The Project Gutenberg EBook of Zwei Jahre in New-York, by Christoph Vetter

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Title: Zwei Jahre in New-York
       Schilderung einer Seereise von Havre nach New-York und
       Charakteristik des New-Yorker politischen und socialen
       Lebens

Author: Christoph Vetter

Release Date: October 9, 2014 [EBook #47079]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

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  Zwei Jahre in New-York.

  Schilderung einer Seereise von Havre nach
  New-York

  und

  Charakteristik des New-Yorker politischen
  und socialen Lebens.

  Nach eigenen Erfahrungen
  dargestellt
  von
  Christoph Vetter.

  Hof.
  Im Selbstverlage des Verfassers.
  1849.




  Den Freunden zur Erinnerung!
  Den Lesern zur Unterhaltung!
  Den Auswanderern zur Belehrung und Warnung!

    von

      dem Verfasser.




Vorrede.


Es wird keiner Entschuldigung bedrfen, da der Verfasser der folgenden
Bogen mit einer Charakteristik des New-Yorker politischen und socialen
Lebens vor das Publikum tritt. In dieser Zeit ernster Kmpfe hat Alles, was
sich auf Amerika bezieht, einen doppelten Reiz erhalten, da Tausende auf
dem westlichen Festlande allein Freiheit, Ruhe und Brgerglck zu finden
hoffen.

Bei meiner Arbeit hat mich die Ueberzeugung geleitet, da mancher Leser,
der sein Vaterland nicht zu verlassen gedenkt, nicht ohne einiges Interesse
Kunde von einer Stadt erhalten wird, in der sich groentheils das ganze
amerikanische Leben concentrirt; Auswanderer werden manchen Rath und manche
Anweisung finden, deren Befolgung ihnen um so mehr von Nutzen sein wird,
als den Verfasser die strengste Wahrheitsliebe geleitet hat. Fr sie ist
besonders die Schilderung der Seereise geschrieben.

Wenn ich in dem Bchlein hie und da meiner Person Erwhnung that, so mge
dies der Leser nicht etwa einer kleinlichen Eitelkeit, sondern vielmehr
dem aufrichtigen Wunsche zuschreiben, durch eine Darstellung meiner eigenen
Erlebnisse den Auswanderer auf die Gefahren aufmerksam zu machen, welchen
er entgegengeht; er soll durch die Erzhlung meiner Schicksale und
Erfahrungen lernen, den Muth bei getuschten Hoffnungen zu behaupten, da
Ausdauer immer, wenn auch spt, zum Ziele fhrt.

Diese Bltter machen keinen Anspruch auf einen hheren Werth; ihr Zweck ist
vollkommen erreicht, wenn sie dem Freunde ein Lcheln entlocken, dem Leser
einige Stunden Unterhaltung bereiten und die Auswanderer zur Vorsicht
ermahnen. Mit der Bitte um eine wohlwollende Beurtheilung sende ich sie
wenige Wochen vor meiner Rckreise in die Welt; ein theurer Wunsch ist mir
erfllt, wenn sie dazu beitragen, da mir auch in die Ferne das Wohlwollen
der Leser, wie die Liebe und Erinnerung meiner Freunde und Bekannten folgt.

Rehau, im October 1849.

  Der Verfasser.




Inhaltsverzeichni.


  1stes Capitel.                                                 Seite

    Havre. Eine Landsmnnin. Elend armer Auswanderer. Die
    Makler im Havre.                                               1-6

  2tes Capitel.

    Die Einschiffung. Der Capitain und der Schnurrbart.           6-10

  3tes Capitel.

    Die Einquartierung. Die Seekrankheit. Mittel gegen
    dieselbe.                                                    10-14

  4tes Capitel.

    Angst und Vaterfreuden. Eine Kindtaufe und ein
    Taufschein.                                                  15-19

  5tes Capitel.

    Ein Sturm. Damenhte. Bemerkungen ber die
    Einwanderung in Nord-Amerika.                                19-25

  6tes Capitel.

    Napoleon. Baldiges Ende der Seereise. Unerwarteter
    Aufenthalt. Land. Die New-Yorker Piloten.                    25-31

  7tes Capitel.

    Schilderung der Kste. Staatenisland. Die Makler in
    New-York.                                                    31-41

  8tes Capitel.

    Die deutsche Gesellschaft und der deutsche
    Volksverein.                                                 41-45

  9tes Capitel.

    New-York. Die Battery oder der Castlegarden. Der
    Broadway. Astorhaus. Das Amerikanische Museum. Der
    Park und City-Hall. Die Vorfeier des vierten Juli.           46-54

  10tes Capitel.

    Die Feier des vierten Juli. Frechheit eines englischen
    Matrosen.                                                    54-60

  11tes Capitel.

    Eine Betrachtung ber die Thtigkeit der Amerikaner.
    Die Erlangung des Brgerrechts.                              61-68

  12tes Capitel.

    Die amerikanische Demokratie. Beurtheilung derselben
    von Seite der in Deutschland existirenden Parteien.
    Demokraten und Whigs.                                        68-79

  13tes Capitel.

    Die Nationalreformer. Deutsche communistische
    Colonieen.                                                   80-87

  14tes Capitel.

    Eintritt in ein neues Geschft. Eine alte und
    eine neue Bekanntschaft. Amerikanische Stutzer und
    Beutelschneider. Die New-Yorker Polizei.                     88-94

  15tes Capitel.

    Knstlerlaufbahn. Der Marmorpalast.                          95-99

  16tes Capitel.

    Deutsches Leben in New-York. Geselligkeit.
    Wirthschaften. Brauerei. Ausflge. Kirchweihen.             99-108

  17tes Capitel.

    Die Feier des Maifestes in New-York. Gesangvereine.
    Deutsche Blle.                                            108-114

  18tes Capitel.

    Das Leben und die Sitten der Amerikaner. Ihre
    Religiositt. Temperenzmnner. Rechte der Frauen.          115-129

  19tes Capitel.

    Die Kche der Amerikaner. Der Neujahrs- und der
    Valentinestag. Ihre Gastfreundschaft.                      130-135

  20stes Capitel.

    Die New-Yorker Presse.                                     135-142

  21stes Capitel.

    Kunst. Theater. Musik.                                     143-148

  22tes Capitel.

    Lasterhhlen. ~Washington-Street.~ Die ~Five-Points~.
    Die Hinrichtungen.                                         149-155

  23stes Capitel.

    Allgemeine Notizen fr Auswanderer.                        155-164




Erstes Capitel.

Havre. Eine Landsmnnin. Elend armer Auswanderer. Die Makler im Havre.


Die kurze Zeit, die der Verfasser dem Aufenthalte in Paris widmen konnte,
war um und der Tag der Abreise erschienen. Die wenigen Freunde, an die er
empfohlen war, gaben ihm beim Scheiden den Rath, die Reise von Rouen in's
Havre zu Fue zu machen, da die Schnheiten des Rhonethales in vieler
Hinsicht denen des Rheinthales gleich kmen. Ich folgte der freundlichen
Mahnung, die zu bereuen ich keine Ursache gehabt haben wrde, wre ich
nicht am zweiten Tage von einem nebligen Regenwetter in Empfang genommen
worden, das mich nicht allein bis auf die Haut durchnte, sondern mir auch
den Genu der reizenden Landschaft gnzlich verkmmerte.

Mde und erschpft erreichte ich endlich das langgedehnte Incouville, eine
Vorstadt des Havre. Die erste Person, die mir in den menschenleeren Straen
aufstie, war ein junges Mdchen, welches trotz des Regens an einem
Brunnen mit Waschen beschftigt war. ~La couronne d'or, s'il vous plait,
mademoiselle?~ fragte ich, mein Bischen Franzsisch und meine ganze mir im
Momente zu Gebote stehende Freundlichkeit zusammennehmend, um baldmglichst
unter Dach und Fach zu gelangen. Ds versteh' i net, i seyn erst acht
Tg hie! war die naive Antwort, die mich eine Landsmnnin erkennen
lie. Nachdem ich fr ihre freundliche Auskunft in gutem Deutsch auf's
Herzlichste gedankt hatte, gelangte ich endlich nach langem Hin- und
Herwandern in's ersehnte Gasthaus. Eine eigenthmliche Ueberraschung ward
mir gleich beim Eintritt in's Wirthszimmer, denn Gastzimmer will ich
es doch nicht nennen, zu Theil; ohngefhr 80-100 Personen jeden Alters,
Standes und Geschlechtes saen an zwei langen Tafeln und verzehrten
ziemlich laut ihre Abendkost. Ich konnte mir nun schon eine Vorstellung
von der Gesellschaft machen, mit der ich fr 5-6 Wochen in einen engen Raum
zusammengepfercht werden sollte.

Nachdem ich mich von den Reisestrapatzen in Etwas erholt hatte, machte
ich mich auf den Weg, um ein Paar alte Freunde und Landsleute aufzusuchen,
welche mir gleich nach dem Empfange die angenehme Erffnung machten, da
ich vor 8-10 Tagen an eine Abreise gar nicht denken drfe, indem seit
lngerer Zeit an 3000 Menschen ihre Einschiffung erwarteten. Diese Leute
hatten sich ihre Pltze bereits contractlich gesichert, was ich zu thun
unterlassen, spterhin aber auch nicht zu bereuen hatte, indem mir durch
gtige Vermittelung meiner Freunde nicht allein ein Platz auf einem guten
Schiffe, sondern auch eine einzelne Bettstelle ausgewirkt wurde, wofr ich
jenen noch heute zum freundlichsten Danke verpflichtet bin, da ich
durch letztere Begnstigung der Gefahr entgieng, von meinen seekranken
Bettgefhrten mit unangenehmen Expektorationen belstigt zu werden.

Die Tage im Havre verflossen allmhlig; so angenehm manche Stunde dahin
schwand, so schmerzlich wurde das Herz oft von den Leiden und Drangsalen
armer Landsleute berhrt. Mancher wenig bemittelte Familienvater hatte sich
mit Weib und Kind aus ferner Heimath nach der weitentlegenen Hafenstadt
durchgeschlagen, um dort nach Aufzehrung der wenigen Habe am fremden
Strande liegen bleiben zu mssen, ohne die Weiterreise zur See antreten
zu knnen. Einzelne dieser Unglcklichen sind wieder nach Deutschland
zurckgekehrt; mancher Leser wird ihre zweirdrigen Karren an den
Straenecken stehen sehen haben, welche nichts enthalten, als Lumpen und --
arme halb verhungerte Kinder.

Vielfach wurde von fhlenden Menschenfreunden vor unbedachtsamer
Auswanderung mittelloser Personen gewarnt, die, wenn sie auch zum ersehnten
Hafen gelangt sind, bei dem Ueberflusse von Arbeitern und ihrer Unkenntni
der Sprache Nichts als ein Leben voll des grten Elendes, des drckendsten
Mangels und der schmerzlichsten Entbehrungen und Tuschungen erwartet. Die
Zahl dieser Unglcklichen ist so gro, da trotz aller Untersttzung von
Seite mitleidiger Personen an eine grndliche Hlfe nicht zu denken ist.
Ich sah abgemattete und abgemagerte Auswanderer mit Weib und Kind in den
Straen des Havre liegen und die Vorbergehenden anbetteln. Wurde ihnen
ein Sous zugeworfen, so beeilten sie sich, sich warme Kartoffeln, die
man gekocht auf den Straen haben kann, einzukaufen, um den Heihunger
zu stillen. Der Mensch ist gewi spekulativ, da er selbst noch aus der
schrecklichsten Noth seinen Gewinn zu ziehen wei!

Mge diese kurze, aber wahre Schilderung eine Warnung fr unbemittelte
Personen seyn, welche leichtsinnig ber die Noth und die Entbehrungen
hinwegsehen, die ihrer nothwendig auf so weiter Reise warten!

Selbst dem vermgenden Auswanderer drohen Gefahren von Seite betrgerischer
Wirthe und lgenhafter Beutelschneider. Es ist eine Schmach fr den
deutschen Namen, da unter allen Blutsaugern in der Fremde die Deutschen
bei weitem die ersten und gewandtesten sind, und jeder Reisende thut wohl,
dem Deutschen, der ihm seine Dienste freundlich und zuvorkommend anbietet,
von vorn herein unbedingt zu _mi_trauen. Durch alle mgliche Kniffe, Rnke
und Vorwnde wird den Auswanderern das Geld aus der Tasche gelockt. Ein
Beispiel, das ich selbst erlebte, mge zur Vorsicht mahnen!

In einer Restauration, die ich fter besuchte, bearbeitete ein deutscher
Makler einen ziemlich viel Geld fhrenden jungen Mann, im Havre auf
Spekulation Uhren einzukaufen, da er dieselben bei dem billigen Preise am
dortigen Platze in New-York hoch verwerthen knnte. Dieser wollte Anfangs
auf die Sache nicht eingehen, versprach aber, verlockt durch die Aussicht
auf einen schnen Gewinn, mit seinem Wirthe, der ihm wegen seines
gespickten Geldbeutels immer freundlich und herzlich entgegengekommen war
und ihm daher Vertrauen eingeflt hatte, Rcksprache zu nehmen. Dieser
aber, ein Bundesgenosse sowohl des Maklers, als des Uhrhndlers, malte ihm
den Gewinn noch bedeutender vor, und der arme Jngling gieng in die ihm
knstlich gelegte Falle. Er kaufte fr circa 800 Franken Uhren, die er
in New-York kaum fr den vierten Theil wieder los werden konnte, da er in
jeder Art und Weise auf's Vollkommenste betrogen war.

Reisende, die Rath und Hlfe gebrauchen, thun am besten, wenn sie sich an
ihre betreffenden Consuln wenden, von denen namentlich der b.....sche,
Herr M....l, wegen seiner Geflligkeit und oft bewiesenen Humanitt eine
ehrenvolle und anerkennende Erwhnung verdient.--




Zweites Capitel.

Die Einschiffung. Der Capitain und der Schnurrbart.


Der Tag der Einschiffung nahte allmhlig heran. Die Lebensmittel, fr die
man im Havre selbst sorgen mu, nebst Bett und dem nthigen Kochgeschirr
wurden an Bord gebracht. Wie freudig schlug mir das Herz, als ich das
schne neubemalte Schiff bestieg, auf dem das bunteste und lebendigste
Treiben herrschte. Die poetischen und romantischen Empfindungen, die sich
mir fr den Augenblick aufgedrngt hatten, sollten aber sofort in Nichts
zerrinnen, als ich ber eine schlpfrige Stiege in einem finstern Raum
hinabstieg, in dem ich erst nach mehreren Minuten die Gegenstnde um mich
her erkennen konnte. Geschrei, Gekreische und Geznke von Mnnern und
Weibern und die schrillenden Tne kleiner Kinder empfiengen mich von allen
Seiten und gaben mir bereits einen Vorgeschmack von dem, was ich in der
nchsten Zeit zu bestehen haben sollte.

Nachdem ich mich mit Mhe und Noth bis zu meiner Schlafstelle, die im
hintern Raume in der Nhe des Steuerruders war, hindurchgedrngt hatte,
richtete ich mich so gut wie mglich in meiner neuen Wohnung ein. Gegen
Mittag wurden die Anker gelichtet, und mit einem frhlichen Hurrah
begrten Viele die Abfahrt, welche gewi nicht so frhlichen Muthes
gewesen wren, wenn sie eine Ahnung von dem gehabt htten, was ihrer in
Amerika wartete. Manch feuchtes Auge aber blickte nochmals nach der Kste
und dachte des Vaterlandes und der daheim zurckgebliebenen Lieben, die es
vielleicht nicht mehr schauen sollte.

Ein Dampfschiff bugsirte uns aus dem Hafen; auer dem Lotsen, der im Havre
nie fehlen kann, hatten wir als Begleiter noch mehrere Gensdarmen an Bord,
welche ohngefhr fnf englische Meilen von der Kste die Psse smmtlicher
Passagiere untersuchten. Zugleich muten die quittirten Ueberfahrtsvertrge
vorgezeigt werden. Whrend dieses Aktes war die ganze Reisegesellschaft
auf dem Verdecke, damit von den Matrosen und den Dienern des Gesetzes
das Zwischendeck durchsucht werden knnte, um eingeschlichene Individuen,
welche entweder die Ueberfahrt nicht bezahlt haben oder den Hnden der
Gerechtigkeit verfallen sind, aufzufinden. In der That brachten sie auch
einen armen deutschen Handwerksburschen in einem abgeschabten Sammetrocke
zum Vorschein, der die Passagekosten zu berichtigen vergessen hatte und
von einem weichherzigen Bauer unter sein Bett versteckt worden war. Trotz
seines Bittens und Flehens mute er mit den Gensdarmen die unfreiwillige
Rckreise nach dem Havre machen, das er so bald wieder zu sehen sich wohl
nicht hatte trumen lassen.

Als uns der Lotse und die Gensdarmen mit ihrer Beute verlassen hatten, gab
der Capitain Befehl, das Schiff zu reinigen, was uns selbst sehr
nothwendig schien, da durch das Einladen und Einpacken bis fast zum letzten
Augenblicke der Abfahrt viel Unreinlichkeit und Schmutz auf das Verdeck und
in die unteren Rume gebracht worden war. Nach Beendigung dieser Arbeit,
der auch ich mich unterziehen mute, da im Zwischendeck vollstndige
Freiheit und _Gleichheit_ herrscht, machte ich mich auf den Weg, um
meine Schiffsgesellschaft zu mustern. Mein nchster Nachbar war ein junger
Rheinbaier, Namens W......., der bereits fnf Jahre in Amerika gelebt
und das amerikanische Brgerrecht erlangt hatte. Wir schlossen bald
Freundschaft, was das Angenehme fr mich hatte, da ich durch ihn, da er
von der ganzen Reisegesellschaft allein der englischen Sprache mchtig war,
bald in nhere und sehr angenehme Beziehungen zu dem Capitaine kam, welcher
sich durch Freundlichkeit und Liebenswrdigkeit auszeichnete und smmtliche
Passagiere ohne Ausnahme mit viel Humanitt und Gte behandelte. Dieses ist
um so mehr von ihm zu rhmen, als man dergleichen nicht auf allen Schiffen
findet.

Durch meinen neuen Freund W....... als Dollmetscher erfuhr ich von unserem
Capitaine Higgins, da seine Lila (so hie das Schiff) in Baltimore gebaut
und ein sehr gutes Fahrzeug sey und er mit demselben schon die Reise von
Havre nach New-York in 20 Tagen gemacht habe, was fr uns Beide nicht
unangenehm zu hren war.

So zuvorkommend sich der Capitain im Ganzen gegen mich benahm, so fiel mir
doch sehr auf, da er gleich im Anfange unserer Bekanntschaft mit lautem
Lachen ausrief: ~the mustaches!~ Unangenehm berhrt fragte ich meinen
Freund W......., was dieses Benehmen zu bedeuten habe? Noch lauter lachend
setzte mir dieser nun auseinander, da der gute Higgins sich ber meinen
Schnurrbart freue, der in New-York gewi viel Aufsehen erregen werde.
Obschon ich bereits aus dem Spiegel die Ueberzeugung gewonnen hatte, da
der Schmuck meiner Oberlippe keine besondere Bewunderung verdiene, so
verdro mich doch der Scherz, der mir von einem Fremden unartig schien,
was Beider Heiterkeit nur noch mehr steigerte. Endlich theilte mir W.......
mit, da kein Amerikaner einen Schnurrbart[1] trage, und dem Inhaber eines
solchen die Kinder in New-York ebenso nachliefen, wie deutsche Dorfjungen
einem Mohren. Diese Auseinandersetzung bewog mich, sofort in's Zwischendeck
hinabzusteigen und mich meiner Zierde zu entledigen.

  [1]: Der Schnurrbart ist seit jener Zeit auch in Amerika emancipirt
  worden, da sich viele Europer, namentlich die Franzosen, mit stoischem
  Gleichmuth ber den Spott der Amerikaner hinwegsetzten.




Drittes Capitel.

Die Einquartierung. Die Seekrankheit. Mittel gegen dieselbe.


Die Schiffsgesellschaft bestand nur aus Deutschen (hauptschlich Baiern,
Hessen, Wrtembergern und Elsssern). Der sogenannte gebildete Stand war
unter ihnen gar nicht vertreten, da auer einem katholischen Geistlichen
aus Tyrol nur Bauern und einige junge Handwerker an Bord waren. Unter
ihnen fand ich jedoch ganz wackere und brave Leute, mit denen man recht
gut verkehren konnte. Diese wurden zuflligerweise grtentheils meine
Bettnachbarn.

Die ersten Unannehmlichkeiten hatten wir mit einem Elssser Bauern, der
im Vereine mit seinem Knechte eine unbertreffliche Grobheit zu entwickeln
verstand. Dieser Mann hatte nmlich die appetitliche Einrichtung getroffen,
da seine Frau die theuern Hupter ihrer lieben Kinderchen auf einem Koffer
in der Nhe unserer Bettstellen auf's sorgfltigste untersuchte, da sie
gewissen kleinen Thierchen, die man nicht gerne nennt, einen blutigen
Tod geschworen hatte. Erst nach Beschwerdefhrung beim Capitain wurde
der Schauplatz dieser unterhaltenden Beschftigung an einen anderen Ort
verlegt; wir sollten aber unserem Geschicke trotz aller Vorsicht doch nicht
entgehen, denn wir erhielten, da an strenge Erhaltung der Reinlichkeit bei
dem Zusammendrngen so vieler Menschen auf einen so kleinen Raum nicht zu
denken ist, spterhin dieselbe Einquartierung, die sich bereits bei unserer
guten Elssser Bauersfrau so miliebig gemacht hatte. Das ist eines von
den kleinen Leiden des menschlichen Lebens, dem ein Zwischendecks-Passagier
nicht wohl entgehen kann.

Eine weitere Unannehmlichkeit, von der jedoch Manche, wie der Verfasser
selbst, verschont blieben, ist die schon oft beschriebene Seekrankheit.
Gegen diese gibt es leider kein Cardinalmittel! der Kranke mu sich eben
geduldig in sein Schicksal fgen. Jedoch will ich hier nicht unterlassen,
meinen Lesern, die allenfalls noch eine Seereise zu machen gedenken, meine
Erfahrungen ber die Art, wie man ihr wenigstens in Etwas begegnen kann,
mitzutheilen. Der Zwischendecksreisende suche seinen Platz in der Mitte
des Schiffes zu erhalten, da hier bei unruhiger See immer die wenigste
Schwankung und geringste Erschtterung ist. Ferner halte man sich so wenig
als mglich im Zwischendecke auf, weil in diesem trotz aller Frsorge bei
der Ausdnstung so vieler Menschen nie die Luft ganz rein seyn kann. Selbst
wenn die See strmisch geht, bleibe man auf dem Verdecke und sehe der
wilden Bewegung der Wasser mglichst ruhig zu, damit der Schwindel ferne
bleibt. Als sehr praktisch habe ich auch gefunden, den Bewegungen des
Schiffes, namentlich wenn sie heftig sind und von der Seite kommen, mit dem
Krper nachzugehen, damit der Magen nicht zu sehr erschttert wird. Luft
das Schiff unter gnstigem Wind, so kann ich das Hinabschauen von den
Seiten des Schiffes in die See als ein Mittel empfehlen, welches ebenfalls
den Schwindel entfernt hlt. Viele haben als Prservativmittel einen
uerst migen Genu von Speisen und Getrnken empfohlen; ich habe aber
hiervon eher die entgegengesetzte Wirkung beobachtet. Der beste Rath ist
wohl der, sich zur See aller der Speisen zu enthalten, zu denen man keinen
Appetit hat oder vor denen man gar Ekel empfindet. Obschon ich gnzlich von
der Seekrankheit befreit blieb, mute ich mir doch den Genu von Kaffee
und Wein versagen, da ohnfehlbar Erbrechen erfolgt wre. Gutes Bier ist den
Seekranken am willkommensten, da es der Magen am wenigsten wieder ausstt;
leider ist der Transport beschwerlich, da man es nur in Flaschen mit sich
fhren kann.

Wer von der Seekrankheit verschont bleibt, hat wirklich alle Ursache, sich
zu gratuliren, denn abgesehen davon, da dieser Zustand mit vielen Leiden
verbunden ist, entzieht er uns den Genu aller Reize und Schnheiten, die
die See darbietet. Am meisten berraschte mich ihr schneller Eintritt bei
vielen meiner Mitreisenden. Kaum hatte uns das Dampfschiff, welches uns
aus dem Hafen des Havre gebracht hatte, im Canale unserem Schicksale
berlassen, als sich mit dem Schwanken des Schiffes die von Allen
gefrchtete Seekrankheit einstellte. Freund W....... und ich hatten uns
zu einem jungen Tischler gesellt, welcher mit einem schnen reinen Tenor
Prochs Alpenhorn mit Guitarrebegleitung zum Besten gab. Der grte Theil
der Passagiere lauschte den schnen Tnen; aber noch war das Lied nicht zur
Hlfte beendigt, als von jeder Seite des Schiffes 10-12 Kpfe in die See
hinabschauten, um die von ihnen ohnlngst genossene Nahrung den Fischen als
willkommenes Futter zu spenden.

Einige wurden gleich am ersten Tage von der Seekrankheit mit solcher
Heftigkeit befallen, da sie whrend der ganzen Reise das Bett nicht
verlassen konnten, und bei der Ankunft in New-York so matt waren, da sie
nicht aufrecht zu stehen vermochten. Selbst der geistliche Hirte blieb von
der Krankheit, die den grten Theil seiner Heerde befallen hatte,
nicht verschont, und es nahm sich gar possirlich aus, wenn er mit langem
schwarzen Rock, schwarzen kurzen Hosen und Kanonenstiefeln angethan sein
Haupt neigte, um der Urquelle ihre Spenden zurckzugeben.




Viertes Capitel.

Angst und Vaterfreuden. Eine Kindtaufe und ein Taufschein.


Vierzehn Tage lagen hinter uns, als uns ein Ereigni berraschte, welches
viele Heiterkeit erregte. Wir hatten nmlich auch einen Bauernburschen mit
an Bord, der mit seiner Geliebten, einer runden Dorfschnen, sein Heil in
Amerika versuchen wollte, da ihre Liebe Frchte zu tragen versprach, und
ihnen die Erlangung des Heirathsconsenses zu Hause unmglich war. Wider
Erwarten des Mdchens stellten sich in Folge der Reise etwas frher die
Wehen ein, welche ihren getreuen Liebhaber, der mit geistigen Gaben
nicht besonders gesegnet war, und in dieser Hinsicht wohl auch noch keine
besonderen Erfahrungen gesammelt haben mochte, in nicht geringe Angst und
Verlegenheit versetzten. Freund W....... erbarmte sich seiner und nahm
mit unserem menschenfreundlichen Capitain Rcksprache, welcher sofort dem
Schiffszimmermann die Errichtung einer Bettstelle befahl, welche durch
umhergehngte Segeltcher von dem brigen Zwischendecke abgeschlossen
wurde. Kurze Zeit darauf hrten wir einen jungen Republikaner und Brger
der Vereinigten Staaten[2] in dem knstlich geschaffenen Kabinette
schreien, und unsere Reisegesellschaft hatte nun trotz aller Matrosen und
Gensdarmen ein Mitglied unter sich, welches keine Ueberfahrtskosten zu
entrichten hatte.

  [2]: Kinder, welche auf amerikanischen Schiffen geboren werden, haben
  dieselben Rechte, wie diejenigen, welche in Amerika das Licht der Welt
  erblicken.

Bald nach der Geburt kam der glckliche Vater auf Freund W....... und mich
zu, um von uns in Betreff der Taufhandlung sich einen Rath zu erbitten. Wir
zeigten auf den katholischen Priester hin, der gemchlich, die Hnde auf
den Rcken gelegt, auf dem Verdecke hin und her gieng. Aber ein frommes
Entsetzen ergriff den guten Menschen bei dem Gedanken, da er als
Protestant sein Kind von einem rmisch-katholischen Geistlichen taufen
lassen sollte. Sind Sie denn evangelisch? fragte er uns ngstlich, und
erst, als wir Beide bejaht hatten, klrte sich sein Antlitz wieder auf.
Kann denn der das Kind evangelisch taufen? fragte er abermals. Da wir der
Ansicht waren, da wir ihm nur mit groer Mhe eine richtige Anschauung der
Sachlage eintrichtern knnten, erklrten wir ihm, da wir es statt seiner
besorgen wollten, da der katholische Pfarrer sein Kind evangelisch
taufe. Wir wandten uns nun mit der Bitte an den Priester, da er das
Kind in die christliche Kirche aufnehmen mge, was er denn auch fr den
nchsten Sonntag richtig zusagte.

Der hohe Festtag war erschienen, und das Schiff lag wegen eingetretener
Windstille ruhig auf der spiegelglatten See. Der Capitain hatte sich selbst
zu Gevatter gebeten, was der Bauer als eine groe Ehre freudig annahm. Eine
Tonne wurde auf dem Raume vor der Cajte aufgestellt, mit Brettern belegt
und mit einem groen weien Tuche bedeckt. Ein Crucifix wurde ebenfalls
mit dem nthigen Taufgeschirr herbeigeschafft, welches seine Dienste that,
obschon es nur aus einem Waschbecken und einer Obertasse bestand.--

Indessen gieng es im Zwischendecke munter zu. Alles, was gesund war, machte
sich an seine Toilette; die Mnner rasirten sich, die Weiber flochten sich
die Haare, der Herr Pfarrer wichste die Kanonenstiefeln und packte seinen
neuen schwarzen Anzug aus, und der Capitain warf sich in der Cajte in
fashionablen Frack und Unaussprechliche.

Als Alles zum feierlichen Akte vorbereitet war, lie der Capitain mit der
Schiffsglocke ein Zeichen geben, und langsam gieng es aus dem unteren
Raume auf das Verdeck, auf dem sich die Versammlung in zwei langen Reihen
aufstellte.

Die Rede des Geistlichen und die Taufhandlung war einige Stunden vorber,
als unser Bauer mit rothem Kopfe und einem Blatt Papier in der Hand auf
W....... und mich zukam und uns einen Taufschein berreichte, der ihm auf
sein Verlangen vom Pfarrer ausgestellt worden war. Derselbe enthielt die
Besttigung, da das Shnlein des Bauern ~N.N.~ in die Gemeinschaft der
heiligen rmisch-katholischen Kirche aufgenommen worden sey. Nun war
uns die Sache doch nicht mehr zum Spaen, als wir sahen, da uns ein
Jesuitenstcklein gespielt worden sey, welches der Herr Pfarrer in
Innsbruck erlernt haben mochte; wir nahmen dehalb den Taufschein zu uns,
und ich schrieb einen zweiten, in welchem ausdrcklich bemerkt war, da
von dem katholischen Priester ~N.N.~ das Kind in die Gemeinschaft der
christlichen Kirche aufgenommen worden sey. Nachdem dieses neugeschaffene
Dokument vom Capitain als Pathen, von dem Vater und der Mutter des Kindes
als Eltern und von W....... und mir als Zeugen unterschrieben war, gaben
wir es erst dem Herrn Pfarrer zur Unterschrift, der sich dem Geschft
mit saurem Gesichte unterzog, worauf in seiner Gegenwart der von ihm
geschriebene Taufschein ber Bord flog.

Jetzt erst war das tiefgengstigte Elternpaar wieder guten Muthes. Die
ganze Geschichte wurde aber, trotz aller Bemhungen, sie geheim zu halten,
auf dem Schiffe ruchbar, und die nchste Folge davon war die, da, als eine
zweite Frau 14 Tage spter ebenfalls gebar, der Vater des Kindes dasselbe
um keinen Preis von dem Pfarrer taufen lie, sondern fest erklrte, ihm
erst in Cleveland, seinem knftigen Wohnsitze, von einem evangelischen
Prediger die Weihe der Kirche ertheilen lassen zu wollen.




Fnftes Capitel.

Ein Sturm. Damenhte. Bemerkungen ber die Einwanderung in Nord-Amerika.


Bis hieher war unsere Reise eine durchaus angenehme; wir hatten immer gutes
Wetter und einige Tage Windstille ausgenommen immer gnstigen Wind, so da
die Hlfte der Reise wider Erwarten rasch gemacht war. Wir sollten aber
auch etwas von den ernsten Unannehmlichkeiten und Gefahren des Seelebens
kosten, nmlich einen Sturm. -- Schn hatte der Tag geendet, und Alles war
bis auf die Matrosen in tiefen Schlaf versunken, als sich der Wind drehte.
Gegen Morgen war der Sturm in vollem Anzuge. Das laute Commando des
Capitains, das Geschrei und der Gesang der Matrosen, die bei dem Nahen der
Gefahr eine ganz besondere Munterkeit befllt, wie das schrille Pfeifen des
Windes weckten Alles im Zwischendecke. Jedes fuhr schnell in die Kleider,
um sich auf dem Verdecke von dem Gange der See zu berzeugen. Die
neugierigere und zartere Hlfte des menschlichen Geschlechts kam zuerst im
Neglig die Schiffstreppe hinauf. Kaum aber hatten die Weiber die Kpfe
aus den Lucken gesteckt, und das Aechzen der Masten und Raaen, sowie das
Brausen der daherrollenden Wogen gehrt, als sie smmtlich nach Unten
eilten, und durch ihr furchtbares Zedergeschrei alle noch schlafenden
Kinder aufweckten, welche den Chorus nach Leibeskrften verstrken halfen.
Rasch stieg ich nun auf das Verdeck, um zu sehen, ob Gefahr vorhanden sey;
aber kaum war ich oben angelangt, als ich mir beim Anblick der tobenden See
meine Unerfahrenheit in solchen Dingen sofort eingestehen mute.

Mein Freund W....... kam auf mich zu und theilte mir mit, da der Capitain
guter Dinge sey und ihm versichert habe, da sein Schiff dergleichen Strme
auf jeder Reise zu bestehen htte. Ganz ermuthigt versuchte ich nun, auf
dem Verdecke, das von hereingeworfenem Seewasser so schlpfrig geworden
war, da man kaum darauf gehen konnte, in die Nhe einiger Passagiere
zu gelangen, als auf einmal eine groe Welle gegen die linke Seite des
Schiffes heranrollte, dasselbe in die Hhe hob, das ganze Verdeck
mit Wasser berschttete und mich auf die rechte Seite des Schiffes
hinabschleuderte, da ich in die tobende See hinausgestrzt wre, htte
ich mich nicht noch instinktartig an der Gallerie, die um die Cajte lief,
angeklammert. Ein Matrose sprang mir zur Hlfe und brachte mich zur Lucke,
durch die ich sehr kleinlaut und geqult von Schmerzen am ganzen Krper
hinabstieg, um mich auf meine Matratze von Seegras zu begeben und daselbst
ber meine unberufene Neugierde nachzudenken.

Inzwischen hatte der Sturm zugenommen. Weiber und Kinder schrieen nach
Leibeskrften; eine Wassermenge um die andere strzte durch die Lucken,
die man nicht verschlieen durfte, wollte man uns nicht der Gefahr des
Erstickens Preis geben. Durch das heftige und rasche Hin- und Herschwanken
des Schiffes machten sich, um die Verwirrung und den Lrmen noch grer
zu machen, auch noch Koffer, Kisten und sonstige Reiseeffekten von den
Stricken los, mit denen sie befestigt waren, und rollten von einer Seite
zur andern. Zugleich rauschte bei jeder Bewegung des Schiffes das Wasser
im Zwischendeck herber oder hinber, was fr die meisten Ohren keine sehr
erfreuliche Musik war.

36 Stunden hatte der Sturm so getobt, whrend welcher Zeit ich mich nur
von rohem Schinken und Schiffszwieback nhrte, da man an Kochen gar nicht
denken durfte. Die meisten Passagiere, namentlich die Weiber und die
Kinder, genossen aber, so lange das Unwetter whrte, aus Angst und Jammer
gar nichts und viele Andere konnten das wenige Genossene nicht bei sich
behalten, da sie von der Seekrankheit im hchsten Grade befallen waren.

Als ich das Verdeck wieder betrat, war bereits wieder ein Segel an dem
Hauptmast erschienen. Die See ging aber, obschon der Wind bedeutend von
seiner Heftigkeit verloren hatte, noch volle 24 Stunden hoch, und lschte
uns einmal um's anderemal unser mhsam gemachtes Feuer wieder aus, das dem
den Magen eine warme Suppe verschaffen sollte.--

Aber welches Schauspiel wre Dir, lieber Leser, geboten worden, httest
Du jetzt einen Blick in das Zwischendeck werfen knnen! Blasse Gestalten
krochen hie und da aus den Bettstellen, um in allen Winkeln des Schiffes
ihre entfhrten Siebensachen aufzusuchen. Nun entstand erst das rechte
Seufzen und Wehklagen, als Viele, die ihre Vorrthe und ihr Gepcke nicht
vorsichtig genug befestigt hatten, den ungeahnten Schaden bemerkten.
Namentlich gieng viel Wein verloren, den man in groen eingeflochtenen
glsernen Flaschen mitgenommen hatte, die natrlich eine Carambolage
mit einem Koffer oder einer Kiste nicht auszuhalten vermochten.
Schiffszwieback, vom Seewasser durchweicht, und Unrath aller Art war
ber den ganzen Boden verstreut, und gab uns eine angenehme Aussicht auf
appetitliche Beschftigung. Mehrere Tage vergiengen, ehe Alles wieder im
alten Gleise war.

Den grten Verlust hatte aber unstreitig eine deutsche Putzhndlerin aus
Paris erlitten, die mit mehreren Dutzend Damenhten vom feinsten Stoffe,
welche mit tuschend nachgemachten Blumen verziert waren, nach New-York
auszuwanderen beschlossen hatte, um die amerikanischen Ladys mit den
Erzeugnissen ihrer Kunst zu beglcken. Sie hatte die Unvorsichtigkeit
begangen, die in einfache Pappschachteln verpackten Hte unter ihrem Bette
zu verwahren, wo sie von dem Seewasser total verdorben wurden. Manches
Frauenherz wre gewi bei dem Anblick des so unbarmherzig vernichteten
Putzes tief bewegt worden! Das ist das Loos des Schnen auf der Erde.

Die Passagiere waren fast ohne Ausnahme vermgende Leute; Einzelne fhrten
sogar Reichthmer mit sich. Manchem Finanzmanne mchte ich den Rath geben,
einmal auf einem Auswandererschiffe die Reise nach New-York mitzumachen,
damit er nach der Ankunft in Amerika bei der Visitation des Gepckes durch
die Zollbeamten die groen Geldscke mit eigenen Augen sehen knnte, welche
durch die Auswanderer in die Fremde geschafft werden. Die Amerikaner
haben nur zu wohl die ungeheuere Wichtigkeit der Einwanderung erkannt
und begnstigen sie auf alle Weise. Ihnen ist der Reiche wie der Arme
willkommen; der erstere bringt Capitalien, der letztere Arbeitskrfte mit,
die in diesem Lande, in welchem noch so Manches in der Kindheit liegt,
trotz der tglichen Ankunft so vieler Menschen immer noch ihren Werth
behauptet haben, wenn sie sich nur geschickt zu vertheilen wuten.

Nach einer Berechnung soll im Jahre 1847 eine Baarsumme von 5,000,000fl.
allein von Deutschen in Amerika eingefhrt worden seyn, was Niemand Wunder
nehmen wird, der wei, wie viel reiche Grundbesitzer in diesem Jahre
auswanderten. Jedes Jahr nimmt die Auswanderung zu, und hat selbst im Jahre
1848, wo sich doch der Verwerthung von Gtern und Grundbesitz so bedeutende
Schwierigkeiten entgegensetzten, einen so hohen Grad erreicht, da die
Bevlkerung Nord-Amerikas in diesem _Einen_ Jahr um 10 Prozent stieg.

Die groe Ausfuhr von Baargeld wird mit der Zeit ohne Zweifel sehr fhlbar
werden, denn wenn wir auch gerne zugestehen, da der Hauptreichthum unserer
Nation in dem Ackerbau besteht, so wird doch Niemand behaupten wollen,
da wir die Industrie entbehren knnen und diese ohne flssige Capitalien
arbeiten kann.




Sechstes Capitel.

Napoleon. Baldiges Ende der Seereise. Unerwarteter Aufenthalt. Land. Die
New-Yorker Piloten.


Gerne verkehrten W....... und ich mit einem Bauer aus Schwaben, der eine
groe Gemthlichkeit, einen guten Humor und einen gesunden Menschenverstand
besa. Er hatte lange als Bauernknecht im Wrtembergischen gedient und sich
durch Sparsamkeit ein kleines Vermgen erworben. Auf unsere Frage, was
ihn zur Auswanderung bestimmt htte, erzhlte er uns, da ein Schul- und
Ortskamerade von ihm vor Jahren nach Amerika ausgewandert sey und ihm
geschrieben habe, da er hinberkommen solle, da er in Deutschland doch
nur ein Lump bleibe, whrend er drben wie Napoleon leben knne. Von jenem
Augenblicke an hie er, da uns einige Spottvgel zugehrt hatten, allgemein
der Napoleon, und wir lachten oft auf's Herzlichste, wenn ein deutscher
Matrose aus dem Holsteinischen, mit dem er enge Freundschaft geschlossen
hatte, in's Zwischendeck hinabrief: Napoleon! gehe herauf! Du mut Holz
hauen und Erdpfel abschlen.

Wir nherten uns allmhlig dem Ende unserer Reise. Ohne zu wissen, unter
welchem Lngen- und Breitengrade wir schwammen, bemerkten wir doch, als
wir noch ungefhr 2-300 engl. Meilen von der Kste entfernt waren, da die
Kste nahe sein msse, da eine auffallende Menge von Schiffen in unserem
Gesichtskreise segelte, whrend wir frher oft in 8 Tagen nur 2-3 Schiffen
begegnet waren.

Endlich gab uns der Capitain die lngst ersehnte Kunde, da wir am anderen
Tage Land erblicken wrden. Nun war Alles in der freudigsten Bewegung;
bessere Kleider wurden aus den Koffern genommen; alte, auf der Reise
abgebrauchte Gegenstnde flogen in die See und ringsherum sah man fleiige
Hnde, die sich eigener und fremder Verschnerung beflien. Die meiste
Mhe machte die Reinigung der Haut von einem fettigen Schmutze, den das
Seewasser beim Waschen zurcklt, da Swasser hiezu nicht verwendet
werden darf. Ich machte lange vergebliche Versuche mit einem Handtuch und
einem groen Stck Seife zum allgemeinen Ergtzen der Matrosen, die laut
auflachten, da ich mich vergeblich roth wie ein gesottener Krebs gerieben
hatte, und meine Bemhungen wren wohl erfolglos geblieben, htte sich
der Landsmann aus Holstein nicht erbarmt und mir eine eigene Art Seife und
einen wollenen Fleck gebracht, welche allein dem Krper die lange entbehrte
Reinlichkeit wieder geben knnen.

Die geehrten Leser werden der Versicherung wohl Glauben schenken, da wir
Alle ohne Ausnahme die Nacht in groer Unruhe hinbrachten. Eigene Gefhle
belebten das Herz bei dem Gedanken, in Blde das neuerwhlte Vaterland, dem
Alle hoffnungsvoll entgegeneilten, vor Augen zu haben. Dazu kam noch
die Freude, die lange, wenn auch immerhin glckliche Seereise mit ihren
Gefahren und Entbehrungen berstanden zu haben; W.......s, wie meine
eigene poetische Natur, deren khner Flug sich auf der Reise manchmal zum
Ueberirdischen aufzuschwingen ver_sucht_ hatte, sank jetzt auf einmal zum
Gemeinen herab und freute sich auf ein Stck frisches Rindfleisch und ein
gutes Glas Bier, whrend die Frauen laut jubelten bei der sich ffnenden
frohen Aussicht auf -- Milch zum Kaffee.

Frhlich sprangen wir schon Morgens 4Uhr aus den Betten, um das gelobte
Land zu erblicken; aber leider war unsere Hoffnung zu Wasser geworden, denn
in der Nacht hatte sich ein neidischer Nebel ber die See gelagert, der uns
die Aussicht gnzlich versperrte. Traurig stand ich auf dem Verdeck, als
Freund W....... meinen Aerger noch durch die Mittheilung vermehrte, da der
Capitain Befehl gegeben habe, Anker auszuwerfen, da er um keinen Preis bei
dem trben Wetter nher an die gefhrliche und klippenreiche Kste fahren,
sondern einen Piloten erwarten wolle. Den ganzen Tag muten wir so in
einer unertrglichen Langeweile hinbringen, ohne einen Fubreit vorwrts zu
kommen, da es sich durchaus nicht aushellte. Als der Abend hereingebrochen
war, lie der Capitain einige Raketen steigen, um einen Lotsen an Bord zu
bekommen, was denn auch zu Aller Freude in der Nacht gelang.

Dieser unvermuthete Aufenthalt in der Nhe der Kste war uns um so
unangenehmer, als wir gerne am 3. Juli in New-York angelangt wren, um am
nchsten Tage das groe Fest mitzufeiern, welches die Amerikaner zu Ehren
und zum Gedchtnis der am 4. Juli 1776 von ihren Vtern in Philadelphia
gegebenen Unabhngigkeitserklrung von England mit groem Pompe begehen.

In der Nacht des 2. Juli war der Pilot erst an Bord gestiegen, und es
fragte sich sehr, ob uns ein gnstiger Wind in den nchsten 48 Stunden
an's Land treiben wrde. Der Capitain lchelte stillvergngt zu unseren
betrbten Gesichtern, hatte aber ganz im Geheimen bereits Vorsorge
getroffen, sie bald wieder aufzuklren.

Als wir am anderen Tage von unseren zerlegenen und sehr hart gewordenen
Matratzen auf das Verdeck eilten, hatte sich der Nebel gnzlich gelegt, und
-- ein lauter Schrei des Entzckens entfuhr uns, als wir im herrlichsten
Sonnenschein Sandy Hook mit seinen 3 Leuchtthrmen vor uns erblickten.
Reichlich waren wir fr das Unangenehme der letzten Tage entschdigt. Die
Staffage dieser herrlichen Seepartie bildeten Hunderte von Schiffen,
welche theils wie wir vor Anker lagen, theils von Dampfschiffen der Bay von
New-York zugefhrt wurden. Weithinaus war das Meer, so weit nur das Auge
reichen konnte, mit kleinen Fahrzeugen berset, welche theils Pilote,
theils rstige Fischer trugen, die die ungeheure Stadt tglich mit frischen
Seefischen versehen.

Es sey mir gegnnt, hier Einiges ber die New-Yorker Piloten zu sagen.
Diese khnen Mnner, welche nicht allein die genaueste Kenntni der Kste
mit ihren Klippen und Untiefen, sondern eine eben so gute seemnnische
Bildung, wie die Capitaine selbst, haben mssen, da sie sofort nach ihrer
Ankunft an Bord das Commando des Fahrzeugs bernehmen, bilden in
New-York ein wohlorganisirtes Corps. Ihre Dienstzeit ist ihnen regelmig
vorgeschrieben und ihr Nahrungsstand gesichert, ob sie nun im Jahre
viele oder wenige Schiffe einbringen. In kleinen, aber scharf und schlank
gebauten, daher auch sehr schnell segelnden Fahrzeugen kreuzen sie oft
mehrere Tage und Nchte in der Nhe der Kste, ja sie wagen sich oft 3-400
engl. Meilen in die offene See hinaus, um ihr menschenfreundliches Geschft
auszuben. Selbst beim strmischsten Wetter halten sie das hohe Meer,
um hlfsbedrftigen Schiffen Rettung bringen zu knnen. Der Muth und die
Verwegenheit dieser Mnner bersteigt allen Glauben, sowie ihre Erfahrung
und Sicherheit allgemeine Bewunderung erregt.

Hier mge auch einer That Erwhnung geschehen, welche nicht allein Amerika,
sondern auch Europa mit gerechtem Erstaunen erfllte. Ein New-Yorker Pilot
unterzog sich dem gefhrlichen Geschfte, mit seinem Boote[3] Nachrichten
von Wichtigkeit eher nach dem 3000 engl. Meilen entfernten Liverpool zu
bringen, als es dem abgehenden Dampfschiff, welches die Reise gewhnlich in
13-14 Tagen macht, mglich wre. Er kam nun zwar spter als das Dampfschiff
in England an, aber die in Liverpool anwesenden Seeleute von allen Nationen
der Erde staunten ber die Khnheit einer That, die auszufhren bis zu
dieser Stunde noch keiner fr mglich gehalten hatte.

  [3]: ~Pilotboat.~

Die New-Yorker Piloten sind, da viele von ihnen als Capitaine weite und
gefahrvolle Reisen nach allen Welttheilen gemacht haben, nicht allein
khne, sondern auch sehr gebildete Leute, und unterscheiden sich darin
wesentlich von den Lotsen anderer Lnder, die zwar auch eine genaue
Kenntni ihres Terrains, aber nicht den Takt und das Benehmen haben,
welches bei den New-Yorker Piloten einen so wohlthuenden Eindruck macht.




Siebentes Capitel.

Schilderung der Kste. Staatenisland. Die Makler in New-York.


Wir waren smmtlich noch im Anschauen der reizenden Kste versunken,
als sich uns ein Dampfschiff nherte, welches uns in den Hafen schleppen
sollte. Es hatte den Quarantainearzt an Bord, der den Gesundheitszustand
unseres Schiffes untersuchte und denselben bis auf wenige Seekranke
vortrefflich fand, wehalb er uns sofort die Erlaubni zum Einlaufen
ertheilte. Nun war Alles von frohen Empfindungen bewegt; selbst Diejenigen,
welche seit vielen Wochen nicht auf das Verdeck gekommen waren, lieen
sich herauffhren, um mit den Anderen die herrliche Kste und die Bay von
New-York zu bewundern, in die wir bald gelangen sollten.

Pltzlich brauste der Dampf aus dem Rauchfange des Steamers und vorwrts
gieng es dem Lande zu. Wir kamen an mehreren Schiffen vorber, die
ebenfalls Auswanderer an Bord hatten; ein frhliches, herzliches Hurrah,
welches wir jedesmal munter erwiderten, ertnte, so oft wir vorbeifuhren.
Als wir Coonyisland, eine kleine Insel, welche die New-Yorker im Sommer
fleiig zum Gebrauche der erfrischenden Seebder besuchen, aus den
Augen verloren hatten, nherten wir uns allmhlig der schmalen Einfahrt
(Harbour), die man nothwendigerweise passiren mu, wenn man in die Bay von
New-York gelangen will. Dieser wichtige Punkt, der Schlssel von New-York,
ist von den Amerikanern natrlich bedeutend befestigt worden. Zu unserer
Rechten erblickten wir auf einem ziemlich steilen Hgel das Fort Hamilton
mit seinen Casematten und bombenfesten Kasernen, dessen Kanonen drohend
auf uns herabblickten. Lustig flatterte von den Batterieen das stolze
Sternenbanner der Republik. Zur Linken waren ebenfalls dicht an der Kste
starke Werke sichtbar, und um jedes Eindringen von der Seeseite unmglich
zu machen, liegt fast in der Mitte der Einfahrt ein anderes massives und
bombenfestes Fort, welches im Vereine mit den Strandbatterieen feindlichen
Schiffen sicheres Verderben droht.

Als wir endlich in die Bay selbst gelangten, erblickten wir das liebliche
Staatenisland mit seinen freundlichen Villen und Gartenanlagen, welches
nebst Hoboken der Haupt-Sommeraufenthalt der New-Yorker ist. Fast
alle vermgenden Kaufleute bringen hier mit ihren Familien die heien
Sommermonate zu. Jeden Morgen fahren sie von da mit den regelmig gehenden
Dampfschiffen zur Stadt, um ihre Geschfte zu besorgen, und kehren dann um
3Uhr, zu welcher Stunde die greren Geschfte geschlossen werden, zurck.

In Staatenisland mu die Quarantaine abgehalten werden, wenn dem
Quarantainearzt der Gesundheitszustand der Passagiere nicht befriedigend
scheint. Die auf der Insel befindlichen Hospitler, die eine groe Anzahl
Kranker aufnehmen knnen, sind oft berfllt, namentlich war dies im Jahre
1847 der Fall, in welchem hauptschlich in den von England und Irland
kommenden Schiffen das Schiffsfieber in grauenerregender Art grassirte.

Ohngeachtet unsere Aufmerksamkeit jeden Augenblick auf einen neuen
interessanten Gegenstand hingelenkt wurde, fiel uns doch der geringfgige
Umstand auf, da 4-5 Khne unserem Schiffe bestndig zur Seite blieben.
Mein Freund W......., wie immer thtig und wacker fr mich sorgend,
theilte mir mit, da sich in diesen Booten die verrufenen und berchtigten
deutschen Makler befnden, welche den ankommenden Schiffen 5-6 Meilen
entgegenfahren, um sich ihre Opfer schon auszusuchen, ehe sie nur das Land
betreten haben. Viele Capitaine erlauben ihnen, an Bord zu kommen, damit
durch sie die Passagiere mglichst rasch vom Schiffe geschafft werden;
unser Higgins aber war zu redlich und brav, um diesen unsauberen Gesellen
den Zutritt zu seiner Lila, deren reinen Namen er nicht von ihnen beflecken
lassen wollte, zu gestatten. Ihre anfngliche Hflichkeit verwandelte sich
nach erhaltener abschlglicher Antwort sofort in die gemeinste Rohheit,
und unser guter Capitain wrde sich wohl ber den Reichthum unserer
Muttersprache an Schimpfwrtern gar sehr gewundert haben, htte er dieselbe
verstanden.

Bald erblickten wir auch das freundliche New-Jersey und die Castelle von
Governers-Island und Battery, sowie die Masten unzhliger Schiffe, welche
uns die Aussicht auf die Stadt versperrten. Gelingt es auch dem Feinde,
durch die Einfahrt in die Bay zu dringen, so erwartet ihn ein zweites
verheerendes Kreuzfeuer in derselben, welches ihm die Einnahme wohl
unmglich machen drfte, obschon die Stadt an und fr sich gnzlich frei
und offen daliegt.

Endlich waren wir in dem Northriver, dem einem Arme des Hudson,
eingelaufen; unser Schiff machte eine Wendung und wir lagen am Docke.
Kaum aber hatten die Matrosen die Schiffstreppe an der einen Seite
hinabgelassen, als die uns treu zur Seite gebliebenen Makler an Bord
kamen und ihr feines Gewerbe begannen. Wie diese Art Menschen ihren Kder
auswirft, um gutmthige Leute zu fangen, welche von ihren Prellereien
nichts ahnen, will ich aus eigner Erfahrung erzhlen.

Nach ihrer Ankunft auf dem Schiffe stellten sie zuerst gleichgltige und
unbedeutende Fragen an die Passagiere, um aus dem Dialekte zu errathen,
aus welchem Theile Deutschlands sie kmen. Ah! Sie sind auch ein Sachse,
Preue, Bayer, Hesse u.s.w. Das ist schn, da sind wir ja Landsleute!
Dann vertrauten uns diese edlen uneigenntzigen Seelen das schon bekannte
Geheimni an, da Makler am Bord seyen. Nehmen sie sich in Acht vor diesen
verrufenen Menschen! Mir knnen Sie Ihr Vertrauen schenken, da mich einzig
und allein die Sehnsucht nach Landsleuten auf das Schiff gefhrt hat, die
mir etwas Neues aus der theuern Heimath melden knnten. Ach, Deutschland
bleibt doch immer schn! Auf diese Weise ist nicht allein der
Angesprochene, sondern auch jeder Unerfahrene gefangen, der im Kreise um
den Gauner herumstand, um seinen gemthlichen Worten zu lauschen.

Die Makler sind fast ohne Ausnahme in den Diensten derjenigen Wirthe,
welche in der Nhe des Hafens wohnen und einzig und allein von den
Einwanderern leben. Sie suchen daher durch alle mglichen Kunstgriffe die
neuen Ankmmlinge in das Haus desjenigen Gastwirths zu locken, mit dem sie
in Geschftsverbindung stehen. Diese Menschen verlangen natrlich fr ihre
Leistungen eine gute Bezahlung, die ihnen der Wirth leisten mu, da durch
Geldforderung von ihrer Seite die Auswanderer mitrauisch werden wrden. Es
ist nicht selten, da ein gewandter Makler monatlich von dem Wirth, dem er
die Opfer liefert, 30 Dollars[4] nebst Kost und Logis erhlt, die natrlich
wieder den Einwanderern abgenommen werden. Nebenbei wissen sie auf die
gewandteste Weise den Ankmmlingen das Geld aus der Tasche zu spielen und
sie in verdrieliche Hndel zu verwickeln, um ihre Hlfe und Untersttzung
in Anspruch genommen zu sehen, die natrlich reichlich bezahlt werden mu,
wie berhaupt alle ihre Dienste sechsfach vergtet werden mssen; so sah
ich z.B., wie sie einem Landmann das halbvolle Glas zum Trinken reichten,
fr welche Ehre demselben eine volle Flasche Rheinwein abgepret wurde.

  [4]: Ein Dollar = 2fl.30 kr. oder 1Thlr.13 Ngr.

Fr das Eigenthum sind sie theilweise uerst gefhrliche Menschen; am
besten thut man, wie dies allen Reisenden immer wieder empfohlen werden
darf, durchaus kein Geld sehen zu lassen, denn sie liegen dem, bei welchem
sie edles Metall vermuthen oder erblickt haben, in ihrer zudringlichen
und ekelhaft widrigen Manier so auf dem Halse, da er ihnen nur durch eine
Wohnungsvernderung entgehen kann.

Eine weitere Erwerbsquelle dieser Menschen ist ihre Verbindung mit den
verschiedenen Dampfschifffahrts-Gesellschaften und Eisenbahn-Compagnien,
welche unter sich concurriren und dehalb auf das Capern von Passagieren
ausgehen, welches ebenfalls von den Maklern besorgt wird. Dieses Geschft
ist fr sie das eintrglichste, da sie oft 20-30 Passagiere in die
Comptoirs dieser Gesellschaften fhren, um Fahrbillets nach allen Theilen
der Vereinigten Staaten zu lsen, fr welchen Dienst sie ~pro~ Kopf je nach
Verhltni einen halben oder einen ganzen Dollar erhalten. Einzelne Makler
haben sich auf diese Weise schon ein hbsches Vermgen gesammelt, obschon
die meisten von ihnen liederliche und arbeitsscheue Gesellen sind, welche
in den Wintermonaten, in denen bei weitem weniger Einwanderer ankommen und
ihr Verdienst daher sehr geschmlert ist, das wieder durchbringen, was sie
im Sommer gesammelt haben.

Ihr Aeueres ist groentheils anstndig, um aus dem Anzuge nicht sogleich
die Erbrmlichkeit ihres Geschftes errathen zu lassen. Unerfahrene werden
daher um so leichter getuscht, da der erste Eindruck bei ihrem Erscheinen
kein abstoender ist. Der Ankmmling thut am besten, wenn er sogleich ein
gutes Gast- oder Privathaus bezieht, da er dadurch der Pest entgeht, die
ihn in der Person der Makler und betrgerischen Wirthe bestndig verfolgt.
Auerdem lebt man in der Stadt billiger, reinlicher und ruhiger. Die Wirthe
am Hafen verlangen ohne Ausnahme fr Kost und Logis 3 Dollars die Woche,
whrend man in der Stadt fr dieselbe, ja noch bessere Qualitt nur 2
Dollar bezahlt. Es versteht sich wohl von selbst, da von Reinlichkeit
in Husern keine Rede seyn kann, die in verhltnimig sehr beschrnkten
Rumen manchmal an einem Tage mehrere Hundert Personen mit Kisten und
Kasten aufnehmen. Der damit verbundene Lrmen, der am frhen Morgen
beginnt, um erst am spten Abend wieder aufzuhren, ist auch eine von den
Annehmlichkeiten, auf die gewi jeder Reisende gern Verzicht leistet!

In den meisten Gasthusern dieser Art kann man nur uerst selten einzelne
Zimmer bekommen. In vielen stehen 10-12 Betten, von denen jedes seine
zwei Individuen aufnehmen mu, was nicht Jedermanns Vergngen ist. Da die
wenigsten Personen, die hier neben einander zu schlafen gezwungen sind,
sich auf ihrem Lebenswege schon einmal begegnet sind, so ist man in
bestndiger Gefahr, bei der Rckkehr von einem Gange auswrts sein Gepcke
nicht mehr zu finden.

Am meisten werden die unerfahrenen, gutmthigen deutschen Landleute
geprellt; eines traurigen Falls mge hier Erwhnung geschehen. Ein
churhessischer Bauer schenkte einem Makler sein Vertrauen, der ihm eine
Wohnung in einem Privathause zu verschaffen versprach, da die meisten
Gasthuser bersetzt waren. Als derselbe den Koffer des Einwanderers, in
dem seine ganze Habseligkeit eingeschlossen war, in dem neuen Quartier
niedergesetzt hatte, lud er den Bauer auf's Freundlichste zu der
Besichtigung der Merkwrdigkeiten New-Yorks ein, was dieser dankbar annahm.
Er fhrte ihn in eine der belebtesten Straen der Stadt, und, als sie sich
im dichtesten Gedrnge und Getmmel befanden, war er mit einem Male spurlos
verschwunden. Der arme Betrogene kannte weder die Nummer des Hauses, noch
den Namen der Strae, in der er seinen Koffer zurckgelassen hatte, und
seine smmtlichen Kleider, seine Wsche, sowie seine ganze Baarschaft waren
verloren. Einige Mitglieder des deutschen Volksvereins[5] begegneten dem
weinenden Manne, brachten ihn fr die Nacht unter und verschafften ihm am
nchsten Tage Arbeit an einer Eisenbahn.

  [5]: Siehe das nchste Capitel.

So viel von dieser Klasse von Menschen, vor denen schon so oft gewarnt
wurde. Trotzdem beklagen es tglich neue Opfer, den gutgemeinten Rath
erfahrener Mnner nicht befolgt zu haben.




Achtes Capitel.

Die deutsche Gesellschaft und der deutsche Volksverein.


Am passendsten geschieht jetzt, nachdem wir eine Characteristik der Makler
gegeben haben, zweier Vereine in New-York Erwhnung, welche sich die
doppelte Aufgabe gestellt haben, einerseits dem von diesen Menschen
verbten Unfuge mit aller Energie entgegenzutreten, andrerseits die
Einwanderer mit Rath und That zu untersttzen; es sind dies die schon
lange bestehende deutsche Gesellschaft und der deutsche Volksverein zur
Wahrung der Rechte und Interessen deutscher Einwanderer, welcher erst
vor einigen Jahren in's Leben getreten ist. Beiden Vereinen stehen die
angesehensten und achtbarsten deutschen Brger New-Yorks vor, wodurch
ihre Wirksamkeit eine betrchtliche Ausbreitung, sowie die energischste
Untersttzung der amerikanischen Behrden erhalten hat.

Die deutsche Gesellschaft verausgabt fr gnzlich hlfs- und mittellose
deutsche Einwanderer in kleinen Gelduntersttzungen jhrlich eine nicht
unbedeutende Summe; aber einen noch viel wirksameren Dienst leistet
ihnen dieser Verein durch Anweisung von Arbeit. Ein Sekretair ist eigens
angestellt, welcher in einem in der Nhe des Hafens eingerichteten Bureau
alle Anfragen beantwortet, alle Klagen anhrt und zu beseitigen sucht. Es
versteht sich wohl von selbst, da dieser nicht im Stande ist, allen Denen
zu helfen, welche zu ihm kommen, da manchmal Unmgliches gefordert wird,
und er nur das wirkliche Unglck bercksichtigen kann und darf.

Die deutsche Gesellschaft besitzt ein ziemliches Capitalvermgen, welches
durch viele Beitrge der Mitglieder und namentlich durch eine bedeutende
Schenkung unseres verstorbenen reichen deutschen Landsmannes Johann Jacob
Astor begrndet wurde. Ihre Wirksamkeit beschrnkt sich aber nicht allein
auf die Untersttzung armer Einwanderer; auch unglcklichen deutschen
Stadtbewohnern tritt sie helfend zur Seite und bercksichtigt namentlich
auch verschmte Arme. Um die Geschfte der Gesellschaft in Bezug auf diesen
Theil ihrer Thtigkeit zu vereinfachen, ist New-York in Bezirke getheilt
worden, zu deren Vorstnden zuverlssige und menschenfreundliche Mitglieder
gewhlt werden, die die Bittgesuche Hilfsbedrftiger entgegennehmen und
mglichst zu befriedigen suchen.

Die bedeutendsten deutschen Aerzte New-Yorks haben sich der deutschen
Gesellschaft angeschlossen, und diese ist dadurch in den Stand gesetzt,
unbemittelten Kranken und Leidenden nicht allein vorzgliche, sondern auch
unentgeldliche Behandlung zukommen zu lassen.

Dieser Verein ist fters der Gegenstand lauten Tadels und bitterer
Schmhungen gewesen; wer aber die Masse des Elendes und der Noth kennt,
die tglich von ihm gelindert werden soll, und seine wirkliche Leistungen
dagegen hlt, wird sich gewi nur ehrend und anerkennend ber einen Verein
aussprechen, der so manche Thrne getrocknet und so manchen Hunger gestillt
hat.

Der deutsche Volksverein hat sich eine andere Aufgabe, als die deutsche
Gesellschaft gestellt; er gibt nmlich keine Untersttzung an Geld, sondern
beschftigt sich, wie seine Name schon beurkundet, nur mit der Wahrung der
Rechte und Interessen der Einwanderer. Sein Hauptaugenmerk war seit seiner
Grndung darauf gerichtet, die Makler in der Ausbung ihres schndlichen
Gewerbes zu hindern, erwiesene an den Einwanderern begangene Betrgereien
gerichtlich zu verfolgen, Arbeit an Arbeitslose zu geben und Rath und
Auskunft ber amerikanische Zustnde zu ertheilen. Ein Ausschu, welcher
jede Woche wechselt, ist tglich Nachmittags zu bestimmten Stunden in
einem Lokale in der Nhe des Hafens in Sitzung, welches regelmig den
Einwanderern in der New-Yorker Staatszeitung und der deutschen Schnellpost
bekannt gemacht wird.

Alle Beschwerden und Klagen ber Makler, Wirthe und andere Betrger
werden dort angenommen und entweder auf gtlichem, polizeilichem oder
gerichtlichem Wege bereinigt. Diese Leute sind daher die erbittertsten
Feinde dieses Vereins geworden, und verfolgen namentlich die thtigen
Mitglieder desselben auf alle ihnen nur immer mgliche Weise, sowie sie
natrlich auch durch Verbreitung von Lgen, Entstellungen und Verlumdungen
die moralische Kraft des Vereins zu brechen suchen.

Im Anfange seines Entstehens suchte der deutsche Volksverein die
Aufmerksamkeit der Einwanderer hauptschlich durch groe Plakate auf sich
zu ziehen, welche an die Ecken der verschiedenen Hafenstraen angeschlagen
wurden. Er mute sich aber bald von der Untauglichkeit einer Maregel
berzeugen, welcher die Makler nur mit dem einfachen Abreien der Zettel zu
begegnen brauchten, um sie gnzlich wirkungslos zu machen.

Eine Thatsache will der Verfasser hier nicht unerwhnt lassen, da sie am
besten geeignet ist, einen klaren Begriff von dem Treiben der Makler den
Vereinen gegenber, welche sie beaufsichtigen, zu geben.

Das Directorium des Volksvereins hatte eine Vereinsversammlung
ausgeschrieben, in welcher verschiedene Beschlsse gefat werden sollten,
die man spter zum Schutze der Einwanderer in Ausfhrung bringen wollte. Zu
dieser fanden sich eine bedeutende Anzahl Makler mit Knitteln bewaffnet in
der Absicht ein, die Versammlung zu stren und Diejenigen zu bedrohen und
zu mihandeln, welche als Redner auftreten wrden. Es gelang ihnen auch,
die Abhaltung der Berathung zu verhindern, indem sie einen ungeheuren
Skandal anfiengen, so oft Jemand den Mund zu einem Vortrage ffnete.
Zuletzt konnten nur von dem Prsidenten requirirte Constabler einen Theil
der Mitglieder vor wirklichen Angriffen schtzen.

Die vielen lauten Klagen, die gegen jene Menschen erhoben wurden, haben
endlich auch die amerikanischen Behrden veranlat, ernstlich gegen sie
einzuschreiten, und die Zeit ist wohl nicht mehr ferne, in welcher man
von ihrem Gewerbe als von einem, das der Vergangenheit angehrte, sprechen
wird.




Neuntes Capitel.

New-York. Die Battery oder der Castlegarden. Der Broadway. Astorhaus. Das
Amerikanische Museum. Der Park und City-Hall. Die Vorfeier des vierten
Juli.


Mein Hauptwunsch war nun erreicht; ich hatte amerikanischen Boden unter
meinen Fen, und konnte die Begierde kaum unterdrcken, sogleich zur
Besichtigung der Stadt aufzubrechen. Freund W....... machte mich jedoch
darauf aufmerksam, da wir einer Strkung sehr bedrftig wren und
unsre hungrigen Magen und ermdeten Krper auch etwas Bercksichtigung
verdienten.

Nach einigen Stunden machte ich den ersten Ausgang, der mich zunchst
in ein groes Cigarrenlager fhrte, um die chten Kinder der Havanna
einzukaufen. Meine Freude ber den herrlichen Genu verringerte sich aber
merklich, als ich nach dem Preise fragte, den ich ungeheuer hoch fand. Von
hier aus fhrte uns unser Weg nach der Battery, welche mir W.......
zuerst vor Augen fhren wollte, da es ohnstreitig der schnste Spaziergang
New-Yorks mit einer weiten Aussicht auf die beiden Arme des Hudson, den
North- und East-River, die Bay von New-York, New-Jersey und Staatenisland
auf der einen, und Broklyn und Williamsburg auf der anderen Seite ist.

Die Battery, auch Castlegarden genannt, ist einer der besuchtesten
Vergngungsorte der New-Yorker, da man hier in der groen Glhhitze des
Sommers nicht allein unter dem Schatten der Bume sich ergehen, sondern
auch die khlende Seeluft einathmen kann. Das groe und malerische Bild,
das sich vor mir ausbreitete und mir einen bis zu dieser Stunde nicht
geahnten Genu bereitete, erhielt durch groe Kauffahrteischiffe, welche in
die Bay hereinsegelten, bestndig hin- und herlaufende Dampfschiffe und
die groe Menge von dahinschieenden kleineren Fahrzeugen das regste Leben.
Whrend der Hudson und die Bay den Anblick einer ungeheuren Arbeitsamkeit
und Emsigkeit darboten und meinen Blick fesselten, fllte sich der weite
und gerumige Garten mit modern gekleideten Herren und Damen, welche mir
die Ueberzeugung verschafften, da nicht allein die Modejournale von London
und Paris, sondern auch die Modestoffe von dort ihren Weg nach Amerika
finden.

Die Battery oder der Castlegarden hat seinen Namen von einem groen
runden Thurme (Castell), welcher die Stadt, wie ich bereits zu bemerken
Gelegenheit hatte, gegen einen Angriff von der Bay aus in Verbindung mit
den Fortifikationen von Governers-Island deckt. In Friedenszeiten ist das
Castell an einen spekulativen Yankee verpachtet, welcher in demselben groe
Conzerte auffhren lt, die schon wegen der herrlichen Lage des Ganzen
eine groe Anziehungskraft ausben. Auch zu Volksversammlungen, die ein
auergewhnlich groes Lokal erfordern, ist er schon bentzt worden.
Das Innere ist geschmackvoll und groartig, und ohnstreitbar eine Zierde
New-Yorks. In Verbindung mit diesem Unternehmen stehen sehr elegant
eingerichtete Bder, welche whrend der Sommer- und Herbstsaison von dem
New-Yorker Publikum sehr besucht sind; nach Schlu der Badezeit aber gleich
allen Flubdern fr die Dauer des Winters wieder abgebrochen werden.

Von hier aus wandten wir uns links, um in den Broadway und das Innere der
Stadt zu gelangen. Vielen meiner Leser wird bekannt seyn, da New-York
nicht auf dem amerikanischen Festlande, sondern auf einer Insel liegt. Man
hat daher an einzelnen Punkten des Broadway nach der rechten oder linken
Seite hin die Aussicht auf den Hafen und die hohen Maste der Schiffe,
welche frmlich in die Stadt hereinzuragen scheinen.

Diese ist mit Ausnahme des kleineren und zwar des lteren Theiles
ganz regelmig in fast gleich groen Vierecken gebaut. In den neuen
Stadtvierteln ist man von der Sitte abgegangen, die Straen, wie in Europa,
mit Namen zu belegen, was mit so groen Unannehmlichkeiten fr Fremde und
namentlich fr solche verbunden ist, welche der Sprache nicht kundig sind;
man bedient sich dort der Zahlen und numerirt die Straen, die parallel
mit einander vom Northriver nach dem Eastriver hindurchlaufen. Von diesen
ziehen sich wieder von den oberen Stadttheilen nach den unteren 9 Straen,
Avenue's genannt, welche das Auffinden der einzelnen Hausnummern unendlich
erleichtern, da viele der numerirten Parallelstraen ber eine Stunde lang
sind; man bezeichnet daher z.B. Hausnummer 50 in der 100sten Strae noch
genauer dadurch, da man die beiden Avenue's angibt, zwischen denen
das Haus liegt, um dem Kunden und dem Freunde Zeit und langes Suchen zu
ersparen.

Gleich beim Anfange des Broadway noch in der Nhe des Castlegarden befindet
sich eine schne Fontaine, welche angenehme Khlung verbreitet. Von da
aus zieht er sich in angemessener Breite ohngefhr eine Stunde die
Stadt hinauf. Ich hatte wenige Monate vorher die Boulevards und die Rue
St.Honor in Paris mit ihrem geruschvollen Treiben gesehen; mit dem
Getse und Gedrnge des Broadway halten aber Beide nach meiner Ueberzeugung
keinen Vergleich aus. New-York hat das Gerusche eines Seehafens und einer
Welthandelsstadt voraus, welches die Tausende von Lastwagen hervorbringen,
die Ballen, Kisten und Tonnen durch den Broadway nach den Magazinen oder
aus ihnen nach den Schiffen fhren. Zu beiden Seiten dieser groartigen
Strae befinden sich Trottoire, die in vorzglichem Zustande sind, was aber
hier auch um so nothwendiger ist, als von einem Gehen auf der eigentlichen
Strae gar keine Rede seyn kann, da man jedenfalls in wenig Minuten unter
den Rdern der Omnibusse, Equipagen oder Gterkarren wre. Es gehrt
eine groe Fertigkeit und eine lange Uebung dazu, als Wagenlenker sich
unversehrt durch dieses Gewoge von Fuhrwerk aller Art hindurchwinden zu
knnen.

Wir kamen zu dem fashionablesten Theile des Broadway, zu der Promenade der
feinen Welt, in die Nhe des Astorhauses, des Amerikanischen Museums und
des Parkes mit dem majesttischen Stadthause. Das Astorhouse ist das grte
und feinste Hotel in New-York und von demselben John Jacob Astor erbaut,
dessen ich schon bei Gelegenheit der Deutschen Gesellschaft Erwhnung
that. Es hat ebensowenig, als die anderen Hotels in New-York, eine groe
Einfahrt, auch fehlen allenthalben die groen Stallungen, wie man sie bei
groen europischen Gasthfen antrifft, da alle Reisenden entweder mit
Dampf- oder Segelschiffen ankommen. Die Preise sind verhltnimig nicht
zu hoch gestellt.

In dem Erdgeschosse des Astorhouses ist fr alle geistigen und leiblichen
Bedrfnisse der Fremden gesorgt. Kleidermagazin, Buchhandlung, Apotheke,
Friseurkabinet, Bder etc. stehen im eigenen Hotel zu Diensten und der
Reisende hat nicht nthig, weite Gnge durch die Stadt zu machen, wenn er
einen Wunsch befriedigen will.

Dem Astorhouse gegenber liegt das Amerikanische Museum, unter dem man
sich jedoch kein Berliner Museum, keine Dresdener Bildergallerie und keine
Pinakothek und Glyptothek denken darf, da dem schaulustigen Publikum dort
keine hohen Kunstgensse, sondern Curiositten der verschiedensten Art, als
singende Neger, Affen, Panoramas, Indianer, Riesen und Zwerge, komisches
Theater, Tnzer und verschiedene andere dergleichen Dinge gezeigt werden,
die wir bei uns auf groen Messen und Jahrmrkten in Dutzenden von Buden
sehen. Dies Alles bt auf den neugierigen Yankee eine sehr bedeutende
Anziehungskraft aus. Hiermit soll jedoch keineswegs gesagt seyn, da dieser
keinen Sinn fr hhere Knste und Wissenschaften habe, denn das Gegentheil
liee sich leicht durch die Aufzhlung groer Staats- und Privatbauten, wie
durch die Grndung vieler bedeutenden Collegien und Akademien nachweisen.

Das Aeuere dieses Gebudes ist auf die bunteste und burleskeste Weise
geziert, um den Blick der Vorbergehenden auf sich zu ziehen. Gemlde,
Transparente, riesenhafte Anschlagzettel und eine bunte Anzahl von Flaggen
und Fahnen geben einen hinreichenden Beweis von der Charlatanerie des
Eigenthmers, welche er namentlich in allen gelesenen New-Yorker Journalen
in den pomphaftesten Ausdrcken zur Schau trgt.

Von Nachmittags 2Uhr bis zum Schlusse der Vorstellung spielen auf einem
Altane des Gebudes deutsche Musiker, und meine Gefhle wurden mchtig
erregt, als am ersten Tage meines Aufenthaltes im fernen Westen die
bekannten Tne des schnen Liedes:

  Leb' wohl, du theures Land, das mich geboren!

zu uns herniederklangen.

Einen angenehmeren Eindruck, als dieses possirliche Comdienhaus, machte
der schne Park, in dessen Mitte sich die stolze City-Hall[6] mit
einer groen Freitreppe erhebt. Diese, wie die ganze vordere Fronte des
weitlufigen Gebudes ist aus weien Marmor aufgefhrt. Die Amerikaner
statten berhaupt alle ihre ffentlichen Bauten auf's Glnzendste und
Imposanteste aus, um das Gesetz, das in ihnen seine Wohnung hat, selbst
geachtet zu machen. Die New-Yorker ehren durch dieses Gebude die Vter der
Stadt, die Republik und sich selbst.

  [6]: Stadthaus, Rathhaus.

Nicht weit von dem Hauptportale des Stadthauses wirft eine zweite noch
bedeutendere Fontaine, als die beim Eingange des Broadway, ihren starken
Strahl hoch in die Lfte. Ringsherum laden Bnke zur Ruhe ein, und das Grn
der Bume und des Rasens bietet eine angenehme Abwechslung gegenber dem
Gedrnge und dem Staube der Straen.

Allmhlig kam der Abend und mit ihm neues Leben. Es war der Vorabend des
vierten Juli, den Jung und Alt durch Abbrennen von Raketen, Kanonenschlgen
und Schwrmern und durch Schieen aus jeder Gattung von Feuerrhren
festlich begehen. Obschon das Schieen in der Stadt das ganze Jahr hindurch
scharf verboten ist, so drcken Polizei und Gesetz an diesem Tage doch die
strengen Augen zu und untersttzen auf diese Weise einen Lrmen und einen
Spektakel, welcher die ganze Nacht fortdauert und Vielen den Schlummer
raubt; trotz meiner Mdigkeit weckte mich das unaufhrliche Schieen unter
meinen Fenstern zu wiederholten Malen aus dem tiefsten Schlafe auf. Die
Presse hat schon oft gegen diesen Unfug angekmpft, der jedes Jahr die
traurigsten Unglcksflle verursacht; sie erhlt aber keine energische
Untersttzung von Seite der Brger, da man in vielen Kreisen der Ansicht
ist, da durch ein solches Gebot der vierte Juli entweiht und entheiligt
wrde.




Zehntes Capitel.

Die Feier des vierten Juli. Frechheit eines englischen Matrosen.


Der Morgen des groen Festtages war angebrochen und 101 Kanonenschsse
verkndeten von der Battery und Governers-Island der Stadt New-York und
ihrer Umgegend den 71sten Geburtstag ihrer Freiheit und Unabhngigkeit. Die
Amerikaner sind keine Verehrer vieler und groer Feiertage; sie halten mit
strengem Ernste an ihrem Sonntag, whrend sie (natrlich mit Ausnahme der
Katholiken) die groen Kirchenfeste der Europer, Weihnachten, Ostern und
Pfingsten, ruhig und ungefeiert vorbergehen lassen. Man kann daher nur
zwei Hauptfesttage im ganzen Jahre annehmen, welche sie besonders hoch
achten, den Neujahrstag und den vierten Juli. Der erste Tag wird mehr
im Kreise von Familien und Freunden verlebt, whrend der letztere ein
Freudentag des ganzen Volkes, ein Nationalfest von der tiefsten Bedeutung
ist.

Die Amerikaner haben das unbezweifelte Recht, auf diesen Tag stolz zu
seyn. Die Tapferkeit und die Weisheit ihrer Vter grndete an demselben
den glcklichsten Staat der Erde und sicherte seinen Bestand durch die
Ertheilung weiser und freisinniger Institutionen. Hebt sich ihr Herz bei
der Erinnerung an die Grothaten dieser Mnner, so schlgt es doppelt
freudig bei dem Bewutsein, da sie ihr Vermchtni getreulich bewahrt und
es im Laufe der Zeit noch mehr veredelt und verbessert haben.

Aber nicht allein der Eingeborne begeht den vierten Juli mit tiefer inniger
Freude, die Einwanderer aus allen Lndern Europas erkennen vielleicht
mehr, als der freigeborne Amerikaner, welch' unschtzbares Gut sie an der
Freiheit dieses Landes sich erworben haben; denn Derjenige, welcher die
Geiel des Despotismus auf seinem Rcken gefhlt und unter den Verfolgungen
der europischen Politik gelitten hat, fhlt sich in solchen Stunden von
einem neuen Leben durchdrungen und bei der Erinnerung an einen Washington,
Franklin, Jefferson, Jackson mit den heiligsten Banden der Liebe an ein
Land gebunden, das ihn wie seinen eigenen Sohn an seinen freien Heerd
aufnimmt. Der vierte Juli macht die Einwanderer zu Amerikanern; ihre
Kraft und ihr Blut gehrt von nun an den Vereinigten Staaten, wovon die
Leichenhgel von Monterey, Buena Vista, Cerro Cordo und Mexico ein groes
und erhebendes Zeugni geben.

Um 8Uhr Morgens machte ich mich mit Freund W....... auf den Weg, um
die Herrlichkeiten des Tages mit anzusehen. Wir gingen zunchst nach der
Battery. Aber welcher Anblick ward uns hier zu Theil! die Tausend und aber
Tausend Schiffe, welche hier vor Anker liegen und sich im Strome und der
Bay bewegten, waren mit Flaggen und Wimpeln geziert. Hier flatterten die
stolzen Farben Englands, dort die Trikolore Frankreichs und aus der Ferne
schimmerten die bekannten Flaggen der deutschen Hansestdte zu uns herber.

Wir machten unsere alte Route nach dem Broadway, der sich in ein
stattliches Festgewand geworfen hatte. Von allen Dchern wehte das
Sternenbanner und gab der Strae ein freundliches, festliches Aussehen.
Die Lastwagen vom vorigen Tage blieben fr heute verschwunden und nur die
Omnibusse thaten ihren Dienst, um die entfernt Wohnenden nach dem Parke zu
bringen. Ueberall drngte sich eine freudig erregte Menschenmenge, die sich
schon Monate lang, wie die Kinder auf Weihnachten, auf diesen Tag gefreut
hatten.

Die Geschfte ruhen gnzlich an diesem Tage, und viele vermgende
Fabrikanten und Kaufleute lassen ihren Arbeitern noch Geldgeschenke
zukommen (was sich diese beilufig bemerkt sehr gerne gefallen lassen),
damit sie auf das Wohl der Republik ein Glas mehr trinken knnen.

Das grte Leben war im Parke, da in ihm und den zunchst gelegenen Straen
die Parade der New-Yorker Militz abgehalten wird. Der kommandirende General
hatte sich bei unserer Ankunft mit seinem Stabe bereits da eingefunden und
erwartete das Heranrcken der verschiedenen Corps, die vor ihm defiliren
sollten.

Gegen 10Uhr kam der zum greren Theile aus Militz, zum kleineren aus
Brgern in Civilkleidern bestehende Festzug, welcher zwei volle Stunden
in vollkommener Ordnung an uns vorbeimarschirte. Nur Derjenige, welcher an
diesem Tage selbst in New-York war, kann sich einen Begriff von dem bunten
und berraschenden Anblicke machen, der uns hier zu Theil wurde. Die
Uniformen aller civilisirten Vlker waren hier zu schauen, die Franzosen
mit rothen Hosen und blauen Waffenrcken, die Schotten mit ihren Plaids,
Brenmtzen und nackten Beinen, die Englnder mit rothen Frcken und
blauen Aufschlgen, deutsche Jger, Dragoner und rothe Husaren und
andere verschieden uniformirte deutsche Compagnien, die amerikanische
Independenzgarde[7], welche noch die dreieckigen Hte, die langen
Schofrcke, kurzen Hosen und Stulpstiefeln aus der Zeit des
Unabhngigkeitskrieges trgt, das Corps der New-Yorker Feuerlschmannschaft
mit prachtvollen Spritzen und in langem Zuge die Artillerie, welche nur
solche Kanonen fhrte, die im Befreiungskriege den Englndern abgenommen
worden waren.

  [7]: Unabhngigkeitsgarde.

Am meisten fiel mir auf, da, whrend die eine Compagnie die reichsten und
geschmackvollsten Uniformen trug, die andere wieder das Bild der grten
Einfachheit bot, da sie nur einen gewhnlichen schwarzen Frack, schwarze
Beinkleider, runden schwarzen Hut und weies ber der Brust gekreuztes
Lederzeug trug, an welchem Sbel und Patrontasche hieng. Mancher deutsche
Offizier wrde hohnlchelnd auf diese Mnner herabgeblickt haben, von
denen sich so manche spter den Siegeslorbeer aus Mexico holten. Diese
eigenthmliche Uniformirung erklrt sich leicht aus der Freiheit, die den
Brgern bei der Organisation von Militzcompagnien gestattet ist. Sind 50-60
Mann zusammengetreten, whlen sie sich nach eigenem Geschmack und ihrer
Ueberzeugung sowohl die Uniform, als die Offiziere.

Nachdem die Truppen abmarschirt waren, kamen die groen Zge der
zahlreichen Freimaurerlogen und Gesellschaften, die sich zu den
verschiedensten Zwecken, namentlich in groer Anzahl zur Untersttzung
in Krankheitsfllen gebildet haben. Mit zahlreichen Bannern und Insignien
zogen die Shne des grnen Erin, die Schweizer, die deutsche Gthe- und
Schiller-Loge, zusammen viele Tausende an uns vorbei.

Endlich zerstreute sich die Menge, um sich aus dem Gedrnge und der fast
unertrglichen Hitze in khlere Gemcher zur Erholung zu begeben. Der
Nachmittag fhrte den grten Theil der Bevlkerung in's Freie, wo auch
W....... und ich in einem Kreise von Deutschen mit Gesang, Unterhaltung und
Becherklang den denkwrdigen Tag in herzlicher Weise feierten.

Den Beschlu des Festes machte Abends die Illumination des Stadthauses, von
dessen Giebel unaufhrlich Raketen in die Luft flogen, und die Abbrennung
eines groen Feuerwerkes im Park, wobei wir fast in Gefahr geriethen,
erdrckt zu werden. Ein ungeheures Jubelgeschrei, das sich bis in die
fernsten Straen fortpflanzte, erscholl, als zum Schlusse des Ganzen die
Worte:

  ~the day of the 4th July 1776.~

ber dem Portale des Stadthauses in Brillantfeuer sichtbar wurden. Wann
wird unser Deutschland einen solchen Tag feiern?!--

Der Nachmittag lieferte ein Beispiel von der Gre des Nationalhasses
zwischen den Vereinigten Staaten und England. Ein betrunkener englischer
Matrose hatte die unglaubliche Dreistigkeit, auf einen Mastbaum zu steigen,
der in Mitte einer frequenten Strae errichtet und mit der amerikanischen
Flagge geziert war, und diese abzureien. Diese Frechheit wurde aber
sofort von dem Volke gezchtigt, und der unverschmte Sohn des frhlichen
Altenglands gezwungen, das Sternenbanner wieder aufzuziehen, worauf ihn
Constabler in das Quartier brachten, das solchen Helden gebhrt.




Eilftes Capitel.

Eine Betrachtung ber die Thtigkeit der Amerikaner. Die Erlangung des
Brgerrechts.


Mehrere Tage waren seit dem schnen Feste vergangen, als mich Freund
W....... verlie, um in das Geschft zurckzukehren, in welchem er vor
seiner Abreise nach Europa thtig gewesen war. Ich stand nun allein und
ohne Kenntni der Sprache in der groen Stadt, mit Planen beschftigt,
die meine Zukunft sichern sollten. Allein jetzt erst bemerkte ich, da die
Auswanderung nach Amerika leichter auszufhren ist, als die Erwerbung einer
Stellung, die uns auch die Mittel zum Leben bietet.

Nach reiflicher Ueberlegung erkannte ich recht gut, da mir in New-York
nichts Anderes brig bliebe, als die erste beste Arbeit anzunehmen, die
sich mir darbieten wrde; denn es war mir bald klar geworden, da ich mit
der edlen Jurisprudenz, der ich mich in meinen Universittsjahren gewidmet
hatte, schwerlich erfreuliche und meinen Wnschen entsprechende Resultate
erzielen wrde. Hier kann ich nicht unterlassen, solchen Mnnern, welche
nur Theoretisches erlernt haben, was sich in Amerika nicht sogleich auf das
Praktische bertragen lt, die grte Vorsicht im Auswandern zu empfehlen,
namentlich wenn sie nicht im Besitze grerer Geldmittel sind, da sie
sich gewi in der ersten Zeit ihrer Ankunft auf dem westlichen Boden sehr
enttuscht finden werden. So sehr der Amerikaner die Wissenschaften liebt
und so bedeutende Fortschritte er seit der Erringung der Unabhngigkeit in
den meisten Zweigen des Wissens gemacht hat, so liegt es doch in der Natur
der Sache, da ein Volk, das so viel aus dem Rohen herauszuarbeiten hatte
und vor Allem mit der Entwickelung seiner politischen Institutionen sich
beschftigen mute, um seine staatliche Existenz zu sichern, vorerst seine
Hauptaufgabe in der Krftigung seiner materiellen Interessen sieht; darum
ist auch Alles, was Handel, Gewerbe, Industrie und die Production nach
allen Richtungen hin betrifft, in der raschesten Entwickelung begriffen,
und erregt selbst bei den Englndern, die in diesen Fchern so
Erstaunliches geleistet haben, Neid, Eifersucht und Bewunderung. Eben
so trefflich haben sie fr die Vervollkommnung ihres inneren politischen
Lebens gesorgt, welches nicht nur allgemeine Zufriedenheit im Lande
verbreitet, sondern auch die Achtung anderer Vlker geniet.

Die geistigen Krfte haben sich hauptschlich auf die Verbesserung des
Maschinenwesens, des Bauwesens in allen seinen Theilen und das ganze Gebiet
der Mechanik geworfen, da die gnstigen Resultate des Nachdenkens in diesen
Branchen nicht allein groen Nutzen fr Handel und Wandel, sondern auch
dem glcklichen Erfinder glnzenden Gewinn gewhren. In neuerer Zeit
zeigte sich aber im Volke auch ein tiefer Drang nach allgemeiner
Wissenschaftlichkeit, was es namentlich in New-York auf's Herrlichste
beurkundete, als es sich im Jahre 1847 in allgemeiner Stimmenabgabe fr
die Grndung einer Freiakademie entschied. Allgemeine Bildung im deutschen
Sinne wrde in grerem Mae vorhanden seyn, htte nicht der Mangel an
besseren Erziehungsanstalten in frheren Jahren nur einem kleinen Theile
der Amerikaner die Mglichkeit an die Hand gegeben, sich den hheren
Wissenschaften zu widmen. Man merkt jedoch an ihnen weniger, als irgend
anderswo, den Mangel an Bildung, da in dem amerikanischen Volke ein
gesunder Sinn und ein klarer heller Verstand herrscht, welchen es
namentlich der freien politischen Bewegung und seiner Presse verdankt.

In der ersten Zeit gieng ich mit dem Gedanken um, als Hauslehrer ein
Unterkommen zu finden; aber alle meine Bemhungen waren fruchtlos, und
schon begann ich unmuthig zu werden, als ich zufllig ein Paar alte
Universittsfreunde traf, die mir zwar keine Stelle verschaffen konnten,
mich aber mit vielen Deutschen bekannt machten, was fr mich ein groer
Gewinn war, da ich dadurch einen deutschen Lehrer kennen lernte, der mir
bald die Verwesung seiner Schule bertrug, als ihn eine Krankheit an's
Bett fesselte. War damit auch nicht alle Sorge fr die Zukunft entfernt, so
gestalteten sich doch meine persnlichen Beziehungen immer angenehmer,
was mir um so mehr Vergngen bereitete, da sie mir eine reiche Quelle der
Belehrung in Beziehung auf die Verhltnisse des Landes, seiner Regierung
und seiner Parteien wurden.

Ich suchte mich vor Allem durch das Lesen von Zeitungen ber Amerika zu
unterrichten, und nahm, weil ich der englischen Sprache nicht mchtig genug
war, um amerikanische Bltter verstehen zu knnen, meine Zuflucht zu den
deutschen. Aber ich fand bald, da diese allein zu grndlicher Belehrung
nicht hinreichen; ich erhielt wohl Kunde von den Ereignissen in Europa
und Amerika, auch las ich die Verhandlungen der gesetzgebenden Krper
der Einzelstaaten und des Congresses in Washington, aber mir blieben die
Parteistellungen vollkommen fremd, da die Bltter smmtlich bei ihren
Lesern die Kenntni der Grundstze der Demokraten, Whigs, Nationalreformer,
Abolitionisten und Antirenter voraussetzen. Handbcher, welche diesen
Gegenstand behandelten, standen mir nicht zu Gebote, wehalb ich mich
entschlo, mich an solche Mnner mit der Bitte um guten Rath zu wenden,
welche whrend eines langen Aufenthaltes in Amerika die Verhltnisse des
Landes aus eigener Erfahrung kennen gelernt hatten. Von ihnen erhielt ich
die Weisung, die politischen Versammlungen der Deutschen und der Amerikaner
zu besuchen, und zwar hauptschlich diejenigen, welche von den beiden
Hauptparteien unmittelbar vor wichtigen Wahlen abgehalten werden wrden, da
in ihnen die Cardinalgrundstze der Partei auseinandergesetzt und fr und
wider errtert wrden.

Nur auf diese Weise kann man sich eine rasche und zugleich grndliche
Belehrung ber die amerikanischen Parteizustnde verschaffen, und ich
empfehle diese Methode daher jedem neuen Einwanderer, und vorzglich dem,
welcher Pflichtgefhl im Herzen trgt und es fr Sache der Ehre hlt, sich
am ffentlichen Leben mitzubetheiligen und fr das Wohl und Wehe seines
neuen Vaterlandes mitzuwirken, und sich nicht als sein hchstes Ziel das
Sammeln von Reichthmern gesetzt hat.

Die Einwanderer knnen freilich erst nach einem fnfjhrigen Aufenthalte
das Brgerrecht erlangen, was zu manchen ungerechten Urtheilen Veranlassung
gibt, aber der Unbefangene wird die Weisheit dieses Gesetzes anerkennen,
wenn er bedenkt, da der amerikanische Brger alle gesetzgebenden und
vollziehenden Gewalten selbst erwhlt und sich nothwendigerweise zu einer
Partei halten mu, um seine politische Ueberzeugung in's Leben gerufen
zu sehen. Dieses kann aber von einem Manne nicht erwartet werden, der aus
einem Lande hergewandert kommt, welches ganz andere Staatseinrichtungen
besitzt, der die Sprache, in der die wichtigsten Interessen des
Landes verhandelt werden, nicht versteht, kaum einen Begriff von den
amerikanischen Verfassungen hat und im Grunde genommen nicht mehr von den
Vereinigten Staaten wei, als da es drben besser ist! Dieses Gesetz
knnte nur dann ein Tadel treffen, wenn es einen Unterschied zwischen dem
Einwanderer und dem Eingebornen in Betreff von Leistungen an den Staat
machen wrde, was jedoch nicht der Fall ist. Leider habe ich die traurige
Erfahrung machen mssen, da trotz der vielen Klagen ber die spte
Erlangung des Brgerrechts doch genug Einwanderer in den verschiedenen
Staaten leben, welche sich nicht einmal die leichte und billige Mhe,
dasselbe jemals zu erwerben, geben mgen.

Um das Brgerrecht fr die ganzen Vereinigten Staaten zu erlangen, hat
man in den ersten drei Jahren seines Aufenthaltes vor Gericht die
Willenserklrung (~intention~) abzugeben, da man amerikanischer Brger
werden wolle, und zugleich allen fremden Frsten und Potentaten, speciell
aber seinem Landesfrsten die Treue und Unterthnigkeit abzuschwren. Die
gewhnliche Eidesformel besteht in dem einfachen Kssen der Bibel oder des
neuen Testamentes; jedoch gengt auch die einfache Bekrftigung mit einem
Ja! Ueber diesen Akt erhlt man eine gerichtliche Bescheinigung, welche
man jedenfalls zwei Jahre in Hnden gehabt haben mu; selbst ein Aufenthalt
von zehn Jahren kann diese gesetzliche Bestimmung nicht annulliren. Nach
Verlauf der vollen fnf Jahre gibt man seine Willenserklrung bei der
nchsten Behrde ab, und erhlt, nachdem man zuvor eidlich bekrftigt,
da man fnf Jahre im Lande gelebt habe, seinen Brgerbrief, mit dessen
Empfangnahme man sofort in alle politischen Rechte der Eingebornen
eintritt.

Ein frheres Gesetz enthielt die Bestimmung, da der, welcher das
amerikanische Brgerrecht erlangen wollte, innerhalb fnf Jahren die
Vereinigten Staaten nicht verlassen durfte; man mute sogar beschwren, da
man nicht auer Landes war. Dieses fr einen Handelsstaat im hchsten Grad
lstige Gesetz wurde aber im vergangenen Jahre vom Congresse suspendirt.
Zu welchen lcherlichen Consequenzen man mit ihm gelangte, mag aus der
einzigen Thatsache erhellen, da einem Einwanderer nach fnf Jahren
der Brgerbrief verweigert wurde, weil er von Buffalo aus einen kleinen
Abstecher nach den nahen Niagarafllen machte, welche im _brittischen_
Amerika liegen.




Zwlftes Capitel.

Die amerikanische Demokratie. Beurtheilung derselben von Seite der in
Deutschland existirenden Parteien. Demokraten und Whigs.


Es hat wohl die Verfassung keines Landes eine so verschiedenartige
Beurtheilung gefunden, als die der Vereinigten Staaten, und hauptschlich
haben sich in der jetzigen bewegten Zeit die politischen Parteien
Deutschlands in vielfacher weitauseinandergehender Weise mit ihr
beschftigt, so da die Einen sie als das Product der hchsten
staatsmnnischen Weisheit bis in den Himmel erhoben, whrend die Andern
sie als unhaltbar und verwerflich verdammten. Die Motive zu diesen
verschiedenen Anschauungen liegen klar zu Tage; die Ersteren wollen durch
die Auseinandersetzung der Vorzge der demokratischen Staatsform die
Stimmung des deutschen Volkes fr diese gewinnen, whrend die Letzteren nur
die Fehler und Schattenseiten derselben aufsuchen, um den entgegengesetzten
Zweck zu erreichen. Der Unparteiische wird nicht lugnen, da die
amerikanischen Zustnde noch einer bedeutenden Verbesserung fhig sind, wie
alles Irdische einer greren Vollkommenheit zugefhrt werden kann; ihre
Gesundheit aber in Abrede stellen zu wollen, drfte eine ebenso undankbare,
als vergebliche Aufgabe seyn.

Ich will versuchen, von den Leistungen der amerikanischen Demokratie ein
kurzes Bild zu entwerfen, mu aber vorher bemerken, da der Leser den
Begriff amerikanische Demokratie in einem ganz andern Sinne auffassen
mu, als er dies in Deutschland zu thun gewohnt ist, wo die Demokraten
diejenige Volksherrschaft erst erkmpfen wollen, welche seit dem Ende des
Unabhngigkeitskrieges in Amerika factisch zu Recht besteht. In Deutschland
ist die Bezeichnung Demokraten der _Name_ einer _Partei_, welche von
einer andern mit entgegengesetzten Prinzipien und Tendenzen bekmpft
wird. Unter der Demokratie in Amerika hat man aber das _ganze_ Volk der
Vereinigten Staaten mit seiner Regierung und Regierungsweise zu verstehen.
Gibt es dort auch eine Partei, welche sich die demokratische nennt, so
haben ihr doch die andern Faktionen diese Bezeichnung nicht ausschlielich
zugestanden, sondern auch sie nennen sich demokratisch, wozu sie jedenfalls
das vollkommenste Recht haben, da es ihnen noch niemals in den Sinn
gekommen ist, die Demokratie, die Volksherrschaft mit ihren Rechten und
Freiheiten mit der Monarchie, der Einzelnherrschaft, zu vertauschen.

In Zeiten ernster politischer Parteikmpfe und tiefeingreifender Bewegungen
ist es natrlich, da die Urtheile befangen sind. Es kann daher
nicht Wunder nehmen, da die groe Partei, welcher durch Annahme der
demokratischen Staatsform in Deutschland eine tdtliche Wunde geschlagen
wrde, zu unbegrndeten Vorwrfen gegen die Vereinigten Staaten geneigt
ist. Es kann aber die Demokratie Nordamerikas wohl die gerechtesten
Ansprche auf Unparteilichkeit und Gerechtigkeit machen, welche nicht
allein fr ihr eigenes Vaterland, sondern fr die ganze Menschheit so
segensreich gewirkt hat. Was die Monarchieen in Europa grtentheils erst
im Laufe von Jahrhunderten zu Wege brachten, haben die demokratischen
Amerikaner in Jahrzehnten geschaffen. Wer kann der Kraft und der Energie
eines Volkes die Anerkennung versagen, welches in kaum 80 Jahren die
herrlichsten und freisinnigsten Institutionen in's Leben rief, Stdte,
Lehranstalten, ffentliche Institute, Canle, Dampfschiffe, Fabriken
grndete, die Wildni urbar machte, Civilisation und Thtigkeit in Gegenden
trug, die vorher nur der Fu des Indianers betreten hatte, und sich aus der
abhngigen Stellung eines brittischen Unterthanen zum stolzen Rivalen des
mchtigen Albions emporgeschwungen hat. Diese Demokratie schuf ein Asyl fr
alle unglcklichen Verfolgten und Bedrngten, sie grndete die wahre
Sttte der Freiheit und der Glckseligkeit fr Millionen durch rastlose
Aufopferung, Khnheit und Ausdauer ihrer Bekenner, und doch ziehen in
trauriger Verblendung gerade solche Parteimnner gegen sie am meisten zu
Felde, welche durch ihre politischen Snden und Fehler am meisten zur
Gre dieser Demokratie beigetragen haben. Sie glauben durch theoretische
Silbenstechereien die Glckseligkeit eines Landes hinwegdisputiren zu
knnen, welches nur der Praxis huldigt und durch sie mchtig und stark
geworden ist. Man mu vor Allem die Erscheinung fest in's Auge fassen,
da die Vereinigten Staaten einzig und allein von den Strmen der Neuzeit
verschont geblieben sind; whrend der Aufruhr und der Brgerkrieg an den
nrdlichen und sdlichen Grenzen der Union wthete, gieng das wichtigste
politische Ereigni, welches von jeher die Gemther in besondere Spannung
versetzte, die Prsidentenwahl ruhig vorber, und lieferte den vollkommenen
Beweis, da die Amerikaner die Bahn des Gesetzes und einer beglckenden
Reform gehen.

Viele Politiker Europas sehen zum groen Theil in den amerikanischen
Parteien den Keim zum baldigen Untergange der Republik, ohne zu bedenken,
da sie in ihrem eigenen Lande eine Parteistellung einnehmen, welche
dasselbe ebenfalls dem Verderben entgegenfhren mte. Um an den
amerikanischen Zustnden nur etwas tadeln zu knnen, vergessen sie,
da gerade in den amerikanischen Parteien die Strke und die sicherste
Brgschaft fr das Bestehen der Republik liegt, da sich diese bestndig im
Auge behalten, mit Mitrauen beobachten, und eine Uebertretung der Gesetze
und eine Verletzung der Verfassung von Seite der einen und der anderen
Partei schon dehalb ganz undenkbar ist, weil sie von den Gegnern sofort
zur Publicitt gebracht werden wrde, wodurch die ffentliche Meinung, die
grte Sttze jeder Partei, fr immer und damit zugleich alle Aussicht, je
wieder die Zgel der Regierung ergreifen zu knnen, verloren gienge. Die
Parteien knnen ihre momentanen Siege nie zur gegenseitigen Unterdrckung
und zur Schmlerung der Freiheiten des Volkes bentzen, da die von ihnen
zur Regierung berufenen Staatsmnner jeden Augenblick zur Verantwortung
gezogen werden knnen.

Strenge genommen gibt es nur zwei Parteien im Lande, die demokratische
und die Whigpartei, da diese beiden allein in der Regierung des Landes
abwechseln; die andern haben ihre politischen Grundstze noch nicht so weit
zur Geltung bringen knnen, da ihnen von dem Vertrauen der Majoritt des
Volkes die Regierung bertragen worden wre.

Es darf nicht Wunder nehmen, da in einem Lande, welches sich nur
demokratischer Einrichtungen zu erfreuen hat, noch von einer demokratischen
Partei die Rede seyn kann. Hier ist aber wohl zu erwgen, da sich die
Partei die demokratische nennt, welche seit Washington am lngsten an der
Spitze der Geschfte des Landes stand, somit die Mehrheit des Volkes bei
weitem fter fr sich hatte und die Demokratie, die Volksherrschaft, im
Sinne und Willen der Nation viele Jahre hindurch ausbte. Die Whigpartei
legt sich, wie schon bemerkt, ebenfalls das Prdikat demokratisch bei und
nennt sich durchgngig nicht anders, als ~the democratic republican whig
party~, whrend sie ihre Gegner mit dem Spottnamen ~Locofoco's~ beehrt,
welche als ~the democratic republican party~ auftreten.

Jedermann wird es natrlich finden, da, wie in allen Staaten, so auch in
Nordamerika die heterogensten Ansichten ber die Grundstze herrschen,
nach denen regiert werden soll. Sowohl die uere Politik, wie die inneren
Interessen des Landes geben einen reichen Stoff zu den verschiedenartigsten
Beurtheilungen, aus welchen sich allmhlig die Glaubensbekenntnisse der
beiden groen Parteien herausgebildet haben.

Die Partei der Demokraten besteht hauptschlich aus der Klasse der
kleineren Gewerbsmnner, der Ackerbautreibenden und der groen Mittelklasse
des Volkes, whrend in den Reihen der Whigs vorzglich die groen
Kaufleute, Bankhalter, Fabrikanten, Monopolisten und Alle die kmpfen,
welche von ihnen ihren Unterhalt beziehen. Dem Leser wird bei dieser
Zusammensetzung der Parteien leicht einleuchten, da beide in Bezug auf
die Handelspolitik, welche fr Amerika von so hoher Wichtigkeit ist,
sehr verschiedener Ansicht seyn mssen. Whrend die Whigs einen hohen
Eingangszoll fr diejenigen Artikel verlangen, welche das Volk in Massen
consumirt und zum Leben unentbehrlich hat, wnschen sie einen niedrigen fr
Gegenstnde des Luxus, welche nur dem Reichen zugnglich sind. Trotz aller
Bemhungen fiel das Prinzip der Whigs im Jahre 1847, wenn auch nur mit der
Mehrheit _einer_ Stimme[8], durch, und die siegreiche demokratische Partei
gab ein neues gerechteres Zollsystem, welches in den wenigen Jahren
seines Bestehens die Behauptungen der Whigs glnzend widerlegte, da durch
dasselbe der Handel und die Fabriken der Vereinigten Staaten in Verfall
kommen mten. Trotzdem bieten sie noch heute alle ihre Krfte auf, das
ihnen verhate neue Zollsystem zu strzen, was sie hauptschlich durch die
Erwhlung eines Prsidenten aus ihrer Partei zu bewerkstelligen hofften.
Ob aber ihr siegreicher Candidat, der bekannte General Taylor, welcher die
Ablegung seines politischen Glaubensbekenntnisses vor der Wahl entschieden
verweigerte und diese berhaupt nur seinen groen Verdiensten in Mexico
zu verdanken hat, in dieser Frage eine andere Politik, als die 1847
angenommene, verfolgen wird, drfte sehr zu bezweifeln seyn, da alle
Zeichen darauf hindeuten, da derselbe eine von den Parteien ganz
unabhngige Stellung, wie der im Jahre 1840 ebenfalls von den Whigs
gewhlte Tyler, behaupten wird.

  [8]: Diese gab der Viceprsident Dallas im Senate zu Washington zu
  Gunsten der demokratischen Partei, wofr die Whigs in Philadelphia sein
  Bildni in den Straen verbrannten.

Einen zweiten Streitpunkt zwischen den beiden Parteien gibt die Grndung
einer groen Nationalbank ab, welche die Whigs krftig bevorworten und die
Demokraten entschieden verwerfen. Die traurigen Erfahrungen, welche das
amerikanische Volk mit der durch Prsident Jackson gestrzten Nationalbank
machte, deren Finanzoperationen unwillkhrlich an die Law'schen
Schwindeleien in der ersten Hlfte des vorigen Jahrhunderts in Frankreich
erinnern, sind indessen noch in zu frischem Andenken, als da die
Whigpartei auf einen Sieg in dieser Frage hoffen drfte. Das Bankwesen hat
berhaupt an den Demokraten sehr heftige Gegner, obschon sie es bis jetzt
noch zu keinem entscheidenden Resultate bringen konnten, da dieses Uebel zu
tief in Handel und Wandel Wurzeln geschlagen hat.

Zu einem erbitterten Kampfe zwischen den beiden Parteien fhrte die
Einverleibung des Texanischen Gebietes, welches nach der Erringung seiner
Unabhngigkeit in die Union aufgenommen werden wollte. Die Whigs kmpften,
namentlich um den Eintritt eines neuen Sklavenstaates zu verhindern, mit
aller Macht gegen die Annexation, und griffen den Prsidenten Polk, der sie
durchfhrte, auf's Heftigste an. Ihre Polemik berstieg alle Grenzen der
politischen Klugheit und Migung, als durch diesen Act der Krieg
mit Mexico herbeigefhrt wurde, welchen sie trotz der Verletzung des
Vlkerrechts von Seite der Mexicaner einen ungerechten und unehrenvollen
nannten und dadurch die Feinde ihres Vaterlands zu einem Widerstande
ermunterten, der schon im Beginne wahnsinnig, zuletzt mit dem Verluste
weiter Lnderstrecken fr Mexico endete. Die Whigs erwarben sich durch ihr
damaliges Benehmen den Spottnamen Mexicanische Whigs. Jedoch mu ich
hier zu Ehren dieser Partei erwhnen, da nicht Alle von diesem
Friedensfanatismus befallen waren; die Generale Taylor und Winfield
Scott, welche ihrer Partei angehrten, kmpften ruhmvoll an der Spitze
der amerikanischen Armeen, und der Major Clay, ein Sohn eines ihrer
berhmtesten Fhrer, des groen Staatsmannes Henry Clay, fiel auf dem Felde
der Ehre.

In Betreff der Sclavenfrage sind die Ansichten beider Parteien ebenfalls
sehr verschieden. Viele Whigs nehmen Antheil an den Bestrebungen der
Abolitionisten, welche das sofortige und unbedingte Aufhren der Sclaverei
wollen. Dieser wohlfeilen Humanittsschwrmerei treten die Demokraten
entschieden entgegen, da aus der pltzlichen Befreiung der Sclaven die
unheilvollsten Folgen fr die Vereinigten Staaten erwachsen wrden; denn es
stnde in diesem Falle nicht allein die Lsung der Union, die nur durch die
groe Weisheit und Migung Washingtons gegrndet wurde, sondern auch ein
Kampf zwischen der weien und der farbigen Rae zu befrchten, welchen
in neuester Zeit als Folge zu rascher Emancipation die Franzosen in ihren
Colonieen so sehr zu beklagen hatten.

Die Whigs machten vor mehreren Jahren in dem Staate New-York den Versuch,
den _freien_ Negern das volle Brgerrecht und mit diesem das Stimm- und
Wahlrecht einzurumen. Als aber dem Volke die Entscheidung vorgelegt wurde,
fiel die Frage mit groer Majoritt, weil die ffentliche Meinung sich
hinlnglich davon berzeugt hatte, da zu einem solchen hohen Grade der
Freiheit und brgerlichen Berechtigung die Neger denn doch noch lange
nicht genug Civilisation und Bildung besen. Namentlich frchtete man,
sie mchten von ehrgeizigen Parteimnnern zu Parteizwecken gewonnen, und
dadurch die Wohlthat der allgemeinen freien Wahl zum Fluche fr das Land
werden. Bei der Rohheit der Farbigen, bei ihrer beln Ausdnstung und ihren
vielen, der weien Rae hchst widrigen Gewohnheiten ist an einen engeren
Verband, sey es im Staats- oder Familienleben, vorlufig noch gar nicht zu
denken.

Der Leser wird aus dieser Charakteristik der beiden groen Parteien
nun entnehmen knnen, welcher Art die Parteikmpfe in Amerika sind. Sie
bleiben, einzelne Flle, fr die man die Parteien nicht verantwortlich
machen darf, stets in den Schranken des Gesetzes, und jede fgt sich der
Majoritt, und wenn sie auch nur durch eine einzige Stimme errungen wurde.
Der unterlegene Theil ist niedergeschlagen ber die erlittene Schlappe,
trstet sich aber mit der Aussicht auf den Sieg bei dem nchsten
Wahlkampfe.

Die kleineren Parteien, die Antirenter, Abolitionisten und Nationalreformer
haben bis jetzt momentan nur dann eine grere Bedeutung erlangen knnen,
wenn sie sich bei besonders wichtigen Wahlkmpfen mit der einen oder der
anderen Hauptpartei verbanden und dieser durch ihre Untersttzung den
Sieg verschafften. Von den letztgenannten Fraktionen haben wohl nur die
Nationalreformer eine Zukunft, da die Grundstze der beiden ersteren viel
zu einseitig und theilweise auch zu ungerecht und fanatisch sind, um auf
einen Sieg hoffen zu drfen.




Dreizehntes Capitel.

Die Nationalreformer. Deutsche communistische Colonieen.


Die Partei der Nationalreformer hat sich erst seit wenigen Jahren gebildet
und organisirt. Ihre Entstehung verdankt sie dem Socialismus, welcher
auch in Amerika Eingang gefunden und dort, und zwar nach den unglcklichen
Erfolgen der L.Blanc'schen Experimente, bis jetzt allein praktische Seiten
gewonnen hat. Zu ihren Anhngern zhlt sie viele Demokraten und Whigs,
eine ziemliche Anzahl Arbeiter, den kleineren Handwerksstand und eine
Masse sonst indifferenter Personen, welche sich von der Realisirung
der Grundstze dieser Partei einen greifbaren Gewinn, nmlich einen
kostenfreien Grundbesitz versprechen. Mancher meiner Leser wird hier
bedauern, da sich auch in Amerika schon Communisten, rothe Republikaner
und Feinde des Eigenthums befinden, welche durch die Verfolgung
unausfhrbarer Ideen allen gesetzlichen Boden unterwhlen und die Existenz
der Republik gefhrden. Dem ist aber zum Glcke nicht so; das amerikanische
Volk hat einerseits viel zu viel Achtung vor dem von ihm selbst gegebenen
Gesetz, andererseits betheiligt es sich nur bei solchen Parteibestrebungen,
bei denen der gnstige Erfolg fast auer Zweifel ist, denn es ist nichts
weniger, als ein Freund unpraktischer und hohler Theorieen.

Die Nationalreformer gehen von dem Grundsatze aus, da die Erde, der Grund
und Boden Eigenthum Aller sey, und stellten daher das Axiom auf: _das
Land soll frei seyn_, d.h. es soll nicht verkauft werden und nicht zum
Gegenstand des Wuchers und der Spekulation dienen, da es gleich dem Feuer,
dem Wasser und der Luft zum Leben unentbehrlich sey, indem der Mensch ohne
Boden verhungern, wie der Fisch ohne Wasser verschmachten msse.

Diese Partei beabsichtigt jedoch keineswegs, die Grundbesitzer in ihren
wohlerworbenen Rechten zu krnken und bereits verkauftes Land unter sich zu
vertheilen, sondern ihr Wirken geht dahin, den Verkauf des bis jetzt noch
unverkauften und unbebauten Landes in Amerika zu verhindern, und von dem
Congresse ein Gesetz zu erlangen, welches die Erwerbung von Grundbesitz
nur dem wirklichen Bebauer gestattet. Dieses strenge im Auge behaltend,
verlangen sie, da jeder wirkliche Ansiedler unentgeldlich 160 Acres
Land in Besitz nehmen knne; da aber _das Land frei seyn soll_, ist
dem jedesmaligen Besitzer eines solchen Gtercomplexes der Verkauf, die
Verpachtung und die Aufnahme von Hypotheken zu untersagen. In dem Falle des
Aussterbens einer Familie fllt der Grundbesitz wieder dem Staate anheim.

Die Tragweite dieser Maregel wre bei praktischer Durchfhrung gar nicht
zu ermessen, denn es wrde durch sie nicht allein die mittlere Klasse
Amerikas, welche sich im Besitze einigen Baargeldes befindet, in den Stand
gesetzt, sich eine sichere Heimath zu grnden und unabhngig von Anderen
zu leben, sondern auch bei dem Wegzuge von Arbeitern in's Innere des Landes
der neuankommende Handwerker leichter und schneller untergebracht und dem
Sinken des Arbeitspreises am besten vorgebeugt. Fr das bervlkerte und
vom Proletariate berschwemmte Europa wrde die Durchfhrung dieses
groen Gedankens ebenfalls ein Segen seyn, da vielen kleineren Bauern und
Handwerkern, die sich in Europa nur hchst kmmerlich nhren, obschon
sie einen kleinen Capitalwerth besitzen, die Auswanderung gewi sehr
erleichtert wre, wenn sie die Summe fr den Ankauf des Landes in Amerika
nicht mehr zu entrichten htten.

Der Ausfhrung selbst steht wenig im Wege, wenn man das Geschrei der
Bankmnner und Capitalisten allenfalls nicht zu hoch anschlagen will,
welche sich durch Landschacher in kurzer Zeit ein ungeheures Vermgen
erworben haben, denn es liegen in dem weiten Gebiete der Vereinigten
Staaten mit Einschlu des in Folge des Mexicanischen Friedensschlusses
acquirirten Landes noch 1000 Millionen Acres Land unbebaut da. Mgen auch
hiervon Millionen steril, versumpft oder wegen klimatischer Verhltnisse
unbewohnbar seyn, so wre doch vielen Hunderttausenden von Familien ein
freier Grundbesitz erworben. Der raschen Lsung der Aufgabe, welche sich
die Nationalreformer gestellt haben, steht nur ein Hinderni entgegen,
nmlich die Deckung des dadurch in der Staatskasse entstehenden Ausfalls,
da der Landverkauf bis jetzt jhrlich immer einige Millionen Dollars
eingetragen hat. Es liegt aber auer allem Zweifel, da eine der
groen Parteien die Nationalreformer in der Durchfhrung der Bodenfrage
untersttzen mu, da diese durch ihre rastlosen Bemhungen und namentlich
durch die auerordentliche Thtigkeit eines eingewanderten Englnders,
des Mr. Evans, zahlreiche Anhnger im Volke gefunden haben. Das von ihm
redigirte Journal ~Young America~ hat sich im Jahre 1847 und 1848
einen weiten Leserkreis erworben und fr die Grundstze der Partei eine
weitausgedehnte Propaganda gemacht.

Die Bodenfrage wurde im Jahre 1847 von einem groen Theile der
demokratischen Partei in ihrem Hauptquartiere Tammany-Hall in einem
groen und begeisterten Meeting als ein neuer Grundsatz ihres
Glaubensbekenntnisses anerkannt, und seit jenem Tage sprechen sich auch
immer mehr einflureiche Stimmen im Congresse fr sie aus.

Eine andere, weniger wichtige, jedoch immer tief in's Leben greifende
Maregel suchen die Nationalreformer noch in der Herabsetzung der
Arbeitszeit auf 10 Stunden durchzusetzen. Der Staat hat schon seit lngerer
Zeit bei den Staatsbauten diesen Grundsatz adoptirt, und es wird selbst in
den Manufacturen und Fabriken New-Yorks, wenn von ihnen die Arbeit nicht
stckweise in Accord gegeben wird, die vor Morgens 7Uhr und nach Abends
6Uhr geleistete extra vergtet. Nur in den groen Baumwollenfabriken,
namentlich in Lowell, wird noch 12 Stunden und lnger gearbeitet.

Die Nationalreformer untersttzen bei den Wahlen keinen Candidaten, der
nicht ihr ~Pledge~ unterzeichnet, d.h. welcher nicht die schriftliche
Zusicherung ertheilt hat, da er nach Krften fr die Bodenfrage thtig
seyn will. Sie nehmen darauf bei allen, selbst bei den unbedeutendsten
Wahlen strenge Rcksicht, um ihre Partei immer mehr zu vergrern, und es
ist ihnen bereits gelungen, diese schriftliche Zusicherung von mehreren
einflureichen Demokraten und Whigs zu erlangen.

Auch bei den Deutschen hat die Agitation fr die Bodenfrage mchtig um sich
gegriffen und durch eine tchtige Organisation eine solche Verbreitung und
Bedeutung erhalten, da ein deutsches Blatt, Der Volkstribun, ein ganzes
Jahr lang erschien, um durch dasselbe die Grundstze der Nationalreformer
unter den Deutschen in derselben Art zu verbreiten, wie sie Mr. Evans in
seinem Blatte ~Young America~ bei den Englischsprechenden vertrat.

Einzelne deutsche Nationalreformer haben auch Versuche zur Grndung von
communistischen Colonieen gemacht, welche aber, soweit sie mir bekannt
wurden, smmtlich scheiterten. Im Jahre 1847 machten sich Sechs von ihnen,
welche von der praktischen Durchfhrung des Communismus berzeugt waren,
auf, um hinter Wisconsin in den nrdlichen Gegenden des Mississippi eine
Probe mit dem Zusammenleben in Gemeinschaft zu machen. Sie verkauften ihre
Mobilien in New-York, versorgten ihre Familien mit dem Nothwendigsten,
da sie diese einstweilen bis zur Errichtung von Blockhusern zurcklassen
wollten, und machten sich gut ausgerstet auf den Weg. Mehrere von
ihnen waren Mechaniker und hatten vor ihrer Abreise eine Schneidemhle
construirt, die sie in den westlichen Wldern aufstellen wollten, um
Bretter und Balken auf dem Mississippi nach den sdlichen Mrkten zum
Verkauf bringen zu knnen. Als sie an den nrdlichen Seen angekommen
waren, kauften sie Vieh, und wollten sich nun mit Wagen und einer Masse
von Gerthschaften aller Art weiter in's Innere begeben, als Ereignisse
eintraten, welche das ganze communistische Bndni lsten. Um nmlich mit
Allem versehen zu seyn, was man in der Wildni entbehren mu, hatten sie
auch nicht vergessen, eine groe Tonne Brandwein mitzunehmen, wofr sich
namentlich Einer von ihnen, ein groer Liebhaber des Feuerwassers, so
lebhaft interessirte, da er den ganzen Tag nicht mehr von dem Spundloche
wegzubringen war. Die Anderen, welche den gleichen Antheil hatten, wollten
natrlich nicht zu kurz kommen, und so endete die ganze Unternehmung in der
traurigsten Weise in abwechselnder Rauferei und Trunkenheit, nachdem sich
vorher die besseren Elemente von ihnen entfernt hatten, um wenigstens noch
Etwas aus dem gemeinschaftlichen Schiffbruche zu retten. Nach drei Monaten
kamen Diejenigen, deren Weiber und Kinder bis dahin in der frohen Erwartung
gelebt hatten, bald in das neue Eldorado eingefhrt zu werden, leer zurck,
da sie das Wenige, was noch brig geblieben war, verkaufen muten, um nur
die Mittel zur Heimreise zu erlangen.

Ein anderes hnliches Unternehmen scheiterte zwar nicht aus Mangel an
Eintracht, Nchternheit und Thtigkeit, trug aber schon dehalb den Keim
eines frhen Todes in sich, weil die Betheiligten bei der Anlage weit ber
ihre Mittel hinausgegangen waren, und zuletzt der dringend nothwendige
Geldzuschu ausblieb.

Die traurigen Folgen solcher Versuche sind meistens Verlust des Vermgens
und Ha und Feindschaft zwischen den einzelnen Mitgliedern solcher Vereine.
Sie waren jedoch immer nur Privatsache einzelner deutschen Mitglieder der
Nationalreformpartei und diese hat in ihrer Gesammtheit nichts damit zu
thun.




Vierzehntes Capitel.

Eintritt in ein neues Geschft. Eine alte und eine neue Bekanntschaft.
Amerikanische Stutzer und Beutelschneider. Die New-Yorker Polizei.


Die Vergleichung und Beobachtung der verschiedenen Parteien gewhrte mir
mannichfaches Interesse und manche Stunde wurde ihr gewidmet. Obschon ich
in der Zeit, in welcher ich die Functionen eines Lehrers fr meinen kranken
Freund besorgte, genug Gelegenheit hatte, mich mit den politischen und
socialen Verhltnissen bekannt zu machen, so sorgte doch das Schicksal in
ganz besonders liebevoller Weise fr die Erweiterung meiner Erfahrungen
dadurch, da es mich als Arbeiter in die verschiedensten und
entgegengesetztesten Geschfte des Lebens einfhrte.

Die Genesung meines kranken Collegen fhrte mich aus der Schule in eine
Rauchwaarenhandlung, wo ich die angenehmen Verrichtungen eines Pelzklopfers
und Packers ausfhrte. Als ich zum erstenmale in mein neues Geschft
eintrat, kam ein alter Jenenser Universittsfreund in einer blauen Schrze
auf mich zu, um mich zu umarmen, und ein anderer staubiger, im Lager
beschftigter Arbeiter theilte mir, als er hrte, da ich studirt habe,
mit, da er in Gttingen zum ~Doctor juris utriusque~ promovirt worden
sey. Ich freute mich, gebildete Mitarbeiter zu finden, und wir lachten Alle
herzlich ber die eigenthmliche Schickung, welche drei frhere deutsche
Studenten bei einem amerikanischen Krschner zusammenfhrte.

Hatte ich mich in meiner Eigenschaft als Lehrer grtentheils auf mich
selbst beschrnkt, so bot sich mir jetzt hinreichende Gelegenheit, mehr
in's Leben und unter Menschen zu kommen. Ich benutzte hauptschlich die
Sommerabende, um mit meinen neuen Freunden an der Battery und am Broadway
zu promeniren. Frher schon erwhnte ich, da der Broadway der Sammelplatz
der fashionablen Welt ist; man hat hier aber auch Gelegenheit, Dinge
und Menschen zu beobachten, welche dem Deutschen eben nicht besonders
fashionable erscheinen, z.B. die eleganten Dandys in den Hotels, welche
den vorbergehenden Damen aus den Parterrefenstern nicht etwa ihre
mit Wohlgerchen geschwngerten Lockenkpfe, sondern den Glanz ihrer
Fubekleidung prsentiren. Beim Eintritt in den Salon einer Restauration
nimmt ein solcher Stutzer seinen Brandy oder Gin zu sich, wirft sich mit
brennender Cigarre auf einen Armstuhl am Fenster in malerische Situation
und streckt seine bereinandergeschlagenen Beine ber das marmorne
Fenstergesims auf die Strae hinaus. Dann berlt er sich einer
tiefsinnigen Betrachtung dessen, was auf der Strae vorgeht, und nur selten
wechselt er einige Worte mit einem Bekannten. Mit gleicher Behaglichkeit
legt er auch die Fe auf den Tisch, ohne da er glaubt, dies knne Jemand
mifallen.

Diese Classen von Menschen sind mehr oder weniger in allen Hotels zu
finden; obgleich sie, diese liebenswrdige Unverschmtheit ausgenommen, an
welche man sich brigens in Kurzem gewhnt hat, ein feines und anstndiges
Benehmen zeigen, so hat der Fremde wie der Einheimische doch alle Ursache,
sich so weit als mglich von ihnen entfernt zu halten, da unter der Maske
eines solchen elegant gekleideten Dandys Individuen umherschleichen, bei
denen das Mein und Dein eine solche Begriffsverwirrung hervorgebracht hat,
da sie gerne ihre Hand in die Taschen des Nachbars hinabgleiten lassen,
um diesem sein Pocketbook zu entfhren. Im Punkte der Dreistigkeit und
Gewandtheit knnen sich diese Burschen getrost mit den routinirtesten
Beutelschneidern des europischen Continents messen, obschon sie gut
genug wissen, da, falls das Auge eines unberufenen Polizeimannes sie
zuflligerweise bei ihrem gewinnbringenden Treiben berraschen sollte,
sie auf lngere Zeit von den Gerichten der Republik in die Unmglichkeit
versetzt werden drften, ihr Gewerbe, das ihnen Unterhalt und Unterhaltung
zugleich verschafft, zum Nachtheile des Publikums auszuben.

Aber nicht allein die Industrieritter in modernen Kleidern sind dem
Publikum gefhrlich, sondern auch die Colleginnen der bekannten Las,
welche in den feinsten Stoffen und dem geschmackvollsten Putze auf dem
Trottoir des Broadway dahinrauschen und ihre Netze auswerfen, um
die Fremden in den groen Hotels mitsammt der Baarschaft zu fangen.
Groentheils stehen sie mit den obenerwhnten Gaunern in Verbindung, welche
ihren Raub sofort in Sicherheit bringen.

Noch eine Erscheinung, welche ich ebenfalls nicht fashionable finden
konnte, fiel mir bei meinen Wanderungen durch die Stadt auf, nmlich das
freie Herumlaufen von Schweinen in den Straen, welche sich dort Nahrung
und Futter suchen. Wenn sich diese auch nicht in den Broadway verirren,
da sie dort ohnfehlbar berfahren wrden, so ist es immer unangenehm, bei
schlechtem Wetter in den anderen Straen der Gefahr ausgesetzt zu seyn, von
diesen unreinlichen Thieren beschmutzt zu werden. Dieser Uebelstand wird
jedoch von selbst aufhren, wenn die durch die Stadt zu fhrenden Kanle
smmtlich ausgebaut seyn werden, da dann der Unrath, welcher jetzt in die
Gossen geworfen wird und eine so bedeutende Attractionskraft auf diese
Vierfler ausbt, direct in den Strom und in die See hinausgeht.

Trotz so mancher Uebelstnde, die mir auffielen und nach meiner Ansicht
auch dem Auge der Polizei nicht htte entgehen sollen, hatte ich bis jetzt
noch keinen Constabler gesehen, da ich mir dieselben ebenso geschmackvoll
uniformirt dachte, als in Deutschland. Meine Begleiter erklrten mir aber,
da die Polizeimnner New-Yorks durchgngig Civilkleider tragen und nur an
einem einfachen Messingstern erkenntlich sind, welchen sie auf der linken
Seite der Brust am Rocke fhren. Gehen sie auf Verfolgung aus, so nehmen
sie denselben herab und befestigen ihn unter dem Rocke an der Weste, oder
haben ihn in der Tasche bei sich, um sich im Nothfalle mit ihm als
Diener des Gesetzes legitimiren zu knnen. Bei feierlichen Gelegenheiten
erscheinen sie in schwarzem Frack und Hosen, und fhren als Amtszeichen
einen ohngefhr sechs Fu hohen Stock, an dessen Spitze ein vergoldeter
Knopf befestigt ist.

Obschon die Constabler in New-York eine sehr bedeutende Anzahl bilden,
so haben sie doch einen ziemlich anstrengenden Dienst, da ihnen wegen
gnzlichen Mangels an Militair, welches nur in sehr geringer Anzahl in
Governers-Island und Fort Hamilton zur Bewachung der Geschtze und Arsenale
liegt, ganz allein die Sicherheit der Stadt anvertraut ist. Trotzdem
entflieht ihnen nur selten ein Verbrecher, und namentlich bei Nachtzeit,
wenn es weniger lebendig in den Straen zugeht, knnen sie gefhrliche
Subjecte leicht einholen, da sie auf eine eigenthmliche Weise ihre
Collegen von deren Nhe in Kenntni setzen. Sie sind nmlich bei Nacht mit
einem starken Stocke bewaffnet, welcher unten mit Blei ausgegossen ist;
sobald sie etwas Verdchtiges bemerken, lassen sie denselben auf das mit
Granitquadern belegte Trottoir fallen, was einen hellen schrillenden Ton
hervorbringt. Dieses Signal wiederholen alle Constabler in der Nhe der
Reihe nach, und geben sich auf diese Weise fast so rasch wie durch einen
Telegraphen die Kunde, da Jeder auf seinem Posten steht und wachsam ist.
Es ist kaum mglich, da die Aufmerksamkeit smmtlicher Mannschaft eines
Distrikts in einem Augenblicke schneller rege gemacht werden kann, und
die Flucht ist, wenn der Verbrecher beobachtet wurde, selten mit Erfolg
ausgefhrt worden.

Ich erinnere mich whrend meines Aufenthaltes mehrerer Flle, wo Constabler
flchtige Uebertreter der Gesetze 800-1000 engl. Meilen weit verfolgten
und sie glcklich zurckbrachten, trotzdem da diesen fast jede Stunde
Eisenbahnen und Dampfschiffe nach allen Richtungen hin zu Gebote standen.

Das Institut der New-Yorker Constabler ist dehalb ein so vorzgliches,
weil auch sie aus der allgemeinen Wahl hervorgehen. Es kann daher nur
Derjenige zu einem solchen Amte gelangen, welcher das Vertrauen seiner
Mitbrger geniet. Diese haben die gesetzliche Verpflichtung, den
Polizeimann in der Ausbung seines Berufes zu untersttzen und ihm
namentlich im Falle der Widersetzlichkeit bei Arrestationen zur Seite zu
stehen, da diese nur bei Ergreifung auf frischer That oder gegen Vorzeigung
eines richterlichen Verhaftsbefehls vorgenommen werden drfen. Aeuerst
selten hrt man ber Rohheit und Unmenschlichkeit bei Verhaftungen klagen,
und die Constabler genieen die allgemeine Achtung, welche der europischen
Polizei nicht durchgngig gezollt wird.




Fnfzehntes Capitel.

Knstlerlaufbahn. Der Marmorpalast.


So angenehm meine Abende vergiengen, da ich in den Feierstunden immer etwas
Neues und Anziehendes kennen lernte, so traurig und langsam schlich mir
der Tag bei meinem einfrmigen und schmutzigen Geschfte dahin, welches mir
trotz meiner studirten Collegen in der Mitte der ersten Woche bereits so
verleidet war, als htte ich es Jahre lang getrieben. Ich machte auch aus
meiner Abneigung gegen die unangenehm riechenden Rauchwaaren kein Hehl, und
da wollte es ein glcklicher Zufall, da mich ein Deutscher fr einen Maler
engagirte, der die Ausmalung eines neuen prachtvollen Ladens im Broadway
bernommen hatte. Der Wechsel war gro und bedeutend, statt Bren-, Reh-
und Hirschfelle nahm ich den Pinsel zur Hand, betrat die hehre Knstlerbahn
und malte durch Schablonen. Der Unterschied fiel mir schon dehalb sehr
auf, da ich nicht mehr so schwer zu arbeiten hatte, statt um 7Uhr erst
um 8Uhr Morgens mit meinem Tagewerke begann, welches schon um 5Uhr
beendigt war, bessere Bezahlung erhielt und zu Alledem in ein Atelier
eintrat, in welchem alle mglichen Landeskinder ihre Geschicklichkeit
und ihren Flei entwickelten. Der Prinzipal war ein Italiener; auer ihm
arbeiteten noch zwei Landsleute von ihm mit; die brigen Maler bestanden
aus vier Deutschen, einem Schottlnder, einem Irlnder, zwei Franzosen
und mehreren Amerikanern, so da man wie beim babylonischen Thurmbau im
buntesten Durcheinander deutsch, franzsisch, englisch und italienisch
sprechen hrte. Unser Aller Herr und Meister verstand, Deutsch ausgenommen,
die drei anderen Sprachen ziemlich fertig. Wir muten oft herzlich lachen,
wenn er zu dem ersten Besten seiner Leute hinrannte und ihm blitzschnell
in einer Sprache eine Menge von Auftrgen ertheilte, von der der Angeredete
kein Wort verstand; dies amusirte ihn jedoch immer selbst am meisten, und
sich an die Stirne schlagend entfuhr ihm in solchem Falle manches ~Goddam!~

Das ganze groartige Gebude, welches meine Kunst mit verschnern sollte
und wegen seiner auerordentlichen Eleganz eine nhere Beschreibung
verdient, lie ein Amerikaner Namens Stewart auffhren. Die Hauptstadt des
feinen Geschmacks, Paris, hat keinen solchen Laden, wie diesen von Grund
und Boden neuerbauten aufzuweisen, welcher vom New-Yorker Publikum den
stolzen, aber wohlverdienten Namen des Marmorpalastes erhalten hat, weil
hnlich der City-Hall die Hauptfronte mit Marmor berkleidet ist. Ueber
mehrere Stufen von weiem Marmor gelangt man in einen breiten und tiefen
Saal, dessen reich bemalte Decke von Sulen mit Capitlen von Gyps
getragen wird. Rechts und links befinden sich zwei Reihen von polirten
Fachgestellen, welche alle Modeartikel von den ordinairsten bis zu den
kostbarsten enthalten. Diese Repositorien, welche den groen Saal in drei
kleinere abtheilen, erheben sich jedoch nicht bis zu der Hhe der Decke,
um die Weitlufigkeit des Ganzen berschauen zu lassen. Das Licht fllt bei
Tage durch hohe Fenster mit ungeheuren Scheiben vom feinsten geschliffenen
Glase in die inneren Rume, welche bei Nacht durch glnzende Gaslampen
erleuchtet werden. Selbst dem gewandtesten Diebe drfte es schwer fallen,
in dieses herrliche und reiche Verkaufslokal einzubrechen, da in allen
Fensterstcken ein eiserner Falz angebracht ist, in welchen zu gleicher
Zeit in Folge der Thtigkeit einer Maschine eiserne Lden von Oben nach
Unten vor den Scheiben einfallen.

Geht man von dem Haupteingange in gerader Linie nach dem Hintergrunde, so
gelangt man in eine groe Rotunde, welche sich drei Stockwerke hoch erhebt
und ihr Licht von einer groen Glaskuppel empfngt. Die hinterste Wand
ist mit Spiegelglas getfelt, was die Schnheit des Ganzen in's Vielfache
vermehrt. Hier fhret eine groe, nach einer Reihe von Stufen sich nach
der rechten und linken Seite hin theilende Treppe zu einer Gallerie empor,
welche zu dem Verkaufslokale des ersten Stockes fhrt, welches die Gre
des unteren Saales hat. Von da aus gelangt man auf einer einfachen Stiege
in den zweiten Stock, in welchem die Vorrthe aufgespeichert liegen.

Wie man von der Rotunde nach Oben gelangen kann, so steigt man auch von ihr
auf einer hnlichen Treppe in die unteren Rume, in welcher die ankommenden
Ballen und Kisten ausgepackt und die Waaren ausgezeichnet werden.

Neben dem reichsten Geschmacke zeigt sich allenthalben auch die
Aufmerksamkeit fr die Bequemlichkeit des Kufers, da vor jedem Ladentische
kleine runde Sthlchen angebracht sind, damit namentlich das zartere, in
die Herrlichkeiten der Mode versunkene Geschlecht die vorgelegten Artikel
mit Mue betrachten und bewundern kann.

In diesem Geschfte sind ber 60 Commis thtig, welche die Sprachen aller
civilisirten Vlker sprechen. Diese wohnen smmtlich in einem Hinterhause,
in welchem einem Jeden von ihnen sein eigenes Zimmer angewiesen ist. Der
Leser wird sich aus dieser Schilderung eine Idee von der Gre dieses
Gebudes machen knnen, in welchem noch die schne und ntzliche
Einrichtung getroffen ist, da ein Druckwerk laufendes Wasser in alle
Stockwerke treibt. Jeder Besucher dieses herrlichen Etablissements wird
gerne zugestehen, da es in der That den Namen Marmorpalast verdient.




Sechszehntes Capitel.

Deutsches Leben in New-York. Geselligkeit. Wirthschaften. Brauerei.
Ausflge. Kirchweihen.


Mehrere Monate blieb ich bei meinem Italiener, welcher nach Beendigung der
Arbeiten im Stewart'schen Laden mein Talent in einer Kirche verwandte,
wo ich mich der hheren Kunst, nmlich des Ausmalens der Kirchen_decke_
beflie. Die Beziehungen zu meinen Collegen blieben angenehm, und bald
hatte ich mich auch an das amerikanische Leben gewhnt, welches freilich
von der deutschen gemthlichen Geselligkeit gar Manches entbehrt. Im Ganzen
lebte ich jedoch nach deutscher Art, da unsere Landsleute in New-York
erfolgreiche Anstrengungen gemacht haben, wenigstens Etwas von den
heimischen Sitten und Gewohnheiten zu erhalten und nicht in die frostigen
Manieren des Amerikaners zu verfallen, welche bei Vielen nur zu sehr an den
Englnder erinnern. Bei ihrer groen Anzahl konnte ihnen das nicht schwer
fallen, zumal die dazu erforderlichen Elemente zur Genge vorhanden sind.

In New-York fehlt es dem Deutschen nicht, wie so Manche annehmen, an
gemthlichen Sammelpltzen und Gesellschaftslokalen, in welchen sich Abends
Bekannte und Freunde treffen. Die verheiratheten Mnner gehen jedoch nach
dem Gebrauche der Amerikaner die Wochentage wenig aus, sondern verbringen
die Abende im Kreise ihrer Familien, mit welcher Einrichtung ihre Frauen
vollkommen zufrieden sind. Auch die ledigen jungen Leute kommen im
Durchschnitte die Woche nur einige Male an ffentliche Orte, selbst wenn
sie den besten Verdienst haben, weil mit uerst geringen Ausnahmen nicht
daran zu denken ist, tglich dieselbe regelmige Gesellschaft genieen
zu knnen. Ueberhaupt hat sich der Deutsche im Allgemeinen in Amerika
von seiner Hauptleidenschaft, der Liebe zum Trunke, losgemacht, da der
Amerikaner eine groe Antipathie dagegen uert und nur nchterne Menschen
von ihm ein freundliches Entgegenkommen zu erwarten haben. Dehalb ist auch
im Durchschnitt der Deutsche bei dem Eingebornen viel mehr geachtet, als
der Irlnder, welcher noch Nachts die Schnappsflasche mit in's Bett nimmt.

Die einzigen Tage in der Woche, in denen man unter den Deutschen allgemeine
Geselligkeit trifft, sind der Sonnabend und der Sonntag. Am Samstag ist
schon um 5Uhr Feierabend und auerdem Zahltag, an welchem mancher leere
Beutel eine frhliche Heimsuchung erfhrt. Gegen 7Uhr fllen sich die
Bierhuser, die jedoch ohne Ausnahme nach amerikanischer Art eingerichtet
sind, wehalb man in ihnen auer dem Gerstensafte jeden Augenblick die
verschiedensten Sorten Liqueure, Wein, Punsch und Glhwein bekommen kann.
Gewhnlich steht in der Nhe der Thre der niemals fehlende Ladentisch
(~counter~), hinter welchem sich ein Fachgestell mit verschiedenen Flaschen
und Glsern erhebt, das auerdem mit Blumen, bunten Muscheln, Springbrunnen
u.s.w. geziert ist.

Die Deutschen halten sich im Ganzen, wie in der Heimath, an ihr
Lieblingsgetrnke, das Bier, wehalb die Brauereien in Amerika in der
letzten Zeit einen sehr bedeutenden Aufschwung erhalten haben. In New-York
brauen mehrere bairische und badische Brauer ein Lagerbier, welches sich
dem bairischen wohl unbedenklich an die Seite stellen darf. Gute Gerste und
guter Hopfen erleichtern die Herstellung desselben. Bis jetzt fehlten
nur die Felsenkeller, welche dort zwar leicht zu graben sind, aber einen
bedeutenden Capitalaufwand erfordern. Mehrere Bierbrauer haben aber
demohngeachtet den Anfang damit gemacht, was um so nothwendiger ist, als
bis jetzt das Lagerbier in New-York schon Ende Juli ausgieng, da es an
groen Lagerkellern gebrach, und man gerade in der grten Hitze genthigt
war, ein in den heien Sommermonaten gebrautes oberghriges Bier zu
trinken, welches unter dem Namen ~small-beer~[9] bekannt ist, sich aber
keines besonderen Rufes erfreut. Man kann jedoch fast das ganze Jahr
Biere aus Philadelphia bekommen, welche wegen ihrer vorzglichen Gte
sehr beliebt wurden und besonders dann starken Absatz finden, wenn die
New-Yorker Biere ausgegangen sind. Hie und da trinken die Deutschen auch
Ale und Porter, obschon sie ihrem Gerstenbiere den Vorzug geben.

  [9]: Geringes, dnnes Bier, von den Amerikanern im Gegensatz zu ihrem
  ~strong-beer~ (starkem Bier) so genannt, welches die Deutschen jedoch
  nicht sonderlich lieben, da es einen herben bitteren Geschmack hat.
  Die deutschen Lagerbiere werden jedoch auch von den Amerikanern gerne
  getrunken.

Man kann nicht in Abrede stellen, da es in den amerikanischen deutschen
Schenklokalen weit anstndiger zugeht, als in vielen in Deutschland;
Zank und Streit ist selten zu hren, und wird ja Mancher einmal laut, so
geschieht es im Eifer politischer Discussion, da auch hier der Deutsche
seine Leidenschaftlichkeit und Heftigkeit nicht verlugnen kann. Whrend
meines ganzen Aufenthaltes aber war ich nie Zeuge einer Schlgerei oder
anderer Rohheit. Es mag dies zum Theil darin seinen Grund finden, da sich
in einer so groen Stadt die Gste zu wenig kennen, und durch Spiele um
Geld, welche streng verboten sind, keine Veranlassung zu Uneinigkeiten
gegeben wird.

In den besseren Wirthschaften ist fast durchgngig ein Pianoforte zu
finden, und es fehlt nicht an Personen, welche dieses Instrument sehr
gut zu spielen verstehen. Ich habe mehrere Wirthe kennen gelernt, welche
fertige Clavierlehrer anstndig dafr honorirten, da sie Sonnabend und
Sonntag Abends ihre Gste mit Gesang und gutem Spiel erfreuten. Sonntags
ist auch an mehreren Orten gute deutsche Harmoniemusik zu finden, welche
ebenfalls ein groes Publikum anzieht; namentlich erscheint hier die
New-Yorker deutsche Frauenzimmerwelt, welche Nachmittags nicht ber Land
gehen konnte. Diese Huser waren weitaus am meisten besucht, da auer den
musikalischen Genssen die besten deutschen Zeitungen aus der ganzen Union
und die gelesensten New-Yorker Bltter, nebst Billard und Kegelbahn den
Besuchern zu Gebote stehen.

Den Sonntags-Nachmittag benutzen die Deutschen hauptschlich zu Ausflgen
auf das Land. Die besuchtesten Orte sind das Blumenthal (~Bloomingdale~)
und Hoboken. Erstere Partie macht man entweder zu Fu oder mittelst einer
Eisenbahn, welche sich unmittelbar von City-Hall aus, also fast von Anfang
der Stadt bis an ihr Ende hinauszieht, und gewhnlich bei unsern deutschen
buerlichen Einwanderern das grte Erstaunen erregt, denn wenn sie auch
in Europa diese neuen Eisenwege kennen gelernt haben, so erscheint es
ihnen doch wunderbar, da man sie auch durch die Straen einer Stadt
hindurchfhrt. Aber eine ebenso groe Aufmerksamkeit, als sie der Eisenbahn
widmen, wird ihnen von den hin und herpromenirenden amerikanischen Lady's
und Gentlemens erwiesen, besonders wenn unsere Landsleute im langen Rock
mit blanken Knpfen, rothen Westen, kurzen Leder-Hosen und einem groen
Dreimaster, und die Weiber und Mdchen mit kurzen Rcken, Schnallenschuhen
und Hauben mit breiten Bndern erscheinen. Diese Tracht entlockt selbst den
Deutschen ein Lcheln, welche lnger in New-York wohnen und diesen weiland
gewohnten Anblick jetzt selten genieen.

Um auf das Blumenthal selbst wieder zurckzukommen, so diene hier zur
Nachricht, da dieses ein nicht kleiner Stadtbezirk ist, in welchem fast
ausschlielich Deutsche, jedoch nur die kleineren Handwerker und Arbeiter
wohnen. Hier fehlt es nicht an zahlreichen deutschen Kneipen, die jedoch
ihrer groen Mehrzahl nach nicht sehr einladend sind; berhaupt mge sich
der geneigte Leser keinen zu hohen Begriff von diesem Blumenthal machen,
da es nichts weniger als diesen Namen verdient. Nur der Theil, welcher noch
wenig angebaut ist und einige Grten mit schner Aussicht auf den Hudson
und Blackwellisland, eine Art Correctionsanstalt (der Plassenburg im Zwecke
wie in der romantischen Lage gleich), in sich schliet, verdient diesen
Namen.

Hoboken ist ohnstreitig ein viel angenehmerer Vergngungsort. Um dahin
zu gelangen, mu man, da es auf dem Festlande liegt, ber den Northriver
fahren, was das Publikum sehr anzieht, da man statt des erstickenden
Staubes auf dem Blumenthaler Ausfluge hier die erquickende und erfrischende
Seeluft einathmet. Auf der New-Yorker Seite sind drei Fhren, von welchen
aus man alle fnf Minuten auf Dampfschiffen ber den Hudson gelangen kann.
Der Preis ist so billig gestellt, da es selbst dem Aermsten mglich
ist, ihn zu zahlen, denn er betrgt nur 6Cts.[10], wofr man noch die
auerordentliche Begnstigung hat, so oft man will, ohne alle weitere
Nachzahlung, den Weg hin und her machen zu knnen, wenn man nicht vom Boote
herabgeht. Sorgsame Mtter schicken whrend der heien Jahreszeit ihre
Kinder tglich auf diese Dampfboote, damit sie eine gesunde Bewegung haben,
ohne der Gefahr des Sonnenstiches ausgesetzt zu seyn, welcher viele
Opfer fordert. In Hoboken selbst fehlt es nicht an angenehmen Anlagen
und comfortablen Pltzen, wo Erfrischungen gereicht werden, und besonders
deutsche Wirthe haben sich hier in ziemlicher Anzahl niedergelassen, um
ihre deutschen Gste nach deutscher Weise mit Kaffee und Milchbrod, wie
Butter, Schweizerkse und gutem Bier bewirthen zu knnen.

  [10]: 9 Kreuzer oder 2 Ngr.

Auch andere deutsche Vergngungen, welche bis jetzt in Amerika noch nicht
recht heimisch werden wollten, haben unsere Landsleute dort einzubrgern
gesucht, namentlich die in Deutschland jhrlich wiederkehrenden
Kirchweihen. Die Rheinlnder feiern groentheils die Kirchweihtage ihrer
Heimath, obschon das eigenthmliche Geprge eines solchen Festes verloren
geht, wenn es ausschlielich von Stdtern gefeiert wird. Ich hatte
Gelegenheit, in New-York die Drkheimer Kirchweih mitzumachen, welche von
Einwanderern aus dieser Stadt und deren Umgegend in einem Garten festlich
begangen wurde. Bis auf die Kaufbuden, welche mangelten, hatte das Ganze
ziemlich den Character einer deutschen Kirchweih, denn es wurden uns nicht
allein in Flle deutsche Brat-, Blut- und Leberwrste nebst Sauerkraut,
sondern auch edler Pflzerwein, chter 46er geboten; auch fehlte dem
munteren Kreise nicht das hchste Gut, welches uns Speis und Trank erst
wrzet, der Frohsinn und die Heiterkeit. Schne Gesnge wechselten mit
guter Musik ab, und die Feier schlo mit einem gemthlichen Tnzchen und
einem Toaste auf das geliebte deutsche Vaterland.

Ein anderes, jedes Jahr mehrmals wiederkehrendes Vergngen sind die
gemeinschaftlichen Ausflge der Deutschen. Ein zu diesem Zwecke gewhlter
Comit miethet ein Dampfschiff fr einen Tag, und Morgens 5Uhr geht es mit
Weib und Kind in's Freie. Diese Gesellschaften zhlen oft 6-700 Personen,
welche fr einen Tag ihre Alltagsbeschftigungen vergessen, um die freie
Natur und das schne Hudsonthal zu genieen. Gewhnlich sucht man schon
mehrere Tage vorher 25 bis 30 englische Meilen von New-York einen schnen
Platz aus, um an demselben auszusteigen und sich zu vergngen. Die Fahrt
schon verbreitet allgemeine Lust; es fehlt nicht an khlenden Getrnken
und guten Speisen, welche die sorgsamen Hausfrauen schon Tags vorher
zubereiten, um die Freunde der Familie auch auerhalb New-York auf ein
deutsches Gericht einladen zu knnen. In dem elegant ausgestatteten
Schiffssalon spielt eine gute deutsche Musik, welche zum Tanze auffordert,
und in bunter Reihe folgen Gesnge, Reden, Deklamationen u.s.w. Die
Amerikaner machen sehr hufig diese Partieen mit, und erinnern sich ihrer
immer mit groem Vergngen, da sie unter sich selten so viel Herzlichkeit
und Gemthlichkeit finden.




Siebenzehntes Capitel.

Die Feier des Maifestes in New-York. Gesangvereine. Deutsche Blle.


Der geneigte Leser wird aus dem vorigen Capitel ersehen haben, da es dem
Deutschen in Amerika keineswegs an geselligen Vergngungen gebricht; einem
Feste aber, welches alljhrlich begangen wird, mchte ich vor allen anderen
den Vorzug geben, nmlich dem Maifeste. Die vielen schnen Erinnerungen,
welche sich an den ersten Mai, an den Verkndiger des Frhlings, und an
die Heimath knpfen, haben die Deutschen veranlat, diesen Tag auch in
der Ferne nicht ungefeiert vorbergehen zu lassen, und so finden sich an
demselben alljhrlich viele Tausende zusammen, um im Freien die Schnheit
des Lenzes zu genieen.

Die Deutschen kommen in Amerika und vorzglich in New-York niemals bei
einer auerordentlichen Gelegenheit zusammen, ohne einem Feste durch
passende Reden eine hhere Weihe zu geben; am wenigsten drfen diese
an einem Freudentage, wie der erste Mai fehlen. Die Redefreiheit ist
unbeschrnkt; um jedoch der Gesellschaft wenigstens einige gediegene
Vortrge zu sichern, ersucht der Festcomit immer schon acht Tage vorher
einige beliebte Volksredner, an diesem Tage die Tribune zu betreten. Erst
wenn diese geendigt haben, kann Jeder ohne Ausnahme um's Wort bitten, wobei
dem Zuhrer natrlich unbenommen bleibt, zuzuhren oder sich zu entfernen.

Eines der schnsten Maifeste wurde im Jahre 1847 auf einer Anhhe hinter
Hoboken gefeiert, von wo aus man ganz New-York mit seinen Inseln bersehen
und die Blicke weit hinaus auf die hohe See schweifen lassen konnte. In
einem freundlichen Wldchen wurde der Festplatz aufgeschlagen, die deutsche
schwarz-roth-goldene Flagge zwischen zwei amerikanischen auf dem hchsten
Baume aufgezogen und eine mit Laub- und Streuguirlanden geschmckte Tribune
errichtet. Vormittags schon hatten sich Hunderte auf dem grnen Rasen
gelagert, obschon die eigentliche Feier erst Nachmittags zwei Uhr beginnen
sollte.

Die Erffnung machte ein Mnnerchor, welchem mehrere vorzglich
ausgearbeitete Festreden folgten. Eingeborene Amerikaner, vorzglich
solche, welche der deutschen Sprache mchtig waren, hatten sich zahlreich
eingefunden, und zu Aller Freude erschien kurz vor dem Beginne der
verschiedenen Vortrge einer freundlichen Einladung zufolge der
amerikanische Dichter Bryant[11], ein groer Verehrer deutscher Literatur
und Musik. Er ergriff auf allgemeines Bitten auch das Wort und wies mit
warmem Gefhl auf die Verdienste hin, welche sich die deutschen Einwanderer
in Amerika erworben htten, characterisirte den Forschungsgeist und den
tiefen wissenschaftlichen Sinn unserer Nation, dem auch das amerikanische
Volk so viel zu verdanken habe, und schlo mit einem Hoch auf den deutschen
Genius und auf die Bande der Liebe, welche Deutschland und die Vereinigten
Staaten fr immer umschlingen sollen. Der Prsident des Festcomits
erwiderte seine mit dem grten Beifall aufgenommene Rede, indem er den
Wunsch aussprach, da die schnen Beziehungen zwischen Amerikanern und
Deutschen immer mehr an Innigkeit gewinnen mchten. Nach dem Schlusse der
im Programme vorgeschriebenen Feierlichkeiten bildeten sich die
muntersten und lebendigsten Gruppen in dem frischen Grn, Gesang mit
Guitarrebegleitung und Musik schallten durch den Wald, und erst spt Abends
kehrten die Theilnehmer in die Stadt zurck.

  [11]: Bryant ist durch Ferd. Freiligrath, welcher einige seiner
  lyrischen Gedichte bersetzt hat, auch in Deutschland bekannt geworden.

Das ganze deutsche Leben in New-York hat durch den Gesang einen neuen
Reiz erhalten. Diese schne Blume, welche unserem Daseyn so manche reine
Wohlgerche spendet, ist von den eingewanderten Deutschen sorgfltig
gepflegt und gewartet worden; jedoch bildete sich erst im Jahre 1847 in
New-York ein grerer Gesangverein, welcher in wenigen Wochen gegen 120
active und passive Mitglieder zhlte. Derselbe trennte sich zwar im ersten
Jahre wieder, aber es waren so viele gute Sngerkrfte vorhanden, da
zwei Liedertafeln daraus entstanden, welche ziemlich strenge Kunstrichter
befriedigen. Beide Vereine halten ihre regelmigen Proben, und geben
fters zahlreich besuchte Productionen. Bei den Amerikanern haben die
Leistungen der deutschen Snger eine solche auerordentliche Anerkennung
gefunden, da man sie zu verschiedenen Malen zur Mitwirkung in den grten
Concerten einlud. Dadurch ermuntert, beschlossen sie im Winter 1848, in
dem Alhambra-Salon, einer eleganten, im maurischen Style aufgefhrten
Restauration eine groartige Production zu geben, welche sich den
entschiedensten Beifall von Seite aller Musikfreunde errang. Besonders
erregte der Speisezettel von Zllner viel Vergngen, obschon die meisten
Amerikaner von dem Texte nichts, als das Wort ~beefsteak~ verstanden.

Aus den Gesangvereinen haben sich verschiedene Quartette gebildet, welche
schon manchen Freundeskreis mit ihrem Gesang erheitert haben; selbst die
Stndchen sind durch sie in Amerika eingebrgert worden, und oft kann
man um Mitternacht die schnen Liederklnge Deutschlands in den einsamen
Straen erschallen hren.

Eine weitere Abwechslung und Erholung geben die zahlreichen Blle, welche
jedoch das Unangenehme haben, da sie wegen der strengen Sonntagsfeier
niemals Sonnabends oder Sonntags gehalten werden knnen. Die gewhnlichen
Tage fr Tanzvergngungen sind daher der Montag, Dienstag und Donnerstag
geworden. Versuche, das Tanzen auf dem Lande am Sonntag trotz Gesetz und
Polizei durchzusetzen, sind einige Male durch hinzugekommene Constabler zum
nicht besonderen Ergtzen der dabei betheiligten Damen vereitelt worden.

Die Zahl der Blle in New-York ist auerordentlich gro, was in der
Existenz der vielen Freimaurerlogen, Krankengesellschaften, politischen
und anderen Vereinen seinen Grund hat, welche sie insgesammt als eine
willkommene Gelegenheit bentzen, ihren Kassen den so nothwendigen Zuschu
zuzufhren. Zu dem Ende sendet immer der Ballcomit eines Vereins an seine
Bekannten und Freunde Einladungskarten, welche mindestens einen Dollar
kosten; es kommt jedoch sehr hufig vor, da fr sie 2-5 Dollars bezahlt
werden mssen, was natrlich Manchen hindert, ein so theures Vergngen
mitzumachen. Mnner, welche wegen ihrer Geschftsverbindungen oder wegen
ihrer politischen Stellung eine ausgedehnte Bekanntschaft besitzen, knnen
sich buchstblich vor solchen Ballkarten gar nicht retten, die eine um
so grere Last fr sie sind, da sie die Sache mit dem Bezahlen derselben
allein nicht abmachen knnen, indem man auch noch ihr persnliches
Erscheinen auf dem Balle erwartet.

Die deutschen Blle tragen ziemlich denselben Character, wie in
Deutschland, whrend die amerikanischen sich mehr den franzsischen und
englischen annhern; doch werden auf ihnen auch deutsche Tnze getanzt.
Maskenblle sind gnzlich unbekannt, da sie verboten sind, und man mu
dehalb auf ein Vergngen verzichten, welches sich in einigen Stdten des
deutschen Vaterlandes wegen der besonderen Pracht, des guten Humors und
des trefflichen Geschmackes, wie z.B. in Mainz, Cln und Mnchen, einen
beinahe classischen Namen errungen hat. Die Deutschen haben wohl in
Privatzirkeln kleine Maskenscherze aufgefhrt, es kann aber ein solches
Vergngen wenig Reiz gewhren, wenn sich smmtliche Theilnehmer schon
vorher kennen, und sie im Falle des Bekanntwerdens noch gesetzliches
Einschreiten zu gewrtigen haben.

Eine Eigenthmlichkeit der New-Yorker Blle ist auch noch die, da die
Herren ihre Damen nach 12Uhr zur ~Table d'hte~ fhren, welche ohngefhr
eine Stunde dauert und dazu beitrgt, das Tanzvergngen noch etwas
kostspieliger zu machen, als man es in Deutschland gewohnt ist. Whrend
dieser Pause werden bei den Deutschen sehr oft Quartette gesungen, die
gewhnlich diejenigen Gste sehnlich herbeiwnschen, welche keine Freunde
einer so spten und theuern Tafel sind.




Achtzehntes Capitel.

Das Leben und die Sitten der Amerikaner. Ihre Religiositt.
Temperenzmnner. Rechte der Frauen.


Es lt sich nicht in Abrede stellen, da die Deutschen manche Sitten und
Gebruche von den Amerikanern angenommen haben; dieses kann man sich aber
aus den vielen gegenseitigen Berhrungen leicht erklren. Im Wesentlichen
ist jedoch das Leben und das Thun und Treiben der Eingebornen ein ganz
anderes. Whrend der Deutsche ein offenes und zutrauliches Gemth zeigt,
bleibt der Amerikaner mehr in sich selbst zurckgezogen, und ist nur dann
redselig, wenn er in seinem Geschfte steht und Geld verdienen will, oder
wenn ihn eine wichtige politische Streitfrage beschftigt. Begegnen sich
befreundete Amerikaner am Tage auf der Strae, so gehen sie mit einem
flchtigen Grue an einander vorber, denn die Zeit des Verdienstes ist da,
in welcher Keiner den Andern aufhlt; die Deutschen dagegen mssen einen
kleinen Halt machen und ein Wort mit einander wechseln, und wenn sie nur
fragen: Wie geht es? Was macht die Frau? u.s.w. Nichts characterisirt den
Amerikaner mehr, als seine Vorliebe zum Geld, ja man kann sagen, da er oft
den Menschen nur nach seinen Vermgensverhltnissen beurtheilt. Macht er
eine neue Bekanntschaft, so unterlt er nicht zu fragen, wie viel sie
werth sey, und die Antwort erst gibt ihm den Mastab zur hheren oder
niederen Achtung. Er scheut keine Gefahren, um reich zu werden; er geht in
die Lager der Indianer und wagt seine Kopfhaut, um ein gutes Geschft
zu machen, und durchdringt die Urwlder, um sich neue Absatzquellen zu
erffnen. Seine zhe Ausdauer ist wahrhaft bewunderswrdig; er arbeitet
rastlos fort, wenn er Millionen erworben hat, lt seine Thtigkeit aber
nicht sinken, wenn ihn eine unglckliche Spekulation um Alles gebracht hat;
er fngt wieder von vorne an, und seine alten Geschftsfreunde untersttzen
ihn nach Krften, wenn er keinen betrgerischen Bankerott gemacht hat;
gerade Diejenigen, welche durch ihn Verluste erlitten haben, suchen
ihn wieder in die Hhe zu bringen, da sie nur in diesem Falle an einen
Wiederersatz denken drfen. Beispiele hiervon finden sich in New-York,
wo mehrere Kaufleute in Bezug auf ihre Vermgensverhltnisse den
merkwrdigsten Glckswechsel erfahren haben; heute noch Millionaire, waren
sie am anderen Tage Bettler, um in wenigen Jahren wieder als vermgende
Mnner dazustehen.

Schon an dem Anzuge erkennt man den Amerikaner und den Deutschen. Der
Letztere kleidet sich in die verschiedensten Farben, der Erstere liebt, der
groen Mehrzahl nach, und besonders, wenn er dem Handelsstande angehrt,
den schwarzen Frack oder Rock, die schwarzen Beinkleider und den schwarzen
runden Hut. Nur whrend der heien Jahreszeit vertauscht er diese dunkle
Tracht mit hellen und leichten, entweder blau und wei oder roth und wei
gestreiften Baumwollenkleidern. Die Klasse der Arbeiter, welche natrlich
keine Rcksichten auf feine Stoffe und eleganten Schnitt nehmen kann,
erkennt man aber fast ohne Ausnahme an der wachstuchenen Mtze, welche sich
auch die deutschen Handwerker gleich nach ihrer Ankunft zulegen, da sie
nicht allein die gewhnlichste und leichteste, sondern auch die billigste
Kopfbedeckung ist. Der Amerikaner sieht in den Wochentagen wenig auf uere
Eleganz -- den Geschftsmann genirt ein Loch im Aermel sehr wenig --; dafr
nehmen sie streng Rcksicht auf Reinlichkeit in der Wsche, und selbst der
schlechtbezahlteste Arbeiter wechselt wchentlich drei bis vier Mal frische
Hemden, obschon dies in New-York eine bedeutende Ausgabe verursacht, da
fr das Dutzend ohne allen Unterschied, ob es Sacktcher, Vatermrder oder
Hemden sind,  Dollar gezahlt werden mssen.

Obschon die Amerikaner, insbesondere nach unseren Begriffen, sehr wenig
gesellig sind, so habe ich doch Mehrere kennen gelernt, welche das deutsche
Leben sehr anzog. Vor Allem will ich hier eines jungen Mannes aus Virginien
Erwhnung thun, welcher Medicin studirte und in dasselbe Haus zog, in
dem ich wohnte, um dort Deutsch zu lernen, da er nach Vollendung seines
akademischen Studiums in New-York zu seiner weiteren Ausbildung einige
Jahre in Berlin zubringen wollte. Schon in seiner Heimath Virginien hatte
er von einem Deutschen so viel Kenntni von unserer Muttersprache erlangt,
da er Schillers Gedichte ziemlich fertig lesen und verstehen konnte.
Namentlich interessirte er sich sehr fr die deutschen Zustnde und
fragte zuweilen nach dem Grunde und der Ursache mancher deutschen
Staatseinrichtungen mit einer Naivitt, welche selbst einen vormrzlichen
Staatsmann in Verlegenheit gesetzt haben drfte, da seine Polemik gegen
dieselben von vieler Klarheit und angeborner Freisinnigkeit zeugte und
auerdem sehr ruhig und natrlich war. Am wenigsten konnte er das Wesen der
Censur begreifen; ich mute ihm erst eine Geschichte dieses Instituts und
eine Schilderung seiner eigentlichen Thtigkeit geben, bis er sich von
demselben eine richtige Vorstellung machen konnte. Oft sprach er seine
Verwunderung gegen mich darber aus, da das deutsche Volk bei dem Bestehen
der Censur sich in geistiger Beziehung so hoch emporschwingen konnte,
whrend das amerikanische bei aller seiner Freiheit die Wissenschaften
bis jetzt noch viel zu wenig cultivirt habe. Ferne von aller Engherzigkeit
verkannte er die Tugenden und Vorzge der Deutschen nicht, liebte und
achtete aber, wie jeder Amerikaner, sein Vaterland wieder viel zu hoch,
um dessen Freiheit und Wohlfahrt nicht hher zu schtzen, als Deutschlands
literarische Gre.

Wie die meisten Amerikaner hielt auch er ungemein viel auf die strenge
Feier des Sonntags, welche den Deutschen einen reichhaltigen Stoff zu
Raisonnements liefert. Es gibt auch wohl kaum etwas Lstigeres, als die
Beobachtung von Gesetzen, die aus den Sonntagen einen jede Woche regelmig
wiederkehrenden Bu- und Bettag gemacht haben. Der Amerikaner geht Sonntags
wenigstens zweimal in die Kirche; vielfach besucht er aber auch den
Abendgottesdienst, welcher im Winter bei Licht gehalten wird. Man ist
sogar so weit gegangen, es als die Pflicht eines verlobten jungen Mannes
zu betrachten, da er seine Braut Sonntags zweimal zur Kirche fhrt. In
den gebildeteren Familien ist man mit dieser Art Sonntagsfeier noch
nicht einmal zufrieden, sondern es wird auch noch der Abend religisen
Betrachtungen gewidmet und mit dem Singen geistlicher Lieder oder dem
Spielen von Chorlen und Kirchenmusik auf einem Claviere hingebracht. Ich
habe immer diese bertriebene Religiositt fr einen krankhaften
Auswuchs gehalten, wofr namentlich auch die Thatsache spricht, da
der amerikanische Sonntagsbetbruder sich nicht im Geringsten genirt, am
folgenden Montage seinen Mitchristen auf die schndlichste Weise zu prellen
und zu bervortheilen. Trotz dem Zuschautragen religiser Gefhle und
Empfindungen glaube ich doch, da in Deutschland, obschon da vielfach
getanzt, musicirt und getrunken wird, eine tiefere Frmmigkeit zu finden
ist, als in New-York, wo man groentheils mit der Beobachtung der ueren
Formen zufriedengestellt ist. Ich kenne nur eine Tugend, welche aus diesem
scheinheiligen Treiben der Amerikaner hervorgegangen ist, nmlich ihr
Abscheu gegen das rohe Fluchen, Schwren und Schimpfen, welches man bei den
Deutschen leider so hufig findet. Auerhalb des Geschftslebens ist der
Amerikaner auch sehr wahrheitsliebend, und man kann ihn nicht empfindlicher
beleidigen, als wenn man ihn der Lge zeiht. Diese Injurie wird auch vom
Gesetze besonders strenge geahndet! Besonders anerkennend mu ich hier
bemerken, da sich der Amerikaner trotz der strengen Beobachtung uerer
Religiositt und seiner Anhnglichkeit an seinen Gottesdienst doch ganz
von den Vorurtheilen gegen Andersdenkende losgemacht hat und die Intoleranz
kaum dem Namen nach kennt. Am schnsten hat er dies im Jahre 1847 bei
Gelegenheit der Revision der Verfassung des Staates New-York bewiesen,
gem welcher man vor den Gerichtshfen dieses Staates den Eid in
beliebiger Form leisten kann, ohne da dessen Rechtsgltigkeit im
Geringsten angefochten werden kann. Vorurtheile, wie man sie in Europa und
namentlich in Deutschland gegen die Israeliten hegt, sind dem Amerikaner
vollkommen fremd; er macht keinen Unterschied zwischen Juden und Christen,
sondern achtet den am meisten, welcher seine Wrde als Mensch am besten zu
wahren versteht.

Hand in Hand mit ihrem ueren Frmmigkeitswesen gehen die ebenso
einseitigen Bestrebungen der Migkeitsprediger (Temperenzmnner), welche
ihren Fanatismus so weit treiben, da sie den Genu von Wein, Bier und
aller Art von Spirituosen gnzlich verbieten. Man sollte kaum glauben, da
fr eine solche Lehre viele Anhnger zu gewinnen wren; zu meinem grten
Erstaunen hat sie diese aber gerade in einem Stande gefunden, welcher
sonst die wenigste Neigung zur Migkeit hat und strkende Getrnke auch
am wenigsten entbehren kann, nmlich im Stande der Arbeiter. Die Grundstze
dieser Temperenzmnner haben eine unglaubliche Verbreitung gefunden, die
brigens leicht erklrlich wird, wenn man die rastlose Thtigkeit und die
unermdliche Agitation dieser Leute kennt. Sie sind gut organisirt und in
Logen eingetheilt, aus welchen zunchst ihre Propaganda hervorgeht, die
sich besonders Sonntag Nachmittags in der Nhe des Hafens sehr bemerkbar
macht. Irgend ein Mitglied, welches sich hinreichende Rednergabe zutraut,
die die Amerikaner berhaupt, an ffentliches Leben gewhnt, mehr oder
weniger besitzen, besteigt mitten in der Strae einen Tisch oder Stuhl
und hlt einen von dem heftigsten Geberdenspiele begleiteten Vortrag,
in welchem dem Zuhrer auf das bndigste bewiesen wird, da nur die
vollkommene Enthaltung von allen geistigen Getrnken den Menschen physisch
und moralisch gut erhalten knne, und selbst der migste Genu wegen des
verfhrerischen Reizes zur Ausschweifung gefhrlich sey. Eine Unmasse von
Trakttleins in allen Sprachen zhlt die grauenhaftesten Historien von
Gatten-, Kinder- und Vatermord und anderen haarstrubenden, im Zustande
der Trunkenheit verbten Verbrechen auf, um das Gemth des Lesers zu
erschttern und zur Aufnahme der Temperenzlehre geneigt zu machen.
Abscheulich gezeichnete Bilder, welche den Knstler mit Grauen erfllen,
sollen solche Scenen noch mehr versinnlichen, und mgen bei zur Schwrmerei
geneigten Naturen ihres Eindruckes auch nicht verfehlen.

Mehr aber, als alle Trakttlein und schlechten Reden der Temperenzmnner
hat die schlaue Berechnung ihnen Anhnger gewonnen, da sie nur solchen
Arbeitern einen Verdienst zuwenden, welche in ihren Migkeitsbund
eingetreten sind. Sie haben sogar eigene Dienstbotenbureaux errichtet, in
welchen Temperenzdienstboten gesucht werden, die sich ber ihre wirkliche
Mitgliedschaft frmlich ausweisen mssen. Ihre Lebensmittel kaufen sie nur
bei Temperenzmnnern, da die anderen Spezereihndler smmtlich Spirituosen
verkaufen und deren Waaren sonach nicht koscher sind.

Die unsinnige Lehre dieser Leute, welche dem Menschen selbst den
vernnftigsten und migsten Genu der edlen Gaben Gottes entzieht,
fhrt ebenfalls zur Heuchelei, zur Verstellung und zum Meineid; mancher
Temperenzmann, welcher beim Anblicke eines Glases Wein oder Bier
scheinheilig die Augen verdreht, hat zu Hause einen geheimen Schrank in
der Wand, in welchem Getrnke aller Art verborgen sind. Ein Deutscher, der
lngere Zeit in Boston gelebt hat, erzhlte mir, da er manchen vergngten
Abend mit Temperenzmnnern bei der Punschbowle zugebracht habe, von denen
Niemand erwartete, da sie ihre Satzungen bertreten wrden.

Dieser Unfug hat auch in New-York sehr um sich gegriffen; der
Migkeitsmann geniet aber dort, da er sich nicht ganz auf Wasser setzen
will, ein Wurzelbier von bitterem Geschmack, das s.g. ~root-beer~, welches
nicht berauscht. Den wenigsten Anklang hat diese Art von Enthaltsamkeit
bei den Matrosen gefunden, denen man brigens einige Sympathie fr einen
solchen Verein wnschen mchte.

Wie ich schon mitgetheilt habe, lebt der Amerikaner vorzglich seinem
huslichen Kreise, wehalb auch gemeiniglich seine Zimmer viel eleganter
und wohnlicher eingerichtet sind, als bei den Deutschen. Selten logiren in
einem Hause mehr als zwei Familien, da er Ruhe und Stille in seiner Wohnung
liebt, wenn er sich von dem Gerusche seines Geschftes zurckgezogen hat.
Er geht aber auch zuweilen in dieser Beziehung zu weit, da er hufig kein
Quartier an Leute vermiethet, welche kleine Kinder oder Hunde und Katzen
haben, weil er von ihnen Lrmen und Unreinlichkeit befrchtet.

Die Privatwohnungen sind smmtlich Tag und Nacht geschlossen, und mu man
erst durch das Ziehen einer Klingel seine Anwesenheit melden. Beim
Eintritt in die Hausflur fllt die durch bunte Fenster und bemalte Vorhnge
gedmpfte Beleuchtung auf, welche sonderbar gegen die auen herrschende
Tageshelle absticht. Eine hnliche Dmmerung findet man whrend der
Sommerzeit in den nach der Morgenseite liegenden Zimmern, da grne
Jalousieladen an allen Fenstern zum Schutze gegen die heibrennende Sonne
angebracht sind. Auf den Treppen liegen hbsche Teppiche (~carpets~),
welche man noch schner und geschmackvoller in den bewohnten Rumen findet,
die dadurch viel heimischer werden. Die Gemcher, wie das ganze Innere des
Hauses, sind entweder tapezirt, oder, was man noch hufiger trifft, mit
hellen Oelfarben gemalt, was einen sehr freundlichen Eindruck macht.
Auf letztere Einrichtung hat mehr die Nothwendigleit, als der Luxus
hingewiesen, da sich hinter den Tapeten im heien Sommer gerne Wanzen
ansetzen, welche sich in vielen Husern New-Yorks in fast unglaublicher
Anzahl eingenistet haben, um die Bewohner derselben bei Nacht auf das
Furchtbarste zu qulen. Auch die Muskitos[12] sind an den gemalten Wnden
eher zu entdecken.

  [12]: Die Muskitos sind in New-York schon sehr hufig, obschon sie
  dort noch nicht so lstig sind, wie weiter gegen Sden, namentlich in
  New-Orleans, wo ihre Stiche sogar Narben zurcklassen. Mir war es nicht
  mglich, ein Auge zu schlieen, wenn nur eine von diesen summenden
  Fliegen, welche nicht allein empfindlich stechen, sondern auch eine
  Anschwellung der getroffenen Theile veranlassen, im Zimmer war.
  Man kann sie leicht entfernt halten, wenn man beim Eintritt der
  Abenddmmerung zeitig die Fenster schliet. So lange Licht brennt,
  verhalten sie sich ruhig, wehalb man diese Zeit benutzt, sie zu
  vertilgen. In meiner ersten Wohnung mute ich regelmig jede Nacht
  eine Wanzen- und Muskitojagd abhalten.

Die Meubles sind geschmackvoll und elegant, und werden neuerdings in
New-York in groer Menge angefertigt, um als Handelsartikel in das Innere
des Landes zu gehen. Gegen die frheren Jahre fhrt man jetzt sehr wenige
mehr von Europa ein, was dem Lande ein bedeutendes Capital erhlt. Ein
Hauptmeubel der Amerikaner ist der beliebte Schaukelstuhl, welcher in
keinem Zimmer fehlen darf, und bei den rmeren Classen die Stelle des
Sophas vertritt. Sitz und Rcklehne dieser Art Grovatersessel sind stark
nach hinten geneigt, um den Stuhl leichter in Bewegung setzen zu
knnen, dessen Beine, wie bei einer Wiege, in starken gekrmmten Leisten
festgemacht sind. In diesem hlt die Frau ihre Siesta und bringt in ihm
auch wohl ihre meiste Zeit zu, wenn der Herr des Hauses ein reicher Mann
ist und ber eine schne runde Summe Dollars zu gebieten hat. Die reiche
Amerikanerin arbeitet durchschnittlich wenig oder gar nichts, sie kocht
nicht, sie nht nicht, sie strickt nicht, sondern sie putzt sich, geht
oder fhrt spazieren und besucht die reichen Modewaarenlager, um dem Herrn
Gemahl eine hbsche Rechnung auf's Comptoir schicken zu knnen, die er
bezahlen mu, wenn ihm auch zuweilen eine solche Post nicht sehr angenehm
ist. Sie geht nur im hchsten Staate, in seidenen Kleidern, theuren Shawls
und anderem kostspieligen Putze aus, versteht es aber nicht, sich so
geschmackvoll und elegant, wie die Franzsin, zu tragen, obschon ihr
Anzug manchmal zehnmal mehr kosten mag. Im eigentlichen Brger- und
Arbeiterstande sind die Verhltnisse freilich anders, denn dort ist auch
die Frau thtig, obschon sich auch diese in keiner Beziehung mit der
deutschen Hausfrau messen darf.

Die Frauen genieen in Amerika manche Rechte, von denen sie fleiig
Gebrauch machen. Vor Allem haben sich junge Leute, namentlich wenn sie ein
eigenes Geschft oder sonst Vermgen haben, sehr in Acht zu nehmen, mit
Mdchen viel zu verkehren, welche sie nicht heirathen wollen, da diese
oft aus einer auch nur oberflchlichen Bekanntschaft Heirathsansprche
herleiten. Namentlich mge sich jeder Mann vor einem Eheversprechen etc.
hten, da er ohne Gnade die klagende Frauensperson heirathen mu. Nur durch
die Flucht in einen anderen Staat kann er den Ehefesseln entgehen und seine
Freiheit erhalten. Namentlich stehen die Irlnderinnen bei den Deutschen
in Beziehung auf diesem Punkt in einem schlechten Renomme, und Viele gehen
ihnen schon von Weitem aus dem Wege. Eine bessere Einrichtung ist die, da
der Mann seine Frau nicht zchtigen und mihandeln darf, sollte er auch zur
Strafe die gegrndetste Veranlassung haben. Trotz des gesetzlichen Verbotes
kommt doch in den weniger gebildeten Stnden zuweilen ein solcher Fall vor,
welcher dann die Inhaftirung des Herrn Gemahls zur Folge hat. Jedoch wird
dieser nach kurzem Arrest gewhnlich von der zrtlichen Ehefrau selbst
wieder zurckgeholt, da es diese ohne ihn in der Einsamkeit des Hauses
nicht mehr aushalten kann, und bei lngerem Sitzen die Familie ohne
Ernhrer seyn wrde.

Dem einwandernden Deutschen fllt aber besonders auf, da der Ehemann
mit dem Korbe am Arm auf den Markt geht, um Fleisch, Eier, Kartoffeln und
andere in einem Haushalten nothwendige Dinge einzukaufen; die Deutschen
haben zum Theil diesen Gebrauch ebenfalls angenommen, da wegen allzu
hohen Lohnes die kleineren Familien keine Dienstboten annehmen knnen;
andererseits wollen freilich wieder Viele behaupten, da zu einem solchen
Geschfte sich nur ein Mann hergben knne, welchen seine Frau unter ihren
Scepter, d.h. unter den Pantoffel gebeugt habe. Am wenigsten will aber
unseren Landsleuten gefallen, da sich die amerikanischen Frauen das
Rauchen verbitten; ja viele gehen so weit, da sich der Mann nicht einmal
in seiner eigenen Behausung eine Cigarre anstecken darf. Hufig wurde
ein Deutscher, welcher eine Amerikanerin geheirathet hatte, in deutscher
Gesellschaft geneckt, da er sich einem solchen Befehle seiner Frau gefgt
habe, welche sich am ersten Tage der Flitterwochen das Rauchen in _ihrem_
Hause energisch verbat. Fr diese Entbehrung sucht sich der Amerikaner auf
eine andere, weniger angenehme Weise zu entschdigen, er -- kaut Tabak.
Diese ekelhafte Sitte ist in New-York sehr allgemein; aber je nher man
den eigentlichen Tabaklndern kommt, je hufiger wird diese unappetitliche
Gewohnheit.




Neunzehntes Capitel.

Die Kche der Amerikaner. Der Neujahrs- und der Valentinestag. Ihre
Gastfreundschaft.


Wir haben die Migkeit bereits als eine Tugend der Amerikaner kennen
gelernt, welche sie bei dem Genusse der Speisen ebenso, wie bei dem der
Getrnke beobachten. Ihr Tisch ist immer mit verschiedenen Gerichten
besetzt, doch erscheinen sie trotz ihrer Anzahl dem Deutschen manchmal
gar zu sehr ~en miniature~ aufgetragen. Das Frhstck besteht aus Kaffee,
Butter, Brod, Fleisch und Eierspeisen, das Mittagsmahl aus verschiedenen
Sorten Fleisch mit Salat, Mehlspeisen, Kartoffeln und Gemse. Letzteres
wird von ihnen in einer Weise bereitet, welche dem deutschen Magen nicht
genehm ist, da dasselbe, einfach mit kochendem Wasser angebrht, auf die
Tafel gebracht wird. Jeder richtet es sich nach seinem Geschmacke zu, indem
er es mit Salz, scharfen Gewrzen, unter denen der spanische Pfeffer eine
Hauptrolle spielt, Essig und Oel in eine Art Salat umwandelt, der mir im
Innersten zuwider war. Abends gibt es auer dem nie fehlenden Fleische
stets Thee und Butterbrod, welches sie ebenso knstlich und niedlich zu
schneiden verstehen, wie die Norddeutschen ihre Butterbemmen. Eigenthmlich
ist es, da der Amerikaner eine Lieblingsspeise der Deutschen -- das so
hoch gepriesene Sauerkraut -- frmlich verabscheut, wie er berhaupt die
Gemse nicht liebt, wenn sie nach unserer Weise zubereitet sind. Er geniet
auch weniger die Sorte Kartoffeln, welche wir in Deutschland haben, sondern
eine andere, meines Wissens in Europa gnzlich unbekannte, welche in der
Form unseren sogenannten Musen gleicht, an den Enden jedoch ganz spitz
ausluft, sehr mehlreich ist und einen ganz sen Geschmack hat. Ich
kenne jedoch nur wenige Deutsche, welchen sie zusagte. Die von uns so sehr
geliebte Suppe wird von ihnen uerst selten genossen.

Die Lieblingsspeisen der Amerikaner sind ~beefsteak~, ~roast-beef~,
Schinken mit Eier und Geflgel; letzteres wird besonders in ungeheurer
Menge consumirt. Der Truthahn und die Gans haben von dem Federvieh den
Vorzug, obschon der deutsche Gaumen manchmal sehr empfindlich berhrt wird,
wenn er eine Gans zu schmecken bekommt, welche whrend ihrer Zeitlichkeit
mit kleinen von der See ausgesplten Fischen gefttert wurde, wodurch sie
einen thranigen Geschmack bekommt. Auerdem sind noch Seefische und Austern
sehr von ihnen geliebt.

Der Deutsche hat sich nicht von seiner vaterlndischen Kche losgesagt,
jedoch von der amerikanischen das angenommen, was ihm zusagte, wehalb sein
Tisch ohnstreitig besser ist.

So enthaltsam und mig die Amerikaner sind, so haben sie doch auch einen
Tag im Jahr, wo sie sich ausnahmsweise den Freuden der Tafel hingeben. Es
ist dies der erste Januar, den sie auf eine eigenthmliche Weise feiern.
Whrend in Deutschland das Neujahrgratuliren als etwas Lstiges immer mehr
in Abnahme kommt, ist es dort so allgemein im Brauch, da nicht allein alle
Freunde und Bekannte sich Glck zum neuen Jahre wnschen, sondern selbst
der Maire an diesem Tage eine Gratulations-Audienz von 11 bis 2Uhr im
Stadthause ertheilt, zu der sich Tausende von Menschen drngen. Diese
empfngt er stehend in seinem Bureau, in welches der Reihe nach die Brger
eintreten, ihm ohne Ausnahme die Hand reichen und ihm einfach mit den
Worten: ~I wish You a happy new year Sir!~[13] ihre Glckwnsche
darbringen, worauf er dankend erwidert: ~I thank You Sir!~[14] Von
einem lngeren Gesprche mit ihm kann keine Rede seyn, da eine groe
Menschenmenge bereits darauf wartet, ihn ebenfalls zu begren. Nach
stattgefundener Gratulation, die nicht lnger als zwei Sekunden whrt,
tritt man in ein Nebenzimmer ab, in welchem Limonade und Gebackenes
gereicht wird, was jedoch nur die Wenigsten annehmen.

  [13]: Ich wnsche Ihnen ein glckliches neues Jahr!

  [14]: Ich danke Ihnen mein Herr!

In den Familien sind an diesem Tage die Tische mit Speisen und Getrnken
reich besetzt und Jeder, der sich einfindet, ist willkommen. Niemand wartet
eine Einladung zum Zulangen ab, sondern versieht sich ohne weitere Umstnde
mit dem, was ihm zusagt. Am Neujahre wird auch ein Ruschchen entschuldigt,
da der herumwandernde Neujahrwnscher berall ein Glas trinken mu; selbst
den Damen sagt man nach, da sie diesem Tag zu Ehren sich bereden lassen,
Etwas mehr wie gewhnlich von den gefllten Glsern zu nippen.

Auer dem ersten Januar gibt auch der Valentinestag Veranlassung zu
netten Witzen. Es ist nmlich an diesem Tage Sitte, Bekannten und Freunden
sogenannte Valentines zu schicken, welche aus Bildern der verschiedensten
Art mit geschriebenen oder gedruckten Reimen und Gedichten bestehen. Das
Scherzhafte liegt besonders darin, da sie anonym einlaufen und dehalb
der wirkliche Absender oft gar nicht errathen wird. Die Bilder enthalten
Anspielungen, Carricaturen, Neckereien u.s.w. und werden in unglaublicher
Anzahl durch die Stadtpost versandt. Es giebt eigene Valentines-Fabriken,
welche hbsche Geschfte mit diesem Artikel machen, da man sie von drei
Cent bis zu mehreren Dollars haben kann. Reiche Amerikaner haben schon
Valentines anfertigen lassen, welche 50 Dollars kosteten. Hbsche Mdchen
werden besonders damit bedacht, und manche Schnheit hat eine Sammlung
solcher anonymer Zusendungen angelegt, welche ein niedliches und
geschmackvolles Album voll guter Zeichnungen und Gedichte bildet. So
angenehm die Ueberraschung durch einen originellen Valentine ist, so haben
doch leider auch Ha, Neid, Migunst und andere niedrige Leidenschaften
diesen Tag und diese Sitte bentzt, um unter der Maske des Witzes
verwundende Pfeile abzuschieen. Ich kann mich des traurigen Falles
erinnern, da sich ein braves Mdchen in New-York wegen eines gemeinen
Valentines das Leben nahm.

Eine Haupttugend der Amerikaner verdient beim Schlusse der Schilderung
ihres Lebens und ihrer Sitten noch ehrenvolle Erwhnung, nmlich ihre
Gastfreundschaft. Es ist nicht leicht, in einer gebildeten amerikanischen
Familie Zutritt zu erhalten und als Hausfreund angenommen zu werden; hat
aber einmal Jemand ihr Zutrauen gewonnen, so schenken sie es ihm auch ganz
und machen nicht den strengen Unterschied zwischen dem jngeren und dem
reiferen Alter, wie man in Deutschland zu thun pflegt. Dieses mag zunchst
dem Umstand zuzuschreiben seyn, da bei ihnen mit dem 21sten Jahre bereits
die vollstndige politische Mndigkeit eintritt, welche dem Jnglinge schon
die wichtigsten brgerlichen Rechte verleiht. Dem Hausfreund gegenber
fllt die Ettiquette, und Niemand findet es anstig, wenn ein junger Mann
die Tochter des Hauses Abends ohne weitere Begleitung in's Theater, auf
Blle oder Promenaden fhrt.




Zwanzigstes Capitel.

Die New-Yorker Presse.


Zur Befestigung der amerikanischen Institutionen hat in besonders hohem
Grade die Presse beigetragen, wehalb ich ihrer auch einige Erwhnung thun
mu. Sie bt einen um so greren Einflu auf das Volk, als ihr von jeher
die berhmtesten und patriotischsten Staatsmnner ihre Krfte gewidmet
haben, damit den Lesern auer der vielen mittelmigen Kost auch eine
gediegene gereicht werde.

In keiner Stadt der Union hat sie sich zu einer so hohen Bedeutung und zu
einem solchen Einflusse emporgeschwungen, wie in New-York, wehalb auch
eine jede nur einigermaen Lebenskrftigkeit besitzende Partei dort
ein Organ hat. Die Journale New-Yorks entsprechen aber auch allen den
Anforderungen, welche man an sie vermge der Gre, Bedeutung und Bildung
der Stadt stellen kann, es erscheinen nicht allein politische, sondern auch
wissenschaftliche, belletristische, musikalische und gewerbliche Bltter;
nicht verkennen lt sich jedoch, da zu dieser Entwickelung der Presse der
Handel und der groe Verkehr in New-York unendlich viel beigetragen hat;
um Beide zu heben, baute man die weiten Eisenbahnstrecken, Canle und
Telegraphenlinien, durch deren Herstellung die kaum glaubliche Thatsache
mglich geworden ist, an jedem Tage in New-York Nachrichten aus allen
Theilen der Union in der Art zu erhalten, da alle Ereignisse und die
Marktpreise von New-Orleans, St.Louis und Buffalo wenige Stunden nach
ihrem Bekanntwerden in den genannten Stdten auch schon dem New-Yorker
Publikum durch die Presse mitgetheilt werden knnen. Durch diese ungeheure
Schnelligkeit der Communication ist auch das allgemeine Interesse viel
lebendiger und der Absatz beliebter Bltter ungleich grer, als in
Deutschland, whrend die Redactionen auf der anderen Seite wieder in den
Stand gesetzt sind, einen billigen Preis zu stellen. Die Sonne[15] zieht
eine tgliche Auflage von 60,000 und der Herald eine von 40,000 Exempl. ab.

  [15]: ~The Sun.~

Die Morgenzeitungen bringen noch alle die Nachrichten, welche bis 3Uhr in
der Frhe einlaufen; erst in dieser Stunde wird der Satz geschlossen und
der Druck begonnen. Um 7Uhr haben die meisten Abonnenten in der Stadt
ihre Bltter schon unter der Hausthre liegen, da zu dieser Zeit noch
smmtliche Wohnungen und alle Verkaufslokale geschlossen sind. In den
Geschftsstraen, die sich erst um 7Uhr beleben, da in ihnen Niemand
wohnt, liegen bei trockenem Wetter vor manchem Hause 20-30 Bltter, ohne
da der Subscribent eine Entwendung zu befrchten htte.

Jedes Journal druckt tglich mehrere Tausend Exemplare ber die
Abonnentenzahl, welche grtentheils von Zeitungsjungen in den Straen, an
der Brse, an den Landungspltzen der Dampfschiffe und an den Eisenbahnen
verkauft werden. Zu dem groen Absatz der New-Yorker Bltter trgt
besonders der Umstand bei, da der Leser mit dem Beginne des Abonnements
an keine bestimmte Zeit gebunden ist, indem die Zeitungstrger jeden Montag
ihr Geld fr das in der vergangenen Woche gebrachte Journal abholen. Fr
minderbemittelte Leser, welche eine grere Ausgabe scheuen mssen, ist
dies eine sehr groe Erleichterung.

Auer den in englischer Sprache gedruckten Blttern erscheinen in deutscher
die New-Yorker Staatszeitung, die New-Yorker Schnellpost und der New-Yorker
Demokrat mit einem Sonntagsblatte, und in franzsischer der ~Courier des
Etats unis~, welcher von der Regierung Louis Philipps Untersttzung erhielt
und dafr oft in nicht sehr wrdiger Weise die Interessen der Dynastie
Orleans vertrat. Mit der Februarrevolution nderte er Redaction und Farbe.
Kurze Zeit erschien auch ein Blatt fr die Scandinavier; es mute aber
wegen Mangel an Theilnahme zu erscheinen aufhren.

Die Stimme des Staates New-York fllt bei der Entscheidung politischer
Kmpfe schwer in die Wagschaale. Es haben daher die Demokraten und die
Whigs von jeher alle ihre Krfte aufgeboten, die Stadt und den Staat fr
ihre Ansichten zu gewinnen. Beide erkannten nur zu gut, da sie sich keines
besseren Agitationsmittel bedienen konnten, als der Presse, und sie sorgten
daher fr die Grndung von Parteijournalen, welche sich fast durchgngig
mit der Errterung politischer Parteigrundstze und der Kritik der
Regierungsmaregeln beschftigen. Im Sinne der Demokraten schreiben ~the
true Sun~, ~the Globe~ und die unter der Redaction des Dichters Bryant
erscheinende ~Evening-Post~[16]. Die schon oben erwhnte ~Sun~ neigt
sich ebenfalls der Demokratie zu, obschon sie fast in jeder ihrer Spalten
versichert, da sie ein unpartheiisches und unabhngiges Blatt sey. Die
Interessen der Whigs werden mehr oder wenig von der ~New-York Tribune~, dem
~Courier and Inquirer~ und dem ~Express~ vertreten.

  [16]: Die wahre Sonne, die Erdkugel und die Abendpost.

Als wahrhaft unabhngiges[17] und dehalb von allen Parteien sehr
geschtztes Blatt ist der ~New-York Herald~ auch im Auslande rhmlichst
bekannt, und die meisten deutschen Artikel ber Amerika sind wohl aus
ihm bersetzt. Er liefert auch die politischen Neuigkeiten am raschesten,
ausfhrlichsten und zuverlssigsten und wurde dem gebildeten Leser schon
dehalb unentbehrlich, weil er das einzige politische Sonntagsblatt ist.
Von den Einwanderern wird er besonders geschtzt, da er Correspondenten in
allen bedeutenden Stdten Europas hat. Der Eigenthmer dieses Journals,
Mr. Gordon Bennet, lt seit der Grndung der franzsischen
Dampfschifffahrtslinie von Cherbourg nach New-York auch eine franzsische
Ausgabe seines Blattes fr Frankreich besorgen, welche von Freunden dieser
Sprache auch zahlreich in New-York gekauft wird.

  [17]: Nur bei der letzten Prsidentenwahl kmpfte er fr die Candidatur
  des General Taylor.

~The Sun~ und ~the Herald~ liefern bei der Ankunft eines jeden
Dampfschiffes von Europa Extrabltter. Diese werden immer zahlreich
gekauft und werfen daher guten Gewinn ab; denn treffen auch keine wichtigen
politischen Neuigkeiten ein, so kommen doch Handelsnachrichten an, welche
ber Gewinn und Verlust entscheiden und von dem Amerikaner mit
grter Spannung erwartet werden. Die Zeitungsjungen machen mit diesen
Extrablttern gute Geschfte, zumal sie so klug sind, im Moment der ersten
Spannung um 100 Prozent mit ihrem Artikel aufzuschlagen; auch wissen sie
sehr gut auf die Neugierde ihrer Leser zu speculiren, indem sie Schlachten
ausrufen, die nie geschlagen wurden, und berhaupt auf Ereignisse
aufmerksam machen, von denen auer diesen Jungen keine sterbliche Seele
Etwas wei.

Lngere Zeit erschien in New-York der ~Yankee-Doodle~, ein politisches
Witzblatt mit Holzschnitten nach Art des Londoner Punch. Demselben war aber
bald der Witz und mit ihm die Abonnenten ausgegangen. Ueberhaupt ist der
Amerikaner sehr schwach in der Kunst, seinen Gegner durch feinen Spott zu
schlagen; auch fehlt ihm die Gewandtheit in der Zeichnung und die Manier
der knstlerischen Behandlung, welche bei politischen Thematen oft mehr
anzieht, als ein piquanter und sarkastischer Text.

Ein eigenthmliches Blatt ist der Bruder Jonathan[18]. Er erscheint nur
zweimal des Jahres, nmlich zu Weihnachten und am 4ten Juli, und ist
auf einen Bogen von solcher Gre gedruckt, da man ganz bequem einen
sechsjhrigen Jungen in denselben einwickeln kann, ohne da Kopf und Fu
mehr sichtbar ist. Eine ziemliche Anzahl Holzschnitte zieren ihn, welche
zum Theil von einer ungewhnlichen Gre sind. Das Blatt ist typographisch
schn ausgestattet, und wird zahlreich gekauft, um Geschenke damit zu
machen. Eine Nummer kostet 1 Schilling[19].

  [18]: Bruder Jonathan ist der Nationalname des Amerikaners, wie John
  Bull der des Englnders und Michel der des Deutschen.

  [19]: 18 kr. 3 pf. oder 5 Ngr. 4 pf.

Im Jahre 1848 wurde die erste musikalische Zeitung in New-York unter dem
Titel: ~The musical Times~ herausgegeben. Die bedeutendsten Mitarbeiter
sind durchgngig Deutsche, ohne deren Untersttzung die Unternehmung gar
nicht in's Leben htte treten knnen. Der belletristische Theil des
Blattes besteht fast einzig und allein aus Uebersetzungen deutscher und
franzsischer Novellen.

Als Literaturblatt ist der ~Harbinger~[20], welcher von den Gebildeten
hufig gelesen wird, nicht ohne Werth. Er enthlt philosophische,
sthetische und andere wissenschaftliche Aufstze, theilt Gedichte
besserer Gattung und Auszge aus guten prosaischen Werken mit und gibt
eine kritische Uebersicht ber die Producte der amerikanischen Literatur.
Gediegene Redaction und schne Ausstattung empfehlen dieses Blatt, welches
in seiner Art noch ziemlich das einzige im Staate New-York seyn drfte.

  [20]: Der Vorlufer.




Einundzwanzigstes Capitel.

Kunst. Theater. Musik.


Durch die Presse ist auch in dem Volke das Verlangen nach geistigen
Genssen erweckt worden. In die erste Classe ist in dieser Beziehung
Theater und Musik zu stellen, die sich seit den letzten zehn Jahren in
New-York einer besonderen Pflege erfreuen und ein lebendiges Zeugni
abgeben, da die Bildung im Fortschreiten begriffen ist. Auf ihre
Leistungen in der Malerei und der Bildhauerei lt sich dieses Lob freilich
nicht anwenden, da sie mit wenigen Ausnahmen in ersterem Fache noch viel zu
sehr an die Entstehungsperiode der Kunst erinnern, und die Sculptur nur von
eingewanderten Deutschen, Franzosen und Italienern betrieben wird. Es hat
sich in New-York zwar ein Kunstverein mit einer Kunstausstellung gebildet;
die eingebornen Amerikaner haben aber bis jetzt noch wenig Werthvolles
eingeliefert. In der Architectur dagegen haben sie erstaunliche
Fortschritte gemacht; die Brse, die ~Tombs~[21], das ~Customhouse~[22],
das Wasserreservoir, die herrliche Wasserleitung und andere colossale
Bauten werden gewi den Beifall und die Bewunderung sachverstndiger Mnner
erhalten.

  [21]: Der im egyptischen Style gebaute Gerichtshof, mit welchem eine
  bedeutende Anzahl Zellengefngnisse in Verbindung steht.

  [22]: Zollhaus.

Die New-Yorker haben eine groe Vorliebe fr den Theaterbesuch. Es fehlt
daher nicht an besseren und geringeren Vorstellungen von Schau-
und Lustspielen und Opern. Wirklich gute Productionen findet man im
Park-Theater, da in demselben hufig berhmte englische Mimen auftreten;
im Jahre 1847 gab dort der Englnder Kean die schnsten Characterbilder
Shakespeares; berhaupt hat sich dieses Theater den Ruf einer dramatischen
Gediegenheit erworben. Fr bessere Lustspiele ist das Broadway-Theater
da, welches erst vor zwei Jahren erbaut wurde; das eigene Volkstheater,
in welchem Spektakelstcke und populaire und nationale Ereignisse auf die
Bhne gebracht werden, ist das Bowerytheater. Es erfreut sich eines sehr
zahlreichen Besuches, da der Unternehmer bestndig gute und beliebte
Schauspieler engagirt hat und keine Kosten scheut. Viel Vergngen bereitete
mir in demselben die Auffhrung von Schillers Rubern, welche ziemlich
gelungen in's Englische bertragen und recht brav in Scene gesetzt waren.
Fr die niedere Komik und den Volkswitz gibt es ebenfalls einige Bhnen.

Freunde der Opernmusik sind auf die italienische Oper angewiesen. Um sie
wrdig zu placiren, baute die New-Yorker Noblesse ein eigenes Opernhaus
am Ende des Broadway. In diesem Musensitz wollten sie auch einen
besonders feinen Ton und die Pracht der Mode nach Londoner und Pariser
Art einheimisch machen, und es mute, um diesen Endzweck zu erreichen,
der Theatercomit die Einrichtung treffen, da nur Gentlemans in schwarzem
Fracke und Ladys in Herrenbegleitung der Zutritt gestattet wurde, was den
bsen Uebelstand zur Folge hatte, da ganz anstndig gekleidete Leute am
Eingange abgewiesen wurden. Dies hie aber in ein gewaltiges Wespennest
stieren! Die ganze New-Yorker Presse und vor allen Blttern der Herald zog
ganz unbarmherzig gegen die Geldaristokratie zu Felde, welche es gewagt
hatte, dem Volke eine besondere Kleidung bei dem Genusse von Vergngungen,
die ihm sein gutes Geld kosteten, vorzuschreiben und die republikanische
Einfachheit, wie die persnliche Freiheit eines jeden Einzelnen in einer
solchen Weise anzugreifen. Man warnte vor dem Besuche eines solchen
Theaters, nannte die Snger die traurigsten Stmper und brachte das ganze
Unternehmen in einen solchen Mikredit, da es ohnfehlbar gescheitert wre,
wenn der Theatercomit nicht die unglckliche Frackidee aufgegeben htte.
Ein betheiligter reicher Kaufmann machte aus lauter Verdru ber das
Geschrei der Presse den Versuch, den Eigenthmer des Herald mit 200
Dollars zum Schweigen zu bringen; am anderen Tage aber fand er seinen Brief
wrtlich auf der ersten Spalte des Herald in einer schwarzen Einfassung
abgedruckt; auerdem war noch die malitise Bemerkung beigefgt, da sich
der Maire der Stadt in einem Handbillete bei dem Herrn Bennet im Namen des
stdtischen Armenhauses fr die Schenkung von 200 Dollars bedankt habe,
welche zur Bestechung der Presse htten dienen sollen.

In New-York fehlt es auch nicht an zwei deutschen Theatern; leider aber
haben es unsere Landsleute noch nicht zu dem Besitze eines wrdigen
Kunsttempels bringen knnen. Die Schuld liegt freilich grtentheils an den
deutschen Schauspielern selbst, welche bis auf einige Wenige so viel wie
nichts leisten. Sie sind dehalb gezwungen gewesen, ihre Bretter, die aber
nichts weniger, als die Welt bedeuten, in groen Slen aufzuschlagen. Die
Dekorationen, wie die ganze Ausstattung machen einen ziemlich klglichen
Eindruck; von Maschinerie ist gar keine Rede, und die Anziehungskraft
auf das Publikum wrde sich wohl auf Null reduciren, wenn nicht nach
dem Schlusse der Vorstellungen noch Ball wre, an dem jeder Zuschauer
unentgeldlich Theil nehmen kann.

Beide Unternehmungen sind von Gastwirthen ausgegangen, denen es natrlich
mehr um den Absatz von Speisen und Getrnken, als um Hebung der Kunst zu
thun ist.

Fr musikalische Gensse sorgt der philharmonische Verein. Er hat viele
Mitglieder und die nthigen Mittel, um grere Musikwerke zur Ausfhrung
bringen zu knnen; der hohe jhrliche Beitrag macht aber den Eintritt in
diese Gesellschaft Vielen unmglich.

Die besten Musiker in New-York sind ohnstreitig die deutschen und werden
auch als solche von den Amerikanern anerkannt. Ihre Vortrge sind freilich
auch werthvoller, als die der Eingebornen, welche die Harmonie der
Tne theilweise noch mit der Trommel, der Sackpfeife und dem Dudelsack
hervorbringen wollen. Dessen ohngeachtet sind sie groe Freunde der Musik
und in jeder nur einigermaen bemittelten Familie wird man ein Fortepiano
finden, wodurch die Fabrikation dieser Instrumente in New-York selbst einen
erstaunlichen Aufschwung erhalten hat.

Deutsche Musiker knnen in Amerika guten Verdienst finden, wenn sie etwas
Tchtiges zu leisten im Stande sind. An Stmpern jedoch ist kein Mangel.

Im verflossenen Jahre kam eine Gesellschaft Steiermrker nach Amerika, um
sich in den bedeutendsten Stdten der Union hren zu lassen. Ihr erstes
Auftreten in Boston wurde von einem auerordentlichen Erfolge begleitet, da
in der That jedes Mitglied Virtuos auf seinem Instrumente war. In
New-York machten ihre Leistungen ein solches Aufsehen, da sie dort schon
Einladungen nach Baltimore, Washington und New-Orleans erhielten. Von
letzterer Stadt giengen sie nach der Havanna. Ihre Geschfte mssen
sehr eintrglich gewesen seyn, wie berhaupt noch kein Knstler Amerika
unbefriedigt verlassen haben wird, da ihr Sckel sich dort gewi eher
fllte, als in den meisten europischen Stdten. Fanny Elsler, Ole Bull,
Sivori, Leopold Meyer und Andere werden davon gewi vollgltige Beweise
abgeben knnen. Die von ihnen gegebenen Vorstellungen und Concerte waren
smmtlich zahlreich besucht, und ist auch nicht zu verkennen, da sie
bedeutende Auslagen zu bestreiten hatten, so standen sie gewi jedesmal mit
ihrer Einnahme im Verhltni, da man in New-York zu keinem Concert unter
einem Dollar ein Billet erhalten kann.




Zweiundzwanzigstes Capitel.

Lasterhhlen. ~Washington-Street~. Die ~Five-Points~. Die Hinrichtungen.


Groe Verdienste um die Hebung der Moralitt und Sittlichkeit hat sich
ohnstreitig die Presse erworben, obschon in dieser Beziehung noch viel zu
wnschen brig bleibt. Bei dem ungeheuren Verkehre und dem ewigen Gehen und
Kommen von Schiffen und von Reisenden aus allen Welttheilen mssen sich
um so mehr auch unlautere Elemente einfinden, als der Eintritt in das Land
keiner polizeilichen Controle unterworfen werden kann, da das Pawesen eine
total unbekannte Gre in den Vereinigten Staaten ist. Diese Einrichtung
hat sich besonders des Beifalls der deutschen Handwerksburschen zu
erfreuen, welche froh sind, da sie von dem Visirenlassen der Wanderbcher
befreit sind.

Es ist eine immer wiederkehrende und leicht erklrliche Erscheinung, da
Verbrechen und Laster aller Art ihren Hauptsitz in den groen Stdten
aufgeschlagen haben; hat man dies schon im Binnenlande zu beklagen, so
ist dies wo mglich in noch vergrertem Mastabe in den Hafenstdten zu
finden, in welchen tglich Tausende von Fremden zusammenstrmen. Man darf
daher auch nicht erwarten, da New-York eine Ausnahme von der Regel macht
und ich es als ein Muster der Sittenreinheit hinstellen kann; man findet
auch in dieser Stadt neben der Tugend, Frmmigkeit und Redlichkeit die
tiefste Immoralitt und neben dem guten Tone und der Bildung die grbste
Unwissenheit und die furchtbarste Rohheit. New-York hat ebensogut, als
London, Paris, Wien und Berlin seine Lasterhhlen und seine verrufenen
Gassen, in welchen das Verbrechen und die Schande haust. Man thut wohl
daran, bei Nacht solche Orte zu meiden, da dort trotz aller Aufsicht
verworfenes Gesindel sich niedergelassen hat, welches selbst den Mord nicht
scheut, wenn es ihm Beute verschafft. New-York hat so gut seinen Stoff zu
Mysterien geliefert, wie jede andere Stadt.

Es macht einen im hchsten Grade widrigen Eindruck, da gerade eine der
schnsten Straen in der Nhe des Hafens, in welcher Nachts betrunkene
Matrosen und andere gefhrliche Individuen umherstreifen, den Namen
Washingtons trgt. Man thut immer wohl, wenn man ihnen im Falle des
Begegnens weit aus dem Wege geht.

In den Kellern der ~Washington-Street~ hrt man jeden Abend kreischende
Musik, nach welcher sich Matrosen und schlechte Dirnen drehen, die durch
zudringliche und ekelhafte Geberden die Vorbergehenden zum Eintritt zu
bewegen suchen. Kaum vergeht eine Nacht, in welcher dort nicht durch die
Seeleute die schrecklichsten Schlgereien entstehen. Diese endigen nur zu
oft mit Mord und Todtschlag, da diese rohe und schonungslose Classe von
Menschen nach langer Entbehrung[23] sich ohne Rcksicht auf Gesundheit
und Anstand allen Ausschweifungen hingibt und von dem Genusse starken
Brandweins gemeiniglich so trunken werden, da sie sich mit dem Messer in
der Faust anfallen.

  [23]: Den Matrosen auf amerikanischen Schiffen werden zur See
  keine spirituosen Getrnke verabreicht. Sie erhalten Morgens eine
  hinreichende Quantitt guten schwarzen Kaffee mit Fleisch und
  Kartoffeln, Mittags eine gute krftige Kost und Abends Thee nebst einer
  guten Beispeise, aber weder Bier, Wein noch Schnapps. Den Passagieren
  ist bei Strafe der Confiscation ihrer Getrnke strenge verboten, an die
  Matrosen Etwas abzugeben. Diese Bestimmung ist auch sehr nothwendig,
  da die meisten Matrosen weder Ziel noch Ma im Genu der strksten
  geistigen Getrnke kennen. Ihr Dienst erfordert eine bestndige
  Nchternheit, da sie whrend eines Sturmes oft smmtlich Dienst thun
  mssen und ihnen in einem solchen Falle oft Hunderte von Menschenleben
  anvertraut sind. Fr diese Entsagung entschdigen sie sich nach
  der Landung in so reichem Mae, da sie in wenigen Tagen einen
  sechswchentlichen sauer ersparten Lohn durchbringen.

Ein sehr betrchtliches Contingent zu diesem Auswurfe liefert die Rae der
Neger. Diese sind jedoch weniger zurechnungsfhig, da sie groentheils
ohne allen Unterricht und ohne alle Erziehung aufwuchsen. Auer der
~Washington-Street~ haben sie besonders ihr Hauptquartier in den
~Five-Points~ aufgeschlagen. Die ~Five-Points~ sind fnf Straen, welche
von einem in der Mitte liegenden Platze strahlenfrmig ausgehen und in
einem wahrhaft frchterlichen Renome stehen. Viele Menschen wagen nicht
einmal whrend der Tageszeit durch diesen Theil der Stadt zu gehen, welcher
gleich neben dem Broadway und hinter der City-Hall, also in der belebtesten
Gegend beginnt. Das Aeuere der Gebude gibt schon einen deutlichen
Begriff von ihren Bewohnern. Alle Huser haben unter dem Erdgeschosse noch
Kellerwohnungen (~basements~), in welchen sich Kneipen befinden, die
von einem Ekel und Grauen erregenden Publikum besucht werden. Schmutzige
Negerdirnen von jedem Alter mit herabhngenden dicken Lippen und einer
oft an's Phantastische streifenden Kleidung, betrunkene Matrosen und
der Auswurf der Menschheit vergngen sich hier. Wehe Dem, der sich ohne
gengenden Schutz in diese Hhlen hinabwagt; Derjenige, welcher Geld sehen
lt, ist in der grten Gefahr, ausgeplndert, ja ermordet zu werden.

Mitten in den ~Five-Points~ steht ein unter dem Namen Brauhaus in der
ganzen Stadt bekanntes und gefrchtetes Gebude. In demselben wohnen gegen
100 Personen, welche alle mehr oder minder gefhrliche Subjekte sind,
von denen man sich theilweise die schauderhaftesten Dinge erzhlt. Zur
Ueberwachung dieses Hauses, wie der ~Five-Points~ ist eine namhafte Anzahl
Constabler aufgestellt, welche tglich Arrestationen in dieser gefhrlichen
Gegend vornehmen. Schon vor mehreren Jahren wurde im New-Yorker Stadtrathe
ein Plan entworfen, diesen ganzen Stadttheil von Grund aus niederzureien
und an dessen Stelle neue und schne Gebude setzen zu lassen, um die
gefhrlichen Bewohner desselben aus den bevlkertsten Distrikten zu
verdrngen und sie dadurch fr die Gesellschaft minder gefhrlich zu
machen.

Es ist ein sonderbares Zusammentreffen, da die ~Tombs~ gerade ganz in der
Nhe der ~Five-Points~ sich erheben. Dieses Gebude macht einen tiefen
und ergreifenden Eindruck auf Jedermann durch den Ernst und den Charakter
seines Styles; aber gerade Diejenigen, fr die es gebaut ist, leben kaum
100 Schritte von ihm entfernt in grter Sorglosigkeit. Dies ist um so
bemerkenswerther, als in dem Hofe der ~Tombs~ die Hinrichtungen vorgenommen
werden. Mancher Verbrecher hat seine grliche That fast im Angesichte der
Richtsttte begangen, ohne zu bedenken, da er dort den Lohn seiner Thaten
finden wird und ohne von der drohenden Todesstrafe von seinem Beginnen
abgeschreckt zu werden.

Die Hinrichtungen in Amerika geschehen mit dem Strange; man gibt ihnen aber
dort keine so groe Oeffentlichkeit, wie in Europa, sondern gestattet nur
Journalisten und solchen Personen Zutritt, welche mit Karten versehen
sind. In neuerer Zeit ist jedoch im Volke eine groe Abneigung gegen die
Todesstrafe bemerkbar geworden. Bei der durch den gesetzgebenden Krper des
Staates New-York zu Albany vorgenommenen Verfassungsrevision erhielt die
Partei fr die Beibehaltung der Todesstrafe nur einige wenige Stimmen
Majoritt, und es unterliegt wohl keinem Zweifel, da auch die Amerikaner
in Blde dem schnen und ehrenden Beispiele des Frankfurter Parlaments
folgen.

Es ist eine weise und passende Einrichtung in New-York, da der Name eines
Jeden, welcher entweder polizeilich abgestraft oder durch den Gerichtshof
abgeurtheilt wurde, in den Journalen ffentlich bekannt gemacht wird. So
wie die Polizei einen und wenn auch noch so unbedeutenden Fang macht, wird
dies mit allen Einzelnheiten dem Publikum mitgetheilt, welches zuweilen
sehr berrascht wird, wenn es aus diesen Blletins den Character von Leuten
erfhrt, die ihr Thun und Treiben unter der Maske der Verstellung und
Scheinheiligkeit lngere Zeit zu verbergen gewut hatten.




Dreiundzwanzigstes Capitel.

Allgemeine Notizen fr Auswanderer.


Die Auswanderung von Deutschland nach den Vereinigten Staaten war in
den letzten 15 Jahren so bedeutend, da aus allen Stnden Vertreter
nach Amerika gekommen sind. Ich habe deutsche Professoren, Geistliche,
Offiziere, Advokaten, Kaufleute, Studenten, Handwerker aller Art, Landleute
u.s.w. in New-York kennen gelernt. Ja sogar deutsche Bettelmusikanten
wollten ihr Glck jenseits des groen Baches versuchen, haben aber
gewi eine sehr traurige Carriere gemacht, wenn sie nicht eine andere
Beschftigung ergriffen. Ein deutsches Schiff brachte einmal fnf bis
sechs solche Gesellschaften, die sich jedoch in wenigen Tagen aus der Stadt
entfernt hatten, da man dort nicht gewohnt ist, Faullenzer zu untersttzen
und die Pein, die sie dem Ohre bereiten, auch noch zu bezahlen.

In den frheren Jahren blieben viele neue Ankmmlinge in New-York, whrend
sich jetzt fast alle Einwanderer in das Innere des Landes begeben, wo sie
theils Verwandte, Freunde und Bekannte besitzen oder einen schon genau
berlegten Plan in Ausfhrung bringen wollen. In New-York selbst ist
nur noch fr einzelne Gewerbe der Aufenthalt nutzbringend, wie z.B. fr
Schuhmacher, Bcker, Maschinenarbeiter, chirurgische Instrumentenmacher,
Tischler, Brauer, Tapezierer, Maler; die meisten andern sind bersetzt,
finden dehalb seltener und dann schlechten Verdienst. Es lt sich nicht
lugnen, da die Deutschen an diesem Uebelstande theilweise selbst Schuld
sind. Tausende von Arbeitern sind in New-York an das Land gestiegen, welche
kaum so viel Baargeld bei sich hatten, um Kost und Logis fr eine Woche
bestreiten zu knnen. Sie waren dehalb genthigt, fr jeden Preis Arbeit
anzunehmen, damit sie nur nicht Hunger leiden muten, wodurch der Verdienst
sehr herabgedrckt wurde. Die eingebornen Amerikaner waren ber dieses
Sinken der Arbeitspreise groentheils sehr aufgebracht, welches sie
brigens mit Unrecht einzig und allein der Einwanderung zuschrieben, und es
bildete sich aus ihnen die sogenannte ~Native-Party~[24]. Diese stellte
die widersinnigsten und ungerechtesten Grundstze auf, um den Andrang der
Fremden zu vermindern. So sollten diese erst nach 25 Jahren das Brgerrecht
erlangen knnen, die Amerikaner nur Amerikanern Arbeit geben, und
dergleichen mehr. Sie bedachten nicht, da bei Weitem der grte Theil der
Einwanderer sich von dem Ackerbau und nicht von Gewerben nhrt und da mit
der Zunahme der Population auch die Bedrfnisse steigen. In der ersten Zeit
ihrer Bildung wurde diese Partei so mchtig, da sie den Maire von New-York
aus ihrer Partei erwhlte. Ihr Einflu sank aber so rasch, da sie ihre
extremen Plne nicht in's Leben rufen konnte, welche der Entwickelung der
Vereinigten Staaten eine tdtliche Wunde geschlagen haben wrden, und heute
zu Tage ist sie so ohnmchtig geworden, da sie in dem groen New-York kaum
mehr ber 1200 Stimmen zu gebieten haben wird. Die deutschen stimmfhigen
Brger knnen diese aber auf die leichteste Weise aus dem Felde schlagen,
da sie gegen 4-5000 Stimmen abzugeben haben.

  [24]: Eingebornenpartei.

Derjenige, welcher ber wenig Geldmittel zu verfgen hat, soll nur
nicht whlerisch in der Annahme von Arbeit sein, sondern das erste Beste
ergreifen, was sich ihm darbietet. Im Laufe der Zeit findet sich dann schon
fr ihn eine Beschftigung, welche Gewinn bringt und ihm Vergngen macht.
Ich wei dies aus eigener Erfahrung. Als ich von einer Krankheit, die mich
um meine Stelle bei meinem Italiener gebracht hatte, wieder aufgestanden
war, sah ich mich sechs Monate hindurch genthigt, mir mit den
verschiedensten Arbeiten die Mittel zu meiner Existenz zu verdienen. Ich
trat bei einem Mechaniker und Metalldreher ein, bei dem ich Aufstze auf
Feldflaschen fr die Armee in Mexico go; dann arbeitete ich mehrere
Monate in einer Kappenschirmfabrik, um dieses Geschft dann mit dem
Tapeziererhandwerk zu vertauschen. Als ich damit bei dem Eintritte des
Winters nicht mehr fortkommen konnte, arbeitete ich in einem Lagerhause,
fhrte spter mit einem Deutschen eine Wirthschaft und erhielt zuletzt eine
stndige und gut bezahlte Stelle in einer deutschen Buchhandlung, welche
ich ein volles Jahr bis zu meiner Abreise bekleidete. Dieses Alles wird
freilich manchem Deutschen sehr widrig und unangenehm erscheinen, zumal
man in Deutschland gewohnt ist, den Mann nach seiner Beschftigung zu
beurtheilen. Der Einwanderer thut aber sehr gut, wenn er sich so rasch als
mglich von solchen Begriffen und Ansichten losmacht, da er es sonst nicht
weit bringen wird. Der Amerikaner wei, da der Mensch von der Arbeit lebt
und da die Verhltnisse sehr oft keine groe Wahl gestatten; darum achtet
er auch den niedersten Arbeiter und schaut nicht mit dummen Eigendnkel auf
ihn herab, indem er nur zu gut einsieht, da auch seine Dienstleistungen
nothwendig sind. Selbst der reiche Grohndler scheut sich nicht, die
gewhnlichsten Verrichtungen zu thun; wenn seine Leute eben anderweitig
beschftigt sind, legt er nthigenfalls Hand an beim Auf- und Abladen
der Gter und kehrt das Trottoir vor seinem Hause, wozu sich ein reicher
Deutscher schwerlich entschlieen drfte.

Derjenige Einwanderer, welcher sich gleich im Anfang nur einigen Verdienst
zu verschaffen wei, ist auch fr die Zukunft geborgen und kann sich
mit einigem Unternehmungsgeist leicht fortbringen. Die Zeiten aber
sind vorber, wo man in wenigen Jahren reich werden konnte; wer keine
Arbeitslust besitzt und drben Luftschlsser bauen zu knnen glaubt, thut
besser, wenn er daheim bleibt, denn er mu dort selbst noch die Hoffnungen
aufgeben, welche gewhnlich der letzte Trost solcher Leute sind, nmlich
die Hoffnung auf eine Erbschaft, das groe Loos in der Lotterie oder eine
reiche Heirath. An Untersttzungen, welche die Arbeit berflssig machen,
darf er gar nicht denken, denn er wrde die bestndige Antwort: ~Help
Youself!~[25] erhalten, da der Amerikaner recht wohl wei, da der,
welcher arbeiten will, nicht nthig hat, Andere um Gaben anzusprechen. Ich
habe keinen einzigen Eingebornen betteln sehen, sondern nur Deutsche und
Irlnder trieb die Noth zu einem solchen Erwerb, und auch diese
waren meistentheils die armen beklagenswerthen Opfer von ihnen nicht
verschuldeter Ereignisse. Sie verlegten sich groentheils, wenn sie keine
Arbeit in New-York finden konnten, auf das Lumpensammeln; schon Morgens
4Uhr machen sie sich auf die Beine, um vor dem Beginne der geschftlichen
Thtigkeit in den Straen die Haufen Unraths, welche vor den Husern
liegen, mit einem eisernen Haken zu durchsuchen, mit welchem sie die
aufgefundenen Lumpen mit wunderbarer Schnelligkeit in den auf ihrem Rcken
hngenden Korb expediren. Dieser Verdienst ist kein schlechter, da sie
ihren Fund gut verwerthen; in neuerer Zeit drohte jedoch die Concurrenz,
sich auch dieses wenig einladenden Geschftszweiges zu bemchtigen.

  [25]: Hilf Dir selber.

Jeder Arbeiter, welcher in Amerika einwandert, hat noch einmal zu lernen,
was besonders der groen Verschiedenheit des Handwerkszeuges zuzuschreiben
ist. Besonders mu der Deutsche sich an ein _rasches_ Arbeiten gewhnen,
wenn er mit dem Amerikaner fortkommen und Etwas verdienen will. Auf
Solididt wird im Ganzen viel weniger, als bei uns gesehen, wenn nur die
Arbeit gut in die Augen fllt und ihre Schwchen und Fehler nicht bemerkbar
sind. So _scheinen_ z.B. die amerikanischen Schuhe, welche man sich
gewhnlich in groen Niederlagen einkauft, sehr gut zu seyn; es ist aber
schon Vielen das Unglck begegnet, da sie dieselben am zweiten und dritten
Tage wegwerfen muten, wenn sie zufllig damit in einen heftigen Regen
gekommen sind.

Zum Nutzen der Tischler und Feuerarbeiter will ich hier noch anfhren, da
Erstere ihr Werkzeug ganz, Letztere zum groen Theil als Eigenthum besitzen
mssen, wenn sie drben in Arbeit treten wollen, da der Meister fr die
Herbeischaffung desselben nicht sorgt. Es ist brigens vortheilhafter, sich
das Nthige in New-York einzukaufen, da man es dort in den Werkzeugslden
billig und von ganz vorzglicher Gte und Schnheit erhlt. Ich glaubte um
so mehr hierauf aufmerksam zu machen, als einige Tischler, welche mit
mir gemeinschaftlich die Reise gemacht hatten, mehrere Wochen ohne Arbeit
waren, weil ihnen dieser Umstand unbekannt war.

Deutsche Aerzte sind in New-York im Ueberflu vorhanden, und es fehlt
nicht an tchtigen Mnnern in allen Zweigen der Heilkunde. Es ist daher
einwandernden Aerzten der Aufenthalt in New-York nicht zu empfehlen,
obschon sich in den letzten Jahren mehrere daselbst niedergelassen haben;
sie konnten sich aber nur mit grosser Mhe eine kleine Praxis erwerben. An
deutschen Advokaten ist ebenfalls kein Mangel und fr Juristen wenig
oder gar keine Hoffnung vorhanden, einen guten Nahrungsstand begrnden zu
knnen. Geistliche sind oft im Innern des Landes gesucht; es ist aber die
lediglich von Seite der Gemeinden ausgehende Anstellung meistentheils an
die Bedingung der Vorlage von Zeugnissen ber regelmiges Studium der
Theologie, bestandenes Examen und erhaltene Ordination geknpft.

Landleute mu ich dringend warnen, in New-York Lnderstrecken anzukaufen,
welche im Innern des Landes liegen und vorher von ihnen nicht persnlich
eingeschaut worden sind. Man sollte einen solchen Rath fr berflssig
halten, da kein erfahrener Oekonom einen solchen Schritt thun und
gleichsam die Katze im Sack kaufen wird. Gleichwohl hat es leider
genug leichtglubige und gutmthige Menschen gegeben, welche sich von
Landspekulanten in New-York auf die unerhrteste Weise bervortheilen
lieen. Bei dem Abschlusse solcher Geschfte entwickeln die Makler wieder
einen neuen Zug ihrer Thtigkeit. Den besten Rath erhlt der Auswanderer
auch in dieser Angelegenheit bei der deutschen Gesellschaft und dem
deutschen Volksverein.

Viele Auswanderer kaufen in Deutschland Handelsartikel ein, welche sie
drben gut und vortheilhaft verwerthen zu knnen glauben. Hier thut
ebenfalls groe Vorsicht Noth, da die Wenigsten eine genaue Kenntni der
dortigen Fabrikate, Preise und Handelsconjuncturen besitzen. Wer nicht aus
_zuverlssigen_ amerikanischen Briefen die feste Gewiheit geschpft hat,
da er ein sicheres Geschft machen kann, thut besser, sich mit solchen
Spekulationen nicht zu befassen. Man kann sein Geld viel klger zu dem
Ankauf von Kleidungsstcken, Schuhen und Stiefeln, eines guten Vorrathes
Wsche und anderer unentbehrlicher Lebensbedrfnisse verwenden. Alle diese
Artikel sind in Amerika bei weitem weniger haltbar und unverhltnimig
theurer, als in Deutschland.

Der Auswanderer wird aus dieser Schilderung sich eine Vorstellung von dem
machen knnen, was ihn in Amerika erwartet. Er wird drben Manches nicht
so finden, wie er es sich vorstellte, auf der andern Seite aber auch fr
manche Tuschung wieder reich entschdigt werden. Ist er fhig, in der
Freiheit und der mglichst groen Selbststndigkeit eines der edelsten
Gter des Menschen zu erblicken, wird er sich gewi befriedigt fhlen;
strebt er aber einzig und allein nur nach materieller Glckseligkeit, so
mge er bedenken, da er auch drben wie berall den Wechselfllen des
Glckes ausgesetzt ist und da die innere Zufriedenheit auch an dem
westlichen Gestade von Bescheidenheit in den Anforderungen, und die Erfolge
unserer Thtigkeit von unserer Umsicht und unseren Kenntnissen abhngig
sind.


  Druck der _Mintzel_'schen Buchdruckerei in Hof.

  (_C. Hrmann_.)




[Hinweise zur Transkription


Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt.

Der Text des Originalbuches wurde grundstzlich beibehalten, mit folgenden
Ausnahmen,

  Seite 9:
  "Freud" gendert in "Freund"
  (Unangenehm berhrt fragte ich meinen Freund)

  Seite 17:
  "fassionablen" gendert in "fashionablen"
  (der Capitain warf sich in der Cajte in fashionablen Frack)

  Seite 34:
  "Qnarantainearzt" gendert in "Quarantainearzt"
  (wenn dem Quarantainearzt der Gesundheitszustand der Passagiere)

  Seite 39:
  "Ankmmlung" gendert in "Ankmmling"
  (Der Ankmmling thut am besten, wenn er sogleich)

  Seite 44:
  "bestmmten" gendert in "bestimmten"
  (tglich Nachmittags zu bestimmten Stunden in einem Lokale)

  Seite 56:
  "Jacson" gendert in "Jackson"
  (Erinnerung an einen Washington, Franklin, Jefferson, Jackson)

  Seite 60:
  "eine" gendert in "ein"
  (Der Nachmittag lieferte ein Beispiel von der Gre)

  Seite 64:
  "bereite" gendert in "bereitete"
  (was mir um so mehr Vergngen bereitete, da sie mir)

  Seite 90:
  "Pocketboot" gendert in "Pocketbook"
  (um diesem sein Pocketbook zu entfhren)

  Seite 95:
  "prachvollen" gendert in "prachtvollen"
  (die Ausmalung eines neuen prachtvollen Ladens im Broadway)

  Seite 112/113:
  "Diensttag" gendert in "Dienstag"
  (sind daher der Montag, Dienstag und Donnerstag geworden)

  Seite 128:
  "Irlnderinen" gendert in "Irlnderinnen"
  (Namentlich stehen die Irlnderinnen bei den Deutschen)

  Seite 139:
  "Evenig" gendert in "Evening"
  (~Evening-Post~)

  Seite 152:
  "Broadwey" gendert in "Broadway"
  (gleich neben dem Broadway und hinter der City-Hall)]







End of Project Gutenberg's Zwei Jahre in New-York, by Christoph Vetter

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ZWEI JAHRE IN NEW-YORK ***

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1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
written explanation to the person you received the work from. If you
received the work on a physical medium, you must return the medium
with your written explanation. The person or entity that provided you
with the defective work may elect to provide a replacement copy in
lieu of a refund. If you received the work electronically, the person
or entity providing it to you may choose to give you a second
opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If
the second copy is also defective, you may demand a refund in writing
without further opportunities to fix the problem.

1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO
OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT
LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of
damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement
violates the law of the state applicable to this agreement, the
agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or
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unenforceability of any provision of this agreement shall not void the
remaining provisions.

1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in
accordance with this agreement, and any volunteers associated with the
production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm
electronic works, harmless from all liability, costs and expenses,
including legal fees, that arise directly or indirectly from any of
the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this
or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or
additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any
Defect you cause.

Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of
computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
from people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
www.gutenberg.org Section 3. Information about the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
volunteers and employees are scattered throughout numerous
locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
date contact information can be found at the Foundation's web site and
official page at www.gutenberg.org/contact

For additional contact information:

    Dr. Gregory B. Newby
    Chief Executive and Director
    gbnewby@pglaf.org

Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment. Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements. We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
state visit www.gutenberg.org/donate

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations. To
donate, please visit: www.gutenberg.org/donate

Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
freely shared with anyone. For forty years, he produced and
distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
volunteer support.

Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
edition.

Most people start at our Web site which has the main PG search
facility: www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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