemburg's Tod                                                      6
  Wilhelm's Schmerz                                                    6
  Parlamentsverhandlungen; Emancipation der Presse                     7
  Halifax' Tod                                                         8
  Parlamentarische Untersuchungen wegen der Corruption in den
    ffentlichen Aemtern                                              10
  Tadelsvotum gegen den Sprecher des Hauses der Gemeinen              13
  Foley zum Sprecher erwhlt                                          14
  Untersuchung der Rechnungen der Ostindischen Compagnie              14
  Verdchtiges Treiben Seymour's                                      15
  Bill gegen Sir Thomas Cook                                          15
  Untersuchung durch einen vereinigten Ausschu der Lords und
    Gemeinen                                                          16
  Anklage gegen Leeds                                                 18
  Leeds' Entlassung                                                   21
  Lords Justices ernannt                                              21
  Ausshnung zwischen Wilhelm und der Prinzessin Anna                 22
  Jakobitische Verschwrungen gegen Wilhelm's Leben                   24
  Charnock                                                            25
  Porter                                                              26
  Goodman                                                             26
  Parkyns                                                             26
  Fenwick                                                             27
  Session des schottischen Parlaments                                 27
  Untersuchung des Gemetzels von Glencoe                              27
  Krieg in den Niederlanden; der Marschall Villeroy                   34
  Der Herzog von Maine                                                35
  Jakobitische Complots gegen die Regierung whrend Wilhelm's
    Abwesenheit                                                       36
  Belagerung von Namur                                                37
  Uebergabe der Stadt Namur                                           40
  Uebergabe des Kastells von Namur                                    44
  Verhaftung Boufflers'                                               44
  Wirkung der Emancipation der englischen Presse                      47
  Wilhelm's Rckkehr nach England; Auflsung des Parlaments           51
  Wilhelm unternimmt eine Reise durch das Land                        52
  Die Wahlen                                                          55
  Beunruhigender Zustand der Geldverhltnisse                         59
  Zusammentritt des Parlaments; Loyalitt des Hauses der Gemeinen     70
  Polemik ber die Valuta                                             72
  Maregeln des Parlaments in Bezug auf die Valuta                    72
  Annahme der Acte zur Regulirung des Prozeverfahrens in
    Hochverrathsfllen                                                75
  Parlamentsverhandlungen wegen der Verleihung von Kronlndereien
    in Wales an Portland                                              76
  Zwei jakobitische Complots geschmiedet                              78
  Berwick's Complot                                                   78
  Das Ermordungscomplot; Sir Georg Barclay                            79
  Berwick's Complot scheitert                                         84
  Entdeckung des Mordanschlags                                        86
  Parlamentarische Schritte bezglich des Mordanschlags               90
  Stand der ffentlichen Stimmung                                     91
  Proze Charnock's, King's und Keyes'                                92
  Hinrichtung Charnock's, King's und Keyes'                           95
  Proze Friend's                                                     96
  Parkyn's Proze                                                     96
  Hinrichtung Friend's und Parkyn's                                   98
  Prozesse Rookwood's, Cranburne's und Lowick's                       99
  Der Verein                                                         100
  Bill zur Regulirung der Wahlen                                     103
  Acte zur Errichtung einer Landbank                                 105


[_Eindruck von Mariens Tode auf dem Continent._] Auf dem Continent
machte die Nachricht von Mariens Tode einen sehr verschiedenen Eindruck.
Die Hugenotten beweinten in allen Gegenden Europa's, wohin sie
verschlagen waren, die Auserwhlte, die ihren kniglichen Aufwand
beschrnkt hatte, um dem verfolgten Volke Gottes Brot und Obdach zu
geben.[1] In den Vereinigten Provinzen, wo sie genau gekannt und immer
populr gewesen war, wurde ihr Tod aufrichtig bedauert. Matthias Prior,
dem seine Talente und Kenntnisse die Gnnerschaft des freigebigen Dorset
verschafft hatten und der jetzt der Gesandtschaft im Haag attachirt war,
schrieb, da die klteste und fr Gefhlsaffecte unempfnglichste aller
Nationen berhrt sei. Der Marmor selbst, sagte er, weine.[2] Die Klagen
von Cambridge und Oxford fanden in Leyden und Utrecht Wiederhall. Die
Generalstaaten legten Trauer an. Auf allen Kirchthrmen Hollands ertnte
jeden Tag Trauergelute.[3] Inzwischen verbot Jakob in Saint-Germains
jede Trauerfeier aufs Strengste, und bestimmte Ludwig, ein gleiches
Verbot auch in Versailles zu erlassen. Einige der vornehmsten Edelleute
Frankreich's, unter andern die Herzge von Bouillon und von Duras, waren
mit dem Hause Nassau verwandt und hatten jedesmal, wenn der Tod dieses
Haus heimsuchte, die schicklichen Trauerceremonien genau beobachtet.
Diesmal wurde ihnen untersagt, sich schwarz zu kleiden, und sie fgten
sich; aber die Macht des groen Knigs ging nicht so weit, da er seine
hochgebildeten und geistreichen Hflinge htte verhindern knnen
einander zuzuflstern: es liege doch etwas Erbrmliches in dieser Rache,
die der Lebende an dem Todten, ein Vater an seinem Kinde nehme.[4]

Die Hoffnungen Jakob's und seiner Exilgefhrten waren jetzt grer als
sie seit der Schlacht von La Hogue je gewesen. Die Staatsmnner, sowohl
bei uns, als auch auf dem Continent, waren in der That allgemein der
Ansicht, da es Wilhelm nicht mglich sein werde, sich noch lange auf
dem Throne zu halten. Ohne den Beistand seiner Gemahlin, sagte man,
wrde er sich nicht einmal so lange haben halten knnen. Ihre
Leutseligkeit habe Viele gewonnen, die sein kaltes Benehmen und seine
kurzen Antworten abgestoen htten. Ihr englischer Accent, ihre
englischen Gesinnungen und Neigungen htten Viele bezaubert, denen sein
hollndischer Accent und seine hollndischen Gewohnheiten zuwider
gewesen seien. Obgleich sie der Hochkirchenpartei nicht angehrt, habe
sie doch dieses Ritual geliebt und sich gern und ehrerbietig einigen
Ceremonien anbequemt, die er zwar nicht als sndhaft, doch als kindisch
angesehen und an denen Theil zu nehmen er schwer habe ber sich gewinnen
knnen. So lange der Krieg daure, msse er nothwendig fast die Hlfte
des Jahres auerhalb England's zubringen. Bisher habe sie in seiner
Abwesenheit ihn vertreten, und gut vertreten. Wer solle ihn jetzt
vertreten? In welchen Stellvertreter knne er gleiches Vertrauen setzen?
Welchem Stellvertreter werde die Nation gleiche Achtung zollen? Alle
Staatsmnner Europa's stimmten daher in der Ansicht berein, da seine
zum mindesten schwierige und gefhrliche Lage durch den Tod der Knigin
noch schwieriger und gefhrlicher geworden sei. Aber alle Staatsmnner
Europa's tuschten sich, und merkwrdigerweise war seine Regierung nach
dem Ableben Mariens entschieden glcklicher und ruhiger als zu ihren
Lebzeiten.


[_Luxemburg's Tod._] Wenige Stunden nachdem er das zrtlichste und
geliebteste aller ihm befreundeten Wesen verloren hatte, wurde er von
dem gefrchtetsten aller seiner Feinde befreit. Der Tod hatte in Paris
so gut wie in London ein Opfer gefordert. Whrend Tenison an Mariens
Sterbelager betete, reichte Bourdaloue dem Marschall von Luxemburg die
letzte Oelung. Der groe franzsische General war nie ein Gnstling des
franzsischen Hofes gewesen; als man aber erfuhr, da sein
schwchlicher, durch Kriegsstrapatzen und sinnliche Gensse erschpfter
Krper einer gefhrlichen Krankheit erliege, wurde der Werth seiner
Dienste zum ersten Male vollstndig gewrdigt; die kniglichen Leibrzte
wurden zu ihm gesandt, um Heilmittel zu verordnen, die Schwestern von
Saint-Cyr erhielten Befehl, fr ihn zu beten, aber Heilmittel und Gebete
waren vergebens. Wie wird sich der Prinz von Oranien freuen, sagte
Ludwig, wenn er Kenntni von unsrem Verluste erhlt! Er irrte sich.
Die Nachricht kam Wilhelm in einem Augenblicke zu, wo er an keinen
andren Verlust zu denken vermochte, als der ihn selbst betroffen
hatte.[5]


[_Wilhelm's Schmerz._] Whrend des ersten Monats nach Mariens Tode war
der Knig zu keiner Anstrengung fhig. Selbst auf die Adressen der
beiden Parlamentshuser antwortete er nur mit einigen unartikulirten
Lauten. Die Antworten, welche in die Protokolle aufgenommen sind, waren
nicht mndlich von ihm gesprochen, sondern schriftlich eingereicht. Die
unaufschiebbaren Geschfte wurden durch die Vermittelung Portland's
erledigt, der selbst vom Kummer gebeugt war. Einige Wochen lang ruhte
die wichtige und vertrauliche Correspondenz zwischen dem Knige und
Heinsius. Endlich zwang sich Wilhelm, diese Correspondenz wieder
aufzunehmen; aber sein erster Brief war der Brief eines Mannes, dessen
Herz gebrochen war. Selbst sein kriegerisches Feuer war durch den
Schmerz gedmpft worden. Ich sage Ihnen im Vertrauen, schrieb er, da
ich mich fr das Militrcommando nicht mehr tauglich fhle. Ich will
indessen versuchen meine Pflicht zu thun und hoffe, da Gott mir Kraft
verleihen wird. So verzagt sah er dem glnzendsten und glcklichsten
seiner vielen Feldzge entgegen.[6]


[_Parlamentsverhandlungen; Emancipation der Presse._] Die
parlamentarische Thtigkeit wurde nicht unterbrochen. Whrend die Abtei
wegen des Leichenbegngnisses der Knigin schwarz ausgeschlagen war,
kamen die Gemeinen zu einem Beschlusse, der damals wenig Aufmerksamkeit
und gar keine Aufregung hervorrief, den voluminse Annalisten unerwhnt
gelassen haben und dessen Geschichte man nur unvollstndig aus den
Parlamentsarchiven ersehen kann, der aber fr die Freiheit und
Civilisation mehr gethan hat als die Groe Charte oder die Rechtsbill.
Kurz nach Beginn der Session war ein gewhlter Ausschu beauftragt
worden zu ermitteln, welche temporren Gesetze dem Erlschen nahe seien,
und um zu erwgen, welche von diesen Gesetzen fortbestehen zu lassen
zweckmig sein wrde. Der Bericht wurde erstattet, und alle in diesem
Berichte enthaltenen Vorschlge wurden, bis auf einen, angenommen. Unter
den Gesetzen, deren Erneuerung der Ausschu dem Hause anempfahl, befand
sich auch das, welches die Presse einer Censur unterwarf. Es wurde die
Frage gestellt, ob das Haus mit dem Comit in dem Beschlusse
bereinstimme, da die Acte unter dem Titel: Acte zur Verhtung von
Mibruchen beim Drucken aufrhrerischer, hochverrtherischer und
unerlaubter Pamphlets und zur Regulirung des Buchdrucks und der
Buchdruckerpressen, fortbestehen solle. Der Sprecher erklrte, da die
Neins berwgen, und die Jas hielten es nicht fr rathsam, ein
Scrutinium vornehmen zu lassen.

Eine Bill zu Verlngerung aller brigen temporren Gesetze, die man nach
der Ansicht des Ausschusses zweckmigerweise nicht erlschen lassen
knne, wurde eingebracht, angenommen und den Lords zugesandt. Diese Bill
kam sehr bald mit einem wichtigen Amendement versehen zurck. Die Lords
hatten in der Liste der zu verlngernden Acten diejenige mit
aufgenommen, welche die Presse der Aufsicht von Censoren unterstellte.
Die Gemeinen beschlossen, dem Amendement nicht beizutreten, verlangten
eine Conferenz und ernannten einen Ausschu von Wortfhrern. Der
leitende Wortfhrer war Eduard Clarke, ein entschiedener Whig, welcher
Taunton vertrat, seit fnfzig unruhigen Jahren das Bollwerk der
brgerlichen und religisen Freiheit.

Clarke berreichte den Lords im gemalten Zimmer ein Schriftstck,
welches die Grnde enthielt, die das Unterhaus bestimmt hatten, die
Censuracte nicht zu erneuern. Dieser Aufsatz vertheidigt siegreich den
Beschlu, zu dem die Gemeinen gekommen waren. Aber er beweist zu
gleicher Zeit, da sie nicht wuten was sie thaten, welche Revolution
sie herbeifhrten, welche Macht sie ins Leben riefen. Sie hoben kurz,
klar, nachdrcklich und zuweilen mit einer nicht unpassenden ernsten
Ironie die Widersinnigkeiten und Unbilligkeiten des Gesetzes hervor, das
im Begriff war zu erlschen. Aber man wird finden, da alle ihre
Einwrfe sich auf Details beziehen. Ueber die groe Prinzipfrage, ber
die Frage, ob die Prefreiheit im Ganzen ein Segen oder ein Fluch fr
die Gesellschaft sei, ist kein Wort gesagt. Die Censuracte wird
verdammt, nicht als etwas dem Wesen nach Schlimmes, sondern nur wegen
der kleinen Unzutrglichkeiten, wegen der Erpressungen, der
Beeintrchtigungen, der Handelsbeschrnkungen, der Haussuchungen, welche
aus ihr entsprangen. Sie wird fr nachtheilig erklrt, weil sie die
Sortimentsbuchhndler in den Stand setzt, von den Verlegern Geld zu
erpressen, weil sie die Agenten der Regierung ermchtigt, unter der
Autoritt von Generalvollmachten Haussuchungen vorzunehmen, weil sie den
auslndischen Buchhandel auf den Hafen von London beschrnkt, weil sie
werthvolle Bcherballen im Zollhause zurckhlt, bis die Bltter
verschimmelt sind. Die Gemeinen hoben hervor, da der Betrag der
Gebhren, die der Censor verlangen kann, nicht festgestellt sei. Sie
hoben hervor, da es einem Zollbeamten bei Strafe verboten sei, eine von
auswrts kommende Bcherkiste anders als in Anwesenheit eines der
Censoren der Presse zu ffnen. Wie soll der Beamte wissen, wird sehr
richtig gefragt, ob Bcher in der Kiste sind, so lange er sie nicht
geffnet hat? Dies waren die Argumente, welche erreichten, was Milton's
Areopagitica nicht gelungen war.

Die Lords fgten sich ohne Kampf. Sie erwarteten wahrscheinlich, da
eine weniger Einwendungen zulassende Bill zur Regulirung der Presse
ihnen bald zugesandt werden wrde, und eine solche Bill wurde auch
wirklich im Hause der Gemeinen eingebracht, zweimal gelesen und einem
gewhlten Ausschusse berwiesen. Aber die Session ging zu Ende, bevor
der Ausschu seinen Bericht erstattet hatte, und die englische Literatur
wurde von der Aufsicht der Presse befreit, und fr immer befreit.[7]
Dieses hochwichtige Ereigni ging fast unbeachtet vorber. Evelyn und
Luttrell hielten es nicht der Mhe werth, es in ihren Tagebchern zu
erwhnen, so wenig wie die hollndischen Gesandten in ihren Depeschen.
Auch in den Monthly Mercuries findet sich keine Notiz darber. Die
ffentliche Aufmerksamkeit war von anderen und weit aufregenderen Dingen
in Anspruch genommen.


[_Halifax' Tod._] Eines dieser Dinge war der Tod des gebildetsten,
erleuchtetsten und trotz groer Fehler achtungswerthesten der in dem
verderbten und ausschweifenden Whitehall der Restauration
gebildeten Staatsmnner. Ungefhr einen Monat nach dem glnzenden
Leichenbegngnisse Mariens bewegte sich ein Leichenzug von fast
prahlerischer Einfachheit um den Schrein Eduards' des Bekenners nach der
Kapelle Heinrich'sVII. Dort steht, wenige Fu von ihrem Sarge, der
Sarg Georg Savile's, Marquis von Halifax.

Halifax und Nottingham waren seit langer Zeit Freunde, und Lord Eland,
jetzt Halifax' einziger Sohn, war mit Lady Marie Finch, Nottingham's
Tochter, verlobt. Der Tag der Vermhlung war festgesetzt, eine heitere
Gesellschaft versammelte sich in Burley on the Hill, dem Schlosse des
Vaters der Braut, das von einer der schnsten Terrassen der ganzen Insel
auf prchtige Buchen- und Eichenwlder, auf das fruchtbare Thal von
Catmos und auf den Kirchthurm von Oakham herabsieht. Der Vater des
Brutigams wurde durch eine Unplichkeit, die man nicht fr gefhrlich
hielt, in London zurckgehalten. Pltzlich nahm die Krankheit einen
beunruhigenden Character an. Man sagte ihm, da er nur noch einige
Stunden zu leben habe. Er hrte die Mittheilung mit ruhiger Fassung an.
Es wurde vorgeschlagen, seinen Sohn durch einen Expressen nach der Stadt
holen zu lassen. Aber Halifax, bis zum letzten Augenblicke gutmthig,
wollte die Freude des Hochzeitstages nicht stren. Er gab strengen
Befehl, da die Beerdigung in aller Stille vor sich gehen solle, und
bereitete sich auf den groen Wechsel durch Andachtsbungen vor, welche
Diejenigen in Erstaunen setzten, die ihn fr einen Atheisten hielten,
und starb mit der heiteren Ruhe eines Philosophen und eines Christen,
whrend seine Freunde und Verwandten, seine Gefahr nicht ahnend,
Weinmolken tranken und die Gardine zogen.[8]

Seine legitime mnnliche Nachkommenschaft starb bald aus. Doch kein
geringer Theil seines Geistes und seiner Beredtsamkeit ging auf seinen
Tochtersohn, Philipp Stanhope, vierten Earl von Chesterfield ber. Aber
es ist wahrscheinlich nicht allgemein bekannt, da einige Abenteurer,
die sich, ohne die Vortheile des Reichthums oder der Stellung zu
besitzen, durch die bloe Kraft des Talents einen Namen gemacht haben,
das Blut Halifax' erbten. Er hinterlie einen natrlichen Sohn, Heinrich
Carey, dessen Dramen einst zahlreiche Zuschauer ins Theater lockten und
von dessen heiteren und geistreichen Versen einige noch im Gedchtni
von Hunderttausenden leben. Von Heinrich Carey stammte Edmund Kean ab,
der sich in unsrer Zeit so wundervoll in Shylock, Jago und Othello
verwandelte.

Mehr als ein Schriftsteller ist der Parteilichkeit fr Halifax
beschuldigt worden. Allerdings hat auch das Gedchtni Halifax' ganz
besonderen Anspruch auf den Schutz der Geschichte. Denn was ihn vor
allen anderen englischen Staatsmnnern auszeichnet, ist der Umstand, da
er whrend einer langen ffentlichen Laufbahn und durch hufige und
heftige Umwlzungen in der ffentlichen Meinung, von den groen Fragen
seiner Zeit fast stets diejenige Ansicht fate, welche die Geschichte
schlielich angenommen hat. Er wurde unbestndig genannt, weil seine
relative Stellung zu den streitenden Parteien fortwhrend wechselte.
Eben so gut knnte man den Polarstern unbestndig nennen, weil er bald
stlich bald westlich von den Zeigern steht. Die alte und gesetzliche
Verfassung des Reichs zu der einen Zeit gegen eine aufstndische
Volksmasse, zu einer andren Zeit gegen eine despotische Regierung
vertheidigt zu haben; der hervorragendste Vertheidiger der Ordnung in
dem strmischen Parlamente von 1680, und der hervorragendste
Vertheidiger der Freiheit in dem servilen Parlamente von 1685 gewesen
zu sein; in den Tagen des papistischen Complots gegen die
Rmisch-Katholischen, in den Tagen des Ryehousecomplots gegen die
Exclusionisten gerecht und nachsichtig gewesen zu sein; alles in seiner
Macht Stehende gethan zu haben, um sowohl Stafford's Kopf als auch
Russell's Kopf zu retten: dies war eine Laufbahn, welche Zeitgenossen,
die von der Leidenschaft erhitzt und durch Namen und Parteizeichen
verblendet waren, leicht begreiflicherweise wankelmthig nennen konnten,
die aber von Seiten der spten Gerechtigkeit der Nachwelt eine ganz
andre Bezeichnung verdient.

Ein dunkler Flecken, aber auch nur einer, lastet auf dem Andenken dieses
ausgezeichneten Mannes. Es ist ein schmerzlicher Gedanke, da er, der
eine so groe Rolle in der Convention gespielt hatte, sich spter dazu
erniedrigen konnte, mit Saint-Germains zu verkehren. Das Factum lt
sich nicht bestreiten; fr ihn aber giebt es Entschuldigungsgrnde,
welche fr Andere, die des nmlichen Verbrechens schuldig waren, nicht
geltend gemacht werden knnen. Er hinterging nicht, wie Marlborough,
Russell, Godolphin und Shrewsbury, einen Gebieter, der ihm Vertrauen
schenkte und mit Wohlthaten berhufte. Die Undankbarkeit und Bosheit
der Whigs trieben ihn dazu, einen Augenblick bei den Jakobiten Schutz zu
suchen. Es mu jedoch hinzugesetzt werden, da er den Fehler, zu dem ihn
die Leidenschaft verfhrte, bald bereute, da er, obwohl nie mit dem
Hofe wieder ausgeshnt, sich durch seinen Eifer fr die nachdrckliche
Fortsetzung des Kriegs auszeichnete und da sein letztes Werk eine
Schrift war, in der er seine Landsleute ermahnte zu bedenken, da die
ffentlichen Lasten, so drckend sie auch scheinen mochten, leicht seien
im Vergleich zu dem Joche Frankreich's und Rom's.[9]

Etwa vierzehn Tage nach Halifax' Tode traf seinen alten Nebenbuhler und
Feind, den Lordprsidenten, ein viel hrterer Schlag als der Tod. Dieser
talentvolle, ehrgeizige und khne Staatsmann wurde abermals von der Hhe
der Macht herabgestrzt. Sein erster Sturz hatte, so heftig er auch
gewesen war, doch etwas Wrdevolles gehabt, und indem er mit
seltener Geschicklichkeit eine auerordentliche Krisis in den
Staatsangelegenheiten benutzte, hatte er sich noch einmal zur hchsten
Stellung unter den englischen Unterthanen emporgeschwungen. Der zweite
Sturz war zwar minder heftig als der erste; aber er war schimpflich und
nicht wieder gut zu machen.


[_Parlamentarische Untersuchungen wegen der Corruption in den
ffentlichen Aemtern._] Die Unterschleife und die Bestechungen, durch
welche die damaligen Beamten sich zu bereichern pflegten, hatten das
Volk in eine Stimmung versetzt, die frher oder spter nothwendig eine
furchtbare Explosion zur Folge haben mute. Aber die Gewinne wurden auf
der Stelle gemacht, der Tag der Vergeltung war ungewi und die Plnderer
des Staats waren so gierig und frech wie je, als die lange gedrohte und
lange verzgerte Rache pltzlich den Stolzesten und Mchtigsten von
ihnen ereilte.

Das erste Grollen des herannahenden Sturmes verrieth nicht im mindesten
die Richtung, die er nehmen, oder die Wuth, mit der er ausbrechen wrde.
Ein in Royston liegendes Infanterieregiment hatte von den Bewohnern
dieser Stadt und deren Umgegend Contributionen erhoben. Die erprete
Summe war nicht bedeutend. In Frankreich oder Brabant wrde die
Migkeit des Verlangten fr wunderbar gehalten worden sein. Den
englischen Kaufleuten und Landwirthen aber war die militrische
Erpressung zum Glck etwas ganz Neues und Unertrgliches. Es wurde den
Gemeinen eine Petition bersandt, und die Gemeinen forderten die
Anklger und Angeklagten vor die Schranke. Es stellte sich bald heraus,
da ein schweres Vergehen verbt worden, da aber die Verbrecher
einigermaen zu entschuldigen waren. Die ffentlichen Gelder, welche die
Schatzkammer zu ihrer Lhnung und ihrem Unterhalte hergegeben hatte,
waren von ihrem Obersten und seinen Agenten betrgerischerweise
zurckgehalten worden. Es war kein Wunder, wenn Leute, welche Waffen
hatten und denen es an den nothwendigsten Bedrfnissen fehlte, wenig
nach der Bitte um Recht und nach der Rechtserklrung fragten. Aber
emprend war es, da der Soldat, whrend der Brger schwer besteuert
war, damit dem Soldaten der hchste in Europa bekannte Militrsold
bezahlt werden konnte, durch gnzlichen Mangel dazu getrieben wurde, den
Brger zu brandschatzen. Dies wurde in einer Vorstellung, welche die
Gemeinen Wilhelm vorlegten, nachdrcklich hervorgehoben. Wilhelm, der
schon lngst gegen Mibruche kmpfte, welche die Wirksamkeit seiner
Armee empfindlich beeintrchtigten, freute sich, da seine Hand auf
diese Weise gekrftigt wurde. Er versprach vollstndige Genugthuung,
cassirte den schuldigen Obersten, gab strengen Befehl, da den Truppen
ihr Sold regelmig ausgezahlt werde und ernannte eine Militrbehrde
zur Entdeckung und Bestrafung solcher Ungebhrlichkeiten, wie sie in
Royston vorgekommen waren.[10]

Aber die ganze Verwaltung war in einem solchen Zustande, da es kaum
mglich war, einen Schuldigen zu bestrafen, ohne zehn andere zu
entdecken. Im Laufe der Untersuchung ber das Benehmen der Truppen in
Royston kam es an den Tag, da Heinrich Guy, Parlamentsmitglied fr
Heydon und Sekretr des Schatzamts, eine Bestechungssumme von
zweihundert Guineen angenommen hatte. Guy wurde sogleich in den Tower
geschickt, nicht ohne groen Jubel seitens der Whigs, denn er war eines
von den Werkzeugen, welche zugleich mit den Gebuden und Einrichtungen
der ffentlichen Aemter von Jakob auf Wilhelm bergegangen waren; er
spielte die Rolle eines Hochkirchlichen, und man wute, da er mit
einigen Oberhuptern der Torypartei, und namentlich mit Trevor, eng
befreundet war.[11]

Ein andrer Name, der spter eine nur zu weit verbreitete Berhmtheit
erlangte, wurde damals dem Publikum zuerst bekannt. Jakob Craggs hatte
seine Laufbahn als Barbier begonnen. Dann war er Bedienter der Herzogin
von Cleveland geworden. Seine ausgezeichneten, wenn auch nicht durch
Unterricht ausgebildeten Naturgaben hatten ihn in der Welt emporgehoben,
und er betrat jetzt eine Laufbahn, die nach einem Viertel Jahrhundert
des Glcks mit unbeschreiblichem Elend und Verzweiflung endigen sollte.
Er war Tuchlieferant fr die Armee geworden. Er wurde ber seinen
Geschftsverkehr mit den Regimentsobersten vernommen, und da er sich
hartnckig weigerte, seine Bcher vorzulegen, wurde er in den Tower
geschickt, um Guy Gesellschaft zu leisten.[12]

Wenige Stunden nachdem Craggs ins Gefngni geworfen worden war, legte
ein Ausschu, der ernannt war, um die Begrndung einer von einigen
Miethkutschern London's eingereichten Petition zu untersuchen, einen
Bericht auf den Tisch des Hauses nieder, der allgemeinen Abscheu und
Unwillen erregte. Es ergab sich, da diese armen ihr Brot sauer
verdienenden Menschen von der Behrde, unter deren Aufsicht sie eine
Acte der vorigen Session gestellt hatte, schwere Unbill erfahren hatten.
Sie waren nicht allein von den Commissaren, sondern auch von dem
Bedienten eines Commissars und von der Concubine eines andren
gebrandschatzt und insultirt worden. Die Gemeinen richteten eine Adresse
an den Knig und der Knig entsetzte die Schuldigen ihrer Stellen.[13]

Inzwischen aber begann Verbrechern, die in Macht und Rang weit hher
standen, bange zu werden. Bei jeder neuen Entdeckung wuchs die Aufregung
sowohl innerhalb als auch auerhalb der Mauern des Parlaments. Das
entsetzliche Ueberhandnehmen von Bestechung, Corruption und Erpressung
bildete berall den Gegenstand des Tagesgesprchs. Ein zeitgenssischer
Pamphletist vergleicht den damaligen Zustand der politischen Welt mit
dem Zustande einer Stadt, in der man so eben das Herrschen einer
Pestseuche entdeckt hat und in der die Schreckensworte Gott sei uns
gndig bereits an einigen Thren zu lesen sind.[14] Geflster, das zu
einer andren Zeit rasch verklungen und vergessen worden wre, schwoll
jetzt zu Murren und dann zu lautem Geschrei an. Es entstand und
verbreitete sich das Gercht, da die Gelder der beiden reichsten
Corporationen des Landes, der City von London und der Ostindischen
Compagnie, in bedeutendem Mae zur Bestechung hochgestellter Mnner
verwendet worden seien, und es wurden die Namen Trevor, Seymour und
Leeds genannt.

Die Nennung dieser Namen verursachte eine groe Aufregung in den Reihen
der Whigs. Trevor, Seymour und Leeds waren alle Drei Tories und bten
auf verschiedenen Wegen einen greren Einflu aus, als vielleicht
irgend drei andere Tories des Knigreichs. Wenn sie alle Drei zu
gleicher Zeit mit beflecktem Rufe aus dem ffentlichen Leben verdrngt
werden konnten, so hatten dann die Whigs im Parlament wie im Cabinet das
entschiedene Uebergewicht.

Wharton war nicht der Mann, sich eine solche Gelegenheit entgehen zu
lassen. In White's Kaffeehause, unter den jungen vornehmen Herren, die
in Politik und Ausschweifung seine Schler waren, wrde er gewi
herzlich gelacht haben ber die Wuth, mit der die Nation pltzlich Leute
deshalb zu verfolgen begann, weil sie etwas thaten, was Jedermann stets
gethan hatte und stets zu thun versuchte. Aber wenn die Menschen einmal
Thoren sein wollten, so war es Sache eines Staatsmannes, ihre Thorheit
zu benutzen. Die Sprache der politischen Reinheit war den Lippen
Wharton's nicht so gelufig als gotteslsterliche und unzchtige Reden;
aber seine Manieren waren so geschmeidig und seine Unverschmtheit so
gro, da er vor der Welt als ein sittenstrenger Patriot aufzutreten
wagte, der ber die Feilheit und Treulosigkeit eines entarteten
Zeitalters trauerte. Whrend er, von dem heftigen Parteigeiste beseelt,
der bei rechtschaffenen Mnnern fr einen Fehler gegolten haben wrde,
der aber bei ihm fast eine Tugend war, seine Freunde eifrig
aufstachelte, eine Untersuchung ber die Wahrheit der circulirenden
schlimmen Gerchte zu verlangen, wurde der Gegenstand pltzlich und
nachdrcklich in den Vordergrund gedrngt. Der Zufall wollte, da, als
eine Bill von geringem Interesse bei den Gemeinen berathen wurde, der
Brieftrger mit zahlreichen Briefen an Mitglieder ankam, und die
Vertheilung erfolgte an der Schranke unter einem Gemurmel, das die
Stimmen der Redner bertubte. Seymour, den sein gebieterischer
Character bestndig antrieb zu befehlen und zu moniren, verwies den
Plaudernden die anstige Ordnungswidrigkeit ihres Benehmens und
forderte den Sprecher auf, es zu rgen. Es erfolgte ein heftiger
Wortwechsel und einer der Schuldigen lie sich so weit hinreien, da er
auf die ber Seymour und den Sprecher umlaufenden Geschichten anspielte.
Es ist allerdings unpassend zu plaudern, whrend eine Bill berathen
wird; aber noch viel schlimmer ist es, Geld anzunehmen, um eine Bill
durchzubringen. Wenn wir eine leichte Formverletzung so streng rgen
wollen, wie streng sollten wir dann erst gegen die Corruption auftreten,
welche das Wesen unserer Institutionen selbst untergrbt! Das war
genug; der Funke war gefallen, der Pulverfaden lag bereit, die Explosion
erfolgte augenblicklich und mit furchtbarer Heftigkeit. Nach einer
strmischen Debatte, in der sich zu wiederholten Malen der Ruf: der
Tower! vernehmen lie, traf Wharton Anstalt, sein Vorhaben
durchzusetzen. Bevor das Haus die Sitzung aufhob, wurde ein Ausschu zur
Prfung der Bcher der City von London und der Ostindischen Compagnie
ernannt.[15]


[_Tadelsvotum gegen den Sprecher des Hauses der Gemeinen._] Foley wurde
zum Prsidenten des Ausschusses ernannt. Vor Ablauf einer Woche
berichtete er, da der Sprecher, Sir Johann Trevor, unter der vorigen
Session von der City tausend Guineen zur Beschleunigung einer Lokalbill
erhalten habe. Diese Entdeckung freute die Whigs, welche Trevor von
jeher haten, ungemein und war selbst vielen Tories nicht unangenehm.
Seit sechs geschftsreichen Sessionen hatte seine schmutzige Habgier ihn
zum Gegenstand des allgemeinen Abscheus gemacht. Die gesetzlichen
Einknfte seines Postens betrugen ungefhr viertausend Pfund jhrlich;
aber man glaubte, da er sich auf mindestens zehntausend Pfund gestanden
habe.[16] Seine Schamlosigkeit und sein Hochmuth waren selbst dem
engelgleichen Character Tillotson's zu stark gewesen, und man wollte den
sanften Erzbischof etwas von einem Schurken haben murmeln hren, als der
Sprecher bei ihm vorberging.[17] Doch so gro die Verbrechen dieses
abscheulichen Mannes waren, seine Strafe war ihnen vollkommen
angemessen. Sobald der Ausschubericht verlesen war, wurde beantragt zu
resolviren, da er sich eines schweren Verbrechens und Vergehens
schuldig gemacht habe. Er mute aufstehen und die Frage stellen. Es
erhob sich alsbald ein lautes Jageschrei. Er rief die Neins auf, und
fast keine einzige Stimme lie sich vernehmen. Er sah sich gezwungen zu
erklren, da die Jas berwgen. Ein Mann von Ehre wrde vor Reue und
Scham in die Erde gesunken sein, und die unsgliche Schande dieses
Augenblicks lie selbst in dem verstockten Herzen und auf der frechen
Stirn Trevor's ihre Spuren zurck. Wre er am folgenden Tage wieder in
der Kammer erschienen, so wrde er ber seine eigne Ausstoung die Frage
haben stellen mssen. Er schtzte daher Unplichkeit vor und schlo
sich in sein Schlafzimmer ein. Wharton berbrachte den Gemeinen bald
eine knigliche Botschaft, die sie ermchtigte, einen andren Sprecher zu
whlen.


[_Foley zum Sprecher erwhlt._] Die Whighupter wollten Littleton auf
den Prsidentenstuhl bringen; aber es gelang ihnen nicht, diese Absicht
zu erreichen. Foley wurde gewhlt, vorgestellt und besttigt. Obwohl er
neuerdings in der Regel mit den Tories gestimmt hatte, nannte er sich
noch immer einen Whig und war auch vielen Whigs nicht unangenehm. Er
besa sowohl die Talente als auch die Kenntnisse, deren es bedurfte, um
den Debatten mit Wrde prsidiren zu knnen; was aber in der
eigenthmlichen Lage, in der sich das Haus damals befand, nicht ohne
Grund als seine empfehlendste Eigenschaft betrachtet wurde, das war sein
unvershnlicher Abscheu vor Betrug und Corruption, den er ein wenig
prahlerisch zur Schau trug, aber auch ohne Zweifel wirklich empfand. Den
Tag darauf, nachdem er seine Functionen angetreten hatte, wurde sein
Vorgnger ausgestoen.[18]


[_Untersuchung der Rechnungen der Ostindischen Compagnie._] Die
Unbesonnenheit Trevor's war eben so gro gewesen als seine
Schlechtigkeit, und seine Schuld war bei der ersten Prfung der
Rechnungen der City zu Tage getreten. Die Rechnungen der Ostindischen
Compagnie waren verwickelter. Der Ausschu berichtete, da er sich nach
Leadenhall Street begeben, die Papiere untersucht, die Directoren und
Commis befragt habe, aber nicht im Stande gewesen sei, dem Geheimnisse
der Widerrechtlichkeit auf den Grund zu kommen. Einige hchst
verdchtige Buchungen habe man unter der Bezeichnung besonderer
Dienstaufwand entdeckt. Die Ausgaben dieses Conto's htten im Jahre
1693 ber achtzigtausend Pfund betragen. Es sei erwiesen, da die
Directoren bezglich der Verausgabung dieses Geldes dem Gouverneur, Sir
Thomas Cook, unbedingtes Vertrauen geschenkt htten. Er habe ihnen nur
in allgemeinen Ausdrcken gesagt, da er in Angelegenheit der Concession
dreiundzwanzigtausend, fnfundzwanzigtausend, dreiigtausend Pfund habe
ausgeben mssen, und die Directoren htten ihm, ohne specielle
Rechnungsablage zu verlangen, fr seine Sorgfalt gedankt und ihm ohne
weiteres Anweisungen auf diese bedeutenden Summen ausstellen lassen.
Einige aufsssige Directoren htten zwar ber diese enorme Ausgabe
gemurrt und einen detaillirten Status verlangt; aber sie htten keine
andre Antwort aus Cook herausbekommen knnen, als da es nothwendig
gewesen sei, einige hochgestellte Personen zu beschenken.


[_Verdchtiges Treiben Seymour's._] Der Ausschu berichtete ferner, da
er ein contractliches Uebereinkommen gefunden habe, kraft dessen die
Compagnie sich verpflichtet habe, einer Person, Namens Colston,
zweihundert Tonnen Salpeter zu liefern. Auf den ersten Anblick schien
dieses Geschft kaufmnnisch und in Ordnung zu sein. Bald aber kam man
dahinter, da Colston nur ein Agent Seymour's war. Dies erweckte
Verdacht. Die verwickelten Bedingungen des Contracts wurden genau
untersucht und sie ergaben sich als in der Weise festgestellt, da in
jedem mglichen Falle eine Summe von zehn- bis zwlftausend Pfund von
Seymour gewonnen und von der Compagnie verloren werden mute. Alle
Sachverstndigen waren der Ansicht, da der Contract ein bloes
Scheindocument sei, das eine Bestechung verdecken sollte. Die Maske war
aber so geschickt gemacht, da die Landgentlemen sich nicht hineinfinden
konnten und da selbst die Juristen zweifelten, ob solche Beweise von
Bestechung vorlgen, wie sie ein Gerichtshof fr gengend erachten
wrde. Seymour kam sogar ohne Tadelsvotum davon und nahm nach wie vor
einen leitenden Antheil an den Debatten der Gemeinen.[19] Aber die
Autoritt, die er lange im Hause und in den westlichen Grafschaften
ausgebt hatte, war, wenn auch nicht vernichtet, doch sichtbar
vermindert, und bis an das Ende seines Lebens blieb sein Salpeterhandel
ein Lieblingsthema fr whiggistische Pamphletisten und Dichter.[20]


[_Bill gegen Sir Thomas Cook._] Das Entrinnen Seymour's fachte den Eifer
Wharton's und seiner Verbndeten nur noch mehr an. Sie waren
entschlossen zu entdecken, wohin die achtzig- bis neunzigtausend Pfund
geheimer Dienstaufwand gekommen waren, welche die Ostindische
Compagnie Cook anvertraut hatte. Cook, welcher Abgeordneter fr
Colchester war, wurde auf seinem Platze befragt; er weigerte sich Rede
zu stehen, wurde in den Tower geschickt, und eine Bill wurde
eingebracht, des Inhalts, da, wenn er bis zu einem bestimmten Tage
nicht die ganze Wahrheit gestnde, er nie mehr fhig sein solle, ein
Amt zu bekleiden, der Compagnie die ganze ihm anvertraute ungeheure
Summe zurckerstatten und auerdem eine Geldbue von zwanzigtausend
Pfund an die Krone bezahlen msse. So reich er auch war, diese Geldbuen
wrden ihn an den Bettelstab gebracht haben. Die Gemeinen waren in einer
solchen Stimmung, da sie die Bill ohne eine einzige Abstimmung
annahmen.[21] Seymour trat zwar, obgleich sein Salpetercontract das
Stadtgesprch bildete, mit frecher Stirn auf, um seinen Complicen in
Schutz zu nehmen; aber seine Frechheit schadete der Sache nur, die er
vertheidigte.[22] Im Oberhause wurde die Bill vom Herzoge von Leeds in
den strksten Ausdrcken verurtheilt. Die Hand auf das Herz gelegt,
erklrte er auf sein Wort, auf seine Ehre, da er kein persnliches
Interesse an der Sache habe und da er durch kein andres Motiv als das
einer reinen Gerechtigkeitsliebe getrieben werde. Seine Beredtsamkeit
erhielt eine mchtige Sttze an den Thrnen und Wehklagen Cooks, der von
der Schranke aus die Peers beschwor, ihn nicht einer den milden Gesetzen
England's unbekannten Tortur zu unterwerfen. Nehmen Sie, sagte er,
anstatt dieser grausamen Bill eine Indemnittsbill an, und ich werde
Ihnen Alles sagen. Die Lords hielten sein Verlangen fr nicht ganz
unbillig. Nach einigen Verhandlungen mit den Gemeinen wurde beschlossen,
da ein gemeinsamer Ausschu ernannt werden sollte, um zu untersuchen,
wofr der geheime Dienstaufwand der Ostindischen Compagnie verausgabt
worden sei, und es wurde rasch eine Acte angenommen, welche bestimmte,
da, wenn Cook diesem Ausschusse offene und vollstndige Enthllungen
mache, er fr die einzugestehenden Verbrechen nicht bestraft werden, da
er aber, bis er ein solches Gestndni ablege, im Tower bleiben solle.
Gegen dieses Arrangement opponirte Leeds ffentlich so entschieden, als
er es schicklicherweise thun konnte. Insgeheim wendeten Diejenigen, die
sich schuldig fhlten, allerhand Kunstgriffe an, um einer Untersuchung
vorzubeugen. Man raunte sich zu, da Dinge an den Tag kommen wrden, von
denen jeder gute Englnder wnschen mte, da sie verborgen blieben,
und da der grte Theil der durch Cook's Hnde gegangenen Summen an
Portland zum Gebrauch Sr. Majestt bezahlt worden sei. Aber das
Parlament und die Nation waren entschlossen, die Wahrheit zu erfahren,
gleichviel wer durch die Enthllung leiden wrde.[23]


[_Untersuchung durch einen vereinigten Ausschu der Lords und
Gemeinen._] Sobald die Indemnittsbill die knigliche Genehmigung
erhalten hatte, trat der vereinigte Ausschu, bestehend aus zwlf Lords
und vierundzwanzig Mitgliedern des Hauses der Gemeinen, im Sitzungssaale
der Schatzkammer zusammen. Wharton wurde zum Vorsitzenden ernannt und in
wenigen Stunden wurden wichtige Entdeckungen gemacht.

Der Knig und Portland gingen mit unbefleckter Ehre aus der Untersuchung
hervor. Der Knig hatte nicht nur keinen Theil an den von Cook
verausgabten geheimen Dienstgeldern, sondern er hatte sogar seit einigen
Jahren nicht einmal das gewhnliche Geschenk erhalten, das die
Compagnie unter frheren Regierungen alljhrlich am Fue des Thrones
niedergelegt. Es ergab sich, da Portland nicht weniger als
fnfzigtausend Pfund angeboten und von ihm zurckgewiesen worden waren.
Das Geld lag ein ganzes Jahr bereit, um ihm ausgezahlt zu werden, wenn
er andren Sinnes werden sollte. Endlich sagte er Denen, die in ihn
drangen, diese ungeheure Bestechungssumme anzunehmen, da sie ihn zu
einem Feinde ihrer Compagnie machen wrden, wenn sie ihn noch lnger
durch ein solches Anerbieten beleidigten. Viele wunderten sich ber die
Rechtschaffenheit, die er bei dieser Gelegenheit bewies, denn er galt
allgemein fr eigenntzig und habgierig. Das Wahre an der Sache scheint
zu sein, da er zwar das Geld liebte, aber ein Mann von strenger
Rechtschaffenheit und Ehre war. Er nahm ohne Besinnen Alles was er mit
Ehren nehmen zu knnen glaubte, war aber unfhig, sich zu einer
Gemeinheit zu erniedrigen. Er fhlte sich sogar durch die Complimente
beleidigt, die ihm bei dieser Gelegenheit gesagt wurden.[24]
Nottingham's Rechtschaffenheit konnte nicht Wunder nehmen. Auch ihm
waren zehntausend Pfund angeboten, aber zurckgewiesen worden. Die Zahl
der Flle, in denen stattgefundene Bestechung vollstndig erwiesen
wurde, war klein. Ein groer Theil der Summe, welche Cook aus der Casse
der Compagnie gezogen hatte, war wahrscheinlich von den Agenten
unterschlagen worden, deren er sich bei dem Bestechungswerke bedient
hatte, und wohin das Uebrige gekommen war, konnte man aus den
widerstrebenden Zeugen, welche vor den Ausschu gebracht wurden, nicht
leicht erfahren. Ein Lichtstrahl zeigte sich jedoch; man ging ihm nach,
und er fhrte zu einer Entdeckung von der hchsten Wichtigkeit. Eine
bedeutende Summe war von Cook einem Agenten, Namens Firebrace, und von
Firebrace einem andren Agenten, Namens Bates, verabfolgt worden, von dem
man genau wute, da er mit der Hochkirchenpartei und insbesondere mit
Leeds in enger Beziehung stand. Bates wurde vorgeladen, aber er machte
sich aus dem Staube; man schickte Boten zu seiner Verfolgung ab, er
wurde ergriffen, in das Schatzkammergericht gebracht und vereidigt. Die
Geschichte, die er erzhlte, bewies, da er zwischen der Furcht, seine
Ohren zu verlieren, und der Furcht, seinem Gnner zu schaden, hin und
her schwankte. Er gestand, da er es auf sich genommen habe, Leeds zu
bestechen, da ihm zu dem Ende fnftausendfnfhundert Guineen bergeben
worden seien, da er diese Guineen Sr. Gnaden angeboten und dieselben
mit Erlaubni Sr. Gnaden in dessen Hause einem Schweizer, Namens Robart,
eingehndigt habe, der Sr. Gnaden vertrauter Geschftsmann sei. Man
sollte meinen, da diese Thatsache nur eine Deutung zuliee. Bates
schwur jedoch, der Herzog habe sich geweigert, auch nur einen Farthing
anzunehmen. Warum, fragte man, wurde dann das Gold mit seiner
Bewilligung in seinem Hause und in den Hnden seines Dieners
zurckgelassen? -- Weil ich schlecht Geld zhlen kann, antwortete
Bates. Ich bat deshalb Se. Gnaden um die Erlaubni, die Goldstcke
dalassen zu drfen, damit Robart sie fr mich zhlen mchte, und Se.
Gnaden hatte die Gte, dies zu gestatten. Es lag auf der Hand, da,
wenn diese wunderliche Geschichte wahr gewesen wre, die Guineen in
einigen Stunden htten wieder abgeholt werden mssen. Aber Bates mute
eingestehen, da sie ein halbes Jahr da geblieben waren, wo er sie
zurckgelassen hatte. Allerdings war das Geld schlielich -- und dies
war im vorliegenden Falle einer der verdchtigsten Umstnde, -- von
Robart gerade an dem Morgen zurckgezahlt worden, wo der Ausschu seine
erste Zusammenkunft im Schatzkammergericht hielt. Wer konnte glauben,
da, wenn die Geschichte frei von jedem Anschein von Bestechung gewesen
wre, die Guineen, so lange Cook schweigen konnte, zurckgehalten und an
dem elften Tage wo er genthigt war sich auszusprechen, zurckerstattet
worden sein wrden?


[_Anklage gegen Leeds._] Wenige Stunden nach dem Verhre Bates'
berichtete Wharton den Gemeinen was im Schatzkammergericht vorgegangen
war. Die Entrstung war allgemein und heftig. Sie begreifen jetzt,
sagte Wharton, warum uns bei jedem Schritte Hindernisse in den Weg
gelegt wurden, warum wir die Wahrheit tropfenweis herauspressen muten,
warum der Name Sr. Majestt arglistig genannt wurde, damit wir von einer
Untersuchung abstehen sollten, die nichts zu Tage gebracht hat, was Sr.
Majestt nicht zur Ehre gereichte. Drfen wir uns wundern, da wir mit
so groen Schwierigkeiten zu kmpfen hatten, wenn wir die Macht,
Gewandtheit und Erfahrung des Mannes bedenken, der uns im Geheimen
entgegenarbeitete? Es ist Zeit, der Welt einmal schlagend zu beweisen,
da kein Verbrecher sich so schlau zu verbergen oder so hoch zu klimmen
vermag, da wir ihn nicht aufspren oder erreichen knnten. Nie hat es
ein schndlicheres Beispiel von Bestechung gegeben, nie hat ein
Verbrecher weniger Anspruch auf Nachsicht gehabt. Die Verpflichtungen,
welche der Herzog von Leeds gegen sein Vaterland hat, sind nicht
gewhnlicher Art. Eine groe Schuld haben wir schon gromthig
gestrichen; aber die Art und Weise, wie unsre Gromuth vergolten worden
ist, zwingt uns zu bercksichtigen, da er vor langer Zeit angeklagt
war, Geld aus Frankreich zu beziehen. Wie knnen wir sicher sein, so
lange ein Mann, dessen Feilheit erwiesen ist, Zugang zum Ohre des Knigs
hat? Unsere am besten vorbereiteten Unternehmungen sind vereitelt,
unsere geheimsten Beschlsse sind verrathen worden. Und drfen wir uns
darber wundern? Knnen wir daran zweifeln, da er neben seinem
inlndischen Handel mit Concessionen einen eintrglichen auswrtigen
Handel mit Geheimnissen treibt? Knnen wir zweifeln, das der Mann, der
uns Einen an den Andren verkauft, fr einen guten Preis uns Alle an den
gemeinsamen Feind verkaufen wird? Wharton schlo mit dem Antrage, da
Leeds wegen schwerer Verbrechen und Vergehen in Anklagestand versetzt
werden solle.[25]

Leeds hatte viele Freunde und Anhnger im Hause der Gemeinen, aber sie
konnten wenig sagen. Wharton's Antrag wurde ohne Abstimmung angenommen
und er selbst beauftragt, an die Schranke der Lords zu gehen und dort
den Herzog im Namen der Gemeinen England's anzuklagen. Noch ehe er aber
diesen Auftrag ausfhren konnte, wurde gemeldet, da Se. Gnaden an der
Thr sei und um Gehr bitten lasse.

Whrend Wharton bei den Gemeinen seinen Bericht erstattete, hatte Leeds
eine Ansprache an die Lords gehalten. Er leugnete unter den
feierlichsten Versicherungen, da er jemals Geld fr sich angenommen
habe. Dagegen aber gestand er zu und rhmte sich dessen sogar, da er
Bates dazu aufgemuntert habe, von der Compagnie Geld zu nehmen, und er
schien der Meinung, da dies ein Dienst sei, den der Freund eines am
Staatsruder stehenden Mannes billigerweise von diesem erwarten knne.
Nur zu Viele machten damals in der That einen hchst albernen und
verderblichen Unterschied zwischen einem Minister, der seinen Einflu
benutzte, um sich selbst Geschenke zu verschaffen, und einem Minister,
der seinen Einflu benutzte, um fr seine Anhnger Geschenke zu
erlangen. Jener war schlecht, dieser nur gutherzig. Leeds erzhlte
hierauf mit groer Selbstgeflligkeit eine Geschichte von sich, die in
unseren Zeiten einen Staatsdiener nicht nur aus dem Amte, sondern aus
jeder anstndigen Gesellschaft vertreiben wrde. Als ich zu Knig
Karl's Zeiten Schatzmeister war, Mylords, sollte die Accise verpachtet
werden. Es waren mehrere Bewerber da. Harry Savile, den ich sehr hoch
schtzte, theilte mir mit, da sie ihn um seine Frsprache bei mir
ersucht htten, und bat mich ihnen zu sagen, er habe sein Mglichstes
fr sie gethan. Wie? entgegnete ich, das soll ich ihnen Allen sagen,
whrend doch nur Einer den Pacht haben kann? -- Thut nichts,
versetzte Harry, sagen Sie es nur Allen; Der, welcher den Pacht
bekommt, wird dann glauben, da er ihn mir verdankt. Die Herren kamen
und ich sagte jedem von ihnen besonders: Sie sind Mr. Savile sehr zu
Dank verpflichtet, Sir; oder: Mr. Savile hat Ihnen einen groen
Freundschaftsdienst erzeigt, Sir. Schlielich erhielt Savile ein
anstndiges Prsent, und ich gratulirte ihm dazu. Ich war damals sein
Schatten. Jetzt bin ich Mr. Bates' Schatten.

Der Herzog hatte diese Anekdote, die ein so grelles Licht auf den
damaligen Zustand der politischen Moralitt wirft, kaum erzhlt, als ihm
unter der Hand mitgetheilt wurde, da im Hause der Gemeinen der Antrag
gestellt worden sei, ihn in Anklagestand zu versetzen. Er eilte dahin,
aber noch ehe er ankam, war die Frage bereits gestellt und angenommen.
Dessenungeachtet drang er auf Einla, und er wurde eingelassen. Nach
altem Brauche wurde innerhalb der Schranke ein Stuhl fr ihn hingestellt
und ihm angezeigt, da das Haus bereit sei ihn anzuhren.

Er sprach, aber mit weniger Takt und Einsicht als gewhnlich. Er pries
seine eigenen dem Staate geleisteten Dienste. Ohne ihn, sagte er,
wrde es kein Haus der Gemeinen gegeben haben, das ihn htte anklagen
knnen, eine Prahlerei, die so berspannt war, da seinen Zuhrern
nothwendig die Lust vergehen mute, ihm dasjenige Lob zuzugestehen,
das sein Verhalten zur Zeit der Revolution wirklich verdiente. Ueber
die gegen ihn erhobene Anklage sagte er nicht viel mehr als da er
unschuldig sei, da man schon lngst mit dem bswilligen Plane umgehe,
ihn ins Verderben zu strzen, da er nicht auf Einzelnheiten eingehen
wolle, da die Facta, welche bewiesen worden seien, zweierlei Deutungen
zulieen, und da von diesen beiden Deutungen billigerweise die
gnstigere angenommen werden msse. Er entfernte sich, nachdem er das
Haus gebeten hatte, den eben gefaten Beschlu noch einmal zu erwgen,
oder, wenn dies nicht sein knne, ihm wenigstens bald Gerechtigkeit
widerfahren zu lassen.

Seine Freunde fhlten wohl, da seine Rede keine Vertheidigung war, und
sie versuchten es daher auch gar nicht, den Beschlu rckgngig zu
machen, der unmittelbar vor seiner Anhrung gefat worden war. Wharton
begab sich in zahlreicher Begleitung zu den Lords und zeigte ihnen an,
da die Gemeinen beschlossen htten, den Herzog in Anklagestand zu
versetzen. Es wurde ein Ausschu ernannt, um die Artikel aufzusetzen und
die Beweise vorzubereiten.[26]

Die Anklageartikel waren bald aufgesetzt, aber in der Beweiskette fehlte
ein Glied. Dieses Glied konnte aller Wahrscheinlichkeit noch Robart
liefern, wenn er streng verhrt und mit anderen Zeugen confrontirt
wurde. Die Gemeinen erlieen eine Vorladung an ihn. Ein Bote begab sich
damit nach der Wohnung des Herzogs von Leeds und erhielt dort den
Bescheid, da der Schweizer schon seit drei Tagen abwesend sei und da
der Portier nicht sagen knne, wo er sich aufhalte. Die Lords richteten
unverzglich eine Adresse an den Knig, worin sie ihn ersuchten, Befehl
zu geben, da die Hfen gesperrt und der Flchtling festgenommen werde.
Aber Robart war schon in Holland auf dem Wege nach seinen heimischen
Bergen.

Die Flucht dieses Mannes machte es den Gemeinen unmglich, die Sache
weiter zu verfolgen. Sie beschuldigten Leeds mit Heftigkeit, da er den
Zeugen entfernt habe, der allein den juristischen Beweis fr Thatsachen
liefern konnte, welche durch moralische Beweise bereits festgestellt
waren. Leeds, der jetzt wegen des Ausgangs der Anklage beruhigt war, gab
sich das Ansehen eines schwer Beleidigten. Mylords, sagte er, das
Verfahren der Gemeinen ist beispiellos. Sie beschuldigen mich eines
schweren Verbrechens, sie versprechen es zu beweisen; dann finden sie,
da sie nicht die Mittel haben es zu beweisen, und sie machen mir
Vorwrfe, da ich ihnen diese Mittel nicht liefere. Sie htten gewi
eine solche Anklage nicht erheben sollen, ohne wohl zu berlegen, ob sie
auch gengende Beweise hatten, um sie aufrecht zu erhalten, oder nicht.
Wenn Robart's Zeugni, wie sie jetzt sagen, unerllich ist, warum
lieen sie ihn nicht kommen und ihn seine Geschichte erzhlen, ehe sie
sich zur Anklage entschlossen? Sein Verschwinden haben sie ihrer eignen
Malosigkeit, ihrer eignen Uebereilung zuzuschreiben. Er ist ein
Auslnder, er ist ngstlich, er hrt, da ein Vorgang, bei dem er
betheiligt gewesen, vom Hause der Gemeinen fr hchst strafbar erklrt,
da sein Herr angeklagt, da sein Freund Bates im Gefngni sei und da
jetzt an ihn die Reihe kommen solle. Natrlich bekommt er Furcht,
flchtet sich in sein Vaterland, und so weit ich ihn kenne, mchte ich
wohl behaupten, da er sich sobald nicht wieder in den Bereich einer
Vorladung des Sprechers wagen wird. Aber was geht das Alles mich an?
Soll ich mein ganzes Leben lang das Brandmal einer solchen Beschuldigung
mit mir herumtragen, lediglich deshalb, weil die Heftigkeit meiner
Anklger ihren Zeugen aus England getrieben hat? Ich verlange sofortige
Prozessirung. Ich fordere Eure Lordschaften auf zu beschlieen, da die
Anklage zurckgewiesen werden soll, wenn die Gemeinen dieselbe nicht vor
dem Schlusse der Session anbringen. Einige befreundete Stimmen riefen:
Gut beantragt! Aber die Peers im allgemeinen waren nicht geneigt einen
Schritt zu thun, der fr das Unterhaus und die groe Masse Derer,
welche dieses Haus vertrat, im hchsten Grade beleidigend gewesen wre.
Der Antrag des Herzogs fiel durch und einige Stunden darauf wurde das
Parlament prorogirt.[27]


[_Leeds' Entlassung._] Die Anklage wurde nie wieder erneuert. Der
Beweis, der eine formelle Schuldigerklrung begrndet haben wrde,
konnte nicht beigebracht werden, und eine formelle Schuldigerklrung
wrde Wharton's Zweck schwerlich besser entsprochen haben, als die
unformelle Schuldigerklrung, welche die ganze Nation bereits
ausgesprochen hatte. Das Werk war vollbracht, die Whigs hatten die
Oberhand. Leeds war nicht mehr erster Minister, ja berhaupt gar nicht
mehr Minister. Wilhelm vermied, wahrscheinlich aus Achtung fr das
Andenken der geliebten Frau, die er vor kurzem verloren und der Leeds
eine besondere Zuneigung bewiesen hatte, Alles was wie Hrte aussehen
konnte. Der gestrzte Staatsmann durfte noch eine betrchtliche Zeit
lang den Titel Lordprsident beibehalten und bei ffentlichen
Gelegenheiten zwischen dem Groen Siegel und dem Geheimsiegel gehen.
Aber man gab ihm zu verstehen, da er wohl thun wrde, nicht mehr im
Ministerium zu erscheinen; die Geschfte und das Patronat selbst
desjenigen Departements, dessen nominelles Oberhaupt er war, gingen in
andere Hnde ber, und der Posten, den er zum Scheine noch bekleidete,
wurde in den politischen Kreisen als thatschlich erledigt
betrachtet.[28]

Er eilte in die Provinz und verbarg sich dort einige Monate vor den
Augen der Oeffentlichkeit. Als jedoch das Parlament wieder zusammentrat,
kam er aus seinem Versteck hervor. Obwohl er in weit vorgerckten Jahren
stand und von Krankheit geqult wurde, war sein Ehrgeiz doch noch so
glhend als je. Mit rastloser Energie begann er zum dritten Male zu
klimmen, um, wie er sich schmeichelte, die schwindelnde Hhe wieder zu
erreichen, auf der er schon zweimal gestanden hatte und von der er schon
zweimal herabgestrzt war. Er nahm lebhaft Theil an der Debatte; aber
wenn auch seine Beredtsamkeit und seine Kenntnisse ihm jederzeit die
Aufmerksamkeit seiner Zuhrer sicherten, so wurde ihm doch nie wieder,
selbst als die Torypartei am Ruder war, der kleinste Antheil an der
Leitung der ffentlichen Angelegenheiten bewilligt.


[_Lords Justices ernannt._] Eine groe Demthigung konnte ihm nicht
erspart werden. Wilhelm stand auf dem Punkte, das Commando der Armee in
den Niederlanden zu bernehmen, und bevor er absegelte, mute er
bestimmen, von wem die Regierung in seiner Abwesenheit verwaltet werden
sollte. Bisher hatte Marie die Viceregentschaft gefhrt, wenn er
auerhalb England's war; aber sie war nicht mehr. Er bertrug daher
seine Autoritt sieben Lords Justices: Tenison, Erzbischof von
Canterbury, Somers, Grosiegelbewahrer, Pembroke, Geheimsiegelbewahrer,
Devonshire, Lord Obersthofmeister, Dorset, Lord Kammerherr, Shrewsbury,
Staatssekretr, und Godolphin, erster Commissar des Schatzes. Es ist
aus dieser Namenliste leicht zu ersehen, nach welcher Seite die
Wagschale der Macht sich jetzt neigte. Unter den sieben war Godolphin
der einzige Tory. Der Lordprsident, unter den hohen Laienwrdentrgern
des Reichs noch immer der Zweite im Range, war bergangen, und diese
Auslassung wurde allgemein als eine officielle Ankndigung seiner
Ungnade betrachtet.[29]


[_Ausshnung zwischen Wilhelm und der Prinzessin Anna._] Manche
wunderten sich, da die Prinzessin von Dnemark nicht zur Viceregentin
ernannt wurde. Die Ausshnung, welche begonnen hatte, als Marie im
Sterben lag, war seit ihrem Tode, wenigstens dem ueren Scheine nach,
vollendet worden. Dies war eine von denjenigen Gelegenheiten, bei denen
Sunderland sich besonders ntzlich machen konnte. Er eignete sich
vortrefflich dazu, eine persnliche Unterhandlung zu leiten, Groll zu
mildern, verletzten Stolz zu beschwichtigen, von allen Gegenstnden des
irdischen Verlangens den zu whlen, von dem sich am ehesten erwarten
lie, da er das Gemth, mit dem er es zu thun hatte, anziehen werde.
Bei dieser Gelegenheit war seine Aufgabe nicht schwer, denn er hatte
zwei treffliche Sttzen: Marlborough im Hofstaate Anna's, und Somers im
Cabinet Wilhelm's.

Marlborough wnschte jetzt eben so sehr die Regierung zu untersttzen,
wie er einst gewnscht hatte, sie zu strzen. Mariens Tod hatte eine
vollstndige Umwandlung in allen seinen Plnen hervorgebracht. Es gab
ein Ereigni, dem er mit dem sehnlichsten Verlangen entgegensah: die
Erhebung der Prinzessin auf den englischen Thron. Es war gewi, da er
von dem Tage an, wo sie zu regieren begann, an ihrem Hofe alles das
wurde, was Buckingham am Hofe Jakob'sI. gewesen war. Marlborough mu
sich berdies noch ganz andere Talente zugetraut haben als sie
Buckingham besa: ein Genie fr die Politik, nicht geringer als das
Richelieu's, ein Genie fr den Krieg, nicht geringer als das Turenne's.
Vielleicht sah der entlassene General in seiner Dunkelheit und
Unthtigkeit noch eine Zeit kommen, wo seine Macht, in Europa zu ntzen
und zu schaden, der der mchtigsten europischen Frsten gleich sein
wrde, wo der Kaiser auf der einen und Ludwig der Groe auf der andren
Seite ihm kriechend schmeicheln und den Hof machen und wo er jedes Jahr
das grte Vermgen, das irgend ein englischer Unterthan jemals
aufgehuft hatte, um neue hunderttausend Pfund vermehren wrde. Dies
Alles konnte geschehen, wenn Mrs. Morley Knigin wurde. Aber da Mr.
Freeman jemals Mrs. Morley als Knigin sehen wrde, war bis vor kurzem
nicht sehr wahrscheinlich gewesen. Maria versprach viel lnger zu leben
als er und mindestens eben so lange als ihre Schwester. Da Wilhelm
Nachkommen erhalten wrde, stand nicht zu erwarten. Dagegen erwartete
man allgemein, da er bald sterben wrde. Seine Wittwe konnte sich
wieder vermhlen und Kinder hinterlassen, die ihr auf dem Throne folgen
wrden. Unter diesen Umstnden konnte Marlborough mit Recht denken, da
er sehr wenig Interesse an der Aufrechthaltung der von der Convention
festgestellten Thronfolgeordnung habe. Nichts versprach seinem Zwecke
besser zu dienen, als Verwirrung und Brgerkrieg, als eine neue
Revolution, eine neue Abdankung, eine neue Erledigung des Thrones. Es
war mglich, da die Nation, gegen Wilhelm erbittert, und doch nicht
mit Jakob ausgeshnt, zwischen dem Hasse gegen Auslnder und dem Hasse
gegen Jesuiten schwankend, dem hollndischen sowohl als dem papistischen
Knige eine Prinzessin vorzog, die zugleich eine Tochter unsres Landes
und ein Mitglied unsrer Kirche war. Da dies die wirkliche Erklrung von
Marlborough's dunklen und verwickelten Complotten war, davon waren, wie
wir gesehen haben, einige von den eifrigsten Jakobiten fest berzeugt,
und es ist auch in hohem Grade wahrscheinlich. Es ist ausgemacht, da er
seit mehreren Jahren keine Mhe gespart hatte, um die Armee und die
Nation gegen die Regierung aufzubringen. Doch jetzt war Alles anders.
Marie war nicht mehr. Durch die Rechtsbill war die Krone nach dem Tode
Wilhelm's Anna gesichert, und Wilhelm's Tod konnte nicht mehr fern sein.
In der That, alle Aerzte, die ihn behandelten, wunderten sich, da er
noch lebte, und wenn man zu den Gefahren der Krankheit die Gefahren des
Kriegs rechnete, hatte es alle Wahrscheinlichkeit fr sich, da er in
wenigen Monaten im Grabe liegen werde. Marlborough sah ein, da es jetzt
Wahnsinn sein wrde, Alles in Verwirrung zu bringen und Alles auf's
Spiel zu setzen. Er hatte sein Mglichstes gethan, den Thron zu
erschttern, so lange es nicht wahrscheinlich war, da Anna ihn je
anders wrde besteigen knnen, als durch gewaltsame Mittel. Aber er that
sein Mglichstes, ihn zu befestigen, sobald es wahrscheinlich wurde, da
sie bald nach dem regelmigen Laufe der Natur und des Gesetzes berufen
werden wrde, ihn einzunehmen.

Die Prinzessin wurde durch die Churchill leicht bewogen, ein
unterwrfiges und herzliches Beileidsschreiben an den Knig zu
richten. Der Knig, welcher niemals sonderlich geneigt war, sich in
einen Austausch unaufrichtiger Complimente einzulassen, und der noch
von der ersten Heftigkeit seines Schmerzes zu Boden gedrckt wurde,
schien wenig Lust zu haben, ihrem Entgegenkommen zu entsprechen. Somers
aber, welcher erkannte, da Alles auf dem Spiele stand, ging nach
Kensington und verschaffte sich Zutritt in das knigliche Cabinet.
Wilhelm sa darin, so tief in schwermthige Gedanken versunken, da er
den Eintritt eines Besuchs gar nicht zu bemerken schien. Nach einer
ehrerbietigen Pause brach der Lord Siegelbewahrer das Schweigen und
beschwor Se. Majestt, gewi mit all' der vorsichtigen Delikatesse, die
ihm eigen war und die ihn so vorzglich befhigte, wunde Stellen des
Gemths zu berhren, ohne sie zu verletzen, sich mit der Prinzessin
zu vershnen. Thun Sie was Sie wollen, sagte Wilhelm, ich kann
an keine Geschftsangelegenheit denken. Auf diese Ermchtigung hin
schlossen die Vermittler eiligst einen Vertrag.[30] Anna kam nach
Kensington und wurde freundlich aufgenommen; sie erhielt eine Wohnung
im St. Jamespalaste, bekam wieder eine Ehrenwache, und nach langer
Unterbrechung zeigten die Nummern der Gazette wieder an, da auswrtige
Gesandte die Ehre gehabt htten, ihr vorgestellt zu werden.[31] Auch
die Churchill durften wieder unter dem kniglichen Dache wohnen. Aber
Wilhelm schlo sie zuerst nicht in die Ausshnung ein, die er mit
ihrer Gebieterin angebahnt hatte. Marlborough blieb von militrischen
und politischen Aemtern ausgeschlossen, und nicht ohne Schwierigkeit
erlangte er Zutritt in dem kniglichen Zirkel zu Kensington und
Erlaubni, dem Knige die Hand zu kssen.[32] Das Gefhl, mit dem der
Knig ihn betrachtete, erklrt es hinreichend, warum Anna nicht zur
Regentin ernannt wurde. Die Regentschaft Anna's wrde die Regentschaft
Marlborough's gewesen sein, und es kann nicht Wunder nehmen, da ein
Mann, dem man kein Amt im Staate oder Heere zu bertragen fr rathsam
hielt, nicht mit der gesammten Verwaltung des Landes betraut wurde.

Wre Marlborough stolzen und rachschtigen Charakters gewesen, so htte
er sich angereizt fhlen knnen, einen neuen Streit in der kniglichen
Familie zu entznden und neue Cabalen in der Armee anzuzetteln; aber er
hatte alle seine Leidenschaften, mit Ausnahme des Ehrgeizes und der
Habsucht, streng in der Gewalt. Er kannte das Gefhl der Rache so wenig
als das Gefhl der Dankbarkeit. Er hatte gegen die Regierung conspirirt,
whrend sie ihn mit Gunstbezeigungen berhufte. Jetzt untersttzte er
sie, obgleich sie seine Untersttzung mit Schimpf vergalt. Er erkannte
sein Interesse vollkommen, er beherrschte sein Temperament vollkommen,
und so ertrug er mit Anstand die Unannehmlichkeiten seiner gegenwrtigen
Lage und begngte sich, den Eintritt eines Ereignisses zu erwarten, das
ihn fr einige Jahre der Geduld reichlich entschdigen konnte. Er hrte
zwar nicht auf, mit dem Hofe von Saint-Germains zu correspondiren, aber
die Correspondenz wurde nach und nach immer sprlicher und scheint
seinerseits nur aus unbestimmten Versicherungen und leeren
Entschuldigungen bestanden zu haben.

Das Ereigni, das allen Aussichten Marlborough's eine andre Gestalt
gegeben, hatte die Gemther heftigerer und starrsinnigerer Politiker mit
hochfliegenden Hoffnungen und abscheulichen Plnen erfllt.


[_Jakobitische Verschwrungen gegen Wilhelm's Leben._] Whrend der
ersten dritthalb Jahre nach Grandval's Hinrichtung war kein ernstlicher
Anschlag gegen das Leben Wilhelm's geschmiedet worden. Einige
hitzkpfige Mivergngte hatten wohl Plne zu seiner Entfhrung und
Ermordung gemacht; aber diese Plne waren, so lange seine Gemahlin
lebte, von deren Vater nicht begnstigt worden. Jakob hegte keine
Bedenken und war auch, diese Gerechtigkeit mu man ihm widerfahren
lassen, kein solcher Heuchler, da er Bedenken dagegen htte vorgeben
sollen, seine Feinde durch Mittel aus dem Wege zu rumen, die er mit
Recht fr gemein und schndlich gehalten hatte, als sie von seinen
Feinden gegen ihn angewendet wurden. Und wenn ja ein solches Bedenken in
ihm aufgestiegen wre, so fehlte es unter seinem Dache nicht an
Casuisten, welche den Willen und die Fhigkeit hatten, sein Gewissen
durch Sophismen zu beschwichtigen, wie sie die viel edleren Naturen
eines Anton Babington und eines Eberhard Digby verdorben hatten. Die
Rechtmigkeit des Meuchelmords, in Fllen wo Meuchelmord die Interessen
der Kirche frdern konnte, in Zweifel ziehen, hie die Autoritt der
berhmtesten Jesuiten, Bellarmine's und Suarez', Molina's und Mariana's
bestreiten, ja sich gegen den Stuhl St. Peter's selbst auflehnen. Ein
Papst war zu Ehren des heimtckischen Gemetzels, in welchem Coligny
umgekommen war, an der Spitze seiner Cardinle in einer Prozession
einhergeschritten, hatte ein Jubilum proklamirt und die Kanonen von St.
Angelo abfeuern lassen. Ein andrer Papst hatte in einer feierlichen
Allocution die Ermordung Heinrich'sIII. von Frankreich in
hinreiender, der Ode des Propheten Habakuk entlehnten Sprache besungen
und den Mrder ber Pinehas und Judith erhoben.[33] Wilhelm wurde in
Saint-Germains als ein Ungeheuer betrachtet, in Vergleich zu welchem
Coligny und HeinrichIII. Heilige waren. Gleichwohl weigerte sich
Jakob einige Jahre lang, irgend ein Attentat gegen die Person seines
Neffen zu sanctioniren. Die Grnde, die er fr seine Weigerung anfhrte,
sind so wie er sie eigenhndig niederschrieb, auf uns gekommen. Er
heuchelte nicht den Glauben, da Meuchelmord eine Snde sei, die ein
Christ verabscheuen msse, oder eine Schurkerei, die eines Gentleman
unwrdig sei, sondern er sagte blo, da die Schwierigkeiten gro seien
und da er seine Freunde nicht drngen wolle, sich einer groen Gefahr
auszusetzen, da es nicht in seiner Macht stehe, sie wirksam zu
untersttzen.[34] So lange Marie lebte, war es allerdings sehr
zweifelhaft, ob die Ermordung ihres Gemahls der jakobitischen Sache
wirklich ntzen werde. Durch seinen Tod htte die Regierung die aus
seinen eminenten persnlichen Eigenschaften hervorgehende Kraft
verloren, wre aber zugleich auch von der Last seiner persnlichen
Unpopularitt befreit worden. Seine ganze Macht wre mit einemmal auf
seine Wittwe bergegangen, und die Nation wrde sich wahrscheinlich mit
Begeisterung um sie geschaart haben. Waren ihre politischen Fhigkeiten
auch den seinigen nicht gleich, so besa sie dagegen nicht sein
abstoendes Wesen, seinen fremden Accent und seine Parteilichkeit fr
alles Hollndische und alles Calvinistische. Viele, die sie eines
strafwrdigen Mangels an kindlicher Piett beschuldigten, wrden der
Meinung gewesen sein, da sie jetzt gewi aller Pflichten gegen einen
Vater entbunden sei, der sich mit dem Blute ihres Gatten befleckt habe.
Die ganze Regierungsmaschine wre ohne die Unterbrechung, welche
gewhnlich auf die Niederlegung der Krone folgte, in regelmigem Gange
geblieben. Es htte keine Auflsung des Parlaments, keine Suspension der
Zlle und Accisen stattgefunden; alle Ernennungen htten ihre Gltigkeit
behalten, und Jakob htte durch den Sturz seines Feindes nichts gewonnen
als eine unfruchtbare Rache.

Der Tod der Knigin nderte Alles. Wenn jetzt ein Dolch oder eine Kugel
Wilhelm's Herz traf, so war es wahrscheinlich, da sofort allgemeine
Anarchie eintrat. Das Parlament und der Geheimrath hrten auf zu
existiren. Die Autoritt der Minister und Richter erlosch mit Dem, von
dem sie ausging. Es war nicht unwahrscheinlich, da in einem solchen
Augenblicke sich ohne Schwertstreich eine Restauration bewerkstelligen
lassen wrde.


[_Charnock._] Marie war daher kaum in die Gruft gesenkt, so begannen
unruhige und gewissenlose Menschen ernstlich gegen das Leben Wilhelm's
zu conspiriren. Unter diesen Mnnern stand Charnock in Talenten, Muth
und Energie obenan. Er hatte eine liberale Erziehung genossen und war
unter der vorigen Regierung Fellow des Magdalenencollegiums zu Oxford
gewesen. Er allein in dieser groen Gesellschaft hatte das gemeinsame
Interesse verrathen, hatte sich zum Werkzeuge der Hohen Commission
hergegeben, war ffentlich von der englischen Kirche abgefallen, und
hatte zu der Zeit, wo sein Collegium ein papistisches Seminar war, das
Amt des Viceprsidenten bekleidet. Die Revolution kam und gab dem ganzen
Laufe seines Lebens sofort eine andre Richtung. Aus dem stillen
Kreuzgange und dem alten Eichenhaine am Ufer des Cherwell vertrieben,
besuchte er Orte ganz andrer Art. Mehrere Jahre fhrte er das
gefahrvolle und bewegte Leben eines Verschwrers, reiste mit geheimen
Auftrgen zwischen England und Frankreich hin und her, wechselte fters
seine Wohnung in London und war in verschiedenen Kaffeehusern unter
verschiedenen Namen bekannt. Seine Dienste waren mit einem von dem
verbannten Knige unterzeichneten Hauptmannspatent belohnt worden.


[_Porter._] Mit Charnock eng verbunden war Georg Porter, ein Abenteurer,
der sich einen Katholiken und Royalisten nannte, der aber in
Wirklichkeit jeder Religion und jedes politischen Grundsatzes
ermangelte. Selbst seine Freunde konnten nicht leugnen, da er ein
Wstling und ein Narr war, da er trank und fluchte, da er extravagante
Lgen ber seine angeblichen Liebschaften erzhlte und da er wegen
eines Dolchstichs, den er bei einer Rauferei im Theater Jemanden
versetzt hatte, des Todtschlags schuldig befunden worden war. Seine
Feinde behaupteten, da er ekelhaften und abscheulichen Arten der
Ausschweifung ergeben sei, da er sich die Mittel, seinen schndlichen
Neigungen zu frhnen, durch Betrug und Diebstahl verschaffe, da er
einer Bande von Geldbeschneidern angehre, da er sich zuweilen spt
Abends verkleidet zu Pferde fortstehle und da, wenn er von diesen
geheimnivollen Ausflgen zurckkehre, sein Aussehen den Verdacht
rechtfertige, da er in Hounslow Heath oder Finchley Common Geschfte
gemacht habe.[35]


[_Goodman._] Cardell Goodman, im Volksmunde Scum (Auswurf) Goodman
genannt, ein wo mglich noch verworfenerer Schurke als Porter, war
ebenfalls in dem Complot. Goodman war Schauspieler gewesen, war, gleich
einigen viel bedeutenderen Mnnern, von der Herzogin von Cleveland
unterhalten, in ihr Haus aufgenommen, von ihr mit Geschenken berhuft
worden und hatte ihre Gte damit vergolten, da er zwei ihrer Kinder
durch einen italienischen Quacksalber vergiften lassen wollte. Da das
Gift nicht beigebracht worden war, konnte Goodman nur wegen eines
Vergehens zur Untersuchung gezogen werden. Er wurde prozessirt, schuldig
befunden und zu einer schweren Geldstrafe verurtheilt. Seitdem hatte er
sich als einer der ersten Banknotenflscher einen Namen gemacht.[36]


[_Parkyns._] Sir Wilhelm Parkyns, ein reicher, zur juristischen Laufbahn
erzogener Ritter, der sich in den Tagen der Ausschlieungsbill unter den
Tories ausgezeichnet hatte, war eines der bedeutendsten Mitglieder des
Bundes. Er geno eines viel besseren Rufes als die meisten seiner
Complicen; in einer Beziehung aber war er strafbarer als alle anderen.
Denn um ein eintrgliches Amt zu behalten, das er beim Kanzleigericht
bekleidete, hatte er dem Frsten, gegen dessen Leben er jetzt
conspirirte, den Eid der Treue geleistet.

[_Fenwick._] Der Anschlag wurde Sir John Fenwick mitgetheilt, der wegen
der feigen Beleidigung, die er der verstorbenen Knigin zugefgt hatte,
berhmt war. Wenn man Fenwick's eigner Versicherung glauben darf, war er
wohl geneigt, an einem Aufstande Theil zu nehmen, erschrak aber vor dem
Gedanken des Meuchelmordes und lie sich seine Gesinnung so deutlich
merken, da er seinen minder skrupulsen Genossen verdchtig wurde. Er
bewahrte jedoch ihr Geheimni so streng, als ob er ihnen guten Erfolg
gewnscht htte.

Es scheint als htte anfangs ein natrliches Gefhl die Verschwrer
abgehalten, ihren Anschlag beim rechten Namen zu nennen. Selbst bei
ihren geheimen Berathungen sprachen sie vor der Hand noch nicht davon,
den Prinzen von Oranien zu ermorden. Sie wollten versuchen, sich seiner
zu bemchtigen und ihn lebend nach Frankreich zu bringen. Stieen sie
auf Widerstand, so wrden sie sich vielleicht genthigt sehen, von ihren
Degen und Pistolen Gebrauch zu machen, und Niemand knne dann fr die
Folgen eines Hiebes oder Schusses stehen. Im Frhjahr 1695 wurde der nur
noch dnn verschleierte Mordplan Jakob mitgetheilt und dringend seine
Sanction erbeten. Aber Woche auf Woche verging und es kam keine Antwort
von ihm. Er schwieg wahrscheinlich in der Hoffnung, da seine Anhnger
binnen Kurzem es wagen wrden, auf eigne Verantwortung zu handeln, und
da er so den Vortheil ihres Verbrechens, ohne die Schande desselben
haben werde. So scheinen sie ihn in der That verstanden zu haben. Er
habe, sagten sie, das Attentat nicht sanctionirt, aber er habe es auch
nicht verboten, und da er von ihrem Vorhaben Kenntni gehabt habe, so
sei das Ausbleiben seines Verbots eine gengende Ermchtigung. Sie
beschlossen daher ans Werk zu gehen; aber bevor sie die nthigen
Anstalten dazu treffen konnten, reiste Wilhelm nach Flandern ab, und der
Anschlag gegen sein Leben mute nothwendig bis zu seiner Zurckkunft
verschoben werden.


[_Session des schottischen Parlaments._] Es war am 12.Mai, als der
Knig von Kensington nach Gravesend abging, wo er sich nach dem
Continent einzuschiffen gedachte. Drei Tage vor seiner Abreise war das
schottische Parlament nach einer Pause von ungefhr zwei Jahren wieder
in Edinburg zusammengetreten. Hamilton, der in der vorhergehenden
Session den Thron eingenommen und das Scepter gehalten hatte, war
gestorben, und man mute sich daher nach einem neuen Lord Obercommissar
umsehen. Der Mann, auf den die Wahl fiel, war Johann Hay, Marquis von
Tweedale, Kanzler des Reichs, ein in den Staatsgeschften ergrauter
Edelmann, wohl unterrichtet, besonnen, human, tadellos in seinem
Privatleben und im Ganzen genommen so achtungswerth als irgend ein
schottischer Lord, der lange und tief bei der Politik jener unruhigen
Zeiten betheiligt gewesen war.


[_Untersuchung des Gemetzels von Glencoe._] Seine Aufgabe war nicht frei
von Schwierigkeiten. Es war zwar wohl bekannt, da die Stnde im
Allgemeinen geneigt waren, die Regierung zu untersttzen, aber ebenso
wohl bekannt war es, da ein gewisser Gegenstand die geschickteste und
delikateste Behandlung erforderte. Der Schrei des vor lnger als drei
Jahren in Glencoe vergossenen Blutes war endlich gehrt worden. Gegen
Ende des Jahres 1693 begann man allgemein die Gerchte, welche anfangs
als factise Verleumdungen geringschtzend verlacht worden waren,
ernster Beachtung werth zu halten. Viele, die sonst nicht so leicht
etwas glaubten, was aus den geheimen Pressen der Jakobiten hervorging,
gestanden, da zur Ehre der Regierung eine Untersuchung angeordnet
werden msse. Die liebenswrdige Marie war ber das, was sie gehrt,
heftig entrstet gewesen. Auf ihre Anregung hatte Wilhelm den Herzog von
Hamilton und mehrere andere angesehene Schotten ermchtigt, die ganze
Sache zu untersuchen. Aber der Herzog starb, seine Collegen waren in
Erfllung ihrer Pflicht saumselig, und der Knig, der von Schottland
wenig wute und sich wenig darum kmmerte, verga sie zu erinnern.[37]

Es zeigte sich jetzt, da die Regierung eben so klug als recht gehandelt
haben wrde, wenn sie den Wnschen des Landes zuvorgekommen wre. Die
entsetzliche Geschichte, welche die Eidverweigerer beharrlich,
zuversichtlich und mit so vielen Nebenumstnden wiederholten, da man
fast gezwungen war, sie zu glauben, hatte endlich ganz Schottland
aufgeregt. Die Empfindlichkeit eines vorzglich patriotischen Volks war
durch die Sptteleien der sdlichen Pamphletisten gereizt worden, welche
fragten, ob es denn nrdlich vom Tweed kein Gesetz, keine Gerechtigkeit,
keine Menschlichkeit, keinen Muth gebe, der selbst fr die emprendsten
Unbilden Genugthuung verlangte. Jede der beiden extremen Parteien welche
einander in der allgemeinen Politik direct entgegengesetzt waren, wurden
durch ein eigenes Gefhl angetrieben, eine Untersuchung zu verlangen.
Die Jakobiten waren entzckt ber die Aussicht, einen Fall nachweisen zu
knnen, der dem Usurpator zur Unehre gereichen mute und der den vielen
Verbrechen gegenbergestellt werden konnte, welche die Whigs Cleverhouse
und Mackenzie zur Last legten. Die eifrigen Presbyterianer freuten sich
nicht minder ber die Aussicht, den Master von Stair strzen zu knnen.
Sie hatten den Dienst, den er zu den Zeiten der Verfolgung dem Hause
Stuart geleistet, weder vergessen, noch verziehen. Sie wuten, da er
zwar an der politischen Revolution, die sie von der verhaten Dynastie
befreit, aufrichtig Theil genommen, doch aber die kirchliche Revolution,
welche in ihren Augen noch wichtiger war, mit Mifallen betrachtet
hatte. Sie wuten, da das Kirchenregiment fr ihn lediglich eine
Staatsangelegenheit war und da er in Folge dieser Anschauungsweise die
bischfliche Form der synodalen vorzog. Sie konnten nicht ohne Besorgni
einen so schlauen und beredten Feind der reinen Religion, den Knig auf
jedem Schritt begleiten und ihm bestndig Rathschlge zuflstern sehen.
Sie wnschten daher sehnlichst eine Untersuchung, die, wenn auch nur die
Hlfte von dem was man sich gerchtweise erzhlte wahr war, Dinge an den
Tag bringen mute, welche der Macht und dem Rufe des Ministers, dem sie
mitrauten, voraussichtlich zum Verderben gereichten. Auch konnte sich
dieser Minister nicht auf den aufrichtigen Beistand aller Beamten der
Krone verlassen. Sein Genie und sein Einflu hatten den Neid vieler
minder glcklichen Hflinge, insbesondere seines Mitsekretrs Johnstone
erweckt.

So war am Vorabende des Zusammentritts des schottischen Parlaments
Glencoe im Munde aller Schotten jeder Partei und jeder Glaubensrichtung.
Wilhelm, der eben im Begriff war, nach dem Kontinent abzureisen, sah
ein, da er in diesem Punkte den Stnden ihren Willen lassen mute und
da er nichts Besseres thun konnte als sich selbst an die Spitze einer
Bewegung zu stellen, der er unmglich zu widerstehen vermochte. Eine
Vollmacht, welche Tweedale und mehrere andere Geheimrthe autorisirte,
den Gegenstand, der das Volk in so groe Aufregung versetzt, genau zu
untersuchen, wurde in Kensington vom Knige unterzeichnet, nach Edinburg
gesandt und dort mit dem groen Siegel des Reichs versehen. Dies geschah
gerade noch zur rechten Zeit.[38] Das Parlament hatte seine Geschfte
kaum begonnen, als ein Mitglied sich erhob, um auf eine Untersuchung der
Umstnde des Gemetzels von Glencoe anzutragen. Tweedale konnte nun den
Stnden anzeigen, da die Gte Sr. Majestt ihren Wnschen
zuvorgekommen, da wenige Stunden zuvor eine Untersuchungsvollmacht in
allen Formen ausgefertigt worden sei und da die in diesem Dokumente
bezeichneten Lords und Gentlemen noch vor dem Abend ihre erste
Zusammenkunft halten wrden.[39]

Das Parlament votirte dem Knige fr diesen Beweis vterlicher Frsorge
einstimmig seinen Dank; aber Einige von Denen, welche dem Dankvotum
beitraten, uerten die sehr natrliche Besorgni, da die zweite
Untersuchung eben so unbefriedigend enden mchte, als die erste geendigt
hatte. Die Ehre des Landes, sagten sie, sei im Spiele, und die
Commissare seien verpflichtet, mit solcher Beschleunigung zu Werke zu
gehen, da das Ergebni der Untersuchung vor dem Schlusse der Session
bekannt wrde. Tweedale gab Zusicherungen, welche die Murrenden auf
einige Zeit zum Schweigen brachten[40]. Als aber drei Wochen vergangen
waren, wurden viele Mitglieder aufstzig und mitrauisch. Am 14.Juni
wurde beantragt, da die Commissare angewiesen werden sollten, ihren
Bericht zu erstatten. Der Antrag ging nicht durch, wurde aber jeden Tag
wiederholt. In drei aufeinanderfolgenden Sitzungen gelang es Tweedale,
das Drngen der Versammlung zu zgeln. Als er aber endlich anzeigte, da
der Bericht vollendet sei, und hinzusetzte, da er den Stnden nicht
eher vorgelegt werden knne, als bis er dem Knige unterbreitet worden
sei, brach ein heftiges Geschrei aus. Die Neugierde des Publikums war
aufs Hchste gespannt, denn die Untersuchung hatte bei verschlossenen
Thren stattgefunden, und die Commissare sowohl wie die Schriftfhrer
waren eidlich zur Geheimhaltung verpflichtet worden. Der Knig war in
den Niederlanden. Wochen muten vergehen, bevor seine Willensmeinung
eingeholt werden konnte, und die Session konnte nicht viel lnger mehr
dauern. Bei einer vierten Debatte uerten sich Anzeichen, die es dem
Lord Obercommissar rathsam erscheinen lieen, nachzugeben, und der
Bericht wurde vorgelegt.[41]

Es ist eine Arbeit, welche Denen, die sie entwarfen, viel Ehre macht,
eine vortreffliche Zusammenstellung der Thatsachen, klar,
leidenschaftslos und durchaus gerecht. Keine Quelle, aus der man
werthvolle Aufschlsse zu schpfen hoffen konnte, war unbeachtet
gelassen worden. Glengarry und Keppoch, obgleich notorisch der Regierung
abgeneigt, hatten die Erlaubni erhalten, die Sache ihrer unglcklichen
Stammesgenossen zu fhren. Mehrere von den Macdonalds, welche dem
Gemetzel jener Nacht entgingen, waren vernommen worden, unter ihnen der
regierende Mac Jan, der lteste Sohn des ermordeten Huptlings. Die
Correspondenz des Masters von Stair mit den Militrs, welche in den
Hochlanden Commandos bekleideten, war einer strengen, aber nicht
parteiischen Prfung unterworfen worden. Das Endresultat, zu welchem die
Commissare kamen und worin jeder einsichtsvolle und unbefangene
Beurtheiler ihnen beipflichten mu, war, da das Gemetzel von Glencoe
ein barbarischer Mord gewesen und da die Briefe des Masters von Stair
die alleinige Anregung dazu gegeben hatten.

Da Breadalbane Theil an dem Verbrechen gehabt, wurde nicht erwiesen;
aber ganz rein ging er nicht aus der Untersuchung hervor. Man hatte im
Laufe derselben zufllig entdeckt, da, als er Wilhelm's Geld unter die
hochlndischen Huptlinge vertheilt, er gegen sie den wrmsten Eifer fr
die Interessen Jakob's an den Tag gelegt und ihnen gerathen hatte, von
dem Usurpator zu nehmen, was sie erlangen knnten, aber bestndig nach
einer gnstigen Gelegenheit zur Zurckfhrung des rechtmigen Knigs
auszusphen. Breadalbane's Vertheidigung bestand darin, da er ein
grerer Schurke war als seine Anklger dachten und da er sich nur
deshalb fr einen Jakobiten ausgegeben hatte, um den jakobitischen
Plnen auf den Grund zu kommen. Die Tiefen der Schndlichkeit dieses
Mannes waren in der That unergrndlich. Man konnte unmglich sagen,
welche von seinen Verrthereien, um die italienische Classification
anzuwenden, einfache Verrthereien und welche doppelte Verrthereien
waren. In dem vorliegenden Falle nahm das Parlament an, da er sich nur
einer einfachen Verrtherei schuldig gemacht habe, und schickte ihn in
das Staatsgefngni zu Edinburg. Die Regierung aber schenkte nach
reiflicher Erwgung seiner Versicherung, da er sich einer doppelten
Verrtherei schuldig gemacht habe, Glauben und setzte ihn wieder in
Freiheit.[42]

Der Bericht der Commission wurde von den Stnden sofort in Berathung
genommen. Sie resolvirten ohne eine einzige abweichende Stimme, da der
von Wilhelm unterzeichnete Befehl das Gemetzel von Glencoe nicht
autorisirt habe. Sodann resolvirten sie, aber wie es scheint nicht
einstimmig, da das Gemetzel ein Mord sei.[43] Hierauf nahmen sie noch
mehrere Beschlsse an, deren Inhalt schlielich in eine Adresse an den
Knig zusammengefat wurde. Wie der auf den Master von Stair bezgliche
Theil der Adresse lauten sollte, war eine Frage, ber welche viel
debattirt wurde. Es wurden mehrere von seinen Briefen verlangt und
vorgelesen und mehrere Amendements zu dem Votum beantragt. Die Jakobiten
und die extremen Presbyterianer scheinen, und dies mit nur zu gutem
Grunde, fr Strenge gewesen zu sein. Die Majoritt acceptirte unter der
geschickten Leitung des Lord Obercommissars Worte, die es dem schuldigen
Minister unmglich machten, sein Amt zu behalten, die ihn aber nicht fr
so strafbar erklrten, da sein Leben oder sein Vermgen bedroht gewesen
wre. Sie tadelten ihn, aber sie tadelten ihn in viel zu milden
Ausdrcken. Sie tadelten seinen malosen Eifer gegen den unglcklichen
Clan und seine eindringlichen Befehle, die Schlchterei unverhofft
vorzunehmen. Die bermige Heftigkeit in seinen Briefen erklrten sie
fr die Grundursache des Gemetzels, aber anstatt zu verlangen, da er
als Mrder vor Gericht gestellt werde, erklrten sie, da sie es in
Anbetracht seiner Abwesenheit und seiner hohen Stellung der Weisheit des
Knigs anheim gben, so mit ihm zu verfahren, da die Ehre der Regierung
gewahrt werde.

Die dem Hauptverbrecher bewiesene Nachsicht erstreckte sich nicht auf
seine Untergebenen. Hamilton, der geflchtet und durch Proklamationen am
Stadtkreuze vergebens aufgefordert worden war, vor den Stnden zu
erscheinen, wurde fr nicht rein von dem Blute der Glencoeleute erklrt.
Glenlyon, Hauptmann Drummond, Leutnant Lindsey, Fhnrich Lundie und
Sergeant Barbour wurden noch bestimmter als Mrder bezeichnet und der
Knig ersucht, dem Lordadvokaten ihre Prozessirung anzubefehlen.

Das schottische Parlament war bei dieser Gelegenheit unzweifelhaft am
unrechten Orte streng und am unrechten Orte nachsichtig. Die Grausamkeit
und Schndlichkeit Glenlyon's und seiner Kameraden erregen noch heute,
nach Verlauf von hundertsechzig Jahren, eine Entrstung, die es schwer
macht, unbefangen zu urtheilen. Wer es jedoch ber sich gewinnen kann,
das Verfahren dieser Leute mit richterlicher Unparteilichkeit zu
betrachten, wird wahrscheinlich der Ansicht sein, da sie nicht ohne
groen Nachtheil fr das Gemeinwohl als Mrder htten behandelt werden
knnen. Sie hatten Niemanden getdtet, dessen Tdtung ihnen nicht von
ihrem commandirenden Offizier auf das Bestimmteste anbefohlen war. Es
wrde mit der Subordination, ohne die eine Armee der schlimmste
Pbelhaufen ist, vorbei sein, wenn jeder Soldat fr die Gerechtigkeit
jedes Befehls, in dessen Befolgung er sein Gewehr abfeuert,
verantwortlich sein sollte. Der Fall in Glencoe war allerdings ein
extremer Fall; aber im Prinzip drfte er schwer von Fllen zu
unterscheiden sein, wie sie im Kriege ganz gewhnlich sind. Grausame
militrische Executionen sind zuweilen unerllich; die Humanitt selbst
kann sie gebieten. Wer hat zu entscheiden, ob ein Fall vorliegt, der
Strenge zur wahren Barmherzigkeit macht? Wer hat zu bestimmen, ob es
nothwendig ist oder nicht, eine blhende Stadt in Asche zu legen, eine
zahlreiche Schaar von Meuterern zu decimiren, eine ganze Ruberbande zu
erschieen? Lastet die Verantwortlichkeit auf dem commandirenden
Offizier oder auf dem Gliede, dem er befiehlt, sich fertig zu machen,
anzulegen und Feuer zu geben? Und wenn es die allgemeine Regel ist, da
die Verantwortlichkeit auf dem commandirenden Offizier und nicht auf
Denen lastet, die ihm gehorchen, lt sich dann ein Grund dafr angeben,
den Fall von Glencoe fr eine Ausnahme von dieser Regel zu erklren? Es
ist bemerkenswerth, da kein Mitglied des schottischen Parlaments darauf
antrug, einen der Gemeinen von Argyle's Regiment wegen Mordes in
Anklagestand zu versetzen. Jedem unter dem Range des Sergeanten
Stehenden wurde vllige Straflosigkeit gewhrt. Doch nach welchem
Prinzip? Wenn der militrische Gehorsam keine haltbare Entschuldigung
war, so war gewi jeder Mann, der in jener frchterlichen Nacht einen
Macdonald erscho, ein Mrder. Und wenn der militrische Gehorsam ein
haltbarer Entschuldigungsgrund fr den Musketier war, der auf Befehl des
Sergeanten Barbour handelte, warum dann nicht auch fr Barbour, der auf
Befehl Glenlyon's handelte? Und warum nicht auch fr Glenlyon, der auf
Befehl Hamilton's handelte? Es kann wohl schwerlich behauptet werden,
da der Gemeine seinem Unteroffizier mehr Gehorsam schulde als der
Unteroffizier seinem Hauptmanne oder der Hauptmann seinem Obersten.

Man kann behaupten, die Glenlyon ertheilten Befehle seien so
absonderlicher Art gewesen, da, wenn er ein tugendhafter Mensch gewesen
wre, er eher seine Stellung in die Schanze geschlagen, sich dem
Mifallen des Obersten, des Generals und des Staatssekretrs ausgesetzt
und die schwerste Strafe, die ein Kriegsgericht ber ihn verhngen
konnte, auf sich genommen, als die ihm gegebene Ordre vollzogen haben
wrde, und dies ist vollkommen wahr; aber es handelt sich nicht darum,
ob er als tugendhafter Mensch verfuhr, sondern ob er etwas that,
weswegen er, ohne eine fr die militrische Disciplin und fr die
Sicherheit der Nationen wesentliche Regel zu verletzen, als Mrder
gehngt werden konnte. In jenem Falle war Ungehorsam sicherlich eine
moralische Pflicht, aber es folgt daraus noch nicht, da Gehorsam ein
legales Verbrechen war.

Es scheint daher, da die Schuld Glenlyon's und seiner Kameraden nicht
innerhalb der Sphre des Strafgesetzes lag. Die einzige Strafe, welche
geeignetermaen ber sie verhngt wenden konnte, war die, welche Kain zu
dem Ausrufe veranlate, da sie grer sei, als er sie ertragen knne:
auf der Erde umherzuirren und berall ein Zeichen mit sich
herumzutragen, von dem selbst schlechte Menschen sich schaudernd
abwendeten.

Nicht so war es mit dem Master von Stair. Er war sowohl von der
Untersuchungscommission als von den Stnden des Reichs in vollem
Parlamente feierlich fr den ersten Urheber des Gemetzels erklrt
worden. Da es nicht rathsam war, an seinen Werkzeugen ein Exempel zu
statuiren, war der strkste Grund, ein solches an ihm zu statuiren.
Jedes Argument, das gegen die Bestrafung des Soldaten geltend gemacht
werden kann, der die Befehle seines Vorgesetzten ausfhrt, ist ein
Grund, den Vorgesetzten, welcher ungerechte und unmenschliche Befehle
giebt, nach der uersten Strenge des Gesetzes zu bestrafen. Wo unten
keine Verantwortlichkeit sein kann, da mu oben doppelte
Verantwortlichkeit sein. Was das schottische Parlament einstimmig htte
verlangen sollen, war, nicht da ein armer unwissender Sergeant, der fr
das blutige Werk, das er gethan, kaum verantwortlicher war als seine
Hellebarde, gehngt, sondern da der eigentliche Mrder, der klgste,
beredtsamste und mchtigste aller schottischen Staatsmnner, vor ein
ffentliches Gericht gestellt werden und, wenn er schuldig befunden
wrde, den Tod eines Verbrechers sterben sollte. Nichts Geringeres als
ein solches Opfer konnte ein solches Verbrechen shnen. Leider machten
die Stnde, indem sie die Schuld des Hauptverbrechers milderten und zu
gleicher Zeit verlangten, da seine geringen Werkzeuge mit einer
gesetzwidrigen Strenge bestraft werden sollten, den Flecken, den das
Gemetzel auf der Ehre der Nation zurckgelassen, grer und tiefer als
er vorher gewesen.

Auch der Knig ist von einer groen Pflichtverletzung unmglich
freizusprechen. Es ist zwar sehr wahrscheinlich, da er, bevor er den
Bericht seiner Commissare erhielt, ber die Umstnde des Gemetzels nur
sehr unvollkommen unterrichtet war. Wir knnen schwerlich annehmen, da
er viel jakobitische Pamphlets zu lesen pflegte, und wenn er sie gelesen
htte, wrde er darin eine solche Masse absurder und gehssiger
Schmhungen gegen seine Person gefunden haben, da er sehr wenig geneigt
gewesen wre, irgend eine der Beschuldigungen zu glauben, die sie auf
seine Diener wlzten. Er wrde sich in der einen Schrift beschuldigt
gesehen haben, ein verkappter Papist zu sein, in einer andren, Jeffreys'
im Tower vergiftet zu haben, in einer dritten, es darauf angefangen zu
haben, da Talmash bei Brest umkommen mute. Er wrde die Behauptung
gefunden haben, da er einmal in Irland fnfzig Mann von seinen
verwundeten englischen Soldaten habe lebendig verbrennen lassen. Er
wrde gesehen haben, da man die unwandelbare Zuneigung, die er von
seinem Knabenalter bis zu seinem Tode fr einige der bravsten und
zuverlssigsten Freunde gehegt, die je ein Frst zu besitzen das Glck
hatte, zu einem Grunde machte, um ihm so emprende Abscheulichkeiten zur
Last zu legen, wie sie in den Fluthen des todten Meeres begraben sind.
Es war daher ganz natrlich, wenn er Anstand nahm, entsetzliche
Beschuldigungen zu glauben, welche Schriftsteller, die er als
gewohnheitsmige Lgner kannte, gegen einen Staatsmann erhoben, dessen
Talente er hochschtzte und dessen Bemhungen er bei einigen wichtigen
Anlssen viel zu danken gehabt hatte. Nachdem er aber die ihm durch
Tweedale von Edinburg bersendeten Actenstcke gelesen, konnte er an der
Schuld des Masters von Stair nicht im Geringsten mehr zweifeln. Diese
schwere Schuld mit einer exemplarischen Strafe heimzusuchen, war die
heilige Pflicht eines Souverains, der mit zum Himmel erhobener Hand
geschworen hatte, da er in seinem Knigreiche Schottland in allen
Klassen und Stnden jeder Unterdrckung steuern und Gerechtigkeit ben
wolle ohne Ansehen der Person, so wie er auf Gnade hoffe von dem Vater
aller Gnade. Wilhelm begngte sich damit, den Master von Stair seines
Amtes zu entheben. Diesen groen Fehler, einen Fehler, der die Hhe
eines Verbrechens erreichte, versuchte Burnet zwar nicht zu
vertheidigen, aber doch zu entschuldigen. Er wollte uns glauben machen,
da der Knig, als er mit Schrecken gewahrte, wie viele Personen bei dem
Gemetzel von Glencoe betheiligt gewesen waren, es fr besser hielt, eine
allgemeine Amnestie zu bewilligen, als ein Gemetzel durch ein andres zu
bestrafen. Diese Darstellung ist jedoch das directe Gegentheil der
Wahrheit. Es waren allerdings zahlreiche Werkzeuge bei der Schlchterei
thtig gewesen, aber der Ansto war bei ihnen Allen von einem Einzigen
ausgegangen. Hoch ber dem groen Haufen der Verbrecher stand ein durch
Talente, Kenntnisse, Rang und Macht ausgezeichneter Verbrecher. Zur
Shne fr eine Menge verrtherisch hingeschlachteter Opfer verlangte die
Gerechtigkeit nur ein Opfer, und es mu jederzeit als ein Flecken auf
dem Ruhme Wilhelm's betrachtet werden, da dem Verlangen nicht
entsprochen wurde.

Am 17.Juli ward die Session des schottischen Parlaments geschlossen.
Die Stnde hatten freigebig eine Geldsumme bewilligt, wie sie das arme
Land, das sie vertraten, geben konnte. Allerdings waren sie durch den
Glauben, da sie ein Mittel gefunden hatten, dieses arme Land schnell
reich zu machen, in gute Laune versetzt worden. Ihre Aufmerksamkeit war
zwischen der Untersuchung ber das Gemetzel von Glencoe und einigen
vielversprechenden commerciellen Projecten getheilt gewesen. In einem
spteren Kapitel wird die Natur dieser Projecte erklrt und ihr
Schicksal berichtet werden.


[_Krieg in den Niederlanden; der Marschall Villeroy._] Inzwischen waren
die Blicke von ganz Europa mit gespannter Erwartung auf die Niederlande
gerichtet. Der groe Feldherr, der bei Fleurus, bei Steenkerke und bei
Landen gesiegt, hatte keinen ihm Ebenbrtigen zurckgelassen. Aber
Frankreich besa noch Marschlle, die sich fr hohe Commandos sehr wohl
eigneten. Catinat und Boufflers hatten bereits Beweise von Tchtigkeit,
Entschlossenheit und Eifer fr die Interessen des Staats gegeben. Jeder
dieser beiden ausgezeichneten Offiziere wurde ein Luxemburg's wrdiger
Nachfolger und ein Wilhelm's wrdiger Gegner gewesen sein, aber ihr
Gebieter zog zu seinem Unglcke Beiden den Herzog von Villeroy vor. Der
neue General war Ludwig's Spielkamerad gewesen, als sie Beide noch
Kinder waren, war dann ein Gnstling geworden und hatte nie aufgehrt,
es zu sein. In den uern Vorzgen, wegen denen die franzsische
Aristokratie damals in ganz Europa berhmt war, zeichnete sich Villeroy
selbst unter der franzsischen Aristokratie aus. Er war von hoher Statur
und hatte angenehme Zge, seine Manieren waren von edler und etwas
hochmthiger Artigkeit, sein Anzug, sein Ameublement, seine Equipagen
und seine Tafel prchtig. Niemand erzhlte eine Anekdote mit grerer
Lebendigkeit; Niemand ritt besser bei einer Jagdpartie; Niemand hatte
mehr Glck bei dem schnen Geschlecht; Niemand setzte und verlor Haufen
von Gold mit liebenswrdigerem Gleichmuth; Niemand kannte die Abenteuer,
die Freunde und die Feinde der Herren und Damen, welche tglich die Sle
von Versailles fllten, genauer als er. Besonders zwei Charactere hatte
dieser vollendete Cavalier seit vielen Jahren studirt und alle ihre
Falten und Winkel kennen gelernt: den Character des Knigs und den der
Frau, die in Allem, dem Namen ausgenommen, Knigin war. Damit aber waren
Villeroy's Kenntnisse zu Ende. In der Literatur sowohl wie in
geschichtlichen Dingen war er vllig unwissend. Im Staatsrathe ffnete
er nie den Mund, ohne sich Blen zu geben. Fr den Krieg besa er keine
einzige Qualification auer dem persnlichen Muthe, den er mit der
ganzen Klasse gemein hatte, der er angehrte. In jeder wichtigen Krisis
seiner politischen und militrischen Laufbahn war er abwechselnd trunken
von Arroganz oder vllig muthlos. Kurz bevor er einen bedeutungsvollen
Schritt that, war sein Selbstvertrauen grenzenlos; er hrte auf keinen
Rath und lie den Gedanken, da ein Fehlschlagen mglich sei, gar nicht
in sich aufkommen. Bei der ersten Niederlage aber gab er Alles verloren,
wurde unfhig zu leiten und anzuordnen und rannte in hilfloser
Verzweiflung hin und her. Ludwig liebte ihn jedoch, und man mu Villeroy
die Gerechtigkeit widerfahren lassen, da er Ludwig ebenfalls liebte.
Die Gte des Gebieters war gegen alles Unheil probefest, das die
Unbesonnenheit und Schwche des Dieners ber sein Knigreich brachte,
und die Dankbarkeit des Dieners uerte sich bei mehr als einer
Gelegenheit nach dem Tode des Gebieters in ehrenvoller, wenn auch nicht
wohlbegrndeter Weise.[44]


[_Der Herzog von Maine._] Ein solcher Mann war der General, dem die
Leitung des Feldzugs in den Niederlanden anvertraut wurde. Der Herzog
von Maine wurde hingeschickt, um unter diesem Lehrer die Kriegskunst zu
erlernen. Maine, der natrliche Sohn Ludwig's von der Herzogin von
Montespan, war von Kindheit auf von Frau von Maintenon erzogen worden
und wurde von Ludwig mit der Liebe eines Vaters, von Frau von Maintenon
mit der nicht minder zrtlichen Liebe einer Pflegemutter geliebt. Ernste
Mnner nahmen Ansto daran, da der Knig, whrend er eine so groe
Frmmigkeit zur Schau trug, in so aufflliger Weise seine Vorliebe fr
diese Frucht eines doppelten Ehebruchs an den Tag legte. Allerdings,
sagten sie, sei ein Vater seinem Kinde Zuneigung schuldig, aber ein
Souverain sei seinem Volke auch die Beobachtung der Schicklichkeit
schuldig. Trotz dieses Murrens war der Sohn ffentlich anerkannt, mit
Reichthum und Ehre berhuft, zum Herzog und Pair creirt, durch einen
auerordentlichen Act kniglicher Gewalt ber Herzge und Pairs von
lterem Datum gestellt, mit einer Prinzessin von kniglichem Geblt
vermhlt und zum Gromeister der Artillerie des Reichs ernannt worden.
Mit Talenten und Muth htte er eine groe Rolle in der Welt spielen
knnen. Aber sein Geist war beschrnkt, seine Nerven schwach, und die
Weiber und Priester, die ihn erzogen, hatten die Natur wirksam
untersttzt. Er war orthodox in seinem Glauben, correct in seiner
moralischen Fhrung, einschmeichelnd in seinem Benehmen, ein Heuchler,
ein Unheilstifter und ein Feigling.

Man erwartete in Versailles, da Flandern in diesem Jahre der
Hauptkriegsschauplatz sein werde. Es wurde daher dort eine groe Armee
zusammengezogen. Starke Linien wurden von der Lys bis zur Schelde
gebildet, und Villeroy nahm sein Hauptquartier in der Nhe von Tournay.
Boufflers beobachtete mit etwa zwlftausend Mann die Ufer der Sambre.

Auf der andren Seite standen die britischen und hollndischen Truppen
unter Wilhelm's unmittelbarem Commando in der Nhe von Gent. Der
Kurfrst von Baiern lag an der Spitze eines starken Corps bei Brssel.
Eine kleinere Heeresabtheilung, hauptschlich aus Brandenburgern
bestehend, lagerte nicht weit von Huy.

Anfangs Juni begannen die militrischen Operationen. Die ersten
Bewegungen Wilhelm's waren bloe Scheinbewegungen, durch welche er die
franzsischen Generle verhindern wollte, seine wirkliche Absicht zu
muthmaen. Er hatte sich vorgenommen, Namur wieder zu nehmen. Der
Verlust dieser Festung war der empfindlichste von allen Unfllen eines
unglcklichen Feldzugs gewesen. Die Wichtigkeit Namur's vom
militrischen Gesichtspunkte war stets gro gewesen und war whrend der
seit der letzten Belagerung verflossenen drei Jahre grer geworden als
je. Die alten Vertheidigungsmittel, welche Cohorn mit Aufbietung seiner
ganzen Kunst errichtet hatte, waren durch neue Befestigungen, die
Meisterwerke Vauban's, verstrkt worden. Die beiden berhmten Ingenieurs
hatten so geschickt mit einander gewetteifert und waren der Natur so
geschickt zu Hlfe gekommen, da die Festung fr die strkste in ganz
Europa galt. Ueber dem einen Thore hatte man eine prahlerische Inschrift
angebracht, welche die Verbndeten herausforderte, den Preis den Hnden
Frankreich's zu entreien.

Wilhelm hielt seine Absicht so sorgfltig geheim, da nicht die
leiseste Andeutung davon ruchbar wurde. Einige hielten Dnkirchen,
Andere Ypern fr das Ziel seiner Operationen. Die Mrsche und
Scharmtzel, durch die er sein Vorhaben verdeckte, wurden von
Saint-Simon mit den Zgen eines geschickten Schachspielers verglichen.
Feuquires, der in der Kriegswissenschaft weit grndlicher bewandert war
als Saint-Simon, sagt uns, da einige von diesen Zgen gewagt gewesen
seien und ein solches Spiel nicht ungestraft gegen Luxemburg htte
gespielt werden knnen, und dies ist wahrscheinlich richtig; aber
Luxemburg war nicht mehr und was Luxemburg fr Wilhelm gewesen war, das
war jetzt Wilhelm fr Villeroy.

[_Jakobitische Complots gegen die Regierung whrend Wilhelm's
Abwesenheit._] Whrend der Knig so beschftigt war, begngten sich zu
Hause die Jakobiten, da sie in seiner Abwesenheit ihre Plne gegen seine
Person nicht verfolgen konnten, mit Conspiriren gegen seine Regierung.
Sie wurden etwas weniger scharf bewacht als whrend des vorhergehenden
Jahres, denn der Ausgang der Untersuchungen in Manchester hatte Aaron
Smith und seine Agenten entmuthigt. Trenchard, der sich durch seine
Wachsamkeit und Strenge zu einem Gegenstande des Schreckens und Hasses
gemacht hatte, war nicht mehr und hatte in dem was man den
untergeordneten Staatssekretrposten nennen kann, Sir Wilhelm Trumball
zum Nachfolger erhalten, einen gelehrten Juristen und erfahrenen
Diplomaten von gemigten Ansichten und einer Behutsamkeit, die an
Zaghaftigkeit grenzte.[45] Die Mivergngten wurden durch die Milde der
Regierung khn gemacht. Wilhelm war kaum nach dem Continent abgesegelt,
so hielten sie an einem ihrer Lieblingszusammenkunftsorte, dem Old
King's Head in Leadenhall Street, ein groes Meeting. Charnock, Porter,
Goodman, Parkyns und Fenwick waren anwesend. Auch der Earl von Aylesbury
war zugegen, ein Mann, dessen Anhnglichkeit an das exilirte Knigshaus
notorisch war, der es aber stets in Abrede stellte, da er je daran
gedacht habe, durch unmoralische Mittel eine Restauration
herbeizufhren. Sein Leugnen wrde mehr Anspruch auf Glaubwrdigkeit
haben, htte er nicht dadurch, da er der Regierung, gegen die er
bestndig intriguirte, die Eide geleistet, das Recht verwirkt, als ein
Mann von Gewissen und Ehre betrachtet zu werden. Ferner nahm Sir John
Friend an der Versammlung Theil, ein Eidverweigerer, der zwar einen sehr
schwachen Verstand besa, sich aber als Brauer ein sehr groes Vermgen
erworben hatte, das er bereitwillig auf Insurrectionsplne verwendete.
Nach dem Diner -- denn die Plne der Jakobiten wurden gewhnlich beim
Weine entworfen und zeigten in der Regel einige Spuren von der heiteren
Gemthsstimmung, in der sie entstanden waren -- wurde resolvirt, da die
Zeit zu einem Aufstande und zu einer franzsischen Invasion gekommen sei
und da ein besonderer Abgesandter die Ansicht der Versammlung nach
Saint-Germains berbringen sollte. Charnock wurde dazu auserwhlt. Er
nahm den Auftrag an, fuhr ber den Kanal, sprach mit Jakob und hatte
Unterredungen mit den Ministern Ludwig's, konnte aber nichts zu Stande
bringen. Die englischen Mivergngten wollten nichts unternehmen, bevor
nicht zehntausend Mann franzsischer Truppen auf der Insel wren, und
zehntausend Mann konnten nicht ohne groe Gefahr der Armee entzogen
werden, welche in den Niederlanden gegen Wilhelm kmpfte. Als Charnock
zurckkehrte, um die Erfolglosigkeit seiner Sendung zu berichten, fand
er einige seiner Bundesgenossen im Gefngni. Sie hatten sich whrend
seiner Abwesenheit nach ihrer Weise die Zeit damit vertrieben, da sie
am 10.Juni, dem Geburtstage des unglcklichen Prinzen von Wales, einen
Aufstand in London anzustiften versuchten. Sie versammelten sich in
einem Wirthshause in Drury Lane, und nachdem sie sich die Kpfe durch
Wein erhitzt hatten, brachen sie unter Anfhrung Porter's und Goodman's
mit den Degen in der Hand auf, zogen mit Trommelwirbel durch die
Straen, entfalteten Banner und begannen Freudenfeuer anzuznden. Aber
die Wache, vom Volke untersttzt, war zu stark fr die Unruhstifter. Sie
wurden in die Flucht geschlagen, das Wirthshaus, in dem sie geschwelgt
hatten, wurde vom Pbel demolirt, die Rdelsfhrer wurden verhaftet, vor
Gericht gestellt und mit Geldbuen und Gefngnihaft bestraft, erlangten
aber Zeit genug ihre Freiheit wieder, um sich an einem weit strafbareren
Anschlage zu betheiligen.[46]


[_Belagerung von Namur._] Inzwischen war Alles zur Ausfhrung des von
Wilhelm entworfenen Planes bereit. Dieser Plan war den brigen
Befehlshabern der alliirten Truppen mitgetheilt worden und hatte
lebhaften Beifall gefunden. Vaudemont wurde mit einem betrchtlichen
Armeecorps in Flandern gelassen, um Villeroy zu berwachen. Der Knig
marschirte mit dem Reste seiner Armee direct auf Namur. In dem nmlichen
Augenblicke rckte der Kurfrst von Bayern von der einen und die
Brandenburger von einer andren Seite gegen denselben Punkt heran. Diese
Bewegungen waren so gut verabredet worden und wurden so rasch
ausgefhrt, da der geschickte und energische Boufflers nur eben noch
Zeit hatte, sich in die Festung zu werfen. Er hatte sieben
Dragonerregimenter, ein starkes Corps Artilleristen, Sappeurs und
Mineurs und einen Offizier Namens Megrigny bei sich, der mit Ausnahme
Vauban's fr den besten Ingenieur in franzsischen Diensten galt. Wenige
Stunden nachdem Boufflers in die Festung eingezogen war, umzingelten die
Belagerungstruppen sie von allen Seiten und die Circumvallationslinien
wurden rasch gebildet.

Die Nachricht erweckte keine Besorgni am franzsischen Hofe. Man
zweifelte dort nicht, da Wilhelm sehr bald gezwungen werden wrde, mit
schwerem Verlust und Schande von seinem Unternehmen abzustehen. Die
Stadt war stark befestigt, das Kastell galt fr uneinnehmbar, die
Magazine waren mit Lebensmitteln und Munition hinreichend versehen, um
bis zu der Zeit vorzuhalten, wo man von den Armeen der damaligen Zeit
erwartete, da sie ihre Winterquartiere beziehen wrden; die Besatzung
bestand aus sechzehntausend Mann der besten Truppen der Welt, sie wurde
von einem ausgezeichneten General befehligt, dem ein ausgezeichneter
Ingenieur zur Seite stand, und berdies zweifelte man nicht, da
Villeroy mit seiner groen Armee zur Untersttzung Boufflers'
herbeieilen und da die Belagerer dann in grerer Gefahr sein wrden
als die Belagerten.

Diese Hoffnungen wurden durch die Depeschen Villeroy's aufrechterhalten.
Er gedenke, sagte er, zuerst Vaudemont's Armeecorps zu vernichten und
dann Wilhelm von Namur zu vertreiben. Vaudemont werde vielleicht einer
Schlacht auszuweichen versuchen, aber er knne nicht entrinnen. Der
Marschall ging so weit, da er seinem Gebieter die Nachricht von einem
vollstndigen Siege innerhalb der nchsten vierundzwanzig Stunden
versprach. Ludwig brachte einen ganzen Tag in ungeduldiger Erwartung zu.
Endlich kam anstatt eines mit englischen und hollndischen Fahnen
beladenen Offiziers von hohem Range ein Courier an, der die Nachricht
brachte, da Vaudemont fast ohne allen Verlust seinen Rckzug
bewerkstelligt habe und unter den Mauern von Gent in Sicherheit sei.
Wilhelm lobte das Feldherrntalent seines Unterbefehlshabers in den
wrmsten Ausdrcken. Mein Vetter, schrieb er an ihn, Sie haben sich
als einen greren Meister in Ihrer Kunst erwiesen, als wenn Sie eine
offene Feldschlacht gewonnen htten.[47] Im franzsischen Lager jedoch
und am franzsischen Hofe war man allgemein der Ansicht, da Vaudemont
weniger durch seine eigene Geschicklichkeit als durch das fehlerhafte
Verfahren seiner Gegner gerettet worden sei. Einige warfen die ganze
Schuld auf Villeroy, und Villeroy machte keinen Versuch, sich zu
rechtfertigen. Man glaubte aber allgemein, da er sich wenigstens zum
groen Theil htte rechtfertigen knnen, wenn ihm die knigliche Gunst
nicht lieber gewesen wre als militrischer Ruhm. Sein Plan, sagte man,
htte gelingen knnen, wre die Ausfhrung desselben nicht dem Herzoge
von Maine bertragen worden. Bei dem ersten Schimmer von Gefahr sei dem
Bastard der Muth gesunken. Er habe seine Angst nicht zu verbergen
vermocht. Zitternd, stammelnd und nach seinem Beichtvater rufend, habe
er dagestanden, whrend die ihn umgebenden alten Offiziere ihn mit
Thrnen in den Augen beschworen htten vorzurcken. Eine kurze Zeit
wurde die Schande des Sohnes dem Vater verschwiegen. Aber Villeroy's
Stillschweigen bewies, da ein Geheimni dahinter stak, die Sptteleien
der hollndischen Journale klrten das Geheimni bald auf, und Ludwig
erfuhr, wenn auch nicht die ganze Wahrheit, doch genug, um sich
unglcklich zu fhlen. Noch nie whrend seiner langen Regierung war er
so bewegt gewesen. Einige Stunden lang hielt seine finstre Gereiztheit
seine Diener, seine Hflinge und selbst seine Priester in Schrecken. Er
verga die Liebenswrdigkeit und den edlen Anstand, wegen denen er in
der ganzen Welt berhmt war, so weit, da er vor den Augen einer
glnzenden Schaar von Herren und Damen, welche nach Marly gekommen
waren, um ihn speisen zu sehen, einen Stock auf dem Rcken eines Lakaien
zerschlug und den armen Teufel noch mit dem abgebrochenen Griffe
verfolgte.[48]

Inzwischen wurde die Belagerung von Namur von den Verbndeten energisch
betrieben. Der wissenschaftliche Theil ihrer Operationen stand unter der
Leitung Cohorn's, der durch Wetteifer angespornt wurde, seine ganze
Geschicklichkeit aufzubieten. Drei Jahre frher hatte er die Krnkung
erfahren, die von ihm befestigte Stadt durch seinen groen Lehrmeister
Vauban genommen zu sehen. Sie jetzt, nachdem die Festungswerke neue
Verbesserungen erhalten hatten, wiederzunehmen, wre eine wrdige
Revanche gewesen.

Am 2.Juli wurden die Laufgrben erffnet. Am 8. wurde ein tapferer
Ausfall franzsischer Dragoner tapfer zurckgeschlagen, und spt an
demselben Abend erstrmte ein starkes Infanteriecorps, mit den
englischen Fugarden voran, nach einem blutigen Kampfe die Auenwerke
auf der Brsseler Seite. Der Knig leitete persnlich den Angriff, und
seine Unterthanen erfuhren mit Entzcken, da er, als der Kampf am
heiesten war, seine Hand auf die Schulter des Kurfrsten von Bayern
legte und ausrief: Sehen Sie, sehen Sie meine wackeren Englnder! Eine
besondere Tapferkeit selbst unter diesen tapferen Englndern legte Cutts
an den Tag. In dem Bulldoggenmuthe, der vor keiner noch so
frchterlichen Gefahr zurckschreckt, hatte er nicht seines Gleichen. Es
hielt zwar nicht schwer, verwegene Freiwillige, Deutsche, Hollnder und
Briten zu finden, die das Aeuerste wagten; aber Cutts war der Einzige,
der eine solche Expedition als eine Lustpartie zu betrachten schien. Er
fhlte sich in dem heftigsten Feuer der franzsischen Batterien so
behaglich, da seine Soldaten ihm den ehrenvollen Beinamen des
Salamanders gaben.[49]

Am 17. wurde die erste Contrescarpe der Stadt angegriffen. Die Englnder
und Hollnder wurden dreimal mit groem Blutvergieen zurckgeschlagen
und kehrten dreimal zum Angriff zurck. Endlich blieben die
Angreifenden, trotz der Anstrengungen der franzsischen Offiziere,
welche mit dem Degen in der Hand auf dem Glacis fochten, Herren der
streitigen Werke. Whrend der Kampf wthete, erblickte Wilhelm, der im
dichtesten Kugelregen seine Befehle ertheilte, mit Erstaunen und Verdru
unter den Offizieren seines Stabes Michael Godfrey, den Vicegouverneur
der Bank von England. Dieser Gentleman war in das Hauptquartier des
Knigs gekommen, um einige Anordnungen zur schnellen und sicheren
Befrderung von Geld aus England zur Armee in den Niederlanden zu
treffen, und war neugierig, einmal wirklichen Krieg mit anzusehen.
Solche Neugierde konnte Wilhelm nicht leiden. Mr. Godfrey, sagte er zu
ihm, Sie sollten sich nicht diesen Gefahren aussetzen; Sie sind kein
Soldat und knnen uns hier nichts ntzen. -- Sire, erwiederte
Godfrey, ich bin keiner greren Gefahr ausgesetzt als Eure Majestt.
-- Nicht doch, entgegnete Wilhelm, ich bin da, wo meine Pflicht mir
zu sein gebietet, und ich kann ohne Anmaung mein Leben in Gottes Hand
legen; aber Sie -- Whrend sie noch so mit einander sprachen, streckte
eine Kanonenkugel von den Wllen Godfrey todt zu den Fen des Knigs
nieder. Man fand jedoch nicht, da die Furcht, gegodfreyt zu werden --
dies war einige Zeit der gebruchliche Ausdruck -- mige Zuschauer
abhielt, in die Laufgrben zu kommen.[50] Obgleich Wilhelm seinen
Kutschern, Bedienten und Kchen verbot, sich auszusetzen, sah er sie
doch zu wiederholten Malen an den gefhrlichsten Orten umherstreifen, um
einen Blick auf den Kampf zu werfen. Er soll sich zuweilen haben
hinreien lassen, sie mit der Reitpeitsche aus dem Bereich der
franzsischen Kanonen zu treiben, und die Anekdote ist, mag sie wahr
oder erdichtet sein, jedenfalls sehr bezeichnend.


[_Uebergabe der Stadt Namur._] Am 20.Juli bemchtigten sich die Bayern
und Brandenburger unter Cohorn's Leitung nach hartem Kampfe einer Linie
von Vertheidigungswerken, welche Vauban in festes Gestein von der Sambre
bis zur Maas gehauen hatte. Drei Tage spter setzten sich die Englnder
und Hollnder, Cutts wie gewhnlich in vorderster Reihe, in der zweiten
Contrescarpe fest. Alles war zu einem Hauptsturme bereit, als eine weie
Fahne auf den Wllen erschien. Der Effectivbestand der Besatzung betrug
jetzt noch wenig mehr als die Hlfte von dem was er bei Erffnung der
Laufgrben gewesen war. Boufflers frchtete, da es unmglich sein
werde, mit achttausend Mann den ganzen Grtel der Mauern noch viel
lnger zu vertheidigen; aber er war berzeugt, da ein solches
Truppencorps hinreichen werde, das Kastell auf dem Gipfel des Felsens zu
behaupten. Ueber die Kapitulationsbedingungen wurde man bald einig. Ein
Thor wurde den Verbndeten preisgegeben. Den Franzosen wurden
achtundvierzig Stunden bewilligt, um sich in das Kastell zurckzuziehen,
und es wurde ihnen die Versicherung gegeben, da die Verwundeten, welche
sie unten lieen, etwa fnfzehnhundert an der Zahl, gut behandelt werden
sollten. Am 6. rckten die Alliirten ein. Der Kampf um den Besitz der
Stadt war vorber, und ein neuer und furchtbarerer Kampf begann um den
Besitz der Citadelle.[51]

Villeroy hatte unterdessen einige kleine Eroberungen gemacht. Dixmuyden,
das einigen Widerstand htte leisten knnen, hatte ihm nicht ohne
dringenden Verdacht der Verrtherei von Seiten des Gouverneurs, seine
Thore geffnet. Deynse, das weniger im Stande war, sich zu vertheidigen,
war diesem Beispiele gefolgt. Die Besatzungen der beiden Stdte waren in
offener Verletzung eines zur Auswechselung der Gefangenen getroffenen
Uebereinkommens nach Frankreich geschickt worden. Der Marschall rckte
hierauf gegen Brssel vor, wahrscheinlich in der Hoffnung, durch
Bedrohung dieser schnen Hauptstadt die Verbndeten zur Aufhebung der
Belagerung des Kastells von Namur zu bestimmen. Sechsunddreiig Stunden
lang warf er Bomben und glhende Kugeln in die Stadt. Die Kurfrstin von
Bayern, die sich innerhalb der Mauern befand, abortirte vor Schreck.
Sechs Klster wurden zerstrt. Fnfzehnhundert Huser standen zu
gleicher Zeit in Flammen. Die ganze untere Stadt wrde bis auf den Grund
niedergebrannt sein, htten nicht die Bewohner durch Sprengung
zahlreicher Gebude dem Feuer Schranken gesetzt. Ungeheure Massen der
kostbarsten Spitzen und Teppiche wurden vernichtet, denn die Industrie
und der Handel, welche Brssel in der ganzen Welt berhmt gemacht
hatten, waren bisher durch den Krieg wenig beeintrchtigt worden.
Mehrere von den Prachtgebuden, welche den Marktplatz umgaben, wurden in
Trmmer geschossen. Selbst das Rathhaus, das prchtigste der vielen
prchtigen Senatshuser, welche die Brger der Niederlande erbaut haben,
war in der grten Gefahr. All' diese Verwstung bewirkte jedoch weiter
nichts, als da sie viele Privatleute unglcklich machte. Wilhelm lie
sich weder durch Furcht noch durch Herausforderung bewegen, die Hand,
mit der er Namur umklammert hielt, zu lockern. Das Feuer, das seine
Batterien rings um das Kastell unterhielten, war von der Art, wie man es
noch in keinem Kriege gesehen hatte. Die franzsischen Kanoniere wurden
durch den Kugelregen von ihren Geschtzen vertrieben und gezwungen, in
unterirdischen gewlbten Gallerien Schutz zu suchen. Cohorn wettete
jubelnd mit dem Kurfrsten von Bayern um vierhundert Pistolen, da der
Platz bis zum 31.August neuen Styls fallen werde. Der groe Ingenieur
verlor zwar seine Wette, aber nur um wenige Stunden.[52]

Boufflers begann jetzt einzusehen, da seine einzige Hoffnung noch auf
Villeroy ruhte. Dieser war von Brssel nach Enghien gerckt, hatte dort
aus den entferntesten Festungen der Niederlande alle entbehrlichen
Truppen zusammengezogen und marschirte nun an der Spitze von mehr als
achtzigtausend Mann auf Namur. Mittlerweile stie Vaudemont zu den
Belagerern. Wilhelm hielt sich daher fr stark genug, Villeroy eine
Schlacht anzubieten, ohne die Operationen gegen Boufflers einen
Augenblick einzustellen. Dem Kurfrsten von Bayern wurde die
unmittelbare Leitung der Belagerung bertragen. Der Knig von England
nahm auf der Westseite der Stadt eine stark verschanzte Stellung ein und
erwartete hier die von Enghien heranrckenden Franzosen. Alles schien
anzudeuten, da ein wichtiger Tag bevorstehe. Zwei der zahlreichsten und
besten Armeen, welche Europa je gesehen, standen einander gegenber. Am
15.August erblickten die Vertheidiger des Kastells von ihren
Wachtthrmen das mchtige Heer ihrer Landsleute. Zwischen diesem Heere
aber und der Citadelle war das nicht minder mchtige Heer Wilhelm's in
Schlachtordnung aufgestellt. Villeroy gab Boufflers durch eine Salve von
neunzig Kanonenschssen das Versprechen eines baldigen Entsatzes, und in
der Nacht mahnte Boufflers durch Signalfeuer, welche weithin ber die
ausgedehnte Ebene der Maas und Sambre zu sehen waren, Villeroy an die
schleunige Erfllung dieses Versprechens. In den Hauptstdten
Frankreich's und England's war Alles in der ngstlichsten Spannung.
Ludwig schlo sich in sein Betzimmer ein, beichtete, geno das heilige
Abendmahl und gab Befehl, da die Hostie in seiner Kapelle ausgestellt
werden solle. Seine Gemahlin hie alle ihre Nonnen niederknien.[53]
London wurde durch eine Reihenfolge von Gerchten, theils von Jakobiten,
theils von Brsenspekulanten fabricirt, in einem Zustande heftiger
Aufregung erhalten. Eines frhen Morgens wurde mit Bestimmtheit
behauptet, es habe eine Schlacht stattgefunden, die Verbndeten seien
geschlagen, der Knig getdtet und die Belagerung aufgehoben worden.
Sobald die Brse geffnet wurde, war sie gedrngt voll Leute, welche
hren wollten, ob die Nachricht wahr sei. Die Straen waren den ganzen
Tag mit Gruppen von Schwatzenden und Zuhrenden angefllt. Am Nachmittag
beruhigte die Gazette, welche ungeduldig erwartet worden war und von
Tausenden begierig gelesen wurde, die Aufregung, jedoch nicht
vollkommen, denn man wute, da die Jakobiten durch Kaper und
Schmuggler, die bei jedem Wetter in See gingen, frher Nachrichten
erhielten als sie dem Staatssekretr in Whitehall auf dem regelmigen
Wege zukamen. Noch vor dem Abend hatte sich die Aufregung vllig gelegt;
aber sie wurde durch einen frechen Betrug pltzlich wieder angefacht.
Ein Reiter in der Uniform der Garden sprengte durch die City und
meldete, da der Knig gefallen sei. Er wrde wahrscheinlich einen
ernsten Aufruhr veranlat haben, htten ihn nicht einige fr die
Revolution und den protestantischen Glauben schwrmende junge Handwerker
zu Boden geschlagen und nach Newgate transportirt. Der vertraute
Correspondent der Generalstaaten berichtete nach dem Haag, da man trotz
aller Geschichten, welche die mivergngte Partei erfinde und
aussprenge, allgemein der Ueberzeugung sei, da die Alliirten siegen
wrden. Der Probierstein der Aufrichtigkeit in England, schrieb er,
seien die Wetten. Die Jakobiten seien zwar stets bereit zu beweisen, da
Wilhelm geschlagen werden msse, oder zu behaupten, da er schon
geschlagen sei; aber sie wollten gleichwohl keine hheren Einstze
wetten als ihre Gegner und seien kaum zu bewegen, berhaupt eine Wette
einzugehen. Die Whigs seien hingegen bereit, Tausende von Guineen auf
den Ausgang des Kriegs und auf den Glcksstern des Knigs zu wetten.[54]

Die Ereignisse rechtfertigten das Vertrauen der Whigs und die
Zurckhaltung der Jakobiten. Am 16., 17. und 18.August standen die
Armeen Villeroy's und Wilhelm's einander gegenber. Man erwartete mit
Bestimmtheit, da der 19. der entscheidende Tag sein werde. Die
Alliirten waren schon vor Tagesanbruch kampffertig. Um vier Uhr stieg
Wilhelm zu Pferde und ritt bis acht Uhr Abends von Posten zu Posten,
seine Truppen vertheilend und die Bewegungen des Feindes beobachtend.
Der Feind nherte sich seinen Verschanzungen an mehreren Stellen
hinreichend um zu sehen, da es nicht leicht sein wrde, ihn daraus zu
vertreiben; aber es kam zu keinem Gefecht. Er legte sich zur Ruhe nieder
und erwartete mit Sonnenaufgang angegriffen zu werden. Aber als die
Sonne aufging, sah er, da die Franzosen sich einige Meilen
zurckgezogen hatten. Er schickte sofort einen Boten an den Kurfrsten
von Bayern und ersuchte ihn, unverzglich das Kastell zu erstrmen.
Whrend man die nthigen Vorbereitungen dazu traf, wurde Portland
abgeschickt, um die Besatzung zum letzten Male zur Uebergabe
aufzufordern. Es sei klar, sagte er zu Boufflers, da Villeroy alle
Hoffnung aufgegeben habe, die Belagerung aufheben zu knnen. Es wrde
daher eine nutzlose Vergeudung von Menschenleben sein, wenn er den Kampf
noch lnger fortsetze. Boufflers war jedoch der Meinung, da zur Wahrung
der franzsischen Waffenehre noch ein Tag des Gemetzels erforderlich
sei, und Portland kehrte zurck, ohne etwas ausgerichtet zu haben.[55]

In den ersten Nachmittagsstunden wurde der Sturm durch vier Divisionen
des verbndeten Heeres an vier Stellen zu gleicher Zeit unternommen. Ein
Punkt war den Brandenburgern, ein andrer den Hollndern, ein dritter den
Bayern und der vierte den Englndern angewiesen. Die Englnder waren
zuerst minder glcklich, als sie seither gewesen. Dies kam daher, weil
die meisten diensterfahrenen Regimenter mit Wilhelm gegen Villeroy
marschirt waren. Sobald als das Zeichen durch Sprengen zweier
Pulverfsser gegeben war, rckte Cutts zuerst an der Spitze einer
kleinen Schaar Grenadiere unter Trommelwirbel und mit fliegenden Fahnen
aus den Laufgrben vor. Dieses tapfere Corps sollte durch vier
Bataillone untersttzt werden, welche noch nie im Feuer gewesen waren
und die, obgleich vom muthigsten Geiste beseelt, noch der Festigkeit
entbehrten, die ein so gefhrlicher Dienst erforderte. Die Offiziere
fielen rasch hintereinander. Jeder Oberst und jeder Oberstleutnant wurde
getdtet oder schwer verwundet, Cutts erhielt eine Kugel in den Kopf,
die ihn fr einige Zeit kampfunfhig machte. Die unerfahrenen Rekruten,
so fast ohne alte Fhrung, drangen mit Ungestm vorwrts, bis sie in
Unordnung und auer Athem unter einem mrderischen Feuer und einem fast
ebenso mrderischen Hagel von Fels- und Mauerstcken, vor einem Abgrunde
ankamen. Sie verloren den Muth und wichen in Verwirrung zurck, bis es
Cutts, dessen Wunde inzwischen verbunden worden war, gelang, sie wieder
zu sammeln. Er fhrte sie nun nicht dahin von wo sie zurckgetrieben
worden waren, sondern auf einen andren Punkt, wo ein furchtbarer Kampf
wthete. Die Bayern hatten tapfer, aber erfolglos ihren Sturmangriff
gemacht; ihr General war gefallen und sie begannen schon zu wanken, als
die Ankunft des Salamanders und seiner Leute das Schicksal des Tages
nderte. Zweihundert englische Freiwillige, welche die Unehre ihres
vorherigen Zurckweichens um jeden Preis wieder gut machen wollten,
waren die Ersten, die sich mit dem Sbel in der Faust einen Weg durch
die Palissaden bahnten, eine Batterie erstrmten, die unter den Bayern
arg aufgerumt hatte, und die Kanonen gegen die Besatzung richteten.
Unterdessen hatten die vortrefflich disciplinirten und vortrefflich
commandirten Brandenburger ohne groen Verlust die ihnen zuertheilte
Aufgabe gelst. Die Hollnder waren ebenso glcklich gewesen. Als der
Abend hereinbrach, hatten die Verbndeten die Auenwerke des Kastells
auf eine Meile im Umfang im Besitz. Dieser Vortheil War mit dem Verluste
von zweitausend Mann erkauft worden.[56]

Jetzt endlich glaubte Boufflers Alles gethan zu haben, was seine Pflicht
erheischte. Am andren Morgen bat er um einen achtundvierzigstndigen
Waffenstillstand, um die Hunderte von Leichen, welche die Grben fllten
und welche bald unter den Belagerern wie unter den Belagerten
Krankheiten erzeugt haben wrden, wegrumen und beerdigen zu lassen.
Sein Ansuchen wurde bewilligt, und noch vor Ablauf der festgesetzten
Zeit lie er sagen, da er geneigt sei zu kapituliren. Er wolle, sagte
er, das Schlo binnen zehn Tagen bergeben, wenn er bis dahin nicht
entsetzt wrde. Es wurde ihm darauf erwiedert, da die Verbndeten auf
solche Bedingungen nicht mit ihm unterhandeln knnten und da er sich
entweder zu einer sofortigen Uebergabe verstehen oder auf einen
unverzglichen Sturm gefat machen msse. Er gab nach und man kam
berein, da ihm und seinen Leuten freier Abzug gestattet werden, und
da er die Citadelle, die Artillerie und die Vorrthe den Siegern
berlassen solle. Drei Salven aus smmtlichen Feuerschlnden der
verbndeten Armee verkndeten Villeroy den Fall der Festung, der er
vergebens Untersttzung zu bringen versucht hatte. Er zog sich
augenblicklich auf Mons zurck und lie Wilhelm im ungestrten Genusse
eines Triumphes, welcher durch die Erinnerung an vieles Migeschick noch
erhht wurde.


[_Uebergabe des Kastells von Namur._] Der 26.August war zu einem
Schauspiele bestimmt worden, wie es der lteste Soldat in Europa noch
nie gesehen und wie es noch vor wenigen Wochen der jngste Soldat kaum
zu erleben gehofft hatte. Von Cond's erster bis zu Luxemburg's letzter
Schlacht hatte die Fluth des militrischen Erfolgs ohne erhebliche
Unterbrechung fortwhrend eine und dieselbe Richtung beibehalten. Jetzt
wendete sich das Kriegsglck. Zum ersten Male, sagte man, seit
Frankreich Marschlle habe, sollte ein Marschall von Frankreich eine
Festung einem siegreichen Feinde bergeben.

Die in einer Doppelreihe aufgestellten verbndeten Truppen, Infanterie
und Cavallerie, bildeten eine prchtige Gasse von der Bresche, um welche
vor kurzem mit so verzweifelter Tapferkeit gekmpft worden war, bis ans
Ufer der Maas. Der Kurfrst von Bayern, der Landgraf von Hessen und
viele hohe Offiziere hielten zu Pferde in der Umgebung des Kastells.
Wilhelm befand sich nahe bei ihnen in seinem Wagen. Die auf ungefhr
fnftausend Mann zusammengeschmolzene Besatzung kam mit Trommelwirbel
und wehenden Fahnen heraus. Boufflers schlo mit seinem Stabe den Zug.
Es war einige Schwierigkeit ber die Form der Begrung entstanden,
welche zwischen ihm und den verbndeten Souverainen gewechselt werden
mute. Ein Kurfrst von Bayern hatte kaum Anspruch darauf, von einem
Marschall von Frankreich mit dem Degen salutirt zu werden. Ein Knig von
England hatte unbestreitbar Anspruch auf ein solches Zeichen von
Ehrerbietung; aber Frankreich erkannte Wilhelm nicht als Knig von
England an. Endlich verstand sich Boufflers dazu, die Salutirung zu
verrichten, ohne zu zeigen, welchem der beiden Souveraine sie gelte. Er
senkte seinen Degen. Wilhelm allein erwiederte das Compliment. Hierauf
folgte eine kurze Unterredung. Um den Gebrauch der Worte Sire und
Majestt zu vermeiden, wendete sich der Marschall nur an den Kurfrsten.
Dieser theilte Wilhelm das Gesagte mit allen Zeichen der Ehrerbietung
mit, und Wilhelm berhrte kalt seinen Hut. Die Offiziere der Garnison
nahmen die Nachricht mit in ihr Vaterland, da der Emporkmmling, der in
Paris nur der Prinz von Oranien genannt wurde, von den stolzesten
Potentaten des deutschen Staatenbundes mit ebenso tiefer Ehrerbietung
behandelt wurde, als Ludwig sie von seinen Kammerherren verlangte.[57]


[_Verhaftung Boufflers'._] Die Ceremonie war jetzt vorber, und
Boufflers ritt weiter; aber er hatte erst eine kurze Strecke Wegs
zurckgelegt, als er von Dykvelt angehalten wurde, der die verbndete
Armee als Deputirter der Generalstaaten begleitete. Sie mssen in die
Stadt zurckkehren, mein Herr, redete Dykvelt ihn an. Der Knig von
England hat mir befohlen, Ihnen zu sagen, da Sie sein Gefangener sind.
Boufflers war auer sich vor Wuth. Seine Offiziere schaarten sich um ihn
und schwuren, ihn bis zum letzten Athemzuge zu vertheidigen: Aber von
Widerstand konnte nicht die Rede sein, denn eine starke Abtheilung
hollndischer Reiterei kam heran, und der Brigadier verlangte den Degen
des Marschalls. Der Marschall uerte laut seinen Unwillen. Das ist ein
abscheulicher Wortbruch! Lesen Sie die Bedingungen der Kapitulation. Was
habe ich gethan, um einen solchen Affront zu verdienen? Habe ich mich
nicht als Mann von Ehre benommen? Mu ich nicht als ein solcher
behandelt werden? Bedenken Sie wohl was Sie thun, meine Herren. Ich
diene einem Gebieter, der mich rchen kann und wird. -- Ich bin
Soldat, mein Herr, entgegnete der Brigadier, und es ist meine Pflicht,
erhaltenen Befehlen zu gehorchen, ohne mich um das Weitere zu
bekmmern. Dykvelt erwiederte sodann ruhig und artig auf die unwilligen
Aeuerungen des Marschalls: Der Knig hat nur mit Widerstreben das von
Ihrem Gebieter gegebene Beispiel nachgeahmt. Die Soldaten, welche die
Besatzungen von Dirmuyden und Deynse bildeten, sind trotz gegebenen
Zusicherungen als Gefangene nach Frankreich geschickt worden. Der Frst,
dem sie dienen, wrde seiner Pflicht gegen sie uneingedenk sein, wenn er
nicht Wiedervergeltung bte. Se. Majestt htte mit vollem Rechte alle
Franzosen, die in Namur waren, zurckhalten knnen. Aber er will einem
Prcedenzfalle, den er mibilligt, nicht so weit Folge geben. Er hat
beschlossen, Sie, und nur Sie allein gefangen zu nehmen, und Sie drfen
eine Maregel, welche thatschlich ein Zeichen seiner besonderen Achtung
gegen Sie ist, nicht als eine Beleidigung ansehen. Wie kann er Ihnen ein
glnzenderes Compliment machen, als indem er Ihnen beweist, da er Sie
als ein vollkommenes Aequivalent fr die fnf- bis sechstausend Mann
betrachtet, welche Ihr Souverain widerrechtlich als Gefangene
zurckhlt? Ich will Sie sogar noch jetzt ungehindert Ihres Weges ziehen
lassen, wenn Sie mir Ihr Ehrenwort geben, wieder hierher zurckzukehren,
im Fall die Besatzungen von Dirmuyden und Deynse nicht binnen vierzehn
Tagen in Freiheit gesetzt werden. -- Ich wei nicht, warum mein
Gebieter jene Soldaten zurckhlt, und daher kann ich Ihnen keine
Hoffnung darauf machen, da er sie freilassen wird. Sie haben eine Armee
hinter Sich; ich bin allein; handeln Sie nach Ihrem Belieben. Er
lieferte seinen Degen ab, kehrte nach Namur zurck und wurde von dort
nach Huy gebracht, wo er einige Tage in luxuriser Ruhe verlebte, nach
Gefallen ausgehen und ausreiten durfte wann er wollte, und von Denen,
die ihn bewachten, mit ausgezeichneter Rcksicht behandelt wurde. In der
krzesten Zeit, in der es mglich war, von dem Orte, wo er in Haft
gehalten wurde, an den franzsischen Hof zu schreiben und Antwort zurck
zu erhalten, empfing er die Ermchtigung, zu versprechen, da die
Besatzungen von Dirmuyden und Deynse zurckgeschickt werden sollten. Er
wurde sogleich in Freiheit gesetzt und reiste nach Fontainebleau ab, wo
ein ehrenvoller Empfang seiner wartete. Er wurde zum Herzog und Pair
ernannt. Damit er den nthigen Aufwand seiner neuen Wrden bestreiten
konnte, erhielt er zugleich eine bedeutende Summe Geldes, und Ludwig
bewillkommnete ihn in Anwesenheit des gesammten franzsischen Adels mit
einer herzlichen Umarmung.[58]

In allen gegen Frankreich verbndeten Lndern wurde die Nachricht von
dem Falle Namur's mit Freude begrt; bei uns aber war der Jubel am
grten. Seit mehreren Generationen hatten unsere Vorfahren zu Lande
keine bedeutende Waffenthat gegen auswrtige Feinde vollfhrt. Wir
hatten zwar unseren Bundesgenossen zuweilen kleine Hlfscorps geliefert,
welche die Ehre der Nation in gutem Ansehen erhielten. Aber von dem Tage
an, wo die beiden tapferen Talbot, Vater und Sohn, in dem vergeblichen
Versuche, Guienne wieder zu erobern, umgekommen waren, bis zur
Revolution, hatte auf dem Continent kein Feldzug stattgefunden, in
welchem die Englnder eine Hauptrolle gespielt htten. Endlich hatten
unsere Vorfahren nach einer Pause von nahe an dritthalb Jahrhunderten
wieder angefangen, den Kriegern Frankreich's die Palme des militrischen
Ruhmes streitig zu machen. Es war ein harter Kampf gewesen. Das Genie
Luxemburg's und die ausgezeichnete Disciplin der Haustruppen Ludwig's
hatten in zwei groen Schlachten die Oberhand behalten; aber der Ausgang
dieser Schlachten war lange zweifelhaft gewesen, der Sieg war theuer
erkauft worden, und der Sieger hatte nicht viel mehr gewonnen als die
Ehre, Herr des Schlachtfeldes geblieben zu sein. Inzwischen bildete er
selbst seine Gegner aus. Die Rekruten, welche seine strenge Schule
berlebten, wurden rasch Veteranen. Steenkerke und London hatten die
Freiwilligen gebildet, welche Cutts durch die Palissaden von Namur
folgten. Der Ausspruch aller groen Krieger, welche smmtliche Nationen
des westlichen Europa's an den Zusammenflu der Sambre und Maas gesandt
hatten, lautete, da der englische Subalternoffizier und der englische
Gemeine keinem Subalternoffizier und keinem Gemeinen der Christenheit
nachstehe. Die englischen Offiziere hheren Ranges dagegen wurden kaum
fr wrdig erachtet, eine solche Armee zu commandiren. Cutts hatte sich
zwar durch seine Unerschrockenheit ausgezeichnet. Aber selbst
Diejenigen, die ihn am meisten bewunderten, gestanden zu, da er weder
die Befhigung noch die Kenntnisse besa, deren ein General bedurfte.

Die Freude der Sieger wurde erhht durch die Erinnerung an die drei
Jahre frher auf dem nmlichen Punkte erlittene Niederlage und an den
Uebermuth, mit welchem ihr Feind damals ber sie triumphirt hatte. Jetzt
war die Reihe zu triumphiren an ihnen. Die Hollnder prgten Denkmnzen,
die Spanier sangen Te Deums. Es erschienen eine Menge theils ernster,
theils launiger Gedichte, von denen nur eines uns erhalten worden ist.
Prior travestirte mit kstlichem Geist und Humor die bombastischen
Verse, in welchen Boileau die erste Einnahme von Namur verherrlicht
hatte. Die beiden Oden, welche nebeneinander gedruckt erschienen, wurden
mit groem Vergngen gelesen, und die Kritiker bei Will's erklrten, da
England sowohl im Witz als in den Waffen den Sieg davon getragen habe.

Der Fall von Namur war das groe militrische Ereigni dieses Jahres.
Der trkische Krieg beschftigte noch immer einen groen Theil der
kaiserlichen Truppen mit unentscheidenden Operationen an der Donau.
Weder in Piemont noch am Rhein geschah etwas Erwhnenswerthes. In
Catalonien erlangten die Spanier einige unbedeutende Vortheile, die sie
ihren englischen und hollndischen Bundesgenossen verdankten, welche
alles Mgliche gethan zu haben scheinen, um einer Nation zu helfen, die
niemals sonderlich geneigt gewesen ist, sich selbst zu helfen. Die
Ueberlegenheit England's und Holland's zur See war jetzt notorisch
erwiesen. Whrend des ganzen Jahres war Russell der unbestrittene Herr
des mittellndischen Meeres, fuhr zwischen Spanien und Italien hin und
her, bombardirte Palamos, verbreitete Schrecken lngs der ganzen Kste
der Provence und hielt die franzsische Flotte im Hafen von Toulon
eingeschlossen. Mittlerweile war Berkeley der unbestrittene Herr des
Kanals, kreuzte angesichts der Ksten des Artois, der Picardie, der
Normandie und der Bretagne, warf Bomben nach Saint-Malo, Calais und
Dnkirchen und brannte Granville bis auf den Grund nieder. Ludwig's
Flotte, welche fnf Jahre frher die furchtbarste in Europa gewesen, die
unbehindert von den Dnen bis Land's End umhergefahren war, die bei
Torbay geankert und Teignmouth in Asche gelegt hatte, gab jetzt kein
Lebenszeichen mehr, auer durch das Plndern von Kauffahrern, welche
nicht von Kriegsschiffen begleitet waren. In diesem eintrglichen Kriege
waren, die franzsischen Kaper gegen Ende des Sommers sehr glcklich.
Mehrere mit Zucker beladene Schiffe aus Barbados wurden aufgebracht. Die
Verluste der unglcklichen, von Schwierigkeiten schon umgebenen und
durch grenzenlose Verschwendung in Bestechungen sehr geschwchten
Ostindischen Compagnie waren enorm. Fnf groe aus den stlichen Meeren
zurckkehrende Schiffe mit Ladungen, deren Werth allgemein auf eine
Million geschtzt wurde, fielen in die Hnde des Feindes. Diese Unflle
erregten einiges Murren auf der Brse. Im Ganzen aber war die Stimmung
der Hauptstadt und der Nation besser als sie seit einigen Jahren
gewesen.

Inzwischen fanden in London Ereignisse statt, welche kein frherer
Geschichtsschreiber der Erwhnung werth gehalten hat, die aber von weit
grerer Wichtigkeit waren als die Waffenthaten von Wilhelm's Armee oder
von Russell's Flotte. Ein groes Experiment wurde gemacht, eine groe
Revolution war im Gange: es waren Zeitungen erschienen.


[_Wirkung der Emancipation der englischen Presse._] So lange die
Censuracte in Kraft war, gab es in England keine Zeitungen auer der
London Gazette, welche von einem Beamten des Staatssekretariats redigirt
wurde und die nichts enthielt als was der Staatssekretr die Nation
wissen lassen wollte. Periodische Schriften gab es zwar viele, aber
keine derselben konnte eine Zeitung genannt werden. Welwood, ein
eifriger Whig, gab ein Journal, der Observator genannt, heraus; aber
sein Observator enthielt ebenso wie der frher von Lestrange
herausgegebene keine politischen Neuigkeiten, sondern nur politische
Abhandlungen. Ein geistesschwacher Buchhndler, Namens Johann Dunton,
gab den Athenian Mercury heraus; aber der Athenian Mercury errterte nur
Fragen der Naturwissenschaften, der Casuistik und der Galanterie. Ein
Mitglied der kniglichen Societt, Namens Johann Houghton, gab eine
periodische Schrift heraus, die er eine Sammlung zur Hebung der
Industrie und des Handels nannte. Aber seine Sammlung enthielt nicht
viel mehr als die Course der Actien, Erklrungen der Art und Weise des
Geschftsganges in der City, Anpreisungen neuer Projecte, Ankndigungen
von Bchern, Geheimmitteln, Chokolade, Mineralwasser, Zibethkatzen und
Gesuche brodloser Schiffschirurgen, herrenloser Bedienten und
heirathslustiger Damen. Wenn er ja einmal eine politische Nachricht
mittheilte, so war sie aus der Gazette abgedruckt. Die Gazette aber war
eine so parteiische und so magere Chronik der Begebenheiten, da sie,
obgleich ohne alle Concurrenz, doch nur eine geringe Verbreitung hatte.
Die Auflage betrug nur achttausend, so da also bei weitem noch nicht
ein Exemplar auf jedes Kirchspiel des Landes kam. In der That, wer die
Geschichte seiner Zeit nur aus der Gazette studirt htte, dem wrden
viele Ereignisse von hchster Wichtigkeit unbekannt geblieben sein. Er
wrde zum Beispiel nichts von dem Kriegsgericht ber Torrington, von den
Untersuchungen in Lancashire, von dem Verbrennen des Hirtenbriefes des
Bischofs von Salisbury, oder von der Anklage gegen den Herzog von Leeds
erfahren haben. Doch wurden die Lcken der Gazette bis zu einem gewissen
Grade in London durch die Kaffeehuser und in der Provinz durch die
Neuigkeitsbriefe ausgefllt.

Am 3.Mai 1695 erlosch das Gesetz, das die Presse einer Censur
unterworfen hatte. Innerhalb der nchsten vierzehn Tage erlie ein
entschiedener alter Whig, Namens Harris, der in den Tagen der
Ausschlieungsbill den Versuch gemacht hatte, eine Zeitung unter dem
Titel Intelligence Domestic and Foreign zu begrnden, aber diesen Plan
bald wieder hatte aufgeben mssen, die Anzeige, da die vor vierzehn
Jahren durch die Tyrannei unterdrckte Intelligence Domestic and
Foreign wieder erscheinen wrde. Zehn Tage nach der ersten Nummer der
Intelligence erschien die erste Nummer des English Courant. Dann kam
das Packet Boat from Holland and Flanders, der Pegasus, der London
Newsletter, die London Post, die Flying Post, der Old Postmaster,
der Postboy und der Postman. Die Geschichte der Zeitungen von jener
Zeit bis auf unsere Tage ist ein hchst interessanter und lehrreicher
Theil der Geschichte des Landes. Im Anfang waren sie klein und
unansehnlich. Selbst der Postboy und der Postman, welche die
bestredigirten und gangbarsten gewesen zu sein scheinen, waren
abscheulich auf Bltter von schmutziggrauem Papier gedruckt, wie man es
heutzutage nicht gut genug fr Straenballaden halten wrde. Es
erschienen wchentlich nur zwei Nummern, und eine Nummer enthielt nicht
viel mehr Stoff, als man jetzt in einer einzigen Spalte unserer
Tagesbltter findet. Was man jetzt einen Leitartikel nennt, erschien nur
selten, auer wenn Mangel an Neuigkeiten war, wenn die hollndischen
Posten durch den Westwind aufgehalten wurden, wenn die Rapparees im
Sumpfe von Allen sich ruhig verhielten, wenn keine Diligence von
Straenrubern angefallen, wenn keine eidverweigernde Gemeinde durch
Constabler zerstreut worden, wenn kein Gesandter mit einem langen
Gefolge sechsspnniger Equipagen angekommen war, wenn kein Lord oder
Dichter in der Abtei begraben worden und wenn es in Folge dessen schwer
war, vier drftige Seiten zu fllen. Indessen waren die Leitartikel,
obgleich sie, wie es scheint, nur in Ermangelung anziehenderen Stoffes
aufgenommen wurden, keineswegs schlecht geschrieben.

Es ist ein bedeutsames Factum, da die jungen Zeitungen alle auf Seiten
Wilhelm's und der Revolution waren. Dieses Factum mag sich zum Theil
durch den Umstand erklren lassen, da anfangs die Existenz der
Herausgeber von ihrem guten Verhalten abhing. Es war keineswegs klar, ob
ihr Gewerbe an sich nicht ungesetzlich war. Das Drucken von Zeitungen
war allerdings durch kein Gesetz verboten; aber gegen das Ende der
Regierung Karl'sII. hatten die Richter erklrt, da es nach dem
Landrecht ein Vergehen sei, politische Nachrichten ohne Erlaubni des
Knigs zu verffentlichen. Freilich waren die Richter, welche dieses
Prinzip aufstellten, nach dem Belieben des Knigs absetzbar und
beeiferten sich bei jeder Gelegenheit, die knigliche Prrogative zu
erhhen. Wie Holt und Treby die Frage, wenn sie wieder aufgeworfen
worden wre, entschieden haben wrden, ist zweifelhaft, und die Folge
dieser Ungewiheit war, da die Minister der Krone Nachsicht bten und
da die Journalisten sich vorsahen. Keiner von beiden Theilen hegte den
Wunsch, die Rechtsfrage zur Errterung zu bringen. Die Regierung lie
daher das Erscheinen von Zeitungen stillschweigend hingehen, und die
Herausgeber derselben hteten sich sorgfltig, etwas zu drucken, was die
Regierung provociren oder beunruhigen konnte. In einer der ersten
Nummern eines der neuen Journale erschien allerdings ein Artikel, der
darauf hindeuten zu wollen schien, da die Prinzessin Anna sich nicht
aufrichtig ber den Fall von Namur freue. Aber der Drucker beeilte sich,
seinen Fehler durch die demthigsten Entschuldigungen wieder gut zu
machen. Eine geraume Zeit waren die nichtamtlichen Zeitungen, wenn auch
viel plauderhafter und unterhaltender als die amtliche Gazette, fast
eben so hfisch. Wer sie nachliest, wird finden, da der Knig stets mit
der grten Ehrerbietung erwhnt wird. Ueber die Debatten und
Abstimmungen der beiden Huser wird ein ehrfurchtsvolles Stillschweigen
beobachtet. Es kommen zwar viel Schmhungen darin vor; aber diese sind
fast alle gegen die Jakobiten und die Franzosen gerichtet. Es scheint
gewi, da die Regierung Wilhelm's durch die Substituirung dieser unter
bestndiger Furcht vor dem Generalfiskal redigirten gedruckten Zeitungen
an Stelle der mit zgelloser Freiheit geschriebenen Neuigkeitsbriefe
nicht wenig gewann.[59]

Die Pamphletisten standen unter minder harten Beschrnkungen als die
Journalisten; doch mu Jeder, der die politische Polemik der damaligen
Zeit aufmerksam studirt hat, bemerkt haben, da die Libelle gegen
Wilhelm's Person und Verwaltung whrend der zweiten Hlfte seiner
Regierung entschieden weniger heftig und hmisch waren als whrend der
ersten Hlfte. Und der Grund davon ist offenbar kein andrer als der,
weil die Presse, welche whrend der ersten Hlfte seiner Regierung in
Ketten und Banden lag, whrend der zweiten Hlfte frei war. So lange die
Censur bestand, hatte keine Schrift, welche die Leitung eines
Verwaltungszweiges wenn auch in der gemigtsten und anstndigsten
Sprache tadelte, Aussicht, mit Genehmigung des Censors gedruckt werden
zu drfen. Im Allgemeinen blieben daher selbst die achtbaren und
gemigten Gegner des Hofes, da sie es nicht ber sich gewinnen konnten,
in der vom Gesetz vorgeschriebenen Weise zu drucken, und es nicht fr
recht oder rathsam hielten, in einer vom Gesetz verbotenen Weise zu
drucken, lieber ganz still und berlieen die Kritik der Verwaltung zwei
Klassen von Menschen: fanatischen Eidverweigerern, welche aufrichtig
glaubten, da der Prinz von Oranien eben so wenig Anspruch auf Schonung
oder Artigkeit habe, wie der Frst der Finsterni, und gemeinen,
boshaften und lsterzngigen Miethlingen in Grub Street. Daher gab es
unter den Vielen, welche gegen die Regierung zu schreiben pflegten, kaum
einen einzigen Verstndigen, Gemigten und Rechtschaffenen. Die
Gewohnheit, gegen die Regierung zu schreiben, bte in der That an sich
eine ungnstige Wirkung auf den Character aus, denn wer gewohnt war,
gegen die Regierung zu schreiben, der war auch gewohnt, die Gesetze zu
bertreten, und die Gewohnheit selbst ein unbilliges Gesetz zu
bertreten, fhrt den Menschen zu vlliger Gesetzlosigkeit. Wie absurd
ein Zolltarif auch immer sein mag, ein Schmuggler wird stets nur zu
wahrscheinlich ein Schurke und Spitzbube sein. Wie despotisch ein
Jagdgesetz immer sein mag, der Uebergang von einem Wilddieb zu einem
Mrder ist nur zu leicht. Ebenso war, obgleich sich zu Gunsten der die
Literatur beschrnkenden Gesetze nur wenig sagen lt, doch groe Gefahr
vorhanden, da ein Mann, der diese Gesetze bestndig verletzte, kein
Mann von besonderer Ehre und strenger Rechtschaffenheit sein wrde. Ein
Autor, der sich vorgenommen hatte, etwas drucken zu lassen, und die
Erlaubni des Censors dazu nicht erlangen konnte, mute sich der
Beihlfe bedrftiger und verzweifelter Menschen bedienen, welche, von
den Dienern des Friedensgerichts verfolgt und gezwungen, jede Woche
andere Namen und Verkleidungen anzunehmen, ihr Papier und ihre Typen in
jenen Hhlen des Lasters verbargen, welche die Pest und die Schande
groer Hauptstdte sind. Solche Elende mute er erkaufen, damit sie sein
Geheimni bewahrten und sich der Gefahr aussetzten, anstatt seiner
ausgepeitscht zu werden oder die Ohren zu verlieren. Ein Mann, der sich
zu solchen Genossen und zu solchen Hlfsmitteln herablie, konnte einen
zarten Sinn fr Recht und Schicklichkeit kaum unversehrt bewahren. Die
Emancipation der Presse bewirkte eine groe und heilsame Aenderung. Die
besten und einsichtsvollsten Mnner in den Reihen der Opposition
bernahmen jetzt ein Amt, das bisher den Gewissenlosen und Heibltigen
berlassen gewesen war. Schriften gegen die Regierung wurden jetzt in
einem Tone geschrieben, dessen sich Staatsmnner und Gentlemen nicht zu
schmen brauchten, und selbst die Producte der niederern und heftigeren
Klasse der Mivergngten wurden etwas weniger roh und gemein, als sie es
in den Tagen der Censoren gewesen waren.

Einige schwache Menschen hatten geglaubt, da Religion und Moral
des Schutzes eines Censors bedrften. Der Lauf der Dinge bewies
schlagend, da sie im Irrthum waren. Die Censur hatte in der That die
Zgellosigkeit und Profanation so gut als gar nicht beschrnkt. Das
Verlorne Paradies war mit genauer Noth der Verstmmelung entgangen,
denn das Verlorne Paradies war das Werk eines Mannes, dessen politische
Ansichten den herrschenden Gewalten verhat waren. Aber Etherege's
+She Would If She Could,+ Wycherley's +Country Wife,+ Dryden's
Uebersetzungen aus dem vierten Buche des Lucrez erlangten ohne Mhe
das Imprimatur, denn Dryden, Etherege und Wycherley waren Hflinge. Von
dem Tage, an welchem die Emancipation unsrer Literatur eintrat, begann
die Luterung unsrer Literatur. Diese Luterung wurde nicht durch das
Einschreiten von Senaten oder Magistraten bewirkt, sondern durch die
Ansicht der groen Masse der gebildeten Englnder, denen das Gute und
das Schlechte vor Augen gelegt, und denen es freigestellt wurde, zu
whlen. Seit hundertsechzig Jahren ist die Freiheit unsrer Presse immer
vollstndiger geworden, und whrend dieser hundertsechzig Jahre ist
der Zgel, den die allgemeine Gesinnung der Leser den Schriftstellern
angelegt hat, immer wirksamer geworden. Endlich ist selbst diejenige
Klasse von Schriften, von denen man sonst meinte, da eine wollstige
Phantasie sich darin Ausschreitungen gestatten drfe, wie Liebeslieder,
Lustspiele und Novellen, anstndiger geworden, als die Predigten des
17.Jahrhunderts es waren. Heutzutage knnen Auslnder, die kein
tadelndes Wort gegen die Regierung, unter der sie leben, zu drucken
wagen, nicht begreifen, wie es zugeht, da die freieste Presse in
Europa die prdeste ist.


[_Wilhelm's Rckkehr nach England; Auflsung des Parlaments._] Am
10.October kam der Knig, dessen Armee ihre Winterquartiere bezogen
hatte, in England an und wurde mit ungewohntem Enthusiasmus empfangen.
Whrend seines Zuges durch die Hauptstadt nach seinem Palaste gingen
alle Glocken und jede Strae war erleuchtet. Es wurde spt, bevor er
durch die jubelnden Menschenmassen nach Kensington gelangte. Aber
trotz der spten Stunde wurde sofort noch eine Sitzung des Staatsraths
abgehalten. Es war ein wichtiger Punkt zu entscheiden. Sollte das
Haus der Gemeinen beisammen bleiben drfen oder sollte eine sofortige
Auflsung stattfinden? Der Knig wrde dieses Haus wahrscheinlich
gern bis ans Ende seiner Regierung beibehalten haben. Aber dies stand
nicht in seiner Macht. Die Dreijhrigkeitsacte hatte den 25.Mrz als
den letzten Termin fr die Existenz des Parlaments festgesetzt. Wenn
daher 1695 keine allgemeine Wahl mehr stattfand, so mute 1696 eine
solche stattfinden, und wer konnte sagen, in welchem Zustande das
Land im Jahre 1696 sein wrde? Es konnte ein unglcklicher Feldzug
stattfinden. Es konnte, und man hatte nur zu triftigen Grund dies
anzunehmen, eine gefhrliche Handelskrisis eintreten. In beiden Fllen
war es wahrscheinlich, da die Mistimmung gro sein wrde. Der Feldzug
von 1695 war glnzend gewesen, die Nation war in einer vortrefflichen
Stimmung, und Wilhelm beschlo wohlweislich, den gnstigen Moment
zu benutzen. Es wurden unverweilt zwei Proklamationen erlassen. Die
eine derselben kndigte in der gewhnlichen Form an, da Se. Majestt
beschlossen habe, das alte Parlament aufzulsen, und befohlen habe,
Wahlausschreiben zu einem neuen Parlamente ergehen zu lassen. Die
andre Proklamation war ohne vorgngiges Beispiel. Sie that kund und zu
wissen, da es der Wille des Knigs sei, da jedes in einem Wahlorte
liegende Regiment den Tag vor der Vorschlagung der Wahlcandidaten aus
diesem Orte ausrcken und nicht eher dahin zurckkehren solle, als bis
das Volk seine Wahl getroffen habe. Die Besatzungen der befestigten
Stdte und Schlsser waren von diesem Befehle, der allgemein als ein
Zeichen lobenswerther Achtung vor den Rechten des Volks betrachtet
wurde, natrlich ausgenommen.

Obgleich aber Wilhelm sich sorgfltig htete, die Wahlkrper durch
irgend etwas, das wie Zwang oder Einschchterung aussah, zu verletzen,
verschmhte er es doch nicht, durch gelindere Mittel auf ihre Stimmen
einzuwirken. Er beschlo, die sechs Wochen der allgemeinen Wahl dazu
anzuwenden, da er sich den Bevlkerungen vieler Districte zeigte, die
er noch nie besucht hatte. Er hoffte auf diese Weise eine Popularitt zu
erlangen, die einen erheblichen Einflu auf die Wahlen ausben konnte.
Er zwang sich daher, eine Leutseligkeit und Freundlichkeit an den Tag zu
legen, an denen er es nur zu oft fehlen lie, und die Folge davon war,
da er auf jeder Station seiner Reise von seinen Unterthanen Beweise von
Wohlwollen erhielt. Ehe er abreiste, stattete er seiner Schwgerin einen
officiellen Besuch ab und war mit dem ihm zu Theil werdenden Empfange
sehr zufrieden. Der erst sechs Jahr alte Herzog von Gloucester kam
seinem Oheime mit einer kleinen Flinte auf der Schulter entgegen und
prsentirte das Gewehr. Ich lerne exerciren, sagte der Knabe, damit
ich Ihnen helfen kann die Franzosen zu schlagen. Der Knig lachte
herzlich und belohnte den kleinen Soldaten einige Tage darauf mit dem
Hosenbandorden.[60]


[_Wilhelm unternimmt eine Reise durch das Land._] Am 17.October ging
die Knigin nach Newmarket, gegenwrtig mehr ein Ort des Gewerbfleies
als des Vergngens, in den Herbstmonaten des 17.Jahrhunderts aber der
heiterste und luxuriseste Platz auf der Insel. Es war nichts
Ungewhnliches, da der ganze Hof mitsammt dem Cabinet sich dahin begab.
Juweliere und Modistinnen, Schauspieler und Musiker, feile Poeten und
feile Schnheiten folgten massenhaft. Die Communication in den Straen
wurde durch sechsspnnige Equipagen gehemmt. An den ffentlichen
Vergngungsorten liebugelten Peers mit Ehrenfruleins, und Offiziere
der Leibgarde, von Federn und goldenen Tressen strotzend, drngten sich
in buntem Gewhl mit Professoren in schwarzen Roben und Baretten, denn
die benachbarte Universitt Cambridge schickte stets ihre hchsten
Wrdentrger mit Ergebenheitsadressen und whlte ihre tchtigsten
Theologen aus, um sie vor dem Souverain und seinem glnzenden Gefolge
predigen zu lassen. In den zgellosen Tagen der Restauration wollte es
zwar auch den gelehrtesten und beredtsamsten Geistlichen zuweilen nicht
gelingen, ein fashionables Auditorium herbeizuziehen, besonders wenn
Buckingham seine Absicht ankndigte, einen Vortrag zu halten; denn
zuweilen gefiel es Sr. Gnaden, die Langweiligkeit eines Sonntagsmorgens
dadurch zu verscheuchen, da er den Schwarm der eleganten Herren und
Damen mit einer frivolen Ermahnung unterhielt, die er eine Predigt
nannte. Aber der Hof Wilhelm's war decenter und die akademischen
Wrdentrger wurden mit ausgezeichneter Achtung behandelt. Mit den Lords
und Ladies von Saint-James und Soho und den Doctoren des Trinity College
und King's College war dann noch der Landadel vermischt, fuchsjagende
Squires mit ihren rothwangigen Tchtern, die in schwerflligen, von
Karrengulen gezogenen Familienkutschen aus den entferntesten
Kirchspielen einiger Grafschaften herbeigekommen waren, um ihren
Landesherrn zu sehen. Die Haide war von einem lrmenden,
zigeunerhnlichen Lager eingefat, denn die Hoffnung, sich von den
Ueberresten so vieler splendiden Tafeln sttigen und einige von den
Guineen und Kronen aufheben zu knnen, welche die Verschwender von
London wegwarfen, lockte Tausende von Landleuten aus einem Umkreise von
vielen Meilen herbei.[61]

Nachdem Wilhelm an diesem heiteren Orte einige Tage seinen Hof gehalten
und die Huldigungen von Cambridgeshire, Huntingdonshire und Suffolk
entgegengenommen hatte, begab er sich nach Althorpe. Es scheint
befremdend, da er auf einer Reise, die eigentlich eine
Stimmenwerbungstour war, einem Manne wie Sunderland, der mit so
allgemeinem Mitrauen und Ha betrachtet wurde, eine so ausgezeichnete
Ehre erwies. Aber die Leute hatten sich einmal vorgenommen, froh und
vergngt zu sein. Ganz Northamptonshire strmte in die durch den Pinsel
Vandyke's geschmckte und durch Waller's Muse zu klassischer Berhmtheit
gelangte prchtige Gallerie, um die knigliche Hand zu kssen, und der
Earl versuchte seine Nachbarn mit sich zu vershnen, indem er sie an
acht mit Silbergeschirr schwer beladenen Tafeln bewirthete. Von Althorpe
ging der Knig nach Stamford. Der Earl von Exeter, dessen frstlicher
Landsitz zu den groen Sehenswrdigkeiten England's gehrte und noch
gehrt, hatte nie die Eide geleistet, und um einer Unterredung aus dem
Wege zu gehen, die ihm htte unangenehm sein mssen, war er unter irgend
einem Vorwande nach London gereist, hatte aber Befehle hinterlassen, da
der erlauchte Besuch mit gebhrender Gastlichkeit empfangen werde.
Wilhelm war ein groer Freund der Baukunst und der Gartenanlagen, und
seine Edelleute konnten ihm mit nichts mehr schmeicheln, als wenn sie
ihn ber die Verschnerung ihrer Landsitze um Rath fragten. Zu einer
Zeit, wo viele Sorgen auf seinem Geiste lasteten, nahm er groes
Interesse an dem Baue von Castle Howard und ein hlzernes Modell dieses
Gebudes, des schnsten Probestcks eines fehlerhaften Styls, wurde ihm
nach Kensington zur Ansicht gesandt. Wir knnen uns daher nicht wundern,
da er Burleigh mit groem Vergngen sah. Er begngte sich sogar nicht
mit einer Besichtigung, sondern stand am andren Morgen frhzeitig auf,
um das Gebude noch einmal in Augenschein zu nehmen. Von Stamford begab
er sich nach Lincoln, wo er von dem Klerus in vollem Ornate, von den
Magistratsbeamten in Scharlachmnteln und von einer Menge Baronets,
Rittern und Esquires aus allen Theilen der ungeheuren Ebene, welche
zwischen dem Trent und dem deutschen Ocean liegt, begrt wurde. Nachdem
er in der prchtigen Kathedrale dem Gottesdienste beigewohnt, reiste er
wieder ab und wendete sich stlich. An der Grenze von Nottinghamshire
kam der Lordlieutenant der Grafschaft, John Holles, Herzog von
Newcastle, mit einem zahlreichen Gefolge den kniglichen Equipagen
entgegen und geleitete sie auf seinen Landsitz in Welbeck, einem von
riesigen Eichen, welche jetzt kaum lter aussehen als an dem Tage, wo
jener glnzende Zug sich unter ihren Schatten dahinbewegte, umgebenen
Schlosse. Das Haus, in welchem Wilhelm damals einige Stunden als Gast
verweilte, ging lange nach seinem Tode durch weibliche Erbfolge von den
Holles auf die Harley und von den Harley auf die Bentinck ber und
enthlt jetzt die Originale der hchst interessanten Briefe, die
zwischen ihm und seinem treuen Freund und Diener Portland gewechselt
wurden. In Welbeck waren die Groen des Nordens versammelt. Der
Lordmayor von York kam dahin mit einem Gefolge von Magistraten, der
Erzbischof von York mit einem Gefolge von Geistlichen. Wilhelm jagte
mehrere Male in diesem Walde, dem schnsten des Knigreichs, wo in alten
Zeiten Robin Hood und Little John hausten und der jetzt in die
frstlichen Domnen Welbeck, Thoresby, Clumber und Worksop getheilt ist.
Vierhundert berittene Gentlemen nahmen an seinen Jagden Theil. Die
Squires von Nottinghamshire hrten ihn nach einer prchtigen Hirschjagd
mit Entzcken bei Tafel uern, er hoffe, da dies nicht das letzte
Rennen sei, das er in ihrer Gesellschaft abgehalten habe, und er msse
ein Jagdschlo in diesen herrlichen Forsten miethen. Hierauf wendete er
sich sdwrts. Er wurde einen Tag von dem Earl von Stamford in Bradgate
bewirthet, dem Orte, wo Lady Jane Grey einsam die letzten Worte
Sokrates' las, whrend das vom Schwarme der Hunde und Jger verfolgte
Hochwild durch den Park flog. Am folgenden Tage empfing Lord Brook
seinen Souverain auf Warwick Castle, der schnsten von den
mittelalterlichen Burgen, welche in friedliche Wohnungen verwandelt
worden sind. Guy's Thurm war erleuchtet, hundertzwanzig Gallonen Punsch
wurden auf das Wohl Sr. Majestt getrunken und ein mchtiges Feuer
brannte im Mittelpunkte des gerumigen Hofes, der von mit
jahrhundertealtem Epheu bekleideten Ruinen umgeben war. Am nchsten
Morgen reiste der Knig, von einer Menge berittener Gentlemen aus
Warwickshire begleitet, weiter nach den Grenzen von Gloucestershire. Er
machte einen Abstecher, um bei Shrewsbury auf dessen einsamen Wohnsitze
in den Wolds zu speisen, und ging am Abend nach Burford. Die ganze
Bevlkerung von Burford kam ihm entgegen und bat ihn, ein kleines
Zeichen ihrer Liebe anzunehmen. Burford war damals berhmt durch seine
Sttel. Namentlich ein Brger der Stadt galt bei den Englndern fr den
besten Sattler in Europa. Zwei seiner Meisterstcke wurden ehrerbietig
Wilhelm angeboten, der sie sehr freundlich annahm und sie speciell fr
seinen persnlichen Gebrauch aufzubewahren befahl.[62]

In Oxford wurde er mit groem Geprnge empfangen, mit einer lateinischen
Ansprache begrt, mit einigen der schnsten Erzeugnisse der
akademischen Presse beschenkt, durch Musikauffhrungen unterhalten und
zu einem glnzenden Feste in dem Sheldon'schen Theater eingeladen. Er
reiste nach wenigen Stunden wieder ab, indem er die Krze seines
Aufenthalts damit entschuldigte, da er die Collegien schon frher
gesehen habe und da sein gegenwrtiger Besuch nicht ein Besuch der
Wibegierde, sondern des Wohlwollens sei. Da man sehr wohl wute, da er
die Oxforder nicht liebte und auch von ihnen nicht geliebt wurde, so gab
seine Eile Anla zu einigen migen Gerchten, die bei dem groen Haufen
Glauben fanden. Man sagte, er sei deshalb hinweggeeilt, ohne von dem ihm
zu Ehren veranstalteten glnzenden Mahle zu kosten, weil ein anonymer
Brief ihm den warnenden Wink gegeben habe, da, wenn er im Theater etwas
e oder trnke, es um ihn geschehen sei. Es ist jedoch schwer zu
glauben, da ein Frst, der kaum durch die dringendsten Bitten seiner
Freunde zu bewegen war, die einfachsten Vorsichtsmaregeln gegen
Meuchelmrder zu beobachten, von deren Anschlgen er notorische Beweise
hatte, sich durch eine so alberne Erdichtung htte schrecken lassen
sollen, und es ist ganz gewi, da die Stationen seiner Reise
festgesetzt waren und da er so lange in Oxford blieb, als es mit den im
vorhinein getroffenen Arrangements vereinbar war.[63]

Bei seiner Wiederankunft in der Hauptstadt wurde er durch ein prchtiges
Schauspiel bewillkommnet, das whrend seiner Abwesenheit mit groem
Kostenaufwande vorbereitet worden war. Sidney, jetzt Earl von Romney und
Feldzeugmeister, hatte beschlossen, London durch ein Schauspiel, wie es
England in so groartigem Mastabe noch nie gesehen hatte, in Erstaunen
zu setzen. Die ganze Geschicklichkeit der Pyrotechniker seines
Departements wurde aufgeboten, um ein Feuerwerk herzustellen, das sich
mit jedem messen konnte, welches man in den Grten von Versailles oder
auf dem groen Teiche im Haag gesehen hatte. Saint-Jamessquare wurde zum
Schauplatze gewhlt. Alle Fenster der prchtigen Palste auf der
nrdlichen, westlichen und stlichen Seite waren mit vornehmen Leuten
besetzt. Der Knig erschien am Fenster von Romney's Empfangszimmer. Die
Prinzessin von Dnemark mit ihrem Gemahl und ihrem Hofstaate befand sich
in einem anstoenden Hause. Das ganze diplomatische Corps war in der
Wohnung des Gesandten der Vereinigten Provinzen versammelt. Eine
mchtige Flammenpyramide warf leuchtende Cascaden aus, welche von den
Hunderttausenden, die sich in den benachbarten Straen und Parks
drngten, gesehen wurden. Die Generalstaaten erfuhren durch ihren
Correspondenten, da trotz der ungeheuren Menschenmenge die Nacht ohne
die geringste Strung vergangen sei.[64]


[_Die Wahlen._] Inzwischen waren die Wahlen ziemlich zu Ende. In allen
Theilen des Landes zeigte es sich deutlich, da die Wahlkrper im
allgemeinen fr den Knig und fr den Krieg waren. Die City von London,
welche im Jahre 1690 vier Tories gewhlt hatte, whlte 1695 vier Whigs.
Ueber die Vorgnge zu Westminster ist ein Bericht von mehr als
gewhnlicher Umstndlichkeit auf uns gekommen. Im Jahre 1690 hatten die
ber die Sacheverell'sche Klausel entrsteten Whler zwei Tories
gewhlt. Im Jahr 1695 wurde, sobald man erfuhr, da wahrscheinlich ein
neues Parlament einberufen werden wrde, ein Meeting gehalten, in
welchem beschlossen wurde, eine Deputation mit einer Einladung an zwei
Commissare des Schatzes, Karl Montague und Sir Stephan Fox, abzusenden.
Sir Walter Clarges reprsentirte das toryistische Interesse. An dem Tage
des Vorschlags der Candidaten zogen nahe an fnftausend Whler zu Pferde
durch die Straen. Sie waren in drei Abtheilungen getheilt, und an der
Spitze jeder Abtheilung ritt einer der Candidaten. Es war leicht, auf
den ersten Blick die comparative Strke der Parteien zu schtzen, denn
die Cavalcade, welche Clarges folgte, war die mindest zahlreiche von den
dreien, und man wute sehr wohl, da die Anhnger Montague's fr Fox und
die Anhnger Fox' fr Montague stimmen wrden. Die Geschfte des Tages
wurden durch lautes Geschrei gestrt. Die Whigs schmhten den
jakobitischen Candidaten, der es dahin bringen wolle, da die Englnder
in die Messe gingen, Frsche en und Holzschuhe trgen. Die Tories
schimpften auf die beiden Staatsbeamten, welche mit der geraubten Habe
der armen berlasteten Nation Schtze aufhuften. Von Worten gingen die
erbitterten Parteien zu Thtlichkeiten ber und es entstand ein Tumult,
der nicht ohne Mhe gedmpft werden konnte. Der Oberbailiff ging dann um
die drei Reiterschaaren herum und erklrte nach flchtiger Ueberzhlung
derselben, da Montague und Fox ordnungsgem gewhlt seien. Es wurde
eine genaue Stimmenzhlung verlangt. Die Tories boten alles Mgliche
auf; weder Geld noch Tinte wurden gespart. Clarges gab in wenigen
Stunden zweitausend Pfund aus, eine bedeutende Summe zu einer Zeit, wo
das durchschnittliche Einkommen eines Parlamentsmitgliedes auf nicht
mehr als achthundert Pfund jhrlich geschtzt wurde. Im Laufe der auf
die Proklamirung der Candidaten folgenden Nacht wurden Flugbltter voll
Schmhungen gegen die beiden hfischen Emporkmmlinge, die sich durch
Schurkerei aus Armuth und Dunkelheit zu Reichthum und Macht erhoben
htten, durch die ganze Hauptstadt verstreut. Der Bischof von London
warb offen Stimmen gegen die Regierung, denn die Einmischung von
Peers in die Wahlen war noch nicht von den Gemeinen fr eine
Privilegiumsverletzung erklrt worden. Doch es war Alles umsonst.
Clarges stand am Ende der Stimmliste, ohne Aussicht sich zu erheben. Er
zog sich zurck und Montague wurde auf den Schultern einer ungeheuren
Menge von der Westminsterabtei nach seinem Amtsbureau in Whitehall
getragen.[65]

Die nmliche Gesinnung trat an vielen anderen Orten zu Tage. Die
Freisassen von Cumberland wiesen ihre Vertreter an, den Knig zu
untersttzen und jede zur Fortsetzung des Kriegs fr nthig erachtete
Summe zu bewilligen, und diesem Beispiele folgten noch mehrere andere
Grafschaften und Stdte.[66] Russell kam erst in England an, als die
Ausschreiben erlassen waren. Aber er brauchte nur zu whlen, fr welchen
Ort er im Parlamente sitzen wollte. Seine Popularitt war enorm, denn
seine Schurkereien waren unbekannt, whrend seine dem Staate geleisteten
Dienste allgemein bekannt waren. Er hatte die Schlacht von La Hogue
gewonnen. Er hatte zwei Jahre im mittellndischen Meere commandirt. Er
hatte daselbst die franzsischen Flotten in den Hafen von Toulon
eingeschlossen und hatte die franzsischen Armeen in Catalonien
aufgehalten und zurckgetrieben. Er hatte viele Schiffe, darunter zwei
Linienschiffe genommen und hatte whrend seines langen Aufenthalts in
einem entfernten Meere weder durch Krieg noch durch Unwetter ein
einziges Fahrzeug verloren. Er hatte das rothe St. Georgskreuz zu einem
Gegenstande des Schreckens fr alle Frsten und Republiken Italien's
gemacht. Das Resultat seiner Erfolge war, da Gesandtschaften aus
Florenz, Genua und Venedig unterwegs waren, um Wilhelm nachtrglich zu
seiner Thronbesteigung Glck zu wnschen. Russell's Verdienste, von den
Whigs geschickt vergrert, machten einen solchen Eindruck, da er nicht
allein von Portsmouth, wo seine amtliche Stellung ihm einen groen
Einflu verlieh, und von Cambridgeshire, wo er bedeutende
Privatbesitzungen hatte, sondern auch von Middlesex ins Parlament
gewhlt wurde. Diese letztere Auszeichnung verdankte er allerdings
hauptschlich seinem Namen. Vor seiner Ankunft in England hatte man
allgemein geglaubt, da fr die hauptstdtische Grafschaft zwei Tories
gewhlt werden wrden. Somers und Shrewsbury waren der Meinung, da
diesem Unglck auf keinem andren Wege vorzubeugen sei, als indem man den
Namen des tugendhaftesten aller Mrtyrer der englischen Freiheit
heraufbeschwre. Sie baten Lady Russell, es zu gestatten, da ihr
ltester Sohn, ein fnfzehnjhriger Knabe, der eben seine Studien in
Cambridge beginnen sollte, auf die Candidatenliste gesetzt werde. Er
msse, sagten sie, seinen neuen Titel Marquis von Tavistock auf einen
Tag ablegen und sich Lord Russell nennen. Es wrden keine Kosten
erwachsen und kein Kampf stattfinden. Tausende von berittenen Gentlemen
wrden ihn zu den Wahlbhnen geleiten, Niemand wrde es wagen gegen ihn
aufzutreten, und er wrde nicht nur selbst gewhlt werden, sondern auch
noch einen andren Whig ins Parlament bringen. Die verwittwete Mutter
weigerte sich in einem mit ihrer ganzen vortrefflichen Einsicht und
Gesinnung geschriebenen Briefe, ihren Sohn ihrer Partei zu opfern. Seine
Erziehung, sagte sie, wrde dadurch unterbrochen werden, der Kopf wrde
ihm schwindeln, sein Sieg wrde ihm zum Verderben gereichen. Gerade in
diesem Augenblicke kam der Admiral an. Er erschien vor den auf der Hhe
von Hampstead Hill versammelten Whlern von Middlesex und wurde ohne
Opposition gewhlt.[67]

Gleichzeitig erhielten mehrere angesehene Mivergngte Beweise des
ffentlichen Mifallens. Johann Knight, der factiseste und
bermthigste von denjenigen Jakobiten, welche ehrloserweise dem Knige
Wilhelm Treue geschworen hatten, um sich fr den Sitz im Parlamente zu
qualificiren, hrte auf, die groe Stadt Bristol zu vertreten. Exeter,
die Hauptstadt des Westens, war in heftiger Aufregung. Man hatte lange
geglaubt, da die Befhigung, die Beredtsamkeit, die Erfahrung, das
groe Vermgen und die vornehme Abkunft Seymour's es unmglich machen
wrden, ihn zu verdrngen. Aber sein moralischer Ruf, der nie weit her
gewesen, war whrend der letzten drei oder vier Jahre immer tiefer und
tiefer gesunken. Er war ein giftiges Mitglied der Opposition gewesen,
Bis er eine Stelle erlangt hatte. So lange er diese bekleidete, hatte er
auch die unpopulrsten Maregeln der Regierung vertheidigt, und sobald
er aus dem Amte getreten war, war er wieder ein giftiger Opponent
geworden. Sein Salpetercontract hatte einen tiefen Flecken auf seiner
persnlichen Ehre zurckgelassen. Es wurden ihm daher zwei Candidaten
gegenbergestellt und ein Wahlkampf, der lngste und heftigste jener
Zeit, fesselte die Aufmerksamkeit des ganzen Knigreichs und wurde
selbst von auswrtigen Regierungen mit Spannung beobachtet. Die
Stimmenliste war fnf Wochen geffnet. Die Geldausgaben waren auf beiden
Seiten enorm. Die Wahlmnner von Exeter, welche, so lange die Wahl
dauerte, herrlich und in Freuden lebten, sehnten sich durchaus nicht
nach baldiger Beendigung ihres luxurisen Carnevals. Sie aen und
tranken nach Herzenslust; sie zogen jeden Abend mit tchtigen Knitteln
aus, um fr Mutter Kirche, oder fr Knig Wilhelm zu streiten; aber die
Stimmen fanden sich nur sehr langsam ein. Erst am Vorabend des
Zusammentritts der Parlamentshuser kam die Wahl zu Stande. Seymour war
zu seinem groen Aerger geschlagen und mute zu dem kleinen Wahlflecken
Totne seine Zuflucht nehmen.[68]

Es ist auffallend, da Johann Hampden auch bei dieser Wahl, wie bei der
vorhergehenden, keinen Sitz erlangte. Seitdem er nicht mehr
Parlamentsmitglied war, hatte er ber seinen Unstern und seine
unauslschliche Schande gebrtet und gelegentlich seinem Unmuth in
bitteren Pamphlets gegen die Regierung Luft gemacht. Als die Whigs am
Hofe und im Parlamente zur Herrschaft gelangt waren, als Nottingham
zurckgetreten und Caermarthen in Anklagestand versetzt worden war,
fate Hampden, wie es scheint, wieder Hoffnung, noch eine groe Rolle im
ffentlichen Leben spielen zu knnen. Aber den Fhrern seiner Partei war
offenbar an einem Bundesgenossen von so hmischem und unruhigem Geiste
nichts gelegen. Daher sah er sich immer vom Hause der Gemeinen
ausgeschlossen. Er fhrte seit einigen Monaten ein trauriges Leben,
indem er seine Sorgen bald unter den eleganten Spielern und den zarten
Schnheiten, welche die Gesellschaftszimmer der Herzogin von Mazarine
fllten, zu vergessen suchte, bald in religise Schwermuth versank. Der
Gedanke an einen Selbstmord stieg oft in ihm auf. Nicht lange, so kam
die Vertretung von Buckinghamshire zur Erledigung, der Grafschaft, die
ihn und seine Vorfahren zu wiederholten Malen ins Parlament geschickt
hatte, und er hoffte, da er mit Hlfe Wharton's, der ber die Whigs von
Buckinghamshire eine unumschrnkte Herrschaft ausbte, ohne
Schwierigkeit gewhlt werden wrde. Aber Wharton verwendete seinen
Einflu zu Gunsten eines andren Candidaten. Dies war ein vernichtender
Schlag. Die Stadt wurde durch die Nachricht in Aufregung versetzt, da
Johann Hampden sich die Kehle durchschnitten, da er noch einige Stunden
gelebt, da er tiefe Reue ber seine Snden an den Tag gelegt, Burnet's
geistlichen Beistand erbeten und der Herzogin von Mazarine eine
feierliche Warnung zugesandt habe. Eine Coronersjury erklrte ihn fr
wahnsinnig. Der Unglckliche war mit den schnsten Aussichten ins Leben
getreten. Er trug einen Namen, der mehr als adelig war. Er war der Erbe
eines groen Vermgens und eines noch weit kostbareren Gutes: des
Vertrauens und der Zuneigung von Hunderttausenden seiner Landsleute.
Seine natrlichen Anlagen waren bedeutend und sie waren sorgfltig
ausgebildet worden. Leider trieben Ehrgeiz und Parteigeist ihn an, sich
in eine Lage voll Gefahren zu versetzen. Diesen Gefahren erwies seine
Characterstrke sich nicht gewachsen. Er erniedrigte sich zu Bitten, die
ihn zwar retteten, aber auch entehrten. Von diesem Augenblicke an kannte
er keinen Seelenfrieden mehr. Seine Stimmung wurde verbittert und durch
seine Stimmung wurde sein Verstand zerrttet. Er suchte in
Andachtsbungen und in Racheplnen, in fashionablen Vergngungen und in
politischen Bewegungen Erleichterung zu finden. Aber der schwarze
Schatten wich nie wieder aus seinem Geiste, bis endlich im zwlften
Jahre seiner Demthigung ein trauriger Tod seinem traurigen Leben ein
Ziel setzte.[69]

Das Ergebni der allgemeinen Wahl bewies, da Wilhelm einen gnstigen
Augenblick zur Auflsung gewhlt hatte. Die Zahl der neuen Abgeordneten
betrug ungefhr hundertsechzig und die meisten waren als der Regierung
entschieden zugethan bekannt.[70]


[_Beunruhigender Zustand der Geldverhltnisse._] Es war von der hchsten
Wichtigkeit, da das Haus der Gemeinen in jenem Augenblicke geneigt war,
in aufrichtigem Einklang mit dem Knige zu handeln. Denn es war durchaus
nothwendig, ein Heilmittel gegen ein inneres Uebel anzuwenden, das
allmlig eine furchtbare Ausdehnung erlangt hatte. Das Silbergeld,
welches damals die feste Mnzwhrung des Landes bildete, befand sich in
einem Zustande, der selbst die khnsten und aufgeklrtesten Staatsmnner
erschreckte.[71]

Bis zur Regierung Karl'sII. waren unsere Mnzen vermittelst eines
Verfahrens geschlagen worden, das noch aus dem 13.Jahrhunderte stammte.
EduardI. hatte geschickte Knstler aus Florenz kommen lassen, das zu
seiner Zeit London gegenber das war, was zur Zeit Wilhelm'sIII.
London Moskau gegenber war. Die Instrumente, welche damals in unsrer
Mnze eingefhrt worden waren, blieben, mit unbedeutenden Abnderungen,
noch mehrere Generationen hindurch in Gebrauch. Das Metall wurde mit der
Scheere zerschnitten und dann geformt und mit dem Hammer geprgt. Bei
diesen Operationen war der Hand und dem Auge des Arbeiters viel
berlassen. Es kam ganz natrlich vor, da manche Stcke etwas mehr,
andere etwas weniger als die gehrige Quantitt Silber enthielten; nur
selten waren sie vollkommen rund; und die Rnder waren nicht markirt.
Man kam daher mit der Zeit dahinter, da das Beschneiden des Geldes eine
der leichtesten und eintrglichsten Arten des Betrugs war. Unter der
Regierung Elisabeth's war es fr nthig erachtet worden zu verordnen,
da die Geldbeschneider, wie dies bei den Falschmnzern schon lngst der
Fall war, den auf den Hochverrath gesetzten Strafen unterworfen sein
sollten.[72] Doch das Geldbeschneiden war ein zu eintrgliches Geschft,
als da es durch solche Maregeln htte verhindert werden knnen, und um
die Zeit der Restauration begannen die Leute gewahr zu werden, da ein
groer Theil der coursirenden Kronen, halben Kronen und Schillinge eine
kleine Verstmmelung erfahren hatten.

Die damalige Zeit war fruchtbar an Versuchen und Erfindungen in allen
Zweigen der Wissenschaft. Es wurde eine groe Verbesserung im Formen und
Prgen der Mnzen vorgeschlagen und im Tower von London ein Prgewerk
aufgestellt, das in groem Umfange die menschliche Hand ersetzte. Dieses
Werk wurde durch Pferde getrieben und wrde von den Mechanikern unsrer
Zeit wahrscheinlich eine rohe und schwache Maschine genannt werden. Die
Mnzen, die es lieferte, gehrten jedoch zu den besten in Europa. Sie
waren nicht leicht nachzumachen, und da sie vollkommen rund und auf dem
Rande mit einer Umschrift versehen waren, so war auch kein Beschneiden
zu frchten.[73]

Die gehmmerten Mnzen und die geprgten Mnzen coursirten nun zusammen,
und sie wurden bei ffentlichen und folglich auch bei Privatzahlungen,
ohne Unterschied genommen. Die damaligen Finanzmnner scheinen erwartet
zu haben, da das neue Geld, welches vortrefflich war, das alte
schlechte bald verdrngen werde. Jeder Mensch mit gesundem Verstande
htte jedoch einsehen mssen, da, wenn der Staat vollwichtige Mnzen
und zu leichte Mnzen als gleich im Werthe behandelt, nicht die
vollwichtigen Mnzen die zu leichten aus dem Verkehr verdrngen werden,
sondern ihrerseits verdrngt werden mssen. Eine beschnittene Krone galt
auf englischem Gebiet bei Bezahlung einer Steuer oder einer Schuld
ebensoviel als eine geprgte Krone. Sobald aber die geprgte Krone in
den Schmelztiegel geworfen oder ber den Kanal gebracht war, wurde sie
viel werthvoller als eine beschnittene Krone. Man htte daher so
zuversichtlich voraussagen knnen, wie nur irgend etwas sich voraussagen
lt, was von menschlichem Willen abhngt, da die geringeren Geldstcke
auf dem einzigen Markte bleiben wrden, auf dem sie den nmlichen Preis
erlangen konnten wie die besseren Stcke, und da die besseren eine Form
annehmen oder an einen Ort eilen wrden, wo aus ihrem hheren Werthe ein
Gewinn zu ziehen war.[74]

Die Staatsmnner der damaligen Zeit bersahen jedoch in der Regel diese
sehr naheliegenden Betrachtungen. Sie waren hchst erstaunt darber, da
Jedermann so verkehrt sein sollte, sich lieber leichten Geldes als guten
Geldes zu bedienen. Mit anderen Worten, sie wunderten sich, da Niemand
Lust hatte, zwlf Unzen Silber zu bezahlen, wenn zehn es auch thaten.
Das Pferd im Tower ging noch immer im Kreise herum. Frische
Wagenladungen guten Geldes gingen noch immer aus dem Prgewerke hervor
und verschwanden noch immer eben so schnell als sie zum Vorschein kamen.
Groe Massen wurden eingeschmolzen, groe Massen ausgefhrt, groe
Massen zurckgelegt; aber kaum ein einziges neues Geldstck war in der
Kasse eines Kaufladens oder in dem ledernen Beutel zu finden, den der
Landwirth vom Viehmarkte mit nach Hause nahm. Bei den Einnahmen und
Ausgaben der Schatzkammer berstieg der Betrag des geprgten Geldes
nicht zehn Schilling auf hundert Pfund. Ein damaliger Schriftsteller
erzhlt einen Fall, wo ein Kaufmann in einer Summe von fnfunddreiig
Pfund nur eine einzige halbe Krone geprgten Silbers empfing.
Mittlerweile waren die Scheeren der Kipper in fortwhrender Thtigkeit.
Auch die Falschmnzer vermehrten sich und machten gute Geschfte, denn
je schlechter das Courantgeld wurde, um so leichter war es nachzumachen.
Seit mehr als dreiig Jahren war dieses Uebel in stetem Wachsen
begriffen. Anfangs hatte man es nicht beachtet; aber es war nach und
nach ein unertrglicher Fluch fr das Land geworden. Umsonst wurden die
strengen Gesetze gegen Falschmnzer und Kipper mit Strenge gehandhabt.
Bei jeder Session der Old Bailey wurden furchtbare Exempel statuirt.
Schleifen mit vier, fnf, sechs Elenden, welche berfhrt waren, die
Reichsmnzen nachgemacht oder verstmmelt zu haben, wurden jeden Monat
Holborn Hill hinaufgezogen. An einem einzigen Morgen wurden sieben
Mnner und eine Frau wegen Geldbeschneidens verbrannt. Aber Alles war
vergebens. Der Gewinn war so bedeutend, da er gesetzlosen Menschen die
Gefahr mehr als aufzuwiegen schien. Einige Kipper sollten groes
Vermgen erworben haben. Einer insbesondere bot sechstausend Pfund fr
seine Begnadigung. Die Bestechungssumme wurde zwar nicht angenommen;
aber der Ruf von seinem Reichthume verminderte sehr stark den Eindruck,
den man durch das Schauspiel seiner Hinrichtung hervorzubringen
bezweckte.[75] Ja die Hrte der Strafen ermuthigte sogar zu dem
Verbrechen. Denn so schdlich das Beschneiden war, erweckte es doch bei
dem groen Haufen nicht einen solchen Abscheu, wie Mord, Brandstiftung,
Raub, und selbst Diebstahl. Der Nachtheil, den die Gesammtheit der
Kipper der ganzen Gesellschaft zufgte, war allerdings enorm; aber jeder
einzelne Act des Beschneidens war eine Kleinigkeit. Eine halbe Krone
auszugeben, nachdem man fr einen Penny Silber davon abgeschnitten,
erschien als ein geringfgiges, fast unmerkliches Vergehen. Selbst als
die Nation am lautesten unter der Noth seufzte, welche der Zustand der
Valuta erzeugte, hatte jeder Einzelne, der mit dem Tode bestraft wurde,
weil er dazu beigetragen, die Valuta in diesen Zustand zu bringen, die
allgemeine Theilnahme auf seiner Seite. Die Constabler wollten die
Schuldigen nicht verhaften. Die Richter wollten sie nicht einsperren
lassen. Die Zeugen wollten nicht die ganze Wahrheit sagen. Die
Geschwornen wollten das Wort Schuldig nicht aussprechen. Umsonst sagte
man dem Volke, da die Verstmmler der Mnzen weit mehr Unheil
anrichteten als alle Straenruber und Diebe auf der ganzen Insel. Denn
so gro auch die Gesammtmasse des Uebels war, auf den einzelnen
Uebelthter kam nur ein unendlich kleiner Theil dieses Uebels. Man hatte
sich daher allgemein verschworen, den ordentlichen Gang des Gesetzes zu
hemmen. So zahlreich auch die Verurtheilungen scheinen mochten, ihre
Zahl war nur gering im Vergleich zu den Vergehen, und die verurtheilten
Uebelthter betrachteten sich als Gemordete und waren der festen
Ueberzeugung, da ihr Verbrechen, wenn es berhaupt ein Verbrechen war,
eben so verzeihlich sei wie das eines Schulknaben, der sich im Garten
des Nachbars einige Nsse holt. Die ganze Beredtsamkeit des
Gefngnigeistlichen konnte sie nur selten dahin bringen, sich dem
heilsamen Gebrauche anzubequemen, in ihren letzten Augenblicken die
Gre ihrer Ruchlosigkeit anzuerkennen.[76]

Das Uebel verbreitete sich mit fortwhrend zunehmender Schnelligkeit. Im
Herbst des Jahres 1695 endlich konnte man kaum noch sagen, da das Land
zu praktischen Zwecken einen Mastab fr den Werth der Waaren besitze.
Es lie sich durchaus nicht mehr bestimmen, ob ein Geldstck, das ein
Schilling genannt wurde, in Wirklichkeit ein Zehnpencestck oder ein
Grot war. Das Resultat einiger Versuche, welche damals gemacht wurden,
verdient erwhnt zu werden. Die Beamten der Schatzkammer wogen
siebenundfunfzigtausendzweihundert Pfund geschlagenen Geldes, welche
krzlich eingegangen waren. Das Gewicht htte eigentlich ber
zweihundertzwanzigtausend Unzen betragen sollen. Aber es betrug noch
nicht hundertvierzehntausend Unzen.[77] Drei angesehene Londoner
Goldschmiede wurden aufgefordert, jeder hundert Pfund Silbergeld
einzuliefern, um es zu wiegen. Diese dreihundert Pfund htten ungefhr
zwlfhundert Unzen wiegen sollen. Es ergab sich aber, da ihr wirkliches
Gewicht nur sechshundertvierundzwanzig Unzen betrug. Die nmliche
Prfung wurde in verschiedenen Gegenden des Landes vorgenommen. Man
berzeugte sich dadurch, da hundert Pfund, welche etwa vierhundert
Unzen htten wiegen sollen, thatschlich in Bristol zweihundertvierzig
Unzen, in Cambridge zweihundertdrei, in Exeter einhundertachtzig, und in
Oxford nur hundertsechzehn Unzen wogen.[78] Im Norden gab es allerdings
noch einige Districte, in welche das beschnittene Geld erst angefangen
hatte, seinen Weg zu finden. Ein ehrlicher Quker, der in einem dieser
Districte wohnte, erwhnt in einigen noch vorhandenen Notizen das
Erstaunen, mit welchem auf einer seiner Reisen nach dem Sden die
Kaufleute und Gastwirthe die groen und schweren Halbkronen anstarrten,
mit denen er seine Bedrfnisse bezahlte. Sie fragten ihn, woher er komme
und wo es solches Geld gebe. Die Guinee, fr die er in Lancaster
zweiundzwanzig Schillinge bezahlte, hatte auf jeder Station seiner Reise
einen andren Werth. Als er nach London kam, kostete sie dreiig
Schillinge und sie wrde noch mehr gegolten haben, htte nicht die
Regierung diesen Preis als den hchsten festgesetzt, zu welchem das Gold
bei Steuereinzahlungen genommen werden sollte.[79]

Die durch diesen Zustand des Courantgeldes erzeugten Uebel waren nicht
von der Art, da man sie fr werth gehalten htte, eine wichtige
Stelle in der Geschichte einzunehmen. Es drfte jedoch wohl zu
bezweifeln sein, ob all' das Elend, das in einem Vierteljahrhundert
durch schlechte Knige, schlechte Minister, schlechte Parlamente
und schlechte Richter ber England gebracht worden war, dem Elende
gleichkam, welches die schlechten Kronen und schlechten Schillinge
in einem einzigen Jahre verursachten. Die Ereignisse, welche einer
ergreifenden oder zornigen Beredtsamkeit den besten Stoff liefern,
sind nicht immer diejenigen, welche das Wohl der groen Masse des
Volks am meisten beeintrchtigen. Die schlechte Verwaltung Karl's
und Jakob's, so arg sie auch immer gewesen sein mochte, hatte den
gewhnlichen Geschftsverkehr nicht verhindert, seinen stetigen und
gedeihlichen Fortgang zu nehmen. Whrend die Ehre und Unabhngigkeit
des Staats an eine fremde Macht verkauft, whrend in wohlverbriefte
Rechte eingegriffen und Grundgesetze verletzt wurden, arbeiteten und
handelten Hunderttausende von ehrbaren und betriebsamen Familien, aen
und tranken und legten sich in Behaglichkeit und Sicherheit zur Ruhe
nieder. Mochten Whigs oder Tories, Protestanten oder Jesuiten die
Oberhand haben, der Landwirth trieb sein Vieh zu Markte, der Krmer wog
seine Rosinen ab, der Tuchhndler schnitt seine Tuche aus, das Gewhl
der Kufer und Verkufer war so lebhaft als je in den Stdten, das
Erntefest wurde so frhlich als je auf dem Lande gefeiert, der Rahm
fllte die Krge von Cheshire, der Aepfelsaft schumte in den Pressen
von Herefordshire, das Steingut glhte in den Oefen am Trent, und die
Kohlenkarren rollten rasch ber die hlzernen Schienenwege am Tyne.
Als aber das groe Tauschmittel in vllige Unordnung gerieth, war aller
Handel und aller Gewerbflei wie gelhmt. Das Uebel wurde tglich und
stndlich an fast jedem Orte und von fast jeder Klasse empfunden, in
der Milchkammer und auf der Dreschtenne, am Ambo und am Webstuhl,
auf den Wogen des Weltmeers und in den Tiefen der Bergwerke. Nichts
konnte ohne Streit gekauft werden. An jedem Ladentisch gab es Zank
und Hader vom Morgen bis zum Abend. Jeden Sonnabend stritt sich der
Arbeiter regelmig mit dem Arbeitgeber. An einem Me- oder Markttage
hrten Geschrei, Vorwrfe, Schmhungen und Flche nicht auf, und man
konnte von Glck sagen, wenn es keine umgeworfenen Buden und keine
blutigen Kpfe gab.[80] Kein Kaufmann wollte eine Waarenlieferung
contrahiren, ohne wegen der Qualitt der Mnze, in der die Zahlung
geleistet werden sollte, eine besondere Bestimmung zu treffen.
Selbst Geschftsmnner konnten sich aus der Verwirrung, die in allen
Geldgeschften herrschte, oft nicht herausfinden. Die Einfltigen
und Sorglosen wurden von Wucherern, deren Anforderungen noch rascher
wuchsen als das Geld zusammenschrumpfte, unbarmherzig geplndert. Der
Preis der nothwendigsten Lebensbedrfnisse, der Fubekleidung, des
Biers, des Hafermehls, stieg in rascher Progression. Der Arbeiter
fand, da das Geldstck, das, wenn er es empfing, ein Schilling hie,
kaum noch einen Sixpence werth war, wenn er einen Krug Bier oder ein
Laib Roggenbrot kaufen wollte. Wo Arbeiter von mehr als gewhnlicher
Intelligenz in groer Anzahl beisammen waren, da konnten sie ihren
Beschwerden Gehr verschaffen und einige Abhlfe erlangen.[81] Der
unwissende und hlflose Landmann aber wurde zwischen einer Klasse,
die das Geld nur nach der Stckzahl ausgeben, und einer andren, die
es nur nach dem Gewicht nehmen wollte, herzlos gedrckt. Doch seine
Leiden waren schwerlich grer als die des unglcklichen Geschlechts
der Autoren. Ueber die Art und Weise, wie unbekannte Schriftsteller
behandelt wurden, knnen wir uns aus den noch vorhandenen Briefen von
Dryden an seinen Buchhndler Tonson leicht eine Vorstellung bilden.
Einmal schickt ihm Tonson vierzig Kupferschillinge, ungerechnet
das beschnittene Geld. Ein andermal bezahlt er eine Schuld mit so
schlechten Stcken, da Niemand sie wiedernehmen will. Der groe
Dichter schickt sie alle zurck und verlangt anstatt ihrer Guineen
zu neunundzwanzig Schilling das Stck: Ich erwarte, sagt er in
einem Briefe, gutes Silber, nicht solches, wie ich frher bekommen
habe. -- Wenn Sie etwas leidliches Silbergeld haben, schreibt er
in einem andren Briefe, so wird meine Frau sich sehr freuen. An der
letzten Zahlung von fnfzig Pfund habe ich dreiig Schilling oder
noch mehr verloren. Diese Klagen und Bitten, deren Erhaltung wir nur
der hervorragenden Stellung des Schreibers derselben verdanken, sind
wahrscheinlich nur eine kleine Probe von der Correspondenz, welche
mehrere Monate lang alle Briefbeutel England's fllte.

Eine Klasse befand sich inmitten der allgemeinen Noth auerordentlich
wohl: die Bankiers, und unter ihnen konnte sich keiner in Bezug
auf Geschicklichkeit oder Glck mit Karl Duncombe messen. Er war
noch nicht viele Jahre frher ein Goldschmied von sehr migem
Vermgen gewesen. Auch er hatte wahrscheinlich, nach der Sitte seiner
Berufsklasse, unter den Arkaden der Brse Kunden zu gewinnen gesucht,
hatte die Kaufleute mit tiefen Verbeugungen begrt und um die Ehre
gebeten, ihr baares Geld zu verwahren. Gegenwrtig aber benutzte
er so geschickt jede Gelegenheit zu Gewinn, welche die allgemeine
Verwirrung in den Preisen einem Geldwechsler darbot, da er in dem
Augenblicke, wo der Handel des Knigreichs auf die niedrigste Stufe
herabgedrckt war, gegen neunzigtausend Pfund fr die Herrschaft
Helmsley im Nordbezirk von Yorkshire bezahlte. Diese groe Besitzung
hatten die Gemeinen England's in einer unruhigen Zeit ihrem siegreichen
General Fairfax verliehen und sie hatte einen Theil des Heirathsgutes
gebildet, das Fairfax' Tochter dem glnzenden und verschwenderischen
Buckingham zubrachte. Dorthin hatte sich Buckingham, nachdem er in
toller sinnlicher wie geistiger Unmigkeit die herrlichsten Gaben der
Natur und des Glckes vergeudet, mit den schwachen Ueberresten seines
schnen Aeuern und seines glnzenden Geistes zurckgezogen, und dort
hatte er sein buntbewegtes Leben unter dem bescheidenen Dache und auf
dem einfachen Krankenlager beschlossen, welche der groe Satyriker
der folgenden Generation in unsterblichen Versen geschildert hat. Die
groe Herrschaft ging auf ein neues Geschlecht ber, und binnen wenigen
Jahren erhob sich ein glnzenderer und kostspieligerer Palast, als der
prachtliebende Villiers ihn je bewohnt hatte, inmitten der schnen
Wlder und Teiche, die er sein genannt hatte, und nahm den einst
geringen Namen Duncombe an.

Seit der Revolution war der Zustand des Courantgeldes zu wiederholten
Malen im Parlamente discutirt worden. Im Jahre 1689 war ein Ausschu der
Gemeinen ernannt worden, um den Gegenstand zu prfen, hatte aber keinen
Bericht erstattet. Im Jahre 1690 hatte ein neuer Ausschu berichtet, da
ungeheure Quantitten Silber von Juden, die fr Geldgewinn Alles thten,
auer Landes geschafft wrden. Es wurden Plne entworfen, um die Einfuhr
der edlen Metalle zu befrdern und die Ausfuhr zu verhindern. Eine
thrichte Bill nach der andren wurde eingebracht und fallen gelassen. Zu
Anfang des Jahres 1695 endlich nahm die Sache ein so bedenkliches
Aussehen an, da die Huser sie in ernste Erwgung zogen. Doch das
einzige praktische Resultat ihrer Berathungen war ein neues Strafgesetz,
von dem man hoffte, da es dem Beschneiden des geschlagenen Geldes und
dem Einschmelzen und Ausfhren des geprgten Geldes Einhalt thun werde.
Es wurde verordnet, da Jeder, der einen Kipper denuncirte, Anspruch auf
eine Belohnung von vierzig Pfund, und jeder Kipper, der zwei andere
Kipper denuncirte, Anspruch auf Begnadigung haben, und da Jeder, in
dessen Besitz Silber-Feilspne oder Abflle gefunden wrden, mit einem
glhenden Eisen auf der Wange gebrandmarkt werden solle. Bestimmte
Beamte wurden ermchtigt, nach ungemnztem Silber zu suchen. Wurde in
einem Hause oder an Bord eines Schiffes ungemnztes Silber gefunden, so
mute der Eigenthmer den Beweis fhren, da es nicht von Reichsmnzen
herrhrte. Gelang es ihm nicht, den Ursprung jedes solchen Metallstcks
in befriedigender Weise darzuthun, so verfiel er harten Strafen. Dieses
Gesetz war, wie sich erwarten lie, vllig wirkungslos. Whrend des
nchstfolgenden Sommers und Herbstes verschwand das gute Geld immer
mehr und mehr und der Nothschrei aus allen Grafschaften des Landes wurde
lauter und dringender.

Zum Glck fr England befanden sich unter seinen Staatsmnnern einige,
welche klar erkannten, da der sinkende Gewerbflei und Handel nicht
durch Strang und Brenneisen wieder gehoben werden knnten. Der Zustand
des Metallgeldes beschftigte seit einiger Zeit die ernste
Aufmerksamkeit von vier durch ffentliche und private Bande eng mit
einander verbundenen ausgezeichneten Mnnern. Zwei davon waren
Staatsmnner, welche inmitten ihrer amtlichen und parlamentarischen
Geschfte niemals aufgehrt hatten, die Wissenschaft zu lieben und zu
verehren; die beiden anderen waren Philosophen, in denen die Gewohnheit
des abstrakten Denkens den gesunden praktischen Verstand, ohne den in
der Politik selbst das Genie Unheil anrichtet, nicht geschmlert hatte.
Nie hatte es eine Gelegenheit gegeben, welche zugleich praktische und
theoretische Befhigung dringender erfordert htte, und nie hatte die
Welt die glnzendsten praktischen und theoretischen Talente in einem so
engen, so harmonischen und so ehrenwerthen Bunde vereinigt gesehen, wie
er Somers und Montague mit Locke und Newton verknpfte.

Es ist sehr zu bedauern, da wir nicht eine ausfhrliche Geschichte der
Conferenzen dieser Mnner besitzen, denen England die Herstellung seiner
Valuta und die lange Reihe glcklicher Jahre verdankt, welche mit dieser
Herstellung beginnt. Es mte interessant sein zu sehen, wie das von den
beiden Philosophen gefundene reine Gold der wissenschaftlichen Wahrheit
von den beiden Staatsmnnern gerade mit derjenigen Quantitt Zusatz
vermischt wurde, die zur praktischen Ausfhrung nthig war. Es wrde
interessant sein, die mannichfachen Plne zu studiren, welche
vorgeschlagen, errtert und, einige als unpraktisch, andere als
ungerecht, noch andere als zu kostspielig, wieder andere als zu gewagt
verworfen wurden, bis endlich ein Plan ausgesonnen wurde, dessen
Weisheit sich durch den besten Beweis, durch vollstndigen Erfolg,
bewhrte.

Newton hat der Nachwelt keine Darlegung seiner Ansichten in Bezug auf
die Valuta hinterlassen. Aber Locke's Abhandlungen ber diesen
Gegenstand sind glcklicherweise noch vorhanden, und es ist die Frage,
ob in irgend einer seiner Schriften, selbst in den genialen und
tiefdurchdachten Kapiteln ber die Sprache, welche vielleicht den
werthvollsten Theil seiner Essays ber den menschlichen Verstand bilden,
die Kraft seines Geistes sichtbarer zu Tage tritt. Ob er je mit Dudley
North bekannt gewesen ist, wissen wir nicht. Hinsichtlich des
moralischen Characters hatten die beiden Mnner wenig mit einander
gemein. Sie gehrten verschiedenen Parteien an. In der That, htte Locke
nicht in Holland Schutz vor der Tyrannei gesucht, so ist es durchaus
nicht unmglich, da er durch eine von Dudley North zusammengestellte
Jury nach Tyburn geschickt worden wre. In geistiger Beziehung dagegen
hatten der Whig und der Tory Vieles mit einander gemein. Jeder von ihnen
hatte sich seine eigne Theorie der Nationalkonomie ausgedacht, die im
Wesentlichen mit der bereinstimmt, welche spterhin Adam Smith
aufstellte. In manchen Beziehungen war sogar die Theorie Locke's und
North's vollkommener und symmetrischer als die ihres berhmten
Nachfolgers. Adam Smith ist oft mit Recht getadelt worden, da er in
directem Widerspruche mit allen seinen Grundstzen behauptete, der
Zinsfu msse vom Staate regulirt werden, und er ist um so mehr zu
tadeln, als lange bevor er geboren ward Locke, und North gelehrt
hatten, da es ebenso absurd sei, Gesetze zu machen, die den Preis des
Geldes feststellten, als Gesetze, die den Preis der Eisenwaaren oder des
Tuches bestimmten.[82]

Dudley North starb 1693. Noch kurz vor seinem Tode verffentlichte er
anonym eine kleine Schrift, die einen kurzen Umri eines Planes zur
Herstellung der Valuta enthlt. Dieser Plan war in der Hauptsache der
nmliche wie der, welchen Locke spter ausfhrlich entwickelte und
geschickt vertheidigte.

Eine Frage, die ohne Zweifel vielfach eifrig discutirt wurde, war die,
ob etwas geschehen sollte, so lange der Krieg noch fortdauerte. Auf
welchem Wege man auch immer die Besserung der Mnzen bewerkstelligen
mochte, es muten groe Opfer entweder von der ganzen Gesellschaft,
oder doch von einem Theile der Gesellschaft gebracht werden. Und
solche Opfer zu einer Zeit zu verlangen, wo die Nation bereits
Steuern bezahlte, deren Erhebung zehn Jahre frher kein Finanzmann
fr mglich gehalten htte, war allerdings ein sehr gefhrlicher
Schritt. Aengstliche Politiker waren fr Aufschub, aber die reiflich
erwogene Ueberzeugung der groen Whigfhrer war, da etwas gewagt
werden msse, oder da Alles verloren sei. Montague insbesondere soll
sich nachdrcklich dahin ausgesprochen haben, da er entschlossen
sei, zu tdten oder zu heilen. Wenn man hatte hoffen knnen, da
das Uebel nicht schlimmer werden wrde als es war, so wre es
allerdings vielleicht weise gewesen, ein Experiment, das die Kraft des
Staatskrpers auf eine harte Probe stellen mute, bis zur Rckkehr
des Friedens zu verschieben. Aber das Uebel machte mit jedem Tage
Fortschritte, die fast mit Hnden zu greifen waren. Im Jahre 1694 htte
man eine Umprgung mit der Hlfte der Gefahr vornehmen knnen, der man
sich im Jahre 1696 aussetzen mute, und wie gro auch die Gefahr im
Jahre 1696 sein mochte, sie mute noch viel grer werden, wenn man die
Umprgung bis zum Jahre 1698 verschob.

Die Politiker, welche fr den Aufschub waren, erweckten inde noch nicht
soviel Besorgni als eine andre Klasse von Politikern, welche fr
allgemeine und sofortige Umprgung waren, aber darauf drangen, da der
neue Schilling nur neun oder zehnthalb Pence werth sein sollte. An der
Spitze dieser Partei stand Wilhelm Lowndes, Sekretr des Schatzamts und
Parlamentsmitglied fr den Burgflecken Seaford, ein hchst achtbarer und
fleiiger Staatsdiener, aber in den Details seines Amtes viel
bewanderter als in den hheren Zweigen der Staatswissenschaft. Er hatte
nicht die entfernteste Ahnung davon, da ein Stck Metall mit dem
Bildnisse des Knigs eine Waare war, deren Preis durch die nmlichen
Gesetze geregelt wurde, welche den Preis eines in einen Lffel oder in
eine Schnalle geformten Stckes Metall regeln, und da es eben so wenig
in der Macht des Parlaments stand, das Land reicher zu machen, indem man
eine Krone ein Pfund nannte, als das Land grer zu machen, indem man
einen Furlong[83] eine Meile nannte. Er war, so unglaublich es scheinen
mag, allen Ernstes berzeugt, da, wenn man die Unze Silber in sieben,
statt in fnf Schillinge theilte, das Ausland uns seine Weine und seine
Seidenstoffe fr eine geringere Anzahl Unzen verkaufen wrde. Er hatte
einen bedeutenden Anhang, der zum Theil aus beschrnkten Menschen, die
wirklich glaubten was er ihnen sagte, zum Theil aus verschmitzten Kpfen
bestand, die gar zu gern wollten, da das Gesetz sie ermchtigte,
hundert Pfund mit achtzig zu bezahlen. Wren seine Argumente
durchgedrungen, so wrden zu den vielen anderen Uebeln, unter denen die
Nation bereits seufzte, noch die Uebel einer groartigen Confiscation
gekommen sein; der ffentliche Credit, noch in seiner zarten und
schwchlichen Kindheit, wre vernichtet worden und es wrde sehr
wahrscheinlich eine allgemeine Meuterei in der Flotte und im Heere
ausgebrochen sein. Zum Glck wurde Lowndes durch Locke in einer zu
Somers' Gebrauch geschriebenen Abhandlung grndlich widerlegt. Somers
war entzckt ber diese kleine Schrift und wnschte, da sie gedruckt
werden mchte. Sie wurde bald das Textbuch aller aufgeklrten Politiker
des Reichs und man kann sie noch jetzt mit Vergngen und Nutzen lesen.
Die Wirkung von Locke's krftiger und klarer Logik wird nicht wenig
erhht durch seinen unverkennbaren ernsten Willen, die Wahrheit zu
ergrnden, und durch die seltene Generositt und liebenswrdige
Artigkeit, womit er einen an geistiger Befhigung tief unter ihm
stehenden Gegner behandelt. Flamsteed, der knigliche Astronom,
bezeichnete die Polemik sehr treffend, indem er sagte, es handle sich
darum, ob fnf sechs oder nur fnf sei.[84]

Soweit stimmten Somers und Montague mit Locke vollkommen berein; ber
die Art und Weise aber, wie die Herstellung der Valuta zu
bewerkstelligen sei, herrschte einige Meinungsverschiedenheit. Locke
empfahl, was schon Dudley North empfohlen hatte, der Knig solle durch
ffentliche Bekanntmachung einen nicht fernen Tag bestimmen, nach
welchem das geschlagene Geld bei allen Zahlungen nur nach dem Gewicht
angenommen werden sollte. Die Vortheile dieses Planes waren
unzweifelhaft gro und in die Augen springend. Es war der einfachste und
zugleich der praktischste. Was durch Haussuchungen, Geldstrafen,
Brandmarkungen, Hinrichtungen und Verbrennungen nicht zu erreichen
gewesen war, mute in einem Augenblicke geschehen sein. Das Beschneiden
der geschlagenen Mnzen und das Einschmelzen der geprgten Mnzen mute
sogleich aufhren. Groe Massen guten Geldes muten aus geheimen Ksten
und Schrnken zum Vorschein kommen. Das verstmmelte Silber mute nach
und nach in die Mnze flieen und in einer Gestalt wieder daraus
hervorgehen, die jede Verstmmelung unmglich machte. In kurzer Zeit
mute das ganze Courantgeld des Landes in einem gesunden Zustande sein
und whrend diese groe Umwandlung vor sich ging, konnte nicht ein
Augenblick Mangel an baarem Gelde eintreten.

Dies waren gewichtige Betrachtungen und die vereinigte Autoritt
North's und Locke's verdient in einer solchen Angelegenheit groe
Achtung. Doch kann man nicht leugnen, da ihr Plan einen ernsten
Einwand zulie, der ihnen zwar nicht ganz entging, den sie aber doch
zu leicht genommen zu haben scheinen. Die Herstellung der Valuta
war eine Wohlthat fr die ganze Gesellschaft. Nach welchem Prinzip
konnte man unter diesen Umstnden die Kosten dieser Herstellung nur
einem Theile der Gesellschaft aufbrden? Es war allerdings hchst
wnschenswerth, da die Worte Pfund und Schilling wieder eine
feststehende Bedeutung erhielten und da Jedermann wute, wie er seine
Contracte zu verstehen hatte und was sein Eigenthum werth war. Aber
war es gerecht, diesen vortrefflichen Zweck durch Mittel zu erreichen,
welche nothwendig zur Folge haben muten, da jeder Pchter, der
hundert Pfund zur Bezahlung seines Pachtes, und jeder Gewerbtreibende,
der hundert Pfund zur Deckung seiner laufenden Wechsel zurckgelegt
hatte, diese hundert Pfund in einem Augenblicke auf fnfzig oder
sechzig Pfund reducirt sah? Da die Kronen und halben Kronen eines
solchen Pchters oder Gewerbtreibenden nicht vollwichtig waren, dafr
konnte er nicht. Der Staat selbst war daran Schuld. Das Uebel, das der
Staat veranlat hatte, war der Staat verbunden wieder gut zu machen,
und es wre offenbar unrecht gewesen, die Kosten der Reparation einer
einzelnen Klasse aufzubrden, lediglich deshalb, weil diese Klasse sich
in einer Lage befand, in der sie mit Bequemlichkeit geplndert werden
konnte. Es wrde eben so vernnftig gewesen sein, von den Holzhndlern
zu verlangen, da sie die smmtlichen Kosten der Ausrstung der
Kanalflotte, oder von den Bchsenmachern, da sie die smmtlichen
Kosten der Versorgung der flandrischen Regimenter mit Waffen trgen,
als die Landeswhrung auf Kosten derjenigen Personen herstellen zu
wollen, in deren Hnden sich das beschnittene Silber in einem gegebenen
Augenblicke zufllig befand.

Locke erklrte, da er die Verluste bedaure, die, wenn sein Rath
angenommen wrde, die Besitzer von beschnittenem Gelde treffen muten.
Es schiene ihm aber, da die Nation zwischen verschiedenen Uebeln eines
whlen msse. Es war auch allerdings viel leichter, den allgemeinen Satz
aufzustellen, da die Kosten der Wiederherstellung der Valuta von der
Nation getragen werden mten, als auf ein Mittel zu sinnen, wie diese
Kosten ohne groe Nachtheile und Gefahren von derselben getragen werden
knnten. Sollte man bekanntmachen, da Jeder, der innerhalb eines Jahres
oder eines halben Jahres eine beschnittene Krone in die Mnze
ablieferte, dafr eine geprgte Krone erhalten wrde und da der
Werthunterschied zwischen den beiden Stcken aus der Staatskasse gedeckt
werden solle? Dies wre eben so gut gewesen, als htte man eine Prmie
auf das Beschneiden gesetzt. Die Scheeren wrden thtiger gewesen sein
als je. Das zu leichte Geld wrde mit jedem Tage noch leichter geworden
sein. Die Differenz, welche die Steuerzahlenden zu decken gehabt htten,
wrde nach Ablauf der Frist wahrscheinlich um eine Million grer
gewesen sein als am Anfang, und diese ganze Million wre Uebelthtern zu
Gute gekommen. Durch bedeutende Verkrzung der Frist zum Einliefern der
geschlagenen Mnzen wrde man die Gefahr des ferneren Beschneidens
verhltnimig vermindert haben, aber es wrde dann wieder eine andre
Gefahr eingetreten sein. Das Silber wre in diesem Falle so bedeutend
schneller in die Mnze gestrmt, als es wieder aus derselben
hervorstrmen konnte, da auf einige Monate ein drckender Geldmangel
entstehen mute.

Somers verfiel auf ein auerordentlich khnes und sinnreiches
Auskunftsmittel, das von Wilhelm gebilligt wurde. Es bestand darin, da
ganz im Geheimen eine Proklamation vorbereitet und gleichzeitig in allen
Theilen des Knigreichs verffentlicht werden sollte. Diese Proklamation
sollte ankndigen, da geschlagene Mnzen fortan nur nach dem Gewicht
genommen werden sollten. Aber jeder Besitzer derartiger Mnzen sollte
aufgefordert werden, sie binnen drei Tagen in einem versiegelten Packete
der nchsten Behrde einzuliefern. Die Mnzen sollten dann untersucht,
gezhlt, gewogen und dem Eigenthmer mit einer an seine Ordre gestellten
Anweisung zurckgegeben werden, gegen welche er spterhin die Differenz
zwischen dem wirklichen Silbergehalt seiner Mnzen und dem Gehalt, den
sie nach dem gesetzlichen Mnzfue htten haben sollen, bei der
Staatskasse erheben konnte.[85] Wre dieser Plan adoptirt worden, so
wrde dem Beschneiden, dem Einschmelzen und dem Exportiren sofort
Einhalt gethan und die Kosten der Herstellung der Valuta, wie es recht
und billig war, von der Nation getragen worden sein. Die aus einem
Mangel an baarem Gelde erwachsende Unzutrglichkeit wre nur von sehr
kurzer Dauer gewesen, denn die beschnittenen Stcke wrden dem Verkehr
nur so lange entzogen worden sein, bis sie gezhlt und gewogen werden
konnten; dann wrden sie der Circulation zurckgegeben worden sein und
die Umprgung wrde allmlig und ohne bemerkbare Unterbrechung und
Strung des Geschftsverkehrs vor sich gegangen sein. Diesen groen
Vortheilen aber lieen sich Bedenken entgegenstellen, denen Somers wohl
zu trotzen bereit war, vor denen aber, und dies war nicht zu verwundern,
Politiker von minder erhabenem Character zurckschreckten. Der Weg, den
er seinen Collegen anempfahl, war zwar fr das Land der beste,
keineswegs aber fr sie. Sein Plan konnte nur dann gelingen, wenn er
pltzlich ins Werk gesetzt wurde, und er konnte nicht pltzlich ins Werk
gesetzt werden, wenn zuvor die Genehmigung des Parlaments erbeten und
erlangt werden mute; einen Schritt von so folgenschwerer Bedeutung aber
ohne die vorgngige Genehmigung des Parlaments zu thun, hie, sich
Tadel, Anklagen, Gefngnistrafe und Verderben aussetzen. Der Knig und
der Lordsiegelbewahrer standen allein im Geheimen Rathe. Selbst Montague
war unschlssig, und es wurde beschlossen, nichts ohne die Ermchtigung
der Legislatur zu thun. Montague nahm es auf sich, den Gemeinen einen
Plan vorzulegen, der zwar nicht ohne Gefahren und Nachtheile, aber
wahrscheinlich der beste war, den er durchzubringen hoffen durfte.


[_Zusammentritt des Parlaments; Loyalitt des Hauses der Gemeinen._]
Am 22.November traten die Huser zusammen. Foley wurde an diesem
Tage wieder zum Sprecher erwhlt. Am darauffolgenden Tage wurde er
vorgestellt und genehmigt. Der Knig erffnete die Session mit einer
sehr geschickt abgefaten Rede. Er beglckwnschte seine Zuhrer
wegen des gnstigen Verlaufs des Feldzugs auf dem Continent. Diesen
gnstigen Verlauf schrieb er in Worten, welche ihren Gefhlen
geschmeichelt haben mssen, der Tapferkeit der englischen Armee zu. Er
sprach von den Uebeln, welche aus dem beklagenswerthen Zustande der
Mnzen entsprungen seien und von der Nothwendigkeit, ein schleuniges
Heilmittel dagegen anzuwenden. Er gab sehr deutlich zu verstehen, da
seiner Meinung nach die Kosten der Herstellung der Valuta vom Staate
getragen werden mten; aber er erklrte zugleich, da er die ganze
Angelegenheit der Weisheit des Groen Rathes anheimgebe. Ehe er seine
Rede schlo, wendete er sich noch speciell an das neugewhlte Haus der
Gemeinen und drckte mit Wrme seinen Beifall ber die vortreffliche
Wahl aus, die sein Volk getroffen habe. Die Rede wurde mit einem
leisen aber sehr bezeichnenden Beifallsgemurmel sowohl diesseits als
jenseits der Schranke begrt, und wurde vom Publikum eben so gnstig
aufgenommen als vom Parlamente.[86] Bei den Gemeinen wurde eine
Dankadresse beantragt, von Musgrave schwach bekmpft, ohne Abstimmung
angenommen und vom ganzen Hause nach Kensington berbracht. Im Palaste
uerte sich die Loyalitt des Hauses in einer Weise, die man jetzt
schwerlich mit der senatorischen Wrde vereinbar halten drfte. Als
im Vorzimmer Erfrischungen gereicht wurden, fllte der Sprecher sein
Glas und schlug zwei Toaste vor: einen auf das Wohl Knig Wilhelm's,
und einen andren auf den Untergang Knig Ludwig's, und beide wurden
unter lauten Acclamationen ausgebracht. Ein aufmerksamer Beobachter
konnte jedoch erkennen, da die Vertreter der Nation, obgleich in
ihrer Gesammtheit von Eifer fr die brgerliche Freiheit und fr die
protestantische Religion beseelt, und bereit, lieber Alles zu ertragen,
als das Land wieder in Abhngigkeit zurckgeworfen zu sehen, besorgt
und muthlos waren. Alle dachten an den Zustand der Mnzen, Alle sagten,
da etwas geschehen msse, und Alle gestanden, da sie nicht wten,
was geschehen sollte. Ich frchte, sagte ein Mitglied, das die
Gesinnungen Vieler aussprach, die Nation wird weder die Krankheit noch
die Heilung ertragen.[87]

Es gab allerdings eine Minoritt, welche die Schwierigkeiten und
Gefahren jener Krisis mit boshafter Schadenfreude betrachtete, und der
heftigste, khnste und factiseste Fhrer dieser Minoritt war Howe, den
die Armuth hmischer gemacht hatte als je. Er trug darauf an, da das
Haus sich zu einem Comit ber die Lage der Nation erklren solle, und
das Ministerium -- denn dieses Wort kann jetzt ganz passend angewendet
werden -- stimmte bereitwillig bei. Die wichtige Valutafrage konnte auch
in der That nicht zweckmiger errtert werden als in einem solchen
Ausschusse. Als der Sprecher den Stuhl verlassen hatte, haranguirte Howe
eben so heftig gegen den Krieg, als er in frheren Jahren fr denselben
haranguirt hatte. Er wollte Frieden, Frieden unter jeder Bedingung. Die
Nation, sagte er, gleiche einem Verwundeten, der mit Verzweiflung
fortkmpfe, whrend er Strme von Blut verlre. Eine kurze Zeit knne
der Geist den Krper noch aufrecht erhalten, aber bald msse Entkrftung
eintreten. Keine moralische Energie knne lange gegen physische
Erschpfung ankmpfen. Er fand jedoch sehr geringe Untersttzung. Die
groe Mehrzahl seiner Zuhrer war fest entschlossen, eher Alles aufs
Spiel zu setzen, als sich Frankreich zu unterwerfen. Es wurde spttelnd
bemerkt, da der Zustand seiner eignen Finanzen ihm das Gleichni von
einem sich Verblutenden eingegeben habe und da, wenn man ihm eine
Herzstrkung in der Form eines Gehalts reichte, er sich wenig um die
ausgetrockneten Adern der Nation kmmern wrde. Wir erniedrigten uns
nicht, sagten die Whigredner, durch Geschrei nach Frieden, als unsre
Flagge aus unsrem eignen Kanal verdrngt war, als Tourville's Flotte vor
Torbay ankerte, als die irische Nation gegen uns unter den Waffen stand,
als jede Post aus den Niederlanden die Nachricht von einer Niederlage
brachte, als wir gegen das Genie Louvois' im Cabinet und gegen das Genie
Luxemburg's im Felde zu kmpfen hatten. Und jetzt sollten wir zu
Bittenden werden, wo sich nicht einmal im Mittellndischen Meere ein
feindliches Geschwader zu zeigen wagt, wo unsere Waffen auf dem
Continent siegreich sind, wo Gott den groen Staatsmann und den groen
Krieger zu sich genommen hat, deren Talente so lange unsere
Anstrengungen vereitelten, und wo die Schwche der franzsischen
Regierung unverkennbar den Einflu eines weiblichen Gnstlings verrth?
Howe's Antrag wurde mit Verachtung verworfen, und der Ausschu ging zur
Erwgung des Zustandes der Valuta ber.[88]


[_Polemik ber die Valuta._] Inzwischen ruhten die krzlich befreiten
Pressen der Hauptstadt keinen Augenblick. Unzhlige Broschren und
Flugbltter ber die Mnzverhltnisse lagen auf den Ladentischen der
Buchhndler und wurden unter die Mitglieder des Parlaments in der
Vorhalle vertheilt. In einer der interessantesten und ergtzlichsten von
diesen Schriften waren Ludwig und seine Minister als in der grten
Besorgni dargestellt, da England sich durch das einfache Mittel, neun
Pence einen Schilling zu nennen, zum reichsten Lande der Welt machen
mchte, und es wurde zuversichtlich darin prophezeit, da eine neue
Revolution ausbrechen wrde, wenn man den alten Mnzfu beibehielte.
Einige Schriftsteller opponirten heftig gegen die Behauptung, da die
Nation die Kosten der Herstellung der Valuta tragen msse; andere
forderten die Regierung dringend auf, diese Gelegenheit zu benutzen und
das englische Geld dem Gelde der Nachbarstaaten zu assimiliren; ein
Projectenmacher war dafr, Gulden zu prgen, ein andrer dafr, Thaler zu
prgen.[89]


[_Maregeln des Parlaments in Bezug auf die Valuta._] Innerhalb der
Mauern des Parlaments dauerten die Debatten mehrere bange Tage hindurch.
Endlich brachte Montague, nachdem er zuerst Diejenigen, welche die Dinge
bis zum Frieden unverndert lassen wollten, und dann auch Diejenigen
geschlagen hatte, welche fr den kleinen Schilling waren, elf
Resolutionen durch, in denen die Umrisse seines Planes dargelegt waren.
Es wurde beschlossen, da die Landesmnzen sowohl in Gewicht als in
Feingehalt nach dem alten Fue umgeprgt, da alle neuen Stcken
geprgt, nicht geschlagen werden, da der Staat den Verlust an dem
beschnittenen Gelde tragen, da ein Termin bestimmt werden sollte, nach
welchem beschnittenes Geld nur noch in Zahlungen an die Regierung
genommen, und da ein spterer Termin festgesetzt werden sollte, nach
welchem beschnittenes Geld gar nicht mehr genommen werden sollte. Was
fr Abstimmungen im Ausschusse stattfanden, lt sich nicht ermitteln.
Bei der Berichterstattung ber die Resolutionen fand eine Abstimmung
statt, und zwar ber die Frage, ob der alte Gewichtsfu beibehalten
werden solle. Es stimmten hundertvierzehn Mitglieder mit Nein,
zweihundertfnfundzwanzig mit Ja.[90]

Es wurde angeordnet, da eine auf die Resolutionen basirte Bill
eingebracht werden sollte. Einige Tage darauf erklrte der Kanzler der
Schatzkammer den Gemeinen in einem Ausschusse zur Berathung der Mittel
und Wege den Plan, wie er die Kosten der Umprgung zu decken gedachte.
Es sei unmglich, sagte er, den zur Deckung des Ausfalls an den
beschnittenen Mnzen erforderlichen Betrag mit Genauigkeit zu bestimmen.
Aber es sei gewi, da mindestens zwlfhunderttausend Pfund dazu nthig
sein wrden. Die Bank von England war bereit, diese zwlfhunderttausend
Pfund auf gute Sicherheit vorzustrecken. Es war ein unter den
Finanzmnnern angenommener Satz, da die Regierung keine so gute
Sicherheit mehr bieten knne, wie die Kaminsteuer gewesen war. So
verhat diese Abgabe auch Denen war, die sie hatten zahlen mssen, im
Schatzamt und in der City wnschte man sie jetzt sehnlich zurck. Der
Kanzler der Schatzkammer meinte, da sich vielleicht eine Abgabe auf die
Huser aussinnen lassen werde, die nicht minder eintrglich und nicht
minder sicher sein knne als die Herdsteuer, aber nicht so schwer auf
dem Armen lasten und durch ein weniger drckendes Verfahren erhoben
werden knne. Die Anzahl der Kamine in einem Hause sei ohne Besichtigung
der Wohnungen nicht zu ermitteln. Die Fenster aber knne ein Einnehmer
zhlen, ohne die Schwelle zu berschreiten. Montague schlug vor, da die
Bewohner von Htten, welche von den Einsammlern des Kamingeldes so
herzlos bedrckt worden seien, von der neuen Abgabe gnzlich frei
bleiben sollten. Sein Plan wurde vom Ausschusse fr die Mittel und Wege
gebilligt und vom Hause ohne Abstimmung genehmigt. Dies war der Ursprung
der Fenstersteuer, einer Abgabe, die zwar immerhin ein groes Uebel ist,
im Vergleich zu dem Fluche aber, von dem sie die Nation erlste, als ein
Segen betrachtet werden mu.

Bis hierher war Alles gut gegangen. Jetzt aber kam eine Krisis, welche
die geschickteste Leitung erforderte. Die Nachricht, da das Parlament
und die Regierung eine Reform der Valuta beabsichtigten, erzeugte unter
dem gemeinen Volke einen Unwissenheitsschrecken. Jedermann wollte seine
beschnittenen Kronen und halben Kronen los sein, und Niemand wollte sie
nehmen. In der Hlfte der Straen London's entstanden Znkereien, welche
an Tumulte grenzten. Die Jakobiten, welche an einem Tage des
Migeschicks und der ffentlichen Gefahr, stets mit Freude und Hoffnung
erfllt waren, liefen mit eifrigen Mienen und geschftigen Zungen hin
und her. In Tavernen und Bierhusern wurde ganz offen auf das Wohl
Jakob's getrunken. Viele Parlamentsmitglieder, welche bisher die
Regierung untersttzt hatten, begannen zu schwanken, und damit nichts an
den Schwierigkeiten des Moments fehlte, entstand ber einen
Privilegiumspunkt ein Streit zwischen den beiden Husern. Die in
Uebereinstimmung mit Montague's Resolutionen entworfene Umprgungsbill
war den Peers zugesandt worden und mit Abnderungen zurckgekommen, von
denen einige die Lords nach der Ansicht der Gemeinen nicht zu machen
berechtigt waren. Die Sache war zu wichtig, um einen Verzug zu
gestatten. Montague brachte eine neue Bill ein, welche factisch mit
seiner ersten bereinstimmte, aber in einigen Punkten den Wnschen der
Lords gem modificirt war; die Lords, obgleich mit der neuen Bill noch
nicht ganz zufrieden, nahmen sie unverndert an, und der Knig
genehmigte sie unverzglich. Der 4.Mai, ein Tag, dessen man sich im
ganzen Lande und insbesondere in der Hauptstadt lange erinnerte, war als
der Tag festgesetzt, an welchem die Regierung aufhrte, beschnittenes
Geld bei Steuerzahlungen anzunehmen.[91]

Die Prinzipien der Umprgungsacte sind vortrefflich. Einige von den
Einzelnheiten sowohl dieser Acte als auch einer Ergnzungsacte, welche
zu einem spteren Zeitpunkte der Session erlassen wurde, beweisen, da
Montague nicht gehrig erwogen hatte, was die Gesetzgebung erreichen
kann und was nicht. Er berredete zum Beispiel das Parlament zu
verordnen, da es strafbar sein sollte, mehr als zweiundzwanzig
Schillinge fr eine Guinee zu geben oder zu nehmen. Man darf mit
Gewiheit behaupten, da Locke diese Verordnung weder vorgeschlagen
hatte, noch sie billigte. Er wute sehr wohl, da der hohe Preis des
Geldes nicht das Uebel war, an dem der Staat laborirte, sondern blo ein
Symptom dieses Uebels, und da der Umprgung des Silbers unvermeidlich
ein Fallen des Goldpreises folgen werde, da aber keine menschliche
Macht oder Einsicht bewirken knne, da es der Umprgung vorausgehe. Die
Strafbestimmung scheint auch factisch gar keine Wirkung hervorgebracht
zu haben, weder eine gute noch eine schlechte. So lange das geprgte
Silber noch nicht in Circulation gesetzt war, galt die Guinee trotz des
Gesetzes nach wie vor dreiig Schillinge. Als aber das geprgte Silber
reichlich circulirte, fiel die Guinee nicht nur auf zweiundzwanzig
Schilling, was der vom Gesetz gestattete hchste Preis war, sondern auf
einundzwanzig Schilling sechs Pence.[92]

Anfang Februar legte sich der Schrecken, den die ersten Debatten ber
die Valuta hervorgerufen hatten, und von dieser Zeit bis zum 4.Mai
wurde der Geldmangel nicht sehr gefhlt. Die Umprgung begann. Die
Schmelzfen wurden im Garten hinter dem Schatzamt errichtet und tglich
wurden groe Haufen beschnittener und entstellter Kronen und Schillinge
in mchtige Silberklumpen verwandelt, welche sofort in die Mnze im
Tower befrdert wurden.[93]


[_Annahme der Acte zur Regulirung des Prozeverfahrens in
Hochverrathsfllen._] Mit dem Schicksale des Gesetzes, das die Valuta
herstellte, war das Schicksal eines andren Gesetzes eng verknpft, das
mehrere Jahre der Erwgung des Parlaments unterlegen und mehrere
lebhafte Streitigkeiten zwischen dem erblichen und dem whlbaren Zweige
der Legislatur verursacht hatte. Die Session hatte kaum begonnen, als
die Bill zur Regulirung des Prozeverfahrens in Hochverrathsfllen
wieder auf den Tisch der Gemeinen gelegt wurde. Von den Debatten, zu
denen sie Veranlassung gab, wissen wir nichts mehr; nur ein
interessanter Umstand ist durch Ueberlieferung auf uns gekommen. Unter
Denen, welche die Bill untersttzten, zeichnete sich ein junger Whig von
hohem Range, groem Vermgen und vorzglichen Anlagen aus, welche durch
Studium sorgfltig ausgebildet worden waren. Dies war Anton Ashley
Cooper, Lord Ashley, ltester Sohn des zweiten Earls von Shaftesbury und
Enkel des berhmten Staatsmannes, der in den Tagen Karl'sII. zu einer
Zeit der grundsatzloseste Minister, zu einer andren Zeit der
grundsatzloseste Demagog gewesen war. Ashley war eben als Vertreter des
Burgfleckens Poole ins Parlament gewhlt worden und stand in seinem
fnfundzwanzigsten Lebensjahre. Im Laufe seiner Rede stockte er,
stammelte und schien den Faden seines Ideenganges zu verlieren. Das
Haus, welches damals so gut wie jetzt nachsichtig gegen Neulinge war und
wohl wute, da bei einem ersten ffentlichen Auftreten die
Unsicherheit, eine Wirkung der Bescheidenheit und der Gefhlswrme, ein
eben so gutes Zeichen ist als Gelufigkeit im Ausdruck und
Unbefangenheit des Benehmens, munterte ihn auf fortzufahren. Kann ich
wohl, Sir, sprach der junge Redner, sich wieder sammelnd, ein
gewichtigeres Argument zu Gunsten dieser Bill anfhren, als mein eignes
Stocken? Mein Vermgen, mein Ruf, mein Leben stehen nicht auf dem
Spiele. Ich habe ein Auditorium vor mir, dessen freundliche Nachsicht
mich wohl zu ermuthigen geeignet ist. Und doch habe ich, aus bloer
Gemthsbewegung, aus bloem Mangel an Uebung im Reden vor zahlreichen
Versammlungen, meinen Gedankengang verloren, so da ich nicht im Stande
bin, in meiner Beweisfhrung fortzufahren. Wie hlflos mu dann erst ein
armer Mann sein, der, nachdem er noch nie ffentlich gesprochen hat,
aufgefordert wird, ohne sich einen Augenblick vorzubereiten, den
gewandtesten und erfahrensten Advokaten des Knigreichs zu antworten,
und dessen Geisteskrfte durch den Gedanken gelhmt werden, da er,
wenn es ihm nicht gelingt, seine Zuhrer zu berzeugen, in wenigen
Stunden am Galgen sterben und Die, welche ihm das Theuerste sind, in
Armuth und Schande zurcklassen wird. Man darf vielleicht mit einigem
Grunde vermuthen, da Ashley's Befangenheit und seine kluge Benutzung
derselben sorgfltig vorausbedacht waren. Doch jedenfalls machte seine
Rede groen Eindruck und erweckte wahrscheinlich Erwartungen, welche
nicht in Erfllung gingen. Seine Gesundheit war zart, sein Geschmack bis
zur Launenhaftigkeit verfeinert; er berlie die Politik bald Mnnern,
deren Krper und Geist von grberem Stoffe waren als die seinigen, gab
sich nur geistigen Genssen hin, vertiefte sich in die Irrgnge der
alten akademischen Philosophie und strebte nach dem Ruhme, die alte
akademische Beredtsamkeit wieder zu beleben. Seine geknstelte und
blumenreiche, oft aber wunderbar schne und melodische Diction
bezauberte viele junge Enthusiasten. Er hatte nicht blo Schler,
sondern Anbeter, sein Leben war kurz, aber er lebte lange genug, um der
Grnder einer neuen Secte englischer Freidenker zu werden, dem directen
Gegensatze von derjenigen Secte von Freidenkern, deren Orakel Hobbes
war. Viele Jahre lang blieben seine Characteristiken das Evangelium
der romantischen und sentimentalen Unglubigen, whrend das Evangelium
der kaltbltigen und hartkpfigen Unglubigen der Leviathan war.

Die so oft eingebrachte und so oft verworfene Bill wurde von den
Gemeinen ohne Abstimmung angenommen und den Lords zugesandt. Sie kam
bald mit der lange streitigen Klausel zurck, welche die Verfassung des
Gerichtshofes des Lord High Steward abnderte. Eine zahlreiche Partei
unter den Vertretern des Volks war noch immer nicht geneigt, dem
Hochadel irgend ein neues Privilegium zu bewilligen; aber der Moment war
kritisch. Die Meinungsverschiedenheit, welche zwischen den beiden
Husern wegen der Umprgungsbill entstanden war, hatte Nachtheile
erzeugt, die auch einen beherzten Staatsmann wohl beunruhigen konnten.
Man mute ein Zugestndni durch ein andres erkaufen. Die Gemeinen
traten mit hundertzweiundneunzig gegen hundertfunfzig Stimmen dem
Amendement bei, auf dem die Lords vier Jahre lang so hartnckig
bestanden hatten, und die Lords genehmigten dagegen unverzglich die
Umprgungsbill ohne Amendement.

Man hatte sich viel ber den Zeitpunkt gestritten, zu welchem das neue
System des Prozeverfahrens in Hochverrathsfllen in Kraft treten
sollte, und die Bill war einmal in Folge eines Streites ber diesen
Punkt gescheitert. Viele waren der Meinung, da die Aenderung nicht vor
dem Ende des Kriegs Platz greifen drfe. Es sei notorisch, sagten sie,
da der auswrtige Feind von nur zu vielen einheimischen Verrthern
aufgehetzt werde, und zu solchen Zeiten drften die Gesetze, welche den
Staat gegen die Machinationen schlechter Brger schtze, nicht gelockert
werden. Endlich wurde beschlossen, da die neuen Vorschriften mit dem
25.Mrz, nach dem alten Kalender dem ersten Tage des Jahres 1696, in
Kraft treten sollten.

[_Parlamentsverhandlungen wegen der Verleihung von Kronlndereien in
Wales an Portland._] Am 21.Januar erhielten die Umprgungsbill und die
Bill zur Regulirung des Prozeverfahrens in Hochverrathsfllen die
knigliche Genehmigung. Am folgenden Tage begaben sich die Gemeinen in
einer Angelegenheit, die sowohl ihnen als auch dem Knige durchaus
nicht angenehm war, nach Kensington. Sie waren in ihrer Gesammtheit fest
entschlossen, um jeden Preis und auf jede Gefahr hin den Knig gegen
jeden ueren wie inneren Feind zu schtzen. Aber sie waren, wie jede
Versammlung von fnfhundertdreizehn englischen Gentlemen, gleichviel
durch welches Verfahren sie zusammengebracht sein mochte, es naturgem
sein mute, eiferschtig auf die Gunst, die er seinen Jugendfreunden
bewies. Er hatte sich vorgenommen, das Haus Bentinck in Ruhm und Glanz
auf gleiche Stufe mit den Husern Howard und Seymour, Russell und
Cavendish zu stellen. Einige der schnsten Erbdomnen der Krone waren
Portland verliehen worden, nicht ohne Murren von Seiten der Whigs wie
der Tories. Es war allerdings nichts geschehen, was nicht mit dem
Buchstaben des Gesetzes und mit einer langen Reihe von Prcedenzfllen
im Einklang gestanden htte. Seit undenklichen Zeiten hatte jeder
englische Souverain die Gter, in deren Besitz er kraft seines Amtes
getreten war, als sein Privateigenthum betrachtet. Jede Familie, die in
England mchtig gewesen war, von den De Vere bis herab zu den Hyde, war
durch knigliche Schenkungen bereichert worden. KarlII. hatte aus
seinen Erbgtern Herzogthmer fr seine Bastarde herausgeschnitten. Auch
enthielt die Rechtsbill nicht ein Wort, welches dahin htte gedeutet
werden knnen, da es dem Knige nicht vollkommen freistnde, sich jeden
Theils der Krongter zu entuern. Anfangs rief daher Wilhelm's
Freigebigkeit gegen seine Landsleute, wenn sie auch viel Unzufriedenheit
erregte, keine Remonstrationen von Seiten des Parlaments hervor. Aber er
ging endlich zu weit. Im Jahre 1695 befahl er den Lords des Schatzes
eine Urkunde auszufertigen, welche Portland eine prachtvolle Herrschaft
in Denbighshire verlieh. Diese Herrschaft sollte ber hunderttausend
Pfund werth sein. Der jhrliche Ertrag derselben kann sich daher auf
kaum weniger als sechstausend Pfund belaufen haben, und die der Krone
vorbehaltene Jahresrente betrug nur sechs und acht Pence. Dies war
jedoch noch nicht das Schlimmste. Mit dem Besitze waren ausgedehnte
Regalien untrennbar verbunden, welche die Bewohner von Nordwales nicht
geduldig in den Hnden irgend eines Unterthanen sehen konnten. Mehr als
hundert Jahre frher hatte Elisabeth einen Theil des nmlichen Gebiets
ihrem Gnstling Leicester verliehen. Bei dieser Gelegenheit hatte sich
das Volk von Denbighshire mit bewaffneter Hand erhoben, und nach vielen
tumultuarischen Auftritten und mehreren Hinrichtungen hatte Leicester es
fr rathsam gehalten, die Schenkung seiner Gebieterin zurckzugeben. Die
Opposition gegen Portland war minder gewaltthtig, aber eben so
erfolgreich. Einige der angesehensten Gentlemen des Gebiets machten den
Ministern, durch deren Bureaux das Dokument gehen mute, nachdrckliche
Vorstellungen und brachten endlich den Gegenstand bis vor das Unterhaus.
Es wurde einstimmig eine Adresse votirt, welche den Knig ersuchte, die
Schenkung zurckzunehmen; Portland bat, da man ihn nicht zu einem
Zankapfel zwischen seinem Gebieter und dem Parlamente machen mchte, und
der Knig fgte sich, wenn auch tief verletzt, dem allgemeinen Wunsche
der Nation.[94]

Diese unglckliche Geschichte hinterlie, wenn sie auch nicht in einen
offenen Streit ausging, doch viel bses Blut. Der Knig war aufgebracht
gegen die Gemeinen und noch aufgebrachter gegen die whiggistischen
Minister, die es nicht gewagt hatten, seine Schenkung zu vertheidigen.
Die loyale Zuneigung, welche das Parlament ihm in den ersten Tagen der
Session bewiesen hatte, war merklich erkaltet, und er war fast so
unpopulr wie er es je gewesen, als ein Ereigni eintrat, das ihm
pltzlich die Herzen von Millionen wiedergewann und ihn auf einige Zeit
in eben dem Grade zum Abgott der Nation machte, wie er es zu Ende des
Jahres 1688 gewesen war.[95]


[_Zwei jakobitische Complots geschmiedet._] Der im vergangenen Frhjahr
entworfene Mordplan war in Folge der Abreise Wilhelm's nach dem
Continent aufgegeben worden. Der im Sommer entworfene Insurrectionsplan
war wegen Mangel an Beistand von Seiten Frankreich's ebenfalls
aufgegeben worden. Vor Ende des Herbstes aber wurden beide Plne wieder
aufgenommen. Wilhelm war nach England zurckgekehrt, und die
Mglichkeit, sich seiner durch einen glcklichen Schu oder Degensto zu
entledigen, wurde wieder ernstlich discutirt. Die franzsischen Truppen
hatten ihre Winterquartiere bezogen, und das Armeecorps, welches
Charnock vergebens verlangt hatte, als der Kampf um Namur wthete,
konnte jetzt ohne Nachtheil entbehrt werden. Es wurde daher jetzt ein
Complot geschmiedet, furchtbarer als irgend eines, das bisher den Thron
und das Leben Wilhelm's bedroht hatte, oder es wurden vielmehr, wie dies
mehr als einmal in unsrer Geschichte vorgekommen ist, zwei Complots
geschmiedet, eines in dem andren. Der Zweck des greren Complots war
ein offener Aufstand, ein Aufstand, der durch eine auslndische Armee
untersttzt werden sollte. In dieses Complot waren fast alle angesehenen
Jakobiten mehr oder weniger verwickelt. Einige huften Waffen auf,
andere kauften Pferde, noch andere entwarfen Listen von den Dienern und
Untergebenen, auf die sie sich fest verlassen konnten. Die minder
kriegerischen Mitglieder der Partei konnten wenigstens Humpen auf den
Knig ber dem Wasser leeren und durch bedeutungsvolles Achselzucken und
Geflster zu verstehen geben, da er nicht lange mehr ber dem Wasser
sein werde. Es wurde allgemein bemerkt, da die Unzufriedenen weiser als
sonst aussahen, wenn sie nchtern waren, und da sie lauter als sonst
schwatzten, wenn sie betrunken waren.[96] In das kleinere Complot, das
die Ermordung Wilhelm's zum Zweck hatte, waren nur einige wenige
auserlesene Hochverrther eingeweiht.


[_Berwick's Complot._] Jedes dieser beiden Complots stand unter der
Leitung eines speciell dazu von Saint-Germains abgeschickten Fhrers.
Die ehrenhaftere Sendung war Berwick anvertraut. Er war beauftragt, sich
mit der jakobitischen Noblesse und Gentry in Vernehmen zu setzen,
auszumitteln, welche Streitmacht sie ins Feld stellen konnten und einen
Zeitpunkt fr die Erhebung festzusetzen. Er war ermchtigt ihnen zu
versichern, da die franzsische Regierung Truppen und Transportschiffe
bei Calais zusammenziehe und da, sobald man dort erfhre, da ein
Aufstand in England ausgebrochen sei, sein Vater sich mit zwlftausend
Veteranen einschiffen und in einigen Stunden bei ihnen sein wrde.

[_Das Ermordungscomplot; Sir Georg Barclay._] Eine gefhrlichere Rolle
war einem Emissr von niedererem Range aber groer Gewandtheit,
Thtigkeit und Unerschrockenheit bertragen. Dies war Sir Georg Barclay,
ein schottischer Gentleman, der mit Ehren unter Dundee gedient und der
sich, als der Krieg in den Hochlanden zu Ende war, nach Saint-Germains
zurckgezogen hatte. Barclay wurde in das knigliche Cabinet beschieden
und empfing seine Instructionen aus dem Munde des Knigs selbst. Er
erhielt Befehl, sich heimlich ber den Kanal nach London zu begeben. Es
wurde ihm gesagt, da einige auserlesene Offiziere und Soldaten ihm zu
Zweien und Dreien auf dem Fue folgen wrden, und damit sie ihn leicht
finden knnten, sollte er Montags und Donnerstags nach Einbruch der
Dunkelheit unter dem Sulengange vom Coventgarden umhergehen und ein
weies Tuch aus seiner Rocktasche hervorblicken lassen. Er erhielt eine
bedeutende Summe Geldes und eine Vollmacht, welche Jakob nicht nur
unterzeichnet, sondern, von Anfang bis zu Ende eigenhndig geschrieben
hatte. Diese Vollmacht autorisirte den Inhaber von Zeit zu Zeit
diejenigen Acte von Feindseligkeit gegen den Prinzen von Oranien und
seine Anhnger zu unternehmen, welche den Zwecken des Knigs am meisten
entsprechen wrden. Welche nhere Erklrung Jakob diesen weit
umfassenden Worten mndlich gab, wissen wir nicht.

Damit Barclay's Abwesenheit von Saint-Germains keinen Verdacht erweckte,
wurde ausgesprengt, da sein lockerer Lebenswandel ihn in die
Nothwendigkeit versetzt habe, sich von einem Arzte in Paris behandeln zu
lassen.[97] Er reiste mit achthundert Pfund Sterling in seinem Koffer
ab, eilte nach der Kste und schiffte sich an Bord eines Kapers ein, den
die Jakobiten als regelmiges Packetboot zwischen Frankreich und
England benutzten. Dieses Fahrzeug brachte ihn nach einem einsamen Orte
im Romney Moor. Ungefhr eine halbe Meile von dem Landungsplatze wohnte
ein Schmuggler, Namens Hunt, auf einer den und ungesunden Sumpfstrecke,
wo er keine anderen Nachbarn hatte als einige halbwilde Hirten. Seine
Wohnung hatte eine Lage, die sich fr den Schleichhandel mit
franzsischen Waaren vortrefflich eignete, Ladungen von Lyoneser
Seidenwaaren und Valencienner Spitzen, hinreichend, um dreiig
Packpferde zu beladen, waren mehr als einmal in dieser traurigen Einde
gelandet worden, ohne Aufsehen zu erregen. Seit der Revolution aber war
Hunt dahinter gekommen, da von allen Ladungen eine Ladung Hochverrther
am besten rentirte. Sein entlegener Wohnplatz wurde der Aufenthaltsort
fr hochangesehene Mnner, fr Earls und Barone, fr Ritter und Doctoren
der Theologie. Einige davon wohnten viele Tage unter seinem Dache in
Erwartung einer Gelegenheit zur Ueberfahrt. Zwischen seinem Hause und
London bestand eine geheime Postverbindung. Couriere eilten fortwhrend
hin und her; sie machten die Reise stets zu Fue; aber sie sahen wie
Gentlemen aus, und man raunte sich zu, da einer von ihnen der Sohn
eines vornehmen Mannes sei. Die aus Saint-Germains kommenden Briefe
waren an Zahl und Umfang klein; um so zahlreicher und voluminser aber
waren die dahin abgehenden. Sie wurden wie Packete von Modewaaren
verpackt und in dem Sumpfe vergraben, bis der Kaper sie abforderte.

Hier landete Barclay im Januar 1696, und von hier aus schlug er den Weg
nach London ein. Wenige Tage spter folgte ihm ein schlanker junger
Mann, der seinen Namen verschwieg, aber Accreditive von hchster
Autoritt vorzeigte. Dieser junge Mann begab sich ebenfalls nach London.
Hunt erfuhr nachher, da sein bescheidenes Dach die Ehre gehabt hatte,
den Herzog von Berwick zu beherbergen.[98]

Die Rolle, welche Barclay zu spielen hatte, war schwierig und
gefhrlich, und er unterlie keine Vorsichtsmaregel. Er war selten in
London gewesen und sein Aeueres war daher den Agenten der Regierung
unbekannt. Gleichwohl hatte er mehrere Wohnungen, verkleidete sich so
gut, da seine ltesten Freunde ihn am hellen Tage nicht erkannt haben
wrden, und doch wagte er sich selten auf die Strae, auer im Dunklen.
Sein Hauptagent war ein Mnch, der mit Gefahr seines Kopfes unter
verschiedenen Namen Beichte abnahm und Messe las. Dieser Mann theilte
einigen von den Zeloten, mit denen er verkehrte, mit, da ein
Specialagent der kniglichen Familie an gewissen Abenden zu einer
gewissen Stunde in Coventgarden zu sprechen und an gewissen Zeichen
kenntlich sei.[99] Auf diese Weise lernte Barclay mehrere fr seine
Zwecke geeignete Mnner kennen. Die Ersten, denen er sich vllig
offenbarte, waren Charnock und Parkyns. Er sprach mit ihnen ber das
Complot, das sie mit einigen ihrer Freunde im vergangenen Frhjahr gegen
das Leben Wilhelm's geschmiedet hatten. Charnock sowohl als Parkyns
erklrten, da der Plan leicht ausfhrbar sei, da es unter den
Royalisten nicht an beherzten Mnnern fehle und da es nur eines Zeichen
von Zustimmung von Seiten Sr. Majestt bedrfe.

Barclay producirte nun seine Vollmacht. Er bewies seinen beiden
Complicen, da Jakob ausdrcklich allen guten Englndern anbefohlen
hatte, nicht allein sich mit bewaffneter Hand zu erheben, nicht allein
gegen die Regierung des Usurpators Krieg zu fhren, nicht allein
Festungen und Stdte einzunehmen, sondern auch von Zeit zu Zeit solche
anderweitige Acte von Feindseligkeit gegen den Prinzen von Oranien
vorzunehmen, wie sie dem Knige dienlich wren. Diese Worte, sagte
Barclay, autorisirten offenbar einen Angriff auf die Person des
Prinzen. Charnock und Parkyns waren befriedigt. Wie konnten sie in der
That Zweifeln, da Jakob's vertrauter Agent seine Worte richtig deutete?
Ja, wie htten sie die umfassenden Worte der Vollmacht anders als in dem
einen Sinne verstehen knnen, selbst wenn Barclay nicht dagewesen wre,
um sie zu commentiren? Wre der Gegenstand niemals Jakob zur Erwgung
unterbreitet worden, so htte man allerdings glauben knnen, da jene
Worte seiner Feder ohne eine bestimmte Bedeutung entschlpft seien. Aber
es war ihm wiederholt mitgetheilt worden, da einige seiner Freunde in
England eine blutige That im Sinne htten und da sie nur auf seine
Zustimmung warteten. Sie waren in ihn gedrungen, ein Wort zu sprechen,
einen Wink zu geben. Er hatte lange geschwiegen, und jetzt wo er das
Stillschweigen brach, sagte er ihnen blo, sie mchten Alles thun, was
ihm ntzlich und dem Usurpator nachtheilig sein knnte. Sie hatten seine
Erlaubni in so deutlichen Ausdrcken, wie sie dieselbe in einem solchen
Falle vernnftigerweise nur erwarten konnten.[100]

Es kam nur noch darauf an, eine gengende Anzahl muthiger und
zuverlssiger Helfershelfer zu finden, fr Pferde und Waffen zu sorgen
und Ort und Stunde der Ermordung zu bestimmen. Vierzig bis fnfzig Mann
wurden fr ausreichend gehalten. Die Reiter von Jakob's Garde, welche
Barclay bereits ber den Kanal gefolgt waren, bildeten ziemlich die
Hlfte von dieser Anzahl. Jakob hatte selbst mit einigen dieser Leute
vor ihrer Abreise von Saint-Germains gesprochen, ihnen Reisegeld
gegeben, ihnen gesagt, welchen Namen jeder von ihnen in England annehmen
sollte, ihnen befohlen, nach Barclay's Weisungen zu handeln, und sie
unterrichtet, wo Barclay zu finden und an welchem Zeichen er zu erkennen
war.[101] Sie hatten Ordre, in kleinen Gruppen abzureisen und
verschiedene Beweggrnde fr ihre Reise anzugeben. Einige waren krank,
Andere waren des Dienstes berdrssig; Cassels, einer der Lautesten und
Profansten unter ihnen, sagte, da er, weil er beim Militr keine
Befrderung erlangen knne, in das schottische Collegium eintreten und
eine Brotwissenschaft studiren wolle. Unter derartigen Vorwnden
verlieen etwa zwanzig auserwhlte Mnner den Palast Jakob's, gingen
ber Romney Marsh nach London und fanden ihren Anfhrer im dstren
Lampenlichte der Colonnade mit aus der Tasche herabhngendem Sacktuche
auf und nieder gehen. Einer dieser Leute war Ambrosius Rookwood, der den
Grad eines Brigadiers hatte und eines hohen Rufes von Muth und
Ehrenhaftigkeit geno; ein Andrer war der Major Johann Bernardi, ein
Abenteurer von genuesischer Abkunft, dessen Name eine traurige
Berhmtheit erlangt hat durch eine Strafe, die sich so unglaublich
verlngerte, da sie endlich noch eine Generation zu Mitleid rhrte, die
sich seines Verbrechens nicht erinnern konnte.[102]

Auf diese Abenteurer aus Frankreich setzte Barclay hauptschlich sein
Vertrauen. In einem Augenblicke emphatischer Ueberhebung nannte er sie
seine Janitscharen und sprach die Hoffnung aus, da sie ihm das St.
Georgskreuz und den Hosenbandorden verschaffen wrden. Aber es waren
mindestens noch zwanzig Mrder nthig. Wahrscheinlich erwarteten die
Verschwrer werthvollen Beistand von Seiten Sir John Friend's, der ein
von Jakob ausgestelltes Oberstenpatent erhalten und um die Zeit, wo die
Franzosen an der Kste von Kent erscheinen sollten, mit groer
Thtigkeit Mannschaften angeworben und Waffen herbeigeschafft hatte.
Der Plan wurde ihm mitgetheilt, aber er hielt ihn fr so unberlegt und
war so fest berzeugt da er der guten Sache nur schaden konnte, da er
seinen Freunden keinen Beistand leihen wollte, obgleich er ihr Geheimni
gewissenhaft bewahrte.[103] Charnock nahm es auf sich, acht
entschlossene und zuverlssige Mnner zu finden. Er theilte den Plan
Porter mit, was Barclay nicht ganz billigte, denn er meinte, da man
einem Wirthshausraufbold, der noch krzlich im Gefngni gesessen, weil
er betrunken in den Straen umher renommirt und Hurrahs zu Ehren des
Prinzen von Wales gerufen hatte, nicht wohl ein Geheimni von so
gefhrlicher Wichtigkeit anvertrauen knne. Porter ging mit Begeisterung
auf das Complot ein und versprach, noch Andere mit hereinzuziehen,
welche ntzlich sein wrden. Zu Denen, deren Untersttzung er gewann,
gehrte sein Diener, Thomas Keyes. Keyes war ein viel gefhrlicherer
Verschwrer, als man es bei seiner socialen Stellung htte erwarten
sollen. Die Haustruppen waren im allgemeinen Wilhelm ergeben; unter den
Blauen aber herrschte ein Anflug von Abneigung gegen ihn. Die
Hauptverschwrer hatten sich schon mit einigen bei diesem Regiment
stehenden Katholiken in Vernehmen gesetzt, und Keyes war hierzu ganz
besonders gut zu brauchen, denn er war frher Trompeter des Corps
gewesen, und obwohl er seinen Abschied genommen, stand er doch noch
immer in einem freundschaftlichen Verhltnisse mit einigen von den alten
Soldaten, in deren Gesellschaft er nach der Schlacht bei Sedgemoor auf
Kosten der Pchter von Somersetshire gelebt hatte.

Parkyns, der alt und gichtbrchig war, konnte nicht persnlich Antheil
an dem Mordwerke nehmen. Aber er beschftigte sich mit Besorgung von
Pferden, Stteln und Waffen fr seine jngeren und thtigeren Complicen.
In dieser Beschftigung wurde er durch Karl Cranburne untersttzt, einen
Menschen, der schon lngst als Mkler zwischen jakobitischen
Verschwrern und Leuten diente, die mit Hieb- und Schuwaffen handelten.
Barclay gab speciellen Befehl, da die Degen mehr zum Stechen als zum
Schlagen eingerichtet werden sollten. Er selbst warb Eduard Lowick an,
der als Major in der irischen Armee gedient hatte und seit der
Capitulation von Limerick sehr still und eingezogen in London lebte. Der
Mnch, den Barclay zuerst ins Vertrauen gezogen hatte, empfahl zwei
geschftige Papisten, Richard Fisher und Christoph Knightley, und diese
Empfehlung wurde fr gengend erachtet. Knightley zog Eduard King, einen
rmisch-katholischen Gentleman von heibltigem und unruhigem
Temperament, herbei, und King verschaffte die Mithlfe eines
franzsischen Spielers und Bramarbas, Namens De la Rue.[104]

Mittlerweile hielten die Hupter der Verschwrung hufige Zusammenknfte
in hochverrtherischen Tavernen, um einen Operationsplan zu verabreden.
Mehrere Plne wurden vorgeschlagen, beifllig aufgenommen, nach
reiflicherer Erwgung aber fallen gelassen. Einmal war man der Meinung,
da ein nchtlicher Angriff auf Kensington wahrscheinlich gelingen
werde. Die uere Mauer sei leicht zu bersteigen, und wenn einmal
vierzig bewaffnete Mnner im Garten seien, wrde der Palast bald
erstrmt oder in Brand gesteckt sein. Einige waren der Ansicht, da es
am besten sein wrde, den Handstreich an einem Sonntage zu unternehmen,
wenn Wilhelm sich von Kensington in die Kapelle des St. Jamespalastes
begebe, um dem Gottesdienste beizuwohnen. Die Mrder sollten sich auf
der Stelle versammeln, wo jetzt Apsley House und Hamilton Palace stehen.
In dem Augenblicke wo der Wagen des Knigs Hyde Park verliee, um in den
jetzigen Green Park einzulenken, sollten Dreiig von den Verschwrern,
wohl beritten, ber die Garden herfallen. Die Garden waren gewhnlich
nur fnfundzwanzig Mann stark, der Angriff mte ihnen natrlich ganz
unverhofft kommen und sehr wahrscheinlich wrde die Hlfte von ihnen
todtgeschossen oder niedergehauen sein, bevor sie einen Schlag thun
knnten. Whrenddem sollten zehn bis zwlf beherzte Mnner zu Fu durch
Niederschieen der Pferde den Wagen anhalten, worauf sie dann ohne
Schwierigkeit mit dem Knige fertig werden wrden. Endlich gab man einem
ursprnglich von Fisher entworfenen und von Porter weiter ausgefhrten
Plane den Vorzug. Wilhelm pflegte jeden Sonnabend zur Jagd nach Richmond
Park zu fahren. Damals war zwischen London und Kingston noch keine
Brcke ber die Themse. Der Knig fuhr daher in einem von wenigen
Leibgardisten begleiteten Wagen ber Turnham Green nach dem Flusse. Hier
bestieg er ein Boot, setzte ber den Flu und fand auf der Surreyseite
einen andren Wagen mit einem andren Trupp Leibgardisten seiner wartend.
Der erste Wagen und die erste Eskorte erwarteten am nrdlichen Ufer
seine Zurckkunft. Die Verschwrer ermittelten mit groer Genauigkeit
das ganze Arrangement bei diesen Ausflgen und untersuchten sorgfltig
das Terrain auf beiden Seiten der Themse. Sie waren der Meinung, da sie
den Knig vortheilhafter auf der Middlesexseite als auf der Surreyseite,
und besser auf dem Rckwege als auf dem Hinwege angreifen wrden. Denn
auf der Hinfahrt wurde er oft von einem zahlreichen Gefolge von Lords
und Gentlemen bis zum Flusse begleitet; auf der Rckfahrt aber hatte er
nur seine Garden bei sich. Ort und Zeit wurden festgesetzt. Der Ort
sollte eine enge und krumme Gasse sein, die vom Landungsplatze auf der
Nordseite des Flusses nach Turnham Green fhrte. Die Stelle ist noch
jetzt leicht zu finden. Der Boden ist seitdem durch Grben entwssert
worden; im 17.Jahrhundert aber war er eine Sumpflache, durch welche der
knigliche Wagen nur mit Mhe im Schritt gezogen werden konnte. Der
Zeitpunkt sollte der Nachmittag des 15.Februars, eines Sonnabends,
sein. An diesem Tage sollten sich die Vierzig in kleinen Gruppen in
verschiedenen ffentlichen Husern unweit des Angers versammeln. Sobald
das Zeichen gegeben wurde, da der Wagen sich nhere, sollten sie
aufsitzen und sich an ihre Posten begeben. Wenn die Cavalcade die Gasse
heraufkam, sollte Charnock die Gardisten im Rcken, Rookwood von der
einen und Porter von der andren Seite angreifen. Unterdessen sollte
Barclay mit acht zuverlssigen Mnnern den Wagen anhalten und die That
vollbringen. Damit den Verschwrern keine Bewegung des Knigs entging,
wurden zwei Ordonnanzen ernannt, die den Palast bewachen sollten. Einer
von diesen beiden Mnnern, ein khner und thtiger Flamlnder, war
speciell beauftragt, Barclay von Allem genau zu unterrichten. Der
Andere, der mit Charnock Communication unterhalten sollte, war ein
Raufbold, Namens Chambers, der in der irischen Armee gedient, am Boyne
eine schwere Wunde in die Brust erhalten hatte und wegen dieser
Verwundung einen heftigen persnlichen Ha gegen Wilhelm empfand.[105]


[_Berwick's Complot scheitert._] Whrend Barclay alle seine Anstalten
zur Ermordung traf, bemhte sich Berwick, die jakobitische Aristokratie
zur bewaffneten Erhebung zu berreden. Dies war jedoch keine leichte
Aufgabe. Es wurden mehrere Berathungen gehalten und es fand eine
groe Musterung der Partei unter dem Vorwande einer Maskerade statt,
zu welcher Billets zu einer Guinee das Stck unter die Eingeweihten
vertheilt wurden.[106] Alles lief jedoch auf Reden, Singen und Trinken
hinaus. Viele angesehene und wohlhabende Mnner erklrten zwar, da
sie das Schwert fr ihren rechtmigen Souverain ziehen wrden, sobald
ihr rechtmiger Souverain mit einer franzsischen Armee auf der Insel
erschiene, und Berwick war ermchtigt worden, ihnen zu versichern,
da eine franzsische Armee geschickt werden solle, sobald sie das
Schwert gezogen haben wrden. Aber zwischen dem was sie verlangten
und dem was er zuzusagen ermchtigt war, bestand eine Differenz, die
keinen Vergleich gestattete. Ludwig wollte in seiner damaligen Lage
nicht elf- bis zwlftausend Soldaten auf bloe Versprechungen hin
opfern. Aehnliche Versprechungen waren schon 1690 gemacht worden,
und doch hatten sich, als die Flotte Tourville's an der Kste von
Devonshire erschienen war, die westlichen Grafschaften wie ein Mann
zur Vertheidigung der Regierung erhoben, und nicht ein einziger
Mivergngter hatte auch nur einen Laut zu Gunsten der Angreifer zu
uern gewagt. Aehnliche Versprechungen waren auch 1692 gemacht worden,
und dem Vertrauen, das man in diese Versprechungen gesetzt hatte, mute
die groe Niederlage von La Hogue zugeschrieben werden. Zum dritten
Male wollte sich der Knig von Frankreich nicht tuschen lassen. Er
wollte den englischen Royalisten sehr gern helfen, aber er wollte erst
sehen, da sie sich selbst halfen. Dies hatte guten Grund, aber was
die Jakobiten auf der andren Seite geltend machten, hatte ebenfalls
guten Grund. Wenn sie, sagten sie, ohne ein einziges disciplinirtes
Regiment zur Seite zu haben, sich gegen einen durch eine regulre Armee
untersttzten Usurpator erhben, so wrden sie Alle in Stcken gehauen
sein, bevor die Nachricht von ihrer Erhebung nach Versailles gelangte.
Da Berwick keine Hoffnung machen konnte, da eine Invasion erfolgen
wrde, bevor eine Insurrection stattfand, und da der Entschlu seiner
englischen Freunde, keine Insurrection zu veranlassen, bevor eine
Invasion stattfand, unerschtterlich war, so hatte er hier nichts mehr
zu thun und sehnte sich danach wieder abzureisen.

Er sehnte sich um so mehr nach der Abreise, als der 15.Februar
herannahte. Denn er stand in fortwhrender Communication mit Barclay und
war genau von allen Details des Verbrechens unterrichtet, das an diesem
Tage verbt werden sollte. Er galt im allgemeinen fr einen Mann von
starrer und selbst unfreundlicher Rechtschaffenheit. Aber sein Sinn fr
Recht und Unrecht war durch seinen Eifer fr die Interessen seiner
Familie und durch seinen Respect vor den Lehren seiner Priester
dergestalt verwirrt worden, da er, wie er selbst offen bekannt hat,
sich nicht verpflichtet glaubte, die Mrder von der Ausfhrung ihres
Vorhabens abzubringen. Er hatte in der That nur ein Bedenken gegen den
Plan, und dieses Bedenken behielt er fr sich. Es bestand einfach darin,
da alle Betheiligten sehr wahrscheinlich gehngt werden wrden. Das war
jedoch ihre Sache, und wenn sie Lust hatten, sich fr die gute Sache
einer solchen Gefahr auszusetzen, so stand es ihm nicht zu, ihnen davon
abzurathen. Seine Mission war von der ihrigen vllig gesondert; er
sollte nicht im Verein mit ihnen handeln, und er war daher auch nicht
geneigt, mit ihnen zu leiden. Demgem eilte er zurck nach dem Romney
Moor und setzte nach Calais ber.[107]

In Calais fand er Vorbereitungen zu einer Landung in Kent im Werke. Die
Stadt war mit Truppen, der Hafen mit Transportschiffen angefllt.
Boufflers hatte Befehl erhalten, sich aus Flandern dahin zu begeben und
das Commando zu bernehmen. Jakob selbst wurde tglich erwartet. Er war
in der That bereits von Saint-Germains abgereist. Doch Berwick wollte
nicht warten. Er schlug die Strae nach Paris ein, traf in Clermont mit
seinem Vater zusammen und erstattete ihm ausfhrlichen Bericht ber die
Lage der Dinge in England. Seine Sendung, sagte er, sei gescheitert. Die
royalistische Noblesse und Gentry seien entschlossen, sich nicht eher zu
erheben, als bis eine franzsische Armee auf der Insel ankme. Es sei
inde noch eine Hoffnung: binnen wenigen Tagen werde wahrscheinlich die
Nachricht eintreffen, da der Usurpator nicht mehr sei, und diese
Nachricht werde die ganze Gestalt der Dinge ndern. Jakob beschlo, sich
nach Calais zu begeben und dort den Ausgang von Barclay's Complot zu
erwarten. Berwick eilte nach Versailles zurck, um Ludwig von Allem
genau zu unterrichten. Welcher Art seine Mittheilungen waren, ersehen
wir aus Berwick's eigner Erzhlung. Er sagte dem Knige von Frankreich
geradezu, da eine kleine Schaar loyaler Mnner demnchst ein Attentat
auf das Leben des groen Feindes Frankreich's machen werde. Die nchste
Post knne die Meldung eines Ereignisses bringen, die wahrscheinlich die
englische Regierung strzen und die europische Coalition auflsen
werde. Man htte denken sollen, da ein Frst, der den Character eines
frommen Christen und eines hochsinnigen Cavaliers so prunkend zur Schau
trug, augenblicklich Maregeln ergriffen haben wrde, um seinem Rivalen
einen warnenden Wink zu geben, der vielleicht noch zur rechten Zeit kam,
und da er die Gste, die seine Gastfreundschaft so grblich
mibrauchten, scharf tadeln wrde. Doch Ludwig that nichts von dem
Allen. Wre er um seine Einwilligung zu einem Morde angegangen worden,
so wrde er sie wahrscheinlich mit Entrstung verweigert haben. Die
Mittheilung aber, da ohne seine Einwilligung wahrscheinlich ein
Verbrechen begangen werden wrde, da seinen Interessen weit
frderlicher sein mute als zehn solcher Siege wie der von Landen,
erregte keineswegs seinen Unwillen. Er schickte den Befehl nach Calais,
da seine Flotte in Bereitschaft gehalten werden solle, damit er im
Stande sei, aus der groen Krisis, die er erwartete, Nutzen zu ziehen.
Inzwischen erwartete Jakob in Calais mit noch grerer Ungeduld das
Zeichen, da sein Neffe nicht mehr war. Dieses Zeichen sollte durch ein
Feuer gegeben werden, zu dem das Holz bereits auf den Klippen von Kent
zusammengetragen wurde und das ber dem Kanal sichtbar sein sollte.[108]


[_Entdeckung des Mordanschlags._] Doch ber Verschwrungen wie die
Barclay's und Charnock's hat bei uns zu Lande immer ein eignes
Verhngni geschwebt. Die Englnder betrachten den Meuchelmord
mit einem ihnen eigenen Widerwillen und haben ihn seit mehreren
Jahrhunderten stets so betrachtet. Dieses Gefhl ist in der That so
specifisch englisch, da es selbst heute noch nicht irisch genannt
werden kann und bis vor Kurzem auch nicht schottisch war. In Irland
wird der Schurke, der aus einem Hinterhalte auf seinen Feind schiet,
noch jetzt nur zu oft durch die ffentliche Sympathie gegen die
Gerechtigkeit in Schutz genommen. In Schottland wurden Mordplne
whrend des 16. und 17. Jahrhunderts nicht selten glcklich ausgefhrt,
obgleich eine Menge Leute darum wuten. Die Ermordungen Beaton's,
Rizzio's, Darnley's, Murray's und Sharpe's sind sprechende Beispiele.
Die Royalisten, welche Lisle in der Schweiz ermordeten, waren Irlnder;
die Royalisten, welche Ascham in Madrid ermordeten, waren Irlnder;
die Royalisten, welche Dorislaus im Haag ermordeten, waren Schotten.
Sobald in England ein solcher Plan aufhrt, ein in den Falten eines
unzufriedenen und verderbten Herzens verborgenes Geheimni zu sein,
ist die Gefahr der Entdeckung und des Scheiterns sehr gro. Felton
und Bellingham vertrauten sich keinem menschlichen Wesen an, und
sie waren daher im Stande, ihr bses Vorhaben auszufhren. Aber
Babington's Verschwrung gegen Elisabeth, Fawke's Verschwrung gegen
Jakob, Gerard's Verschwrung gegen Cromwell, das Ryehousecomplot,
die Verschwrung von Cato Street wurden alle entdeckt, vereitelt und
bestraft. Einer solchen Verschwrung droht bei uns in der That gleich
groe Gefahr von Seiten der guten wie der schlechten Eigenschaften
der Verschwrer. Ein Englnder, der nicht ohne alles Gewissen und
Ehrgefhl ist, wird sich schwerlich in ein Complot zur Ermordung eines
nichtsahnenden Mitmenschen einlassen; und ein Schurke, der weder
Gewissen noch Ehrgefhl hat, wird sehr wahrscheinlich viel ber die
Gefahr, der er ausgesetzt ist, wenn er seinen Genossen treu bleibt,
und ber die Belohnung nachdenken, die er zu erwarten hat, wenn er sie
verrth. Allerdings giebt es auch Menschen, in denen der religise
oder politische Fanatismus jedes moralische Gefhl in einem gewissen
Punkte erstickt, im allgemeinen aber dieses Gefhl unversehrt gelassen
hat. Ein solcher Mensch war Digby. Er trug kein Bedenken, Knig, Lords
und Gemeinen in die Luft zu sprengen. Seinen Mitschuldigen aber war er
gewissenhaft und ritterlich treu, und selbst die Furcht vor der Folter
vermochte nicht ihm ein Wort auszupressen, das ihnen htte nachtheilig
werden knnen. Doch diese Vereinigung von Schlechtigkeit und Heroismus
ist hchst selten. Die groe Mehrzahl der Menschen ist nicht verderbt
genug oder nicht tugendhaft genug, um treue und aufopfernde Mitglieder
verrtherischer und blutiger Bndnisse zu sein, und wenn ein einziges
Mitglied entweder nicht die nthige Schlechtigkeit oder nicht die
nthige Tugend besitzt, so ist das ganze Bndni in Gefahr. Einen
Verein von vierzig Englndern zusammenzubringen, die smmtlich
gefhllose Kehlabschneider und dabei doch so rechtschaffen und
hochherzig sind, da weder die Hoffnung auf Reichthum noch die Furcht
vor dem Galgen Einen von ihnen verleiten knnte, gegen die Uebrigen
falsch zu sein, ist bisher unmglich gewesen und wird es hoffentlich
immer bleiben.

Es befanden sich unter Barclay's Anhngern Leute, die zu schlecht, und
Leute, die zu gut waren, als da man ihnen ein Geheimni wie das seinige
htte anvertrauen knnen. Der Erste, dem der Muth sank, war Fisher.
Schon ehe noch Zeit und Ort des Verbrechens festgesetzt waren, suchte er
um eine Audienz bei Portland nach und theilte diesem Lord mit, da ein
Anschlag auf das Leben des Knigs im Werke sei. Einige Tage darauf
brachte Fisher noch genauere Nachrichten. Doch sein Ruf war nicht von
der Art, da seine Aussagen besonderen Glauben verdient htten, und die
Schurkereien Fuller's, Young's, Whitney's und Taafe's hatten verstndige
Mnner etwas unglubig gegen Verschwrungsgeschichten gemacht. Portland
scheint daher, obgleich er in der Regel sehr leicht zu beunruhigen war,
wo es sich um das Wohl und Wehe seines Gebieters und Freundes handelte,
wenig Gewicht auf die Sache gelegt zu haben. Am Abend des 14.Februars
aber erhielt er einen Besuch von Jemandem, dessen Aussage er nicht
leicht nehmen konnte. Dies war ein katholischer Gentleman von
anerkanntem Muthe und ehrenhafter Gesinnung, Namens Pendergra. Er war
den Tag vorher aus Hampshire in die Stadt gekommen in Folge einer
dringenden Einladung von Porter, der bei aller seiner Sittenlosigkeit
und Characterlosigkeit Pendergra stets der liebevollste Freund, ja fast
ein Vater gewesen war. Bei einem jakobitischen Aufstande wrde
Pendergra wahrscheinlich einer der Ersten gewesen sein. Aber mit
Entsetzen vernahm er, da man von ihm die Betheiligung an einer
abscheulichen und schimpflichen That erwartete. Er sah sich in einer von
den Lagen, welche fr edle und gefhlvolle Naturen am qulendsten sind.
Was sollte er thun? Sollte er einen Mord begehen? Sollte er einen Mord
geschehen lassen, den er verhindern konnte? Doch sollte er einen Mann
verrathen, der, wie strafbar er auch sein mochte, ihn stets mit
Wohlthaten berhuft hatte? War es nicht vielleicht mglich, Wilhelm zu
retten, ohne Porter zu schaden? Pendergra beschlo, den Versuch zu
machen. Mylord, sagte er zu Portland, wenn Ihnen das Leben des Knigs
Wilhelm lieb ist, so lassen Sie ihn morgen nicht zur Jagd fahren. Er ist
der Feind meiner Religion; aber meine Religion gebietet mir, ihm diesen
Wink zu geben. Die Namen der Verbrecher bin ich jedoch entschlossen zu
verschweigen; einige von ihnen sind meine Freunde, einer insbesondere
ist mein Wohlthter, und ich mag sie nicht verrathen.

Portland begab sich sogleich zum Knige; dieser aber nahm die
Mittheilung sehr kalt auf und schien entschlossen, sich durch eine
solche mige Geschichte nicht das Vergngen eines guten Jagdtages
verderben zu lassen. Portland demonstrirte und bat vergebens. Endlich
sah er sich gezwungen, die Drohung auszusprechen, da er die ganze
Geschichte auf der Stelle ffentlich bekannt machen wrde, wenn Se.
Majestt nicht einwilligte, den folgenden Tag zu Hause zu bleiben; und
diese Drohung wirkte.[109]

Sonnabend der 15. erschien. Die Vierzig waren bereit zu Pferde zu
steigen, als sie von den Ordonnanzen, welche Kensington House bewachten,
die Meldung erhielten, da der Knig diesen Morgen nicht auf die Jagd zu
gehen gedenke. Der Fuchs, sagte Chambers mit rachschtiger Bitterkeit,
bleibt in seinem Baue. Dann ffnete er sein Hemd, zeigte die groe
Narbe auf seiner Brust und gelobte Wilhelm Rache.

Der erste Gedanke der Verschwrer war, da ihr Vorhaben entdeckt sei.
Aber sie wurden bald darber beruhigt. Es wurde ausgesprengt, das Wetter
habe den Knig zu Hause zurckgehalten, und der Tag war in der That kalt
und strmisch. Es zeigte sich keine ungewhnliche Bewegung im Palaste.
Es wurden keine auerordentlichen Vorsichtsmaregeln getroffen. Es
fanden keine Verhaftungen statt. Man hrte in den Kaffeehusern kein
ominses Geflster. Die Verzgerung war unangenehm, aber im Grunde war
der nchste Sonnabend, der 22., eben so gut.

Ehe jedoch der nchste Sonnabend herankam, war ein dritter Angeber, De
la Rue, im Palaste erschienen. Sein Lebenswandel verlieh ihm zwar keinen
groen Anspruch auf Achtung; aber seine Erzhlung stimmte mit den
Angaben Fisher's und Pendergra' so genau berein, da selbst Wilhelm an
eine wirkliche Gefahr zu glauben begann.

Sehr spt am Freitagabend, dem 21., wurde Pendergra, der bis
jetzt noch viel weniger enthllt hatte, als die beiden anderen
Angeber, dessen einfaches Wort aber mehr werth war als Beider Eide
zusammengenommen, ins knigliche Cabinet beschieden. Der treue Portland
und der tapfere Cutts waren die einzigen Zeugen der sonderbaren
Unterredung zwischen dem Knige und seinem hochherzigen Feinde.
Wilhelm drang mit einer Artigkeit und Lebhaftigkeit, die er selten
zeigte, aber niemals anwendete, ohne damit einen tiefen Eindruck zu
machen, in Pendergra, sich offen auszusprechen. Sie sind ein Mann
von wahrer Rechtschaffenheit und Ehre, und ich bin Ihnen zu groem
Danke verpflichtet; aber Sie mssen einsehen, da die nmlichen
Betrachtungen, die Sie bewogen haben, uns so viel zu sagen, Sie
bestimmen sollten, uns noch mehr zu sagen. Die warnenden Winke, die Sie
bis jetzt gegeben haben, sind nur geeignet, mich gegen Jeden, der in
meine Nhe kommt, mitrauisch zu machen. Sie sind hinreichend, mir das
Leben zu verbittern, nicht aber es mir zu erhalten. Sie mssen mir die
Namen dieser Leute nennen. Ueber eine halbe Stunde fuhr der Knig fort
zu bitten, Pendergra, sich zu weigern. Endlich sagte Pendergra, da
er die verlangten Aufschlsse geben wolle, wenn man ihm die Zusicherung
gebe, da sie nur zur Verhinderung des Verbrechens und nicht zum
Verderben der Verbrecher benutzt werden sollten. Ich gebe Ihnen mein
Ehrenwort, sagte Wilhelm, da Ihre Aussage gegen Niemanden ohne
Ihre freie Zustimmung benutzt werden wird. Es war lngst Mitternacht
vorber, als Pendergra die Namen der Hauptverschwrer aufschrieb.

Whrend dies in Kensington geschah, schwelgte ein groer Theil der
Mrder in einem jakobitischen Wirthshause in Maiden Lane. Hier empfingen
sie ihre letzten Befehle fr den folgenden Tag. Morgen oder nie, sagte
King. Morgen Kinder, rief Cassels mit einem Fluche, wollen wir reine
Wirthschaft machen. Der Morgen kam. Alles war bereit; die Pferde waren
gesattelt, die Pistolen geladen, die Degen geschliffen, die Ordonnanzen
auf ihrem Posten. Letztere schickten frhzeitig die Meldung aus dem
Palaste, da der Knig gewi auf die Jagd fahre; alle gewhnlichen
Anstalten seien getroffen, eine Abtheilung Garden sei ber Kingston
Bridge nach Richmond geschickt worden; die kniglichen Wagen, jeder mit
sechs Pferden bespannt, seien aus den Stllen von Charing Cro nach
Kensington abgegangen. Die Hauptmrder versammelten sich in der
heitersten Stimmung in Porter's Wohnung. Pendergra, der auf Befehl des
Knigs ebenfalls in ihrer Mitte erschien, wurde mit wildem Jubel
empfangen. Pendergra, sagte Porter, Sie sind zu einem der Acht
ernannt, die ihn hinber befrdern sollen. Ich habe ein Musketon fr
Sie, das acht Kugeln hlt. -- Mr. Pendergra, sagte King, bitte,
scheuen Sie sich nicht, die Glasscheiben zu zertrmmern. Von Porter's
Wohnung begab sich die Gesellschaft nach den Blue Posts in Spring
Gardens, wo sie einige Erfrischungen einzunehmen gedachte, bevor sie
nach Turnham Green aufbrach. Sie saen bei Tische, als von einer der
Ordonnanzen die Meldung kam, da der Knig sich anders besonnen habe und
nicht auf die Jagd fahren werde; und kaum hatten sie sich von ihrem
Erstaunen ber diese unheilverkndende Botschaft erholt, als Keyes, der
ausgegangen war, um unter seinen ehemaligen Kameraden zu recognosciren,
mit noch unheilverkndenderen Nachrichten ankam, Die Wagen sind nach
Charing Cro zurckgekehrt. Die nach Richmond vorausgeschickten Garden
sind so eben im gestreckten Galopp, die Flanken ihrer Pferde mit Schaum
bedeckt, wieder in Kensington angelangt. Ich habe mit einem der Blauen
einige Worte gesprochen, und er sagte mir, da ganz wunderliche Dinge
gemunkelt wrden. Die Gesichter der Mrder verlngerten sich und das
Herz sank ihnen in der Brust. Porter machte einen schwachen Versuch,
seine Unruhe zu verbergen. Er nahm eine Orange und zerdrckte sie. Was
heute nicht geschehen kann, kann ein andermal geschehen. Kommen Sie,
meine Herren, lassen Sie uns, bevor wir auseinandergehen, noch ein Glas
auf das Zerquetschen der faulen Orange trinken. Man trank auf das
Zerquetschen der faulen Orange und die Gesellschaft zerstreute
sich.[110]

Noch wenige Stunden und smmtliche Verschwrer gaben jede Hoffnung auf.
Einige von ihnen schpften Trost aus dem Gercht, da der Knig Arzenei
eingenommen habe und da dies der einzige Grund gewesen, warum er nicht
nach Richmond gefahren sei. Wenn dies wahr sei, knne der Schlag noch
immer gefhrt werden. Zwei Sonnabende seien ungnstig gewesen; aber der
Sonntag stehe bevor, und man knne einen der frher besprochenen und
aufgegebenen Plne wieder in Erwgung ziehen. Man knne den Usurpator am
Rande von Hydepark auf seinem Wege in die Kapelle berfallen. Charnock
war zu jedem, auch noch so verzweifelten Unternehmen bereit. Wenn die
Jagd einmal begonnen habe, meinte er, sei es besser, bis zum letzten
Athemzuge um sich beiend und kratzend zu sterben, als sich ohne
Widerstand oder Rache zu Tode hetzen zu lassen. Er berief einige seiner
Complicen in eines der zahlreichen Huser, in denen er eine Wohnung
hatte, und setzte ihnen mit Toasten auf den Knig, die Knigin, den
Prinzen und den groen Monarchen, wie sie LudwigXIV. nannten, hart
zu. Aber die Angst und Muthlosigkeit der Bande waren strker, als die
Macht des Weines, und es hatten sich so Viele heimlich fortgeschlichen,
da die Zurckgebliebenen wenig ausrichten konnten. Im Laufe des
Nachmittags erfuhr man, da die Palastwachen verstrkt worden seien, und
bald nach Einbruch der Dunkelheit eilten Boten des Staatssekretrs mit
Fackeln, begleitet von Musketierpikets, durch die Straen. Vor Anbruch
des Sonntagmorgens war Charnock in Sicherheit gebracht. Ein wenig spter
wurden Rookwood und Bernardi in einem jakobitischen Alehause auf Tower
Hill im Bett gefunden. Im Laufe des Vormittags wurden noch siebzehn
weitere Verrther ergriffen und auch drei Mann von den Blauen in Arrest
geschickt. Es wurde noch diesen Morgen eine Staatsrathssitzung gehalten,
und sobald sie aufgehoben war, ging ein Expresser nach Flandern ab, um
einige Regimenter von dort zurckzuberufen; Dorset reiste nach Sussex
ab, dessen Lordlieutenant er war; Romney, der Aufseher der Fnfhfen,
begab sich an die Kste von Kent, und Russell eilte die Themse hinunter,
um das Commando der Flotte zu bernehmen. Am Abend hielt der Staatsrath
wieder Sitzung. Einige der Gefangenen wurden verhrt und ins Gefngni
geschickt. Der anwesende Lordmayor wurde von der gemachten Entdeckung in
Kenntni gesetzt und speciell beauftragt, fr die Ruhe der Hauptstadt zu
sorgen.[111]

Am Montagmorgen waren alle Milizen der City unter den Waffen. Der Knig
begab sich mit feierlichem Geprnge ins Haus der Lords, lie die
Gemeinen entbieten und sagte dem Parlamente vom Throne herab, da er
ohne den Schutz einer allgtigen Vorsehung in diesem Augenblicke eine
Leiche und eine franzsische Armee unterwegs sein wrde, um in das
Knigreich einzufallen. Die Gefahr einer Invasion, setzte er hinzu, sei
noch immer gro, aber er habe bereits diejenigen Anordnungen getroffen,
die, wie er hoffe, zum Schutze des Landes hinreichen wrden. Einige
Verrther seien eingezogen, gegen andere seien Verhaftsbefehle erlassen;
er werde in dieser Krisis seine Schuldigkeit thun und hege das feste
Vertrauen zu den Husern, da sie auch die ihrige thun wrden.[112]


[_Parlamentarische Schritte bezglich des Mordanschlags._] Die beiden
Huser votirten sofort eine gemeinschaftliche Adresse, in der sie
dankbar die gttliche Gte anerkannten, die ihn seinem Volke erhalten,
und ihn beschworen, mehr als gewhnlich Acht auf seine Person zu haben.
Sie schlossen mit der dringenden Mahnung, alle Diejenigen, die er fr
gefhrlich halte, festnehmen und in Sicherheit bringen zu lassen. An dem
nmlichen Tage wurden zwei wichtige Bills bei den Gemeinen eingebracht.
Durch die eine wurde die Habeascorpusacte suspendirt. Die andre
bestimmte, da das Parlament durch Wilhelm's Tod nicht aufgelst werden
solle. Sir Rowland Gwyn, ein achtbarer Landgentleman, stellte einen
Antrag, dessen wichtige Folgen er gewi nicht im entferntesten ahnete.
Er schlug vor, da die Mitglieder einen Verein zur Vertheidigung ihres
Souverains und ihres Vaterlandes bilden sollten. Montague, der die
besondere Gabe besa, einen Wink rasch aufzufassen und zu benutzen,
erkannte sogleich, wie sehr ein solcher Verein die Regierung und die
Whigpartei krftigen mute.[113] Es wurde unverzglich ein Dokument
aufgesetzt, durch das die Vertreter des Volks, jeder fr seine Person,
feierlich Wilhelm als rechtmigen und gesetzlichen Knig anerkannten
und sich verpflichteten, ihm und einander unter sich gegen Jakob und
dessen Anhnger beizustehen. Schlielich gelobten sie, da, wenn Sr.
Majestt Leben gewaltsam abgekrzt werden sollte, sie ihn exemplarisch
an seinen Mrdern rchen und einmthig die durch die Rechtsbill
festgestellte Thronfolge energisch aufrechterhalten wrden. Es wurde
angeordnet, da die Mitglieder des Hauses am nchsten Morgen namentlich
aufgerufen werden sollten.[114] Sie fanden sich in Folge dessen sehr
zahlreich ein, die Associationsurkunde lag in einer Reinschrift auf
Pergament auf dem Tische und die Mitglieder unterzeichneten dieselbe
nach der Reihenfolge der Grafschaften.[115]


[_Stand der ffentlichen Stimmung._] Die Rede des Knigs, die
gemeinsame Adresse der beiden Huser, der von den Gemeinen gebildete
Verein und eine Proklamation, die eine Liste der Verschwrer enthielt
und eine Belohnung von tausend Pfund auf die Ergreifung eines jeden
derselben aussetzte, wurden bald in allen Straen der Hauptstadt
zum Verkauf ausgeboten und durch alle Posten ber das ganze Land
verbreitet. Ueberall wohin die Nachricht kam, gerieth das Volk in
Bewegung. Die beiden verhaten Worte Meuchelmord und Invasion wirkten
wie ein Zauberspruch. Es bedurfte keines Pregangs. Die Matrosen
kamen zu Tausenden aus ihren Verstecken hervor, um die Flotte zu
bemannen. Nur drei Tage nach der Berufung des Knigs an die Nation
verlie Russell mit einem starken Geschwader die Themse. Ein andres
lag bei Spithead schlagfertig. Die Milizen aller Kstengrafschaften,
vom Wash bis Land's Ende standen unter den Waffen. Leute, welche
bloer politischer Vergehen wegen angeklagt waren, fanden in der Regel
viel Theilnahme. Aber auf Barclay's Mordgenossen machte die ganze
Bevlkerung wie auf Wlfe Jagd. Der Abscheu, den die Englnder seit
vielen Generationen gegen Haussuchungen und alle diejenigen Hindernisse
empfinden, welche die Polizei der festlndischen Staaten den Reisenden
in den Weg legt, ruhte fr einige Zeit. Die Thore der City von London
wurden mehrere Stunden verschlossen gehalten, whrend drinnen genaue
Durchsuchungen stattfanden. Die Behrden fast aller umwallten Stdte
des Knigreichs folgten dem Beispiele der Hauptstadt. Auf jeder
Landstrae waren Militrpikets postirt, mit dem Befehl, Reisende
von verdchtigem Aussehen anzuhalten. Einige Tage lang war es fast
unmglich, ohne Pa zu reisen oder ohne besondere Autorisation eines
Friedensrichters Postpferde zu erhalten. Und keine einzige Stimme erhob
sich gegen diese Vorsichtsmaregeln. Das gemeine Volk entwickelte sogar
einen wo mglich noch greren Eifer als die ffentlichen Beamten,
um die Verrther in die Hnde der Justiz zu bringen. Dieser Eifer
mag vielleicht zum Theil der groen Belohnung zugeschrieben werden,
welche die knigliche Proklamation versprach. Der Ha, den jeder gute
Protestant gegen die papistischen Mrder empfand, wurde nicht wenig
verstrkt durch die Lieder, in denen die Straenpoeten den glcklichen
Miethkutscher besangen, der einen Hochverrther abgefat, seine tausend
Pfund in Empfang genommen und sich als Gentleman zur Ruhe gesetzt
hatte.[116] Der Eifer des Volks konnte an einigen Orten nur mit Mhe
in den gesetzlichen Schranken gehalten werden. Auf Parkyns' Landsitze
in Warwickshire wurden Waffen und Armaturstcke zur Equipirung einer
ganzen Reiterschwadron gefunden. Sobald dies bekannt wurde, rottete
sich ein wthender Pbelhaufen zusammen, demolirte das Haus und
verwstete die Gartenanlagen vollstndig.[117] Parkyns selbst wurde
bis in eine Dachkammer im Temple verfolgt. Porter und Keyes, welche
nach Surrey geflchtet waren, wurden mit Steckbriefen verfolgt, bei
Leatherhead durch das Landvolk angehalten, nach schwachem Widerstande
festgenommen und ins Gefngni geworfen. Friend wurde im Hause eines
Qukers versteckt gefunden. Knightley wurde in der Verkleidung einer
eleganten Dame ergriffen und trotz Schnpflsterchen und Schminke
erkannt. In wenigen Tagen waren alle Hauptverschwrer in sicherem
Gewahrsam, mit Ausnahme Barclay's, dem es gelang, nach Frankreich zu
entkommen.

Zu gleicher Zeit wurden einige notorische Mivergngte eingezogen
und eine Zeit lang auf Verdachtgrnde hin in Haft gehalten. So
wurde der greise Roger Lestrange, der jetzt in seinem achtzigsten
Lebensjahre stand, ergriffen. Ferguson wurde in Gray's Inn Lane
unter einem Bett versteckt gefunden und zur allgemeinen Freude in
Newgate eingesperrt.[118] Inzwischen wurde eine Specialcommission zur
Prozessierung der Hochverrther eingesetzt. An Zeugen fehlte es nicht,
denn von den ergriffenen Verschwrern waren zehn oder zwlf bereit,
ihre Kpfe dadurch zu retten, da sie als Belastungszeugen gegen ihre
Genossen auftraten. Niemand war strafbarer und Niemand hatte eine
verchtlichere Furcht vor dem Tode als Porter. Die Regierung willigte
ein, sein Leben zu schonen und erlangte dadurch nicht nur sein Zeugni,
sondern auch das viel achtbarere Zeugni Pendergra'. Pendergra war
nicht in Gefahr, er hatte nichts begangen, sein Ruf war unbescholten
und seine Aussagen muten daher bei einer Jury viel greres Gewicht
haben als die Aussagen einer Menge von Angebern, welche nur schwuren,
um ihre Hlse zu retten. Aber er hatte das Ehrenwort des Knigs, da er
nicht ohne seine freie Zustimmung als Anklger benutzt werden sollte,
und er war fest entschlossen, nur dann als solcher aufzutreten, wenn
ihm die Zusicherung gegeben wurde, da Porter nichts geschehen sollte.
Diese Zusicherung war jetzt gegeben und Pendergra nahm nun keinen
Anstand mehr, die ganze Wahrheit zu erzhlen.


[_Proze Charnock's, King's und Keyes'._] Charnock, King und Keyes
wurden zuerst prozessirt. Die Oberrichter der drei Civilgerichtshfe und
mehrere andere Richter waren auf der Bank, und unter den Zuhrern
bemerkte man viele Mitglieder beider Parlamentshuser.

Es war der 11.Mrz. Die neue Acte, welche das Verfahren in
Hochverrathsfllen regulirte, sollte erst am 25. in Kraft treten. Die
Angeklagten verlangten, da, da die Legislatur durch Erlassung dieser
Acte den Anspruch eines des Hochverraths Beschuldigten auf Einsicht
seiner Anklage als begrndet anerkannt und ihm den Beistand eines
Advokaten zugestanden habe, das Tribunal ihnen entweder das was die
hchste Autoritt fr eine gerechte Vergnstigung anerkannt, bewilligen
oder die Untersuchung vierzehn Tage aufschieben msse. Die Richter aber
wollten in keinen Aufschub willigen. Sie sind deshalb von spteren
Schriftstellern beschuldigt worden, den todten Buchstaben des Gesetzes
angewendet zu haben, um Menschen ins Verderben zu strzen, die, wenn das
Gesetz nach seinem wahren Geiste ausgelegt worden wre, einige Aussicht
gehabt htten davonzukommen. Diese Beschuldigung ist ungerecht. Die
Richter brachten unzweifelhaft die wirkliche Intention des Gesetzes zur
Anwendung, und wenn eine Ungerechtigkeit begangen wurde, so ist die
Legislatur und nicht die Richter dafr verantwortlich zu machen. Die
Worte 25.Mrz haben sich nicht aus Versehen in die Acte
eingeschlichen. Alle Parteien im Parlamente waren ber das Prinzip der
neuen Verordnungen lngst einverstanden. Der einzige noch strittige
Punkt war die Zeit, zu welcher diese Verordnungen in Kraft treten
sollten. Nach langen Debatten, die sich durch mehrere Sessionen zogen,
nach wiederholten Abstimmungen mit verschiedenen Resultaten, war ein
Vergleich getroffen worden, und es stand den Gerichtshfen sicherlich
nicht zu, die Bestimmungen dieses Vergleichs abzundern. Man kann sogar
zuversichtlich behaupten, da die Huser, wenn sie das Mordcomplott
vorausgesehen htten, nicht einen frheren, sondern einen spteren Tag
fr den Anfang des neuen Systems bestimmt haben wrden. Unbestreitbar
verdiente das Parlament und insbesondere die Whigpartei ernsten Tadel.
Denn wenn die alten Procedurregeln der Krone keinen unbilligen Vortheil
gewhrten, so war kein Grund vorhanden, sie abzundern, und wenn sie,
wie allgemein angenommen wurde, der Krone einen unbilligen Vortheil
gewhrten, und dies gegen einen auf Leben und Tod Angeklagten, so
durften sie dieselben nicht einen einzigen Tag lnger fortbestehen
lassen. Den Gerichten aber kann man keinen Vorwurf daraus machen, da
sie nicht in directem Widerspruch mit dem Buchstaben wie mit dem Geiste
des Gesetzes handelten.

Die Regierung htte allerdings die Untersuchungen so lange aufschieben
knnen, bis die neue Acte in Kraft trat, und es wrde eben so weise als
gerecht gewesen sein, wenn sie dies gethan htte, denn die Angeklagten
wrden dadurch nichts gewonnen haben. Der gegen sie vorliegende Fall war
einer von Denen, auf welche der Scharfsinn der Juristenfacultten keinen
Eindruck machen konnte. Porter, Pendergra, De la Rue und Andere gaben
Aussagen ab, die keine Entgegnung zulieen. Charnock sagte das Wenige
was er zu sagen hatte, mit Gewandtheit und Geistesgegenwart. Die Jury
fand alle Angeklagten schuldig. Es gereicht der damaligen Zeit eben
nicht zu groer Ehre, da die Verkndigung des Verdicts von der
Volksmenge, welche das Gerichtshaus umgab, mit lauten Hurrahs begrt
wurde. Diese Hurrahs wiederholten sich, als die drei Unglcklichen,
nachdem sie ihr Urtheil angehrt, in Begleitung einer Wache fortgefhrt
wurden.[119]

Charnock hatte bisher kein Zeichen von Schwche blicken lassen; als er
aber wieder in seiner Zelle war, verlie ihn seine Standhaftigkeit und
er bat flehentlich um Gnade. Er wolle zufrieden sein, sagte er, wenn er
den Rest seiner Tage in leichter Haft zubringen drfe. Nur um sein Leben
bitte er. Dafr werde er dann auch von den Anschlgen der Jakobiten
gegen die Regierung Alles entdecken was er wisse. Wenn es sich
herausstellen sollte, da er Winkelzge mache oder etwas verschweige, so
sei er bereit, sich der uersten Strenge des Gesetzes zu
unterwerfen. Dieses Anerbieten rief groe Aufregung und einige
Meinungsverschiedenheit unter Wilhelm's Rthen hervor. Der Knig aber
entschied, wie in solchen Fllen fast immer, mit Weisheit und Gromuth.
Er sah, da die Entdeckung des Mordcomplots die ganze Lage der Dinge
verndert hatte. Sein vor kurzem schwankender Thron stand jetzt auf
einer unerschtterlich festen Basis. Seine Popularitt war mit
ungestmer Schnelligkeit eben so hoch gestiegen, als zur Zeit seines
Marsches von Torbay nach London. Viele, die mit seiner Verwaltung
unzufrieden gewesen waren und in ihrem Unmuth mit Saint-Germains Verkehr
gepflogen hatten, machten die betrbende Erfahrung, da sie
gewissermaen mit Mrdern verbndet gewesen waren. Er wollte diese Leute
nicht zur Verzweiflung treiben, er wollte sie nicht einmal beschmen.
Sie sollten nicht nur ungestraft bleiben, es sollte ihnen auch die
Demthigung einer Begnadigung erspart werden. Er wollte gar nicht
wissen, da sie gesndigt hatten. Charnock wurde jedoch seinem
Schicksale berlassen.[120] Nachdem er die Ueberzeugung gewonnen, da er
keine Aussicht hatte, als Ueberlufer aufgenommen zu werden, affectirte
er den wrdevollen Stolz eines Mrtyrers und fhrte seine Rolle bis zu
Ende durch. Um mit mglichstem Anstande aus der Welt zu gehen, bestellte
er sich einen schnen neuen Rock fr seine Hinrichtung und lie an
seinem Todestage seine Perrcke mit besonderer Sorgfalt pudern und
frisiren.[121] Unmittelbar vor seiner Aufknpfung hndigte er den
Sheriffs ein Schriftstck ein, worin er gestand, da er gegen das Leben
des Prinzen von Oranien conspirirt, aber feierlich leugnete, da Jakob
den Mordplan irgendwie autorisirt habe. Diese Behauptung war allerdings
buchstblich richtig; aber Charnock leugnete nicht und htte auch
sicherlich nicht leugnen knnen, da er eine von Jakob geschriebene und
unterzeichnete Vollmacht gesehen, welche Worte enthielt, die, ohne der
Wahrheit im Geringsten Gewalt anzuthun, als eine Autorisirung des
mrderischen Ueberfalls von Turnham Green ausgelegt werden konnten und
von Allen, denen sie zu Gesicht kamen, auch wirklich so ausgelegt
wurden.

In einem andren Schriftstcke, das noch existirt, aber nie gedruckt
worden ist, fhrt Charnock in der That eine ganz andre Sprache. Er sagt
darin offen, da er aus Grnden, welche zu nahe lgen, als da sie
besonderer Erwhnung bedrften, in dem Papiere, das er den Sheriffs
bergeben, nicht die ganze Wahrheit habe sagen knnen. Er gab zu, da
das Complot, in das er verwickelt gewesen sei, selbst vielen loyalen
Unterthanen als hchst strafbar erschiene. Sie nannten ihn einen
Meuchelmrder und Todtschlger. Doch was habe er Schlimmeres gethan als
Mucius Scvola? Ja, was habe er Schlimmeres gethan als Jeder gethan
habe, der gegen den Prinzen von Oranien die Waffen getragen? Wenn
pltzlich eine Armee von zwanzigtausend Mann in England gelandet wre
und den Usurpator berfallen htte, so wrde man dies rechtmigen Krieg
genannt haben. Hnge der Unterschied zwischen Krieg und Mord lediglich
von der Anzahl der dabei betheiligten Personen ab? Welches sei dann die
geringste Anzahl, die einen Feind rechtmigerweise berfallen drfe?
Seien es fnftausend, tausend oder hundert Personen? Jonathan und sein
Waffentrger seien ihrer nur Zwei gewesen, und doch htten sie ein
groes Blutbad unter den Philistern angerichtet. Sei das Mord gewesen?
Nicht der Act an sich, sagte Charnock, knne das Tdten zum Meuchelmord
machen, sondern nur die Ursache, aus der es geschieht. Daraus folge, da
es kein Mord sein knne, Jemanden zu tdten -- und hier lie der dem
Tode Geweihte seinem ganzen Hasse freien Lauf -- der allen loyalen
Unterthanen einen Vernichtungskrieg erklrt, der Jeden, der fr das
Recht aufgestanden sei, gehngt, geschleift und geviertheilt, der
England ausgesogen habe, um die Hollnder zu bereichern. Charnock gab
zu, da sein Unternehmen nicht zu rechtfertigen gewesen wre, wenn Jakob
es nicht autorisirt gehabt htte; aber er behauptete, da Jakob es
autorisirt habe, wenn auch nicht ausdrcklich, so doch stillschweigend.
Se. Majestt habe zwar frher hnliche Attentate verboten, aber er habe
sie nicht als an sich strafbar, sondern nur als unter diesen oder jenen
Umstnden unzweckmig verboten. Die Umstnde htten sich gendert, und
man habe daher das Verbot mit gutem Grunde als aufgehoben betrachten
drfen. Sr. Majestt getreue Unterthanen htten sich dann nur an die
Worte seiner Vollmacht zu halten gehabt, und diese Worte autorisirten
unbestreitbar zu einem Angriffe auf die Person des Usurpators.[122]


[_Hinrichtung Charnock's, King's und Keyes'._] King und Keyes erlitten
zugleich mit Charnock den Tod. King benahm sich mit Muth und Anstand. Er
bekannte sein Verbrechen und sagte, da er es bereue. Er hielt es fr
eine Pflicht gegen die Kirche, deren Mitglied er war und auf die sein
Benehmen einen Vorwurf gebracht, zu erklren, da er nicht durch eine
Casuistik ber Tyrannenmord, sondern lediglich durch die Heftigkeit
seiner eigenen bsen Leidenschaften irregeleitet worden sei. Der arme
Keyes war in einer frchterlichen Todesangst. Seine Thrnen und
Wehklagen machten das Mitleid einiger Zuschauer rege. Es wurde damals
gesagt und ist seitdem oft wiederholt worden, da ein Diener, der durch
seinen Herrn zu einem Verbrechen verleitet wird, gegrndeten Anspruch
auf die knigliche Gnade habe. Aber Diejenigen, welche die Strenge
tadeln, die gegen Keyes gebt wurde, haben den wichtigen Umstand auer
Acht gelassen, der ihn von jedem andren Verschwrer unterschied. Er
hatte dem Corps der Blauen angehrt und hatte bis zum letzten
Augenblicke in Verkehr mit seinen ehemaligen Kameraden gestanden. Noch
an dem fr den Mord festgesetzten Tage hatte er sich unter sie gemischt,
um etwas von ihnen zu erfahren. Das Regiment war so stark von
Illoyalitt angesteckt, da man es fr nthig erachtet hatte, einige
Leute zu verhaften und eine bedeutend grere Anzahl zu entlassen.
Gewi, wenn an irgend Jemandem ein Exempel statuirt werden mute, so war
es der Agent, durch dessen Vermittelung die Leute, die den Knig
erschieen wollten, mit den Leuten verkehrten, welche die Obliegenheit
hatten, ihn zu bewachen.


[_Proze Friend's._] Friend wurde zunchst in Untersuchung gezogen. Sein
Verbrechen war nicht so schwarzer Natur wie das der drei Verschwrer,
welche so eben den Tod erlitten hatten. Er hatte zwar auswrtige Feinde
aufgefordert, in das Land einzufallen, und hatte Anstalten getroffen,
sich ihnen anzuschlieen; aber wenn er auch um den Mordplan gewut
hatte, war er doch kein Theilnehmer an demselben gewesen. Doch sein
groes Vermgen und der Gebrauch, den er, wie man sehr wohl wute, davon
gemacht hatte, bezeichneten ihn als ein passendes Strafobject. Er bat,
wie Charnock, um einen Vertheidiger, aber eben so vergebens wie dieser.
Die Richter konnten den Gang des Gesetzes nicht hemmen, und der
Generalfiskal wollte den Proze nicht aufschieben. Die Verhandlungen
jenes Tages sprechen stark zu Gunsten der Acte, von deren Wohlthat
Friend ausgeschlossen war. Man kann sie, selbst nach so langer Zeit,
nicht lesen, ohne Mitleid mit einem beschrnkten und verbildeten, durch
die Todesgefahr entmuthigten, einem kaltbltigen, klugen und erfahrenen
Antagonisten gegenberstehenden Manne zu empfinden. Charnock hatte sich
und Die, welche mit ihm prozessirt wurden, so gut vertheidigt, wie
irgend ein Advokat von Profession es vermocht htte. Der arme Friend
aber war hlflos wie ein Kind. Er wute wenig mehr zu sagen, als da er
ein Protestant, und seine Anklger Papisten seien, die von ihren
Priestern Dispensationen zum Meineid hatten und die es fr ein
verdienstvolles Werk hielten, Ketzer ums Leben zu schwren. Er war so
vllig unwissend in den Gesetzen und der Geschichte des Landes, da er
glaubte, das unter der Regierung EduardsIII., zu einer Zeit, wo es
nur eine Religion im westlichen Europa gab, erlassene Hochverrathsgesetz
enthalte eine Bestimmung des Inhalts, da kein Papist vor Gericht zeugen
drfe, so da der Sekretr des Gerichtshofes sich genthigt sah, die
ganze Acte von Anfang bis zu Ende vorzulesen. Es war unmglich, da ein
Vernnftiger an seiner Schuld zweifeln konnte. Er wurde fr schuldig
befunden, was sicherlich auch geschehen sein wrde, wenn ihm die
Vorrechte, die er beansprucht hatte, bewilligt worden wren.


[_Parkyns' Proze._] Nach Friend kam Parkyns an die Reihe. Er war bei
dem schlimmsten Theile des Complots tief betheiligt gewesen, und war in
einer Beziehung weniger zu entschuldigen als irgend einer seiner
Complicen, denn sie alle waren Eidverweigerer, er aber hatte der
bestehenden Regierung Treue geschworen. Auch er verlangte, da er nach
den Bestimmungen der neuen Acte prozessirt werde. Aber die Staatsanwlte
bestanden auf ihrem uersten Rechte und sein Gesuch wurde abgeschlagen.
Da er ein Mann von bedeutenden Talenten war und die Rechtswissenschaft
studirt hatte, so machte er wahrscheinlich Alles zu seinen Gunsten
geltend, was ein Advokat htte geltend machen knnen, und dies Alles war
sehr wenig. Er wurde fr schuldig befunden und sechs Stunden vor dem
Augenblicke wo das Gesetz, dessen Wohlthat er umsonst beansprucht hatte,
in Kraft treten sollte, zum Tode verurtheilt.[123]

Die Hinrichtung der beiden Ritter wurde von der Bevlkerung London's
begierig erwartet. Die Generalstaaten wurden von ihrem Correspondenten
benachrichtigt, da das Hngen eines Menschen von allen Schauspielen
dasjenige sei, an welchem die Englnder das meiste Vergngen fnden, und
da von allen Hngescenen, die seit Menschengedenken stattgefunden, die
Hinrichtung Friend's und Parkyns' das meiste Interesse erregte. Das
gemeine Volk war durch Gerchte ber die unerhrt schlechte Qualitt des
von ihm gebrauten Biers gegen ihn aufgereizt worden. Man hatte sogar
ausgesprengt, da er in seinem Eifer fr die jakobitische Sache alles
der Flotte gelieferte Bier vergiftet habe. In Folge dessen strmte eine
unabsehbare Menschenmasse nach Tyburn. Es waren Gerste erbaut worden,
die ein ungeheures Amphitheater rund um den Galgen bildeten. Auf diesen
Gersten standen die wohlhabenderen Zuschauer in dichtgedrngten Reihen,
und die Erwartung war aufs Hchste gespannt, als die Meldung kam, da
das Schauspiel aufgeschoben sei. Die Menge entfernte sich in sehr bler
Laune und nicht ohne zahlreiche Kmpfe zwischen Denen, die ihre Pltze
bezahlt hatten, und Denen, die sich weigerten, das Geld
zurckzugeben.[124]

Die Ursache dieser unangenehmen Enttuschung war ein von den Gemeinen
pltzlich gefater Beschlu. Ein Mitglied hatte vorgeschlagen, da ein
Ausschu in den Tower geschickt werden sollte, mit der Ermchtigung, die
Gefangenen zu verhren und ihnen Hoffnung zu machen, da sie durch ein
vollstndiges und unumwundenes Gestndni die Frsprache des Hauses
erlangen knnten. Aus den drftigen Mittheilungen, die auf uns gekommen
sind, geht hervor, da die Debatte hchst interessant gewesen sein mu.
Die Parteien schienen die Rollen gewechselt zu haben. Man htte erwarten
sollen, da die Whigs unerbittlich streng sein wrden und da, wenn sich
einige Theilnahme fr die Unglcklichen kund gbe, diese Theilnahme auf
Seiten der Tories htte sein mssen. Aber viele von den Whigs hofften,
da sie durch Schonung zweier Verbrecher, welche unschdlich gemacht
waren, zahlreiche Verbrecher vornehmen Standes und hoher amtlicher
Stellung wrden entdecken und vernichten knnen. Auf der andren Seite
sah Jeder, der einmal in directem oder indirectem Verkehr mit
Saint-Germains gestanden oder der sich fr eine Person, die
mglicherweise in einem solchen Verkehr gestanden haben knnte,
interessirte, mit ngstlicher Besorgni den Enthllungen entgegen,
welche die Furcht vor dem Tode den Gefangenen auspressen konnte. Seymour
widersetzte sich einfach deshalb, weil er im Hochverrath weiter als
irgend ein andres Mitglied des Hauses gegangen war, heftiger als irgend
ein andres Mitglied des Hauses jeder Nachsicht gegen seine Mitverrther.
Wollten die Gemeinen sich die geheiligtste Prrogative der Krone
anmaen? Seiner Majestt und nicht ihnen stehe es zu, zu beurtheilen, ob
ein gesetzlich verwirktes Leben ohne Gefahr geschont werden knnte. Doch
die Whigs setzten ihr Vorhaben durch. Ein aus allen im Hause anwesenden
Staatsrthen bestehender Ausschu brach unverzglich nach Newgate auf.
Friend und Parkyns wurden verhrt, aber ohne Erfolg. Nachdem ihnen das
Urtheil gesprochen war, hatten sie anfangs einige Symptome von Schwche
gezeigt; aber ihr Muth war durch die Ermahnungen eidverweigernder
Geistlicher gehoben worden, welche Zutritt in das Gefngni erlangt
hatten. Man erzhlte sich, da Parkyns ohne die Bitten seiner Tochter,
die ihn beschworen habe, wie ein Mann fr die gute Sache zu sterben,
nachgegeben haben wrde. Die Verurtheilten gestanden ein, da sie die
Handlungen, deren sie fr schuldig befunden worden, begangen htten,
weigerten sich aber mit einer Standhaftigkeit, die um so achtungswerther
ist, als sie nicht aus natrlichem Trotze, sondern aus ehrenhafter
Gesinnung und Religiositt entsprungen zu sein schien, etwas zu sagen,
was Andere compromittiren konnte.[125]


[_Hinrichtung Friend's und Parkyns'._] Nach wenigen Stunden versammelte
sich das Volk wieder auf Tyburn, und diesmal wurden die Schaulustigen
nicht um ihr Vergngen gebracht. Sie genossen sogar einen Anblick, den
sie nicht erwartet hatten und der grere Sensation erregte als die
Hinrichtung selbst. Jeremias Collier und zwei andere minder berhmte
eidverweigernde Geistliche, Namens Cook und Snatt, hatten die Gefangenen
in Newgate besucht und waren mit in dem Richtkarren am Fue des Galgens.
Als die Gebete vorber waren, kurz ehe der Henker sein Amt zu verrichten
begann, erhoben sich die drei schismatischen Priester und legten ihre
Hnde auf die Kpfe der beiden Verurtheilten, welche noch auf den Knien
lagen. Collier sagte eine aus dem Dienste fr Krankenbesuche entlehnte
Absolutionsformel her und seine Amtsbrder sprachen Amen!

Diese Ceremonie rief ein lautes Geschrei hervor, das noch lauter wurde,
als einige Stunden nach der Execution die Schriftstcke verffentlicht
wurden, welche die beiden Hochverrther den Sheriffs bergeben hatten.
Man hatte erwartet, da wenigstens Parkyns einige Reue ber das
Verbrechen, das ihn an den Galgen gebracht, an den Tag legen werde.
Hatte er doch vor dem Ausschusse der Gemeinen selbst eingestanden, da
das Mordcomplot nicht zu rechtfertigen sei. In seiner letzten Erklrung
aber bekannte er seine Theilnahme an diesem Complot nicht nur ohne ein
Wort, das Reue verrathen htte, sondern sogar mit einer Art von
Frohlocken. War das ein Mann, den christliche Priester absolviren
durften, dies vor den Augen vieler Tausende und mit einer Feierlichkeit,
die offenbar darauf berechnet war, die ffentliche Aufmerksamkeit zu
erregen und von der weder im allgemeinen Gebetbuche noch in den
Gebruchen der englischen Kirche eine Spur zu finden war!

In Journalen, Broschren und Flugblttern wurde die Frechheit der drei
Leviten, wie man sie nannte, scharf getadelt. Es wurden bald
Verhaftsbefehle gegen sie erlassen. Cook und Snatt wurden ergriffen und
ins Gefngni geworfen; Collier aber gelang es sich zu verbergen, und er
lie mit Hlfe einer der Pressen, welche im Dienste seiner Partei
standen, aus seinem Versteck eine Rechtfertigung seines Verfahrens vom
Stapel. Er erklrte, da er den Mord eben so verabscheue, wie irgend
einer von Denen, die ihn schmhten, und sein allgemeiner Character
berechtigt uns zu dem Glauben, da diese Erklrung vollkommen aufrichtig
war. Aber die bereilte Handlung, zu der er sich durch den Parteigeist
hatte hinreien lassen, lieferte seinen Gegnern sehr plausible Grnde,
an seiner Aufrichtigkeit zu zweifeln. Es erschienen eine Menge Antworten
auf seine Vertheidigung. Von hervorragender Bedeutung war darunter ein
feierliches Manifest, unterzeichnet von den beiden Erzbischfen und
smmtlichen damals in London anwesenden Bischfen, zwlf an der Zahl.
Selbst Crew von Durham und Sprat von Rochester setzten ihre Namen unter
dieses Dokument. Sie verurtheilten das Verfahren der drei
eidverweigernden Geistlichen als der Form nach regelwidrig und dem Wesen
nach gottlos. Die Snden unbufertiger Snder zu vergeben, sei ein
entweihender Mibrauch der Gewalt, welche Christus seinen Dienern
bertragen habe. Es werde nicht geleugnet, da Parkyns einen Mord
beabsichtigt habe. Es werde nicht behauptet, da er Reue darber an den
Tag gelegt. Daraus ergebe sich die ganz natrliche Folgerung, da die
Geistlichen, die ihn absolvirt hatten, es nicht fr eine Snde hielten,
Knig Wilhelm zu ermorden. Collier replicirte; aber obgleich ein
schlagfertiger Polemiker, scheute er doch bei dieser Gelegenheit einen
nachdrcklichen Kampf und zog sich so gut er konnte unter einer Wolke
von Citaten aus Tertullian, Cyprian und Hieronymus, Albaspinus und
Hammond, dem Concil von Karthago und dem Concil von Toledo vom
Kampfplatze zurck. Die ffentliche Meinung war entschieden gegen die
drei Absolvirer. Aber die Regierung beschlo wohlweislich, ihnen nicht
die Ehre des Mrtyrerthums zu Theil werden zu lassen. Die groe Jury von
Middlesex fand Grund zu einer Anklage gegen sie; aber sie wurden nicht
prozessirt. Cook und Snatt wurden nach kurzer Haft in Freiheit gesetzt,
und Collier wrde eben so mild behandelt worden sein, wenn er
eingewilligt htte, Brgschaft zu stellen. Aber er hatte sich
vorgenommen, nichts zu thun, was als eine Anerkennung der usurpirenden
Regierung htte ausgelegt werden knnen. Er wurde daher gechtet, und
als er nach mehr als dreiig Jahren starb, war seine Acht noch nicht
aufgehoben.[126]


[_Prozesse Rookwood's, Cranburne's und Lowick's._] Parkyns war der
letzte Englnder, der nach dem alten Procedursystem wegen Hochverraths
gerichtet wurde. Der Erste, der nach dem neuen System prozessirt wurde,
war Rookwood. Er wurde von Sir Bartholomus Shower vertheidigt, der sich
unter der vorhergehenden Regierung als ein serviler und herzloser
Sykophant eben keine beneidenswerthe Berhmtheit erworben, der von Jakob
die Stelle des Recorders von London erhalten, als Holt dieselbe
ehrenvollerweise niederlegte, und der, als Recorder, Soldaten wegen
Versten gegen die militrische Disciplin an den Galgen geschickt
hatte. Seine servile Grausamkeit hatte ihm den Beinamen des
Menschenjgers verschafft. Shower verdiente mehr als irgend ein
Verbrecher von der Indemnittsacte ausgenommen und der ganzen Strenge
der Gesetze berlassen zu werden, die er so schamlos verdreht hatte.
Doch er war durch Wilhelm's Milde verschont worden und hatte diese
Milde mit hartnckiger und hmischer Opposition vergolten.[127] Shower
wurde ohne Zweifel wegen seiner bekannten Hinneigung zum Jakobitismus
bei dieser Gelegenheit als Vertheidiger benutzt. Er erhob einige
technische Einwendungen, welche der Gerichtshof verwarf. Die Sache
selbst konnte er nicht vertheidigen. Das Verdict der Jury lautete auf
Schuldig. Hierauf wurden Cranburne und Lowick prozessirt und ebenfalls
schuldig befunden. Sie erlitten mit Rookwood den Tod und damit hatten
die Hinrichtungen ein Ende.[128]


[_Der Verein._] Die Stimmung der Nation war von der Art, da die
Regierung noch viel mehr Blut htte vergieen knnen, ohne den Vorwurf
der Grausamkeit auf sich zu laden. Die Gesinnung, welche durch die
Entdeckung des Complots erweckt worden war, nahm noch mehrere Wochen
lang mit jedem Tage zu. Diese Gesinnung benutzten die an der Spitze der
Whigpartei stehenden talentvollen Mnner mit ausgezeichneter Umsicht.
Sie sahen ein, da die ffentliche Begeisterung, wenn sie sich selbst
berlassen bliebe, in Hurrahs, Toasten und Freudenfeuern verrauchen
wrde, da sie aber unter einer klugen Leitung das Mittel werden knnte,
eine groe und nachhaltige Wirkung zu erzeugen. Der Verein, den die
Gemeinen gebildet hatten, whrend ihnen die Rede des Knigs noch in den
Ohren klang, bot das Mittel dar, um vier Fnftel der Nation zu einem
groen Club zur Vertheidigung der Thronfolgeordnung, mit der die
kostbarsten Freiheiten des englischen Volks untrennbar verknpft waren,
und zur Einfhrung eines Testes zu verbinden, welcher Diejenigen, die
fr jene Thronfolgeordnung begeistert waren, von Denen unterscheiden
wrde, die sie nur mit Unmuth und Widerstreben acceptirten. Von den
fnfhundertdreiig Mitgliedern des Unterhauses unterzeichneten ungefhr
vierhundertzwanzig freiwillig das Dokument, welches Wilhelm als
rechtmigen und gesetzlichen Knig von England anerkannte. Im Oberhause
wurde beantragt, die nmliche Form zu adoptiren; aber die Tories erhoben
Einwendungen dagegen. Der stets gewissenhafte und ehrenwerthe, aber
engherzige Nottingham erklrte, da er den Worten rechtmig und
gesetzlich nicht beistimmen knne. Er war noch immer der Meinung, der
er von Anfang an gewesen war, da ein Frst, der die Krone nicht kraft
seines Geburtsrechts, sondern als ein Geschenk der Convention trug, von
Rechtswegen nicht so genannt werden knne. Wilhelm sei allerdings
factischer Knig und habe als solcher Anspruch auf den Gehorsam der
Christen. Kein Mensch, sagte Nottingham, hat Sr. Majestt treuer
gedient und wird ihm auch fernerhin treuer dienen als ich. Aber unter
dieses Dokument kann ich meinen Namen nicht setzen. Rochester und
Normanby fhrten eine hnliche Sprache. Dagegen ermahnte Monmouth die
Lords in einer dritthalbstndigen Rede dringend, den Gemeinen
beizutreten. Burnet sprach heftig fr dieselbe Ansicht. Wharton, dessen
Vater unlngst gestorben war und der nunmehr Lord Wharton hie, stand
ebenfalls in der vordersten Reihe der whiggistischen Peers. Am meisten
aber zeichnete sich in der Debatte ein Mann aus, dessen ffentliches
sowohl als Privatleben eine lange Reihe von Snden und Unglcksfllen
war: der blutschnderische Geliebte Henriette Berkeley's, der
unglckliche Leutnant Monmouth's. Seit kurzem fhrte er nicht mehr den
befleckten Namen Grey von Wark, sondern hie jetzt Earl von Tankerville.
Er sprach an diesem Tage mit groer Energie und Beredtsamkeit fr die
Worte rechtmig und gesetzlich. Leeds bernahm das Amt eines
Vermittlers, nachdem er sein Bedauern ausgedrckt, da eine Frage ber
eine bloe Phrase unter Edelleuten, welche alle dem regierenden
Souverain mit gleicher Treue ergeben seien, Uneinigkeit hervorgerufen
habe. Er schlug vor, da Ihre Lordschaften, anstatt Wilhelm als
rechtmigen und gesetzlichen Knig anzuerkennen, erklren sollten, er
habe das gesetzliche Recht auf die englische Krone und kein Andrer habe
irgend ein Recht auf diese Krone. Sonderbarerweise waren fast alle
Tories durch den Vorschlag Leeds' vollkommen befriedigt. Die Whigs
jedoch waren zum Theil nicht geneigt, in eine Vernderung zu willigen,
die trotz ihrer Geringfgigkeit zu dem Glauben Anla geben konnte, da
ber einen Gegenstand von hoher Wichtigkeit zwischen beiden Husern eine
Meinungsverschiedenheit stattfinde. Aber Devonshire und Portland
erklrten sich zufrieden, ihre Autoritt drang durch, und die Aenderung
wurde vorgenommen. In wiefern ein rechtmiger und gesetzlicher Besitzer
sich von einem Besitzer unterscheidet, der nach dem Gesetz das
ausschlieliche Recht hat, ist eine Frage, die ein Whig ohne irgend ein
peinliches Gefhl von Beschmung als ber seinen Horizont gehend
bezeichnen und deren Errterung er den Hochkirchlichen berlassen kann.
Dreiundachtzig Peers setzten auf der Stelle ihre Namen unter die
amendirte Associationsformel, und Rochester war unter ihnen. Nottingham,
noch nicht ganz befriedigt, bat um Bedenkzeit.[129]

Auerhalb der Mauern des Parlaments kmmerte man sich nicht um diese
Wortklaubereien. Die Ausdrucksweise des Hauses der Gemeinen wurde vom
ganzen Lande adoptirt. Die City von London ging voran. Binnen
sechsunddreiig Stunden, nachdem die Vereinsurkunde auf Anordnung des
Sprechers bekannt gemacht worden war, wurde sie von dem Lordmayor, den
Aldermen und fast allen Mitgliedern des Gemeinderaths unterzeichnet.
Diesem Beispiele folgten die Municipalcorporationen des ganzen
Knigreichs. Die Frhjahrsassisen begannen eben, und in jeder
Grafschaftsstadt unterschrieben die Mitglieder der groen Jury und die
Friedensrichter ihre Namen. Bald kamen Krmer, Handwerker, Freisassen,
Pchter und Landwirthe zu Tausenden an die Tische, auf denen die
Pergamente auslagen. Westminster zhlte siebenunddreiigtausend
Vereinsmitglieder, die Towerortschaften achttausend, Southwark
achtzehntausend. Die Landbezirke von Surrey lieferten siebzehntausend.
In Ipswich unterzeichneten smmtliche Wahlbrger bis auf zwei. In
Warwick unterschrieben alle mnnlichen Einwohner, die das sechzehnte
Jahr erreicht hatten, mit Ausnahme von zwei Papisten und zwei Qukern.
In Taunton, wo die blutigen Assisen noch in frischem Andenken waren,
erklrte jeder des Schreibens Kundige seinen Anschlu an die Regierung.
Alle Kirchen und Bethuser der Stadt waren in einem Mae wie noch nie
mit Leuten gefllt, welche kamen um Gott fr die Erhaltung des Mannes zu
danken, den sie liebevoll Wilhelm den Befreier nannten. Von allen
Grafschaften England's war Lancashire die jakobitischeste. Gleichwohl
lieferte Lancashire funfzigtausend Unterschriften. Von allen
groen Stdten England's war Norwich die jakobitischeste. Die
Magistratspersonen dieser Stadt galten fr Freunde der exilirten
Dynastie. Die Eidverweigerer waren zahlreich und hatten kurz vor der
Entdeckung des Complots ungewhnlich guten Muths geschienen und hatten
sich ungewhnlich viele Freiheiten herauszunehmen gewagt. Einer der
vornehmsten Geistlichen des Schismas hatte daselbst eine Predigt
gehalten, welche zu einem sonderbaren Verdacht Anla gab. Er hatte zum
Text den Vers gewhlt, in welchem der Prophet Jeremias verkndigt, da
der Tag der Rache gekommen sei, da das Schwert trunken sein werde von
Blut, da der Herr der Heerschaaren ein Schlachtopfer haben werde im
Lande gegen Mitternacht am Flusse Euphrat. Ganz kurz darauf erfuhr man,
da zur Zeit als diese Rede gehalten wurde, wirklich unter Barclay's und
Parkyns' Leitung Schwerter geschliffen wurden zu einem blutigen Opfer am
nrdlichen Ufer der Themse. Der Unwille des gemeinen Volks von Norwich
war nicht zu halten. Obgleich durch die Municipalbehrden
eingeschchtert, kam es in Masse herbei, um Wilhelm, dem rechtmigen
und gesetzlichen Knige, Treue zu schwren. In Norfolk belief sich die
Zahl der Unterschriften auf achtundvierzigtausend, in Suffolk auf
siebzigtausend. Ueber fnfhundert Listen gingen aus allen Theilen
England's nach London. Die Anzahl der Namen, welche siebenundzwanzig von
diesen Listen enthielten, betrug nach der London Gazette
dreihundertvierzehntausend. Rechnet man die grtmgliche Zahl fr
betrgerische Angaben ab, so scheint doch soviel gewi, da der Verein
die groe Mehrheit der erwachsenen mnnlichen Bewohner England's, die
ihren Namen schreiben konnten, umfate. Die Fluth des Volksgefhls ging
so hoch, da Jemand, von dem man wute, da er nicht unterschrieben
hatte, ernste Gefahr lief, ffentlich insultirt zu werden. An vielen
Orten zeigte sich Niemand ohne ein rothes Band am Hute, worauf die Worte
gestickt waren: +General Association for King William+. Einmal hatte ein
Trupp Jakobiten die Dreistigkeit, in einer Strae London's mit einer
sinnbildlichen Devise zu paradiren, die ihre Verachtung des neuen
feierlichen League und Covenant anzudeuten schien. Sie wurden
augenblicklich durch den Pbel auseinandergetrieben und ihre Anfhrer
weidlich untergetaucht. Die Begeisterung verbreitete sich nach
entlegenen Inseln, nach auslndischen Factoreien, nach entfernten
Colonien. Die Association wurde unterzeichnet von den rauhen Fischern
der Scilly Rocks, von den englischen Kaufleuten in Malaga, von den
englischen Kaufleuten in Genua, von den Brgern Newyork's, von den
Tabakpflanzern Virginien's und von den Zuckerpflanzern auf
Barbados.[130]

Durch den Erfolg khn gemacht, wagten die Whighupter noch einen Schritt
weiter zu gehen. Sie brachten eine Bill zur Sicherung der Person und
Regierung des Knigs im Unterhause ein. Durch diese Bill wurde
verordnet, da Jeder, der whrend der Dauer des Kriegs ohne knigliche
Erlaubni aus Frankreich nach England kme, den auf Hochverrath
gesetzten Strafen verfallen, da die Suspension der Habeascorpusacte bis
zu Ende des Jahres 1696 fortdauern und da alle von Wilhelm ernannten
Beamten im Fall seines Ablebens ihre Stellen so lange behalten sollten,
bis es seinem Nachfolger gefallen wrde, sie zu entlassen. Die vom Hause
der Gemeinen angenommene Associationsformel wurde feierlich besttigt,
und es wurde bestimmt, da Niemand, der sie nicht unterzeichnete, einen
Sitz in diesem Hause einnehmen oder ein brgerliches oder militrisches
Amt bekleiden sollte. Den Lords wurde gestattet, sich ihrer eigenen
Formel zu bedienen, und ber den Klerus wurde nichts gesagt.

Die Tories, mit Finch und Seymour an ihrer Spitze, beschwerten sich
bitter ber diesen neuen Test und wagten es einmal abstimmen zu lassen,
wurden aber geschlagen. Finch scheint geduldig angehrt worden zu sein;
die verchtliche Art und Weise aber, in der Seymour von der Association
sprach, erregte trotz aller Beredtsamkeit einen Sturm, dem er nicht
Stand zu halten vermochte. Der laute Ruf: der Tower! der Tower! wurde
vielfach gehrt. Trotz seines hochmthigen und gebieterischen Wesens war
er gezwungen, seine Worte hinwegzuerklren, und er konnte durch
Entschuldigungen, an die er wenig gewohnt war, kaum der Demthigung
entgehen, vor die Schranke gerufen zu werden und kniend einen Verweis zu
erhalten. Die Bill wurde den Lords zugesandt und trotz der Opposition
Rochester's und Nottingham's rasch angenommen.[131]


[_Bill zur Regulirung der Wahlen._] Die Natur und der Umfang der
Vernderung, welche die Entdeckung des Mordcomplots in der Stimmung des
Hauses der Gemeinen und der Nation hervorgebracht hatte, wird durch die
Geschichte einer Bill, betitelt: eine Bill zur ferneren Regulirung der
Wahlen der Parlamentsmitglieder, treffend characterisirt. Die Geldmacht
war fast durchgngig whiggistisch und daher ein Gegenstand der Abneigung
fr die Tories. Das rasche Wachsthum dieser Macht wurde von den
Landeigenthmern, mochten sie Whigs oder Tories sein, mit neidischen
Blicken betrachtet. Es war etwas Neues und Unerhrtes, einen Kaufmann
aus Lombard Street, den kein Band an den Boden unsrer Insel fesselte und
dessen Vermgen durchaus persnlich und beweglich war, mit einem Koffer
voll Guineen nach Devonshire oder Sussex reisen, einem benachbarten
Landgentleman gegenber, dessen Vorfahren seit den Kriegen der Rosen
stets gewhlt worden waren, als Candidat fr einen Burgflecken auftreten
und an der Spitze der Wahlliste zurckkehren zu sehen. Und dies war noch
nicht das Schlimmste. Mehr als ein Sitz im Parlament war angeblich bei
einer Tasse Kaffee bei Garraway gekauft und verkauft worden. Man hatte
von dem Kufer nicht einmal die Beobachtung der Formalitt verlangt,
sich den Whlern zu zeigen. Ohne sein Comptoir in Cheapside verlassen zu
haben, war er zum Vertreter eines Ortes gewhlt worden, den er in seinem
Leben nicht gesehen. Solche Dinge waren unertrglich. Niemand, sagte
man, solle einen Sitz in der englischen Legislatur einnehmen, der nicht
einige hundert Acker englischen Grund und Bodens sein nenne.[132] Es
wurde demgem eine Bill eingebracht, welche bestimmte, da jedes
Mitglied des Hauses der Gemeinen ein gewisses Grundeigenthum besitzen
msse. Fr einen Grafschaftsritter war die Qualification auf fnfhundert
Pfund, fr den Vertreter eines Burgfleckens auf zweihundert Pfund
jhrlicher Grundrente festgesetzt. Anfang Februar wurde diese Bill zum
zweiten Male gelesen und einem gewhlten Ausschusse berwiesen. Es wurde
beantragt, da der Ausschu angewiesen werden solle, eine Klausel
einzuschalten, welche anordne, da alle Wahlen vermittelst Stimmzetteln
stattfinden sollten. Ob dieser Antrag von einem Whig oder einem Tory
ausging, durch welche Argumente er untersttzt und auf welche Grnde hin
er bekmpft wurde, knnen wir jetzt nicht mehr ermitteln. Wir wissen
nur, da er ohne Abstimmung verworfen wurde.

Bevor die Bill aus dem Ausschusse zurckkam, hatten einige der
achtungswerthesten Wahlkrper des Knigreichs ihre Stimmen gegen die
neue Beschrnkung erhoben, der sie unterworfen werden sollten. Es hatte
im allgemeinen wenig Sympathie zwischen den Handelsstdten und den
Universittsstdten geherrscht. Denn die Handelsstdte waren die
Hauptsitze des Whiggismus und der Nonconformitt, die Universitten aber
waren eifrige Anhnger der Krone und der Kirche. Jetzt aber machten
Oxford und Cambridge gemeinschaftliche Sache mit London und Bristol. Es
sei hart, sagten die Akademiker, da ein ernster und gelehrter Mann, der
von einer zahlreichen Corporation ernster und gelehrter Mnner in den
Groen Rath der Nation gesandt wrde, fr weniger geeignet erachtet
werden sollte, in diesem Rathe zu sitzen als ein roher Mensch, der kaum
so viel wissenschaftliche Bildung besitze, um auf das +privilegium
clericale+ Anspruch zu haben. Es sei hart, sagten dagegen die Kaufleute,
anzunehmen, da ein Handelsfrst, der die erste Magistratsperson der
ersten Stadt der Welt gewesen sei, dessen Name auf der Rckseite eines
Wechsels in Smyrna und in Genua, in Hamburg und in Amsterdam unbedingtes
Vertrauen erwecke, der Schiffe zur See habe, von denen jedes so viel
werth sei als ein Rittergut, und der in Zeiten wo die Freiheit und
Religion des Knigreichs in Gefahr waren, zu wiederholten Malen der
Regierung binnen einer Stunde fnf- oder zehntausend Pfund vorgestreckt
habe, bei dem Gedeihen des Staates weniger interessirt sei als ein
Squire, der seine Ochsen und seinen Hopfen in dem nchsten Marktflecken
bei einem Kruge Ale verkaufte. Bei der Berichterstattung wurde
beantragt, da die Universitten ausgenommen werden sollten, aber der
Antrag wurde mit hunderteinundfunfzig gegen hundertdreiundvierzig
Stimmen verworfen. Bei der dritten Lesung wurde beantragt, da die City
von London ausgenommen sein sollte; aber man hielt es nicht fr
rathsam, abstimmen zu lassen. Die Schlufrage, ob die Bill angenommen
sei, wurde an dem Tage vor der Entdeckung des Mordcomplots mit
hundertdreiundsiebzig gegen hundertfunfzig Stimmen bejaht. Die Lords
traten der Bill ohne Amendement bei.

Wilhelm hatte nun zu erwgen, ob er seine Genehmigung ertheilen sollte
oder nicht. Die Handelsstdte des Reichs, darunter auch die City von
London, welche stets treu zu ihm gehalten und ihn schon oft aus groen
Verlegenheiten gerissen hatten, baten ihn um seinen Schutz. Man stellte
ihm vor, da die Gemeinen thatschlich weit davon entfernt seien, in
diesem Punkte eines Sinnes zu sein, da bei der letzten Lesung die
Majoritt in einem vollen Hause nur dreiundzwanzig Stimmen betragen habe
und da der Antrag, die Universitten auszunehmen, mit einer Majoritt
von nur acht Stimmen verworfen worden sei. Nach reiflicher Ueberlegung
beschlo er die Bill nicht zu genehmigen. Niemand, sagte er, knne ihn
beschuldigen, bei dieser Gelegenheit selbstschtig gehandelt zu haben;
seine Prrogative sei bei der Sache nicht betheiligt, und er habe gegen
das vorgeschlagene Gesetz weiter nichts einzuwenden, als da es seinem
Volke nachtheilig sein wrde.

Am 10.April 1696, erhielt daher der Sekretr des Parlaments Befehl, den
Husern mitzutheilen, da der Knig sich die Bill zur weiteren
Regulirung der Wahlen berlegen wolle. Einige heftige Tories im Hause
der Gemeinen schmeichelten sich, da es ihnen gelingen werde, einen den
Knig tadelnden Beschlu durchzubringen. Sie stellten den Antrag, da
Derjenige, der Sr. Majestt gerathen habe, ihrer Bill seine Genehmigung
zu verweigern, fr einen Feind des Knigs und der Nation erklrt werden
solle. Einen rgeren Migriff konnte es nicht geben. Die Stimmung des
Hauses war eine ganz andre als an dem Tage, wo die Adresse gegen
Portland's Schenkung durch Acclamation votirt worden war. Die Entdeckung
einer mrderischen Verschwrung, die Besorgni einer franzsischen
Invasion hatten Alles verndert. Der Knig war populr. Jeden Tag wurden
ihm zehn bis zwlf Pergamentste mit den Unterschriften von
Vereinsmitgliedern zu Fen gelegt. Nichts konnte unkluger sein, als in
einem solchen Augenblicke ein dnn verschleiertes Tadelsvotum gegen ihn
zu beantragen. Die gemigten Tories trennten sich daher von ihren
aufgebrachten und unverstndigen Gesinnungsgenossen. Der Antrag wurde
mit zweihundertneunzehn gegen siebzig Stimmen verworfen und das Haus
ordnete die ffentliche Bekanntmachung der Frage und der beiderseitigen
Stimmen an, damit die Welt erfahren solle, wie vollstndig der Versuch,
Uneinigkeit zwischen dem Knige und dem Parlamente hervorzurufen,
gescheitert war.[133]


[_Acte zur Errichtung einer Landbank._] Die Landgentlemen wrden
vielleicht geneigter gewesen sein, wegen des Scheiterns ihrer Bill zu
grollen, wren sie nicht durch eine andre Bill, die ihnen noch wichtiger
dnkte, in gute Laune versetzt worden. Das Project einer Landbank war
wieder angeregt worden, und zwar nicht in der Form, in der es zwei Jahre
frher dem Hause der Gemeinen zur Erwgung unterbreitet worden war,
sondern in einer den gesunden Verstand viel weniger beleidigenden und
der Lcherlichkeit weniger ausgesetzten Form. Chamberlayne protestirte
allerdings laut gegen jede Modification seines Planes und proklamirte
mit unverminderter Zuversichtlichkeit, da er alle seine Landsleute
reich machen wolle, wenn sie ihn nur gewhren lieen. Er sei nicht der
erste groe Entdecker, sagte er, den Frsten und Staatsmnner als einen
Trumer betrachtet htten. HeinrichVII. habe sich in einer bsen
Stunde geweigert, Christoph Columbus anzuhren, und die Folge davon sei
gewesen, da England um die Bergwerke von Mexico und Peru gekommen sei.
Und doch, was seien die Bergwerke von Mexico und Peru gegen die
Reichthmer einer mit einem unbegrenzten Papiergelde gesegneten Nation?
Aber die vereinte Kraft der Vernunftgrnde und des Spottes hatte die
einst zahlreiche Anhngerschaar Chamberlayne's auf einen kleinen Kreis
unverbesserlicher Thoren reducirt. Selbst von den Squires glaubten jetzt
nur noch wenige an seine beiden groen Lehrstze: den Lehrsatz, da der
Staat, indem er ein Bndel alter Lumpen zehn Millionen Pfund Sterling
nenne, das Nationalvermgen um zehn Millionen Pfund Sterling vermehren,
und den Lehrsatz, da eine Abtretung von Grund und Boden auf eine
bestimmte Anzahl Jahre vielmal so viel werth sein knne als der
unbeschrnkte Besitz. Dagegen waren die Landgentlemen noch immer
allgemein der Ansicht, da eine Bank, welche die specielle Bestimmung
habe, auf Grundeigenthum Geld vorzustrecken, ein groer Segen fr die
Nation sein knne. Harley und der Sprecher Foley schlugen jetzt vor,
eine solche Bank durch Parlamentsacte zu errichten, und versprachen,
da, wenn ihr Plan adoptirt wrde, der Knig reichlich mit Geld fr den
nchsten Feldzug versehen sein sollte.

Die Whigfhrer, und namentlich Montague, sahen ein, da der Plan eine
Illusion sei, da er sehr bald scheitern msse und da er mglicherweise
vor seinem Untergange ihr Lieblingsinstitut, die Bank von England,
ruiniren knne. In diesem Punkte aber hatten sie nicht nur die ganze
Torypartei, sondern auch ihren Gebieter und viele ihrer Anhnger gegen
sich. Die Bedrfnisse des Staats waren dringend und die Anerbietungen
der Projectenmacher lockend. Die Bank von England hatte zum Dank fr die
ihr verliehene Concession dem Staate nur eine Million zu acht Procent
vorgeschossen; die Landbank wollte ber dritthalb Millionen zu sieben
Procent vorschieen. Wilhelm, dem jetzt hauptschlich darum zu thun war,
sich Geld zur Deckung der Ausgaben des laufenden Jahres zu verschaffen,
war eben nicht sehr geneigt, ber eine Quelle zu mkeln, aus der sich
dritthalb Millionen schpfen lieen. Sunderland, der seinen Einflu
sonst gewhnlich zu Gunsten der Whigfhrer anwendete, wurde ihnen bei
dieser Gelegenheit untreu. Die whiggistischen Landgentlemen freuten sich
der Aussicht, ihre Viehstnde ergnzen, ihre Keller fllen und ihre
Tchter ausstatten zu knnen. Gegen eine solche Vereinigung von
Streitkrften zu kmpfen, war unmglich. Es wurde eine Bill
angenommen, welche die Regierung ermchtigte, zwei Millionen
fnfhundertvierundsechzigtausend Pfund zu sieben Procent aufzunehmen.
Ein hauptschlich durch eine neue Salzsteuer gebildeter Fond wurde zur
Zahlung der Zinsen bestimmt. Wenn vor dem 1.August die Hlfte dieser
Anleihe gezeichnet und die Hlfte der gezeichneten Summe in die
Schatzkammer eingezahlt war, sollten die Unterzeichner eine Corporation
mit den Namen Nationallandbank werden. Da diese Bank ausdrcklich dazu
bestimmt war, den Landgentlemen unter die Arme zu greifen, so war es ihr
streng verboten, auf andre Sicherheit als Landhypothek Geld
auszuleihen, und ihr zur Pflicht gemacht, jhrlich mindestens eine halbe
Million auf Hypothek auszuleihen. Die Zinsen fr diese halbe Million
sollten bei vierteljhrlichen Zahlungen nicht dreiundeinhalb Procent,
bei halbjhrlichen Zahlungen nicht vier Procent bersteigen. Der
gebruchliche Zinsfu fr die besten Hypotheken war damals sechs
Procent. Die schlauen Beobachter bei der hollndischen Gesandtschaft
glaubten daher, da die Kapitalisten sich jeder Betheiligung bei einem
Geschft, da ihnen nothwendig Verlust bringen mute, enthalten und da
die erforderliche Summe nicht zur Hlfte gezeichnet werden wrde, und
man sollte nicht glauben, da ein Mensch von gesundem Verstande htte
anders denken knnen.[134]

Doch alle Vernunftgrnde vermochten nichts gegen die allgemeine
Verblendung. Die Tories prophezeiten triumphirend, die Bank Robert
Harley's werde die Bank Karl Montague's vllig in den Schatten stellen.
Die Bill ging in beiden Husern durch. Am 27.April erhielt sie die
knigliche Sanction und unmittelbar darauf wurde das Parlament
prorogirt.


Funoten

[1] Siehe Claude's Predigt auf Mariens Tod.

[2] Prior an Lord und Lady Lexington, 14.(24.) Jan. 1695. Der Brief
befindet sich in den +Lexington Papers+, einer werthvollen und gut
edirten Sammlung.

[3] Monthly Mercury vom Januar 1695. Ein Redner, der in Utrecht eine
Lobrede auf die Knigin hielt, war so albern zu sagen, ihr letzter
Hauch sei ein Gebet fr das Wohl der Vereinigten Provinzen gewesen:
-- +Valeant et Batavi,+ -- dies sind ihre letzten Worte, -- +sint
incolumes; sint florentes; sint beati: stet in aeternum, stet immota
praeclarissima illorum civitas, hospitium aliquando mihi gratissimum,
optime de me meritum.+ Siehe auch die Reden Peter Francius' von
Amsterdam und Johann Ortwinius' von Delft.

[4] +Journal de Dangeau; Mmoires de Saint-Simon.+

[5] Saint-Simon; Dangeau; Monthly Mercury fr Januar 1695.

[6] L'Hermitage, 1.(11.) Jan. 1695; Vernon an Lord Lexington, 1.
4.Januar; Portland an Lord Lexington, 15.(25.) Jan.; Wilhelm an
Heinsius, 22.Januar (1.Febr.).

[7] +Commons' Journals, Feb. 11., April 12., 17.; Lords' Journals April
8., 18. 1695.+ Leider ist in dem Protokolle der Gemeinen vom 12.April
eine Lcke, so da es jetzt nicht mehr mglich ist, zu ermitteln,
ob ber die Frage bezglich des Beitritts zu dem von den Lords
vorgeschlagenen Amendement eine Abstimmung stattfand.

[8] L'Hermitage 10.(20.) April 1695; Burnet +II+. 149.

[9] +An Essay upon Taxes, calculated for the present Juncture of
Affairs, 1693.+

[10] +Commons' Journals, Jan. 12., Feb. 26., Mar. 6.; A Collection
of the Debates and Proceedings in Parliament in 1694 and 1695 upon
the Inquiry into the late Briberies and Corrupt Practices, 1695;+
L'Hermitage an die Generalstaaten, 8.(18.) Mrz; Van Citters,
15.(25.)Mrz. L'Hermitage sagt: +Si par cette recherche la chambre
pouvoit remedier au dsordre qui rgne, elle rendroit un service trs
utile et trs agrable au Roy+.

[11] +Commons' Journals, Feb. 16. 1695. Collection of the Debates and
Proceedings in Parliament in 1694 and 1695; Life of Wharton; Burnet II.
144.+

[12] Sprecher Onslow's Note zu Burnet +II+. 583; +Commons' Journals,
Mai 6., 7. 1695+. Die Geschichte des schrecklichen Endes dieses Mannes
findet man in den Flugschriften ber das Sdseejahr.

[13] +Commons' Journals, March 8. 1695; Exact Collection of Debates and
Proceedings in Parliament in 1694 and 1695;+ L'Hermitage, 8.(18.) Mrz.

[14] +Exact Collection of Debates.+

[15] L'Hermitage, 8.(18.) Mrz 1695. L'Hermitage's Erzhlung wird
durch die Protokolle vom 7.Mrz 1694/95 besttigt. Es geht daraus
hervor, da das Haus unmittelbar vor Ernennung des Ausschusses
beschlo, da whrend einer Sitzung keine Briefe an Mitglieder
abgegeben werden sollten.

[16] L'Hermitage, 19.(29.) Mrz 1695.

[17] +Birch's Life of Tillotson.+

[18] +Commons' Journals, March 12, 13, 14, 15, 16, 1694/95;+ Vernon an
Lexington, 15.Mrz; L'Hermitage, 15.(25.) Mrz.

[19] +On vit qu'il toit impossible de le poursuivre en justice,
chacun toutefois dmeurant convaincu que c'toit un march fait  la
main pour lui faire prsent de la somme de 10,000 _l._, et qu'il avait
t plus habile que les autres novices que n'avoient pas su faire si
finement leurs affaires.+ L'Hermitage, 29.Mrz (8.April); +Commons'
Journals, March. 12.;+ Vernon an Lexington, 26.April; Burnet +II+. 145.

[20] In einem Gedicht, betitelt +The Prophecy (1703)+ kommt die Strophe
vor:

  Wenn Seymour verschmht Salpetergeld,

In einer andren Satyre befindet sich die Stelle:

  Bestochner Seymour hat Bestechungen.

[21] +Commons' Journals+ vom 26.Mrz bis 8.April 1695.

[22] L'Hermitage, 10.(20.) April 1695.

[23] +Exact Collection of Debates and Proceedings.+

[24] L'Hermitage, 30.April (10.Mai) 1695; Portland an Lexington,
23.April (3.Mai).

[25] Es kann meines Erachtens keinem Zweifel unterliegen, da das
Mitglied, welches in der +Exact Collection D+ genannt ist, Wharton war.

[26] Bezglich der Vorgnge dieses ereignivollen Tages, des 27.April
1695, sehe man die Protokolle der beiden Huser und die +Exact
Collection+.

[27] +Exact Collection; Lords' Journals, May 3. 1695; Commons'
Journals, May 2. 3.;+ L'Hermitage, 3. (13.) Mai; London Gazette vom
13.Mai.

[28] L'Hermitage, 10.(20.) Mai 1695; Vernon an Shrewsbury, 22.Juni
1697.

[29] London Gazette vom 6.Mai 1695.

[30] Brief von Mrs. Burnet an die Herzogin von Marlborough, 1704,
angefhrt von Coxe; Shrewsbury an Russell, 24.Jan. 1695; Burnet +II+.
149.

[31] London Gazette vom 8. 15. 29.April 1695.

[32] Shrewsbury an Russell, 24.Jan. 1695; +Narcissus Luttrells Diary+.

[33] De Thou, 53, 96.

[34] +Life of James, II. 545, Orig. Mem.+ Natrlich bedient sich Jakob
nicht des Wortes Meuchelmord. Er spricht nur von der Ergreifung und
Entfhrung des Prinzen von Oranien.

[35] Alles Schlechte, das ber Porter bekannt oder gerchtweise
verbreitet war, kam bei dem Staatsprozesse von 1696 zu Tage.

[36] Ueber Goodman sehe man die Zeugenaussagen bei dem Prozesse Peter
Cook's; Cleverskirke, 28.Febr. (9.Mrz) 1696; L'Hermitage, 10.(20.)
April 1696, und ein Pasquill betitelt: +The Duchess of Cleveland's
Memorial+.

[37] Siehe die Einleitung zu der Vollmacht von 1695.

[38] Man findet die Vollmacht in den Protokollen des Parlaments.

[39] +Act. Parl. Scot. May 21. 1695;+ London Gazette vom 30.Mai.

[40] +Ibid. May 23. 1695.+

[41] +Ibid. June 14. 18. 20. 1695;+ London Gazette vom 27.Juni.

[42] Burnet +II+. 157; +Act. Parl. June 10. 1695+.

[43] +Act. Parl. June 26, 1695+; London Gazette vom 4.Juli.

[44] Eine treffliche Characteristik Villeroy's befindet sich in
Saint-Simon's Memoiren.

[45] Einige interessante Zge von Trumball's Character findet man in
Pepys' Tangerschen Tagebuche.

[46] Postboy, Juni 13., Juli 9. 11. 1695; Intelligence Domestic and
Foreign, Juni 14; Pacquet Boat from Holland and Flanders, Juli 9.

[47] Vaudemont's Depesche und Wilhelm's Antwort stehen im Monthly
Mercury fr Juli 1695.

[48] Siehe Saint-Simon's Memoiren und seine Note zu Dangeau.

[49] London Gazette vom 22.Juli 1695; Monthly Mercury vom August
1695. Swift schrieb zehn Jahre spter eine so abgeschmackte und
widerlich gemeine Schmhschrift auf Cutts, da Ward oder Gildon sich
ihrer geschmt haben wrden. Sie war betitelt: +The Description of a
Salamander+.

[50] London Gazette vom 29.Juli 1695; Monthly Mercury fr August 1695;
Stepney an Lord Lexington, 15.(25.) Aug. Robert Flemming's +Character
of King William, 1702+. Bei dem Angriffe vom 17.(27.) Juli erhielt
Hauptmann Shandy die denkwrdige Wunde in die Weiche.

[51] London Gazette vom 1. und 5.August 1695; Monthly Mercury vom
August 1695, enthaltend die Briefe Wilhelm's und Dykvelt's an die
Generalstaaten.

[52] Monthly Mercury vom August 1695; Stepney an Lord Lexington,
16.(26.) August.

[53] Monthly Mercury, August 1695; Brief aus Paris vom 26.Aug.
(5.Sept.) 1695 unter den +Lexington Papers+.

[54] L'Hermitage, 13.(23.) Aug. 1695.

[55] London Gazette vom 26.Aug. 1695; Monthly Mercury; Stepney an
Lexington, 20.(30.) August.

[56] +Boyer's History of King WilliamIII., 1703;+ London Gazette vom
29.Aug. 1695; Stepney an Lexington, 20.(30.) Aug.; Blathwayt an
Lexington, 2.Sept.

[57] Nachschrift zu dem Monthly Mercury vom August 1695; London Gazette
vom 9.Sept.; Saint-Simon; Dangeau.

[58] +Boyer's History of King WilliamIII., 1703;+ Nachschrift zu dem
Monthly Mercury, vom August 1695; London Gazette vom 9. und 12.Sept.;
Blathwayt an Lexington, 6.Sept.; Saint-Simon; Dangeau.

[59] Eine werthvolle und ich glaube die einzige Sammlung der Zeitungen
aus Wilhelm's Regierung befindet sich im Britischen Museum. Ich habe
jedes Blatt dieser Sammlung umgewendet. Auffllig ist es, da weder
Luttrell noch Evelyn von dem ersten Erscheinen der neuen Zeitungen
etwas erwhnen. Die erste Notiz davon habe ich in einer Depesche
L'Hermitage's vom 12.(22.) Juli 1695 gefunden. Ich will seine Worte
hier anfhren: +Depuis quelque tems on imprime ici plusieurs feuilles
volantes en forme de gazette, qui sont remplies de toutes sortes de
nouvelles. Cette licence est venue de ce que le parlement n'a pas
achv le bill ou projet d'acte qui avoit t port dans la Chambre des
Communes pour rgler l'imprimerie et empcher que ces sortes de choses
n'arrivassent. Il n'y avoit ci-devant qu'un des commis des Secrtaires
d'Etat qui et le pouvoir de faire des gazettes: mais aujourdhui il
s'en fait plusieurs sous d'autres noms.+ L'Hermitage erwhnt auch
den auf die Prinzessin bezglichen Artikel und die Unterwerfung des
Pasquillanten.

[60] L'Hermitage, 15.(25.) Oct., 15.(25.) Nov. 1695.

[61] London Gazette vom 24.Oct. 1695. Siehe Evelyn's +Account of
Newmarket in 1671+, und Pepys unterm 18.Juli 1668. Aus Tallard's nach
dem Frieden von Ryswick geschriebenen Depeschen geht hervor, da die
Herbstzusammenknfte in den Tagen Wilhelm's nicht minder zahlreich und
glnzend waren als in den Tagen seiner Oheime.

[62] Ich habe diese Schilderung der Rundreise Wilhelm's hauptschlich
aus der London Gazette, aus den Depeschen L'Hermitage's, aus Narcissus
Luttrell's Tagebuche und aus den Briefen von Vernon, Yard und
Cartwright unter den Lexington'schen Papieren entlehnt.

[63] Siehe den Brief von Yard an Lexington vom 8.Nov. 1695 und die
Anmerkung vom Herausgeber der +Lexington Papers+.

[64] L'Hermitage, 15.(25.) Nov. 1695.

[65] L'Hermitage, 25.Oct. (4.Nov.), 29.Oct. (8.Nov.) 1695.

[66] L'Hermitage, 5.(15.) Nov. 1695.

[67] L'Hermitage, 5. (15.); 15.(25.) Nov. 1695; Sir James Forbes an
Lady Russell, 3.Oct. 1695; Lady Russell an Sir Eduard Russell; Postman
vom 16.Nov. 1695.

[68] Einen hchst interessanten Bericht von diesem Wahlkampfe findet
man in L'Hermitage's Depeschen.

[69] Postman vom 15. und 17.Dec. 1696; Vernon an Shrewsbury, 13. und
15.Dec.; +Narcissus Luttrell's Diary; Burnet I. 647;+ Saint-Evremond's
Verse auf Hampden.

[70] L'Hermitage, 19.(29.) Nov. 1695.

[71] Ich habe viele werthvolle Aufschlsse ber diesen Gegenstand aus
einem im Britischen Museum, Lansdowne-Sammlung No. 801, befindlichen
Manuscripte geschpft. Es ist betitelt: +Brief Memoires relating to the
Silver and Gold Coins of England, with an Account of the Corruption
of the Hammered Money, and of the Reform by the late Grand Coinage at
the Tower and the Country Mints, by Hopton Haynes, Assay Master of the
Mint+.

[72] +Stat. 5 Eliz. c. 11,+ und +18 Eliz. c. 1.+

[73] +Pepys's Diary,+ Nov. 23. 1663.

[74] Der erste Schriftsteller, der die Thatsache hervorgehoben hat, da
da, wo gutes Geld und schlechtes Geld neben einander coursiren, das
schlechte Geld das gute Geld verdrngt, war Aristophanes. Er scheint
der Meinung gewesen zu sein, da der Vorzug, den seine Mitbrger den
leichten Mnzen gaben, einem verdorbenen Geschmacke zugeschrieben
werden msse, hnlich dem, der sie verleitete, Mnnern wie Kleon und
Hyperbolus die Leitung wichtiger Angelegenheiten zu bertragen. Aber
wenn auch seine Staatskonomie keine Prfung aushlt, seine Verse sind
vortrefflich:

  $pollakis g' min edoxen  polis peponthenai
  tauton es te tn politn tous kalous te kagathous
  es te tarchaion nomisma kai to kainon chrysion.
  oute gar toutoisin ousin ou kekibdleumenois
  alla kallistois apantn, s dokei, nomismatn,
  kai monois orths kopeisi, kai kekdnismenois
  en te tois Ellsi kai tois barbaroisi pantachou,
  chrmeth' ouden, alla toutois tois ponrois chalkiois,
  chthes te kai prn kopeisi t kakist kommati.
  tn politn th' ous men ismen eugeneis kai sphronas
  andras ontas, kai dikaious, kai kalous te kagathous,
  kai traphentas en palaistrais kai chorois kai mousik,
  prouseloumen tois de chalkois, kai xenois, kai pyrriais,
  kai ponrois, kak ponrn, eis apanta chrmetha.$

[75] N. Luttrell's Tagebuch ist voll von Berichten ber solche
Hinrichtungen. +Le mtier de rogneur de monnoye,+ sagt L'Hermitage,
+est si lucratif et paroit si facile que, quelque chose qu'on fasse
pour les detruire, il s'en trouve toujours d'autres pour prendre leur
place.+ 1.(11.) Oct. 1695.

[76] Ueber die Sympathie des Publikums fr die Kipper sehe man die
hchst interessante Predigt, welche Fleetword, nachmals Bischof von
Ely, im December 1694 vor dem Lordmayor hielt. Fleetword sagt, da
eine verderbliche Theilnahme den Berufseifer der Richter erschlaffe,
die unteren Beamten zurckhalte, die Geschwornen auf Irrwege leite
und den Zeugenbeweis erschwere. Er erwhnt ferner die Schwierigkeit,
die Verbrecher zu berzeugen, da sie Unrecht gethan. Siehe auch
eine Predigt, die ein Geistlicher der Kathedrale, Georg Halley, im
Schlosse zu York vor einigen Kippern hielt, welche gehngt werden
sollten. Er erwhnt das gewhnlich unreuige Ende der Kipper und thut
sein Mglichstes, um in seinen Zuhrern die Stimme des Gewissens wach
zu rufen. Er hebt besonders einen Erschwerungsgrund ihres Verbrechens
hervor, an den ich nicht gedacht haben wrde. Wenn, sagt er, jetzt,
wie vor Alters, die Frage gestellt wrde: We' ist dieses Bild und
die Umschrift? so knnten wir sie nicht ganz beantworten. Wen das
Bild vorstellt, knnen wir errathen, aber wir knnen nicht sagen, wen
die Umschrift nennt, denn die ist vllig verschwunden. Das Zeugni
dieser beiden Geistlichen wird durch das Tom Brown's besttigt, der
eine spahafte Geschichte, die ich nicht mitzutheilen wage, von einer
Unterredung zwischen dem Gefngnigeistlichen von Newgate und einem
Kipper erzhlt.

[77] +Lowndes's Essay for the Amendment of the Silver Coins, 1695.+

[78] L'Hermitage, 29.Nov. (9.Dec.) 1695.

[79] Die Memoiren dieses Qukers aus Lancashire erschienen vor einigen
Jahren in einer sehr geachteten Zeitschrift, dem Manchester Guardian.

[80] +Lowndes's Essay+.

[81] L'Hermitage, 24.Dec, (3.Jan) 1695.

[82] Es mu indessen zu Adam Smith's Ehre erinnert werden, da er durch
Bentham's +Defence of Usury+ vollstndig bekehrt wurde und mit einer
eines wahren Philosophen wrdigen Offenheit eingestand, da die in
seinem +Wealth of Nations+ aufgestellte Lehre irrig sei.

[83] Engl. Feldma = 1/8 engl. Meile -- D. Uebers.

[84] +Lowndes's Essay for the Amendment of the Silver Coins; Locke's
Further Considerations concerning raising the Value of Money;+ Locke an
Molyneux, 20.Nov. 1695; Molyneux an Locke, 24.Dec. 1695.

[85] Burnet, +II+. 147.

[86] +Commons' Journals Nov. 22, 23, 24. 1695+; L'Hermitage, 26.Nov.
(6.Dec.)

[87] +Ibid.+ Nov. 26, 27, 28, 29. 1695; L'Hermitage, 26.Nov.
(6.Dec.), 29.Nov. (9.Dec.), 3.(13.) Dec.

[88] +Commons' Journals, Nov. 28, 29. 1695.+; L'Hermitage 3.(13.)Dec.

[89] L'Hermitage, 22.Nov. (2.Dec.), 6.(16.) Dec. 1695.; +An Abstract
of the Consultations and Debates Between the French King and his
Council concerning the new Coin that is intended to be made in England,
privately sent by a Friend of the Confederates from the French Court
to his Brother at Brussels, Dec. 12, 1695.; A Discourse of the General
Notions of Money, Trade and Exchanges, by Mr. Clement of Bristol; A
Letter from an English Merchant at Amsterdam to his Friend in London;
A Fund for preserving and supplying our Coin; An Essay for regulating
the Coin, by A.V.; A Proposal for supplying His Majesty with 1,200,000
_l._, by mending the Coin, and yet preserving the ancient Standard of
the Kingdom.+ Dies sind einige von den Schriften, welche damals unter
die Parlamentsmitglieder vertheilt wurden.

[90] +Commons' Journals, Dec. 10. 1695;+ L'Hermitage, 3. (13.), 6.
(16.), 10.(20.) Dec.

[91] +Stat. 7 Gul. 3. c. 1.; Lords'+ und +Commons' Journals+;
L'Hermitage, 31.Dec. (10.Jan.), 7. (17.), 10. (20.), 14. (24.) Jan.
1696. L'Hermitage schildert in starken Worten die groen Nachtheile,
welche durch den Streit zwischen den beiden Husern verursacht
wurden. +La longueur qu'il y a dans cette affaire est d'autant plus
dsagrable qu'il n'y a point de sujet sur lequel le peuple en gnral
puisse souffrir plus d'incommodite, puisqu'il n'y a personne qui, 
tous moments, n'aye occasion  l'esprouver+.

[92] Da Locke keinen Theil an dem Versuche hatte, das Geld durch
Strafbestimmungen wohlfeiler zu machen, schliee ich aus einer Stelle,
in der er Lowndes' Klagen ber den hohen Preis der Guineen erwhnt.
Das einzige Mittel, sagt Locke, sowohl gegen diesen wie gegen eine
groe Menge anderer Uebelstnde ist, da man das Ausgeben und Annehmen
des beschnittenen Geldes nach dem Nennwerthe verbietet. -- Locke's
+Further Considerations+. Da sich die Strafbestimmung, wie zu erwarten
stand, als unwirksam erwies, geht aus mehreren Stellen in L'Hermitage's
Depeschen und selbst aus Haynes' +Brief Memoires+ hervor, obgleich
Haynes ein treuer Anhnger Montague's war.

[93] L'Hermitage, 14.(24.) Jan. 1696.

[94] +Commons' Journals, Jan. 14, 17, 23. 1696;+ L'Hermitage 14.(24.)
Jan.; +Gloria Cambriae, or Speech of a Bold Briton against a Dutch
Prince of Wales, 1702; Life of the late Honourable Robert Price, etc.
1734.+ Price war der khne Brite, dessen -- meines Wissens nie
gehaltene -- Rede 1702 gedruckt wurde. Er wrde die Bezeichnung khn
eher verdient haben, wenn er seine Impertinenzen zu Wilhelm's Lebzeiten
verffentlicht htte. Die Biographie Price's ist eine erbrmliche
Arbeit voller Fehler und Anachronismen.

[95] L'Hermitage erwhnt den ungnstigen Wechsel in der Stimmung
der Gemeinen, und Wilhelm spielt in seinen Briefen an Heinsius vom
21.(31.) Jan. und 28.Jan. (7.Febr.) 1696 mehrmals darauf an.

[96] Da die Heiterkeit der Jakobiten eine Zeit lang auffiel, sagt Van
Cleverskirke unterm 25.Febr. (6.Mrz) 1696.

[97] Harris' Aussage, 28.Mrz 1696.

[98] Hunt's Aussage.

[99] Fisher's und Harris' Aussagen.

[100] Barclay's Erzhlung im +Life of JamesII. 548;+ Schriftstck von
Charnock unter den Nairne'schen Manuscripten in der Bodlejanischen
Bibliothek.

[101] Harris' Aussage.

[102] Harris' Aussage. Bernardi's Selbstbiographie ist durchaus nicht
glaubwrdig.

[103] Siehe seinen Proze.

[104] Fisher's Aussage; Knightley's Aussage; Cranburne's Proze; De la
Rue's Aussage.

[105] Siehe die Prozesse und Aussagen.

[106] L'Hermitage, 3.(13). Mrz.

[107] Siehe Berwick's Memoiren.

[108] Van Cleverskirke, 25.Febr. (6.Mrz) 1696. Ich bin berzeugt,
da kein Verstndiger und Unparteiischer nach aufmerksamer Lesung von
Berwick's Erzhlung dieser Vorgnge und Vergleichung derselben mit der
Darstellung im Leben Jakob's, welche Wort fr Wort den Originalmemoiren
entnommen ist, daran zweifeln kann, da Jakob um den Mordanschlag wute.

[109] L'Hermitage, 25.Febr. (6.Mrz).

[110] Meine Mittheilungen ber diese Ereignisse sind hauptschlich
den Prozeverhandlungen und Aussagen entnommen. Siehe auch Burnet,
+II+. 165, 166, 167, und Blackmore's +True and Impartial History+,
zusammengestellt unter Leitung Shrewsbury's und Somers', und Boyer's
+History of King WilliamIII., 1703+.

[111] Portland an Lexington, 3.(13.) Mrz 1696; Van Cleverskirke,
25.Febr. (6.Mrz); L'Hermitage von gleichem Datum.

[112] +Commons' Journals, Feb. 24. 1696.+

[113] +England's Ennemies Exposed, 1701.+

[114] +Commons' Journals, Feb. 24. 1695/96.+

[115] +Commons' Journals, Feb. 25. 1695/96;+ Van Cleverskirke,
28.Febr. (9.Mrz); L'Hermitage von dem nmlichen Tage.

[116] Nach L'Hermitage, 28.Febr. (9.Mrz), gab es zwei solcher
glcklicher Kutscher. Ein schlauer und wachsamer Miethkutscher hatte
allerdings der Natur seines Berufs nach viel Aussicht, in dieser Art
Jagd glcklich zu sein. Die Zeitungen enthalten zahlreiche Beweise von
dem allgemeinen Enthusiasmus.

[117] Postman vom 5.Mrz 1695/96.

[118] Postman vom 29.Febr., 2., 12. und 14.Mrz 1695/96.

[119] Postman vom 12.Mrz 1696; Vernon an Lexington, 13.Mrz; Van
Cleverskirke, 13.(23.) Mrz. Die Verhandlungen sind in der +Collection
of State Trials+ ausfhrlich wiedergegeben.

[120] Burnet +II+. 171; +The Present Disposition of England
considered;+ die Antwort, betitelt: +England's Ennemies Exposed,
1701;+ L'Hermitage, 17.(27.) Mrz 1696. L'Hermitage sagt: +Charnock
a fait des grandes instances pour avoir sa grace, et a offert de tout
dclarer; mais elle lui a est refuse.+

[121] L'Hermitage, 17.(27.) Mrz.

[122] Dieses hchst interessante Schriftstck befindet sich unter den
Nairne'schen Manuscripten in der Bodlejanischen Bibliothek. Ein kurzer
aber nicht ganz treuer Auszug daraus findet sich im +Life of JamesII.
555+. Warum Macpherson, der viel weniger interessante Schriftstcke
abgedruckt hat, es nicht fr gut fand, dieses abzudrucken, ist leicht
zu errathen. Ich will einige wichtige Stellen hier anfhren. Man darf
vernnftigerweise annehmen, da Se. Majestt etwas was er zu einer Zeit
verworfen hatte, zu einer andren Zeit, wo sein persnliches wie das
allgemeine Wohl es nothwendig erforderten, gelten lassen konnte. Denn
ich konnte es nicht so verstehen, als htte er ein allgemeines Verbot
erlassen, da der Prinz von Oranien zu keiner Zeit angerhrt werden
solle... Niemand, der Se. Majestt als den rechtmigen Knig von
England betrachtet, kann daran zweifeln, da kraft seiner Vollmacht,
gegen den Prinzen von Oranien und seine Anhnger Krieg zu fhren,
ein Angriff auf die Person des Letzteren, sowohl nach den gebhrend
ausgelegten und erklrten Gesetzen des Landes als nach dem Gesetze
Gottes zu rechtfertigen ist.

[123] Die Prozesse Friend's und Parkyns' findet man vortrefflich
dargestellt in der +Collection of State Trials+.

[124] L'Hermitage, 3.(13.) April 1696.

[125] +Commons' Journals, April 1, 2. 1696;+ L'Hermitage,
3.(13.)April 1696, Van Cleverskirke von demselben Datum.

[126] L'Hermitage, 7. (17.) April 1696. Die Erklrung der Bischfe,
Collier's Vertheidigung und fernere Vertheidigung und eine lange
juristische Argumentation fr Cook und Snatt findet man in der
+Collection of State Trials+.

[127] Siehe den +Manhunter, 1690+.

[128] +State Trials.+

[129] Den besten und berhaupt einzigen guten Bericht ber diese
Debatten giebt L'Hermitage unterm 28.Februar (9.Mrz) 1696. Er sagt
sehr wahr: +La diffrence n'est qu'une dispute de mots, le droit qu'on
a  une chose selon les loix estant aussy bon qu'il puisse estre.+

[130] Siehe die London Gazette von mehreren Wochen; L'Hermitage,
17.(27.) Mrz, 14.(24.) April 1696; Postman vom 9.25. 30.April.

[131] Protokolle der Gemeinen und der Lords; L'Hermitage; 7.(17.),
10.(20.) April 1696.

[132] Siehe +The Freeholder's Plea against Stockjobbing Elections of
Parliament Men+, und die +Considerations upon Corrupt Elections of
Members to serve in Parliament+. Beide Flugschriften erschienen im
Jahre 1701.

[133] Die Geschichte dieser Bill ist aus den Protokollen der Gemeinen
und aus einer hchst interessanten Depesche L'Hermitage's vom 14.(24.)
April 1696 zu ersehen.

[134] Die Acte ist +7 & 8 Will. 3. c. 31+. Ihre Geschichte ist aus den
Protokollen zu ersehen.




Zweiundzwanzigstes Kapitel.

WilhelmIII.




Inhalt.

                                                                   Seite
  Militrische Operationen in den Niederlanden                         5
  Handelskrisis in England                                             5
  Finanzkrisis                                                         8
  Anstrengungen um dem Geldmangel abzuhelfen                          11
  Noth des Volks; seine Stimmung und sein Verhalten                   12
  Unterhandlungen mit Frankreich; der Herzog von Savoyen fllt von
      der Coalition ab                                                15
  Nachforschungen nach jakobitischen Verschwrern in England; Sir
      Johann Fenwick                                                  17
  Ergreifung Fenwick's                                                18
  Fenwick's Bekenntni                                                19
  Wilhelm's Rckkehr nach England                                     24
  Zusammentritt des Parlaments; Lage des Landes                       25
  Rede Knig Wilhelm's bei Erffnung der Session                      26
  Beschlsse des Hauses der Gemeinen                                  26
  Rckkehr des Wohlstandes                                            28
  Einflu der Manahmen des Hauses der Gemeinen auf die auswrtigen
      Regierungen                                                     28
  Besserung der Finanzen                                              29
  Folgen des Fenwick'schen Bekenntnisses                              30
  Godolphin's Rcktritt                                               31
  Stimmung der Whigs ber Fenwick                                     31
  Wilhelm verhrt Fenwick                                             32
  Verschwinden Goodman's                                              33
  Parlamentarische Manahmen in Bezug auf Fenwick's Gestndnisse      34
  Bill zur Verurtheilung Fenwick's                                    35
  Debatten der Gemeinen ber die Verurtheilungsbill                   36
  Die Verurtheilungsbill den Lords berreicht                         43
  Monmouth's Kunstgriffe                                              44
  Debatten der Lords ber die Verurtheilungsbill                      46
  Schritte gegen Monmouth                                             49
  Stellung und Gesinnung Shrewsbury's                                 51
  Die Verurtheilungsbill angenommen                                   52
  Versuche, Fenwick zu retten                                         53
  Fenwick's Hinrichtung                                               53
  Bill zur Regulirung der Wahlen                                      54
  Bill zur Regulirung der Preise                                      55
  Bill zur Abschaffung der Vorrechte von Whitefriars und dem Savoy    56
  Schlu der Session; Befrderungen und Ernennungen                   58
  Zustand Irland's                                                    60
  Zustand Schottland's                                                61
  Eine Parlamentssession in Edinburg                                  61
  Acte zur Errichtung von Schulen                                     61
  Der Proze Thomas Aikenhead's                                       62
  Militrische Operationen in den Niederlanden                        64
  Von Frankreich offerirte Friedensbedingungen                        64
  Verhalten Spaniens                                                  65
  Verhalten des Kaisers                                               65
  Congre von Ryswick                                                 66
  Wilhelm erffnet eine bestimmte Unterhandlung                       68
  Zusammenknfte Portland's mit Boufflers                             69
  Die Friedensbedingungen zwischen Frankreich und England werden
      festgesetzt                                                     71
  Schwierigkeiten, durch Spanien und den Kaiser veranlat             72
  Versuche Jakob's, einen allgemeinen Friedensschlu zu verhindern    74
  Der Tractat von Ryswick unterzeichnet                               75
  Spannung in England                                                 75
  Ankunft der Friedensnachricht in England                            75
  Schrecken der Jakobiten                                             76
  Allgemeine Freude                                                   76
  Einzug des Knigs in London                                         77
  Der Tag des Dankgottesdienstes                                      78


[_Militrische Operationen in den Niederlanden._] Am 7.Mai 1696 landete
Wilhelm in Holland.[1] Von da begab er sich nach Flandern und bernahm
das Commando der in der Nhe von Gent zusammengezogenen verbndeten
Truppen. Villeroy und Boufflers waren bereits im Felde. Ganz Europa
erwartete mit Ungeduld wichtige Nachrichten aus den Niederlanden; aber
es wartete vergebens. Es fand keine aggressive Bewegung statt. Die
Hauptaufgabe der beiderseitigen Generle bestand darin, ihre Truppen vor
dem Hungertode zu bewahren, und es war dies eine keineswegs leichte
Aufgabe. Der Staatsschatz Frankreich's sowohl wie England's war leer.
Ludwig hatte im Winter mit groer Mhe und groem Kostenaufwande in
Givet an der Grenze seines Reichs ein groartiges Magazin errichtet. Die
Gebude waren zweckmig und gerumig und die Masse der darin
aufgehuften Proviantvorrthe war ungeheuer. Die Anzahl der Rationen fr
die Mannschaften wurde gewhnlich auf drei bis vier Millionen geschtzt.
Aber zu Anfang des Frhjahrs hatten Athlone und Cohorn durch eine khne
und geschickte Bewegung Givet berrumpelt und die Magazine sowohl wie
die Vorrthe total vernichtet.[2] Das vor Erschpfung bereits einer
Ohnmacht nahe Frankreich war nicht im Stande einen solchen Verlust zu
ersetzen. Belagerungen, wie die von Mons und Namur waren zu kostspielige
Operationen fr seine Mittel. Die Aufgabe seiner Armee war jetzt nicht
zu erobern, sondern zu subsistiren.

Wilhelm's Armee war zu nicht minder harten Entbehrungen gezwungen. Der
materielle Wohlstand England's hatte zwar durch den Abzug, den der Krieg
verursacht, nicht erheblich gelitten, aber es seufzte schwer unter dem
schlechten Zustande des Werkzeugs, durch das sein materieller Wohlstand
vertheilt wurde.


[_Handelskrisis in England._] Sonnabend der 2.Mai war vom Parlament als
der letzte Tag bestimmt worden, an welchem die beschnittenen Kronen,
halben Kronen und Schillinge bei Entrichtung der Steuern angenommen
werden sollten.[3] Die Schatzkammer war von Tagesanbruch bis Mitternacht
von einer unzhligen Menge belagert. Man mute die Garden herbeirufen,
um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Am darauffolgenden Montag begann
eine angstvolle Periode von einigen Monaten, auf welche dann viele
Jahre eines fast ununterbrochenen Wohlstandes folgen sollten.[4]

Der grte Theil des alten Silbers war verschwunden und das neue begann
sich kaum erst zu zeigen. Ungefhr vier Millionen Pfund Sterling in
Barren und gemnztem Gelde lagen in den Kellern der Schatzkammer und das
geprgte Geld kam bis jetzt nur sehr langsam aus der Mnze.[5] Die
Aengstlichen prophezeiten, das reichste und gebildetste Land Europa's
werde bald zu dem Zustande der barbarischen Nationen herabsinken, bei
denen eine Matte fr ein Beil und ein paar Moccassins fr ein Stck Wild
gekauft wrden.

Es gab zwar noch etwas gemnztes Geld, das der Verstmmelung entgangen
war, und Sixpencestcke, die nicht bis ber den innern Rand beschnitten
waren, coursirten noch in ziemlicher Menge. Dieses alte Geld bildete mit
dem neuen einen drftigen Silbervorrath, der mit Hlfe des Goldes der
Nation den Sommer ber durchhelfen sollte.[6] Die Fabrikanten wuten es
im Allgemeinen, wenn auch mit grter Mhe, einzurichten, da sie ihre
Arbeiter mit Mnze bezahlen konnten.[7] Die hheren Stnde scheinen in
bedeutendem Mae auf Credit gelebt zu haben. Selbst ein wohlhabender
Mann besa selten die Mittel, um die Wochenrechnungen seines Bckers und
Fleischers bezahlen zu knnen.[8] Eine Schuldverschreibung von der Hand
eines solchen Mannes wurde jedoch in der Gegend, wo man seine
Vermgensverhltnisse und seinen Character genau kannte, gern genommen.
So circulirten die Noten der reichen Geldwechsler von Lombard Street in
weiten Kreisen.[9] Die Billets der Bank von England thaten gute Dienste
und wrden ohne den unglcklichen Migriff, zu dem sich das Parlament
krzlich durch Harley und Foley hatte verleiten lassen, noch bessere
Dienste gethan haben. Das Vertrauen des Publikums zu dieser mchtigen
und reichen Compagnie war durch das Edict, welches die Landbank
errichtete, erschttert worden. Man konnte mit gutem Grunde zweifeln, ob
die beiden rivalisirenden Institute neben einander wrden bestehen
knnen, und das jngere von beiden schien der Liebling der Regierung und
der Legislatur zu sein. Die Actien der Bank von England waren rasch von
hundertzehn auf achtundachtzig gefallen. Zu gleicher Zeit verschworen
sich die Goldschmiede gegen diese reiche Compagnie, der sie von
vornherein nicht hold gewesen waren. Sie kauften berall ihre Noten auf,
und am 4.Mai, als die Schatzkammer eben den grten Theil des alten
Geldes verschlungen hatte und von dem neuen noch so viel wie nichts
ausgegeben war, strmten sie nach Grocers' Hall und drangen auf
sofortige Umwechselung. Ein einziger Goldschmied verlangte
dreiigtausend Pfund. Die Directoren handelten in dieser bedrngten Lage
mit Einsicht und Festigkeit. Sie verweigerten die Einlsung der
bswillig aufgesammelten und prsentirten Noten und stellten es den
Inhabern anheim, in Westminster Hall ihr Recht zu suchen. Andere
Creditoren, welche +bona fide+ das ihnen Gebhrende verlangten, wurden
befriedigt. Die Verschwrer triumphirten nun ber die mchtige
Corporation, die sie haten und frchteten. Die Bank, welche erst vor
Kurzem unter so glnzenden Auspicien ins Leben getreten, die anscheinend
dazu bestimmt gewesen sei, eine Revolution im Handel und Geldwesen
hervorzubringen, die der Stolz London's und der Neid Amsterdam's
gewesen, sei schon insolvent, ruinirt, entehrt. Es erschienen
erbrmliche Pasquille, wie unter andren: +The Trial of the Land Bank
for Murdering the Bank of England, The Last Will and Testament of the
Bank of England, The Epitaph of the Bank of England, The Inquest on
the Bank of England.+ Doch trotz all' dieses Geschreis und Gesptts
berichteten die Correspondenten der Generalstaaten, da die Bank von
England in der ffentlichen Achtung thatschlich nicht gesunken sei und
da das Verfahren der Goldschmiede allgemein getadelt werde.[10]

Die Directoren berzeugten sich bald von der Unmglichkeit, selbst das
zur Befriedigung der +bona fide+ an sie gemachten Anforderungen
benthigte Silber herbeizuschaffen. Sie ersannen daher ein neues
Auskunftsmittel. Sie verlangten von den Actionren einen Zuschu von
zwanzig Procent und brachten dadurch eine Summe auf, die sie in den
Stand setzte, jedem Applikanten fnfzehn Procent von seiner Forderung in
gemnztem Gelde auszuzahlen. Sie gaben ihm die Note zurck, nachdem sie
die geleistete theilweise Zahlung auf derselben bemerkt hatten.[11] Ein
paar Noten mit dieser Bemerkung werden noch zur Erinnerung an jenes
schlimme Jahr in den Archiven der Bank aufbewahrt. Das Papier des
Instituts circulirte nach wie vor; aber der Werth schwankte heftig von
Tag zu Tag, ja von Stunde zu Stunde, denn die ffentliche Meinung war in
einem so reizbaren Zustande, da die absurdeste Lge, die ein
Stockjobber erfinden konnte, hinreichte, um den Cours zum Steigen oder
zum Fallen zu bringen. Einmal betrug der Discont nur sechs Procent, ein
andermal vierundzwanzig Procent. Eine Zehnpfundnote, die am Morgen zu
mehr als neun Pfund genommen worden, war oft gegen Abend keine acht
Pfund mehr werth.[12]

Ein andres und unter den damaligen Umstnden zweckentsprechenderes
Ersatzmittel fr klingendes Courantgeld verdankte sein Entstehen dem
Scharfsinn Montague's. Es war ihm gelungen, in Harley's Landbankbill
eine Klausel aufnehmen zu lassen, welche die Regierung ermchtigte, ein
Papiergeld auszugeben, das tglich drei Pence Zinsen fr hundert Pfund
trug. Inmitten der altgemeinen Noth und Verwirrung erschienen die ersten
Schatzkammerscheine, auf verschiedene Betrge von hundert Pfund bis
herab zu fnf Pfund lautend. Dieses Zahlungsmittel wurde durch die Post
rasch ber das ganze Land verbreitet und war berall willkommen. Die
Jakobiten zogen in jedem Kaffeehause heftig darber her und schrieben
viel schlechte Verse dagegen, doch mit nur geringem Erfolg. Der Plan
fand so gnstige Aufnahme, da die Minister einmal beschlossen,
Zwanzigschillingscheine und sogar Funfzehnschillingscheine zur Bezahlung
der Truppen auszugeben. Dieser Beschlu scheint jedoch nicht zur
Ausfhrung gekommen zu sein.[13]

Man kann sich schwer denken, wie ohne die Schatzkammerscheine die
Regierung des Landes whrend dieses Jahres htte ihren regelmigen Gang
beibehalten knnen. Jede Einnahmequelle war durch den Stand des
Geldmarktes geschmlert und eine Quelle, von der das Parlament
zuversichtlich mehr als die Hlfte der zur Bestreitung der Kriegskosten
erforderlichen Summe erwartet, hatte nicht einen Farthing eingetragen.


[_Finanzkrisis._] Die von der Landbank gehoffte Summe betrug nahe an
zwei Millionen sechshunderttausend Pfund. Von dieser Summe war die
Hlfte zu zeichnen und ein Viertel am 1.August einzuzahlen. Der Knig
hatte noch unmittelbar vor seiner Abreise ein Decret unterzeichnet,
welches bestimmte Commissare, unter denen Harley und Foley die
bedeutendsten waren, zur Empfangnahme der Namen der Subscribenten
ernannte.[14] Es wurde im Saale des mittleren Temple eine zahlreiche
Versammlung von Personen gehalten, die bei dem Plane interessirt waren.
Ein Subscriptionsbureau wurde in Exeter Change, ein andres in Mercers'
Hall erffnet. Vierzig Agenten reisten durch das Land und verkndeten
der Landgentry aller Grafschaften das Herannahen des goldenen
Zeitalters hoher Renten und niedriger Zinsen. Der Regentschaftsrath
zeichnete, um der Nation mit gutem Beispiele voranzugehen, fnftausend
Pfund fr den Knig, und die Zeitungen versicherten der Welt, da
die erforderliche Summe sehr bald voll werden wrde.[15] Als aber
drei Wochen vergangen waren, fand es sich, da zu den vom Knige
beigesteuerten fnftausend Pfund nur noch funfzehnhundert gekommen
waren. Viele wunderten sich darber; allein es war sehr wenig Grund
dazu. Die Summe, welche die Freunde des Planes aufzubringen bernommen
hatten, konnte nur von den Feinden des Planes beschafft werden. Die
Landgentlemen waren dem Plane Harley's hold; aber nur deshalb, weil sie
Geld zu niedrigem Zinsfue entlehnen wollten, und da sie Geld entlehnen
wollten, waren sie natrlich nicht im Stande, welches herzugeben. Nur
die vermgende Klasse konnte das zum Bestehen der Landbank Nthige
liefern, und die Landbank hatte eingestandenermaen den Zweck, den
Gewinn der vermgenden Klasse zu vermindern, ihren politischen Einflu
zu vernichten und ihre sociale Stellung zu erniedrigen. Da die Wucherer
nicht Lust hatten, die Kosten der Unterdrckung des Wuchers selbst zu
bezahlen, so scheiterte der ganze Plan in einer Weise, die im hchsten
Grade lcherlich gewesen wre, wenn die ffentlichen Angelegenheiten
ein minder beunruhigendes Aussehen gehabt htten. Der Tag rckte heran,
und die sauber linirten Seiten des Einzeichnungsbuches in Mercers'
Hall waren noch immer leer. Die Commissare wuten nicht was sie denken
sollten. In ihrer Noth baten sie die Regierung um Nachsicht. Viele
groe Kapitalisten, sagten sie, mchten gern unterzeichnen; aber sie
zgerten damit, weil die Bedingungen zu hart seien. Das verlangte
Kapital msse vermindert werden. Wolle der Regentschaftsrath sich
nicht zu einem Nachlasse von dreihunderttausend Pfund verstehen? Die
Finanzen befanden sich in einem so traurigen Zustande und die Briefe,
in denen der Knig seine Bedrfnisse darstellte, waren so dringend, da
der Regentschaftsrath schwankte. Die Commissare wurden gefragt, ob sie
sich bei Bewilligung des verlangten Abzugs verbindlich machen wrden,
die ganze Summe aufzubringen. Ihre Antwort lautete unbefriedigend. Sie
wagten nicht zu behaupten, da sie ber mehr als achthunderttausend
Pfund gebieten knnten. In Folge dessen wurde die Unterhandlung
abgebrochen. Der 1.August erschien, und der ganze Betrag, den die
ganze Nation zu dem glnzenden Unternehmen beigesteuert hatte, von dem
man sich so viel versprochen, belief sich auf zweitausendeinhundert
Pfund.[16]

Gerade zu diesem Zeitpunkte kam Portland vom Continent an. Wilhelm hatte
ihn mit dem Auftrage abgesandt, um jeden Preis Geld zu schaffen,
gleichviel wie und woher. Der Knig hatte sich in Holland schon seines
Privatcredits bedient, um seiner Armee Brot geben zu knnen. Aber es
reichte Alles nicht hin. Er schrieb seinen Ministern, da, wenn sie ihm
nicht schleunigst Geld schicken knnten, seine Truppen sich entweder
empren oder zu Tausenden desertiren wrden. Er wisse wohl, sagte er,
da es bedenklich sein wrde, in seiner Abwesenheit das Parlament
einzuberufen; aber wenn kein andres Mittel ausfindig gemacht werden
knne, msse man es riskiren.[17] Der in die grte Verlegenheit
versetzte Regentschaftsrath begann jetzt zu wnschen, da die von den
Commissaren in Mercers' Hall angebotenen Bedingungen bei aller ihrer
Hrte angenommen worden wren. Die Unterhandlung wurde wieder
angeknpft. Shrewsbury, Godolphin und Portland, als Agenten der
Regierung, hatten mehrere Conferenzen mit Harley und Foley, welche vor
Kurzem behauptet hatten, da achthunderttausend Pfund bereit seien, fr
die Landbank gezeichnet zu werden. Die Minister gaben die Zusicherung,
da, wenn in diesem Augenblicke nur die Hlfte dieser Summe vorgestreckt
werden knnte, Diejenigen, welche dem Staate diesen Dienst erzeigt
htten, in der nchsten Session als Nationallandbank incorporirt werden
sollten. Harley und Foley versprachen zuerst mit zuversichtlicher Miene
das Verlangte aufzubringen. Aber sie nahmen bald ihr Wort zurck und
zeigten groe Lust, wegen Kleinigkeiten peinlich und streitschtig zu
sein; schlielich schrumpften die achthunderttausend Pfund zu
vierzigtausend zusammen, und selbst diese vierzigtausend waren nur unter
harten Bedingungen zu haben.[18] So endete die groe Tuschung der
Landbank. Die Vollmacht erlosch und die Bureaux wurden geschlossen.

Jetzt nahm der der Verzweiflung nahe Regentschaftsrath seine Zuflucht
zur Bank von England. Zweihunderttausend Pfund waren die geringste
Summe, welche zur Bestreitung der dringendsten Bedrfnisse des Knigs
gengte. Wrde die Bank von England diese Summe vorstrecken? Die
Kapitalisten, welche die erste Stimme bei diesem Institute hatten, waren
belgestimmt und nicht ohne Grund. Aber freundliche Worte, dringende
Bitten und glnzende Versprechungen wurden nicht gespart, der ganze
Einflu Montague's, der mit Recht gro war, wurde aufgeboten; die
Directoren versprachen ihr Mglichstes zu thun; aber sie frchteten, da
es ihnen nicht mglich sein wrde die Summe herbeizuschaffen, ohne von
ihren Actionren eine zweite Einzahlung von zwanzig Procent zu
verlangen. Die Frage mute einer Generalversammlung vorgelegt werden, in
einer solchen Versammlung waren ber sechshundert Personen
stimmberechtigt und das Ergebni war sehr zweifelhaft. Die Actionre
wurden zu einer Versammlung in Mercers' Hall fr den 15.August
eingeladen. Whrend der peinlichen Zwischenpause der Ungewiheit schrieb
Shrewsbury in einem so tragischen Tone an seinen Gebieter, wie man ihn
in officiellen Briefen nicht hufig findet. Wenn dies nicht gelingt,
dann wei Gott was geschehen soll. Doch es mu Alles versucht und gewagt
werden, ehe wir uns hinlegen und sterben.[19] Am 15.August, der eine
wichtige Epoche in der Geschichte der Bank bezeichnet, wurde die
Generalversammlung abgehalten. Den Vorsitz fhrte Sir Johann Houblon,
der Gouverneur, der zugleich Lordmayor von London, und, was unsrer Zeit
sonderbar vorkommen wrde, ein Commissar der Admiralitt war. Sir John
schilderte in einer Rede, von der jedes Wort niedergeschrieben und von
den Directoren reiflich erwogen worden war, den Stand der Sache und bat
die Versammlung dringend, dem Knige Wilhelm beizustehen. Es wurde
anfangs ein wenig gemurrt. Wenn unsere Noten gengten, sagte man, so
wrden wir gern bereit sein, Sr. Majestt zu Hlfe zu kommen; aber
zweihunderttausend Pfund in klingender Mnze zu einer Zeit wie die
gegenwrtige --. Der Gouverneur erklrte kurz und entschieden, da nur
Gold oder Silber den Bedrfnissen der Armee in Flandern gengen knne.
Es wurde endlich ber die Frage abgestimmt, und jede Hand im Saale erhob
sich fr die Uebersendung des Geldes. Die Briefe von der hollndischen
Gesandtschaft benachrichtigten die Generalstaaten, da das Ergebni
dieses Tages die Bank und die Regierung eng mit einander verbunden habe
und da mehrere Minister unmittelbar nach der Versammlung Actien gekauft
htten, nur um dem Institute, das dem Staate einen so groen Dienst
erzeigt, einen Beweis ihrer Anhnglichkeit zu geben.[20]


[_Anstrengungen um dem Geldmangel abzuhelfen._] Inzwischen wurden
energische Anstrengungen gemacht, um die Umprgung zu beschleunigen.
Seit der Restauration war die Mnze, wie alle anderen ffentlichen
Anstalten im ganzen Lande, ein Nest von Miggngern und
Arbeitsmaschinen gewesen. Der wichtige Posten des Mnzmeisters, der
zwischen sechs- und siebenhundert Pfund jhrlich eintrug, war eine bloe
Sinekure geworden und mit einer Reihe eleganter Gentlemen besetzt
gewesen, die am Hazardspieltische zu Whitehall wohl bekannt waren, die
sich aber nie herablieen, dem Tower zu nahe zu kommen. Dieser Posten
war eben vakant geworden und Montague hatte ihn fr Newton erlangt.[21]
Die Geschftstchtigkeit, der Flei und die strenge Rechtschaffenheit
des groen Philosophen bewirkten bald eine vollstndige Revolution in
dem seiner Leitung anvertrauten Departement.[22] Er widmete sich seiner
Aufgabe mit einer Thtigkeit, die ihm keine Zeit zu den Studien brig
lie, in denen er Archimedes und Galilei bertroffen hat. Bis das groe
Werk vollendet war, widerstand er mit Festigkeit und fast mit Unmuth
jedem Versuche, den Mnner der Wissenschaft sowohl im Inlande als auf
dem Continente machten, ihn von seinen Amtspflichten abzuziehen.[23] Die
bisherigen Beamten der Mnze hatten es fr wunder etwas Groes gehalten,
wenn in einer Woche funfzehntausend Pfund Sterling Silbergeld geprgt
wurden. Als Montague von dreiig- bis vierzigtausend sprach, erklrten
diese Mnner der Form und des Hergebrachten die Sache fr unausfhrbar.
Aber die Energie des jungen Kanzlers der Schatzkammer und seines
Freundes, des Mnzwardeins, bewirkte noch viel grere Wunder. Bald
gingen neunzehn Prgewerke zu gleicher Zeit im Tower. So schnell als in
London Leute zu der Arbeit angelernt werden konnten, wurden Gruppen
derselben nach anderen Theilen des Landes geschickt. In Bristol, York,
Exeter, Norwich und Chester wurden Mnzen errichtet. Diese Maregel war
im hchsten Grade populr. Die Maschinen und Arbeiter wurden an den
neuen Bestimmungsorten mit Glockengelute und Kanonensalven empfangen.
Die wchentliche Emission stieg auf sechzigtausend, auf achtzigtausend,
auf hunderttausend und endlich auf hundertzwanzigtausend.[24] Doch
selbst diese Emission, die nicht nur alle bisherigen Emissionen, sondern
auch alle Erwartungen bertraf, war unbedeutend im Vergleich zu dem
Bedarf der Nation. Auch kam nicht alles neugeprgte Silber in den
Verkehr, denn whrend des Sommers und Herbstes waren diejenigen
Politiker, welche eine Erhhung des Nominalwerthes der Mnzen wnschten,
thtig und laut und man erwartete allgemein, da sogleich nach dem
Wiederzusammentritt des Parlaments der Mnzfu herabgesetzt werden
wrde. Natrlich wollte Niemand, der es fr wahrscheinlich hielt, da er
in nicht ferner Zeit eine Schuld von einem Pfund Sterling mit drei
Kronenstcken anstatt mit vier werde bezahlen knnen, bis zu dieser Zeit
ein Kronenstck ausgeben, das meiste gemnzte Geld wurde daher
zurckgelegt.[25] Die Monate Mai, Juni und Juli vergingen ohne eine
merkliche Zunahme in der Quantitt des guten Geldes. Erst im August
konnte ein aufmerksamer Beobachter die ersten schwachen Anzeichen des
wiederkehrenden Wohlstandes erkennen.[26]


[_Noth des Volks; seine Stimmung und sein Verhalten._] Die Noth der
unteren Volksklassen war gro und wurde noch vermehrt durch die
Thorheiten der Magistratsbeamten und durch die Kunstgriffe der
Mivergngten. Ein Squire, der zu dem Quorum gehrte, hielt es zuweilen
fr seine Schuldigkeit, in dieser schweren Prfungszeit gegen seine
Nachbarn die Billigkeit vorwalten zu lassen; da aber nicht zwei von
diesen lndlichen Prtoren genau dieselben Begriffe von der Billigkeit
hatten, so wurde durch ihre Edicte die Verwirrung immer rger. In dem
einen Kirchspiele wurde den Leuten, in offenem Widerspruch mit dem
Gesetz, Gefngnistrafe angedroht, wenn sie sich weigerten, beschnittene
Schillinge in Zahlung anzunehmen. Im nchsten Kirchspiel war es
gefhrlich, solche Schillinge anders als nach dem Gewicht
auszugeben.[27] Die Feinde der Regierung waren zu gleicher Zeit in ihrem
Berufe unermdlich thtig. Sie haranguirten an allen ffentlichen Orten,
vom Chokoladenhause in Saint-James Street bis zu der mit Sand bestreuten
Kche der Dorfschenke. In Versen und in Prosa stachelten sie die
leidende Menge zur bewaffneten Erhebung auf. Von den Schriften, welche
sie damals erscheinen lieen, war die bemerkenswertheste von einem
abgesetzten Priester, Namens Grascombe, geschrieben, dessen Heftigkeit
und Gemeinheit sich die achtungswertheren Eidverweigerer schon lngst
schmten. Er that jetzt sein Mglichstes, um den Pbel zu berzeugen,
da diejenigen Parlamentsmitglieder, welche fr die Wiederherstellung
der Valuta gestimmt hatten, in Stcken zerrissen werden mten.[28] Es
wre zuviel gesagt, wollte man behaupten, da das bswillige Treiben
dieses Mannes und Anderer seines Gelichters auf eine Bevlkerung, die
ohne Widerrede schwer geprft wurde, keinen Eindruck gemacht habe. Es
fanden in verschiedenen Gegenden des Landes Unruhen statt, die aber mit
leichter Mhe und, soweit es sich ermitteln lt, ohne einen Tropfen
Blut zu vergieen, unterdrckt wurden.[29] An einem Orte belagerte ein
Haufen armer unwissender Geschpfe, durch einen nichtswrdigen Agitator
angereizt, das Haus eines whiggistischen Parlamentsmitgliedes und
verlangte lrmend die Umwechselung ihres zu leichten Geldes. Der
Gentleman willigte ein, es ihnen umzutauschen und fragte wieviel sie
mitgebracht htten. Nach einer Weile vermochten sie nicht mehr als eine
einzige beschnittene halbe Krone aufzuweisen.[30] Tumulte wie dieser
wurden in der Entfernung zu Aufstnden und Metzeleien vergrert. In
Paris wurde in gedruckten Schriften allen Ernstes versichert, da in
einer englischen Stadt, welche nicht genannt war, ein Soldat und ein
Fleischer wegen eines Goldstcks in Streit gerathen seien, da der
Soldat den Fleischer getdtet, da der Gehlfe des Fleischers hierauf
ein Hackmesser ergriffen und den Soldaten erschlagen habe, da sich ein
groer Kampf entsponnen habe und da funfzig Todte auf dem Platze
geblieben seien.[31] In der Wirklichkeit aber war das Benehmen der
groen Masse des Volks ber alles Lob erhaben. Als die Richter im
September von ihren Rundreisen zurckkehrten, berichteten sie, da die
Stimmung der Nation vortrefflich sei.[32] Sie zeige eine Geduld, eine
Einsicht, eine Gutherzigkeit und eine Zuverlssigkeit, die Niemand
erwartet habe. Jedermann sehe ein, da nur gegenseitige Untersttzung
und gegenseitige Nachsicht die Gesellschaft vor Auflsung bewahren
knne. Auf einen hartherzigen Glubiger, der streng auf den Tag
Bezahlung in klingender Mnze verlange, werde mit Fingern gezeigt und er
von seinen eigenen Glubigern mit Forderungen bestrmt, die ihn bald zur
Vernunft brchten. Sehr besorgt war man wegen der Truppen gewesen. Es
war kaum mglich, sie regelmig zu bezahlen; wenn sie nicht regelmig
bezahlt wurden, mute man mit gutem Grunde befrchten, da sie ihren
Bedrfnissen durch Raub gengen wrden, und solche Rubereien lie sich
die Nation, welche ganz und gar nicht an militrische Erpressung und
Tyrannei gewhnt war, gewi nicht ruhig gefallen. Merkwrdigerweise
herrschte jedoch whrend dieses prfungsreichen Jahres ein besseres
Einvernehmen zwischen den Soldaten und der brigen Gesellschaft, als man
es je gekannt hatte. Die Gentry, die Landwirthe und die Krmer lieferten
den Rothrcken ihre Bedrfnisse in so freundlicher und liberaler Weise,
da es weder Zwistigkeiten noch Marodiren gab. So schmerzlich diese
Calamitten empfunden worden sind, schreibt L'Hermitage, haben sie
doch etwas Erfreuliches bewirkt: sie haben gezeigt, wie gut der Geist
des Landes ist. Kein Mensch, mge er eine noch so gnstige Meinung von
den Englndern gehabt haben, htte erwarten knnen, da eine Zeit
solcher Noth eine Zeit solcher Ruhe sein wrde.

Mnner, welche in dem so auerordentlich verwickelten Labyrinth der
menschlichen Dinge die Spuren einer mehr als menschlichen Weisheit zu
erkennen meinten, waren der Ansicht, da ohne die Einmischung einer
allgtigen Vorsehung der von groen Staatsmnnern und groen Philosophen
so mhsam entworfene Plan vollstndig und schmachvoll gescheitert sein
wrde. Oftmals seit der Revolution waren die Englnder mrrisch und
streitschtig, unvernnftig eiferschtig auf die Hollnder und geneigt
gewesen, jeder Handlung des Knigs die schlimmste Deutung zu geben.
Htte der 4.Mai unsere Vorfahren in einer solchen Stimmung gefunden, so
unterliegt es kaum einem Zweifel, da der drckende Nothstand, indem er
schon gereizte Gemther noch mehr reizte, einen Ausbruch veranlat haben
wrde, der Wilhelm's Thron unfehlbar erschttert, vielleicht sogar
umgestrzt htte. Zum Glck war der Knig in dem Augenblicke wo die
Loyalitt der Nation auf die hrteste Probe gestellt wurde, populrer
als er es seit dem Tage, an welchem ihm im Bankethause die Krone
berreicht worden, je gewesen war. Die gegen sein Leben angezettelte
Verschwrung hatte allgemeinen Unwillen und Abscheu erweckt. Sein
zurckhaltendes Wesen, seine Anhnglichkeit an Auslnder waren
vergessen. Er war fr sein Volk ein Gegenstand der persnlichen
Theilnahme und der persnlichen Zuneigung geworden. Allenthalben strmte
es massenhaft herbei, um das Actenstck zu unterzeichnen, das sie
verpflichtete, ihn zu vertheidigen und zu rchen. Allenthalben trugen
sie Zeichen ihrer Loyalitt gegen ihn an den Hten. Nur schwer war es
abzuhalten, den Wenigen, die sein Recht auf den Thron noch offen zu
bestreiten wagten, eine summarische Bestrafung zu Theil werden zu
lassen. Jakobit war jetzt gleichbedeutend mit Kehlabschneider.
Angesehene jakobitische Laien hatten so eben einen schndlichen
Mordanschlag gemacht. Angesehene jakobitische Priester hatten ganz
unverhohlen und bei der Ausbung eines feierlichen Kirchendienstes ihre
Billigung dieses Mordanschlags ausgesprochen. Viele rechtschaffene und
fromme Mnner, die der Meinung waren, da ihre Unterthanentreue noch
immer Jakob gebhre, hatten entrstet jede Verbindung mit Zeloten
abgebrochen, welche zu glauben schienen, da ein guter Zweck die
schlechtesten Mittel heilige. So war die Gesinnung der Nation whrend
des Sommers und Herbstes 1696, und daher kam es, da ein drckender
Nothstand, der in jedem der vorhergehenden sieben Jahre sicherlich einen
Aufstand, vielleicht eine Contrerevolution hervorgerufen haben wrde,
nicht eine einzige Ruhestrung veranlate, welche zu ernst gewesen wre,
um durch den Stab des Constablers unterdrckt werden zu knnen.


[_Unterhandlungen mit Frankreich; der Herzog von Savoyen fllt von der
Coalition ab._] Die Rckwirkung der commerciellen und finanziellen
Krisis in England wurde gleichwohl bei allen Flotten und Armeen der
Coalition empfunden. Die reiche Quelle der Subsidien war versiegt.
Nirgends konnte eine wichtige militrische Operation unternommen werden.
Zu gleicher Zeit waren Friedensvorschlge gemacht und Unterhandlungen
erffnet worden. Callieres, einer der geschicktesten von den vielen
geschickten Gesandten im Dienste Frankreich's, war nach den Niederlanden
gesandt worden und hatte eine Menge Conferenzen mit Dykvelt gehabt.
Diese Conferenzen wren vielleicht zu einem baldigen und befriedigenden
Schlusse gelangt, htte nicht Frankreich um diese Zeit auf einer andren
Seite einen groen diplomatischen Sieg errungen. Seit sieben Jahren
dachte und laborirte Ludwig vergebens daran, die groe Potentatenphalanx
zu zerreien, welche die Furcht vor seiner Macht und seinem Ehrgeize
zusammengebracht hatte und zusammenhielt. Aber seit sieben Jahren waren
alle seine Kunstgriffe durch Wilhelm's Geschicklichkeit vereitelt
worden, und als der achte Feldzug begann, war die Confderation noch
nicht durch einen einzigen Abfall geschwcht. Bald jedoch begann man zu
argwhnen, da der Herzog von Savoyen im Geheimen mit dem Feinde
unterhandle. Er versicherte Galway, dem Vertreter England's am Hofe von
Turin, feierlich, da nicht der mindeste Grund zu einem solchen
Verdachte vorhanden sei und schrieb Wilhelm Briefe, in denen er seinen
Eifer fr die gemeinsame Sache betheuerte und dringend um mehr Geld bat.
Diese Verstellung dauerte so lange, bis ein franzsisches Armeecorps
unter den Befehlen Catinat's in Piemont erschien. Jetzt warf der Herzog
die Maske ab, schlo Frieden mit Frankreich, vereinigte seine Truppen
mit denen Catinat's, rckte in's mailndische Gebiet ein und zeigte den
Verbndeten, die er eben verlassen hatte, an, da sie Italien fr
neutralen Boden erklren mten, wenn sie ihn nicht zum Feinde haben
wollten. Die Hfe von Wien und Madrid unterwarfen sich in groer Angst
den von ihm vorgeschriebenen Bedingungen. Wilhelm beschwerte sich und
protestirte vergebens; sein Einflu war nicht mehr das was er gewesen
war. Europa war allgemein der Ansicht, da der Reichthum und Credit
England's vllig erschpft seien, und seine Verbndeten wie seine Feinde
glaubten es ungestraft mit Geringschtzung behandeln zu knnen. Der
spanische Hof, getreu seinem feststehenden Grundsatze, da Alles fr ihn
und Nichts durch ihn geschehen msse, hatte die Frechheit, dem Prinzen,
dem er es verdankte, da er nicht die Niederlande und Catalonien
verloren, Vorwrfe zu machen, weil er nicht Truppen und Schiffe zur
Vertheidigung der spanischen Besitzungen in Italien gesandt habe. Die
kaiserlichen Minister faten und vollzogen Beschlsse, welche die
Interessen der Coalition sehr ernst berhrten, ohne Den zu fragen, der
der Schpfer und die Seele der Coalition gewesen war.[33] Ludwig hatte
sich nach dem Scheitern des Mordanschlags in die unangenehme
Nothwendigkeit gefgt, Wilhelm anzuerkennen, und hatte Callieres
ermchtigt, eine Erklrung in diesem Sinne abzugeben. Aber der Abfall
Savoyen's, die Neutralitt Italien's, die Uneinigkeit unter den
Verbndeten und vor Allem die Verlegenheiten England's, die in allen
Briefen der Jakobiten in London an die Jakobiten in Saint-Germains noch
bertrieben wurden, bewirkten eine Sinnesnderung. Callieres' Ton wurde
hochmthig und anmaend, er nahm sein Wort zurck und verweigerte jede
Zusage, da sein Gebieter den Prinzen von Oranien als Knig von
Grobritannien anerkennen wrde. Die Freude der Eidverweigerer war gro.
Sie seien stets berzeugt gewesen, sagten sie, da der groe Monarch
seines eignen Ruhmes und des gemeinsamen Interesses der Souveraine nicht
so uneingedenk sein wrde, da er die Sache seiner unglcklichen Gste
aufgeben und einen Usurpator seinen Bruder nennen knnte. Sie wten aus
sicherster Quelle, da Se. Allerchristlichste Majestt vor kurzem in
Fontainebleau dem Knige Jakob befriedigende Zusicherungen in dieser
Hinsicht gegeben habe. Es ist in der That Grund zu dem Glauben
vorhanden, da der Plan einer Invasion unsrer Insel von neuem in
Versailles ernsthaft erwogen wurde.[34] Catinat's Armee war jetzt frei.
Frankreich, das von Seiten Savoyen's nichts mehr zu frchten hatte,
konnte zwanzigtausend Mann zu einer Landung in England entbehren, und
wenn die Noth und Unzufriedenheit bei uns wirklich so gro war, als es
allgemein hie, so konnte die Nation wohl geneigt sein, fremde Befreier
mit offenen Armen zu empfangen.

So trbe waren Wilhelm's Aussichten, als er im Herbst 1696 sein Lager in
den Niederlanden mit England vertauschte. Seine englischen Diener sahen
inzwischen seiner Ankunft mit sehr lebhaften und sehr verschiedenen
Gefhlen entgegen. Die ganze politische Welt war durch eine Ursache in
heftige Aufregung versetzt worden, die auf den ersten Anblick einer
solchen Wirkung nicht zu entsprechen schien.


[_Nachforschungen nach jakobitischen Verschwrern in England; Sir Johann
Fenwick._] Whrend seiner Abwesenheit waren die Nachforschungen nach
Jakobiten, welche bei den Comploten vom vergangenen Winter betheiligt
gewesen waren, nicht eingestellt worden, und von diesen Jakobiten war
keiner in grerer Gefahr als Sir Johann Fenwick. Seine Geburt, seine
Connectionen, die hohe Stellung, die er eingenommen, die unermdliche
Thtigkeit, mit der er mehrere Jahre lang auf den Umsturz der Regierung
hingearbeitet, und die persnliche Rohheit, mit der er die verstorbene
Knigin behandelt hatte, bezeichnete ihn als eine geeignete
Persnlichkeit fr ein zu statuirendes Exempel. Es gelang ihm jedoch,
sich den Dienern der Gerechtigkeit zu entziehen, bis die erste Hitze der
Verfolgung vorber war. In seinem Versteck sann er auf eine List, durch
die er dem Schicksale seiner Freunde Charnock und Parkyns entgehen zu
knnen meinte. Es bedurfte zweier Zeugen, um ihn zu berfhren. Aus dem
Gange der Prozesse seiner beiden Complicen schien ihm klar
hervorzugehen, da es nur zwei Zeugen gebe, die seine Schuld beweisen
knnten: Porter und Goodman. Sein Kopf war gerettet, wenn einer von
diesen beiden Mnnern berredet werden konnte sich zu verbergen.

Fenwick war nicht der Einzige, der gewichtige Grnde hatte zu wnschen,
da Porter und Goodman bewogen werden mchten, England zu verlassen.
Aylesbury war verhaftet und im Tower untergebracht worden, und er wute
sehr gut, da, wenn diese beiden Mnner gegen ihn auftraten, sein Kopf
in ernster Gefahr sein wrde. Seine und Fenwick's Freunde brachten eine
Summe zusammen, die sie fr gengend hielten, und zwei Irlnder oder,
wie die damaligen Zeitungen sich ausdrckten, Sumpftraber
+(bogtrotter),+ ein Barbier, Namens Clancy, und ein verabschiedeter
Hauptmann, Namens Donelagh, bernahmen das Werk der Bestechung.

Der erste Versuch wurde bei Porter gemacht. Clancy richtete es so ein,
da er in einem Wirthshause mit ihm zusammentraf, lie bedeutungsvolle
Winke fallen, und da er sah, da diese Winke gnstig aufgenommen wurden,
erffnete er eine ordentliche Unterhandlung. Die offerirten Bedingungen
waren lockend: dreihundert Guineen sogleich, weitere dreihundert, sobald
der Zeuge ber dem Wasser war, eine anstndige Leibrente, eine
unbedingte Amnestie von Knig Jakob und einen sichern Aufenthalt in
Frankreich. Porter schien geneigt einzuwilligen, und er war es
vielleicht wirklich. Er sagte er sei noch immer Derselbe, der er
gewesen, im Herzen ein treuer Anhnger der guten Sache; aber er sei ber
seine Krfte geprft worden. Das Leben sei schn. Leute, die nie in
Gefahr gewesen seien, knnten leicht sagen, da nur ein Schurke sich
dadurch rette, da er seine Genossen an den Galgen brchte; ein paar
Stunden in Newgate mit der nahen Aussicht auf eine Schleifpartie nach
Tyburn wrden diese Grosprecher wohl lehren, milder zu urtheilen. Nach
wiederholten Besprechungen mit Clancy wurde Porter der Gattin Lord
Fenwick's, Lady Marie, einer Schwester des Earls von Carlisle,
vorgestellt, und bald war Alles geordnet. Donelagh traf die Vorkehrungen
zur Flucht. Es wurde ein Boot in Bereitschaft gehalten und Fenwick
schrieb die Briefe, welche dem Flchtlinge den Schutz Knig Jakob's
sichern sollten. Zeit und Ort waren festgesetzt, wo er die erste Rate
der versprochenen Belohnung in Empfang nehmen sollte. Aber sein Muth
verlie ihn. Er war in der That so weit gegangen, da es Wahnsinn von
ihm gewesen wre, wieder umzukehren. Er hatte Charnock, King, Keyes,
Friend, Parkyns, Rookwood und Cranburne an den Galgen gebracht. Einem
solchen Judas konnte unmglich jemals wirklich vergeben werden. In
Frankreich, unter den Freunden und Kameraden Derer, die er vernichtet
hatte, wrde er keinen Tag seines Lebens sicher gewesen sein. Kein
Begnadigungsbrief mit dem groen Siegel wrde den Streich des
Blutrchers abgewendet haben. Ja, wer konnte wissen, ob die ihm
verheiene Belohnung nicht ein Kder war, durch den man das Opfer an den
Ort locken wollte, wo ein furchtbares Geschick seiner wartete? Porter
beschlo, derjenigen Regierung treu zu sein, unter der er allein sicher
sein konnte; er zeigte die ganze Intrigue in Whitehall an und empfing
ausfhrliche Instructionen von den Ministern. Am Vorabend des zu seiner
Abreise festgesetzten Tages hatte er in einem Wirthshause noch eine
Abschiedszusammenkunft mit Clancy. Dreihundert Guineen waren auf dem
Tische aufgezhlt. Porter nahm sie an sich und gab ein Zeichen. Im
nchsten Augenblicke traten mehrere Boten vom Staatssekretariat ins
Zimmer und zeigten einen Verhaftsbefehl vor. Der unglckliche Barbier
wurde ins Gefngni abgefhrt, wegen seines Vergehens in Untersuchung
gezogen, fr schuldig erkannt und mit Ausstellung am Pranger
bestraft.[35]


[_Ergreifung Fenwick's._] Dieser Unfall machte Fenwick's Lage
gefhrlicher als je. Bei der nchsten Session fr die City von London
wurde der groen Jury eine Anklagebill auf Hochverrath gegen ihn
vorgelegt. Porter und Goodman traten als Kronzeugen auf und die Anklage
wurde fr begrndet erklrt. Jetzt dachte Fenwick, es sei hohe Zeit, da
er sich nach dem Continent aus dem Staube mache. Er traf Anstalten zu
seiner Ueberfahrt, verlie seinen Versteck und begab sich nach Romney
Marsh. Hier hoffte er bis zur Ankunft des Schiffes, das ihn ber den
Kanal bringen sollte, ein schtzendes Obdach zu finden. Denn obgleich
Hunt's Etablissement aufgehoben worden war, gab es doch in dieser
einsamen Gegend noch immer Schmuggler, die mehr als ein unerlaubtes
Gewerbe trieben. Der Zufall wollte, da gerade zwei von diesen Leuten
wegen Beherbergung von Hochverrthern verhaftet worden waren. Als der
Staatsbote, der sie festgenommen, mit ihnen nach London zurckkehrte,
begegnete er auf der Heerstrae Fenwick. Zu seinem Unglck war kein
Gesicht in ganz England so bekannt wie das seinige. Das ist Sir John,
sagte der Beamte zu seinen beiden Gefangenen; steht mir bei, Kinder,
und ich garantire Euch Eure Begnadigung und einen Beutel voll Guineen
dazu. Das Anerbieten war zu lockend, um es von der Hand zu weisen; aber
Fenwick war besser beritten als seine Gegner, er sprengte mit dem Pistol
in der Hand zwischen ihnen durch und war ihnen bald aus dem Gesicht. Sie
setzten ihm nach, es wurde Lrm gemacht, die Glocken aller Kirchen des
Moores gingen, die ganze Gegend war in Aufruhr; jeder Pfad wurde
besetzt, jedes Dickicht und jede Htte durchsucht und der Flchtling
endlich im Bett gefunden. Gerade in diesem Augenblicke kam eine Barke
von sehr verdchtigem Aussehen in Sicht; sie nherte sich dem Ufer und
zeigte die englische Flagge; aber dem erfahrenen Auge der Kentischen
Fischer kam sie ganz wie ein franzsischer Kaper vor. Es war nicht
schwer, den Zweck ihres Erscheinens zu errathen. Nachdem sie eine Weile
vergebens ihren Passagier erwartet hatte, ging sie wieder in See.[36]

Zu seinem Unglck gelang es Fenwick, die Wachsamkeit seiner Hter in so
weit zu tuschen, da er mit Bleistift einen kurzen Brief an seine Frau
schreiben konnte. Jede Zeile enthielt Beweise fr seine Schuld. Es sei
Alles vorbei, schrieb er, er sei ein todter Mann, wenn seine Freunde ihm
nicht durch Frsprache Begnadigung auswirken knnten. Vielleicht gelinge
es den vereinten Bitten aller Howards. Er wolle auer Landes gehen,
wolle feierlich versprechen, nie wieder den Fu auf englischen Boden zu
setzen und nie wieder den Degen gegen die Regierung zu ziehen. Oder
vielleicht wrde es auch mglich sein, einen oder zwei Geschworne zu
erkaufen, damit sie die brigen durch Hunger zur Nachgiebigkeit zwngen.
Dies allein kann mich retten, schrieb er. Das Billet wurde auf dem
Wege zur Post aufgefangen und nach Whitehall geschickt. Fenwick kam bald
darauf in London an und wurde vor die Lords Justices gebracht. Zuerst
schlug er einen hohen Ton an und bot seinen Anklgern Trotz. Man hielt
ihm entgegen, da er nicht immer so zuversichtlich gewesen sei, und
legte ihm den Brief an seine Frau vor. Er hatte noch keine Ahnung davon
gehabt, da derselbe in andere Hnde gekommen sei als fr die er
bestimmt war. Seine Angst und Bestrzung waren gro; er sah ein, da,
wenn er sogleich vor ein Geschworengericht gestellt wurde, seine
Verurtheilung unvermeidlich war. Eine Hoffnung blieb ihm. Wenn er den
Beginn seines Prozesses einige Zeit hinziehen konnte, so verlieen die
Richter die Stadt, um ihre Rundreise anzutreten; dadurch wurden einige
Wochen gewonnen und im Laufe dieser paar Wochen konnte etwas gethan
werden.


[_Fenwick's Bekenntni._] Er wendete sich speciell an den
Obersthofmeister Devonshire, mit dem er frher auf ziemlich
freundschaftlichem Fue gestanden hatte. Der Unglckliche erklrte, er
berlasse sich ganz und gar der kniglichen Gnade, und erbot sich Alles
zu enthllen was er von den Anschlgen der Jakobiten wisse. Da er viel
davon wisse, konnte Niemand bezweifeln. Devonshire rieth seinen Kollegen
mit der Untersuchung so lange anzustehen, bis man die Willensmeinung des
Knigs eingeholt habe. Dieser Rath wurde befolgt. Der Knig wurde vom
Geschehenen benachrichtigt und in seiner bald eintreffenden Rckantwort
befahl er Devonshire, das schriftliche Bekenntni des Gefangenen
entgegenzunehmen und es schleunigst nach den Niederlanden zu senden.[37]

Fenwick hatte nun zu berlegen, was er bekennen sollte. Htte er seinem
Versprechen gem Alles enthllt was er wute, so kann es keinem Zweifel
unterliegen, da seine Aussagen viele jakobitische Cavaliere, Gentlemen
und Geistliche ernstlich compromittirt haben wrden. Aber obgleich er
gar nicht gern sterben wollte, so war doch die Anhnglichkeit an seine
Partei bei ihm strker als die Todesfurcht. Es kam ihm der Gedanke, eine
Geschichte zusammenzusetzen, die mglicherweise fr gengend erachtet
werden knnte, um ihm Begnadigung zu gewhren, die zum mindesten seinen
Proze um einige Monate verzgerte, dabei doch keinen einzigen
aufrichtigen Anhnger der verbannten Dynastie Schaden brachte, den
Feinden dieser Dynastie aber Angst und Verlegenheit bereitete und den
Hof, den Staatsrath und das Parlament Wilhelm's mit Furcht und Ha
erfllte. Er wollte nichts sagen, was die chten Jakobiten
compromittiren konnte, welche zu wiederholten Malen mit geladenen
Pistolen und gesattelten Pferden die Landung des rechtmigen Knigs in
Begleitung einer franzsischen Armee erwartet hatten. Aber wenn es
falsche Jakobiten gab, welche ihren verbannten Souverain Jahr aus Jahr
ein mit Anhnglichkeitsversicherungen und Dienstversprechungen zum
Besten gehabt und doch bei jeder wichtigen Krisis eine Entschuldigung
dafr gefunden hatten, da sie ihn hintergingen, und die in diesem
Augenblicke zu den Hauptsttzen des Thrones des Usurpators gehrten,
warum sollte er sie schonen? Da es solche falsche Jakobiten gab, die
hohe Staatsmter und Militrcommandos bekleideten, hatte Fenwick guten
Grund zu glauben. Er konnte zwar nichts gegen sie aussagen, worauf ein
ordentlicher Gerichtshof gehrt haben wrde, denn keiner von ihnen hatte
ihm je einen Auftrag oder einen Brief fr Frankreich anvertraut und
Alles was er von ihren Verrthereien wute, hatte er aus zweiter und
dritter Hand. Aber an ihrer Schuld zweifelte er nicht. Einer von ihnen
war Marlborough. Er hatte, nachdem er Jakob an Wilhelm verrathen, dies
wieder gut zu machen versprochen, indem er Wilhelm an Jakob verriethe,
und hatte endlich nach vielem Intriguiren Jakob abermals verrathen und
sich mit Wilhelm ausgeshnt. Godolphin hatte hnliche Tuschungen
verbt. Er hatte lange Zeit schne Worte nach Saint-Germains
geschrieben, hatte dafr ein Begnadigungsversprechen erlangt und mit
diesem Versprechen in seinem geheimen Schubkasten hatte er die
Verwaltung der Finanzen der bestehenden Regierung beibehalten. Einen
solchen Mann ins Verderben zu strzen, wre eine gerechte Strafe fr
seine Schlechtigkeit und ein groer Dienst fr Knig Jakob gewesen. Noch
wnschenswerther war es, den Ruf und Einflu Russell's und Shrewsbury's
zu zerstren. Beide waren ausgezeichnete Mitglieder der Partei, welche
unter verschiedenen Namen durch drei Generationen eine unvershnliche
Feindschaft gegen die Knige des Hauses Stuart bewiesen hatte. Beide
hatten eine groe Rolle in der Revolution gespielt. Beide hatten das
Schreiben unterzeichnet, welches den Prinzen von Oranien aufgefordert
hatte, nach England zu kommen. Einer von ihnen war jetzt sein Minister
fr die Marineangelegenheiten, der andre sein erster Staatssekretr;
aber keiner von beiden war ihm bestndig treu geblieben. Beide hatten
bald nach seiner Thronbesteigung mit heftigem Unwillen seine weise und
hochherzige Unparteilichkeit gesehen, die ihren durch Parteigeist
verblendeten Augen als ungerechte und undankbare Parteilichkeit gegen
die Tories erschien und beide hatten in ihrem Grolle Agenten von
Saint-Germains ein geneigtes Ohr geliehen. Russell hatte bei Allem was
ihm heilig war geschworen, da er selbst seinen verbannten Souverain
zurckbringen werde. Aber das Gelbde war kaum ausgesprochen gewesen,
als es auch schon gebrochen wurde, und er, indem die knigliche Familie
einen zweiten Monk zu finden gehofft, hatte die Hoffnungen dieser
Familie bei La Hogue zertrmmert. Shrewsbury war nicht so weit
gegangen. Doch auch er hatte, whrend er Wilhelm grollte, mit den
Agenten Jakob's verkehrt. Mit der Macht und dem Rufe dieser beiden
hochstehenden Mnner waren die Macht und der Ruf der ganzen Whigpartei
innig verkettet. Diese Partei war jetzt, nach einigen Zwistigkeiten, die
eigentlich keine grere Bedeutung gehabt hatten als Liebeszwiste, mit
Wilhelm herzlich ausgeshnt und durch die strksten Bande an ihn
gefesselt. Wenn diese Bande zerrissen, wenn er bewogen werden konnte,
den einzigen Verein von Mnnern, der seinen Interessen aus Prinzip und
mit Begeisterung zugethan war, mit Mitrauen und Widerwillen zu
betrachten, so hatten seine Feinde in der That Ursache sich zu freuen.

In dieser Absicht bergab Fenwick Devonshire ein Schriftstck, das mit
solcher Schlauheit abgefat war, da es wahrscheinlich ernstes Unheil
ber den Frsten an den es gerichtet war, gebracht haben wrde, wre
dieser Frst nicht ein Mann von wunderbarem Scharfblick und wunderbarer
Seelengre gewesen. Die Schrift sagte soviel wie gar nichts ber
diejenigen jakobitischen Complots, bei denen der Verfasser selbst
betheiligt gewesen war und deren Einzelheiten er alle genau kannte. Sie
enthielt nichts, was irgend einer der bestehenden Ordnung der Dinge
wirklich feindlich gesinnten Person den geringsten Nachtheil htte
bringen knnen. Die ganze Erzhlung bestand aus grtentheils nur zu
wahren, sich aber auf keine bessere Autoritt als Hrensagen grndenden
Geschichten von den Intriguen einiger hochgestellter Militrs und
Staatsmnner, die, mochte ihr frheres Verhalten gewesen sein, welches
es wollte, jetzt wenigstens Wilhelm aufrichtig untersttzten. Godolphin,
behauptete Fenwick, habe einen Sitz im Schatzamte angenommen, mit
Bewilligung und zum Nutzen Knig Jakob's. Marlborough habe versprochen,
mit der Armee, Russell, mit der Flotte berzugehen. Shrewsbury habe,
whrend er nicht im Amte gewesen, mit Middleton gegen Regierung und
Knig conspirirt. Die Whigs seien in der That jetzt die Gnstlinge in
Saint-Germains. Viele alte Freunde des erblichen Rechts seien durch die
Bevorzugung, welche Jakob den Neubekehrten angedeihen lasse,
eiferschtig geworden. Ja, man habe ihn sogar die zuversichtliche
Hoffnung uern hren, da die Monarchie durch die nmlichen Hnde
wieder aufgerichtet werden wrde, die sie gestrzt htten.

Dies war Fenwick's Bekenntni. Devonshire nahm es in Empfang und
schickte es durch einen Expressen nach den Niederlanden, ohne seine
Collegen im Staatsrathe von dem Inhalte zu unterrichten. Die
angeschuldigten Minister beschwerten sich spterhin bitter ber diese
Handlungsweise. Devonshire fhrte zu seiner Vertheidigung an, er sei vom
Knige speciell beauftragt worden, die Aussagen des Gefangenen
entgegenzunehmen, und habe als treuer Diener der Krone die Verpflichtung
gehabt, diese Aussagen Seiner Majestt, und nur Seiner Majestt
mitzutheilen.

Der von Devonshire abgesandte Bote fand Wilhelm in Loo. Der Knig
las das Bekenntni und durchschaute sogleich in welcher Absicht es
aufgesetzt worden war. Es enthielt wenig mehr als was er lngst wute,
aber kluger- und hochherzigerweise nicht zu wissen sich gestellt
hatte. Wenn er Mnner, die falsch gegen ihn gehandelt hatten, schonte,
anstellte und befrderte, so tuschte er sich deshalb noch keineswegs
ber sie. Er besa eine scharfe und richtige Beobachtungsgabe,
war gut unterrichtet und hatte seit einigen Jahren von vielem was
Fenwick nur nach vagen Gerchten kannte, Beweise in Hnden. Es ist
Manchen auffllig erschienen, da ein Frst von starrem Sinne und
unfreundlichem Wesen, Diener, die ihn so schwer gekrnkt, mit einer
Milde behandelte, die man kaum von dem sanftesten Menschen htte
erwarten knnen. Aber Wilhelm war vor Allem Staatsmann. Ueble Laune,
die natrliche und verzeihliche Folge groer krperlicher und geistiger
Leiden, konnte ihn zuweilen zu einer barschen Antwort hinreien. Nie
aber lie er sich bei irgend einem wichtigen Anlasse auf Kosten der
groen Interessen, deren Hter er war, von seinen Leidenschaften
beherrschen. So stolz und gebieterisch er von Natur war, um dieser
Interessen willen unterwarf er sich geduldig harten Beschrnkungen,
ertrug heftige Krnkungen und Enttuschungen mit einem Anschein von
Heiterkeit und verzieh nicht nur Beleidigungen, die ihn gewi emprten,
sondern stellte sich sogar, als ob er sie gar nicht bemerkt htte.
Er wute da er nun einmal mit solchen Werkzeugen arbeiten mute,
wie er sie hatte. Wenn er England regieren sollte, mute er sich
auch der Staatsmnner England's bedienen, und zu seiner Zeit waren
die Staatsmnner England's bei groer Geschicklichkeit in vielen
Dingen insgesammt niedrigdenkend und unmoralisch. Allerdings gab es
Ausnahmen. Solche waren Nottingham unter den Tories und Somers unter
den Whigs. Aber die Mehrheit der toryistischen wie der whiggistischen
Minister Wilhelm's waren Mnner, deren Character in den Tagen der
antipuritanischen Reaction ihre Richtung bekommen hatte. Sie waren in
zwei schlimmen Schulen gebildet, an dem gewissenlosesten aller Hfe
und in der gewissenlosesten aller Oppositionen, an einem Hofe, der
seinen Character von Karl entlehnte, und einer Opposition, an deren
Spitze Shaftesbury stand. Von so geschulten Mnnern uneigenntzige und
beharrliche Treue fr irgend eine Sache zu erwarten, wrde unvernnftig
gewesen sein. Aber wenn sie auch kein Vertrauen verdienten, so waren
sie doch zu brauchen und konnten ntzlich werden. Auf ihre Grundstze
konnte man sich nicht verlassen, um so mehr aber konnte man auf ihre
Hoffnungen und auf ihre Befrchtungen bauen, und von den beiden
Knigen, welche Anspruch auf den englischen Thron machten, war der
im Besitz des Thrones befindliche derjenige, von dem am meisten zu
hoffen und am meisten zu frchten war. Wenn daher Wilhelm auch wenig
Ursache hatte diese Staatsmnner fr seine aufrichtigen Freunde zu
halten, so hatte er doch noch weniger Ursache, sie zu seinen heftigen
Feinden zu zhlen. So tadelnswerth ihr Benehmen gegen ihn war, konnte
es doch im Vergleich zu ihrem Benehmen gegen Jakob noch rechtschaffen
genannt werden. Dem regierenden Souverain hatten sie werthvolle Dienste
geleistet, dem verbannten Souverain wenig mehr als Versprechungen und
Versicherungen gegeben. Shrewsbury mochte in einer Anwandlung von Groll
oder Schwche mit jakobitischen Agenten verkehrt haben; aber sein
allgemeines Verhalten hatte bewiesen, da er so weit davon entfernt
war als je, ein Jakobit zu sein. Godolphin war gegen die verbannte
Dynastie verschwenderisch mit schnen Worten gewesen, aber er hatte
die Einknfte der am Ruder befindlichen Dynastie sparsam und geschickt
verwaltet. Russell hatte geschworen, da er mit der englischen Flotte
desertiren werde, aber er hatte die franzsische Flotte verbrannt.
Selbst Marlborough's bekannte Verrthereien -- denn von seinem Antheil
an dem Unglcke von Brest und an dem Tode Talmash's hatte man keine
Ahnung -- hatte nicht soviel Schaden gethan, als seine Thaten bei
Walcourt, bei Cork und bei Kinsale Nutzen gebracht. Wilhelm hatte
sich daher wohlweislich vorgenommen, seine Augen einer Perfidie zu
verschlieen, die, so schndlich sie immer sein mochte, ihm keinen
Nachtheil gebracht hatte, und sich noch immer mit gehriger Vorsicht
der ausgezeichneten Talente zu bedienen, die einige seiner ungetreuen
Rthe besaen. Da er sich einmal zu diesem Verfahren entschlossen und
es seit langer Zeit mit glcklichem Erfolge beobachtet hatte, so mute
ihn Fenwick's Bekenntni nothwendig verdrieen und reizen. Es war klar,
da Sir John sich fr einen Macchiavel hielt. Wenn sein Streich gelang,
so wurde die Prinzessin, mit der man es um keinen Preis verderben
durfte, durch Marlborough's Entlassung der Regierung entfremdet, die
gesammte Whigpartei, die festeste Sttze des Thrones, wurde durch die
Entlassung Russell's und Shrewsbury's entfremdet, und doch konnte
keinem von denjenigen Verschwrern, von denen Fenwick wute, da sie in
Insurrections-, Invasions- und Ermordungsplne tief verwickelt gewesen
waren, etwas geschehen. Der schlaue Plnemacher sollte jedoch erfahren,
da er es mit keinem Anfnger zu thun hatte. Anstatt da Wilhelm seine
angeschuldigten Diener von ihren Posten entfernte, bersandte er das
Bekenntni Shrewsbury mit der Weisung es den Lords Justices vorzulegen.
Ich bin erstaunt, schrieb der Knig, ber die Frechheit dieses
Menschen. Sie kennen mich zu gut, als da Sie glauben sollten, da
derartige Geschichten den geringsten Eindruck auf mich machen knnen.
Bemerken Sie nur die Aufrichtigkeit des wackeren Mannes. Er hat gegen
Niemanden als gegen meine Freunde etwas zu sagen. Kein Wort von den
Plnen seiner jakobitischen Genossen. Der Knig schlo damit, da er
den Lords Justices befahl, Fenwick so schleunig als mglich vor ein
Geschwornengericht zu stellen.[38]

Der Eindruck, den Wilhelm's Brief machte, war eigenthmlich. Jede
der angeschuldigten Personen benahm sich in ganz characteristischer
Weise. Marlborough, der Schuldigste von Allen, bewahrte eine heitere,
majesttische und etwas verchtliche Ruhe. Russell, der fast eben so
strafbar war als Marlborough, gerieth in heftigen Zorn und schnaubte
Rache gegen den schurkischen Angeber. Godolphin war besorgt, aber
behutsam, zurckhaltend, sich vollkommen beherrschend, und machte sich
bereit, die Defensive zu beobachten. Shrewsbury aber, der von allen
Vieren den wenigsten Tadel verdiente, war ganz zu Boden geschmettert.
Er schrieb in der grten Angst an Wilhelm, erkannte mit warmen
Dankesversicherungen die seltene Gromuth des Knigs an und betheuerte,
da Fenwick geringfgige Kleinigkeiten boshafterweise zu schweren
Verbrechen bertrieben und entstellt habe. Mylord Middleton -- das
war der wesentliche Inhalt seines Briefes -- stand allerdings um
die Zeit der Schlacht von La Hogue mit mir in Verbindung. Wir sind
Verwandte, wir sahen uns hufig und gerade vor seiner Abreise nach
Frankreich speisten wir noch zusammen, bei welcher Gelegenheit ich ihm
versprach, seine hiesigen Interessen wahrzunehmen, whrend er sich
dagegen erbot, mir dort gefllig zu sein; aber ich sagte ihm, da ich
zu tief verletzt habe, um Verzeihung erwarten zu knnen und da ich
mich auch nicht herablassen werde, um Verzeihung zu bitten. Dies,
versicherte Shrewsbury, sei sein ganzes Verbrechen.[39] Es ist nur zu
vollstndig erwiesen, da dieses Gestndni kein offenes war, auch
lie sich Wilhelm dadurch wahrscheinlich nicht tuschen. Aber er hatte
sich vorgenommen, dem reuigen Verrther die Demthigung zu ersparen,
einen Fehler einzugestehen und deshalb um Verzeihung zu bitten. Ich
kann, schrieb der Knig, in dem was Sie zugegeben haben, durchaus
kein Verbrechen erblicken. Sein Sie versichert, da diese Verleumdungen
keinen ungnstigen Eindruck auf mich gemacht haben. Sie sollen sogar
erfahren, da sie mein Vertrauen zu Ihnen noch vermehrt haben.[40]

Ein von Grund aus verdorbener Mensch wrde durch eine so vollstndige,
ihm in so gndigen Ausdrcken zugesicherte Freisprechung vllig beruhigt
worden sein. Aber Shrewsbury war ganz vernichtet durch eine Milde, die
er, wie er wohl wute, nicht verdient hatte. Er erschrak vor dem
Gedanken, dem Gebieter unter die Augen zu treten, gegen den er sich
vergangen und der ihm verziehen hatte, und sich den scharfen Blicken der
Peers auszusetzen, unter denen seine Geburt und seine Talente ihm eine
Stellung erworben hatten, der er sich unwrdig fhlte. Der Feldzug in
den Niederlanden war beendigt, die Parlamentssession stand bevor und man
erwartete daher den Knig mit dem ersten gnstigen Winde. Shrewsbury
verlie die Stadt und zog sich in die Wolds von Gloucestershire zurck.
In diesem Districte, damals einem der wildesten im Sden der Insel,
besa er einen von freundlichen Gartenanlagen und Fischteichen umgebenen
kleinen Landsitz. Wilhelm hatte auf seiner Reise im vorhergehenden Jahre
diesen Wohnsitz besucht, der weit von jeder Landstrae und von jeder
Marktstadt entfernt lag, und war erstaunt gewesen ber die Stille und
Einsamkeit des Ortes, wo er den liebenswrdigsten und glnzendsten aller
englischen Hflinge fand.


[_Wilhelm's Rckkehr nach England._] Am 6.October um ein Uhr Morgens
landete der Knig in Margate, und spt am Abend traf er in Kensington
ein. Am folgenden Morgen drngte sich ein glnzender Schwarm von
Ministern und Edelleuten zum Handkusse; aber er vermite ein Gesicht,
das darunter htte sein sollen, und er fragte wo der Herzog von
Shrewsbury sei und wann er zurckerwartet werde. Am andren Morgen
kam ein Brief von dem Herzoge, worin er versicherte, da er eben auf
der Jagd einen schlimmen Fall gethan habe. Er habe sich die Seite
gequetscht, seine Lunge habe gelitten, er habe Blut gespuckt und
drfe es nicht wagen, eine Reise zu unternehmen.[41] Da er gefallen
war und sich verletzt hatte, war richtig; aber selbst Diejenigen,
die ihm am meisten zugethan waren, vermutheten, und nicht ohne
triftigen Grund, da er den zu so gelegener Zeit eingetretenen Unfall
schlimmer darstellte, als er wirklich war, und da er die Reise ohne
Schwierigkeit htte machen knnen, wenn er sich nicht gescheut htte,
vor der Oeffentlichkeit zu erscheinen. Seine Freunde, mit denen
er correspondirte, sagten ihm, da er, wenn sein Zustand wirklich
so schlimm sei, als er glaube, er wohl thun werde, die Aerzte und
Chirurgen der Hauptstadt zu consultiren. Namentlich Somers bat ihn auf
das Dringendste, nach London zu kommen. Jede Stunde Zeitverlust sei
von Nachtheil. Se. Gnaden msse seine Empfindlichkeit berwinden. Er
brauche der Verleumdung nur muthig entgegenzutreten, und sie werde in
nichts zerfallen.[42] Der Knig drckte in einigen freundlichen Zeilen
sein Bedauern ber den Unfall aus. Sie fehlen uns hier sehr, schrieb
er: ich kann es kaum erwarten, Sie zu umarmen und Ihnen zu versichern,
da meine Achtung gegen Sie sich nicht vermindert hat.[43] Shrewsbury
antwortete, da er entschlossen sei, die Siegel abzugeben.[44] Somers
beschwor ihn, keinen so folgenschweren Fehler zu begehen. Wenn Se.
Gnaden diesen Augenblick aus dem Amte trte, was knnte die Welt
dann Andres denken, als da sein eignes Gewissen ihn verurtheilt
habe? Er wrde sich factisch fr schuldig bekennen und wrde einen
Flecken auf seine Ehre wie auf die Ehre aller Derjenigen werfen,
denen man Gleiches zur Last lege. Es wrde dann nicht mehr mglich
sein, Fenwick's Geschichte als einen Roman zu behandeln. Verzeihen
Sie es mir, schrieb Somers, da ich so freimthig spreche; aber ich
gestehe, da ich in diesem Punkte mich schwer migen kann.[45] Wenige
Stunden spter schrieb Wilhelm noch einmal in dem nmlichen Sinne. Ich
achte Sie so hoch, da ich, wenn ich knnte, Ihnen positiv verbieten
wrde, etwas zu thun, was einen so schweren Verdacht auf Sie bringen
mu. Ich wrde zu jeder Zeit Ihren Rcktritt als ein Unglck fr mich
betrachten; aber ich versichere Ihnen, da ich diesen Augenblick
Ihr Bleiben in meinem Dienste mehr um Ihret- als um meinetwillen
wnsche.[46] Sunderland, Portland, Russell und Wharton vereinigten
ihre Bitten mit denen ihres Gebieters, und Shrewsbury willigte endlich
ein, dem Namen nach Staatssekretr zu bleiben. Aber nichts konnte ihn
bewegen, dem Parlamente, das im Begriff war, sich zu versammeln, unter
die Augen zu treten. Man schickte ihm von London eine Snfte, aber
vergebens. Er reiste zwar ab, erklrte aber, da es ihm nicht mglich
sei, die Reise fortzusetzen, und er flchtete sich wieder auf seinen
einsamen Wohnsitz im Gebirge.[47]


[_Zusammentritt des Parlaments; Lage des Landes._] Whrend diese Dinge
geschahen, begaben sich die Mitglieder der beiden Huser aus allen
Theilen des Landes nach Westminster. Nicht allein England, sondern ganz
Europa sah der Erffnung der Session mit der grten Spannung entgegen.
Der ffentliche Credit hatte durch das Nichtzustandekommen der Landbank
einen gewaltigen Sto bekommen. Die Wiederherstellung der Valuta war
noch nicht zur Hlfte vollendet. Der Mangel an Geld war noch immer
uerst empfindlich. Ein groer Theil des gemnzten Geldes wurde in
geheime Schrnke vergraben so wie es aus der Mnze kam. Diejenigen
Politiker, welche fr die Erhhung des Nominalwerthes der Mnzen waren,
hatten nur zu bereitwilliges Gehr bei einer unter schwerer Bedrngni
seufzenden Bevlkerung gefunden, und einmal schien die allgemeine
Stimme der Nation auf ihrer Seite zu sein.[48] Natrlich hufte Jeder,
der eine Herabsetzung des Mnzfues fr wahrscheinlich hielt, soviel
Geld auf als er irgend konnte, und so vermehrte das Geschrei nach
kleinen Schillingen noch die Bedrngni, aus der es entsprungen war.[49]
Sowohl die Bundesgenossen als die Feinde England's glaubten, da seine
Hlfsquellen erschpft, da sein Muth gebrochen sei, da die Gemeinen,
selbst in ruhigen und blhenden Zeiten so oft klagschtig und knauserig,
sich jetzt entschieden weigern wrden, eine neue Last zu tragen, und mit
unwiderstehlichem Nachdruck darauf dringen wrden, Frieden zu haben um
jeden Preis.


[_Rede Knig Wilhelm's bei Erffnung der Session._] Doch alle diese
Prophezeiungen wurden durch die Festigkeit und Geschicklichkeit der
Whigfhrer und durch die Beharrlichkeit der Whigmajoritt zu Schanden
gemacht. Am 20.October traten die Huser zusammen, Wilhelm hielt eine
Rede an sie, die sich unter den vielen ausgezeichneten Reden, in denen
seine eigenen Gedanken und Absichten in der wrdevollen und verstndigen
Sprache Somers' ausgedrckt sind, besonders auszeichnete. Man habe,
sagte der Knig, alle Ursache, sich Glck zu wnschen. Allerdings seien
die in der vorhergehenden Session zur Bestreitung der Kriegskosten
votirten Gelder nicht aufgebracht worden und die Umprgung habe groe
Noth erzeugt. Dennoch aber habe der Feind auswrts keinen Vortheil
erlangt, der Staat sei durch keine innere Erschtterung zerrissen
worden, die Loyalitt, welche die Armee und die Nation unter schweren
Prfungen bewiesen, habe alle Hoffnungen Derer vereitelt, welche England
belwollten. Es seien Friedensantrge gemacht worden, deren Erfolg noch
ungewi sei; soviel aber sei gewi, da es keinen sicheren und
ehrenvollen Frieden fr eine Nation geben knne, die nicht vorbereitet
sei, den Krieg energisch fortzusetzen. Ich bin berzeugt wir stimmen
Alle in der Ansicht berein, da wir nur mit dem Schwerte in der Hand
mit Frankreich unterhandeln knnen.


[_Beschlsse des Hauses der Gemeinen._] Die Gemeinen kehrten in ihren
Saal zurck und Foley verlas die Rede von seinem Stuhle herab. Darauf
folgte eine Debatte, welche durch die ganze Christenheit wiederhallte.
Das war der stolzeste Tag in Montague's Leben und einer der stolzesten
Tage in der Geschichte des englischen Parlaments. Im Jahre 1798 stellte
Burke die Verhandlungen jenes Tages, den Staatsmnnern, denen im Kampfe
mit der riesigen Macht der franzsischen Republik der Muth gesunken war,
als Beispiel auf. Im Jahre 1822 stellte Huskisson die Verhandlungen
jenes Tages einer Legislatur, die sich unter dem Drucke einer harten
Bedrngni versucht fhlte, den Werthregulator zu ndern und gegen die
Staatsglubiger wortbrchig zu werden, als Beispiel auf. Ehe das Haus
auseinanderging, schlug der junge Kanzler der Schatzkammer, dessen
berwiegender Einflu seit dem lcherlichen Scheitern des toryistischen
Finanzplanes unbestritten war, drei denkwrdige Beschlsse vor und
setzte sie durch. Der erste, der mit einem einzigen halblauten Nein
angenommen wurde, erklrte, da die Gemeinen den Knig gegen alle
fremden und einheimischen Feinde untersttzen und ihn in den Stand
setzen wrden, den Krieg energisch fortzufhren. Der zweite, der zwar
nicht ohne Opposition, doch ohne Abstimmung durchging, erklrte, da der
Mnzfu weder in Feingehalt, noch in Gewicht, noch in Benennung gendert
werden sollte. Der dritte, gegen den nicht ein einziger Opponent der
Regierung seine Stimme zu erheben wagte, machte es dem Hause zur
Pflicht, alle Ausflle in smmtlichen seit der Thronbesteigung des
Knigs errichteten parlamentarischen Fonds zu decken. Die Aufgabe, eine
Antwort auf die Thronrede zu entwerfen, wurde einem ausschlielich aus
Whigs bestehenden Comit bertragen. Montague war Prsident, und die
beredte und lebendige Adresse, die er aufsetzte, kann noch jetzt in den
Protokollen mit Interesse und Stolz gelesen werden.[50]

Binnen vierzehn Tagen wurden dritthalb Millionen fr den Militraufwand
des Jahres, und beinahe ebensoviel fr den Marineaufwand bewilligt. Die
Mittel zur Unterhaltung von vierzigtausend Seeleuten wurden ohne Streit
bewilligt. Ueber die Strke des Landheeres fand eine Abstimmung statt.
Der Knig verlangte siebenundachtzigtausend Soldaten und die Tories
hielten diese Zahl fr zu hoch. Die Forderung des Knigs wurde mit
zweihundertdreiundzwanzig gegen siebenundsechzig Stimmen bewilligt.

Die Mivergngten schmeichelten sich einige Zeit mit der Hoffnung, da
die energischen Beschlsse der Gemeinen nichts weiter als Beschlsse
bleiben, da es sich als unmglich herausstellen wrde, den ffentlichen
Credit wiederherzustellen, Vorschsse von Kapitalisten zu erlangen, oder
der nothleidenden Bevlkerung Steuern auszupressen, und da daher die
vierzigtausend Seeleute und die siebenundachtzigtausend Soldaten nur auf
dem Papiere existiren wrden. Howe, der am ersten Tage der Session
schchterner gewesen, als man es bei ihm gewohnt war, versuchte acht
Tage spter, dem Ministerium entgegenzutreten. Der Knig, sagte er,
mu schlecht unterrichtet sein, sonst wrde Se. Majestt nimmermehr das
Parlament ber den ruhigen Zustand des Landes beglckwnscht haben. Ich
komme aus Gloucestershire, und ich kenne diesen Theil des Knigreichs
genau. Die Leute leben dort alle von Almosen oder sind durch
Almosengeben ruinirt. Der Soldat verschafft sich seine Bedrfnisse mit
dem Sbel in der Hand. Es haben bereits ernste Tumulte stattgefunden und
noch ernstere sind zu befrchten. Die Mibilligung des Hauses sprach
sich nachdrcklich aus. Mehrere Mitglieder erklrten, da in ihren
Grafschaften Alles ruhig sei. Wenn Gloucestershire sich in einem
unruhigeren Zustand befinde als das brige England, knne dies nicht
daher rhren, da es mit einem bswilligeren und gewissenloseren
Agitator beglckt sei als irgend ein andrer Theil England's einen
aufzuweisen habe? Einige Gentlemen aus Gloucestershire bestritten Howe
auch die von ihm behaupteten Thatsachen. Es herrschte dort, sagten sie,
keine solche Noth, keine solche Unzufriedenheit, keine solche Unruhe wie
er sie geschildert habe. In dieser wie in jeder andren Grafschaft sei
die groe Masse der Bevlkerung fest entschlossen, den Knig so lange
in der krftigen Fortfhrung des Kriegs zu untersttzen, bis er einen
ehrenvollen Frieden schlieen knnte.[51]


[_Rckkehr des Wohlstandes._] Thatschlich war die Fluth bereits im
Zurckgehen begriffen. Von dem Augenblicke an wo die Gemeinen ihren
festen Entschlu kundgaben, den Nominalwerth der Mnzen nicht zu
erhhen, begann das geprgte Geld aus tausend Geldkassen und geheimen
Fchern wieder zum Vorschein zu kommen. Es herrschte zwar noch
Geldmangel, aber er wurde von Tag zu Tag weniger fhlbar. Die Nation
war, obwohl noch immer leidend, von Freude und Dankbarkeit erfllt. Ihre
Stimmung glich der eines Menschen, welcher, nachdem er lange von einer
Krankheit gepeinigt worden ist, die ihm das Leben verbitterte, sich
endlich entschlossen hat, sich dem Messer des Wundarztes zu unterwerfen,
eine schmerzhafte Operation glcklich bestanden hat und zwar noch die
Schmerzen des Stahles fhlt, aber viele Jahre der Gesundheit und des
heiteren Lebensgenusses vor sich sieht und Gott dankt, da das
Schlimmste berstanden ist.

Schon vier Tage nach dem Zusammentritt des Parlaments nahm der
Handelsverkehr einen bemerkbaren Aufschwung. Der Discont auf Banknoten
war um ein Dritttheil niedriger. Der Preis der Kerbhlzer, welche nach
einem aus einem rohen Zeitalter auf uns gekommenen Gebrauch als
Quittungen fr an die Schatzkammer geleistete Zahlungen gegeben wurden,
war gestiegen, der Wechselcours, der seit mehreren Monaten fr England
sehr ungnstig stand, begann in die Hhe zu gehen.[52]


[_Einflu der Manahmen des Hauses der Gemeinen auf die auswrtigen
Regierungen._] Bald machte sich die Wirkung der edlen Festigkeit des
Hauses der Gemeinen an jedem europischen Hofe fhlbar. Das Haus war
sogar in einer so freudigen Stimmung, da es dem Knige schwer wurde,
die Whigs von der Beantragung und Durchsetzung einer Resolution
abzuhalten, nach welcher ihm eine Adresse berreicht werden sollte, die
ihn ersuchte, sich in keine Unterhandlung mit Frankreich einzulassen,
bis es ihn als Knig von England anerkannt habe.[53] Eine solche Adresse
war unnthig. Die Beschlsse des Parlaments hatten Ludwig bereits die
Ueberzeugung aufgedrungen, da keine Aussicht zu einer Contrerevolution
war. Ebensowenig Aussicht war dazu vorhanden, da es ihm gelingen werde,
den Vergleich zu Stande zu bringen, auf den er im Laufe der
Unterhandlungen hingedeutet hatte. Es war nicht zu hoffen, da Wilhelm
oder die englische Nation jemals darein willigen wrde, die englische
Thronfolge zu einem Handelsobjecte mit Frankreich zu machen. Und selbst
wenn Wilhelm und die englische Nation geneigt gewesen wren, den Frieden
mit einem solchen Opfer des Ansehens zu erkaufen, wrde es auf einer
andren Seite unberwindliche Schwierigkeiten gegeben haben. Jakob konnte
von dem Auskunftsmittel, welches Ludwig vorgeschlagen, gar nicht
sprechen hren. Ich kann es ertragen, sagte der Verbannte zu seinem
Wohlthter, ich kann es mit christlicher Geduld ertragen, von dem
Prinzen von Oranien beraubt zu sein; nie aber werde ich darein willigen,
von meinem eigenen Sohne beraubt zu werden. Ludwig erwhnte den
Gegenstand auch nie wieder, Callieres erhielt Befehl, das Zugestndni
zu machen, von welchem der Friede der civilisirten Welt abhing. Er und
Dykvelt kamen zusammen in den Haag zu dem Baron Lilienroth, dem
Reprsentanten des Knigs von Schweden, dessen Vermittelung die
kriegfhrenden Mchte angenommen hatten. Dykvelt theilte Lilienroth mit,
da der Allerchristlichste Knig sich verpflichtet habe, den Prinzen von
Oranien als Knig von Grobritannien anzuerkennen, sobald der
Friedenstractat unterzeichnet sein wrde, und er setzte mit einer sehr
deutlichen Anspielung auf den von Frankreich vorgeschlagenen Vergleich
hinzu, da die Anerkennung ohne Beschrnkung, Bedingung, oder Vorbehalt
stattfinden werde. Callieres erklrte sodann, da er das was Dykvelt
gesagt habe, im Namen seines Gebieters bettige.[54] Ein Brief von
Prior, der die erfreuliche Nachricht enthielt, wurde Jakob Vernon, dem
Unterstaatssekretr, im Hause der Gemeinen bergeben. Die Nachricht lief
durch die Bnke -- so drckt Vernon sich aus -- wie Feuer ber ein
Stoppelfeld. Jedes Herz war von einer Last befreit und Alles war Freude
und Triumph.[55] Die whiggistischen Mitglieder konnten sich allerdings
mit gutem Grunde Glck wnschen, denn der Weisheit und Entschlossenheit,
die sie in einem Augenblicke der grten Gefahr und Noth bewiesen
hatten, verdankte ihr Vaterland die nahe Aussicht auf einen ehrenvollen
Frieden.


[_Besserung der Finanzen._] Inzwischen war der ffentliche Credit, der
im Herbste auf den Nullpunkt gesunken war, in raschem Steigen begriffen.
Gewhnliche Finanzmnner waren starr vor Entsetzen, als sie erfuhren,
da zur Deckung der Ausflle frherer Jahre mehr als fnf Millionen
erfordert wrden. Montague aber war kein gewhnlicher Finanzmann. Ein
von ihm vorgeschlagener khner und einfacher Plan, im Volksmunde die
Generalverpfndung (+General Mortgage+) genannt, stellte das Vertrauen
wieder her. Es wurden neue Steuern ausgeschrieben, alte erhht oder
verlngert und so ein consolidirter Fond gebildet, der hinreichte, um
jeder gerechten Anforderung an den Staat zu begegnen. Zu gleicher Zeit
wurde die Bank von England durch eine neue Subscription erweitert, und
die Bestimmungen wegen Einzahlung der Subscriptionsbetrge wurden
solchergestalt entworfen, da sowohl der Werth der Noten der Corporation
als auch der der Staatsschuldscheine stieg.

Inzwischen flo das neue Silbergeld rascher als je aus den Mnzsttten.
Die Noth, welche am 4.Mai 1696 begann, whrend der nchsten fnf Monate
fast unertrglich war und von dem Tage, an welchem die Gemeinen
erklrten, da es ihr unabnderlicher Entschlu sei, den alten Mnzfu
beizubehalten, leichter wurde, hrte im Mrz 1697 auf, schmerzlich
gefhlt zu werden. Einige Monate sollten jedoch noch vergehen, bevor
sich der Credit von dem furchtbarsten Stoe, den er je erhalten hatte,
vollkommen wieder erholte. Aber schon war der tiefe und feste Grund
gelegt, auf dem sich das riesigste Gebude von Handelsblthe erheben
sollte, das die Welt je gesehen. Die groe Masse der Whigs schrieb die
Wiedergenesung des Staats dem Genie und der Festigkeit ihres Fhrers
Montague zu. Selbst seine Feinde muten, wenn auch mit Unmuth und mit
hhnischem Lcheln, gestehen, da jeder seiner Plne gelungen sei: die
erste Banksubscription, die zweite Banksubscription, die Umprgung, die
allgemeine Verpfndung und die Schatzkammerscheine. Einige Tories aber
murmelten, da er nicht mehr Lob verdiene als ein Verschwender, der sein
ganzes Vermgen aufs Spiel setzt und der fortwhrend Glck hat. England
habe zwar glcklich eine furchtbare Krisis berstanden und sei um so
krftiger, weil es dieselbe bestanden; aber es sei in groer Gefahr
gewesen unterzugehen, und der Minister, der es dieser Gefahr ausgesetzt
habe, verdiene nicht gelobt, sondern gehngt zu werden. Andere gaben zu,
da die Plne, welche allgemein Montague zugeschrieben wurden,
vortrefflich seien, leugneten aber, da diese Plne Montague angehrten.
Die Stimme der Verleumdung wurde jedoch auf einige Zeit durch den lauten
Beifall des Parlaments und der City bertubt. Die Autoritt, welche der
Kanzler der Schatzkammer im Hause der Gemeinen besa, war ohne Beispiel
und ohne Rivalitt. Auch im Cabinet nahm sein Einflu mit jedem Tage zu.
Im Schatzamte war ihm Keiner mehr berlegen. In Folge des Fenwick'schen
Bekenntnisses war der letzte Tory, der ein hohes und einflureiches Amt
im Staate bekleidete, entfernt worden, und es gab endlich ein reines
Whigministerium.


[_Folgen des Fenwick'schen Bekenntnisses._] Man hatte es nicht
verhindern knnen, da Gerchte ber dieses Bekenntni in Umlauf kamen.
Der Gefangene hatte sogar Mittel gefunden sich mit seinen Freunden in
Communication zu setzen und hatte ihnen wahrscheinlich zu wissen gethan,
da er nichts gegen sie, sehr viel aber gegen die Creaturen des
Usurpators gesagt habe. Wilhelm wnschte die Sache den gewhnlichen
Gerichten zu berlassen und wollte durchaus nicht, da sie anderwrts
untersucht wrde. Seine Rthe aber, welche die Denkweise zahlreicher und
getheilter Versammlungen besser kannten als er, waren der Meinung, da
eine parlamentarische Discussion wenn auch vielleicht nicht
wnschenswerth, doch unvermeidlich sei. Es stand in der Macht eines
einzelnen Mitglieds jedes der beiden Huser, eine solche Discussion zu
erzwingen, und es gab in beiden Husern Mitglieder, welche entweder aus
Pflichtgefhl oder aus bloem Hang zum Unheilstiften, entschlossen waren
zu erfahren, ob der Angeklagte, wie erzhlt wurde, gegen einige der
vornehmsten Mnner des Knigreichs schwere Beschuldigungen erhoben habe.
Wenn einmal eine Untersuchung stattfinden mute, so war es gewi
wnschenswerth, da die beschuldigten Staatsmnner zuerst darauf
antrugen. Es war jedoch eine groe Schwierigkeit dabei. Die Whigs,
welche die Majoritt des Unterhauses bildeten, waren bereit, wie ein
Mann fr die vllige Freisprechung Russell's und Shrewsbury's zu
stimmen, und sie verlangten auch nicht danach, Marlborough, der nicht
mehr im Staatsdienste war und daher wenig Neid erweckte, ein Brandmal
aufzudrcken. Aber eine groe Anzahl ehrenwerther Gentlemen, wie Wharton
sie nannte, war durch nichts zu bewegen, einem Beschlusse beizutreten,
der Godolphin freigesprochen htte. Ihnen war Godolphin ein Dorn im
Auge. Alle brigen Tories, welche in den ersten Jahren der Regierung
Wilhelm's eine Hauptrolle bei der Leitung der ffentlichen
Angelegenheiten gespielt hatten, waren nach einander entlassen worden.
Nottingham, Trevor, Leeds waren nicht mehr am Ruder. Pembroke war kaum
ein Tory zu nennen und war niemals wirklich am Ruder gewesen, Godolphin
aber bekleidete seinen Posten in Whitehall noch, und den Mnnern der
Revolution schien es unertrglich, da ein Mann, der im Staatsrathe
Karl's und Jakob's gesessen und fr eine Regentschaft gestimmt hatte,
erster Finanzminister war. Die so Denkenden hatten mit boshafter
Schadenfreude erfahren, da der erste Lord des Schatzes in dem
Bekenntnisse genannt war, von dem Jedermann sprach, und sie hatten sich
vorgenommen, eine so gnstige Gelegenheit, ihn aus dem Amte zu
vertreiben, nicht unbenutzt vorbergehen zu lassen. Auf der andren Seite
mute Jeder, der Fenwick's Schrift gelesen und nicht im Rausche der
Parteileidenschaft allen Sinn fr Vernunft und Gerechtigkeit verloren
hatte, nothwendig einsehen, da es unmglich war, zwischen zwei Theilen
dieser Schrift einen Unterschied zu machen und alles auf Russell und
Shrewsbury Bezgliche als falsch, alles auf Godolphin Bezgliche als
wahr zu betrachten. Dies gab selbst Wharton zu, der von allen
Staatsmnnern am wenigsten von Gewissensscrupeln oder von
Schamgefhlsregungen beunruhigt wurde.[56]


[_Godolphin's Rcktritt._] Htte Godolphin sich beharrlich geweigert,
seine Stelle aufzugeben, so wrden die Whighupter in eine hchst
unangenehme Verlegenheit gerathen sein. Aber ein Staatsmann von nicht
gewhnlicher Gewandtheit bernahm es, sie aus ihrer Verlegenheit zu
reien. In der Kunst, in den Herzen der Menschen zu lesen und sie zu
leiten, hatte Sunderland nicht seines Gleichen, und er wnschte, wie er
dies schon seit mehreren Jahren that, alle hohen Aemter im Knigreiche
mit Whigs besetzt zu sehen. Durch seine geschickte Bearbeitung wurde
Godolphin bewogen, sich ins knigliche Cabinet zu begeben und um die
Erlaubni zu bitten, sich aus dem Staatsdienste zurckzuziehen, und
Wilhelm gab diese Erlaubni mit einer Bereitwilligkeit, ber welche
Godolphin weit mehr erstaunt als erfreut war.[57]


[_Stimmung der Whigs ber Fenwick._] Eines von den Mitteln, welche die
Whigjunta anwendete, um in allen Reihen der Whigs eine noch nie
dagewesene Disciplin einzufhren und aufrechtzuerhalten, war die hufige
Abhaltung von Zusammenknften der Mitglieder des Hauses der Gemeinen.
Einige dieser Zusammenknfte waren zahlreich, andere waren gewhlt. Die
zahlreicheren wurden in der Rose gehalten, einer in den politischen
Libellen jener Zeit hufig genannten Taverne;[58] die kleineren bei
Russell in Covent Garden, oder bei Somers in Lincoln's Inn Fields.

An dem Tage, an welchem Godolphin sein hohes Amt niederlegte, wurden
zwei gewhlte Meetings veranstaltet. Am Morgen war Russell's Haus der
Zusammenkunftsort. Am Nachmittag fand sich eine zahlreiche Gesellschaft
bei dem Lordsiegelbewahrer ein. Fenwick's Bekenntni, das bis dahin
wahrscheinlich den meisten Anwesenden nur vom Hrensagen bekannt war,
wurde vorgelesen. Die Entrstung der Zuhrer wurde in hohem Grade
erregt, namentlich durch eine Stelle, welche sagen zu wollen schien, da
nicht allein Russell, nicht allein Shrewsbury, sondern die groe Masse
der Whigpartei im Herzen jakobitisch sei, und zwar schon seit langer
Zeit. Der Mensch behauptet, sagte man, da selbst das Mordcomplot ein
whiggistischer Anschlag gewesen sei. Die allgemeine Ansicht war, da
man ber eine solche Beschuldigung nicht leicht hinweggehen drfe. Es
msse eine feierliche Debatte und Entscheidung im Parlamente
stattfinden. Das beste Verfahren werde sein, wenn der Knig selbst zu
dem Gefangenen ginge und ihn verhrte und wenn Russell dann um die
knigliche Erlaubni nachsuchte, den Gegenstand vor das Haus der
Gemeinen zu bringen. Da Fenwick fr die Geschichten, die er erzhlte,
keine andre Autoritt zu haben behaupte als bloes Hrensagen, so knne
es nicht schwer halten, eine Resolution, die ihn als Verleumder
brandmarkte, und eine Adresse an den Thron durchzubringen, welche um
seine sofortige Prozessirung wegen Hochverraths ersuchte.[59]


[_Wilhelm verhrt Fenwick._] Die Ansicht der Versammlung wurde Wilhelm
durch seine Minister mitgetheilt, und er verstand sich, wenn auch nicht
ohne Widerstreben, dazu, mit dem Gefangenen zu sprechen. Fenwick wurde
in das knigliche Cabinet zu Kensington gebracht. Einige von den hohen
Staatsbeamten und die Kronanwlte waren anwesend. Ihre Schrift, Sir
John, sagte der Knig, ist ganz und gar unbefriedigend. Anstatt mir
eine Darstellung der von Ihnen und Ihren Mitschuldigen geschmiedeten
Complots zu geben, deren Details Ihnen alle genau bekannt sein mssen,
erzhlen Sie mir Geschichten ohne Autoritt, ohne Daten, ohne
Ortsangaben, von Cavalieren und Gentlemen, mit denen Sie gar nicht in
Verkehr gestanden zu haben behaupten. Kurz, Ihr Bekenntni scheint
offenbar eine Erdichtung zu sein, welche Diejenigen, die wirklich
Anschlge gegen mich entworfen haben, meinen Blicken verbergen und mich
veranlassen will, Diejenigen, denen ich guten Grund habe Vertrauen zu
schenken, mit Mitrauen zu betrachten und aus meiner Nhe zu entfernen.
Wenn Sie auf irgend eine Vergnstigung von mir hoffen, so geben Sie mir
diesen Augenblick und hier an dieser Stelle eine vollstndige und offene
Darlegung dessen was Sie aus Sich selbst wissen. Fenwick erwiederte,
dieses Verlangen treffe ihn zu unvorbereitet, und bat um Zeit. Nein,
Sir, sagte der Knig, wozu knnen Sie Zeit brauchen? Sie knnen nur
dann Zeit brauchen, wenn Sie eine zweite Schrift wie diese aufsetzen
wollen. Aber was ich von Ihnen verlange, ist eine einfache Erzhlung
dessen was Sie selbst gethan und gesehen haben, und eine solche
Erzhlung knnen Sie, wenn Sie sonst wollen, ohne Feder und Tinte
geben. Fenwick weigerte sich auf das Bestimmteste, irgend etwas zu
sagen. Nun, es sei denn, sagte Wilhelm. So will ich weder von Ihnen
noch ber Sie weiter etwas hren.[60]

Fenwick wurde in sein Gefngni zurckgefhrt. Er hatte bei dieser
Audienz eine Khnheit und Entschiedenheit gezeigt, welche Diejenigen,
die sein Benehmen beobachtet hatten, in Erstaunen setzten. Whrend der
ganzen bisherigen Dauer seiner Haft hatte er stets ngstlich und muthlos
geschienen und doch hatte er jetzt, bei dem Wendepunkte seines
Schicksals, dem Zorne des Frsten getrotzt, den er kurz zuvor demthig
um Nachsicht angefleht. In wenigen Stunden wurde das Rthsel aufgeklrt.
Unmittelbar vor seiner Vorladung nach Kensington hatte er von seiner
Gattin die Mittheilung erhalten, da sein Leben nicht gefhrdet sei, da
nur ein Belastungszeuge gegen ihn existire, da es ihr und ihren
Freunden gelungen sei, Goodman zu bestechen.[61]


[_Verschwinden Goodman's._] Goodman war eine Freiheit gestattet worden,
wegen der man nachmals die Regierung mit einigem Grunde getadelt hat.
Denn seine Aussage war von der hchsten Wichtigkeit, sein Character war
notorisch schlecht, die gemachten Versuche Porter zu verfhren,
bewiesen, da, wenn Fenwick's Leben mit Geld zu retten war, solches
nicht gespart werden wrde, und Goodman war nicht, wie Porter,
behlflich gewesen, Jakobiten an den Galgen zu bringen, und war daher
nicht, wie Porter, durch ein unauflsliches Band an die Sache Wilhelm's
gekettet. Die Familien der gefangenen Verschwrer bedienten sich der
Vermittelung eines schlauen und khnen Abenteurers, Namens O'Brien.
Dieser Mann kannte Goodman genau. Sie hatten in der That einer und der
nmlichen Ruberbande angehrt. Im Hund in Drury Lane, einer Taverne,
welche von gesetzlosen und verzweifelten Menschen frequentirt wurde,
trafen sie miteinander zusammen. O'Brien war von einem andren Jakobiten
von entschlossenem Character begleitet. Sie stellten Goodman die
einfache Alternative, entweder zu verschwinden und als Belohnung ein
Jahrgeld von fnfhundert Pfund zu erhalten, oder auf der Stelle ermordet
zu werden. Er willigte theils aus Habsucht, theils aus Furcht ein.
O'Brien war nicht der Mann sich prellen zu lassen wie Clancy. Von dem
Augenblicke an wo der Handel abgeschlossen, wich er nicht eher wieder
von Goodman's Seite als bis sie in Saint-Germains waren.[62]

Am Nachmittage des Tages, an welchem Fenwick vom Knige in Kensington
befragt worden war, begann sich das Gercht zu verbreiten, da Goodman
vermit werde. Er war seit vielen Stunden vom Hause abwesend und man
hatte ihn nicht an den Orten gesehen, die er zu besuchen pflegte. Zuerst
entstand der Verdacht, da die Jakobiten ihn ermordet htten, und dieser
Verdacht wurde durch einen sonderbaren Umstand verstrkt. Kurz nach
seinem Verschwinden war ein vom Rumpfe getrennter Menschenkopf gefunden
worden, der so furchtbar zerfleischt war, da sich kein Zug im Gesicht
mehr erkennen lie. Die Menge, von dem Gedanken besessen, da es kein
Verbrechen gebe, zu dessen Verbung sich nicht ein irischer Papist
finden wrde, war zu dem Glauben geneigt, da das Schicksal Godfrey's
ein neues Opfer betroffen habe. Bei nherer Untersuchung stellte es sich
jedoch als gewi heraus, da Goodman sich absichtlich entfernt hatte. Es
erschien eine Bekanntmachung, welche Demjenigen, der den Flchtling
ergreifen wrde, eine Belohnung von tausend Pfund versprach; aber es war
zu spt.[63]

Dieser Vorfall erbitterte die Whigs ber die Maen. Keine Jury
konnte jetzt Fenwick des Hochverraths schuldig erklren. Sollte er
also davon kommen? Sollte eine lange Reihe von Verbrechen gegen den
Staat ungestraft bleiben, lediglich weil zu diesen Verbrechen noch
das neue Verbrechen gekommen war, einen Zeugen zu bestechen, damit
er seine Aussage unterdrcke und sich der Brgschaftleistung durch
die Flucht entziehe? Gab es kein auergewhnliches Mittel, durch das
die Justiz einen Verbrecher erreichen konnte, der einzig und allein
weil er schlimmer war als andere Verbrecher auer dem Bereiche des
gewhnlichen Gesetzes stand? Es gab ein solches Mittel, das durch
zahlreiche Prcedenzflle autorisirt war, das whrend der Wirren des
16.Jahrhunderts die Papisten sowohl als die Protestanten, und whrend
der Wirren des 17.Jahrhunderts die Rundkpfe sowohl als die Cavaliere
angewendet hatten, ein Mittel, das kein Fhrer der Torypartei verdammen
konnte, ohne sich selbst zu verurtheilen, und ber das sich Fenwick
anstndigerweise nicht beklagen konnte, da er selbst wenige Jahre
frher eifrig dafr gewesen war, es gegen den unglcklichen Monmouth
anzuwenden. Zu diesem Mittel beschlo die Partei, die jetzt im Staate
die Oberhand hatte, zu greifen.


[_Parlamentarische Manahmen in Bezug auf Fenwick's Gestndnisse._] Bald
nachdem die Gemeinen am Morgen des 6.Novembers zusammengetreten waren,
erhob sich Russell auf seinem Platze und bat um Gehr. Die Aufgabe die
er bernommen hatte, erforderte einen Muth nicht von der ehrenwerthesten
Art; aber ihm fehlte es an keiner Art von Muth. Sir John Fenwick, sagte
er, habe dem Knige eine Schrift bersandt, in der schwere
Beschuldigungen gegen einige Diener Sr. Majestt erhoben wren, und Se.
Majestt habe auf Ersuchen seiner angeklagten Diener zu befehlen geruht,
da diese Schrift dem Hause vorgelegt werde. Das Bekenntni wurde
vorgelesen. Hierauf verlangte der Admiral mit einem Muthe und einer
Wrde, die eines besseren Mannes werth gewesen wren, Gerechtigkeit fr
sich und Shrewsbury. Wenn wir unschuldig sind, so reinigen Sie uns.
Wenn wir schuldig sind, so bestrafen Sie uns wie wir es verdienen. Ich
bergebe mich Ihnen als meinem Vaterlande und bin bereit, nach Ihrem
Urtheilsspruche zu stehen oder zu fallen.

Es wurde sofort angeordnet, da Fenwick schleunigst vor die Schranke
gebracht werden solle. Cutts, der als Abgeordneter fr Cambridgeshire im
Hause sa, wurde angewiesen, fr eine gengende Eskorte zu sorgen, und
ihm noch besonders eingeschrft, darauf Bedacht zu nehmen, da der
Gefangene auf dem Wege von Newgate nach Westminster keine Gelegenheit
habe, eine mndliche oder schriftliche Mittheilung zu geben oder zu
empfangen. Dann vertagte sich das Haus bis zum Nachmittag.

Um fnf Uhr, damals eine spte Stunde, wurde das Scepter wieder auf den
Tisch gelegt und das Haus und die Vorhallen sorgfltig von Fremden
gesubert. Fenwick wartete drauen unter starker Wache. Er ward
hereingerufen und vom Sprecher aufgefordert, ein vollstndiges und
offenes Gestndni abzulegen. Er zgerte und machte Ausflchte. Ich
kann ohne Erlaubni des Knigs nichts sagen. Es knnte Sr. Majestt
mifllig sein, wenn etwas, was nur er erfahren darf, Anderen
mitgetheilt wrde. Es wurde ihm hierauf entgegnet, da seine
Besorgnisse ungegrndet seien. Der Knig wisse sehr wohl, da es das
Recht und die Pflicht seiner getreuen Gemeinen sei, Alles zu
untersuchen, was die Sicherheit seiner Person und seiner Regierung
betreffe. Mein Proze kann in einigen Tagen beginnen, sagte der
Gefangene. Man kann nicht von mir verlangen, etwas zu sagen, was vor
Gericht gegen mich sprechen knnte. -- Sie haben nichts zu frchten,
erwiederte der Sprecher, wenn Sie nur vollstndige und unumwundene
Enthllungen machen. Nie hat Jemand Ursache gehabt, es zu bereuen, da
er gegen die Gemeinen England's aufrichtig gewesen war. Nun bat Fenwick
um Aufschub. Er sei kein gewandter Redner, er habe ein schlechtes
Gedchtni, er msse Zeit haben, um sich vorzubereiten. Man sagte ihm,
wie dies schon einige Tage vorher im kniglichen Cabinet geschehen war,
da er, ob vorbereitet oder nicht, sich doch nothwendig der
hauptschlichsten Complots, bei denen er betheiligt gewesen sei, und der
Namen seiner Hauptmitschuldigen erinnern msse. Wenn er das was er
unmglich vergessen haben knne, ehrlich erzhlte, so wrde das Haus
alle billigen Rcksichten nehmen und ihm Zeit lassen, sich auf
untergeordnete Details zu besinnen. Dreimal wurde er von der Schranke
entfernt und dreimal wurde er dahin zurckgebracht. Man machte ihn mit
feierlichem Ernste darauf aufmerksam, da die ihm jetzt gegebene
Gelegenheit, sich die Gunst der Gemeinen zu erwerben, wahrscheinlich die
letzte sein werde. Er beharrte in seiner Weigerung und wurde nach
Newgate zurckgebracht.

Es wurde nun beantragt zu resolviren, da sein Bekenntni falsch und
verleumderisch sei. Coningsby schlug den Zusatz vor, da es den Zweck
habe, Mitrauen zwischen dem Knige und guten Unterthanen hervorzurufen,
um wirkliche Verrther dem Arme der Gerechtigkeit zu entziehen. Einige
unvershnliche und starrkpfige Whigs, deren Ha gegen Godolphin durch
seinen Rcktritt nicht gemildert worden war, sprachen Zweifel aus, ob
das ganze Schriftstck verworfen werden drfe. Aber nach einer Debatte,
in der sich Montague besonders auszeichnete, wurde der Antrag
angenommen. Ein paar Stimmen riefen zwar Nein, aber Niemand wagte es
eine Abstimmung zu verlangen.


[_Bill zur Verurtheilung Fenwick's._] So weit war Alles mit Ruhe
abgegangen; aber in wenigen Minuten brach der Sturm los. Das furchtbare
Wort Verurtheilungsbill wurde ausgesprochen und alsbald erwachten alle
heftigen Leidenschaften der beiden groen Parteien. Die Tories waren
berrascht worden und viele von ihnen hatten das Haus verlassen. Die
Zurckgebliebenen erklrten laut, da sie nie in eine solche Verletzung
der ersten Grundstze der Gerechtigkeit willigen wrden. Die Whigs waren
nicht minder heftig und ihre Reihen waren ungelichtet. Der Antrag auf
Erlaubni zur Einbringung einer Verurtheilungsbill gegen Sir John
Fenwick wurde spt Abends mit hunderteinundsiebzig gegen einundsechzig
Stimmen angenommen, aber es war unzweifelhaft, da der Kampf lang und
hei werden wrde.[64]

Der Parteigeist war in der That selten heftiger erregt gewesen. Es war
allerdings auf beiden Seiten viel ehrlicher Eifer, aber ein
beobachtendes Auge wrde auf beiden Seiten auch Furcht, Ha und Habsucht
unter den schimmernden Vorwnden der Gerechtigkeit und des Gemeinwohls
entdeckt haben. Die bedauerliche Hitze der Parteisucht brtete rasch
eine Menge giftiges Gewrm aus, das lange erstarrt gelegen hatte:
verabschiedete Spione und verurtheilte falsche Zeugen, welche die
Peitsche, das Brenneisen und die Scheere verschont hatten. Selbst Fuller
hoffte wieder Leichtglubige zu finden, die ihn anhren wrden. Seitdem
er am Pranger gestanden, hatte die Welt ihn vergessen. Er hatte jetzt
die Stirn an den Sprecher zu schreiben, um Gehr vor der Schranke zu
bitten und viele wichtige Aufschlsse ber Fenwick und Andere zu
versprechen. Am 9.November zeigte der Sprecher dem Hause den Empfang
dieser Mittheilung an; aber das Haus weigerte sich geziemenderweise, den
Brief eines so notorischen Schurken nur vorlesen zu lassen.


[_Debatten der Gemeinen ber die Verurtheilungsbill._] An dem nmlichen
Tage wurde die Verurtheilungsbill, nachdem sie von dem Generalfiskal und
dem Generalprokurator vorbereitet worden, eingebracht und zum ersten
Male gelesen. Das Haus war gefllt und die Debatte hei. John Manley,
Mitglied fr Bossiney, einer von den starren Tories, die sich whrend
der vorhergehenden Session lange geweigert hatten, dem Verein
beizutreten, beschuldigte die Majoritt in nicht eben gemigten
Ausdrcken, da sie dem Hofe schmeichle und die Freiheiten des Volks
verrathe. Seine Worte wurden zu Protokoll genommen und obgleich er sie
wegzuerklren versuchte, wurde er doch in den Tower geschickt. Seymour
sprach nachdrcklich gegen die Bill und fhrte die Rede an, welche Csar
im rmischen Senate gegen den Antrag hielt, da die Mitschuldigen
Catilina's unregelmigerweise vom Leben zum Tode gebracht werden
sollten. Ein whiggistischer Redner bemerkte hierauf sarkastisch, der
wrdige Baronet vergesse, da Csar selbst sehr stark in dem Verdacht
gestanden habe, bei Catilina's Complot betheiligt gewesen zu sein.[65]
In diesem Stadium stimmten hundertsechsundneunzig Mitglieder fr die
Bill, hundertundvier gegen dieselbe. Es wurde Fenwick eine Abschrift
bersandt, damit er sich auf seine Vertheidigung vorbereiten knne. Er
hielt darum an, sich durch einen Advokaten vertheidigen lassen zu
drfen; dieser Wunsch wurde ihm gewhrt und der 13. zum Anhren der
Vertheidigung anberaumt.

Die ltesten Mitglieder konnten sich nicht erinnern, da jemals
ein solcher Andrang nach dem Hause stattgefunden wie am Morgen des
13.Novembers. Es kostete einige Mhe, die Zugnge frei zu halten
und keine Fremden, Peers ausgenommen, wurden eingeladen. Der Zudrang
der Peers war so gro, da ihre Anwesenheit einen bemerkbaren Einflu
auf die Debatte ausbte. Selbst Seymour, der als ehemaliger Sprecher
des Rangtitels der Gemeinen ganz besonders eingedenk htte sein
sollen, verga sich einmal so auffallend, da er sie mit Mylords
anredete. Nachdem Fenwick von den Sheriffs von London der Form gem
dem Stabtrger bergeben worden, wurde er vor die Schranke gebracht,
begleitet von zwei Advokaten, deren sich jakobitische Angeklagte
gewhnlich bedienten: von Sir Thomas Powis und Sir Bartholomus Shower.
Zur Vertheidigung der Bill hatte das Haus seinerseits Rechtsanwlte
bestellt.

Die Vernehmung der Zeugen und die Ausfhrungen der Advokaten nahmen
drei Tage in Anspruch. Porter wurde hereingerufen und vernommen.
Es wurde zwar nicht durch juristischen Beweis, aber durch solchen
moralischen Beweis, wie er das Verfahren der Menschen bei den
Vorkommnissen des alltglichen Lebens bestimmt, dargethan, da
Goodman's Abwesenheit einem von Fenwick's Freunden mit Fenwick's
Wissen und Willen entworfenen und ausgefhrten Plane zuzuschreiben
sei. Sekundres Zeugni fr das was Goodman, wenn er anwesend gewesen
wre, htte beweisen knnen, wurde nach lebhafter Debatte zugelassen.
Sein eidlich bekrftigtes und von ihm eigenhndig unterschriebenes
Bekenntni wurde vorgelegt. Einige Mitglieder der groen Jury,
welche Grund zur Anklage gegen Sir Sohn gefunden hatte, erstatteten
Bericht ber das was Goodman vor ihnen beschworen, und ihre Aussage
wurde von einigen Mitgliedern der kleinen Jury, die einen andren
Verschwrer fr schuldig erklrt hatte, besttigt. Zu Gunsten des
Angeklagten wurde kein Zeugni vorgelegt. Nachdem die fr und gegen ihn
sprechenden Anwlte angehrt worden waren, wurde er in sein Gefngni
zurckgebracht.[66] Hierauf begann der eigentliche Kampf. Er war
lang und heftig. Das Haus war zu wiederholten Malen von Tagesanbruch
bis gegen Mitternacht versammelt. Einmal blieb der Sprecher funfzehn
Stunden ununterbrochen auf seinem Stuhle. Fremde hatten freien
Zutritt, denn man sah ein, da das Haus, nachdem es fr gut befunden
hatte, die Functionen eines Gerichtshofes zu bernehmen, auch, wie
ein Gerichtshof, bei offenen Thren sitzen msse.[67] Der wesentliche
Inhalt der Debatten ist uns in Folge dessen in einem Berichte erhalten
worden, der zwar im Vergleich zu den Berichten unsrer Zeit drftig,
fr die damalige Zeit aber ungewhnlich vollstndig ist. Jeder Mann
von Bedeutung im Hause betheiligte sich bei der Discussion. Die
Bill wurde von Finch mit der flieenden und sonoren Beredtsamkeit,
die ihm den Namen der Silberzunge eingebracht, und von Howe mit der
ganzen Schrfe seines Geistes und seines Characters, von Seymour mit
characteristischer Energie, und von Harley mit characteristischer
Feierlichkeit bekmpft. Auf der andren Seite entfaltete Montague die
Talente eines vollendeten Wortkmpfers und wurde durch Littleton
krftig untersttzt. In den ersten Reihen der feindlichen Parteien
machten sich zwei ausgezeichnete Juristen, Simon Harcourt und Wilhelm
Cowper, bemerkbar. Beide waren Gentlemen von achtbarer Herkunft, Beide
zeichneten sich durch ein schnes Aeueres und durch einnehmende
Manieren aus; Beide waren wegen ihrer Beredtsamkeit berhmt, und
Beide liebten die Gelehrsamkeit und die Gelehrten. Nebenbei mag auch
bemerkt werden, da Beide schon frhzeitig wegen ihrer Verschwendung
und Vergngungssucht bekannt gewesen waren. Die Verschwendung hatte
sie arm, die Armuth hatte sie fleiig gemacht, und obwohl sie nach
der Altersberechnung, die bei den Juristencollegien gebruchlich
ist, noch sehr junge Mnner waren, Harcourt ein Sechsunddreiiger,
Cowper ein Zweiunddreiiger, so hatten sie doch schon die strkste
advokatorische Praxis. Sie waren dazu bestimmt, noch hher zu steigen,
die Bewahrer des groen Staatssiegels und die Grnder patrizischer
Huser zu werden. In der Politik waren sie directe Antipoden. Harcourt
hatte die Revolution mit Widerwillen gesehen, hatte nicht Mitglied der
Convention sein wollen, hatte sein Gewissen nur schwer mit den Eiden
vershnt und hatte die Vereinsurkunde spt und ungern unterzeichnet.
Cowper hatte fr den Prinzen von Oranien und ein freies Parlament die
Waffen getragen und sich in dem kurzen und tumultuarischen Feldzuge,
welcher Jakob's Flucht vorausging, durch Intelligenz und Tapferkeit
ausgezeichnet. Seitdem Somers auf den Wollsack versetzt worden war,
hatten die Kronanwlte weder im Unterhause noch berhaupt irgendwo eine
hervorragende Figur gespielt und ihre Mangelhaftigkeit war mehr als
einmal durch Cowper ersetzt werden. Seine Geschicklichkeit hatte bei
dem Prozesse Parkyns' das Verdict gesichert, das durch das unrichtige
Verfahren des Generalprokurators einen Augenblick zweifelhaft geworden
war. Bei der allgemeinen Wahl von 1695 war er zum Abgeordneten fr
Hartford gewhlt worden, und er hatte seinen Sitz kaum eingenommen, so
schwang er sich zu einer hohen Stellung unter den Parlamentsrednern
empor. Chesterfield schilderte viele Jahre spter in einem Briefe an
seinen Sohn Cowper als einen Redner, der nie ohne Beifall sprach,
dessen Logik aber schwach war und der den Einflu, den er lange auf
groe Versammlungen ausbte, dem eigenthmlichen Zauber seines Styls,
seines Organs und seines Vortrags verdankte. Chesterfield war ohne
allen Zweifel geistig befhigt, sich ber einen solchen Gegenstand
ein richtiges Urtheil zu bilden. Es mu aber daran erinnert werden,
da der Zweck seiner Briefe der war, Takt und Bildung im Gegensatz zu
viel hheren Eigenschaften zu preisen. Er schrieb daher bestndig und
systematisch den Erfolg der ausgezeichnetsten Personen seiner Zeit
ihrer Ueberlegenheit in ueren Vorzgen der Diction und Manier, und
nicht in gediegenen Talenten und Kenntnissen zu. Selbst Marlborough
stellte er als einen Mann von ganz gewhnlichen Geistesgaben dar, der
sich lediglich durch eine feine Bildung und Redekunst aus Armuth und
Dunkelheit auf den Gipfel der Macht und des Ruhmes emporgeschwungen
habe. Man kann jedoch mit Zuversicht behaupten, da Chesterfield sowohl
gegen Marlborough als gegen Cowper ungerecht war. Der General, der das
deutsche Reich rettete und die Niederlande eroberte, war gewi noch
etwas mehr als ein feingebildeter Gentleman, und der Richter, der neun
Jahre lang unter dem Beifalle aller Parteien den Court of Chancery
prsidirte, mu wohl etwas mehr gewesen sein als ein eleganter Redner.

Jeder, der den Bericht von den Debatten aufmerksam und unparteiisch
studirt, wird der Meinung sein, da in vielen Punkten, welche mit groer
Ausfhrlichkeit und Lebhaftigkeit discutirt wurden, die Whigs ein
entschiedenes Uebergewicht in der Argumentation, da aber die Tories in
der Hauptsache Recht hatten.

Fenwick war allerdings des Verbrechens des Hochverraths durch Beweise
berfhrt worden, die in dem Geiste keines Menschen von gesundem
Verstande einen Zweifel brig lassen konnten und die ihn auch nach den
strengsten Regeln des Rechts berfhrt haben wrden, wenn er sich nicht
durch Begehung eines neuen Verbrechens der Gerechtigkeit der
gewhnlichen Tribunale entzogen htte. Er hatte allerdings noch whrend
er Reue an den Tag legte und um Gnade flehte, seine frheren Vergehen um
ein neues Vergehen vermehrt, indem er, unter dem Vorgeben, da er ein
vollkommen offenes Gestndni ablege, mit durchtriebener Bosheit alles
dasjenige, an dessen Bekanntwerden der Regierung gelegen sein mute,
verhehlt, und alles das, an dessen Verschweigung der Regierung gelegen
sein mute, ausgesagt hatte. Es war ein groes Uebel, da ihn die
verdiente Strafe nicht treffen sollte; es war klar, da er nur durch
eine Verurtheilungsbill erreicht werden konnte, und man konnte weder
leugnen, da schon viele derartige Bills angenommen worden waren, noch
da keine solche Bill je in einem klareren Schuldfalle und nach
unparteiischerer Anhrung des Fr und Wider angenommen worden war.

Alle diese Stze scheinen die Whigs erschpfend bewiesen zu haben. Auch
waren sie in dem Streite ber die Vorschrift, welche in
Hochverrathsfllen zwei Zeugen verlangt, entschieden im Vortheil. Diese
Vorschrift ist allerdings absurd. Es ist nicht zu begreifen, warum das
Zeugni, welches gengt, um zu beweisen, da Jemand auf seinen Mitbrger
geschossen hat, nicht gengen soll, um zu beweisen, da er auf seinen
Souverain geschossen hat. Es kann durchaus nicht als allgemeine Regel
festgestellt werden, da die Versicherung zweier Zeugen berzeugender
sei als die Versicherung eines Zeugen. Die Aussage eines Zeugen kann
schon an sich wahrscheinlich sein. Die Aussagen zweier Zeugen knnen
extravagant sein. Die Aussage eines Zeugen kann unwiderleglich sein. Die
Aussagen zweier Zeugen knnen durch vier andere Zeugen widerlegt werden.
Die Aussage eines Zeugen kann durch eine Menge von Umstnden bekrftigt
werden. Die Aussagen zweier Zeugen knnen keine solche Bekrftigung zur
Seite haben. Der eine Zeuge kann Tillotson oder Ken sein. Die zwei
Zeugen knnen Oates und Bedloe sein.

Die Hupter der Torypartei behaupteten jedoch mit Heftigkeit, da das
Gesetz, welches zwei Zeugen vorschreibe, allgemein und ewig bindend, da
es ein Theil des Naturgesetzes, ein Theil des gttlichen Gesetzes sei.
Seymour citirte das vierte und fnfte Buch Mosis, um zu beweisen, da
Niemand auf die Aussage eines einzelnen Zeugen hin zum Tode verurtheilt
werden drfe. Kaiphas und sein Sanhedrin, sagte Harley, waren
vollkommen bereit, eine Verletzung der Gerechtigkeit durch einen
Zweckmigkeitsgrund zu rechtfertigen; sie sagten, -- und auch wir haben
Derartiges sagen hren --: Wir mssen diesen Menschen tdten, sonst
werden die Rmer kommen und uns Land und Leute nehmen. Doch selbst
Kaiphas und sein Sanhedrin wagten es bei jenem abscheulichsten aller
Justizmorde nicht, das geheiligte Gesetz bei Seite zu werfen, das zwei
Zeugen vorschrieb. -- Selbst Jesabel, sagte ein andrer Redner, wagte
es nicht, Naboth seinen Weinberg wegzunehmen, bis sie zwei Mnner des
Belial als falsche Zeugen gedungen hatte. -- Wenn das Zeugni eines
ernsten Aeltesten gengt htte, fragte Jemand, wie wrde es der
keuschen Susanna ergangen sein? Dieses letzte Citat veranlate den Ruf:
Apokryphisch! Apokryphisch! in den Reihen der Niederkirchlichen.[68]

Ueber diese Argumente, welche selbst Denen, die sich herablieen, sie
anzufhren, wohl schwerlich als schlagend erschienen sein knnen,
erlangte Montague einen vollstndigen und leichten Sieg. Ein ewiges
Gesetz! Wo war dieses ewige Gesetz vor der Regierung Eduard'sVI.? Wo
ist es jetzt, auer in Statuten, die sich nur auf eine sehr kleine
Klasse von Vergehen beziehen? Wenn diese Stellen aus dem Pentateuch und
diese Prcedenzflle aus dem Verfahren des Sanhedrin etwas beweisen, so
beweisen sie, da die ganze Strafrechtspflege des Reichs eine Masse von
Ungerechtigkeit und Gottlosigkeit ist. Ein Zeuge gengt, um einen
Mrder, einen Einbrecher, einen Straenruber, einen Brandstifter, einen
Schnder zu berfhren. Ja, es giebt sogar Flle von Hochverrath, in
denen nur ein Zeuge erforderlich ist. Ein einziger Zeuge kann eine ganze
Bande von Kippern und Falschmnzern nach Tyburn bringen. Wollen Sie denn
behaupten, da das ganze Beweisrecht, nach welchem die Menschen seit
Jahrhunderten in unsrem Vaterlande wegen Vergehen gegen das Leben und
Eigenthum gerichtet worden sind, mangelhaft ist und umgestaltet werden
mu? Wenn Sie Sich scheuen dies zu behaupten, so mssen Sie zugeben, da
wir jetzt vorschlagen, nicht uns von einer gttlichen Vorschrift von
allgemeiner und ewiger Bindungskraft, sondern einfach von einer
englischen Procedurregel zu dispensiren, die nur auf einige wenige
Verbrechen Anwendung findet, die noch keine hundertfunfzig Jahre in
Kraft ist, deren ganze Autoritt sich auf eine Parlamentsacte sttzt und
die daher, ohne Gott oder die Menschheit zu beleidigen, durch eine andre
Acte abgeschafft oder suspendirt werden kann.

Bei weitem nicht so leicht war es, den Huptern der Opposition zu
antworten, als sie behaupteten, da es gefhrlich sei, die Scheidewand
niederzureien, welche die Functionen des Gesetzgebers von denen des
Richters trennt. Dieser Mann, wurde gesagt, kann ein schlechter
Englnder sein, und doch kann seine Sache die Sache aller guten
Englnder sein. Erst im vorigen Jahre haben wir eine Acte zur Regulirung
des Prozeverfahrens der ordentlichen Gerichtshfe in Hochverrathsfllen
angenommen. Wir nahmen diese Acte an, weil wir der Ansicht waren, das
bei diesen Gerichtshfen das Leben eines der Regierung miliebigen
Unterthanen damals nicht hinlnglich gesichert sei. Gleichwohl war das
Leben eines der Regierung miliebigen Unterthanen damals viel sicherer,
als es dies sein wird, wenn dieses Haus sich die hchste richterliche
Gewalt in politischen Fllen beilegt. Warme Lobreden wurden auf das
alte nationale System der Aburtheilung durch zwlf zuverlssige
Biedermnner gehalten; und die Vorzge dieses Systems in politischen
Fllen liegen in der That auf der Hand. Der Angeklagte darf jede Anzahl
von Geschwornen aus Grnden und eine betrchtliche Anzahl ohne Grund
verwerfen. Die Zwlf werden von dem Augenblicke an, wo sie mit ihrer
kurzen Magistratur bekleidet werden, bis zu dem Augenblicke, wo sie
dieselbe niederlegen, von der brigen Gesellschaft getrennt gehalten.
Jede Vorsicht wird beobachtet, um zu verhindern, da ein Agent der
Gewalt durch Bitten oder durch Bestechung auf sie einwirkt. Jeder von
ihnen mu jedes Wort der Beweisaufnahme und jedes fr und wider
vorgebrachte Argument anhren. Der ganze Fall wird dann von einem
Richter resumirt, welcher wei, da, wenn er sich der Parteilichkeit
schuldig macht, er vor dem groen Richterstuhle der Nation zur
Rechenschaft gezogen werden kann. In dem Prozesse Fenwick's vor der
Schranke des Hauses der Gemeinen fehlten alle diese Garantien. Einige
hundert Gentlemen, von denen jeder schon vor Erffnung der Untersuchung
seinen Entschlu mehr als halb gefat hatte, bten zu gleicher Zeit die
Functionen des Richters und der Jury aus. Sie wurden nicht wie es bei
einem Richter der Fall ist, durch das Gefhl der Verantwortlichkeit in
gewissen Schranken gehalten, denn wer konnte ein Parlament bestrafen?
Sie waren nicht, wie eine Jury, in der Weise gewhlt, da der Angeklagte
seine persnlichen und politischen Feinde ausschlieen konnte. Die
Mnner, in deren Hnden sein Schicksal lag, kamen und gingen nach ihrem
Belieben. Sie hrten hier und da ein Bruchstck von dem was zu seinen
Gunsten gesagt wurde. Whrend des Verlaufes der Untersuchung waren sie
allen mglichen Einflssen ausgesetzt. Ein Mitglied wurde von den
Whlern seines Burgfleckens mit dem Verluste seines Sitzes bedroht, ein
andres konnte fr seinen Bruder von Russell eine Fregatte erhalten, die
Stimme eines Dritten konnte durch die Schmeicheleien und den Burgunder
Wharton's gewonnen werden. In den Debatten wurden Kunstgriffe angewendet
und Leidenschaften geweckt, welche wohlconstituirten Tribunalen
unbekannt sind, von denen aber keine groe volksthmliche Versammlung
jemals frei gewesen ist, noch jemals sein wird. Der Vortrag des einen
Redners rief lautes Hrt ihn! hervor. Ein andrer wurde durch Ruspern
und Scharren zum Schweigen gezwungen. Ein dritter sprach bermig
lange, damit seine Freunde, welche zum Abendessen gegangen waren, zur
Abstimmung wieder zurck sein konnten.[69] Wenn mit dem Leben des
unwrdigsten Menschen ein solches Spiel getrieben werden konnte, war
dann das Leben auch des Tugendhaftesten sicher?

Die Gegner der Bill wagten zwar nicht zu behaupten, keine ffentliche
Gefahr knne so gro sein, da sie eine Verurtheilungsacte rechtfertige.
Sie gaben zu, da Flle eintreten knnten, in denen die allgemeine Regel
einer dringenden Nothwendigkeit weichen msse. Aber war der vorliegende
Fall ein solcher? Selbst wenn man, nur um der Argumentirung willen,
zugeben wolle, da Strafford und Monmouth ihr Urtheil mit Recht verdient
htten, sei Fenwick, wie Strafford, ein groer Minister, der viele Jahre
lang das englische Gebiet nrdlich vom Trent und ganz Irland mit
unumschrnkter Gewalt beherrschte, der hoch in der Gunst des Knigs
stand und dessen Talente, Beredtsamkeit und Entschlossenheit ihn noch in
seinem Sturze zu einem Gegenstande der Furcht machten? Oder sei Fenwick,
wie Monmouth, ein Kronprtendent und der Abgott des gemeinen Volks?
Strmten alle krftigen Jnglinge dreier Grafschaften herbei, um unter
seinem Banner zu dienen? Sei er etwas Andres als ein untergeordneter
Verschwrer? Er habe zwar einst bedeutende Stellen bekleidet, aber die
habe er lngst wieder verloren. Er habe ein groes Vermgen besessen,
aber er habe es verschwendet. Ausgezeichnete Talente und einen
angesehenen Namen habe er nie gehabt. Er sei allerdings durch seine Frau
mit einer sehr vornehmen Familie verwandt; aber diese Familie theile
seine politischen Vorurtheile nicht. Habe er also eine andre Wichtigkeit
als die, welche seine Verfolger ihm unklugerweise erst gaben, indem sie
alle das Leben der Englnder sichernden Schutzwehren durchbrchen, um
ihn zu vernichten? Selbst wenn er in Freiheit gesetzt wrde, was knne
er Andres thun, als jakobitische Kaffeehuser besuchen, Orangen
zerdrcken und auf die Gesundheit des Knigs Jakob und des Prinzen von
Wales trinken? Wenn jedoch die Regierung trotz der Untersttzung der
Lords und der Gemeinen, der Flotte und der Armee, einer Miliz von
hundertsechzigtausend Mann und einer halben Million Brger, welche die
Vereinsurkunde unterzeichnet, wirklich von diesem armen ruinirten Baron
eine Gefahr befrchtete, so knne ihm die Wohlthat der Habeascorpusacte
vorenthalten werden. Er knne so lange innerhalb vier Wnden gehalten
werden, als die geringste Mglichkeit fr ihn vorhanden sei, Unheil zu
stiften. Fr einen so furchtbaren Feind knne man ihn wohl schwerlich
halten, da der Staat nicht eher sicher wre, als bis er im Grabe liege.

Es wurde zugegeben, da sich Prcedenzflle fr diese Bill und selbst
fr eine noch mehr Einwendungen zulassende Bill finden lieen. Aber es
wurde gesagt, da Jeder, der unsre Geschichte studire, geneigt sein
werde, diese Prcedenzflle eher als warnende, denn als nachahmenswerthe
Beispiele zu betrachten. Es sei oft vorgekommen, da eine in einer
Regung von Servilitt oder Erbitterung angenommene Verurtheilungsacte,
wenn das Glck sich gewendet oder wenn die Wuth sich abgekhlt habe,
widerrufen oder feierlich fr ungerecht erklrt worden sei. So sei vor
Alters die Acte, welche in dem Paroxismus eines nicht unprovocirten
Hasses gegen Roger Mortimer erlassen wurde, in einem ruhigeren
Augenblicke deshalb wieder aufgehoben worden, weil man ihm, so schuldig
er auch brigens gewesen sein mochte, nicht unparteiisch gestattet habe,
sich zu vertheidigen. So sei auch innerhalb der Erinnerung der
gegenwrtigen Generation, das Gesetz, welches Strafford verurtheilte,
ohne eine einzige abweichende Stimme annullirt worden. Es drfe ferner,
ward hinzugesetzt, nicht unerwhnt bleiben, da, sei es nun kraft des
ordentlichen Gesetzes von Ursache und Wirkung, oder durch das
auerordentliche Gottesurtheil, Personen, welche selbst fr die Annahme
von Strafbills eingenommen gewesen, zu wiederholten Malen durch solche
Bills zu Grunde gegangen seien. Niemand habe je einen rcksichtsloseren
Gebrauch von der gesetzgebenden Gewalt zur Vernichtung seiner Feinde
gemacht als Thomas Cromwell, und durch einen rcksichtslosen Gebrauch
der gesetzgebenden Gewalt sei er selbst vernichtet worden. Wenn es wahr
sei, da der unglckliche Gentleman, dessen Schicksal jetzt in der
Wagschale zittere, frher selbst an einem hnlichen Prozeverfahren, wie
es jetzt gegen ihn angewendet werde, Theil genommen habe, sei dies nicht
ein Umstand, der zu sehr ernsten Betrachtungen Anla geben msse?
Diejenigen, welche Fenwick hhnisch daran erinnerten, da er die Bill
untersttzt habe, welche Monmouth verurtheilte, knnten vielleicht
selbst noch in einer finstren und schrecklichen Stunde hhnisch daran
erinnert werden, da sie die Bill untersttzt htten, welche Fenwick
verurtheilte. Bedenken wir, welche Wechselflle wir erlebt haben.
Lernen wir aus so vielen auffallenden Beispielen von der Wandelbarkeit
des Geschicks, Migung im Glcke. Wie wenig dachten wir daran, als wir
diesen Mann als einen begnstigten Cavalier in Whitehall, als einen mit
militrischem Geprnge umgebenen General in Hounslow sahen, da wir es
erleben wrden, ihn vor unsrer Schranke stehen zu sehen, von unsren
Sippen sein Urtheil erwartend! Und wie weit entfernt sind wir von der
Gewiheit, da wir nicht selbst dereinst in tiefer Seelenqual vergebens
den Schutz der milden Gesetze anrufen werden, die wir jetzt so
leichtfertig behandeln! Gott mge es verhten, da wir je wieder der
Tyrannei unterworfen werden! Vor Allem aber mge Gott es verhten, da
unsere Tyrannen je in die Lage kommen, zur Rechtfertigung des
Schlimmsten, das sie ber uns verhngen knnen, Prcedenzflle geltend
zu machen, die wir selbst geliefert haben!

Diese geschickt ausgefhrten Themata machten auf viele gemigte Whigs
einen groen Eindruck. Montague bemhte sich nach Krften, seine
Anhnger wieder zu gewinnen. Wir besitzen noch die rohen Umrisse seiner
Rede, die gewi eine sehr bedeutende Wirkung uerte. Diese Herren
warnen uns -- so scheint er sich, wenigstens annhernd, ausgedrckt zu
haben -- dem Knige Jakob nicht einen Prcedenzfall zu liefern, den er,
wenn er einmal wieder auf den Thron gelangen sollte, gegen uns anwenden
knnte. Glauben sie wirklich, da wenn jener unheilvolle Tag kommen
sollte, er sich dieses gerechte und nothwendige Gesetz zum Vorbilde
nehmen wrde? Nein, Sir, er wird sich nicht unsre Verurtheilungsbill,
sondern seine eigene zum Muster nehmen; nicht unsre Bill, die nach
vollstndigen Beweisen und nach unparteiischer Anhrung aller
Betheiligten, die wohlverdiente Strafe ber ein einzelnes schuldiges
Haupt verhngt, sondern seine eigne Bill, die ohne Vertheidigung, ohne
Untersuchung, ohne Anklage, nahe an dreitausend Menschen, deren einzige
Verbrechen ihr englisches Blut und ihr protestantischer Glaube waren,
die Mnner zum Galgen, die Frauen zum Scheiterhaufen verurtheilte. Dies
ist der Prcedenzfall, den er geliefert hat und den er befolgen wird.
Damit er nie im Stande sein mge, ihn zu befolgen, damit die Furcht vor
gerechter Strafe die Feinde unsres Vaterlandes von dem Wunsche abhalten
mge, ihn in London herrschen zu sehen, wie er in Dublin herrschte,
stimme ich fr diese Bill.

Trotz aller Beredtsamkeit und allen Einflusses des Ministeriums wurde
die Minoritt im Verlaufe der Debatte immer strker und strker. Die
Frage, ob die Erlaubni zum Einbringen der Bill gegeben werden solle,
war mit fast Drei zu Eins bejaht worden. Bei der Abstimmung ber die
Frage, ob die Bill einem Ausschusse berwiesen werden solle,
betrug die Zahl der Jas hundertsechsundachtzig, die der Neins
hundertachtundzwanzig. Bei der Abstimmung ber die Frage, ob die Bill
angenommen werden solle, betrug die Zahl der Jas hundertneunundachtzig,
die der Neins hundertsechsundfunfzig.


[_Die Verurtheilungsbill den Lords berreicht._] Am 26.November wurde
die Bill den Lords berreicht. Noch ehe sie dort ankam, hatten die Lords
sich schon auf ihren Empfang vorbereitet. Jeder von der Hauptstadt
abwesende Peer war eingeladen worden zu erscheinen; jeder Peer, der der
Einladung nicht Folge leistete und fr sein Ausbleiben keine
befriedigende Erklrung geben konnte, wurde von dem schwarzen Stabe in
Gewahrsam genommen. An dem zur ersten Lesung festgesetzten Tage waren
die Bnke so gefllt wie noch nie. Die Gesammtzahl der weltlichen Lords
mit Ausnahme der Minorennen, der Katholiken und der Eidverweigerer,
belief sich auf ungefhr hundertvierzig. Von diesen waren hundertfnf
auf ihren Pltzen. Viele waren der Meinung, da man den Bischfen htte
erlauben, wenn nicht befehlen sollen, wegzubleiben, denn nach einem
alten Kirchengesetz war es Denen, welche an den Altren Gottes
fungirten, untersagt, an einer Zuerkennung der Todesstrafe irgend
welchen Antheil zu nehmen. Bei der Prozessirung eines wegen Hochverraths
angeklagten Peers entfernen sich die Prlaten jedesmal und berlassen
die Freisprechung oder Verurtheilung des Angeklagten den Laien. Und
gewi, wenn es sich nicht ziemt, da ein Geistlicher als Richter seine
Nebenmenschen zum Tode verurtheilt, so mu es sich noch weniger ziemen,
da er sie als Gesetzgeber zum Tode verurtheilt. In diesem wie in jenem
Falle macht er sich der Befleckung mit Blut schuldig, welche die Kirche
mit Schaudern betrachtet, und es wird schwerlich in Abrede gestellt
werden knnen, da sich gegen das Blutvergieen durch eine
Verurtheilungsacte einige gewichtige Einwendungen machen lassen, welche
gegen das Blutvergieen auf dem gewhnlichen Justizwege keine Anwendung
erleiden. Als die Bill zur Verurtheilung Strafford's berathen wurde,
hatten sich in der That alle geistlichen Peers entfernt. Jetzt aber
wurde das Beispiel Cranmer's, der fr einige der schndlichsten
Verurtheilungsacte gestimmt hatte, die jemals angenommen worden sind,
fr nachahmenswerther gehalten und man sah zahlreiche Batistrmel in der
Versammlung. Sehr zweckmigerweise wurde beschlossen, da bei dieser
Gelegenheit das Privilegium, in Vollmacht zu stimmen, suspendirt, da
die Mitglieder zu Anfang und zu Ende jeder Sitzung namentlich aufgerufen
und da jedes Mitglied, das nicht auf seinen Namen antwortete, von dem
schwarzen Stabe in Gewahrsam genommen werden sollte.[70]


[_Monmouth's Kunstgriffe._] Mittlerweile brtete der unruhige Kopf
Monmouth's ber sonderbare Plne. Er hatte jetzt eine Altersstufe
erreicht, wo sich seine Fehler nicht mehr durch Jugend entschuldigen
lieen; aber er war launenhafter und excentrischer als je. Sein
geistiger sowohl als sein moralischer Character besa eine reiche
Flle jener schnen Eigenschaften, die man Luxuseigenschaften nennen
kann; dagegen fehlte es ihm in bedauerlichem Mae an den unerllich
nthigen gediegeneren Eigenschaften. Er besa glnzenden Witz und
prompte Erfindungsgabe ohne praktischen Verstand, und ritterliche
Hochherzigkeit und Delikatesse ohne wahre Rechtschaffenheit. Er war
fhig, sich zu der Rolle des schwarzen Prinzen zu erheben, und doch
auch fhig, sich zu der Rolle eines Fuller zu erniedrigen. Sein
politisches Leben war durch einige hchst unehrenwerthe Handlungen
befleckt, obwohl er nicht unter dem Einflusse der Triebfedern stand,
denen die meisten unehrenwerthen Handlungen von Staatsmnnern
zugeschrieben werden mssen. Die Macht hatte wenig, das Geld noch
weniger Werth fr ihn. Fr die Furcht war er gnzlich unempfnglich.
Wenn er sich zuweilen soweit erniedrigte, ein Schurke zu sein -- denn
kein milderes Wort kommt der Wahrheit nahe genug -- so that er dies
nur zu seinem Vergngen und um andere Leute in Erstaunen zu setzen.
In brgerlichen wie in militrischen Dingen liebte er Hinterhalte,
Ueberflle und nchtliche Angriffe. Er glaubte jetzt eine glnzende
Gelegenheit zu haben, Aufsehen zu machen, eine groe Erschtterung
hervorzurufen und die Versuchung war fr einen so ruhelosen Geist wie
der seinige unwiderstehlich.

Er wute oder vermuthete wenigstens stark, da die Geschichten, welche
Fenwick nach dem Hrensagen erzhlt hatte und die der Knig, die Lords
und die Gemeinen, die Whigs und die Tories einmthig als Verleumdungen
behandelten, in der Hauptsache wahr seien. Sollte es nicht mglich sein,
zu beweisen, da sie wahr waren, das weise Verfahren Wilhelm's zu
durchkreuzen, mit einem Male einige der hochstehendsten Mnner beider
Parteien zu brandmarken, die ganze politische Welt in eine unlsbare
Verwirrung zu strzen?

Nichts konnte ohne die Beihlfe des Gefangenen geschehen, und mit
diesem direct zu verkehren, war unmglich. Man mute sich der
Vermittelung mehr als einer Agentin bedienen. Die Herzogin von Norfolk
war eine Mordaunt und Monmouth's erste Cousine. Sie war bekannt wegen
ihrer Galanterien und ihr Gemahl hatte einige Jahre frher seine
adeligen Collegen zu bestimmen versucht, eine Bill zur Auflsung
seiner Ehe anzunehmen, aber der Versuch war, zum Theil in Folge des
Eifers, mit dem Monmouth die Sache seiner Cousine verfochten hatte,
gescheitert. Die Dame lebte, obgleich von ihrem Gatten getrennt,
auf einem ihrem Range angemessenen Fue und hatte Umgang mit vielen
vornehmen Frauen, unter andern mit Lady Marie Fenwick und mit einer
Verwandten derselben, Namens Elisabeth Lawson. Durch Vermittlung der
Herzogin lie Monmouth dem Gefangenen mehrere Papiere zukommen, welche
sehr klug entworfene Rathschlge enthielten. Sir John, -- dies war
der wesentliche Inhalt dieser Rathschlge -- mge dreist behaupten,
da sein Bekenntni wahr sei, da er Beschuldigungen, zwar nur nach
Hrensagen, aber nicht nach gewhnlichem Hrensagen, erhoben habe, da
er seine Kenntni der behaupteten Facta aus den hochstehendsten Duellen
schpfe, und er mge ein Mittel angeben, wodurch seine Wahrhaftigkeit
leicht auf die Probe gestellt werden knne. Er mge darum bitten, da
die Earls von Portland und von Romney, welche anerkanntermaen das
Vertrauen des Knigs besen, aufgefordert wrden zu erklren, ob
sie nicht, im Besitz von Nachrichten seien, welche mit den von ihm
erzhlten Dingen bereinstimmten. Er mge darum bitten, da der Knig
ersucht wrde, dem Parlamente die Aufschlsse, welche die pltzliche
Entlassung Lord Marlborough's zur Folge gehabt, und alle Briefe
vorzulegen, die auf dem Wege zwischen Saint-Germains und Lord Godolphin
aufgefangen worden seien. Wenn, sagte Monmouth zu seinen Agentinnen,
Sir John nicht unter dem Einflusse eines Verhngnisses steht, wenn
er nicht ganz von Sinnen ist, so wird er meinen Rath befolgen. Thut
er es, so sind sein Leben und seine Ehre gerettet. Thut er es nicht,
so ist er ein todter Mann. Hierauf schmhte dieser khne Intrigant
mit seiner gewhnlichen frechen Redeweise Wilhelm wegen dessen, was
eigentlich einer seiner Hauptansprche auf Ruhm war. Er ist der
schlechteste Mensch. Er hat schndlich gehandelt. Er giebt vor, diese
Beschuldigungen gegen Shrewsbury, Russell, Marlborough und Godolphin
nicht zu glauben, obgleich er wei߫ -- und Monmouth bekrftigte diese
Behauptung mit einem entsetzlichen Schwure, -- da jedes Wort der
Beschuldigungen wahr ist.

Die von Monmouth aufgesetzten Schriftstcke wurden von Lady Mary ihrem
Gemahl bergeben. Wre der Rath, den sie enthielten, befolgt worden, so
unterliegt es kaum einem Zweifel, da der Zweck des Rathgebers erreicht
worden wre. Der Knig wrde sich heftig gergert haben, es wrde ein
allgemeiner panischer Schrecken unter den Staatsmnnern jeder Farbe
entstanden sein; selbst Marlborough's heiterer Gleichmuth wrde auf eine
harte Probe gestellt worden sein, und Shrewsbury wrde sich
wahrscheinlich erschossen haben. Ob aber Fenwick seine Lage dadurch
verbessert haben wrde, ist sehr zweifelhaft. Dies war auch seine
Meinung. Er sah ein, da der Schritt, zu dem man ihn drngte, ein sehr
gefhrlicher war. Er wute, da er nicht deshalb zu diesem Schritte
gedrngt wurde, weil er mglicherweise dadurch gerettet werden konnte,
sondern weil er gewi Anderen dadurch schaden mute, und er war
entschlossen, nicht Monmouth's Werkzeug zu sein.


[_Debatten der Lords ber die Verurtheilungsbill._] Am 1.December
passirte die Bill ohne Abstimmung das erste Stadium. Hierauf wurde
Fenwick's Bekenntni, das auf Befehl des Knigs auf den Tisch gelegt
worden war, vorgelesen, und dann erhob sich Marlborough. Es kann
Niemanden Wunder nehmen, sagte er, da ein Mensch, dessen Kopf in
Gefahr ist, sich durch Anschuldigung Anderer zu retten versucht. Ich
versichere Euren Lordschaften, da ich seit der Thronbesteigung der
gegenwrtig regierenden Majestt mit Sir John wegen keines Gegenstandes
irgendwie verkehrt habe, und ich erklre dies auf mein Ehrenwort.[71]
Marlborough's Behauptung mag wahr gewesen sein, aber sie vertrug sich
vollkommen mit Allem was Fenwick gesagt hatte. Godolphin ging weiter.
Ich bin allerdings bis zum letzten Augenblicke im Dienste Jakob's und
seiner Gemahlin geblieben, und ich wurde von ihnen Beiden geschtzt.
Aber ich kann dies nicht fr ein Verbrechen halten. Mglich, da sie und
ihre Umgebungen noch jetzt glauben, ich sei ihrer Sache ergeben; dafr
kann ich nicht. Aber es ist durchaus unwahr, da ich mit dem Hofe von
Saint-Germains in einem Verkehr gestanden habe, wie das Schriftstck
angiebt, das Euren Lordschaften so eben vorgelesen worden ist.[72]

Fenwick wurde nun eingefhrt und gefragt, ob er noch etwas zu gestehen
habe. Mehrere Peers befragten ihn, aber erfolglos. Monmouth, der nicht
glauben konnte, da die Papiere, die er nach Newgate gesandt, keine
Wirkung gehabt haben sollten, richtete in freundlichem und ermuthigendem
Tone verschiedene Fragen an den Gefangenen, durch die er ihm Antworten
zu entlocken hoffte, welche den angeklagten Lords durchaus nicht
angenehm gewesen sein wrden. Aber keine solche Antwort war aus Fenwick
herauszubringen. Monmouth sah, da seine sinnreichen Machinationen ihren
Zweck verfehlt hatten. Aufgebracht und enttuscht, machte er nun
pltzlich kehrt und wurde ein so eifriger Frsprecher der Bill als
irgend ein andrer Peer im Hause. Jedermann fiel der pltzliche Umschlag
in seiner Stimmung und seinem Benehmen auf, aber man schrieb diesen
Umschlag anfangs lediglich seiner wohlbekannten Unbestndigkeit zu.

Am 8.December wurde die Bill aufs neue in Erwgung gezogen, und an
diesem Tage war Fenwick in Begleitung seines Vertheidigers anwesend.
Bevor man ihn jedoch hereinrief, wurde eine Vorfrage gestellt. Mehrere
vornehme Tories, namentlich Nottingham, Rochester, Normanby und Leeds
sagten, da es ihrer Ansicht nach unntz sei, die Schuld oder Unschuld
des Gefangenen zu untersuchen, wenn das Haus ihn nicht fr einen so
gefhrlichen Menschen hielte, da er, wenn schuldig, durch eine
Parlamentsacte verurtheilt werden msse. Sie wollten gar keine Beweise
hren, sagten sie. Denn selbst angenommen, da die Beweise keinen
Zweifel an seiner Strafbarkeit brig lieen, wrden sie es dennoch fr
besser halten, ihn nicht zu bestrafen, als erst ein Gesetz zu seiner
Bestrafung zu machen. Die allgemeine Ansicht war jedoch entschieden
dafr, die Sache weiter zu verfolgen.[73] Es wurde dem Gefangenen und
seinem Vertheidiger noch eine Woche bewilligt, um sich vorzubereiten,
und endlich am 15.December begann der Kampf allen Ernstes.

Die Debatten waren die lngsten und heftigsten, die Abstimmungen die
hufigsten, die Proteste die am zahlreichsten unterschriebenen, die man
in der ganzen Geschichte des Hauses der Peers je gekannt hatte. Die
Bnke waren mehrmals von zehn Uhr Morgens bis nach Mitternacht
gefllt.[74] Die Gesundheit vieler Lords litt darunter, denn der Winter
war grimmig kalt; aber die Majoritt war nicht zur Nachsicht geneigt.
Eines Abends wurde Devonshire unwohl; er schlich sich fort und legte
sich ins Bett; aber der schwarze Stab wurde ihm bald nachgeschickt, um
ihn zurckzuholen. Leeds, der uerst krnklicher Constitution war,
beschwerte sich laut. Junge Gentlemen, sagte er, mgen sich ohne
Nachtheil um zwei Uhr Morgens zum Abendessen und zum Weine niedersetzen
knnen; aber einige von uns bejahrten Leuten drften hier wohl eben so
viel werth sein als sie, und wir werden bald im Grabe liegen, wenn wir
zu einer solchen Jahreszeit so lange aushalten mssen.[75] Der
Parteigeist war jedoch in solchem Grade erregt, da diese Beschwerde
unbercksichtigt blieb und das Haus vierzehn- bis funfzehnstndige
Sitzungen hielt. Die Hauptgegner der Bill waren Rochester, Nottingham,
Normanby und Leeds. Die Hauptredner auf der andren Seite waren
Tankerville, der trotz der heftigen Erschtterungen, welche ein
ausnehmend unglckliches Leben seinem ffentlichen wie seinem Privatrufe
zugefgt hatte, stets mit einer die Aufmerksamkeit seiner Zuhrer
fesselnden Beredtsamkeit sprach; Burnet, der eine groe historische
Gelehrsamkeit entfaltete, Wharton, dessen lebhafte und familire
Ausdrucksweise, die er sich im Hause der Gemeinen angewhnt, zuweilen
das Frmlichkeitsgefhl der Lords verletzte, und Monmouth, der die
Redefreiheit stets bis an den Rand der Zgellosigkeit getrieben hatte
und der jetzt nie den Mund ffnete, ohne den Gefhlen eines Gegners eine
Wunde zu schlagen. Einige wenige Edelleute von groem Gewicht,
Devonshire, Dorset, Pembroke und Ormond, bildeten eine dritte Partei.
Sie wollten die Verurtheilungsbill als ein Folterwerkzeug gebrauchen, um
dem Gefangenen ein ausfhrliches Gestndni auszupressen. Aber sie waren
entschlossen, nicht fr seine Verurtheilung zum Tode zu stimmen.

Die erste Abstimmung betraf die Frage, ob die Besttigung dessen was
Goodman htte beweisen knnen, durch einen sekundren Zeugen zugelassen
werden sollte. Bei dieser Gelegenheit schlo Burnet die Debatte mit
einer gewaltigen Rede, auf welche keiner der toryistischen Redner
unvorbereitet zu antworten wagen konnte. Es waren hundertsechsundzwanzig
Lords anwesend, eine in unsrer Geschichte beispiellose Zahl. Darunter
waren dreiundsiebzig zufrieden und dreiundfunfzig nicht zufrieden.
Sechsunddreiig von der Minoritt protestirten gegen die Entscheidung
des Hauses.[76]

Die nchste groe Kraftprobe fand bei der Frage statt, ob die Bill zum
zweiten Male gelesen werden sollte. Eine interessante Episode brachte
eine Diversion in die Debatte. Monmouth machte in einer heftigen Rede
einige harte und wohlverdiente Bemerkungen ber den verstorbenen Lord
Jeffreys. Der Titel und ein Theil des belerworbenen Vermgens Jeffreys'
war auf seinen Sohn bergegangen, einen ausschweifenden jungen Mann, der
vor kurzem mndig geworden war und damals schon einen Sitz im Hause
hatte. Der junge Mann fing Feuer, als er seinen Vater tadeln hrte. Das
Haus mute sich ins Mittel legen und den beiden Disputanten das
Versprechen abnehmen, die Sache nicht weiter zu treiben. An diesem Tage
waren hundertachtundzwanzig Peers anwesend. Die Frage der zweiten Lesung
ging mit dreiundsiebzig gegen fnfundfunfzig Stimmen durch, und
neunundvierzig von den fnfundfunfzig protestirten.[77]

Viele glaubten jetzt, da Fenwick der Muth sinken werde. Es war bekannt,
da er nicht gern sterben wollte. Bisher konnte er sich mit der Hoffnung
geschmeichelt haben, da die Bill scheitern werde. Jetzt aber, wo sie in
dem einen Hause angenommen worden war und wo es gewi zu sein schien,
da sie auch in dem andren angenommen werden wrde, war es
wahrscheinlich, da er sich durch Enthllung alles dessen was er wute,
retten wrde. Er wurde aufs neue vor die Schranke gebracht und verhrt.
Er weigerte sich zu antworten, aus dem Grunde, weil seine Antworten von
der Krone vor der Old Bailey gegen ihn gebraucht werden mchten. Man
versicherte ihm, da das Haus ihn in Schutz nehmen werde; aber er
behauptete, diese Versicherung sei nicht gengend, das Haus bleibe nicht
immer beisammen und er knne whrend einer Vertagung prozessirt und
gehngt werden, bevor ihre Lordschaften wieder zusammentrten. Das Wort
des Knigs allein, sagte er, werde ihm eine vollstndige Garantie sein.
Die Peers lieen ihn wieder fortfhren und beschlossen unmittelbar
darauf, da Wharton sich nach Kensington begeben und Se. Majestt bitten
sollte, das Versprechen zu geben, das der Gefangene verlangte. Wharton
eilte nach Kensington und kam mit einer gnstigen Antwort zurck.
Fenwick wurde wieder vor die Schranke gebracht. Man sagte ihm, der Knig
habe sein Wort gegeben, da nichts von dem was er an dieser Stelle
aussagen wrde, an einem andren Orte zu seinem Nachtheil benutzt werden
sollte. Er machte inde noch immer Schwierigkeiten. Wenn er auch Alles
gestehe was er wisse, sagte er, knne man doch glauben, er verschweige
noch immer etwas. Kurz, er werde nichts sagen, bis er die Zusicherung
seiner Begnadigung habe. Er wurde nun zum letzten Male feierlich vom
Wollsacke aus gewarnt. Es wurde ihm versichert, da, wenn er offen gegen
die Lords sei, sie sich am Fue des Thrones fr ihn verwenden und da
ihre Frsprache nicht erfolglos sein wrde. Wenn er jedoch obstinat
bliebe, so wrden sie die Bill weiter verfolgen. Es ward ihm eine kurze
Bedenkzeit bewilligt und er dann aufgefordert, seine definitive Antwort
zu geben. Ich habe sie bereits gegeben, sagte er; ich habe keine
Sicherheit. Wenn ich sie htte, wrde ich den Wnschen des Hauses sehr
gern entsprechen. Er wurde hierauf in seine Zelle zurckgebracht, und
die Peers trennten sich nach einer Sitzung, welche bis tief in die Nacht
hinein gedauert hatte.[78] Die Peers, welche Fenwick angeklagt hatte,
hielten sich zu verschiedenen Seiten. Marlborough stimmte beharrlich mit
der Majoritt und bewog den Prinzen Georg das Nmliche zu thun.
Godolphin stimmte ebenso beharrlich mit der Minoritt, enthielt sich
aber mit characteristischer Vorsicht, Grnde fr seine Voten anzugeben.
Keine Periode seines Lebens berechtigt uns dazu, sein Verfahren einem
hheren Motive zuzuschreiben. Wahrscheinlich hielt er es, nachdem er
durch die Whigs aus dem Amte vertrieben und gezwungen worden war, sich
zu den Tories zu flchten, fr rathsam mit seiner Partei zu gehen.[79]


[_Schritte gegen Monmouth._] Sobald die Bill zum dritten Male gelesen
war, wurde die Aufmerksamkeit der Peers auf einen Gegenstand gelenkt,
der die Ehre ihres Standes nahe berhrte. Lady Marie Fenwick war
begreiflicherweise ber das Benehmen Monmouth's hchlich entrstet. Er
war, nachdem er den ernsten Willen geuert, ihren Gatten zu retten,
pltzlich zurckgetreten und der unbarmherzigste Verfolger ihres Gatten
geworden, und dies Alles lediglich deshalb, weil der unglckliche
Gefangene sich nicht als Werkzeug zur Vollfhrung eines phantastischen
Unheilplanes hatte gebrauchen lassen wollen. Sie war wohl zu
entschuldigen, wenn sie dachte, da Rache s sein msse. In ihrer Wuth
zeigte sie ihrem Vetter, dem Earl von Carlisle, die Papiere, die sie von
der Herzogin von Norfolk erhalten hatte. Carlisle brachte die
Angelegenheit vor die Lords. Die Papiere wurden vorgelegt. Lady Mary
erklrte, da sie sie von der Herzogin erhalten, die Herzogin erklrte,
da sie sie von Monmouth erhalten habe, und Elisabeth Lawson besttigte
die Aussage ihrer beiden Freundinnen. Alle bitteren Dinge, die der kecke
Earl ber Wilhelm gesagt hatte, wurden wiederholt. Die Wuth der beiden
groen Parteien brach mit unbndiger Heftigkeit aus. Die Whigs waren
durch die Entdeckung erbittert, da Monmouth im Geheimen darauf
hingearbeitet hatte, zwei hochstehende Mnner, mit deren Ruf der Ruf der
ganzen Partei verknpft war, in Schande und Verderben zu strzen. Die
Tories beschuldigten ihn, heimtckisch und grausam gegen den Gefangenen
und dessen Gemahlin gehandelt zu haben. Unter den Whigs sowohl wie unter
den Tories hatte sich Monmouth durch seine Sptteleien und Invectiven
zahlreiche persnliche Feinde gemacht, welche die Furcht vor seinem
scharfen Witze und seinem Degen bisher in Schach gehalten hatte.[80]
Alle diese Feinde erhoben jetzt die Stimme gegen ihn. Man war sehr
neugierig, was er zu seiner Vertheidigung wrde sagen knnen. Seine
Beredtsamkeit, schrieb der Correspondent der Generalstaaten, habe schon
oft Anderen geschadet; jetzt werde er sie aber in vollem Mae brauchen,
um sich selbst zu schtzen.[81] Seine Beredtsamkeit war in der That mehr
fr den Angriff als fr die Vertheidigung geeignet. Monmouth sprach nahe
an drei Stunden verworren und abschweifend, rhmte sich ber die Maen
seiner Dienste und Opfer, sagte dem Hause, da er eine wichtige Rolle
bei der Revolution gespielt, da er in den schlimmen Zeiten vier Reisen
nach Holland gemacht, da er seitdem hohe Aemter ausgeschlagen, da er
den materiellen Gewinn stets verachtet habe. Ich habe, sagte er, sich
bedeutungsvoll zu Nottingham wendend, keine groe Herrschaft gekauft,
ich habe keinen Palast gebaut, ich bin um zwanzigtausend Pfund rmer als
zu der Zeit meines Eintritts in das ffentliche Leben. Mein altes
Erbschlo droht mir ber dem Kopfe einzustrzen. Kann irgend Jemand, der
sich erinnert, was ich fr Se. Majestt gethan und gelitten habe,
glauben, da ich unehrerbietig von ihm sprechen wrde? Er erklrte
feierlich -- und dies war die schwerste von den vielen schweren Snden
seines langen und bewegten Lebens, -- da er mit den Papieren, welche so
groes Aergerni erregt, nichts zu thun habe. Die Papisten, sagte er,
haten ihn, sie htten sich vorgenommen, ihn zu verderben, seine
undankbare Cousine habe sich zu ihrem Werkzeuge hergegeben und habe
seine eifrigen Bemhungen, ihre Ehre zu wahren, damit vergolten, da sie
es versucht habe, die seinige zu untergraben. Als er geendet hatte, trat
ein lange anhaltendes Stillschweigen ein. Er fragte, ob Ihre
Lordschaften wnschten, da er sich entferne. Jetzt ergriff Leeds, fr
dessen treuen Freund er sich einst erklrt, den er aber mit
characteristischer Unbestndigkeit verlassen und mit characteristischer
Rcksichtslosigkeit angegriffen hatte, die Gelegenheit, sich zu rchen.
Es ist ganz unnthig, sagte der schlaue alte Staatsmann, da der edle
Earl sich jetzt entfernt. Die Frage, die wir fr jetzt zu entscheiden
haben, ist lediglich die, ob diese Papiere unsren Tadel verdienen oder
nicht. Wer sie geschrieben hat, ist eine Frage, die nachher errtert
werden kann. Es wurde hierauf beantragt und einstimmig beschlossen, da
die Papiere verleumderisch seien und da der Verfasser derselben sich
eines schweren Verbrechens und Vergehens schuldig gemacht habe. Monmouth
selbst mute sich in Folge dieser geschickten Taktik der Verurtheilung
seiner eigenen Schriftstcke anschlieen.[82] Dann ging das Haus zur
Inbetrachtnahme der gegen ihn vorliegenden Beschuldigung ber. Seine
Cousine, die Herzogin, stand zwar nicht im besten Rufe; aber ihre
Aussage wurde sowohl durch directes als durch aus den Umstnden
geschpftes Zeugni besttigt. Ihr Gemahl sagte mit hhnischem Scherze,
da er Allem was sie ausgesagt habe, vollkommenen Glauben schenke.
Mylord Monmouth hielt sie fr gut genug, um meine Gattin zu sein, und
wenn sie gut genug ist, um meine Gattin zu sein, so bin ich berzeugt,
da sie auch gut genug ist, um gegen ihn zu zeugen. In einem Hause von
nahe an achtzig Peers schienen nur acht bis zehn geneigt, gegen Monmouth
einige Nachsicht zu ben. Er wurde der That, an der er unschuldig zu
sein auf das Feierlichste betheuert hatte, fr schuldig erklrt, in den
Tower geschickt und aller seiner Stellen entsetzt, und sein Name aus dem
Rathsbuche gestrichen.[83] Man htte denken sollen, da der Verlust
seines Rufes und seines irdischen Glckes unwiederbringlich sein mte.
Aber seine Natur besa eine unverwstliche Elasticitt. In seinem
Gefngnisse war er zwar so unbndig wie ein eben in den Kfig gesperrter
Falke, und er wrde vor bloer Ungeduld gestorben sein, wenn er lange in
Haft geblieben wre. Sein einziger Trost war, wilde und romanhafte Plne
zu ersinnen, wie er sich aus seiner unangenehmen Lage befreien und sich
an seinen Feinden rchen knne. Als er seine Freiheit wieder erlangte,
stand er allein in der Welt, ein entehrter Mann, von den Whigs mehr
gehat als irgend ein Tory, und von den Tories mehr gehat als irgend
ein Whig, und zu solcher Armuth reducirt, da er davon sprach, sich auf
das Land zurckzuziehen, wie ein Pchter zu leben und seine Gemahlin in
die Milchkammer zu stellen, um Butter und Kse zu machen. Doch selbst
nach diesem Sturze erhob sich dieser ruhelose Geist noch einmal und
stieg hher als je. Als er das erste Mal wieder vor den Augen der Welt
erschien, hatte er den Earltitel des Oberhauptes seiner Familie geerbt,
fhrte nicht mehr den befleckten Namen Monmouth und umgab den Namen
Peterborough bald mit neuem Glanze. Er war noch immer lauter Feuer und
Leben. Sein schlagender Witz und sein unerschrockner Muth machten ihn
gefhrlich, einige liebenswrdige Eigenschaften, die mit seinen Lastern
auffallend contrastirten, und einige groe Thaten, deren Eindruck durch
die sorglose Leichtfertigkeit, mit der er sie ausfhrte, noch erhht
wurde, machten ihn populr und seine Landsleute vergaen gern, da ein
Held, auf dessen Thaten sie stolz waren und der sich eben so sehr durch
Talent und Muth, wie durch Ritterlichkeit und Freigebigkeit
auszeichnete, sich zu Streichen erniedrigt hatte, die den Pranger
verdienten.


[_Stellung und Gesinnung Shrewsbury's._] Es ist interessant und
lehrreich, das Schicksal Shrewsbury's mit dem Schicksale Peterborough's
zu vergleichen. Shrewsbury's Ehre war unbefleckt. Er war von den in
Fenwick's Bekenntni enthaltenen Anklagen triumphirend freigesprochen
worden. Bald darauf wurde er noch triumphirender von einer noch
abscheulicheren Anklage freigesprochen. Ein schndlicher Spion,
Namens Matthus Smith, welcher nicht gengend belohnt worden zu sein
meinte und sich gern rchen wollte, behauptete, Shrewsbury habe
frhzeitig Kenntni von dem Mordcomplot gehabt, habe aber gethan als
wisse er nichts davon, und habe keine Maregeln ergriffen, um die
Verschwrer an der Ausfhrung ihres Vorhabens zu hindern. Da dies
eine niedertrchtige Verleumdung war, kann Niemand bezweifeln, der
die Prozeacten geprft hat. Der Knig erklrte, da er selbst die
Unschuld seines Ministers beweisen knne, und die Peers erklrten,
nachdem sie Smith vernommen hatten, die Anklage fr unbegrndet.
Shrewsbury war soweit gereinigt, als es in der Macht der Krone und des
Parlaments stand, ihn zu reinigen. Er besa Macht und Reichthum, die
Gunst des Knigs und die Gunst des Volks. Niemand hatte eine grere
Anzahl ergebener Freunde. Er war der Abgott der Whigs, und auch die
Tories waren ihm persnlich nicht abgeneigt. Man sollte demnach
meinen, da er sich in einer Lage befand, um die ihn Peterborough wohl
beneiden konnte. Aber Glck und Unglck kommen von innen. Peterborough
besa eines von jenen Gemthern, deren tiefste Wunden heilen, ohne
Narben zurckzulassen. Er war ffentlich beschuldigt worden, mit
Saint-Germains in Verbindung zu stehen, und obwohl Knig, Lords
und Gemeine ihn fr unschuldig erklrt hatten, sagte ihn doch sein
Gewissen, da er schuldig sei. Die Lobsprche, die er nicht verdient
zu haben sich bewut war, klangen ihm wie Vorwrfe. Er erlangte seinen
verlornen Seelenfrieden nie wieder. Er trat aus dem Amte; aber eine
qulende Erinnerung begleitete ihn in die Zurckgezogenheit. Er verlie
England; aber eine qulende Erinnerung begleitete ihn ber die Alpen
und Apenninen. An einem denkwrdigen, fr sein Vaterland folgenschweren
Tage trat er jedoch nach einer Reihe unthtiger und ruhmloser Tage
noch einmal als der Shrewsbury von 1688 hervor. Es giebt kaum etwas
Schwermthigeres in der Geschichte als dieser spte und vereinzelte
Lichtstrahl, der das Ende eines Lebens beleuchtet, das so glnzend
begonnen und das frhzeitig hoffnungslos getrbt und verdstert worden
war.


[_Die Verurtheilungsbill angenommen._] An dem Tage, an welchem die Lords
die Verurtheilungsbill annahmen, vertagten sie sich fr die Dauer der
Weihnachtsfeiertage. Das Schicksal Fenwick's blieb daher ber vierzehn
Tage ungewi. Whrend dieser Zeit wurden Fluchtplne entworfen, und man
hielt es fr nthig, Newgate mit einer starken Militrwache zu
umgeben.[84] Einige Jakobiten kannten Wilhelm so wenig, da sie anonyme
Briefe an ihn schrieben, worin sie ihm mit Erschieen oder Erstechen
drohten, wenn er dem Gefangenen ein Haar zu krmmen wagte.[85] Am Morgen
des 11.Januars genehmigte er die Bill. Zu gleicher Zeit genehmigte er
auch eine Bill, welche die Regierung ermchtigte, Bernardi und einige
andere Verschwrer ein Jahr lang in Haft zu halten. Am Abend dieses
Tages bildete ein hchst trauriges Ereigni in London das Stadtgesprch.
Die Grfin von Aylesbury hatte mit ngstlicher Spannung die Untersuchung
gegen Sir John verfolgt. Ihr Gemahl war eben so tief wie Sir John in
hochverrtherische Plne verwickelt gewesen, war, wie Sir John, in Haft,
und hatte, wie Sir John, Theil an Goodman's Flucht genommen. Mit
Schrecken hatte sie erfahren, da es ein Mittel gab, um ein Verbrechen,
das auer dem Bereiche des ordentlichen Rechtsweges lag, zu bestrafen.
Ihre Angst hatte mit jedem Stadium der Verurtheilungsbill zugenommen. An
dem Tage, an welchem die knigliche Genehmigung ertheilt werden sollte,
wurde ihre Aufregung so gro, da ihre Constitution sie nicht mehr zu
ertragen vermochte. Als sie den Donner der Kanonen vernahm, welche
verkndeten, da der Knig sich nach Westminster begab, fiel sie in
Ohnmacht und starb nach wenigen Stunden.[86]


[_Versuche, Fenwick zu retten._] Selbst nachdem die Bill zum Gesetz
erhoben war, wurden noch immer energische Anstrengungen zur Rettung
Fenwick's gemacht. Seine Gattin fiel Wilhelm zu Fen und berreichte
ihm ein Gnadengesuch. Er nahm das Gesuch an und sagte sehr freundlich,
es solle erwogen werden, die Sache aber sei von ffentlicher Wichtigkeit
und er msse daher erst mit seinen Ministern zu Rathe gehen, bevor er
sich entscheiden knne.[87] Sie wendete sich nun an die Lords und sagte
ihnen, da ihr Gatte seine Verurtheilung nicht erwartet habe, da er
nicht Zeit gehabt, sich auf den Tod vorzubereiten, da er whrend seiner
langen Haft noch keinen Geistlichen bei sich gesehen habe. Sie lieen
sich leicht bewegen, um eine Woche Aufschub fr ihn nachzusuchen. Die
Frist wurde bewilligt, aber achtundvierzig Stunden vor Ablauf derselben
berreichte Lady Mary den Lords eine zweite Petition, worin sie sie bat,
sich beim Knige dahin zu verwenden, da die Strafe ihres Gatten in
Verbannung verwandelt werden mchte. Das Haus war berrascht von dem
Ansinnen und ein Antrag auf Vertagung der Sache wurde mit Mhe mit zwei
Stimmen durchgebracht.[88] Am folgenden Tage, dem letzten, den Fenwick
noch zu leben haben sollte, wurde eine hnliche Petition den Gemeinen
berreicht. Aber die Whighupter waren auf ihrer Hut; das Haus war
gefllt, und ein Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung wurde mit
hundertzweiundfunfzig gegen hundertsieben Stimmen angenommen.[89]
Eigentlich konnte auch keiner der beiden Zweige der Legislatur, ohne
sich selbst zu verurtheilen, Wilhelm ersuchen, Fenwick's Leben zu
schonen. Geschworne, die in Ausbung einer schmerzlichen Pflicht einen
Angeklagten fr schuldig erklrt haben, knnen ihn ohne die mindeste
Inconsequenz der Gnade der Krone empfehlen. Aber die Parlamentshuser
htten die Verurtheilungsbill nicht annehmen drfen, wenn sie nicht
berzeugt waren, nicht nur da Sir John ein Hochverrther war, sondern
auch da er nicht ohne ernstliche Gefahr fr den Staat am Leben gelassen
werden konnte. Er konnte nicht zu gleicher Zeit ein geeigneter
Gegenstand fr eine solche Bill und ein geeigneter Gegenstand fr die
knigliche Gnade sein.


[_Fenwick's Hinrichtung._] Am 28.Januar fand die Hinrichtung statt. Aus
Artigkeit gegen die vornehmen Familien, mit denen Fenwick verwandt war,
wurde Befehl gegeben, da das Ceremoniell in jeder Hinsicht das Nmliche
sein sollte, wie bei der Hinrichtung eines Peers des Reichs. Ein
schwarz behangenes Schaffot war auf Towerhill errichtet, und der
Gefangene wurde von Newgate in der Equipage seines Vetters, des Earls
von Carlisle, die von einer Abtheilung Leibgarden umgeben war, auf den
Richtplatz gebracht. Obgleich der Tag kalt und strmisch war, hatte sich
doch eine ungeheure Zuschauermenge eingefunden; aber es fand keine
Strung statt, und nichts verrieth, da das Volk mit dem Verbrecher
sympathisirt htte. Er benahm sich mit einer Standhaftigkeit, die man
nicht von ihm erwartet hatte. Festen Schrittes bestieg er das Schaffot,
verbeugte sich artig vor den darauf versammelten Personen, sprach aber
mit Niemandem als mit White, dem abgesetzten Bischofe von Peterborough.
White betete ungefhr eine halbe Stunde mit ihm. In dem Gebete wurde der
Knig dem gttlichen Schutze empfohlen, aber kein Name genannt, der
htte Ansto geben knnen. Fenwick bergab hierauf den Sheriffs ein
versiegeltes Papier, nahm Abschied von dem Bischofe, kniete nieder,
legte den Kopf auf den Block und rief aus: Herr Jesus, empfange meine
Seele. Ein einziger Schlag trennte sein Haupt vom Rumpfe. Seine
irdischen Reste wurden in einen prachtvollen Sarg gelegt und noch in
derselben Nacht bei Fackelschein unter den Steinplatten der
Martinskirche beigesetzt. Seitdem hat in England Niemand wieder kraft
einer Verurtheilungsacte die Todesstrafe erlitten.[90]


[_Bill zur Regulirung der Wahlen._] Inzwischen war eine wichtige Frage,
ber welche die ffentliche Stimmung sehr aufgeregt war, discutirt
worden. Sobald das Parlament zusammengetreten war, wurde eine Bill zur
Regulirung der Wahlen, die sich im Wesentlichen wenig von der Bill
unterschied, der der Knig in der vorhergehenden Session seine
Genehmigung versagt hatte, im Hause der Gemeinen eingebracht, von den
Landgentlemen freudig willkommen geheien und rasch durch alle Stadien
gebracht. Bei der Berichterstattung wurde beantragt, da fnftausend
Pfund persnliches Vermgen eine gengende Qualification fr den
Vertreter einer Stadt oder eines Burgfleckens sein sollten. Doch dieses
Amendement wurde verworfen. Bei der dritten Lesung wurde ein Zusatz
beigefgt, der einem Kaufmanne, welcher fnftausend Pfund besa,
gestattete, seinen Wohnplatz zu vertreten; aber es war zugleich
bestimmt, da Niemand als Kaufmann betrachtet werden sollte, weil er
Actien der Bank oder der Ostindischen Compagnie besa. Der Kampf war
hei. Cowper zeichnete sich unter den Gegnern der Bill aus. Seine
sarkastischen Bemerkungen ber die jagenden Bauern, welche die ganze
Gesetzgebung in ihren Hnden behalten wollten, veranlate einige heftige
buerische Gegenhiebe. Ein schlichter Squire, sagte man ihm, knne dem
Lande voraussichtlich eben so gute Dienste leisten, als der
zungenfertigste Jurist, der fr eine Guinee bereit sei zu beweisen, da
schwarz wei aussehe. Bei der Abstimmung ber die Frage, ob die Bill
angenommen werden solle, betrug die Zahl der Jas zweihundert, die der
Neins hundertsechzig.[91]

Die Lords waren zwlf Monate frher einer hnlichen Bill bereitwillig
beigetreten; seitdem aber hatten sie sich die Sache noch einmal berlegt
und waren andren Sinnes geworden. Wenn ein Gesetz, das von jedem
Mitgliede des Hauses der Gemeinen den Besitz eines Vermgens in
Landgrundstcken von einigen hundert Pfund Rentenwerth verlangte, streng
htte durchgefhrt werden knnen, so wrde ein solches Gesetz allerdings
den Landgentlemen von migem Grundbesitz sehr vortheilhaft, den Groen
des Reichs aber keineswegs vortheilhaft gewesen sein. Der Besitzer eines
kleinen Gutes wrde als Candidat fr die Stadt, in deren Nachbarschaft
seine Familie seit Jahrhunderten wohnte, aufgetreten sein, ohne die
mindeste Besorgni, da sich ihm ein Alderman von London entgegenstellen
wrde, den die Whler vor dem Tage des Vorschlags nie gesehen hatten und
dessen Hauptanspruch auf ihre Gunst in einer mit Banknoten gefllten
Brieftasche bestand. Ein reicher Cavalier aber, der ein Vermgen von
zehn- bis zwanzigtausend Pfund jhrlicher Einknfte besa und ber zwei
bis drei Burgflecken zu gebieten hatte, wrde ferner nicht mehr im
Stande gewesen sein, seinen jngeren Sohn, seinen jngeren Bruder oder
seinen Geschftsmann ins Parlament zu bringen oder sich den
Hosenbandorden oder einen hheren Grad in der Pairie zu verdienen, indem
er einem Lord des Schatzes oder einem Generalfiskal einen Sitz
verschaffte. Bei dieser Gelegenheit fiel demnach das Interesse der
Hupter der Aristokratie, eines Norfolk und Somerset, eines Newcastle
und Bedford, eines Pembroke und Dorset, mit dem der reichen Kaufleute
der City und der jugendlichen Aspiranten des Temple zusammen und war dem
Interesse eines Squires von tausend bis zwlfhundert Pfund Einknften
direct entgegengesetzt. An dem zur zweiten Lesung festgesetzten Tage
waren die Lords sehr zahlreich anwesend. Es wurden mehrere Petitionen
von Wahlkrpern, denen es hart dnkte, da der Ausbung des Wahlrechts
eine neue Beschrnkung auferlegt werden sollte, berreicht und
vorgelesen. Nach einer mehrstndigen Debatte wurde die Bill mit
zweiundsechzig gegen siebenunddreiig Stimmen verworfen.[92] Nur drei
Tage spter schlug eine von Groll erfllte zahlreiche Partei unter den
Gemeinen vor, die so eben von den Peers verworfene Bill einer
Grundsteuerbill anzuhngen. Dieser Antrag wrde wahrscheinlich
durchgegangen sein, htte nicht Foley die Obliegenheiten seiner Stellung
ein wenig berschritten und unter dem Vorgeben, der Ordnung das Wort zu
reden, bewiesen, da ein derartiges Anhngen in der Geschichte unserer
Parlamente ohne Beispiel sei. Als die Frage gestellt wurde, erhoben die
Jas ein so lautes Geschrei, da man glaubte, sie bildeten die Majoritt;
bei der Abstimmung aber ergab es sich, da ihre Zahl nur
hundertfnfunddreiig betrug, whrend sich die Neins auf
hundertdreiundsechzig beliefen.[93]


[_Bill zur Regulirung der Presse._] Auch noch andere parlamentarische
Verhandlungen dieser Session verdienen Erwhnung. Whrend die Gemeinen
eifrig mit dem groen Werke der Wiederherstellung der Finanzen
beschftigt waren, ereignete sich ein Vorfall, der eine kurze Zeit der
jungen Prefreiheit verderblich zu werden drohte, der sich aber gerade
als das Mittel zur Befestigung derselben erwies. Eine von den vielen
Zeitungen, welche seit dem Aufhren der Censur gegrndet worden, war die
Flying Post. Der Herausgeber, John Salisbury, war das Werkzeug einer
Gesellschaft von Brsenspekulanten der City, in deren Interesse es
zufllig lag, den Cours der Staatspapiere herunterzudrcken. Er
verffentlichte eines Tages einen unwahren und bswilligen Artikel, der
offenbar den Zweck hatte, die Schatzkammerscheine zu verdchtigen. Von
dem Credit der Schatzkammerscheine hing in diesem Augenblicke die
politische Gre und die Handelsblthe des Reichs ab. Das Haus der
Gemeinen war emprt, und der Sprecher erlie eine Vorladung an
Salisbury. Es wurde ohne Abstimmung beschlossen, da eine Bill
eingebracht werden sollte, die das Verffentlichen von Neuigkeiten ohne
Censur verbot. Achtundvierzig Stunden darauf wurde die Bill schon
berreicht und gelesen. Aber die Mitglieder hatten inzwischen Zeit
gehabt, sich abzukhlen. Es gab fast Keinen unter ihnen, dessen
Aufenthalt auf dem Lande im vergangenen Sommer durch die Londoner
Journale nicht angenehmer gemacht worden wre. So drftig diese Journale
auch Demjenigen erscheinen mssen, der jeden Morgen die Times auf seinem
Frhstckstische findet, fr die damalige Generation waren sie eine neue
und reiche Quelle der Unterhaltung. Kein Gentleman von Devonshire oder
Yorkshire, mochte er ein Whig oder ein Tory sein, konnte den Gedanken
ertragen, wieder sieben Monate des Jahres hindurch in Bezug auf Alles
was in der Welt vorging auf die Neuigkeitsbriefe beschrnkt zu sein.
Wre die Bill angenommen worden, so htten die Bltter, welche jetzt
zweimal die Woche auf jedem Landsitze des Knigreichs so ungeduldig
erwartet wurden, nichts weiter enthalten, als was der Staatssekretr
publik werden zu lassen fr gut fand; sie wren factisch lauter London
Gazettes gewesen, und der eifrigste Leser der London Gazette wre ber
die wichtigsten Ereignisse seiner Zeit in Unkenntni geblieben. Ein paar
Stimmen erhoben sich jedoch auch zu Gunsten der Censur. Diese Bltter,
sagten sie, sind oft schdlichen Inhalts. -- Warum werden sie dann
nicht gerichtlich verfolgt? war die Antwort. Hat der Generalfiskal
jemals gegen eines von ihnen eine Klage angestellt? Und ist es nicht
absurd, von uns zu verlangen, da wir ein neues Abhlfsmittel durch ein
Gesetz schaffen sollen, whrend das Abhlfsmittel, welches das Landrecht
darbietet, noch nie versucht worden ist? Bei der Abstimmung ber die
Frage, ob die Bill zum zweiten Male gelesen werden sollte, beliefen sich
die Jas auf nur sechzehn, die Neins auf zweihundert.[94]


[_Bill zur Abschaffung der Vorrechte von Whitefriars und dem Savoy._]
Eine andre Bill, welche bessere Aufnahme fand, mu als ein Beispiel
von dem langsamen aber stetigen Fortschreiten der Civilisation erwhnt
werden. Die alten Gerechtsame, welche einige Bezirke der Hauptstadt,
unter denen Whitefriars der grte und schmachvollste war, genossen,
hatten Mibruche hervorgerufen, die nicht lnger geduldet werden
konnten. Die Templeinsassen auf der einen Seite von Alsatia und
die Brger auf der andren hatten die Regierung und die Legislatur
schon seit langer Zeit gedrngt, einen so emprenden Uebelstand
zu beseitigen. Aber noch immer existirte dieses im Westen von der
groen Schule der englischen Jurisprudenz, im Osten von dem groen
Centralpunkte des englischen Handels begrenzte Labyrinth schmutziger
und winkeliger Huser, deren jedes vom Keller bis unter das Dach von
dem Abschaume der Bevlkerung vollgepfropft war, dessen ganzes Leben
einen bestndigen Kampf mit der Gesellschaft bildete. Der beste Theil
der Bewohner dieses Stadttheils bestand aus Schuldnern, welche die
Bailiffs frchteten. Die brigen waren removirte Advokaten, Zeugen,
welche Stroh in ihren Schuhen trugen, zum Zeichen fr das Publikum,
da hier fr eine halbe Krone ein falscher Eid zu bekommen sei,
Gauner, Diebshehler, Geldbeschneider, Banknotenflscher, aufgeputzte
Frauenzimmer mit von Schminke und Branntwein gertheten Wangen, die im
Zorne hufigen Gebrauch von ihren Ngeln und Scheeren machten, deren
Freundlichkeit aber noch weit gefhrlicher war als ihr Zorn. Von diesem
Auswurf der Menschheit wimmelten die engen Gassen des Sanctuariums.
Das Klappern von Wrfeln, der Ruf nach mehr Punsch und Wein und das
Gerusch von Flchen und Zotenliedern hrten die ganze Nacht nicht auf.
Die Vorsteher des inneren Temple konnten den Scandal und Lrm nicht
lnger ertragen, und sie lieen den nach Whitefriars fhrenden Ausgang
zumauern. Die Bewohner von Alsatia versammelten sich in groer Anzahl,
griffen die Arbeiter an, tdteten einen von ihnen, rissen die Mauer
ein, schlugen den Sheriff, der zur Herstellung der Ruhe herbeikam, zu
Boden und nahmen ihm seine goldene Kette, die ohne Zweifel bald in den
Schmelztiegel wanderte. Der Tumult wurde erst unterdrckt, als eine
Compagnie der Fugarden erschien. Dieser Frevel erregte allgemeinen
Unwillen. Die City, emprt ber die dem Sheriff zugefgte Mihandlung,
rief laut nach Gerechtigkeit. Es war jedoch so schwierig, in den Hhlen
von Whitefriars ein gerichtliches Verfahren einzuleiten, da beinahe
zwei Jahre vergingen, ehe ein einziger Unruhstifter verhaftet wurde.[95]

Das Savoy war ein andrer Platz der nmlichen Art, zwar kleiner und
minder berchtigt, aber von einer ebenso gesetzlosen Bevlkerung
bewohnt. Ein unglcklicher Schneider, der sich dahin wagte, um eine
Schuldforderung einzutreiben, wurde von dem ganzen Pbelhaufen
der Gauner, Betrger und Buhldirnen angefallen. Er erbot sich,
seinem Schuldner die ganze Forderung zu erlassen und das Gesindel
zu tractiren; aber umsonst. Er hatte sich einen Eingriff in ihre
Gerechtsame erlaubt, und dies war ein unverzeihliches Verbrechen.
Er wurde zu Boden geschlagen, ausgezogen, getheert und befiedert.
Dann band man ihm einen Strick um den Leib und schleifte ihn unter
dem Geschrei: Ein Bailiff! ein Bailiff! nackend durch die Straen.
Schlielich mute er niederknien und seine Eltern verfluchen. Nachdem
er diese Ceremonie verrichtet hatte, erlaubte man ihm -- und die
Erlaubni wurde von vielen Bewohnern des Savoy getadelt, -- ohne einen
einzigen Lumpen auf dem Leibe nach Hause zu hinken.[96] Der Sumpf von
Allen, die Psse der Grampians waren nicht unsicherer als dieser
kleine Knuel von Gassen, der von den Palsten des vornehmsten Adels
eines blhenden und aufgeklrten Knigreichs umgeben war.

Endlich im Jahre 1697 ging eine Bill zur Aufhebung der Privilegien
dieser Stadtbezirke in beiden Husern durch und erhielt die Genehmigung
des Knigs; die Bewohner von Alsatia und dem Savoy waren wthend.
Parlamentsmitglieder, die sich durch eifrige Untersttzung der Bill
ausgezeichnet hatten, empfingen anonyme Zuschriften, worin ihnen mit
Ermordung gedroht wurde; aber derartige Drohungen befestigten nur die
allgemeine Ueberzeugung, da es hohe Zeit sei, diese Banditennester zu
zerstren. Es wurde eine Gnadenfrist von vierzehn Tagen bewilligt und
bekannt gemacht, da nach Ablauf dieser Frist das Gesindel, das ein
Fluch fr London gewesen war, unbarmherzig ans Tageslicht gezogen und
verfolgt werden wrde. Es fand eine tumultuarische Flucht nach Irland,
nach Frankreich, nach den Colonien, nach Kellern und Mansarden in minder
berchtigten Stadtbezirken statt, und als an dem festgesetzten Tage die
Beamten des Sheriffs die Grenze zu berschreiten wagten, fanden sie die
Straen, in denen wenige Wochen zuvor der Ruf: Ein Verhaftsbefehl!
tausend wthende Raufbolde und keifende Weiber hervorgelockt haben
wrde, eben so ruhig wie den Kreuzgang einer Kirche.[97]


[_Schlu der Session; Befrderungen und Ernennungen._] Am 16.April
schlo der Knig die Session mit einer Rede, in der er den Husern
warmen und wohlverdienten Dank sagte fr die Energie und Weisheit,
welche die Nation aus commerciellen und finanziellen Verlegenheiten
gerissen hatte, von denen unsre Geschichte kein zweites Beispiel
aufzuweisen hat. Ehe er nach dem Continent abreiste, verlieh er einige
neue Ehrenbezeigungen und traf einige neue ministerielle Arrangements.
Jedes Mitglied der Whigjunta wurde durch einen Beweis der kniglichen
Gunst ausgezeichnet. Somers gab das Siegel ab, dessen Bewahrer er war;
er erhielt es alsbald wieder und wurde gleichzeitig beauftragt, es einem
Diplom beizufgen, das ihn zum Baron Somers von Evesham ernannte.[98]
Russell wurde Earl von Oxford und Viscount Barfleur. Noch nie war ein
Titel einem auf fremdem Gebiet liegenden Schlachtfelde entlehnt worden.
Aber der damals aufgestellte Prcedenzfall hat wiederholte Nachahmung
gefunden, und die Namen Saint-Vincent, Trafalgar, Camperdown und Douro
werden jetzt von den Nachkommen groer Commandeurs gefhrt. Russell
scheint seinen Earltitel nach der ihm eigenen Weise nicht nur ohne
Dankbarkeit, sondern sogar murrend und als ob ihm ein groes Unrecht
geschhe, angenommen zu haben. Was galt ihm eine Adelskrone? Er hatte ja
kein Kind, das sie erben konnte. Die einzige Auszeichnung, die fr ihn
einen Werth gehabt haben wrde, war der Hosenbandorden, und diesen hatte
Portland erhalten. Solche Dinge, meinte er, seien natrlich nur fr die
Hollnder, und es sei eine unerhrte Anmaung von einem Englnder, htte
er auch einen Sieg erfochten, der den Staat gerettet, zu erwarten, da
seine Ansprche bercksichtigt werden knnten, bevor nicht alle Mynheers
im Palaste versorgt seien.[99]

Wharton behielt seine Stelle als Haushofmeister des Knigs und wurde
auerdem mit dem eintrglichen Amte des Oberrichters in Eyre, sdlich
vom Trent, bedacht, und sein Bruder Godwin Wharton wurde zum Lord der
Admiralitt ernannt.[100]

Obgleich Godolphin's Rcktritt im October angenommen worden war, so
wurde doch erst nach der Prorogation eine neue Schatzcommission ernannt.
Ueber die Frage, wer erster Commissar werden sollte, ward lange und
heftig debattirt. Denn Montague hatten seine Fehler viele Feinde
gemacht, und seine Tugenden nicht minder. Starre Formalisten nannten ihn
hohnlchelnd einen Schngeist und Dichter, der allerdings einige
Gewandtheit in der Debatte besitze, der aber schon viel hher erhoben
worden sei, als seine Leistungen es verdienten und als sein Geist es
vertrge. Es wrde thricht sein, einem so jungen Laffen blo deshalb,
weil er flieend und elegant zu sprechen verstehe, in ein Amt
einzusetzen, von dem das Wohl des Knigreichs abhnge. Sir Stephan Fox
qualificire sich von allen Lords des Schatzes sicherlich am Besten dazu,
an der Spitze der Commission zu stehen. Er sei ein Mann in reiferen
Jahren, ernst, erfahren, pnktlich und fleiig, und er habe nie in
seinem Leben einen Vers gemacht. Der Knig schwankte ziemlich lange
zwischen den beiden Candidaten; aber die Zeit gereichte Montague
entschieden zum Vortheil, denn vom ersten bis zum letzten Tage der
Session stieg sein Ruhm fortwhrend. Die Stimme des Hauses der Gemeinen
und der City bezeichnete ihn laut als den geeignetsten ersten Minister
der Finanzen. Endlich trat Sir Stephan Fox, wenn auch nicht sehr
bereitwillig, von der Concurrenz zurck. Er wnschte es jedoch in der
London Gazette angezeigt, da die Stelle des ersten Lords ihm angeboten,
aber von ihm abgelehnt worden war. Eine solche Anzeige wre eine
Beleidigung fr Montague gewesen, und Montague, von Glck und Ruhm
aufgeblht, war nicht in der Stimmung, sich Beleidigungen gefallen zu
lassen. Der Streit wurde beigelegt. Montague ward erster Lord des
Schatzes und den erledigten Sitz im Staatsrathe erhielt Sir Thomas
Littleton, einer der tchtigsten und consequentesten Whigs im Hause der
Gemeinen. Aus Rcksicht fr Fox wurden diese Ernennungen jedoch nicht in
der Gazette angezeigt.[101]

Dorset legte seine Stelle als Oberkammerherr nieder, doch nicht mit
Unmuth, und zog sich, mit kniglichen Gunstbezeigungen beladen, ins
Privatleben zurck. Sein Nachfolger war Sunderland, der auch,
nicht ohne viel Murren von verschiedenen Seiten, zu einem der
Lords Justices ernannt wurde.[102] Von den Tories wurde Sunderland
grndlich verabscheut. Einige von den Whighuptern hatten seinem
einschmeichelnden Wesen nicht widerstehen knnen, und andre waren
dankbar fr die Dienste, die er unlngst der Partei geleistet. Doch die
Fhrer vermochten nicht ihre Anhnger zurckzuhalten. Verstndige
Mnner, die der brgerlichen Freiheit und der protestantischen Religion
zugethan waren, die sich auer dem Bereiche von Sunderland's
unwiderstehlichem Zauber befanden und welche wuten, da er in der Hohen
Commission gesessen, bei der Indulgenzerklrung mitgewirkt, als Zeuge
gegen die sieben Bischfe aufgetreten war und die Hostie von einem
papistischen Priester empfangen hatte, konnten ihn nicht ohne Unwillen
und Beschmung mit dem Stabe in der Hand zur Seite des Thrones stehen
sehen. Noch emprender war es, da einem solchen Manne in Abwesenheit
des Souverains die Administration der Regierung anvertraut werden
sollte. Wilhelm begriff diese Gesinnungen nicht. Sunderland war ein
talentvoller und brauchbarer Diener; er war zwar ohne Grundstze, aber
dies waren alle englischen Staatsmnner dieser Generation, welche unter
der unseligen Tyrannei der Frommen die Tugend verachten gelernt hatten
und whrend des wilden Jubels der Restauration in die schmachvollste
Lasterhaftigkeit versunken waren. Er war ein chtes Musterexemplar
seiner Klasse, vielleicht ein wenig schlechter als Leeds oder Godolphin
und ungefhr eben so schlecht als Russell oder Marlborough. Warum er aus
der Heerde vertrieben werden sollte, konnte der Knig nicht begreifen.

Trotz der Unzufriedenheit, welche Sunderland's Erhebung erweckt hatte,
war England diesen Sommer vollkommen ruhig und in vortrefflicher
Stimmung. Jedermann, die fanatischen Jakobiten allein ausgenommen,
freute sich ber das rasche Wiederaufleben des Handels und ber die nahe
Aussicht auf Frieden. Auch Irland und Schottland waren nicht minder
ruhig.


[_Zustand Irland's._] In Irland hatte sich, seitdem Sidney nicht mehr
Lordlieutenant war, nichts ereignet, was umstndlichere Erwhnung
verdiente. Die Regierung hatte die Colonisten ungehindert ber die
eingeborne Bevlkerung dominiren lassen, und die Colonisten hatten sich
dafr der Regierung durchaus unterwrfig bezeigt. Die Verhandlungen der
in Dublin tagenden lokalen Legislatur waren in keiner Hinsicht wichtiger
oder interessanter gewesen als die Verhandlungen der gesetzgebenden
Versammlung von Barbados. Das nennenswertheste Ereigni in der
parlamentarischen Geschichte Irland's zu jener Zeit war vielleicht ein
Streit zwischen den beiden Husern, welcher durch eine Collision
zwischen dem Wagen des Sprechers und dem Wagen des Kanzlers entstanden
war. Es gab zwar Parteispaltungen, aber sie entsprangen lediglich aus
persnlichen Prtensionen und Animositten. Die Namen Whig und Tory
waren ber den St. Georgskanal gebracht worden, hatten aber unterwegs
ihre ganze Bedeutung verloren. Ein Mann, der in Dublin ein Tory genannt
wurde, wrde in Westminster fr einen eben so entschiedenen Whig
gegolten haben als Wharton. Die Hochkirchlichsten in Irland
verabscheuten und frchteten den Papismus so sehr, da sie geneigt
waren, jeden Protestanten als einen Bruder zu betrachten. Sie erinnerten
sich der Tyrannei Jakob's, der Beraubungen, der Verbrennungen, der
Confiscationen, des Kupfergeldes und der Verurtheilungsacte mit bitterem
Grolle, und verehrten Wilhelm als ihren Befreier und Erhalter. Ja selbst
fr das Gedchtni Cromwell's konnten sie nicht umhin eine gewisse
Achtung zu hegen, denn was er auch sonst gewesen sein mochte, er war
immer der Vertheidiger und Rcher ihres Stammes gewesen. Die
Parteispaltungen England's hatten daher mit den Parteispaltungen
Irland's fast gar nichts gemein. In England gab es zwei Parteien von
gleichem Stamme und Glauben, die mit einander kmpften; in Irland gab es
zwei Kasten verschiedenen Stammes und Glaubens, von denen die eine die
andre mit Fen trat.


[_Zustand Schottland's._] Auch Schottland war ruhig. Die Ernte des
letzten Jahres war zwar knapp ausgefallen und es herrschte daher viel
Noth. Aber der Muth der Nation wurde durch hochfliegende Hoffnungen
aufrechterhalten, die in schmerzliche Enttuschung ausgehen sollten. Ein
schner Traum von Wohlstand und Herrschaft erfllte die Gemther der
Leute so vollstndig, da sie die gegenwrtige Noth kaum fhlten. Wie
dieser Traum entstand und durch welches schreckliche Erwachen er
zerstrt wurde, soll nachher erzhlt werden.


[_Eine Parlamentssession in Edinburg._] Im Herbste des Jahres 1696
traten die schottischen Stnde in Edinburg zusammen. Die Sitzungen waren
sprlich besucht, und die Session dauerte nur fnf Wochen. Es wurde eine
Summe von wenig ber hunderttausend Pfund bewilligt und zwei Acten zur
Sicherung der Regierung angenommen. Die eine von diesen beiden Acten
verlangte von allen ffentlichen Angestellten die Unterzeichnung einer
Vereinsurkunde hnlich der, welche im Sden der Insel so allgemein
unterzeichnet worden war. Die andre Acte bestimmte, da das schottische
Parlament durch den Tod des Knigs nicht aufgelst werden sollte.


[_Acte zur Errichtung von Schulen._] Das bei weitem wichtigste Ereigni
dieser kurzen Session war jedoch die Annahme einer Acte zur Errichtung
von Schulen. Durch dieses denkwrdige Gesetz wurde, nach schottischer
Ausdrucksweise, bestimmt und verordnet (+statuted and ordained+), da
jede Gemeinde im Lande fr ein gerumiges Schulhaus sorgen und einen
Lehrer mit migem Gehalte anstellen sollte. Die Folgen dieses Gesetzes
konnten natrlich nicht sogleich empfunden werden. Aber noch ehe ein
Menschenalter verstrichen war, begann es sich unverkennbar zu zeigen,
da das gemeine Volk Schottland's in der Intelligenz dem gemeinen Volke
jedes andren Landes in Europa berlegen war. In welches Land der Schotte
auch auswandern, welchem Berufe er sich widmen mochte, in Amerika oder
in Indien, im Handel oder im Kriege, berall erhob ihn der Vortheil
seiner ersten Schulbildung ber seine Concurrenten. Wenn er als
Auslufer in ein Waarengeschft aufgenommen ward, wurde er bald der
erste unter seinen Collegen. Trat er in die Armee ein, so wurde er bald
Sergeant. Zu gleicher Zeit machte Schottland, trotz seines sterilen
Bodens und seines rauhen Klima's, im Landbau, im Fabrikwesen, im Handel,
in der Literatur, in den Wissenschaften, kurz in Allem was die
Civilisation ausmacht, so bedeutende Fortschritte, wie die alte Welt sie
nie gesehen und wie sie selbst in der neuen Welt kaum bertroffen worden
sind.

Diese wunderbare Vernderung ist, wenn nicht einzig und allein, doch
hauptschlich dem nationalen Unterrichtssystem zuzuschreiben. Den
Mnnern aber, durch welche dieses System eingefhrt wurde, ist die
Nachwelt keinen Dank schuldig. Sie wuten nicht was sie thaten; sie
waren die unbewuten Werkzeuge der Aufklrung des Geistes und der
Humanisirung der Herzen von Millionen. Ihr eigner Geist aber war so
beschrnkt und ihre Herzen so verhrtet wie die der Familiaren der
Inquisition in Lissabon. In dem nmlichen Monate, in welchem die Acte
zur Errichtung von Schulen mit dem Scepter berhrt wurde, begannen die
Hupter der Kirche und des Staats in Schottland mit Nachdruck zwei des
zehnten Jahrhunderts wrdige Verfolgungen, eine Verfolgung der Hexen und
eine Verfolgung der Unglubigen. Eine Anzahl unglcklicher Weiber, deren
einziges Verbrechen darin bestand, da sie alt und arm waren, wurden des
Verkehrs mit dem Teufel angeklagt. Der Geheime Rath schmte sich nicht,
ein Decret zur Prozessirung von zweiundzwanzig dieser unglcklichen
Geschpfe zu erlassen.[103] In den Lden der Edinburger Buchhndler
wurde strenge Nachsuchung nach ketzerischen Schriften gehalten. Gottlose
Bcher, zu denen die Weisen des Presbyteriums Thomas Burnet's +Sacred
Theory of the Earth+ rechneten, wurden aufs Strengste verboten.[104]
Aber die bloe Vernichtung von Papier und Schafleder gengte den
Bigotten nicht. Ihr Ha verlangte Opfer, welche Gefhl hatten, und sie
ruhten nicht eher als bis sie ein Verbrechen verbt, wie es seitdem nie
wieder unsre Insel geschndet hat.


[_Der Proze Thomas Aikenhead's._] Ein achtzehnjhriger Student, Namens
Thomas Aikenhead, von groem Flei und tadelloser sittlicher Fhrung,
war im Verlaufe seiner Studien auf einige von den gewhnlichen
Argumenten gegen die Bibel gestoen. Er glaubte einen der brigen
Menschheit verborgenen Weisheitsschatz entdeckt zu haben und theilte
seine Entdeckung mit dem eitlen Stolze, von dem lebhafte junge Leute
selten frei sind, vier oder fnf seiner Stubengenossen mit. Dreiheit in
der Einheit, sagte er, sei ein eben so groer Widerspruch wie die
Quadratur des Zirkels. Esra sei der Verfasser des Pentateuchs. Die
Apokalypse sei ein allegorisches Buch ber den Stein der Weisen. Moses
habe in Egypten Zauberei gelernt. Das Christenthum sei eine Tuschung,
die nicht bis zum Jahre 1800 dauern wrde. Wegen dieses albernen
Geschwtzes, dessen er sich wahrscheinlich noch lange vor seinem
fnfundzwanzigsten Jahre geschmt haben wrde, wurde er von dem
Lordadvokaten in Anklagestand versetzt. Der Lordadvokat war jener James
Stewart, der so oft ein Whig und so oft ein Jakobit gewesen war, da es
schwer ist, seine Abflle zu zhlen. Er war jetzt zum dritten, wenn
nicht zum vierten Male ein Whig. Nach dem schottischen Gesetz htte
Aikenhead allerdings mit Gefngni bestraft werden knnen, bis er seine
Irrthmer widerrufen und vor der Congregation seines Kirchspiels Abbitte
gethan haben wrde, und jeder Verstndige und Humane wrde dies als eine
hinreichende Strafe fr das Geschwtz eines vorlauten Knaben betrachtet
haben. Stewart aber, der eben so grausam als schlecht war, verlangte
Blut. Es gab unter den schottischen Gesetzen eines, das Schmhungen oder
Verwnschungen des hchsten Wesens oder einer Person der Dreieinigkeit
zu einem Kapitalverbrechen stempelte. Von dem, was Aikenhead gesagt
hatte, konnte jedoch nichts in den Bereich dieses Gesetzes gebracht
werden, ohne seinen Worten den gewaltsamsten Zwang anzuthun. Aber der
Lordadvokat bot seine ganze Spitzfindigkeit auf. Der arme junge Mann
hatte keinen Vertheidiger und er war durchaus unfhig, sich selbst zu
vertheidigen. Er wurde fr schuldig befunden und dazu verurtheilt,
gehngt und am Fue des Galgens begraben zu werden. Umsonst widerrief er
mit Thrnen in den Augen seine Irrthmer und bat klglich um Gnade.
Einige von Denen, die ihn im Kerker besuchten, hielten seinen Widerruf
fr aufrichtig, und es ist auch keineswegs unwahrscheinlich, da bei ihm
wie bei vielen anderen vermeintlichen Philosophen, welche die Religion
ihrer Kindheit vllig abgestreift zu haben whnen, die nahe Aussicht auf
den Tod eine totale Umwandlung in seinen Ansichten bewirkt hatte. Er
reichte bei dem Geheimen Rathe das Bittgesuch ein, da, wenn ihm das
Leben nicht geschenkt werden knnte, man ihm wenigstens eine kurze Frist
bewilligen mchte, damit er sich mit Gott, den er beleidigt habe,
ausshnen knne. Einige Staatsrthe waren fr Gewhrung dieser kleinen
Nachsicht. Andere meinten, sie drfe nur dann bewilligt werden, wenn die
Edinburger Geistlichen sich verwendeten. Die beiden Parteien hielten
einander die Wage und die Frage wurde durch die den Ausschlag gebende
Stimme des Kanzlers gegen den Angeklagten entschieden. Der Kanzler war
ein Mann, der im Laufe dieser Geschichte hufig, aber nie mit Ehren
erwhnt worden ist. Es war jener Sir Patrick Hume, dessen streit- und
parteischtiges Wesen der Unternehmung Argyle's zum Verderben gereicht
und der Regierung Wilhelm's nicht wenig zu schaffen gemacht hatte. In
dem Club, der dem Knige getrotzt und ber das Parlament dominirt, hatte
es keinen lrmenderen Republikaner gegeben. Aber ein Titel und ein Amt
hatten eine merkwrdige Bekehrung herbeigefhrt. Sir Patrick hie jetzt
Lord Polwarth, er hatte das groe Siegel Schottland's in Verwahrung,
fhrte den Vorsitz im Geheimen Rathe, und so lag es in seiner Macht, die
schlechteste That seines schlechten Lebens zu begehen.

Es blieb nun noch brig zu sehen wie die Edinburger Geistlichkeit
handeln wrde. Man sollte es kaum fr mglich halten, da Geistliche
gegen das Flehen eines reumthigen Verbrechers, der nicht Begnadigung,
sondern nur ein wenig Zeit verlangt, um ihre Belehrungen zu empfangen
und den Himmel um die Gnade zu bitten, die ihm auf Erden nicht gewhrt
werden kann, taub bleiben konnten. Dennoch war es so. Die Geistlichen
verlangten nicht nur seine Hinrichtung, sondern seine sofortige
Hinrichtung, mochte es auch sein ewiger Tod sein. Selbst von den Kanzeln
herab forderten sie seine Abschlachtung. Es ist wahrscheinlich, da der
eigentliche Grund, warum sie ihm eine Frist von einigen Tagen
verweigerten, die Besorgni war, da die Umstnde seines Prozesses nach
Kensington berichtet und da der Knig, der bei Ablegung des
Krnungseides vom Throne herab erklrt hatte, kein Verfolger sein zu
wollen, den bestimmten Befehl geben knnte, das Urtheil nicht zu
vollstrecken. Aikenhead wurde zwischen Edinburg und Leith gehngt. Er
zeigte aufrichtige Reue und erlitt den Tod mit der Bibel in der Hand.
Die Bevlkerung von Edinburg wurde, obgleich durchaus nicht geneigt,
sein Vergehen leicht zu nehmen, durch seine Jugend, seine Reue und die
grausame Eile, mit der man ihn aus der Welt befrderte, zu Mitleid
gerhrt. Man schien zu befrchten, da ein Versuch zu seiner gewaltsamen
Befreiung gemacht werden mchte, denn ein starkes Corps Fseliere stand
unter den Waffen, um die Civilgewalt zu untersttzen. Die Priester,
welche die eigentlichen Mrder des jungen Mannes waren, umgaben den
Galgen und beleidigten whrend seines letzten Todeskampfes den Himmel
durch Gebete, welche rgere Blasphemien waren als Alles was der arme
Mensch je gesagt hatte. Wodrow hat keine grere Abscheulichkeit von
Dundee erzhlt.[105]


[_Militrische Operationen in den Niederlanden._] Im Ganzen genommen
waren die britischen Inseln seit zehn Jahren nie so frei von inneren
Unruhen gewesen als in dem Augenblicke wo Wilhelm, Ende April 1697, nach
dem Continent aufbrach. Der Krieg in den Niederlanden wurde ein wenig,
aber auch nur ein wenig lebhafter betrieben als im vorhergehenden Jahre.
Die franzsischen Generle erffneten den Feldzug mit der Einnahme der
kleinen Stadt Aeth. Hierauf faten sie eine bei Weitem wichtigere
Eroberung ins Auge. Sie machten einen pltzlichen Angriff auf Brssel,
und ohne Wilhelm's Umsicht wrde ihr Vorhaben wahrscheinlich gelungen
sein. Er campirte auf einer Stelle in unmittelbarer Nhe des Lwen von
Waterloo, als er spt Abends die Nachricht erhielt, da die Hauptstadt
der Niederlande in Gefahr sei. Er setzte unverzglich seine Truppen in
Bewegung, marschirte die ganze Nacht und nachdem er die Ebene, welche
hundertachtzehn Jahre spter eine schreckliche Berhmtheit erlangen
sollte, sowie die langen Defils des Waldes von Soignies passirt hatte,
erschien er am Morgen auf dem Punkte, von wo aus Brssel zwei Jahre
frher bombardirt worden war und aufs Neue bombardirt worden sein wrde,
wenn er nur drei Stunden spter angekommen wre. Hier umgab er sich mit
Verschanzungen, welche der Feind nicht anzugreifen wagte. Dies war das
wichtigste militrische Ereigni, das whrend dieses Sommers in den
Niederlanden stattfand. Man war in beiden Lagern nicht geneigt, am
Vorabend eines allgemeinen Friedensschlusses viel aufs Spiel zu setzen.


[_Von Frankreich offerirte Friedensbedingungen._] Ludwig hatte zu Anfang
des Frhjahrs zum ersten Male seit seiner langen Regierung aus freiem
Antriebe seinen Feinden billige und ehrenvolle Bedingungen angeboten. Er
hatte sich bereit erklrt, die Eroberungen, die er im Laufe des Kriegs
gemacht, zurckzugeben, Lothringen seinem eigenen Herzoge abzutreten,
Luxemburg an Spanien, Straburg an das deutsche Reich zurckzugeben und
die bestehende Regierung England's anzuerkennen.[106] Wer sich der
groen Leiden erinnerte, die sein wortbrchiger und erbarmungsloser
Ehrgeiz ber Europa gebracht hatte, konnte mit gutem Grunde vermuthen,
da diese ungewohnte Migung nicht Gefhlen der Gerechtigkeit oder
Humanitt zuzuschreiben sei. Aber was ihn auch bestimmt haben mochte,
solche Bedingungen anzubieten, es war offenbar das Interesse und die
Pflicht der Confderation, sie anzunehmen. Denn man hatte in der That
wenig Hoffnung ihm durch Krieg grere Zugestndnisse abzuzwingen, als
die, welche er jetzt freiwillig als Friedenspreis anbot. Die
sanguinischsten seiner Feinde konnten schwerlich eine lange Reihe so
glcklicher Feldzge wie der von 1695 erwarten. Und selbst in einer
langen Reihe ebenso glcklicher Feldzge wie der von 1695 wrden die
Verbndeten schwerlich im Stande gewesen sein, Alles das
wiederzuerobern, was er jetzt zurckzugeben sich bereit erklrte.
Wilhelm, der, wie gewhnlich, eine klare und staatsmnnische Ansicht von
der ganzen Situation fate, stimmte jetzt eben so entschieden fr
Friedensschlu, als er in frheren Jahren fr energische Fortsetzung
des Kriegs gestimmt hatte, und er wurde durch die ffentliche Meinung
England's sowohl als Holland's untersttzt. Leider aber begannen gerade
in dem Augenblicke, wo die beiden Mchte, welche allein unter den
Mitgliedern der Koalition in dem langen Kampfe treulich ihre Pflicht
gethan hatten, anfingen sich in der nahen Aussicht auf Ruhe zu erfreuen,
einige von den Regierungen, welche niemals ihre vollen Contingente
gestellt hatten, welche nie zur rechten Zeit schlagfertig gewesen waren,
und die zum Dank fr empfangene Subsidien stets Entschuldigungen
geschickt hatten, Schwierigkeiten zu erheben, welche die Drangsale
Europa's bis ins Unendliche zu verlngern drohten.


[_Verhalten Spanien's._] Spanien hatte, wie Wilhelm in seinem Unmuth an
Heinsius schrieb, fr die gemeinsame Sache nichts beigetragen als
Rodomontaden. Es hatte keine energische Anstrengung gemacht, auch nur
sein eignes Gebiet gegen Einflle zu vertheidigen. Ohne die englischen
und hollndischen Armeen wrde es Flandern und Brabant verloren haben.
Ohne die englischen und hollndischen Flotten wrde es Katalonien
verloren haben. Das Mailndische hatte es nicht durch Waffengewalt,
sondern dadurch gerettet, da es trotz der Vorstellungen von Seiten der
englischen und hollndischen Regierungen einen schimpflichen
Neutralittsvertrag abschlo. Es besa kein einziges Kriegsschiff das
einen Windsto htte aushalten knnen. Es besa kein einziges Regiment,
das nicht schlecht bezahlt und schlecht disciplinirt, schlecht gekleidet
und halb verhungert gewesen wre. Dennoch hatte es in den letzten zwei
Jahren sowohl Wilhelm als die Generalstaaten mit einer Impertinenz
behandelt, welche bewies, da es seine Stellung unter den Staaten
gnzlich verkannte. Es wurde jetzt ber die Maen anspruchsvoll,
verlangte von Ludwig Concessionen, die es nach dem Verlaufe des Kriegs
nicht zu erwarten berechtigt war, und schien es hart zu finden, da
Verbndete, die es fortwhrend unwrdig behandelte, keine Lust hatten,
ihr Blut und Geld noch weitere acht Jahre fr ein solches Land zu
opfern.


[_Verhalten des Kaisers._] Das Verhalten Spaniens ist lediglich der
Arroganz und Thorheit zuzuschreiben. Aber die Abgeneigtheit des
Kaisers, selbst in die billigsten Friedensbedingungen zu willigen,
war eine Wirkung selbstschtigen Ehrgeizes. Der katholische Knig
war kinderlos und krnklich, sein Leben war keine drei Jahre mehr
werth, und wenn er starb, so wurden seine Besitzungen der Zankapfel
fr eine Menge Prtendenten. Das Haus Oesterreich sowohl als das Haus
Bourbon hatten Ansprche auf diese groe Erbschaft. Es lag offenbar
im Interesse des Hauses Oesterreich, da der bedeutungsvolle Tag,
mochte er kommen wann er wollte, eine groe europische Coalition
gegen das Haus Bourbon gerstet fnde. Der Zweck des Kaisers war
daher, da der Krieg so wie er bisher gefhrt worden, mit geringen
Kosten fr ihn selbst und mit groen Kosten fr England und Holland
fortgefhrt werde, nicht bis billige Friedensbedingungen erlangt
werden knnten, sondern einfach bis zum Tode des Knigs von Spanien.
Die Minister des Kaisers, schrieb Wilhelm an Heinsius, sollten
sich ihrer Handlungsweise schmen. Es ist unertrglich, da eine
Regierung, die alles Mgliche thut, um den Erfolg der Unterhandlungen
zu hintertreiben, nichts zur gemeinsamen Vertheidigung beitrgt.[107]

Es ist kein Wunder, da unter solchen Umstnden das Friedenswerk geringe
Fortschritte machte. Das Vlkerrecht hat, wie jedes andre Recht, seine
Chikanen, seine Spitzfindigkeiten, seine technischen Formen, welche nur
zu leicht dazu angewendet werden knnen, es unwirksam zu machen. Es
wurde daher denjenigen streitenden Theilen, welche den Streit nicht bald
beendigt zu sehen wnschten, nicht schwer, Verzgerungen herbeizufhren.
Es wurde lange ber den Ort disputirt, wo die Conferenzen gehalten
werden sollten. Der Kaiser schlug Aachen vor. Die Franzosen machten
Einwendungen und schlugen den Haag vor. Dagegen machte der Kaiser wieder
Einwendungen. Endlich kam man dahin berein, da die Gesandten der
verbndeten Mchte im Haag und die franzsischen Bevollmchtigten fnf
Meilen davon in Delft zusammenkommen sollten.[108] Nach Delft begaben
sich demgem Harlay, ein Mann von ausgezeichnetem Geist und feiner
Bildung, Crecy, ein schlauer, geduldiger und fleiiger Diplomat, und
Cailleres, der, obgleich er in den Accreditiven als Dritter genannt war,
ber alle Punkte, welche voraussichtlich zu berathen waren, viel besser
unterrichtet war als jeder seiner beiden Collegen.[109] Im Haag befanden
sich der Earl von Pembroke, und Eduard, Viscount Villiers, welche
England reprsentirten. Prior begleitete sie in der Eigenschaft eines
Sekretrs. An der Spitze der kaiserlichen Gesandtschaft stand Graf
Kaunitz, an der Spitze der spanischen Don Francisco Bernardo de Quiros;
die Gesandten untergeordneten Ranges aufzuzhlen wrde ermdend
sein.[110]


[_Congre von Ryswick._] Auf halbem Wege zwischen Delft und dem Haag
liegt ein Dorf, Namens Ryswick, und in der Nhe desselben stand damals,
in einem von geradlinigen Kanlen umgebenen, in regelmige Gehlze,
Blumen- und Melonenbeete eingetheilten rechtwinkeligen Garten ein
Landhaus der Prinzen von Oranien. Das Haus war wie geschaffen fr eine
Gesellschaft von Diplomaten, wie sie hier zusammenkommen sollte. Im
Centrum befand sich ein von Honthorst gemalter Saal. Zur Rechten und
Linken waren genau correspondirende Seitenflgel angebaut. Zu jedem der
beiden Flgel fhrte eine besondere Brcke, ein besonderer Eingang und
eine besondere Avenue. Der eine Flgel wurde den Verbndeten, der andre
den Franzosen, der Saal im Centrum dem Vermittler angewiesen.[111]
Einige Vorfragen der Etikette wurden nicht ohne Mhe erledigt, und
endlich, am 9.Mai, nherten sich eine Menge sechsspnniger Equipagen,
von Lufern, Bedienten und Pagen begleitet, von verschiedenen Seiten
dem Schlo. Der schwedische Gesandte stieg am Haupteingange aus. Der
Zug vom Haag kam durch die rechte Seitenallee an; der Zug von Delft
durch die linke Seitenallee. Bei der ersten Zusammenkunft berreichten
die Vertreter der kriegfhrenden Regierungen ihre Vollmachten dem
Vermittler. Beim zweiten Zusammentreffen, achtundvierzig Stunden
spter, vollzog der Vermittler die Ceremonie der Auswechslung dieser
Vollmachten. Dann wurden mehrere Zusammenknfte damit hingebracht,
die Zahl der Wagen, Pferde, Lakaien und Pagen festzustellen, welche
jeder Gesandte nach Ryswick mitzubringen berechtigt sein sollte, ob
die Dienstleute Stcke tragen sollten, ob sie Degen tragen sollten, ob
sie Pistolen in den Halftern haben sollten, wer bei den Ausfahrten den
Vorrang haben und wessen Equipage auf den Straen ausweichen sollte.
Es zeigte sich bald, da der Vermittler nicht allein zwischen der
Koalition und den Franzosen, sondern auch zwischen den verschiedenen
Mitgliedern der Coalition zu vermitteln haben wrde. Die kaiserlichen
Gesandten beanspruchten das Recht, am Berathungstische obenan zu
sitzen. Der spanische Gesandte wollte dieses Recht nicht anerkennen und
versuchte sich zwischen zwei von jenen einzudrngen. Die kaiserlichen
Gesandten wollten die Gesandten von Kurfrsten und Republiken nicht
Excellenz tituliren. Wenn ich nicht Excellenz genannt werde, sagte
der Minister des Kurfrsten von Brandenburg, so wird mein Gebieter
seine Truppen aus Ungarn zurckziehen. Die kaiserlichen Gesandten
verlangten ein Zimmer fr sich im Gebude und einen besonderen Platz
im Hofe fr ihre Equipagen. Alle anderen Gesandten der Confderation
erklrten dies fr ein durchaus ungerechtfertigtes Verlangen, und eine
ganze Sitzung wurde mit diesem kindischen Streite verschwendet. Man
wird leicht glauben, da Verbndete, die in ihrem Verkehr unter sich so
kleinlich waren, aller Wahrscheinlichkeit nach in ihrem Verkehr mit dem
Feinde nicht sehr gefllig sein wrden. Die Hauptbeschftigung Harlay's
und Kaunitz' bestand darin, gegenseitig ihre Fe zu beobachten.
Keiner von ihnen hielt es fr vertrglich mit dem Ansehen der Krone,
der er diente, sich dem Andren mit rascheren Schritten zu nhern, als
der Andre sich ihm nherte. Wenn daher der Eine bemerkte, da er aus
Versehen zu rasch gegangen war, kehrte er bis zur Thr zurck, und die
steife Menuett begann von neuem. Die Gesandten Ludwig's setzten einen
Vertragsentwurf in ihrer Muttersprache auf. Die deutschen Staatsmnner
protestirten gegen diese Neuerung, gegen diese Beleidigung der Wrde
des heiligen rmischen Reichs, gegen diesen Eingriff in die Rechte
unabhngiger Nationen und wollten nicht eher etwas von dem Entwurfe
wissen, als bis er aus gutem Franzsisch in schlechtes Latein bersetzt
war. Schon Mitte April wute Jedermann im Haag, da KarlXI., Knig von
Schweden gestorben und da sein Sohn ihm auf den Thron gefolgt war;
aber es widerstritt der Etikette, da irgend einer der versammelten
Gesandten die Kenntni dieses Ereignisses uerte, bevor Lilienroth es
frmlich annoncirt hatte; nicht minder widerstritt es der Etikette,
da Lilienroth diese Anzeige machte, bevor seine Equipagen und seine
Dienerschaft in Trauer gehllt waren, und es vergingen einige Wochen,
bis seine Wagenbauer und Kleidermacher ihre Aufgabe vollendet hatten.
Endlich, am 12.Juni, kam er in einem schwarz ausgeschlagenen und
von Bedienten in schwarzer Livree begleiteten Wagen nach Ryswick
und kndigte hier in vollem Congre an, da es Gott gefallen habe,
den gromchtigsten Knig KarlXI. zu sich zu nehmen. Smmtliche
Gesandten bezeigten ihm hierauf ihre Theilnahme an der betrbenden
und unerwarteten Nachricht und begaben sich dann nach Hause, um ihre
Stickereien abzulegen und sich in Trauer zu kleiden. Unter solchen
feierlichen Tndeleien verging eine Woche nach der andren, und es
wurde kein reeller Fortschritt gemacht. Lilienroth hegte keineswegs
den Wunsch, die Sache zu beeilen. So lange der Congre dauerte, nahm
er eine hochangesehene Stellung ein. Er wre gern bestndig Vermittler
geblieben, und er htte aufgehrt dies zu sein, wenn die Parteien zu
seiner Rechten und Linken aufhrten, mit einander zu hadern.[112]

Im Juni begann die Hoffnung auf Frieden zu sinken. Man erinnerte sich,
da der vorige Krieg noch Jahre lang fortgedauert hatte, whrend ein
Congre in Nymwegen tagte. Die Vermittler hatten im Februar 1676 ihren
Einzug in diese Stadt gehalten, und erst im Februar 1679 war der Vertrag
unterzeichnet worden. Indessen waren die Unterhandlungen von Nymwegen
nicht langsamer von Statten gegangen als die Unterhandlungen von
Ryswick. Es war nur zu wahrscheinlich, da noch das 18.Jahrhundert
groe Armeen einander am Rhein und der Maas gegenberstehend,
betriebsame Bevlkerungen durch Steuern zu Boden gedrckt, fruchtbare
Provinzen verwstet, die Schifffahrt auf dem Ocean durch Corsaren
beunruhigt und die Bevollmchtigten Noten wechselnd, Protokolle
aufnehmend und sich ber den Platz, wo dieser Minister sitzen und ber
den Titel, der jenem Minister bewilligt werden sollte, streitend finden
wrde.


[_Wilhelm erffnet eine bestimmte Unterhandlung._] Wilhelm hatte sich
jedoch fest vorgenommen, dieser Komdie bald ein Ende zu machen. Er
wollte entweder Frieden oder Krieg. Jedes von beiden war seiner Ansicht
nach besser als dieser interimistische Zustand, der die Nachtheile
beider in sich vereinigte. So lange die Unterhandlungen dauerten,
konnten die Lasten, die sein Volk drckten, sich nicht vermindern,
und doch konnte er von seinen Verbndeten kein energisches Handeln
erwarten. Wenn Frankreich wirklich geneigt war, einen Tractat unter
billigen Bedingungen zu schlieen, so sollte dieser Tractat trotz der
Bornirtheit des katholischen Knigs und trotz der selbstschtigen
Arglist des Kaisers zu Stande kommen. Meinte es Frankreich nicht
aufrichtig, dann war es um so besser, je eher die Wahrheit bekannt
wurde, je eher die in Ryswick spielende Posse aufhrte, je eher die
Bevlkerungen England's und Holland's -- denn von ihnen hing Alles
ab -- erfuhren, da sie sich zu groen Anstrengungen und Opfern
entschlieen muten.

Pembroke und Villiers konnten, obgleich ihnen jetzt ein diplomatischer
Veteran, Sir Joseph Williamson, zur Seite stand, wenig oder nichts zur
Beschleunigung der Congreverhandlungen thun. Denn obwohl Frankreich
versprochen hatte, den Prinzen von Oranien als Knig von Grobritannien
und Irland anzuerkennen, sobald der Friede zu Stande kme, hatte es
ihn doch noch immer nicht anerkannt. Seine Gesandten verkehrten daher
nicht direct mit Harlay, Crecy und Cailleres. Wilhelm beschlo mit der
Weisheit und Entschlossenheit eines chten Staatsmannes durch einen
der in den Niederlanden commandirenden franzsischen Marschlle mit
Ludwig in Unterhandlung zu treten. Der Marschall Villeroy stand unter
ihnen am hchsten im Range. Aber Villeroy war schwach, vorschnell,
hochmthig und empfindlich. Von einem solchen Unterhndler war weit
eher zu erwarten, da er die Dinge verwirren, als da er sie zu einer
gtlichen Ausgleichung bringen werde. Boufflers hingegen war ein
Mann von Einsicht und Migung, und zum Glck hatte er whrend der
wenigen Tage, die er nach dem Falle Namur's in Huy zugebracht, unter
der Obhut Portland's gestanden, der ihn mit der grten Artigkeit
und Freundlichkeit behandelt hatte. In Folge dessen hatte sich ein
freundschaftliches Verhltni zwischen dem Gefangenen und seinem Hter
gebildet. Beide waren tapfere Soldaten, ehrenhafte Cavaliere und treue
Diener. Wilhelm glaubte daher mit Recht, da sie viel eher zu einer
Verstndigung kommen wrden als Harlay und Kaunitz selbst mit dem
Beistande Lilienroth's. Portland besa in der That alle wesentlichen
Eigenschaften eines vorzglichen Diplomaten. In England war das Volk
gegen ihn eingenommen, weil er ein Auslnder war; sein Earltitel, sein
Hosenbandorden, seine eintrglichen Stellen, sein rasch zunehmender
Reichthum erweckten Neid; man verstand seinen Dialect nicht, seine
Manieren waren nicht die der groen Herren, welche in Whitehall
gebildet waren. Daher wurden seine Talente bei weitem nicht gebhrend
gewrdigt; man pflegte ihn einen Dummkopf zu nennen, der zu nichts
tauge als zum Ueberbringen von Botschaften. Auf dem Continent aber,
wo er ohne Uebelwollen beurtheilt wurde, machte er einen ganz andren
Eindruck. Es ist ein bemerkenswerthes Factum, da dieser Mann, der
in den Gesellschaftszirkeln und Kaffeehusern London's ein plumper
einfltiger Hogan Mogan[113] -- dies war die gebruchliche Redensart
-- genannt wurde, in Versailles fr einen auerordentlich fein
gebildeten Hofmann und einen hchst gewandten Unterhndler galt.[114]
Seine empfehlendste Eigenschaft war jedoch seine unerschtterliche
Rechtschaffenheit. Es war gewi, da die seiner Frsorge anvertrauten
Interessen ihm eben so theuer sein wrden als sein Leben und da jeder
Bericht, den er seinem Gebieter abstattete, buchstblich genau sein
wrde.


[_Zusammenknfte Portland's mit Boufflers._] Gegen Ende Juni lie
Portland Boufflers freundlich um eine halbstndige Unterredung bitten.
Boufflers schickte sogleich einen Expressen an Ludwig und erhielt in der
krzesten Zeit, die ein Courier brauchte, um nach Versailles und wieder
zurck zu eilen, Antwort. Ludwig befahl dem Marschall, Portland's Wunsch
zu erfllen, so wenig als mglich zu sagen, und so viel als mglich zu
erfahren.[115]

Am 28.Juni nach altem Style, fand in der Nhe von Hal, einer ungefhr
zehn Meilen von Brssel auf der Strae nach Mons liegenden Stadt die
erste Zusammenkunft statt. Nachdem die ersten Begrungen gewechselt
waren, stiegen Boufflers und Portland ab, ihre Begleiter zogen sich
zurck und die beiden Unterhndler blieben in einem Garten allein. Hier
gingen sie zwei Stunden lang auf und ab und erledigten in dieser kurzen
Zeit mehr als die Bevollmchtigten in Ryswick in eben so vielen Monaten
zu erledigen vermochten.[116]

Bis dahin hatte die franzsische Regierung den zwar natrlichen, aber
durchaus irrigen Verdacht gehegt, da Wilhelm den Krieg in die Lnge
ziehen wolle, da er sich nur deshalb dazu verstanden habe zu
unterhandeln, weil er es nicht wagen drfe, sich der ffentlichen
Meinung England's und Holland's zu widersetzen, da er aber das
Scheitern der Unterhandlungen wnsche, und da das eigensinnige
Verhalten des Hauses Oesterreich und die Schwierigkeiten, die in Ryswick
entstanden waren, hauptschlich seinen Machinationen zuzuschreiben
seien. Dieser Verdacht war jetzt beseitigt. Kalte und ernste, aber
achtungsvolle Artigkeiten wurden zwischen den beiden groen Frsten
gewechselt, deren Feindschaft Europa seit einem Vierteljahrhundert in
bestndiger Aufregung erhielt. Die Unterhandlungen zwischen Boufflers
und Portland schritten so rasch vorwrts als die Nothwendigkeit hufiger
Referate nach Versailles es gestattete. Ihre fnf ersten Conferenzen
wurden unter freiem Himmel gehalten; bei der sechsten aber zogen sie
sich in ein kleines Haus zurck, in welches Portland Tische und
Schreibmaterialien hatte bringen lassen, und hier wurde das Ergebni
ihrer Arbeiten zu Papier gebracht.

Die zu erledigenden Hauptpunkte waren vier an der Zahl. Wilhelm hatte
zuerst zwei Zugestndnisse von Ludwig verlangt, und Ludwig hatte zwei
Zugestndnisse von Wilhelm verlangt.

Wilhelm's erste Forderung war, da Frankreich sich verpflichten sollte,
keinem Versuche, den Jakob oder seine Anhnger machen knnten, um die
bestehende Ordnung der Dinge in England zu stren, direct oder indirect
Beistand oder Vorschub zu leisten.

Wilhelm's zweite Forderung war, da Jakob nicht mehr gestattet sein
sollte, an einem England so gefhrlich nahen Orte wie Saint-Germains zu
wohnen.

Auf die erste dieser Forderungen entgegnete Ludwig, da er vollkommen
bereit sei, sich auf das Feierlichste zu verpflichten, keinem Versuche
zur Strung der bestehenden Ordnung der Dinge in England in irgend einer
Weise Untersttzung oder Vorschub zu leisten, da es aber mit seiner
Ehre unvertrglich sei, da der Name seines Vetters und Gastes in dem
Vertrage genannt werde.

Auf die zweite Forderung entgegnete Ludwig, da er einem unglcklichen
Knige, der in seinem Lande eine Zufluchtssttte gesucht habe, seine
Gastfreundschaft nicht versagen und da er nicht einmal versprechen
knne, den Wunsch zu uern, Jakob mchte Saint-Germains verlassen. Aber
Boufflers gab, als ob er seine eigne Idee aussprche, obgleich er ohne
Zweifel nichts sagte, was nicht mit den Wnschen seines Gebieters
bereinstimmte, zu verstehen, da die Sache sich wahrscheinlich
arrangiren lassen werde, und nannte Avignon als einen Ort, wo die
verbannte Familie residiren knnte, ohne der englischen Regierung Grund
zu Besorgnissen zu geben.

Ludwig verlangte dagegen seinerseits erstens, da den Jakobiten eine
allgemeine Amnestie gewhrt werden, und zweitens, da Marie von Modena
ihr Leibgedinge von funfzigtausend Pfund jhrlich erhalten sollte.

Die Bewilligung der ersten von diesen beiden Forderungen verweigerte
Wilhelm entschieden. Er werde stets bereit sein, die Vergehen von
Mnnern zu verzeihen, welche den Willen zeigten, in Zukunft ruhig
unter seiner Regierung zu leben; allein er knne sich nicht dazu
verstehen, die Ausbung seines Begnadigungsrechtes zum Gegenstande
eines Uebereinkommens mit einer auswrtigen Macht zu machen. Das von
Marien von Modena beanspruchte Jahrgeld werde er gern bezahlen, wenn er
die Gewiheit habe, da es nicht zu Machinationen gegen seinen Thron
und seine Person, zur Unterhaltung eines neuen Etablissements an der
Kste von Kent wie das Hunt's oder zum Ankauf von Pferden und Waffen zu
einem neuen Attentate wie das von Turnham Green verwendet werden wrde.
Boufflers habe von Avignon gesprochen. Wenn Jakob und seine Gemahlin
dort ihren Aufenthalt nhmen, so sollten wegen des Jahrgeldes keine
weiteren Schwierigkeiten gemacht werden.


[_Die Friedensbedingungen zwischen Frankreich und England werden
festgesetzt._] Endlich waren alle streitigen Punkte geordnet. Nach
langen Discussionen wurde ein Artikel aufgesetzt, in welchem Ludwig sein
Ehrenwort gab, da er keinen Versuch zum Umsturz oder zur Beunruhigung
der bestehenden Regierung England's irgendwie begnstigen werde. Dagegen
versprach auch Wilhelm, kein Unternehmen gegen die Regierung
Frankreich's zu begnstigen. Dieses Versprechen hatte Ludwig nicht
verlangt und er schien daher anfangs geneigt, es als eine Beleidigung zu
betrachten. Sein Thron, sagte er, stehe vollkommen fest und Niemand
bestreite sein Recht auf denselben. Es gebe in seinem Lande keine
Eidverweigerer, keine Verschwrer, und er halte es fr unvereinbar mit
seiner Wrde, einen Vertragspunkt zu genehmigen, in welchem zu liegen
scheine, da er Complots und Aufstnde befrchte, wie sie eine aus einer
Revolution hervorgegangene Dynastie naturgem frchten msse. Er gab
jedoch in diesem Punkte nach, und man kam berein, da die Verpflichtung
streng gegenseitig sein sollte. Wilhelm verlangte nicht mehr, da
Jakob's Name genannt werde und Ludwig verlangte nicht mehr, da den
Anhngern Jakob's eine Amnestie bewilligt werde. Es wurde festgesetzt,
da in dem Vertrage weder ber den Aufenthaltsort des verbannten Knigs
von England, noch ber das Leibgedinge seiner Gemahlin etwas erwhnt
werden sollte. Aber Wilhelm autorisirte seine Bevollmchtigten beim
Congresse, zu erklren, das Marie von Modena das haben solle, worauf
eine vorzunehmende Untersuchung ihren rechtmigen Anspruch darthun
werde. Auf was sie rechtmigen Anspruch hatte, war eine Frage, deren
Beantwortung ganz Westminsterhall in Verlegenheit gesetzt haben wrde.
Doch es war ausgemacht, da sie ohne Struben so viel erhalten wrde,
als sie nur irgend verlangen konnte, sobald sie sich mit ihrem Gemahl in
die Provence oder nach Italien zurckgezogen haben wrde.[117]


[_Schwierigkeiten, durch Spanien und den Kaiser veranlat._] Vor Ende
Juli war Alles geordnet, soweit Frankreich und England betheiligt waren.
Inzwischen erfuhren die in Ryswick versammelten Gesandten, da Boufflers
und Portland wiederholte Zusammenknfte in Brabant gehalten und
da sie in hchst regelwidriger und unpassender Weise, ohne
Beglaubigungsschreiben, ohne Vermittelung, ohne Noten, ohne Protokolle,
ohne gegenseitig ihre Schritte zu zhlen und ohne einander Excellenz zu
nennen, mit einander unterhandelten. Sie waren so barbarisch unerfahren
in den ersten Anfangsgrnden der edlen Wissenschaft der Diplomatie, da
sie das Werk, der Christenheit den Frieden wiederzugeben, beinahe zu
Stande gebracht hatten, whrend sie unter einigen Aepfelbumen
umhergingen. Die Englnder und Hollnder zollten Wilhelm's Klugheit und
Entschiedenheit lauten Beifall. Er hatte den Knoten zerhauen, den der
Congre nur verwirrt und zusammengezogen hatte. Er hatte in einem Monate
gethan, was die im Haag versammelten Formalisten und Pedanten nicht in
zehn Jahren zu Stande gebracht haben wrden. Auch die franzsischen
Bevollmchtigten waren nicht unzufrieden. Es ist interessant, sagt
Harlay, ein geistreicher und verstndiger Mann, da, whrend die
Gesandten sich bekriegen, die Generle Frieden schlieen.[118]

Aber Spanien behielt die nmliche Miene arroganter Sorglosigkeit
bei, und die Gesandten des Kaisers, welche offenbar vergaen, da
ihr Gebieter wenige Monate frher, ohne Wilhelm zu fragen, einen
Neutralittsvertrag fr Italien abgeschlossen hatte, schienen
es hchst auffallend zu finden, da Wilhelm sich erdreistete zu
unterhandeln, ohne ihren Gebieter zu fragen. Es zeigte sich mit jedem
Tage deutlicher, da der Wiener Hof es darauf anfing, den Krieg
in die Lnge zu ziehen. Am 10.Juli proponirten die franzsischen
Gesandten nochmals billige und ehrenvolle Friedensbedingungen, setzten
aber hinzu, da wenn diese Bedingungen bis zum 21.August nicht
angenommen wren, der Allerchristlichste Knig sich nicht an sein
Anerbieten gebunden erachten wrde.[119] Wilhelm ermahnte umsonst
seine Verbndeten vernnftig zu sein. Alle Argumente prallten an dem
unsinnigen Stolze der einen Linie des Hauses Oesterreich, und an der
selbstschtigen Politik der andren ab. Der 21.August kam und verging,
und der Tractat war nicht unterzeichnet; es stand Frankreich somit
frei, seine Forderungen zu steigern, und es that dies. Denn gerade um
diese Zeit traf die Nachricht von zwei harten Schlgen ein, welche
Spanien betroffen hatten, der eine in der alten, der andre in der neuen
Welt. Ein franzsisches Armeecorps unter Vendome's Befehlen hatte
Barcelona genommen. Ein franzsisches Geschwader war heimlich aus
Brest ausgelaufen, hatte die verbndeten Flotten umgangen, war ber
das Atlantische Meer gefahren, hatte Carthagena geplndert und war mit
Schtzen beladen nach Frankreich zurckgekehrt.[120] Die spanische
Regierung sprang mit einem Male von bermthiger Apathie zu niedriger
Angst ber und war bereit jede Bedingung anzunehmen, die der Sieger
vorschreiben wrde. Die franzsischen Bevollmchtigten kndigten dem
Congresse an, da ihr Gebieter entschlossen sei, Straburg zu behalten,
und da, wenn die von ihm angebotenen Bedingungen in so modificirter
Gestalt bis zum 10.September nicht angenommen wren, er sich fr
berechtigt halten wrde, auf weiteren Modificationen zu bestehen.
Noch nie war Wilhelm's Geduld auf eine hrtere Probe gestellt worden.
Er wurde sowohl durch den Starrsinn seiner Verbndeten, wie durch
die gebieterische Sprache des Feindes gereizt. Nicht ohne schweren
Kampf und heftige Seelenqual entschlo er sich, in das zu willigen,
was Frankreich jetzt vorschlug. Aber er fhlte, da es ganz unmglich
sein wrde, selbst wenn es wnschenswerth gewesen wre, das Haus der
Gemeinen und die Generalstaaten zu bewegen, den Krieg zu dem Zwecke
fortzusetzen, um Frankreich eine einzelne Festung zu entreien,
eine Festung, an deren Schicksal weder England noch Holland ein
unmittelbares Interesse hatten, eine Festung, die dem Reiche nur durch
die unverstndige Hartnckigkeit des kaiserlichen Hofes verloren
gegangen war. Er beschlo, die modificirten Bedingungen anzunehmen und
lie seinen Gesandten in Ryswick die Weisung zukommen, da sie an dem
festgesetzten Tage unterzeichnen sollten. Die Gesandten Spanien's und
Holland's erhielten hnliche Instructionen. Es unterlag keinem Zweifel,
da auch der Kaiser trotz seines Murrens und Protestirens dem Beispiele
seiner Bundesgenossen bald folgen wrde. Um ihm Zeit zur Ueberlegung
zu lassen wurde festgesetzt, da er in den Tractat aufgenommen werden
solle, wenn er seinen Beitritt bis zum 1.November anzeigte.


[_Versuche Jakob's, einen allgemeinen Friedensschlu zu verhindern._]
Inzwischen erregte Jakob durch seine Klagen und Drohungen die Heiterkeit
und das Mitleid von ganz Europa. Er hatte vergebens sein Recht geltend
gemacht, als der alleinige wirkliche Knig von England einen Gesandten
zu dem Congresse zu schicken.[121] Er hatte umsonst an smmtliche
rmisch-katholische Frsten der Confderation eine Denkschrift
gerichtet, in der er sie beschwor, sich mit Frankreich zu einem
Kreuzzuge gegen England zu verbinden, um ihn wieder in sein Erbe
einzusetzen und die gottlose Rechtsbill zu annulliren, welche Mitglieder
der wahren Kirche vom Throne ausschlo.[122] Als er sah, da diese
Aufforderung unbeachtet blieb, erlie er einen feierlichen Protest gegen
die Gltigkeit jedes Vertrags, an welchem die bestehende englische
Regierung sich betheiligen wrde. Er erklrte alle Verpflichtungen, die
sein Knigreich seit der Revolution eingegangen war, fr null und
nichtig und kndigte an, da, wenn er wieder zur Gewalt gelangen sollte,
er sich an keine dieser Verpflichtungen gebunden erachten wrde. Er gab
zu, da er durch die Nichtachtung dieser Verpflichtungen groe
Calamitten sowohl ber seine eigenen Lande als ber die ganze
Christenheit bringen knne; aber er erklrte, da er sich wegen dieser
Calamitten weder vor Gott noch vor den Menschen fr verantwortlich
halten werde. Es scheint fast unglaublich, da selbst ein Stuart, ja der
schlimmste und beschrnkteste aller Stuarts whnen konnte, das es die
erste Pflicht nicht nur seiner Unterthanen, sondern der ganzen
Menschheit sei, seine Rechte zu vertheidigen; das Franzosen, Deutsche,
Italiener und Spanier ein Verbrechen begingen, wenn sie nicht Jahr auf
Jahr fr ihn ihr Blut vergssen und ihr Geld opferten; da die
Interessen der sechzig Millionen Menschen, fr welche der Friede ein
Segen gewesen wre, im Vergleich mit den Interessen eines Einzelnen von
gar keinem Gewicht seien.[123]


[_Der Tractat von Ryswick unterzeichnet._] Trotz aller seiner Proteste
rckte der Tag des Friedensschlusses heran. Am 10.September
versammelten sich die Gesandten Frankreich's, England's, Spanien's und
der Vereinigten Provinzen in Ryswick. Es waren drei Vertrge zu
unterzeichnen, und man stritt sich lange ber die wichtige Frage,
welcher zuerst unterzeichnet werden sollte. Es war ein Uhr Morgens, als
man sich endlich dahin einigte, da der Tractat zwischen Frankreich und
den Generalstaaten den Vorzug haben sollte, und erst bei Tagesanbruch
waren smmtliche Instrumente vollzogen. Dann beglckwnschten die
Bevollmchtigten einander unter vielen Verbeugungen, da sie die Ehre
gehabt hatten, zu einem so groen Werke etwas beizutragen.[124]

Eine Schaluppe erwartete Prior. Er eilte an Bord und nachdem er einen
Aequinoctialsturm berstanden, landete er am dritten Tage an der Kste
von Suffolk.[125]


[_Spannung in England._] Selten hatte in England eine grere Aufregung
geherrscht als whrend des letzten Monats vor seiner Ankunft. Wenn der
Westwind die hollndischen Packetboote zurckhielt, stieg die Spannung
des Volks aufs Hchste. Jeden Morgen standen Hunderttausende mit der
Hoffnung auf zu hren, da der Tractat unterzeichnet sei, und jede Post,
welche ankam, ohne die gute Nachricht mitzubringen, verursachte bittere
Enttuschung. Die Mivergngten versicherten sogar laut, da der Friede
gar nicht zu Stande kommen und die Unterhandlungen noch in dieser spten
Stunde abgebrochen werden wrden. Einer von ihnen hatte Jemanden
gesprochen, der eben von Saint-Germains angekommen war; ein Andrer hatte
ein eigenhndiges Schreiben Ihrer Majestt gelesen, und Alle waren
berzeugt, da Ludwig den Usurpator niemals anerkennen werde. Viele von
Denen, welche diese Sprache fhrten, waren so verblendet, da sie auf
die Richtigkeit ihrer Meinung hohe Wetten machten. Als die Nachricht von
dem Falle Barcelona's eintraf, waren alle hochverrtherischen Tavernen
mit eidverweigernden Priestern angefllt, welche lachten, laut sprachen
und einander die Hnde schttelten.[126]


[_Ankunft der Friedensnachricht in England._] Endlich, am Nachmittag
des 13.Septembers, erhielten einige Spekulanten in der City auf
Privatwegen die gewisse Nachricht, da der Tractat am Morgen des 11.
vor Tagesanbruch unterzeichnet worden sei. Sie hielten die Sache
geheim und beeilten sich, sie zu ihrem Vortheile zu benutzen; aber
ihre eifrigen Bemhungen Bankactien zu kaufen, und die hohen Preise,
die sie dafr boten, erweckten Verdacht, und man glaubte allgemein,
da am folgenden Tage etwas Wichtiges angezeigt werden wrde. Am
folgenden Tage erschien denn auch Prior mit dem Tractate vor den Lords
Justices in Whitehall. Es wurde sogleich eine Fahne auf der Abtei, eine
andre auf der Martinskirche ausgesteckt und die Kanonen des Towers
verkndeten die frohe Botschaft. Alle Kirchthrme und befestigten
Schlsser von Greenwich bis Chelsea antworteten. Es war keiner von den
Tagen, an welchen die Zeitungen gewhnlich erschienen; aber zum ersten
Male wurden Extrabltter mit grogedruckten Ueberschriften in den
Straen ausgerufen. Der Cours der Bankactien stieg rasch von 84 auf 97.
In wenigen Stunden begannen sich auf einigen Pltzen Triumphbgen zu
erheben, whrend auf anderen mchtige Freudenfeuer emporloderten. Der
hollndische Gesandte schrieb an die Generalstaaten, da er versuchen
werde, seine Freude durch ein der Republik, die er vertrete, wrdiges
Feuer an den Tag zu legen, und er hielt Wort, denn eine solche Flamme
hatte London noch nie gesehen. Hundertvierzig Fsser Pech prasselten
und leuchteten vor seinem Hause am St. James Square und bildeten ein
Feuer, das Pall Mall und Piccadilly so hell machte wie am Tage.[127]


[_Schrecken der Jakobiten._] Der Schrecken unter den Jakobiten war gro.
Einige von Denen, welche auf Ludwig's Festigkeit hoch gewettet hatten,
ergriffen die Flucht. Ein unglcklicher Zelot des gttlichen Rechts
ertrnkte sich. Doch bald fate die Partei wieder Muth. Der Tractat war
zwar unterzeichnet, aber ratificirt wurde er gewi nie. In Kurzem kam
die Ratification, der Friede wurde feierlich durch die Herolde
proklamirt und auch die hartnckigsten Eidverweigerer begannen zu
verzweifeln. Einige Geistliche, welche Jakob acht Jahre lang treu
geblieben waren, leisteten jetzt Wilhelm den Huldigungseid.
Wahrscheinlich waren es Mnner, welche, wie Sherlock, der Ansicht waren,
da eine feststehende, wenn auch in ihrem Ursprunge illegitime Regierung
Anspruch auf den Gehorsam von Christen habe, die aber geglaubt hatten,
da die Regierung Wilhelm's nicht wirklich feststehend genannt werden
knne, so lange die grte europische Macht sich nicht nur weigerte,
sie anzuerkennen, sondern sogar ihren Rivalen krftig untersttzte.[128]
Die heftigeren und entschlosseneren Anhnger des verbannten Knigshauses
waren wthend auf Ludwig. Er habe Die, welche ihn um Hlfe angefleht,
hintergangen und verrathen. Man solle nicht von dem Elende seines Volks
sprechen. Man solle nicht sagen, da er jede Einnahmequelle erschpft
habe und da in allen Provinzen seines Reichs das Landvolk in Lumpen
gehllt einhergehe und sich nicht einmal mehr mit dem grbsten und
schwrzesten Brode sttigen knne. Seine erste Pflicht sei die, welche
er gegen die knigliche Familie von England habe. Die Jakobiten sprachen
und schrieben gegen ihn eben so absurd und fast eben so gemein, als sie
lange gegen Wilhelm gesprochen und geschrieben hatten. Eines ihrer
Libelle war so unanstndig, da die Lords Justices die Verhaftung des
Verfassers anordneten.[129]


[_Allgemeine Freude._] Aber die Wuth und der Aerger beschrnkten sich
auf eine sehr kleine Anzahl. Seit dem Restaurationsjahre hatte man nie
hnliche Kundgebungen der allgemeinen Freude gesehen. In allen Gegenden
des Reichs, wo der Friede proklamirt wurde, uerte sich die
Volksstimmung durch Bankets, feierliche Aufzge, loyale Toaste, Salven,
Trommelwirbel, Trompetenschall und Aufschlagen von Biertonnen. An
einigen Orten begab sich die ganze Bevlkerung unaufgefordert in die
Kirchen, um dem Himmel zu danken. An anderen fanden Aufzge von
weigekleideten und mit Lorbeer bekrnzten Mdchen statt, welche Fahnen
mit der Inschrift: +God bless King William+ trugen. In jeder
Grafschaftshauptstadt begleitete eine lange Cavalcade der angesehensten
Gentlemen aus einem Umkreise von vielen Meilen den Mayor zum
Marktkreuze. Ein Festtag gengte noch nicht zur Aeuerung so vieler
Freude. Am 4.November, dem Geburtstage des Knigs, und am 5., dem
Jahrestage seiner Landung in Torbay, erneuerten sich das Glockengelute,
der Jubel und die Illuminationen in London wie im ganzen Lande.[130] An
dem Tage, an welchem er in seine Hauptstadt zurckkehrte, wurde in den
zweitausend Straen dieses ungeheuren Marktes keine Arbeit gethan und
kein Laden geffnet. Die Hauptstraen waren fr diesen Tag mit Sand
bestreut worden; alle Innungen hatten sich neue Fahnen, alle
Magistratspersonen neue Amtskleider angeschafft. Zwlftausend Pfund
Sterling waren auf Veranstaltung von Feuerwerken verwendet worden. Groe
Massen Volks aus allen benachbarten Grafschaften waren herbeigestrmt,
um das Schauspiel mit anzusehen. Die City war nie in einer loyaleren
oder heiterern Stimmung gewesen. Die schlimmen Tage waren vorber. Die
Guinee war auf einundzwanzig Schilling sechs Pence gefallen, die
Banknote war auf Pari gestiegen. Die groen, schweren und scharf
geprgten neuen Kronen und halben Kronen klangen auf allen Ladentischen.


[_Einzug des Knigs in London._] Nach einigen Tagen ungeduldiger
Erwartung erfuhr man am 14.Nov., da Se. Majestt in Margate gelandet
sei. Am 15. spt Abends erreichte er Greenwich und stieg in dem
prchtigen Gebude ab, das unter seinen Auspicien aus einem Palast in
ein Hospital verwandelt wurde. Am nchsten Morgen, einem heiteren und
warmen Morgen, schlossen sich achtzig sechsspnnige Equipagen mit
Edelleuten, Prlaten, Geheimrthen und Richtern seinem Zuge an. In
Southwark wurde er von dem Lordmayor und den Aldermen mit allem Pomp
empfangen. Der Weg durch diesen Stadttheil bis zur Brcke war von der
Surreymiliz, der Weg von der Brcke bis Walbrook von drei Regimentern
der Citymiliz besetzt. Durch ganz Cheapside hatten sich die Wahlbrger
zu beiden Seiten mit ihren Innungsfahnen aufgestellt. Am stlichen Ende
des St. Pauls-Kirchhofes standen die Knaben der Schule Eduard'sVI. in
der Tracht des 16.Jahrhunderts, die sie noch jetzt tragen. Um die
Kathedrale herum, Ludgate Hill und Fleet Street entlang waren drei
weitere Regimenter Londoner aufgestellt. Von Temple Bar bis zum
Eingangsthore von Whitehall standen die Milizen von Middlesex und die
Fugarden unter Waffen. Auf der ganzen Strecke waren alle Fenster mit
Teppichen, Bndern und Fahnen geschmckt. Den schnsten Anblick aber
gewhrte die unzhlige Masse der Zuschauer, alle in ihren
Sonntagskleidern, und in solchen Kleidern, wie sie in anderen Lndern
nur die hheren Klassen tragen konnten. Nie, schrieb Wilhelm diesen
Abend an Heinsius, habe ich eine solche Menge wohlgekleideter Leute
gesehen. Nicht minder angenehm berhrten den Knig die Aeuerungen von
Freude und Zuneigung, mit denen er vom Anfang bis zum Ende seines
Triumphzuges begrt wurde. Von dem Augenblicke an, wo er in Greenwich
in seinen Wagen stieg, bis zu dem Augenblicke, wo er im Hofe von
Whitehall wieder ausstieg, war er von endlosen Lebehochrufen begleitet.
Kaum war er in seinem Palaste angekommen, so wurden ihm
Beglckwnschungsadressen von allen groen Corporationen des Landes
berreicht. Man bemerkte, da unter diesen Corporationen die Universitt
Oxford die erste war. Die beredte Ansprache, in welcher diese gelehrte
Krperschaft die Weisheit, den Muth und die Energie Sr. Majestt pries,
wurde von den Eidverweigerern mit heftigem Verdrusse, von den Whigs mit
Entzcken gelesen.[131]


[_Der Tag des Dankgottesdienstes._] Die Freudenbezeigungen waren noch
nicht zu Ende. In einer Staatsrathssitzung, welche einige Stunden nach
dem ffentlichen Einzuge des Knigs gehalten wurde, ward der 2.December
zur Abhaltung eines Dankgottesdienstes wegen des zu Stande gekommenen
Friedensschlusses bestimmt. Das Kapitel von St. Paul beschlo, da an
diesem Tage seine stolze Kathedrale, die sich langsam auf den Trmmern
einer Reihenfolge von heidnischen und christlichen Tempeln erhoben
hatte, dem ffentlichen Gottesdienste bergeben werden sollte. Wilhelm
that seine Absicht kund, an der Erffnungsfeier theilzunehmen. Man
stellte ihm jedoch vor, da, wenn er in diesem Vorhaben beharrte,
dreihunderttausend Menschen herbeistrmen wrden, um ihn zu sehen, und
da dann alle Pfarrkirchen London's leer bleiben wrden. Er wohnte daher
dem Gottesdienste in seiner Kapelle zu Whitehall bei und hrte Burnet
eine Predigt halten, die fr den Ort etwas zu lobhudelnd war.[132] In
der St. Paulskirche erschien die Magistratur der City in all' ihrem
Pompe. Campton bestieg zum ersten Male einen mit Schnitzwerk von Gibbons
reich verzierten Thron und sprach auf demselben zu der zahlreichen und
glnzenden Versammlung. Seine Rede ist uns nicht erhalten worden, aber
man kann den Inhalt derselben leicht errathen, denn er predigte ber den
herrlichen Psalm: Ich freue mich de, das mir geredet ist, da wir
werden ins Haus des Herrn gehen. Er erinnerte ohne Zweifel seine
Zuhrer, da sie als Londoner, auer der Dankbarkeitsschuld, die sie mit
allen Englndern theilten, noch besondere Ursache htten, fr die
gttliche Gte dankbar zu sein, die ihnen gestattet habe, die letzte
Spur der Verheerungen des groen Feuers zu verwischen und sich nach so
langen Jahren endlich wieder an dieser durch die Andacht von dreiig
Generationen geweihten Sttte zu Gebet und Lobpreisung zu versammeln. In
ganz London und in allen Theilen des Landes, bis in die entferntesten
Kirchspiele von Cumberland und Cornwallis, waren die Kirchen am Morgen
des Tages gefllt und der Abend war ein Abend festlicher
Vergngungen.[133]

Man hatte aber auch Ursache, sich zu freuen und dem Himmel zu danken.
England hatte schwere Prfungen berstanden und war mit verjngter Kraft
und Gesundheit aus denselben hervorgegangen. Zehn Jahre frher hatte es
den Anschein gehabt, als ob jene Freiheit und Unabhngigkeit vernichtet
seien. Seine Freiheit hatte es durch eine gerechte und nothwendige
Revolution behauptet. Es hatte die durch die Rechtsbill festgestellte
Ordnung der Dinge siegreich gegen die mchtige franzsische Monarchie,
gegen die eingeborne Bevlkerung Irland's, gegen die erklrte
Feindschaft der Eidverweigerer und gegen die noch gefhrlichere
Feindschaft von Verrthern vertheidigt, welche bereit waren, jeden Eid
zu leisten und die kein Eid binden konnte. Seine offenen Feinde hatten
auf vielen Schlachtfeldern gesiegt. Seine versteckten Feinde hatten
seine Flotten und Heere befehligt, seine Arsenale verwaltet, an seinen
Altren fungirt, auf seinen Universitten gelehrt, seine Amtsbureaux
gefllt, in seinem Parlamente gesessen und im Schlafzimmer seines Knigs
geheuchelt und geschmeichelt. Mehr als einmal hatte es unmglich
geschienen, da etwas eine Restauration abwenden knnte, welche
unvermeidlich zuerst Proscriptionen und Confiscationen, die Verletzung
der Grundgesetze und die Verfolgung der Landeskirche, und dann eine
dritte Erhebung der Nation gegen das Frstenhaus, das eine zweimalige
Entthronung und eine zweimalige Verbannung nur hartnckiger im Bsen
gemacht hatte, in ihrem Gefolge gehabt haben wrde. Zu den Gefahren des
Kriegs und den Gefahren des Verraths hatten sich neuerdings die Gefahren
einer schweren Finanz- und Handelskrisis gesellt. Aber alle diese
Gefahren waren vorbei. Auen und innen war Friede. Das Knigreich hatte
nach vielen Jahren einer schmachvollen Vasallenschaft seinen frheren
Platz in der vordersten Reihe der europischen Mchte wieder
eingenommen. Viele Anzeichen berechtigten zu der Hoffnung, da die
Revolution von 1688 unsre letzte Revolution gewesen sein wrde. Die alte
Verfassung schmiegte sich durch eine natrliche, eine allmlige, eine
friedliche Entwickelung den Bedrfnissen einer neueren Gesellschaft an.
Die Freiheit des Gedankens und die Freiheit der Rede bestanden schon in
einem Umfange, wie ihn kein frheres Zeitalter gekannt hatte. Die Valuta
war wieder hergestellt. Der ffentliche Credit war wieder befestigt. Der
Handel lebte wieder auf. Die Schatzkammer war zum Ueberstrmen voll.
Allenthalben, von der Brse bis zum entlegensten Dorfe in den Gebirgen
von Wales und den Smpfen von Lincolnshire uerte sich ein Gefhl der
Erleichterung. Die Landbauer, die Hirten, die Bergleute der Kohlengruben
von Northumberland, die Arbeiter, die sich an den Websthlen von Norwich
und an den Amboen von Birmingham abmhten, empfanden die Vernderung,
ohne sie zu verstehen, und das heitere Gewhl in jedem Seehafen und in
jeder Marktstadt verrieth nicht undeutlich den Anfang einer
glcklicheren Zeit.


Funoten

[1] London Gazette vom 4.Mai 1696.

[2] London Gazette vom 12. und 16.Mrz 1696 und Monthly Mercury, Mrz
1696.

[3] Die Acte bestimmte, da das beschnittene Geld vor dem 4.Mai
eingezahlt werden msse. Da der 3. ein Sonntag war, so war thatschlich
der 2. der letzte Tag.

[4] L'Hermitage, 5.(15.) Mai 1696; Londoner Neuigkeitsbrief vom 4.
und 6.Mai. In dem Neuigkeitsbriefe wird der 4.Mai als der Tag
bezeichnet, der wegen des allgemeinen Interesses, das die Leute daran
hatten, so oft genannt wurde.

[5] Londoner Neuigkeitsbrief vom 21.Mai 1696; Old Postmaster vom
25.Juni. L'Hermitage, 19.(29.) Mai.

[6] +Haynes's Brief Memoirs, Lansdowne Mss. 801.+

[7] Siehe die Petition von Birmingham in den Protokollen der Gemeinen
vom 12.Nov. 1696, und die Petition von Leicester vom 21.Nov.

[8] Geld ungemein rar, so da weder welches bezahlt noch eingenommen
wurde; aber Alles ging auf Credit. Evelyn, 13.Mai. Dann wieder unterm
11.Juni: Mangel an Courantgeld, um auch nur die kleinsten Bedrfnisse
zu bezahlen, selbst fr die tglichen Markteinkufe nicht ausreichend.

[9] L'Hermitage, 22.Mai (1.Juni). Siehe auch einen Brief von Dryden
an Tonson, den Malone mit groer Wahrscheinlichkeit fr damals
geschrieben hlt.

[10] L'Hermitage an die Generalstaaten, 8.(18.) Mai; Gazette de Paris
vom 2.(12.) Juni; +Trial and Condemnation of the Land Bank at Exeter
Change for murdering the Bank of England at Grocers' Hall, 1696.+ Den
Letzten Willen und die Grabschrift findet man in vorstehendem
Pamphlet.

[11] L'Hermitage, 12.(22.) Juni 1696.

[12] Ueber diesen Gegenstand sehe man die +Short History of the Last
Parliament, 1699; Narcissus Luttrell's Diary;+ die Zeitungen von 1696
und die Briefe L'Hermitage's an verschiedenen Stellen. Ferner auch die
Petition der Buchhndler von Gloucester in dem Protokolle der Gemeinen
vom 27.Nov. 1696. Oldmixon, der selbst Verluste hatte, schreibt
darber mit noch mehr als gewhnlicher Bitterkeit.

[13] Siehe L'Hermitage, 12.(22.) Juni, 23.Juni (3.Juli), 30.Juni
(10.Juli), 1.(11.) Aug., 28.Aug. (7.Sept.) 1696. Der Postman vom
15.August erwhnt den groen Nutzen der Schatzkammerscheine. Der
Pegasus vom 24.August sagt: Die Schatzkammerscheine erwerben sich die
Gunst des Publikums immer mehr, und das ist kein Wunder. Der Pegasus
vom 28.August sagt: Sie gehen als Geld von Hand zu Hand, und man
bemerkt, da Diejenigen, welche dagegen eifern, der Regierung nicht
hold sind. -- Die Erfahrung, sagt der Postman vom nchstfolgenden
7.Mai, hat sie als hchst ntzlich fr die Kaufleute und Krmer der
City von London wie aller Gegenden des Landes erwiesen. Ich will eine
Probe von den unmetrischen und fast unverstndlichen Knittelversen
anfhren, welche die jakobitischen Dichter ber diesen Gegenstand
verffentlichten:

  Ich bitte, Sir, hrten Sie schon von den neuen Patenten,
  Papiergeld als Zahlmittel unter die Nation zu senden?
  Ja, Sir, ich hrte davon, es sind Montague's Noten,
  Gefrbt und bemalt mit den Parlamentsvoten.
  Doch 's ist klar, fr das Volk sind sie nur ein Toast,
  Sie kommen mit dem Fuhrmann und gehen mit der Post.


[14] +Commons' Journals, Nov. 25. 1696.+

[15] L'Hermitage, 2.(12.) Juni 1696; +Commons' Journals,+ Nov. 25.;
Postman vom 5.Mai, 4.Juni und 2.Juli.

[16] L'Hermitage, 3.(13.), 10.(20.) Juli 1696; +Commons' Journals,+
Nov. 25; Pariser Gazette vom 30.Juni und 25.August; Old Postmaster
vom 9.Juli.

[17] Wilhelm an Heinsius, 30.Juli 1696; Wilhelm an Shrewsbury, 23.,
30., 31.Juli.

[18] Shrewsbury an Wilhelm, 28., 31.Juli und 4.Aug. 1696;
L'Hermitage, 1.(11.) August.

[19] Shrewsbury an Wilhelm, 7.Aug. 1696: L'Hermitage 14.(24.) Aug.;
London Gazette vom 13.August.

[20] L'Hermitage, 18.(28.) Aug. 1696. Unter den Acten der Bank
befindet sich ein Beschlu der Directoren, welcher die Worte
vorschreibt, deren sich Sir Sohn Houblon bedienen sollte. Wilhelm's
Ansicht ber den Dienst, den die Bank bei dieser Gelegenheit leistete,
ist in seinem Briefe an Shrewsbury vom 24.August (3.Sept.)
ausgesprochen. Einer der Directoren sagt in einem 1697 gedruckten
Briefe bezglich der Bank: Die Directoren wrden es vor den Actionren
nicht haben verantworten knnen, htte es sich um etwas Geringeres als
um die Erhaltung des Knigreichs gehandelt.

[21] +Haynes's Brief Memoires; Lansdowne Mss. 801.+ Montague's
freundschaftlicher Brief an Newton, worin er diesem seine Ernennung
anzeigt, ist mehrmals gedruckt worden. Er trgt das Datum 19.Mrz
1695/96.

[22] Ich fhre mit groem Vergngen die Worte Haynes' an, eines
geschickten, erfahrenen und praktischen Mannes, der mit Newton vielfach
zu thun hatte. Sie sind meines Wissens nie gedruckt worden. Mr.
Isaak Newton, ffentlicher Professor der Mathematik in Cambridge, der
grte Philosoph und einer der besten Menschen dieses Jahrhunderts,
war durch einen groen und weisen Staatsmann der Bercksichtigung des
vorigen Knigs fr den Posten eines Oberaufsehers der kniglichen
Mnze und Auswechslungskasse empfohlen worden, wozu er sich wegen
seiner auerordentlichen Fertigkeit im Rechnen und wegen seiner groen
Rechtschaffenheit ganz vorzglich eignete, denn mit Hlfe der ersteren
bersah er sogleich beim Antritt seines Amts die Rechnungen und den
Geschftsgang der Mnze vollstndig und die letztere -- ich meine
seine Rechtschaffenheit -- wurde alsbald ein Vorbild zur Nachahmung
fr alle bei der Mnze angestellten Beamten. Gut wre es fr den Staat
gewesen, wenn er schon vor einigen Jahren dieses Amt bernommen htte.
Es ist interessant, dieses Zeugni eines Mannes, der das Mnzwesen
grndlich verstand, mit dem kindischen Geschwtz Pope's zu vergleichen.
Sir Isaak Newton, sagt Pope, war zwar ein ausgezeichneter Kenner
der Algebra und Differentialrechnung, konnte aber bei alledem keinen
gewhnlichen Rechnungsabschlu machen und pflegte daher, whrend
er Mnzmeister war, Jemanden anzunehmen, der ihm die Rechnungen
anfertigte. Einige von den Staatsmnnern, mit denen Pope verkehrte,
htten ihm sagen knnen, da Leute, die an der Spitze wichtiger
Verwaltungszweige stehen, nicht immer aus Unkenntni der Arithmetik
untergeordneten Beamten das Zusammenrechnen von Pfunden, Schillingen
und Pence berlassen.

[23] Ich liebe es nicht, schrieb er an Flamsteed, bei jeder
Gelegenheit meinen Namen gedruckt zu sehen und noch weniger, von
Fremden mit mathematischen Gegenstnden behelligt und geqult zu
werden, und bei unseren Landsleuten in den Verdacht zu kommen, als
vertndelte ich meine Zeit mit Jenen, whrend ich fr den Knig zu thun
habe.

[24] +Hopton Haynes's Brief Memoires; Lansdowne Mss. 801.;+ Old
Postmaster vom 4.Juli 1696; Postman vom 30.Mai, 4.Juli, 12.,
19.Sept. und 8.Oct.; L'Hermitage's Depeschen von diesem Sommer und
Herbst an verschiedenen Stellen.

[25] Gazette de Paris vom 11.August 1696.

[26] Am 7.August bemerkte L'Hermitage zum ersten Male, da das baare
Geld reichlicher vorhanden zu sein schien.

[27] Vergleiche Edmund Bohun's Brief an Carey vom 31.Juli 1696 mit
der Pariser Gazette von dem nmlichen Tage. Bohun's Schilderung des
Zustandes von Norfolk ist allerdings durch sein von Haus aus mrrisches
Temperament und durch das Gefhl mit dem er begreiflicherweise das Haus
der Gemeinen betrachtete, verdstert. Seinen statistischen Angaben ist
nicht zu trauen und seine Prophezeiungen erweisen sich als auffallend
unrichtig. Seinen Erzhlungen einfacher Thatsachen, die in seiner
unmittelbaren Nhe vorgingen, kann man Glauben schenken.

[28] Ueber Grascombe's Character und ber die Meinung, welche die
ehrenwertheren Jakobiten von ihm hatten, sehe man die Lebensgeschichte
Kettlewell's, Bd. +III+. Section 55. Lee, der Compilator dieses Werks,
erwhnt mit wohlverdientem Tadel einige von Grascombe's Schriften,
bergeht aber die schlimmste von allen, den +Account of the Proceedings
in the House of Commons in Relation to the Recoining of the Clipped
Money, and Falling the price of Guineas,+ mit Stillschweigen. Da
Grascombe der Verfasser war, wurde vor einem Ausschusse der Gemeinen
bewiesen. Siehe die Protokolle vom 30.Nov. 1696.

[29] L'Hermitage, 12.(22.) Juni, 7.(17.) Juli 1696.

[30] Siehe die Antwort gegen Grascombe, betitelt: +Reflections on a
Scandalous Libel+.

[31] Gazette de Paris vom 15.Sept. 1696.

[32] L'Hermitage, 2.(12.) Oct. 1696.

[33] Die Monthly Mercuries; Correspondenz zwischen Shrewsbury und
Galway; Wilhelm an Heinsius, 23., 30.Juli 1696; Denkschrift des
Marquis von Leganes.

[34] Wilhelm an Heinsius, 27.Aug. (6.Sept.), 15. (25.) und 17.(27.)
Nov. 1696; Prior an Lexington, 17.(27.) Nov.; Villiers an Shrewsbury,
13.(23.) Nov.

[35] Meine Darstellung des Versuchs, Porter zu bestechen, ist seinem
Verhr im Hause der Gemeinen am 16.Nov. 1696 und folgenden Quellen
entnommen: Burnet +II+. 183; L'Hermitage an die Generalstaaten, 8.
(18.), 12.(22.) Mai 1696; Postboy vom 9.Mai; Postman vom 9.Mai; N.
Luttrell; London Gazette vom 19.Oct. 1696.

[36] London Gazette; N. Luttrell; L'Hermitage, 12.(22.) Juni; Postman,
11.Juni.

[37] +Life of WilliamIII. 1703;+ Vernon's Zeugenaussage im Hause der
Gemeinen, 16.Nov. 1696.

[38] Wilhelm an Shrewsbury, von Loo den 10.September 1696.

[39] Shrewsbury an Wilhelm, 18.Sept. 1696.

[40] Wilhelm an Shrewsbury, 25.Sept. 1696.

[41] London Gazette vom 8.Oct. 1696; Vernon an Shrewsbury, 8.Oct.;
Shrewsbury an Portland, 11.Oct.

[42] Vernon an Shrewsbury, 13.Oct. 1996; Somers an Shrewsbury, 15.Oct.

[43] Wilhelm an Shrewsbury, 9.Oct. 1696.

[44] Shrewsbury an Wilhelm, 11.Oct. 1696.

[45] Somers an Shrewsbury, 19.Oct. 1696.

[46] Wilhelm an Shrewsbury, 20.Oct. 1696.

[47] Vernon an Shrewsbury, 13. und 15.Oct.; Portland an Shrewsbury
20.Oct.

[48] L'Hermitage, 10.(20.) Juli 1696.

[49] +Lansdowne MS. 801.+

[50] Ich entnehme meine Darstellung dieser Vorgnge aus den Protokollen
der Gemeinen, aus den Depeschen Van Cleverskirke's und L'Hermitage's,
an die Generalstaaten und aus Vernon's Brief an Shrewsbury vom
27.October 1696. Ich wte nicht, sagt Vernon, da das Haus der
Gemeinen je mit grerer Einmthigkeit gehandelt htte als dies
gegenwrtig der Fall ist.

[51] Vernon an Shrewsbury, 29.Oct, 1696; L'Hermitage, 30.Oct.
(9.Nov.). L'Hermitage nennt Howe Jacques Haut. Ohne Zweifel hatte er
ihn immer Jack nennen hren.

[52] Postman vom 24.Oct. 1696; L'Hermitage, 23.Oct. (2.Nov.).
L'Hermitage sagt: +On commence dj a ressentir des effets avantageux
des promptes et favorables rsolutions que la Chambre des Communes
prit Mardy. Le discompte des billets de banque, qui estoit le jour
auparavant  18, est revenu  douze, et les actions ont aussy augment,
aussy bien que les taillis.+

[53] Wilhelm an Heinsius, 13.(23.) Nov. 1696.

[54] +Actes et Mmoires des Ngociations de la Paix de Ryswick, 1707;+
Villiers an Shrewsbury, 1.(11.) 4.(14.) Dec. 1696; Brief an Heinsius,
angefhrt von Sirtema de Grovestins. Von diesem Briefe besitze ich
keine Abschrift.

[55] Vernon an Shrewsbury, 8.Dec. 1696.

[56] Wharton an Shrewsbury vom 27.Oct. 1696.

[57] Somers an Shrewsbury, 21.(31.) Oct. 1696; Vernon an Shrewsbury;
31 Oct.; Wharton an Shrewsbury, 10.Nov. Ich mchte glauben, sagt
Wharton, da nichts eine grere Geschicklichkeit erforderte, als die
Erreichung dieses Zweckes.

[58] Siehe zum Beispiel ein Gedicht auf den letzten Schatzamts-Tag zu
Kensington, Mrz 1696/97.

[59] Somers an Shrewsbury, 31.Oct. 1696; Wharton an Shrewsbury von dem
nmlichen Datum.

[60] Somers an Shrewsbury, 3.Nov. 1696. Die Unlust des Knigs, Fenwick
zu sehen, ist in Somers Brief erwhnt.

[61] Vernon an Shrewsbury, 3.Nov. 1696.

[62] Die Umstnde von Goodman's Flucht wurden drei Jahre spter von dem
Earl von Manchester ermittelt, als er Gesandter in Paris war, und von
ihm in einem vom 25.Sept. (5.Oct.) datirten Briefe Jersey mitgetheilt.

[63] London Gazette vom 9.Oct. 1696; Vernon an Shrewsbury vom 3.Nov.;
Van Cleverskirke und L'Hermitage von dem nmlichen Datum.

[64] Die Darstellung der Vorgnge dieses Tages habe ich den Protokollen
der Gemeinen, dem werthvollen Werke: +Proceedings in Parliament against
Sir John Fenwick, Bart. upon a Bill of Attainder for High Treason,
1696,+ Vernon's Brief an Shrewsbury vom 6.Nov. 1696 und Somers' Brief
an Shrewsbury vom 7.Nov. entnommen. Aus diesen beiden Briefen geht
klar hervor, da es den Whigfhrern sehr schwer wurde, Godolphin's
Freisprechung zu erlangen.

[65] +Commons' Journals, Nov. 9.1696;+ Vernon an Shrewsbury, Nov. 10.
Der Herausgeber der +State Trials+ ist der irrigen Meinung, da das
Citat aus Csar's Rede in der Debatte vom 13. vorkam.

[66] +Commons' Journals, Nov. 13, 16. 17.;+ Proze gegen Sir John
Fenwick.

[67] +A Letter to a Friend in Vindication of the Proceedings against
Sir John Fenwick, 1697.+

[68] Diesen Vorfall erwhnt L'Hermitage.

[69] L'Hermitage sagt uns, da solche Dinge in diesen Debatten wirklich
vorkamen.

[70] +Lords' Journals, Nov. 14. 30. Dec. 1. 1696.+

[71] Wharton an Shrewsbury, 1.Dec. 1696; L'Hermitage von dem nmlichen
Datum.

[72] L'Hermitage, 4.(14.) Dec. 1696; Wharton an Shrewsbury, 1.Dec.

[73] +Lords' Journals, Dec. 8. 1696;+ L'Hermitage von dem nmlichen
Datum.

[74] L'Hermitage, 15. (25), 18.(28.) Dec. 1696.

[75] L'Hermitage, 18.(28.) Dec. 1696.

[76] +Lord's Journals, Dec. 15. 1696;+ L'Hermitage, 18.(28.) Dec.;
Vernon an Shrewsbury, 15.Dec. Hinsichtlich der Zahlen weichen Vernon
und L'Hermitage unbedeutend von einander ab. Ich habe mich an Vernon
gehalten.

[77] +Lord's Journals, Dec. 18. 1696;+ Vernon an Shrewsbury, 19.Dec.;
L'Hermitage, 22.Dec. (1.Jan.). Die Zahlen entnehme ich Vernon.

[78] +Lord's Journals, Dec. 25. 1696;+ L'Hermitage, 26.Dec. (4.Jan.).
In der +Vernon Correspondence+ befindet sich ein Brief von Vernon an
Shrewsbury, der einen Bericht ber die Vorgnge dieses Tages giebt;
aber er ist irrig vom 2.December datirt und diesem Datum gem
eingereiht. Dies ist nicht der einzige derartige Fehler. Ein offenbar
am 7.November 1696 geschriebener Brief von Vernon an Shrewsbury ist
vom 7.Januar 1697 datirt und auch demgem eingereiht. Die +Vernon
Correspondence+ ist von groem Werthe, aber ihre Herausgabe ist so
schlecht besorgt, da man sie nur mit groer Vorsicht und unter
bestndiger Vergleichung mit anderen Quellen benutzen kann.

[79] Vernon an Shrewsbury, 24.Dec. 1696.

[80] Dohna, der Monmouth genau kannte, schildert ihn folgendermaen:
+Il avoit de l'esprit infiniment, et mme du plus agrable; mais il y
avoit un peu trop de haut et de bas dans son fait. Il ne savoit ce que
c'toit que de mnager les gens; et il turlupinoit  l'outrance ceux
qui ne lui plaisoient pas.+

[81] L'Hermitage, 12.(22.) Jan. 1697.

[82] +Lords' Journals, Jan. 9. 1696/97;+ Vernon an Shrewsbury von dem
nmlichen Datum; L'Hermitage, 12.(22.) Jan.

[83] +Lords' Journals, Jan. 15. 1696/97;+ Vernon an Shrewsbury von dem
nmlichen Datum; L'Hermitage desgleichen.

[84] Postman vom 29. und 31.Dec. 1696.

[85] L'Hermitage, 12.(22.) Jan. 1697.

[86] Van Cleverskirke, 12.(22.) Jan. 1697; L'Hermitage, 15.(25.) Jan.

[87] L'Hermitage, 15.(25.) Jan. 1697.

[88] +Lords' Journals, Jan. 22, 26. 1696/97;+ Vernon an Shrewsbury,
26.Jan.

[89] +Commons' Journals, Jan. 27. 1696/97.+ Die Eintragung in die
Protokolle, welche leicht der Beachtung entgehen knnte, wird durch
einen Brief L'Hermitage's vom 29.Jan. (8.Febr.) erlutert.

[90] L'Hermitage, 29.Jan. (8.Febr.) 1697; London Gazette vom
1.Febr.; Gazette de Paris; Vernon an Shrewsbury, 28.Jan.; Burnet II.
193.

[91] +Commons' Journals, Dec. 19;+ Vernon an Shrewsbury; 28.Nov. 1696.

[92] +Lords' Journals, Jan. 23. 1696/97;+ Vernon an Shrewsbury,
23.Jan.; L'Hermitage, 26.Jan. (5.Febr.).

[93] +Commons' Journals, Jan. 26, 1696, 97.+ Vernon an Shrewsbury und
Van Cleverskirke an die Generalstaaten von dem nmlichen Datum. Es
ist merkwrdig, da der Knig und die Lords einen der fnf Punkte der
Volkscharte so nachdrcklich gegen die Gemeinen vertheidigten.

[94] +Commons' Journals, April 1. 3. 1697; Narcissus Luttrell's Diary;+
L'Hermitage, 2. (12.), 6.(16.) April. L'Hermitage sagt: +La plupart
des membres, lorsqu'ils sont  la campagne, estant bien aises d'estre
informez par plus d'un endroit de ce qui se passe, et s'imaginant que
la Gazette qui se fait sous la direction d'un des Scrtaires d'Etat,
ne contiendroit pas autant de choses que fait celle-cy, ne sont par
fchez que d'autres les instruisent.+ Die Zahlen bei der Abstimmung
entnehme ich L'Hermitage. Sie finden sich nicht in den Protokollen.
Diese wurden allerdings damals nicht so sorgfltig gefhrt als jetzt.

[95] +Narcissus Luttrell's Diary, June 1691, May 1693.+

[96] +Commons' Journals, Dec. 30. 1696;+ Postman vom 4.Juli 1696.

[97] Postman vom 22.April 1697; +Narcissus Luttrell's Diary+.

[98] London Gazette vom 26. und 29.April 1697.

[99] London Gazette vom 29.April 1697; L'Hermitage, 23.April (3.Mai).

[100] London Gazette, vom 26. und 29.April 1697; L'Hermitage,
23.April (3.Mai).

[101] Die Ansicht des Publikums erfahren wir aus einem unmittelbar nach
Godolphin's Rcktritt geschriebenen Briefe L'Hermitage's vom 3.(13.)
Nov. 1696. +Le public tourne plus la veue sur le Sieur Montagu,
qui a la seconde charge de la Trsorerie que sur aucun autre.+ Das
sonderbare Schweigen der London Gazette wird durch ein Schreiben
Vernon's an Shrewsbury vom 1.Mai 1697 erklrt.

[102] London Gazette vom 22. und 26.April 1697.

[103] Postman vom 26.Jan., 7. und 11.Mrz 1696/97, und 8.April 1697.

[104] Postman vom 29.Oct. 1696.

[105] +Howell's State Trials;+ Postman vom 9.(19.) Jan. 1696/97.

[106] Siehe das Protokoll vom 10.Febr. 1697 in den +Actes et Mmoires
des Ngociations de la Paix de Ryswick, 1707+.

[107] Wilhelm an Heinsius, 11.(21.) Dec. 1696. Aehnliche Aeuerungen
finden sich auch in anderen Briefen, welche der Knig um diese Zeit
schrieb.

[108] Siehe die in Wien aufgesetzten, vom 16.Sept. 1696 und 14.Mrz
1697 datirten Schriftstcke. Ferner auch das am 18.(28.) Mrz 1697 im
Haag aufgenommene Protokoll. Man findet diese Dokumente in den +Actes
et Mmoires des Ngociations de la Paix de Ryswick, 1707+.

[109] Characteristiken aller drei franzsischen Bevollmchtigten giebt
Saint-Simon.

[110] +Actes et Mmoires des Ngociations de la Paix de Ryswick.+

[111] Eine Abbildung und ein Grundri des Schlosses befinden sich in
den +Actes et Mmoires+.

[112] Wer sich genauer ber die migen Streitereien und Possen
unterrichten will, mit denen der Congre die Zeit vergeudete, lese die
+Actes et Mmoires+ nach.

[113] Von Hochmgend, dem Titel der hollndischen Generalstaaten. --
D. Uebers.

[114] Saint-Simon war gewi ein eben so guter Beurtheiler der Menschen
als irgend einer der tadelschtigen Englnder, welche Portland
einen Dummkopf und Bauer nannten. Auch hatte Saint-Simon die beste
Gelegenheit, sich ein richtiges Urtheil ber ihn zu bilden, denn er
sah Portland in einer hchst schwierigen Situation, und er sagt an
einer Stelle: +Benting, discret, secret, poli aux autres, fidle 
son matre, adroit en affaires le servit trs utilement;+ an einer
andren: +Portland parut avec un clat personnel, une politesse, un
air de monde et de cour, une galanterie et des grces qui surprirent:
avec cela beaucoup de dignit, mme de hauteur mais avec discernement
et un jugement prompt sans rien de hasarde.+ Auch Boufflers rhmt
Portland's Bildung und Takt. Boufflers an Ludwig, 9.Juli 1697. Dieser
Brief befindet sich im Archive des franzsischen Ministeriums des
Auswrtigen. Eine Uebersetzung desselben findet man in der von Grimblot
herausgegebenen werthvollen Sammlung.

[115] Boufflers an Ludwig, 21.Juni (1.Juli) 1697; Ludwig an
Boufflers, 22.Juni (2.Juli); Boufflers an Ludwig, 25.Juni (5.Juli).

[116] Boufflers an Ludwig, 28.Juni (8.Juli), 29.Juni (9.Juli) 1697.

[117] Meine Mittheilungen ber diese Unterhandlung habe ich
hauptschlich den Depeschen im franzsischen Ministerium des
Auswrtigen entlehnt. Uebersetzungen von diesen Depeschen hat Grimblot
verffentlicht. Siehe auch Burnet +II.+ 200, 201.

Es ist oft behauptet worden, Wilhelm habe versprochen, Marien von
Modena funfzigtausend Pfund jhrlich zu bezahlen. Wer sich jedoch die
Mhe nimmt, das Protokoll vom 10.(20.) Sept. 1697 in den Acten des
Friedens von Ryswick zu lesen, wird sehen, da meine Angabe richtig
ist. Prior verstand das Protokoll offenbar ebenso wie ich es verstehe,
denn er sagt in einem Briefe an Lexington vom 17.Sept. 1697: No. 2
ist der Punkt, in dem der Knig bezglich der Dotation der Knigin
Marie einwilligt. Es wird ihr dadurch ehrlich soviel gegeben als das
Gesetz ihr zugesteht. Der Vermittler soll diese Schrift den Franzosen
dictiren und sie in sein Protokoll aufnehmen, und so denke ich, werden
wir ber diesen Artikel + bon march+ hinwegkommen.

Es hie damals (siehe Boyer's +History of King WilliamIII.
1703+) Portland und Boufflers seien ber einen geheimen Artikel
bereingekommen, durch welchen stipulirt gewesen sei, da nach
Wilhelm's Tode der Prinz von Wales auf den englischen Thron kommen
solle. Diese Fabel ist oft wiederholt worden, aber sie hat bei
verstndigen Mnnern nie Glauben gefunden und seit der Verffentlichung
der Correspondenz zwischen Ludwig und Boufflers wird auch der
Beschrnkteste sie schwerlich noch glauben. Dalrymple und andere
Schriftsteller glaubten im +Life of James (II. 574, 575)+ Beweise dafr
gefunden zu haben, da die Geschichte von dem geheimen Artikel wahr
sei. Die Stelle, aus der sie dies schlossen, war jedoch sicherlich
weder von Jakob selbst, noch unter seiner Leitung geschrieben; und
die Autoritt derjenigen Stelle seiner Lebensgeschichte, welche nicht
von ihm oder unter seiner Leitung geschrieben wurden, ist nur gering.
Bei genauer Untersuchung jener Stelle werden wir berdies finden,
da sie die Geschichte von dem geheimen Artikel nicht nur nicht
besttigt, sondern sie sogar geradezu widerlegt. Der Compilator der
Lebensgeschichte sagt uns, da, nachdem Jakob erklrt hatte, er werde
sich nie dazu verstehen, durch Aufgaben seiner eigenen Rechte den
englischen Thron fr seine Nachkommen zu erkaufen, nicht weiter von dem
Gegenstande gesprochen wurde. Nun ist es aber ganz gewi, da Jakob in
seiner im Mrz 1697 erschienenen Denkschrift, einer Denkschrift, die
sich sowohl in der Lebensgeschichte (+II+. 566.) als auch in den Acten
des Friedens von Ryswick findet, vor ganz Europa erklrte, da er sich
nie in einer so niedrigen und unwrdigen Handlung herablassen werde,
dem Prinzen von Oranien unter der Bedingung, da der Prinz von Wales
ihm auf den Thron folgen solle, die Regierung zu gestatten. Daraus
folgt, da nach dem Mrz 1697 von diesem Gegenstande nicht mehr die
Rede gewesen sein kann. Es kann daher auch in den Konferenzen zwischen
Boufflers und Portland, welche erst spt im Juni begannen, nicht davon
gesprochen worden sein.

Hatte denn aber die Geschichte gar keine Grundlage? Ich glaube es gab
eine solche, und ich habe bereits die Facta erzhlt, auf denen dieses
Gebude von Erdichtung basirte. Es steht fest, da Ludwig im Jahre 1693
durch die schwedische Regierung den Verbndeten die Hoffnung ausdrcken
lie, es mge ein Auskunftsmittel zur Vershnung der Frsten gefunden
werden, die auf die englische Krone Anspruch machten. Er meinte mit
diesem Auskunftsmittel ohne Zweifel, da der Prinz von Wales Wilhelm
und Marien auf dem Thron folgen sollte. Es ist mglich, da, wie der
Compilator der Lebensgeschichte Jakob's sagt, Wilhelm keine groe
Abgeneigtheit gegen dieses Arrangement zeigte. Er hatte weder einen
ffentlichen, noch einen privaten Grund, seine Schwgerin seinem
Schwager vorzuziehen, wenn sein Schwager protestantisch erzogen wurde.
Aber Wilhelm vermochte nichts ohne die Mitwirkung des Parlaments,
und es ist im hchsten Grade unwahrscheinlich, da er sowohl als das
Parlament je eingewilligt haben wrde, die englische Thronfolge zum
Gegenstande eines Uebereinkommens mit Frankreich zu machen. Was er
jedoch gethan oder nicht gethan haben wrde, knnen wir nicht mit
Gewiheit sagen. Denn Jakob erwies sich als unbeugsam. Ludwig gab
daher jeden Gedanken an das Zustandebringen eines Vergleichs auf
und versprach, wie wir gesehen haben, Wilhelm ohne Schwierigkeit,
Beschrnkung, Bedingung oder Vorbehalt als Knigs von England
anzuerkennen. Es scheint gewi, da nach diesem im December 1696
gegebenen Versprechen der Prinz von Wales in den Unterhandlungen nicht
wieder erwhnt wurde.

[118] +Prior MS.;+ Williamson an Lexington, 20.(30.) Juli 1697;
Williamson an Shrewsbury, 23.Juli (2.Aug.).

[119] Die Note des franzsischen Gesandten, datirt 10.(20.) Juli 1697,
findet man in den +Actes et Mmoires+.

[120] Monthly Mercury, August und September 1697.

[121] +Life of James, II. 565.+

[122] +Actes et Mmoires des Ngociations de la Paix de Ryswick; Life
of James, II. 566.+

[123] Jakob's Protest findet man in seiner Lebensgeschichte +II+. 572.

[124] +Actes et Mmoires des Ngociations de la Paix de Ryswick;+
Williamson an Lexington, 14.(24.) Sept. 1697; Prior-Manuscript.

[125] Prior-Manuscript.

[126] L'Hermitage, 20.(30.) Juli, 27.Juli (6.Aug.), 24.Aug.
(3.Sept.), 27.Aug. (6.Sept.), 31.Aug. (10.Sept.) 1697; Postman vom
31.Aug.

[127] Van Cleverskirke an die Generalstaaten, 14.(24.) Sept. 1697;
L'Hermitage, 14.(24.) Sept.; Postscipt zum Postman von dem nmlichen
Tage; Postman und Postboy vom 19.(29.) Sept.; Postman vom 18.(28.)
Sept.

[128] L'Hermitage, 17.(27.) Sept., 24.Sept. (4.Oct.), 19.(29.) Oct.
1697; Postman vom 20.Nov.

[129] L'Hermitage, 21.Sept. (1.Oct.), 2.(12.) Nov. 1697; Gazette de
Paris vom 20.(30.) Nov.; Postboy vom 2.Nov. Es erschien damals ein
Pasquill, betitelt: +A Satyr upon the French King, written after the
Peace was concluded at Reswick, anno 1697, by a Non-Swearing Person,
and said to be drop'd out of his Pocket at Sams' Coffee House+.

[130] London Gazette; Postboy vom 18.Nov. 1697; L'Hermitage,
5.(15.)Nov.

[131] London Gazette vom 18. und 22.Nov. 1697; Van Cleverskirke,
16.(26.), 19.(29.) Nov.; L'Hermitage, 16.(26.) Nov.; Postboy und
Postman vom 18.Nov.; Wilhelm an Heinsius, 16.(26.) Nov.

[132] +Evelyn's Diary, Dec. 2. 1697.+ Die Predigt ist noch vorhanden,
und ich mu gestehen, da sie Evelyn's Tadel verdient.

[133] London Gazette vom 6.Dec, 1697; Postman vom 4.Dec.; Van
Cleverskirke, 2.(12.) Dec.; L'Hermitage, 19.(29.) Nov.


    Stereotypie und Druck von Philipp Reclam +jun.+ in Leipzig.


  +--------------------------------------------------------------+
  | Anmerkungen zur Transkription                                |
  |                                                              |
  | Eigentmliche und falsche Schreibweisen des Autors wurden    |
  | belassen, wenn sie durchgngig benutzt wurden, wie           |
  | beispielsweise: Beredtsamkeit, erwiedern, Schaffot,          |
  | Wiederhall.                                                  |
  |                                                              |
  | Inkonsistenzen wurden nicht gendert, wenn beide             |
  | Schreibweisen gebruchlich waren, wie:                       |
  |                                                              |
  | andere -- andre                                              |
  | Argumentirung -- Argumentation                               |
  | aufstzig -- aufsssig                                       |
  | Auswechselung -- Auswechslung                                |
  | Autorisation -- Autorisirung                                 |
  | Baiern -- Bayern                                             |
  | Brod -- Brot                                                 |
  | Characters -- Charakters                                     |
  | Complot -- Complotten                                        |
  | eigne -- eigene                                              |
  | funfzehn -- fnfzehn                                         |
  | fnfzig -- funfzig                                           |
  | Geschworengericht -- Geschwornengericht                      |
  | Hollands -- Holland's                                        |
  | ins -- in's                                                  |
  | Luttrells -- Luttrell's                                      |
  | Mordcomplot -- Mordcomplott                                  |
  | Parkyn's -- Parkyns                                          |
  | sichern -- sicheren                                          |
  | Sonntagsmorgens -- Sonntagmorgens                            |
  | unsere -- unsre                                              |
  | Verlaufs -- Verlaufes                                        |
  | Vermittlung -- Vermittelung                                  |
  |                                                              |
  | Die folgenden Korrekturen wurden vorgenommen:                |
  |                                                              |
  | p. XXI.4 Proceverfahrens in Prozeverfahrens gendert.  |
  | p. XXI.5 Parkins in Parkyns gendert.                    |
  | p. XXI.6 babe in habe gendert.                          |
  | p. XXI.7 Ammendement in Amendement gendert.             |
  | p. XXI.7 enhielt in enthielt gendert.                   |
  | p. XXI.8 Aeropapitiken in Areopagitica gendert.         |
  | p. XXI.10 Russel's in Russell's gendert.                |
  | p. XXI.19 angegenommen in angenommen gendert.           |
  | p. XXI.21 Goldolphin in Godolphin gendert.              |
  | p. XXI.22 Freman in Freeman gendert.                    |
  | p. XXI.22 Gedolphin in Godolphin gendert.               |
  | p. XXI.26 Godman in Goodman gendert.                    |
  | p. XXI.29 authorisirte in autorisirte gendert.          |
  | p. XXI.30 authorisirt in autorisirt gendert.            |
  | p. XXI.36 Feuquieres in Feuquires gendert.             |
  | p. XXI.47 Barkeley in Berkeley gendert.                 |
  | p. XXI.47 Hougthon in Houghton gendert.                 |
  | p. XXI.49 Hfte in Hlfte gendert.                      |
  | p. XXI.49 parlament in parlement gendert (Funote 59).  |
  | p. XXI.58 Hampdon in Hampden gendert.                   |
  | p. XXI.80 authorisirten in autorisirten gendert.        |
  | p. XXI.81 Haris in Harris gendert (Funote 102).        |
  | p. XXI.82 Knigtley in Knightley gendert.                |
  | p. XXI.82 Cranburn's in Cranburne's gendert             |
  |           (Funote 104).                                     |
  | p. XXI.83 Flamnder in Flamlnder gendert.              |
  | p. XXI.89 Richmont in Richmond gendert.                 |
  | p. XXI.90 Arme in Armee gendert.                        |
  | p. XXI.91 Milirpikets in Militrpikets gendert.        |
  | p. XXI.95 nennten in nannten gendert.                   |
  | p. XXI.103 Canditat in Candidat gendert.                |
  | p. XXII.6 prophezeihten in prophezeiten gendert.        |
  | p. XXII.7 Grocer's Hall in Grocers' Hall gendert.       |
  | p. XXII.7 Grocers Hall in Grocers' Hall gendert         |
  |           (Funote 10).                                      |
  | p. XXII.8 Mercer's Hall in Mercers' Hall gendert.       |
  | p. XXII.11 Heynes in Haynes gendert (Funote 22).       |
  | p. XXII.13 Bohn in Bohun gendert (Funote 27).          |
  | p. XXII.13 Prophezeihungen in Prophezeiungen gendert    |
  |            (Funote 27).                                     |
  | p. XXII.14 Tode in Todte gendert.                       |
  | p. XXII.24 erschrack in erschrak gendert.               |
  | p. XXII.24 wirkich in wirklich gendert.                 |
  | p. XXII.25 un in und gendert.                           |
  | p. XXII.31 Russel in Russell gendert.                   |
  | p. XXII.31 Conventgarden in Covent Garden gendert.      |
  | p. XXII.38 Aeuere in Aeueres gendert.                 |
  | p. XXII.48 Bailay in Bailey gendert.                    |
  | p. XXII.48 nichtzufrieden in nicht zufrieden gendert.   |
  | p. XXII.51 unwiderbringlich in unwiederbringlich         |
  |            gendert.                                         |
  | p. XXII.58 Jounals in Journals gendert (Funote 96).    |
  | p. XXII.66 krigfhrenden in kriegfhrenden gendert.     |
  | p. XXII.75 Richtigket in Richtigkeit gendert.           |
  | p. XXII.79 Ambosen in Amboen gendert.                  |
  +--------------------------------------------------------------+





End of the Project Gutenberg EBook of Geschichte von England seit der
Thronbesteigung Jakob's des Zweiten., by Thomas Babington Macaulay

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     returns.  Royalty payments should be clearly marked as such and
     sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
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     the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."

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electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
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property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
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of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
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LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
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LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
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DAMAGE.

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in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO OTHER
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WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

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law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
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harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation information page at www.gutenberg.org


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at 809
North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887.  Email
contact links and up to date contact information can be found at the
Foundation's web site and official page at www.gutenberg.org/contact

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org

Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit www.gutenberg.org/donate

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit:  www.gutenberg.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For forty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.

Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.

Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.

