The Project Gutenberg EBook of Geschichte von England seit der
Thronbesteigung Jakob's des Zweiten., by Thomas Babington Macaulay

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Title: Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten.
       Zehnter Band: enthaltend Kapitel 19 und 20.

Author: Thomas Babington Macaulay

Release Date: October 22, 2014 [EBook #47173]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GESCHICHTE VON ENGLAND ***




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                      Thomas Babington Macaulay's




                        Geschichte von England
                               seit der
                 Thronbesteigung Jakob's des Zweiten.

                          Aus dem Englischen.

                     Vollstndige und wohlfeilste
                         +Stereotyp-Ausgabe.+


                             Zehnter Band:
                     enthaltend Kapitel 19 und 20.

                            Leipzig, 1856.
                           G. H. Friedlein.




Neunzehntes Kapitel.

Wilhelm und Marie.




Inhalt.


                                                                   Seite
  Wilhelm's auswrtige Politik                                         5
  Die nordischen Mchte                                                6
  Der Papst                                                            6
  Benehmen der Verbndeten                                             7
  Der Kaiser                                                           8
  Spanien                                                              9
  Es gelingt Wilhelm, der Auflsung der Coalition vorzubeugen         10
  Neue Arrangements fr die Verwaltung der spanischen Niederlande     11
  Ludwig rckt ins Feld                                               13
  Belagerung von Namur                                                14
  Ludwig kehrt nach Versailles zurck                                 17
  Luxemburg                                                           17
  Schlacht von Steenkerke                                             19
  Verschwrung Grandval's                                             23
  Wilhelm's Rckkehr nach England                                     26
  Schlechte Marine-Verwaltung                                         26
  Erdbeben in Port-Royal                                              29
  Noth in England                                                     29
  Zunahme der Verbrechen                                              30
  Zusammentritt des Parlaments                                        32
  Stand der Parteien                                                  33
  Die Thronrede                                                       33
  Privilegienfrage, von den Lords zur Sprache gebracht                33
  Debatten ber die Lage der Nation                                   34
  Bill zur Regulirung des Prozeverfahrens in Hochverrathsfllen      39
  Der Proze Lord Mohun's                                             40
  Debatten ber den indischen Handel                                  42
  Geldbewilligungen                                                   43
  Mittel und Wege; Grundsteuer                                        43
  Ursprung der Nationalschuld                                         46
  Parlamentsreform                                                    54
  Die Stellenbill                                                     58
  Die Dreijhrigkeitsbill                                             62
  Die ersten Parlamentsdebatten ber die Freiheit der Presse          65
  Zustand Irland's                                                    74
  Der Knig verweigert die Genehmigung der Dreijhrigkeitsbill        78
  Ministerielle Arrangements                                          81
  Der Knig begiebt sich nach Holland                                 83
  Eine Parlamentssession in Schottland                                83


[_Wilhelm's auswrtige Politik._] Whrend England einestheils durch die
Besorgni einer Invasion, andrentheils durch die Freude ber seine durch
die Tapferkeit seiner Seeleute erwirkte Befreiung bewegt wurde, fanden
wichtige Ereignisse auf dem Continent statt. Am 6. Mrz war der Knig im
Haag angekommen und hatte seine Anstalten fr den bevorstehenden Feldzug
zu treffen begonnen.[1]

Die vor ihm liegende Aussicht war trbe. Die Coalition, deren Schpfer
und Oberhaupt er war, schwebte seit einigen Monaten in steter Gefahr,
sich aufzulsen. Durch welche unermdliche Anstrengungen, durch welche
sinnreiche Mittel und Wege, durch welche Schmeicheleien, durch welche
Lockungen es ihm gelang, seine Verbndeten abzuhalten, sich einer nach
dem andren Frankreich zu Fen zu werfen, lt sich nur unvollkommen
ermitteln. Die vollstndigste und authentischeste Aufzhlung der Mhen
und Opfer, durch welche er acht Jahre lang eine Schaar kleinmthiger und
verrtherischer, das gemeinsame Interesse nichtachtender und auf
einander eiferschtiger Potentaten zusammenhielt, findet sich in seiner
Correspondenz mit Heinsius. In dieser Correspondenz ist Wilhelm ganz er
selbst. Er hatte im Laufe seines ereignivollen Lebens einige wichtige
Aufgaben zu lsen, fr die er nicht besonders befhigt war, und diese
Aufgaben lste er unvollkommen. Als Souverain von England zeigte er
Talente und Tugenden, die ihm zu einer ehrenvollen Erwhnung in der
Geschichte berechtigen; allein er hatte auch groe Mngel. Er war bis
zum letzten Augenblick ein Fremder unter uns, kalt, zurckhaltend,
niemals heiter, niemals sich wohl fhlend. Sein Knigreich war ein
Verbannungsort, seine schnsten Palste waren Gefngnisse. Er zhlte
stets die Tage, welche noch vergehen sollten, ehe er sein Geburtsland,
die beschnittenen Bume, die Flgel zahlloser Windmhlen, die
Storchsnester auf den hohen Giebeln und die langen Reihen bunter
Landhuser, die sich in den ruhigen Kanlen spiegeln, wiedersehen
sollte. Er bemhte sich gar nicht, die Vorliebe zu verbergen, die er fr
seinen heimathlichen Boden und fr seine Jugendfreunde empfand, und
daher herrschte er nicht in unseren Herzen, obwohl er unsrem Vaterlande
groe Dienste leistete. Auch als General im Felde bewies er einen
seltenen Muth und eine seltene Tchtigkeit; aber als Taktiker stand er
manchen seiner Zeitgenossen nach, die ihm in allgemeiner geistiger
Befhigung weit nachstanden. Das Geschft, fr das er sich ganz
vorzglich eignete, war die Diplomatie im hchsten Sinne des Worts. Es
darf bezweifelt werden, ob er in der Kunst groe Unterhandlungen zu
leiten, von denen das Wohl der Vlkerrepublik abhngt, je bertroffen
worden ist. Seine Geschicklichkeit in diesem Zweige der Politik wurde
niemals strenger erprobt und glnzender bewiesen als whrend des letzten
Theils des Jahres 1691 und des ersten Theils des Jahres 1692.


[_Die nordischen Mchte._] Eine seiner Hauptschwierigkeiten wurde durch
die finstre und drohende Haltung der nordischen Mchte hervorgerufen.
Dnemark und Schweden hatten einmal geneigt geschienen, sich der
Coalition anzuschlieen, aber sie waren bald wieder khl geworden und
nahmen rasch eine immer feindseligere Haltung an. Von Frankreich
glaubten sie wenig zu frchten zu haben. Es war nicht sehr
wahrscheinlich, da seine Armeen ber die Elbe gehen oder da seine
Flotten den Durchgang durch den Sund erzwingen wrden. Aber die vereinte
Seemacht England's und Holland's konnte wohl in Stockholm und Kopenhagen
Besorgnisse erwecken. Bald entstanden unangenehme seerechtliche Fragen,
Fragen, wie sie fast in jedem ausgedehnten Kriege der Neuzeit zwischen
Kriegfhrenden und Neutralen aufgetaucht sind. Die skandinavischen
Frsten beschwerten sich darber, da der berechtigte Handel zwischen
der Ostsee und Frankreich despotischerweise unterbrochen worden sei.
Obwohl sie im allgemeinen nicht auf einem sehr freundschaftlichen Fue
miteinander gestanden, begannen sie doch jetzt sich eng an einander
anzuschlieen, intriguirten an jedem kleinen deutschen Hofe und
versuchten das zu bilden was Wilhelm eine dritte Partei in Europa
nannte. Der Knig von Schweden, der als Herzog von Pommern verpflichtet
war, dreitausend Mann zur Vertheidigung des deutschen Reichs zu stellen,
sandte anstatt ihrer den Rath, die Alliirten mchten unter den besten
Bedingungen, die sie erlangen knnten, Frieden schlieen.[2] Der Knig
von Dnemark nahm eine groe Anzahl hollndischer Kauffahrteischiffe weg
und zog in Holstein eine Armee zusammen, die seinen Nachbarn keine
geringe Besorgni einflte. Ich frchte, schrieb Wilhelm in einem
Augenblicke tiefer Niedergeschlagenheit an Heinsius, ich frchte, da
der Zweck dieser dritten Partei ein Friede ist, der die Knechtung
Europa's im Gefolge haben wird. Die Zeit wird kommen, wo Schweden und
seine Verbndeten zu spt erfahren werden, welchen groen Fehler sie
begangen haben. Sie stehen der Gefahr allerdings ferner als wir, und
deshalb sind sie so eifrig bestrebt, unsren und ihren eignen Untergang
herbeizufhren. Da Frankreich jetzt auf billige Bedingungen eingehen
wird, ist nicht zu erwarten, und es wre besser, mit dem Schwerte in der
Hand zu fallen, als sich Allem zu unterwerfen was es dictiren wrde.[3]


[_Der Papst._] Whrend der Knig so durch die Haltung der nordischen
Mchte beunruhigt wurde, begannen auf einer ganz andren Seite ominse
Anzeichen sichtbar zu werden. Es war von vornherein kein leichtes Ding
gewesen, Souveraine, welche die protestantische Religion haten und sie
in ihren eigenen Landen verfolgten, zur Untersttzung der Revolution zu
bewegen, welche diese Religion aus einer groen Gefahr errettet hatte.
Glcklicherweise aber hatten das Beispiel und die Autoritt des Vatikans
ihre Bedenken gehoben. Innocenz XI. und Alexander VIII. hatten
Wilhelm mit schlecht verhehlter Parteilichkeit betrachtet. Er war zwar
nicht ihr Freund, aber er war ihres Feindes Feind, und Jakob war ihres
Feindes Vasall und mute es im Fall seiner Restauration wieder werden.
Sie liehen daher dem ketzerischen Neffen ihren wirklichen Beistand, den
rechtglubigen Oheim aber speisten sie mit Complimenten und
Segenswnschen ab. Doch Alexander VIII. hatte wenig ber funfzehn Monate
auf dem ppstlichen Throne gesessen. Sein Nachfolger Antonio Pignatelli,
der den Namen Innocenz XII. annahm, verlangte ungeduldig danach sich mit
Ludwig zu vershnen. Ludwig sah jetzt ein, da er einen groen Fehler
begangen, indem er zu gleicher Zeit den Geist des Protestantismus und
den Geist des Papismus gegen sich aufgeregt hatte. Er erlaubte den
franzsischen Bischfen, sich dem heiligen Stuhle zu unterwerfen. Der
Streit, der einmal den Anschein gehabt hatte, als werde er mit einem
groen gallikanischen Schisma enden, wurde beigelegt, und es war Grund
zu der Annahme vorhanden, da der Einflu des Oberhauptes der Kirche
dazu angewendet werden wrde, die Bande zu lsen, welche so viele
katholische Frsten an den Calvinisten knpften, der den britischen
Thron usurpirt hatte.


[_Benehmen der Verbndeten._] Mittlerweile war die Coalition, welche die
dritte Partei auf der einen und der Papst auf der andren Seite
aufzulsen versuchten, in nicht geringer Gefahr, aus bloer Fulni zu
zerfallen. Zwei von den verbndeten Mchten, und nur zwei waren der
gemeinsamen Sache herzlich zugethan: England, das die anderen britischen
Knigreiche mit sich fortzog, und Holland, das die anderen batavischen
Republiken mit sich fortzog. England und Holland waren zwar durch innere
Parteispaltungen zerrissen und durch gegenseitige Eiferschteleien und
Antipathieen von einander getrennt, aber beide waren fest entschlossen,
sich der franzsischen Oberherrschaft nicht zu unterwerfen, und beide
waren bereit, ihren Theil, ja noch mehr als ihren Theil von den Lasten
des Kampfes zu tragen. Die meisten Mitglieder des Bundes waren nicht
Nationen, sondern Personen: ein Kaiser, ein Knig, Kurfrsten und
Herzge, und unter diesen gab es kaum Einen, der mit ganzer Seele bei
dem Kampfe gewesen wre, kaum Einen, der sich nicht gestrubt, der nicht
eine Entschuldigung fr die Nichterfllung seiner Verpflichtungen
gefunden, der nicht gehofft htte, zur Vertheidigung seiner eigenen
Rechte und Interessen gegen den gemeinsamen Feind gemiethet zu sein. Der
Krieg aber war der Krieg des englischen Volks und des hollndischen
Volks. Wre er dies nicht gewesen, so wrde weder England noch Holland
die Lasten, die er nthig machte, nur ein einziges Jahr getragen haben.
Als Wilhelm sagte, da er lieber mit dem Schwerte in der Hand fallen als
sich vor Frankreich demthigen wolle, sprach er nicht nur seine eigene,
sondern die Gesinnung zweier groer Staaten aus, deren erste
Magistratsperson er war. Leider sympathisirten mit diesen beiden Staaten
andere Staaten nur wenig. Sie wurden in der That von anderen Staaten so
angesehen, wie reiche, ehrlichhandelnde, freigebige Tropfe von
bedrftigen Gaunern angesehen werden. England und Holland waren reich
und sie waren thtig. Ihr Reichthum erweckte die Habgier der ganzen
Allianz und zu diesem Reichthum war ihre Thtigkeit der Schlssel. Sie
wurden mit schmutziger Zudringlichkeit von allen ihren Bundesgenossen
verfolgt, vom Csar, der im stolzen Bewutsein seiner einzigen Wrde
Knig Wilhelm nicht mit dem Titel Majestt beehren wollte, bis herab zu
dem geringsten Markgrafen, der aus den zerbrochenen Fenstern des
rmlichen und verfallenen alten Hauses, das er seinen Palast nannte,
sein ganzes Land bersehen konnte. Es war noch nicht genug, da England
und Holland viel mehr als ihre Contingente zum Landkriege stellten und
die ganze Last des Seekriegs allein trugen. Sie waren auch noch von
einem Schwarme vornehmer Bettler belagert, einige roh, andere demthig,
alle aber unermdlich und unersttlich. Ein Frst kam alljhrlich mit
einer klglichen Darstellung seiner Noth zu ihnen betteln. Ein andrer
trotzigerer Bettler drohte der dritten Partei beizutreten und einen
Separatfrieden mit Frankreich zu schlieen, wenn seine Forderungen nicht
gewhrt wrden. Jeder Souverain hatte berdies seine Minister und
Gnstlinge, und diese Minister und Gnstlinge gaben bestndig zu
verstehen, da Frankreich bereit sei, sie zu bezahlen, wenn sie ihre
Gebieter bewegen knnten, von der Coalition zurckzutreten, und da
England und Holland klug daran thun wrden, Frankreich zu berbieten.

Die durch die Habgier der verbndeten Hfe verursachte Verlegenheit war
jedoch kaum grer als die durch ihren Stolz und ihren Ehrgeiz
herbeigefhrte Verlegenheit. Der eine Frst hatte sich auf eine
kindische Auszeichnung, auf einen Titel oder einen Orden capricirt und
wollte nicht eher etwas fr die gemeinsame Sache thun als bis seine
Wnsche erfllt waren. Ein andrer geruhte sich einzubilden, da er
zurckgesetzt worden sei, und wollte sich nicht rhren, bis ihm
Genugthuung verschafft worden. Der Herzog von Braunschweig-Lneburg
wollte kein Bataillon zur Vertheidigung Deutschland's stellen, wenn er
nicht zum Kurfrsten gemacht wrde.[4] Der Kurfrst von Brandenburg
erklrte, er sei noch eben so feindselig gegen Frankreich gesinnt als
je; aber die spanische Regierung habe ihn bel behandelt und er werde
daher seine Soldaten nicht zur Vertheidigung der spanischen Niederlande
verwenden lassen. Er sei zwar bereit, am Kriege Theil zu nehmen, aber
nur in der ihm convenirenden Weise; er msse das Commando einer
besonderen Armee haben und seine Stellung zwischen dem Rhein und der
Maas bekommen.[5] Der Kurfrst von Sachsen beschwerte sich, da seinen
Truppen schlechte Winterquartiere angewiesen worden seien, und er rief
sie daher gerade in dem Augenblicke zurck, wo sie htten Anstalt
treffen sollen, ins Feld zu rcken, erbot sich aber ganz kaltbltig sie
wieder zu schicken, wenn England und Holland ihm vierhunderttausend
Reichsthaler gben.[6]


[_Der Kaiser._] Man htte erwarten sollen, da wenigstens die beiden
Hupter des Hauses Oesterreich in diesem Augenblicke ihre ganze Kraft
gegen das rivalisirende Haus Bourbon aufbieten wrden. Leider waren sie
nicht zu bewegen, auch nur fr ihre eigne Erhaltung energische
Anstrengungen zu machen. Sie hatten ein groes Interesse daran, die
Franzosen von Italien abzuhalten. Gleichwohl konnten sie nur mit Mhe
dazu vermocht werden, dem Herzoge von Savoyen den geringsten Beistand zu
leihen. Sie schienen zu glauben, da es England's und Holland's Sache
sei, die Psse der Alpen zu vertheidigen und die Armeen Ludwig's zu
verhindern, die Lombardei zu berschwemmen. In den Augen des Kaisers war
der Krieg gegen Frankreich in der That eine untergeordnete Aufgabe.
Seine Hauptaufgabe war der Krieg gegen die Trkei. Er war beschrnkt und
bigott. Es beunruhigte ihn, da der Krieg gegen Frankreich in gewissem
Sinne ein Krieg gegen die katholische Religion war, und der Krieg gegen
die Trkei war ein Kreuzzug. Sein neuerlicher Feldzug an der Donau war
glcklich gewesen. Er htte leicht einen ehrenvollen Frieden mit der
Pforte schlieen und seine Waffen gegen Westen richten knnen. Aber die
Hoffnung war in ihm erwacht, seine Erblande auf Kosten der Unglubigen
vergrern zu knnen. Visionen von einem triumphirenden Einzuge in
Konstantinopel und von einem Te Deum in der Sophia-Moschee waren in
seinem Kopfe aufgestiegen. Er beschftigte nicht nur im Osten eine
Truppenmacht, die mehr als ausreichend gewesen sein wrde, Piemont zu
vertheidigen und Lothringen wiederzuerobern, sondern er schien auch zu
glauben, da England und Holland verpflichtet seien, ihn fr die
Vernachlssigung ihrer Interessen und fr die Wahrnehmung seiner eigenen
glnzend zu belohnen.[7]


[_Spanien._] Spanien war damals schon was es bis auf unsre Zeit
geblieben ist. Von dem Spanien, das ber Land und Meer, ber die alte
und neue Welt geherrscht, von dem Spanien, das in der kurzen Zeit von
zwlf Jahren einen Papst und einen Knig von Frankreich, einen Souverain
von Mexico und einen Souverain von Peru als Gefangene fortgefhrt, von
dem Spanien, das eine Armee unter die Mauern von Paris gesandt und eine
gewaltige Flotte ausgerstet hatte, um in England einzufallen, war
nichts mehr brig als eine Anmaung, die einst Schrecken und Ha erweckt
hatte, die aber jetzt nur noch ein geringschtzendes Lcheln hervorrufen
konnte. An Umfang bertrafen zwar die Gebiete des katholischen Knigs
die Gebiete Rom's, als Rom auf dem Gipfel der Macht stand. Aber die
ungeheure Lndermasse lag erstarrt und hlflos da und konnte ungestraft
beleidigt und beraubt werden. Die ganze Verwaltung, des Heeres und der
Marine, der Finanzen und der Kolonien, war vllig desorganisirt. Karl
war ein entsprechender Reprsentant seines Reichs, krperlich, geistig
und moralisch impotent, in Unwissenheit, Sorglosigkeit und Aberglauben
versunken, doch aber vom Gefhl seiner Wrde aufgeblht und sehr bereit,
sich Beleidigungen einzubilden und solche zu ahnden. Seine Erziehung war
so erbrmlich gewesen, da, als man ihm den Fall von Mons, der
wichtigsten Festung seines groen Reichs mittheilte, er fragte, ob Mons
in England liege.[8] Unter den Ministern, welche durch seine krankhafte
Laune erhoben und gestrzt wurden, war keiner befhigt, ein Heilmittel
gegen die Gebrechen des Staats anzuwenden. Die Nerven dieses gelhmten
Krpers neu zu sthlen, wrde allerdings selbst fr einen Ximenes eine
schwere Aufgabe gewesen sein. Kein Diener der spanischen Krone
bekleidete einen wichtigeren Posten und keiner war unfhiger zur
Bekleidung eines wichtigen Postens als der Marquis von Gastanaga. Er war
Gouverneur der Niederlande und es war wahrscheinlich, da in den
Niederlanden das Schicksal der Christenheit entschieden werden wrde. Er
hatte sein Amt verwaltet, wie damals jedes ffentliche Amt in jedem
Theile dieser groen Monarchie verwaltet wurde, von der man hochtrabend
sagte, da die Sonne nie darin untergehe. So fruchtbar und reich das
Land war, das er verwaltete, wlzte er doch auf England und Holland die
ganze Last, es zu vertheidigen. Er erwartete da Alles, Waffen,
Munition, Wagen und Lebensmittel, von den Ketzern geliefert wrde. Es
war ihm nie eingefallen, da es seine und nicht ihre Sache sei, Mons in
den Stand zu setzen, eine Belagerung aushalten zu knnen. Die
ffentliche Stimme beschuldigte ihn ganz laut, diese berhmte Festung an
Frankreich verkauft zu haben. Es ist jedoch wahrscheinlich, da man ihm
nichts Schlimmeres zur Last legen konnte als die seiner Nation eigene
hochmthige Apathie und Trgheit.


[_Es gelingt Wilhelm, der Auflsung der Coalition vorzubeugen._] In
diesem Zustande befand sich die Coalition, deren Oberhaupt Wilhelm war.
Es gab Momente, wo er sich berwltigt fhlte, wo ihm der Muth sank, wo
seine Geduld erschpft war und seine angeborne Reizbarkeit sich Luft
machte. Ich kann, schrieb er, keinen Vorschlag machen, ohne da mir
eine Subsidienforderung entgegengehalten wird.[9] Ich habe rund
abgeschlagen, schrieb er ein andermal, als er dringend um Geld
angegangen worden war, denn es ist unmglich, da die Generalstaaten
und England die Lasten der Armee am Rhein, der Armee in Piemont und der
ganzen Vertheidigung von Flandern tragen knnen, der ungeheuren Kosten
des Seekriegs gar nicht zu gedenken. Wenn unsere Alliirten nichts fr
sich thun knnen, dann ist es am besten, die Allianz lst sich je eher
je lieber auf.[10] Aber nach jedem kurzen Anfall von Entmuthigung und
Verstimmung raffte er wieder die ganze Energie seines Geistes zusammen
und legte seinem Temperament einen starken Zgel an. So schwach,
engherzig, falsch und selbstschtig nur zu viele seiner Verbndeten auch
waren, nur unter ihrem Beistande konnte er durchfhren, was er von
Jugend auf als seine Mission betrachtet hatte. Wenn sie ihn verlieen,
so wurde Frankreich der unbestrittene Beherrscher Europa's. Wie sehr sie
auch bestraft zu werden verdienten, wollte er doch, um ihrer Bestrafung
willen, nicht in die Unterjochung der ganzen civilisirten Welt willigen.
Er nahm sich daher vor, einige Schwierigkeiten zu berwinden, und andere
zu umgehen. Die skandinavischen Mchte gewann er, indem er, allerdings
mit Widerstreben und nicht ohne schweren inneren Kampf, auf einige
seiner Seerechte verzichtete.[11] In Rom hielt sein Einflu, obwohl nur
indirect ausgebt, dem des Papstes selbst die Wage. Ludwig und Jakob
berzeugten sich, da sie auer Innocenz keinen Freund im Vatikan
hatten, und Innocenz, der von sanftem und unschlssigem Character war,
scheute sich, einen den Gesinnungen seiner ganzen Umgebung direct
zuwiderlaufenden Weg einzuschlagen. In Privatunterredungen mit
jakobitischen Agenten erklrte er sich dem Interesse des Hauses Stuart
zugethan; in seinen ffentlichen Handlungen aber beobachtete er eine
strenge Neutralitt. Er schickte zwanzigtausend Kronen nach
Saint-Germains; aber er entschuldigte sich bei den Gegnern Frankreich's,
indem er versicherte, da dies keine Subsidie zu irgend einem
politischen Zwecke, sondern lediglich ein unter arme britische
Katholiken zu vertheilendes Almosen sein solle. Er gestattete die
Verlesung von Gebeten fr die gute Sache im englischen Collegium zu Rom;
aber er bestand darauf, da diese Gebete in allgemeine Ausdrcke gefat
sein mten und da kein Name darin genannt werden drfe. Umsonst
beschworen ihn die Gesandten der Huser Stuart und Bourbon ein
entschiedeneres Verfahren zu beobachten. Gott wei, rief er einmal
aus, da ich mit Freuden mein Blut fr die Wiedereinsetzung des Knigs
von England vergieen wrde. Aber was kann ich thun? Wenn ich mich
rhre, sagt man mir, da ich die Franzosen begnstige und ihnen zur
Aufrichtung einer Universalmonarchie behlflich sei. Ich bin nicht wie
die frheren Ppste. Die Knige wollen nicht auf mich hren, wie sie auf
meine Vorgnger hrten. Es giebt jetzt keine Religion, sondern nichts
als gottlose, weltliche Politik. Der Prinz von Oranien ist der Gebieter.
Er beherrscht uns Alle. Er hat eine solche Gewalt ber den Kaiser und
den Knig von Spanien gewonnen, da keiner von Beiden es wagt, sein
Mifallen zu erregen. Gott helfe uns! Er allein kann uns helfen! So
sprechend schlug der alte Mann in einer Regung ohnmchtigen Zornes und
Unwillens mit der Hand auf den Tisch.[12]

Die deutschen Frsten standhaft zu erhalten, war keine leichte Aufgabe;
aber sie wurde durchgefhrt. Es wurde Geld unter sie vertheilt, zwar
viel weniger als sie verlangt hatten, aber doch viel mehr als sie
anstndigerweise beanspruchen konnten. Mit dem Kurfrsten von Sachsen
wurde ein Abkommen getroffen. Er hatte neben einem starken Gelste nach
Subsidien groes Verlangen danach, Mitglied der auserlesensten und
hchsten Ritterorden zu werden. Wie es scheint, begngte er sich anstatt
der verlangten vierhunderttausend Reichsthaler mit hunderttausend und
dem Hosenbandorden.[13] Sein Premierminister Schning, der habgierigste
und treuloseste Mensch von der Welt, wurde durch eine Pension
gewonnen.[14] Dem Herzoge von Braunschweig-Lneburg verschaffte Wilhelm
nicht ohne Mhe den lange ersehnten Titel eines Kurfrsten von Hannover.
Durch solche Mittel wurden die Risse, welche die Coalition zerklftet
hatten, so geschickt ausgebessert, da sie dem Feinde noch immer eine
feste Stirn bot.


[_Neue Arrangements fr die Verwaltung der spanischen Niederlande._]
Wilhelm hatte sich bei der spanischen Regierung bitter ber die
Unfhigkeit und Trgheit Gastanaga's beklagt, und die spanische
Regierung konnte, so hlflos und schlfrig sie auch war, nicht ganz
gleichgltig gegen die Gefahren sein, welche Flandern und Brabant
drohten. Gastanaga wurde abberufen und Wilhelm ersucht, die Verwaltung
der Niederlande mit Gewalten, welche denen eines Knigs nicht
nachstanden, selbst zu bernehmen. Philipp II. wrde so leicht nicht
geglaubt haben, da innerhalb eines Jahrhunderts nach seinem Tode sein
Urenkel den Urenkel Wilhelm's des Schweigsamen bitten wrde, in Brssel
die Autoritt eines Souverains auszuben.[15]

Der Antrag war in einer Hinsicht lockend; Wilhelm aber war zu klug, um
ihn anzunehmen. Er wute, da die Bevlkerung der spanischen Niederlande
der rmischen Kirche fest anhing. Jede Maregel eines protestantischen
Regenten konnte sicher sein, von dem Klerus und der Bevlkerung dieses
Landes mit Mitrauen betrachtet zu werden. Gastanaga hatte bereits im
Aerger ber seine Entlassung den rmischen Hof schriftlich
benachrichtigt, da man Vernderungen im Sinne habe, welche Gent und
Antwerpen eben so ketzerisch machen wrden wie Amsterdam und London.[16]
Ohne Zweifel hatte Wilhelm auch erwogen, da, wenn es ihm auch durch
eine milde und gerechte Regierung und durch Bezeigung einer geziemenden
Achtung fr die Gebruche und Diener der katholischen Religion gelingen
sollte, sich das Vertrauen der Belgier zu erwerben, er unvermeidlich auf
unsrer Insel einen Sturm von Vorwrfen gegen sich heraufbeschwren
wrde. Er wute aus Erfahrung was es hie, zwei Nationen zu regieren,
welche fest an zwei verschiedenen Kirchen hielten. Eine zahlreiche
Partei unter den Episkopalen England's konnte es ihm nicht vergeben, da
er in die Einfhrung der presbyterianischen Kirchenverfassung in
Schottland gewilligt hatte. Eine zahlreiche Partei unter den
Presbyterianern Schottland's tadelte ihn, da er die episkopale
Kirchenverfassung in England aufrecht erhielt. Wenn er jetzt Messen,
Processionen, geschnitzte Bilder, Mnchsklster, Nonnenklster und, was
das Schlimmste von Allem war, Jesuitenkanzeln, Jesuitenbeichtsthle und
Jesuitencollegien unter seinen Schutz nahm, was konnte er dann Andres
erwarten, als da England und Schottland einen einstimmigen Tadelsschrei
erheben wrden? Er weigerte sich daher, die Verwaltung der Niederlande
zu bernehmen und schlug vor, sie dem Kurfrsten von Baiern zu
bertragen. Der Kurfrst von Baiern war nach dem Kaiser der mchtigste
katholische Potentat Deutschland's. Er war jung, tapfer und lstern nach
militrischer Auszeichnung. Der spanische Hof war geneigt, ihn zu
ernennen und er sehnte sich danach, ernannt zu werden; aber eine alberne
Schwierigkeit verursachte eine lange Verzgerung. Der Kurfrst hielt es
unter seiner Wrde, das zu verlangen, was er so sehr wnschte, und die
Formalisten des Cabinets von Madrid hielten es unter der Wrde des
katholischen Knigs, etwas zu geben, um was nicht nachgesucht worden
war. Eine Vermittelung war nothwendig, und sie fhrte endlich zum Ziele.
Aber es war viel Zeit verloren worden, und das Frhjahr war schon weit
vorgerckt, als der neue Gouverneur der Niederlande seine Functionen
antrat.[17]


[_Ludwig rckt ins Feld._] Wilhelm hatte die Coalition vor der Gefahr
behtet, durch Uneinigkeit zu Grunde zu gehen. Aber durch keine
Vorstellungen, durch keine Bitten, durch keine Bestechungen konnte er
seine Verbndeten bewegen, bei Zeiten im Felde zu stehen. Sie htten die
harte Lection, die ihnen im vorhergehenden Jahre gegeben worden war,
benutzen sollen. Doch abermals zauderte Jeder und wunderte sich warum
die Anderen zauderten, und abermals erwies sich der Mann, der allein die
ganze Macht Frankreich's in seiner Hand hatte, wie seine stolze Devise
sich dessen seit langer Zeit rhmte, einer Menge von Gegnern
gewachsen.[18] Whrend seine Feinde noch immer nicht schlagfertig waren,
erfuhren sie mit Schrecken, da er persnlich an der Spitze seines Adels
ins Feld gerckt war. Noch bei keiner Gelegenheit war dieser tapfere
Adel mit grerem Glanze in seinem Gefolge erschienen. Ein einziger
Umstand mag gengen, um einen Begriff von der Pracht und dem Luxus
seines Lagers zu geben. Unter den Musketieren seiner Haustruppen ritt
zum ersten Male ein siebzehnjhriger Jngling, der bald nachher den
Titel eines Herzogs von Saint-Simon erbte und dem wir die unschtzbaren
Memoiren verdanken, welche zur Unterhaltung und Belehrung vieler Lnder
und vieler Geschlechter das lebensvolle Gemlde eines lngst
entschwundenen Frankreich erhalten haben. Obgleich sich die Familie des
Knaben damals in arger Geldverlegenheit befand, reiste er doch mit
fnfunddreiig Pferden und Saumthieren. Die Prinzessinnen von Geblt,
jede von einer Gruppe vornehmer und anmuthiger Damen umgeben,
begleiteten den Knig, und das Lcheln so vieler reizender Frauen
beseelte den Schwarm der eitlen und ppigen, aber hochsinnigen Cavaliere
mit einem mehr als gewhnlichen Muthe. In der glnzenden Schaar, welche
den franzsischen Augustus umgab, sah man auch den franzsischen Virgil,
den eleganten, zarten, melodischen Racine. Er war, in Einklang mit der
herrschenden Mode, fromm geworden, hatte das Schriftstellern fr die
Bhne aufgegeben, und da er sich entschlossen, den Pflichten, die ihm
als Historiographen Frankreich's oblagen, energisch nachzukommen, hatte
er sich persnlich eingefunden, um die groen Ereignisse mit anzusehen,
welche der Nachwelt zu erzhlen sein Amt war.[19] In der Nhe von Mons
bereitete Ludwig den Damen das Schauspiel der prchtigsten Revue, die
man im modernen Europa je gesehen hatte. Hundertzwanzigtausend Mann der
schnsten Truppen der Welt waren in einer acht Meilen langen Linie
aufgestellt. Es steht zu bezweifeln, ob eine solche Armee jemals unter
den rmischen Adlern vereinigt gewesen war. Das Schauspiel begann frh
am Morgen und war noch nicht vorber, als der lange Sommertag sich zu
Ende neigte. Racine verlie den Platz erstaunt, betubt, geblendet und
todtmde. In einem vertrauten Briefe wagte er es, einen liebenswrdigen
Wunsch zu uern, den er im Hofzirkel auszusprechen sich wahrscheinlich
gehtet haben wrde: Wollte Gott, da alle diese braven Burschen
wieder in ihren Htten, bei ihren Frauen und ihren Kleinen wren.[20]


[_Belagerung von Namur._] Nach diesem prchtigen Schauspiele kndigte
Ludwig seine Absicht an, Namur anzugreifen. In fnf Tagen war er an der
Spitze von dreiigtausend Mann unter den Mauern dieser Stadt.
Zwanzigtausend Landleute, die man in den von den Franzosen besetzten
Theilen der Niederlande gepret hatte, muten als Schanzgrber dienen.
Luxemburg hatte mit achtzigtausend Mann eine feste Stellung auf der
Strae zwischen Namur und Brssel inne und war bereit, jeder
Truppenmacht, die es versuchen sollte, die Belagerung aufzuheben, eine
Schlacht zu liefern.[21] Diese Theilung der Aufgaben nahm Niemanden
Wunder. Es war lngst bekannt, da der groe Monarch ein Freund von
Belagerungen, nicht aber von Schlachten war. Er sprach die Ansicht aus,
da eine Belagerung der wahre Prfstein militrischer Tchtigkeit sei.
Der Ausgang eines Zusammenstoes zwischen zwei Armeen im offenen Felde
wurde seiner Meinung nach oft durch einen Zufall entschieden; aber
Ravelins und Bastionen, welche die Wissenschaft erbaut, konnte nur die
Wissenschaft bewltigen. Seine Verleumder nannten es spttelnd ein
Glck, da der Zweig der Kriegskunst, den Se. Majestt fr den edelsten
halte, ein solcher sei, der ihn selten nthigte, ein seinem Volke
unschtzbares Leben ernster Gefahr auszusetzen.

Namur, am Zusammenflusse der Sambre und der Maas gelegen, war eine der
groen Festungen Europa's. Die Stadt lag in einer Ebene und besa keine
andre Strke als die durch die Kunst hervorgerufene. Aber Kunst und
Natur hatten sich vereinigt, um die berhmte Citadelle zu befestigen,
die vom Scheitel eines hohen Felsens auf eine von zwei schnen Flssen
bewsserte unabsehbare Flche von Kornfeldern, Waldungen und Wiesen
herniedersieht. Die Bevlkerung der Stadt und Umgegend war stolz auf ihr
uneinnehmbares Kastell. Sie bildete sich etwas darauf ein, da in allen
Kriegen, welche die Niederlande verwstet, Geschicklichkeit oder
Tapferkeit nie im Stande gewesen waren, durch diese Mauern zu dringen.
Die benachbarten Festungen, in der ganzen Welt wegen ihrer Strke
berhmt, Antwerpen und Ostende, Ypern, Lille und Tournay, Mons und
Valenciennes, Cambray und Charleroi, Limburg und Luxemburg, hatten ihre
Thore den Siegern geffnet, noch niemals aber war von den Zinnen Namur's
die Fahne herabgenommen worden. Damit nichts fehlte, um die Belagerung
interessant zu machen, standen die beiden Gromeister der
Befestigungskunst einander gegenber. Vauban war viele Jahre hindurch
als der erste Ingenieur betrachtet worden; aber ein gefhrlicher
Nebenbuhler war seit Kurzem aufgetaucht: Menno, Baron von Cohorn, der
geschickteste Offizier im Dienste der Generalstaaten. Die
Vertheidigungswerke von Namur waren unlngst unter Cohorn's Oberleitung
verstrkt und ausgebessert worden, und er befand sich jetzt innerhalb
der Mauern. Vauban war im Lager Ludwig's. Es lie sich demnach erwarten,
da Angriff wie Vertheidigung mit ausgezeichneter Geschicklichkeit
geleitet werden wrden.

Die verbndeten Armeen hatten sich inzwischen versammelt, aber es war
zu spt.[22] Wilhelm eilte nach Namur. Er bedrohte die franzsischen
Werke zuerst von Westen, dann von Norden, dann von Osten. Aber zwischen
ihm und den Circumvallationslinien stand die Armee Luxemburg's, allen
seinen Bewegungen folgend und stets in so starker Position, da es die
grte Unklugheit gewesen wre, ihn anzugreifen. Mittlerweile machten
die Belagerer unter Vauban's geschickter Leitung und durch Ludwig's
Anwesenheit angefeuert rasche Fortschritte. Es waren allerdings viele
Schwierigkeiten zu berwinden und groe Beschwerden zu ertragen. Das
Wetter war strmisch, und am 8. Juni, dem Tage des heiligen Medardus,
der im franzsischen Kalender die nmliche unheildrohende Stelle
einnimmt, die in unsrem Kalender dem heiligen Swithin gebhrt, regnete
es in Strmen. Die Sambre stieg und berschwemmte viele mit reifenden
Ernten bedeckte Quadratmeilen. Die Mehaigne fhrte ihre Brcken mit sich
fort in die Maas. Alle Straen wurden in Morste verwandelt. In den
Laufgrben standen Wasser und Schlamm so hoch, da man drei Tage zu thun
hatte, um eine Kanone von einer Batterie zur andren zu schaffen. Die
sechstausend Wagen, welche die franzsische Armee begleitet hatten,
waren nutzlos. Schiepulver, Kanonenkugeln, Korn und Heu muten auf dem
Rcken der Kriegsrosse von Ort zu Ort transportirt werden. Nur die
Autoritt Ludwig's konnte unter solchen Umstnden die Ordnung aufrecht
erhalten und Freudigkeit erwecken. Seine Soldaten bezeigten ihm in der
That eine grere Ehrerbietung als dem Heiligsten ihrer Religion. Sie
verwnschten den heiligen Medardus aus dem Grunde des Herzens und
zerschlugen oder verbrannten jedes Bild von ihm, dessen sie habhaft
werden konnten. Aber es gab nichts, was sie nicht bereitwillig fr ihren
Knig gethan und ertragen haben wrden. Trotz aller Hindernisse machten
sie unaufhaltsame Fortschritte. Cohorn wurde schwer verwundet, whrend
er mit verzweifelter Tapferkeit ein von ihm selbst erbautes Fort
vertheidigte, auf das er stolz war. Seine Stelle war nicht zu ersetzen.
Der Gouverneur war ein schwacher Mann, den Gastanaga ernannt und dessen
Versetzung Wilhelm krzlich dem Kurfrsten von Baiern angerathen hatte.
Der Muth der Besatzung schwand, und die Stadt bergab sich am achten
Tage der Belagerung, die Citadelle etwa drei Wochen spter.[23]

Die Geschichte des Falles von Namur im Jahre 1692 ist der Geschichte des
Falles von Mons im Jahre 1691 sehr hnlich. Sowohl 1691 wie 1692 konnte
Ludwig, der einzige und unumschrnkte Gebieter ber die Hlfsquellen des
Landes, den Feldzug erffnen, bevor Wilhelm, der Feldherr einer
Coalition, seine zerstreuten Streitkrfte zusammengebracht hatte. In
beiden Jahren entschied der Vortheil des ersten Zuges den Ausgang der
Partie. Bei Namur sowohl wie bei Mons leitete Ludwig unter Vauban's
Beistand die Belagerung; Luxemburg deckte sie, Wilhelm versuchte
vergebens sie aufzuheben und mute zu seinem tiefen Schmerze dem Siege
seines Gegners als Zuschauer beiwohnen.

In einer Hinsicht war jedoch das Schicksal der beiden Festungen ein ganz
verschiedenes. Mons wurde von seinen eigenen Einwohnern bergeben. Namur
htte vielleicht gerettet werden knnen, wenn die Besatzung eben so
begeistert und entschlossen gewesen wre wie die Einwohnerschaft.
Merkwrdigerweise herrschte in dieser so lange einer fremden Herrschaft
unterworfenen Stadt ein Patriotismus hnlich dem der kleinen
griechischen Republiken. Man hat keinen Grund zu glauben, da die Brger
sich um das Gleichgewicht der Macht kmmerten oder eine Vorliebe fr
Jakob oder fr Wilhelm, fr den Allerchristlichsten Knig oder fr den
Allerkatholischsten Knig hatten. Aber jeder Brger glaubte seine eigene
Ehre mit der Ehre der jungfrulichen Festung verknpft. Die Franzosen
mibrauchten zwar ihren Sieg nicht. Es wurden keine Gewaltthtigkeiten
verbt, die Privilegien der Municipalitt wurden geachtet, die Behrden
nicht gewechselt. Dennoch aber konnte das Volk einen Sieger nicht ohne
Thrnen der Wuth und Scham in das bis dahin unbezwungene Schlo
einziehen sehen. Selbst die barfigen Carmeliter, die allen Genssen,
allem Eigenthum, allem geselligen Umgang, allen huslichen Zuneigungen
entsagt hatten, deren Tage lauter Fasttage waren, die einen Monat nach
dem andren verlebten, ohne ein Wort zu sprechen, waren heftig ergriffen.
Umsonst bemhte sich Ludwig, sie durch Beweise von Achtung und
frstlicher Freigebigkeit zu beschwichtigen. So oft sie einer
franzsischen Uniform begegneten, wendeten sie sich mit einer Miene ab,
welche bewies, da ein Leben des Gebets, der Enthaltsamkeit und des
Schweigens ein irdisches Gefhl in ihnen nicht zu ersticken vermocht
hatte.[24]

Dies war vielleicht der Augenblick, wo Ludwig's Arroganz den hchsten
Grad erreichte. Er hatte die letzte und glnzendste Kriegsthat seines
Lebens vollbracht. Seine verbndeten Feinde, Englnder und Deutsche,
hatten gegen ihren Willen seinen Triumph erhht und waren Zeugen des
Ruhmes gewesen, der ihnen das Herz brach. Seine Freude war grenzenlos.
Die Umschriften auf den Denkmnzen, die er zur Verewigung seines Sieges
schlagen lie, die Schreiben, durch welche er den Prlaten seines
Knigreichs befahl, das Te Deum zu singen, waren prahlerisch und
sarkastisch. Sein Volk, ein Volk, zu dessen vielen edlen Eigenschaften
Migung im Glck nicht gerechnet werden kann, schien eine Zeit lang
trunken von Stolz. Selbst Boileau, durch die herrschende Begeisterung
mit fortgerissen, verga die Gelassenheit und den guten Geschmack, denen
er seinen Ruf verdankte. Er bildete sich ein, ein lyrischer Dichter zu
sein und machte seinen Gefhlen in hundertsechzig Strophen geistlosen
Bombastes ber Alcibiades, Mars, Bacchus und Ceres, die Leier des
Orpheus, die tracischen Eichen und die permessianischen Nymphen, Luft.
Er sagte, er mchte wohl wissen, ob Namur, wie Troja, von Apollo und
Neptun erbaut worden sei. Er fragte, welche Macht eine Stadt bezwingen
knne, welche strker sei als die, vor der die Griechen zehn Jahre
lagen, und er gab sich selbst die Antwort darauf, da ein solches Wunder
nur durch Jupiter oder durch Ludwig bewerkstelligt werden knne. Die
Feder am Hute Ludwig's war der Leitstern des Sieges. Vor Ludwig msse
sich Alles beugen, Frsten, Nationen, Winde und Wasser. Zum Schlu
wendete sich der Dichter an die verbndeten Feinde Frankreich's und
ersuchte sie hhnisch, die Nachricht mit nach Hause zu nehmen, da
Namur vor ihren Augen gefallen sei. Doch es waren noch nicht viele
Monate verstrichen, als der prahlerische Knig und der prahlerische
Dichter belehrt wurden, da es eben so klug als anstndig ist, in der
Stunde des Sieges bescheiden zu sein.

Eine Krnkung hatte Ludwig selbst inmitten seines Glckes erfahren.
Whrend er vor Namur lag, hrte er Tne des Jubels im fernen Lager der
Alliirten. Ein dreifacher Donner aus hundertvierzig Geschtzen wurde von
drei Salven aus sechzigtausend Flinten beantwortet. Man erfuhr bald, da
diese Salven wegen der Schlacht von La Hogue abgefeuert wurden. Der
Knig von Frankreich bemhte sich heiter zu erscheinen. Sie machen
einen entsetzlichen Lrm um das Verbrennen einiger Schiffe, sagte er.
In der That aber war er sehr besorgt, dies um so mehr, als die Nachricht
nach den Niederlanden gelangt war, da ein Seetreffen stattgefunden und
da seine Flotte geschlagen worden sei. Seine gute Laune wurde jedoch
bald wieder hergestellt durch den glnzenden Erfolg der Operationen, die
unter seiner unmittelbaren Leitung vor sich gingen.


[_Ludwig kehrt nach Versailles zurck._] Als die Belagerung vorber war,
bertrug er Luxemburg das Obercommando der Armee und kehrte nach
Versailles zurck. Bald fand sich der unglckliche Tourville daselbst
ein und wurde freundlich empfangen. Sobald er in dem Zirkel erschien,
begrte ihn der Knig mit lauter Stimme. Ich bin vollkommen zufrieden
mit Ihnen und mit meinen Seeleuten. Wir sind zwar geschlagen worden,
aber Ihre Ehre und die der Nation sind unbefleckt.[25]

Obgleich Ludwig die Niederlande verlassen hatte, waren doch die Blicke
von ganz Europa noch immer auf diese Gegend gerichtet. Die daselbst
stehenden Armeen waren durch von verschiedenen Seiten herangezogene
Verstrkungen vermehrt worden. Ueberall anderwrts waren die
militrischen Operationen des Jahres unbedeutend und ohne Interesse. Der
Grovezir und Ludwig von Baden thaten wenig mehr, als da sie einander
an der Donau beobachteten. Der Marschall Noailles und der Herzog von
Medina Sidonia thaten wenig mehr, als da sie einander in den Pyrenen
beobachteten. Am Oberrhein und lngs der Grenze, welche Frankreich von
Piemont scheidet, wurde ein unentschiedener Raubkrieg gefhrt, durch den
die Soldaten wenig, die Landleute aber sehr viel litten. Jedermann aber
blickte in gespannter Erwartung eines groen Ereignisses nach der Grenze
von Brabant, wo Wilhelm und Luxemburg einander gegenberstanden.


[_Luxemburg._] Luxemburg, der jetzt in seinem sechsundsechzigsten Jahre
stand, war allmlig und durch den Tod mehrerer groer Mnner zum ersten
Platze unter den Generlen seiner Zeit emporgestiegen. Er stammte aus
dem edlen Hause Montmorency, das viele mythische und viele historische
Ansprche auf Ruhm in sich vereinigte, das sich rhmte, dem ersten
Franken, der im fnften Jahrhundert auf den Namen Christi getauft wurde,
entsprossen zu sein, und das seit dem 11. Jahrhunderte Frankreich eine
lange und glnzende Reihe von Connetables und Marschllen gegeben hatte.
In Bezug auf Tapferkeit und Talente stand Luxemburg keinem seines
erlauchten Geschlechts nach. Aber trotz vornehmer Herkunft und hoher
Begabung hatte er nur mit Mhe die Hindernisse bewltigt, die sich ihm
auf dem Ruhmeswege entgegenstellten. Wenn er der Freigebigkeit der Natur
und der Glcksgttin viel verdankte, so hatte er doch noch weit mehr
unter ihrer Ungunst gelitten. Sein Gesicht war abschreckend hlich,
seine Gestalt klein, und ein hoher, spitzer Hcker erhob sich auf seinem
Rcken. Seine Constitution war schwach und krnklich. Gegen seinen
sittlichen Wandel waren schwere Beschuldigungen erhoben worden. Er war
des Verkehrs mit Zauberern und Giftmischern beschuldigt worden, hatte
lange in einem Kerker geschmachtet und hatte endlich seine Freiheit
wiedererlangt, ohne seine Ehre vllig wiederzuerlangen.[26] Sowohl
Louvois als Ludwig hatten ihn nie leiden knnen. Doch der Krieg gegen
die europische Coalition hatte noch nicht lange gedauert, als der
Minister und der Knig einsahen, da der Staat den ihnen persnlich
verhaten General nthig brauchte. Cond und Turenne waren nicht mehr,
und Luxemburg war ohne Widerrede der ausgezeichnetste Soldat, den
Frankreich noch besa. An Wachsamkeit, Flei und Beharrlichkeit fehlte
es ihm. Er schien seine groen Eigenschaften fr groe Ereignisse
aufzusparen. Auf dem offenen Schlachtfelde war er ganz er selbst. Er
besa einen raschen und sicheren Blick. Sein Urtheil war dann am
klarsten und treffendsten, wenn die schwerste Verantwortlichkeit auf ihm
lastete und wenn die Schwierigkeiten sich massenhaft um ihn her
aufthrmten. Seiner Geschicklichkeit, Energie und Geistesgegenwart
verdankte sein Vaterland einige ruhmvolle Tage. Aber obwohl in
Schlachten auerordentlich glcklich, war er nicht besonders glcklich
in Feldzgen. Er erwarb sich auf Wilhelm's Unkosten einen glnzenden
Ruf, und doch gaben die beiden Feldherren in Sachen des Kriegs einander
wenig nach. Luxemburg war zu wiederholten Malen siegreich, aber er
verstand die Kunst nicht, einen Sieg zu benutzen. Wilhelm wurde zu
wiederholten Malen geschlagen; aber von allen Feldherren verstand er es
am besten, eine Niederlage wieder gut zu machen.

Im Monat Juli befand sich Wilhelm's Hauptquartier in Lambeque. Ungefhr
sechs Meilen davon, bei Steenkerke, lag Luxemburg mit dem Gros seiner
Armee, und noch etwa sechs Meilen weiter lag ein starkes Corps unter den
Befehlen des Marquis von Boufflers, eines der besten Offiziere in
Ludwig's Diensten.

Die Gegend zwischen Lambeque und Steenkerke war von unzhligen Hecken
und Grben durchschnitten, und keine der beiden Armeen konnte sich der
andren nhern, ohne mehrere lange und schmale Defils zu passiren.
Luxemburg hatte daher wenig Grund zu befrchten, da er in seinen
Verschanzungen angegriffen werden wrde, und er war berzeugt, da er
in Zeiten erfahren wrde, wenn ein Angriff im Werke war; denn es war ihm
gelungen, einen Abenteurer, Namens Millevoix zu bestechen, welcher
erster Musiker und Privatsekretr des Kurfrsten von Baiern war. Dieser
Mann sandte regelmig authentische Nachrichten ber die Plne der
Alliirten in das franzsische Hauptquartier.

Im festen Vertrauen auf die Strke seiner Position und auf die
Genauigkeit seiner Nachrichten, lebte der Marschall in seinem Zelte, wie
er in seinem pariser Hotel zu leben gewohnt war. Er war zu gleicher Zeit
ein Schwchling und ein Wstling und in beiden Eigenschaften liebte er
die Bequemlichkeit. Er bestieg fast nie sein Pferd. Leichte Conversation
und Kartenspiel fllten den grten Theil seiner Zeit aus. Seine Tafel
war luxuris, und wenn er einmal bei Tische sa, war es gefhrlich, ihn
zu stren. Einige Sptter sagten, da er sich bei seinen militrischen
Dispositionen nicht ausschlielich durch militrische Grnde leiten
lasse, da er sich gewhnlich an einem Orte verschanze, wo das
Kalbfleisch und Geflgel besonders gut seien, und da er stets darauf
Bedacht nehme, sich diejenige Communication mit dem Meere frei zu
halten, die ihm vom September bis zum April eine regelmige Zufuhr von
Sandwich-Austern sicherte. Wenn es in der Nhe seines Lagers hbsche
Frauen gab, so waren sie in der Regel bei seinen Gastmhlern zu finden.
Man kann leicht denken, da unter einem solchen Befehlshaber die jungen
Prinzen und Edelleute Frankreich's in Glanz und Galanterie mit einander
wetteiferten.[27]


[_Schlacht von Steenkerke._] Whrend er sich so auf seine gewohnte Art
amsirte, kamen die verbndeten Frsten dahinter, da ihre Beschlsse
verrathen wurden. Ein Landmann fand einen Brief, der verloren worden
war, und brachte ihn dem Kurfrsten von Baiern. Dieser Brief enthielt
klare Beweise von Millevoix' Schuld. Wilhelm hegte die Hoffnung, da es
ihm gelingen werde, seine Feinde in der Schlinge zu fangen, die sie ihm
gelegt hatten. Der treulose Sekretr wurde vor den Knig citirt und
wegen seines Verbrechens zur Rede gesetzt. Man gab ihm eine Feder in die
Hand, hielt ihm ein Pistol auf die Brust und befahl ihm bei Strafe des
augenblicklichen Todes zu schreiben. Sein von Wilhelm dictirter Brief
wurde sodann ins franzsische Lager gesandt. Luxemburg wurde darin
benachrichtigt, da die Alliirten am folgenden Tage ein starkes
Fouragirungscorps zu entsenden gedchten. Um dieses Detachement vor
Belstigung zu schtzen, wrden in der Nacht einige Bataillone
Infanterie, von Artillerie begleitet, ausrcken, um die zwischen den
beiden Armeen gelegenen Defils zu besetzen. Der Marschall las, glaubte
und begab sich zur Ruhe, whrend Wilhelm eifrig seine Vorkehrungen zu
einem allgemeinen Angriff auf die franzsischen Linien betrieb.

Die ganze verbndete Armee stand unter Waffen, als es noch dunkel war.
Mit dem Grauen des Morgens wurde Luxemburg durch Kundschafter geweckt,
die ihm die Nachricht brachten, da der Feind in bedeutender Strke
anrcke. Er nahm die Mittheilung anfangs sehr leicht. Sein Correspondent
schien, wie gewhnlich, umsichtig und exact gewesen zu sein. Der Prinz
von Oranien hatte ein Detachement zum Schutze seiner Fourageurs
entsendet, und der Schrecken hatte dieses Detachement zu einer
gewaltigen Armee vergrert. Doch eine beunruhigende Nachricht folgte
der andren auf dem Fue. Alle Psse, hie es, wimmelten von Massen von
Infanterie, Cavallerie und Artillerie unter den Bannern England's,
Spanien's, der Vereinigten Provinzen und des deutschen Reichs, und jede
Colonne bewege sich gegen Steenkerke. Jetzt stand der Marschall endlich
auf, stieg zu Pferde und ritt aus, um zu sehen was vorging.

Inzwischen war die Vorhut der Alliirten bis dicht an seine Vorposten
herangekommen. Etwa eine halbe Meile von seiner Armee lagerte eine
Brigade, welche den Namen der Provinz Bourbonnais fhrte. Diese Truppen
hatten den ersten Anprall auszuhalten. Erstaunt und von panischem
Schrecken ergriffen, wurden sie in einem Augenblicke geworfen und
suchten ihr Heil in der Flucht, ihre Zelte und sieben Kanonen dem
Feinde berlassend.

Soweit waren Wilhelm's Plne mit vollstndigem Erfolge gekrnt worden;
jetzt aber begann das Glck sich gegen ihn zu wenden. Er war ber die
Beschaffenheit des zwischen der Stellung der Brigade Bourbonnais und dem
Hauptlager des Feindes liegenden Terrains falsch berichtet worden. Er
hatte erwartet, da er im Stande sein wrde, ohne allen Aufenthalt
vorwrts zu dringen, da er die franzsische Armee in einem Zustande
wilder Verwirrung finden und da sein Sieg leicht und vollstndig sein
wrde. Aber er wurde durch mehrere Hecken und Grben in seinem Vorrcken
gehemmt, es entstand ein kurzer Aufenthalt, und dieser kurze Aufenthalt
reichte hin, sein Vorhaben zu vereiteln. Luxemburg war ganz der Mann fr
einen solchen Fall. Er hatte groe Fehler begangen, er hatte sorglose
Wacht gehalten, er hatte Nachrichten, die sich als falsch erwiesen,
blind geglaubt, er hatte Nachrichten, die sich als wahr erwiesen, nicht
beachtet, eine seiner Divisionen war in wilder Flucht begriffen, die
anderen Divisionen waren nicht kampfbereit. Eine solche Krisis wrde die
Geisteskrfte eines gewhnlichen Feldherrn gelhmt haben; die
Geisteskrfte Luxemburg's wurden dadurch nur gesthlt und zu erhhter
Thtigkeit angeregt. Sein Geist, ja auch sein krnklicher und
verwachsener Krper schienen aus Migeschick und Schrecken Gesundheit
und Kraft zu schpfen. In kurzer Zeit hatte er Alles angeordnet. Die
franzsische Armee stand in Schlachtordnung. Unter dieser groen Armee
zeichneten sich besonders die Haustruppen Ludwig's, das berhmteste
Corps streitbarer Mnner in Europa aus, und an ihrer Spitze erschien,
strahlend von eilig bergeworfenen Tressen und Stickereien, ein Schwarm
junger Prinzen und Cavaliere, die eben erst durch die Trompeten von
ihren Lagern oder ihren Banketten aufgeschreckt worden waren, und die
sich beeilt hatten, dem Tode mit der heiteren und festlichen
Unerschrockenheit ins Angesicht zu schauen, welche dem franzsischen
Gentleman eigen ist. Am hchsten im Range unter diesen vornehmen
Kriegern stand ein sechzehnjhriger Jngling, Philipp, Herzog von
Chartres, Sohn des Herzogs von Orleans und Neffe des Knigs von
Frankreich. Nur mit Mhe und durch dringendes Bitten hatte der tapfere
Knabe Luxemburg die Erlaubni entrissen, sich dahin begeben zu drfen,
wo das Feuer am heiesten war. Zwei andere Jnglinge von kniglichem
Geblt, Ludwig, Herzog von Bourbon, und Armand, Prinz von Cond,
bewiesen einen ihrer Ahnherren wrdigen Muth. Neben ihnen kmpfte ein
Abkmmling der Bastarde Heinrich's IV., Ludwig, Herzog von Vendome, ein
in Trgheit und in die niedrigsten Laster versunkener Mensch, der aber
dennoch fhig war, bei einer groen Gelegenheit die Eigenschaften eines
groen Soldaten zu entfalten. Auch Berwick war darunter, der sich einen
ehrenvollen Namen in den Waffen zu erwerben begann, und an seiner Seite
ritt Sarsfield, der sich durch seinen Muth und sein Talent an diesem
Tage die Achtung der ganzen franzsischen Armee verdiente. Unterdessen
hatte Luxemburg einen Eilboten abgesandt, um Boufflers herbeizurufen.
Aber die Botschaft war berflssig. Boufflers hatte das Feuer gehrt,
und als ein tapferer und intelligenter Heerfhrer eilte er bereits dem
Punkte zu, von woher das Gerusch kam.

Obgleich die Angreifenden den ganzen Vortheil eines Ueberfalles verloren
hatten, rckten sie doch beherzt heran. Im Vordertreffen marschirten die
Briten unter den Befehlen des Grafen Solms. Mackay's Division sollte
vorangehen, und ihn sollte nach Wilhelm's Plan ein starkes Corps
Infanterie und Cavallerie untersttzen. Obwohl die meisten von Mackay's
Leuten noch nie im Feuer gestanden hatten, versprach ihr Benehmen doch
an Blenheim und Ramilies zu erinnern. Sie stieen zuerst auf die
Schweizer, welche in der franzsischen Armee eine ausgezeichnete Stelle
einnahmen. Der Kampf war so dicht Mann gegen Mann und so verzweifelt,
da die Mndungen der Gewehre sich kreuzten. Die Schweizer wurden unter
einem furchtbaren Blutbade zurckgeworfen. Mehr als achtzehnhundert Mann
von ihnen wurden nach den franzsischen Listen getdtet oder verwundet.
Luxemburg uerte nachher, da er nie in seinem Leben einen so wthenden
Kampf gesehen habe. Er holte eiligst die Ansichten der ihn umgebenden
Generle ein. Alle waren der Meinung, die Lage der Dinge sei eine
solche, gegen die gewhnliche Mittel nicht ausreichten. Die kniglichen
Haustruppen muten die Englnder angreifen. Der Marschall gab die
Parole, und die Haustruppen, gefhrt von den Prinzen von Geblt, rckten
mit geschultertem Gewehr heran. Das Schwert zur Hand! erscholl es
durch alle Reihen dieser furchtbaren Brigade; das Schwert zur Hand!
kein Feuern! Schlagt sie mit dem kalten Stahl zu Boden! Nach langer und
verzweifelter Gegenwehr wurden die Englnder geworfen. Sie hrten nie
auf zu wiederholen, da, wenn Solms seine Schuldigkeit gegen sie gethan
htte, sie selbst die Haustruppen geschlagen haben wrden. Aber Solms
gewhrte ihnen keine wirksame Untersttzung. Er lie einige Cavallerie
vorgehen, die aber in Folge der Bodenbeschaffenheit wenig oder nichts
thun konnte. Seine Infanterie lie er nicht von der Stelle. Sie knne
nichts ntzen, sagte er, und er habe nicht Lust, sie zur Schlachtbank zu
schicken. Ormond wre sehr gern zur Untersttzung seiner Landsleute
herbeigeeilt, aber er durfte nicht. Mackay sandte einen Eilboten und
lie sagen, da er und seine Leute dem sicheren Untergange preisgegeben
seien; aber es war Alles vergebens. Nun wohl, Gottes Wille geschehe,
sagte der tapfere Veteran. Er starb wie er gelebt hatte: als ein guter
Christ und ein guter Soldat. Mit ihm fielen Douglas und Lanier, zwei
unter den Besiegern Irland's ausgezeichnete Generle. Auch Mountjoy war
unter den Gefallenen. Nachdem er drei Jahre in der Bastille
geschmachtet, war er gegen Richard Hamilton ausgewechselt worden, und,
durch erfahrene Unbilden, die mchtiger waren als alle Argumente Locke's
und Sidney's, zum Whiggismus bekehrt, war er unverzglich als
Freiwilliger in Wilhelm's Lager geeilt. Fnf schne Regimenter wurden
vllig zusammengehauen. Es wrde vielleicht kein Mann von dieser
opferfreudigen Schaar davongekommen sein ohne den Muth und das Benehmen
Auverquerque's, der im Augenblicke der hchsten Bedrngni mit zwei
frischen Bataillonen zur Hlfe herbeieilte. Noch lange erinnerte man
sich an den britischen Wachfeuern mit dankbarer Bewunderung der
Tapferkeit, mit der er die Ueberreste von Mackay's Division befreite.
Der Boden, auf dem der Kampf gewthet, war mit Haufen von Leichen
bedeckt, und Die, welche die Erschlagenen begruben, bemerkten, da fast
alle Wunden vom Sbel oder Bajonnet herrhrten.

Man erzhlte sich, Wilhelm habe seine gewohnte stoische Ruhe soweit
vergessen, da er eine heftige Aeuerung that ber die Art und Weise der
Hinopferung der englischen Regimenter. Bald jedoch erlangte er seinen
Gleichmuth wieder und beschlo den Rckzug anzutreten. Es war hohe Zeit,
denn die franzsische Armee verstrkte sich mit jedem Augenblicke, da
die von Boufflers befehligten Regimenter in rascher Aufeinanderfolge
herbeikamen. Die alliirte Armee zog sich in guter Ordnung und ohne
verfolgt zu werden, auf Lambeque zurck.[28]

Die Franzosen gestanden ein, da sie ungefhr siebentausend Todte und
Verwundete hatten. Der Verlust der Alliirten war nur sehr wenig grer,
wenn er berhaupt grer war. Die relative Strke der beiden Armeen war
die nmliche wie am vergangenen Tage, und sie blieben in ihren
bisherigen Stellungen. Aber der moralische Eindruck der Schlacht war
gro. Der Stern von Wilhelm's Ruhm begann zu erbleichen. Selbst seine
Bewunderer muten zugeben, da er im Felde Luxemburg nicht gewachsen
sei. In Frankreich wurde die Nachricht mit malosem Jubel und Stolze
aufgenommen. Der Hof, die Hauptstadt, selbst das Landvolk der
entlegensten Provinzen freute sich ber die ungestme Tapferkeit, die so
viele Jnglinge, die Erben berhmter Namen, an den Tag gelegt hatten.
Man erzhlte sich mit Freude und Rhrung im ganzen Lande, da der junge
Herzog von Chartres durch keine Vorstellungen sich von der Gefahr habe
zurckhalten lassen, da eine Kugel seinen Mantel durchlchert habe und
da er an der Schulter verwundet worden sei. Das Volk versammelte sich
lngs der Straen, um die von Steenkerke zurckkehrenden Prinzen und
Cavaliere zu sehen. Die Juweliere verfertigten Schnallen  la
Steenkerke, die Parfmeriehndler verkauften Pulver  la Steenkerke.
Besonders aber wurde der Name des Schlachtfeldes einer neuen Art
Halsbinde gegeben. Die Modeherren trugen damals Spitzenhalstcher, die
sie mit groer Sorgfalt zu knpfen pflegten. In dem schreckensvollen
Augenblicke aber als die Brigade Bourbonnais vor dem Angriffe der
Alliirten floh, war keine Zeit, sich zu putzen, und die elegantesten
Herren vom Hofe kamen mit ungeordneten Cravatten vor die Front der
Schlachtlinie gesprengt. Es wurde daher bei der Pariser schnen Welt
Mode, Tcher von den feinsten Spitzen in gesuchter Unordnung um den Hals
zu tragen, und diese Tcher hieen Steenkerkes.[29]

Im Lager der Alliirten herrschte allgemeine Uneinigkeit und
Unzufriedenheit. Nationale Eiferschteleien und Animositten wtheten
rckhaltlos und unverhohlen. Die Entrstung der Englnder uerte sich
laut. Solms war, obgleich Diejenigen, die ihn genau kannten, ihm einige
schtzenswerthe Eigenschaften nicht absprachen, nicht der Mann, Soldaten
fr sich zu gewinnen, die gegen ihn als Auslnder eingenommen waren.
Sein Benehmen war anmaend, sein Character unbiegsam. Schon vor der
unglcklichen Schlacht von Steenkerke verkehrten die englischen
Offiziere nicht gern mit ihm, und die gemeinen Soldaten murrten ber
sein barsches Wesen. Nach der Schlacht aber wurde das Geschrei gegen ihn
wthend. Er wurde, vielleicht mit Unrecht, beschuldigt, whrend des
verzweifelten Kampfes der englischen Regimenter gegen eine groe
Uebermacht mit gefhlloser Leichtfertigkeit geuert zu haben, da er
neugierig sei, wie die Bulldoggen sich herausbeien wrden. Wrde jetzt
noch, fragte man, Jemand behaupten, da er seiner hervorragenden
Geschicklichkeit und Erfahrung wegen ber so viele englische Offiziere
gestellt worden sei? Es sei gebruchlich zu sagen, da diese Offiziere
noch niemals Krieg in groem Mastabe gesehen htten. Aber sicherlich
sei auch der unerfahrenste Neuling befhigt das zu thun was Solms gethan
habe: Befehle falsch zu verstehen, Cavallerie zu Diensten zu verwenden,
die nur Infanterie verrichten knne, und aus sicherer Entfernung
zuzusehen, whrend tapfere Mnner in Stcke gehauen wrden. Es sei
zuviel, zu gleicher Zeit beschimpft und aufgeopfert, von den Ehren des
Kriegs ausgeschlossen und doch den rgsten Gefahren desselben
entgegengeworfen, als ungeschickte Rekruten verhhnt und dann ohne
Beistand dem Kampfe mit dem schnsten Corps Veteranen von der Welt
berlassen zu werden. So lauteten die Klagen der englischen Armee, und
sie fanden bei der englischen Nation Wiederhall.

Zum Glck wurde um diese Zeit eine Entdeckung gemacht, welche dem Lager
von Lambeque wie den Kaffeehusern London's einen Unterhaltungsstoff
lieferte, der den Jakobiten viel weniger angenehm war als die Niederlage
von Steenkerke.


[_Verschwrung Grandval's._] Seit einigen Monaten war im franzsischen
Kriegsministerium ein Complot gegen das Leben Wilhelm's geschmiedet
worden. Wie es scheint, hatte Louvois ursprnglich den Plan entworfen
und ihn, in rohen Umrissen, seinem Sohne und Nachfolger Barbesieux
hinterlassen. Barbesieux brachte die Idee zur Reife. Die Ausfhrung
wurde einem Offizier, Namens Grandval, bertragen. Grandval war ohne
Widerrede tapfer und voll Begeisterung fr sein Vaterland und seine
Religion. Er war zwar ein Fanatiker und nicht ganz bei Verstande, aber
deshalb nicht minder gefhrlich. Ein fanatischer und halb verrckter
Mensch ist in der That gerade dasjenige Werkzeug, das schlaue Politiker
in der Regel vorziehen, wenn etwas besonders Gefhrliches auszufhren
ist. Kein vorsichtig berechnender Kopf wrde sich fr noch so hohen Lohn
dem Schicksale eines Chatel, eines Ravaillac oder eines Gerarts
ausgesetzt haben.[30]

Grandval hatte sich, wie er wenigstens glaubte, den Beistand zweier
Abenteurer, Dumont's, eines Wallonen, und Leefdale's, eines Hollnders,
gesichert. Im April, kurz nach Wilhelm's Ankunft in den Niederlanden,
erhielten die Mrder Befehl, sich auf ihren Posten zu begeben. Dumont
war damals in Westphalen, Grandval und Leefdale in Paris. Uden war als
der Ort bestimmt, wo die Drei zusammentreffen und von wo sie sich in das
Hauptquartier der Alliirten begeben sollten. Ehe Grandval Paris verlie,
stattete er noch einen Besuch in Saint-Germains ab und wurde Jakob und
Marien von Modena vorgestellt. Ich bin von Ihrem Vorhaben
unterrichtet, sagte Jakob. Wenn Sie und Ihre Begleiter mir diesen
Dienst erzeigen, soll es Ihnen nie an etwas fehlen.

Nach dieser Audienz trat Grandval seine Reise an. Er hatte nicht die
leiseste Ahnung davon, da er sowohl von dem Complicen, der ihn
begleitete, als auch von dem Complicen, mit dem er noch zusammentreffen
sollte, verrathen war. Dumont und Leefdale waren keine Fanatiker; die
Restauration Jakob's, die Gre Ludwig's und das Uebergewicht der
rmischen Kirche waren ihnen sehr gleichgltig. Jeder Verstndige mute
einsehen, da, mochte der Plan gelingen oder nicht, der Lohn der Mrder
wahrscheinlich darin bestehen werde, da sie von den Hfen von
Versailles und Saint-Germains mit erheucheltem Abscheu desavouirt, und
mit glhenden Zangen gezwickt, mit geschmolzenem Blei begossen und von
vier Pferden zerrissen wurden. Fr gewhnliche Menschen hatte die
Aussicht auf ein solches Mrtyrerthum nichts Anziehendes. Jene beiden
Mnner hatten daher fast zu gleicher Zeit, wenn auch wie es scheint ohne
vorgngige Verabredung, Wilhelm auf verschiedenen Wegen die Warnung
zukommen lassen, da sein Leben in Gefahr sei. Dumont hatte Alles dem
Herzog von Celle, einem der verbndeten Frsten, mitgetheilt, und
Leefdale hatte durch seine in Holland wohnenden Verwandten ausfhrliche
Nachrichten gegeben. Mittlerweile hatte Morel, ein schweizerischer
Protestant von groer Gelehrsamkeit, der sich damals in Frankreich
aufhielt, Burnet schriftlich mitgetheilt, da man den schwachen und
berspannten Grandval prahlend von einem Ereignisse habe sprechen hren,
welches die Welt in Erstaunen setzen werde, und da er mit groer
Zuversicht prophezeit habe, der Prinz von Oranien werde das Ende des
nchsten Monats nicht erleben.

Diese warnenden Winke wurden nicht unbeachtet gelassen. Von dem
Augenblicke an wo Grandval die Niederlande betrat, war er von
Fallstricken umgeben. Alle seine Bewegungen und Reden wurden beobachtet;
er wurde festgenommen, verhrt, mit seinen Complicen confrontirt und in
das Lager der Alliirten geschickt. Ungefhr acht Tage nach der Schlacht
von Steenkerke wurde er vor ein Kriegsgericht gestellt. Ginkell, der fr
seine groen Dienste in Irland mit dem Titel eines Earl von Athlone
belohnt worden war, fhrte den Vorsitz, und Talmash befand sich unter
den Richtern. Mackay und Lanier waren ebenfalls zu Mitgliedern des
Tribunals ernannt worden; aber sie waren nicht mehr, und ihre Pltze
wurden daher durch jngere Offiziere ausgefllt.

Die Aufgabe des Kriegsgerichts war sehr einfach, denn der Gefangene
machte gar keinen Versuch sich zu vertheidigen. Sein Gewissen schien
pltzlich erwacht zu sein. Er gab mit Ausdrcken der Reue die Wahrheit
aller Beschuldigungen zu, legte ein ausfhrliches und anscheinend
aufrichtiges Gestndni ab und erkannte an, da er den Tod verdient
habe. Er wurde verurtheilt, gehngt, geschleift und geviertheilt zu
werden, und erlitt seine Strafe mit groer Standhaftigkeit und einem
Anschein von Frmmigkeit. Er hinterlie einige Zeilen, in denen er
erklrte, da er im Begriff stehe sein Leben zu verlieren, weil er den
Befehlen Barbesieux' zu gewissenhaft nachgekommen sei.

Sein Bekenntni erschien alsbald gedruckt in mehreren Sprachen und wurde
mit sehr verschiedenen und sehr heftigen Empfindungen gelesen. Da es
cht war, konnte nicht bezweifelt werden, denn es war durch die
Unterschriften einiger der ausgezeichnetsten lebenden Militrs verbrgt.
Da es von der Hoffnung auf Begnadigung eingegeben sein sollte, war kaum
anzunehmen, denn Wilhelm hatte dafr gesorgt, jede derartige Hoffnung
niederzuschlagen. Noch weniger konnte man annehmen, da der Gefangene
Unwahrheiten ausgesagt habe, um der Tortur zu entgehen, denn obgleich es
in den Niederlanden allgemein gebruchlich war, berfhrte Mrder auf
die Folter zu spannen, um ihnen die Namen ihrer Auftraggeber und
Mitschuldigen abzupressen, so hatte doch Wilhelm anbefohlen, bei dieser
Gelegenheit die Folter weder anzuwenden noch auch nur zu nennen. Es mu
hinzugesetzt werden, da der Gerichtshof gar kein strenges Verhr mit
dem Gefangenen anstellte, sondern ihm seine Geschichte nach seiner Weise
erzhlen lie. Man darf daher wohl annehmen, da seine Erzhlung im
Wesentlichen wahr ist, und kein Theil derselben trgt unverkennbarer den
Stempel der Wahrheit als sein Bericht von der Audienz, mit der Jakob ihn
in Saint-Germains beehrt hatte.

Auf unsrer Insel machte die Nachricht groes Aufsehen. Die Whigs nannten
ganz offen Jakob sowohl als Ludwig Meuchelmrder. Wie, fragte man, sei
es, ohne dem gesunden Menschenverstande Hohn zu sprechen, mglich, den
Worten, welche Grandval aus dem Munde des verbannten Knigs von England
gehrt zu haben erklrte, einen unschuldigen Sinn beizulegen? Und
welcher Mensch, der den Hof von Versailles kenne, werde glauben, da
Barbesieux, ein bloer Anfnger in der Politik und mehr Sekretr als
Minister, gewagt haben wrde, das was er gethan, ohne Bewilligung seines
Gebieters zu thun? Sehr menschenfreundliche und sehr unwissende Personen
knnten sich vielleicht der Hoffnung hingeben, da Ludwig vor
vollendeter Thatsache noch nicht Theilnehmer gewesen sei. Da er aber
nach vollendeter Thatsache Mitschuldiger gewesen sei, knne kein Mensch
bezweifeln. Er msse nothwendig das Verfahren des Kriegsgerichts, das
Zeugenverhr und das Gestndni gesehen haben. Wenn er also wirklich den
Meuchelmord verabscheute, wie jeder Ehrenmann ihn verabscheute, wrde
dann nicht Barbesieux mit Schimpf und Schande aus seiner Anwesenheit
verbannt und in die Bastille geworfen worden sein? Barbesieux sei jedoch
noch immer im Kriegsministerium, und Niemand behaupte, da er nur mit
einem Worte oder mit einem ungehaltenen Blicke bestraft worden sei. Es
sei demnach klar, da beide Knige an Grandval's Verbrechen Theil
htten. Und wenn man frage, wie zwei Frsten, die eine groe
Religiositt zur Schau trgen, eine solche Schndlichkeit htten begehen
knnen, so laute die Antwort darauf, da sie ihre Religion von den
Jesuiten gelernt htten. Die englischen Jakobiten erwiederten sehr wenig
auf diese Vorwrfe, und die franzsische Regierung erwiederte gar nichts
darauf.[31]


[_Wilhelm's Rckkehr nach England._] Der Feldzug in den Niederlanden
endete ohne ein weiteres Ereigni, das erwhnt zu werden verdiente. Am
18. October traf Wilhelm wieder in England ein. Spt am Abend des 20.
erreichte er Kensington, nachdem er durch die Hauptstadt in ihrer ganzen
Lnge gefahren war. Sein Empfang war herzlich, eine groe Menschenmenge
hatte sich versammelt, die ihn mit lauten Zurufen begrte, und alle
Fenster auf seinem Wege, von Aldgate bis Piccadilly, waren
erleuchtet.[32]


[_Schlechte Marineverwaltung._] Trotz dieser gnstigen Symptome aber war
die Nation verstimmt und unzufrieden. Zu Lande war der Krieg unglcklich
gewesen. Zur See war ein groer Vortheil errungen, aber nicht benutzt
worden. Man hatte allgemein erwartet, da dem Siege vom Mai eine Landung
an der franzsischen Kste folgen, da Saint-Malo bombardirt, da die
letzten Ueberreste von Tourville's Geschwader vernichtet und da die
Arsenale von Brest und Rochefort in Trmmer geschossen werden wrden.
Diese Erwartung war allerdings unvernnftig. Daraus, da Rooke und seine
Seeleute die in aller Eile von Bellefonds errichteten Batterien zum
Schweigen gebracht hatten, folgte noch nicht, da es rathsam war,
Schiffe dem Feuer ordentlicher Festungen auszusetzen. Die Regierung war
jedoch nicht weniger sanguinisch als die Nation. Es wurden groartige
Anstalten getroffen. Nachdem die verbndete Flotte in Portsmouth eiligst
wieder in Stand gesetzt worden war, stach sie aufs neue in See. Rooke
wurde abgesandt, um die Wassertiefe und die Strmungen lngs der Kste
der Bretagne zu untersuchen.[33] Bei Saint-Helens wurden
Transportschiffe versammelt. Vierzehntausend Mann Truppen lagen bei
Portsdown unter dem Commando Meinhart Schomberg's, der fr die Dienste
seines Vaters und fr seine eigenen mit dem hchsten irischen Peersrange
belohnt worden und jetzt Herzog von Leinster war. Unter ihm dienten
Ruvigny, der fr seine trefflichen Dienste bei Aghrim zum Earl von
Galway creirt worden war, La Melloniere und Cambon mit ihren tapferen
Refugis und Argyle mit dem Regimente, das seinen Namen fhrte und das,
wie man sich zu erzhlen begann, im vergangenen Winter in einer noch von
keinem Englnder erforschten wilden Gebirgs- und Schneegegend etwas
Sonderbares und Entsetzliches gethan haben sollte.

Am 26. Juli waren smmtliche Truppen an Bord. Die Transportschiffe
segelten ab und vereinigten sich nach wenigen Stunden in der Nhe von
Portland mit der Kriegsflotte. Am 28. wurde ein allgemeiner Kriegsrath
gehalten. Smmtliche Schiffcommandeurs, mit Russell an der Spitze,
erklrten, da es Wahnsinn sein wrde, ihre Schiffe in den Bereich der
Kanonen von Saint-Malo zu bringen, und da die Stadt erst zu Lande
bedrngt werden msse, ehe die im Hafen liegenden Kriegsschiffe mit der
geringsten Aussicht auf Erfolg von der See her angegriffen werden
knnten. Die Militrs erklrten mit gleicher Einstimmigkeit, da die
Landtruppen ohne gleichzeitige Mitwirkung der Flotte nichts gegen die
Stadt auszurichten vermchten. Man berlegte nun, ob es rathsam sei,
einen Angriff auf Brest oder Rochefort zu unternehmen. Russell und die
brigen Flaggenoffiziere, darunter Rooke, Shovel, Almonde und Evertsen,
erklrten, der Sommer sei fr beide Unternehmungen zu weit
vorgerckt.[34] Wir mssen glauben, da eine Ansicht, in der so viele
ausgezeichnete englische und hollndische Admirale bereinstimmten, mag
sie uns auch noch so auffallend erscheinen, den damals feststehenden
Prinzipien der Seekriegskunst angemessen war. Warum aber alle diese
Fragen nicht acht Tage frher erschpfend berathen, warum
vierzehntausend Mann Truppen eingeschifft und aufs Meer geschickt worden
waren, ehe man erwogen hatte, was sie thun sollten oder ob sie berhaupt
etwas wrden thun knnen, darber drfen wir uns mit Recht wundern. Die
Flotte kehrte zum Erstaunen und Unwillen der ganzen Nation nach
Saint-Helens zurck.[35] Die Minister tadelten die Commandeurs, die
Commandeurs tadelten die Minister. Ganz besonders laut und heftig waren
die gegenseitigen Beschuldigungen zwischen Nottingham und Russell. Der
rechtschaffene und fleiige, in den Civilgeschften wohlbewanderte und
in der parlamentarischen Debatte beredtsame Nottingham entbehrte der
Eigenschaften eines Kriegsministers und war sich seiner Mangelhaftigkeit
in dieser Beziehung keineswegs bewut. Zwischen ihm und dem ganzen
Stande der Seeleute von Profession herrschte eine schon seit langer Zeit
whrende Fehde. Er war einige Zeit vor der Revolution einer der Lords
der Admiralitt gewesen und glaubte sich damals eine grndliche Kenntni
der Marineangelegenheiten erworben zu haben. Diese Ansicht theilten
jedoch nur sehr Wenige. Mnner, welche die Hlfte ihres Lebens auf dem
Wasser zugebracht und Schlachten, Strme und Schiffbrche gesehen
hatten, rgerten sich ber seine etwas pomphaften Sermone und Verweise
und erklrten ihn fr einen bloen Pedanten, der mit aller seiner
Bchergelehrsamkeit Dinge nicht verstehe, die jeder Kajtenjunge wisse.
Russell war stets eigensinnig, anmaend und widerspenstig gewesen, und
jetzt entwickelten Glck und Ruhm seine Fehler zu voller Strke. Der
Regierung gegenber, die er gerettet hatte, nahm er sich alle Freiheiten
eines insolenten Dieners heraus, der sich fr unentbehrlich hlt,
behandelte die Befehle seiner Vorgesetzten mit geringschtzender
Leichtfertigkeit, nahm jeden auch noch so milden Tadel fr eine
Beleidigung, lieferte keinen eigenen Plan und zeigte doch eine unmuthige
Entschlossenheit, keinen von irgend einem Andren vorgeschlagenen Plan
auszufhren. Gegen Nottingham empfand er eine starke und sehr natrliche
Antipathie. Sie waren in der That ein schlecht zusammenpassendes Paar.
Nottingham war ein Tory, Russell ein Whig. Nottingham war ein
spekulativer Seemann, der auf seine Theorien pochte, Russell ein
praktischer Seemann, der auf seine Thaten stolz war. Nottingham's Strke
war die Rede, Russell's Strke war das Handeln. Nottingham's Benehmen
war anstndig bis zur Frmlichkeit; Russell war heftig und barsch.
Schlielich war Nottingham ein braver Mann, Russell ein Schurke. Sie
wurden jetzt Todfeinde. Der Admiral machte sich ber die Unwissenheit
des Sekretrs in Marineangelegenheiten lustig; der Secretr beschuldigte
den Admiral, da er die Interessen des Staats bloen eigensinnigen
Launen aufopfere, und Beide hatten Recht.[36]

Whrend sie mit einander haderten, erhoben die Kaufleute aller
Hafenpltze des Knigreichs ein lautes Geschrei ber die
Marineverwaltung. Den Sieg, auf den die Nation so stolz war, erklrte
man in der City fr ein positives Unglck. Whrend einiger Monate vor
der Schlacht war die ganze Seemacht des Feindes in zwei groen Massen
concentrirt gewesen, die eine im mittellndischen, die andre im
atlantischen Meere. In Folge dessen hatte es wenig Kaperei gegeben, und
die Reise nach Neuengland oder nach Jamaika war fast eben so gefahrlos
gewesen wie in Friedenszeiten. Seit der Schlacht aber waren die
Ueberreste der vor kurzem unter Tourville versammelt gewesenen Flotte
ber den Ocean zerstreut. Selbst die Ueberfahrt von England nach Irland
war unsicher. Jede Woche wurde angekndigt, da zwanzig, dreiig,
fnfzig Schiffe, welche London oder Bristol gehrten, von den Franzosen
weggenommen worden seien. Mehr als hundert Prisen waren diesen Herbst
allein nach Saint-Malo gebracht worden. Nach der Meinung der
Schiffseigner und der Assecuradeurs wrde es weit besser gewesen sein,
wenn der Soleil Royal mit seinen tausend streitbaren Mnnern noch auf
hoher See geschwommen wre, anstatt da er wie ein Aschenhaufen am
Strande bei Cherbourg lag, whrend seine Mannschaft, auf zwanzig
Brigantinen vertheilt, in den Gewssern zwischen Cap Finisterre und Cap
Clear nach Beute umherkreuzte.[37]

Die Kaper von Dnkirchen waren schon seit langer Zeit berhmt, und unter
ihnen nahm Jean Bart, von niederer Herkunft und kaum im Stande seinen
Namen zu schreiben, aber ausgezeichnet tapfer und rhrig, unbestritten
den ersten Rang ein. In dem Vaterlande Anson's und Hawke's, Howe's und
Rodney's, Duncan's, Saint-Vincent's und Nelson's wrde der Name des
verwegensten und geschicktesten Corsaren wenig Aussicht gehabt haben, in
der Erinnerung fortzuleben. Frankreich aber, unter dessen vielen
unbestrittenen Ruhmestiteln nur sehr wenige dem Seekriege angehren,
zhlt Jean Bart noch immer zu seinen groen Mnnern. Im Herbste des
Jahres 1692 war dieser unternehmende Freibeuter der Schrecken aller mit
der Ostsee Handel treibenden englischen und hollndischen Kaufleute. Er
nahm und zerstrte Schiffe dicht an der Ostkste unsrer Insel. Ja, er
wagte es sogar in Northumberland zu landen, und verbrannte viele Huser,
ehe die Milizen zusammengezogen werden konnten, um ihm auf den Leib zu
rcken. Der Werth der Prisen, die er in seinen heimathlichen Hafen
fhrte, wurde auf ungefhr hunderttausend Pfund Sterling geschtzt.[38]
Um die nmliche Zeit wurde einem jngeren Abenteurer, der bestimmt war,
Bart zu erreichen oder noch zu bertreffen, Du Guay Trouin, das Commando
eines kleinen bewaffneten Fahrzeugs bertragen. Der unerschrockene Knabe
-- denn er war noch nicht zwanzig Jahr alt -- fuhr in die Mndung des
Shannon, plnderte ein Haus in der Grafschaft Clare und schiffte sich
nicht eher wieder ein, als bis ein Detachement der Garnison von Limerick
gegen ihn ausrckte.[39]


[_Erdbeben in Port Royal._] Whrend durch diese Seeruber unser Handel
gestrt und unsere Ksten bedroht wurden, vermehrten einige andere
Calamitten, die keine menschliche Vorsicht htte abwenden knnen, die
ffentliche Verstimmung. Ein Erdbeben von furchtbarer Heftigkeit
zerstrte binnen weniger als drei Minuten die blhende Colonie Jamaika.
Ganze Pflanzungen vernderten ihre Lage, ganze Drfer wurden
verschlungen. Port Royal, die schnste und reichste Stadt, welche die
Englnder bis dahin in der neuen Welt erbaut hatten, berhmt wegen ihrer
Quais, ihrer Waarenmagazine und ihrer prchtigen Straen, die mit
Cheapside gewetteifert haben sollen, wurde in einen Trmmerhaufen
verwandelt. Funfzehnhundert Einwohner wurden unter ihren eigenen Husern
begraben. Die Folgen dieses Unglcks wurden von vielen groen
Handlungshusern London's und Bristol's schwer empfunden.[40]


[_Noth in England._] Ein noch greres Unglck war das Mirathen der
Ernte. Der Sommer war im ganzen westlichen Europa na gewesen. Die
starken Regengsse, welche die Arbeiten der franzsischen Pioniere in
den Laufgrben von Namur erschwert hatten, waren auch den Feldfrchten
verderblich gewesen. Alte Leute erinnerten sich seit 1648 keines solchen
Jahres. Keine Frucht wurde reif. Der Preis des Quarters Weizen
verdoppelte sich. Das Uebel wurde noch verschlimmert durch den Zustand
der Silbermnzen, die in einem solchen Umfange beschnitten worden
waren, da die Worte Pfund und Schilling gar keine bestimmte Bedeutung
mehr hatten. Verglichen mit Frankreich konnte England sich inde noch
glcklich schtzen. Hier waren die ffentlichen Lasten schwer, dort
waren sie erdrckend. Hier mute der Arbeiter mit seinem groben
Gerstenbrot haushlterisch umgehen; dort geschah es nicht selten, da
der unglckliche Landmann mit halbgekautem Grase im Munde todt gefunden
wurde. Unsere Vorfahren fanden einigen Trost in dem Gedanken, da sie
nach und nach die Strke ihres furchtbaren Feindes erschpften und da
seine Hlfsquellen wahrscheinlich eher versiegen wrden als die ihrigen.
Doch die Leiden und die Unzufriedenheit waren immerhin gro. In einigen
Grafschaften griff der Pbel die Getreidespeicher an. Die Nothwendigkeit
sich einzuschrnken wurde von Familien jeden Standes erkannt. Ein
miger Schngeist und Genumensch, der schwerlich daran gedacht hat,
da seine Scherze je citirt werden wrden, um die Geschichte seiner Zeit
zu characterisiren, beklagt sich, da in diesem Jahre der Wein von
vielen Tafeln, auf denen man ihn zu sehen gewohnt war, verschwunden
gewesen und durch Punsch ersetzt worden sei.[41]


[_Zunahme der Verbrechen._] Ein weit beunruhigenderes Symptom des
allgemeinen Nothstandes als die Substituirung des Clarets durch
Branntwein und Citronen war die Vermehrung der Verbrechen. Whrend des
Herbstes von 1692 und des darauffolgenden Winters wurde die Hauptstadt
durch Einbruchdiebsthle in bestndiger Angst erhalten. Eine dreizehn
Mann starke Diebesbande drang in den Palast des Herzogs von Ormond in
Saint-James' Square und es wre ihr fast gelungen sein prchtiges
Silbergeschirr und seine Juwelen zu entwenden. Eine andre Bande
versuchte einen Einbruch in Lambeth Palace.[42] Wenn herrschaftliche,
von zahlreichen Dienern bewachte Wohnungen in solcher Gefahr schwebten,
so wird man leicht glauben, da keines Krmers Kasse und Waarenlager
sicher war. Von Bow bis Hydepark, von Thames Street bis Blomsbury war
kein Kirchspiel, in welchem nicht eine ruhige Wohnung durch nchtliche
Diebe geplndert worden wre.[43] Zu gleicher Zeit waren die Heerstraen
wegen der Freibeuter, die sich in strkere Truppen formirten, als man
sie bis dahin gekannt hatte, kaum noch zu passiren. Es existirte ein
geschworner Bund von zwanzig Straenrubern zu Fu, die in einem
Alehause in Southwark ihre Zusammenknfte hielten.[44] Die gefrchtetste
Ruberbande aber bestand aus zweiundzwanzig Berittenen.[45] Eine Reise
von fnfzig Meilen durch die reichsten und bevlkertsten Grafschaften
England's scheint damals eben so gefhrlich gewesen zu sein, wie eine
Wanderung durch die Wsten Arabien's. Die Diligence von Oxford wurde am
hellen Tage nach einem blutigen Kampfe ausgeplndert.[46] Ein mit
funfzehntausend Pfund Sterling Staatsgeldern befrachteter Wagen wurde
angehalten und ausgeraubt. Da diese Operation einige Zeit erforderte,
so wurden alle Reisenden, die whrend der Arbeit der Diebe zur Stelle
kamen, festgenommen und bewacht. Als die Beute in Sicherheit gebracht
war, durften die Gefangenen zu Fu ihren Weg fortsetzen; aber ihre
Pferde, sechzehn bis achtzehn an der Zahl, wurden todtgeschossen oder
ihnen die Knieflechsen zerschnitten, um jede Verfolgung zu
verhindern.[47] Der Postwagen von Portsmouth wurde in einer Woche
zweimal durch wohlbewaffnete und berittene Mnner beraubt.[48] Einige
joviale Squires aus Essex wurden auf einer Hasenjagd ihrerseits von neun
Jgern ganz andrer Art gehetzt und eingeholt und waren herzlich froh,
als sie, wenn auch mit leeren Taschen, wieder zu Hause anlangten.[49]

Die Freunde der Regierung behaupteten, die Ruber seien lauter
Jakobiten, und gewisse Anzeichen gaben dieser Behauptung in der That
einen Schein von Begrndung. Es wurden zum Beispiel funfzehn Metzger,
welche an einem Markttage nach Thame gingen, um Vieh einzukaufen, von
einer starken Bande angehalten und zuerst gezwungen ihre Geldkatzen
herzugeben und dann Branntwein auf das Wohl Knig Jakob's zu
trinken.[50] Man mu jedoch den Rubern und Dieben die Gerechtigkeit
widerfahren lassen, da sie bei Ausbung ihres Handwerks keine bestimmte
Vorliebe fr irgend eine politische Partei zeigten. Einige von ihnen
begegneten in der Nhe von Saint-Albans Marlborough und zwangen ihn,
ungeachtet seiner bekannten Feindseligkeit gegen den Hof und seiner
krzlichen Haft, fnfhundert Guineen herauszugeben, deren Verlust er
wahrscheinlich bis zum letzten Augenblicke seiner langen Laufbahn des
Glcks und Ruhms nicht aufhrte zu beklagen.[51]

Als Wilhelm bei seiner Zurckkunft vom Continent erfuhr, in welcher
Ausdehnung dieses Unwesen getrieben wurde, uerte er eine tiefe
Entrstung und kndigte seinen Entschlu an, die Uebelthter mit
starker Hand zu unterdrcken. Ein alter ausgedienter Ruber wurde
bewogen, den Angeber zu machen und dem Knige eine lange Liste der
bedeutendsten Straenruber und einen vollstndigen Nachweis ber
ihre Gewohnheiten und ihre Lieblingsaufenthaltsorte vorzulegen. Diese
Liste soll nicht weniger als achtzig Namen enthalten haben.[52] Es
wurden starke Reitertrupps zum Schutze der Landstraen ausgesandt,
und diese Maregel, welche unter gewhnlichen Verhltnissen lautes
Murren hervorgerufen haben wrde, scheint allgemein gebilligt
worden zu sein. Ein schnes Regiment, gegenwrtig das zweite
Gardedragonerregiment genannt, das sich in Irland durch Thtigkeit und
Glck im unregelmigen Kriege gegen die Rapparees ausgezeichnet hatte,
wurde dazu auserwhlt, mehrere von den groen Zugngen zur Hauptstadt
zu bewachen. Blackheath, Barnet, Hounslow wurden Waffenpltze.[53]
Nach wenigen Wochen waren die Straen wieder so sicher wie sonst. Es
fanden zahlreiche Hinrichtungen statt, denn bis das Uebel vollstndig
unterdrckt war, weigerte sich der Knig standhaft, irgend einem
Gnadengesuche Gehr zu geben.[54] Unter den Hingerichteten befand
sich auch Jakob Whitney, der berchtigtste Ruberhauptmann im ganzen
Knigreiche. Er war einige Monate lang der Schrecken aller von
London nordwrts oder westwrts Reisenden gewesen und wurde endlich
mit Mhe nach einem verzweifelten Kampfe, in welchem ein Soldat
getdtet und mehrere andere verwundet wurden, gefangen genommen.[55]
Die London Gazette zeigte die Gefangennehmung dieses berchtigten
Straenrubers an und forderte alle Diejenigen, welche von ihm beraubt
worden waren, auf, sich in Newgate einzufinden und zu sehen, ob sie
ihn wiedererkennten. Seine Identitt festzustellen, konnte nicht
schwer sein, denn er hatte eine Wunde im Gesicht und einen Daumen
verloren.[56] Aber er verwendete in der Hoffnung, die Belastungszeugen
irre zu fhren, hundert Pfund Sterling darauf, sich bis zum Tage der
Gerichtsverhandlungen einen kostbaren gestickten Anzug zu verschaffen.
Dieser sinnreiche Einfall wurde jedoch durch seine hartherzigen Hter
vereitelt. Er kam in seinen gewhnlichen Kleidern vor die Schranke
und wurde berfhrt und zum Tode verurtheilt.[57] Er hatte vorher
noch den Versuch gemacht, sich durch das Anerbieten loszukaufen, eine
aus lauter Straenrubern bestehende Reitertruppe fr den Dienst in
Flandern zu errichten; aber sein Anerbieten war abgelehnt worden.[58]
Jetzt blieb ihm noch ein mglicher Ausweg. Er erklrte, da er um ein
hochverrtherisches Complot wisse. Einige jakobitische Lords htten ihm
eine groe Belohnung versprochen, wenn er an der Spitze seiner Bande
den Knig auf einer Hirschjagd im Walde von Windsor berfallen wolle.
Whitney's Geschichte hatte durchaus keine innere Unwahrscheinlichkeit.
Es wurde sogar ein ganz hnlicher Plan, wie der, dessen er die
Mivergngten beschuldigte, nur drei Jahre spter von einigen von
ihnen wirklich entworfen und beinahe zur Ausfhrung gebracht. Aber
es war viel besser, da einige wenige schlechte Menschen unbestraft
blieben, als da alle rechtschaffenen Leute in bestndiger Angst
lebten, von zum Galgen verurtheilten Verbrechern flschlich angeklagt
zu werden. Der Oberrichter Holt rieth dem Knige, der Gerechtigkeit
ihren Lauf zu lassen, und Wilhelm, der nie besonders geneigt war,
Verschwrungsgeschichten Glauben zu schenken, gab seine Zustimmung. Der
Kapitain, wie man ihn nannte, wurde in Smithfield gehngt und ging sehr
reumthig aus der Welt.[59]


[_Zusammentritt des Parlaments._] Unterdessen hatte inmitten der
Mistimmung, Noth und Unordnung eine ganz besonders ereignivolle
Parlamentssession begonnen, eine Session, von der eine neue Aera in der
Geschichte der englischen Finanzen datirt, eine Session, in welcher
einige wichtige Verfassungsfragen, die noch heute nicht vollstndig
erledigt sind, zum ersten Male berathen wurden.


[_Stand der Parteien._] Es ist sehr zu bedauern, da jeder Bericht von
dieser Session, der sich aus den uns jetzt noch zu Gebote stehenden
sprlichen und zerstreuten Materialien zusammenstellen lt, Vieles im
Dunklen lassen mu. Die gegenseitigen Beziehungen der parlamentarischen
Parteien waren dieses Jahr in einem uerst verwickelten Zustande. Jedes
der beiden Huser wurde durch mehrere Scheidelinien in Abtheilungen und
Unterabtheilungen zerfllt. Unwichtigerer Unterscheidungen nicht zu
gedenken, war zuerst die groe Scheidelinie, welche die Whigpartei von
der Torypartei trennte; dann die groe Scheidelinie, welche die
Staatsmnner mit ihren Freunden und ihren Anhngern, zuweilen die
Hofpartei genannt, von Denen trennte, denen man bald den Spottnamen der
Murrkpfe (+Grumbletonians+) gab, bald mit der Benennung der
Vaterlandspartei beehrte. Und diese beiden groen Linien durchschnitten
sich wieder. Denn von den Dienern der Krone und ihren Anhngern waren
ungefhr die Hlfte Whigs; die andere Hlfte Tories. Auch mu daran
erinnert werden, da vllig getrennt von der Fehde zwischen Whigs und
Tories, vllig getrennt auch von der Fehde zwischen den Staatsdienern
und Nichtstaatsdienern, eine Fehde zwischen den Lords als Lords und den
Gemeinen als Gemeinen herrschte. Der Geist der erblichen Kammer und der
Wahlkammer war in der vorigen Session durch den Streit ber den
Gerichtshof des Lord High Steward grndlich aufgestachelt worden und sie
kamen jetzt in kampflustiger Stimmung zusammen.


[_Die Thronrede._] Die Rede, welche der Knig bei Erffnung der Session
hielt, war geschickt zu dem Zwecke abgefat, die Huser zu vershnen. Er
komme, sagte er zu ihnen, ihren Rath und Beistand zu erbitten. Er
gratulirte ihnen zu dem Siege von La Hogue. Er gestand mit groem
Bedauern, da die Operationen der Verbndeten zu Lande weniger glcklich
gewesen waren als zur See, erklrte aber mit Feuer, da die Tapferkeit
seiner englischen Unterthanen zu Lande wie zur See ganz vorzglich
gewesen sei. Die Noth seines Volks, sagte er, sei auch die seinige, sein
Interesse sei von dem des Volks unzertrennlich; es sei ihm schmerzlich,
Opfer von ihm zu verlangen, aber Opfer, welche zum Heile der englischen
Nation und des protestantischen Glaubens nothwendig seien, werde kein
guter Englnder und kein guter Protestant scheuen.[60]


[_Privilegienfrage, von den Lords zur Sprache gebracht._] Die Gemeinen
dankten dem Knige in herzlichen Ausdrcken fr seine huldvolle
Rede.[61] Die Lords aber waren in schlechter Stimmung. Zwei der Ihrigen,
Marlborough und Huntingdon, waren whrend der Ferien, als man stndlich
eine Invasion und einen Aufstand erwartete, in den Tower geschickt
worden und standen noch unter der schriftlichen Verpflichtung, sich auf
Verlangen vor Gericht zu stellen. Wre ein Landgentleman oder ein
Kaufmann in einer so beunruhigenden Krisis selbst auf noch
geringfgigere Grnde hin zur Brgschaftsstellung angehalten worden, so
wrden die Lords sich gewi nicht eingemischt haben. Aber durch Alles
was wie eine ihrem Stande angethane Schmach aussah, wurden sie leicht in
Zorn gebracht. Sie unterwarfen nicht nur den Prokurator des Schatzamts,
Aaron Smith, dem sein Character allerdings wenig Anspruch auf Nachsicht
gab, einem strengen Verhr, sondern faten auch mit fnfunddreiig gegen
achtundzwanzig Stimmen einen Beschlu, der einen Tadel gegen die Richter
der Kings Bench aussprach, Mnner, die an Rechtschaffenheit sicherlich
keinem Peer des Reichs nachstanden und an juristischen Kenntnissen jeden
derselben weit bertrafen. Der Knig hielt es fr gerathen, den
verletzten Stolz des hohen Adels dadurch zu beschwichtigen, da er die
Brgschaftsleistungen zu cassiren befahl, und durch diese Concession war
das Haus zufriedengestellt, zum groen Aerger der Jakobiten, welche
gehofft hatten, da der Streit bis zu einem unheilvollen Ausgange
getrieben werden wrde, und die, als sie sich in dieser Erwartung
getuscht sahen, ihrem Unmuthe durch Schmhungen gegen die
Unterwrfigkeit der entarteten Barone England's Luft machten.[62]


[_Debatten ber die Lage der Nation._] Beide Huser hielten lange und
ernste Berathungen ber die Lage der Nation. Als der Knig sie um ihren
Rath ersuchte, hatte er wahrscheinlich nicht vorausgesehen, da seine
Worte als eine Aufforderung gedeutet werden wrden, jeden Theil der
Verwaltung zu untersuchen und ber Angelegenheiten, welche die
Parlamente in der Regel gnzlich der Krone zu berlassen fr zweckmig
hielten, Vorschlge zu machen. Einige der unzufriedenen Peers schlugen
vor, da ein zum Theil von den Lords, zum Theil von den Gemeinen
gewhlter Ausschu ermchtigt werden sollte, die ganze Leitung der
ffentlichen Angelegenheiten zu untersuchen. Man frchtete jedoch
allgemein, da ein solcher Ausschu ein zweiter und mchtigerer, von der
Krone unabhngiger und der Verfassung unbekannter Staatsrath werden
wrde. Der Antrag wurde deshalb mit achtundvierzig gegen sechsunddreiig
Stimmen verworfen. Bei dieser Gelegenheit stimmten die Minister mit kaum
einer Ausnahme mit der Majoritt. Achtzehn von der Minoritt, unter
denen sich die heftigsten Whigs und die heftigsten Tories der ganzen
Pairie befanden, unterzeichneten einen Protest.[63]

Jedes der beiden Huser untersuchte demnach fr sich allein die Ursachen
der Calamitten des Staats. Die Gemeinen constituirten sich zu einem
Groen Ausschusse, um den dem Knige zu ertheilenden Rath zu erwgen.
Aus den gedrngten Auszgen und Bruchstcken, die auf uns gekommen sind,
scheint hervorzugehen, da in diesem Ausschusse, der viele Tage Sitzung
hielt, die Debatten sich auf einem weitumfassenden Gebiete bewegten. Ein
Mitglied sprach von dem Ueberhandnehmen des Straenraubes, ein andres
beklagte das Zerwrfni zwischen der Knigin und der Prinzessin und
schlug vor, da einige Gentlemen abgeordnet werden sollten, um bei Ihrer
Majestt die Schlichtung der Sache zu versuchen. Ein drittes schilderte
die Machinationen der Jakobiten im vergangenen Frhjahre. Es sei
notorisch, sagte er, da Vorbereitungen zu einem Aufstande getroffen und
Waffen und Pferde angeschafft worden seien; aber nicht ein einziger
Hochverrther sei zur Untersuchung gezogen worden.[64]

Der Ausgang des Kriegs zu Lande und zur See lieferte Stoff zu
mehreren lebhaften Debatten. Viele Mitglieder beschwerten sich ber
die Bevorzugung der Fremden vor den Englndern. Die ganze Schlacht
von Steenkerke wurde noch einmal durchgefochten und es fielen harte
Aeuerungen ber Solms. Englische Soldaten drfen nur durch englische
Generle commandirt werden, war der fast einstimmige Ruf. Seymour,
der sich sonst durch seinen Ha gegen die Auslnder ausgezeichnet,
der aber, seitdem er sich im Schatzamte befand, seine Ansichten noch
einmal erwogen hatte, fragte, wo englische Generle zu finden seien.
Ich liebe die Auslnder als solche nicht; aber wir haben keine Wahl.
Der Mensch wird nicht als General geboren; ja, es kann Jemand ein sehr
schtzbarer Hauptmann oder Major und doch der Fhrung einer Armee
nicht gewachsen sein. Nur die Erfahrung bildet groe Befehlshaber.
Von unseren Landsleuten besitzen sehr wenige diese Erfahrung, und
deshalb mssen wir fr jetzt Auslnder verwenden. Lowther sprach
hierauf in dem nmlichen Sinne. Wir haben einen langen Frieden
gehabt und in Folge dessen besitzen wir keine gengende Anzahl von
Offizieren, die sich zu hohen Commandos eignen. Die Parks und das Lager
von Hounslow waren sehr armselige Kriegsschulen im Vergleich zu den
Schlachtfeldern und den Schanzwerken, auf denen die groen Commandeurs
der festlndischen Nationen ihre Kunst erlernt haben. In Erwiederung
auf diese Argumente war ein Redner fr die entgegengesetzte Meinung
so albern zu erklren, da er zehn Englnder nennen knne, die, wenn
sie in franzsischen Diensten stnden, zu Marschllen ernannt werden
wrden. Vier oder fnf Obersten, welche bei Steenkerke gewesen waren,
betheiligten sich bei der Debatte. Man sagte von ihnen, da sie eben
so viel Bescheidenheit in ihren Reden zeigten, als sie im Kampfe Muth
bewiesen htten, und selbst nach dem sehr unvollstndigen Bericht,
der auf uns gekommen ist, scheint dieses Compliment nicht unverdient
gewesen zu sein. Sie stimmten nicht in das allgemeine Geschrei gegen
die Hollnder ein. Sie sprachen sich ber die fremden Offiziere im
Allgemeinen lobend aus und lieen der Tapferkeit und Haltung, womit
Auverquerque die versprengten Ueberreste von Mackay's Division der
anscheinend unvermeidlichen Vernichtung entrissen hatte, volle
Gerechtigkeit widerfahren. Zur Vertheidigung Solms' aber wurde nicht
ein Wort gesagt. Seine Strenge, sein bermthiges Benehmen und vor
Allem die Gleichgltigkeit, mit der er zugesehen hatte, wie die von
einer groen Uebermacht geworfenen Englnder Mann gegen Mann mit den
franzsischen Haustruppen kmpften, hatten ihn so verhat gemacht,
da viele Mitglieder bereit waren fr eine Adresse zu stimmen, welche
auf seine Entlassung und seine Ersetzung durch Talmash antrge, der
seit Marlborough's Demission allgemein als der beste Offizier in der
Armee anerkannt wurde. Aber Talmash's Freunde traten sehr taktvoll
dazwischen. Ich hege, sagte einer von ihnen, eine hohe Achtung
vor diesem Gentleman, und ich bitte Sie dringend, ihm nicht, mit der
Absicht ihm eine Aufmerksamkeit zu erzeigen, zu schaden. Bedenken Sie,
da Sie Sich etwas anmaen, was ganz speciell die Prrogative des
Knigs ist. Sie wollen Offiziere entlassen und Offiziere anstellen.
Die Debatte endete ohne ein Tadelsvotum gegen Solms. Doch es wurde in
nicht sehr parlamentarischer Sprache die Hoffnung ausgedrckt, da die
im Comit gesprochenen Worte dem Knige mitgetheilt werden und da
Se. Majestt den allgemeinen Wunsch der Vertreter seines Volks nicht
unbercksichtigt lassen wrde.[65]

Die Gemeinen gingen nun zunchst zur Untersuchung der Marineverwaltung
ber, und sie kamen sehr bald zu einem Streite mit den Lords ber diesen
Gegenstand. Da hier und da Verwaltungssnden vorgekommen waren, lag nur
zu klar am Tage. Es war kaum mglich, Russell und Nottingham
freizusprechen, und jedes der beiden Huser nahm sich seines Mitgliedes
an. Die Gemeinen hatten bei Erffnung der Session Russell fr sein
Benehmen bei La Hogue einstimmig ein Dankvotum bewilligt. Jetzt zogen
sie im Groen Ausschusse die verkehrten Maregeln, welche auf die
Schlacht gefolgt waren, in Erwgung. Es wurde ein in so unbestimmte
Ausdrcke gefater Antrag gestellt, da man kaum sagen konnte, er
bedeute etwas. Er wurde jedoch so verstanden, als enthalte er einen
Tadel gegen Nottingham, und dessen Freunde widersetzten sich demselben
daher energisch. Bei der Abstimmung ergaben sich hundertfnfundsechzig
bejahende und hundertvierundsechzig verneinende Stimmen.[66]

Sogleich am folgenden Tage appellirte Nottingham an die Lords. Er
erzhlte seine Geschichte mit der ganzen Geschicklichkeit eines gebten
Redners und mit der ganzen Autoritt makelloser Rechtschaffenheit. Dann
legte er eine groe Menge Papiere auf den Tisch des Hauses und ersuchte
das Haus, dieselben zu lesen und zu prfen. Die Peers scheinen diese
Papiere auch genau und sorgfltig geprft zu haben, und das Ergebni der
Untersuchung war fr Russell durchaus nicht gnstig. Man hielt es inde
fr eine Ungerechtigkeit, ihn ungehrt zu verurtheilen; nur war es
schwer, einen Weg ausfindig zu machen, auf dem Ihre Lordschaften ihn
anhren konnten. Endlich beschlo man, die Papiere dem Unterhause
zuzuschicken mit einer Botschaft des Inhalts, da nach der Ansicht des
Oberhauses gegen den Admiral etwas vorliege, wegen dessen er zu einer
Erklrung aufgefordert werden msse. Zugleich mit den Papieren wurde ein
Auszug ihres Inhalts bergeben.[67]

Die Botschaft wurde nicht sehr ehrerbietig aufgenommen. Russell besa
zur Zeit eine Popularitt, die er wenig verdiente, die uns aber nicht
Wunder nehmen kann, wenn wir erwgen, da das Publikum seine
Verrthereien nicht kannte, wohl aber wute, da er der einzige lebende
Englnder war, der eine groe Schlacht gewonnen hatte. Der Schriftfhrer
las den Auszug aus den Papieren vor. Dann sprach Russell unter groem
Beifall, und seine Freunde drangen auf sofortige Entscheidung. Sir
Christoph Musgrave bemerkte sehr richtig, da es unmglich sei, ber
einen solchen Haufen von Depeschen ein Urtheil zu fllen ohne sie
durchgelesen zu haben; aber dieser Einwand wurde verworfen. Die Whigs
betrachteten das angeklagte Mitglied als einen der Ihrigen, viele von
den Tories waren vom Glanze seines krzlichen Sieges geblendet, und
weder Whigs noch Tories waren geneigt, die geringste Ehrerbietung vor
der Autoritt der Peers zu zeigen. Das Haus fate, ohne die Papiere zu
lesen, einen einstimmigen Beschlu, der die entschiedene Billigung des
ganzen Benehmens Russell's ausdrckte. Die Stimmung der Versammlung war
von der Art, da einige eifrige Whigs es jetzt wagen zu drfen glaubten,
ein Tadelsvotum gegen Nottingham zu beantragen. Allein der Versuch
scheiterte. Ich bin bereit, sagte Lowther, und er sprach unzweifelhaft
die Gesinnung Vieler aus, -- ich bin bereit jeden Antrag zu
untersttzen, der dem Admiral zur Ehre gereicht; aber ich kann mich
nicht bei einem Angriffe auf den Staatssekretr betheiligen. Denn meines
Wissens haben Ihre Majestten keinen eifrigeren, fleiigeren und
treueren Diener als Mylord Nottingham. Finch bot seine ganze blhende
Beredtsamkeit zur Vertheidigung seines Bruders auf und gab, ohne der
vorherrschenden Ansicht direct entgegenzutreten, zu verstehen, da
Russell's Benehmen nicht fehlerfrei gewesen sei. Das Tadelsvotum gegen
Nottingham wurde nicht betrieben; das Votum, welches Russell's Verhalten
fr durchaus lobenswerth erklrte, wurde den Lords mitgetheilt, und die
Papiere, welche sie den Gemeinen zugesandt hatten, wurden in sehr
unceremoniser Weise zurckgegeben.[68] Die schwer gekrnkten Lords
verlangten eine freie Conferenz. Sie wurde bewilligt, und die Wortfhrer
der beiden Huser versammelten sich im gemalten Zimmer. Rochester sprach
im Namen seiner Collegen den Wunsch aus, die Grnde zu erfahren, auf
welche hin der Admiral fr vorwurfsfrei erklrt worden sei. Auf diese
Aufforderung erwiederten die auf der andren Seite des Tisches stehenden
Gentlemen nur, da sie nicht autorisirt worden seien, eine Erklrung zu
geben, da sie aber Denen, die sie hergeschickt htten, das Gesagte
mittheilen wrden.[69]

Inzwischen waren die Gemeinen der Untersuchung ber die Fhrung des
Kriegs herzlich mde geworden. Die Mitglieder hatten sich der
Verstimmung, die sie von ihren Landsitzen mitgebracht, zum groen Theile
einfach dadurch entledigt, da sie ihrem Herzen Luft gemacht hatten.
Burnet giebt zu verstehen, da die Kunstgriffe, in denen Caermarthen und
Trevor groe Meister waren, dazu angewendet wurden, Beschlssen
vorzubeugen, welche der Regierung ernste Verlegenheiten bereitet haben
wrden. Aber obgleich es nicht unwahrscheinlich ist, da einige lrmende
vermeintliche Patrioten durch Beutel voll Guineen zum Schweigen gebracht
wurden, so wrde es doch ungereimt sein, wollte man annehmen, da das
Haus im allgemeinen auf diese Art influirt worden sei. Wer solche
Versammlungen gesehen hat, wei, da der Eifer, mit dem sie an
langwierige Untersuchungen gehen, sehr bald erkaltet und da ihr Unmuth,
wenn er nicht durch unvernnftige Opposition lebendig erhalten wird,
schnell verraucht. In kurzer Zeit war Jedermann des Groen Ausschusses
zur Rathertheilung mde. Die Debatten waren langweilig und weitschweifig
gewesen, und die gefaten Beschlsse waren grtentheils rein kindisch.
Es sollte dem Knige unterthnigst gerathen werden, geschickte und
rechtschaffene Mnner anzustellen. Es sollte ihm unterthnigst gerathen
werden, Mnner anzustellen, welche treu zu ihm gegen Jakob stehen
wrden. Die Geduld des Hauses war erschpft durch lange Discussionen,
welche auf die pomphafte Verkndigung derartiger Gemeinpltze
hinausliefen. Endlich erfolgte die Explosion. Einer der Mivergngten
lenkte die Aufmerksamkeit des Groen Ausschusses auf das beunruhigende
Factum, da beim Feldzeugmeisteramte zwei Hollnder angestellt seien,
und trug darauf an, dem Knige solle unterthnigst gerathen werden, sie
zu entlassen. Der Antrag wurde mit geringschtzendem Spotte aufgenommen.
Man bemerkte, da gerade die Militrs ihre Verachtung am lautesten
uerten. Denken wir im Ernst daran, zum Knige zu gehen und ihm zu
sagen, da, weil er geruht habe, in dieser hochwichtigen Krisis unsren
Rath zu verlangen, wir ihm unterthnigst riethen, einen hollndischen
Magazinaufseher aus dem Tower zu entfernen? Wahrhaftig, wenn wir keinen
wichtigeren Vorschlag vor den Thron zu bringen haben, so knnen wir eben
so gut zu Tische gehen. Die Mitglieder waren im Ganzen der nmlichen
Ansicht. Der Prsident wurde vom Stuhle wegvotirt und nicht
aufgefordert, um Erlaubni zu bitten, denselben wieder einnehmen zu
drfen. Der Groe Ausschu existirte nicht mehr. Die gefaten Beschlsse
wurden in aller Form dem Hause mitgetheilt. Einer derselben wurde
verworfen, die anderen wurden fallen gelassen, und nachdem die Gemeinen
mehrere Wochen lang erwogen hatten, welchen Rath sie dem Knige geben
sollten, gaben sie ihm schlielich gar keinen.[70]

Die Stimmung der Lords war eine ganz andre. Aus vielen Umstnden geht
hervor, da die Hollnder damals nirgends so sehr gehat wurden wie im
Oberhause. Das Mifallen, mit dem ein Englnder des Mittelstandes die
auslndischen Freunde des Knigs betrachtete, war blo national. Aber
die Abneigung, mit der ein englischer Edelmann sie betrachtete, war
persnlich. Sie standen zwischen ihm und der Majestt, sie entzogen ihm
die Strahlen der kniglichen Gunst. Der ihnen gegebene Vorzug verletzte
ihn sowohl in seinen Interessen wie auch in seinem Stolze. Seine
Aussicht auf den Hosenbandorden war bedeutend geringer, seitdem sie
seine Concurrenten geworden waren. Er htte Oberstallmeister sein
knnen, wenn Auverquerque nicht gewesen wre, Oberkammerherr, wenn
Zulestein, Obergarderobier, wenn Bentinck nicht gewesen wre.[71] Die
ble Laune des Adels wurde durch Marlborough genhrt, der damals die
Rolle eines Patrioten spielte, welcher verfolgt wurde, weil er sich zur
Vertheidigung der Interessen seines Vaterlandes gegen die Hollnder
erhoben, und der nicht voraussah, da ein Tag kommen werde, wo er
angeklagt werden sollte, die Interessen seines Vaterlandes den
Hollndern zu Gefallen aufzuopfern. Die Peers beschlossen, Wilhelm eine
Adresse zu berreichen, in der sie ihn ersuchten, seine englischen
Truppen nicht unter das Commando eines hollndischen Generals zu
stellen. Sie nahmen die Frage, welche das Haus der Gemeinen zum Lachen
gereizt, ganz ernsthaft auf und riethen ihrem Souverain feierlich, keine
Auslnder in seinen Magazinen anzustellen. Auf Marlborough's Vorschlag
drangen sie in den Knig, darauf zu bestehen, da der jngste englische
General den Vorrang vor dem ltesten General im Dienste der
Generalstaaten haben solle. Es beeintrchtige, sagten sie, das Ansehen
der Krone, wenn ein Offizier, der sein Patent von Sr. Majestt habe, von
einem Offizier commandirt wrde, der ein hnliches Patent von einer
Republik habe. Auf diesem offenbar durch einen unedlen Groll gegen
Holland eingegebenen Rath gab Wilhelm, der sich wenig um Beschlsse des
Oberhauses kmmerte, die nicht vom Unterhause untersttzt wurden, wie
sich erwarten lie, eine sehr kurze und trockne Antwort.[72]


[_Bill zur Regulirung des Prozeverfahrens in Hochverrathsfllen._]
Whrend die Untersuchung ber die Fhrung des Kriegs schwebte, nahmen
die Gemeinen die Berathung eines wichtigen Gegenstandes wieder auf, der
schon im vergangenen Jahre ihre Aufmerksamkeit sehr beschftigt hatte.
Die Bill zur Regulirung des Verfahrens in Hochverrathsfllen wurde aufs
Neue eingebracht, stie aber auf nachdrckliche Opposition seitens der
Staatsbeamten, Whigs sowohl als Tories. Somers, der jetzt Generalfiskal
war, empfahl dringend Aufschub. Da das Gesetz in seiner gegenwrtigen
Fassung gewichtige Einwrfe zulasse, wurde nicht in Abrede gestellt,
wohl aber behauptet, da die vorgeschlagene Abnderung in diesem
Augenblicke mehr schaden als ntzen werde. Niemand werde behaupten, da
unter der bevorstehenden Regierung das Leben harmloser Unterthanen
irgendwie gefhrdet sei. Niemand werde hingegen leugnen, da die
Regierung selbst in groer Gefahr sei. Sei es weise gehandelt, die
Gefahr dessen, was bereits in ernster Gefahr schwebe, noch zu
vergrern, um dem, was schon vollkommen sicher sei, noch grere
Sicherheit zu verleihen? Denen, welche so sprachen, warf man ihre
Inconsequenz vor und fragte sie, warum sie nicht den Muth gehabt htten,
sich in der vorigen Session der Bill zu widersetzen. Sie antworteten
sehr plausibel, da die whrend der Parlamentsferien stattgefundenen
Ereignisse Allen die noch etwas lernen wollten, eine wichtige Lehre
gegeben habe. Das Land sei gleichzeitig von einer Invasion und von einem
Aufstande bedroht gewesen. Kein Verstndiger zweifle daran, da viele
Verrther Vorkehrungen zum Anschlu an die Franzosen getroffen und zu
dem Ende Waffen, Munition und Pferde angesammelt htten. Obgleich man
jedoch mehr als gengende moralische Beweise gegen diese Feinde ihres
Vaterlandes gehabt habe, sei es doch nicht mglich gewesen, gegen einen
Einzigen von ihnen juristische Beweise zu finden. Das Hochverrathsgesetz
mge in der Theorie hart sein und sei allerdings in frherer Zeit
grblich gemibraucht worden. Aber ein Staatsmann, der sich weniger um
die Theorie als um die Praxis und weniger um die Vergangenheit als um
die Gegenwart kmmerte, werde jenes Gesetz nicht fr zu streng, sondern
fr zu lax erklren und werde, so lange der Staat in der grten Gefahr
sei, jeder weiteren Milderung seine Zustimmung versagen. Doch trotz
aller Opposition wurde die Bill im Prinzip von hunderteinundsiebzig
gegen hundertzweiundfunfzig Stimmen gebilligt. Im Ausschusse aber wurde
beantragt und angenommen, da die neuen Procedurvorschriften erst nach
Beendigung des Kriegs mit Frankreich in Kraft treten sollten. Als der
Bericht erstattet wurde, stimmte das Haus ber dieses Amendement ab und
besttigte es mit hundertfnfundvierzig gegen hundertfnfundzwanzig
Stimmen. In Folge dessen wurde die Bill fallen gelassen.[73] Wre sie
vor die Peers gekommen, so wrde sie aller Wahrscheinlichkeit nach
verloren gewesen sein, nachdem sie einen neuen Streit zwischen den
beiden Husern veranlat htte. Denn die Peers hatten sich fest
vorgenommen, keine solche Bill durchgehen zu lassen, wenn sie nicht eine
Klausel enthielte, welche die Einrichtung des Gerichtshofes des Lord
High Steward nderte, und eine die Einrichtung des Gerichtshofes des
Lord High Steward ndernde Klausel wrde weniger Aussicht gehabt haben
als je, von den Gemeinen gnstig aufgenommen zu werden. Denn im Laufe
dieser Session trat ein Ereigni ein, welches bewies, da die Groen
durch das Gesetz in seiner gegenwrtig bestehenden Form nur zu wohl
geschtzt waren, und das mit Recht verdient als ein schlagender Beleg
fr den Zustand der Sitten und der Moralitt der damaligen Zeit
berichtet zu werden.


[_Der Proze Lord Mohun's._] Von allen Schauspielern der damaligen
englischen Bhne war Wilhelm Mountford der liebenswrdigste. Er besa
alle physischen Eigenschaften fr seinen Beruf: eine edle Gestalt, ein
hbsches Gesicht und ein klangvolles Organ. Es war schwer zu sagen, ob
er besser in Heldenrollen oder in komischen Rollen reussirte. Er war
anerkanntermaen der beste Alexander und der beste Sir Courtly Nice, der
je auf den Brettern gestanden. Die Knigin Marie, deren Kenntnisse sehr
oberflchlich waren, die aber von Natur einen treffenden Blick fr alles
Ausgezeichnete in der Kunst besa, bewunderte ihn in hohem Grade. Er war
berdies nicht nur Schauspieler, sondern auch dramatischer Dichter und
hat uns ein Lustspiel hinterlassen, das nicht zu verachten ist.[74]

Die beliebteste Schauspielerin jener Zeit war Anna Bracegirdle. Es gab
wohl beim Theater manche Frau von tadelloserer Schnheit, aber keine,
deren Gesichtszge und Haltung die Sinne und die Herzen der Mnner so zu
bezaubern vermocht htten. Der Anblick ihrer glnzend schwarzen Augen
und ihrer frischen brunlichen Wangen reichte hin, auch das unruhigste
Publikum in heitere Laune zu versetzen. Man sagte von ihr, da sie in
einem gefllten Hause eben so viele Anbeter hatte als mnnliche
Zuschauer anwesend waren. Doch kein auch noch so reicher oder noch so
vornehmer Anbeter hatte sie dahin zu bringen vermocht, seine Geliebte zu
werden. Wer die Rollen, die sie zu spielen pflegte, und die Epiloge,
deren Vortrag ihr specielles Amt war, nher kennt, wird ihr so leicht
kein ungewhnliches Ma von Tugend oder Zartgefhl zutrauen. Sie scheint
eine kalte, eitle und eigenntzige Kokette gewesen zu sein, die sich
vollkommen bewut war, wie sehr die Macht ihrer Reize durch den Ruf
einer ihr keine Ueberwindung kostenden Unerbittlichkeit erhht wurde,
und die es wagen konnte, mit einer Reihenfolge von Anbetern zu spielen,
in der begrndeten Ueberzeugung, da keine Flamme, die sie in ihnen
entzndete, ihr eignes Eis aufthauen werde.[75] Zu Denen, die sie mit
wahnsinniger Begierde verfolgten, gehrte ein lasterhafter Hauptmann von
der Armee, Namens Hill. Mit Hill war ein junger Edelmann, Lord Karl
Mohun, dessen ganzes Leben nichts als eine lange Schwelgerei und
Rauferei war, in einem Bunde der Ausschweifung und Gewaltthtigkeit
verbrdert. Als Hill sah, da die schne Brnette unbesiegbar war,
setzte er es sich in den Kopf, da er um eines begnstigteren
Nebenbuhlers willen verschmht werde und da dieser Nebenbuhler der
glnzende Mountford sei. Der eiferschtige Liebhaber gelobte in einem
Wirthshause bei der Flasche, da er den Schurken erstechen werde. Und
ich, sagte Mohun, werde meinem Freunde beistehen. Aus dem Wirthshause
ging das Paar, begleitet von einigen Soldaten, deren Dienste Hill
erkauft hatte, nach Drury Lane, wo die Dame wohnte. Hier legten sie sich
eine Weile auf die Lauer. Sobald sie auf der Strae erschien, wurde sie
ergriffen und zu einem Wagen geschleppt. Sie rief um Hlfe, ihre Mutter
umklammerte sie, die ganze Nachbarschaft gerieth in Aufruhr, und sie
wurde befreit. Hill und Mohun gingen Rache gelobend fort. Noch zwei
Stunden bramarbasirten sie mit dem Degen in der Hand in den Straen bei
Mountford's Wohnung umher. Die Wache forderte sie auf, ihre Waffen in
die Scheide zu stecken. Als aber der junge Lord sagte, da er ein Peer
sei, und die Constabler herausforderte ihn anzurhren, wenn sie den Muth
dazu htten, lieen sie ihn gehen. So stark war damals das Privilegium
und so schwach das Gesetz. Es wurden Boten an Mountford gesandt, um ihn
vor der ihm drohenden Gefahr zu warnen; unglcklicherweise aber trafen
sie ihn nicht an. Er kam. Es entspann sich ein kurzer Wortwechsel
zwischen ihm und Mohun, und whrend sie sich mit einander stritten,
rannte Hill dem unglcklichen Schauspieler den Degen durch den Leib und
entfloh.

Die groe Jury von Middlesex, welche aus angesehenen Gentlemen bestand,
fand Grund zu einer Anklage auf Mord gegen Hill und Mohun. Hill entkam;
Mohun aber wurde ergriffen. Seine Mutter that einen Fufall beim Knige;
aber vergebens. Es war eine schndliche That, sagte Wilhelm, ich
werde sie dem Laufe des Gesetzes berlassen. Der Proze kam vor den
Gerichtshof des Lord High Steward zur Verhandlung, und da das Parlament
gerade versammelt war, so hatte der Angeklagte den Vortheil, von der
gesammten Pairie gerichtet zu werden. Es befand sich damals kein Jurist
im Oberhause, und daher wurde es zum ersten Male seitdem Buckhurst das
Urtel ber Essex und Southampton gesprochen, nothwendig, da ein Peer,
der niemals die Rechtswissenschaft zu seinem speciellen Studium gemacht
hatte, in diesem hohen Tribunale den Vorsitz fhrte. Caermarthen, der
als Lord Prsident ber dem ganzen Adel stand, wurde zum Lord High
Steward ernannt. Es ist ein vollstndiger Bericht ber die
Prozeverhandlungen auf uns gekommen. Wer diesen aufmerksam liest und
das Gutachten prft, welches die Richter in Beantwortung einer von
Nottingham aufgeworfenen Frage abgaben, und in welchem die durch den
Zeugenbeweis festgestellten Thatsachen mit vollkommener Unparteilichkeit
dargelegt sind, der kann nicht zweifeln, da der Gefangene des
Verbrechens des Mordes vollstndig berwiesen war. Dies war die Ansicht
des Knigs, der den Verhandlungen beiwohnte, und dies war die fast
einstimmige Ansicht des Publikums. Wre die Untersuchung durch Holt und
durch zwlf schlichte Mnner vor der Old Bailey gefhrt worden, so kann
es keinem Zweifel unterliegen, da das Verdict auf Schuldig gelautet
haben wrde. Die Peers aber sprachen ihren angeklagten Standesgenossen
mit neunundsechzig gegen vierzehn Stimmen frei. Ein vornehmer Edelmann
war brutal und einfltig genug zu sagen: Am Ende war der Mensch doch
weiter nichts als ein Schauspieler, und die Schauspieler sind Gesindel.
Alle Zeitungen, alle Kaffeehausredner beklagten sich bitter, da das
Blut des Armen ungestraft durch den Groen vergossen werden drfe.
Witzlinge bemerkten, da das einzige Schne[76] an dem Prozesse die auf
den Gallerien versammelten Damen gewesen seien. Es existiren noch Briefe
und Tagebcher, in denen Mnner jeder politischen Farbe, Whigs, Tories
und Eidverweigerer, die Parteilichkeit des Tribunals verdammen. So lange
die Erinnerung an diesen Scandal beim Volke noch frisch war, lie sich
nicht erwarten, da die Gemeinen bewogen werden knnten, angeklagten
Peers irgend einen neuen Vortheil einzurumen.[77]


[_Debatten ber den indischen Handel._] Inzwischen hatten die Gemeinen
die Erwgung noch eines andren hochwichtigen Gegenstandes, der Zustnde
des Handels mit Indien, wieder aufgenommen. Sie hatten gegen den Schlu
der vorigen Session den Knig ersucht, die alte Compagnie aufzulsen und
eine neue Compagnie unter ihm zweckmig scheinenden Bedingungen zu
errichten, und er hatte versprochen, ihr Gesuch in ernste Erwgung zu
ziehen. Jetzt lie er ihnen die Mittheilung zukommen, da es nicht in
seiner Macht stehe, ihrem Verlangen zu entsprechen. Er habe den
Freibrief der alten Compagnie den Richtern vorgelegt und die Richter
htten erklrt, die alte Compagnie knne nach den Bestimmungen dieses
Freibriefs nur nach vorhergegangener dreijhriger Kndigung aufgelst
werden und msse daher noch drei Jahre das ausschlieliche Privilegium
zum Handel mit Ostindien behalten. Da es sein aufrichtiger Wunsch sei,
setzte er hinzu, den Gemeinen zu willfahren, er dies aber in der von
ihnen angegebenen Weise nicht knne, so habe er die alte Compagnie zu
einem Vergleiche zu bewegen versucht; die Gesellschaft habe aber
hartnckig auf ihren uersten Rechten bestanden und seine Versuche
seien daher gescheitert.[78]

Diese Botschaft rhrte die ganze Frage wieder auf. Die beiden Parteien,
in die sich die City theilte, waren sofort in neuer Thtigkeit, es gab
lange und heie Debatten im Unterhause. Petitionen gegen die alte
Compagnie wurden auf den Tisch gelegt, satyrische Flugbltter gegen die
neue wurden in der Vorhalle vertheilt. Nach langer Discussion wurde
endlich beschlossen, dem Knige eine Adresse zu berreichen, worin er
ersucht wurde, die von den Richtern fr nothwendig erklrte Kndigung
erfolgen zu lassen. Er versprach, die Sache im Auge zu behalten und nach
besten Krften das Wohl des Landes zu frdern. Mit dieser Antwort war
das Haus zufrieden und der Gegenstand wurde bis zur nchsten Session
nicht wieder erwhnt.[79]


[_Geldbewilligungen._] Die Debatten der Gemeinen ber die Fhrung des
Kriegs, ber das Hochverrathsgesetz und ber den Handel mit Indien
kosteten viel Zeit und hatten kein erhebliches Resultat. Inzwischen aber
wurde im Ausschu fr Geldbewilligungen und im Ausschu fr die Mittel
und Wege Reelleres zu Stande gebracht. Im Ausschu fr Geldbewilligungen
wurden die veranschlagten Summen rasch angenommen. Einige wenige
Mitglieder erklrten sich dahin, da England seine Truppen vom Continent
zurckziehen, den Krieg zur See mit Energie betreiben und nur eine
solche Armee unterhalten solle, welche hinreichte, um jeden
Eindringenden, der der Wachsamkeit der Flotte entgehen sollte,
abzuwehren. Dieser Doctrin, welche bald die Parole einer der groen
Parteien im Staate wurde und es lange blieb, huldigte jedoch zur Zeit
nur eine kleine Minoritt, die auf eine Abstimmung nicht anzutragen
wagte.[80]


[_Mittel und Wege; Grundsteuer._] Im Ausschusse fr die Mittel und Wege
wurde beschlossen, da ein groer Theil der Bedrfnisse des Jahres durch
eine Steuer gedeckt werden solle, die zwar an sich schon alt, der Form
nach aber neu war. Von einer sehr frhen Periode an bis in die Mitte des
17. Jahrhunderts hatten unsere Parlamente die auerordentlichen
Bedrfnisse der Regierung hauptschlich durch Bewilligung von Subsidien
bestritten. Eine Subsidie wurde aufgebracht, indem man die Bevlkerung
des Landes mit einer nach ihrem angenommenen Vermgen bemessenen Abgabe
belastete. Das Grundeigenthum war der Hauptgegenstand der Besteuerung
und wurde nominell mit vier Schilling vom Pfunde des Ertrags belegt.
Aber die Besteuerung erfolgte in der Weise, da sie nicht nur im
Verhltni zu dem Steigen des Bodenwerthes oder zu dem Sinken des
Werthes der edlen Metalle nicht stieg, sondern sogar fortwhrend sank,
bis endlich die Abgabe thatschlich weniger als anderthalb Pence vom
Pfunde betrug. Zu den Zeiten Karl's I. wrde eine wirkliche Steuer von
vier Schilling auf das Pfund wahrscheinlich nahe an anderthalb Millionen
ergeben haben; aber eine Subsidie betrug wenig ber funfzigtausend
Pfund.[81]

Die Finanzmnner des Langen Parlaments machten ein wirksameres System
der Gterbesteuerung ausfindig. Die zu erhebende Summe wurde
festgestellt. Dann wurde sie auf die Grafschaften nach Verhltni ihres
angenommenen Wohlstandes vertheilt und in jeder Grafschaft nach einem
Tarife erhoben. Die durch diese Besteuerungen zur Zeit der Republik
erlangte Revenue variirte zwischen fnfunddreiigtausend und
hundertzwanzigtausend Pfund monatlich.

Nach der Restauration schien die Legislatur eine Zeit lang geneigt, im
Finanzwesen wie in anderen Dingen zu der alten Methode zurckzukehren.
Karl II. wurden ein- oder zweimal Subsidien bewilligt. Allein es
zeigte sich bald, da das alte System bei weitem nicht so zweckmig war
als das neue. Die Cavaliere lieen sich herab, in der Besteuerungskunst
von den Rundkpfen eine Lehre anzunehmen, und in der Zeit zwischen der
Restauration und der Revolution wurden die auerordentlichen Bedrfnisse
gelegentlich durch Auflagen bestritten, hnlich denen der Republik. Nach
der Restauration machte der Krieg mit Frankreich es nothwendig,
alljhrlich zu dieser reichen Einnahmequelle zu greifen. In den Jahren
1689, 1690 und 1691 waren groe Summen vom Grundbesitz erhoben worden.
Endlich im Jahre 1692 wurde beschlossen, das Grundeigenthum hher als je
zu besteuern. Die Gemeinen resolvirten, da eine neue und genauere
Abschtzung der Gter im ganzen Reiche vorgenommen und da von dem
dadurch ermittelten Rentenbetrage eine Pfundsteuer an die Regierung
entrichtet werden solle.

Dies war der Ursprung der bestehenden Grundsteuer. Die im Jahre 1692
vorgenommene Abschtzung ist bis auf unsre Zeit unverndert geblieben.
Nach dieser Schtzung ergab eine Besteuerung des Pfundes Rente mit einem
Schilling in runder Summe eine halbe Million. Hundertsechs Jahre lang
wurde alljhrlich dem Parlamente eine Grundsteuerbill vorgelegt und
angenommen, wenn auch nicht immer ohne Murren seitens der Landgentlemen.
In Kriegszeiten betrug die Steuer vier Schilling vom Pfunde. In
Friedenszeiten, vor der Regierung Georg's III., wurden gewhnlich nur
zwei oder drei Schilling bewilligt, und whrend eines kurzen Abschnitts
der umsichtigen und milden Verwaltung Walpole's verlangte die Regierung
nur einen Schilling. Nach dem unheilvollen Jahre aber, in welchem
England das Schwert gegen die amerikanischen Kolonien zog, betrug die
Steuer nie weniger als vier Schilling. Endlich im Jahre 1798 enthob sich
das Parlament der Mhe, jedes Frhjahr eine neue Acte zu erlassen. Die
Grundsteuer wurde mit vier Schilling vom Pfunde permanent gemacht und
wer derselben unterworfen war, konnte sie ablsen. Ein groer Theil ist
abgelst worden, und gegenwrtig wird wenig mehr als ein Fnfzigstel von
dem in Friedenszeiten benthigten ordentlichen Einkommen durch diese
Steuer aufgebracht, welche einst als die ergiebigste aller Hlfsquellen
des Staats betrachtet wurde.[82]

Die Grundsteuer wurde fr das Jahr 1693 auf vier Schilling vom Pfunde
festgesetzt und brachte somit ungefhr zwei Millionen in den
Staatsschatz. So klein diese Summe einer Generation erscheinen mu, die
in zwlf Monaten hundertzwanzig Millionen gebraucht hat, so war eine
solche doch noch niemals im Jahre durch directe Besteuerung erhoben
worden. Sie kam Englndern wie Auslndern ungeheuer vor. Ludwig, der es
fast unmglich fand, durch rcksichtslose Erpressungen dem verarmten
franzsischen Landvolke die Mittel zur Erhaltung der grten Armee und
des prchtigsten Hofes, welche seit dem Untergange des rmischen Reichs
in Europa existirt hatten, auszupressen, soll in einen Ausruf zornigen
Erstaunens ausgebrochen sein, als er erfuhr, da die Gemeinen England's
aus Furcht und Ha gegen seine Macht einstimmig beschlossen hatten, sich
in einem Jahre des Mangels und der Handelsstockung eine Abgabenlast
aufzubrden, wie sie weder sie noch ihre Vorfahren jemals getragen
hatten. Mein kleiner Vetter von Oranien scheint fest im Sattel zu
sitzen, sagte er. Nachher setzte er hinzu: Thut nichts, das letzte
Goldstck wird gewinnen. Dies war jedoch eine Betrachtung, aus der er
nicht viel Trost geschpft haben wrde, wenn er ber die Hlfsquellen
England's gut unterrichtet gewesen wre. Kensington war allerdings im
Vergleich zu seinem prchtigen Versailles eine bloe Htte. Die ihn
tglich umgebende Pracht der Juwelen, Federn und Spitzen, Pferde und
vergoldeten Kutschen berstrahlte bei weitem den Glanz, den unsere
Frsten selbst bei feierlichen Gelegenheiten zu entfalten pflegten. Aber
die Lage der Mehrheit des englischen Volks war ohne allen Zweifel so,
da die Mehrheit des franzsischen Volks sie wohl beneidet haben wrde.
In der That, was bei uns harter Nothstand genannt wurde, wrde dort
beispiellose Blthe genannt worden sein.

Die Grundsteuer wurde nicht ohne einen Streit zwischen den beiden
Husern ausgeschrieben. Die Gemeinen ernannten Commissare zur
Feststellung der Steuerbetrge. Es waren die vornehmsten Gentlemen jeder
Grafschaft und sie waren in der Bill genannt. Die Lords hielten dieses
Arrangement fr unvertrglich mit der Wrde der Pairie, und sie
schalteten daher eine Klausel ein, welche bestimmte, da ihre Gter
durch zwanzig Mitglieder ihres eigenen Standes abgeschtzt werden
sollten. Das Unterhaus verwarf dieses Amendement mit Entrstung und
verlangte eine augenblickliche Conferenz. Nach einigem Zgern, das die
Mistimmung der Gemeinen vermehrte, fand die Conferenz statt. Die Bill
wurde den Peers mit dem sehr kurzen und trotzigen Bedeuten
zurckgegeben, da sie sich nicht anmaen sollten, Finanzgesetze
abzundern. Eine starke Partei unter den Lords war obstinat. Mulgrave
sprach ein Langes und Breites ber die Prtensionen der Plebejer. Er
sagte seinen Collegen, da, wenn sie nachgben, sie sich der Autoritt
entuern wrden, welche die Barone England's stets seit Grndung der
Monarchie besessen htten, und da ihnen von ihrer alten Gre nichts
brig bleiben wrde als ihre Adelskronen und ihr Hermelin. Burnet sagt,
diese Rede sei die schnste gewesen, die er je im Parlamente gehrt
habe, und Burnet war unzweifelhaft ein competenter Richter in Sachen der
Beredtsamkeit und weder fr Mulgrave eingenommen, noch den Privilegien
der Aristokratie hold. Aber obwohl der Redner seine Zuhrer entzckte,
gelang es ihm doch nicht, sie zu berzeugen. Die meisten von ihnen
scheuten einen Kampf, in welchem die Gemeinen wie ein Mann und auch der
Knig ihnen gegenbergestanden haben wrden, der nthigenfalls gewi
lieber funfzig Peers creirt als die Grundsteuerbill htte fallen lassen.
Zwei nachdrckliche Proteste jedoch, der erste von siebenundzwanzig, der
andre von einundzwanzig Andersdenkenden unterzeichnet, bewiesen, wie
hartnckig viele Edelleute bereit waren, bis aufs Aeuerste fr das
Ansehen ihres Standes zu kmpfen. Es wurde eine zweite Conferenz
gehalten und Rochester kndigte an, da die Lords im Interesse des
Gemeinwohls von dem, was sie gleichwohl als ihr klares Recht behaupten
mten, absehen und nicht auf ihrem Amendement bestehen wollten.[83] Die
Bill wurde angenommen und ihr folgten andere Bills zur Auflegung von
Zusatzzllen auf Einfuhrartikel und zur Besteuerung der Dividenden von
Actiengesellschaften.

Die veranschlagten Revenuen deckten indessen immer noch nicht die
veranschlagten Ausgaben. Das Jahr 1692 hatte dem Jahre 1693 ein starkes
Deficit hinterlassen und es war wahrscheinlich, da die Anforderungen
des Jahres 1693 die des Jahres 1692 um etwa fnfhunderttausend Pfund
bersteigen wrden. Ueber zwei Millionen waren fr die Armee und das
Geschtzwesen, nahe an zwei Millionen fr die Flotte bewilligt
worden.[84] Noch vor acht Jahren hatten vierzehnhunderttausend Pfund zur
Bestreitung des gesammten jhrlichen Regierungsaufwandes gengt. Jetzt
wurde mehr als das Vierfache dieser Summe erfordert. Die Steuern, die
directen sowohl wie die indirecten, waren auf eine noch nie dagewesene
Hhe gesteigert und doch blieb das Staatseinkommen um etwa eine Million
hinter den Ausgaben zurck. Man mute auf eine neue Hlfsquelle sinnen.
Es wurde eine gefunden, eine Hlfsquelle, deren Folgen bis auf den
heutigen Tag in allen Theilen des Erdballs empfunden werden.

Das Auskunftsmittel, zu welchem die Regierung ihre Zuflucht nahm, hatte
eigentlich nichts Seltsames oder Mysterises. Es war ein Mittel, das die
Financiers des Continents seit zwei Jahrhunderten kannten und auf das
jeder englische Staatsmann fast nothwendig kommen mute, wenn er die
Leere in der Schatzkammer mit dem Ueberflusse auf dem Geldmarkte
verglich.


[_Ursprung der Nationalschuld._] Whrend des Zeitraums zwischen
der Restauration und der Revolution hatte der Reichthum der Nation
rasch zugenommen. Tausende von geschftsthtigen Leuten fanden jede
Weihnachten, da, nachdem die Ausgaben des Jahreshaushalts von dem
Jahreseinkommen bestritten waren, ein Ueberschu blieb, und wie
sie diesen Ueberschu anlegen sollten, war eine ziemlich schwer zu
beantwortende Frage. In unsrer Zeit ist es die Sache einiger Minuten,
einen solchen Ueberschu zu etwas mehr als drei Procent gegen die
beste Sicherheit, die die Welt je gekannt hat, unterzubringen. Im
17.Jahrhundert aber war ein Advokat, ein Arzt oder ein vom Geschft
zurckgetretener Kaufmann, der sich einige Tausende erspart hatte und
sie sicher und nutzbar anlegen wollte, oft in groer Verlegenheit.
Drei Generationen frher kaufte Jemand, der sich im Geschft Vermgen
erworben hatte, in der Regel Grundeigenthum oder lieh seine Ersparnisse
auf Hypothek aus. Aber die Anzahl der Acker Landes im Knigreiche war
die nmliche geblieben und der Werth des Bodens war zwar betrchtlich
gestiegen, aber doch keineswegs in so rascher Progression als die
Masse des auf Verwendung harrenden Kapitals zugenommen hatte. Viele
wnschten auch ihr Geld so anzulegen, da sie jeden Augenblick darber
verfgen konnten, und sie sahen sich nach einer Gattung Eigenthum um,
das sich leichter cediren lie als ein Haus oder ein Stck Feld. Ein
Kapitalist konnte zwar auf Bodmerei oder auf persnliche Sicherheit
ausleihen, aber wenn er dies that, lief er stets groe Gefahr, Zinsen
und Kapital zu verlieren. Es gab ein paar Actiengesellschaften,
unter denen die Ostindische Compagnie die erste Stelle einnahm; aber
die Nachfrage nach den Papieren dieser Compagnie war bei weitem
grer als das Angebot. Das Verlangen nach einer neuen Ostindischen
Compagnie ging in der That hauptschlich von Leuten aus, denen es
schwer geworden war, ihre Ersparnisse gegen gute Sicherheit zinsbar
anzulegen. Diese Schwierigkeit war so gro, da die Gewohnheit, baares
Geld aufzusammeln, allgemein war. Es wird uns erzhlt, da der Vater
des Dichters Pope, der sich zur Zeit der Revolution von seinem Geschft
in der City zurckzog, auf seinen Landsitz eine Geldkasse mitnahm,
welche nahe an zwanzigtausend Pfund enthielt, und da er von Zeit zu
Zeit herausnahm, was er zur Bestreitung seiner huslichen Bedrfnisse
brauchte, und es ist sehr wahrscheinlich, da dies kein vereinzelter
Fall war. Gegenwrtig ist die Quantitt des von Privatpersonen
aufgesammelten gemnzten Geldes so unbedeutend, da es, wenn es in
den Verkehr kme, keine merkliche Vermehrung der Geldcirculation
hervorrufen wrde. Zu Anfang der Regierung Wilhelm'sIII. aber waren
alle renommirten Schriftsteller ber den Geldumlauf der Meinung, da
eine sehr betrchtliche Masse Gold und Silber in geheimen Schubksten
und hinter Wandgetfel verborgen sei.

Die natrliche Folge dieses Standes der Dinge war, da eine Menge
Projectenmacher, geistreiche und alberne, rechtschaffene und
betrgerische, sich damit beschftigten, neue Plne zur Anlegung des
berflssigen Kapitals zu ersinnen. Es war im Jahre 1688, da man das
Wort Stockjobber zum ersten Male in London hrte. In dem kurzen
Zeitraume von vier Jahren entstanden eine Masse Compagnien, deren jede
den Actienzeichnern zuversichtlich die Hoffnung auf enormen Gewinn
erffnete: die Versicherungscompagnie, die Papiercompagnie,
die Darmsaitencompagnie, die Perlenfischereicompagnie, die
Glasflaschencompagnie, die Alauncompagnie, die Kohlenblendecompagnie,
die Degenklingencompagnie. Es gab eine Tapetencompagnie, welche bald
hbsche Wandbekleidungen fr die Besuchszimmer der mittleren Stnde und
fr die Schlafzimmer der hheren liefern wollte. Es gab eine
Kupfercompagnie, welche die Minen England's auszubeuten gedachte und die
Hoffnung aussprach, da sich dieselben nicht minder werthvoll erweisen
wrden als die von Potosi. Es gab eine Tauchercompagnie, die sich
anheischig machte, werthvolle Gegenstnde von untergegangenen Schiffen
zu Tage zu frdern, und welche verkndigte, da sie einen Vorrath
wunderbarer Maschinen angeschafft habe, welche vollstndigen Rstungen
glichen. Vorn am Helme befand sich ein groes Glasauge, gleich dem eines
Cyclopen, und von der Helmspitze ging eine Rhre aus, durch welche die
Luft eingelassen wurde. Der ganze Proze wurde auf der Themse ffentlich
gezeigt. Elegante Herren und Damen wurden zu dem Schauspiele eingeladen,
gastlich bewirthet und durch den Anblick erfreut, wie die Taucher
in ihrer Rstung in den Flu hinabstiegen und mit altem
Eisen und Schiffsgerth wieder heraufkamen. Es gab eine
Grnlandsfischereicompagnie, welche unfehlbar die hollndischen
Wallfischjger und Heringsbsen aus den nordischen Meeren verdrngen
mute. Es gab eine Gerbereicompagnie, welche Leder zu liefern versprach,
das vorzglicher sein sollte als das beste trkische und russische. Es
gab eine Gesellschaft, die es auf sich nahm, jungen Gentlemen unter
billigen Bedingungen eine liberale Ausbildung angedeihen zu lassen und
die sich den hochtrabenden Namen +Royal Academies Company+ beilegte. In
einer pomphaften Ankndigung wurde bekannt gemacht, da die Directoren
der Kniglichen Academiencompagnie die besten Lehrer in jedem Zweige
des Wissens engagirt htten und auf dem Punkte stnden zwanzigtausend
Loose zu zwanzig Schilling auszugeben. Es sollte eine Lotterie sein mit
zweitausend Gewinnen und die glcklichen Treffer der Gewinne sollten auf
Kosten der Gesellschaft Latein, Griechisch, Hebrisch, Franzsisch,
Spanisch, die Kegelschnittlehre, Trigonometrie, Heraldik, Lackirkunst,
Befestigungskunst, Buchhaltung und die Kunst, auf der Theorba zu
spielen, erlernen. Einige von diesen Gesellschaften mietheten groe
Gebude und druckten ihre Ankndigungen in goldenen Lettern. Andere
bescheidenere begngten sich mit Tinte und versammelten sich in
Kaffeehusern in der Nhe der Brse. Bei Jonathan und Garraway wimmelte
es bestndig von Mklern, Kufern und Verkufern, von sich versammelnden
Directoren und Actionren. Bald kamen die Zeitkufe in die Mode. Es
wurden ausgedehnte Combinationen aufgestellt und monstrse Fabeln in
Umlauf gebracht, um den Preis der Actien hinaufzutreiben oder
herunterzudrcken. Unser Vaterland war zum ersten Male Zeuge der
Erscheinungen, mit denen eine lange Erfahrung uns vertraut gemacht hat.
Eine Manie, deren Symptome im Wesentlichen dieselben waren, wie die der
Manie von 1720, der Manie von 1825 und der Manie von 1845, ergriff das
Publikum. Eine Sucht, schnell reich zu werden, eine Geringschtzung des
kleinen aber sicheren Gewinns, welche der gebhrende Lohn der
Betriebsamkeit, der Ausdauer und der Sparsamkeit sind, verbreiteten sich
durch die ganze Gesellschaft. Der Geist der betrgerischen Wrfelspieler
von Whitefriars bemchtigte sich der ernsten Senatoren der City, der
Gildenvorsteher, der Deputies und Aldermen. Es war viel leichter und
viel eintrglicher, einen lgenhaften Prospectus auszugeben, der ein
neues Actienunternehmen ankndigte, unwissende Leute zu berreden, da
die Dividenden nicht unter zwanzig Procent betragen knnten und
fnftausend Pfund dieses imaginren Gewinns fr zehntausend Stck solide
Guineen hinzugeben, als ein Schiff mit einer gutgewhlten Ladung fr
Virginien oder die Levante zu befrachten. Jeden Tag trat eine neue Blase
ans Licht, stieg lustig empor, schimmerte glnzend, zerplatzte und war
vergessen.[85]

Die neue Form, welche die Gewinnsucht angenommen hatte, lieferte den
humoristischen Dichtern und Satyrikern einen vortrefflichen Stoff, und
dieser Stoff war ihnen um so willkommener, weil einige der
gewissenlosesten und glcklichsten von dieser neuen Gattung von Spielern
Mnner in schwarzen Rcken und mit schlichten Haaren waren, Mnner,
welche die Spielkarten Bcher des Teufels nannten, Mnner, die es fr
eine Snde und Schande hielten, einige Pence am Triktrakbret zu gewinnen
oder zu verlieren. In Shadwell's letztem Drama wurde die Heuchelei und
Schurkerei dieser Spekulanten zum ersten Male dem ffentlichen Spotte
preisgegeben. Er starb im November 1692 kurz vor der ersten Auffhrung
seiner Stockjobbers, und der Epilog wurde von einem Schauspieler in
Trauerkleidern gesprochen. Die beste Scene ist die, in welcher vier oder
fnf starre Nonconformisten in vollstndigem puritanischen Costm,
nachdem sie die Prospecte der Mausefallencompagnie und der
Flohtdtungscompagnie discutirt haben, die Frage besprechen, ob die
Gottseligen gesetzmigerweise Actien einer Compagnie zur
Herbeischaffung chinesischer Seiltnzer haben drften. Angesehene Leute
haben Actien, sagt ein ernster Mann mit kurzgeschorenen Haaren und mit
Bffchen; aber ich bin wahrhaftig in Zweifel, ob es erlaubt ist oder
nicht. Diese Zweifel werden durch einen trotzigen alten
Rundkopfobersten gehoben, der bei Marston Moor gefochten hat und der
seinen schwcheren Bruder daran erinnert, da die Heiligen fr ihre
Person den Seiltanz nicht anzusehen brauchten und da aller
Wahrscheinlichkeit nach berhaupt gar kein Seiltanz zu sehen sein werde.
Die Sache scheint Anklang zu finden, sagt er, die Actien werden sich
gut verkaufen lassen, und dann kann es uns gleichgltig sein, ob die
Tnzer kommen oder nicht. Es ist wichtig, zu bemerken, da diese Scene
dargestellt und applaudirt wurde, bevor noch ein Farthing von der
Nationalschuld contrahirt war. So schlecht waren die zahlreichen
Schriftsteller unterrichtet, die zu einer spteren Zeit der
Nationalschuld das Entstehen des Brsenspiels und aller damit
verbundenen Unmoralitten zuschrieben. Das Wahre ist, da die
Gesellschaft in ihrem natrlichen Entwicklungsgange einen Punkt erreicht
hatte, auf welchem das Brsenspiel, mochte es eine Nationalschuld geben
oder nicht, eben so unvermeidlich war als das Vorhandensein einer
Nationalschuld, wenn ein langer und kostspieliger Krieg gefhrt wurde.

Wie wre es in der That mglich gewesen, keine Schuld zu contrahiren,
wenn der eine Theil durch die strksten Beweggrnde zum Entlehnen, der
andre Theil durch eben so starke Beweggrnde zum Darleihen angetrieben
wurde? Der Augenblick war gekommen, wo sich die Regierung in die
Unmglichkeit versetzt sah, ohne die bedenklichste Unzufriedenheit zu
erregen, durch Besteuerung die zur Vertheidigung der Freiheit und
Unabhngigkeit der Nation erforderlichen Geldmittel zu beschaffen, und
gerade in diesem Augenblicke sahen sich zahlreiche Kapitalisten
vergebens nach einer guten Art und Weise der Anlegung ihrer Ersparnisse
um und behielten in Ermangelung einer solchen ihr Geld im Kasten oder
verschwendeten es an unsinnige Projecte. Reichthmer, welche hingereicht
haben wrden, eine Flotte auszursten, die den deutschen und den
atlantischen Ocean von den franzsischen Kapern htte subern knnen,
Reichthmer, welche hingereicht haben wrden, eine Armee zu unterhalten,
die Namur htte wiedernehmen und die Niederlage von Steenkerke rchen
knnen, lagen mig oder gingen aus den Hnden ihrer Besitzer in die
Hnde von Gaunern ber. Ein Staatsmann konnte wohl auf den Gedanken
kommen, da ein Theil des Geldes, das tglich vergraben oder vergeudet
wurde, mit Vortheil fr den Eigenthmer, fr den Steuerzahlenden und fr
den Staat in den Schatz gezogen werden knne. Warum den
auerordentlichen Aufwand eines Kriegsjahres dadurch bestreiten, da man
fleiigen Familien Sthle, Tische und Betten wegnahm, da man den einen
Landgentleman nthigte, seine Bume zu schlagen, bevor sie fr die Art
reif waren, einen andren die Landhuser auf seinem Gute verfallen zu
lassen, einen dritten, seinen hoffnungsvollen Sohn von der Universitt
zu nehmen, whrend es um die Brse herum von Leuten wimmelte, die nicht
wuten was sie mit ihrem Gelde anfangen sollten, und die in Jedermann
drangen, es ihnen abzuborgen?

Es wurde spterhin von Tories, welche unter allen Dingen die
Nationalschuld und unter allen Menschen Burnet am meisten haten, oft
behauptet, Burnet sei Derjenige gewesen, der der Regierung zuerst
gerathen habe, eine Nationalschuld zu contrahiren. Allein diese
Behauptung wird durch keinen glaubwrdigen Beweis besttigt und scheint
durch das Stillschweigen des Bischofs widerlegt zu werden. Er war unter
allen Menschen derjenige, von dem am wenigsten anzunehmen war, da er
die Thatsache verschweigen wrde, da eine wichtige fiskalische
Revolution sein Werk gewesen. Auch war das damalige Schatzcollegium kein
solches, das die Rathschlge eines Geistlichen nthig gebraucht, oder
von dem man htte annehmen knnen, da es dieselben sonderlich beachten
wrde. In diesem Collegium sa Godolphin, der klgste und erfahrenste,
und Montague, der waghalsigste und erfinderischste aller Financiers. Es
konnte keinem dieser beiden ausgezeichneten Mnner unbekannt sein, da
es in den Nachbarstaaten schon lngst Gebrauch war, die durch ein
Kriegsjahr nthig gemachte bermige Besteuerung auf mehrere
Friedensjahre zu vertheilen. In Italien bestand dieser Gebrauch seit
mehreren Generationen. Frankreich htte whrend des Kriegs, welcher 1672
begann und 1679 endigte, nicht weniger als dreiig Millionen nach unsrem
Gelde geborgt. Sir Wilhelm Temple hatte in seinem interessanten Werke
ber die Batavische Fderation seinen Landsleuten erzhlt, da zu der
Zeit als er Gesandter im Haag war, die damals von dem sparsamen und
klugen De Witt verwaltete Provinz Holland allein ungefhr fnf Millionen
Pfund Sterling schuldete, fr welche die Zinsen zu vier Procent stets
auf den Tag bereit waren, und da, wenn ein Theil des Kapitals
zurckgezahlt wurde, der Staatsglubiger sein Geld mit Thrnen in
Empfang nahm, wohl wissend, da er keine Anlage von gleicher Sicherheit
finden konnte. Das Wunder ist nicht, da England endlich das Beispiel
seiner Feinde wie seiner Verbndeten nachahmte, sondern da bereits das
vierte Jahr seines schweren und erschpfenden Kampfes gegen Ludwig zu
Ende ging, ehe es zu einem so nahe liegenden Aushlfsmittel griff.

Am 15. December 1692 erklrte sich das Haus der Gemeinen zu einem
Ausschusse fr Feststellung der Mittel und Wege. Somers nahm den
Prsidentenstuhl ein. Montague schlug vor, eine Million auf dem Wege der
Anleihe zu erheben; der Vorschlag fand Beifall und es wurde angeordnet,
da eine Bill eingebracht werden solle. Die Details des Planes wurden
ausfhrlich besprochen und vielfach modificirt; das Prinzip aber scheint
allen Parteien gefallen zu haben. Die Geldmnner waren froh, da sie
eine gute Gelegenheit hatten, ihre aufgehuften Kapitalien zinsbar
anzulegen, und die durch die Steuerlast hart gedrckten Grundbesitzer
waren bereit, um momentaner Erleichterung willen Alles zu genehmigen.
Kein Mitglied wagte das Haus abstimmen zu lassen. Am 20. Januar wurde
die Bill zum dritten Male gelesen, durch Somers den Lords berreicht und
von ihnen ohne Amendement angenommen.[86]

Durch dieses denkwrdige Gesetz wurden neue Abgaben auf das Bier und
andere geistige Getrnke gelegt. Diese Abgaben sollten im Schatze
von allen brigen Einnahmen gesondert bleiben und einen Fond bilden,
auf dessen Garantie hin eine Million gegen Leibrenten aufgenommen
werden sollten. Nach dem Absterben der Renteninhaber sollten ihre
Annuitten unter die Ueberlebenden vertheilt werden, bis die Zahl der
Ueberlebenden auf sieben zusammengeschmolzen war. Was nach dieser
Zeit zurckfiel, sollte dem Staate zu Gute kommen. Es war demnach
ausgemacht, da das 18.Jahrhundert weit vorgerckt sein wrde, ehe die
Schuld getilgt war. Der Zinsfu sollte bis zum Jahre 1700 zehn Procent,
und nach diesem Jahre sieben Procent sein. Die dem Staatsglubiger
durch diesen Plan gebotenen Vortheile mgen gro scheinen, waren aber
nur eben hinreichend, um ihn fr sein Risico zu entschdigen. Es war
nicht unmglich, da eine Contrerevolution ausbrach, und wenn eine
solche stattfand, war es gewi, da Die, welche Wilhelm Geld geliehen
hatten, sowohl Zinsen als Kapital verloren.

Dies war der Ursprung der Schuld, die seitdem das grte Wunder
geworden ist, das jemals den Scharfsinn der Staatsmnner und
Philosophen in Verlegenheit gesetzt und ihren Stolz beschmt hat.
Bei jeder neuen Vermehrung dieser Schuld hat die Nation stets das
nmliche Geschrei der Angst und Verzweiflung erhoben. Bei jeder neuen
Vermehrung dieser Schuld haben einsichtsvolle Mnner allen Ernstes
behauptet, da Bankerott und Ruin bevorstnden. Und doch wuchs die
Schuld fortwhrend, und Bankerott und Ruin waren so fern als je. Als
der groe Kampf mit Ludwig schlielich durch den Frieden von Utrecht
beendigt wurde, schuldete die Nation ungefhr funfzig Millionen, und
diese Schuld wurde, nicht blo von dem ungebildeten groen Haufen,
nicht blos von fuchsjagenden Squires und Kaffeehausrednern, sondern
von scharfen und tiefen Denkern als eine Last betrachtet, welche
den Staatskrper fortwhrend lhmen wrde. Gleichwohl blhte der
Handel, der Wohlstand nahm zu, die Nation wurde reicher und reicher.
Dann kam der sterreichische Erbfolgekrieg, und die Schuld stieg auf
achtzig Millionen. Tagesschriftsteller, Geschichtsschreiber und Redner
erklrten, da jetzt unsre Lage jedenfalls eine verzweifelte sei.
Die Zeichen zunehmenden Wohlstandes, Zeichen, die weder geflscht
noch verborgen werden konnten, muten jedoch jeden aufmerksamen und
nachdenkenden Beobachter berzeugen, da eine Schuld von achtzig
Millionen fr das von Pelham regierte England weniger war, als eine
Schuld von funfzig Millionen fr das von Oxford regierte England
gewesen war. Bald brach von neuem Krieg aus, und unter der energischen
und verschwenderischen Verwaltung des ersten Wilhelm Pitt schwoll
die Schuld rasch auf hundertvierzig Millionen an. Sobald der erste
Siegesrausch verflogen war, erklrten Mnner der Theorie und Mnner
der Praxis einstimmig, da der verhngnivolle Tag nun wirklich
gekommen sei. Der einzige unter allen praktischen und theoretischen
Staatsmnnern, der die allgemeine Verblendung nicht theilte, war
Edmund Burke. David Hume, ohne Widerrede einer der grndlichsten
Staatskonomen seiner Zeit, erklrte, unser Wahnsinn bertreffe noch
den Wahnsinn der Kreuzfahrer. Richard Lwenherz und Ludwig der Heilige
htten nicht mathematischen Beweisen Hohn gesprochen. Es sei unmglich,
mit Ziffern zu beweisen, da der Weg zum Paradiese nicht durch das
gelobte Land gehe, aber es sei mglich mit Ziffern zu beweisen, da
der Weg zum Nationalruin durch die Nationalschuld fhre. Es sei jedoch
berflssig noch von dem Wege zu sprechen, denn mit dem Wege htten
wir es nicht mehr zu thun, wir seien bereits am Ziele angelangt und
Alles sei vorbei: alle Einknfte der Insel nrdlich vom Trent und
westlich vom Reading seien verpfndet. Es wrde besser fr uns gewesen
sein, wenn Preuen oder Oesterreich uns besiegt htte, als da wir
die Zinsenlast fr hundertvierzig Millionen tragen mten.[87] Dieser
groe Gelehrte -- denn das war er -- htte indessen nur die Augen zu
ffnen gebraucht, um berall um sich her Fortschritt und Verbesserung
zu erblicken: sich vergrernde Stdte, sich immer weiter ausbreitende
Bebauung des Bodens, Mrkte, zu klein fr die Masse der Kufer und
Verkufer, Hfen, nicht mehr gengend zur Aufnahme der Schiffe,
knstliche Flsse, welche die Hauptbinnensitze der Industrie mit den
wichtigsten Seehfen verbanden, besser erleuchtete Straen, besser
eingerichtete Huser, kostbarere Waaren, in eleganteren Lden zum
Verkauf gestellt, leichtere Wagen, die auf ebeneren Wegen dahinrollten.
Er htte in der That nur das Edinburg seiner Kindheit mit dem Edinburg
seines Mannesalters zu vergleichen gebraucht. Seine Prophezeiung bleibt
fr die Nachwelt ein denkwrdiges Beispiel der Schwche, von der auch
die strksten Geister nicht frei sind. Adam Smith sah ein wenig, aber
auch nur ein wenig weiter. Er gab zu, da die Nation die Schuldenlast
trotz ihrer ungeheuren Gre doch trage und unter ihr in einer Weise
gedeihe, die Niemand habe voraussehen knnen. Aber er warnte seine
Landsleute, ein so gewagtes Experiment zu wiederholen. Die Grenze sei
erreicht, selbst eine geringe Vermehrung knne verderblich werden.[88]
Nicht minder schwarz war das Licht, in welchem Georg Grenville, ein
ausgezeichnet fleiiger und praktischer Minister, unsre finanzielle
Lage erblickte. Er meinte die Nation msse unter einer Schuldenlast von
hundertvierzig Millionen erliegen, wenn nicht ein Theil derselben von
den amerikanischen Colonien getragen wrde. Der Versuch, einen Theil
der Last auf die amerikanischen Colonien zu bertragen, rief einen
neuen Krieg hervor. Nach diesem Kriege hatten wir hundert Millionen
Schulden mehr und die Colonien verloren, deren Beistand als unerllich
dargestellt worden war. Wieder wurde England aufgegeben, und wieder
beharrte der sonderbare Patient darin, trotz aller Diagnosen und
Prognosen der Staatsrzte immer krftiger und blhender zu werden.
Wie es mit einer Schuld von hundertvierzig Millionen sichtlich besser
gediehen war als mit einer Schuld von funfzig Millionen, so gedieh es
wieder mit einer Schuld von zweihundertvierzig Millionen besser als mit
einer Schuld von einhundertvierzig Millionen. Bald jedoch stellten
die Kosten der aus der franzsischen Revolution hervorgehenden Kriege,
welche an Kostspieligkeit alle bertrafen, die die Welt je gesehen,
die Krfte des ffentlichen Credits auf die uerste Probe. Als die
Welt wieder ruhig geworden war, betrug die fundirte Schuld England's
achthundert Millionen. Wenn man dem aufgeklrtesten Manne im Jahre 1792
gesagt htte, da im Jahre 1815 die Zinsen von achthundert Millionen
auf den Tag von der Bank ausgezahlt werden wrden, so wrde er dies
eben so wenig geglaubt haben, als wenn man ihm gesagt htte, die
Regierung werde im Besitz der Aladinslampe oder des Fortunatusbeutels
sein. Es war in der That eine riesige, eine fabelhafte Schuld, und wir
drfen uns kaum darber wundern, da das Geschrei der Verzweiflung
lauter war als je. Doch abermals berzeugte man sich, da das
Geschrei eben so grundlos gewesen war als je. Nach einigen Jahren der
Erschpfung erholte sich England wieder. Dennoch beklagte es sich, wie
Addison's eingebildeter Kranker, der bestndig wimmert, er msse an der
Schwindsucht sterben, bis er so fett wird, da er beschmt schweigen
mu, fortwhrend, da es in Armuth versunken sei, bis sein Reichthum
sich durch Zeichen verrieth, die seine Klagen lcherlich machten.
Die verarmte, die bankerotte Gesellschaft erwies sich nicht nur
fhig, alle ihre Verbindlichkeiten zu erfllen, sondern wurde sogar,
whrend sie ihre Verbindlichkeiten erfllte, so schnell immer reicher
und reicher, da die Zunahme ihres Reichthums fast mit den Augen zu
erkennen war. In jeder Grafschaft sahen wir seit kurzem Wsteneien in
Grten verwandelt; in jeder Stadt sahen wir neue Straen und Squares
und Marktpltze, glnzendere Laternen, reichlichere Versorgung mit
Wasser; in den Vorstdten jedes groen Sitzes der Industrie sahen
wir die Villas, jede in ein reizendes kleines Paradies von Hollunder
und Rosen gebettet, sich rasch vermehren. Whrend seichte Politiker
bestndig wiederholten, da die Krfte des Volks durch die Wucht der
ffentlichen Lasten erdrckt wrden, fand die erste Dampfwagenfahrt auf
einer Eisenbahn statt. Bald war die Insel mit Schienenwegen berzogen.
Eine Summe, grer als der Betrag der ganzen Nationalschuld zu Ende des
amerikanischen Kriegs, wurde von diesem ruinirten Volke binnen wenigen
Jahren freiwillig auf den Bau von Viaducten, Tunneln, Dmmen, Brcken,
Bahnhfen und Lokomotiven verwendet. Inzwischen wurde die Besteuerung
fast bestndig leichter und leichter und doch war die Staatskasse
gefllt. Man darf ohne Besorgni vor Widerspruch behaupten, da es uns
eben so leicht wird, die Zinsen von achthundert Millionen zu bezahlen,
als es vor hundert Jahren unseren Vorfahren wurde, die Zinsen von
achtzig Millionen zu bezahlen.

Es kann kaum einem Zweifel unterliegen, da sich in die Begriffe Derer,
welche die durch eine lange Reihe unbestreitbarer Thatsachen so
schlagend widerlegte lange Reihe zuversichtlicher Prophezeiungen
aussprachen und Derer, die sie glaubten, ein arger Trugschlu
eingeschlichen hatte. Diesen Trugschlu nachzuweisen, ist mehr Sache des
Nationalkonomen als des Geschichtsschreibers. Hier genge es zu sagen,
da die Unglckspropheten in einer zweifachen Tuschung befangen waren.
Sie glaubten irrthmlich, da zwischen einem Individuum, das einem
andren Individuum schuldet, und einer Gesellschaft, die einem Theile
ihrer selbst schuldet, eine genaue Analogie stattfinde, und diese
Analogie fhrte sie zu endlosen Tuschungen ber die Wirkung des
Fundirungssystem. In einem nicht minder groen Irrthum waren sie
bezglich der Hlfsquellen des Landes. Sie bercksichtigten die
Wirkungen nicht, welche die unaufhrlichen Fortschritte jeder
Erfahrungswissenschaft und die unablssigen Bemhungen jedes Menschen,
im Leben vorwrts zu kommen, hervorbringen. Sie sahen da die Schuld
zunahm, aber sie vergaen da alles Andere eben so wohl zunahm wie die
Schuld.

Eine lange Erfahrung berechtigt uns zu der Annahme, da England
im 20.Jahrhundert besser im Stande sein wird eine Schuld von
sechzehnhundert Millionen zu tragen, als es zur gegenwrtigen Zeit
seine gegenwrtige Schuld tragen kann. Doch sei dem wie ihm wolle,
Diejenigen, welche so zuversichtlich voraussagten, da es zuerst einer
Schuld von funfzig Millionen, dann einer Schuld von achtzig Millionen,
dann einer Schuld von hundertundvierzig Millionen, dann einer Schuld
von zweihundertvierzig Millionen und zuletzt einer Schuld von
achthundert Millionen erliegen msse, waren ohne allen Zweifel in einem
doppelten Irrthum. Sie berschtzten bei weitem den Druck der Last und
unterschtzten bei weitem die Kraft, welche die Last zu tragen hatte.

Es mu wnschenswerth erscheinen, einige Worte darber hinzuzufgen,
wie das Fundirungssystem die Interessen der groen Republik der
Nationen berhrt hat. Wenn es wahr ist, da Alles was der Intelligenz
ber die rohe Gewalt, und der Redlichkeit ber die Unredlichkeit einen
Vortheil giebt, die Tendenz hat, das Glck und die Tugendhaftigkeit
unsres Geschlechts zu frdern, so kann es schwerlich in Abrede gestellt
werden, da die Folgen dieses Systems im weitesten Umfange heilsam
gewesen sind. Denn es liegt auf der Hand, da aller Credit von zwei
Dingen abhngt: von der Fhigkeit eines Schuldners, seine Schulden zu
bezahlen, und von seinem Willen, sie zu bezahlen. Die Fhigkeit einer
Gesellschaft, ihre Schulden zu bezahlen, steht im Verhltni zu den
Fortschritten, die sie in der Industrie, im Handel und in allen den
Knsten und Wissenschaften gemacht hat, welche unter dem wohlthtigen
Einflusse der Freiheit und der Gleichheit vor dem Gesetze blhen.
Der Wille einer Gesellschaft, ihre Schulden zu bezahlen, steht im
Verhltni zu dem Grade, in welchem sie die Verpflichtungen eines
gegebenen Versprechens respectirt. Von der Kraft, welche in der Gre
des Gebiets und in der Zahl streitbarer Mnner besteht, mag ein roher
Despot, der kein andres Gesetz kennt als seine persnlichen kindischen
Launen und trotzigen Leidenschaften, oder ein Convent von Socialisten,
der alles Eigenthum fr Diebstahl erklrt, mehr besitzen, als die
beste und weiseste Regierung. Aber die Kraft, die aus dem Vertrauen
der Kapitalisten entspringt, kann ein solcher Despot oder ein solcher
Convent nie besitzen. Diese Kraft, -- und es ist eine Kraft, die den
Ausgang mehr als eines groen Kampfes entschieden hat -- flieht ihrer
Natur nach Rohheit und Betrug, Tyrannei und Anarchie, um sich der
Civilisation und Tugend, der Freiheit und Ordnung anzuschlieen.


[_Parlamentsreform._] Whrend die Bill, welche zuerst die fundirte
Schuld England's ins Leben rief, unter allgemeinem Beifall die
regelmigen Stadien durchlief, discutirten die beiden Huser zum ersten
Male die groe Frage der Parlamentsreform.

Es mu bemerkt werden, da das Ziel der Reformer jener Generation
lediglich darin bestand, den Reprsentativkrper zu einem treueren
Interpreten der Gesinnung des Wahlkrpers zu machen. Es scheint fast
keinem einzigen von ihnen eingefallen zu sein, da der Wahlkrper ein
untreuer Interpret der Gesinnung der Nation sein knne. Allerdings
waren die Migriffe in der Zusammensetzung des Wahlkrpers, welche
endlich in unseren Tagen einen unwiderstehlichen Sturm des ffentlichen
Unwillens erregten, im 17. Jahrhundert bei weitem nicht so zahlreich
und so schdlich, als sie es im 19. geworden waren. Der grte Theil
der Burgflecken, denen im Jahre 1832 das Wahlrecht entzogen wurde,
waren, wenn auch nicht absolut, doch relativ, unter der Regierung
Wilhelm'sIII. viel wichtigere Pltze als unter der Regierung
Wilhelm'sIV. Von den volkreichen und wohlhabenden Fabrikstdten,
Seehfen und Badeorten, denen das Wahlrecht unter der Regierung
Wilhelm's IV. verliehen wurde, waren einige unter der Regierung
Wilhelm's III. kleine Dorfschaften, von ein paar Bauern oder Fischern
in Htten mit Strohdchern bewohnt; andere waren Getreidefelder oder
den Birkhhnern preisgegebene Moorstrecken. Mit Ausnahme von Leeds
und Manchester gab es zur Zeit der Revolution nicht eine einzige
Stadt von fnftausend Einwohnern, die nicht zwei Vertreter ins Haus
der Gemeinen geschickt htte. Doch auch damals fehlte es nicht an
auffallenden Anomalien. East- und West-Looe, das nicht die Hlfte
der Bevlkerung und nicht die Hlfte des Vermgens des kleinsten der
hundert Kirchspiele London's hatte, whlte eben so viele Mitglieder
als London.[89] Old Sarum, eine verdete Ruine, die der Reisende des
Nachts zu betreten sich scheute, aus Furcht, darin lauernden Rubern in
die Hnde zu fallen, hatte eben so viel Gewicht in der gesetzgebenden
Versammlung wie Devonshire oder Yorkshire.[90] Einige ausgezeichnete
Mnner beider Parteien, zum Beispiel Clarendon unter den Tories, und
Pollexfen unter den Whigs, verwarfen dieses System. Dennoch waren beide
Parteien, allerdings aus sehr verschiedenen Grnden, nicht geneigt, es
zu ndern. Es wurde durch die Vorurtheile der einen Partei und durch
die Interessen der andren beschtzt. Nichts konnte dem Geiste des
Toryismus mehr zuwider sein als der Gedanke, Institutionen, welche seit
Jahrhunderten bestanden, mit einem Schlage zu vernichten, um auf den
Trmmern etwas Symmetrischeres aufzubauen. Den Whigs dagegen konnte es
nicht entgehen, da sie durch eine Aenderung in diesem Theile unsrer
Verfassung viel wahrscheinlicher etwas verlieren als gewinnen wrden.
Es wre in der That ein groer Irrthum, wollte man glauben, da ein
Gesetz, das die politische Macht von kleinen auf groe Wahlkrper
bertrug, im Jahre 1692 dasselbe bewirkt haben wrde, was es im Jahre
1832 bewirkte. Im Jahre 1832 bestand die Wirkung der Uebertragung in
einer Vergrerung der Macht der stdtischen Bevlkerung. Im Jahre 1692
wrde sie die Macht der lndlichen Bevlkerung unwiderstehlich gemacht
haben. Von den hundertzweiundvierzig Mitgliedern, welche im Jahre 1832
kleinen Wahlflecken entzogen wurden, wurden ber die Hlfte groen und
blhenden Stdten zugetheilt. Im Jahre 1692 aber gab es kaum eine groe
und blhende Stadt, die nicht schon so viele Vertreter gehabt htte,
als sie mit einem Anschein von Billigkeit verlangen konnte. Es htte
daher fast Alles was den kleinen Wahlflecken entzogen worden wre,
den Grafschaften gegeben werden mssen, und es kann keinem Zweifel
unterliegen, da Alles was darauf abzielte, die Grafschaften zu heben
und die Stdte zu unterdrcken, im Ganzen auf die Hebung der Tories
und auf die Unterdrckung der Whigs hinausgelaufen wre. Vom Anbeginn
unserer brgerlichen Wirren hatten die Stdte auf Seiten der Freiheit
und des Fortschritts, die Landgentlemen und die Landgeistlichen auf
Seiten der Autoritt und des Althergebrachten gestanden. Wenn daher
eine Reformbill, welche kleinen Wahlkrpern das Wahlrecht entzog
und groen Wahlkrpern mehr Abgeordnete bewilligte, bald nach der
Revolution zum Gesetz erhoben worden wre, so unterliegt es kaum einem
Zweifel, da die entschiedene Mehrheit des Hauses der Gemeinen aus
lndlichen Baronets und Squires, Hochkirchlichen, Hochtories und halben
Jakobiten bestanden haben wrde. Bei einem solchen Hause der Gemeinen
ist es fast gewi, da eine Verfolgung der Dissenters stattgefunden
haben wrde; es ist schwer einzusehen, wie eine Vereinigung
mit Schottland htte zu Stande kommen sollen, und es ist nicht
unwahrscheinlich, da eine Restauration der Stuarts erfolgt sein wrde.
Daher wurden die Theile unsrer Verfassung, welche die Politiker der
liberalen Schule in neueren Zeiten allgemein als Mistnde betrachten,
fnf Generationen frher selbst von den Mnnern, die am eifrigsten fr
brgerliche und religise Freiheit waren, mit Wohlgefallen betrachtet.

Aber whrend Whigs und Tories in dem Wunsche, die bestehenden Wahlrechte
aufrecht zu erhalten, bereinstimmten, muten sie gleichwohl zugeben,
da das Verhltni zwischen dem Whler und dem Abgeordneten nicht so
war, wie es htte sein sollen. Vor dem Brgerkriege hatte das Haus der
Gemeinen das volle Vertrauen der Nation besessen. Ein von den Gemeinen
mit Mitrauen, Verachtung und Ha betrachtetes Haus der Gemeinen war
etwas Unbekanntes. Die bloen Worte schon wrden dem Ohre eines Sir
Peter Wentworth oder Sir Eduard Coke wie einen Widerspruch enthaltend
geklungen haben. Nach und nach aber trat eine Vernderung ein. Das im
Jahre 1661 whrend des auf die Rckkehr der kniglichen Familie
folgenden Anfalls von Freude und Zuneigung gewhlte Parlament,
reprsentirte nicht die reiflich erwogene Ansicht, sondern nur die
momentane Laune der Nation. Viele von den Mitgliedern waren Mnner,
welche einige Monate frher oder einige Monate spter keine Aussicht
gehabt haben wrden, Sitze zu erlangen, Mnner von zerrttetem Vermgen
und von ausschweifenden Sitten, deren einziger Anspruch auf das
ffentliche Vertrauen in dem wilden Hasse bestand, den sie gegen
Rebellen und Puritaner hegten. Sobald das Volk wieder nchtern geworden
war, sah es mit Schrecken, was fr einer Versammlung es in seinem
Freudenrausche die Sorge fr sein Eigenthum, seine Freiheit und seine
Religion anvertraut hatte. Und die in einem Augenblicke wahnsinniger
Begeisterung getroffene Wahl konnte sich als eine Wahl auf Lebenszeit
herausstellen. Nach dem damals bestehenden Gesetz hing es ganz von dem
Willen des Knigs ab, ob whrend seiner Regierung den Whlern
Gelegenheit geboten werden sollte, ihren Fehler wieder gut zu machen.
Achtzehn Jahre vergingen und eine neue Generation wuchs heran. Auf die
glhende Loyalitt, mit welcher Karl in Dover bewillkommnet worden war,
folgten Unzufriedenheit und Abneigung. Das allgemeine Geschrei lautete,
da das Knigreich schlecht regiert, erniedrigt, unwrdigen Mnnern und
noch unwrdigeren Frauen als Beute preisgegeben wrde, da unsre Flotte
sich einem Kampfe mit Holland nicht gewachsen gezeigt habe, da unsre
Unabhngigkeit fr das Gold Frankreich's verkauft worden, da unsere
Gewissen in Gefahr seien, aufs Neue dem Joche Rom's unterworfen zu
werden. Das Volk war Rundkopf geworden, aber die Versammlung, welche
allein ermchtigt war, im Namen des Volks zu sprechen, war noch eine
Versammlung von Cavalieren. Allerdings fand der Knig gelegentlich
selbst dieses Haus der Gemeinen unlenksam. Es hatte von vornherein nicht
wenige chte Englnder enthalten, andere waren hineingekommen, wenn
durch den Tod Lcken entstanden, und selbst die Majoritt konnte trotz
ihrer hfischen Gesinnung nicht umhin einige Sympathie fr die Nation zu
fhlen. So bildete sich eine Vaterlandspartei, die zu achtunggebietender
Strke anwuchs. Diese Partei aber sah ihre Anstrengungen stets durch
systematische Bestechungen vereitelt. Da einige Mitglieder der
gesetzgebenden Versammlung directe Geschenke erhielten, wurde mit gutem
Grunde vermuthet, konnte aber nicht bewiesen werden. Da das Patronat
der Krone in ausgedehntem Mae angewendet wurde, um auf die Abstimmungen
einzuwirken, war notorisch. Ein groer Theil Derer, welche das Geld der
Nation in Bewilligungen fr die Regierung, weggaben, erhielten einen
Theil des Geldes in Form von Gehalten wieder, und so bildete sich eine
Sldnerschaar, auf die der Hof fast unter allen Umstnden zuversichtlich
rechnen konnte.

Die Servilitt dieses Parlaments hatte einen tiefen Eindruck im Volke
zurckgelassen. Man war allgemein der Ansicht, da England gegen die
Gefahr gesichert werden msse, jemals wieder eine Reihe von Jahren durch
Mnner reprsentirt zu werden, die sein Vertrauen verloren htten und
die dafr bezahlt wrden, da sie gegen seine Wnsche und Interessen
stimmten. Der Gegenstand kam in der Convention zur Sprache und einige
Mitglieder wnschten damit ins Reine zu kommen, so lange der Thron noch
unbesetzt war. Seitdem war das Verlangen nach einer Reform immer
dringender und dringender geworden. Das mit Steuern schwer belastete
Volk war natrlich geneigt, Diejenigen, welche von den Steuern lebten,
nicht mit sehr gnstigem Auge zu betrachten. Da der Krieg gerecht und
nothwendig war, erkannte Jedermann an, und Krieg konnte nicht ohne
groen Kostenaufwand gefhrt werden. Aber je grer die Summen waren,
die zur Vertheidigung der Nation erfordert wurden, um so wichtiger war
es, nichts zu verschwenden. Die enormen Einknfte der Staatsbeamten
erregten Neid und Unwillen. Hier wurde ein Gentleman dafr bezahlt, da
er nichts that. Dort wurden mehrere Gentlemen dafr bezahlt, da sie
etwas thaten, was ein Einzelner besser gethan haben wrde. Die Equipage,
die Dienerschaft, die Spitzencravatten und die Diamantschnallen des
Staatsdieners wurden natrlich von Denen, welche frh aufstanden und
sich spt niederlegten, um ihm die Mittel zu verschaffen, in Glanz und
Luxus zu leben, mit scheelen Augen angesehen. Solche Mibruche
abzustellen war das specielle Amt eines Hauses der Gemeinen. Was aber
hatte das bestehende Haus der Gemeinen in dieser Beziehung gethan?
Absolut nichts. Im Jahre 1690 waren bei Feststellung der Civilliste
allerdings einige scharfe Reden gehalten worden. Aber im Jahre 1691 war
bei Berathung der Mittel und Wege ein Beschlu durchgegangen, der so
albern abgefat war, da er sich als eine vollstndige Fehlgeburt
erwies. Der Mibrauch bestand fort und mute fortbestehen, so lange er
eine Quelle des Gewinns fr Diejenigen war, die ihn htten abstellen
sollen. Wer konnte eine treue und wachsame Aufsicht von Aufsehern
erwarten, die ein directes Interesse daran hatten, der Verschwendung
Vorschub zu leisten, welcher Einhalt zu thun ihr Amt war? Das Haus
wimmelte von Angestellten aller Art, Lords des Schatzes, Lords der
Admiralitt, Zollcommissaren, Acciscommissaren, Prisencommissaren,
Cassirern, Controleurs, Einnehmern, Zahlmeistern, Mnzbeamten,
Hofbeamten, Regimentsobersten, Schiffskapitains und Festungsgouverneurs.
Wir schicken, sagte man, einen unserer Nachbarn, einen unabhngigen
Gentleman, in dem vollen Vertrauen nach Westminster, da seine
Gesinnungen und Interessen in vollkommenem Einklange mit den unsrigen
stehen. Wir erwarten von ihm, da er uns von jeder Last befreien werde,
ausgenommen von den Lasten, ohne welche der Staatsdienst nicht bestehen
kann und die wir daher, so drckend sie fr uns sein mgen, geduldig und
entschlossen tragen. Noch ehe er aber eine Session im Parlamente ist,
erfahren wir, da er mit einem ansehnlichen Gehalte zum Sekretr des
Hofmarschallgerichts oder zum Aufseher der abgelegten Garderobe ernannt
wurde. Ja, wir erfahren zuweilen, da er eine von den Stellen in der
Schatzkammer erhalten, deren Emolumente mit den Steuern, die wir
bezahlen, steigen und fallen. Es wre wahrhaftig ein Wunder, wenn unsere
Interessen in der Hand eines Mannes, dessen Einnahme in Procenten von
unseren Verlusten besteht, gut aufgehoben wren. Das Uebel wrde bei
weitem nicht so gro sein, wenn wir fters Gelegenheit htten zu
erwgen, ob die Vollmachten unsres Vertreters erneuert oder
zurckgezogen werden sollen. Nach dem gegenwrtig bestehenden Gesetz
aber ist es nicht unmglich, da er diese Vollmachten zwanzig bis
dreiig Jahre behlt. So lange er lebt, und so lange der Knig oder die
Knigin lebt, ist es nicht wahrscheinlich, da wir unser Wahlrecht je
wieder ausben werden, es mte denn ein Streit zwischen dem Hofe und
dem Parlamente entstehen. Je verschwenderischer und willfhriger ein
Parlament ist, um so weniger ist anzunehmen, da es sich mit dem Hofe
berwerfen wird. Je schlechter mithin unsere Vertreter sind, um so
lnger werden wir voraussichtlich dazu verurtheilt sein, sie behalten zu
mssen.

Das Geschrei war laut. Man gab dem Parlamente gehssige Spottnamen. Bald
hie es das Beamtenparlament, bald hie es das stehende Parlament und
wurde fr eine drckendere Last erklrt als selbst ein stehendes Heer.

Zwei Specifica gegen die Leiden des Staats wurden dringend empfohlen und
theilten sich in die ffentliche Gunst. Das eine war ein Gesetz, welches
die Staatsbeamten vom Hause der Gemeinen ausschlo. Das andre war ein
Gesetz, welches die Dauer der Parlamente auf drei Jahre beschrnkte. Im
Allgemeinen zogen die toryistischen Reformers eine Stellenbill (+Place
Bill+), die whiggistischen Reformers eine Dreijhrigkeitsbill
(+Triennial Bill+) vor; aber nicht wenige eifrige Mitglieder beider
Parteien waren dafr, beide Heilmittel zu versuchen.


[_Die Stellenbill._] Vor Weihnachten noch wurde eine Stellenbill auf den
Tisch der Gemeinen niedergelegt. Diese Bill ist von Schriftstellern, die
sie nie gesehen und ihren Inhalt nur muthmaten, heftig gelobt worden.
Wer sich aber die Mhe nimmt, das Originalpergament, das vom Staube von
hundertsechzig Jahren gebrunt unter den Archiven des Hauses der Lords
ruht, zu studiren, wird nicht viel Lobenswerthes darin finden.

Ueber die Art und Weise, in der eine solche Bill htte abgefat sein
sollen, wird zu unsrer Zeit unter aufgeklrten Englndern wenig
Meinungsverschiedenheit stattfinden. Sie werden in der Ansicht
bereinstimmen, da es hchst verderblich sein wrde, wollte man das
Haus der Gemeinen allen Staatsbeamten ffnen, aber auch nicht minder
verderblich, wollte man dieses Haus allen Staatsbeamten verschlieen.
Eine genaue Grenzlinie zu ziehen zwischen Denen, welche zugelassen, und
Denen, welche ausgeschlossen werden mssen, wrde eine viel Zeit,
Nachdenken und Detailkenntni erfordernde Aufgabe sein. Die allgemeinen
Prinzipien aber, welche uns dabei leiten mssen, liegen auf der Hand.
Die Masse der untergeordneten Beamten mu ausgeschlossen sein; einige
wenige Beamte, welche an der Spitze oder nahe an der Spitze der
Hauptzweige der Verwaltung stehen, mssen zugelassen werden.

Die untergeordneten Beamten mssen ausgeschlossen bleiben, weil ihre
Zulassung den Character des Parlaments erniedrigen und zugleich die
Wirksamkeit jedes ffentlichen Amts vernichten wrde. Sie sind jetzt
ausgeschlossen, und die Folge davon ist, da wir ein werthvolles Corps
von Dienern besitzen, welche unverndert dieselben bleiben, whrend ein
Cabinet nach dem andren gebildet und aufgelst wird, die jeden
eintretenden Minister in seinen Functionen unterrichten und denen es die
heiligste Ehrenpflicht ist, ihrem zeitweiligen Vorgesetzten wahre
Unterweisung, aufrichtigen Rath und krftigen Beistand zu gewhren. Der
Erfahrung, Geschftstchtigkeit und Treue dieser Klasse von Mnnern mu
die Leichtigkeit und Gefahrlosigkeit zugeschrieben werden, womit die
Leitung der ffentlichen Angelegenheiten viele Male im Bereiche unsrer
Erinnerung von Tories auf Whigs und von Whigs auf Tories bergegangen
ist. Aber es wrde keine solche Klasse gegeben haben, wenn Personen, die
von der Krone besoldet wurden, ohne Beschrnkung im Hause der Gemeinen
htten sitzen drfen. Die Commissarstellen, Hlfssekretrstellen und
ersten Kanzlistenstellen, welche jetzt auf Lebenszeit von Personen
bekleidet werden, die dem Kampfe der Parteien fern stehen, wrden
Parlamentsmitgliedern verliehen worden sein, die der Regierung als
gewandte Sprecher oder als zuverlssige Stimmgeber dienstbar waren. So
oft das Ministerium gewechselt htte, wrde dieser ganze Schwarm von
Anhngern fortgeschickt und durch einen andren Schwarm von
Parlamentsmitgliedern ersetzt worden sein, die wahrscheinlich
auch wieder fortgeschickt worden wren, noch ehe sie ihre
Geschftsverrichtungen zur Hlfte gelernt hatten. Servilitt und
Corruption in der Legislatur, Unwissenheit und Untchtigkeit in allen
Zweigen der ausbenden Verwaltung wrden die unvermeidlichen
Consequenzen eines solchen Systems gewesen sein.

Wo mglich noch nachtheiliger wrden die Folgen eines Systems sein,
unter welchem alle Diener der Krone ohne Ausnahme vom Hause der Gemeinen
ausgeschlossen wren. Aristoteles hat uns in seiner Abhandlung ber das
Staatswesen, welche vielleicht die scharfsinnigste und lehrreichste von
allen seinen Schriften ist, eine Warnung vor einer Klasse
arglistigerweise auf Tuschung der Menge berechneter, anscheinend
demokratischer, in Wahrheit aber oligarchischer Gesetze
hinterlassen.[91] Htte er Gelegenheit gehabt, die Geschichte der
englischen Verfassung zu studiren, so wrde er seine Aufzhlung solcher
Gesetze leicht haben erweitern knnen. Da Mnner, die im Dienste und
Solde der Krone stehen, nicht in einer Versammlung sitzen sollten, deren
specielle Obliegenheit es ist, die Rechte und Interessen der
Gesellschaft gegen jeden Angriff von Seiten der Krone zu schtzen, ist
ein plausibler und populrer Grundsatz. Es steht jedoch fest, da, wenn
Diejenigen, welche vor fnf Generationen diesem Grundsatze huldigten, in
der Lage gewesen wren, die Verfassung ihren Wnschen gem zu
gestalten, dies die Unterdrckung desjenigen Zweiges der Legislatur, der
aus dem Volke entspringt und dem Volke verantwortlich ist, und das
Ueberwiegen der monarchischen und aristokratischen Elemente unsres
Staatswesens zur Folge gehabt haben wrde. Die Regierung wrde ganz und
gar in patrizischen Hnden gewesen sein. Das fortwhrend die ersten
Capacitten des Landes an sich ziehende Haus der Lords wrde der hchste
Senat geworden sein, whrend das Haus der Gemeinen fast zu einer
Kirchspielversammlung herabgesunken sein wrde. Allerdings wrden von
Zeit zu Zeit Mnner von hervorragendem Genie und von Strebsamkeit unter
den Vertretern der Grafschaften und Burgflecken aufgetaucht sein. Aber
jeder solche Mann wrde die Wahlkammer als eine bloe Vorhalle
betrachtet haben, die er passiren mute, um in die erbliche Kammer zu
gelangen. Das hchste Ziel seines Strebens wrde die Adelskrone gewesen
sein, ohne die er nicht zu Macht und Ansehen im Staate gelangen konnte.
Sobald er bewiesen htte, da er ein gefhrlicher Feind und ein
werthvoller Freund der Regierung sein knne, wrde er sich beeilt haben,
das Haus, welches dann in jeder Beziehung das Unterhaus gewesen wre,
mit dem zu vertauschen, welches dann in jeder Beziehung das Oberhaus
gewesen wre. Der Kampf zwischen Walpole und Pulteney, zwischen Pitt und
Fox wrde von dem volksthmlichen Theile der Legislatur auf den
aristokratischen bertragen worden sein. Bei jeder die ueren, inneren
oder Colonialangelegenheiten berhrenden wichtigen Frage wrden die
Debatten der Edlen ungeduldig erwartet und begierig verschlungen worden
sein. Der Bericht von den Manahmen einer Versammlung, welche Niemanden
enthalten htte, der ermchtigt gewesen wre, im Namen der Regierung zu
sprechen, Niemanden, der jemals ein hohes Staatsamt bekleidet, wrden
verchtlich bei Seite geworfen worden sein. Selbst die Verwaltung der
Gelder der Nation htte, wenn auch vielleicht nicht in der Form, so doch
dem Wesen nach auf die Krperschaft bergehen mssen, in der sich Jeder
befunden haben wrde, der befhigt gewesen wre, ein Budget aufzustellen
oder eine Schtzung zu motiviren. Das Land wrde durch Peers regiert
worden sein und die Hauptbeschftigung der Gemeinen wrde darin
bestanden haben, sich ber Bills zur Einzunung von Smpfen und zur
Beleuchtung von Stdten zu streiten.

Diese Betrachtungen wurden im Jahre 1692 gnzlich bersehen. Niemand
dachte daran, eine Unterscheidungslinie zwischen den wenigen Beamten,
denen der Sitz im Hause der Gemeinen gestattet sein mute, und der
groen Masse der Beamten zu ziehen, welche auszuschlieen waren. Die
einzige Scheidelinie, welche die damaligen Gesetzgeber zu ziehen sich
die Mhe nahmen, war zwischen sich und ihren Nachfolgern. Ihr eignes
Interesse nahmen sie mit einer Sorgfalt wahr, bei der man sich wundern
mu, da sie sich derselben nicht schmten. Jedem von ihnen war es
gestattet die Stellen zu behalten, die er bekommen hatte, und bis zur
nchsten Auflsung des Parlaments, einem Ereignisse, das vielleicht erst
nach vielen Jahren eintrat, noch mglichst viele Stellen dazu zu
erlangen. Einem nach dem 1. Februar 1693 gewhlten Mitgliede aber
sollte es nicht gestattet sein, irgend ein Amt, welcher Art es sein
mochte, zu bernehmen.[92]

Im Hause der Gemeinen passirte die Bill rasch und ohne eine einzige
Abstimmung alle ihre Stadien. Bei den Lords aber war der Kampf heftig
und hartnckig. Mehrere Amendements wurden im Ausschusse vorgeschlagen,
aber sie wurden alle verworfen. Der Antrag auf Annahme der Bill wurde
von Mulgrave in einer lebendigen und beienden Rede untersttzt, die uns
erhalten worden ist und welche beweist, da sein Ruf der Beredtsamkeit
kein unverdienter war. Die Lords, welche die entgegengesetzte Ansicht
vertheidigten, wagten, wie es scheint, nicht zu leugnen, da ein Uebel
existire, welches ein Heilmittel erforderte; aber sie behaupteten, das
vorgeschlagene Heilmittel werde das Uebel nur verschlimmern. Die
patriotischen Vertreter des Volks htten eine Reform ausgesonnen, die
vielleicht der nchsten Generation zu Gute kommen werde; aber sie htten
sich wohlweislich das Privilegium vorbehalten, die gegenwrtige
Generation auszuplndern. Wenn diese Bill durchgehe, sei es klar, da,
so lange das bestehende Parlament existire, die Zahl der Staatsbeamten
im Hause der Gemeinen nur unbedeutend, wenn berhaupt vermindert werden
wrde, und wenn diese Bill durchgehe, sei es hchst wahrscheinlich, da
das bestehende Parlament so lange existiren werde, bis Knig Wilhelm
sowohl als Knigin Marie todt seien. Denn da nach dieser Bill Ihre
Majestten auf das bestehende Parlament einen viel greren Einflu
auszuben vermchten als auf irgend ein zuknftiges Parlament, so wrden
sie natrlich wnschen, eine Auflsung so weit als mglich
hinauszuschieben. Die Klage der englischen Whler laute, da sie jetzt,
im Jahre 1692, nicht unparteiisch vertreten seien. Es sei nicht Abhlfe,
sondern Hohn, wenn man ihnen sage, da ihre Kinder im Jahre 1710 oder
1720 unparteiisch vertreten sein sollten. Die Abhlfe msse sofort
geschehen, und der Weg, sofortige Abhlfe zu schaffen, bestehe darin,
da man die Dauer der Parlamente beschrnke und mit dem Parlamente den
Anfang mache, das nach der Ansicht des ganzen Landes nur zu lange schon
die Macht in Hnden habe.

Die Krfte hielten einander so genau die Wage, da ein ganz
unbedeutender Umstand die Schale htte niederdrcken knnen. Als die
Frage gestellt wurde, ob die Bill angenommen werden solle, waren
zweiundachtzig Peers anwesend. Von diesen stimmten zweiundvierzig fr
die Bill und vierzig dagegen. Hierauf wurden die Stimmen der durch
Bevollmchtigte vertretenen abwesenden Mitglieder verlangt. Von diesen
waren nur zwei fr die Bill, sieben gegen dieselbe; von den sieben aber
wurden drei bestritten und nur mit Mhe acceptirt. Das Endresultat war,
da die Bill mit drei Stimmen scheiterte.

Die Majoritt war aus gemigten Whigs und gemigten Tories
zusammengesetzt. Zwanzig von der Minoritt protestirten, und unter ihnen
befanden sich die heftigsten und intolerantesten Mitglieder beider
Parteien, wie Warrington, der mit genauer Noth dem Blocke entgangen war,
weil er gegen Jakob conspirirt hatte, und Aylesbury, der spter mit
genauer Noth dem Blocke entging, weil er gegen Wilhelm conspirirte.
Marlborough, der seit seiner Haft in der Opposition gegen die Regierung
am weitesten gegangen war, setzte nicht nur seinen eigenen Namen unter
den Protest, sondern bewog auch den Prinzen von Dnemark zur
Unterzeichnung des Dokuments, welches zu begreifen Seine Knigliche
Hoheit durchaus unfhig war.[93]

Es ist ein bemerkenswerther Umstand, da weder Caermarthen, an Macht
sowohl wie an Talenten der erste der toryistischen Minister, noch
Shrewsbury, der ausgezeichnetste von denjenigen Whigs, welche damals mit
dem Hofe auf schlechtem Fue standen, bei dieser wichtigen Gelegenheit
anwesend waren. Ihre Abwesenheit war aller Wahrscheinlichkeit nach eine
absichtliche, denn beide befanden sich nicht lange vor und nicht lange
nach der Abstimmung im Hause.


[_Die Dreijhrigkeitsbill._] Einige Tage darauf legte Shrewsbury eine
Bill zur Beschrnkung der Dauer der Parlamente auf den Tisch der Lords.
Diese Bill bestimmte, da das zur Zeit tagende Parlament am 1. Januar
1694 zu existiren aufhren und da kein zuknftiges Parlament lnger als
drei Jahre dauern solle.

Unter den Lords scheint fast vollkommene Einhelligkeit ber diesen
Gegenstand geherrscht zu haben. Wilhelm bemhte sich vergebens,
diejenigen Peers, in die er das meiste Vertrauen setzte, zur
Untersttzung seiner Prrogative zu bewegen. Einige von ihnen hielten
die beantragte Aenderung fr heilsam; Andere hofften, die Stimmung des
Volks durch eine liberale Concession zu beschwichtigen, und noch Andere
hatten bei Bekmpfung der Stellenbill eine solche Sprache gefhrt, da
sie sich ohne grobe Inconsequenz der Dreijhrigkeitsbill nicht
widersetzen konnten. Auch hegte das ganze Haus einen Groll gegen das
andre Haus und machte sich ein Vergngen daraus, es in ein hchst
unangenehmes Dilemma zu versetzen. Burnet, Pembroke und selbst
Caermarthen, der sehr selten auf Seiten des Volks gegen den Thron stand,
untersttzten Shrewsbury. Mylord, sagte der Knig mit bitterem Unmuth
zu Caermarthen, Sie werden es erleben, da Sie den Antheil bereuen, den
Sie an dieser Angelegenheit gehabt haben.[94] Die Warnung wurde nicht
beachtet, und nachdem die Bill leicht und rasch bei den Lords
durchgegangen war, wurde sie mit groer Feierlichkeit von zwei Richtern
den Gemeinen berreicht.

Ueber das was bei den Gemeinen vorging haben wir nur sehr drftige
Berichte; aber aus diesen Berichten geht klar hervor, da die Whigs als
Gesammtheit die Bill untersttzten und da die Opposition hauptschlich
von Tories ausging. Der alte Titus, der zu den Zeiten der Republik ein
Politiker gewesen, unterhielt das Haus mit einer Rede in dem Style,
welcher damals an der Tagesordnung war. Die Parlamente, sagte er,
glichen dem Manna, das Gott dem auserwhlten Volke spende. Sie seien
vortrefflich, so lange sie frisch seien, aber wenn sie zu lange
aufbewahrt wrden, verdrben sie und ekelhafte Wrmer wrden durch die
Verderbni dessen erzeugt, was lieblicher denn Honig gewesen sei.
Littleton und andere Whighupter sprachen in gleichem Sinne. Seymour,
Finch und Tredenham, alle Drei starre Tories, donnerten gegen die Bill,
und selbst Sir Johann Lowther war in diesem Punkte andrer Meinung als
sein Freund und Gnner Caermarthen. Mehrere toryistische Redner
appellirten an ein Gefhl, das im Hause stark vertreten war und das seit
der Revolution die Annahme vieler Gesetze verhindert hatte. Alles was
von den Peers ausgeht, sagten sie, mu mit Mitrauen aufgenommen werden,
und die vorliegende Bill ist von der Art, da, selbst wenn sie an sich
gut wre, sie schon deshalb verworfen werden mte, weil sie uns von
ihnen berreicht worden ist. Wenn Ihre Lordschaften uns die
vernnftigste aller Geldbills schickten, wrden wir sie nicht zur Thr
hinauswerfen? Und doch wrde die Zusendung einer Geldbill kaum eine
grbere Beleidigung fr uns sein als die Zusendung einer Bill wie diese.
Sie haben eine Initiative ergriffen, die nach allen Regeln
parlamentarischer Artigkeit uns htte berlassen werden mssen. Sie
haben ber uns zu Gericht gesessen, uns schuldig befunden, uns zur
Auflsung verurtheilt und den 1. Januar zur Vollstreckung des Urtheils
bestimmt. Sollen wir uns geduldig einem so erniedrigenden Urtheile
unterwerfen, einem Urtheile, das obendrein von Mnnern gefllt worden
ist, die sich nicht so benommen haben, da sie irgend ein Recht erworben
haben knnten, Andere zu tadeln? Haben sie jemals ihr Interesse oder ihr
Ansehen dem Gemeinwohle zum Opfer gebracht? Sind nicht vortreffliche
Bills deshalb gescheitert, weil wir nicht die Aufnahme von Klauseln
zugeben wollten, die dem Adel neue Vorrechte verliehen? Und schlagen
Ihre Lordschaften jetzt, wo sie sich gern populr machen mchten, etwa
vor, diese Popularitt durch Verzichten auf das kleinste ihrer
bedrckenden Privilegien zu erkaufen? Nein, sie bieten dem Lande etwas
was ihnen nichts kostet, was aber uns und der Krone theuer zu stehen
kommen wird. Unter solchen Umstnden ist es unsre Pflicht, die uns
zugefgte Beleidigung zurckzuweisen und dadurch die rechtmige
Prrogative des Knigs zu vertheidigen.

Derartige Themata waren allerdings ganz geeignet, die Leidenschaften des
Hauses der Gemeinen zu entflammen. Die Aussicht auf eine Auflsung
konnte einem Mitgliede, dessen Wahl voraussichtlich bestritten werden
wrde, nicht angenehm sein. Er mute alle Erbrmlichkeiten des
Stimmenwerbens durchmachen, mute Schaaren von Freisassen und Whlern
die Hand schtteln, mute sich nach ihren Frauen und Kindern erkundigen,
mute Transportmittel fr auswrtige Whler miethen, mute Bierhuser
ffnen, mute fr Berge von Rindfleisch sorgen, mute Ale in Strmen
flieen lassen, und sah vielleicht nach all' der Plackerei und all' dem
Geldaufwande, nachdem er in Spottschriften geschmht, hin und her
gestoen und mit allem Mglichen beworfen worden war, seinen Namen am
uersten Ende der Stimmliste, seine Gegner gewhlt und sich selbst,
halb zu Grunde gerichtet, in Dunkelheit zurckfallen. All' dieses
Ungemach ber sich zu bringen, wurde er jetzt aufgefordert, und von
Mnnern aufgefordert, deren Sitze in der gesetzgebenden Versammlung
permanent waren, die weder Ansehen noch Ruhe, weder Macht noch Geld
opferten, sondern sich das Lob des Patriotismus dadurch erwarben, da
sie ihn zwangen, eine hohe Stellung aufzugeben, sich einer erschpfenden
Arbeit und Angst zu unterziehen, seine Kornfelder zu verpfnden und
seine Forsten niederzuschlagen. Es herrschte natrlich eine groe
Gereiztheit, wahrscheinlich eine grere Gereiztheit als sie aus den
Abstimmungen zu Tage tritt. Denn die Wahlkrper freuten sich im
Allgemeinen ber die Bill, und viele Mitglieder, denen sie mifiel,
scheuten sich doch ihr zu opponiren. Das Haus gab dem Drngen der
ffentlichen Meinung nach, aber nicht ohne innere Pein und ohne
Seelenkampf. Die Discussionen im Ausschusse mssen sehr heftig gewesen
sein. Es fielen so scharfe Worte zwischen Seymour und einem
whiggistischen Mitgliede, da es nthig wurde, den Sprecher auf seinen
Stuhl zu rufen und das Scepter auf den Tisch zu legen, um die Ordnung
wiederherzustellen. Eine Abnderung wurde vorgenommen. Die Frist, welche
die Lords dem bestehenden Parlamente bewilligt hatten, wurde vom ersten
Januar bis zu Mari Verkndigung verlngert, damit vollkommen Zeit genug
zur Veranstaltung einer neuen Session blieb. Die dritte Lesung wurde mit
zweihundert gegen hunderteinundsechzig Stimmen angenommen. Die Lords
genehmigten die Bill in ihrer vernderten Form und es fehlte nichts mehr
als die knigliche Zustimmung. Ob diese Zustimmung erfolgen wrde oder
nicht, war eine Frage, die bis zum letzten Tage der Session
unentschieden blieb.[95]

Eine auffallende Inconsequenz in dem Verfahren der Reformers dieser
Generation verdient erwhnt zu werden. Es kam keinem von Denen, welche
eifrig fr die Dreijhrigkeitsbill eingenommen waren, in den Sinn, da
jedes Argument, das zu Gunsten dieser Bill angefhrt werden konnte, ein
Argument gegen die Regeln war, die man in frheren Zeiten zu dem Zwecke
aufgestellt hatte, um die parlamentarischen Berathungen und Abstimmungen
streng geheim zu halten. Es ist ganz natrlich, da eine Regierung,
welche der Gesellschaft politische Privilegien vorenthlt, ihr auch die
Kenntni der Politik vorenthlt. Aber es kann nichts Unvernnftigeres
geben als Macht zu bewilligen und nicht auch das Verstndni derselben,
ohne welche die grte Gefahr vorhanden ist, da diese Macht
gemibraucht wird. Was konnte widersinniger sein als Wahlkrper hufig
zusammenzuberufen, damit sie entscheiden knnten, ob ihr Reprsentant
seine Pflicht gegen sie gethan, und ihnen doch streng zu verbieten, aus
glaubwrdiger Quelle zu erfahren, was er gesprochen und wie er gestimmt
hatte? Die Absurditt scheint indessen vllig unangefochten
durchgegangen zu sein. Es ist sehr wahrscheinlich, da unter den
zweihundert Mitgliedern des Hauses der Gemeinen, welche fr die dritte
Lesung der Dreijhrigkeitsbill stimmten, nicht Einer war, der sich einen
Augenblick besonnen haben wrde, Jeden nach Newgate zu schicken, der es
gewagt htte, einen Bericht von den Debatten ber diese Bill oder eine
Liste der Jas und Neins zu verffentlichen. Dies kam daher, weil die
Geheimhaltung der Parlamentsdebatten, eine Geheimhaltung, die jetzt als
ein unertrglicheres Uebel betrachtet werden wrde als das Schiffsgeld
oder die Sternkammer, damals selbst in den rechtschaffensten und
intelligentesten Geistern mit dem Begriffe der constitutionellen
Freiheit unzertrennlich verbunden war. Einige noch lebende alte Leute
konnten sich der Zeit erinnern, wo ein Gentleman, von dem man in
Whitehall wute, da er ein scharfes Wort gegen einen Gnstling des
Hofes hatte fallen lassen, vor den Geheimen Rath gefordert und in den
Tower geschickt worden wre. Diese Zeiten waren fr immer vorber. Es
war nicht die mindeste Gefahr mehr, da der Knig die Mitglieder der
Legislatur tyrannisiren werde; aber es war groe Gefahr vorhanden, da
die Legislatur das Volk tyrannisiren werde. Gleichwohl bten die Worte
Privilegium des Parlaments, diese Worte, welche die ernsten Senatoren
der vorhergehenden Generation gemurmelt hatten, als ein Tyrann ihre
Kammer mit seinen Garden fllte, diese Worte, welche hunderttausend
Londoner ihm in die Ohren brllten, als er sich zum letzten Male in ihre
Stadt wagte, noch immer einen magischen Einflu auf alle Freunde der
Freiheit aus. Es dauerte lange, ehe selbst die aufgeklrtesten Mnner zu
der Einsicht kamen, da die Vorsichtsmaregeln, welche ursprnglich zu
dem Zwecke angewendet worden waren, die Patrioten gegen das Mifallen
des Hofes zu schtzen, gegenwrtig nur noch dazu dienten, Schmarotzer
gegen das Mifallen der Nation zu schtzen.


[_Die ersten Parlamentsdebatten ber die Freiheit der Presse._] Es mu
ferner auch bemerkt werden, da Einige von Denen, welche damals das
dringendste Verlangen zeigten, die politische Macht des Volks zu
vermehren, schon geneigt waren, die Presse von der Aufsicht der
Regierung zu befreien. Die Censuracte, welche im Jahre 1685 als etwas
Selbstverstndliches angenommen worden war, erlosch 1693 und wurde
erneuert, jedoch nicht ohne eine Opposition, die im Verhltni zur
Wichtigkeit des Gegenstandes zwar schwach war, aber doch bewies, da das
Volk dunkel zu ahnen begann, wie innig die brgerliche Freiheit und die
Gewissensfreiheit mit der Redefreiheit verwachsen sind.

Kein frherer Schriftsteller hat es der Mhe werth gehalten, auf die
Geschichte der Censuracte einige Mhe und Sorgfalt zu verwenden. Man
wird jedoch gewi zugeben, da die Ereignisse, welche die Einfhrung der
Prefreiheit in England und in allen von dem englischen Volksstamme
bewohnten Lndern zur Folge gehabt haben, ebensoviel Interesse fr die
jetzige Generation haben als irgend eine der Schlachten und
Belagerungen, deren Verlauf bis in die geringsten Details sorgfltig
aufgezeichnet worden ist.

Whrend der ersten drei Jahre von Wilhelm's Regierung scheint sich kaum
eine Stimme gegen die Beschrnkungen erhoben zu haben, die das Gesetz
der Literatur auflegte. Diese Beschrnkungen standen in vollkommenem
Einklange mit der Regierungstheorie, welcher die Tories huldigten,
und hatten in ihrer praktischen Ausbung fr die Whigs nichts
Erbitterndes. Roger Lestrange, der unter den letzten beiden Knigen
des Hauses Stuart Censor gewesen war und der in dieser Eigenschaft
ebensowenig Milde gegen die Exclusionisten und Presbyterianer
gezeigt hatte, wie in seiner andren Eigenschaft als Redacteur des
Observator, wurde zur Zeit der Revolution seines Amtes entsetzt und
erhielt einen schottischen Gentleman zum Nachfolger, der wegen seiner
Leidenschaft fr seltene Bcher und seiner Gewohnheit, sich bei allen
Bcherversteigerungen einzufinden, in den Lden und Kaffeehusern
in der Nhe der St. Paulskirche unter dem Namen Katalog-Fraser
bekannt war. Fraser war ein eifriger Whig, und die whiggistischen
Schriftsteller und Verleger priesen ihn als einen hchst unparteiischen
und humanen Mann. Aber das Verfahren, welches ihren Beifall hatte,
zog ihm das Mifallen der Tories zu und gefiel auch seinem amtlichen
Vorgesetzten Nottingham nicht recht.[96] Es scheint jedoch bis zum
Jahre 1692 kein ernstes Zerwrfni entstanden zu sein. In diesem Jahre
aber schrieb ein wackerer alter Geistlicher, Namens Walker, der zu
den Zeiten der Republik Gauden's Curat gewesen, ein Buch, das jeden
verstndigen und leidenschaftslosen Leser berzeugte, da Gauden und
nicht Karl I. der Verfasser des +Ikon Basilike+ war. Diesem Buche gab
Fraser die Druckerlaubni. Htte er die Verffentlichung eines Werkes
autorisirt, in welchem das Evangelium St. Johannes oder der Brief an
die Rmer als unecht dargestellt waren, so htte die Entrstung der
Hochkirchenpartei kaum grer sein knnen. Das war keine literarische,
sondern eine Religionsfrage. Hier war Zweifel Gottlosigkeit. Das
+Ikon+ war in der That fr viele glhende Royalisten ein Supplement
zur Offenbarung. Einer von ihnen war sogar so weit gegangen, da
er vorgeschlagen hatte, es mchten in den Kirchen Kapitel aus dem
unschtzbaren Bchlein vorgelesen werden.[97] Fraser hielt es fr
nthig, sein Amt niederzulegen, und Nottingham ernannte einen Gentleman
von guter Herkunft und geringem Vermgen, Namens Edmund Bohun. Dieser
Personenwechsel fhrte einen pltzlichen und vollstndigen Wechsel
des Systems mit sich, denn Bohun war ein so eifriger Tory, als ein
gewissenhafter Mann, der die Eide geleistet hatte, es nur immer sein
konnte. Er hatte sich als Verfolger der Nonconformisten und als
Verfechter des passiven Gehorsams bemerkbar gemacht, hatte Filmer's
alberne Abhandlung ber den Ursprung des Staatswesens herausgegeben
und hatte eine Antwort auf die Schrift verffentlicht, die Algernon
Sidney auf Tower Hill den Sheriffs bergeben. Auch gab Bohun nicht
zu, da er, indem er Wilhelm und Marien Treue geschworen, etwas mit
seinem bisherigen politischen Glauben Unvertrgliches gethan habe;
denn es war ihm gelungen, sich zu berzeugen, da sie kraft des
Eroberungsrechts regierten und da es Pflicht eines Englnders sei,
ihnen eben so treu zu dienen, wie Daniel dem Darius oder Nehemia dem
Ataxerxes gedient hatte. Welche Beruhigung diese Doctrin auch seinem
eigenen Gewissen verschaffen mochte, sie fand vor den Augen aller
Parteien wenig Gnade. Die Whigs verabscheuten sie als servil, die
Jakobiten verabscheuten sie als revolutionr. Eine groe Anzahl Tories
hatten sich allerdings deshalb Wilhelm unterworfen, weil er, gleichviel
ob mit Recht oder mit Unrecht, factisch regierender Knig war; aber
sehr wenige von ihnen waren geneigt zuzugeben, da sein Besitz des
Thrones aus einer Eroberung entsprungen sei. Der Beweisgrund, der den
schwachen und beschrnkten Verstand Bohun's befriedigt hatte, war in
der That eine bloe Fiction, und wre er eine Wahrheit gewesen, so
wrde er eine solche Wahrheit gewesen sein, die kein Englnder ohne
die tiefste Beschmung und Krnkung htte aussprechen knnen.[98] Er
hielt jedoch an seiner Lieblingslaune mit einer Zhigkeit fest, welche
den allgemeinen Unwillen noch vermehrte. Seine ehemaligen Freunde,
die starren Anhnger des unveruerlichen erblichen Rechts, wurden
kalt und zurckhaltend. Er bat Sancroft um seinen Segen und erhielt
nur ein scharfes Wort und einen finstren Blick. Er bat Ken um seinen
Segen, und Ken, der die Regeln der christlichen Liebe und Artigkeit
sonst nicht zu verletzen pflegte, murmelte etwas von einem kleinen
Scribenten. So von einer Partei verstoen, wurde Bohun von keiner
andren aufgenommen. Er bildete gewissermaen eine besondere Klasse,
denn er war zugleich ein eifriger Filmerit und ein eifriger Wilhelmit.
Er war der Meinung, da die durch kein Gesetz und durch keinen Vertrag
beschrnkte Monarchie die von Gott angeordnete Regierungsform sei.
Aber er betrachtete Wilhelm nicht als den absoluten Monarchen, der
die groe Charte annulliren, die Geschwornengerichte abschaffen und
durch knigliche Proklamationen Steuern auflegen knnte, ohne den
Anspruch auf unbedingten Gehorsam seitens der Christen zu verlieren. Im
Uebrigen war Bohun ein Mann von geringer wissenschaftlicher Bildung,
beschrnktem Verstande und unangenehmen Manieren. Er hatte sein Amt
kaum angetreten, so gerieth ganz Paternoster Row und Little Britain in
Ghrung. Die Whigs hatten unter Fraser's Amtsfhrung fast eben so viel
Freiheit genossen, als wenn es gar keine Censur gegeben htte. Jetzt
aber wurden sie eben so streng behandelt wie zu der Zeit Lestrange's.
Es sollte eine Geschichte der Blutigen Assisen erscheinen, von der man
eben so groen Absatz erwartete als ihn Bunyan's Pilgerreise gefunden.
Aber der neue Censor verweigerte sein Imprimatur. Das Buch, sagte
er, stelle Rebellen und Schismatiker als Helden und Mrtyrer dar und
er werde die Druckerlaubni nicht geben, wenn man es ihm auch mit
Gold aufwge. Eine von Lord Warrington der groen Jury von Cheshire
eingereichte Klageschrift durfte nicht erscheinen, weil Se. Lordschaft
geringschtzend vom gttlichen Recht und passiven Gehorsam gesprochen
hatte. Julian Johnson sah, da wenn er seine Ansichten vom Staatswesen
verffentlichen wollte, er wieder wie in den schlimmen Zeiten Knig
Jakob's zu einer geheimen Presse seine Zuflucht nehmen msse.[99] Eine
solche Beschrnkung nach mehreren Jahren unbegrenzter Freiheit erweckte
natrlich heftige Erbitterung. Einige Whigs begannen zu denken, da die
Censur an sich ein Uebel sei; alle Whigs aber erklrten einstimmig den
neuen Censor fr seinen Posten ungeeignet und waren bereit, sich zu
einem Versuche ihn los zu werden, zu verbinden.

Ueber die Vorgnge, welche mit Bohun's Entlassung endigten und welche
den ersten parlamentarischen Kampf fr die Freiheit der Presse
hervorriefen haben wir Berichte von Bohun selbst und von Anderen; aber
man hat starken Grund zu glauben, da sich in keinem dieser Berichte
die ganze Wahrheit ausgesprochen findet. Es drfte nicht unmglich
sein, selbst nach so langer Zeit zerstreute Fragmente von Zeugnissen so
zusammenzustellen, da sie eine authentische Erzhlung bilden, die den
unglcklichen Censor selbst in Erstaunen gesetzt haben wrde.

Es gab damals in der Stadt einen Mann von guter Familie, einiger
Belesenheit und unbedeutendem literarischen Talent, Namens Karl
Blount.[100] In der Politik gehrte er zur uersten Fraction der
Whigpartei. In den Tagen der Exclusionsbill war er einer von
Shaftesbury's heibltigen Burschen gewesen und hatte unter dem Namen
Julius Brutus die Tugenden und Verdienste des Titus Oates gepriesen und
die Protestanten aufgefordert, fr den Brand von London und fr die
Ermordung Godfrey's blutige Rache an den Papisten zu nehmen.[101]
Bezglich der theologischen Fragen, welche damals zwischen den
Protestanten und Papisten schwebten, war Blount vollkommen unparteiisch.
Er war ein Unglubiger und das Oberhaupt einer kleinen Schule von
Unglubigen, die von einer krankhaften Sucht geqult wurden, Convertiten
zu machen. Er bersetzte nach der lateinischen Uebersetzung einen Theil
der Biographie des Apollonius von Tyana, und fgte Anmerkungen hinzu,
deren leichtfertige Profanitt den strengen Tadel eines Unglubigen ganz
andrer Art, des berhmten Bayle, hervorrief.[102] Auerdem griff Blount
das Christenthum in mehreren Originalabhandlungen oder eigentlich in
mehreren sich fr Originale ausgebenden Abhandlungen an, denn er war der
frechste aller literarischen Diebe und schrieb ohne Anfhrung der Quelle
ganze Seiten von Schriftstellern ab, die ihm vorausgegangen waren. Es
war ihm ein Hochgenu, die Priester mit der Frage zu qulen, woher das
Licht gekommen sei, ehe die Sonne geschaffen war, wie das Paradies vom
Pison Gihon, Hidekel und Phrath begrenzt sein konnte, wie die Schlangen
sich bewegten, ehe sie dazu verurtheilt wurden, zu kriechen, und woher
Eva den Zwirn nahm, um ihre Feigenbltter zusammenzuheften. Seinen
Grbeleien ber diese Dinge gab er den hochtrabenden Titel Orakel der
Vernunft, und seine Schler betrachteten auch wirklich Alles was er
schrieb oder that als Orakel. Der bekannteste von diesen Schlern war
ein schlechter Schriftsteller, Namens Gildon, der noch die
nchstfolgende Generation mit erbrmlichen Versen und Verleumdungen
plagte und dessen Andenken nicht durch seine eigenen voluminsen Werke,
sondern durch einige Zeilen, in denen Pope seine Dummheit und Feilheit
mit Verachtung erwhnt, der Nachwelt aufbewahrt worden ist.[103]

So wenig der geistige, wie auch der sittliche Character Blount's Achtung
zu verdienen scheinen, so mssen wir doch ihm in bedeutendem Mae die
Emancipation der englischen Presse zuschreiben. Zwischen ihm und den
Censoren herrschte eine langdauernde Fehde. Vor der Revolution war eine
seiner heterodoxen Schriften von Lestrange abscheulich verstmmelt und
schlielich auf Befehl von Lestrange's Vorgesetzten, dem Bischof von
London, unterdrckt worden.[104] Bohun war ein kaum minder strenger
Kritiker als Lestrange, und Blount begann daher gegen die Censur und die
Censoren zu Felde zu ziehen. Die Feindseligkeiten wurden mit einer
Abhandlung erffnet, welche ohne jede Censur erschien und den Titel
fhrt: +A Just Vindication of Learning and of the Liberty of the Press,
by Philopatris.[105]+ Wer diese Schrift liest, und nicht wei, da
Blount einer der gewissenlosesten Plagiatoren war, die es je gegeben
hat, wird sich wundern, neben den armseligen Gedanken und drren Worten
eines Pamphletisten dritten Ranges Stellen von so erhabenem Gedankenflug
und Styl zu finden, da sie dem grten Namen in der Literatur Ehre
machen wrden. Dies kommt daher, weil die +Just Vindication+
hauptschlich aus zusammengelesenen Extracten aus den +Areopagitica+
Milton's besteht. Diese herrliche Ansprache war von der Generation, an
die sie gerichtet war, nicht beachtet worden, der Vergessenheit anheim
gefallen und jedem literarischen Spitzbuben preisgegeben. Die
schriftstellerische Thtigkeit Blount's glich den architektonischen
Arbeiten der Barbaren, die das Coliseum und das Theater von Pompeji als
Steinbrche benutzten, aus jonischen Friesen Htten bauten und an Sulen
von Lazulith Kuhstlle lehnten. Blount schlo, wie Milton, mit dem
Rathe, da jedes Buch ohne Censur gedruckt und nur der Name des
Verfassers oder Verlegers registrirt werden sollte.[106] Die +Just
Vindication+ wurde gut aufgenommen und der Schlag bald wiederholt. Es
gab noch viele schne Stellen in den +Areopagitica+, welche Blount in
seinem ersten Pamphlet nicht benutzt hatte. Aus diesen Stellen setzte er
ein zweites Pamphlet zusammen, betitelt: +Reasons for the Liberty of
Unlicensed Printing.+[107] Diesen Grnden hing er eine Nachschrift an,
betitelt: +A Just and True Character of Edmund Bohun.+ Diese
Characteristik war mit der uersten Heftigkeit geschrieben. Es waren
darin Stellen aus den Schriften des Censors citirt, um zu beweisen, da
er den Doctrinen des passiven Gehorsams und des Nichtwiderstandes
huldigte. Er wurde beschuldigt, seine Macht systematisch zu dem Zwecke
angewendet zu haben, die Feinde der Souveraine, deren Brod er a, zu
begnstigen, und ihre Freunde zum Schweigen zu bringen, und es wurde
behauptet, er sei der Freund und Schler seines Vorgngers Sir Roger.
Blount's Characteristik Bohun's durfte nicht ffentlich verkauft
werden, aber sie wurde weit verbreitet. Whrend sie von Hand zu Hand
ging und whrend die Whigs allenthalben ber den neuen Censor als ber
einen zweiten Lestrange Zeter schrieen, wurde er ersucht, das Erscheinen
eines anonymen Werkes, betitelt: +King William and Queen Mary
Conquerors+, zu autorisiren.[108] Er verstand sich gern und willig dazu,
denn es herrschte in der That zwischen den Doctrinen, denen er schon
lngst huldigte, und den in dieser Abhandlung entwickelten Doctrinen
eine so genaue Uebereinstimmung, da Viele den Verfasser in ihm
vermutheten, eine Vermuthung, die durch eine Stelle, in welcher seinen
politischen Schriften ein Compliment gemacht war, nicht geschwcht
wurde. Allein der wahre Autor war der nmliche Blount, welcher gerade
damals sich bemhte, das Publikum sowohl gegen die Censuracte als auch
gegen den Censor aufzubringen. Blount's Beweggrnde sind leicht zu
errathen. Seine Ansichten waren denen, die er bei dieser Gelegenheit in
der beleidigendsten Weise aufstellte, direct entgegengesetzt. Man kann
daher unmglich zweifeln, da er die Absicht hatte, Bohun in eine
Schlinge zu locken und zu verderben. Es war ein gemeiner und
schndlicher Plan. Doch kann man nicht leugnen, da die Schlinge sehr
geschickt gelegt und der Kder gut gewhlt war. Es gelang dem
Republikaner einen Hochtory zu spielen. Es gelang dem Atheisten einen
Hochkirchlichen zu spielen. Das Pamphlet schlo mit einem inbrnstigen
Gebet: Der Gott des Lichts und der Liebe mge den Verstand der Englnder
erleuchten und ihren Willen lenken, auf da sie erkennen mchten, was
ihrer Ruhe frommte. Der Censor war entzckt. Auf jeder Seite sah er
seine eigenen Gedanken klarer ausgedrckt, als er selbst sie je
ausgesprochen hatte. Seiner Meinung nach war der wahre Anspruch Ihrer
Majestten auf Gehorsam noch nie so augenfllig dargelegt worden. Jeder
Jakobit, der diese wundervolle Abhandlung lse, msse unfehlbar bekehrt
werden. Die Eidverweigerer wrden schaarenweis die Eide leisten. Die so
lange gespaltene Nation wrde endlich zur Einigkeit gelangen. Aus diesen
lieblichen Trumen wurde Bohun einige Stunden nach dem Erscheinen der
Schrift, die ihn entzckt, durch die Nachricht geweckt, da der Titel
ganz London in Flammen gesetzt und da die abscheulichen Worte Knig
Wilhelm und Knigin Marie Eroberer die Entrstung einer Masse von
Leuten erregt, die gar nicht weiter gelesen htten. Schon vier Tage nach
dem Erscheinen hrte er, da sich das Haus der Gemeinen der Sache
angenommen habe, da das Buch von einigen Mitgliedern ein Schandbuch
genannt worden sei und da der Stabtrger, weil der Verfasser unbekannt
war, den Censor aufsuche.[109] Bohun war nie ein starker Geist gewesen;
die Wuth und Pltzlichkeit des Sturmes aber, der jetzt ber ihn
hereinbrach, versetzte ihn in die grte Bestrzung und Verwirrung. Er
begab sich in die Kammer. Die meisten von den Mitgliedern, denen er in
den Gngen und Vorhallen begegnete, zeigten ihm ein finstres Gesicht.
Als er vor die Schranke gerufen wurde und nach drei tiefen Verbeugungen
das Haupt zu erheben und um sich zu blicken wagte, konnte er in den
zornigen und verchtlichen Blicken, die von allen Seiten nach ihm
geworfen wurden, seine Verurtheilung lesen. Er stockte, versprach und
widersprach sich, nannte den Sprecher Mylord und rief durch seine
verworrenen Reden einen Sturm rohen Gelchters hervor, der ihn immer
mehr verwirrte. Sobald er sich wieder entfernt hatte, wurde der
einstimmige Beschlu gefat, da die ruchlose Schrift im Palasthofe vom
Henker verbrannt werden sollte. Auerdem wurde ohne Abstimmung
beschlossen, da der Knig ersucht werden solle, Bohun des Censoramtes
zu entheben. Der arme Mann, vor Gram und Furcht einer Ohnmacht nahe,
wurde durch die Beamten des Hauses in ein Gefngni abgefhrt.[110]

Kaum aber war er in seinem Gefngni angekommen, so verlangte ein
groer Theil der Mitglieder strmisch nach einem angeseheneren Opfer.
Burnet hatte kurz nachdem er Bischof von Salisbury geworden war an
den Klerus seiner Dicese einen Hirtenbrief erlassen, worin er ihn
zur Eidesleistung ermahnte. In einer Stelle dieses Briefes fhrte er
eine Sprache, die einige Aehnlichkeit mit der des Pamphlets hatte,
das so eben zu den Flammen verurtheilt worden war. Es kamen zwar
Abweichungen vor, die einem einsichtsvollen und unparteiischen Tribunal
nicht htten entgehen knnen. Aber das Tribunal, vor welchem Burnet
stand, war weder ein einsichtsvolles, noch ein unparteiisches. Seine
Fehler hatten ihm viele Feinde gemacht und seine Tugenden noch mehr.
Die mivergngten Whigs klagten, da er sich zum Hofe hinneige, die
Hochkirchlichen, da er sich zu den Dissenters hinneige, und es lt
sich auch nicht annehmen, da ein Mann von solcher Khnheit und so
wenig Takt, ein so unbesonnener, freimthiger und so rastlos thtiger
Mann durchs Leben gegangen sein sollte, ohne die Plne Einiger, deren
Ansichten mit den seinigen bereinstimmten, zu durchkreuzen und ihre
Gefhle zu verletzen. Mit ganz besonderem Uebelwollen wurde er von
Howe betrachtet. Howe war, selbst als er im Amte war, niemals gewohnt
gewesen, seine beiende und muthwillige Zunge zu zgeln, und er war
unlngst in einer Weise aus dem Amte vertrieben worden, die ihn ber
die Maen wild gemacht hatte. Die Geschichte seiner Entlassung ist
nicht genau bekannt, aber sie war gewi von Umstnden begleitet, die
ihn heftig gereizt hatten. Wenn man dem Gercht glauben durfte, hatte
er sich eingebildet, da Marie ihn liebe, und eine Gelegenheit, die
sich ihm darbot, als er ihr Vicekammerherr war, dazu benutzt, ihr
Antrge zu machen, die ihren gerechten Unwillen erregten. Bald nach
seiner Entlassung wurde er in Anklagestand versetzt, weil er in einem
Anfall von Jhzorn einen seiner Diener innerhalb des Palastdistrikts
barbarisch geschlagen hatte. Er war schuldig befunden, aber begnadigt
worden; allein von diesem Augenblicke an zeigte er bei jeder
Gelegenheit den wthendsten persnlichen Ha gegen seine knigliche
Gebieterin, gegen ihren Gemahl und gegen Alle, die bei Einem von
Beiden in Gunst standen. Es war bekannt, da die Knigin Burnet hufig
zu Rathe zog, und Howe glaubte, da ihre Strenge Burnet's Einflu
zuzuschreiben sei.[111] Jetzt war die Zeit gekommen, wo er sich rchen
konnte. In einer langen und vortrefflich ausgearbeiteten Rede stellte
der hmische Whig -- denn fr einen solchen gab er sich noch aus --
Burnet als einen Tory von der schlimmsten Sorte dar. Es sollte ein
Gesetz geben, sagte er, das den Geistlichen bei Strafe verbte, in
ihren Vortrgen von Politik zu sprechen. Frher versuchten sie uns
dadurch zu knechten, da sie das gttliche und unveruerliche Recht
des Frsten predigten; jetzt wollen sie das nmliche Resultat dadurch
erreichen, da sie uns sagen, wir seien ein erobertes Volk. Es wurde
beantragt, den Bischof in Anklagestand zu versetzen. Gegen diesen
Antrag lie sich ein unverwerflicher Einwand erheben, den der Sprecher
andeutete. Der Hirtenbrief war im Jahre 1689 geschrieben und stand
daher unter dem Schutze der im Jahre 1690 erlassenen Begnadigungsacte.
Dennoch scheute sich ein Mitglied nicht, zu sagen: Gleichviel, man
klage ihn nur an und zwinge ihn, die Acte zu seinen Gunsten geltend
zu machen. Indessen waren nur Wenige geneigt, ein eines Hauses der
Gemeinen so unwrdiges Verfahren einzuschlagen. Ein Spavogel rief
aus: Man verbrenne ihn, man verbrenne ihn![112] und dieser schlechte
Witz lief durch alle Bnke und wurde mit schallendem Gelchter
aufgenommen. Es wurde beantragt, da dieser Hirtenbrief vom Henker
verbrannt werden solle. Dieser Antrag rief eine lange und heftige
Debatte hervor, denn Burnet war ein Mann, der eben so warme Freunde
als bittere Feinde hatte. Die groe Mehrheit der Whigs hielt fest zu
ihm und seine Gutherzigkeit und Hochsinnigkeit hatte ihm selbst unter
den Tories Freunde verschafft. Der Kampf whrte zwei Tage. Montague
und Finch, Mnner von weitauseinandergehenden Ansichten, figurirten
unter den Vertheidigern des Bischofs in erster Reihe. Ein Versuch,
sich des Gegenstandes durch Beantragung der vorlufigen Frage zu
entledigen, scheiterte. Endlich wurde die Hauptfrage gestellt und der
Hirtenbrief mit einer geringen Majoritt in einem vollen Hause zu den
Flammen verurtheilt. Es hatten hundertzweiundsechzig Mitglieder mit Ja,
hundertfnfundfunfzig mit Nein gestimmt.[113] Die allgemeine Meinung,
wenigstens in der Hauptstadt, scheint die gewesen zu sein, da Burnet
rcksichtslos behandelt worden sei.[114]

Er war von Natur kein Mann von feinem Gefhl, und das Leben, welches er
gefhrt, war nicht eben geeignet gewesen es zu verfeinern. Seit vielen
Jahren war er eine Zielscheibe fr theologischen und politischen Ha.
Gelehrte Doktoren hatten Anathemas gegen ihn geschleudert; gemeine
Poeten hatten ihn in Spottliedern verhhnt; Frsten und Minister
hatten ihm nach dem Leben getrachtet; er war lange ein Umherirrender
und Verbannter gewesen, in bestndiger Gefahr aufgegriffen, in die
spanischen Stiefeln gesteckt und gehngt und geviertheilt zu werden.
Doch nichts von dem Allen scheint ihn irre gemacht zu haben. Sein
Eigendnkel war gegen jeden Spott, sein unerschrockener Muth gegen
jede Gefahr gewappnet. Bei dieser Gelegenheit aber scheint seine
Standhaftigkeit ihn verlassen zu haben. Von dem volksthmlichen
Zweige der Legislatur als ein Lehrer von Doctrinen, so servil, da
sie selbst Tories zuwider waren, gebrandmarkt zu werden, mit dem
Herausgeber von Filmer in ein Verdammungsurtheil eingeschlossen zu
sein, das war zu viel. Wie tief Burnet sich gekrnkt fhlte, zeigte
sich viele Jahre spter, als nach seinem Tode seine +History of his
Life and Times+ der Oeffentlichkeit bergeben wurde. In diesem Werke
ergeht er sich gewhnlich mit geschwtziger Weitschweifigkeit ber
Alles, was seine Person berhrt, und erzhlt zuweilen mit ergtzlicher
Offenheit seine eigenen Fehler und den Tadel, den diese Fehler ihm
zuzogen. Das vom Hause der Gemeinen ber seinen Hirtenbrief verhngte
schimpfliche Urtheil bergeht er jedoch mit einem sehr bedeutsamen
Stillschweigen.[115]

Das Complot, welches Bohun ins Verderben strzte, gereichte zwar Denen,
die es geschmiedet, nicht zur Ehre, hatte aber wichtige und heilsame
Folgen. Bevor das Verfahren des unglcklichen Censors der Beurtheilung
des Parlaments vorgelegt wurde, hatten die Gemeinen, ohne Abstimmung und
so weit es ersichtlich ist, ohne Discussion, beschlossen, da die Acte,
welche die Literatur einer Censur unterwarf, in Kraft bleiben solle.
Jetzt inde hatte die Frage eine neue Gestalt angenommen, und das
Fortbestehen der Acte wurde nicht mehr als etwas Selbstverstndliches
betrachtet. Es begann sich eine der Freiheit der Presse gnstige
Stimmung zu zeigen, eine Stimmung, die allerdings noch keine groe
Ausdehnung und keine bedenkliche Intensitt hatte. Das bestehende
System, sagte man, sei sowohl dem Handel als den Wissenschaften
nachtheilig. Knne man wohl erwarten, da ein Kapitalist die zu einem
groen literarischen Unternehmen erforderlichen Gelder vorstrecken, oder
da ein Gelehrter jahrelange Mhen und Forschungen auf ein solches
Unternehmen verwenden werde, so lange es mglich sei, da im letzten
Augenblicke die Laune, die Bosheit oder die Dummheit eines Einzelnen den
ganzen Plan zerstren knne? Und sei es gewi, da das Gesetz, das die
Freiheit des Handels und des Gedankens so drckend beschrnke, wirklich
die Sicherheit des Staates vermehrt habe? Htten nicht ganz neue
Erfahrungen bewiesen, da der Censor selbst ein Freund Ihrer Majestten,
oder noch schlimmer, ein alberner und verkehrter Freund sein knne; da
er ein Buch unterdrcken knne, von dem es in ihrem Interesse liege, da
jedes Haus im ganzen Lande ein Exemplar besitze, und da er bereitwillig
seine Sanction einem Libell geben knne, das die Tendenz habe, sie ihrem
Volke verhat zu machen, und das von der Hand Ketch's zerrissen und
verbrannt zu werden verdiene? Habe die Regierung durch Einfhrung einer
literarischen Polizei, welche die Englnder verhindere, die Geschichte
der blutigen Assisen zu besitzen, und ihnen dafr erlaube, Abhandlungen
zu lesen, welche den Knig Wilhelm und die Knigin Marie als Eroberer
darstellten, etwa viel gewonnen?

Zur damaligen Zeit reichten Personen, die kein specielles Interesse an
einer allgemeinen Bill hatten, nur sehr selten Petitionen gegen oder fr
dieselbe beim Parlamente ein. Die eingegangenen Petitionen, welche bei
dieser Gelegenheit den beiden Husern gegen die Censur vorgelegt wurden,
gingen daher von Buchhndlern, Buchbindern und Buchdruckern aus.[116]
Aber die Ansicht, welche diese Klassen aussprachen, beschrnkte sich
sicherlich nicht auf sie.

Das dem Erlschen nahe Gesetz hatte acht Jahre bestanden. Es wurde nur
auf zwei Jahre erneuert. Aus einer leider lckenhaften Notiz in den
Protokollen der Gemeinen geht hervor, da eine Abstimmung ber ein
Amendement stattfand, ber dessen Natur wir vllig im Dunkeln gelassen
sind. Die Stimmen waren neunundneunzig gegen achtzig. Bei den Lords
wurde nach dem Rathe, den fnfzig Jahre frher Milton gab, und den
Blount ihm gestohlen hatte, vorgeschlagen, jedes Buch, auf dessen Titel
der Name eines Verfassers oder Verlegers angegeben sei, von der
Autoritt des Censors auszuschlieen. Dieses Amendement wurde verworfen
und die Bill angenommen, jedoch nicht ohne einen von elf Peers
unterzeichneten Protest, in welchem sie erklrten, da es ihrer Ansicht
nach nicht im Interesse des Staats liegen knne, alle Wissenschaft und
wahre Belehrung der Willkr und dem Belieben eines bezahlten und
vielleicht unwissenden Censors zu unterwerfen. Unter den Protestirenden
befanden sich Halifax, Shrewsbury und Mulgrave, drei Edelleute, welche
verschiedenen politischen Parteien angehrten, sich aber smmtlich durch
wissenschaftliche Bildung auszeichneten. Es ist zu beklagen, da die
Unterschriften Tillotson's und Burnet's fehlen, welche beide an diesem
Tage anwesend waren. Dorset war abwesend.[117]

Blount, durch dessen Bemhungen und Machinationen die Opposition gegen
die Censur hervorgerufen worden war, lebte nicht so lange um diese
Opposition mit Erfolg gekrnt zu sehen. Obgleich kein junger Mann mehr,
war er von einer leidenschaftlichen Liebe zu der Schwester seiner
verstorbenen Frau erfllt. Nachdem er sich lange vergebens bemht hatte,
den Gegenstand seiner Liebe zu berzeugen, da sie rechtmigerweise
seine Gattin werden knne, brachte er sich endlich, ob aus
Lebensberdru, oder in der Hoffnung, dadurch ihr Herz zu rhren, eine
Wunde bei, an der er nach langem Siechthum starb. Er ist oft ein
Gotteslsterer und Selbstmrder genannt worden, aber der wichtige
Dienst, den er seinem Vaterlande, allerdings durch hchst unmoralische
und entehrende Mittel leistete, ist fast unerwhnt geblieben.[118]


[_Zustand Irland's._] Spt in dieser geschftsreichen und ereignivollen
Session wurde die Aufmerksamkeit der Huser auf den Zustand Irland's
gelenkt. Die Verwaltung dieses Reiches war whrend der sechs Monate,
welche auf die Uebergabe von Limerick folgten, in einem ungeregelten
Zustande gewesen. Erst als die irischen Truppen, welche zu Sarsfield
hielten, nach Frankreich abgesegelt waren, und als die, die sich fr das
Zurckbleiben entschieden hatten, aufgelst worden waren, erlie Wilhelm
endlich eine Proklamation, in der er die Beendigung des Brgerkrieges
feierlich ankndigte. Von der Feindseligkeit der eingeborenen
Bevlkerung war bei ihrem jetzigen Mangel an Anfhrern, Waffen und
Organisation nichts weiter zu befrchten als gelegentliche Rubereien
und Morde. Aber der Kriegsruf der Irlnder war kaum verstummt, als sich
auch schon das erste schwache Gemurmel der Englnder vernehmen lie.
Coningsby stand seit einigen Monaten an der Spitze der Verwaltung. Er
machte sich der dominirenden Kaste bald im hchsten Grade verhat. Er
war ein characterloser Mensch, von einer unersttlichen Gier nach
Reichthmern beseelt und in einer Stellung, in der ein characterloser
Mann leicht zu Reichthmern gelangen konnte. Ungeheure Summen Geldes,
ungeheure Massen militrischer Vorrthe waren von England
herbergeschickt worden, groartige Confiscationen fanden in Irland
statt. Der habschtige Gouverneur hatte tglich Gelegenheit zu
unterschlagen und zu erpressen, und er benutzte diese Gelegenheiten ohne
Gewissensscrupel und ohne Scham. Dies war jedoch in den Augen der
Colonisten noch nicht sein grtes Verbrechen. Seine Habgier wrden sie
ihm noch verziehen haben; aber die Milde, die er gegen ihre besiegten
und geknechteten Feinde bte, konnten sie ihm nicht verzeihen. Seine
Milde bestand allerdings nur darin, da er das Geld mehr liebte als er
die Papisten hate, und da er nicht abgeneigt war, Dem und Jenem von
der unterdrckten Klasse ein wenig Gerechtigkeit fr einen hohen Preis
zu verkaufen. Leider betrachtete die herrschende Minderheit, noch
blutend von den Wunden des letzten Kampfes und noch trunken von dem
errungenen Siege, die unterjochte Mehrheit als eine Heerde Vieh, oder
vielmehr als ein Rudel Wlfe. Der Mensch erkennt dem niedrigen Thiere
keine Rechte zu, die sich mit seiner Bequemlichkeit nicht vertragen, und
wie der Mensch die unter ihm stehenden Thiere behandelt, so glaubte der
Cromwellianer die rmischen Katholiken behandeln zu drfen. Coningsby
zog sich daher durch seine wenigen guten Thaten einen rgeren Sturm von
Vorwrfen zu, als durch seine vielen schlechten Thaten. Das Geschrei
gegen ihn war so heftig, da er abberufen werden mute, und Sidney ging
mit der ganzen Macht und dem ganzen Ansehen eines Viceknigs hinber, um
in Dublin ein Parlament zu halten.[119]

Aber der sanfte Character und die gewinnenden Manieren Sidney's machten
keineswegs einen vershnenden Eindruck. Er selbst scheint zwar nicht
nach unerlaubtem Gewinn gestrebt zu haben; aber er verstand es nicht,
mit hinreichend fester Hand den Schwarm der Subalternbeamten zu zgeln,
welche durch Coningsby's Beispiel und Protection ermuthigt worden waren,
das Volk auszuplndern und ihre Dienste Supplikanten zu verkaufen. Auch
war der neue Viceknig nicht geneigt, die schwachen Ueberreste der
einheimischen Aristokratie hart zu behandeln. Daher wurde er denn sehr
bald fr die angelschsischen Colonisten ein Gegenstand des Mitrauens
und des Widerwillens. Sein erster Act war, da er eine allgemeine Wahl
ausschrieb. Die Katholiken waren von jeder Municipalcorporation
ausgeschlossen worden; aber kein Gesetz hatte ihnen noch das
Grafschaftswahlrecht entzogen. Es ist jedoch wahrscheinlich, da kein
einziger katholischer Freisasse sich den Wahlorten zu nhern wagte. Die
gewhlten Mitglieder waren mit wenigen Ausnahmen Mnner, die vom Geiste
von Enniskillen und Londonderry beseelt waren, einem in der Zeit der
Bedrngni und Gefahr ungemein heldenmthigen, in der Zeit des Glcks
und der Macht aber nur zu oft grausamen und herrschschtigen Geiste. Sie
verabscheuten den Civiltractat von Limerick und waren entrstet, als sie
erfuhren, da der Lordlieutenant mit Bestimmtheit die parlamentarische
Ratification dieses verhaten Tractats von ihnen erwartete, eines
Tractats, der den Gtzendienst der Messe sanctionirte und die guten
Protestanten verhinderte, ihre papistischen Nachbarn durch Anstellung
von Civilklagen wegen zur Zeit des Kriegs ihnen zugefgter Unbilden zu
Grunde zu richten.[120]

Am 5. October 1692 trat das Parlament zu Dublin in Chichester House
zusammen. Es war ganz anders zusammengesetzt als die Versammlung,
welche im Jahre 1689 denselben Namen getragen hatte. Kaum ein Peer, und
nicht ein Mitglied des Hauses der Gemeinen, die in King's Inns gesessen,
war hier zu sehen. Auf den Schwarm der O und Mac, der Nachkommen der
ehemaligen Frsten der Insel, waren Mnner gefolgt, deren Namen einen
schsischen Ursprung verriethen. Ein einziger O, ein von dem Glauben
seiner Vter Abgefallener, und drei Mac, offenbar Einwanderer aus
Schottland und wahrscheinlich Presbyterianer, hatten Sitze in der
Versammlung.

Das so zusammengesetzte Parlament besa damals weniger Befugnisse als
die gesetzgebenden Versammlungen von Jamaika oder von Virginien. Die
in Dublin tagende Legislatur war nicht blos der absoluten Controle
der in Westminster tagenden Legislatur unterworfen, sondern ein im
15.Jahrhundert whrend der Verwaltung des Lordstellvertreters Poynings
erlassenes und nach ihm benanntes Gesetz hatte auch bestimmt, da keine
vom englischen Geheimen Rathe nicht erwogene und genehmigte Bill in
einem der beiden irischen Huser eingebracht und da jede so berathene
und genehmigte Bill entweder ohne Amendement angenommen oder verworfen
werden msse.[121]

Die Session begann mit der feierlichen Anerkennung der Oberherrlichkeit
des Mutterlandes. Die Gemeinen lieen sich von ihrem Schriftfhrer die
englische Acte vorlesen, welche von ihnen die Leistung des
Suprematseides und die Unterschreibung der Erklrung gegen die
Transsubstantiation verlangte. Nachdem sie die Verlesung der Acte
angehrt, schritten sie sofort zur Befolgung derselben. Dann wurden
Adressen votirt, welche dem Knige die innigste Dankbarkeit und
Anhnglichkeit aussprachen. Zwei Mitglieder, welche zur Zeit der Unruhen
dem protestantischen und englischen Interesse untreu geworden waren,
wurden ausgestoen. Geldsummen, welche im Vergleich zu den Hlfsquellen
eines durch jahrelangen Raubkrieg verwsteten Landes bedeutend waren,
wurden gern bewilligt. Aber die Bill zur Besttigung der Ansiedlungsacte
wurde als zu gnstig fr die eingeborne Gentry erachtet und, da sie
nicht amendirt werden durfte, ohne groe Umstnde verworfen. Ein
Ausschu des ganzen Hauses resolvirte, da die unverantwortliche
Nachsicht, mit der die Irlnder seit der Schlacht am Boyne behandelt
worden, eine der Hauptursachen der Noth des Landes sei. Ein
Beschwerden-Ausschu hielt tglich bis elf Uhr Abends Sitzung, und die
Proceduren dieser Untersuchungscommission beunruhigten das Schlo in
hohem Grade. Eine Menge Flle von grober Feilheit und Schurkerei von
Seiten hoher Staatsbeamten wurden ans Licht gezogen, eben so auch viele
Beispiele von dem was man damals fr eine strafbare Milde gegen die
unterjochte Nation hielt. Dieser Papist hatte in die Armee eintreten,
jener Papist ein Feuergewehr behalten drfen; ein dritter hatte ein zu
gutes Pferd, ein vierter war gegen Protestanten in Schutz genommen
worden, die wegen Unbilden, welche sie in den Jahren der Verwirrung
erfahren hatten, Klage erheben wollten. Nachdem der Viceknig ziemlich
so viel Geld bewilligt erhalten hatte als er erwarten durfte, beschlo
er diesen unangenehmen Untersuchungen ein Ziel zu setzen. Er wute
jedoch, da, wenn er sich mit dem Parlamente wegen strengen Verfahrens
gegen Peculatoren oder Papisten berwarf, er von England wenig Beistand
zu erwarten hatte. Er sah sich daher nach einem Vorwande um und war so
glcklich einen zu finden. Die Gemeinen hatten einen Beschlu gefat,
der mit einigem Anschein von Wahrheit als mit dem Poyningsgesetz
unvertrglich dargestellt werden konnte. Alles, was wie eine Verletzung
dieses wichtigen Fundamentalgesetzes aussah, mute aller
Wahrscheinlichkeit nach jenseit des St. Georgskanals entschiedene
Mibilligung erregen. Der Viceknig erkannte seinen Vortheil und
benutzte ihn. Er begab sich nach Chichester House in die Kammer der
Lords, lie die Gemeinen kommen, gab ihnen einen nachdrcklichen
Verweis, beschuldigte sie des pflichtwidrigen und undankbaren
Eingreifens in die Rechte des Mutterlandes und machte der Session ein
Ende.[122]

Die Gemeinen entfernten sich hchlich aufgebracht ber die Strafpredigt,
die er ihnen gehalten. Die Beschuldigung, die er gegen sie erhoben, sei
ungerecht, sagten sie; sie hegten groe Zuneigung und Verehrung fr das
Land, dem sie entsprossen seien, und erwarteten in vollem Vertrauen
Genugthuung von dem obersten Parlamente. Mehrere von ihnen reisten nach
London, um sich zu rechtfertigen und den Viceknig anzuklagen. Sie
fanden langes und aufmerksames Gehr bei den Lords wie bei den Gemeinen
und wurden aufgefordert, den wesentlichen Inhalt des Gesagten
schriftlich aufzusetzen. Die demthige Sprache der Petenten und ihre
Betheuerungen, da sie nie die Absicht gehabt htten, das Poyningsstatut
zu verletzen oder die Oberherrlichkeit England's zu bestreiten,
verwischten den Eindruck, den Sidney's Beschuldigung gemacht hatte.
Beide Huser berreichten dem Knige Adressen ber den Zustand Irland's.
Sie tadelten keinen Schuldigen mit Namen, sondern sprachen nur die
Ansicht aus, da grobe Verwaltungssnden vorgekommen, da das Publikum
ausgeplndert und da die Katholiken mit unverantwortlicher Milde
behandelt worden seien. Wilhelm versprach ihnen in Antwort darauf, da
etwaige Mibruche abgestellt werden sollten. Sein Freund Sidney wurde
bald zurckberufen und fr den Verlust der vicekniglichen Wrde durch
den eintrglichen Posten des Feldzeugmeisters entschdigt. Die
Verwaltung Irland's wurde auf einige Zeit Lords Justices bertragen,
unter denen Sir Heinrich Capel, ein eifriger Whig, der sehr wenig
Neigung hatte, gegen die Papisten Nachsicht zu ben, die erste Stelle
einnahm.


[_Der Knig verweigert die Genehmigung der Dreijhrigkeitsbill._] Die
Prorogation rckte heran und noch immer war das Schicksal der
Dreijhrigkeitsbill zweifelhaft. Einige der geschicktesten Minister
hielten die Bill fr eine gute, und selbst wenn sie sie fr eine
schlechte gehalten htten, wrden sie wahrscheinlich versucht haben,
ihren Gebieter von der Verwerfung derselben abzubringen. Es war jedoch
nicht mglich, ihn von der Idee zurckzubringen, da eine Concession in
diesem Punkte seine Autoritt ernstlich beeintrchtigen wrde. Da er
sich auf das Urtheil seiner gewhnlichen Rathgeber nicht verlassen
wollte, schickte er Portland zu Sir Wilhelm Temple, um dessen Ansicht
einzuholen. Temple hatte sich auf einen Landsitz, Namens Moor Park, in
der Nhe von Farnham, zurckgezogen. Die Gegend um seine Wohnung war
fast eine Wildni. Seit mehreren Jahren beschftigte er sich damit, in
dieser Wste einen Wohnsitz zu schaffen, den die hollndischen
Brgermeister, unter denen er einige der schnsten Jahre seines Lebens
zugebracht hatte, als ein Paradies betrachtet haben wrden. Seine
Einsiedelei war hin und wieder mit einem Besuche des Knigs beehrt
worden, der den Schpfer der Tripleallianz von Jugend auf gekannt und
geachtet hatte und dem es wohl gefiel, inmitten des Haidekrauts und des
Ginsters der Wildnisse von Surrey einen Ort zu finden, der wie ein Stck
Holland aussah: einen graden Kanal, Terrassen, Reihen beschnittener
Bume und rechteckige Blumen- und Gemsebeete.

Nach diesem einsamen Wohnsitze begab sich Portland jetzt und fragte das
Orakel um Rath. Temple war entschieden der Meinung, da die Bill
genehmigt werden msse. Er frchtete, da die Grnde, die ihn zu dieser
Ansicht bestimmten, von Portland, der zwar ein so tapferer Soldat und
ein so zuverlssiger Freund war wie es je einen gegeben hat, dessen
natrliche Fhigkeiten nicht unbedeutend waren und der in einigen
Geschftsbranchen viel Erfahrung besa, der aber die Geschichte und die
Verfassung England's nur sehr unvollkommen kannte, dem Knige
nicht vollstndig und genau berichtet werden mchten. Da der
Gesundheitszustand Sir William's ihm durchaus nicht gestattete, selbst
nach Kensington zu reisen, so beschlo er, seinen Sekretr dahin zu
senden. Der Sekretr war ein armer Gelehrter von einigen zwanzig Jahren,
unter dessen einfachem Rocke und linkischem Benehmen einige der
ausgezeichnetsten Geistesgaben verborgen waren, die die Natur je einem
Menschenkinde verliehen: ein seltenes Beobachtungstalent, ein glnzender
Witz, eine groteske Erfindungsgabe, ein Humor von der beiendsten
Schrfe, aber ausnehmend kstlich, eine wunderbar reine, mnnliche und
klare Beredtsamkeit. Dieser junge Mann hie Jonathan Swift. Er war in
Irland geboren, wrde sich aber beleidigt gefhlt haben, wenn man ihn
einen Irlnder genannt htte. Er war von reinem englischen Geblt und
betrachtete die eingeborne Bevlkerung der Insel, auf der er das Licht
der Welt erblickt, Zeit seines Lebens als eine fremde und servile Kaste.
Er hatte unter der vorigen Regierung auf der Universitt Dublin Collegia
gehrt, sich dort aber nur durch seinen unregelmigen Lebenswandel
ausgezeichnet und nur mit Mhe seinen Grad erlangt. Zur Zeit der
Revolution hatte er sich mit vielen Tausenden seiner Mitcolonisten vor
den Gewaltthtigkeiten Tyrconnel's ins Mutterland geflchtet und sich
glcklich geschtzt, da er in Moor Park ein Obdach fand.[123] Dieses
Obdach kam ihm jedoch theuer zu stehen. Man hielt ihn mit zwanzig Pfund
jhrlich und freier Station fr seine Dienste hinlnglich bezahlt. Er
speiste an der zweiten Tafel. Zuweilen, wenn keine bessere Gesellschaft
zu haben war, wurde er allerdings eingeladen, mit seinem Prinzipal
Karten zu spielen, und Sir William war dann immer so gromthig seinem
Gegner fr den Anfang etwas Silbergeld zu geben.[124] Der bescheidene
Student wrde es nicht gewagt haben, den Blick zu einer Dame von Familie
zu erheben; als er aber Kleriker geworden war, begann er nach Art der
damaligen Kleriker einem hbschen Kammermdchen den Hof zu machen,
welche die Hauptzierde der Dienerschaft war und deren Name mit dem
seinigen in einer traurigen und geheimnivollen Geschichte
unzertrennlich verbunden ist.

Swift erzhlte viele Jahre nachher einen Theil dessen was er auf seiner
Reise nach Hofe empfand. Sein Lebensmuth war durch Migeschick und
Demthigungen gebeugt, ja anscheinend vllig gebrochen worden. Die
Sprache, die er seinem Prinzipal gegenber zu fhren pflegte, war, so
weit wir es nach den noch vorhandenen Proben beurtheilen knnen, die
eines Lakaien oder vielmehr eines Bettlers.[125] Ein hartes Wort oder
ein kalter Blick des Herrn reichte hin, um den Diener auf mehrere Tage
unglcklich zu machen.[126] Doch diese Zahmheit war nur die Zahmheit,
mit der ein eingefangener, in den Kfig gesperrter und hungriger Tiger
sich dem Wrter unterwirft, der ihm Futter bringt. Der demthige Diener
war im Herzen der stolzeste, hochstrebendste, rachschtigste und
despotischste Mensch von der Welt. Und jetzt erffnete sich ihm endlich
eine weite, unbegrenzte Aussicht. Wilhelm kannte ihn schon ein wenig. In
Moor Park war der Knig zuweilen, wenn die Gicht seinen Wirth an den
Krankenstuhl fesselte, von dem Sekretr durch den Park begleitet worden.
Se. Majestt hatte geruht, seinem Begleiter zu beschreiben, wie man in
Holland den Spargel zu schneiden und zuzubereiten pflegte, und hatte ihn
huldreich gefragt, ob Mr. Swift wohl Lust habe, ein Rittmeisterpatent in
einem Cavallerieregiment anzunehmen. Jetzt aber sollte der junge Mann
zum ersten Male als Rathgeber vor dem Knige stehen. Er erhielt Zutritt
in das Privatcabinet Wilhelm's, berreichte ihm einen Brief von Temple
und erluterte und bekrftigte die in diesem Briefe enthaltenen
Argumente in gedrngter Krze, aber ohne Zweifel mit Klarheit und
Gewandtheit. Es sei, sagte er, kein Grund zu der Annahme vorhanden, da
kurze Parlamente mehr als lange Parlamente geneigt sein wrden, in die
gerechten Prrogativen der Krone einzugreifen. Das Parlament, welches in
der vorhergehenden Generation gegen einen Knig Krieg gefhrt, ihn
gefangen genommen, ihn in den Kerker, vor Gericht und aufs Schaffot
gebracht habe, sei sogar in unseren Annalen vorzugsweise als das Lange
Parlament bekannt. Nie wrde solches Unheil ber die Monarchie gekommen
sein, wenn das verhngnivolle Gesetz nicht existirt htte, welches
diese Versammlung vor Auflsung sicherte.[127] Man mu gestehen, da in
dieser Beweisfhrung ein Mangel war, den auch ein minder kluger Kopf als
Wilhelm leicht entdeckt haben wrde. Wenn eine Beschrnkung der
kniglichen Prrogative verderblich geworden war, so bewies dies noch
nicht, da eine andre Beschrnkung heilsam sein werde. Daraus, da ein
Souverain ins Verderben gestrzt worden war, weil er sich eines ihm
feindlich gesinnten Parlaments nicht hatte entledigen knnen, folgte
noch keineswegs, da ein andrer Souverain nicht dadurch ins Verderben
gestrzt werden konnte, da er genthigt war, sich von einem ihm
freundlich gesinnten Parlamente zu trennen. Zum groen Verdrusse des
Abgesandten vermochten seine Grnde nicht, den Entschlu des Knigs zu
erschttern. Am 14. Mrz wurden die Gemeinen ins Oberhaus beschieden;
der Titel der Dreijhrigkeitsbill wurde verlesen und es wurde der
hergebrachten Form gem angekndigt, da der Knig und die Knigin die
Sache in Erwgung ziehen wollten. Dann wurde das Parlament prorogirt.


[_Ministerielle Arrangements._] Bald nach der Prorogation brach Wilhelm
nach dem Continent auf. Vor seiner Abreise mute er jedoch noch einige
wichtige Aenderungen vornehmen. Er war entschlossen, Nottingham nicht zu
entlassen, in dessen Rechtschaffenheit, eine bei den englischen
Staatsmnnern seltene Tugend, er wohlbegrndetes Vertrauen setzte. Wenn
jedoch Nottingham Staatssekretr blieb, konnte Russell ferner nicht bei
der Flotte bleiben. Russell wurde, allerdings zu seinem groen Verdru,
zur Annahme eines eintrglichen Postens im Hofstaate bewogen, und zwei
in ihrem Fache ausgezeichnete Flottenoffiziere, Killegrew und Delaval,
bei der Admiralitt angestellt und mit dem Commando der Kanalflotte
betraut.[128] Diese Arrangements erweckten einiges Murren unter den
Whigs, denn Killegrew und Delaval waren anerkanntermaen Tories und
wurden von Vielen fr Jakobiten gehalten. Aber andere Ernennungen,
welche zu gleicher Zeit stattfanden, bewiesen, da der Knig
unparteiisch gegen die beiden feindlichen Parteien verfahren wollte.
Nottingham war seit einem Jahre alleiniger Staatssekretr. Jetzt erhielt
er einen Collegen, in dessen Gesellschaft er sich sehr unbehaglich
gefhlt haben mu: Johann Trenchard. Trenchard gehrte zur extremen
Section der Whigpartei. Er war ein Tauntonmann, beseelt von dem Geiste,
durch den sich Taunton durch zwei Generationen vorzugsweise
ausgezeichnet hatte. Er hatte in den Tagen der Papstverbrennungen und
der protestantischen Dreschflegel[129] dem berhmten Club des grnen
Bandes angehrt, war ein thtiges Mitglied mehrerer strmischer
Parlamente gewesen, hatte die erste Ausschlieungsbill eingebracht, war
bei den von den Huptern der Opposition geschmiedeten Comploten stark
betheiligt gewesen, war auf den Continent geflchtet, hatte lange in der
Verbannung zugebracht und war von der allgemeinen Amnestie von 1686
speciell ausgenommen worden. Obwohl er ein sehr unruhiges Leben gefhrt,
war er doch von Natur friedlichen Temperaments, aber er stand in enger
Verbindung mit einer Klasse von Leuten, deren Leidenschaften weit
heftiger waren als seine eigenen. Er hatte sich mit der Schwester Hugo
Speke's vermhlt, eines der falschesten und boshaftesten Pasquillanten,
welche die Sache der constitutionellen Freiheit schndeten. Aaron Smith,
der Prokurator des Schatzes, ein Mann, der den Fanatiker und den
Rabulisten in seltenem Grade in sich vereinigte, hatte nur zu groen
Einflu auf den neuen Sekretr, mit dem er zehn Jahre frher in der
Rose Revolutionsplne berathen hatte. Warum Trenchard vor vielen Mnnern
hheren Ranges und grerer Befhigung zu einem der hchsten und
wichtigsten Posten ernannt wurde, ist schwer zu sagen. Er scheint
jedoch, obgleich er den Titel eines Staatssekretrs fhrte und den
Gehalt eines solchen bezog, in kein wichtiges Staatsgeheimni eingeweiht
worden und nicht viel mehr als ein Oberaufseher der Polizei gewesen zu
sein, dessen Amt darin bestand, die Drucker nicht censirter Bcher, die
Pastoren eidverweigernder Gemeinden und die Besucher hochverrtherischer
Wirthshuser ausfindig zu machen.[130]

Ein andrer Whig von viel bedeutenderem Rufe wurde zur selben Zeit zu
einem weit hheren Verwaltungsposten berufen. Das groe Siegel war
nunmehr vier Jahre einer Commission anvertraut gewesen. Seit Maynard's
Rcktritt hatte die Beschaffenheit des Court of Chancery wenig Achtung
eingeflt. Trevor, der erster Commissar war, fehlte es weder an
Talenten noch an Gelehrsamkeit; aber seine Rechtschaffenheit wurde mit
gutem Grunde in Zweifel gezogen, und die Pflichten, die ihm als Sprecher
des Hauses der Gemeinen vier bis fnf Monate hindurch in dem
geschftsreichsten Theile des Jahres oblagen, machten es ihm unmglich,
seinen Platz als Billigkeitsrichter gehrig auszufllen. Jeder
Rechtsuchende klagte, da er bermig lange auf einen Ausspruch habe
warten mssen, und wenn endlich ein Urtheil gefllt worden sei, habe es
alle Aussicht gehabt, bei der Appellation umgestoen zu werden.
Inzwischen gab es keinen wirksamen Justizminister, keinen hohen Beamten,
der die specielle Obliegenheit hatte, dem Knige bei der Ernennung von
Richtern, Kronanwlten und Friedensrichtern mit Rath zur Hand zu
gehen.[131] Es war bekannt, da Wilhelm die Nachtheile dieses Zustandes
der Dinge einsah, und seit mehreren Monaten war die Rede davon, da bald
ein Lord Siegelbewahrer oder ein Lord Kanzler ernannt werden wrde.[132]
Der am hufigsten genannte Name war der Nottingham's. Aber die nmlichen
Grnde, die ihn abgehalten hatten, im Jahre 1689 das groe Siegel
anzunehmen, hatten seit diesem Jahre an Strke eher zugenommen als
verloren. Wilhelm's Wahl fiel endlich auf Somers.

Somers stand erst in seinem zweiundvierzigsten Lebensjahre, und es war
noch keine fnf Jahre her, seitdem die Welt seine Talente an dem
wichtigen Tage des Prozesses der Bischfe zuerst kennen gelernt hatte.
Von jenem Augenblicke an war sein Ruf stetig und rapid gestiegen. Weder
in richterlicher noch in parlamentarischer Beredtsamkeit stand irgend
Jemand ber ihm. Die Consequenz in seinem ffentlichen Auftreten hatte
ihm das volle Vertrauen der Whigs verschafft, und seine Urbanitt hatte
ihm auch die Herzen der Tories gewonnen. Nur mit groem Widerstreben
hatte er sich dazu verstanden, eine Versammlung, auf die er einen
ungeheuren Einflu ausbte, mit einer andren Versammlung zu vertauschen,
in der er voraussichtlich stumm bleiben mute. Er hatte erst seit
Kurzem eine groe Praxis, und seine Ersparnisse waren daher unbedeutend.
Da er nicht die Mittel besa, um einen erblichen Titel gehrig zu
reprsentiren, mute er, wenn er die ihm angetragene hohe Wrde annahm,
mehrere Jahre im Oberhause prsidiren, ohne an den Debatten Theil zu
nehmen. Andere waren jedoch der Meinung, da er als Oberhaupt des
Gesetzes ntzlicher sein werde, denn als Oberhaupt der Whigpartei bei
den Gemeinen. Er wurde nach Kensington beschieden und in das
Staatsrathszimmer gerufen. Caermarthen sprach im Namen des Knigs. Sir
John, sagte er, es ist im Interesse des Staats nthig, da Sie dieses
Amt bernehmen, und ich habe Befehl von Sr. Majestt, Ihnen zu sagen,
da er keine Entschuldigung gelten lassen kann. Somers fgte sich. Das
Siegel wurde ihm bergeben, zugleich mit einem Patent, das ihm von dem
Tage, an welchem er sein Amt niederlegen wrde, eine Pension von
zweitausend Pfund jhrlich zusicherte, und er wurde unverzglich als
Mitglied des Geheimen Raths und Grosiegelbewahrer vereidigt.[133]


[_Der Knig begiebt sich nach Holland._] Die Gazette, welche diese
Vernderungen in der Verwaltung ankndigte, zeigte auch die Abreise des
Knigs an. Am 24. Mrz ging er nach Holland ab.


[_Eine Parlamentssession in Schottland._] Er hinterlie den Befehl, da
die schottischen Stnde nach einer Pause von mehr als dritthalb Jahren
wieder einberufen werden sollten. Hamilton, der viele Monate in der
Zurckgezogenheit gelebt, hatte sich seit dem Sturze Melville's mit dem
Hofe ausgeshnt und willigte jetzt ein, seinen Ruhesitz zu verlassen und
als Lord Obercommissar Holyrood House zu beziehen. Es war nothwendig,
da einer der Staatssekretre fr Schottland den Knig begleitete, und
der Master von Stair hatte sich daher auf den Continent begeben. Sein
College Johnstone war erster Agent der Krone fr Edinburg und hatte
Auftrag, regelmig mit Carstairs zu correspondiren, der Wilhelm nie
verlie.[134]

Man htte wohl erwarten knnen, da die Session strmisch werden wrde.
Das Parlament war das nmliche, das im Jahre 1689 mit berwiegenden
Majoritten die heftigsten Beschlsse votirt hatte, welche Montgomery
und sein Club entwerfen konnten, das Steuern verweigert, die Minister
der Krone proscribirt, die Gerichtshfe geschlossen hatte und sich
vorgenommen zu haben schien, Schottland in eine oligarchische Republik
zu verwandeln. Im Jahre 1690 waren die Stnde in einer besseren Stimmung
gewesen. Doch hatten sie selbst im Jahre 1690, als die kirchliche
Verfassung des Reichs berathen wurde, auf den wohlbekannten Wunsch des
Knigs wenig Rcksicht genommen. Sie hatten das Patronatsrecht
abgeschafft, sie hatten das Mihandeln des Episkopalklerus sanctionirt,
sie hatten sich geweigert, eine Toleranzacte zu erlassen. Es war sehr
wahrscheinlich, da sie auch jetzt noch unlenksam befunden werden
wrden, wenn sie Religionsfragen entscheiden sollten, und leider muten
ihnen solche Fragen zur Entscheidung vorgelegt werden. Wilhelm hatte
whrend der Suspension der Stndeversammlung die Generalversammlung der
Kirche zu berreden versucht, diejenigen seitherigen Curaten, welche das
Glaubensbekenntni unterschrieben und sich der Synodalverfassung
unterwarfen, in die Gemeinschaft aufzunehmen. Aber der Versuch war
milungen und die Versammlung war in Folge dessen von dem Lord Commissar
aufgelst worden. Unglcklicherweise aber hatte die Acte, welche das
presbyterianische Kirchenregiment einfhrte, die Ausdehnung der Gewalt
nicht bestimmt, die der Souverain ber die geistlichen Gerichtshfe
ausben sollte. Die Auflsung war daher nicht sobald angekndigt, als
der Prses ums Wort bat. Man sagte ihm, da er jetzt nur noch eine
Privatperson sei. Er bat daher als Privatperson um Gehr und protestirte
im Namen seiner Collegen gegen das knigliche Mandat. Das Recht der
kirchlichen Wrdentrger, sagte er, sich zu versammeln und ihre
Interessen zu berathen, stamme von ihrem gttlichen Oberhaupte und hnge
nicht von dem Belieben der weltlichen Obrigkeit ab. Seine Collegen
standen auf und gaben durch ein beiflliges Gemurmel ihre Zustimmung zu
den Worten ihres Prsidenten zu erkennen. Ehe sie auseinandergingen,
bestimmten sie einen Tag zu ihrer nchsten Zusammenkunft.[135] Es war
allerdings ein sehr entfernter Tag, und als er herankam, erschien weder
ein Geistlicher noch ein Aeltester, denn selbst die khnsten Mitglieder
scheuten sich vor einem vollstndigen Bruche mit der Civilgewalt. Aber
wenn auch kein offener Krieg zwischen der Kirche und der Regierung
bestand, so waren sie doch einander entfremdet, auf einander
eiferschtig und in bestndiger Furcht vor einander. Es war kein Schritt
zu einer Ausshnung geschehen, als die Stnde zusammentraten, und man
konnte wohl in Zweifel darber sein, auf welche Seite die Stnde treten
wrden.

Aber die Vorgnge in fast jeder Sitzung dieses sonderbaren Parlaments
machten alle Prophezeiungen der Politiker zu Schanden. Es war einst der
unlenksamste aller Senate gewesen, jetzt war es der willfhrigste. Und
doch waren es die nmlichen Mnner und sie saen in dem nmlichen Saale
wie frher. Es befanden sich darunter die lrmendsten Agitatoren des
Clubs, mit Ausnahme Montgomery's, der in einer Dachstube fern von seinem
Heimathlande an Mangel und an gebrochenem Herzen dahinstarb. Es waren
darunter der scheinheilige Ro und der treulose Annandale. Es war
darunter Sir Patrick Hume, unlngst zum Peer creirt und jetzt Lord
Polwarth genannt, aber noch immer so beredtsam als zu der Zeit, wo seine
endlosen Deklamationen und Dissertationen der Expedition Argyle's
verderblich wurden. Doch der ganze Geist der Versammlung hatte eine
Vernderung erfahren. Die Mitglieder hrten mit tiefer Ehrerbietung das
Schreiben des Knigs an und antworteten darauf in respectvoller und
herzlicher Sprache. Eine auerordentliche Beisteuer von
hundertvierzehntausend Pfund Sterling wurde der Krone bewilligt. Strenge
Gesetze gegen die Jakobiten wurden erlassen. Die Gesetze in Bezug auf
kirchliche Angelegenheiten waren so erastianisch als Wilhelm selbst es
nur wnschen konnte. Es wurde eine Acte erlassen, welche allen Dienern
der Staatskirche vorschrieb, Ihren Majestten Treue zu schwren, und der
Generalversammlung befahl, diejenigen noch nicht abgesetzten
Episkopalgeistlichen, welche erklrten, da sie sich der
presbyterianischen Lehre und Kirchenzucht anbequemten, in die
Gemeinschaft aufzunehmen.[136] Ja, die Stnde trieben die Servilitt
sogar so weit, da sie den Knig unterthnigst ersuchten, er mge
geruhen seinem Lieblinge Portland eine schottische Pairie zu verleihen.
Dies war in der That ihre Hauptpetition. Sie baten nicht um Abstellung
eines einzigen Mibrauchs, sondern sie beschrnkten sich darauf, in
allgemeinen Ausdrcken anzudeuten, da Mibruche existirten, welche
Abhlfe erheischten, und den Knig behufs nherer Information an seine
Minister, den Lord Obercommissar und den Staatssekretr, zu
verweisen.[137]

Einen Gegenstand gab es, dessen Nichterwhnung selbst bei dem servilsten
schottischen Parlamente auffallen mu. Es war seit dem Gemetzel von
Glencoe ber ein Jahr verstrichen, und man htte erwarten sollen, da
die ganze Versammlung, Peers, Grafschaftsabgeordnete und
Burgfleckenabgeordnete, einstimmig eine strenge Untersuchung dieses
groen Verbrechens verlangen wrde. Allein es ist erwiesen, da kein
Antrag auf eine solche Untersuchung gestellt wurde. Die Lage der
glischen Clans wurde zwar in Erwgung gezogen, ein Gesetz zur
wirksameren Unterdrckung der Rubereien und Gewaltthtigkeiten jenseit
der Grenze der Hochlande erlassen und in dieses Gesetz eine
Specialklausel aufgenommen, welche Mac Callum More seine erbliche
Gerichtsbarkeit reservirte. Aber es ergiebt sich weder aus den
ffentlichen Acten ber die Proceduren der Stnde noch aus den
Privatbriefen, in denen Johnstone regelmig Carstairs das Vorgegangene
berichtete, da irgend ein Sprecher das Schicksal Mac Ian's und seiner
Stammesgenossen erwhnte.[138] Dieses sonderbare Stillschweigen scheint
sich nur dadurch erklren zu lassen, da die in der Hauptstadt
Schottland's versammelten Politiker von dem Schicksale eines
ruberischen Celtenstammes wenig wuten und sich wenig darum kmmerten.
Der beleidigte Clan, durch die Furcht vor den allmchtigen Campbells zu
Boden gedrckt und nicht gewohnt, sich an die bestehenden Behrden des
Landes um Schutz oder Genugthuung zu wenden, reichte keine Petition bei
den Stnden ein. Die Geschichte von dem Gemetzel war in den
Kaffeehusern erzhlt worden, aber in sehr verschiedener Weise. Ganz
neuerdings waren zwar einige Bcher, in denen die Thatsachen nur zu
richtig mitgetheilt wurden, aus den geheimen Pressen London's
hervorgegangen. Aber diese Bcher wurden nicht ffentlich verkauft, und
sie trugen den Namen keines verantwortlichen Autors. Die jakobitischen
Schriftsteller im allgemeinen waren hmisch boshaft und fragten durchaus
nichts nach Wahrheit. Da die Macdonalds sich nicht beschwerten, so hatte
ein kluger Mann natrlich keine Lust, sich das Mifallen des Knigs, der
Minister und der mchtigsten Familie Schottland's zuzuziehen, indem er
eine Anklage zu erheben wagte, die sich auf nichts als von Mund zu Mund
gehende Gerchte oder auf Pamphlets grndete, welche kein Censor
erlaubt, auf die kein Verfasser seinen Namen gesetzt und die kein
Buchhndler auszustellen wagte. Doch mag dies die richtige Lsung sein
oder nicht, soviel ist gewi, da die Stnde nach einer zweimonatlichen
Session, whrend der, soweit es sich jetzt noch ermitteln lt, der Name
Glencoe im Parlamentshause nicht ein einziges Mal erwhnt wurde, ruhig
auseinandergingen.


Funoten

[1] London Gazette vom 14. Mrz 1692.

[2] Die Schweden kamen zwar noch, aber erst als der Feldzug zu Ende
war. London Gazette vom 10. Sept. 1691.

[3] Wilhelm an Heinsius, 14. (24.) Mrz 1692.

[4] Wilhelm an Heinsius, 2. (12.) Febr. 1692.

[5] Wilhelm an Heinsius, 12. (22.) Jan. 1692.

[6] Wilhelm an Heinsius, 19. (29.) Jan. 1692.

[7] Burnet, II. 82, 83.; Correspondenz zwischen Wilhelm und Heinsius an
mehreren Stellen.

[8] +Mmoires de Torcy.+

[9] Wilhelm an Heinsius, 28. Oct. (8. Nov.) 1691.

[10] Wilhelm an Heinsius, 19. (29.) Jan. 1692.

[11] Seine Briefe an Heinsius sind voll von diesem Gegenstande.

[12] Siehe die Briefe aus Rom unter den +Nairne Papers+. Die von 1692
sind von Lytcott, die von 1693 vom Cardinal Howard, die von 1694 vom
Bischof Ellis, die von 1695 vom Lord Perth. Sie alle sprechen sich
bereinstimmend aus.

[13] Wilhelm's Correspondenz mit Heinsius; London Gazette vom 4.Febr.
1691. In einem 1693 erschienenen Pasquill, betitelt: +La Foire
d'Ausbourg, Ballet Allgorique+, wird der Kurfrst von Sachsen
folgendermaen redend eingefhrt:

  +Moy, je diray navement,
  Qu'une jartire d'Angleterre
  Feroit tout mon empressement;
  Et je ne vois rien sur la terre
  Ou je trouve plus d'agrment.+

[14] Wilhelm's Correspondenz mit Heinsius. In den Memoiren des Grafen
Dohna findet sich eine interessante Mittheilung ber Schning.

[15] Burnet +II.+ 84.

[16] +Narcissus Luttrell's Diary.+

[17] Monthly Mercury vom Januar und April 1693; Burnet +II.+ 84. In dem
Burnet-Manuscript, Harl. 6584, findet sich eine feurige Lobrede auf den
Kurfrsten von Baiern. Als das Manuscript geschrieben wurde, war er mit
England gegen Frankreich verbndet. In der Geschichte, welche zum Druck
vorbereitet wurde, als er mit Frankreich gegen England verbndet war,
ist die Lobrede weggelassen.

[18] +Nec pluribus impar.+

[19] +Mmoires de Saint-Simon;+ Dangeau; Racine's Briefe und Erzhlung
betitelt: +Relation de ce qui s'est pass au Sige de Namur+; Monthly
Mercury vom Mai 1692.

[20] +Mmoires de Saint-Simon+; Racine an Boileau, 21. Mai 1692.

[21] Monthly Mercury fr Juni; Wilhelm an Heinsius, 26. Mai (5. Juni)
1692.

[22] Wilhelm an Heinsius, 26. Mai (5. Juni) 1692.

[23] Monthly Mercuries von Juni und Juli 1692; London Gazette vom
Juni; Gazette de Paris; +Mmoires de Saint-Simon; Journal de Dangeau;+
Wilhelm an Heinsius, 30. Mai (9. Juni), 2. (12.) Juni, 11. (21.) Juni;
Vernon's Briefe an Colt, abgedruckt in Tindal's Geschichte; Racine's
Erzhlungen und Briefe an Boileau vom 15. und 24. Juni.

[24] +Mmoires de Saint-Simon.+

[25] London Gazette vom 30. Mai 1692; +Mmoires de Saint-Simon; Journal
de Dangeau; Boyer's History of William III.+

[26] +Mmoires de Saint-Simon; Voltaire, Sicle de Louis XIV.+
Voltaire spricht mit einer wahrscheinlich gerechten Verachtung von
der Darstellung dieser Angelegenheit in den +Causes Clbres+. Siehe
auch die Briefe der Frau von Svign whrend der Monate Januar und
Februar 1680. In mehreren englischen Schmhschriften wird Luxemburg
seiner Hlichkeit wegen spottweise Aesop und in Anspielung auf seinen
Verkehr mit La Voisin ein Hexenmeister genannt. In einer jakobitischen
Allegorie heit er der Nekromant Grandorsio. In +Narcissus Luttrell's
Diary+ vom Juni 1692 wird er ein Geisterbeschwrer genannt. Ich habe
einige englische Karrikaturen auf Luxemburg's Gestalt gesehen.

[27] +Mmoires de Saint-Simon; Mmoires de Villars;+ Racine an Boileau,
vom 21. Mai 1692.

[28] London Gazette vom 4., 8., 11. August 1692; Gazette de Paris, 9.,
16. Aug.; +Voltaire Sicle de Louis XIV.+; Burnet +II.+, 97; +Mmoires
de Berwick+; Dykvelt's Brief an die Generalstaaten vom 4.Aug. 1692.
Siehe auch die sehr interessante Debatte, welche am 21. Nov. 1692
im Hause der Gemeinen stattfand. Eine englische Uebersetzung von
Luxemburg's sehr sorgfltig ausgearbeiteter und gewandt geschriebener
Depesche findet man im Monthly Mercury vom September 1692. Das Original
ist unlngst in der neuen Ausgabe von Dangeau abgedruckt. Ludwig
erklrte sie fr die beste Depesche, die er je gelesen. Der Herausgeber
des Monthly Mercury behauptet, sie sei in Paris fabricirt worden.
Etwas Andres zu glauben, sagt er, ist Thorheit; als ob Luxemburg
so viel Zeit htte haben knnen, einen so langen Brief zu schreiben,
mehr wie ein Schulfuchs denn wie ein General, oder vielmehr wie der
aufsichtfhrende Schler in einer Schule, der seinem Lehrer ber das
Betragen der anderen Knaben Bericht erstattet. In dem Monthly Mercury
findet man auch die franzsische officielle Liste der Gefallenen und
Verwundeten. Von allen Berichten ber die Schlacht scheint mir der
beste der in Feuquires' Memoiren enthaltene. Er ist durch eine Karte
erlutert. Feuquires theilt Lob und Tadel sehr unparteiisch zwischen
den Generlen. Die Traditionen der englischen Soldatentische hat
uns Sterne erhalten, der auf den Knien der alten Soldaten Wilhelm's
aufwuchs. Die Regimenter Cutts', fuhr der Korporal fort, indem er
den Zeigefinger der rechten Hand an den Daumen der linken legte und an
den Fingern weiter zhlte, die Regimenter Cutts', Mackay's, Angus',
Graham's und Leven's, Alle wurden in Stcke gehauen, und den englischen
Leibgarden wre es nicht besser ergangen, wenn nicht einige Regimenter
von der Rechten muthig zu ihrer Rettung herbeigeeilt wren, welche das
Feuer des Feindes gerade ins Gesicht bekamen, noch ehe eines ihrer
Pelotons nur einen Schu abgefeuert hatte. Sie werden dafr in den
Himmel kommen, setzte Trim hinzu.

[29] +Voltaire, Sicle de Louis XIV.+

[30] Langhorne, der vornehmste Laienagent der Jesuiten in England,
whlte seine Werkzeuge, wie er Tillotson bekannte, stets nach diesem
Prinzip. Burnet +I.+ 230.

[31] Ich habe die Geschichte von Grandval's Complot hauptschlich
seinem eignen Bekenntnisse entlehnt. Frau von Maintenon habe ich nicht
erwhnt, weil Grandval sie in seinem Bekenntnisse nicht erwhnt. Die
ihr zur Last gelegte Beschuldigung sttzt sich einzig und allein auf
Dumont's Autoritt. Siehe auch +A True Account of the horrid Conspiracy
against the Life of His most Sacred Majesty William III., 1692;
Reflections upon the late horrid Conspiracy contrived by some of the
French Court to murder His Majesty in Flanders, 1692+; Burnet +II.+
92; Vernon's Briefe aus dem Lager an Colt, verffentlicht von Tindal;
London Gazette vom 11. August. Die Gazette de Paris enthlt kein Wort
ber den Gegenstand, -- ein sehr bezeichnendes Stillschweigen.

[32] London Gazette vom 20. und 24. October 1692.

[33] Siehe seinen Rapport bei Burchett.

[34] London Gazette vom 28. Juli 1692. Siehe die Beschlsse des
Kriegsraths bei Burchett. In einem vom 10. Juli datirten Briefe an
Nottingham sagt Russell: In sechs Wochen wird das was wir Sommer
nennen, so ziemlich zu Ende sein. +Lords' Journals, Dec. 19. 1692.+

[35] Monthly Mercury, Aug. und Sept. 1692.

[36] +Evelyn's Diary, July 25. 1692;+ Burnet +II+. 94. 95., und
Lord Dartmouth's Note. Die Geschichte des Streits zwischen Russell
und Nottingham ist am besten aus den Protokollen und Debatten des
Parlaments von der Session 1692/93 zu ersehen.

[37] +Commons' Journals, Nov. 19. 1692; Burnet +II.+ 95; Grey's Debates,
Nov. 21. 1692;+ Pariser Gazette vom August und September; +Narcissus
Luttrell's Diary, Sept.+

[38] Siehe Bart's +Letters of Nobility+ und die Pariser Gazette vom
Herbst 1692.

[39] +Mmoires de Du Gay Trouin.+

[40] London Gazette vom 11. Aug. 1692; +Evelyn's Diary, Aug. 10+;
Monthly Mercury vom September; +A Full Account of the late dreadful
Earthquake at Port Royal in Jamaica, licensed Sept. 9. 1692.+

[41] +Evelyn's Diary, June 25., Oct. 1. 1690; Narcissus Luttrell's
Diary, June 1692, May 1693; Monthly Mercury, April, May, June 1693; Tom
Brown's Description of a Country Life, 1692.+

[42] +Narcissus Luttrell's Diary, Nov. 1692.+

[43] Siehe zum Beispiel die London Gazette vom 12. Jan. 1693.

[44] +Narcissus Luttrell's Diary, Dec. 1692.+

[45] +Ibid. Jan. 1693.+

[46] +Ibid. July 1692.+

[47] +Evelyn's Diary, Nov. 20. 1692; Narcissus Luttrell's Diary;+
London Gazette vom 24. Nov.; Hop an den Greffier der Generalstaaten,
18. (28.) Nov.

[48] London Gazette vom 19. Dec. 1692.

[49] +Narcissus Luttrell's Diary, Dec. 1692.+

[50] +Ibid. Nov. 1692.+

[51] +Ibid. Aug. 1692.+

[52] Hop an den Greffier der Generalstaaten, 23. Dec. (2. Jan.)
1692/93. Die hollndischen Depeschen von diesem Jahre sind voll von
Geschichten von Rubereien.

[53] Hop an den Greffier der Generalstaaten, 23. Dec. (2. Jan.)
1692/93; +Historical Records of the Queen's Bays, published by
authority; Narcissus Luttrell's Diary, Nov. 15.+

[54] +Narcissus Luttrell's Diary, Dec. 22.+

[55] +Ibid. Dec. 1692;+ Hop, 3. (13.) Jan. Hop nennt Whitney +den
befaamsten roover in Engelandt.+

[56] London Gazette vom 2. Jan. 1692/93.

[57] +Narcissus Luttrell's Diary, Jan. 1692/93.+

[58] +Ibid. Dec. 1692+

[59] +Ibid. January, February;+ Hop, 31. Jan. (10. Febr.) und
3.(13.Febr.) 1693; Brief an den Sekretr Trenchard, 1694; +New Court
Contrivances or more Sham Plots still, 1693.+

[60] +Lords'+ und +Commons' Journals, Nov. 4., Jan. 1692.+

[61] +Commons' Journals, Nov. 10. 1692.+

[62] Siehe die +Lords' Journals+ vom 7. bis 18. Nov. 1692; Burnet
+II+. 102. Tindal's Darstellung dieser Vorgnge ist Briefen des
Unterstaatssekretrs Warre an Colt, Gesandten in Hannover, entnommen.
+Letter to Secretary Trenchard, 1694.+

[63] +Lords' Journals, Dec. 7.;+ Tindal, aus den Colt'schen Briefen;
Burnet +II.+ 105.

[64] +Grey's Debates, Nov. 21. 23. 1692.+

[65] +Grey's Debates, Nov. 21. 1692;+ Colt's Briefe in Tindal.

[66] Tindal, Colt's Briefe; +Commons' Journals, Jan. 11. 1692/93.+

[67] Colt's Briefe bei Tindal; +Lords' Journals+ vom 6. bis 19. Dec.
1692.

[68] Ueber die Vorgnge dieses Tages im Hause der Gemeinen sehe man die
Protokolle vom 20. Dec. und den Brief von Robert Wilmot, Mitglied fr
Derby, an seinen Collegen, Anchitel Grey, in Grey's +Debates+.

[69] +Commons' Journals, Jan. 4. 1692/93.+

[70] Colt's Briefe bei Tindal; +Commons' Journals, Dec. 16, 1692, Jan.
11. 1692/93.+ Burnet +II.+ 104.

[71] Die heftige Antipathie des englischen Adels gegen die
hollndischen Gnstlinge wird in einer 1698 von Renaudot geschriebenen
hchst interessanten Note erwhnt, die sich in den Archiven des
franzsischen Ministeriums des Auswrtigen befindet.

[72] Colt's Briefe bei Tindal; +Lords' Journals, Nov. 28., 29. 1692,
Feb. 18., 24. 1692/93.+

[73] +Grey's Debates, Nov. 18. 1692; Commons' Journals Nov. 18., Dec.
1. 1692.+

[74] Siehe Cibbers' +Apologie+ und Mountford's +Greenwich Park+.

[75] Siehe Cibbers' +Apology+, Tom Brown's Werke und berhaupt die
Werke jedes Schngeistes und Humoristen der Stadt.

[76] Das englische Wortspiel mit +fair+, was schn, aber auch
unparteiisch, ehrlich bedeutet, lt sich im Deutschen nicht
wiedergeben. -- D. Uebers.

[77] Meine Hauptquelle fr diesen Proze ist die in Howell's
Sammlung enthaltene Darstellung desselben. Man sehe ferner +Evelyn's
Diary+ unterm 4. Febr. 1692/93. Auch habe ich einige Umstnde aus
+N.Luttrell's Diary+, aus einem Briefe an Sancroft, der sich unter den
Tanner-Manuscripten in der Bodlejanischen Bibliothek befindet, und aus
zwei Briefen von Brewer an Wharton, ebenfalls in der Bodlejanischen
Bibliothek, entnommen.

[78] +Commons' Journals, Nov. 14. 1692.+

[79] +Commons' Journals+ von dieser Session, namentlich vom 17. Nov.,
10. Dec., 25. Febr. und 3. Mrz; Colt's Briefe bei Tindal.

[80] +Commons' Journals, Dec. 10.;+ Colt's Briefe bei Tindal.

[81] Siehe +Coke's Institutes+, Theil II, Kap. 1. Im Jahre 1566 betrug
eine Subsidie 120,000 _l._, im Jahre 1598 78,000 _l._; als Coke seine
+Institutes+ schrieb, gegen das Ende der Regierung Jakob's I. 70,000
_l._ Clarendon sagt uns, da 1640 zwlf Subsidien auf ungefhr 600,000
_l._ geschtzt wurden.

[82] Siehe die alten Grundsteueracten und die Debatten ber die
Grundsteuerablsungsbill von 1798.

[83] +Lord's Journals, Jan. 16, 17, 18, 19. 20.; Commons' Journals,
Jan. 17, 18, 20. 1692;+ Tindal, aus den Colt'schen Briefen; Burnet
+II+. 104, 105. Burnet hat sich eines unrichtigen Ausdrucks bedient,
den Tindal, Ralph und Andere abgeschrieben haben. Er sagt, die Frage
sei gewesen, ob die Lords sich selbst besteuern sollten. Die Lords
machten in keiner Weise das Recht geltend, den Betrag, der ihnen durch
die Bill, wie sie ihnen zugesandt wurde, aufgelegten Besteuerung
abzundern. Sie verlangten blo, da ihre Gter nicht durch die
gewhnlichen Commissare, sondern durch Specialcommissare hheren Ranges
abgeschtzt werden sollten.

[84] +Commons' Journals, Dec. 2. (12.) 1692.+

[85] Diese Darstellung des Ursprungs des Actienschwindels in der City
von London habe ich hauptschlich nach einer hchst interessanten
periodischen Schrift, betitelt: +Collection for the Improvement of
Husbandry and Trade, by J. Houghton, F. R. S.+ entworfen. Sie ist
thatschlich eine wchentliche Geschichte der Handelsspekulationen
jener Zeit. Ich habe mehrere Jahrgnge durchgesehen. In Nr. 33, vom
17. Mrz 1692/93, sagt Houghton: Das Kaufen und Verkaufen von Actien
ist einer der groen jetzt florirenden Handelszweige. Ich finde aber,
da sehr Viele nichts davon verstehen. Unterm 13. und 22. Juni 1694
schildert er den ganzen Proze des Brsenspiels. Unterm 13. Juli des
nmlichen Jahres spricht er zuerst von Zeitkufen. Wer ber die im
Texte genannten Compagnien Nheres wissen will, der lese Houghton's
Sammlung und eine 1695 erschienene Flugschrift, betitelt: +Angliae
Tutamen.+

[86] +Commons' Journals; Stat. 4. W. & M. C. 3.+

[87] Siehe eine hchst bedeutsame Anmerkung in Hume's +History of
England,+ Anhang +III+.

[88] +Wealth of Nations,+ Buch +V+. Kap. 3.

[89] Wesley fiel diese Anomalie im Jahre 1745 auf. Siehe sein Tagebuch.

[90] Pepys, 10. Juni 1668.

[91] Siehe die Politik, +IV+. 13.

[92] Die Bill befindet sich in den Archiven des Hauses der Lords.

[93] +Lords' Journals, Jan. 3. (13.) 1692/93.+

[94] +Introduction to the Copies and Extracts of some Letters written
to and from the Earl of Danby, now Duke of Leeds, published by His
Grace's Direction, 1710.+

[95] +Commons' Journals; Grey's Debates.+ Die Bill selbst befindet sich
in den Archiven des Hauses der Lords.

[96] +Dunton's Life and Errors, Autobiography of Edmund Bohun,+
privatim gedruckt 1693. Diese Selbstbiographie ist im hchsten Grade
merkwrdig und interessant.

[97] +Vox Cleri+, 1689.

[98] Bohun war der Verfasser der unmittelbar nach der Revolution
erschienenen +History of the Desertion+. In diesem Werke entwickelt er
seine Lieblingstheorie. Ich fr meinen Theil, sagt er, bin erstaunt
darber, wie Jemand Bedenken tragen kann, sich dem gegenwrtigen Knige
zu unterwerfen, denn wenn je ein Mensch gerechte Ursache hatte, einen
Krieg zu beginnen, so war er es, und dies begrndet ein Recht auf das
was dadurch gewonnen wird. Indem der Knig seine Armee zurckzog und
auflste, trat er ihm den Thron ab, und wenn er denselben ohne weiteres
bestiegen htte, so htte er nicht mehr gethan als alle anderen Frsten
unter gleichen Umstnden gethan haben wrden.

[99] +Character of Edmund Bohun, 1692+.

[100] Dryden spricht in seinem +Life of Lucian+ in zu berschwenglichen
Ausdrcken von Blount's Talenten. Aber Dryden's Urtheil war parteiisch,
denn Blount's erstes Werk war ein Pamphlet zur Vertheidigung der
Eroberung von Granada.

[101] Siehe seinen +Appeal from the Country to the City for the
Preservation of His Majesty's Person, Liberty, Property, and the
Protestant Religion+.

[102] Siehe den Artikel ber Apollonius in Bayle's +Dictionary+. Ich
sage Blount bersetzte nach der lateinischen Uebersetzung, denn sein
Werk enthlt zahlreiche Beweise, da er nicht fhig war, aus dem
Griechischen zu bersetzen.

[103] Siehe Gildon's Ausgabe von Blount's Werken, 1695.

[104] Wood's +Athenae Oxonienses+ unter dem Namen Heinrich Blount (Karl
Blount's Vater); Lestrange's Observator, Nro. 290.

[105] Diese Piece wurde 1695 von Gildon in Blount's Werken abgedruckt.

[106] Da Bount's Plagiarismus nur von wenigen seiner Zeitgenossen
entdeckt wurde, ist nichts Wunderbares. Das aber ist wunderbar, da
seine +Just Vindication+ in der +Biographia Britannica+ warm gelobt
wurde, ohne die mindeste Andeutung, da alles Gute darin gestohlen
ist. Die +Areopagitica+ sind nicht das einzige Werk, das er bei dieser
Gelegenheit plnderte. Auch aus Bacon entnahm er eine schne Stelle,
ohne die Quelle anzufhren.

[107] Ich stehe nicht an, dieses Pamphlet Blount zuzuschreiben,
obgleich es von Gildon in seinen Werken nicht aufgenommen wurde.
Wenn Blount es wirklich nicht schrieb, so mute es doch sicherlich
unter seiner Leitung geschrieben worden sein. Da zwei Literaten ohne
Verabredung binnen kurzer Zeit zwei Abhandlungen htten verffentlichen
sollen, von denen die eine aus der einen Hlfte der Areopagitica, die
andre aus der andren Hlfte compilirt war, ist unglaublich. Es wird
sich nachher zeigen, warum Gildon es nicht fr gut fand, das zweite
Pamphlet abzudrucken.

[108] Bohun's Selbstbiographie.

[109] Bohun's Selbstbiographie; +Commons' Journals, Jan. 20. 1692/93.+

[110] Bohun's Selbstbiographie; +Commons' Journals, Jan. 20. 21.
1692/93.+

[111] Oldmixon; +Narcissus Luttrell's Diary,+ Nov. und Dec. 1692;
Burnet +II.+ 334; +Bohun's Autobiography.+

[112] +Burn it, Burn it!+ ein Wortspiel auf Burnet. -- D. Uebers.

[113] +Grey's Debates; Commons' Journals, Jan. 21. 23. 1692/93. Bohun's
Autobiography; Kennet's Life and Reign of King William and Queen Mary.+

[114] Die Meisten bedauerten den Bischof. -- Bohun's Selbstbiogr.

[115] Der Beschlu der Gemeinen ist mit groer Wehmuth in den Memoiren
erwhnt, welche Burnet damals schrieb. Es sah, sagt er, ziemlich
sonderbar aus, da ich, der ich von meinem ersten Auftreten an
unter allen Schriftstellern des Jahrhunderts vielleicht der grte
Vertheidiger der ffentlichen Freiheit war, mit solcher Hrte als
ein Feind derselben behandelt wurde. Das kam jedoch daher, weil die
Tories mich nie leiden konnten und die Whigs mich haten, weil ich
nicht in ihre Ideen und Leidenschaften einging. Aber weder dies,
noch Schlimmeres, das mir vielleicht begegnet, soll hoffentlich im
Stande sein, mich von den gemigten Prinzipien und der gerechten
Vertheidigung der Freiheit des Menschengeschlechts abweichen zu
lassen. Burnet-Mscr. Harl. 6584.

[116] +Commons' Journals, Feb. 27 1692/93; Lords' Journals, Mar. 4.+

[117] +Lords' Journals, March 8. 1692/93.+

[118] In dem Artikel ber Blount in der +Biographia Britannica+
wird ihm lobend eine Hauptrolle bei der Emancipation der Presse
zugeschrieben. Aber der Verfasser war bezglich der Facta sehr
unvollkommen unterrichtet. Es ist auffllig, da die Umstnde
von Blount's Tode so ungewi sind. Da er an einer sich selbst
beigebrachten Wunde starb, und da er lange siechte, sind unbestrittene
Thatsachen. Die allgemein verbreitete Meinung war, da er sich habe
erschieen wollen, und Narcissus Luttrell machte damals in seinem
Tagebuche eine dahin lautende Notiz. Pope dagegen, der die beste
Gelegenheit hatte, sich genau zu unterrichten, behauptet, da Blount,
der in eine nahe Verwandte von ihm verliebt gewesen, aber verschmht
worden war, sich einen Stich in den Arm beibrachte, mit dem Vorsatze
sich das Leben zu nehmen, an dessen Folgen er wirklich starb. -- +Note
on the Epilogue to the Satires, Dialogue I.+ Warburton, der erst mit
den Helden der Dunciade und dann mit den ausgezeichnetsten Gelehrten
seiner Zeit Umgang gehabt hatte, mute die Wahrheit wohl kennen, und
er besttigt durch sein Stillschweigen Pope's Versicherung. Gildon's
Rhapsodie ber den Tod seines Freundes pat auf jede der beiden
Geschichten.

[119] Die gegen Coningsby erhobenen Beschuldigungen findet man in
den Protokollen der beiden Huser des englischen Parlaments. Diese
Beschuldigungen wurden nach Verlauf eines Vierteljahrhunderts von
Prior, den Coningsby mit groer Rcksichtslosigkeit und Hrte behandelt
hatte, in Verse gebracht. Ich will einige Strophen anfhren. Man wird
sehen, da der Dichter sich herablie, den Styl der Straenballaden
nachzuahmen:

  Dem Nero, dem Tyrannen, der
  In nun vergangner Zeit
  Regiert' in Irland weit umher
  Sei dieses Lied geweiht.

           *       *       *       *       *

  Dem unvergleichbar'n Peer gebricht,
  -- Sucht im Archive nur --
  Es auch an Klagartikeln nicht,
  Leicht findet Ihr die Spur.

Hierauf wird die Geschichte von Gafney erzhlt. Coningsby's
Spekulationen werden folgendermaen geschildert:

  Gar groe Massen Gter sackt
  Er in die Taschen ein;
  Des Knigs Gut wird angepackt
  Und Alles nennt er sein.

  Verwirktes Gut auch zieht er ein,
  Grundeigenthum und Geld;
  Wo jenes ist, mu dies auch sein,
  Der Cerberus Alles hlt.

Die letzte Beschuldigung hat die den Katholiken gewhrten
Begnstigungen zum Gegenstande:

  Papisten hat er allezeit,
  Ganz unverhohl'n gepflegt,
  Trotzdem sie raubten weit und breit,
  Beschtzt sie und gehegt.

  Der Protestant, durch Nero's Schuld
  Geplndert und beraubt,
  Er mute schweigen in Geduld
  Wie Hiob schwieg und glaubt'.

  Denn schnde schlug er diesem ab
  Rechtsbeistand und Gericht,
  Und schtzte nur mit mildem Stab
  Den rm'schen Bsewicht.

[120] +An Account of the Sessions of Parliament in Ireland,
1692, London, 1693.+

[121] Die Poyningsacte ist 10 H. 7. C. 4. Sie war durch eine
andere Acte, 3 und 4 P. und M., C. 4 erlutert.

[122] Die Geschichte dieser Session habe ich den Protokollen
der irischen Lords und Gemeinen, den den englischen Lords und Gemeinen
von Mitgliedern des irischen Parlaments vorgelegten schriftlichen
Erzhlungen und einer Flugschrift, betitelt: +A Short Account of the
Sessions of Parliament in Ireland, 1692, London 1693,+ entnommen.
Burnet scheint mir (+II+. 118) eine richtige Ansicht von dem Streite
gehabt zu haben. Die Englnder in Irland glaubten die Regierung
begnstige die Irlnder zu sehr; Einige meinten, es sei dies eine
Folge von Bestechungen, Andere hielten es fr nothwendig, sich gegen
Verfolgungen der Englnder zu sichern, welche sie haten und heftig
gegen sie erbittert waren... Auch wurde sehr ber schlechte Verwaltung
geklagt, namentlich in Bezug auf die Staatseinknfte, auf die Besoldung
der Armee und auf die Unterschlagung von Vorrthen.

[123] Ueber Swift's Abkunft und Jugendjahre sehe man die von
ihm selbst geschriebenen Anekdoten.

[124] +Journal to Stella, Letter LIII.+

[125] Siehe Swift's Brief an Temple vom 6. Oct. 1694.

[126] +Journal to Stella, Letter XIX.+

[127] +Swift's Anecdotes.+

[128] London Gazette vom 27. Mrz 1693.

[129] Siehe Seite 58 im II. Kapitel. -- D. Uebers.

[130] Burnet +II+. 108 und Sprecher Onslow's Note; +Sprat's
True Account of the Horrid Conspiracy; Letter to Trenchard. 1694.+

[131] Burnet +II+. 107.

[132] Diese Gerchte werden in Narcissus Luttrell's Tagebuche
mehr als ein Mal erwhnt.

[133] London Gazette vom 27. Mrz 1693; +Narcissus Luttrell's
Diary.+

[134] Burnet +II+. 123; +Carstairs Papers.+

[135] +Register of the Actings or Proceedings of the General
Assembly of the Church of Scotland, held at Edinburgh, Jan. 15. 1692,
collected and extracted from the Records by the Clerk there of.+ Dieser
interessante Bericht wurde 1852 zum ersten Male gedruckt.

[136] +Act. Parl. Scot. June 12. 1693.+

[137] +Act. Parl. Scot. June 15. 1693.+

[138] Dem Herausgeber der +Carstairs Papers+ war
augenscheinlich, gleichviel aus welchem Grunde, sehr darum zu thun,
diese notorische und in die Augen springende Wahrheit zu entstellen. Er
hat deshalb einigen Briefen Johnstone's Inhaltsangaben vorausgeschickt,
welche unaufmerksame Leser tuschen knnen. So schrieb zum Beispiel
Johnstone an Carstairs unterm 18. April, als man noch nicht wute, da
die Session eine ruhige sein werde: Man bietet alles Mgliche auf und
wird auch ferner alles Mgliche aufbieten, um die Dinge zu verwirren.
Des Herausgebers Inhaltsangabe von diesem Briefe lautet folgendermaen:
Kunstgriffe, welche angewendet werden, um die auf Glencoe bezglichen
Angelegenheiten zu verwirren. Ferner beklagte sich Johnstone in einem
einige Wochen spter geschriebenen Briefe, da die Liberalitt und
Willfhrigkeit der Stnde nicht gebhrend gewrdigt worden sei. Es
soll nichts geschehen, sagt er, um dem Parlamente Genugthuung zu
verschaffen, ich meine was es als eine Genugthuung betrachtet haben
wrde. Der Herausgeber giebt den Inhalt dieses Briefes wie folgt an:
Klagen, da das Parlament nicht durch eine Untersuchung ber das
Gemetzel von Glencoe zufriedengestellt wird.


  Stereotypie und Druck von Philipp Reclam jun. in Leipzig.




Zwanzigstes Kapitel.

Wilhelm und Marie.




Inhalt.

                                                                   Seite
  Zustand des Hofes von Saint-Germains                                 5
  Gesinnung der Jakobiten. Die Vergleicher                             8
  Die Nichtvergleicher                                                 8
  Ministerwechsel in Saint-Germains. Middleton                        10
  Jakob erlt eine neue Erklrung                                    12
  Eindruck der neuen Erklrung                                        14
  Rstungen der Franzosen fr den Feldzug                             16
  Grndung des St. Ludwigsordens                                      16
  Middleton's Bericht ber Versailles                                 16
  Wilhelm's Rstungen fr den Feldzug                                 18
  Ludwig rckt in's Feld                                              18
  Ludwig kehrt nach Versailles zurck                                 19
  Manvers Luxemburg's                                                20
  Schlacht bei Landen                                                 21
  Vernichtung der Smyrna-Flotte                                       26
  Aufregung in London                                                 28
  Jakobitische Libelle; Wilhelm Anderton                              29
  Schriften und Kunstgriffe der Jakobiten                             32
  Verhalten Caermarthen's                                             34
  Der Ostindischen Compagnie eine neue Concession verliehen           35
  Wilhelm's   Rckkehr nach England; militrische Erfolge
   Frankreich's                                                       36
  Noth in Frankreich                                                  37
  Ein Ministerium nothwendig fr die parlamentarische Regierungsform  40
  Allmlige Bildung des ersten Ministeriums                           42
  Sunderland                                                          43
  Sunderland rth dem Knige den Whigs den Vorzug zu geben            46
  Grnde fr die Bevorzugung der Whigs                                47
  Hupter der Whigpartei; Russell                                     48
  Somers                                                              49
  Montague                                                            51
  Wharton                                                             54
  Hupter der Torypartei                                              57
  Harley                                                              58
  Foley                                                               61
  Howe                                                                61
  Zusammentritt des Parlaments                                        62
  Debatten ber die Unflle zur See                                   62
  Russell erster Lord der Admiralitt                                 64
  Nottingham's Rcktritt                                              64
  Shrewsbury will kein Amt annehmen                                   64
  Debatten ber den Handel mit Indien                                 65
  Bill zur Regulirung des Prozeverfahrens in Hochverrathsfllen      68
  Die Dreijhrigkeitsbill                                             68
  Die Stellenbill                                                     70
  Bill zur Naturalisirung auslndischer Protestanten                  73
  Geldbewilligung                                                     75
  Wege und Mittel; Lotterieanlehen                                    75
  Die Bank von England                                                77
  Prorogation des Parlaments; ministerielle Arrangements              86
  Shrewsbury Staatssekretr                                           86
  Verleihung neuer Titel                                              87
  Kriegsplan der Franzosen                                            88
  Kriegsplan England's                                                88
  Expedition gegen Brest                                              89
  Operationen im Mittellndischen Meere                               92
  Krieg zu Lande                                                      94
  Klagen ber Trenchard's Verwaltung                                  94
  Die gerichtlichen Verfolgungen in Lancashire                        95
  Zusammentritt des Parlaments                                        98
  Tillotson's Tod                                                     99
  Tenison, Erzbischof von Canterbury                                 100
  Debatten ber die gerichtlichen Verfolgungen in Lancashire         100
  Die Stellenbill                                                    101
  Die Bill zur Regulirung des Verfahrens in Hochverrathsfllen       102
  Die Dreijhrigkeitsbill angenommen                                 102
  Tod Mariens                                                        102
  Mariens Leichenbegngni                                           105
  Grndung des Greenwich-Hospitals                                   106


[_Zustand des Hofes von Saint-Germains._] Es ist jetzt Zeit die
Vorgnge zu erzhlen, die seit der Schlacht von La Hogue in
Saint-Germains stattgefunden hatten.

Jakob war, nachdem er die Flotte, die ihn in sein Knigreich
zurckbringen sollte, bis zum Wasserspiegel hatte niederbrennen sehen,
nicht in der besten Laune in seine Residenz bei Paris zurckgekehrt.
Das Unglck machte ihn gewhnlich nach seiner Weise fromm, und er
darbte und kasteiete sich jetzt dergestalt, da seine Seelsorger
genthigt waren sich ins Mittel zu legen.[1]

Man kann sich schwer einen traurigeren Ort denken als Saint-Germains
zu der Zeit war, als er sein Hoflager dort hielt, und doch gab es in
ganz Europa fast keine beneidenswerthere Residenz als die, welche der
hochherzige Ludwig der Familie angewiesen hatte, die ihn um Beistand
angefleht. Sie hatte prchtige Wlder, eine reine gesunde Luft und
weite liebliche Fernsichten, keine Annehmlichkeit des Landlebens fehlte
und die Thrme der prchtigsten Stadt des Continents zeigten sich in
der Ferne. Die kniglichen Gemcher waren mit Tapeten und Schnitzwerk,
mit silbernen Vasen und Spiegeln in Goldrahmen glnzend ausgeschmckt.
Alljhrlich erhielt Jakob aus dem franzsischen Staatsschatze eine
Pension von ber vierzigtausend Pfund. Auerdem hatte er eine aus den
schnsten Soldaten Europa's bestehende Ehrenwache. Wenn er sich mit der
Jagd unterhalten wollte, stand ihm eine viel glnzendere Einrichtung
zu Gebote, als er sie selbst besessen, da er noch an der Spitze eines
groen Reiches stand, ein Heer von Jgern und Falkonieren, eine reiche
Sammlung von Flinten, Speeren, Histhrnern und Zelten, meilenlange
Netze, Parforcehunde, Fuchshunde, Windhunde, Koppeln fr Eber und
Wlfe, Geierfalken fr den Reiher und Hagerfalken fr die wilde
Ente. Sein Empfangszimmer und sein Vorzimmer waren eben so prchtig
eingerichtet, als er es in Whitehall gewohnt gewesen war; auch hier war
er von blauen Bndern und weien Stben umgeben. Doch ber dem Schlosse
und der ganzen Domne lagerte eine bestndige Trauer, zum Theil die
Folge schmerzlichen Sehnens und vereitelter Hoffnungen, besonders aber
des jmmerlichen Aberglaubens, der seinen Geist vollstndig eingenommen
hatte und den auch fast alle Diejenigen erheuchelten, die nach seiner
Gunst strebten. Sein Palast hatte das Aussehen eines Klosters. Es
befanden sich drei zu Andachtsbungen bestimmte Rume innerhalb des
groen Gebudes, und dreiig bis vierzig Geistliche wohnten darin,
deren Gemcher von den Noblemen und Gentlemen, welche das Loos ihres
Souverains getheilt hatten und denen es hart dnkte, da sie, whrend
so viel Platz unter seinem Dache war, in den Mansarden der benachbarten
Stadt schlafen muten, mit neidischen Blicken betrachtet wurden. Zu
den Murrenden gehrte auch der glnzende Anton Hamilton. Er hat uns
eine Skizze des Lebens in Saint-Germains hinterlassen, zwar eine nur
flchtige Skizze, aber des Knstlers nicht unwrdig, dem wir das
vollendetste und lebensvollste Gemlde des englischen Hofes aus den
Tagen seiner heitersten Blthe verdanken. Er sagt, da das Leben eine
ununterbrochene Kette religiser Uebungen gewesen sei, da man, um in
Frieden zu existiren, den halben Tag habe beten oder sich doch betend
stellen mssen; da, wenn er einmal versucht habe, seine Melancholie zu
verscheuchen, indem er auf der prchtigen Terrasse, die auf das Thal
der Seine hinabsieht, ein wenig frische Luft schpfte, er durch die
Stimme eines Jesuiten vertrieben worden sei, der einige protestantische
Loyale ins Gebet genommen, um ihnen zu beweisen, da kein Ketzer in
den Himmel kommen knne. In der Regel, sagt Hamilton, haben Leute,
auf denen ein gemeinsames Migeschick lastet, starke gegenseitige
Sympathien und sind geneigt, einander Geflligkeiten zu erzeigen. In
Saint-Germains war dem nicht so. Dort war Alles Zwietracht, Eifersucht
und Bitterkeit. Bswilligkeit verbarg sich unter dem ueren Scheine
der Freundschaft und Frmmigkeit. Alle die Frommen des kniglichen
Hauses beteten fr einander und verleumdeten einander vom frhen Morgen
bis in die spte Nacht. Hier und da bemerkte man unter dem Schwarme
der Heuchler wohl auch einen Mann, der zu edeldenkend war, um sich
verstellen zu knnen. Aber ein solcher Mann konnte darauf rechnen, von
den Bewohnern jenes unheimlichen Aufenthaltsortes mit Geringschtzung
behandelt zu werden, mochte er auch anderwrts noch so vortheilhaft
bekannt sein.[2]

So sah es nach der Schilderung eines Katholiken am Hofe Jakob's
aus. War der Aufenthalt an diesem Hofe schon fr einen Katholiken
unangenehm, so war er fr einen Protestanten noch viel unangenehmer.
Denn der Protestant hatte auer all' den Widerwrtigkeiten, ber welche
der Katholik klagte, eine Menge Krnkungen zu ertragen, von denen der
Katholik frei war. Bei jeder Concurrenz zwischen einem Protestanten
und einem Katholiken wurde der Katholik vorgezogen. Bei jedem Streite
zwischen einem Protestanten und einem Katholiken wurde angenommen, da
der Katholik Recht habe. Whrend der ehrgeizige Protestant vergebens
auf Befrderung wartete, whrend der vergngungsschtige Protestant
sich vergebens nach Unterhaltung umsah, sah sich der ernste Protestant
vergebens nach geistlichen Belehrungen und Trstungen um. Jakob wrde
gewi den Mitgliedern der englischen Kirche, die um seinetwillen Alles
aufgeopfert hatten, leicht haben die Erlaubni auswirken knnen,
sich in aller Stille in einem bescheidenen Betzimmer zu versammeln
und das Brot und den Wein des heiligen Abendmahls aus den Hnden
eines ihrer Geistlichen zu empfangen; aber er wollte seine Residenz
durch solche gottlose Andachtsbungen nicht schnden lassen. Doctor
Dennis Grandville, der lieber die reichste Dechanei, das reichste
Archidiaconat und eine der reichsten Pfrnden in England aufgegeben,
als da er die Eide geleistet hatte, erregte groes Aergerni
durch das Ansuchen, den Verbannten seiner Glaubensrichtung Gebete
vorlesen zu drfen. Sein Gesuch wurde abgeschlagen, und er wurde
von den Kaplanen seines Gebieters und deren Anhngern so grblich
insultirt, da er gezwungen war, Saint-Germains zu verlassen. Damit
kein zweiter anglikanischer Doctor in hnlicher Weise lstig fiele,
schrieb Jakob seinen Agenten in England, er wnsche nicht, da noch
ein protestantischer Theolog zu ihm herberkomme.[3] Der berwiegende
Klerus wurde sogar in seinem Palaste noch rger verhhnt und geschmht,
als in dem seines Neffen. Wenn irgend Jemand Anspruch darauf hatte,
in Saint-Germains mit Achtung genannt zu werden, so war es gewi
Sancroft. Es hie jedoch, da die dort versammelten Bigotten nur mit
Widerwillen und Abscheu von ihm sprchen. Das Opfer der hchsten
Stelle in der Kirche, der ersten Stelle in der Pairie, des Palastes in
Lambeth und des Palastes in Croydon, eines ausgedehnten Patronats und
eines jhrlichen Einkommens von mehr als fnftausend Pfund Sterling,
galt fr eine geringfgige Shne fr das groe Verbrechen, bescheidene
Einwendungen gegen die Indulgenzerklrung gemacht zu haben. Sancroft
wurde fr einen eben solchen Verrther und fr einen eben solchen
Bufertigen erklrt wie Judas Ischariot gewesen war. Der alte Heuchler,
sagte man, habe, whrend er Ehrerbietung und Liebe zu seinem Gebieter
zur Schau getragen, den Feinden seines Gebieters das verderbliche
Zeichen gegeben. Als das Unheil angerichtet und nicht mehr gut zu
machen gewesen sei, habe das Gewissen den Snder zu qulen begonnen. Er
habe, wie sein Vorbild, sich Vorwrfe gemacht und gejammert. Er habe,
wie sein Vorbild, seinen Reichthum Denen vor die Fe geworfen, deren
Werkzeug er gewesen sei. Das Beste was er jetzt thun knne sei, die
Parallele vollstndig zu machen, indem er sich aufhnge.[4]

Jakob scheint der Meinung gewesen zu sein, da er den Ketzern, die
um seinetwillen Vermgen, Vaterland und Familie aufgegeben, keinen
greren Beweis von Gte geben knne, als indem er sie auf ihren
Sterbebetten von seinen Priestern heimsuchen liee. Wenn ein an Krper
und Geist hoffnungslos krank darniederliegender Mann, von dem Gesumme
schlechter Logik und schlechter Rhetorik betubt, sich eine Hostie
in den Mund zwingen lie, so wurde dem Hofe triumphirend ein groes
Werk der Gnade verkndet und der Neubekehrte mit allem religisen
Pompe begraben. Wenn aber ein Royalist vom hchsten Range und vom
makellosesten Character als treuer Anhnger der englischen Kirche
starb, so wurde auf freiem Felde eine Grube gegraben und er wurde
mitten in der Nacht hineingeworfen und mit Erde zugedeckt wie ein
Stck Aas. Eine solche Beerdigung wurde dem Earl von Dunfermline zu
Theil, der dem Hause Stuart mit Gefahr seines Lebens und mit Verlust
seines ganzen Vermgens gedient, der bei Killiecrankie gefochten und
nach dem Siege die noch athmenden Ueberreste Dundee's aufgehoben
hatte. Bei seinen Lebzeiten war er schimpflich behandelt worden.
Die schottischen Offiziere, welche lange unter ihm gedient, hatten
vergebens darum gebeten, da, wenn sie zu einer Compagnie formirt
werden sollten, er auch ferner ihr Anfhrer bleiben mge. Seine
Religion war als ein fataler Unfhigkeitsgrund angesehen worden. Ein
unwrdiger Abenteurer, dessen einzige Empfehlung darin bestand, da
er ein Papist war, wurde eingezogen. Dunfermline erschien noch eine
kurze Zeit lang in dem Zirkel, welcher den Frsten umgab, dem er nur
zu treu gedient hatte; aber es half ihm nichts. Die Bigotten, die den
Hof beherrschten, verweigerten dem zu Grunde gerichteten und aus seinem
Vaterlande vertriebenen Lord die Mittel zu seinem Unterhalte; er starb
an gebrochenem Herzen, und sie verweigerten ihm sogar ein Grab.[5]


[_Gesinnung der Jakobiten. Die Vergleicher._] Die der protestantischen
Religion in Saint-Germains tglich zugefgten Insulten machten einen
groen Eindruck in England. Die Whigs fragten triumphirend, ob es
nicht klar sei, da der alte Tyrann gnzlich unverbesserlich sei, und
selbst unter den Eidverweigerern beobachteten Viele sein Verfahren
mit Beschmung, Abscheu und Besorgni.[6] Die jakobitische Partei
war von Anfang an in zwei Sectionen zerfallen, welche einige Jahre
nach der Revolution als die Vergleicher (+Compounders+) und die
Nichtvergleicher (+Noncompounders+) bekannt zu werden begannen. Die
Vergleicher waren Diejenigen, welche eine Restauration wnschten,
aber eine von einer allgemeinen Amnestie und von Brgschaften fr die
Sicherheit der brgerlichen und kirchlichen Verfassung des Reichs
begleitete Restauration. Die Nichtvergleicher hielten es fr offenbaren
Whiggismus, fr offenbare Rebellion, die unglckliche Lage Sr. Majestt
dazu zu benutzen, ihm Bedingungen vorzuschreiben. Es sei die klar am
Tage liegende Pflicht seiner Unterthanen, ihn zurckzufhren. Welche
Verrther er bestrafen und welche Verrther er schonen, welche Gesetze
er beobachten und von welchen Gesetzen er sich dispensiren wrde, das
seien Fragen, die er allein zu entscheiden habe. Wenn er sie falsch
entschiede, so habe er seinen Irrthum vor Gott und nicht vor seinem
Volke zu verantworten.


[_Die Nichtvergleicher._] Die Hauptmasse der englischen Jakobiten waren
mehr oder weniger Vergleicher. Die reinen Nichtvergleicher fanden sich
hauptschlich unter den Rmischkatholischen, denen ganz natrlich
nicht darum zu thun war, Sicherheit fr eine Religion, die sie fr
ketzerisch hielten, oder fr eine Regierungsform zu erlangen, von deren
Wohlthaten sie ausgeschlossen waren. Auch gab es einige protestantische
Eidverweigerer, wie Kettlewell und Hickes, welche der Theorie Filmer's
entschlossen bis zu ihren uersten Consequenzen folgten. Aber
obgleich Kettlewell seine Landsleute zu berzeugen versuchte, da die
monarchische Regierungsform von Gott angeordnet sei, nicht als ein
Mittel, sie hienieden glcklich zu machen, sondern als ein Kreuz,
das sie anzunehmen und in der Hoffnung, im Jenseits fr ihre Leiden
belohnt zu werden, zu tragen verpflichtet seien, und obgleich Hickes
ihnen versicherte, da es in der ganzen Thebanischen Legion nicht einen
einzigen Vergleicher gegeben habe, so waren doch sehr wenige Anhnger
der Staatskirche geneigt, sich zu keinem andren Zwecke als um die Hohe
Commission und das Dispensationsrecht wiederherzustellen, dem Tode am
Galgen auszusetzen.

Die Vergleicher bildeten die Hauptstrke der jakobitischen Partei in
England; aber die Nichtvergleicher hatten bisher in Saint-Germains
die ungetheilte Herrschaft besessen. Kein Protestant, kein gemigter
Katholik, Niemand, der nur anzudeuten wagte, da ein Gesetz der
kniglichen Prrogative Fesseln anlegen knne, hatte von dem verbannten
Knige die geringste Gunstbezeigung zu erwarten. Die Priester und der
Apostel Melfort, der erklrte Feind der protestantischen Religion und
der brgerlichen Freiheit, der Parlamente, der Geschwornengerichte und
der Habeascorpusacte, waren im ausschlielichen Besitz des kniglichen
Ohres. Herbert wurde Kanzler genannt, hatte den Vortritt vor den
brigen Staatsbeamten, trug eine mit Gold gestickte schwarze Robe und
fhrte ein Siegel; aber er war Mitglied der englischen Kirche und
deshalb hatte er keinen Sitz im Staatsrathe.[7]

Die Sache war die, da die Fehler von Jakob's Geist und Herz unheilbar
waren. Seiner Ansicht nach konnte zwischen ihm und seinen Unterthanen
keine Gegenseitigkeit der Verpflichtung stattfinden. Es war ihre
Schuldigkeit, Eigenthum, Freiheit und Leben zu wagen, um ihn wieder
auf den Thron zu bringen, und dann geduldig zu tragen, was er ber
sie zu verhngen fr gut finden wrde. Sie hatten vor ihm nicht mehr
Anspruch auf Verdienst, als vor Gott. Wenn sie Alles gethan hatten,
waren sie immer noch werthlose Knechte. Das hchste Lob, das dem
Royalisten gebhrte, der sein Blut auf dem Schlachtfelde oder auf dem
Blutgerst fr die erbliche Monarchie vergo, bestand einfach darin,
da er kein Hochverrther war. Nach all' den harten Lehren, die der
entthronte Knig erfahren, war er noch immer eben so geneigt, die
englische Kirche auszuplndern und zu erniedrigen, wie an dem Tage, da
er den knieenden Fellows des Magdalenencollegiums sagte, sie sollten
ihm aus den Augen gehen, oder an dem Tage, wo er die Bischfe in den
Tower schickte. Er pflegte zu sagen, da er lieber sterben wolle,
ohne England wiederzusehen, als mit Denen kapituliren, denen er zu
befehlen habe.[8] In der Erklrung vom April 1692 zeigt sich der ganze
Mensch ohne Maske, erfllt von seinen imaginren Rechten, unfhig zu
begreifen, wie irgend Jemand auer ihm irgend ein Recht haben knne,
einfltig, halsstarrig und grausam. Ein andres Dokument, das er um
die nmliche Zeit aufsetzte, beweist womglich noch deutlicher, wie
wenig Nutzen er aus einer harten Erfahrung gezogen hatte. In diesem
Aufsatze entwickelt er den Plan, nach dem er zu regieren gedachte,
wenn er wieder eingesetzt werden sollte. Er stellte es als Regel
auf, da ein Commissar des Schatzes, ein oder zwei Staatssekretre,
der Kriegssekretr, die Mehrheit der Grobeamten des Hofstaats, die
Mehrheit der Kammerherren, die Mehrheit der Offiziere von der Armee,
stets Katholiken sein mten.[9]

Umsonst schrieben die ausgezeichnetsten Vergleicher von London
Briefe auf Briefe voll vernnftigen Rathes und eindringlicher Bitten
an ihn. Umsonst bewiesen sie ihm aufs Klarste die Unmglichkeit,
das Uebergewicht des Papismus in einem Lande zu befestigen, wo
mindestens neunundvierzig Funfzigstel der Bevlkerung und viel mehr
als neunundvierzig Funfzigstel des Vermgens und der Intelligenz
protestantisch seien. Umsonst theilten sie ihrem Gebieter mit, da die
Erklrung vom April 1692 von seinen Feinden mit Frohlocken, von seinen
Freunden mit tiefer Betrbni gelesen, da sie von den Usurpatoren
gedruckt und verbreitet worden sei, da sie mehr als alle Libelle der
Whigs dazu beigetragen, die Nation gegen ihn aufzubringen, und den
Flottenoffizieren, die ihm ihre Untersttzung versprochen gehabt, einen
plausiblen Vorwand geliefert habe, das ihm gegebene Wort zu brechen
und die Flotte zu zerstren, die ihn in sein Knigreich zurckbringen
sollte. Er blieb so lange taub gegen die Vorstellungen seiner besten
Freunde in England, bis diese Vorstellungen in Versailles ein Echo
zu finden begannen. Alles was Ludwig und seine Minister ber den
Zustand unsrer Insel in Erfahrung bringen konnten, berzeugte sie,
da Jakob nie wieder eingesetzt werden wrde, wenn er es nicht ber
sich gewann, seinen Unterthanen groe Zugestndnisse zu machen. Es
wurde ihm daher, zwar freundlich und artig, aber sehr nachdrcklich
zu verstehen gegeben, da er wohl thun wrde, seine Entschlieungen
und seine Rathgeber zu ndern. Frankreich knne den Krieg nicht zu
dem Zwecke fortsetzen, einer Nation einen Souverain aufzudringen, den
sie nicht haben wolle. Es seufze unter der Wucht der ffentlichen
Lasten, sein Handel und seine Industrie stockten, seine Feldfrchte
und sein Wein seien mirathen. Das Landvolk verhungere, schon lasse
sich das beginnende Murren der Provinzialstnde vernehmen. Es gebe
eine Grenze fr das Ma der Opfer, die auch der unumschrnkteste Frst
von Denen verlangen knne, ber die er herrsche. So sehr auch der
Allerchristlichste Knig wnsche, die Sache der erblichen Monarchie
und der reinen Religion in der ganzen Welt aufrecht zu erhalten, so
habe er doch vor Allem Pflichten gegen sein eignes Land, und wenn nicht
bald eine Contrerevolution in England eintrte, wrden diese Pflichten
gegen sein eignes Knigreich ihn in die schmerzliche Nothwendigkeit
versetzen, mit dem Prinzen von Oranien zu unterhandeln. Jakob werde
daher wohl thun Alles aufzubieten, was er mit seiner Ehre und seinem
Gewissen vereinbaren knne, um die Herzen seines Volks wieder zu
gewinnen.


[_Ministerwechsel in Saint-Germains. Middleton._] So gedrngt,
gab Jakob mit Widerstreben nach und verstand sich dazu, einem der
Ausgezeichnetsten unter den Vergleichern, dem Earl von Middleton, einen
Antheil an der Leitung seiner Angelegenheiten zu bewilligen.

Middleton's Familie und Pairie waren schottischen Ursprungs. Er war
mit einigen der vornehmsten Huser England's nahe verwandt, er hatte
lange in England gelebt, war von Karl II. zu einem der englischen
Staatssekretre ernannt und von Jakob mit der Leitung des englischen
Hauses der Gemeinen beauftragt worden. Seine Talente und Kenntnisse
waren bedeutend, sein Character sanft und edel, seine Manieren
leutselig, und sein politisches Verhalten war durchaus consequent
und ehrenwerth gewesen. Er hatte sich, als der Papismus dominirte,
entschieden geweigert, die knigliche Gunst durch Apostasie zu
erkaufen. Rmisch-katholische Geistliche waren abgeschickt worden, um
ihn zu bekehren, und die Stadt hatte sich hchlich an der Gewandtheit
ergtzt, mit der der Laie die Theologen schlug. Ein Priester wollte
ihm die Lehre von der Transsubstantiation demonstriren und leitete
die Sache in der gewhnlichen Form ein. Eure Lordschaft glaubt an
die Dreieinigkeit? -- Wer sagt Ihnen das? entgegnete Middleton.
Wie? Sie glauben nicht an die Dreieinigkeit? rief der Priester ganz
erstaunt. Nein, antwortete Middleton. Beweisen Sie mir, da Ihre
Religion die wahre ist, wenn Sie es knnen, aber katechesiren Sie mich
nicht ber die meinige. Da es sich klar zeigte, da der Sekretr
kein Disputant war, dem sich leicht beikommen lie, so endete die
Disputation fast sogleich nachdem sie begonnen hatte.[10] Als das
Glck sich wendete, blieb Middleton der Sache der erblichen Monarchie
mit einer Standhaftigkeit treu, die um so achtungswerther war, als
es ihm ein Leichtes gewesen sein wrde, sich mit der neuen Regierung
auszushnen. Seine Gesinnungen waren so wohl bekannt, da er, als das
Land von der Besorgni einer Invasion und eines Aufstandes bewegt war,
verhaftet und in den Tower geschickt wurde, aber man entdeckte keinen
Grund, auf welchen hin man ihn des Hochverraths htte anklagen knnen,
und als die gefhrliche Krisis vorber war, wurde er wieder in Freiheit
gesetzt. Er scheint auch wirklich whrend der drei Jahre, welche auf
die Revolution folgten, keineswegs ein thtiger Verschwrer gewesen
zu sein. Er sah ein, da eine Restauration nur mit der allgemeinen
Zustimmung der Nation herbeigefhrt werden konnte und da die Nation
ohne Garantien gegen Papismus und Willkrherrschaft nie in eine
Restauration willigen wrde. Daher war er berzeugt, da es, so lange
sein verbannter Gebieter sich hartnckig weigerte solche Garantien zu
geben, schlimmer als nutzlos sein wrde, gegen die bestehende Regierung
zu conspiriren.

Dies war der Mann, den Jakob in Folge nachdrcklicher Vorstellungen von
Seiten Versailles' jetzt einlud, zu ihm nach Frankreich zu kommen. Die
groe Masse der Vergleicher vernahm mit groer Freude, da sie endlich
im Staatsrathe zu Saint-Germains durch einen ihrer Lieblingsfhrer
vertreten werden sollten. Einige Noblemen und Gentlemen, die zwar die
Entthronung Jakob's nicht gebilligt hatten, denen aber sein verkehrtes
und albernes Benehmen so zuwider geworden war, da sie schon lngst
alle Verbindung mit ihm abgebrochen, begannen jetzt zu hoffen, da
er seinen Irrthum eingesehen habe. Mit Melfort hatten sie nichts zu
thun haben wollen, mit Middleton setzten sie sich gern in Vernehmen.
Der neue Minister conferirte auch mit den vier Verrthern, deren
Schndlichkeit durch ihre Stellung, ihre Talente und ihre dem Staate
geleisteten wichtigen Dienste eine besondere Bedeutsamkeit erlangt hat,
mit Godolphin, dessen erster Lebenszweck darin bestand, bei beiden
rivalisirenden Knigen zu gleicher Zeit in Gunst zu bleiben und durch
alle Revolutionen und Contrerevolutionen seinen Kopf, sein Vermgen und
einen Platz im Schatzamte zu behalten; mit Shrewsbury, der, nachdem er
einmal in einem unheilvollen Augenblicke verbrecherische und entehrende
Verpflichtungen bernommen, nicht die Energie besessen hatte, sich
von denselben loszureien; mit Marlborough, der noch immer die
aufrichtigste Reue wegen der Vergangenheit und die besten Absichten fr
die Zukunft an den Tag legte, und mit Russell, welcher erklrte, da er
noch der Nmliche sei, der er vor der Schlacht von La Hogue gewesen,
und der das Versprechen erneuerte, zu thun was Monk gethan habe, unter
der Bedingung, da allen politischen Verbrechern ein Generalpardon
zugesichert und da die knigliche Gewalt starken constitutionellen
Beschrnkungen unterworfen wrde.

Ehe Middleton England verlie, hatte er die Meinung aller Oberhupter
der Vergleicher sondirt. Sie waren der Ansicht, da es ein Mittel gebe,
welches die streitenden Parteien des Vaterlandes mit einander ausshnen
und zur baldigen Pacifirung Europa's fhren werde. Dieses Mittel
sei, da Jakob zu Gunsten des Prinzen von Wales die Krone niederlege
und da der Prinz von Wales protestantisch erzogen werde. Wenn Se.
Majestt, was nur zu wahrscheinlich sei, sich weigern sollte, diesem
Vorschlage Gehr zu geben, so msse er wenigstens einwilligen, eine
Erklrung zu erlassen, welche den ungnstigen Eindruck verwische, den
seine Erklrung vom vergangenen Frhjahr gemacht habe. Es wurde mit
aller Sorgfalt eine Schrift in der fr zweckmig erachteten Fassung
entworfen und nach langer Discussion genehmigt.

Zu Anfang des Jahres 1693 stahl sich Middleton, nachdem er die
Ansichten der vornehmsten englischen Jakobiten gesammelt hatte,
ber den Kanal und erschien am Hofe von Saint-Germains. Es fehlte
an diesem Hofe nicht an Verleumdern und Spttern, deren Bosheit
um so gefhrlicher war, weil sie die Maske der Gutmthigkeit und
Scheinheiligkeit trug.

Middleton fand bei seiner Ankunft, da zahlreiche, von den ihn
frchtenden und hassenden Priestern fabricirte Lgen bereits in Umlauf
gesetzt waren. Es hatten auch einige Nichtvergleicher von London
geschrieben, da er im Herzen ein Presbyterianer und Republikaner sei.
Er wurde jedoch sehr freundlich aufgenommen und zugleich mit Melfort
zum Staatssekretr ernannt.[11]


[_Jakob erlt eine neue Erklrung._] Es zeigte sich bald, da Jakob
fest entschlossen war, nie auf die Krone zu verzichten oder zuzugeben,
das der Prinz von Wales als Ketzer erzogen wurde, und es schien lange
zweifelhaft, ob irgend welche Beweisgrnde und Bitten ihn bewegen
wrden, die von seinen Freunden in England entworfene Erklrung zu
unterzeichnen. Das Schriftstck war allerdings sehr verschieden von
jedem, das bisher unter seinem groen Siegel erschienen war. Man
lie ihn darin versprechen, da er allen seinen Unterthanen, die ihm
bei seiner Landung auf der Insel keinen Widerstand entgegensetzen
wrden, vollstndige Amnestie gewhren wolle; da er sogleich nach
seiner Wiedereinsetzung ein Parlament zusammenberufen werde; da er
alle diejenigen whrend der Usurpation erlassenen Gesetze, die ihm die
beiden Huser zur Besttigung vorlegen wrden, besttigen werde; da
er sein Recht auf die Kaminsteuer aufgeben, da er die Staatskirche
im Genusse aller ihrer Besitzungen und Privilegien schtzen und
vertheidigen werde; da er die Testacte nicht wieder verletzen, da er
die Bestimmung des Umfangs seiner Dispensationsgewalt der Legislatur
berlassen und die Ansiedlungsacte in Irland aufrecht erhalten wolle.

Er strubte sich lange und heftig. Er berief sich auf sein Gewissen.
Knne ein Sohn der heiligen rmisch-katholisch-apostolischen Kirche
sich verpflichten, das Ketzerthum zu beschtzen und zu vertheidigen
und ein Gesetz in Anwendung zu bringen, das die wahren Glubigen vom
Amte ausschliee? Einige der Geistlichen, von denen es an seinem Hofe
wimmelte, sagten ihm, er knne ein solches Versprechen, wie seine
pflichtvergessenen Unterthanen es verlangten, nicht ohne Snde geben.
In diesem Punkte konnte die Ansicht Middleton's, der ein Protestant
war, von keinem Gewicht sein. Aber Middleton fand einen Bundesgenossen
an Dem, den er als seinen Nebenbuhler und Feind betrachtete. Erschreckt
durch den allgemeinen Ha, als dessen Zielscheibe er sich kannte, und
frchtend, da man ihn in England wie in Frankreich fr den Starrsinn
seines Gebieters verantwortlich machen wrde, legte er die Sache
mehreren ausgezeichneten Doctoren der Sorbonne vor. Diese gelehrten
Casuisten erklrten die Declaration vom religisen Gesichtspunkte fr
tadellos. Der groe Bossuet, Bischof von Meaux, den die gallikanische
Kirche als einen Vater von fast eben so groer Autoritt wie Cyprian
oder Augustus betrachtete, bewies durch gewichtige theologische wie
politische Argumente, da der Skrupel, der Jakob qulte, ganz genau
zu denen gehre, vor denen ein viel weiserer Knig mit den Worten
gewarnt habe: Sei nicht allzu gewissenhaft.[12] Die Autoritt der
franzsischen Theologen wurde durch die Autoritt der franzsischen
Regierung untersttzt. Die Sprache, die man in Versailles fhrte,
war so nachdrcklich, das Jakob besorgt zu werden begann. Wie, wenn
Ludwig sich ernstlich verletzt fhlen, seine Gastfreundschaft mit
Undank vergolten glauben, mit den Usurpatoren Frieden schlieen und
seine unglcklichen Gste ersuchen sollte, sich nach einem andren
Asyle umzusehen? Es war nothwendig sich zu fgen. Am 17. April 1693
wurde die Erklrung unterzeichnet und besiegelt. Der Schlusatz war
ein Gebet. Wir kommen, um unser gutes Recht geltend zu machen und
die Freiheiten unsres Volkes zu begrnden. Mge Gott uns zum Gelingen
des Einen verhelfen, wie wir die Befestigung der Anderen aufrichtig
wnschen.[13] Das Gebet wurde erhrt. Jakob's Erfolg stand in genauem
Verhltni zu seiner Aufrichtigkeit. Wie es mit seiner Aufrichtigkeit
aussah, davon haben wir die sprechendsten Beweise. Kaum hatte er den
Himmel zum Zeugen der Wahrheit seiner Versprechungen angerufen, so
befahl er Melfort, eine Abschrift der Erklrung mit Erluterungen,
welche den Papst beruhigen konnten, nach Rom zu senden. Melfort's Brief
schliet folgendermaen: Im Grunde ist der Zweck dieser Erklrung
lediglich, uns nach England zurckzubringen. Wir werden den Kampf der
Katholiken mit viel grerem Vortheile in Whitehall ausfechten knnen
als in Saint-Germains.[14]

Inzwischen war das Dokument, von dem man so viel erwartete, nach London
geschickt worden. Dort wurde es auf einer geheimen Presse im Hause
eines Qukers gedruckt; denn es gab unter den Qukern eine zwar kleine,
aber eifrige und thtige Partei, welche die politischen Ansichten
Wilhelm Penn's in sich aufgenommen hatten.[15] Eine solche Schrift
zu verbreiten, war mit einiger Gefahr verknpft; aber es fanden sich
Agenten dazu. Mehrere Personen wurden festgenommen, als sie in den
Straen der Stadt Exemplare vertheilten. Hundert Packete wurden an
einem Tage auf dem Wege nach der Flotte auf dem Postamte confiscirt.
Bald aber gab die Regierung wohlweislich den Versuch auf, etwas zu
unterdrcken, was sich nicht unterdrcken lie, und verffentlichte
selbst die Erklrung ihrem vollstndigen Inhalte nach, begleitet von
einem strengen Commentar.[16]


[_Eindruck der neuen Erklrung._] Es bedurfte jedoch kaum eines
Commentars. Die Erklrung verfehlte durchaus die Wirkung, welche
Middleton erwartet hatte. Allerdings war sein Rath erst verlangt
worden, als es gleichgltig war, welchen Rath er gab. Wenn Jakob im
Januar 1689 ein solches Manifest erlassen htte, so wrde der Thron
wahrscheinlich nicht fr erledigt erklrt worden sein. Wenn er ein
solches Manifest erlassen htte, als er an der Spitze einer Armee
auf der Kste der Normandie war, so wrde er einen groen Theil der
Nation fr sich gewonnen haben und es wre mglich gewesen, da ein
groer Theil der Flotte sich ihm angeschlossen htte. Aber 1689 sowohl
wie 1692 hatte er im Tone eines unvershnlichen Tyrannen gesprochen,
und es war jetzt zu spt, Milde und Achtung vor der Verfassung des
Reichs zu heucheln. Der Contrast zwischen der neuen Erklrung und der
vorhergehenden erregte allgemeines Mitrauen und Verachtung. Wie konnte
man dem Worte eines so unbestndigen Frsten trauen, eines Frsten, der
von einem Extrem zum andren bersprang? Im Jahre 1692 war er nur durch
die Kpfe und Glieder mehrerer Hundert armer Landleute und Fischer
zu befriedigen, die sich vor Jahren einige rohe Freiheiten gegen
ihn erlaubt hatten, ber die sein Grovater Heinrich IV. herzlich
gelacht haben wrde. Im Jahre 1693 sollten die schmachvollsten und
undankbarsten Verrthereien mit dem Mantel der Vergessenheit bedeckt
werden. Caermarthen gab der allgemeinen Gesinnung einen Ausdruck.
Ich begreife das nicht, sagte er. Vorigen April sollte ich gehngt
werden; diesen April soll ich vollstndige Verzeihung haben. Ich kann
mir nicht denken, was ich im Laufe des verflossenen Jahres gethan
habe, um soviel Gte zu verdienen. Man war allgemein der Ansicht,
da unter dieser ungewohnten Milde, unter dieser ungewohnten Achtung
vor dem Gesetz eine Schlinge verborgen sei. Die Erklrung, sagte man,
sei vortrefflich, und so sei auch der Krnungseid gewesen. Jedermann
wisse, wie Knig Jakob seinen Krnungseid gehalten habe, und Jedermann
knne errathen, wie er seine Erklrung halten werde. Whrend ernste
Mnner so argumentirten, waren die whiggistischen Sptter nicht sparsam
mit Pasquillen. Zu gleicher Zeit lieen auch einige Nichtvergleicher
ein unwilliges Murren vernehmen. Der Knig sei in schlechten Hnden,
sagten sie, in den Hnden von Mnnern, welche die Monarchie haten.
Seine Gnade sei Grausamkeit von der schlimmsten Art. Die allgemeine
Amnestie, die er seinen Feinden zugesichert, sei nichts weiter als
eine allgemeine Proscription seiner Freunde. Bisher htten die von dem
Usurpator ernannten Richter unter einer zwar mangelhaften, aber doch
nicht ganz unwirksamen Beschrnkung gestanden. Sie htten gewut, da
ein Tag der Rechenschaft kommen knne und wren daher im Allgemeinen
schonend gegen die verfolgten Anhnger des rechtmigen Knigs
verfahren. Diese Beschrnkung habe Se. Majestt jetzt aufgehoben.
Er habe Holt und Treby gesagt, da sie bis zu seiner Landung in
England Royalisten hngen knnten, ohne die mindeste Besorgni, zur
Rechenschaft gezogen zu werden.[17]

Keine Klasse des Volks aber las die Erklrung mit grerem Abscheu und
Unwillen als die eingeborne Aristokratie Irland's. Das sei also der
Lohn fr ihre Loyalitt. So hielten die Knige ihre Versprechungen.
Als England Jakob verstoen, als Schottland nichts habe von ihm
wissen wollen, seien die Irlnder ihm noch treu geblieben, und er
habe in Anerkennung dessen feierlich ein Gesetz sanctionirt, durch
welches ihnen ein groes Lndergebiet, dessen sie beraubt worden
waren, zurckgegeben wurde. Seitdem sei nichts geschehen, was ihren
Anspruch auf seine Gunst vermindert habe. Sie htten seine Sache bis
zum letzten Augenblicke vertheidigt, sie htten noch lange nachdem
er sie verlassen, fr ihn gestritten; Viele von ihnen seien, als
sie nicht mehr im Stande gewesen, gegen die Uebermacht zu kmpfen,
ihm in die Verbannung gefolgt, und jetzt zeige es sich, da er
mit seinen bittersten Feinden auf Kosten seiner treuesten Freunde
Frieden schlieen wolle. Es herrschte groe Unzufriedenheit in den
irischen Regimentern, welche in den Niederlanden und an den Grenzen
Deutschland's und Italien's zerstreut standen. Selbst die Whigs gaben
zu, da die O und Mac einmal Recht hatten, und fragten triumphirend,
ob man von einem Frsten, der gegen seine ergebenen Diener sein Wort
gebrochen, erwarten drfe, da er es seinen Feinden gegenber halten
werde?[18]


[_Rstungen der Franzosen fr den Feldzug._] Whrend die Erklrung in
England den Gegenstand des allgemeinen Tagesgesprchs bildete, begannen
auf dem Festlande die militrischen Operationen wieder. Die Rstungen
Frankreich's waren so gewaltig, da sie selbst Diejenigen in Erstaunen
setzten, die seine Hlfsquellen und die Talente seiner Beherrscher am
hchsten anschlugen. Sein Ackerbau und sein Handel lagen darnieder.
Die Weingrten Burgund's, die unabsehbaren Kornfelder der Beauce
hatten eine Miernte gegeben; die Websthle Lyon's feierten und die
Kauffahrteischiffe verfaulten im Hafen von Marseille. Dennoch zeigte
die Monarchie ihren zahlreichen Feinden eine trotzigere und drohendere
Stirn als je. Ludwig hatte sich vorgenommen keinen Schritt zu einer
Ausshnung mit der neuen englischen Regierung zu thun, bevor nicht
durch eine weitere Anstrengung die ganze Macht seines Reichs entfaltet
sein wrde. Eine gewaltige Anstrengung war es in der That, aber zu
erschpfend, um wiederholt werden zu knnen. Er entwickelte ungeheure
Streitkrfte zugleich an den Pyrenen und an den Alpen, am Rhein und an
der Maas, im Atlantischen und im Mittellndischen Meere.


[_Grndung des St. Ludwigsordens._] Damit nichts fehlte, was geeignet
war, das kriegerische Feuer einer vorzugsweise tapferen Nation zu
entznden, grndete er einige Tage bevor er seinen Palast mit dem
Lager vertauschte, einen neuen militrischen Ritterorden und stellte
ihn unter den Schutz seines heiligen Ahnherrn und Patrons. Das
neue Ludwigskreuz glnzte auf der Brust der Offiziere, die sich in
den Laufgrben von Mons und Namur und auf den Schlachtfeldern von
Fleurus und Steenkerke ausgezeichnet hatten, und der Anblick spornte
Diejenigen, die sich erst noch einen ehrenvollen Ruf in den Waffen zu
erwerben hatten, zu einem edlen Wetteifer an.[19]


[_Middleton's Bericht ber Versailles._] In der Woche, in der dieser
berhmte Orden ins Leben trat, besuchte Middleton Versailles. Ein
Brief, in welchem er seinen Freunden in England diesen Besuch
schilderte, ist uns erhalten worden.[20] Er wurde Ludwig vorgestellt,
sehr freundlich empfangen und war von Dankbarkeit und Bewunderung
berwltigt. Von allen Wundern des Hofes -- so schrieb Middleton --
sei der Gebieter desselben das grte. Der Glanz der persnlichen
Vorzge des groen Knigs verdunkle selbst den Glanz seines Glckes.
Der Ton, in welchem Se. Allerchristlichste Majestt sich ber die
englische Politik ausspreche, sei im Ganzen hchst befriedigend. Nur
ber Einen Punkt seien dieser hochgebildete Frst und seine geschickten
und erfahrenen Minister sehr im Irrthum. Sie seien smmtlich von der
thrichten Idee erfllt, da der Prinz von Oranien ein groer Mann sei.
Es sei keine Mhe gespart worden, um sie zu enttuschen, aber ihre
Verblendung sei unheilbar. Sie shen durch ein Vergrerungsglas von
solcher Strke, da der Blutegel ihnen wie ein Leviathan erscheine.
Middleton htte wohl auf den Einfall kommen knnen, da die Tuschung
mglicherweise in seiner Anschauung liegen knne anstatt in der
ihrigen. Ludwig und seine ihn umgebenden Rathgeber waren allerdings
weit entfernt Wilhelm zu lieben; aber sie haten ihn nicht mit der
wahnsinnigen Heftigkeit, die in der Brust seiner englischen Feinde
wthete. Middleton war einer der einsichtsvollsten und gemigtsten
Jakobiten; aber selbst sein Blick wurde durch die Bswilligkeit
so verdunkelt, da er ber diesen Gegenstand Unsinn sprach, der
seiner Talente unwrdig war. Er wie seine ganze Partei konnte an dem
Usurpator nur Verabscheuungswerthes und Verchtliches sehen: das
Herz eines Teufels, den Geist und die Manieren eines einfltigen,
rohen hollndischen Bauern, der in der Regel ein finstres Schweigen
beobachtete, und wenn er sprechen mute, kurze mrrische Antworten
in schlechtem Englisch gab. Die franzsischen Staatsmnner dagegen
beurtheilten Wilhelm's Fhigkeiten nach einer genauen Kenntni der
Art und Weise, wie er seit zwanzig Jahren Staatsangelegenheiten von
grter Wichtigkeit und Schwierigkeit geleitet hatte. Seit dem Jahre
1673 spielte er gegen sie eine Partie um einen ungeheuern Einsatz;
sie waren mit Recht stolz auf ihre eigene Geschicklichkeit in diesem
Spiele, aber sie wuten, da sie in ihm einen Gegner gefunden hatten,
der ihnen mehr als gewachsen war. Bei Beginn des langen Kampfes war
jeder Vortheil auf ihrer Seite gewesen. Sie hatten alle Hlfsquellen
des grten Knigreichs von Europa zu ihrer unumschrnkten Verfgung,
whrend er nur der Diener einer Republik war, deren ganzes Gebiet
der Normandie oder Guyenne an Umfang nachstand. Eine Reihe von
ausgezeichneten Generlen und Diplomaten hatten ihm gegenber
gestanden. Eine mchtige Partei in seinem Geburtslande hatte allen
seinen Plnen beharrlich entgegengearbeitet; er hatte im Felde wie im
Senate Niederlagen erlitten; aber seine Weisheit und Energie hatte die
Niederlagen in Siege verwandelt. Trotz Allem, was man gethan, um ihn
niederzuhalten, hatten sein Einflu und sein Ruhm sich fortwhrend
gehoben und ausgebreitet. Das wichtigste und schwierigste Unternehmen
in der Geschichte des modernen Europa war von ihm allein begonnen und
glcklich durchgefhrt worden. Er hatte die umfassendste Coalition
gebildet, die die Welt seit Jahrhunderten gesehen, und diese Coalition
wrde sich sofort aufgelst haben, wenn seine Oberleitung ihr entzogen
worden wre. Er hatte zwei Knigreiche durch Diplomatie, ein drittes
durch Eroberung gewonnen, und trotz fremder und einheimischer Feinde
behauptete er noch immer den Besitz derselben. Da solche Dinge durch
ein alltgliches Geschpf, durch einen Mann von den gewhnlichsten
Geisteskrften bewirkt worden seien, war eine Behauptung, die wohl
unter den in Som's Kaffeehause zusammenkommenden eidverweigernden
Pfarrern Glauben finden konnte, erfahrenen Staatsmnnern von Versailles
aber nothwendig ein Lcheln abzwingen mute.


[_Wilhelm's Rstungen fr den Feldzug._] Whrend Middleton die
Franzosen vergebens zu berzeugen versuchte, da Wilhelm's Talente
bedeutend berschtzt wrden, erfuhr Dieser, der Middleton's Werth
volle Gerechtigkeit widerfahren lie, mit groer Besorgni, da der
Hof von St. Germains den Beistand eines so ausgezeichneten Rathgebers
herangezogen habe.[21] Doch war dies nur eine von den tausend Ursachen
zu Besorgni, welche whrend dieses Frhjahrs den Geist des Knigs
umlagerten. Er bereitete sich fr den Beginn des Feldzugs vor, beschwor
seine Verbndeten zeitig im Felde zu sein, feuerte die Trgen an,
handelte mit den Habschtigen, schlichtete Streitigkeiten und legte
Vorrangsfragen bei. Er hatte das Wiener Cabinet zu bewegen, in Zeiten
Succurs nach Piemont zu schicken. Er hatte ein wachsames Auge auf die
nordischen Potentaten zu richten, welche eine dritte Partei in Europa
zu bilden versuchten. Er hatte in den Niederlanden den Kurfrsten von
Bayern zu bevormunden. Er hatte fr die Vertheidigung von Lttich zu
sorgen, eine Angelegenheit, welche die Behrden von Lttich kaltbltig
nicht fr ihre Sache, sondern fr die Sache England's und Holland's
erklrten. Er hatte das Haus Braunschweig-Wolfenbttel abzuhalten, mit
dem Hause Braunschweig-Lneburg handgemein zu werden; er hatte einen
Streit zwischen dem Prinzen von Baden und dem Kurfrsten von Sachsen
zu schlichten, von denen Jeder eine Armee am Rhein commandiren wollte,
und er hatte den Landgrafen von Hessen zu bearbeiten, der sein eignes
Contingent nicht stellte, und doch ein Contingent anderer Frsten
befehligen wollte.[22]


[_Ludwig rckt ins Feld._] Die Zeit zum Handeln war jetzt gekommen. Am
18. Mai verlie Ludwig Versailles, und Anfangs Juni war er unter den
Mauern von Namur. Die Prinzessinnen, die ihn begleiteten, residirten
in der Festung. Er bernahm das unmittelbare Commando der Armee
Boufflers', welche bei Gembloux lagerte. Nicht viel ber eine Meile
davon stand die Armee Luxemburg's. Die in dieser Gegend unter den
franzsischen Lilien versammelte Streitmacht belief sich auf nicht
weniger als hundertzwanzigtausend Mann. Ludwig hatte gehofft, da er
im Stande sein werde, im Jahre 1693 die Kriegslist zu wiederholen,
durch welche 1691 Mons und 1692 Namur genommen worden war, und er
hatte beschlossen, da entweder Lttich oder Brssel ihm zur Beute
werden msse. Aber Wilhelm hatte dieses Jahr bei guter Zeit ein Heer
zusammenbringen knnen, das zwar dem gegnerischen nachstand, aber doch
immer achtunggebietend war. Mit diesem Heere nahm er seine Stellung
bei Lwen auf der Strae zwischen den beiden bedrohten Stdten und
beobachtete jede Bewegung des Feindes.


[_Ludwig kehrt nach Versailles zurck._] Ludwig war in seiner Hoffnung
getuscht. Er sah, da es ihm nicht mglich sein wrde, seine Eitelkeit
so gefahrlos und so leicht wie in den beiden vorhergehenden Jahren zu
befriedigen, sich ruhig vor eine groe Stadt zu lagern, als Sieger
in dieselbe einzuziehen und die Schlssel in Empfang zu nehmen, ohne
sich einer grern Gefahr auszusetzen als auf einer Hirschjagd in
Fontainebleau. Bevor er Lttich oder Brssel belagern konnte, mute
er eine Schlacht liefern und gewinnen. Die Chancen waren allerdings
gnstig fr ihn, denn seine Armee war zahlreicher, mit bessern
Offizieren versehen und besser disciplinirt als die der Verbndeten.
Luxemburg rieth ihm nachdrcklich gegen Wilhelm vorzurcken. Die
franzsische Aristokratie wnschte mit unerschrockener Heiterkeit
einen blutigen aber ruhmvollen Tag herbei, auf den eine Vertheilung
zahlreicher Kreuze des neuen Ordens folgen wrde. Wilhelm selbst war
sich seiner Gefahr vollkommen bewut und darauf vorbereitet, ihr mit
kaltem aber schmerzlichem Muthe zu begegnen.[23] Gerade in diesem
Augenblicke kndigte Ludwig seine Absicht an, auf der Stelle nach
Versailles zurckzukehren und den Dauphin und Boufflers mit einem
Theile der bei Namur versammelten Armee in die Pfalz zu schicken, um
sich mit dem daselbst commandirenden Marschall Lorges zu vereinigen.
Luxemburg war wie vom Donner gerhrt und er machte khne und dringende
Gegenvorstellungen. Nie, sagte er, sei eine solche Gelegenheit versumt
worden. Wenn Se. Majestt gegen den Prinzen von Oranien marschire, sei
der Sieg fast gewi. Knne irgend ein Vortheil, der mglicherweise am
Rhein zu erlangen sei, den Vortheil eines im Herzen von Brabant ber
die erste Armee und ber den ersten Feldherrn der Coalition errungenen
Sieges aufwiegen? Der Marschall demonstrirte, er bat, er fiel auf die
Knie, aber vergebens, und er verlie den Knig in tiefster Betrbni.
Ludwig reiste eine Woche nach seiner Ankunft wieder aus dem Lager ab
und fhrte nachher nie wieder Krieg in eigner Person.

Das Erstaunen in seiner ganzen Armee war gro. Alle Ehrfurcht, die
er einflte, konnte seine alten Generle nicht abhalten zu murren
und finster dreinzuschauen, seine jungen Edelleute, ihrem Unmuthe
bald in Verwnschungen, bald in Sarkasmen Luft zu machen, und selbst
seine gemeinen Soldaten, an ihren Wachtfeuern eine unehrerbietige
Sprache zu fhren. Seine Feinde frohlockten mit rachschtiger und
beleidigender Freude. Sei es nicht sonderbar, fragten sie, da dieser
groe Frst mit allem Geprnge zum Kriegsschauplatze abgegangen und
acht Tage spter ihn mit demselben Geprnge wieder verlassen habe?
Sei es nthig gewesen, da das ganze groe Gefolge von Prinzessinnen,
Ehrendamen und Kammerfrauen, Stallmeistern und Kammerherren, Kchen,
Zuckerbckern und Musikern, Wagenzgen, Saumpferden und Maulthieren,
Silbergeschirr und Teppichen, vierhundert Meilen weit reiste, nur
damit der Allerchristlichste Knig einen Blick auf seine Soldaten
werfe und dann wieder umkehre? Die schmachvolle Wahrheit sei zu
augenfllig, um bemntelt werden zu knnen; er sei in die Niederlande
gekommen in der Hoffnung, da es ihm wieder gelingen werde, ohne die
mindeste persnliche Gefahr etwas militrischen Ruhm zu erhaschen,
und er sei lieber zurckgeeilt, als da er sich den Zufllen einer
offenen Schlacht ausgesetzt htte.[24] Dies sei nicht das erste Mal,
da Se. Allerchristlichste Majestt die nmliche Art Vorsicht gezeigt
habe. Siebzehn Jahre vorher habe er unter den Mauern von Bouchain
demselben Gegner gegenber gestanden. Wilhelm habe mit dem Feuer eines
jugendlichen Commandeurs hchst unbesonnenerweise ihm eine Schlacht
angeboten. Die geschicktesten Generle seien der Meinung gewesen,
da, wenn Ludwig die Gelegenheit ergriffen htte, der Krieg in einem
Tage htte beendigt sein knnen. Die franzsische Armee habe dringend
danach verlangt, zum Angriff gefhrt zu werden. Der Knig habe seine
Unterbefehlshaber zu sich berufen und sie um ihre Meinung befragt.
Einige hfische Offiziere, denen seine Wnsche geschickt angedeutet
worden seien, htten vor Scham errthend und stammelnd gegen eine
Schlacht gestimmt. Umsonst htten muthige und rechtschaffene Mnner,
die seine Ehre hher gehalten als ihr Leben, ihm bewiesen, da er
nach allen Grundstzen der Kriegskunst die bereilte Herausforderung
des Feindes annehmen msse. Se. Majestt habe die ernste Besorgni
ausgesprochen, da er es mit seinen Staatspflichten nicht vereinbaren
knne, den ungestmen Regungen seines Blutes zu gehorchen, habe
Kehrt gemacht und sei in sein Hauptquartier zurckgesprengt.[25]
Sei es nicht entsetzlich, wenn man bedenke, was fr Strme des
Blutes von Frankreich, Spanien, Deutschland und England geflossen
seien und noch flieen sollten einem Manne zu Gefallen, dem es an
dem ganz gewhnlichen Muthe fehle, den man bei dem Geringsten der
Hunderttausende finde, welche er seinem prahlerischen Ehrgeize
aufgeopfert habe?


[_Manvers Luxemburg's._] Obgleich die franzsische Armee in
den Niederlanden durch den Abgang der vom Dauphin und Boufflers
commandirten Truppentheile geschwcht worden war, und obgleich das
verbndete Heer tglich durch die Ankunft frischer Truppen verstrkt
wurde, so hatte Luxemburg doch noch die Uebermacht, und er vergrerte
diese Uebermacht durch eine schlaue Kriegslist. Er marschirte gegen
Lttich und that, als ob er diese Stadt belagern wolle. Wilhelm war
besorgt, um so besorgter, weil er wute, da es unter den Einwohnern
eine franzsische Partei gab. Er verlie seine Position bei Lwen,
marschirte auf Niederhespen und schlug dort, den Flu Gette im Rcken,
sein Lager auf. Auf seinem Marsche erfuhr er, da Huy den Franzosen
seine Thore geffnet habe. Diese Nachricht vermehrte seine Besorgni
wegen Lttich und bestimmte ihn, ein Armeecorps dahin zu schicken,
das gengte, um die Mivergngten innerhalb der Stadt in Schach zu
halten und jeden Angriff von Auen abzuwehren.[26] Dies war genau
das, was Luxemburg erwartet und gewnscht hatte. Seine List hatte
ihren Zweck erreicht. Er wendete der Festung, welche bisher das Ziel
seiner Operationen gewesen zu sein schien, den Rcken und eilte an die
Gette. Wilhelm, der mehr als zwanzigtausend Mann detachirt und nur
funfzigtausend Mann in seinem Lager gelassen hatte, erfuhr am 18. Juli
mit Schrecken durch seine Kundschafter, da der franzsische General
mit nahe an achtzigtausend Mann ganz in der Nhe sei.


[_Schlacht bei Landen._] Noch lag es in der Macht des Knigs, durch
einen eiligen Rckzug die schmalen, aber tiefen, durch krzliche
Regengsse angeschwollenen Gewsser der Gette zwischen seine Armee
und den Feind zu bringen. Aber die Stellung, welche er einnahm,
war stark und sie konnte leicht noch strker gemacht werden. Alle
seine Truppen muten ans Werk. Es wurden Grben gezogen, Schanzen
aufgeworfen und Pallisaden eingerammt. Binnen wenigen Stunden hatte
das Terrain ein ganz andres Aussehen gewonnen und der Knig glaubte
fest, da er selbst den Angriff einer ihm weit berlegenen Truppenmacht
werde abwehren knnen. Diese Ueberzeugung entbehrte auch nicht eines
Anscheins von Begrndung. Als der Morgen des 19. Juli anbrach, sahen
die tapfersten Mnner in Ludwig's Armee ernst und besorgt die Festung,
welche pltzlich aus der Erde gewachsen war, um ihre Fortschritte zu
hemmen. Die Alliirten waren durch ein Brustwerk gedeckt. Hier und da
waren lngs der Verschanzungen kleine Redouten und Halbmonde angelegt.
Hundert Geschtze waren ber die Wlle vertheilt. Auf der linken Flanke
lag das Dorf Romsdorf dicht an dem Flchen Landen, nach welchem
die Englnder jene unglckliche Schlacht benannt haben. Zur Rechten
lag das Dorf Neerwinden. Beide Drfer waren nach niederlndischer
Sitte von Wassergrben und Hecken umgeben, und innerhalb dieser
Umfriedigungen waren die von verschiedenen Familien bewohnten kleinen
Bodenflchen durch fnf Fu hohe und einen Fu dicke Lehmmauern von
einander getrennt. Alle diese Barrikaden hatte Wilhelm ausgebessert und
verstrkt. Saint-Simon, der nach der Schlacht das Terrain besichtigte,
sagt uns, er habe kaum begreifen knnen, wie so ausgedehnte und so
furchtbare Befestigungen mit solcher Schnelligkeit htten geschaffen
werden knnen.

Luxemburg war jedoch entschlossen zu versuchen, ob selbst diese
Stellung gegen die berlegene Anzahl und die ungestme Tapferkeit
seiner Soldaten sich wrde behaupten lassen. Bald nach Sonnenaufgang
begann der Donner der Geschtze gehrt zu werden. Wilhelm's Batterien
thaten gute Wirkung, bevor die franzsische Artillerie so aufgestellt
werden konnte, da sie das Feuer zu erwiedern vermochte. Erst um
acht Uhr kam es zum Handgemenge. Das Dorf Neerwinden wurde von
beiden Feldherren als derjenige Punkt betrachtet, von dem Alles
abhing. Hier machte der franzsische linke Flgel unter den Befehlen
Montchevreuil's, eines ergrauten Offiziers von hohem Rufe, und
Berwick's, der sich trotz seiner Jugend rasch zu einer angesehenen
Stelle unter den Heerfhrern seiner Zeit emporgeschwungen, einen
Angriff. Berwick leitete ihn und drang in das Dorf, wurde aber unter
einem furchtbaren Blutbade bald wieder daraus vertrieben. Seine Leute
flohen oder wurden niedergehauen, und er selbst wurde, whrend er
sie wieder zu sammeln versuchte und sie verwnschte, weil sie ihre
Pflicht nicht besser thaten, von Feinden umringt. Er verbarg seine
weie Cocarde und hoffte dadurch sich mit Hlfe seiner Muttersprache
fr einen Offizier der englischen Armee ausgeben zu knnen; aber sein
Gesicht wurde von einem der Brder seiner Mutter, Georg Churchill,
erkannt, welcher an diesem Tage eine Brigade commandirte. Es fand eine
eilige Umarmung zwischen den beiden Verwandten statt und der Oheim
fhrte den Neffen zu Wilhelm, der, so lange Alles gut zu gehen schien,
bei der Nachhut blieb. Das Zusammentreffen zwischen dem Knig und dem
Gefangenen, welche durch so enge Verwandtschaftsbande mit einander
verbunden und durch so unshnbare Feindschaft von einander getrennt
waren, gewhrte einen sonderbaren Anblick. Beide benahmen sich wie es
ihnen ziemte. Wilhelm entblte sich und richtete einige Worte artiger
Begrung an seinen Gefangenen. Berwick's einzige Antwort war eine
feierliche Verbeugung. Der Knig bedeckte sich wieder, der Herzog
ebenfalls, und die beiden Vettern schieden fr immer.

Mittlerweile waren die in vlliger Verwirrung aus Neerwinden
vertriebenen Franzosen durch eine Division unter dem Commando des
Herzogs von Bourbon verstrkt worden und kehrten tapfer zum Angriff
zurck. Wilhelm, der die Wichtigkeit dieses Postens sehr wohl erkannte,
gab Befehl, da von anderen Punkten seiner Schlachtlinie Truppen dahin
aufbrechen sollten. Dieser zweite Kampf war lang und blutig. Die
Angreifenden drangen abermals in das Dorf, sie wurden abermals unter
frchterlichem Blutvergieen daraus vertrieben und zeigten wenig Lust,
den Angriff zu wiederholen.

Inzwischen hatte der Kampf lngs der ganzen Verschanzungen der
verbndeten Armee gewthet. Wieder und immer wieder fhrte Luxemburg
seine Truppen bis auf Pistolenschuweite an das Brustwerk heran, aber
nher konnte er sie nicht bringen. Wieder und immer wieder wichen sie
vor dem heftigen Feuer zurck, das gegen ihre Front und ihre Flanken
gerichtet wurde. Es schien alles vorber zu sein. Luxemburg zog sich zu
einer auer Schuweite gelegenen Stelle zurck und berief einige seiner
vornehmsten Offiziere zu einer Berathung zusammen. Sie besprachen sich
eine Weile mit einander und ihre lebhaften Gesten wurden von Allen, die
sie sehen konnten, mit hohem Interesse beobachtet.

Endlich kam Luxemburg zu einem Entschlu. Noch ein Versuch mute
gemacht werden, Neerwinden zu nehmen, und die unberwindlichen
Haustruppen, die Sieger von Steenkerke, muten vorangehen.

Die Haustruppen kamen in einer ihres alten und furchtbaren Rufes
wrdigen Weise heran. Zum drittenmale wurde Neerwinden genommen, zum
drittenmale versuchte Wilhelm es wieder zu nehmen. An der Spitze eines
der englischen Regimenter griff er die Garden Ludwig's mit einer
solchen Wuth an, da diese berhmte Schaar, zum erstenmale innerhalb
der Erinnerung des ltesten Kriegers, zurckwich.[27] Nur durch die
krftigen Bemhungen Luxemburg's, des Herzogs von Chartres und des
Herzogs von Bourbon wurden die durchbrochenen Reihen wieder gesammelt.
Inzwischen aber waren das Centrum und der linke Flgel der alliirten
Armee zu dem Zwecke, den Kampf bei Neerwinden zu untersttzen, so sehr
geschwcht worden, da die Verschanzungen auf anderen Punkten nicht
mehr vertheidigt werden konnten. Kurz nach vier Uhr Nachmittags wich
die ganze Linie. Alles war Gemetzel und Verwirrung. Solms war tdtlich
verwundet worden und fiel noch lebend in die Hnde des Feindes. Die
englischen Soldaten, denen sein Name verhat war, beschuldigten ihn,
in seinen Leiden einen eines Soldaten unwrdigen Kleinmuth bewiesen zu
haben. Der Herzog von Ormond wurde im Gewhl zu Boden geschlagen, und
er wrde im nchsten Augenblicke eine Leiche gewesen sein, wre nicht
ein kostbarer Diamant an seinem Finger einem von der franzsischen
Garde in die Augen gefallen, der mit Recht dachte, da der Besitzer
eines solchen Juwels ein werthvoller Gefangener sein msse. Der Herzog
wurde gerettet und bald gegen Berwick ausgewechselt. Ruvigny, von
dem echten Refugihasse gegen das Land beseelt, das ihn verstoen,
wurde kmpfend im dichtesten Schlachtgewhl zum Gefangenen gemacht.
Diejenigen, denen er in die Hnde gefallen war, kannten ihn wohl und
wuten, da er, wenn sie ihn in ihr Lager brachten, fr den Verrath,
zu dem die Verfolgung ihn getrieben, mit seinem Kopfe ben wrde. Mit
bewunderungswrdiger Gromuth thaten sie als kennten sie ihn nicht und
lieen ihn im Tumulte entkommen.

Erst bei solchen Gelegenheiten trat die ganze Gre von Wilhelm's
Character zu Tage. Inmitten der Flucht und des Getmmels, whrend
Waffen und Fahnen weggeworfen wurden, whrend Massen von Fliehenden
die Brcken und Furthen der Gette verstopften oder in ihren Fluthen
umkamen, stellte sich der Knig, nachdem er Talmash beordert, den
Rckzug zu beaufsichtigen, an die Spitze einiger tapferer Regimenter
und hielt durch verzweifelte Anstrengungen den Feind auf. Er lief dabei
grere Gefahr als Andere, denn er konnte nicht dahin gebracht werden,
seinen schwchlichen Krper mit einem Brustharnisch zu beschweren,
oder die Insignien des Hosenbandordens zu verbergen. Er betrachtete
seinen Stern als einen guten Sammelpunkt fr seine eigenen Truppen,
und lchelte blos, wenn man ihm sagte, da derselbe eine treffliche
Zielscheibe fr den Feind sei. Viele Tapfere fielen zu seiner Rechten
und zu seiner Linken. Zwei Saumpferde, die im Felde stets in seiner
Nhe waren, wurden durch Kanonenschsse getdtet. Eine Flintenkugel
ging durch die Locken seiner Perrcke, eine zweite durch seinen
Rock, eine dritte streifte ihn an der Seite und zerri sein blaues
Ordensband. Noch viele Jahre spter pflegten alte, ergraute Invaliden,
die in den Gngen und Alleen des Chelsea Hospitals umherschlichen,
sich zu erzhlen, wie er an der Spitze von Galway's Reitern angriff,
wie er viermal abstieg, um die Infanterie anzufeuern, wie er ein
Corps, das weichen zu wollen schien, durch die Worte zurckrief: So
kmpft man nicht, Gentlemen! Hart auf den Leib mt Ihr ihnen rcken.
So, Gentlemen, so! -- Ihr httet ihn sehen sollen, schrieb ein
Augenzeuge nur vier Tage nach der Schlacht, wie er sich mit dem Degen
in der Hand auf den Feind strzte. Es ist ausgemacht, da er und Andere
einmal an der Spitze zweier englischer Regimenter gesehen wurde, und
da er mit diesen beiden Regimentern, Angesichts der ganzen Armee gegen
sieben kmpfte und sie eine Viertelstunde lang vor sich her trieb.
Dank sei dem Himmel, der ihn erhalten hat. Der Feind setzte ihm so
hart zu, da er nur mit groer Mhe den Uebergang ber die Gette
bewerkstelligte. Eine kleine Schaar tapferer Mnner, die seine Gefahr
bis zum letzten Augenblicke theilte, vermochte kaum die Verfolger von
ihm abzuhalten, als er die Brcke passirte.[28]

Vielleicht nie zeigte sich die Vernderung, welche die Fortschritte
der Civilisation in der Kriegskunst herbeigefhrt haben, auffallender
als an diesem Tage. Ajax, der den trojanischen Heerfhrer mit einem
Felsstcke zu Boden schlgt, das zwei gewhnliche Mnner kaum aufheben
konnten, Horatius, der die Brcke gegen eine Armee vertheidigt, Richard
Lwenherz, der lngs der ganzen Schlachtlinie der Sarazenen hinsprengt,
ohne einen Feind zu finden, der seine Herausforderung annimmt, Robert
Bruce, der mit einem Schlage den Helm und Schdel Sir Henry Bohun's
Angesichts der ganzen Armee England's und Schottland's spaltet:
das sind die Helden der grauen Vorzeit. In einem solchen Zeitalter
ist Krperkraft die unerllichste Eigenschaft eines Kriegers. Bei
Landen waren zwei krnkliche Menschen, die in einem rohen Zustande
der Gesellschaft fr zu schwach gehalten worden wren, um an einem
Kampfe nur Antheil zu nehmen, die Seelen zweier groen Heere. In
einigen heidnischen Lndern wrden sie als Suglinge ausgesetzt, in
der Christenheit wrden sie sechshundert Jahre frher in ein stilles
Kloster geschickt worden sein. Aber ihr Loos war ihnen zu einer Zeit
gefallen, wo die Menschen dahinter gekommen waren, da die Strke
der Muskeln der Strke des Geistes bei weitem nachsteht. Es ist
wahrscheinlich, da von den hundertzwanzigtausend Soldaten, welche
unter allen Fahnen des westlichen Europa bei Neerwinden versammelt
waren, der verwachsene Zwerg, der den ungestmen Angriff Frankreich's
leitete, und das asthmatische Skelett, das den langsamen Rckzug
England's deckte, die beiden schwchlichsten Gestalten waren.

Die Franzosen waren Sieger, aber sie hatten ihren Sieg theuer
erkauft. Mehr als zehntausend Mann der besten Truppen Ludwig's waren
gefallen. Neerwinden gewhrte einen Anblick, der die ltesten Soldaten
schaudern machte. In den Straen lagen die Leichen brusthoch. Unter
den Gefallenen befanden sich einige vornehme Edelleute und einige
berhmte Krieger, als da waren Montchevreuil und der verstmmelte
Krper des Herzogs von Uzes, der den hchsten Rang unter dem ganzen
Adel Frankreich's einnahm. Auch Sarsfield wurde von da hoffnungslos
verwundet auf ein Krankenbett getragen, von dem er sich nie wieder
erhob. Der Hof von Saint-Germains hatte ihm den hohlen Titel eines
Earls von Lucan verliehen; aber die Geschichte kennt ihn unter dem
Namen, der der unglcklichsten aller Nationen noch immer theuer
ist. Die dortige Gegend, seit Jahrhunderten als das Schlachtfeld der
kriegerischsten Nationen Europa's berhmt, hat nur zwei schrecklichere
Tage gesehen: den von Malplaquet und den von Waterloo. Viele Monate
lang war der Boden mit Schdeln und Gebeinen von Menschen und Pferden
und mit Stcken von Hten und Schuhen, Stteln und Halftern beset. Im
nchsten Sommer schossen aus dem durch zwanzigtausend Leichen gedngten
Boden Millionen Mohnpflanzen empor. Der Reisende, der auf dem Wege von
Saint-Tron nach Tirlemont diese groe Flche blendenden Scharlachs
erblickte, die sich von Landen bis Neerwinden erstreckte, konnte sich
schwerlich des Gedankens erwehren, da die bildliche Vorhersagung des
hebrischen Propheten, die Erde wrde ihr Blut von sich geben und
sich weigern, die Erschlagenen zu bedecken, buchstblich in Erfllung
gegangen sei.[29]

Es fand keine Verfolgung statt, obgleich die Sonne noch hoch stand,
als Wilhelm ber die Gette ging. Die Sieger waren vom Marschiren und
Kmpfen so erschpft, da sie sich kaum bewegen konnten, und die
Pferde waren in einem noch schlimmeren Zustande als die Menschen.
Ihr General hielt es fr nothwendig, ihnen einige Zeit zur Ruhe und
Erholung zu gnnen. Die franzsischen Cavaliere entlasteten ihre
Saumpferde, soupirten heiter und stieen inmitten der Haufen von
Leichen mit Champagner an, und als es dunkel wurde, legten sich ganze
Brigaden freudig auf die Erde nieder, um in Reih' und Glied auf dem
Schlachtfelde zu schlafen. Luxemburg's Unthtigkeit entging dem
Tadel nicht. Niemand konnte leugnen, da er im Gefecht eine groe
Geschicklichkeit und Energie entfaltet hatte; Einige aber meinten,
es fehle ihm an Geduld und Ausdauer. Andere raunten einander zu, er
wnsche nicht, einen Krieg zu beendigen, der ihn einem Hofe nothwendig
mache, an welchem er in Friedenszeiten niemals Gunst, ja nicht einmal
Gerechtigkeit gefunden haben wrde.[30] Ludwig, der diesmal vielleicht
nicht ganz frei von einigen Regungen von Eifersucht war, wute
angeblich das Lob, das er seinem Befehlshaber spendete, mit einem Tadel
zu verbinden, der zwar schonend ausgedrckt, aber doch vollkommen
verstndlich war. In der Schlacht sagte er, benahm sich der Herzog
von Luxemburg wie Cond, und nach der Schlacht benahm sich der Prinz
von Oranien wie Turenne.

Die Geschicklichkeit und Energie, womit Wilhelm seine furchtbare
Niederlage wieder gut machte, mute in der That Bewunderung erwecken.
In einer Beziehung, sagte der Admiral Coligny, darf ich mich ber
Alexander, ber Scipio, ber Csar stellen. Sie haben allerdings groe
Schlachten gewonnen. Ich aber habe vier groe Schlachten verloren,
und doch zeige ich dem Feinde eine furchtbarere Front als je. Das
Blut Coligny's flo in Wilhelm's Adern, und mit dem Blute hatte er
den unbezwinglichen Muth geerbt, der aus dem Migeschick eben so
groen Ruhm zu ziehen wute, als glcklichere Befehlshaber dem Erfolg
verdankten. Die Niederlage von Landen war zwar ein harter Schlag und
der Knig hegte einige Tage lang qulende Besorgnisse. Wenn Luxemburg
weiter vordrang, war Alles verloren. Lwen mute fallen, und eben
so auch Mecheln, Nieuport und Ostende. Die batavische Grenze wre
gefhrdet worden und das Geschrei nach Frieden konnte in ganz Holland
so laut werden, da weder die Generalstaaten noch der Statthalter ihm
lnger zu widerstehen vermochten.[31] Aber Luxemburg zgerte, und ein
kurzer Verzug gengte Wilhelm. Vom Schlachtfelde bahnte er sich einen
Weg durch die Massen der Fliehenden in die Gegend von Lwen, und dort
begann er seine zerstreuten Truppen wieder zu sammeln. Die ngstliche
Besorgni, die er in diesem Augenblicke, dem unglcklichsten seines
ganzen Lebens, wegen der beiden Personen empfand, die ihm am theuersten
waren, gereicht seinem Character nicht zur Unehre. Sobald er in
Sicherheit war, schrieb er an seine Gemahlin, um sie ber seine Lage zu
beruhigen.[32] In der Verwirrung der Flucht hatte er Portland aus dem
Gesicht verloren, dessen Gesundheit damals sehr geschwcht war und der
daher mehr als die gewhnlichen Gefahren des Kriegs zu bestehen hatte.
Ein kurzes Billet, das der Knig wenige Stunden spter seinem Freunde
zukommen lie, ist noch vorhanden.[33] Obgleich ich Sie diesen Abend
zu sehen hoffe, kann ich doch nicht umhin an Sie zu schreiben, um Ihnen
zu sagen, wie sehr ich mich freue, da Sie so gut davongekommen sind.
Gott gebe, da Ihre Gesundheit bald ganz wiederhergestellt werde. Es
hat ihm gefallen, schwere Prfungen in rascher Aufeinanderfolge ber
mich zu verhngen. Ich mu trachten, mich seinem Willen ohne Murren zu
unterwerfen und seinen Zorn weniger zu verdienen.

Seine Truppen sammelten sich rasch wieder. Starke Corps, die er
vielleicht unklugerweise von seiner Armee detachirt hatte, als er
glaubte, da Lttich das Ziel des Feindes sei, stieen in Eilmrschen
zu ihm. Drei Wochen nach seiner Niederlage hielt er einige Meilen von
Brssel eine Heerschau ab. Die Anzahl der unter den Waffen stehenden
Mannschaften war grer als am Morgen der blutigen Schlacht von Landen;
ihr Aussehen war soldatenmig und ihr Muth schien ungebrochen. Wilhelm
schrieb jetzt an Heinsius, da das Schlimmste vorber sei. Die
Krisis, sagte er, ist eine frchterliche gewesen. Gott sei Dank, da
sie so geendet hat. Er hielt es jedoch nicht fr gerathen, in diesem
Augenblicke das Glck einer neuen Feldschlacht zu versuchen. Er lie
daher die Franzosen Charleroy belagern und nehmen, und dies war der
einzige Vortheil, den sie aus der blutigsten Schlacht zogen, welche im
17. Jahrhundert in Europa geschlagen wurde.


[_Vernichtung der Smyrna-Flotte._] Die Trauerbotschaft von der
Niederlage von Landen fand England durch nicht minder traurige
Nachrichten von einer andren Seite bewegt. Seit vielen Monaten war der
Handel mit dem Mittellndischen Meere durch den Krieg fast gnzlich
gehemmt. Kein Kauffahrteischiff von London oder Amsterdam hatte
Aussicht, ohne bewaffneten Schutz die Herkulessulen zu erreichen,
ohne von einem franzsischen Kaper geentert zu werden, und der
Schutz von Kriegsschiffen war nicht leicht zu erlangen. Whrend des
Jahres 1692 hatten sich starke Flotten, mit Waarenladungen fr die
spanischen, italienischen und trkischen Mrkte reich befrachtet,
in der Themse und im Texel gesammelt. Im Februar 1693 waren nahe an
vierhundert Schiffe zum Auslaufen bereit. Der Werth ihrer Ladungen
wurde auf mehrere Millionen Pfund Sterling geschtzt. Noch nie hatten
die Galeonen, welche seit langer Zeit die Bewunderung und den Neid
der Welt erweckten, so kostbare Gter von Westindien nach Sevilla
gebracht. Die englische Regierung bernahm es im Einverstndni mit
der hollndischen, die mit dieser groen Masse von Schtzen beladenen
Fahrzeuge zu eskortiren. Die franzsische Regierung nahm sich vor, sie
aufzufangen.

Der Plan der Alliirten war, da siebzig Linienschiffe und ungefhr
dreiig Fregatten und Brigantinen unter den Befehlen Killegrew's und
Delaval's, der beiden neuen Lords der englischen Admiralitt, sich
im Kanale versammeln und die Smyrna-Flotte, wie sie im Munde des
Volks hie, bis ber die Grenzen hinaus begleiten sollten, innerhalb
welcher Gefahr von Seiten des Brester Geschwaders zu befrchten stand.
Der grere Theil der Flotte sollte dann zur Bewachung des Kanals
zurckkehren, whrend Rooke mit zwanzig Segeln die Kauffahrer begleiten
und das vor Toulon liegende Geschwader beschtzen sollte. Der Plan der
franzsischen Regierung war, da das Brester Geschwader unter Tourville
und das Touloner Geschwader unter d'Estres in der Nhe der Meerenge
von Gibraltar zusammentreffen und dort der Beute auflauern sollten.

Welcher Plan der klger ersonnene war, ist zweifelhaft. Welcher von
beiden aber am besten ausgefhrt wurde, ist eine Frage, die keinen
Zweifel zult. Die ganze franzsische Flotte wurde von Einem Willen
geleitet, mochte sie sich im Atlantischen oder im Mittellndischen
Meere befinden. Die Flotte England's und die Flotte der Vereinigten
Provinzen standen unter verschiedenen Autoritten, und in England
sowohl wie in den Vereinigten Provinzen zerfiel die Gewalt in so
zahlreiche Abtheilungen und Unterabtheilungen, da auf keinem Einzelnen
eine schwere Verantwortlichkeit lastete. Das Frhjahr kam heran. Die
Kaufleute beklagten sich laut, da sie durch die Verzgerung schon mehr
verloren htten als sie durch die glcklichste Reise noch zu gewinnen
hoffen drften, und noch immer waren die Kriegsschiffe nicht halb
bemannt und verproviantirt. Das Geschwader von Amsterdam traf erst
spt im April an unsrer Kste ein, das Geschwader von Seeland erst
Mitte Mai.[34] Es war Juni, als endlich die ungeheure Flotte, nahe an
fnfhundert Segel stark, die Klippen England's aus dem Gesicht verlor.

Tourville war bereits in See gegangen und steuerte sdwrts. Killegrew
und Deleval aber waren so nachlssig oder so unglcklich, da sie von
seinen Bewegungen keine Kenntni hatten. Sie waren anfangs berzeugt,
da er noch im Hafen von Brest liege. Dann kam ihnen das Gercht zu
Ohren, da in nrdlicher Richtung segelnde Schiff gesehen worden
seien, und sie vermutheten, da er ihre Abwesenheit benutzte, um die
Kste von Devonshire zu bedrohen. Sie scheinen es nicht fr mglich
gehalten zu haben, da er sich mit dem Touloner Geschwader vereinigt
haben und in der Nhe von Gibraltar ungeduldig seine Beute erwarten
knne. Nachdem sie daher die Smyrna-Flotte ungefhr zweihundert Meilen
ber Ushant hinaus begleitet hatten, erklrten sie am 6. Juni ihre
Absicht, sich von Rooke zu trennen. Rooke machte Einwendungen, aber
vergebens. Er mute sich fgen und mit seinen zwanzig Kriegsschiffen
dem Mittellndischen Meere zusteuern, whrend seine beiden Vorgesetzten
mit dem Reste der Kriegsflotte in den Kanal zurckkehrten.

Inzwischen war es in England bekannt geworden, da Tourville in
aller Stille Brest verlassen hatte und nach Sden eilte, um sich
mit Estres zu verbinden. Die Zurckkunft Killegrew's und Delavals
erweckte daher groe Besorgni. Es wurde sofort ein schnellsegelndes
Fahrzeug abgesandt, um Rooke vor der ihm drohenden Gefahr zu warnen;
diese Warnung aber kam ihm nicht zu. Er steuerte mit gutem Winde
dem Kap Saint Vincent zu, und hier erfuhr er, da in der nahen Bai
von Lagos einige franzsische Schiffe lgen. Die erste Mittheilung,
die er darber erhielt, bewog ihn zu dem Glauben, da ihre Anzahl
nicht bedeutend sei, und sie wuten ihre Strke so geschickt zu
verbergen, da er nicht eher eine Ahnung davon bekam, da er der
ganzen Kriegsflotte eines groen Knigreichs gegenberstehe, als bis
sie nur noch eine halbe Stunde Seewegs von ihm entfernt waren. Gegen
eine vierfache Uebermacht zu kmpfen, wrde Wahnsinn gewesen sein.
Es war schon viel, wenn es ihm gelang, sein Geschwader vor vlliger
Vernichtung zu bewahren. Er bot seine ganze Geschicklichkeit auf.
Einige in der Nachhut segelnde hollndische Kriegsschiffe opferten sich
muthig auf, um die Flotte zu retten. Mit dem Reste des Geschwaders und
etwa sechzig Handelsschiffen gelangte Rooke glcklich nach Madeira und
von da nach Cork. Aber mehr als dreihundert von den Fahrzeugen, die er
begleitet hatte, waren ber den Ocean zerstreut. Einige entkamen nach
Irland, andere nach Corunna, andere nach Lissabon, andere nach Cadix,
einige wurden genommen und mehr noch vernichtet. Ein paar, die unter
den Felsen von Gibraltar Schutz gesucht hatten und die der Feind bis
dahin verfolgte, wurden versenkt, als man sah, da sie nicht zu retten
waren. Andere gingen in gleicher Weise unter den Batterien von Malaga
zu Grunde. Der Gewinn fr Frankreich scheint nicht gro gewesen zu
sein; aber der Verlust fr England und Holland war enorm.[35]


[_Aufregung in London._] Seit Menschengedenken hatte die City nie
einen Tag von grerer Betrbni und Aufregung erlebt als der war, an
welchem die Nachricht von dem Gefecht in der Bai von Lagos ankam. Viele
Kaufleute, sagte ein Augenzeuge, verlieen die Brse so bleich, als
wenn ihnen ihr Todesurtheil angekndigt worden wre. Eine Deputation
der Kaufleute, welche unter diesem schweren Unfalle litten, berreichte
der Knigin eine ihre Beschwerden enthaltende Adresse. Sie wurden in
den Sitzungssaal des Staatsraths eingelassen, wo sie an der Spitze
des Collegiums sa. Sie beauftragte Somers, in ihrem Namen zu
antworten, und er hielt eine Ansprache an sie, welche gut berechnet
war, ihre Gereiztheit zu beschwichtigen. Ihre Majestt, sagte er,
nehme herzlichen Antheil an ihrem Unglcke und habe bereits einen
Ausschu des Geheimen Raths ernannt, um die Ursachen des krzlichen
Unfalls zu untersuchen und die besten Mittel zu erwgen, um hnlichen
Unfllen vorzubeugen.[36] Diese Antwort befriedigte die Betreffenden
so vollstndig, da der Lordmayor bald darauf in den Palast kam, um
der Knigin fr ihre Gte zu danken, ihr zu versichern, da London
ihr und ihrem Gemahl durch alle Wechselflle treu bleiben werde,
und ihr mitzutheilen, da, so schwer auch der krzliche Schlag von
vielen groen Handelshusern empfunden wrde, der Gemeinderath dennoch
einstimmig beschlossen habe, jede Summe vorzustrecken, welche die
Regierung bedrfen mchte.[37]


[_Jakobitische Libelle; Wilhelm Anderton._] Die Mistimmung, welche die
ffentlichen Calamitten naturgem erzeugten, wurde durch alle
Parteikunstgriffe genhrt. Nie waren die jakobitischen Pamphletisten so
heftig und rcksichtslos gewesen als whrend dieses unglcklichen
Sommers. Die Polizei sprte in Folge dessen thtiger als je den Hhlen
nach, aus denen so viel Hochverrath hervorging. Mit groer Mhe und nach
langem Suchen wurde endlich die wichtigste aller uncensirten Pressen
entdeckt. Diese Presse gehrte einem Jakobiten, Namens Wilhelm Anderton,
der wegen seiner Unerschrockenheit und seines Fanatismus zu
Dienstleistungen tauglich war, vor denen vorsichtige und gewissenhafte
Mnner zurckschrecken. Seit zwei Jahren wurde er von den Agenten der
Regierung beobachtet; aber wo er sein Gewerbe betrieb, war ein
undurchdringliches Geheimni. Endlich aber entdeckte man ihn in einem
Hause unweit Saint James Street, wo er unter einem angenommenen Namen
bekannt war und fr einen Goldarbeiter gehalten wurde. Ein Beamter der
Prepolizei begab sich mit mehreren Dienern dahin und fand Anderton's
Frau und Mutter als Schildwachen an der Thr postirt. Die beiden Frauen
kannten den Beamten, fielen ber ihn her, packten ihn bei den Haaren und
riefen Diebe und Mrder. Dadurch gaben sie Anderton das
Alarmzeichen. Er verbarg seine Arbeitsutensilien, kam mit ganz
unbefangener Miene heraus und bot dem Beamten, dem Censor, dem
Staatssekretr und selbst der kleinen Habichtsnase[38] Trotz. Nach
kurzer Gegenwehr wurde er festgenommen. Sein Zimmer wurde durchsucht und
auf den ersten Blick zeigte sich kein Beweis fr seine Schuld darin.
Bald aber fand man hinter dem Bett eine Thr, die in ein dunkles Gemach
fhrte. Dieses Gemach enthielt eine Buchdruckerpresse, Typen und Ste
frischgedruckter Schriften. Eine dieser Schriften, betitelt: +Remarks
on the Present Confederacy and the Late Revolution,+ ist vielleicht das
heftigste aller jakobitischen Libelle. Der Prinz von Oranien wird darin
allen Ernstes beschuldigt, da er funfzig von seinen verwundeten
englischen Soldaten habe lebendig verbrennen lassen. Das leitende
Prinzip seiner ganzen Handlungsweise, heit es unter Andrem, ist weder
Eitelkeit noch Ehrgeiz, noch Habsucht, sondern ein tdtlicher Ha gegen
die Englnder und der Drang, sie unglcklich zu machen. Die Nation wird
mit Heftigkeit aufgefordert, sich bei Strafe des strengsten Gerichts zu
erheben und sich von dieser Plage, diesem Fluche, diesem Tyrannen zu
befreien, dessen Verderbtheit es fast unglaublich erscheinen lasse, da
er von einem Menschenpaar gezeugt sein knne. Auerdem wurden von einer
andren, etwas minder heftigen, aber vielleicht noch gefhrlicheren
Schrift, betitelt: +A French Conquest neither desirable nor
practicable,+ eine Menge Exemplare vorgefunden. Auch in dieser Schrift
wird das Volk aufgefordert, sich zu erheben. Es wird ihm versichert, da
ein groer Theil der Armee auf seiner Seite sei. Die Streitkrfte des
Prinzen von Oranien wrden zusammenschmelzen, heit es; er werde froh
sein, wenn er mit dem Leben davonkomme, und es wird hhnend die
mildherzige Hoffnung ausgesprochen, da es nicht nthig sein werde, ihm
ein schlimmeres Leid zuzufgen, als ihn nach Loo zurckzuschicken, wo
er, von einem Luxus umgeben, den die Englnder theuer bezahlt htten,
fernerhin leben mchte.

Durch die Giftigkeit der jakobitischen Pamphletisten gereizt und
beunruhigt, beschlo die Regierung, an Anderton ein Exempel zu
statuiren. Er wurde des Hochverraths angeklagt und vor die Schranken der
Old Bailey gestellt. Treby, der jetzt Oberrichter der Common Pleas war,
und Powell, der sich am Tage des Prozesses der Bischfe ehrenvoll
ausgezeichnet hatte, saen auf der Richterbank. Es ist Schade, da kein
detaillirter Bericht ber die Untersuchung auf uns gekommen ist und da
wir uns mit den fragmentarischen Aufschlssen begngen mssen, die wir
aus den einander widersprechenden Darstellungen offenbar parteiischer,
maloser und unredlicher Schriftsteller sammeln knnen. Die
Anklageschrift ist jedoch noch vorhanden und die notorischen Handlungen,
die sie dem Angeklagten zur Last legt, erreichen unbestreitbar die Stufe
des Hochverraths.[39] Die Unterthanen des Reichs aufzufordern, sich zu
erheben und den Knig gewaltsam zu entthronen, und dieser Aufforderung
den offenbar ironischen Ausdruck der Hoffnung beizufgen, da es nicht
nthig sein werde, eine hrtere Strafe als die Verbannung ber ihn zu
verhngen, ist gewi ein Vergehen, das auch der mindest hfische Jurist
als im Bereiche des Statuts Eduard's III. liegend anerkennen wird.
Ueber diesen Punkt scheint man sich auch in der That weder bei dem
Prozesse noch nachher gestritten zu haben.

Der Gefangene leugnete die Libelle gedruckt zu haben. Da die
Zeugenbeweise nicht auf uns gekommen sind, so drfen wir ber diesen
Punkt billigerweise den Richtern und Geschwornen Glauben schenken,
welche die Aussagen der Zeugen anhrten.

Ein Argument, das Anderton's Rechtsbeistnde ihm eingegeben hatten und
das in den damaligen jakobitischen Pasquillen als unwiderlegbar
dargestellt wird, war, da, weil die Buchdruckerkunst unter der
Regierung Eduard's III. noch unbekannt war, das Drucken selbst nach
keinem Gesetz jener Regierung als ein notorischer Act des Hochverraths
angesehen werden knne. Die Richter nahmen dieses Argument sehr leicht,
und sie waren gewi dazu berechtigt es so zu nehmen. Denn es ist ein
Argument, das zu der Schlufolgerung fhren wrde, da es kein
notorischer Act des Hochverraths sei, einen Knig vermittelst einer
Guillotine zu enthaupten oder mit einer Minibchse zu erschieen.

Ferner wurde zu Anderton's Gunsten geltend gemacht -- und dies war
allerdings ein Argument, das gegrndeten Anspruch auf Bercksichtigung
hatte -- da zwischen dem Verfasser einer hochverrtherischen Schrift
und dem bloen Drucker derselben ein Unterschied gemacht werden msse.
Ersterer knne nicht behaupten, da er den Sinn der Worte, die er selbst
gewhlt, nicht verstanden habe. Fr Letzteren aber knnten die Worte
mglicherweise gar keinen Sinn haben. Die Metaphern, die Anspielungen,
die Sarkasmen knnten weit ber der Sphre seines Begriffsvermgens
liegen, und whrend seine Hnde sich mit den Typen beschftigten,
knnten seine Gedanken auf Dinge gerichtet sein, die mit dem ihm
vorliegenden Manuscripte gar nichts zu thun htten. Es ist unzweifelhaft
wahr, da es kein Verbrechen zu sein braucht, etwas zu drucken, was zu
schreiben ein groes Verbrechen sein wrde. Doch ist dies offenbar ein
Gegenstand, bezglich dessen sich keine allgemeine Regel aufstellen
lt. Ob Anderton als bloes mechanisches Werkzeug zur Verbreitung einer
Schrift beigetragen habe, deren Tendenz er nicht ahnete, oder ob er
wissentlich seinen Beistand zur Anstiftung eines Aufruhrs geliehen, war
eine Frage fr die Jury, und die Jury durfte aus dem Annehmen eines
falschen Namens, aus der Heimlichkeit, mit der er arbeitete, aus der
scharfen Wacht, die seine Frau und seine Mutter hielten und aus der
wthenden Heftigkeit, mit der er, selbst als er sich bereits in der
Gewalt der Polizeiagenten befand, noch die Regierung schmhte, mit gutem
Grunde schlieen, da er nicht das unbewute Werkzeug, sondern der
intelligente und eifrige Complice von Hochverrthern war. Nachdem die
zwlf Geschwornen eine betrchtliche Zeit mit einander deliberirt
hatten, benachrichtigten sie den Gerichtshof, da einer von ihnen
Zweifel hege. Diese Zweifel wurden durch Treby's und Powell's Argumente
gehoben, und das Verdict lautete auf schuldig.

Das Schicksal des Gefangenen war einige Zeit zweifelhaft. Die Minister
hofften, er werde dahin zu bringen sein, seinen eignen Kopf auf
Unkosten der Kpfe der Pamphletisten zu retten, in deren Diensten er
gearbeitet. Aber seine natrliche Standhaftigkeit wurde durch geistliche
Stimulationsmittel aufrechterhalten, welche die eidverweigernden
Priester vortrefflich anzuwenden verstanden. Er erlitt standhaft den Tod
und schmhte die Regierung bis zum letzten Augenblicke. Die Jakobiten
beschwerten sich laut ber die Gefhllosigkeit der Richter, die ihn
verurtheilt, und der Knigin, die seine Hinrichtung zugegeben hatte, und
stellten ihn mit eben nicht besonderer Consequenz als einen armen
unwissenden Handwerker, der die Natur und Tendenz der Handlung, wegen
der er den Tod erlitten, nicht gekannt, und als einen Mrtyrer dar, der
fr den verbannten Knig und die verfolgte Kirche heldenmthig sein
Leben gelassen habe.[40]


[_Schriften und Kunstgriffe der Jakobiten._] Die Minister irrten sich
sehr, wenn sie glaubten, da Anderton's Schicksal Andere abhalten
werde, sein Beispiel nachzuahmen. Seine Hinrichtung veranlate mehrere
kaum minder heftige Pamphlets als das wegen dessen er verurtheilt
worden. Collier frohlockte in einer Schrift, die er +Remarks on the
London Gazette+ betitelte, mit herzloser Freude ber das Blutbad
von Landen und ber die massenhafte Zerstrung englischen Eigenthums
an der Kste von Spanien.[41] Andere Schriftsteller thaten ihr
Mglichstes, um unter den Arbeitern Aufstnde zu entznden, denn es
war die Doctrin der Jakobiten, da Unruhen, wo und wie sie immer
beginnen mchten, in eine Restauration auszulaufen versprchen. Eine
Phrase, die ohne Commentar als purer Unsinn erscheinen mu, die aber
in Wirklichkeit sehr bedeutungsvoll war, fhrten sie damals vielfach
im Munde, und sie wurde sogar eine Parole, an der die Mitglieder der
Partei einander erkannten: Schlagt es herum, es wird zu meinem Vater
kommen. Der verborgene Sinn dieser Redensart war: Strzt das Land
in Verwirrung, man wird zuletzt zu Knig Jakob greifen mssen.[42]
Der Handel florirte nicht und viele fleiige Menschen hatten keine
Arbeit. Die mivergngten Straendichter verfertigten in Folge
dessen an die nothleidenden Klassen gerichtete Lieder. Zahlreiche
Exemplare einer Ballade, welche die Weber aufforderte, sich gegen die
Regierung zu erheben, wurden in dem Hause des Qukers gefunden, der
Jakob's Erklrung gedruckt hatte.[43] Alle erdenklichen Mittel wurden
angewendet, um auch unter einer weit gefhrlicheren Klasse von Leuten,
unter den Matrosen, Unzufriedenheit zu erwecken, und unglcklicherweise
lieferten die Mngel der Marineverwaltung den Feinden des Staats nur zu
reichlichen Zndstoff. Einige Seeleute desertirten, andere stifteten
Meutereien an; es fanden Hinrichtungen statt, und diesen folgten neue
Balladen und Flugbltter, welche die Hinrichtungen als barbarische
Mordthaten darstellten. Gerchte, da die Regierung beschlossen habe,
ihre Vertheidiger um ihren sauerverdienten Lohn zu betrgen, wurden
mit so groem Erfolge verbreitet, da ein zahlreicher Haufe Weiber
von Wapping und Rotherhithe Whitehall belagerte und tumultuarisch den
ihren Mnnern gebhrenden Lohn verlangte. Marie war so taktvoll und
gutherzig, vier dieser ungestmen Petentinnen in den Saal einfhren
zu lassen, wo sie eben eine Staatsrathssitzung hielt. Sie hrte ihre
Klagen an und versicherte ihnen in eigner Person, da das Gercht,
welches sie beunruhigt habe, ungegrndet sei.[44] Inzwischen kam
der St. Bartholomustag heran, und die groe jhrliche Messe, das
Vergngen arbeitsscheuer Lehrbuben und der Greuel puritanischer
Aldermen, wurde mit der gewhnlichen Schaustellung von Zwergen, Riesen
und tanzenden Hunden, Feuerfressern und abgerichteten Elephanten in
Smithfield erffnet. Von allen Sehenswrdigkeiten aber bte keine
so groe Anziehungskraft aus, als eine dramatische Vorstellung,
welche in der Idee, wenn auch gewi nicht in der Ausfhrung, groe
Aehnlichkeit mit den unsterblichen Meisterwerken des Humors gehabt zu
haben scheint, in denen Aristophanes Cleon und Lamachus lcherlich
machte. Zwei herumziehende Comdianten gaben die Rollen Killegrew's
und Delaval's. Die beiden Admirle waren dargestellt, wie sie mit
ihrer ganzen Flotte vor einigen franzsischen Kapern flohen und
unter den Kanonen des Towers Schutz suchten. Die Rolle des Chorus
wurde von einem Hanswurst gespielt, der seine Meinung ber die
Marineverwaltung sehr freimthig aussprach. Ungeheure Menschenmassen
strmten zu dieser wunderlichen Posse. Der Beifall war laut, die
Einnahmen gro, und die Comdianten, welche zuerst nur die unglckliche
und unpopulre Admiralitt durchzuhecheln gewagt hatten, begannen
jetzt, durch die Straflosigkeit und den Erfolg dreist gemacht, und
wahrscheinlich durch Leute viel hherer Stellung angeregt und bezahlt,
auch ber andere Verwaltungszweige ihre Witze zu machen. Diesem
Versuche, die Zgellosigkeit der attischen Bhne wieder in die Mode
zu bringen, wurde bald durch das Erscheinen einer starken Abtheilung
Constabler, welche die Schauspieler ins Gefngni abfhrten, ein Ziel
gesetzt.[45] Mittlerweile wurden die Straen London's jede Nacht
mit aufwieglerischen Flugblttern beset. In allen Wirthshusern
hinkten die Zeloten des erblichen Rechts mit Wein- und Punschglsern
an den Lippen umher. Diese Mode war eben aufgekommen, und die
Nichteingeweihten wunderten sich hchlich, wie eine so groe Menge
frischer und gesunder Gentlemen urpltzlich lahm geworden sein knne.
Die in das Geheimni Eingeweihten aber wuten, da das Wort +limp+
(hinken) ein geheiligtes Wort, da jeder der vier Buchstaben, aus denen
es bestand, der Anfangsbuchstabe eines erlauchten Namens war, und da
der loyale Unterthan, der beim Trinken hinkte, sein Glas auf das Wohl
Ludwig's, Jakob's, Mariens und des Prinzen leerte.[46]

Aber nicht allein in der Hauptstadt lieen die Jakobiten damals ihren
Witz in groem Mastabe leuchten. Sie waren auch in Bath zahlreich
vertreten, wo der Lordprsident Caermarthen seine erschtterte
Gesundheit wieder zu befestigen versuchte. Jeden Abend versammelten sie
sich, um, wie sie es nannten, dem Marquis eine Serenade zu bringen. Mit
anderen Worten, sie rotteten sich unter den Fenstern des kranken Mannes
zusammen und sangen Spottlieder auf ihn.[47]


[_Verhalten Caermarthen's._] Es ist sonderbar, da der Lordprsident
zu derselben Zeit wo er in Bath als Wilhelmit insultirt wurde, in
Saint-Germains fr einen treuen Jakobiten galt. Wie er dazu kam, fr
einen solchen gehalten zu werden, ist eine sehr schwer zu beantwortende
Frage. Einige Schriftsteller sind der Meinung, da er, wie Shrewsbury,
Russell, Godolphin und Marlborough, Verpflichtungen gegen den einen
Knig bernahm, whrend er das Brot des andren a. Diese Ansicht aber
sttzt sich nicht auf hinreichende Beweise. Fr die Verrthereien
Shrewsbury's, Russell's, Godolphin's und Marlborough's haben wir eine
groe Menge Beweise, die aus verschiedenen Quellen geschpft sind und
sich ber mehrere Jahre erstrecken. Ueber Caermarthen's Verkehr mit
Jakob aber besitzen wir keine anderen Nachrichten als die in einem
kurzen Aufsatze enthaltenen, den Melfort am 16. October 1693 schrieb.
Aus diesem Aufsatze geht klar und deutlich hervor, da der verbannte
Knig und seine Minister Mittheilungen erhalten hatten, die sie
bewogen, Caermarthen als einen Freund zu betrachten. Aber wir haben
keinen Beweis, da sie ihn weder vor noch nach diesem Tage fr einen
solchen hielten.[48] Alles erwogen, scheint die wahrscheinlichste
Erklrung des Geheimnisses die zu sein, da Caermarthen von einem
jakobitischen Emissr, der bei weitem nicht so schlau war als er,
sondirt worden war und da er, um dem von Middleton entworfenen neuen
politischen Plan auf den Grund zu kommen, sich stellte, als ob er
der Sache des verbannten Knigs zugethan wre; da eine bertriebene
Darstellung des Geschehenen nach Saint-Germains geschickt wurde,
und da man sich dort ber eine Bekehrung freute, die sich bald als
eine erheuchelte herausstellte. Es ist sonderbar, da eine solche
Bekehrung nur einen Augenblick fr aufrichtig gehalten werden konnte.
Es lag offenbar in Caermarthen's Interesse, sich zu den im factischen
Besitze des Thrones befindlichen Souverainen zu halten. Er war ihr
erster Minister und hatte keine Hoffnung, der erste Minister Jakob's
zu werden. Es ist in der That kaum anzunehmen, da das politische
Verhalten eines schlauen, unersttlich ehrgeizigen und habschtigen
Greises durch persnliche Parteilichkeit bedeutend influirt worden sein
sollte. Aber wenn es berhaupt eine Person gab, fr welche Caermarthen
eingenommen war, so war diese Person unzweifelhaft Marie. Da er sich
ernstlich in ein Complot zu ihrer Entthronung eingelassen haben sollte,
das ihm den Hals kosten konnte, wenn es scheiterte, und durch das er,
wenn es gelang, ungeheuer an Macht und Reichthum verlieren mute, war
eine zu absurde Fabel, die nur Verbannte fr mglich halten konnten.

Allerdings hatte Caermarthen in diesem Augenblicke besonders triftige
Grnde, mit der Stellung, die er unter den Rathgebern Wilhelm's und
Mariens einnahm, unzufrieden zu sein. Man hat nur zu starken Grund zu
glauben, da er damals mit einer selbst bei ihm beispiellosen
Schnelligkeit unrechtmigen Gewinn aufhufte.


[_Der Ostindischen Compagnie eine neue Concession verliehen._] Der Kampf
zwischen den beiden Ostindischen Compagnien war im Herbste 1693 heftiger
als je. Da das Haus der Gemeinen die alte Compagnie jedem Vergleiche
hartnckig abhold gefunden, hatte es kurz vor dem Schlusse der vorigen
Session den Knig ersucht, die in der Concessionsurkunde vorgeschriebene
dreijhrige Aufkndigung erfolgen zu lassen. Child und seine Collegen
begannen jetzt ernstlich besorgt zu werden. Jeden Tag erwarteten sie die
gefrchtete Anzeige. Ja, sie waren sogar nicht sicher, ob ihnen ihr
ausschlieliches Privilegium nicht ohne jede vorherige Anzeige entzogen
werden mchte, denn sie sahen, da sie ihre Concession verwirkt hatten,
indem sie es aus Unachtsamkeit unterlassen, die krzlich auf ihr
Actienkapital gelegte Steuer zur gesetzlich bestimmten Zeit zu
entrichten, und obwohl es unter gewhnlichen Umstnden als eine
Rcksichtslosigkeit der Regierung betrachtet worden wre, aus einem
solchen Versehen Vortheil zu ziehen, so war doch das Publikum nicht
geneigt, der alten Compagnie etwas mehr als den strikten Buchstaben des
Vertrags zuzugestehen. Es war Alles verloren, wenn die Concession nicht
vor dem Zusammentritt des Parlaments erneuert wurde. Es steht fast auer
allem Zweifel, da die Operationen der Gesellschaft in der Hauptsache
noch immer von Child geleitet wurden. Aber er scheint eingesehen zu
haben, da seine Inpopularitt die seiner Obhut anvertrauten Interessen
nachtheilig berhrt hatte, und er drngte sich daher der ffentlichen
Aufmerksamkeit nicht auf. Seine Stelle wurde ostensibel durch seinen
nahen Verwandten, Sir Thomas Cook, ausgefllt, einem der grten
Kaufleute von London und Parlamentsmitgliede fr Colchester. Die
Directoren stellten Cook das ganze ungeheure Vermgen, das in ihrer
Schatzkammer lag, zur unumschrnkten Verfgung, und in kurzer Zeit
wurden nahe an hunderttausend Pfund fr Bestechungen in groartigem
Mastabe ausgegeben. Nach welchen Verhltnissen diese enorme Summe unter
die Groen von Whitehall vertheilt wurde und wieviel davon in die
Taschen der Zwischenagenten flo, ist noch heute ein Geheimni. Soviel
wissen wir jedoch mit Bestimmtheit, da Seymour und Caermarthen Tausende
empfingen.

Das Resultat dieser Bestechungen war, da der Generalfiskal Befehl
erhielt, einen Freibrief zu entwerfen, der der alten Compagnie die alten
Privilegien aufs Neue bewilligte. Kein Minister aber konnte es nach dem
was im Parlamente vorgegangen war, wagen, der Krone zur Erneuerung des
Monopols ohne Bedingungen zu rathen. Die Directoren sahen, da sie keine
Wahl hatten und verstanden sich mit Widerstreben dazu, die neue
Concession unter Bedingungen anzunehmen, die im Wesentlichen dieselben
waren, wie sie das Haus der Gemeinen sanctionirt hatte.

Es ist wahrscheinlich, da zwei Jahre frher ein solcher Vergleich die
Fehde, welche die City zerri, gedmpft haben wrde. Aber ein langer
Kampf, in welchem Satyre und Verleumdung nicht gespart worden waren,
hatte die Gemther erhitzt. Das Geschrei Dowgate's gegen Leadenhall
Street war lauter als je. Es wurden Einsprche erhoben und Petitionen
unterzeichnet, und in diesen Petitionen wurde ein Prinzip, mit dem man
bisher absichtlich hinter dem Berge gehalten hatte, keck aufgestellt. So
lange es zweifelhaft war, auf welcher Seite die knigliche Prrogative
angewendet werden wrde, hatte man diese Prrogative nicht bestritten.
Sobald es sich aber zeigte, da die alte Compagnie Aussicht hatte, eine
Erneuerung des Monopols unter dem groen Siegel zu erlangen, begann die
neue Compagnie mit Heftigkeit zu behaupten, da kein Monopol anders als
durch eine Parlamentsacte creirt werden knne. Nachdem der Geheime Rath,
welchem Caermarthen prsidirte, die ausfhrliche Errterung durch die
beiderseitigen Anwlte angehrt hatte, entschied er zu Gunsten der alten
Compagnie und ordnete die Untersiegelung des Freibriefs an.[49]


[_Wilhelm's Rckkehr nach England; militrische Erfolge Frankreich's._]
Inzwischen war der Herbst weit vorgerckt und die Armeen in den
Niederlanden hatten ihre Winterquartiere bezogen. Am letzten October
landete Wilhelm wieder in England. Das Parlament stand auf dem Punkte
zusammenzutreten, und er hatte allen Grund, eine noch strmischere
Session als die vorige zu erwarten. Das Volk war unzufrieden, und nicht
ohne Ursache. Das Jahr war berall fr die Verbndeten unglcklich
gewesen, nicht allein auf der See und in den Niederlanden, sondern auch
in Serbien, in Spanien, in Italien und in Deutschland. Die Trken hatten
die Generle des Reichs gezwungen, die Belagerung Belgrad's aufzuheben.
Ein neucreirter Marschall von Frankreich, der Herzog von Noailles, war
in Catalonien eingefallen und hatte die Festung Rosas genommen. Ein
zweiter neucreirter Marschall, der geschickte und tapfere Catinat, war
von den Alpen nach Piemont hinabgestiegen und hatte bei Marsiglia einen
vollstndigen Sieg ber die Truppen des Herzogs von Savoyen erfochten.
Diese Schlacht ist insofern denkwrdig, weil sie die erste einer langen
Reihe von Schlachten war, in denen die irischen Truppen die durch
Migeschick und schlechte Fhrung im einheimischen Kriege verlorene Ehre
wiedererlangten. Einige von den Verbannten von Limerick bewiesen an
jenem Tage unter dem franzsischen Banner eine Tapferkeit, die sie unter
vielen Tausenden tapferer Mnner auszeichnete. Es ist bemerkenswerth,
da an dem nmlichen Tage ein Bataillon der verfolgten und aus ihrem
Vaterlande vertriebenen Hugenotten inmitten der allgemeinen Verwirrung
fest zu dem Banner Savoyen's hielt und mit Verzweiflung bis zum letzten
Augenblicke kmpfend fiel.

Der Herzog von Lorges war in die bereits zweimal verwstete Pfalz
eingerckt und hatte gefunden, da Turenne und Duras ihm noch etwas zu
zerstren brig gelassen. Heidelberg, das eben aus seinen Trmmern
wieder zu erstehen begann, wurde abermals geplndert, die friedlichen
Bewohner niedergemacht und ihre Frauen und Kinder emprend geschndet.
Selbst die Chre der Kirchen wurden mit Blut befleckt; die Monstranzen
und Kruzifixe von den Altren gerissen, die Grber der alten Kurfrsten
erbrochen, die ihrer Schweitcher und Zierrathen entkleideten Leichname
durch die Straen geschleift. Der Schdel des Vaters der Herzogin von
Orleans wurde von den Soldaten eines Frsten, an dessen glnzendem Hofe
sie unter den Damen den ersten Rang einnahm, in Stcken zerschlagen.

[_Noth in Frankreich._] Ein scharfblickendes Auge htte indessen
erkennen mssen, da, so unglcklich auch die Verbndeten gewesen
zu sein schienen, der Vortheil eigentlich auf ihrer Seite geblieben
war. Der Kampf war ebensowohl ein finanzieller als ein militrischer.
Der franzsische Knig hatte einige Monate vorher geuert, das
letzte Goldstck werde den Sieg davontragen, und er begann jetzt die
Wahrheit dieses Ausspruchs schmerzlich zu empfinden. England war
allerdings durch ffentliche Lasten schwer bedrckt; aber es hielt
sich noch immer aufrecht. Frankreich war whrenddem in raschem Sinken
begriffen. Seine krzlichen Anstrengungen waren zuviel fr seine Kraft
gewesen und hatten es verzehrt und entnervt. Noch nie hatten seine
Beherrscher einen greren Scharfsinn im Erdenken von Abgaben und eine
grere Strenge im Eintreiben derselben an den Tag gelegt; aber kein
Scharfsinn, keine Strenge vermochte die zu einem neuen Feldzuge wie
der von 1693 erforderlichen Summen aufzubringen. In England war die
Ernte reichlich ausgefallen. In Frankreich waren Getreide und Wein
abermals mirathen. Das Volk ma, wie gewhnlich, der Regierung die
Schuld bei, und die Regierung versuchte mit schmachvoller Unwissenheit
oder noch schmachvollerer Unredlichkeit den ffentlichen Unwillen auf
die Getreidehndler zu lenken. Es wurden Decrete erlassen, welche
absichtlich zu dem Zwecke entworfen zu sein schienen, die Theuerung
in Hungersnoth zu verwandeln. Man versicherte der Nation, es sei
kein Grund zu Besorgni vorhanden, der Ertrag der Feldfrchte sei
mehr als hinreichend und der Mangel sei nur durch die schndlichen
Manipulationen der Wucherer erzeugt worden, die mit ihren Vorrthen
zurckhielten, in der Hoffnung, einen enormen Gewinn zu erzielen.
Es wurden Commissare zu Visitation der Kornspeicher ernannt und
ermchtigt, alles Getreide, das die Eigenthmer nicht fr ihren
Bedarf brauchten, auf den Markt zu bringen. Eine solche Einmischung
vergrerte natrlich die Noth, der sie abhelfen sollte. Aber inmitten
des allgemeinen Mangels gab es an einem Orte einen knstlich erzeugten
Ueberflu. Der unumschrnkteste Frst mu immer einige Scheu vor einer
in der Umgebung seines Palastes versammelten groen Menschenmenge
haben. Aehnliche Befrchtungen wie die, welche die Csaren bestimmt
hatten, Afrika und Aegypten die Mittel auszupressen, dem rmischen
Pbel den Mund zu stopfen, bewogen Ludwig, das Elend von zwanzig
Provinzen zu vermehren, um eine gewaltige Stadt bei guter Laune zu
erhalten. Er lie in allen Kirchspielen der Hauptstadt Brot um weniger
als den halben Marktpreis vertheilen. Die englischen Jakobiten waren
einfltig genug, diese Anordnung als weise und human zu preisen.
Die Ernte, sagten sie, sei in England gut, in Frankreich schlecht
gewesen, und doch sei das Brot in Paris wohlfeiler als in London, und
die Erklrung sei ganz einfach. Die Franzosen htten einen Souverain,
dessen Herz franzsisch sei und der mit der Frsorge eines Vaters ber
sein Volk wache, whrend die Englnder mit einem hollndischen Tyrannen
beglckt seien, der ihr Getreide nach Holland schicke. Die Wahrheit
ist, da acht Tage solcher vterlicher Regierung wie die Ludwig's,
ganz England, von Northumberland bis Cornwall, zu einem bewaffneten
Aufstande getrieben haben wrden. Damit in Paris Ueberflu herrschen
konnte, mute die Bevlkerung der Normandie und des Anjou Nesseln
essen. Damit es in Paris ruhig blieb, schlug sich das Landvolk lngs
der ganzen Loire und Seine mit den Schiffern und Truppen. Massen flohen
aus diesen lndlichen Districten, wo das Pfund Brot fnf Sous kostete,
nach dem glcklichen Orte, wo das Pfund Brot fr zwei Sous zu haben
war. Man mute die verhungerten Menschenhaufen mit Gewalt von den
Barriren zurcktreiben und Denen, die nicht nach Hause gehen und ruhig
verhungern wollten, mit den furchtbarsten Strafen drohen.[50]

Ludwig sah ein, da die Krfte Frankreich's durch die Anstrengungen des
letzten Feldzugs bermig in Anspruch genommen worden waren. Selbst
wenn es eine reichliche Ernte und Weinlese gehabt htte, wrde es nicht
im Stande gewesen sein, 1694 das zu leisten, was es 1693 geleistet, und
es war durchaus unmglich, da es zu einer Zeit des grten Mangels
wieder Armeen ins Feld schicken konnte, welche an allen Punkten den
Armeen der Coalition an Zahl berlegen waren. Neue Eroberungen waren
nicht zu erwarten. Es war schon viel, wenn das auf allen Seiten von
Feinden umlagerte ausgesogene und erschpfte Land ohne Niederlage einen
Vertheidigungskrieg zu bestehen vermochte. Ein so geschickter Staatsmann
wie der Knig von Frankreich mute nothwendig erkennen, da es nur zu
seinem Vortheile sein konnte, wenn er mit den Verbndeten unterhandelte,
so lange sie durch die Erinnerung an die kolossalen Anstrengungen, die
sein Land soeben gemacht hatte, noch in Respect erhalten wurden, und
bevor die Erschlaffung, welche auf diese Anstrengungen gefolgt war,
sichtbar zu werden begann.

Er verkehrte schon lngst durch verschiedene Kanle mit einigen
Mitgliedern der Confderation und versuchte sie zu bestimmen, sich von
den brigen zu trennen. Bis jetzt aber hatte er noch keine Propositionen
gemacht, die auf eine allgemeine Pacifirung hinzielten. Denn er wute,
da keine allgemeine Pacifirung mglich war, wenn er sich nicht
entschlo, die Sache Jakob's aufzugeben und den Prinzen und die
Prinzessin von Oranien als Knig und Knigin anzuerkennen. Dies war
eigentlich der Punkt, um den sich Alles drehte. Was mit den groen
Festungen geschehen sollte, welche Ludwig in Friedenszeiten
widerrechtlich weggenommen und seinem Reiche einverleibt hatte, mit
Luxemburg, das die Mosel in Schach hielt, und mit Straburg, das den
Oberrhein beherrschte, was ferner mit den festen Pltzen geschehen
sollte, die er neuerdings im offenen Kriege erobert, mit Philippsburgi,
Mons und Namur, mit Huy und Charleroy; welche Grenze den Generalstaaten
gesteckt, unter welchen Bedingungen Lothringen seinen erblichen Herzgen
zurckgegeben werden sollte: dies waren allerdings keine unwichtigen
Fragen. Aber die allerwichtigste Frage war die, ob England, wie es dies
unter Jakob gewesen, eine Provinz Frankreich's, oder, was es unter
Wilhelm und Marien war, eine Macht ersten Ranges sein sollte. Wenn
Ludwig ernstlich den Frieden wnschte, so mute er es ber sich
gewinnen, die Souveraine anzuerkennen, die er so oft als Usurpatoren
bezeichnet hatte. Konnte er es ber sich gewinnen, sie anzuerkennen? Auf
der einen Seite standen sein Aberglaube, sein Stolz, seine Rcksichten
gegen die unglcklichen Verbannten, welche in Saint-Germains
schmachteten, seine persnliche Abneigung gegen den unermdlichen und
unbesiegbaren Gegner, der seit zwanzig Jahren ihm berall hindernd in
den Weg trat; auf der andren Seite standen seine und seines Volkes
Interessen. Er mute einsehen, da es nicht in seiner Macht lag, die
Englnder zu unterjochen, das er es wenigstens ihnen berlassen msse,
sich ihre Regierung selbst zu whlen, und da es am besten sei, das bald
zu thun, was er schlielich doch thun mute. Gleichwohl konnte er sich
nicht sofort zu etwas so Unangenehmem entschlieen. Er trat jedoch durch
die Vermittelung Schweden's und Dnemark's mit den Generalstaaten in
Unterhandlung und schickte einen vertrauten Agenten nach Brssel, um im
Geheimen mit Dykvelt zu conferiren, der Wilhelm's ganzes Vertrauen
besa. Es wurde viel ber Dinge von untergeordneter Bedeutung discutirt,
aber die Hauptfrage blieb unerledigt. Der franzsische Agent lie im
vertraulichen Gesprch Aeuerungen fallen, welche deutlich verriethen,
da die Regierung, die er reprsentirte, bereit war, Wilhelm und Marien
anzuerkennen; aber eine frmliche Zusage war nicht von ihm zu erlangen.
Gerade zu derselben Zeit benachrichtigte der Knig von Dnemark die
Verbndeten, da er bemht sei, Frankreich dahin zu bringen, nicht auf
der Restauration Jakob's als einer unerllichen Friedensbedingung zu
bestehen, sagte aber nicht, da seine Bemhungen bis jetzt erfolgreich
gewesen seien. Whrenddem theilte Avaux, der jetzt Gesandter in
Stockholm war, dem Knig von Schweden mit, da, da die Wrde aller
gekrnten Hupter in der Person Jakob's beleidigt worden sei, der
Allerchristlichste Knig sich berzeugt halte, da nicht allein die
neutralen Mchte, sondern selbst der Kaiser ein Mittel ausfindig zu
machen suchen wrden, welches eine so ernste Ursache zu Unfrieden
beseitigen knne. Das von Avaux vorgeschlagene Mittel war jedenfalls,
da Jakob von seinen Rechten abstehen und da der Prinz von Wales nach
England geschickt, in der protestantischen Religion erzogen, von Wilhelm
und Marien adoptirt und zu ihrem Erben erklrt werden solle. Gegen ein
solches Arrangement wrde Wilhelm vom persnlichen Standpunkte
wahrscheinlich nichts einzuwenden gehabt haben. Aber wir drfen
berzeugt sein, da er nie eingewilligt haben wrde, es zu einer
Bedingung des Friedens mit Frankreich zu machen. Die Frage, wer in
England regieren sollte, hatte England allein zu entscheiden.[51]

Es war triftiger Grund zu dem Verdachte vorhanden, da eine, in
dieser Weise geleitete Unterhandlung nur die Veruneinigung der
Verbndeten bezweckte. Wilhelm begriff die ganze Wichtigkeit des
Moments. Es mag sein, da er nicht den Blick eines groen Feldherrn
fr alle Wechselflle einer Schlacht hatte; aber er besa in
hchster Vollkommenheit den Blick eines groen Staatsmannes fr alle
Wechselflle eines Kriegs. Da Frankreich ihm endlich Propositionen
machte, war ein gengender Beweis, da es sich erschpft und im Sinken
begriffen fhlte. Da diese Propositionen mit uerstem Widerstreben
und Zaudern gemacht wurden, bewies, da es sich noch nicht in einer
Stimmung befand, die es ermglichte, unter billigen Bedingungen Frieden
mit ihm zu schlieen. Er sah, da der Feind zu weichen begann und da
der Augenblick gekommen war, die Offensive zu ergreifen, vorzugehen
und alle Reserven heranzuziehen. Ob aber die Gelegenheit benutzt oder
versumt werden sollte, darber hatte er nicht zu entscheiden. Der
Knig von Frankreich konnte ohne eine andre Beschrnkung als die,
welche die Naturgesetze dem Despotismus auflegen, Truppen ausheben
und Steuern fordern. Der Knig von England aber vermochte nichts
ohne die Untersttzung des Hauses der Gemeinen, und obgleich das
Haus der Gemeinen ihn bisher bereitwillig und freigebig untersttzt
hatte, so war es doch keine Krperschaft, auf die er sich verlassen
konnte. Es war in der That in einen Zustand gerathen, der die
scharfsichtigsten Staatsmnner der damaligen Zeit in Verlegenheit und
Besorgni versetzte. Die Vereinigung einer so grenzenlosen Macht mit
einer so grenzenlosen Launenhaftigkeit hatte etwas Erschreckendes.
Das Schicksal der ganzen civilisirten Welt hing von den Beschlssen
der Vertreter des englischen Volks ab, und es gab keinen Staatsmann,
der es hatte wagen knnen, mit Bestimmtheit zu sagen, zu welchem
Beschlusse diese Vertreter nicht binnen vierundzwanzig Stunden bewogen
werden konnten.[52] Wilhelm erkannte es schmerzlich, da es einem
Frsten, der von einer zu Zeiten so ungestmen, zu anderen Zeiten so
lssigen Versammlung abhing, unmglich war, etwas Groes ins Werk zu
setzen. In der That, obgleich kein Souverain soviel that, um die Macht
des Hauses der Gemeinen zu befestigen und zu erweitern, so liebte
doch kein Souverain das Haus der Gemeinen weniger. Dies ist auch
nicht zu verwundern, denn er sah dieses Haus in der allerschlimmsten
Beschaffenheit. Er sah es, als es eben die Macht eines Senats erlangt,
sich aber noch nicht die ernste Wrde eines solchen angeeignet
hatte. In seinen Briefen an Heinsius klagt er bestndig ber das
endlose Geschwtz, die Parteizwistigkeiten, die Unbestndigkeit und
Unschlssigkeit einer Krperschaft, die mit Rcksicht zu behandeln ihm
seine Lage gebot. Seine Klagen waren durchaus nicht ungegrndet, aber
er hatte weder die Ursache des Uebels, noch das Heilmittel dagegen
entdeckt.


[_Ein Ministerium nothwendig fr die parlamentarische Regierungsform._]
Die Sache war die, da die Vernderung, welche die Revolution in der
Stellung des Hauses der Gemeinen herbeigefhrt hatte, eine andere
Vernderung nothwendig gemacht hatte und da diese Vernderung noch
nicht eingetreten war. Es gab eine parlamentarische Regierung, aber es
gab kein Ministerium, und ohne Ministerium mu die Thtigkeit einer
parlamentarischen Regierung wie die unsrige stets schwankend und
unsicher sein.

Es ist fr unsere Freiheiten wesentlich nothwendig, da das Haus der
Gemeinen eine Oberaufsicht ber alle Zweige der ausbenden Verwaltung
fhrt. Und doch liegt es auf der Hand, da eine Versammlung von fnf-
bis sechshundert Mnnern, selbst wenn sie in geistiger Beziehung hoch
ber dem Durchschnittsmae der Mitglieder des besten Parlaments stnden,
selbst wenn jeder von ihnen ein Burleigh oder ein Sully wre, zu
executiven Functionen untauglich sein wrde. Man hat sehr richtig
gesagt, da jede groe Versammlung von menschlichen Geschpfen, mgen
sie auch noch so gebildet sein, eine starke Tendenz habe, ein
tumultuarischer Haufen (+a mob+) zu werden, und ein Land, dessen hchste
Executivbehrde eine tumultuarische Menge ist, befindet sich gewi in
einer gefhrlichen Lage.

Zum Glck hat man einen Weg ausfindig gemacht, auf welchem das Haus der
Gemeinen einen berwiegenden Einflu auf die Executivverwaltung ausben
kann, ohne Functionen zu bernehmen, welche von einer so zahlreichen und
aus so verschiedenartigen Elementen zusammengesetzten Krperschaft
niemals gut verrichtet werden knnen. Eine Institution, welche zu den
Zeiten der Plantagenets, der Tudors und der Stuarts nicht existirte,
eine Institution, die das Gesetz nicht kennt, eine Institution, die in
keinem Statut genannt ist, eine Institution, welche Schriftsteller wie
De Lolme und Blackstone nicht erwhnen, trat wenige Jahre nach der
Revolution ins Leben, gewann rasch eine hohe Bedeutung, wurde fest
begrndet und ist jetzt ein fast eben so wesentlicher Theil unsrer
Verfassung wie das Parlament selbst. Diese Institution ist das
Ministerium.

Das Ministerium ist eigentlich ein Ausschu von leitenden Mitgliedern
der beiden Huser. Es wird von der Krone ernannt; aber es besteht
ausschlielich aus Staatsmnnern, deren Ansichten ber die wichtigen
Tagesfragen in der Hauptsache mit den Ansichten der Majoritt des Hauses
der Gemeinen bereinstimmen. Unter die Mitglieder dieses Ausschusses
sind die Hauptzweige der Verwaltung vertheilt. Jeder Minister versteht
die gewhnlichen Geschfte seines Amts ganz unabhngig von seinen
Collegen. Die wichtigsten Geschfte jedes einzelnen Amtes aber,
besonders solche, die voraussichtlich Gegenstnde parlamentarischer
Discussion werden, unterliegen der Erwgung des Gesammtministeriums. Im
Parlamente sind die Minister verpflichtet, bei allen die ausbende
Verwaltung betreffenden Fragen wie ein Mann zu handeln. Ist einer von
ihnen in einer Frage, die zu wichtig ist um einen Vergleich zu
gestatten, andrer Meinung als die brigen, so ist es seine Pflicht
zurckzutreten. So lange die Minister das Vertrauen der Majoritt im
Parlamente besitzen, untersttzt diese Majoritt sie gegen Opposition
und verwirft jeden Antrag, der einen Tadel gegen sie ausspricht oder der
sie in Verlegenheit setzen kann. Verscherzen sie sich dieses Vertrauen,
ist die Majoritt des Parlaments mit der Art und Weise, wie das
Stellenvergebungsrecht und das Begnadigungsrecht ausgebt wird, mit der
Leitung der auswrtigen Angelegenheiten, mit der Fhrung eines Kriegs
unzufrieden, so ist die Abhlfe sehr einfach. Es ist nicht nthig, da
die Gemeinen die Verwaltungsgeschfte bernehmen, da sie die Krone
ersuchen, Diesen zum Bischof, Jenen zum Richter zu ernennen, den einen
Verbrecher zu begnadigen, den andren hinrichten zu lassen, ber einen
Vertrag auf besonderer Grundlage zu unterhandeln oder nach einem
bestimmten Orte eine Expedition zu schicken. Sie haben lediglich zu
erklren, da das Ministerium ihr Vertrauen nicht mehr besitzt, und um
ein Ministerium zu bitten, dem sie Vertrauen schenken knnen.

Vermittelst so constituirter und so wechselnder Ministerien wird die
englische Regierung seit langer Zeit in vollkommenem Einklange mit der
wohlerwogenen Ansicht des Hauses der Gemeinen geleitet und ist doch
erstaunlich frei geblieben von den Mngeln, welche Regierungen eigen
sind, die durch zahlreiche, tumultuarische und gespaltene Versammlungen
verwaltet werden. Einige wenige ausgezeichnete Mnner, die in ihren
allgemeinen Ansichten bereinstimmen, sind die vertrauten Rathgeber des
Souverains und zugleich der Stnde des Reichs. Im Cabinet sprechen sie
mit der Autoritt von Mnnern, die bei den Vertretern des Volks in hoher
Achtung stehen. Im Parlamente sprechen sie mit der Autoritt von
Mnnern, die in wichtigen Angelegenheiten zu Hause und mit den
Geheimnissen des Staats genau bekannt sind. So hat das Cabinet etwas von
dem volksthmlichen Character eines Reprsentativkrpers, und der
Reprsentativkrper etwas von der Wrde eines Cabinets.

Zuweilen ist jedoch der Stand der Parteien von der Art, da kein Verein
von Mnnern, der zusammengebracht werden kann, das volle Vertrauen und
die stetige Untersttzung der Majoritt des Hauses der Gemeinen besitzt.
Wenn dies der Fall ist, so mu das Ministerium schwach sein und es giebt
dann wahrscheinlich eine rasche Aufeinanderfolge schwacher Ministerien.
Zu solchen Zeiten gerth das Haus der Gemeinen unfehlbar in einen
Zustand, den kein Freund der Reprsentativverfassung ohne Besorgni
betrachten kann, in einen Zustand, der es uns mglich macht, uns einen
schwachen Begriff von dem Zustande dieses Hauses whrend der ersten
Regierungsjahre Wilhelm's zu bilden. Es ist allerdings nur ein schwacher
Begriff, denn das schwchste Ministerium bt immer noch einen groen
Einflu auf den Gang der Parlamentsverhandlungen aus, und whrend der
ersten Regierungsjahre Wilhelm's gab es gar kein Ministerium.


[_Allmlige Bildung des ersten Ministeriums._] Kein Schriftsteller hat
es noch versucht, die Entwickelung dieser Institution zu verfolgen,
welche fr das harmonische Zusammenwirken unserer brigen Institutionen
unentbehrlich ist. Das erste Ministerium war zum Theil das Werk des
bloen Zufalls, zum Theil das Werk der Weisheit, aber nicht jener
hchsten Weisheit, welche mit den groen Prinzipien der
Staatswissenschaft vertraut ist, sondern der niederen Weisheit, welche
alltglichen Anforderungen durch alltgliche Mittel begegnet. Weder
Wilhelm noch seine einsichtsvollsten Rathgeber begriffen vollkommen den
Character und die Wichtigkeit jener geruschlosen Revolution -- denn es
war nichts Geringeres als eine Revolution -- welche um das Ende des
Jahres 1693 begann und um das Ende des Jahres 1696 vollendet war. Aber
Jedermann konnte bemerken, da zu Ende des Jahres 1693 die hchsten
Regierungsmter nicht ungleich zwischen die beiden groen Parteien
getheilt waren, da die Mnner, welche diese Aemter bekleideten,
bestndig gegen einander intriguirten, gegen einander haranguirten,
Tadelsvoten gegen einander beantragten, Anklageartikel gegen einander
erhoben und da die Stimmung des Hauses der Gemeinen unstet, unlenksam
und schwankend war. Jedermann konnte bemerken, da zu Ende des Jahres
1696 alle ersten Diener der Krone Whigs waren, durch ffentliche und
private Bande eng mit einander verbunden und bereit einander gegen jeden
Angriff zu vertheidigen, und da die Majoritt des Hauses der Gemeinen
in guter Ordnung unter diesen Fhrern kmpfte und gelernt hatte, sich
auf Commando wie ein Mann zu bewegen. Die Geschichte der
Uebergangsperiode und der Schritte, durch welche die Vernderung
herbeigefhrt wurde, ist hchst merkwrdig und interessant.


[_Sunderland._] Der Staatsmann, welcher den Hauptantheil an der Bildung
des ersten englischen Ministeriums hatte, war einst nur zu bekannt
gewesen, hatte sich aber lange vor den Augen der Oeffentlichkeit
verborgen und war erst krzlich wieder aus dem Dunkel hervorgetreten,
indem man erwartet hatte, da er den Rest seines schmachvollen und
unglcklichen Lebens zubringen werde. Whrend der Periode allgemeinen
Schreckens und allgemeiner Verwirrung, welche auf Jakob's Flucht folgte,
war Sunderland verschwunden. Es war hohe Zeit, denn von allen Agenten
der gestrzten Regierung war er, mit alleiniger Ausnahme Jeffreys', der
Nation am meisten verhat. Nur Wenige wuten, da Sunderland insgeheim
gegen die Beraubung des Magdalenencollegiums und die gerichtliche
Verfolgung der Bischfe gestimmt hatte; Jedermann aber wute, da er
zahlreiche, von Gesetzen dispensirende Dokumente unterzeichnet, da er
in der Hohen Commission gesessen hatte, da er, sei es wirklich oder nur
zum Schein, Papist geworden und da er, wenige Tage nach seinem Abfall,
in Westminster Hall als Zeuge gegen die unterdrckten Vter der Kirche
aufgetreten war. Allerdings hatte er viele Verbrechen durch ein neues
Verbrechen geshnt, das schndlicher war als alle brigen. Sobald er
Ursache hatte zu glauben, da der Tag der Befreiung und Vergeltung
bevorstehe, hatte er durch einen sehr geschickten und rechtzeitigen
Verrath seine Begnadigung erlangt. Whrend der letzten drei Monate vor
der Ankunft des hollndischen Geschwaders bei Torbay hatte er der Sache
der Freiheit und der protestantischen Religion Dienste geleistet, deren
Schndlichkeit, aber auch Ntzlichkeit schwerlich zu hoch angeschlagen
werden kann. Ihm hauptschlich hatte man es zu verdanken, da in dem
kritischesten Momente unsrer Geschichte nicht eine franzsische Armee
die batavische Grenze bedrohte und eine franzsische Flotte an den
englischen Ksten kreuzte. Wilhelm durfte sich, ohne einen Schatten auf
seine eigne Ehre zu werfen, nicht weigern einen Mann zu protegiren, den
er zu benutzen keinen Anstand genommen hatte. Es war jedoch selbst fr
Wilhelm keine leichte Aufgabe, dieses schuldbeladene Haupt gegen den
ersten Ausbruch der Volkswuth zu schtzen. Denn selbst diejenigen
extremen Politiker beider Parteien, die in sonst nichts bereinstimmten,
stimmten in dem Rachegeschrei gegen den Renegaten berein. Die Whigs
haten ihn als den Erbrmlichsten unter den Sklaven, welche der vorigen
Regierung gedient hatten, und die Jakobiten als den Schndlichsten unter
den Verrthern, durch die sie gestrzt worden war. Wre er in England
geblieben, so wrde er wahrscheinlich von der Hand des Scharfrichters
gestorben sein, wenn nicht der Pbel dem Scharfrichter noch zuvorkam. In
Holland aber hatte ein vom Statthalter begnstigter politischer
Flchtling einige Hoffnung, unbelstigt zu existiren. Nach Holland floh
Sunderland, als Frau verkleidet, wie man sagt, und seine Gattin
begleitete ihn. In Rotterdam, einer dem Hause Oranien ergebenen Stadt,
hielt er sich fr sicher. Aber die Behrde war nicht in alle Geheimnisse
des Prinzen eingeweiht und einige diensteifrige Englnder versicherten
ihr, Se. Hoheit werde sehr erfreut sein, wenn er die Verhaftung des
papistischen Schuftes, des Judas erfhre, dessen Erscheinen auf Tower
Hill ganz London mit Ungeduld erwarte. Sunderland wurde ins Gefngni
geworfen und blieb darin bis der Befehl zu seiner Freilassung von
Whitehall kam. Er begab sich nun nach Amsterdam und wechselte dort
abermals seine Religion. Sein zweiter Abfall erbaute seine Gattin eben
so sehr, wie sein erster Abfall seinen Gebieter erbaut hatte. Die Grfin
schrieb an ihre frommen Freunde in England, um ihnen zu versichern, da
das Herz ihres armen geliebten Gemahls endlich wirklich von der
gttlichen Gnade berhrt worden sei und da sie sich bei all' ihrem
Kummer getrstet fhle, da sie einen so aufrichtigen Convertiten in ihm
she. Wir drfen jedoch, ohne die Pflicht der christlichen Liebe zu
verletzen, wohl annehmen, da er noch immer der nmliche falsche und
verstockte Sunderland war, der wenige Monate zuvor durch die Ableugnung
des Daseins Gottes Bonrepaux mit Schaudern erfllt und zu gleicher Zeit
durch das Vorgeben, da er an die Transsubstantiation glaube, Jakob's
Herz gewonnen hatte. Bald darauf verffentlichte der Verbannte eine
Apologie seiner Handlungsweise. Bei genauer Untersuchung dieser Apologie
findet man, da sie lediglich auf das Bekenntni hinausluft, da er
eine Reihe von Verbrechen begangen habe, um Jakob's Gunst zu erlangen,
und eine andre Reihe von Verbrechen, um nicht in Jakob's Sturz
hineingezogen zu werden. Der Verfasser schliet mit der Bemerkung, da
er beabsichtige, den Rest seines Lebens in Bubungen und Gebet
zuzubringen. Er zog sich bald von Amsterdam nach Utrecht zurck und
machte sich dort durch seinen regelmigen und andchtigen Besuch des
Gottesdienstes hugenottischer Prediger bemerkbar. Wenn man seinen
Briefen und denen seiner Gattin glauben darf, so hatte er dem Ehrgeize
fr immer entsagt. Er sehnte sich zwar danach, aus der Verbannung
zurckzukehren, nicht um wieder die Gunstbezeigungen der Krone genieen
und spenden zu knnen, nicht damit er seine Vorzimmer wieder mit dem
tglichen Schwarme von Bittstellern gefllt she, sondern nur um die
Wiesen, die Bume und die Familiengemlde seines Landsitzes
wiederzusehen. Sein einziger Wunsch war, sein ruheloses Leben in
Althorpe beschlieen zu drfen, und er wollte seinen Kopf zum Pfande
setzen, da er die Umhegungen seines Parks nie wieder verlie.[53]

So lange das whrend der Erledigung des Thrones gewhlte Haus der
Gemeinen eifrig mit dem Proscriptionswerke beschftigt war, durfte er es
nicht wagen, sich in England zu zeigen. Als aber diese Versammlung nicht
mehr existirte, glaubte er sich sicher. Wenige Tage nachdem die
Begnadigungsacte auf den Tisch der Lords niedergelegt worden war, kehrte
er zurck. Von der Wohlthat dieser Acte war er speciell ausgeschlossen;
aber er wute sehr gut, da er jetzt nichts zu frchten hatte. Er begab
sich heimlich nach Kensington, erlangte Zutritt ins knigliche Cabinet,
hatte eine zwei Stunden dauernde Audienz, und zog sich dann auf seinen
Landsitz zurck.[54]

Viele Monate lang fhrte er ein eingezogenes Leben und hatte keine
Wohnung in London. Einmal, im Frhjahr 1691, zeigte er zum groen
Erstaunen des Publikums sein Gesicht im Hofzirkel und wurde freundlich
aufgenommen.[55] Er scheint gefrchtet zu haben, da sein
Wiedererscheinen im Parlamente ihm einen eklatanten Affront zuziehen
mchte. Er schlich sich daher wohlweislich in der stillen Jahreszeit an
einem Tage bis zu welchem die Huser auf kniglichen Befehl vertagt
waren und an welchem sie sich nur versammelten, um wieder vertagt zu
werden, nach Westminster, hatte gerade noch so viel Zeit, sich
vorzustellen, die Eide zu leisten, die Erklrung gegen die
Transsubstantiation zu unterzeichnen und seinen Sitz einzunehmen. Keiner
von den wenigen anwesenden Peers fand Gelegenheit, eine Bemerkung zu
machen.[56] Erst im Jahre 1692 begann er den Sitzungen wieder
regelmig beizuwohnen. Er schwieg; aber geschwiegen hatte er jederzeit
in zahlreichen Versammlungen, selbst als er auf dem Hhepunkte der Macht
stand. Seine Talente waren nicht die eines ffentlichen Redners. Die
Kunst, in der er Jeden bertraf, war die Kunst des Flsterns. Sein Takt,
sein Scharfblick fr individuelle Schwchen, seine freundlichen
Manieren, seine Gabe, sich einzuschmeicheln, und vor Allem seine
anscheinende Freimthigkeit, machten ihn in der Privatconversation
unwiderstehlich. Durch diese Eigenschaften hatte er Jakob beherrscht,
und wollte nun damit Wilhelm beherrschen.

Es war zwar nicht leicht Wilhelm zu beherrschen; aber Sunderland
erlangte doch einen solchen Grad von Gunst und Einflu, da es groes
Erstaunen und selbst einigen Unwillen erregte. Allerdings war kaum ein
Geist stark genug, um dem Zauber seiner Rede und seines Benehmens zu
widerstehen. Jedermann ist geneigt an die Dankbarkeit und Anhnglichkeit
auch der werthlosesten Menschen zu glauben, denen er groe Wohlthaten
erzeigt hat. Es kann daher kaum auffallen, da der geschickteste aller
Schmeichler ein geneigtes Ohr fand, als er mit allen ueren Zeichen
tiefer Bewegtheit um die Erlaubni bat, alle seine Geisteskrfte dem
Dienste des hochherzigen Beschtzers zu widmen, dem er Vermgen,
Freiheit und Leben verdankte. Es ist jedoch deshalb nicht anzunehmen,
da der Knig sich tuschen lie. Er wird mit gutem Grunde geglaubt
haben, da zwar auf Sunderland's Betheuerungen nicht viel zu geben war,
da er aber um so mehr Vertrauen in seine Stellung setzen konnte, und
Sunderland erwies sich im Ganzen wirklich als ein treuerer Diener wie
ein minder verderbter Mann es htte sein knnen. Er that zwar in aller
Stille einige schchterne Schritte zu einer Ausshnung mit Jakob, allein
man darf mit Gewiheit behaupten, da, selbst wenn diese Schritte
freundlich aufgenommen worden wren -- und sie scheinen sehr
unfreundlich aufgenommen worden zu sein -- der zwiefache Renegat der
jakobitischen Sache nie einen wirklichen Dienst geleistet haben wrde.
Er wute recht gut, da er etwas gethan hatte, was in Saint-Germains als
unverzeihlich betrachtet werden mute. Nicht da er blos verrtherisch
und undankbar gewesen wre, Marlborough war eben so verrtherisch und
undankbar gewesen, und Marlborough hatte Verzeihung erlangt. Aber
Marlborough hatte sich nicht der gottlosen Heuchelei schuldig gemacht,
die ueren Zeichen einer Bekehrung zur Schau zu tragen. Marlborough
hatte nicht vorgegeben, durch die Argumente der Jesuiten berzeugt,
durch die gttliche Gnade berhrt worden zu sein, sich nach der Aufnahme
in den Schoo der allein wahren Kirche zu sehnen. Marlborough hatte
nicht, als der Papismus berwiegend war, sich bekreuzigt, gebeichtet,
Bue gethan, das heilige Abendmahl in Einer Gestalt genommen, war nicht,
sobald ein Wechsel des Glckes eintrat, abermals abgefallen und hatte
nicht der ganzen Welt erklrt, da, als er im Beichtstuhl gekniet und
die Hostie empfangen, er den Knig und die Priester nur ausgelacht habe.
Sunderland's Verbrechen war ein solches, das Jakob nie vergeben konnte,
und ein Verbrechen, das Jakob nie vergeben konnte, war in gewissem Sinne
eine Empfehlung bei Wilhelm. Der Hof, ja selbst der Staatsrath waren mit
Mnnern angefllt, welche hoffen konnten, ihr Glck zu machen, wenn der
verbannte Knig wieder auf den Thron gesetzt wurde. Sunderland aber
hatte sich keinen Rckzug gesichert, er hatte alle Brcken hinter sich
abgebrochen. Er war gegen den Einen so falsch gewesen, da er
nothgedrungen dem Andren treu sein mute. Da er in der Hauptsache der
Regierung, die ihn jetzt beschtzte, treu war, steht kaum zu bezweifeln,
und da er treu war, konnte er nur ntzlich sein. Er war in einigen
Beziehungen ganz vorzglich geeignet, damals ein Rathgeber der Krone zu
sein, denn er besa gerade die Talente und Kenntnisse, an denen es
Wilhelm fehlte. Die Beiden zusammen wrden einen vollendeten Staatsmann
ausgemacht haben. Der Gebieter war fhig, groe Plne zu entwerfen und
auszufhren, aber er vernachlssigte die kleinen Kunstgriffe, in denen
der Diener sich auszeichnete. Der Gebieter sah weiter als andere
Menschen; aber das Nahe sah Niemand so deutlich als der Diener. Der
Gebieter war zwar in der Politik der groen Vlkergemeinschaft grndlich
erfahren, lernte aber die Politik seines eigenen Landes niemals genau
kennen. Der Diener war mit der Stimmung und der Organisation der
englischen Parteien so wie mit den starken und schwachen Seiten des
Characters jedes angesehenen Englnders wohl vertraut.

Zu Anfang des Jahres 1693 ging das Gercht, da Sunderland ber alle die
innere Verwaltung des Reichs betreffende wichtige Fragen zu Rathe
gezogen werde, und dieses Gercht bekam noch mehr Halt, als man erfuhr,
da er im Herbste vor dem Zusammentritt des Parlaments nach London
gekommen war und ein groes Haus in der Nhe von Whitehall bezogen
hatte. Die Kaffeehaus-Politiker waren berzeugt, da er auf dem Punkte
stand, ein hohes Amt zu erhalten. Vor der Hand war er jedoch so klug,
sich mit der wirklichen Macht zu begngen und den Schein derselben
Anderen zu berlassen[57].


[_Sunderland rth dem Knige den Whigs den Vorzug zu geben._] Er war der
Meinung da, so lange der Knig versuchte die beiden groen Parteien
einander die Wage halten zu lassen und seine Gunst beiden in gleichem
Grade zu gewhren, beide sich zurckgesetzt glauben und keine der
Regierung die aufrichtige und beharrliche Untersttzung angedeihen
lassen wrde, der man jetzt so dringend bedurfte. Se. Majestt msse
sich entschlieen, der einen oder der andren den entschiedenen Vorzug zu
geben, und es sprchen drei gewichtige Grnde dafr, diesen Vorzug den
Whigs zu geben.


[_Grnde fr die Bevorzugung der Whigs._] Erstens waren die Whigs
grundstzlich der herrschenden Dynastie zugethan. In ihren Augen war die
Revolution nicht allein nothwendig, nicht allein gerechtfertigt, sondern
sogar ein glckliches und ruhmvolles Ereigni gewesen. Sie war der
Triumph ihrer politischen Theorie gewesen. Als sie Wilhelm Treue
schwuren, schwuren sie ohne Skrupel und Hintergedanken; sie waren so
weit entfernt davon, seinen Rechtstitel in Frage zu stellen, da sie ihn
fr den besten aller Rechtstitel hielten. Die Tories dagegen
mibilligten fast allgemein den Beschlu der Convention, die ihn auf den
Thron gesetzt hatte. Einige von ihnen waren im Herzen Jakobiten und
hatten ihm den Unterthaneneid blos deshalb geleistet, um ihm besser
schaden zu knnen. Andere glaubten sich zwar verpflichtet, ihm als
factischen Knig zu gehorchen, leugneten aber, da er rechtmiger Knig
sei, und wenn sie auch loyal gegen ihn waren, so waren sie es doch ohne
Begeisterung. Es konnte demnach kaum einem Zweifel unterliegen, auf
welche von den beiden Parteien er sicherer bauen knne.

Zweitens waren die Whigs bezglich der speciellen Angelegenheit, an der
sein Herz gegenwrtig hing, im Allgemeinen geneigt, ihn krftig zu
untersttzen, die Tories hingegen ihm darin hinderlich zu sein. Die
Gemther beschftigten sich damals lebhaft mit der Frage, in welcher
Weise der Krieg gefhrt werden msse. Diese Frage beantworteten die
beiden Parteien sehr verschieden. Unter den Tories war seit einigen
Monaten die Ansicht zur Geltung gekommen, da die Politik England's
streng insularisch sein, da es die Vertheidigung Flanderns und des
Rheins den Generalstaaten, dem Hause Oesterreich und den Frsten des
Reichs berlassen, und da es die Feindseligkeiten zur See energisch
fortsetzen, aber nur ein solches Landheer unterhalten msse, das mit
Hlfe der Miliz gengte, um einen Einfall abzuwehren. Es war klar, da
wenn dieses System angenommen wurde, eine sofortige Ermigung der so
schwer auf der Nation lastenden Steuern eintreten konnte. Aber die Whigs
behaupteten, diese Erleichterung werde theuer erkauft werden. Viele
tausend tapfere englische Soldaten seien jetzt in Flandern, gleichwohl
htten die Alliirten die Franzosen nicht verhindern knnen, im Jahre
1691 Mons, 1692 Namur, 1693 Charleroy zu nehmen. Wenn die englischen
Truppen zurckgerufen wrden, so sei es gewi, da Ostende, Gent und
Lttich fallen mten. Die deutschen Frsten wrden eilen, Jeder fr
sich Frieden zu schlieen. Die spanischen Niederlande wrden
wahrscheinlich der franzsischen Monarchie einverleibt werden. Die
Vereinigten Provinzen wrden wieder eben so gefhrdet sein, wie 1672,
und wrden jede Bedingung annehmen, die es Ludwig gefiele ihnen zu
dictiren. Nach wenigen Monaten wrde er im Stande sein, seine ganze
Kraft gegen unsre Insel aufzubieten und dann wrde es einen Kampf auf
Leben und Tod geben. Allerdings knne man wohl hoffen, da wir im Stande
sein wrden, unsern heimathlichen Boden selbst gegen einen solchen
General und eine solche Armee, wie sie die Schlacht bei Landen gewonnen
hatten, zu vertheidigen. Aber der Kampf msse ein langer und schwerer
werden. Wie viele fruchtbare Grafschaften wrden in Wsten verwandelt,
wie viele blhende Stdte in Asche gelegt werden, bevor man die
Eingedrungenen vernichten oder heraustreiben knne! Ein einziger
siegreicher Feldzug in Kent oder Middlesex wrde mehr zur Verarmung der
Nation beitragen, als zehn unglckliche Feldzge in Brabant. Es ist
bemerkenswerth, da dieser Streit zwischen den beiden groen Parteien
siebzig Jahre lang regelmig wieder erwachte, so oft unser Land mit
Frankreich im Kriege lag. Da England niemals groe militrische
Operationen auf dem Festlande unternehmen drfe, blieb ein
Fundamentalartikel des politischen Glaubens der Tories, bis die
franzsische Revolution in ihren Ansichten eine vollstndige Aenderung
hervorbrachte.[58] Da es Wilhelm's Hauptzweck war, den Feldzug von 1694
in Flandern mit einem ungeheuern Kraftaufwande zu erffnen, so war es
hinlnglich klar, an wen er sich um Beistand wenden mute.

Drittens waren die Whigs die strkere Partei im Parlamente. Die
allgemeine Wahl von 1690 war zwar nicht gnstig fr sie ausgefallen, sie
waren einige Zeit die Minoritt gewesen; aber seitdem hatten sie
fortwhrend mehr Boden gewonnen, bildeten jetzt der Zahl nach die volle
Hlfte des Unterhauses, und ihre effective Strke war ihrer Zahl mehr
als entsprechend, denn in Energie, Rhrigkeit und Disciplin waren sie
ihren Gegnern entschieden berlegen. Ihre Organisation war zwar noch
nicht so vollkommen, als sie es spter wurde, aber sie hatten schon
begonnen, eine kleine Schaar ausgezeichnete Mnner, welche noch lange
nachher unter dem Namen der Junta weit und breit bekannt war, zu Fhrern
anzunehmen. Es giebt vielleicht in der alten wie in der neuen Geschichte
kein zweites Beispiel einer solchen Autoritt, wie sie dieses Concilium
whrend zwanzig unruhiger Jahre ber die Whigpartei ausbte. Die Mnner,
welche diese Autoritt zu den Zeiten Wilhelm's und Mariens erlangten,
behielten sie ohne Unterbrechung in und auer dem Amte bis Georg IV.
den Thron bestieg.


[_Hupter der Whigpartei; Russell._] Einer dieser Mnner war Russell.
Von seinem schmachvollen Verkehr mit dem Hofe von Saint-Germains haben
wir Beweise, die keinen Zweifel zulassen. Aber diese Beweise kamen erst
viele Jahre nach seinem Tode vor die Augen der Welt. Wenn Gerchte von
seiner Schuld circulirten, so waren sie doch nur vag und
unwahrscheinlich, sie sttzten sich auf keinen Beweis, hatten keinen
glaubwrdigen Urheber zum Gewhrsmann und durften von seinen
Zeitgenossen mit gutem Grunde als jakobitische Verleumdungen betrachtet
werden. Ganz gewi war es hingegen, da er aus einem erlauchten Hause
stammte, das fr die Freiheit und die protestantische Religion Groes
gethan und viel gelitten hatte, da er die Einladung vom 30. Juni
unterzeichnet, da er mit dem Befreier bei Torbay gelandet war, da er
im Parlamente bei jeder Gelegenheit als eifriger Whig gesprochen und
gestimmt, da er einen groen Sieg erfochten, da er sein Vaterland vor
einer Invasion bewahrt hatte, und da, seitdem er die Admiralitt
verlassen, Alles schlecht gegangen war. Wir drfen uns daher nicht
wundern, da er unter seiner Partei einen bedeutenden Einflu hatte.


[_Somers._] Aber der grte Mann unter den Mitgliedern der Junta, und in
mancher Beziehung der grte Mann jener Zeit war der Lordsiegelbewahrer
Somers. Er war gleich ausgezeichnet als Jurist und als Staatsmann, als
Redner und als Schriftsteller. Seine Reden sind der Vergessenheit
anheimgefallen, seine Staatsschriften aber existiren noch und sind
Muster einer eleganten, klaren und wrdevollen Beredtsamkeit. Er hatte
einen groen Ruf im Hause der Gemeinen hinterlassen, in welchem er vier
Jahre lang stets mit Vergngen gehrt worden war, und die whiggistischen
Mitglieder betrachteten ihn noch immer als ihr Oberhaupt und hielten
ihre Zusammenknfte noch immer unter seinem Dache. Auf dem hohen Posten,
zu dem er unlngst ernannt worden war, hatte er sich so benommen, da
nach wenigen Monaten selbst Parteigeist und Migunst aufhrten ber
seine Erhebung zu murren. Er vereinigte aber auch in der That alle
Eigenschaften eines groen Richters in sich, einen regsamen Geist und
scharfen Verstand, Flei, Rechtschaffenheit, Ausdauer und Milde. Im
Rathe verschaffte ihm die gelassene Weisheit, die er in einem Mae
besa, wie man es bei Mnnern von so lebhaftem Geiste und von so
entschiedenen Ansichten selten findet, die Autoritt eines Orakels.
Nicht minder deutlich zeigte sich die Ueberlegenheit seiner Talente in
Privatzirkeln. Der Zauber seiner Unterhaltung wurde noch erhht durch
die Freimthigkeit, mit der er seine Gedanken von sich gab.[59] Seine
gute Laune und seine gute Erziehung verleugneten sich nie. In seinen
Geberden, in seinen Mienen und in seiner Stimme sprach sich nur
Wohlwollen aus. Seine Humanitt war um so bemerkenswerther, als ihm die
Natur einen Krper verliehen hatte, mit dem man in der Regel einen
mrrischen und reizbaren Character verbunden findet. Sein Leben war eine
lange Krankheit; seine Nerven waren schwach, seine Gesichtsfarbe bleich,
seine Wangen von frhzeitigen Furchen durchzogen. Gleichwohl konnten
seine Feinde nicht behaupten, da er whrend seines langen und ruhelosen
ffentlichen Lebens nur ein einzigesmal, selbst nicht durch pltzliche
Herausforderung zu einer mit der milden Wrde seines Characters
unvereinbaren Heftigkeit gereizt worden wre. Sie konnten nur behaupten,
da sein Wesen bei weitem nicht so sanft sei als die Welt glaube, da er
in Wirklichkeit zu heftigen Leidenschaften geneigt sei und da zuweilen,
whrend seine Stimme sanft und seine Worte freundlich und artig seien,
seine schwchliche Gestalt vor unterdrckter Aufregung in ein fast
convulsivisches Zittern gerathe. Man wird vielleicht der Ansicht sein,
da dieser Vorwurf gerade der hchste Lobspruch war.

Die gebildetsten Mnner jener Zeit haben uns gesagt, da es kaum etwas
gab, worber Somers nicht belehrend und unterhaltend htte sprechen
knnen. Er war nie gereist, und ein Englnder, der nicht gereist war,
galt damals in der Regel nicht fr befhigt, ber Werke der Kunst ein
Urtheil abzugeben. Aber grndliche Kenner der Meisterwerke des Vatikans
und der florentinischen Galerie gestanden zu, da Somers' Geschmack in
der Malerei und Sculptur ganz vorzglich war. Die Philologie war eines
seiner Lieblingsstudien. Er hatte das ganze groe Gebiet der alten und
neuen Belletristik durchwandert. Er war zu gleicher Zeit ein freigebiger
und ein streng unterscheidender Beschtzer des Genies und des Wissens.
Locke verdankte Somers Wohlstand. Durch Somers wurde Addison aus der
Zelle eines Collegiums ans Licht gezogen. In fernen Lndern nannten
groe Gelehrte und Dichter, die sein Antlitz nie gesehen, den Namen
Somers mit Achtung und Dankbarkeit. Er war der Wohlthter Leclerc's
und der Freund Filicaja's. Weder politische noch religise
Meinungsverschiedenheiten hielten ihn ab, dem Talent seinen mchtigen
Schutz angedeihen zu lassen. Hikes, der heftigste und intoleranteste
aller Eidverweigerer, erhielt durch Somers' Verwendung die Erlaubni,
die teutonischen Alterthmer in gemchlicher Freiheit zu studiren.
Vertue, ein strenger Katholik, wurde durch Somers scharfblickende und
freigebige Gnnerschaft aus Armuth und Dunkelheit zum ersten Range unter
den Kupferstechern seiner Zeit erhoben.

Die Gromuth, mit welcher Somers seine Gegner behandelte, gereichte ihm
zu um so grerer Ehre, weil er in seinen politischen Ansichten nicht
hin und her schwankte. Vom Anfang bis zum Ende seines ffentlichen
Lebens war er ein standhafter Whig. Er erhob zwar stets, wenn seine
Partei im Staate die Oberhand hatte, seine Stimme gegen gewaltthtige
und rachschtige Maregeln, aber er verlie seine Freunde nie. Selbst
als ihre thrichte Nichtachtung seines Rathes sie an den Rand des
Verderbens gebracht hatte.

Seine natrlichen Geistesgaben und seine erworbenen Kenntnisse wurden
selbst von seinen Verleumdern nicht geleugnet. Die hmischsten Tories
muten mit einem unwilligen Murren, das den Werth ihres Lobes noch
erhhte, zugeben, da er alle geistigen Eigenschaften eines groen
Mannes besa und da von allen seinen Zeitgenossen in ihm allein
glnzende Beredtsamkeit und Witz mit der ruhigen und stetigen
Besonnenheit vereinigt gefunden wurden, welche den Erfolg im Leben
sichern. Es ist ein bemerkenswerther Umstand, da er in dem
schamlosesten der vielen Libelle, welche gegen ihn erschienen, unter dem
Namen Cicero geschmht wird. Da seine Talente nicht in Zweifel gestellt
werden konnten, so beschuldigte man ihn der Irreligiositt und
Unmoralitt. Da er heterodox sei, glaubten alle Landvikare und
fuchsjagenden Squires fest; aber bezglich der Natur und Ausdehnung
seiner Heterodoxie waren die Meinungen sehr verschieden. Er scheint ein
Niederkirchlicher von der Schule Tillotson's gewesen zu sein, den er
stets liebte und verehrte, und er wurde wie dieser von den Bigotten ein
Presbyterianer, ein Arianer, ein Socinianer, ein Deist und ein Atheist
genannt.

Das Privatleben dieses groen Staatsmannes und Richters wurde boshaft
untersucht und Geschichten ber seinen ausschweifenden Wandel erzhlt,
die sich fort und fort vergrerten, bis sie selbst fr die
Leichtglubigkeit des Parteigeistes zu abgeschmackt wurden. Endlich,
nachdem er schon lngst zu Flanell und Hhnerbrhe verurtheilt war, lie
eine schamlose Courtisane, die ihn wahrscheinlich nie anderwrts als in
der Prosceniumsloge im Theater gesehen hatte, wenn sie unten maskirt
ihrem Gewerbe nachging, ein Libell erscheinen, in welchem sie ihn als
den Gebieter eines kostspieligeren Harems schilderte, als ihn der
Grosultan besitze. Man hat inde Grund zu glauben, da ein kleiner
Wahrheitskern vorhanden war, an den sich diese groe Masse von
Erdichtungen ansetzte, und da die Weisheit und Selbstbeherrschung,
woran es Somers im Senate, auf dem Richterstuhle, in der
Rathsversammlung oder in der Gesellschaft von Schngeistern, Gelehrten
und Philosophen nie fehlte, ihn fr weibliche Reize nicht ganz
unempfnglich machten.[60]


[_Montague._] Ein andrer Fhrer der Whigpartei war Karl Montague. Er
wurde oft, nachdem er sich zu Macht, Ehren und Reichthmern erhoben
hatte, von denen, die seinen Erfolg beneideten, ein Emporkmmling
genannt. Da sie ihn so nannten, darf uns mit Recht Wunder nehmen, denn
nur wenige von den Staatsmnnern seiner Zeit konnten einen Stammbaum
aufweisen wie der seinige. Er stammte aus einer Familie, die so alt war
wie die Eroberung; er hatte Anwartschaft auf den Earlstitel und war
vterlicherseits der Vetter dreier Earls. Aber er war der jngere Sohn
eines jngeren Bruders, und diese Phrase war von jeher seit der Zeit
Shakespeare's und Raleigh's, und vielleicht schon vor ihrer Zeit
sprichwrtlich, um einen Mann zu bezeichnen, der so arm war, da er zu
der niedrigsten Dienstbarkeit verurtheilt oder zu dem verzweifeltsten
Abenteuer bereit war.

Karl Montague wurde frhzeitig fr den geistlichen Beruf bestimmt, in
die Schule zu Westminster aufgenommen und nachdem er sich hier durch
seine Geschicklichkeit im lateinischen Versbau ausgezeichnet, nach
Cambridge in das Trinity College geschickt. In Cambridge war die
Philosophie Des Cartes' noch immer in den Schulen vorherrschend. Aber
einige wenige hervorragende Geister hatten sich von dem groen Haufen
getrennt und bildeten ein geziemendes Auditorium um einen weit greren
Lehrer.[61] Unter den vielversprechenden Jnglingen, welche stolz
darauf waren, zu den Fen Newton's zu sitzen, zeichnete sich der
geistreiche und vielseitige Montague aus. Unter einer solchen Leitung
machte der junge Student bedeutende Fortschritte in den ernsten
Wissenschaften; aber die Poesie war sein Lieblingsstudium, und wenn die
Universitt ihre Shne aufforderte, knigliche Vermhlungen und
Leichenbegngnisse zu besingen, wurde es allgemein anerkannt, da er
seine Mitbewerber bertroffen habe. Sein Ruf drang bis nach London, er
galt unter den Schngeistern, welche bei Will ihre Zusammenknfte
hielten, fr einen geistreichen jungen Mann, und die reizende Parodie,
die er in Gemeinschaft mit seinem Freunde und Studiengenossen Prior auf
Dryden's +Hind and Panther+ schrieb, wurde mit groem Beifall
aufgenommen.

Zu dieser Zeit waren alle Wnsche Montague's auf die Kirche gerichtet.
Spterhin, als er ein Peer mit zwlftausend Pfund jhrlicher Einknfte
war, als seine Villa an der Themse fr den prchtigsten aller Wohnsitze
galt, als man von ihm sagte, da er in Tokaier aus den kaiserlichen
Kellern und in Suppen schwelge, die aus ostindischen Vogelnestern
bereitet seien, von denen das Stck drei Guineen koste, machte es seinen
Feinden Vergngen, ihn daran zu erinnern, da es eine Zeit gegeben, wo
er sein Einkommen durch literarische Arbeiten auf nicht mehr als fnfzig
Pfund gebracht, wo er sich glcklich geschtzt habe, wenn er ein Stck
Hammelfleisch und eine Flasche Ale aus den Kellern des Collegiums
gehabt, und wo ein Zehntenferkel der grte Luxus gewesen sei, auf den
er zu hoffen gewagt habe. Die Revolution kam und gab seinem ganzen
Lebensplan eine andre Gestalt. Durch den Einflu Dorset's, der ein
besonderes Vergngen daran fand, sich vielversprechender junger Leute
anzunehmen, erlangte er einen Sitz im Hause der Gemeinen. Der
unbemittelte Gelehrte schwankte jedoch noch immer einige Monate lang
zwischen der Politik und der Theologie. Allein es zeigte sich bald
deutlich, da unter der neuen Ordnung der Dinge parlamentarische
Geschicklichkeit einen hheren Lohn erzielen msse als jede andre
Geschicklichkeit, und er fhlte, da ihm in der parlamentarischen
Geschicklichkeit Keiner berlegen sei. Er befand sich in der Stellung,
zu der ihn die Natur ganz vorzglich befhigt hatte, und einige Jahre
hindurch war sein Leben eine Reihe von Triumphen.

Von ihm, wie von mehreren anderen seiner Zeitgenossen, insbesondere von
Mulgrave und Sprat, kann man sagen, da sein Ruhm durch die Thorheit der
Verleger beeintrchtigt worden ist, welche bis auf unsre Zeit darin
beharrt haben, seine Verse unter den Werken der britischen Dichter
drucken zu lassen. Es vergeht kein Jahr, in welchem nicht Hunderte von
Versen, die so gut sind als alle, die er je geschrieben, behufs der
Bewerbung um den Newdigate-Preis zu Oxford oder um die Kanzler-Medaille
zu Cambridge eingesandt wrden. Sein Geist besa allerdings groe
Schrfe und Kraft, aber nicht diejenige Schrfe und Kraft, welche groe
Dramen oder Oden producirt, und man thut ihm sehr Unrecht, wenn man
seinen +Man of Honour+ und seine +Epistle on the Battle of the Boyne+
dem +Comus+ und +Alexander's Feast+ zur Seite stellt. Andere
ausgezeichnete Staatsmnner, wie Walpole, Pulteney, Chatham, Fox,
schrieben Verse, die nicht besser waren als die seinigen. Aber zum Glck
fr sie wurden ihre metrischen Werke nie fr wrdig gehalten, in eine
Sammlung unserer nationalen Klassiker aufgenommen zu werden.

Es ist seit langer Zeit gebruchlich, die Phantasie in der Gestalt eines
Flgels darzustellen und die gelungenen Aeuerungen der Phantasie Flge
zu nennen. Der eine Dichter ist ein Adler, der andre ein Schwan, der
dritte vergleicht sich bescheidentlich mit der Biene. Aber keine dieser
bildlichen Bezeichnungen wrde auf Montague gepat haben. Man kann sein
Genie mit dem Flgel vergleichen, der zwar zu schwach ist, den Strau in
die Lfte zu erheben, ihn aber in den Stand setzt, whrend er auf der
Erde bleibt, Hund, Pferd und Dromedar zu berholen. Wenn ein Mann, der
diese Art Genie besitzt, den Himmel der Erfindung zu ersteigen versucht,
so macht er sich durch seine mhsamen und erfolglosen Anstrengungen
lcherlich. Wenn er sich aber damit begngt, in der irdischen
Thtigkeitssphre zu bleiben, so wird er finden, da die Fhigkeiten,
die ihn nicht in den Stand setzen wrden, sich in eine hhere Sphre
emporzuschwingen, es ihm mglich machen, in der niederen alle seine
Rivalen hinter sich zu lassen. Als Dichter htte Montague sich niemals
ber die Gewhnlichkeit erheben knnen. Im Hause der Gemeinen aber, das
jetzt rasch die hchste Behrde im Staate wurde und seine Gewalt ber
einen Zweig der ausbenden Verwaltung nach dem andren ausdehnte,
erlangte der junge Glcksritter bald eine ganz andre Stellung, als die,
welche er unter den Literaten einnimmt. In seinem dreiigsten Jahre
wrde er mit Freuden alle seine Lebensaussichten fr ein anstndiges
Vikariat und ein Kaplansmntelchen hingegeben haben. Mit
siebenunddreiig Jahren war er erster Lord des Schatzes, Kanzler der
Schatzkammer und Mitglied des Regentschaftsrathes des Knigreichs, und
diese hohe Stellung verdankte er keineswegs der Gunst, sondern lediglich
der unbestreitbaren Ueberlegenheit seiner Talente fr die Verwaltung und
fr die Debatte.

Die auerordentliche Geschicklichkeit, mit der er zu Anfang des Jahres
1692 die Conferenz ber die Bill zur Regulirung des Prozeverfahrens in
Hochverrathsfllen leitete, stellte ihn mit einem Male in die erste
Reihe der parlamentarischen Redner. Er stand bei dieser Gelegenheit
einer Menge erfahrener, durch ihre Beredtsamkeit berhmter Senatoren,
wie Halifax, Rochester, Nottingham und Mulgrave gegenber, und er erwies
sich als ihnen allen ebenbrtig. Nicht lange so erhielt er einen Sitz im
Schatzamte, und hier gewahrte der scharfsinnige und erfahrene Godolphin
bald, da sein junger College sein Meister war. Als Somers das Haus der
Gemeinen verlassen, hatte Montague keinen Nebenbuhler mehr darin. Sir
Thomas Littleton, einst als der gewandteste Redner und Geschftsmann
unter den whiggistischen Mitgliedern ausgezeichnet, begngte sich, unter
seinem jngeren Collegen zu dienen. Noch heute knnen wir in vielen
Zweigen unsres Finanz- und Handelssystems Spuren von Montague's scharfem
Verstande und khnem Geiste erkennen. Seine bittersten Feinde konnten
nicht leugnen, da einige von den Auskunftsmitteln, die er
vorgeschlagen, sich als hchst wohlthtig fr die Nation erwiesen
hatten. Aber es wurde behauptet, diese Auskunftsmittel seien nicht in
seinem eignen Kopfe entstanden. In hundert Pamphlets wurde er die Krhe
mit geborgten Federn genannt. Er habe, versicherte man, die Idee zu
jedem seiner groen Plne aus den Schriften oder Reden eines genialen
Theoretikers entlehnt. Dieser Vorwurf war eigentlich gar kein Vorwurf.
Wir drfen wohl kaum erwarten, in einem und demselben menschlichen Wesen
die Talente, welche nthig sind, um neue Erfindungen in der
Staatswissenschaft zu machen, mit den Talenten gepaart zu finden, welche
von zahlreichen und tumultuarischen Versammlungen die Zustimmung zu
groen praktischen Reformen erlangen. Zu gleicher Zeit ein Adam Smith
und ein Pitt zu sein, ist fast unmglich. Es ist gewi des Lobenswerthen
genug bei einem thtigen Staatsmanne, wenn er die Theorien Anderer
anzuwenden versteht, wenn er unter den Plnen zahlloser Projectenmacher
gerade denjenigen herausfindet, der gebraucht wird und ausfhrbar ist,
wenn er ihm eine solche Gestalt zu geben wei, da er dem Drange der
Umstnde und den Launen des Volks entspricht, wenn er ihn gerade in dem
Augenblicke vorschlgt, wo er die meiste Aussicht hat, gnstig
aufgenommen zu werden, wenn er ihn siegreich gegen alle Widersacher
vertheidigt, und wenn er ihn mit Umsicht und Energie ins Werk setzt, und
auf dieses Lob hat kein englischer Staatsmann begrndeteren Anspruch als
Montague.

Es ist ein schlagender Beweis von seiner Selbstkenntni, da er von dem
Augenblicke an, wo er sich im ffentlichen Leben auszuzeichnen begann,
aufhrte ein Versemacher zu sein. Nachdem er Lord des Schatzes geworden
war, scheint er kein einziges Couplet mehr geschrieben zu haben, mit
Ausnahme einiger gut abgefater Zeilen als Inschriften auf eine Anzahl
Trinkspruchglser, welche den berhmtesten Whigschnheiten seiner Zeit
verehrt wurden. Er beschlo wohlweislich, aus den Dichtungen Anderer
einen Ruhm zu schpfen, den er aus seinen eigenen nie geschpft haben
wrde. Als Beschtzer des Genies und der Gelehrsamkeit steht er auf
gleicher Stufe mit seinen beiden berhmten Freunden, Dorset und Somers.
Seine Freigebigkeit kam der ihrigen vllig gleich, und wenn er ihnen
auch in der Feinheit des Geschmacks nachstand, so gelang es ihm doch,
seinen Namen untrennbar mit einigen Namen zu verknpfen, welche so lange
dauern werden wie unsre Sprache.

Es mu jedoch auch zugegeben werden, da Montague neben glnzenden
Talenten und vielen Ansprchen auf die Dankbarkeit seines Vaterlandes
groe Fehler besa und leider Fehler nicht von der edelsten Art. Sein
Kopf war nicht stark genug, um die hastige Eile seines Emporsteigens und
die Hhe seiner Stellung ohne Schwindelanflle zu ertragen. Er wurde
widerlich anmaend und eitel. Er war nur zu oft kalt gegen seine alten
Freunde und prahlte nur zu gern mit seinen neuerworbenen Reichthmern.
Vor Allem war er unersttlich nach Lob und es gefiel ihm um so besser,
je plumper und bertriebener es war. Im Jahre 1693 waren jedoch diese
Fehler noch nicht so schreiend, als sie es einige Jahre spter wurden.


[_Wharton._] Mit Russell, Somers und Montague war ein
Vierteljahrhundert lang ein vierter Whig eng verbunden, der im
Character mit keinem von ihnen groe Aehnlichkeit hatte. Dies war
Thomas Wharton, der lteste Sohn Philipp's, Lord Wharton. Thomas
Wharton ist im Laufe dieser Erzhlung schon hufig genannt worden; aber
es ist jetzt Zeit ihn ausfhrlicher zu schildern. Er stand in seinem
siebenundvierzigsten Jahre, war aber in Bezug auf Krperconstitution,
Aussehen und Manieren noch ein junger Mann. Selbst Diejenigen, die ihn
am grndlichsten haten -- und Niemand wurde grndlicher gehat --
rumten ein, da seine natrlichen Anlagen vortrefflich und da er zum
Reden wie zum Handeln in gleichem Grade befhigt sei. Sein Rang und
seine Talente machten ihn zu einer so hervorragenden Persnlichkeit,
da wir an ihm den Ursprung und das Fortschreiten einer moralischen
Verderbtheit, die unter seinen Zeitgenossen epidemisch war, deutlich zu
erkennen vermgen.

Er war in den Tagen des Covenants geboren und war der Erbe eines dem
Covenant angehrenden Hauses. Sein Vater war als ein Verbreiter
calvinistischer Schriften und als ein Beschtzer der calvinistischen
Geistlichen bekannt. Seine ersten Knabenjahre brachte er unter Genfer
Kragen, schlichten Haartouren, verdrehten Augen, nselndem
Psalmengesange und dreistndigen Predigten zu. Schauspiele und Gedichte,
Jagd und Tanz waren durch die strenge Hausordnung seiner frommen Familie
verdammt. Die Frchte dieser Erziehung traten zu Tage, als der
heibltige und geistvolle junge Patrizier das dstere Haus seiner
puritanischen Eltern mit dem heiteren und ppigen London der
Restauration vertauschte. Die ausschweifendsten Cavaliere schauderten
ber die Ausschweifung des emancipirten Rigoristen. Er erwarb sich
frhzeitig den Ruf, der grte Wstling in England zu sein und
behauptete diesen Ruf bis an sein Ende. Der Sklave des Weines wurde er
zwar nie und er bediente sich desselben hauptschlich nur zu dem Zwecke,
um sich zum Beherrscher seiner Genossen zu machen. Aber bis an das Ende
seines Lebens waren die Frauen und Tchter seiner nchsten Freunde nicht
sicher vor seinen unzchtigen Plnen. Die Unsittlichkeit seiner
Unterhaltung erregte selbst zur damaligen Zeit Erstaunen. Der Religion
seines Vaterlandes fgte er aus bloem gottlosen Muthwillen
Beleidigungen zu, die zu emprend sind, als da man sie nher bezeichnen
knnte. Seine Lgenhaftigkeit und seine Frechheit wurden sprichwrtlich.
Von allen Lgnern seiner Zeit log er am gewandtesten, am
erfinderischsten und am umstndlichsten. Den Begriff Scham schien er gar
nicht zu kennen. Kein Vorwurf, mochte auch der beiendste Witz ihn
geschrft und gespitzt haben, schien einen Eindruck auf ihn zu machen.
Groe Satyriker, die von bitterem persnlichen Hasse gegen ihn beseelt
waren, erschpften ihre ganze Kraft in Angriffen auf ihn. Sie
berhuften ihn mit heftigen Schmhungen und mit noch heftigeren
Verhhnungen; aber sie berzeugten sich, da weder Schmhungen noch Hohn
ihm mehr als ein ungezwungenes Lcheln oder einen scherzhaften Fluch
entlocken konnten, und sie warfen endlich die Peitschen fort und gaben
zu, da es unmglich sei, ihm Gefhl beizubringen. Da er bei solchen
Fehlern eine groe Rolle im Leben spielen, bei zahlreichen Wahlen durch
seine persnliche Popularitt ber die furchtbarsten Gegner siegen,
einen starken Anhang im Parlamente haben und sich zu den hchsten
Staatsmtern emporschwingen konnte, scheint unbegreiflich. Aber er lebte
zu einer Zeit, wo der Parteigeist fast an Wahnsinn grenzte und er besa
in seltenem Grade die Eigenschaften eines Parteifhrers. Ein einziges
Band gab es, das er achtete. In allen Beziehungen bis auf eine der
falscheste Mensch von der Welt, war er der treueste aller Whigs. Den
religisen Ansichten seiner Familie hatte er schon frhzeitig mit
Verachtung entsagt; den politischen Meinungen seiner Familie aber blieb
er durch alle Versuchungen und Gefahren eines halben Jahrhunderts treu.
In kleinen wie in groen Dingen zeigte sich bestndig seine Hingebung
fr seine Partei. Er besa das schnste Gestt in England und es war
sein grtes Vergngen, Wetten gegen Tories zu gewinnen. Zuweilen, wenn
man in einer entfernten Grafschaft zuversichtlich erwartete, da das
Pferd eines hochkirchlichen Squires das erste auf der Rennbahn sein
werde, kam noch am Vorabend des Rennens Wharton's Carele, der in
Newmarket nur aus Mangel an Mitbewerbern zu rennen aufgehrt, oder
Wharton's Gelding an, fr den Ludwig XIV. vergebens tausend Pistolen
geboten hatte. Ein Mann, dessen bloes Sportvergngen von dieser Art
war, gab wenig Hoffnung, auch in einem ernsten Kampfe leicht geschlagen
zu werden. Einen solchen Meister in der ganzen Kunst der Wahlumtriebe
hatte England noch nie gesehen. Buckinghamshire war seine specielle
Provinz, und dort herrschte er ohne Nebenbuhler. Aber seine Frsorge
erstreckte sich auch auf die whiggistischen Interessen von Yorkshire,
Cumberland, Westmoreland und Wiltshire. Zuweilen waren zwanzig, ja
dreiig Parlamentsmitglieder von ihm ernannt. Als Stimmenwerber war er
unwiderstehlich. Er verga nie ein Gesicht, das er einmal gesehen hatte.
Ja in den Stdten, in denen er seinen Einflu zu befestigen wnschte,
erinnerte er sich nicht allein der Whler, sondern auch ihrer Familien.
Seine Gegner erstaunten ber die Strke seines Gedchtnisses und ber
die Leutseligkeit seines Benehmens und gaben zu, da es unmglich sei
gegen einen vornehmen Mann zu kmpfen, der den Schuhmacher bei seinem
Taufnamen nannte, der gewi war, da des Fleischers Tochter zu einem
schnen Mdchen herangewachsen sei und der sich angelegentlich danach
erkundigte, ob des Hufschmieds jngster Bube Hosen bekommen habe. Durch
derartige Kunstgriffe machte er sich so beliebt, da seine Reisen zu den
Quartalsitzungen von Buckinghamshire kniglichen Lustreisen glichen. In
jedem Dorfe, durch das er kam, wurden die Glocken gelutet und ihm
Blumen gestreut. Man glaubte allgemein, da er im Laufe seines Lebens
auf seine parlamentarischen Interessen nicht weniger als achtzigtausend
Pfund verwendet habe, eine Summe, die nach Verhltni des Werthes des
Grundbesitzes dreimalhunderttausend Pfund in unsrer Zeit gleichkommend
betrachtet werden mu.

Der wichtigste Dienst, den Wharton der Whigpartei leistete, bestand
jedoch im Anwerben von Rekruten aus der jungen Aristokratie. Er war ein
eben so geschickter Stimmenwerber unter den gestickten Rcken im Saint
James-Kaffeehause, wie unter den Schurzfellen zu Wycombe und Aylesbury.
Er warf sein Auge auf jeden jungen Mann von Stande, der majorenn wurde,
und es war fr einen solchen jungen Mann nicht leicht, den Kunstgriffen
eines vornehmen, beredtsamen und reichen Schmeichlers zu widerstehen,
der jugendliche Lebhaftigkeit mit groer Verschlagenheit und
langjhriger Erfahrung in den eleganten Gesellschaftskreisen verband. Es
war gleichgltig, was der Novize vorzog, ob die Galanterie oder die
Sportvergngungen, den Wrfelbecher oder die Flasche; Wharton entdeckte
sehr bald die vorherrschende Leidenschaft, bot Theilnahme, Rath und
Beistand an, und whrend er nur der Diener der Vergngungen seines
Schlers zu sein schien, sicherte er sich die Stimme desselben.

Die Partei, deren Interessen Wharton mit so viel Muth und Bestndigkeit
seine Zeit, sein Vermgen, seine Talente und selbst seine Laster
widmete, beurtheilte ihn, was auch sehr natrlich war, viel zu
nachsichtig. Er war weit und breit unter dem ganz unverdienten Namen des
ehrlichen Tom bekannt. Einige fromme Mnner, zum Beispiel Burnet und
Addison, drckten ein Auge zu ber das Aergerni, das er gab, und
sprachen wenn auch nicht mit Achtung, so doch mit Wohlwollen von ihm.
Ein hchst geistreicher und gebildeter Whig, der dritte Earl von
Shaftesbury, Verfasser der Characteristiken, nannte Wharton den
rthselhaftesten aller Menschen, ein seltsames Gemisch des Besten und
Schlimmsten, privater Sittenlosigkeit und ffentlicher Tugend, und
gestand offen, da er nicht begreifen knne, wie ein in jeder Beziehung,
auer in der Politik, vllig grundsatzloser Mensch in der Politik treu
wie Stahl sein konnte. Doch gerade das was in den Augen der einen Partei
Wharton's Fehler mehr als zur Hlfte ausglich, schien sie in den Augen
der andren Partei smmtlich zu erschweren. Die Meinung, welche die
Tories von ihm hatten, ist in einer einzigen Zeile ausgedrckt, die der
talentvollste Mann dieser Partei nach seinem Tode schrieb: Er war der
universellste Schurke, den ich je kennen gelernt habe.[62] Wharton's
politische Gegner lechzten nach seinem Blute und machten wiederholte
Versuche es zu vergieen. Wre er nicht ein Mann von unerschtterlicher
Kaltbltigkeit, von unerschrockenem Bluthe und von vollendeter
Fertigkeit in Fhrung der Waffen gewesen, so wrde er kein hohes Alter
erreicht haben. Aber weder Zorn noch Gefahr beraubten ihn jemals seiner
Geistesgegenwart; er war ein unvergleichlicher Fechter, und er besa
eine besondere Geschicklichkeit darin, Gegner zu entwaffnen, die alle
Duellanten seiner Zeit beneideten. Seine Freunde sagten, er habe nie
Jemanden zum Zweikampfe herausgefordert, habe nie eine Herausforderung
zurckgewiesen, habe nie einen Gegner getdtet und habe sich doch nie
geschlagen, ohne das Leben seines Gegners in seinen Hnden zu
haben.[63]

Die vier Mnner, welche ich hier geschildert habe, glichen einander so
wenig, da man sich wundern mu, wie sie jemals in Uebereinstimmung mit
einander handeln konnten. Gleichwohl handelten sie viele Jahre lang in
vollkommenster Uebereinstimmung. Sie stiegen mehr als ein Mal und fielen
mehr als ein Mal zusammen. Aber ihre Einigkeit dauerte so lange, bis der
Tod sie lste. So wenig Achtung einige von ihnen verdienten, keinen von
ihnen kann man beschuldigen, da er gegen seine Brder von der Junta
falsch gewesen wre.


[_Hupter der Torypartei._] Whrend die groe Masse der Whigs unter
diesen gewandten Fhrern in einer Ordnung kmpfte, welche der einer
regulren Armee glich, befanden sich die Tories in dem Zustande einer
schlecht eingebten und einer schlecht commandirten Miliz. Sie waren
zahlreich und auch von Eifer beseelt; aber man kann kaum sagen, da sie
damals ein Oberhaupt im Hause der Gemeinen gehabt htten. Der Name
Seymour hatte einst in hohem Ansehen bei ihnen gestanden und er hatte
seinen Einflu noch nicht ganz verloren. Aber seitdem er im Schatzamte
gesessen, hatte er es mit ihnen verdorben, indem er Alles was er frher,
als er noch nicht im Amte war, heftig angegriffen hatte, heftig
vertheidigte. Sie hatten auch einmal auf den Sprecher Trevor ihr
Augenmerk gerichtet, aber seine Habgier, Schamlosigkeit und Feilheit
waren jetzt so notorisch, da alle achtbaren Gentlemen jeder politischen
Farbe sich schmten, ihn auf dem Prsidentenstuhle zu sehen. Von den
alten toryistischen Mitgliedern hatte nur Sir Christoph Musgrave groes
Gewicht. Die wirklichen Fhrer der Partei waren eigentlich zwei oder
drei Mnner, welche in Grundstzen erzogen waren, die dem Toryismus
direct entgegengesetzt waren, Mnner, die den Whiggismus bis an den Rand
des Republikanismus getrieben und die nicht nur fr Niederkirchliche,
sondern fr mehr als halbe Presbyterianer gegolten hatten. Die
ausgezeichnetsten von diesen Mnnern waren zwei angesehene Squires aus
Herefordshire: Robert Harley und Paul Foley.


[_Harley._] Der Raum, den Robert Harley in der Geschichte dreier
Regierungen ausfllt, seine Erhebung, sein Sturz, der Einflu, den er in
einer wichtigen Krisis auf die Politik von ganz Europa ausbte, die
intime Freundschaft, in der er mit einigen der grten Schriftsteller
und Dichter seiner Zeit lebte, und das hufige Vorkommen seines Namens
in den Werken Swift's, Pope's, Arbuthnot's und Prior's mssen ihn
jederzeit zu einer interessanten Persnlichkeit machen. Der Mann selbst
war jedoch der uninteressanteste, den es geben konnte. Es ist in der
That ein merkwrdiger Contrast zwischen den ganz gewhnlichen
Eigenschaften seines Geistes und den ganz auerordentlichen
Wechselfllen seines Lebens.

Er war der Erbe einer puritanischen Familie. Sein Vater, Sir Eduard
Harley, hatte sich unter den Patrioten des Langen Parlaments einen Namen
gemacht, hatte unter Essex ein Regiment commandirt, war nach der
Restauration ein thtiger Widersacher des Hofes gewesen, hatte die
Exclusionsbill untersttzt, hatte dissentirende Prediger beherbergt,
Bethuser besucht und sich bei den herrschenden Gewalten so verhat
gemacht, da er zur Zeit des Aufstandes im Westen verhaftet und sein
Haus nach Waffen durchsucht worden war. Als die hollndische Armee von
Torbay nach London marschirte, erklrten er und sein ltester Sohn
Robert sich fr den Prinzen von Oranien und fr ein freies Parlament,
organisirten einen starken Reitertrupp, nahmen Besitz von Worcester und
bewiesen ihren Eifer gegen den Papismus, indem sie in der High Street
dieser Stadt ffentlich ein Werk der Sculptur zerbrachen, das strengen
Rigoristen gtzendienerisch dnkte. Bald nachdem die Convention in ein
Parlament verwandelt worden war, wurde Robert Harley als Abgeordneter
fr den Wahlbezirk Cornwall nach Westminster geschickt. Sein Verhalten
war so, wie es sich von seiner Geburt und Erziehung erwarten lie. Er
war ein Whig und sogar ein intoleranter und rachschtiger Whig. Nichts
konnte ihn zufriedenstellen als eine allgemeine Proscription der Tories.
Sein Name figurirt in der Liste derjenigen Mitglieder, welche fr die
Sacheverell'sche Klausel stimmten, und bei der allgemeinen Wahl, die im
Frhjahr 1690 stattfand, bot die Partei die er verfolgt hatte, Alles
auf, um ihn nicht ins Haus der Gemeinen zu lassen. Die Harley wurden als
Todfeinde der Kirche bezeichnet, und dies machte einen solchen Eindruck,
da beinahe keiner von ihnen einen Sitz erlangt htte. Dies war der
Anfang der politischen Laufbahn eines Mannes, dessen Name ein
Vierteljahrhundert spter in den Acclamationen jakobitischer Volkshaufen
unzertrennlich mit der Hochkirche verbunden war.[64]

Bald jedoch begann man zu bemerken, da bei jeder Abstimmung Harley mit
denjenigen Gentlemen stimmte, die seine politischen Ansichten
verabscheuten, und dies war nichts Wunderbares, denn er spielte die
Rolle eines Whigs vom alten Schlage, und vor der Revolution dachte man
sich einen Whig immer als einen Mann, der eiferschtig jede Ausbung der
Prrogative bewachte, der die Schnre der ffentlichen Brse nur ungern
lste und der eifrig alle Fehler der Minister der Krone aufstach. Ein
solcher Whig erklrte Harley noch immer zu sein. Er gab nicht zu, da
der neuerliche Wechsel der Dynastie irgend etwas in den Pflichten eines
Volksvertreters gendert habe. Die neue Regierung msse eben so
argwhnisch beobachtet, eben so streng gezgelt und eben so sprlich mit
Geld versehen werden als die alte. Da er nach solchen Grundstzen
wirkte, sah er sich natrlich mit Mnnern zusammenwirken, deren
Grundstze den seinigen direct entgegengesetzt waren. Er legte dem
Knige gern Hindernisse in den Weg; sie legten dem Usurpator gern
Hindernisse in den Weg, und die Folge davon war, da, so oft sich eine
Gelegenheit bot, Wilhelm Hindernisse in den Weg zu legen, der Rundkopf
in Gesellschaft der ganzen Schaar der Cavaliere entweder im Hause blieb
oder in die Vorhalle hinausging.

Bald erwarb sich Harley die Autoritt eines Fhrers unter Denen, mit
denen er trotz groer Meinungsverschiedenheiten gewhnlich stimmte.
Sein Einflu im Parlamente stand eigentlich in gar keinem Verhltni
zu seinen Fhigkeiten. Sein Verstand war sowohl beschrnkt als
schwerfllig. Er war nicht im Stande, eine umfassende Ansicht von einem
Gegenstande zu gewinnen. Nie brachte er es dahin, sich ffentlich mit
Gelufigkeit und Klarheit auszudrcken. Bis ans Ende seines Lebens
blieb er ein langweiliger, unsicherer und verworrener Redner.[65] Auch
besa er keine der ueren Vorzge eines Redners. Seine Gesichtszge
waren unregelmig, seine Gestalt klein und etwas verwachsen, und
seine Geberden plump. Gleichwohl wurde er mit Achtung angehrt, denn
er hatte seinen Geist so wie er war, sorgfltig ausgebildet. Er
hatte in seiner Jugend fleiig studirt und bis an sein Ende liebte
er Bcher und den Umgang mit geistreichen und gebildeten Leuten. Er
strebte sogar selbst nach dem Rufe eines Schngeistes und Dichters und
verwendete zuweilen Stunden, die er viel ntzlicher htte verwenden
knnen, auf die Verfertigung von Versen, abscheulicher als die des
Nachtwchters.[66] Doch verschwendete er seine Zeit nicht immer so
unntz. Er besa die Art von Flei und die Art von Genauigkeit, die ihn
zu einem respectablen Alterthumsforscher oder Wappenkundigen gemacht
haben wrden. Er fand Vergngen daran, alte Acten zu durchstbern,
und damals konnte man sich nur durch das Stbern in alten Acten eine
grndliche und umfassende Kenntni des Parlamentsrechtes erwerben.
Da er in diesem mhsamen und trocknen Studium wenig Rivalen hatte,
so wurde er bald in Bezug auf Form- und Privilegiumsfragen als ein
Orakel betrachtet. Sein moralischer Character trug nicht wenig zur
Vermehrung seines Einflusses bei. Er hatte zwar groe Fehler, aber sie
waren von keiner entehrenden Art. Er war nicht durch Geld zu bestechen.
Sein Privatleben war regelmig, und selbst Satyriker haben ihm kein
unerlaubtes Liebesverhltni vorgeworfen. Das Spiel hate er, und er
soll bei White's Kaffeehause, damals dem Lieblingsaufenthalte der
vornehmen Gauner und Gimpel, nie ohne eine Aeuerung des Unwillens
vorbergegangen sein. Seine Gewohnheit, sich tglich im Claret zu
benebeln, wurde von seinen Zeitgenossen kaum als ein Fehler angesehen.
Seine Kenntnisse, sein Ernst und seine unabhngige Stellung gewannen
ihm das Ohr des Hauses, und gerade sein schlechter Vortrag war
gewissermaen ein Vortheil fr ihn. Denn die Menschen geben sehr
ungern zu, da ein und derselbe Mann ganz verschiedene Vorzge in sich
vereinigen kann. Es ist eine Beruhigung fr den Neid, zu glauben,
was glnzend ist, knne nicht gediegen sein, und was klar ist, knne
nicht tief sein. Nur sehr langsam wurde das Publikum zu der Erkenntni
gebracht, da Mansfeld ein groer Jurist und Burke ein groer Meister
der Staatswissenschaft sei. Montague war ein glnzender Redner, und
daher wurde er, obgleich er sich zehnmal besser als Harley fr die
trockensten Geschftszweige eignete, von seinen Verleumdern als ein
oberflchlicher, geschwtziger, dnkelhafter Mensch dargestellt.
Dagegen schlossen viele Leute aus dem Mangel an uerem Glanze in
Harley's Reden, da viel praktischer Werth in ihm sein msse, und er
wurde fr einen tiefen Denker von grndlicher Belesenheit erklrt,
der zwar kein glnzender Redner, aber besser geeignet sei zur Leitung
von Staatsangelegenheiten als alle glnzenden Redner der Welt. Diesen
Ruf wute er sich lange mit jener Schlauheit zu erhalten, die man
oft mit ehrgeiziger und ruheloser Mittelmigkeit gepaart findet.
Er beobachtete stets, selbst seinen besten Freunden gegenber, ein
mysterises und zurckhaltendes Wesen, das zu verrathen schien, da
er um irgend ein wichtiges Geheimni wisse, und da sein Geist mit
einem groen Plane beschftigt sei. Auf diese Art erwarb er sich und
behauptete er lange den Ruf der Weisheit. Erst als dieser Ruf ihn zum
Earl, zum Ritter des Hosenbandordens, zum Lordschatzmeister von England
und zum Herrn der Geschicke Europa's gemacht hatte, begannen seine
Bewunderer dahinter zu kommen, da er eigentlich ein beschrnkter,
verworrener Kopf war.[67]

Bald nach der allgemeinen Wahl von 1690 begann Harley, der in der Regel
mit den Tories stimmte, selbst ein Tory zu werden. Dieser Wechsel fand
so allmlig statt, da man es kaum bemerkte; aber er war deshalb nicht
minder ein Factum. Er begann sich in Zeiten der toryistischen Doctrin
zuzuwenden, da England sich auf einen Seekrieg beschrnken msse. Er
empfand in Zeiten die chte Toryantipathie gegen die Hollnder und
gegen die Geldmnner. Die Antipathie gegen die Dissenters, welche zur
Vervollstndigung des Characters nothwendig war, kam viel spter.
Endlich war die Umgestaltung vollendet, und der ehemalige
Conventikelbesucher wurde ein intoleranter Hochkirchlicher. Doch bis an
sein Ende zeigten sich dann und wann die Spuren seiner ersten Schule,
und whrend er im Sinne Laud's handelte, schrieb er zuweilen im Style
Lobe Gott Barebones'.[68]


[_Foley._] Von Foley wissen wir verhltnimig wenig. Seine Geschichte
hat bis zu einem gewissen Punkte groe Aehnlichkeit mit der Geschichte
Harley's; aber er stand in Bezug auf Geistesgaben wie auf Charactergre
offenbar hher als Harley. Er war der Sohn Thomas Foley's, eines bisher
unbekannten Mannes von groer Begabung, der mit nichts ins Leben
getreten war, sich aber durch Eisenwerke ein schnes Vermgen erworben
hatte und der wegen seiner makellosen Rechtschaffenheit und seiner
freigebigen Mildthtigkeit bekannt war. Die Foley waren, wie ihre
Nachbarn, die Harley, Whigs und Puritaner. Thomas Foley lebte in intimer
Freundschaft mit Baxter, in dessen Schriften er mit warmem Lobe erwhnt
wird. Die Ansichten und Zuneigungen Paul Foley's waren anfangs die
seiner Familie. Aber er wurde, wie Harley, blo durch die Heftigkeit
seines Whiggismus, ein Bundesgenosse der Tories und wre vielleicht, wie
Harley, noch ganz in einen Tory verwandelt worden, htte nicht der Tod
den Umwandlungsproze unterbrochen. Foley's Anlagen waren vortrefflich
und waren durch eine sorgfltige Erziehung noch mehr ausgebildet worden.
Er war so wohlhabend, da er nicht nthig hatte, die Jurisprudenz als
Broterwerb zu studiren; aber er hatte sie grndlich als Wissenschaft
studirt. Seine Moralitt war tadellos, und der grte Fehler, den man
ihm zum Vorwurf machen konnte, war der, da er zu sehr mit seiner
Unabhngigkeit und Uneigenntzigkeit paradirte und so sehr frchtete,
fr einen Speichellecker gehalten zu werden, da er bestndig murrte.


[_Howe._] Noch ein Convertit mu erwhnt werden. Howe, noch vor Kurzem
der heftigste Whig, war durch den Verlust seines Amtes in einen der
heftigsten Tories verwandelt worden. Der Deserteur brachte der Partei,
zu der er bergegangen war, keinen groen Ruf, keine wirkliche oder
anscheinende Befhigung zu wichtigen Geschften, wohl aber eine
bedeutende parlamentarische Geschicklichkeit niederer Art, viel Galle
und groe Unverschmtheit. Kein Redner der damaligen Zeit scheint in so
reichem Mae sowohl die Gabe als den Hang besessen zu haben, seinen
Gegnern wehe zu thun.

Die Untersttzung dieser Mnner war der Torypartei hchst willkommen;
aber unmglich konnten sie schon jetzt die ganze Autoritt von Fhrern
ber diese Partei ausben. Denn sie nannten sich noch immer Whigs und
rechtfertigten ihre toryistischen Voten durchgehends mit Argumenten, die
sich auf whiggistische Prinzipien grndeten.[69]

Aus dieser Uebersicht des Standes der Parteien im Hause der Gemeinen
geht klar hervor, da Sunderland guten Grund hatte, den Rath zu geben,
da die Verwaltung in die Hnde der Whigs gelegt werde. Der Knig
zgerte jedoch lange, ehe er sich entschlieen konnte, die neutrale
Stellung aufzugeben, die er seit langer Zeit zwischen den streitenden
Parteien einnahm. Wenn die eine dieser Parteien geneigt war, seinen
Rechtstitel zu bestreiten, so war die andre aus Prinzip seiner
Prrogative feindlich gesinnt. Er erinnerte sich noch mit Bitterkeit
des unbilligen und rachschtigen Verfahrens des Conventionsparlaments
zu Ende des Jahres 1689 und zu Anfang des Jahres 1690, und er erschrak
vor dem Gedanken, gnzlich in der Gewalt von Mnnern zu sein, die
sich der Indemnittsbill widersetzt, fr die Sacheverell'sche Klausel
gestimmt, ihn von der Uebernahme des Commandos seiner Armee in Irland
abzubringen versucht und ihn einen undankbaren Tyrannen genannt hatten,
lediglich deshalb, weil er nicht ihr Sklave und Henker sein wollte.
Er hatte einst durch eine khne und unerwartete Anstrengung ihr Joch
abgeschttelt und hatte keine Lust, es wieder auf seinen Nacken zu
laden. Wharton und Russell waren ihm persnlich zuwider. Dagegen
hatte er eine hohe Meinung von Caermarthen's Geschftstchtigkeit,
von Nottingham's Rechtschaffenheit und von Godolphin's Flei und
finanzieller Geschicklichkeit. Nur langsam siegten Sunderland's Grnde,
durch die Gewalt der obwaltenden Verhltnisse untersttzt, ber alle
Einwnde.


[_Zusammentritt des Parlaments._] Am 7. Nov. 1693 trat das Parlament
zusammen und sogleich begann auch der Kampf der Parteien. Wilhelm
stellte vom Throne herab den beiden Husern dringend die Nothwendigkeit
vor, durch eine groe Anstrengung den Fortschritten Frankreich's auf dem
Continent Einhalt zu thun. Whrend des letzten Feldzugs, sagte er, habe
es auf jedem Punkte eine Uebermacht gehabt, und es sei deshalb unmglich
gewesen, mit ihm fertig zu werden. Seine Verbndeten htten versprochen,
ihre Armeen zu verstrken und er hege die vertrauensvolle Ueberzeugung,
da die Gemeinen ihn in den Stand setzen wrden, ein Gleiches zu
thun.[70]


[_Debatten ber die Unflle zur See._] Die Gemeinen zogen in ihrer
nchsten Sitzung die Thronrede des Knigs in Berathung. Den
Hauptgegenstand der Discussion bildete die Zerstrung der Smyrnaflotte.
Das Verlangen nach einer Untersuchung war allgemein, aber es lag auf der
Hand, da die beiden Parteien dieses Verlangen aus sehr verschiedenen
Grnden stellten. Montague sprach die Ansicht der Whigs aus. Er
erklrte, die Unglcksflle vom vergangenen Sommer knnten seiner
Meinung nach ihre Erklrung in der Unwissenheit und Schwche der Mnner
finden, denen die Marineverwaltung bertragen sei. Es msse Verrath
stattgefunden haben. Man knne unmglich annehmen, da Ludwig, als er
sein Brester Geschwader nach der Meerenge von Gibraltar sandte und die
ganze Kste seines Knigreichs von Dnkirchen bis Bayonne ohne Schutz
lie, nur aufs Gerathewohl gehandelt habe. Er msse die feste
Ueberzeugung gehabt haben, da seine Flotte auf eine groe Beute unter
schwacher Bedeckung stoen werde. Wie auf einigen Seiten Verrath
stattgefunden habe, so habe es auf anderen Seiten Unfhigkeit gegeben.
Der Staat werde schlecht bedient. Hierauf hielt der Redner eine warme
Lobrede auf seinen Freund Somers. Mchten doch alle am Staatsruder
stehenden Mnner das Beispiel des Lord Siegelbewahrers nachahmen! Wenn
alle Stellen mit solcher Einsicht und Uneigenntzigkeit besetzt wrden,
wie durch ihn, so wrden wir die Staatsmter nicht von Mnnern bekleidet
sehen, die Gehalte beziehen und nichts dafr thun! Es wurde beantragt
und einstimmig angenommen, da die Gemeinen Ihre Majestten untersttzen
und unverzglich eine Untersuchung der Ursachen des Unglcks in der
Lagosbai anordnen wollten.[71] Die Lords der Admiralitt erhielten die
Weisung, eine groe Masse schriftlicher Beweisstcke vorzulegen. Der
Knig sandte Abschriften von den Resultaten der Nachforschungen ein,
welche der von Marien zur Untersuchung der Beschwerden der mit der
Trkei Handel treibenden Kaufleute ernannte Ausschu des Geheimen Raths
angestellt hatte. Die Kaufleute selbst wurden vorgeladen und vernommen.
Rooke, der noch zu krank war, um stehen und sprechen zu knnen, wurde in
einem Lehnstuhle vor die Schranke gebracht und berreichte hier eine
Darstellung seines Verfahrens. Die Whigs glaubten bald, da
hinreichender Grund zu einem die Marineverwaltung tadelnden Votum
vorliege und beantragten eine Resolution, welche den Verlust der
Smyrnaflotte notorischer und verrtherischer Mifhrung zuschrieb. Da
verkehrte Fhrung stattgefunden hatte, konnte nicht bestritten werden;
da aber falsches Spiel gespielt worden sei, war sicherlich durch nichts
bewiesen. Die Tories schlugen vor, das Wort verrtherisch zu
streichen. Es wurde abgestimmt, und die Whigs siegten mit hundertvierzig
gegen hundertdrei Stimmen. Wharton war Stimmenzhler fr die
Majoritt.[72]

Es war nunmehr entschieden, da Verrath stattgefunden hatte, nicht aber,
wer der Verrther war. Es folgten mehrere heftige Debatten. Die Whigs
bemhten sich, die Schuld auf Killegrew und Delaval zu wlzen, welche
Tories waren; die Tories thaten ihr Mglichstes, um zu beweisen, da die
Schuld an der Proviantverwaltung gelegen habe, die unter der Leitung von
Whigs stand. Aber das Haus der Gemeinen ist stets viel mehr dazu geneigt
gewesen, in allgemeine Ausdrcke gefate Tadelsvoten zu beschlieen, als
einzelne Personen speciell zu brandmarken. Eine Resolution, welche die
Proviantverwaltung freisprach, wurde von Montague beantragt und nach
einer zweitgigen Debatte mit hundertachtundachtzig gegen
hundertzweiundfunfzig Stimmen angenommen.[73] Als aber die siegreiche
Partei einen Antrag auf Schuldigerklrung der Admirale stellte, kamen
die Tories in groer Anzahl vom Lande herein, und es gelang ihnen nach
einer von neun Uhr Morgens bis gegen elf Uhr Abends dauernden Debatte
ihre Freunde zu retten. Die Neins beliefen sich auf hundertsiebzig, die
Jas auf nur hunderteinundsechzig. Einige Tage spter wurde ein neuer
Angriff mit nicht besserem Erfolge gemacht. Die Neins betrugen
hundertfnfundachtzig, die Jas nur hundertfnfundsiebzig. Der
unermdliche und unvershnliche Wharton war beide Male Stimmenzhler fr
die Minoritt.[74]


[_Russell erster Lord der Admiralitt._] Trotz dieser Niederlage war der
Vortheil entschieden auf Seiten der Whigs. Die an der Spitze der
Marineverwaltung stehenden Tories waren zwar der Anklage entgangen, aber
sie waren ihr mit so genauer Noth entgangen, da der Knig sich ihrer
unmglich noch ferner bedienen konnte. Sunderland's Rath behielt die
Oberhand. Es wurde eine neue Admiralittscommission gebildet und Russell
zum ersten Lord ernannt. Das Commando der Kanalflotte besa er bereits.


[_Nottingham's Rcktritt._] Seine Erhebung machte Nottingham's Rcktritt
nothwendig. Denn obgleich es damals nichts Ungewhnliches war, Mnner,
welche persnliche und politische Feinde waren, gleichzeitig hohe Aemter
verwalten zu sehen, so war doch das Verhltni zwischen dem ersten Lord
der Admiralitt und dem Staatssekretr, dessen Leitung das was man jetzt
das Kriegsdepartement nennen wrde, bertragen war, so eigenthmlicher
Art, da der ffentliche Dienst ohne herzliches Zusammenwirken Beider
nicht wohl versehen werden konnte, und ein solches Zusammenwirken war
bei Russell und Nottingham nicht zu erwarten. Ich danke Ihnen, sagte
Wilhelm zu Nottingham, fr Ihre Dienste. Ich habe ber nichts in Ihrem
Verhalten zu klagen und trenne mich nur aus Nothwendigkeit von Ihnen.
Nottingham zog sich mit Wrde zurck. Obwohl ein durchaus
rechtschaffener Mann, verlie er das Amt doch viel reicher als er vor
fnf Jahren in dasselbe eingetreten war. Was damals als die rechtmigen
Emolumente seiner Stelle betrachtet wurde, war sehr bedeutend; berdies
hatte er Kensington House an die Krone verkauft und hatte auch
wahrscheinlich nach damaliger Sitte einige lucrative Schenkungen
erhalten. Er legte alle seine Ersparnisse in Grundeigenthum an. Er habe
erfahren, sagte er, da seine Feinde ihn der Erwerbung von Reichthum
durch unerlaubte Mittel zu beschuldigen gedchten. Er sei jeden
Augenblick bereit, sich einer Untersuchung zu unterwerfen. Er wolle
nicht, wie einige Minister gethan htten, sein Vermgen so anlegen, da
es auer dem Bereiche der Gerechtigkeit seines Vaterlandes stehe, er
wolle keinen geheimen Schatz haben und nichts in auswrtigen Papieren
anlegen. Sein Eigenthum solle ausschlielich solches sein, das leicht
ausfindig gemacht und confiscirt werden knne.[75]


[_Shrewsbury will kein Amt annehmen._] Einige Wochen lang blieben die
von Nottingham abgegebenen Siegel im kniglichen Cabinet. Die
anderweitige Vergebung derselben erwies sich als kein leichtes Ding. Sie
wurden Shrewsbury angeboten, der von allen Whighuptern in der Gunst des
Knigs am hchsten stand; aber er lehnte sie ab und zog sich, um
ferneren Antrgen aus dem Wege zu gehen, aufs Land zurck. Dort erhielt
er bald einen dringenden Brief von Elisabeth Villiers. Diese Dame hatte,
als sie noch ein Mdchen war, Wilhelm eine Leidenschaft eingeflt, die
an dem kleinen Hofe im Haag groes Aergerni erregt und viel Unheil
angerichtet hatte. Sie verdankte ihren Einflu keineswegs persnlichen
Reizen -- denn es bedurfte Kneller's ganzer Geschicklichkeit, damit sie
auf der Leinwand ertrglich aussah -- und eben so wenig den ihrem
Geschlecht eigenen Talenten -- denn sie excellirte nicht in angenehmer
Unterhaltung und ihren Briefen fehlte es auffallend an weiblicher
Leichtigkeit und Eleganz -- sondern vielmehr Geistesgaben, die sie
geeignet machten, an den Sorgen von Staatsmnnern Theil zu nehmen und
ihnen rathend zur Seite zu stehen. Bis ans Ende ihres Lebens fragten sie
groe Politiker um Rath. Selbst Swift, der Schlaueste und Cynischste
unter ihren Zeitgenossen, erklrte sie fr die klgste aller Frauen und
sa mehr als einmal, durch ihre Unterhaltung gefesselt, von zwei Uhr
Nachmittags bis gegen Mitternacht bei ihr.[76] Nach und nach eroberte
sich Marie durch ihre Tugenden und Reize den ersten Platz im Herzen
ihres Gemahls. Aber in schwierigen Fllen wendete er sich noch immer
hufig an Elisabeth Villiers um Rath und Beistand. Sie beschwor jetzt
Shrewsbury, seinen Entschlu nochmals zu berlegen und sich nicht die
Gelegenheit entgehen zu lassen, die Whigs fr immer zu einigen. Wharton
und Russell schrieben in dem nmlichen Sinne. Als Antwort kamen leere
und nichtssagende Entschuldigungen: Ich eigne mich nicht fr das
Hofleben; ich bin einer Stelle nicht gewachsen, die viel Anstrengung
erfordert; ich stimme mit keiner Partei im Staate ganz berein; kurz,
ich tauge nicht fr die Welt. Ich will reisen, ich mchte Spanien kennen
lernen. Dies waren bloe Ausflchte. Htte Shrewsbury die ganze
Wahrheit sagen wollen, so wrde er geschrieben haben, da er in einer
bsen Stunde der Sache der Revolution, bei der er eine so groe Rolle
gespielt, untreu geworden, da er Verpflichtungen eingegangen sei, die
er bereue, von denen er sich aber nicht wieder losmachen knne, und da
er, so lange diese Verpflichtungen auf ihm lasteten, nicht gesonnen sei,
in den Dienst der bestehenden Regierung zu treten. Marlborough,
Godolphin und Russell machten sich allerdings kein Gewissen daraus, mit
dem einen Knige zu correspondiren, whrend sie dem andren dienten.
Shrewsbury aber hatte, was Marlborough, Godolphin und Russell nicht
hatten: ein Gewissen, das ihn zwar nur zu oft nicht abhielt, Unrecht zu
thun, das ihn aber stets strafte.[77]

In Folge seiner Weigerung die Siegel anzunehmen wurden die vom Knige
beabsichtigten ministeriellen Arrangements erst gegen den Schlu der
Session vollstndig geordnet. Inzwischen waren die Verhandlungen der
beiden Huser hchst interessant und wichtig gewesen.


[_Debatten ber den Handel mit Indien._] Bald nach dem Zusammentritt des
Parlaments richtete sich die Aufmerksamkeit der Gemeinen von neuem auf
den Zustand des Handels mit Indien, und die der alten Compagnie so eben
ertheilte Concession wurde ihnen vorgelegt. Sie wrden wahrscheinlich
nicht abgeneigt gewesen sein, das neue Arrangement, das sich eigentlich
nur wenig von dem unterschied, welches sie selbst nicht viele Monate
frher vorgeschlagen hatten, zu besttigen, wenn die Directoren mit
Vorsicht zu Werke gegangen wren. Aber die Directoren hatten von dem
Tage, an welchem sie ihre Concessionsurkunde erhalten, die
Schleichhndler unbarmherzig verfolgt und ganz auer Acht gelassen, da
es etwas Andres war, die Schleichhndler in den stlichen Meeren zu
verfolgen, als sie im Hafen von London zu verfolgen. Bisher war der
Krieg der Monopolisten gegen die Privatkaufleute meist in einer
Entfernung von fnfzehntausend Meilen von England gefhrt worden. Wenn
Gewaltthtigkeiten geschahen, so sahen die Englnder es nicht und hrten
erst davon nachdem sie lange geschehen waren; auch war es keineswegs
leicht, in Westminster zu ermitteln, wer in einem vor mehreren Jahren in
Murschedabad oder Canton entstandenen Streite Recht und wer Unrecht
gehabt hatte. Mit unglaublicher Unbesonnenheit beschlossen die
Directoren gerade in dem Augenblicke wo das Schicksal ihrer Compagnie in
Frage stand, der Bevlkerung dieses Landes eine genaue Einsicht in die
gehssigsten Zge des Monopols zu verschaffen. Einige reiche Londoner
Kaufleute hatten ein schnes Schiff, die Redbridge genannt,
ausgerstet. Es hatte eine starke Bemannung und eine sehr werthvolle
Ladung. Die Papiere waren nach Alicante adressirt, aber man hatte
einigen Grund zu vermuthen, da es nach den Lndern jenseit des Caps der
guten Hoffnung bestimmt sei. In Gemheit eines Befehls, den die
Compagnie, wahrscheinlich durch Vermittelung des Lordprsidenten, vom
Geheimen Rathe erlangt hatte, wurde es von der Admiralitt angehalten.
Jeder Tag, den es in der Themse lag, verursachte den Eigenthmern groe
Kosten. Die Entrstung in der City war gro und allgemein. Die Compagnie
behauptete, da aus der Rechtmigkeit des Monopols die Rechtmigkeit
des Anhaltens nothwendig hervorgehe. Das Publikum kehrte das Argument
um, und da es fest berzeugt war, da das Anhalten unrechtmig sei,
folgerte es daraus, da auch das Monopol unrechtmig sei. Der Streit
hatte seinen Hhepunkt erreicht, als das Parlament zusammentrat.
Petitionen von beiden Seiten wurden sogleich auf den Tisch der Gemeinen
gelegt und beschlossen, da diese Petitionen durch einen Ausschu des
ganzen Hauses in Erwgung gezogen werden sollten. Die erste Frage, an
der die streitenden Parteien ihre Strke versuchten, war die Wahl eines
Prsidenten. Die Feinde der alten Compagnie schlugen Papillon vor, einst
der engste Verbndete und nachher der entschiedenste Gegner Child's, und
sie setzten seine Wahl mit hundertachtunddreiig gegen hundertsechs
Stimmen durch. Der Ausschu schritt nun zu der Untersuchung, auf wessen
Autoritt die Redbridge angehalten worden sei. Einer ihrer Eigenthmer,
Gilbert Heathcote, ein reicher Kaufmann und entschiedener Whig, erschien
als Zeuge an der Schranke. Er wurde gefragt, ob er es wagen knne zu
leugnen, da das Schiff thatschlich fr den indischen Handel befrachtet
worden sei. Es ist meines Wissens keine Snde, antwortete er, nach
Indien Handelsgeschfte zu machen, und ich werde Geschfte dahin machen,
bis ich durch eine Parlamentsacte verhindert werde. Papillon erklrte
in seiner Berichterstattung, da nach der Meinung des Ausschusses das
Anhalten der Redbridge unrechtmig sei. Es wurde hierauf die Frage
gestellt, ob das Haus dem Ausschusse beistimme. Die Freunde der alten
Compagnie wagten eine zweite Abstimmung und wurden mit
hunderteinundfunfzig gegen hundertfnfundzwanzig Stimmen
geschlagen.[78]

Dem Schlage folgte bald ein zweiter. Wenige Tage spter wurde beantragt,
da alle Unterthanen England's gleiches Recht htten nach Ostindien
Handel zu treiben, wenn es ihnen nicht durch eine Parlamentsacte
verboten wrde, und die Freunde der alten Compagnie lieen in der
Ueberzeugung, da sie die Minoritt bildeten, den Antrag ohne Abstimmung
durchgehen.[79]

Dieser denkwrdige Beschlu erledigte die wichtigste der
Verfassungsfragen, welche die Rechtsbill unentschieden gelassen hatte.
Seitdem hat es stets als das richtige Prinzip gegolten, da keine andre
Gewalt als die gesammte Legislatur einer Person oder einer Gesellschaft
ein ausschlieliches Privilegium zum Handel nach irgend einer Weltgegend
verleihen kann.

Die Ansicht der groen Mehrheit des Hauses der Gemeinen war, da der
indische Handel nur vermittelst eines Actienfonds und eines Monopols
vortheilhaft betrieben werden knne. Man htte daher erwarten sollen,
da dem Beschlusse, der das Monopol der alten Compagnie aufhob, ein
Gesetz, das der neuen Compagnie ein Monopol verlieh, auf dem Fue folgen
werde. Es wurde jedoch kein solches Gesetz erlassen. War auch die alte
Compagnie nicht stark genug, ihre eigenen Privilegien zu vertheidigen,
so war sie doch im Stande, mit Hlfe ihrer toryistischen Freunde, die
rivalisirende Gesellschaft zu verhindern, hnliche Privilegien zu
erlangen. Die Folge davon war, da dem Namen nach einige Jahre hindurch
der Handel mit Indien frei war. Thatschlich aber unterlag dieser Handel
noch immer drckenden Beschrnkungen. Es wurde zwar dem
Privatunternehmer nicht schwer gemacht, von England abzusegeln; aber
seine Lage war so gefhrlich als je, wenn er das Cap der guten Hoffnung
hinter sich hatte. Wie streng auch von den ffentlichen Beamten in
London ein Beschlu des Hauses der Gemeinen respectirt wurde, in Bombay
oder Calcutta wurde ein solcher Beschlu weniger geachtet als ein
Privatbrief von Child, und Child fhrte den Kampf noch immer mit
ungeschwchtem Muthe fort. Er lie den Factoreien der Compagnie die
Weisung zukommen, gegen die Unberufenen keine Nachsicht zu ben. Ueber
das Haus der Gemeinen und die Beschlsse desselben uerte er sich mit
der souverainsten Verachtung. Handelt nach meinen Instructionen,
schrieb er, und nicht nach dem Unsinn einiger unwissender
Landgentlemen, die kaum so viel Verstand haben, um ihre Privatgeschfte
befolgen zu knnen, und die von Handelsangelegenheiten gar nichts
verstehen. Wie es scheint, wurde seinen Befehlen Folge geleistet.
Ueberall im Osten lagen sich whrend dieser Periode der Anarchie die
Diener der Compagnie und die unabhngigen Kaufleute in den Haaren,
beschuldigten einander der Piraterie und versuchten durch alle
erdenklichen Kunstgriffe die mongolische Regierung gegen einander zu
erbittern.[80]

Die drei groen Verfassungsfragen des vorigen Jahres wurden in diesem
Jahre von neuem dem Parlamente zur Erwgung vorgelegt. In der ersten
Woche der Session wurde eine Bill zur Regulirung des Prozeverfahrens in
Hochverrathsfllen, eine Dreijhrigkeitsbill und eine Stellenbill auf
den Tisch des Hauses der Gemeinen gelegt.


[_Bill zur Regulirung des Prozeverfahrens in Hochverrathsfllen._]
Keine dieser Bills wurde zum Gesetz erhoben. Die erste ging bei den
Gemeinen durch, wurde aber von den Peers ungnstig aufgenommen. Wilhelm
interessirte sich so sehr fr die Frage, da er nicht mit Krone und
Staatsmantel, sondern in gewhnlicher Civilkleidung in das Haus der
Lords kam und die ganze Debatte ber die zweite Lesung mit anhrte.
Caermarthen sprach von den Gefahren, denen der Staat zur Zeit ausgesetzt
sei, und bat seine Kollegen dringend, in einem solchen Augenblicke nicht
Hochverrthern Straflosigkeit zu gewhren. Er wurde krftig untersttzt
durch zwei ausgezeichnete Redner, welche seit einigen Jahren bei jeder
Frage auf der dem Hofe opponirenden Seite gestanden hatten, die aber in
dieser Session die Geneigtheit an den Tag legten, die Hnde der
Regierung zu krftigen; auch Halifax und Mulgrave, Marlborough,
Rochester und Nottingham sprachen fr die Bill; aber die allgemeine
Ansicht war so augenscheinlich gegen sie, da sie nicht abstimmen zu
lassen wagten. Es ist jedoch wahrscheinlich, da die von Caermarthen
angefhrten Grnde nicht diejenigen waren, die seine Zuhrer
hauptschlich bestimmten. Die Peers waren fest entschlossen, die Bill
nicht ohne eine die Einrichtung des Gerichtshofes des Lord High Steward
abndernde Klausel durchgehen zu lassen; sie wuten, da das Unterhaus
sich eben so fest vorgenommen hatte, eine solche Klausel nicht
anzunehmen, und sie hielten es fr besser, da das was doch endlich
geschehen mute, bald und ohne Streit geschehe.[81]


[_Die Dreijhrigkeitsbill._] Das Schicksal der Dreijhrigkeitsbill
warf alle Berechnungen der bestunterrichteten Politiker der damaligen
Zeit ber den Haufen und darf uns daher mit Recht in Verwunderung
setzen. Whrend der Parlamentsferien war diese Bill in zahlreichen
Flugschriften, grtentheils aus der Feder von Personen, welche fr
die Revolution und fr volksthmliche Regierungsgrundstze eingenommen
waren, als das Eine, was Noth thue, als das Universalheilmittel gegen
die Gebrechen des Staats dargestellt worden. Bei der ersten, zweiten
und dritten Lesung im Hause der Gemeinen fand keine Abstimmung statt.
Die Whigs waren enthusiasmirt. Die Tories schienen sich zu fgen.
Man war der Meinung, da der Knig, obgleich er sich seines Vetos
zu dem Zwecke bedient habe, den Husern Gelegenheit zur nochmaligen
Erwgung des Gegenstandes zu geben, nicht beabsichtige, sich ihren
Wnschen beharrlich zu widersetzen. Seymour aber entri mit einer
durch langjhrige Erfahrung gereiften Schlauheit, nachdem er den
Kampf bis zum letzten Augenblicke verschoben, seinen Gegnern den
Sieg, als sie sich am sichersten glaubten. Als der Sprecher die Bill
mit den Hnden emporhielt und die Frage stellte, ob sie angenommen
werden solle, ergaben sich hundertsechsundvierzig Neins und nur
hundertsechsunddreiig Jas.[82] Einige eifrige Whigs schmeichelten
sich, da ihre Niederlage die Folge einer Ueberrumpelung gewesen sei
und wieder gutgemacht werden knne. Nach drei Tagen brachte daher
Monmouth, der Glhendste und Ruheloseste von der ganzen Partei,
im Oberhause eine Bill ein, die in der Hauptsache ganz mit der
bereinstimmte, welche im Unterhause so glnzend durchgefallen war.
Die Peers nahmen diese Bill rasch an und schickten sie den Gemeinen
zu. Aber bei den Gemeinen fand sie keine Gnade. Viele Mitglieder,
welche erklrten, da sie die Dauer der Parlamente beschrnkt zu
sehen wnschten, verdro die Einmischung des erblichen Zweiges der
Legislatur in eine Angelegenheit, welche ganz speciell den whlbaren
Zweig anging. Der Gegenstand, sagten sie, ist einer, der speciell
uns angehrt; wir haben ihn berathen, wir sind zu einer Entscheidung
darber gekommen und es ist schwerlich parlamentarisch, sicherlich
aber hchst undelikat von Ihren Lordschaften, da sie uns auffordern,
jene Entscheidung umzustoen. Die Frage ist jetzt nicht mehr, ob die
Dauer der Parlamente beschrnkt werden soll, sondern ob wir unser
Urtheil der Autoritt der Peers unterwerfen und auf ihr Gehei etwas
widerrufen sollen, was wir erst vor vierzehn Tagen gethan haben. Die
Erbitterung, mit der man den patrizischen Stand betrachtete, wurde noch
mehr entflammt durch die Kunstgriffe und die Beredtsamkeit Seymour's.
Die Bill enthielt eine Definition der Worte: Ein Parlament abhalten.
Diese Definition wurde mit heftigem Mitrauen analysirt und viele
meinten, mit sehr wenig Grund, sie bezwecke die Erweiterung der ohnehin
schon ungebhrlich ausgedehnten Privilegien des hohen Adels. Aus den
auf uns gekommenen drftigen und dunklen Bruchstcken der Debatten
geht hervor, da sehr herbe Aeuerungen ber das allgemeine politische
sowohl als richterliche Verhalten der Peers fielen. Der alte Titus,
obgleich ein eifriger Frsprecher der dreijhrigen Parlamente, gestand,
da er sich ber den Unmuth, den viele Gentlemen an den Tag legten,
nicht wundern knne. Es ist wahr, sagte er, wir mssen aufgelst
werden, aber ich mu gestehen, es ist ziemlich hart, da die Lords die
Zeit unsrer Auflsung vorschreiben sollen. Der Apostel Paulus wnschte
auch aufgelst zu werden, aber ich zweifle, ob es ihm angenehm gewesen
wre, wenn seine Freunde ihm einen Tag dazu bestimmt htten. Die Bill
wurde mit hundertsiebenundneunzig gegen hundertsiebenundzwanzig Stimmen
verworfen.[83]


[_Die Stellenbill._] Die Stellenbill, die sich sehr wenig von der ein
Jahr frher eingebrachten Stellenbill unterschied, wurde von den
Gemeinen ohne Schwierigkeit angenommen. Die meisten Tories untersttzten
sie warm, und die Whigs wagten es nicht, sich ihr zu widersetzen. Sie
wurde den Lords zugesandt und kam vllig verndert zurck. In ihrer
ursprnglichen Fassung bestimmte sie, das kein nach dem 1. Januar 1694
gewhltes Mitglied des Hauses der Gemeinen eine mit Einkommen verbundene
Stelle im Dienste der Krone annehmen drfe, bei Strafe seines Sitzes
verlustig zu gehen und fortan unfhig zu sein, wieder in dem nmlichen
Parlamente zu sitzen. Die Lords hatten die Worte hinzugesetzt: er mte
denn spter wieder fr das nmliche Parlament gewhlt werden. Diese
Worte, so wenige es auch waren, reichten hin, um der Bill neun Zehntel
ihrer guten sowohl wie schlimmen Wirkung zu entziehen. Es war hchst
wnschenswerth, da die groe Masse der untergeordneten Staatsbeamten
vom Hause der Gemeinen ausgeschlossen blieben. Es war aber durchaus
nicht wnschenswerth, da die Spitzen der groen ausbenden
Verwaltungszweige von diesem Hause ausgeschlossen blieben. In ihrer
vernderten Gestalt lie die Bill das Haus sowohl Denen, welche
zugelassen werden muten, als auch Denen, welche nicht zugelassen
werden durften, offen. Sie gestattete ganz zweckmigerweise
den Staatssekretren und dem Kanzler der Schatzkammer den Zutritt,
aber mit ihnen gestattete sie den Zutritt auch Commissaren von
Weinlicenzen und Commissaren der Marine, Einnehmern, Aufsehern,
Magazinverwaltern, Archivsekretren und Obercontroleuren, Sekretren des
Hofmarschallgerichts und Sekretren der Staatsgarderobe. Die Gemeinen
wuten so wenig was sie wollten, da sie, nachdem sie ein in einer
Beziehung hchst schdliches, in andrer Beziehung hchst wohlthtiges
Gesetz entworfen hatten, vollkommen geneigt waren, es in ein ganz
harmloses Gesetz verwandeln zu lassen. Sie genehmigten das Amendement
und es fehlte nichts mehr als die knigliche Sanction.

Diese Sanction htte gewi nicht versagt werden drfen und wre auch
wahrscheinlich nicht versagt worden, htte Wilhelm gewut, wie
bedeutungslos die Bill jetzt war. Aber er verstand die Sache eben so
wenig wie die Gemeinen selbst. Er wute, da sie eine sehr
nachdrckliche Beschrnkung der kniglichen Gewalt ersonnen zu haben
glaubten, und er war entschlossen, sich keine solche Beschrnkung ohne
Kampf gefallen zu lassen. Der Erfolg, mit dem er bisher den Versuchen
der beiden Huser, seine Prrogative anzutasten, Widerstand geleistet
hatte, ermuthigte ihn. Er hatte sich geweigert, die Bill anzunehmen,
welche sein erbliches Einkommen mit der Besoldung der Richter belastete,
und das Parlament hatte die Gerechtigkeit zu dieser Weigerung
stillschweigend anerkannt. Er hatte sich geweigert, die
Dreijhrigkeitsbill zu genehmigen, und die Gemeinen hatten seitdem durch
Verwerfung zweier Dreijhrigkeitsbills anerkannt, da er wohl daran
gethan habe. Er htte jedoch bedenken sollen, da in jenen beiden Fllen
auf die Ankndigung seiner Weigerung unmittelbar die Ankndigung gefolgt
war, da das Parlament prorogirt sei. In jenen beiden Fllen hatten
daher die Mitglieder bis zur nchsten Sitzung ein halbes Jahr Zeit
gehabt, nachzudenken und sich abzukhlen. Jetzt war es etwas ganz
Andres. Das Hauptgeschft der Session hatte kaum begonnen, es waren noch
Voranschlge zu berathen, es schwebten noch Geldbewilligungsbills, und
wenn die Huser einen Anfall bler Laune bekamen, so konnte das sehr
ernste Folgen haben.

Er beschlo jedoch, es darauf ankommen zu lassen. Ob er hierin dem Rathe
eines Andren folgte, ist nicht bekannt. Sein Entschlu scheint sowohl
die Whighupter als die Toryhupter berrascht zu haben. Als der
Schriftfhrer angekndigt hatte, da der Knig und die Knigin die Bill
bezglich freier und unparteiischer Verhandlungen im Parlamente in
Erwgung ziehen wollten, entfernten sich die Gemeinen von der Schranke
der Lords in einer unwilligen und unlenksamen Stimmung. Sobald der
Sprecher seinen Stuhl wieder eingenommen hatte, erfolgte eine lange und
strmische Debatte. Alle anderen Geschfte wurden aufgeschoben, alle
Ausschsse wurden vertagt. Es wurde beschlossen, da das Haus am andren
Morgen in aller Frhe die Lage der Nation in Erwgung ziehen wolle. Als
der Morgen kam, schien die Aufregung sich nicht vermindert zu haben. Das
Scepter wurde nach Westminsterhall und in den Requetenhof geschickt.
Alle Mitglieder, die aufzutreiben waren, wurden in das Haus gebracht.
Damit keiner sich unbemerkt fortstehlen knnte, wurde die Hinterthr
verschlossen und der Schlssel auf den Tisch gelegt. Alle Fremden muten
sich entfernen. Mit diesen feierlichen Vorbereitungen begann eine
Sitzung, die einige alte Leute an die ersten Sitzungen des Langen
Parlaments erinnerte. Starke Worte wurden von den Feinden der Regierung
ausgesprochen, und ihre Freunde wagten es kaum, ihre Stimme zu erheben,
aus Furcht, da sie beschuldigt werden mchten, die Sache der Gemeinen
England's um der kniglichen Gunst willen im Stiche gelassen zu haben.
Montague allein scheint den Knig vertheidigt zu haben. Lowther,
obgleich ein hoher Staatsbeamter und Mitglied des Cabinets, gestand, da
bse Einflsse thtig seien, und sprach den Wunsch aus, den Souverain
von Rathgebern umgeben zu sehen, denen die Vertreter des Volks Vertrauen
schenken knnten. Harley, Foley und Howe rissen Alles mit sich fort.
Eine Resolution, welche erklrte, da Diejenigen, welche die Krone bei
dieser Gelegenheit berathen htten, Feinde des Staats seien, wurde mit
nur zwei oder drei verneinenden Stimmen angenommen. Nachdem Harley seine
Zuhrer erinnert hatte, da sie eben so gut ihre verneinende Stimme
htten wie der Knig und da, wenn Se. Majestt ihnen Abhlfe
verweigere, sie ihm Geld verweigern knnten, stellte er den Antrag, da
sie, nicht, wie gewhnlich, mit einer unterthnigen Adresse, sondern mit
einer Vorstellung an den Thron gehen sollten. Einige Mitglieder schlugen
vor, das ehrerbietigere Wort Adresse anstatt Vorstellung zu gebrauchen;
aber sie wurden berstimmt und ein Ausschu ernannt, der die Vorstellung
entwerfen sollte.

Die zweite Nacht verging, und als das Haus sich wieder versammelte,
schien der Sturm bedeutend nachgelassen zu haben. Die boshafte Freude
und die hochfliegenden Hoffnungen, welche die Jakobiten whrend der
letzten achtundvierzig Stunden mit ihrer gewohnten Unbesonnenheit
geuert, hatten die Whigs und die gemigten Tories entrstet und
beunruhigt. Viele Mitglieder waren auch durch die Nachricht erschreckt,
da Wilhelm fest entschlossen sei, nicht ohne eine Appellation an die
Nation nachzugeben. Eine solche Appellation htte wohl von Erfolg sein
knnen, denn eine Auflsung des Parlaments, gleichviel aus welchem
Grunde, wre in diesem Augenblicke eine hchst populre Ausbung der
Prrogative gewesen. Die Wahlkrper waren, wie man wohl wute, im
allgemeinen fr die Dreijhrigkeitsbill sehr eingenommen, an der
Stellenbill aber war ihnen verhltnimig wenig gelegen. Viele
toryistische Mitglieder, welche krzlich gegen die Dreijhrigkeitsbill
gestimmt hatten, wnschten daher keineswegs, es auf eine allgemeine Wahl
ankommen zu lassen. Als die von Harley und seinen Freunden entworfene
Vorstellung gelesen wurde, hielt man sie fr zu stark. Nachdem sie an
den Ausschu zurckverwiesen, gekrzt und gemildert worden war, wurde
sie vom ganzen Hause berreicht. Wilhelm's Antwort war artig und
freundlich, aber er sagte nichts zu. Er versicherte den Gemeinen, da er
sich dankbar der Untersttzung erinnere, die er bei vielen Gelegenheiten
von ihnen erhalten habe, da er auf ihren Rath jederzeit hohen Werth
lege, und da er Rathgeber, welche Uneinigkeit zwischen ihm und seinem
Parlamente hervorzurufen versuchten, als seine Feinde betrachte; aber er
uerte kein Wort, welches als ein Anerkenntni, da er einen blen
Gebrauch von seinem Veto gemacht habe, oder als ein Versprechen, da er
nicht wieder Gebrauch davon machen wolle, htte gedeutet werden knnen.

Am folgenden Tage zogen die Gemeinen seine Rede in Erwgung. Harley und
seine Freunde meinten, die Antwort des Knigs sei gar keine Antwort,
drohten, die Stellenbill einer Geldbill anzuhngen und schlugen vor,
eine zweite Vorstellung an den Knig zu richten, worin er dringend
aufgefordert wrde, sich bestimmter zu erklren. Inzwischen aber fand
eine starke Reaction in der Stimmung der Versammlung statt. Die Whigs
hatten sich nicht nur von ihrem Schrecken erholt, sondern sie waren
sogar muthig und kampflustig geworden. Wharton, Russell und Littleton
behaupteten, das Haus knne mit dem was der Knig gesagt habe, zufrieden
sein. Wollen Sie Ihren Feinden eine Gelegenheit geben zu frohlocken?
sagte Littleton. Es giebt ihrer genug, sie belagern unsere eigenen
Thren. Wenn wir durch die Vorhalle gehen, lesen wir in den Zgen und
Geberden jedes Eidverweigerers, an dem wir vorberkommen, Schadenfreude
ber die momentane Klte, die zwischen uns und dem Knige eingetreten
ist. Das sollte uns genug sein. Wir drfen berzeugt sein, da wir recht
stimmen, wenn wir ein Votum abgeben, das die Hoffnungen von Verrthern
zu Schanden macht. Das Haus stimmte ab, Harley war Stimmenzhler auf
der einen Seite, Wharton auf der andren. Nur Achtundachtzig stimmten mit
Harley, Zweihundertneunundzwanzig mit Wharton. Die Whigs waren so
erhoben durch ihren Sieg, da einige von ihnen ein Dankvotum an Wilhelm
fr seine gndige Antwort zu beantragen wnschten; aber sie wurden durch
besonnenere Mnner zurckgehalten. Wir haben schon Zeit genug mit
diesen unerquicklichen Debatten vergeudet, sagte ein Oberhaupt der
Partei. Lassen Sie uns jetzt so bald als mglich zu den Mitteln und
Wegen bergehen. Die beste Form, in die wir unsren Dank einkleiden
knnen, ist die einer Geldbill.

So endete, glcklicher als Wilhelm zu erwarten berechtigt war, einer der
gefhrlichsten Streite, in die er je mit seinem Parlamente verwickelt
worden war. Bei der hollndischen Gesandtschaft war die Zu- und Abnahme
dieses Sturmes mit gespanntem Interesse beobachtet worden, und man
scheint dort der Ansicht gewesen zu sein, da der Knig im Ganzen durch
seine Handlungsweise weder an Macht noch an Popularitt verloren
habe.[84]


[_Bill zur Naturalisirung auslndischer Protestanten._] Eine andre
Frage, die fast ebensoviel Zorn und Unwillen im Parlamente wie im Lande
erregte, wurde um die nmliche Zeit berathen. Am 6. December erhielt ein
whiggistisches Mitglied des Hauses der Gemeinen Erlaubni, eine Bill zur
Naturalisirung auslndischer Protestanten einzubringen. An plausiblen
Grnden zu Gunsten einer solchen Bill fehlte es nicht. Eine Menge
uerst betriebsamer und intelligenter Leute, welche treu unsrem Glauben
anhingen und Todfeinde unserer Todfeinde waren, hatten damals kein
Vaterland. Unter den Hugenotten, welche vor der Tyrannei des
franzsischen Knigs geflohen waren, befanden sich viele Mnner von
hohem Rufe in der Kriegskunst, in der Literatur, in den Knsten und in
den Wissenschaften, und selbst die geringsten Refugis standen in
intellectueller und moralischer Beziehung ber der Durchschnittsstufe
des gemeinen Volks aller Lnder Europa's. Neben den franzsischen
Protestanten, welche durch Ludwig's Edicte ins Exil getrieben worden
waren, gab es jetzt auch deutsche Protestanten, die seine Waffen ins
Exil getrieben hatten. Wien, Berlin, Basel, Hamburg, Amsterdam, London
wimmelten von rechtschaffenen und fleiigen Menschen, die einst
wohlhabende Brger von Heidelberg oder Mannheim gewesen waren oder an
den Ufern des Neckars und des Rheins Wein gebaut hatten. Ein Staatsmann
konnte mit Recht der Meinung sein, da es zugleich edelmthig und
politisch sei, so unglckliche und so achtungswerthe Emigranten nach
England einzuladen und dem englischen Volke einzuverleiben. Ihre
Kenntnisse und ihr Flei muten nothwendig jedes Land bereichern, das
ihnen ein Asyl gewhrte; auch unterlag es keinem Zweifel, da sie ihr
Stiefvaterland gegen den Tyrannen, dessen Grausamkeit sie aus dem Lande
ihrer Geburt getrieben hatte, mannhaft vertheidigen wrden.

Die beiden ersten Lesungen gingen ohne Abstimmung durch. Ueber den
Antrag aber, da die Bill an einen Ausschu verwiesen werden solle,
entspann sich eine Debatte, in der die Gegner der Regierung den
umfassendsten Gebrauch von der Redefreiheit machten. Es sei unntz,
sagten sie, ber die armen Hugenotten und Pflzer zu sprechen. Die
Bill habe offenbar nicht den Zweck, den franzsischen oder deutschen
Protestanten zu Gute zu kommen, sondern nur den Hollndern, die fr
einen Gulden per Kopf Protestanten, Papisten oder Heiden werden und
ohne Zweifel eben so bereit sein wrden, in England die Erklrung gegen
die Transsubstantiation zu unterzeichnen, als in Japan das Kruzifix
mit Fen zu treten. Sie wrden in Massen herberkommen, wrden alle
ffentlichen Aemter fllen, die Zlle erheben und die Bierfsser
aichen. Unsere Schifffahrtsgesetze wrden ihrem Wesen nach aufgehoben
sein, jedes Kauffahrteischiff, das aus der Themse oder dem Severn
ausliefe, wrde mit Seelndern, Hollndern und Frieslndern bemannt
sein. Unseren eigenen Matrosen wrde nur der schwere und gefahrvolle
Dienst auf der kniglichen Flotte bleiben. Denn Hanns wrde, nachdem
er sich durch Uebernahme der Rolle eines Eingeborenen die Taschen
seiner weiten Pumphosen mit unsrem Gelde gefllt habe, sobald ein
Pregang erschiene, die Vorrechte eines Auslnders in Anspruch nehmen.
Die Eingedrungenen wrden bald alle Corporationen beherrschen. Sie
wrden unsere eigenen Aldermen von der Brse verdrngen. Sie wrden die
erblichen Forsten und Schlsser unserer Landgentlemen kaufen. Schon
seufzten wir unter einer der lstigsten Plagen Egypten's. Frsche
htten sich selbst in den kniglichen Gemchern gezeigt. Man knne
nicht nach St. James gehen, ohne das widerliche Gequak der Reptilien
der batavischen Smpfe rings um sich her zu hren, und wenn diese Bill
durchgehe, so wrde das ganze Land von dem ekelhaften Gewrm bald eben
so geplagt sein, wie schon jetzt der Palast.

Der Redner, der sich in dieser Art von Rhetorik erging, war Sir John
Knight, Abgeordneter fr Bristol, ein niedrigdenkender und gehssiger
Jakobit, der, wenn er ein rechtschaffener Mann gewesen wre, ein
Eidverweigerer htte sein mssen. Zwei Jahre vorher, als er Mayor von
Bristol war, hatte er sich ein nicht eben ehrenvolles Rennom erworben,
indem er eine mit dem groen Siegel der Souveraine, denen er zu
wiederholten Malen Treue geschworen, versehene Vollmacht, mit grober
Unehrerbietigkeit behandelt und den Pbel seiner Stadt aufgereizt hatte,
die Richter zu verhhnen und mit Koth zu werfen.[85] Er schlo jetzt
seine heftige Schmhrede mit dem Verlangen, der Stabtrger solle die
Thren ffnen, damit das gehssige Pergament, das nichts Geringeres als
ein Aufgeben des Geburtsrechts der englischen Nation sei, mit
gebhrender Verachtung behandelt werde. Werfen wir zuerst, sagte er,
die Bill aus dem Hause und dann die Fremden aus dem Lande.

Bei der Abstimmung wurde der Antrag, die Bill an einen Ausschu zu
verweisen, mit hundertdreiundsechzig gegen hundertachtundzwanzig Stimmen
angenommen.[86] Aber die Minoritt war eifrig und hartnckig und die
Majoritt begann bald zu schwanken. Night's Rede erschien bald in einer
noch verstrkten Umarbeitung ohne Censurerlaubni im Druck. Viele
tausend Exemplare wurden durch die Post verbreitet oder in den Straen
umhergestreut, und das nationale Vorurtheil war so stark, da nur zu
Viele diese Gemeinheiten mit Beifall und Bewunderung lasen. Als aber ein
Exemplar im Hause vorgelegt wurde, erhob sich ein solcher Sturm des
Unwillens und Abscheues, da selbst der schamlose und heftige Character
des Redners dadurch eingeschchtert wurde. Da er sah, da er in der
grten Gefahr schwebte, ausgestoen und ins Gefngni geschickt zu
werden, suchte er sich zu rechtfertigen und desavouirte jede Kenntni
des Papiers, das sich fr einen Abdruck seiner Rede ausgebe. Er kam
straflos davon. Seine Rede aber wurde fr falsch, verleumderisch und
aufwieglerisch erklrt und im Palasthofe durch den Henker verbrannt.
Die Bill, welche alle diese Ghrung verursacht hatte, wurde
wohlweislich fallen gelassen.[87]


[_Geldbewilligung._] Inzwischen beschftigten sich die Gemeinen mit
finanziellen Fragen von hoher Wichtigkeit. Die Voranschlge fr das Jahr
1694 waren enorm. Der Knig schlug vor, die regulre Armee, die England
zu unterhalten hatte, noch um vier Dragoner-, acht Reiter- und
fnfundzwanzig Infanterieregimenter zu vermehren. Die Gesammtzahl der
Truppen, die Offiziere inbegriffen; wrde dadurch auf ungefhr
vierundneunzigtausend Mann gestiegen sein.[88] Cromwell hatte, whrend
er drei widerspenstige Knigreiche im Schach hielt und nebenbei in
Europa und Amerika einen nachdrcklichen Krieg gegen Spanien fhrte,
niemals zwei Dritttheile der Militrmacht gehabt, die Wilhelm jetzt fr
nthig hielt. Die groe Masse der Tories, mit drei Whighuptern, Harley,
Foley und Howe, an der Spitze, widersetzte sich jeder Vermehrung. Die
groe Masse der Whigs, mit Montague und Wharton an der Spitze, wrde
Alles bewilligt haben was man verlangte. Nach vielen langen
Discussionen und wahrscheinlich auch vielen Abstimmungen im
Geldbewilligungsausschusse erlangte der Knig den grten Theil des
Gewnschten. Das Haus bewilligte ihm vier neue Dragoner-, sechs Reiter-
und fnfzehn Infanterieregimenter. Die somit fr das laufende Jahr
bewilligte Gesammttruppenmacht belief sich auf dreiundachtzigtausend
Mann, die Unterhaltungskosten auf zwei und eine halbe Million,
einschlielich ungefhr zweihunderttausend Pfund fr das
Geschtzwesen.[89]

Die Anschlge fr die Marine wurden viel rascher angenommen, denn Whigs
und Tories stimmten in der Ansicht berein, da das maritime Ansehen
England's um jeden Preis aufrecht erhalten werden msse.
Fnfhunderttausend Pfund wurden zur Bezahlung der schuldigen
Soldrckstnde und zwei Millionen fr den Aufwand des Jahres 1694
bewilligt.[90]


[_Wege und Mittel; Lotterieanlehen._] Die Gemeinen gingen nun zur
Berathung der Mittel und Wege ber. Die Grundsteuer wurde mit vier
Schilling vom Pfunde erneuert, und durch diese einfache aber energische
Maregel wurden etwa zwei Millionen sicher und schnell aufgebracht.[91]
Ferner wurde eine Kopfsteuer ausgeschrieben.[92] Stempelabgaben
gehrten schon lngst zu den fiskalischen Hlfsquellen Holland's und
Frankreich's, und haben auch bei uns whrend eines Theils der Regierung
Karl's II. bestanden; aber man hatte sie eingehen lassen. Sie wurden
jetzt wieder ins Leben gerufen und haben seitdem stets einen groen
Theil des Staatseinkommens gebildet.[93] Die Miethkutschen der
Hauptstadt wurden ebenfalls besteuert und trotz des Widerstandes der
Weiber der Kutscher, die sich um Westminster Hall versammelten und die
Abgeordneten insultirten, unter die Aufsicht von Commissaren
gestellt.[94] Doch ungeachtet aller dieser Auskunftsmittel blieb noch
immer ein starkes Deficit und man mute abermals borgen. Eine neue
Salzsteuer und einige andere Abgaben von geringerer Bedeutung wurden
abgesondert, um einen Fond zu einer Anleihe zu bilden. Unter Garantie
dieses Fonds sollte eine Million durch eine Lotterie aufgebracht werden,
aber durch eine Lotterie, die mit den Lotterien einer spteren Periode
fast nichts als den Namen gemein hatte. Die einzuzahlende Summe wurde in
hunderttausend Antheile zu zehn Pfund getheilt. Die Zinsen jedes
Antheils sollten sechzehn Jahre lang jhrlich zwanzig Schilling, oder
mit anderen Worten zehn Procent betragen. Aber zehn Procent auf sechzehn
Jahre war keine Lockspeise, welche Darleiher anzuziehen versprach. Man
bot daher den Kapitalisten noch einen andren Kder. Auf ein Vierzigstel
der Antheile sollten bedeutend hhere Zinsen bezahlt werden, als auf die
anderen neununddreiig Vierzigstel. Welche von den Antheilen Prmien
erhalten wrden, sollte durch das Loos bestimmt werden. Das Verfahren
beim Ziehen der Loose wurde von einem Abenteurer Namens Neale angegeben,
der, nachdem er zwei Vermgen durchgebracht, froh gewesen war, da er
noch Thrhter des Palastes wurde. Seine Amtspflichten bestanden darin,
die Nummern auszurufen, wenn der Hof Hazard spielte, fr Karten und
Wrfel zu sorgen und jeden Streit zu entscheiden, der auf der Kegelbahn
oder am Spieltische entstand. Er war auerordentlich geschickt in der
Verwaltung dieses nicht eben hohen Postens und hatte durch das
Wrfelspiel so viel Geld gewonnen, da er sich in sehr kostspielige
Spekulationen einlassen konnte und damals im Begriff war, den Boden in
der Umgebung der Seven Dials mit Gebuden zu bedecken. Er war vielleicht
der beste Rathgeber, den man ber die Details einer Lotterie befragen
konnte. Es fehlte jedoch nicht an Personen, die es fast fr unschicklich
hielten, da das Schatzamt sich des Beistandes eines Spielers von
Profession bedienen sollte.[95]

Durch das sogenannte Lotterieanlehen wurde eine Million aufgebracht.
Aber es fehlte noch eine Million, um das veranschlagte Einkommen fr das
Jahr 1694 mit den veranschlagten Ausgaben ins Gleichgewicht zu bringen.
Der geniale und unternehmende Montague hatte einen Plan in Bereitschaft,
zu dessen Annahme er die Gemeinen unter minder drckenden
Finanzverlegenheiten schwerlich bewogen haben wrde, der aber seinem
umfassenden und energischen Geiste wichtigere commercielle und
politische Vortheile zu bieten schien, als die sofortige Erleichterung
der Finanzen.


[_Die Bank von England._] Es gelang ihm nicht nur auf zwlf Monate die
Bedrfnisse des Staats zu decken, sondern auch ein groartiges Institut
ins Leben zu rufen, das noch jetzt, nach Verlauf von mehr als anderthalb
Jahrhunderten, in voller Blthe steht, und das er noch als die Beste der
Whigpartei durch alle Wechselflle und als das Bollwerk der
protestantischen Thronfolge in gefahrvollen Zeiten zu sehen erlebte.

Unter der Regierung Wilhelm's gab es noch alte Leute, die sich der
Zeit erinnern konnten, wo es in der City von London noch kein einziges
Bankierhaus gab. Noch zur Zeit der Restauration hatte jeder Kaufmann
seine eigene Kasse im Hause und wenn ihm ein Wechsel prsentirt wurde,
zhlte er selbst die Kronen und Caroli auf seinen Ladentisch hin.
Aber die Zunahme des Wohlstandes hatte ihre natrliche Folge, die
Theilung der Arbeit, mit sich gefhrt. Noch vor dem Ende der Regierung
Karl'sII. war unter den Kaufleuten der Hauptstadt eine neue Methode
Geld zu bezahlen und zu empfangen, aufgekommen. Es entstand eine
Klasse von Agenten, deren Function darin bestand, das baare Geld der
Handelshuser zu verwahren. Dieser neue Geschftszweig fiel naturgem
in die Hnde der Goldschmiede, welche gewohnt waren, mit den edlen
Metallen groe Geschfte zu machen, und Keller besaen, in denen Massen
gemnzten Geldes vor Feuer und Dieben sicher aufbewahrt werden konnten.
Alle Baarzahlungen wurden in den Lden der Goldschmiede von Lombard
Street abgemacht. Andere Geschftsleute gaben und empfingen nichts als
Papier.

Diese groe Vernderung erfolgte nicht ohne starke Opposition und viel
Geschrei. Die Kaufleute der alten Schule beklagten sich bitter, da eine
Klasse von Mnnern, die sich noch vor dreiig Jahren auf ihr specielles
Gewerbe beschrnkt und schnes Geld verdient hatten, indem sie silberne
Gefe ciselirten, Edelsteine fr die Damen faten und den nach dem
Continent Reisenden Pistolen und Thaler verkauften, die Schatzmeister
der ganzen City geworden und auf dem besten Wege waren, die Beherrscher
derselben zu werden. Diese Wucherer, sagte man, spielten Hazard mit dem,
was Andere durch ihren Flei erworben und mit Sparsamkeit zurckgelegt
htten. Wenn das Glck gut gehe, so wrde der Schurke, der das Geld
aufbewahre, ein Alderman, gehe es schlecht, so mache der Betrogene, der
das Geld hergegeben habe, bankerott. Auf der andren Seite wurden die
Vortheile des neuen Gebrauchs in lebhafter Sprache hervorgehoben. Das
neue System, sagte man, erspare sowohl Arbeit als Geld. Zwei Commis in
einem Comtoir knnten soviel verrichten, als unter dem alten System
zwanzig Commis in zwanzig verschiedenen Geschften htten verrichten
mssen. Die Note eines Goldschmieds knne an einem Vormittage durch zehn
verschiedene Hnde gehen, und so knnten hundert Guineen, in seiner
Geldkasse, ebensoviel thun, als frher tausend Guineen, in einer Menge
verschiedener Kassen, einige auf Ludgate Hill, andere in Austin Friars,
noch andere in Tower Street, gethan hatten.[96]

Allmlig gaben selbst Diejenigen nach und fgten sich in den
herrschenden Gebrauch, die am lautesten gegen die Neuerung gemurrt
hatten. Der Letzte, welcher aushielt, war merkwrdigerweise Sir Dudley
North. Als er 1680, nachdem er sich viele Jahre im Auslande aufgehalten,
nach London zurckkehrte, erregte der Gebrauch, durch Anweisungen auf
Bankiers Zahlungen zu leisten, sein groes Erstaunen und Mifallen. Er
fand, da er nicht zur Brse gehen konnte, ohne durch den Sulengang von
Goldschmieden verfolgt zu werden, welche unter tiefen Verbeugungen um
die Ehre baten ihm zu dienen. Er fuhr heftig auf, als seine Freunde ihn
fragten, wo er sein Geld aufbewahre. Wo anders als in meinem Hause?
entgegnete er. Nur mit Mhe war er zu bewegen, sein Geld den Hnden
eines der Lombardstreetmnner, wie sie genannt wurden, anzuvertrauen.
Zum Unglck machte der Lombardstreetmann bankerott, und einige seiner
Geschftsfreunde litten schwer darunter. Dudley North verlor zwar nur
fnfzig Pfund; aber dieser Verlust bestrkte ihn in seinem Widerwillen
gegen das ganze Bankmysterium. Doch vergebens ermahnte er seine
Mitbrger, zu der guten alten Sitte zurckzukehren und sich nicht, um
ein klein wenig Arbeit zu ersparen, der Gefahr gnzlichen Ruins
auszusetzen. Er stand allein der ganzen Brgerschaft gegenber.

Die Vortheile des neuen Systems machten sich in allen Theilen London's
zu jeder Stunde jedes Tages fhlbar, und die Leute waren ebensowenig
geneigt, sich dieser Vortheile aus Furcht vor selten eintretenden
Verlusten zu entschlagen, als das Bauen von Husern aus Furcht vor
Feuer, oder das Bauen von Schiffen aus Furcht vor Strmen zu
unterlassen. Es ist ein interessantes Factum, da ein Mann, der sich als
Theoretiker von allen Kaufleuten seiner Zeit durch seinen umfassenden
Blick und durch seine Erhabenheit ber gemeine Vorurtheile auszeichnete,
in der Praxis sich von allen Kaufleuten seiner Zeit durch die Zhigkeit
unterschied, mit der er an einem veralteten Geschftsmodus hing, nachdem
schon lngst die einfltigsten und unwissendsten Krmer diesen Modus mit
einem andren vertauscht hatten, der einer groen handeltreibenden
Gesellschaft bei weitem angemessener war.[97]

Kaum war das Bankiergeschft ein abgesonderter und wichtiger
Handelszweig geworden, so begann man eifrig die Frage zu verhandeln, ob
es nicht zweckmig sein wrde, eine Nationalbank zu errichten. Die
allgemeine Meinung scheint einer Nationalbank entschieden gnstig
gewesen zu sein, und wir drfen uns darber nicht wundern, denn nur
Wenige wuten damals, da der Handel im allgemeinen von Einzelnen viel
vortheilhafter betrieben werden kann, als von groen Gesellschaften, und
das Bankgeschft ist in der That einer von den wenigen Handelszweigen,
welche durch groe Handelsgesellschaften fast ebenso vortheilhaft
betrieben werden knnen. Zwei ffentliche Banken waren schon seit langer
Zeit in ganz Europa berhmt, die St. Georgsbank in Genua und die Bank
von Amsterdam. Die ungeheuren Schtze, welche diese Etablissements in
Verwahrung hatten, das Vertrauen, welches sie genossen, der Wohlstand,
den sie erzeugt, ihre durch panische Schrecken, durch Kriege, durch
Revolutionen geprfte, gegen dies Alles bewhrt erfundene Stabilitt,
waren Lieblingsthemata. Die St. Georgsbank bestand bereits nahe an drei
Jahrhunderte. Sie hatte schon Depositen anzunehmen und Darlehen zu
machen begonnen, ehe Columbus ber den atlantischen Ocean fuhr, ehe Gama
das Cap umschiffte, als ein christlicher Kaiser in Constantinopel
regierte, als ein muhamedanischer Sultan in Granada herrschte, als
Florenz eine Republik war, als Holland einem erblichen Frsten
gehorchte. Dies Alles war jetzt verndert. Neue Continente und neue
Oceane waren entdeckt worden. Der Trke war in Constantinopel, der
Castilianer in Granada; Florenz hatte seine erblichen Frsten, Holland
war eine Republik und noch immer nahm die St, Georgsbank Depositen an
und machte Darlehen. Die Bank von Amsterdam war noch nicht viel ber
achtzig Jahre alt, aber auch ihre Solvenz hatte schon schwere Proben
bestanden. Selbst in der furchtbaren Krisis von 1672, als das ganze
Rheindelta von den franzsischen Armeen berschwemmt war, als man vom
Dache des Stadthauses die weien Fahnen sehen konnte, gab es einen Ort,
wo inmitten der allgemeinen Bestrzung und Verwirrung noch immer Ruhe
und Ordnung herrschten, und dieser Ort war die Bank. Warum sollte die
Bank von London nicht eben so gro und eben so dauerhaft werden wie die
Banken von Genua und Amsterdam? Gegen das Ende der Regierung Karl'sII.
wurden verschiedene Plne vorgeschlagen, geprft, angegriffen und
vertheidigt. Einige Tagesschriftsteller behaupteten, eine Nationalbank
msse unter der Leitung des Knigs stehen. Andere meinten, die Leitung
msse dem Lordmayor, den Aldermen und dem Gemeinderath der Hauptstadt
bertragen werden.[98] Nach der Revolution wurde der Gegenstand mit
einer vorher nicht gekannten Lebhaftigkeit discutirt, denn unter dem
Einflusse der Freiheit hatte sich das Geschlecht der politischen
Projectenmacher ungeheuer vermehrt. Die Regierung wurde mit einer Masse
von Plnen berfluthet, welche zum Theil Trumen eines Kindes oder eines
Fieberkranken glichen.

Eine besonders hervorragende Rolle unter den politischen Quacksalbern,
deren geschftige Gesichter man tglich in der Vorhalle der
Gemeinen sah, spielten Johann Briscoe und Hugo Chamberlayne, zwei
Projectenmacher, welche wrdig gewesen wren Mitglieder der Akademie zu
sein, die Gulliver in Lagado grndete. Diese beiden Mnner behaupteten,
da das einzige Heilmittel fr jede Krankheit des Staates eine Landbank
sei. Eine Landbank werde fr England grere Wunder bewirken, als sie
je fr Israel gethan worden seien, Wunder, welche die Wachtelschwrme
und den tglichen Mannaregen noch bertreffen wrden. Es wrde keine
Steuern geben, und doch wrde der Staatsschatz bis zum Ueberlaufen voll
sein. Man wrde keine Armentaxen brauchen, denn es wrde keine Armen
geben. Das Einkommen jedes Grundbesitzers wrde sich verdoppeln, der
Gewinn jedes Kaufmanns wrde sich vermehren. Kurz, die Insel wrde, um
mich Briscoe's Ausdrucks zu bedienen, das Paradies der Welt werden. Die
einzigen Verlierenden wrden die Geldmnner sein, diese schlimmsten
Feinde der Nation, welche der Gentry und den Freisassen mehr Schaden
gethan htten als ein Invasionsheer aus Frankreich je htte anrichten
knnen[99].

Diese segensreichen Folgen sollte die Landbank einfach dadurch
herbeifhren, da sie ungeheure Massen von Noten auf Grundhypothek
ausgab. Die Theorie der Projectenmacher war, da Jedermann, der
Grundeigenthum besa, auerdem auch Papiergeld zum vollen Werthbetrage
seines Grundeigenthums haben sollte. Wenn also sein Gut zweitausend
Pfund werth war, so sollte er dieses Gut und zweitausend Pfund in
Papiergeld haben[100]. Sowohl Briscoe als Chamberlayne behandelten die
Ansicht, da eine Zuvielausgabe von Papiergeld eintreten knne, so lange
es noch fr jede Zehnpfundnote ein Stck Land im Werthe von zehn Pfund
gebe, mit der grten Verachtung. Niemand, sagten sie, werde einen
Goldschmied beschuldigen, zuviel Papier ausgegeben zu haben, so lange
seine Keller Guineen und Kronen zum vollen Werthe aller seine
Unterschrift tragenden Noten enthielten. Es sei aber Thatsache, da kein
Goldschmied in seinen Kellern Guineen und Kronen zum vollen Betrage
aller seiner Noten habe. Und habe nicht eine Quadratmeile fruchtbaren
Bodens in Taunton Dean mindestens eben so viel Recht, Vermgen genannt
zu werden, wie ein Beutel voll Gold oder Silber? Die Projectenmacher
konnten nicht leugnen, da viele Leute ein Vorurtheil zu Gunsten der
edlen Metalle hatten und da daher die Landbank, wenn sie verpflichtet
wre, ihre Noten einzulsen, sehr bald ihre Zahlungen wrde einstellen
mssen. Diese Schwierigkeit umgingen sie durch den Vorschlag, da die
Noten nicht ausgewechselt werden und da Jedermann gezwungen sein
sollte, sie zu nehmen.

Die Theorien Chamberlayne's ber das Circulationsmittel knnen
vielleicht noch in unsrer Zeit Bewunderer finden. Aber er fgte seinen
brigen Irrthmern einen Irrthum hinzu, der mit ihm begann und endete.
Er war so thricht, in allen seinen Raisonnements als gewi anzunehmen,
da der Werth eines Gutes sich genau im Verhltni zu seiner Dauer
verndere. Er behauptete, da, wenn der jhrliche Ertrag eines Gutes
sich auf tausend Pfund belaufe, eine Abtretung dieses Gutes auf zwanzig
Jahre zwanzigtausend Pfund und eine Abtretung auf hundert Jahre
hunderttausend Pfund werth sein msse. Wenn daher der Besitzer eines
solchen Gutes es der Landbank auf hundert Jahre verpfndete, so knne
die Landbank auf diese Sicherheit sofort fr hunderttausend Pfund Noten
ausgeben. Von dieser Ansicht war Chamberlayne weder durch Spott, noch
durch Argumentation, noch durch arithmetische Beweise abzubringen. Man
erinnerte ihn, da der unbeschrnkte Besitz von Grundeigenthum nicht
mehr werth sei als das Zwanzigfache seines Ertrags. Wenn man daher sage,
ein hundertjhriger Besitz sei fnfmal soviel werth als ein
zwanzigjhriger, so knne man eben so gut sagen, ein hundertjhriger
Besitz sei fnfmal soviel werth als ein unbeschrnkter Besitz, mit
anderen Worten hundert sei gleich fnfmal das Unendliche. Die, welche so
raisonnirten, schlug man damit, da man ihnen sagte, sie seien Wucherer,
und es scheint, als ob eine groe Anzahl Landgentlemen die Widerlegung
fr vollstndig gehalten htte.[101]

Im December 1693 legte Chamberlayne seinen Plan in seiner ganzen nackten
Ungereimtheit den Gemeinen vor und bat um Gehr. Er machte sich mit
Zuversichtlichkeit anheischig, auf jedes Freigut von hundertfunfzig
Pfund jhrlichem Rentenwerthe, das, wie er sich ausdrckte, in seine
Landbank eingeschrieben wrde, achttausend Pfund aufzubringen, und dies
ohne den Eigenthmer des Besitzes zu berauben.[102] Alle im Hause
anwesenden Squires mssen gewut haben, da fr den unbeschrnkten
Besitz eines solchen Gutes bei freiem Verkauf kaum dreitausend Pfund zu
erlangen gewesen wren. Man sollte denken, da es dem ungebildetsten
Fuchsjger, der auf den Bnken zu finden war, htte unglaublich
erscheinen sollen, da man fr weniger als den unbeschrnkten Besitz
eines solchen Gutes auf irgend einem Wege achttausend Pfund erlangen
knne. Aber Noth und Ha hatten die grundbesitzenden Gentlemen
leichtglubig gemacht. Sie bestanden darauf, da Chamberlayne's Plan
einem Ausschusse berwiesen werden solle, und der Ausschu erklrte den
Plan fr ausfhrbar und nutzbringend fr die Nation.[103] Indessen
hatte die vereinte Kraft der Beweisfhrung und des Spottes doch selbst
auf die unwissendsten Landleute im Hause einigen Eindruck zu machen
begonnen. Der Bericht lag unbeachtet auf dem Tische und das Land blieb
vor einem Unglcke bewahrt, im Vergleich zu dem die Niederlage von
Landen und der Verlust der Smyrnaflotte Segnungen gewesen sein wrden.

Nicht alle Projectenmacher jener geschftigen Zeit waren jedoch so
albern wie Chamberlayne. Einer von ihnen, Wilhelm Paterson, war ein
genialer, wenn auch nicht immer das Richtige treffender Denker. Von
seinem frheren Leben wei man nicht viel mehr als da er ein Schotte
von Geburt und da er in Westindien gewesen war. In welcher Eigenschaft
er Westindien besucht hatte, war eine Frage, ber welche seine
Zeitgenossen verschiedener Meinung waren. Seine Freunde sagten, er sei
als Missionr hingegangen, seine Feinde, er sei Bukanier gewesen. Er
scheint von der Natur mit einer fruchtbaren Erfindungsgabe, einem
heibltigen Temperament und groer Ueberredungskunst bedacht gewesen zu
sein und sich irgendwo in seinem Nomadenleben eine genaue Kenntni des
Rechnungswesens erworben zu haben.

Dieser Mann legte der Regierung im Jahre 1691 den Plan zu einer
Nationalbank vor, und dieser Plan wurde sowohl von Staatsmnnern als von
Kaufleuten gnstig aufgenommen. Aber es vergingen Jahre, ohne da etwas
geschah, bis sich endlich im Frhjahr 1694 die absolute Nothwendigkeit
herausstellte, ein neues Mittel zur Bestreitung der Kriegskosten
ausfindig zu machen. Da endlich wurde der von dem armen und obscuren
schottischen Abenteurer ersonnene Plan von Montague wieder ernstlich
aufgenommen. Mit Montague nahe verwandt war Michael Godfrey, der Bruder
des Sir Edmondsbury Godfrey, dessen trauriges und geheimnivolles Ende
funfzehn Jahre frher einen furchtbaren Wuthausbruch des Volks veranlat
hatte. Michael war einer der geschicktesten, rechtschaffensten und
reichsten Handelsfrsten London's. Er war, wie es sich schon nach seiner
nahen Verwandtschaft mit dem Mrtyrer des protestantischen Glaubens
erwarten lie, ein eifriger Whig. Einige seiner Schriften sind noch
vorhanden und beweisen, da er einen scharfen und hellen Verstand besa.

Diese beiden ausgezeichneten Mnner nahmen sich des Paterson'schen
Planes an. Montague bernahm es, das Haus der Gemeinen, Godfrey, die
City zu bearbeiten. Es wurde vom Ausschusse fr die Mittel und Wege ein
Beifallsvotum erlangt und eine Bill auf den Tisch gelegt, deren Titel
Veranlassung zu vielen Sarkasmen gab. Es war allerdings nicht leicht zu
errathen, da eine Bill, welche lediglich dahin lautete, eine neue
Abgabe auf den Tonnengehalt der Schiffe zum Nutzen Derer zu legen,
welche Geld zur Fortfhrung des Kriegs vorstreckten, thatschlich eine
Bill war, welche das grte commercielle Institut ins Leben rief, das
die Welt je gesehen hat.

Der Plan war, da die Regierung zwlfhunderttausend Pfund zu dem damals
fr mig geltenden Zinsfue von acht Procent aufnehmen solle. Um die
Kapitalisten zu bewegen, das Geld unter fr den Staat so vortheilhaften
Bedingungen rasch vorzustrecken, sollten die Unterzeichner unter dem
Namen +Governor and Company of the Bank of England+ Corporationsrecht
erhalten. Die Corporation sollte kein ausschlieliches Privilegium haben
und sollte keine anderen Geschfte machen drfen als mit Wechseln, Gold-
und Silberbarren und verfallenen Pfndern.

Sobald der Plan allgemein bekannt wurde, brach ein eben so heftiger
Federkrieg aus als der zwischen den Schwrenden und Nichtschwrenden,
oder der zwischen der alten Ostindischen Compagnie und der neuen
Ostindischen Compagnie. Die Projectenmacher, denen es nicht gelungen
war, bei der Regierung Gehr zu finden, fielen wie Rasende ber ihren
glcklicheren Collegen her. Smmtliche Goldschmiede und Pfandleiher
erhoben ein wahres Wuthgeheul. Einige mivergngte Tories prophezeiten
der Monarchie den Untergang. Es sei merkwrdig, sagten sie, da Banken
und Regierungen niemals neben einander htten bestehen knnen. Die
Banken seien republikanische Institute. Es gebe blhende Banken in
Venedig, in Genua, in Amsterdam und in Hamburg. Aber wer habe je von
einer Bank von Frankreich oder Spanien gehrt?[104] Einige mivergngte
Whigs prophezeiten dagegen unseren Freiheiten den Untergang. Es ist
dies, sagten sie, ein furchtbareres Werkzeug der Tyrannei als die Hohe
Commission, die Sternkammer, als selbst die funfzigtausend Soldaten
Oliver's. Der ganze Reichthum der Nation wird in den Hnden der
Tonnengeldbank -- dies war der damals gebruchliche Spottname -- sein.
Die Verfgung ber das Nationalvermgen, die einzige groe Sicherheit
fr alle Rechte der Englnder, wird vom Hause der Gemeinen auf den
Gouverneur und die Directoren der neuen Compagnie bergehen. Diese
letzte Betrachtung war in der That von einigem Gewicht, was auch die
Urheber der Bill zugaben. Es wurde daher die sehr zweckmige Klausel
aufgenommen, welche der Bank verbot, der Krone ohne Ermchtigung von
Seiten des Parlaments Geld vorzustrecken. Jede Uebertretung dieser
heilsamen Bestimmung sollte mit dem Verluste des dreifachen Betrags der
vorgestreckten Summe bestraft werden, und der Knig sollte nicht befugt
sein, den geringsten Theil dieser Strafe zu erlassen.

In der abgenderten Gestalt erhielt der Plan die Sanction der Gemeinen
leichter als man nach der Heftigkeit des dagegen erhobenen Geschreis
htte erwarten sollen. Das Parlament stand allerdings unter dem Drange
der Nothwendigkeit. Geld mute man haben, und es war auf keinem andren
Wege so leicht zu beschaffen. Was im Hause vorging, als es sich zu einem
Ausschusse erklrt hatte, ist nicht mehr zu ermitteln; so lange aber der
Sprecher auf seinem Stuhle war, fand keine Abstimmung statt.

Die Bill war indessen nicht auer Gefahr, als sie ins Oberhaus gekommen
war. Einige Lords argwhnten, der Plan einer Nationalbank sei zu dem
Zwecke ersonnen worden, um das Ansehen des Geldes auf Kosten des
Ansehens des Grundbesitzes zu heben. Andere meinten, dieser Plan, mochte
er nun gut oder schlecht sein, htte ihnen nicht in einer solchen Form
vorgelegt werden sollen. Ob es gerathen sei, eine Corporation ins Leben
zu rufen, die mit der Zeit die ganze Handelswelt beherrschen knne, und
wie eine solche Corporation eingerichtet werden msse, das seien Fragen,
die ein einzelner Zweig der Legislatur nicht entscheiden drfe. Es
msse den Peers vollkommen frei stehen, alle Details des vorgelegten
Planes zu prfen, Abnderungen vorzuschlagen und Conferenzen zu
verlangen. Es sei daher hchst unbillig, da ihnen das die Bank
errichtende Gesetz als Theil eines Gesetzes zugesandt worden sei,
welches der Krone Geld bewillige. Die Jakobiten hatten einige Hoffnung,
da die Session mit einem Streite zwischen den beiden Husern enden, da
die Tonnengeldbill scheitern und da Wilhelm den Feldzug ohne Geld
beginnen werde. Es war nach dem neuen Style bereits Mai. Die Stadtsaison
war vorber und viele vornehme Familien hatten Conventgarden und Soho
Square schon mit ihren Wldern und Wiesen vertauscht. Doch es wurden
Aufforderungen erlassen und es erfolgte ein starkes Zurckstrmen nach
der Stadt. Die vor Kurzem verdeten Bnke waren gedrngt voll. Die
Sitzungen begannen zu einer ungewhnlich frhen und dauerten bis zu
einer ungewhnlich spten Stunde. An dem Tage, an welchem die Bill einem
Ausschusse berwiesen wurde, whrte der Kampf ohne Unterbrechung von
neun Uhr Morgens bis sechs Uhr Abends. Godolphin prsidirte. Nottingham
und Rochester schlugen vor, alle auf die Bank Bezug habenden Klauseln zu
streichen. Es wurde Einiges ber die Gefahr gesagt, eine gigantische
Corporation zu errichten, welche bald dem Knige und den drei Stnden
des Reichs Gesetze geben werde. Den meisten Eindruck aber scheint auf
die Peers die in ihrer Eigenschaft als Grundbesitzer an sie gerichtete
Apellation gemacht zu haben. Der ganze Plan, ward gesagt, sei nur darauf
abgesehen, die Wucherer auf Kosten des Adels und der Gentry zu
bereichern. Wer Geld erspart habe, werde es lieber in die Bank legen,
als es gegen mige Zinsen auf Hypothek ausleihen. Caermarthen sagte
wenig oder nichts zur Vertheidigung des Planes, der allerdings das Werk
seiner Nebenbuhler und Feinde war. Er gab zu, da sich gegen die Art und
Weise, wie die Gemeinen fr die ffentlichen Bedrfnisse des Jahres
gesorgt htten, ernste Einwendungen machen lieen. Aber knnten Ihre
Lordschaften eine Geldbill amendiren? Knnten sie sich in einen Kampf
einlassen, welcher darauf hinauslaufen msse, da sie entweder nachgeben
oder die schwere Verantwortlichkeit auf sich laden mten, den Kanal
whrend des Sommers ohne eine Flotte zu lassen? Dieses Argument schlug
durch und bei der Abstimmung wurde das Amendement mit dreiundvierzig
gegen einunddreiig Stimmen verworfen. Einige Stunden darauf erhielt die
Bill die knigliche Genehmigung und das Parlament wurde prorogirt.[105]

In der City war der Erfolg von Montague's Plan vollstndig. Es hielt
damals mindestens eben so schwer, eine Million zu acht Procent
aufzubringen, als es gegenwrtig sein wrde, dreiig Millionen zu vier
Procent aufzubringen. Man hatte geglaubt, da die Einzahlungen sehr
langsam erfolgen wrden, und die Acte bewilligte daher einen
betrchtlichen Zeitraum dazu. Es bedurfte jedoch dieser Zeit nicht. Die
neue Kapitalanlage war schon so populr, da an dem Tage der Erffnung
der Bcher dreihunderttausend Pfund gezeichnet wurden; weitere
dreihunderttausend Pfund wurden whrend der nchsten achtundvierzig
Stunden gezeichnet, und in zehn Tagen wurde zur groen Freude aller
Freunde der Regierung angezeigt, da die Liste voll sei. Die ganze
Summe, welche die Corporation dem Staate zu leihen verpflichtet war,
wurde in die Schatzkammer eingezahlt, noch ehe die erste Rate fllig
war.[106] Somers drckte freudig das groe Siegel unter eine in
Uebereinstimmung mit den vom Parlamente vorgeschriebenen Bedingungen
entworfene Concessionsurkunde, und die Bank von England begann im Hause
der Kramerinnung ihre Operationen. Hier konnte man viele Jahre lang
Directoren, Sekretre und Commis in verschiedenen Theilen eines
gerumigen Saales arbeiten sehen. Das bei der Bank angestellte Personal
betrug anfangs nur vierundfunfzig Kpfe. Jetzt sind es ihrer
neunhundert. Die Summe, welche jhrlich fr Gehalte ausgegeben wurde,
belief sich zuerst auf viertausenddreihundertfunfzig Pfund. Gegenwrtig
bersteigt sie zweihundertzehntausend Pfund. Wir drfen daraus wohl
unbedenklich schlieen, da das Einkommen der Handlungscommis unter der
Regierung Victoria's im Durchschnitt ungefhr dreimal so hoch ist als es
unter der Regierung Wilhelm's III. war.[107]

Es zeigte sich bald, da Montague, indem er die finanziellen
Verlegenheiten des Landes geschickt benutzte, seiner Partei einen
unschtzbaren Dienst leistete. Mehrere Generationen hindurch war die
Bank von England ein specifisch whiggistisches Institut. Sie war nicht
durch Zufall, sondern aus Nothwendigkeit whiggistisch. Sie htte
augenblicklich ihre Zahlungen einstellen mssen, wenn sie die Zinsen fr
die Summe, die sie der Regierung geliehen, nicht mehr bezahlt bekommen
htte, und Jakob wrde von diesen Zinsen keinen Farthing bezahlt haben.
Siebzehn Jahre nach Annahme der Tonnengeldbill schilderte Addison in
einer seiner geistreichsten und reizendsten kleinen Allegorien die Lage
der groen Compagnie, durch welche der ungeheure Reichthum London's
bestndig circulirte. Er sah den ffentlichen Credit auf einem Throne,
in der Kramerhalle, die Groe Charte ber seinem Haupte, die
Thronfolgeacte vor sich. Seine Berhrung verwandelte Alles in Gold.
Hinter seinem Sitze waren volle Geldscke bis zur Decke aufgehuft. Zu
beiden Seiten war der Boden mit Pyramiden von Guineen bedeckt. Pltzlich
geht die Thr auf, und der Prtendent strzt herein, in der einen Hand
einen Schwamm, in der andren ein Schwert, das er gegen die
Thronfolgeacte schwingt. Die schne Knigin sinkt in Ohnmacht. Der
Zauber, durch den sie Alles um sich her in Schtze verwandelte, ist
gebrochen. Die Geldscke schrumpfen zusammen wie aufgestochene Blasen.
Die Haufen Goldstcke verwandeln sich in Bndel von Lumpen oder
Kerbhlzern.[108]

Die Wahrheit, welche dieses Gleichni ausdrckte, schwebte den Leitern
der Bank bestndig vor. Ihr Interesse war mit dem der Regierung so innig
verwoben, da sie ihr um so bereitwilliger zu Hlfe kamen, je grer die
ffentliche Gefahr war. Wenn in alten Zeiten der Staatsschatz leer war,
wenn die Steuern langsam eingingen und wenn der Sold der Truppen und der
Matrosen in Rckstand war, mute der Kanzler der Schatzkammer mit dem
Hute in der Hand, von dem Lord-Mayor und den Aldermen begleitet, in
Cheapside und Cornhill auf und ab gehen und dadurch eine Summe
zusammenbringen, da er von diesem Strumpfwaarenhndler hundert Pfund,
von jenem Eisenhndler zweihundert Pfund lieh.[109] Diese Zeiten waren
vorber. Die Regierung konnte jetzt anstatt mhsam aus zahlreichen
kleinen Quellen kleine Summen zu schpfen, aus einem ungeheuren
Behlter, den alle jene kleinen Quellen fortwhrend gefllt erhielten,
soviel nehmen als sie brauchte. Es ist schwerlich zu viel gesagt, wenn
man behauptet, da das Gewicht der Bank, das bestndig in der Wagschale
der Whigs lag, viele Jahre lang das Gewicht der Kirche, das bestndig in
der Wagschale der Tories lag, fast aufwog.


[_Prorogation des Parlaments; ministerielle Arrangements._] Wenige
Minuten nachdem die Bill, welche die Bank von England errichtete, die
knigliche Genehmigung erhalten hatte, wurde das Parlament vom Knige
mit einer Rede prorogirt, in der er den Gemeinen herzlich fr ihre
Freigebigkeit dankte. Montague wurde sofort fr seine Dienste mit der
Stelle des Kanzlers der Schatzkammer belohnt.[110]


[_Shrewsbury Staatssekretr._] Shrewsbury hatte sich einige Wochen
vorher zur Annahme der Siegel verstanden. Er hatte standhaft vom
November bis zum Mrz ausgehalten. Whrend er Entschuldigungen zu finden
versuchte, die seine politischen Freunde befriedigen konnten, besuchte
ihn Sir James Montgomery. Montgomery war jetzt der unglcklichste Mensch
von der Welt. Nachdem er in einer groen Revolution eine groe Rolle
gespielt, nachdem er mit der erhabenen Function betraut gewesen, den
durch die Stnde erwhlten Souverainen die Krone Schottland's zu
berreichen, nachdem er mehrere Monate lang im Parlamente zu Edinburg
ohne Nebenbuhler geherrscht, nachdem er nahe vor sich die Siegel des
Staatssekretrs, eine Earlkrone, ein glnzendes Einkommen und die
hchste Gewalt gesehen hatte, war er pltzlich in Dunkelheit und
traurige Drftigkeit versunken. Seine herrlichen Talente blieben ihm
noch und er wurde deshalb von den Jakobiten benutzt; aber obwohl sie ihn
benutzten, verachteten sie ihn, trauten ihm nicht und lieen ihn darben.
Er verbrachte sein Leben damit, da er zwischen England und Frankreich
hin und her reiste, ohne in einem der beiden Lnder eine bleibende
Sttte zu finden. Bald wartete er im Vorzimmer zu Saint-Germains, wo die
Priester ihn als einem Calvinisten finstre Blicke zuwarfen und wo selbst
die protestantischen Jakobiten sich gegenseitig flsternd vor dem alten
Republikaner warnten. Bald hielt er sich in den Mansarden London's
verborgen, bei jedem Futritte, den er auf der Treppe hrte, frchtend,
da es der eines Bailiffs mit einem Executionsbefehl, oder der eines
Staatsboten mit einem Verhaftsbefehl sein knnte. Er erhielt jetzt
Zutritt zu Shrewsbury und wagte es wie ein Jacobit mit einem
Mitjakobiten zu sprechen. Shrewsbury, der durchaus nicht geneigt war,
sein Vermgen und seinen Kopf in die Hnde eines Mannes zu geben, den er
als unbesonnen und als treulos kannte, gab sehr vorsichtige Antworten.
Auf einem uns nicht bekannt gewordenen Wege erfuhr Wilhelm Alles was bei
dieser Gelegenheit vorgegangen war. Er lie Shrewsbury kommen und sprach
aufs neue eindringlich von dem Sekretrposten. Shrewsbury strubte sich
abermals, indem er sagte, seine Gesundheit sei schlecht. Das,
entgegnete Wilhelm, ist nicht Ihr einziger Grund. -- Nein, Sire,
allerdings nicht, versetzte Shrewsbury. Er begann hierauf von
ffentlichen Verdrielichkeiten zu sprechen und erwhnte das Schicksal
der Dreijhrigkeitsbill, die er selbst eingebracht hatte. Wilhelm aber
fiel ihm ins Wort. Es steckt noch ein andrer Grund dahinter. Wann haben
Sie das letzte Mal mit Montgomery gesprochen? Shrewsbury war wie vom
Donner gerhrt. Der Knig wiederholte einige Aeuerungen Montgomery's.
Shrewsbury hatte sich inzwischen von seinem Schrecke erholt und sich
erinnert, da er bei der Unterredung, die der Regierung so genau
hinterbracht worden war, zum Glck nichts Hochverrtherisches gesagt,
wenn auch viel dergleichen gehrt hatte. Sire, sagte er, da Ihre
Majestt so genau unterrichtet worden sind, werden Sie auch wissen, da
ich den Versuchen jenes Mannes, mich von dem Pfade meiner
Unterthanenpflicht abzubringen, keinen Vorschub geleistet habe. Wilhelm
stellte dies nicht in Abrede, gab aber zu verstehen, da solcher
heimlicher Umgang mit anerkannten Jakobiten Verdacht erwecke, den
Shrewsbury nur durch Annahme der Siegel entkrften knne. Das wird mich
vollkommen beruhigen, sagte er. Ich wei, da Sie ein Ehrenmann sind
und da, wenn Sie Sich einmal dazu verstehen mir zu dienen, Sie mir treu
dienen werden. So gedrngt, willigte Shrewsbury, zur groen Freude
seiner ganzen Partei, ein und wurde fr seine Bereitwilligkeit alsbald
mit dem Herzogtitel und dem Hosenbandorden belohnt.[111]

So bildete sich allmlig ein Whigministerium. Es gab jetzt zwei
whiggistische Staatssekretre, einen whiggistischen Grosiegelbewahrer,
einen whiggistischen ersten Lord der Admiralitt und einen
whiggistischen Kanzler der Schatzkammer. Der Lord Geheimsiegelbewahrer
Pembroke konnte ebenfalls ein Whig genannt werden, denn sein Geist
war so beschaffen, da er willig den Eindruck jedes strkeren Geistes
aufnahm, mit dem er in Berhrung gebracht wurde. Seymour wurde
entlassen, nachdem er lange genug ein Commissar des Schatzes gewesen
war, um einen groen Theil seines Einflusses auf die toryistischen
Landgentlemen zu verlieren, die ihn meist angehrt hatten wie ein
Orakel, und seine Stelle wurde mit Johann Smith besetzt, einem
eifrigen und talentvollen Whig, der an den Debatten der letzten
Session thtigen Antheil genommen hatte.[112] Die einzigen Tories,
welche noch hohe Aemter bei der ausbenden Verwaltung bekleideten,
waren der Lordprsident Caermarthen, der zwar zu fhlen begann, da
die Macht seinen Hnden allgemach entschlpfte, sich aber doch noch
verzweifelt daran festklammerte, und der erste Lord des Schatzes,
Godolphin, der sich wenig um Dinge bekmmerte, die auer dem Bereiche
seines speciellen Departements lagen, und die Obliegenheiten dieses
Departements mit Geschick und Emsigkeit erfllte.


[_Verleihung neuer Titel._] Wilhelm bemhte sich indessen noch immer,
seine Gunstbezeigungen zwischen den beiden Parteien zu theilen. Obgleich
die Whigs die eigentliche Macht mehr und mehr an sich rissen, erhielten
die Tories doch auch ihren Theil von ehrenvollen Auszeichnungen. So
wurde Mulgrave, der whrend der letzten Session seine groen
parlamentarischen Talente zu Gunsten der Politik des Knigs aufgeboten
hatte, zum Marquis von Normanby creirt und zum Cabinetsrath ernannt,
aber nie um Rath gefragt. Er erhielt zu gleicher Zeit ein Jahrgeld von
dreitausend Pfund. Caermarthen, den die neuerlichen Vernderungen tief
gekrnkt hatten, wurde durch ein glnzendes Zeichen der kniglichen
Zufriedenheit einigermaen getrstet. Er wurde Herzog von Leeds. Es
hatte ihm wenig ber zwanzig Jahre Zeit gekostet, um sich von der
Stellung eines Landgentleman von Yorkshire zur hchsten Stufe der Pairie
emporzuschwingen. Zwei hochgestellte whiggistische Earls, Bedford und
Devonshire, wurden zu gleicher Zeit zu Herzgen creirt. Es mu bemerkt
werden, da Bedford schon mehrere Male die Wrde ausgeschlagen hatte,
die er jetzt mit einigem Widerstreben annahm. Er erklrte, da ihm sein
Earltitel lieber sei als ein Herzogtitel, und er motivirte diese
Bevorzugung durch einen sehr verstndigen Grund. Ein Earl, der eine
zahlreiche Familie habe, knne einen Sohn in den Tempel, einen andren
auf ein Handelscomtoir der City schicken. Die Shne eines Herzogs aber
seien alle Lords und ein Lord knne sich seinen Lebensunterhalt weder in
der Advokatur noch auf der Brse verdienen. Doch die Einwendungen des
alten Mannes wurden besiegt, und den beiden vornehmen Husern Russell
und Cavendish, welche seit langer Zeit durch Freundschaft und durch
Verschwgerung, durch gemeinsame Ansichten, durch gemeinsame Leiden und
durch gemeinsame Triumphe eng verbunden waren, wurde an einem und
demselben Tage die grte Ehre zu Theil, welche die Krone zu verleihen
im Stande ist.[113]


[_Kriegsplan der Franzosen._] Die Gazette, welche diese Ernennungen
anzeigte, zeigte auch an, da der Knig nach dem Continent abgereist
sei. Vor seiner Abreise hatte er mit seinen Ministern die Mittel zur
Vereitelung eines von der franzsischen Regierung entworfenen
Operationsplanes zur See berathen. Bisher war der Seekrieg hauptschlich
im Kanal und auf dem atlantischen Meere gefhrt worden. Jetzt aber hatte
Ludwig beschlossen, seine Seemacht im Mittellndischen Meere zu
concentriren. Er hoffte, da mit ihrer Hlfe die Armee des Marschalls
Noailles im Stande sein werde Barcelona zu nehmen, ganz Catalonien zu
unterwerfen und Spanien zu zwingen, um Frieden zu bitten. Demgem
segelte Tourville's Geschwader, aus dreiundfunfzig Kriegsschiffen
bestehend, am 25. April von Brest ab und passirte am 4. Mai die Strae
von Gibraltar.


[_Kriegsplan England's._] Um die Absichten des Feindes zu vereiteln,
beschlo Wilhelm, Russell mit dem greren Theile der combinirten Flotte
England's und Holland's ins Mittellndische Meer zu schicken. In den
britischen Gewssern sollte ein Geschwader unter den Befehlen des Earls
von Berkeley bleiben. Talmash sollte sich mit einem starken Truppencorps
an Bord dieses Geschwaders einschiffen und sollte Brest angreifen, das
man in Abwesenheit Tourville's und seiner dreiundfunfzig Schiffe fr
leicht einnehmbar hielt.

Da in Portsmouth Anstalten zu einer Expedition getroffen wurden, an der
die Landtruppen Theil nehmen sollten, lie sich nicht verheimlichen.
Ueber die Bestimmung des Geschwaders hatte man in der Rose und bei
Garraway allerhand Vermuthungen. Einige sprachen von Rhe, Andere von
Oleron, noch Andere von Rochelle, wieder Andere von Rochefort. Manche
glaubten, ehe die Flotte sich in westlicher Richtung zu bewegen begann,
sie sei nach Dnkirchen bestimmt. Manche Andere vermutheten dagegen, da
Brest der Angriffspunkt sein werde; aber sie vermutheten dies eben nur,
denn das Geheimni wurde besser bewahrt als die meisten andern
Geheimnisse der damaligen Zeit.[114] Russell versicherte bis zu dem
Augenblicke wo er bereit war die Anker zu lichten, seinen jakobitischen
Freunden bestndig, er wisse von nichts. Seine Verschwiegenheit blieb
selbst Marlborough's Kunstgriffen gegenber fest. Doch Marlborough hatte
andere Quellen. An diese Quellen wendete er sich, und es gelang ihm
endlich, den ganzen Plan der Regierung zu entdecken. Er schrieb sofort
an Jakob. Er habe, sagte er, so eben in Erfahrung gebracht, da zwlf
Regimenter Infanterie und zwei Regimenter Marinesoldaten unter Talmash's
Commando auf dem Punkte stnden sich einzuschiffen, um den Hafen von
Brest und die daselbst liegenden Schiffe zu zerstren. Dies, setzte er
hinzu, wrde ein groer Vortheil fr England sein. Aber keine Rcksicht
kann und soll mich jemals abhalten, Ihnen Alles mitzutheilen, wovon ich
glaube, da es Ihnen ntzlich sein kann. Dann, warnte er Jakob vor
Russell. Ich versuchte vor einiger Zeit, dies von ihm zu erfahren; aber
er behauptete stets, nichts davon zu wissen, obgleich ich fest berzeugt
bin, da er den Plan schon seit mehr als sechs Wochen kannte. Dies
scheint mir ein schlimmes Zeichen von der Gesinnung dieses Mannes.

Die von Marlborough erhaltene Benachrichtigung theilte Jakob der
franzsischen Regierung mit, und diese traf mit der ihr eigenen Energie
und Eile ihre Maregeln. Rasches Handeln war allerdings auch nthig,
denn als Marlborough seinen Brief schrieb, waren die Rstungen in
Portsmouth nahezu vollendet, und wre der Wind den Englndern gnstig
gewesen, so htte der Zweck der Expedition vielleicht ohne Kampf
erreicht werden knnen. Aber widrige Winde hielten unsre Flotte noch
einen Monat im Kanal zurck. Unterdessen war bei Brest ein zahlreiches
Armeecorps zusammengezogen worden. Vauban war beauftragt, die
Vertheidigungswerke in Stand zu setzen, und unter seiner geschickten
Leitung wurden Batterien aufgefahren, welche jeden Punkt beherrschten,
wo der Feind mglicherweise eine Landung versuchen konnte. Acht groe
Fle, deren jedes eine Menge Mrser trug, wurden im Hafen vor Anker
gelegt, und einige Tage vor Ankunft der Englnder war Alles zu ihrem
Empfange bereit.


[_Expedition gegen Brest._] Am 6. Juni befand sich die ganze verbndete
Flotte etwa funfzehn Meilen westlich vom Cap Finisterre im Atlantischen
Meere. Hier trennten sich Russell und Berkeley. Russell fuhr weiter nach
dem Mittellndischen Meere, und Berkeley's Geschwader, mit den Truppen
an Bord, steuerte nach der Kste der Bretagne und ankerte vor der
Camaretbai, nahe bei der Einfahrt des Hafens von Brest. Talmash schlug
vor, in der Camaretbai zu landen. Es erschien daher wnschenswerth, die
Beschaffenheit der Kste genau zu untersuchen. Der lteste Sohn des
Herzogs von Leeds, jetzt Marquis von Caermarthen, nahm es auf sich, in
die Bucht einzufahren und die nthigen Aufschlsse zu erlangen. Die
Leidenschaft dieses tapferen und excentrischen jungen Mannes fr
Seeabenteuer war unbezwinglich. Er hatte um den Rang eines
Contreadmirals gebeten und ihn erhalten und begleitete die Expedition
auf seiner eigenen Yacht Peregrine, die als ein Meisterstck der
Schiffbaukunst berhmt war und schon mehr als einmal in dieser
Geschichte erwhnt worden ist. Cutts, der sich durch seine
Unerschrockenheit im irischen Kriege ausgezeichnet hatte und mit der
irischen Peerswrde belohnt worden war, erbot sich, Caermarthen zu
begleiten. Lord Mohun, der wahrscheinlich mit dem Wunsche, durch
ehrenvolle Thaten den Schandfleck zu verwischen, den ein schmachvoller
und unglcklich ausgegangener Streit auf seinen Namen geworfen, als
Freiwilliger bei den Truppen diente, bestand ebenfalls darauf, von der
Partie zu sein. Der Peregrine fuhr mit seiner tapferen Mannschaft in die
Bucht ein und kam wohlbehalten, aber nicht ohne in groer Gefahr
geschwebt zu haben, wieder heraus. Caermarthen berichtete, da die
Vertheidigungsanstalten, von denen er inde nur einen kleinen Theil
gesehen, furchtbar seien. Berkeley und Talmash aber vermutheten, da er
die Gefahr berschtzt habe. Sie wuten nicht, da ihr Vorhaben schon
lngst in Versailles bekannt gewesen, da eine Armee zu ihrem Empfange
zusammengezogen worden war und da der grte Ingenieur der Welt die
Kste befestigt hatte. Sie zweifelten daher nicht, da ihre Truppen
unter dem Schutze der Kanonen ihrer Schiffe leicht wrden ans Land
gesetzt werden knnen. Am folgenden Morgen erhielt Caermarthen Ordre,
mit acht Linienschiffen in die Bai einzufahren und die franzsischen
Werke zu bombardiren. Talmash sollte mit ungefhr hundert Booten voll
Soldaten folgen. Es stellte sich bald heraus, da das Unternehmen sogar
noch gefhrlicher war, als es den Tag vorher geschienen hatte.
Batterien, die man gar nicht bemerkt hatte, erffneten ein so
mrderisches Feuer gegen die Schiffe, da mehrere Verdecke bald
gesubert waren. Starke Infanterie- und Cavalleriecorps kamen zum
Vorschein und erwiesen sich nach ihren Uniformen als regulre Truppen.
Der junge Contreadmiral schickte schleunigst einen Offizier ab, um
Talmash zu warnen. Aber Talmash war so vollstndig von dem Wahne
beherrscht, da die Franzosen nicht darauf vorbereitet seien, einen
Angriff abzuwehren, da er jede Vorsichtsmaregel unterlie und nicht
einmal seinen eigenen Augen traute. Er glaubte fest, da die
Truppenmacht, die er an der Kste versammelt sah, ein bloer
Bauernschwarm sei, den man in der Eile aus der Umgegend
zusammengetrieben habe. Ueberzeugt, da diese Scheinsoldaten vor
wirklichen Soldaten wie Schafe davonlaufen wrden, befahl er seinen
Leuten, nach dem Strande zu rudern. Er wurde bald eines Andren belehrt.
Ein frchterliches Feuer mhte seine Truppen rascher nieder als sie ans
Ufer gelangen konnten. Er selbst war kaum auf trocknen Boden gesprungen,
als eine Kanonenkugel ihn am Schenkel verwundete, so da er in sein
Boot zurckgetragen werden mute. Seine Leute schifften sich in
Verwirrung wieder ein. Schiffe und Boote eilten aus der Bucht
herauszukommen, was ihnen jedoch erst gelang, nachdem vierhundert
Matrosen und siebenhundert Soldaten gefallen waren. Noch viele Tage
nachher splten die Wellen fortwhrend von Kugeln zerrissene und
verstmmelte Leichname an den Strand der Bretagne. Die Batterie, von
welcher Talmash seine Wunde erhielt, wird noch heute des Englnder's
Tod genannt.

Der unglckliche General wurde auf sein Lager gebettet und in seiner
Kajte ein Kriegsrath gehalten. Er war dafr, direct in den Hafen von
Brest einzufahren um die Stadt zu bombardiren. Dieser Vorschlag aber,
der nur zu deutlich verrieth, da seine Urtheilskraft unter der
Aufregung eines verwundeten Krpers und eines verwundeten Gemths
gelitten hatte, wurde von den Flottenoffizieren wohlweislich verworfen.
Das Geschwader kehrte nach Portsmouth zurck. Dort starb Talmash, noch
mit seinem letzten Athemzuge versichernd, da er durch Verrtherei in
eine Schlinge gelockt worden sei. Der Schmerz und Unwille des Volks
uerte sich laut. Die Nation erinnerte sich der Dienste des
unglcklichen Generals, verzieh ihm seine Uebereilung, bedauerte seine
Leiden und fluchte dem unbekannten Verrther, dessen Machinationen ihm
zum Verderben gereicht hatten. Es circulirten allerhand Muthmaungen und
Gerchte. Einige durch Nationalvorurtheil verblendete starre Englnder
schworen, da keiner unserer Plne je dem Feinde verborgen bleiben
wrde, so lange franzsische Refugis hohe Militrcommandos bekleideten.
Einige durch Parteigeist verblendete eifrige Whigs murmelten, da es dem
Hofe von Saint-Germain nie an guter Kundschaft fehlen wrde, so lange
ein einziger Tory im Cabinetsrath sei. Der wirklich Schuldige wurde
nicht genannt und erst als die Archive des Hauses Stuart untersucht
wurden, erfuhr die Welt, da Talmash durch die schndlichste aller
hundert Schndlichkeiten Marlborough's umgekommen war.[115]

Und doch war Marlborough niemals weniger ein Jakobit gewesen als in dem
Augenblicke wo er dem Jakobitismus diesen abscheulichen und
schmachvollen Dienst leistete. Man darf mit Gewiheit behaupten, da es
nicht seine Absicht war, der verbannten Familie zu dienen, und da es
nur seine sekundre Absicht war, sich bei der verbannten Familie beliebt
zu machen. Sein Hauptzweck war, sich in den Dienst der bestehenden
Regierung einzudrngen und wieder in den Besitz der wichtigen und
eintrglichen Stellen zu gelangen, die ihm vor mehr als zwei Jahren
entzogen worden waren. Er wute, da das Land und das Parlament es nicht
geduldig ertragen wrden, die Armee von auslndischen Generlen
commandirt zu sehen. Nur zwei Englnder hatten sich fr hohe
militrische Posten brauchbar erwiesen: er selbst und Talmash. Wenn
Talmash geschlagen und entlassen wurde, blieb Wilhelm fast keine Wahl
mehr. In der That, sobald es bekannt wurde, da die Expedition milungen
und da Talmash nicht mehr war, uerte sich laut das allgemeine
Verlangen, da der Knig den ausgezeichneten Heerfhrer, der bei
Walcourt, bei Cork und bei Kinsale so Groes geleistet habe, wieder zu
Gnaden annehmen solle. Auch knnen wir die Menge wegen dieses
Verlangens nicht tadeln, denn Jedermann wute, da er ein vorzglich
tapferer, geschickter und glcklicher Offizier war; aber nur sehr Wenige
wuten, da, whrend er Wilhelm's Truppen befehligte, whrend er in
Wilhelm's Staatsrath sa und whrend er Wilhelm's Kammerherr war, er ein
ungemein arglistiges und gefhrliches Complot schmiedete, um Wilhelm's
Thron umzustrzen, und noch Wenigere vermutheten in ihm den Urheber des
neuerlichen Unglcks, des Gemetzels in der Camaretbai und des traurigen
Schicksals Talmash's. So hatte die schndlichste aller Verrthereien die
Folge, da der Verrther in der ffentlichen Achtung stieg. Er unterlie
denn auch nicht, den gnstigen Augenblick sich zu Nutze zu machen.
Whrend die Brse wegen des durch ihn herbeigefhrten Unglcks in
Bestrzung war, whrend zahlreiche Familien um die tapferen Mnner,
deren Mrder er war, Trauer anlegten, begab er sich nach Whitehall und
betheuerte dort mit all' der Freundlichkeit und Liebenswrdigkeit, unter
denen ein verdorrtes Gewissen und ein reueloses Herz vor den Blicken
oberflchlicher Beobachter verborgen waren, da er der treueste und
loyalste Unterthan Wilhelm's und Mariens sei, und sprach die Hoffnung
aus, da es ihm unter den gegenwrtigen dringenden Umstnden vergnnt
sein werde, Ihren Majestten seinen Degen anzubieten. Shrewsbury
wnschte sehr, da das Anerbieten angenommen werden mchte, aber eine
kurze und trockene Antwort von Wilhelm, der sich damals in den
Niederlanden befand, machte fr den Augenblick jeder Unterhandlung ein
Ende. Ueber Talmash sprach sich der Knig mit hochherziger Rhrung aus.
Das Schicksal des armen Freundes, schrieb er, hat mich tief
ergriffen. Ich kann zwar nicht sagen, da er den richtigen Weg
eingeschlagen hat; aber sein heier Drang sich auszuzeichnen, bewog ihn,
Unmgliches zu versuchen.[116]

Die nach Portsmouth zurckgekehrte Flotte segelte bald wieder nach der
Kste Frankreich's ab, aber vollbrachte nur Thaten, welche schlimmer als
unrhmlich waren. Es wurde ein Versuch gemacht, den Hafendamm von
Dnkirchen in die Luft zu sprengen. Einige von friedlichen Kaufleuten
und Fischern bewohnte Stdte wurden bombardirt. In Dieppe blieb fast
kein einziges Haus stehen, ein Drittel von Havre wurde in Asche gelegt,
und nach Calais wurden Bomben geworfen, welche dreiig Privatwohnungen
zerstrten. Die Franzosen und Jakobiten schrien laut ber die Feigheit
und Barbarei, gegen eine wehrlose Bevlkerung Krieg zu fhren. Die
englische Regierung vertheidigte sich, indem sie die Welt an die Leiden
der dreimal verwsteten Pfalz erinnerte, und Ludwig und seinen
Schmeichlern gegenber war diese Rechtfertigung vollkommen gengend. Ob
es sich aber mit der Humanitt und mit einer gesunden Politik
vereinbaren lie, die Verbrechen, die ein unumschrnkter Frst und eine
wilde Soldateska in der Pfalz verbt hatten, Krmern und Arbeitern,
Frauen und Kindern entgelten zu lassen, die gar nicht wuten, da es
eine Pfalz gab, drfte wohl zu bezweifeln sein.


[_Operationen im Mittellndischen Meere._] Inzwischen leistete Russell's
Flotte der gemeinsamen Sache gute Dienste. Widrige Winde hatten seine
Einfahrt durch die Meerenge so lange verzgert, da er erst Mitte Juli
Carthagena erreichte. Indessen hatten die Fortschritte der franzsischen
Waffen selbst bis in das Eskurial Schrecken verbreitet. Noailles hatte
an den Ufern des Tar eine Armee unter den Befehlen des Viceknigs von
Catalonien geschlagen, und an dem Tage, an welchem dieser Sieg erfochten
wurde, hatte sich das Brester Geschwader in der Rosasbai mit dem
Touloner Geschwader vereinigt. Palamos, gleichzeitig zu Lande und zur
See angegriffen, wurde mit Sturm genommen. Gerona kapitulirte nach
schwachem Widerstande. Ostalric ergab sich auf die erste Aufforderung.
Barcelona wrde aller Wahrscheinlichkeit nach auch gefallen sein, htten
die franzsischen Admirle nicht erfahren, da der Sieger von La Hogue
sich nhere. Sie verlieen sogleich die Kste von Catalonien und hielten
sich nicht eher fr sicher, als bis sie unter dem Schutze der Batterien
von Toulon waren.

Die spanische Regierung sprach ihren warmen Dank fr diesen
rechtzeitigen Beistand aus und machte dem englischen Admiral einen Juwel
zum Geschenk, dessen Werth allgemein auf zwanzigtausend Pfund Sterling
geschtzt wurde. Es hielt nicht schwer, einen solchen Juwel unter der
Masse kostbarer Kleinodien zu finden, welche KarlV. und PhilippII.
einem entarteten Geschlecht hinterlassen hatten. In Allem, was den
wahren Reichthum eines Staates bildet, war jedoch Spanien sehr arm.
Seine Schatzkammer war leer, seine Arsenale waren nicht gefllt, seine
Schiffe waren so verfallen, da sie bei dem Abfeuern ihrer eigenen
Geschtze aus den Fugen zu gehen drohten. Seine zerlumpten und
verhungerten Soldaten mischten sich oft unter den Bettlerschwarm an den
Thren der Klster und schlugen sich da um eine Suppe und eine
Brotrinde. Russell erfuhr die Prfungen, denen kein englischer
Befehlshaber entgangen ist, den sein Unstern dazu verurtheilte, in
Verbindung mit Spanien zu operiren. Der Viceknig von Catalonien
versprach Viel, that Nichts und erwartete Alles. Er erklrte, da
dreihundertfunfzigtausend Rationen zur Vertheilung an die vor Carthagena
liegende Flotte bereit seien. Es ergab sich jedoch, da alle Magazine
dieses Hafens nicht soviel Lebensmittel enthielten, um eine einzige
Fregatte auf eine einzige Woche zu verproviantiren. Gleichwohl glaubte
Se. Excellenz das Recht zu haben, sich darber zu beschweren, da
England auer der Flotte nicht auch eine Armee geschickt habe, und da
der ketzerische Admiral es nicht fr gut fand, die Flotte durch
Angreifen der Franzosen unter den Kanonen von Toulon der gnzlichen
Vernichtung auszusetzen. Russell beschwor die spanischen Behrden, die
Thtigkeit auf ihren Schiffswerften zu beschleunigen und Alles
aufzubieten, um fr nchstes Frhjahr ein kleines Geschwader zu stellen,
das wenigstens seetchtig sei; aber er konnte sie nicht dazu bewegen,
ein einziges Schiff auszubessern. Nur mit Mhe und unter harten
Bedingungen erlangte er die Erlaubni, einige seiner Kranken in die
Marinehospitler an der Kste zu schicken. Doch trotz aller
Verlegenheiten, die ihm die Bornirtheit und Undankbarkeit einer
Regierung bereitete, welche ihren Alliirten jederzeit mehr Schaden
zugefgt hat als ihren Feinden, machte er seine Sache gut. Es ist nicht
mehr als recht und billig, wenn man sagt, da von dem Augenblicke an, wo
er erster Lord der Admiralitt wurde, eine entschiedene Besserung in der
Marineverwaltung eintrat. Obgleich er mit seiner Flotte viele Monate
lang in der Nhe einer ungastlichen Kste und in weiter Entfernung von
England lag, kamen keine Klagen ber die Qualitt oder Quantitt der
Lebensmittel vor. Die Mannschaften hatten bessere Speisen und Getrnke,
als sie je zuvor gehabt; Bequemlichkeiten, welche Spanien nicht darbot,
wurden vom Hause herbeigeschafft, und dennoch war der Kostenaufwand
nicht grer als zu Torrington's Zeiten, wo der Matrose mit verfaultem
Zwieback und mit verdorbenem Biere vergiftet wurde.

Da fast die ganze franzsische Seemacht im Mittellndischen Meere war
und da zu erwarten stand, da in folgendem Jahre ein Versuch auf
Barcelona gemacht werden wrde, so erhielt Russell den Befehl, in Cadix
zu berwintern. Im October segelte er nach diesem Hafen ab und hier
betrieb er die Ausbesserung seiner Schiffe mit einer Thtigkeit, die den
spanischen Beamten, welche die elenden Ueberreste der einst grten
Flotte der Welt ruhig vor ihren Augen verfaulen lieen, unbegreiflich
war.[117]


[_Krieg zu Lande._] Lngs der stlichen Grenze Frankreich's schien der
Krieg dieses Jahr lssig betrieben zu werden. In Piemont und am Rhein
waren die wichtigsten Ereignisse des Feldzugs kleine Scharmtzel und
ruberische Einflle. Ludwig blieb in Versailles und schickte seinen
Sohn, den Dauphin, in die Niederlande, um ihn dort zu reprsentiren;
aber der Dauphin stand unter der Vormundschaft Luxemburg's und er erwies
sich als ein sehr folgsames Mndel. Mehrere Monate lang beobachteten die
feindlichen Heere einander nur. Die Verbndeten versuchten einen khnen
Angriff in der Absicht, den Krieg auf franzsisches Gebiet zu
bertragen; Luxemburg aber vereitelte den Plan durch einen Eilmarsch,
der die Bewunderung aller Kriegskundigen erregte. Dagegen gelang es
Wilhelm, Huy zu nehmen, damals eine Festung dritten Ranges. Keine
Schlacht ward geliefert, keinige wichtige Stadt ward belagert, aber die
Verbndeten waren mit dem Feldzuge zufrieden. Die vier letztverflossenen
Jahre waren jedes durch eine groe Niederlage bezeichnet worden. Im
Jahre 1690 war Waldeck bei Fleurus geschlagen worden. Im Jahre 1691 war
Mons gefallen. Im Jahre 1692 war Namur vor den Augen der Alliirten
genommen worden und auf dieses Unglck war bald die Niederlage bei
Steenkerke gefolgt. Im Jahre 1693 war die Schlacht bei Landen verloren
worden und Charleroy hatte sich dem Sieger unterworfen. Endlich im Jahre
1694 hatte sich das Blatt zu wenden begonnen. Die franzsischen Armeen
hatten keine weiteren Fortschritte gemacht. Die Verbndeten hatten zwar
nicht viel gewonnen; aber den durch eine lange Reihe von Unfllen
Entmuthigten war auch der kleinste Gewinn willkommen.

In England war man allgemein der Ansicht, da trotz der Niederlage in
der Camaretbai der Krieg im Ganzen einen befriedigenden Verlauf nehme.
Aber einige Zweige der inneren Verwaltung erregten whrend dieses
Herbstes viel Unzufriedenheit.


[_Klagen ber Trenchard's Verwaltung._] Seit Trenchard's Ernennung zum
Staatssekretr hatten die jakobitischen Agitatoren ihre Lage viel
unerquicklicher gefunden als vorher. Sidney war viel zu nachsichtig und
viel zu vergngungsschtig gewesen, als da er ihnen viel Grund zu
Besorgni htte geben sollen. Nottingham war ein fleiiger und
geschickter Minister, aber er war ein so entschiedener Hochtory wie ein
treuer Unterthan Wilhelm's und Marien's es nur sein konnte; er liebte
und achtete viele von den Eidverweigerern, und wenn er sich auch zwang,
da streng zu sein wo nur Strenge den Staat retten konnte, so beobachtete
er doch nicht zu ngstlich die Vergehen seiner ehemaligen Freunde;
ebensowenig ermuthigte er die Angeber, mit Anzeigen von Verschwrungen
nach Whitehall zu kommen. Trenchard aber war nicht nur ein thtiger
Minister, sondern auch ein eifriger Whig. Selbst wenn er fr seine
Person zur Milde geneigt gewesen wre, wrde er durch seine Umgebungen
zur Strenge getrieben worden sein. Er hatte bestndig Hugo Speke und
Aaron Smith zur Seite, zwei Mnner, denen eine Jagd auf einen Jakobiten
das reizendste aller Sportvergngen war. Die Unzufriedenen sagten,
Nottingham habe seine Bluthunde an der Leine gehalten, Trenchard aber
habe sie losgelassen. Jeder rechtschaffene Gentleman, der die Kirche
liebe und die Hollnder hasse, schwebe in Lebensgefahr. Es sei ein
bestndiges Gewhl im Bureau des Sekretrs, ein fortwhrendes Ab- und
Zustrmen von ankommenden Denuncianten und mit Verhaftsbefehlen
abgehenden Boten. Es wurde ferner gesagt, die Verhaftsbefehle seien oft
regelwidrig abgefat, weder die Person noch das Verbrechen sei darin
genau bezeichnet und doch wrden unter der Autoritt solcher Instrumente
Privatwohnungen betreten, Pulte und Zimmer durchsucht, werthvolle
Papiere weggenommen und Mnner von guter Herkunft und Erziehung ins
Gefngni mitten unter gemeine Verbrecher geworfen.[118]

Der Minister und seine Agenten antworteten darauf, da Westminster Hall
offen stehe, da, wenn Jemand unrechtmigerweise verhaftet worden sei,
er nur seine Beschwerde einzureichen brauche; da die Juries gerade
bereit genug seien, Jeden anzuhren, der von grausamen und
gewaltthtigen Machthabern tyrannisirt worden zu sein behaupte, und da,
da keiner der Gefangenen, deren angeblich erlittene Unbilden so
ergreifend geschildert wrden, es gewagt habe, zu diesem naheliegenden
und einfachen Mittel, Genugthuung zu erlangen, gegriffen habe, man
fglich annehmen drfe, da nichts geschehen sei, was sich nicht
rechtfertigen lasse. Das Geschrei der Unzufriedenen machte jedoch einen
bedeutenden Eindruck auf das Volk, und endlich zog ein Vorfall, bei
welchem Trenchard mehr unglcklich als strafbar war, ihm und seiner
Regierung viel zeitweilige Vorwrfe zu.


[_Die gerichtlichen Verfolgungen in Lancashire._] Unter den Angebern,
die sein Bureau belagerten, befand sich ein irischer Abenteurer, der
schon mehr als einen Namen gefhrt und sich zu mehr als einem Glauben
bekannt hatte. Gegenwrtig nannte er sich Taaffe. Er war Priester der
rmisch-katholischen Kirche und Sekretr des ppstlichen Nuntius Adda
gewesen, war aber nach der Revolution Protestant geworden, hatte
geheirathet und sich durch seine Thtigkeit bei Entdeckung des
heimlichen Eigenthums derjenigen Jesuiten und Benedictiner
ausgezeichnet, die sich unter der vorigen Regierung in London
aufhielten. Die Minister verachteten ihn, aber sie benutzten ihn. Sie
glaubten, da er durch seine Apostasie und durch den Antheil, den er an
der Beraubung der geistlichen Orden genommen, sich jeden Rckzug
abgeschnitten habe und da er dem Knig Wilhelm treu sein msse, da er
vom Knig Jakob nichts als den Strang zu erwarten habe.[119]

Dieser Mann machte die Bekanntschaft eines jakobitischen Agenten, Namens
Lunt, der seit der Revolution zu wiederholten Malen unter der
mivergngten Gentry von Cheshire und Lancashire gebraucht worden und
der in die Insurrectionsplne eingeweiht gewesen war, welche durch die
Schlacht am Boyne 1690 und durch die Schlacht von La Hogue 1692
vereitelt wurden. Lunt war einmal als des Hochverraths verdchtig
eingezogen, aus Mangel an juristischem Beweise fr seine Schuld aber von
der Anklage entbunden werden. Er war ein bloer Sldling und wurde von
Taaffe mit leichter Mhe bewogen, zum Angeber zu werden. Das Paar ging
zu Trenchard. Lunt erzhlte seine Geschichte, nannte die Namen einiger
Squires von Cheshire und Lancashire, denen er Ernennungspatente von
Saint-Germains berbracht haben wollte, und die einiger anderen, von
denen er zu wissen vorgab, da sie im Geheimen Waffen und Munition
aufhuften. Sein einfacher Eid wrde nicht gengt haben, um einer
Hochverrathsanklage Halt zu geben; aber er stellte einen andren Zeugen,
dessen Aussagen die Anklage zu ergnzen schienen. Die Erzhlung klang
wahrscheinlich und hatte Zusammenhang, und wenn sie auch durch eigene
Erfindungen ausgeschmckt sein mochte, so kann es doch kaum einem
Zweifel unterliegen, da sie in der Hauptsache richtig war.[120] Es
wurden Agenten und Haussuchungsbefehle nach Lancashire geschickt. Aaron
Smith ging selbst hin und Taaffe begleitete ihn. Einige der zahlreichen
Verrther, welche Wilhelm's Brot aen, hatten jedoch bereits das
Alarmzeichen gegeben; ein Theil der Angeschuldigten war geflohen, und
Andere hatten ihre Sbel und Flinten vergraben und ihre Papiere
verbrannt. Indessen machte man doch Entdeckungen, welche Lunt's Aussagen
besttigten. Hinter dem Wandgetfel des alten Schlosses einer
rmisch-katholischen Familie wurde ein von Jakob unterzeichnetes Patent
gefunden. Ein andres Haus, dessen Besitzer sich aus dem Staube gemacht
hatte, wurde trotz der feierlichen Versicherungen seiner Gattin und
seiner Dienerschaft, da keine Waffen darin verborgen seien, genau
durchsucht. Whrend die Dame, mit der Hand auf dem Herzen, auf ihre Ehre
betheuerte, da ihr Gatte flschlich angeklagt sei, bemerkten die Boten,
da die hintere Wand des Kamins nicht gut befestigt zu sein schien. Die
Bekleidung wurde losgerissen und ein Haufen Klingen, wie sie bei der
Reiterei in Gebrauch waren, fiel heraus. In einer der Bodenkammern fand
man sorgfltig eingemauert, dreiig Pferdesttel, eben so viele
Brustharnische und sechzig Cavalleriesbel. Trenchard und Aaron Smith
hielten die aufgefundenen Schuldbeweise fr gengend und es wurde
beschlossen da diejenigen Angeklagten, welche ergriffen worden waren,
durch eine Specialcommission in Untersuchung gezogen werden
sollten.[121]

Taaffe erwartete nun mit Bestimmtheit, da er fr seine Dienste belohnt
werden wrde; aber er fand einen kalten Empfang im Schatzamte. Er war
hauptschlich deshalb nach Lancashire gegangen, weil er hoffte, dort
unter dem Schutze einer Durchsuchungsvollmacht Geschmeide und Goldstcke
aus geheimen Fchern entwenden zu knnen. Seine Fingerfertigkeit war
aber den Blicken seiner Begleiter nicht ganz verborgen geblieben. Sie
waren dahinter gekommen, da er sich die Abendmahlsgeschirre der
papistischen Familien, deren Privatschtze er hatte durchstbern helfen,
zugeeignet hatte. Als er daher um eine Belohnung bat, wurde er nicht nur
mit einer abschlgigen Antwort, sondern mit einem strengen Verweise
abgefertigt. Er entfernte sich rasend vor Geldgier und Aerger. Es gab
noch einen Weg, auf dem er sowohl Geld als Rache erlangen konnte, und
diesen Weg schlug er ein. Er machte den Freunden der Angeklagten
Anerbietungen. Er, und er allein knne das was er gethan habe wieder
rckgngig machen, knne die Angeklagten vom Galgen retten, knne die
Anklger mit Schande bedecken, knne den Staatssekretr und den
Staatsprokurator, welche der Schrecken aller Freunde Knig Jakob's
seien, aus dem Amte vertreiben. So widerwrtig Taaffe den Jakobiten auch
war, sein Anerbieten war nicht zu verachten. Er erhielt eine Summe
Geldes, die Zusicherung einer anstndigen Leibrente, wenn das Geschft
abgethan sein wrde, und er wurde in die Provinz geschickt und bis zum
Tage der Gerichtsverhandlungen in strenger Abgeschiedenheit
gehalten.[122]

Unterdessen wurden uncensirte Flugschriften, in denen das Complot von
Lancashire mit Oates' Complot, mit Dangerfield's Complot, mit Fuller's
Complot, mit Young's Complot, mit Whitney's Complot in eine Kategorie
gestellt war, durch das ganze Land, und ganz besonders in der
Grafschaft, welche die Jury zu liefern hatte, verbreitet. Das
ausfhrlichste, geschickteste und heftigste von diesen Pamphlets,
betitelt: +A Letter to Secretary Trenchard+, wurde allgemein Ferguson
zugeschrieben. Es ist auch nicht unwahrscheinlich, da Ferguson einen
Theil des Materials geliefert und das Manuscript zum Druck befrdert
hat. Viele Stellen aber sind in einer so gewandten und krftigen Sprache
geschrieben, wie sie ihm sicherlich nicht zu Gebote stand. Diejenigen,
welche nach innerem Beweise urtheilen, werden vielleicht in einigen
Theilen dieser bedeutsamen Schrift, das letzte Aufblitzen des boshaften
Genie's Montgomery's zu erkennen glauben. Wenige Wochen nach seinem
Erscheinen sank der Brief ungeehrt und unbedauert ins Grab.[123]

Es gab damals auer der London Gazette keine gedruckten Zeitungen. Seit
der Revolution aber war der Neuigkeitsbrief ein wichtigeres politisches
Werkzeug geworden als er vorher gewesen. Die Neuigkeitsbriefe eines
Schriftstellers Namens Dyar circulirten weit und breit im Manuscript. Er
gerirte sich als einen Tory und Hochkirchlichen und galt deshalb bei den
fuchsjagenden Gutsherren im ganzen Knigreich fr ein Orakel. Er hatte
schon zweimal im Gefngni gesessen, aber seine Einnahmen hatten seine
Leiden mehr als aufgewogen und er beharrte noch immer darin, seine
Mittheilungen nach dem Geschmacke der Landgentlemen zu wrzen. Jetzt zog
er das Complot von Lancashire ins Lcherliche, erklrte, da die
aufgefundenen Gewehre alte Vogelflinten, da die Sttel blo fr
Jagdpferde bestimmt und da die Sbel verrostete Reliquien von Edge Hill
und Marston Moore gewesen seien.[124]

Alle diese Schmhungen und Sarkasmen scheinen einen groen Eindruck auf
das Publikum gemacht zu haben. Selbst bei der hollndischen
Gesandtschaft, wo gewi von einer Hinneigung zum Jakobitismus keine Rede
war, herrschte die entschiedene Meinung vor, da es unklug sein wrde,
den Gefangenen den Proze zu machen. In Lancashire und Cheshire waren
die berwiegenden Gefhle Mitleid mit den Angeklagten und Ha gegen die
Verfolger. Die Regierung beharrte jedoch in ihrem Vorhaben. Im October
gingen vier Richter nach Manchester ab. Gegenwrtig besteht die
Bevlkerung dieser Stadt aus Leuten, die in allen Theilen der
britischen Inseln geboren sind, und hat daher keine speciellen
Sympathien fr die Grundbesitzer, Pchter und Landleute der benachbarten
Districte. Im 17. Jahrhundert aber war der Bewohner von Manchester auch
ein Angehriger von Lancashire, und seine politischen Ansichten waren
die seiner Grafschaft. Er hegte vor den alten Cavalierfamilien seiner
Provinz eine hohe Achtung und war wthend, wenn er daran dachte, da ein
Theil des besten Blutes seiner Grafschaft durch ein paar rundkpfige
Rabulisten aus London vergossen werden sollte. Massen von Menschen aus
den umliegenden Ortschaften fllten die Straen der Stadt und sahen mit
Schmerz und Unwillen die Reihen gezogener Sbel und geladener Carabiner,
welche die Angeklagten umgaben. Aaron Smith scheint seine Anordnungen
nicht mit besonderem Geschick getroffen zu haben. Der erste Kronanwalt
war Sir William Williams, der trotz seiner vorgerckten Jahre und seines
groen Vermgens noch immer prakticirte. Ein Fehler hatte auf den
letzten Theil seines Lebens einen dunklen Schatten geworfen. Die
Erinnerung an den Tag, an welchem er sich in Westminster Hall unter
Gelchter und Hohngeschrei erhoben hatte, um das Dispensationsrecht zu
vertheidigen und das Petitionsrecht anzugreifen, hatte ihn seit der
Revolution von allen Ehrenstellen ausgeschlossen. Er war ein galliger,
in seinen Hoffnungen getuschter Mann und durchaus nicht geneigt, sich
im Interesse einer Regierung, der er nichts verdankte und von der er
nichts zu erwarten hatte, unpopulr zu machen.

Es ist keine ausfhrliche Darstellung der Gerichtsverhandlungen auf uns
gekommen; doch besitzen wir sowohl eine whiggistische als auch eine
jakobitische Erzhlung.[125] Wie es scheint wollten die Gefangenen,
gegen welche die Untersuchung zuerst vorgenommen wurde, sich nicht
einzeln vertheidigen lassen, und sie wurden daher zusammen prozessirt.
Williams verhrte seine eigenen Zeugen mit einer Strenge, die sie in
Verlegenheit setzte. Die Zuschauermenge, welche den Gerichtssaal fllte,
lachte und schrie. Besonders Lunt kam gnzlich aus der Fassung,
verwechselte die Personen, und sammelte sich erst dann wieder, als die
Richter ihn den Hnden des Kronanwalts entzogen. Fr einige der
Angeklagten wurde ein Alibi constatirt. Auch wurde durch Zeugen
bewiesen, was eine unzweifelhafte Wahrheit war, da Lunt ein Mensch von
verworfenem Character sei. Der Ausgang schien jedoch zweifelhaft, bis
Taaffe zum Schrecken der Anklger in die Zeugenloge trat. Er schwur mit
frecher Stirn, da die ganze Complotgeschichte eine von ihm und Lunt
ersonnene umstndliche Lge sei. Williams warf seine Anklageschrift zu
Boden, und in der That, auch ein ehrenwertherer Advokat wrde das
Nmliche gethan haben. Die vor der Schranke stehenden Gefangenen wurden
sofort freigesprochen, die noch nicht in Untersuchung gezogenen wurden
in Freiheit gesetzt, die Belastungszeugen wurden mit Schimpf und Schande
aus Manchester hinausgetrieben, der Greffier der Krone kam eben noch mit
dem Leben davon und die Richter zogen unter Hohn und Verwnschungen ab.


[_Zusammentritt des Parlaments._] Wenige Tage nach dem Schlusse der
Untersuchungen in Manchester kehrte Wilhelm nach England zurck.
Am 12.November, nur achtundvierzig Stunden nach seiner Ankunft in
Kensington, traten die Huser zusammen. Er beglckwnschte sie wegen
des verbesserten Standes der Dinge. Sowohl zu Lande als zur See seien
die Ereignisse des zu Ende gehenden Jahres im Ganzen genommen den
Verbndeten gnstig gewesen; die franzsischen Armeen htten keine
Fortschritte gemacht, die franzsischen Flotten htten sich nicht zu
zeigen gewagt; dessenungeachtet aber knne ein sicherer und ehrenvoller
Friede nur durch krftige Fortfhrung des Kriegs erlangt werden, und
der Krieg knne ohne groe Geldmittel nicht nachdrcklich fortgesetzt
werden. Wilhelm erinnerte sodann die Gemeinen, da die Acte, durch
die sie der Krone auf vier Jahre das Tonnen- und Pfundgeld bewilligt,
ihrem Erlschen nahe sei, und sprach die Hoffnung aus, da sie erneuert
werden wrde.


[_Tillotson's Tod._] Nachdem der Knig gesprochen hatte, vertagten sich
die Gemeinen aus einem Grunde, den kein Schriftsteller errtert hat, auf
eine Woche. Ehe sie sich wieder versammelten, trat ein Ereigni ein, das
im Palaste und in allen Reihen der Niederkirchenpartei groe Betrbni
verursachte. Tillotson wurde pltzlich krank, whrend er in der Kapelle
von Whitehall dem Gottesdienste beiwohnte. Rasche Hlfe htte ihn
vielleicht retten knnen; aber er wollte die Gebete nicht unterbrechen
und nach beendigtem Gottesdienste war seine Krankheit durch die
Heilkunst nicht mehr zu heben. Er war fast gnzlich der Sprache beraubt;
aber seine Freunde erinnerten sich noch lange mit Vergngen einiger
abgebrochener Ausrufe, welche bewiesen, da er sich bis zum letzten
Augenblicke eines ungetrbten Seelenfriedens erfreute. Er wurde in der
Kirche Saint Lawrence Jewry unweit Guildhall beigesetzt. In dieser
Kirche hatte er sich seinen glnzenden Ruf als Kanzelredner erworben.
Hier hatte er whrend der dreiig Jahre gepredigt, die seiner Erhebung
auf den Thron von Canterbury vorangingen. Seine Beredtsamkeit hatte
Massen von Gelehrten und Gebildeten aus den Inns of Court und aus den
Palsten von St. James und Soho ins Herz der City gezogen. Ein
ansehnlicher Theil seiner Zuhrerschaft hatte in der Regel aus jungen
Geistlichen bestanden, welche kamen, um zu den Fen des Mannes, der
allgemein fr den ersten Kanzelredner galt, die Kunst des Predigens zu
erlernen. Nach dieser Kirche wurde jetzt seine irdische Hlle durch eine
trauernde Bevlkerung getragen. Der Bahre folgte ein endloser Zug
glnzender Equipagen vom Lambeth durch Southwark und ber die
Londonbrcke. Burnet hielt die Leichenrede. Auf sein weiches und braves
Herz strmten so viel rhrende Erinnerungen ein, da er mitten in seinem
Vortrage innehielt und in Thrnen ausbrach, whrend ein lautes Gemurmel
des Schmerzes durch die ganze Versammlung lief. Die Knigin konnte von
ihrem Lieblingslehrer nicht ohne Thrnen sprechen. Selbst Wilhelm war
sichtbar ergriffen. Ich habe, sagte er, den besten Freund verloren,
den ich je gehabt, und den besten Menschen, den ich je gekannt. Der
einzige Englnder, der in jedem der zahlreichen Briefe, welche der Knig
an Heinsius schrieb, mit Wohlwollen erwhnt wird, ist Tillotson. Der
Erzbischof hatte eine Wittwe hinterlassen. Wilhelm setzte ihr ein
Jahrgeld von vierhundert Pfund aus, das er spter auf sechshundert Pfund
erhhte. Seine ngstliche Frsorge, da sie ihre Pension regelmig und
ohne Verzgerungen ausgezahlt erhielt, machte ihm alle Ehre. Zu jedem
Quartaltermin lie er sich das Geld ohne jeden Abzug bringen und
schickte es ihr selbst direct zu. Tillotson hatte ihr auer einer groen
Anzahl Predigten in Manuscript kein Vermgen hinterlassen. Sein Name war
bei seinen Zeitgenossen so berhmt, da diese Predigten von den
Buchhndlern fr die kaum glaubliche Summe von zweitausendfnfhundert
Guineen angekauft wurden, was bei der damaligen klglichen
Beschaffenheit des Silbergeldes mindestens soviel war als
dreitausendsechshundert Pfund. Ein solcher Preis war in England noch nie
fr das Verlagsrecht eines Werks bezahlt worden. Um die nmliche Zeit
erhielt Dryden, dessen Ruhm damals auf dem Hhepunkt war, fr seine
Uebersetzung der smmtlichen Werke Virgil's dreizehnhundert Pfund, und
man hielt dies fr ein glnzendes Honorar.[126]


[_Tenison, Erzbischof von Canterbury._] Es war nicht leicht, die hohe
Stelle, welche durch Tillotson's Tod zur Erledigung gekommen war, in
zufriedenstellender Weise zu besetzen. Marie stimmte fr Stillingfleet
und betrieb seine Ansprche so nachdrcklich, wie sie berhaupt je etwas
zu betreiben wagte. In Bezug auf Talente und Kenntnisse waren ihm wenige
Mitglieder der Geistlichkeit berlegen. Aber obgleich er von Jane und
South wahrscheinlich als ein Niederkirchlicher betrachtet worden wre,
so war er doch Wilhelm noch zu hochkirchlich, und daher wurde Tenison
ernannt. Der neue Primas war zwar kein besonders ausgezeichneter
Kanzelredner oder Gelehrter, aber er war rechtschaffen, besonnen,
fleiig und wohlwollend; er war ein guter Rector eines groen
Kirchspiels und ein guter Bischof einer groen Dicese gewesen; die
Verleumdung hatte seinen Namen noch nicht begeifert, und man durfte wohl
hoffen, da ein Mann von gesundem Verstande, Migung und
Rechtschaffenheit die schwierige Aufgabe, eine mivergngte und
zerrissene Kirche zu beruhigen, mit besserem Erfolge lsen werde, als
ein Mann von glnzendem Genie und hochfliegendem Sinne.

Inzwischen hatten die Gemeinen ihre Geschfte begonnen. Sie bewilligten
freudig ungefhr zwei Millionen vierhunderttausend Pfund fr die Armee
und eben so viel fr die Flotte. Die Grundsteuer wurde fr das nchste
Jahr abermals auf vier Shilling vom Pfunde festgesetzt; die
Tonnengeldacte wurde auf fnf Jahre erneuert und ein Fond gegrndet, auf
den die Regierung zwei und eine halbe Million aufnehmen durfte.


[_Debatten ber die gerichtlichen Verfolgungen in Lancashire._] In
beiden Husern wurde einige Zeit auf die Discutirung der
Manchesterprozesse verwendet. Wren die Mivergngten klug gewesen, so
wrden sie sich mit dem schon errungenen Vortheile begngt haben. Ihre
Freunde waren in Freiheit gesetzt worden. Die Englnder waren mit Mhe
einer wthenden Menge entronnen. Der Ruf der Regierung war bedeutend
erschttert. Die Minister wurden in Prosa und in Versen, bald im Ernst,
bald im Scherz beschuldigt, eine Bande Schurken gemiethet zu haben, um
durch meineidige Aussagen achtbare Gentlemen an den Galgen zu bringen.
Selbst gemigte Politiker, welche diesen niedertrchtigen
Beschuldigungen keinen Glauben schenkten, gaben zu, da Trenchard sich
den Schurkereien Fuller's und Young's htte erinnern und gegen solche
Elende wie Taaffe und Lunt auf seiner Hut sein sollen. Die Gesundheit
und der Lebensmuth des unglcklichen Sekretrs hatten gelitten. Man
sagte, da er dem Grabe entgegenwanke, und es war gewi, da er nicht
lange mehr die Siegel fhren werde. Die Tories hatten einen groen Sieg
gewonnen, aber in ihrem Eifer, denselben zu benutzen, verwandelten sie
ihn in eine Niederlage.

Bald nach Erffnung der Session beschwerte sich Howe mit seiner
gewohnten Heftigkeit und Bitterkeit ber die Unwrdigkeiten, denen
schuldlose und ehrenwerthe Mnner von hoher Geburt und hohem Ansehen
durch Aaron Smith und die von ihm bezahlten Schurken unterworfen worden
seien. Die Whighupter verlangten mit richtigem Takte eine Untersuchung.
Jetzt begannen die Tories Ausflchte zu machen, denn sie wuten wohl,
da eine Untersuchung ihrer Sache nur schaden konnte. Der Fall, sagten
sie, sei untersucht worden, eine Jury habe ihr Verdict abgegeben, das
Verdict sei ein definitives gewesen, und es wrde monstrs sein, wollte
man den falschen Zeugen, welche mit Steinwrfen aus Manchester getrieben
worden, Gelegenheit geben, ihr eingelerntes Pensum zu wiederholen. Die
Antwort auf dieses Argument lag sehr nahe. Das Verdict war ein
definitives in Bezug auf die Angeklagten, nicht aber in Bezug auf die
Anklger. Die Anklger waren jetzt ihrerseits Angeklagte und hatten
Anspruch auf alle Rechte Angeklagter. Daraus, da die Gentlemen von
Lancashire des Hochverraths nicht schuldig befunden worden waren und
dies ganz angemessener Weise, folgte noch nicht, da der Staatssekretr
oder der Prokurator des Schatzes sich der Parteilichkeit oder auch nur
der Uebereilung schuldig gemacht hatten. Das Haus beschlo mit
hundertneunzehn gegen hundertzwei Stimmen, da Aaron Smith und die
beiderseitigen Zeugen vorgeladen werden sollten. Mehrere Tage vergingen
unter Verhren und Kreuzverhren und die Sitzungen dauerten zuweilen bis
spt in die Nacht. Es wurde bald klar, da die Anklage nicht ganz
grundlos und da einige der freigesprochenen Personen wirklich bei
hochverrtherischen Plnen betheiligt gewesen waren. Die Tories wrden
sich jetzt mit einer unentschiedenen Schlacht begngt haben; aber die
Whigs waren nicht gemeint, ihren Vortheil aus der Hand zu geben. Es
wurde beantragt, da hinreichender Grund zu dem Prozeverfahren vor der
Specialcommission vorhanden gewesen sei, und dieser Antrag ging ohne
Abstimmung durch. Die Opposition schlug die Einschaltung einiger Worte
vor, welche erklrten, da die Kronzeugen falsch geschworen htten; aber
diese Worte wurden mit hundertsechsunddreiig gegen hundertneun Stimmen
verworfen, und mit hundertdreiig gegen siebenundneunzig Stimmen
resolvirt, da eine gefhrliche Verschwrung existirt habe. Die Lords
hatten whrenddem denselben Gegenstand berathen und waren zu
dem nmlichen Schlusse gelangt. Sie schickten Taaffe wegen
Wahrheitsverdrehung ins Gefngni und nahmen Beschlsse an, welche
sowohl die Regierung als auch die Richter von jedem Tadel freisprachen.
Das Publikum blieb jedoch nach wie vor der Ueberzeugung, da die in
Manchester zur Untersuchung gezogenen Personen ohne Grund verfolgt
worden seien, bis ein jakobitisches Complot von emprender
Abscheulichkeit, dessen die Verschwrer durch entscheidende Beweise
berfhrt wurden, einen heftigen Rckschlag der ffentlichen Meinung
herbeifhrte.[127]

Unterdessen waren drei Bills, welche in frheren Jahren wiederholt
berathen und von denen zwei vergebens am Fue des Throns berreicht
worden waren, aufs Neue eingebracht worden: die Stellenbill, die Bill
zur Regulirung des Verfahrens in Hochverrathsfllen, und die
Dreijhrigkeitsbill.


[_Die Stellenbill._] Die Stellenbill kam nicht vor die Lords. Sie wurde
im Unterhause dreimal gelesen, aber nicht angenommen. Noch im
letzten Augenblicke wurde sie mit hundertfnfundsiebzig gegen
hundertzweiundvierzig Stimmen verworfen. Howe und Harley waren
Stimmenzhler fr die Minoritt.[128]


[_Die Bill zur Regulirung des Verfahrens in Hochverrathsfllen._] Die
Bill zur Regulirung des Verfahrens in Hochverrathsfllen kam auch
diesmal wieder vor die Peers. Wiederum fgten Ihre Lordschaften ihr die
Klausel bei, die ihr frher verderblich geworden war, und wiederum
weigerten sich die Gemeinen, der erblichen Aristokratie irgend ein neues
Vorrecht einzurumen. Es wurden wieder Conferenzen gehalten und Grnde
ausgetauscht; beide Huser waren wieder hartnckig, und die Bill fiel
abermals.[129]


[_Die Dreijhrigkeitsbill angenommen._] Die Dreijhrigkeitsbill war
glcklicher. Sie wurde am ersten Tage der Session eingebracht und ging
leicht und rasch durch beide Huser. Die einzige Frage, ber welche sich
ein ernsthafter Streit entspann, war die, wie lange das gegenwrtige
Parlament fortbestehen solle. Nach mehreren lebhaften Debatten wurde der
November des Jahres 1696 als der uerste Termin festgesetzt. Die
Tonnengeldbill und die Dreijhrigkeitsbill hielten fast gleichen Schritt
mit einander. Beide waren am 22. December bereit, die knigliche
Genehmigung zu empfangen. Wilhelm kam an diesem Tage mit feierlichem
Geprnge nach Westminster. Die Mitglieder beider Huser waren in groer
Zahl anwesend. Als der Kronsekretr die Worte ablas: Eine Bill zur
hufigen Einberufung und Versammlung der Parlamente war die Spannung
gro. Als der Sekretr des Parlaments antwortete: +Le roy et la royne
le veulent+ lief ein lautes und langanhaltendes Gemurmel des Vergngens
und Frohlockens durch die Bnke und die Schranke.[130] Wilhelm hatte
schon seit vielen Monaten beschlossen, einem so populren Gesetze nicht
zum zweiten Male seine Genehmigung zu verweigern.[131] Manche waren
jedoch der Meinung, da er ein so groes Zugestndni nicht gemacht
haben wrde, wenn er an diesem Tage ganz er selbst gewesen wre. Es war
in der That deutlich zu sehen, da er ungewhnlich aufgeregt und
angegriffen war. Man hatte angekndigt, er werde in Whitehall ffentlich
speisen. Aber er lie die Neugierde der Menge, welche bei solchen
Gelegenheiten nach Hofe strmte, unbefriedigt und eilte nach Kensington
zurck.[132]


[_Tod Mariens._] Er hatte nur zu guten Grund, aufgeregt zu sein. Seine
Gemahlin war seit einigen Tagen unwohl und am vorhergehenden Abend
hatten sich bedenkliche Symptome gezeigt. Sir Thomas Millington, der
Leibarzt des Knigs, glaubte, sie habe die Masern. Radcliffe aber, der
sich trotz seines unfeinen Benehmens und seiner geringen
Bchergelehrsamkeit hauptschlich durch seine seltene Geschicklichkeit
in der Diagnostik die ausgebreitetste Praxis in London erworben hatte,
sprach das bedenklichere Wort Pocken aus. Diese Krankheit, ber welche
die Wissenschaft seitdem eine Reihe ruhmvoller und wohlthtiger Siege
errungen hat, war damals die furchtbarste aller Dienerinnen des Todes.
Die Pest hatte die Menschen rascher hingerafft, aber sie hatte unsere
Ksten seit Menschengedenken nur ein- oder zweimal heimgesucht; die
Pocken hingegen herrschten bestndig, fllten die Friedhfe mit Leichen,
qulten Alle, die sie noch nicht gehabt hatten, mit einer fortwhrenden
Angst, lieen an Denen, deren Leben sie verschonten, die abschreckenden
Spuren ihrer Macht zurck, verwandelten den Sugling in ein hliches
Geschpf, vor dem die Mutter zurckschauderte, und machten die Augen und
Wangen der Braut zu Gegenstnden des Abscheus fr den Geliebten. Gegen
das Ende des Jahres 1694 wthete diese Seuche mit mehr als gewhnlicher
Bsartigkeit. Endlich verbreitete sich die Epidemie auch in den Palast
und ergriff die junge blhende Knigin. Sie vernahm die Ankndigung der
ihr drohenden Gefahr mit wahrer Seelengre. Sie gab Befehl, da jede
ihrer Hofdamen, jedes ihrer Ehrenfruleins, ja selbst jeder niedere
Dienstbote, der die Pocken noch nicht gehabt, Kensington House sofort
verlassen solle. Sie schlo sich auf kurze Zeit in ihr Zimmer ein,
verbrannte einige Papiere, ordnete andere und erwartete dann gefat ihr
Schicksal.

Einige Zeit wechselten Hoffnung und Besorgni hufig mit einander ab.
Die Aerzte widersprachen einander und sich selbst in einer Weise, welche
den damaligen Stand der Heilkunst deutlich verrth. Bald sollte die
Krankheit die Masern, bald das Scharlachfieber, bald das Fleckfieber,
bald der Rothlauf sein. Einmal wurden einige Symptome, welche gerade
bewiesen, da der Zustand der Patientin hoffnungslos war, als Zeichen
der wiederkehrenden Gesundheit begrt. Endlich war jeder Zweifel
vorber. Radcliffe's Ausspruch erwies sich als der richtige. Es war
klar, da die Knigin von den Pocken in der bsartigsten Form ergriffen
war.

Diese ganze Zeit ber brachte Wilhelm Tag und Nacht an ihrem Lager zu.
Das kleine Bett, auf dem er schlief, wenn er im Felde war, wurde im
Vorzimmer fr ihn aufgeschlagen, aber er legte sich nur selten darauf.
Der Anblick seines Kummers, schrieb der hollndische Gesandte, msse
auch das gefhlloseste Herz rhren. Nichts schien mehr von dem Manne
brig zu sein, dessen heitere Standhaftigkeit an dem unglcklichen Tage
von Landen alte Soldaten und in der schauerlichen Nacht zwischen den
Eisschollen und Sandbnken der Kste von Goren alte Seeleute in
Erstaunen gesetzt hatte. Selbst die Dienerschaft sah die Thrnen
unaufhaltsam ber das Antlitz herabrollen, dessen ernste Ruhe nur selten
durch einen Triumph oder durch eine Niederlage gestrt worden war.
Mehrere Prlaten waren anwesend. Der Knig zog Burnet auf die Seite und
machte seinem Schmerze gegen ihn Luft. Es ist keine Hoffnung, rief er
aus. Ich war der glcklichste Mann auf Erben; jetzt bin ich der
unglcklichste. Sie hatte keinen Fehler, keinen; Sie kannten sie genau;
aber ihre Herzensgte kannten Sie nicht, die kannte Niemand als ich.
Tenison bernahm es ihr zu sagen, da sie sterben msse. Er frchtete,
da eine solche Mittheilung ohne gehrige Vorbereitung sie heftig
erschttern werde, und er ging daher mit groer Schonung zu Werke. Aber
sie errieth bald was er meinte und ergab sich mit dem edlen weiblichen
Muthe, der so oft unsre Unerschrockenheit beschmt, in den Willen
Gottes. Sie lie sich ein kleines Kstchen bringen, in welchem sie ihre
wichtigsten Papiere verschlossen hatte, befahl da es sogleich nach
ihrem Tode dem Knige eingehndigt werden solle, und ri sich dann von
allen irdischen Sorgen los. Sie geno das heilige Abendmahl und sprach
die auf sie kommenden Worte mit ungeschwchtem Gedchtni und
Bewutsein, wenn auch mit leiser Stimme. Sie bemerkte, da Tenison lange
an ihrem Bett gestanden hatte und stammelte mit der ihr eigenen
liebenswrdigen Artigkeit die Bitte, da er sich niedersetzen mchte,
und wiederholte dieselbe, bis er ihr nachkam. Nachdem sie das Sakrament
empfangen, nahm ihre Schwche rasch zu und sie stammelte nur noch
abgebrochene Worte. Zweimal versuchte sie es, von dem Manne Abschied zu
nehmen, den sie so innig und ausschlielich geliebt hatte; aber sie
konnte nicht mehr sprechen. Er hatte eine Reihe so beunruhigender
Zuflle, da seine Staatsrthe, die in einem anstoenden Gemache
versammelt waren, fr seinen Verstand und fr sein Leben frchteten. Der
Herzog von Leeds wagte es auf Ersuchen seiner Collegen die
freundschaftliche Frsorge zu bernehmen, deren durch Kummer zerrttete
Gemther bedrfen. Wenige Minuten vor dem Hinscheiden der Knigin wurde
Wilhelm fast bewutlos aus dem Krankenzimmer getragen.

Marie starb in Frieden mit Anne. Ehe die Aerzte die Krankheit fr
hoffnungslos erklrten, hatte die Prinzessin, deren Gesundheit damals
sehr delikat war, sich freundlich erkundigen lassen, und Marie hatte
freundlich geantwortet. Die Prinzessin hatte sich dann erboten, selbst
zu kommen, aber Wilhelm hatte dieses Erbieten mit herzlichen Worten
abgelehnt. Das Aufregende einer Unterredung, sagte er, wrde beiden
Schwestern zu nachtheilig sein. Sobald jedoch eine gnstige Wendung
eintrte, wrde Ihre knigliche Hoheit in Kensington hchst willkommen
sein. Wenige Stunden spter war Alles vorbei.[133]

Die ffentliche Theilnahme war gro und allgemein. Denn Mariens
tadelloser Wandel, ihre groe Mildthtigkeit und ihre einnehmenden
Manieren hatten ihr die Herzen ihres Volks gewonnen. Die Gemeinen
verharrten in ihrer nchsten Sitzung einige Zeit in tiefem
Stillschweigen. Endlich wurde beantragt und beschlossen, da dem Knige
eine Condolenzadresse berreicht werden solle, und dann trennte sich das
Haus wieder, ohne zu weiteren Geschften berzugehen. Der hollndische
Gesandte schrieb an die Generalstaaten, da viele Mitglieder ihre
Taschentcher vor den Augen gehabt htten. Die Menge der betrbten
Gesichter, die man auf der Strae sah, fiel jedem Beobachter auf. Die
Trauer war allgemeiner als selbst die Trauer um Karl II. gewesen war.
Am ersten Sonntage nach dem Ableben der Knigin wurde in fast jeder
Kirche der Hauptstadt und in fast jeder groen Versammlung von
Nonconformisten ihr Gedchtni gefeiert.[134]

Die achtungswertheren Jakobiten ehrten Wilhelm's Schmerz und Mariens
Andenken. Den heftigeren Zeloten der Partei aber war weder das Haus der
Trauer noch das Grab heilig. In Bristol luteten die Anhnger Sir John
Knight's die Glocken, wie zur Feier eines Sieges.[135] Es ist oft
erzhlt worden und klingt durchaus nicht unwahrscheinlich, da ein
eidverweigernder Geistlicher inmitten der allgemeinen Trauer ber den
Text gepredigt habe: Besehet doch die Verfluchte und begrabet sie, denn
sie ist eines Knigs Tochter. Es ist erwiesen, da einige der
abgesetzten Priester sie bis ans Grab mit Schmhungen verfolgten. Ihr
Tod, sagten sie, sei offenbar eine Strafe fr ihr Verbrechen. Gott habe,
vom Gipfel des Sinai unter Donner und Blitz den Kindern, die ihre Eltern
ehren wrden, langes Leben versprochen, und in diesem Versprechen liege
augenscheinlich eine Drohung. Welcher Vater sei jemals von seinen
Tchtern so schndlich behandelt worden wie Jakob von Marien und Anna?
Marie sei in der Blthe des Lebens, in der Flle der Schnheit, auf dem
Gipfel des Glcks dahingerafft worden, und Anna werde wohl thun, diese
Warnung zu benutzen. Wagstaffe ging noch weiter und sprach ein Langes
und Breites ber gewisse sonderbare Zeitcoincidenzen. Jakob sei in der
Weihnachtswoche aus seinem Palaste und seinem Lande vertrieben worden.
Marie sei in der Weihnachtswoche gestorben. Es knne keinem Zweifel
unterliegen, da, wenn wir die Geheimnisse der Vorsehung zu ergrnden
vermchten, wir finden wrden, da die Wendung in der Krankheit der
Tochter im December 1694 in genauer Analogie mit der Wendung in dem
Schicksale des Vaters im December 1688 stnde. Um Mitternacht sei der
Vater von Rochester geflohen; um Mitternacht sei die Tochter gestorben.
Solcher Art war die Tiefe und der Scharfsinn eines Schriftstellers, den
die jakobitischen Schismatiker mit Recht als eines ihrer talentvollsten
Hupter betrachteten.[136]

Die Whigs hatten bald eine Gelegenheit, sich zu revangiren. Triumphirend
erzhlten sie, da ein Stadtschreiber, ein starrer Anhnger des
erblichen Rechts, whrend er ber die Strafe, welche die Knigin ereilt
habe, frohlockte, selbst pltzlich todt zu Boden gesunken sei.[137]


[_Mariens Leichenbegngni._] Des Leichenbegngnisses erinnerte man sich
lange als des traurigsten und feierlichsten, das Westminster je gesehen.
Whrend die irdische Hlle der Knigin in Whitehall auf dem Paradebette
lag, waren die benachbarten Straen von Sonnenaufgang bis
Sonnenuntergang mit Menschenmassen angefllt, welche allen
Geschftsverkehr unmglich machten. Die beiden Huser mit ihren Sceptern
folgten der Bahre, die Lords in Scharlach und Hermelin, die Gemeinen in
langen schwarzen Mnteln. Noch nie war ein Souverain vom Parlamente zum
Grabe geleitet worden, denn bisher war das Parlament immer mit dem
Souverain erloschen. Man hatte zwar eine Schrift verbreitet, in der ein
unbedeutender scharfzungiger Rabulist seine Logik anwendete, um den
Beweis zu fhren, da Ausschreiben, welche unter den vereinten Namen
Wilhelm's und Mariens erlassen seien, keine Gltigkeit mehr haben
knnten, sobald Wilhelm allein regierte. Aber diese erbrmliche
Sophisterei hatte ihre Wirkung gnzlich verfehlt. Sie war im Unterhause
gar nicht, und im Oberhause nur erwhnt worden, um mit Verachtung
verworfen zu werden. Die gesammte Magistratur der City schlo sich dem
Zuge an. Die Banner England's und Frankreich's, Schottland's und
Irland's wurden von vornehmen Edelleuten vor dem Sarge her getragen. Die
Zipfel des Leichentuches trugen die Oberhupter der berhmten Huser
Howard, Seymour, Grey und Stanley. Auf dem prachtvollen Sarge von Purpur
und Gold lagen Krone und Scepter des Reichs. Der Tag war ganz geeignet
fr eine solche Feierlichkeit. Der Himmel war dunkel und trbe und
einige Schneeflocken fielen auf die schwarzen Federn des Leichenwagens.
In der Abtei strahlten Schiff, Chor und Transept von zahllosen
Wachskerzen. Die Leiche wurde unter einem prchtigen Thronhimmel im
Mittelpunkte der Kirche abgesetzt, whrend der Primas predigte. Der
erste Theil seines Vortrags war durch pedantische Abtheilungen und
Unterabtheilungen verunziert; gegen den Schlu hin aber erzhlte er was
er selbst gesehen und gehrt mit einer Einfachheit und einem Ernste,
welche ergreifender waren, als die kunstvollste Rhetorik es htte sein
knnen. Whrend der ganzen Ceremonie hrte man von Minute zu Minute den
entfernten Kanonendonner von den Batterien des Tower. Die holde Knigin
ruht unter ihren erlauchten Verwandten im sdlichen Flgel der Kapelle
Heinrich's VII.[138]


[_Grndung des Greenwich-Hospitals._] Die Liebe, mit der ihr Gemahl ihr
Andenken feierte, wurde bald durch das prchtigste Denkmal bethtigt,
das je einem Herrscher errichtet worden ist. Kein Plan war so ganz von
ihr ausgegangen und hatte ihr so sehr am Herzen gelegen als der, den
Palast zu Greenwich in ein Asyl fr Seeleute zu verwandeln. Die Idee war
in ihr aufgestiegen, als sie sah, wie schwer es hielt, den Tausenden von
Tapferen, welche nach der Schlacht von La Hogue verwundet nach England
zurckkehrten, ein gutes Obdach und gute Pflege zu verschaffen. Zu ihren
Lebzeiten war so gut wie nichts fr die Verwirklichung ihres
Lieblingsplanes gethan worden. Aber es war als ob ihr Gemahl, sobald er
sie verloren, sich wegen der Nichtachtung ihrer Wnsche Vorwrfe gemacht
htte. Es wurde keine Zeit mehr verloren. Man entwarf einen Bauplan, und
bald erhob sich am Ufer der Themse ein Gebude, das das Asyl, welches
der prachtliebende Ludwig fr seine Soldaten errichtet, bei weitem
bertraf. Wer die Inschrift rund um den Fries der Halle liest, wird
bemerken, da Wilhelm keinen Theil von dem Verdienste des Plans fr sich
beansprucht und da er dasselbe lediglich Marien berlt. Htte der
Knig bis zur Vollendung des Bauwerks gelebt, so wrde die Statue der
Frau, welche die eigentliche Grnderin der Anstalt war, in dem Hofe, der
den Massen, welche bestndig den majesttischen Strom auf und ab fahren,
zwei hohe Kuppeln und zwei geschmackvolle Sulengnge zeigt, einen ins
Auge fallenden Platz erhalten haben. Doch dieser Theil des Planes kam
nicht zur Ausfhrung, und nur Wenige von Denen, welche jetzt das
groartigste aller Hospitler Europa's betrachten, wissen, da es ein
Erinnerungszeichen der Tugenden der Knigin Marie, der Liebe und der
Trauer Wilhelm's und des groen Sieges von La Hogue ist.


Funoten.

[1] +Life of James, II. 497.+

[2] +Hamilton's Zeneyde.+

[3] +A View of the Court of St. Germains from the Year 1690 to
1695, 1696; Ratio Ultima, 1697.+ In den +Nairne Papers+ befindet sich
ein Brief, in welchem den eidverweigernden Bischfen befohlen wird,
einen protestantischen Geistlichen nach Saint-Germains zu schicken.
Diesem Briefe wurde schleunigst ein andrer nachgesandt, der den Befehl
widerrief. Beide Briefe findet man in Macpherson's Sammlung. Sie sind
beide vom 16. Oct. 1693 datirt. Ich vermuthe, da der erste nach dem
neuen Style, der zweite nach dem alten Style datirt war.

[4] +Ratio Ultima; History of the late Parliament, 1699.+

[5] +View of the Court of St. Germains from 1690 to 1695.+ Da
Dunfermline sehr schlecht behandelt wurde, geht selbst aus den Memoiren
Dundee's, 1714, klar hervor.

[6] Noch im Jahre 1690 machte das Conclave der Jakobitenhupter, das
Preston seine Instructionen gab, Jakob nachdrckliche Vorstellungen
ber diesen Gegenstand. Er mu die Bigotterie von Saint-Germains
verwerfen und ihren Sinn dahin lenken, da sie auf die Mittel denken,
von denen sich am ehesten erwarten lt, da die Nation dadurch
gewonnen wird. Denn tglich geschieht dort dies und jenes, was zu
unsrer Kenntni kommt, wodurch die Erfllung ihrer sehnlichen Wnsche
verzgert wird. Siehe auch +A Short and True Relation of Intrigues
transacted both at Home and Abroad to restore the late King James,
1694.+

[7] +View of the Court of St. Germains.+ Die in diesem Werke gegebene
Darstellung wird durch eine wichtige Schrift besttigt, die sich unter
den Nairne'schen Manuscripten befindet. Einige von den Oberhuptern der
jakobitischen Partei in England richteten eine Vorstellung an Jakob,
worin eine Stelle folgendermaen lautet: Sie bitten, da Eure Majestt
geruhen mge, den Kanzler von England in Ihren Staatsrath aufzunehmen;
Ihre Feinde haben Vortheil davon, da er nicht darin ist. Jakob's
Antwort ist ausweichend: Der Knig wird bei jeder Gelegenheit bereit
sein, die gerechte Werthschtzung und Achtung zu bekunden, die er
seinem Lordkanzler zollt.

[8] +A Short and True Relation of Intrigues, 1694.+

[9] Siehe den Aufsatz mit der Ueberschrift: Fr meinen Sohn, den
Prinzen von Wales, 1692. Er ist am Schlusse des +Life of James+
abgedruckt.

[10] Burnet +I+. 683.

[11] Ueber diesen Ministerwechsel in Saint-Germains sehe man die hchst
interessante aber sehr verworrene Erzhlung im Leben Jakob's, +II+.
498-515; Burnet +II+. 219; +Mmoires de Saint-Simon; A French Conquest
neither desirable nor practicable;+ und die aus den +Nairne Papers+ von
Macpherson abgedruckten Briefe.

[12] +Life of James, II. 509.+ Bossuet's Ansicht findet man im Appendix
zu Mazure's Geschichte. Der Bischof fat seine Argumente folgendermaen
zusammen: +Je dirai donc volontiers, aux Catholiques, s'il y en a qui
n'approuvent point la dclaration dont il s'agit; Noli esse justus
multum; neque plus sapias quam necesse est, ne obstupescas.+ Im Leben
Jakobs wird behauptet, da die franzsischen Doctoren andrer Meinung
geworden seien und da Bossuet, obgleich er lnger ausgehalten als die
Uebrigen, endlich auch eingesehen, da er im Irrthum gewesen, sich aber
nicht habe entschlieen knnen, frmlich zu widerrufen. Ich habe eine
viel zu hohe Meinung von Bossuet's Verstande, als da ich dies glauben
knnte.

[13] +Life of James, II. 505.+

[14] +En fin celle cy -- j'entends la dclaration -- n'est que
pour rentrer; et l'on peut beaucoup mieux disputer des affaires des
Catholiques  Whythall qu' Saint Germain.+ Mazure, Anhang.

[15] Baden an die Generalstaaten, 2. (12.) Juni 1693. Viertausend noch
feuchte Exemplare wurden in diesem Hause gefunden.

[16] Baden's Briefe an die Generalstaaten vom Mai und Juni 1693.
+An Answer to the late King James's Declaration published at Saint
Germains, 1693.+

[17] +Life of James, II. 514.+ Ich kann nicht glauben, da Ken zu Denen
gehrte, welche die Erklrung von 1693 als zu mild tadelten.

[18] Unter den +Nairne Papers+ befindet sich ein Brief, den Middleton
bei dieser Gelegenheit an Macarthy schrieb, welcher damals in
Deutschland diente. Middleton bemht sich, Macarthy zu beschwichtigen
und ihn zur Beschwichtigung Anderer zu bewegen. Kein Staatsminister
hat je etwas Falscheres geschrieben. Der Knig, sagt der Sekretr,
verspricht in der vorerwhnten Erklrung, die Vertheilung des
Grundeigenthums wieder in den vorigen Stand zu setzen, zu gleicher Zeit
aber erklrt er, da er alle Diejenigen, welche darunter leiden, durch
Aequivalente entschdigen werde. Jakob erklrte jedoch keineswegs, da
er irgend Jemanden entschdigen wolle, sondern nur, da er mit seinem
Parlamente ber den Gegenstand zu Rathe gehen werde. Ferner erklrte
er nicht, da er ber die Entschdigung Aller, welche darunter leiden
knnten, sondern nur Derjenigen, die ihn bis zuletzt begleitet htten,
mit dem Parlamente zu Rathe gehen werde. Und endlich sagte er nichts
von Aequivalenten. Die Idee, Jedermann, der unter der Ansiedlungsacte
litt, ein Aequivalent zu geben, mit anderen Worten, ein Aequivalent
fr das Freilehen des halben Grund und Bodens von Irland zu geben,
war offenbar absurd. Middleton's Brief befindet sich in Macpherson's
Sammlung. Ich will ein Beispiel von der Sprache geben, welche die
Whigs bei dieser Gelegenheit fhrten. Die Katholiken Irland's,
sagt ein Schriftsteller, weichen zwar im Punkte des Interesses wie
des Bekenntnisses von uns ab, aber man mu ihnen die Gerechtigkeit
widerfahren lassen, da sie, wenn auch nicht von uns, so doch von
dem vorigen Knige Gutes verdient haben, und da der vorige Knig
sie verlie und ausschlo, ist ein Beispiel von so ungewhnlicher
Undankbarkeit, da die Protestanten nicht verpflichtet sind, zu einem
Frsten zu halten, der seine eigne Partei und ein Volk im Stiche
lt, das ihm und seinen Interessen bis zum letzten Augenblicke treu
geblieben ist. -- +A short and true Relation of the Intrigues etc.
1694.+

[19] Das Stiftungsdecret wurde vom Pariser Parlamente am 10. April 1693
einregistrirt.

[20] Der Brief ist vom 19. April 1693. Er befindet sich unter den
Nairne'schen Manuscripten und wurde von Macpherson abgedruckt.

[21] +Il ne me plait nullement que M. Middleton est all en France.
Ce n'est pas un homme qui voudrait faire un tel pas sans quelque
chose d'importance, et de bien concert sur quoy j'ay fait beaucoup de
reflections que je reserve  vous dire a vostre heureuse arrive.+ --
Wilhelm an Portland von Loo, 18. (28.) April 1693.

[22] Die beste Schilderung von Wilhelm's damaligen Mhen und
Besorgnissen findet man in seinen Briefen an Heinsius, besonders in
denen vom 1., 9. und 30. Mai 1693.

[23] Er spricht sehr niedergeschlagen in seinem Briefe an Heinsius vom
30. Mai. Saint Simon sagt: +On a su depuis que le Prince d'Orange
crivit plusieurs fois au prince de Vaudemont, son ami intime, qu'il
tait perdu et qu'il n'y avait que par un miracle qu'il put chapper.+

[24] Saint-Simon; Monthly Mercury, Juni 1693. Burnet +II+. 111.

[25] +Mmoires de Saint-Simon;+ Burnet +I+. 404.

[26] Wilhelm an Heinsius, 7. (17.) Juli 1693.

[27] Saint-Simon's Worte sind bemerkenswerth: +Leur cavalerie,+
sagt er, +y fit d'abord plier les troupes d'lite jusqu'alors
invincibles.+ Er setzt hinzu: +Les gardes du Prince d'Orange, ceux de
M. de Vaudemont, et deux regimens anglais en eurent l'honneur.+

[28] Berwick; Saint-Simon; Burnet +I+. 112. 113; Feuquires; London
Gazette vom 27. und 31. Juli und 3. August 1693; franzsischer
officieller Bericht; Bericht, den der Knig von Grobritannien an Ihre
Hochmgenden sandte, vom 2. August 1693; Auszug aus einem Briefe vom
Adjutanten der Gardedragoner des Knigs von England vom 1. August;
Dykvelt's Brief an die Generalstaaten, datirt vom 30. Juli Nachmittags.
Die letzten vier Piecen findet man in dem Monthly Mercury vom Juli und
August 1693. Siehe auch die +History of the last Campain in the Spanish
Netherlands, by Edward D'Auverquerque,+ dem Herzog von Ormond gewidmet,
1693. Die Franzosen lieen Wilhelm Gerechtigkeit widerfahren. +Le
prince d'Orange,+ schrieb Racine an Boileau, +pensa tre pris aprs
avoir fait des merveilles.+ Siehe ferner die glhende Schilderung von
Sterne, der wahrscheinlich noch oftmals von alten Soldaten die Schlacht
hatte durchkmpfen hren. Bei dieser Gelegenheit blieb der Corporal
Trim verwundet auf dem Schlachtfelde liegen und wurde von der Beguine
gepflegt.

[29] Brief von Lord Perth an seine Schwester vom 17. Juni 1694.

[30] Saint-Simon erwhnt den gegen den Marschall ausgesprochenen Tadel.
Feuquires, der ein sehr competenter Richter war, sagt uns, Luxemburg
sei mit Unrecht getadelt worden und die franzsische Armee sei wirklich
durch ihre Verluste zu sehr geschwcht gewesen, um ihren Sieg benutzen
zu knnen.

[31] Die Angabe dessen was geschehen sein wrde, wenn Luxemburg die
Macht und den Willen gehabt htte, seinen Sieg zu benutzen, habe ich
einer wie es scheint sehr mnnlichen und verstndigen Rede entnommen,
welche Talmash am nchsten 11. December im Hause der Gemeinen hielt.
Siehe Grey's +Debates+.

[32] Wilhelm an Heinsius vom 20. (30.) Juli 1693.

[33] Wilhelm an Portland, 21. (31.) Juli 1693.

[34] London Gazette vom 24. April und 15. Mai 1693.

[35] +Burchett's Memoirs of Transactions at Sea;+ Burnet +II+. 114,
115, 116; London Gazette vom 17. Juli 1693; Monthly Mercury vom Juli;
Brief aus Cadix vom 4. Juli.

[36] +Narcissus Luttrell's Diary;+ Baden an die Generalstaaten,
14.(24.) Juli, 25. Juli (4. Aug.). Unter den Tanner'schen Manuscripten
in der Bodlejanischen Bibliothek befinden sich Briefe, welche die
Aufregung in der City schildern. Ich wnsche, sagt einer von
Sancroft's jakobitischen Correspondenten, da er uns die Augen ffnen
und unsre Ansicht ndern mge. Aber nach den Berichten, die ich
gesehen habe, verlie die Trkei-Compagnie vollkommen befriedigt und
aufgeheitert die Knigin und den Staatsrath.

[37] London Gazette vom 21. Aug. 1693; L'Hermitage an die
Generalstaaten, 28. Juli (7. Aug.). Da ich in diesem und den folgenden
Kapiteln die Depeschen L'Hermitage's hufig benutzen werde, so wird es
passend sein, etwas ber ihn zu sagen. Er war ein franzsischer Refugi
und lebte als Agent der Waldenser in London. Einige seiner
Beschftigungen hatte darin bestanden, Heinsius Neuigkeitsbriefe zu
senden. Einige interessante Auszge aus diesen Neuigkeitsbriefen findet
man in dem Werke des Barons Sirtema de Grovestins. Wahrscheinlich auf
Anrathen des Gropensionairs forderten die Generalstaaten durch einen
vom 24. Juli (3. Aug.) 1693 datirten Beschlu L'Hermitage auf,
Nachrichten ber das was in England vorging zu sammeln und ihnen zu
bersenden. Seine Briefe sind reich an interessanten und werthvollen
Mittheilungen, die man sonst nirgends findet. Von ganz besonderem Werthe
sind seine Berichte ber die Parlamentsverhandlungen, und dies scheinen
auch seine Vorgesetzten wohl erkannt zu haben.

Abschriften von den Depeschen L'Hermitage's und berhaupt aller
Gesandten und Agenten, welche die Generalstaaten seit den Zeiten der
Knigin Elisabeth in England unterhielten, befinden sich jetzt in
der Bibliothek des britischen Museums oder werden sich bald daselbst
befinden. Diesen werthvollen Zuwachs zu dem groen Nationalmagazin
des Wissens verdankt das Land hauptschlich Lord Palmerston. Es
wrde jedoch Unrecht sein, wenn ich nicht hinzusetzte, da seine
Anweisungen von dem verstorbenen Sir Eduard Disbrowe unter der
geflligen Mitwirkung der gelehrten Mnner, deren Obhut die herrliche
Archivensammlung im Haag anvertraut ist, mit grtem Eifer ausgefhrt
wurden.

[38] +Little Hooknose+. Spottname des Knigs. -- Der Uebers.

[39] Es ist auffllig, da die Anklageschrift nicht in Howell's +State
Trials+ aufgenommen wurde. Die mir vorliegende Abschrift war fr Sir
James Mackintosh angefertigt.

[40] Der grte Theil der auf uns gekommenen Aufschlsse ber
Anderton's Proze findet sich in Howell's +State Trials+.

[41] Die +Remarks+ existiren noch und sind lesenswerth.

[42] +Narcissus Luttrell's Diary.+

[43] +Ibid.+

[44] Es existirt noch ein Flugblatt, an alle Herren Seeleute, die
ihres Lebens mde sind, gerichtet, so wie eine Ballade, welche den
Knig und die Knigin der Grausamkeit gegen die Seeleute beschuldigt:

  Fr Ruber, Diebe und so fort
  Hrt tglich man das Gnadenwort,
  Fr arme Schiffer, deren Hand
  Sie schtzt in ihres Vaters Land,
  Ist jede Gnade unbekannt.

Narcissus Luttrell beschreibt die Scene in Whitehall.

[45] L'Hermitage, 5. (15.) Sept. 1693. +Narcissus Luttrell's Diary.+

[46] +Narcissus Luttrell's Diary.+

[47] +Narcissus Luttrell's Diary.+ In einem damals unter dem Titel:
+A Dialogue between Whig and Tory+ erschienenen Pamphlet spielt der
Whig auf die ffentlichen Ungebhrlichkeiten in Bath in Folge der
letzten Niederlage in Flandern an. Der Tory antwortet: Ich wei nicht
was einige hitzkpfige Trunkenbolde in Bath oder anderwrts gesagt
oder gethan haben mgen. In der Folioausgabe der +Collection of State
Tracts+ ist irrthmlich gesagt, dieser +Dialogue+ sei um den November
1692 gedruckt worden.

[48] Der Aufsatz, den ich anfhre, befindet sich unter den Nairne'schen
Manuscripten und ist in Mackpherson's Sammlung nachzulesen. Der
vortreffliche Schriftsteller Mr. Hatham ist bezglich dieses
Gegenstandes in einen bei ihm sehr seltenen Irrthum verfallen. Er
sagt, der Name Caermarthen's werde bestndig unter denen genannt, die
Jakob zu seinen Freunden zhlte. Ich glaube, man wird die Ueberzeugung
gewinnen, da der Beweis gegen Caermarthen sich lediglich auf das von
mir erwhnte Schriftstck Melfort's beschrnkt. Es befindet sich zwar
unter den Nairne'schen Handschriften, welche Mackpherson abdruckte, ein
Brief ohne Datum und Unterschrift, in welchem Caermarthen zu Jakob's
Freunden gerechnet wird. Aber dieser Brief verdient ganz und gar keine
Beachtung. Der Schreiber desselben war augenscheinlich ein unwissender
heibltiger Jakobit, der weder die Stellung noch den Character eines
einzigen von den Staatsmnnern kannte, die er erwhnt. Er macht
arge Schnitzer in Betreff Marlborough's, Godolphin's, Russell's,
Shrewsbury's und der Familie Beaufort. Die ganze Arbeit ist eigentlich
ein Gewebe von Albernheiten.

Es mu bemerkt werden, da in dem Leben Jakob's, das aus seinen
eigenen Schriften compilirt ist, die Untersttzungszusicherungen,
die er von Marlborough, Russell, Godolphin, Shrewsbury und anderen
angesehenen Mnnern erhielt, mit sehr ausfhrlichen Details erwhnt
sind. Aber es findet sich kein Wort in diesem Werke, welches andeutete,
da Jakob jemals solche Zusicherungen von Caermarthen erhalten htte.

[49] +A Journal of several Remarkable Passages relating to the East
India Trade, 1693.+

[50] Siehe die Monthly Mercuries und die London Gazette vom September,
October, November und December 1693; Dangeau, 5., 27. Sept., 21. Oct.
und 21. Nov.; +The Price of the Abdication,+ 1693.

[51] Correspondenz Wilhelm's und Heinsius'; dnische Note datirt vom
11. (21.) Dec. 1693. Die Note, welche Avaux damals der schwedischen
Regierung berreichte, findet man in Lamberty's Sammlung und in den
+Mmoires et Ngociations de la Paix de Ryswick.+

[52] Sir John Lowther sagt, Niemand kann heute wissen, was ein Haus
der Gemeinen morgen thun wird, und Jedermann stimmte ihm darin bei.
Diese bedeutsamen Worte schrieb Caermarthen an den Rand einer von
Rochester im August 1692 verfaten Schrift. -- Dalrymple, Anhang zum 2.
Bande, Kap. 7.

[53] Siehe Sunderland's berhmte Erzhlung, welche oft gedruckt worden
ist, und die Briefe seiner Gattin, die sich in den von dem verstorbenen
Stabtrger Blencowe herausgegebenen Sidney'schen Schriften befinden.

[54] Van Citters, 6. (16.) Mai 1690.

[55] Evelyn, 24. April 1691.

[56] +Lords' Journals, April+ 28. 1693

[57] L'Hermitage, 19. (29.) Sept., 2. (12.) Oct. 1693.

[58] Es ist ergtzlich zu sehen, wie Johnson's Toryismus da
hervorbricht, wo wir ihn schwerlich zu finden erwarten. Hastings sagt
im dritten Theile seines +Henry the Sixth:+

  Lat uns auf Gott und auf die Meere bauen,
  Die er als unnehmbaren Schutz uns gab,
  und nur mit ihnen uns vertheidigen.

Dies, sagt Johnson in einer Note, ist der Rath eines Jeden gewesen,
der zu irgend einer Zeit das Interesse England's begriffen und
untersttzt hat.

[59] Swift nennt Somers in seiner +Inquiry into the Behaviour of
the Queen's last Ministry+ einen Mann von glnzender Begabung, der
mit solcher Offenheit zu sprechen pflegte, da er den Grund seines
Herzens zu enthllen schien. In den +Memoirs relating to the Change
in the Queen's Ministry,+ sagt Swift, da Somers einen, aber auch nur
einen unangenehmen Fehler gehabt habe, -- Frmlichkeit. Es ist schwer
zu begreifen, wie ein und der nmliche Mensch der offenherzigste
Gesellschafter, und dabei doch zur Frmlichkeit geneigt sein kann.
Gleichwohl kann in beiden Schilderungen etwas Wahres sein. Es ist
wohl bekannt, da Swift sich hochgestellten Mnnern gegenber gern
unzarte Freiheiten herausnahm und sich einbildete, dadurch seine
Unabhngigkeit zu behaupten. Er ist wegen dieses Fehlers mit Recht von
seinen beiden berhmten Biographen getadelt worden, welche beide Mnner
von mindestens eben so selbstndigem Geiste als der seinige waren, von
Samuel Johnson und Walter Scott. Ich vermuthe, da er auch Lust zeigte,
sich gegen Somers mit beleidigender Familiaritt zu benehmen, und da
Somers, der nicht geneigt war, sich Impertinenzen gefallen zu lassen,
aber auch nicht in die Nothwendigkeit versetzt werden wollte, sie zu
ahnden, zur Selbstvertheidigung eine ceremonise Hflichkeit gegen ihn
beobachtete, die er gegen Locke und Addison nie beobachtet haben wrde.

[60] Die Lobreden auf Somers und die Schmhungen gegen ihn sind
zahllos. Das beste Mittel sich ein richtiges Urtheil ber ihn zu
bilden, wrde vielleicht sein, wenn man Alles sammelte, was Swift
und Addison ber ihn gesagt haben. Sie waren die beiden schrfsten
Beobachter ihrer Zeit und kannten ihn Beide genau. Es mu jedoch
bemerkt werden, da Swift, bevor er Tory wurde, Somers stets nicht blos
als den gebildetsten, sondern auch als den tugendhaftesten Menschen
pries. In der Dedication zu seiner +Tale of a Tub+ kommen folgende
Worte vor: Es giebt keine Tugend, weder des ffentlichen noch des
Privatlebens, welche Sie in Ihren verschiedenen Lebenslagen nicht
oftmals auf die Weltenbhne gebracht htten. Dann weiterhin: Wenn
das glnzende Beispiel der Tugenden Eurer Lordschaft vor den Blicken
Anderer verborgen bliebe, wrde ich das um ihrer und um Ihretwillen
sehr bedauern. In dem +Discourse of the Contests and Dissensions at
Athens and Rome+ ist Somers der gerechte Aristides. Nachdem Swift zur
andren Partei bergegangen war, nannte er Somers einen Mann, der alle
vortrefflichen Eigenschaften, nur keine Tugend besitze.

[61] Siehe Whiston's Selbstbiographie.

[62] Swift's Note zu Mackay's Characteristik Wharton's.

[63] Diese Schilderung Montague's und Wharton's habe ich aus unzhligen
Quellen zusammengetragen. Ich mu jedoch speciell die hchst
interessante Lebensbeschreibung Wharton's erwhnen, welche unmittelbar
nach seinem Tode erschien.

[64] Einen groen Theil meiner Angaben ber die Harley habe ich aus
ungedruckten Memoiren von Eduard Harley, dem jngeren Bruder Robert's,
entlehnt. Eine Abschrift dieser Memoiren befindet sich unter den
Mackintosh-Manuscripten.

[65] Der einzige Schriftsteller, der, soviel ich mich entsinnen kann,
Harley's Rednergabe gelobt hat, ist Mackay, der ihn beredtsam nennt.
Swift schrieb an den Rand: Eine groe Lge. Und Swift war gewi
bereit, Harley mehr als Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Dieser
Lord, sagt Pope, sprach so verworren von Geschftsangelegenheiten,
da man nicht wute, was er eigentlich wollte, und Alles trug er in
epischer Weise vor, denn er fing stets in der Mitte an. +Spence's
Anecdotes.+

[66] Er pflegte, sagt Pope, fast jeden Tag werthlose Verse vom Hofe
in den Scriblerus-Club zu senden und kam dann fast jeden Abend hin, um
mit ihnen zu schwatzen, selbst wenn sein Alles auf dem Spiele stand.
Einige Proben von Harley's Poesie sind gedruckt worden. Das Beste ist
meiner Ansicht nach eine Stanze, die er auf seinen Sturz im Jahre 1714
dichtete; und selbst das Beste ist schlecht.

[67] Die Characteristik Harley's ist aus unzhligen Lob- und
Schmhschriften zusammengestellt; aus den Werken und den
Privatcorrespondenzen Swift's, Pope's, Arbuthnot's, Prior's und
Bolingbroke's und aus einer Menge von Schriften wie +Ox and Bull,
The High German Doctor+ und +The History of Robert Powell the Puppet
Showman.+

[68] In einem Briefe, datirt vom 12. Sept. 1709, kurz zuvor ehe er auf
den Schultern des hochkirchlichen Pbels ans Staatsruder emporgehoben
wurde, sagt er: Meine Seele ist unter Lwen gewesen, ebenfalls
Menschenshnen, deren Zhne Speere und Pfeile und deren Zungen scharfe
Schwerter sind. Aber ich komme dahinter, wie gut es ist, dem Herrn zu
dienen und seinen Seelenfrieden zu haben. Der Brief war an Carstairs
gerichtet. Ich zweifle, ob Harley so gefrmmelt haben wrde, wenn er an
Atterbury geschrieben htte.

[69] Die anomale Stellung, welche Harley und Foley damals einnahmen,
ist in dem +Dialogue between a Whig and a Tory,+1693, angedeutet.
Euer groer P. Fo--y, sagt der Tory, wird Cadet und dient unter
dem General der Westsachsen. Die beiden Har--y, Vater und Sohn, sind
Ingenieurs unter dem verstorbenen Feldzeugmeister und bombardiren jede
Bill, die er sich einmal vorgenommen hat in Asche zu verwandeln.
Seymour ist der General der Westsachsen. Musgrave war unter Karl II.
Feldzeugmeister gewesen.

[70] +Lords'+ und +Commons' Journals, Nov.+ 7. 1693.

[71] +Commons' Journals, Nov. 13. 1693; Grey's Debates.+

[72] +Commons' Journals, Nov. 17. 1693.+

[73] +Commons' Journals, Nov. 22. 27. 1693; Grey's Debates.+

[74] +Commons' Journals, Nov. 29. Dec.+ 6. 1693; L'Hermitage, 1. (11.)
Dec. 1693.

[75] L'Hermitage, 1. (11.) Sept., 7. (17.) Nov. 1693.

[76] +Journal to Stella,+ 52, 53, 59 und 61, und Lady Orkney's Briefe
an Swift.

[77] Siehe die damaligen Briefe von Elisabeth Villiers, Wharton, Russel
und Shrewsbury in der Correspondenz Shrewsbury's.

[78] +Commons' Journals, Jan. 6., 8. 1693/94.+

[79] +Commons' Journals, Jan. 19. 1693/94.+

[80] +Hamilton's New Account.+

[81] Die Bill fand ich in den Archiven der Lords. Ihre Geschichte
erfuhr ich aus den Protokollen der beiden Huser, aus einer Stelle
im Tagebuche Narcissus Luttrell's und aus zwei Briefen an die
Generalstaaten, beide datirt vom 27. Febr. (9. Mrz) 1694, dem Tage
nach der Debatte bei den Lords. Der eine dieser beiden Briefe ist von
Van Citters, der andre, der vollstndigere Aufschlsse giebt, von
L'Hermitage.

[82] +Commons' Journals, Nov. 28. 1693; Grey's Debates.+ L'Hermitage
hoffte, da die Bill durchgehen und da der Knig ihr seine Genehmigung
nicht vorenthalten werde. Unterm 17. (27.) Nov. schrieb er an die
Generalstaaten: +Il paroist dans toute la chambre beaucoup de passion
 faire passer ce bil.+ Unterm 28. Nov. (8. Dec.) sagt er, da die
Abstimmung wegen der Annahme +n'a pas caus une ptite surprise. Il
est difficile d'avoir un point fixe sur les ides qu'on peut se former
des motions du parlement, car il paroist quelquefois de grandes
chaleurs qui semblent devoir tout enflammer, et qui, peu de tems aprs,
s'vaporent.+ Da Seymour der Hauptleiter der Opposition gegen die
Bill war, wird in dem einst berhmten Pamphlet jenes Jahres: +Hush
Money,+ versichert.

[83] +Commons' Journals; Grey's Debates.+ Die Reinschrift dieser Bill
kam ins Unterhaus und ist verloren gegangen. Der Originalentwurf auf
Papier befindet sich in den Archiven der Lords. Da Monmouth die
Bill einbrachte, ersah ich aus einem Briefe von L'Hermitage an die
Generalstaaten vom 1. (11.) Dec. 1693. Bezglich der Zahl der Stimmen
habe ich mich an die Protokolle gehalten. In Grey's Debatten aber und
in den Briefen von Van Citters und L'Hermitage wird die Minoritt auf
hundertzweiundsiebzig angegeben.

[84] Die Bills befinden sich in den Archiven der Lords. Ihre Geschichte
habe ich aus den Protokollen, aus Grey's Debatten und aus den hchst
interessanten Briefen Van Citters' und L'Hermitage's zusammengestellt.
Aus Grey's Debatten scheint mir klar hervorzugehen, da eine Rede, die
L'Hermitage einem namenlosen +quelqu'un+ zuschreibt, von Sir Thomas
Littleton gehalten wurde.

[85] +Narcissus Luttrell's Diary, Sept. 1693.+

[86] +Commons' Journals, Jan. 1693/94.+

[87] Von der Naturalisationsbill existirt, soviel ich glaube, kein
Exemplar mehr. Man findet die Geschichte dieser Bill in den Protokollen
der Huser. Von Van Citters und L'Hermitage erfahren wir ber einen
Gegenstand, der die dnischen Staatsmnner nothwendig interessirt haben
mu, weniger als man erwarten sollte. Night's Rede findet man in den
Somers'schen Schriften. Sein jakobitischer Genosse, Roger North, nennt
ihn einen Gentleman von so ausgezeichneter Rechtschaffenheit und
Loyalitt, wie sich die Stadt Bristol jemals eines solchen habe rhmen
knnen.

[88] +Commons' Journals, Dec. 5. 1693/94.+

[89] +Commons' Journals Dec. 20. 22. 1693/94.+ Die Protokolle
enthielten damals keine Notiz bezglich der Abstimmungen, welche
stattfanden, als das Haus ein Comit war. Whrend das Scepter auf
dem Tische lag, fand nur eine Abstimmung ber die Anschlge fr die
Armee statt. Gegenstand dieser Abstimmung war die Frage, ob fr
die Hospitler und unvorhergesehenen Ausgaben sechzigtausend oder
hundertsiebenundvierzigtausend Pfund bewilligt werden sollten. Die
Whigs erlangten die grere Summe mit hundertvierundachtzig gegen
hundertundzwanzig Stimmen. Wharton war Stimmenzhler fr die Majoritt,
Foley fr die Minoritt.

[90] +Commons' Journals, Nov. 25. 1693/94.+

[91] +Stat. 5 W & M. c. 1.+

[92] +Stat. 5 & 6. W & M. c. 14.+

[93] +Stat. 5 & 6. W & M. c. 21. Narcissus Luttrell's Diary.+

[94] +Stat. 5 & 6. W & M. c. 22. Narcissus Luttrell's Diary.+

[95] +Stat. 5 W & M. c. 7. Evelyn's Diary, Oct. 5., Nov. 22. 1694. A
Poem on Squire Neale's Projects; Malcolm's History of London.+ Neale's
Functionen werden in mehreren Ausgaben von Chamberlayne's +State of
England+ beschrieben. Sein Name kommt hufig in der London Gazette vor,
so z.B. am 28. Juli 1684.

[96] Siehe z.B. +The Mystery of the Newfashioned Goldsmiths or Brokers
1676; Is not the Hand of Joab in all this? 1676;+ und eine in dem
nmlichen Jahre erschienene Antwort. Siehe auch +England's Glory in the
great Improvement by Banking and Trade, 1694.+

[97] Siehe das Leben Dudley North's von seinem Bruder Roger.

[98] Siehe eine Flugschrift, betitelt: +Corporation Credit; or a Bank
of Credit, made Current by Common Consent in London, more Useful and
Safe than Money.+

[99] +A proposal by Dr. Hugh Chamberlayne in Essex Street, for a Bank
of Secure Current Credit to be founded upon Land, in order to the
General Good of Landed Men, to the great Increase of the Value of Land
and the no less Benefit of Trade and Commerce, 1695; Proposals for
the supplying their Majesties with Money on Easy Terms, exempting the
Nobility, Gentry etc. from Taxes, enlarging their Yearly Estates, and
enriching all the subjects of the Kingdom by a National Land Bank, by
John Briscoe. O fortunatos nimium bona si sua norint Anglicanos.+
Dritte Ausgabe 1696. Briscoe scheint in der lateinischen Literatur eben
so bewandert gewesen zu sein wie in der Staatskonomie.

[100] Zur Besttigung des im Text Gesagten entlehne ich einen einzigen
Paragraphen aus Briscoe's Vorschlgen: Angenommen ein Gentleman hat
nur hundert Pfund jhrlicher Einknfte und eine Frau mit vier Kindern
zu erhalten, so mu er, selbst wenn seine Ausgaben auf seinen Gtern
hafteten, ein sehr guter Wirth sein, um damit auszukommen; er kann
aber nicht daran denken, etwas zurckzulegen, womit er seine Kinder
ausstatten knnte; aber nach dieser vorgeschlagenen Methode kann er
jedem seiner Kinder fnfhundert Pfund geben und behlt immer noch
neunzig Pfund jhrlich zum Unterhalt fr sich und seine Frau, welche
neunzig Pfund er ebenfalls nach seinem und seiner Frau Tode einem
seiner Kinder vermachen kann. Denn nachdem der Werth seines Gutes zu
hundert Pfund Rente +per annum+ festgestellt ist, kann er Creditbillets
zum Belaufe von zweitausend Pfund zu seiner beliebigen Verwendung
bekommen; dafr zahlt er jhrlich zehn Schilling Zinsen fr jede
hundert Pfund, was auf zweitausend Pfund zehn Pfund giebt, welche, von
seinem Jahreseinkommen von hundert Pfund abgezogen, ihm noch reine
neunzig Pfund +per annum+ fr sich brig lassen. Es mu bemerkt
werden, da dieser Unsinn drei Auflagen erlebte.

[101] Siehe Chamberlayne's +Proposal+, seine +Positions supported
by the Reasons explaining the Office of Land Credit+, und seinen
+Bank Dialogue+. Siehe ferner ein vortreffliches Schriftchen fr die
entgegengesetzte Ansicht, betitelt: +A Bank Dialogue between Dr. H.
C. and a Country Gentleman+, 1696, und +Some Remarks upon a nameless
and scurrilous Libel entitled a Bank Dialogue between Dr. H. C. and a
Country Gentleman, in a Letter to a Person of Quality+.

[102] +Commons' Journals, Dec. 7. 1693.+ Ich frchte in den Verdacht zu
kommen, da ich den Unsinn dieses Planes bertreibe. Daher will ich den
wichtigsten Theil der Petition hier wrtlich anfhren, In Betracht,
da die Freisassen ihre Gter in diese Bank einbringen, behufs Bildung
eines durch Parlamentsacte zu bestimmenden Circulationsfonds, wird
nun vorgeschlagen, da fr jede auf hundertfunfzig Jahre gesicherten
hundertfunfzig Pfund +per annum+ gegen nur einhundertmalige jhrliche
Zahlung von hundert Pfund +per annum+, frei von allen Steuern und
Abgaben, jeder solcher Freisasse viertausend Pfund von dem besagten
Circulationspapiere erhalten, da weitere zweitausend Pfund fr seine
Rechnung dem Fischereifond zugewiesen und fernere zweitausend Pfund
zur Verfgung des Parlaments fr die Anforderungen des gegenwrtigen
Kriegs zurckbehalten werden sollen.... Der Freisasse soll den Besitz
seines besagten Gutes nur dann verlieren, wenn er mit der jhrlichen
Zinsenzahlung in Rckstand bleibt.

[103] +Commons' Journals, Feb. 5. 1693/94.+

[104] +Account of the Intended Bank of England, 1694.+

[105] Siehe die Protokolle der Lords vom 23., 24., 25. April 1694, und
den Brief L'Hermitage's an die Generalstaaten vom 24. April (4. Mai.)

[106] +Narcissus Luttrell's Diary, June 1694.+

[107] +Heath's Account of the Worshipful Company of Grocers; Francis's
History of the Bank of England.+

[108] Spectator No. 3.

[109] +Proceedings of the Wednesday Club in Friday Street.+

[110] +Lords Journals, April +25, 1694; London Gazette vom 7. Mai 1694.

[111] +Life of James, II. 520;+ Floyd's (Lloyd's) Erzhlungen in
dem +Nairne Papers+ unterm 1. Mai 1694; London Gazette vom 26. und
30.April 1694.

[112] London Gazette vom 3. Mai 1694.

[113] London Gazette vom 30. April und 7. Mai 1694; Shrewsbury an
Wilhelm, 11. (21.) Mai; Wilhelm an Shrewsbury, 22. Mai (1. Juni);
L'Hermitage, 27. April (7. Mai).

[114] L'Hermitage, 15. (25.) Mai. Nachdem er die verschiedenen Gerchte
erwhnt hat, sagt er: +De tous ces divers projets qu'on s'imagine
aucun n'est venu  la cognoissance du public.+ Dies ist wichtig, denn
man hat oft zu Marlborough's Entschuldigung behauptet, da er dem Hofe
von Saint-Germains nur das mitgetheilt habe, was in allen Kaffeehusern
das Tagesgesprch bildete und auch ohne ihn htte bekannt werden mssen.

[115] London Gazette vom 14. und 18. Juni 1694; Gazette de Paris vom
23. Juni (3. Juli); Burchett; Tagebuch Lord Caermarthen's; Baden,
15.(25.) Juni; L'Hermitage, 15. (25.) 19. (29.) Juni.

[116] Shrewsbury an Wilhelm, 15. (25.) Juni 1694; Wilhelm an
Shrewsbury, 1. Juli; Shrewsbury an Wilhelm, 22. Juni (2.) Juli.

[117] Diese Angaben ber Russell's Expedition nach dem Mittellndischen
Meere habe ich hauptschlich Burchett entnommen.

[118] +Letter to Trenchard, 1694.+

[119] Burnet +II+. 141. 142; und Onslow's Note. +Kingston's True
History, 1697.+

[120] +Life of James II. 524.+

[121] Kingston; Burnet, +II+. 142.

[122] Kingston. Bezglich des Factums, da Taaffe eine Bestechungssumme
erhielt, fhrt Kingston die eidliche Aussage vor den Lords an.

[123] +Narcissus Luttrell's Diary, Oct. 6. 1694.+

[124] Ueber Dyer's Neuigkeitsbrief sehe man Luttrell's Tagebuch fr
Juni und August 1693 und fr September 1694.

[125] Die whiggistische Erzhlung ist von Kingston; die jakobitische,
von einem ungenannten Autor, ist unlngst von der Chatham Society
gedruckt worden. Siehe auch +A Letter out of Lancashire to a Friend in
London, giving some Account of the late Trials. 1694.+

[126] +Birch's Life of Tillotson;+ die von Burnet gehaltene
Leichenrede; Wilhelm an Heinsius, 23. Nov. (3. Dec.) 1694.

[127] Siehe die Protokolle der beiden Huser. Die einzige Erzhlung,
die wir von den Debatten besitzen, befindet sich in den Briefen
L'Hermitage's.

[128] +Commons' Journals, Feb. 20. 1694/95.+ Da diese Bill nicht vor
die Lords kam, so befindet sie sich nicht in ihren Archiven. Ich kann
daher nicht ermitteln, ob sie in irgend einem Punkte von der Bill des
vorhergehenden Jahres differirte.

[129] Die Geschichte dieser Bill kann man in den Protokollen der
beiden Huser nachlesen. Der nicht eben heftige Kampf dauerte bis zum
20.April.

[130] Die Gemeinen, sagt Narcissus Luttrell, lieen ein
lautes Gemurmel vernehmen. -- +Le murmure qui est la marque
d'applaudissement fut si grand qu'on peut dire qu'il estoit
universel.+ L'Hermitage, 25. Dec. (4. Jan.)

[131] L'Hermitage sagt dies in seiner Depesche vom 20. (30.) Nov.

[132] Burnet +II+. 137; Van Citters, 25. Dec. (4. Jan.)

[133] Burnet +II+. 136. 138; +Narcissus Luttrell's Diary;+ Van
Citters, 28. Dec. (7. Jan.); L'Hermitage, 25. Dec. (4, Jan.), 28. Dec.
(7.Jan.), 1. (11.) Jan.; Vernon an Lord Lexington. 21. 25. 28. Dec.
1.Jan.; Tenison's Leichenrede.

[134] +Evelyn's Diary; Narcissus Luttrell's Diary; Commons'
Journals, Dec.+ 28. 1694; Shrewsbury an Lexington von dem nmlichen
Tage; Van Citters ebenso. L'Hermitage, 1. (11.) Jan. 1695. Von
den Gedchtnipredigten auf Marien verdienen die von Sherlock,
in Temple Church gehalten, und die von Howe und Bates vor groen
presbyterianischen Versammlungen, besondere Erwhnung.

[135] +Narcissus Luttrell's Diary.+

[136] +Remarks on some late Sermons, 1695; A Defence of the
Archbishop's Sermon, 1695.+

[137] +Narcissus Luttrell's Diary.+

[138] L'Hermitage, 1. (11.), 6. (16.) Mrz 1695; London Gazette vom
7.Mrz; Tenison's Leichenrede; +Evelyn's Diary.+


      Stereotypie und Druck von Philipp Reclam +jun.+ in Leipzig.


  +--------------------------------------------------------------+
  | Anmerkungen zur Transkription                                |
  |                                                              |
  | Eigentmliche und falsche Schreibweisen des Autors wurden    |
  | belassen, wenn sie durchgngig benutzt wurden, wie           |
  | beispielsweise: Wiederhall, erwiedern, Schaffot,             |
  | Beredtsamkeit.                                               |
  |                                                              |
  | Inkonsistenzen wurden nicht gendert, wenn beide             |
  | Schreibweisen gebruchlich waren, wie:                       |
  |                                                              |
  | Aegypten -- Egypten                                          |
  | andere -- andre                                              |
  | Baiern -- Bayern                                             |
  | bessern -- besseren                                          |
  | blos -- blo                                                 |
  | Brod -- Brot                                                 |
  | Charleroi -- Charleroy                                       |
  | Delaval's -- Delavals                                        |
  | Doctoren -- Doktoren                                         |
  | Edinburg -- Edinburgh                                        |
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  | Saint-Germain -- Saint-Germains                              |
  | schrien -- schrieen                                          |
  | Secretr -- Sekretr                                         |
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  | Smyrnaflotte -- Smyrna-Flotte                                |
  | trockene -- trockne                                          |
  | ungeheuern -- ungeheuren                                     |
  | unsere -- unsre                                              |
  | unsern -- unseren                                            |
  | Urtel -- Urtheil                                             |
  | Werks -- Werkes                                              |
  |                                                              |
  | Die folgenden Korrekturen wurden vorgenommen:                |
  |                                                              |
  | p. XIX.11 beherscht in beherrscht gendert.              |
  | p. XIX.13 herschenden in herrschenden gendert.          |
  | p. XIX.19 amusirte in amsirte gendert.                 |
  | p. XIX.20 sechszehnjhriger in sechzehnjhriger          |
  |           gendert.                                          |
  | p. XIX.25 Offizere in Offiziere gendert.                |
  | p. XIX.27 La Mellionere in La Melloniere gendert.       |
  | p. XIX.27 Evertson in Evertsen gendert.                 |
  | p. XIX.40 Kentnisse in Kenntnisse gendert.              |
  | p. XIX.40 Bretern in Brettern gendert.                  |
  | p. XIX.42 Brever in Brewer gendert (Funote 77).        |
  | p. XIX.42 neunundsechszig in neunundsechzig gendert.    |
  | p. XIX.47 Thut in That gendert.                         |
  | p. XIX.49 mssig in mig gendert.                      |
  | p. XIX.50 bereis in bereits gendert.                    |
  | p. XIX.50 sparsammen in sparsamen gendert.              |
  | p. XIX.52 und in auf gendert.                           |
  | p. XIX.54 Reformers in Reformer gendert.                |
  | p. XIX.57 Gentleman in Gentlemen gendert.               |
  | p. XIX.57 Majorit in Majoritt gendert.                |
  | p. XIX.66 diesm in diesem gendert (Funote 98).         |
  | p. XIX.68 Appolonius in Apollonius gendert.             |
  | p. XIX.69 das in da߫ gendert (Funote 106).             |
  | p. XIX.73 Schriftstellen in Schriftstellern gendert     |
  |           (Funote 115).                                     |
  | p. XIX.76 herrschtigen in herrschschtigen gendert.    |
  | p. XIX.78 Vieceknig in Viceknig gendert.              |
  | p. XX.iv Staatssekretair in Staatssekretr gendert.     |
  | p. XX.6 zwischem in zwischen gendert.                   |
  | p. XX.7 Kieche in Kirche gendert.                       |
  | p. XX.8 Mjestt in Majestt gendert.                   |
  | p. XX.13 olstupescas in obstupescas gendert             |
  |          (Funote 12).                                       |
  | p. XX.18 baucoup in beaucoup gendert (Funote 21).      |
  | p. XX.24 einahm in einnahm gendert.                     |
  | p. XX.24 hoffnunglos in hoffnungslos gendert.           |
  | p. XX.24 Schtachl in Schlacht gendert (Funote 28).     |
  | p. XX.25 Befehlsaber in Befehlshaber gendert.           |
  | p. XX.26 Vernichtug in Vernichtung gendert.             |
  | p. XX.27 Galionen in Galeonen gendert.                  |
  | p. XX.27 auflauren in auflauern gendert.                |
  | p. XX.32 London in Landen gendert.                      |
  | p. XX.49 Migliedern in Mitgliedern gendert.             |
  | p. XX.49 Queens in Queen's gendert (Funote 59).        |
  | p. XX.50 vorzlich in  vorzglich gendert.              |
  | p. XX.51 Presbyteriner in Presbyterianer gendert.       |
  | p. XX.58 Herfordshire in Herefordshire gendert.         |
  | p. XX.59 Wig in Whig gendert.                           |
  | p. XX.70 wahrscheilich in wahrscheinlich gendert.       |
  | p. XX.71 zu zu in zu gendert.                           |
  | p. XX.74 John Night in John Knight gendert.             |
  | p. XX.75 1692/94 in 1693/94 gendert (Funote 89).       |
  | p. XX.79 muhamodanischer in muhamedanischer gendert.    |
  | p. XX.86 Montagne in Montague gendert.                  |
  | p. XX.88 Barcellona in Barcelona gendert.               |
  | p. XX.90 Vertheidigunsganstalten in                        |
  |          Vertheidigungsanstalten gendert.                 |
  | p. XX.90 voher in vorher gendert.                       |
  | p. XX.91 wirlich in wirklich gendert.                   |
  | p. XX.91 Ostalrie in Ostalric gendert.                  |
  | p. XX.92 arglistisches in arglistiges gendert.          |
  | p. XX.93 dreihundertfunzigtausend in                       |
  |          dreihundertfunfzigtausend gendert.               |
  | p. XX.95 Chashire in Cheshire gendert.                  |
  | p. XX.95 Spoke in Speke gendert.                        |
  | p. XX.99 Southwork in Southwark gendert.                |
  | p. XX.105 Magstaffe in Wagstaffe gendert.               |
  +--------------------------------------------------------------+





End of the Project Gutenberg EBook of Geschichte von England seit der
Thronbesteigung Jakob's des Zweiten., by Thomas Babington Macaulay

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     License.  You must require such a user to return or
     destroy all copies of the works possessed in a physical medium
     and discontinue all use of and all access to other copies of
     Project Gutenberg-tm works.

- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
     money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
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1.E.9.  If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
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collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
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Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
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work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation information page at www.gutenberg.org


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at 809
North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887.  Email
contact links and up to date contact information can be found at the
Foundation's web site and official page at www.gutenberg.org/contact

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org

Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit www.gutenberg.org/donate

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit:  www.gutenberg.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For forty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.

Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.

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     www.gutenberg.org

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